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ARCHIV
NATURGESCHICHTE,
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON
WER. ERICHSON‚ REP TROSCHET,
BEVON MARTENS, I HILGENDORF,
W. WELTNER UND E STRAND.
ee
SIEBENUNDSIEBZIGSTER JAHRGANG.
1911.
I. BAND. 1. Heft.
HERAUSGEGEBEN
VON
EMBRIK STRAND,
KÖNIGL. ZOOLOG. MUSEUM ZU BERLIN.
de
NICOLAISCHE
VERLAGS-BUCHHANDLUNG R.STRICKER
Berlin.
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u.w.,
Inhaltsverzeichnis.
Max Bauschke. Beitrag zur Kenntnis der Schweinerassen in
den deutschen Kolonien der Südsee. (Hierzu Tafel I—IIl)
Franz Poche. Neue Untersuchungen über die Anatomie und
die systematische Stellung von Scaeopus torquatus, nebst
Bemerkungen über die morphologische Bedeutung des
basalen Gliedes des Radius I des Säugetierchiridiums.
BEE Darale IN Vans en de on 0er Sen an an a
Franz Poche. Über die Abtrennung der Selachier von den
Fischen! als'eıne; eisene. Klasse, und u... no... Nee ee
L. v. Möhely. Bemerkungen zu Prof. Trouessart’s ‚„Faune de
Mammilerestd utopa a RU TEEN
Prof. P. Stein. Die von Schnuse in Südamerika gefangenen
Anthamyiden, Aa na ws ee ie een 8
Embrik Strand. Danaididae, Satyridae und Lycaenidae aus
Usambara, gesammelt von Herrn Prof. Dr. J. Vosseler . .
Embrik Strand. Sechzehn Novitäten der Gattung Stenopistha
Strand und zwei neue Gattungsnamen in Chalcididae
Dr. Th. Arldt. Die Feststellung von Entwicklungsgebieten und
Merhreibunsszentren : „ice ger arbeit en ee Koss
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Beitrag zur Kenntnis der Schweinerassen
in den deutschen Kolonien der Südsee.
Von
Max Bauschke,
Tierarzt in Friedrichshagen bei Berlin.
Hierzu Tafel I—III.
Einleitung.
Beim Studium der Literatur der bedeutenderen Autoren über
die zurzeit unseren Planeten bewohnenden Schweinerassen finden wir
wohl ein reichliches Material wissenschaftlicher Forschungen über
zahme Kulturrassen, über Wildschweine und fossile, prähistorische
Schweine; ich nenne nur die Namen A. Nehring, H. v. Nathusius,
Duerst, Wilckens, Rütimeyer, Stehlin, Rolleston, Fitzinger, Jentinck,
Forsyth-Major und in der letzten Zeit die außerordentlich eingehende
Arbeit von Adolf Pira: Studien zur Geschichte der Schweinerassen u. a.
So wissen wir, daß sich die zu den höckerzähnigen Paarhufern
gehörigen Suiden in ihren Vorfahren sowohl in der alten wie in der
neuen Welt bis in das Eozaen hinauf verfolgen lassen. Wir erfahren,
daß für die uns hier interessierende Gattung Sus Stammväter nur in
der alten Welt nachgewiesen worden sind u. z. bildet nach Kowa-
lewsky das untermiozäne Choerotherium den nächsten Nachkommen
der eozänen Suiden. Von jenen führt der Weg über den Palaeochoerus
des Obermiozäns zum eigentlichen Sus, das bereits mit diesen gleich-
zeitig dort auftritt.t) Als ältester Vertreter erscheint schon zur Miozän-
zeit der erymantische Eber (Sus erymantius) in der Fauna von Pikermi
und im Miozän Indiens die stattliche Art des Sus giganteus.?)
Weiter sehen wir, daß der Europäer schon in prähistorischer
Zeit das Schwein als Haustier um sich gehabt hat. Als Beweis sei
das schon in den ältesten Pfahlbaustationen vorhandene Torfschwein
(Sus palustris) angeführt, welches sich nach den neuesten Forschungen
zu urteilen, bereits über das ganze Europa mit Einschluß von Däne-
mark und Schweden verbreitet zu haben scheint.?)
Im Altertum treffen wir das Schwein als gezähmtes Haustier
bei den verschiedensten Völkern an. So wenig geachtet es bei den
Agyptern und den semitischen Völkerschaften war — galt es doch
als unrein und war sein Genuß deshalb verboten, weil man glaubte,
daß der sogenannte weiße Aussatz dadurch entstehe —, um so besser
wußten Griechen und Römer seinen Wert zu schätzen. Schon Ulysses,
der Herrscher von Ithaka, wendet sich nach seinen zahlreichen Irr-
1) Duerst-Wilckens, Grundzüge der Naturgeschichte d. Haustiere 1905 p. 42.
?) Keller, Naturgesch. d. Haustiere, 1905 p. 224.
?) Ibidem p. 230.
Archiv für Naturgeschichte
1911. 1.1.
2 Max Bauschke: Beitrag zur Kenntnis
fahrten mit seinem Vertrauen zuerst an seinen alten Schweinehirten
Eumaeus, der von fürstlichem Stamme war, um mit dessen Hilfe sein
Eigentum wieder zurückzugewinnen. Die Feinschmecker des alten
Roms liebten besonders das Fleisch junger, feiter Schweine, welche
aus Oberitalien, Gallien und auch aus Deutschland eingeführt wurden.
Am meisten sollen in Rom die auf Sardinien mit den Früchten der
Kork- und immergrünen Eiche gemästeten Schweine geschätzt ge-
wesen sein, was sich sogar auf die Suarii oder Schweinehändler über-
trug, denen durch kaiserliche Verordnungen besondere Rechte zur
Erleichterung des Transportes eingeräumt wurden.
In Deutschland stand das Schwein besonders bei den Friesen
und Marsen in hohem Ansehen, welche auch bereits die Konservierung
der Schinken durch Salzen und Räuchern in so vorzüglichem Maße
verstanden, daß damit ein lebhafter Handel nach Rom getrieben
wurde.!) Und in der Gegenwart weiß jedermann, daß das Schwein
uns das unentbehrlichste Nutztier geworden ist.
Wir müßten nun erwarten, daß sich die Wissenschaft in einem
der Bedeutung des Schweines für den Menschen entsprechendem Um-
fange mit ihm beschäftigt hätte. Indessen das Gegenteil ist der Fall,
die Gattung Sus ist und zwar unverdienterweise, von der exakten
Forschung stark vernachlässigt worden. Wir besitzen zwar eine er-
hebliche Anzahl von genauen Messungen des Körpers des europäischen
Zaehm- und Wildschweines, auch des prähistorischen — besonders
des Schädels — von Nehring, Nathusius, Pira u. a.; aber und damit
möchte ich an den ersten Satz dieser Arbeit wieder anknüpfen — über
die Schweine des Auslandes sind nur die ausführlichen Maße einzelner
weniger Individuen durch bedeutendere Forscher bekannt. Gänzlich
unbekannt ist uns die Verbreitung der Gattung Sus auf den vielen
Inseln des Großen Ozeans, welche man unter den Namen Melanesien
und ÖOceanien zusammenfaßt.
Mit umso größerer Freude kann ich es daher begrüßen, daß es mir
durch die Bearbeitung von einschlägigem Material, welches aus ver-
schiedenen deutschen Kolonien der Südsee stammt, vergönnt ist,
zur weiteren Erforschung der Gattung Sus beizutragen.
« Herkunft des Materials.
Das sämtliche meiner Arbeit zugrunde liegende Schädelmaterial
befindet sich im zoologischen Museum der Universität Berlin, Invaliden-
straße, und wurde mir durch gütige Empfehlung des Herrn Professors
Dr. Duerst nach bereitwilligst erteilier Erlaubnis des Direktors des
Museums, Herrn Professor Dr. Brauer, durch Herrn Professor
Dr. Matschie, Kustos am Museum, in liebenswürdigster Weise zur
Verfügung gestellt und nehme ich an dieser Stelle Veranlassung, diesen
Herren für ihr freundliches Entgegenkommen meinen verbindlichsten
1) Nehring, in Rohde’s Schweinezucht p. 2.
der Schweinerassen in den deutschen Kolonien der Südsee. 3
Dank auszusprechen. Die Ausarbeitung des einmal untersuchten
Materiales habe ich dann im zootechnischen Institut der Universität
Bern vorgenommen.
Die Nummern 1—9 wurden nach Auskunft des Bureaus desMuseums
und nach einer Notiz des deutschen Kolonialblattes im Jahre 1906
von dem Bezirksamtmann Fritz auf Saipan (Hauptinsel der Marianen)
dem Museum als Geschenk überwiesen. Die Schädel 1—7 (No. 4 ohne
Unterkiefer) stammen von der Insel Tinian, ebenso das Unterkiefer-
fragment 8, Schädel 9 (ohne Unterkiefer) von der Hauptinsel Saipan.
No. 10 mit der Signatur A51, 05 Fritz 26. IX.05 trägt auf dem
Schädel die Aufschrift Rota-Wildschwein und stammt also von der
gleichnamigen Marianeninsel.
No. 11 Signatur Volkens 10. IX. 01 stammt von der Karolinen-
insel Yap.
No. 12, 13 und 14 hat der Bismarck-Archipel geliefert und zwar
trägt No. 12 die Signatur Sus spec. No. 202 (Wild) Dr. Fintsch 1881
A. 33. 40 Neu-Irland, welches dem jetzigen Neu-Mecklenburg ent-
spricht.
No. 13 Signatur S. papuensis Less.: Neu-Britanien A. 2000 von
S. M. S. Gazelle.
No. 14 Signatur 2.. I. 04 Zoolog. Garten N. 12 926, als Sus papuan.
von der Gazelle-Halbinsel (Insel Neupommern) bestimmt.
No. 15 Signatur: Schädel zu No. II Sus niger papuensis ohne
weitere Erklärung.
No. 16—19 stammen zus Deutsch-Neuguinea (Kaiser Wilhelms-
land) und zwar No. 16 Signatur Sus psp. Finschhafen 9. 91 (Geisler);
No. 17 Signatur Neuguinese vom Ramufluß (Lauterbach); No. 18
Signatur Neuguinea-Ottilienfluß: Tappenbeck No. 211.
No. 19 und 20 haben im Zoologischen Garten in Berlin gelebt
und gehörten nach einer dortseitigen Auskunft vom 24. I. 1910 zwei
weiblichen Pustelschweinen (Sus verrucosus Müller und Schlegel) an
und tragen die Signatur No. 19: 9. 1. 06 Z. G.; No. 20: Sus Scellat (?)
10. XII. 98 Z. G. — J. No. 11167.
No. 21 und 22 gehörten nach Professor Matschie zwei im zoologischen
Garten gehaltenen Maskenschweinen an und trugen die Bezeichnungen
No. 21: Blech. No. 9, — No. 22: J. —; No. 25 745.
Die Schädel No. 19—22 stammen zwar nicht aus deutschen
Kolonien, ich glaubte es aber im wissenschaftlichen Interesse nicht
unterlassen zu dürfen, zu Vergleichszwecken auch an diesen genaue
Messungen vorzunehmen.
Ich lasse nun die gewonnenen Maßtabellen folgen, und zwar
Tabelle I mit den absoluten Maßen, Tabelle II mit den relativen Maßen
(Basilarlänge — 100) und schicke folgende Besprechung voraus.
!) Deutsches Kolonialblatt 1907 No. 5, p. 205.
1*
4 Max Bauschke: Beitrag zur Kenntnis
Erläuterungen zu den Tabellen.
Die Maße in den Tabellen habe ich mit Hilfe des Martinschen
Anthropometers, eines Taster- und einfachen Zirkels, des Meter — Stock
— und Bandmaßes und eines Transporteurs sowie eines kleines Lotes
gewonnen. Ich bin bei den Messungen im allgemeinen der Technik
gefolgt, welche Nathusius!) und Pira?) näher beschrieben haben,
habe aber außerdem noch einige Maße nach mündlichen Hinweisen
seitens des Herrn Prof. Dr. Duerst eingefügt, so daß ich es zur Er-
leichterung des Verständnisses und um späteren Vergleichen eine
sichere Handhabe zu bieten, doch für geboten erachte, auf einzelne
Maße näher einzugehen. Die Maße sind so gewonnen, daß, soweit
es die Messungen irgendwie zuließen, der Schädel in seine natürliche
Lage mit dem Unterkiefer gebracht war, so daß die Backzahnreihen
genau ineinander paßten.
Als Gebißformel für die Zähne des permanenten Gebisses ge-
brauche ich mit Pira folgendes Schema:
J1 J2 J3 C PI P2 P3 P4 MI M2 M3
J1 J2 J3 C PI P2 P3 PA MI M2 M3
sodaß M3 den letzten Molar des Oberkiefers, P4 den hintersten Prä-
molar des Unterkiefers bezeichnet.
h
= 1. Basilarlänge — die mit dem Anthropometer gefundene direkte
Entfernung des vorderen (unteren) Randes Foramen magnum bis zur
Spitze eines der Intermaxillaria.
2. Von der Mitte des Occipitalkammes sowie von dem oralsten
Punkt eines der Intermaxillaria wird je ein Lot auf die Grundfläche
gefällt und die davon begrenzte Linie gemessen.
3. Wie No. 2, nur daß hier die aboralsten Punkte der Flügel mit
einer Linie verbunden und von deren Mitte ab das Lot gefällt wird.
4. Direkte Entfernung mit dem Martinschen Maßstab gemessen.
5. Das Bandmaß wird genau die Profillinie verfolgend zwischen
den beiden Punkten angelegt!
: 6, 8, 9. Hier ist stets die Achse zwischen den äußersten Punkten
der einzelnen Knochen gemessen.
7. Direktes Maß mit dem Zirkel gemessen.
10. Stirnlinie ist die kürzeste Verbindung der Spitzen der Joch-
beinfortsätze beider Kopfhälften; als Frontalsutur habe ich die Ver-
bindungslinie der obersten Punkte der beiden Nasenbeine angenommen.
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_ & 12. Direkte, mit dem Meßstab gemessene Entfernung zwischen der
Spitze des entsprechenden Intermaxillsrs mit dem oberen Tränenloch
im Orbitalrande des Os lacrimale. Dieses Maß, als Gesichtslänge
bezeichnet, ist nach Duerst aufgenommen und wird in dem im Auftrage
der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde von obigem Autor
1) Nathusius, Vorstudien 1864, Atlas p. 6—10.
?) Pira, Studien z. Gesch. d. Schweinerassen 1909 p. 411.
der Schweinerassen in den deutschen Kolonien der Südsee, 5
verfaßten, noch im Manuskript befindlichen Leitfaden für Osteometrie
der Haustiere verwendet.
13. Von dem oralsten Punkte der Orbita, wie von dem aboralsten
der Schläfengrube werden Lote auf die Grundfläche gefällt und die
Distanz gemessen.
14. Mit dem Meßstab gewonnenes Maß; die feine Spitze der Pflug-
schar ist hier, mit Nathusiust), nicht mitgemessen.
15. 8. 14. Als Gaumenausschnitt ist die Höhe des Bogens ge-
messen, welchen die Kontur der Choanenöffnungen, also der hintere
Ausschnitt des knöchernen Gaumens ergibt und zwar ohne Berück-
sichtigung einer den Bogen etwa überragenden Verlängerung eines
oder beider Gaumenbeine.
17. Die Grenze zwischen der Backzahnpartie und der Ineisiv-
partie des Gaumens wird durch die Linie, welche, quer über den Gaumen
gezogen, die Verbindungspunkte zwischen Oberkiefer und Zwischen-
kiefer im Alveolarrand verbindet, gebildet. Die Längsachsen sind in
der Medianebene gemessen.
18. Mittlere Längsachse zwischen der in 17 erläuterten Verbindungs-
linie und der Tangente der Spitze der Intermaxillaria.
19. Querachse, welche die äußersten Punkte der Jochfortsätze
des Schläfenbeins verbindet.
20. Querachse, welche die äußersten Punkte der Jochfortsätze
der Stirnbeine verbindet.
21. Querachse durch die Endpunkte der oberen Tränenbeinränder
im Orbitalrand.
22. Querachse durch die äußersten Punkte der Parietalıa.
23. Geringste Breite zwischen den Scheitelleisten der Parietalıa.
24. Nasenbreite an der Vereinigung von Stirnbein und Oberkiefer-
bein.
25. Hier ist die Spitze von da an, wo sich die Nasenbeine von den
Zwischenkieferbeinen trennen, nicht mit berücksichtigt.
26. Querachse zwischen den in No. 17 angegebenen Endpunkten
der Verbindungslinie.
27. Querachse zwischen den äußersten Punkten der Cristaflügel.
28. Die Maße sind mit dem Zirkel genau abgenommen, Korrekturen
bei defekten Alveolarrändern habe ich zur Vermeidung von falschen
Schlüssen nicht vorgenommen. Die Breite hinter J2 habe ich mit
Nathusius da gemessen, wo eine rechtwinklig auf die Längsachse
des Kopfes gezogene Linie den nach hinten gekehrten Alveolarrand
berührt.
29 und 30. Hier ist das Lot benützt.
32. Um die Stelle der Schuppe des Hinterhauptbeins noch genauer
festzustellen, habe ich die horizontale Entfernung gemessen, in welcher
sich der untere Rand des Foramen magnum von der in No. 30 gefällten
Vertikalen befindet.
35. Die Kieferlänge ist als Längsachse genommen, die senkrecht
!) Nathusius, Vorstudien 1864, Atlas p. 9.
6 Max Bauschke: Peitrag zur Kenntnis
Tabelle I. Vergleichende
Lie] 26
Marianen
Vergleichende Schädelmaße nz
in Millimetern
(Normal) sIdıd d &
Lfäd. Insel Tinian
No.
1 | Basilarlänge: Achse zwischen Schnauzenspitze und
unterem Rand des Foramen magnum. . . 247 ı 270 | 240 | 261 | 264
2 | Horizontale Achse zwischen Schnauzenspitze ana Mitte
des Oceipitalkammes . . . 256 | 285 1257| — | 274
3 | Horizontale Achse zwischen en il Den Er
ralsten Punkten der Flügel der Schuppe . . . . 262 |291 1265| — | 287
4 | Achse zwischen Nasenspitze und Mitte des ae 272 | 304 | 270 | 288 | 284
5 | Bandmaß der Profilkontur zwischen diesen beiden Punkten |274 | 305 | 272 | 288 | 285
6 | Länge der Nasenbeine . -. . . 2 2.2. 2.020200 00. .]147|159|138 157 | 144
7 | Länge der Naso-Maxillarsutur . -. -. . 2» 2.2.2... | 26| 34| 17| 30| 29
8.1 ‚Länge der -Stimbeine u. “iernerienie else ann NZ RAGT EU
9 | Länge der Scheitelbeine. . . . . 68| 73| 61| 7A| 71
10 | Längsachse zwischen en und der an
. welehe die Spitzen der Jochbeinfortsätze des a
beins verbindet. . . . 57| 65| 66| 60| 63
11 | Längsachse zwischen dieser a u Mitte Ar
Oceipitalkammes . . . 701 84| 72| 75| 75
12 | Distanz en era men 184 | 199 | 175 |190 | 189
13 | Horizontale Achse zwischen oralstem Punkt der Orbita
und aboralsten Punkt der Schläfengrube . . . . 97/100| 98|101| 96
14 | Längsachse zwischen unterem Rand des Foramen magnum
und Ausgang der Pflugschar. . . 32| 41| 39| 42| 43
15 Längsachse zwischen unterem Rand des en eh
“ und Mitte des Ganmenausschnittes . . . 71| —| 67| 76| 76
16 | Längsachse zwischen Gaumenausschnitt u. een 181 | 208 | 170 189 | 185
17 | Länge der Backzahnpartie des Gaumens. . . . . . . [124| —|126 137 126
18 | Länge der Ineisivpartie des Gaumens. . . ... | 51] 591/46,:49| 56
19 | Größte Kopfbreite (Querachse durch die Teceine). . . 1119[129|124 |133| 129
90 | Größte Stirmbreite (Querachse durch die Fortsätze des
Stimbeins)... „u jemeuss le, N shiewneteesf url en sr See ee ER
21..:1:!Vordere: Stimbreite‘, 4. mr l.ssieisee enererenee mih re 10 aı a Ja
321 Größte Breite der Parietallia . . . u. 2 en 73 | 0a 70 To
23:1:.Parietaleige. . cut man nel ne. Te ee Meere rn hr RB DE
24 \\..Grobte,yNasenbreite m me, 0 er 28.1 .33523103311230
der Schweinerassen in den deutschen Kolonien der Südsee,
Schädelmaße. (Normal-Maß).
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291\268| — 2421282] — | — |222|259|270|257| — | 223 |292) 272 |272|262
2701295| — —|307| —|240 219 264 | 280 |275 | 213 226 295 | 290 | 275 | 262
287|306| —| — |314| — |248 | 230 |272| 290 |282 | 221 | 235 |305 | 293 | 287 |283
307305 | — 250 1322| — |278|239 293 312 |308 | 234 |251 |325 | 312 |269| —
30813081 — 262326] — 283 | 240 |307 |314|310 245 | 252 |328|316|278| —
107 |152| — 138) 171 | 174 | 138 | 129 | 153) 157 1153| 117 [121 [1601155129 | —
22| 25| —| 32) 5ı| 36) 0O| 25) 29| 25| 27| 24| 27) 25| 28| @9| 28
126|122| — | 86/122) — | 127 | 100| 121 | 121\130 | 101 |107 139 |128|114 | 90
21) 261 —| 63| 69| —| 72| 62] 76| 69| 80| 62| 62| 73| 69! 84] 84
75| 73| —| 62) 68) —| 65, 54| 63| 71) 62| 65| 67! 75| 65| 57| 52
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212\195| — |172|206 |216 177 158188 | 205 | 197 | 153 | 161 1213) 197 165 | 168
92115, —| 91,106,118| 96| 85 107100110) 85| 92101 104 | 1101104
45| 43) —| 48] aı| 51| — | a2| aa 39| s3| — | as] A7| ar! 55| 51
83| 77) —| 77 79| 89 = 76| 71 83 | 72 = 73| 74| 78) 82| 78
209 1186| — 168 | 205 1202| 167 | 151188) 194 | 187 1151| 154220 194 | 195 | 184
148 1137| — 116 140 1152| 118 | 97 | 138) 134 128 | 107 | 107 | 161 | 141 | 142 128
58| 501 —| 53| 59| 58| 48| 53) 52| 59| 57| 46| a7| 601 58! 57| 54
141/135| — 115/133] — | 123112 | 152) 131 137 | 118) 113 | 153 | 143 | 165 | 156
96| 96) —| 85. 102) —| 86| 80| 94| 90| 95| 77| 76| 85| 84109103
67| 70| —| 59| 67) —| 64| 60| 72| 66| 68| 583| 55| 63| 59| 7&| 75
74| 80) —| z3| 89| —| 79| zı| 82| sı] 80! 69| 66| 7&a| 4102| 83
13| 33| —| 27) aı| —| 39| 26) 25| 34| 31) 24| s4| 31) 39| 29| 22
32| 301 —| 29] 28| 36| 33| 37) 37| 32| 33) 30| 24| 30) 20| a7| a
8 Max Bauschke: Beitrag zur Kemntnis
Marianen
Vergleichende Schädelmaße
Lfd. P R Insel Tinian
No. in Millimetern SEE "N...
(Normal) er:
I | IE. | INS SV, V
25 | Geringste Nasenbreite . . . 19| 21) 20] 21] 21
26 | Schnauzenbreite zw.d. renden: im laaakr ach 35| 39| 35| 37| 34
27 | Größte Breite der Occipitalschuppe -. - -» » » 2. .} 59| 65| 56| 54| 53
28 | Gaumenbreite: Distanz der Alveolarränder
a) am vorderen Joch von M, super. . . . 2 2... | 24| 29| 27| 29| 30
b) am vorderen Joch von M, super. . . . . . . .. | 27| 30| 28] 28| 30
c)'am vorderen Teil von P, super. .. u... ... 1 32). Al] B4233 54
d) an der binteren Ecke der Eckzahnalveole . . . . | 35| 29| 32| 32 28 |
e) hinter J, super. . . 28| —ı 28| 27, 27
29 | Senkrechte Höhe des Schädels von der Mitte Her Dean: |
kammes bis zur Grundfläche . . . . . [164 1180| — | — |163
30 | Senkrechte Achse zwischen Mitte des Denpaalkanıne |
und unterem Rand des Foramen magnum . . . ..]| 8| 9292| 5] —| %
31 | Direkter Abstand zwischen diesen beiden Punkten . . . | 89| | 84| — | 92
32 | Horizontale Distanz zw. unterem Rand d. Foramen magnum
u. der Senkrechten von der Mitte des Oceipitalkammes | 11) 19| 20] — | 14
33 | Vertikalböhe der Maxilla zwischen P, und P, super. . . | 40| 45| 40| 48| 42
34 | Vertikalhöhe der Intermaxilla an J, super. . . . . ..| 29| 23| 28| 33| 32
Unterkiefer.
35 | Volle Kieferlänge in der Höhe des Alveolarrandes . . . 12022351196) — |209
36 | Länge der Kinnsymphyse . . . .| 64| 74| 52| — | 57
37 | Länge des horizontalen Astes von A ae =
zum binteren Rand von M; infer.. . . ...... . [1461165138] — |145
38 | Größter Abstand der Gelenkköpfe von einander. . . . [103/115/102| —|107
39 | Größte Breite außerhalb der Gelenkfortsätze . . . 98 | 117/107 | — 109
40 | Querdistanz zw. d. Außenränd. d. Caninalveole nen 42| 551 53| —| 45
41 | Senkrechte Höhe von der Grundfläche bis zum höchsten
Punkte der Gelenkköpfe . . . . an 1.88 108 nee er
42 | Höhe des horizontalen Astes vor P, infer, sic Arge Dies 32| 401 37| — | 37
43 | Höhe des horizontalen Astes unter der Mitte von M, 34 |’ 41) 3717 037
Das Gebiß.
Oberkiefer.
44 | Länge der ganzen Backzahnpartie. . » » 2 2 2... | 99|107| 91) 94| 9
45 | Länge der Backzahnreibe ohne P, super. . . . . . . | 92| 97| 86) 88| 88
46 | Länge der 3 Molaren zuammen . . » 2 2.2..2....] 60| 60] — | 56| 53
der Schweinerassen in den deutschen Kolonien der Südsee.
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Mecklenburg
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Gazelle-Halbins.
6
Sus niger papuens
Deutsch-
Neu-Guinea
Oo,
Finschhafen
40
Ottilien-Fluß
Zoolog. Garten
Berlin 1906
Zoolog. Garten
Berlin 1898
Sus Japanisch
verrucosus asken-
M. u. Schl.| schwein
Garten Berlin)
dito.
Blech. N0,9 (Zool.
J-No. 25 745
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44| 43|I — | 35| 38] 57| all 35| 53| 39| 35| 38| 37| 46| a1| 54| 57
65| 63|I — | 57| z0o| —| 68! 60| 6 es| 73| —| 57| 69 os 75 n|
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37| 35| —| 31| 32| a8| a7| 25| 38| 33| 36| 27| 29| 34| 34| 43| 49
42| 40!) —| 40| 38| 44| 33| 31| 50| 36| 44| 33| 33, 43| 45| 56| 59
3727| 43| —| 30| 34| 46| 4ı| 34| 49| a2| 47 | 37| 38| 44| 41) 58| 54
33) 32| —| 26| 29| -34| 34| 29| aa| 34| 38| 31) 34) 40| 38| 45| 50
19811721 — | — |168| — | 163 151 | 208 | 187 | 201 | 157 1153 | 197 | 159 191 | 206
1066| 95| —| — ı01| —| — | 85|111|103| 110) — | 83/100| 85) 110106
1088| 9| —| — |116| — | — | 85|112|105 111) — | 84|102| 90| 111107
ee a el, 31.12] 1565| Igmeetasdl ng |
48| 49| —| 40| 45| 52| 4a| 40| 45| aı| 53| 36| 38) 51] 45 57| 45
34| 36| —| 28| 32| 38| 31| 31) 34| 35| 40| 26| 29| 36| 33| 33| 27
2361225| —| — | 222 | 227 | 186 | 170 | 213 | 215 | 212 | 165 | 175 | 246 | 215 | 248 | 250
76| 65| 61|l — | 65| 62| 49| 49| 67| 65| 77| 4a| 46| 84| 67| 82| 88
1631153 1158| — |160|158| — | — |144 | 158/162 | — | —|177 158 | 168 | 176
114 | 113 = —[115|111/102| 98|122|113| 117 | 98| 95|133 | 123 133 | 127
132!124| —! —|129|110! 89| 93!135|106|123| 90| 95,136 1125| 139 |139
58| 55| 32| —| 54| 50| 4a| 41| 64| 53| 62| 44| 43| 58| 51| 69| 70
110! 97! —| —[|100| 97| 91) 80!121/110)112| 87| 88| 93| 92/119) 119
38| 42| 32! —| 45| 39| 36| 30| 46| 41| 47| 27| 30| 36| 32) 58) 52
4) 38| —| —|4l| 38| —| —| 83| 2| 3| —| —| 46| 39| 52| 43
1061101) — | 92) 9110| 83| 60| 94|108| 95 23 80 9\ın 108 | 78
10| 94! — | — | 9100| 73| 52| 85| 97| 9, —| 7411091105 | | —
6| 6| — | 6061| &2| 67 | —| — | 50| 63 o2 =, =] 1681770461146
10 Max Bauschke: Beitrag zur Kenntnis
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Marianen
Vergleichende Schädelmaße —-
Lfä. 4 AR, Insel Tinian
Na in Millimetern
(Normal) s\d|d | Id |
ııujmıw|v
47 | Länge von M, 27| 32) —| 28| 34
48 | Vordere Breite von M, 21) 19| —| 18| 19
49 | Länge von M;-+M, + p, + p, 57| 58| — | 52| 48
50 | Länge der 4 Praemolaren . 42| 45| — | 41| 42
51 | Länge von P,+P,-+P, 36| 36| — | 33| 36
52 | Distanz Pk —J, £ 39| 64| 38| 38| 40
53 | Distanz PR, — ZB ordersund des "os ineisivum.. 77| 82| 66| 73| 79
54 | Durchmesser der Caninalveole in d. Richtung d. Zahnreild 19| 20| 19| 20| 17
55 | Größter Durchmesser der Caninalveole ; 31 2| 21 22121
56 | Länge der Crista alveolaris (Caninprotuberanz) . 38 | 37| 37| 35| 44
57 | Ausdehnung der 3 Ineisivalveolen . 40| — | 34| 35| 41
Unterkiefer.
58 | Länge der ganzen Backzahnreihe 106 122) 95| — |108
59 | Länge der Backzahnreihe ohne P, infer. 961101] 8S4| — | %
60 | Länge der 3 Molaren zusammen 63|68| —| — &
61 | Länge von M, . 32) 39| — | — | 34
62 | Vordere Breite von M, ; 17|16| —| —| 2
63 | Länge von M.+M,+P,+P;, 59| 55| —| — | 54
64 | Länge von P,+P,+P, 36| 34) 36| —| 33
65 | Distanz P,—P, 5) 1838| 6| —| 10
66 | Distanz P,—J, . E 39| 52| 39| — | 35
67 | Distanz P, — Caninalveole . 21| 34| 20) — | 19
68 | Distanz P, — Caninalveole . Er 14) 11) 10 —| 6
69 | Größter Durchmesser der Caninalveole i 17| 23| 24| — | 20
70 | Distanz v. Vorderrand d. Caninalveole bis Shiiteyeenepike 21| 23| 18) — | 3
Tränenbein, Orbita, Foramen magnum.
71 | Höhe des Tränenbeins im Orbitalrande 23| 18| 17| 21) 4
72 | Länge des unteren Randes des Tränenbeins 21| 27| 18| 22| 22
73 | Länge des oberen Randes des Tränenbeins . 37| 44| 31| 36| 35
74 | Höhe der Orbita 35| 371 3211391756
75 | Länge der Orbita . 38| 38| 35| 3838| 3
76 | Höhe des Foramen magnum 27| 25| 24| 27| 22
77 | Breite des Foramen magnum . 21) 21| 22 | zu @1
78 | Fronto-Oceipitalwinkel 620| 62% 680% 65%) 65°
79 | Fronto-Nasalwinkel 168°| 1770| 1780| 180° 179
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der Schweinerassen in den deutschen Kolonien der Südsee.
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20) 19| —| ı8| ıs| 19| —| —| 1383| 9| 9| —| — | 21) 9
54| 53| —| 55) 57| 56| 60) —| 59| 60| 57| 62| 62| 59| 60
43| 39| —| —| 40| 45| a5, a2| 4a| a8| —| —| a3) 49| 46
35| 32| —| 33) 34| 37| 34| 37| 36| 37| 35| 33| 37| 38| 37
a7| 37) —| —| 5ı| 46| 31| 27) a8] aı| —| — | 26| 37| 34
87| 761 —| —| 91] 86| 681 e7| 82| 86 —| —| 64 86| 78
21) 22) —| 21] 25| 25| ı3| 8) 25| 18) 20) 13) 14| 16] 14
30) 24| —| 23| 29| 29| 21] 10| 25| 22| 24| ı6| 15| 16| 20
4143| -| 36|4|08) -| | al 5| al —| [| —
43| 39) —| 33| 4ı| 41) 37| 39| 39) 35| 39| 37) 40| 52] 44
110 | 112 R = Bien 74\ 53)103|119| 97| 72) 83135124
100| 97) 9| —| —| 95| —| 53| 82| 97| —| — | 72| 113] 108
68| 621 67) —| o9| 64| —| — | 27|2|64) —| —| | 1
39| 32| 34| —| 37| sıl —| — | ı7| | 2) —| —| #3] 60
az 1615| — | 18.16. —|.18]|, 17
55| 56) 58| —| 58| 59| 65) —| 58| 62| 57| 61| 63) 61] 61
36| 35) 37| —| 38| 36| 38| 40| 37| 37| 35| 34| 39! 42) 40
Pure, 2) nen 23 ai 0
45| 47| 47| —| 45| 52| 39| 33| 52| 45| 44| 30| 34) 36| 32
24| 27| 27| —| 25| 32| 22| 21] 29) 31) 28| 14| 19] 21] ı8
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24| 201 19) —| 24| 23] 13] ı1| 20| ı8| 21) 18) 18] 6| ıı
22| ı7| 19) —| 27| 24| 20| 24| 22| 32| 37| 22) 20| 29| 3
14| 20 —| ı0| 3] —| 23| 21] 26| 28) 27| 22| 23] 35) 24
26| 28) —| 26| 23) —| 20| ı8| ı9| 20| 20| 19) 20| 20| &
38| 38) —| 31| 48] —| 34| sı| 24| 45| sı| 19| 25| 32| aı
4| 35) —| 37| 36] —| 35| 34| 40| 39| 44| 37) 36) 35| 33
40) 35| —| 33| 37| —| 38) 36| 36) 36| 33| 37| 38| 37| 36
241 20| —| 35| 23] —| —| 24| ı7| 20) 22| —| 3) 18] 2ı
4|22| —| 21) | - —| 21] 26) | 23] —| 10) | 3
670 64 — | 670 5707| —| 6201 7301 5801 6501 601 — | 630] zgel 570
1709| 168% — | 1730 1720| — |1760| 1710) 1689| 1751 1739 1709 1730 172
2|ı3|1u|15|ı16jız7|18| 19 I6|2]8ejo ojujmjwjiujmjijwjewjejlale]| al]
Japanisch.
Masken-
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32 | 30
1| —
19| 24
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30 | 19
18| 177
22| 23
54| 50
45 | 39
20| 26
24| 23
63°) 62°
176° 1550| 1620
11
12 Max Bauschke: Beitrag zur Kenntnis
apple 2. Evers OPT Schädelmaße:
Yätsleiöhende Schädelmaße: relativ. |
No. (Auf Basilarlänge = 100 reduziert.) i
Schädel No.: | 1 2 3 4 5 8
1 Basilarlänge: Achse zwischen Schnauzenspitze und
unterem Rand des Foramen magnuım . . . 247 1270 1240 |261 1264
2 | Horizontale Achse zwischen Schnauzenspitze and Mitte j
des Oceipitalkammes . . . 103,64|105,551107,08| — 103,78 i
3 | Horizontale Achse zwischen Setze und den
aboralsten Punkten der Flügel der Schuppe. . . . |106,081107,371110,111) — |108,71|
4 | Achse zwischen Nasenspitze und Mitte desOceipitalkammes [110,1 112,5 |112,5 [110,3 |107,5
5 | Bandmaß der Profilkontur zwischen diesen beiden Punkten [110,3 |112,9 |1113,3 |110,3 |107,9
6 | Länge der Nasenbeine . . » 2 2 2 22 22.200 .] 9951] 58,88) 57,50) 60,15] 54,58]
7 | Länge der Naso-Maxillarsutur . . . 2 2 2 2.2....7] 10,52] 12,59) 7,0s| 11,33] 10,98] ©
8 | Länge der Stirnbene . . » 2 2 2 2 2 2000 000..] 43,32) 42,96] 45,00] 44,07) 40,90] %
9 | Länge der Scheitelbeine . . . 27,53) 27,03) 25,11] 28,35| 26,89
10 | Längsachse zwischen eenaulne nnd m une
welche die Spitzen der Jochbeinfortsätze des Stirn-
beins verbindet . . . . 23,1| 24,1| 27,5 | 22,9 | 23,8
11 | Längsachse zwischen dieser Stirnlinie. el Mitte des
Oceipitalkammes . . . 5... 2. 0. en. | 2883| BL BO we
12 | Gesichtslänge: Distanz zwischen innerem Augenwinkel |
und Schnauzenspitze . . . 74,49) 73,70| 72,91 72,72| 71,59
13 | Horizontale Achse zwischen in asien Banks ds
Orbita und aboralstem Punkt der Schläfengrube . . | 39,27] 37,03) 40,33) 38,69] 36,37 |
14 | Längsachse zwischen unterem Rande des Foramen magnum
und Ausgang der Pflugschar . . . » 12,9| 15,1 | 16,2 | 16,1 | 16,2
15 | Längsachse zwischen unterem Rande des Kamen magnum
und Mitte des Gaumenausschnittes . . . 28,7| — | 27,91) 29,11) 29,11
16 | Längsachse zwischen Gaumenausschnitt u. a 76,9 | 77,03) 70,831 72,41] 70,88
17 | Länge der Backzahnpartie des Gaumens . . 2... ..15902| — | 52,50) 52,49] 48,27] °
18 | Länge der Ineisivpartie des Gaumens . . . 1 20,64| 21,55] 19,16) 18,78] 21,45
19 | Größte Kopfbreite (Querachse durch die Fechpiineyg . | 48,17) 47,77, 51,c6| 50,95] 49,42
20 | Größte Stirnbreite (Querachse durch die Techlortsitze
des Stirnbeins).. ... sum ee lee anne ee ee 138,6. 34,02 300 aa
21 | Vordere Stirmbreite . - . . . 2 2. 2. 0.2 0... 23,48] 21,48| 26,86) 24,001 24,13
22 | Größte Breite der Parietalia . . - 2. 2 2 2.2... 29,55] 28,51] 31,66] 29,11] 26,51
2314 Parietalenge,. . .. 2. ».. ur lo.0 m ee ee «= 1 18,881, 12,50) Donau
24:1 Grobte Nasenbreite | . . . us iaueln ln 2. 0» 1 11,53 12 Sa Tome
25 | Geringste Nasenbreite . . . . 7,9 7m] 8,33 8,04) 8,04
26 | Schnauzenbreite zwischen den Toter alleronden ı im An.
veolarrande. . . . en ee 3 I sa rs
27 | Größte Breite der Oceipitalschuppe ee nen 1 23,88] 2Ao| 2,83 aan Zn
der Schweinerassen in den deutschen Kolonien der Südsee. 13
relativ. (Auf Basilarlänge = 100 reduziert.)
ie 20 sr
31|4|12 | 16
291 268 |— 242 282 |—|_ 222 1259 270 [257 |— 1223 [292 272 1272 1262
|
92,781110,071 — | — 108,36) — | — | 98,64|101,931103,70 107,00, — |101,34/101,02|106,61/101,10|100,00
98,62]114,17 — | — 1111,34) — | — |103,60|105,01|107,401109,72] — |105,38|104,45| 107,72|105,511108, 11
105,5 1113,7 | — 103,3 1114,1ı | — | — [107,6 |113,1 |115,5 [119,3 | — 112,5 |111,3 |114,7 | 9889| —
105,8 [114,9 | — 108,2 [115,6 | — | — 103,1 |118,5 |116,2 |120,6 | — |113,0 |112,3 1116,1ı 11022 | —
36,761 56,71 — | 57,02| 60,831 — | — | 58,10] 59,17) 58,14] 59,531 — | 54,26] 54,79) 56,08] 47,13] —
7,56| 9,32] — | 13,22] 18,08 — | — | 11,26] 11,19] 9,25) 10,50) — | 12,10] 8,56] 10,29] 10,66] 10,68
43,29 45,52] — | 35,54| 43,26| — |— | 45,04| 46,72] 44,51) 50,55| — | 47,98] 47,co) 47,08] 41,90] 34,35
24,39 28,351 — | 26,03) 24,161 — | — | 27,92| 29,34] 25,55| 31,13) — | 27,82] 25,00] 25,36| 30,83| 32,05
25,7 | 2721 —| 25, | 22,31 —|— | 24,3 | 26,3 | 26,3 | 24,1 |— | 30,4 | 25,6 | 23,9 | 20,9 | 19,8
25,1| 32,1/— | 26,8 | 29,1 I—|— | 30,2 | 33,9 | 29,2 | 31,5 |— | 22,4 | 29,1 | 31,2 | 36,7 | 32,0
72,85| 72,76| — | 71,071 72,89 — | — | 71,17) 72,58] 75,92] 76,641 — | 72,19] 72,94) 72,12] 60,65| 64,12
31,61] 42,91| — | 37,60) 37,58| — | — | 38,28] 41,51] 37,03) 42,811 — | 41,25| 34,58] 38,23] 40,13! 39,69
154 | 1601 — | 17,7| 1,5 I— | — | 18,9 | 16,9 | 14,4 | 13,8 | — | 19,2 | 16,1 | 17,2 | 20,2 | 194
28,52) 28,73] — | 36,16] 28,01 — | — | 34,23| 27,41) 30,74) 28,01) — | 32,73] 25,34] 28,67) 30,14] 29,7;
71,82] 69,401 — | 69,42] 72,09 — |—- | 68,01) 72,58| 71,85| 72,76| — | 69,05| 75,34] 71,32] 71,ss| 70,22
50,85) 51,11] — | 47,93) 49,641 — — | 43,69] 53,23] 49,02] 49,20] — | 47,98) 55,18) 51,ss| 52,201 48,85
19,93| 18,85] — | 21,90] 20,92] — | — | 23,87) 20,07) 21,85| 22,18] — | 21,07| 20,54] 21,2] 20,55] 20,61
48,15 50,87) — | 47,52] 47,16) — | — | 50,45| 58,68 48,51, 53,301 — | 50,67| 52,39) 52,56) 60,65| 59,54
32,98 35,82] — | 35,12] 36,17 — | — | 36,03) 36,25] 33,33) 36,96) — | 34,08| 29,10] 30,88) 40,07! 39,31
24,39 26,111 — | 24,38] 23,75 — |— | 27,02) 27,80| 24,14] 26,16| — | 24,661 21,57) 21,68| 27,20) 28,62
25,12] 29,851 — | 30,161 31,55] — |— | 31,98) 31,651 30,001 31,13] — | 29,59) 25,34 27,201 37,49| 31,67
4,46, 12,511 — | 11,16) 14,53 — |— | 11,71| 9,65) 12,59 12,05| — |. 15,24] 10,61l 14,33] 10,66] 8,39
10,58) i1,10) — | 11,88] 9,92| — |— | 16,65) 14,23] 11,85| 12,84] — | 10,76) 10,27) 10,66) 17,23| 17,98
” 85 —| 75 9a —|— | 9a Ss 7 9s3i—| al 8,561 8,45| 10,29) 10,30
15,12] 16,041 — | 14,46| 13,47 — |— | 15,76| 20,46) 14,44) 13,81] — | 16,50) 15,75| 15,07] 19,85| 21,75
22,33) 23,501 — | 23,551 24,82 — |— | 27,02] 29,341 25,18) 28,101 — | 25,56 23,63| 25,001 27,57| 27,09
14 Max Bauschke: Beitrag zur Kenntnis
Sr Vergleichende Schädelmaße: relativ.
No. (Auf Basilarlänge = 100 reduziert.)
Schädel No:
28 | Gaumenbreite: Distanz der Alveolarränder:
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
a) am vorderen Joch von M, super...
b) am vorderen Joch von M, super..
c) am vorderen Teil von P, super.
d) an der hinteren Ecke 2 ee
e) hinter J, super.
Senkrechte Höhe des Schädels von Ben Mitte den Deal!
kammes bis zur Grundfläche
Senkrechte Achse zwischen Mitte des Doeyenkeune
und unterem Rand des Foramen magnum
Direkter Abstand zwischen diesen beiden Punkten
Horizontale Distanz zwischen unterem Rande d. Foramen
magnum u. d. Senkrechten v d.Mitte d. Oceipitalkammes
Vertikalhöhe der Maxilla zwischen P, und P, super..
Vertikalhöhe der Intermaxilla an J, super.
Unterkiefer.
Volle Kieferlänge in der Höhe des Alveolarrandes
Länge der Kinnsymphyse . :
Länge des horizontalen Astes von De Se
bis zum hinteren Rande von N, infer..
Größter Abstand der Gelenkköpfe von einander
Größte Breite außerhalb der Gelenkköpfe . :
Querdıistanz zw d.Außenrändernd. Caninalveole(Caninbreite)
Senkrechte Höhe von der Grundfläche bis zum höchsten
Punkte der Gelenkköpfe . £
Höhe des horizontalen Astes vor P, Ba, i
Höhe des horizontalen Astes unter der Mitte von N, infer.
Das Gebiß.
Oberkiefer.
Länge der ganzen Backzahnreihe . . . 2...
Länge der Backzahnreihe ohne P, super. .
Länge der 3 Molaren zusammen
Länge von M,
Vordere Breite von M,
Länge von M;+M, FE P,+ Pr,
Länge der 4 Plämekken
Länge von ,+P,;,+P,.
Distanz PR —J; -
Distanz P, — Vorderrand de Os i ineisivum Ä
Durchmesser d. Caninalveole in der Richtung d. Zhhareibe
36,42
34,36
22,08
12,71
6,87
18,55
14,77
12,02
16,15
29,90
7,21
37,68
35,07
23,88
11,94
7,08
19,77
14,55
11,94
13,30
28,35
8,20
38,01
25,20|
11,57
7,43
22,72
13,63
8,67
der Schweinerassen in den deutschen Kolonien der Südsee.
10
10,28
11,34
13,73
12,05
10,28
59,56
35,81
41,13
9,92
15,95
11,34
78,71
23,05
56,73
40,77
45,74
19,14
35,46
15,95
15,80
35,10
31,91
21,98
10,28
6,38
20,21
14,18
12,05
18,08
32,26
8,86
*) hinter dem Lot!
15
9,85
12,22
13,33
15,55
12,59
69,25
33,14
33,88
5,55
15,18
12,96
79,52
24,07
58,51
41,85
2| 39,25
19,62!
40,74
15,18
15,55
40,00
35,92
23,33
10,37
7,03
22,22
17,77
13,70
15,18
31,85
6,66
16
18
19
10,95
11,64
14,72
15,05
13,69
67,46
34,24
34,93
1,71
17,46
12,31
84,24
28,76
60,61
45,54
46,57
19,36
31,34
12,31
15,75
40,75
35,32
23,28
11,64
7,19
20,20
16,77
13,01
12,85
29,45
5,47
sein mn nm mE I ale Br Ana Man Mm ne I a m es Ne Fe
20
10,29
12,56
16,54
15,07]
13,97
58,45
31,34
33,09
7,35
16,54
12,13
79,04
24,63
58,08
45,21
45,95
18,75
33,82
11,76
14,33
41,0
38,60
29,04
12,50
6,98
22,05
16,51
13,60
12,50
28,67
5,14
21
10,03
15,81
20,58
21,32
16,54
70,20
40,43
40,81
1,47
20,95
12,18
91,18
30,14|
61,76
48,90
51,10
25,56
43,75
21,32
19,11
39,71
34,92
22,42
10,29
6,25
20,95
16,91
12,50
15,81
25,36
7,85
15
22
16 Max Bauschke: Beitrag zur Kenntnis
Vergleichende Schädelmaße: relativ.
No. (Auf Basilarlänge = 100 reduziert.)
Schädel No.: | 1
55 | Grösster Durchmesser der Caninalveole. . . . 2... - 814 8,751 8,42] 7,8
56 | Länge der Crista alveolaris (Caninprotuberanz) . . . . | 15,38| 13,701 15,41] 13,41) 16,66
57 | Ausdehnung der 3 Ineisivalveolen . . . . 2. 2.2... 1619] — | 14,16) 13,41) 15,58
Unterkiefer.
58 | Länge der ganzen Backzahnreihe . . . . . 2... .] 42,91 45,18] 39,58
59 | Länge der Backzahnreihe ohne P, infer. . . . . . . | 38,s6| 37,40) 35,00
60 | Länge der 3 Molaren zusammen . . 2. 22.2. 2.2..125,50| 25,1] —
BEI Eange oc HM, 00 RD I IE —
62 | Vordere Brian von M, . ee ie ee En =
63 | Länge von M,+M, + Bi p, Se a 2 =
64 | Länge von P, LT, FR En en en 0
65 | Distanz P, BR en nee ee ee ne U te EEE
66 | Distanz p, las au et zer he ann rer a Ft A Lau RER EEE:
67 | Distanz p, — Canmalvedle !.. . 0 a. 000. 21 Br 2 Ne:
68 I Distanz PR, — Caninalveole . . . 2 2 2 2 2 2.0..J] el 3,70| 4,16
69 | Grösster Durchmesser der Caninalveoe. . . . . 6,83| 8,51) 10,00
70 | Distanz v. Vorderrand d. Caninalveole bis en 8,500 8,511 7,50
71 | Höhe des Tränenbeins im Orbitalrande. . . . 2. .] 931) 6,s6| 7,08
72 | Länge des unteren Randes des Tränenbeins . . . . .| 8,50] 10,001 7,50
73 | Länge des oberen Randes des Tränenbeins . . . . . | 14,97) 16,2s| 12,91
a4 Höhe der, Orbita: 2.22... 2 Auer armsndte lien ka, & LI 16, Io Ran
ea 4 Länge: der.Orbita!. . ec cader em ce tee. Di LOSE Tänze
76 | Höhe des Foramen magnum . . 2 2 2 2.2.2.2....75 10,93] 9,25) 10,00
24,1 Breite des: Foramen, magnum. =; „;s:. -&r. “eo - 21,850 7,20 936
28 | Eronto-Oceipitalwinkel . . . . 2 2 2 2.2.02 .2.:1—- | — | —
79,1 Eronto- Nasalwinkel. .;. ie» so... 20000 stage
auf der Tangente der vorderen Alveolarränder von Jl (ohne Berück-
sichtigung des zwischen den letzteren oft hervorspringenden Knochen-
fortsatzes) und auf der Verbindungslinie des hinteren Unterkiefer-
astrandes in der Höhe des Alveolarrandes steht.
36. Als Länge der Kinnsymphyse ist die Längsachse zwischen den
entferntesten Endpunkten der Symphyse ohne Berücksichtigung der
zwischen den Alveolen der beiden J1 oft vorhandenen Knochenspitze.
37. Längsachse zwischen Symphysenspitze und Verbindungslinie
der beiden M3.
38. Distanz zwischen den äußersten Rändern der Gelenkköpfe.
39. Hier ist die größte Breite der Unterkieferäste gemessen, ab-
gesehen von dem Maß No. 38.
der Schweinerassen in den deutschen Kolonien der Südsee.
18,01
14,56
9,45
4,95
10,81
9,45
8,10
13,96
15,51
16,21
10,51
9,45
17
41. Hier ist das Lot von einem auf die Gelenkköpfe horizontal
aufgelegten Lineal auf die Grundfläche gefällt.
44, 45, 46. Mit dem Stockmaß in der Längsachse gemessen!
47. 48. Mit dem Zirkel gewessen.
49—53. 8. 44.
54—56.° 8. 47.
57—60. 8. 44.
61—62. 8. 47.
63. 64. 8. 44.
65.—69 8. 47.
70. 8. 44.
1—1. 8.47.
Archiv für Naturgeschichte
11.11.
1911
DD
18 Max Bauschke: Beitrag zur Kenntnis
75. Die Länge der Orbita ist von der Spitze des Proc. postorbital.
bis zum Mittelpunkte des Orbitalrandes des 'Tränenbeins gemessen.
78. Anlegung eines Zirkelschenkels auf dem Stirnbein, des anderen
von der Mitte des Occiputkammes bis zum Ausschnitt im oberen Rande
des Foramen magnum.
79. Gemessen mit dem Transporteur!
Craniometrische Untersuchungund
eraniologische Besprechung des Materials.
Bevor wir zur Besprechung der einzelnen Objekte herantreten,
ist es notwendig, einen kurzen Überblick über die zurzeit besteheneden
Ansichten der namhaftesten Autoren über die Einteilung und Ver-
breitung der Mitglieder der Gattung Sus zu geben.
Um zunächst mit den Wildschweinen zu beginnen, so unterschied
man bis vor nicht langer Zeit eine große Anzahl von Formen, die wohl
verschiedene Namen hatten, über deren zoologische Unterschiede
aber wenig oder gar nichts bekannt war. Ich nenne als Beispiele das
Sus scrofa ferus, das S. eristatus, vittatus, andamanensis, leuco-
mystax, moupinensis, talvanus, salvianus, papuensis, niger, ti-
moriensis, sennaariensis, verrucosus, barbatus, longirostris, cele-
bensis u. &. Bei einer kritischen Durchsicht erwiesen sich die meisten
Formen eben nur als Inselspezies und es war den gleichzeitig, aber
unabhängig von einander angestellten Schädelanalysen Rütimeyers
und Rollestons vorbehalten, hierin Klarheit zu schaffen.!) Nach den
dadurch angeregten Untersuchungen aller namhaften Forscher ist
man zu dem Resultat gekommen, daß alle gegenwärtig wilden Schweine
des Genus Sus und damit auch die zahmen Formen derselben, da ja
diese nach fast allen Verfassern von der einen oder anderen der jetzt
lebenden wilden Sus-Arten herrühren, in drei Typen zusammengefaßt,
werden können.
1. Sus scrofa-Typus.
2. ,Sus vittatus-Typus.
3. Sus verrucosus-Typus.
Die Tiere zu 1 leben wild in Europa und dem nördlichen Teil Asiens
bis Sibirien, wo im nördlichen Teil der Amur die Südgrenze bildet,
in Tibet, Turkestan, Kleinasien und Syrien, Persien, Afghanistan
und Beludschistan, sowie auch in einigen Teilen des nördlichen Afrikas,
wie in Algerien und Ägypten.
Die wilden zu 2 leben auf ‚der westlichen, indischen Halbinsel
mit der Nordgrenze im Himalaya, kommen aber auch in China, Indo-
China und Tenasserim vor und ferner auch innerhalb des Inselgebietes
auf Ceylon, auf den Andamanen und den Nikobaren, und gehen über
Sumatra, Java und Flores bis nach Timor; ja sie kommen auch in
Japan und auf Formosa vor. Für den verrucosus-Typus kennt man
nur wilde Tiere, die Westgrenze ihres Verbreitungsgebietes liegt auf
ı) Keller, Naturg. d. Haustiere p. 224 ff.
der Schweinerassen in den deutschen Kolonien der Südsee. 19
Sumatra, von wo sie nach Norden und nach Osten über Borneo,
Celebes und die Molukken bis auf die Philippinen verbreitet sind;
sie sind also alle Inselformen?). Die zahmen Schweine teilt Nathusius?)
in zwei Hauptformen ein, nämlich in die europäische (wildschwein-
ähnliche), die nicht nur in Europa, sondern auch in Nordafrika und
Westasien heimisch ist und in die indische ein und sieht, da sich beide
erfolgreich paaren, alle anderen zahmen Formen als Mittelformen an.
Die uns hier speziell interessierenden Südost-Asiatischen Haus-
schweine stammen nach Nehring?) von den chinesischen Wildschweinen
ab, das alte europäische Hausschwein stammte von dem europäischen
Wildschwein ab, ebenso wie die durch mangelhafte Ernährung ver-
kümmerte Zwergform, das Sus scrofa nanus.
Zur Vervollständigung der Übersicht wegen erscheint es ange-
bracht, auch die über das Torfschwein zurzeit bestehenden bedeutenderen
Ansichten hier mit anzuführen. Nehring meint, das Torfschwein sei
eine Kreuzungsform mit vorwiegendem Blute des gemeinen europäischen
Schweines, auch das krause Schwein von Südeuropa sei als Kreuzungs-
form zwischen dem wildschweinähnlichen Hausschweine und dem
sogenannten indischen Hausschweine anzusehen, ebenso wie das
romanische Schwein von: Südosteuropa.
Nach Rütimeyer ist das Torfschwein ein indisches ale und
zwar ist seine wilde Stammform das Sus vittatus; verwandt sei es
durch die Konfiguration des Tränenbeins mit dem Sus sennaariensis,
welches wieder ein verwildertes Hausschwein vom vittatus-Typus
sein soll). Als neuere Bestätigung für diese Ansicht sei hier die in-
interessante Arbeit von Dr. I. U. Duerst°) über die Ausgrabungen
am Schloßberg zu Burg an der Spree angeführt: Die Hauptmenge
der Knochen stammt aus der früheren, vorchristlichen Periode, etwa
aus der Zeit der jüngeren Lausitzer Gräberfelder (Bronze—Eisenzeit)
um die Mitte des ersten Jahrhunderts vor Christo, und stellten Speise-
überreste von Germanen und Slaven vor. Von Haustieren war das
Schwein (S. scrofa domesticus und S. scrofa palustris) am meisten
(zu 44 pCt. der Arten), von wilden Tieren das Wildschwein (S. scrofa
ferus) an zweiter Stelle (zu 20 pCt.) zu finden. Während in den ältesten
Pfahlbauten die Reste des Torfschweins diejenigen des autochthonen
Hausschweins noch weit überwiegen, hat sich am Schloßberge gleichwie
allgemein in der jüngsten Periode der Römerzeit das Mengenverhältnis
des Auftretens schon so weit verschoben, daß die zahme Descendenz
des Wildschweins dem Torfschweine an Zahl fast gleichkommt, ja
dieselbe schon hie und da übertrifft. Ein prinzipieller Grund, das
Vorkommen des südlichen Torfschweines in deutschen Kulturschichten
bestreiten zu wollen, liegt, wenn man die Abstammungshypothesen
!) Pira, Stud. z. Gesch. d. Schweinerassen p. 386 ff.
®) Duerst-Wilckens, Grundzüge p. 155.
®) Nehring in Rohdes Schweinezucht p. 26 ff.
4) Pira, Studien p. 375 ff.
6) Duerst, Tierwelt d. Ansiedl. am Schloßberg.
9%
30 Max Bauschke: Beitrag zur Kenntnis
ganz außer acht läßt, nach Duerst durchaus nicht vor und es erscheint
deshalb unpraktisch, eine Lokalform anzunehmen, die in Größe und
osteologischen Charakteren sich — individuelle Differenzen ausge-
nommen — vollkommen mit dem Torfschweine südlicher Gegenden
deckt. Das kleine Schwein der norddeutschen Kulturschichten ist
dasjenige weitverbreitete Schwein, das Rütimeyer nach der Periode
seines ersten Auftretens in Mitteleuropa als Torfschwein bezeichnete.
Wir finden es nicht bloß im Süden, in den Terramaren und früheren
Kulturschichten Italiens, in den Pfahlbauten der Schweiz, in Olmütz
und anderen zentraleuropäischen Fundorten, sondern ebenso in
französischen Kulturschichten und sogar den englischen, speziell den
irischen Torfmooren sehr häufig. Unter den vielen ihm bekannten
Schädelresten englischer Torfschweine isö ein fast ganz unversehrter
Öberschädel, der sich in der Palaeontologischen Gallerie des Pariser
Museums befindet und einen absolut sicheren Schluß auf die Kongruenz
mit dem Torfschwein der kontinentalen Fundorte zuläßt.
Es erscheint Duerst daher als eine unnötige Vorsicht, an der
Identität dieser Rasse zu zweifeln und eine neue Form anzunehmen,
weil die sie begleitenden anderen Haustiere wie Torfschaf, -rind, -hund
sich ebenfalls in norddeutschen Kulturschichten nachweisen lassen.
Ferner hat Duerst in Animal remains from the excavätions at
Anaut) festgestelli, daß dort ein kleiner erwachsener Schweineschädel
gefunden worden ist, dessen Stirn eine geringe Konvexität zeigt, die
wir immer beim indischen Sus cristatus oder Sus vittatus Müller und
Schlegel finden.
Von den anderen Schädeln weist er ibid. p. 336 nach, daß sie die
nächste Verwandtschaft zu einem wilden Sus vittatus von Sumatra
oder zu einem zahmen Battak-Schwein haben, nicht nur in der Form,
sondern auch in den Dimensionen und daß sie die größte Ähnlichkeit
mit den Schädeln des Torfschweines vom Schloßberg und La Tene
haben. Duerst glaubt sie daher für die ältesten Überbleibsel der; Torf-
schweine halten zu können. Und ın der Tat stammt nach den Unter-
suchungen von Rütimeyer, Rolleston, Otto und anderen das Sus
palusiris — Torfschwein, welches zuerst in den Schweizer Pfahlbauten
während der späteren neolithischen Periode erscheint, vom Sus vittatus
ab, was sehr gut mit obigen Funden übereinstimmen würde.
Nach dieser Abschweifung zum Torfschwein, die ich.zber im Hin-
blick auf die Bedeutung, welche das Sus vittatus später bei der Be-
sprechung der einzelnen Schädel noch finden wird, nicht unterlassen
zu können glaubte, erscheint es zum Zwecke einer genaueren Beurteilung
des Materials erforderlich, auf die Unterschiede zwischen den wilden
und den nicht von wildschweinähnlichen abstammenden zahmen
Schweinen hinzuweisen und werde ich dabei den von Pira ?) aufgestellten
Grundsätzen folgen.
!) Duerst, Pumpelly-Explorations.
?) Pira, Studien p. 254 ff., p. 268 ff., p. 280 ff.
der Schweinerassen in den deutschen Kolonien der Südsee, 21
Der am deutlichsten hervortretende Unterschied der Schädel-
tormen wilder und zahmer Schweine ist der, daß die Schädel letzterer
höher und breiter, d. h. von mehr oder weniger ausgesprochen brachy-
cephalem Typus im Vergleich mit denjenigen ersterer sind. Beim Wild-
schwein soll das Lot von der Mitte der Crista oceipitalis hinter die
Foramen-magnum-Region, ebenso das Lot vom vordersten Punkt der
Orbita hinter den Hinterrand von M3 fallen. Beim Zahmschwein
rückt das erstere über die Foramen magnum-Region hinzus nach vorn,
das letztere trifft M3 oder fällt sogar vor dieses. Ferner soll die obere
Profillinie des Schädels eine gerade sein, die Backenzahnreihen sollen
und zwar sowohl bei den europäischen als auch bei den asiatischen Wild-
schweinen pzrallel verlaufen. Die Profillinie beim zahmen Schwein
wird, je höher kultiviert die Rasse, desto geknickter, und die Backzahn-
reihen divergieren bei den Kulturrassen. Die Längsschsen der Orbitae
des Wildschweins verlaufen schräg von hinten- oben nach vorn-unten,
während dieselben bei zahmen meist vertikal stehen. Der Processus
postorbitalis des Stirnbeins liegt bei ersteren hinter den entsprechenden
des Jochbeins, bei letzteren dagegen fast in derselben Vertikalebene,
ja» selbst weiter nach vorn.
Die Kinnsymphyse und der Ramus ascendens mandibulae werden
bei der Zähmung steiler und die Vorderzähne des Unterkiefers ver-
laufen beim Wildschwein mit der Kinnsymphyse in einer geraden Linie,
während sie mit dieser bei den zahmen Schweinen meist einen nach
hinten offenen Winkel bilden. Der brachycephale Typus des Zahm-
schweinschädels ist aber nicht nur durch eine Zunahme der Höhen-
und Breitendimensionen des Wildschweinschädels, sondern auch durch
eine Verkürzung der Längsachse desselben hervorgerufen, was aus
folgender Tabelle hervorgeht:
Vergleichende relative Schädelmaße.
Basilarlänge = 100.
Totalhöhe Größte Breite
des Schädels | des Schädels
Sus scrofa ferus d . . . 61,8 45,2
Sus vittatus &. A 61,6 46,9
Landrasse (Schonen) &. . 83,3 55,7
MEOCHEHITGr CE SEHR AN 92,2 70,0
„Waldschwein“ ! . . . 85,3 61,9
Sus serofa ferus 2. . . 56,5 42,1
„Waldschwein“ 9% . . . 73,7 61,2
Yorkshirö! Macs wa nl 2 95,9 77,2
Vorkahio 9. 442 SAfapM; 99,5 75,3
Noch mehr als die Unterschiede zwischen zahmen und „wilden
europäischen Schweinen interessieren uns hier aber diejenigen zwischen
dem letzteren und dem indischen Hausschwein. Der Schädel dieses
232 Max Bauschke: Beitrag zur Kenntnis
Tieres ist im allgemeinen breiter im Verhältnis zur Länge und zwar
betrifft dies alle Querdurchmesser im Gehirn — wie im Gesichtsteile.
Der Gaumen des indischen Hausschweines ist zwischen den Molaren
des Oberkiefers verhältnismäßig breiter und nimmt plötzlich mit dem
Anfange der Prämolaren an Breite nach vorn zu, so daß die beiden
Backzahnreihen des Oberkiefers nach vorn divergieren. Außerdem
findet man eine stärkere Einsenkung des Gesichtsprofils an der Nasen-
wurzel und eine steilere Stellung der Hinterhauptsschuppet). In Bezug
auf das Tränenbein hat Nathusius?) betont, daß, während beim euro-
päischen Wildschwein und seinen zahmen Descendenten die Gesichts-
fläche des Tränenbeins lang gestreckt, oder näher bestimmt, die Höhe
des Knochens im Orbitalrande etwa ein Drittel der Länge des oberen
Randes derselben in der Sutura frontolacrimalis beträgt, etwa die
Hälfte aber der unteren Länge derselben in der Saturs zygomatico-
lacrımalis ausmacht, das Tränenbein bei den indischen Schweinen
dagegen mehr von vorn nach hinten zusammengedrückt, das heißt
relativ kürzer und höher ist, so daß die Höhe desselben im Orbitalrande
hier etwa gleich der oberen Länge ist, wo hingegen der untere Rand,
das heißt die Länge der Sutura zigom.-lacrim., nur etwa die Hälfte
der Höhe mißt. Nach Pira ?) ist diese Ansicht Nathusius richtig, falls
man unter indischen Schweinen die Tiere des vittatus-Typus versteht,
welche die einzigen asiatischen Schweine sind, die Ausgangsformen
für zahme Rassen gebildet haben. Derselbe Autor hat festgestellt,
daß, wenn die Höhe des Tränenbeins im Orbitalrand (A) als Einheit
(= 1) gesetzt wird, so ist die Länge des unteren Randes des Knochens
(B), das heißt der Tränenbeinindex:
1. Bei den Schweinen des scrofa-Typus augenfällig größer als
die Einheit,
2. bei den Schweinen des vittatus-Typus kleiner als die Einheit
oder höchstens der Einheit gleich, wohingegen
3. bei den Schweinen des verrucosus-Typus der Index wechselnd,
mitunter kleiner, mitunter größer als die Einheit ist.
Ferner hat Pira (ibidem) aus der Querschnittfläche des Unterkiefer-
eckzahns kurz über dem Alveolarrande beim erwachsenen Eber folgende
Erscheinungen festgestellt:
1. Bei Sus serofas wird die hintere schmelzlose Seite (c) länger als
die vordere laterale Seite (b).
2. Bei Sus vittatus bekommen die Seiten b und c gleiche Länge.
3. Bei Sus verrucosus wird der Querschnitt beinahe ein gleich-
schenkliges Dreieck, wo die beiden gleichlangen Schenkel von der
vorderen medialen und der vorderen lateralen Seite gebildet werden,
während die hintere (c) schmelzlose die kürzeste ist.
1) Duerst-Wilckens, Grundzüge p. 154.
2) Nathusius, Vorstudien p. 83 ff., 92 ff.
?) Pira, Studien p. 387 ff.
der Schweinerassen in den deutschen Kolonien der Südsee. 233
Auf Grund obiger Ausführungen glaubt Pira für jeden Schweine-
schädel reinen Blutes die Zugehörigkeit zu einem der drei Sus-Typen
feststellen zu können und stellt folgendes Schema uf (p. 395):
I. Auf dem Querschnitte des Unterkiefer-Eckzahns des Ebers
ist die Seite ce länger als b oder beide sind gleich lang: serofa-Typus,
vittatus-Typus.
3) Die Länge des unteren Randes des Tränenbeins ist größer als
die Höhe des Knochens im Orbitalrand: serofs-Typus.
b) Die Länge des unteren Randes des Tränenbeins ist kleiner
als die Höhe des Knochens im Orbitelrand: vittatus-Typus.
II. Der Querschnitt des Unterkiefer-Ecekzahns des Ebers hat die
Form eines gleichschenkligen Dreieckes, bei dem die Seiten a und b
gleich lang, die Seite e aber die kürzeste ist: verrucosus-Typus.
Die Besprechung der einzelnen Schädel werden wir auf dieses
Schema zurückkommen und versuchen, dasselbe für die Bestimmung
der Abstammung mitzubenutzen.
Bei den Schädeln der beiden Maskenschweine, deren Heimat
Kiautschou war (No.21 und 22 der Tabellen) beschränke ich
mich, da sie als solche nicht bezweifelt werden können, nur auf die
Bekanntgabe der genauen Maße und füge nur hinzu, daß es zwei ın
allen Dimensionen äußerst kräftig entwickelte Exemplare sind, an
denen besonders die starke höckrige Bekrönung der crista alveolaris,
der steil aufsteigende Kinnwinkel und die von der Nasenspitze nach
der Nasenwurzel sich senkende und dann steil zur Oceipitalschuppe
aufsteigende Profillinie auffallen.
Bei den beiden verrucosus-Schweinen (No. 19 und 20 der Tabellen)
bilden die Kinnsymphysen mit der Grundfläche ganz stumpfe Winkel,
die Profillinie bei 19 ist bis zum oberen Ende der Stirnbeine beinahe
ganz geröde und von da an leicht nach oben gewölbt, bei 20 ist sie
bis zum Stirnenfang gerade und bildet von da an einen flachen Bogen
nach oben.
Wenn wir die hauptsächlichsten Maße der Relativ-Tabelle der
beiden Schädel, welche mit wenigen Ausnahmen sich ungefähr gleichen,
mit demjenigen von Nathusius!) beschriebenen vergleichen, ergibt
sich, abgesehen davon, daß jener im allgemeinen viel größer ist,
daß die Kinnsymphyse bei ersteren verkürzt und ebenso die Distanz:
Nasenspitze bis Mitte des Occiputkammes kleiner ist. Ferner ist bei
unseren die Breite der Oceipitslschuppe, die Distanz: Mitte des Occiput-
kammes bis unteren Rand des Foramen magnum, die Höhe der Gelenk-
köpfe und die des Unterkiefers vor P2 eine geringere. Im Gegensatz
!) Nathusius, Vorstudien p. Atlas Tab. II.
24 Max Bauschke: Beitrag zur Kenntnis
dazu erscheint die größte Kopfbreite, die größte und vordere Stirn-
breite, die größte und kleinste Nasenbreite, sowie die Breite der Schnauze,
des Gaumens und des Unterkiefers nicht unerheblich zugenommen
zu haben. Ein weiterer großer Unterschied findet sich in der Stellung
der Schuppe. Bei Nathusius!) wird gesagt, daß noch bei keinem
Wildschwein eine so starke nach hinten geneigte Stellung der Schuppe
beobachtet worden wäre; bei unseren verrucosus-Schädeln steht
die eine beinahe senkrecht, die andere ist nur wenig schräg nach hinten
geneigt. Außerdem sind die Incisiv-Partien bei unseren Schädeln im
Verhältnis zur Backzahnpartie viel größer als bei Nathusius. Der
Tränenbeinindex beträgt bei 19 : 0,80 und bei 20 : 1,04. Eine genaue
Erklärung läßt sich von hier aus für diese Unterschiede nicht geben,
da diese aber im allgemeinen für eine stattgehabte Domestikation
sprechen, ist es immerhin möglich, daß schon mehrere Generationen
dieser verrucosus-Schweine gezähmt gehalten worden sind. Und in
der Tat finden wir in Rohdes Schweinezucht pag. 32 eine Angabe,
wonach die Schädel von in zoologischen Gärten gehaltenen Wild-
schweinen meist kürzer, breiter und höher werden als diejenigen aus
freien, uneingehegten Revieren.
Die Nummern 1—18 wollen wir gemeinsam betrachten und sehen,
worin sie übereinstimmen, beziehungsweise sich unterscheiden.
Am auffälligsten ist die Kürze des ganzen Schädels: die größte
Basilarlänge von 282 mm wird in den Tabellen von Nathusius ?) von
allen Wildschweinen weit übertroffen, nur bei den indischen Haus-
schweinen finden wir ungefähr gleiche Maße und dadurch schon einen
- Hinweis auf die Zugehörigkeit unserer Schädel.
Die Winkel, welche die Kinnsymphysen mit der Grundfläche
bilden, sind stets sehr stumpf und vergrößern sich bei einigen Schädeln
sogar bis zu 180 °; die ersten Schneidezähne verlaufen, wo vorhanden,
meistens in gradliniger Verlängerung der Symphyse und stehen
höchstens in ganz stumpfem Winkel zu derselben; diese Erscheinungen
weisen wieder auf das Wildschwein hin.
Die Alveolarränder verlaufen meistens parallel zur Grundfläche;
die Kaufläche der Backenzahnreihen verläuft teils ganz gerade, teils in
leichter Wellenlinie mit Neigung des vorderen Endes nach unten.
Die relativen Totalhöhen der Schädel schwanken zwischen 59,56
und 80,30, die relativen größten Kopfbreiten zwischen 47,52 und 58,68,
und umfassen damit Maße vom niedrigen Wildschweinskopf bis zum
hohen Hausschweinschädel.
Die Senkrechte von der Mitte des Oceiputkammes fällt, abgesehen
von No. 6, stets hinter die Foramen magnum-Region, so daß wir fast
stets eine Stellung der Hinterhauptsschuppe wie beim Wildschwein
von hinten — oben nach vornunten haben. Auch hält sich der Fronto-
1) Natusius, Vorstudien p. 177 ff.
2) Nathusius, Vorstudien Atlas.
der Schweinerassen in den deutschen Kolonien der Südsee. 25
Occipitalwinkel fast stets in der Größe um 65 ° und steigt nur einmal
bis 73°.
Das Lot von dem oralsten Punkte der Orbita fällt meistens, wie
beim Wildschwein, hinter den Hinterrand von M3, und trifft diesen
nur in wenigen Fällen.
Denselben Hinweis bietet uns die Profillinie des Schädels, welche
vom ganz geraden Verlauf ab nur bis zu einer ganz leichten Kniekung
nach dem Zahmschwein hin verändert wird, so daß der Fronto-Nasal-
winkel dementsprechend von 180° nur bis zu 168° hinuntergeht.
Bemerkenswert ist die häufig auftretende leicht konvexe Wölbung
der Schädelkapsel, wie wir sie beim indischen Schwein in der Regel
finden. Die Höhen- und Breitendimensionen der Orbita zeigen keine
bedeutenden Unterschiede, so daß ihre Form nur wenig von der eines
Kreises abweicht und die Richtung ihrer Längsachse geht meistens
von hinten-oben nach vorn-unten; ebenso liegt der processus-post-
orbitalis des Stirnbeins meistens vertikal hinter dem entsprechenden
des Jochbeins.
Die Schläfengruben verlaufen bei vielen schräg von unten-vorn
nach oben-hinten, bei einigen in mehr steiler Richtung.
Nach den eben besprochenen Kennzeichen können wir unter
Bezugnahme auf die Tabellen und vorausgeschickten orientierenden
Besprechungen über die Einteilung und Kennzeichen der haupt-
sächlichsten Typen feststellen, daß
die Schädel von 1—18 sämtlich dem indischen Schwein ver-
wandt sind und zwar stammen sie teils von domestizierten, teils
von mehr oder weniger verwilderten Tieren ab.
Wir sehen weiter aus den Tabellen, daß die Backzahnreihen meist
erheblich divergieren und fügen hinzu, daß auf dem Querschnitt des
Unterkiefers-Eekzahn bei den vorhandenen Ebern stets die Seite a
die längste ist und die beiden anderen Seiten meist gleich lang sind
oder nur wenig differieren.
Der Tränenbeinindex ist, soweit er festzustellen war, bei No. 1, 5,
10 und 12 bis 18 kleiner als die Einheit oder höchstens derselben gleich
und können wir daher nur schließen, daß diese dem vittatus-Typus
zuzurechnen sind.
Anders verhält es sich mit denjenigen Schädeln, welche einen
höheren Tränenbeinindex zeigen und uns daher auf den serofa-Typus
hinweisen.
Wir werden im letzten Kapitel versuchen, das Vorkommen der
vittatus-Schweine und der durch scrofa-Einschlag vermischten Formen
auf unseren Südseekolonien aufzuklären.
236 Max Bauschke: Beitrag zur Kenntnis
Tränenbein-Index.
| Höhe des Länge des Tränenbein-
£ Ge- ins i a :
ten schlecht Ei in Dr De Far
A B Bi
1. Tinian I & | 23 21 0,91
2. Tinian II ö 18 27 1,50
3. Tinian III. ö 17 18 1,05
4. Tinian IV. ö 21 22 1,04
5. Tinian V ö 24 22 0,91
6. Tinian VI. d 14 26 1,85
7. Tinian VIL dö 20 28 1,40
9. Saipan d 19 26 1,36
10. Rota . lt d 23 23 1,00
12. Neu-Mecklenburg Q 23 20 0,87
13. Neu-Britannien . & 21 18 0,85
14. Neupommern . - g 26 19 0,73
15. Sus niger papuens . d 28 20 0,71
16. Finschhafen d mL 20 0,74
17. Ramu-Fluß Q 22 19 0,86
18. Ottilien-Fluß . Q 23 20 0,87
19. Sus verrucosus 9) 25 20 0,80
20. Sus verrucosus 9) 24 25 1,04
21. Jap. Maskenschwein dg 30 18 0,60
22. Jap. Maskenschwein | _d! 19 17 0,89
Schlußbetrachtungen.
Wir wissen, daß der indo-zustralische Archipel eine verhältnis-
mäßig junge Bildung!) ist und daß zur Eozänzeit an seiner Stelle
dort ein großes freies Meer gewesen ist, aus dem sich während der
Miozänzeit einzelne Inselgebiete erhoben, die sich in der Pliozänzeit
so weit vermehrten, daß vom asiatischen Kontinent her umfangreiche
Landbrücken nach den verschiedenen Inselgebieten führten. Diese
sind dann zu Beginn der diluvialen Periode wieder teilweise zerstört
worden. Nun ıst uns beksnnt, daß in den australischen Gebieten
ursprünglich plazentare Säugetiere fehlten und es muß das Auftreten
von Huftieren dort deshalb einiges Befremden erregen und wir müssen
uns fragen, wo diese Tiere hergekommen sind. Wir erfahren dann
weiter, daß uf diesen Landbrücken die vittatus-Schweine nur bis
Java wanderten, daß dagegen die verrucosus-Schweine, die angeblich
nie gezähmt worden sind, bis nach Borneo, Celebes, den Philippinen
und den nördlichen Molukken gelangten. Wenn es nun auf Neuguinea
echte Wildschweine geben würde, so müßten es ohne Zweifel verrucosus-
!) Keller, Abstammung p. 106 ff.
der Schweinerassen in den deutschen Kolonien der Südsee. 27
Schweine sein und, da sie nun aus anatomischen Gründen dem vittatus-
Typus zugerechnet werden müssen, so bleibt kein anderer Schluß,
als daß die Schweine Neuguineas erst durch die Menschen ss zahme
Tiere eingeführt worden sind und daß sie durch ihr freies ungebundenes
Leben wieder zum Teil in den wilden Zustand übergegangen sind.
Daher rühren auch die verschiedenen Formen von domestizierten,
wilden und darzus gemischten Schweinen. Für die Entstehung dieser
verschiedenen Formen finden wir such zahlreiche Belege in der Literatur.
So ist uns z. B. von dem Sus papuensis!) bekannt, daß dasselbe im
Leben der Eingeborenen von Kaiser Wilhelmsland neben dem Hunde
eine große Rolle spielt. Die domestizierten Formen werden teils
durch eine primitive Art von Züchtung, teils durch Aufzucht der (anfangs
gestreiften) Frischlinge der wilden Form gewonnen. Jene besteht darin,
daß man meist nur Zuchtsauen hält, aber keine Zuchteber, da man die
männlichen jungen Tiere, wie auf den Nikobaren, kastriert; in der
Rauschzeit werden die Sauen in den Wald gelassen, dort von den wilden
Ebern besprungen und kommen dann zu den Hütten der Eingeborenen
zurück. Die so gewonnenen Ferkel erhalten von den Papuafrauen
eine sorgfältige Aufzucht und werden selbst an die Brust zum Säugen
genommen, so daß sie sehr zahm werden. In der Gegend Hatzfeld-
hafen sollen die Papuas sogar die grausame Sitte haben, die Ferkel
zu blenden, um sie »m Fortlaufen zu hindern.
Nun haben wir weiter festgestellt, daß auf dem Bismarckarchipel
die vittatus-Schweine in obigen drei Formen vorkommen, daß die
Karolinen diese Schweine in fast wildem Zustande beherbergen und daß
dieses Schwein auf den Marianen heimisch ist. Hierbei ist noch die
Frage zu lösen, auf welche Weise diese Schweine ihre Reise viel weiter
nach dem Osten ausgedehnt haben, als bisher alle Zoologen annahmen,
denn wir können wohl als sicher hinstellen, daß auch hier gemäß der
gleichartigen Entstehungsgeschichte der Inseln, ursprünglich keine
Schweine vorhanden gewesen sind; das Gegenteil müßte erst durch
Auffinden fossiler Überreste bewiesen werden.
Das Nächstliegende ist, daß die Besiedelung mit Schweinen
durch Europäer erfolgt wäre; die neuesten Forschungen auf dem Ge-
biete der Meeresströmungen ?) lassen aber auch die Vermutung zu,
daß zwischen den Molukken, Neuguinea, Bismarcksrchipel und den
Karolinen schon vielleicht weit vor dem ersten Auftreten der Europäer
in diesen Gegenden ein reger Verkehr bestanden hat, der auch die
Verbreitung der Schweine besorgte. Wir wissen, daß im Gegensatz zum
Östen, wo der Passatwind Polynesier und Mikronesier nsch Melanesien
trieb, die besser ausgerüsteten Indonesier und Asiaten den Monsum-
strom benützten, um das gleiche Gebiet zu erreichen. Hatten die
Schweine erst einmal die Karolinen erreicht, so ist ihre Übersiedelung
nach den Marianen leicht nachzuweisen. Wir lesen z. B. bei Quatrefages
Schilderungen über die Karoliner, welche durch Vermittlung des
!) Rohde, Schweinezucht p. 13 und Hahn, Die Haustiere p. 219.
2) Thilenius, Die Bedeut. d. Meeresströmungen p. 10—18.
28 Max Bauschke: Beitrag zur Kenntnis
Kapıtäns Kotzebue von dem Untergouverneur von Guaham, der
Hauptstadt der Marianen (dem jetzigen amerikanischen Guam),
Louis de Tort stammten, nach denen jene geschickte und kühne See-
fahrer gewesen seien und in ihren kleinen nur 14—16 m langen, aber
sehr schnellen Segelpiroguen weite Reisen machten; die Orientierung
geschah durch den Sternenhimmel, den. sie in 28 Abschnitte eingeteilt
hatten, wie die alten Griechen. — So sei im Jahre 1788 in Gusham
eine Flottille von Karolinern erschienen, welche, um dorthin zu gelangen,
mindestens eine Überfahrt von 5—600 km hatten machen müssen
und erzählten, daß schon ihre Vorfahren die Gewohnheit gehabt hätten,
mit Guaham Handel zu treiben und daß diese Reisen erst aufgehört
hätten, als die Weißen ihre Raubzüge auf den Marianen begonnen
hatten. In den 200 Jahren wo die Reisen unterblieben waren, habe
sich die Kenntnis des Reiseweges von den Karolinen zu den Marianen
in den Volksgesängen der Karoliner erhalten.
Auf diese Weise wäre die Erklärung für die Wanderung der vittatus-
Schweine aus ihrer asiatischen Heimat über Sumatra, Java, Neu-
guinea, Bismarckarchipel, Karolinen bis nach den Marianen erbracht.
Es bleibt nur noch zu untersuchen, auf welche Weise der von uns
für die Inseln Saipan und Tinian festgestellte Sus serofa-Einschlag
dorthin gelangt ist. Die Marianen, 1521 durch Magelhaens entdeckt,
gerieten 1565 in spanischen Besitz. Sie besaßen damals eine zahlreiche
Bevölkerung: die Chamorro, welchen auch schon eine gewisse Kultur
eigen gewesen sein soll. Sie leisteten den Spaniern heftigen Widerstand,
wurden aber durch diese Kriege bald so entvölkert, daß die Spanier
tagalische Familien aus Luzon zur Besiedelung einführen mußten.
Was liegt näher, als daß die Spanier nicht nur Menschen, sondern
auch mit diesen von ihren Haustieren diejenigen einführten, welche
ihnen, beziehungsweise ihren Arbeitern zum Lebensunterhalt nützlich
sein konnten. Und so führt uns die Geschichte auf das romanische
Schwein. Der in Spanien und Portugal gezüchtete Schlag dieses
romanischen Schweines ist nach Nathusius ein kleines munteres Tier
mit kleinem Kopf und spitz zulaufendem Rüssel, das sich sehr schnell
entwickeln und sehr mastfähig sein soll, dabei aber etwas weichlich
und für rauhere und mehr nördlich gelegene Gegenden nicht mehr
geeignet; sollten die mit ewig warmem Klima begünstigten Inseln
der Südsee nicht wie geschaffen für dieses etwas empfindliche Schwein
gewesen sein?, und kann man zwei körperlich mehr für einander ge-
eignete Rassen sich denken, als dieses kleine romanische und das durch
das Inselleben ebenfalls verkleinerte vittatus-Schwein? Andererseits
lesen wir, daß der Speck dieser romanischen Schweine dünn und weich
sei und sie mehr zu Fleischschweinen für den sofortigen Verbrauch
geeignet seien; auch dies machte das romanische Schwein für die Südsee-
inseln geeignet. Über die Abstammung des romanischen Schweines
sagt Nathusius, daß es höchst wahrscheinlich sei, daß dasselbe aus einer
Vermischung zweier Rassen entstanden sei, und daß die Stammeltern
einerseits dem Wildschwein ähnliche, andererseits dem indischen
Hausschwein ähnliche Tiere waren; jeder andere Schluß scheint Na-
der Schweinerassen in den dentschen Kolonien der Südsee, 29
thusius gewagt zu sen. Wenn dem aber so ist, so versteht sich von
selbst, daß wir unter dem romanischen Schwein mannigfache Formen-
schwankungen finden werden; es werden alle Formen vorkommen,
welche zwischen den beiden Exiremen, dem Wildschwein und dem
indischen Schwein denkbar sind, je nachdem mehr Blut des einen
oder des anderen eingemischt ist.
In diesen Sätzen finden wir den Beweis für die Richtigkeit unserer
Behauptung. Der bei verschiedenen Schweinen der Inseln Tinian
und Saipan festgestellte unzweifelhafte serofa-Einschlag rührt höchst
wahrscheinlich von importierten romanischen Hausschweinen her,
in deren Vorfahren die Wildschweinform die vorherrschende war!
Thesen.
l. Das Verbreitungsgebiet des Sus vittatus erstreckt sich bis auf
die deutschen Kolonien der Südsee.
2. Die für Deutsch-Neuguinea aufgestellten beiden Formen des
Sus niger Finsch und Sus papuensis Lesson sind nichts weiter als nur
durch äußerliche Merkmale differierende, in geringerer oder größerer
Freiheit lebende Vertreter des Sus vittatus.
3. Auf dem Bismerckarchipel und den Karolinen kommt das Sus
vittatus meist in verwildertem Zustande vor.
4. Auf den Marianen lebt das Sus vittatus teils im domestizierten,
hauptsächlich aber in verwildertem Zustande; zußerdem gibt es dort
noch Schweine, welche die Merkmale des Sus vittatus und des Sus
scrofs ferus gemischt tragen.
5. Auf den Marisnen besteht u. a. eine Schweinerasse, welche wahr-
schemlich aus einer Kreuzung des Sus vittatus mit den romanischen
Schweinen hervorgegangen ist.
Vorliegende Arbeit wurde im Wintersemester 1909/10 im Zoo-
technischen Institut der Universität Bern angefertigt. Es ist mir eine
angenehme und ehrenvolle Pflicht Herrn
Professor Dr. Ulrich Duerst
beim Abschluß meiner Arbeit für die dazu erteilte Anregung, sowie für
die jederzeit bewiesene liebenswürdige Unterstützung meinen tiefen
Dank auszusprechen.
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Deutsches Kolonialblatt XVIII Jahrg. 1907 No.5,
p- 209.
Nachweisung der Schädel auf den Photographien.
Bo Profilansicht Gaumenansicht Frontalansicht
1 Platte 1, No. II Platte 2, No. IV Platte 7, No.V
2 Platte 2, No. II Platte 1, No. III Platte 8, No. IV
3 | Platte 5, No.I Platte 9, No. IV Platte 9, No. IV
4 BT Rt di
5 ut en ee
6 | Platte 2, No.I Platte 1, No. IV Platte 7, No. IV
7 | Platte 1, No.I Platte 2, No III Platte 7, No. III
8 — (Unt.-Kief.-Fragm.) Pl. 1, Mitte ==
g — Platte 2, No. V Platte 10, No.I
10 | Platte 3, No. 11 Platte 4, No. III Platte 8, No. V
11 | Platte 3, No.1I Platte 4, No, IV Platte 8, No. III
12 | Platte 6, No.1I Platte 5, No. II Platte 10, No. II
13 | Platte 8, No. II Platte 5, No. IV Platte 11, No.I
14 | Platte 4, No. 11 Platte 3, No. III Platte 9, No. II
15 | Platte 6, No.II Platte 5, No. V Platte 10, No. III
16 | Platte 7, No. II Platte 6, No.IV Platte 10, No. IV
17 Platte 8, No. I Platte 6, No. V Platte 11, No. 11
18 | Platte 5, No. 2 Platte 4, No. V Platte 9, No. III
19 | Platte 4, No.I Platte 3, No. IV Platte 9, No.I
20 | Platte 7, No.I Platte 6, No. III Platte 11, No. III
21 — _ —
Neue Untersuchungen über die Anatomie und
die systematische Stellung von Scaeopus tor-
quatus, nebst Bemerkungen über die morpho-
logische Bedeutung des basalen Gliedes des
Radius I des Säugetierchiridiums.
Von
Franz Poche, Wien.
Hierzu Tafel IV.
Vor kurzem fand ich in der Sammlung der zoologischen Institute
der Universität Wien außer dem von mir bereits im Zool. Anz. 33, 1908,
p. 568 ff. besprochenen Skelet von Scaeopus torquatus (Ill.) ein zweites,
ebenfalls beinahe vollständiges Skelet dieser Art, welches als Bradypus
tridactylus L. etikettiert und auch unter diesem Namen im alten Kata-
loge der Sammlung angeführt, im neuen dagegen als Bradypus pallidus
bezeichnet ist, und welches mir Herr Professor Joseph mit gewohnter
Liebenswürdigkeit zum Studium zur Verfügung stellte. Das Exemplar
ist noch nicht erwachsen, aber ganz zweifellos älter als das jüngste
der von mir in meiner früheren Arbeit besprochenen Individuen,
wie sich aus der wesentlich größeren Länge des Radius, dem Umstande,
daß die Epiphysen der Phalangen im Gegensatze zu diesem bereits
sämtlich mit ihren Diaphysen verschmolzen sind, der weiter vor-
seschrittenen Verwachsung von Knochen usw. mit Sicherheit ergibt,
dagegen zber wohl sicher jünger als das zweitälteste von jenen, wie
zus ganz ähnlichen Gründen erhellt (ich verweise diesbezüglich der
Kürze halber bloß auf das im Nachfolgenden über dasselbe Gesagte). —
Anschließend an meine soeben angeführte Arbeit möchte ich im
Folgenden die Ergebnisse meiner Untersuchung desselben, soweit
sienicht lediglich eine Bestätigung der bereits
alskonstanteCharakteredieserFormbekannten
Verhältnisse darstellen, mitteilen und dabei zugleich
die Gelegenheit benützen, um zu einigen in den vor kurzem erschienenen
eingehenden, schönen Arbeiten der Herren Menegaux (Arch. Zool.
Exper. Gen. (5) 1, 1909, p. 277—344, Tab. III—VI) und Anthony
(Ann. Sci. Nat., Zool., (9) 9, 1909, p. 157—285, Tab. 2—6) berührten
Punkten Stellung zu nehmen sowie einige ergänzende Bemerkungen
über die von mir in meiner früheren Publikation besprochenen Skelete
zu machen.
Die Zzhl der Halswirbel beträgt bei dem in Rede stehenden
Exemplare ebenfalls 9. Auch bei diesem trägt der letzte derselben
eine sehr kurze, unbewegliche Halsrippe, die sowohl mit dem Quer-
fortsatz wie mit dem Wirbelkörper verbunden ist, während der Quer-
Archiv re B)
34 Franz Poche: Neue Untersuchungen über die Anatomie
fortsatz des 8. Wirbels nur auf der linken Seite etwas verlängert ist. —
Dazu möchte ich bemerken, daß Herr Anthony meine bezüglichen
Ausführungen (t. c., p. 569 £.) mißverstenden hat, wenn er (p. 201)
sagt, daß ich bei zwei Exemplaren des Wiener Hofmuseums und einem
solchen des Zoologischen Institutes je 9 Halswirbel gefunden und
überdies nach den alten Autoren, die ich nachgesehen habe (Wagner,
der Prinz von Wied und Peters), als authentisch beobachtete Zahl
der Halswirbel drei Fälle von 9 und einen Fall von 8 solchen ge-
funden hätte, sodaß er samt den zwei von ihm selbst beobachteten
auf 8 Fälle von 9 und einen solchen von 8 Halswirbeln kommt.
Denn, wie meine gedachten Ausführungen besagen, hatte ich bloß
die Wirbelsäulen von zwei Individuen unserer Art untersucht und
in der früheren Literatur nur je einen zuthentisch beobachteten
Fall des Vorkommens von 9 und von 8 Halswirbeln gefunden, während
bei meiner resumierenden Angabe, daß bei Scaeopus torqustus drei
Fälle des Vorkommens von 9 Halswirbeln authentisch nachgewiesen
sind, die beiden vorher angeführten von mjr beobachteten solchen
bereits mit inbegriffen waren. Es waren also zur Zeit der Abfassung
der Arbeit des Herrn Anthony einschließlich der beiden von ihm
selbst festgestellten (aber ohne den von Menegaux, Compt. Rend.
Acad. Sci. 147, 1908, p. 640 angeführten, den Anthony (p. 200) nur
in einer Fußnote erwähnt — anscheinend deshalb, weil Menegaux
dabei nicht angibt, auf welches Exemplar sich die betreffende Zählung
bezieht, so daß nicht ersichtlich ist, ob es sich nicht um ein Individuum
handelt, welches bereits die Grundlage für eine entsprechende Angabe
seitens eines anderen Autors [speziell Wagners] gebildet hat [was, wie
sus der oben genannten späteren Arbeit Menegaux’ (p. 322, ef. p.278) her-
vorgeht, auch tatsächlich der Fall ist]) nur 5 (statt 8) sicher constatierve
Fälle des Vorkommens von 9 und ein solcher des Vorkommens von
8 Halswirbeln bekannt, welche erstere Zahl sich durch das am Eingange
dieses Absatzes angeführte Exemplar auf 6 erhöht. — Ferner bin ich
jetzt in der Lage, mit sehr großer Wahrschemlichkeit zu erklären,
wieso A. Wagner (Gel. Anz. bayer. Akad. Wiss. 31, 1850, col. 78)
zu der von mir (p. 569 f.) angeführten und schon damals als möglicher-
weise auf einer Verwechslung beruhend bezeichneten Angabe ge-
kommen ist, daß nach den in der Literatur vorhandenen Mitteilungen
über unsere Art die Halswirbel „bey 2 Exemplaren nur zu 8 gefunden
worden sind“, während ich trotz allen Suchens nur einen (von dem
Prinzen zu Wied mitgeteilten) solchen Fall finden konnte. Rapp
(Anat. Untersuch. Edentaten, 2. Aufl., 1852 [mir ist leider nur diese
zugänglich, doch findet sich die betreffende Angabe zweifellos such
schon in der 1843 erschienenen 1. Aufl.], p. 26 £.) sagt nämlich: „Bei
Bradypus torquatus finden sich acht Halswirbel“, ohne eine Quelle
hiefür anzuführen. Da ihm aber, wie insbesondere aus p. 41 klar hervor-
geht, kein Skelet unserer Art vorgelegen ist, so muß er diese Angabe
selbst wieder sus einem anderen Autor entnommen haben, und zwar
offenbar aus dem Prinzen zu Wied (Beitr. Naturgesch. Brasilien, 2,
1826, p. 493), da dies meines Wissens der einzige Autor jst, der eine
und die systematische Stellung von Scaeopus torquatus. 35
bezügliche Mitteilung gemacht hatte. Und aufdiese Angabe
Rapps ist — da eine entsprechende an der e augenscheinlich nicht
existiert — wohl zweifellos A. Wagner’s vermeint-
licher 2. FalleinerinderLiteraturvorhandenen
Mitteilung über das Vorkommen von 8 Hals-
wirbelnbeiunsererArtzurückzuführen,welcher
somit für unsere Betrachtung ausscheidet, da
es sich dabei eben nur um einen von einem anderen Autor (Prinz zu
Wied)-mitgeteiltenundalssoleherbereitsinRechnung
gesetzten Fall handelt. — Weiters besitzt das hier in Rede
stehende Exemplar 15 Brustwirbel, während bei allen bisher darsufhin
untersuchten Exemplaren unserer Art die Zahl dieser 14 betrug. Heır
Menegaux gibt zwar (t. c., p. 322) für unsere Art 14—15 solche an,
doch dürfte dies jedenfalls auf ein Versehen zurückzuführen sein, da
die Autoren die er dafür anführt, Menegaux [Compt. Rend. Acad.
Sci. 147, 1908, p. 640] und Poche [t. e., p. 570] (Wagner gab überhaupt
nur die Zahl der Halswirbel an), beide nur 14 Brustwirbel angeben.
— Ferner sind 4 Lendenwirbel, 4 Szcral- und 11 Schwenzwirbel vor-
handen, von welchen letzteren aber die 3 vordersten in der bekannten
Weise als pseudosscrale Wirbel in das Becken einbezogen sind. (Bei
anderer Auffassung könnte man auch 5 Sacral- und 10 Schwanzwirbel
zählen, von welchen letzteren dann die 2 vordersten pseudosacrale
Wirbel darstellen würden.)
Das Manubrium sterni ist auf eine kurze Strecke über das erste
Rippenpaar nach vorn verlängert, und zwar ist diese Verlängerung
sehr breit und vorne stumpf abgerundet.
Die Zahl der Rippen beträgt 15, von welchen 8 wahre und 7 falsche
sind. Wie bei den früher von mir untersuchten Skeleten sind sie viel
schmäler als bei Bradypus, während nach den Angaben Anthonys
(p- 205) bei dem von ihm untersuchten Exemplar der gedachte Unter-
schied gegenüber letzterer Gattung auch vorhanden, aber „sehr wenig
bemerkbar“ ist. Die 2. bis 11. sind m ihrem ganzen Verlauf überall
annähernd gleich breit, während die hinteren und in geringerem Maße
such die 1. nach unten zu deutlich verjüngt sind. — Bei dieser Ge-
legenheit muß ich auch ein störendes Versehen richtigstellen, das mir
in meiner erwähnten Arbeit, p. 570 £. unterlaufen ist. Ich gebe nämlich
daselbst die Zahl der Brustwirbel der beiden von mir damals unter-
suchten Exemplare richtig zu 14 an, schreibe aber trotzdem dann
dem älteren derselben 8 wahre und 7 falsche, also im Ganzen 15 Rippen
zu. Diesistnatürlichunrichtig,undhatdasselbe
in Wirklichkeit je 7 wahre und falsche Rippen.
Ich kann mir diesen bedauerlichen Fehler nur dadurch erklären, daß
das betreffende Skelet sich in vollkommen demontiertem Zustande
befindet, die Rippen fast sämtlich von den Wirbeln losgelöst sind,
und ich infolgedessen bei der Ordnung der einzelnen Elemente desselben
eine falsche Rippe zuerst irrtümlicherweise für eine wahre anseh,
später aber bei der Zählung jener mich eines besseren überzeugte,
jedoch vergaß, auch die entsprechende Korrektur bej der Zahl der
3%+
36 Franz Poche: Neue Untersuchungen über die Anatomie
wahren Rippen vorzunehmen. — Merkwürdigerweise ist Herrn Anthony
offenbar ein ähnliches Versehen unterlaufen, indem er zwar angibt,
daß beide von ihm untersuchte Individuen von Scaeopus torquatus
14 Rückenwirbel (p. 201 f. u. 204) und ebensoviele Rippen (p. 205)
besitzen, zugleich aber (l. c.) dem einen derselben 8 wahre und 7 falsche
Rippen zuschreibt. Zudem hat eben dieses Exemplar auch nach der
Abbildung (Tab. 3, Fig. IV) augenscheinlich nur 14 Rippen.
Das Schulterblatt (s. Fig. 1 u. 2) zeigt statt eines Foramen eoraco-
scapulare erst eine Incisura coraco-scapularis, die allerdings schon
fast vollkommen geschlossen ist (durch Bindegewebe war auch jetzt
schon ein vollständiger Abschluß derselben hergestellt). Die äußere
knöcherne Umrandung derselben ist an der linken Scapula nur ca. 3/,
so breit wie bei der hier dargestellten rechten. Die Suprsscapula
(die übrigens nur auf der linken Seite erhalten ist) ist noch etwas
stärker entwickelt wie bei dem jüngeren der beiden von mir früher
untersuchten Exemplare (s. t.c., p. 571, Fig. 1). Das (knöcherne)
Acromion ist viel kürzer als in den beiden bisher von mir beobachteten
(s. t. c., p. 571, Fig. 1—3) sowie in dem von Anthony (t. e., p. 213 und
Tab. 4, Fig. 11) abgebildeten und besprochenen Falle, indem, ähnlich
wie bei einem von Menegaux (Arch. Zool. Exper. Gen. (5) 1, 1909,
p. 280) beschriebenen Skelet, der absteigende Teil desselben fehlt;
er ist jedoch wie bei diesem letzteren an der rechten Seapula
durch eine flache Knorpelspange vertreten (links ist dieselbe offen-
bar wegpräpariert worden), die sich unmittelbar an das distale
Ende des knöchernen Acromions in der ganzen Breite desselben an-
setzt und, sich gegen ihr Ende ein wenig zungenförmig verbreiternd,
bis auf eine Entfernung von nicht ganz 3 mm an das distale Ende des
Processus cor2coideus herabreicht, während die vollständige Ver-
bindung mit diesem bloß durch fibröses Bindegewebe hergestellt wird,
das ihn sowie die gedachte Knorpelspange (und den Knochen über-
haupt) allseits umhüllt. In diese Knorpelspange eingelagert — sodaß
sie auch an ihrer Oberfläche von einer ganz dünnen Schicht Knorpel
überzogen sind, wie man sich am aufgeweichten Exemplar überzeugen
kann — befinden sich zwei Knochenkerne, von denen der größere
ungefähr die Gestalt eines gleichschenkligen Dreiecks hat und sich
mit seiner Basis unmittelbar an das Ende des Acromions anlegt, ohne
aber irgendwie mit demselben verwachsen zu sein (er folgt am auf-
geweichten Skelet vollkommen allen Bewegungen des ihn umhüllenden
Knorpels), während der zweite, viel kleinere etwas seitlich von der
Spitze des ersteren beginnt und annähernd die Form eines kurzen,
dicken, an beiden Enden verschmälerten Stäbchens hat. Die Ober-
fläche beider ist nicht glatt, sondern flach hügelig, und stellen sie
offenbar die ersten Verknöcherungspunkte des absteigenden Astes
des Acromions dar. — Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch
eine Lücke in meinen früheren Angaben über die Art der Ver-
bindung des Acromions mit dem Processus coracoideus bei dem
jüngeren der mir damals vorgelegenen Exemplare ausfüllen. Ich hatte
nämlich damals (p. 572) angegeben, daß bei diesem das Acromion miv
und die systematische Stellung von Scaeopus torquatus. 37
dem Processus corscoldeus durch fibröses Gewebe verbunden ist. Dies
ist ja nun an sich auch vollkommen richtig; viel wichtiger aber ist,
daß, was mir damals leider entging, dieses fibröse Gewebe in seinem
Innern gleichfalls eine Knorpelplatte enthält, welche sich in seiner
ganzen Ausdehnung (s. p. 571, Fig. 2) erstreckt und das Ende des
Acromions, den Processus corscoldeus und die p. 572 erwähnte isolierte
Knochenplstte miteinander verbindet. Gleichzeitig bemerke ich,
daß bei diesem Exemplar das Acromion genau an der Stelle, wo sich
bei dem vorhin besprochenen die gedachte Knorpelspange an dasselbe
anschließt, eine zwar bereits fast völlig verstrichene, aber bei einiger
Aufmerksamkeit sowohl an der Ober- wie insbesondere an der Unterseite
deutlich erkennbare Quernaht aufweist. Bei dem älteren jener beiden
Exemplare ist dies jedoch nicht mehr der Fall; aber dafür ist hier an
genau derselben Stelle eine beträchtliche Verschmälerung, Verdünnung,
und Änderung der Richtung des Knochens, und zwar auch in der
Horizontalen (s. Poche, t. c., p. 571, Fig. 3), bemerkbar, wobei er an
der äußeren Kante eine flache, aber sehr deutliche Callosität aufweist.
— Um wieder zu dem uns hier in erster Linie beschäftigenden Skelet
zurückzukehren, so trägt der rechtsseitige Processus corzcoideus an
seinem distalen Ende eine Epiphyse (links ist dieselbe augenscheinlich
gleichfalls der Kunst des Präparstors zum Opfer gefallen), wie es für
die Bradypodidae überhaupt charakteristisch ist (s. Parker, Monogr.
Struet. Developm. Shoulder-girdle Sternum Vertebratz, 1868, p. 199).
Dieselbe (s. Fig. 2) ist größtenteils knorpelig und schließt sich unmittelbar
on den Knochen an, wobei der Knorpel den oberen Teil des freien Endes
desselben an der Außenseite noch ein Stückchen weit bedeckt; bloß
ihre distale untere Ecke enthält einen kleinen Knochen, der nur an
der Kante selbst zu Tage tritt, sonst ber überall, zußer eventuell an
der an den Processus corscoldeus anstoßenden, der Beobachtung
nicht zugänglichen Seite, von Knorpel überdeckt ist (wie man sich
am besten am aufgeweichten Objekt überzeugen kann), durch den er
jedoch, besonders im trockenen Zustande, deutlich sichtbar ist. Vom
Processus corscoideus ist er an der äußeren (1. e. der auf der Abbildung
sichtbaren) Fläche durch einen Spalt getrennt, der am trockenen
Objekt nur als einfache Linie erscheint, am aufgeweichten hingegen
ein zwar schmales, aber deutliches Lumen erkennen läßt, welches am
unteren Rande am breitesten ist und, sich immer mehr verschmälernd,
bis ein Stück über den oberen Rand des in Rede stehenden Knöchelchens
in den Knorpel hineinreicht. In diesem Spalt ist auch (am auf-
geweichten Objekt) die ganze Epiphyse etwas beweglich. — Auf Grund
dieses Befundes sowie der weiter oben angegebenen knorpeligen
Verbindung der isolierten Knochenplatte am Ende des Processus
coracoldeus des jüngeren der mir bei meiner früheren Veröffentlichung
vorgelegenen Exemplare mit demselben zögere ich nun auch nicht länger,
dieseletztere, über deren Bedeutung ich mich damals (p. 572)
absichtlich nicht aussprach, gleichfalls als die verknöcherte
Epiphyse des Processus corscoideuszu bezeichnen.
Auch dürfte keinesfalls dieser Knochen, wie Herr Menegaux (p. 280)
38 Franz Poche: Neue Untersuchungen über die Anatomie
angibt, von manchen Autoren als die ‚„Apophyse coracoide“ [= Pro-
cesuss coracoldeus] betrachtet werden, welche allerdings bei sehr
jungen Tieren von der Scapula allseitig durch eine deutliche breite
Naht getrennt ist, welcher Umstand wohl Menegaux zu seiner eben
erwähnten ganz augenscheinlich irrigen Angabe verleitet hat. — Die
Spina scapulae steigt ziemlich steil zum Acromion an, ist aber nicht
wie bei dem älteren der beiden von mir früher untersuchten Exemplare
nach hinten übergebogen. Das Acromion ist wie bei dem jüngeren
dieser an seinem proximalen Ende schmal und gegen das distale Ende
hin — natürlich abgesehen von dem erwähnten selbständigen Knochen
— verbreitert. — Die Clavicula fehlt auch bei diesem Exemplar.
Über das mutmaßliche Verhalten derselben cf. Menegaux, t. c., p. 282,
und Anthony, t.c., p. 217, deren bezüglichen Ausführungen ich mich
durchaus anschließe, zumal dieselben durch das Fehlen jener bei
allen bisher zur Untersuchung gelangten Skeleten unserer Art
eine neue Stütze erhalten.
Am Humerus fehlt die Bicepsrinne wie bei dem jüngsten der
seinerzeit von mir besprochenen Individuen. Die Länge desselben
beträgt 152,4 mm und die des Radius 150,4 mm (wobei die Zehntel mm
natürlich nur auf annähernde Genauigkeit Anspruch machen können).
— Hinsichtlich der Reihenfolge, in der bei unserer Art die verschiedenen
Gelenkköpfe mit ihren Diaphysen verschmelzen, ist es von Interesse
darauf hinzuweisen, daß bei dem ältesten der mir vorliegenden Exem-
plare die obere Epiphyse des Humerus mit dem Mittelstück desselben
bereits vollkommen verschmolzen und nur die Verwachsungsstelle
strecekenweise noch erkennbar ist, während die Epiphysenfuge am
distalen Ende der Ulna erst im Verstreichen begriffen und auch die
Verwachsungsstelle der unteren Epiphyse des Radius mit ihrer Dia-
physe noch sehr gut sichtbar ist. Im Gegensatz dazu ist beim Menschen
die obere Epiphyse des Humerus diejenige, die unter allen zuletzt
mit ihrem Mittelstück verschmilzt, indem dies erst im 22. Jahre oder
noch später erfolgt (s. z. B. Bardeleben, Lehrb. syst. Anat. Menschen,
1906, p. 243); und dasselbe Verhältnis finden wir bei Vulpes vulpes
(s. Toldt, Ann. k. k. Nathist. Hofmus., 1907—1908, 1909, p. 200).
(Bei dieser Gelegenheit möchte ich die Aufmerksamkeit der Fach-
genossen darauf lenken, wiesehrbedauerlichesist,daß
das Sammeln größerer Serienvon Skeleten — von
Spiritusmaterial behufs myo-, splanchno-, neurologischer usw. Unter-
suchung will ich derzeit lieber noch gar nicht reden! — mit
möglichst genauen Angaben über Alter, Ge-
schlecht, Fundort us w von tunlichst zahl-
reichen Wirbeltierformenselbstvondengroßen
Museen im allgemeinen so sehr vernachlässigt
wird. Gerade das schöne von Herrn Kustosadjunkten Dr. Toldt
gesammelte, dem Naturhistorischen Hofmuseum in Wien gehörige
Material an Fuchsskeleten (und -Bälgen) läßt — so wenig es
auch als genügend bezeichnet werden kann
(und auch nicht diesen Anspruch macht [s. Toldt, t. c., p. 200
und die systematische Stellung von Scaeopus torquat us. 39
u. 243]), indem es lediglich aus Österreich-Ungarn
stammt und auch da die meisten Gebiete sowie manche
Altersstufen (halbjährige und jüngere und andererseits alte
Tiere) sowie Sommerfelle sehr ungenügend vertreten sind, wie
aus den eigenen Angaben Toldts (t. c., p. 199—201) über dasselbe
ohne weiteres ersichtlich ist — das Fehlen auch nur annähernd ähnlicher
Serien in anderen Gruppen doppelt schmerzlich empfinden, zeigt
aber andererseits auch so reeht deutlich, einer
wie ausgedehnten und vielseitigen Benützung
einderartigesMaterialfähigist. So ist z.B. dasselbe,
bezw. ein durch die Bearbeitung desselben gewonnenes Resultat mir,
wie wir eben gesehen haben, sogar beim Studium einer so weit ent-
fernten Form wie Scaeopus des Vergleiches halber von Wert gewesen.)
Der Mesocarpus besteht (abgesehen vom Trapez) aus 3 Knochen,
welche wie bei allen von mir und ebenso bei
den von Anthony untersuchten Exemplaren
voneinander vollkommen getrennt sind. Ich
betone diesen letzteren Umstand ganz besonders, weil Herr
Menegaux (Arch. Zool. Exper. Gen. (5) 1, 1909, p. 293 £.) nicht nur
angibt, daß (abgesehen vom Trapez) bei einem alten von ihm
untersuchten Exemplar alle drei distalen Carpalia miteinander so
vollkommen verschmolzen waren, daß die Nahtlinie zwischen dem
Uneiforme und dem Magnum fast vollständig und die zwischen
letzterem und dem Trapezoid vollständig verschwunden war, sondern
such daß bei einem halberwachsenen Individuum das Unciforme mit
dem Magnum verschmolzen, die Verschmelzungslinie aber auf der
metaczrpalen Gelenkfläche noch vollkommen sichtbar ist, und ebenso
das Magnum mit dem Trapezoid, welche Naht vor allem auf der meta-
carpalen Gelenkfläche sichtbar si. Da dieses letztere
Exemplar aber, wie aus der angeführten Ar-
beit Menegsux’ mit voller Sicherheit hervor-
geht, identisch ist mit dem jüngsten der von
mirin meinerersten einschlägigen Publikation
besprochenen Individuen (s. Menegaux, t.c., p. 278,
293. u. 343), so habe ich dieses angesichts unserer differierenden
Befunde auf den fraglichen Punkt hin nochmals sorgfältigst nach-
unterssuchttundmußmeinedamaligeAngabeimvollen
Umfange aufrecht erhalten, indem nicht nur
nicht das geringste von einer Verschmelzung
zwischen den distalen Carpalia sichtbar ist,
sondern diese auch an der aufgeweichten Hand
sämtlich gegeneinander beweglich sind. Um aber
zu vermeiden, daß einfach Aussage gegen Aussage steht, habe ich
den bekannten Mammalogen Herrn Kustosadjunkten Dr. Toldt vom
hiesigen Naturhistorischen Hofmuseum ersucht, die betreffenden
Verhältnisse auch seinerseits nachzuprüfen, und hat er meine Angabe
an beiden Carpi des in Rede stehenden Exemplares vollkommen
bestätigt gefunden. Es ist mir eine angenehme Pflicht, ihm für seine
40 Franz Poche: Neue Untersuchungen über die Anatomie
liebenswürdige Bereitwilligkeit, diese Nachprüfung vorzunehmen,
auch an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank abzustatten. [In
seiner ersten auf dieselben beiden Exemplare gegründeten Mitteilung
(Compt Rend. Acad. Sci. 147, 1908, p. 639) hatte Menegaux übrigens
(abgesehen vom Trapez) selbst nur angegeben, daß bei dem alten
Individuum seitlich eine Verschmelzung des Trapezoid und
des Magnum bestehe] Übrigens stimmen auch Menegaux’
eigene Abbildungen des linken Carpus dieses Exemplars (Tab. IV,
Fig. 13, und p. 297, welche letztere sich ganz zweifellos ebenfalls
auf dieses bezieht [ef. p. 298]), durchaus nicht mit seinen im Texte
über denselben gemachten Angaben (s. oben) überein, indem nach
jenen beiden das Magnum auf der allein sichtbaren dorsalen Seite
sowohl vom Unciforme wie vom Trapezoid deutlich (und
augenscheinlich nicht etwa bloß durch eine Nahtlinie) getrennt ist.
Ebenso ist aber auch im vollen Gegensatz zu Menegaux’ oben
mitgeteilten Angaben bei dem alten von ihm untersuchten Individuum
nach seiner eigenen photographischen Abbildung (Tab. IV, Fig. 11)
das Unciforme vom Magnum fast in seiner ganzen Länge deutlich
getrennt und ebenso die Trennungslinie zwischen letzterem und dem
Trapezoid überall sehr gut erkennbar. Dagegen läßt sich nach der
Abbildung nicht entscheiden, ob die in Rede stehenden Knochen
überall von einander geschieden sind und nur dicht aneinander stoßen,
bzw. die Zwischenräume von Bindegewebe ausgefüllt sind, oder ob
stellenweise tatsächlich eine Verwachsung vorliegt (cf. die distalen
Enden von Radius und Ulna in Fig. 11 u. 13, wo stellenweise gleich-
falls eine Trennungslinie nicht erkennbar ist, obwohl sie natürlich über-
all vorhanden ist). [Ich habe hier auf Fig. 11 als auf die Abbildung
des Carpus des alten von Herrn Menegaux beschriebenen Stückes
unserer Art verwiesen, während Menegaux selbst (p. 290—301) auf
Fig. 12 als auf diese verweist und ebenso in der Tafelerklärung (p. 343)
die gedachte Figur als diese bezeichnet, wogegen er Fig. 11 als den
Carpus eines Exemplares von Bradypus cuculliger darstellend anführt
(p. 298 u. 343). Dies ist jedoch ganz zweifellos ein Versehen, bzw. hat
eine Vertauschung der betreffenden Nummern auf der Tafel statt-
gefunden, worauf bereits Anthony (t.c., p. 281) hingewiesen hat.]
Jedenfalls können aber die angeführten Angaben von Menegaux nach
allem eben Gesagten keineswegs als Beweis für das tatsächliche Vor-
kommen von Verwachsungen zwischen den distalen Carpalia bei unserer
Art angesehen werden, und ist also die Dreizahl dieser nach wie vor
unter den Scaeopus von Bradypus unterscheidenden Charakteren
anzuführen.
Was die morphologische Bedeutung des einzigen den Radius I
der Hand, bzw. des Fußes bildenden Knochens betrifft, so muß ich
einen wesentlichen Unterschied zwischen Anthonys und meiner
eigenen Auffassung desselben konstatieren. Der genannte Gelehrte
sagt nämlich (p. 224), daß „die Anatomen gegenwärtig darin über-
einstimmen, das erste Segment des ersten Fingers als eine Phalenx
[statt als ein Metacarpale] zu betrachten‘, daß fast alle Anztomen
und die systematische Stellung von Scaeopus torquatus. 41
heute zugeben, daß das gedachte Segment in Wirklichkeit eine erste
Phalanx sei (p. 225 f.), daß ‚man zugibt, daß das erste Glied des
Fingers I nicht als ein Metacarpale, sondern als eine erste Phalenx
betrachtet werden muß, und das bei allen Säugetieren überhaupt“
(p. 231, und ganz analog auf p. 255 für den Fuß), und macht diese
Anschauung auch zu der seinigen, wie sowohl aus dem Zusammen-
hange der angeführten Stellen als insbesondere daraus hervorgeht,
daß er (p. 233) speziell in Bezug auf die Hand der Faultiere susdrücklich
sagt, daß der reduzierte erste Radius derselben ‚„unbestreitbar als
eine erste Phalanx betrachtet werden muß“. — Vor allem ist die in
etwas verschiedener Form mehrfach wiederholte Behauptung eine
durchaus irrige, daß heute „fast alle‘ Anatomen zugeben, und daß
„man zugibt“, daß das erste Segment des ersten Radius der Hand
und des Fußes (bei den Bradypodiden wie bei den Säugern
überhaupt) nicht ein Metscarpale, bezw. ein Metatarsale, sondern
eine erste Phalanx darstellt. Zum Beweise dessen sei auf folgende
beliebig herausgegriffene Autoren verwiesen, deren Zahl sich leicht
noch beträchtlich vermehren ließe und welche sämtlich die gerade
entgegengesetzte Ansicht vertreten: Weber, Säugetiere, 1904,
p. 104 f. (Säugetiere überhaupt) und p. 441 (Bradypodidae);
Grobben, Lehrb. Zool., begründ. v. Claus, [1. Aufl.], 1905, p. 864;
Ottendorff, Zeitschr. orthopäd. Chir. 17, 1906, p. 523 f.; Menegaux,
Compt. Rend. Acad. Sei. 147, 1908, p. 638 f.; Zittel, Grundz. Palaeont.,
1895, p. 749; Fürst, Zeitschr. Morph. Anthrop. 2, 1900, p. 59 und
67 ff.; Lebouceq, Bull. Acad. Roy. Med. Belgique (4) 10, 1896, p. 344
—„61; Beddard, Mammalia (in: Cambridge Nat. Hist., 10), 1902, p. 41;
Bardeleben, Lehrb. syst. Anat. Menschen, 1906, p. 261—265, 305 £.;
Pfitzner, Zeitschr. Morph. Anthrop. 2, 1900, p. 155 ff.; Rieder, Zeitschr.
Morph. Anthrop. 2, 1900, p. 178—196 [u. a. gewichtige terstologische
Argumente!]; Emery, Denkschr. Med.-Natwiss. Ges. Jena 5, 1894
—1897, 1897, p. 391; Gegenbaur, Vergl. Anat. Wirbelthiere, 1, 1898,
p- 937 u. 584 f.; Broom, Anat. Anz. 28, 1906, p. 106; Scott, Edentata
(in: Rep. Princeton Univ. Exped. Patagonia, 5), 1903, p. 175, 194, 202
et passim; Kirchner, Arch. Entwicklmech. 24, 1907, p. 539—616;
Lazarus, Morph. Jahrb. 24, 1896, p. 133—139; Hilgenreiner, Beitr.
klin. Chir. 54, 1907, p. 585 — 629; Rauber, Lehrb. Anat. Menschen,
5. Aufl., 1, 1897, p. 267 £. und 285 f. usw. usw. — Weitgeringer
ist dagegen die Zahl jener Autoren, die in dem
entsprechenden Zeitraume — etwa den letzten anderthalb Decennien
vor dem Erscheinen der Arbeit des Herrn Anthony — sich zu der
Anschauung bekannt haben, daß das erste Segment des ersten Radius
des Chiridiums der Mammalia nicht ein Metacarpale, bezw. ein Meta-
tarsale, sondern eine erste Phalanx darstellt. Mir sind von solchen
außer Herrn Anthony selbst nur folgende bekannt geworden:
Volkov, Bull. Mem. Soc. Anthrop. Paris (5) 3, 1902, p. 283—293 [der
dieselbe übrigens (p. 293) nur als „sehr wahrscheinlich“ erklärt und
auf die Notwendigkeit weiterer, speziell embryologischer Unter-
suchungen hinweist]; Gräfenberg, Anat. Hefte, 1. Abt., 30, 1905,
42 Franz Poche: Neue Untersuchungen über die Anatomie
p. 54—56 [besonders ontogenetische Gründe!]; und Dun, Glasgow
Med. Journ. 1903, Sept. [eit. nach Windle, Anat. Hefte, 2. Abt., 14,
1904, 1905, p. 1061 (cf. p. 1050]. Ich betone hiebei jedoch aus-
drücklich, daß ich keineswegs behaupten will, daß dies wirklich
die einzigen Autoren sind, die innerhalb des gedachten Zeit-
raumes die in Rede stehende Ansicht vertreten haben, sondern
nurbeweisen, daß die Zahl dieser weit geringer
ist als die der Vertreter der gegenveiligen Auf-
fassung, undinsbesondere, daß es auf jeden Fall ganz
unrichtig ist zu behaupten, daß heute ‚fast alle“ Anatomen der
ersteren Ansicht huldigen. — Und was die materielle Seite der Frage be-
trıfft, so will ich hier nur kurz bemerken, daß ich an der in meiner ersten
Arbeit zugrunde gelegten Anschauung, wonach das ersie Glied des
Radius I des Chiridiums der Säugetiere das Metscarpale, bzw.
Metatarsale I (und nicht die erste Phalanx) darstellt, auch fernerhin
festhalten muß, wobei ich zur Unterstützung derselben auf die sehr
beachtenswerten teratologischen Darlegungen Rieders (l. e.) sowie
insbesondere darauf hinweise, daß Broom (Anat. Anz. 28, 1906,
p. 106—108) den Umstand, daß sich die 'Epiphyse beim Meta-
carpale und Metatarsale I der Säugetiere [in der Regel, aber keineswegs
in allen Fällen! — d. Verf.] am proximalen statt wie bei den anderen
Mittelhand- und Mittelfußknochen am distalen Ende befindet — auf
welchen sich die erwähnte gegenteilige Ansicht mit in erster Linie
stützt —, in sehr ansprechender Weise durch die größere oder geringere
bei den Vorfahren derselben zwischen den einzelnen Gliedern der
verschiedenen Radien bestandene Beweglichkeit erklärt.
Auch bei dem uns jetzt beschäftigenden Exemplare bilden die
Metacarpalis I und Il einer- und III—V andererseits je eine Gruppe in
der von mir bereits t. e., p. 574 für sämtliche mir damals vorgelegenen
Individuen unserer Art beschriebenen Weise. Überdies sind die Meta-
carpalia 1 und II rechts in Verwachsung begriffen, links bereits ver-
wachsen, wobei aber die Naht noch sichtbar ist, III und IV getrennt,
lassen jedoch rechts die beginnende Verwschsung erkennen, Meta-
carpale V mit IV in ca. 3/, seiner Länge verschmolzen, wovon rechts
an der Oberseite noch Spuren zu erkennen sind.
Die für Sczeopus charakteristische Reduktion des 4. Fingers
sowie des dazugehörigen Metacarpale ist such bei diesem Tiere sehr
ausgesprochen, aber doch nicht so stark wie bei den beiden jüngeren
der von mir seinerzeit besprochenen Stücke, sondern stimmt dasselbe
diesbezüglich mit dem ältesten dieser überein (s. Poche, t. c., p. 575).
— Die basale Phalanx des 2. sowie des 3. Fingers ist ganz mit dem
betreffenden Metacarpale verschmolzen, und sind bei jenem nur noch
Spuren der stattgefundenen Verwachsung erkennbar, während bei diesem
die Naht noch deutlich sichtbar ist; die des 4. dagegen ist wie bei allen
früher von mir untersuchten Tieren von ihrem Metzcarpale getrennt,
während Anthony (t. c., p. 236 £.) und Menegaux (Arch. Zool. Exper.
Gen. (5) 1, 1909, p. 301) sie bei je einem erwachsenen Exemplare
unserer Art mit demselben verschmolzen fanden, wobei jedoch der
und die systematische Stellung von Scacopus torquatus. 43
letztgenannte Forscher bemerkt, daß die betreffende Naht hier deut-
licher sichtbar ist als an den beiden anderen Fingern. Dagegen ist die
basale Phalanx bei dem in Rede stehenden Individuum von der 2.
durehgehends getrennt.
Auch bei diesem Exemplare ist das Becken wie bei den beiden
früher von mir untersuchten durch geringere Breite gegenüber dem
von Bradypus ausgezeichnet, in welcher Hinsicht sich dasselbe 21so
an dasjenige von Choloepus anschließt (s. t. c., p. 575). Da Anthony
aber (p. 242) von einem ıhm vorgelegenen Exemplare angibt, daß sich
das Becken durch die beträchtliche Verbreiterung der Darmbein-
flügel an dasjenige von Bradypus im Gegensatze zu dem von Choloepus
anschließt, und ebenso auf p.245 auf Grund von Messungen desselben
sowie mehrerer Becken der beiden anderen Genera sagt, daß er mit
meiner am Eingange dieses Absatzes angeführten Angabe nicht ganz
übereinstimmt — wobei er jedoch in loyalster Weise selbst auf die
Möglichkeit des Vorhandenseins großer individueller Unterschiede
in dieser Hinsicht hinweist —, so gebe ich in Fig. 3 eine Abbildung
des Beckens des in meiner gedachten Publikation besprochenen
erwachsenen Exemplares und weise zum Vergleich mit denen von
Bradypus einer- und von Choloepus andererseits auf die Abbildungen
dieser in G. Cuvier, Ann. Mus. Nation. Hist. Nat. 5, 1804, Tab. 17;
Blainville, Osteograph., Fasc. 4, 1840, Tab. VI u. V; Owen, Anat.
Vertebrates, 2, 1866, p. 400 hin, durch welchen die Richtigkeit
meiner bezüglichen Angabe für das mir vorgelegene Material
ohne weiteres ersichtlich ist. Ich betone dabei noch insbesondere,
daß die beiden anderen von mir untersuchten Becken in dieser
Hinsicht im Wesentlichen mit dem abgebildeten übereinstimmen.
Ebenso gebe ich, um einen exakten Ausdruck für die betreffenden
Verhältnisse zu liefern, nachfolgend eine Tabelle der für die Beurteilung
derselben im Wesentlichen in Betracht kommenden Maße und Indices,
wobei die Zehntel mm und dementsprechend auch die Zehntel bei den
Indices natürlich nur auf annähernde Genauigkeit Anspruch machen
können. Die einzelnen Exemplare führe ich dabei stets unter jenem
Namen an, der der betreffenden Form nach dem gegenwärtigen Stande
unserer systematischen Kenntnisse zukommt; wenn dieselben aber
in der betreffenden Sammlung infolge unrichtiger Bestimmung oder
von den heutigen abweichender systematischer Anschauungen anders
etikettiert sind, so füge ich diesen letzteren Namen in[ ]Jund „ “
bei. Von den Bezeichnungen der Anstalten, in denen sich das be-
treffende Skelet befindet, bedeutet „Mus.“ das Naturhistorische
Hofmuseum in Wien, und „Inst.“ die Sammlung der Zoologischen
Institute der Universität Wien. (Die Indices sind selbstverständlich
durch Division des Hundertfachen des betreffenden Breitenmaßes
durch die Länge gewonnen.)
44 Franz Poche: Neue Untersuchungen über die Anatomie
Tabelle der wichtigsten Maße der Becken der mir vorliegenden
Skelete recenter Bradypodidae.
Bezeichnung des Tieres
befindet
Größte Länge (vom vorderen
der Länge
zu dem des anderen
der Sitzbeinhöcker
Anstalt, in deren Sammlung
sich das betreffende Exemplar |
Rande des Darmbeinflügels bis
zur Spitze des Tuber ischii)
Größte Breite (vom ußersten
Teile der einen Spina anterior
superior zu dem der anderen)
Index deı größten Breite mit
Breite vom Außersten Teile des
Randes des einen Acetabulum
Index dieser Breite mit der
Länge
3 Breite zwischen den Spitzen
Index dieser Breite mit der
\ Länge
mm mm mm m
Scaeopus
S. torquatus, erwachsen . . . . . |Mus.| 90,7 | 86,7| 95,6] 769 84,8] 49,6 [54,7
S. torquatus, JS iuv. . . 2... 2. |Inst.|92 | 90,9| 98,81 81,1 | 88,2152 156,6
S. torquatus[„Bradypus tr idactylas“],
iuv. (das in dieser Arbeit be- |
sprochene Exemplar). . . . . |Inst. 82,5 | 86 1042 74,1| 89,8 51 61,8
Mittel 1.1..1.44....%..2.2 nennen.) 88,4|:87,9|. 99,4] 77,4 | 87,6) 50,9 1526
Choloepus
C. didactylus, iuv. (Die Sitzbeinhöcker
sind bei diesem Exemplar kaum
angedeutet, sodaß die bezüglichen
Maße möglicherweise nicht absolut
genau sind). 2 22.2200. [nst.|98,6 | 92,4| 93,7) 86,5 | 87,7) 59,8 |53,6
Bradypus
B. cueulliger, adult. . . . . . | Mus.| 90,4 |122,6135,6' 93 |102,9| 67,6 174,8
B. tridactylus tridactylus [„B. ir | | |
dus“), Q iv. ....2..020%. [Inst.| 92. |113,3j123,2) 98,7 107,3) 65,7 171,4
B. ceueulliger [„B. gularis“], iuv.. . |Inst.| 82,8 100 120,8 81,5 | 93,4 53,8 165
BIIEtER! „ daran Zain) EBD 126, 6 91,1) 102,9 62,4 70,4
Wenn wir die Zahlen dieser Tabelle mit den entsprechenden in
der von Anthony (p. 245) gegebenen vergleichen, so finden wir, daß
letztere sehr gut mit ersteren übereinstimmen mit Ausnahme der auf
das einzige von dem genannten Forscher gemessene Becken von Scaeopus
bezüglichen, indem bei diesem sämtliche Breitenmaße sowohl absolut
als im Verhältnis zur Länge viel größer sind und allerdings ganz in
die Variationsbreite der bezüglichen Verhältnisse bei Bradypus fallen.
Sein oben erwähnter Hinweis auf die Möglichkeit. daß sich bei unserer
Art in dieser Hinsicht große individuelle Unterschiede finden — die
weit über das hinausgehen, was etwa auf Geschlechtsverschiedenheit
zurückgeführt werden könnte — war also ein durchaus zutreffender,
und kann somit die Schmalheit des Beckens künftighin nicht mehr
als durchgreifender Unterschied von Sezeopus gegenüber Bradypus
angeführt werden, wie ich es (p. 575 u. > »uf Grund des mir vor-
und die systematische Stellung von Scaeopus torquatus. 45
liegenden Materials getan hatte, wenn derselbe auch augenscheinlich
in der Mehrzahl der Fälle zutreffend ist.
Die distalen Enden der beiden Schambeine sind es. 10,5 mm von
einander entfernt und noch nicht durch ein Os interpubale, sondern
erst durch eine ea. 4 mm breite Cartilago interpubica verbunden,
die aber bereits zwei kleine rundliche Verknöcherungen enthält,
nämlich eine in ihrer Mitte und eine dicht am Ende des rechten Os pubis.
Die distalen Tarsalia sind von den Metatarsalie bei dem vorliegenden
Exemplar ganz getrennt, wie es such bei den von mir früher be-
schriebenen fast durchgehends der Fall war (s. t.c., p.576), und ebenso,
wie gleichfalls such bei jenen, von den proximalen Tarsalıa. Dagegen
gibt Menegaux (t. c., p.308ff.; Compt.Rend. Acad. Sci. 148, 1909, p.797 1.)
on, daß bei einem alten [im Original nicht gesperrt — d. Verf.]
erwachsenen Tier unserer Art dieselben mit den Metatarsalia sowie
mit den proximalen Tarsalia verschmolzen sind, wobei jedoch die Naht
im Gegensatz zu dem Verhalten bei Bradypus noch sichtbar ist, und
sagt (p. 310), daß ich nicht ganz dieser Ansicht bin, worauf er die eben
zitierte Stelle zus memem Artikel anführt. — Diese Verschiedenheit
unserer Angaben ist lediglich darauf zurückzuführen, daß sogar das
älteste der mir vorgelegenen Individuen zwar erwachsen, aber leider
gleichwohl noch jung war (s. p. 569), worzuf Menegaux in seiner
früheren Mitteilung (Compt. Rend. Acad. Sci. 148, 1909, p. 799) zuch
selbst hinweist. — Auch Anthony gibt (p. 259) an, daß bei seinem
erwachsenen Exemplar unserer Spezies (p. 227 bezeichnet er dasselbe
als „sehr erwachsen und wöhrscheinlich sogar an den Grenzen des
Alters“) die verschmolzenen distalen Tarsalisa ‚nicht vollkommen
mit den Metatarsalia vereinigt“ sind, und weist auf den Unterschied
gegenüber dem gewöhnlichen entsprechenden Verhalten beim „drei-
zehigen Ai“ hin, wo diese Vereinigung anscheinend oft beträchtlich
früher erfolgt. Er glaubt aber in Anbetracht der individuellen Unier-
schiede, die bei allen dreizehigen Faultieren im allgemeinen in der
Reihenfolge der senilen Synostosen bestehen müssen, nicht, daß man
daraus, wie ich es nach ihm getan hätte, einen Punkt der Überein-
stimmung zwischen Scaeopus und Choloepus ableiten kann, bei welchem
letzteren die Tarsaliae nicht nur kaum eine Tendenz haben sich mit-
einander zu vereinigen, sondern immer unabhängig von den Meta-
tarsalia bleiben. Dem gegenüber muß ich darsuf hinweisen, daß ich
(p. 576 und 579) den gedachten Punkt der Übereinstimmung keines-
wegs auf ein Verhalten der betreffenden Teile wie das. von Anthony
sngegebene gründete, sondern die mir vorliegenden Exemplare durch-
wegs ein gerade entgegengesetztes solches zeigten. Und!was das Getrennt-
bleiben der Tarszlia voneinander bei Choloepus im Gegensstze zu
Sceaeopus betrifft, so hatte ich (ll. ce.) darauf bereits vorher zusdrücklich
als auf einen Unterschied der letztgenannten Gattung von Choloepus
hingewiesen, sodaß dasselbe also in diesem Zusammenhange natürlich
nicht nochmals in Rechnung gestellt werden kann. — Im Lichte der
neueren oben angeführten Untersuchungen von Menegaux und Anthony
halte ich aber meine Angabe betreifs der Übereinstimmung von
46 Franz Poche: Neue Untersuchungen über die Anatomie
Scaeopus mit Choloepus in bezug auf das Verhältnis der distalen
Tarsalia zu den Metatarsalia selbstverständlich nicht
mehr aufrecht, sondern erkenne im Gegenteil
an, daß jenerin dieser Hinsicht mit Bradypus
übereinstimmt, zumalauch bei diesem die Ver-
schmelzung der distalen Tarsalia mit den Meta-
tarsalia bisweilenerstim Alter [wenn Über uen
erfolgt, indem ich dieselben bei einem augen-
scheinlich alten Exemplar von Bradypua eu-
ceulliger des Wiener Naturhistorischen Hof-
museumsnochvollkommenvoneinandergetrennt
gefunden habe und die mehrfach vorkommende Angabe (z. B.
Huxley, Man. Anat. Vertebrated Animals, 1871, p. 333; Owen, Anst.
Vertebrates, 2, 1866, p. 413 [unter Bradypus tridsetylus sind hier
sugenscheinlich die dreizehigen Faultiere überhaupt zu verstehen];
A. Wagner in Schreber, Säugethiere, wre 4.Abth., 1844, p.138;
Rapp, Anst. Untersuch. Edentsten, 2. Aufl., 1852, p. 45; Gervais,
Journ. Zool. 6, 1877, p. 207), daß dieselben beim (erwachsenen)
Bradypus miteinander verschmolzen sind, also nicht in allen Fällen
zutreffend ist.
Metatarsale I ist bei unserem Exemplar mit II verschmolzen,
soweit es demselben anliegt, Metstarsale II und III sind rechts getrennt,
links in Verschmelzung begriffen, III und IV beiderseits im Ver-
schmelzung begriffen, IV und V endlich beiderseits miteinander ver-
schmolzen, wobei aber an der Oberseite die Naht noch sichtbar ist.
Die für unsere Art charskteristische Reduktion der 4. Zehe sowie
des dazugehörigen Metstarsale ist such bei diesem Tiere sehr deutlich,
aber nicht gerade auffallend, sondern nähert sich dasselbe in dieser
Hinsicht den beiden älteren der von mir in meiner früheren Ver-
öffentlichung beschriebenen Exemplare. — Die baselen Phalangen
sind von den zweiten und bei der 4. Zehe auch vom Metatarsele
getrennt, bei der 2. und 3. aber mit letzteren völlig verschmolzen und
lassen nur stellenweise noch Spuren der stattgefundenen Verwachsung
erkennen, während sie bei sämtlichen mir früher vorgelegenen Exem-
plaren durchwegs auch von den Metstarsalis getrennt waren (s. t. c.,
p. 577). Menegaux (t. c., p. 798 f.; Arch. Zool. Exper. Gen. (5) 1,1909,
p. 311) hat bei einem ihm vorliegenden alten Tiere sogar sämtliche
basale Phalangen sowohl mit den Metatarsalia wie mit den 2. Phalangen
verschmolzen gefunden, wobei jedoch die Verwechsungslinien noch
kenntlich waren; und ähnlich gibt Anthony (t. c., p. 259) an, daß bei
seinem erwschsenen Exemplar die Metatarsalia fast vollständig mit
den basalen Phalangen verschmolzen sind. Angesichts dieser Befunde
wird natürlich meine auf das mir damals vorliegende Material ge-
gründete Angabe (t. c., p. 577 u. 579), daß Seseopus in bezug auf die
Trennung der Metatarselis von den baselen Phalangen mit Choloepus
übereinstimmt, hinfällig, und ist dieselbeim Gegen-
teildahin zu berichtigen, daßersich durch die
stettfindende Verwachsung dieser mitjenenen
ünd die systematische Stellung von Sceaeopus torquatus. 47
Bradypussanschließt und nurinsoferneine An-
näherung andie bezüglichen Verhältnisse bei
Choloepus zeigt, als dieselbe nicht wie bei jenem sehr früh
(s. Flower, Introd. Osteol. Mammelis, 3. Aufl., 1885, p. 354), sondern,
wie aus der Gesamtheit der oben angeführten Fälle hervorgeht,
wenigstens im allgemeinen erst in einem späteren Stadium erfolgt
und überdies die Verwschsungsstellen anscheinend meist (stets?)
längere Zeit (dauernd?) sichtbar bleiben, während bei Bradypus
bald alle Spuren derselben verschwinden.
Was die verwandtschaftlichen Beziehungen unseres Tieres betrifft,
so hat die von Herrn Menegaux (p. 325) u. mir (p. 579) gegenüber Herrn
Anthony (Arch. Zool. Exper. Gen. (4) 6, 1907, p. 46), der eine nähere Ver-
wendtschaft desselben mit Choloepus behauptete — eine Anschauung,
die er übrigens in semer bereits zitierten neueren Arbeit (p. 267) selbst
nicht mehr aufrecht erhalten zu wollen scheint —, vertretene Ansicht,
daß dasselbe im Gegenteil der Gattung Bradypus näher sieht, wie zus
dem im vorhergehenden Gessgten erhellt, seit dem Erscheinen meiner
ersten einschlägigen Publikation in mancher Hinsicht eine neue Be-
stätigung erfahren, indem auf Grund weiteren Materials von den von
mir als solche angeführten Punkten der Übereinstimmung desselben
mit Choloepus im Gegensatze zu Bredypus das Verhältnis der distalen
Tarsalia zu den Metatarsalis in Wirklichkeit einen solchen der Über-
einstimmung mit letzterem im Gegensatz zu Choloepus darstellt, das
der Metatsrsaliae zu den basalen Phalangen sich eng an dasjenige bei
Bradypus anschließt und bloß eine gewisse Annäherung an das bei
Choloepus obwaltende erkennen läßt, und auch das Becken sich
nicht in allen Fällen durch seine Schmalheit demjenigen von Choloepus
im Gegensatze zu dem von Bradypus nähert.
Gleichwohl sind aber die übrigen von mir (t. e., p. 579) angeführten
Unterschiede unserer Form von Bradypus mehr als ausreichend, um
die generische Abtrennung derselben von diesem zu rechtfertigen,
indem dieselben unbesireitbsr viel beträchtlicher sind als die zwischen
vielen anderen Gettungen der Säugetiere — gar nicht zu reden von
solchen der Vögel — und es, wie ich ähnlich schon vor Jahren bei
einer anderen Gelegenheit ausgeführt habe (Zool. Anz. 27, 1904, p. 503),
durchsus inkonsequent wäre, dort, wo nur wenige Arten bekannt
sind, Unterschiede als bloß subgenerische zu betrachten, die
dort, wo die Zahl jener eine größere ist, als generische betrachtet
und somit als Grundlage für ene weitergehende Trennung
derselben benützt werden. Außerdem gesellen sich zu den gedachten
Unterschieden nun zber vuch noch der (in seiner A r t allerdings leider
nicht bekannte) im Bau des Zungenbeins (s. Peters, Monatsber. Preuß,
Akad. Wiss. Berlin 1864, 1865, p. 678, und Anthony, t. c., p. 200) —
welches bedauerlicherweise such bei sämtlichen mir vorliegenden
Skeleten fehlö —, der (von mir seinerzeit absichtlich nicht erörterte
[s. Zoolog. Anzeig. 33, 1908, p. 574]) in den Legebeziehungen der
Carpalia, betreffs welches ich bloß auf die eingehenden Dar-
legungen des letztgenannten Forschers (t. e., p. 228—231) ver-
48 Franz Poche: Neue Untersuchungen über die Anatomie
weise, sowie die weiteren von Anthony (p. 175—195 und 265 f.)
im Schädelbau gefundenen. — Was speziell den systematischen
Wert des Foramen entepicondyloideum betrifft, den Menegaux
(p. 285 u. 324) — auf Grund der großen Variabilität seines Vor-
kommens bei vielen Gruppen — vollkommen leugnet, so gibt es
sehr vieleCharaktere, die ineiner Gruppe je nach der
Spezies, ja sehr oft sogar individuell variieren, in einer anderen
aber für Gattungen, Familien und noch höhere Gruppen konstant
und sehr bezeichnend sind (ich erinnere nur an die Zahl der Rumpf-
segmente, die bei Chilopoden und Diplopoden vielfach sogar individuell
in ziemlich weiten Grenzen schwenkt, bei den Insekten aber für
Familien, Ordnungen, ja selbst Unterklassen streng fixiert und sehr
charakteristisch ist) und dementsprechend dort keinen oder nur
einen sehr geringen, hier aber einen unter Umständen sogar sehr
bedeutenden systematischen Wert haben. Und speziell in der uns hier
beschäftigenden Gruppe der Bradypodidae erweist sich das in Rede
stehend, morphologisch gewiss nicht unerheb-
liche Merkmal als für wohlabgegrenzte Gruppen von Arten, mag
man dieselben nun als Genera oder Subgenera betrachten, durchaus
konstant, und muß ich dasselbe daher mit Anthony (p. 217—219)
nach wie vor als einen bei der Abwägung der Verwandtschafts-
verhältnisse unseres Tieres nicht zu unterschätzenden Faktor be-
trachten, wenn derselbe auch für sich allein gewiß nicht zu einer gene-
rischen Abtrennung desselben berechtigen würde. Und hinsichtlich der
von Menegaux aufgeworfenen Frage (p. 324), ob nicht bei noch nicht
erwachsenen Exemplaren von Bradypus cuculliger eine beträcht-
lichere Reduktion des 4. Fingers, bezw. der 4. Zehe in iransversaler
Richtung besteht, bemerke ich, daß ich an einem in der Sammlung
der Zoologischen Institute der Universität Wien befindlichen solchen,
bei welchem das Corzcoid noch überall durch eine breite Naht von der
Scapula geirennt war, weder in transversaler noch in longitudinaler
Riehtung eine wahrnehmbare Reduktion des 4. gegenüber dem 2. und
nur eine geringe solche gegenüber dem 3. Radius gefunden habe, und
daß jene somit tatsächlich einen durchgreifenden Unterschied von
Scaeopus gegenüber Bradypus darstellt. Ebenso konnte ich aber auch
bei einem augenscheinlich alten Exemplar von Bradypus cuculliger
im hiesigen Naturhistorischen Hofmuseum die von Menegaux (p. 304 u.
324) für das erwachsene Tier dieser Art angegebene Reduktion der
2. Phalanx des 4. Fingers in der Länge nicht konstatieren — eine Angabe,
die übrigens auch schon deshalb zuffallen muß, weil Herr Menegaux
auf p.311 ausdrücklich sagt, daß ihm kein Skelet eines erwachsenen
Exemplares dieser Spezies zur Verfügung gestanden ist. — Im übrigen
kann ich mich aber den von konziliantester Gesinnung getragenen
Ausführungen des Herrn Menegaux (v. c., p. 326), der in dieser Hinsicht
auf anderem Standpunkte steht und Sczeopus nur als Subgenus von
Bradypus betrachtet, dabei jedoch hervorhebt, daß dies eine Ssche
persönlicher Wertschätzung, welche die Folge der Idee ist, die jeder
sich von der Gattung gemacht hat, und der Überemkunft zwischen
und die systematische Stellung von Scaeopus torquatus. 49
Zoologen ist, nur durchaus anschließen. — Ebenso anerkennenswert
ist andererseits such die von Herrn Anthony (t.c., p.166) ausgesprochene
Bereitwilligkeit, sich betreffs der von mir (p. 577 f.) vertretenen An-
nahme des Namens Scaeopus für unser Tier der Ansicht der in Nomen-
klaturfragen maßgebenden Autoren anzuschließen, weshalb ich wohl
auch ein Eingehen auf seine Ausführungen (p. 164 f.), warum er
überhaupt den Namen Hemibradypus eingeführt hat, unterlassen kann.
Tafelerklärung.
Fig. 1. Rechte Scapula von Scaeopus torquatus. Nat. Gr. eg = Cavitas
glenoidea, ic = Ineisura coraco-scapularis, kn = Knorpelspange, s = Supra-
scapula. (Die fehlende Suprascapula ist spiegelbildlich nach der der linken Seite
ergänzt; die punktierte Linie bedeutet, daß an der betreffenden Stelle ein kleines
Stück des Randes weggebrochen ist. Die knorpelige Verlängerung des Acromion
ist im aufgeweichten Zustande gezeichnet.)
Fig. 2. Dieselbe von vorn gesehen. 1'/, mal nat. Gr. (Die knorpeligen und
bindegewebigen Teile sind im aufgeweichten Zustande gezeichnet, der in der
Epiphyse des Processus coracoideus gelegene Knochenkern sowie der durch
dieselbe hindurchscheinende distale Teil des knöchernen Processus eoracoideus
jedoch so, wie sie im trockenen Zustande des Objektes hervortreten.) a = Acromion,
eg = Cavitas glenoidea, e = Epiphyse, kn = Knorpelspange, p ce = Processus
coracoideus,
Fig. 3. Becken eines erwachsenen Scaeopus torquatus. Nat. Gr.
Über die Abtrennung der Selachier von den
Fischen als eine eigene Klasse.
Von
Franz Poche, Wien.
In einem ‚The Selachians admitted as a Distinct Class‘ betitelten
Artikel in Science (N. S.) 29, 1909, p. 193 f. sagt Herr Gill, nachdem
er darauf hingewiesen hat, daß endlich zwei hervorragende europäische
Forscher, Hubrecht (Quart. Journ. Micr. Sei. (N. S.) 53, 1908, p. 156)
und Tate Regan (Ann. Mag. Nat. Hist. (8) 3, p. 75) zu der von ihm
seit 1873 (Amer. Journ. Sei. Arts (3) 6, p. 434.) vertretenen und später-
hin von den meisten amerikanischen Ichthyologen angenommenen
Ansicht gekommen sind, daß die Selachier den Rang einer eigenen Klasse
verdienen: ‚„Hubrecht und Regan sind, es ist wahr, nicht die ersten
oder einzigen europäischen Naturforscher, die die Selachier als em
Archiv für Naturgeschichte i
111.1. 1. 4
50 Franz Poche: Über die Abtrennung der Selachier
Klasse von den Pisces abtrennten, denn Geoffroy Samt-Hilaire und
Latreille taten dies vor fast einem Jahrhundert (1825), aber fast alle
späteren Europäer haben eine solche Trennung sehr mißbilligend
betrachtet. Es darf auch ebenso nicht vergessen werden, daß L. Agassiz
vor mehr als einem halben Jahrhundert (1857), auch die Selachier
als eine eigene Klasse separierte aber, muß man sagen, er trennte
auch die ‚„Ganoiden“ als eine ebenso gesonderte Klasse »b““ (Contrib.
Nat. Hist. Un. States Amer. 1, 1857, p. 187).
Anknüpfend an diese Darlegungen des Herrn Gill möchte ich
darauf hinweisen, daß bereits vor mehr als anderthalb
Jahrhunderten Brisson (LeRegne Animal divise en IX Classes,
[1. Aufl.], 1756, p. 5) als die 5. Klasse des Tierreichs unter dem Namen
Pisces cartilaginei die Tiere zusammenfaßte, die knorpelige
Flossen haben und durch Kiemen atmen, denen gegenüber
Löcher geöffnet sind, während er in die nächstniedrigere 6. die-
jenigenstellt, de aus KnöchelchenbestehendeFlossen
haben und durch Kiemen atmen, die vonenembeweglichen,
aus knöchernen Teilen bestehenden Deckel be-
deckt sind; diese nennt er (p. 6) Pisces proprie dieti. — Diese Namen
und Charaktere werden in tabellarischer Form zuf p. 8 f. nochmals
angeführt. — Wie ohne weiteres ersichtlich, bezieht sich der letztere
Name auf die bisher vielfach so genannten Teleostomi oder Stego-
branchü, der erstere dagegen auf die Selachii, welehesomit
bereitshieralseineeigeneKlassevondenFischen
abgetrennt werden. — Der bezügliche lateinische Text ist un-
verändert &bgedruckt in Brisson, Regnum Animale in Classes IX.
distrib., 2. Aufl., 1762, p.3, 4 u. 6. — In der speziell ichthyologischen
Literatur ist diese Tatsache bisher allerdings anscheinend ganz über-
sehen worden; wenigstens finde ich sie in keiner der bekannteren
und ausführlicheren Darstellungen der Geschichte der Ichthyologie (Lönn-
berg, Pisces (Fische), in: Bronn’s Klass. Ordn. Thier-Reichs, 6, 1. Abth.,
1901—1902, p. 2—82; Cuvier et Valenciennes, Hist. Nat. Poissons, 1,
1828, p. 1—270; Günther, Introd. Study Fishes, 1880, p.2—34; Jordan,
Guide Study Fishes, 1, 1905, p. 387—428) angeführt. Der Grund
hierfür ist wenigstens zum großen Teil wohl jedenfalls darin zu suchen,
daß Brisson in dem gedachten Werke nur seine beiden ersten Klassen,
die Quadrupedia und Cetaces (zusammen den heutigen Mammalıa
entsprechend) spezieller behandelt, die übrigen hingegen bloß ganz
kurz charakterisiert, und dasselbe daher meist nur von Mammalogen
eingehender berücksichtigt wurde.
Auch sei in diesem Zusammenhange erwähnt, daß Pallas, Zoogeogr.
Rosso-Asist., 3, 1831, p. 56 [1814 (s. Sherborn in Palmer, North Amer.
Fauna,” No. 23, 1904, p. 17)] die Selachier (+ den Petromyzoniidae,
deren fundamentale Verschiedenheiten von allen Amphirrhing damals
teils nicht entsprechend gewürdigt wurden, teils überhaupt noch nicht
bekannt waren, und die daher ebenso auch noch 1825 von Geoffroy
und Latreille mit den Selachiern vereinigt wurden) zwar nicht als
eigene Klasse, wohl aber alseinevondenPiscesvollkommen
von den Fischen als eine eigene Klasse. 51
getrennte und ihnen gleichwertige Gruppe unter-
scheidet, indem er sie als Ordnung II: Spiraculata mit den
Ordnungen der Pulmonata (t. c., p.5 [1811 (s. Sherborn, 1. c.)]) (= Rep-
tilia —+ Amphibja) und Branchista (t. c., p. 70 [1814 (s. Sherborn,
l.e.)]) (= Pisces) zu der Klasse der Monocardia seu Animalıa
frigidi sanguinis (t. e., p. 3 [1811 (s. Sherborn, 1. c.)]) vereinigt, welche
ihrerseits den Klassen der Lactantia (op.c., 1, 1831 [1811 (s. Sher-
born, 1. e.)], p. 3 [ef. p. 296]) (= Mammalie) und Aves (t. c., p. 297)
koordiniert ist.
Ferner hat auch Eichwald (De Selachis Aristotelis, 1819, p. 23)
für unsere Tiere [inkl. Lophius, Malthe und Antennarius? (s. den
nächsten Absatz)] eine eigene Klasse Selacha aufgestellt (cit. nach
Eichwald, De Regni Animalis limit. atque evolution. gradibus, 1821,
p- 83).
Ebenso unterscheidet Eichwald in diesem letzteren Werke auf
p. 83 als 12. „‚Entwicklungsstufe“ [= Klasse, cf. p. 23] die Selacha
als eine den Pisces, Amphibia, Reptilia, Aves usw. koordinierte und
zwischen die beiden erstgenannten gestellte Abteilung. Dieselbe
umfaßt (p. 90) die Selachier, außerdem allerdings auch Lophius, Malthe
und Antennarius; doch paßt die für die Klasse gegebene relativ recht
gute Charakterisierung in vielen Punkten nicht auf diese drei letzteren
Formen. (Späterhin ist Eichwald von seiner durchaus richtigen Ansicht
über die selbständige Stellung der Selschier allerdings wieder zurück-
gekommen; denn in der Zeitschr. organ. Phys. 3, 1829, p. 266, 278
u. 281 rechnet er sie zur Klasse der Fische, sagt aber noch (p. 281 f.),
daß ‚‚die Selacher mit Recht als eigne höhere Entwicklungsstufe
oder Klasse betrachtet werden‘ können; und in seiner Zool Special.,
Pars post., 1831, p. 110 betrachtet er sie lediglich als eine Ordnung inner-
halb der Klasse der Pisces.)
Endlich haben auch in neuerer Zeit, freilich an sehr versteckter
Stelle, Hatschek und Cori (Elementareurs Zoot., 1896, p.2) die
„Blasmobrenchüi (= Selachü)“ als eine eigene, den Amphibia,
Reptilia usw. gleichwertige Klasse von den „Stegobranchü (= Eu-
ichihyes)“ abgetrennt, sie jedoch allerdings mit diesen zu einem
„Subeladus‘“ Pisces vereinigt, welcher seinerseits einem 2. Subeladus
Tetrapoda [= alle anderen Amphirrhina] entgegengestellt wird.
4*
Bemerkungen zu Prof. Trouessart’s „Faune
des Mammiferes d’Europe“,
Von
L. v. Mehely.
Es war zweifelsohne ein höchst dankenswertes Unternehmen,
emen Conspectus Mammalium Europae zu verfassen,
und die seit Blasius’ „Naturgesch. d. Säugetiere Deutschlands
u. d. angrenz. Länder von Mitteleuropa (1857) äußerst angeschwollene
mammalogische Literatur in systematisch geordnete knappe Form
zusammenzufassen, insbesondere wegen der vielen, in neuester Zeit
unterschiedenen subtileren Formen, denen von den verschiedenen
Forschern bald der Rang einer Subspezies, bald nur der einer Varietät,
einer geographischen Rasse oder gar nur einer Lokalform zuerkannt
wird.
Für einen Systemstiker älteren Schlages mögen diese Formen
vielleicht etwas unbequem sein, doch sind sie nicht aus der Welt zu
schaffen und ihr genaues Studium bleibt stets eine Hauptisufgabe
der systematischen Forschung, da nur die eingehende Kenntnis aller,
vom ganzen Verbreitungsgebiet aufgesammelten Formen irgend einer
Spezies einen Einblick gewähren kann in den genetischen Zusammen-
hang derselben, wie auch in die Gestaltungsgesetze, denen die einzelnen
Formen zuzuschreiben sind.
Hierbei ist es vorläufig ganz belanglos, ob man Trouessart’s
Vorgehen billigt, der alle Formen unter dem Range einer Spezies
trinominär benennend für Unterarten ausgibt. Es erheischt noch gewiß
sehr vieler und sehr vertiefter Arbeit, bis sich eine naturgemäße Wert-
schätzung der einzelnen Formen erzielen lassen wird, weshalb in dieser
Beziehung eine jede Kritik voreilig wäre und auch nicht Zweck dieser
Zeilen sein kann. Was ich an dem Trouessart’schen Werke
auszustellen habe, ist viel greifbarerer Natur.
Ein Conspectus soll, um seinem Zwecke zu entsprechen, die Er-
gebnisse der einschlägigen Literatur möglichst gewissenhaft berück-
sichtigen, denn wenn er dies nicht tut, gibt er kein zuverlässiges Bild
über den Stand unserer Kenntnisse. Von diesem Gesichtspunkte aus
finde ich, daß dem Trouessart’schen Werke manche Mängel
anhaften.
Es gibt Arten und Gattungen, deren Beurteilung durchaus nicht
dem heutigen Stande der Wissenschaft entspricht, lediglich sus dem
Grunde, weil der Verfasser die einschlägige Literstur gar stiefmütterlich
behandelte und seinem Werke einen Komplex von Irrtümern ein-
verleibte, die in der Literatur bereits für überwunden gegolten haben.
Trouessart hat größere, in voller Hingebung entstandene
Werke einfach totgeschwiegen, woraus nicht nur der Sache selbst
ein Schaden erwuchs, sondern dieser Vorgang auch den Verfasser
L. v. Mehely. 53
derjenigen Werke äußerst peinlich berühren mußte, da es doch für
keinen Autor gleichgültig sein kann, ob seine im Ringen vieler Jahre
erzielten wissenschaftlichen Ergebnisse zu Ehren gelangen und in den
Gang des Erkennens klärend eingreifen oder nicht.
So erging es meinen Werken, namentlich meiner „Monographis
Chiropterorum Hungariae“, die im Jahre 1900 in Budapest im Verlage
des Ungsrischen National-Museums erschienen ist. Es ist gewiß höchst
befremdend, wenn ein Buch, das außer dem ungarischen Teil (314
Seiten) einen 57 Seiten starken Auszug in deutscher Sprache enthält
und mit 22 Originaltafeln illustriert ist, einfach ignoriert wird, unge-
öchtet dessen, daß es schon seit zehn Jahren allen Mammalogie
treibenden Kreisen wohlbekannt ist, von Friedländer in Berlin
jahrelang annonziert, literarisch öfters besprochen und von Old-
field Thomas sogar ein „admirable Work on the bats of Hungary“
genannt wurde!) Trouessart jedoch war auf dieses Werk nicht
neugierig, infolgedessen ihm Fehler unterlaufen sind, die wir schon
für allemal beseitigt glaubten. Dies soll durch einige Beispiele illustriert
werden.
Nach dem Vorgange von Dobson?) vereinigt Trouessart
den europäischen Prpistrellus Nathusüi Keys. u. Blas. mit dem
indo-malsyischen Pipistrellus abramus Temminck, obwohl ich
in meiner Monographie den klaren Beweis erbrachte und auf neun
vollen Seiten (Revue, p. 355—364), wie auch zwei ganzen Tafeln
(tab. XX— XXI) eingehend erörterte, daß diese beiden Formen, wenn
auch nahe verwandt, doch zwei selbständige Arten darstellen. Von
P. Nathusii standen mir viele Exemplare aus Ungarn zur Verfügung,
von P. abramus untersuchte ich aber zwei Exemplare aus Indien
(Pulo-Pinang), die ich Herrn Oldfield Thomas zu verdanken
hatte. Angesichts meiner genauen Darstellungen will ich hier auf
die vielen Unterschiede nicht eingehen und bemerke nur, daß P. abramus
einen langen, aufrechtstehenden, mit einem am Ende gegabelten
Os priapi versehenen Penis besitzt, wogegen P. Nathusii einen dicken,
weichen Penis besitzt, mit herabhängendem Praeputium, aber ohne
Os prispi. Es dürfte klar sein, daß diese beiden Formen nicht zu einer
Art gehören können und Ca brera hatte vollkommen Recht, wenn
er vier Jahre nach dem Erscheinen meiner Monographie, ebenfalls
für die Selbständigkeit beider Arten eintrat.?)
Die von Trouessart aufgenommene Myotis myotis spelaea
Bielz ist, wie aus meiner Monographie erhellt (Revue, p. 337) nichts
anderes als die typische Form dieser Art. Desgleichen muß ich auch
Myotis myotis oxygnathus Monticelli, deren Originalstück ich
in Händen hatte, den Rang einer Unterart absprechen.
Bei Myotis Bechsteini Leisl. bemerkt Trouessart, daß
die osteuropäischen Stücke dieser Art größer sind als die westlichen,
!) Ann. and Mag. of Nat. Hist., 1901, p. 462.
2) Catal. Chiropt., 1878, p. 226.
?) Mem. Soc. Esp. Hist. Nat. 1904, p. 274,
54 | L. v, M&hely: Bemerkungen zu Prof. Trouessart's
da ihr Unterarm in Siebenbürgen anstatt 40 mm eine Länge von 5l mm
erreicht. Würde er aber meine Monographie eingesehen haben, so
wäre er belehrt worden, daß ich die Unterarmlänge der ungarischen
Stücke mit 41—45 mm festgestellt habe und daß diese Art im Sieben-
bürgen überhaupt nicht vorkommt, da Daday’s Stück, auf welches
sich Trouessart bezieht, zu Myotis myotis Bechst. gehört!).
Desgleichen habe ich feststellen können, dß Daday’'s Vesperus
siculus, den Trouessart als Zptesicus siculus aufgenommen hat,
nichts weiter als ein typischer Vespertilio murinus L. (= Vesperugo
discolor Keys. u. Blas. ist?), ferner daß Eptesicus serotinus trans-
sylwanus Daday°) und Rhinolophus ferrum-equinum homorodensis
Daday*) zu der typischen Form der betreffenden Arten gehören.
Von der letzteren Art untersuchte Knud Andersen drei von
Siebenbürgen herstammende Exemplare, die er ebenfalls zur typischen
Form gehörig fand.’)
Etwas verwickelter steht die Sache des Rhinolophus euryale
Mechelyi Matschie. In der Beschreibung von Rhinolophus euryale
Blas. habe ich hervorgehoben, daß die ungarischen Stücke in mancher
Beziehung von dem Blasius’schen Typus abweichen, namentlich
ist das dritte Glied des vierten Fingers fast dreimal länger als das zweite
(Revue, p. 320), wo doch dasselbe nach Blasius nur zweimal länger
sein sollte. Darauf hat Prof. Matschiein Berlin rumänische Stücke
einer ähnlichen Fledermaus untersucht, bei welchen er dieselbe Eigen-
schaft wahrnehmend in den Glauben verfiel, daß dieselben mit meinen
ungarischen Stücken identisch seien und belegte sie mit dem Namen
Rhinolophus (Euryalus) Mehelyi %). Binnen kurzem hat es sich jedoch
herausgestellt, daß J. H. Blasius’ authentische Exemplare aus
Mailand ausnahmslos junge Tiere sind, bei welchen das zweite Glied
des vierten Fingers noch nicht die volle Länge erreicht hat”). Durch
diesen Fund wird nun der von mir betonte Unterschied aufgehoben
und es bleibt kein Grund vorhanden, die ungarischen Stücke vom Typus
des Rhinolophus euryale Blas. zu trennen. Matschie’s Rhino-
lophus Mehelyi wird jedoch hierdurch nicht alteriert. Die Identität
dieser Form mit den ungarischen euryale war stets nur vorausgesetzt,
aber niemals erwiesen, und jetzt dürfte es schon außer Zweifel stehen,
daß Rhinolophus MehelyiMatschie eine auf Rumänien beschränkte
besondere Art darstellt, die mit Rhinolophus euryale Bla s. aus Ungarn
nicht identisch ist. Ganz klar geht dies hervor aus D. Földväry’s
Abhandlung®), der Exemplare von Rhinolophus Mehelyi aus der Do-
!) Meine Monogr. Chir. Hung., p- 335.
2) L. c., p. 346, tab. XVI, fig. 1, 4, 6, 8 und 11.
3) L. c., p. 340.
4) L.c., p. 323.
5),Proc. Zool. Soc. of London, 1905, II, p. 114.
6) Sitz.-Ber. Ges. naturf. Freunde Berlin, 1901, p. 225.
”) Andersen u. Matschie, Sitz.-Ber. Ges. naturf. Fr. Berlin, 1904, p. 75.
s) Ällattani Közlem., Budapest, 1906, p. 145; deutsche Revue, p. 155.
„Faune des Mammiferes d’Europe*. 55
brudscha» (Mangalizhöhle) untersuchte, und zu dem Ergebnis kam,
daß diese Art gar nicht in die Untergattung Zuryalus gehört, sondern
sich mehr dem Rhinolophus ferrum-equinum Schreb. nähert.
Nicht besser als den Chiropteren, erging es auch anderen Gruppen
im Werke von Trouessart. Dem Verfasser ist es abermals unbekannt
geblieben, daß ich im vorigen Jahre ein größeres systematisch-phylo-
genetisches Werk über die Gattung Spalax veröffentlichte!), welches
die von Trouessart gegebene Übersicht der Spalaz-Formen ein-
fach illusorisch macht. Mein Werk ist im Verlag der Ungarischen
Akademie der Wissenschaften wohl nur in ungarischer Sprache er-
schienen (eine deutsche Übersetzung ist in Vorbereitung), es ist aber
mit 33 Origineltafeln und 10 Textfiguren illustriert, die eine genaue
Abbildung der Schädel, Gebisse, Kaumuskeln, Magen usw. enthalten
und auch ohne Text verständlich sein dürften. Sieben voller Jahre
Arbeit habe ich diesem Werke geopfert und glaube im ersten Teil
desselben (p. 1—224) die zurzeit einzig richtige Systematik der von mir
unterschiedenen 23 Formen angebahnt zu haben; der zweite Teil
(p. 225—353) ist decendenztheoretischer Natur und dient hauptsächlich
zur Begründung der im ersten Teil getroffenen systematischen Ein-
teilung, deren Überblick ich hier folgen lassen will.
I. Microspalax n. subg.
l. Spalaw Ehrenbergi Nhrg. Palästina und Südsyrien.
2. var. aegyptiacus Nhrg. Unterägypten.
3. var. kirgesorum Nhrg. Nordsyrien.
4. Spalaw Frischi Nhrg. (foss.) Libanon.
II. Mesospalax n. subg.
5. Spalax montreola Nehringi Sat. BRussisch-Armenien.
3. Spalax monticola armeniacus n. subsp. Kura-Quellen.
7. Spalax monticola eilicicus n. subsp. Cilieischer Taurus.
8. Spalax monticola anatolicus n. subsp. Umgebung von Smyrna,
9. Spalax monticola hellenicus n. subsp. Griechenland.
10. Spalax montieola tureicus.n. subsp. Türkei.
11. Spalax monticola dolbrogeae Mill. Dobrudscha.
12. Spalax monticola monticola N hrg. Bosnien.
13. Spalax monticola hercegovinensis n. subsp. Herzegowina.
14. Spalax monticola syrmiensis n. subsp. Syrmien, Ungarn jen-
seits der Donau.
15. Spalax monticola serbieus n. subsp. Serbien.
16. Spalax hungaricus hungaricus Nhrg. Grosse ungarische
Tiefebene und West-Siebenbürgen.
17. Spalax hungaricus transsylvanicus n. subsp. Mezöseg in
Siebenbürgen.
!) Species generis Spalax. A földi kutyäk fajai. Budapest, 1909,
56 L. v. Mehely: Bemerkungen zu Prof. Trouessart's
III. Macrospalax n. subg.
18. Spalax graecus graecus Nhrg. Athen (?); Bukowina.
19. Spalax graecus antiquus n. subsp. (foss.) Mezöseg in Sieben-
bürgen.
20. Spalax istricus n. sp. Rumänien.
21. Spalaz polonicus n. sp. Galizien.
22. Spalax microphthalmus Güld. Südrußland, westliches
Ciskaukasien.
23. Spalax giganteus Nhrg. Östliches Ciskaukasien und Tur-
kestan.
Da Trouessart dies alles unbekannt blieb, mußte er sich
lediglich auf die ältere Literatur stützen, doch selbst von diesem Stand-
punkte aus finde ich, daß seine Übersicht, wie auch die Charakteristik
der einzelnen Formen ziemlich ungenau, zum Teil sogar entschieden
unrichtig ist. So z. B. wird das Gebiß von Spalax microphthalmus
Güld. folgendermaßen beschrieben: „Molaires a replis en S, la le
inferieure ayant trois replis sur le bord interne, la 2e semblable, la
3e en S simple avec deux replis; 1a le superieure ayant deux replis en
dedans, trois en dehors, les deux autres dents en S simple‘ (p. 202).
Es ist mir unerklärlich, woher Trouessart diese Beschreibung ent-
lehnt hat, deren keine einzige Behauptung der Wahrheit entspricht.
Hätte er Nehrings diesbezüglichen Aufsatz!) zu Rate gezogen,
so würde er wahrgenommen haben, daß die Backenzähne von Spalax
microphthalmus im charakteristischen Jugendzustand sowohl auf der
lingualen (inneren) als auf der labialen (äußeren) Seite nur durch
eine Schmelzeinbuchtung ausgezeichnet werden und nur der erste
untere Molar zeigt (laut Nehring) „außer der labialen Hauptein-
buchtung des Schmelzes noch eine nach dem Vorderende des Zahnes
zu gelegene kleine labiale Einbuchtung‘‘, welch letztere jedoch häufig
schon in frühester Jugend durch eine kleine Schmelzinsel vertreten
wird. Ein Spalax aber, dessen MI inf. am Innenrande 3, ferner dessen
Ml sup. am Innenrande 2 und am Außenrande 3 Schmelzein-
buchtungen?) besitzen würde, existiert überhaupt nicht, da selbst bei
Spalax Ehrenbergi, der die kompliziertesten Molaren besitzt, MI inf.
am Innenrande nur 2, Ml sup. aber am Innenrande nur 1 und am
Außenrande 2 Schmelzeinbuchtungen aufweist.
Ganz sonderbare Anschauungen legt Trouessart an den Tag
über die postembryonale Entwickelung des Schädels von Spalax
1) Nehring, Einige Nachträge über die Spezies der Gattung Spalax;
Sitz.-Ber. Ges. naturf. Fr. Berlin, 1898, p. 3, Abbild. 1, Fig. 1 und 2.
2) Daß Trouessart mit ‚„replis‘ tatsächlich die Schmelzeinbuchtungen und
nicht die durch dieselben getrennten Schmelzfalten bezeichnen wollte, geht daraus
hervor, daß er bei Spalax typhlus (p. 203) bemerkt ‚la boucle de la le inferieure
dedoublee‘“ (womit gemeint ist, daß die innere hintere Schmelzfalte dieses Zahnes
geteilt ist). Somit heißt bei ihm die Schmelzfalte „‚boucle‘‘ und mit „replis‘
kann nur die Schmelzeinbuchtung gemeint sein.
„Faune des Mammiferes d’Europe“. 57
microphthalmus Güld., wobei er Nehring und Satunin
\ußerungen unterlegt, die diesen Forschern ferngelegen haben. Er
schreibt auf p. 202 (in genauer Übersetzung):
„Nehring und Satunin haben gezeigt, daß bei dieser Art
die Form des Schädels mit zunehmendem Alter eine namhafte Änderung
erleidet, da die Interorbitalgegend bei den Jungen breit ist, bei den
Alten jedoch eingeschnürt wird und sich zur Hälfte der früheren Breite
verengt. Das Frontale, die Parietalia und das Squamosum schließen
sich zusammen und bringen gemeinschaftlich jene Verengerung hervor,
welche die Größe der Hirnkapsel bedeutend verringert und das Hervor-
springen der Crista sagittalis und lambdoides verursacht. Es ist wahr-
scheinlich, daß die Entwickelung des Schädels bei allen Arten des Genus
Spalax in ähnlicher Weise erfolgt.“
In Wahrheit ist dies alles anders. Abgesehen davon, daß Trou--
essart die mit dem Alter zunehmende Verengerung der Interorbital-
gegend übertrieben hat, wurde von ihm das Verhalten der Frontalia,
Parietalia und Squamosa total mißverstanden. Satunin hat ge-
zeigt,!) daß das Squamosum mit fortschreitendem Alter das Parietale
allmählich überlagert, infolgedessen letzterer Knochen im Alter von
außen äußerst schmal erscheint, hierdurch aber wird die Ausdehnung
der Hirnkapsel keineswegs alteriert und die Entwicklung der Crista
sagittalis u. lambdoidea hängt mit dieser Erscheinung auch nicht
zusammen. Nehring war der Meinung,?) daß die Parietalia älterer
Exemplare infolge der Entwicklung der Crista sagittalis verschmälert
werden, was jedoch irrig ist, da diese Knochen im Alter eigentlich
größer sind als in der Jugend, nurerscheinensiekleiner,
weil sie von außen von den Squamosa und — wie ich gefunden habe —
auch von den Frontalia verdeckt werden. Das Endresultat dieses Vor-
ganges ist sehr verschieden, bei Micro- und Mesospalaz ist die Über-
wucherung gering, bei Macrospalax viel bedeutender.
Mit nicht geringer Verwunderung erblicken wir in der Reihe der
von Trouessart aufgenommenen Spalax-Arten: Spalax typhlus
(Pallas). Als Heimat dieser vermeintlichen Art wird mit großer Sicher-
heit „Russie Sud-Est, entre le Don et le Volga“ angegeben (p. 203),
obwohl es ganz zweifellos ist, daß dieses Gebiet nur Spalax miero-
phthalmus G üld. beherbergt. In der Synonymie beruft sich Trou-
essart auf Pallas und Nehring, was durchaus nicht an-
geht. Pa11as hatte, wie es aus den Maßangaben des Schädels hervor-
geht, den Güldenstädt’schen Spalax microphthalmus vor sich
und zwar beziehen sich seine Angaben ?) auf einen jugendlichen Schädel
!) Mitteil. d. Kaukas. Mus., III, 1907, p. 71, tab. III, fig. 1—4. Nicht un-
wichtig ist der Umstand, daß sich Satunin’s Angaben nicht auf Spalax
microphthalmus Güld. sondern — wie es aus den Maßangaben der Schädel deutlich
hervorgeht — auf Spalas giganteus Nhrg. beziehen.
®) Sitz.-Ber. Ges. naturf. Fr. Berlin, 1897, p- 167.
?) Novae Spec. Quadrup: e Glirium Ordinae, (edit. II) Erlangae, 1784, p. 164.
58 L. v. Mehely: Bemerkungen zu Prof, Trouessart's
dieser Art, der genau einem juvenilen Schädel von Charkow entspricht,
hingegen bedeutend abweicht von einem Schädel des Spalax hungaricus
Nhrg. von gleicher Länge, wie dies aus der nachfolgenden Tabelle
ersichtlich ist:
Sp. micro- Sp. hunga-
Schädelmaße in Linien Pallas phlhalmus | zieus Tögläe
Angaben Charkow |
(juv.) td) (ad. 3)
ee | I
Vom Basioceipitale bis zum Ende des Nasale | 1" 7 u | ug Tau au 1 Bad aha) 2
JOCHEREIE Pe Ian ARTEN KANNE ID ER ENDEN, VaraL RENTEN pam rog®
Intererbieaaum MY SAMEN e PA EADIDRRRRERN RR 1 air 2 al | zoıger
Timge der’ Nabalta SO AINENIRESINENIERT ER
Breite der Nasalia (vorne) . . ». . 2... STaER I | 3"
Alveolarlänge’ des Unterkiefers“ . .. 297.75 | oa In Jerguna te Fe
EineVergleichung der obigen Angaben beweist, eo Wahrheit gemäß,
daß beim juvenilen Schädel von Spalax microphthalmus G üld. die
Jochbreite geringer, der Interorbitalaum bedeutend
breiter, die Nasalıs d eutlich kürzer, und die Alveolar-
länge des Unterkiefers bedeutend größer ist als bei einem
adulten Schädel gleicher Länge von Spalax hungaricus Nhrg., aus
welchem Grunde Nehring im Iırtum war, als er vorsussetzte!),
daß sich die Maßangaben von Pa1l1l3s auf eine kleinere Art bezögen.
Übrigens habe ich das gesamte russische Material des akad. Museums
zu St. Petersburg genau durchgearbeitet, ohne für das europäische
Rußland eine andere Art konstatieren zu können als Spalax miero-
phthalmus Güld.
Wenden wir uns nun zu Nehring. Dieser verdiente Forscher
hat bei der Beschreibung des Spalax iyphlus P11., wie er selbst be-
tont, fast ausschließlich ungarisches Material in Händen gehabt,
welches er — wie aus der Unterschrift der beigefügten Abbildung
ersichtlich — schon dazumal als Spalax typhlus var. hungaricus be-
zeichnete ?) und bald darauf a1s Spalax hungarieus abirennte ?). Dem-
nach ist es klar, daß Nehring’s vorläufiger Spalax typhlus seinem
späteren Spalax humgarieus entspricht und Trouessart nicht
befugt wer, den Nehring’schen Spalax typhlus in die Synonymie
von Spalaz typhlus Pa112s zu versetzen. Freilich hat Nehring
die Beurteilung seines Spalax typhlus dadurch erschwert, daß er auch
ein Exemplar zu demselben rechnete, welches angeblich von der
„mittleren Wolgs‘‘ herstammt %) und dessen Molaren und unteren
Nagezähne denen von $ palax kirgisorum N hrg. ähnlich sein sollen.)
Dieses Exemplar habe ich leider nicht gesehen, obwohl mir sonst das
1) Sitz.-Ber. Ges. naturf. Fr. Berlin, 1897, p. 172.
2) L.c., p. 173.
%) Zoolog. Anzeiger, XXI, 1898, p. 479, fig. 1 (a, b).
%) Sitz.-Ber. Ges. naturf. Fr. Berlin, 1897, p. 172.
5) Sitz.-Ber. Ges. naturf. Fr. Berlin, 1898, p. 7.
„Faune des Mammiföres d’Europe“, 59
gesamte Material der von Nehring beschriebenen Formen zur
Verfügung gestanden hat, wenn jedoch die Schmelzfalten dieses Stückes
— worüber ich keinen Zweifel hege — tatsächlich denen von Spalax
kirgisorum Nhrg. entsprechen, so kenn dieses Stück keinesfalls
von der mittleren Wolga herstammen, sondern es wird ebenso wie
Spalax kirgisorum Nhrg. selbst — zu Spalaw Ehrenberg Nhrg.
aus Palästina und Syrien gehören, welche Art weder mit dem russischen
Spalax mierophthalmus G üld., noch mit Spalax hungarieus Nhrg.
etwas zu tun hat, folglich auch zu Spalax typhlus Pa 11. nicht ge-
hören kann.
Das Ergebnis dieser Erwägungen geht dahin, daß der Pallas’sche
Spalaw (Mus) typhlus restlos in Spalax microphthalmus G üld. auf-
geht, der Nehringsche Spalax typhlus in die Synonymie seines
späteren Spalax hungaricus gehört und das angebliche Stück „von der
mittleren Wolga‘“ mit größter Wahrscheimlichkeit dem Spalax Ehren-
bergi Nhrg. zuzurechnen ist. Demnach ist Trouessart’s Spalaz
typhlus P all. em Konglomerst, dessen Bestandteile ich im obigen
klargelegt zu haben glaube.
Trouessart hat ferner die Synonymie von Spalax hungarieus
Nhrg. mit Pennant’s „Podolian Marmot“ und Erxlebens
„ Glis zemni“ bereichert, was jedoch durchaus unrichtig ist. In Podolien
kommt Spalax hungaricus nicht vor, und die obigen Namen gehören
in die Synonymie meines Spalax polonieus!). Auch das sonderbare
Zitat ‚Sp. hungaricus Gyula, Allstt. Kogl. Magyar Tars, 1904, p. 69,
pl. VIII“ erheischt eine Korrektur; es soll richtig heißen: Sz2käll
Gyula (nämlich Julius Szakäll) in: Allattani Közlemenyek, 1903,
p. 69, tab. VIII—-IX. Das Zitat ist übrigens schlecht angebracht,
da Szakä&ällim der besagten Abhandlung ausschließlich die Histologie
des Gehörorganes behandelte.
Hätte Trouessart der neueren ungarischen Literatur einige
Aufmerksamkeit geschenkt, so würde er auf Manches gestoßen sein,
was vielleicht doch eine Berücksichtigung verdient hätte. Er hätte
unter anderem wahrgenommen, daß ich Microtus agrestis L. und Microtus
ratticeps Stimmingi N hr g. auch aus Nord-Ungarn nachgewiesen habe ?);
daß ich Mus rattus alexandrinus Ge offr. sogar in Budapest nach-
weisen konnte 3); daß Myotis Capaccinii Bonzp. uch in den Höhlen
Südungarns vorkommt und zwar nicht mit Miniopterus Schreiberst,
sondern mit’ Rhinolophus euryale und ferrum-equinum vergesellschaftet?);
daß Myotis Bechsteini in Ungarn auf das nordwestliche Hochland
beschränkt ist 5); daß Mus pratensis nicht von „Ockskay‘“ sondern von
Ocskay beschrieben wurde; daß Sieista subtilis Pall., die laut
. Trouessart ‚„toujours dans les Montagnes“ vorkommen soll,
!) Species generis Spalax, 1909, p. 194—202, tab. XVII, fig. 15 u. 16.
°) Allattani Közlemenyck, VII, 1908, p. 3; deutsche Revue p. 47—48.
®) Allattani Közlem., VI, 1907, p. 141; deutsche Revue, p. 198, 199.
#) Meine Monogr. Chiropt. Hung., 1900, p. 158, 159; deutsche Revue, p. 329.
°) Ibid., p. 189; deutsche Revue, p. 335.
60 L. v. Möhely.
in Ungarn gerade die typische Tiefebene (Tiszaföldvar, Felsö-Besnyö)
bewohnt. Letztere Form wurde von Petenyi als Mus trizonus
beschrieben !) und war schon J. H. Blasius bekannt, der ‚im Jahre
1854 durch Liechtenstein em von Petenyi in Ungarn auf-
gefundenes frisches Exemplar in Weingeist“ erhielt?).
Und noch so Manches hätte Trouessart wahrgenommen,
dessen Berücksichtigung seinem Werke eine größere Genauigkeit
verliehen haben würde.
Doch genug der Bemerkungen, die ich mit der Versicherung
schließe, daß es mir ferngelegen hat, die allgemein anerkannten Ver-
dienste Prof. Trouessart’s schmälern zu wollen. Ich beabsichtigte
bloß auf einige mir aufgestoßene Mängel seines neusten Werkes hinzu-
weisen, die dessen Gesamteindruck zwar nicht trüben, in einer zweiten
Auflage aber dennoch richtiggestellt werden sollten.
Budapest, den 30. Oktober 1910.
)Chyzer, Reliquiae Petenyianae; Termeszetr. Füz., V, 1881, p. 103—109.
2) Fauna d. Wirbelt. Deutschlands, 1857, p. 304.
a ES hi u
Die von Schnuse in Südamerika gefangenen
Anthomyiden.
Von
Prof. P. Stein in Treptow a. R.
Schön ist, Mutter Natur, Deiner Erfindung Pracht,
Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh’ Gesicht,
Das den großen Gedanken
Deiner Schöpfung noch einmal denkt. (Klopstock.)
„Wenn sie vom Schimmel unangetastet bleiben, der Rost die
Nadeln nicht verdirbt, wenn sie die Erschütterungen des Transportes
gut überstehen und mir weder gestohlen noch vom Meer verschlungen
werden, dann darf ich wohl hoffen, daß auch Sie einst Freude an
unsern Lieblingen erleben werden.‘ So schrieb mir mein leider zu früh
verstorbener Freund Schnuse am 5. Februar 1904 von Jima aus,
nachdem er seine große Sammelreise dureh Chile, Peru und Bolivia
glücklich beendigt haite. Er kannte und verstand meine Vorliebe für
die Anthomyiden und hat deshalb auf meine Bitten sein besonderes
Augenmerk auf diese Familie gerichtet und mit Fleiß und Verständnis
eine große Menge teilweise hochinteressanter Formen zusammen-
gebracht. Er war der erste, der längere Zeit Höhen von 4000 m und
darüber durchforschte, und die reiche Ausbeute, die er von dort mit-
gebracht hat, läßt vermuten, daß noch weit über diese Höhen hinaus
Fliegen vorkommen dürften, ja daß eine Höhengrenze für diese
Insekten vielleicht überhaupt nicht existiert. Überraschender aber
noch als die Anwesenheit von Fliegen in solchen Höhen ist die wunder-
bare Schönheit vieler dortiger Formen, die sich weniger in Färbung
als in Bau und Beborstung gewisser Körperteile zeigt und die mir
beim ersten Anblick wiederholt Ausrufe des Entzückens entlockt hat.
Ich muß bekennen, daß ich selten einen so ungetrübten Genuß gehabt
habe, als beim Bearbeiten der südamerikanischen Anthomyiden. Die
allgemeinen Beobachtungen, die ich schon früher bei der Durchsicht
der aus gleichen Gegenden stammenden Anthomyiden des Berliner
und Budapester Museums gemacht hatte und über die ich in den Ann.
Mus. Nat. Hung. II. 414 (1904) berichtet habe, finde ich auch durch
die Schnuse’sche Ausbeute bestätigt. Bemerkenswert ist wieder
einerseits das gänzliche Fehlen einiger europäischer Gattungen,
andererseits der Artenreichtum der Gattungen Mydaea, Limnophora,
Coenosia, Fannia und nsmenilich auch Schoenomyza, während die
bisher nur durch eine Art bekannte Gattung Zuryomma ebenfalls
mit mehreren neuen Arten vertreten ist. Ein Freund der Gattungs-
macherei hätte reiche Gelegenheit gefunden, seiner Neigung nach-
zugeben; ich habe aber verhältnismäßig nur wenig neue Gattungen
aufgestellt, da ich es für praktischer hielt, wenn irgend tunlich, die
neuen Formen in alte bekannte Gattungen unterzubringen. So habe
62 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
ich in den Gatiungen Limnophora und Coenosia viele Arten belassen,
auf die man ohne Schwierigkeit besondere Gattungen hätte gründen
können, und nur einige Arten vom Titicacasee, die im männlichen
Geschlecht eine ganz eigenartige Bildung zeigen, haben mich zur Auf-
stellung von neuen Gattungen bestimmt. Die Reihenfolge derselben
ist die im Katalog der paläarktischen Dipteren angenommene. Bevor
ich die Beschreibungen folgen lasse, will ich noch die verwendeten
Abkürzungen erwähnen. de Dorsozentralborsten, a Akrostichal-
borsten, ss Supraalsrborsten, pra Präalarborste, ein von mir ge-
brauchter Name für die erste unmittelbar hinter der Thoraxquerneht
befindliche Supraslarborste, st Sternopleuralborsten. Daß die Em-
führung des neuen Namens Präalarborste durchaus berechtigt ist,
glaube ich in der Wien. ent. Zeitg. XXV. 127, 128 (1906) hinreichend
nachgewiesen zu haben. Man wird in den folgenden Beschreibungen
finden, welch wichtige Rolle diese Borste bei der Unterscheidung der
Arten spielt.
I. Phaonia R. D.
Übersicht der Arten (einschl. der Gattungen Psilochsets gen. nov. und
Brachygasterina Mceq.)
1. Dorsozentralborsten 3 2
Dorsozentralborsten 4 11
2. Vorderschienen mit Borste 3
Vorderschienen borstenlos 6
3. 1. und 3. Längsader beborstet 7. Ph. flavithorax Stein
4
l. und 3. Längsader nackt
4. Borste nackt, vor der Naht kräftige Akrostichalborsten
4. Pstlochaeta carnıfex sp. nov.
Borste lang behaart, vor der Naht keine Akrostichalborsten 5
5. Augen ziemlich lang behaert, nur die kleine Quersder schwach
gebräunt 1. Ph. punetinervis sp. nov.
Augen fast nsckt, beide Queradern gebräunt 10. Ph. curvata Stein
6. Augen dicht behaart 2. Ph. nigripuneta sp. nov.
Augen nackt 7
7. Borste nackt, Hinterleib zum Teil orangegelb gefärbt
3. Psiloch. fulvolateralis sp. nov.
Borste lang behaart, Hinterleib nirgends gelb gefärbi
8. Vor der Naht nur 1 Dorsozentralborste, Schwinger schwarz
12. Ph. praesuturalis Siein
Vor der Naht 2$Dorsozentralborsten, Schwinger gelb 9
9. Nur die Querader. braun gesäumt 11. Ph. latinervis Stein
Außer den Queradern noch mindestens das Randmal braun
gefärbt 10
10. Randzelle vom Randmal an vollständig gebräunt, Hinterschienen
innen abgewandt mit nur 1 Borste 3. Ph. maculosa sp. nov.
Randzelle nicht gebräunt, nur die Spitze der 2. Längsader mit
einem braunen Längsfleck, Hinterschienen innen abgewandt mit
3 Borsten 13. Ph. maculipennis Meq.
|
i
|
in Südamerika gefangenen Anthomyiden, 63
ll. Vorderschienen mit Borste 12
Vorderschienen ohne Borste 14
12. Augen dieht behaart, Hinterleib schwarzblau ,
4. Ph. eyanicolor sp. nov.
Augen naekt, Hinterleib nicht schwarzblau gefärbt 13
13. Fühler und Taster gelb 8. Ph. orbitalis Stein
Fühler und Tester schwarz ). Ph. flawidieineta Stein
14. Fühlerborste nackt 15
Fühlerborste behaart 17
15. 3.Fühlerglied ziemlich kurz, oval, Taster stark verbreitert, Weibehen
mit Kreuzborsten Brachygasterina violaceiventris Meaq.
3. Fühlerglied mindestens doppelt so lang als das zweite, Taster
nicht verbreitert, Weibchen ohne Kreuzborsten 16
16. Thorax dicht grau bestäubt mit 4 schwarzen Striemen, Schüppchen
gelblich 1. Psiloch. chlorogaster Big.
Thorax schwarzblau, mit wenig deutlichen Striemen, Schüppchen
schwarz 2. Psiloch. chalybea Wied.
17. Augen behaart, Taster schwarz, fadenförmig 5. Ph. femorata sp.nov.
Augen nackt, Taster gelb, an der Spitze verbreitert und zusammen-
gedrückt 6. Ph. compressipalpis sp. nov.
a) Neue Arten.
1. Ph. punctinervis sp.nov. 2. Die dicht und lang behaarten Augen
sind durch eine breite schwarze Mittelstrieme und schmale graue Orbiten
getrennt, welch letztere mit einer Reihe kurzer und feiner Börstchen
besetzt sind; Stirn und Wangen vorragend, Mundrand etwas vor-
gezogen, Backen Y/,—!/, so breit wie die Augenhöhe. Fühler und die
fadenförmigen Taster schwarz, erstere etwas kürzer als das Unter-
gesicht mit lang gefiederter Borste. Thorax grau bestäubt mit 4 dunkler
grauen Längsstriemen, die sich nicht sehr deutlich abheben; de 3, a
vor der Naht nur in Form etwas längerer feiner Börstichen, prs lang,
st 1, 2, die untere hintere kürzer. Hinterleib länglich, hell bräunlich-
grau, mit undeutlichen dunkleren Schillerflecken und einer dunkleren
Rüekenlinie. Beine gelb, Vorderschenkel gebräunt; Vorderschienen
mit 2 Borsten, Mittelschienen vorn außen mit 2, hinten außen mit 3,
Hinterschienen außen !/, vor der Spitze mit 1, in der Nähe der Basis
oft noch mit 1 kleineren, außen abgewandt mit etwa 4, innen abgewandt
mit 2—3 Borsten. Flügel graulichgelb, kaum mit der Spur eines Rand-
dorns, 4. Längsader an der Spitze deutlich aufgebogen, kleine Quer-
ader mit deutlichem schwarzen Punkt, hintere Querader schief und
sehr geschwungen, kaum mit der Spur einer dunkleren Säumung,
Schüppchen und Schwinger gelblich. Länge 6,5 mm.
1 Weibchen in der Schnuse’schen Sammlung, 2 in der Garlepp’schen,
sämtlich vom Titicacasee (2. 6., 11. 6. 03).
2. Ph. nigripuncta sp.nov. d. Die sehr dicht und lang behaarten
Augen sind durch eine schwarze Strieme und schmale, weißlich bestäubte
Orbiten etwas getrennt, Stirn und Wangen mäßig vorragend, letztere
gekielt, Backen etwas breiter. Fühler fast unter der Augenmitte ein-
64 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
gelenkt, schwarz, kürzer als das Untergesicht, mit lang gefiederter
Borste, Taster fadenförmig, schwarz. Thorax schwarz mit sehr dünner
graulicher Bestäubung, so daß 4 ziemlich breite schwarze Längs-
striemen, von denen die mittleren fast zusammengeflossen sind, nur
ganz schräg von hinten gesehen bemerkbar sind; de 3, pra lang und
kräftig. Hinterleib länglich, kurz abstehend behaart, vom Hinterrand
des 3. Ringes an lang beborstet. Er ist dicht bräunlich bestäubt und
trägt dunklere Schillerflecken und eine nicht sehr scharf ausgeprägte
dunklere Mittelstrieme. Die Färbung der Beine scheint nicht beständig
zu sein. Bei den 3 Männchen der Schnuse’schen Sammlung sind die
Vorderbeine ganz schwarz, die Mittelschenkel schwarz mit einem
gelbroten Fleck vor der Spitze, die Hinterschenkel gelb mit einem
schwarzen Fleck an der äußersten Spitze, während Mittel- und Hinter-
schienen mit Ausnahme der Basis gelb sind; bei dem von Garlepp
gefangenen Stück sind die Beine ganz schwarz und nur die Hinier-
schienen rotgelb. Pulvillen und Klauen sind verlängert; Vorderschienen
borstenlos, Mittelschienen hinten mit 3, Hinterschienen außen mit
2 Borsten, einer kleineren in der Nähe der Basis, und einer etwas
größeren im Beginn des letzten Viertels, außen abgewandt mit 3,
innen abgewandt mit 2 Borsten. Flügel graulich, Randdorn sehr klein,
kleine Querader deutlich gebräunt, wenn such nicht sehr breit, hintere
sehr schwach gebräunt und geschwungen, 4. Längsöder an der Spitze
deutlich aufgebogen, Schüppcehen weiß, Schwinger gelb. Länge
5,5—7 mm.
1 Männchen vom Titicacasee (2. 6. 03), 2 Männchen aus Sorata
(Bolivia) 2300 m (18. 12. 02) und ein von Garlepp in derselben Gegend
gefangenes Männchen (V. 03).
3. Ph. maculosa sp. nov. Die hohen und schmalen, nur mit starker
Lupe kurz und spärlich behaarten Augen sind nur durch eine feine
schwarze Strieme und ebenso schmale, grau bestäubte Orbiten ein wenig
setrennt, Stirn und Wangen nur in feiner Linie vorragend, Backen etwas
breiter; Fühler schmutzig lehmgelb, an der Basis etwas heller, mit lang
gefiederier, ebenfalls lehingelber Borste, Taster fadenförmig, schwarz.
Der Thorax ist schwach bräunlichgrau bereift und läßt namentlich
von hinten gesehen 4 dunklere Striemen erkennen, von denen die
mittleren schmäler sind und bald hinter der Quernaht »ufhören,
während die seitlichen breiter und wie gewöhnlich an der Quernaht
unterbrochen sind; de 3, pra ziemlich lang, im übrigen der Thorax sehr
kurz und spärlich behaart. Hinterleib eiförmig, dunkelbraun, mit
heller bräunlicher Bereifung, die namentlich an den Vorderrändern der
Ringe deutlicher ist; eine dunklere Rückenstrieme ist nur ganz schräg
von hinten gesehen "und nur auf den ersten Ringen bemerkbsr, hebt
sich aber nicht scharf ab. Die kurze Beborstung liegt dicht an, nur
vom Hinterrand des 3. Ringes an finden sich abstehende längere Borsten.
Beine schwarz mit rötlichen Knieen, Pulvillen und Klauen verlängert,
Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen hinten mit 2, Hinterschienen
Sun mit 1 kleinen im Beginn des letzten Viertels, anBon abgewandt
mit 2, innen abgewandt mit 1 Borste. Flügel schwach selblich, der
in Siidamerika gefangenen Anthomyiden. 65
Vorderrand vom Randmal an braun, beide Queradern breit braun
gesäumt, die Spitzen der 3. und 4. Längsader schmäler braun gesäumt.
Die Bräunung des Vorderrandes erstreckt sich nach unten bis etwas
über die 2. Längsader hinaus und hängt an der Flügelspitze mit der
Bräunung der 3. Längsader zusammen, während die Bräunung des
Randmals mit der der kleinen Querader zussmmenhängt. Die 3. und
4. Längsader sind beide an der äußersten Spitze ganz schwach auf-
gebogen und daher ziemlich parallel, Schüppchen weiß bis schmutzig
weiß, Schwinger gelblich. — Das Weibchen gleicht bis auf die breite
Stirn und die dunkleren, oft nur an der Basis lehmgelben Fühler voll-
ständig dem Männchen. Länge 7,5 mm.
1 Männchen aus Pto. Bermudes (Peru-Pichis) 17. 12. 03, 1 Weibchen
vom Urubambafluß (Peru-Rosalina) 21. 8. 03 und 1 Weibchen aus
Sarampioni (Bolivia-Mapiri) 9. 3. 03.
4. Ph. cyanicolor sp.nov. &. Ganze Fliege schwarz, mit einem Stich
ins Blaue, namentlich am Hiterleib. Augen dicht und lang behaart,
durch eine schmale schwarze Strieme u. noch schmälere grau bestäubte
Orbiten etwas gevrennt. Im Profil ragen Stirn und die gekielien Wangen
deutlich vor und sind mit dichter grauer, schwärzlich schimmernder
Bestäubung bedeckt, Backen fast !/, so breit wie die Augenhöhe.
Fühler ein wenig unter der Augenmitte eingelenkt, schwarz mit lang
behaarter Borsve, Taster ziemlich kräftig, kurzborstig, schwarz. Thorax
tiefschwarz, kaum ins Bläuliche spielend, mit äußerst dünnem, bräunlich-
grauem Reif überzogen, so daß man nur ganz schräg von hinten eine
Spur von 4 ziemlich breiten schwarzen. Striemen erkennt, von denen
die mittleren fast zusammengeflossen smd; de 4, a1 Paar vor der Naht
und 1 Paar vor dem Schildchen, pra halb so lang wie die folgende
sa, im übrigen der Thorax mit kurzer abstehender, ziemlich dichter
Grundbehaarung, die nach hinten zu etwas länger wird und aul
dem Schildchen am längsten ist. Hinterleib länger als Thorax
und Schildchen zusammen, länglich eiförmig und etwas flach
gedrückt, glänzend schwarz mit blauem Schimmer und noch
dünnerem Reif überzogen als der Thorax, ohne Zeichnung. Es
ist aber nicht unwahrscheinlich, daß die Bestäubung bei dem einzigen
vorliegenden Stück abgerieben und daß bei reinen Stücken vielleicht
eine dunkle Rückenlinie sichtbar ist. Vom Hinterrand des 3. Ringes
an ist er abstehend beborstet, bis dahin mit locker stehenden, en-
liegenden kurzen Börstchen besetzt, so daß er fast nackt erscheint.
Beine schwarz, Pulvillen und Klauen verlängert; Vorderschienen mit 1,
Mivtelschienen hinten mit etwa 5 Borsien, Hinterschienen außen,
etwas dem Körper zugekehrt, fast der ganzen Länge nach beborstet,
innen &bgewandt mit einer Reihe längerer Borsten, außen abgewandt
mit kurzer Bewimperung, unter der 2 längere Borsten hervorragen.
Flügel intensiv angeräuchert, im Leben wahrscheinlich fast schwarz,
ohne Renddorn, 3. und 4. Längsader parallel, hintere Querader schief
und deutlich geschwungen, Schüppchen und Schwinger schwarz.
Länge 9 mm.
Archiv für Naturgeschichte
1911. 1.1. 5
66 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
1 Männchen aus den Kordilleren Bolivias 3000 m 27. 12. 02
(Garlepp).
5. Ph. femorata sp.nov. Die dicht und lang behaarten Augen sind
durch eine deutliche schwarze Strieme und schmale graue Orbiten etws
so weit getrennt wie bei unserer Ph. perdita Meig., der die Art auch in
der Gestalt völlig gleicht. Im Profil ragen Stirn und Wangen etwas
vor, während die Backen !/,—!/;, der Augenhöhe betragen. Fühler
etwas kürzer als das Untergesicht, schwarz, Borste deutlich, aber
nicht auffallend lang gefiedert, Taster schwarz. Thorax dicht graulich
bestäubt mit 4 deutlichen schwarzen Längsstriemen, die von hinten
gesehen fast bis zum Schildchen zu verfolgen sind; de 4, a vor der
Naht 2—3 Paar, pra ziemlich lang. Hinterleib länglich, dicht bräunlich-
grau bestäubt mit dunkleren unregelmäßigen Schillerflecken und
einer ziemlich breiten, aber nicht scharf begrenzten schwarzen Rücken-
strieme. Von der Mitte des 3. Ringes an ist er mit zahlreichen kräftigen,
abstehenden Borsten besetzt, während er vorher kurz &bstehend
behaart ist. Vorderbeine mit Ausnahme der Knie schwarz, Mittel-
und Hinterbeine gelb, die Schenkel an der äußersten Basis und die
Tarsen schwarz, die Schienen in der Basalhälfte etwas verdunkelt,
Pulvillen und Klauen verlängert; Vorderschienen borstenlos, Mitvel-
schienen hinten mit 2, Hinterschienen außen im Beginn des letzten
Viertels mit einer nicht sehr langen, zußen abgewandt mit 2, innen
abgewandt mit 1 Borste. Flügel schwach graulich, Randdorn fehlt,
3. und 4. Längsader etwas divergierend, hintere Querader schief und
geschwungen, kleine Querader schwach gebräunt, Schüppchen und
Schwinger gelblich. — Das Weibchen unterscheidet sich nur durch
die breite Stirn vom Männchen. Länge 8,5 mm.
1 Männchen aus Concepecion (Chile) 12. 9. 02 und ein Weibehen
aus Quillota (Chile) 20. 9. 02.
6. Ph. compressipalpis sp. nov. 9. Die nackten, hohen u. schmalen
Augen sind durch eine breite dunkelgraue, hinten nur wenig zus-
geschnittene Mittelstrieme und etwa !/, so breite gelbgrau bestäubte
Orbiten getrennt, Stirn und Wangen ragen nur wenig vor, Backen
etwa Y/, der Augenhöhe. Fühler ziemlich lang, schwarzgrau bis
schmutzig braungelb mit lang gefiederter Borste, Taster gelb, messer-
förmig zusammengedrückt, ziemlich stark verbreitert und an der
Spitze wieder schmäler, schwach gekrümmt. Thorax dicht hellgrau
bestäubt mit 4 ziemlich feinen, etwas dunkler grauen Längsstriemen,
von denen die mittleren hinter der Naht abgekürzt sind; de 4, a vor
der Naht nur als kurze, ziemlich weit getrennte Borsten, pra ziemlich
lang, st 1, 2, die hintere untere kürzer. Hinterleib länglich, etwas länger
als Thorax und Schildehen zusammen und an der Spitze häufig seitlich
zusammengedrückt (ob zufällig?). Er ist wie der Thorax bestäubt und
trägt eine ziemlich breite, an den Hinterrändern der Ringe ciwas
abgesetzte dunklere Mittelstrieme und auf Ring 2 und 3 jederseits
einen kleinen, nicht scharf begrenzten dunkeln Schillerfleck, der dem.
Vorderrand ziemlich anliegt und sehr auf die Seite gerückt ist. Vom
Hinterrand des 3. Ringes an trägt er starke abstehende, fast makrochäten-
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 67
artige Borsten. Beine schmutzig gelb, bisweilen mehr oder weniger
verdunkelt; Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen hinten mit 2,
Hinterschienen außen !/, vor der Spivze mit 1, außen abgewandt mit 2,
innen abgewandt mit 2—3 Borsten. Flügel gelbgrau mit kleinem
Randdorn, 3. und 4. Längsader divergierend, hintere Querader steil
und geschwungen, beide Queradern deutlich, wenn auch nicht sehr
intensiv gebräunt, Schüppchen weißlich, Schwinger gelblich. Länge
71,5—9 mm.
Je ein Weibchen vom Urubambafluß (Peru-Rosaline) 1.9.03,
aus Umahuenkieli 17. 9.03 und Meshagua (Peru) 13. 10. 03.
b) Alte Arten.
7. Ph. flavithorax Stein Ann. Mus. Nat. Hung. 11. 416. 1 (1904).
Da die Originalbeschreibung nicht jedem zugänglich sein wird, gebe
ich auch von dieser und den folgenden Arten kurze Diagnosen. Honig-
gelb, glänzend; Augen eng zusammenstoßend, nackt, Fühler und Taster
selb, erstere mit lang gefiederter gelber Borste. Thorax und Schildehen
glänzend honiggelb, ersterer ganz vorn dünn blaßgelb bestäubt, so
daß man hier die Anfänge von 4 etwas dunkler gelben Längsstriemen
bemerkt; de 3, a vor der Nsht 2 Paar, pra lang. Hinterleib breit
eiförmig, glänzend schwarzbraun, an der Basis mehr oder weniger
durchscheinend honiggelb, an den Seiten und den Vorderrändern der
Ringe in wechselnder Ausdehnung weisslich bereift. Beine honig-
gelb, Mittel- und Hinterbeine oft gebräunt. Flügel gelblich
tingiert, ohne Randdorn, beide Queradern breit braun gesäumt,
außerdem ein Fleck, der das Randmal ausfüllt und nach hinten
bis fast zur 2. Längsader reicht, und die Spitzen der 2., 3. und
4. Längsader in ziemlicher Ausdehnung und »bnehmender Intensität
gebräunt, 1. und 3. Längsader der ganzen Länge nach beborstet. Das
Weibchen trägt Kreuzborsten.
Anmerkung: Bei einigen Stücken der Schnuse’schen Sammlung
ist Thorax und Schildchen fast ganz verdunkelt, so daß nur die Vorder-
brust von den Schulterbeulen an gelb bleibt. In diesem Fall ist auch
die Thoraxbestäubung und seine Striemung verhältnismäßig deutlich.
In allen plastischen Merkmalen stimmen diese Stücke vollständig
mit den andern überein.
2 Männchen und 2 Weibchen aus Sarampioni 700 m II, III. 03,
3 Männchen und 2 Weibchen aus Umahuankiali 11. 9. 03 und
1 Weibchen aus Meshagua 28. 9. 03.
8. Ph. orbitalis Stein Ann. Mus. Nat. Hung. II. 427. 11 2 (1904).
Augen des noch nicht beschriebenen Männchens, das mit den dunklen
Stücken der vorigen Art »ußerordentliche Ähnlichkeit hat, eng zu-
sammenstoßend, nackt, Fühler und Taster gelb, Borste sehr lang
gefiedert. Thorax schwarz, glänzend, dicht weißgrau bestäubt mit
4 deutlichen schwarzen Striemen, von denen die inneren schmäler,
die äußeren breiter und an der Quernaht unterbrochen sind, Schulter-
beulen, Vorderbrust und die äußerste Spitze des Schildchens durch-
scheinend honiggelb; de 4, a vor der Naht 2 Paar, prs ziemlich lang.
+
68 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
Hinterleib eiförmig, zum großen Teil durchscheinend blaßgelb, eine
Mittellinie, schmale Hinterränder des 1. und 2. Ringes, eine viel breitere
Hinterrandsbinde des 3. Ringes und der ganze 4. Ring verdunkelt,
von hinten gesehen mit dünnem weißlichen Reif überzogen. Infolge
der kurzen anliegenden Börstchen erscheint er nackt, vom Hinterrand
des 3. Ringes an ist er lang beborstet. Beine honiggelb, die Schenkel
zum großen Teil verdunkelt, Pulvillen und Klauen mäßig verlängert;
Vorderschienen mit 1, Mittelschienen hinten mit etwa 3, hinten innen
mit 1—2 Borsten, Hinterschienen außen mit 1 größeren Borste hinter
der Mitte, außen abgewandt fast der ganzen Länge nach mit größern
und kleineren Borsten, innen abgewandt mit 2 Borsten. Flügel schwach
gelblich tingiert, das Randmal und beide Queradern gebräunt, zuweilen
auch die 2. Längsader; 1. und 3. Längsader der ganzen Länge nach
beborstet, 3. und 4. Längsader fast parallel, hintere Querader etwas
schief und deutlich geschwungen, Schüppchen weiß, Schwinger gelblich.
— Das Weibchen trägt Kreuzborsten und die dunkle Färbung des
Hinterleibes erstreckt sich auch schon auf einen großen Teil des
2. Ringes. Länge 7 mm.
1 Männchen und 3 Weibchen aus Sarampioni 4. 2. 03, 2 Weibchen
aus San Carlos (Bolivia-Mapiri) 800 m 4. 1. 03 und 2 Männchen aus
S. Ernesto (Bolivia-Mapiri) 28. 3. 03.
Anmerkung: Ein Weibchen der Sammlung, welches in Lo-
renzopata 2000 m (Bolivia-Mapiri) 6. 5. 03 gefangen ist, unterscheidet
sich von der vorbeschriebenen Art dadurch, daß Schulterbeulen und
Spitze des Schildehens nicht gelb gefärbt und die Beine in aus-
gedehnterer Weise verdunkelt sind. Leider befinden sich auf der einen
Seite 4, auf der andern 3 Dorsozentralborsten; doch möchte ich 3 als
Normalzahl annehmen, da die 4. der einen Seite merklich kleiner ist.
Ich halte die Art für das Weibchen der von mir in den Ann. Mus. Nat.
Hung. II. 421. 5 (1904) beschriebenen Ph. basieincta. Da jedoch nur
1 Stück vorliegt, möchte ich mieh nicht sicher entscheiden.
9. Ph. flavidieineta Stein Ann. Mus. Nat. Hung. II. 420. 4. (1904).
Die Art ist den beiden vorhergehenden aufs nächste verwandt. Augen
nackt, nur durch eine äußerst feine Strieme etwas getrennt, Fühler
schwarz bis dunkelbraun mit lang getiederter Borste, Taster schwarz.
Thorax und Schildehen glänzend schwarz mit einem Stich ins Bläuliche,
ersterer vorn sehr dünn weißlich bereift, so daß man den Anfang von
4 schwarzen Striemen wahrnimmt; de 4, a vor der Naht 2 Paar, pra
lang. Hinterleib länglich, wie der Thorax gefärbt, 1. und 2. Ring mit
einer durchscheinend hell schwefelgelben Querbinde, die am Vorder-
rand liegt, zuf dem Rücken unterbrochen ist und etwa halb so breit
ist als der Ring lang; von hinten gesehen zeigen sich auf dem dunkeln
Teil des Hinterleibes weißlich bestäubte Schillerflecken. Beine
schwarz, Beborstung wie bei orbitalis. Flügel graulich, beide Quer-
adern breit braun gesäumt, der Vorderrand vom Beginn des Randmals
bis zum Ende der 2. Längsader braun, und zwar wird diese Bräunung
nach hinten zu von der 2. Längsader begrenzt oder erstreckt sich nur
wenig darüber hinaus, 1. und 3. Längsader beborstet, letztere aber
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 69
nur bis zur kleinen Querader, Schüppcehen weiß, Schwinger bräunlich-
elb. — Das Weibchen hat Kreuzborsten und das durchscheinende
Gelb des Hinterleibs ist weit weniger ausgedehnt. Länge 7—8 mm.
4 Männchen und 3 Weibchen aus Lorenzopata 2000 m 11.5. 03
und 3 zur selben Zeit und am selben Ort von Garlepp gefangene
Weibchen.
10. Ph. eurvata Stein Ann. Mus. Nat. Hung. Il. 423. 7 2 (1904).
Die mit starker Lupe sehr dünn behaarten, gewöhnlich fast nackten
Augen des Männchens sind oben durch eine feine schwarze Strieme
und linienförmige, silbergrau bestäubte Orbiten ganz wenig getrennt,
doch finden sich nur jederseits 4 Frontoorbitzlborsten, die von der
Fühlerbasis bis zur Mitte der Entfernung derselben vom Scheitel
reichen. Stirn und Wangen ragen im Profil etwas vor, Backen !/, Augen-
höhe breit, Mundrand deutlich etwas vorgezogen und schräg abge-
schnitten. Fühler etwas kürzer als das Untergesicht, den untern Augen-
rand erreichend, dunkelgrau, 2. Glied und die Basis des 3. mehr oder
weniger rotgelb, Borste lang gefiedert, Taster schwarz. Thorax und
Schildehen dicht gelbgrau bestäubt, ersterer mit $ nicht sehr breiten
dunkelgrauen Längsstriemen, letzteres an der Spitze mehr oder weniger
gelblich durchscheinend; de 3, a nur vor dem Schildchen ein Paar,
pra lang, im übrigen der Thorax mit sehr kurzen und zerstreut stehenden
sufrechten Härchen besetzt. Hinterleib länglich, verhältnismäßig
schmal, mit dichter grauer Bestäubung, die noch mehr ins Gelbliche
zieht als die des Thorax; betrschtet man ihn ganz schräg von hinten,
so bemerkt man eine breite schillernde dunkelgraue Rückenlinie und
»uf Ring 2 u. 3 schillernde dunkle Flecke. Er ist fast ganz nackt, vom
Hinterraend des 2. Ringes an mit kräftigen abstehenden Borsten.
Beine gelb, Tarsen schwarz, Pulvillen und Klauen verlängert; Vorder-
schienen mit 1, Mittelschienen hinten mit 2, Hinterschienen außen !/,
vor der Spitze mit 1, außen abgewandt mit 2, innen abgewandt mit
1 Borste. Flügel gelblich mit sehr kleinem Randdorn, 4. Längsader
on der Spitze deutlich aufwärts gebogen und »m äußersten Ende wieder
etwas abwärts, hintere Querader steil und geschwungen, beide Quer-
adern breit gesäumt, das Ende der 4. Längsader ebenfalls mit schmalem
bräunlichen Saum, Schüppchen weißlichgelb, Schwinger gelb. — Das
Weibchen gleicht vollkommen dem Männchen. Länge 8 mm.
1 Männchen und 3 Weibchen aus Sorata (Boliviz) 2300 m 19. 12. 02,
1 Männchen aus Cuzeo (Peru) 3500 m 23. 3. 05 und 1 Männchen ebenfalls
aus Sorata, V. 03 von Garlepp gefangen.
11. Ph. latinervis Stein Ann. Mus. Nat. Hung. Il. 419. 3 (1904).
Augen des Männchens eng zusammenstoßend, kurz und sehr zerstreut
behaart, Fühler schmutziggelb mit lang gefiederter Borste, Taster von
gleicher Farbe. Thorax und Schildchen hell blaugrau, ersterer mit
4 feinen grauen, sich 'nicht scharf abhebenden Längslinien; de 3, pra
ziemlich lang. Hinterleib eiförmig, vom Hinterrand des 3. Ringes an
»bstehend beborstet. Er erscheint etwas dunkler grau als der Thorax,
da die kurzen Börstehen zuf kleinen braunen Pünktchen stehen;
betrachtet man ihn ganz schräg von hinten, so zeigt sich eine an den
70 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
Hinterrändern der Ringe unterbrochene Mittelstrieme und hier und da
bräunliche Flecke, die bei gewisser Betrachtung wie breite Hinter-
randbinden erscheinen. Beine schmutzig braungelb, Pulvillen und
Klauen etwas verlängert; Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen
hinten mit 2, Hinterschienen außen im Beginn des letzten Drittels mit
einer ziemlich kurzen und feinen Borste, außen abgewandt mit 2,
innen abgewandt mit 1 Borste. Flügel schwach graulichgelb, 3. und
4. Längsader fast parallel, hintere Querader schief und etwas ge-
schwungen, beide Queradern breit braun gesäumt, das Ende der
4. Längsader bisweilen mit schmalem braunen Saume, Schüppchen
weiß, Schwinger gelblich. — Das Weibchen unterscheidet sich in der
gewöhnlichen Weise vom Männchen. Länge 6,5—8 mm.
1 Weibchen von Garlepp in S. Carlos (Bolivia-Mapiri) 800 m I. 03
gesammelt.
12. Ph. praesuturalis Stein Ann. Mus. Nat. Hung. 11. 424 8 2 (1904)
Leider hat auch Schnuse nur Weibchen gefangen. Die hohen und
schmalen Augen zeigen nur bei starker Vergrößerung zerstreute kurze
Härchen und sind breit getrennt. Fühler schmutzig braun miö sehr
lang gefiederter Borsie, Taster schwarz. Thorax und Schildehen
schwarz, stumpf, mit dünnem, bläulichgrauem Reif überzogen, sodaß
2 feine dunkle Mittellinien und breitere an der Quernaht unterbrochene
Seitenstriemen nur schräg von hinten gesehen etwas deutlicher sichtbar
werden; de 3, vor der Naht 1, pra ziemlich lang, Grundbehaarung des
Thorax sehr kurz, fast anliegend und nicht sehr dieht. Hinterleib
breit eiförmig, schwarzbraun, kaum etwas gleißend, von hinten gesehen
hier und da mit schwacher Bereifung und sehr undeutlichen etwas
dunkleren Schillerfleeken. Bei sämtlichen vorliegenden Stücken ist
er nur mit kurzen anliegenden Börstehen besetzt, ohne jede längere
Borste. Beine schwarzbraun, die äußerste Spitze der Schenkel bis-
weilen etwas heller; Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen hinten
mit 2, Hinterschienen außen !/, vor der Spitze mit 1, außen abgewandt
mit 2, innen abgewandt mit 1 Borstie. Flügel gelblichgrau mit sehr
kleinem Randdorn, 4. Längsader ganz geade verlaufend, 3. an der
äußersten Spitze ganz wenig aufgebogen, hintere Querader steil und
grade. Beide Queradern sind sehr breit braun gesäumt, von gleicher
Färbung der ganze Vorderrand, und zwar ist die Bräunung in den
Kostalzellen am schmälsten, hängt beim Randmal mit der Bräunung
der kleinen Querader ganz oder fast zusammen und erstreckt sich
weiterhin etwas über die 2. Längsader hinaus; bisweilen findet sich
in der Bräunung gleich hinter dem Randmal ein heller Fleck. Die
Spitzen der 3. und 4. Längsader sind ebenfalls mehr oder weniger
deutlich braun gesäumt. Schüppchen weißlich, zuweilen mit feinem
schwärzlichen Saum, Schwinger verdunkelt mit hellerem Stiel.
2 Weibchen stammen aus 8. Carlos (Bolivias-Mapiri) 800 m 4. 1. 03
und eins aus Lorenzopata 2000 m 8. 5. 03. Letzteres ist dadurch merk-
würdig, daß sämtliche stärkere Borsten des Thorax und des Schildchens
außerordentlich kräftig und messerschneidenartig zusammengedrückt
sind. Ein viertes ebenfalls in S. Carlos 13.1. 03 gefangenes Weibchen
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 74
hat ähnlich, wenn auch nicht ganz so stark verbreiterte Borsten, unter-
scheidet sich aber dadurch von den übrigen, daß sich vor der Naht
2 Dorsozentralborsten finden, daß der Flügelvorderrand nur im Rand-
mal und viel schwächer in der Endhälfte der 2. Längsader gebräunt
ist, daß die Bräunung des Randmals nicht mit der der kleinen
Querader zusammenhängt und daß die 4. Längsader an der äußersten
Spitze ein ganz klein wenig aufgebogen ist. Sonst stimmt das Stück
bis ins kleinste mit den andern überein. Ich will nicht entscheiden,
ob eine besondere Art oder nur eine Abänderung vorliegt.
13. Ph. maculipennis Meq. Dipt. exot. II. 3. 163. 2 (1843). Leider
liegt von dieser Art nur ein Weibchen vor, auf welches »ber die Mac-
quart’sche Beschreibung so gut paßt, daß mir die Identität sicher zu
sein scheint. Augen durch eine breite schwarzgraue, hinten tief aus-
geschnittene Mittelstrieme und schmale, grau bestäubte Orbiten
getrennt, bei starker Vergrößerung mit kurzen Härchen besetzt. Sie
sind hoch und schmal und nehmen im Profil fast den ganzen Kopf
ein, da Stirn und Wangen fast gar nicht vorr2gen und die Backen
nur etwas breiter sind. Fühler in der Mitte der Augenhöhe eingelenkt,
ziemlich lang, schmutzig lehmgelb, mit lang gefiederter Borste, Taster
dunkelbraun. Thorax schwarzbraun, mit dünner bräunlich asch-
grauer Bestäubung. 4 Striemen, von denen die seitlichen wie gewöhnlich
breiter und an der Quernaht unterbrochen sind, namentlich von hinten
gesehen ziemlich deutlich erkennbar; de 3, pra lang, Grundbehaarung
aus sehr kurzen anliegenden Börstehen bestehend. Schildcehen wie
der Thorax gefärbt und bestäubt. Hinterleib eiförmig, schmutzig
braun; ganz schräg von hinten gesehen ist er ebenfalls bräunlichgrau
bestäubt und läßt zahllose kleine schwarze Pünktchen erkennen. Er
ist ganz nackt und nur der Hinterrand des 3. Ringes mit längeren und
kräftigen abstehenden Borsten besetzt, während der letzte Ring nur
fein und locker abstehend behaart ist. Beine dunkelbraun, die Kniee
bisweilen rötlich; Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen hinten
mit 2, Hinterschienen außen, etwa !/, vor der Spitze, mit 1 nicht sehr
langen, außen abgewandt mit 2, innen »bgewandt mit 3 Borsten.
Flügel schwach graulichgelb, Randdorn kurz, 3. und 4. Längsader
nur wenig divergierend, hintere Querader steil u. schwach geschwungen,
ein Fleck, der das Randmal ausfüllt und sich noch etwas darunter
erstreckt, und ein länglicher Fleck an der Spitze der 2., 3. und 4. Längs-
ader braun, die beiden letzteren aber schon sehr verblaßt; beide
en breit braun gesäumt, Schüppchen weißlich, Schwinger
gelblich.
1 Weibchen zus der Sammlung des Herrn Garlepp von S. Carlos
800 m IV. 03. Dasselbe hat »ußerordentliche Ähnlichkeit mit dem
letzterwähnten Weibehen der vorigen Art, dem es namentlich in der
Flügelzeichnung gleicht, unterscheidet sich aber durch ganz grade
verlaufende 4. Längsader, durch gelbe Schwinger und andere Be-
borstung der Hinterschienen.
72 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
II. Psilochaeta gen. nov.
Die Gattung, als deren typischen Vertreter ich Limnophora chloro-
yaster Big. ansehe, ist eine echte Ariciine, wie zus der Rückenborste
der Hinterschienen und der langen Präalarborste hervorgeht, und
unterscheidet sich von Phaonia durch ganz nackte Fühlerborste und
den konstanten Besitz von 2 Paar kräftigen Dorsozentralborsten vor
der Naht. Die Augen sind meist nackt, der Flügelranddorn fehlt
gewöhnlich, die hintere Querader ist schief und oft auffallend ge-
schwungen, Kreuzborsten fehlen. Charakteristisch scheinen zuch die
von der grauen Bestäubung sich mehr oder weniger deutlich ab-
hebenden Thoraxstriemer zu sein.
1. Ps. chlorogaster Big. Ann. Soc. ent. France ser. 6. V. 271.3. (1885).
Augen nackt, einander so genähert, daß entweder die linienartigen
weißgrau bestäubten Orbiten eng zusammenstoßen oder daß sich das
schwarze Stirndreieck in feiner Linie bis zum Scheitel fortsetzt; auf
jeden Fall aber erstrecken sich die Frontoorbitalborsten nur bis zur
Mitte der Stirn. Stirn und die schwach gekielten Wangen etwas vor-
ragend, Backen mindestens !/, so breit wie die Augenhöhe. Fühler
etwas unter der Augenmitte eingelenkt, ziemlich kurz und kräftig,
3. Glied kaum doppelt so lang als das 2., schwarz, Borste ganz nackt,
an der Basis mäßig verdickt, Taster fadenförmig aber kräftig, borstig,
schwarz. Thorax und Schildchen dicht aschgrau bestäubt, 4 dunkel-
graue, gleichbreite Thoraxstriemen, von denen die seitlichen an der
Naht kaum unterbrochen sind, bis fast zum Schildehen deutlich
erkennbar; de 4, st 2, 2, die vordere untere beim Männchen fein, beim
Weibchen kräftiger. Hinterleib länglich eiförmig, nicht besonders
stark gewölbt, etwas länger wie Thorax und Schildchen zusammen und
so breit wie der erstere, die 3 ersten Ringe mit anliegenden, an den
Hinterrändern etwas längeren, der letzte mit abstehenden Borsten.
Er ist blaß bläulichgrün und glänzend und ganz schräg von hinten
gesehen namentlich in der Wurzelhälfte schwach weißlich bereift, so
daß eine schmale dunklere Rückenlinie hier deutlicher ist, auf den
letzten Ringen dagegen ganz verschwindet. Beine schwarz, Knie rot,
Pulvillen und Klauen etwas verlängert; Vorderschienen borstenlos,
Mittelschienen hinten mit 2, Hinterschienen außen, etwas vor dem
Beginn des letzten Viertels, mit 1 längeren, außen abgewandt und
innen abgewandt mit je 1 kürzeren Borste, Hinterschenkel unterseits
abgewandt der ganzen Länge nach beborstet, zugekehrt nur von der
Basis bis zur Mitte. Flügel schwach graulich, ohne Randdorn, 3. und
4. Längsader divergierend, hintere Querader schief und stark ge-
schwungen, Schüppchen weißlichgelb, Schwinger gelb. — Das Weibchen
gleicht bis auf die breit getrennten Augen vollständig dem Männchen.
Recht auffallend ist in beiden Geschlechtern das grau bestäubte
Mondehen an der Fühlerbasis. Länge 8 mm.
4 Pärchen, die in Taena (Chile) 12. 10. 02, Sorsta 19. 12. 02, am
Titiescasee (Bolivia) 29.5. bis 1. 6.03, Cuzco (Peru) VII. 03 und
Tarma (Peru) 20. 1.04 gefangen sind.
in Südamerika gefangenen Anthomyiden, 73
Anmerkung: Die Wiedemann’sche chlorogaster ist der vor-
geschriebenen Art sehr ähnlich, aber doch wohl nicht mit ihr identisch,
da ihr ein dreistriemiger Thorax u. ein an der Spitze rötliches Schildehen
zugeschrieben wird.
2. Ps. chalybea Wied. Außereurop. Zweifl. Ins. II. 428. 15 (1830).
Bau des Kopfes genau wie bei der vorigen Art, nur die Augen etwas
breiter getrennt. Die Wangen neben der Fühlerbasis schimmern von
vorn gesehen weißlich, bei anderer Betrachtung schwärzlich, während
such das Mondchen über den Fühlern dicht weißgrau bestäubt ist.
Fühler, Fühlerborste und Taster wie bei chlorogaster. Thorax schwarz-
blzu, der hintere Teil und das Schildehen mit ansehnlichem Glanz,
der vordere Teil äußerst dünn graulich bereifi, so daß man nur ganz
schräg von hinten gesehen und nur ganz vorn die undeutlichen Anfänge
von 4 Längsstriemen wahrnimmt. Für gewöhnlich erscheint der vordere
Teil des Thorax nur etwas stumpfer als der hintere. Beborstung voll-
ständig wie bei chlorogaster. Hinterleib glänzend blau, die beiden
ersten Ringe mehr veilchenblau, die beiden letzten mehr grünlichblau,
mit kaum sichtbarer grauer Bereifung an der Basis, so daß der Anfang
einer Mittellinie noch viel undeutlicher ist als bei der vorigen Art. Von
der Mitte des 3. Ringes an ist er abstehend beborstet. Beine schwarz,
Hinterschienen außen abgewandt gewöhnlich mit 2 Borsten. Flügel
wie bei der vorigen Art, Schüppchen und Schwinger schwarz.
Zahlreiche Stücke beiderlei Geschlechts aus Chile und zwar aus
Corral 8.9. 02, Coronell 9.9.02, Concepeion 10.9. 02, Valparaiso
14. 9. 02, Quillota 20. 9. 02, Guzyacan 22. 9. 02 und Coquimbo 23. 9. 02,
Anmerkung: Die Art ıst identisch mit Ophyra caerulea Meq.
Dipt. exot. II. 3. 165. 2 (1843), von der ich einige in der Bigot’schen
Sammlung befindliche Stücke untersucht habe. Die Type von
chalybea Wied. habe ich ebenfalls prüfen können.
3. Ps. fulvolateralis sp. nov. &. Bau des Kopfes genau wie bei den
vorhergehenden Arten, die Augen so weit getrennt wie bei chalybea.
Die Frontoorbitalborsten verlaufen bis zum Scheitel fast in gleicher
Länge, während sie bei den andern schon in der Mitte aufhören oder
wenigstens zuletzt viel kürzer werden. Thorax und Schildehen schwarz
mit einem schwachen Stich ins Bläuliche, ziemlich glänzend, mit viel
dünnerer grauer Bereifung als bei chlorogaster, doch lassen sichnamentlich
von hinten gesehen 4 schwarze gleichbreite Längsstriemen ziemlich
deutlich erkennen; de 3, im übrigen die Beborstung dieselbe wie bei
den ersten beiden Arten. Hinterleib länglich, glänzend schwarz, von
hinten gesehen mit bläulichgrauer Bereifung, die Seiten der ersten beiden
Ringe in ziemlicher Ausdehnung, ein kleiner Fleck jederseits am Vorder-
rend des 3. Ringes und der Hinterrand des 4. Ringes nicht ganz bis
zur Mitte orangegelb, schwach durchscheinend. Der Hinterrand des
2. Ringes ist mit längeren anliegenden, der Rest mit abstehenden
Borsten besetzt. Beine schwarz, Beborstung wie bei chalybea, nur
tragen die Hinterschienen innen abgewandt 3 kurze Borsten. Flügel
kaum graulich, ohne Randdorn, 3. und 4. Längsader deutlich diver-
gierend, hintere Querader schief und sehr stark geschwungen, ihre
74 Prof, P. Stein: Die von Schnuse
Entfernung von der kleinen größer als der letzte Abschnitt der 4. Längs-
ader, Schüppchen schwärzlich, mit noch schwärzerem feinen Saum,
Schwinger schwerz mit gelblichem Stiel. Länge 7 mm.
1 Männchen vom Titieacasee (Peru-Puno) 24. 11. 02.
4. Ps. carnıfex sp. nov. 9. Die ziemlich lang, aber spärlich behaarten
Augen sind durch eine breite, hinten bis zur Mitte ausgeschnittene
schwarze Mittelstrieme und schmale, grau bestäubte Orbiten getrennt.
Stirn, Wangen und Backen etwa so breit wie bei den übrigen Arten,
sämtliche Teile gelblichgrau bestäubt, die Wangen neben der Fühler-
basis mit einem großen, schwarz schillernden Fleck. Fühler so lang
wie bei den anderen, schwarz, 2. Glied rot, Taster fadenförmig, hell
gelblichrot, fast durchscheinend. Thorax und Schildehen dicht hell-
bräunlich bestäubt, ersterer mit 4 ziemlich breiten schwarzbraunen
Längssiriemen, von denen sich die mittleren auf die Seitenränder des
Schildchens fortsetzen. Auch von vorn geschen sind die Thoraxstriemen
deutlich, erscheinen aber heller braun; de 3, st 1, 3, unter der vorderen
keine Spur eines Börstchens. Die Spitze des Schildehens ist schwach
bräunlichgelb durchscheinend. Hinterleib breit eiförmig, senkrecht
von oben gesehen und gegen das Licht gehalten in der Basalhälfte
lehmgelblich durchscheinend, schräg von hinten betrachtet hell bräunlich-
gelb bestäubt mit unregelmäßigen kleinen dunkleren Schillerflecken
und einer anfangs recht breiten, nach der Spitze zu schmäler werdenden
dunkelbraunen Rückenstrieme. Beine schmutzig gelb, Vorderschienen
mit I, Mittelschienen hinten mit 4, hinten innen mit 1, Hinterschienen
außen im Beginn des letzten Dritiels mit 1, außen »bgewandt mit
5—6 von verschiedener Länge, innen abgewandt mit 3—4 kurzen
Borsten. Flügel und Schüppchen graulich mit demselben hellbräunlichen
Ton wie der ganze Körper, Randdorn klein aber deutlich, 3. u. 4. Längs-
ader fast parallel, hintere Querader schief und etwas geschwungen,
Schwinger gelblich. Länge 7 mm.
1 Weibchen aus Palea (Chile) 21. 10. 02.
II. Brachygasterina Mcq.
Die Gattung ist der vorigen nahe verwandt durch die nackte
Fühlerborste und den Besitz von kräftigen Dorsozeniralborsten vor
der Naht. Sie unterscheidet sich durch die Forın des 3. Fühlergliedes, das
ziemlich kurz und an der Spitze abgerundet ist, und durch die dicken,
am Ende löffelförmig verbreiterten Taster. Das Weibchen hat Kreuz-
borsten.
1. Br. violaceiventris Meq. Dipt. exot. Suppl. IV. 259 (1850). Die
ganze Fliege ist schwarzblau, Schildchen und Hinterleib dunkel korn-
blumenblau und stark glänzend. Der Thorax ist dünn bläulichgrau
bereift und zeigt vorn 4dunkle Striemen, von denen die inneren schmäler,
die äußern etwas breiter sind; de 4, st 1, 2. Hinterleib kurz eiförmig,
stark gewölbt, ohne jede Bestäubung, ganz nackt, nur der letzte Ring
abstehend beborstet. Beine schwarz, Vorderschienen borstenlos,
Mittelschienen hinten mit 2 oder 3, Hinterschienen außen '/; vor der
a a En a
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 75
Spitze mit 1, außen abgewandt mit 2, innen abgewandt mit 2 recht
kurzen Borsten. Flügel graulich, ohne Randdorn, 3. und 4. Längsader
kaum etwas divergierend, aber die 1. Hinterrandzelle en der Spitze
ziemlich breit offen, hintere Querader steil u. geschwungen, Schüppchen
und Schwinger schwarz. Länge 7—9 mm.
Er
10.
13.
3 Weibchen aus Corral (Chile) 8. 9. 02.
IV. Mydaea R.D.
Übersicht der Arten.
Dorsozentralborsten hinter der Naht 2 1. M. pauciseta sp. nov.
Dorsozentralborsten 3 2
Dorsozentralborsten 4 14
Vorderschienen mit Borste 3
Vorderschienen ohne Borste 6
Beide Queradern breit braun gesäumt 24. M. marginipennis Stein
Queradern nicht auffallend gesäumt 4
Flügelvorderrand auffallend schwarz gesäumt
2. M. nigromarginata sp. nov.
Flügelvorderrand nicht geschwärzi 5
Vor der Naht ein deutliches Paar Akrostichalborsten
25. M. biseta Stein
Vor der Naht keine Akrostichalborsten 3. M. echinogaster sp. nov.
Flügel gefleckt, 1. u. 3. Längsader beborstet 26. M. spiloptera Wied.
Flügel nicht gefleckt, Längsadern nackt 7
Thorax und Brustseiten einfe orbigrotgelb 23. M. singularis sp. nov.
Thorax und Brustseiten anders gefärbt 8
Gelb bestäubte Art mit weißgelben Fühlern und blaßgelben Beinen
4. M. angustipennis sp. nov.
Grau bestäubte Art mit dunkeln oder höchstens gelben Fühlern
und nie blaßgelben Beinen 3
Flügelvorderrand mehr oder weniger gebräunt 27. M. pedella Wied.
Flügelvorderrand nicht auffallend gebräunt, wenn aber schwach
gebräunt, dann der Thorax ohne Spur von Präalarborste 10
Augen des Männchens ziemlich breit getrennt
5. M. eurycephala sp. nov.
Augen des Männchens zusammenstoßend 11
Schüppehen schmutzig weiß mit feinem schwärzlichen Saum
6. M. longipes sp. nov.
Schüppchen rein weiß 12
Präalarborste in Gestalt wenigstens eines kurzen Börstchens
immer vorhanden 7. M. consangwinea sp. nov.
Präalarborste vollständig fehlend 15
Thorax schwach graulich bereift mit undeutlichen Längsstriemen
Taster schwarz 28. M.nigrina Wied.
Thorax dicht grau bestsiche mit deutlichen breiten Längsstriemen,
Taster gelb 29. M.tesselata Stein
29.
Prof. P. Stein: Die von Schnuse
Vorderschienen mit Borste 15
Vorderschienen ohne Borste 19
Beide Queradern deutlich braun gesöumt 8. M. inepta sp. nov.
Queradern nicht oder nur schwach gebräunt
Mittelschienen nur hinten mit Borsten 17
Mittelschienen auch hinten innen mit kräftiger Borste 18
Augen dicht behaart, Präalarborste fehlend 9. M.dasyops sp. nov.
Augen nackt, Präalarborste ziemlich lang 30. M. fulvisguama Stein
Randdorn kräftig, Bestäubung des Hinterleibes gelbgrau
10. M. discolor sp. nov.
Randdorn fehlend, Bestäubung des Hinterleibes bräunlichgrau
11. M. piliceps sp. nov.
Vor der Naht einige kräftige Akrostichalborsten 12. M.fallax sp.nov.
Vor der Naht keine Akrostichalborsten 20
1. Längsader nackt, 3. höchstens an der Basis beborstet 21
l. und 3. Längsader beborstet 27
Beine zum größten Teil gelb 22
Beine schwarz, höchstens die Knie gelb 23
Flügelvorderrand deutlich braun gefärbt 13. M. orba sp. nov.
Flügelvorderrand nicht gebräunt 14. M. centralis sp. nov.
Hinterleib dicht ockergelb bestäubt, an der Basis mehr oder
weniger durchscheinend 24
Hinterleib schwarz, schwach grau bestäubt, nirgends durch-
scheinend 25
Mittelschenkel unterseits in der Nähe der Basis mit einer isolierten
kräftigen Borste 31. M. geminata Stein
Mittelschenkel unterseits nur kurz zottig behaart
15. M. perspieua sp. nov.
Schildehen an der äußersten Spitze gelb, Pulvillen und Klauen
des Männchens sehr kurz, 3. Längsader ganz nackt
16. M. stabilis sp. nov.
Schildehen ganz schwarz, Pulvillen und Klauen des Männchens
verlängert, 3. Längsader an der Wurzel mit 2—3 Börstchen 26
Augen nackt, eng zusammenstoßend, Fühler und Taster lehmgelb
17. M. mendax sp. nov.
Augen behasrt, deutlich getrennt, Fühler und Taster schwarz
32. M. meditabunda Fbr.
Hintere Queıader breit braun gesäumt 28
Hintere Querader gar nicht oder nur schmal gesäumt 30
Hinterschienen außen abgewandt zuf der Mitte mit 1 Borste,
Hinterleib an der äußersten Basis durchscheinend
33. M. veniseta Stein
Hinterschienen außen abgewandt mit 2 Borsten, wenn aber mit 1,
dann der Hinterleib nirgends durchscheinend 29
Fühler blaßgelb, Taster an der Spitze gelb, Schwinger schwarz-
braun, Hinterschenkel unterseits dem Körper zugekehrt äußerst
kurz behaart 34. M. multomaculata Stein
in Sildamerika gefangenen Anthomyiden. 77
Fühler lehmgelb, Taster ganz schwarz, Schwinger gelb, Hinter-
schenkel unterseits zugekehrt mit längeren Borsien
18. M.trita sp. nov.
30. Hinterschienen innen &suf der Miite beim Männchen mit einer
kräftigen, schräg nach unten gerichteten langen Borste, Flügel-
vorderrend gebräunt 19. M. armipes sp. nov.
Hinterschienen innen ohne längere Borste, Flügelvorderrand nicht
gebräunt - 83]
31. Der ganze Körper dicht ockergelb, fast goldgelb bestäubt
20. M. conspersa sp. nov.
Körper anders bestäubt 32
Hinterleib mehr oder weniger durchscheinend, Augen höchstens
durch die sich berührenden Orbiten getrennt
22. M. seriata sp. nov. (gemina var.?)
Hinterleib nirgends durchscheinend, Augen durch eine deutliche
schwarze Strieme und viel schmälere Orbiten getrennt 33
33. Randma] und kleine Querader deutlich braun gefleckt, Fühler
schwarz, alle 4 Dorsozenirelborsten hinter der Naht fast gleich
lang und stark 35. M. rescita WIk.
Randmal und kleine Querader nicht braun gefleckt, Fühler lehm-
gelb, die beiden vorderen der 4 Dorsozentralborsten viel kleiner
und schwächer 21. M. immunda sp. nov.
co
D
2) Neue Arten.
l. M. paueiseta sp. nov. Q. Augen hoch und schmal, durch eine
Sirieme getrennt, die über den Fühlern gemessen noch nicht so breit ist
wie ein Auge und sich nach oben noch etwas verschmälert. Stirn und
Wangen nur in feiner Linie vorragend, Backen etwas breiter. Fühler
lang, 3. Glied viermal so lang wie das zweite, schwarz, Borste lang,
haarförmig, kurz aber deutlich behaart, Taster ziemlich kräftig, etwas
verbreitert, schwarz. Thorax einfarbig schwarzblau, nur ganz vorn
äußerst wenig graulich bestäubt, so daß man nur bei großer Auf-
merksamkeit den Anfang von 2 schmalen, dunkeln Längslinien erkennt,
die innerhalb der Dorsozentralborsten liegen; de vor der Neht 1,
hinter derselben 2, a vollständig, such vor dem Schildchen fehlend,
ebenso wie pre, im übrigen der Thorsx ganz nackt. Hinterleib eiförmig,
von der Farbe des Thorax, schwach glänzend, nackt, Mitte und Hinter-
rand des 4. Ringes mit einigen zbstehenden feinen Borstenhasren.
Beine schwarz, Vorderschienen mit 1, Mittelschienen hinten mit 2,
Hinterschienen zußen abgewandt und innen abgewandt mit je 1 Borste.
Flügel gelblich, der ganze Vorderrand intensiv gebräunt, welche Färbung
sich in der Gegend des Rendmals bis zur kleinen Querzder, weiterhin
bis etwas über die 2. Längsader erstreckt, sußerdem die Spitze der
3. und 4. Längsader braun gesäumt, &ber nicht so intensiv und fast
mit der Bräunung des Vorderrsndes zusammenhängend, hintere
Querader gleichfalls gebräunt, 3. und 4. Längsader parallel, hintere
Querader steil und kaum geschwungen, Schüppchen schmutzig weiß
78 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
mit tief schwarzem Saum, der an dem untern breiter ist, Schwinger
schwarz. Länge 8 mm.
1 Weibchen von Pichisweg (Peru) 3. 1. 03.
2. M. nigromarginata sp. nov. Q. Die nicht schr dicht, aber
deutlich behaarten Augen sind etwas breiter getrennt als bei der vorigen
Art, mit der sie sonst große Ähnlichkeit hat. Fühler und Borste wie
bei ‚dieser, Taster kräftig, aber fadenförmig, behaart. Thorax schwarz
mit ganz schwacher Bereifung, von der sich nur ganz schräg von hinten
gesehen 4 dunklere Striemen abheben, von denen die mittleren wie
gewöhnlich schmäler sind, während die seitlichen nach außen zu mit
der dunkeln Färbung der Brustseiten verschmelzen; de 3, a und pra
fehlend, st 2, 2, die beiden untern aber kleiner und feiner. Hinterleib
eiförmig, schwarzblau, von hinten gesehen schiefergraulich bestäubt mit
wenig deutlichen und ziemlich kleinen schwärzlichen Schillerflecken;
er iso nackt und nur an den Seiten sowie von der Mitte des 4. Ringes an
»bstehend beborsiet. Beine schwarz, Vorderschienen mit 1, Mittel-
schienen hinten mit 2, Hinterschienen außen abgewandt und innen
abgewandt ebenfalls mit je 2 Borsten. Flügel graulich, der Vorderrand
bis zur Spitze der 2. Längsader iniensiv schwarzbraun gefärbt; diese
Bräunung erstreckt sich in der Basalhälfte bis zur 3., weiterhin bis
etwas über die 2. Längsader. Randdorn tehli, 3. und 4. Längsader
divergierend, hintere Quersder etwas schief und deutlich geschwungen,
Schüppchen weiß, Schwinger schwarz. Länge 9,5 mm.
1 Weibchen aus Lorenzopatz 2000 m 11. 5. 03.
3. M.echinogaster sp.nov. Die Artisi keine Ugenosze, sondern gehört
wie neh Zett., spinicosta Zeiv. u. setigera Pok. zu den breitstirnigen
M ydaeaarven, für die allerdings eine neue Geitung gewählt werden
könnte. Die ganze Fliege ist hell gelblichbraun gefärbt. Die nicht sehr
hohen und nackten Augen sind durch eine breite schwarze Mittel-
strieme und schmale grau bestäubte Orbiten so weit getrennt, daß
die Stirn über den Fühlern eiws so breit ist wie ein Auge, während
sie sich nach dem Scheitel zu ein ganz klein wenig verschmälert. Stirn
im Profil wenig, Wangen gar nicht vorragend, Bscken 1/,—!/, der
Augenhöhe, Hinterkopf unten gepolstert, sämtliche Teile selblich grau
bestäubt, neben der Fühlerbasis auf den Wangen ein schwärzlich
schimmernder Fleck. Fühler in der Augenmitte eingelenkt, schwarz,
3. Glied etwas über doppelt so lang als das rötlich schimmernde, grau
bestäubte zweite, Borsie lang, hasrförmig, pubesceni, Taster foden-
förmig, schwarz. Thorax hellbraungelb, mit 4 scharf begrenzten
braunen Längssiriemen, von denen die mittleren einsnder etwas
genähert sind, während der Raum zwischen ihnen ebenfalls dunkler
gefärbt ist, so daß es sussieht, als ob die Striemen zusammengeflossen
wären; de 3, 3 vor der Naht in Gestalö us kurzer und unregelmäßig
angeordneter Börstchen, pra sehr kurz, st 2, 2. Schildchen hellbraun,
schwach gelblich durchscheinend. Hinterleib fest kegelförmig, seine
Bräunung intensiver als die des Thorax, mit kaum sich abhebenden
paarigen “bräunlichen Flecken uf Ring 2 und 3. Vom Hinveırand des
2. Ringes an ist er mit kräftigen sbstehenden Borsten besetzt. Beine
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 79
gelb, Pulvillen und Klauen etwas verlängert; Vorderschienen mit 1,
Mittelschienen hinien mit 2, Hinterschienen außen abgewandt mit
1 Borste, innen abgewandt miv 3 kürzeren Börsichen. Flügel gelblich
mit deutlichem Randdorn, 3. und 4. Längsöder schwach divergierend,
hintere Querader steil und wenig geschwungen, kleine Querader
undeutlich gebräunt, Schüppchen weißlich, Schwinger gelblich. —
Das Weibchen gleicht bis uf die noch eöwas breiter getrennten Augen
und die Form des Hinterleibes vollständig dem Männchen. Länge 6,5
—7 mm.
1 Männchen aus Cuzco VII. 03 und ein von Gsrlepp am selben Ort
gefangenes Pärchen 20. 3., 3. 4. 05.
Anmerkung: Ein in La Paz (Bolivie) 2.12.02 gefangenes
Männchen gleicht m allen plastischen Merkmalen vollkommen der
beschriebenen Form und unterscheidet sich nur dadurch von ihr,
daß die ganze Körperfärbung etwas heller ist, auf dem Thorax aur die
mittleren Striemen äußerst schwach angedeutet sind und der Hinter-
leib ganz ungefleckt ist.
4. M. angustipennis sp.nov. $. Die zußerordentlich hohen und
schmalen Augen stoßen oben so zusammen, daß sich die weißgelben Or-
biten in längerer Strecke berühren, während über den Fühlern nur ein
kleines schwarzes Siirndreieck übrig bleibt. Infolgedessen finden sich über
den Fühlern nur wenige Frontoorbitalborsten, die schon vor der Mitte
der Stirn aufhören. Stirn und Wangen ragen im Profil gar nicht vor,
während die Backen nur schmal sind. Fühler etwas unter der Augen-
mitte eingelenkt, bis zum unteren Augenrand reichend, fast weiß,
mit sehr lang gefiederter Borste, Taster gelb. Thorax und Schildchen
dicht hell messinggelb bestäubt, ersterer mit 2, von hinten gesehen
ziemlich deutlichen grauen Striemen, die fast bis zum Schildchen zu
verfolgen sind, Brustseiten hellgrau; de 3, a3 nur vor dem Schildcehen
ein Paar, pra fehlend, st 1, 2. Hinterleib länglich, fast kegelförmig,
etwas länger als Thorax und Schildchen zusammen und so breit wie
ersierer, ebenfalls dicht gelblich bestäubt, aber etwas dunkler als der
Thorax, bisweilen an der Basis ganz schwach durchscheinend. Be-
trachtet man ihn ganz schräg von hinten, so erkennt man eine feine
dunkle Mittellinie und auf Ring 2 und 3 je ein Paar nicht sehr deutlicher,
ziemlich großer, dunkler Flecken, während sich bisweilen auch an den
Seiten der Ringe, sowie auf dem letzten Ring dunkle, unregelmäßige
Schillerflecken zeigen. Vorn Hinterrand des 3. Ringes an ist er mit je
einem, zus wenigen aber kräfiigen abstehenden Borsten bestehenden
Kranz besetzt, sonst nackt. Beine blaßgelb, die Schienen der Mittel-
und Hinterbeine bisweilen etwas dunkler, Pulvillen und Klauen sehr
kurz; Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen hinten mit 2, Hinter-
schienen sußen abgewands mit 1 Borste, innen abgewandt mit einigen
kürzeren Börstchen. Flügel schmal, schwach gelblich, ohne Randdorn,
3. und 4. Längsader ziemlich stark divergierend, hintere Querzder
evwas schief und schwach geschwungen, Schüppchen weißlich, Schwinger
gelblich. Länge 7—9,5 mm.
80 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
Ein sehr großes Männchen vom Urubsmbafluß (Peru-Meshagus,)
30. 9.03 und ein kleineres vom Pschitezfluß (Peru) 5. 12. 03.
5. M.eurycephala sp. nov. Die mit spärlichen kurzen Härchen be-
setzten hohen, über der Mitte breiteren, unter derselben schmäleren Augen
sind durch eine Strieme getrennt, die über den Fühlern gemessen
etwas mehr als °/, so breit ist wie ein Auge. Die Mivtelsirieme ist
schwarzbraun, hinten nur wenig ausgeschniiten, die weißlichgrauen
Orbiten etwa halb so breit. Stirn im Profil etwas, Wangen nur wenig
vorragend, Becken ziemlich schmal. Die deutlich über der Augenmitte
eingelenkten Fühler sind rechö auffellend lang, das 3. Glied mindestens
5—6 mal so lang als das 2., und schmutzig braun gefärbt, Borste lang
gefiedert, Taster fadenförmig, schwarz. Thorax hell sschgrau bestäubt,
mit 4 dunkler grauen Längsstriemen, von denen die mittleren ziemlich
fein, die seitlichen breiter und mehr verschwommen sind, Schildehen
sschgrau, die Seitenränder und ein Basalfleck schwärzlich; de 3, & vor
dem Schildchen ein Paar, pra nur als ein feines Börscchen, st 1, 2, die
hintere untere sehr klein. Hinterleib länglich, so lang wie Thorax und
Schildehen zusammen, schwach glänzend, mit unregelmäßigen, ab-
wechselnd aschgrauen und schwärzlichen Schillerflecken und feiner,
dunkler Rückenlinie, vom Hinterrand des 3. Ringes an kräftig ab-
stehend beborstet, sonst nackt. Beine schmutzig braun, die Schienen
etwas heller, Pulvillen und Klauen kurz; Vorderschienen borstenlos,
Mittelschienen hinten mit 3, Hinterschienen außen abgewandt mit 1,
innen abgewandt mit 2 Borsten, Hinterschenkel unterseits abgewandt
nur vor der Spitze mit I—2 etwas längeren Borsten, sonst nackt.
Flügel graulich, Randdorn klein, 3. und 4. Längsader deutlich diver-
gierend, hintere Querader steil und kaum geschwungen, Schüppchen
weißlich, Schwinger gebräunt. — Die Augen des Weibehens sind nur
wenig breiter getrennt, der Randdorn deuvlicher. Länge 7 mm.
1 Männchen vom Urubambafluß (Peru-Meshagua) 29.9. 03 und
1 Weibchen vom Pachiteafluß (Peru) 5. 12. 03.
6. M. longipes sp. nov. $. Die hohen und schmalen, mit lockern
kurzen Härchen besetzten Augen stoßen. zuf dem Scheitel eng zusammen,
Stirn und Wange fast gar nicht vorrzgend, Backen schmel, Fühler
in der Augenmitte eingelenkt, wenig kürzer als das Untergesicht,
schwarzgrau mit lang gefiederter Borste, Taster fadenförmig, schwarz.
Thorax und Schildehen schwarz, schwach glänzend, mit feinem
graulichen Reif überzogen, so daß man die gewöhnlichen 4 Striemen
nur undeutlich erkennt; de 3, a und pra ganz fehlend, st 1,2, die untere -
hintere halb so groß wie die oben. Hinierleib länglich, schwarzgrau,
glänzend, die Vorderränder der Ringe schmal und die Seiten in nicht
scharfer Begrenzung heller grau bestäubt, eine feine dunkle Rücken-
linie sehr undeutlich. Vom Hinterrand des 3. Ringes an ist er abstehend
beborstet, sonst nackt. Beine recht lang, schwarz, Schienen schmutzig
braun, Pulvillen und Klauen der Vorder- und Mittelbeine etwas ver-
längert; Vorderschienen borstenlos, Mivtelschienen hinten mit 2,
Hinierschienen außen abgewandt mit 1, innen abgewandt miv 2 Borsien.
Flügel deutlich angeräuchert, ohne Randdorn, 3. und 4. Längsader
in Sildamerika gefangenen Anuthomyiden. 81
divergierend, hintere Querader steil und fast grade, Schüppchen
schmutzigweiß mit feinem bräunlichen Saum, Schwinger braun.
Länge 8 mm.
l Männchen aus Lorenzopata 6. 5. 03.
7. M. consanguinea sp.nov. Die deutlich aber kurz und nicht sehr
dicht behaarten Augen stoßen auf dem Scheitel so eng zusammen, daß
sich die silbergrau bestäubten Orbiten berühren; sie sind hoch und
schmal und nehmen fast den ganzen Kopf ein, indem Stirn und Wangen
nur wenig vorragen, während die Backen auch nur schmal sind. Fühler
etwa in der Augenmitte eingelenkt, lang, 3. Glied etwa 5 mal so lang
als das 2., lehmfarben, Borste lang gefiedert, Taster fadenförmig,
schwarz, bisweilen auch lehmgelb. Thorax und Schildchen ziemlich
hellgrau bestäubt, ersterer von hinten gesehen mit 4 dunkelgrauen
Längsstriemen, von denen die mittelsten ziemlich schmal, die seit-
lichen etwas breiter sind; de 3, a ein Paar vor dem Schildchen, pra ein
kurzes, aber deutliches Börstchen, st 1,2, Grundbehaarung kurz ab-
stehend. Hinterleib länglich eiförmig, ebenfalls hellgrau bestäubt.
Betrachtet man ihn ganz schräg von hinten, so zeigt sich eine feine
dunkle Rückenlinie und am Hinterrand des 2. und 3. Ringes schwaız-
graue, etwas glänzende, unregelmäßige Schillerflecke. Abstehende
kräftige Borsten finden sich vom Hinterrand des 3. Ringes an. Beine
schmutzig gelb, die Vorderschenkel obenauf, die Mittelschenkel von der
Basis her in größerer Ausdehnung gebräunt, Pulvillen und Klauen der
Vorder- und Mittelbeine verlängert, aber nicht auffallend; Vorder-
schienen borstenlos, Mittelschienen hinten mit etwa 3, Hinterschienen
außen abgewandt mit 1 längeren, innenabgewandt mit 2 kurzen Borsten.
Flügel schwach graulich, Randdorn klein, 3. und 4. Längsader ziemlich
stark divergierend, hintere Querader etwas schief und fast grade,
Schüppchen weiß, Schwinger gelblich. — Die Augen des Weibchens sind
kaum pubescent und breit getrennt, der Hinterleib eiförmig, zu-
gespitzt, schwach glänzend und von hinten betrachtet mit abwechselnd
weißgrauen und olivenbräunlichen Schillerflecken versehen. Länge
8—9 mm.
l Männchen und 2 Weibchen, die im Laristal (Peru) 17. 8.03,
am Urubambafluß (Peru-Rosslina) 20.8.03 und in Chanchamayo
(Peru) 12.1. 04 gefangen sind.
8. M. inepta sp.nov. Die spärlich aber deutlich behaarten Augen
sind durch eine schmale, grau bestäubte Mittelstrieme und linienförmige
Orbiten etwas getrennt, die Stirn und die gekielten Wangen ragen
deutlich vor, Backen etwa !/, der Augenhöhe messend, sämtliche Teile
seidenartig grau mit schwärzlichem Schimmer. Fühler etwas unter
der Augenmitte eingelenkt, schwarz, 3. Glied kaum doppelt so lang
als das etwas verlängerte grau bestäubte 2., Borste pubescent, Taster
fadenförmig, schwarz. Thorax aschgrau mit 4 ziemlich deutlichen
dunkler grauen Längsstriemen; de 4, a vor der Naht ein kräftiges Paar,
pra sehr kurz, st 2,2, im übrigen der Thorax nur mit sehr zerstreuten
kurzen Härchen besetzt. Hinterleib länglich, fast walzenförmig,
aschgrau wie der Thorax. Bei gewisser Betrachtung erkennt man die
Arehiv für Naturgeschichte N
1911. 1.1, 6
82 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
Spur einer dunkleren Rückenlinie und auf Ring 2 und 3 je ein Paar
sehr undeutlicher und wenig scharf begrenzter dunkler Schillerflecken ;
an den Seiten trägt er der ganzen Länge nach ziemlich zahlreiche
Borsten, während auf dem Rücken sich nur vom Hinterrand des
3. Ringes an sbstehende längere Borsten finden. Beine gelb, die Vorder-
schenkel zum größten Teil, Mittel- und Hinterschenkel obenauf grau
gefärbt, Tarsen schwarz, Pulvillen und Klauen ansehnlich verlängert;
Vorderschienen mit 1, Mittelschienen hinten mit 2, Hinterschienen
außen abgewandt mit 1, innen abgewandt mit etwa 4 Borsten, letztere
aber schwächer. Flügel schwach graulich mit der Spur eines Randdorns,
3. und 4. Längsader divergierend und zwar dadurch, daß sich die
4. am Ende ziemlich auffallend nach unten biegt, hintere Querader
steil und stark geschwungen, beide Queradern deutlich braun gesäumt,
die hintere aber so, daß sich an ihrem oberen u. unteren Ende je ein
brauner kreisförmiger Fleck befindet, Schüppchen weiß, Schwinger
gelb. — Das Weibchen gleicht bis auf die breite Stirn vollständig
dem Männchen. Länge 8 mm.
1 Männchen aus Calca (Peru) 6. 8.03 und ein Weibchen aus Cuzco
3100—3700 m 24. 6. 05, letzteres von Garlepp gesammelt.
Anmerkung: Bei beiden Stücken ragt von der 4. Längsader
aus unmittelbar vor der kleinen Querader ein kurzer Aderfortsatz
in die Diskoidalzelle hinein, den ich, trotzdem er sich auf beiden Flügeln
findet, nach Erfahrungen ähnlicher Art doch für eine abnorme Bildung
halte.
9. M. dasyops sp.nov. Die dicht und ziemlich lang behaarten Augen
sind durch eine schmale schwarze Mittelstrieme und linienförmige weiß-
grau bestäubte Orbiten deutlich getrennt, Stirn und die gekielten Wangen
ragen im Profil recht ansehnlich vor, während die Backen mindestens
!/, der Augenhöhe betragen, sämtliche Teile seidenartig grau bestäubt,
mit schwärzlichem Schimmer. Fühler unter der Augenmitte eingelenkt,
schwarz, 3. Glied kaum doppelt so lang als das grau bestäubte 2.,
Borste deutlich pubescent bis kurz gefiedert, Taster fadenförmig,
schwarz. Thorax schwarz, stumpf, nur sehr dünn grau bereift, so daß
sich 4 dunkler graue Längsstriemen, von denen die mittleren fast
zusammengeflossen sind, nicht sehr scharf abheben; de 4, a vor der
Naht 1—2 Paar, pra sehr kurz, st 2,2, die beiden unteren wie gewöhnlich
kürzer und feiner. Hinterleib länglich, etwas flach gedrückt, schwarz,
stumpf, bräunlichgrau bestäubt; betrachtet man ihn ganz schräg von
hinten, so bemerkt man bei reinen Stücken eine feine dunklere Mittel-
linie und auf den 3 ersten Ringen je ein Paar großer, fast die ganze
Ringlänge einnehmender dunkler Flecke, die aber immer nur sehr
undeutlich und nie scharf begrenzt sind. Beborstung wie bei der vorigen
Art. Beine schwarz, Hinterschienen oft durchscheinend rot mit
dunkler Basis, Pulvillen und Klauen verlängert; Vorderschienen
mit 1, Mittelschienen hinten mit 2, Hinterschienen außen abgewandt
und innen abgewandt mit je 2 Borsten, innen zugekehrt um die Mitte
herum mit etwa 4 kurzen Börstehen, Hinterschenkel unterseits zu-
gekehrt der ganze Länge nach mit langen feinen Borstenhaaren
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 83
besetzt, abgewandt nur im Enddrittel mit langen kräftigen Borsten.
Flügel schwach angeräuchert, bisweilen Basis und Vorderrand bis zur
Mitte deutlich geschwärzt, Randdorn sehr klein, 3. und 4. Längsader
nur wenig divergierend, hintere Querader schief und stark geschwungen,
kleine Querader mit der Spur einer Bräunung, Schüppchen und
Schwinger mehr oder weniger gelb. — Auch die Augen des Weibchens
sind ziemlich lang, aber sparsam behaart, die Fühlerborste deutlicher
gefiedert als beim Männchen, dem es bis auf die gewöhnlichen Unter-
schiede vollkommen gleicht. Länge 6—8 mm.
2 Männchen vom Titieacasee (Peru-Puno) 22. 11. 02, 3 Weibchen
aus den Kordilleren Boliviens 4—5000 m 15.5.0353 und aus Tarma
(Peru) 19. 1.04 und ein von Garlepp gesammeltes Pärchen aus Cuzco
3200 m 27. 3.05 und 3700—4000 m 17. 6. 05.
10. M. discolor sp.nov. Gestalt des Kopfes, Behaarung der Augen,
Form und Farbe der Fühler und Taster genau wie bei dasyops, die Fühler-
borste aber nur kurz pubescent. Thorax schwarz mit schwachem
Glanz, sehr dünn weißlich bestäubt, ganz schräg von hinten gesehen
mit 4 ziemlich breiten dunkeln Längsstriemen, von denen die mittleren
beinahe zusammengeflossen sind; man könnte auch sagen: Thorax
glänzend schwarz, 2 schmale über die Dorsozentralborsten laufende
Längsstriemen und die Brustseiten weißlich grau bestäubt; de 4, a vor
der Naht 2 Paar, pra kurz, st 2,2. Schildchen schwarz mit ziemlich
dichter, gelblichgrauer Bestäubung. Hinterleib länglich, etwas flach
gedrückt, gelblichgrau, stumpf, ohne Zeichnung, doch ist es möglich,
daß zuweilen schwache paarige Rückenflecke auftreten. Er ist mit
kurzen anliegenden Börstchen besetzt, vom Hinterrand des 3. Ringes
an &bstehend beborstet. Beine schwarz, die Vorderknie, Mittel- und
Hinterschenkel an der Spitze, und Mittel- und Hinterschienen
rotgelb, Pulvillen und Klauen verlängert; Vorderschienen mit 1,
Mittelschienen vorn außen mit 2 kurzen, hinten mit 4 längeren
und hinten innen mit 1 noch längeren Borste, Hinterschienen außen
abgewandt und innen abgewandt mit je 4, innen zugekehrt mit d—5
von der Basis bis über die Mitte sich erstreckenden Borsten, Hinter-
schenkel unterseits abgewandt vor der Spitze mit 4 langen Borsten,
zugekehrt nackt. Flügel schwach gelblich, mit deutlichem Randdorn,
3. und 4. Längsader etwas divergierend, hintere Querader schief und
stark geschwungen, ihre Entfernung von der kleinen ebenso groß
oder fast noch etwas größer als der letzte Abschnitt der 4.Längsader,
Schüppchen und Schwinger gelblich. — Beim Weibchen sind die Beine
mit Ausnahme der Vorderschenkel und sämtlicher Tarsen gelb, sonst
gleicht es dem Männchen. Länge 7—8 mm.
1 Weibchen aus Oroya (Peru) 4000 m 21. 1.04 und ein Pärchen
von Garlepp aus Cuzco 4200 m 27.5, 31. 5. 05.
Anmerkung: Bei dem Garlepp’schen Weibchen ist der Thorax
ziemlich dicht weißgrau bestäubt, so daß sich 3 breite schwarze Längs-
striemen, von denen die mittelste durch Zusammenfließen zweier
entstanden ist, verhältnismäßig scharf abheben. Die Beinfärbung
6*
84 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
ist die des Männchens. Im übrigen gleicht es so vollkommen der
beschriebenen Art, daß ich keine andere darin erblicken kann.
11. M. piliceps sp.nov. $. Kopf genau wie bei der vorigen Art,
Fühlerborste aber deutlich, wenn auch kurz behasıt. Thorax schwarz,
stumpf mitkurzer abstehender, aber ziemlich spärlicherGrundbehasrung;
er ist nur sehr dünn grau bereift und läßt von hinten gesehen 2 feine
Mittellinien einigermaßen deutlich erkennen, während die seitlichen
Striemen sich kaum abheben; de 4, a vor der Naht 1—2 Paar, pr sehr
kurz, st 2,2. Schildchen wie der Thorax gefärbt und bereift, ziemlich
lang abstehend, aber spärlich behaart. Hinterleib länglich, in der
Basalhälfte kurz abstehend behaart, am Ende abstehend beborstet.
Er ist schwarz, stumpf, bräunlichgrau bestäubt und läßt schräg von
hinten gesehen eine sehr feine Mittellinie und ziemlich große paarige
dunkle Schillerflecken auf Ring 2 und 3 nur sehr undeutlich erkennen,
in ähnlicher Weise, aber noch undeutlicher als bei M. lucorum Fall.
Beine schwarz, Hinterschienen rotgelb, Pulvillen und Klauen verlängert;
Vorderschienen mit 1, Mittelschienen hinten mit 3—4, hinten innen
mit 1—2, Hinterschienen zußen abgewandt mit 3—4, innen abgewandt
mit 3, innen zugekehrt mit einigen kürzeren Borsten von der Basis bis
zur Mitte. Flügel schwach graulich, Randdorn klein, 3. und 4. Längs-
ader etwas divergierend, hintere Querader schief und deutlich ge-
schwungen, Schüppchen und Schwinger gelblich. Länge 8 mm.
1 Männchen sus Sorata 2300 m 22.12.02 und 1 Männchen aus
Mapiri (Bolivia) 4—5000 m 14. 5.03, beide von Garlepp gesammelt.
12. M. fallax sp.nov. &. Augen nicht sehr lang und sehr spärlich be-
haart, durch eine schwarze Mittelstrieme und feine grau bestäubte Or-
biten noch etwas breiter getrennt als bei den vorigen Arten, Breite von
Stirn, Wangen und Backen und Länge der Fühler wie vorher, Borste kurz
behaart. Von allen mir bekannten Arten unterscheidet sich dıe vor-
liegende dadurch, daß die Wangen neben der Fühlerbasis 3 deutliche,
ziemlich lange Borsten tragen, die man als eine durch eine Lücke ge-
getrennte Fortsetzung der Frontorbitalborsten ansehen kann. Thorax
schwarz, schwach glänzend, auf dem Rücken nebst dem Schildehen
dünn bräunlichgrau bestäubt mit 4 wenig deutlichen dunkelgrauen
Längsstriemen, eine breite von den Schulterecken bis zur Flügel-
wurzel reichende Sirieme hellgrau bestäubt; de 4, 2 vor der Naht 1—2
Paar, pra sehr kurz, st 2,2. Hinterleib außerordentlich kıäftig, fast
walzenförmig, beide Teile des Hypopygs von der Seite gesehen aus
dem letzten Ring vorragend und übereinander liegend. Er ist mit
einem dichten einfarbigen Gelbgrau bestäubt und läßt nur ganz un-
scheinbare, kleine, etwas dunklere Schillerflecke erkennen. Nur der
Hinterrand des letzten Ringes und der Basalteil des Hypopygs ist ab-
stehend beborstet, alles übrige mit kurzen anliegenden Börstchen
besetzt. Beine ebenfalls sehr kräftig, schwarz mit roten Schienen,
Pulvillen und Klauen ganz außerordentlich lang und kräftig; Vorder-
schienen borstenlos, Mittelschienen hinten wahrscheinlich mit 2, Hinter-
schienen außen abgewandt mit 2, innen abgewandt mit 3—4 Borsten.
Flügel ziemlich intensiv gelblich, namentlich an der Basis und am
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 85
Vorderrand, Randdorn klein, 3. u. 4. Längsader etwas divergierend,
hintere Querader steil und sehr stgrk geschwungen, die kleine etwas
verdunkelt, die hintere ganz blaß gesäumt, Schüppchen und Schwinger
gelblich. Länge 9 mm.
1 Männchen von Garlepp in Cuzeo, 10. 4. 05 gefangen.
13. M. orba sp. nov. @. Die fast nackten Augen sind durch eine
Strieme getrennt, die über den Fühlern nicht ganz so breit ist wie ein Auge
und nsch dem Scheitel zu sich noch ein wenig verschmälert, und nehmen
fast den ganzen Kopf ein, da Stirn und Wangen im Profil sehr schmal
sind und die Backen nur etwas breiter. Fühler in der Augenmitte
eingelenkt, fast so lang wie das Untergesicht, schwarz mi: kurz ge-
fiederter Borste, Tester: fodenförmig, schwarz. Thorax und Schildchen
schwarz, etwas glänzend, kaum bereift, so daß man von Striemen nichts
bemerkt, es scheint mir. aber sicher, da aß die Bestäubung zum teil ab-
gerieben ist; de 4, a nur vor dem Schildehen, pra sehr, kurz, st 1, 2.
Hinterleib. eiförmig, zugsspitzt, einfarbig rotgelb, an der Basis dureh-
scheinend, etwas glänzend, nackt und nur am letzten Ring schwach
beborstet. Beine gelb, Vorderschenkel schwarz; Vorderschienen borsten-
los, Mittelbeine fehlen, Hinterschienen außen abgewandt mit 2, innen
abgewandt mit 1 Borste. Flügel gelblich tingiert, ohne Randdorn,
deı Vorderrand vom Randmal an, beide Quersdern und die Spitzen
der 3. und 4. Längsader, letztere undeutlicher, gebräunt, 3. u. 4. Längs-
ader schwach divergierend, hintere Querader steil und etwas ge-
schwungen, Schüppchen schmutzigweiß mit bräunlichem Saum,
Schwinger gelb. Länge 7,5 mm.
1 Weibehen aus Lorenzopata 8. 5. 03.
14. M. centralis sp.nov. Augen schmal und hoch, nackt, durch eine
schwarze, grau bestäubte Mittelstrieme und schmale Orbiter etwa so breit
getrennt wie bei Phaonia fuscata Fall., Stirn mäßig, Wangen noch weniger
vorragend, Backen etwas breiter. Frontoorbitalborsten jederseits 5,
ziemlich kräftig, von der Fühlerbasis bis etwas über die Mitte sich er-
streckend. Fühler etwa in der Augenmitte eingelenkt, den unteren Augen-
rand etwas überragend, schwarz, 2. Glied rötlichgrau bestäubt, Borste
ziemlich kurz behaert, Taster fadenförmig, gelb. "Thorax gelblichgrau,
die gewöhnlichen 4 Striemen nur wenig dunkler, so daß sie sich sehr
schwach abheben; de 4, a nur vor dem Schildchen, pra sehr kurz,
st 1,2. Schildehen grau, am Rande mehr oder weniger gelblich durch-
scheinend. Hinterleib länglich, fast kegelförmig, gelblich grau, an der
Basis schwach gelblich durchscheinend, auf Ring 2 und 3 mit je einem
Paar rundlicher, brauner Flecke, die von hinten gesehen verhältnis-
mäßig deutlich sind. Von der Mitte des 3. Ringes an ist er abstehend
beborstet, bis dahin anliegend. Beine gelb, Tarsen schwarz, Pulvillen
und Klauen verlängert; Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen
hinten mit 2—3, Hinterschienen außen abgewandt mit 2, innen ab-
gewandt mit I Borste. Flügel ganz schwach gelblich, ohne Randdorn,
3. und 4. Längsader divergierend, indem jene an der äußersten Spitze
sich etwas aufwärts, diese ebenso abwärts biegt, hintere Querader
schief und deutlich geschwungen, kleine Quersder schmal braun
36 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
gesäumt, Schüppchen weißlich gelb, Schwinger gelblich. — Die Taster
des Weibehens sind schwach gekrümmt und messerartig etwas flach-
gedrückt, am Ende zugespitzt, an den Flügeln auch die hintere Quer-
öder schwach bräunlich gesäumt. Von dieser Bräunung ist beim
Männchen, da es nicht ganz ausgereift ist, kaum etwas zu erkennen.
1 Männchen von Gaclepp in Palca (Chile), X. 02 und 2 Weibchen
von Schnuse in Palca, 21. 10. 02 und Calca (Peru), 6. 8. 03 gefangen.
15. M. perspicua sp.nov. &. Die Art gleicht in Größe, Gestalt, Körper-
färbung und Zeichnung, Färbung der Beine, Verlauf und Beborstung
der Flügeladern so sehr der von mir in den Ann. Mus. Nat. Hung. 11.
439. 8. beschriebener. geminata, daß ich mich darauf beschränken kann,
die geringen aber konstanten Unterschiede anzugeben. Eine kurze
Beschreibung von geminata wird unten folgen. Während bei der letzteren
die beiden voıderen der 4 Dorsozentralborsten hinter der Naht, wenn
auch kleiner, doch ziemlich kräftig sind, sind dieselben bei der neuen
Art auffallend klein und schwach. Die Mittelschenkel von geminata
tragen ferner unterseits in der Nähe der Basis eine kräftige, nach unten
gerichtete Borste, während sie bei perspicua an dieser Stelle nur ganz
kurz zottig behaart sind. Endlich sind die Hinterbeine bei perspieua
außer den gewöhnlichen Borsten ganz nackt, während bei geminata
die Hinterschenkel unterseits dem Körper zugekehrt eine Anzahl langer,
feiner Haare tragen und die Hinterschienen innen abgewandt mit 4—5
von der Basis bis zur Mitte sich erstreckenden kurzen Börstchen be-
setzt sind. Im übrigen gleichen sich beide Arten wie ein Ei dem andern.
2 Männchen von der Pachiteamündung (Peru), 120 m, 5. 11
und 7. 11. 03.
16. M. stabilis sp.nov. &. Die nackten, hohen und schmalen Augen
stoßen oben aufs engste zusammen und nehmen fast den ganzen Kopf ein,
da Stirn und Wangen nur ın feinen Linien vorragen, während die Backen
ebenfalls schmal sind und der Mundrand nur ein wenig vorgezogen ist.
Die Vibrissenleisten sind mit einer Reihe sehr kurzer, feiner Börstchen
besetzt, alle Teile des Kopfes gelblich gefärbt, mit seidenartiger weißer
Bestäubung. Fühler lang, nur wenig kürzer als das Untergesicht,
nebst den etwas flachgedrückten Tastern blaßgelb, Borste lang ge-
fiedert. Thorax grau bestäubt, von hinten gesehen mit 4 ziemlich
deutlichen schwarzen Längsstriemen, Schulterbeulen gelblich, Schildehen
etwas gewölbt, wie der Thorax gefärbt und bestäubt, an der äußersten
Spitze gelblich; de 4, a nur vor dem Schildchen, pra ein sehr kurzes
Börstchen, st 1, 2, im übrigen der Thorax mit zahlreichen kurzen,
halb abstehenden Börstchen besetzt. Hinterleib ziemlich kurz, breit
eiförmig, etwas flach gedrückt. Ganz schräg von hinten geschen zeigt
er sich graulich bereift und läßt auf Ring 2 und 3, aber nicht sehr
deutlich, dunkle Hinterrandbinden erkennen, die sich in der Mitte recht-
winklig nach vorn biegen und so auf beiden Ringen je ein Paar schwarzer,
vorn konvergierender Längsflecke bilden. Die Bestäubung erscheint
durch die zahllosen anliegenden kurzen Börstchen fein punktiert; nur
der letzte Ring ist abstehend beborstet,, Beine schwarz, Vorderschienen
schwach bräunlich, Pulvillen und Klaue kurz; Vorderschienen borsten-
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 87
los, Mittelschienen binten mit 2, Hinterschiene außen abgewandt mit 1,
innen abgewandt mit 2 Borsten, Hinterschenkel unterseits zugekehrt,
wie abgewandt mit 4—5 längeren, aber nicht sehr starken Borsten.
Flügel schwach gelblich, ohne Randdorn. 4. Längsader an der Spitze
recht auffallend aufgebogen, hintere Querader etwas schief und kaum
s>schwungen, Schüppcehen weißlichgelb, Schwinger gelblich. Länge
6,5 mm.
1 Männchen von Garlepp an der Pachitesamündung, 150 m, 18. 11.03
gefangen.
17. M. mendax sp.nov. Augen hoch und schmal, oben fast aufs
engste zusammenstoßend, den ganzen Kopf einnehmend, Backen schmal.
Fühler und Taster schmutzig lehmgelb, erstere mit sehr lang gefiederter
gelblicher Borste, letztere an der Basis mehr oder weniger gebräunt.
Thorzx und das etwas gewölbte Schildchen schwarz, etwas glänzend
und mit dünnem graulichen Reif überzogen, von welchem sich 4 schwarze
Striemen ziemlich deutlich abheben, wenn man den Thorax ganz von
hinten betrachtet. Er ist nebst dem Schildehen mit zahlreichen, halb
&bstehenden kurzen Börstchen besetzt; de 4, a nur vor dem Schildchen,
pra ein sehr kurzes Börstchen, st 2, 2, die untere vordere aber ziemlich
fein. Hinterleib länglich eiförmig, etwas gewölbt, kaum so lang wie
Thorax und Schildehen zusammen, schwach glänzend, schwarz. Von
hinten gesehen ist er ziemlich dünn bräunlichgrau. bereift und läßt auf
Ring 2 und 3 je ein Paar großer ıunder, dunkler Flecke erkennen,
deren Rand aber ganz verwaschen ist, so daß sie mehr wie Schiller-
flecke erscheinen; bisweilen zeigt sich auch eine Spur dieser Zeichnung
auf dem letzten Ring. Der Hinterleib ist wie der Thorax mit zahlreichen
anliegenden Börstchen besetzt und nur der letzte Ring abstehend be-
borstet. Beine schwarz, Schienen bisweilen bräunlich durchscheinend,
Pulvillen und Klauen kaum verlängert; Vorderschienen borstenlos,
Mittelschienen hinten mit 2, Hinterschienen außen abgewandt mit
4—5 an Größe verschiedenen, aber im allgemeinen ziemlich kurzen
Borsten, innen »bgewandt mit 2 Borsten. Flügel bräunlichgelb tingiert,
ohne Randdorn, 4. Längsader an der Spitze wie bei M. meditabunda
aufgebogen, . hintere Querader schief und deutlich geschwungen,
Schüppchen und Schwinger gelblich. — Das Weibchen hat fast schwarze
Fühler und Taster, und die Hinterleibszeichnung ist noch undeutlicher
als beim Männchen. Länge 7,5 mm.
2 Männchen vom Urubambafluß (Peru-Meshagua), 2. 10. 03,
1 Weibchen aus S. Carlos (Peru-Meshagua), 800 m, 4. 1. 03 und ein von
Garlepp in Umahuankiali, 13. 9. 03 gefangenes Männchen.
18. M. trita sp.nov. Augen sehr hoch u. schmal, oben mit den äußerst
feinen silbergrauen Orbiten zusammenstoßend; sie nehmen den ganzen
Kopf ein, da Stirn und Wangen im Profil gar nicht vorragen, während
die Backen nur schmal sind. Fühler ziemlich lang, lehmgelb, mit sehr
lang gefiederter lehmgelber Borste, Taster schwarz. Thorax, Schildchen
und Brustseiten schwarz, dünn graulich bereift. Schräg von hinten
gesehen erhält die Bestäubung durch die zahlreichen, halb abstehenden
Börstchen, mit denen der Thorax besetzt ist, ein fein punktiertes Aus-
88 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
schen, während nuı ganz vorn dsr Anfang von 2 linienförmigen dunkeln
Längsstriemen und weiter hinten die ebenso undeutliche Spur einer
breiten Mittelstrieme zu bemerken ist, die sich auf die Basis des
Schildehens fortsetzt; de 4, pra fast halb so lang wie die folgende sa,
a nur vor dem Schildchen, st 1, 2. Hinterleib kürzer als Thorax und
Schildchen, breit eiförmig, wie der Thorax gefärbt und bestäubt.
Betrachtet man ihn ganz schräg von hinten, so erscheint die Be-
stäubung wie gewöhnlich dichter, durch die zahlreichen kurzen
Börstchen ebenfalls schwarz punktiert, und man bemerkt auf Ring 2
und 3 dem Vorderrand anliegend je ein Paar ziemlich kleiner genäherter
brauner Flecke. Vom Hinterrand des 3. Ringes an ist er abstehend
beborstet. Beine schwarz, Knie rötlich, Pulvillen und Klauen sehr
kurz; Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen hinten mit 2, Hinter-
schienen außen abgewandt und innen abgewandt mit je 2 Borsten,
Hinterschenkel unterseits zugekehrt, von der Basis bis zur Mitte
mit einigen nicht sehr langen Borsten. Flügel gelblich, ohne Randdorn,
ein kleiner Fleck an der Gabelstelle der 2. und 3. Längsader, ein
ebenso kleiner in der inneren oberen Ecke der Diskoidalzelle, das Rand-
mal bis etwas über die 2. Längsader hinaus, ein breiter Längsfleck
au der Spitze der 2. Längsader und beide Quersdern ziemlich breit
braun, 4. Längsader an der Spitze deutlich etwas aufgebogen, 3. etwas
weniger abwärts, baide beborstet, hintere Querzder ziemli:h steil
und etwas geschwungen, Schüppchen weiß, Schwinger gelb. — Ein
Weibchen, welches am selben Ort gefangen ist, gleicht ganz dem
Männchen. Es hat Kreuzborsten, die erwähnte Thoraxzeichnung ist
deutlicher, auf Ring 2 und 3 des Hinterleibs erblickt man dunkle, i in
der Mitte unterbrochene Hinterrandsbi nden, die sich in der Mitte
rechtwinklig nach vorn umbiegen und dann die vorher erwähnten
Flecke bilden. Das einzige, was die Zugehörigkeit zum Männchen
nicht ganz sicher erscheinen läßt, ist der Umstand, daß die Hinter-
schienen außen abgewandt und innen abgewandt nur je 1 Borste
tragen. Länge 6 mm.
Ein Pärchen aus’ 'S. Carlos, 1. 1., 2.1.08:
19. M. armipes sp. nov. Kopf und seine Teile genau wie bei der
vorigen Art, der sie auch sonst sehr gleicht. Thorax von hinten gesehen
dichter grau bestäubt, so daß 2 schmale dunklere Mittellinien und breite
Seitenstriemen vechältnismäßig deutlich sind. Die Mittellinien reichen
nur bis zur Naht, während sich hinter derselben eine breitere Mittel-
strieme zeigt, die wieder auf die Basis des Schildchens übergeht;
de 4, die beiden vorderen aber und namentlich die erste viel kleiner
und schwächer als die hinteren, während bei trita alle 4 fast gleichlang
und gleichstark sind, pra ganz tehl>nd oder nur ein kurzes Börstchen.
Hinterleib kaum so lang wie Thorax und Schildeken zusammen,
ziemlich breit eiförmig, schwach gewölbt, mit kurzen anliegenden
Börstehen besetzt, der Hinterrand des 2. Ringes mit längeren an-
liegenden, vom Hinterrand des 3. Ringes an mit abstehenden Borsten.
Er ist hell ockergelb bestäubt, an den Seiten der ersten beiden Ringe
mehr oder weniger durchscheinend blaßgelb. Betrachtet man ihn ganz
u
in Sitdamerika gefangenen Anthomyiden. 89
schräg von hinten, s0 sieht man auf Ring 2 und 3 braune, in der Mitte
unterbrochene Hinterrandbinden, die oben etwa halb so breit sind
als der Ring lang ist, etwas schmäler werdend auf die Seiten des Hinter-
leibs übergehen, hinten einen linienförmigen Saum freilassen und in
der Mittellinie des Körpers senkrecht nsch vorn umbiegend bis an den
Hinterrand des vorhergehenden Ringes reichen, auf diese Weise zwei
parallele einander sehr genäherte Mittellängsflecke bildend. Zu beiden
Seiten dieser Mittelflecke senden die Querbinden noch einen braunen
Fleck aus, der aber den vorhergehenden Ring nicht erreicht. Der
letzte Ring trägt einen ziemlich großen braunen Mittelfleck. Außerdem
ist der Hinterleib noch mit zahlreichen kleinen braunen Pünktchen
übersät. Beine schwarz, die Schienen oft etwas heller, Pulvillen und
Klauen kurz, aber namentlich an den vorderen Beinen etwas länger
öls bei £rita; Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen hinten mit 2,
Hinterschienen außen abgewandt mit 1 Borste, innen abgewandt mit
5—6 vom Beginne des 2. Drittels bis zum Ende sich erstreckenden
feinen Borsten, innen etwas hinter der Mitte mit 1 langen und kräftigen,
schräg abwärts gerichteten und schwach gekrümmten, fast doru-
artigen Borste. Der Flügelvorderrand ist vom Randmal an bis nahe
zur Spitze ohne Unterbrechung, aber nicht sehr breit braun gesäumt,
die kleine Querader nur schwach gebräunt, die hintere mit einem kaum
sichtbaren schmalen Saum versehen, 4. Längsader an der Spitze ein
wenig aufgebogen, hintere Querader etwas schief und schwach ge-
schwungen, Schüppchen weißlich, das untere mit braunem Saum,
Schwinger gelblich. — Die schwarze, hinten schmal, aber bis
zur Fühlerwurzel ausgeschnittene Stirnmittelstrieme des Weibchens
srägt keine Kreuzborsten, die Basis des Hinterleibs ist wenig oder gar
nicht durchscheinend, die Hinterschienen tragen innen keine starke
Borste und das untere Schüppchen ist ganz weiß. Länge 6—7 mm.
1 Männchen und 3 Weibchen vom Urubambafluß (Peru-Meshagua),
12. 10. 03, von der Pachiteamündung, 150 m, 8. 11. 03 und von Pto.
Bermudes (Peru-Pichis), 18. 12. 03.
20. M. conspersa sp. nov. Kopf wie bei den beiden vorigen Arten,
Fühler blaßgelb, Taster schwach verbreitert, blaßgelb, an der Wurzel ge-
bräunt. Thorax und Schildehen dicht, fast goldgelb bestäubt, ersterer nur
ganz vorn mit der Spur von 2 haarfeinen dunklen Linien, letzteres an
der Spitze schwach gelblich durchscheinend; de 4, die vorderen beiden
kleiner, pra sin sehr kurzes Börstchen, st 1,2 die untere hintere kleiner.
Hinterleib ziemlich kurz, breit eiförmig, gewölbt, ebenfalls mit dichter,
fast goldgelber Bestäubung bedeckt, in der Basalhälfte gelblich durch-
scheinend. Die beiden mittleren Ringe tragen vor ihrem Hinterrand
sehr schmale und verwsschene, in der Mitie unterbrochene bräunliche
Querbinden, die in der Mitte rechtwinklig nach vorn umbiegen und bis
zum vorhergehenden Ring reichen, die ganze Zeichnung aber wenig
deutlich. Das Hypopyg rögt etwas vor. Vom Hinterrand des 3. Ringes
an ist der Hiaterleib abstehend beborstet. Beine schwarz, Vorder und
Mittelschienen schwach rötlich durchscheinend, Pulvillen und Klauen
kurz; Vorderschienen borstenles, Mittelschienen hinten mit 2, Hinter-
9 Prof. P, Stein: Die von Schnuse
schienen außen abgewandt mit 4—5 ziemlich kurzen, innen abge-
wandt mit ungefähr 4 etwas längeren Borsten, auch innen zugekehrt
mit einigen kurzen Börstehen. Flügel gelblich, Randdorn sehr klein,
Randmal schwach bräunlich, kleine Querader ebenfalls etwas gebräunt,
l. und 3. Längsader beborstet, 4. Längssder an der Spitze etwas auf-
gebogen, hintere Querader ziemlich steil und schwach geschwungen,
Schüppcehen und Schwinger gelb. — Die Bestäubung des Weibchens
ist nicht so goldgelb, sondern etwas schmutziger, die breite, hinten
tief ausgeschnittene Stienmittelstrieme trägt keine Kreuzborsten, die
Thoraxstriemen sind deutlicher und ähnlich wie bei armipes, die Hinter-
leibszeichnung schärfer ausgeprägt und ausgebreiteter, und die Hinter-
randsbinden des 2. und 3. Rings senden rechts und links von den
Mittelstriemen noch je einen braunen Fleck nach vorn. Alles übrige
wie beim Männchen. Länge 7 mm.
Ein Pärchen von Garlepp in Pto. Bermudes (Peru-Pichis), X11. 05
gesammelt.
21. M. immunda sp. nov. Augen hoch und schmal, durch eine
schwarze Mittelstrieme getrennt, die an der schmalsten Stelle mindestens
halb so breit ist wie über den Fühlern, Orbiten linienförmig, silbergrau
bestäubt. Stirn und Wangen ragen. im Profil kaum sichtbar vor,
während die Backen auch etwa nur ein Sechstel der Augenhöhe breit
sind. Fühler lehmgelb mit lang gefiederter Borste, Taster schwarz
bis braun. Thorax und Schildechen schwarzgrau, etwas glänzend,
auf dem Rücken dünn graulich bestäubt, so daß man die Anfänge von
4 dunkler grauen Längsstriemen wahrnimmt, von denen die inneren
schmäler sind, eine breite Strieme von den Schulterbeulen bis zur Flügel-
wurzel dicht grau bestäubt; de 4, die beiden vorderen kleiner, pra genz
fehlend oder nur ein sehr kurzes Börstchen, st 1,2. Hinterleib länglich,
von der Farbe des Thorax, von hinten gesehen bräunlichgrau bestäubt
mit derselben Zeichnung wie die vorhergehenden Arten, nirgends
durchscheinend. Beine schwarz, Vorderknie rötlich; Vorderschienen
borstenlos, Mittelschienen hinten mit 2, Hinterschienen außen 3b-
gewandt mit 1, innen abgewandt mit 4 von der Mitte bis zur Spitze
sich erstreckenden Borsten. Flügel graulich, ohne Randdorn, das Rand-
mal und die kleine Querader schwach gelblich tingiert, 4. Längsader
an der Spitze ganz schwach aufgebogen, hintere Querader etwas
schief und schwach geschwungen, 1. und 3. Längsader beborstet,
Schüppcehen weißlich, das untere braun gesäumt. Schwinger gelb. —
Das Weibehen hat keine Kreuzborsten, die Schüppchen sind ganz
weiß und das Flügelrandmal kaum etwas gelblich. Es wird kaum von
dem Männchen der gemina Wied., in deren nächste Verwandtschaft
die Art nebst den vorhergeherden gehört, zu unterscheiden sein. Länge
6,5 mm.
1 Männchen von der Pachiteamündnug (Peru), 150 m, 8. 11. 03
und ein Weibehen vom Urubambafluß (Peru-Meshagus), 8. 10. 03,
beide aus der Garleppschen Sammlung und 1 von Schnuse am zweit-
genannten Ort, 30. 9. 03 gefangenes Weibchen.
in Südamerika gefangenen Anthomyiden, 91
22. M. seriatasp. nov. (var. gemina Wied.?). Auf das mir vorliegende
einzige Männchen paßt die von mir in den Ann. Mus. Nat. Hung. Il. 436.
6 gegebene Beschreibung bis ins kleinste, nur tragen bei seriata die Hinter-
schienen innen dem Körper abgewandt eine Reihe von etwa 7 ziemlich
langen und nach der Spitze zu noch länger werdenden Borsten, die
vom Anfang des 2. Drittels bis zum Ende reichen, während auch die dem
Körper zugekehrte Schienenseite mit einer Reihe von 7—8 etwas
kürzeren und feineren Borsten besetzt ist, die sich von der Mitte bis zur
Spitze erstrecken. Die Hinterschenkel, die bei gemina unterseits
zugekehrt ganz nackt sind, tragen hier kurz vor der Spitze I—2 längere
Borsten. Im übrigen kann ich nicht dan geringsten Unterschied ent-
decken, so daß ich das Stück vorläufig als Abänderung auffasse. Ein in
der Sammlung befindliches Weibchen läßt sich, da die auffallenden
Borsten der Hinterschienen fehlen, gar nicht von gemina unterscheiden.
1 Männchen zus dem Laristal (Peru), 2—3000 m, 13. 8. 03 und
ein Weibehen vom Urubambafluß (Peru-Rosalına), 27. 8. 03.
23. M. singularis sp. nov. £ (?). Über die systematische Stellung
dieser merkwürdigen Fliege bin ich noch im Unklaren, weshalb ich sie nur
mit großen Bedenken der Gattung Mydaea einreihe. Einige Merkmale
nähern sie den Coenosien, wahrscheinlich w'rd sie aber als Vertreter
einer eigenen Gattung anzusehen sein, Da ich indes b2i dem einzigen
vorliegenden Stück nicht einmal mit Sicherheit angeben kann, ob es
ein Männchen oder Weibchen ist, lasse ich die Gattungsfrage unent-
schieden. Die ganze Fliege ist rotgelb, ziemlich stark glänzend und
mehr oder weniger durchscheinend. Die hohen und schmalen, über der
Mitte ein klein wenig breiteren Augen werden durch eine Strieme
getrennt, die über den Fühlern gemessen etwa halb so breit ist wie ein
Auge und bis zum Scheitel vollständig gleichbreit bleibt. Die Mittel-
strieme u. die schmalen Orbiten sind beide gleichmäßig gelbrot gefärbt
und heben sich nieht voneinander ab, erstere wird von nur 3 bis zum
Scheitel reichenden stärkeren Frotoorbitalborsten eingefaßt. Die im
Profil nur wenig vorragende Stirn, die noch schmäleren Wangen und
Backen sind etwas blasser gelb gefärbt und seidenartig weißlich bestäubt.
Fühler ungefähr in der Augenmitie eingelenkt, sehr lang, gelb, 3. Glied
wohl achtmal so lang wie das 2., Borste an der Basis gelb, deutlich,
aber nicht sehr lang gefiedert, Taster fadenförmig, gelb, ebenso der
kurze dicke Rüssel. Betrachtet man den Kopf von vorn, so zeigt sich
die Stelle um das Ozellendreieck deutlich eingesattelt, während das
Untergesicht tief ausgehöhlt ist. Der untere Backenrand und der
Hinterkopf unten sind mit feinen goldgelben Härchen besetzt. Thorax
und Schildehen dunkler rotgelb, stark glänzend, ganz ungefleckt;
de 3, vor der Neht 1, z und pr ganz fehlend, st 1, 2, ihre Anordnung
aber nicht so charakteristisch, daß man die Art mit Sicherheit zu den
Coenosien ziehen könnte, im übrigen der Thorax mit sehr kurzen,
locker stehenden, anliegenden Börstehen besetzt. Hinterleib breit
eiförmig und kurz, etwas flach gedrückt, infolge der äußerst kurzen
anliegenden Börstchen fast nackt, nur die Seiten des 2. Rings und die
Hinterränder des 3. und 4. Rings mit kräftigen, aber wenigen starken,
93 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
abstehenden Borsten. Er ist glänzend rotgelb, wie der Thorax, in der
Basalhälfte schwach durchscheinend, und trägt suf den 3 letzten Ringen
je einen schwarzen Mittelfleck, so daß dadurch eine ziemlich breite,
schwarze Rückenstrieme gebildet wird. Beine gelb, Tarsen etwas
dunkler, Pulvillen und Klauen äußerst kurz; Vorderschienen borstenlos,
Mittelschienen hinten mit 3, Hinterschienen außen abgewandt mit 1,
innen abgewandt mit 3—4 kurzen Börstchen, eine Beborstung, die
der bei den Coenosien im allgemeinen üblichen widerspricht. Flügel,
Schüppchen und Schwinger ziemlich intensiv gelblich, erstere ohne
Randdorn, 3. u. 4. Längsader fast parallel, beide an der äußersten
Spitze ein wenig aufgebogen, hintere Querader wenig schief und fast
gerade, 6. Längsader bis über die Mitte verlängert. Länge 8 mm.
Das vorbeschriebene einzige Stück ist in Sarampioni, 1700 m,
14. 3. 03 gefangen.
b) Alte Arten.
24. M. marginipennis Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 440. 11.
Die nackten Augen des noch nicht beschriebenen Männchens sind
hoch und schmal und durch eine schmale schwarze Mittelstrieme
und linienförmige weiß bestäubte Orbiten etwas getrennt. Stirn
an der Fühlerbasis etwas vorragend, ebenfalls silberweiß bestäubt,
Wangen fast gar nicht bemerkbar, Backen etwas breiter. Fühler ziemlich
lang, schwarz, Borste lang, haarförmig, an der Basis schwach verdickt
und nur bei starker Vergrößerung sehr kurz behaart, Taster fadenförmig,
schwarz. Thorax und Schildehen schwarz, stumpf, mit ganz dünnem,
bläulichgrauem Reif überzogen, so daß sich von hinten gesehen 2 linien-
förmige Mittel- und etwas breitere Seitenstriemen nur sehr undeutlich
abheben; de 3, a und pra ganz fehlend, st 1, 2, Grundbehaarung des
Thorax sehr kurz und sehr zerstreut, so daß er ganz nackt erscheint.
Hinterleib länger als Thorax und Schildehen zusammen, ziemlich
schmal, fast kegelförmig, von hinten gesehen ebenfalls bläulichgrau
bestäubt, mit je einem Paar ziemlich großer, aber sehr verloschener
und sich kaum abhebender dunkelgrauer Flecke auf Ring 2 und 3 und
einem ebensolchen, aber kleineren und noch undeutlicheren auf Ring 1.
Der 1. Ring ist mit abstehenden kurzen Härchen besetzt, auf dem
2. Ring finden sich bisweilen schon abstehende, aber noch sehr feine
Borstenhaare, während vom Hinterrand des 3. Ringes an die üblichen
stärkeren abstehenden Borsten auftreten. Beine schwarz, Pulvillen und
Klauen an den vorderen Beinen etwas verlängert; Vorderschienen mit 1,
Mittelschienen hinten mit 2, Hinterschienen außen abgewandt und
innen abgewandt mit je 1 ziemlich kurzen Borste. Flügel graulich,
Randdorn sehr klein, der ganze Vorderrand bis über die 2. Längsader
hinaus, die Spitzen der 3. und 4. Längsader und beide Queradern breit
braun gesäumt; beim Randmal hängt die Bräunung oft mit der der
kleinen Querader zusammen, ebenso wie auch die an den Spitzen der
2., 3. und 4. Längsader oft einen zusammenhängenden ausgebreiteten
Fleck bildet. 3. und 4. Längsader etwas divergierend, hintere Querader
steil und gerade, Schüppehen weiß, Schwingen schwärzlich. — Der
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 93
Hinterleib des Weibchens ist eiförmig, hinten zugespitzt und läßt oft
die Fleckenpasre des Männchens recht deutlich erkennen. Länge
etwa 7 mm.
2 Männchen und 5 Weibchen aus Lorenzopate, 10. 5. 03, Chan-
chamayo (Peru), 18. 1.04, Tarma (Peru), 19. 1.04 und I Männchen von
Gerlepp ebenfalls aus Lorenzopata, 9. 5. 03.
25. M. biseta Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 444 15 9. Ich
habe (die Art auf ein in der Budapester Sammlung befindliches, in
Peru gefangenes Weibchen aufgestellt. Schnuse het ein Männchen
gefangen, auf welches die von mir gegebene Beschreibung fast voll-
ständig paßt. Die lang, aber nicht sehr dicht behaarten Augen sind
durch eine für ein Männchen verhältnismäßig breite tiefschwarze
Mittelstrieme und silberweiß bestäubte linienförmige Orbiten deutlich
getrennt; trotzdem erstrecken sich die Frontoorbitalborsten nur etwa
bis zur Mitte der Stim. Stirn und die gekielten Wangen deutlich vor-
ragend, bei gewisser Betrachtung hell silbergrau, bei anderer schwärzlich
schimmernd, Backen mindestens ein Drittel der Augenhöhe messend,
Hinterkopf unten gepolstert. Fühler etwas unter der Augenmitte
eingelenkt, schwarz, 3. Glied etwas über doppelt so lang als das 2.,
Borste sehr kurz behaart, Taster fadenförmig, schwarz. Thorax aschgrau
bestäubt mit 4 etwas dunkler grauen, von hinten gesehen deutlichen,
aber sich nicht scharf abhebenden. Längsstriemen; de 3, » 1—2 Paar
starker vor der Naht, pra ein feines Härchen, st 2,2, Grundbehaarung
des Thorax sehr kurz, zerstreut und abstehend. Hinterleib länglich,
dicht bräunlichgelb bestäubt, auf dem Rücken bei gewisser Betrachtung
hier und da dunkler, aber ohne zusgeprägte Zeichnung. Vom Hinter-
rand des 3. Ringes an ist er mit abstehenden längeren, bis dahin mit
halb anliegenden kürzeren Borsten besetzt. Beine gelb, Vorderschenkel
fast ganz, Mittelschenkel an der äußersten Basis grau, Pulvillen und
Klauen kräftig und lang; Vorderschienen mit 1, Mittelschienen hinten
mit 4, Hinterschienen außen abgewandt und innen abgewandt mit je
3 kräfüigen Borsten, auch auf der dem Körper zugekehrten Seite
um die Mitte herum mit mehreren kurzen Börstehen. Flügel schwach
gelblich mit deutlichem Randdorn, 3. u. 4. Längsader etwas divergierend,
hintere Quersder schief und stark geschwungen, Schüppchen und
Schwinger gelblich, letztere intensiver. — Das Weibchen gleicht
bis auf die breit getrennten Augen dem Männchen. Länge etwa 8 mm,
das Weibchen kleiner.
1 Männchen aus Oroya (Peru), 4000 m, 21. 1. 04 und ein Weibchen
aus Cuzco VII. 03.
Anmerkung. Die Beborstung der Mittelschienen ist das einzige,
wodurch die vorliegenden Stücke von dem Budapester abweichen.
26. M. spiloptera Wied. Außereurop. zweifl. Ins. II. 433. 25.
(1830). Leider finden sich auch in der Schnuse’schen Sammlung
nur Weibchen, die aber besser erhalten sind als die von mir untersuchten
Wiener und Frankfurter Typen und die Stücke der Budapester
Sammlung, so daß ich eine genauere Beschreibung davon geben kann.
Augen nackt, hoch und schmal, den ganzen Kopf einnehmend, de
94 Prof. P,. Stein: Die von Schnuse
Stirn und Wangen nur in feiner Linie vorragen und die Backen ebenfalls
schmal sind. Fühler etwa in der Augenmitte eingelenkt, lang, fast den
Mundrand erreichend, lehmgelb mit lang gefiederter Borste, Taster
schwarz, an der Spitze gelblich. Thorax von hinten gesehen nicht
sehr dicht aschgrau bestäubt, durch die zahlreichen äußerst kurzen
Börstehen wie punktiert erscheinend, nur ganz vorn mit dem Anfang
von 2 feinen grauen Mittellinien und einer ziemlich breiten, aber sehr
verloschenen bräunlichen Mittelstrieme, die auch auf die Basis des
Schildchens übergeht; de 3, vor der Naht 2, die vordere aber viel kürzer,
a nur vor dem Schildchen, pra ein kurzes Börstchen, st 1, 2. Hinterleib
eiförmig, vom Hinterrand des 3. Ringes an abstehend beborstet. Von
hinten gesehen ist er bräunlichgrau bestäubt, durch die zahlreichen
Börstchen gleichfalls wie punktiert, und läßt auf Ring 2 und 3 sehr
verloschene, vom Hinterrand ziemlich entfernte, schmale, bräunliche,
unterbrochene Querbinden erkennen, die in der Mittellinie senkrecht
nach vorn umgebogen sind, an den vorhergehenden Ring anstoßen
und hier 2 dunkle Flecke bilden, die deutlicher wsghrzunehmen sind
als die übrige Zeichnung. Beine schwarz, Vorderschienen an der Basis
bräunlichgelb durchscheinend; Vorderschienen borstenlos, Mittel-
schienen hinten mit 2, Hinterschienen außen abgewandt mit 1 längeren,
innen abgewandt mit 2 kürzeren Borsten. Flügel schwach gelblich,
die Kostalzelle, das Randmal, ein langgestreckter Fleck an der Spitze
der 2. Längsader, der vom Vorderrand sich bis zur Mitte zwischen 2.
und 3. Längsader erstreckt, ein fast rundlicher Fleck an der äußersten
Spitze der 3. Längsader, ein ebensolcher auf der 3. Längs2der zwischen
kleiner Querader und Spitze, der mit dem Fleck an der Spitze der
2. Längsader zusammenhängt, ein breiter Fleck auf der kleinen Quer-
ader, der mit der Bräunung des Randmals zusammenhängt und etwas
in die Diskoidalzelle hineinragt, die hintere Querader breit und eben-
falls ein fast rundlicher Fleck suf der 4. Längssder kurz vor der Spitze
intensiv braun. Der Fleck in der Kostalzelle erstreckt sich bindenartig,
etwas schmäler werdend, nach unten bis zur 5. Längsader, die Basis
der Diskoidalzelle susfüllend. 4. Längsader an der äußersten Spitze
etwas aufgebogen, hintere Querader steil und fast gerade, 1. und 3.
Längsader beborstet, diese bis zur kleinen Querader oder wenig darüber
hinaus, Schüppchen weiß, Schwinger braun mit gelblichem Stiel.
Länge 6—7 mm.
3 Weibchen, die in Sarampioni (Bolivis-Mapiri), 700 m, 3. 1. 03,
S. Carlos (Bol. Mapiri), 800 m, 4. 1. 03 und S. Ernesto (Boliv. Map.),
800 m, 28. 3. 03 gefangen sind.
27. M. pedella Wied. Außereurop. zweifl. Insekt. II. 423. 4 (1830).
Ich habe die in Wien befindliche Type untersuchen können, und dabei
festgestellt, daß sie mit der Wiedemannschen Abänderung seiner
nigrina identisch ist. Auch die von Jaennicke beschriebene callöphoroides
ist dieselbe Fliege. Die von Wiedemann erwähnte Abänderung seiner
pedella, deren Type sich in Frankfurt befindet, ist eine Phaonra, die
mit meiner flavithorax große Ähnlichkeit haben muß. Die Bemerkungen,
die ich mir von der Wiener Type gemacht habe, sind folgende: Ganze
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 9
Fliege blauschwarz; Fühler bräunlichgelb, Borste lang gefiedert, Taster
schwarz. Thorax schwach grau bereift mit feinen Längslinien, de 3,
pra kurz. Hinterleib einfarbig, schwach grau bereift. Beine blauschwarz,
die Spitze der Schenkel namentlich unterseits und die Schienen durch-
scheinend bräunlichgelb. Flügel gelblich, Vorderrand dunkler. 3. und
4. Längsader ziemlich stark divergierend, hintere Querader deutlich
geschwungen, Randdorn klein, aber deutlich. Länge 8—9 mm.
Diese Beschreibung paßt recht gut auf einige Weibchen der
Schnuseschen Sammlung. Nur ist bei ihnen allen der Thorax ziemlich
dicht schiefergrau bereift, so daß die Längsstriemen verhältnismäßig
deutlich sind. Auch der Hinterleib zeigt je nach der Betrachtung
wechselnde schiefergraue Schillerflecke und die Spur einer Rücken-
strieme. Fühler und Taster sind bisweilen heller u. die Präalarborste
fehlt oft ganz. Die Beborstung der Beine ist: Vorderschienen borsten-
los, Mittelschienen hinten mit 2 oder 3, Hinterschienen außen abgewandt
mit 1, innen abgewandt mit 2 Borsten. Die Schüppchen sind weiß,
Schwinger schwärzlich.
3 Weibehen aus Sarampioni, 700 m, 3. #4. 03 und Chanchamayo
(Peru) 12. 1, 14. 1. 04.
28. M. nigrina Wied. Außereurop. zweifl. Ins. II. 424. 5 (1830).
Die Art hat die größte Ähnlichkeit mit der vorigen und unterscheidet
sich nur dadurch, daß Fühler und Taster fast schwarz sind, die Thorax-
striemen dünner und die Flügel gleichmäßig graulich ohne dunkle
Färbung des Vorderrandes.
1 vollständig mit der Type übereinstimmendes Weibchen vom
Pichisweg (Peru), 21. 1. 04. 1
Anmerkung. Ein in Sarampioni 14. 3. 03 gefangenes Weibchen,
das sonst dem vorigen gleicht, hat die Hinterschenkel ganz schmutzigrot,
während auch an den übrigen Schenkeln die rote Färbung ausgebreiteter
ist, und das obere Schüppchen ist fein schwärzlich gerandet. Da sich
in der Budapester Sammlung ein ganz gleiche:, in Chanchamayo
gefangenes Weibchen befindet, so ist es nicht unwahrscheinlich, dab
hier noch eine neue Art vorliegt.
29. M. tesselata Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 438. 7.
Die von mir nach einem teilweise zerstörten Exemplar der Berliner
Sammlung angefertigte Beschreibung paßt trotz einiger Abweichungen
auf die Schnuseschen Stücke so gut, daß ich sie für dieselbe Art halte.
Augen dicht und lang behaart, eng zusammenstoßend, Fühler und
Taster lehmgelb, Borste sehr lang gefiedert. Thorax und Schildehen
dicht grau bestäubt, so daß sich auf ersterem 4 ziemlich breite Striemen
recht deutlich abheben, auch die seitlichen um so deutlicher, als die
Brustseiten darunter ebenfalls dieht grau bestäubt sind. An der Basis
des Schildchens zeigt sich ein großer dunkler Fleck, der als Fortsetzung
einer auf dem hinteren Teil des Thorax sichtbaren kurzen Mittelstrieme
zu betrachten ist; de 3, a nur vor dem Schildchen, pra ganz fehlend,
Grundbehaarung des Thorax abstehend, dicht und ziemlich lang.
Hinterleib länglich eiförmig, schwach glänzend und ziemlich stark
gewölbt. Von hinten betrachtet läßt er deutlich abwechselnd schwärzliche
96 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
und weißlichgrau bereifte Schillerflecken erkennen, während die
weißliche Bereifung auch noch in Gestalt von unvollkommenen Vorder-
randbinden auftritt und eine mehr oder weniger deutliche Rücken-
strieme zu sehen ist. Vom Hinterrand des 3. Ringes an ist er mit kräftigen
und langen, aber wenig zahlreichen Borsten besetzt. Beine schmutzig
zotgelb, die Mittelschenkel teilweise gebräunt und Mittel- und Hinter-
schienen etwas verdunkelt, Pulvillen der Vorder- und Mittelbeine
verlängert, Beborstung wie bei den vorigen Arten. Flügel deutlich gelb-
lich tingiert, die 2. Längsader von einem etwas dunkelgelben Schatten
begleitet, Randdorn klein, 3. und 4. Längsader divergierend, hintere
Querader etwas schief und geschwungen, Schüppchen weißlichgelb,
Schwinger bräunlich mit gelblichem Stiel. — Das Weibchen gleicht bis
auf die breite Stirn und die nur zerstreut behaarten Augen völlig dem
Männchen. Länge fast 10 mm.
1 Pärchen von der Pachiteamündung 6. 11., 15. 11. 03 und ein
Weibehen vom Urubambafluß (Peru-Rosalina), 27. 8. 03.
30. M. fulvisquama Svein, Ann. Mus. Nat. Hung. 11. 447. 19. 9.
Augen nackt, fast halbkuglig, noch nicht doppelt so hoch als breit,
beim Weibchen, das allein vorliegt, breit getrennt, Stirn und die ge-
kielten Wangen deutlich vorragend, Backen fast halb so breit wie die
Augenhöhe. Fühler schwarz mit nicht sehr lang gefiederter Borste,
Taster schwarz. Thorax und Schildehen schwarz mit ziemlichem Glanz,
ersterer dünn bräunlichgrau bereift, so daß nur vorn die Anfänge von
4 Striemen deutlich sind; de 4, a vor der Naht 2 Paar, aber nıcht sehr
lang und kräftig, pra halb so lang wie die folgende sa, st 2,2, Grund-
behaarung des Thorax sehr zerstreut und kurz. Hinterleib länglich
eıförmig, zugespitzt, schwarzblau mit schwachem Glanz und sehr
dürftiger, besonders an der Basis »uftretender bräunlichgrauer Be-
reifung. Auch auf dem letzten Ring ist er nur anliegend beborstet.
Beine schwarz, Mittel- und Hinterschenkel im Endviertel rotgelb,
Vorderschienen mit meist 2, Mittelschienen hinten mit 5—6, Hinter-
schienen außen abgewandt mit 2—3, innen abgewandt mit meist
3 Borsten. Flügel gelblich tingiert, Randdorn klein, 3. und 4. Längsader
divergierend, hintere Querader steil und schwach geschwungen,
Schüppchen und Schwinger ziemlich intensiv rotgelb. Länge 6,5
bis 7 mm.
1 Weibchen aus Corral (Chile), 8. 9. 02.
31. M. geminata Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. 11. 439. 8. Augen
aufs engste zusammenstoßend, so daß auch kaum linienförmige Orbiten
wahrzunehmen sind, den ganzen Kopf einnehmend, nur die schmalen
Backen freilassend. Fühler blaßgelb mit lang gefiederter Borste,
Taster braun, bisweilen gelblich. Thorax und Schildchen, namentlich
von hinten gesehen, dicht ockergelb bestäubt, ersterer kaum mit der
Spur von 2 feinen Mittellinien, letzteres an der Spitze gelblich; de 4,
die beiden vorderen kürzer, aber nicht viel feiner, pra fehlend, Grund-
behaarung kurz, ziemlich dieht und anliegend. Hinterleib länglich,
gewölbt, von hinten gesehen ebenfalls dicht ockergelb bestäubt, die
Basalhälfte von der Seite gesehen durchscheinend blaßgelb. Auf den
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 97
3 letzten Ringen bemerkt man je ein Paar nahe beieinander liegender
bräunlicher Längsflecke, die auf Ring 2 und 3 mit mehr oder weniger
deutlichen, vom Hinterrand etwas entfernten Querbinden zusammen-
hängen, sodaß die Zeichnung dieselbe ist wie bei conspersa und mehreren
anderen oben beschriebenen Arten. Beine schwarz, Vorderschienen an
der Basis etwas gelblich; Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen
hinten mit 2, Hinterschienen außen abgewandt mit 1, innen abgewandt
mit etwa 5 von der Basis bis zur Mitte sich erstreckenden kurzen Borsten,
auch auf der dem Körper zugekehrten Seite um die Mitte herum
mit einer Anzahl ganz kurzer Börstchen. Hinterschenkel unierseits
unmittelbar vor der Spitze abgewandt mit 2 stärkeren, zugekehrt
mit 2—3 schwächeren Borsten. Flügel schwach gelblich, 4. Längsader
gegen das Ende ganz schwach aufbiegend, hintere Querader steil u.
kaum geschwungen, 1. Längsader ganz nackt, 3. an der Basis mit
etwa 6 kurzen Börstchen, Schüppchen weißlichgelb, das untere bräunlich
gerandet, Schwinger gelblich. — Die Stirn des Weibchens ist breit,
ohne Kreuzborsten, der Hinterleib an der Basis nur schwach durch-
scheinend, die Hinterschienen tragen außen abgewandt und innen
abgewandt nur je 1 Borste und die Schüppchen sind ganz weißlich.
Länge etwas über 5 mm.
1 Weibchen vom Urubambafluß (Peru, Meshagua), 4. 10. 03.
Anmerkung. Die vorstehende Beschreibung gilt auch fast wörtlich
für gemina Wied. und die oben beschriebene perspieua. Die Unter-
schiede zwischen der letzteren und geminata sind bereits angegeben.
gemina ist sofort dadurch kenntlich, daß die 1. Längsader bei ihr der
ganzen Länge nach kleine Börstchen trägt und daß die Beborstung
der Hinterschienen eine etwas andere ist.
32. M.meditabunda Fabr. 1 Männchen aus Sorata (Bolivia), 2300 m,
20. 12. 03 und 1 Weibchen von Garlepp im Laristal (Peru), 2000 m,
9. 8. 03 gesammelt.
Anmerkung. Die Stücke stimmen vollständig mit unseren euro-
päischen überein, nur ist die Bestäubung des Hinterleibs beim Männchen
eine dunklere, so daß sich die paarigen Flecke viel weniger deutlich
abheben.
33. M. veniseta Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 443. 14 2. Die
Augen des noch nicht beschriebenen Männchens sind hoch und schmal
und stoßen oben so eng zusammen, daß auch von Orbiten kaum eine
Spur wahrzunehmen ist. Sie nehmen den ganzen Kopf ein und lassen
nur die schmalen Backen frei. Das kleine schwarze Stirndreieck wird
jederseits von 1 größeren und 2 ganz kurzen und feinen Frontoorbital-
borsien eingefaßt. Fühler bis zum unteren Augenrand reichend, blaß-
gelb, mit sehr lang gefiederter Borste, Taster am Ende etwas flach-
gedrückt, gelblich, an der Basis gebräunt. Thorax hell ockerbräunlich
bestäubt, meist mit einer schwachen bräunlichen Mittelstrieme, die
sich auf die Basis des Schildehens fortsetzt und ganz vorn oft mit dem
Anfang von 2 feinen Linien, Schulterbeulen gelblich, aber meist be-
stäubt, Schildchen an der äußersten Spitze bisweilen gelblich; de 4, pra
fast halb so lang wie die folgende sa, im übrigen der Thorax mit zahl-
Archiv für a an 7
1911.11.
98 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
reichen anliegenden Börstchen besetzt. Hinterleib kurz, breit eiförmig
und etwas gewölbt, von hinten durch die zahlreichen anliegenden
Börstchen punktiert erscheinend, vom Hinterrand des 3. Ringes an
abstehend beborstet. Der 1. Ring ist von der Seite gesehen immer,
der 2. sehr oft gelblich durchscheinend. Von hinten gesehen ist der
Hinterleib wie der Thorax bestäubt, aber etwas dunkler, und läßt auf
Ring 2 und 3 braune, unterbrochene Hinterrandbinden erkennen,
die in der Mitte rechtwinklig nach vorn umbiegend 2 Längsflecken
bilden, wie es wiederholt beschrieben. Beine schwarz, die äußerste
Spitze der Mittel- und Hinterschenkel, die Vorderschienen, selten
auch die Mittelschienen bräunlich durchscheinend, Pulvillen und
Klauen sehr kurz; Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen hinten
mit 2, Hinterschienen außen abgewandt mit 1, innen abgewandt mit
1—2 Borsten. Flügel gelblich tingiert, das Randmal, der darauf
folgende Flügelvorderrand nach einer ganz kleinen Unterbrechung,
aber nicht sehr breit, und beide Queradern bräunlich, aber alles ziemlich
verwaschen, 4. Längsader an der Spitze aufgebogen, hintere Querader
steil und fast gerade, 1. und 3. Längsader beborstet, Schüppchen
gelblichweiß, Schwinger gelb. — Das Weibchen hat eine breite, mit
Kreuzborsten versehene Stirn und ziemlich auffallend flach gedrückte
Taster. Im übrigen gleicht es dem Männchen. Die Bräunung des Rand-
mals hängt bei beiden Geschlechtern oft mit der der kleinen Querader
zusammen. Länge etwa 6 mm.
Eine größere Anzahl Männchen und Weibchen, die in S. Carlos,
6. 1. 03, Chimate (Bol. Map.), 650 m, 16. 1. 03, Sarampioni 4. 2. bis
1. 3. 03 und in S. Ernesto, 800 m, 20. 3. bis 28. 3. 03 gefangen sind.
Anmerkung. Ein Weibchen, das an der Pachiteamündung 4. 12. 03
gefangen ist, gleicht dem der vorbeschriebenen Art fast völlig, hat aber
keine Kreuzborsten, die Hinterschienen tragen innen abgewandt im
ersten Drittel 3 kleine Borsten, und der ganze Flügelvorderrand ist
ohne Unterbrechung und breiter braun gefärbt.
34. M. multomaculata Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 434. 4.
Die Art gleicht so sehr der vorigen, daß es genügen wird, die geringen,
aber konstanten Unterschiede anzugeben. Sie ist in der Regel größer,
meist 7 mm, die Taster sind an der Spitze in viel geringerer Ausdehnung
gelblich, die Bestäubung des Thorax und Hinterleibs ist mehr aschgrau
und auf letzterem von Hinterrandbinden kaum etwas zu merken,
so daß nur am Vorderrand des 2. und 3. Ringes 2 sehr genäherte
schwärzliche Flecke zu sehen sind. Der Hinterleib ist auch an der
äußersten Basis nicht durchscheinend gelblich und der 3. Ring auch
auf der Mitte regelmäßig mit einem Kranz abstehender Borsten besetzt.
Die Hinterschienen tragen außen abgewandt 2 Borsten und die Schwinger
sind schwärzlich mit hellerem Stiel. Die Bräunung der Flügel ist die-
selbe, aber intensiver und ausgebreiteter.
Eine Anzahl Männchen und Weibchen aus S. Carlos, 2. 1. bis
13. 1. 03, Chimate 15. 1. 03, Sarampioni 6. 3. 03, Urubambafluß (Peru-
Rosalina) 27. 8. 03, Umahuankiali 11. 9. 03, Pichisweg 25. 12. 03 und
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 99
Chanchamayo 12. 1. 04. Ein Weibchen der Garleppschen Sammlung
ist in Pto. Yessup (Peru-Pichis) 1. 04 gefangen.
35. M. rescita Wlk. Trans. Ent. Soc. Lond. V. 315 (1860). Die
Augen des Männchens sind durch eine schmale schwarze Strieme und
ebenso breite, grau bestäubte Orbiten ein wenig getrennt und nehmen
fast den ganzen Kopf ein, da nur die Backen etwas zu sehen sind.
Fühler schwarz, Basis rötlichgrau, Borste lang gefiedert, Taster faden-
förmig, schwarz. Thorax aschgrau bestäubt mit der Spur von zwei
ganz feinen dunkleren Mittellinien und breiteren Seitenstriemen;
schräg von hinten gesehen zeigt sich auf dem hinteren Teil des Thorax
noch eine bräunliche Mittelstrieme, die zuf die Bssis des Schildchens
übergeht; de 4, alle fast gleich sisrk und lang, pra halb so lang wie die
folgende sa, Grundbehaarung aus zahlreichen halb anliegenden kurzen
Börstehen bestehend. Hinterleib länglich, schwach gewölbt, von der
Mitte des 3. Ringes an abstehend beborstet. Er ist bräunlichgrau be-
stäubt, erscheint von hinten wie punktiert und läßt auf Ring 2 und 3
je 2 genäherte schwärzliche Vorderrandflecke erkennen, die mit un-
deutlichen hellbräunlichen Hinterrandbinden zusammenhängen. Beine
schwarz, Knie rötlich, Pulvillen und Klauen wenig verlängert; Vorder-
schienen borstenlos, Mittelschienen hinten mit 2, Hinterschienen
außen abgewandi und innen abgewandt mit je 1 Borste. Flügel schwach
graulichgelb, mit kleinem Randdorn, Randmal schwach gebräunt,
beide Queradern mit schmalem bräunlichen Saum, 4. Längsader am
Ende ganz wenig aufgebogen, hintere Querader sieil und etwas ge-
schwungen, 1. Längsader ganz, 3. bis nahe zur kleinen Querader
beborstet, Schüppchen weißlichgelb, Schwinger gelblich. — Das
Weibehen hat eine breite Stirn mit Kreuzborsten. Länge 6 mm.
1 Weibchen aus S. Carlos, 13. 1. 03.
Anmerkung. Die Art ist identisch mit der Thomsonschen setinervis
Eugen. Resa Dipt. 549. 182 (1868) und der v. d. Wulpschen Olinopera
pterostigma Biol. Centr. Amer. Dipt. Il. 309. 8 (1896).
V. Hydrotaea R.D.
1. H. dentipes Fabr. 7 Männchen und 6 Weibchen aus Palca,
18. 10. 02, Tacna, 22. 10. 02, Arequipa (Peru), 15. 11. 02, vom Titi-
cacasee (Peru-Puno), 22. 11. 02, Soratas 2300 m, 18. 12. 02, Sieuani
(Peru) 17. 6. 03, Calea (Peru) 6. 8. 03 und Tarma, 20. 1. 04., die voll-
ständig mit unseren europäischen Stücken übereinstimmen.
2. H. acuta Stein, Berl. ent. Zeitschr. XLII. 167. 7 (1897).
5 Männchen und 4 Weibchen, die sämtlich in Chile gefangen sind und
zwar in Caldera, 25. 9. 02, Antofagosta 27. 9. 02, Arica 8. 12. 02, Tacna
12. 10. 02 und Palca 20. 10. 02. Sie stimmen in allen plastischen
Merkmalen mit den nordamerikanischen Stücken überein, sind aber
durchweg etwas größer. Die Art gehört in die nächste Verwandschaft
von H. oceulta Meig., hat wie diese auf der Unterseite der Hinterschenkel
an der Basis einen kleinen Dorn, aber ganz nackte Augen.
7*
100 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
3. H. cyaneiventris Meq. Dipt. exot. Suppl. 4. 263.2 (1850). Die Art
ist der dentipes Fabr. nahe verwandt. Die Augen sind deutlich getrennt
und dicht behaart. Thorax und Schildchen einfarbig schwarzblau,
schwach glänzend, der erstere bei reinen Stücken vorn äußerst dünn
graulich bereift, so daß man die Anfänge von 2 schwarzen Mittelstriemen
nur undeutlich erkennt; a stark, zweireihig. Hinterleib schwarzblau,
etwas glänzend. Er ist mit dünnem bläulichgrauen Reif überzogen
und läßt namentlich auf den ersten Ringen eine deutliche schwärzliche
Mittellinie erkennen. Die Beine bieten nichts Besonderes, ihre Be-
borstung ist fast genau wie bei dentipes. Flügel deutlich angeräuchert,
namentlich an der Basis, 4. Längsader am Ende eiwas aufgebogen,
hintere Querader schief und geschwungen, Schüppchen schwärzlich
mit noch dunklerem Rand, Schwinger schwarz mit hellerem Stiel. —
Beim Weibchen sind die Augen nur sehr kurz und undeutlich behaart,
der hintere tiefe Ausschnitt der Stirnmittelstrieme und die Wangen
neben der Fühlerbasis sind glänzend schwarz, der Hinterleib einfarbig
schwarzblau, alles übrige wie beim Männchen. Größe der dentipes.
1 Männchen aus Corral (Chile), 8. 9. 02 und ein von Garlepp in
Lorenzopata, 10. 3. 03 gefangenes Weibchen.
Anmerkung. Macquart hat unter dem Namen Hydrotaea
cyaneiventris 2 Fliegen beschrieben, eine im 4. Supplement aus Chile,
die andere im 5. Supplement zus Neuholland. Herr v. Roeder hat ohne
zwingenden Grund den Namen der ersten Art in Stübeli verändert.
Da die im 5. Supplement beschriebene Art aber, wie ich nachgewiesen
habe, weiter nichts ist als Ophyra analıs Meq., so muß der Name cyanei-
ventris bestehen bleiben. Aber auch wenn die 2. Art eine Hydrotaea
gewesen wäre, so hätte ihr Name geändert werden müssen und nicht
der der ersten.
VI. Ophyra R.D.
1. ©. aenescens Wied. Außereurop. zweifl. Ins. II. 435. 29 (1830).
4 Männchen und 6 Weibchen aus Caldera (Chile), 25. 9. 02, Anto-
fagasta, 27. 9. 02, Arica, 6. 11. 02 und Mollendo (Peru), 10. 1ie 02.
vu. Fannia R.D.
Übersicht der Arten.
1. Taster gelb 2
Taster schwarz _ 4
2. Mittelschienen vorn und hinten mit je 2 Borsten, Mittelborste
auf der Rückseite der Hinterschienen sehr lang
1. F. flavicornis sp. nov.
Mittelschienen vorn und hinten mit je 1 Borste, Borste der Hinter-
schienen nicht auffallend lang 3
3. Fühler ganz schwarz, Hinterleib kaum etwas durchscheinend,
Hinterschienen außen abgewandt auf der Mitte mit 1 Borste
2. F. flavipalpis sp. nov.
or
10.
Li.
12.
13.
14.
15.
in Südamerika gefangenen Anthomyiden, 101
Fühler mehr oder weniger schmutziggelb, Hinterleib auf den
ersten 3 Ringen deutlich durchscheinend, Hinterschienen außen
abgewandt mit etwa 3 Borsten 3. F. antennata sp. nov.
Hinterleib zum Teil durchscheinend gelb, von ähnlicher Färbung
wie bei canteularıs L. 5
Hinterleib nie durchscheinend gelb 9
Hinterschenkel unterseits auf der dem Körper zugekehrten Seite
vor der Spitze ohne längere Borsten 6
Hinterschenkel an dieser Stelle mit zahlreichen feinen oder stärkeren
Borsten
Thorax tiefschwarz, Flügelvorderrand schwach gebräunt
»9. F. flawieineta Stein
Thorax hell braungrau, Flügel glasartig
11. F. canicularis L.
Flügelvorderrand deutlich gebräunt, Thorax fast tiefschwarz
8. F. penicillaris Stein
Flügel ganz glashell, Thorax mehr oder weniger hellbraun 8
Hinterschenkel deutlich gekrümmt, unterseits vor der Spitze
angeschwollen und hier mit nicht sehr zahlreichen kräftigen
Borsten besetzt, Mittelschienen innen mit langer Pubeszenz
5. F. tumidifemur sp. nov.
Hinterschenkel nicht gekrümmt, vor der Spitze nur wenig verdickt
und hier mit zahlreichen feinen Borstenhaaren besetzt, Mittel-
schienen innen mit ziemlich kurzer Pubeszenz
10. F. Heydenii Wied.
Hinterleibsring 2 und 3 außer der Mittelstrieme mit je einem
Paar runder schwarzer Flecke, die namentlich von hinten gesehen
recht deutlich sind 10
Hinterleibsringe ohne Fleckenpasre 12
Hinterschenkel unterseits auf der dem Körper abgewandten Seite
unmittelbar vor der Spitze nur mit 1—2 kurzen Borsten
14. F. trimaculata Stein
Hinterschenkel an dieser Stelle mit einigen auffallend langen
Borstenhaaren 11
Hinterschienen innen fast der ganzen Länge nach ziemlich lang
und fein behaart 12. F. pusio Wied.
Hinterschienen innen nackt 13. F. femoralis Stein
Vor der Naht keine Dorsozentralborste 15. F. abnormis Stein
Vor der Naht die gewöhnlichen Dorsozentralborsten 13
Hinterschenkel unterseits zugekehrt vor der Spitze ganz nackt,
Queradern meist gebräunt 16. F. obscurinervis Stein
Hinterschenkel an dieser Stelle mit zahlreichen Borstenhaaren,
Queradern nie gebräunt 14
Schienen durchscheinend rotgelb 4. F. rufitibia sp. nov.
Schienen schwarz 15
Vordertarsen nicht verbreitert und ganz schwarz
17. F. hirtifemur Stein
102 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
Vordertarsen mehr oder weniger verbreitert und durchscheinend
weißlich 16
16. Vordertarsen wenig verbreitert, Augen nackt, Schwinger gelb
6. F. albitarsıs sp. nov.
Vordertarsen stark verbreitert, Augen dicht behaart, Schwinger
schwarz 7. F. Schnusei sp. nov.
a) Neue Arten.
1. F. flavicornis sp.nov. Augen wie gewöhnlich bei den Fannia-
arten fast den ganzen Kopf einnehmend, durch eine tiefschwarze schmale
Mittelstrieme und linienförmige Orbiten etwas getrennt. Fühler
unterhalb der Augenmitte eingelenkt, nebst den Tastern rotgelb.
Thorax hellbräunlichgrau, ohne Striemung; & zweireihig, das erste
Paar verhältnismäßig groß und kräftig, pra ganz fehlend oder nur
in Gestalt eines kurzen Börstchens. Schildchen von der Farbe des
Thorax, an der Spitze bisweilen schwach gelblich. Hinterleib länglich,
etwas flach gedrückt und hinten zugespitzt. Von hinten gesehen ist
er dicht hellbraun bestäubt und läßt eine deutliche braune Mittelstrieme
und auf Ring 2 und 3 je ein Paar rundlicher dunkelbrauner Flecke
erkennen, die mehr dem Hinterrand anliegen. Der 1. Ring zeigt nur
eine schwache Spur dieser Flecken, während der 4. Ring bei dem
einzigen vorliegenden Männchen ganz ungefleckt ist. Nur am Hinter-
rand des letzten Ringes finden sich abstehende kräftige Borsten.
Beine dunkelbraun, Schienen schmutzig gelb durchscheinend, namentlich
an.der Basis. Die Beborstung der Mittelschenkel läßt sich nicht genau
feststellen, sie gleicht aber der der meisten Fanniaarten. Mittelschienen
innen gegen die Spitze zu allmählich und nicht sehr verdickt mit kurzer
Pubeszenz, vorn außen mit 2—3 kräftigen und ziemlich langen, hinten
außen mit ebenfalls 2—3 kürzeren Borsten, Hinterschienen außen
mit 2 auffallend langen Borsten, einer auf der Mitte, der zweiten vor der
Spitze, außen abgewandt mit 1—2, innen abgewandt mit 2—3 etwas
kürzeren Borsten. Flügel schwach gelblich mit dem gewöhnlichen
Aderverlauf, Randdorn kaum merklich, Schüppchen sehr ungleich,
weißlich, Schwinger gelblich. — Das Weibchen ist durch die rotgelben
Fühler und Taster leicht als zugehörig zu erkennen und gleicht bis auf
die breite Stirn dem Männchen. Die Hinterleibszeichnung weicht
insofern etwas ab, als in der Regel sämtliche Ringe paarige Flecken
tragen. Die Färbung der Beine ist nicht beständig; sie sind oft ganz
schmutzig gelb, während in anderen Fällen die Schenkel verdunkelt
sind. Die Flügel zeigen bei 2 Stücken einen deutlichen Randdorn,
während zugleich die Randader von der Basis bis zum Randdorn kurz
beborstet ist. Das 3. Weibchen trägt wie das Männchen keinen oder
einen kaum merklichen Randdorn; ich glaube aber nicht, daß 2 ver-
schiedene Arten vorliegen. Die auffallend langen Borsten auf der
Rückseite der Hinterschienen finden sich auch beim Weibchen.
Länge 5 mm.
1 Männchen aus Umahuankiali 19. 9.03 und 3 Weibchen aus
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 103
S. Ernesto 800 m 21. 3. 03, aus dem Laristal (Peru) 3—4000 m 8. 8. 03
und S. Carlos. IV. 03, letzteres von Garlepp gesammelt.
2. F. flavipalpis sp. nov. Die Art gehört in den Verwandtschafts-
kreis der leucostieta Meig. Augen durch eine äußerst schmale schwarze
Strieme und ebenso schmale Orbiten kaum etwas getrennt, die die
Mittelstrieme einfassenden Borsten ziemlich lang und kräftig von der
Fühlerbasis bis zum Ozellendreieck sich erstreckend. Fühler schwarz,
Borste an der Basis ganz schwach verdickt, Taster dünn und ziemlich
kurz, rotgelb, bisweilen etwas verdunkelt, Rüssel ziemlich dünn.
Thorax hellbräunlich mit kaum siehtbarer Spur einer Striemung,
& kurz zweireihig, pra fehlend. Hinterleib ziemlich schmal, länglich,
flach gedrückt, gegen das Ende zugespitzt, dicht hellbraun bestäubt
mit feiner brauner Mittellinie und je einem Paar rundlicher, aber nicht
scharf begrenzter Flecke auf Ring 1-4, letztere am kleinsten und
undeutlichsten. Beine dunkelbraun, Schienen gelblich. Die vordere
Borstenreihe auf der Unterseite der Mittelschenkel bis zur Mitte aus
längeren und ziemlich entfernt stehenden, von. da an sehr allmählich
kürzer werdenden u. dichter stehenden Borsten gebildet, Mittelschienen
innen nach der Spitze zu ganz allmählich und nur ganz schwach
verdickt, mit spärlicher und kurzer Pubeszenz, vorn außen und hinten
außen mit je 1 Borste, Hinterschienen außen mit 1 längeren zuf der
Mitte, sußen »bgewandt mit 1 kürzeren und innen abgewandt mit 2
noch kürzeren Borsten. Flügel weißlichgelb, ohne Randdorn, mit
dem gewöhnlichen Aderverlauf, Schüppchen ungleich, weißlich,
Schwinger gelb. — Die Stirn des Weibchens ist sehr breit, die Mittel-
strieme grau und nur senkrecht von oben betrachtet sich von den
Orbiten abhebend; ganz von vorn gesehen sind beide dicht grau
bestäubt. Der Thorax trägt 3 feine, nicht sehr deutliche bräunliche
Längsstriemen und 2 kurze, senkrecht abstehende Präalarborsten,
die vielleieht beim Männchen abgebrochen sind. Hinterleib mit
ähnlicher Zeichnung wie beim Männchen. Beine gelblich, Vorderschenkel
schwach gebräunt, Mittelschienen innen mit deutlicher Borste. Alles
übrige wie beim Männchen. Länge 4 mm.
2 Männchen und 1 Weibchen aus Palca 15. 10. 02.
3. F. antennata sp. nov. $. Augen durch eine schmale schwarze
Strieme u. etwa halb so breite, weiß bestäubte Orbiten etwas getrennt.
Fühler schmutzig rot, gegen die Spitze zu verdunkelt, Taster faden-
förmig,rotgelb. Thorax und Schildehen ganz hellbraun, ohne Striemung,
a zweireihig, sehr kurz, pr& fehlend. Hinterleib länger und etwas
schmäler als bei der vorigen Art, mit schwachem Glanz, zum größten
Teil durchscheinend schmutzig gelb, eine ziemlich breite Rücken-
strieme und je ein Fleckenpasr auf den ersten 3 Ringen, dem Hinter-
rand anliegend, braun; ganz von hinten betrachtet zeigt sich der Hinter-
leib, namentlich auf dem letzten Ring, hellgelb bestäubt. Beine
schmutzig gelbbraun, die Schienen, besonders an der Basis, etwas heller.
Beborstung der Mittelschenkel nicht zu erkennen, aber jedenfalls
nichts Besonderes bietend, Mittelschienen innen allmählich und
schwach angeschwollen, mit spärlicher nicht sehr langer Pubeszenz,
104 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
vorn außen und hinten außen mit je 1 Borste, Hinterschienen außen
abgewandt mit 3—4 allmählich länger werdenden, innen abgewandt
ebenfalls mit 3—4 kürzeren Borsten. Flügel, Schüppchen und Schwinger
wie bei der vorigen Art. Länge 4,5 mm.
3 Männchen aus Umshuankiali 2. 9.—12. 9. 03.
4. F. rufitibia sp. nov. &. Augen nur durch eine äußerst feine
schwarze Strieme u. sehr schmale Orbiten etwas getrennt, Fühler u. Taster
schwarz. Thorax grau bestänbt mit 3 sehr breiten bräunlichen Striemen,
so daß man auch sagen könnte: Thorax braun mit 2 schmalen grau
bestäubten Längsstriemen; pra 2, die vordere ziemlich lang und
kräftig. Hinterleib von der Form unserer gewöhnlichen Fanniaaıten,
von hinten gesehen grau bestäubt, Ring 2 und 3 mit einer breiten,
Ring 4 mit einer schmäleren schwarzbraunen Mittelstrieme; bei
reinen Stücken finden sich vielleicht auch noch paarige Flecke. Beine
schwarz, Schienen schmutzig rotgelb. Die vordere Borstenreihe auf
der Unterseite der Mittelschenkel besteht aus ziemlich kräftigen, anfangs
längeren und entfernt stehenden, später kürzer werdenden und
allmählich dichter stehenden Borsten, Mittelschienen innen gegen die
Spitze zu nur wenig und allmählich angeschwollen mit ziemlich langer
lockerer Pubeszenz, vorn außen und hinten außen mit je 1 Borste,
Hinterschenkel unterseits abgewandt nur vor der Spitze mit 2 Borsten,
zugekehrt vor der Spitze mit einer größern Zahl dicht stehender und
nach der Spitze zu allmählich länger werdender Borstenhaare, Hinter-
schienen außen und außen abgewandt mit je 1, innen abgewandt mit
2 kürzeren Borsten. Flügel deutlich gelblich tingiert mit dem gewöhn-
lichen Aderverlauf, Schüppchen ungleich, weißlich, Schwinger gelblich.
Länge 5 mm.
1 Männchen aus dem Laristal 2—3000 m 10. 8. 03.
5. F.tumidifemur sp. nov. Augen durch eine sehr schmale schwarze
Strieme und kaum sichtbare Orbiten etwas getrennt, wie gewöhnlich
fast den ganzen Kopf einnehmend, Fühler und Taster schwarz. Thorax
dunkelbraun, stumpf, der hintere Teil, die Brustseiten u. das Schildehen
etwas heller, pra fehlend. Hinterleib von ähnlicher Form und Zeichnung
wie bei canicularis L., 1. Ring schwarz, 2. und 3. durchscheinend gelb,
eine ziemlich breite Mittelstrieme und die Hinterränder schwarz,
4. Ring schwarz, von hinten gesehen gelblichgrau bestäubt. Beine
schwarz, Pulvillen und Klauen kurz. Die vordere Borstenreihe auf
der Unterseite der Mittelschenkel besteht bis zur Mitte zus sehr entfernt
stehenden, gleichlangen und schwachen Borsten; von der Mitte an
werden die Borsten kräftig, nehmen schnell an Länge ab, sind dicht
gedrängt und werden zuletzt wie gewöhnlich kammartig. Vor der
Spitze sind die Schenkel deutlich eingeschnürt. Die Mittelschienen
sind an der Basis ziemlich dünn, schwellen dann etwas an, werden noch
vor der Mitte wieder etwas dünner und dann allmählich bis zur Spitze
stärker; dieser letztere Teil ist innen mit ziemlich langer Pubeszenz
besetzt. Vorn außen und hinten außen findet sich je 1 stärkere Borste.
Hinterschenkel ziemlich schlank und schwach gekrümmt, auf der dem
Körper zugekehrten Seite vor der Spitze etwas angeschwollen und
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 105
hier mit einem aus 8—10 kräftigen, ziemlich dicht stehenden Borsten-
haaren gebildeten Büschel besetzt, während sich auf der dem Körper
abgewandten Seite vor der Spitze nur 3—4 längere Borsten finden.
Hinterschienen außen auf der Mitte mit 1 ziemlich langen, außen
abgewandt mit 1 etwas kürzeren und tiefer stehenden, innen abgewandt
mit 2 in der Endhälfte befindlichen Borsten. Flügel leicht graulich gelb
tingiert, die wungleichen Schüppchen weißlich, Schwinger gelblich.
— Der Thorax des Weibehens ist heller und läßt oft 3 schmale braune
Längsstriemen erkennen, der Hinterleib ist nirgends durchscheinend
gelb, sondern hell bräunlichgrau gefärbt, eine sich bis zur Spitze
erstreckende, allmählich schmäler werdende Rückenlinie, die Hinter-
ränder der beiden ersten Ringe und ein Paar rundlicher, dem Hinterrand
anliegender Flecke des 3. Ringes dunkelbraun; bisweilen ist auch die
Hinterrandsbinde des 2. Ringes in Flecke aufgelöst, während auch der
letzte Ring ein Paar kleinere Flecke zeigt. Die Beine sind einfach und
die Mittelschienen tragen auf der Innenseite eine deutliche Borste.
Länge 4,5 mm.
2 Männchen und 3 Weibchen zus Sorata 19. 12.—28. 12. 02.
6. F. albitarsis sp. nov. Augen durch eine schwarze Strieme und
schmale silbergrau schimmernde Orbiten verhältnismäßig deutlich ge-
trennt, Fühler und Taster schwarz, 2. Borstenglied etwas verlängert.
Thorax aschgrau bestäubt, mit 4 recht deutlichen schwarzgrauen Längs-
striemen, pra 1. Hinterleib ziemlich breit, flach gedrückt, von hinten
gesehen dicht hell sschgrau bestäubt mit schmaler schwarzer Rücken-
linie und undeutlich verdunkelten Hinterrändern der Ringe. Beine
schwarz, Vordertarsen deutlich etwas verbreitert, weißlich durch-
scheinend, Metatarsus an der Spitze auf der dem Körper abgewandten
Seite mit einer gekrümmten, breit gedrückten schwarzen Borste.
Die vordere Borstenreihe auf der Unterseite der Mittelschenkel besteht
bis zur Mitte aus entfernt stehenden und gleichlangen, von da an bis
zur Spitze aus immer dichter und allmählich kürzer werdenden, zuletzt
kammartig angeordneten kräftigen Borsten; die Mittelschienen sind
innen unmittelbar an der Basis verjüngt, schwellen dann etwas an,
verjüngen sich wieder, um dann allmählich bis zur Spitze hin an
Stärke zuzunehmen; auf der ersten Anschwellung sind sie innen mit
kurzer, auf der letzten mit längerer Pubeszenz besetzt; außen vorn
finden sich 2 Borsten in der Nähe der Spitze, außen hinten 1, etwas
höher stehend. Der Mittelmetatarsus trägt innen an der Basis eine
kurze gekrümmte breite und dicht darunter eine etwas längere grade,
dünnere Borste. Hinterschenkel unterseits vor der Spitze auffallend
angeschwollen und hier mit einem dem Körper zugekehrten dichten
Büschel langer Borstenhaare besetzt, während die Schenkel auch vor
diesem Büschel nach der Basis zu mit einer dichten Reihe kurzer Haare
besetzt sind. Hinterschienen außen und außen abgewandt mit je 1,
innen abgewandt mit 2 Borsten. Flügel schwach graulich, Schüppchen
ungleich, weißlich, Schwinger schmutzigrot. — Das Weibchen hat
einfache Vordertarsen und einfsche Hinterschenkel, gleicht sonst
106 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
dem Männchen und ist besonders leicht an den 4 deutlichen Thorax-
striemen zu erkennen. Länge 5—6 mm.
6 Männchen und 5 Weibchen aus Gusyacan (Chile) 22. 9. 02,
a (Chile) 23. 9. 02, Caldera 25. 9. 02, vom Titieacasee (Bolivie)
25. 11. 02, 29. 5. 03, Juliaca (Peru) 15. 6. 02 und Sıicuani (Peru) 19. 6. 03.
In der Garlepp’ schen Sammlung findet sich ein in Cuzco 23.9. 02
gefangenes Männchen.
Anmerkung: Ein Weibchen aus Calca (Peru) 6. 8. 03 gleicht
in Färbung und Zeichnung vollständig dem eben beschriebenen, hat
aber bei starker Vergrößerung deutlich lang behaarte Augen und eine
auffallend geschwungene hintere Querader. Sie gehört ohne Zweifel
einer neuen Art an, die ich aber ohne Männchen nicht beschreiben
möchte.
T. F. Schnusei sp. nov. Eine prächtige große Art, die in mancher
Hinsicht mit der vorigen Ähnlichkeit hat. Augen dicht u. lang behaart,
durch eine schmale schwarze Strieme und linienartige Orbiten weniger
getrennt als bei albitarsis, Fühler und Taster schwarz, 2. Borstenglied
ziemlich verlängert. Thorax schwarzblau, schwach glänzend, Schulter-
beulen schwach graulich bereift, pra 1, Grundbehsarung ziemlich lang
und dicht, »bstehend. Hinterleib rocht breit, flach gedrückt, ebenfalls
schwarzblau, von hinten gesehen mit dünnem weißlichen Reif über-
zogen, von en sich eine feine schwarze Mittellinie und feine schwärz-
liche Ringeinschnitte mehr oder weniger deutlich abheben. Beine
schwarz, außerordentlich merkwürdig. Vordertarsen sehr verbreitert
und weißlich durchscheinend, der Metatarsus suf der dem Körper
»bgewandien Seiten mit einem lappenartigen Anhängsel, ganz ähnlich
wie bei manchen Platychirusarten, die beiden. letzten Tarsenglieder
sind besonders breit und fast ganz rund, das vorletzte, an der Spitze
jederseits mit einer gekrümmten, breiten schwarzen Borste. Mittel-
schenkel und Mivtelschienen wie bei albitarsis gebildet und beborstet,
&ber viel kräftiger, und die vordere Borstenreihe auf der Unterseite
der Mittelschenkel besteht bis etwas über die Mitte aus ziemlich
gedrängt stehenden langen Borsten, um dann ziemlich plötzlich in
sehr kurze und noch dichter angeordnete Borsten überzugehen; der
Mittelmetatarsus ist innen an n Basis ebenfalls mit 2 Borsten besetzt,
die ebenso gebildet aber weit kräftiger sind als bei albitarsis. Hinter-
schenkel sehr kräftig, stark gekrümmt, auf der Mitte unterseits
gewaltig angeschwollen und hier abgewandt und zugekehrt mit sehr
langen und dichten Borsten besetzt, die sich auf der dem Körper
abgewandten Seite auch noch, immer kürzer werdend bis zur Basis
erstrecken. Hinterschienen innen im Enddrittel mit dicht stehenden,
anfangs kürzeren, allmählich etwas länger werdenden Borsten besetzt
und innen zugekehrt an der Spitze mit einem Haufen dichter, ge-
kräuselter Borstenhasre versehen. Flügel graulich, 3. und 4. Längs-
ader recht auffallend konvergierend, hintere Querader schief und
schwach geschwungen, die ungleichen Schüppchen weißlich, Schwinger
schwarz. — Die Augen des Weibchens sind bei starker Vergrößerung
kurz behaart. Der Thorax ist schwach graulich bereift, so daß man die
UNE TEE es a:
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 107
Spur von 4 breiten Längsstriemen erkennt. Der Hinterleib ist einfarbig
schwarzblau, dünn bläulichgrau bereift. Die Beine sind schwarz und
einfach. Durch die behaarten Augen und die schwarzen Schwinger ist
es von dem Weibchen der vorigen Art leicht zu unterscheiden. Länge
d 8-9, 2 6 mm. rd
2 Männchen und 3 Weibchen aus Valparaiso 12.9. 02, Santiago
16. 9. 02 und Quillota 20. 9. 02.
Ich widme die schöne Art dem Andenken meines verstorbenen
Freundes.
b) Alte Arten.
8. F. penicillaris Stein Term. Füz. XXIII. 205. 1 (1900). Die Art
hat dureh den zum Teil durchscheinend gelben Hinterleib Ähnlichkeit
mit canicularıs L. und ist an dem zus dichten und langen Haaren
bestehenden Büschel auf der dem Körper zugekehrten Unterseite der
Hinterschenkel und an den rauchbräunlichen Flügeln zu erkennen, deren
Vorderrand intensiv braun gefärbt ist.
5 Männchen und 10 Weibchen aus Bellavista (Bol. Map.) 1200 m
29. 12. 02, S. Carlos 31. 12. 02, 1.2.03 und Sarampioni 7. 3. 03.
9. F. flavieincta Stein Ann. Mus. Nat. Hung. 11. 453. 1. Die Art
hat die größte Ähnlichkeit: mit der vorigen und unterscheidet sich be-
sonders dadurch von ihr, daß die Hinterschenkel unterseits zugekehrt
fast ganz nackt sind. Ein zweiter Unterschied beider Arten liegt in
der Beborstung der Mittelschienen. Dieselben tragen nämlich bei
penicillaris hinten stets nur 1 Borste, während sich bei flavieincta
ebenso regelmäßig hier 2 befinden, eine auf der Mitte und eine etwas
kleinere zwischen Mitte und Spitze. Glücklicherweise kann man auch
die Weibehen beider Arten dadurch sicher unterscheiden, was sonst
sehr schwierig sein würde. Die Trübung des Flügelvorderrands ist beim
Weibchen von flavieincta viel schwächer, bei penicillaris dagegen ziemlich
scharf begrenzt und auch die Queradern bisweilen schwach gesäumt.
Ziemlich zahlreich zus Bellavists 29. 12. 02, S. Carlos 2.1. bis
14.1.03, Sarampioni 3.2.03, S. Ernesto 20. 3.—24. 3.03, Laristal
17. 8. 03, Urubambafluß (Peru-Rosalina) 28. 8., 17.9. 03, Pichisweg
13.12.03 und Chanchamayo 14. 1. 04.
10. F. Heydenii Wied. Außereur. zweifl. Ins. II. 429. 17. (1830).
Auch diese Art gehört in die nächste Verwandtschaft zu canicularis L.
und ist den beiden vorigen ähnlich. Durch die Beborstung auf der
Unterseite der Hinterschenkel, die sie mit penicillaris gemein hat,
unterscheidet sie sich von flavicineta und durch die glashellen Flügel
von penicillaris. Der von mir a. a. O. gegebenen Beschreibung des
Männchens habe ich noch einiges zuzufügen. Die Akrostichalborsten
sind zweireihig und das erste Paar vor der Naht meist etwas kräftiger
und länger als die übrigen, mit Ausnahme natürlich des Paares vor
dem Schildchen, welches stets das kräftigste ist. Die Mittelschienen
tragen im Gegensatz zu flavieineta hinten nur 1 Borste, die Borste
auf der Außenseite der Hinterschienen ist recht auffallend lang und
die Schüppchen sind rein weiß, während sie bei der vorigen Art meist
108 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
angeräuchert sind. — Beim Weibchen heben sich die Thoraxstriemen
schärfer ab und die seitlichen setzen sich auf das Schildchen fort, so
daß dieses gelbgrau ist und jederseits einen braunen Fleck trägt. Der
Hinterleib ist nirgends durchscheinend gelb, grau gefärbt und trägt
eine breite, an den Hinterrändern der Ringe etwas abgesetzte und
allmählich schmäler werdende dunkelbraune Rückenstrieme und auf
jedem Ring ein Paar anfangs großer, nach der Spitze zu kleiner werdender
rundlicher, dem Hinterrand anliegender Flecke. Die auffallend lange
Borste auf der Außenseite der Hinterschienen erleichtert such hier die
Bestimmung.
Zahlreiche Männchen und einige Weibchen vom Laristal 12. 8. 03,
vom Urubambafluß (Peru-Rosalina) 22.8. bis 4. 9. 03, aus den Kor-
dilleren Bolivia’s 3000 m 27. 12. 02, 8. Carlos 4. 1.—9. 1. 03 und
Sarampioni 26. 2. 03.
Anmerkung: Die an den beiden letzten Orten gefangenen
Männchen weichen insofern etwas von den übrigen ab, als die Hinter-
randsbinden scharf begrenzt sind und sich auch von hinten gesehen
nach vorn zu nicht fleckenartig erweitern, die Augen eine Kleinigkeit
weniger getrennt sind und die Akrostichalborsten ziemlich deutlich
dreireihig sind, ohne daß das erste Paar etwas kräftiger wäre. Die
Borstenhaare auf der Unterseite der Hinterschenkel sind etwas weniger
z&hlreich und feiner. Die Unterschiede sind aber so gering, daß ich nicht
an eine besondere Art glauben möchte.
11. F. canicularıs L. Die Art scheint verhältnismäßig selten zu
sein, da sich in dee Sammlung nur 6 Männchen und 1 Weibchen finden,
die im übrigen mit unserer Form übereinstimmen. Ein Männchen
zeigt keine gelbe Färbung des Hinterleibs, wie es such bei unserer Art
zuweilen vorkommt. Die Stücke sind in Antofagasta 27. 9.02 und
Caldera 29. 9. 02 gefangen.
12. F. pusio Wied. Außereur. zweifl. Ins. II. 437. 34 (1830).
Die Art gehört nebst den beiden folgenden in den Verwandt-
schaftskreis der leucosticta, die sich durch die paarigen Flecke
auf den Hinterleibsringen von allen anderen Fanniaarten unter-
scheidet. Sie ist daran zu erkennen, daß die Hinterschenkel
unterseits abgewandt vor der Spitze 4—5 auffallend lange Borsten-
haare tragen, während sie auf der zugekehrten Seite isst nackt sind,
und daß die Hinterschienen innen abgewandt wie zugekehrt mit einer
kontinuierlichen Reihe feiner Borstenhasare besetzt sind, von denen
die letzteren kürzer sind als die ersteren. Die Art ist mit der Wiede-
mann’schen Type verglichen und ist identisch mit der Loew’schen
femorata.
5 Männchen und 4 Weibchen aus Arica (Chile) 5. 10. 02.
13. F. femoralis Stein Berl ent. Zeitschr. XLII. 282. (1897). Sie
gleicht auf den ersten Blick vollkommen der vorigen Art, mit der sie
auch die Beborstung der Hinterschenkel gemein hat, unterscheidet
sich aber sofort dadurch, daß die Hinterschienen innen nicht zottig
behaart sind, sondern nur 1 stärkere Borste tragen. Die Orbiten des
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. | 109
Weibchens sind glänzend schwarzgrün, während sie bei pusio grau-
grün und nur schwach glänzend sind.
2 Männchen und 1 Weibchen Umahuankiali 9. 9. 03.
14. F. trimaculata Stein Berl. ent. Zeitschr. XLIl. 176. 12 (1897).
Sie unterscheidet sich dadurch von den beiden vorhergehenden, daß
die Hinterschenkel unterseits zugekehrt vor der Spitze 6—7 sehr
lange und feine Borstenhaare tragen, während sich auf der abgewandten
Seite an dieser Stelle nur I längere befindet. Die Hinterschienen
tragen innen abgewandt wie bei femoralis nur 1 Borste.
5. 1 Männchen von der Pachitesmündung 15. 11. 03.
= 15. F. abmormis Stein Term. Füz. XXI11. 200. 4 (1900). Dadurch,
daß die Dorsozentralborsten vor der Naht ganz fehlen, während sich
hinter derselben nur 2 finden, ist die Art sofort kenntlich. Im übrigen
verweise ich auf die von mir a. a. O. und in der Ann. Mus. Nat. Hung.
II. 455. 4 gegebene ausführliche Beschreibung.
2 Männchen und 1 Weibchen aus dem Laristal 10. 8. 03.
16. F. obseurinervis Stein Term. Füz. XXIII. 207. 2. (1900).
Durch die blauschwarze Färbung des Körpers, die Bräunung des
Flügelvorderrandes und meist auch der Queradern ist die Art leicht
kenntlich, weshalb ich auf eine nochmalige ausführliche Beschreibung
verzichten kann.
3 Männchen und 2 Weibchen mit kaum angedeuteter Bräunung
der Queradern aus Sarampioni 2.3.03, S. Carlos 8.1.03 und Bella-
vista 29. 12.02 und 8 Männchen und 4 Weibchen mit deutlicher
Bräunung aus S. Carlos 7.1.03, Sarampioni 25. 1.03, Urubambafluß
(Peru Rosalina) 1. 9.—25. 9.03, (Peru Meshagus) 7.10.03, Unini
(Peru Ucayalifluß) 20. 10. 09, Pto Bermudas 13. 12. 03 und Pachitea-
mündung 23. 11. 03.
17. F. hirtifemur Stein Ann. Mus. Nat. Hung. 11. 457. 6. Eine
ebenfalls blauschwarze Art, die sich durch den Borstenbüschel auf
der dem Körper zugekehrten Unterseite der Hinterschenkel kurz
vor der Spitze und die Bräunung des Flügelvorderrandes kennzeichnet.
= gehört in den Verwandtschaftskreis der beiden vorhergehenden
rten.
1 Männchen aus Tarma (Peru), 3000 m, 19. 1. 04.
Anmerkung. Bei emem im Sorata, 21. 12. 02 gefangenen
Pärchen ist der Flügelvorderrand nicht geschwärzt und der Borsten-
büschel auf der Unterseite der Hinterschenkel ist durch eine deutliche
Lücke von der Spitze getrennt, während bei hirtifemur die Haare sich
unmittelbar bis zur Spitze erstrecken. In allen übrigen Merkmalen
stimmen sie vollständig überein, so daß ich nicht wage, die Art als
neu zu bezeichnen.
VIl. Euryomma Stein.
Übersicht der Arten.
1. Alle Schenkel gelb, höchstens die vorderen schwach gebräunt 2
Alle Schenkel pechschwarz E. nigrifemur sp. nov.
110 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
2. Taster gelb E. peregrinum Meig.
Taster schwarz 3
3. 3. Fühlerglied kaum über doppelt so lang als das zweite
E. rufifrons sp. nov.
3. Fühlerglied fast viermal so lang als das zweite
E. longicorne sp. nov.
1. E. nigrifemur sp. nov. Kopf wie bei allen Arten fast kuglig, die
ziemlich runden Augen in beiden Geschlechtern breit u. gleichbreit ge-
trennt, Stirn und Wangen gar nicht vorragend, Baeken schmal, Mund-
rand etwas vorgezogen und aufgeworfen, Hinterkopf etwas gepolstert.
Fühler kürzer als das Untergesicht, schwarz, 2. Glied rötlich, Borste
nackt, Taster fadenförmig, schwarz. Thorax und Schildehen hell
bräunlichgrau, ersterer bisweilen mit 3 feinen hellbraunen Längs-
striemen; de hinter der Naht wie bei allen Arten 3, vor der Naht 1
mit einem kleinen Börstechen davor, a klein, ziemlich regelmäßig
zweireihig, das erste Paar etwas kräftiger und länger, pra 2 kurze,
kräftig und senkrecht abstehend, st 1, 1. Hinterleib ziemlich schmal,
an der Basis flachgedrückt, hinten zugespitzt und etwas verdickt.
Oberseits ist er ganz nackt und nur der letzte Ring hinten mit einigen
abstehenden Borsten besetzt. Hypopyg etwas vorragend, an der Spitze
mit 2 oft sichtbaren gelben Zangen versehen. Meist ist der Hinterleib
einfarbig bräunlichgrau wie der Thorax, und nur selten erkennt man
eine ziemlich breite bräunliche Mittelstrieme und noch seltener un-
regelmäßige Flecke. Beine pechschwarz, Knie und Schienen rotgelb,
Pulvillen und Klauen wie bei allen Arten kurz. Vorderschienen borsten-
los. Mittelschenkel unterseits mit ähnlichen, aber einfacheren Borsten-
reihen wie bei den Fannia-Arten; die vordere Reihe der Unterseite
ist aus anfangs locker stehenden kurzen, dann etwas dichter werdenden
noch kürzeren Borsten gebildet. Mittelschienen einfach, innen mit
kaum wahrnehmbarer Pubeszenz, außen vorn und außen hinten mit je
1 Borste. Beborstung der Hinterbeine bei allen Arten dieselbe. Hinter-
schenkel unterseits abgewandt vor der Spitze mit 2 längeren Borsten,
zugekehrt nackt, Hinterschienen außen mit 1 langen, außen abgewandt
mit 1 etwas kürzeren und innen abgewandt mit 1 noch kürzeren Borste,
sämtlich fast in der Mitte stehend. Flügel blaßgelb, ohne Randdorn,
kleine Querader etwas hinter dem Ende der 1. Längsader, Schüppchen
klein, gleichgroß, ganz blaßgelb, Schwinger gelblich. — Der Hinterleib
des Weibehens ist etwas breiter und flachgedrückt, im übrigen gleicht
es vollkommen dem Männchen. Länge etwas über 3 mm.
6 Pärchen aus Palca 14. 10.—21. 10. 02, Tacna 22. 10. 02, Are-
quipa 14. 11. 02, Sorata 19. 12.—22. 12. 02 und Tarma (Peru) 19. 1. 04.
In Garlepps Sammlung finden sich 5 Pärchen aus Cuzco 27. 3. 05.
2. E. rufifrons sp.nov &. Kopfbildung wie bei der vorigen u. den an-
deren Arten. Stirnmittelstrieme schmutzigrot, hinten nur wenig ausge-
schnitten, breiter als die gelbgrauen Orbiten. Fühler schwarz, Basal-
glied rötlich, Taster fadenförmig, schwarz. Thorax hellbraun, ohne
Striemung, die vordere der vor der Naht befindlichen Dorsozentral-
borsten größer als bei den anderen Arten und halb so groß wie die zweite,
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 111
a kurz, vorn zweireihig, nach hinten zu dreireihig werdend, alle gleich
kurz, pra 3 senkrecht abstehende kräftige Börstehen. Hinterleib von
der gewöhnlichen Form und von der Farbe des Thorax, aber mehr
ins Graue spielend, Hinterrand des 3. und 4. Ringes mit einigen längeren
Borsten, Hypopyg wie bei den übrigen Arten, ebenfalls mit 2 gelben
Zangen. Beine rotgelb, Vorder- und Mittelschenkel hier und da etwas
verschmutzt; Vorderschienen mit 1 Borste, Beborstung auf der Unter-
seite der Mittelschenkel kurz, aber recht dicht, Mittelschienen innen,
namentlich in der Endhälfte, deutlich pubeszent, die übrige Beborstung
sowie die der Hinterbeine wie bei den anderen Arten. Flügel blaßgelb,
mit kleinem, aber deutlichem Randdorn, die Randader kurz bewimpert,
kleine Querader etwas vor der Mündung der ersten Längsader, die un-
gleichen Schüppchen und Schwinger gelblich. Länge 4 mm.
1 Männchen aus Guayacan (Chile) 22. 9. 02.
3. E. longicorne sp. nov. Die Art hat große Ähnlichkeit mit der
vorigen. Die Mittelstrieme ist wie die Orbiten gelbgrau bestäubt u. hebt
sich daher nur wenig von ihnen ab; an ihrer schmalsten Stelle ist sie
kaum breiter als dieselben und nur ganz vorn etwas rötlich gefärbt. Die
Fühler sind sehr lang und überragen fast das Untergesicht, Basalglied nur
schwach rötlich; die erste Dorsozentralborste vor der Naht ist sehr
klein, a regelmäßig zweireihig, ziemlich kurz, pra 2, Hinterleib wie der
Thorax hell bräunlichgrau, schwach glänzend, nur der letzte Ring
hinten beborstet, mit kaum sichtbarer Spur einer verloschenen Rücken-
strieme. Beine mit Ausnahme der Tarsen gelb; Vorderschienen borsten-
los, die Beborstung auf der Unterseite der Mittelschenkel sparsamer,
Mittelschienen innen fast nackt, die übrige Beborstung wie bei den
anderen Arten. Randdorn noch kleiner als bei rufifrons, kleine Quer-
ader deutlich vor der Mündung der 1. Längsader, Schüppchen gleich-
groß, blaßgelb, Schwinger gelblich. — Das Weibehen gleicht voll-
kommen dem Männchen und ist durch die langen Fühler sofort als
zugehörig zu erkennen. Länge: S 3,5, 2 4 mm.
1 Pärchen aus Guayacan 22. 9. 02.
4. E. peregrinum Meig. Die ausführliche Beschreibung dieser
Fliege habe ich in den Ent. Nachr. XXV. 20 (1899) gegeben, wo auch
die Gattungsdiagnose zu finden ist.
1 Männchen und 11 Weibchen aus Coquimbo 23. 9. 02, Anto-
fagasta 27. 9. 62, Tocopilla 30. 9. 02, Arica 6. 11. 02, Mollendo (Peru)
10. 11. 02 und Barranca (Peru-Lima) 31. 1. 04. In Garlepps Sammlung
an, sich noch 1 Männchen und 3 Weibehen aus Mollendo und Tacna
X. 02.
IX. Limnophora R.D.
Übersicht der Arten.
1. Vordertarsen des Männchens auf der dem Körper abgewandten
Seite der ganzen Länge nach mit kammartig angeordneten kurzen
Borsten besetzt 1. L. barbitarsis sp. nov.
Vordertarsen ohne solche Beborstung
112
10.
bl.
12.
13.
14.
Prof, P. Stein: Die von Schnuse
Vorderschienen mit Borste 3
Vorderschienen ohne Borste 15
Augen deutlich behaart 4
Augen nackt 6
Beide Queradern braun gesäumt 11. L. elegans sp. nov.
Queradern nicht gebräunt 5
Mittelschienen innen ohne Borste 12. L. hirticeps sp. n.
Mittelschienen innen mit Borste 13. L. pubiceps sp. nov.
Queradern gebräunt, über der hinteren noch ein Aderanhang
15. L. abnorminervis Sp. nov.
Queradern nicht gebräunt, kein überzähliger Aderanhang d
Schüppchen schmutzigweiß mit schwarzem Saum oder ganz
schwarz
Schüppchen weiß, nicht schwarz gesäumt 10
Thorax außer den stärkeren Borsten fast ganz nackt
18. L. laevis sp. nov.
Thorax außer den stärkeren Borsten mit feiner und ziemlich
langer Grundbehaarung )
Mittelschenkel unterseits hinten der ganzen Länge nach mit
kräftigen und ziemlich langen Borsten besetzt, Mittelschienen
mit mehreren Borsten, Hinterschenkel unterseits dem Körper
zugekehrt vor der Spitze ebenfalls kräftig beborstet
42. L. atrisgquama Stein
Mittelschenkel unterseits hinten nur zart und kurz behaart, Mittel-
schienen hinten nur mit 1 Borste, Hinterschenkel unterseits
zugekehrt nackt 17. L. propingua sp. nov.
Stirnmittelstrieme in beiden Geschlechtern schmäler oder höchstens
so breit wie die Orbiten, weißgraue Art 20. L. diluta sp. nov.
Stirnmittelstrieme viel breiter als die Orbiten, dunkle Arten 11
4. Längsader an der Spitze deutlich aufgebogen, Dorsozentral-
borsten 3 12
4. Längsader ganz gerade verlaufend, Dorsozentralborsten 4 13
Flügel ohne Spur von Randdorn, Mittelschienen vorn außen ohne
Borste, Stirn des Männchens am ÖOzellendreieck breiter als ein
Auge, Schwinger schwarz, Vordertarsen zusammengedrückt
21. L. compressitarsis sp. nov.
Flügel mit klemerem oder größerem Randdorn, Mittelschienen
vorn außen mit Borste, Stirn des Männchens am Ozellendreieck
schmäler als ein Auge, Schwinger gelb, Vordertarsen nicht zu-
sammengedrückt 26. L. spinuligera sp. nov.
Thorax fast ganz ungestriemt, Hinterleib bedeutend länger als
der Thorax, ohne deutliche Zeichnung 19. L. gracilkis sp. nov.
Thorax mehr oder weniger deutlich gestriemt, Hinterleib so lang
wie der Thorax, mit scharfer Zeichnung 14
Thoraxstriemen nicht sehr scharf, gleich breit
14. L. nigribasis sp. nov.
Thoraxstriemen scharf, die mittlere schmäler, die seitlichen breiter
16. L. triplex sp. nov.
16
I.
18.
#9:
22.
Archiv für Naturgeschichte
1011.11.
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 113
Augen deutlich behaart 10. L. trichops sp. n.
Augen nackt 16
. Dorsozentralborsten nur 1 vor dem Schildchen
32. L. paueiseta Stein
Dorsozentralborsten 3 17
Dorsozentralborsten 4 28
Schwinger schwarz | 48
Schwinger gelb ..u.;® 4 20
Mittelschienen gegen das Ende zu keulenförmig verdickt und
von der Mitte bis zur Spitze mit dichtstehenden, allmählich länger
werdenden Borsten besetzt 25. L. clavitibia sp. nov.
Mittelschienen nieht keulenförmig verdickt und nur mit den
gewöhnlichen Borsten 19
Thorax einfarbig grau, ohne deutliche Striemung, die hellen Flecke
des Hinterleibs weißgrau, nie ins Gelbe ziehend
22. L. candidifrons sp. nov.
Thorax vor der Naht mit 3 breiten, wenigstens hinten immer
getrennten schwarzen Flecken, die hellen Flecke des Hinterleibs
mehr oder weniger gelb gefärbt 23. L. aliena sp. nov.
Mittelschienen hinten von der Basis bis über die Mitte mit etwa
8 kräftigen Borsten bewehrt 24. L. setitibia sp. nov.
Mittelschienen hinten höchstens mit 2 Borsten 21
Thoraxrücken fast ganz schwarz, kaum eine Striemung erkennen
lassend :
Thorax grau mit 3 scharf begrenzten, schwarzen Striemen 23
Augen ganz eng zusammenstoßend, Fühlerborste pubeszent,
Thoraxrücken mit deutlicher schwarzer Mittelstrieme, 1. Flügel-
längsader in der Endhälfte kurz beborstet
3. L. gracihtarsis sp. nov.
Augen deutlich etwas getrennt, Fühlerborste kurz behaart, Thorax-
rücken ganz schwarz, 1. Längsader nackt
2. L. marginipennis sp. nov.
Augen eng oder fast ganz eng zusammenstoßend 24
Augen durch eine deutliche ziemlich breite Strieme getrennt 25
Flügelvorderrand deutlich geschwärzt 37. L. atrovittata Stein
Flügel einfarbig graulich 9. L. pura sp. nov.
Flügelvorderrand geschwärzt 28. L. suavis sp. nov.
Flügel mehr oder weniger glashell 26
Hinterschenkel unterseits zugekehrt von der Basis bis zur Mitte
mit 4—5 kräftigen Borsten 26. L. femorata sp. nov.
Hinterschenkel unterseits zugekehrt ganz nackt 27
Hinterleib so breit wie der Thorax, die schwarzen Flecke des
Hinterleibes den Seitenrand nicht erreichend, Flügelbasis gelblich
43. L. compressifrons Stein
Hinterleib entschieden breiter als der Thorax, Hinterleibsflecke
den Seitenrand erreichend, Flügelbasis geschwärzt
29. L. auriflua sp. nov.
8
114
28.
29.
So.
31.
32.
Prof. P. Stein: Die von Schnuse
Thorax einfarbig schwarz, braun oder grau, ohne oder mit kaum
wahrnehmbarer Spur von Striemung 29
Thorax hellbraun oder grau, mit deutlichen schwarzen Striemen,
wenn aber schwarz, dann wenigstens die Quernaht weiß bestäubt 33
Flügel ganz glashell oder höchstens gelblich tingiert 30
Flügel namentlich am Vorderrand deutlich geschwärzt 32
Augen deutlich getrennt, Schwinger schwarz
31. L. semicinerea sp. nov.
Augen eng zusammenstoßend, Schwinger gelb 31
Thorax einfarbig schwarz oder braun, 1. Längsader ganz nackt,
4. Längsader gerade, Pulvillen kurz 40. L. arcuata Stein
Eine breite Strieme von den Schulterbeulen bis zur Flügelwurzel
grau bestäubt, 1. Längsader am Ende kurz beborstet, 4. Längs-
ader schwach aufgebogen, Pulvillen verlängert
38. L. deleta v. d. Wulp
Thorax ganz schwarz, 4. Längsader ganz gerade, Pulvillen kurz,
„ mittelgroße Art 39. L. aterrima Stein
Die Schulterbeulen grau bestäubt, 4. Längsader deutlich aufge-
39.
34.
30.
36.
38.
39.
40.
bogen, große Art 33. L. atra Stein
Örbiten, Wangen und Backen dicht goldgelb bestäubt (Weibchen)
30. L. aurifacıes sp. nov.
Die genannten Teile schwarz oder grau bestäubt 34
Thoraxrücken vor der Naht ganz schwarz, diese selbst grau be-
stäubt - 36. L. saeva Wied.
Thoraxrücken vor der Naht nicht ganz schwarz, sondern deutlich
gefleckt oder gestriemt 35
Fühlerborste auffallend lang gefiedert 6. L. plumiseta sp. nov.
Fühlerborste höchstens kurz gefiedert 36
4. Längsader gerade verlaufend, Hinterleib ockergelb bestäubt,
zum Teil durchscheinend 41. L. normata Big.
4.- Längsader deutlich aufgebogen, Hinterleib grau bestäubt,
nirgends durchscheinend 37
Hinterschenkel unterseits zugekehrt ganz nackt oder -nur kurz
beborstet, in zweifelhaften Fällen die Fühlerborste selbst bei
starker Vergrößerung kaum pubeszent 38
Hinterschenkel unterseits zugekehrt mit deutlichen, meist langen
Borsten, in zweifelhaften Fällen die Fühlerborste deutlich pubeszent
oder kurz behaart 39
Thoraxstriemen hinter der Naht zu einer breiten Binde zusammen-
geflossen, 1. Längsader nackt
34. L. narona WIk.
Thoraxstriemen hinter der Naht deutlich getrennt, 1. Längsader
am Ende kurz beborstet 8. L. integra sp. nov.
Thorax unmittelbar hinter der Naht mit wununterbrochener
schwarzer Querbinde 35. L. corvina G.T.
Thorax hinter der Naht ohne schwarze Querbinde 40
Fühlerborste kaum pubeszent, Thoraxstriemen hinter der Naht
fast zusammenfließend 7. L. laeta sp. nov.
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 115
Fühlerborste deutlich pubeszent oder kurz gefiedert, Thorax-
striemen hinter der Naht getrennt 41
41. Hinterschenkel unterseits zugekehrt lang behaart, Augen fast
ganz zusammenstoßend 4. L. alacris sp. nov.
Hinterschenkel unterseits zugekehrt nur kurz beborstet, Augen
deutlich getrennt 5. L. brevisela sp. nov.
a) Neue Arten.
l. L. barbitarsis sp.nov. Augen oben aufs engste zusammenstoßend,
Stirn und Wangen wenig vorragend, Mundrand etwas vorgezogen,
Backen mäßig breit. Fühler etwas kürzer als das Untergesicht, schwarz,
Borste schwach pubeszent, Taster sehr dünn, schwarz, Rüssel ziemlich
schlank, glänzendschwarz. Thorax dicht weißgrau bestäubt, 3 breite
Striemen, die in der Mitte durch eine noch etwas breitere Querbinde
verbunden sind, tiefschwarz; de hinter der Naht gewöhnlich nur 2,
vor der Naht fehlend. Bei einem einzigen Männchen sind hinter der
Naht 3 Borsten vorhanden, während sich vor der Naht auf der linken
Seite auch eine Borste findet. Hinterleib länger als Thorax und
Schildchen zusammen, fast kegelförmig, ebenfalls dicht grau bestäubt,
aber etwas weniger hell als der Thorax. Jeder Ring trägt 2 breite,
die ganze Länge des Ringes einnehmende schwarze Flecke, die zu-
sammen zwei breite Längsstriemen bilden. Beine schwarz, Pulvillen
und Klauen kurz, die Vordertarsen auf der dem Körper abgewandten
Seite der ganzen Länge nach miv einer fast kammförmig angeordneten
Reihe ziemlich langer Borsten besetzt, die 2—3 mal so lang sind als der
Tarsenquerdurchmesser; um eine Vorstellung von der Anzahl dieser
Borsten zu geben, bemerke ich, daß der Metstarsus allein deren 20
trägt. Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen hinten mit 2, Hinter-
schienen zußen abgewandt und innen abgewandt mit je 1 Borste,
Hinterschenkel unterseits abgewandt der ganzen Länge nach mit einer
Reihe langer, aber nicht sehr kräftiger Borsten besetzt. Flügel bräun-
lich tingiert, der Vorderrsnd vom Randmal an intensiver, nach hinten
zu verwaschener, Randdorn sehr klein, 4. Längsader am Ende deutlich
aufgebogen, hintere Querader schief und gerade, 1. Längsader am Ende,
3. bis zur kleinen Querader weitläufig und kurz beborstet, Schüppchen
schmutzigweiß, bisweilen schmal bräunlich gesäumt, Schwinger gelblich.
— Das Weibchen ist etwas kleiner als das Männchen, die Stirn breit,
die Thorzxstriemen noch breiter, die miitlere aber nicht so tiefschwarz,
sondern mehr braun und durch keine Querbinde verbunden, die Flecke
des Hinterleibs noch breiter und die Beine einfach. Länge $ 8, 2 6,5
bis 7 mm.
5 Männchen und 2 Weibchen aus Lorenzopata 28. 4.—7. 5. 08,
Terms 19. 1. 04 und aus dem Laristal 2—3000 m, 10. 8. 03. Letzteres
ist das einzige Stück, welches durch die Zahl der Dorsozentralborsten
von den übrigen abweicht.
2. L. marginipennis sp.nov. Sie gleicht in Gestalt und Größe der
vorigen. Die Augen sind durch eine deutliche schwarze Strieme u. linien-
förmige Orbiten etwas getrennt, die Fühlerborste ist kurz, aber deutlich
8*
116 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
behaart. Der Thorax ist tiefschwarz, nur vor dem Schildcehen beider-
seits bräunlichgrau bestäubt, eine breite Strieme von den Schulter-
beulen bis zur Flügelwurzel dicht weißgrau bestäubt; de vor der Naht 2,
hinter derselben 3, a vor dem Schildchen ein Paar, welches der vorigen
Art fehlt. Hinterleib genau wie bei barbitarsis. Beine schwarz, Pulvillen
und Klauen verlängert; Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen
hinten mit 2, Hinterschienen außen abgewandt und innen abgewandt
mit je 1 Borste. Flügel schwach bräunlich tingiert, der Vorderrand
von der Wurzel an bis zum Ende der 2. Längsader ziemlich intensiv
geschwärzt, 1. Längsader ganz nackt, 3. an der Wurzel mit 4—5 kleinen
Börstchen, 4. Längsader am Ende deutlich aufgebogen, Schüppchen
gelblichweiß, bisweilen schmutziggelb gesäumt, Schwinger gelb. —
Beim Weibchen sind die Flecke des Hinterleibs sehr breit und zusammen-
geflossen, im übrigen gleicht es dem Männchen. Länge 8—9 mm.
l Männchen und 2 Weibchen vom Pichisweg 2. 1. 04.
3. L. gracihitarsis sp. nov. Auch diese Art steht den vorigen sehr
nahe, ist aber etwas kleiner und schlanker. Augen eng zusammenstoßend,
Fühlerborste kaum pubeszent. Thoraxrücken tiefschwarz; betrachtet
man ihn aber ganz schräg von hinten, so zeigt sich eine breite schwarze
Mittelstrieme, die zu beiden Seiten von dunkelbräunlicher Bereifung
eingefaßt wird, eine breite Strieme von den Schulterbeulen bis zur
Flügelwurzel weißgrau bestäubt. Auch der hintere Teil des Thorax
vor dem Schildehen ist zu beiden Seiten graulich bestäubt. de 3,
a vor dem Schildchen 1 Paar. Hinterleib wie bei den vorigen Arten
geformt und gezeichnet. Beine schwarz, Pulvillen und Klauen kurz.
Die Vordertarsen sind ziemlich dünn und schlank und bedeutend länger
als die Schiene, im übrigen einfach. Beborstung wie bei der vorigen Art,
Hinterschenkel unterseits zugekehrt etwa von der Mitte bis zur Spitze
mit einer Reihe nicht sehr langer Borsten. Flügel rauchbräunlich,
Vorderrand intensiver, 4. Längsader am Ende aufgebogen, hintere
Querader ziemlich steil und gerade, 1. Längsader am Ende, 3. bis zur
kleinen Querader, aber sehr weitläufig beborstet, Schüppchen schmutzig
weiß mit schwärzlichem Saum, Schwinger gelb. — Die Stirn des
Weibchens ist breit, die Thoraxstriemen getrennt, die mittlere weniger
schwarz als die seitlichen, die Hinterleibsflecke ausgebreiteter, aber
nicht zusammengeflossen, sondern durch eine deutliche graue Mittel-
linie getrennt, die Beine einfach, die Tarsen kräftig und nicht verlängert.
Länge etwa 7 mm. »
2 Männchen vom Pichisweg 1. 1. 04 und 1 Weibchen aus Lorenzo-
pata 29. 4. 03.
4. L..alacris sp. nov. Die nicht auffallend hohen und ziemlich breiten
Augen stoßen oben fast aufs engste zusammen, indem sie nur durch eine
linienförmige schwarze Strieme etwas getrennt sind. Stirn und Wangen
ragen nur in feiner Linie vor, der Mundrand ist etwas vorgezogen,
die Backen mäßig breit, der Hinterkopf unten gepolstert. Fühler
etwas kürzer als das Untergesicht, Borste kurz behaart, Taster faden-
förmig, schwarz. Thorax aschgrau bestäubt mit einem Schein ins
Bräunliche, 3 breite Striemen, die unmittelbar hinter der Naht durch
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 17
eine Querbinde verbunden sind, schwarz; bei manchen Stücken ist
die Querbinde durch 2 feine, die Mittelstrieme einfassende grau be-
stäubte Längslinien etwas unterbrochen; de 4. Schildehen wie der
Thorax bestäubt, mit einem schwarzen Basalfleck. Hinterleib länglich,
kaum etwas länger als Thorax und Schildehen, wie der Thorax be-
stäubt, 1. Ring mit einem Paar rundlicher, 2. und 3. Ring mit einem
Pasr dreieckiger Flecke, deren Spitze nach vorn und deren Basis nach
hinten gerichtet ist, 4. Ring mit einer braunen Mittellinie. Der ganze
Hinterleib ist fein abstehend behaart, vom Hinterrand des 3. Ringes
an stärker beborstet. Beine schwarz, Pulvillen und Klauen verlängert;
Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen hinten mit 2, Hinterschienen
außen abgewandt und innen abgewandt mit je 1 Borste, Hinterschenkel
unterseits zugekehrt der ganzen Länge nach mit einer Reihe ziemlich
langer, aber nicht sehr starker Borsten. Flügel ganz schwach graulich,
ohne Randdorn, 4. Längsader schwach aufgebogen, hintere Querader
steil und schwach geschwungen, 1. Längsader nackt, 3. nur an der
Basis mit 2 kurzen und feinen Börstchen, Schüppchen weißlich,
Schwinger gelblich. — Das Weibchen hat eine breite Stirn und die
Längsstriemen des Thorax sind scharf getrennt und durch keine Quer-
binde verbunden. Länge 6,5 mm.
8 Männchen und 2 Weibchen aus Sorata, 19. 12.—22. 12. 02.
5. L. breviseta sp. nov. g. Die Art ist der vorigen außerordentlich
ähnlich, und ich würde sie kaum für verschieden halten, wenn nicht die
anzuführenden Unterscheidungsmerkmale sich bei sämtlichen Stücken
fänden. Die Augen sind entschieden etwas mehr getrennt, die Thorax-
striemen breiter und ganz vorn sich fast vereinigend, die Querbinde
hinter der Naht ist viel undeutlicher, die Mittelstrieme bis zur Spitze
des Schildchens fortgesetzt, so daß nur die Seitenränder desselben
grau bestäubt sind, und die Hinterschenkel sind unterseits zugekehrt
nur von der Basis bis zur Mitte mit einer lockeren Reihe kurzer Börstehen
versehen. — Das Weibchen wird sich kaum von dem der vorigen Art
unterscheiden lassen.
5 Männchen von Lorenzopata 30. 4.—1. 5.03 und Cuzco VII. 03.
6. L. plumiseta sp.nov. Augen ziemlich hoch und schmal, über der
Mitte etwas breiter als unten, oben aufs engste zusammenstoßend, so
daß sich die linienartigen silbergrau bestäubten Orbiten berühren. Stirn
und Wangen nur in feiner Linie vorragend, Mundrand deutlich
vorgezogen, vorn schief abgeschnitten, Backen schmal, Hinterkopf
unten gepolstert. Fühler ziemlich lang, schwarz, mit sehr lang ge-
fiederter Borste, wodurch allein die Art von allen andern zu unter-
scheiden ist, Taster sehr dünn, schwarz. Thorax schwarz, ein breiter
Streifen von den Schulterecken bis zur Flügelwurzel dicht weißgrau
bestäubt, die in der Mitte unterbrochene Quernaht, 2 kurze Mittel-
längsflecke unmittelbar am Vorderrand und die hintere Hälfte des
hinter der Naht befindlichen Thoraxteiles ebenfalls grau bestäubt,
aber nicht ganz so hell. Von der hinter der Naht befindlichen tief-
schwarzen Querbinde erstreckt sich eine breite bräunliche Mittel-
strieme bis zum Schildehen, während auch rechts und links davon
118 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
kurze bräunliche Fortsätze sich befinden. Das Schildehen ist schwaızz,
Spitze mehr oder weniger grau bestäubt; de 4, die vorderen beiden
viel kürzer und feiner. Hinterleib länglich, so lang wie Thorax und
Schildehen, etwas breiter wie der Thorax, dicht hell bräunlichgrau
bestäubt, ein Paar undeutlicher kleiner Flecke auf Ring 1, je 2 große
dreieckige Flecke auf Ring 2 und 3, deren breite Basis den Hinterrand
berührt, während die Spitze an den vorhergehenden Ring stößt, tief-
schwarz, ein Mittellängsfleck auf Ring 4, der die ganze Ringlänge
einnimmt, und je ein Seitenfleck schwarzbraun. Vom Hinterrand
des 3. Ringes an ist er abstehend beborstet, bis dahin sehr kurz und
ziemlich dicht abstehend behaart. Beine schwarz, Pulvillen und Klauen
etwas verlängert; Beborstung wie bei alacris, aber die Hinterschenkel
unterseits zugekehrt sind nur mit einigen kürzeren Borsten versehen.
Flügel schwach bräunlich tingiert, ohne Randdorn, 4. Längsader an
der Spitze deutlich aufgebogen, hintere Querader schief und grade,
l. Längsader in der Regel ganz nackt, 4. an der Basis mit einigen sehr
kurzen Börstchen, Schüppchen weiß, Schwinger gelblich. Länge 6 mm.
2 Männchen von der Pachiteamündung 4. 11.—6. 11. 03.
7. L. laeta sp. nov. &. Augen durch eine schmale schwarze Strieme
und linienförmige gelbgrau bestäubte Orbiten recht deutlich getrennt, so
daß die Frontoorbitalborsten sich in der Zahl von 5—6 jederseits bis
über die Mitte erstrecken. Stirn und Wangen etwas vorragend, Mund-
rand vorgezogen und schief abgeschnitten, etwas mehr voıstehend
als die Stirn, Backen etwa !/, der Augenhöhe messend, Hinterkopf
unten ziemlich stark gepolstert. Fühler kürzer als das Untergesicht,
3. Glied etwas über doppelt so lang als das 2., Borste nackt, im Basal-
drittel deutlich verdickt, Taster fadenförmig, schwarz. Thorax dunkel-
braun, eine breite Strieme von den Schulterbeulen bis zur Flügel-
wurzel hell gelblichgrau bestäubt, 2 schmale Längslinien, die über die
Dorsozentralborsten laufen und vom Vorderrand bis zur Naht sich
erstrecken, vorn bräunlich-, hinten gelblichgrau, der hintere Teil des
Thorax mit Ausnahme einer breiten bis zum Schildchen reichenden
Mittelstrieme ebenfalls gelblich grau bestäubt; de 4, die vorderen beiden
etwas kleiner. Schildchen schwarzbraun mit gelblichbrauner Spitze
und Seitenrändern. Hinterleib wie bei der vorigen Art, der letzte Ring
aber oft ganz ungefleckt oder wenigstens mit kleineren, sich nicht
scharf abhebenden Flecken. Beine schwarz, Pulvillen und Klauen
etwas verlängert. Beborstung wie bei den vorigen Arten, die Hinter-
schenkel sind aber unterseits abgewandt mit einer kontinuierlichen
Reihe nicht sehr langer, aber ziemlich kräftiger Borsten versehen,
während sie zugekehrt von der Basis bis etwas über die Mitte
mit einer Anzahl ziemlich langer Borsten besetzt sind. Flügel
gelblichgrau, ohne Randdorn, 4. Längsader an der Spitze nur sehr
schwach aufgebogen, hintere Querader schief und fast ganz gerade,
1. Längsader nackt, 3. nur an der Basis mit 2—3 Börstchen, Schüppchen
weißlichgelb, Schwinger gelblich. Länge 5,5—6 mm.
Drei vollkommen übereinstimmende Männchen aus Quillota
20, 9.02 und Coquimbo 23. 9. 02,
|
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 119
8. L. integra sp. nov. Augen nur durch eine linienartige schwarze
Strieme kaum etwas getrennt, Stirn und Wangen ein wenig vorragend,
Mundrand deutlich vorgezogen und schief abgeschnitten, Backen !/,—!/,
der Augenhöhe messend, Hinterkopf unten’ gepolstert. Fühler kürzer
als das Untergesicht, schwarz, Borste an der Basis schwach verdickt,
nackt, Taster fadenförmig, schwarz. Thorax hell aschgrau bestäubt,
3 Längsstriemen, von denen die seitlichen sehr breit sind, indem sie
sich von den Dorsozentralborsten bis oberhalb der Schulterecken
und weiter hinten bis zur Flügelwurzel erstrecken, während die mittlere
schmälere genau den Raum zwischen den zweireihigen äußerst kurzen
und feinen Akrostichalbörstchen einnimmt, schwarz und recht scharf
begrenzt; de 4, die vorderen nur wenig kleiner. Schildchen grau
bestäubt, ein mittlerer breiter Streifen als Foıtsetzung der Thorax-
mittelstrieme und je ein Seitenfleck schwärzlich. Bei einigen Stücken,
die sich in den plastischen Merkmalen aber durchaus nicht von den
übrigen unterscheiden, ist der hintere Teil der Thoraxmittelstrieme
breiter, so daß er von den Seitenstriemen nur wenig getrennt ist.
Hinterleib ziemlich verlängert und fast streifenförmig, nach hinten
nur wenig schmäler werdend. Es ist dicht gelblichgrau bestäubt und
trägt auf Ring 1 ein Paar rundlicher oder rechteckiger, auf Ring 2 und 3
je ein Paar dreieckiger schwarzer Flecke, deren schmale Basis dem
Hinterrand anliegt, während die Spitze an den vorhergehenden Ring
anstößt; bei einigen Stücken erweitert sich die Basis so, daß sie binden-
artig bis zu den Seiten des Hinterleibs reicht. 4. Ring einfarbig grau
bestäubt oder mit 2 kurzen, schmalen, verloschenen Längsstriemen.
An den Seiten ist der Hinterleib ziemlich lang behaart und beborstet,
vom Hinterrand des 3. Ringes auch oberseits mit verhältnismäßig
langen abstehenden Borsten besetzt. Beine schwarz, ziemlich schlank,
Pulvillen und Klauen mäßig verlängert; Beborstung der Schienen
die gewöhnliche, Hinterschenkel unterseits zugekehrt fast ganz nackt,
abgewandt mit nur einigen kurzen Borsten vor der Spitze. Flügel
ganz schwach graulich tingiert, an der Basis mehr oder weniger
deutlich gebräunt, Randdorn fehlt, 4. Längsader am Ende deutlich
aufgebogen, hintere Querader schief und kaum geschwungen, 1. Längs-
ader am Ende, 3. bis zur kleinen Querader, aber sehr weitläufig be-
borstet, Schüppchen weißlich, Schwinger gelblich. — Bei dem einzigen
Weibchen, das durch die Form der Thoraxstriemen als zugehörig
zu erkennen ist, fließen. die Hinterleibsflecke hinten zusammen.
Länge 6,5 mm.
7 Männchen und 1 Weibchen aus La Paz (Bolivia) 30. 11.,
6.12.02 und Sorata 20. 12. 02.
9. L. purasp. nov. 3. Die Art gleicht im Bau des Kopfes, Zeichnung
des Thorax, Form des Hinterleibs, Beborstung der Beine, Flügelfärbung
und Aderverlauf vollständig der vorigen. Der einzige plastische Unter-
schied ist das Vorhandensein von nur 3 Dorsozentralborsten hinter
der Naht. Das Schildchen ist ganz schwarz und nur an der Spitze
schwach graulich bestäubt. Der 1. Hinterleibsring ist ganz schwarz
und zeigt nur eine feine grau bestäubte Mittellinie, die Flecke des
120 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
2. und 3. Ringes sind fast rechteckig und erweitern sich hinten zu
Querbinden, die bis auf die Seiten des Hinterleibs reichen. Die beiden
letzten Ringe tragen ganz auf die Seite gerückt jederseits noch eine
ziemlich breite schwarze Längsstrieme, die der vorigen Art ganz fehlt.
Der letzte Ring trägt eine breite Mittelstrieme, die zuweilen durch
eine feine grau bestäubte Linie geteilt ist. Alles übrige wie bei integra.
2 Männchen aus dem Laristal 10. 8. 03 und von Tarma 19. 1. 04.
10. L. trichops sp.nov. Durch die dicht und lang behaarten, oben
eng zusammenstehenden Augen, die den ganzen Kopf einnehmen, leicht
von anderen Arten zu unterscheiden. Fühlerborste kurz pubeszent,
Rüssel kürzer als bei den bisher beschriebenen Arten. Thorax und
Schildchen tief schwarzbraun, stumpf, ohne jede Striemung, auch die
Brustseiten nicht heller bestäubt; de 4, Hinterleib länglich, nach hinten
etwas zugespitzt, mit dunkelbraungrauer Bestäubung, die aber nur ganz
von hinten gesehen deutlich ist; bei derselben Betrachtung heben
sich auf den 3 letzten Ringen paarige rechteckige schwarze Flecke
ab, die auf den einzelnen Ringen immer schmäler werden und durch
eine feine grau bestäubte Linie getrennt sind, während der 1. Ring
nur 2 kleinere braune Flecke trägt. Beine schwarz, Pulvillen und
Klauen kurz; Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen hinten mit 1,
Hinterschienen außen abgewandt und innen abgewandt ebenfalls
mit je 1 Borste. Flügel deutlich angeräuchert, der Vorderrand bis zum
Ende der 2. Längsader intensiv gebräunt, 3. und 4. Längsader schwach
divergierend, diese ganz grade verlaufend, hintere Querader steil und
gerade, 1. und 3. Längsader nackt, Schüppchen weißlichgelb, ganz
wenig angeräuchert, Schwinger gelblich. — Die Augen des Weibchens
sind ebenfalls, aber viel kürzer behaart, die Stirn breit, Thorax und
Schildehen nicht so dunkel schwarzbraun und der Hinterleib mehr
zugespitzt, seine Bestäubung noch geringer und die Flecke größer und
undeutlicher, aber doch ziemlich scharf begrenzt. Die Flügel sind mehr
glashell, so daß sich die Bräunung des Vorderrandes noch schärfer
abhebt als beim Männchen.
3 Männchen und 5 Weibchen aus dem Laristal 10. 8. 03, Chan-
chamayo 18.1.04 und Tarma 19.1.04. In Garlepp’s Sammlung
findet sich 1 Männchen aus Sorata V. 03.
11. L. elegans sp. nov.9. Die auch im weiblichen Geschlecht lang be-
haarten, fast halbkugligen Augen sind durch eine sehr breite schwarz-
graue Mittelstrieme und schmale, sich kaum davon abhebende Orbiten
getrennt, Stirn ziemlich deutlich, Wangen weniger vorragend, während
der Mundrand wieder etwas mehr vorgezogen ist, Backen mäßig breit,
Hinterkopf unten stark gepolstert. Fühler kurz, 3. Glied nur wenig
länger als das 2., schwarz, Borste nackt, an der Basis deutlich verdickt,
Taster ziemlich kräftig, fast keulenförmig, behaart, nebst dem ebenfalls
ziemlich kräftigen, aber nicht sehr langen Rüssel schwarz. Thorax
auf dem Rücken dunkler, an den Seiten heller grau, mit undeutlichen
feinen schwarzen Striemen, die sich aber bei beiden vorliegenden
Stücken nicht genau verfolgen lassen; von hinten bemerkt man etwa
5 feine Linien. Schildehen weißgrau, an der Basis jederseits ein
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 121
sammetschwarzer Fleck; de 4, vor der Naht ein Paar deutlicher a.
Hinterleib eiförmig, hinten zugespitzt, flach gedrückt, ebenfalls weiß-
grau bestäubt, 1. Ring bei einem Stück bis auf die Seiten der Vorder-
ränder ganz schwarz gefärbt, beim andern grau mit einem undeutlichen
Paar schwarzer Flecke, 2. und 3. Ring mit je einem Paar tiefschwarzer
dreieckiger Flecke, die sich hinten zu Hinterrandsbinden erweitern
und nur durch eine schmale graue Mittellinie getrennt sind. Beine
schwarz, Vorderschienen mit 1, Mittelschienen außen vorn mit 1,
hinten mit 3, Hinterschienen außen abgewandt mit 4—5 längeren
Borsten, zwischen denen sich noch kürzere finden, innen abgewandt
mit 2 kürzeren Borsten. Flügel graulichweiß, an der Basis etwas
schwärzlich, beide Queradern schwärzlich gesäumt, die hintere aber so,
daß sich an ihrem oberen u. unteren Ende je ein schwarzer Punkt
findet, Randdorn fehlt, 3. und 4. Längsader schwach divergierend,
hintere Querader schief und kaum geschwungen, Schüppchen weiß,
Schwinger gelblich. Länge ca. 6 mm.
1 Weibehen aus den Kordilleren Bolivias 4—5000 m 15. 5. 03 und
1 von Garlepp gefangenes Weibchen aus Sorata 24. 5. 03.
12. L. hirticeps sp. nov. Die Art gehört mit der vorigen und der
nächstfolgenden in dieselbe Verwandtschaft. Alle hierher gehörigen
Arten zeichnen sich durch die auch im männlichen Geschlecht mehr oder
weniger breit getrennten Augen, die kurzen Fühler mit nackter Borste,
den länglichen bis eiförmigen ziemlich flach gedrückten Hinterleib,
die reichlicher beborsteten Schienen und den Verlauf der 3. und
4. Längsader aus, die stets etwas divergieren. Die lang behaarten
Augen der vorliegenden Art sind durch eine schmale schwarze Strieme
und ganz feine Orbiten deutlich, wenn auch nicht bedeutend getrennt,
im übrigen Bau des Kopfes, Länge und Farbe der Fühler, Taster und
des Rüssels wie bei der vorigen Art. Thorax tiefschwarz und stumpf,
doch bemerkt man vielleicht bei frischen Stücken, daß die schwarze
Färbung durch Zusammenfließen von 3 breiten Striemen entstanden
ist. Beborstung des Thorax wie bei elegans. Hinterleib länglich, flach
gedrückt, dicht weißgrau bestäubt, 1. Ring und sehr ausgebreitete
trapezförmige Flecke des 2. und 3. Ringes, für deren Zusammenfließen
aus paarigen Rückenflecken bisweilen eine ganz feine grau bestäubte
Mittellinie spricht, tiefschwarz, letzter Ring mit kleinerem Mittelfleck.
Beine schwarz, Pulvillen und Klauen kaum verlängert; Vorderschienen
mit 1, Mittelschienen vorn außen mit 1, hinten mit 2 Borsten, Hinter-
schienen außen abgewandt mit etwa 4, innen abgewandt mit 2 Borsten.
Flügel schwach graulich, ohne Randdorn, Basis bis etwas über die
l. Kostalzelle hinaus schwarz gefärbt, 3. und 4. Längsader fast parallel,
hintere Querader schief und grade, Schüppchen weiß, Schwinger
schwarz. — Das Weibchen hat eine sehr breite schwarze, hinten tief
ausgeschnittene Stirnmittelstrieme und schmale bräunlich grau
bestäubte Orbiten, der Thorax ist graulich bereift und läßt vor der Naht
meist 4 breite Striemen erkennen, von denen die mittleren oft zusammen-
geflossen sind, während hinter der Naht 3 etwas schmälere schwarze
Striemen zu bemerken sind. Die Flecke des Hinterleibes sind meist
122 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
paarig. Im übrigen gleicht es dem Männchen und ist durch die dichte
und lange Behaarung der Augen sofort als zugehörig zu erkennen.
Länge 5 mm.
7 Männchen und 10 Weibehen vom Titicacasee (Peru Puno) 18. 11.
bis 21.11.02, vom Titicacasee (Bolivia) 29.5.03 und aus Sieuani
(Peru) 14. 6.—20. 6. 03.
Anmerkung: Ein in Peru-Oroya 4000 m 22. 1. 04 gefangenes
Pärchen unterscheidet sich nur dadurch von der vorbeschriebenen
Art, daß der Thorax in beiden Geschlechtern dichter grau bestäubt
ist, wodurch auch beim Männchen die Striemen ziemlich scharf hervor-
treten; auch sind die trapezförmigen Flecke des Hinterleibes beim
Männchen durch eine ziemlich deutliche feine graue Linie geteilt. In
den übrigen Merkmalen stimmt dieses Pärchen aber vollständig mit
hirticeps überein, so daß ich nicht wage, es auf die bloßen Färbungs-
unterschiede hin für neu auszugeben. j
13. L. pubiceps sp.nov. Die Arthatmit der vorigen diegrößteÄhnlich-
keit, wird aber durch die folgenden Merkmaleleicht zu unterscheiden sein.
Die Augen sind kürzer und lockerer behaart, der Thorax ist nicht tief-
schwarz, sondern zeigt stets dünne dunkelgraue Bestäubung, von der
sich deutlich, wenn auch nicht sehr scharf, 3 schwarze Striemen
abheben, von denen die seitlichen über die Dorsozentralborsten laufen;
bei ganz reinen Stücken dürften sogar 5 feine Striemen auf dem Thorax
wahrzunehmen sein. Die Akrostichalborsten, die bei den vorher-
gehenden Arten kräftig sind, sind hier nur fein und unterscheiden
sich wenig von der Grundbehaarung. Der Hinterleib ist noch breiter
eiförmig, und die graue Bestäubung geht auf dem letzten Ring ins
Messinggelbe über. Vorderschienen mit 1 Borste, Mittelschienen
außen vorn mit 1, hinten mit 2, von denen die eine etwas nach innen
gerückt ist, und innen, mehr nach der Spitze zu, mit noch einer Borste,
welche für die Art besonders charakteristisch ist; außerdem sind die
Mittelschienen ‘außen der ganzen Länge nach mit schräg abstehenden
Borstenhaaren bewimpert. Hinterschienen außen abgewandt der
ganzen Länge nach mit zahlreichen abwechselnd längeren und kürzeren,
ziemlich femen Borsten besetzt, innen abgewandt mit 1—2, Hinter-
schenkel unterseits dem Körper zugekehrt nackt. Flügelfärbung und
Verlauf der Adern wie bei der vorigen Art. — Das Weibchen gleicht
bis auf die gewöhnlichen Unterschiede dem Männchen, hat namentlich
genau dieselbe Thoraxfärbung und Zeichnung und ist durch die Borste
auf der Innenseite der Mittelschienen sofort als zugehörig zu erkennen.
Die Hinterleibsflecke sind im Gegensatz zu hirticeps ebenfalls trapez-
förmig und der letzte Ring wie beim Männchen schwach messinggelb
bestäubt.
1 Männchen und 3 Weibchen vom Titicacasee (Peru-Puno) 18. 11.
bis 21.11.02 und vom Titicacasee (Bolivia) 29. 5. 03.
14. L. nigribasissp.nov. Diese Art gleicht in Gestalt, Zeichnung
und Färbung bis ins Kleinste der vorigen, unterscheidet sich aber leicht
durch folgende Merkmale. Die Augen sind vollständig nackt, oder
höchstens mit sehr vereinzelten Härchen versehen, die Mittelschienen
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 123
tragen innen keine Borste, die 3. und 4. Flügellängsader divergieren
ziemlich stark, die Flügel sind an der äußersten Basis geschwärzt und
die Schwinger gelb. — Das Weibchen unterscheidet sich durch dieselben
Merkmale von dem der vorigen Art.
12 Männchen und verschiedene Weibchen vom Titicacasee,
Tiahuanaco (Bolivia) 10. 2. 02, aus den Kordilleren Boliviens 4—5000 m
15. 5. 03, Sieuani 17. 6. 03, Cuzco VII. 3.8.03, Tarma 20. 1.04 und
Oroya 22. 1. 04.
Anmerkung: Emige m Arequipa 15.11.02 und La Paz
8.12.02 gefangene Männchen sind ein wenig heller grau bestäubt,
haben meist 2 Borsten an den Vorderschienen und das letzte Glied der
Vordertarsen, in geringem Grade auch das der übrigen Tarsen, ist
deutlich etwas verbreitert und die Flügelbasis nur ganz schwach
gelblich gefärbt. Ich will es dahingestellt sein lassen, ob es eine neue
Art ist oder nur eine Abänderung der vorigen. Die Weibchen beider
wird man nicht unterscheiden können.
15. L. abnorminervis sp. nov. Auch diese Art gleicht den beiden
vorigen außerordentlich. Sie hat nackte Augen, die noch ein klein wenig
mehr getrenntsind, die Backen sind mit zahlreichen und dichten teils
abwärts teils aufwärts gerichteten Borsten besetzt, die Taster ent-
schieden etwas länger und kräftiger. Die schwarzen Flecke des Hinter-
leibes sind so ausgebreitet, daß man ihn als sammetschwarz bezeichnen
kann, während nur die Vorderränder der 3 letzten Ringe an den Seiten
weißgrau bestäubt sind. Die Beborstung der Beine gleicht im allge-
meinen der der übrigen Arten, nur sind die Mittelschienen außen
kurz bewimpert und tragen ebenfalls außen, aber teils nach vorn teils
nach hinten gerückt dazwischen einige längere Borsten. Die Hinter-
schenkel sind unterseits zugekehrt mit einigen längeren Borsten
versehen. Die Flügel sind intensiv graulich tingiert, die äußerste Basis
geschwärzt; beide Queradern sind schwach, aber deutlich gebräunt,
die untere hauptsächlich an ihrem obern und untern Ende. Charakte-
ristisch für die Art scheint zu sein, daß sich oberhalb der hintern Quer-
ader ein kleiner Aderfortsatz findet, der teils die unmittelbare Ver-
längerung der Querader ist, teils sich etwas davor oder dahinter
befindet; auch dieser Queraderfortsatz ist braun gesäumt. Die hintere
Querader ist stark geschwungen, 3. und 4. Längsader deutlich diver-
gierend, Schüppchen schmutzigweiß, bisweilen mit verdunkeltem
Rand, Schwinger verdunkelt, aber nicht schwarz. — Das Weibchen
ist an der Aderbildung zu erkennen und unterscheidet sich kaum vom
Männchen.
2 Männchen und 1 Weibchen vom Titicacasee (Bolivia-Guaqui)
4. 6.03 und aus dem Laristal 8. 8.03. Sie zeigen sämtlich auf beiden
Flügeln den erwähnten Aderanhang.
16. Z. triplex sp. nov. Kopf genau wie bei nigribasis u. den ähnlichen
Arten. Thorax aschgrau bestäubt mit 3 scharf ausgeprägten schwarzen
Striemen, von denen die mittlere schmälere über die Akrostichal-
borsten läuft und sich nicht auf das Schildehen fortsetzt, während
die breiten Seitenstriemen, die sich vorn von den Dorsozentralborsten
124 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
bis oberhalb der Schulterbeulen und hinten bis zur Flügelwurzel
erstrecken, auch auf das Schildchen übergehen, so daß dieses grau
gefärbt ist mit breiten schwarzen Seitenflecken; de 4, a zweireihig,
feinhaarig, ganz vorn ein Paar etwas längerer. Hinterleib länglich,
kaum breiter als der Thorax und entschieden schmäler als bei nigribas:s ;
er ist grau bestäubt und trägt eine braune Mittelstrieme und auf den
ersten 3 Ringen je ein Paar vorn schmälerer, hinten breiter werdender
schwarzer Flecke, die die ganze Länge der Ringe einnehmen und deren
Hinterrand sich als schmale Binde bis zu den Seiten des Hinterleibes
fortsetzt, letzter Ring mit einem schwarzen Rückenstreifen. Beine
schwarz, Pulvillen und Klauen kaum verlängert; Vorderschienen mit 1,
Mittelschienen hinten mit 2—3, Hinterschienen außen abgewandt
mit 2—3 längeren, innen abgewandt mit 2—3 kürzeren Borsten,
Hinterschenkel unterseits zugekehrt mit einigen kurzen Borsten.
Flügel graulich, an der Basis geschwärzt, 3. und #4. Längsader diver-
gierend, hintere Querader schief und etwas geschwungen, 1. und 3. Längs-
ader nackt, Schüppchen weißlich mit schwach gelblichem Saum,
Schwinger gelb. — Das Weibchen ist durch die Zeichnung des Thorax
und Hinterleibes sofort als zugehörig zu erkennen; die Mittelschienen
tragen auch außen vorn eine kleine Borste. Länge 6 mm.
9 Männchen und 10 Weibchen aus Palea 15. 10.—26. 10. 02, Titi-
cacasee (Bolivia) 1.6.03 und Cuzco 15. 6., 17. 6. 05.
17. 8. propinqua sp.nov. d. Die Art ist der vorigen ähnlich und
gleicht der von mir in den Ann. Mus. Nat. Hung. II. 466. 7 beschriebenen
L. atrisquama so außerordentlich, daß ich es, trotzdem mir 2 voll-
ständig übereinstimmende Stücke vorliegen, doch nicht für aus-
geschlossen halte, daß es nur eine Abänderung derselben ist. Sie ist
etwas kleiner (7 mm) und ein wenig heller, so daß sowohl die Thorax-
striemen als die Hinterleibsilecke deutlicher hervortreten. Die
Schüppchen sind nicht tiefschwarz, sondern schwärzlich angeräuchert
mit schwarzem Saum. Der Hauptunterschied liegt aber in der Be-
borstung der Beine, die im allgemeinen dürftiger ist. Die Vorder-
schienen tragen nur eine lange und feine Borste, während sich bei
atrısquama regelmäßig 2—3 an dieser Stelle befinden, die Mittelschienen
sind fein gewimpert und tragen hinten ebenfalls nur 1 feine Borste,
während sie bei atrisguama außen vorn und außen hinten mit je
2—3 Borsten besetzt sind. Die Mittelschenkel, die bei dieser der ganzen
Länge nach unterseits mit kräftigen, wenn auch nicht sehr langen
Borsten versehen sind, sind hier nur fein und kurz gewitnpert und die
Hinterschenkel endlich sind unterseits zugekehrt fastganz nackt, während
sie bei atrisguama in beiden Geschlechtern mit einer Reihe kräftiger
Borsten bewehrt sind. Alles übrige wie bei der genannten Art, deren
ausführliche Beschreibung ich unten wiederholen werde.
2 Männchen aus dem Laristal 8. 8. 03.
Anmerkung: Die vorstehende Art und atrisguama gehören
nebst propingua in die nächste Verwandtschaft der von mir in der Berl.
ent. Zeitschr. XLII. 205. 4 (1897) beschriebenen aeguifrons. Letztere
unterscheidet sich von propingua durch die hellere Färbung, ganz
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 125
weiße Schüppchen, gelbe Schwinger und besonders dadurch, daß die
Mittelschenkel unterseits mit einer Reihe kräftiger Borsten besetzt sind.
18. L. laevis sp.nov. Ist ebenfalls denvorhergehenden Arten nahe ver-
wandt. Augen ziemlich hoch und schmal, nackt, durch eine deutliche
schwarze Strieme und sehr schmale hellgelbgrau bestäubte Orbiten etwas
weniger getrennt als bei propingua. Stirn nur wenig vorragend, Wangen
gar nicht, Mund nicht vorgezogen, ; Backen ziemlich schmal, sämtliche
Teile seidenartig gelblich schimmernd. Fühler etwas kürzer als das
Untergesicht, schwarz, Borste nur an der Basis verdickt und hier
schwach pubeszent, Taster schwach keulenförmig und behaart, schwarz.
Thorax dunkel schokoladenbraun, stumpf, die Brustseiten heller und
2 sehr schmale Längslinien dunkler hellgrau bestäubt, so daß man auch
sagen kann: Thorax gelbgrau bestäubt, 3 breite Striemen, von denen
die mittelste schmäler und nur wenig von den seitlichen getrennt ist,
schokoladenbraun; de 4, im übrigen deı Thorax außer den gewöhnlichen
Borsten nackt. Hinterleib kurz eiförmig, etwas mehr gewölbt als bei
den andern Arten, fast nackt, nur der letzte Ring mit abstehenden
Borsten. Betrachtet man ihn ganz schräg von hinten, so zeigt er sich
schwach hellbräunlich bestäubt, und man erkennt eine feine dunkel-
braune Rückenlinie und auf Ring 2 und 3 je ein Paar großer, fast die
ganze Länge der Ringe einnehmender und sich bis auf die Seiten
erstreckender, aber nicht sehr scharf abhebender Flecken. Beine
schwarz, Pulvillen und Klauen nur wenig verlängert; Vorderschienen
mit 1 sehr feinen und kurzen Borste, Mittelschienen mit 1 längeren Borste
außen vorn im Anfang des letzten Drittels und 1 kleinere hinten in
der Mitte, Hinterschienen außen abgewandt mit 2 ziemlich langen
Borsten, von denen sich die eine in der Mitte, die andere zwischen
Mitte und Spitze befindet, innen abgewandt mit 1—2 kürzeren Borsten.
Flügel schwach graulich, ohne Randdorn, 3. und 4. Längsader diver-
gierend, wobei aber die 4. ganz grade verläuft, hintere Querader schief
und “etwas geschwungen, Schüppchen schmutzig weiß mit schwarz-
braunem Saum, Schwinger etwas gebräunt. — Das Weibchen hat eine
nur wenig breitere Stirn und emen etwas zugespitzten Hinterleib mit
ähnlicher, aber nochyweniger scharf{ausgeprägter Zeichnung. Länge
6,5 mm. :
1 Männchen und 2 Weibchen aus Chanchamayo 11.1. u. 14. 1. 04.
19. L. gracılis sp.nov. Inder Bildung des Kopfes nähert sich diese
Art den vorhergehenden, unterscheidet sich aber sofort durch den
auffallend lang gestreckten Hinterleib. Die Augen sind durch eine
ziemlich breite schwarze, hinten nur wenig ausgeschnittene Mittelstrieme
und weiß schimmernde, sehr schmale Orbiten deutlich getrennt, Stirn
und Wangen ragen merklich vor und sind wie die Orbiten bestäubt,
bei gewisser Betrachtung mit schwärzlichem Schimmer. Die Fronto-
orbitalborsten sind lang, fein und zahlreich und verlaufen in gleicher
Länge bis zum Scheitel. Fühler und Taster wie bei den vorigen Arten,
Borste nackt, an der Basis deutlich verdickt. Thorax und Schildchen
blaulich aschgrau, stumpf, Brustseiten heller grau, 3 breite Längs-
striemen, von denen die mittlere schmälere grade über die Akrostichal-
126 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
borsten läuft und etwas deutlicher ist, während die seitlichen breiteren
kaum etwas dunkler sind als die Grundfärbung und sich darum nur
bei gewisser Betrachtung schwach abheben, grau; de 4, im übrigen
Thorax und Schildehen mit ziemlich langen und feinen abstehenden
Haaren besetzt. Hinterleib schmal, fast walzenförmig, ziemlich be-
deutend länger als Thorax und Schildchen zusammen. Die ersten
Ringe sind dicht, aber kurz abstehend behaart, der letzte abstehend
beborstet. Er ist von demselben helleren Grau wie die Brustseiten und
läßt ganz schräg von hinten gesehen eine feine graue Mittellinie und
auf Ring 2 und 3 sehr verschwommene paarige graue Flecke, die der
Mittellinie sehr genähert sind, nur undeutlich erkennen. Beine schwarz,
grau bestäubt, Pulvillen und Klauen kaum verlängert; Vorderschienen
mit 1, Mittelschienen hinten mit 2 Borsten, von denen die obere in
der Mitte steht, im übrigen die Mittelschienen namentlich innen mit
kurzer Behaarung, Hinterschienen außen abgewandt mit 1 Borste
auf der Mitte, im übrigen fein und ziemlich weitläufig bewimpert, innen
abgewandt mit mehreren kürzeren Borsten. Flügel ganz schwach
graulich, ohne Randdorn, 3. und 4. Längsader divergierend, hintere
Querader schief und fast grade, Schüppchen weiß, Schwinger gelblich.
— Die Stirn des Weibchens ist noch breiter, namentlich auch die
Örbiten, die Grundbehaarung des Thorax kürzer, der Himterleib nur
wenig verlängert, eiförmig, hinten zugespitzt, mit ähnlicher Zeichnung,
nur sind die Flecke kleiner und weiter getrennt. Alles übrige wie beim
Männchen. Länge g 8—8,5, © 7 mm.
4 Männchen und 3 Weibchen aus Palca 16. 10, 20. 10.02 und
Sorata 20. 12. 02.
20. L. diluta sp.nov. Augen ziemlich hoch und schmal, durch eine
nicht sehr breite tiefschwarze, hinten wenig ausgeschnittene und vor dem
Özellendreieck verschwindende Mittelstrieme und entschieden etwas
breitere, silberweiß bestäubte Orbiten deutlich getrennt. Fronto-
orbitalborsten jederseits etwa 16, ziemlich dicht stehend und gleich lang,
genau mit der Mittelstrieme aufhörend, so daß bis zum Ozellenhöcker
noch eine kleine Lücke bleibt. Die ganze Stirn, schon vom Ozellen-
dreieck an, und die Wangen deutlich vorragend, vorn aber ganz flach
abgerundet, Mundrand nicht vorgezogen, Backen mäßig breit und
nur spärlich beborstet, Hinterkopf unten wenig gepolstert. Fühler
über der Augenmitte eingelenkt, den untern Augenrand nicht erreichend,
3. Glied etwas über doppelt so lang als das 2., schwarz, Borste nackt,
an der Basis verdiekt, Taster fadenförmig, schwarz. Thorax und
Schildchen weißgrau, ersterer mit 3 wenig deutlichen, feinen bräunlichen
Längslinien, von denen die seitlichen über die Dorsozentralborsten,
die mittlere über die Akrostichalborsten laufen; de 4, a kurze
3—4 reihig angeordnete Börstchen, Grundbehaarung nur äußerst
zerstreut und kurz, fast fehlend. Hinterleib breit eiförmig, kaum
so lang wie Thorax und Schildehen zusammen, kurz anliegend behaart,
der letzte Ring abstehend beborstet. Er ist wie der Thorax gefärbt
und läßt vom 2. Ring an eine ganz feine hellbräunliche Mittellinie
und auf Ring 2 und 3 je ein Paar rundlicher, von hinten gesehen
.
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 127
ziemlich schwarzer Flecke erkennen, die von der Mittellinie etwas
entfernt sind. Das Hypopyg ist ziemlich kräftig entwickelt, ragt aber
von der Seite gesehen nicht aus dem letzten Ring hervor. Beine schwarz,
dicht hellgrau bestäubt, Kniegelenke rötlich, Pulvillen und Klauen
kaum verlängert; Vorderschienen mit 1, Mittelschienen außen vorn
mit 1 kurzem, hinten mit 2 etwas längeren Borsten, Hinterschienen
außen abgewandt der ganzen Länge nach kurz bewimpert, mit 1 längeren
Borste auf der Mitte, innen abgewandt mit 1 Borste. Die Hinterschienen
endigen innen an der Spitze mit einem kurzen kräftigen, abwärts
gerichteten Dorn. Flügel weißlich, ohne Randdorn, 3. und 4. Längsader
etwas divergierend, hintere Querader schief und etwas geschwungen,
Schüppchen weiß, Schwinger gelblich. — Die Stirnmittelstrieme des
Weibchens ist hinten bis zur Fühlerwurzel ausgeschnitten und auch
schmäler als die Orbiten, die Bestäubung des Kopfes weniger hell, der
Hinterleib von derselben Form, aber hinten zugespitzt, die Hinter-
schienen innen an der Spitze ohne Dorn. Alles übrige, namentlich
auch die weißgraue Körperfärbung, wie beim Männchen. Länge 6,5 mm.
2 Männchen und 2 Weibchen aus Tacna 22. 10. 02.
21. L. compressitarsis sp.nov. Mit dieser Art beginnt eine Reihe
von Limnophorinen, die durch die breite Stirn, den vorgezogenen Mund-
rand, die Form des Hinterleibes und andere Merkmale eine ziemlich
abgegrenzte Gruppe bilden, die wohl zu einer besonderen Gattung
erhoben werden könnte. Augen fast halbkugelig, durch eine Strieme
getrennt, die über den Fühlern gemessen so breit wie ein Auge ist. Die
fast die ganze Breite der Stirn einnehmende Mittelstrieme und die
äußerst schmalen Orbiten sind von vorn gesehen dicht silbergrau,
bisweilen gelblichgrau bestäubt, so daß sie sich in keiner Weise von
einander abheben. Die Mittelstrieme wird nur von etwa 4, auf die
ganze Länge verteilten feinen Borstenhaaren eingefaßt, während der
Özellenhöcker ziemlich dicht und lang behaart ist. Stirn und Wangen
stark vorragend, erstere in scharfer Ecke, Mund besonders stark vor-
gezogen, vorn schief abgeschnitten, Backen !/,—!/; der Augenhöhe
messend, mit zahlreichen hinten feineren, vorn stärkeren und nach
vorn gerichteten Borsten besetzt, Hinterkopf unten stark gepolstert.
Fühler kurz, 3. Glied kaum doppelt so lang als das 2., dieses grau
bestäubt, Borste nackt, im Basaldrittel verdickt, Taster sehr lang
und dünn, an der Spitze schwach spatelförmig verbreitert, weißlich
durchscheinend, an der Spitze schwarz, Rüssel ziemlich schlank,
glänzend schwarz. Thorax von vorn gesehen aschgrau, ohne Zeichnung,
Brustseiten heller. Ganz schräg von hinten betrachtet zeigen sich
3 breite dunkelgraue Längsstriemen, die nur durch 2 schmale, über die
Dorsozentralborsten laufende, heller graue Längslinien getrennt sind;
de 3, Grundbehaarung lang und dünn, aber ziemlich zerstreut. Hinter-
leib etwas breiter und länger als der Thorax, länglich, flach gedrückt,
kurz abstehend behaart, nur der letzte Ring länger abstehend beborstet.
Er ist weißgrau bestäubt und zeigt von hinten gesehen auf Ring 1—3
breite, trapezförmige, schwarze Flecke, die durch eine ganz schmale
graue Mittellinie getrennt sind, während der 4. Ring einen vorn und
128 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
hinten meist breiteren, in der Mitte schmäleren Längsfleck trägt. Beine
schwarz, Schenkel und Schienen grau bestäubt, Pulvillen und Klauen
sehr kurz, die Vordertarsen seitlich stark zusammengedrückt; Vorder-
schienen mit 1, Mittelschienen hinten mit 2—4, Hinterschienen außen
abgewandt mit 4—5, innen abgewandt mit 1 Borste, Hinterschenkel
unterseits zugekehrt nackt, abgewandt der ganzen Länge nach, anfangs
feiner und kürzer, vor der Spitze länger und kräftiger beborstet. Flügel
fast glashell, ohne Randdorn, 1. Längsader in der Endhältte, 3. an der
Basis beborstet, 4. Längsader am Ende deutlich aufgebogen, hintere
Querader steil und schwach geschwungen, Schüppchen weiß, Schwinger
schwarz. — Das Weibchen gleicht in den meisten Merkmalen dem
Männchen. Die Bestäubung der Stirn ist gewöhnlich nicht so dicht,
so daß sich bei gewisser Betrachtung eine schwarze, hinten tief aus-
geschnittene Mittelstrieme zeigt. Die Flecke des Hinterleibes sind etwas
kleiner, nicht so tiefschwaız wie beim Männchen und durch eine breitere
graue Mittelstrieme getrennt, der letzte Ring meist einfarbig grau.
Die Vordertarsen sind seitlich nur schwach zusammengedrückt.
Länge ca. 6 mm.
11 Männchen und zahlreiche Weibchen vom Titicacasee (Peru-
Puno) 18. 11.—20. 11.02 und aus Tiahuanaco (Bolivia Guaquin)
11. 12. 02.
22. L. candidifrons sp.nov. Die Art gleicht in Größe, Gestalt, Fär-
bung und Zeichnung außerordentlich der vorigen, so daß es genügt, die
unterscheidenden Merkmale anzugeben. Die Stirn ist von vorn gesehen
fast schneeweiß bestäubt, das 3. Fühlerglied entschieden etwas länger,
der Mundrand nicht ganz so stark vorgezogen, die Vorderschienen
tragen keine Borste und die Vordertarsen sind seitlich nicht zusammen-
gedrückt. — Das Weibchen ist nur durch die etwas längeren Fühler
und den Mangel der Borste an den Vordeıschienen mit Sicherheit
von dem der vorigen Art zu unterscheiden. Der letzte Hinterleibsring
trägt meist einen schwarzen Mittelfleck.
Zahlreiche Männchen und Weibehen von der Titicacainsel
(Bolivia) 11. 6. 03, Sieuanı 18. 6. 03 und Cuzco VII. 03.
23. L. aliena sp.nov. Auch diese Art hat die größte Ähnlichkeit mit
den vorigen u. ist mit Sicherheit nur im männlichen Geschlecht zu unter-
scheiden. Die Stirn ist über den Fühlern gemessen entschieden schmäler
als ein Auge und die Bestäubung derselben hat stets einen gelblichen
Ton, ist jedenfalls nie schneeweiß. Die Thoraxstriemen, die bei candıdi-
frons auch von hinten gesehen nur sehr undeutlich sind, da sie nur
wenig dunkler grau sind als die Grundfarbe, sind bei aliena schwärzer
und schärfer von einander getrennt. Die Seitenflecke des Hinterleibes
sind mehr oder weniger gelblich und auch die Schüppchen sind nicht
rein weiß, sondern stets etwas gelblich gefärbt. Die Vorderschienen
sind nicht beborstet, wodurch die Art von compressitarsis unter-
schieden werden kann, und die Vordertarsen nicht zusammengedrückt.
— Das Weibchen ist nur durch die schärfer ausgeprägten Thorax-
striemen, die gelbliche Färbung der grauen Hinterleibsflecke und den
gelblichen Ton der Schüppchen von dem der vorigen Art zu unterscheiden.
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 129
Zahlreiche Männchen u. Weibchen aus Arequipa, 13. 11.—15. 11. 02,
vom Titicacasee (Peru-Puno) 21. 11.02, Tiahuanaco (Bol. Guaqui)
11.12.02, Palca 16. 10. 02, Titicacasee (Bolivia) 29. 5.—11. 6. 03,
Sieuani 17. 6.—20. 6.03, Calca 6.8.03, Tarma 20.1.04 und Peru-
Oroya 22.1. 04.
Anmerkung:2in Corral (Chile) 8. 9. 02 gefangene Männchen
unterscheiden sich dadurch von der beschriebenen Form, daß man auf
der Stirn eine deutliche schwarze, hinten tief ausgeschnittene Mittel-
strieme bemerkt, während der ausgeschnittene Teil grau bestäubt ist.
Die Thoraxstriemen sind gleichbreit und scharf von einander getrennt,
während bei aliena die vor der Naht befindlichen die Gestalt von
3 breiten schwarzen rundlichen Flecken haben, die nur wenig von
einander geschieden sind. Die Mittelschenkel tragen unterseits vorn
und hinten je eine Reihe längerer Borsten, während sich bei aliena nur
eine Reihe findet, und die Hinterschenkel endlich sind unterseits
dem Körper zugekehrt ebenfalls mit Borstenhaaren besetzt, während
sie bei aliena ganz nackt sind. Ich will es unentschieden lassen, ob
hier noch eine neue Art vorliegt.
24. L. setitibia sp. nov. Stirn etwas schmäler als bei candidifrons,
sonst ihre Bestäubung, Bildung des Kopfes, Zeichnung des Thorax und
Hinterleibes wie bei dieser. Die Mittelschienen tragen hinten von der
Basis bis über die Mitte eine Reihe von 8—11 ziemlich langen und
kräftigen Borsten, an denen die Art auch im weiblichen Geschlecht
von allen ähnlichen zu unterscheiden ist. Die Schwinger sind gelb,
die Vorderschienen borstenlos.
5 Männchen und 6 Weibchen aus Palca 15. 10.—20. 10. 02 und
Arequipa 15. 11. 02.
25. L. clavitibia sp.nov. Gleicht wiederum in Größe, Gestalt u. Zeich-
nung den vorigen. Die weißgrau bestäubte Stirn schimmert an den Seiten
stets schwärzlich, die Thoraxstriemen sind dunkler und infolgedessen
deutlicher als bei candidifrons, die beiden letzten Vordertarsenglieder
in zunehmender Stärke erweitert. Die Mittelschienen sind gegen das
Ende zu recht auffallend keulenförmig verdickt, tragen hinten auf der
Mitte nur 1 stärkere Borste und sind im übrigen vorn und hinten
von der Basis bis zur Spitze mit ganz allmählich länger werdenden
Börstchen besetzt. Schwinger schwarz. — Auch beim Weibchen sind
die beiden letzten Vordertarsenglieder schwach verbreitert und die
Mittelschienen gleichfalls keulenförmig verdickt, im übrigen aber
außer der Mittelborste auf der Hinterseite nackt. Durch diese einzelne
Borste ist es allein schon von allen übrigen ähnlichen Weibchen zu
unterscheiden.
Zahlreiche Stücke beiderlei Geschlechts vom Titicacasee (Peru-
Puno) 18. 11., 20.11.02, la Paz 30.11.02, Titieacasee (Bolivia)
29. 5.—l. 6.03, Juliaca 15. 6.03 und Sieuani 19. 6., 20. 6. 03.
26. L. femorata sp.nov. Gleicht der von mir in den Ann. Mus. Nat.
Hung. II. 464. 4 beschriebenen und weiter unten erwähnten compresst-
frons bis ins Kleinste und ist vielleicht nur eine Abänderung. Die
Hinterleibsflecke erweitern sich am Hinterrand der einzelnen Ringe zu
Archiv für ee rane g
1911. 1.1.
130: Prof. P. Stein: Die von Schnuse
Querbinden, welche die Seiten des Hinterleibes erreichen, was bei der
erwähnten Art nie der Fall ist, die helle Bestäubung ist stets grau und
zeigt nie einen gelblichen Ton, die Mittelschienen tragen nur hinten
2—3 kleine Borsten und die Hinterschenkel sind unterseits zugekehrt
mit 4—5 kräftigen Borsten versehen, während sie bei compressifrons
vollständig nackt smd. Auch beim Weibchen sind die Hinterschenkel
an dieser Stelle beboistet.
8 Pärchen aus Valparaiso 12. 9. 02 und Quillota 20. 9. 02.
27. L. spinuligera sp.nov. Kann bei oberflächlicher Betrachtung
leicht mit compressifrons verwechselt werden, unterscheidet sich aber
durch folgende Merkmale. Die Vorderschienen tragen eine Borste, die
Mittelschienen vorn außen eine ebensolche von ziemlicher Länge im Be-
ginn des letzten Drittels, und die Hinterschenkel sind unterseits zugekehrt
ebenfalls mit einigen Borsten versehen. Die Flügel endlich tragen einen
Randdorn, der zwar oft sehr klein ist, aber nie völlig verschwindet,
und sind an der Basis und am Vorderrand etwas geschwärzt. — Beim
Weibchen tragen die Mittelschienen außen vorn 2 kräftige Borsten,
und die Hinterschenkel sind unterseits zugekehrt ebenfalls mit einigen
Borsten versehen.
3 Männchen und mehrere Weibchen vom Titicacasee (Peru-Puno)
20. 11. 02, aus den Kordilleren Bolivia’s 15. 5. 03, Titicacasee (Bolivia)
1.6.03 und Peru-Oroya 22. 1. 04.
28. L. suavis sp.nov. &. Gleicht ebenfalls bis ins Kleinste der com-
pressifrons, die Grundfärbung des Thorax und Hinterleibs ist aber mehr
weißgrau und nur der letzte Ring beiderseits schwach gelblichgrau.
bestäubt. Sie ist sofort daran zu erkennen, daß der Flügelvorderrand
bis zum Ende der 2. Längsader schwarzbraun gefärbt ist. Durch
letzteres Merkmal hat sie große Ähnlichkeit mit Z. atrovittata, die aber
fast eng zusammenstoßende Augen hat und bei der die Hinterschieren
außen abgewandt nur 1 Borste tragen. Länge 7 mm.
1 Männchen aus dem Laristal 8. 8. 03.
29. L. auriflua sp. nov. Unterscheidet sich von compressifrons,
der sie sonst in allem gleicht, durch bedeutendere Größe (6,5 mm), tief-
schwarze und scharf begrenzte Thoraxstriemen und Hinterleibsflecke,
bedeutend breiteren und flach gedrückten Hinterleib und besonders
dadurch, daß der letzte Ring mit Ausnahme der schwarzen Mittel-
strieme dicht goldgelb bestäubt ist; die Flügelbasis ist schwarz und die
Schüppchen rein weiß mit ganz schwach gelblichem Saum. — Das
Weibchen wird sich kaum von dem der compressifrons unterscheiden
lassen. x
30. L. aurifacies sp.nov. 2. Die Art liegt nur im weiblichen Ge-
schlecht vor, ist aber so charakteristisch gefärbt, daß sie leicht wieder
zu erkennen ist. Augen durch eine schwarze, hinten tief ausgeschnittene
Mittelstrieme und etwas mehr als halb so breite Orbiten getrenat.
Stirn und Wangen gleich stark vorragend, Mundrand etwas mehr
vorgezogen, Backen mäßig breit, sämtliche genannten Teile, auch
die Orbiten, dieht goldgelb bestäubt, Hinterkopf unten gepolstert,
grau. Fühler kürzer als das Untergesicht, schwarz, mit kurz behaarter,
in Stidamerika gefangenen Anthomyiden. 131
an der Basis fast nackter Borste, Taster lang und dünn, an der Spitze
ganz wenig verbreitert, schwarz, Rüssel ziemlich schlank mit wenig
verbreiterten Saugflächen, g elänzend schwarz. Thorax ziemlich hellgrau
bestäubt mit 3 scharf begrenzten, gleichbreiten, dunkelbraunen Längs-
striemen, von denen die seitlichen sich hinter der Naht noch einmal
teilen, so daß sich eine etwas schmälere Längsstrieme noch bis zur
Flügelwurzel hinzieht. Die mittlere Thoraxstrieme erstreckt sich in
gleicher Schärfe bis auf die Spitze des Schildchens, so daß dieses grau
erscheint mit scharf begrenzter Mittelstrieme. Die Brustseiten sind
grau wie der Thorax gefärbt und tragen eine breite braune Strieme,
die sich von unterhalb der Schulterbeulen bis zur Flügelwurzel erstreckt;
de 4, die beiden vorderen kleiner und schwächer, a sehr kurz, 4 reihig.
Hinterleib grau, 1. Ring fast ungefleckt, 2. und 3. mit je einem Paar
ziemlich großer brauner Flecke von veränderlicher Gestalt, letzter
Ring mit breitem braunen Mittelfleck. Beine schwarz, Vorderschienen
borstenlos, Mittelschienen hinten mit 1, Hinterschienen außen ab-
gewandt und innen abgewandt mit je1l Borste. Flügel glashell, 4. Längs-
ader am Ende deutlich aufgebogen, 1. Längsader nackt, 3. an der Basis
mit 2—3 kurzen Börstchen, hintere Querader steil und schwach
geschwungen, Schüppchen weiß, Schwinger gelblich. Länge 6 mm.
7 Weibchen aus la Paz 30. 11. 02, Sorata 20. 12. 02, Cuzco VII. 03,
Calca 6.8.05, Laristal 8.8. 03.
31. L. semicinerea sp.nov. Die nicht sehr hohen Augen werden durch
eine deutliche gleichbreite schwarze Strieme und kaum sichtbare Orbiten
getrennt, Stirn und die gekielten Wangen etwas vorragend, Mundrand
nur wenig vorgezogen, Backen gut '/, der Augenhöhe. Fühler etwas
unter der Augenmitte eingelenkt, ziemlich kurz, 3. Glied kaum doppelt
so lang als das 2. ‚ schwarz, Borste nackt, an der Basis v erdickt, Taster
fadenförmig, schwarz, Rüssel ziemlich schlank, glänzend schwarz.
Thorax und Schildchen tietschwarz, stumpf, ersterer bei reinen Stücken
mit 2 noch schwärzeren Mittelstriemen; de 4, a zweireihig. Hinterleib
länglich eiförmig, schwach gewölbt, nur der letzte Ring mit abstehenden
Borsten. Er ist ziemlich hell, oft weißgrau bestäubt und trägt eine recht
charakteristische Zeichnung. Der 1. Ring ist ganz schwarz, der 2. trägt
2 schwarze trapezförmige Flecke, welche nur durch eine schmale graue
Linie getrennt sind und oft ganz zusammenfließen, der 3. 2 kleine,
dicht am Hinterrand liegende Flecke, die weiter von einander entfernt
sind, während der letzte Ring ungefleckt ist. Beine schwaız, Pulvillen
und Klauen kurz. Vorderschienen mit 1 Borste, die bei vielen fehlt,
Mittelschienen hinten auf der Mitte mit 1, Hinterschienen außen ab-
gewandt der ganzen Länge nach mit kurzen Borsten besetzt, unter
welchen 2 längere vorragen, innen abgewandt mit 2 Borsten. Flügel
schwach gelblich, bisweilen milchweiß, mit kleinem, aber deutlichem
Randdorn, die Adern der Vorderhälfte hell, die beiden Queradern
und die hinteren Adern schwarz, 3. und 4. Längsader parallel, hintere
Querader schief und grade, Flügelbasis mehr oder weniger geschwärzt,
Schüppchen weiß, Schwinger schwarz. — Die Augen des Weibchens sind
breit getrennt, Thorax und Schildchen gelbgrau, “ersterer vorn mit dem
9*+
132 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
Anfang von 2 braunen Striemen, der Hinterleib gelblichgrau mit der
schwachen Spur vor Fleckenpaaren, die Schwinger lederbraun bis
gelblich. Bei einigen Weibchen ist der Thorax schwarz, aber nicht
so dunkel wie beim Männchen, so daß man die dunkeln Längsstriemen
deutlicher erkennen kann. Ich glaube aber nicht, daß verschiedene
Arten vorliegen, da die ziemlich auffallende Flügelfärbung und Hinter-
leibszeichnung bei allen dieselbe ist. Länge ca. 5 mm.
4 Männchen und 6 Weibchen vom Titicacasee (Peru-Puno) 18. 11.
bis 21. 11. 02 und vom Titicacasee (Bolivia) 29. 5.—l. 6. 03.
b) Alte Arten.
32. L. pauciseta Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 460. 1. Gleicht
in Größe, Gestalt, Bau des Kopfes, Zeichnung des Hinterleibs, Färbung
und Aderverlauf der Flügel vollständig der barbitarsis und unterscheidet
sich nur dadurch von ihr, daß der Thoraxrücken mit Ausnahme von
2 grau bestäubten Flecken vor dem Schildeehn ganz schwarz ist,
während sich von den Schulterecken bis zur Flügelwurzel eine breite
weißgrau bestäubte Strieme zieht, daß sich hinter der Naht nur eine
Dorsozentralborste unmittelbar vor dem Schildehen befindet und daß
die Beine einfach sind mit längeren Pulvillen und Klauen. — Das
Weibchen läßt sich von dem Weibchen der genannten Art nur durch
die Zahl der Dorsozentralborsten unterscheiden.
Ein Pärchen aus Lorenzopata, 28. 4., 7. 5. 03.
33. L. atra Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 469. 11. Auch diese
Art steht der vorigen und den zuerst beschriebenen Arten nahe, ist
aber die schwärzeste von allen. Die Augen stoßen fast eng zusammen,
die Fühlerborste ist kurz behaart, der Thorax tiefschwarz, stumpf
und auch die Gegend vor dem Schildchen kaum etwas braun bestäubt.
Die von den Schulterbeulen auslaufende Strieme ist nicht so hell
bestäubt und erstreckt sich nicht ganz bis zur Flügelwurzel. Hinterleib
genau wie bei den erwähnten Arten. Beine schwarz, Pulvillen und
Klauen verlängert, Beborstung wie bei marginipennis, nur sind die
Hinterschenkel unterseits zugekehrt um die Mitte herum mit 3—4
Borsten versehen, während sie bei den übrigen Arten ganz nackt sind.
Flügel intensiv bräunlich tingiert, mit noch dunklerem Vorderrand,
Verlauf der Adern wie bei den anderen Arten, 1. Längsader ganz nackt,
3. höchstens an der Basis mit 2 kurzen Börstchen, ein Merkmal, woran
besonders das Weibchen zu erkennen ist, Schüppchen schmutzigweiß,
fein schwärzlich gesäumt, Schwinger gelblich. — Der Thoraxrücken
des Weibchens ist nicht einfarbig schwarz, sondern zeigt bei gewisser
Betrachtung eine schmale, bräunlichgrau bestäubte Mittellinie, der
Hinterleib ist fast ganz schwarzbraun, und nur eine feine graubestäubte
Mittellinie zeigt an, daß paarige Flecke vorhanden gewesen sind.
3 Männchen und 2 Weibchen aus Lorenzopata, 26. 4.—11. 2. 08.
34. L. narona Wlk. List Dipt. IV. 945 (1849). Ich habe diese Art
unter dem Namen cyrtoneurina in der Berl. ent. Zeitschr. XLII. 203. 2
(1897) ausführich beschrieben und bemerke, daß sie mit alaerıs
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 133
und breviseta große Ähnlichkeit hat. Der Thorax trägt vor der Naht
drei breite schwarzbraune Striemen, die bisweilen so genähert sind,
daß sich zwischen der mittelsten und den seitlichen nur feine grau-
bestäubte, genau über die Dorsozentralborsten laufende Striemen
finden. Hinter der Naht sind die Striemen vollständig zusammen-
geflossen und gehen nach hinten zu allmählich in die graue Bestäubung
des Thorax über. Die 4. Längsader ist am Ende zwar deutlich, aber
im Verhätnis zu den erwähnten Arten nur schwach aufgebogen. Die
mir vorliegenden Stücke sind etwas größer und die Thoraxzeichnung
ist etwas schärfer begrenzt als bei den nordamerikanischen, gleichen
ihnen im übrigen aber so, daß ich sie als dieselbe Art bezeichnen muß.
4 Männchen aus Arıca, 9. 10. 02.
35. L. corvina G. T. Boll. Mus. Torino VIII. 7 (1893). Zur Unter-
scheidung von der vorigen und ähnlichen Arten gebe ich folgendes an:
Die Augen stoßen fast zusammen, da sie nur durch eine linienartige
schwarze Strieme und ebenso feine Orbiten getrennt sind, Fühler-
borste kurz, aber deutlich behaart. Der Thorax ist dicht hellgrau
bereift und trägt unmittelbar hinter der Naht eine breite schwarze
Querbinde, die etwa halb so breit ist, wie die Entfernung der Quer-
naht vom Schildchen, und von deren Mitte sich eine braune Mittel-
strieme bis zum Schildehen fortsetzt. Vor der Naht befinden sich 3
schwarze Längsflecke, deren mittelster bis zur Quernaht reicht, während
die seitlichen nicht an dieselbe anstoßen; de 4, die vorderen beiden
bedeutend kleiner. Schildchen schwarz, an der Spitzenhälfte aschgrau
bestäubt. Hinterleib fast walzenförmig, dicht gelblich aschgrau be-
stäubt, 1. Ring mit einem Paar runder schwarzbrauner Flecke, 2. und 3.
mit einem Paar dreieckiger Flecke von gleicher Färbung, letzter Ring
mit einer bräunlichen Mittellinie. Beborstung der Beine wie bei narona,
die Hinterschienen nämlich außen abgewandt und innen abgewandt
mit je 1 Borste; die Hinterschenkel sind aber unterseits zugekehrt
von der Basis bis zur Mitte mit einigen längeren Borsten versehen.
Flügel schwach graulich, ohne Randdorn, 1. Längsader nackt, 3. nur
an der Basis mit 2 Börstchen, 4. deutlich aufgebogen, Schüppchen
weißlich bis schmutzigweiß, Schwinger gelblich. — Bei einem Weibchen,
welches ich für das zugehörige halte, fehlt die Querbinde hinter der
Thoraxnaht, die 3 braunen Striemen sind vollständig getrennt, die
seitlichen hinten abgekürzt, die mittelste bis zum Schildchen fort-
gesetzt, letzteres grau mit braunem Basalfleck.
2 Männchen und 1 Weibchen aus Arica, 7. 10. 02 und vom Uru-
bambafluß (Peru) 8. 9. 03.
36. L. saeva Wied. Außereur. zweifl. Ins. II. 430. 18. (1830). Ich
will nur erwähnen, daß die Art sich von corvina durch ganz eng zu-
sammenstoßende Augen, etwas länger behaarte Füherborste und be-
sonders dadurch unterscheidet, daß der Thoraxrücken vor der Naht
ganz schwarz ist und sich an der Naht selbst eine feine, graubestäubte,
in der Mitte unterbrochene Querlinie findet. Die Zeichnung und Färbung
hinter der Naht, sowie die des Hinterleibes stimmt mit corvina überein.
Im übrigen verweise ich auf meine ausführliche Beschreibung in den
134 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
Ann. Mus. Nat. Hung. II. 471. 13. — Das Weibchen ist mir nicht mit
Sicherheit bekannt geworden. Ich möchte eins für das zugehörige halten,
welches in Lorenzopata 6. 5. 03 gefangen ist und welches in der Zeichnung
mit dem Männchen große Ähnlichkeit hat; nur ist der Thorax vor der
Naht nicht ganz schwarz, sondern man erkennt deutlich eine breite
Mittelstrieme und 2 allerdings nicht sehr scharf davon getrennte
Seitenflecke.
5 Männchen aus Bellavista 29. 12. 02, S. Caros 2. 11., 4. 1. 03
und vom Urubambafluß (Peru-Rosalina) 28. 8. 03.
37. L. atrovittata Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 463. 3. Die
Augen des noch nicht beschriebenen Mänchens sind nur durch eine
linienförmige schwarze Strieme ein wenig getrennt, Stirn an der Fühler-
basis in stumpfer Ecke etwas vorragend, Wangen ein wenig schmäler,
nebst den Orbiten silbergrau bestäubt, Mundrand deutlich vorgezogen,
Backen etwa ein Viertel der Augenhöhe, Hinterkopf unten gepolstert,
Fühler kürzer als das Untergesicht mit pubeszenter Borste, Taster
ziemlich lang, an der Spitze schwach verbreitert, schwarz, Rüssel
ziemlich schlank. Thorax dicht weißgrau bestäubt, 3 breite Striemen,
die scharf abgehoben sind und ganz vorn zusammenkommen, tief-
schwarz. Die mittlere ist von den seitlichen durch Striemen getrennt,
die vorn ein Drittel so breit sind wie die Mittelstrieme und nach hinten
etwas an Breite zunehmen. Die Seitenstriemen reichen von den
Dorsozentralborsten bis oberhalb der Schulterbeulen. Dann folgt
jederseits wieder eine breite weiß bestäubte, von den Schultern bis
zur Flügelwurzel reichende Strieme und darunter wieder eine noch
breitere schwarze Strieme, die sich nach unten bis zu den Hüften er-
streckt, während diese selbst grau bestäubt sind; de 3, gleichlang.
Schildehen schwarz mit grau bestäubten Seitenrändern. Hinterleib
länger als Thorax und Schildchen, ziemlich schmal und nach der
Spitze zu sich ganz allmählich verschmälernd. Er ist mit einem etwas
dunkleren Grau bestäubt wie der Thorax und trägt auf allen Ringen
rechteckige Fleckenpaare, die die ganze Länge der Ringe einnehmen und
zusammen 2 breite, gegen das Ende zu allmählich schmäler werdende
Längsstriemen bilden. Der ganze Hinterleib ist ziemlich lang ab-
stehend behaart, die Endhälfte noch länger abstehend beborstet.
Beine schwarz, Pulvillen und Klauen etwas verlängert; Vorderschienen
borstenlos, Mittelschienen hinten mit 2, Hinterschienen außen ab-
gewandt u. innen abgewandt mit je 1 Borste, Hinterschenkel unterseits
zugekehrt nackt, abgewandt nur vor der Spitze mit einigen Borsten.
Flügel graulich, der Vorderrand von der Basis bis zum Ende der 2. Längs-
ader in ganz allmählich abnehmende r Breite intensiv gebräunt, 4. Längs-
ader am Ende recht auffallend aufgebogen, hintere Querader schief
und schwach geschwungen, 1. Längsader am Ende, 3. an der Basis
beborstet, Schüppchen weiß, Schwinger gelb. Länge 6,5 mm. — Die
Stirnmittelstrieme des Weibehens ist von den Orbiten nicht zu unter-
scheiden, da beide tiefschwarz gefärbt sind. Die Flecken des Hinterleibs
bilden auf den drei ersten Ringen ungemein breite, in der Mitte nur
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 135
mäßig getrennte schwarze Längsstriemen, während der 4. Ring meist
nur einen breiten Mittellängsfleck trägt. Alles übrige wie beim Männchen.
3 Männchen und 2 Weibchen aus Palca 20. 10. 02, den Kordilleren
Bolivias 4—5000 m, 24. 12. 02 und dem Laristal 10. 8. 03.
38. L. deleta v. d. Wulp. Biol. Centr. Amer. Dipt. II. 329. 4. (1896).
Augen aufs engste zusammenstoßend, Stirn nur äußerst wenig in
stumpfer Ecke, Wangen fast gar nicht vorragend, Mundrand deutlich
vorgezogen und schief abgeschnitten, Backen vielleicht ein Fünftel
der Augenhöhe messend, Hinterkopf unten gepolstert. Fühler kürzer
als das Untergesicht, Borste haarförmig, kurz pubeszent, Taster
fadenförmig, schwarz. Thorax dunkel schokoladenbraun, stumpf.
2 rundliche Flecke vor dem Schildchen aschgrau bestäubt, eine breite
von den Schulterbeulen bis nicht ganz zur Flügelwurzel reichende
Strieme dicht weiß bestäubt. Bisweilen ist die Thoraxnaht an den
Seiten äußerst schmal graulich bestäubt und man erkennt an diesen
hellen Stücken, daß die schwarze Färbung vor der Naht durch Zu-
sammenfließen von 3 sehr breiten Striemen entstanden ist; de 4, die
beiden vorderen kleiner und dünner. Hinterleib ziemlich schmal,
länglich und etwas gewölbt. Er ist weißgrau, bisweilen gelblichgrau
bestäubt, der 1. Ring mit Ausnahme einer graulichen Mittellinie ganz
schwarz, der 2. und 3. mit je einem großen trapezförmigen Mittelfleck,
dessen Hinterrand die Breite des Hinterleibes einnimmt und der durch
eine schmale graue Mittellinie in 2 Flecke geteilt ist, letzter Ring mit
2 parallelen, die ganze Länge einnehmenden Mittelstriemen. Beine
schwarz, Pulvillen und Klauen kaum verlängert; Vorderschienen borsten-
los, Mittelschienen hinten mit 2, Hinterschienen außen abgewandt
und innen abgewandt mit je 1 Borste, Beborstung der Schenkel sehr
dürftig. Flügel schwach graulich, 4. Längsader am Ende schwach
aufgebogen, hintere Querader steil und schwach geschwungen, 1. Längs-
ader am Ende, 3. an der Basis beborstet, Schüppchen weißlich,
Schwinger gelblich. Länge 4,5—5,5 mm.
2 Männchen aus dem Laristal 12. 8., 16. 8. 03.
39. L. aterrima Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 469. 10. Die
Art unterscheidet sich von der oben beschriebenen trichops nur durch
die kahlen Augen und stimmt in allen übrigen Merkmalen bis ins
Kleinste mit ihr überein. Auf dieselbe Weise ist das Weibchen zu er-
kennen.
2 Männchen und 3 Weibchen aus Lorenzopata 6. 5.—12. 5. 03.
40. L. arcuata Stein, Berl. ent. Zeitschr. XLII. 201. 1 (1897). In
der Bildung des Kopfes schließt sich diese Art der vorigen an. Die
Färbung des Thorax scheint zu variieren. Neben Stücken, auf die die
von mir a. a. O. gegebene Beschreibung vollständig paßt, finden sich
andere, bei denen der Thorax ganz verdunkelt, fast schwarz ist. Da
ich im übrigen aber nicht den geringsten Unterschied erkennen kann,
sehe ich diese Stücke nur als dunkle Abänderung an. Die 4. Längsader
verläuft überall ganz gerade, während sie sich beiden nordamerikanischen
Stücken am Ende, allerdings in kaum merklicher Weise aufwärts biegt.
136 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
— Das Weibchen unterscheidet sich von dem Weibchen der aterrima
durch ganz glashelle Flügel.
7 Männchen der helleren Form aus Arica 7. 11. 02 u. Calca 6. 8. 03,
4 Männchen mit fast schwarzem Thorax aus Sorata 20. 12. 02, Calca
5.8.03, Tarma 19.1. 04 und 2 Weibchen aus Sorata 22. 12. 02 und
Tarma 19. 1. 04. In Garlepps Sammlung findet sich 1 dunkles und
1 helles Männchen, die beide in Cuzco 5. 7., 12. 7. 05 gefangen sind.
41. L. normata Big. Ann. Soc. ent. Fr. ser. 6. V. 272. 4. (1885).
Die Art gehört in den Verwandtschaftskreis der gemina Wied., mit der
sie namentlich die Färbung und Zeichnung des Hinterleibs gemein hat.
Sie unterscheidet sich aber sofort von dieser und allen ähnlichen durch
den fast ockergelb bestäubten Thorax, der mit 3 scharf begrenzten
dunkelbraunen Längsstriemen versehen ist. Im übrigen verweise ich
auf die ausführliche Beschreibung, die ich in den Ann. Mus. Nat. Hung.
II. 468. 8 gegeben habe. Das Weibchen gleicht dem Männchen, der
Hinterleib ist aber nirgends durchscheinend und die Hinterrands-
binden breiter und sich bis auf die Seiten erstreckend.
4 Männchen und 1 Weibchen aus Sarampioni 24. 1. 03, Lorenzo-
pata 5. 5. 03 und Laristal 14. 8.—17. 8. 03.
42. L. atrisguama Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 466. 7. Augen
in beiden Geschlechtern durch eine Strieme getrennt, die über den
Fühlern gemessen zwei Drittel bis drei Viertel so breit ist wie ein Auge.
Die breite Mittelstrieme ist von vorn gesehen dicht grau bestäubt
und hebt sich nicht von den schmalen Orbiten ab; sie wird von zahl-
reichen langen und feinen Haaren eingefaßt, die sich bis zum Scheitel
erstrecken. Stirn deutlich vorragend und an der Fühlerbasis eine
ziemlich scharfe Ecke bildend.. Wangen etwas schmäler, schwach
gekielt, sämtliche Teile seidenartig grauschimmernd mit schwarzen
Reflexen, Backen etwa ein Viertel der Augenhöhe breit, mit zahl-
reichen, teils nach unten, teils seitwärts und aufwärts gerichteten Borsten
besetzt. Über der stärksten Borste an der Vibrissenecke finden sich
noch ziemlich zahlreiche feine Härchen an den Leisten. Fühler in der
Augenmitte eingefügt, viel kürzer als das Untergesicht, 3. Glied kaum
länger als das 2., schwarz, Borste nackt, im Basaldrittel verdickt,
Taster lang und kräftig, dicht borstig, schwarz. Thorax und Schildchen
schwarz, stumpf, von Striemung nichts zu erkennen. Beide sind ziemlich
lang und dicht abstehend behaart, die nicht viel stärkeren 4 Dorso-
zentralborsten sich eigentlich nur durch größere Länge abhebend.
Hinterleib breit eiförmig, flach gedrückt, die Seiten, der letzte Ring
und das deutliche, aber von der Seite gesehen aus dem letzten Ring nicht
vorragende Hypopyg lang behaart. Ganz schräg von hinten gesehen
ist er schwach graulich bereift und läßt eine dunkle Mittelstrieme
und auf Ring 2 und 3 paarige große Flecke von trapezförmiger Gestalt
nur undeutlich erkennen. Beine schwarz, mit dichter Behaarung,
Pulvillen und Klauen kräftig, aber mäßig verlängert; Vorderschienen
auf der dem Körper abgewandten Seite ziemlich lang bewimpert,
darunter mehrere feine Haare von größerer Länge vorragend, Mittel-
schienen hinten fein zottig mit mehreren längeren Borsten, Hinter-
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. rar
schienen außen abgewandt der ganzen Länge nach mit langen, ab-
wechselnd feineren und etwas stärkeren Borstenhaaren besetzt, Mittel-
schenkel unterseits hinten von der Basis bis zur Spitze mit einer Reihe
kräftiger, aber nicht sehr langer Borsten besetzt, Hinterschenkel unter-
seits abgewandt der ganzen Länge nach mit anfangs kürzeren, all-
mählich länger werdenden Borsten, zugekehrt von der Mitte ungefähr
bis zur Spitze mit gleichfalls ziemlich kräftigen Borsten besetzt. Flügel
graulich, an der Basis gebräunt, 3. und 4. Längsader fast parallel,
hintere Querader schief und im ersten Drittel bauchig nach außen
gebogen, Schüppchen schwärzlich mit noch schwärzerem Saum,
Schwinger schwarz. — Das Weibchen ist mehr grau gefärbt, so daß
Thoraxstriemung und Hinterleibszeichnung deutlich hervortreten, die
Schüppchen sind gelblich, die Schwinger bräunlich. Pulvillen und
Klauen sind nur wenig schwächer als beim Männchen, die Beborstung
der Beine ähnlich wie bei diesem, namentlich auch die der Hinter-
schenkel.
1 Pärchen aus dem Laristal 8. 8. 03.
43. L. compressifrons Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 464. 4. Die
Art ist mit den oben beschriebenen compressitarsis, aliena, setitibia usw.
nahe verwandt und gleicht ihnen im Bau des Kopfes, Form und Zeich-
nung des Hinterleibes vollkommen. Der von mir a.a.O. gegebenen
Beschreibung habe ich nur wenig zuzufügen. Von den genannten Arten
unterscheidet sie sich durch schmälere Stirn mit deutlicher schwarzer,
hinten bis zur Fühlerbasis ausgeschnittener Mittelstrieme und fast
vollständig fehlenden Orbiten, so daß die Frotoorbitalborsten un-
mittelbar ans Auge stoßen. Die 3. Thoraxstriemen sind scharf begrenzt,
die Hinterleibsflecke erreichen hinten nie die Seiten, Pulvillen und
Klauen der vorderen Beine sind deutlich, wenn auch nicht sehr stark
verlängert, die Borste auf der vorderen Außenseite der Mittelschienen
fehlt bisweilen und die Flügel haben oft einen kleinen, wenig deutlichen
Randdorn.
Zahlreiche Männchen und Weibchen aus den Kordilleren Bolivias
24. 12. 02, Titicacasee (Bolivia) 29. 5.—3. 6. 03, Sieuani 18. 6. 03,
Calca 6. 8. 03 und Oroya 22. 1. 04.
X. Thaumasiochaeta gen. nov.
Gehört nebst den folgenden Gattungen zu den Limnophorinen.
Augen breit getrennt, Stirn vorragend, Mundrand deutlich vorgezogen.
Fühler kräftig, etwas kürzer als das Untergesicht mit nackter, an der
Basis schwach verdickter Borste, die beim Männchen an der Spitze
einen blattartigen Fortsatz trägt in Gestalt eines weißen gleichseitigen
Dreiecks. Taster schwach sichelförmig gebogen und messerartig
zusammengedrückt; de vor der Naht 2, hinten derselben 3, im übrigen
der Thorax dicht und kurz abstehend behaart. Hinterleib länglich,
fast walzenförmig, auf dem Rücken flachgedrückt, auf der Bauch-
seite stark gewölbt, ohne jede Zeichnung, nur mit dichter Bestäubung.
Hypopyg wohl entwickelt, aber in der weiten Öffnung des letzten Ringes
138 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
versteckt. Beine von einfachem Bau, aber mit auffallender Beborstung
und Behaarung, Pulvillen und Klauen beim Männchen kaum etwas
verlängert, beim Weibchen sehr kurz. Flügelvorderrand namentlich
an der Basis kurz und dicht beborstet, mit kaum darüber hervor-
ragendem Randdorn, 3. und 4. Längsader an der Spitze allmählich
konvergierend, hintere Querader steil und schwach gebogen, Schüppchen
klein, das untere wenig vorragend. — Das Weibchen zeigt mit Aus-
nahme der einfachen Fühlerborste dieselben Eigenschaften wie das
Männchen.
1. T. pilhtarsis sp. nov. Augen hoch und schmal, nackt, Stirn über
den Fühlern etwas schmäler wie ein Auge, nach dem Scheitel zu all-
mählich breiter werdend, Mittelstrieme sehr breit, von oben gesehen
tiefschwarz, die grau bestäubten Orbiten kaum in feiner Linie sichtbar,
von vorn gesehen weißlich bestäubt und hinten nur wenig ausgeschnitten.
Stirn im Profil an der Fühlerwurzel deutlich und in ziemlich scharfer
Ecke vorragend, Wangen etwas schmäler, Mundrand deutlich vorgezogen,
Backen ziemlich schmal, Hinterkopf unten mäßig gepolstert, der ganze
Unterrand des Kopfes bis zu den Vibisseneeken mit dichten Borsten-
haaren besetzt. Fühler über der Augenmitte eingelenkt, schwarz, 3.Glied
bedeutend breiter und etwa doppelt so lang als das 2., Borste grade
vorstehend, nackt, an der Basis schwach verdickt, an der Spitze einen
dreieckigen, weißen, blattartigen Fortsatz tragend und zwar so, daß die
eine Ecke des Dreiecks mit dem Ende der Borste verbunden ist, Taster
ziemlich lang, schwach aufwärts gebogen, seitlich etwas zusammen-
gedrückt und schwarz gefärbt, aber schwach weißlich durchscheinend.
Rüssel schwarz mit deutlichen Saugflächen. Thorax und Schildchen
tiefschwarz, stumpf, ersterer nur bei großer Aufmerksamkeit mit der
Spur von schmalen schwarzen Linien, außer den stärkeren Borsten
dicht abstehend behaart. Hinterleib deutlich länger als Thorax und
Schildchen, fast walzenförmig, an der Basis so breit wie der Thorax,
an der Spitzenhälfte etwas breiter werdend, auf dem Rücken meist
etwas flach gedrückt, Bauchseite hoch gewölbt. Er ist dicht silbergrau
bestäubt ohne Spur von Zeichnung, kurz anliegend behaart, die Seiten
länger, der letzte Ring abstehend beborstet. Von der Seite gesehen
ist der Hinterleib am Ende breit abgestutzt, indem das wohlentwickelte
Hypopyg ganz im letzten Ring versteckt ist. Beine schwarz, Pulvillen
und Klauen kaum verlängert; Hinterhüften auf der Unterseite mit
einem Büschel dichter, kurzer, nach hinten gerichteter Borstenhaare
besetzt, Vorder- und Mittelschienen dicht behaart und beborstet,
Hinterschienen nur mit zahlreichen und langen Borstenhaaren besetzt,
ohne stärkere Borsten; Vordertarsen außen (vorn) der ganzen Länge
nach mit Borstenhaaren besetzt, die anfangs wenigstens drei Viertel
so lang sind wie der Metatarsus und dann allmählich an Länge ab-
nehmen, Mitteltarsen auf der Hinterseite sehr lang behaart. Flügel
graulich, an der Basis bräunlich, Vorderrand namentlich am Grunde
mit dichten kurzen Borsten besetzt, unter denen der Randdorn nur
wenig hervorragt, 4. Längsader am Ende ganz allmählich etwas auf-
gebogen, hintere Querader am unteren Ende mehr nach außen gestellt,
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 139
schwach geschwungen, kleine Querader auf der Mitte der Diskoidal-
zelle, 6. Längsader bis zur Flügelmitte verlängert, Schüppchen sehr
klein, das obere weißlich, das untere nur wenig vorragend, schmutzig-
weiß mit breitem schwarzen Saum, Schwinger schwarz. — Der ganze
Kopf des Weibehens mit Ausnahme der schwarzen Stirnmittelstrieme
ist dicht ockergelblich bestäubt, die Fühlerborste einfach. Thorax
schmutzig braungrau, eine Strieme von den Schulterbeulen bis zur
Flügelwurzel heller grau bestäubt, 2 schmale dunkelgraue Mittel-
linien und je eine an der Naht breit unterbrochene Seitenstrieme ver-
hältnismäßig deutlich, Behaarung außer den stärkeren Borsten nur
spärlich. Hinterleib länglich, hinten zugespitzt, durch die kurz an-
liegenden Borsten ganz nackt erscheinend, der letzte Ring kaum
länger beborstet, einfarbig hell aschgrau, mit schwachem Glanz.
Vorderschienen außen und dem Körper abgewandt mit mehreren
Borsten, Mittelschienen außen vorn und außen hinten mit je 3, innen
mit 2—3 Borsten, Hinterschienen außen mit 2—3 ziemlich kurzen,
außen abgewandt mit 3—4 längeren, innen abgewandt mit ebenfalls
3—4 die Endhälfte der Schiene einnehmenden Borsten. Flügel schmutzig
gelb, alles andere wie beim Männchen. Länge 6 mm.
6 Pärchen vom Titicacasee (Peru-Puno) 16. 11.—23. 11. 02 und
aus Tiahuanaco (Bolivia) 10. 12. 02.
XI. Mesochaeta gen. nov.
Der vorigen Gattung nahe verwandt. Augen ebenfalls breit ge-
trennt, Stirn viel weniger und nicht in scharfer Ecke vorragend, Mund-
rand nicht vorgezogen, Fühlerborste einfach. Hinterleib elliptisch,
oberseits flachgedrückt, unterseits in der Basalhälfte stark gewölbt,
in der Spitzenhälfte flach. Beine in beiden Geschlechtern mit sehr
kurzen Pulvillen und Klauen. Vorderschienen außen (vorn) in der
Mitte oder wenigstens im Beginn des letzten Drittels beim Männchen
mit einer langen, vorwärtsgerichteten Borste, welche an der Spitze
ein flaches Dreieck von schwarzer Farbe trägt, ganz wie bei der vorigen
Gattung die Fühlerborste. Flügel weiß und braun gefleckt, Schüppchen
ungleich, größer als bei der vorigen Gattung und das untere weiter
vorragend. — Der Mundrand des Weibchens ist etwas mehr vorgezogen,
die Vorderschienen sind einfach, im übrigen sämtliche Schienen
ziemlich reich beborstet, die Flügel wie beim Männchen gefärbt.
1. M. variegata sp.nov. Stirn von der Seite gesehen in nicht
scharfer Ecke vorragend, Wangen etwas schmäler, Mundrand nur
wenig vorgezogen, Backen schmal, Hinterkopf unten gepolstert. Die
in der Nähe der Fühlerbasis verhältnismäßig breiten Orbiten ver-
schmälern sich nach oben ‚so daß sie am Scheitel fast ganz verschwinden,
während die schwarze Mittelstrieme umgekehrt an der Fühlerbasis
schmal ist und nach dem Scheitel zu sehr breit wird. Orbiten, Wangen
und Backen glänzend goldgelb bestäubt, hier und da mit schwärzlichem
Schimmer. Fühler etwas kürzer als das Untergesicht, 3. Glied doppelt
so lang wie das 2., Borste nackt, an der Basis deutlich verdickt, Taster
140 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
schwach gebogen, ziemlich schmal, weißlich durchscheinend, Rüssel
ziemlich schlank, mit kleinen Saugflächen, glänzend schwarz. "Thorax
und Schildehen tiefschwarz, stumpf, ersterer bei reinen Stücken
ganz dünn bräunlich bereift, so daß zwei schmale schwarze Mittell-
linien, zwischen welche sich oft noch der Anfang einer dritten einschiebt,
und je eine breitere an der Naht stark unterbrochene Seitenstrieme
verhältnismäßig deutlich zu sehen ist. Beborstung des Thorax wie bei
der vorigen Art. Hinterleib so lang wie Thorax und Schildchen, elliptisch,
an der Basalhälfte so breit wie der Thorax, von hinten gesehen dicht
silberweißgrau bestäubt, mit anliegenden Börstchen besetzt, nur der
letzte Ring abstehend beborstet. Da die Endhälfte flach gedrückt ist,
ist von dem im letzten Ring versteckten Hypopyg nichts zu sehen.
Beine schwarz. Vorderschienen außen (vorn) unmittelbar hinter der
Mitte mit einer feinen, langen, schräg abwärts gerichteten Borste,
die an der Spitze ein kleines, schwarzes Dreieck trägt, Metatarsus
auf der Unterseite mit 4 Borstenhaaren, 2. Tarsenglied unterseits
an der Basis etwas verdickt und hier ebenfalls mit 1 Borste besetzt,
während die übrigen Tarsenglieder unterseits nackt sind und fast
kreisrund. Mittelschienen außen vorn und außen hinten mit je 3,
innen vorn mit 2 Borsten, hinten mit 1, Hinterschienen außen ab-
gewandt mit 2—3 Borsten, innen der ganzen Länge nach kurz gewimpert.
Flügelbasis braun, und zwar erstreckt sich diese Färbung am Vorder-
rand bis zum Ende der 1. Längsader, weiter hinten bis zur kleinen
Querader und noch weiter hinten bis zur hinteren Querader; darauf
folgt ein breiter milchweißer Fleck, der sich vom Vorderrand bis zur
4. Längsader erstreckt, während die Spitze wieder bräunlich ist. Die
ganze hintere Hälfte der Flügelfläche ist graulich tingiert. Verlauf der
Flügeladern wie bei der vorigen Art. Schüppchen weißlichgelb, Schwinger
schwarz. — Stirn und Wangen des Weibchens ragen deutlicher vor,
während auch der Mundrand etwas mehr vorgezogen ist. Sämtliche
Teile des Kopfes, die beim Männchen goldgelb bestäubt sind, sind hier
schwach messinggelb, die schwarze, hinten nur wenig ausgeschnittene
Stirnmittelstrieme nur bis zur Mitte deutlich. Thorax und Schildchen
sind ziemlich hellbraun gefärbt und lassen deshalb die Striemung sehr
deutlich erkennen. Hinterleib länglich, hinten zugespitzt, hell aschgrau.
Die Borste auf der Außenseite der Vorderschienen fehlt, die Vorder-
tarsen sind einfach, die Hinterschienen tragen auch, außen mehrere
Borsten, während sich auch innen abgewandt vor der Spitze 2—3 kurze
Börstchen finden, Flügelzeichnung wie beim Männchen, aber nicht so
intensiv. Länge $ 3,5—4, 9 4-5 mm.
7 Männchen und 8 Weibchen vom Titicacasee (Peru-Puno) 16. 11.
bis 23. 11. 02, Titicacasee (Bolivia) 30. 5. 03 und Oroya 20. 1. 04.
2. M. incaica sp.nov. Kopf, Thorax, Schildehen und Hinterleib
in Gestalt und Färbung genau wie bei variegata. Vorderschienen
mit derselben charakteristischen Borste, aber etwas jenseits der Mitte,
Vordertarsen einfach, der Metatarsus unterseits an der Basis mit 1 Borste,
Mittelmetatarsus innen an der Basis etwas ausgeschnitten und der
ganzen Länge nach mit äußerst kurzen und dichten Härchen bewimpert,
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 141
Hinterschenkel unterseits in der Mitte deutlich angeschwollen und mit
kurzen, aber nicht sehr dicht stehenden Härchen besetzt, die übrige
Beborstung wie bei variegata. Leicht zu erkennen und von der vorigen
zu unterscheiden ist die Art durch die Flügelzeichnung. Dieselben sind
glashell bis milchweiß gefärbt und zeigen folgende braungelbe, scharf
begrenzte Stellen, deren Lage ich nach der Schiner-Verrallschen
Zellenbezeichnung angebe. Ein kleiner Fleck findet sich an der Spitze
der Randzelle und überschreitet nur unbedeutend die 2. Längsader,
ein zweiter größerer füllt genau die Spitze der 1. Hinterrandzelle aus,
während der größte von der Mitte der Unterrandzelle sich über die
kleine Querader bis zur 5. Längsader erstreckt, wobei er über ein Drittel
des Endraumes der Diskoidalzelle ausfüllt, aber nur wenig über die
hintere Querader hinausgeht. Außerdem wird die 5. Längsader unter-
seits von einem Längsfleck begleitet, der sich anfangs schmäler, dann
allmählich breiter werdend die ganze Diskoidalzelle entlangzieht;
auch das Ende der 1. Längsader ist von einem braunen Wisch begleitet.
1. Hinterrandzelle an der Spitze ziemlich schmal, indem 3. und 4. Längs-
ader sich allmählich nähern, hintere Querader unten nach außen ge-
stellt, ganz gerade, kleine Querader sehr schief und im Beginn des
letzten Drittels der Diskoidalzelle stehend, so daß die hintere Querader
genau so lang ist wie ihre Entfernung von der kleinen. Alles übrige
wie bei der vorigen Art. — Das Weibchen gleicht in Größe und Färbung
vollkommen dem der variegata, ist aber durch die Flügelzeichnung,
die mit der des Männchens übereinstimmt, sofort zu unterscheiden.
Länge 4—4,5 mm.
2 Männchen und 5 Weibchen von der Titicacainsel (Bolivia) 11. 4. 03.
Anmerkung. Mit der Benennung dieser reizenden Fliege ent-
spreche ich einem Wunsche des verstorbenen Schnuse, der mir mitteilte,
daß nach einer uralten Sage von der schwer zugänglichen Titieacainsel
aus das alte Incareich seinen Anfang genommen hat.
Xli. Teleutochaeta gen. nov.
Gleicht in allen Merkmalen der vorigen Gattung, unterscheidet sich
aber durch die schon an der Fühlerbasis schmalen Orbiten, den stark
vorgezogenen Mundrand, die erst kurz vor der Spitze eimngelenkte Borste
der Vorderschienen, welche in gleicher Weise an der Spitze dreieckig
erweitert ist, und die ungefleckten Flügel.
1. T. nigriceps sp. nov. Stirnmittelstrieme tiefschwarz, stumpf,
kaum von den Orbiten zu unterscheiden, Stirn im Profil an der Fühler-
basis eine scharfe Ecke bildend, Untergesicht ausgehöhlt, Mundrand
stark vorgezogen. Fühler und Taster wie bei den vorigen Arten. Thorax
und Schildchen tieischwarz, stumpf, mit ähnlicher Zeichnung wie vor-
her, aber bei der geringen Bereifung nur sehr schwer zu sehen. Hinter-
leib von gleicher Form und Färbung wie bei den 3 vorhergehenden Arten.
Beine schwarz, Pulvillen und Klauen kurz, Beborstung ähnlich wie
bei den vorigen Arten; die 3 ersten Vordertarsenglieder innen an der
Spitze mit einer @bwärts gerichteten dormartigen Borste, Mittel-
142 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
schienen außen vorn, außen hinten und innen vorn mit je 2, innen hinten
mit.1 Borste, Hinterschenkel genau wie bei M. incatca, Hinterschienen
außen. abgewandt mit 2, innen abgewandt meist mit 1 Borste. Flügel
einfarbig graulichgelb angeräuchert, Aderverlauf wie bei den übrigen
Arten, die kleine Querader aber wie bei variegata genau auf der Mitte
der Diskoidalzelle, Schüppchen weißlich, das untere oft mit gelblichem
bis schwärzlichem Saum, Schwinger schwarz. — Das Weibchen gleicht
wieder außerordentlich den Weibchen der vorhergehenden Arten. Der
Thoraxrücken ist braun, der hintere Teil nebst dem Schildehen und
einer breiten von den Schulterecken bis zur Flügelwurzel sich er-
streckenden Strieme mehr ockergelb. Die Striemung des Thorax ist
recht deutlich zu erkennen. Hinterleib wie bei allen übrigen Arten. Be-
borstung der Schienen weicht auch kaum von den andern ab. Durch die
einfarbig gelblichgrauen Flügel ist es von den beiden vorhergehenden
Arten zu unterscheiden. Länge 4—5 mm, Weibchen oft noch größer.
4 Pärchen aus Oroya, 4000 m, 21. 1. 04.
XIII. Rhyneholimnophora gen. nov.
Gleicht ebenfalls den vorigen 3 Gattungen in fast allen Merk-
malen und unterscheidet sich von der ersten durch die einfache Fühler-
borste, von den beiden andern durch den Mangel der auffallenden
Borste an den Vorderschienen. Der Mundrand ist stets deutlich oder
sehr stark vorgezogen, die Flügel bei allen Arten ungefleckt.
1. R. compressitarsis sp. nov. Augen durch eine Strieme getrennt,
die über den Fühlern etwa so breit ist wie ein Auge und nach dem
Scheitel zu sich noch etwas verbreitert, Mittelstrieme breit, tiefschwarz,
ganz von vorn gesehen nur wenig bestäubt, Orbiten sehr schmal, an
der Fühlerbasis ein wenig breiter, ockergelbgrau bestäubt. Im Profil
gesehen ragt die Stirn in scharfer Ecke vor, Untergesicht etwas zurück-
weichend, ausgehöhlt, Mundrand stark vorgezogen, Backen ziemlich
schmal, sämtliche Teile außer den Orbiten in der Nähe der Fühler-
wurzel tiefschwarz. Fühler bedeutend über der Augenmitte eingelenkt,
schwarz, 3. Glied breiter und etwa 1!/, mal so lang als das etwas ver-
längerte 2., Borste nackt, an der Basis verdickt, Taster wie bei allen
vorhergehenden: Arten, Rüssel schlank mit wenig entwickelten Saug-
flächen. Thorax und Schildchen tiefschwarz, stumpf, nur bei ganz
reinen Stücken mit einer Spur der gewöhnlichen Striemung. Hinterleib
von gleichem Bau, Zeichnung und Behaarung wie bei den übrigen
Arten. Beine schwarz, beim Männchen mit höchst charakteristischer
Behaarung. Die Vorderschienen tragen außen (vorn) unmittelbar
vor der Spitze ein sehr langes, nach vorn gerichtetes Borstenhaar,
das offenbar der geknöpften Borste der vorigen Gattung entspricht;
außerdem sind sie nebst dem Metatarsus auf ihrer ganzen Vorderseite
mit langen, dicht stehenden Borstenhaaren besetzt, 2. Tarsenglied
auf der Unterseite der ganzen Länge nach mit einer Reihe kurzer,
kräftiger Borsten besetzt; die Mitteltarsen sind seitlich stark zu-
sammengedrückt und tragen der ganzen Länge nach vorn und hinten
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 143
lange Borstenhaare, Hinterschienen innen kurz gewimpert, im übrigen
ziemlich reich beborstet. Flügel bräunlichgelb tingiert, namentlich
in der Basalhälfte; bei gewisser Betrachtung zeigen sich in der Rand-
zelle, Unterrandzelle und Diskoidalzelle weißliche Längsstreifen,
Schüppchen weißlich, Schwinger schwarz. — Das Weibchen hat außer-
ordentliche Ähnlichkeit mit dem der vorigen Art, unterscheidet sich
aber dadurch, daß die schwarze, hinten tief ausgeschnittene Stirn-
mittelstrieme höchstens bis zum Ozellendreieck reicht, so daß die
ganze hintere Stirnfläche ockerbräunlichgelb bestäubt ist, ferner
dadurch, daß die Mittelschienen hinten innen 2 Borsten tragen und
endlich dadurch, daß die Flügelfläche in derselben Weise gefärbt ist
wie beim Männchen. Länge 4,5 mm.
4 Männchen und 3 Weibchen vom Laristal 8. 8. 03.
2. R. longipalpis sp.nov. Augen fast genau halbkugelig, Stirn
und Wangen deutlich vorragend, Mundrand außerordentlich stark
vorgezogen und vorn senkrecht abgeschnitten, Backen breiter als bei
den übrigen Arten, Hinterkopf von oben an stark gepolstert. Die Stirn
ist über den Fühlern gemessen ein klein wenig breiter als ein Auge und
bleibt bis zum Scheitel fast gleichbreit. Die Mittelstrieme nimmt
den ganzen Raum ein und läßt nur an der Fühlerbasis sehr schmale,
gelblichgrau bestäubte Orbiten erkennen; sie ist tief schoko-
ladenbraun gefärbt, stumpf und hinten nicht ausgeschnitten, Wangen
und Backen sind schwarzbraun gefärbt, Hinterkopf dunkelgrau. Fühler
infolge des stark vorgezogenen Mundrandes ziemlich kurz, 3. Glied
1!/,mal so lang als das 2., schwarz, Taster recht lang, an der Basis
dünn, nach der Spitze zu allmählich verbreitert und messerartig zu-
sammengedrückt, von derselben Färbung wie bei allen übrigen Arten,
Rüssel schlank mit wenig entwickelten Saugflächen. Thoraxrücken
braun mit 2 ziemlich deutlichen schwarzen Mittellinien, der hintere
Teil, das Schildchen und ein Längsstreifen von den Schultern bis zur
Flügelwurzel hellgrau bestäubt. Hinterleib etwas flacher als bei den
übrigen Arten und in der Basalhälfte nicht so dick, im übrigen von
derselben Gestalt und Färbung. Er unterscheidet sich aber von allen
anderen Arten dadurch, daß der 3. und 4. Ring auf Mitte und Hinter-
rand abstehend beborstet sind. Beine schwarz, Pulvillen und Klauen
kurz, Vorderschienen auf der dem Körper abgewandten Seite ohne
Borste, Mittelschienen nur außen vorn und außen hinten mit je2 Borsten,
während sie innen nie eme Borste tragen, Hinterschienen wie bei den
übrigen Arten außen mit mehreren kurzen Borsten, außen abgewandt
und innen abgewandt mit je 2—3 Borsten. Flügel angeräuchert,
namentlich an Basis und Vorderrand, letzterer kaum gedörnelt, Rand-
dorn sehr klein, 3. und 4. Längsader fast ganz parallel, hintere Quer-
ader steil und grade, kleine Querader auf der Mitte der Diskoidalzelle,
von allen Arten dadurch unterschieden, daß die 3. Längsader bis zur
kleinen Querader weitläufig beborstet ist, Schüppchen ungleich,
weißlich, Schwinger schwarz. — Das Weibchen gleicht in Färbung
der Stirnmittelstrieme vollständig dem Männchen, während Wangen
und Backen grau bestäubt sind; Mundrand noch viel auffallender
144 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
vorgezogen als beim Männchen. Thorax und Schildchen genau wie bei
diesem gefärbt und gezeichnet, Hinterleib wie gewöhnlich aschgrau
und hinten zugespitzt, alles übrige wie beim Männchen, so daß es
z.B. auch durch die Beborstung der Mittelschienen leicht von den
andern Arten zu unterscheiden ist. Länge 5—6,5 mm.
2 Männchen und 5 Weibchen aus Oroya 22. 1. 04.
3. R. haustellata sp. nov. &. Die Art liegt mir leider nur in einem
männlichen Stück vor, ist aber leicht und sicher von allen andern zu
unterscheiden. Im Bau des Kopfes stimmt sie vollständig mit longi-
palpis überein. Die Stirnmittelstrieme ist von vorn gesehen ziemlich
dicht graulich bestäubt und im übrigen schwarz gefärbt, während
die schmalen, grau bestäubten Orbiten fast bis hintenhin zu verfolgen
sind. Thorax und Schildchen schwarzgrau, stumpf, die feinen Mittel-
linien und die an der Naht unterbrochenen Seitenstriemen verhältnis-
mäßig deutlich. Hinterleib gebaut und gefärbt wie bei der vorigen
Art. Beine schwarz, von einfachem Bau und ohne auffallende Be-
borstung, Pulvillen und Klauen kurz; Vorderschienen auf der dem
Körper abgewandten Seite mit 3—4 Borsten, Mittelschienen außen
vorn und außen hinten mit je 2, innen vorn mit 1 kräftigen Borste,
Hinterschienen wie bei der vorigen Art. Flügel schwach angeräuchert,
Vorderrand nackt, Randdorn fehlend, 3. und 4. Längsader etwas
konvergierend, 3. ganz nackt, Schüppchen weißlich, Schwinger schwarz.
Länge 4,5 mm.
1 Männchen aus Cuzco 17. 6. 05.
XIV. Tetramerinx Berg
Berg hat den von mir in der Berl. ent. Zeitschr. XLII. 254. XXI.
aufgestellten Namen Tetrachaeta als schon an eine Gattung vergeben
in den obigen umgeändert. Die Gattung gehört aber nicht, wie ich früher
annahm, zu den Coenosien, sondern zu den Limnophorinen.
1. T.rufitibia sp.nov. Ganz hellgrau, aber nicht so ins Weiße ziehend,
wie die von mir aus Nordamerika beschriebene 7. unica, sondern
schwach gelblich. Augen beim Männchen ziemlich hoch, oben etwas
breiter als unten, durch eine Strieme getrennt, die über den Fühlern
ansehnlich breiter als ein Auge ist und sich nach oben zu kaum etwas
verschmälert. Die sehr breite Mittelstrieme ist hinten tief aus-
geschnitten, von vorn gesehen dicht grau bestäubt und hebt sich nur
schwach von den gelblichgrauen Orbiten ab; letztere sind neben der
Fühlerbasis mit zahlreichen äußerst kurzen Börstchen besetzt. Stirn
im Profil deutlich und in scharfer Ecke vorragend, Untergesicht zurück-
weichend, Wangen sehr schmal, Backen mäßig breit, Hinterkopf
unten gepolstert. Fühler weit über der Augenmitte eingelenkt, fast
so lang wie das Untergesicht, schwarz, 2. Glied grau, Borste nackt,
bis zur Mitte verdickt, 2. Glied deutlich verlängert, Taster faden-
förmig, schwarz. Thorax und Schildehen meist einfarbig hellgrau,
ersterer nur selten mit der Spur von 3 schmalen gelbgrauen Linien;
de 4, vor der Naht 2, a kurz zweireihig, st 1, 2, die untere, wie gewöhnlich
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 145
bei den Zimnophorinen viel kürzer. Hinterleib ziemlich kurz, eiförmig,
etwas gewölbt, fast nackt, die letzten Ringe mit kurzen abstehenden
Borsten. Er ist wie der Thorax gefärbt und trägt eine braune, an den
Hinterrändern der Ringe abgesetzte Mittelstrieme und auf Ring 2
und 3 je ein Paar brauner runder Flecke, von denen auch auf Ring 4
eine Spur wahrzunehmen ist. Beine schwarz, die äußerste Spitze der
Schenkel und die Schienen rotgelb, Pulvillen und Klauen kurz; Vorder-
schienen borstenlos, Mittelschienen hinten mit 2, Hinterschienen
außen abgewandt mit 2 längeren, innen abgewandt mit 2 kürzeren
Borsten. Flügel ziemlich kurz, schwach gelblich, ohne Randdorn,
3. und 4. Längsader etwas divergierend, hnitere Querader steil und
grade, Schüppchen sehr ungleich, weiß, Schwinger gelblich. — Das
Weibehen gleicht vollkommen dem Männchen, ist aber bedeutend
größer. Die Hinterleibszeichnung ist viel schwächer als beim Männchen
und verschwindet bis auf die schmale Rückenlinie oft ganz. Länge 34,
0 5—6 mm.
1 Männchen und 5 Weibchen aus Arica 8. 10. 02, Tacna 22. 10. 02
und Mollendo 11. 11. 02.
Anmerkung: Die von mir für die Gattung gegebene
Diagnose ist dahin zu berichtigen, daß die Zahl der Dorsozentralborsten
auch 3 sein kann und daß die weibliche Legeröhre nicht immer mit
einem Hakenkranz versehen ist.
2. T. nigripes sp.nov. Die Art gleicht in Größe und Zeichnung
vollständig der vorigen und unterscheidet sich nur dadurch, daß sich
hinter der Naht 3 Dorsozentralborsten finden und daß die Beine mit
Ausnahme der Knie ganz schwarz sind. Legeröhre de® Weibchens wie
bei rufitibia mit Hakenkranz. Länge 4—5 mm.
5 Männchen und 2 Weibchen aus Arica 10. 10.—4. 11. 02.
XV. Acritochaeta Grimshaw
Die von Grimshaw in seiner Fauna Hawaiiensis II. 41. (1901)
aufgestellte Gattung ist eine echte Atherigona und unterscheidet sich
von ihr im männlichen Geschlecht nur durch die Vorderschenkel, die
oberseits kurz vor der Spitze auf der dem Körper zugekehrten Seite
mit einem seichten, kurz bewimperten Ausschnitt versehen sind.
1. A. trilineata Stein Termesz. Füz. XXIII. 157. 4 2 (1900);
Tijdschr. v. Ent. LII. 253.3 3 (1909). In der Garlepp’schen Sammlung
finden sich 1 Männchen und 2 Weibchen vom Urubambafluß (Peru-
Meshagua) 3. 10.—8. 10. 03, die vollständig mit den von mir aus Java
gesehenen und beschriebenen Stücken übereinstimmen.
XVI. Myopina R.D.
1. M. appendiculata Stein Ann. Mus. Nat. Hung. II. 473. 1.
10 Männchen und 6 Weibchen vom Titicacasee (Peru-Puno)
18. 11. 02, aus den Kordilleren Bolivias 4—5000 m 24. 12. 02, Tarma
21.1.04 und Oroya 21.1.04. Auch in Garlepp’s Sammlung finden
Archiv a Dee 10
146 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
sich mehrere Stücke aus den Kordilleren Bol. 14. 5. 03 und vom Titicaca-
see (Bolivia Guaqui) 28. 5. 03.
XVII. Calliophrys Kow.
1. C. iniqua sp.nov. Durch die nickenden, nicht anliegenden
Fühler und den Bau des Kopfes gibt sich die Art sofort als zur Gattung
Calliophrys gehörig zu erkennen. Hellgrau mit einem Stich ins Isabell-
farbene. Die breite Stirnstrieme ist schräg von vorn gesehen, dicht
hellgrau bestäubt und läßt keinen Unterschied zwischen Mittelstrieme
und Orbiten erkennen. Betrachtet man den Kopf senkrecht von oben,
so zeigt sich eine nur etwas dunkler graue, hinten wenig ausgeschnittene
Mittelstrieme. Stirn an der Fühlerbasis in ziemlich scharfer Ecke
etwas vorstehend, Wangen schmäler, so daß das Untergesicht etwas
zurückweicht, Mundrand vorgezogen, Backen mäßig breit, Hinterkopf
unten gepolstert. Fühler ziemlich weit über die Augenmitte eingelenkt,
etwas kürzer als das Untergesicht, schwarz, 2. Glied grau bestäubt,
Borste nackt, an der Basis schwach verdickt, Taster fadenförmig,
schwarz. Thorax mit 2 breiten, mehr oder weniger dunkelbraunen
Längsstriemen, deren innere Grenze von den Dorsozentralborsten
gebildet wird, bisweilen auch noch mit einer feinen, über die Akrostichal-
borsten laufenden Mittellinie; de 3, vor der Naht 2, a kurz, zweireihig.
Hinterleib länglich, fast walzenförmig, nackt, vom Hinterrand des
3. Ringes abstehend beborstet, Hypopyg im letzten Ring verstärkt,
aber von hinten gesehen deutlich wahrnehmbar. Er ist wie der Thorax
gefärbt und trägt auf Ring 2 und 3 je ein Paar ziemlich großer brauner
Flecke, die ungefähr die Gestalt eines rechtwinkligen Dreiecks haben,
dessen eine Kathete dem Hinterrand anliegt, während die andere
in der Mittellinie des Körpers sich findet und die Hypotenuse etwas
abgerundet ist; eine Spur dieser Flecke findet sich auch auf Ring 1,
während der letzte Ring einen braunen Mittelfleck trägt. Beine schwarz,
Pulvillen und Klauen kurz; Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen
hinten mit 1, Hinterschienen außen abgewandt und innen abgewandt
mit je 1 Borste. Flügel ganz schwach gelblich, ohne Randdorn, 3. und
4. Längsader fast parallel, hintere Querader steil und grade, die
ungleichen Schüppchen weiß, Schwinger gelblich. — Das Weibchen ist
etwas größer und die Hinterleibsflecke heller und mehr rundlich. Im
übrigen gleicht es vollständig dem Männchen. Länge ca. 5 mm.
10 Männchen und 12 Weibchen aus Valparaiso 12.9. 02, Arica
10. 10. 02, Palca 20. 10. 02, Taena 22. 10. 02, Arequipa 13. 11. 02 und
Sicuani 26. 6. 03.
XVII. Lispa Latr.
1. L. setuligera sp. nov. Die breite dunkelgraue Stirnmittelstrieme
hinten bis zur Fühlerwurzel ausgeschnitten, Wangen fein bewimpert,
Fühler schwarz, Spitze des 2. Gliedes mit rotem Punkt, Borste mäßig
lang gefiedert, in der Spitzenhälfte nackt, Taster stark verbreitert,
blaßgelb, seidenweiß bestäubt. Thorax aschgrau, Brustseiten heller,
bei reinen Stücken auf ersterem 5 schmale bräunliche Linien nur wenig
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 147
deutlich; de 3, a wie bei den nächsten Arten auch vor dem Schildehen
nicht. Schildehen aschgrau mit breiter dunkelgrauer Mittelstrieme.
Hinterleib etwas heller grau als der Thorax, Ring 2 und 3 mit je einem
Paar großer schwarzgrauer, etwas glänzender Flecke, die so ausgebreitet
sind, daß eine nicht sehr schmale Mittelstrieme, die Vorderränder
zu beiden Seiten und die äußersten Seiten die Grundfärbung zeigen;
eine schwache Andeutung großer blasser Flecke zeigt auch der 1. Ring,
während der 4. ebenfalls ein Paar Flecke trägt, welche denen auf Ring 2
und 3 gleichen, aber sich nicht so weit auf die Seite erstrecken. Hypopyg
kuglig, von der Seite gesehen nur wenig aus dem letzten Ring vor-
ragend. Der Hinterleib ist fast ganz nackt, nur die Seiten desselben
und der Hinterrand des letzten Ringes abstehend beborstet. Beine
schwarz, grau bestäubt, sämtliche Schienen und die Metatarsen rot-
gelb, Pulvillen und Klauen wenig verlängert; Vorderschienen mit
2 sehr zarten Borsten, Mittelschienen hinten und Hinterschienen
außen abgewandt mit je 1 kräftigen Borste; Mittelschenkel unterseits
vorn und hinten mit 3—4 von der Basis bis zur Mitte sich erstreckenden
Borsten, weiterhin nur äußerst kurz bewimpert, Hinterschenkel unterseits
abgewandt mit 4—5 Borsten, die sich von der Basis bis über die Mitte
hinaus erstrecken, zugekehrt mit einer Reihe von 6—7 kurzen Borsten,
die ungefähr denselben Raum einnehmen. Flügel graulichgelb, 3. und
4. Längsader parallel, hintere Querader steil und grade, Schüppchen
weißlich, Schwinger gelblich. — Die Färbung des Weibchens ist mehr
gelbgrau, die Hinterleibsflecke sind sehr verloschen, die Hinterschenkel
unterseits zugekehrt nackt, während sie abgewandt nur in der Nähe
der Basis 2 sehr kurze Borsten tragen. Alles übrige wie beim Männchen.
Länge 5,5 mm.
3 Männchen und 1 Weibchen aus Valparaiso 12.9. 02 und Co-
quimbo 29. 9. 02.
2. L. levis sp.nov. Hat große Ähnlichkeit mit der vorigen, ist
aber größer und robuster und die Grundfärbung ist ein helleres Gelb-
grau. Die Fühlerborste ist länger behaart, Farbe der Fühler und Taster
wie bei setuligera. Der Thorax ist in gleicher Weise beborstet und trägt
ebenfalls sehr schmale und nur undeutlich sich abhebende bräunliche
Längslinien, Schildchen einfarbig gelbgrau. Hinterleib sehr kräftig,
hell gelbgrau, sämtliche Ringe mit je einem Paar schwarzgrauer Flecke,
die dem Vorderrand anliegen, den Hinterrand nicht erreichen und im
allgemeinen mehr rundliche Form haben; auf dem ersten Ring sind
sie wie gewöhnlich sehr verloschen, auf dem letzten kleiner. Hypopyg
ebenfalls stark kuglig angeschwollen, aber nur wenig aus dem letzten
Ring hervortretend. Beine schwarz, gelbgrau bestäubt, Schienen
rotgelb, Pulvillen und Klauen kräftig, aber kurz, die letzten Glieder
der Vordertarsen deutlich etwas verbreitert; Vorderschienen mit
1 feinen Borste, die oft abgebrochen ist, Mittelschienen außen vorn
und außen hinten mit je 1 kräftigen Borste, Hinterschienen außen
abgewandt mit 1 langen auf der Mitte und 2 kürzeren zwischen Mitte
und Basis, innen abgewandt mit 1 Borste; Mittelschenkel unterseits
vorn und hinten mit einer Reihe von Borsten, die anfangs länger sind
10*
148 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
und weitläufiger stehen, in der Spitzenhälfte sehr kurz werden und
namentlich hinten äußerst dicht gedrängt und fast kammartig an-
geordnet sind, dabei aber so kurz, daß sie nur mit starker Vergrößerung
gesehen werden können, Hinterschenkel unterseits abgewandt wie
zugekehrt mit 3—4 von der Basis bis zur Mitte sich erstreckenden
Borsten. Alles übrige wie bei der vorigen Art. — Die Hinterleibsflecke
des Weibchens sind größer, aber viel verloschener, die Mittel- und
Hinterschenkel unterseits nur fein und kurz behaart, selten mit einigen,
stärkeren Borsten. An den 2 Borsten der Mittelschienen ist es leicht
zu erkennen. Länge ca. 8 mm.
3 Männchen und 4 Weibchen aus Arica 4. 11. 02.
3. L. vilis $ sp. nov. Gleicht außerordentlich der ersten Art und
ist um so schwerer von ihr zu unterscheiden, als auch die Beborstung
der Schienen bei beiden dieselbe ist. Die Grundfarbe ist ein gelberes
Grau, die Striemung des Thorax recht deutlich und namentlich die
Fortsetzung der Mittelstrieme auf das Schildchen. Die Hinterleibs-
flecke sind scharf begrenzt, stumpf, auf allen 4 Ringen deutlich und
bilden 2 breite, zusammenhängende Längsstriemen, deren Außenseite
durch die Form der Flecke gezackt erscheint. Die Mittelschenkel tragen
nur unterseits an der Basis einige Borsten und die Hinterschenkel
nur unterseits abgewandt 1 längere Borste im Beginn des letzten
Drittels, während sie zugekehrt ganz nackt sind. Alles übrige wie bei
setuligera. — Die Weibchen beider Arten werden sich kaum unter-
scheiden lassen. Länge 6,5 mm.
2 Männchen aus Sorata 18.12.02 und Lorenzopata 25. 4. 03.
Die 3 Arten lassen sich in folgender Weise unterscheiden:
1. Mittelschienen vorn und hinten mit je 1 kräftigen Borste L. levis
Mittelschienen nur hinten mit 1 Borste
2. Hinterschenkel unterseits zugekehrt von der Basis bis etwas über
die Mitte mit einer Reihe kurzer kräftiger Borsten L. setuligera
Hinterschenkel unterseits zugekehrt ganz nackt L. vihis
4. L. tentaculata Deg. Mehrere Pärchen aus Barranca (Peru-Lima)
31.1. 04
XIX. Hydrophoria R.D.
1. H. trimaculata sp. nov. Augen sehr hoch und schmal, oben aufs
engste zusammenstoßend, Stirn nur in schmaler Linie, Wangen gar
nicht vorragend, Backen sehr schmal, Hinterkopf in der untern Hälfte
nur wenig gepolstert. Fühler etwas unterhalb der Augenmitte einge-
lenkt, den untern Augenrand erreichend, lehmgelb, mit lang gefiederter
Borste, Taster fadenförmig, lehmgelb. Thorax im Grunde schmutzig
lehmgelb, auf dem Rücken weißlichgelb bestäubt mit 3 breiten dunkel-
braunen Längsstriemen, Schulterbeulen gelblich durchscheinend;
de 3, a deutlich zweireihig, pra sehr kurz. Schildehen braun mit lehm-
gelblichem Rand. Hinterleib länglich, fast streifenförmig, schmutzig
lehmgelb, von der Basis her in verschiedener Ausdehnung schwach
durchscheinend, der größere Endteil auf den ersten Blick schmutzig
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 149
braun erscheinend. Betrachtet man aber den Hinterleib ganz schräg
von hinten, so sieht man, daß sich von der hellbräunlichen Bestäubung
eine braune Rückenstrieme und auf den letzten 3 Ringen je ein Paar
großer, nach der Spitze zu allmählich kleiner werdender brauner
Flecke nicht sehr deutlich abheben. Beine dunkelbraun, Vorderhüften
lehmgelb, alle Schienen bräunlichgelb durchscheinend, die vorderen am
hellsten, Pulvillen und Klauen kurz; Vorderschienen mit 1 Borste, Mittel-
schienen außen vorn und außen hinten mit je 1, hinten mit 2, sämtlich
ziemlich kurzen Borsten, Hinterschienen außen auf der Mitte mit
1 längeren, außen abgewandt mit 3, innen abgewandt mit 1 Borste.
Flügel ziemlich intensiv lehmgelblich tingiert, derVorderrand gesättigter,
ohne Randdorn, 3. und 4. Längsader parallel, hintere Querader steil
und etwas geschwungen, 6. Längsader den Flügelrand nicht erreichend,
Schüppchen sehr ungleich, schmutzig lehmgelb, namentlich das untere
stark angeräuchert, Schwinger gelb. — Das Weibchen hat eine breite,
mit Kreuzborsten versehene Stirn, der Hinterleib ist an der Basis
in geringerer Ausdehnung durchscheinend, die Schüppchen heller; in
allen übrigen Merkmalen gleicht es dem Männchen. Länge 5,6—8 mm,
2 etwas kleiner.
2 Männchen und 3 Weibchen aus Chimate (Bol. Mapiri) 15. 1. 03,
S. Carlos 20.1.03, Sarampioni 13. 3. 03 und von der Pachitea-
mündung 20. 11.03.
- 2. H. ruralis Meig. Das einzige in Lorenzopata 29. 4. 03 gefangene
Männchen gleicht bis ins Kleinste den Stücken meiner Sammlung
und unterscheidet sich nur durch verdunkelte Schienen. Gegen das
Licht gehalten erscheinen aber wenigstens die Hinterschienen schwach
durchscheinend, so daß ich das Stück nur als eine etwas dunklere
Abänderung bezeichnen kann. Die Bestäubung des Hinterleibes ist
mehr weißgrau, bei unsern Stücken gelbgrau. Im übrigen ist nicht
der geringste Unterschied zu entdecken. x
3. H.scutellata sp. nov. Die Art hat die allergrößte Ähnlichkeit mit
ruralis und unterscheidet sich nur durch schwarze Beine, bei denen
höchstens die Knie rot gefärbt sind, und dadurch, daß der Thorax 3
ziemlich breite, scharf begrenzte schwarze Längsstriemen trägt, von
denen die mittlere sich fast bis auf die Spitze des Schildchens fortsetzt.
Bei ruralis sind im männlichen Geschlecht nur die seitlichen Striemen
etwas deutlicher, während sich statt der mittleren in der Vorderhälfte
des Thorax 2—3 feine Längslinien finden, die erst hinter der Naht
zu einer undeutlichen, sich nicht auf das Schildcehen fortsetzenden
Strieme zusammenfließen. Ganz besonders auffallend ist der Unter-
schied in der Thoraxzeichnung beim Weibchen beider Arten. Bei
ruralis ist der Thorax fast einfarbig grau und läßt nur eine vorn und
hinten abgekürzte Mittelstrieme erkennen, während beim Weibchen
vorn scutellata der Thorax in gleicher Weise mit 3 scharf begrenzten
Striemen versehen ist wie beim Männchen.
4 Pärchen aus Sorata 20. 12. 02.
4. H. flavibasis $ sp.nov. Augen sehr hoch und schmal, den
ganzen Kopf einnehmend, da Stirn und Wangen nur in äußerst feiner
150 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
Linie vorragen und die Backen sehr schmal sind. Fühler in der Augen-
mitte eingelenkt, so lang wie das Untergesicht, braun, Borste lang
und haarförmig, mäßig lang gefiedert, Taster sehr dünn und ziemlich
kurz, gelblich, an der Basis oft verdunkelt; Thorax von hinten gesehen
vor der Naht dicht weißlich bestäubt mit 2 schwarzen Längsflecken,
die unmittelbar oberhalb der Schulterbeulen entspringen und hinten
meist in eine feine Spitze ausgezogen sind. Hinter der Naht findet
sich eine breite glänzend schwarze Querbinde, deren Hinterrand nicht
scharf begrenzt ist, sondern mehr allmählich in die weißgraue Be-
stäubung der hintern Thoraxhälfte übergeht. Schildchen glänzend
schwarz, selten die äußerste Spitze gelblich; de 3, vor der Naht 2,
von denen die vorderste aber sehr kurz ist, a unregelmäßig vierreihig
und sehr kurz, pra kurz. Hinterleib walzenförmig, ziemlich schmal
und lang, die Hinterränder der beiden letzten Ringe mit einem Kranz
abstehender Borsten. Der 1. Ring ist ganz durchscheinend schwefelgelb,
der 2. von gleicher Färbung mit bräunlicher Vorderrandbinde und
Rückenstrieme, während die beiden letzten Ringe meist ganz schwarz
sind. Von hinten gesehen erscheint der ganze Hinterleib glänzend,
wie lackiert. Beine schwarz, Basis der Hinterschenkel in größerer oder
geringerer Ausdehnung schwefelgelb, Vorderschienen gelblich, Pulvillen
und Klauen mäßig verlängert, die der Vorderbeine etwas mehr; Vorder-
schienen mit 1 ziemlich langen Borste, Mittelschienen hinten außen
mit 1, hinten mit 2 Borsten, Hinterschienen außen und außen abgewandt
mit je 2, innen abgewandt mit 1 Borste. Flügel ziemlich schmal,
intensiv gelblich tingiert, mit sehr kleinem und feinem Randdorn,
3. und 4. Längsader etwas divergierend, hintere Querader schief und
schwach geschwungen, 6. Längsader den Flügelrand nicht erreichend,
Schüppchen ungleich, weißlichgelb, Schwinger gelblich. Länge
6—6,5 mm.
2 Männchen in Garlepp’s Sammlung aus Lorenzopata 10.5. 03
und dem Laristal 10. 8. 03.
Anmerkung: Die Art gleicht in Gestalt und allen plastischen
Merkmalen vollkommen der van der Wulp’schen collaris und der von
mir in den Ann. Mus. Nat. Hung. II. 475. 3 beschriebenen dezxiaria.
Dadurch, daß sich bei allen diesen Arten die 6. Längsader nicht bis
zum Flügelrand erstreckt und durch den schlankeren walzenförmigen
Hinterleib weichen sie von unserer Gattung Hydrophoria, als deren
Type H. conica Wied. anzusehen ist, ab und sind vielleicht einer
eigenen Gattung zuzuweisen.
5. H. collaris v. d. Wulp. 9. Stirn ohne Kreuzborsten, Fühler
braun, 2. Glied und die Basis des 3. rotgelb, Borste nicht sehr lang
gefiedert, Taster fadenförmig, gelb. Thorax mit fahlgelblichem Toment
bedeckt, 2 breite Striemen, die sich von oberhalb der gelblichen
Schulterbeulen bis zur Flügelwurzel erstrecken, aber den Vorderrand
nicht erreichen, schwärzlich, aber nicht scharf begrenzt; außerdem
trägt der Vorderrand die Anfänge von 2schmalen Mittellinien. Schildchen
lehmgelb, Basalhälfte gebräunt. Beborstung des Thorax wie bei der
vorigen Art. Hinterleib länglich, zugespitzt, hell rötlichgelb, eine
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 151
‚sehr schmale Mittellinie des 1. Ringes, eine breitere auf den übrigen
Ringen und die Vorderränder derselben schwarz. Beine gelbrot, Tarsen
schwarz, etwas mehr als das Enddrittel sämtlicher Schenkel gebräunt.
Flügel gelblich, mit deutlichem Randdorn, 3. und 4. Längsader diver-
gierend, hintere Querader steil und geschwungen, Schüppchen
weißlich, Schwinger gelb. Länge 6,5 mm.
1 Weibchen aus Sorata 2. 12. 02.
Anmerkung: Ich besitze ein Männchen, nach welchem
v. d. Wulp seine Beschreibung gemacht hat. Das vorliegende Weibchen
stimmt so gut damit, daß ich es für damit identisch erklären muß.
XX. Hylemyia R.D.
1. H. punctipennis Wied. Außereur. zweifl. Ins. II. 435. 31 (1830).
4 Männchen und 6 Weibchen aus La Paz 28. 11.02 und Sorata
18. 12. 02.
Ich habe über diese und die folgende Art an den verschiedensten
Stellen berichtet, z. B. in den Ann. Mus. Nat. Hung. II. 480 und dabei
die Hoffnung ausgesprochen, daß reichlicheres Material mich würde
Gewißheit erlangen lassen, ob beide Arten wirklich verschieden sind.
Leider bin ich auch jetzt noch zu keiner Entscheidung gekommen,
da die Fleckenzeichnung der Flügel zweifellos variiert. Das beweisen
aufs entschiedenste mehrere Männchen der Budapester Sammlung,
die sämtlich in Tucuman (Argentinien) gefangen sind. Bei einigen
verschwindet der Fleck an der Spitze der Randzelle fast vollständig,
so daß diese Stücke dann kaum von limbinervis zu unterscheiden
sind, während bei andern wieder nicht nur sämtliche von mir a. a. O.
genannte Flecke auffallend ausgebildet sind, sondern sich auch noch
an der Spitze der 2. Längsader ein deutlicher Fleck befindet und auch
die Spitzen der 3. und 4. Längsader schwach gebräunt sind. Im
allgemeinen scheint es, als ob bei punctipennis die Schenkel zum größten
Teil gelblich gefärbt sind, während sie bei lömbinervis gebräunt, ja oft
fast schwarz sind. Auch die Zugehörigkeit zur Gattung Hylemyia ist
sehr zweifelhaft; bei der gewöhnlich nur pubeszenten Fühlerborste
könnte die Art ebenso gut zur Gattung Pegomyia gezogen werden.
2. H. limbinervis Meq. Dipt. exot. II. 3. 169. 2 (1842).
Zahlreiche Männchen und Weibchen aus Santiago, Valparaiso,
Concepcion, Quillota 10. 9. —20. 9. 02 und Palca 18. 10. 02.
3. H. Johnsoni Stein Berl. ent. Zeitschr. XLII. 215. 8 (1897).
Ein vollständig mit der von mir gegebenen Beschreibung stimmendes
Männchen aus S. Carlos 8. 1. 03.
Die Art ist an den schwach, aber deutlich gebräunten Queradern
und an den paarigen rundlichen Flecken der mittleren Hinterleibsringe
leicht zu erkennen.
XXI Pegomyia R.D.
1. P. vittifera sp. nov. Augen fast auf engste zusammenstoßend.
Fühler und die fadenförmigen Taster schwarz, Fühlerborste pubeszent,
152 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
Thorax ganz hellbraun, mit 3 breiten braunen Längsstriemen, von denen
die mittelste vorn etwas schmäler ist, nach hinten zu breiter wird, so
daß sie hier den ganzen Raum zwischen den Dorsozentralborsten
ausfüllt, und sich bis auf die Spitze des Schildchens fortsetzt; a kräftig
und zweireihig, pra lang, st 2,2, die untere vordere feiner. Hinterleib
schmal, streifenförmig, abstehend behaart und an den Einschnitten
abstehend beborstet, die sichelförmig gebogenen Bauchlamellen ziemlich
weit vor der Spitze und weißlichgelb durchscheinend. Er ist wie der
Thorax gefärbt und läßt ganz schräg von hinten betrachtet nur auf den
letzten Ringen eine ganz schmale undeutliche bräunliche Mittellinie
erkennen. Beine schwarz, Schienen rot, die vordersten gegen das Ende
zu verdunkelt, Pulvillen und Klauen etwas verlängert; Vorderschienen
mit 1, Mittelschienen außen vorn mit 1, außen hinten mit 2 längeren,
innen hinten ebenfalls mit 2, aber wieder kürzeren Borsten, Hinter-
schienen außen mit 3, außen abgewandt mit etwa 8 abwechselnd
längeren und kürzeren Borsten, innen abgewandt mit etwa 3 und innen
zugekehrt ebenfalls mit ungefähr 3 Borsten um die Mitte herum,
Hinterschenkel unterseits abgewandt der ganzen Länge nach mit einer
Reihe von 6—7 kräftigen Borsten, zugekehrt mit einigen feineren
Borsten im mittleren Drittel. Flügel ziemlich intensiv gelblich, mit
kräftigem Randdorn und gedörneltem Flügelvorderrand, 3. und
‘4. Längsader parallel, hintere Querader schief und etwas geschwungen,
Schüppchen gleich groß und ziemlich klein, weißlich, Schwinger gelblich.
-— Das Weibchen hat eine breite mit Kreuzborsten versehene Stirn
und einen zugespitzten Hinterleib. Die Beinfärbung ist entweder
dieselbe wie beim Männchen, oder es sind auch sämtliche Schenkel
gelblich und nur die Vorderschenkel obenauf mit einem Längswisch.
An dem 3 striemigen Thorax ist es leicht zu erkennen. Länge sehr
wechselnd von 4,5—6 mm.
3 Männchen und zahlreiche Weibchen aus Palca 15. 10. 02, vom
Titicacasee (Peru-Puno) 23.11.02, Titicacasee (Bolivia) 1.6. 03,
Sicuani 19. 6.03, Cuzco VII. 03 und Tarma 20. 1.04. In Garlepp’s
Sammlung finden sich noch 2 Männchen aus Talca X. 02 und Cuzco
23. 3. 05.
Anmerkung:Einin Tiahuanaco 11.12.02 gefangenes Männchen
hat einen weiblichen Kopf, und die Mittelschienen tragen auch innen
vorn 2 Borsten, gleicht aber im übrigen der beschriebenen Art. Da
leider nur 1 Stück vorliegt, kann ich nicht entscheiden, ob wir es mit
einer Mißbildung oder einer neuen Art zu tun haben.
2. P. bella sp. nov. &. Augen nur durch eine äußerst feine schwarze
Strieme ganz wenig getrennt, unten etwas breiter als oben, Stirn etwas
vorstehend, Wangen gar nicht sichtbar, Backen mäßig breit, Mund-
rand ganz wenig vorgezogen, Hinterkopf unten gepolstert; Stirndreieck
klein, rot, auch die vorragende Stirn und das Gesicht rötlich schimmernd.
Füher schwarz, 2. Glied rot, Borste haarförmig, an der äußersten Basis
etwas verdickt, nackt, Taster fadenförmig, bis zur Spitze des Rüssels
reichend, braun, Basis gelblich. Thorax und Schildchen hellgrau,
ersterer mit schmaler, wenig sichtbarer bräunlicher Mittellinie; a zwei-
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 153
reihig, ziemlich kurz, einander etwas näher als den Dorsozentralborsten,
pra sehr kurz, st 1,2. Hinterleib ziemlich schmal, fast streifenförmig,
dicht hellgrau bestäubt, mit kaum sichtbarer Mittellinie, abstehend,
aber nicht sehr dicht behaart, Bauchlamellen abwärts gerichtet,
gelblich, das nur wenig vorragende Hypopyg glänzend schwarz. Beine
gelb, Vorderschenkel mehr oder weniger gebräunt, Tarsen schwarz,
Pulvillen und Klauen kaum verlängert; Vorderschienen mit 1 kleinen
Borste, Mittelschienen außen vorn mit 1 sehr kurzen, außen hinten
und hinten mit je 2 etwas längeren Borsten, Hinterschienen außen
mit 2, außen abgewandt mit 4—5, innen abgewandt mit 2 und innen
zugekehrt ebenfalls mit einigen Borsten. Flügel blaßgelblich, mit
gelben Adern, Randdorn sehr klein, 3. und 4. Längsader parallel, hintere
Querader wenig schief und grade, Schüppchen gleich groß, weißlich,
Schwinger gelblich. Länge 5 mm.
1 Männchen aus Palca 18. 10. 02.
XXII. Chortophila Mcq.
1. Ch. virgata sp. nov. Augen in kurzer Strecke eng zusammen-
stoßend, Stirn etwas vorragend, Wangen ziemlich schmal, gekielt,
Mundrand etwas vorgezogen, Backen etwa ein Viertel so breit wie die
Augenhöhe, Hinterkopf unten gepolstert. Fühler etwas kürzer als das
Untergesicht, schwarz, Borste bei starker Vergrößerung kurz behaart,
Taster fadenförmig, schwarz. Thorax grau, 3 breite Striemen, von denen
die mittelste über die Akrostichalborsten läuft und sich bis auf die Spitze
des Schildchens fortsetzt, die seitlichen von oberhalb der Schulterecken
bis zur Flügelwurzel sich erstrecken, schwarz; a zweireihig, das erste
Paar gewöhnlich etwas länger, pra lang, st 2, 2, die untere vordere etwas
feiner. Hinterleib schmal, streifenförmig, überall abstehend behaart
und an den Ringeinschnitten länger beborstet, grau bestäubt, mit
breiter schwarzer Rückenstrieme und schmalen undeutlichen schwärz-
lichen Vorderrändern der Ringe; Bauchlamellen wohl entwickelt,
ziemlich weit vor der Spitze, senkrecht nach unten gerichtet, schwarz,
bisweilen schmutzigweiß durchscheinend. Beine schwarz, Pulvillen
und Klauen mäßig verlängert; Beborstung wie bei Pegomyia vittifera,
mit der sie überhaupt in der ganzen Gestalt außerordentliche Ähnlich-
keit hat. Flügel graulich, um die Basis herum etwas intensiver, Rand-
dorn mäßig lang, 3. und 4. Längsader parallel, hintere Querader schief
und deutlich geschwungen, Schüppchen weißlichgelb, Schwinger
gelblich. — Der Hinterleib des Weibchens ist länglich, hinten zu-
gespitzt und trägt eine anfangs ziemlich breite, nach der Spitze zu
schmäler werdende Rückenstrieme, während dunkle Ringeinschnitte
kaum mehr wahrzunehmen sind. Länge 5—6 mm.
6 Männchen und 2 Weibchen aus Santiago 15. 9. 02, Guayacan
22. 9. 02 und Coquimbo 23. 9. 02. 3 andere Männchen und 4 Weibchen,
die aus Sorata 18. 12. 02, Sieuani 17. 6. 03, Cuzco 7. 03 und Tarma
20. 1. 04 stammen, stimmen in allen plastischen Merkmalen mit der
beschriebenen Art überein und unterscheiden sich nur dadurch, daß
154 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
die Thoraxstriemen etwas breiter, scharf begrenzt und fast sammet-
schwarz sind, während auch die Hinterleibszeichnung scharf begrenzt
ist. Da ich im übrigen nicht den geringsten Unterschied wahrnehmen
kann, glaube ich, daß es sich nur um eine etwas dunklere Abart handelt.
2. Ch. albilamellata sp. nov. Sie gleicht der vorigen so sehr, daß
es genügen wird, wenn ich die Unterschiede angebe. Die Augen stoßen
oben nicht eng zusammen, sondern sind durch eine, wenn auch nur sehr
schmale Strieme etwas getrennt. Der Hinterleib ist noch schmäleı,
dicht hell bräunlichgrau bestäubt und zeigt nur auf den drei letzten
Ringen eine schmale und sehr verloschene bräunliche Rückenstrieme
und auch nur dann, wenn man den Hinterleib ganz schräg von hinten
betrachtet. Die Bauchlamellen sind von gleicher Form wie bei virgata,
aber weißlich gefärbt. Die Flügel sind mehr gelblich tingiert, der Rand-
dorn länger und kräftiger und der Vorderrand bis zum Randdorn
deutlich und ziemlich lang gedörnelt, während sich darüber hinaus
auch noch kurze Börstchen finden. Die schwärzlichen Thoraxstriemen
endlich haben mehr einen Stich ins Braune. Beborstung der Beine
genau dieselbe. Das am selben Ort gefangene Weibchen gibt sich durch
die gleichfalls sehr verloschene Strieme des Hinterleibs und den
deutlich gedörnelten Flügelvorderrand zu erkennen.
4 Männchen und 3 Weibchen vom Titicacasee (Peru-Puno) 23. 11. 02
u. von der Titicacamsel (Bolivia) 11. 6. 03.
3. Oh. nervieincta sp. nov. d. Augen durch eine sehr schmale
schwarze Strieme und kaum sichtbare, weiß bestäubte Orbiten
etwas getrennt, Stirn in ziemlich scharfer Ecke ein wenig vorragend,
Wangen schmal, Untergesicht ein wenig zurückweichend, Backen
schmal. Fühler so lang wie das Untergesicht, vorgestreckt, schwarz,
Borste bei starker Vergrößerung nur kurz pubeszent, Taster ziemlich
schmal, schwarz. Thorax auf dem Rücken dunkelgrau, dünn hellergrau
bestäubt, so daß man bei reinen Stücken, namentlich vor der Naht,
eine schmale Mittellinie und breite dunkle Seitenstriemen erkennt,
Brustseiten hellgrau bestäubt; a zweireihig, das erste Paar länger,
pra etwa zwei Drittel so lang wie die folgende sa, aber ziemlich dünn.
Schildchen schwarz, sehr dünn bräunlichgrau bestäubt. Hinterleib
ziemlich schmal, streifenförmig, überall abstehend behaart und an den
Einschnitten lang beborstet. Ganz von hinten gesehen ist er bräunlich-
grau bestäubt und läßt eine dunklere Rückenstrieme verhältnismäßig
deutlich erkennen. Beine schwarz, Pulvillen und Klauen mäßig ver-
längert, Beborstung der Verder- und Mittelbeine wie bei den vorigen
Arten, Hinterschienen außen und außen abgewandt mit je 2, innen
abgewandt mit 1 Borste. Flügel graulich, der Vorderrand ziemlich
intensiv gebräunt, hintere Querader breit braun gesäumt, kleine nur
wenig, Randdorn fehlt, 3. und 4. Längsader parallel, hintere Quer-
ader steil und gerade, Schüppchen weißlich, Schwinger gelblich. Länge
5,5 mm.
1 Männchen aus Sorata 22. 12. 02.
4. Ch. cilicrura Rnd. Zahlreiche Stücke beiderlei Geschlechts,
die sich in Körperfärbung etwas von unsern europäischen Stücken ’unter-
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 155
scheiden, in allen plastischen Merkmalen aber so übereinstimmen,
daß ich sie sämtlich nur als cılierura betrachten kann. Sie stammen
aus Talcahuana 10. 9. 02, Concepcion 10. 9. 02, Valparaiso 12. 9. 02,
Santiago 18. 9. 02, Quillota 20. 9. 02, Coquimbo 23. 9. 02, Antofagasta
27.9. 02, Arica 8. 10. 02, Tacna 12. 10. 02, Palca 20. 10. 02, Tiahuanaco
11. 11. 02, Arequipa 13. 11. 02, vom Titicacasee (Peru-Puno) 21. 11. 02,
La Paz 28. 11. 02, Sorata 18. 12. 02, Titicacasee (Bolivia) 1. 6. 03,
Sicuani 20. 6. 03.
XXIH. Anthomyia Meig.
1. A. comis sp. nov. Sie gehört in die nächste Verwandtschaft der
A. albicincta Fall., mit welcher sie im Bau des Kopfes und in der ganzen
Gestalt außerordentliche Ähnlichkeit hat. Die Augen stoßen oben aufs
engste zusammen und nehmen fast den ganzen Kopf ein, Fühler und
Taster schwarz, erstere mit nackter an der Basis etwas verdickter
Borste. Thorax und Schildchen hellgrau, eine Querbinde unmittelbar
hinter der Naht, welche hinten in mehrere Spitzen ausläuft, 2 schmale,
vorn und hinten abgekürzte, über die Dorsozentralborsten laufende
Längsstriemen vor der Naht und jederseits ein oberhalb der Schulter-
beulen liegender, annähernd dreieckig geformter Fleck, sowie die Basis
des Schildehens sammetschwarz. Beborstung des Thorax genau wie
bei albieincta. Hinterrücken hellgrau, mit schmaler schwarzer Mittel-
strieme. Hinterleib genau von derselben Form wie bei der genannten
Art, dicht hellgrau bestäubt, mit einem schwachen Stich ins Gelbliche,
je ein Mittelfleck auf allen Ringen, die zusammen eine nach hinten zu
sich etwas verschmälernde Strieme bilden, und je 2 schmale recht-
eckige Vorderrandflecke auf Ring 2 und 3, die nur äußerst schmal
mit dem Mittelfleck zusammenhängen, sammetschwarz. Alles übrige,
Beborstung der Beine, Farbe der Flügel, Aderverlauf, Schüppchen
und Schwinger wie bei albicincta.
3 Männchen aus Tacna 22. 10. und 26. 11. 02.
2. A. crenata Big. Ann. Soc. ent. Fr. ser. 6. V. 282. 2 (1885). Die
Art hat so große Ähnlichkeit mit der vorigen und albieincta, daß ich
sie trotz der behaarten Augen lieber zur Gattung Anthomyia ziehe.
Das Weibchen ist dem Männchen sehr unähnlich. Der Thorax ist hell-
bräunlichgrau bestäubt und trägt 3 breite braune Längsstriemen,
von welchen die mittlere etwas schmäler ist und sich auf das Schildchen
fortsetzt. Die Hinterleibszeichnung ist ähnlich wie beim Männchen.
Mit starker Lupe sind die Augen deutlich, wenn auch kurz behaart,
so daß man dadurch das Weibchen dieser Art von dem wahrscheinlich
sehr ähnlichen der vorigen unterscheiden kann.
4 Männchen und 8 Weibchen aus Arequipa 13. 11. 02, Chancha-
mayo 18. 1. 04 und Tarma 19. 1. 04.
156
10.
11.
12.
13.
Prof. P. Stein: Die von Schnuse
XXIV. Coenosia Meig.
Übersicht der Arten.
Beine schwarz, höchstens die Knie, selten die Mittelschienen
etwas rötlich 2
Mindestens die Hinterschienen oder ein Teil der Schenkel gelb 12
Mittelschienen innen vorn mit 1—2 Borsten 3
Mittelschienen innen vorn nie mit Borsten 4
Fliege einfarbig schwarz, ungefleckt, Beine ganz schwarz
1. ©. immaculata sp. nov.
Fliege anders gefärbt, Hinterleib mit Fleckenpaaren, Knie rötlich
2. CO. crassicauda sp. nov.
Hinterschienen der ganzen Länge nach fein und lang behaart
3. C©. hirtitibia sp. nov.
Hinterschienen nur mit den gewöhnlichen Borsten 5
Beide Queradern schwach, aber deutlich gebräunt 6
Queradern nicht gebräunt 7
Flügel mit eigentümlich weißlicher Längsstreifung, Hinterleibs-
flecke ansehnlich, Pulvillen und Klauen auffallend verlängert
5. Ü. picta sp. nov.
Flügel außer der Bräunung der Queradern gleichmäßig gefärbt,
Hinterleibsflecke fast punktförmig, Pulvillen und Klauen nicht
auffallend verlängert 6. CO. vittithoraz Sp. nov.
Fühler so lang als das Untergesicht, 3. Glied mindestens dreimal
so lang als das zweite 8
Fühler bedeutend kürzer als das Untergesicht, 3. Glied höchstens
2!/, mal so lang als das 2. 11
Stirn sammetschwarz, so daß man Orbiten und Mittelstrieme
nicht unterscheiden kann
Stirn hellgrau, Mittelstrieme und Orbiten deutlich getrennt 10
Randader beborstet, Randdorn lang, Schwinger schwarz
26. CO. nigrohalterata Stein
Randader nackt, Randdorn fehlend, Schwinger gelb oder höchstens
bräunlich 9. C. atrifrons sp. nov.
Hinterleib ziemlich kurz und gedrungen, höchstens so lang wie
Thorax und Schildchen zusammen 10. ©. medioeris sp. nov.
Hinterleib ziemlich schlank, seitlich etwas zusammengedrückt,
länger als Thorax u. Schildchen zusammen 11. (©. procera sp. nov.
Hypopyg von oben gesehen den letzten Hinterleibsring um die
Hälfte seiner Länge überragend, mindestens ebenso breit als
dieser, 5 mm große Art 7. CO. tumida sp. nov.
Hypopyg von oben gesehen den letzten Ring kaum überragend
und schmäler als dieser, höchstens 4 mm lang
8. Ü. setiwventris Sp. noV.
Mittelschenkel ganz oder zum Teil gelb
Mittelschenkel ganz schwarz 25
Schienen mit Ausnahme der Basis schwarz 27. ©. vittifera Stein
Schienen ganz oder zum größten Teil gelb 14
Di nn A 2
N
14.
15.
16.
25.
26.
27.
in Südamerika gefangenen Anthomyiden, 157
Vorderschienen schwarz, Art mit dichtem weißen Backenbart
4. C. capribarba sp. nov.
Voıderschienen gelb, Art ohne Backenbart 15
Hinterschienen außen mit zahlreichen langen Borstenhaaren
besetzt 12. ©. Garleppi sp. nov.
Hinterschienen nur mit den gewöhnlichen Borsten 16
Mittelschienen hinten von der Mitte bis zur Spitze mit 4 auf-
fallend langen Borstenhaaren 13. ©. pilitibia sp. nov.
Mittelschienen hinten ohne lange Borstenhaare 17
Alle Hüften gelb 18
Hüften grau 22
Hinterleib an der Basis durchscheinend gelb
14. CO. diaphana sp. nov.
Hinterleib nirgends durchscheinend 19
Fühlerborste deutlich behaart 15. C©. plumiseta sp. nov.
Fühlerborste nackt oder höchstens pubeszent 20
Rückenborste auf der Mitte der Hinterschienen vorhanden 21
Rückenborste auf der Mitte der Hinterschienen fehlend
28. CO. ovata Stein
. Taster schwarz, Klauen kaum mit starker Lupe zu erkennen,
Borste auf der Innenseite der Hinterschienen vorhanden
16. ©. incurva sp. nov.
Taster gelb, Klauen deutlich, wenn auch nicht sehr lang, Borste
auf der Innenseite der Hinterschienen fehlend
17. C. oculata sp. nov.
. Alle Schenkel ganz gelb 29. C. recedens Stein
Vorderschenkel ganz schwarz oder wenigstens mit einem schwarzen
Längsfleck auf der Oberseite 23
Vorderschenkel mit einem schwarzen Längsfleck auf der Ober-
seite 18. ©. truncata sp. nov.
Vorderschenkel ganz schwarz 24
. Mittel- und Hinterschenkel in der Spitzenhälfte scharf begrenzt
schwarz gefärbt, Hinterleibsflecke ziemlich groß und scharf be-
grenzt, Thorax mit deutlicher feiner Mittellinie
30. C. geniculata Fall.
Mittel- und Hinterschenkel an der Spitze bisweilen geschwärzt,
aber nie so ausgedehnt und scharf begrenzt, Hinterleibsflecke
kleiner und weniger scharf, Thorax ohne Mittelstrieme
19. ©. ignobilis sp. nov.
Borsten der Stirn, des Hinterleibs und der Schenkelunterseite
weiß 20. C. albiseta sp. nov.
Sämtliche Borsten schwarz 26
Vor der Naht 2 kräftige Dorsozentralborsten, über 6 mm lange Art
21. C. robusta sp. nov.
Vor der Naht nur 1 Dorsozentralborste, kleine Arten 27
Hinterschienen außen und außen abgewandt mit je mehreren
kräftigen Borsten 22. C. inculta sp. nov.
Hinterschienen außen und außen abgewandt mit je nur 1 Borste 28
158 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
28. Pulvillen und Klauen äußerst kurz, kaum mit der Lupe zu erkennen
| 23. C. rotundiventris sp. nov.
Pulvillen und Klauen deutlich verlängert
29. Sämtliche Schienen gelb, Hinterleibsflecke sich nur sehr schwach
von der Grundfärbung abhebend 24. C. iniqua sp. nov.
Vorderschienen mit Ausnahme der Basis schwarz, Hinterleibs-
- Slecke scharf begrenzt 25. ©. strenua sp. nov.
a) Neue Arten.
l. ©. immaculata sp. nov. Ganze Fliege einfarbig schwarz. Augen
nicht sehr hoch und schmal, fast halbkuglig, Stirn über den Fühlern
etwas breiter wie ein Auge, nach dem Scheitel zu sich noch ein wenig
verbreiternd, die Mittelstrieme so breit, daß die Orbiten kaum zu be-
merken sind und die Frontorbitalborsten unmittelbar am Augenrande
stehen. Von oben gesehen erscheint die ganze Stirn stumpf und tief-
schwarz, von vorn betrachtet zeigt sich dieMittelstrieme in ihrer vorderen
Hälfte weißlichgrau bestäubt und ist hinten bis zur Mitte ausgeschnitten.
Im Profil ragt die Stirn über den Fühlern etwas vor, Wangen linien-
förmig, Backen mäßig breit, Hinterkopf unten gepolstert. Fühler
etwas kürzer als das Untergesicht, verhältnismäßig kräftig, schwarz,
mit nackter, im Basaldrittel verdiekter Borste, Taster fadenförmig,
schwarz. Thorax schwarz, stumpf, bei reinen Stücken ganz schwach
graulich bereift, so daß eine schwärzliche Mittelstrieme sichtbar wird;
a deutlich zweireihig. Hinterleib länglich, ziemlich schmal und hinten
zugespitzt, an der Spitze durch das etwas vorragende Hypopyg ein
wenig verdickt, 3. u. 4. Ring abstehend, aber nicht sehr lang beborstet.
Er ist wie der Thorax schwarz und stumpf und läßt bei keinem der
vorliegenden Stücke eine Zeichnung erkennen. Beine schwarz, Pul-
villen und Klauen kurz; Vorderschienen mit 1, Mittelschienen außen
vorn, außen hinten und innen etwas nach vorn gerückt mit je 2 Borsten,
von denen die obere jedesmal die kürzere ist, Hinterschienen außen
abgewandt und innen abgewandt ebenfalls mit je 2 Borsten. Flügel
graulich mit schwarzen Adern, Vorderrand an der Basis schwach
gewimpert, Randdorn deutlich, aber ziemlich fein, 3. u. 4. Längsader
fast parallel, jene an der äußersten Spitze ganz schwach aufwärts,
diese ebenso schwach abwärts gebogen, hintere Querader steil und gerade,
letzter Abschnitt der 4. Längsader nicht viel länger als der vorletzte,
6. Längsader verkürzt, Schüppchen schneeweiß, das untere weit vor-
ragend, Schwinger rotgelb mit etwas dunklerem Stiel. — Das Weibchen
gleicht bis auf die etwas breitere Form des Hinterleibs vollständig dem
Männchen und ist durch die Beborstung der Mittelschienen sofort als zu-
gehörig zu erkennen.
5 Männchen u. 1 Weibchen in der Sammlung des Herrn Garlepp
aus Sorata V. 03. und Ann. Laristal 8. 8. 03.
2. O. crassicauda sp.nov. Augen nicht ganz doppelt so hoch als
breit, Stirnstrieme über den Fühlern etwa so breit wie ein Auge, nach
dem Scheitel zu etwas breiter werdend, Mittelstrieme breit, Orbiten sehr
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 159
schmal, beide graulich bestäubt. Stirn im Profil an der Fühlerbasis
deutlich vorragend und hier seitlich etwas zusammengedrückt, Wangen
etwas schmäler, Backen ein Viertel bis ein Drittel so breit als die
Augenhöhe, Hinterkopf unten ziemlich stark gepolstert. Fühler etwa
in der Augenmitte eingelenkt, kürzer als das Untergesicht, den unteren
Augenrand kaum erreichend, 3. Glied schwarz, ungefähr 2!/, mal so
lang als das graulich oder rötlich grau bestäubte 2., ziemlich kräftig
und mit einer scharf zugespitzten Vorderecke, Borste bei starker Ver-
größerung pubeszent, im Wurzeldrittel deutlich verdickt, Taster sehr
dünn, gelbgrau, Rüssel ziemlich schlank mit kleinen Saugflächen,
glänzend schwarz. Thorax und Schildchen hellgrau, 4 schmale Linien
auf ersterem, die sämtlich an der Quernaht etwas unterbrochen sind,
nur wenig dunklergrau, so daß sie sich nicht scharf abheben, aber immer-
hin von hinten deutlich erkennbar sind. Beborstung, wie auch bei
allen folgenden Arten, wenn nichts besonderes erwähnt wird, die der
echten Coenosien, d. h. de vor der Naht 1, hinter derselben 3, st 3 in
Gestalt eines gleichseitigen Dreiecks, pra ganz fehlend. Außer den
stärkeren Borsten ist der Thorax mit nur sehr zerstreut stehenden
Härchen besetzt. Hinterleib noch ein ganz Teil länger als Thorax und
Schildehen zusammen, walzenförmig, 4. Ring auf dem Rücken
mindestens noch einmal so lang als an den Seiten, Hypopyg außer-
ordentlich stark entwickelt, beide Abschnitte deutlich; von der Seite
gesehen überragt der erstere größere und fast kugelförmig angeschwollene
Abschnitt den zweiten etwas schmäleren um ein.ganzes Stück. Bauch-
lamellen breit, blattartig, aber dadurch nicht auffallend, daß sie dem
Hinterleib dicht angedrückt sind. Die Färbung des Hinterleibs ist
ein ziemlich lichtes, fast bläuliches Grau, und die beiden letzten Ringe
tragen je ein Paar sehr blasser runder Flecke, die sich nur sehr wenig
von der grauen Grundfärbung abheben. Der Hinterrand des letzten
Ringes und der Basalteil des Hypopygs sind länger behaart, im übrigen
der Hinterleib nackt. Durch das angeschwollene Hypopyg erscheint
er von der Seite gesehen in der Endhälite bedeutend höher als an der
Basis. Beine grau, äußerste Basis der Schienen rotgelb, Pulvillen und
Klauen verlängert; Vorderschienen mit 1 feinen u. nicht sehr langen
Borste, Mittelschienen außen vorn und außen hinten mit je 1, von
denen die letztere höher steht, und mit 1 kürzeren innen vorn, Hinter-
schienen außen, außen abgewandt und innen abgewandt ebenfalls
mit je 1 Borste, von denen die 2. in der Mitte steht und am längsten ist;
Mittelschenkel unterseits vorn und hinten von der Basis bis etwas über
die Mitte mit 4—5 langen Borstenhaaren, Hinterschenkel unterseits
abgewandt u. zugekehrt fast der ganzen Länge nach mit langen Borsten-
haaren besetzt, von denen die auf der zugekehrten Seite im Beginn
des letzten Drittels aufhören. Flügel weißgrau, ohne Randdorn, hintere
Querader schief und gerade, Analader den Flügelrand nicht erreichend,
die ungleichen Schüppchen weiß, Schwinger gelb. — Beim Weibchen
sind Stirnmittelstrieme, Orbiten und Wangen mehr oder weniger
oekergelb bestäubt, die ganze Körperfärbung auch mehr hell bräunlich-
grau, die Flecke des Hinterleibs sind etwas deutlicher und finden sich
160 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
auch auf dem 2. Ring, selten auf allen. Im übrigen ist es durch den
vierstriemigen Thorax leicht zu erkennen. Länge 55,5 mm.
3 Männchen und 9 Weibchen vom Titicacasee (Peru-Puno) 17. 11.
bis 23. 11. 022 und vom Titicacasee (Bolivia) 30. 5., 10. 6.03. In Garlepps
Sammlung finden sieh 1 Männchen und 2 Weibchen vom Titicacasee
(Bolivia-Guagquin) 26.5. bis 2. 6. 03.
3. ©. hirtitibia sp.nov. Augen nicht ganz doppelt so hoch wie breit,
Stirn und Wangen deutlich vorragend, Backen etwa doppelt so breit als
die Wangen, Hinterkopf unten gepolstert. Stirn von vorn gesehen über
den Fühlern etwas breiter als ein Auge, nach oben nur wenig breiter
werdend, Mittelstrieme breit, braun bestäubt, ÖOrbiten sehr schmal,
grau. Fühler weit über der Augenmitte eingelenkt, lang, den untern
Augenrand überragend, 3. Glied vorn mit spitzer Ecke, schwarz,
Borste nackt oder nur sehr schwach pubeszent, im Basaldrittel ver-
dickt, Taster sehr dünn, braun. Der Hinterkopf und die Backen bis zur
Vibrissenecke sind mit zahlreichen, aber nicht allzu dicht stehenden
weißen Haaren besetzt. Thorax und Schildchen grau, ersterer mit
2 sehr breiten braunen Striemen, deren innere Grenze von den Dorso-
zentralborsten, äußere von den Intraalarborsten (ia) gebildet wird, und
die auf die Seiten des Schildchens übergehen. Hinterleib walzenförmig,
meist etwas eingekrümmt, länger als Thorax und Schildchen, grau
bestäubt wie der Thorax, aber auf dem Rücken mehr bräunlichgrau,
jeder Ring mit 2 scharfbegrenzten dunkelbraunen, ziemlich großen
Flecken, nur die des 4. Rings etwas kleiner; Hypopyg deutlich, aber
nur wenig vorragend, Bauchlamellen groß, fast blattartig, dem Hinter-
leib dicht anliegend. Beine schwarz, Vorder- und Mittelschienen
mehr oder weniger schmutziggelbrot, Pulvillen und Klauen kurz;
Vorderschienen mit 1 sehr femen Borste, Mittelschienen hinten mit 1,
Hinterschienen außen und innen der ganzen Länge nach dicht und lang
zottig behaart, worunter auf der Außenseite 3—4 besonders lange
Haare auffallen, sämtliche Hüften weiß behaart. Flügel ganz blaß
gelblichgrau, ohne Randdorn, hintere Querader steil und gerade,
die ungleichen Schüppchen weiß, Schwinger gelb. — Stirn des
Weibchens nur wenig breiter als beim Männchen, die Orbiten ebenfalls
schmal, die Behaarung der Backen vorn ins Schwarze übergehend;
1. Hinterleibsring gewöhnlich ungefleckt, 4. mit 2 punktartigen Flecken.
Beine schwarz, sämtliche Schienen gelb, Mittelschienen vorn außen
mit 1 längeren, hinten außen mit 2 kürzeren Borsten, Hinterschienen
außen und außen abgewandt mit je 2 recht langen, innen abgewandt
mit 1 etwas kürzeren Borste. Alles übrige wie beim Männchen. Länge
gd4 25 mm.
5 Männchen und 8 Weibchen aus Palca 14. 10. bis 21. 10. 02 und
La Paz X. 05. In Garlepps Sammlung noch ein Pärchen aus Palca
X. 02.
4. ©. capribarba sp.nov. Augen mehr als doppelt so hoch als breit,
oberhalb der Mitte am breitesten, Stirn an der Fühlerbasis und den
Wangen mäßig weit vorragend, Backen breiter, Unterrand desKopfes mit
der von der Fühlerbasis bis zum Scheitel gezogenen Linie nach vorn zu
in Südamerika gefangenen Anthomyiden, 161
deutlich konvergierend, während bei den vorigen Arten beide Linien
parallel laufen. Stirn über den Fühlern bedeutend breiter als ein Auge,
die Mittelstrieme scharf begrenzt, tiefschwarz, schwach bräunlich ge-
stäubt, hinten nur wenig ausgeschnitten, Orbiten halb so breit wie die
Mittelstrieme, nebst den Wangen und Backen bei reinen Stücken fast
schneeweiß gefärbt, Backen mit langen, sehr dichten, senkrecht nach
unten gerichteten schneeweißen, seidenartig glänzenden Haaren,
einen Backenbart bildend, der dem Tier ein ausgezeichnetes Ansehen
verleiht. Fühler etwas über der Augenmitte eingelenkt, lang, den untern
Augenrand überragend, schwarz, das 3. Glied an der Spitze etwas
schmäler werdend, fast spitz zulaufend, Borste bis zur Mitte deutlich
verdickt, dann allmählich dünner werdend, sehr dicht u. kurz pubes-
zent, Taster dünn, braun, Rüssel ziemlich schlank, mit mäßig großen
Saugflächen, glänzend schwarz. Thorax gefärbt und gezeichnet wie
bei der vorigen Art, nur sind die Striemen schmäler, so daß sie nach
außen hin die Intraalarborsten nicht erreichen. Hinterleib von gleicher
Form wie bei hertitibia, weißgrau mit 2 scharf begrenzten, fast qua-
dratischen, tiefschwarzen Flecken auf jedem Ring, von denen die des
1. Rings etwas kleiner sind als die letzten, und diese wieder etwas kleiner
als die des 2. und 3. Ringes; von der Mitte des 3. Ringes an trägt er
einige abstehende Borsten. Hypopyg kaum vorragend. Beine rotgelb,
sämtliche Hüften grau, die Tarsen, ein Basallängswisch auf der Ober-
seite der Vorderschenkel, die äußerste Basis der Mittelschenkel und die
Vorderschienen schwarz, ein kleiner Fleck an der Spitze der Hinter-
schenkel und ein ebensolcher an der Basis der Hinterschienen bräunlich,
Pulvillen und Klauen sehr kurz. Die Vorderschienen sind auf der dem
Körper abgewandten Seite dicht weißgrau bestäubt, während sie auf
der entgegengesetzten glänzend schwarz sind. In der Spitzenhälfte
sind sie innen mit langen dichten, nach der Spitze zu immer länger
werdenden Borstenhaaren besetzt. Die Hinterschienen sind außen und
innen der ganzen Länge nach mit außerordentlich langen und feinen
Haaren besetzt, unter denen auf der Außenseite wieder einige noch
längere und etwas stärkere auffallen. Der Mittelmetatarsus ist be-
deutend länger als die 4 folgenden Glieder zusammen, sehr dünn
und seitlich zusammengedrückt, ganz ähnlich wie die Schiene bei
Dolichopus plumipes Fall. Flügel, Schüppchen und Schwinger wie
bei der vorigen Art. — Das Weibchen gleicht dem der vorigen Art un-
gemein und ist um so schwerer von ihm zu unterscheiden, als die Thorax-
striemen bei ihm ebenso breit und die Beine gleich gefärbt und be-
borstet sind. Das beste Unterscheidungsmerkmal bietet die Stirn.
Die Mittelstrieme ist bei capribarba scharf begrenzt, und die Orbiten
sind mehr als !/, so breit als die Mittelstrieme, während bei hirtitibia die
Orbiten viel schmäler sind und sich nicht so scharf von der Mittel-
strieme abheben. Ein weiterer Unterschied scheint noch der zu sein,
daß der 2. und 3. Hinterleibsring eine deutliche braune, hinten etwas
abgekürzte Mittelstrieme tragen. Länge 5 mm.
6 Männchen und 2 Weibchen aus La Paz 30. 11. 02 und Sorata
Archiv Bu Naiorasachichte 1
162 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
21.12.02. Ein Männchen des Budapester Museums ist X. 05. in Lules
(Argentinien) gefangen.
5. C. pieta sp. nov. d. Augen nicht doppeltso hoch wie breit, Stirn
über den Fühlern breiter wie ein Auge, nach dem Scheitel zu noch etwas
breiter werdend, Mittelstrieme sehr breit, hinten nur wenig ausgeschnitten,
schwarz, ganz von vorn gesehen dicht weißgrau bestäubt, Orbiten sehr
schmal, Frontoorbitalborsten jederseits 6 stärkere und lange, da-
zwischen noch einige kurze und feine. Stirn und Wangen im Profil
ziemlich stark vorragend, Untergesicht etwas zurückweichend, Backen
fast noch einmal so breit als die Wangen, Hinterkopf stark gepolstert,
namentlich unten, sämtliche Teile dicht weißgrau bestäubt. Fühler
etwas unter der Augenmitte eingelenkt, recht kurz, den unteren Augen-
rand nicht erreichend, 3. Glied mit scharf zugespitzter Vorderecke,
schwarz, doppelt so lang wie das graubestäubte 2., Borste haarförmig,
an der Basis verdickt, kurz pubeszent, Taster etwas kräftiger, schwarz,
ziemlich lang behaart. Thorax hellbraun mit feiner dunkler Mittellinie,
bei reinen Stücken vielleicht auch Seitenstriemen. Hinterleib länglich
walzenförmig, außerordentlich robust, von der Seite gesehen an der
Basis sogar höher als an der Spitze, weil sämtliche Ringe auf der Bauch-
seite viel schmäler sind als auf dem Rücken, so daß sie alle unten sich
der Basis des Hinterleibs nähern. Auf diese Weise scheinen die großen
blattförmigen, dem Hinterleib dicht anliegenden Bauchlamellen an der
Basis zu entspringen. Beide Abschnitte des Hypopygs sind kräftig
entwickelt u. ragen von der Seite gesehen aus dem Hinterleib heraus,
wobei der Basalabschnitt mehr als doppelt so dick ist als der 2. und
ihn nach hinten zu weit überragt. Mitte und Hinterrand des letzten
Ringes sind mit kräftigen abstehenden Borsten besetzt. Der Hinter-
leib ist hellbräunlich gefärbt, und man bemerkt auf ihm von hinten
die ganz schwache Spur einer feinen grauen Mittellinie, während die
3 letzten Ringe je 2 schwarzbraune, längliche, deutliche, aber nicht
sehr scharf begrenzte, etwas entfernt stehende Flecke tragen; etwas
kleinere und noch undeutlichere Flecke zeigt auch der 1. Ring. Beine
sehr kräftig, schwarz, äußerste Knie gelb, Pulvillen und Klauen sehr
lang. Die kräftigen Schenkel sind sämtlich stark beborstet und auch
Schienen und Tarsen mit kurzen abstehenden Börstchen besetzt;
Vorderschienen mit 1, Mittelschienen außen vorn und außen hinten
mit je 1, Hinterschienen außen, außen abgewandt und innen abgewandt
ebenfalls mit je 1 Borste. Flügel schmutziggelb, mit kräftigem Rand-
dorn, die Diskoidalzelle fast der ganzen Länge nach weißlich; da aber
das Tier ziemlich abgeflogen ist, was aus den teilweise zerrissenen
Flügeln folgt, will ich dahingestellt sein lassen, ob die weißliche Streifung
die natürliche Farbe ist oder durch das Abgeflogensein veranlaßt.
Beide Queradern sind deutlich gebräunt, die hintere sehr schief und
schwach geschwungen, Analader den Flügelrand nicht ganz erreichend,
die ungleichen Schüppehen weißlichgelb, Schwingerstiel rötlichgelb
mit etwas verdunkeltem Knopf. Länge fast 7 mm.
1 Männchen aus Peru-Oroya 21. 1. 04.
2 u u Zn ln ll er u rt
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 163
6. ©. vittithoraz sp. nov. Die Art ist bedeutend kleiner und schlanker
als die vorige, zeigt aber in allen plastischen Merkmalen einegroße Über-
einstimmung mit ihr. Bau des Kopfes, Länge der Fühler u. s. w. genau
wie bei dieser, das 3. Fühlerglied aber nicht mit so scharfer Vorderecke.
Der Thorax ist ziemlich hellgrau gefärbt und zeigt bei reinen Stücken
eine etwas hinter der Naht beginnende braune Strieme, die anfangs
den Raum zwischen den Dorsozentralborsten nicht ganz ausfüllt, später
aber breiter wird und sich bis auf die Spitze des Schildchens fortsetzt,
so daß dieses braun erscheint mit grauen Seiten. Hinterleib viel
schlanker als bei picta, fast walzenförmig, ganz ähnlich gebaut, aber die
Bauchlamellen viel weiter hinter der Basis entspringend. Er ist hell
gelblich- bis bräunlichgrau bestäubt und trägt auf Ring 2 und 3 je
ein Paar kleine bräunliche Flecke, die auf dem 2. Ring oft nur punkt-
artig, auf dem 3. nicht viel größer sind; bisweilen zeigt auch der 4. Ring
eine Spur solcher Flecke. Beine wie bei der vorigen Art gefärbt und
beborstet, aber viel schlanker und die Borsten kleiner und zarter.
Flügel gelblich, mit deutlichem Randdorn und etwas gedörneltem
Vorderrand, beide Queradern schwach bräunlich gesäumt, hintere
schief und fast grade, Schüppchen weißlich, Schwinger gelb. — Das
Weibchen gleicht bis auf die Gestalt des Hinterleibes dem Männchen
und ist an der braunen Thoraxstrieme leicht als zugehörig zu erkennen.
Die Flecke des Hinterleibes sind ebenfalls nur punktartig und die
Pulvillen und Klauen zwar viel kürzer, aber immer noch etwas ver-
längert. Länge ca. 5 mm.
3 Pärchen aus Peru-Oroya 21.1.04.
7. C.tumida sp.nov. Hat ebenfalls große Ähnlichkeit mit den vorigen
Arten. Bau des Kopfes derselbe, nur ragt die Stirn etwas weniger vor.
Thorax gıau, hier und da etwas hellbräunlich, aber ohne deutliche
Striemung. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal liegt darin, daß
sich vor der Naht 1—2 Paar deutliche, wenn auch nicht sehr lange
Akrostichalborsten finden, während bei beiden vorhergehenden Arten
der Thorax außer den stärkeren Borsten nur mit sehr kurzen gleich-
langen Härchen besetzt ist, die zwar bei picta entsprechend ihrer
Körpergröße etwas länger sind, aber unter denen keine durch größere
Länge hervorragt. Hinterleib ähnlich gebaut wie bei den vorigen Arten,
seitlich etwas zusammengedrückt und von der Seite gesehen überall
ziemlich hoch erscheinend. Senkrecht von oben betrachtet erscheint
er vollkommen walzenförmig. Das Hypopyg ist ganz anders gebaut
als bei vittithorax. Von oben gesehen überragt der Basalteil den letzten
Ring des Hinterleibs um die Hälfte seiner Länge und ist mindestens
ebenso breit wie dieser, während bei vittithorax der Basalteil viel weniger
vorragt, schmäler als der letzte Ring ist und sich nach der Spitze zunoch
mehr verschmälert. Von der Seite gesehen überragt der Basalteil den
2. Abschnitt nach hinten zu nur wenig, während er ihn bei der vorigen
Art weit überragt. Der 2. Abschnitt ist ferner durch eine Längsfurche
deutlich geteilt, bei vittithorax vollständig abgerundet. Ein weiterer
Unterschied endlich liegt noch darin, daß beide Abschnitte des Hypopygs
bei tumida fast gleichstark entwickelt sind, während bei der vorigen
11%
164 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
der Basalteil bedeutend kräftiger ist. Die Bauchlamellen sind auch hier
stark entwickelt, liegen dem Hinterleib dicht an und sind wie bei den
vorigen Arten an ihrem Unter- und Hinterrand mit einigen Borsten-
haaren besetzt. Der Hinterleib ist hell bräunlichgrau gefärbt und
trägt auf den 3 letzten Ringen je ein Paar punktförmiger, nicht sehr
deutlicher brauner Flecke. Beine schwarz, sämtliche Schienen an
der Basis in etwas größerer Ausdehnung gelb, als bei den vorigen
Arten, so daß etwa '/, der Schiene gelb gefärbt ist, Pulvillen und
Klauen ebenfalls verlängert, Beborstung wie vorher. Flügel schwach
gelblich, Randdorn klein, Randader kaum etwas gedörnelt, hintere
Querader etwas schief und fast grade, nur ausnahmsweise schwach
gelblich gesäumt, Schüppchen weißlich, Schwinger gelb. — Das
Weibchen gleicht ungemein dem der vorigen Art und unterscheidet
sich von ihm nur durch die etwas ausgedehntere gelbe Färbung an der
Basis der Schienen, die nicht braun gesäumten Queradern und vor
allem durch die deutlichen, wenn auch kleinen Akrostichalborsten vor
der Naht. Länge die der vorigen.
4 Männchen und 9 Weibchen aus Palca 20. 10.02 und Cuzco
27. 6. 03.
8. C. setiventris sp.nov. Hat die größte Ähnlichkeit mit vittithoraz, ist
aber höchstens 3,5—4 mm lang. Thorax und Schildchen sind einfarbig
hellgrau, ohne eine Spur von der für die erwähnte Art charakteristischen
braunen Strieme, a zweireihig und trotz der geringen Größe der Art
entschieden länger als bei jener, wo sie mehıreihig und äußerst kurz
sind. Die Bauchlamelilen sind verhältnismäßig noch größer und scheinen
an der Basis des Hinterleibes zu entspringen; an ihrem Hinterrand
sind sie beborstet, wie bei den andern ähnlichen Arten. Die Flügel
sind schwach graulich tingiert, die Queradern nicht gebräunt und die
hintere ganz steil, während sie bei vittithorax recht auffallend schief ist.
Die Form des Hinterleibes ist von der Seite gesehen dieselbe wie bei
jener Art und auch das Hypopyg gleich gebildet. — Der Thorax des
Weibchens läßt bisweilen eine schmale bräunliche Strieme erkennen,
die sich selten auf das Schildchen fortsetzt. Die Hinterleibsflecke sind
größer als beim Männchen. Im übrigen unterscheidet es sich durch
dieselben Merkmale wie dieses von dem Weibchen der vittithoraz.
8 Männchen und eine größere Anzahl Weibchen vom Titicacasee
(Peru-Puno) 16. 11.—22. 11.02, vom Titicacasee (Bolivia) 29.5.
bis 2.6.03 und aus Cuzco 25. 7. 03.
9. C.atrifronssp.nov. Stirn tiefschwarz und glanzlos, die Orbiten nur
bei gewisser Betrachtung und auch dann nur sehr undeutlich von der
Mittelstrieme zu unterscheiden. Fühler fast so lang wie das Unter-
gesicht, mit scharferVorderecke, Boıste nackt, im Basaldrittel verdickt.
Thorax und Schildchen schwarz, mit dünnem bräunlichgrauen Reif
überzogen; de vor der Naht 2, aber die vordere viel kürzer, a zwei-
reihig, ziemlich kurz. Hinterleib kurz, länglich, hoch gewölbt, beide
Abschnitte des Hypopygs deutlich entwickelt, aber von der Seite
gesehen nur wenig aus dem letzten Ring vorragend. Von der Mitte
des 3. Ringes an ist er abstehend beborstet. Er ist braungrau gefärbt,
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 165
mit schwachem Glanz, und läßt eine sehr schwach ausgebildete Mittel-
strieme, die an den Hintercändern der Ringe unterbrochen ist, und auf
den letzten 3 Ringen paarige, ziemlich große, aber nicht scharf begrenzte,
dunkle Flecken erkennen, die auf dem 4. Ring bedeutend kleiner sind.
Beine schwarz, Pulvillen und Klauen sehr kurz; Vorderschienen mit 1,
Mittelschienen außen vorn und außen hinten mit je 1 ziemlich langen,
Hinterschienen außen und außen abgewandt ebenfalls mit je I langen,
innen abgewandt mit 1 kürzeren Borste. Flügel graulich, ohne Rand-
dorn, 3. und 4. Längsader parallel, hintere Querader steil und grade,
Schüppchen schmutzig weiß, Schwinger schmutzig gelb, bisweilen
bräunlich. — Das Weibchen ist an der gleichfalls tiefschwarzen Stirn
leicht als zugehörig zu erkennen und gleicht im übrigen vollkommen
dem Männchen. Länge 4,5 mm.
5 Männchen und 8 Weibchen aus Coronell (Chile) 9. 9. 02, Talca-
huana 10. 9. 02, Valparaiso 12.9. 02 und Quillota 20. 9. 02.
10. ©. medioeris sp.nov. Die Art gleicht der vorigen außerordentlich,
namentlich auch in der Gestalt und Zeichnung des Hinterleibes sowie
in der Beborstung der Beine, ist aber in allen Teilen heller. Die Stirn
ist nie tiefschwarz, sondern läßt bei jeder Art der Betrachtung die
schwarzgraue, hinten fast bis zur Fühlerwurzel ausgeschnittene Mittel-
strieme und die schmalen grauen Orbiten deutlich unterscheiden.
Ein charakteristisches Unterscheidungsmerkmal von der vorigen Aıt
liegt darin, daß bei dieser die Stirn über den Fühlern schmäler ist und
sich nach dem Scheitel zu verbreitert, während bei mediocris die Stirn
bis zum Scheitel gleichbreit bleibt. Die Fühler erreichen gleichfalls
fast Untergesichtslänge und sind vorn auch mit einer ziemlich scharfen
Ecke versehen. Thorax und Schildchen hell braungrau, ersterer bei
reinen Stücken mit der schwachen Spur von 3 feinen, kaum etwas
dunkleren Linien, von denen die mittelste über die Akrostichalborsten,
die seitlichen über die Dorsozentralborsten laufen. Hinterleib, wie
schon erwähnt, von derselben Gestalt wie bei atrifrons und ebenso
beborstet. Er ist grau gefärbt wie der Thorax und trägt auf den 3 letzten
Ringen je en Paar runder schwarzer Flecke, die sich vom helleren
Grunde schärfer abheben als bei der vorigen Art, an Größe aber recht
verschieden sind; eine an den Hinterrändern der Ringe unterbrochene
schwarze Mittelstrieme ist bisweilen erkennbar, fehlt aber oft auch
ganz. Beine schwarz, Vorderknie deutlich gelb, was bei atrifrons
nie der Fall ist, die Beborstung die gleiche. Flügel, Schüppchen und
Schwinger heller als bei jener Art, der Randdorn fehlt gewöhnlich,
ist aber öfter auch vorhanden. — Beim Weibchen sind die Hinterleibs-
flecke sehr verloschen, während es im übrigen dem Männchen gleicht.
Die Zugehörigkeit ist sehr wahrscheinlich, aber nicht absolut sicher.
6 Männchen und eine größere Anzahl Weibchen aus Talcahuana
10. 9. 02, Guayacan 20. 9. 02, Quillota 20. 9. 02 und Coquimbo 29. 9. 02.
Anmerkung: Das Weibchen ist zweifellos, wie die mir vor-
liegende Type beweist, die von Bigot in den Ann. Soe. ent. Fr. ser. 6
V. 298. 6. (1885) beschriebene Anth. dubia. Der Name mußte aber
166 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
geändert werden, da bereits Macquart in den Suites ä Buffon II. 346.
12 (1835) eine Coenosia dubia beschrieben hat.
11. C. procera sp. nov. d. Diese Fliege gleicht der vorigen so, daß man
sie eigentlich mit Sicherheit nur unterscheiden kann, wenn man beide
zugleich vor sich hat. Die Backen, die bei mediocris etwa so hoch sind,
als ein Fühler breit ist, sind hier mindestens 2—3 mal so hoch, während
auch die Wangen deutlich vorragen, die bei jener Art kaum zu sehen
sind; auch der Hinterkopf ist unten weit mehr gepolstert. Der Hinter-
leib ist etwas schlanker und die Flecke in der Regel noch schärfer
begrenzt. An den Beinen sind stets auch die Mittel- und namentlich
Hinterknie deutlich rot gefärbt, während die Pulvillen und Klauen
entschieden verlängert sind. — Das Weibchen ist mir nicht mit
Sicherheit bekannt geworden, wird sich aber nur schwer von dem der
vorigen Art unterscheiden lassen.
3 Männchen aus Corral 5. 9. 02, Valparaiso 13. 9. 02 und Quillota
20. 9. 02.
12. C.Garleppi sp. nov. Augen ziemlich hoch und schmal, fast den
ganzen Kopf einnehmend, in der obern Hälfte breiter als unten. Stirn über
den Fühlern schmäler als ein Auge, nach oben etwas breiter werdend,
Mittelstrieme schwarzbraun, stumpf, hinten tief ausgeschnitten,
Orbiten sehr schmal, bei reinen Stücken rotgelb bestäubt. Fühler über
der Augenmitte eingelenkt, kürzer als das Untergesicht, 2. Glied und
die Basis des 3. rotgelb, weiterhin diese Färbung allmählich ins Lehm-
gelbe übergehend, Borste fadenförmig, sehr kurz behaart, Taster dünn,
gelb, das ganze Untergesicht dicht rötlich- oder goldgelb bestäubt.
Thorax und Schildchen hellbraun, die Brustseiten unterhalb der
Sehulterbeulen schwach gelblich, a aus zweireihig angeordneten, kaum
sichtbaren Härchen bestehend. Hinterleib kurz und ziemlich breit
eiförmig, etwas abwärts gekrümmt, 1. Ring u. die Basis des 2. von der
Seite gesehen durchscheinend gelb, der Rest gelbbraun, ein feiner
Hinterrandsaum des 1. Ringes gebräunt, 2 große Flecke auf Ring 2
und 2 kleinere auf Ring 3 und eine hinten abgekürzte, ziemlich breite
Mittelstrieme auf beiden Ringen braun. Die Mitte des 3. Ringes und
Mitte und Hinterrand des 4. tragen eine Reihe abstehender kräftiger
Borsten, die auf kleineren braunen Flecken stehen. Hypopyg entwickelt,
aber nur wenig vorragend. Beine gelb, Hinterschenkel an der äußersten
Spitze mit kleinem braunen Fleck, Pulvillen und Klauen kurz; Vorder-
schienen mit 1 Borste, Mittelschienen außen vorn und außen hinten
mit je 1 Borste, bisweilen noch einigen kürzeren, innen mit 1 feinen
Borste, Hinterschienen außen der ganzen Länge nach mit zahlreichen
auffallend langen und mehrreihig angeordneten Borstenhaaren besetzt.
Flügel ziemlich schmal, Randdorn kurz und fein, 3. und 4. Längsader
divergierend, hintere Querader steil und grade, Analader verkürzt,
Schüppchen weißlich, Schwinger gelb. — Beim Weibehen sind die
Fühler schwarzbraun, 2. Glied rot, Untergesicht gelbgrau bestäubt,
Hinterleib nur an der Basis durchscheinend gelb, so daß man auch auf
Ring 1 große paarige braune Flecke bemerkt, die sich zu Hinterrand-
binden erweitern. Mittel- und Hinterschenkel tragen an der Spitze
Br
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 167
einen deutlichen braunen und ziemlich breiten Ring und die Hinter-
schienen sind außen, außen abgewandt und innen abgewandt mit
je 2 Borsten versehen, von denen die ersten 4 ziemlich lang, die letzten
kürzer sind. Alles übrige wie beim Männchen. Länge 3,5—4 mm.
l kopuliertes Pärchen von der Pachiteamündung 17.11. 03,
1 Männchen und 2 Weibchen aus Sarampioni III. 03 und S. Carlos
IV. 03, sämtlich von Garlepp gefangen.
13. ©. pilitibia sp. nov. 3. Kopf etwas zerquetscht, so daß ich keine
genaue Beschreibung davon geben kann, Fühler ziemlich lang, schwarz-
braun, Borste haarförmig, an der Basis etwas verdickt, nackt, Taster
fadenförmig, braun. Thorax und Schildchen braun, Brustseiten bis zu
den Hüften hinunter grau, ersterer außer den stärkeren Borsten fast ganz
nackt, a nur als ganz kurze, kaum erkennbare Härchen sichtbar.
Hinterleib fast walzenförmig, etwas länger als Thorax und Schildchen,
hinten ein wenig zusammengedrückt und hier schräg abgestutzt, ganz
nackt, auf der Mitte des 3. Ringes und auf der Mitte und Hinterrand des
4. Ringes mit abstehenden kräftigen Borsten besetzt. Er ist glänzend
schwarzgrau, feine Ringeinschnitte grau bestäubt. Beine gelb, Tarsen
verdunkelt, Mittel- und Hinterschenkel an der äußersten Spitze mit
bräunlichem Punkt, Pulvillen und Klauen kurz; Vorderschienen mit
1 kräftigen und langen Borste, Mittelschienen hinten in der Endhälfte
mit 3—4 langen und feinen Haaren, Hinterschienen außen kurz vor der
Spitze mit 2 übereinander stehenden langen und feinen Haaren, über
welchen noch ein drittes kürzeres steht, auch der Metatarsus außen
der ganzen Länge nach mit verhältnismäßig langen Borstenhaaren
besetzt. Flügel ziemlich schmal, schwach angeräuchert, 3. u. 4. Längs-
ader kaum etwas divergierend, hintere Querader steil und grade,
Analader verkürzt, Schüppchen weißlich, Schwinger gelb. Länge
4,5 mm.
l Männchen aus dem Laristal 7. 8. 03.
14. ©. diaphana sp.nov. Augen ziemlich hoch, in der obern Hälfte
breiter als unten, Stirn über den Fühlern nur wenig vorragend, Wangen
fast gar nicht sichtbar, Backen sehr schmal, Hinterkopf unten wenig
gepolstert. Stirn bis zum Scheitel gleichbreit bleibend, Mittelstrieme
dunkelbraun, graulich bestäubt, hinten tief, aber schmal ausgeschnitten,
Orbiten und Wangen schmutzig gelbgrau bestäubt. Fühler über der
Augenmitte eingelenkt, ziemlich lang, schwarzgrau, Borste haarförmig,
bei starker Vergrößerung kurz behaart, Taster fadenförmig, dunkel-
grau, Rüssel ziemlich dünn, glänzend schwarz. Thorax und Schildchen
dunkelgrau mit einem Stich ins Bräunliche, stumpf, Brustseiten nur
wenig heller, ersterer mit der Spur einer etwas dunkleren Mittelstrieme,
a sehr kurz und fein, zweireihig. Hinterleib fast walzenförmig, etwas
abwärts gebogen, ein wenig länger als Thorax und Schildchen, mit
schwachem Glanz, nackt, die ersten beiden Ringe an den Seiten mit
ziemlich langen und kräftigen Borsten, Ring 3 und 4 mit je einem aus
nicht sehr zahlreichen Borsten bestehenden Kranz auf der Mitte,
4. Ring auch am Ende beborstet. Der 1. und 2. Ring sind durch-
scheinend blaßgelb, eine Rückenstrieme von verschiedener Breite
168 Prof, P. Stein: Die von Schnuse
und der Rest grau, Hypopyg kaum vorragend. Beine nebst den Hüften
gelb, Tarsen verdunkelt, Mittel- und Hinterschenkel an der äußersten
Spitze mit bräunlichem Punkt, Pulvillen und Klauen ziemlich kurz;
Vorderschienen mit 1 Borste, Mittelschienen außen vorn und außen
hinten mit je 1, Hinterschienen außen mit 2, einer längern auf der
Mitte und einer etwas kürzeren zwischen Mitte und Spitze, außen
abgewandt mit 1 längern auf der Mitte und einer viel kürzeren in der
Nähe der Spitze, innen abgewandt mit einer kürzeren etwas hinter
der Mitte. Flügel ziemlich schmal, schwach angeräuchert, ohne Rand-
dorn, 3. und 4. Längsader etwas divergierend, hintere Querader steil
und grade, Analader verkürzt, die ungleichen Schüppchen weißlich,
Schwinger gelblich. — Beim Weibchen ist die graue Färbung auf dem
Rücken des Hinterleibes ausgebreiteter, im übrigen gleicht es vollständig
dem Männchen. Länge 4—4,5 mm.
1 Männchen aus Tarma 19. 1. 04 und ein von Garlepp gesammeltes
Pärchen aus dem Laristal 2000 m 9. 8. 03.
15. C. plumiseta sp. nov. Backen etwas breiter als bei der vorigen
Art, Hinterkopf mehr gepolstert, Fühler in der Augenmitte eingelenkt,
etwas kürzer als das Untergesicht, schwarz, 2. Glied recht auffallend
grau bestäubt, Borste haarförmig, dieht und ziemlich lang behaart,
nach der Spitze zu kürzer, Taster fadenförmig, schmutzig gelb, oft
verdunkelt. Thorax und Schildchen hell aschgrau, ersterer mit mehr
oder weniger deutlicher Mittelstrieme, a kurz, zweireihig. Hinterleib
fast walzenförmig, etwas dunkler grau als der Thorax, eine breite
Rückenstrieme auf Ring 2 und 3 und je ein Paar allmählich größer
werdender Flecke auf Ring 2—4 braun. Er ist mit kurzen anliegenden
Börstchen besetzt, vom Hinterrand des 3. Ringes an länger beborstet;
Hypopyg etwas vorragend, beide Abschnitte von der Seite gesehen
übereinander liegend. Beine gelb, Tarsen nur wenig dunkler, Pulvillen
und Klauen etwas verlängert; Vorderschienen mit 1 mäßig langen
Borste, Mittelschienen mit je 1 etwas längeren außen vorn und außen
hinten, von denen jene etwas tiefer steht, Hinterschienen außen, außen
abgewandt und innen abgewandt mit je 1 ziemlich langen und kräftigen
Borste, Hinterschenkel unterseits zugekehrt fast der ganzen Länge
nach mit einer Reihe allmählich kürzer werdender Borsten, abgewandt
mit etwa 4 längeren und dazwischen einigen kürzeren Borten. Flügel
ziemlich schmal, ohne Randdorn, schwach gelblich, 3. und 4. Längs-
ader parallel, hintere Querader steil und grade, letzter Abschnitt der
4. Längsader etwa 1?/, mal so lang als der vorletzte, Analader kurz,
Schüppchen ungleich, weißlich, Schwinger gelblich. — Das Weibchen
ist größer und kräftiger, die Striemung des Thorax deutlicher, wobei
sich auch noch feine über die Dorsozentralborsten laufende Seiten-
striemen zeigen, Hinterleib länglich eiförmig, Mittelstrieme und Flecken
noch größer als beim Männchen, auch der 4. Ring mit Mittelstrieme
versehen. Die Borsten auf der dem Körper zugekehrten Unterseite
der Hinterschenkel sind viel kürzer, aber immer noch deutlich. Im
üb.igen gleicht es dem Männchen. Länge & 4,5, 2 5,5—6 mm.
1 Männchen und mehrere Weibchen aus S. Carlos 31. 12. 02,
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 169
20.1.03, Sarampioni 28.1., 25.2.03 und Chanchamayo 9.1. bis
14. 1. 04.
16. ©. incurva sp. nov. Augen hoch und schmal, oben etwas breiter
als unten, Stirn etwas, Wangen nur in feiner Linie vorragend, Backen
schmal, Hinterkopf etwas gepolstert. Stirn über den Fühlern von
vorn gesehen so breit wie ein Auge, nach dem Scheitel zu gleich breit
bleibend, die schwarzgrau bestäubte Mittelstrieme hinten bis zur
Fühlerbasis ausgeschnitten, der Einschnitt und die schmalen Orbiten
gelblichgrau bestäubt. Fühler über der Augenmitte eingelenkt, fast so
lang wie das Untergesicht, schwarz, 2. Glied grau bestäubt, Borste lang,
haarförmig, an der Basis schwach verdickt, nur bei starker Vergrößerung
pubeszent, Taster fadenförmig, schwarz. Thorax und Schildchen hell
aschgrau, ersterer mit bräunlicher Mittelstrieme, a kurz, zweireihig.
Hinterleib ziemlich kurz, länglich eiförmig, nach unten gekrümmt,
mit sehr kurzen anliegenden Börstchen besetzt, die Seiten der ersten
Ringe und Mitte und Hinterrand des 4. Ringes abstehend beborstet.
Auf Ring 2 und 3 finden sich 2 ziemlich große, nicht scharf begrenzte
bräunliche Flecke und dazwischen eine schmale abgekürzte bräunliche
Mittelstrieme, während der 4. Ring nur undeutlich gefleckt ist. Beine
gelb, Tarsen schwarz, Vorderschenkel obenauf an der Spitzenhälfte
gebräunt, auch Mittel- u. Hinterschenkel obenauf an der äußersten
Spitze ganz schwach bräunlich gefleckt, Pulvillen und Klauen außer-
ordentlich kurz; Vorderschienen mit 1 nicht sehr langen Borste, Mittel-
schienen außen vorn und außen hinten mit je 1, Hinterschienen außen
mit 2, von denen die eine auf der Mitte, die andre im Beginn des letzten
Viertels steht, außen abgewandt mit 1 auf der Mitte und einer zweiten
kurz vor der Spitze, innen abgewandt mit 1 Borste. Flügel ziemlich
schmal, schwach gelblich, ohne Randdoın, 3. und 4. Längsader
divergierend, hintere Querader steil und grade, Analader abgekürzt,
Schüppchen ungleich, weiß, Schwinger gelb. — Beim Weibchen trägt
auch der 1. Hinterleibsring große bräunliche, aber nur schwach wahr-
nehmbare Flecke, der 3. Ring ist auf der Mitte abstehend beborstet,
die Vorderschenkel sind ganz gebräunt und die Bräunung an der Spitze
der Hinterschenkel (Mittelbeine fehlen) ausgedehnter. Länge 4—5 mm.
1 wohl in copula gefangenes Pärchen, da es auf einer Nadel steckt,
aus Sorata 18. 12.02. Bei einem zweiten Männchen, das aus Lorenzo-
pata 26. 4. 03 stammt, ist der Hinterleib etwas dunkler gefärbt, seine
Zeichnung ausgedehnter, die Vorderschenkel sind obenauf ganz gebräunt
und Mittel- und Hinterschenkel an der Spitze ebenfalls deutlicher,
sämtliche Borsten an den Beinen sind kräftiger und länger. Im übrigen
gleicht es dem beschriebenen Männchen.
17. ©. oculatasp.nov. Augen sehr hoch und schmal, Stirn nur wenig
in ganz stumpfer Ecke vorragend, Wangen gar nicht sichtbar, Backen
ebenfalls nur äußerst schmal. Stirn über den Fühlern wenigstens
3/, so breit wie ein Auge, nach oben zu ganz wenig breiter werdend,
die breite, hinten etwa bis zur Hälfte ausgeschnittene Mittelstrieme
grau bestäubt und sich kaum von den sehr schmalen Orbiten abhebend.
Fühler sehr lang, den untern Augenrand erreichend, schwarz, 2. Glied
170 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
grau bestäubt, Borste lang, haarförmig, an der Basis schwach verdickt,
sehr kurz pubeszent, Taster fadenförmig, gelb. Thorax und Schildchen
grau, ersterer bei reinen Stücken vielleicht mit 3 sehr breiten, etwas
dunkler grauen Striemen, die die hellere Grundfärbung nur in schmalen
Streifen frei lassen; a ganz fehlend, nur bei starker Vergrößerung
bemerkt man einige kurze, einreihig angeordnete Börstchen. Schildchen
auf der ganzen Fläche, aber nicht sehr dicht behaart. Hinterleib
kräftig, länglich, hoch gewölbt, seitlich etwas zusammengedrückt,
die beiden übereinander liegenden Abschnitte des Hypopygs nur wenig
aus dem letzten Ringe vorragend. Der ganze Hinterleib ist mit äußerst
kurzen anliegenden Börstchen besetzt und erscheint daher nackt;
der 1. und 2. Ring trägt an den Seiten je 1 Borste, der 3. jederseits 2,
von denen die innere aber schon auf dem Rücken steht, der 4. einen
vollständigen Kranz auf der Mitte und am Hinterrand. Der Hinterleib
ist ebenso grau gefärbt wie der Thorax und trägt auf Ring 2 und 3
je ein Paar verhältnismäßig deutlicher, runder, bräunlicher Flecke
und eine ebenso gefärbte Längsstrieme, während der 4. Ring oft
dieselbe Zeichnung, aber kleiner und undeutlicher erkennen läßt.
Beine gelb, Tarsen bräunlich, Vorderschenkel obenauf mit einer ziemlich
schaıf begrenzten braunen Längsstrieme, Mittel- und Hinterschenkel
an der äußersten Spitze undeutlich und schwach braun gefleckt,
Pulvillen und Klauen kaum verlängert; Vorderschienen mit 1 langen
Borste, Mittelschienen mit je 1 ebenfalls ziemlich langen Borste außen
vorn und außen hinten, Hinterschienen außen und außen abgewandt
mit je 1 sehr langen Borste auf der Mitte, innen abgewandt ohne
Borste, Hinterschenkel unterseits abgewandt wie zugekehrt mit einigen
weitläufig stehenden längeren Borsten. Flügel leicht angeräuchert,
ohne Randdorn, 3. und 4. Längsader parallel, hintere Querader steil
und grade, Schüppchen weißlich, Schwinger gelb. — Das Weibchen,
das ich mit ziemlicher Sicherheit für das zugehörige halten darf, stimmt
im Bau des Kopfes vollständig mit dem Männchen überein. Thorax
und Schildchen sind mehr bräunlich gefärbt, ersterer zeigt am Vorder-
rand die Anfänge von 2 hellgrauen Längsstriemen, so daß man erkennt,
daß die braune Färbung durch Zusammenfließen von 3 sehr breiten
Striemen entstanden ist, Schildchen bräunlich, Rand hellgrau. Die
paarigen Flecke des Hinterleikes erscheinen als breite braune Binden,
die vorn und hinten nur einen schmalen Saum freilassen und sich bis
auf den Bauch erstrecken. Sie finden sich auf allen 4 Ringen und
stoßen fast an die ebenfalls sich verbreiternde Mittelstrieme. Vorder-
beine wie beim Männchen gefärbt, Mittel- und Hinterschenkel in
größerer Ausdehnung gebräunt, so daß bei jenen nur das Basalviertel,
bei diesen das Basaldrittel gelb bleibt. Die Schwinger sind etwas
dunkler gelb, fast braun. Alles übrige wie beim Männchen, auch die
Größe der Pulvillen und Klauen. Länge 3 6,5, 2 7—8 mm.
3 Männchen und 1 Weibchen aus der Sammlung Garlepp’s, die
sämtlich in Lorenzopata 8. 5.—11. 5. 03 gefangen sind.
18. C. truncata sp. nov. Die Art gleicht der von mir in den Ann. Mus.
Nat. Hung. II. 489. 9 beschriebenen recedens außerordentlich und stimmt
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 171
namentlich in Bau und Färbung des Kopfes und seiner Teile, sowie
des Hinterleibes vollständig mit ihr überein. Der Thorax läßt bei
allen vorliegenden Stücken recht deutlich eine schmale bräunliche
Mittelstrieme und fast linienartige, über die Dorsozentralborsten
laufende Seitenstriemen erkennen, der Hinterleib ist dunkler gefärbt
und schwach, fast metallisch glänzend, die Vorderschenkel tragen
obenauf einen scharf begrenzten schwarzen Längswisch, der meist
die letzten 2 Drittel des Schenkels einnimmt, und die Hinteıschenkel
sind in ihrem Endviertel scharf begrenzt schwarz gefärbt. Alles übrige
wie bei recedens, deren Beschreibung ich unten wiederhole.
1 Weibchen aus dem Laristal 8. 8.03 und mehrere von Garlepp
gefangene Pärchen aus Cuzco 22. 3.—27. 3. 05.
19. C. ignobilissp.nov. Ganz hellbraun. Augen in der obern Hälfte
etwas breiter als unten, Stirn von vorn gesehen über den Fühlern ein
klein wenig breiter als ein Auge, bis zum Scheitel gleichbreit bleibend,
Mittelstrieme dunkelgrau, hinten bis zur Fühlerbasis ausgeschnitten,
die schmalen Orbiten hell bräunlichgrau. Von der Seite gesehen ragt
die Stirn an der Fühlerbasis etwas vor, so daß das Untergesicht zurück-
weicht, Wangen schmal, Backen nicht ganz !/, der Augenhöhe messend,
Hinterkopt unten gepolstert. Fühler über der Augenmitte eingelenkt,
fast so lang wie das Untergesicht, schwaız, 3. Glied mit etwas zuge-
spitzter Vorderecke, 2. Glied grau schimmernd, Borste haarförmig,
nur an der Basis schwach verdeckt und nur bei starker Vergrößerung
etwas pubeszent, Taster dünn, schwarz, Rüssel schlank, glänzend
schwarz. Thorax und Schildchen hell bräunlichgrau, ersterer mit 2
oft recht deutlichen bräunlichen Längsstriemen, die genau über die
Dorsozentralborsten laufen, a zweireihig, aber kurz und spärlich.
Hinterleib fast walzenförmig, aber oft von der Seite etwas zusammen-
gedrückt und abwärts gekrümmt, 2. und 3. Ring auf der Mitte, 4. Ring
auf der Mitte und am Rande abstehend beborstet, aber so, daß die
Borsten in der Mittellinie des Rückens fehlen; Hypopyg von der Seite
gesehen etwa halb so weit vorragend, als der letzte Ring lang ist,
beide Abschnitte übereinander liegend, Bauchlamellen wohl ent-
wickelt, den Leib fast anliegend. Der Hinterleib ist wie der Thorax
gefärbt und trägt auf Ring 2 und 3 je ein Paar wohl begrenzter, kreis-
runder brauner Flecke, während der 4. Ring meist ein ebensolches,
aber kleineres und nicht so scharf begrenztes Paar zeigt. Beine gelb,
alle Hüften, die Vorderschenkel mit Ausnahme der äußersten Spitze
und ein kleiner Fleck an der Spitze der Hinterschenkel, bisweilen auch
an der der Mittelschenkel braun, Tarsen schwarz, Pulvillen und Klauen
kaum verlängert; Vorderschienen mit 1 feinen Borste, Mittelschienen
mit je 1 Borste außen vorn und außen hinten, von denen jene etwas
länger ist und tiefer steht, Hinterschienen mit je 1 Borste außen,
außen abgewandt und innen abgewandt, von denen die mittlere die
längste ist, Hinterschenkel unterseits abgewandt der ganzen Länge
nach mit einer lockern Reihe langer Borsten, zugekehrt mit etwa
2 Borsten auf der Mitte. Flügel ziemlich schmal, schwach gelblich,
mit kaum sichtbarem Randdorn, 3. und 4. Längsader parallel, hintere
172 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
Querader steil und grade, etwa ?/, so lang wie ihre Entfernung von der
kleinen, Analader verkürzt, Schüppchen weiß, Schwinger gelblich. —
Das Weibchen ist kräftiger gebaut, die bräunliche Grundfärbung
dunkler, die Thoraxstriemen verhältnismäßig breit und deutlich, der
Hinte:leib breit eiförmig, schwach glänzend und außer den paarigen
Flecken auf Ring 2—4, die sich weniger deutlich abheben, weil die
Grundfärbung dunkler ist, oft mit eimer an Hinterrand der Ringe
abgesetzten Rückenlinie, sämtliche Schenkel braun. Länge $4, 25mm.
5 Pärchen aus Quillota 20. 9. 02.
20. C. albiseta sp. nov. $. Eine prächtige, durch die schneeweiße Fär-
bung vieler Borsten leicht kenntliche Art. Augen fast halbkuglig, durch
eine Strieme getrennt, die über den Fühlern kaum halb so breit ist wie
ein Auge und nach dem Scheitel zu ein wenig breiter wird. Ganz von
vorn gesehen ist sie dicht hell messinggelb bestäubt, so daß von Mittel-
strieme und Orbiten nichts wahrzunehmen ist, Frontoorbitalborsten
weiß. Von der Seite gesehen ragt die Stirn etwas vor, Wangen und
Backen sind schmal, Hinterkopf unten ziemlich stark gepolstert und
dicht weiß behaart, Mundrand jederseits mit einem aus dicht stehenden
schneeweißen Borsten gebildeten Backenbart. Fühler in der Augen-
mitte eingelenkt, etwas kürzer als das Untergesicht, rotgelb, 2. Glied
grau, Borste haarförmig, an der Basis kaum etwas verdickt und nackt,
Taster sehr dünn, dunkelbraun. Thorax und Schildchen einfarbig grau,
Borsten des Rückens schwarz, die Sternopleuralborsten und die übrige
Beborstung der Brustseiten weiß. Hinterleib fast walzenförmig, seitlich
etwas zusammengedrückt und abwärts gebogen, überall mit weißen
Borsten besetzt, die auf der hinteren Hälfte ziemlich dieht stehen.
Es ist heller grau gefärbt als der Thorax und trägt auf Ring 2 und 3
je ein Paar rundlicher Flecke, die von oben gesehen gar nicht wahr-
zunehmen sind und bisweilen überhaupt zu fehlen scheinen. Hypopyg
mäßig weit vorragend. Beine schwarz, Schienen und die Vordertaısen
mit Ausnahme der Spitze gelb, ein Mittelring an den Vorderschienen
braun, Pulvillen und Klauen kurz, Behaarung auf der Unterseite
der Vorder- und Mittelschenkel weiß, der Hinterschenkel gemischt;
Vorderschienen mit 1 Borste, Mittelschienen hinten außen mit 1,
Hinterschienen außen und außen abgewandt mit recht zahlreichen
langen Borsten, innen abgewandt mit 1. Flügel schmal, deutlich
gelblich angeräuchert, ohne Randdorn, 3. und 4. Längsader parallel,
hintere Querader steil und grade, Analader verkürzt, Schüppchen
ziemlich klein, ungleich, weißlich, Schwinger gelb. Länge 3,5—4 mm.
4 Männchen vom Titicacasee (Bolivia Guaqui) 2.6.03, Calca
6.8.03 und vom Laristal 8. 8. 03.
21. C.robustasp.nov.g. Eine kräftige Art von 6 mm Länge. Augen
fast halbkuglig, Stirn über den Fühlern etwas breiter als ein Auge, Mittel-
strieme schwarz, hinten bis zur Mitte ausgeschnitten, die schmalen
Orbiten gelbgrau bestäubt. Von der Seite gesehen ragt die Stirn deutlich
vor, während das Untergesicht zurückweicht, Backen !/, der Augen-
höhe, Hinterkopf unten gepolstert. Fühler über der Augenmitte ein-
gelenkt, etwas kürzer als das Untergesicht, 3. Glied ziemlich schmal,
er Si
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 173
2. Glied grau bestäubt, Borste haarfömig, an der Basis schwach ver-
diekt, fast nackt, Taster fadenförmig, schwarz, borstig. Thorax
schmutzig gelbgrau, 3 breite dunklere Striemen verhältnismäßig
deutlich, a zweireihig, sehr genähert, das erste Paar ziemlich lang.
Hinterleib länglich, stark gewölbt und kräftig, Hypopyg von der Seite
gesehen mäßig aus dem letzten Ring vorragend, beide Abschnitte deut-
lich entwickelt, übereinander liegend, 3. und 4. Ring sowie der Basal-
abschnitt des Hypopygs lang abstehend beborstet. Grundfärbung des
Hinterleibs wie die des Thorax, je ein Paar Flecke auf Ring 1—4,
von denen die des I. Ringes punktförmig, die des letzten Ringes etwas
größer und die des 2. und 3. Ringes sehr groß sind und die ganze Länge
des Ringes einnehmen, aber sämtlich ziemlich breit getrennt sind,
braun. Beine schwarz, die äußerste Spitze sämtlicher Schenkel u. die
Schienen rotgelb, Pulvillen und Klauen stark verlängert und kräftig;
Vorderschienen mit 1 ziemlich langen, aber feinen Borste, Mittel-
schienen mit je2 Borsten außen vorn und außen hinten, von denen die
obere aber sehr viel kleiner ist, Hinterschienen außen und außen ab-
gewandt mit je 2, innen abgewandt mit 1 Borste, Hinterschenkel
unterseits abgewandt der ganzen Länge nach lang beborstet, zugekehrt
mit 2 langen Borsten in der Basalhälfte. Flügel gelblich, ohne Rand-
dorn, 3. und 4. Längsader parallel, hintere Querader steil und gerade,
Analader bis über die Mitte verlängert, die ungleichen Schüppchen
gelblich, Schwinger gelb.
1 Männchen aus Corral 8. 9. 02.
22. ©. inculta sp.nov. Betrachtet man den Kopf von der Seite, so sind
die Augen recht auffallend schräg von hinten oben nach vorn unten ge-
richtet, was dadurch entsteht, daß der Hinterkopf in der unteren Hälfte
außerordentlich stark gepolstert ist und die Stirn ebenfalls recht auf-
fallend vorragt, Backen mindestens von !/; der Augenhöhe. Von vorn
gesehen ist die Stirn fast um die Hälfte breiter als ein Auge, die breite
Mittelstrieme braun, stumpf, hinten kaum ausgeschnitten, die sehr
schmalen Orbiten hellgrau und zwischen Fühlerbasis und Augen mit
sehr kurzen zahlreichen Börstchen besetzt. Vibrissenecke mit 3 kräftigen
Borsten, unterer Backenrand ebenfalls mit einer Reihe starker Borsten,
die nach vorn zu stärker u. länger werden. Fühler kürzer als das Unter-
gesicht, das dritte mit ziemlich scharfer Vorderecke versehene schwarze
Glied nicht viel über doppelt so lang als das rötliche, grau bestäubte 2.,
Borste haarförmig, nackt, an der äußersten Basis etwas verdickt,
Taster fadenförmig, ziemlich hellgelb, Rüssel glänzend pechschwarz.
Thorax auf dem Rücken dunkelgrau, bisweilen vielleicht mit 2 dunkleren
Mittelstriemen, Brustseiten heller grau; außer den stärkeren Borsten
ist der Thorax mit zahlreichen sehr kurzen, dicht anliegenden Börstchen
besetzt, so daß sich die Akrostichalborsten nicht abheben. Hinterleib
ziemlich lang, vollkommen walzenförmig, 1. Abschnitt des Hypopygs
nur als ein unvollkommener schmaler Ring sichtbar, 2. Abschnitt
halbkugelförmig. Der Hinterleib ist hell aschgrau gefärbt und läßt
auf den einzelnen Ringen eine vorn abgekürzte, feine braune
Mittellinie und auf Ring 2 u. 3 je ein Paar dem Hinterrand anliegender
174 Prof. P, Stein: Die von Schnuse
fast dreieckiger Flecke erkennen, während Ring 1 u. 4 nur je ein Paar
punktförmiger brauner Flecke tragen. Er ist mit kurzen anliegenden
Börstchen besetzt, so daß er fast nackt erscheint, und nur der letzte
Ring abstehend beborstet. Beine dunkelbraun, Schienen und Tarsen
schmutzig gelb, schwach durchscheinend, Pulvillen und Klauen kräftig
und breit, aber nicht sehr lang; Vorderschienen mit 1 feinen Borste,
Mittelschienen mit je 1 Borste außen vorn, außen hinten und hinten,
von denen die letztere die längste ist und genau auf der Mitte steht,
Hinterschienen außen und außen abgewandt mit je 2, von denen die
der Spitze nähere die längere ist, innen abgewandt mit 1 Borste. Flügel
schwach gelblich, mit sehr kleinem Randdorn, 3. und 4. Längsader
parallel, an der Spitze etwas divergierend, hintere Querader steil und
gerade, Analader verkürzt, Schüppchen gelblich, das untere weit vor-
ragend, Schwinger gelb. — Das Weibchen gleicht dem Männchen,
der Thorax läßt meist eine feine dunklere Mittelstrieme und bisweilen
Seitenstriemen erkennen, der Hinterleib ist länglich eiförmig, etwas
flachgedrückt, ungefleckt oder mit sehr undeutlichen verloschenen
Fleckenpaaren und ganz nackt, Mittel- und Hinterschenkel oft aus-
gebreitet braungelb. Durch die feinen Börstchen zwischen Fühler-
basis und Augenrand ist es leicht als zugehörig zu erkennen. Länge $
6 mm, 9 fast 7 mm.
1 Männchen und 3 Weibchen aus Caldera 25. 9. 02 und Arica
5. 10. 02.
23. C. rotundiventris sp.nov. Augen von der Seite gesehen ziemlich
hoch, Stirn etwas vorragend, Wangen und Backen schmal, Hinterkopf
unten gepolstert; Stirn von vorn gesehen über den Fühlern etwa so breit
wie ein Auge, nach dem Scheitel zu sich ganz wenig verbreiternd,
mit breiter, hinten tief ausgeschnittener schwarzgrauer Mittelstrieme
und sehr schmalen graubestäubten Orbiten. Fühler über der Augen-
mitte eingelenkt, etwas kürzer als das Untergesicht, schwarz, mit
nackter, an der Basis kaum verdiekter Borste, Taster fadenförmig,
schwarz. Thorax und Schildehen aschgrau, ersterer mit 2 über die
Dorsozentralborsten laufenden, ziemlich deutlichen braunen Striemen,
a zweireihig, einander ziemlich genähert, nicht sehr stark und lang.
Hinterleib kurz eiförmig, stark gewölbt, fast kuglig, die ersten Ringe
an den Seiten, der 3. auf der Mitte, der 4. auf der Mitte und am Rande
abstehend beborstet, beide Abschnitte des Hypopygs deutlich ent-
wickelt, aber von der Seite gesehen nur wenig aus dem letzten Ringe
vorragend. Er ist wie der Thorax gefärbt, ganz schwach glänzend und
trägt auf Ring 2 u. 3 je ein paar ziemlich großer, rundlicher, brauner
Flecke, auf Ring 4 ein ebensolches, aber viel kleineres und weniger
scharf begrenztes. Beine schwarz, Vorderschienen an der Basis, Mittel-
und Hinterschienen ganz rotgelb, Pulvillen und Klauen sehr kurz;
Vorderschienen mit 1, Mittelschienen außen vorn und außen hinten
mit je 1, Hinterschienen außen, außen abgewandt und innen abgewandt
ebenfalls mit je 1 Borste, Hinterschenkel unterseits abgewandt mit
einer lockeren Reihe langer Borsten, zugekehrt meist nackt. Flügel
schwach gelblich, mit deutlichem Randdorn und schwach gedörneltem
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 175
Vorderrand, 3. und 4. Längsader parallel, hintere Querader steil und
gerade, Analader verkürzt, Schüppchen weißlich, Schwinger gelb. —
Das Weibchen, welches mit großer Wahrscheinlichkeit als das zugehörige
angesehen werden kann, hat ganz gelbe Vorderschienen, während die
Mittelschenkel an der äußersten Basis, die Hinterschenkel in der Basal-
hälfte gelb gefärbt sind. Im übrigen gleicht es dem Männchen.
Länge 4,5—5 mm.
2 Männchen und 1 Weibehen aus Guayacan 22. 9. 02 und Co-
quimbo 23. 9. 02.
24. ©. iniqua sp.nov. Stirn ziemlich stark, Wangen etwas weniger,
aber verhältnismäßig immer noch breit vorragend, Backen über !/, der
Augenhöhe messend, Hinterkopf unten stark gepolstert. Die breite
Stirnmittelstrieme hebt sich nur senkrecht von oben gesehen schwach
von den Orbiten ab, während beide von vorn betrachtet dicht hellgrau
bestäubt sind. Fühler in der Augenmitte enigelenkt, etwas kürzer als
das Untergesicht, ziemlich schmal, schwarz, Borste nackt, an der Basis
etwas verdickt, Taster dünn, schwarz, Rüssel ziemlich schlank, mit
deutlichen Saugflächen, glänzend pechschwarz. Thorax und Schildchen
einfarbig hell aschgrau, ohne Striemung, a nur aus ganz kurzen feinen
Härchen bestehend, die sich kaum von der übrigen kurzen Grund-
behaarung des Thorax abheben. Hinterleib länglich eiförmig, von der
Mitte des 3. Ringes an abstehend beborstet, Hypopyg wohl entwickelt,
aber nicht sehr aus dem letzten Ring vorragend. Er ist wie der Thorax
gefärbt und läßt nur ganz schräg von hinten betrachtet auf Ring 3
ein dunkleres Fleckenpaar erkennen, das sich aber nicht sehr scharf
abhebt; ein Paar viel kleinerer Flecke und noch undeutlicher zeigt auch
der 4. Ring, während der 2. kaum eine Spur davon trägt. Hüften und
Schenkel schwarz, dicht grau bestäubt, Schienen gelb, Tarsen schwarz,
Pulvillen und Klauen verlängert. Bei einem Männchen sind auch die
Hinterschenkel an der Basis gelblich. Beborstung der Beine, Färbung
und Aderverlauf der Flügel wie bei rotundiventris, nur ist der Randdorn
noch deutlicher und länger. — Das Weibchen gleicht dem Männchen,
läßt aber auf dem Thorax 2 schmale bräunliche Längslinien erkennen,
und Pulvillen und Klauen sind ebenfalls, wenn auch nur wenig ver-
längert. Bei einem Weibchen sind die Mittelschenkel in der Basal-
hälfte gelblich und bei diesem und einem dritten Weibchen die Hinter-
schenkel ganz mit Ausnahme eines Spitzenfleckes. Länge 5—5,5 mm.
2 Männchen, 2 Weibchen und 1 in copula gefangenes Pärchen aus
Coronell 1. 9. 02 und Caldera 25. 9. 02.
25.C.strenuasp.nov.g. Auch diese ArthatÄhnlichkeitmitder vorigen.
Stirn im Profil etwas vorragend, Wangen schmal, Backen etwa '/, der
Augenhöhe, Hinterkopf unten mäßig stark gepolstert. Die schwarzgraue,
hinten ziemlich tief ausgesehnittene Stirnmittelstrieme hebt sich bei
jeder Art der Betrachtung von den Orbiten ab. Fühler in der Augen-
mitte eingelenkt, fast so lang wie das Untergesicht, schwarz, mit nackter,
bis nahe zur Mitte etwas verdickter Borste, Taster fadenförmig, schwarz.
Thorax und Schildehen grau, ersterer mit 2 feinen, über die Dorso-
zentralborsten laufenden braunen Striemen, a kurz, zweireihig. Hinter-
176 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
leib annähernd walzenförmig, seitlich etwas zusammengedrückt,
Hypopyg wohl entwickelt und von der Seite gesehen deutlich vor-
ragend. Er ist wie der Thorax gefärbt und läßt auf Ring 2—4 je ein
Paar ziemlich scharf begrenzter, runder brauner Flecke erkennen.
Beine schwarz, Schienen gelb, Pulvillen und Klauen verlängert, Be-
borstung der Beine und alles übrige wie bei rotundiventris. Länge
etwas über 4 mm.
Ein von Garlepp in Quillota 2. 9. 02 gefangenes Männchen.
b) Alte Arten.
26. C. nigrohalterata Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 484. 3.
Durch die tiefschwarze glanzlose Stirn, an welcher sich Orbiten und
Mittelstrieme nicht unterscheiden lassen, die gedornte Vorderrandader,
den deutlichen Randdorn, die schwarze Körperfärbung u. die schwarzen
Schwinger ist die Art leicht von allen andern zu unterscheiden.
1 Männchen und 1 Weibchen aus den Kordilleren Bolivias,
4—-5000 m, 24. 12. 02.
27. ©. vittifera Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. 487.5. Die Art fällt
sofort durch die an der Basıs gelb gefärbten Mittelschenkel auf, während
die Schienen schwarz sind. Beim Männchen ist diese gelbe Färbung
bisweilen so ausgebreitet, daß nur die Spitze geschwärzt ist.
2 Männchen und 3 Weibchen aus S. Carlos 2. 1. 03, Sarampioni
6. 3. 03, Umahuankiali 16. 9. 03 und Unini (Peru-Ucayalifluß) 22. 10. 03.
28. ©. ovata Stein, Berl. ent. Zeitschr. XLII. 263. 5 (1897). Mehrere
Männchen und Weibchen aus Arica 5. 10. 02 und Mollendo 10. 11. 02
und mehrere von Garlepp gefangene Pärchen aus Tacna X. 12.
Die Stücke gehören zweifellos der von mir beschriebenen Art an,
varlieren aber sehr, so daß ich meiner Beschreibung noch einiges hinzu-
fügen muß. Die Taster sind in der Regel verdunkelt, Thorax und Hinter-
leib bisweilen ohne jede Zeichnung. Bei andern Stücken läßt der Hinter-
leib, namentlich von hinten gesehen, die schwache Spur punktartiger
Flecke und auf den Mittelringen ganz kurze Rückenstriemen erkennen.
In andern Fällen vergrößern sich die Flecke und heben sich scharf ab,
während auch die Mittelstrieme der einzelnen Ringe deutlicher wird.
Ein Exemplar, welches von Garlepp in Sorata XII. 02 gefangen ist,
hat diese Flecke und die Anfänge von Mittelstriemen auf den Ringen
besonders scharf ausgeprägt, während zugleich der Thorax 3 ebenfalls
scharf hervortretende braune Längsstriemen zeigt und die Hinter-
schenkel an der äußersten Spitze gefleckt sind. Trotz dieser Ver-
schiedenheiten kann ich aber keine besondere Art darin sehen.
Charakteristisch ist die kurze, breit ovale Form des Hinterleibs und im
männlichen Geschlecht ein Merkmal, welches mir bei der ersten Be-
schreibung entgangen ist. Der Hinterleib trägt nämlich ganz auf der
Seite am Hinterrand des 2. Ringes einen kleinen glänzend schwarzen
Fleck, der sich in gleicher Weise bei meinen sämtlichen nord-
amerikanischen Stücken findet.
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 177
29. ©. recedens Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 489. 9. Ich wieder-
hole die Beschreibung dieser Art, da ich oben bei truncata auf sie ver-
wiesen habe. Augen ziemlich klein, Stirn im Profil stark vortretend,
Untergesicht auffallend zurückweichend, Mundrand nicht vorgezogen,
Backen fast !/, so breit wie die Augenhöhe, Hinterkopf stark gepolstert.
Fühler über der Augenmitte eingelenkt, etwas kürzer als das Unter-
gesicht, 3. Glied schmäler als das grau bestäubte 2., Borste haarförmig,
an der äußersten Basis verdickt, pubeszent, Taster sehr dünn, braun.
Thorax und Schildchen grau, ersterer auf dem Rücken bräunlich,
bisweilen mit einer feinen Mittelstrieme, a zweireihig, sehr kurz und
fein. Hinterleib ziemlich kurz, fast, walzenförmig, in der Spitzen-
hälfte seitlich etwas zusammengedrückt und hier von der Seite gesehen
etwas höher als an der Basis, am Ende ein wenig schräg von hinten
oben nach unten vorn abgeschnitten, das wohl entwickelte Hypopyg
nur wenig aus dem letzten Ring vorragend. Er ist grau bis ockergelb
gefärbt und läßt die Spur einer schmalen Rückenlinie erkennen. Die
zahlreichen kurzen Börstchen sind anliegend und nur der letzte Ring
auf Mitte und Hinterrand mit langen Borsten versehen. Beine rotgelb,
Hüften grau, Tarsen schwarz, Pulvillen und Klauen nur wenig ver-
längert; Vorderschienen mit 1 feinen Borste, Mittelschienen außen
vorn und außen hinten mit je 1 ziemlich langen, von denen jene etwas
tiefer steht und länger ist, Hinterschienen außen !/, vor der Spitze,
außen etwas dem Körper zugekehrt auf der Mitte, außen abgewandt
ebenfalls auf der Mitte und innen abgewandt, etwas tiefer stehend
mit je 1 Borste, von denen namentlich die 3 ersten recht auffallend
lang sind. Flügel ziemlich lang und schmal, mit deutlichem Randdorn
und gedörneltem Vorderrand, 3. und 4. Längsader fast parallel, hintere
Querader steil und kaum geschwungen, Schüppchen ziemlich klein,
das untere aber weit vorragend, weißlich, Schwinger gelb. — Das
Weibchen ist durch den Bau des Kopfes, die Beborstung der Beine
und den gedörnelten und mit wohl entwickeltem Randdorn versehenen
Flügelvorderrand leicht zu erkennen. Länge 3,5—4 mm.
3 Männchen und 1 Weibchen aus Sorata 19. 12. 02 und den Kor-
dilleren Bolivias 4—5000 m 24. 12. 02 und 1 von Garlepp in Sorata
zur selben Zeit gefangenes Männchen.
30. C. geniculata Fall. 1 Männchen aus Coronell 9. 9. 02, das sich
durch bedeutendere Größe, größere, dunklere und scharf begrenzte
Hinterleibsflecke und gelbe Hinterschienen von unsern europäischen
Stücken unterscheidet und in dieser Beziehung den von mir in der Berl.
ent. Zeitschr. XLII. 267.7 (1897) erwähnten nordamerikanischen Stücken
sirichl; Mittel- und Hinterschenkel sind fast in der Endhälfte schwarz
gelärbt.
XXV. Bithoracochaeta gen. nov.
Augen sehr hoch und schmal, in der.oberen Hälfte etwas breiter
als unten, Stirn und Wangen garnicht vorragend, Backen sehr schmal,
Hinterkopf unten nur wenig gepolstert. Stirn von vorn gesehen über
den Fühlern Y/,—?/, so breit wie ein Auge nach dem Scheitel zu sich
Archiv nn a 12
E21.
178 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
ein wenig verbreiternd, Fühler verkürzt, den unteren Augenrand nicht
erreichend, Borste haarförmig, deutlich behaart, Taster fadenförmig.
Thorax mit 2 Dorsozentralborsten hinter der Naht, wodurch sich die
Gattung von allen übrigen Coenosien unterscheidet. Hinterleib mehr
oder weniger walzenförmig. Beine langborstig, Hinterschienen auf der
Mitte mit 4 Borsten. Flügel ziemlich schmal und lang, ohne Rand-
dorn, Analader verkürzt, Schüppchen ungleich.
Type: B. despecta Wlk. Ins. Saund. 264 (1856).
1. B. annulata sp. nov. Stirnmittelstrieme breit, sammetschwarz,
hinten nur wenig ausgeschnitten, Orbiten sehr schmal, hell ockergelb
bestäubt. 3. Fühlerglied beim Männchen blaßgelb, an der Wurzel
schwarz, 2. schwarz, hell ockergelb bestäubt, Borste ziemlich lang
gefiedert, Taster braun bis schwarz. Thorax hellbraun, 3 schwarze
Striemen von denen die seitlichen über die Dorsozentralborsten laufen
und je eine breite von den Schulterbeulen bis zur Flügelwurzel laufende
schwarze Strieme mit deutlichem Glanz. Hinterleib an den Seiten und
auf dem letzten Ring fein abstehend behaart, ohne stärkere Borsten,
im übrigen ganz nackt, Hypopyg wenig entwickelt und kaum vorragend,
so daß der letzte Ring etwas spitz zuläuft; er ist hellgrau gefärbt,
der 1. Ring fast ganz glänzend schwarzbraun, die übrigen Ringe mit
sehr breiten, glänzend schwarzbraunen Hinterrandbinden, die sich in der
Mittellinie des Körpers verbreitern und hier an den vorhergehenden
Ring anstoßen. Beine ganz gelb, Tarsen etwas verdunkelt, Pulvillen
und Klauen kaum verlängert; Vorderschienen mit 1 sehr langen u.
gebogenen Borste, Mittelschienen außen vorn und außen hinten
ebenfalls mit je 1 langen, Hinterschienen wie in der Gattungsdiagnose.
Flügel gelblich, 3. und 4. Längsader parallel, hintere Querader steil
und gerade. — Die Stirn des Weibchens ist kaum etwas breiter, das
3. Fühlerglied schmutzig lehmgelb bis gebräunt, der Hinterleib breiter
und hinten zugespitzt, im übrigen mit derselben Zeichnung. Länge
& 5,5, 9 5,5—6 mm.
1 Männchen und 2 Weibchen aus dem Laristal 14. 8. 03 und von
der Pachiteamündung 22. 11. 03 und 1 an ersterem Ort von Garlepp
gefangenes Weibchen.
Anmerkung. Die Art gleicht ungemem der B. despecta,
die ich in der Berl. ent. Zeitschr. XLII. 257. 1 (1897) unter dem Namen
Caricea insignis ausführlich beschrieben habe. Letztere Art ist im
allgemeinen kleiner, nirgends glänzend, die Hinterleibsringe tragen
eine Mittelstrieme und paarige Flecke, und der Hinterleib ist an den
Seiten und hinten mit stärkeren abstehenden Borsten versehen. Thomson
hat die Art unter dem Namen (©. pipunculina beschrieben. Die voll-
ständige Synonymie habe ich in der Wien. ent. Zeitg. XXIX. 76. 207
(1910) angeführt.
XXVI. Drepanoenemis gen. nov.
Die nackten oder behaarten Augen ziemlich hoch und schmal,
in der unteren Hälfte durch den von oben nach unten allmählich sich
in Südamerika gefangenen Anthomyiden, 179
verbreiternden Hinterkopf noch etwas schmäler werdend. Stirn,
Wangen und Mundrand gar nicht vorragend, Backen ziemlich schmal.
Fühler genau in der Augenmitte eingelenkt, wenig kürzer als das Unter-
gesicht, 3. Glied doppelt so lang wie das 2., Borste nackt. Stirn von
vorn gesehen unmittelbar über den Fühlern bedeutend schmäler als
ein Auge, bei einer Art kaum halb so breit, nach dem Scheitel zu sich
allmählich verbreiternd, Mittelstrieme breit, hinten nur wenig aus-
geschnitten, Orbiten schmal. Thorax und Schildchen außer den ge-
wöhnlichen Borsten nur sehr spärlich behaart, fast nackt, de vor der
Naht 1, hinter derselben 3, a zweireihig, pra ganz fehlend oder nur als
feines kurzes Börstchen vorhanden, st 3, von der Stellung der echten
Coenosien, Schildchen mit je emem Paar Basal- und Subapikalborsten.
Hinterleib länglich, etwas flach gedrückt u. hinten zugespitzt, Hypopyg
wenig, auffallend, im letzten Ring versteckt, dieser länger beborstet.
Beine in beiden Geschlechtern mit kurzen Pulvillen und Klauen,
Vorderschienen beim Männchen an der Basis verdünnt, dann seitlich
auffallend bıeit und messerartig zusammengedrückt, mit 1 recht auf-
fallend langen Borste. Flügel ohne Randdorn, 3. und 4. Längsader
parallel, Analader verkürzt, Schüppchen ungleich. — Die Stirn des
Weibchens ist nur wenig breiter als beim Männchen, die Vorderschienen
einfach.
1. D. hirticeps sp. nov. Augen dicht, wenn auch nicht sehr lang
behaart, Stivn an der Fühlerbasis kaum !/, so breit wie ein Auge, nach
dem Scheitel zu sich allmählich verbreiternd, wie auch das Unter-
gesicht nach unten zu allmählich breiter wird. Mittelstrieme dunkel-
braun, stumpf, Orbiten sehr schmal, etwas heller bestäubt. Fühler
schwarzbraun, 2. Glied rötlichgrau bestäubt, Borste haarförmig, an
der Basis schwach verdickt, Taster fadenförmig, schwarz. Thorax und
Schildehen einfarbig schwarzbraun, stumpf, ersterer außer den stärkeren
Borsten nur ganz schwach kurz behaart, vor der Naht 2 Paar ziemlich
lange, aber feine Akrostichalborsten, die übrige Beborstung wie in der
Gattungsdiagnose. Hinterleib dunkel erzbraun, fast schwarz, mit
schwachem Glanz und ohne jede Zeichnung. Er ist auf der ganzen Ober-
fläche mit dichten abstehenden Härchen besetzt und nur der letzte Ring
abstehend beborstet. Beine schwarzbraun, die Vorderschienen an der
äußersten Basis gelblich. Die Vorderschieven sind außen (vorn) der
ganzen Länge nach mit kurzen, gebogenen Borsten besetzt und auf
der Mitte, dem Körper abgewandt, mit einer sehr langen und gebogenen
Borste versehen, Mittelschienen außen vorn mit 1 sehr kurzen und feinen,
oft fehlenden, außen hinten mit 1 stärkeren Borste, Hinterschenkel
unterseits abgewandt von der Mitte bis zur Spitze mit 4—5 sehr langen,
gebogenen, nach der Spitze zu allmählich kürzer werdenden Borsten-
haaren, Hinterschienen außen vor der Spitze mit 1 feinen, außen etwas
abgewandt auf der Mitte mit 1 ziemlich langen und starken Borste,
innen abgewandt borstenlos. Flügel schwach graulich, hintere Querader
steil und auf der Mitte etwas nach innen gebogen, Schüppchen weißlich,
Schwinger gelb. — Das Weibchen gleicht bis auf die einfachen Vorder-
schienen vollständig dem Männchen, die Augen sind ebenfalls kurz und
12*
180 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
dicht behaart und die Mittelschienen außen vorn und außen hinten
mit je einer kräftigen und ziemlich langen Borste versehen. Länge
3,5 mm.
2 Männchen und 4 Weibchen in der Sammlung des Heırn Garlepp,
die in Sorata XII. 02 und V. 03 und in Mapiri, 4—5000 m, 14. 5. 03
gefangen sind. Schmuse hat nur 2 Weibchen im Sorata 19. 12. 02
und Chanchamayo 18. 1. 04 gesammelt.
2. D. Dorae sp. nov. Die Art hat in Größe, Gestalt und Färbung
die größte Ähnlichkeit mit der vorigen. Die Augen sind ganz nackt
und durch eine Strieme getrennt, die über den Fühlern etwa !/, so breit
ist wie ein Auge. Im übrigen ist die Form des Kopfes, die Farbe der
Fühler, Taster, des Thorax und Schildehens und die Beborstung der
letzteren genau wie bei Avrticeps. Hinterleib von derselben Form;
er ist ebenfalls schwarzbraun, schwach glänzend, ganz schräg von hinten
gesehen dünn graulich bereift und läßt bei dieser Betrachtung auf Ring
2 und 3 je em Paar vorn genäherter, hinten etwas divergierender
schwärzlicher Flecke erkennen, aber nur sehr undeutlich. Er ist mit
anliegenden Börstchen besetzt und nur der letzte Ring abstehend
beborstet. Beine schwarzbraun, Vorderschienen von derselben Form
wie bei der vorigen Art, dielange Borste auf der dem Körper abgewandten
Seite findet sich aber ganz in der Nähe der Basis, Beborstung der
übrigen Beine wie bei hirticeps. Flügel und Aderverlauf gleichfalls
wie bei dieser, Schüppchen weißlich, Schwinger schwarzbraun.
1 Männchen aus Tarma 19. 1. 04.
Ich widme diese Art der Tochter meines Fieundes Schnuse, die
mit regem Interesse die Arbeiten ihres Vaters verfolgt hat und das
von ihm begonnene Werk zu Ende zu führen hofft.
XXVIL" Schoenomyza Hal.
Übersicht der Arten.
1. Schienen aller Beine gelb 2
Beine schwarz, höchstens die Knie gelb 4
2. Mittelschienen innen mit kräftiger Borste
1. Sch. annulata sp. nov.
Mittelschienen innen ohne Borste 3
3. Taster und Schwinger hellgelb 2. Sch. guttipennis Stein
Taster und Schwinger gebräunt 3. Sch. fuscipalpis sp. nov.
4. Dorsozentralborsten hinter der Naht 2 5
Dorsozentralborsten hinter der Naht 3 6
5. Randader namentlich an der Basis deutlich gedörnelt, Rand-
dorn deutlich, Hinterleib einfarbig schwarzgrau
4. Sch. unicolor sp. nov.
Randader nackt, Randdorn sehr klein oder fehlend, Hinterleib
mit mehr oder weniger deutlichen Fleckenpaaren
5. Sch. biseta sp. nov.
6. Thorax hellgrau bestäubt mit breiter, vorn sammetschwarzer,
u ee
a u = u
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 181
hinten bräunlicher Mittelstrieme, Schildehen sammetschwarz
6. Sch. picta sp. nov.
Thorax anders gezeichnet, Schildehen nie sammetschwarz 7
7. Mittelschienen innen vorn mit deutlicher Borste 8
Mittelschienen innen vorn ohne Borste 11
8. Flügel ganz ungefleckt, höchstens die Queradern schwach gebräunt,
Hinterleib mit deutlichen Fleckenpaaren 9
Flügel deutlich gefleckt oder auffallend gefärbt, Hinterleib ohne
deutliche Flecken 10
9. Vorderrand gedörnelt, Randdorn deutlich, Flügel ganz ungefleckt,
Vorderschienen mit 2 Borsten auf der Mitte
7. Sch. spinicosta Stein
Vorderrand nicht gedörnelt, Randdorn kaum angedeutet, Quer-
adern schwach gebräunt, Vorderschienen mit 1 Borste
8. Sch. hitorella Fall.
10. Flügel des Männchens in der Spitzenhälfte dunkel, in der Basal-
hälfte heller gefärbt, des Weibehens graulich mit einigen dunkleren
Flecken und Orbiten 9. Sch. apicalis sp. nov
Flügel beider Geschlechter gebräunt, mit graulichweißen rund-
lichen Tropfenflecken 10. Sch. minuta sp. nov.
11. Flügel auffallend bräunlich und weißlich längsgestreift
11. Sch. striatipennis sp. nov.
Flügel fast gleichmäßig tingieıt 12
12. Taster gelb, 4-5 mm große Art 12. Sch. auriceps sp. nov.
Taster schwarz, höchstens 4 mm große Art 13
13. Vor der Naht 2 Dorsozentralborsten, Flügelqueradern deutlich
gebräunt 13. Sch. breviventris sp. nov.
Vor der Naht 1 Dorsozentralborste, Flügelqueradeın gar nicht
oder kaum gebräunt 14
14. Mittelschienen außen vorn und außen hinten mit je 2 Borsten,
Thorax mehr oder weniger deutlich vierstriemig
15. Sch. nigra ‚sp. nov
Mittelschienen außen vorn und außen hinten mit je 1 Borste,
Thorax einfarbig dunkelbraun, ohne Striemung
14. Sch. nigrithoraz sp. nov.
l. Sch.annulata sp. nov. Untergesicht ockergelb, die breite Stirn
bräunlichgrau bestäubt, Fühler schwarz, 2. Glied rot, Taster gelb. Thorax
braun, mit bläulichgrauem Reif überzogen, von dem sich 2 teine dunkle
Mittellinien und breitere, in 2 Flecke aufgelöste Seitenstriemen abheben;
de vor der Naht 1, hinter derselben 3, a äußerst kurze, feine Härchen,
pra fehlt, im übrigen der Thorax fast nackt. Schildehen schwarzbraun,
am äußersten Rand bläulichgrau. Hinterleib vollständig walzen-
förmig, etwas gekrümmt, nackt und nur der Hinterrand des letzten
Ringes etwas länger beborstet, selten auch die Mitte. Er ist bläulich-
grau bestäubt und trägt auf sämtlichen Ringen sehr breite, an den Seiten
sich nur wenig verschmälernde dunkelbraune Hinterrandbinden,
die bisweilen auf dem Rücken durch den Anfang einer grauen Mittel-
182 Prof. P, Stein: Die von Schnuse
linie getrennt sind; beide Abschnitte des Hypopygs von der Seite ge-
sehen übereinander liegend und etwas aus dem letzten Ring vorragend.
Beine schwarz, Schienen rot, Pulviller und Klauen kurz; Vorderschienen
außen (vorn) mit einigen längeren Borsten, Mittelschienen außen
vorn und außen hinten mit je 2, innen mit einer ‚kräftigen Borste,
Hinterschienen außen in der Nähe der Basis mit 1 feinen, außen ab-
gewandt und innen abgewandt mit je 2 kräftigen und ziemlich langen
Borsten. Vorderhälfte der Flügel schwach gebräunt, hintere fast milch-
weiß, beide Queradern schwach graulich, Randdorn. fehlt, 3.".und
4. Längsader am Ende schwach genähert, hintere Querader steil und
gerade, Analader, wie bei allen Arten, sehr kurz und bis zum Ende
kräftig, Schüppchen sehr klein, das untere nur wenig vorragend,
weißlich, Schwinger schwarzbraun mit etwas hellerem Stiel. — Bei
dem einzigen Weibchen, welches ich mit Sicherheit als das zugehörige
ansehen kann, sind die Flügel gleichmäßig graulich tingiert, so daß
sich die schwache Bräunung der Queradern nur undeutlich abhebt.
Die Zeichnung des Hinterleibs stimmt mit der des Männchens, ebenso
alles übrige. Länge 4 mm.
2 Männchen aus Chanchamayo 11. 0. 04 und 1 von Garlepp auf
dem Pichisweg I. 04 gesammeltes Weibchen.
2. Sch. guttipennis Stein, Ann. Mus. Nat. Hung. II. 493.1. Die
von mir für das Weibchen gegebene Beschreibung paßt auch voll-
ständig für das Männchen, von dem ich nur erwähnen will, daß die
beiden auffallend stack entwickelten und hintereinander liegenden
Abschnitte des Hypopygs von der Seite gesehen weit vorragen. Im
übrigen ist die Art an den gelben Tastern, gelben Schienen und ge-
fleckten Flügeln so leicht kenntlich, daß es gar keiner genaueren Be-
schreibung bedarf.
Zahlreiche Männchen und Weibchen aus Concepcion 10. 9. 02,
Valparaiso 13. 9. 02, Quillota 20. 9. 02, Guayacan 22. 9. 02, Coquimbo
23. 9. 02, von Titicacasee (Peru-Puno) 20. 11. 02, Tiahuanaco 11. 12. 02,
Kordilleren Bolivias, 4—5000 m, 15. 5. 03, Titicacainsel (Bolivia)
10. 6. 03, Juliaca 15. 6. 03, Sıeuanı 18. 6. 03 und Cuzco 29. 6. 03.
3. Sch. fuscipalpis sp.nov. $. Die Art hat mit der vorigen so große
Ähnlichkeit, daß die geringen Unterschiede zu ihrer Kenntlichmachung
genügen werden. Die Stirn ist einfarbig tief dunkelbraun, ohne jede
hellere Bestäubung, Fühler ganz braun, 2. Glied kaum etwas heller,
die Taster sind an der Spitze weniger verbreitert und ebenfalls braun,
kaum etwas durchscheinend, der Hinterleib ist bei allen Stücken ganz
ungefleckt, die Flügel graulich mit nur wenigen schwach angedeuteten
glashellen Flecken und kleinem aber deutlichem Randdorn, und die
Schwinger endlich ebenfalls braun.
3 Männchen aus Tarma und Oroya 21.1. 04.
4. Sch. unicolor sp. nov. Untergesicht ockergelb bestäubt; von
gleicher Färbung zeigt sich die Stirn, wenn man sie ganz schräg von
vorn betrachtet, während sie von oben gesehen schwarzbraun erscheint:
Fühler und die fast fadenförmigen Taster schwarz. Thorax und
Schildchen dunkelgrau, mit einem Stich ins Blauliche, eine‘ breite
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 183
Strieme von den Schulterbeulen her etwas heller grau; de hinter der
Naht 2, a zweireihig, in Form feiner Härchen, sonst der Thorax nackt.
Hinterleib ziemlich schmal, fast walzenförmig, etwas länger als Thorax
und Schildchen, von derselben Färbung wie beide, nackt, letzter Ring
auf Mitte und Hinterrand beborstet, Hypopyg von der Seite gesehen
im letzten Ring versteckt und wenig auffallend. Beine schwarzgrau,
Vorderschienen mit I Borste, Mittelschienen außen vorn mit 1 längern,
außen hinten mit 1 kürzern, Hinterschenkel unterseits äbgewandt
mit je 1 Borste auf der Mitte und kurz vor der Spitze, zugekehrt mit 1
auf der Mitte, Hinterschienen außen abgewandt mit 1 langen und
kräftigen, innen abgewandt mit 1 sehr kurzen und schwachen Borste.
Flügel gleichmäßig graulich getrübt, mit feinem, aber deutlichem Rand-
dorn, Vorderrand an der Basis schwach gedörnelt, Schüppchen ungemein
klein und gleichgroß, kaum größer als der Schwingerknopf, schmutzig
weiß, Schwinger schwarz. — Das Weibchen gleicht in allen Merkmalen
dem Männchen. Länge 3,75 mm.
3 Männchen und 8 Weibchen vom Titicacasee (Peru Puno)
15. 11.—23. 11. 02.
5. Sch. biseta sp. nov. Gleicht fast völlig der vorigen Art und unter-
scheidet sich nur dadurch von ihr, daß die Randader nicht gedörnelt,
der Randdorn kaum bemerkbar ist und daß der Hinterleib bei reinen
Stücken in beiden Geschlechtern auf jedem Ring ein Paar großer, aber
wenig sich abhebender dunklerer Flecke trägt.
2 Männchen und 3 Weibchen aus Cuzco 20. 7.03.
6. Sch. pieta sp. nov. Eine auffallend schöne Art. Kopf hellgrau,
Orbiten mehr ins Gelblichgraue ziehend, der hintere Teil der Stirn um
das Ozellendreieck herum sammetschwarz. Fühler schwarz, grau be-
stäubt, Taster schwarz, in der Basalhälfte dünn, dann deutlich ver-
breitert. Thorax hell, fast weißgrau, eine breite Strieme, welche den
Raum zwischen den Dorsozentralborsten ausfüllt, fast sammetschwarz,
hinter der Naht allmählich ins Gelbliche übergehend, Schildchen
sammetschwarz. Hinterleib fast walzenförmig, gegen das Ende zu
etwas verdiekt, bei oberflächlicher Betrachtung einfarbig hellgrau,
aber weniger hell als der Thorax; bei großer Aufmerksamkeit sieht
man an den Seiten des 2. und 3. Ringes je einen’kleinen hellbraunen
Fleck, der sich aber nur ganz undeutlich abhebt. Der Hinterleib ist
nackt, nur der Hinterrand des letzten Ringes beborstet, Hypopyg
von der Seite gesehen etwas vorragend. Beine schwarz, dicht grau
bestäubt; Vorderschienen mit 1 Borste, Mittelschienen außen vorn und
außen hinten mit je 2, Hinterschienen außen mit 2 Borsten m’ der
Nähe der Basis, außen abgewandt mit 2 längeren und einigen kürzeren,
innen abgewandt mit 2--3 Borsten. Flügel gelblich tingiert, einige
Flecke und namentlich die ganze Diskoidalzelle milchweiß, kleine
Querader deutlich gebräunt, Schüppchen klein, das untere kaum etwas
vorragend, weißlich, Schwinger gelb. — Das Weibchen gleicht voll-
kommen dem Männchen, die Flecke des Hinterleibes sind etwas
deutlicher. Länge 4 mm.
184 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
1 von Garlepp in Juliaca 14. 6. 03 gefangenes Pärchen und 1 von
Schnuse am Titicacasee (Peru Puno) 22. 11. 02 gesammeltes Weibchen.
7. Sch. spinicosta Stein Ann. Mus. Nat. Hung. II. 495.2. Die von.
mir nach einem Weibchen angefertigte Beschreibung paßt auch voll-
ständig auf das Männchen. Ich will nur bemerken, daß die Farbe der
Taster zu variieren scheint. Alle von Schnuse gefangenen Stücke haben
blaßgelbe Taster und grünlichgraue Körperfärbung, während ein von
Garlepp gesammeltes Männchen dunkle, an der Spitze weißlich
schimmernde Taster und mehr bräunlichgraue Färbung besitzt. Da
dies Stück aber sonst in allen Merkmalen mit den übrigen überemstimmt,
halte ich es für dieselbe Art. Der Hinterleib des Männchens ist walzen-
förmig mit deutlich vorragendem, kräftig entwickeltem Hypopyg.
Die Zeichnung ist dieselbe wie beim Weibchen, nur die Flecke mehr
rundlich. Erwähnen willich noch, daß die kleine Querader weit hinter
der Mündung der 1. Längsader liegt.
7 Männchen und 11 Weibchen vom Titicacasee (Peru Puno)
19. 11.—23. 11. 02, vom Titicacasee (Bolivia) 29.5.03 und Cuzco
12.7.03. Ein Männchen von Garlepp aus den Kordilleren. Bolivias
24. 12. 02.
8. Sch. hitorella Fall. 2 Pärchen aus Palca 17. 10.02 und Tacna
22. 10. 02, die vollständig mit unsern europäischen Stücken über-
einstimmen. Im männlichen Geschlecht ist die Art sofort an der silber-
weißen Färbung der Stirnvorderhälfte und der Fühler und an der
goldgelben Färbung des Untergesichts zu erkennen. Durch die in der
Bestimmungstabelle angegebenen Merkmale und die schwarzen Taster
unterscheidet sich das Weibehen von dem der spinicosta und ähnlichen.
in. Garlepp’s Sammlung finden sich noch ‘mehrere Männchen aus
Palca-X. 02 und Cuzco 12. 7.05.
9. Sch. apicalis sp.nov. Der ganze Kopf dicht ockergelb bestäubt,
die breite Stirnmittelstrieme kaum etwas dunkler, Fühler schwarz, mit
ziemlich spitzer Vorderecke, 2. Glied gelbgrau, Taster fadenförmig,
an der Spitze nur wenig verbreitert, blaßgelb. Thorax grau bestäubt
mit 4 feinen bräunlichen Längsstriemen, Beborstung wie bei den vorigen
Arten. Hinterleib walzenförmig, an der Spitze durch das ziemlich
kräftig entwickelte, etwas vorragende Hypopyg kolbig verdickt, nur
am Ende schwach beborstet. Er ist grünlichgrau bestäubt und meist
ohne deutliche Zeichnung; bei genauer Betrachtung bemerkt man eine
an den Hinterrändern der Ringe abgesetzte, schmale grauliche Mittel-
strieme und auf Ring 2 und 3 je ein Paar ganz schwacher, rundlicher,
grauer Flecke. Beine schwarz, Vorderknie gelb, die hinteren nur in sehr
geringer Ausdehnung. Hinsichtlich der Beborstung ist nur erwähnens-
wert, daß die Mittelschienen innen eine deutliche Borste tragen.
Flügel des Männchens in der Basalhälfte glashell, in der. Spitzenhälfte
ziemlich intensiv bräunlich, Randdorn klein, beide, Queradern ganz
schwach gebräunt, Schüppcehen klein, schmutzig weiß, Schwinger
schwarz. — Das Weibchen erscheint auf, den ersten Bliek nicht als
zugehörig, da die Flügel gleichmäßig gelblichgrau tingiert sind, während
einige Längsflecke und Kreise durch ein wenig dunklere Färbung sieh
ee
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 185
davon abheben. Ziemlich auffallend sind 2 ringförmige Flecke, von
denen der eine die kleine Querader, der andere das obere Ende der
hintern Querader zum Mittelpunkt hat. Die Queradern sind ebenfalls
schwach gebräunt. Durch die Flecke der Flügel und die hellen Taster
unterscheidet es sich von dem sonst ähnlichen Weibchen der btorella.
Länge 2,5—3 mm, die Weibchen etwas größer.
Zahlreiche Männchen und Weibchen vom Titicacasee (Peru Puno)
17. 11. 02, (Bolivia Guaqui) 4—5000 m 31. 5., 2. 6. 03, Cuzco 3.8. 03
und aus dem Laristal 8. 8. 03.
10. Sch. minuta sp.nov. Die kleinste von allen Arten, höchstens
2,5 mm. Die breite Stirn ist dunkelbraun bestäubt, Untergesicht nur
etwas heller, Fühler schwarzbraun, Basalglied kaum lichter, Taster
schmutzig blaßgelb. Thorax im Grunde ziemlich dunkelgrau bestäubt,
mit den gewöhnlichen 4 dunkleren Striemen, von denen die mittleren
bisweilen fast zusammengeflossen sind. Hinterleib ziemlich kurz, am
Ende etwas verdickt, dunkelgrau, bei der Kleinheit der Stücke ohne be-
merkbare Zeiehnung. Beine schwarz, Mittelschienen außen vorn und
außen hinten mit je 2, innen mit 1 Borste. Flügel ohne Randdorn,
graulich mit unregelmäßig angeordneten etwas helleren Flecken und
dunkleren Flecken und Ringen, Schüppchen sehr klein, schmutzig
weiß, Schwinger schmutzig gelb. — Das Weibchen gleicht vollkommen
dem Männchen.
2 Männchen und 1 Weibchen aus dem Laristal 2. 8.—9. 8,.03.
Anmerkung: Durch die Färbung der Flügel ist das Männchen
sofort von dem der vorigen Art zu unterscheiden, während die Unter-
scheidung des Weibcehens schwerer ist, da die Flügelfärbung bei beiden
eine sehr ähnliche ist. Durch die gelben Schwinger und die ganz
schwarzen Beine wird man es aber auch mit ziemlicher Sicherheit
erkennen können.
11. Sch. striatipennis sp.nov. Kopf beim Männchen grau bestäubt;,
die breite Stirmmittelstrieme von oben gesehen schwärzlich, ganz von
vorn betrachtet ebenfalls grau bestäubt. Augen nicht viel höher als
breit, Wangen kaum vorragend, Backen etwa halb so breit wie. die
Augenhöhe, Mundrand nicht vorgezogen. Fühler halb so lang wie das
Untergesicht, schwarz, Basalglied graulich bestäubt, Taster fadenförmig,
an der Spitze kaum etwas verbreitert, schwarz, Rüssel ziemlich kurz-
und dick. Thorax grau bestäubt, 2 braune Mittelstriemen, die innerhalb
der Dorsozentralborsten liegen und einander ziemlich genähert sind,
recht deutlich; hinter der Naht geht die Färbung des zwischen den
Striemen liegenden Thoraxteiles ins Braungelbe über, während das
graue Schildchen eine ziemlich breite, fast schwarzbraune Mittelstrieme
trägt. Die Beborstung des Thorax weicht nur insofern von. der der
übrigen Arten ab, als sich vor der Naht 2 Dorsozentralborsten befinden,
von denen die vordere allerdings bedeutend kleiner, aber doch deutich
ist. Hinterleib länglich, etwas flach gedrückt und hinten zugespitzt,
ohne vorragendes Hypopyg, so daß er fast die Form des weiblichen
Hinterleibes hat. Er ist dunkelgrau gefärbt und trägt ‚zahlreiche
kleine, dunklere Pünktchen, während der 2. und 3. Ring je ein Paar
186 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
kleiner, kaum bemerkbarer dunkelgrauer Flecketragen. Er ist fast ganz
nackt und auch am Ende nur mit etwas längeren, feinen Haaren besetzt.
Beine schwarz, Vorderschienen borstenlos, Mittelschienen außen vorn
und außen hinten mit je 1 Borste, Hinterschienen außen abgewandt und
innen abgewandt ebenfalls mit je 1 Borste. Höchst charakteristisch
ist die Flügelfärbung. Der ganze Vorderrand bis zur 4. Längsader
herab ist mit Ausnahme der äußersten Spitze schokoladenbraun gefärbt.
In gleicher Färbung ist die 5. Längsader bis zur hintern Querader
hin gesäumt, während ein ebenso gefärbter Längswisch durch die Mitte
der hintern Querader hindurchgeht; alles übrige ist milchweiß. Rand-
dorn klein, aber deutlich, Schüppchen gleichgroß, aber nicht so klein
wie bei der vorigen Art, das untere wenig vorragend, gelblichweiß,
Schwinger schwärzlich bis lederbraun. — Das Weibchen gleicht durch
die Form des Hinterleibes dem Männchen noch mehr als bei den andern
Arten, der Kopf ist mehr ockergelblich gefärbt, die Stirnmittelstrieme
dunkelbraun, die Thoraxstriemen sind noch breiter und deutlicher
und auch die seitlichen, die beim Männchen nur wenig sichtbar sind,
durch ihre dunklere Färbung deutlich, während die ganze Grund-
färbung des Thorax mehr ins Gelbliche zieht. Die vor der Naht befind-
liehen Dorsozentralborsten sind beide recht deutlich, wenn auch die
vordere kleiner ist. Auf dem Hinterleib kann ich keine Fleckenpaare
erkennen. Die Flügelzeichnung und alles übrige genau‘ wie beim
Männchen. Länge $ 3, 9 3,5—4 mm.
3 Männchen und 7 Weibchen aus Tarma und Oroya 21.1. 04.
12. Sch. auriceps sp.nov. Eine durch ihren kräftigen Bau sehr auf-
fallende Art. Augen fast kreisrund, Stirn etwas, Wangen gar nicht vor-
ragend, Backen !/, so breit wie der Augendurchmesser, Mundrand etwas
vorgezogen, der ganze Kopf mit Ausnahme des grau bestäubten Hinter-
kopfes dicht ockergelb, bei reinen Stücken goldgelb bestäubt. Fühler
etwas kürzer als das Untergesicht, schwarz, 2. Glied schwach ocker-
gelblich bestäubt, Taster an der Spitze deutlich verbreitert, blaßgelb.
Thorax und Schildehen dunkel grünlichgrau, ersterer mit den gewöhn-
lichen, mehr oder weniger deutlichen 4 Längsstriemen, sämtliche
Borsten außerordentlich kräftig, namentlich auch die Stenopleural-
borsten ; trotz der Größe des Tieres findet sich vor der Naht nur 1 Dorso-
zentralborste. Hinterleib länglich walzenförmig, gegen das Ende zu
recht auffallend verdickt, Hypopyg stark entwickelt und mit seinen
beiden Abschnitten weit über den letzten Ring vorragend, der Hinter-
rand des letzten Ringes und der Basalteil des Hypopygs lang, aber
nicht sehr kräftig beborstet. Der Hinterleib ist wie der Thorax gefärbt
und läßt die Spur einer schmalen grauen Rückenlinie und auf Ring 2
und 3 je ein rundliches Fleckenpaar, das aber ganz auf die Seite gerückt
ist, nur undeutlich erkennen. Beine schwarz, wie Thorax und
Hinterleib dicht grünlichgrau bestäubt, Vorderknie gelb, Pulvillen u.
Klauen 'etwas verlängert und kräftig; Vorderschienen ‘mit 1,Mittel-
schienen außen vorn und außen hinten mit je 2, Hinterschienen außen
mit 1 längeren und mehreren kürzeren, in der Basalhälfte stehenden,
außen abgewandt mit etwa 4 verschieden langen und innen abgewandt
in Südamerika gefangenen Anthomyiden. 187
meist mit 3 von der Mitte bis zur Spitze sich erstreckenden und etwas
abwärts gerichteten Borsten, sämtlich sehr kräftig. Flügel gelblichgrau
tingiert, ohne Randdorn, mit 3—4 meist auf der 4. Längsader liegenden,
wenig auffallenden, helleren Tropfenflecken, beide Queradern kräftig,
aber kaum gesäumt, ‘Schüppchen ungleich, nicht auffallend klein,
weißlich, Schwinger schmutzig blutrot. — Das Weibchen gleicht bis
auf die Form des Hinterleibes vollkommen dem Männchen und hat auch
wie dieses etwas verlängerte und kräftige Pulvillen. Länge 4,5—5 mm.
5 Männchen und 4 Weibchen aus der Magalhaesstr. 2. 9. 02 und
Coquimbo 23. 9. 02.
13. Sch. breviventris sp. nov. Augen fast kreisrund, Stirn etwas vor-
ragend, Wangen sehr schmal, Untergesicht etwas zurückweichend, Backen
von halber Augenhöhe, sämtliche Teile ockergelb bestäubt. Fühler
unter der Augenmitte eingelenkt, kürzer als das Untergesicht, schwarz,
2. Glied kaum etwas rötlichgrau, Taster fadenförmig, an der Spitze
nicht erweitert, schwarz. Thorax blaugrau bestäubt, namentlich an
den Seiten, 4 schmale bräunliche Längsstriemen nicht sehr deutlich,
de vor der Naht 2, die vordere halb so lang wie die hintere. Hinterleib
ziemlich kurz, gedrungen und kräftig, beide Teile des kräftig ent-
wickelten Hypopygs vorragend, Beborstung die gewöhnliche. Der
ganze Hinterleib ist blaugrau bestäubt und läßt die schwache An-
deutung einer etwas dunkleren Mittellinie erkennen. Beine schwarz,
grau bestäubt, Pulvillen und Klauen sehr kurz; Vorderschienen mit
1 feinen und kleinen Borste, Mittelschienen außen vorn und außen
hinten mit je 1 Borste, Hinterschienen außen abgewandt mit 1 län-
geren, innen abgewandt mit 1 kürzeren Borste. Flügel gelblichgrau,
an der Wurzel gelblich tingiert, beide Queradern schwach, aber
deutlich gesäumt, Randdorn klein, Analader bis zum Ende kräftig
und plötzlich abgebrochen, Schüppchen sehr klein, das untere
nicht vorragend, weißlich gelb, Schwinger schmutzig gelb. — Die
breite Stirnmittelstrieme des Weibchens erscheint bei jeder Be-
trachtung stumpf schokoladenbraun. und. ist auch ganz schräg von
vorn gesehen nur wenig heller bestäubt. Im übrigen gleicht es dem
Männchen. Länge $3, 24 mm.
2 Männchen aus Oroya 20.1.04 und 1 Weibchen aus Tarma
21.1. 04.
14. Sch. nigrithorax sp. nov. &. Stirnmittelstrieme nicht so breit
wie bei den vorigen Arten, schwarz, der hintere bis zur Mitte reichende
Ausschnitt und die Orbiten nebst den übrigen Teilen des Kopfes grau
bestäubt. Stirn im Profil kaum vorragend, Wangen sehr schmal,
Untergesicht etwas zurückweichend, Backen etwa !/, der Augenhöhe.
Fühler in der Mitte der Augenhöhe eingelenkt, schwarz, mit ziemlich
scharfer Vorderecke, 2. Glied graulich bestäubt, Taster fadenförmig,
schwarz. Thoraxrücken schokoladenbraun, Brustseiten gelblichgrau
bestäubt, Thorax außer den gewöhnlichen stärkeren Borsten fast nackt,
Schildehen heller schokoladenbraun. Hinterleib ziemlich schmal,
hinten zugespitzt und etwas flach gedrückt, mit wenig entwickeltem
188 Prof. P. Stein: Die von Schnuse
und daher nicht vorragendem Hypopyg, wie gewöhnlich nur hinten
etwas beborstet. Er ist grau bestäubt und trägt auf sämtlichen Ringen
paarige, große schokoladenbraune Flecke, die so ausgebreitet sind,
daß nur eine schmale Rückenlinie und die: Vorderränder der Ringe
zu beiden Seiten, aber in geringer Ausdehnung, grau gefärbt sind.
Beine schwarz, grau bestäubt, Vorderknie gelblich; Vorderschienen
mit 1, Mittelschienen außen vorn und außen hinten mit je 1, Hinter-
schienen außen abgewandt und innen ‚abgewandt ebenfalls mit je
1 Borste. Flügel kaum etwas gelblich tingiert, mit kleinem Randdorn,
Analader bis zum Ende ziemlich kräftig, Schüppchen. sehr klein,
bräunlichweiß, Schwinger schmutzig rotgelb. Länge etwas über 3 mm.
1 Männchen vom Titicacasee (Peru Puno) 23. 11. 02.
15. Sch. nigra sp. nov. Q. Leider liegen mir von dieser Art nur2 am
Titicacasee (Bolivia Guaqui) 26.5., 31.5.03 von Garlepp gefangene
Weibchen vor, die sich aber durch Merkmale auszeichnen, die sie hin
reichend von den übrigen Arten trennen. Ganze Fliege schwarzgrau,.
Untergesicht etwas heller grau bestäubt, Backen noch nicht !/, der.
Augenhöhe messend, Fühler und die an der Spitze schwach, aber deutlich
verbreiterten Taster schwarz. Thorax dunkelblaulichgrau bereift mit
den 4 gewöhnlichen, aber sich nicht scharf abhebenden Striemen,
von denen die seitlichen breiter sind, Beborstung die gewöhnliche.
Hinterleib schmal länglich, hinten zugespitzt, ebenfalls blaulichgrau
bereift, ohne Zeichnung. Beine schwarz, wieder Hinterleib bereift;.
Vorderschienen mit 1 feinen Borste, Mittelschien en außen. vorn u. außen
hinten mit je 2, Hinterschienen außen mit 1 kleinen in der Nähe der
Basis, außen abgewandt mit 2, einer größeren auf der Mitte u. einer
kleineren in der Nähe der Basis, innen abgewandt mit 2 nach der Spitze
zu stehenden Borsten. Flügel schwach graulich tingiert, Vorderrand
gedörnelt, Randdorn deutlich, aber nicht sehr stark, Schüppchen
klein, weißlich, Schwinger schwarzgrau. Länge 3,5—4 mm.
XXVIH. Fucellia R.D.
1. F. maritima Hal. Zahlreiche vollständig mit den unsrigen
übereinstimmende Stücke beiderlei Geschlechts aus Coronell 9. 9. 02,
Valparaiso 13. 9. 02, Antofagasta 27. 9.02, Mollendo 10. 11.02 und
Barranca (Peru-Lima) 31. 1. 04.
2. F. funifera Stein Wien. ent. ‚Zeitg. XXIX. 22. 7..(1910).. Die Art
hat Ähnlichkeit mit maritima, ist im männlichen Geschlecht durch die
tiefschwarze, bandartige und. gekräuselte Borste auf der Außenseite der
Hinterschienen und in beiden. Geschlechtern durch. den Mangel der
Diskalborsten des Schildchens von allen Fucelliaarten zu unterscheiden.
2 Männchen und 1 Weibchen aus Caldera 25. 9. 02 und Barranca
31. 1.04.
in Südamerika gefangenen Anthomyiden.
189
Zum Schluß gebe ich der bessern ‘Übersicht halber nach den mir
von Schnuse gemachten Mitteilungen eine Zusammenstellung der
Fundorte und ihrerHöhen.
»Chile.
Punta Arenas N Seeküste Coquimbo
Magalhäensstr. Caldera
Corral Küste in Taltal Seeküste in
Coronell } geringer Erhebung Antofagasta geringer Erhebung
Concepcion 150 m Iquique
Valparaiso Küste in geringer Erhebung
Quillota etwa 1000 m
Santiago 2200 m
Arica
Tacna etwa 600 m
Palca 3000-3500 m
Peru.
Mollendo Seeküste bis 100 m Meshagua 35m
Arequipa 2300—2500 Urubambafl.
Titicacasee Unini
Puno } a Ucayalifl. t af
Juliaca 4000 m Pachiteamündung 150 m
Sicuani 3500 m Puerto Bermudes 300
Cuzco 3500 m Pichisfl. | “
Calca 2900—3000 m Puerto Yessup 300
Larisfluß 400-800 m Pichisfl. a
Rosalina 700 Pichisweg 300—700 m
Urubambafl. = Chanchamayo 800 m
Umahuankiali 500 Tarma 3000 m
Urubambafl. in Oroya 3700-4000 m
Lima-Barranca Küste
Bolivia.
Titicacasee S. Antonio
a ' 3850-4500 m its } 1000 m
La Paz 3700 m Chimate 650
Sorata 2300 m Mapiri Fe
ers Pag ' 1200 m are } 800 m
Mapiri Mapiri
ee N 800—1200 m Sag N 2000—2500 m
Mapiri Mapiri
Sarampioni
Mapiri 1 700 m
Danaididae, Satyridae
und Lycaenidae aus Usambara, gesammelt von
Herrn Prof. Dr. J. Vosseler.
Von
Embrik Strand
(Berlin, Kgl. Zoolog. Museum).
Herr Prof. Vosseler hat dem Kgl. Zoologischen Museum in
Berlin eine wertvolle Lepidopterensammlung geschenkt, die er in
Usambara in Deutsch-Ostafrika, meistens bei oder in der Nähe von
Amani zusammengebracht hat. Auf Grund dieser Sammlung und
was sonst im Museum an Material aus Usambara vorhanden ist, ge-
denke ich eine ausführliche Arbeit über die Lepidopterenfauna von
Usambara zu liefern, wozu vorliegender Aufsatz als eine vorläufige
Mitteilung zu betrachten ist; vereinzelte Arten aus Prof. Vosselers
Sammlung habe ich übrigens schon wiederholt Gelegenheit gehabt zu
besprechen!). Dem vorläufigen Charakter der Arbeit entsprechend
beschränke ich mich darauf, die vorliegenden Arten nebst Lokalitäten
und Sammelzeiten aufzuführen und die interessanteren Formen zu
beschreiben.
Fam. Danaididae.
Gen. Danaida Latr.
1. Danaida chrysippus L.. Amani $G& V. (Mai!), 7. VIH.
(7. August!), 283—31. XII; 9 im Februar. Chole 25. VI. ( 9). Sigi
16. V.
1) Strand. Zur Kenntnis der afrikanischen Arten der Arctiidengattungen
Deilemera Hb., Eohemera Aur., Secusio WIk., Utetheisa Hb. und Aziopoeniella
Strand. In: Annales de la Soc. entom. Belgique LIII. 1909.
— — Zur Kenntnis afrikanischer Ypthima - Arten usw. In: Entom.
Zeits. XXIII. 1909.
- — — Zur Kenntnis afrikanischer Lycaenesthes-Arten. Ebenda.
— — Über einige Schmetterlinge aus Kibwezi in Britisch Ost - Afrika,
nebst Bemerkungen über afrikanische Beralade- Arten. In: Archiv f. Naturg.
75. 1909.
— — Die im Berliner Museum vorhandenen Ludia-Arten usw. In:
Iris 1911.
— — Neue Tagfalter- Formen aus Usambara. In: Societ. Entomol.
XXV. No. 2. 1910.
— — Die afrikanischen Ocinara - Arten des Berliner Museums. In:
Berliner Entom. Zeitschr. 55. 1910.
— — Neue afrikanische Pierididen und Nymphalididen. In: Internat.
Entomol. Zeitschr. IV (1911).
Embrik Strand, | 191
2. Danaida dorippus Klug. && von: Amani 2.—20. I., II., IV.,
4, V., 7.29. VL, 11.20. VII, 20. VIII, 10. XII. Tanga 28.—31. XII.
Derema IV. Sigi V. Mkulumusi 1. I. Bomole Ill.; Mohoro. Dar-
es-Salaam 27. T% 16. VIIL.— .Q 2. von: Amani 'V., VI, 20. 'VII.,
20. VIIL., 8. IX. Bomole Ill. Kwamkoro XL. Mohoro; Bar-es- Sa.
laam. — Var. albinus Lanz von Amani 6. IX. — Ab. semialbinus Strand,
beschrieben in: Soeietas Entomologica XXV. 1910. p. 5. 1 $ von Amani
7. N]
3. Danaida limniace Cr. var. petiverana Doubl. Hw. 3 & von:
Amani IIL: und 10.—15. V. Dar-es-Salaam. — 2 2 von: Amani V.,
16. VIIL., IX. Sigi VIIL Bomole 12. IX.
Gen. Amauris Hb.
4. Amauris niavius L. v. dominicanus Trim. &d von: Chole
28. VI. Tanga VIII. Kwamkoro 22. XII. Amani VI. — 2% von:
Mkulumusi, Sigi 25. I. Mohoro, Derema 22. IX. Amani 28. I., V.,
79. VIT., 16. VILLE, XI.
5. Amauris ochlea Boisd.. dd von: Amani 3. IV., V., 6.—10. XII.
Bomole 12. IX. Mohoro. Dar-es-Salaam 27. I., VI., VII. — 29 2 von:
Amani 1., 6. IX.
6. Amauris echeria Stoll v. albimaculata Butl. $& von: Amani
5. V., 29. VI., VIII. Derema IV., 22. IX. Dar-es-Salaam. — 2 Q von:
Amani V., VI., 20. VIII, 3. IX. Bomole III, 3. X.
Fam. Satyridae.
Gen. Melanitis F.
7. Melanitis leda L. v: ismene Cr. und f. pr. Amani V., VI., 22. IX.
Dar-es-Salaam. — Von der Hauptiorm ein Pärchen von „D.-O.-
Afrika“, bezw. ( 2) Amani 30. 1.
Gen. Mycalesis Hb.
8. Mycalesis (Monotrichtis) fwelleborni Bart. f. ocelligera Strand,
l. e., p.5. Amani 16, VII., 18. VIII. Mkulumusi 1. I., 31. XI.
9. Mycalesis (Monotrichtis) danckelmanni Roghfr., nebst .abb.
daresa Strand und deannulata Strand. Vergl. Soc. Entom. 1. ce. p. 5—$6.
— Von dem meines Wissens bis jetzt unbeschriebenen 9 liegen 4 Expl.
vor: Amani 10. IIl., 16. V., 6. XI., Kwankuju 18. XII. Es ist größer
als das $: Flügelspannung 49 mm, Flügellänge 27 mm, oben ist die
Querbinde der Vorderflügel heller und die Augen größer (das hintere
hat einen Durchmesser von 5,5 mm); an den Hinterflügeln ist eine Quer-
binde, wie es bei dem £ der Fall sein kann, schwach angedeutet.
Unterseite ebenfalls mit größeren Ozellen, sonst wie beim &.
Außer den l. c. verzeichneten Exemplaren liegen aus einer zweiten
Sendung Vosselers $ $ vor von: Amani 6. II., 19. II., 11. V. Herue
20. II. Bomole III. Sigi 26. II. 2 2 von: Sigi 16.21. II. Bomole III.
192 Embrik Strand: .Danaididae, Satyridae und Lycaenidae
10. Mycalesis (Monotrichtis) safitza Hew. && von: Mkulumusi
25.—31. XII. Bomole III. Derema 19. X. Sigi 12.—21. II., VII.
Sigital 3. XI. Kwamkoro XII. Dar-es-Salaam 27. 1., 16. V, Amani
28. I., IL, V., VL, 14.—20. VIL, 7.—16. VIIL, 3—8. IX. — Von
Amani 28. I. 1903 liegt ein © vor, dessen rechter Vorderflügel etwas
verkrüppelt ist und zwar um 4 mm kürzer und schmäler als der normale
Flügel; am Hinterwinkel breit schräggeschnitten und überhaupt an
der Spitze am stärksten verschmälert. — ?Q liegen vor von: Sigi 25.1.,
19. IL. Derema IV., 2. IX. Amani 25. 1., 2. TIL, 5. VL, 19. II., VIL,
10. X1I., 11. X., Mkulumusi 1. I., 25. XII. — Es kommen hier zwei,
allerdings ziemlich unerhebliche Aberrationen vor: eine, bei welcher
die Oberseite der Hinterflügel im Felde 2 keine Ocelle besitzt (eine
kleine solche scheint bei der Mehrzahl der Exemplare daselbst vor-
handen zu sein oder wenigstens angedeutet) und eine, bei welcher
an der Unterseite der Vorderflügel vor dem hinteren großen Auge und
hinter oder gleichzeitig hinter und vor dem vorderen kleinen Augenfleck
Andeutung je eines winzig kleinen Augenflecks (oder jedenfalls eines
hellen, dunkler umrandeten Punktfleckes) vorhanden ist.
Von var. evenus Hopff. liegen drei S und ein ? vor, die bei
Amani 20. VII gesammelt wurden.
Von der ab. semicoeca Strand, 1. c. p. 6, sind dd von Bomole III.,
Sigi 26. II., Mkulumusi X., Amani V., VII., VIII. vorhanden.
Gen. Henotesia Hb.
11. Henotesia perspicua Trimen, nebst abb. submaevius Strand
und amanica Strand. Vergl. Societas Entom. |. c. p. 6.
Gen. Aphysoneura Karsch
12. Aphysoneura pigmentaria Karsch. Unicum von Amani 16. VIII.
Gen. Physcaeneura Wall.
13. Physcaeneura leda Geist. & g von: Sigi, Sigital 27. X. Mkulu-
musi 29. XII. Amani I., VIIL., 20. VII, VI, II. Herue 28.1I. 2 2 von:
Herue 20. II. Sigi 21. II. Mkulumusi 25. XII. Amani 20. VII., 3. IX.,
ib.%.
Gen. Ypthima Westw.
14. Ypthima itonia Hw. var. quadriocellata Strand. Vier Exempl.
von Amani, 19. II. — Cfr. meine Arbeit: Zur Kenntnis afrikanischer
Ypthima-Arten, in: Entomol. Zeitschr. XXIII (1909) p.112.
15..Ypthima asterope Kl. Exemplare von: Derema IV. und Amani
III. und 12. II., die der Aberration binuecleolata Strand (cf. l.c.) am
nächsten stehen, von Derema außerdem eins der ab. unvocellata Strand.
— Von Amani, III., die ab. interrupta Strand in einem Unicum.
aus Usambara, gesammelt von Herım Prof. Dr. J. Vosseler. 193
Fam. Lyecaenidae.
Gen. Alaena Bsd.
16. Alaena rollei Suff. (mulsa Thieme). 1 & Amani 6. VII. — Ist
vielleicht das $ zu A. picata Sharpe.
Gen. Pentila Westw.
17. Pentila parapetreia Rbl. var. derema Strand n. v. 18 von
Derema IV. 08. — Das Exemplar weicht von der Beschreibung von
P. parapetreia Rbl. dadurch ab, daß die Hinterflügel eine schwarze
Saumbinde zeigen, die genau so breit wie (nach der Abbildung zu
urteilen) die der ?. petreia Hew. ist. Auf der Unterseite der Vorder-
flügel erstreckt die rötliche Grundfarbe sich genau so weit wie auf der
Oberseite. Vorderflügellänge 14 mm, Expansion 25 mm, also ein
wenig kleiner als die Hauptform.
18. Pentila mombasae Gr.-Sm. et Kby. cum v. (ab.?) dama Suff.
und ab. sigiensis Strand. SS von: Amani lu. Il. Bomole 12.—19. IX.
Mkulumusi 3. IX. Sigital 25. X. Derema 2. IX. u. 19. X. — 2 Q von:
Amani I. u. XII. Bomole 7. IX. u. 3. X. Sigital 27. X., 6. XI. — Ab.
sigtensis Strand ist beschrieben in Societ. Entomol. 1. c. p. 6. — Hierzu
gehört auch die von Suffert als eine Subspezies von P. amenarda be-
schriebene Form dama; ein mit seiner Type ziemlich gut überein-
stimmendes Exemplar von Amani 19. IX. liegt vor, sowie Exemplare,
die als Übergänge zu dama betrachtet werden können, von: Derema
2. IX., Bomole 7.—12. IX. Bei diesen ist die schwarze Randbinde der
HFI. vorhanden, aber in Flecken aufgelöst, die der VFI. zusammen-
hängend oder nur am Hinterrande in Flecken aufgelöst. Im $ weicht
diese Form noch auffallend dadurch ab, daß keine schwarze Vorderrand-
binde der Vfl. vorhanden ist oder dieselbe nur angedeutet ist. — Wahr-
scheinlich stellen Hewitsons Abbildungen seiner ‚Pentila Amenaida“
in der Tat zwei distinkte Arten dar; der Unterschied zwischen den
Figuren 5 und 6 ist zu groß, als daß beide sich auf dieselbe Art beziehen
könnten; auch die Figuren 4 und 7 sind sowohl was Anordnung als
Anzahl der schwarzen Fiecke betrifft, verschieden. Nun stimmt aber
die von Hewitson als die Hauptform bezeichnete Art (Figg. 4, 6) ziemlich
gut mit mombasae überein, während seine sogenannte ‚Female variety“
(Figg. 5, 7) eine Form ist, die einen neuen Namen bekommen muß
(amenaidana m.). — Ob aber amenaida und mombasae in der Tat
spezifisch distinkt sind, muß erst festgestellt werden.
Gen. Eresinopsides Strand n. g.
Eine kleine Liptenine aus Amani 13. II. 1907 mit nur 11 Rippen
im Vorderflügel; kann weder Eresina, noch Iridopsis, noch überhaupt
eine der anderen bekannten Gattungen sein. — Präcostalrippe nicht
vorhanden. Rippen 3 und 4 der Hinterflügel aus einem Punkt ent-
springend. Rippe 7 der VFI. fehlt; 2, 3, 4, 5 und 6 sind an der Spitze
genau gleichweit unter sich entfernt, an der Basis sind 2 und 3, sowie
Archiv er Tg 13
194 Embrik Strand: Danaididae, Satyridae und Lycaenidae
4 und 5 unter sich gleich weit und zwar ein wenig weiter als 3 und 4
unter sich entfernt; 6 ist an der Spitze fast so weit von der Flügel-
spitze wie von der Rippe 5 entfernt, mit 8+ 9 gestielt und zwar ist
die Basis von 6 etwa gleich weit (um etwas weniger als die Länge der
Rippe 9) von der Zelle und von der Basis von 9 entfernt; 8 mündet
unmittelbar vor der Flügelspitze in den Vorderrand ein; 9, 10, 11 und
12 an der Spitze unter sich etwa gleich weit entfernt, 10 aus dem
Vorderrande der Zelle, von ihrer Spitze deutlich entfernt. Die Ab-
weichungen von dem Flügelgeäder von Eresina Aur. (efr. Fig. 23
in seinen Rhopalocera Aethiopica) sind hauptsächlich: im Vilgl. ist
Rippe 5 an der Basis bei unserer Form weniger weit von 4 entfernt,
6 entspringt näher der Zelle, so daß die Basis von 6 (wo sie sich von
8-+- 9 trennt) nur um ein Viertel der Länge der Rippe 6 von der Zelle
entfernt ist, 10 entspringt aus dem Vorderrande der Zelle, im Hinter-
flügel scheint der Stiel von 6 + 7 kürzer zu sein. Über den Verlauf
der Discozellulare der Hinterilügel kann ich leider nichts angeben,
weil diese Flügel daselbst beschädigt sind. Palpen behaart und subsetos,
die Stirn weit überragend, das Endglied lang, dünn, subzylindrisch
(Antennen fehlen).
Auch der Zeichnungstypus weicht von der Gattung Eresina
ab. Type:
19. Eresinopsides bichroma Strand n. sp. Schwarz, oben mit lebhaft
orangegelber Innenrandpartie der Vorderflügel und Vorderrandpartie
der Hinterflügel; diese beiden Flecke zusammen bilden an den gespannten
Flügeln ein unregelmäßig begrenztes, querovales Feld, das 6 mm lang
und 8 mm breit ist und von der Basis um 2—3 mm entfernt ist; es
scheint aber, soweit man nach dem einzigen, nicht gut erhaltenen
Exemplar urteilen kann, daß die gelbe Partie sich mitten basalwärts
etwas erweitert, wahrscheinlich ohne die Basis ganz zu erreichen;
am Innenrande der Vorderflügel ist sie vom Analwinkel um 1—2 mm
entfernt, an der Vorderspitze, die bis zur Rippe 5 reicht, um 5 mm
von der Spitze des Flügels entfernt; die Vorderspitze des gelben Feldes
ist als ein trapezförmiger oder fast rectangulärer Fleck abgesetzt,
der doch mit dem übrigen gelben Feld zusammenhängt. Nach hinten
erstreckt letzteres sich zusammenhängend bis zur Medianrippe der
Hinterflügel; weiter hinten finden sich vereinzelte gelbe Punkte an
den Rippen. Fransen schwarz mit 5 gelben Flecken an den Hinter-
flügeln, 5—6 viel kleineren ebensolchen an den Vorderflügeln. Am
Vorderrande der Vorderflügel kurz innerhalb der Mitte ein oder zwei
gelbe Punktflecke, bisweilen vielleicht mehr.
Unterseite aller Flügel orangegelb, Vorderrandsfeld der Vorder-
flügel mit 6 (oder 7) schwarzen, schräg quergestellten, unregelmäßigen
Streifen, von denen der distale sich nach hinten linienschmal ver-
längert, während der subdistale (vorletzte) reichlich doppelt so lang
und etwas breiter als die proximalen ist und wenigstens die Rippe 3
erreicht, allerdings etwas verschmälert; außerdem ist der Saum schmal
schwarz, die Fransen wie oben. Hinterflügel am Saum und Fransen
wie die Vorderflügel, mit einer aus schmalen zusammenhängenden
aus Usambara, gesammelt von Herrn Prof. Dr. J. Vosseler. 195
Mondflecken gebildeten Sublimballinie, einer in der Mitte außen
stark verbreiteten submedianen Querbinde und in der Basalhälfte
2—3 schmäleren Binden; alle diese Zeichnungen schwarz, unregel-
mäßig und den Innenrand ganz oder fast ganz erreichend; das Schwarze
ist jedoch stark mit bleigrauen Schuppen gemischt. Körper oben
schwarz, unten z. T. graulich. Flügelspannung 25 mm. Flügellänge
13 mm. Körperlänge 9 mm.
Gen. Deudoriz Hew.
20. Deudorix Vosseleri Strand n.sp. 1? von Amani. — Hierzu als &
gehört wahrscheinlich ein von Fruhstorfer erworbenes Exemplar aus
„Ost-Afrika.“ Es weicht von D. diocles Hw. durch folgendes ab:
. Ein wenig kleiner (Expansion 30 mm, Flügellänge 16 mm, Körper-
länge 14 mm). Oberseite wie bei D. diocles, aber das rote Feld der Vilgl.
zu einem kleinen Fleck (4 mm breit, 3 mm lang) zusammengeschrumpft,
der am Innenrande verschmälert ist und diesen bisweilen vielleicht
nicht erreicht, vorn bis zur Rippe 2 reicht. An der Unterseite der Vflg.
ist die Querbinde hinten deutlicher verschmälert als bei den meisten
Exemplaren von D. diocles; letztere Art variiert aber in dieser Be-
ziehung etwas und die Öriginalfigur von diocles stimmt soweit gut
mit vorliegendem Exemplare. Die Ähnlichkeit mit diocles ist so groß,
daß ich keinen Zweifel hegen würde, daß es sich nur um eine Aberration
dieser Art handle, wenn das höchstwahrscheinlich zugehörige @ nicht
so ganz anders als das von diocles wäre: Unbedeutend größer als das 3
(Expansion 21 mm, Flügellänge 17 mm, Körperlänge 15 mm). Sehr
ähnlich D. antalus Hopff., aber die Oberseite dunkler und zwar in der
Basalhälfte blauschwarz, in der Endhälfte der Vilg. schwarz mit
tiefschwarzem Discozellularfleck und einem von der Mitte des Innen-
randes bis zur Rippe 5 sich erstreckenden weißlichgrauen Querwisch
(Länge 6, Breite 7 mm), während die Endhälfte der Hflg. dunkel-
graubraun erscheint, ohne weitere Zeichnungen als wie bei antalus,
eine weiße Saumlinie sowie ein schwarzer Fleck im Felde 2, der aber
nicht so scharf markiert wie bei antalus ist, und ein aus schwarzen,
bronzeroten und grünlichgelblichen Schuppen gebildeter Fleck im
Analwinkel; von dein bei antalus deutlichen zwischenliegenden Fleck
ist hier nur eine schwache Andeutung vorhanden. Oberseite des Körpers
wie die Basalhälfte der Flügel. Die Fransen der Vflg. scheinen dunkel
zu sein, sind aber so stark abgerieben, daß dies etwas fraglich ist. Unter-
seite der Vflgl. weicht von derjenigen von antalus ab durch deutlichere
weiße, aber undeutlichere dunkle Begrenzung der Zeichnungen, nach
‘vorn sich erweiternde Querbinde, die außerdem durch eine im Felde 2
vorhandene Verschiebung. nach innen abweicht; ferner sind die bei
antalus recht deutlichen dunklen Halbmondflecke des Saumfeldes
hier, insbesondere vorn, stark verwischt, und die Grundfarbe zwischen
dieser Fleckenreihe und dem Saume ist nicht dunkler als die Umgebung.
„Unterseite der Hflgl. weicht von antalus in erster Linie durch das Fehlen
der Wurzelflecke ab; ferner ist die Grundfarbe dunkler, die Begrenzung
der Zeichnungen ist wie an den Vflgl., die Querbinde ist breiter, mit
13*
196 Embrik Strand: Danaididae, Satyridae und Lycaenidae
weniger deutlichen Verschiebungen nach innen, so z.B. ist der erste
Fleck von vorn um nur die Hälfte seiner Länge (bei antalus um seine
ganze Länge) nach innen verschoben, die Flecke in den Feldern 2
und 3 bilden bei antalus eine ununterbrochene Binde und jeder Fleck
ist wenigstens so breit wie lang, hier dagegen sind sie erheblich länger
als breit und derjenige im Feld 2 ragt weiter wurzelwärts und ist ein
wenig länger als der andere; der von der Binde am Innenrande ge-
bildete Winkel ist spitzer. Der Fleck im Felde 3 ist dem Discozellular-
fleck näher als bei antalus. — Flügelspannung 30, Flügellänge 17 mm.
Gen. Azxiocerses Hb.
21. Azxiocerses punicea Gr. Smith. 1& Mikindani VI. 07.
Gen. Jolaus Hb.
22. Jolaus sidus Tr. 1 2 Mikindani VI. 07.
Gen. Hypolycaena Feld.
23. Hypolycaena caeculus Hopff. 25 Mikindani VI. 07 und Dar-
es-Salaam VII. 07.
24. Hypolycaena philippus F. Unikum: Amani XII. 05.
Gen. Lycaenesthes Mr.
25. Lycaenesthes loa Strand n. sp. (Type von Amani). 4$& von:
Amani, I. 06, Bomole IX. 05, Kwankuju XII. 05, Dar-es-Salaam
04; 32 2 von: Dar-es-Salaam 04, Amani VII. 05. — Mit dieser Form
identisch ist die von mir 1909 fraglich als L. lemnos Hw. beschriebene Art,
die aber nach Bethune-Baker (1910)) nicht gleich der echten L. lemnos
sei. Was B.-B. aber unter dem Namen lemnos versteht, möchte man
gern wissen; wenn man von der Beschreibung und Abbildung der
Genitalien absieht, hat er sonst nur einige zur Wiedererkennung seiner
Art gänzlich ungenügenden descriptiven Bemerkungen gegeben. Die
Bedeutung der Kopulationsorgane für die Systematik wird neuerdings
zum mindesten stark übertrieben, abgesehen davon, daß dieselben
erst durch Beschädigung des Exemplars verwendet werden können,
und ich bezweifle sehr, daß der diese darstellende Teil der Bethune-
Bakerschen Zycaenesthes- Arbeit die Unterscheidung der Arten wesentlich
erleichtern wird; dagegen haben die an den Kopulationsorganen ver-
meintlich beobachteten Unterschiede ohne Zweifel mit dazu beigetragen,
den HerrnB.-B. zum Aufstellen von mancher unberechtigten Art zu
verführen. — Wie willkürlich B.-B. bei der Synonymisierung der von
anderen beschriebenen Arten verfährt, zeigt sich recht deutlich u. a.
bei L. lemnos, wo er als Synonym die gänzlich verschiedene ukerewensis
Strand aufführt; er hat von letzterer eine wenig gelungene Abbildung
vor sich gehabt und auf Grund dieser, offenbar ohne sich die Mühe
zu geben, die Beschreibung zu vergleichen, zieht er ohne weiteres
!) In: Trans. Entom. Soc. London 1910 p. 1 sq.
aus Usambara, gesammelt von Herrn Prof. Dr. J. Vosseler. 197
meine Art ein, gleichzeitig damit, daß er eine Reihe meistens sehr
nahestehender oder z. T. sogar identischer neuer Arten aufstellt!
Wie seine indefinita z. B. sich von lemnos unterscheidet, wird nicht
näher angegeben, wenn man von der in „Key to species‘ angegebenen
Färbung der Oberseite absieht, die bei indefinita dunkler sein soll.
Die $£ J der vorliegenden Form dürfen jedenfalls vorläufig den
Namen lemnos Hw. nicht mehr führen, da man wohl annehmen muß,
daß Bethune-Baker, der die Type ($) von lemnos gesehen hat, diese Art
auch richtig erkannt hat. Die zu meiner Art gehörigen $ 9 sind aber
ohne Zweifel von indefinita B.-B. Q verschieden, während meine $& fast
gleich indefinita B.-B.& zu sein scheinen. Demnach hätte wohl B.-B. nicht
die beiden Geschlechter richtig vereinigt, und wenn man nun den Namen
indefinita seinem & lassen will, weil dieses zuerst und am ausführlichsten
beschrieben ist, so hätte indefinita B.-B. 2 einen neuen Namen zu
bekommen (ich schlage bigamica m. vor). — Lyc. loa findet sich unter
den Typen von Lyc. natalensis Stgr. und zwar das von Staudinger
erwähnte $ von Sansibar; von den übrigen Typen, die als aus Natal
stammend wohl als die echte natalensis angesehen werden müssen,
unterscheidet sich unsere Art u. a. dadurch, daß der hintere der Basal-
flecke der Hinterflügel ebenso groß und scharf markiert wie derjenige
des Vorderrandes ist, während er bei natalensis klein und verwischt ist.
Auch unter den von Staudinger zu natalensis gezogenen ? ® sind beide
Arten vertreten, jedoch sind die als Typen bezeichneten Exemplare
sämtlich natalensis. — Die Beschreibung von Z.loa m. (olim lemnos)
siehe in: Entomologische Zeitschr. 23. p. 124.
26. Lycaenesthes rubrimaculata Strand. Bethune-Baker zieht
ganz willkürlicherweise diese Art als Synonym zu lasti, trotzdem
meine Art durch ausführliche Beschreibung so genau charakterisiert
ist, daß ein solcher Irrtum ausgeschlossen sein sollte; außerdem hatte
ich mir die Mühe gegeben, Herrn Bethune-Baker Abbildungen meiner
Lyeaenesthes-Typen zu verschaffen, die er aber offenbar nicht genau
angesehen hat, sonst hätte er, um nur ein Merkmal zu erwähnen,
die unten mit 3 roten Basalflecken im Hinterflügel versehene rubri-
maculata unmöglich mit der nach seinen eigenen Angaben mit nur
zwei sölchen versehene lasti K. et S. vereinigen können. — Exemplare
von: Sigi, Kwankuju XII. 05, Amani II. 06 und I. 06.
27. Lycaenesthes lasti Smith et Kirby. 23 3: Kwankuju XII. 05.
Von Zye. lasti, soweit man sich von dieser nach der sich z. T. wieder-
sprechenden Beschreibung und Abbildung eine Vorstellung machen
kann, durch folgendes abweichend: Unterseite ohne weiße Subecostal-
flecke, die Beschreibung von der Zeichnung der Hinterflügel unten
läßt sich nur teilweise mit den Exemplaren in Übereinstimmung
bringen, ist aber so unklar, daß nicht genau zu ersehen ist, was gemeint
ist; die beiden kleinen schwarzen Augen im Analwinkel liegen dicht
aneinander und sind um mehr als ihre beiden Durchmesser zusammen
von dem großen Auge entfernt. Alle diese Augen sind eher grün als
blau beschuppt. Antennen an der Spitze dunkel, nicht „orange“.
Bei unserer Form findet sich nahe der Basis des Innenrandes der Hinter-
198 Embrik Strand.
flügel ein runder, roter, weiß umringter Fleck, der bei lasti ganz fehlt,
und ein ebenso gefärbter, aber in die Quere gezogener und auf den Innen-
rand fast senkrecht gestellter Fleck findet sich etwa an der Mitte des
Innenrandes als Abschluß der Querbinde; letzterer Fleck ist nun auch bei
lasti vorhanden, scheint aber weiter saumwärts gerückt zu sein und nicht
rein rot gefärbt zu sein. — Beweisend für die Nicht-Zugehörigkeit
dieser Art zu L. lastı wäre das Vorhandensein des roten subbasalen
Innenrandsflecks der Hinterflügel. Aber nach Bethune-Baker, der
wohl die Typen von lasti gesehen hat, kommt dieser Fleck in der Tat
auch bei lasti vor, sei aber bisweilen undeutlich. — Ich möchte daher
annehmen, daß vorliegende Art trotz alledem Z. lasti Sm. et Kby. ist.
28. Lycaenesthes larydas Cr. Der f. kersteni Gerst. angehörend
oder nahestehend. $& von: Amanı II. 06, VI. 05, III. 05, I. 05.
Mkulumusi XII. 05. Sigi, Kwankuju XII. 05; 22 2 von: Amani
IL.—II. 06. — Cfr. meine Lycaenesthes-Arbeit in: Entom. Zeits.
XXIH. p. 126; die daselbst fraglich angegebene Lokalität soll Herue
heißen.
Gen. Cupido Schrk.
29. Cupido ertli Auriv. 13 Amani VI. 05.
30. Cupido telicanus Lang v. plinius F. 2 Q von Amani 11. IX. 05,
VI. 05. Chole 25. VI. 07; 3& von Amani.
31. Cupido boeticus L. & d von: Amani 19. IX. 05. Bomole X. 05
Chole 26. VI. 07. 2 2: Amani VII. 05, VI. 05.
32. Cupido malathana Boisd..e. Unika von Mkulumusi I. 06.
Dar-es-Salaam und Mikindani VI. 07.
33. Cupido Iysimon Hb. 4 Ex.: Amani 11.06 und undatiert. Leya
XI. 06.
34. Cupido güssfeldti Dew. Zahlreiche $ 3, aber nur ein Paar PP
von: Amani I. 05, II. 06, VI. 05. VII.05, XII. 04, 11.05, I. 06, III. 05,
X. —XI. 05. Sigi, Herue 20. II. 07, 28. 1I. 07. Derema X. 05, Mkulu-
musi XII. 06.
35. Cupido falkensteinv Dew. Mehrere Ex. von: Amani I—II. 06.
Sigi.
36. C'upido lingeus Cr. Unikum (&) von Amani ]. 06.
37. Cupido antinorii Oberth. Ibuno 28. II. 07. Unikum.
38. Cupido jesous Guer. 34 Stück, von: Amani Ill. 08, 27. II. 08
13. I. 07, II. 07, 3. III. 08. Ibuno 28. II. 07.
39. C'upido osiris Hopff. 28 &. Mkulumusi 22. II. 06.
40. Cupido hippocrates F. 1 Q von Mkulumusi.
Sechszehn Novitäten der Gattung Stenopistha
Strand und zwei neue Gattungsnamen in
Chaleididae.
Von
Embrik Strand.
Auf Grund des im Berliner Museum vorhandenen Materials der
südamerikanischen Chalcididengattung Stenopistha Strand (= Lelaps
auct. hymenopt., ef. Strand in: Societ. Entom. 25 [1910] p. 26)
habe ich folgende kleine Arbeit gemacht; sämtliche Formen sind neu,
leider liegen die meisten nur in Uniea vor und Männchen, die in dieser
Gattung überhaupt sehr selten zu sein scheinen, sind mir gar nicht
bekannt. Die am Schluß gegebene, ganz kurzgefaßte Bestimmungs-
tabelle hat nur den Zweck die Bestimmung zu erleichtern, eine
sichere Bestimmung dieser nicht leicht zu unterscheidenden Formen
ist aber nur durch Benutzung auch der ausführlichen Beschreibungen
möglich.
1. Stenopistha halidayi Ashm. [v.? sobrina Strand].
Ein © von Rio [Janeiro ?] (v. Olfers). — Stimmt mit Ashmeads
Beschreibung seiner Lelaps halıdayı in: Mem. Carnegie Mus. I. p. 481
mit folgenden Ausnahmen: Kopf und Thorax schwarz mit Andeutung
bronzigen Schimmers, Metathorax tiefschwarz, Flagellum ist mehr als
dreimal so lang wie der Schaft, die Coxen u. Trochanteren des II. Paares
tief schwarz, die beiden Enden der Femoren III schmal schwarz,
Tibien I sind am Ende kaum geschwärzt, das apicale dunkle Feld der
Vorderflügel bedeckt fast den ganzen Saum und fließt mit dem medianen
dunklen Feld zusammen. Flagellum in der Basalhälfte gebräunt, an
der Spitze hellgelb. — Stenopistha halidayi Ashm. ist von Rio Janeiro
beschrieben und von dort wird denn wohl auch das vorliegende, von
„Rio“ angegebene Exemplar stammen. Sollten die angegebenen Ab-
weichungen von der ÖOriginalbeschreibung Varietätenmerkmale sein,
so möchte ich der hier beschriebenen Form den Namen v. sobrina m.
geben. i
2. Stenopistha viridiceps Strand n. sp. |
Ein 2 von Peru, Pachitea- Fluß. — Ahnelt der vorhergehenden
Art, aber u. a. durch die Grünfärbung des Gesichtes und die
hellrote Färbung der Basalhälfte des Schaftes der Fühler zu unter-
scheiden. Von der Beschreibung und Abbildung von S. abdomi-
nalıs Ashm. (l. c.) durch Folgendes abweichend: Die metallische
Färbung des Kopfes und Pronotums nicht blau, sondern grün,
Abdomen oben mitten schattenartig geschwärzt, an den Antennen,
soweit mir bekannt (die äußerste Spitze beider ist abgebrochen!)
ist nur die Basalhälfte des Schaftes rötlich, Vorderbeine schwarz mit
weißlicher Spitze der Coxen und ebensolchem Basalglied der Tarsen
200 Embrik Strand: Sechszehn Novitäten der Gattung
und Basis der Tibien. Tegulae gebräunt. Die Zeichnungen der Vorder-
flügel sind schärfer hervortretend, die weiße sublimbale Querbinde
ist schmäler, überall gleichbreit, steht senkrecht auf dem Vorderrand
und ist an beiden Rändern scharf und regelmäßig begrenzt; das dunkle
Saumfeld ist am proximalen Rande am dunkelsten, an der Spitze
dagegen aufgehellt; die proximale der beiden dunklen Querbinden
ist breiter, dunkler, steht senkrecht aut dem Vorderrand und erreicht
den Innenrand und fließt längs des letzteren mit der anderen dunklen
Querbinde zusammen.
3. Stenopistha annulicornua Strand n. sp.
Ein @ von Peru, Pachiteafluß. — Ähnelt S. albipes (Cam.),
weicht aber nach der Beschreibung und }Abbildung zu urteilen
durch Folgendes ab: Körperlänge nur 5,5 mm, Kopf, Metathorax
und Abdomen schwarz, Pro- und Mesothorax rot, kupfriger
Schimmer nicht oder nur schwach angedeutet, Abdomen ist oben
in seiner ganzen Länge schwarz, aber etwas vor der Spitze unten
und seitlich schwach gerötet, Schaft der Fühler auch oben (aus-
genommen an der Spitze) weißlich und die weiße submediane Färbung
der Fühler deutlicher, sowie ein wenig mehr ausgedehnt als bei albipes,
die Strichelung des Kopfes ist recht tief und deutlich, unter den Antennen
eine kleine, glatte, glänzende, gewölbte Partıe, dagegen ist der Clypeus
gestrichelt oder wenn man will fein gerippt wie das übrige Gesicht,
Pıothorax chagriniert, aber nicht deutlich gestrichelt, Mesonotum
nur am Vorderende fein quergestrichelt, sonst überall längsgestrichelt,
Scutellum unverkennbar, wenn auch schwach gewölbt und wie Meso-
notum skulpturiert und hinten fein umrandet, Metanotum unweit der
Basis mit einem kleinen Zahnhöcker und hinten mit erhöhtem Rand,
sonst überall kräftig gerunzelt, sowie mit je einem kleinen Seitenhöcker.
Das griffelartige Ende nicht länger als das übrige Abdomen. Nur die
Femoren I—II sind mitten geschwärzt, dagegen sind III in der Apical-
hälfte braungelb, Tibien III mit schwärzlichem Er.dring und die äußerste
Spitze aller Beine angeschwärzt. Von einer Bifurkation der dunklen
Längsbinde der Vorderflügel ist, ebenso wenig wie an Camerons Figur
von S. albipes irgend etwas zu erkennen; Basalhälfte der Vorderflügel
wie eine Vorder- und eine Hinterrandbinde der Endhälfte derselben
subhyalin. — In Betreff der Länge der Fühlerglieder ist einVergleich mit
albipes nicht gut möglich, indem die Angaben darüber bei Cameron
offenbar z. Teil iırig sind; so wird wohl das, was er das vierte Glied nennt,
in der Tat das fünfte sein usw. — Das fünfte Glied etwa 21/,mal so lang
wie das zweite, die Glieder 6—11 an Länge allmählich abnehmend, 12
und 13 unter sich gleich lang, und zwar ein wenig kürzer als 11, das
scharf konische Endglied ein wenig kürzer als das vorhergehende.
4. Stenopistha terebrans Strand n. sp.
Ein 2 von Peru, Pachiteafluß. — Von den vorhergehenden
Arten durch die lange vorragende Terebra, die etwa so lang wie
Thorax und Abdomen zusammen ist, auf den ersten Blick ab-
weichend.
Eu... De Wade 2 -)
Stenopistha Strand und zwei neue Gattungsnamen in Chaleididae. 201
Schwarz; rot sind die Augen, Clypeus zum Teil, Mandibeln mit Aus-
nahme der Spitze, Fühlerschaft, Pronotum, gelblich sind: Spitze des
Pedicellus, ein breiter unvollständig geteilter Ring in der Basalhälfte
der Fühlergeißel (nicht aber die Spitze der letzteıen!), Tegulae und
Flügelbasis, zwei höchst undeutliche Wische auf den Metapleuren;
hellgelblich sind alle Trochanteren, die Spitze der Coxen I—II und
die ganzen Coxen Ill, die beiden Enden aller Femoren, Basalhälfte
aller Tibien, die Tarsen größtenteils (am Ende gebräunt); die äußerste
Abdominalspitze und die ganze Tereba mit Ausnahme eines schwarzen
Endringes braun. Abdomen in der Basalhälfte an den Seiten lebhaft blau
und grün glänzend.
Flügel subhyalin mit dunkelrauchbraunen Zeichnungen etwa
wie bei S. abdominalis Ashm., die postmediane helle Querbinde ist
aber schärfer begrenzt und ihre proximale Grenzlinie ist gerade und
senkrecht auf den Vorderrand gerichtet, während die distale Grenz-
linie wurzelwärts konvex gekrümmt ist; die Binde erscheint daher
an beiden Enden nach außen zu verbreitet. Das dunkle Saumfeld
erscheint an der Spitze ein wenig aufgehellt. Das diese helle Binde
innen begrenzende dunkle Feld ist etwa länglich dreieckig und erreicht
nur mit der Vorderspitze den Flügelrand, während es nach innen zu
mit der recht schmalen und undeutlichen Querbinde durch das innere
Ende der Marginalader fast zusammenfließt und nach hinten sich nur
am distalen Ende bis fast zum Rande erweitert. Die Grundfärbung der
Basalhälfte der Vorderflügel mehr gelblich als die der Endhälfte sowie
die der Hinterflügel.
Fühler so lang wie Thorax und Abdomen (ohne Terebra), am Ende
stumpf abgerundet, die Dicke der Geißel nimmt von der Basis bis zur
Spitze ganz allmählich zu. Kopf reichlich so breit wie Thorax. Augen
groß und stark gewölbt. Gesicht kräftig gestrichelt oder wenn man will,
gerippt. Fühlergrube sehr tief, unten und unten seitlich scharf ge-
randet; nach oben sich bis zu den Ocellen erstreckend. Clypeus mit
seichter, unten erweiterter Längseinsenkung, in welcher ein scharf
abgesetzter, fast glatter Längswulst gelegen ist. Mesonotum vorn
quer-, sonst ebenso wie Scutellum längsgestrichelt. Metanotum kräftig
und unregelmäßig gerunzelt, mit feinem Längskiel, ohne besondere
ren aber mit Seitenhöckern, jedoch mit feiner subbasaler Quer-
eiste.
5. Stenopistha caudatula Strand n. sp.
Ein 2 von Peru, Pachiteafluß. — Schwarz; Kopf, Pronotum und
Mesonotum mit schwachem grünlichem, Scutellum und Dorsulum da-
gegen mit bronzeartigem Schimmer, Metathorax tiefschwarz und etwas
glänzend, Abdomen tiefschwarz, in der vorderen Hälfte oben und beider-
seits mit prachtvollem blauen Glanz, die griffelartige Verlängerung des
Abdomen, abgesehen von der äußersten Spitze, rot und zwar in einer
Länge von etwa 2 mm. Beine schwarz, weißlich sind: die Coxen I und
III mit Ausnahme der Basis, die Trochanteren, die äußerste Spitze der
Femoren, die Basis der Tibien, die Metatarsen II und III, weniger
deutlich I, bräunlichgelb an der Unterseite ist der Fühlerschaft (ob
302 Embrik Strand: Sechszehn Novitäten der Gattung
die Geißel hell geringelt ist bleibt fraglich, weil dieselbe größtenteils
abgebrochen ist). Tegulae braun. Flügel geschwärzt, glashell bleiben:
Wurzelfeld (2 mm lang) (die dann folgende dunkle Querbinde ist gerade,
etwa 1/, mm breit und steht senkrecht auf dem Vorderrand), der
Marginalader liegt eine glashelle, länglich-dreieckige, scharf markierte .
Binde an, die am proximalen Ende so breit wie die daran anstoßende
dunkle Querbinde, zwischen Radius und Vorderrand ist ein undeutlich
hellerer Längswisch und hinter diesem, vom Vorder- und Hinterrande
des Flügels etwa gleichweit entfernt, findet sich ein glasheller ellipsen-
förmiger Querfleck, endlich ist längs des Hinterrandes des Flügels
ein schmaler, undeutlicher, heller Längsstrich vorhanden. Hinter-
flügel hyalin mit dunklerer Ader. |
Kopf reichlich so. breit wie Thorax. Gesicht mit tiefer Mittel-
längseinsenkung und kräftiger, subkonzentrischer Strichelung, deren
erhöhte Linien sippenartig erscheinen. Fühlerschaft unten abgeflacht.
Scheitel mit sehr kräftigen, schwarzen, nach vorn gekrümmten, langen
Borsten besetzt. Feld der Ozellen etwas erhöht; dieselben unter sich
um ihren Radius entfernt. Pronotum fein quergestrichelt, matt, am
Hinterrande gerunzelt. Mesonotum dicht und grob gerunzelt und
chagriniert, ganz matt. Scutellum und Dorsulum kräftig und regel-
mäßig längsgestrichelt und etwas glänzend. Metanotum mit einem
scharfen Zahnhöcker in der Mitte und jederseits dieses ist eine kleine
glatte, stark glänzende Partie vorhanden, sonst ist Metathorax kräftig
und unregelmäßig gerippt und gerunzelt. Terebra nicht vorragend.
Die griffelartige Verlängerung etwa ?/, so lang wie das übrige Abdomen.
Körperlänge 9 mm, Flügellänge 5,3 mm.
6. Stenopistha pygata Strand n. sp.
Ein 2 von derselben Lokalität wie vorige Art. — Von St.
caudatula m. durch Folgendes abweichend: Die griffelartige Ver-
längerung des Abdomen ist kürzer (etwa halb so lang wie das
übrige Abdomen) und plötzlicher zugespitzt und die rote Partie
derselben ist weniger als 1 mm lang, Terebra vorstehend und
zwar reicht sie genau so weit wie die Abdominalspitze, alle Tarsen
weißlich, nur an der Spitze geschwärzt. [Fühlergeißel in der Mitte
bräunlichgelb (bei caudatula??), an der Spitze? (letztere fehlt!)],
die hyaline Vorderrandsbinde der Vorderflügel schließt den
Radius ein und fließt mit einer am Ende dieses gelegenen, mit
dem medianen ellipsenförmigen Querfleck fast suzammenhängenden
Querbinde. zusammen. Körperlänge 7 mm, Flügellänge 5 mm.
"7. Stenopistha pygata? v. conjuncta m.
Ein © zusammen mit voriger Art und von dieser nur ab-
weichend durch nicht vorstehende Terebra und "durch das Vor-
handensein einer bis zum Hinterrande reichenden, wununter-
brochenen, etwa gleichbreiten hyalinen Querbinde am distalen
Ende des Radius; letzterer ist hinten von der dunklen Grund-
färbung in seiner ganzen Länge begrenzt und der Raum zwischen
ihm und dem Vorderrand ist nür wenig heller. Letzteres Merkmal wird:
wohl keine größere Bedeutung haben und die Möglichkeit, daß die:
Stenopistha Strand und zwei neue Gattungsnamen in Chaleididae. 203
Terebra abgebrochen ist, dürfte wohl nicht ausgeschlossen sein. Leider
fehlen auch die Fühler, sodaß eventuelle Unterschiede an diesen
nicht festzustellen sind. Immerhin kann der Unterschied in der
Flügelzeichnung doch zu einer besonderen Varietätsbezeichnung be-
rechtigen und ich lasse daher vorläufig diese Form als Varietät gelten.
8. Stenopistha pulchella Strand n. sp.
Ein @ von Caracas (Moritz). — Kopf und Thorax schwarz,
mit ganz schwachem Erzschimmer im Gesicht, auf Scheitel, Pro-
und Mesonotum sowie Scutellum. Fühler schwarz mit zwei
undeutlichen bräunlichgelben Streifen auf dem Schaft, einem
ebensolchen breiten Ring in der proximalen Hälfte der Geißel
und bräunlichgelber Spitze. Mandibeln zum Teil und Vorderrand
des Clypeus rotbraun. Tegulae, ausgenommen an der Basis, hell
bräunlichgelb und so ist auch die Flügelbasis. Abdomen tiefschwarz
mit prachtvollem braunem Schimmer oben in der Basalhälfte, mit
einem etwa 0,8 mm breiten roten Ring um die griffelartige Verlängerung,
während die äußerste Spitze, wie gewöhnlich, schwarz bleibt. Die
Beine schwarz, alle Trochanteren, die Coxen I und III (ausgenommen
an der Basis), die äußerste Spitze aller Femoren und Basis aller Tibien,
an III sogar die ganze Basalhälfte sowie alle Tarsen mit Ausnahme der
Spitze hellgelb. — Vorderflügel überall getrübt, die senkrecht auf den
Vorderrand gerichtete Querbinde am proximalen Ende der Marginal-
ader tiefschwarz und scharf markiert in der vorderen Hälfte, in der
hinteren dagegen mit einer von dert bis kurz außerhalb des Radius
sich erstreckenden, weder Vorder- noch Hinterrand erreichenden,
den Radius nur am Ende berührenden schwarzen Längsbinde zu-
sammenfließend; diese schließt im Niveau mit der Spitze des Radius
zwei rundliche, unter sich um ihren Durchmesser entfernte, helle Flecke,
die eine Querreihe bilden und von denen der vordere vorn offen ist, ein
und ist außerhalb dieser ganz verwischt. Das Saumfeld ist etwas trüber
als das schwach gelblich schimmernde Basal- und Vorderrandsfeld.
Terebra nicht sichtbar. Der Griffel kaum halb so lang wie das übrige
Abdomen. — Gesicht kräftig, aber nicht dicht längsgestrichelt, Meso-
notum matt und ziemlich dicht unregelmäßig gerunzelt, hinten mitten
mit Querrunzeln. Scutellum und Dorsulum kräftig längsgestrichelt.
Metathorax wie gewöhnlich mit spitzem Zahnhöcker in der Mitte.
Körperlänge 8 mm, Flügellänge 5,8 mm.
9, Stenopistha vittipennis Strand n. sp.
Ein @ vom Pachiteafluß in Peru. — Schwarz, auch die
Augen, hellbraun oder rötlich sind: Prothorax, die 4-5 letzten
Geißelglieder, der Hinterrand des Metanotum, der kurze, kaum
der Hälfte des übrigen Abdomen gleichkommende, an der Basis
breite, aber am Ende scharf zugespitzte Griffel; blaugelblich
sind: Schaft und Pedicellus der Fühler, die Extremitäten III
von der Basis bis zur Mitte der Femoren, die äußerste Spitze aller
Femoren und Basis der Tibien I—II und Basalhälfte der Tibien III,
alle Tarsen mit Ausnahme der äußersten Spitze, die Coxen I mit Aus-
nahme der Basis. Flügel angeraucht mit subhyalinem Basalfeld und
204 Embrik Strand: Sechszehn Novitäten der Gattung
hyalinem dreieckigem Längsfleck an der Marginalader, der nach hinten
bis zur Mittellängslinie des Flügels und saumwärts bis zum Radius
reicht, ferner mit der gewöhnlichen extramedialen hellen Querbinde,
die hier den Hinterrand bei derselben Breite wie am Vorderrande
erreicht, mitten außen aber breit dreieckig ausgeschnitten ist; von
dieser hellen Querbinde erstreckt sich basalwärts bis zur dunklen
Querbinde am innern Ende der Marginalader ein schmaler heller,
nach vorn konkav gekrümmter, vom Hinterrande deutlich entfernter
Längsstrich.
Kopf breiter als Thorax. Gesicht kräftig, aber ungewöhnlich un-
regelmäßig längsgestrichelt. Ozellen unter sich um ihren Durchmesser
entfernt. Pronotum kräftig quergestrichelt, am Hinterrande weniger
deutlich. Mesonotum und Scutellem matt und kräftig gerunzelt.
Dorsulum kräftig und regelmäßig längsgestrichelt. Metanotum kräftig
und unregelmäßig gerunzelt, matt, ohne Zahnhöcker in der Mitte,
aber mit den beiden hinteren Seitenecken wie gewöhnlich vorstehend;
an der Basis mit einer Querreihe kräftiger Gruben; hinten verlängert
Metathorax sich in einen etwas abgeflachten, tief längsgefurchten
Petiolus, der an der Basis durch einen Querwulst scharf abgesetzt er-
scheint und oben an der Basis des ersten Abdominalsegments inseriert
ist. Das Abdomen bildet hinten eine scharfe Spitze, aber keine eigent-
liche griffelartige Verlängerung; von oben gesehen erscheint
diese Verlängerung als ein Dreieck, das wenig länger als an der Basis
breit ist, von der Seite, weil flachgedrückt, als eine ziemlich schmale,
vom übrigen Abdomen ziemlich scharf abgesetzte Spitze, die etwa halb
so lang wie das übrige Abdomen ist; letzteres erscheint (also ohne die
Spitze) im Profil fast halbkreisförmig mit der Konvexität nach unten.
Terebra nicht sichtbar. Körperlänge 6,5, Flügellänge 3,5 mm.
10. Stenopistha magnifica Strand n. sp.
Ein @ von Bogota (Lindig). — Schwarz; Scheitel jederseits
prachtvoll blau glänzend, Augen mit graulichen Querstreifen, Fühler-
schaft u. beide Enden der Geißel hellbräunlichgelb, Mandibeln schwarz-
braun, Thorax ganz schwach metallisch schimmernd; Scapulae u. Hinter-
rand des Mesonotum lebhaft grün glänzend, Scutellum und Dorsulum
prachtvoll grüngoldig glänzend, Basalhälfte des Abdomen (ohne den
Griffel) oben und beiderseits ebenso schön grünblau glänzend, das übrige
Abdomen schwarz mit dunkelbraunem Anflug, an der äußersten Spitze
tiefschwarz. Tegulae und Flügelbasis hellbräunlichgelb und so sind auch
die ganzen Beine II (mit Ausnahme der Coxen) sowie die Tibien und
Tarsen der Beine I und III gefärbt. Flügel subhyalin mit brauner,
überall gleichbreiter Mittellängsbinde, die von der Mitte des Saumes
bis kurz innerhalb der Mitte des Innenrandes reicht, parallel zum Vorder-
rande verläuft und etwa halb so breit wie der Flügel ist. Geäder
bräunlichgelb.
Kopf etwa so breit wie Thorax. Augen groß. Gesicht schmal,
der Länge nach stark gewölbt, dicht, regelmäßig und konzentrisch,
aber nicht besonders kräftig gestrichelt; Clypeus mit glattem Mittel-
längshügel, der eine ganz schwache Querfurche zeigt. Die blauen
Stenopistha Strand und zwei neue Gattungsnamen in Chaleididae. 205
Seitenpartien des Scheitels glatt, nicht gestrichelt. Ozellen unter sich
um ihren Durchmesser entfernt. Pronotum und Mesonotum fast glatt,
mit nur ganz feiner und spärlicher Querstrichelung, letzteres mit einigen
wenigen großen, aber seichten Punkten, von denen je einer nahe den
Parapsidenfurchen, kurz hinter der Mitte, größer und tiefer ist. Axillae,
Seutellum und Dorsulum fein längsgestrichelt, Scutellum: außerdem
mit netzförmiger Struktur. Metanotum gerunzelt, mit einer niedrigen
Erhöhung in der Mitte, aber ohne weitere Zahnhöcker als diejenigen der
hinteren Seitenecken, mit einer feinen Mittellängsleiste, die sich vorn
gabelt und mit weiteren, ein großmaschiges Netzwerk bildenden
Leisten. Die griffelförmige Verlängerung des Abdomens etwa so lang
wie der übrige Teil desselben, sowohl von oben als von der Seite ge-
sehen ganz allmählich gegen die Spitze verschmälert. Terebra nicht
sichtbar. Körperlänge 5 mm, Flügelläng e etwa 3,5 mm.
11. Stenopistha rhombordea Strand n. sp.
Ein 2 von Bogota (Lindig). — Die Art ist charakteristisch
durch u. a. den rhombenförmigen hellen Fleck im Vorderflügel.
Schwarz; Kopf, Pro- und Mesothorax mit schwachem grün-
lichem Schimmer, Mundteile braun, Fühlerschaft hellbräunlich,
gegen die Spitze dunkler, Pediculus weiß, die Basalhälfte der
Geißel bräunlichgelb und ebenso der Bauchkiel. Coxen I rein-
weiß, III weiß mit schwarzer Basis, 'Tibien III mit weißer Basal-
hälfte, alle Tarsen mit Ausnahme der dunklen Spitze .weißlich. Tibial-
sporen gelblich. — Flügel schwärzlich, hyalin sind: Wurzelfeld
in einer Länge von 1,5 mm, ein dreieckiger, etwa 1 mm langer Längs-
fleck an der Marginalader, dessen hintere Ecke bei weitem nicht den
Innenrand erreicht, und dessen distale Spitze die Basis des Radius
erreicht, ferner erstreckt sich von der Spitze des Radius ein quer-
gestellter, rhombischer, vorn und hinten zugespitzter, den Vorder-
rand fast, aber den Hinterrand bei weitem nicht erreichender hyaliner
Fleck.
Kopf reichlich so breit wie Thorax. Gesicht nur in der unteren
Hälfte der Länge nach gewölbt, in der obe:en eher ausgehöhlt. Clypeus
zurücktretend, der Längswulst in der Mitte desselben wenig hervor-
tretend und matt. Strichelung des Gesichts kräftig und konzentrisch.
Scheitel stark von vorn und hinten zusammengedrückt und der Kopf
erscheint daher von oben gesehen ganz dünn, unmittelbar hinter den
Ozellen abfallend. Vorderrand des Clypeus mitten seicht ausgerandet.
Pronotum kräftig und regelmäßig quergestrichelt, Mesonotum grob
punktiert und fein gerunzelt, am Vorderrande mit Andeutung einer
feinen Querstrichelung, überall matt. Scutellum und Dorsulum etwas
glänzend, mit kräftiger und regelmäßiger Längsstrichelung, letzteres
hinten mitten zugespitzt und daselbst fast glatt. Metanotum im Grunde
fast glatt und etwas glänzend, aber mit kräftigen Rippen, die ein un-
regelmäßiges und meistens grobmaschiges Netzwerk bilden; in der
Mittellängslinie nahe der Basis ist ein ganz kleines Höckerchen und
weiter nach hinten von diesem ab läßt sich eine feine Längsrippe er-
kennen, die Höcker der hinteren Seitenecken wie gewöhnlich vorhanden.
206 Embrik Strand: Sechszehn Novitäten der Gattung
Die griffelartige Verlängerung des Abdomen so lang oder reichlich so
lang wie dieses, deutlich abgesetzt und nach hinten allmählich ver-
jüngt, oben mitten in der proximalen Hälfte jedoch leicht gewölbt,
was aber vielleicht ein zufälliges und ‚„‚künstliches‘‘ Merkmal ist. Bohrer
nicht vorstehend. Körperlänge 7, Flügellänge 4,5 mm.
12. Stenopistha ornata Strand n. sp.
Zwei 29 von Caracas (Moritz). — Kopf und Thorax
schwarz, die Mittellängsemsenkung des Gesichts grünglänzend,
Mundteile braun, Antennen schwarz, Schaft und die Spitze
gelb. Tegulae, Schulterhöcker, Hinterrand des Dorsulum und
Basis des Metanotum dunkelrot, Hinterrand des Metanotum ge-
bräunt. Abdomen prächtig blau und (oben an der Basis) grünlich-
goldig glänzend, an den Seiten und unten schwarz mit schwachem
violettlichem Schimmer, die griffelartige Verlängerung schwarz mit
bräunlichem und oben violettlichem Schimmer. Coxen schwärzlich
mit hellerer Spitze, die übrigen Glieder gelblich mit brauner Endhälfte
aller Femoren, sowie der Tibien III, auch die Tarsen am Ende leicht
gebräunt. Flügel subhyalin mit zwei schwärzlichen Querbinden,
eine subapicale, die mitten außen tief eingeschnitten ist, an der Innen-
seite aber dementsprechend einen wurzelwärts gerichteten Zahn
bildet und eine submediale, die am Radius ganz schmal, etwa so breit
wie Radius lang ist, anfängt, und sich mitten zu einem länglıich ellipsen-
förmigen, etwa 1 mm langen und reichlich halb so breiten Fleck er-
weitert, der sich mit dem Hinterrand nur durch einen schmalen Schatten
verbindet.
- Kopf mindestens so breit wie Thorax, vorn der Länge nach gleich-
mäßig schwach gewölbt; Clypeus mit Mittellängswulst, der aber nicht
glatt, sondern dicht retikuliert und matt ist. Der ganze Thoraxrücken
mit Ausnahme je eineı kleinen Seitenpa:tie auf dem Metanotum matt,
gerunzelt und gekörnelt, auf dem Pronotum außerdem mit schwacher
Querstrichelung, auf dem Dorsulum mit ebensolcher Lärgsstrichelung,
Metanotum ohne irgend welchen Mittelhöcker, sonst ist die Struktur
von dem gewöhnlichen Typus. Die griffelförmige Verlängerung des
Abdomen mindestens so lang wie der übrige Teil desselben, an der
Basis erweitert und oben abgeflacht und leicht ausgehöhlt, sonst in der
ganzen Länge gleichbreit, parallelseitig und zwar von oben gesehen
kaum dicker als der Kolben der Fühlergeißel erscheinend, während die
Breite (Höhe) in Seitenansicht fast doppelt so groß ist. Bohrer nicht
vorstehend. Körperlänge 5,5, Flügellänge 3,5 mm. 1.
13. Stenopistha rectivitta Strand n. sp.
Zwei 22 von Peru, Pachiteafluß. — Charakteristisch u. a.
durch die ziemlich schmale, gleichbreite, parallelseitige, bis zum
Hinterrande bei derselben Deutlichkeit reichende hyaline post-
mediale Querbinde der Vorderflügel; sonst sind im schwärzlich
angerauchten Vorderflügel folgende Partien hyalın: Wurzelfeld in
einer Länge von 1,5 mm und eine etwa dreieckige antemediale Binde,
die am Vorderrande sich von der Basis der Maiginalader bis fast zum
Radius erweitert (letzterer liegt aber, abgesehen von der die post-
Stenopistha Strand und zwei neue Gattungsnamen in Chalcididae, 207
mediale Binde berührende Spitze ganz im dunklen Felde), deren Innen-
rand gerade und senkrecht auf den Vorderrand gerichtet ist, sich aber
gegen den Hinterrand plötzlich verschmälert und ohne diesen zu
erreichen sich als em schmaler undeutlicher Streifen saumwärts
umbiegt und, gegen den Hinterrand schwach konvex gekrümmt und
mit diesem subparallel verlaufend bis zur postmedialen Querbinde
sich erkennen läßt. Die äußere Hälfte des dunklen Saumfeldes ist ein
wenig heller als die innere, die als eine dunkle Querbinde von etwa
derselben Breite wie die hyaline Postmedialbinde sich undeutlich er-
kennen läßt. — Körper schwarz, Kopf, Mesonotum, Seutellum und
Dorsulum mit schwachem grünlichen oder bronzefarbigem Schimmer,
Prothorax rötlichbraun und ebenso die Mundteile und der Vorderrand
des Clypeus, bräunlichgelb sind die Tegulae und Flügelbasis, hell rötlich
ist dıe grıffelförmige Verlängerung des Abdomen, ausgenommen den
apıcalen Dritte. Abdomen an der Basıs z. T. ganz schwach grünlıch
glänzend. Fühler schwarz, Schatt bräunlich gelb, unten mit undeut-
lichem dunklen Längstreif, die Geißel mit zwei undeutlichen hellen
Ringen in der Basalhälfte und dottergelber Spitze. Beine schwarz,
hellgelb sind dieganzen Coxen I und Ill (ausgenommen an der Basis), die
Coxen II an der Spitze, die beiden Enden aller Femoren, fast dıe
Basalhälfte der Tıbıen III, die beiden Enden der übrigen Tibien, alle
Tarsen mit Ausnahme der äußersten Spitze. — Die griffelförmige Ver-
längerung des Abdomen ist etwa halb so lang wie das übrige Abdomen,
in der Basalhälfte apicalwäıts allmählich verschmälert, in der Apical-
hälfte überall parallelseitig und zwar von oben gesehen linienschmal,
von der Seite gesehen reichlich doppelt so breit, sowie gegen die Spitze
schwach verschmälert erscheinend. Metanotum mit einem ganz kleinen
Höckerchen in der Mitte und hinter diesem erscheint, von oben gesehen,
eine schmale glatte Querbinde. Scutellum und Dorsulum der Länge
nach ziemlich kräftig gestrichelt, Pronotum weniger deutlich quer-
gestrichelt, Mesonotum dicht gerunzelt, aber nicht gestrichelt. —
Terebra nicht frei vorstehend, wohl aber fällt die Spitze bei der Type
mit der Spitze des Griffels nicht zusammen. Körperlänge 5,3, Flügel-
länge etwa 4 mm.
14. Stenopistha setifrons Strand n. sp. '
Ein $ von Peru, Pachiteafluß. — Mıt 8. vittipennis m. nahe
verwandt, aber durch Folgendes abweichend: Bohrer vorstehend,
an den Seiten und an der Unterseite des Abdomen nımmt dıe
rötlıche Färbung etwa die Hälfte desselben eın, Prothorax und
Mesonotum am Vorderrande ist hellrötlich, hellgelblich sind
dıe Beine mit Ausnahme der Coxen II, der Femoren I und End-
hälfte der Femoren II und III, sowie der Endhälfte aller Tibien
und der äußersten Spitze der Tarsen, rot ist ferner die Basis des Meta-
thorax und der Bohrer mit Ausnahme der äußersten Spitze. Die
Flügel ähnlich gezeichnet wie bei vittipennis, aber die hellen Figuren,
insbesondere in der Basalhälfte, verwischt und die postmediale helle
Querbinde ist mitten unterbrochen und die übrigen Zeichnungen
kaum zu erkennen; auch das Wurzelfeld getrübt. Die Längsstrichelung
208 Embrik Strand: Sechszehn Novitäten der Gattung
des Gesichtes regelmäßiger als bei vittipennis und Abdomen ist hinten
stärker zugespitzt und oben nicht oder kaum abgeflacht. Der
Bohrer fast ?/, so lang wie Abdomen. Körperlänge ohne Bohrer 3,5,
mit etwa 5 mm. al
15. Stenopistha striaticeps Strand n. sp.
Ein 2 von derselben Lokalität wie vorige Art und dieser
recht ähnlich, aber u. a. durch das Fehlen eines vorstehenden
Bohrers abweichend. Von vittipennis weicht sie durch Folgendes
ab: Prothorax. mit 'schwarzem Hinterrand, die Fühler [deren Spitze
leider abgebrochen ist] sind dünner und an der Geißel auch
innerhalb der Spitze teilweise gelblich gefärbt, Augen braun,
der Hinteriand des Metanotum schwarz, die hintere Hälfte des Ab-
domen (ohne den Griffel) unten und an den Seiten rot und dıe hinteren
Segmente am Hinterrande gerötet, Abdomen im basalen Drittel
jederseits prachtvoll grünblau glänzend; blaßgelb sind die Tegulae,
Flügelbasis und Beine mit Ausnahme der Femoren I, die nur an beiden
Enden gelb sind, Coxen II, die nur an der Spitze hell sind, eines Ringes
an den Femoren II und eines Endringes an den Tibien II und III
sowie der Spitze aller Tarsen; die Endhälfte der Femoren III schwach
gebräunt. Flügel schwach angeraucht mit höchst undeutlichen sub-
hyalinen Zeichnungen und zwar eine wurzelwärts schwach konvex
gebogene postmediale Querbinde und eine sich von dieser bis zur Basis
erstreckende, den ganzen Radius einschließende Vorderrandsbinde,
die sich im Wurzelfelde bis zum Hinterrande erweitert, ferner mit
einer am Hinterrande sich wurzelwärts erstreckenden und allmählich
schmäler werdenden und nach vorn gekrümmten höchst undeutlichen
Binde. — Strukturelle Merkmale etwa wie bei vittipennis, die Strichelung
des Gesichts ist aber regelmäßiger, der Kopf erscheint noch breiter
und der Scheitel von vorn und hınten stark zusammengedrückt, Pro-
notum ıst vorn quergestrichelt, am dunkel gefärbten Hinterrande
jedoch längsgestrichelt, auch am Hinterrande des Mesonotum sowıe
am ganzen Scutellum ıst Längsstrichelung vorhanden; Metanotum
mıt einem Längskiel, der an der Basis einen kleinen Höcker bildet.
Petiolus kürzer, nur undeutlich längsgefurcht. Abdomen oben hinten
etwas niedergedrückt; der Griffel, der von oben gesehen sich gegen die
Spitze ganz allmählich verjüngt (in der letzten Hälfte fast parallel-
seitig) ist etwa halb so lang wie das übrige Abdomen; im Profil zeigt
die Oberseite nahe der Basis des Petiolus eine kleine Erhöhung, unten
geht die Bauchseite ganz allmählich in den Griffel über. Totallänge
5 mm, Flügellänge 4 mm.
16. Stenopistha flagellata Strand n. sp.
Ein 9 von Ost-Bolivien (Steinbach). — Schwarz, Kopf
und Thorax matt, ersterer sowie Pro-, Mesonotum, Seutellum, und
Dorsulum ganz schwach grünlich schimmernd, Mundteile rötlich-
braun, Mandibeln an der Spitze schwarz, Fühler im letzten
Drittel (einschließlich die Spitze) schwarz, sonst gelblich, die ba-
salen Geisselglieder jedoch unten geschwärzt.; hellgelblich sind
ferner die Tegulae und die Beine mit folgenden Ausnahmen:
von Entwicklungsgebieten und Verbreitungszentren. 225
da so feine Unterschiede bei ihnen oft nicht nachweisbar sind. Immerhin
gestattet die Tatsache des hohen Alters der Familie anzunehmen, daß
auch die Unterfamilien und wohl auch manche Gattungen bereits
weit zurückreichen. Noch im Keuper hätte aber Tachyradsia längs
der Südküste des Gondwanalandes sich direkt zwischen Südafrika
und Tasmanien ausbreiten können, noch im Jura wäre dies wenigstens
bedeutend leichter gewesen als gegenwärtig (Krit. 8).
Bei den Mopaliden stehen sich Nord- und Südhalbkugel etwa
gleichwertig gegenüber, der Süden überwiegt etwas durch die weit
verbreitete Gattung Plaxiphora (Krit. 5). Dagegen überwiegt das indo-
pazifische Gebiet mit 7 Gattungen beträchtlich über das atlantische
(mit 2 Gattungen, sodaß wir in ihm die Heimat der Familie zu suchen
geneigt sind und zwar hauptsächlich in ihrem Süden, in den australischen
Gewässern (Krit. 4), während der nordpazifische Ozean ein sekundäres
Entwicklungszentrum darstellt. Wenn also Simroth die Gruppe vom
pazifischen Schwingungskreise darleitet, wie es seinen Ausführungen
nach möglich erscheint, so werden wir völlig übereinstimmen. Dagegen
ist es mir unerfindlich inwiefern bei Plaxiphora (Ostafrika bis Australien,
Neuseeland, Magellanstraße, Tristan da Cunha durch die Verbreitung
die Herkuuft vom Schwingungskreis auf der nordafrikanischen Seite
wahrscheinlich wird. Hier fehlt doch gerade jeder Nachweis völlig.
Der geographische Verbreitungsmittelpunkt dieser Gattung liegt im
südwestlichen Indischen Ozean in der Nachbarschaft der Antarktis
(Krit. 7), Krit. 4 spricht für einen australischen Ursprung. Von hier
aus hätte die Gattung sich bequem entlang der Kontinentalküsten
ausbreiten können, die wir für die obere Kreide und das Eozän an-
nehmen (Krit. 8), also zu einer Zeit, in der wir die Existenz der Gattung
ziemlich sicher voraussetzen können.
Auch bei den Acanthochitoninen spricht keins unserer Kriterien für
europäischen Ursprung, kommthier doch nur eine einzige der 7 Gattungen
in Ausläufern vor. Krit. 4, 5, 6 und 7 sprechen für einen Ursprung
im indopazifischen Gebiete etwa in der Nähe Australiens, wie dies auch
Thiele annimmt. Finden sich doch hier nicht nur die meisten und
primitivsten Gattungen, sondern auch sämtliche weit verbreiteten.
Was nun Krit. 8 anlangt, so konnte Notoplax bis zum Miozän zwischen
beiden Amerika hindurch nach Florida gelangen, ebenso C’ryptoconchus
nach Westindien. Über den Großen Ozean dürften sie entlang des
kretazeischen Ozeaniens gelangt sein, für dessen einstmalige Existenz
nicht etwa bloß biogeographische, sondern auch geologische Gründe
sprechen. Nach Europa kann Acanthochites noch durch das alt-
tertiäre Mittelmeer gelangt sein und auch bei dem Craspedochiton
von Liberia ist mir die gleiche Ausbreitung wahrscheinlich, in Über-
einstimmung mit Simroth, nur daß ich keinen zwingenden Grund
einsehe, seine Heimat gerade im Mittelmeer selbst zu suchen. Immerhin
muß die Möglichkeit dieser Annahme zugegeben werden. Dagegen
wird Oryptoconchus (Sulu-Inseln, Neuseeland, Westindien) wohl nur
jemand von Europa herleiten, der von vornherein von der europäischen
Heimat aller Tiergruppen überzeugt ist. Übrigens liegen die Fundorte
Archiv ar 15
21,2
226 Dr. Th. Arldt: Die Feststellung
in der angegebenen Reihenfolge auf einer annähernd geraden Linie,
die gerade über Mittelamerika wegführt, also gerade über die Stelle,
über die der Paläcgeograph die Ausbreitung erfolgen lassen wird.
Zwischen Sulu-Inseln und Westindien direkt ist dagegen eine viel
größere Strecke zu überbrücken, auch läßt die Paläogeographie eine
solche Ausbreitung weniger wahrschemlich erscheinen, da sie über das
Gebiet der Beringstraße wegführt, wo zumeist eine Landbrücke den
Weg zwischen dem arktischen und dem pazifischen Becken sperrte,
ganz abgesehen davon, daß dann die Ausbreitung fast durchweg noch
jetzt existierenden Küstenlinien hätte folgen müssen, an denen dann
ihr völliges Verschwinden viel merkwürdiger und erklärungsbedürftiger
ist, als wenn wir annehmen, daß die Diskontinuität der Verbreitung
durch das Versinken der verbindenden Küsten bedingt wurde.
Auch bei den Cryptoplacinen kann Simroth recht haben, wenn
er die Gruppe vom Mittelmeer herleitet. Unrecht hat er aber ganz
sicher, zu sagen: Es lohnt nicht eine andere Hypothese zu erörtern,
gründet er doch diese Behauptung darauf, daß die kürzeste Ver-
bindung zwischen den Wohngebieten der beiden Gattungen durch das
Mittelmeer führe. Wenn dies allein schon ein ausschlaggebendes
Kriterium wäre, so würde Simroth sich damit ja selbst schlagen, wie
wir eben bei Cryptoconchus erwähnten, wo Simroth die Heimat gerade
in der größten Lücke sucht. Ebenso könnte er doch dann auf Australien
bez. Neuseeland und Patagonien entwickelte Formen unmöglich von
Europa herleiten, da hier die kürzeste Verbindungslinie eben durch
den südpazifischen Ozean hindurch geht. Ausgeschlossen ist aber
auch bei den CEryptoplacinen richt eine Ausbreitung ähnlich der von
Uryptoconchus, auch andere Möglichkeiten sind noch denkbar, doch
bin ich selbst geneigt, in den Cryptoplacinen ein ursprünglich medi-
terranes Äquivalent der indopazifischen Mopaliiden zu sehen.
Dagegen weist bei den Chaetopleurinen nichts auf Europa. Krit. 4
spricht vielmehr für die südamerikanischen Gewässer, ebenso Krit. 7
und 5, letzteres mehr für seine pazifische Seite. Von hier mag sich
Chaetopleura längs der Küsten des Großen Ozeans ausgebreitet haben,
und hat vielleicht auch entlang der Nordküste der Südatlantis nach
Westafrika gelangen können. Dinoplax, Calloplax und Callistoplax
möchte ich dann mit Simroth für jüngere Formen ansehen, von
denen die erste nach dem Zerfalle der Südatlantis, die anderen nach
der Vereinigung beider Amerika sich entwickelten.
Ganz ungewiß ist die Heimat der Ischnochitoninen. Krit. 4 u. 6
spricht jedenfalls für einen pazifischen Ursprung, Krit. 5 nicht dagegen.
Doch mag Afrika mindestens ein sekundäres Entwicklungszentrum
darstellen. Stenoplax ist jedenfalls ausgesprochen pazifisch (Philippinen,
Japan, Westküste Amerikas, Westindien), da ja das Karibische Meer bis
zum Miozän dem Großen Ozeane zuzuordnen war. Es liegt also kein
Grund vor, hier eine zweiseitige Ausbreitung von Europa her an-
zunehmen. Wenn wir einen australischen Ursprung der ganzen Gruppe
annehmen, so brauchen wir deshalb doch nicht die verschiedenen
Landbrücken als zu gleicher Zeit bestehend annehmen, da sich die
von Entwicklungsgebieten und Verbreitungszentren. 9937
Ausbreitung auf einen großen Zeitraum erstreckt haben kann. Auch
ist nicht recht klar, warum den Tieren ‚‚der Südpol verschlossen“ war,
da doch nachweislich die Antarktis bis zum Tertiär wärmeres Klima
besessen hat, wie die dort gefundenen fossilen Tiere und Pflanzen be-
weisen, notabene, ohne daß in anderen südlichen Gebieten Eiswirkungen
zu finden wären, sodaß wir nicht an eine Polverschiebung denken
können.
Die Callistochitongeuppe ist ausgesprochen imdopazifisch (Krit. 4,
5, 7); Florida konnte von Callistochiton bis zum Miozän leicht erreicht
werden. Bei den Chitoninen spricht Krit. 6 für südlichen Ursprung,
auch Krit. 4 paßt zu dieser Annahme, besonders auch die Verbreitung
von Clathropleura, immerhin ist ein europäischer Ursprung bei diesen
wenigstens denkbar. Dagegen sind die Acanthopleurinen wieder
ausgesprochen indopazifisch und Krit. 4 bis 7 sprechen für eine etwa
australische Heimat. Das gleiche gilt auch von Tonicia) und den
anschliessenden Gattungen. Natürlich liegt uns fern, die hier gemachten
Annahmen über die Heimat der einzelnen Gruppen als unbedingt
ichtig hinstellen zu wollen. Aus unseren obigen Ausführungen geht
vielmehr klar hervor, daß der Palaeobiogeograph bei seinen Schlüssen
immer die größte Vorsicht walten lassen muß, und seine Ansichten nicht
anders als möglich oder wahrscheinlich hinstellen darf, solange er keine
positiveren Beweise anführen kann. Dies ist es auch hauptsächlich,
weshalb wir uns gegen die Simrothsche Universalmethode wenden,
die jedes kritische Erwägen nur so weit gelten läßt, als es zu ihren
vorgefaßten Meinungen stimmt.
Auf die anderen von Simroth herangezogenen Gruppen kann ich
hier nicht im einzelnen eimgehen, ich würde dabei zuviel wiederholen
müssen, was schon früher hier ausgeführt worden ist. Unsere ver-
schiedene Auffassung ist eine notwendige Folge der verschiedenen
Grundlage, auf der wir stehen. Von seinem Standpunkte aus hat
Simroth alles ganz vorzüglich entwickelt, von dem der Geologen,
der auch der meine ist, kann ich aber die Richtigkeit semer Schluß-
folgerungen nicht zugestehen. Nur auf zwei Fälle will ich hier noch
etwas näher eingehen, nämlich auf die Alligatoren und auf die Riesen-
salamander.
Was zunächst die Alligatoren anlangt, so behauptet Simroth,
früher hätten bei uns massenhafte Krokodile gelebt, von denen einige
jetzt nur südostasiatisch sind. Damit hat er zweifellos recht, soweit
es sich um die Gaviale oder eigentlich nur um die Rhynchosauriden
handelt. Wenn aber diese von Europa aus nach Südostasien gelangt
sind, muß das gleiche deshalb auch von den Alligatoren gelten? Das
wäre doch etwa das gleiche, als wollten wir behaupten, Amerika könne
nur von Europa, nicht auch von Asien her eine Einwanderung erfahren
haben, weil wir wissen, daß Europäer sicher den ersteren Weg benutzt
haben. Wollen wir die Verbreitung der Alligatoren feststellen, so müssen
wir uns zunächst auf deren fossile Reste selbst stützen. Wie steht es
nun damit? Offenbar liegt ihre Heimat in der alten Welt nach Krit. 3,
zumal hier auch die primitiveren Familien der kurzschnauzigen
15*
228 Dr. Th. Arldt: Die Feststellung
Krokodile lebten. Krit. 1 würde allerdings für Nordamerika sprechen,
doch ist Bottosaurus aus dem Senon Nordamerikas nicht ganz sicher.
Von dieser Gattung kennen wir zwei fossile Arten. Dana sind bekannt
15 Arten von Diplocynodon, der vom oberen Eozän bis zum oberen
Miozän in Europa lebte. Dagegen ist keine fossile Art von Alligator
bekannt, der in je einer Art im Jangtsekiang und in Nordamerika
lebt und auch von dem südamerikanischen Caiman, die sich beide
ziemlich nahe stehen. Wenn ich nun auch in Bezug auf das Heimat-
gebiet der Familie mit Simroth übereinstimme, so kann ich doch
gleiches nicht in Bezug auf die Gattung Alligator tun. Hier sprechen
alle Kriterien dagegen. Gerade die Krokodile haben sehr reichliche
fossile Reste in Europa und Nordafrika hinterlassen, so nicht weniger
als 16 Arten von Crocodilus, 15 von Diplocynodon, 1 von Gavialıs,
5 von Tomistoma, je eine von Gavialosuchus und Pristichampus; also
39 Arten allein im Tertiär dieser Gebiete, alle nicht ganz lokal be-
schränkten lebenden Gattungen finden sich darunter, nur gerade nicht
die lebenden Alligatoren. Bei dieser Fülle von fossilen Resten haben
wir nieht mehr das Recht, uns hinter die Lückenhaftigkeit der
paläontologischen Überlieferung zu versteifen, zumal es sich doch
um ziemlich große im Wasser lebende Tiere handelt, die leicht fossil
erhalten werden. Hier haben wir einen Fall, wenn es überhaupt einen
solchen gibt, in dem auch der negative Befund etwas beweist. Solange
kein Alligator in Europa gefunden wird, spricht dies entschieden gegen
Simroths Annahme; sollte einer gefunden werden, so würden wir
selbstverständlich unsece bisherige Auffassung der veränderten Sach-
lage anzupassen haben, aber vorläufig kann Simroth dies nicht mit
Recht verlangen. In Wahrheit sprechen bei Alligator alle Kriterien
dafür, daß er in den Kontinenten am nordpazifischen Ozeane sich
entwickelte, sei es nun in Nordamerika oder in Ostasien. Daß ich
ersteres als Heimatgebiet ansehe, hat paläogeographische Gründe.
Asien war nachweislich in der älteren Tertiärzeit von Europa durch
Meer getrennt, während Nordamerika mit ihm damals zusammenhing.
Da nun der nordatlantische Kontinent der Kreidezeit sicher schon
littorale Krokodile besaß, so ist doch der Gedanke naheliegend, daß
sich bei seinem allmählichen Zerfall im Alttertiär in seinen beiden sich
trennenden Gebieten zwei parallele Gattungen, Diplocynodon in Europa
und Alligator in Amerika, entwickelten. Wie Simroth mir vorhalten
kann, daß es in Nordwestamerika keine Alligatoren gibt, verstehe ich
nicht. Meines Wissens leben in Europa und in Vorderasien auch keine.
Was kann also dies Fehlen gegen meine und für Simroths Annahme
beweisen? Auch die Weite des Weges beweist nichts, zumal Simroth
bei mir einfach den Abstand Mississippi-Jangtsekiang einsetzt, bei
sich beidemal von Europa aus mißt. Ja, habe ich denn behauptet,
daß gerade der Mississippi die Heimat von Alligator ist? Sie kann doch
ebensogut weiter nördlich in dem tertiären Nordamerika gelegen haben,
ja sogar im Gebiete des Beringmeeres, nehme ich doch, wie ja Simroth
weiß, an, daß Asien auch im Alttertiär schon mit Asien hier in Ver-
bindung stand. Dann kehrt sich aber das Zahlenverhältnis sofort um!
von Entwicklungsgebieten und Verbreitungszentren. 229
Bei den Riesensalamandern haben wir ja einen euro-
päischen Rest in Andrias, ich habe aber schon früher auseinander-
gesetzt (Archiv f. Naturgesch. 1909, I, p. 235), daß um diese Zeit kein
direkter Verkehr mehr zwischen Nordamerika und Europa möglich war.
Was nützt uns das geologische Alter, wenn der Andrias eben nicht nach
Nordamerika gelangen konnte. Simroth macht mich ja bei anderer
Gelegenheit auf die isländische Landbrücke aufmerksam, deren
Existenz ich selbst bis ins Quartär hinein angenommen habe, und
hält für möglich, daß auf dieser auch im Jungtertiär Formen nach
Nordamerika gelangt seten. Indessen übersieht er dabei, daß diese
Brücke nur bis Grönland reicht, und daß wir annehmen müssen, daß
dieses vom übrigen Nordamerika duch einen tiefen Einschnitt
getrennt war. Eine Scheidelinie muß jedenfalls zwischen Europa
und Nordamerika existiert haben, sonst hätte die Entwicklung
von deren Säugetierfauna vom Miozän nicht so verschiedene Wege
einschlagen können, während sie im Alttertiär ziemlich viele über-
einstimmende Formen besitzen. Auch die von Guppy angenommene
mediterran-mittelamerikanische Brücke ist noch nicht genügend
gesichert, nicht biogeographisch und erst recht nicht geologisch;
auch die Verbreitung der Seebeben spricht nicht für die Existenz von
jungtertiären oder gar quartären Landgebieten westlich der Azoren.
Eine Herleitung von Oryptobranchus von Andrias ist also höchstens
auf dem östlichen Wege über Asien möglich (Krit. 1). Dagegen sprechen
die Kriterien 4 bis 8 für einen amerikanischen Ursprung. In einem
kann ich allerdings Simroth entgegenkommen. Ich habe angenommen,
daß Andrias erst im Miozän nach Europa gelangte, als Asien mit diesem
in Verbindung trat. Es ist aber recht wohl möglich, daß Andrias
einen weit älteren Seitenzweig der Familie darstellt.
Und nun wenden wir uns noch einem Beispiele aus dem Bereiche
der Säugetiere zu, auch wenn es Simroth nicht in seiner Arbeit heran-
gezogen hat. Dies sind die Beuteltiere, über deren Entwicklung
immer noch geologisch ganz unhaltbare Anschauungen weit verbreitet
sind. Man will sie bekanntlich vielfach von Norden herleiten, weil hier
im Mesozoikum und Tertiär auch echte Beuteltiere lebten. Wie steht
es nun damit in Wirklichkeit? Wir können unter den nordischen
Metatherien zwei Gruppen unterscheiden. Zu der einen gehören die
Trieonodontiden, Stagodontiden, Amphitheriden und Amblotheriden,
die fast ganz auf Nordamerika und Europa beschränkt sind, wo sie
vom Dogger bis zum Senon lebten, nur zwei monotype Gattungen
der Triconodontiden Argyrolestes und Nemolestes kommen im untersten
Eozän Patagoniens vor, wohin ihre Vorfahren wohl kurz vorher gelangt
waren. Aber diese Tiere haben mit den lebenden Beuteltieren nichts
zu tun. Schon die ältesten von ihnen können nicht deren Vorfahren
sein, da sie eine reduziertere Bezahnung aufweisen. Nie haben sie
mehr als vier Schneidezähne, während bei den südlichen Beuteltieren
bis zu fünf Schneidezähne vorkommen. Diese Prodidelphyier, Ur-
beutelratten des Nordens, sind nicht als die Stammformen der Beutel-
ratten, sondern eher als die der Plazentalier anzusehen, ja viele nord-
230 Dr. Th. Arldt: Die Feststellung
amerikanische Paläontologen stellen eine große Anzahl von ihren
Gattungen direkt zu den Insektivoren. Diese Tiere können also für
den nordischen Ursprung der lebenden Beuteltiere nichts beweisen,
deren Vorfahren müssen also bereits im Dogger irgendwo auf der Erde
existiert haben. Daß wir von ihnen aus dem Norden noch keine fossilen
Reste kennen, ist ja natürlich noch kein zwingender Beweis für einen
südlichen Ursprung, aber mindestens ziemlich verdächtig, kennen
wir doch z. B. aus dem Jura 42 Prodidelphyierarten, ihre Erhaltung ist
also durchaus keine schlechte. Die einzigen echten Beuteltiere des
Nordens sind Beutelratten, die in etwas zweifelhaften Resten im Senon
Nordamerikas auftreten, und dann aufweisen an Arten
in Nordamerika in Europa
im Eozän 1 —
im Oligozän d. 10
im Miozän -- 11
Krit.1 und 2 spricht also für ihren nordamerikanischen Ursprung,
den wir auch annehmen möchten, Krit.3 für einen europäischen,
aber wir dürfen nicht vergessen, daß dieses europäische Maximum
erst in den jüngsten Schichten erreicht wird. Da nun die Didelphyiden
unter allen lebenden Beuteltieren die primitivsten sind, so glaubt
man damit den nordischen Ursprung der gesamten Beuteltiere bewiesen
zu haben. Dabei vergißt man aber ganz anzugeben, wie seit dem
Öligozän die Beuteltiere haben nach Australien gelangen und sich
dort so vielseitig differenzieren können, man erklärt nicht, wie in
Südamerika fossile Bevteltiere in noch älteren Schichten sich finden
können, als im Norden, man übersieht, daß die südamerikanischen
Beuteltiere überhaupt nicht von den Didelphyiden abgeleitet werden
können, weil diese nachweislich erst im Pliozän nach Südamerika
gelangt sind; man kann endlich auch nicht erklären, daß diprotodonte
Beuteltiere nicht bloß in Australien leben, sondern auch ir Südamerika,
daß dagegen im Norden noch nicht der kleinste Rest gefunden worden
ist, der sich hätte auf sie beziehen lassen. Jeder, der das vorhandene
paläontologische Material kennt, ist überzeugt, daß die Beutelratten
ebensowenig in den Stammbaum der anderen Beuteltiere gehören,
wie die Prodidelphyier. Sie sind ein nordischer Seitenzweig, dessen
Vorfahren in der Mitte der Kreidezeit vom Süden nach dem Norden
kamen. Ihre gegenwärtige Verbreitung zeigt wieder einmal, wie vor-
sichtig man bei seinen Schlüssen sein muß. Stehen doch 89 neotrop.
Arten nur 4 nearktische gegenüber. Krit. 4 spricht also für süd-
amerikanischen Ursprung, während die ersten Kriterien, die auf fossile
Formeo sich stützen, entschieden den nordischen Ursprung beweisen.
Der eben erwähnte Trugschluß ist aber andrerseits auch ganz
erklärlich. Denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Didel-
phyiden der Wurzel der anderen Beuteltiere noch sehr nahe stehen.
Diese selbst aber wird durch ihre Parallelfamilie der Microbiotheriden
vertreten, von der wir 19 Arten aus Südamerika kennen, wo sie bereits
im Turon, also früher als die nordischen Didelphyiden, mit Proto-
von Entwicklungsgebieten und Verbreitungszentren 231
didelphys praecursor erscheinen und bis zum Oberoligozän sich behaupten
Von ihnen lassen sich nicht nur die Polyprotodontier, sondern auch
die Diportodontier ableiten. Betrachten wir nun die Beuteltiere nach
Ausscheidung der isolierten Didelphyiden, so sprechen alle Kriterien
für einen südlichen Ursprung, denn nur in Südamerika und Australien
sind lebende und fossile Formen gefunden worden. Ebenso sprechen
die wichtigeren Kriterien für Südamerika als Heimat. Hier fanden
sich die ältesten (Krit. 1) und primitivsten (Krit. 2) fossilen Reste in
beiden noch lebenden Ordnungen. Auch Krit. 3 stimmt dazu. Infolge
der Verdrängung der südlichen Beutler durch die Beutelratten, die in
Südamerika seit dem Pliozän eingetreten ist, steht allerdings dieser
Erdteil mit 140 Arten gegen die 246 australischen stark zurück (36 %,),
aber schon bei den Gattungen hat Südamerika 66 gegen 57 australische
aufzuweisen (54%), bei den Familien 13 gegen 11 (57%), bei den
Ordnungen 3 gegen 2 (100%). Auch die anderen Kriterien wider-
sprechen nicht unserer Annahme. Soweit wir eine solche Hypothese
fossil beweisen können, ist dies bei der Entwicklungsgeschichte der
Beuteltiere der Fall. Nach der Abspaltung der Didelphyiden haben
die Microbiotheriden in Südamerika sich zu den Polyprotodontiern,
Diprotodontiern und Sparassodontiern entwickelt, von denen die
beiden ersten über die Antarktis oder Ozeanien nach Australien
gelangten.
Diese Beispiele mögen genügen, um die Methoden und Kriterien
zu illustrieren, die unserer Meinung nach allein zu nicht von Vorurteilen
beeinflußten Resultaten führen können. Gewiß können neue fossile
Funde unser Gebäude gelegentlich mehr oder weniger erschüttern,
oder wohl gar seinen völligen Neubau nötig machen, ebenso wie neue
systematische Revisionen. Aber ist dies nicht das Schicksal der meisten
wissenschaftlichen Hypothesen? Nicht die Wahrheit schlechthin
gefunden zu haben, über die hinaus es keinen Fortschritt gibt, kann
der Ehrgeiz des Forschers sein, er wird sich bescheiden einen Beitrag
zum allgemeinen Fortschritte zu liefern, und sei es auch nur durch den
Widerspruch, den seine Hypothese herausgefordert hat.
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Stenopistha Strand und zwei neue Gattungsnamen in Chaleididae. 209
Coxen Il ausgenommen der Spitze, sowie die Femoren I mit
Ausnahme beider Enden schwarz, die übrigen Femoren sowıe das Ende
der Tıbien gebräunt! Abdomen rötlich hellbraun bis bräunlichgelb,
in der Basalhälfte oben und an den Seiten schwarz mit blauem Glanz,
der Griffel oben sowie an der Spitze geschwärzt. — Flügel subhyalin,
in der (größeren) Endhälfte angeraucht mit den gewöhnlichen hellen
Zeichnungen: die postmediale Querbinde ist etwa gleichbreit, jedoch
innen mitten und am Vorderrande leicht erweitert, sowie schwach
wurzelwärts konvex gekrümmt, die länglich-dreieckige Binde an der
Marginalader ist an beiden Enden abgerundet, erreicht bloß die Basis
des Radius und erstreckt sich am proximalen Ende hinter die Mitte
des Flügels; der Radius ist dunkler als das Saumfeld. Die dunkle
Querbinde am Ende der Marginalader ist in der Vorderhälfte scharf
markirt, erreicht aber den Hinterrand bei weitem nicht.
Kopf breiter als Thorax. Prothorax stark verschmälert. Scheitel
mitten von vorn und hinten zusammengedrückt. Gesicht mit tiefer
Mittellängseinsenkung und kräftiger Längsstrichelung. Die Ozellen
unter sich um kaum ihren Durchmesser entfernt. Pronotum vorn
quergestrichelt, hinten gerunzelt; Mesonotum gerunzelt, auch am Hinter-
rande nicht regelmäßig gestrichelt. Scutellum und Dorsulum kräftig
und regelmäßig längsgestrichelt. Metanotum an der Basis mit einer
Querreihe tiefer Grübchen, mit einem feinen undeutlichen Mittel-
längskiel, der einen kleinen Mittelhöcker zeigt, und jederseits dieses
ist eine kleine, ziemlich glatte Partie; sonst ist Metanotum grob ge-
runzelt. Abdomen nimmt sowohl in Dorsal- als Seitenansicht von kurz
hinter der Basis bis zur Spitze ganz allmählich .an Dicke ab; der Bohrer
nicht frei vorstehend. — Fühler lang und dünn, im letzten Drittel
oder Viertel jedoch stark kolbenförmig verdickt. Totallänge 5,5,
Flügellänge 3,8 mm.
Die hier beschriebenen Arten lassen sich folgenderweise unter-
scheiden:
A. Mesonotum, Sceutellum und Dorsulum rot: annulicornua Strd.
B. Mesonotum, Scutellum und Dorsulum nicht rot.
o. Vorderflügel ohne Querbinden: magnifica Strd.
oo. Vorderflügel mit Querbinden.
«) Hinterleib rot, nur die Spitze und bisweilen ein schattenartiger
Wisch auf dem Rücken schwarz.
1. Die helle postmediale Querbinde der Vorderflügel mitten
unterbrochen: sobrina Strd.
2. Nicht unterbrochen: viridiceps Strd.
8) Hinterleib jedenfalls in der Basalhälfte nicht rot.
l. Die helle postmediale Querbinde der Vorderflügel tritt als
ein rhombischer, weder Vorder- noch Hinterrand ganz
erreichender Fleck auf: rhomboidea Strd.
2. Genannte Binde anders geformt.
T) Die Zeichnungen der Vorderflügel sehr undeutlich, eine
dunkle antemediale Querbinde ist nicht oder kaum e:-
Archiv für Naturgeschichte
1911. 1. 1. 14
210 Embrik Strand.
kennbar und Radius liegt im hellen Vorderrandsfeld ganz
eingeschlossen: striaticeps Strd.
fr) Zeichnungen der Vorderflügel anders.
*) Saumfeld der Vorderflügel hell mit einer schwärzlichen,
außen mitten eingeschnittenen, innen dementsprechend
zahnförmig erweiterten Querbinde: ornata Strd.
**) Saumfeld dunkel, höchstens an der Spitze undeutlich
heller ohne dadurch eine Zeichnung zu bilden.
o) Die postmediale helle Querbinde ist mitten unterbrochen.
1. Prothorax rot: setifrons Strd.
2. Prothorax schwarz.
I. Das dunkle Medialfeld der Vorderflügel berührt die
ganze Hinterseite des Radius, die helle postmediale
Binde ist vorn nur angedeutet: caudatula Strd.
II. Das dunkle Medialfeld berührt höchstens die Spitze
des Radius, die postmediale Binde ist vorn ebenso
deutlich wie in der Mitte
a’) Bohrer frei vorstehend: Pygata Stıd.
a“) Bohrer nicht vorstehend: pulchella Strd.
00) Die postmediale helle Querbinde ist nicht unterbrochen.
l. Abdomen zum großen Teil rötlich oder braungelb:
flagellata Strd.
2. Höchstens der Griffel oder Bauchkiel rötlich oder
bräunlichgelb.
I. Bohrer frei vorstehend und so lang wie Thorax und
Abdomen: terebrans Strd.
Il. Bohrer nicht frei vorstehend.
a‘) Prothorax rot, die helle postmediale Querbinde der
Vorderflügel mitten verschmälert: vittipennis Strd.
a“) Pıothorax schwarz oder rötlichbraun, die Quer-
binde mitten nicht verschmälert.
7) Prothorax schwarz, Abdomen in der Basalhälfte
prächtig blauglänzend: conjuncta Strd.
ff) Prothorax rötlichbraun, Abdomen anders gefärbt:
rectivitta Strd.
* *
x
Ashmead hat 1904 in Mem. Carnegie Mus. I. p. 233—4, 394
eine Chaleididengattung Zisenia aufgestellt. die auch noch in
Schmiedeknechts Bearbeitung der Chalcididae in Wyts-
mans Genera Insectorum (1909) figuriert, trotzdem der Name Zisenta
seit 1877 in Vermes vergeben ist; für Ashmeads Gattung schlage ich
hiermit den neuen Namen Allopade m. vor.
Für die von Kieffer unter dem Namen Anthrocephalus (?)
rufipes beschriebene Art (in: Berliner Ent. Zeitschr. 49. p.253 [1905])
muß, wie schon von Schmiedeknechtl. c. hervorgehoben, eine
neue Gattung aufgestellt werden. Ich schlage den Namen Dilla m. vor.
VIE - Pilsen. Vi
Die Feststellung von Eutwicklungsgebieten
und Verbreitungszentren,
Von
Dr. Th. Arldt, Radeberg.
Es wird jetzt allgemein anerkannt, daß wir die gegenwärtige Ver-
breitung der Tier- und Pflanzenwelt nur dann richtig verstehen können,
wenn ihre Geschichte in den vergangenen Perioden der Erdgeschichte
aufgeklärt wird. Wenn dies auch nie bis in alle Einzelheiten möglich
sein wird, so müssen wir doch darnach streben, für die einzelnen Formen-
gruppen Verbreitungszentrtum und Wanderungslinien wenigstens in
großen Zügen festzulegen. Am einfachsten lägen nun zweifellos die
Verhältnisse, wenn wir nur mit einem einzigen, wenn auch noch so
großen Verbreitungszentrum und einigen wenigen feststehenden
Wanderwegen zu tun hätten. Der in jeder Beziehung größtangelegte
und scharf durchdachte Versuch, eine solche einheitliche Erklärung
für die Ausbreitung der Lebewesen zu geben und ihre Tatsachen kausal
zu begründen, ist die Simrothsche Pendulationstheorie, die wir in
diesem Archive bereits eingehend behandelt haben!). Wir müssen
heute noch einmal auf sie zurückkommen, da Simroth hier eine
Erwiderung veröffentlicht hat?), die einige Berichtigungen, sowie
Ergänzungen der früheren Ausführungen nötig macht.
Es ist mir nicht unbekannt, daß die Pendulationstheorie von
Vertretern der Naturwissenschaften, besonders von Biologen als
Arbeitshypothese benützt wird. Dies ist auch ganz natürlich, ist doch
gerade die biologische Beweisführung Simroths bestechend, wie ich
schon früher ausgeführt habe. Die schwache Seite der Hypothese
liegt auch gar nicht hier, sie liegt auf der physikalisch-geologischen
Seite, und die Schwierigkeiten sind nach meiner Ansicht, mit der ich
mich in erfreulicher Übereinstimmung mit maßgebenden Fachmännern
befinde, so groß, daß sie unüberwindlich erscheinen. Hier ist nicht
der Ort, auf diese Schwierigkeiten näher einzugehen, ich habe sie
a. a. O. bereits eingehend entwickelt?). Nur auf einiges werden wir
unten Gelegenheit haben, zurückzukommen. Was ich dort angeführt
habe, sind die Hauptgründe, die mich zur Verwerfung der Pendulations-
hypothese gezwungen haben, und diese Gründe hat Simroth noch in
keiner Weise zu entkräften vermocht. Was ich hier ausführen konnte,
; ı) Th. Arldt. Die Simrothsche Pendulationstheorie. Archiv für Natur-
geschichte 1909, I, p. 189—302.
®)H.Simroth. Die Verbreitung der Chitoniden im Lichte der Pendulations-
theorie nebst verwandten Bemerkungen. Archiv für Naturgeschichte 1910 I,
p. 1—24.
®) Th. Arldt. Die Simrothsche Pendulationstheorie. Beiträge zur Geo-
physik X, 1909, p. 202—264.
14%
212 Dr. Th. Arldt: Die Feststellung
waren demgegenüber nur Kleinigkeiten. Denn daß sich Simroth auf
biologischem Gebiete keine groben Fehler würde zu schulden kommen
lassen, war ja von vornherein zu erwarten. Das habe ich auch schon
in raeiner ersten Kritik ausgesprochen, in der ich natürlich dem Zwecke
meiner Arbeit entsprechend hauptsächlich meine Einwände hervor-
heben mußte; die Würdigung dessen, was Simroth Positives geleistet
hat, mußte demgegenüber zurücktreten, ohne daß mich deshalb irgend
eine Animosität oder das Bestreben leitete, die Theorie durch recht
viele Ausstellungen zu diskreditieren. Mir kam es darauf an zu zeigen,
daß die von Simroth vom Schwingungskreise hergeleiteten Ver-
breitungstatsachen sich auch anders erklären lassen, meinem Empfinden
nach oft auch einfacher, und daß man deshalb in diesen Tatsachen
keinen ‚Beweis‘ der Theorie sehen kann. Gewiß ist eine solche Ver-
breitung, wie sie Simroth annimmt, möglich, das habe ich nie bestritten.
Etwas anderes ist es aber, ob sie wahrscheinlich oder gar wahr ist.
Dazu bedarf es anderer und schärferer Beweise als sie Simroth bei-
bringt oder beibringen kann. Selbstverständlich gilt das gleiche auch
von jeder anderen Verbreitungshypothese, auch von denen, die ich
selbst aufgestellt habe; solche Hypothesen lassen sich überhaupt
nicht streng beweisen, sie lassen sich nur mehr oder weniger wahr-
scheinlich machen. Übrigens ist mir ja Simroth in seimer Antwort
ganz beträchtlich entgegengekommen, indem er jetzt nicht mehr alles
vom europäischen Quadranten heileitet, wie er das früher tat; ich
kann wenigstens seine Ausführungen in seinem Hauptwerke über die
Pendulation nicht anders verstehen. Jetzt läßt er wenigstens alle unter
dem Schwingungskreise gelegenen Gebiete als möglich gelten, und
damit fallen viele meiner biogeographischen Einwände weg. Abgesehen
von der Ursache, die ich eben nicht in der Pendulation sehen kann,
stimmen wir dann bei einer sehr großen Anzahl von Verbreitungs-
typen überein, nämlich bei allen die ich nach ihrer Verbreitung als
antarktische, südpazifische, nordpazifische, europäische oder äthiopische
bezeichne, ja auch bei den nordatlantischen und südatlantischen
stehen sich unsere Annahmen nicht allzufern, und nur bei nearktischen,
neotropischen, asiatischen, indischen und australischen Formen ergeben
sich beträchtliche Abweichungen. In recht vielen Fällen ist also eine
Einigung unserer anscheinend so verschiedenen Auffassungen nicht
ausgeschlossen.
Unsere Schlüsse über Verbreitungszentren müssen wir in erster
Linie auf die lebenden und fossilen Organismen gründen. Es gibt
nun zahlreiche Gruppen größeren und kleineren Umfangs, bis hinauf
zu den Ordnungen, die eine ganz beschränkte Verbreitung besitzen,
die ausschließlich in einer einzigen Region sich finden. Wenn eine
solche z. B. lebend und fossil auf Australien beschränkt ist wie die
Monotremen, oder auf Südamerika wie die Paucitubereulaten, die
Ameisenbären und Faultiere, da ist ohne Zweifel die nächstliegende
Annahme, daß die betreffende Gruppe hier autochthon ist. Wir
müssen also auch als wahrscheinlich bezeichnen, daß jede Region oder
mit anderen Worten, jedes gegenwärtig oder früher isolierte Gebiet,
von Entwicklungsgebieten und Verbreitungszentren. 213
auch ein selbständiges Entwicklungszentrum darstellt. Das muß
doch eigentlich jedem als selbstverständlich erscheinen, der auf dem
Standpunkte der Entwicklungslehre steht, mag er nun Darwinist im
engeren Sinne, oder Lamarckist sein. Nehmen wir an, eine Tiergruppe
habe, irgendwoher kommend, z. B. von Europa über beide Amerika
sich ausgebreitet, und beide Kontinente werden darauf auf lange Zeiten
von einander getrennt, wie das im Laufe der Errdgeschichte ja sehr oft
vorgekommen ist. Die fragliche Tiergruppe ist dann in zwei Ab-
teilungen zerlegt. Die eine lebt im Norden im gemäßigten Klıma,
womöglich noch im Kontakt mit den Formen des Stammlandes, die
andere im Süden in einem tropischen Wald- und Savannenlande,
also beide in ganz verschiedener Umwelt. Wenn diese nicht überhaupt
ganz ohne Einwirkung bleibt, muß sie hier zu einer Spaltung in ver-
schiedene Entwicklungszweige führen, die bei späterer Verbindung
sich wieder ausbreiten können. Wir müssen also für den südlichen
Zweig doch wohl Südamerika als Verbreitungszentrum gelten lassen.
Wir stehen also auf dem Standpunkte, daß von vornherein zu
erwarten ist, daß jeder der rezenten und der alten Kontinente ein
selbständiges Entwicklungszentium war. Dies ist die natürlichste
Annahme, die deshalb freilich noch nicht richtig sein muß; aber
immerhin können wir verlangen, daß für eine Theorie, die diese An-
nahme leugnet, strengere Beweise beigebracht werden, als solche, die
nur Möglichkeiten vorführen. Simroth findet es merkwürdig, daß
ich für alle Organismen europäischen Ursprung gelten lasse, für die
er bewiesen ist, für die übrigen nicht, ganz gleichgiltig, ob ein anderer
festgestellt ist oder nicht. Dies ist einmal nicht in vollem Umfange
richtig; ich habe auch einzelne Gruppen von Europa abzuleiten gesucht,
die hier nicht fossil belegt sind. Im ganzen freilich, glaube ich, kann
Europa als Entwieklungszentrum für Landtiere keine hervorragende
Rolle gespielt haben, da es in den meisten geologischen Perioden einen
Archipel von Inseln vorstellte, wenigstens soweit paläontologisch
ergiebige Gebiete in Frage kommen. Dagegen habe ich immer den
europäischen Gewässern eine wichtige Rolle in der Heranbildung
der Lebewesen des Meeres zugeschrieben.
Doch wenden wir uns nunmehr den Kriterien der Heimatsgebiete
von Organismengruppen zu. Da kommen hauptsächlich zwei in Frage.
Unsere Schlüsse gründen sich in erster Linie auf die fossilen Formen
und dann auf die gegenwärtige Verbreitung der Organismen. Beiden
stehen aber große Schwierigkeiten entgegen. Was zunächst die
fossilen Formen anlangt, so ist deren Erhaltung bekanntlich
eine außerordentlich lückenhafte. Zunächst wissen wir absolut nichts
von allen Tieren, die nur einen weichen Körper haben, und das sind
nicht wenig Gruppen. Von denen aber, die erhaltungsfähige Hartteile
besaßen, ist naturgemäß auch nur ein geringer Prozentsatz er-
halten geblieben. Fassen wir z. B. die Landtiere ins Auge, mit denen
sich ja die Biogeographen in erster Linie befassen, so werden von
ihnen nur solche zur Fossilisation gelangen können, die auf irgend
eine Weise verunglückten, die bei einer Überschwemmung fortgespült
214 Dr. Th. Arldt: Die Feststellung
wurden, in einem Moore oder Sumpfe versanken, bei einem Bergrutsche
verschüttet wurden usw. Alle anderen wurden mit samt ihren Hart-
teilen nach ihrem Tode eine Beute der höheren oder niederen Lebewelt
oder auch der Verwitterung. Es ist hiernach erklärlich, daß von Baum
tieren, wie z. B. den Affen oder den Faultieren fossile Reste relativ
sehr selten sind, es erklärt sich auch, daß die Reste größerer Tiere
öfter erhalten sind als die der Mikrofauna, kommt doch zu den oben-
erwähnten noch hinzu, daß die zarten Knochen kleinerer Tiere wie
der Vögel schwerer dem völligen Zerfalle entgehen können. Und sind
wirklich mehr oder weniger zahlreiche Reste eines Tier in einer Schicht
eingebettet worden und bis zur Gegenwart erhalten, dann müssen
diese Schichten auch noch gerade aufgeschlossen werden. Wir sehen,
wieviele Zufälligkeiten dabei in Frage kommen. Infolgedessen können
wir ja auch aus dem Fehlen einer Gruppe in der fossilen Fauna in den
meisten Fällen nicht seht weittragende Schlüsse ziehen. Nur zu oft
bringen uns neue Funde die überraschende Kunde vom fossilen Vor-
kommen von Tiergruppen in Gegenden, in denen man sie bisher nicht
erwarten konnte. Als Beispiele aus der neuesten Zeit seien erwähnt das
Auffinden einer echten Antilope Neotragocerus im Pliozän Nebraskast),
das einer echten Springmaus Dipordes im Jungtertiär Nevadas?),
eines Pfaus im Quartär Kaliforniens?), alles die ersten nordameri-
kanischen Reste aus Familien bezw. Unterfamilien, die bisher ganz
ausschließlich aus der alten Welt bekannt waren. Weniger un-
erwartet, aber doch auch als erste Vertreter ihrer Gruppe wurden
einige Affengattungen, darunter ein Menschenaffe Propliopithecus in
den Oligozänschichten Ägyptens nachgewiesen). Ebenso hat Süd-
amerika manchen überraschenden Fund gebracht, der geeignet ist,
unsere bisherigen Anschauungen zu revidieren.
Damit kommen wir zu einem zweiten Umstande, der bei der
Bewertung des fossilen Materials beachtet werden muß, das ist
die ungleichförmige paläontologische Durchforschung des Erdballs.
Simroth ist nicht der erste, der Tierformen um deswillen von Europa
herleiten möchte, weil sie hier fossile Reste hinterlassen haben. Gewiß
sind diese Reste äußerst interessant, insofern sie beweisen, daß die
betreffende Gruppe früher in einem Gebiete lebte, in dem sie jetzt
fehlt, was auch oft Rückschlüsse auf klimatische Änderungen gestattet.
Aber ganz entschieden kann das nun und nimmer beweisen, daß die
1)W.A.Matthewu.H.J. Cook. A Pliocene Fauna from Western Ne-
braska. Bulletin of the American Museum of Natural History Bd. 26 1909, p. 413.
®)L. Kellogg. Rodent Fauna of the Lake Tertiary beds at Virgin Valley
and Thousand Creek, Nevada. University of California Publications, Bulletin
of the Department of Geology, vol. 5, 1910, p. 481.
®) L.H. Miller. Pavo californicus, a fossil Peacock from the Quaternary
Asphalt Beds of Rancho la Brea. University of California Publications.
Bulletin of the Departement of Geology, vol. 5, 1910, p. 285—289.
#4) M.Schlosser. Über einige fossile Säugetiere aus dem Oligozän von
Ägypten. Zoologischer Anzeiger Bd. 35, 1910, p. 508.
N EN
von Entwicklungsgebieten und Verbreitungszentren. 215
betreffende Gruppe in Europa ihren Ausgang nahm. Als Beispiel
seien die Miozänschichten Europas erwähnt, in denen eine große Anzahl
Formen von afrikanischem Typus ganz unvermittelt auftreten. Gewiß
können ihre Vorfahren in Europa gelebt haben, ohne daß wir bisher
Reste von ihnen gefunden haben, merkwürdig bleibt aber doch, daß
sie gerade in diesen gleichen Schichten von Sansans, Allier usw. zum
ersten Male auftreten. An erster Stelle seien die Elefanten erwähnt,
dann die Menschenaffen und Hundsaffen, die Stachelschweine, von
Vögeln besonders die Kurole (Leptosomiden), lebend nur auf Mada-
gaskar, die Pisangfresser (Musophagiden), Nageschnäbler (Trogoniden),
die Graupapageien (Psittaciden), die Kranichgeier (Serpentarliden)
alles afrikanische Typen, denen sich mit südlichen Beziehungen und
erstem Auftreten im Miozän des Nordens die Rallen, Nachtschwalben,
Kuckucke, Flughühner, Laufhühner, Tauben, Trappen u. a. an-
schließen. Nun läßt auch die Untersuchung der afrikanisch-mada-
gassischen Tierwelt es als ziemlich sicher erscheinen, daß vor dem
Miozän nordische Formen nach dem Süden gelangt sind, wie das
Lydekker gezeigt hat. Es muß also damals eine Landverbindung
zwischen Europa und Afrika wenigstens zeitweise bestanden haben.
Dann ist aber doch auch ohne weiteres anzunehmen, daß auch südliche
Formen nach Europa gelangen konnten, zumal dieses damals mindestens
subtıopisches Klima besaß. Es widerspräche ganz unseren bisher
gewonnenen Ansichten über die allseitige Ausbreitungstendenz der
Lebensformen, wenn nicht wenigstens einıge äthiopischen Tiere diese
Gelegenheit benützt haben sollten. Warum sollen das dann aber nicht
die eben erwähnten fossilen Formen sein, die zu einem großen Teile
die einzigen Reste sind, die die betreffenden Familien in Europa hinter-
lassen haben. Diese Überlegungen rechtfertigen also unsere Annahme
von einem nur zeitweiligen Vorstoße der südlichen Fauna mindestens in
gleichem Maße wie die Simrothsche einer nordischen Heimat.
Immerhin ist es natürlich zunächst nur Glaubenssache, ob wir der
einen oder anderen Annahme uns zuwenden wollen. Bei einigen der
erwähnten Formen sind wir aber glücklicherweise noch besser daran,
wir können für ihren südlichen Ursprung noch weitere Beweise bei-
bıingen, nämlich bei den Elefanten und bei den Schmalnasenaffen,
indem deren älteste und, was noch wichtiger ist, deren primitivste
Formen im ägyptischen Alttertiär gefunden worden sind.
Was nun die geographische Verbreitung der palä-
ontologischen Funde anlangt, so kennen wir von Landtieren, z. B.
von Säugetieren reichliche fossile Reste nur aus dem westlichen und
südlichen Europa, aus dem Gebiete der Vereinigten Staaten und aus
den Schichten Argentiniens und Patagoniens. In allen anderen
Gegenden, also in ganz Afrika, Asien, Australien, in der Antarktis,
im tropischen Südamerika, in Mittelamerika, im nördlichen Nord-
amerika, in Nord- und Osteuropa sind unsere Kenntnisse noch äußerst
späiliche. Daraus ergeben sich wichtige Schlüsse über die Bewertung
palaeontologischer Funde: Positive Tatsachen sind natürlich stets
wichtig, das Fehlen einer Form kann bei den wenig durchforschten
216 Dr. Th. Arldt: Die Feststellung
Gebieten nie als Beweis herangezogen werden. Wenn wir auch aus
Afrika bisher noch keine fossilen Erdferkel und Schuppentiere, keine
Kammratten und Stachelschweine kennen, dürfen wir trotzdem diese
Formen als in Afrika alteinheimisch ansehen. Bedeutend mehr Gewicht
kommt dagegen dem Fehlen von fossilen Formen in Europa oder auch
in Nordamerika zu, besonders wenn es sich um große Tiere handelt.
Schon ehe das Palaeomastodon von Fayum gefunden war, durfte man
mit vollem Rechte den Schluß ziehen, daß die Dinotherien und Masto-
donten nicht in Europa sich entwickelt haben konnten. In den reichen
fossilen Fundstätten des Oligozän, die teilweise eine reichere Fauna
bergen, als sie heute in Europa lebt, hätte man Reste der Vorfahren
von so großen Tieren finden müssen, wenn sie hier gelebt hätten. Diese
Tatsache führte schon früher zu dem Schlusse, daß die Elefanten vom
Süden stammten, und dieser Schluß hat sich ja auch bewahrheitet.
Wir müssen nun hier auf eine Frage eingehen, die für die Geologen
eigentlich keine Frage ist, über die aber Simroth eine abweichende
Ansicht vertritt, das ist das Alter der geologischen Schichten. Wie
die Geologen alle sehe auch ich die einzelnen Formationen als im
wesentlichen synchron an, natürlich nicht im streng mathematischen
Sinne, aber doch so, daß etwa die Malmschichten Neuseelands in den
gleichen Jahrtausenden und Jahrhunderttausenden zur Ablagerung
kamen wie die europäischen. Sımroth nımmt dagegen an, daß die
Formationen sich gewissermaßen wellenartig von uns aus ausgebreitet
hätten. Selbstverständlich müssen wir bei derart verschiedenen Grund-
lagen zu grundverschiedenen Folgerungen gelangen. Da Simroth seine
Ansicht recht verführerisch darzustellen versteht, so möchten wir bei
dieser Gelegenheit den geologischen Standpunkt verteidigen.
Simroth und seine Anhänger stützen sich besonders darauf,
daß es in der Gegenwart keine „Leitfossilien‘‘, keine universal ver-
breiteten Formen gebe. Er behauptet, Australien stecke noch im
frühesten Tertiär, ähnlich Südamerika, wenigstens was ihre Säugetier-
faunen anlangt. Das ist aber vollständig falsch. Die dortigen Tiere
haben sich in ihrer Art ebenso hoch entwickelt als dje nordischen.
Wenn wirklich die Formationen von uns nach Südosten und Süd-
westen wanderten, so dürfte es doch in Australien und Südamerika
übeıhaupt keine quartäien Schichten geben, da wir das Quartär doch
eben noch in Europa haben. Gerade quartäre Schichten sind aber in
beiden stark entwickelt und bergen eine ungeheuer reiche Fauna,
besonders in den Pampasschichten Argentiniens. Das ist ein Wider-
spruch gegen die Simrothsche Annahme, der nicht so leicht zu über-
winden sein dürfte.
Auf einige weitere Widersprüche soll später noch hingewiesen
werden. Zunächst wenden wir unsern Blick auf die Leitfossilien.
Simroth nimmt seine Beispiele meist aus den Landtieren. Alle
geologischen Leitfossilien sind aber Meerestiere wie Ammoniten,
Belemniten, Muscheln, Schnecken, Brachiopoden u.s. w., und hier
liegen die Verhältnisse denn doch etwas andeıs, als es nach Simroths
Ausführungen erscheint. Einmal die gleichmäßigeren Lebensverhält-
- ee
a Sn en
von Entwicklungsgebieten und Verbreitungszentren. 217
nisse im Meere und dann ihr allseitiger Zusammenhang lassen hier nicht
so schroffe Unterschiede entstehen wie auf dem Lande, die Faunen sind
z. T. außerordentlich weit verbreitet, so z. B. die indopazifizische, auf
die ich in meiner Kritik wiederholt hingewiesen habe; deshalb verstehe
ich nicht recht, inwiefern ich die einschlägige Molluskenlitteratur
z. B. Hedley nicht kennen sollte, wie das Simroth vermutet. Ich habe
doch nicht dagegen Einwände erhoben, daß von Ostafrika bis zu den
Südseeinseln ein einziges Gebiet sich erstrecke, sondern nur dagegen,
daß Simroth dieses ganze geoße Gebiet für seinen Ostpol heranzieht
und sagt: „Ostpolstellung‘, wenn eine Form irgendwie in diesem
gewaltigen Reiche, also etwa bei Madagaskar oder bei Tahiti vorkommt.
Nun versteht man unter Leitfossilien zunächst nur Formen, die
in Europa für eine bestimmte Schicht charakteristisch sind, und die
allerdings z. T., aber duıchaus nicht alle, auch in anderen Kontinenten
eine weite Verbreitung besitzen wie z. B. die rhätische Avicula contorta.
Es braucht also eine Form durchaus nicht universell verbreitet zu sein,
um als Leitfossil gelten zu können, es genügt eine weite Verbreitung
etwas in der ganzen nördlichen od. südlichen, östlichen od. westlichen
Hemisphäre. Da jede Formation nicht bloß ein, sondern mehrere
Leitfossilien zu haben pflegt, so können diese in ihrer verschied. Ver-
breitung sich gegenseitig ergänzen, sodaß in den meisten Fällen eine
Einordnung fremder Schichten in das europäische System sich
ermöglichen läßt, aber nicht immer. Die Streitigkeiten über das geo-
logische Alter gewisser paläozoischer und mesozoischer Schichten in
Südafrika, Indien und Australien wären ja ganz unmöglich, wenn die
Leitfossilien wirklich so universell verbreitet gewesen wären, wie
Simroth das anzunehmen scheint. Wie steht es nun in der Gegenwart?
Die Landlebewelt ist in den einzelnen Kontinenten recht ver-
schieden, das war aber auch früher stets so, soweit wir genauere Kunde
besitzen; das ist auch die Ansicht der Geologen. Im Meere aber herrscht
auch gegenwärtig keine so große Buntheit, wie es nach Simroth scheinen
könnte. Hier gibt es auch in der Gegenwart Kosmopoliten
und zwar gar nicht so wenig, wie die folgende Zusammenstellung
beweisen mag, die auf einer flüchtigen Duichsicht über Verbreitungs-
angaben beruht und durchaus nicht erschöpfend ist. In ihr sind auch
einige Landorganismen mit eingeschlossen, um zu zeigen, daß auch
hier weite Verbreitung vorkommt. Eine etwa mögliche Spaltung
einiger dieser Arten in Varietäten spielt keine Rolle, da diese syste-
matischen Feinheiten bei dem geologischen Material im allgemeinen
nicht in Frage kommen können, das wir vielmehr nur mit vollen Arten
vergleichen können.
Ganz oder fast kosmopolitisch sind von den Säugetieren nach
Trouessart der Pottwal (Physeter macrocephalus), die verwandte
Kogia brevipes, der Schnabelwal (Ziphius cavirostris), der Schwertwal
(Orca orca), Pseudorca crassidens, der Delphin (Delphinus delphis).
Unter den Vögeln besitzen außerordentlich weite Verbreitung der
Wasserläufer (Totanus littoreus), der Strandläufer (Tringa canutus),
der Kibitzregenpfeifer (Squatarola squatarola), der Steinwälzer (Strepsilas
218 Dr. Th. Arldt: Die Feststellung
interpres), die Lachseeschwalbe (Gelochelidon anglıca, fehlt in Südafrika
und dem pazifischen Südamerika), die Sturmschwalbe (T’halassidroma
pelagica), der Sturmsegler (Th. leucorrhoa), der Sturmtaucher (Puffinus
griseus), der Sichlar (Falcinellus igneus). Fast alle sind See- oder Strand-
vögel. Unter den Fischen sei als weit verbreitet der Rauhhai (Rhinodon
typicus) genannt, unter den Schmette:lingen der Distelfalter (Pyrameis
cardui). Von den Spinnen sind kosmopolitisch T’heridium tepidariorum,
Th. rufipes, Tegenaria derhami (fehlt auf Madagaskar), von den Krebsen
nach Ortmann sehr weit verbreitet die Krabben Perenon planissimum,
Pachygrapsus transversus, Geograpsus lividus, Planes minutus, Plagusia
depressa, Grapsus grapsus, der Schizopode T’hysanopoda trieuspidata.
Von Mollusken seien erwähnt die Porzellanschnecke C'ypraea caput
serpentinis, die Flügelschnecke Strombus floridus und Terebellum
subulatum und die Muschel Arca plicata.
Von Blütenpflanzen wird weite Verbreitung unter anderen von
folgenden Arten angegeben, von denen allerdings ein paar vielleicht
dem Menschen ihre Verbreitung verdanken mögen. Wir erwähnen
die Strandwinde (Convolwulus soldanella), die Wolfsmilch Zuphorbia
helioscopius, die Sumpfkresse (Nasturtium palustris), die Schuppen-
miere (Spergularıa rubra), das Salzkraut (Salsola kalı), die Melde
(Atriplex patula und Suaeda maritima,) die Hainsimse (Zuzula cam-
pestris), die Simsen Juncus agglomeratus, J. glaucus, J. effusus,
J. bufonius, die Teichbinse (Heliocharis palustris), das Sumpfgras
Oladium mariscus), die Binsen Scirpus maritimus, 8. lacustris, die
Cypergräser Cyperus laevigatus, (©. rotundus, den Hirse Panicum
capillare, den Hundshirse Cynodon dactylon, das Seegras (Zostera
marına), die Laichkräuter Potamogeton fluitans, P. natans, P. poly-
gonifolius, P. pectinatus, P. obtusifolius, die Nixenkräuter Najas
major, Zannichellia palustris, Ruppia maritima, die Kolbenrohre
Typha latifolia, T. angustifolia; weiter von den Farnen das Frauenhaar
(Adiantum capillus veneris), den Adlerfarn (Pteris aquilina), Pt. cretica,
den Streifenfarn Asplenium niger, den Schildfarn Aspidium hirsutum,
den Wurmfarn (A. filix mas), A. aculeatum. Dazu kommen noch
zahlreiche zirkumtropische Arten von Aspidium, Asplenium, Pteris,
Lomaria, Polypodium, Davallia, Nephrodium, Nephrolepis und
Schizaea. Diese Zusammenstellung dürfte für den Nachweis genügen,
daß an weit verbreiteten Formen auch in der Gegenwart kein Mangel
ist, daß die Gegenwart recht wohl auch für die Zukunft Leitfossilien
hinterlassen kann.
Anders wird es auch in der Vorzeit nicht gewesen sein. Es gab weit-
verbreitete Formen, die eben als Leitfossilien dienen können, es hatte
aber auch jedes Gebiet seine Lokalfauna. Je weiter unsere geologischen
Kenntnisse vertieft werden, umso deutlicher können wir das erkennen.
Solche marine Gebiete hat für die Kreidezeit Koken, für den Jura
Neumayr nachgewiesen. Erst im letzten Jahre hat Uhlig diese letzte
Gliederung weiter entwickelt, und zwar können wir jetzt deutlich
erkennen, wie sich die Lokalfaunen an die Ausdehnung der damaligen
von Entwicklungsgebieten und Verbreitungszentren. 219
Meere anschlossent). Ähnliches gilt in der Trias, in den paläozoischen
Schichten, selbst im Kambrium. Es sind also die marinen Schichten
auch in diesen älteren Formationen in den verschiedenen Gegenden
der Erde durchaus nicht gleich, zeigen vielmehr ähnliche Unterschiede
wie gegenwärtig. Was soll uns da hindern, diese Schichten als gleich-
altrig anzusehen, wenn sie neben ihren Lokalformen die gleichen weit-
verbreiteten Formen besitzen! Die Ansicht der Geologen scheint uns
hiernach doch die natürlichste zu sein, mindestens läßt sich aus dem
gegenwärtigen Zustande nichts dagegen ins Feld führen.
Nun wäre es freilich immerhin möglich, daß auch Simroths
Deutung denkbar wäre. Mir scheint dies aber unmöglich. Da die
Leitfossilien stets Arten sind, so müßte Simroth in der lebenden Tier-
welt Arten aufzählen können, hauptsächlich aus dem australischen
und dem südamerikanischen Gebiete, die bereits in längstvergangenen
Zeiten bei uns fossil vorkämen. Dabei ist aber noch zu beachten, daß
in den letzten Perioden vom Tertiär an Leitfossilien eine immer geringer
werdende Rolle spielen aus dem einfachen Grunde, weil vom Oligozän
an immer häufiger noch lebende Arten auch fossil auftreten, sodaß
im Pliozän die marine Tierwelt schon fast ganz der heutigen gleich ist.
Und zwar ist dabei noch ein Umstand hervorzuheben. Wenn auch
teilweise fremde Faunenelemente beigemischt sind, in der Haupt-
sache finden wir doch im europäischen Tertiär noch jetzt in Europa
lebende Tiere, in Südamerika südamerikanische usw. Hätte Simroth
recht, so müßten wir doch erwarten, daß etwa im Oligozän australische
und neotropische, im Miozän indische und westindische Formen vor-
geherrscht hätten. Gewiß kommen bei uns im Tertiär jetzt südameri-
kanische, indische u. a. Typen vor, aber das beweist noch nicht, daß
die ganzen Faunen sich verschoben haben, denn je weiter unsere
Kenntnisse fortschreiten, umsomehr erkennen wir, daß wir auf ähnliche
Verhältnisse auch in anderen Kontinenten stoßen. Auch in Nordamerika
lebten Formen, die, jetzt nur noch in der alten Welt vorkommen, wie
die oben erwähnten Antilopen und Springmäuse, in Australien glaubt
v. Ettinghausen europäische Pflanzen im Tertiär nachweisen zu können,
die jetzt dort fehlen, auch in Südamerika sind Reste mit ähnlichen
Beziehungen entdeckt worden. Europa nimmt also durchaus keine
Ausnahmestellung ein, wie das früher so scheinen konnte.
Gegen die Simrothsche Annahme lassen sich aber auch zahlreiche
Widersprüche ins Feld führen, zu denen man bei ihr kommt und auf
die ich schon in den Beiträgen zur Geophysik hingewiesen habe. Hier
sei nur auf ein Beispiel hingewiesen, auf die Eiszeiten. Nach der
Simrothschen Deutung ist das australische Quartär jünger als das
europäische. Wo soll es da aber Platz finden? Und wie sollen wir die
australische Eiszeit unterbringen, die nach Ansicht der Geologen der
europäischen gleichaltrig ist, die dies auch nach der Pendulation sein
KU hli g. The Fauna of the Spiti Shales. Palaeontologia Indica s. 15 v. 4.
— Über die Fauna der Spitaschiefer im Himalaya. Sitzungsanzeiger d. K. Akad.
d. Wissenschaften Wien 1910, p. 288—295.
220 Dr. Th. Arldt: Die Feststellung
müßte, nach Simroths Anschauung über die Formation aber später
gekommen sein muß. Ebenso war es im Perm. Noch schwieriger liegen
die Verhältnisse, wenn wir Südafrika ins Auge fassen. Hier sind Eiszeit-
spuren auch im Perm und im Quartär nachgewiesen worden. In den
Zeiten, in die diese Perioden, in Europa fallen, war dieses nach der
Simrothschen Lehre polwärts verschoben, Südafrika aber äquatorwärts.
Damals kann also Südafrika keine Eiszeit gehabt haben. Vorher war
dies nach Simroths Anschauung nicht möglich, weil das südafrikanische
Perm jünger als das europäische sein muß, jedenfalls nicht älter sein
kann. Folglich kann Sımroth die ‚permische“ Eiszeit Südafrikas
nur mit der oberen Kreide Europas synchron betrachten, in der Afrika
dem Pol am nächsten lag. Wo soll denn dann aber die quartäre Eiszeit
des Kaplandes untergebracht werden? In der Vergangenheit ist kein
Platz für sie, denn seit der eben angegebenen Zeit lag nach der Theorie
Südafrika nie wieder näher am Pole als gegenwärtig. Ehe Simroth
immer neue biogeographische und biologische Tatsachen auf die
Pendulation zurückzuführen sucht, sollte er erst einmal einen Ausweg
aus diesem Dilemma suchen, denen sich zahlreiche andere anreihen
ließen. Ebenso steht es auch mit seinen paläogeographischen An-
schauungen, die mit seinen Ansichten über die Formationen j& zusammen-
hängen. Wieder behauptet Simroth, daß die Untertauchung der Lan-
enge von Panama mit der Pendulationstheorie in Einklang stehe. Und
dabei habe ich (Beitr. z. Geophysik 1909, X, 8. 254) gerade in diesem
Falle besonders eingehend und mathematisch streng bewiesen, daß
die Pendulation um die Simrothsche Schwingungsachse nicht hin-
reicht, die Landenge unter den Meeresspiegel zu senken, selbst wenn
wir die unbewiesene und unwahrscheinliche Annahme machen, daß
bei der Pendulation die Lithosphäre sich in keiner Weise deformierte.
Auch hier möchte zunächst Simroth einmal diese gewichtigsten Ein-
wände widerlegen, denen ich bedeutend größere Bedeutung beilegen
muß als allen biogeographischen Beweisen.
Aus den eben entwickelten Gründen müssen wir an der bisherigen
Auffassung des Synchronismus der geologischen Perioden festhalten
und können uns der Simrothschen Annahme einer wellenförmigen
Ausbreitung nicht anschließen. Wollen wir also das Heimatgebiet einer
Gruppe feststellen, die fossile Reste hinterlassen hat, so. werden wir
demnach den nach geologischer Rechnung ältesten Funden große Be-
deutung beimessen müssen, ohne Rücksicht darauf, ob sie in Europa
oder anderswo gemacht wurden. Natürlich ergibt sich aus den oben
ausgeführten Bedenken, daß damit allen die Entwicklungsgebiete
noch nicht eindeutig bestimmt sind, daß wir vielmehr noch weitere
Erwägungen anstellen müssen. Wenn die ältesten Affen und Rüssel-
tiere auf afrikanischem Boden nachgewiesen. sind, so sehen wir in
Afrika ihre Urheimat, weil dazu alle anderen Kriterien stimmen, die
bei solchen Feststellungen in Frage kommen. Wenn wir aber von den
Erdferkeln und Schuppentieren die ältesten Funde in Europa gemacht
haben, so kann das nicht genügen, den europäischen Ursprung der
altweltlichen Zahnarmen beweisen, weil hier eben die anderen Kriterien
von Entwicklungsgebieten und Verbreitungszentren. 221
uns zu völlig abweichenden Schlüssen führen, so die Beziehungen zu
den südamerikanischen Xenarthren, und ihr fossiles Vorkommen auf
Madagaskar.
Dies führt uns auf die zweite Gruppe von Kriterien über, die in
der Hauptsache biogeographischer Natur sind. Aber auch
hier gibt es kein allgemeines untrügliches Kriterium, auch hier bleiben
zweifelhafte und strittige Fragen übrig. Zunächst kommt in Frage die
statistische Methode, die sich auf die Häufigkeit des Vorkommens
stützt. In der Regel pflegt man die Heimat in dem Gebiete zu suchen,
das die meisten Arten aufweist, und in sehr vielen Fällen hat man
damit ohne Zweifel recht. Einige Beispiele mögen das verdeutlichen.
Von den syndactylen Diprotodontiern finden sich 119 lebende Arten
in der australischen Region, denen nur 5 im Osten der orientalischen
gegenüberstehen (4%). Hier wird wohl niemand in Zweifel sein, daß
die Heimat wenigstens der lebenden Familien, der Koalas, Kusus,
Wombats, Känguruhratten und Känguruhs in Australien zu suchen
ist. Ähnlich liegen die Verhältnisse bei den xenarthen Edentaten;
von denen 57 Arten neotropisch sind und nur 1 Art Texas erreicht (2 %)
Auch bei ihnen müssen wir die Heimat im Gebiete des größeren Formen-
reichtums suchen, und ähnlich auch bei den hystrikomorphen Nagern,
von deren neuweltlichen Arten 205 in Südamerika und nur 6 (= 3%)
in Nordamerika leben.
Andrerseits kann diese Methode auch trügen. So ist von Lydekker
darauf hingewiesen worden, daß eine Vielheit von Arten gerade in
neubesiedelten Gebieten sich entwickeln kann, wo die Tiere fremd-
artigen Bedingungen sich anpassen müssen. Im Stammlande hat
dagegen die länger wirksame Auslese viele der wenig abweichenden
Formen bereits eliminiert, sodaß nur wenige aber dafür weitverbreitete
Arten sich finden. Ein recht gutes Beispiel hierfür liefern die alt-
weltlichen Stachelschweine, von denen 7 Arten aus der äthiopischen,
2 aus der paläarktischen u. 11 aus der orientalischen Region beschrieben
sind. Es wäre falsch, hieraus auf eine indische Heimat der Stachel-
schweine zu schließen. Die orientalischen Arten sind fast alle wenig
weit verbreitet, die meisten sogar auf ganz kleine Gebiete beschränkt.
Dagegen breitet sich Hystrix africae- australis nicht bloß über Süd-
sondern auch über Ostafrika aus und ihre Abart senegalica findet sich
in Westafrika. Hier in Afrika müssen wir aber die Heimat der Stachel-
schweine sicher eher sehen als in Indien, schon wegen der engen Be-
ziehungen zu den südamerikanischen Nagetieren. Wir müssen also
bei der statistischen Methode immer ins Auge fassen, einmal ob es
sich um ein ganz bedeutendes Überwiegen der Formenzahl in einer
Region handelt, denn geringe Zahlenunterschiede können natürlich
nichts beweisen ; dann ob die wenigeren Formen eines Gebietes vielleicht
sehr weite, die zahleeicheren eines anderen nur lokale Verbreitung haben.
Dana kommt aber auch der spezifische Charakter der einzelnen Region
in Frage. Gerade Südamerika zeichnet sich ja bei fast allen in ihm
wohnenden Familien durch großen Formenreichtum aus. So treten
ja z. B. die Sigmodontinen, die sicher nordischen Ursprungs sind, in
222 Dr. Th. Arldt: Die Feststellung
Südamerika mit viel größerer Artenzahl auf als nördlich des ameri-
kanischen Mittelmeeres. Es ergibt sich also, daß die rein statistisch-
biogeographische Methode leicht zu Trugschlüssen führen kann; wohl
aber unterstützt sie wesentlich Folgerungen, die auf anderem Wege
gefunden werden.
Günstiger liegen schon die Verhältnisse, wenn man auch fossile
Formen mit in Rechnung setzen kann, dann ergibt sich z. B. für die
Kamele oder für die Tapire der nordamerikanische Ursprung ohne
weiteres. Bei Formengruppen, die keine fossilen Reste hinterlassen
haben, sind wir aber schlimmer daran und müssen nach weiteren
Kriterien suchen, die Schlüsse aus der lebenden Tierwelt gestatten.
Da kommt zunächst die Entwicklungshöhe m Frage. Auch hier stehen
sich aber die Meinungen gegenüber. Die einen möchten die Heimat
einer Gruppe dort suchen, wo die primitivsten Formen sich finden, die
anderen dagegen dort, wo die fortgeschrittensten leben. Zu den Ver-
tretern der letzteren Richtung gehört auch Simroth, und sicher haben
diese auch in sehr vielen Fällen recht, aber doch wohl kaum in allen.
Das gibt ja Simroth auch selbst indirekt zu; denn während nach seiner
Theorie die primitiven Formen in den Schwingpolgebieten leben sollen
und dort gewissenhaft registriert werden, zählt er doch ebenfalls sorg-
fältig primitive Formen vom Schwingungskreise auf, wie die Zwerg-
spitzmaus (Pachyura etrusca), während hier doch eigentlich nur fort-
geschrittene Formen leben sollen.
Daß die primitiven Formen nicht das Heimatgebiet bezeichnen
müssen, mögen ein paar Beispiele zeigen. Niemand wird die Säuge-
tiere von Australien herleiten wollen, weil hier die Monotremen leben,
oder die Primaten vom malayischen Archipel wegen des Tarsius, oder
die Lepidosaurier von Neuseeland wegen der hier vorkommenden
Brückenechse. Andererseits ist aber ohne Zweifel recht gut möglich,
daß im ursprünglichen Wohngebiete Reste der Stammform sich
unverändert erhalten, wenn hier die äußeren Einwirkungen nicht
wesentlich wechseln, sodaß wir auch nicht ohne weiteres behaupten
können, primitive Formen bewiesen, daß in ihrem Wohngebiete nicht
die Heimat der Formengruppe zu suchen sei. Auch hier muß der
spezifische Charakter eines Gebietes in Betracht gezogen werden.
Gibt es doch zahlreiche Gebiete, die wir erfahrungsgemäß als Rückzugs-
gebiete ansehen können, wie z. B. Neuseeland, Australien, Madagaskar,
in etwas geringerem Maße Süd- und Westafıika, Celebes u. s. w.
Auf der anderen Seite brauchen aber die fortgeschrittensten
Formen ebensowenig die Heimat der Gruppe zu bezeichnen. Wir
können die Elefanten nicht von Indien herleiten, weil der Zlephas
indieus unter den lebenden Rüsseltieren am spezialisiertesten ist.
Ebensowenig bezeichnet der hochspezialisierte Tiger die Heimat der
Katzenfamilie. Auch die Spezialisation gibt also kein sicheres Kenn-
zeichen ab, nach dem man das Heimatsgebiet scharf abgrenzen könnte.
Dazu bedarf es noch weiter gehender Untersuchungen. Ganz besonders
muß betont werden, daß sich die Heimat einer kleinen Gruppe für sich
allein überhaupt nicht mit einiger Sicherheit ermitteln läßt, stets
1,67, 2 ie ei er nn ah u De
von Entwicklungsgebieten und Verbreitungszentren. 223
werden da eine mehr oder weniger große Anzahl von Variationen
möglich sein, von denen eine so gut denkbar ist als die andere. Wenn
irgend wo, so ist hier eine großzügigere Behandlung notwendig. Wir
müssen jede Gruppe im Rahmen ihrer Verwandtschaft ins Auge fassen.
Dann vermindern sich aber die Möglichkeiten meist ganz_beträchtlich,
ja bei schärferer Untersuchung bleiben meist nur wenige Zweifel übrig,
wie ich bei den Oligochäten, verschiedenen Arachnidenordnungen und
Dekapodengruppen zu zeigen versucht habe. Allerdings müssen wir
uns auf Gruppen beschränken, deren Systematik und Phylogenie
gut durchgearbeitet ist und von denen wir genügendes Material aus allen
in Frage kommenden Gebieten besitzen.
Hierin liegt ja auch die Bedeutung und der große Wert der
Simrothschen Untersuchungen, daß er auch für eine großzügige Be-
handlung der biogeosjraphischen Probleme eingetreten ist. Die größte
Bedeutung kommt jedenfalls seiner „transversalen Symmetrien“ zu,
die sich ja durch die Pendulation erklären würden, ebensogut freilich
auch, wenn wir ohne diese an eine Ausbreitung von Europa, Afrika,
oder dem pazifischen oder antarktischen Gebiete denken. Auch die
„meridionale Symmetrie‘ verdient als prägnante Bezeichnung biogeo-
graphischer Tatsachen Beachtung, wenn sie auch durch die Pendulation
sich nicht erklären läßt, wenn diese nicht viel bedeutender war als
dies Simroth annimmt, wie schon in unserer ersten Kritik ausgeführt
worden ist ($. 193). Nichts anzufangen ist dagegen mit den identischen
Punkten (vgl. ebenda S. 195), so frappant die von Simroth zusammen-
gestellten Beziehungen sind. Wenigstens hat Simroth bisher noch nichts
gegen meine logischen Bedenken geäußert.
Wir sehen also aus allen diesen Schwierigkeiten, daß wir es bei der
Feststellung von Entwieklungszentren mit sehr verwickelten Problemen
zu tun haben, sodaß Meinungsverschiedenheiten e:klärlich sind. Be-
sonders anfangs handelt es sich in vielen Fällen um Glaubenssachen,
ob man deı einen oder anderen Deutung den Vorzug gibt. Dies gilt
besonders bei Gruppen ohne fossile Reste. Durch immer gründlichere
Untersuchung der engeren verwandtschaftlichen Beziehungen unter
Berücksichtigung dessen, was Paläogeographen und Paläontologen
festgestellt haben, wird sich aber doch allmählich ein Ausgleich und
eine größere Sicherheit gewinnen lassen.
Im Anschluß an diese Ausführungen sei nun auf einige Beispiele
eingegangen und zwar wenden wir natürgemäß unsere Aufmerksamkeit
zunächst den Gruppen zu, die Simroth in seiner Erwiderung heran-
gezogen hat. Am eingehendsten widmet er sich den Chitoniden. Nach
den obigen Erörterungen ist es klar, daß ich mich hier mehr auf den
Standpunkt Thieles stellte, den Simroth bekämpft. Der kürzeren
Bezeichnung wegen seien aber, ehe wir auf Einzelheiten eingehen,
die wichtigsten Kriterien für die Lage der Entwicklungszentren zu-
sammengestellt, und auf diese Gruppierung soll dann im folgenden
nur kurz verwiesen werden. Wir können als positive Kriterien für
die Heimat einer Gruppe ansehen:
224 Dr. Th. Arldt: Die Feststellung
Das Vorkommen der ältesten fossilen Form.
Das Vorkommen der primitivsten fossilen Form.
Das Vorkommen der relativ meisten fossilen Formen.
Das Vorkommen der großen Mehrzahl der Formen gegenüber
wenigen in anderen Gebieten.
Das Vorkommen weitverbreiteter Formen gegenüber lokal
beschränkter in anderen Gebieten.
Das Vorkommen primitiver lebender Formen.
Zentrale Lage des Gebietes.
Geographische Beziehungen, die sich paläogeographisch
erklären lassen.
a a De
en
Wie schon erwähnt ist keins dieser Kriterien ein absolutes, auch
kann die Zusammenstellung keine erschöpfende sein. Doch nun wenden
wir uns den Chitoniden nach ihrer neuen Systematik zu. Bei den
Lepidopleuriden könnte das Entwicklungszentrum nach Krit. 5 recht
wohl außerhalb des Großen Ozeans gelegen haben, auf den die sieben
lokalen Gattungen beschränkt sind. Immerhin liegen die Verhältnisse
hier etwas anders als bei den Hystriciden, da die weitverbreiteste
Gattung Lepidopleura auch im pazifischen Gebiete nicht fehlt, sodaß
die Entwicklung ebensogut nach Krit. 4 vom Großen Ozean aus-
gegangen sein könnte. Hier läßt sich ohne genaue Vergleichung der
Entwicklungsstufe der einzelnen Gattungen nichts sicheres feststellen.
Bei den Trachydermoninen nimmt das arktische Becken eine zentrale
Lage ein (Krit. 7), das ja auch Simroth eine wichtige Rolle spielen läßt.
Auf jeden Fall ist ihre Heimat auf der nördlichen Halbkugel zu suchen,
nach Krit. 4 und 5, finden sich hier doch 6 teilweise weiter verbreitete
Gattungen, während die 3 südlichen nur ganz lokal sich finden. Sie
wie auch die meisten nordischen scheinen auf dem pazifischen Wege nach
Süden sich ausgebreitet zu haben, worin ich ja auch mit Simroth über-
einstimme. Nur möchte ich auch bei Trachydermon am pazifische
Ausbreitung denken, von welcher kalifornischen Gattung nur eine
Art vor dem Pliozän zwischen beiden Amerika Westindien erreicht hat
(Krit. 4). Tonicella ist von allen Gattungen allein im beide großen
Ozeane gelangt, wobei sich schwer feststellen läßt ob das zentrale
arktische oder das nordatlantische Becken die Heimat dieser Gattung
ist. Möglich ist beides. Sicher atlantisch sind dagegen Craspedochilus
und Middendorfia.
Bei den Callochitoninen spricht Krit. 9 für eine südliche Heimat
(4 gegen 1 Gatt.), Krit. 7 für den Indischen Ozean, in dessen Rand-
gebiete die sämtlichen Gattungen mindestens hereinreichen, und dem
auch Krit. 5 nicht widerspricht. Die merkwürdige Beziehung von
Tachyradsia (Südafrika, Tasmanien) könnte sich durch Ausbreitung
von den nördlichen Gebieten des Indischen Ozeans her erklären, aber
es kommt auch noch eine andere Möglichkeit in Frage. Die Chitoniden
sind uralt und reichen in sicheren Resten bis zum Silur zurück. Nun
werden sich ja freilich die fossilen Arten bei ihrem oft nur mangelhaften
Erhaltungszustande nur schwer in die neue Systematik einordnen lassen,
ARCHIV
NATURGESCHICHTE,
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON
W.F. ERICHSON, F.H. TROSCHEL,
E. VON MARTENS, F, HILGENDORF,
W. WELTNER UND E STRAND.
2,2 ne
SIEBENUNDSIEBZIGSTER JAHRGANG.
1911.
I. BAND. 2. Heft.
HERAUSGEGEBEN
VON
EMBRIK STRAND,
KÖNIGL. ZOOLOG. MUSEUM ZU BERLIN.
NICOLAISCHE
VERLAGS-BUCHHANDLUNG R.STRICKER
Berlin.
Inhaltsverzeichnis.
Erwin Schmidt. Untersuchungen über den Magen der Wieder-
käuer, vornehmlich der Traguliden. (Hierzu Taf. III).
Dr. 3. Wilhelmi. Citate zur Systematik der marinen Tricladen.
Ein Nachtrag zur Seeiricladen-Monographie ........
Dr. H. Friese. Die Maskenbienen der aethiopischen Region
Brnepie hlym:)Ls;-- }&,.2- 54,5 Asset re ea Sara
Dr. H. Friese. Neue Bienen-Arten der palaearktischen Region
(Hyam.ya (Mit 8 Abbildung Pr RT
Alb. Ulbricht. Ichneumonidenstudien .. ... 2.2...
Embrik Strand. Neue Arten der Chalcididengattungen Epistenis
Westw., Aepocerus Mayr und Podagrion Spin. ......
Dr. €. Fr. Roewer. Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak.
BEherzunFateb Bye Bann RER. RR
Embrik Strand. Arachniden von der kanarischen Insel Gomera,
Sesammelt von Herrn Prof. Dr. W. May „ui... =...
Embrik Strand. Vorläufige Diagnosen neuer Spinnen, ins-
besondere aus der Südsee, des Senckenbergischen Museums
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Untersuchungen über den Magen der Wieder-
käuer vornehmlich der Traguliden.
Von
Erwin Schmidt,
Zahnarzt.
Untersuchungen über den Magen der Wiederkäuer,
vornehmlich der Traguliden.
Der Ursprung tierischen Lebens wird ewig em Welträtsel bleiben.
Es wird dem suchenden menschlichen Geiste wohl für immer versagt
sein, jenen Schleier zu lüften, der über das Werden der Tiere gebreitet
ist. Wurden doch in frühesten Zeiten durch jenen als Gesteinsmeta-
morphose bezeichneten Vorgang jegliche Spuren vernichtet. Darum
treten uns in den späteren Erdepochen die Tiere sofort als ziemlich
hoch entwickelte Typen entgegen. Unablässig ist die Paläontologie
mit der Erforschung der Fossilen beschäftigt. Nach dem heutigen
Standpunkt der paläontologischen Forschung ist anzunehmen, daß
unsere jetzigen Artiotactylen zurückzuführen sind auf eine gemeinsame
Stammform die Pantolestiden, Tiere, welche die Merkmale von Wieder-
käuern, Diekhäutern und Schweinen in sich vereinigen. Aus ihnen
gingen hervor durch spätere Diiferenzierung, Spezialisierung der
Fußstruktur und Umbildung der primitiven Zahnform, unsere jetzigen
bunodonten und selenodonten Paarhufer, die wir auch klassilizieren
als Nonruminantia und Ruminantia. Erstere umfassen die Suidae
und Hippopotamide, letztere die Tylopoden, Traguliden, Cervicornier
und Cavicornier. Die letzten drei werden infolge näherer verwandt-
schaftlicher Verhältnisse auch als typische Wiederkäuer enger
zusammengefaßt. In obiger Anordnung dürfte zugleich ausgedrückt
sein der Grad ihrer Annäherung in Bezug auf Extremitätenskelet
und Gebiß an jene Urform und zugleich die Reihenfolge ihrer gedachten
zeitlichen Abspaltung dergestalt, daß die Schweine die nächsten,
die Cavicorier die am weitesten sich davon entiernenden sind.
Am besten erforscht ist die Geschichte der Tylopoden. Im Eoeän
Nordamerikas wurden Reste von Kameliden gefunden, den sogenannten
Homacodontiden. Es gelang den amerikanischen Paläontologen (43) })
an der Hand von Funden ihre Entwicklung zu verfolgen bis auf ihre
rezenten Vertreter, die Kameele und Lamas, und so einen lückenlosen
Stammbaum aufzustellen. Jene Phylogenie wurde unterstützt durch
die Ontogenie der lebenden Kameele. ‚Es besitzen die Embryonen
unserer jetzt lebenden Kameele und Lamas getrennte Metapodien,
welche später verschmelzen. Ferner finden sich im Milchgebiß des
Öberkiefers von Camelus die Schneidezähne in der ursprünglichen Zahl
!) Die Zahlen beziehen sich auf die Litteratur p. 40.
2) Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
drei, während in dem definitiven Gebiß die beiden vorderen verkümmern
und der dritte eckzahnähnlich wird. Auch beobachtet man bei jungen
Kameelen zuweilen drei bis vier Prämolaren. Hingegen besitzt das
lı le 3pm 3m
3i lc 2pm 3m
Eocän Nordamerikas Kamelidenreste vor, die Unterfamilie der Lepto-
tragulinae bildend, welche noch vierzehige Extremitäten mit ge-
trennten Metapodien und ein vollständiges Gebiß besitzen, nämlich
a lc 4pm 3m
i lc 4pm 3m
saß die Gattung Leptotragulus die Größee eines er Rehes. Im Unter-
miocän erscheint die Unterfamilie der Poebrotherinae mit Formen
wie Poebrotherium von der Größe eines Zwerghirsches mit zweizehigen
Extremitäten; doch sind die Metapodien noch getrennt und das Gebiß
vollständig. Dahingegen sind in der Unterfamilie der Protolabinae
bei der Gattung Protolabis im oberen Miocän und unteren Pliocän
von der Größe eines virginischen Hirsches die beiden Metapodien ver-
schmolzen, das Gebiß ist noch vollständig, doch der dritte Incisiv
bereits eckzahnähnlich geworden. Bei der zur gleichen Unterfamilie
gehörenden Gattung Procamelus endlich, deren Arten in der Größe
zwischen dem heutigen Kameel und Lama schwanken, sind die Meta-
podien verschmolzen und das Gebiß in Bezug auf die Incisiven reduziert,
pe Da
31 le 4pm 3m
stimmung der ontogenetischen und phylogenetischen Entwicklung
tritt bei der Familie der Kameliden also in auffallender Weise zutage.
Ähnlich verhält es sich bei den Hirschen in Bezug auf ihre Geweih-
entwickelung. Es sind dies Resultate, die wichtige Stützen für
Häckels „biogenetisches Grundgesetz‘ geworden sind, nach welchem
die Entwicklungsgeschichte des Individuums nur eine kurze und ver-
einfachte Wiederholung des Entwicklungsganges der Art und des
ganzen Stammes darstellt“ (14).
Bei den typischen Wiederkäuern ist es noch nicht gelungen, durch
die Zahl der fossilen Wiederkäuer die Lücken zu füllen und alle Glieder
zur Bildung einer geschlossenen Kette zu finden. Ihr Ursprung wird
abgeleitet von den Dichobunoidea, dem Äquivalent der Homaco-
dontiden in Eurasien. Diese zwei Stämme hängen an ihrer weit zurück-
liegenden Wurzel (Pantolestes) zusammen.
Die Traguliden, jene kleinen zierlichen Tierchen, gegenwärtig
auf die alte Welt, nämlich Südasien und mit Hyaemoschus speziell
auf Westafrika beschränkt, bilden einen Typ der Ruminantien, der
in seinen spärlichen Repräsentanten noch manches Primitive bewahrt
hat. Es wurden aber auch Stimmen laut, die ihre Primitivität bestritten.
So hielt sie Boas für eme aberrante Gruppe der Hirsche, doch ist
diese Ansicht nicht mehr aufrecht zu erhalten nach den neuesten Er-
gebnissen der Forschung. Es zeigen die Traguliden Merkmale geologisch
altgebliebenen Gepräges im Knochen- und Viszeralskelet. So sind
erwachsene Kameel die Zahnformel— Nun kommen im
vierundvierzig Zähne m der Zahnformel . Von ihnen be-
indem es die Zahnformel zeigt
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. 3
unter anderem insbesondere an den Extremitäten im Vorder- wie
im Hinterfuß die zweiten und fünften Zehen vollständig erhalten,
wie auch Mittelhand- und Mittelfußknochen der dritten und vierten
Zehen sich erst sehr spät vereinigen und in der Gattung Hyaemoschus
hierzu überhaupt nicht mehr gelangen. Am Schädel sind Kennzeichen
geologischen Alters die gestreckte niedrige Hirnhöhle. Auffallend
ist die Größe der hinten durch einen Knochenring geschlossenen Orbitae,
die in der Mittellinie des Schädels zusammentreffen, so daß nur ein
dünnes Knochenseptum sie scheidet und die Foramma optica zu
einem medianen unpaaren Loche verschmelzen. Dies ist ein bleibender
Jugendzustand des Schädels. Im Gebiß ist der obere Kekzahn beim
Männchen ein großer, säbelartig gebogener Hauer, die Prämolaren
sind scharf und schneidend. Bei Suiden und Traguliden und zahl-
reichen tertiären Artiodaktylen bleibt der primitive dreigipilige
pz- Zahn bestehen, während bei allen übrigen p, molariform wird.
Außerdem suchte man in der Splanchnologie nach Merkmalen, die
geeignet wären, jene andern bei der Klassılikation zu unterstützen,
neben der ditfusen Placenta war von besonderer Wichtigkeit dabei
der Magen. Er erreicht bei den Wiederkäuern den höchsten Grad
der Komplikation. Er zerfällt bei der Mehrzahl dieser formenreichen
Gruppe in vier wohlcharakterisierte Abschnitte: Rumen, Retieulum,
Omasus, Abomasus. Bei den Traguliden hat der Pansen eine eigen-
tümliche S-Form u. der Blättermagen ist klein und unbedeutend. Von
vielen wird deswegen seine Existenz überhaupt bezweifelt, von andern
wird er als rudimentär angegeben. Um den Stand der bisherigen Unter-
suchungen zu charakterisieren, halte ich es für angebracht, die Er-
gebnisse früherer Untersuchungen vorauszusenden. Die Autoren scheiden
sich in zwei Lager:
derPsalterfehlt nach
Rapp 1843 (Tragulus javanicus) (36)
Bei dem javanischen Moschustier geht der zweite Magen unmittelbar
in den Labmagen, es findet sich keine Spur eines Blättermagens.
Leukart 1843 (Tragulus javanicus) (23)
.so daß sich durchaus keine deutliche Spur des dritten oder
Faltenmagens zeigt, der hier wirklich gänzlich als besondere Magen-
abteilung fehlt.
Milne Edwards 1864 (Tragulus javanicus, stanley, kanchil,
meminna) (27)
Le dernier estomae nait directement du bonnet sans qu'il y ait
ä son origine, dans aucune des quatre especes que j’al dissequees, le
moindre indice de l’existence d’une partie comparable au {euillet
des Ruminants ordinaires.
Pauntscheif 1884 (Tragulus javanicus) (34)
Der dritte Magen fehlt bloß dem Tragulus.
Cordier 1894 (Hyaemoschus aquaticus, Tragulus stanley,
k q g y
meminna, kanchil) (7).
On pense generalement d’apres Flower que les Tragules ont un
1*
4 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
rudiment de feuillet que pour ma part malgre une attention soutenue,
je n’ai jamais pu observer.
Für die Existenz eines wenig ausgebildeten Psalters bei
den Traguliden treten mehr oder weniger entschieden ein:
Owen 1852 (Tragulus Kanchil) (15).
The passage leading from the oesophagus to the third cavity is
bounded by two low parallel ridges; the longitudinal lamellae, which
are the characteristies of this cavity m other ruminants, are wanting;
but as it appears to have had a cuticular lining, we may regard it as
a rudimentary form of this cavity, and distinct from the fourth cavity
from which it is partially separated by a semilunar fold.
Berlin 1858 (Tragulus javanieus) (1).
Der dritte Magen besteht wirklich. So lange man die Mägen nicht
geöffnet hat, könnte man noch an seinem Vorhandensein zweifeln.
— Man sieht verschiedene, freilich schwache Furchen auf seiner inneren
Oberfläche.
Flower 1867 (Hyaemoschus aquaticus, Tragulus javanicus) (15).
The part which immediately follows the orifie, though it cannot
be called a distinet compartement as in ordinary ruminants is ®/,o
inch in longth slightly dilated and marked of by faint constrietion
from the remainder of the abomasus, from which moreower, it is
most distinetly separated by a thick hopaque epithelium with short
villi, like those covering the laminae of the psalterium in other ruminants;
there are also indications of longitudinal plications of the moucous
membrane. The remainder of the last cavıty has (as usual) a smoth
soft lining membrane free from villi. There is thus a decided indication
of rudimentary condition ‘of the psalterium or third. compartment
of the ruminants stomack.
Huxley 1873 (20).
Das Psalterium wird nur durch ein enges kurzes Rohr dargestellt,
dessen Auskleidung ohne Falten ist.
Krazowski 1880 (22).
Möglicherweise liegt doch bei Tylopoden und Tragulinen ein frühes
Stadium der Psalterentwicklung vor; es wäre deshalb von hohem
Interesse, an frisch erhärteten Objekten den kritischen Abschnitt
daraufhin zu untersuchen, ob die von Flower erwähnten Leisten als
erste Andeutungen der Blätterbildung anzusehen seien.
Boas 1890 (Tragulus javanicus) (3).
Untersuchung des Magens eines Tragulus (angeblich javanicus).
Das betreffende Tier war seit Jahren mit geöffneter Bauchhöhle in
schwachem Spiritus aufgehoben. Das Magenepithel war natürlich
längst abmaceriert, sonst war der Magen aber leidlich gut erhalten.
— Das von Flower beschriebene Verbindungsstück erscheint wirklich
als eine selbständige, wenn auch rudimentäre Magenabteilung und
zeigt auch innerlich wie schon von Flower angegeben Spuren von Blättern
in der Form schwach hervortretender Leisten, ebenso wie es auch nach
den Angaben Flowers dasselbe Epithelium wie der Mittelmagen der
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. 5
typischen Wiederkäuer zu besitzen scheint; auch ist sein Verhältnis
zu den andern Abteilungen ganz ähnlich wie das des typischen Mittel-
magens.
Br kommt zu dem Schluß, daß der Blättermagen der Traguliden
ein rudimentär gewordener ist, ein Produkt exzessivster Rückbildung.
Andere Forscher dagegen wie Krazowski und Oppel stehen auf einem
ganz entgegengesetzten Standpunkt. Sie erblicken in ihm eine phylo-
genetisch frühe Stufe der Ausbildung. Nach Gegenbauer und Meckel
ist der Blättermagen überhaupt das jüngste Differenzierungsprodukt
am Widerkäuermagen.
Diese Literaturangaben genügen, um den Stand der Frage zu
kennzeichnen. Wir sehen, die Meinungen sind sehr geteilt. Grund
genug, sich an die gewiß interessante Aufgabe zu machen, den Magen
der Traguliden entsprechend dem Vorschlage Krazowski’s einmal
einer genauen Untersuchung zu unterziehen, zumal ja auch Oppel
in seinem so bedeutenden Spezialwerk über den Magen ganz be-
sonders darauf hinweist. Wenn auch meine Untersuchungen haupt-
sächlich dem Tragulidenmagen galten, so zog ich doch zum Vergleich
noch die anderer Tiere herbei, so daß sich meine Untersuchungen im
Ganzen erstreckten auf folgende Tiere: 1. Hyaemoschus aquaticus,
2. Tragulus pelandoc, 3. Tragulus javanieus, 4. Tragulus meminna,
5. Cervus dama, 6. Nanotragus, 7. Capra, 8. Lama, 9. Sus Nehringii.
Ich nahm meine Studien vor im zoologischen Institut der
Universität Bern unter Leitung von Herrn Prof. Dr. med. et phil. Studer.
Es sei mir an dieser Stelle gestattet, meinem hochverehrten Herrn
Professor meinen Dank auszusprechen, daß er mich mit der Unter-
suchung jener sehr seltenen und wertvollen Tiere betraute. Unter
obigen Tieren waren 1, 2, 3, 5, 7, 9 frische Objekte. Die ersten drei
Traguliden zugesandt durch Herrn Dr. Büttikofer, Direktor des zo-
ologischen Gartens in Rotterdam. Auch ihm meinen herzlichsten Dank,
daß er mir noch nachträglich in liebenswürdiger Weise einen Tragulus
zur Verfügung stellte und dadurch meine Arbeit recht förderte.
Ich weidete die Tiere selbst aus und gebe von dem allgemeinen
Verdauungstraktus vom Hyaemoschus folgende Maßangaben (die
übrigen Traguliden zeigen nur geringe Abweichungen davon):
Körperlänge Dünndarm Blinddarm Enddarm
Schnauze Länge Breite Länge Breite Länge Breite
bis Anus Colon Rectum
Hy. aq. 0,45 2,33 0,014 0,13 0,055 0,94 0,018 0,036
Der Grimmdarm zeigt bei allen Traguliden eine dreifache Spirale.
Eine Galle ist überall vorhanden.
Die Zeichnungen stellen die Mägen in den beigegebenen Größen-
verhältnissen dar. Um sich eine exakte Vorstellung von dem Umfange
und der Lage der einzelnen Teile machen zu können, muß man die
Mägen mit Luft oder Flüssigkeit aufblähen; denn für gewöhnlich
befindet sich der Magen in flacher und schlaffer Lage und gestattet so
kein annäherndes Urteil über die Verhältnisse und Beziehungen seiner
Teile. Da bei den Traguliden der cardiale Teil des Labmagens etwas
6 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
eingeklemmt war zwischen mittleren Pansensack und Netzmagen,
zog ich ihn etwas hervor, um seine Umrisse klar zum’ Ausdrucke bringen
zu können. Sonst war ich bemüht, bei den Traguliden die Lagerungs-
verhältnisse zu wahren, was mir bei Hirsch und Ziege nicht möglich
war, da hier infolge der Größe von Blätter- und Labmagen die Grenz-
linien des Pansens zu sehr verdeckt worden wären. Die Lage im Tier
möchte ich kurz folgendermaßen skizzieren: Zeichnung 17 stellt die
der Ventralseite, Zeichnung 14 die dem Rücken zugekehrte Fläche
dar. Der Magen füllt die linke Hälfte der Bauchhöhle fast ganz aus
und erstreckt sich vom Zwerchfell bis zur Beckenhöhle. Netzmagen
und Hauptpansen bilden das brustseitige, der Nebenpansenendblindsack
das beckenseitige Ende.
Durchmustern wir die Säugetierreihe, so treffen wir recht ver-
schiedene Magenformen an, teils einfache einhöhlige Mägen, teils zu-
sammengesetzte, mehr oder weniger gekammerte Gebilde, mit dem
höchsten Grade der Differenzierung bei den Wiederkäuern. Die Frage,
wie es kommt, daß ein Tier einen einfachen, ein anderes einen zu-
sammengesetzten Magen hat, ist schon lange Gegenstand der Diskussion
gewesen. Es war sowohl die Mannigfaltigkeit der auf die Magenform be-
stimmend einwirkenden Momente, wie der Mangel an leitenden Prin-
zipien bei Beurteilung derselben u. der noch heute nicht'vollständig auf-
geklärte Ernährungsprozeß, welche die Lösung dieser Frage in hohem
Grade erschwert. Es ist von mehreren Seiten darauf hingewiesen worden,
daß bei Bestimmung der Beschaffenheit des Verdauungskanals die
Nahrung, die Lebensweise, das Fehlen des Gebisses, die Entwicklung
der Speicheldrüsen usw. wichtige mitwirkende und umgestaltende
Faktoren repräsentieren. Wilkens sucht im seinen Untersuchungen
über den Magen der wiederkäuenden Haustiere die komplizierte Form
derselben durch Beschaffenheit der Nahrung (lignin- und cellulose-
reichen Pilanzenstoffen) zuzuschreiben. Pauntscheff äußert sich
darüber anders! Ferner ist zu betonen, daß außer der Nahrung, der
wir allerdings nicht aus denselben Gründen wie Wilkens den ersten
Platz bei Bestimmung der Magenform in der Gruppe der Wiederkäuer
einräumen können, noch der Akt des Wiederkauens es ist, welcher zu
einer zusammengesetzten Form des Magens führte, indem wir uns das
Wiederkauen älteren Ursprungs denken, die Komplizierung des Magens
aber als mit der Vervollkommnung desselben parallel gehend halten.
Dies wird uns noch leichter verständlich werden, wenn wir die Natur-
geschichte der Wiederkäuer etwas näher ins Auge fassen. Durch die
paläontologischen Untersuchungen zuerst von Rütimeyer und später
noch von anderen Forschern ist man in die Lage gekommen, die Ahnen
der Wiederkäuer bis an das untere Eocän zurückzuverfolgen, woselbst
Huftiere von plumper Gestalt und mit vollständigem Gebiß aufgefunden
wurden. Burch spätere Differenzierung der letzteren (Selenodonter
Typus) und Spaltung des Fußes (Rückbildung der Seitenzehen und
Ausbildung der mittleren), haben diese den heutigen Wiederkäuern
ihren Ursprung gegeben. Man hat aber nach dem früher Gesagten
allen Grund, auch auf einen einfachen Magen der ersteren zurückzu-
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. 7
schließen, wenn man die hier und da noch vorkommenden einfacheren
Formen des Magens bei den letzteren berücksichtigt und dabei die
Entwicklungsgeschichte dieses Organs nicht außer Acht läßt. Wenn
auch Huxley bei Besprechung der Gruppe der Anoplotheriden
sich folgendermaßen ausdrückt: „Wir sind mit dem Bau des Magens bei
diesen Tieren unbekannt, aber sie stehen den wiederkäuenden Artio-
dactylen so nahe, daß man ihnen die Fähigkeit des Wiederkauens in
höherem oder geringerem Grade mit hoher Wahrscheinlichkeit zu-
schreiben darf,‘ so meineiich dies dahin deuten zu dürfen, daß die Anoplo-
theriden einen einfacheren Magen besessen haben können und dem-
gemäß auch das Wiederkauen nicht vollständig auszuführen vermochten.
Bergmann und Leukart legen größten Wert auf das physiologische
Prinzip: Es ist wahrscheinlich die Aufnahme einer Nahrung von geringem
Nährwert, die es bedingte, sollte der Stoffwechsel ein gleich energischer
bleiben, daß sich das Volumen desselben gradatim steigerte. Um nun
diese vermehrte geringwertige Nahrung aufzuschließen, sie den Ver-
dauungssäften zugänglicher zu machen und die Ausbeutung mit
möglichst geringen Verlusten im Darmrohr geschehen zu lassen, bedurfte
es besonderer Einrichtungen, Es kam zu einer auf dem Prinzip der
Arbeitsteilung beruhenden Trennung des Aktes der Nahrungsaufnahme
und der Kauung, ein Umstand, der als korrelative anatomische Vor-
bedingung jene Komplikation an dem Magenabschnitte des Verdauungs-
traktus setzte, wie sie uns heute in der Gruppe der Wiederkäuer
entgegentritt.
Ich glaube nun bei der komparativen Behandlung des Magens
am besten so zu verfahren, daß ich behandle:
l. Teil: Die allgemeine Anatomie des Wiederkäuermagens
mit wichtigen mikroskopischen Details.
2. Teil: Die spezielle Anatomie der Mägen.
3. Teil: Resultate ihres Vergleichs.
Woran sich anschließen werden:
Abhandlungen über den Lamamagen.
Abhandlungen über den Magen von Sus Nehringii.
Betrachten wir den Magen eines typischen Wiederkäuers in seiner
vollen Einrichtung. DBerücksichtigen wir dabei die Entwicklungs-
geschichte. Wir können ihn dann in zwei Hälften teilen, eine kardiale
und pyloriale, von welchen wieder jede in zwei Abteilungen zerfällt.
Die kardiale in einen als Sammelorgan dienenden, geräumigen, im
Innern mit Papillen versehenen Sack, den Pansen, u. einen zweiten,
dessen Schleimhaut imnen mit leistenartigen Falten bekleidet ist,
die durch netzförmige Verbindungen in Form vieleckiger wabenförmiger
Gebilde, ihm den Namen Netzmagen eingebracht haben. Er steht
mit dem vorigen durch eine weite Öffnung in Verbindung. Die pyloriale
Hälfte trägt am vorderen Ende einen ovalen, im Innern mit Längs-
falten durchsetzten Abschnitt, welcher als Falten- oder Blättermagen
bezeichnet durch die enge Psalternetzmagenöffnung mit dem Netz-
magen kommuniziert. Dem Blättermagen folgt der zweite Teil des
8 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
pylorialen Abschnitts, dessen Schleimhaut ebenfalls in Falten sich
erhebt und mit Drüsen besetzt ist, der Labmagen. Die kardiale sowie
die pyloriale Hälfte kommunizieren mit dem Ösophagus, die erste
direkt, die andere durch die sogenannte Schlundrinne, deren Seiten-
wände in Form muskulöser Wülste hervorspringen und am Omasus
enden. Am Psalterboden liegt die Psalterrinne, die in den Abomasus
führt.
Die Nahrung gelangt zunächst durch den Ösophagus in die Schlund-
rinne, deren Lippen durch die vorerst nur flüchtig gekauten Nahrungs-
massen beiseite gedrückt werden. Letztere fallen so in den Sammelraum
Pansen und kommen von hier durch Brechreiz in den Netzmagen, wo
sie kugelig geformt durch Brechreiz in den Mund zurück befördert
werden. Hier werden sie diesmal sorgfältig durchgekaut zu breiiger
Masse, durch die nun beim Schlucken die Schlundrinnenlippen nicht
mehr beiseite gedrückt werden. Sie gelangt jetzt direkt in den Blätter-
magen, eine siebartige Schlemmvorrichtung, in der festere Bestand-
teile zur weiteren Zersetzung zurückgehalten werden, während die
flüssigen in den eigentlichen Verdauungsmagen, den Labmagen ab-
fließen.
Trotzdem also der Magen in äußerlich so verschiedene Abteilungen
zerfällt, läßt sich doch ein einheitlicher Bau seiner Wand erkennen,
die im allgemeinen zerfällt in drei Schichten: die Serosa, die Muskularis
und die Mucosa.
Serosa.
Die Serosa bietet keine Besonderheiten bei den einzelnen Tieren.
Sie überzieht als äußere dem Magen aufgelagerte Haut die einzelnen
Abteilungen. Sie ist die dünnste (Hy. aq. 0,2 « durchschnittlich dick)
der drei Häute und erreicht nur eine bedeutendere Stärke am Grunde
der Schlundrinne und an den Grenzen der einzelnen Magenabteilungen.
Außen ist sie von einer Lage platter endothelialer Zellen begrenzt.
Ihr folgt die Hauptmasse, bestehend aus einem zahlreiche Zellen
enthaltendem lockeren Bindegewebe mit einem Netzwerk fibrillärer
Fasern, dessen längliche Maschen in der Richtung der Fasern gelegen.
Museularis.
An die Bauchfellschicht schließt sich nach innen an die zwei-
schichtige Muskularis. Im Rumen und Retikulum, die als Reservoir
für die Nahrungsmassen dienen und häufig unter dem starken Druck
der bei der Zersetzung der Nahrung sich ergebenden Gasbildung
stehen, zeigt die Muskulatur eine ziemliche Stärke. Im Omasus und
Abomasus, die mehr als Leitungs- resp. als Verdauungsrohr dienen,
nimmt ihre Dicke ab. (Hy. Musc. Pansen 2,1 «, Netzmagen 2,5 w,
Psalter 1,4 «, Labmagen cardial 1,1 «, Labmagen pylorial 3,5 «). Die
Muskulatur geht aus der des Ösophagus hervor, dessen Fasern sind rot,
doch nur auf eine kurze Strecke — abgesehen von der Schlundrinne, auf
die ich später noch zu sprechen komme — setzen sich diese auf den Magen
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. 9
fort, sie werden bald durch glatte Fasern ersetzt. Diese verlaufen ge-
schlängelt, ihre Kerne sind lang, dünn, schlangenartig gewunden. Die
Muskelschicht ist von Bindegewebe durchsetzt, das teils als inter-
muskuläres Bindegewebe zwischen beide Lagen, teils als intramuskuläres
Bindegewebe zwischen die einzelnen Züge sich einschiebt. Überall sind
die zwei Muskelschichten deutlich zu erkennen. Sie kreuzen sich im
allgemeinen unter rechtem Winkel, ordnen sich in eimer äußeren Längs-
und inneren Querschicht an, bieten jedoch in den einzelnen Magen-
abteilungen noch verwickelte Einzelheiten dar. Siehe Fig. 24—27.
So besteht im Pansen die äußere dünnere Schicht aus Fasern,
die nach der Längsachse der Pansensäcke, also wesentlich vom brust-
seitigen zum beckenseitigen Ende verlaufen, die aber infolge der Ein-
faltungen des Pansens aus der geraden Richtung abgelenkt, mehr
einen schrägen Verlauf annehmen. Dasselbe ist bei der inneren der Fall,
die zirkulär zu obiger verläuft. Im Innern des Pansens befinden sich
drei Hauptfalten, die drei Räume begrenzen. Die drei Falten bezeichnen
wir als Halsfalte, 1. Pfeiler und 2. Pfeiler, die drei Räume als Haupt-
pansen, Nebenpansen und Nebenpansenendblindsack (vgl. Fig. 18).
Die wulstartigen Falten werden wesentlich gebildet durch Faser-
anhäufung der inneren Muskelschieht. Durch Verlauf der Muskulatur
in ihnen werden sie deutlich als Faltung der Wand charakterisiert
und erinnern an die Entwicklung des Pansens aus einem ursprünglich
gestreckten Gebilde. Ihre Struktur ist aber eine verschiedene. Im
ersten und zweiten Pfeiler (Fig. 1) steigen beide Muskelschichten
bis zur Spitze empor, in der Halsfalte ist dies nur der Fall bei der inneren
Schicht, die äußere springt darüber hinweg.
Haube. Die Muskulatur der Haube ist stärker als die des Pansens.
Die beiden Schichten umfassen die Haube gurtartig, wobei sie einander
spitzwinklig kreuzen. Während die Fasern der äußeren Muskulatur
den Speiserinnenboden überbrücken, macht die innere davor Halt,
und bildet unter starker Verdickung die Lippe (Fig. 2 u. 3). Die Lippen
bieten große Variationen bei Nanotragus und Ziege und sind beide
Lippen fast gleich stark auf ihrem ganzen Verlauf, gehen am Ösophagus
und Omasus in einander über, bilden einen Ring oder Gürtel. Bei
Cervus ist die linke Lippe schwächer als die rechte, beide flachen sich
nach dem Ösophagus zu ab und enden vor ihm. Bei den Traguliden
geht die Reduktion noch einen Schritt weiter, die linke Lippe wird
noch schwächer und tritt nur in Form eines kleinen Leistchens hervor,
wie aber der Schnitt (Fig.2 u.3) beweist, hat sie trotzdem die
charakteristischen Eigenheiten der Lippe. Ein Querschnitt durch den
Schlundrinnenboden am Ende der Schlundrinne zeigt uns:
l. eine dünne quergetroffene Schicht glatter Muskelfasern
= muscularis mucosa.
2. Eine starke längsgetroffene Schicht glatter Muskelfasern
— äußere Muskulatur der Haube.
3. Eine dünne quergetroffene Schicht quergestreifter Muskel-
fasen = Fortsetzung der quergestreiften Ösophagusmuskulatur.
10 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
Diese drei heben sich als Schichten deutlich ab. Accessorisch kommen
noch hinzu unter Schicht 3:
4. Faserbündel, glatt und quergestreifte, teils längs, teils quer-
getroffene, anscheinend versprengte Fasern von Schicht 2 und 3,
sowie
5. unter der Lippe noch zwei oder drei Stränge quergetroffener
glatter Muskulatur. Wegen ihrer geringen Entwicklung sind diese
accessorischen Muskelfascikel wohl bedeutungslos.. Verschieden ist
das Verhalten von Schicht 2 bei den einzelnen Tieren. Bei Hyaemoschus
hat sie gestreckten Verlauf, bei Tragulus zeigt sie eme Curvation
nach der Lippenmuskulatur, bei Hirsch und Ziege entsendet sie einen
Verbindungsschenkel zu ihr. Pauntscheff gibt einen guten Querschnitt
durch Lippe und Schlundrinnenboden von Cervus dama. Auf einem
Längsschnitt. Mitte Ösophagus-Schlundrinne (Fig. 4) sieht man mit
dem Dünnerwerden der Wand nach dem Psalter zu auch die Muskel-
schicht schwächer werden. Man sieht obige drei Muskelschichten hier
wieder deutlich hervortreten. Schicht 1 die jetzt längsgetroffene, häufig
unterbrochene glatte Muskularis mucosa. Schicht 2 scharf an der Öso-
phagus-Schlundrinnengrenze einsetzend ist jetzt quergetroffen. Schicht 3
unregelmäßig stark quergestreift, deren Hervorgehen aus dem Öso-
phagus hier deutlich zutage tritt. Während Schicht 3 als quergestreifte
Schicht bei Hyaemoschus bis zur Netzpsaltermagenfalte reichte,
wich sie bei Tragulus bereits von dieser zurück und bei Hirsch und Ziege
wurde sie schon anfangs der Schlundrinne durch glatte Fasern ersetzt,
und zwar ist der Übergang der quergestreiften zur glatten ziemlich
plötzlich. Durch obige Beobachtung bei Hyaemoschus dürfte jedenfalls
jene Anschauung an Boden gewinnen, die die Schlundrinne als Ver-
längerung des Ösophagus und Rumen und Reticulum gewissermassen
als kropfartige Aussackungen betrachtet. Bei Hirsch und Ziege ver-
einigen sich beide Lippen am Ende zu einem Sphinkter, indem sie die
Öffnung zum Blättermagen umschließen. Bei den Traguliden umgreift
zwar die stärkere linke Lippe etwas die Öffnung, doch konnte ich eine
Sphinkterbildung, d. h. eme Verdiekung und Faservermehrung der
Muskulatur um die Öffnung nicht beobachten.
Psalter. Betrachtet man einen Querschnitt durch den Psalter
von Hyaem. aquaticus (Fig. 5) und richtet sein Augenmerk zunächst auf
die Wand, weil hier die Verhältnisse am wenigsten kompliziert, so
beobachtet man:
1. zu innerst eine dünne quergetroffene, also longitudinale, parallel
mit der Längsachse des Psalters von der Haube zum Labmagen ver-
laufende Schicht = Musecularis mucosa.
2. eine mittlere stärkere längsgetroffene Schicht = Muse.
interna.
3. Zu äußerst eine noch stärkere quergetroffene Schicht = Muse.
externa.
Obige drei Schichten treten uns auch an der Brücke entgegen,
hinzu kommt aber hier noch
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. 11
x = starke Muskelbündel quergetroffen in den Wülsten am unteren
Seitenrande und am Brückenboden. Diese Muskelbündel finden sich
bei Hyaemoschus in der einen Lippe, fehlen aber auffallenderweise
in der kleineren der anderen Seite und fehlen in beiden Brückenlippen
bei Tragulus javanicus, finden sich aber bei der Ziege und Hirsch.
In jenen Sehichten erkennen wir die der Schlundrinnenwand wieder.
Hinzu kommen aber noch
y = einige Streifen schräger Muskulatur an der Brücke.
Fig. 6 verdeutlicht den Übergang der Schlundrinnenmuskulatur
in die der Psalterdecke. Vergleichen wir Schlundrinnenquerschnitt
und Psalterquerschnitt, so ist Schicht 1 = 1, Schicht 2 = 2, Schicht 3
— 3, Schicht x = Lippenmuskulatur. Es gelang mir durch Serien-
schnitte, bei Hyaemoschus den Übergang der kleinen Schlundrinnen-
lippe in die Brückenlippenwülste zu verfolgen. Es kommt infolge
Drehung des Psalters zur Zerrung der Lippe, schließlich zur Bildung
von Einzelwülsten und gleichzeitiger Sonderung der Lippenmuskulatur
in Einzelmuskelbündel. Die beiden untersten starken Wülste ent-
sprechen offenbar den Brückenlippen. Betrachten wir einen Längs-
schnitt durch den hinteren Teil der Brücke, die Brückenlabmagenfalte
(Fig. 8). Ich fand sie bei allen Traguliden ausgebildet, sowie auch bei
Nanotragus, Hirsch und Ziege. Auch Cordier fand sie überall außer
bei den Traguliden. Offenbar war der mangelhafte Zustand der Objekte
daran schuld, oder er hielt sie für eine Labmagenfalte. Das wäre ein
Irrtum, denn die Labmagenfalte als einfache Ausstülpung der Mucosa
enthält als solche nur Muscularis mucosa (Fig. 9), während die Brücken-
labmagenfalte auch die Wandmuskulatur bis zur Spitze aufweist.
Der Schnitt zeigt deutlich vier Muskelschichten, die zu zwei und zwei
dem Blätter- und Labmagen angehören, was sich ergibt aus der Dicke
und Richtung der Fasern. Die Falte ist zusammengesetzt aus den
Wänden beider Cavitäten, die serösen Häute sind mit einander ver-
schmolzen. Diese Anordnung zeigt, daß die Brückenlabmagenfalte
nicht von vornherein existiert hat, und man sie in Verbindung bringen
muß mit embryologischen Vorgängen. Sie verrät ähnliche Verhältnisse
wie die Pansenpfeiler. Eingeschaltet zwischen Psalter- und Labmagen
gleichsam wie eine Scheidewand, ist eine bei den höheren Ruminantien
breite Falte, das Segel, es umsäumt die Labmagenöffnung und ist auf
der Labmagenseite mit Drüsenschleimhaut, auf der Psalterseite mit
cutaner Schleimhaut besetzt. Das Segel, das bei den Traguliden nur
schwach angedeutet, charakterisiert sich auf einem Schnitt gegenüber
der Brücke (Fig. 10) als einfache Schleimhautfalte mit allemiger Ein-
stülpung der Muskularis mucosa, bei Hirsch und Ziege faltet sich
auch die Wandmuskulatur in Form eines schwachen Streifens mit ein.
Labmagen. Im Labmagen werden die Muskulaturverhältnisse
wieder emfacher. Wir unterscheiden eine äußere dünne Längs- und
eine innere dicke Kreisschicht. Beide werden nach hinten zu dicker,
namentlich aber die Kreisschicht (Muse. int. = 3 u [Muse. ext. =
!/, u]), die besonders an der Verdickung der pylorialen Partie beteiligt
12 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
ist. Sie bildet an der Curvatura maior den bei Traguliden wenig aus-
geprägten Sphinkter, an der Curvatura minor den bedeutend stärkeren
Torus.
Mucosa.
Wir sahen schon äußerlich den Magen in zwei Regionen zerfallen,
1. einen mit derber cutaner Schleimhaut versehenen Abschnitt, Pansen,
Haube, Blättermagen umfassend. 2. Einen mit weicher sammetartiger
Schleimhaut versehenen Abschnitt, den Labmagen. Doch cutane
wie Drüsenschleimhaut zeigen in histologischer Beziehung einheitliches
Gepräge. Sie besitzen ein Epithel, das im ersten Abschnitt mit einem
vielschichtigen Plattenepithel mit Papillarkörper, im zweiten Abschnitt
mit einem einschichtigen Cylinderepithel mit Drüsenkörper ausgestattet
ist. Die eigentliche Mucosa zerfällt wiederum in die im hinteren Ab-
schnitt drüsenreiche Tunika propria, Muscularis mucosa (fehlt nur im
Pansen der Traguliden), Submucosa. Mit Ausnahme von Hyaemoschus
zeigen alle anderen Tiere ein Epithel das in allen drei Vormägen dieselbe
Beschaffenheit zeigt. Da sie also im mikroskopischen Aufbau vieles
gemeinsam haben kann ich eine gemeinsame Beschreibung geben
und werde auf etwaige Abweichungen bei den betreffenden Stellen
besonders aufmerksam machen. Das Epithel besteht aus einem
geschichteten Plattenepithel dessen Zellen verschieden gestaltet sind,
je nach ihrer höheren oder tieferen Lage. Es füllt mit seinen tiefsten
Partien die Zwischenräume zwischen den mikroskopischen Papillen
der Pars papillaris der Tunika propria aus. Man kann in dieser Epithel-
schicht unterscheiden ein Stratum interpapillare, bei diesen überziehen
cylinderförmige Zellen in einer Schicht die Pars papillaris. Ihr ovaler
Kern ist groß, nimmt die Hälfte der Zelle ein und liegt am Grunde
derselben. Ihnen folgen polygonale Zellen mit großem Kern. Sie füllen
den Raum aus zwischen den cylinderförmigen. Sie gehen im Stratum
suprapapillare über in spindelförmige Zellen mit ebenso geformten Kern.
Sie sind bei den Traguliden meist nur in drei bis vier Schichten vor-
handen. Bis hieher waren Kern und Zelle gut gefärbt, ihnen folgen
fünf bis sechs Schichten abgeplattete schüppchenartige größere hellere
Zellen, bei denen nur der Kern gefärbt ist. In den oberen Schichten,
die sich mehr und mehr abplatten, ist der Kern häufig zerfallen in
Körnchen, ihnen sitzen schließlich völlig verhornte Zellen auf, die
besonders reichlich vorhanden waren an den dornförmigen Papillen
der Netzmagenleiste von Hyaemoschus aquaticus. Die Tunica propria
stellt eine dünne Membran dar mit vielen Bindegewebsfibrillen, Plasma-
und Bindegewebszellen. Durch Wucherung nach der Oberfläche
erzeugt sie Bildungen von kegelförmiger Gestalt variierender Dicke
und Höhe die sog. primären Papillen. Eine Muscularis mucosa fehlt im
Pansen der Traguliden, dagegen konnte ich im Netzmagen einen aus
Bindegewebsfibrillen bestehenden Bindegewebszug dem zahlreiche
Muskelzellen eingelagert als ununterbrochenen Streifen verfolgen.
Er hob sich bei Anwendung der von Gieson’schen Färbung scharf ab.
Er fand sich bei Hirsch und Ziege bereits im Pansen vor und wird von
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden, 13
Ellenberger „vortäuschende Muscularis mocusa“ genannt. Der Blätter-
magen zeigt im allen Fällen eine echte Muscularıs mucosa. So trennt
Muscularis mucosa scharf Tunica propria und Submucosa. Letztere
wird repräsentiert durch ein lockeres weitmaschiges Bindegewebe und
enthält zahlreiche Gefäße, Plasmazellen, Leukocyten und elastische
Fasern.
Der Differenzierungsprozeß am Magen griff auch auf die innere
Auskleidung über. Es enthielt die Schleimhaut der Magenabteilungen
die verschiedensten Configurationen von höchst charakteristischer
Beschaffenheit. So sehen wir im Pansen die Papillen, im Netzmagen
die Leisten, im Blättermagen die Blätter, im Labmagen die Falten. Wie
die histologische Untersuchung ergab stellen sie nur Ausstülpungen
der Schleimhaut dar. Als solche enthalten sie natürlich nur Bestand-
teile derselben. So finden wir bei den Pansenpapillen im Centrum
ein submuköses Gewebe, an diese legt sich an die rudimentäre Museularis
mucosa, die nur bei den Traguliden fehlt, sie umgibt oben und seitlich
die Propria mucosa mit dem Corpus papillare das wieder von der
Epithelschicht hutartig überdeckt wird. Die ganze Oberfläche des
Pansens ist mit jenen Papillen besetzt, doch ist ihre Grösse verschieden
je nach der Region, die längsten finden sich im Hauptpansen in der
Nähe des Pansenhalses. Ihre Länge beträgt bei Tragulus 3 mm, beim
Hirsch 8mm, bei der Ziege 3mm. Am kürzesten sind sie an den
Pfeilern. Bei den Traguliden sind die Pfeiler besetzt mit Papillen,
die nur die Hälfte der gewöhnlichen Länge haben. Bei Tragulus
meminna aber sind die Papillen am hinteren Pfeiler überhaupt ver-
schwunden, an ihrer Stelle sind nur kleine starke verhornte Prominenzen
vorhanden. Hierin stimmt Tragulus meminna mit den großen Wieder-
käuern Hirsch und Ziege überein, bei denen sich diese Verhältnisse
auch auf dem ersten Pfeiler zeigen. Man erklärt sich jene Erscheinung
als entstanden durch Abnützung durch die Bearbeitung der rauhen
Futterstoffe. Nur nähren »ich die Traguliden von Beeren und zarten
Grasspitzen (Brehms Tierleben) die schwerlich jenes Resultat bei
Tragulis meminna hervorbringen können. Die Form der Papillen
läßt bei den einzelnen Tieren nur kleine Unterschiede hervortreten.
Es scheint bei allen dieselbe zapfenförmige Grundgestalt vorzuliegen
mit größerer oder geringerer Abänderung zur zungenförmigen, die am
Ende breiter werdend nach der Anwachsstelle zu sich verschmälert.
Ihre Breitseite ist bei Tragulus glatt, bei Ziege und Hirsch mit Quer-
wülstchen versehen. Bei Nanotragus sind die Papillen feine dünne
Gebilde. Bei den Traguliden waltet die schlanke schmale, bei der Ziege
die sehr breite zungenförmige Gestalt vor. Beim Hirsch sind die
Papillen meist zapfenförmig nur die größten schmal und zungenförmig.
Die Pansenpapillen erstrecken sich über die Halsfalte hinweg in den
Netzmagen hinein, werden hier kleiner, ordnen sich zu Reihen und
verschmelzen zu Leisten. Bei allen Tieren trifft man dieselben geo-
metrischen Hexagone bildenden Zellformen an. Ein Unterschied
besteht nur lediglich in derHöhe und Länge der Zellleisten. Sie sind
niedrig bei den Traguliden und beim Hirsch, hoch bei Nanotragus
14 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
und Ziege. Garrod glaubt in den Zellleisten em charakteristisches
Unterscheidungsmerkmal zwischen Cervi- und Cavicorniern zu sehen,
indem dieselben bei ersteren niedrig, bei letzteren hoch sein sollen.
An jedem Magen beobachtet man verschiedene Zellgrößen. Am
größten sind sie an der konvexen Krümmung, am kleinsten in den
Grenzzonen des Netzmagens. Sie gehen zum Teil über in die feinen
Leistchen auf den Schlundrinnenlippen. In den Zellräumen und auf den
Zellleisten befinden sich Papillen deren Anordnung und Größe bei
den einzelnen Tieren differiert. Bei den Traguliden sind sie groß und
überragen vielfach die Leisten, ebenso beim Hirsch. Bei Nanotragus
und Ziege sind sie kleine winzige Gebilde. Hinsichtlich der Struktur
erweckt unser Interesse an den Leisten das Verhalten der Museularis
mucosa. Auf dem Querschnitt bei Hyaemoschus (Fig. 11) sind die
Muskelzellen überwiegend längsgetroifen, bei Tragulus (Fig. 12) ner
quergetroffen, die Muskelzellen haben sich parallel zur Längsachse der
Leiste eingestellt. Bei der Ziege (Fig. 13) hat sich am freien Rande
der Leiste ein veritabler Randwulst herausgebildet, der die rudimentäre
Museularis mucosa jederseits aufnimmt. Es ist oifenbar der Randwulst
ein Produkt der rudimentären Muscularis mucosa, entstanden durch
Verdichtung der Fasermuskelbündel an dieser Stelle. In die sekundären
Papillen auf und zwischen den Leisten erstreckt sich die Musecularis
mucosa nicht.
ss; Sehlundrinne. Wir sahen, daß Pansen und Haube obwohl
zwei äußerlich scharf differenzierte Abschnitte, fast denselben histo-
logischen Aufbau zeigten, umsomehr muß es uns auffallen daß die
Schlundrinne als ein Teil der Haube von ihr bei mikroskopischer
Betrachtung so ganz erheblich abweicht. Daß konnten wir bereits
bei der Muscularis konstatieren, das zeigt sich auch wieder bei Unter-
suchung der Schleimhaut. So hat das Epithel am Schlundrinnen-
boden eine andere Gestaltung. Während in Pansen und Haube das
Corpus papillare gebildet wurde durch regelmäßige kleine Vorsprünge,
kann man am Schlundrinnenboden beobachten, daß die Tuniea propria
oft auf eine große Strecke hin fast glatt ist um dann plötzlich als hoher
Vorsprung gegen die Epitheloberfläche auszufallen, so daß sie von ihr
nur durch wenige Zelllagen getrennt ist, während sie bei den Traguliden
an jenen anderen Stellen oft um das vierfache verdickt bis zu dreizehn
Zellschichten aufweist. So entsteht ein Papillarkörper von besonderer
Form. Daraus erklärt sich auch die etwas andere Anordnung und
Verteilung der Zellarten. Es sind die polygonalen Zellen besonders
stark vertreten, da sie die großen Lücken zwischen den Papillen aus-
füllen müssen. Zellen und Zellkerne treten als deutlich gefärbt bis
oben hin hervor.
Der Psalter ist der variabelste Abschnitt am Magen der Wieder-
käuer. Variabel nicht nur in seiner Form und Größe, sondern auch
in seinem Blättersystem. Die Blätter breiten sich aus an der Decke
und an den Seiten lassen aber den Boden die sog. Psalterrinne irei.
Sie liegen eng aneinander wie die Blätter eines Buches, weshalb denn
dieser Abschnitt auch von alten phantasievollen Anatomen den Namen
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden, 15
Psalter erhielt. Die Blätter sind nicht alle gleich. Man beobachtet
hohe und niedere, lange und kurze. Die größten, höchsten sind zugleich
die längsten. Sie beginnen an der Psalterhaubenöffnung, laufen an der
Decke entlang zur Psalterlabmagenöffnung und enden auf dem Segel.
Sie zeigen wie alle übrigen auch seitlich gesehen halbmondförmige
Gestalt. Die andern werden graduell kürzer und niedriger, sie setzen
später an und enden früher. So kann man verschiedene Blattarten
unterscheiden, Hauptblätter, Mittelblätter, kleine Blätter, kleinste
Blätter, oder nach Garrod primäre, sekundäre, tertiäre, quarternäre
oder Blätter 1. Ordnung, 2. Ordnung, 3. Ordnung, 4. Ordnung selbst
Blätter 5. Ordnung beobachtete Cordier beim Rind. In ihren An-
ordnungen sind sie bestimmten Gesetzen unterworfen. Zwischen zwei
starken primären findet man ein kleineres sekundäres Blatt, zwischen
diesem und den primären zwei noch kleinere oder tertiäre u.s.f. Sie
wechseln also regelmäßig miteinander nach ihrer Größe ab, wobei sie
sich zugleich in ihrer Höhe nach der Brücke zu reduzieren. Die Quer-
achsen aller zeigen nach der Mitte der Brücke, so daß ein. Querschnitt
eine fächerartige Anordnung der Blätter aufweist. ‘Aber nur bei den
höher differenzierten Wiederkäuern finden wir alle diese Blatt-
kategorien vereinigt. Je nach der Zusammensetzung der Blattzyklen
unterscheidet man quinqueplikate, quadruplikate, triplikate,duplikate,
simplikate Psalterien. Neben den beiden untersten Blättern verlaufen
zwei Wülste, Brückenlippen genannt. Sie zeichnen sich vor den
Blättern durch ihre Dicke aus. Sie entspringen an den Lippen der
Schlundrinne und begrenzen auf der Brücke eine von der Hauben-
psalter- zur Psalterlabmagenöffnung führende Rinne, die von Ellen-
berger Psalterrinne genannt wurde. Die Oberfläche der Blätter ist
bedeckt mit Papillen. Im vorderen Teil in Haubennähe sind sie groß,
spitz, stark verhornt und werden als Vogelklauen bezeichnet. Im
hinteren Teil sind sie klein, niedrig, rundlich und buckelförmig. Nachdem
wir so ein allgemeines Bild vom Psalter entworfen, fragen wir uns, wie
verhält sich der Tragulidenmagen dazu. Besseren Aufschluß als die
makroskopische Betrachtung gibt uns die mikroskopische. Fassen wir
zunächst die morphologischen Verhältnisse auf einem Querschnitt
durch den mittleren Teil des Psalters von Hyaemoschus ins Auge
(Fig. 5). Man erkennt, daß die Schleimhaut nahe der dorsalen Fläche
des Organs zwei halbkreisförmige Fortsätze ins Psalterlumen vor-
schickt. Die Seitenwände sind im dem oberen Abschnitt glatt und
eben, im unteren Teil dagegen mit Wülsten versehen, die ich bereits
bei Besprechung der Museularis erklärte als hervorgegangen aus den
Schlundrinnenlippen. Die beiden starken untern seitlichen Wülste
sind jedenfalls als Brückenlippen anzusehen. Die Breite der Psalter-
rinne im Verhältnis zur Decke und Seitenwänden ist sehr groß. Verfolgt
man die oberen Erhebungen auf Schnitten welche vorn der Hauben-
öffnung nahe geführt, so sieht man dieselben niedriger werden. Ebenso
flachen sie sich im hinteren Abschnitt allmählich ab und verstreichen
schließlich. Die histologische Struktur der Schleimhaut ist ganz
“ auffallend. Sie zeigt denselben Bau, denselben auffallenden Papillar-
16 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
körper wie die Schlundrinne. Dies sowie die bei der Muskulatur
beobachteten Merkmale liefern den Beweis, daß die Psalterdecke
als eine einfache Ausstülpung des Schlundrinnenbodens anzusehen
ist. Die Fortsätze zeigen ein tief gebuchtetes Epithel, man kann am
Epithel die größten Höhendifierenzen beobachten. Es erscheint
wie ausgenagt, gleichsam als wollten die Papillen hervorsprossen.
Offenbar haben wir hier in den oberen beiden Vorsprüngen An-
deutungen von Psalterblättern vor uns. Hegten wir aber hier noch
Bedenken, so wird uns jeder Zweifel an der Existenz eines Psalters
und von Psalterblättern benommen bei Betrachtung des Querschnitts
durch den Psalter von Tragulus (Fig. 7). Hier hat das Blättersystem
bereits einen bedeutenderen Ausbau erfahren. Die ganze Innenfläche
ist uneben und zackig geworden. Dabei fallen an der großen Kurvatur
drei Falten auf, ausgezeichnet durch ihre besondere Größe. Sie haben
schon Papillen gebildet, die das Epithel emporgehoben haben und
dadurch den Blättern auf dem Querschnitt ein an Eichenlaub er-
innerndes Aussehen verleihen. Zwischen und seitlich von ihnen erheben
sich weitere kleinere Vorsprünge aus der Wand des Omasus, an-
scheinend Anlagen sekundärer Blätter. Bezüglich der Länge und Größe
der Blätter walten ähnliche Verhältnisse vor wie vorher, d. h. sie werden
in Hauben- und Labmagennähe niedriger. Die Struktur des Epithels
weicht hier msofern von dem bei Hyaemoschus ab, als es eine ähnliche
Struktur zeigt wie im Pansen und Haube, d.h. ein Epithel mit kleinem
regelmäßigen Papillarkörper. In die Blätter hat sich die Muscularis
mucosa erstreckt und erscheint in den Blättern deutlich als quer-
getroffene Seitenmuskulatur, die den Blattrand beiderseits begleitet.
Diese Blätter zeigen allerdings ihrer Struktur nach nicht den Typus
der großen Psalterblätter. Auf einem Querschnitt durch ein solches
konstatiert man drei Muskelblätter, 1. das in der Achse gelegene
Muskelmittelblatt, Centralmuskelblatt oder Achsenblatt genannt, das
von der Ringfaserschicht der Tunica muscularis entstammend bis in die
Nähe des freien Blattrandes reicht aber hier dünner wird und ver-
schwindet, es ist längsgetroffen. Von ihm rechts und links durch eine
dünne Bindegewebsschicht die Submucosa, getrennt läuft jederseits,
2. ein seitliches Muskelblatt Seitenmuskelblatt genannt, der Muscularis
mucosa entstammend, seine Fasern laufen parallel zur Blattfläche,
ziehen also von der Haube zum Labmagen und sind quergetroifen;
am freien Rande stoßen letztere beiden zusammen und verdicken sich
zum Randwulst. Den kleinen Blättern fehlt das Centralmuskelblatt
und der Randwulst. Die Blätter des Tragulidenpsalters würden also
in der Struktur der Muskulatur jenen kleinen Blättern ähnlich sein.
Sie stellen sich dar als einfache feine Duplikaturen der Schleimhaut.
Die Zentralmuskulatur ist offenbar erst eine sekundäre Erwerbung,
die erst auftritt mit dem Größerwerden, und wenn höhere Anforderungen
an das Blatt gestellt werden. Jedenfalls dürfte aber durch obige Bilder
klar erwiesen sein, daßden Traguliden ein Blättermagen zuzuerkennen ist.
Der Labmagen ist ebenfalls mit Falten versehen, ihr Zweck ist
offenbar der, die Verdauungsobertläche zu vergrößern. Ihre Zahl ist
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. 17
verschieden bei den Tieren, am geringsten bei Hyaemoschus. Im all-
gemeinen kann man sagen, daß für gewöhnlich die höchsten nahe der
Kurvatura maior des Labmagens laufen und die andern nach der
Kurvatura minor zu sich abflachen. Zwischen die großen sind zuweilen
kleinere niedrige eingeschaltet. Nicht die ganze Obertläche des Lab-
magens ist mit Falten besetzt, sie verstreichen in der Regel kurz vor
dem hinteren pylorialen Abschnitte, der nur einige kleine Wülstchen
trägt. Er ist also meist von dem vorderen faltigen Abschnitt durch eine
größere oder kleinere glatte Strecke getrennt. Indessen konnte ich
2. B. bei Nanotragus den direkten Übergang der Yalten des Labmagens
in die pylorialen Wülstehen konstatieren. Die Konsistenz der Lab-
magenfalten ist im Gegensatz zu den Blättera des Psalters eine weiche,
denn das rauhe cutane Plattenepithel hat sich hier in ein weiches
Drüsenepithel verwandelt. Der Übergang ist überall ein scharfer. Die
Demarkationslinie folgt im Allgemeinen dem ireien Rande der Psalter-
labmagenöffnung. Doch beobachtete ich an der Brückenlabmagenialte
ein Verschieben der Demarkationslinie. Bei den Traguliden greiit das
Drüsenepithel über den freien Rand der Falte hinüber auf die dorsale
Fläche (Fig. 8) und erstreckt sich eine Strecke auf der Brücke entlang.
Ich hielt das zuerst für eine Besonderheit der Traguliden, zumal bei
Hirsch und ausgewachsener Ziege umgekehrt das Plattenepithel einige
mm in den Labmagen hinein sich erstreckte. Ich konnte mich aber am
Magen mehrerer junger drei bis vier Wochen alter Ziegen überzeugen,
daß auch bei ihnen das Drüsenepithel ähnlich wie bei den Traguliden
dorsal auf der Psalterrinne sich ausbreitete. Jenes Übergreilen
des Plattenepithels m den Labmagen ist offenbar ein Ergebnis, das sich
mit dem zunehmenden Alter des Tieres herausbildet. Die Labmagen-
schleimhaut birgt m ihrem Innern Drüsen, die sich hinsichtlich ihres
histologischen Aussehens unterscheiden. Im vorderen dünneren faltigen
Abschnitt sind sie kürzer, dick und korkzieherartig gewunden und
gabeln sich schon im oberen Teil. Im hinteren dicken, runzliger
pylorialen Abschnitt sind sie schlank, schmäler, gerade und staketen-
artig nebeneinanderliegend. Sie behalten bis tief hinab einen geraden
Verlauf, gabeln sich erst am Grunde und knäueln sich dann erst aui.
Ihrer Funktion nach bezeichnet man erstere als Lab- oder Fundus-
drüsen, letztere als Schleim- oder Pylorusdrüsen. Die Fundusdrüsen
zeigen Belegzellen, die Pylorusdrüsen nicht. In neuester Zeit fand
Ellenberger beim Rind Cardiadrüsen in ganz geringer Anzahl in der
Umgebung der Psalterlabmagenöffnung. Edelmann untersuchte eine
Reihe von Wiederkäuermägen auf diese Drüsen hin, er konnte sie nicht
vorfinden. Ich vermißte dieselben ebenfalls bei Ziege, Hirsch und
Tragulus, dagegen beobachtete ich bei Hyaermoschus am Vorderende
gulus, dagegen beobachtete ic y
des Labmagens in großer Anzahl auf eine größere Strecke hin Cardia-
drüsen, die sich durch ihre auffallende Kürze 1!/, « vor den andern
2°/, uin der Mitte des Labmagens und 33/, « am Pylorus unterschieden.
Die Drüsen sind eingesenkt in die Tunica propria. Sie ist ausgezeichnet
durch das Vorhandensein von zahlreichen elastischen Fasern. Diese
bilden in ihr ein eigentümliches Stützgerüst. Sie umspinnen einmal
>
-
18 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
als feines Netzwerk die einzelnen Drüsen, alsdann bilden sie in gewissen
Abständen durch vermehrte Faseranhäufung verstärkte Züge, Scheide-
wände, die Gruppen von Drüsen abteilen. Die Gruppierung fand ich
besonders in der Fundusregion von Hyaemoschus ausgeprägt. Auf
Flächenschnitten entpuppen sich jene Scheidewände als zirkuläre
Gebilde die grubenartige Hohlräume umfassen, die in Drüsenlumennähe
verengt, nach dem Drüsenende zu bauchig erweitert sind. In den
Scheidewänden verlaufen kleine Blutgefäße und auch Muskelzellen,
letztere zweigen von der Muscularis mucosa ab, die am Drüsengrunde
als deutlich ununterbrochener Streifen entlang läuft. Die Submucosa
zeigt keine Besonderheit.
Spezielle Anatomie der Mägen.
Die Reihenfolge der Tiere bei der Beschreibung ist keine will-
kürliche, sondern wir werden im Laufe der Betrachtung ein Aufsteigen
von einfachen zu komplizierteren Formen beobachten.
Hyaemoschus aquaticus. Ks
45 cm lang, von Sierra Leone. Bei äußerlicher Betrachtung sind
leicht die vier Magenabschnitte des Wiederkäuermagens (Fig. 14)
wieder zu erkennen. Der Pansen hat eine eigentümliche schlanke und
gestreckte S-form, durch Furchen wird er in die bekannten Säcke
geteilt. Vom Pansen durch eine Furche getrennt ist der Netzmagen
als solcher schon äußerlich leicht kenntlich durch die bei allen Tragu-
liden dünne Wand durchschimmernden Leisten. Den Blättermagen
repräsentiert das kurze röhrenförmige Verbindungsstück zum Labmagen
hervorstechend durch seine Kleinheit vor den großen ovalen Psalterien
der großen Wiederkäuer. Man kann aber mit Boas sagen: ‚Wenn man
den Magen eines typischen Wiederkäuers neben den Tragulidenmagen
legt, muß man in der Tat gestehen, daß sich Flowers Meinung einen
bestimmt aufdrängt nämlich, daß jenes kurze Verbindungsstück einem
Mittelmagen entspreche.‘“ Der Labmagen länglich darmförmignach dem
Ende zu sich verjüngend, läßt eime größere und kleinere Kurvatur
erkennen. Im hinteren Teil beginnt er sich zu verdicken und kenn-
zeichnet so den Beginn des pylorialen Abschnittts. Ein Blick ins Innere
veranschaulicht durch Zeichnung 15 zeigt beim Pansen die drei Ab-
schnitte noch schärfer markiert durch die drei sich erhebenden Falten,
die Halsfalte, 1. und 2. Pfeiler. Ihr Verlauf ist außen gekennzeichnet
durch die Furchen. Aus der jedesmaligen Tiefe der Furchen außen
kann man schon auf dieHöhe und den Verlauf der Falten innen schließen.
Es erreicht die Halsfalte eine höchste Höhe von 3 cm, der erste
Pfeiler 31/, cm, der zweite Pieiler 17 mm. Die Papillen sind mit Aus-
nahme weniger kleiner spitzer kegelförmiger meist schmal zungen-
förmig. Im Netzmagen erreichen die wabenförmigen Zellräume an
der konvexen Krümmung Seitenlängen von 5 mm. In den Hexagonen
und auf den Leisten befinden sich rundliche dornförmige spitze Papillen,
dieselben laufen auf dem Rücken der Leisten m einer Reihe geordnet
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. 19
entlang (Fig. 16). In den Hexagonen sind sie auffallend hoch und
überragen vielfach die Leisten. Die Aufmerksamkeit des Beschauers
lenkt sofort die Schlundrinne auf sich, ihre Breite beträgt 4 mm. Die
größere pansenwärts gelegene Lippe umgreift etwas die Psalterhauben-
öffnung. Der Blättermagen der Wiederkäuer hat wegen seiner eigen-
tümlichen Blätterbildung in seinem Innern von jeher besonders Inter-
esse erweckt. Die Form des Blättermagens bei Hyaemoschus ist die
einer Röhre mit auffallend weiten Öffnungen. Er erschien mir an-
fänglich ganz glatt, erst bei Betrachtung unter Wasser beobachtete
ich mit Hilfe der Lupe Leistehen die vorher am trockenen Objekt
nicht zum Ausdruck kamen. Gegen seine Nachbarschait ist er deutlich
abgegrenzt. Gegen den Netzmagen durch eine ganz leichte Kon-
striktion; gegen den Labmagen ist die Grenze dadurch gegeben, daß
die cutane Schleimhaut sich scharf abhebt gegen die Drüsenschleim-
haut des Labmagens. Die cutane Schleimhaut bedeckt an Psalterdecke
eine Strecke von 9mm, am Boden von 8 mm. Ein Segel ist bei makro-
skopischer Betrachtung nicht zu konstatieren. Die Brückenlabmagen-
falte ist bei Hyaemoschus gespalten (Fig. 8), was ich bei keinem der
andern Tiere wieder beobachten konnte; offenbar muß diese Bigen-
tümlichkeit mit Entwicklungsvorgängen in Zusammenhang gebracht
werden. Der Labmagen zeigt in seinem vorderen dünneren Abschnitt
jederseits nur eine in der Mitte verlaufende unbedeutende Longitudinal-
falte, die etwa in der Mitte ihres Verlaufs eine höchste Höhe von I mm
erreicht. Die hintere verdiekte pyloriale Partie ist an der kleinen
Kurvatur glatt, an der großen mit einigen kleinen Rugae versehen.
Darmwärts ist der Magen durch die Pylorusmuskulatur abgeschlossen.
Der an der kleinen Kurvatur gelegene Torus bildet einen kleinen
ovalen Buckel, der Sphinkter ist nur schwach angedeutet.
Der Magen der Traguliden harmoniert natürlich in seinen wesent-
lichen Charakteren und ich würde mich zahllosen Wiederholungen
aussetzen, wollte ich die Mägen der folgenden Tiere weiter so genau
beschreiben. Ich werde mich daher damit begnügen nur auf das von
obigem Typ Abweichende aufmerksam zu machen.
Tragulus kanchil pelandoe.
46 cm lang, von Sumatra. Äußerlich fällt am Pansen der schart
zugespitzte Nebenpansenendblindsack auf, auch der Netzmagen
besitzt eine etwas spitze Form. Der Blättermagen war leider stark
maceriert. Das ist es ja, was diese Magenuntersuchung so erschwert,
daß bereits wenige Stunden nach dem Tode das Epithel sich abstößt
und in großen Fetzen sich ablöst. Es ist bedauerlich, daß ich ihn nicht
ınehr zur mikroskopischen Untersuchung verwenden konnte, da er
gewiß weitere sehr interessante Aufschlüsse gebracht hätte. Der Lab-
magen besitzt jederseits zwei große Falten, die eigentümlich wellig
verlaufen und bis 3 mm Höhe erreichen. Sie stehen durch zahlreiche
Querfältehen miteinander in Verbindung. Die oberen Falten jederseits
gehen in die Brückenlabmagenfalte über und bilden so eine Elipse
mit einer Öffnung nach dem Pylorus zu, in gleicher Weise wie die
I%
20 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
Falte Nr. 4 beim folgenden Tier. Der Torus ist sehr gut ausgebildet.
Er besitzt eine mehr kantige Form, indem er darmwäts schroff ab-
fällt. Der Sphinkter ist ebenfalls sehr deutlich.
Tragulus javanicus.
4/ cm lang, von den Mentaveiinseln. Der Magen zeigt in allen
seinen Teilen eine etwas kräftigere Ausbildung (Fig. 17). Im Netz-
magen erreichen die Hexagonleisten Längen von 8 mm. Sie sind
niedrig. Die dornförmigen Papillen sind seltener und die. warzen-
förmigen in der Überzahl, sowohl in den Zellräumen als auf den Leisten,
wo sie sich auch auf den Seitenrändern ausbreiten (Fig. 18). Der
Blättermagen weist deutlich drei kleine in Wasser flottierende Fältchen
auf. Der Labmagen zeigt reichlichere Faltenbildung, neun Falten.
An der großen Kurvatur verläuft eine größere Falte und jederseits
von ihr vier weitere. Fig. 19 gibt davon ein deutliches Bild. Falte 1
erreicht eine Höhe von 3!/;,mm, Falte 2,1 mm, Falte 3, 4!/, mm, Falte 4
3!/,mm, Falted, Imm. Die Falten 4 jederseits gehen in die Brücken-
labmagenfalte über. Der pyloriale Abschnitt ist stärker gewulstet
als man es bisher beobachten konnte. Der Torus ist oval.
Tragulus meminna.
54 cm lang. Der Magen des Tieres war seit langer Zeit auf-
geschnitten in Formalin aufbewahrt. Die Form dürfte vom Vorigen
nicht abweichen. Auffallend ist am hinteren Pfeiler des Pansen das
Fehlen der Papillen. Ich habe mich darüber bereits genügend im
mikroskopischen Teil geäußert. Die Netzmagenleisten erreichen
Längen von 7 mm, der Blättermagen ist 11/, cm lang. Er scheint ca.
12 kleine von der Haube zum Labmagen sich hinziehende Fältchen zu
besitzen. Ein Segel ist nicht zu erkennen. Die Demarkationslinie von
Drüsen- und cutaner Schleimhaut ist scharf, die Brückenlabmagenfalte
deutlich. Der Labmagen ist mit 12 ca. 3!/, mm hohen Falten besetzt.
Am cardialen Ende sind sie zahlreich verzweigt und anastomosieren
reichlich miteinander.
Nanotragus.
29 cm lang. Ich hatte Gelegenheit jene Tragulidenmägen mit einem
solchen eines ebenso kleinen Wiederkäuers zu vergleichen, mit Nano-
tragus. Dies war umso interessanter als Boas in seiner Abhandlung
„Zur Morphologie des Magens der Cameliden und Traguliden‘ den
Nanotragusmagen in Vergleich zum Tragulusmagen setzt. Ent-
sprechend der Kleinheit des Tieres zeigte der Magen relativ geringe
Dimensionen. Derselbe, ein gutes Objekt, ist in Alkohol aufbewahrt
und zwar aufgeschnitten. Der Pansen hat eine Länge von 6 cm.
Interessant ist, daß zu den bekannten drei Falten, der Halsfalte mit
einer höchsten Höhe von I/, nm, dem ersten Pfeiler von 18 mm dem
zweiten Pfeiler von 3 mm, am Hauptpansenende noch eine vierte
Falte hinzukommt, die daselbst einen kleinen spitzen Endblindsack
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. Pal
abschnürt; auch der Nebenpansenendblindsack läuft ziemlich spitz
aus. Der ganze Pansen ist besetzt mit kleinen bis 11/, mm hohen dünnen
haarfeinen Papillen, die rasenartig die Schleimhaut des ganzen Pansens
und auch der Falten bedecken. Der Netzmagen klein und diekwandig
zeigt Hexagone mit Seitenlängen von 3 mm. Im Innern bergen sie
winzige kleme Papillen. Die Leisten sind äußerst schmal, erreichen
aber Höhen von 2!/, mm und sind am freien Rande gezähnelt. An der
Schlundrinne sind beide Lippen gut entwickelt und gehen am Ösophagus
und Psalter in emander über. Sie erscheinen oberflächlich fast glatt,
sind aber bei näherem Zusehen mit feinen Riefen verziert. Am Blätter-
magen ist trotz der Kleinheit des Tieres nichts rudimentär. Er weist
alle Charakteristiken des Omasus auf. Seine Länge beträgt 2!/, cm,
seine Höhe lem. Sein Inneres ist mit einer Reihe von Blättern (ca. 28)
ausgekleidet, von denen 10 primäre hervortreten, die bis 8 mm hoch
sind, 6 sekundäre bis 31/, mm hoch, 12 tertiäre bis 1,3 mm. Die Psalter-
brücke ist deutlich ausgebildet, mit zwei starken Brückenlippen
versehen. DiePapillen bilden sogar im vorderen Abschnitt die bekannten
vogelklauenartigen Gebilde. Im hinteren Teile sind sie klein und
warzig. Ein Segel ist vorhanden, wenn auch nicht sehr breit. Ein
direktes Übergehen der Psalter- in die Labmagenfalten, wie es Cordier
bei kleinen Formen beobachtet, konnte ich nicht konstatieren. Im
ganzen betrachtet find ich nichts, wodurch sich der Psalter des Nano-
tragus von denen der großen Wiederkäuer unterscheidet. Er zeigt
nur eine der niedlichsten Formen im Verhältnis zu den kolossalen
Magenformen der größeren Tiere wie Hirsch und Ziege. Der Labmagen
ist weit und birnförmig. Er besitzt zehn große bis 8 mm hohe Falten,
zwischen ihnen befinden sich noch einige kleinere. Alle stehen mit
einander durch reichliche Anastomosen in Verbindung. Die die
Brückenlabmagenfalte bildenden beiden Falten haben eine ziemliche
Verschiebung nach oben, der Curvatura minor zu erfahren. Die Falten
erstrecken sich direkt in die pyloriale Zone hinein, die wieder bedeutend
verdickt 11/, mm hohe Leisten trägt. Die Pylorusmuskulatur ist stark
entwickelt. Der Torus ca. 2!/, mm hoch.
Cervus dama.
1,40 m lang. Die Form des Pansens erinnert noch an die der
Traguliden, doch ist die schlanke Form nicht mehr so rein gewahrt
(Fig. 20). Der Pansen ist mehr in die Breite gegangen. Der Neben-
pansenendblindsack hat sich verkürzt, der Hauptpansen sich vergrößert.
An seinem Ende finden wir das schon bei Nanotragus beobachtete
spitze Hauptpansenendblindsäckchen wieder, das hier einen größeren
Umfang erreicht und aufs deutlichste zum Ausdruck gelangt. Dasselbe
ist nach Cordier für den Magen der Cervicornier charakteristisch. Die
Halsfalte ist nur gering entwickelt. ca 1 cm hoch, der zweite Pfeiler
ca. 11/,, der erste Pfeiler dagegen erreicht die erstaunliche Höhe von
7!/, cm. Die Papillen sind meist zapfenförmig, die größten aber schmal
und zungenförmig. Die Papillen fehlen an den Hauptfalten, die dafür
33 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
mit Wärzchen versehen sind. Der Netzmagen ist noch relativ groß.
Ein Durchschimmern der Netzmagenleisten durch seine Wand ist nicht
mehr möglich. Die Hexagone erreichen Seitenlängen bis zu 1 cm. Die
Leisten sind ganz niedrig ca. 1 mm hoch. Auffallenderweise stimmen
sie ganz überein mit denen von Hyaemoschus, d.h. sie sind ebenfalls
am freien Rande mit einer Reihe dornförmiger Papillen versehen. Se-
kundäre Leisten sind nicht zu beobachten. Die Schlundrinne ist ca.
21/, em breit, ihre Lippen sind beide gut entwickelt, doch reichen sie
nicht bis an den Ösophagus heran. Der Blättermagen ist länglich
nierenförmig, seine Längsachse beträgt ca. 9 cm, seine Querachse
ca. 4 cm. Sein Blattsystem ist triplicat, die Zahl der Blätter beträgt
ca. 28, die primären sind bis 33 mm, die sekundären bis 19, die tertiären
bis 7 mm hoch. Das Segel ist ca. 7 mm breit. Der Labmagen ist länglich
birnförmig. Sein Innenraum ist reich gefaltet, zeigt 18 Falten, die
jedoch nicht alle gleichwertig sind. Es treten zehn Hauptfalten mit
einer Höhe bis zu 3 cm hervor, die andern sind bedeutend niedriger
und meist Abzweigung der großen.
Ziege.
98 em lang. Der Pansen hat eine bedeutende Verkürzung in der
Längsachse erfahren, dagegen ist eine beträchtliche Breitenzunahme
zu konstatieren (Fig. 21). Der Hauptpansen hat sich bedeutend
vergrößert. Der Nebenpansenendblindsack erreicht bei weitem nicht
mehr die Ausdehnung wie z. B. bei den Traguliden, er ist verkürzt
und abgeflacht. Als Ergebnis dieser Verhältnisse resultiert die aus-
gesprochene rundliche, sackförmige Gestalt des Pansen. Im Innern
ist der erste Pfeiler sehr gut (6 cm hoch) entwickelt, die Halsfalte ist
nur 1V/, cm, der hintere Pfeiler 1 cm hoch. Die zungenförmigen Papillen
sind im Hauptpansen am höchsten bis 3 mm lang. Er gibt zwar noch
vereinzelte höhere, offenbar Abnormitäten mit eigentümlich gedrehter
Form. In den andern Abteilungen werden sie kürzer und breiter und
nähern sich der Spatelform. Der erste und zweite Pfeiler zeigen statt
der Papillen nur Warzen, dagegen treten an der Halsfalte die Papillen
noch deutlich, wenn auch verkürzt hervor. Der Netzmagen ist ver-
hältnismäßig klein und kurz, dafür hat sich seine Wand sehr verdickt.
Die weitesten Maschenräume an der konvexen Krümmung haben
Seitenlängen von 5 mm und zeigen vielfach sekundäre Leisten. Die
Hauptleisten erreichen Höhen von 4 mm. An der konvexen Krümmung
sind sie etwas niedriger. Sie sind seitlich gerieft, mit Wärzchen versehen
und am freien Rande gezähnt. Die Papillen in den Zellräumen sind
ganz klein, kaum !/, mm hohe Gebilde. Die Schlundrinne hat eine
Breite von 7 mm, die Lippen bilden einen geschlossenen Ring und sind
beide gleich stark. Der Blättermagen hat eine hochgewölbte nahezu
halbkreisförmige Gestalt. Die lamelläre Komplikation in seinem
Innern ist bedeutend. Der Psalter ist quadruplikat. Die Gesamtzahl
der Blätter beträgt ca. 56. Die primären Blätter erreichen eine Höhe
von 30 mm, die sekundären von 18, die tertiären von 3, die quarternären
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. 23
bis 1 mm; letztere werden repräsentiert durch lineare Reihen ver-
schmolzener Papillen. Der Labmagen ist relativ kurz und von retorten-
förmiger Gestalt. Er ist ausgestattet mit 12 bis 14 mm hohen dünnen
Längsfalten. Sie enden bevor sie den pylorialen Abschnitt erreichen,
von dem sie durch eine völlig glatte Zone getrennt sind. Die pyloriale
Region ist mit einigen leistenförmigen Wülsten versehen.
Die Resultate des Vergleichs der Mägen.
Nach diesen Betrachtungen sind wir erstaunt über den bemerkens-
werten einheitlichen Bauplan der Mägen. Es zeigte der Traguliden-
magen die weitgehendste Verwandtschaft zu denen von Nanotragus,
Hirsch und Ziege. Blicken wir zurück, so konnten wir im Laufe der
Untersuchung eime bei Hyaemoschus als dem einfachsten beginnende
fortschreitende Komplizierung des Organs konstatieren. Wir beob-
achteten eine ganze Anzahl ihr koordinierter Charaktere und konnten
gewisse parallele Transformationen an den Cavitäten und ihren Teilen
bemerken, die auch deutlich durch die Zeichnungen illustriert werden
und auch durch die genaueren Maße der folgenden Tabelle
verdeutlicht werden. Der Pansen ist bei den Traguliden schlank und
Pansen Haube Psalter Labmagen
Tier Längs- | Quer- | Längs- | Quer- | Längs- | Quer- | Längs- | Quer-
achse | achse achse | achse achse | achse achse | achse
cm cm cm cm cm cm cm cm
Hyaemoschus . . . 17 2 6 5 [09 0,9 11 3
Hirsch ul 2er ng 31,| 27 | 81,
Baer) zicshl.. et 8 7 | 6%| 5%| 20 | 7,
Die Tabelle gibt ein anschauliches Bild von den Maßverhältnissen. Es
handelt sich dabei um Längs- und Querachsen, Als Längsachse ist die größte
Ausdehnung in der Längsrichtung, als Querachse die Breite an der Stelle der
größten Ausdehnung bezeichnet worden.
lang gestreckt, beim Hirsch intermediär zwischen obigem und der
Ziege, bei der er ausgesprochen rundlich und sackförmig erscheint.
Er zeigt eine zunehmende Verkürzung der Längsachse und eine zu-
nehmende Verlängerung der Breitenachse. Gleichzeitig tritt eine Ver-
kürzung des Nebenpansenendblindsackes ein, der bei den Traguliden
groß und spitz ist, beim Hirsch sich verkleinert und bei der Ziege sich
sehr verflacht. Der Nebenpansenendblindsack ist äußerst einfluß-
reich auf die Form des Pansens und bestimmt wesentlich mit den
Charakter des Pansens. Der Netzmagen ist bei den Traguliden relativ
am größten, bei der Ziege am kleinsten. Hand in Hand mit dieser
Verkleinerung der Gestalt geht eine Verdickung der Wand, ein Höher-
werden der Netzmagenleisten, die Entwicklung sekundärer Leisten
und eine fortschreitende Ausbildung der Leistenmuskulatur. Interessant
ist auch die phylogenetische Entwicklung der Schlundrinne, die bei den
Traguliden breit mit minimalen Anlagen von Lippen, bei der Ziege
schmal zu einem ringförmigen stark wulstigen Gebilde heranwächst.
24 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
Der Blättermagen ist röhrenförmig und gestreekt bei den Traguliden,
lang und nierenförmig bei Nanotragus und Hisrch, kurz und halb-
kugelig bei der Ziege; damit verbindet sich eine zunehmende lamelläre
Komkpliation. Der Psalter ist simplikat bei Hyaemoschüs, duplikat
bei Tragulus, triplikat bei Nanotragus und Hirsch, quadruplikat bei
der Ziege. Am Labmagen greift eine zunehmende Verkürzung um sich
im Verein mit einer Verbreiterung am cardialen Teile. Er ist bei den
Traguliden lang und darmförmig, beim Hirsch birnenförmig, bei der
Ziege retortenförmig. So hat die Zusammenstellung eine ganze Anzahl
wichtiger Resultate gezeitigt. Wir sahen das Organ einer wachsenden
Ausbildung seiner Organisation entgegenstreben, am deutlichsten
und klarsten trat das zutage am Omasus. Diese Befunde bereichern die
durch ähnliche vergleichende Studien von Pucheran, Garrod und
Cordier erzielten Resultate. Es gelang mir festzustellen, daß die Tra-
guliden im Bau ihres Magens den Hirschen nahe aber noch weit ein-
fachere Verhältnisse aufweisen und der Cavicorniermagen die kompli-
zierteste und modernisierteste Endform darstellt. Diese aus der ver-
gleichend anatomischen Behandlung des Magens gewonnenen Re-
sultate decken sich aber vollständig mit denen der allgemeinen
Systematik und der Paläontologie, die durch ihr Material eine fort-
schreitende Entwicklung von einfachen und niederen zu höheren
Organisationsstufen nachweist, und das Gesetz der fortschreitenden
Vervollkommnung in der zeitlichen Aufeinanderfolge der Gruppen
bestätigt.
Es wäre aber noch die Frage zu erörtern, ob wir im Magen der
Traguliden ein Produkt excessivster Rückbildung zu erblicken haben
wie es Boas annimmt. Seine Gründe sind folgende. 1. „Dieim Vergleich
zu andern Wiederkäuern minimale Körpergröße.“ Vergleichen wir
den Magen von Hirsch und Ziege; wir sehen, daß der Magen und seine
Teile und die Körpergröße in ihrem voluminösen Verhalten sich nicht
immer entsprechen. Das zeigt deutlich das Verhalten des Netzmagens
und des Psalters. Es wäre dann der Omasus des Hirsches im Verhältnis
zu dem der Ziege zu klein. Außerdem besitzt der kleine Nanotragus
einen triplikaten Psalter, der große Hirsch einen ebensolchen, die wieder
viel kleinere Ziege aber einen quadruplikaten. Man sieht, daß die
Körpergröße noch keinen Rückschluß gestattet auf die Größe und
Komplikation des Organs. Obiger Grund dürfte also nicht stiehhaltig
sein. 2. ,„.Auf die excessive Rückbildung weist die analoge Rückbildung
bei andern kleinen Wiederkäuern mit Entschiedenheit hin.“ Boas
deutet hin auf Cephalolophus maxwelli und Nanotragus. Ich erinnere
an die bereits besprochenen Befunde bei Nanotragus. Wir konnten
bei Nanotragus keine Anzeichen der Rückbildung beobachten. Der
Omasus war völlignormal, gewissermaßen ein Miniaturbild jener großen
Mägen. 3. „Man wird sich wohl überhaupt die verschiedenen Haupt-
abteilungen des Wiederkäuermagens als von vornherein ansehnliche
Portionen des Magens vorzustellen haben.“ Ihm pflichtet Cordier
bei mit großen Worten: Car on le (feuillet) veit appareitre brusquement
pour la premiere fois dans un &tat suffisant de developpement.“ Wir
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. 35
haben aber deutliche Übergangsstufen. Wir sahen bei Hyaemoschus
einen simplikaten Blättermagen mit Anlagen von 2 Blättern, bei
Tragulus einen duplikaten, bei Moschus moschiferus einen duplikaten
(vergl. Cordier $. 104/105) bei Nanotragus einen triplikaten. Wir sahen
daß auch in diesem Falle wie so oft schon sich wieder das alte
Sprichwort bewährt: Natura non facit salta. Jedenfalls aber findet
die Annahme einer regressiven Metamorphose an obigen Befunden
keine Stütze. Nein, alle Umstände deuten daraufhin, daß wir bei
den Traguliden eine phylogenetische frühe Stufe der Ausbildung
des Wiederkäuermagens vor uns haben. Wir erinnern uns der
Worte Krazowskis, wonach der Psalter in seiner Ontogenese Stadien
durchläuft, welche mit denen übereinstimmen, die noch gegenwärtig
bei weniger weit differenzierten Wiederkäuerformen bestehen, also
Verhältnisse darbietet, denen phylogenetisches Interesse zuerkannt
werden muß.
Oppel in”seinem Buch: ‚Vergleichung des Entwicklungsgrades
der Organe zu verschiedenen Entwieklungszeiten bei Wirbeltieren‘“
wandte dem Entwicklungsgrad der Organe seine besondere Aufmerksam-
keit zu. Oppel bezeichnet als seine Aufgabe eine Vergleichung der
verschiedenen Entwicklungsgrade der Organe verschiedener Tiere
zu verschiedenen Zeiten der Entwicklung. Er will die zeitliche Reihen-
folge, in welcher sich die einzelnen Organe im Vergleich zu einander
entwickeln, d. h. ihren Entwicklungsgrad bei verschiedenen Tieren
vergleichen. Oppels Resultat war, daß sich in den Entwicklungsstufen
verschiedener Wirbeltiere „ähnliche ontogenetische Reihen“ finden.
Das soll heißen, die Wirbeltiere zeigen zu bestimmten Entwicklungs-
zeiten in dem Entwicklungsgrad verschiedener Organe Ähnlichkeit
untereinander. Ähnlich sind nach Oppel junge Stadien untereinander,
alte untereinander, gleichaltrige nahestehende untereinander, ältere
Stadien der niederen Tiere den jüngeren höherer. Die Unterschiede,
welche solche Reihen zeigen, können als zeitige Verschiebungen in dem
Entwicklungsgrad einzelner Organe oder Organsysteme bezeichnet
werden. Einzelne Organe zeigen bedeutende, andere mäßige, wieder
andere geringe zeitliche Verschiebungen. Unter den Entwicklungs-
stufen der höheren Tiere glaubt nun Oppel solche herausfinden zu
können, welche den Stammformen und damit den solchen Stamm-
formen ähnlich gebliebenen niederen Tieren entsprechen. Die Unter-
schiede in der Entwicklung stammverwandter Tiere nennt‘ Oppel
ihre „ontogenetische Ditferenz“. Die kleinste ontogenetische Differenz
besteht zwischen der Entwicklung einas Individuums und seiner direkten
Vorfahren. Die ontogenetische Differenz erklärt es, warum die Ontogenie
nur zum Teil die Wiederholung der Phylogenie sein kann. So kommt
Oppel dazu, dem biogenetischen Gesetz eine, wenn auch beschränkte
so doch sehr bedeutungsvolle Geltung zuzuschreiben. Ein Vergleich
ist in mehrfacher Hinsicht interessant; vor allem sind es zwei Gesichts-
punkte, die ihn wichtig erscheinen lassen. Sowohl vom Standpunkte
des Forschers, der vom Phylogenetischen Standpunkte geleitet arbeitet,
als für den, welcher die unmittelbare kausale Verknüpfung der Ent-
26 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
wicklungsvorgänge in den Vordergrund stellt, muß die Vergleichung
Erfolg versprechen. Wenn wirklich der Satz: Die Entwicklungs-
geschichte des Einzelwesens ist eine Wiederholung seiner Stammes-
geschichte, allgemeine Geltung hat, ein Gesetz ist, so wird man die
phylogenetische Abstammung der Tiere aus ihrer Entwicklungs-
geschichte ablesen können, und die einzelnen Stadien in der Entwicklung
werden die Etappen darstellen, welche die Vorfahren einstmals erreicht
haben. Durch die Vergleichung dieser Stadien mit entsprechenden
anderen Tiere wird man die Beziehungen, welche beide Stammbäume
haben, auf das Beste ermitteln können (19). Faßt man das Angeführte
zusammen, s0 ergibt sich, daß es von großem Wert sein muß, Aufschluß
darüber zu erlangen, ob der Wiederkäuermagen in seiner Ontogenie
solche Stadien aufweist, die mit dem Verhalten bei den Traguliden
übereinstimmen. In der Tat nun gelang es mir, in der neueren Literatur
über die Ontogenese des Wiederkäuermagens entsprechende Anhalts-
punkte zu finden. Nun sind die ontogenetischen Studien zumeist
an Rindsembryonen vorgenommen worden, doch kann uns das nicht
hindern, dieselben hier zum Vergleich heranzuziehen, denn das Rind
als das modernisierte Endglied der Wiederkäuerreihe zeigt die bei der
Ziege konstatierten Befunde in nur noch prägnanterer Form. Der
Netzmagen ist noch weiter zurückgegangen, sekundäre Leisten aufs
deutlichste ausgeprägt, der Netzmagen ist der kleinste Magenabschnitt
geworden, der Omasus ist weiter gewachsen und hat die dritte Stellung
der Größe nach eingenommen, seine lamelläre Komplikation ist ge-
stiegen, er ist quinqueplicat. Ich begnüge mich mit der Aufzählung
der am meisten in die Augen springenden Homologien:
Infolge des Anstoßens an die Keimdrüse und Urniere muß sich
später der Pansen nach Martin jedoch abermals und zwar diesmal
wieder in eranialer Richtung umbiegen, so daß er sich schließlich in
Form eines 11/, fachen S vom Schlunde an gerechnet darstellt. Diese
S form ist auch von Stoß beschrieben worden (39).
Der ursprünglich hakenförmig an den Nebenpansen sich an-
schließende kaudale Blindsack wird durch den Druck des später noch
mehr ventral herabrückenden Hauptpansenblindsackes flach ge-
drückt, so daß er endlich als ein rundliches kaudales Anhängsel des
Nebenpansen erscheint (39).
Der Pansen des Rindsembryos von 3,3 cm Scheitel-Steißlänge
ist S förmig (39).
Die Blätter erster und zweiter Ordnung (beim Rindsembryo von
14,5 em Scheitel-Steißlänge) haben schon Papillen gebildet, die das
Epithel mit emporgehoben haben und dadurch den Buchblättern auf
dem Querschnitt ein gezacktes, an Eichenlaub erinnerndes Aussehen
verleihen (39).
Fassen wir zunächst einen Querschnitt durch den mittleren Teil
der Omasusanlage (beim Rindsembryo von 3—4 Wochen) ins Auge,
so erkennen wir, da die Bindegewebsschleimhaut an der dorsalen
Fläche des Organs zwei Fortsätze gebildet hat, die sich mit fast halbkreis-
förmiger Kontur versehen in das Lumen vorwölben. Sie nehmen die
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. 97
ganze dorsale Fläche der Omasusanlage ein und lassen zwischen sich
eine Einbuchtung, welche in Form und Ausdehnung mit ihnen
korrespondiert und genau die Mitte der großen Kurvatur des Psalters
einnimmt. Durch eine kleine Einbuchtung getrennt zeigen sich seitlich
von den ersten Vorsprüngen zwei weitere, die jedoch nicht die gleiche
Höhe erreichen, sich vielmehr nur als kleine flache Buckel
charakterisieren (Fig. 1). Die Seitenteile der Omasusanlage sind im
Übrigen noch vollständig glatt und eben (18).
An dem Psalter eines um ein geringes älteren Rindsembryo hat
das Blättersystem schon einen verhältnismäßig bedeutenden Ausbau
erfahren. Indem sich seitlich je zwei neue Blätter gebildet haben,
ist nun fast die ganze Circumferenz des Psalters in die Blätterbildung
eingetreten, so daß seine ganze innere Oberfläche ein unebenes, welliges
Aussehen erhalten hat. Dabei sind die oberen sechs Blätter durch
gleiche Größe ausgezeichnet, während die beiden unteren der Wand
als flache Hervorwölbungen aufsitzen (18).
Jedenfalls aber dürfte zu hoffen sein, daß durch zukünftige ver-
gleichende Studien weitere auffällige Übereinstimmungen zutage
gefördert werden. Wir treffen also dieselben Entwicklungszustände
an, hier bei Embryonen, dort bei weiterentwickelten Tieren; auf-
fallende Tatsachen, die jedenfalls zu denken geben. His sagt im 16. Brief
über „Unsere Körperform‘“: „„Der gesetzliche Zusammenhang aller der
Körperentwicklung zu Grunde liegenden Vorgänge ist ein Prinzip,
mit welchem in Zukunft auch die Dessendenzlehre in noch ganz
anderem Maße wird zu rechnen haben als dies bisher geschehen
ist.“ Offenbar durchläuft der Magen der Rinder in seiner Ontogenese
jene einfachen Stadien, die wir hier bei diesen kleinen Wiederkäuern
vorfinden. Ohne Zweifel haben wir in diesen Formen die phylogenetischen
Vorstufen derjenigen Bildung zu erblicken, die auch das Genus Bos
aufweist (18). Jedenfalls aber dürfte das sich bestätigen, was Kra-
zowski, Oppel und Grote bereits auf Grund ontogenetisch und phylo-
genetischer Studien weit ausschauenden Blicks voraus ahnten, nämlich
daß bei Traguliden tatsächlich ein frühes Stadium der Psalter-
entwicklung vorliegt. Entgegen der Anschauung von Boas würden
wirin dem Magen nicht zu erblicken haben einen rudimentär gewordenen,
sondern einen rudimentär gebliebenen. Dafür sprechen die Ergebnisse
1. der mikroskopischen Untersuchung.
a) Das Epithel des Omasus von Hyaemoschus stimmt in seinem
Bau überein mit dem der Schlundrinne.
b) Die bis zum Psalter weit hinabreiehende gestreifte Muskulatur
der Schlundrinne bei Hyaemoschus.
2. der vergleichenden Anatomie.
a) Der Magen von Hyaemoschus erscheint als der einfachste,
und man bemerkt von da aus eine fortschreitende Komplizierung.
3. der ÖOntogenie.
a) Die eigentümliche S forın des Pansens findet sich bei Traguliden
und bei jungen Rindsembryonen.
28 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
b) Die Blattformen stimmen in ihren frühesten Anlagen überein.
4. Es verrät nach Rütimeyer überhaupt der ganze Habitus der
Traguliden einen auffälligen Jugendhabitus und zeigt Merkmale
nicht etwa individuellen Jugendzustandes, wohl aber jugendlichen
Stammesalters. Der Magen zeigt ebenso die Merkmale jugendlichen
Entwicklungszustandes, ein Verharren auf relativ jugendlichem Zu-
stand. Der Befund am Magen paßt also vollkommen in den Rahmen
des allgemeinen Bildes. Es würden die Befunde am Tragulidenmagen
nur das bestätigen, was Rütimeyer auf Grund seiner osteologischen
Untersuchungen konstatierte, nämlich den Stillstand der Stammes-
metamorphose. Der Körper ist nicht mehr entwicklungsfähig,
anpassungsfähig; die natürliche notwendige Folge davon ist, daß er
dem Kampf ums Dasein nicht mehr gewachsen ist. So sehen wir die
Tiere heut zurückgedrängt auf eng begrenztem Raum, während sie
früher weite Gebiete Europas bevölkerten, wie uns die Funde aus dem
Mioeän Frankreichs und der Schweiz lehren. Auch das Berner natur-
historischeMuseum bewahrteinen hier im Miocän gefundenen Traguliden-
zahn auf. Es handelt sich bei den Traguliden offenbar um eine Form,
die von der Natur auf den Aussterbeetat gesetzt ist, im Erlöschen
begriffen ist, ähnlich wie Elen und Wisent und andere, aber heute
noch lebend ein wichtiges Übergangsglied verkörpern zwischen jenen
palaeontologischen Formen und unsern heutigen modernen Wieder-
käuern. Andererseits berechtigen die Funde zu dem Gedanken, daß
wir in den Traguliden, diesen kleinen hornlosen Wiederkäuern, den
Typ haben, aus dem sich unter Vermittlung von Zwischenformen
wie Moschus moschiferus und Nanotragus unsere horntragenden Wieder-
käner die Öervicornier und Cavicornier herausdifferenzierten. Damit
würde den Traguliden die isolierte Stellung genommen sein, in die sie
bisher verwiesen wurden.
Lama.
(Das Objekt ist im Nelkenöl präpariert.)
Nur die Tragulinen (Hyaemoschus und Tragulus) und die Tylo-
poden (Camelus und Auchenia) besitzen Mägen, an denen der Omasus
noch nicht zur Ausbildung gelangt ist. Da die beiden genannten Wieder-
käuergruppen, die nicht kürzer und prägnanter charakterisiert werden
können, als wenn man sie mit L. Rütimeyer ‚als das sprödeste be-
zeichnet, was unter Wiederkäuer noch bis auf den heutigen Tag Fleisch
und Blut behalten hat,‘ in Bezug auf manche andere Organisations-
verhältnisse sehr erheblich von einander abweichen, so ist die Überein-
stimmung, die sie hinsichtlich der noch nicht eingetretenen Sonderung
des Omasus zeigen, um so bemerkenswerter. Hierdurch schon allein
läßt die Anschauung sich begründen, daß die Formeigentümlichkeiten
des Wiederkäuermagens das Resultat eines ganz allmählich sich voll-
ziehenden Differenzierungsprozesses bilden und daß speziell der Omasus
als phylogenetisch wie ontogenetisch jüngstes Differenzierungsergebnis
anzusehen ist (22). Ist nun der Lamamagen mit obigen Befunden in
Einklang zu bringen? Der Tylopodenmagen ist schon oft das Objekt
tee ee
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden, 29
zahlreicher Arbeiten gewesen. Home konstatierte die Gleichheit
des Magens von Kameel und Lama. Die Entdeckung der Besonderheiten
der Lagerungs- und Formverhältnisse des Kamelidenmagens ist schon
sehr alt. Ebenso alt ist aber auch das Bestreben, den Kamelidenmagen
dem der typischen Wiederkäuer zu assimilieren. Er bietet denn auch
viele Ähnlichkeiten, die geradezu zu einem Vergleiche herausfordern.
Die Einteilung nach Home erscheint mir die natürlichste und am
meisten den morphologischen Verhältnissen angepaßt zu sem. Nach
ihm entspricht jener große kugelig gestaltete Abschnitt zweifellos
dem Pansen der Wiederkäuer (Fig. 22). Doch vermisse ich hier die
tiefen Furchen, sowie die scharf herausgebildeten Säcke. Seine Ober-
fläche zeigt zwei Abschnitte, die mit den bekannten Wasserzellen
besetzt sind. An den Pansen schließt sich der Netzmagen an. Er ist
von ersterem durch keine Falte, sondern nurdurch eineleichte Constrietion
kaum gesondert. Er stellt eine kleine Höhle dar von ovaler Form
mit schon äußerlich deutlicher zelliger Struktur das offenbare Gegen-
stück zum Reticulum der Wiederkäuer. Ihm folgt der Blättermagen,
ein schmaler röhrenförmiger Abschnitt von etwa 8 mm Länge, der auch _
von Cordier beobachtet wurde. Die topographischen und morpho-
logischen Verhältnisse dieses Teiles erinnern so gänzlich an den Blätter-
magen der Traguliden, daß wir jedenfalls in ihm das Homologon zu
jenem sehen müssen. Dann erweitert sich der Magen wieder zu einem
schlauchförmigen Gebilde, dem Labmagen. Im Innern vermissen wir
am Pansen die wulstigen Pfeiler. Es ist zwar auch hier ein leistenartiges
Gebilde vorhanden, indem man ein Analogon zum ersten Pfeiler er-
blieken könnte und das einen Haupt- und Nebenpansen abzusondern
scheint. Pauntscheff äußert sich darüber folgendermaßen: ‚Der Pansen
der Tylopoden wird durch eine schwache Einschnürung am unteren
Teil, welche im Innern durch sog. Muskelpfeiler durchsetzt werden und
zwar der linke von einem solchen, der links vom Ösophagus herkommt,
in der ganzen Länge desselben verläuft und Quermuskelfortsätze
von sich abgibt, welche sackförmige Ausstülpungen, sog. Zellen zu um-
fassen scheinen, der rechte dagegen von einem Muskelpfeiler, welcher
nicht weit vom Ursprunge des ersteren (beide sollen gemeinsamen
Ursprungs sein) einen Zweig entsendet, der die von Brand beschriebene
Erweiterung mitbilden hilft und weiterhin zu dem ersten umbiegt.
Der den rechten Sack versorgende Pfeiler scheint eine spätere
Differenzierung zu sein, da er im vorliegenden Falle sehr wenig ent-
wickelt war, und noch keme Muskelfortsätze aussenden konnte, während
der des linken Sackes deutlich vorsprang.“ Auffallend ist das völlige
Fehlen der Papillen. Nur in jenen bekannten Wasserzellen konstatierte
Pauntscheff papillenartige Gebilde: ‚Das Stratum epitheliale bestand
aus rundlichen oder abgeplatteten protoplasmareichen Zellen, welche
Wucherungen nach außen bildeten und noch keine Verhornung zeigten.
Diese Epithelwucherungen ragten in Form von Zotten in das Lumen
der Zelle hinein.“ Im Netzmagen erinnern die Zellräume an jene im
benachbarten Pansen und nach Cordier ist der Netzmagen nur das
untere Ende der großen Region der Wasserzellen. Die Zellräume
30 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
sind von Leisten begrenzt, höheren primären und kleineren sekundären,
die sich im rechten Winkel kreuzen. Die Leisten in den Zellräumen
des Pansens haben oben am freien Ende seitliche Fortsätze, die im
Netzmagen entbehren derselben. Wieder abweichend mündet beim
Lama die Schlundrinne in den Pansen. Sie verläuft erst eine kurze
Strecke am Pansen, um dann an der Netzmagenwand zum Blätter-
magen hin sich zu erstrecken. Sie bildet eine auffallend breite Rinne,
begrenzt von zwei leichten Lippenwülstehen, von denen die links
schwächer ist, wenn auch kenntlich angedeutet. Der Blättermagen
erscheint am vorliegenden getrockneten Objekt röhrenförmig und ist
wie der der Traguliden deutlich gegen seine Umgebung abgesetzt.
Sein Inneres ist nach Home glatt. Der Labmagen trägt in seinem
vordersten Teil einige minimale Fältchen, sonst ist er glatt. Am Ende
ist er mit einer deutlichen Pylorusmuskulatur versehen, die ganz der
des Schweines gleicht. Jenseits des Pylorus erscheint eine nochmalige
dem Dünndarm angehörende Erweiterung.
So sahen wir, daß der Tylopoden- und der Wiederkäuermagen
große Ähnlichkeiten aufweisen, die aber weit eher homolog, denn als
"identisch mit denen des typischen Wiederkäuermagens erscheinen.
Jedenfalls aber lassen sie mindestens eine Brücke zwischen den sich
geographisch so weit entwickelten Gruppen voraussehen. Es zeigten
sich aber auch eine ganze Anzahl von Abweichungen. Die mikroskopische
Forschung hat noch eine weitere Reihe wesentlicher Unterschiede
aufgedeckt. So fanden sich Drüsen in den sog. Wasserzellen des Pansens,
ebenso in den Zellen des Netzmagens. Boas trat mit neuen Unter-
suchungen an jene so delikate Frage heran und wandte seine Auf-
merksamkeit besonders dem Mittel- und Hintermagen zu: „Der ganze
übrige fast röhrenförmige Teil des Kamelidenmagens ist es nun, welcher
allgemein als dem Hintermagen (Labmagen) der typischen Wieder-
käuer entsprechend aufgefaßt wird. Äußerlich erscheint er in der Tat
einfach. Wenn man aber den geöffneten Magen untersucht, zeigt es
sich, daß die Schleimhaut in zwei sehr bestimmt unterschiedene Partien
zerfällt.
In einer größeren, dem Vordermagen zunächst liegenden Partie,
ist die Schleimhaut sehr dünn, in der übrigen, kleineren Partie ist sie
viel dicker; bei einem erwachsenen baktrischen Kameel hatte jene eine
Länge von ungefähr 60 cm, letztere war ungefähr 12 cm lang. Bei der
mikroskopischen Untersuchung ergab es sich, daß die dünne Schleim-
hautpartie mit dicht gestellten, aber ungemein kurzen Drüsenschläuchen
versehen war; dementsprechend hat natürlich auch hier das gewöhnliche
Zylinderepithel die Innenseite des Magens bedeckt. Letzteres ist aber
an den untersuchten Objekten schon abmaceriert gewesen. Nur
ganz dieht am Vordermagen an einer kleinen
begrenzten, einseitigenStells,welchealsdirekte
FortsetzungderSchlundrinneerscheint,istdie
Schleimhaut der der Schlundrinne ganzähnlich,
d. h. drüsenlos und mit einer mehrschichtigen
Pflasterepithel bedeekt. Die dicke Schleimhautpartie
der Wiederkäuer vornelimlich der Traguliden. 31
hatte dagegen den Charakter einer gewöhnlichen Magenschleimhaut:
Die Drüsenschläuche waren von ansehnlicher Länge, mehrmals so lang
wie in der dünnhäutigen Partie. Was die gröberen Verhältnisse der
Schleimhaut beider Abschnitte betrifft, ist folgendes zu bemerken.
Im größten Teile des dünnhäutigen Abschnitts finden wir zahlreiche
dichtgestellte dünne bis etwa 11/, cm hohe Längsfalten, welche an dem
an den Vordermagen grenzenden Ende in niedrige unregelmäßige netz-
förmige Falten übergehen; die mit letzteren bedeckte Fläche ist aber
in keiner Weise von der übrigen weit größeren mit Längsfalten aus-
gestatteten abgegrenzt; die kleine drüsenlose Fläche an der Grenze
des Vordermagens ist faltenlos.. Anmerk.: Es ist diese, mit netz-
förmigen Falten ausgestattete, resp. an der letztgenannten Stelle
faltenlose, etwas engere Grenzpartie, welche von Brand als dem Blätter-
magen anderer Wiederkäuer entsprechend aufgefaßt wird. Auch im
diekhäutigen Abschnitt fanden sich einige, aber weniger zahlreiche
und dickere Längsfalten der Schleimhaut, welche sich oralwärts in
einige derjenigen des dünnhäutigen Abschnitts fortsetzten. Am Py-
lorusende findet sich ein ähnlicher starkentwickelter Schließwulst
wie beim Schweine. Nach meiner Auffassung ist nun der ganze
mit dünner Schleimhaut versehene Abschnitt dem Blätter- oder
Mittelmagen anderer Wiederkäuer homolog‘“ (3).
Boas beobachtete also jenen kleinen röhrenförmigen Abschnitt
auch, maß ihm aber wenig Wert bei, sah in den mit kleinen Fältchen
versehenen ersten zwei Dritteln des Labmagens einen immensen
Blättermagen. Schon Cordier tritt dem entgegen und macht darauf
aufmerksam, daß jene Falten an die Längstalten im Labmagen der
Traguliden erinnern. Nach Pauntscheff enthält jener Abschnitt beim
Kamel zwei muskulöse Leisten, welche aber nicht parallel verlaufen,
sondern ein Elipsoid bilden und einen weiten Raum zwischen sich
lassen. Ich glaube nun nicht fehl zu gehen, wenn ich in jener Falten-
bildung das Analogon sehe zu den Falten 4 bei Tragulus javanieus,
die an der Bildung der Brückenlabmagenfalte beteiligt. Jener von
Boas als Blättermagen aufgefaßte Abschnitt zeigt nicht geschichtetes
Epithel, wie sonst der Blättermagen der Wiederkäuer, sondern eine
drüsentragende Schleimhaut. Die Drüsen sind ungemein kurze, jenen
im Pansen und Netzmagen ganz gleiche Schläuche. Nun erinnere ich
daran, daß wir bei Hyaemoschus im ersten Abschnitt des Labmagens
ebenfalls solche ungemein kurze Drüsen vorfanden. Dies veranlaßt
mich zu erwägen, ob wir nicht jener von Boas als immenser Blätter-
magen aufgefaßte Abschnitt doch eine ausgedehnte Cardiadrüsenregion
vor uns haben, jener bei Hyaemoschus vergleichbar. Nach Boas geht
an der Grenze des Vorder- und Mittelmagens die drüsige Schleimhaut
der letzteren direkt in die der benachbarten Zellen über. Oppel ver-
mutet, daß die Drüsen der Wasserzellen eine Zersprengung der Cardia-
drüsen in zahlreichere kleinere Drüsengruppen darstellen. Wir sahen
den Blättermagen bei den Traguliden bereits morphologisch deutlich
differenziert als 1—1!/, em langes Gebilde. Nach Betrachtung des
vorliegenden Objekts und nach Durchsicht der Literatur erscheint
32 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
es mir nicht unwahrscheinlich, geworden, daß jener Abschnitt auch bei
den Kameliden vorhanden und den Blättermagen das vorerwähnte
8 mm lange Stück repräsentiert. Wie die Literatur zeigt, wird diese
Anschauung auch von andern Forschern Brand, Cordier, geteilt.
Aber auch in vergleichend-anatomischer Hinsicht dürfte jener kleine
drüsenlose Abschnitt viel eher einem kleinen Omasus entsprechen,
als jener große von Boas angenommene. Es wäre deshalb von hohem
Interesse, den kritischen Abschnitt daraufhin zu untersuchen, ob sein
Epithel mit dem der Schlundrinne übereinstimmt, wie wir es bei Hyae-
moschus konstatierten, vielleicht daß auch die Brückenbildung noch
gar nicht abgeschlossen ist. Möglicherweise ist es noch gar nicht zu
einem Zusammenschluß der sog. Grenzlippen gekommen und der
Psalter steht bodenwärts noch in offener Kommunikation mit dem Lab-
magen. Damit würde eine ganz natürliche Erklärung gefunden sein
für die Beobachtungen von Boas: „Das einseitigeVorhandensein von
Plattenepithel und von Drüsen auf der andern Seite.“ Vielleicht
liegen Verhältnisse vor, wie sie illustriert werden durch die Fig. 4—10
Krazowski, Fig. 1 bei Grote. Diese Erwägungen eröllnen weite phylo-
genetische Perspektiven. Dann würde der Tylopodenmagen ein. noch
weit früheres Stadium repräsentieren, als der des Hyaemoschus. Möchte
diese Frage von hohem phylogenetischem Interesse bald ihre Lösung
finden. Die mit Drüsen versehenen Partien machen einen nicht un-
beträchtlichen Teil der ganzen Vordermagenschleimhaut aus. Boas
sieht darin einen weiteren wichtigen primitiven Charakter der Kameliden.
Die Kameliden bilden eine weit niedrigere Stufe der typischen Wieder-
käuer. Das Skelet der Kameliden weist nach Boas eine ganze Anzahl
von Charakteren auf, die ein sehr primitives Gepräge tragen, Verhältnisse
bekunden, die von denen der typischen Wiederkäuer sehr different sind,
dafür aber große Ähnlichkeit mit denen besitzen, die bei den Schweinen
gefunden werden. Cordier meint, der Kamelidenmagen habe zu den
Ruminantien viel weitere Beziehungen, viel engere dagegen zu den
Pachydermen. Er bezeichnet die Kameliden als Wiederkäuver, die die
Magenorganisation der Pachydermen besitzen und er weist auf die
Ähnlichkeit zwischen dem Magen des Lama und dem des Pecarı hin.
Coudereau glaubt, daß sich das Schwein durch den blindsaekiörsrigen
Anhang den Wiederkäuern nähere.
Sus Nehringii.
Die Configuration des Schweinemagens (Fig. 23) ist die eines
langgezogenenen, gekrümmten zylinderischen Hohlorgans, an der man
zwei Curvaturen, eine große und eine kleine, zu unterscheiden vermag.
Er besitzt an seiner linken dorsalen Fläche ein Anhängsel, Blindsack,
Saceus coecus, das durch eine Einschnürung von der übrigen Magen-
höhle getrennt ist. Es lassen sich nach der Beschaffenheit der Schleim-
haut vier Regionen unterscheiden. 1. eine Schlundregion um den
Ösophagus mit einer mit einem der Wiederkäuerschlur.drinne ähnlichen
Gebilde. Sie ist mit eutaner Schleimhaut bedeckt, die sich mit scharfem
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden, £
o-=
und gekerbtem Rand gegen die benachbarte Drüsenschleimhaut
absetzt. 2. Eine linke Zone, sie nimmt ca. !/, des Magens ein, ihre Wand
ist sehr dünn. Sie gliedert sich in zwei Abschnitte, a) den kleinen
Blindsack, b) eine größere Partie von demselben Aussehen der Schleim-
haut. 3. eine mittlere Zone, ihre Wand ist sehr diek. 4. Eine rechte
Zone, ihre Wand ist wieder dünner. Gegen den Darın ist der Magen
abgeschlossen durch die Pylorusmuskulatur. Diese Zonen unter-
scheiden sich auch histologisch. 1 besitzt eime cutane drüsenlose
mit geschichtetem Plattenepithel und corpus papillare versehene
Schleimhaut, die aber wie Figur 23 zeigt ein Stückchen hinüberreicht
in 2a, den Blindsack. 2a ist besetzt mit kurzen Cardialdrüsen. 2b mit
etwas größeren. 3 zeigt Fundusdrüsen, die beträchtlich länger sind.
4 birgt Pylorusdrüsen. Der Übergang. zwischen den Drüsen ist ein
allmählicher. Wir konnten aus obigem entnehmen, daß verschiedene
Forscher Vergleiche zogen zwischen Wiederkäuer- und Schweine-
magen, dabei Bezug nehmend auf die äußere Gestalt und die histo-
logischen Verhältnisse. Krazowski ist es wieder, der interessante
Beobachtungen anstellt: „In diesen frühen Stadien (des embryonalen
Wiederkäuermagens) besteht noch eine bemerkenswerte Überein-
stimmung mit dem Verhalten, das der auch im ausgebildeten Zustande
einfach bleibende ur anderer Säugetiere um diese Zeit zeigt. Es
wird das ersichtlich, wenn man den Querschnitt des embryonalen
Wiederkäuermagens mit dem Querschnitt durch die Magengegend
eines 1 cm langen Schweinsembryos vergleicht.“ Martin bestätigt
die Befunde Krazowskis: „Wie schon Krazowski betont und wie ich
bestätigen kann, sind in dieser ersten Zeit der Lageveränderung Wieder-
käuermagen und einfacher Magen anderer Tiere sich in ihrem Ver-
halten sehr ähnlich. Dann aber scheiden sich die Wege. Die Grund-
züge der Umbildung sind zwar dieselben, lassen sich aber überall
wieder durcherkennen. Im Übrigen aber werden die Verhältnisse
beim Wiederkäuer immer verwickelter und nur durch die Brille der
Entwicklungsgeschichte läßt sich im ausgebildeten Zustande das Gleich-
artige wieder erkennen. Das Wichtigste, was wir als Beginn dieses
Auseinanderweichens der Form finden, ist, daß der Wiederkäuermagen
bald nicht mehr eine allmähliche Erweiterung des Schlundes darstellt,
sondern sich scharf von diesem absetzt. Bald sehen wir links von der
Schlundmündung die Magenwand sich ausbuchten und einen beträcht-
lich nach vorn sich verlängernden Blindsack bilden.“ Vergleichen wir
die Form- und Lageverhältnisse des embryonalen W iederkäuermagens
mit dem Schweinemagen, so werden uns gewisse Ähnlichkeiten auitallen.
Beim Schweinemagen erinnern die Formverhältnisse offenbar an jene
erste Differenzierung. Es dürfte der Schweinemagen jenes erste
Komplikationsstadium repäsentieren, sem saccus coecus obigem
Blindsack entsprechen. Analogien sind jedenfalls unverkennbar.
Aus jenem embryonalen Blindsack differenziert sich später nach
Martin Pansen und Haube: „Aus ihm entsteht später der linke
Pansensack oder wie ihn Krazowski nennt, der Hauptpansen und hat
dieser Forscher vollständig richtig vermutet, wenn er sagt, daß der
3
34 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
rechte Sack, Nebenpansen, der jüngere sei, indem von diesem fast
noch gar nichts zu sehen ist. — Außer dem stark ausgebuchteten linken
und kaum angedeuteten rechten Sack findet sich ein Anhängsel nach
der linken Seite, welches sich nach außen durch eine leichte Erhebung
der Magenwand kennzeichnet. Es stellt die erste Anlage der Haube
dar. Krazowski hat daher Recht, wenn er von einer Pansenhauben-
anlage spricht, denn beide entstehen aus einer einzigen Bucht des Darm-
rohrs.“ Wir erinnern uns der Traguliden und der histologischen
Untersuchung der Falten im Pansen. Es wies das Verhalten der
Muskulatur in den Falten deutlich hin auf den Ursprung von Pansen
und Haube aus einem ursprünglichen einförmigen Gebilde. Hatten
wir beim Schwein im Blindsack die ungeteilte Pansenanlage, so sind
wir bei den Kameliden einen Schritt weiter gekommen, entsprechend
obiger Entwieklungsphase, die Cavitäten sind in der Trennung be-
griffen, die ihren Ausdruck findet in der früher erwähnten leichten
Konstriktion zwischen 'Pansen und Haube. Zweifellos sind durch die
Vererbung bedingte Spuren des Weges, welchen die Phylogenie ge-
nommen hat in der Entwicklungsgeschichte vorhanden. Grote findet
bei seinen ontogenetischen Studien em Stadium, in dem der Pansen
des Rindsembryos eine kugelige, dem Pansen des Kameliden ähnliche
Form annimmt: „In den Gestaltungsvorgängen am Pansen der
typischen Wiederkäuer gibt es nun ebenfalis eine Phase in der das
Organ eine rundliche Form erkennen läßt, sie fällt in die Zeit, wo das
blinde Ende des Pansens am Zwerchfell angekommen ist und die
Tendenz hat nach links auszubiegen.““ Die histologischen Verhältnisse
sind bei Schwein und Lama jedenfalls auch zu beachten. Beim Schwein
ist der Blindsack noch fast ganz mit kurzen cardialen Drüsen aus-
gekleidet, beim Lama haben sich in der Pansenhaubenanlage die Drüsen
bereits auf wenige Stellen, die Wasserzellen reduziert. Die gleichen
Lagerungsverhältnisse von Pansen und Pansenanlage links von der
Schlundeinmündung und Schlundrinne beim Schwein, Lama und
Rindsembryo sind jedenfalls in die Augen springende Homologien.
Später erst kommt es beim Rindsembryo zu einer Linksdrehung des
gesamten Magenschlauches und der Pansen beschreibt neben mannig-
fachen Veränderungen in Form und Lagerung außer der Gesamt-
magendrehung noch eine eigene, die sog. Pansendrehung. Schon
Krazowski ist die durchaus andere Lage des Pansens gegenüber dem
fertigen Zustande aufgefallen. Martin äußert sich darüber in folgender
Weise: „Die Gesetze aber welche an diesem Darmteil ein stärkeres,
an jenem ein schwächeres Wachstum bedingen, werden uns ebenso
wie bei der Pansendrehung in Dunkel gehüllt bleiben, wenn wir nicht
den allgemeinen Ausdruck Vererbung dafür setzen wollen.“
Blicken wir zurück auf die mannigfachen Form- und Lagerungs-
verhältnisse des Magens, auf die Reihe höchst bemerkenswerter
Erscheinungen, so haben wir es offenbar mit einer ausgesprochenen
Wiederholung phylogenetischer Entwicklung zu tun. Beobachten wir
die so verschiedenen Lageverhältnisse von Pansen und Haube, beim
Embryo und beim ausgewachsenen Tier, ihre so variierende Form und
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. 35
Auskleidung, so erscheint uns auf den ersten Blick ihre Entstehung
aus ein und derselben Form erstaunlich. Betrachtet man die ver-
schiedenen Wandlungen des Pansens in Lage und Form, seine ver-
schiedenen Drehungen und Windungen, seine von der Entwicklungs-
geschichte Schritt für Schritt verfolgte Bildung aus jener Art Nucleus-
form, seine allmählige Modellierung und Krystallisierung zu jener uns
bekannten sackförmigen Schlußgestalt, so sehen wir, welche oft launen-
haft erscheinenden Wege die Natur wandelt bis zur Birreichung ihres
Endziels. Die sorgfältigen Arbeiten von Krazowski, Stoß, Martin,
Grote und Spamer haben gezeigt, wie weit durch das Rafiinement
der Beobachtung solche Wachstumsveränderungen bis auf weite Grade
verfolgbar sind für deren Fixierung allerdings unser Auge und unsere
Instrumente umsomehr der Mittel entbehren, als jüngere Stadien
vorliegen. Dann haben die früheren Betrachtungen gezeigt wie wichtig
es ist für die vergleichende Untersuchung des Magens Wachstums-
veränderungen an diesem so komplizierten Gebilde, diesem Erbstück
gemeinsamer Vorfahren, Schritt für Schritt zu verfolgen; wie wichtig
es ist, wenn man die einzelnen Momente die sich sei esam Individuum,
sei esinnerhalb größerer Gestaltsgruppen, mit anderen Worten entweder
in der Frist von Jahren, oder in der Frist von Jahrtausenden, be-
merkbar machen, wohl unterscheidet. Es liegt nahe und ist vom
wissenschaftlichen und philosophischen Standpunkte durchaus
gerechtfertigt, daß sich der vergleichende Anatom bei seiner Kon-
struktion die Frage vorlegt, ob die von ihm erschlossenen Umbildungs-
prozesse der Organe nicht auch historisch begründet sind, d.h. ob die
Organe in ihrer komplizierten Endform sich nicht im Laufe der Erd-
geschichte in den Vorfahrenreihen der heute existierenden Wirbel-
tiere aus einfacheren Formen allmählich durch Umbildung entwickelt
haben. Ein jeder wird diese Frage bejahen müssen, der aut dem
Boden der Entwicklungslehre steht, der einzigen in der Wissenschaft
überhaupt berechtigten Theorie. Offenbar ist der Wiederkäuermagen
ein Erbstück gemeinsamer Vorfahren. Der Nachweis gemeinsamer
Abstammung ist eine Forderung die in praxi außerordentlich schwer
zu erfüllen ist. Neben der Paläontologie muß die vergleichende Ana-
tomie und die Entwicklungsgeschichte ja fast allein das wissen-
schaftliche Material liefern auf Grund dessen wir ein natürliches System
der Tiere errichten und Hypothesen über Abstammungsverhältniss
aufstellen können. Wir sahen nun wie so einheitlich sowohl an Indi-
viduum wie an größeren und größten Gruppen von Tierformen dort
in Frist von Monat und Jahr, hier offenbar im Verlauf von Erdepochen
der Aufbau des so komplizierten Skeletteils vor sich geht. Es kann
nicht geleugnet werden, daß sowohl am Individuum als an der Spezies
als am Genus das Bestreben besteht aus relativ einfachen Anfangs-
stadien zu einer sehr allmählichen und sehr komplizierten Heraus-
bildung prägnanter Formen zu gelangen. Die vergleichende ana-
tomische Behandlung hat eine ganze Anzahl von Charakteren auf-
gedeckt die zu erkennen erlauben die Einfachheit des Organs und
seine fortschreitende Entwicklung, und nach dem Grade der Ent-
3%*
36 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
wieklung konnten wir die Tiere gruppieren in eine natürliche Reihe.
Diese Klassifizierung aber stimmte ganz mit den Ergebnissen der
Paläontologie überein. Eine ganze Anzahl trefflicher Arbeiten hat
dieser Anordnung treffliche Belege beigefügt sowohl am Bewegungs-
apparat, als am Schädel als am Gebiß. An einer gewissen historischen
Reihenfolge in der Magenmetamorphose ist also wohl nicht zu zweifeln.
Darnach wäre man berechtigt, die einen als die ältern die andern
als die jüngern zu bezeichnen und sie als das Resultat der geologischen
Erlebnisse der Tiere zu beurteilen. Wohl kennen wir nicht die be-
sonderen Vorgänge, welche im einzelnen Falle die Variation eines
Organs veranlaßt haben, aber wir werden doch als Ursache der
Variation die Mitwirkung bestimmter, wenn auch nicht bekannter
Lebensbedingungen im weitesten Sinne des Worts anzuerkennen
haben. Von größter Bedeutung aber sind dafür die besonderen
tellurischen und klimatischen Verhältnisse, welche im Laufe großer
Zeiträume nachweisbar, einen langsamen aber mannigfachen Wechsel
erfahren und mit demselben auch die Konkurrenzbedingungen im Kampf
ums Dasein wesentlich verändert haben. Hinsichtlich der gedachten
Differenzierungsvorgänge schließe ich mich ganz den Anschauungen
Rütimeyers an. Es konnte die Metamorphose auf verschiedenen
Punkten der Gesamtfront der Wiederkäuerreihe in den verschiedenen
Klimaprovinzen ihres Wohnortes einen sehr verschiedenen Weg und
einen sehr verschieden raschen Schritt einschlagen. Jedenfalls sind
die Einflüsse nicht gering eimzuschätzen, welche die geologische
Metamorphose des Wohnortes auf die morphologische und physio-
logische Metamorphose des Magens des Bewohners auszuüben ver-
mochte. Die große Kluft, die heutzutage die Wiederkäuer trennt,
nach Gestalt und Wohnort in anatomischer und geographischer
Beziehung, kann nicht hindern im Bau derselben etwas anderes zu
erblicken als eine Folge einer allerdings erheblichen Versetzung auf
einen neuen Boden in den Zeiten der Osecillationen und Migrationen
und einer erheblichen Versetzung an einen andern Tisch, der auch
schließlich die Gestalt nicht mehr zusagte.
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. 37
Erklärungen der Abbildungen und Abkürzungen.
e = Epithel mi = Muscularis interna
cp = Corpus papillare (mikro- me = Musecularis externa
skopische Papillen)
tp = Tunica propria s —= Serosa
mm = Muscularis mucosa mg = gestreifte Muskulatur
sm = Submucosa
16) — Oesophagus St = Schlundrinne
HP = Hauptpansen Ps = Psalter
NP = Nebenpansen D = Psalterdecke
HPE = Hauptpansenendblindsack 8 —= Segel
NEP = Nebenpansenendblindsack B — Psalterbrücke
Hf = Halsfalte Bl = Psalterbrückenlippen
Pf 1 = erster Pfeiler BL = Brückenlabmagenfalte (Acco-
Pf 2 = zweiter Pfeiler lement du pont nach Cordier)
N —= Netzmagen L — Labmagen
Nl = Netzmagenleisten Lf = Labmagenfalte
Fig. 1. Querschnitt durch den hintern 2. Pfeiler des Pansens von Hyae-
moschus aquaticus. Vergrößerung: ca. 20.
Fig. 2. Querschnitt durch die linke Schlundrinnenlippe am Ende der Schlund-
rinne von Hy. aq. Vergrößerung 33.
Fig. 3. Querschnitt durch die linke Schlundrinnenlippe am Ende der Schlund-
rinne von Trag. jav. Vergrößerung 33.
Fig. 4. Längsschnitt in der Mitte von Oesophagus und Schlundrinne ver-
laufend von Hy.aq. Vergr. 10.
Fig.5. Querschnitt durch den Psalter von Hy. aq. Vergr. 10.
Fig.6. Fortsetzung von Fig.2. Längsschnitt Mitte Schlundrinne zur
Psalterdecke. Grenze der quergestreiften Muskulatur der Schlundrinne und der
glatten der Psalterdecke. Vergr. 10.
Fig. 7. Querschnitt durch den Psalter von Trag. jav. Vergr. 10.
Fig. 8. Längsschnitt durch den hintern Teil der Brücke, die Brückenlab-
magenfalte von Hy.aq. Vergr. 10. ep = Plattenepithel, ed = Drüsenepithel.
Vergr. 10.
Fig. 9. Labmagenfaltenquerschnitt. Vergr. 16.
Fig. 10. Längsschnitt an der Psalterdecke zur Curvatura minor des Lab-
magens bei Hy. aq. Vergr. 10.
Fig. 11. Schnitt durch eine Netzmagenleiste bei Hy. aq. Vergr. 33.
Fig. 12. Schnitt durch eine Netzmagenleiste bei Trag. jav. Vergr. 33.
Fig. 13. Schnitt durch eine Netzmagenleiste bei Capra. Vergr. 33.
r = Randmuskelwulst.
Fig. 14. Magen von Hy. aq. Dorsalseite. Vergrösserung 2:1.
Fig. 15. Innenansicht der ventralen Magenhälfte von Hy.agq. Vergr. 2:1.
Fig. 16. Ansicht eines Netzmagenzellraumes von Hy. ag. Vergr. 10.
Fig. 17. Magen von Trag. jav. Ventralseite. Vergr. 2:1.
Fig. 18. Ansicht eines Netzmagenzellraumes v. Trag. jav. Vergr. 10.
38 Erwin Schmidt: Untersuchungen über den Magen
Fig. 19. Innenansicht der ventralen Magenhälfte von Trag. jav. Vergr. 2: 1.
Fig. 20. Magen von Cervus dama. Vergr. ca. 4: 1.
Fig. 21. Magen von Capra. Vergr. ca. 4 :1.
Fig. 22. Magen von Auchenia Lama. Vergr. ca. 2 :3.
W = Wasserzellen H = Hintermagen n. Boas
M = Mittelmagen n. Boas ) E = Enddarmausbuchtung
Fig. 23. Halbierungsschnitt durch den Magen von Sus-Nehringii.
Fig. %4, 25, 26, 27 zeigen den Verlauf der Magenmuskulatur.
Fig. 24. Ventralseite, oberflächliche Schicht der Magenmuskulatur.
Fig. 25. Ventralseite, tiefere Schicht der Magenmuskulatur.
Fig. 26. Dorsalseite, oberflächliche Schicht der Magenmuskulatur.
Fig. 27. Dorsalseite, tiefere Schicht der Magenmuskulatur.
Literatur.
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anderer Wiederkäuer verschieden? Archiv für die holl. Beiträge zur
Natur- u. Heilkunde. 1858.
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5. Brümmer. Anatomische und histologische Untersuchungen
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6. Claus. Lehrbuch der Zoologie. 1905.
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des Ruminants. Annales des Sciences naturelles. Anne 59. 1893.
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phagienne de l’estomac de quelques mammiferes. Bull. d. 1. phil.
d. Paris 92/93.
9. Coudereau. Sur ee du pore. Gac. medic. de Paris 1879.
Nr. 49.
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Magens der Wiederkäuer. Archiv für wissenschaftl. und prakt. Tier-
heilkunde. Bd. VII. 1881.
11. Elienberger. Handbuch der vergleichenden Histologie und
Physiologie der Haussäugetiere. 1884,
der Wiederkäuer vornehmlich der Traguliden. 39
12. Ellenberger. Ein Beitrag zur Lehre von der Lage und Funktion
der Schlundrinne der Wiederkäuer. Archiv für wissenschaftl. und
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13. Ellenberger und Baum. Vergleichende Anatomie der Haus-
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18. Grote. Beiträge zur Entwicklung des Wiederkäuermagens.
Diss. Halle a. Saale 1897.
19. ©. Hertwig. Handbuch der vergleichenden und experimentellen
Entwicklungslehre der Wirbeltiere.
20. Huxley. Handbuch der Anatomie der Wirbeltiere. Übers.
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21. Haeckel. Systematische Phylogenie der Wirbeltiere. 1895.
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Münch. Wochenschrift für Tierheilkunde und Viehzucht. 1895.
25. Derselbe. Die Entwicklung des Wiederkäuermagens.
Münch. Wochenschrift für Tierheilkunde und Viehzucht. 1896.
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und Darms. Zürich. 1891.
27. Milne-Edwards. Recherches anatomiques, zoologiques et
paleontologiques sur la famille des Chevrotains. Annales des sciences
naturelles. 1864.
28. Derselbe. Lecons sur la physiologie et l’anatomie compar£&e
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29. Noack. Zur Anatomie und Histologie des Vormagens der
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1884.
30. Nitsche. Studien über Hirsche. 1898.
31. Oppel. Lehrbuch der vergleichenden mikroskopischen Anatomie
der Wirbeltiere. I. Magen. 1894.
32. Derselbe. Vergleichung des Entwicklungsgrades der Organe
zu verschiedenen Entwicklungszeiten bei Wirbeltieren. 1891.
33. Pauli. Über den mikroskopischen Bau des 4. Magens beim
Rinde. Archiv für wissenschaftliche und praktische Tierheilkunde.
X. Band. 1 u. 2. 1884.
34. Pauntscheff. Untersuchungen über den Magen der Wieder-
käuer. Diss. Leipzig. 1884.
35. Puecheran. Monographie des especes du genre Cerf. 1851.
40 Erwin Schmidt.
36. Rapp. Anatomische Untersuchungen über das javanische
Moschustier. Archiv für Naturgeschichte. Bd. 1843.
37. Rütimeyer. Die Rinder der Tertiärepoche. Abh. Schweiz.
paläont. Gesch. Vol. IV. 1877.
38. Derselbe. Beitrag zu einer natürlichen Geschichte der
Hirsche. Abh. Schweiz. paläont. Gesch. Vol. VII. 1881. X. 1883.
39. Spamer. Beiträge zur Entwicklung des Wiederkäuermagens.
Diss. Gießen 1907.
40. Stöhr. Lehrbuch der Histologie. 1910.
41. Stoss. Über die Entwicklung des Wiederkäuermagens nebst
Demonstration eine Lamamagens. Münch. Wochenschrift f. Tier-
heilkunde und Viehzucht. Nr. 44. 1894.
43. Derselbe. Vergleichende anatomische Untersuchungen
über die Entwicklung des Verdauungskanals der Wiederkäuer.
Deutsche Zeitschrift £. Tiermedizin. Bd. 1889.
43. Wartmann. Extinet Camelidae of North Amerika. Bull.
Americ. Mus. of Nat. Hist. 1898.
44. Weber. Die Säugetiere. 1904.
45. Weissmann. Vorträge über Descendenztheorie. 1902.
46. Wiedersheim. Vergleichende Anatomie der Wirbeltiere. 1907.
47. Wilkens. Untersuchungen über den Magen der wiederkäuenden
Haustiere. 1872.
48. Wöltel. Beiträge zur Entwicklung des Zwerchfelles und Magens
bei Wiederkäuern. Diss. Gießen 1907.
49. Zittel.e. Handbuch der Paälontologie. 1893.
Druckiehler.
Seite 10 unter 5. Zeile 17: .. . reichte (siehe Figur 6),
Seite 37 unter Figur 6 Zeile 1: Figur 4 statt Figur 2.
Zeile 2: ... Psalterdecke. g Grenze ...
Citate zur Systematik der marinen Triecladen.
Ein Nachtrag zur Seetricladen-Monographie.
Von
Dr. J. Wilhelmi, Berlin.
Als ich die monographische Bearbeitung der marinen Trieladen !)
ausführte, bestand eine Turbellarien-Literatur von etwa 1300 Arbeiten,
zu denen zurzeit jährlich etwa 40—50 neue Arbeiten hinzukommen.
Unter der gesamten Turbellarienliteratur bis 1909/10 finden sich mehr
als 130 Arbeiten und Mitteilungen, die Seetricladen behandeln oder
auf diese Bezug nehmen. Diese Turbellarienliteratur stand mir größten-
teils in der so reichhaltigen Bibliothek der Zoologischen Station in
Neapel zur Verfügung. Die fehlenden Arbeiten wurden mir durch die
Liebenswürdigkeit des Herrn Hofrat von Graffin Graz zugänglich.
Die spezielle Seetricladenliteratur habe ich in der genannten Monographie
mit historischen Übersichten und kurzen Referaten (p. 10, 11 und
387—401) angeführt und im Text der Monographie habe ich soweit
als möglich alle Resultate bisheriger Seetricladenstudien verwertet.
Da nun namentlich die ältere Literatur und viele kleinere Mitteilungen
schwer zugänglich sind, hätte ich gern alle kürzeren Beschreibungen
in den systematischen Teil der Monographie wörtlich (als Belegmaterial)
aufgenommen — wie dies in einigen Monographien mit Vorteil ge-
schehen ist —, um aus der Monographie gleichzeitig ein Nachschlage-
werk zu machen. Leider war dies nicht möglich. Ich möchte daher
mit den folgenden Zusammenstellungen von Excerpten der Seetricladen-
literatur emen Nachtrag zur Monographie und zwar speziell zur Syste-
matik bringen.
Seit dem Erscheinen der Monographie sind mir nur drei Mitteilungen
über Seetricladen bekannt geworden: Micoletzky (1910) ?) führt
unter der Turbellarienfauna des Golies von Triest die von mir schon
früher ?) aufgeführten Seetrieladen an. Markow (1910) ?) glaubt
den ersten Nachweis von Exkretionsorganen des Pharynx bei Seetri-
claden zu erbringen, während in Wirklichkeit hierüber schon teilweise
eingehendere Untersuchungen vorliegen, nämlich Lang 1881 (173),
Wendt 1888/89 (258), Bergendal 1890 (12), Wheeler
ı) Wilhelmi, J. Tricladen. Fauna und Flora des Golfes von Neapel.
32. Monographie, herausgegeb. v. d. Zool. Station Neapel, 1909, 418 pp., 80 Text-
figg. und 16 Doppeltafeln.
?2) Micoletzky, H. Turbellarienfauna des Golfes von Triest. 1910,
16 pp. Verlag von A. Hölder, Wien.
®) Markow, M. Über das Exkretionssystem im Schlunde von Cercyra
hastata OÖ. Schm. und Procerodes segmentata Lang aus Sevastopol. In: Zool.
Anzeiger 1910, 35. Bd. p. 481—483, 2 Textfigg.
42 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
1890 (259), Böhmig 1906 (28), Duplessis 1907 (%), Wil-
helmi 19091. Zernow 19092) führt irrtümlich wieder Proce-
rodes (Planaria) ulvae (vermutlich Proc. jaqueti Böhmig) als Be-
wohner des Schwarzen Meeres an.
A. System der Seetricladen.
1. Familie: Procerodidae.
1. Genus: Procerodes Girard.
(Procerodes Girard + @unda O. Schmidt + Haga O. Schmidt + Syn-
haga Czerniavsky + Fovia Girard.)
Für die Aufstellung dieses Genus war lediglich der Habitus der
von Girard gefundenen ersten freilebenden amerikanischen See-
trieladen maßgebend. Die dürftige Charakteristik, die Girard
1850 (%8 p. 251) gab, lautet:
„Body regular, sides nearly parallel. Anterior region (head)
separated from the body by a kind of a neds. There are two
tentacles in front, as in Proceros, from which it differs, however,
by the number and position of the eye specks, of which it has but
two. The general form is very different from that of Proceros.“
Stimpson (244, p.5) 1857 stellte Plan. ulvae Oe. und Plan.
frequens Leidy zum Genus Procerodes Gir. und charakterisierte das-
selbe folgendermaßen:
„Corpus depressum, antice truncatum, tentaculis auricularibus
duobus. Ocelli duo distantes. Tubi cibarii rami indivisi. Mari-
colae.‘“
O0. Sehmidt (232, p. 14, 15) 1862 stellt für die von ihm auf
Korfu gefundene neue Seetriclade @. lobata das neue Genus @unda
auf, das von späteren Autoren dem Genus Procerodes einverleibt
wurde. Eine besondere Genusbeschreibung gibt Schmidt nicht;
Speciesbeschreibung von Gunda lobata s. d.
Auch für das neue Genus Maga, das Ö. Schmid t (232, p. 17, 18)
1862 für die von ihm auf Kephalonia gefundene Seetriclade aufstellt,
muß die Speciesbeschreibung der letzteren dienen. Das Genus Haga
O0. Schmidt wurde ebenfalls zu Procerodes Gir. gezogen. Die
Speciesbeschreibung O. Schmidts von H. plebeja (s. d.) ist wenig
zutreffend und berechtigt nicht zur Aufstellung eines neuen Genus.
Diesing (%2, p. 489—491) 1862 stellt die Familie Procerodea
auf mit dem einzigen Genus Procerodes Gir.:
1) Wilhelmi, J. Trieladen. Fauna und Flora des Golfes von Neapel.
32. Monographie, herausgegeb. v. d. Zool. Station Neapel, 1909, 418 pp., 80 Text-
figg. und 16 Doppeltafeln.
2) Zernow, S8. A. Grundzüge der Verbreitung der Tierwelt des
Schwarzen Meeres bei Sevastopol. I. Benthos. Internat. Revue d. ges.
Hydrobiol. u. Hydrogr. 2. Bd., 1909, p. 101, 109, 110.
der marinen Tricladen. 43
„Corpus depressum. Caput a corpore subdiscretum, ex-
aurieulatum, tentaculis genuinis duobus frontalibus. Ocelli duo.
Os ventrale ... ., oesophago ....... Apertura genitalis unica ...
Maricolae.“
Die Genera Haga OÖ. Sehm. und @unda O. Scehm. läßt er be-
stehen und zwar in der Familie Planaridea. Er stellt für dieselben die
bisher fehlenden Genusdiagnosen auf:
„2? Haga. Caput exauriculatum. Ocelli duo. Os retro medium
corporis situm, oesophago cylindrico. (Penis retortaeformis inermis
haud vaginatus.) Maricolae.“
„? Gunda. Caput antice sinuatum, biauriculatum. Ocelli
duo. Os retro medium corporis situm, oesophago eylindrico.
(Penis retortaeformis, inermis, haud vaginatus.) Maricolae.“
Jensen (141 p.74) 1878 änderte die Genusbeschreibung von
Procerodes Gir. in folgender Weise:
„Corpus depressum, antice truncatum biaurieulatum. Ocelli
duo, inter se distantes. Maricolae.“
Czerniavsky (6%p. 222, 223) 1881, stellte das Genus Synhaga
auf:
„Proximum generi Haga O. Schmidt. Corpus depressum
elongatum. Caput corpore continuum, antice recte truncatum,
biaurieulatum. Tentacula nulla. Ocelli duo. Os ventrale retrorsum
situm, oesophago eylindrico. Apertura genitalis unica retro ipsum
os. Maricolae. — Oesophagus (ut in genere Haga O. Schm.) in
cavo proprio parietibus distinetis. Tractus cibarius dendrice
ramosus, saepe distinetus, ramis simplicibus cum parietibus
crassis, ambobus postieis anastomozantibus.“
Da Haga plebeja entgegen OÖ. Schmidts Angaben doch Ten-
takel (Tastlappen) besitzt, berechtigt Czerniavskys Beschreibung
der S. auriculata, die sich von H. plebeja durch Besitz von Aurikeln
(Tastlappen) unterscheiden soll, nicht mehr zur Aufstellung eines
besonderen Genus Synhaga. Da nun das Genus Haga zu Procerodes
gezogen werden mußte, lasse ich auch das Genus Synhaga in Procerodes
aufgehen, zumal da Czerniavskys Synhaga auriculata aller
Wahrscheinlichkeit nach mit Proc. lobata identisch ist.
Hallez (125 p. 108, 109) 1892 zieht zum Genus Procerodes
Girard die Genera Fowia Girard, Gunda O. Schm. und Haga O. Schm.
„Branches recurrentes de l’intestin non anastomose&es.‘“
In der Aufhebung der Genera Haga und @unda folgt Hallez
nur dem Beispiel der Autoren. Die Verschmelzung des Genus Fova
dürfte aber mit Rücksicht auf den damals gänzlich unbekannten Bau
der Fovia-Arten gewagt erscheinen. Ich bin Hallez’ Beispiel —
jedoch nach eigener Untersuchung der amerikanischen Fovia warreni
(affinis, grisea) — gefolgt, wie ich später darlegen werde. Das Genus
Synhaga Czern. hat Hallez zu Cereyra O. Schm. gezogen,
da es mit diesem die Verschmelzung der hinteren Darmäste gemein hat,
44 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
ein Umstand, der aber für die Cercyra-Arten nicht zutrifft und auch
bei Synhaga auriculata gewiß nicht zum Artcharakter gehören dürfte.
Girard (105 p. 198, 199) 1893 behält auch später seine alte
Charakteristik des Genus Procerodes bei, ohne den Geschlechtsapparat
der amerikanischen P. wheatlandi einer Prüfung unterzogen zu haben
so daß es bis zu dieser Zeit noch immer fraglich blieb, ob die bereits
erfolgte Verschmelzung der europäischen Genera Gunda und Haga
mit Procerodes zu Recht bestand.
„Le corps est regulier et symme£trique, avec les flanes presque
rectilignes. La töte se detache du corps par une sorte de col, ou
d’etranglement. Deux tentacules a la region anterieure avec un
ocelle & leur base. Le type de ce genre est le P. Wheatlandi deerit
ci-apres.“
Hallez (12% p. 66—70, 126, 127, 128 p. 120—125) 1892 behält
seine frühere Verschmelzung der Genera Fovia, Haga und Gunda mit
Procerodes bei und charakterisiert dies Genus folgendermaßen:
„Procerodides & corps allonge, deprime. T&te plus ou moins
distinete du corps, tantöt pourvue, tantöt depourvue d’auricules,
portant toujours deux yeux. Branches posterieures de l’intestin
normalement independantes chez adulte. Uterus depourvu d’un
orifice special.“
Auch Verrill (253 p. 124, 126) 1893 zieht das Genus Gunda
zu Procerodes. Seine Charakteristik dieses Genus ist schon etwas ein-
gehender als die früheren Beschreibungen, doch wird auch von ihm der
Bau des Geschlechtsapparates der amerikanischen ?. wheatlandi
noch nicht berücksichtigt.
„Ihis genus appears to be closely related to @unda.“
und er beschreibt das Genus Procerodes Gir.:
„Size small. Body convex, thickened, more or less oblong.
Head obtuse, somewhat wider than the neck. Tentacles two,
near to, but distinet from the antero-lateral margins of the head.
Eyes two, well developped, situated just behind the tentacles,
furnished with a transparent front lens, directed antero-laterally
and areniform, pigmented retinal portion. Pharynx long cylindrical.
Mouth submedian, or in advance of the middle of the body.
Owing to the dark color and opacity of my specimens, when
living, I was inable to observe the structure of the reproduction
organs, nor did I ascertain positively whether the intestinal
branches were chiefly simple or branched, but they appeared
to be forked, or bilobed in many cases, at least. My specimens
are all mounted in balsam, so that sections cannot well be made,
at present. The mounted specimens are very dark.“
Böhmig (28 p. 348) 1906 zieht die Genera Gunda O. Schm. und
Haga O. Schm. zu Procerodes Gir. und führt Synhaga Czern. und
Fovia Gir. als unsichere Genera auf. Girards Charakteristik des
Genus Procerodes bezeichnet Böhmig mit Recht als oberflächlich,
da sie sich nur auf das Exterieur beziehe, und weist darauf hin, daß
der marinen Trieladen. 45
daher die Verschmelzung der europäischen Genera @unda und Haga
noch immer einer wirklichen Begründung entbehre, und bemerkt:
„Mit Rücksicht auf die große Übereinstimmung, welche sich
hinsichtlich der Form zwischen Procerodes und der überwiegenden
Mehrzahl der @unda-Arten ergibt, mit Rücksicht weiterhin auf
den Umstand, daß wenigstens eine sichere @unda-Species an
der nordamerikanischen Küste beobachtet wurde, akzeptiere ich
die Girardsche Bezeichnung, obwohl der Kopulationsapparat
von P. wheatlandi total unbekannt ist, und den Zweifeln, die
Bergendal bezüglich der Identität von Procerodes und Gunda
äußert, eime Berechtigung nicht abgesprochen werden kann.
Mit Sicherheit läßt sich diese Frage nur durch die Untersuchung
der Originalexemplare von P. wheatlandi entscheiden.“
Dieser Hinweis Böhmigs auf die mangelnde Begründung für
die Verschmelzung der in Frage stehenden Genera war durchaus be-
rechtigt und gab mir Veranlassung, durch Untersuchung des P. wheat-
landi die Synonymiefrage endgültig zu regeln.
Böhmig (l.c.) charakterisiert das Genus Procerodes Girard
1850 (Gunda O. Schm. 1862 + Haga O. Schm. 1862) wie folgt:
„Körper platt; Vorderende abgestutzt oder abgerundet,
Hinterende abgerundet oder stumpf zugespitzt. Tentakel vor-
handen oder fehlend. Zwei Augen. Penis unbewaffnet, stumpf.
Die Vasa deferentia vereinigen sich, wenn überhaupt, erst im
Kopulationsorgane zu einem gemeinsamen Gange. Keimstörke
dicht hinter dem Gehirn, Drüsengang, bzw. Eiergang hinter dem
Uterusgange.““
Hallez (131 p. 22) 1907 erweiterte mit Rücksicht auf Proc.
wandeli die Genusbeschreibung von Procerodes:
„Procerodides & canaux deferents ne se r&unissant pas hors du
penis en un canal commun; a penis non arme; a oviducts s’ouvrant
dans le canal uterin en un pomt plus au moins rapproche de
l’uterus, soit separement, soit apres s’ötre reunis en un conduit
impair; & ramifications intestinales non anastomostes.“
Historisches über das Genus Fovia Girard:
Für die von ihm zuerst als Vortex Warrenii bezeichnete Seetriclade
stellt Girard (104, p. 211) 1852 das neue Genus Fovia auf:
„Body elongated, sides linear. Anterior extremity subtrun-
cated, posterior one rounded. The organization of this genus
I shall ıllustrate in my monograph of these animals ([34%] p. 211).
Stimpson (244 p. 6) 1857 beschreibt das Genus Fovia Gir.,
unter dem er F. ittoralis (= Plan. hittoralis Müll.), F. affinis (= Plan.
affinis Oe.), F. Warrenii Gir. und die neuen Arten F. trilobata Stimp.
und F. graciliceps Stimp. anführt, folgendermaßen:
„Corpus depressum antice subtrunecatum; fronte saepius in
medio produeta v. acuta. ÖOcelli duo subaproximati. Tubus
cibarius ramis indivisis. Maricolae.‘
46 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
Diesing (9% p. 489, 501—503) 1862 führt in der Familie Pla-
naridea das Genus Fovia Gir. an:
„? Fovia Girard. Corpus depressum elongatum. Caput corpore
continuum antice subtruncatum, fronte saepius in medio producta
vel acuta, nee aurieulatum, nee tentaculatum. Ocelli duo. Os....
oesophago ....... Apertura genitalis unica retro os. Maricolae.
Notitia anatomica. Tractus eibarius ramis indivisis.‘“
Zu Fovia stellt Diesing F. Warrenü Gir., F.lttoralis Stimp.,
F. affinis Stimp., F. graciliceps Stimp., F. trilobata Stimp. und be-
zeichnet als vielleicht auch zu Fovia gehörig: Planaria truncata Leidy
und Pl. olivacea O. Schmidt.
Jensen (141 p.74) 1878, der an der Westküste Norwegens
Planaria affinis Oe. fand, stellt dieselbe nach Stimpson zum
Genus Fovia, das er, wie folgt charakterisiert:
„Fovia Stimps. Corpus antice subtruncatum, fronte saepius
in medio producta vel acuta. Ocelli duo subapproximati. Mari-
colae.“
Hallez (125, p. 108, 109) 1892 und (128, p. 120—125) 1894,
zieht das Genus Fovia zu Procerodes Gir.
Girard (105, p. 224, 225) 1873, stellt das Genus Fovia zu den
Rhabdocoelen (!):
„Le corps est deprime, oblong ou allonge, & bords lineaires,
entiers. La töte est d’une seule venue avec le corps, et porte un
paire d’ocelles. La region anterieure est subtronquee et la region
posterieure terminde en pointe conique ou arrondie. La bouche
est terminale, de möme que l’anus.“ (!)
Verrill (253, p. 123, 124) 1893, stellt Fovia Gir. zur Familie
Planaridae und beschreibt dasselbe:
„Body depressed, oblong or long-elliptical in extension,
changeable; back a little convex, ventral side flat, the posterior
part most muscular. Front of head often slightly produced and
angular. Ocelli two anterior, rather large, with front lens and
reniform pigmented body; each usually surrounded by a pale
spot. Mouth nearly or behind the middle. Largest lateral branches
of the stomach usually more or less lobed or forked in the adult,
simple in the young. Pharynx large eylindrical. Reproductive
organs not fully known. Penis conical simple. This genus appears
to be elosely related to Gunda.“
Böhmig (28 p. 346, 347; 370, 371) 1906, spricht sich gegen die
von Hallez vorgenommene Verschmelzung der Genera Procerodes Gir.
und Fovia Gir. aus, führt letzteres als selbständiges Genus unter der
Rubrik ‚Ungenügend charakterisierte Genera und Species“ an und
weist auf die unzureichende Charakteristik derselben hin. Cf. oben
(p. 45).
Ich (268 p. 3, 4) 1908, habe das Genus Fovia Gir., Hallez’
Beispiel folgend, zu Procerodes Gir. gezogen, obgleich ich die zu diesem
Genus gestellte amerikanische Art etwas vom Procerodes-Typus ab-
der marinen Tricladen. 47
weichend fand. Da aber meine Untersuchung (264) der Jensenschen
Exemplare von Fovia affinis des Bergener Museums die Zugehörigkeit
derselben zu der paludicolen Planaria torva wahrscheinlich machten
und ich (271) für Gambles Fovia affinis von Plymouth den Nachweis
bringen konnte, daß sie nicht zu Fovia, sondern zu Sabussowia gehört,
wurde das Genus Fovia überhaupt unhaltbar. Darum zog ich die nord-
amerikanische Fovia affinis Gir. zu Procerodes, wenngleich ich auch
ein neues Genus für diese Art hätte aufstellen können.
o na om pom
LE)
1. Procerodes lobata (O. Schmidt) 1862.
2}
. @unda lobata n. sp.
’, „)
. Planaria ulvae Oe.
»
. Gunda segmentata n. sp.
. Synhaga auriculata n.g. n. Sp.
0. Schmidt 1862 (232, p. 14,
15; :Taf2; „Fig; 9 u; MW),
Diesing 1862 (72 p. 490, 506).
Uljanin 1869 (249).
Uljanin 1870 (248, p. 31—33,
Taf. 3, Fig. 12—18, 20).
Leuckart 1871/72 (186, p. 45).
Czerniavsky 1872 (65,
p. 106, 107).
Czerniavsky 1881 (66,
p. 222, 223; Taf. 4, Fig. 9).
Lang 1881 (173, p. 187—214,
229—232, 237—240; Taf. 12,
Fig. 1, 4, 6, 9—13; Taf. 13,
Fig. 14—26, 34, 35; Taf. 14,
Fig. 39, 45—48, 53, 55—57,
59—61).
Bin 3; h» Lang 1881 (194, p. 64—74; Taf. 5,
Fig. 1—3; Taf.6, Fig.4, 6
—12).
10. , y Lang 1881 (192, p. 82).
1 ERNRE N Lang 1881 (190, p. 544549;
Fig. 6—7).
12% =, » Emery 1883 (82, p.10, 11).
Bund) z Cattaneo 1884 (50, p. 6-8).
Il 6; Lang 1884 (194, p. 432).
kuvıly 5 Lang 1884 (1%, p.57, 165,
167, 668).
ER R Vogt 1891 (255, p. 239, 240).
Eıerei,, # Bergendal 1892 (14, p.311,
313, 315—318; Taf. 32, Fig.16
18. Synhaga auriculata Üzern. Hallez 1892 (124, p.9, 10).
19. Procerodes segmentata (Lang)
Procerodes lobata (©. Schm.)
Cercyra auriculata (Czern.)
20. „ „ „
Hallez1893 (92) (127, p. 66—69).
Hallez 1894 (128, p. 120, 123,
124, 126—128).
48 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
202. Gunda segmentata Lang Goodrich 1895 (10%a, p. 479
—482).
Did, 3 „ Cattaneo 1895 (51, p.3, 4).
PEN 2 N Bergendalisg6(i6,p} 1126:
Taf. 3,: Fig. 23, 27; Taf. 5,
Fig. 4 a, b: Taf. 6, Fig. 54).
BB 2 bh Jander 1897 (139, p- 160, 163
—186; Taf. 14, Fig. 34),
238... b5 r Bergendal 1899 (1%, p. 523).
EEE 3 AR Curtis 1900/01 (62, p.331).
ee 38 ar v.Graff1903 (116, p. 37, 41, 52).
au { # Lang 1903 (136, p. 68—77, 90
Er ern —l11 u. a.; Fig. 4, A—D).
27. Procerodes lobata (O. Schm. = i
Procerodes segmentata (Lang) u nn Er a aa * ;
Synhaga auriculata Czern. aan
28. Gunda segmentata Lang Metcalf 1907 (191, p.372, 373).
29. Procerodes segmentata (Lang) Steinmann 1908 (241, p. 531
— 558).
30. 3 (Lang) Wilhelmi 1908 (268, p. 4, 5).
31. N lobata (0. Schm.) Wilhelmi 1908 (2%0, p. 205
208).
l. Schmidts Originalbeschreibung dieser Art lasse ich hier
wörtlich folgen; Hodenzahl und der Bau des Kopulationsapparates
sind nicht zutreffend angegeben.
„G@unda lobata. Nov. gen., nov. spec.
Die auf Tafel II, Fig. 9 abgebildete Planarfe gehört nach der
Form des Kopfes in die die Planaria lactea enthaltende Abteilung;
sie trägt zwei sehr große Öhrzipiel. Der andere Charakter aber,
wonach die Gattung Dendrocoelum aufgestellt wurde, der sehr
verzweigte und leicht sichtbare Darmkanal, trifft nicht zu; die
Darmverzweigungen sind undeutlich, wenigstens ist ihre An-
ordnung; bei den 5 oder 6 von mir untersuchten Exemplaren
undeutlich geblieben.
Läßt uns nun hier das gewöhnlich und auch von Stimpson
beiolgte, aber gewiß nicht konsequent durchgeführte Prinzip,
die Gattungen nach der Form der Vorderendes und der An-
ordnung des Verdauungsapparates, ohne jede Berücksichtigung
des Baues des Geschlechtsapparates, zu bilden, in Zweifel, so führt
die Hinzuziehung der Merkmale, auf die ich besonderes Gewicht
lege, zum Ziele.
Die aus den äußeren und inneren Merkmalen kombinierte
Diagnose des neuen Tieres ist folgende: Zwei Augen, Stirne aus-
gerandet, mit ansehnlichen Ohrlappen; Gehirn unregelmäßig
lappig; Penis unbewaifnet, vor der Geschlechtsöffnung; unmittel-
bar hinter der Geschlechtsöffnung ein kugliger Behälter, welcher
als Receptaculum seminis und Uterus dient und in welchen die
vereinigten Eileiter direkt einmünden.
der marinen Tricladen. 49
Der Körper ist flach, milchweiß oder gelblich, unter dem Mikro-
skop ziemlich durchsichtig, sodaß das Gehirn und die zahlreichen
davon entspringenden Nerven klar hervortreten. Die beilen
seitlichen Abteilungen zeigen vorn mehr oder minder tiefe Aus-
randungen, worin die Augen zu liegen kommen.
Der Rüssel ist lang. Die Mundöffnung liegt hinter der
Körpermitte.
Sehr auffallend war das dichte Wassergeläßnetz, ohne daß
ich jedoch die Öffnung hätte finden können.
Die Hodenbläschen erfüllen nie dieht und unregelmäßig das
Parenchym, sondern fanden sich nur in zwei seitlichen regel-
mäßigen Reihen, je 16 bis 18. Der Penis hat weder in der Lage noch
im Bau etwas auffallendes, indem er zwischen Mund und Genital-
öffnung liegt, dasselbe gilt von den Samenleitern. Dagegen weichen
die weiblichen Organe bedeutend ab. Statt des Uterusganges
und des zelligen, wiewohl auch mit Muskeliasern durchwirkten
Uterus, die alle von mir beobachteten Süßwasserplanarien haben,
findet sich hier gleich hinter der Geschlechtsöffnung ein rundliches
Organ, dessen vorderer Teil ähnlich frei im Vorraum liegt, wie
das Ende des Penis; auch hat er statt eines Einführungsganges
eine bloße Mündung, während sein hinteres Ende die vereinigten
Kileiter aufnimmt. Man dari wohl mit Sicherheit annehmen,
daß dieses Organ der Eihalter ist, was teils durch die Analogie
mit den Süßwasser-Planarien, teils durch ein ganz ähnliches
Verhalten bei den folgenden neuen Formen bestätigt wird.
Gefunden wurde @unda lobata unterhalb El Canon am Ein-
gange zum alten Hafen, unter Steinen; sie scheint jedoch sehr
selten zu sein, da alle Mühe, mehr Exemplare zur genaueren Unter-
suchung aufzutreiben, vergeblich war.‘
2. Diesing stellt nun aus Schmidts Beschreibung von
@. lobata die noch fehlende Genusbeschreibung für @unda ©. Schm.
zusammen.
3. Vorläufige Mitteilung zum Folgenden.
4. Uljanin beschreibt unter dem Namen Planaria ulvae eine
Seetriclade aus dem Schwarzen Meer, die nach den Abbildungen und
der Beschreibung zu schließen eher zu Proc. (Gunda) lobata (segmentata)
gehört, wie auch Ijima vermutet. Daß es sich nicht um Pl. ulvae
handelt, geht schon aus Uljanins Angabe, (die ich im Folgenden
durch Sperrdruck hervorgehoben habe), daß die Art pigmentlos ist,
hervor. (v. Stummer fand Procerodes segmentata |—= lobata] im
Schwarzen Meer; cf. Böhmig (28, p.351) u. Wilhelmi (2%0,
p. 205—208).
Die in russischer Sprache gehaltene Beschreibung Uljanins
von Planaria ulvae, deren Übersetzung ich der Freundlichkeit des
Herrn Dr. Zernow verdanke, gebe ich hier deutsch wieder:
„Der Körper ist platt, nach hinten verbreitert, m der Außen-
gegend am engsten, am Vorderende stumpf. Die Haut ist wenig
Archiv für Naturgeschichte
1911.1. 2. 4
50
Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
entwickelt und enthält wenig Rhabditen. Die Cilien, die den
Körper bedecken, sind kurz und auf dem ganzen Körper gleich
lang. Am Körperrande, besonders an der breitesten Stelle des
Körpers hat die Haut eine Anzahl saugnapfförmiger Aus-
stülpungen, welche ihrem Bau nach den bei der vorigen Art
(Cereyra papillosa Ulj.) beschriebenen gleichen. Zwei kleine
schwarze Augentlecke liegen am Vorderende an der schmalsten
Körperstelle. Einen hellen Raum bei den Augen erkennt man
nicht. Der Darmkanal ist in drei Hauptäste geteilt, von denen
einer nach vorn gerichtet ist und zwischen den Augen fast bis
an das vordere Körperende reicht. Die beiden anderen sind nach
hinten gerichtet, verlaufen auf den Seiten des Rüssels bis zum
Hinterende des Körpers, ohne sich zu vereinigen. Einfache Seiten-
zweige dieser drei Hauptäste sieht man nur klar bei jungenTieren,
bei denen die Geschlechtsorgane noch nicht entwickelt sind.
Die Mundöffnung liegt in dem hinteren Körperviertel. Der mus-
kulöse, schlauchförmige, zylindrische Rüssel liegt vor dem Munde.
Die weiblichen Geschlechtsorgane bestehen aus zwei rundlichen
Eierstöcken, welche wie bei den anderen Planarien dieses Genus
im vorderen Körperende hinter den Augen liegen. Die BEileiter
sieht man in der ganzen Länge des Tieres. Sie verlaufen zu beiden
Seiten des Pharynx und münden nach ihrer Vereinigung in den
Raum, in dem der Penis liegt. In diesen Raum mündet ein birn-
förmiges, drüsiges Organ, welches OÖ. Schmidt, der dasselbe
bei einer anderen Art studierte, für einen Uterus hält. Es ist zweifel-
los, daß der drüsige Bau dieses Organs, wie auch seine Lage in
bezug auf die Eileiter, wie es mir scheint, mit einer solchen Funktion
nicht übereinstimmt. Bei der von mir beschriebenen Art hält
man besser die Erweiterung der Eileiter nach ihrer Vereinigung,
bevor sie in die Kloake münden, für den Uterus. Das birnförmige
Organ dient wahrscheinlich zur Absonderung jener schleimigen
Kapseln, in welche die Eier abgelegt werden. Die männl. Ge-
schlechtsorgane bestehen aus einer großen Menge von Samen-
drüsen, welche im ganzen Körper zwischen den Darmzipfeln
verteilt sind. In der Nähe des hinteren Endes des Rüssels unter-
scheidet man auf jeder Seite ein Vas deferens, welche unabhängig
von einander in den in der Geschlechtskloake liegenden, birn-
förmigen, muskulösen Penis münden. Vor der Einmündung in den
Penis zeigt jedes Vas deferens eine kleine Erweiterung, welche
man für Samenschläuche halten kann. Die Spermatozoen sind
fadenförmig mit rundlichem Kopf an einem Ende. Mit dem
bloßen Auge gesehen, scheinen die Planarien die einen bläulich,
die anderen rötlich, einige jedoch in verschiedenen Nuancen von
violett und gelb gefärbt. Bei der mikroskopischen
Untersuchungerscheintder Körpergänzlich
ungefärbtt). Die verschiedene Farbe ist abhängig von den
!) Im Original nicht gesperrt.
der marinen Trieladen. 51
durchscheinenden Darmzweigen, weiche je nach der Nahrung
verschieden gefärbt sind. Das junge, gerade ausgexrochene Tier,
das noch nieht gefressen hat, ist immer farblos. Diese Art ist die
gemeinste in der Bucht von Sevastopol und in den anderen Teilen
der Nordküste des Schwarzen Meeres. Man findet sie zuweilen
in ungeheurer Menge unter den Steinen gerade am Ufer zusamıren
mit Cercyra papillosa. Die Eier werden auf den Utfersteinen
in kleinen Häufchen, zuweilen in großer Menge, abgesetzt. Jede
Kapsel ist gelb und wird von strukturlosem, durchsichtigem
Schleim bedeckt, vermittelst dessen sie an Gegenstände fest-
geheftet werden. In jeder Kapsel findet man 3—4 Eier. Es scheint,
daß diese sowie die vorige Art nicht schwimmen kann, im Gegen-
satz zu einigen Diagnosen. Auf harten Gegenständen kriechen sie
sehr rasch wie Egel, wozu ihnen immer die saugnapliörmigen
Ausstülpungen des Körpers dienen. An dem Wasserspiegel gleiten
sie ziemlich rasch, wobei man am Körper keine Bewegung er-
kennen kann. In den Darmzweigen von Planaria ulvae fand ich
immer einige Exemplare der von Schultze bei derselben Art
beschriebenen Opalina uncinata. Bei allen von mir gesehenen
Exemplaren waren die Haken ganz gleich. Die Länge der von mir
gesehenen Tiere ist 0,1568—0,208 mm.“
5. Reieriert über Uljanins Angaben.
6. Vorläufige Mitteilung zu 7.
7. Beschreibung des neuen Genus Synhaga und Speziesbeschreibung:
„Synhaga auriculata nov. spec.
Maxime variabilis.
Corpus retrorsum dilatatum, portice rotundatum antrorsum
‚angustatum, antice rectum truncatum (et in protractione simpli-
cissumum), auriculis duobus obtuse rotundatis in angulis antero-
lateralibus ornatum. Ocelli parvi rotundati vel reniformes, nigri,
ve] lateritie rubescentes vel cyanei, vel viridescentes, procul a
margine anteriore siti.
Corpus lacteum, tracto cibario flavescente vel cinereo.
Long. corp. 3 mm et pl., lat. ad ?/,;, mm. Frequens. Hab. Sinus
Jaltensis, ad littora sub lapidibus, 1867 VIL.—15. VIII. et 1870
13.—17. IH. Sinus Suchum.“
Die Beschreibung der weißen Synhaga auriculata paßt im wesent-
liche. auf Proc. lobata O. Schm. Davonv. Stummer-Böhmig
(28) im Schwarzen Meer nur Proc. (segmentata) lobata gefunden wor len
ist, und das mir vorliegende Mate: ial von Sevastopol von unpigmentierten
Trieladen ebenfalls nur Pr. lobata aufweist, so ziehe ich Synhaga auri-
culata Czern. zu Pr. lobata OÖ. Schm. Auch Böhmig (28, p. 372)
hält dieselbe ‚nach ihrem Exterieur für eine Procerodes-Art‘“.
8. Ausführliche anatomisch-histologische Beschreibung von @unda
segmentata n.sp., de Metschnikoff m Messina fand.
Meine Untersuchungen (cf. auch 270) im Sommer 1906 suf Korfu
ergaben, daß dieselbe mit O. Schmidts Gunda lobata identisch ist.
4*
52 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
Daß Lang die ihm vorliegende Art als neue Spezies beschrieb, er-
scheint verständlich, da nach O. Schmidts Beschreibung der @. lobata
eine Identität derselben mit Lang s Messinenser Trieladen sich nicht
vermuten ließ.
9. Über das Nervensystem von Proc. lobata (OÖ. Schm,) (Gunda
segmentata Lang).
10. Zusammenfassende Angaben über das Nervensystem von
@. lobata; cf. 9.
11. Über die Segmentierung von @. segmentata, Auszug aus 8.
12. Über Langs @unda-Theorie.
13. Antwort auf 12.
14. Zusammenfassung des Schlußkapitels der Polycladen-Mono-
graphie, über die vergleichende Anatomie der Exkretionsorgane der
Würmer, darunter Gunda segmentata.
15. Angaben über die Klebzellen von @. segmentata.
Vogts Angaben über den Gelegenheitsparasitismus, auf die
ich im biologischen Abschnitt der Monographie nur hingewiesen habe,
lasse ich hier wörtlich folgen:
16. „En cherchant parmis la „putlina‘ des Helmychthydes
(Leptocephalus), qui sont maniiestement des larves de congres,
transparentes et depourvues de sang rouge, m&me de sang ä
elements figures, M. Vogt rencontra une larve de poisson d’une
longueur de 100 millimetres, transparente mais pourvue de sang
rouge. On voyait tres bien par transparence les differentes parties
du coeur, les branchies, le foie l’intestin, la vessie natatoire. C’etait
probablement aussi une larve de Murenide, car les nageoires
ventrales faisaient defaut et la fente branchiale fermee ne laissait
apercevoir aucun orilice exterieur. La nageoire dorsale commengait
au premier quart de la longueur totale, faisait le tour du corps
et se terminait & l’anus situ& un peu en arriere du commencement
de la dorsale.
Sur le peau de cette larve, notamment sur les nageoires, se
trouvaient une trentaine petits kystes d’un blanc crayeux d’un
demi-millimetre de diametre, souvent entoures de suggillations
sanguines. En ouvrant un de ces kystes avec une fine aiguille,
il vit & son grand &tonnement surgir un petit ver & extr&mite
triangulaire et pointue dont toute la surface vibrait avec beaucoup
d’intensite. On distingue, par de forts grossissements, une couche
epithöliale vibratile et un contenu du corps granul&, & gouttelettes
de graisse. Sauf des yeux noirs et spheriques, places de chaque
cote de la base du triangle cephalique, on ne distingue aucun organ
interieur. Les larves delivrees nagent pendant une heure & peu
pres, pour diffluer ensuite.
Des stades plus äges de ces larves, qui sortaient quelques jours
plus tard d’une autre larve de poisson infectee, laissaient reconnaitre
tous les caracteres du genre @unda, si bien etudie par M. Lang:
Les tentacules c&phaliques, les systemes nerveux, les yeux, la
trompe plac6e dans la moiti& posterieure du corps, la segmentation
der marinen Tricladen. 55
indiquee par les branches de l’intestin ramifie, les ebauches des
organs femelles placees derriere la trompe. Les organs males
n’etaient pas developpes, pas plus que les glands vitellogönes.
Une comparison attentive des @unda adultes, trouves par
M. du Plessis en abondance aux environs de Nice et ayant
des organs sexuelles d&montra une identit® complete.
On ne connait pas, que je sache, de Turbellariee enkystee
comme parasite pedant une certaine periode, et il est bien curieux
que ce phenomene se rencontre chez un type & organisation tres
elevee, ayant certains affinites avec les Hirudinides suivant
Lang.“
Es dürfte sich hier zweifellos um Pr. lobata handeln, da gerade ihr
die Einkapselungsfähigkeit fast ausschließlich zukommt.
Die von Vogt als junge Muränide bezeichnete Fischlarve ist
eine junge Anguilla, wofür besonders — wie mir Herr Dr. LoBianco
in Neapel zu demonstrieren die Freundlichkeit hatte — die Angabe des
für Anguilla-Larven charakteristischen Beginns der Rückenflosse im
ersten Körperviertel spricht. Cf. auch v. Graff (25).
17. Über den Uterus von @unda segmentata; Material jedentalls
von Messina.
18. Hallez (1892) zieht Synhaga auriculata zu Cereyra, mit der
sie die Anastomosierung der hinteren Darmäste gemeinsam haben soll:
„Parmi les Trielades marins, les genres Üercyra et Synhaga,
qui doivent ötre fusionn&s, sont characterises par
l’existence, entre les deux branches posterieures de l’intestin,
d’un reseau d’anastomoses transverses.“ (Ct. 19, 19a.)
19. 19a. Für die Einreihung von Synhaga auriculata in das
Genus Cercyra führt Hallez weiter an:
„On voit que la characteristique du genre Synhaga comme
celle du genre Cercyra, e’est l’existence d’anastomoses de deux
branches posterieures de V’intestin. Le dessin donne par Üzer-
niavsky est tres insuffisant et ne laisse rien prejuger de la
disposition de l’appareil genital et notamment de la position des
ovaires.“
Ich habe im Abschnitt ,„Darmbau“ in der Monographie dargelegt,
daß die einzige konstante Darmverschmelzung bei Syncoelidium vor-
handen ist, während alle Anastomosen und Verschmelzungen der
Darmäste nur gelegentlich vorkommen und teratogen sind. (cf. 6).
20 u. 21. Über Langs @unda-Theorie.
22. Über den Geschlechtsapparat von Gunda segmentata.
23. Über den Pharynx von @unda segmentata; (jedenfalls Material
von Messina).
23 a. Nachweis diagonaler Muskelfasern im Hautmuskelschlauch
von @unda segmentata; Angaben über die Körpergröße; (cf. 17).
24. Curtis hält eine bei Sandwich, Cape Code, Mass. gefundene
Seetriclade für identisch mit Gunda segmentata; es handelt sich jedoch
um Procerodes wheatlandi; (cf. 30 u. 31).
54 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
25. Angaben, nach Vogt (16), über die auf der Haut einer (an-.
geblichen) Muränide eneystierten G@unda segmentata; erklärt irrtümlicher-
weise diese Cysten als Eier einer Species der Gattung @unda:
„Gelegentliche Raumparasiten, welche bloß ihre Eier an
andere Tiere anheften: Gunda sp. auf der Haut von Muräniden-
larven.‘“
„Muränidenlarven spec., gelegentlicher Ektoparasit (Eier auf
die Haut ablegend) Gunda sp. (Nizza).“
C£. meine Angaben zu (16) über die Einkapselung von Proc. lobata
(G. segmentata) und ihren Gelegenheitsparasitismus, in der Monographie
p. IOE.
26. Setzt zur Stützung seiner G@unda-Theorie an Stelle der Darm-
divertikeltheorie die Gonocceltheorie; cf. Monographie Kap. V,
Phylogenie. Stellt eine Theorie der Entstehung der Exkretionsorgane
der Trieladen auf.
27. Zu Proc. segmentata zieht Böhm 1ıg (1906) eine Trielade aus
dem Schwarzen Meer, die ec auch für identisch mit Uljanins
Plan. ulvae aus dem Schwarzen Meer hält. Gleichzeitig dürfte mit
dieser Art auch Czerniavskys Synhaga auriculata zusammen-
fallen. Böhmig führt diese ale unsichere Art an, bemerkt aber,
daß er sie nach ihrem Exterieur für eine Procerodes-Art halte. Daß das
Zusammenfallen dieser drei Arten aus den Beschreibungen der Autoren
mit einiger Sicherheit hervorgeht, zeigt ein Vergleich derselben mit
Böhmigs Angaben, die ich hier folgen lasse:
„$—5 mm lang, 3/,—1l mm breit, Körper schlank, ziemlich
gleichmäßig breit, hinter dem Vorderrande eine unbedeutende,
halsartige Einschnürung; Stirnrand leicht konvex, Hinterende
abgerundet. Tentakeln sehr klein, nach der Seite gerichtet und
am konservierten Objekte häufig nicht wahrnehmbar. Farbe
weißlich oder rosa. Augen klein, am konservierten Tiere vom Seiten-
rande ungefähr ebensoweit entfernt als von der Medianlinie. Der
Abstand vom Stirnrand ist etwas größer als der gegenseitige.
Mundöffnung in oder hinter der Mitte des vierten Körperfünitels.
Dicht hinter ihr (100—150 u) der Genitalporus. Auf jeder Seite
22—27 meist einfache, seltener gegabelte sekundäre Darmäste, von
denen 9—11 dem vorderen primären Darmaste angehören; bei
einigen Exemplaren findet sich eine Anastomose zwischen den
hinteren Darmschenkeln. Penis kegelförmig, schlank, Bulbus
wenig entwickelt; die Vasa deferentia vereinigen sich alsbald nach
ihrem Eintritt in den Bulbus zu einem gemeinsamen Kanale.
Eiergang überaus kurz. Der Uterusgang entspringt von der vorderen
Fläche des Uterus, nahe den ventralen Gonaden. sekundäre Darm-
äste und Kommissuren segmental angeordnet, jedoch nicht so
exquisit regelmäßig wie Lang angibt.“
Ich selbst habe die Art aus der gleichen Gegend (Sevastopol)
durch die Güte des Herrn Dr. Zernow erhalten und schließe mich
der marinen Tricladen, 55
Böhmigs Bestimmung der Art als P. segmentata, die ich zu P. lobata
habe ziehen müssen, an.
Böhmig selbst führt P. lobata noch als selbstständige Art an,
weist aber darauf hin, daß O. Schmidts Angaben über den Genital-
apparat derselben unzutreffend sein dürften.
28. Angaben über die in @. segmentata (Golf von Neapel) endo-
parasitisch lebende Hoplitophrya uncinnata.
29. Über die Regeneration und gelegentliche Polypharyngie von
@. segmentata (Golf von Neapel).
30. Stellt (1908) fest, daß Proc. wheatlandi, entgegen Curtis’
(cf. 24) nicht mit Proc. segmentata identisch ist, sich vielmehr von dieser
durch den Besitz von Körperpigment, sowie durch Habitus und
Organisation unterscheidet; ef. P. wheatlandi. Angaben über das in
Proc. segmentata und anderen Procerodiden lebende Infusor.
31. Gibt eine vorläufige Mitteilung, betreffend die mit Procerodes
lobata OÖ. Schm. synonymen Aıten und Proc. wheatlandi Czer.:
„Im Jahre 1880 fand Metschnikoff am Strande bei
Messina eine marine Planarie, die von Lang unter dem Namen
Gunda segmentata n. sp. beschrieben worden ist. Bis in die neuere
Zeit hatte es den Anschein, als ob diese Art keine größere Ver-
breitung besäße, da nur ein e Mitteilung über einen neuen Fund-
ort (Nizza) erschien. Im Mai 1905 sammelte ich Procerodes seg-
mentata an der Küste von Messina bis Faro und wies sie bald darauf
mit Hilfe einer anderen Ortes beschriebenen Fangmethode im
Golf von Neapel in außerordentlichen Mengen nach. Im Sommer
1906 fand ich sie sehr zahlreich bei Tarent. Als ich im gleichen
Sommer die von OÖ. Schmidt beschriebenen 6 Süßwasser-
und Seetrieladen der Jonischen Inseln untersuchte, ergab sich,
daß Langs @unda segmentata mit Ö. Schmidts @unda lobata
von Korfu identisch ist. Dieselbe konnte ich in Korfu nur an dem
von OÖ. Schmidt angegebenen Fundort bei Cannone nach-
weisen, wo sie, auf einen kleinen grobsandigen Küstenstrich be-
schränkt, vorkommt. O0. Schmidt konnte seinerzeit trotz
aller Mühe nur einige Exemplare unter Steinen auffinden. Ich
suchte gewissenhaft unter Steinen in- dieser Gegend, des be-
nachbarten Sees Kalikiopulo und andern Küstenstrichen, auch
an der Westküste bei Pelleka, indes vergeblich. Im groben Sand
bei Cannone hingegen fand ich sie reichlich. In der Bucht von
Argostoli (Kephalonia) fehlt sie. Auf dem griechischen Festlande
traf ich sie bei Iteai, nahe Patras, an.
Im September 1906 setzte ich in die Ostsee bei Travemünde
einige hundert Exemplare von Proc. lobata am grobsandigen
Strande aus; da Proc. lobata auch im verdünnten Seewasser
lebensfähig ist, so wäre eine Anpassung an das salzarme Wasser
der Ostsee nicht ausgeschlossen.
Im gleichen Jahre wies ich sie bei Triest und Umgebung,
sowie bei Nizza und Genua nach.
56
Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
Aus dem Schwarzen Meere erhielt ich von Sebastopol durch
Herrn Dr. Zernow im Oktober 1906 Tricladenmaterial zuge-
sandt, unter dem sich zahlreich Proc. lobata fand. Auch die Be-
schreibung und Abbildungen der lebenden Tiere, die Fräulein
Jakubowa in Sebastopol freundlicherweise angeiertigt hatte,
ergab ein Zusammeniallen der Sebastopoler weißen Trielade mit
Proc. lobata. Böhmig, der vonv. Stummer im Schwarzen
Meere bei Sebastopol gesammeltes Seetricladenmaterial unter-
suchte, erkannte dieselbe ebenfalls als Proc. segmentata.
v. Stummers Abbildung (Böhmig, 28, Taf. XIX, Fig. 3)
zeigt eine junge nicht geschlechtsreife Proc. lobata (segm.). Zu
Proc. lobata ziehe ich auch die von Czerniavsky im
Schwarzen Meer bei Jalta (Krim) und Suchum gefundene und
als Synhaga n. gen. auriculata n. sp. beschriebene Trielale.
Czerniavsky stellte, offenbar zur Unterscheidung von
O0. Schmidts Haga plebeia, die tentakellos sein soll, das neue
Genus Synhaga auf. Da Czerniavskys Beschreibung von
S. auriculata auch auf Proc. lobata paßt und auch die Körperfarbe
als weiß (Corpus lacteum) angegeben ist, ziehe ich dieselbe zu
Proc. lobata.
Im November 1907 wies ich m Gemeinschaft mit Dr. Stein-
mann Proc. lobata auch außerhalb des Golfes bei Amalfı nach;
auf Capri, Ischia und von Torre Gaveta an nordwärts traf ich
sie auf verschiedenen Küstenuntersuchungen während der letzten
Jahre nicht an.
In einer kurzen Mitteilung sprach Curtis die Vermutung
aus, daß eine von ihm bei Sandwich, Mass. gefundene Seetrielade,
die Verrillmit Proc. (Gunda) ulvae (Oe.) identifizierte, mit der
Messinenser Proc. segmentata (Lang) zusammenfalle. Ich unter-
suchte in gleicher Gegend im Sommer 1907 die in Frage stehende
Form und habe in einer vorläufigen Mitteilung festgestellt, daß sie
eine selbständige Art, Proc. wheatlandi Gir., und weder mit Proc.
ulvae (Oe.) noch Proc. lobata (segmentata) identisch ist. Da ich
gerade an Curtis ’ Fundort selbst die in Frage stehende Art
nicht finden konnte, wandte ich mich an den Autor. Prof. Curtis
hatte die Freundlichkeit, mir von seinem Material eine Anzahl
Tiere und zugleich seme damaligen unveröffentlichten Auf-
zeichnungen zuzusenden und mir zur Verfügung zu stellen. Die-
selben hat nun Curtis zur Ergänzung seiner früheren kurzen
Mitteilung von dem Vorkommen von @. segmentata in Amerika
in dieser Nummer des Zool. Anzeigers (33. Bd. 1908) auf meinen
Wunsch hin selbst veröffentlicht. Die Angaben und Zeichnungen
Curtis’ decken sich im wesentlichen mit meinen Beobachtungen
an dieser Art. Zur Ergänzung der Abbildungen Curtis’ gebe ich
hier eine von Sandwich, Mass. stammende Proc. wheatlandi nach
einem Totalpräparate wieder. Von Proc. lobata (segm.) unter-
scheidet sich Proc. wheatlandi schon äußerlich durch die Körper-
der marinen Trieladen. . 57
und speziell Kopfform, sowie durch die Anwesenheit von Körper-
pigment.” Zusammenstellung der Fundorte von P. lobata.
„Obwohl an den nördlichen Küsten zahlreiche Strandunter-
suchungen vorgenommen und eine Anzahl Trieladen im See- und
Brackwasser gefunden worden sind, so ist dort niemals Proc. lobata
nachgewiesen worden. Ob sie in der Ostsee, wo ich sie bei Trave-
münde ausgesetzt habe, festen Fuß gefaßt hat, ist noch nach-
zuprüfen. Die Vermutung, daß sie an der Ostküste Nordamerikas
vorkomme, hat sich nicht bestätigt. Die Verbreitung von Proc.
lobata beschränkt sich demnach auf das Mittelländische und
Schwarze Meer, wo sie offenbar an allen geeigneten, d. h. grob-
sandigen und steinigen Küstenstrichen zahlreich vorkommt;
für das Mittelländische Meer ist sie indes bis jetzt nur an dessen
nördlichen Küsten nachgewiesen worden.“
2. Proceredes dohrni Wilhelmi 1909
cf. Monographie.
3. Procerodes ulvae (Oe.) 1843.
1. Hirudo (Littoralis) Ström 1768 (245, b, p. 365, 366.)
2. Planaria littoralis F. Müller 1776 (211, p. 222,
No. 2691.)
ı = F. Müller 1791 (212.)
3. Planaria ulvae n. sp. Oersted 1843 (213, p. 551.)
4, 2 ee Oersted 1844 (214, p.205; Taf. 1,
Fig. 5.)
B. # n, ” Oersted 1844 (215, p. 68, 83.)
6. 2 A f Diesing 1850 (71, p. 205.)
7: ns I; R Schultze 1851 (23%, p. 4, 68, 69;
ir R Takt, D18.89:)
. Procerodes ulvae 3 en R
Tas oral lo 3 | Stimpson 1857 (244, p. 6.)
9. Planaria hittoralis (F. Müll.) van Beneden 1861 (9, p. 42, 56;
Taf. 7, Fig. 11—13.)
10. Procerodes ulvae (Oe.) Diesing 1862 (%2, p. 521.)
11. Planaria ulvae Oe. - Johnston 1865 (152, p. 12.)
12. i A 5 Uljanin 1869 (24%.)
F H 4 Uljanin 1870 (248, p. 531—33,
Taf. 3, Fig. 12—18.)
18. A 8 1 Leuckart 1871/72 (186, p. 459.)
14. Fi ,, Fr Czerniavsky 1872 (65, p. 106,
107.)
15. « F N, Moebius 1873 (201, p. 104.)
16. F* }, n Mac Intosh 1874 (149, p. 149.)
ri. 2 5, a Mac Intosh 1875 (150, p. 105.)
18. Procerodes ulvae (Oe.) O0. Jensen 1878 (141, p. 74.)
19. Planaria ulvae Oe. Lenz 1878 (183, p. 9.)
20. “ A r Czerniavsky 1881 (66, p. 224,
225.)
58 Dr. J. Wilhelmi:
21. Planaria ulvae Oe.
22. Planaria littoralis F. Müll.
23. Planaria ulvae Oe.
24. » „ „
25. Gunda Ulvae (Oe.)
26. Planaria ulvae Oe.
27. Gunda ulvae (Oe.)
28. Gunda Ulvae (Oe.)
29. „ » >)
30. > ) >
31. Procerodes ulvae (Oe.)
33. Gunda graffi n. sp.
34. Gunda ulvae (Oe.)
35. Neoplana ulvae (Oe.)
36. Procerodes ulvae (Oe.)
37. Planaria ulvae Oe.
38. Procerodes ulvae (Oe.)
Procerodes littoralis (F. Müll.)
39. ” » >
40. Procerodes ulvae (Oe.)
40a. Gunda ulvae (Oe.)
41. „ be) >
42.
43. Planaria httoralis (Müll.)
44, Gunda ulvae (Oe.)
45. 79 ») ”
46. Procerodes ulvae (Oe.)
47. Procerodes ulvae (Oe.)
48. Gunda ulvae (Mülı.)
Citate zur Systematik
Lenz 1882 (184, p. 177.)
Francotte 1883 (11, p. 467.)
Braun 1884 (34, p. 141.)
Braun 1884 (33, p. 116—129.)
Ijima 1887 (148, p. 241—258;
Taf. 25, Fig. 6—13.)
Braun 1888 (36, p. 15.)
Wendt 1888—89 (258, p. 252
— 274; Taf. 18.)
Bergendal 1890 (12, p. 324-326.)
Bergendal 1890 (13, p. 540-542.)
Bergendal1892 (14, p. 311, 313,
315—318; Taf. 32, Fig. 7.)
Hallez 1892 (124, p. 10.)
Böhmig 1893 (25, p. 205, 206.)
Gamble 1893 (90, p. 493, 494.)
Girard 1893 (165, p. 196, 232.)
Verrill 1893 (253, p. 126, 127;
Taf. 41, Fig, 10; Taf. 42, ee
lla.)
Dahl 1893 (67, p. 178.)
Hallez 1893 (92) (127, p. 66—71,
126, 166.)
Hallez 1894 (128, p. 121—124,
127, 189, 190, 237.)
Verrill 1895 (254, p. 532—534.)
Blochmannu. Bettendorf
1895 (19, p. 216, 217; Fig. 1.)
Bergendal1896 (15, p. 287, 292.)
Bergendal 1896 (16, p. 1—126;
Taf. 2, Fig.11; Taf. 3, Fig.22, 24;
Tat;#5;', Fig,,29; 46; Tara6,
Fig. 49, 51, 53, 55, 57, 58.)
Gamble 1896 (94, p. 17.)
Hesse 1897 (135, p. 528, 533, 534;
Taf. 27, Fig. 6.)
Jander 1897 (139, p. 160, 163
—168; Taf. 13,’ Fig.'3.)
Böhmig 1906 (28, p. 181—314;
Taf. 12, Fig.4, 42,8, 11,
Taf. 13, Fig.1—7; 14, 15; Taf. 14,
Fig. 2, 4, 5; Taf. 15, Fig. la—e,
3—5, 8—10, 14, 16—18; Taf. 16,
Fig. 1: Tat. 17, Pier, Tarıe
Fig, 1,%2,79,9197520%)
lhelm ı 1907 (26%, v. 1, 5, 10.)
Wi
Th&el 1908 (545 ec, p. 62.)
der marinen Tricladen. 59
49. Procerodes ulvae (Oe.) Wilhelmi 1908 (268, p. 1—6.)
50. & ri Wilhelmi 1908 (270, p. 399.)
1. Ströms Hirudo (Littoralis) führe ich hier an, da dieselbe auf
Procerodes ulvae, wie auch Lang und Graff (195) angegeben haben,
bezogen werden kann, wenngleich Ströms Charakterisierung der-
selben: ‚‚depressa, grisea, punctis duobus nigris immersis“ eine Wieder-
erkennung der Act nicht zuläßt.
9, Auch Müllers Planaria littoralis kann nur mit dem gleichen
Vorbehalt (s.o.) hier aufgeführt werden: „depressa, cinerea, punctis
duobus nigris immersis.“
3. „Planaria ulvae Oe., Planaria httoralis.
Corpore 21/5" longo, ?/4 lato, supra convexiusculo, flavo-
grisescente, subtus plano albescente, anteriorem partem versus
angustiore, postice truncato.
Ogsaa denne Art varierer meget in Farve og bliver undertiden
bleggraa. Midt paa Ryggen er den noget lysere og langs ned ad
Siderne findes lysere Pletter.
Den er meget almindelig overalt i Sundet i Naerheden af
Kysten, fornemmelig paa Ulvaerne.“
Planaria ulvae wird unter den „Species oculis duobus praeditae,
subauriculatae‘“ angeführt.
4. Speziesbeschreibung wie vorher.
„Auch diese Art variert sehr an Farbe und wird mitunter
blaßgrau. Mitten auf dem Rücken wird sie etwas heller und längs
der Seiten finden sich hellere Flecken.
Sie ist allgemein im Sunde in der Nähe der Küsten, vor-
nehmlich auf Ulven.“
Obwohl die von Oersted angenommene Identität von Plan.
ulvae mit Plan. littoralis durchaus nicht mit den von ihm gegebenen
Abbildungen der beiden Formen in Einklang steht, behalte ich dieselbe
bei, da bisher keine Seetriclade in der Ostsee mit emem der Plan.
littoralis so ähnlichen Habitus gefunden worden ist, daß dieselbe auf
Plan. hittoralis bezogen werden könnte; cf. auch spätere Angaben über
Plan. litoralis, p. 000.
5. Plan. ulvae wird angeführt. Die Arbeit war mir nicht zugänglich.
6. Führt Plan. ulvae Oe. mit Beschreibung nach Oersted
und ‚?Plan. littoralis Müll.“ als synonym an.
7. Erwähnt, daß die ihm aus eigener Anschauung bekannten
Plan. ulvae und Plan. affinis aus der Ostsee den Süßwassertrieladen
in bezug auf die innere Organisation durchaus gleichen.
Beschreibt eine neue in Proc. ulvae (aus der Ostsee) lebende Opalına,
die er wegen der sie auszeichnenden Haken uncinata nennt:
„Dieselbe ist !/,““ lang, platt, oval und ausgezeichnet durch
die im Vorderende liegenden beiden harten Haken, von denen
der eine stets etwas kürzer als der anderre ist. Köperparenchym
und kontraktiles Gefäß sind ganz wie bei der vorigen Art, ebenso
60 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
der in einzelnen Fällen vorhandene helle Fleck a. Fig. 9 stellt
ein in Teilung begriffenes Tier vor.“
Über die endoparasitische Hoplitophrya uneinata ef. Wilhelmi
(270).
8. Stellt Plan. ulvae De. zu Procerodes Gir., Plan. littoralis Müll.,
die Oersted selbst als wahrscheinlich identisch mit Plan. ulvae
bezeichnet hat (cf. auch 3., 4., 6.), wird von Stimpso.n als besondere
Art angeführt und zu Fovia Gir. gestellt. Da das Genus Fovia nie
eine genügende Charakteristik erfahren hat und unhaltbar ist,
kann diese fragliche Art nur zu Procerodes gezogen werden. Die
zwar ganz willkürliche Stellung der Plan. ulvae zu Procerodes hat
sich als zutreffend erwiesen.
„Planaria littoralis ©. F. Müller. Ce vers est long de dix
millimetres et large d’un a deux millimetres, selon les contractions
du corps. Lorsqu’il est &tale, satöte s’elargit et devient triangulaire.
Il se ramasse comme un sangsue, quand il est inquiete, et devient
ovale. Les deux yeux sont fort distincets; on voit un cerele blanc
autour d’eux. Ils sont assez rapproches. La surface du corps est
d’un jaune d’ocre leger&ment marbre. Le dessous est blanc. On
voit les ramifications du tube digestif faiblement accusees a travers
l’epaisseur de la peau. En arriere on apergoit un espace päle
entre les deux branches principales du canal digestif. Nous ne
croyons pas que le Planaria ulvae d’Oersted soit son synonyme,
puisque la tete de celle-ci est tout autrement conforme£e.
Nous l’avons trouve sur des Fucus vesiculosus et des Ulva
intestinalis. Cette espece vit bien dans les aquariums.“
Ich stelle Plan. littoralis zu Proc. ulvae (Oe.), obwohl manche
Angaben van Benedens (der starke, helle Hof um die Augen,
die Kopfform und der Darmbau) nicht für letztere zutreffen. Be-
gründung siehe 22; cf. auch 3., 4., 8., 10., 18., 25., 27., 35., 39., 46.
10. stellt die Familie Procerodea Dies. auf:
„Character generis uniei simul familiae“
und zieht nach Stimpson Plan. ulvae De. zum Genus Procerodes Gir.
Plan. littoralis Müll. führt er als Fovia littoralis in der Familie Planaridea
an. Bezüglich letzterer Art gilt das oben (8., 9.) Gesagte; desgleichen
bezüglich der Vereinigung der Plan. ulvae mit Procerodes.
11. „P. ulvae, of an olive mottled colour, with an pale abbre-
viated mesial line; front truncate, distinetly auricled; the tail
truncate or more commonly emarginate. Length 5°; breath 1!/,'.
Plan. ulvae Oersted, Entw. Plattw. ete.
Hab. At the roots of the Laminaria between tide-marks. (a) Ber-
wick Bay, Dr. Johnston.“
Plan. ulvae Oe. (Johnston det.) ist die einzige im Britischen
Museum zu London vorhandene Seetriclade. Die übrigen im Katalog
(152) genannten Dendrocoelen sind nur als zur Fauna Englands gehörig
aufgeführt.
der marinen Tricladen., 61
12. Uljanins 1869 erschienene vorläufige Mitteilung (247) zu
(248) 1870 war mir nicht zugänglich.
Uljanin beschreibt unter dem Namen Plan. ulvae eine jedenfalls
zu Proc. lobata gehörige Seetriclade. Zu Plan. ulvae gehört sie keines-
falls, ef. p. 49, 4.). Uljanins weitere Beschreibung und Abbildung
seiner Pl. ulvae sprechen für eine Identität mit Proc. lobata (segmentata),
welcher Ansicht auch ljima (148) ist. Ferner spricht hierfür der
Umstand, daß v. Stummer Proc. lobata (= segmentata) im
Schwarzen Meer gefunden, ef. Böhmig (28, p. 351); auch ich selbst
habe 1906 von Sebastopol durch Herrn Dr. Zernow Proc. lobata
erhalten.
Ich stelle daher Uljanins Plan. ulvae zu Proc. lobata und gebe
die Übersetzung von Uljanins Angaben auf p. 49 wieder.
13. Deutsches Referat über Uljanins Angaben.
14. Vorläufige Mitteilung zu 20.
15. führt als Fundorte von Proc. ulvae in der Ostsee an:
„Kiel. S. von Laaland. 13 Seemeilen ONO von Darserort.
Hiddensö (Dornbusch). Saßnitz (O Rügen). Rönnestein. Südseite
von Bornholm. 23 Seemeilen N von Jershöft. Stolper Bank.
Cimbrisham.““
Auf Ulven, Seegras, roten Algen, Fucus, Sand, weißem Sand,
grobem Sand und Steinen; in 1—15 Faden Tiefe.
16.—17. erwähnt, daß Plan. ulvae
„which abounds in the brackish waters of many of the ereeks
on the western coasts of Scotland“
bei St. Andrews fehlt.
18. zieht zu Procerodes ulvae (Oe.), die er an der Westküste
Norwegens zahlreich fand, als Synonym Hirudo littoralis Ström,
Planaria littoralis Müller, Plan. ulvae Oe. (ci. meine Angaben zu 9.)
und beschreibt sie:
„Corpus longitudine 21/“, latitudine °/,, depressum,
postice obtusum. Color supra fuscogriseus, vel maculis griseis
distinetis, linea mediana albida, subtus albidus.
Funden paa alle undersögte Lokaliteter; den er af de alminde-
ligste Turbellarier; paa sine Steder findes den massevis under
Stenene i Fjaeren. H. Str ö m har fundet den paa Söndmör i stor
Maengde blandt Mudder i Stranden — —, saa der vrimles deraf.‘
19. Fand Plan. ulvae Oe. in der Travemünder Bucht
„im Haien und sn den flachen Stellen des Binnenwassers,
wo reichlich Ulven vegetieren, in großer Menge. Die durch-
schnittliche Länge beträgt 4 mm. Die Farbe ist hellgrau, dunkel-
grau bis fast schwarz.“
20. beschreibt eine in der Bucht von Suchum im Schwarzen
Meere gefundene Seetrielade unter den Namen Plan. ulvae De. Obwohl
sich nach Czerniavskys Beschreibung die Art nicht bestimmen
läßt, so handelt es sich möglicherweise um Proc. jaqueti Böhmig, zu
welcher ich sie mit Vorbehalt stelle.
62 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
21. fand Plan. ulvae De. in der Travemünder Bucht im inneren
Teil, im Dassower See und der Untertrave bis Herrentähre in 0—1 Faden
Tiefe (häufig).
22. führt unter der Fauna Ostendes Plan. httoralis an. Fran-
cotte selbst hat diese Art später als identisch mit G@unda ulvae Oe.
erkannt. Kine brieiliche Mitteilung Francottes hierüber an
wich lautet:
„Vous ine demandez de vous procurer des exemplaires de
la Planaria littoralis decouverte par Van Benedenaä Östende:
jai retrouve cette espece en 1880 et en 1883, ainsi qu’ä d’autes
epoques plus recentes dont je n’aı pas tenu note. Je me permets
d’attirer votre attention sur ce fait que Planaria littoralis n’est
probablement que Planaria ulvae, de VDersted et Procerodes
ulvae de Diesing et @unda ulvae de ljima; et que Hallez
A trouve au Portel pres de Boulogne: j’ai en l’occasion de voir au
Portel m&me la Gunda ulvae et j’ai reconnu immediatement
l’espece trouvee a Ostende par Van Beneden.. .“ ci.8,9.
23. Vorläufige Mitteilung zu (24).
24. „Fundort von Plan. ulwae Oe., im westlichen Teile des
Finnischen Meerbusens:
Nargen 1881, zwischen Tang und Algen, 0—1 Faden Tiefe.“
25. Ijima weist darauf hin, daß Uljanins Plan. ulvae nicht
recht bestimmt sein dürfte, Fovia littoralis wi.d zu Plan. ulvae gezogen;
ct.9. Ijimafand Plan. ulvae am Strande von Klampenborg (nördlich
von Kopenhagen). Seine Beschreibung derselben ist gut. Ich gebe
daraus hier nur die Angaben über die Variabilität der Färbung wieder:
„Kleinere Exemplare sind blaßgrau, die größeren sind
dunkler wegen des schwarzen Pigments. Das Letztere sieht man
auf dem Rücken, unter schwacher Vergrößerung, als unregel-
mäßige Flecken oder Streifen, die ein schmutziges Aussehen
bewirken. Zwei seitliche schwarze Linien, die hie und da Zweige
abgeben, verlaufen unregel.näßig von hinter den Augen bis
zum Schwanzteile. Diese Linien waren jedoch nicht auf allen
Tieren bemerkbar. Vorn hat das pigmentierte Feld des Rückens
eine ganz charakteristische Anordnung. Gerade hinter den Augen
spaltet er sich in zwei seitliche schmale Teile und ein mittleres
Band. Die ersteren gehen nach vorn, immer schwächer werdend,
den Körpe;rändern entlang und verlieren sich schon hinter der
Halseinschnürung. Das mittlere Band zieht sich zwischen den
Augen hin und dann teilt es sich in drei oder vier Bänder, die
nach dem vorderen Kopfrande zu allmählich verschwinden. Jedes
Auge liegt daher am Ende einer pigmentierten Strecke, die sich
von vorn bis in die Kopflappen hinein erstreckt.“
26. fand Plan. ulvae Oe. in der Bucht von Wismar (Ostsee):
„in einigen Exemplaren zwischen Algen im inneren Teile
der Bucht und in der Kirchsee.“
der marinen Tricladen. 63
27. weist Ijim a gegenüber darauf hin, daß Fovia littoralis infolge
ihrer abweichenden Körperform mit Proc. ulvae nicht identisch sein
könne. Dieser, übrigens ganz zwecklosen, Wiederabtrennung der
Fovia affinis von Plan. ulvae kann ich mich nicht anschließen (cf. 9.).
Die von Ijim a erwähnte Einkerbung des Hinterendes ist nach
Wendt keine regelmäßige Erscheinung, sondern soll durch das
Haftenbleiben von Klebzellen bei der Gleitbewegung verursacht werden.
Ich muß aber Ijima bestätigen, daß diese Einkerbung keine
temporäre Veränderung des Hinterendes, sondern eine durch ihre
Häufigkeit für diese Art geradezu charakteristische, dauernde Form-
veränderung das Hinterendes ist. Die Färbung beschreibt Wendt,
wie folgt:
„Die Farbe dieser Planarie variiert von dunkelgrau und braun
bis schwarz, auf der Ventralseite ist sie bedeutend heller, zuweilen
ganz hellgrau. Jederseits und in der Mitte des vorderen Körper-
randes nehmen drei dunkle Pigmentstreifen ihren Ursprung und
ziehen konvergierend gegen die Augengegend, ohne sich jedoch
mit einander zu verbinden. Der mittlere dieser Streifen verläuft
gerade nach hinten bis zur Wurzel des Pharynx, wo er endigt,
die seitlichen gehen in die laterale Pigmentierung der Dorsal-
seite über.
Längs des Rückens in der Medianlinie verläuft ein heller,
etwa !/, mm breiter Streif, der dem Pharynx entspricht, und
ferner zeigen sich an den Seitenteilen des Rückens helle Punkte,
welche die an diesen Stellen im Innern des Körpers gelegenen
Hoden andeuten.
Bei jungen Tieren gestalten sich diese Verhältnisse dadurch
etwas anders, daß die Pigmentierung noch nicht so weit vor-
geschritten ist, man sieht aus diesem Grunde bei ihnen mehr von
den inneren Organen, wie an älteren Individuen, so z.B. das
Zentralnervensystem und eine Anzahl von Darmzweigen, während
andererseits die noch nicht zur Entwicklung gelangten Hoden
das Fehlen jener weißen Pünktchen auf den Seitenteilen des
Rückens bedingen. Im Wasser erscheinen jüngere Tiere gleich-
mäßig weiß, ältere grau.“
Angaben, betreffend Fund, Ort und Zeit, sowie Kokonablage:
„Die zu meiner Untersuchung gebrauchten Tiere wurden
alle bei Warnemünde gesammelt. Hier ist nämlich ein Durchstich
gemacht, um die Warnow direkt mit der See zu verbinden, der
„Strom“ genannt. An den Pfählen, mit denen der Strom ein-
gefaßt ist, finden sich massenhaft Muscheln (Mytilus), und auf
und zwischen diesen Pfahlmuscheln sind die Planarien in großer
Anzahl zu finden. Ihre braunen Kokons heften sie in ganzen
Gruppen an die Innenfläche der Schalen abgestorbener Muscheln.
Auch weiter hinaus, am Strande, fand ich einige Exemplare
von Gunda ulvae.‘“
28. fand Gunda ulvae zusammen mit Üteriporus vulgaris bei
Kullen (Schweden) und weist darauf hin, daß Wendts Angabe,
64 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
daß sie nicht außerhalb der Ostsee vorkomme, somit unrichtig sei.
Stellt eine Reihe Angaben Wendts, speziell über Bau und Struktur
des Kopulationsapparates, richtig, worüber ich in der Monographie
p. 262 berichtet habe.
29. Angaben über Anatomie und Verbreitung von Gunda ulvae.
30. Über den Uterus von @unda ulvae.
3l. Hallez will bei Proc. ulvae-Embryonen eine konstante
Verschmelzung der hinteren Darmäste beobachtet haben:
„Louteiois mes observations sur l’embryogenie de Procerodes
ulvae, un Triclade marin, m’ont montr& que tous les individus
de cette espece a l’&closion, ont un appareil intestinal du type
de celui de Bothrioplana, tandis qu’ a l’etat adulte, les deux branches
recurrantes sont distinetes et independantes.‘“
Ich habe gezeigt, daß hier die von Hallez angebene embryonale
Darmverschmelzung nicht als Artcharakter auigefaßt und auch nicht
phylogenetisch im Sinne Hallez’ verwertet werden kann, sondern
nur als zufällige Beobachtung gelegentlich auch schon embryonal
vorkommender Verschmelzung der interen Darmäste gedeutet
werden kann.
32. führt die bekannten Fundorte von Planaria ulvae im Baltischen
Meere an.
33. Gunda graffi Böhmig ziehe ich zu Proc. ulvae, zumal da
Böhmig selbst neuerdings zu dieser Identifizierung neigt; ef. 46.
Böhmigs ursprüngliche Speziesbeschreibung lautet:
„Körper platt, oval, nach vorn etwas verjüngt, Hinterende
breit abgerundet, Koptfende ebenfalls abgerundet; Länge 2,5 mm,
Breite 1,5 mm.
Die Rückenfläche ist schwach braun pigmentiert, stärker
der Kopiteil. Die Entfernung der Augen vom Kopiende ist fast
ebenso groß als der Abstand der beiden Augen von einander.
Die Mundöffnung liegt auf der Bauchseite am Beginn des letzten
Körperdrittels. Der Längerdurchmesser des gewaltig entwickelten
Pharynx beträgt etwa ?/, der Länge des Tieres. Der vordere
Hauptdarmast trägt 5—6, jeder der hinteren 8—10 primäre
Seitenäste. Der Porus genitalis liegt ca. !/;, mm hinter der Mund-
öfinung. Der Penis ist von cylindrischer Gestalt. Das gemein-
same Endstück der Ovidukte und des Uterus münden getrennt
von einander in das Atrium genitale.
Fundort: Hoborgbank bei Gotland in einer Tiefe von 19 m.
Grund: Grober Sand mit Algen und Steinen.‘
Spätere Zusätze zu diesen Angaben seitens Böhmigs finden
sich unter (46.) angeführt, ebenso die ausführlichere Beschreibung.
34. führt in der Fauna mariner Trieladen Englands Gunda
ulvae (Oe.) an; ef. 11., 16., 17.; beschreibt dieselbe nach den Angaben
der Autoren und führt unter den Synonyma
?Hirudo httoralis Ström 1768; ? Plan. littoralis Müll. 1776
der marinen Tricladen. 65
und van Beneden 1860; ? Synhaga auriculata Czern. 1880 und
Plan. ulvae Czern. 1880.
an. Diese Synonymie entspricht, abgesehen von der letzten Art
(cf. 14), der meinigen.
35. Girard’s Bemerkung:
„Stimpson a cru devoir y reunir les Planaria Ulvae de
Oerstedet Planaria frequens de Leidy. Mais l’un et l’autre
appartient au genre Neoplana, de l’ordre des Rhabdocoelides.‘“ (!)
bleibt mir unverständlich; ef. 40. Planarva kttoralis Müll. will Girard
nicht zu Planaria ulvae Oe. gezogen wissen, sondern führt sie als Fovia
httoralis an:
„A cette occasion nous devons faire observer, que Versted,
a la page 53, cite Planaria littoralis ci-dessus comme synonyme
de Planaria ulvae; tandis qu’il la represente comme esp£ce distincte,
planche I, fig. 6, sans en faire mention nulle autre part dans le
texte de l’ouvrage. Il est resulte de cette ommission ou inadvertence,
de la part du naturaliste danois, que Stimpson cite Plan.
ulvae d’Oersted comme synonyme de Fovia littoralis, d’un cöte, et
de l’autre il inscrit Planaria ulvae d’Oersted comme espece
a part dans le genre Procerodes. Nous avons dejä fait allusion de
cette erreur & l’occasion de ce dernier genre.“ cf. 9., 22.
36. zieht Pr. wheatlandi und Plan. frequens Leidy zu Pr. ulvae Oe.,
lediglich auf Grund der Ähnlichkeiten im Habitus, ohne jedoch den
Bau des Genitalapparates zu berücksichtigen. Pr. wheatlandi ist jedoch
(ef. 11) eine selbständige Art, zu der Plan. frequens zu ziehen ist.
37. Bei der Untersuchung der Unterelbe wurde Plan. ulvae vermisst.
Als neuer Fundort derselben wird die Neustädter Bucht (Ostsee)
angeführt.
38., 39. führt Proc. ulvae an mit dem Vermerk ‚„Habite !’Europe‘“.
Plan. littoralis zieht Hallez nicht zu Proc. ulvae, sondern führt
sie als Proc. littoralis; hierüber ci. meine Angaben unter 9., 22.; über
den embryonalen Darınbau von Proc. ulwae cf. (31). Proc. wheatlandi
wird als vielleicht identisch mit Proc. ulvae bezeichnet, ci. meine
Angaben 49. Hallez’ Angabe über Proc. ulvae „habite Europe“
ist zu allgemein, da Proc. ulvae nur an der nordeuropäischen Küste
und zwar von Boulogne an östlich nachgewiesen worden ist. Proc.
ulvae ist nach Hallez die einzige Seetriclade Nordfrankreichs;
Claparedes Sabussowia (Plan.) dioica (von der Insel Tatihou,
Normandie) scheint Hallez übersehen zu haben. Von den weiteren
Angaben Hallez’ gebe ich hier folgende biologischen Notizen wieder:
„Cette espece est extremement abondante au Portel sous
les roches, au pied des falaises a la limite superieure des marees,
dans la zone immediatement inferieure & celle de Ligies. On peut
en recueillir un grand nombre d’exemplaires en cherchant sous
les pierres & moitie ensablees. Elle vit avec Obitellio arenarius,
qui semble constituer sa nourriture principale, car les soies de cette
annelide se trouvent presque toujours et en abondance dans ces
Archiv für Naturgeschichte FE
1911.12. 9)
66 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
branches intestinales. Procerodes ulvae s’acclimate facilement
dans l’eau saumätre tres peu salee et peut möme vivre dans l’eau
douce lorsque la transition n’est pas brusque. J’ai pu obtenir
des pontes dans l’eau de mer ötendue de trois a quatre fois de
son volume d’eau douce. Cette espece peut vivre pendant de long
mois dans un flacon sans qu’il soit necessaire de renouveler l’eau.
Les cocons de petite dimension ne renferment, en general,
qu’un seul oeuf. Ils sont spheriques, non pedicelles et fixes sur
la face inferieure des pierres. J’ai obtenu des pontes en abondance
en avril et mai, et d’autres, quoique plus rares, en aoüt et septembre.
40. hebt Girards [ci. 35.] Genus Neoplana (N. ulvae) auf,
zieht Proc. wheatlandi und frequens wieder zu Proc. ulvae, in gleicher
Weise wie früher [ef. 36.], ohne Begründung und zu Unrecht [cf. 49].
° 40a. Über die Muskulatur des Pharynx von Proc. ulvae; Material
jedenfalls von Warnemünde bei Rostock.
41. Bei der Darlegung der Dotterstocknatur des sog. Parovariums
der Tricladen wird auch Gunda ulvae, der ein eigentliches Parovariurn
zwar fehlt, als Beleg angeführt.
42. Anatomische Angaben über @unda ulvae.
43. führt Plan. littoralis, Irish Sea, an; cf. 9., 22.
44. Über die Augen von @unda ulvae; Material von Gehlsdorf bei
Rostock. ve
45. Über den Pharynx von Gunda ulvae, die im brackigen Wasser
der Warnowmündung in ungeheurer Zahl gefunden wurde.
46. Böhmig sammelte Proc. ulvae bei Warnemünde (Ostsee)
und führt als bisher noch nicht publizierte Fundorte derselben ‚‚Firth
of Clyde (Millport), v. Graff, Kieler Bucht, Michaelsen und
Weisses Meer, v. Graff“ an.
Als Synonyma führt Böhm ig Neoplana ulvae Girard, ? Planaria
fregquens Leidy, ? Procerodes wheatlandı Girard und ?Gunda graffi
Böhmig an. Von Böhmigs Speziesbeschreibung gebe ich hier nur
die Angaben über die Färbung wieder:
„Die ziemlich variable Färbung ist im allgemeinen dunkelgrau,
hellbraun, dunkelbraun, zuweilen fast schwarz auf der Rücken-
fläche (Taf. XIX, fig. 1, 2), grau oder hellgrau auf der Ventral-
seite. Wie die Betrachtung mit schwachen Vergrößerungen
zeigt, tritt das Pigment in Form eines Reticulums auf, welcher
stellenweise so dicht ist, daß es zur Ausbildung markanterer
Streifen und Flecken kommt. Am Vorderende sind zumeist
drei solche Streifen zu erkennen, ein bis zum Pharynx oder über
diesen hinaus ragender medialer u. zwei laterale, welche von dem
ersteren durch zwei helle Linien getrennt werden; die letzteren
entsprechen der Lage nach den dorsalen Nerven und lassen sich
nicht selten bis zum Kopulationsapparat verfolgen. Die lateralen
Streifen, deren Breite und Länge überaus schwankend ist, gehen
in das Retieulum über, welches nächst den Körperrändern häufig
besonders eng ist. Pigmentfrei, daher weißlich gefärbt, sind fast
der marinen Tricladen. 67
stets die Tentakeln, das zwischen diesen gelegene Stirnfeld in
größerer oder geringerer Ausdehnung, die nächste Umgebung
der Augen sowie die früher erwähnten beiden das Mittelfeld
begrenzenden Linien. Weißliche Flecken im Mittelfelde fließen
bei manchen Individuen zu einem scharf hervortretenden, ab und
zu unterbrochenen Längsstreifen zusammen (Taf. XIX, fig. 1),
größere rundliche Flecken zeigen die Lage der Hoden an.“
Plan. littoralis führt Böhmig unter der Rubrik ‚„Ungenügend
charakterisierte Genera und Spezies“ an. Mit einigem Vorbehalt zieht
Böhm ig jedoch eine von ihm früher als Procerodes graffi beschriebene
Trielade zu Proc. ulvae, da sich der (beim untersuchten Objekt noch
nicht voll ausgebildete) Kopulationsapparat auf den von Proc. ulvae
zurückführen läßt. Einige Schwierigkeit hinsichtlich der Identiiizierung
bereiten jedoch nach Böhmig die (ebenfalls noch nicht voll ent-
wickelten) Hoden, die eine annähernd segmentale Anordnung zeigen
und nur selten zu mehr als einem Paar in einem System liegen. Ich
schließe mich Böhm ig s Identifizierung dieser Art mit Proc. ulvae an.
47. fand Proc. ulvae am Kallebodstrand bei Kopenhagen unter
Steinen. Weist darauf hin, daß dievonBergendal (28.) behauptete
Identität von Proc. ulvae Oe. u. Fovia affinis O. Jensen (Plan. affinis Oe.)
nicht zutrifft, da letztere nach Untersuchung des Jensenschen Materials
des Bergener Museums sich als wahrscheinlich identisch mit der Süß-
und Brackwasser-Trielade Plan. torva Müll. erwies.
48. Über das Vorkommen von Plan. ulvae in der Umgebung von
Kristineberg (Schweden):
„Gunda ulvae (Oersted) — vid stranden under och mellan
stenar t.e. midt emellan Lysekils norra ham n och Valboholmen
vid Gäsö och Stängehufvud.“
49. stellt entgegen Verrill (36., 40.) fest, daß die nord-
amerikanische Proc. wheatlandi nicht mit Proc. ulvae identisch ist.
50. Notiz über die Auricularsinnesorgane von Proc. ulvae. Ich
sammelte Proc. ulvae im September 1906 bei Travemünde und Klampen-
borg (nördlich von Kopenhagen); außerdem sandte mir Herr Prof. Fran-
cotte mehrmals je 20 Exemplare lebend aus der Umgebung von Bou-
logne (Canal).
4. Procerodes plebeja (O0. Schmidt) 1862.
l. Haga plebeja n. sp. O.Schmidt 1862 (23%, p. 17, 18;
Tat 271g. 9,'10):
OÖ. Schm. Diesing 1862 (%2, p. 489, 501).
2. Gunda plebeja (O. Schm.) Lang 1881 (173, p. 000).
3. Procerodes plebeja (O. Schm.) Hallez 1893 (1%7, p. 66—69).
Gunda plebeja (O. Schm.) Lang 1894 (128, p. 120, 123, 124).
4. Procerodes plebeja (0. Schm.) Böhmig 1906 (28, p. 188).
r 5 " Wilhelmi 1908 (269, p. 205—
— 208).
Hr
68 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
1. „Der Körper ist vorn abgerundet, ohne Spur von ohren-
und tentakelartigen Fortsätzen; die zwei Augen sind klein, weiter
von einander abstehend als vom Rande; der verhältnismäßig lange
Rüssel liegt in einer geräumigen Höhle, deren Wandungen deutlich
sind. Der Darmkanal ist undeutlich verzweigt; .
Haga plebeja ist eine der kleinsten Planarien, welche an Größe
von vielen Mesostomeen übertroffen wird. Dazu kommt noch ihre
sonstige Unansehnlichkeit, die Abwesenheit aller Fortsätze,
kleinen Augen, die graue od. graugrüne Färbung. Das Vorder-
ende ist etwas schmäler als der übrige Körper, der nicht flach ist,
aber auch nicht sonderlich gewölbt ist.
Der Rüssel erstreckt sich durch mehr als durch ein Drittel
des Körpers und wird von einer sehr geräumigen Höhle beherbergt.
Diese Rüsselhöhle ist bei den wenigsten Planarien sehr deutlich;
hier aber sind ihre Wandungen leicht wahrzunehmen. Der Fundort
dieser Planarie ist nicht eigentlich die See. Unmittelbar des
seichten, vielfach versumpfenden Teiles des Meerbusens von
Argostoli münden zahlreiche Quellen aus den östlichen und süd-
lichen Kalkgehängen aus. Wird das Wasser des Meerbusens an-
gestaut durch Wind, so werden diese Quellen brackisch, treibt das
Wasser aus dem Busen ab, so sind die Quellen unvermischt. In
ihnen unter Steinen, lebt die beschriebene Art sehr zahlreich.“
Die Angaben O0. Schmidts über Größe, Form und anatomischen
Bau dieser Art sind wenig zutreffend; über den Genitalapparat nach
OÖ. Sehmidt cf. Monographie p. 263.
2. Lan g zieht Haga zu Gunda, da die anatomischen Abweichungen
der H. plebeja nur zur Aufstellung einer eigenen Spezies, aber keines
eigenen Genus berechtigen — eine Maßnahme, der ich mich mit den
Autoren angeschlossen habe.
3. zieht Gunda (Haga) plebeja zu Procerodes. Wenngleich diese
Maßnahme mit Rücksicht auf die mangelnde Charakterisierung des
Genus Procerodes damals rein willkürlich war, so hat sie sich doch als
richtig erwiesen.
RR ERRIER Im übrigen trifft O. Schmidts Angabe, laß
H. plebeja tentakellos sei, nicht zu. Ich stellte bei dieser Triclade,
die ich bei Argostoli auf Kephalonia an dem von OÖ. Schmidt
angegebenen Fundort zahlreich fand, Kopilappen fest, die weniger
breit als bei Proc. lobata, aber gleich deutlich sind.“
5. Procerodes jaqueti Böhmig 1906.
1. Planaria ulvae Oe. Czerniavsky 1872 (65, p. 106, 107
2. & # h „1881 (66, p. 224, 225).
3. Procerodes jaqueti n. sp. Böhmig 1906 (28, p. 182, 193;
Taf. 16, fig.'2;: Tat. 19 RE98).
1. Vorläufige Mitteilungen zu 2.
2. Die von Ozerniavsk y bei Suchum (im Schwarzen Meere)
gefundene und als Plan. ulvae bezeichnete Seetrielade ziehe ich mit
der marinen Trieladen. 69
Vorbehalt zu Proc. jaqueti, zumal Pl. ulvae kaum im Schwarzen Meere
vorkommen dürfte. Czerniavskys Angaben (Schluß derselben
aus dem Russischen übersetzt) lauten:
„Long. corp. eirc. 2 mm; depressa ceirc. 2 mm lata. Hab.
Sinus Suchum. 1. ad littora ipsa sub lapidibus; maxime frequens,
1874— 1876; 2. profund. 1—6 metr., sub superfic. mar. 0,5 metr.,
rara 1874—1876, aestate.“
(Orig. russisch:) „Massenhaft in Suchum, zwischen dem
Handelshafen und der Festung, unter Steinen, ganz nahe der Küste.
Außerdem habe ich sie selten während des Sommers auf den
unterseeischen Trümmern der alten Mavern in 1—6 m Tiefe
gegenüber dem Proviantmagazin gefunden; zahlreicher aber auf
dieser Mauer in Y/;m Tiefe.“
3. Aus Böhmigs Beschreibung dieser Art, die Jaquet im
Schwarzen Meer sammelte, stelle ich, unter Hinweis auf die Ver-
wertung von Böhmigs Angaben zur Anatomie im morphologischen
Teil, das wesentlichste zusammen zu folgender Speziesbeschreibung.
„Diese Art dürfte nach dem konservierten Materiale zu urteilen
und nur solches liegt mir vor, gestaltlich Procerodes ulvae oder
Pr. variabilis nahe stehen, doch ist sie kleiner und zarter.“
Vorderende von dem übrigen Körper durch eine seichte mehr
oder weniger deutliche Einschnürung abgesetzt, abgestutzt mit
leicht konvexem Stirnrand (T.IX, Fig. 8); Hinterenrde abgerundet.
Farbe des Rückens schmutzig gelblich weiss. Tentakel farblos,
deutlich, aber kleiner als bei Procerodes ulvae. Augen. Die Entfernung
der Augen beträgt vom Vorderrand etwa ?/, vom Seitenrand etwa
die Hälfte des gegenseitigen Abstandes.. — Pharynx undDarm:
Die Mundöffnung liest am Ende des dritten oder an der Grenze
dieses und des letzten Körperviertels, die Genitalöffnung 150—200 u
hinter ihr. Vom vorderen Darmaste entspringen 4 oder 5 Paare sekun-
därer Divertikel, 12 oder 13 von den Seitenflächen der hinteren Darm-
schenkel, welche dieht hinter dem Uterus verschmelzen. — Ge-
schlechtsapparat: Die Lage der Gonaden ist die
gleiche wie bei Pr. ulvae. Der kegelförmige, fast senkrecht gestellte
- Penis füllt das Atrium masculinum fast vollständig aus und ist erheblich
größer und muskelstärker als der von Pr. ulvae,; der Penisbulbus ist
nur schwach entwickelt. Die Verbindungsstelle der Vasa deferentia
mit dem Ductus ejaculatorius liegt ungefähr an der Grenze des oberen
und mittleren Drittels des Kopulationsorgans, sie ist mithin der Penis-
spitze etwas mehr genähert als es bei Pr. ulvae der Fall ist. Uterus
groß; der Uterusgang entspringt von der vorderen Fläche des Uterus
nahe der dorsalen. Die Ovidukte vereinigen sich vor dem letzteren
zu einem kurzen Eiergang.
6. Procerodes ohlini (Bergendal) 1899.
1. G@unda ohlini n. sp. Bergendal 1899 (17, p. 521—523).
2. 5 > Böhmig 1902 (27, p. 9—12; Taf. 1,
Fig. 14—16; Taf. 2, Fig. 31).
70 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
3. Procerodes ohlinı (Bgdl.) Böhmig 1906 (28, p. 189—191; Taf. 12,
Fig. 13—15; Taf. 14, Fig. 6; Taf. 15,
Fig. 15; Taf. 16, Fig.5; Taf. 17, Fig.5
bis 7; Taf. 19, Fig. 4, 5).
4. % % 4 Hallez 1906 (130, p. 398—399).
8 53 a 2% 1907 (131, p. 19—22; Taf. 1;
Fig. 9).
1. Länge der fixierten Tiere 5—6 mm, höchste Breite 3 mm.
Diese Art soll sich äußerlich dem Typus der nordeuropäischen
Gunda ulvae (und der vermeintlichen nordamerikanischen @. ulvae)
nähern, doch sollen ihre Tastlappen kleiner als die genannter Art sein.
„Die Farbe ist an den in Formol konservierten Exemplaren
dunkel, beinahe schwarz. Dr. Ohlin hat an der Etiquette die
Farbe der Oberseite ‚dunkelblau‘ genannt. Die Mitte des Rückens
ist dunkler als die Seitenteile. Unten ist die Farbe grau, an einigen
Exemplaren mehr weißlich. Das Vorderende zeigt zwei laterale
weißliche Zipfel, die wohl beim lebenden Tiere viel stärker hervor-
treten.“
Die innere Organisation soll in der Hauptsache den Bau einer
normalen marinen Triclade zeigen. Hoden ventral liegend, die beiden
ÖOvarien den ventralen Längsnerven oben und innen anliegend. Der
Penis zeichnet sich dadurch aus, daß er weniger vertikal als bei den
genauer bekannten Gunda-Arten und Uteriporus steht, und einen
basalen, breiteren und distalen, zugespitzten Teil erkennen läßt.
Fundort dieser nach ihrem Sammler Dr. Ohlin benannten Art:
Unter Steinen des Meerufers bei Punta Arenas.
2. Böhmig gibt die Länge der fixierten Tiere auf 6—9 mm an,
und größte Breite 3—4 mm.
Bezüglich der Färbung bemerkt Böhmig:
„Bei fast allen Individuen bemerkt man auf der Rücken-
fläche individuell allerdings mancherlei Abänderungen zeigende,
nicht selten unterbrochene Längsstreifen und Querbinden, welche
aus kleinen, weißlichen (pigmentlosen) oder bräunlichen mehr
weniger zusammenfließenden Flecken bestehen. Am häufigsten
findet man zwei breite Längsstreifen in einiger Entfernung von
der Medianlinie, zu ihnen gesellt sich oft noch ein erheblich
schmälerer Mittelstreif. Diese Längslinien werden an ihren Enden
gewöhnlich durch eine helle Querbinde vereinigt; sehr allgemein ist
auch eine derartige wohl ausgebildete oder doch angedeutete
Binde etwas vor der Körpermitte erkennbar.
Die kleinen, weißlichen Tentakelwülstchen sind zumeist
durch helle schräge Bänder mit der vorderen Querbinde verknüpft.
Die Ventralseite zeigt eine graue, graublaue cder gelbliche Färbung.
Fundorte: Magalhaens-Straße, Smith-Straße (Wide Bay, Isl.
Juan); Südfeuerland (Uschuaia); Feuerländischer Archipel
(Isl. Navarin, Puerto Toro). Unter Steinen, Ebbestrand.
(Michaelsen).
der marinen Tricladen. Fat
3. Speziesbeschreibung wie unter (2.).
4. Hallez gibt für die von ihm untersuchten (fixierten) Exemplare
dieser Art vom Kap Horm 5—7 mm Länge und 2—4 mm Breite an
und bemerkt über die Färbung:
„Des varietes de couleur analogues & celles signal&es chez
les individus de l’extreme Sud de l’Amerique se rencontrent chez
ceux du Cap Horn. Le dos est tantöt noire, tantöt brun fonce,
avec souwvent deux lignes longitudinales plus claires et une trans-
versale en arriere de la töte. Dans certains exemplaires, on observe
en outre des dessins blanchätres qui rappellent les marbrures
de certains Hirudinees. Quelques individus de couleur fonc6e
noirätre n’ont qu’un collier claire post-cephalique et une tache
rondie au milieu du dos. Tous indistinetement portent, de chaque
cote de la töte, une partie claire, bombee, correspondante aux
‘“
yeux.
%. Procerodes variabilis (Böhmig) 1902
und var. isabellina (Böhmig) 1902.
1. Gunda variabilis n. sp. Böhmig 1902 (2%, p. 12—14; Taf. 1
Fig. 11—13; Taf. 2, Fig. 35).
ab, „ Böhmig m 1906 (28, p. 191—192; Taf. 14
Fig. 1; Taf. 16, Fig. 4; Taf. 17, Fig. 2.
bis 4; Taf. 19, Fig. 6—7).
Über eine Varietät dieser Art macht Böhmig folgende Angabe:
„@unda variabilis var. nov. zsabellina.
„Unter den bei Navarın, Puerto Toro gesammelten Exem-
plaren von G@unda Ohlini fiel mir ein Individuum durch seine
braune Färbung und sein von den übrigen Tieren etwas ver-
schiedenes Aussehen auf; die anatomische Untersuchung ergab
dann auch, daß es sich nicht um @unda Ohlini handelte, sondern
um eine Art, die @unda variabılis sehr nahe steht; die Verschieden-
heiten sind so geringe, daß ich von der Aufstellung einer be-
sonderen Spezies absehe und das Tier zu @. variabilis als Varietät
ziehe, aber kurze besondere Beschreibung geben will.
Die Länge betrug 4,3 mm, die Breite 1,5 mm. Der Körper ist
von ovaler Gestalt, das Hinterende erscheint abgerundet, das
Vorderende abgestutzt. Die Mundöffnung liegt am Beginn des
letzten Viertels, etwa 0,3 mm dahinter bemerkt man den Genital-
porus. Die Rückenfläche ist gleichmäßig bräunlich (isabellinus) ge-
färbt, die Bauchseite schmutzig graubraun. Besondere Pigment-
zellen im Mesenchymgewebe habe ich nicht gesehen, die Färbung ist
an das Epithel gebunden. Ich vermag nicht zu sagen, ob besondere
Tentakel vorhanden sind oder nicht; die weißlichen seitlichen
Partien des Vorderrandes, die ihrer Lage nach den Tentakeln
von @. Ohlini und @. varvabilis entsprechen, sind von der Um-
gebung durchaus nicht abgesetzt. Die Zahl der sekundären Darm-
zweige beträgt etwa 20 jederseits; hiervon entfallen 8 auf den
72 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
vorderen Hauptdarmast. Die Augenstellung ist ähnlich wie bei
den typischen Exemplaren von @. variabilis; auch die Lage der
Gonaden ist die nämliche wie da. Der Penis ist verhältnismäßig
klein, sein Längsdurchmesser erreicht nicht mehr als 300 x. Am
Auffallendsten ist die überaus geringe Ausbildung des Penisbulbus,
der hier fast vollständig in Wegfall gekommen ist; man vergleiche
in dieser Hinsicht die Figuren 35 und 33. Der Penis i. e. 8. zeigt
dagegen ganz den gleichen Bau wie bei @. varzabılıs. Der Uterus,
welcher weniger breit als bei der letztgenannten Art, sondern
mehr rohrförmig ist, wird vollständig von einem eingesenkten
Epithel ausgekleidet, und die Einmündung des Drüsenganges
ist gegen den Scheitel des Uterus verschoben, während sie bei
@. variabilis typ. etwa in der Mitte der hinteren Uterusfläche
liegt. — Feuerländ. Archipel, Isl. Navarin, Puerto Toro, Ebbestrand,
20..XIL. 92.“
8. Procerodes segmentatoides (Bergendal) 1899.
1. Gunda segmentatoides n. sp. Bergendal 1899 (1%, p. 523).
2. Procerodes segmentatoides (Bgdl.) Böhmig 1906 (28, p. 181, 196).
1. Diese Art, die von Punta Arenas (Südamerika) stammt, soll
nach Bergendal G@unda segmentata sehr nahe kommen. Aus den
nur kurzen Angaben Bergendals, dem nur wenig fixiertes Material
vorlag, stelle ich die nachfolgende Speziesbeschreibung zusammen:
Größe: Die Länge eines in Schnitte zerlegten Thieres war 3,765 mm,
die Breite 1,75 mm; Bergendal’s Angabe, daß P. segmentatoides
somit doppelt so groß als P. lobata sei, trifft jedoch nicht zu. Form
und Farbe: Die Körperform gleicht sehr derjenigen von P. lobata,
der Vorderkörper ist jedoch nicht ganz so lang wie bei jener. Die
Farbe ist weißlich. Pharynx und Darm: Die Mundöffnung liegt
etwas vor der Grenze des dritten und vierten Körperviertels. ‚Die
sekundären Darmäste sind wenig verzweigt (etwas mehr als bei
@. segmentata).“ Geschlechtsapparat: „Hoden und Dotter-
stöcke wie bei der genannten Art. Die ersteren sind ausgeprägt dorsal
gelagert. Der Penis ist stark schräg nach hinten gerichtet. In dem
Peniskanal befinden sich — besonders deutlich an einem Paar Schnitt-
serien — sehr starke Cilien, was mir vor allem für die spezifische
Verschiedenheit dieser Art genügendes Zeugnis abzulegen scheint.“
2. Böhmig zieht diese Art zum Genus Procerodes und führt sie
unter „wenig bekannten und unsicheren Arten‘ auf.
9. Procerodes solowetzkiana Sabussow 1897 (1900).
1. Procerodes spec. Sabussow 1897 (225, p. 8-15).
2. Procerodes solowetzkiana n. Sp. 7 1900 (22%, p. 49—52; 191
bis 193; Taf. 3, Fig. 32—34).
3: 7 5 Böhmig 1906 (28, p. 192, 193).
1. Angaben über eine unbenannte Procerodes-Art von Solowetzk.
Vorläufige Mitteilung zu (2.).
der marinen Tricladen. 13
2. Unzulängliche Beschreibung der genannten Art. Die größte
Ähnlichkeit soll sie mit Proc. warreni haben; auch die Vergleiche mit
der zurzeit noch weniger charakterisierten Proc. plebeja und der (ganz
fraglichen) Proc. (!) affinis (!) sind belanglos. Der Körperbau soll
demjenigen der übrigen maricolen Trieladen sehr ähnlich sein, daher
werden nur die Geschlechtsorgane, freilich unzureichend, beschrieben.
Hieraus geht immerhin die Zugehörigkeit zum Genus Procerodes hervor.
Aus den übrigen Angaben Sabussows ist in der Monographie
(p. 328) die Speziesbeschreibung zusammengestellt.
3. Böhmig weist auf die Unzulänglichkeit der Angaben
Sabussows hin.
10. Procerodes macrostoma (Darwin) 1844.
1. Planaria macrostoma n. Sp. Darwin 1844 (90, p. 247—248;
Taf. 5, Fig. 2).
2. Cercyra macrostoma (Darw.) Hallez 1893 (92) (1%%, p. 71,72).
3. R S e „1894 (128, p. 127, 128).
4. Planaria(?) macrostoma ‚, Böhmig 1906 (28, p. 210).
1. Darwins Beschreibung dieser Art gebe ich hier wörtlich
wieder: Em ich
„External alimentary orifice situated in the posterior half
of body: mouth-sucker nearly subeylindrical, bell shaped, very
long; when contracted within the body it lies in a serpentine
position; when partly protruded it has the figure as represented;
when fully extended it tapers only slightly from its mouth to its base,
and is so long, that the animal can pass it from the under surface
over the entire width of its back. Its base is united, in the middle
of the body part, almost like a leech with its sucker, and thus
drags its body: posterior extremity broadly rounded. Above,
faintly coloured brownish purple in striae, with a colourless space
over the alimentary orifice. Length 2/,. ths; breadth %/,00 ths of
an inch.
Hab. Congregated in numbers under stones, in brackish
water; Chonos Archipelags (west coast of $. America) (December).
The arrangement of the main branches of the cavity is the
same as in the terrestrial Planariae with the exception of the two
posterior branches being united near the extremity of the body
into a ring, which structure I have not met with described in
any other species. Hence this species probably ought to form the
type of anew subgenus. I may here mention, that I found amongst
these islands an elongated marine species (with a very distinetly
formed head placed on a narrow neck) which had the power of
crawling either backwards or forwards — a power I have never
seen in any other species.“
Aus diesen Angaben Dar wins scheint mir mit emiger Sicherheit
hervorzugehen, daß es sich um eine Procerodes-Art handelt. Die Be-
74 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
obachtung der Verschmelzung der hinteren Darmäste möchte ich nur
für eine zufällige betrachten.
2—3.H alle z zieht diese Art mit Rücksicht auf die Verschmelzung
der hinteren Darmäste zum Genus Cercyra. Da, wie anzunehmen ist,
diese nur eine zufällige ist, und da ferner, wie ich zeigte, auch bei
Cercyra die hinteren Darmäste normalerweise nicht verschmolzen sind,
kann ich Hallez nicht beipflichten.
4. führt Planaria (?) macrostoma Darwin unter der Rubrik „Un-
genügend charakterisierte Genera und Spezies“ und gibt „aus Dar-
wins Beschreibung nur die für die Identifizierung wesentlichen
Stellen“ wieder. Bei der Umrechnung von Darwins Größen-
angaben in mm gibt Böhmig irrtümlich 5 mm und 0,13 mm anstatt
4,3 mm und 1,3 mm an.
11. Procerodes wheatlandi Girard 1850.
1. Procerodes Wheatlandi n. sp. Girard 1850 (9, p. 251).
a y Gir. 5 1851 (101, p. 4).
2. 5 n N. 55 1854 (103, p. 27).
3. Planaria frequens n. sp. Leidy 1850 (182, p. 143).
4. Proc. wheatlandi (Proc. freguens) Stimpson 1857 (244, p. 6).
Procerodes wheatlandı Gir. Diesing 1862 (%2, p. 6).
D: R £; E. Verrill 1873/4 (250, p. 325,
332, 477, 488, 633). .
6. Br n f \Girard1893 (105, p. 196—198,
Neoplana frequens n. sp. f 224, 232).
7. Procerodes ulvae (Oe.) Verrill1893 (253, p. 126, 127;
Taf. 41, fig. 10, Taf. 42,
Fig. 11, 11a).
8. Procerodes wheatlandi (Gir.) Hallez 1894 (128, p. 124).
9. Procerodes ulvae (Oe.) Verrill 1895 (254, p. 152).
10. Procerodes segmentata (Lang.) Curtis 1902 (62, p. 331).
11. ? Procerodes ulvae (Oe.) Böhmig 1906 (28, p. 181, 183,
185, 194).
12. Procerodes wheatlandı Gir. Wilhelm i 1907 (268, p. 1—6).
13. ® 2 r: Curtis 1908 (64, p. 202—204;
üisg.).
14. r re E- Wilhelmi 1908 (269, p. 207,
208 Textfig.).
1. stellt das Seetrieladengenus ‚, Procerodes Gir.‘“ auf und beschreibt
als einzige Art desselben:
„Procerodes Wheatlandi Gir.
The only species of the genus yet known. It does not exceed
two lines in length, is of brownish colour, and very lively in its
habits. I found it last August at Manchester on the Beach at
low tide, in company with Dr. Wheatlan.d of Salem, to whom
I dedicate this species in recognition of his zeal as naturalist.“
der marinen Tricladen, 75
2. Ohne die vorstehende dürftige Speziesbeschreibung zu verbessern,
fügt Girard hier als neuen Fundort Grand Manan, New Brunswick
„under stones near highwatermark“ an.
3. Von einer vermeintlich neuen Art, Planaria frequens, die ich
mit Verrillzu Proc. wheatlandi ziehe, gibt Leid y folgende, nur
auf den Habitus bezugnehmende knappe Beschreibung:
„Body spatulate, post. convex, ant. narrowed; head auri-
culate. Eyes two reniform, distant. Color above black, beneath
gray. Length 1—2 lines, by one + sixth to two + fifth of a line
in breadth. A small quite active and remarkably abundent species,
found beneath stones, near high tide mark.
Point Judith. R. J. Nordamerica.“ (cit. nach Böhmig 28,
p. 193, 194).
4. Stimpson zieht Plan. frequens zu Procerodes und führt sie
neben Proc. wheatlandi als selbständige Art an; cf. 2.
5. führt von Seetricladen aus dem Vineyard Sound (Nordamerika)
in der „List of species in habiting the rocky shores of the sounds and
bays“, in der „List of species inhabiting oyster-beds in brackish waters‘“
und in der „List of species found on the outer rocky shores‘ (p. 488)
Proc. frequens (Leidy) an.
„Of the Planarians several species are found creeping over
the side of stones and in the tide pools. One of the most abun-
dant is Proc. freguens, which is a very small but lively species,
found creeping on the under side of stones near high water. It is
usually about one eighth of an inch long, dark brown or blackish
above and gray below, and it has two reniform eyes (p.325). New
Haven to Casco-Bay (p. 633).
'Verrill zieht Proc. frequens (Leidy) zu Proc. wheatlandı Gir.
Wenngleich der Geschlechtsapparat der beiden genannten Arten
ununtersucht blieb, nehme ich doch Verrills Synonymie mit
Rücksicht auf den gleichen Habitus an, zumal da ich an verschiedenen
Küstenpunkten jener Gegenden ausschließlich Proc. wheatlandi antraf.
6. gibt unter den nicht in Poly- und Trieladen geschiedenen
Dendroecoelen eine Charakteristik des Genus Procerodes und dessen
einziger Spezies.
„Proc. Wheatlandi Gir.
La region anterieure est arrondie, tandis que la region
posterieure est angulaire et tronquee. Les tentacules sont pro-
portionellement tres developpes. Les ocelles, au nombre de deux,
sont situes a la base des tentacules. La longueur totale d’animal
ne depasse par 6 millimetres. Il se meut avec une grande agilite.
Sa couleur est d’un brun uniforme, tirant sur le jaune.
Cette jolie petite espece a et& recueillie sur la plage de Man-
chester (Mass.), a mar&e basse, en compagnie du Dr. Wheat-
land, de Salem, auquel nous l’avons dediee. Stimpson
’a retrouvee ä l’ile du Grand Manan (Baie de Fondy) sous les
76 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
pierres, pres de la ligne de haute maree. Verrilll!’a recueillie
sous les pierres & mar&e basse de Casco ou elle est abondante.“
Den von Girard angeführten Fundort Stimpsons habe ich in
Stimpsons Prodromus (%44, p. 6) nicht finden können.
Planaria frequens reiht Girard dem von ihm neu aufgestellten
Rhabdocoelidengenus (!) Neoplana Gir. ein. Wendet sich gegen
Stimpson (2.), der dieselbe zum Genus Procerodes Gir. gezogen
hatte; beschreibt dieselbe: ’
„Le corps en forme de spatule est convex posterieurement
et retreci anterieurement. La töte, continue avec le corps, est
tronquee et port deux auricules et deux ocelles reniformes, distants
l’un de l’autre. La longueur totale atteint trois millimetres sur
une largeur de !/, de millimetre environ. La couleur est noire en
dessus, grise en dessous.
Cette petite espece, tres active est abondante sous les pierres
pres de la ligne de haute maree. Leidy l’a recueillie & la pointe
Judith.“
Die Aufrechterhaltung der Proc. frequens als eigener Spezies neben
Proc. wheatlandı (entgegen den Autoren) ist unbegründet. Ganz
unverständlich erscheint die Einfügung derselben als Neoplana frequens
in die Gruppe der Rhabdocoelen (!).
7. zieht Proc. Wheatlandi Gir. und Proc. (Plan.) freguens (Leidy)
zu Proc. ulvae(Oe.) und gibt folgende, etwas eingehendereBeschreibung.
„Body, in ordinary extension, oblong-oval, rather wider
posteriorly, than anteriorly, broadly rounded at the posterior
end, convex dorsally and flattened beneath; the narrows decidedly
in normal extension. Head distinctly wider than the neck, rounded
in front. Tentacles whitish, when extended a little elongated and
tapered to a point, but capable of complete retraction and usually
not visible im preserved specimens, though their position may be
indicated by small white spots; they are situated near the antero-
lateral margins of the head, but not on the margins. Eyes rather
large, black, but not easily, owning the dark color of the integument.
Mouth submedian.
Pharynx as retracted in mounted speeimens, long rather
narrow eylindrical, equal to third, or even nearly half the length
of the body.
Color, above, dark smoky brown or blackish, often with a
more or less distinct stripe of light gray or yellowish white along
each side of the back, sometimes mottled with darker or lishter
brown; beneath paler, tentacles and margins of head whitish.
Length 4to 6 mm; breadth 1to 1,5 mm.
New Haven, Baie of Fundy. Point Judith, R. J. (Leidy)
Manchester, Mass. (Girard). I have collected it at New Haven,
Conn., Newport, R. J., Woods Holl, Mass., Casco Baie, Me., etc.
It is found also in the northern coasts of Europe. Found
near low-water mark under stones, and in tide-pools, among
algae.
der marinen Trieladen. I
This species is active in its habits. It has a singular resemblance
of some of the small land slugs in form and mode of progression.
Its egg-capsules are unknown to me.“
Die Verschmelzung der beiden, noch nicht auf den Geschlechts-
apparat untersuchten Arten mit der nordeuropäischen Proc. ulvae
muß als durchaus unbegründet bezeichnet werden, und ist auch (cf. 14)
nicht berechtigt.
8. Hallez führt Proc. wheatlandi und frequens wieder als selb-
ständige Arten auf.
9. hebt Girards Rhabdocoelengenus Neoplana (cf. 6) wieder
auf und stellt Girards Neopl. frequens wieder zu Proc. ulvae (Oe.);
68 1.
10. Curtis vermutet, „G@unda segmentata“ an der Ostküste
Nordamerikas gefunden zu haben:
„A species of Gunda, which in its external features seemed
identical with the @unda segmentata Lang was found in large
numbers at Sandwich on Cape Cod. The intestinal arrangement
is not, howewer, as regular as Lang describes for Gunda segm.
„.. From a comparision with Verrill’s Figure of Procerodes
= ulvae collected in the same region (Trans. Conn. Acad.; vol. VIII
January 1893) it is probably that the two forms are identical
and that Verrill has figured the head incorrectly.“
Wie ich gezeigt habe (ef. 12—14), handelt es sich um Proc.
wheatlandı.
ll. Böhmig führt Proc. frequens und wheatlandı unter Proc.
ulvae als möglicherweise identische Formen an, gibt unter der Rubrik
„Wenig bekannte und unsichere Arten des Genus Procerodes“ Leidys
(3.) und Girards (1.) Originalbeschreibung derselben (p. 193, 194)
und bemerkt betreffend Verrills Angaben:
„Dem Beispiele Verrils folgend, habe ich Planaria frequens
Leidy und Procerodes wheatlandi Girard mit einiger Reserve zu
Pr. ulvae gezogen, obwohl Verrill zwingende Beweise für die
Identität der drei Arten nicht beigebracht hat.“
Böhmigs Hinweis, daß die von Verrill vorgenommene
Verschmelzung von Proc. wheatlandi mit Pr. ulvae der Begründung
entbehre, ist durchaus berechtigt. Wie meine Untersuchung der Proc.
wheatlandi (cf. 12 u. 14) gezeigt hat, ist dieselbe als selbständige Art
aufrecht zu erhalten.
12. stellt entgegen Verrills und Curtis’ Annahmefest, daß für
nordamerikanische Proc. wheatlandi (+ frequens) weder mit der nord-
europäischen Proc. ulvae noch mit der mediterranen Proc. lobata
(segmentata) identisch ist. Litteraturübersicht und Zusammenstellung
der Fundorte von Proc. wheatlandi.
13. Angaben zur Anatomie und Biologie von Proc. wheatlandi als
Nachtrag zu der früheren kurzen Mitteilung (11).
14. bemerkt in vorläufiger Mitteilung über Curtis’ Proc. seg-
mentata, bezw. Proc. wheatlandi:
._
i
78
Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
„In einer kurzen Mitteilung sprach Curtis die Vermutung
aus, daß eine von ihm bei Sandwich, Mass., gefundene Seetriclade,
die Verrill mit Proc. (Gunda) ulvae (Oe.) identifizierte, mit der
Messinenser Proc. segmentata zusammenfalle. Ich untersuchte in
gleicher Gegend im Sommer 1907 die in Frage stehende Form
und habe in einer vorläufigen Mitteilung („263°“) festgestellt,
daß sie eine selbständige Art, Proc. wheatlandi Gir., und weder
mit Proc. ulvae (Oe.) noch mit Proc. lobata (segmentata) identisch
ist. Da ich gerade an Curtis’ Fundort selbst die in Frage stehende
Art nicht finden konnte, wandte ich mich an den Autor. Prof. Curtis
hatte die Freundlichkeit mir von seinem Material eine Anzahl
Tiere und zugleich seine damaligen unveröffentlichten Auf-
zeichnungen zuzusenden und mir zur Verfügung zu stellen.
Dieselben hat nun Curtis zur Ergänzung seiner früheren kurzen
Mitteilung von dem Vorkommen von @. segmentata in Amerika
in dieser Nummer des Zool. Anzeigers („64a°) auf meinen Wunsch
hin selbst veröffentlicht. Die Angaben und Zeichnungen Curtis’
decken sich im wesentlichen mit meinen Beobachtungen an dieser
Art... . Der Form nach gleicht das lebende und fixierte Tier
sehr Proc. ulvae (Oe.), doch ist... .die Pigmentierung stets viel
schwächer als bei dieser Art, und die Ovarien liegen weiter ent-
fernt vom Gehirn; auf Curtis’ Abbildung 7 erscheinen die Ovarien
in Folge starker Pressung des lebenden Tieres weiter auseinander
und den Augen näher liegend. Der Pharynx kommt in bedeutend
stärkerer Ausbildung als bei dem (hier) abgebildeten Tier vor.
Der Darmbau gleicht dem von Proc. ulvae. Die Hodenzahl ist
auf beiden Seiten meist nicht die gleiche und kann jederseits
einige 30 betragen. Hinter dem konischen Penis erscheint das
Receptaculum seminis (sog. Uterus) als heller Fleek. Dotterstöcke
sind besonders in der Ovarialgegend bemerkbar. Von Proe.
lobata (segm.) unterscheidet sich Proc. wheatlandi schon äußerlich
durch die Körper- und speziell Kopiform, sowie durch die An-
wesenheit von Körperpigment.“
12. Procerodes wandeli Hallez 1906.
1. Procerodes wandeli n.sp. Hallez 1906 (130, p. 395—397).
2. Procerodes gerlachei n.sp. Böhmig 1907 (28, p. 1—2, Taf.)
3. Procerodes wandeli Hallez Hallez 1907 (131b, p.3, 4, 14—16,
4.
19— 22; Taf. 1, Fig. 10, 11; Taf. 5, Fig.2)
Böhmig 1908 (29a, p. 10—22; Taf. 1,
Fig. ]).
1. Vorläufige Mitteilung zu 3.
2. gibt als vorläufige Mitteilung eine Beschreibung der auf der
>) » 3
belgischen antarktischen Expedition ‚‚Belgica“ (Meeresenge von
Gerlache) erbeuteten Seetrielade Pr. gerlachei n.sp. und stellt die
Spermatogenese derselben dar (cf. p. 244, 245). Da die von beiden
Autoren angegebene Verlagerung des Rec. seminis über den Penis
der marinen Tricladen. 79
eine Identität der beiden Arten wahrscheinlich machte, doch aus den
beiden vorläufigen Mitteilungen noch nicht direkt hervorging, fragte
ich bei Herrn Prof. Hallez an und erhielt die Mitteilung von der
Identität der Arten.
3. Hallez gibt Beschreibung der Anatomie und folgende kurze
Speciescharakteristik:
„Corps attenu& en avant, arrondi en arriere, sans tentacules.
Face dorsale noir on brun jaunätre, avec une & trois taches claires
medianes plus ou moins ovulaires, dont une en arriere des yeux,
une mediane et une posterieure. Region cephalique blanche
avec deux yeux situes chacun au fond d’une encoche pigmentee.
Bouche au deuxi&me tiers posterieur du corps. Oviduct impair
ouvrant dans un carrefour avec l’uterus et le canal uterin. Uterus
situ& au-dessus de la gaine du Penis et en avant du canal uterin.
Cocon pedicelle.
Longueur, 6 millimetres. Largeur, 3 a 4 millimetres.“
Fundorte: Ile Wandel, Ile Moureau, Baie des Flandres, Baie
Cartage.
Das Material, das auf der „Expedition antaretique frangaise
1903—1905, eommandee par Dr. J. Charcot“, gesammelt wurde
(127 Exemplare), befindet sich im Museum d’histoire naturelle zu Paris.
4. zieht seine Pr. gerlachei zu Hallez’ Pr. wandeli und gibt
eingehende anatomische und histologische Beschreibung.
13. Procerodes hallezi Böhmig 1908.
1. Procerodes hallezi n.sp. Böhmig 1908 (29a, p. 22—27).
l. Aus Böhmigs Beschreibung stellte ich folgende Artdiagnose
zusammen: Länge des fixierten Tieres 2,2 mm, Breite 1,3 mm. Form
und Farbe: Form nicht näher bekannt, offenbar vorn und hinten
abgerundet. Ohne Tentakel, aber mit pigmentireien Tentakeltlecken;
demnach sind am lebenden Tiere schwache Tastlappen vorhanden.
Färbung (des fixierten Tieres) dorsal gleichmäßig schwärzlich braun,
ventral grau. Augenlage nicht bekannt. Der Pharynx bietet im
Bau keine Besonderheiten. Der vordere Hauptdarmast hat jederseits
6—7 sekundäre Äste; an den beiden hinteren Hauptdarmästen finden
sich je etwa 10 äußere Divertikel. Geschlechtsapparat: Die
Hoden liegen ventral, in den Darmsepten, die Ovarien zwischen dem
zweiten und dritten Darmseptum. Der senkrecht zur Längsachse des
Tieres gestellte, große Penis läßt zwei Teile erkennen, eine aus starker
Ringmuskulatur bestehenden rundlichen Bulbus und das zapfenförmige
vom D. ejaculatorius durchbohrte Endstück. Die Vasa deferentia
vereinigen sich sich erst kurz vor ihrer Einmündung in den D. ejacu-
latorius. Das eiförmige hinter dem Penis gelegene Rec. seminis steht
mit dem Vaginalovidukt in Verbindung, während der, von unten auf
steigende vnpaare Eingang an der gleichen Stelle einmündet. Die
Schalendrüsen öffnen sich in den Vaginalstiel des Rec. seminis.
80 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
14. Procerodes graciliceps (Stimpson) 1857.
1. Fovia gracikiceps n.sp. Stimpson 1857 (244, p. 6 u. 12).
2. r r Diesing 1862 (72, p. 489 u. 502).
3. Procerodes graciliceps Hallez 1893 (92) (12%, p. 70).
4. F B ee, 1894 (128, p. 125).
5. Fovia graciliceps Böhmig 1906 (28, p. 208).
1. Über diese Art liegen nur folgende kurze Angaben Stimpsons
über den Habitus vor:
„Fovia graciliceps. Graciliceps, supra grisea, postmedium
latior et convexior, antice angustata; capite valde elongato, gracili;
fronte acuta triangulata, cervice vix latiore; auriculis nullis.
Cauda apiculata. Ocelli approximati, ad quintam anteriorum
corporis siti; pigmento reniformi. Long. 0,02; lat. 0,04 poll. Hab.
in portu Hong Kong; littoralis in locis arenoso-limosis.““
2. führt Fov. graciliceps Stimp. mit Beschreibung nach Stimpson
unter dem Genus ‚‚? Fovia Stimpson“ in der Familie Planaridea an.
3., 4. zieht Fovia graciliceps ohne weitere Begründung zum Genus
Procerodes.
5. führt Fovia graciliceps Stimpson unter Rubrik ‚Ungenügend
charaktersierte Genera und Species‘ mit Originalbeschreibung an.
Da das Genus Fovia Gir. unhaltbar ist, habe ich Fovia graciliceps
Stimpson, dem Beispiele Hallez’ folgend, zum Genus Procerodes
Gir. gezogen, doch stellt diese systematische Einordnung nur einen
Notbehelf dar, da die Angaben Stimpsons zur Bestimmung der
Art unzureichend sind.
Geographische Verbreitung: Hafen von Hongkong (Stimpson
1857).
15. Procerodes trilobata (Stimpson) 1857.
. Fovia trilobata n. sp. Stimpson 1857 (244, p. 6 u. 12).
sah r (Stimp.) Diesing 1862 (42, p. 489, 502,503.
. Procerodes trilobata (Stimp.) Hallez 1893 (92) (127, p. 70).
% A „1894 (128, p. 125).
. Fovia trilobata (Stimp.) Böhmig 1906 (28, p. 208).
l. Auch für diese Art liegen nur folgende kurze Angaben
Stimpsons vor.
„F. graciliceps et trilobata, infra. (p. 6).
Fovia trilobata. Oblonga, depressa, antrorsum subangustata,
retrorsum rotunda, supra rubra, fascia mediana pallidiore, et
linea transversa nigricante 'pone oculos; subtus alba. Ocelli
octavam partem corporis ab apice remoti; pigmento semieircuları
ad latus internum globulorum ovalium. Long. 0,2; lat. 0,05 poll.
Hab. in sinu.
„Avatscha‘“, Kamschatka; littoralis inter lapides.“
2. Hallez.
rum
der marinen Tricladen. 8
3.,4. Halle z zieht Fovia trilobata gleich voriger Art ohne weitere
Begründung zum Genus Procerodes.
Böhmig führt Fovia trilobata unter „Ungenügend charak-
icio Genera und Species“ auf.
Für diese Art gilt, wie für vorige, daß die Einverleibung derselben
in das Genus Proderodes infolge der Unhaltbarkeit des Genus Fovia
(p. 45) nur einen Notbeheli darstellen kann.
Geographische Verbreitung: Avatscha, Kam-
schatka (Stimpson 1857).
fer)
16. Procerodes warreni (Girard) 1850.
. Vortex Warrenii n. sp. Girard 1850 (98, p. 264).
E A Gir. „1850 (99, p. 363, 364).
3 94 r “ 1851 (101, p. 4).
. Fovia Warrenit (Gir.) Ä 1852 (104, p. 211).
en ® ” Stimpson 1857 (244, p. 6).
55 ? 7 Diesing 1862 (%2, p. 489, 501, 502).
. Fovia Warreni r Verrill 1873—74 (250, p. 480, 633).
Planaria grisea n. sp. ni 1873—74 (250, p. 487, 488,
633).
. Fovia Warreni (Gir.) Girard 1893 (105, p. 149, 223—226).
Neoplana grisea Gir. I 1893 (105, p. 232).
. Fovia affinis var. Warreni \V errill 1893 (253, p. 124—126).
var. grisea J %
8. Procerodes Warreniü (Gir.) Hallez 1893 (92) (127, p. 68, 69).
A * x r 1894 (128, p. 125).
. Fovia spec. Wheeler 1894 (259, p. 170).
. Fovia affinis var. Warreni Verrill 1895 (254, p. 150—152).
. Fovia affinis var. warreni | Böhmig 1906 (28, p. 207, 208).
var. gr sea
. Fovia warreni (Gir.) Wilhelmi 1008 (264, p. 4—17,
10—14).
. Procerodes warreni (Gir.) Wilhelmi 1908 (268, p. 1—6).
l. „General form elongated, sides nearly parallel; anterior
and posterior extremities rounded. Small species, reddish brown,
found on the shores of Boston Harbour. Not commun.“.: 2 17
Von diesen kurzen Angaben dürfte die, daß auch das Vorderende
rund sei, nicht ganz zutreffend sein.
Archiv für DR
1011. 1. 2.
2. I found within the body living youngs,
larvae, the form of which very much resembled that of the full
grown animal, with the single difference that the anterior extremity
was less obtuse. There were as yet traces of eye specks. The
whole body of these larvae appeared to be composed of cellular
substance, and was surrounded by vibratory cilia. A central
transparent channel, probably the alimentary tube under its
most simple form, was seen extending to whole length the body.
6
82 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
This the first example that I know of among marine Planariae,
of a species bringing forth living youngs.“
Die Angabe, daß diese Art lebendig gebärend sei, ist, wie ich
gezeigt habe, unzutreffend. Es handelt sich bei den vermeintlichen
Larven um endoparasitische Hoplitophryen.
3. schlägt vor, für diese Art das neue Genus Fovia auizustellen und
wieder als Eigenart desselben das Lebendisgebären. Als neuer Fundort
wird Chelsea Beach, Mass. angeführt.
4. führt Fovia (?) warreni unter Planaridea an.
5. „A small, narrow oblong, red Planarien, appearently belonging
to this species, was collected at Woods Hole, among eel-grass, and also
in Casco Bay.“
„Planaria grisea Verrill, n. sp.
Body elongated and usually oblong in extension, often long
oval or somewhat elliptical, obtusely pointed or rounded posteriorly
head subtruncate in front, often a little prominent in the middle;
the angles are somewhat prominent, but not elongated. Ocelli two,
black, each surrounded by a reniform, white spot. Color yellowish
green or grayish, with a central whitish stripe in the middle of the
back, surrounded by darker; head margined with whitish. Length,
in extension, 12 mm, breadth 3 mm.
Wach Hill (Rhode Island) under stones between tides.‘‘ (p. 633)
Plan. grisea wird in der „List of species found on the outer rocky
shores“ als Plan. spec. angeführt.
Diese zweite Art ist später (ci. 7) von Verrill selbst als
Farbvarietät der ersteren bezeichnet worden. Ich ziehe sie zu ersterer,
da mir die Unterscheidung von Farbvarietäten unzulässig erscheint.
6. wiederholt seine alten nur den Habitus und das Lebendig-
gebären betreffenden Angaben, ohne dieselben (nach 43 Jahren) zu
erweitern oder zu berichtigen. Plan. grisea Verrill zieht Girard zu
dem von ihm neu auigestellten Rhabdocoelidengenus (!) Neoplana,
zusammen mit Neoplana ulvae (!) und N. frequens (!) — eine durchaus
unverständlich bleibende Maßnahme.
7. zieht Fovia Warreni Gir. zu Fovia affınis (Oe.) und unter-
scheidet die Varietäten Warren? Gir. und grisea Verr. (= Plan. grisea
Verr.).
Fovia affinis (Oersted) Stimpson syn. Plan. affınıs (Oe.),
Fovia Warreni (Gir.), Plan. grisea Verr. Fovia littoralis Verzill
(? non Müller spec.).
Was die Unterscheidung der zwei Farbvarietäten betrifft, so
gilt das von mir unter 5 Gesagte. Beide Arten aber als Varietäten
der durchaus unzureichend beschriebenen Fovia affinis zu bezeichnen,
muß als durchaus unzulässig bezeichnet werden, da erstens, wie ich
gezeigt habe, diese Art jedenfalls mit der paludicolen Plan. torva
zusammenfällt und zweitens ein Nachweis für das Vorkommen derselben
in Amerika in keiner Weise erbracht worden ist.
der marinen Tricladen. 83
8. zieht Fovwia warreni ohne Begründung zum Genus Procerodes.
Ich habe mich Hallez’ Beispiel angeschlossen und verweise auf
meine Angaben unten.
9a. „I have observed it (the rapid movement) in a pretty
little Fovia which occurs sparingly under the stones between
tides at Wood’s Holl, but which my friend Dr. E. Jordan
collected for me in great numbers in Monhegan Island, Me.“
10. Wendet sich gegen Girard (6). Girards Fovia warrenı
wird wieder zu Fovia affinis var. Warreni Verr. gezogen. Girards
Stellung des Genus Fovia zu den Rhabdocoeliden wird rektitiziert
und dessen neues Genus Neoplana wird aufgehoben. Die Rektifizierung
Girards unverständlicher Maßnahme ıst gewiß berechtigt. DBe-
züglich der Varietätenunterscheidung verweise ich auf das unter 5.
und 6. Gesagte.
11. führt unter der Rubrik ‚„‚Ungenügend charakterisierte Genera
und Species“ nach Verrill(7) Plan. affinis var. warrent, var. grisea
und die übrigen von Verrill zu Fovia affinis gezogenen Formen
an und bemerkt betr. Fovia warreni (Gir.):
„Da Girards Charakteristik der Species ebenso ober-
flächlich ist, wie die der Gattung, und begründete Zweifel bestehen,
ob es sich überhaupt um eine Trielade handelt, da weiterhin auch
Planaria affinis Oe. sowie die von Verrillzu Fovia gezogenen
Formen wenig bekannt sind, schwebt die von Verrill ge-
gebene Liste der Synonyme, wie das ganze Genus selbst, in der
Luft.“
12. Stellt in einer eingehenden Literaturzusammenstellung die zu
Unreeht vorgenommenen Identifizierungen von Fovwa affınis (Oe.)
mit Fovia warreni bezw. grisea dar.
C£. „Auszuschaltende Art‘: Plan. affinis Oe.
13. „The American species Fovia warreni and grisea (littoralis)
spoken of by Verrill as Fovia affinis (Oe.) belong to only one
species of the genus Procerodes, which must be designated Pro-
cerodes warreni (Gir.); the variations of color not being greater
than usual in sea- and fresh-water-planarians, do not allow of
forming separate varieties; the genus Fovia must be included
in the genus Procerodes. Girard described it as viviparous:
the larvae resemble the adult animal, but its anterior end less
truncated. Eyes are still absent in the larvae, but the position of
these is indicated by two transparent spots; a canal in the middle
of the body is interpreted as the alimentary tube.
These „larvae‘ are protozoans (Hophtophrya), living in the
cavity of the pharynx and in the intestine of trielads. M. Schultze
found them in Procerodes (Planaria) ulvae of the Baltic Sea and
described them under the name of Opalina uncinata. 1 myself
found them in large numbers in Procerodes segmentata (irom the
Bay of Naples, the Mediterranean and Black Sea), in Procerodes
ulvae (from the Baltic Sea) and also in the {ree-living North
6*
84 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
American marine trielads. They live principally in the cavity
and the ramifications of the gut without damaging the host. The
transparent spots called by. Girard the first traces of the eyes,
correspond to the organs of attachment and the alimentary
tube answers to the nucleus of the Hoplitophrya uncinata.“
Der Genitalapparat scheint zu der Einordnung dieser Art in das
Genus Procerodes zu berechtigen; in dem unhaltbaren Genus Fovia
konnte sie jedenfalls nicht belassen werden. Da die Augenlage und die
Endigungsweise des Vorderdarms von dem Typus des Genus Procerodes
abwichen, und auch nicht feststeht, ob die paarigen Ovidukte getrennt
in den Vaginalovidukt eintreten oder vorher einen unpaaren Ovidukt
bilden, ist es nicht ausgeschlossen, daß für diese Art ein neues Genus
aufgestellt werden muß. Ich habe hiervon abgesehen, da mir die
Charaktere dieser Art für eine Einordnung derselben in das Genus
Procerodes nicht zu abweichend erschienen.
2. Genus: Stummeria Böhmig 1908.
Böhmig 1908 (29 a) charakterisiert dasselbe folgendermaßen:
„Körper schlank, Vorderende verschmälert, Hinterende ab-
gerundet. Zwei Augen. Die Vasa deferentia münden von den Seiten
her in die sehr ansehnliche, drüsenreiche, im Penisbulbus betind-
liche Samenblase. Penis zugespitzt, ohne Stilet, Keimstöcke
hinter dem Gehirne.“
1. Stummeria marginata (Hallez) 1906.
1. Procerodes marginata n.sp. Hallez 1906 (136, p. 397—398.)
2. Halle z 1907 (131, p. 4, 16—22;
Taf. 2,.Fig. 3, 10° Bat oe ale
Taf. 6, Fig. 1—9; Taf. 7, Fig. 1-12.)
3. Stummeria marginata (Hallez) Böhm ig1908 (29a, p. 27, 28.)
l. Vorläufige Mitteilung zu (2).
2. Darstellung des Baues.
3. Stellt mit Rücksicht auf das vom Typus des Genus Procerodes
abweichende Verhalten des Kopulationsapparates das neue Genus
Stummeria auf, über dessen Berechtigung ich mich oben ausgesprochen
habe.
DB) ”» >]
2. Familie: Uteriporidae Bergendal 1890.
Mit der Diagnose des Genus.
l. Genus Uteriporus Bergendal 1890.
Historisches. Nach Bergendal 1890 (12, p. 323) kommt die
einzige Form des Genus Üteriporus dem Genus Gunda O. Schm. in ihrer
äußeren Erscheinung ziemlich nahe; als Gattungscharakter nennt er
den „Uterus“, welcher mit einer selbständigen nahe der Öffnung
der Penisscheide gelegenen Öffnung versehen ist.“ Hallez 1892
(125, p. 108, 109) und 1894 (428, p. 125) stellt das Genus Uteriporus
zur Familie Procerodidae und bemerkt:
der marinen Trieladen, 85
„lNaetecreeparBergendal. D’apres cet auteur lexterieur
d’Uteriporus vessemble considerablement a celut de @unda, dont
il ne se distingue que par la presence d’un orifice independant
pour l’uterus; avant de trancher la question de savoir si ce genre
doit ötre conserve ou si Üteriporus vulgaris doit rentrer dans le
senre Procerodes, il eonvient d’attendre que de nouvelles recherches
soient laites sur cette espece.“
Böhmig 1906 (28, p. 201, 202) stellt das Genus Üteriporus
in der Unterfamilie Uteriporinae Böhmig zur Familie Blellouridae.
Böhmig gibt folgende Genusbeschreibung:
„Körper schlank, Vorderende abgestutzt, Hinterende stumpf
zugespitzt. Zwei Augen. Ohne Tentakel. Zwischen der Pharyngeal-
tasche und dem männlichen Copulationsorgane ein median ge-
legenes Receptaculum seminis, das mit den Ovidueten durch
zwei caudad verlaufende Canäle verbunden ist, die nächst ihren
distalen Enden zu besonderen Blasen (Uterusblasen Bergen-
dals) anschwellen. Penis kegelförmig, stumpf. Keimstöcke
dicht hinter dem Gehirn.“
1. Uteriporus vulgaris Bergendal 1890.
l. ? Fovia lapidaria n.sp. Mereschkowsky 1878-79 (191,
p. 53, 54.)
2. Uteriporus vulgaris Bergendal 1890 (12, p. 323—326.)
.; si Bergendal 1892 (13, p. 542, 543.)
Ei 5 ” Bergendal 1892 (14, p.311, 313,
315—318; Taf. 32.)
4. RE ».. Bedl. Gamble 1893 (90, p. 495, 527.)
5. a r „.. Hallez 1893(92) (12%, p. 70.)
6, & ar „. Hallez 1894 (128, p. 125.)
Ye 2 2 Bergendal1896 (16, p. 1—126;
Taf. 1, 2, Fig. 10, 12—19; Taf. 3,
Fig. 20, 21, 25, 26; Taf. 4, Fig. 28
bis 37; Taf. 5, Fig. 40, 42, 43, 47;
Taf. 6, Fig. 48, 50, 52, 56, 59.)
8. » ‚3 Sabussow 1897 (2%5, p. 8—15.)
9; % % Sabusso w 1900 (22%, p. 52, 119—155,
193—199; Taf. 3, Fig. 35—46.)
10. 5, Mi Böhmig 1906 (28, p. 202; Taf. 19,
Fig. 16.)
et, ri n Wilhelmi 1907 (264, p.5, 10.)
12. “ RR Theel 1908 (245 e, p. 62.)
l. macht kurze Angaben über eine neue Seetriclade, die er als zur
Gattung Fovia gehörig bezeichnet: Form
„regelmäßig oval oder wenig verlängert, hellgelblichbraun
gefärbt, mit queren dunkleren oder rotbraunen Querstreifen auf
der Oberseite, die die Mitte nicht erreichen, mit zwei nierenförmigen
86 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
Augen. An den Laminarien begegnet man derselben selten, um
so häufiger findet man sie an den Steinen, die an der Küste liegen.
Ich werde sie vorläufig Fovia lapidaria nova species nennen.
Allerdings steht sie Fovia affinis Stimp. nahe, von der sie aber
durch ihre Streifung an der Rückenseite abweicht. Vielleicht
haben wir es hier mit einer Varietät derselben zu tun.‘“ Im Weißen
Meere.
Ich ziehe diese Art mit Vorbehalt zu Uterip. vulgaris, die ja im
Weißen Meere nachgewiesen worden ist.
2. Angaben über den Bau dieser Art. Über die Färbung wird
Folgendes bemerkt:
„Die Farbe des Rückens wechselt sehr stark von oliven-gelb-
braun bis rötlich oder rötlich-gelb. Weiße Streifen sind an den
weiblichen geschlechtsreifen Tieren sehr deutlich zu erkennen.
Die untere Seite ist blasser mit deutlichen weißen Flecken, welche
die Dotterstöcke und Hoden anzeigen.“
Über Vorkommen, Verbreitung und systematische Stellung be-
merkt Bergendal:
„Weil es mir nicht ganz möglich ist zu entscheiden, ob diese
Form mit Örsteds Planaria affinis identisch ist, muß ich die-
selbe als neue Species einführen. Ich habe diese Form in Bohustän
und bei Kullen gefunden. An der letzteren Stelle kam sie zusammen
mit @unda ulvae(Örsted,Ijima)vor. Sie hatte ihre männliche
Reife im September. Jetzt im Anfang April, sind bei Kullen ein-
gesammelte Exemplare ihrer weiblichen Reife sehr nahe stehend.
Im Herbste war Üteriporus viel gewöhnlicher als Gunda Ulvae.
Jetzt konnte ich unter Steinen sehr leicht mehrere Tausende von
der letzteren einsammeln, von Üteriporus hingegen in Stunden
nur gegen zwanzig Exemplare auftreiben. In Bohuslän fand ich
Gunda Ulvae zusammen mit Uteriporus nicht vor.“
Bergendals Vermutung, daß Uteriporus mit Plan. affinis Oe.
identisch sein könne, trifft nicht zu, wie ich durch einen Vergleich der
beiden Arten feststellen konnte.
3. Über den ‚Uterus“ (Rec. seminis) dieser Art.
4. Beschreibt eine bei Plymouth gefundene Seetriclade irrtümlich
unter dem Namen Fovia affinis Stimpson und erwähnt die Möglichkeit
daß es sich vielleicht um Uteriporus vulgaris Bgal. handele. Gambles
Triclade von Plymouth ist, wie ich (271) festgestellt habe, Sabussowia
dioica Clap.
5-6. ist geneigt, Ut. vulgaris zum Genus Procerodes zu ziehen. Der
Körperform nach wäre dies möglich, erscheint jedoch mit Rücksicht
auf den vollkommen abweichend gebauten Kopulationsapparat ganz
unzulässig.
7. Über den Geschlechtsapparat von Uteriporus.
8—9. Angaben zur Anatomie von ÜUteriporus. Fundort: Unter
Steinen an den Küsten der Inseln von Solowetzk.
der marinen Tricladen. 87
10. Angaben zur Anatomie und Histologie von Uteriporus . . .
Fundort: Jekaterinhafen (Weißes Meer, v. Graff.)
il. spricht sich gegen die von Bergendal (1, 2) vermutete
Identität von Uteriporus vulgaris mit Plan. affinıs Oe. aus....
12. Über das Vorkommen von Üt. vulgaris in der Umgebung von
Kristineberg (Schweden).
„Uteriporus vulgaris Bergendal — till sammans med den förra
norra (,Proec. ulvae‘‘) om Lysekils norra ham.“
Herr Dr. N. v. Hofsten hatte die Freundlichkeit, mir im Mai
1908 gesammeltes Material nach Neapel zu schicken: Fundort: „Nörd-
lich von dem nördlichen Hafen von Lysekil (Schweden) zusammen
mit Proc. ulvae.‘“ Ein zweites Mal sandte mir Herr Dr. v. Hofsten
im Juni 1908 aus derselben Gegend etwa 50 lebende Exemplare von
Ut. vulgaris mit der Angabe:
„Das letzte Mal suchte ich die Tiere bei niedrigem Wasserstand.
Sie fanden sich dann auf dem Trockenen, unter den feuchten
Steinen; zum großen Teil hatten sie sich auch in den feuchten Sand
versteckt.“
Nach persönlicher Mitteilung fand Herr Dr. v. Hofsten Üt. vul-
garis bei einem Aufenthalte der schwedischen Expedition nach Spitz-
bergen 1908 auf der Insel Hindö (Lofoten, 69 ® n. Br., Norwegen)
im Strande häufig; auf Spitzbergen selbst fand er keine litoralen Tri-
claden.
3. Familie: Cereyridae
l. Genus: Cereyra O0. Sehmidt 18%.
"Historisches: Das Genus Cercyra wurde 1862 von
0. Schmidt für die von ihm auf Korfu (Keoxöge) gefundene neue
Seetrielade Cerc. hastata aufgestellt (432, p. 15).
„Zwei Augen. Darmverzweigungen sehr deutlich, die beiden
hinteren Stämme mit Queranastomosen; die Sarmengänge ver-
einigen sich schon unterhalb des Schlundes zu einem gemein-
schaftlichen Gang; der Penis mit einem hornigen, einer Lanzen
spitze gleichenden Aufsatze; die Eierstöcke, welche Eier und
isolierte Keimbläschen enthalten, liegen vor der Basis des Rüssels ;
der beutelförmige Eihalter hinter der Geschlechtsöffnung.‘“
Diesing (%%, p. 489, 501) führt das Genus Cercyra O. Schm.
unter der Familie Planaridea an, mit folgender Diagnose:
„Cereyra. Caput subbiaurieulatum. Ocelli duo. Os retro
medium corporis situm, oesophago cylindrico. (Penis retortae-
formis apieulo corneo, hastaeformi, haud vaginatus.) Maricolae.“
(p. 489.)
„Cercyra ©. Schmidt. Corpus depressum elongatum. Caput
corpore continuum, auriculis subnullis. Tentacula nulla. Ocelli
duo. Os ventrale retro medium corporis situm, oesophago eylindrico.
Apertura genitalis unica retro os sita. — Maricolae.“ (p. 501.)
88 Dr. J. Wilhelmi: Citete zur Systematik
Uljanin (248, p.29) beschreibt das Genus Cercyra nach
O0. Schmidts Angaben und mit Rücksicht auf die von ihm im
Schwarzen Meere gefundene Cerc. papillosa nov.sp. Ulj. folgender-
maßen:
„Zwei Augen. Die beiden hinteren Äste des Darmes durch
Anastomosen verbunden. Die Samenleiter vereinigen sich gleich
hinter dem Pharynx. Penis mit harter Spitze. Die Eierstöcke
liegen an der Basis des Rüssels.‘“ (Aus dem Russischen übersetzt.)
Hallez 1892 (125, p. 108, 109) und 1894 (128, p. 126—128)
stellt das GenusCereyra (‚„‚branches reeurrantes de l!’intestin normalement
anastomosees“) zur Familie Procerodidae und das Genus
Synhaga Czern. zu demselben.
Böhmig 1906 (28, p. 183, 184, 198) spricht sich gegen die von
Hallez vollzogene Vereinigung von Cercyra OÖ. Schm. und Synhaga
Czern. aus:
„Auch die Verquickung der Genera Cercyra und Synhaga
läßt sich dermalen keineswegs rechtfertigen. InO. Schmidts
Abhandlung findet sich eine gute Gattungsdiagnose Cercyra be-
treffend, und Hallez irrt, wenn er sagt, „O.Schmidt ne
donne pas de diagnose pour Cercyra“, während der anatomische
Bau von Synhaga fast gänzlich unbekannt ist. Den Quer-
anastomosen, welche sich da wie dort zwischen den hinteren Darm-
schenkeln vorfinden, die aber bei Cercyra wenigstens zuweilen
fehlen, kann keine solche Bedeutung beigemessen werden, daß
mit Rücksicht auf sie allein eine Verschmelzung der beiden
Gattungen vorgenommen werden könnte.“
Wie Hallez stellt Böhmig das Genus Cercyra zur Familie
Procerodidae. Sehmidts Diagnose formuliert Böhmig dahin:
‚„Vorder- und Hinterende abgerundet; ohne Tentakeln, zwei
Augen. Die Vasa deferentia vereinigen sich unterhalb des Pharynx
zu einem Gange (Ductus deferens). Penis kegelförmig, mit stark
zugespitztem, stiletartigem Endstück. Keimstöcke unmittelbar
vor der Insertionsstelle des Pharynx. Der Uterusausgang mündet
in das hintere Ende des Drüsenganges.“
1. Cereyra hastata OÖ. Schmidt 1862.
1. Cercyra hastata n. sp. OÖ. Schmidt 1862 (232, p.15, 16;
Taf. 3, Fig. 1—5.)
OÖ. Schm. Diesing 1862 (%2, p. 489, 501.)
| „ “ „ Hallez 189 (123, p. 1035.)
g ss „ Hallez 1893(92) (12%, p. 70—72.)
| . Hallez 1894 (128, p. 128.)
3 5 M „ Vejdovsky 1895 (249, p. 197.)
4, R fr „ Böhmig 1906 (28, p. 199, 200.)
5. Cercyra verrucosa n.sp. DuPlessis1907 (%6, p. 129—141;
Taf. 1, Fig. 1, 2.)
der marinen Trieladen, 89
1. „Der Körper ist im vordersten Drittel am schmälsten und
endet vorn zungenartig abgerundet. Es bildet sich jedoch, wenn
das Tier bequem ausgestreckt schwimmt oder kriecht, eine kleine
Anschwellung zu den Seiten der Augen .... Die Färbung variiert
sehr, indem bald gelbliches, grau-grünes oder grünliches Pigment
wahrzunehmen ist. Am stärksten ist es in der Augengegend an-
gehäuft, wo es in unregelmäßiger Halbmondform jedes Auge
von innen umgibt. Wegen der Lage der Augen und ihrer Ent-
fernung vom Vorderende verweise ich auf die Abbildung. Der
Rüssel ist kurz und zurückgezogen, ohne Biegungen und Quer-
falten; die Mundöffnung hinter der Mitte. Die Generationsorgane
sind in allen typischen maßgebenden Teilen abweichend. Die Eier-
stöcke liegen nicht, wo man sie bei anderen Planarien zuerst zu
suchen gewohnt ist, nicht in der Nähe der Augen, sondern kurz
vor dem Rüssel. Jede der obigen Bezeichnungen kommt ihnen zu,
indem sie nach innen zu isolierte Keime oder vielmehr Keim-
bläschen mit dem Keimfleck, in der Außenhälfte eine Anzahl
Eierstockeier, d. h. Keimbläschen umgeben von Furchungsdotter
enthalten.
Fundort: Am Strande der Reede von Corfu, links von der
Badeanstalt.‘“
2. Cercyra (und Bothrioplana) sollen infolge ihres Darmbaues und
der Anordnung der Dotterstöcke und Hoden Übergangsformen von den
Rhabdocoelen zu den Trieladen sein.
3. verwertet die irrtümliche Angabe O0. Schmidts, daß
nämlich €. hastata einen distalen median gelegenen Wasserbecher
besitzen soll, als Verwandschaftsbeziehung zwischen den Tricladen
und Rhabdocoelen durch Vermittlung der Alloiocoelen; einen median
gelegenen Wasserbecher soll auch die Alloiocoele Bothrioplana
haben.
4. Die von Böhmig als Cerc. hastata beschriebene Form ist
Cerc. papillosa U]}.
6. Verf. beschreibt eine Seetriclade, die er an der Cöte d’Azur bei
Marseille, Toulon, ferner bei Nizza und Villefranche fand, als eine neue
Art unter dem Namen Cercyra verrucosa DuPless. Die Be-
schreibung macht es wahrscheinlich, daß es sich um OÖ. Schmidts
Corfuer Cerc. hastata handelt. Verf. gibt zwei farbige Abbildungen.
Als Vorwurf für Fig. 1 hat ihm statt der Cerc. verrucosa alias hastata
unglücklicherweise eine junge Sabussowia dioica (Clap.) gedient, wie
Habitus, Darmbau und Augenlage erkennen lassen. Die Beschreibung,
die nichts Neues bringt, enthält, zumal der da Verf. mit der einschlägigen
Literatur wenig vertraut ist, viele falsche Angaben. Die Stirnbinde,
die Verf. als absolute Eigenheit seiner neuen Art bezeichnet, ist von
O0. Schmidt, Uljanin, Sabussow und Böhmig für
Cerc. hastata und papillosa beschrieben worden; das gleiche gilt für die
„verrues (ou papilles)“, nach denen Verf. seine Form benannte. Die
junge, aus dem Ei ausgeschlüpfte Cerc. verrucosa (der Abbildung nach
90
Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
Sab. dioica) soll in Abständen vereinzelte stärkere Wimpern tragen,
die später schwinden.
Form und Farbe der neuen Art beschreibt Verf. wie folgt:
„Elle ne depasse gu&re 15 mm en longueur sur 3 ou $ mm en
largeur et au repos. En mouvement elle peut s’allonger beaucoup
et se retrecir d’autant; elle est tres contractile. La face ventrale est
entierement plate, la face dorsale et plus ou moins bombe& et
convexe comme celle d’une petite Limace. La forme generale est
absolument celle d’une ‚petite feuille de Myrthe, appointie aux
deux bouts, mais plus aigu& & la töte qu’& l’extremite posterieure,
laquelle contraetee offre un bord arrondi.
Les couleurs ont une distribution earacteristique, qui suffirait
pour reconnaitre cet animal. La face ventrale est uniformement
grise ou blanche, avec une raie obscure qui marque la place de la
trompe. Mais la face dorsale offre un fort jeli dessin. Sur un fond
le plus souvent vert bouteille, ou paifois brun et jaunätre selon
le regime, se detachent quantite degoutelettes d’un blene Eclatant,
si nombreuses qu’ & la loupe elles font un pointille serre. Au
_ mieroscope, & faible grossissement, elles font le plus joli effet.
La tete, pointue, effilee, et qui porte deux gros yenx d’un
noir de ER est barree par trois bandes transversales, !’un au
milieu, du möme noir violet que les yeux et les deux autres qui
l’encadrent pour ainsi dire, du möme blanc laiteux que les goutte-
lettes dorsales. Ce triple bandeau est absolument particulier
& notre Planaire et nous ne connaissons aucune autre Triclade
marine (et elles sont peu nombreuses) qui presente quoi que ce soit
de semblable. Ce dessin parait d&jä sur les tout jeunes sujets sortis
de l’oeuf.“
Fundorte: Toulon, Nice, Ciotat, Villefranche, Menton.
Ich habe keine Bedenken getragen, diese Art zu Cereyra hastata
zu ziehen, wenn auch die enorme Größe, die Du Plessis für seine
Art angibt, für Cerc. hastata noch nicht beobachtet worden ist.
2. Cereyra papiilosa Uljanin 1869 (1870).
In en Eu Uljanin 1896 (247.)
2.
a
nm
Uljanin 1870 (248, p. 29—31; Taf. 4, Fig. 16
—18.).
Leuckart 1871/1872 (186, p. 459.)
Czerniavsky 1872 (65, p. 106, 107.)
a 1881 (66, p. 225; Taf. 3,
Fig. 1
Ri 5: Hallez 1893 (92) (127, p. 70—72.)
2 7 Hallez 1894 (128, p. 128.)
2 Sabussow 1899 (226, p. 1—15.)
hastata Böhmig 1906 (28, p. 199, 200; Taf. 12, Fig. 2;
Taf. 15, Fig. 7; Taf. 17, Fig. 8—11: Taf. 18,
Fig. 1, 2; Taf. 19, Fig. 14, 15.)
der marinen Tricladen. 9]
1. Mir nicht zugänglich gewesene vorläufige Mitteilung zum
folgenden.
2. beschreibt eine neue Seetriclade aus dem Schwarzen Meere.
Die Übersetzung der russischen Beschreibung, die ich Herrn Dr. Zer-
now, Sevastopol, verdanke, gebe ich hier wörtlich wieder:
„Cercyra papillosa nov. spec. Körperform platt, Hinterende
breiter, Vorder- und Hinterende regelmäßig abgerundet. Beim
Kriechen wechselt jedoch oft die Körperform. Der Rücken ist
blaßgelb gefärbt. Die dunkleren braunen Flecken sind unregel-
mäßig über den Rücken verbreitet. Zahl und Verbreitung dieser
Flecken ist unbeständig, variiert bei manchen Exemplaren stark.
Ein großer Fleck liegt im vorderen Körperende vor den Augen.
Lage und Größe dieses Fleckes variieren wenig. Man erkennt ihn
mit bloßem Auge. Die Färbung des Rückens wird hervorgerufen
durch ein körniges, hellgelbes Pigment, das unter der Epidermis
liegt und in Längsreihen, die nicht selten ineinanderfließen, an-
geordnet ist. Die braunen Flecke beruhen auf einer engeren
Zusammenlagerung der Pigmentreihen an einigen Stellen. Die
Haut ist nicht stark entwickelt. Auf dem ganzen Rücken liegen
eine große Menge zylindrischer Ausstülpungen, welche sich ziemlich
stark ausbreiten können und deren äußerer Rand mit einem Kranz
von dreieckigen Zäpfchen besetzt ist. Mit den Zäpfchen wird die
zylindrische Ausstülpung an einen Gegenstand angeheftet. Die
Stäbehen in der Haut sind wenig zahlreich. Die Cilien, welche
den Körper bedecken, sind kurz. Auf den saugnapfförmigen
Ausstülpungen fehlen die Cilien. Der zylindrische, schlauch-
förmige Rüssel ist nach hinten gerichtet und liegt im hinteren
Körperende. Die Hoden sind im ganzen Körper in großer Menge
verbreitet und liegen zwischen den Darmzipfeln. Die paarigen
Samenleiter sieht man auf den Seiten des Rüssels. Hinter dem
Rüssel vereinigen sie sich zu einem unpaaren langen Samen-
schlauch, der nicht selten, bevor er in den Penis eintritt, gewunden
ist. Letzterer ist birnförmig mit dem spitzen Ende nach hinten
gerichtet. In der Wandung liegen starke Ring- und Längs-
muskeln. Der Penis hat eine harte, chitinöse, gerade Spitze.
In dem hinteren Viertel des Penis liegen in großer Menge
accessorische Drüsen mit körnigem Inhalt. Zu dem breiteren
vorderen Ende geht von jeder Seite je ein Muskelstrang, welcher
wahrscheinlich zum Zurückziehen dient. Der Penis liegt in einem
besonderen Raum, in den auch die Ausmündungen der weiblichen
Geschlechtsorgane sich öffnen. Letztere bestehen aus Eierstöcken,
die an der Basis des Rüssels liegen. Ihre Ausmündungen sieht
man deutlich auf den Seiten des Rüssels neben den vasa deferentia;
sie münden in denselben Raum, in dem der Penis liegt. Nicht
selten findet man Exemplare, bei denen in diesem Raum ein zum
Ablegen schon fertiges Ei liegt. In diesem Falle ist der Penis
weit nach vorn zurückgezogen. Die Samenfäden sind 0,0224 mm lang
u. sind fadenförmig, in der Mitte etwas verdickt, an den Enden zu-
9% Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
gespitzt u. S-förmig. Eine ilügelförmige Membran an der verdiekten
Stelle vermißt man. Die Augentlecke mit dem schwarzen Pigment
sind im vorderen Körperende gelegen. In der Nähe von jedem Auge
erkennt man einen hellen Raum. Die Konturen des Gehirns konnte
ich nicht erkennen. Die Eier werden einzeln abgesetzt in einer gelben
Kapsel, die von verhärtetem, durchsiehtigem Schleim bedeckt ist,
mit dessen Hilfe die Eier an Gegenstände angeheftet werden. Die
Länge des Tieres ist 31/), mm. Diese Art findet man in großer
Menge unter Steinen gerade in der Nähe des Wasserspiegels.
Man erkennt sie leicht mit bloßem Auge an dem schwarzen Fleck
am Vorderende und auch an der Haltung des Tieres während der
Ruhe. Im Ruhezustande ist das Vorderende beinahe ein Viertel
nach oben emporgerichtet, sodaß es mit dem übrigen Körper fast
einen rechten Winkel bildet.
Nach Färbung und den saugnapfförmigen Anhängen des
Rückens, nach der Form der Samenfäden und nach einigen anderen
Merkmalen erinnert Cerc. papillosa an Clapar&des Planaria
dioica. Von Sehmidts Art desselben Genus aus Corfu, Cere.
hastata, unterscheidet sich meine Art durch geringere Größe,
sowie durch die Anwesenheit der saugnapfförmigen Hautanhänge.“
3. referiert über Uljanins (l, 2) Angaben.
4. Vorläufige Mitteilung zu 5.
5. fand Cerc. papillosa Ulj. im der Bucht von Suchum und bemerkt
hierüber:
„Cercyra papillosa Uljanin (? An Cereyra hastata O. Schmidt.)
Frequenz. Habitat Sinus Suchum. profund. 0,3—1,2 metr. fundo
lapidoso et in limo brunneo (subterraneo), 1874—76.
Anmerkung: Lebt sehr zahlreich gegenüber der Festung
Suchum am Ufer, zwischen und unter kleinen Steinen und im
Schlamm zusammen mit anderen unterirdischen Formen. Man
fängt sie leicht mit einem Tüllsack, den man in eimer Tiefe von
0,3—1,2 m auf dem Boden herzieht. Auch am Kloster Suchum
in großer Menge.“
6. bestätigt im Wesentlichen die Angaben Uljanins und
Czerniavskys (auch bezüglich der Anwesenheit dorsaler Haft-
zellen) und gibt eine anatomische Beschreibung. Fundort: Bucht von
Sebastopol.
7. Beschreibt eine von v. Stummer bei Sebastopol gefundene
Cercyra-Art unter dem Namen Cerc. hastata und zieht Uljanins
Cerc. papillosa zu Cerc. hastata. Genannte Arten können aber nicht ver-
schmolzen werden und die von Böhmig untersuchten Tiere sind ın
Wirklichkeit Cerc. papillosa U]}.
„leh vermag die Selbständigkeit der Uljaninschen Art
nicht anzuerkennnen. Aus der Beschreibung des genannten Autors
geht zur Evidenz hervor, daß die Rückenpapillen weiter nichts
sind als Klebezellen. Besondere Papillen, die sich auf der Dorsal-
seite befinden sollen, habe ich an den von mir untersuchten, eben-
der marinen Tricladen. 93
falls aus Sebastopol stammenden Exemplaren nicht entdecken
können. Im übrigen sind die Klebzellen auch hier nur auf die Rand-
partien des Körpers beschränkt wie bei anderen marinen Trieladen.“
Daß die ein Unterscheidungsmerkmal dieser Art von Ü. hastata
bildenden dorsalen Haftzellen (Klebzellen) tatsächlich vorhanden sind,
muß ich Böhm ig gegenüber betonen. Bezüglich der Augenstellung
bemerkt Böhmi ®:
„Hinsichtlich der Augenstellung ergeben sich Unterschiede
in den Zeichnungen OÖ. Sehmidts einerseits und Uljanins
und v. Stummers andererseits; die Befunde am konservierten
Material entsprechen den Darstellungen der letztgenannten
Autoren. Die Entfernung der Augen vom Stirnrand ist jedenfalls
eine sehr ansehnliche, darin stimmen alle Abbildungen überein,
ihr Abstand von der Medianlinie ist auf ©. Schmidts Skizze
klein, recht bedeutend dagegen auf den Zeichnungen Uljanins
und v. Stummers. Danun Schmidt bezüglich der Lage
der Augen auf seine Abbildung verweist, so muß angenommen
werden, daß dieselbe in dieser Hinsicht besonders genau ist, und
es würde sich in diesem Punkte eine Differenz zwischen den
Exemplaren von Corfu und Sebastopol ergeben; sie erscheint mir
aber zu geringfügig, um die Aufstellung zweier Spezies zu recht-
fertigen.“
Diese Abweichung in der Augenstellung ist, wie ich gezeigt habe,
nicht so geringfügig, wie Böhmig annimmt, sie bietet vielmehr ein
augenfälliges Unterscheidungsmerkmal der beiden Arten.
Fundort: Sebastopol, unter Steinen und an Zostera, mit Proc.
lobata (segmentata) vergesellschaftet.
2.Genus: Cerbussowia Wilhelmi 1909.
l. Cerbussowia cerrutii Wilhelmi 1909.
3. Genus: Sabussowia Böhmig 1906.
Historisches: Das Genus Sabussowia wurde von Böhmig
1906 (38, p. 359). für Clapare&des Planaria dioica aufgestellt
und, mit Cereyra OÖ. Schm. vereint, als Unterfamilie Üereyrinze Böhmig
zur Familie Procerodidae gestellt. Die von Böhmig ge-
gebene Charakteristik, die ich übernehme, lautet:
„Körper schlank, Vorderende leicht abgerundet, Hinterende
stumpf; ohne Tentakel. Zwei Augen. Die3Vasa deferentia ver-
einigen sich hinter dem Munde zu einem gemeinsamen Gange
(Ductus deferens); Penis kegelförmig zugespitzt, aber ohne
eigentliches Stilet. Keim: stöcke dicht hinter dem Gehirne.“
1. Sabussowia dioica (Clap.) 1863.
1. Planaria dioica n.sp. Claparede 1863 (58, p. 18—20; Taf. 3;
Fig. 7—13.)
d
Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
2. Fovia affinis Gamble 1893 (90, p. 493—495, 521, 527.)
Gamble 1893 (9%, p. 33, 45.)
3. Sabussowia dioica Böhmig 1906 (28, p. 196—198; Taf. 12,
Fig. 3, 9, 9a, 15; Taf. 13, Fig. 8—11;
Tat. 14, Fig. 3, 6; Taf. 15, Fig. 2a—e, 12
Taf. 16, Fig. 6—8; Taf. 17, Fig. 12—17;
Taf. 19, Fig. 10—13.)
4. Cercyra dioica Du Plessis 1907 (%6, p. 131, 141.)
5. Sabussowia dioca Wilhelmi 1908 (271, p. 618—620.)
1. „Diagnose: Körper 2 mm lang, bandförmig nach vorn etwas
verjüngt. Rücken mit zahlreichen Warzen besetzt. Zwei schwarze
Augen. Farbe bräunlich, am Rücken mit schwarzen Flecken
besprenkelt. Tiere getrennten Geschlechts.“
Fundort: Auf Zostera-Wiesen in der Nähe der Insel Tatihou.
2. Bespricht eine Seetriclade von Plymouth unter dem Namen
Fovia affinis und spricht die Vermutung aus, daß sie mit Uteriporus
vulgaris identisch sein könne. Über den Habitus und die Biologie
dieser Art bemerkt Gamble:
»» » » . Ihe auterior end tapers slightly and when viewed
„end on‘ presents two slight lobes, which are used a vigourous
sensitive way as in the case of Convoluta paradoxa.
The colour varies from greenish-brown to wood-brown,
and oval white spot in the hinder half of the body marks the
pharynx. The two eyes lie each at the inner side of a white area
and from them a pair dark parallel streaks of pigment run to the
anterior margin.
The movements of the animal are very stryking. The most
usual method of locomotion is by arching the body and drawing
the hinder end up the anterior one. These ‚„geometer‘ or leech-
like are repeated on moist surface. When, however, the water is
deeper the usual gliding eiliary movement is adopted.
The hinder part of the body is kept on the substratum, while
the anterior extremity is raised up on constantly extended and
retracted, the body as a whole partaking of the steady forward
movement.“
Fundort: Wembury Bay, Plymouth.
Wie ich festgestellt habe, ist Gambles Trielade mit Sab. dioica
identisch. Cf. 5.
3. „Mit Planaria dioica ist zweifellos eine Trielade identisch,
welche mir von Herrn Dr. E. Gräffe zweimal lebend in einer
größeren Anzahl übersandt wurde. Die Übereinstimmung in der
Konfiguration des Kopulationsapparates läßt keine Bedenken
an der Identität aufkommen, wenn wir bei der Vergleichung in
Betracht ziehen, daß Claparede nur gequetschte Tiere unter-
suchte.
Kleine Unterschiede ergeben sich hinsichtlich der Größe,
der marinen Trieladen. 95
welcheClaparedeauf2 mm angibt, und bezüglich der Färbung:
„Farbe bräunlich, am Rücken mit schwarzen Flecken besprenkelt. “
Von den weiteren Angaben Böhmigs gebe ich hier nur die
über die Färbung wieder:
„Clapare&des Angabe, daß beide Geschlechter hinsichtlich
der Farbe übereinstimmten, kann ich nicht bestätigen, ich fand
vielmehr stets gewisse Unterschiede zwischen den männlichen
(Fig. 11) u. weiblichen (Fig. 12) Individuen. Die Rückenfläche
der ersteren erscheint stets heller gefärbt. Das gelblich-braune
oder braune Pigment ist der Hauptmasse nach in Form eines Reti-
culums angeordnet; die annähernd gleich großen rundlichen
Maschenräume entsprechen der Lage der Hoden; ein ansehnlicherer
unregelmäßiger Fleck findet sich gewöhnlich oberhalb des Pharynx.
Bei den weiblichen Tieren ist das Reticulum viel dichter, die
Maschenräume sind klein, unregelmäßig, wenig hervortretend;
die Gesamtfarbe ist mfolgedessen überhaupt eine dunklere; außer-
dem scheint mir aber auch das Pigment selbst tiefer braun zu sein
als beiden Männchen. Pigmentfrei sind stets da wie dort die Körper-
ränder und die Stirngegend, helle Höfe umgeben fast konstant
die Augen.“
Über die Haftzellen (Klebzellen) bemerkt Böhmig:
„Die erhabenen Papillen oder Wärzchen, welche nach
Claparede den ganzen Rücken bedecken, besonders zahlreich
aber an den Seiten und dem Vorderrande auftreten, sind sicherlich
nichts andres als die Klebzellen, welche ich jedoch immer nur auf
die Randpartien beschränkt fand.“
Wie ich feststellen konnte, treten die Haftzellen am Vorderende
des Tieres auch auf die Rückenfläche über, genau in der Weise, wie es
Clapare&de dargestellt hat (cf. Tai. 9, Fig. 29 nach Claparede);
auf der übrigen Rückenfläche ließen sich zwar keine Haftzellen nach-
weisen, ci. p. 161, 162. Das Vorhandensein dorsaler Haftzellen zum
wenigsten derjenigen des Vorderendes halte ich jedoch — entgegen
Böhmig — zum Artcharakter gehörig, zumal da andere Arten
dieser Familie ganz ähnliche Verhältnisse zeigen. — Böhmigs
Vermutung, daß Gambles Fovia affinis mit Sab.dioica identisch sein
könne, hat sich bestätigt; vergleiche 5.
Fundort: Im Sande bei Triest.
4. fand Sabussowia dioica bei Toulon und Nizza und zieht dieselbe
zum Genus Cercyra. Mit Rücksicht auf das abweichende Verhalten
der Art nach Morphologie und Anatomie muß diese Maßnahme
Du Plessis’ als unbegründet und unzulässig bezeichnet werden.
5. Unsicher bestimmte Seetricladen von Plymouth, die ich der
Freundlichkeit der Herren Dr. Gamble und R. Whitehouse
verdanke, habe ich als Sab. dioica bestimmt. -Aus einer hierauf be-
züglichen früheren Mitteilung lasse ich hier, mit Anderung der Literatur-
nummern, folgende Angaben folgen:
96
Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
„.... Im August dieses Jahres (1908) fand Herr Dr. Gamble
bei ,„Drake’s Island‘ nahe Plymouth zwei Exemplare seiner
fraglichen Fovia affinis. Herr R. Whitehouse fixierte sie
nach Steinmann (24i) mit einem Salpetersäure-Sublimat-
Gemisch, welche Methode ich zwecks guter Erhaltung der Tentakel
angegeben hatte, und sandte mir das Material zu.
Die beiden in Alkohol liegenden Exemplare besitzen eine Länge
von etwa 2 mm und eine Breite von 3/,, bezw. I mm. Das Vorder-
ende ist oval abgerundet und läßt keine Spur von Tentakeln er-
kennen; wären solche am lebenden Tiere vorhanden gewesen,
so müßten sie bei der Salpetersäure-Sublimatfixierung erhalten
geblieben sein. An den den Tentakeln entsprechenden Stellen
ist indes die Pigmentierung schwächer. Es ist daher anzunehmen,
daß beim lebenden Tiere schwache Tastlappen an diesen Stellen
vorhanden sind. Gamble (2) beobachtete seinerzeit an den
lebenden Tieren auch zwei ‚slight lobes, which are used in a vi-
gourous sensitive way as in the case of Convoluta paradoxa.“
Das Hinterende ist rundlich. Zur weiteren Untersuchung hellte ich
die Tiere in Xylol auf. Bei dem einen Exemplar zeigt das Rücken-
pigment eine deutliche netzförmige Anordnung, während bei dem
anderen Exemplar das Rückenpigment gleichmäßiger verteilt
und schwächer ist. Über dem Pharynx, der klein ist und hinter
der Körpermitte liegt, ist das Pigment sehr schwach, sodaß die
Lage des Pharynx durch eine längliche helle Stelle auf der Rücken-
fläche angedeutet wird. Die Bauchhöhle erscheint weißlichgrau.
Die Augen sind nach außen von je einem hellen, ziemlich
sroßen Hof, der pigmentfrei ist, umgeben. Sie liegen weit aus-
einander. Ihr gegenseitiger Abstand ist größer als ihre Entiernung
von dem Seitenrand des Körpers und kleiner als ihre Entfernung
vom vorderen Körperrand. Von der Innenseite jedes Auges läuft
ein dunkler Pigmentstreifen nach dem Vorderrande, wie auch
Gamble (2) angegeben hat.
Zweifellos ist die in Frage stehende Seetriclade von Plymouth
mit Sab. dioica (Clap.) identisch, wie ein Vergleich meiner Exemplare
mit den Abbildungen und Angaben Clapar&des,Gambles
und Böhmigs zeigte und'sich auch an Sagittalschnittserien, an
die ich später von den beiden Exemplaren anfertigte, bestätigen
ließ. Das eine Exemplar mit dunklerem netzförmigem Pigment
ist männlich, besitzt Penis und zahlreiche Testicula; das andere,
schwächer und gleichmäßiger pigmentierte Exemplar ist weiblich,
besitzt Dotterstöcke, Ovarien, Ovidukte und Receptaculum seminis
(sog. Uterus).
Die schon von Böhmig vermutete Zugehörigkeit von
Gambles Seetrielade von Plymouth zu Sab. dioica hat sich
also bestätigt... ...
der marinen Tricladen. 97
4. Familie: Bdellouridae Leidy 1850—1851.
Historisches: Diesing (72, p. 491, 518, 519) entiernt das
Genus Bdelloura Leidy aus der Familie der Planariden und stellt
die Familie Bdellouridae Dies. auf.
„Character generis unica simul familiae. Bdelloura Leidy.
Corpus elongatum convexiusculum, extreimitate postica strietura
a corpore discreta, dilatata acetabulari s. lamellam prehensilem
formante. Os ventrale retro medium corporis situm, oesophago
eylindrieco v. campanulato. Apertura genitalis .... . Maricolae,
ectoparasita.‘“
Hallez 1892 (125, p. 108, 109) charakterisiert die Familie
Bdelluridae:
„Eetoparasites, purvus d’appareil caudal de fixation . .
und das Genus Bdelloura Leidy:
s». +» . . bouche un peu en arriers du milieu du corps. Deux
yeux.‘
Verrill 1893 (253, p. 118, 119) charakterisiert die Familie
„Bdellouridae Verr.“ wie folgt:
„Body elongated, flattened, highly muscular, leech-like,
with a small develeppod posterior acetabulum or sucker. Brain
lateral nervetrunks well developped; marginal nerve distinct.
Pharynx plicater, cylindrical in extension. Two posterior main
gastric branches not united posteriorly. Eetoparasites.
This family is constituted for the following genus only.
Bdelloura Leidy.“
Abgesehen von der fälschlichen Bezeichnung der Bdellouriden
als Parasiten sind diese vorstehenden drei Charakteristiken zum Teil
zu allgemein, zum Teil zu speziell, mdem sie für das zu jener Zeit
freilich noch unbekannte Genus Syncoelidium nicht zutreffen.
Wheeler 1894 (259, p. 188) gab folgende Beschreibung dieser
Familie:
„Eetoparasitie marme Trielads without aurieular folds at
the cephalic end; without pigment, except in two eyes; without
Rhabdites, with two uteri opening by discrete ostia latered to
longitudinal nerves; ejaculatory ducets opening separatly near
the tip of the penis. Eggeapsules elliptical or oblong, flattened,
attexted by a slender pedical.“
[23
Aus dieser Charakteristik ist nur unzutreffend die Bezeichnung
der Bdellouridaeals Parasiten, und das Fehlen der Rhabditen,
was für Bd. propingqua nicht zutrifft.
Böhmig (28) schloß in die Familie Bdellouridae auch
Üteriporus mit ein. Hiergegen habe ich mich schon früher aus-
gesprochen. Die Unterfamilie Eubdellourinae charakterisiert
er folgendermaßen:
„Zwei Receptacula seminis vor dem männlichen Kopulations-
organe seitlich von der Medianlinie. Ohne Rhabditen im Epithel.“
Archiv m Naturgeschichte 7
| 1911. 1. 2.
98 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
Abgesehen von der Unzulänglichkeit dieser Charakteristik hat die
Angabe des Fehlens der Rhabditen nicht nur für alle Arten der Bdello-
uriden Gültigkeit.
1. Genus Bdelloura Leidy 1851.
Historisches: Das Genus Bdelloura wurde von Leidy
für zwei von ihm gefundene Seetricladen, Bd. parasitica und Bd. rustica,
aufgestellt; außerdem zog er Plan. longiceps Duges (= Monotus
bipunctatus Graff) zu diesem Genus. Die Originalbeschreibung
lautet (180, p. 242):
„„Bdelloura, subgenus nov. of Planaria. Charakter the same
as Planaria without tentacula and the posterior extremity of the
body separated by a constriction serving as disk for attachment.““
Im selben Jahre gibt Leidy (181, p. 289) noch eine etwas aus-
führlichere Beschreibung derselben:
„Body dilated, plano-convexa, posteriorly dilated, con-
stricted, truncated. Head continuous with the body; tentacular
appendages none. Mouth inferior, subcentral, Oesophagus pro-
tractile, eylindrical; Eyes two. Marine.“
Stimpsons (244, p. 6) Definition dieses Genus:
„Corpus depressum, antice acutum, v. subacutum, cauda
subdiscreta dilatata. Ocelli duo. Os centrale, oesophago eylindrico.
Stomachus latus. Caeca indivisa. Apertura genitalis — —?
Maricolae.“
Girard 1893 (105, p. 223, 226, 227) stellt das Genus Bdelloura
zu den Rhabdoeoelen (!) mit folgender Beschreibung:
„Le corps est dilate, deprime, convexe, en dessus, posterieure-
ment tronque avec une dilatation discoide en forme de venteuse,
precede d’un leger &tranglement. La töte est contenue avec le
corps, depourvue d’appendices tentaculiformes et munis d’une
paire d’ocelles. La bouche , infere, est subcentrale; l’oesophage,
protractile, est cylindrique.
La dilatation discoide de l’extremite posterieure du corps
sert A l’animal de point d’appui, ou d’attache, dans ses mouvements,
ou ses temps d’arr&t sur les corps environnavants.“
Verrill 1893 (253, p. 118, 119) charakterisiert das Genus
Bdelloura wie folgt:
„Body flat, lanceolate, with this muscular edges along the
middle, adapted for swimming. Acetabulum nearly as wide as
the body, separated by a constrietion. Mouth behind the middle.
Tentacles one. Ocelli two, reniform, with a front lens. Brain large
belobed, with several pairs of frontal nerves; lateral nerve-trunks
(Pl. XLIV, Fig. Sn, nt.) large, united by a posterior commissure in
the acetabulum, and by others, farther formed behind the genital
orifice. Lateral gastrie branches (Fig. 8 gl) more or less divided.
der marinen Tricladen. 99
Penis simple, conical, unarmed (Fig. 8 a, p.). A pair of female,
accessory, lobulated glandular organs or ‚uterine sacs' (Fig. 8x)
is situated about opposite the genital pore. Unicellular mueus-
glands are present. Rhabdites are wanting. Eggs are enclosed in
capsules.
The only known species is an active ectoparasite on Limulus,
but it is able to swim freely, with an odulatory, leech-like motion.“
Hallez 1892 (1%, p. 73—77, 127) und 1894 (128, p. 128—133,
190) bemerkt:
„Ce genre ectoparasite Bdellura Leidy est bien imparfaitement
connu et delimite .... Bdellura parasitica peut, je crois, ötre pris
comme type du genre.“
Wheeler 1894 (259, p. 188) gibt folgende Charakteristik:
„„Bdelloura Leidy. Large species, with typical Triclad gut; the
posterior rami united by a fusion of two of the mesial diverticula
only in old speeimens (always?) anal end of the body widened into
a glandular disk; anterior end narrow and tapering to a point
when the animal is expanded; ducts at the anterior edges ot the
uteri; penis acuminate, with a broad base.“
Böhmig 1906 (28, p. 203, 204) stellt Bdelloura in der Unter-
familie Zubdellourina Böhmig zur Familie Bdellouridae und gibt folgende
Charakteristik:
so Supmw wm -
-
=
„Körper platt, nach vorn sich verschmälernd; Vorderende
zugespitzt, ohne Tentakeln; Hinterende breit, schräg abgestutz,
durch eine Ringfurche vom übrigen Körper abgesetzt und in einen
Haftapparat umgewandelt; zwei Augen. Penis kegelförmig
stumpf; die Vasa deferentia münden dicht neben einander, aber
getrennt in dem Ductus ejaculatorius. Ein jedes Receptaculum,
bezw. deren Ausführungsgang, ist mit dem Oviduct seiner Seite
durch einen kurzen, nur wenig schräg laufenden Gang verbunden.“
1. Bdelloura eandida Gir. 1850.
. Vortex candıida n. sp. Girard 1850 (89, p. 264.)
ss 2 1851 (101, p. 4.)
. Bdelloura parasitica n.sp. Leidy 1851 (180, p. 242,245.)
k £ Leidy 1851 (181, p. 289.)
Bdelloura candida Gir. Girard 1852 (104, p. 21.)
. Bdelloura parasitica Leidy Stimpson 1857 (244, p. 6.)
Bdelloura parasitica „ Diesing 1862 (32, p. 491, 518.)
Planaria angulata Müll. A. Agassiz 1866 (1, p. 306-309;
Taf. 1, Fig. 1—2.)
. Bdelloura candida Gir. Verrill 1873-74 (250, p. 460, 634.)
. Planaria angulata Müll. van Beneden 1876 (10, p. 58.)
. Planaria Limuli n. sp. v. Graff 1879 (112, p. 205—202.)
v. Graf£ 1879 (111, p. 196—198.)
. Planaria angulata Müll. Balfour 1880 (5, p. 187.)
7*
100 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
11. Unbenannte Planarien als Ryder 1882 (223, p. 48—51; Fig. 1
Limulus-Parasiten — 10.)
12. Bdelloura candida Gir. Gissler 1882 (106, p. 52, 53; Fig. 1.)
13. n " 34 Ryder 1882 (224, p. 142—143.)
14. Lang 1884 (175, p. 671.)
15. Bdelloura parasitica Leidy Braun 1887 (35, p. 482—484.)
15a. Planaria Limuli v. Graii Woodworth 1891 (2 ,p. 19-20.)
16. Bdellura candıda Gir. Hallez 1892. (124, p.7, 10.)
17. Bdelloura candıda Gir. \n: e
h limuli (Graff) Ni irard 1893 (105, p. 227—231.)
18. ie candida (Gir.) Verrill 1893 (253, p. 119—123.)
19. Bdellura parasitica Leidy \ j a
Tmulı (Crafi) ji allez 1893 (92) (12%, p. 73—16.)
20. 5; X „ Hallez 1894 (128, p. 128—132.)
21. Bdelloura candıida Wheeler 1894 (259, p. 167—190;
Taf. 8, Fig. 9.)
22. % ML Whitman 1894 (260, p. 544—545.)
ee ee \Verrill 1895 (254, p. 523534.)
24. Bdelloura candıda Randolf 1897 (221, p. 353.)
25. Bdelloura parasıtica Graff 1903 (116, p. 37, 41, 51.)
26. Bdelloura candıda Böhm ıg1906 (28, p. 204— 206;
Taf’12, Fig. 1, 7,110: Ta
Fig. 8-10; Taf. 18, Fig. 3—10;
Tar.,l9, Kıc 17, 1,210)
27. 4 R Wilhelmi 1907 (265, p. 000.)
28. ei S Walter 1907 (25%, p. 45—47, 71,
75—76, 81, 85—89, 103.)
1. „Vortex candida.
Body elongated, tapering away towards the posterior ex-
tremity; head rounded; sides entire; almost transparent, of a pale
rose color. From Chelsea beach, found attached to the Horseshoe
Crab. Lenghth, a quarter of an inch. The generic position of two
species is still a matter of doubt; the genus Voriex not being as
yet well circumseribed.“
2. „Bdelloura parasitica n. sp.
Body milk white, with a famtly yellowish intestine showing
through the translucent integument, sınooth thin, lanceolate,
or spatulate; anteriorly narrowed, obtused; lateral margins thin,
undulating; constrieted portion posteriorly truncated, nearly
as broad as the middle ofthe body. Eyes two, reniform. Oesophagus
simple, eylindrical, eampanulate when protreded. L. 3—10“,
br. 2/,—2°/, "". The longest may contract to 6 lines by 31/, lines.“
Hab. Parasitisch auf „Polyphemus occidentalis Lam. (King
Crab).““
„Found often in great number, adhering with considerable
tenacity by means of the posterior constrieted extremity of the
der marinen Tricladen. 101
body to the under surface of branchial covers, the branchial
lamina and the extremities, especially in the vicinity of the joints.
Rem. When the King Crab is removed from the water, its
planaroid parasite retires to the deepest recesses between the
limbs and other external organs to avoid evaporation. The parasite
moves with a gliding motion like the species of Planarıa and also
by fixing the posterior extremity and extending the anterior
part of the body to its greatest lenght, and the abruptly detaching
and drawing forward the former, like leeches. At other times
it fixes itself posteriorly, and waves the anterior portion of the
body to and fro throught he water.“
Über die Identität dieser Art mit der vorhergehenden cf. 3.
3. „Vortex eandida, . . . has been redescribed since by
Dr. Leidy, under the name of Bdelloura parasitica. The genus
Badelloura 1 adopt, but the species must retain its prior name
and be called B. candida Girard.““
Ob Leidy eme andere Art als Girard vorlag, ist, da zu jeder
alle Zimulus bewohnenden Bdellouriden als Angehörige einer Art
galten, infolge der Unzulänglichkeit der Beschreibungen nicht mehr zu
entscheiden.
4. „‚Bdelloura parasitica Leidy, ?Vortex candida Girard.‘“
5. Führt unter der von ihm aufgestellten Familie Bdelluridae Dies.
Bdellura parasitica Leidy mit Beschreibung nach Leidy an.
6. Beschreibt die frühzeitige Segmentierung und unvollkommene
Metamorphose einer als Planaria angulata Müller bezeichneten Larven-
form. Wie ich gezeigt habe, handelt es sich vermutlich um junge
Bdellouriden; hierüber ef. (27).
7. führt Bdell. cand. Gir. in der ‚List of external parasites observed
on fishes and other marine animals of Southern New England“ an:
„On gills of Zimulus.““ (p. 460).
„Bidelloura candida Girard.
Great Egg Harbor; New Hawen Massachusetts Bay. Parasitic
on the gills of the ‚horseshoe crab‘ Zimulus Polyphemus.““ (p. 634).
8. „Nach Alex. Agassiz lebt eine Planarienart (Planaria
angulata Müll.) als freier Mitesser an der Unterseite des Pfeil-
schwanzes, Limulus, und zwar mit Vorliebe in der Nähe der Basis
des Schwanzes. MaxSchultze hat im letzten Jahre denselben
Mitesser an einem im Großen Cölner Aquarium gestorbenen ZLi-
mulus beobachtet, der ihm zum Zweck anatomischer Untersuchung
nach Bonn geschickt war. Er hat auf der Deutschen Naturforscher-
Versammlung in Wiesbaden 1873 eine Zeichnung von diesem Tiere,
das er für neu hielt, vorgelegt.“ cf. 9, 27.
9. beschreibt die auf Limuliden des Frankfurter Aquariums
lebenden Planarien als Plan. Limuli und zitiertvanBenedens (d)
Angaben über Agassiz’ und Schultze s Zimulus-Parasiten
Plan. angulata Müll. mit dem Bemerken, daß die Angaben Agassız
und Schultzes in der Litteratur nicht zu finden sind, und daß
102 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
seine Planaria Limuli keinesfalls mit Plan. angulata Müll. identisch ist.
Nach v. Graff sind Größe und Farbe ähnlich wie bei Dendrocoelum.
Vorderende zugespitzt. Am Hinterende großer Saugnapf, der sich
gegen den Körper scharf absetzt. Rhabditen fehlen. Haftorgane,
gleich denen am Hinterende von Monocelis, in zwei am Rande der
Körperunterseite hinziehenden Bogenlinien angeordnet und zahlreich
an der Haftscheibe. Darmkanal mit 19 hinteren und 12 vorderen
Seitenzweigpaaren. Hinteräste beim jungen Tiere getrennt, beim
erwachsenen (immer?) durch Queranastomose verbunden. Pharynx
mit zwei traubigen Drüsen rechts und links von der Insertionsstelle,
‚hinter der Körpermitte gelegen. Hoden im ganzen Körper verteilt.
Zwei Vasa deferentia, neben dem Pharynx verlaufend, münden in den
birnförmigen Penis. Zwei Ovarien hinter dem Gehirn. Dotterstöcke
zwischen den Darmästen verteilt. Uterus paarig.
Die Kokons, gelbbraun, mehr als 3 mm lang und 1!/, mm breit,
sind abgeplattet, auf der einen Seite gewölbt, auf der andern flach;
sind mit der flachen Seite auf den Kiemendeckeln des Zimulus fest-
geklebt; enthalten 2—9 Embryonen. Graffs Angabe, daß Plan.
Limuli die Gelenkhäute des Wirtes durchfrißt, ‚so daß dem Krebse
ein Beinglied nach dem andern abfällt und derselbe schließlich daran
zu Grunde geht“, sowie die Vermutung, daß die Planarien auch die
Beschädigung der Kiemendeckel verursachten und im Sekret ihrer
Schlunddrüsen ein Mittel zur Auflösung der Chitinsubstanz besäßen,
sind irrig.
10. brachte die von Agassız für die vermeintlichen Plan.
angulata-Larven angegebene Segmentierung in Verbindung mit der
Nemertinen-Segmentierung und führt die Entwicklungsart dieser
Planaria angulata-Larven unter Dendrocoelenentwicklung als unvoll-
kommene Metamorphose und Mittelform zwischen der direkten und
indirekten Entwicklung an.
11. beobachtete unter den Cocons der Limulus bewohnenden
Tricladen verschiedene Formen und weißt darauf hin, das diese ver-
schiedenen Arten angehören dürften.
12. Unwesentliche und z. T. unzutreffende Angaben über Bdell.
candida; ef. 13.
13. „In the January number of this jourmal by a
curious! comeidence, Dr. Gissler contributed a note covering
in part the same ground as only by myself, which appeared in
the same issue. I desire to make a correction in regard to the
supposed air-tubes alluded to by the forıner as occurring at the
tips of the egg-capsules. These are in fact nothing more than
killed distorted protozoa of the genus Zpistylis or Zoothamnium,
clusters of which I have frequently observed in the living condition
on the ends of the egg-capsules in fresh material present almost
precisely the appearence represented in Fig. 2b, c, of Gissler’s
note. There are present or absent according as opportunity may
have been afforded for the protozoans to attach themselves, the
oldest capsules and those from which the embryos had escaped,
der marinen Tricladen, 103
being the ones to which the Vorticellinae had most often
affixed themselves. At the time my note was written I did not
think it worth while to mention the occurrence of the protozoa
which are very common, the stalked form especially. So
numerous are these, im places, that estimate their occurrence
at one hundred inch of horizontal surface, we find the
population of a square rod to be nearly four millions (more
exactly 3,896,800). From what I have seen in the Chesapeake,
this estimate, in many localities, would be very low, from which
it may be inferred that the importance of the part played by
the protozoa in the economy of th» world of life is, like that of
the earth worm, not yet appreciated at its right value.“
14. zieht in der Polycladenmonographie aus der (nicht zu-
treffenden) Angabe Ryders (223, p. 48—51), daß bei der auf
Limulus „schmarotzenden‘ Planarie die hinteren Darmäste getrennt,
beim erwachsenen Tiere aber vereinigt seien, den Schluß, daß die hinteren
Darmäste der Tricladen als Erbstücke vom Gastrovascularapparat der
Polycladen zu betrachten seien.
15. referiert über das von den auf Limulus „schmarotzenden‘“
Planarien Bekannte; identifiziert Bdelloura parasitica Leidy mit
Planaria Limuli v. Graif, indessen nicht mit Bdell. candida Girard.
15 a. beschreibt das rhabditenfreie Epithel von Plan. Limuli Graff.
16. „En effet: l’observation de Ryder, d’apres laquelle
un Triclade parasite de Limulus polyphemus aurait un intestin
trielade & l’etat jeune, tandis qu’a l’etat adulte, l’intestin serait
rhabdocoele, est certainement le resultat d’une erreur. Son anımal
a l’intestin droit est un Alloiocoele est n’est nullement la forme
adulte du jeune Triclade, qu’il a observe.“
17. Zusammenstellung des von Bd. candıda Bekannten. Plan.
Limuli v. Grafi wird als „Bd. limuli Grd.“ angeführt, und bezüglich
Graffs Beschreibung derselben bemerkt Girard:
„Ce n’est pas, en effet, vers Dendrocoelum lacteum qu'il faut
regarder pour trouver des affinites generiques avec Planaria
Iimuli, car, ainsi que nous l’avons vu ci-dessus le genre Dendro-
coelum ne possede pas de ventouse caudale. Par ce dernier trait
on a deja reconnu le genre Bdelloura, lequel, a son tour, ne possede
pas l’intestin dendritique. Les vraies affinites de Planaria limulı
repondent & celles de Bdelloura candida, aussi n’avons pas hösite
a Ja placer dans le möme genre, les deux especes etant tr&s voisines.
La ponte s’effeetue de la möme facon que chez l’esp&ce americaine,
mais les capsules, ou cocons, comme Graff les appelle, contiennent
un nombre beaucoup plus considerable d’embryons, allant parfois
jusqu’a neuf dans le möme cocon.
De ce qui preeede, il resulte le fait interessant d’un planarie
attache au corps des Limules de la mer du Nord, analogue a ceux
que l’on trouve sur les Limules de l’ocean Atlantique.“ (!!!)
104 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
Girards Auffassung und Darstellung der Angaben Graffs
sind nicht ganz richtig. Seine irrige Annahme der Nordsee-Limuliden
hat Verrill (23.) bereits kritisiert.
18. beschreibt Bdelloura candida Gir., (synon. Bd. parasıtica
Leidy und Planaria limuli Graff) und gibt als Fundort an:
„Cape Hatteras, N.C., to Casco Bay, Maine. Very common
on the gills and gill-plates and other part of the „horse-shoe
crab“ Limulus polyphemus.“
Coconablage in den Sommermonaten bis Oktober.
Bd. candida wird auch von Verrill als Zimulus-Parasit be-
zeichnet, ohne daß ein wirklicher Beleg für den Parasitismus erbracht
wird.
Da Verrill vermutlich alle vier auf Zimulus lebenden Bdellouriden
als Bdell. candida aufgeführt hat, verlieren sowohl seine Angaben über
Anatomie und Biologie, sowie über die Coconablage ihren Wert, worauf
ich schon hinwies.
19.—20. bespricht die Angaben der Autoren (2.) und (4.) und
bemerkt dazu:
„Ceux caracteres correspondent assez bien & ceux qui ont
ete donnes par Graffetpar Ryder pour les Planaires parasites
de Limulus polyphemus L.“
Nach Anführung v. Graffs und Ryders Angaben (9. und 11.)
kommt Hallez zu dem Schlusse, betreffend:
a) erste Rydersche Art:
„SiRyder !’a decrit comme depourvue d’yeux, cela tisnt
vraisemblablementune erreurqu’il a commise en prenant l’extr&mite
terminee en pointe pour la partie caudale et en considerant la
ventouse caudale comme region cephalique. ..... . En rectifiant
cette erreur, les descriptions de Graff et Ryder se corre-
spondet. ..... je crois que cette espece de Ryder peut ötre
identifiee A Planaria Limuli.“
b) zweite Rydersche Art, die durch sekundäre Verschmelzung
der hinteren Darmäste ausgezeichnet sein soll.
„On voit combien sont insuffisants ces renseignements, qui
sont compliques d’une erreur d’observation en ce qui concerne la
reunion chez l’adulte des branches posterieures, distinets dans
l’embryon.“
ce) dritte Rydersche Art:
„Il resulte de cette analyse de la note de Ryder, que cet
auteur a eu entre les mains la möme espece qui a ete etudiee par
Graff, et qwil a en outre observe une espece d’Alloiocoele,
peut-ötre identique & celle de Gissler dont je vais un mot,
qu'il a prise pour une Bdellura adulte.“
Zu Gisslers Angaben (12) bemerkt Hallez:
„Gissler a aussi observe un ectoparasite de Limulus
polyphemus, parasite, que A. 8. Packard a identifie avec
der marinen Tricladen. 105
Bdellura candıda Girard. StimpsonetDiesin g considerent,
avec un point de doute toutefois, cette derniere espece comme
une synonymie de Bd. parasitica Leidy. Les renseignements
fournis par Gisslersur l’organisation du parasite qu’il a observe
sont bien peu preeis. Il decrit le pharynx comme »a large round
muscular bag occasionally protruded from a little behind the
middle of the ventral surface.« Au sujet de l’intestin il se borne &
dire qu’il est pourvu de 10 & 11 sacs lateraux et le dessin qu’il
donne indique un Alloiocoele. D’ailleurs il ne parle pas du disque
fixateur caracteristique des Bdellura. En outre la description,
q’uil donne des cocons, differe beaucoup de celle qu’on a vue
plus haut pour les cocons des Triclades parasites des Limules.
En resume le parasite cite par Gissler n’est pas un Bdellura,
mais un Alloiocoele.
On voit que la question des parasites de la Limule est assez
embrouillee, qu’elle est loin d’ötre resolue. Mais ce qu’il importe
de retenir ici, c’est que, parmi ces parasites, il existe un Triclade,
caracterise par la presence d’appareil caudal de fixation. Graff
a nomme ce parasite Planaria Limuli. Il me semble que cette
espece doit rentre dans le genre Bdellura.
Deux especes suffisantes caracterisees me paraissent devoir
prendre place dans ce genre, ce sont:
1. Bdellura Limuli Graff.
Syn. Planaria Limuli Graff 1879.
Grande esp&ce de Ryder 1882.
Bdellura Limuli Hallez 1982.
2. Bdellura parasitica Leidy 1851.“
Diese Angaben Hallez’ bedeuten einen Fortschritt in der
Klärung der Frage nach dem Limulus bewohnenden Bdellouriden
1. durch den Hinweis auf die (später bestätigte) Identität von
Bd. candida und Pl. limuli; 2. durch die Klarlegung des groben Irrtums
Ryders, der eine falsch orientierte Bdellouride als augenlos
bezeichnete.
21. „... Testicular sacs small, about 60—100 in number on either
side of the body, lying lateral to the gut divertieula; brain relati-
vely small, not contained in fibrous capsule: Length when fully
grown, 15 mm. Egg-capsule elliptical‘ length 2,5—4 mm. —
B. candida Girard (B. parasitica Leidy; Planaria Limuli v. Graff).“
Bezüglich der Unterscheidung der drei Zimulus - Parasiten
Wheelers siehe unter Syncoelidium pellucidum.
„B. candıida, B. propinqua and S. pellucidum all deposit their
egg-capsules on the gill-lamellae of their host, Zimulus. The
first species seems to show no preference for particular region of
the gill-leaf, but scatters its egg-capsules over the whole surface.“
(p. 185).
„For a description of the egg-capsule of B. candıda 1 would
106 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
refer the reader to the papers of Leidy,v. Graflf,Ryder
and Gissler.“
„B. candida oviposits during May and early June, when the
Limuli return from the deep water to the sandy beacher to breed.“
(p. 186).
Fundort: Woods Hole (Mass.).
22. Referat über 21.
23. „In my former artiele I have shown that Planaria Limuli
Graff is identical with this species. Altough living on Limulus
in the Frankfurt agnarium, the Zimulus was doubtless the American
species, and not a native of the North-Sea, as Dr. Girard
supposed. This species is a genuine parasite, as 1 have previously
explained, and not a mere commensal, as Dr. Girard states. The
Badelloura rustica Leidy is probably only the young of this species.“
(ef. Anmerkung zu 17).
24. Über einige Regenerationsversuche an Bd. candida.
25. Über die auf Zimulus polyphemus „ektoparasitisch“ lebende
Bd. parasitica Leidy nach Angaben der Autoren.
26. untersuchte das v. Graff’sche (9.) Material. Beschreibung
des lebenden Tieres nach v. Graff (9. und 10.). Die Länge der kon-
servierten Tiere wird auf 3,3—9 mm, die Breite auf 2--4,5 mm an-
gegeben. Bezüglich des (’ocons sagt Böhmig:
„Nach v. Graff ist die dem Kiemenblatte zugewandte
Seite abgeflacht, an den in Alkohol aufbewahrten Eikapseln sind
dagegen beide Flächen konvex; ihre Größe blieb auch hinter den
oben angeführten, v. Graffs Mitteilung entnommenen Angaben
zurück, sie betrug 1,3—2,1 mm in der Länge und ®/,—1,3 mm in
der Breite.
Der Cocondurchmesser ist nicht proportional der Zahl der
vorhandenen Embryonen und überdies scheint mir eine Aus-
dehnung der Kapseln mit der Entwicklung der Embryonen Hand
in Hand zu gehen.“ |
Die anatomisch-histologische Beschreibung Böhmigs, speziell
seine Angaben über das Nervensystem, machen es nicht unwahr-
scheinlich, daß ihm Bd. wheeleri und nicht Bd. candıda vorlag.
27. weist darauf hin, daß Pl. angulata Müll. eine Nemertine ist,
und daß die von Agassiz (6.) beschriebenen und gleichbenannten
Larven jedenfalls zu den Bdellouriden gehören; zum Vergleich werden
eine Anzahl Mikrophotographien von Bdelloura candıida (aus dem
Aquarium zu Frankfurt a. M.) gegeben.
28. stellt einige Beobachtungen über das Verhalten von Bd. candıda
zum Licht an.
2. Bdelloura wheeleri Wilhelmi 1909. cf. Monographie.
3. Bdelloura propinqua Wheeler 1894.
1. Bdelloura propingua n.sp. Wheeler 1894 (259, p. 176, 180, 181,
185—189).
der marinen Trieladen. 107
1. Bdelloura propingua n.sp. Whitman 1894 (260, p. 544—545).
Verrill 1895 (254, p. 232—234).
v. Graff 1903 (116, p. 37, 41, 51).
2. © ki Böhmig 1906 (28, p. 206, 204).
l. unterscheidet drei Zimulus-Parasiten.
„Another species, which I propose to call Bdelloura propinqua,
is about 8 mm long, being about half as large as the fullgrown
B. candida.““ (p. 169).
Betreffend die Verschmelzung der beiden hinteren Darmäste:
„In B. propinqua 1 have seen no trace of it.“ (p. 176).
„In B. propinqua the brain with its ganglion covering is
separated from the surrounding tissue by a layer of pecular fibrous
tissue. In specimens mounted in toto, this layer appears as a pale
halo surrounding the brain and considerably increasing in its
appearent size.“
»» . . In B. propingqua the testicular sacs are of about the
same relative size as ın B. candida, but nearly twice as numerous;
in one specimen I counted 170 on one side of the body, and this
is probably below rather than above the average number for this
species. Here, too, the sacs extend in between the gut diverticula
as compact rows, especially in the anterior ramus.““
ser. B. candıda, B. propinqua and $. pellucidum all
deposit their egg-capsules on gill-Jamellae of their host, Limulus .
B. propinqua selects the basal, or proximal region of the leaf. ... .
„What I take to be the egg-capsule of B. propinqua, is con-
siderably smaller than that of the Bdelloura candıda, measuring
only 1,25 mm. It appears to contain only one ovum, instead of
2—7 as in B. candida, but in this point I cannot be positive. I am
unable to identify this form of capsule with any of those described
by Ryder.“ (p. 186).
„B. candıda oviposits during May and early June, when
the Limuli return from the deep water to the sandy beaches to
breed .... B. propinqua appears to breed at the same time
as Syncoelidium.““
Speziesbeschreibung:
„Testieular sacs small, about 170 in number, Iying on either
side of the body, cut extending inward a considerable distance
between the gut-diverticula, especially in the anterior region of
the body, brain enclosed in a fibrous capsule. Length when fully
grown, about 8 mm. Egg-capsule elliptical, length 1,25 mm.“
Es ist Wheelers Verdienst, diese Art, die seit fast einem
halben Jahrhundert unerkannt blieb und als Bd. candida galt, als selb-
ständige Art erkannt und genügend charakterisiert zu haben. Unzu-
treffend ist Wheelers Angabe, daß das Epithel desselben rhabditen-
frei sei; auch die von mir festgestellte Hodenzahl deckt sich nicht
mit der von Wheeler angegebenen.
108 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
2. bemerkt betreffend die Unterscheidung der Species des Genus
Baelloura:
„Die Speciesfrage bereitet uns in diesem Genus Schwierig-
keiten, da keine der aufgestellten Arten genau studiert wurde;
dem Baue der Kopulationsorgane schenkte man insonderheit zu
wenig Aufmerksamkeit. Wheeler unterscheidet auf Grund
seiner Untersuchungen, die gerade hinsichtlich des letzterwähnten
Punktes wenig präcis sind, zwei Arten: Bd. candida (Girard) und
Bid. propingua Wheeler... .“
Dieser Vorwurf Böhmigs gegen Wheeler ist unberechtigt,
da ich feststellen konnte, daß entsprechend Wheelers Angaben der
Kopulationsapparat dieser Art dem von Bd. candida tatsächlich
durchaus ähnlich ist.
2. Genus. Syncoelidium Wheeler 1894.
Historisches: Wheeler 1894 (259, p. 169, 189) unter-
scheidet unter den auf ZLimulus lebenden Bdellouriden drei Arten.
„A third species, still smaller (only 2—3 mm long and 3—4 mm
broad when fullyexpanded), diifers considerably from the species of
Bdelloura, so that I have concluded to erect a new genus for its
accomodation — the genus Syncoelidium (from ovv, together,
and xorAıdıov, a little intestine in allusion to the confluence of
the posterior gut-rami).““
„Small species, with the posterior rami of the gut uniting
soon after catching and forming an unpaired stem; both ends
of the body alike, tapering when the animal is fully extended.
Ducts of the posterior inner surfaces of the uteri. Penis keyshaped.“
1. Syncoelidium pellueidum Wheeler 1894.
l. Syncoelidium pellucidum n. sp. Wheeler 1894 (259, p. 167—194;
Taf. 8).
” Y Whitman 189 (260, p. 444
— 445).
» s Verrill 1895 (254, p. 532—534).
h i v. Gra££1903 (116, p. 37, 41,51).
2 Böhmig 1906 (28, p. 206).
l. „The Trielad which I propose to deseribe in the following
pages, was found in the gill-books of Limulus polyphemus. My
material was collected and in part studied at the Marine Bio-
logical Laboratory at Wood’s Holl, Mass., during August 1902.“
Anführung der bestehenden Bdellouriden-Litteratur, von der nur
Hallez’ Angaben (124, 127, 128) unberücksichtigt bleiben.
„lt ismy opinion that there are at last three distinet species
of Trielads to be found on Zimulus. All the deseriptions to which
I have alluded are, I believe, referable to the commonst and
der marinen Tricladen. 109
largest of there species and {or it I shall retain the name Bdelloura
candida, following the example of Verrill. Another species
which I propose to call Bdelloura propingqua, is about 8 mm long,
being about half as large as the full-grown B. candıda.“ (ci. Genus-
beschreibung). ‚When not otherwise staded the description of
the following paper applies to this last species, to which I give the
specific name pellucidum. . . . . r
„The appearence of 8. pellueidum, when resting fully extended
on a dark background, is reproducted in Fig. 2 under low magnıi-
fication. In the middle the sides of the body are parallel, but
towards either end they converge uniformly. The intestine shows
through the pellueid body-wall as a flesh-colored mass. Anteriorly
the brain is easily seen as a pair of transparent swellings, which
form haloes around the two black eyes. Other structures which
may be seen with a low power are the pharynx pairs and the two
rosette-like uteri.
Like the species of Bdelloura, S. pellucidum is very active in
its movements, creeping with a steady, rapid motion over smooth
surfaces, or swimming at the surface of the water after the manner
of the fresh-water Trieclads and Pulmonate Mollusca. Rapid
moverments appear to be very common in the marine Triclads.“....
„Syneoelidium occurs only between the leaves of the gilbooks
of the Zimulus, never migrating to the bases of the cephalothoracic
legs like the young and sexually immature Bdellourae.“
1 » » Synecoelidium prefers a small area near the edge and
just lateral to a small marginal callosity which forms a brown line
with the callosities. of the adjacent leaves when the gill-book is
closed.
The egg-capsule of Syncoelidium (Fig. 5) is about. 75 mm long
of an oblong shape and somewhat compressed. It is attached
by a slender pedicel .5 mm in length, m such a way that one of
the flattened sides of the capsule is applied to the surface of the
sill-leaf. Usually the capsules are arranged with their long axes
parallel to one another in a little cluster near the marginal callosity.
The chitinous wall of the capsule is thin and transparent, but
grows thicker towards the poles. Through it the two opaque white
eggs or larvae may be distinetly seen. I have never found more
than two eggs in a capsule.“
„Syncoelidium oviposits in the latter part of July and the
early part of August, when the gills are deserted by the half-
grown young of B. candida for the basal joints oi the cephalo-
thoracie appendages. As the Limuli have laid their eggs and begin
to return to deep water by the first days of July, it is necessary
in order to study Syneoelidium and its habits, to collect a number
of the crabs early in the season and to contine them in a large
fish-box or similar receptacle.“
Die kurz gefaßte Speziesbeschreibung, die Wheelerzum Schluß
gibt, lautet:
110 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
„Testicular sacs very large, the average number being 14 on
either side of the body; lying between the simple gut-divertieula;
brain relatively large, not enclosed in a fibrous capsule. Length
3 mm. Egg-capsule oblong, length .75 mm.“
5. Familie: Mieropharyngidae Böhmig 1906.
Mit der Diagnose der Gattung:
l. Genus: Mieropharynx Jägerskiöld 1896.
Historisches:Da Jägerskiöld 1896 (138, p. 707—714)
keine Gattungsdiagnose aufgestellt hat, formuliert Böhmig 1906
(28, p. 200) dieselbe nach Jägerskıölds Beschreibung von Meier.
parasitica. Böhmig stellt das Genus Micropharynz in der Unter-
familie Micropharynginae Böhmig zur Familie Procerodidae:
„Körper blattförmig. Augen und Tentakel fehlen. Keimstöcke
dicht hinter dem Gehirn. Penis kegelförmig horizontal gestellt.
Uterus klein, etwas nach vorn geneigt.“
Micropharynx parasitica Jägerskiöld 1896.
1. Auf Raja batis schmarotzender Olsson 1868 (216, p. 430—481).
Plattwurm
2. Microbothrium (?) fragile n. sp.) Olsson 1869 (217, p. 4—5).
3. Micropharyna parasitica n.sp. Jägerskiöld 1896 (138, p. 70)
— 114; 8 Fig.).
v. Graff 1903 (116, p. 37, 43
—44, 52).
Böhmig 1906 (28, p. 200—201).
1. Etwa dasselbe (in Schwedisch) wie (2.).
2. „Microbothrium (?) fragile n. sp. Ovale, album, parum
translucidum, molle fragile. Bothrium nullum vidi. Longit. ad
8 mm.
Conf. commentat. modo eitat. p. 481.
Habit. supra dorsum Rajae batıdis: in Storeggen extra oram
occidentalem Norvegiae semel, in Skagerrack occidentali quinquies
hune parasitum mense Augusto oifendi et ultra 70 specimina
collegi.
Animal ulterius inquirendum et vivum subsidio mieroscopii
et cultelli examinandum; in navi piscatoria lente simpliei tantum
uti potui, nee ullo modo vitam animalis servare, donec terram
firmam intrabam. Interim quamquam bothrium reperire non
potui; hanc speciem in genere Microbothrium posui, quum vietu
cum praecedente congruat et locus albedine distinetus in extre-
mitate altera viventis sub lent ecernatur. Ha cextremitate, quae
ut in specie praecedente magis erat acuta et caput piscis spectabat,
tam arete affixium erat animal, ut difficile avelleretur. Ibidem vas
der marinen Trieladen. 171
transkueidum medianum per dimidium fere corpus duetum. In
partibus lateralibus adultorum lineae numerosae obliquae demum
(in mortuis situ naturali servatis muco oblitis) roseae, verisimiliter
series glandularum vitelligenarum. Animal magis grassum et
fragile in spiritu contrahitur, convolvitur, saepius rumpitur. . . “
Wahrscheinlich handelt es sich hier um M. parasitica; ci. 3.
3. „Mein Freund und Kollege Dr. L. Johansson,
der in Bohuslän an Bord der Fischerfahrzeuge häufig nach der
tiefen Rinne des Kattegats mitgefahren ist, um parasitische Egel
einzusammeln, hat dort zu wiederholten Malen auf dem Rücken
von Raja clavata und Raja batis einen Plattwurm gefunden, den
wir anfänglich für das von Olsson als eine Trematode be-
schriebene Miecrobothrium fragile hielten. Nachher bin ich durch
die Gefälligkeit des Einsammlers in der Lage gewesen, den
betreffenden Wurm zu untersuchen, und habe feststellen können,
daß es sich um eine typische triclade Turbellarie handelt. Eine
Prüfung der Verhältnisse dieses Wurmes zu der Olsson schen
Art habe ich dagegen nicht vornehmen können, weil die im Museum
zu Lund aufbewahrten Typusexemplare sich bisher nicht wieder-
finden ließen. Ich habe deshalb die Veröffentlichung dieser Mit-
teilung um so weniger aufschieben wollen, als die einzige Folge
der etwaigen Identität der von Ols son beschriebenen Trematode
und der von mir beschriebenen Turbellarie die wäre, daß man den
Artnamen der letzteren ändern müßte, was wohl keine größere
Verwirrung in der Synonymik herbeiführen würde.
Zu meiner Verfügung hat ein recht reichliches Material ge-
standen, das teils im September diesen Jahres, teils in demselben
Monat 1892 eingesammelt wurde. Bei allen von mir untersuchten
Exemplaren waren jedoch nur die männlichen Geschlechtsorgane
völlig reif. Bei einigen waren indeß auch die weiblichen soweit
entwickelt, daß ihr Bauplan wenigstens in ihren Hauptzügen
festgestellt werden konnte.“
Seetrieladen-Literatur. !)
l. Agassiz, A. On the Young Stages of a few Annelids. In: Ann.
Lyc. N. H. New York, Vol. 8 1866 p. 306—309, T.1, F.1, 2.
2. [Audouin, V.] n Jules-Ce&sar Savigny, Description
de ’Egypte. 2de edition. Tome 22. Histoire naturelle Zoologie Paris
1827. Imp. fol. Explication sommaire des Planches p. 247—248, nota.
Vol. 2, Annelides, T. 5, F. 6!-3 und 7—7?.
!) Anmerkung. Arbeiten, deren Autoren hier in eckigen Klammern an-
geführt sind, behandeln nur irrtümlich zu den Seetricladen gestellte Plat-
helminthen.
112 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
5. [Balfour, Fr.]| Handbuch der vergleichenden Entwicklungs-
geschichte. Deutsche Übersetzung von B. Vetter. Jena 1880,
1 Bd. p. 187.
9. Beneden, P. J. van. Recherches sur la faune littorale de Bel-
gique. Turbellaries. In: M&m. Acad. Sc. Belg. Tome 32 1861 p. 42,
56, T. 7, F. 11—13.
10. — Schmarotzer des Thierreiches. In: Intern. wiss. Bibl. 18. Bd.
1876. p. 58.
11. — Compte rendue sommaire de recherches entreprises & la
Station biologique d’Ostende pendant les mois d’ete 1883. In: Bull.
Acad. Belg. Tome 6 1883 p. 467.
12. Bergendal, D. Studien über nordische Turbellarien und Ne-
mertinen. In: Öfv. Vet. Akad. Förh. Stockholm Arg. 47 1890 p. 323
— 326.
13. — Nägra anmärkningar om Sveriges Tri:lader. In: 1. c. Ärg. 49
1892 p. 540—543, 556.
14. — Einiges über den Uterus der Trieladen. In: Leuckart-
Festschrift Leipzig 1892 p. 311, 313, 315—318 T. 32 F. 7, 16.
15. — Zur Parovariumfrage bei den Trieladen. In: Festschrift
Lilljeborg Upsala 1896 p. 287, 292.
16. — Studier öfver Turbellarier. 2. Om byggnaden af Uteriporus
Bedl. Jämte andra bidrag till Triecladernas anatomi. In: Fysiograf.
Sällsk. Lund Handl. (2) Bd. 7 1896 126 pgg. 6 T. (Deutsche Zusammen-
fassung und Tafelerklärung.)
17. — Über drei neue Trieladen aus Punta Arenas und umliegender
Gegend. In: Z. Anz. 22. Bd. 1899 p. 521—523.
19. Blochmann, F. u. H. Bettendorf. Über Muskulatur und Sinnes-
zellen bei Trematoden. In: Biol. Centralbl. 15. Bd. 1895 p. 216, 217 F. 1.
25. Böhmig, L. Über Turbellarien der östlichen Ostsee, welche
während der Holsatia-Fahrt 1887 gedredgt worden sind. In: Comm.
Wiss. Unt. D. Meere Kiel 17—21. Jahrg. 1893 p. 205—206.
27. — Turbellarien: Rhabdocoeliden und Tricladiden. In: Erg.
Hamburg. Magalh. Sammelreise. 6. Liei. No. 1 1902 p. 9—15, 26 T. ]
F. 11—18, T. 2 F. 31, 33, 35.
28. — Trieladenstudien I. Tricladida maricola. In: Zeitschr.
Wiss. Z. 81. Bd. 1906 p. 181—341, 9 Fige., T. 12—19.
29. — Zur Spermiogenese der Triclade Procerodes gerlachei n. sp.
In: Arch. Biol. Tome 23 1907 p. 1—12 1 Taf.
29 a. — Turbellarien. In: Res. Voyage Belgica Z. Anvers 1908
32 pgg. 2 Fgg. 2 Taf.
33. Braun, M. Physikalische und biologische Untersuchungen
im westlichen Teile des finnischen Meerbusens. In: Arch. Naturk.
Liv-, Esth- und Kurlands (2) 10. Bd. Dorpat 1884. Sonderabdruck
p. 92—93, 109, 116, 121—124, 126, 129.
34. — Über die Fauna des finnischen Meerbusens. In: Sitzungsber.
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la cöte Boulonaise. In: Rev. Biol. Nord de la France 1889—1890, 1893.
(Separatabdruck, p. 42—5l, 60—77; cf. 128.)
128. — Idem. 2e Edition augmentee et entierement remaniee.
Lille 1894 (p. 116—133, 188—190, 237).
129. — Regeneration et heteromorphose. In: Rev. Sc. Paris (4)
Vol. 12 1899 p. 506—507.
130. — Note preliminaire sur les Trielades maricoles des mers
antartiques et du cap Horn, recueillis par l’expedition Charcot. In:
Bull. Mus. H. N. Paris Tome 11 1906 p. 395—399.
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Frane. (1903—1905) Charcot. Paris 1907. (Extrait p.3, 4, 14—22
7. L#. 10,11, T.2# 1057. 9: 2-7,.6 8:19, T.7, BE E—12.)
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1897 p. 528, 533, 534 T. 27 F.6.
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In: Z. Jahrb. Abth. Morph. 10. Bd. 1897 p. 160, 163—186 T. 13 F. 3,
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(Eine vorläufige Mitteilung ist 1888 in russischer Sprache erschienen.)
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logie des Nervensystems der Plathelminthen. 4. Das Nervensystem
der Meerestricladen. In: Mitth. Z. St. Neapel 1881 3. Bd. p. 64-74
Ts5-H.1-3, T.6,#.4, 6-19,
172. — Idem 5. Vergleichende Anatomie des Nervensystems
der Plathelminthen. 1881. ibid. p. 76—95.
173. — Der Bau von @unda segmentata und die Verwandtschaft der
Plathelminthen mit den Coelenteraten und Hirudineen. Ibid. [p. 187
— 214, 229—232, 237—240, T.12 F.1, 4, 6, 9—13 T.13 F. 1426,
34, 35 T. 14 F. 39, 45—48, 53, 55—57, 59—61).
174. — Sur l’anatomie comparee des organs exereteurs des vers.
In: Arch. Se. Phys. Nat. Geneve (3) Tome 12 1884 p. 432.
175. — Die Polyeladen des Golis von Neapel und der angrenzenden
Meeresabschnitte. In: F. u. Fl. Goli Neapel 11. Monogr. 1884.
176. — Beiträge zu einer Trophocoeltheorie. Betrachtungen und
Suggestionen über die phylogenetische Ableitung der Blut- und Lymph-
behälter, insbesondere der Artieulaten. Mit einem emleitenden Ab-
schnitt über die Abstammung der Anneliden. In: Jena Zeitschr.
Naturw. 38. Bd. 1903—1904 p. 1—376 4 F. T. 1—6.
180. Eeidy, 3. Helminthological Contributions No.3. In: Proe.
Acad. N. Sc. Philadelphia Vol. 5 (1850) 1851 p. 242—243.
181. — Correetions and additions to former papers on Helmin-
thology published in the Proceedings of the Academy. Ibid. p. 289.
182. — Contributions towards a knowledge of the Marine Inverte-
brate Fauna of the coast of Rhode-Island and New Yersey. In: Journ.
Acad. N. Sc. Philadelphia (2) Vol. 3 1855 p. 143.
183. Lenz, E. Die wirbellosen Thiere der Travemünder Bucht.
Theil 1. In: Jahresber. Comm. Unters. D. Meere, Kiel. Anhang zu den
Jahrg. 1874—1876; Anhang 1 zu 1874—75. Jahrg. 1878 p. 9.
184. — Idem. Teil 2. ibid. 7.—11. Jahrg. 1882 p. 177, 188.
185. [Leuckart, F. 8] in Rüppell, E. Atlas zur Reise im
nördlichen Afrika. Neue wirbellose Thiere des Rothen Meeres.
Bearbeitet von Dr. E. Rüppell und Dr. $S. Leuckart. Frank-
furt a. Main 1828 p. 11—15 T. 3.
der marinen Tricladen. 117
186. — Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen in der
Naturgeschichte der niederen Thiere während der Jahre 18701871.
In: Arch. Naturg. 37. Jahrg. 2. Bd. Berlin 1871 (1872).
191. Mereschkowsky, €. Über einige Turbellarien des Weißen
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Arb. St. Petersb. Ges. Naturf. 9. Bd. 1878.
192. Metealf, M. M. The Exceretory Organs of Opalina. Part 2. In:
Arch. Protistenk. Jena 10. Bd. 1907 p. 372—373.
201. Möbius, K. Die wirbellosen Thiere der Ostsee. In: Jahresber.
Comm. Unters. D. Meere, Kiel 1. Jahrg. 1873 p. 104.
210. [Müller, © F.] Vermium terrestrium et Iluviatilium seu
animalium infusoriorum, helminthicorum et testaceorum, non mari-
norum suceincta historia. 1. Bd. 2. Theil Havniae et Lipsiae
1773 p. 58.
211. [—] Zoologiae danicae prodromus, seu Animalium Daniae
et Norvegiae indigenorum characteres, nomina et synonyma inprimis
popularium, Havniae 1776 p. 221, 222, No. 2680 u. 2691.
2 imalium Daniae et Norvegiae
variorum ac minus notorum descriptiones et historia 1791. '[ef. 211].
213. ®ersted, A. S. Forsog til en ny Olassitication af Planarierne
(Planariea Duge&s) grundet paa mikroskopisk-anatomiske Under-
sögelser. In: Naturhist. Tidskr. Kjöbenhavn 4. Bd. 1843 p. 551, 554.
214. — Entwurf einer systematischen Eintheilung und speziellen
Beschreibung der Plattwürmer, auf mikroskopische Untersuchung
Be et Kopenhagen 1844 p733,54, VAT. ET.5
— De regionibus marinis. Blementa topographiae historico-
en freti Öresund. Diss. Inaug. Havniae 1844 p. 68, 69, 83 nota.
216. @lsson, P. Berättelse om en zoologisk resa till Bohuslän och
Skagerrack sommaren 1868. In: Öfvers. Vet. Akad. Förh. Stockholm
1868 N. 10 p. 480—481.
217. — Nova genera parasitantia Copepodorum et Plathelmium.
In: Lunds Univ. Ärsskr. 4. Bd. (1869) p. 4 u. 5.
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225. Sabussow, 3. P. Vorläufiger Bericht über die Turbellarien
der Insel von Solowetzk. In: Beilage No. 167 zu den Prot. Naturf.
Ges. Kasan 1897 p. 8—15 (Russisch).
226. — Trieladenstudien. 1. Über den Körperbau von Cereyra
papillosa Uljan. In: Beilage Nr. 179 zu den Prot. Naturf. Ges. Kasan
30. Jahrg. 1899 p. 1—15 (Russisch mit deutschem Auszug).
227. — Beobachtungen über die Turbellarien der Insel von
Solowetzk. In: Arb. Nat. Ges. Kasan 34. Bd. 1900 p. 49—52, 119—155,
191—198 T. 3. [Russisch mit dentscher Zusammenfassung].
118 Dr. J. Wilhelmi: Citate zur Systematik
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franche s. m. In: Z. Anz. 28. Bd. 1904—05 p. 489.
232. Sehmidt, Oscar. Untersuchungen über Turbellarien von
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Zeitschr. wiss. Z. 11. Bd. 1861—62 p. 14—18 T. 2 F. 9, 10 T.3 F. 1—7.
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271. — Seetricladen von Plymouth. Ibid. p. 618—620.
272. Woodwarth, M. W. Contributions to the Morphology of
the Turbellaria. On the structure of Phagocata gracihis Leidy. In:
Bull. Mus. Harvard Coll. Vol. 21 1891 p. 19—20.
».ı 274. Wilhelmi, J. Trieladen des Golfes von Neapel und der an-
grenzenden Meeresabschnitte. In: F. Fl. Golf Neapel 32. Monogr. 1909.
Die Maskenbienen der aethiopischen Region
(Prosopis, Hyın.).
Von
Dr. H. Friese, Schwerin i/M.
Die Maskenbienen haben ihren Namen von den eigentümlichen
elfenbeinweißen oder gelben Gesichtsflecken die beim Männchen
meist das ganze Gesicht einnehmen, während beim Weibchen nur das
Nebengesicht (interoculare) jederseits mehr oder weniger umfangreich
hell gefärbt erscheint; selten fehlt die helle Gesichtsfarbe ganz.
In zahlreichen Arten bevölkern sie fast die ganze Erde und überall
unter der heißen Tropensonne wie im kalten Sibirien, in den trockenen
Steppen wie im feuchten Hochgebirge (bis zu 2000 m in den Alpen),
haben sie sich kaum generisch vom Grundtypus entfernt und gewissen-
haft ihren schlanken, wohlgerundeten und ganz kahlen, unbehaarten
Körper beibehalten.
: Das Maximum ihres Gedeihens düriten sie in Australien erreichen,
wo die Zahl der Arten wie Individuen fast die aller übrigen Bienen-
gattungen zusammengenommen übertreffen. In den eigentlichen Tropen-
gebieten sind sie seltener und im tropischen Afrika scheinen sie meist
ganz zu fehlen, wenigstens kenne ich keine Art aus dem östlichen Gebiet
dieses Erdteils.
Nach ihrer Größe gehören sie mit zu den kleinsten Bienen, sie
sind unscheinbar und fallen nur dem Kenner auf, ein Grund, der sie
meist in den Sammlungs-Resultaten unserer Forschungsreisenden
fehlen läßt. Sie wurden auch als ‚‚Urbienen‘‘ bezeichnet, um damit
anzudeuten, daß sie uns die phylogenetisch am tiefsten (einfachsten)
Bienenformen verkörpern, also einen Ausgangspunkt für die überaus
mannigfache Entwicklung der gesamten Bienenwelt liefern.
Hier sollen uns die Arten der äthiopischen Tierzone näher be-
schäftigen, die mit ihrer auffallend geringen Artenzahl zugleich em
Gebiet repräsentieren, in welchem offenbar durch die stark ab-
weichenden (oder sich verändernden) Existenzbedingungen diese Tiere
einen äußerst schweren Kampf ums Dasein zu führen hatten und deshalb
gewisse extreme Formen und Bildungen annehmen, die in anderen
Gebieten vergebens gesucht werden.
Während im südlichen und östlichen Australien alle Prosopis-
Arten ein mehr einheitliches Gepräge trotz der hunderten von Arten
aufweisen (auch die prächtig metallisch blau und grün gefärbten
Arten kommen wohl nur im kleinsten Erdteil vor), zeigt Afrika uns
in seinen südlichen Gebieten die auffallendsten Formen in morpho-
logischer Beziehung.
Die Zahl der sämtlichen beschriebenen Prosopis-Arten dürfte
etwa 500 erreichen (Dalla Torre führt 1896 im Cat. Hym. bereits
Die Maskenbienen der aethiopischen Region (Prosopis, Hym.). 121
259 Arten auf), die Zahl der bekannten Bienenarten der Erde beläuft
sich auf etwa 8000; so daß Prosopis den sechzehnten Teil aller Bienen-
arten liefert, während als artenreichste Bienengattung der Erde
Megachille mit fast 1000 Arten obenan steht. Europa weist etwa
100 Prosopis-Arten auf, das afrikanische Gebiet vorläufig nur 19 Arten,
worunter eine (4-lineata Cam.) noch zu Allodape zu gehören scheint.
In Afrika sind die Prosopis-Arten unschembar gefärbt und kaum
auffallende Tierchen, die meisten schwarz, haarlos, selten mit rot-
gefärbter Abdomenbasis oder mit winzig gelber Zeichnung versehen.
Die Größe dieser Arten schwankt wie im Europa zwischen 3 und
10 mm, bei 1—2!/, mm Breite, während Australien zahlreiche prächtig
blau und grün metallisch leuchtende Arten bis zu 15 mm Länge und
entsprechender Breite aufweisen kann, die zudem noch reichlich mit
gelben Flecken und Binden versehen sind.
Alle Prosopis-Arten der Erde zeichnen sich von den übrigen Bienen
durch den gänzlichen Mangel eines auffallenden Haarkleides aus und
werden deshalb von Nichtkennern auch kaum als ‚Bienen‘, sondern
als Grabwespen oder kurzweg als Wespen angesehen, während die
Beine wie die Kopfbildung sie zweifellos als Apidae erkennen lassen,
bei denen sie die unterste Stufe unter allen Blumenwespen einnehmen.
Die Gattung Prosopis ist eine ausgeprägte Hochsommerform,
sie erscheint n Deutschland im Juni und verschwindet mit Ende August,
sie ist keine ausgeprägte Blumenbiene, sie besucht ohne Auswahl
die meisten Umbelliferen, fliegt gerne an Reseda-Arten und sucht die
Blüten gewisser Campanula-, Geranium- und Salvia-Arten auch zum
Schutze gegen die Unbilden der Witterung und zur Nachtzeit auf.
Ich gehe hier absichtlich etwas näher auf die europäischen
Verhältnisse ein, um Anhaltspunkte für die Erforschung der Lebens-
weise unserer afrikanischen Prosopis-Arten zu gewinnen und damit
das biologische Moment auch für die Forscher in Afrika in den Vorder-
grund zu bringen.
Die Nistplätze.der Prosopis-Arten dürften sich wie in Europa
auch in Afrika in Hausbalken, Pfosten, alten Baumstämmen mit Käfer-
löchern, in Lehmmauern und besonders in dürren Brombeerzweigen
(Rubus) finden lassen. Die Notizen meiner Sammler geben vorläufig
nur Verandabalken und alte Aloe-Blütenstengel für Afrika an (Trans-
vaal, Delagoa). Die bisher gefundenen Nester von Prosopis-Arten
in Europa waren in dürren Rubus-Ranken angelegt und wurden von
Smith, Schenck, Giraud und Herm. Müller mehr
oder weniger genau bekannt gemacht, aber erst Verhoeff, gab
18921) detaillierte und auf wissenschaftlicher Höhe stehende Dar-
stellungen des Nestbaus von Prosopis brevicornis, er sagt:
„Zu wiederholten Malen habe ich die Bauten von Prosopis brevi-
cornis studiert und mehrere liegen mir jetzt vor. Daß die gelatin-
artigen, durchsichtigen Hüllen, in welchen man während des Winters
die erwachsenen Larven vorfindet, nicht von diesen, sondern von den
1) In: Zoolog. Jahrb. Syst. 1892 v. VI p. 733 u. 745.
122 Dr. H. Friese: Die Maskenbienen
Bienen -Müttern hergestellt werden, habe ich wiederholt beobachtet.
Ich fand ein Q in einem Schachte, in welchem noch keine Zelle angelegt
war, am Ende aber hatte dasselbe die Wand mit dem hyalinen Zylinder
überkleistert. Hier und da war auch eine Stelle des Lauiganges von
eben diesem „seidenen‘‘ Häutchen überzogen. Verschiedene andere
Nester fand ich mit dem daran arbeitenden Weibchen. Mehrere Zellen
waren versorgt. Die letzte Zelle war offen und in dem „seidenen‘“
Zylinder bald mehr, bald weniger Futterbrei eingetragen, chne daß
ein Interesse vorhanden war. Das ist ein genügender Beweis, um
zu zeigen, daß die Seidenzylinder das Werk der
Bienen- Mütter sind.
Der Futterbrei ist bei Pr. brevicornis eine zähflüssige, gelbbraune
Masse aus Blütenstaub und Honig (wohl Nektar), welche erbrochen
wird und in welcher der Honig mehr als bei vielen anderen Bienen
vorwiegt. Flüssig kann man den Sammelbrei aber keineswegs nennen!
— Die Larvenhüllen stimmen nun übrigens nicht allein in der Ver-
fertigung mit denen von Colletes überein, sondern sie haben auch ganz
dasselbe Aussehen und dieselbe Beschaffenheit, mag man sie mit un-
bewaffnetem Auge oder mit der Lupe oder mit dem Mikroskop be-
trachten. Nur die (auch von Friese für Colletes beobachteten)
Fäden (,‚Gespinnst‘‘) sind bei letzterem um weniges zahlreicher. Mit
diesem „Gespinnst‘“ ist es übrigens nicht soweit her. Die Zahl der
wirklichen Fäden, welche jedenfalls durch Absetzen des leclkenden
oder speienden Mundes entstehen, ist nur gering, die meisten sind nur
Kniekungen und Falten im Seidenhäutchen, was man bei mikro-
skopischer Betrachtung, namentlich am Rande der abgeschnittenen
Stücke sehen kann.
Die Identität der Seidenzellen von Colletes und Prosopis ist damit
definitiv erwiesen, d. h. Colletes und Prosopis sind miteinander zunächst
verwandte Seidenbienengattungen. Die so oit erhobene Behauptung,
Colletes stünde unter den Bienen ganz vereinzelt, ist also hinfällig.
Prosopis und Colletes müssen vielmehr als Gattungen einer Familie
zusammengestellt werden, da sie zu allen übrigen Bienen durch ihre
eigenartige Biologie im Gegensatze stehen, selbst aber, auch mor-
phologisch, nahe verwandt sind. Der Name Colletidae wäre in
Vorschlag zu bringen.
Prosopis brevicornis baut stets ein strenges Liniensystem, und ich
fand 2—7 Zellen in einem Neste. Da die Mütter also jede Zelle aus
erbrochenem, glashellem Schleim herstellen, ist ein besonderer Ver-
schluß überflüssig und auch tatsächlich nicht vorhanden. Die Zellen
lagern nicht dicht aneinander, vielmehr sind oft Zwischenräume vor-
handen und diese werden dann, ebenso wie der größte Teil des event.
von Zellen unausgefüllt gebliebenen Ganges mit losgeschabtem Mark-
mulm verstopft. Der Schacht ist häufig sehr geschlängelt und er kann,
wenn ein Hindernis aufstößt, im Zweige einen großen Bogen machen.
In allen diesen Fällen findet doch nicht die geringste Abweichung
vom Liniensystem statt.
der aetliopischen Region (Prosopis, Hym.). 123
Am 3. April 1891 enthielt die hintere Zelle des Nestes noch eine
Larve, die vordere eine Nymphe, welche am Tage vorher noch Larve
war. Erst am 9. Mai wurde auch die hintere Larve zur Nymphe. Die
Exkremente liegen natürlich im Mutterkokon und sind, wie bei Ceratına,
ovale, lose Klümpchen.
Einer merkwürdigen, bei Pr. brevicornis beobachteten Erscheinung
muß ich hier noch gedenken. Ich fand ein im übrigen typisches Nest
dieser Biene mit 6 Zellen. Die beiden hinteren, die ]. und die 3. vordere
waren im Innern mit einem fertigen Mutterkokon ausgestattet, die
2. und 4. Zelle ebenso. Während diese beiden letzteren aber je eine
erwachsene Larve enthielten, waren die 4 übrigen Zellen ohne Insassen.
Die 4 leeren Zellen waren auch deckellos, die beiden Zellen m it Larven
mit einem hyalinen Kreis bedeckelt, woraus sich ergibt, daß die Deckel
der Prosopis-Zellen von den Larven hergestellt werden.
Die Prosopis-Larven verfertigen also einen rudimentären
Kokondeckel, worinsiemitden Pemphrediniden
übereinstimmen. Für die nicht von den Larven, sondern
von den Weibchen hergestellten Kokons der Colletes-Arten führe ich
die Bezeichnung Mutterkokons ein.“
Giraud erzog die Pr. communis aus den Gallen der Cynips
kollari (Ungarn).
Anschließend an diese Untersuchungen von Verhoeff unter-
nahm Hoeppner genauere Untersuchungen, bei verschiedenen
Prosopis-Arten, die im allgemeinen Verhoetffs Befunde bestätigen,
aber in bezug auf die Fabrikanten der Mutterzellen und Seiden-
kokons zu dem Resultat führen, daß die Mutterbienen auch die
Seidenkokons nach dem Eintragen des Futterbreis schließen, nicht
die Larven! — Prosopis verhält sich also nach Höppnergenau
wie Colletes. Er berichtet!) über seine erfolgreichen Unter-
suchungen: ‚„.... Unter den zahlreichen Prosopis-Nestern, welche ich
in den letzten Jahren untersuchte, war eine ganze Anzahl mit Zellen,
in denen sich nur Larvenfutter befand. Die Zahl der Zellen schwankt
zwischen 1 und 20. Die zellenreichsten Nester verfertigt nach meinen
Beobachtungen Prosopis rinki Gorski. Hat das ? eine Zelle hergestellt,
so füllt es dieselbe etwa zwei Fünftel mit Larvenfutter. Dieses besteht
aus einer diekflüssigen, rötlich-braunen Masse aus Pollen und Honig
(= Nektar). Auf diesen Futterbrei legt es ein längliches Ei, welches
mit dem einen Pole in der Mitte aut dem Futterbrei steht. Die so
vollständig mit Futter und einem Ei versorgte Zelle verschließt
das Weibehen mit einem hyalinen Deckel. Oft legt es nun den
Boden der nächsten Zelle dicht an den Deckel der vorhergehenden,
so daß es den Anschein hat, als sei nur eine Querwand vorhanden.
Bei genauer Untersuchung wird man aber immer 2 Häutchen finden.
er liegt zwischen 2 Zellen auch noch ein mit Mulm gefüllter
aum.
!) Hans Höppner — Weitere Beiträge zur Biologie nordwestdeutscher
Hymenopteren, in: Allg. Zeitschrift f. Entomologie, 1902 p. 135.
124 Dr. H. Friese: Die Maskenbienen
So legt das Prosopis-Weibcehen noch eine größere oder geringere
Anzahl Zellen in derselben Weise übereinander an. Die letzte Zelle
liegt auch bei den größten Nestern nicht dieht vor dem Eingange.
Immer befindet sich zwischen der letzten Zelle und dem Eingange
ein längerer oder ein kürzerer leerer Raum. Einige Millimeter von der
Öffnung entfernt verschließt das Weibchen die Neströhre häufig
durch einen hyalinen Deckel. Mit hyalinem Schleim tapeziert es auch
den Teil über dem Deckel aus. Prosopis macht also einen
besonderen Hauptverschluß. Wohl habe ich auch eine
Anzahl Nestanlagen in trockenen Rubus-Stengeln geiunden, bei denen
dieser Hauptverschluß fehlte. Dann handelte es sich aber immer
um nicht vollendete Nester, bei welchen die obere Zelle noch leer
oder nur teilweise mit Larvenfutter gefüllt war.
Nicht immer sind die Nester von Prosopis so vollständig wie das
beschriebene. Zuweilen findet man unter den Zellen eines Nestes
neben den vollständigen auch solche, die nur teilweise mit Futterbrei
gefüllt und nicht durch einen Deckel abgeschlossen sind. Solche
Zellen enthalten weder Ei noch Larve.“
Zaı den Beiunden und Ausführungen von Verhoefi (s. oben),
daß die Larven von Prosopis den Zellenverschluß herstellen und darin
mit den Pemphrediniden übereinstimmen, bemerkt Höppner
folgendes (l. ec. p. 136): „Solche Prosopis-Nester habe ich bei Freissen-
büttel mehrfach gefunden. Mir fiel es auch auf, daß die Zellen mit
teilweisem Futtervorrate, aber ohne Ei oder Larve, keinenDeckel
hatten. Die Annahme, daß der Zelldeckel von der Larve verfertigt
wird, hat ja große Wahrscheinlichkeit. Dem widerspricht aber folgende
Beobachtung: Am 4. Oktober 1900 fand ich bei Freissenbüttel in einem
dürren Rubus-Stengel eine Nestanlage der Prosopis dilatata K. mit
5 Zellen. Die Neströhre ist 57 mm lang. Jede Zelle mißt 7 mm. Zwischen
Zelle 1 und 2, 3 und 4 von unten ist ein größerer, mit Mulm gefüllter
Zwischenraum. Der Raum zwischen der oberen Zelle und dem Eingang
mißt 19 mm. Oben ist die Neströhre durch einen Deckel aus erhärtetem
Schleim geschlossen. Dieser Verschlußdeckel ist bedeutend stärker
als die Deckel der Zellen.
In der unteren Zelle lag eine Larve, welche den Futtervorrat
fast ganz verzehrt hatte. Am 6. Oktober 1900 exkrementierte die Larve
und wurde zur Ruhelarve. Vom Futtervorrate war ein kleiner Rest
übrig geblieben. Die 4 oberen Zellen waren etwa zwei Fünftel mit
Larvenfutter gefüllt. Auf demselben lag am 4. Oktober 1900 in Zelle 2,
3 und 4 je eine kleine Larve in gekriimmter Lage und sog. Die obere
Zelle enthielt noch ein Ei, aus dem am folgenden Tage die Larve kroch.
SämtlichteZellen sind bedeckelt. Hieraus geht hervor,
daß nicht die Prosopis-Larve, sondendasProsopis-Weibchen
den Zelldeckel (auch) verfertigt.
Im Sommer 1902 fand ich bei mehr als 50 im Bau begriffenen
“ Prosopis-Nestern (Pr. kriechbaumeri Foerst., brevicornis Nyl., rinki
Gorski, confusa Nyl., dilatata K.) diesen Satz bestätigt. Alle Zellen
mit vollständigem Futtervorrat und Ei oder Larve waren bedeckelt.“
der aethiopischen Region (Prosopis, Hym.). 125
Weitere sehr eingehende Notizen über das Leben von Prosopis
kriechbaumeri Foerst. verdanken wir Höppner in Kıefeld, er
schreibt!) über seinen Befund:
„Krieehbaumer und Giraud zogen Pr. kriechbaumeri
aus den Gallen von Lipara lucens. Die Gallen dieser Fliege befinden
sich bekanntlich an den Stengeln von Phragmites communis = Schilt-
rohr. Dieses hohe Gras befindet sich in unserem Nordwesten überall
am Rande von Gewässern und erreicht hier eine bedeutende Höhe
(2—3 m). Hier wird es aber meistens gemäht und Lipara-Gallen
habe ich an solchen Stellen vergeblich gesucht. Auf unsern Heiden
kommt es an feuchten, lehmigen Abhängen und in sumpfigen Tälern
stellenweise vor. Hier bleibt Phragmites communis bedeutend kleiner,
auch bildet es keine so dichten Bestände wie an größeren Gewässern.
Es wird hier darum auch nicht gemäht. An einem solch sumpfigen
Heideabhange entdeckte ich im Winter 1901 (Januar) eine Stelle,
die mit dem Schilfrohr ziemlich viel bewachsen war. Die Mehrzahl
der abgestorbenen Pflanzen zeigte Lipara-Gallen.
Ich will hier bemerken, daß es für den Hymenopterologen zwecklos
ist, irische Lipara-Gallen zu sammeln. Man wird vergeblich darin
nach Hymenopterenwohnungen suchen. Nur die alten Gallen werden
als Nistplätze von Hymenopteren benutzt. Man erkennt diese Gallen
äußerlich schon leicht daran, daß die Spitze der Galle pinseliörmig
zerfetzt ist. Solche Gallen habe ich in den meisten Fällen von Hy-
menopteren bewohnt gefunden. Andere Gallen zeigen im oberen Teile
an der einen Seite eine kleine, runde Öffnung. Es ist dies meistens der
Eingang zu einem Hymenopterenneste und auch hieran kann man
bewohnte Gallen leicht erkennen.
Der häufigste Bewohner der Lipara-Gallen ist bei uns Prosopis
kriechbaumeri, zugleich aber auch die einzige Maskenbiene, welche darin
baut. Unter etwa 300 bewohnten Zipara-Gallen, welche ich untersuchte,
befanden sich etwa 250 mit Nestanlagen von Psoropis kriechbaumeri.
Ich hofite erst eine größere Anzahl Prosopis-Arten daraus zu ziehen,
denn die Nestanlagen zeigten je nach der Größe der Galle eine ver-
schiedene Größe, auch hatte ich an dem Fundorte im Jahre vorher
in trockenen Rubus-Stengeln die Nestanlagen von vier Prosopis-Arten
in Mehrzahl gefunden, sodaß man wohl annehmen konnte, die gute
Nistgelegenheit, welche die alten Lipara - Gallen bieten, wäre von
mehreren Prosopis-Arten angenutzt worden. Aber wie gesagt, es ent-
wickelte sich im Juni 1901 nur Pr. kriechbaumeri aus den Gallen.
Somit ist diese Maskenbiene in unserem Nordwesten typischer Bewohner
alter Lipara-Gallen.
Die Konkurrenz um die Nistplätze scheint nicht groß zu sein. Die
Wohnplätze werden der Prosopis kriechbaumeri Först. nur streitig
gemacht von 3 (—4) Grabwespen, einer Faltenwespe und einer Biene
(Osmia parvula Duf. et Per.). Doch kommen sämtliche fünf Arten,
!) Hans Höppner — Weitere Beiträge zur Biologie nordwestdeutscher
Hymenopteren, in: Allg. Zeitschrfft f. Entomologie, 1901, v. VI p. 291.
126 Dr. H. Friese: Die Maskenbienen
ausgenommen vielleicht Trypoxylon, ziemlich selten in Zipara-Gallen
vor. Weiteres über die Bewohner werde ich später mitteilen.
Die Lipara-Gallen bieten dem Prosopis- 2 einen vorzüglichen Ort
zur Anlage seiner Zellen. Es braucht nicht, wie die Bewohner der
Rubus- und Sambueus-Zweige, m dem Marke eine Neströhre auszunagen.
Der Ausflugsgang des Gallenerzeugers braucht nur erweitert zu werden;
oft ist dies auch nicht einmal nötig. Das Innere der Lipara-Gallen
ist meistens mit altem, losen Mulm gefüllt. Es ist nicht schwierig für
das 9, sich nach dem Grunde der Galle hindurchzuarbeiten. Hier,
wo die Röhre enger wird, und zur Anlage der Zellen nicht mehr benutzt
werden kann, sitzt gewöhnlich noch Mark. Von diesem Marke nagt
das Prosopis- 9 so viel ab, als zur Veriertigung eines mäßig dieken
(l/;—2 mm) Piropfens nötig ist. Mit diesem schließt es die Röhre
nach unten ab. Ist die Röhre auch unten mit Mulm gefüllt, so wird
dieser festgepreßt und bildet so den Abschluß der Nestanlage nach
unten. Dann beginnt das @ mit dem Bauen der Zellen. Die Zahl der
Zellen schwankt zwischen 1 und 8, gewöhnlich sind 4—5 vorhanden.
Sie liegen nie im Mulm, sondern legen sich immer, ob nun die Röhre
enger oder breiter wird, an die harte Wand der Galle. Zuweilen aber
baut das @ noch in dem losen röhrenförmigen Teile, in dem sich die
Galle nach oben fortsetzt, weiter. Zu dem Zwecke nagt es die losen
Halmteile im Innern in feine Spähne und gibt der Röhre so die nötige
Weite. Mit den Halmspähnen und dem Mulm stellt es zwischen den
einzelnen Zellen einen Verschluß her, der manchmal bis 6 mm dick ist.
Häufig fehlt aber dieser Verschluß zwischen den einzelnen Zellen.
Dagegen wird die Neströhre oben stets mit Halmspähnen verschlossen.
Nicht selten erreicht dieser Verschluß die Länge von 30 mm. — Die
Länge der Zelle schwankt zwischen 5t/, hnd 7!/, mm. Die Breite der
Zellen eines Nestes ist nicht, wie das bei in Aubus- und Sambueus-
Zweigen bauenden Prosopis-Arten der Fall ist, immer gleich. Sie richtet
sich nach dem inneren Durchmesser der Galle, und dieser nimmt nach
unten hin ab. Auch die Gallen unter sich sind sehr verschieden in der
Größe. So zeigen einige Zellen eine Breite von 2 mm, die meisten sind
aber breiter, und zwar bis 5 mm. Und doch nimmt die Länge der Zelle
mit der zunehmenden Breite nicht ab. Die Larven haben somit sehr
geräumige Wohnungen. Statt daß sie sonst in der Längsrichtung
des Nestes in den Zellen liegen, findet man sie hier nicht selten in der
Richtung der Querachse auf den Pollenresten und Exkrementen.
So ruhen die Larven den Winter über bis etwa Mitte Mai (16.—23.)
des nächsten Jahres. Am 16. Mai 1901 gingen die ersten Larven in das
Vorpuppenstadium über. Die Nymphen entwickelten sich bis zum
5. Juni 1901 zu vollständig ausgebildeten Imagines (5). An diesem
Tage schlüpften die ersten J aus den Zellen, die größte Mehrzahl jedoch
erst vom 11. bis 16. Juni 1901, und das letzte $ am 23. Juni 1901. Die 2
erscheinen bedeutend später; nur einzelne Q waren vor dem 20. Juni 1901
vollständig entwickelt. Die meisten schlüpften vom 21. bis 24. Juni 1901.
Also auch bei dieser Art findet sehr ausgeprägte Proterandrie statt.
Von großem Einfluß auf die Entwickelung scheint die Wärme zu sein.
der aethiopischen Region (Prosopis, Hym.). 127
Bei beständig gutem — d. h. sonnigem, warmen — Wetter entwickeln
sich die Nymphen schneller, während trübe und kalte Witterung die
Entwickelung hemmt.
Gerade so wie bei in Rubus-Stengeln bauenden Apiden kommen
auch bei Prosopis kriechbaumeri Först. drei Arten von Bauten vor,
und zwar findet man Nestanlagen mit nur 3, ferner solche mit nur 2
und solche mit $ und @. Bei den Zwitterbauten enthalten die oberen
Zellen $, die unteren 9. Die $ eines Nestes erscheinen stets vor den 9.
Im Freien habe ich diese Art nur selten angetroffen. Einige 5
fing ich am 28. Juni 1901 auf Rubus, 5 9 am 3. August 1901 an einem
zweitenNistplatze auf Rubus und Lythrum salicaria L. Am 21. Juni 1901
fand ich bei Freissenbüttel mehrere Zipara-Gallen, aus denen die 5
gerade ausschlüpften. Mein verehrter Freund Fr. Plettke erbeutete
am 25. Juli 1901 em & auf Cüirsium arvense Scop. bei Flinten in der
Lüneburger Heide. (Einige $ und 9, welche ich von meinem werten
Kollegen M. Müller aus Spandau erhielt, erwiesen sich bei der Be-
stimmung als zu dieser Art gehörig.) Mithin scheint diese Art weit
verbreitet zu sein.
Als häufigster Schmarotzer der Prosopis kriechbaumeri ist Gaster-
ruption assectator F. zu erwähnen. Sehr selten ist ein anderer
Schmarotzer, eine Schlupfwespe.“
Als weitere Parasiten von Prosopis-Arten werden angegeben:
Eurytome rubicola (n. Giraud), ierner Hylechtrus, eine Strepsipteren-
gattung, ist von Saunders im Hinterleibe von Prosopis rubicola
in drei Arten H. sieboldi, H.rubi und H. quercus (Albanien) entdeckt
worden. Mir selbst liegen drei stark deformierte Prosopis-Arten mit
Hylechirus Q? von Bremen, Budapest und Jericho vor. Aliken
teilte mir noch folgende Prosopis mit Hylechtrus mit:
Prosopis punctulatissima Sm. &, 5. Juli (Schweiz)
; 9, 5. Juli (Triest)
* ;e 9, 18. Juli (Triest)
2, 4. Juli (Spanien)
m d, (Frankreich)
r clypearis Schenk, Q von Korfu.
Hoffentlich hören wir auf Grund obiger detaillierter Lebens-
geschichte nun bald näheres über die afrikanischen Prosopis-Arten.
Systematische Übersicht
der Prosopis-Arten der aethiopischen Region.
Pr. aterrima Fries. — L. 6—7 mm.
Pr. atriceps Fries. — L. 4 mm.
Pr. braunsi Alfk. — L. 6—7 mm.
Pr. gigas Fries. — L. 9—10 mm.
. heraldica Sm. — L. 8—9 mm.
Pr. junodi Fries. — L. 8—8!/, mm.
Pr. magrettii Vach. — L. 6 mm.
Pr. quwinquedentata Fries. — L. 8 mm.
EESESSE EINST
I
128 Dr. H. Friese: Die Maskenbienen
Anhang.
9. Pr. bouyssoui Vach. — L. 5l1/;-6 mm.
10. Pr. curvicarinata Cam. — L. 3 mm.
11. Pr. gabonica Vach. — L. 4!/, mm.
12. Pr. gaullei Vach. — L. 7 mm.
13. Pr. gracilis Bingh. — L. 4!/, mm.
14. Pr. pernix Bingh. — L. 8—10 mm.
15. Pr. quadrilineata Cam. — L. 6—7 mm. (? = Allodape).
16. Pr. quinquelineata Cam. — L. 7 mm.
17. Pr. robertiana Cam. — L. 5 mm.
18. Pr. rubriplagiata Cam. — L. 6 mm.
19. Pr. sandaracata Bingh. — L. 6 mm.
Bestimmungstabelle
für die aethiopischen Arten von Prosopis.
Q.
1. Größere Tiere, L. 6—10 mm, Br. 11/,—2!/, mm; Gesicht
reichlich gelb gezeichnet 2
Kleines Tier, L. 4 mm, Br. 1 mm, Gesicht ganz schwarz,
matt Pr. atriceps n. sp.
2!
2. Collare (Pronotum), gelb oder rotgelb 3
Collare schwarz, wie der übrige Thorax, Antenne, Mandibel
und Beine rot, L. 9—10 mm Pr. gigas n. sp.
. Seutellum jederseits mit weißgelbem Fleck am Hinterrande 4
Scutellum schwarz
4. Calli hum., Tegulae, Segment 1 und Beine ganz rotgelb, L. 8
bis 81/, mm Pr. junodi n.sp.
Calli und Tegulae gelb gefleckt, Beine braun, Knie gelb geileckt,
L. 6 mm Pr. magrettii Vach.
5. Segment 1 mehr weniger, Beine und Collare rotgelb 6
Ganz schwarz, nur Collare schmal gelb bandiert, Gesicht
mit 3 schmalen gelben Längsstreifen, L. 7—8 mm
Pr. aterrima n. sp.
Hierher auch wohl das unbekannte @ von Pr. 5-dentata.
6. Flügel gebräunt, Mesonotum und Scutellum grobhöckerig
runzlig punktiert, Abdomen meist rotbraun, nur Segment 1
mit weißhaar!gen Randbinden, L. 8-9 mm
Pr. heraldica Sm.
Flügel hyalin, Mesonotum und Scutellum zerstreut punktiert,
Abdomen schwarz, nur Segm. 1 rot, Segm. 1—2 am End-
rande weißhaarig, L. 6 mm Pr. braunsi Altk.
os
d.
1. Abdominalsegment 3 bewehrt, wenigstens auf der Ventralseite
mit Querleiste
Segment 3 unbewehrt B)
der aethiopischen Region (Prosopis, Hym.). 129
2. Segment 3 dorsal jederseits der Mitte mit 2 großen, stumpfen
Dornen bewehrt, ventral mit 3 ebenso großen Domen
besetzt, L. 8 mm Pr. qwinquedentata n. sp.
Ventralsegment 3 mit Querwulst auf der Scheibe, L. 8 mm
Pr. heraldica Sm.
3. Antennenschaft keulig verdickt oder verbreitert 4
Antennenschaft einfach, rot gefärbt, L. 6 mm.
Pr. braunsi Alik.
4. Gesicht ganz gelb, matt, innere Orbitae stark konvergierend,
Antennenschaft nach dem Ende zu stark verbreitert,
Collare schwarz, Antennen unten und alle Tarsen wie Tibie I
in großer Ausdehnung gelb, L. 4 mm Pr. atriceps n. sp.
Gesicht glänzend, mit 3 gelben Längslinien und zwar: Neben-
gesicht jederseits bis weit über die Antenenbasis hinauf
und Linie zwischen den Antennen und über Clypeusmitte,
auch Tegulae gelb gefleckt, Tarsen meist schwarzbraun,
L. 6—7 mm Pr. aterrima n. Sp.
Prosopis aterrima n. sp. g 9.
Eine bis auf das Collare ganz schwarze Prosopis, die im Q wie $
durch das mit 3 gelbweißen Linien gezeichnete Gesicht auffällt, 9 mit
keulenartig verdiektem Antennenschatt.
Q. Schwarz, kaum behaart, Kopf und Thorax runzlig punktiert,
Clypeus zerstreut punktiert, glänzend, mit weißgelbem Mittelfeld,
auch das Stimschildchen ist gelb, sowie die inneren Orbitae bis auf weit
über die Antennenbasis hmauf; Mundpartie schwarz, Mesonotum
und Seutellum dieht punktiert, Collare gelb bandiert, Calli hum.
schwarz; Area des Mittelsegment grob höckerig gerunzelt. Abdomen
fein punktiert, Segm. 4—6 fein gerunzelt, 1—2 seitlich mit weißem
Filztleck. Ventralsegmente unregelmäßig punktiert, 5 mit halbrundem,
rostgelbem Filzfleck vor dem Ende. Beine, auch die Tarsen schwarz,
ohne Gelb, Tibie außen weißfilzig behaart, Calcar bleich. Flügel hyalın,
Adern schwarzbraun, Tegulae braun, mit gelber Vorderhälfte. L. 7
bis 8!/, mm, Br. 2 mm.
3 (?) wie 9, auch das Gesicht mit 3 gelben Längsstreifen, Antennen-
schaft keulenartig verdickt, aber nicht verlängert, Geißel unten braun;
Mesonotum dichter punktiert, stellenweise gerunzelt, Ventralsegment
5 ohne den Filzfleck, Tibie III mit gelber Basis, auch Metatarsus
mit gelber Basis. L. 6—7 mm, Br. 1!/, mm.
59, 13 von Shilouvane (N.-Transvaal), 2 im Februar fliegend,
g im Oktober; Jun.od leg.
Es ist nicht absolut sicher, daß das beschriebene 5 zu dieser Art
gehört, aber Skulptur und Fundort sprechen dafür.
S.-Afrika.
Archiv für Naturgeschichte
1911,12
130 Dr. H. Friese: Die Maskenbienen
Prosopis atriceps n. sp. 3 9.
Kleinste Prosopis-Art von S.-Afrika, @ ganz schwarz, ohne Gelb,
g mit gelben Tarsen und gelbem Gesicht.
Q. Schwarz, sparsam weißlich behaart, Kopf und Thorax fein
gerunzelt, matt, mit deutlichen Punkten, Gesicht schwarz, Clypeus
matt sparsam punktiert; Antenne schwarzbraun, unten gelbbraun;
Collare weißfilzig; Area grob höckerig gerunzelt. Abdomen äußerst
fein skulpturiert, etwas glänzend, Segment 1—4 mit zarten, weißen
Filzbinden, die mitten meist unterbrochen sind, 6 länger weiß behaart.
Ventralsegmente fast glatt, braun, 5. ausgerandet. Beine ganz schwarz,
Tarsen kaum bräunlich, Calcar weiß. Flügel hyalin, stark irisierend,
Adern schwarzbraun, Tegulae braun. L. 4 mm, Br. 1 mm.
d wie 9, aber Gesicht ganz gelb bis über die Antennenbasis hinauf,
innere ÖOrbitae stark nach vorn konvergierend, Mund schwarz,
Antenne braun, unten gelbbraun, Schaft etwas verbreitert. Meso-
notum matt, deutlich punktiert. Abdomen deutlicher skulpturiert,
schwach runzlig punktiert. Beine mit gelben Knieen und Tarsenglied 1,
Tibie I gelbbraun. L. 4 mm, Br. 3/, mm.
138, 32 von Shilouvane (N.-Transvaal), im Oktober fliegend,
Junod leg.
Prosopis braunsi Alik.
1905. Pr. br. Alfken, & 2 in: Zeitschr. f. syst. Hym. v.5, p. 147.
1909. Pr. br. Friese, & 2: Bienen Afrikas, p. 111.
Wie Pr. magrettii, aber Scutellum schwarz, Segm. 1 rot.
2. Schwarz, Wangen, Stirnschildchen, Mittelstreifen des Olypeus,
Collare, Vorderhältte der Tegulae und Tibienbasis gelbweiß. Mund-
partie, Antennenschaft, Calli h. und Beine rotbraun, Segment 1 rot,
sehr fein gerunzelt und außerdem fein punktiert, seitlich weiß geiranst,
2 mit weißhaariger Binde, 3—5 fein behaart; Ventralsegm. 2—4 weiß
gefranst. L. 6—7 mm.
d wie 9, aber Clypeus gelb, Antenne rotbraun, Segm. 1—2 mehr
weniger rot.
Willowmore, im Januar—Februar.
Kapland. |
\Prosopis gigas n. sp. 9.
Größte Prosopis-Art m Afrika und der Pr. sandaracata Bingh.
von Durban wohl nahestehend. Durch den ganz schwarzen Körper mit
ziemlich gleichmäßiger weißer Behaarung und durch die roten Antennen
und Beine auffallend.
Q. Schwarz, kurz weißlich behaart, Kopf und Thorax grob runzlig
punktiert, höckerig und matt, Clypeus’ grob punktiert, mit großem
gelbem Mittelfeld, Fleck fast viereckig, Nebengesicht gelb, jedoch nur
bis zur Clypeusbasis, Stirnschildehen ganz gelb; Mandibel rot, Antenne
rot, oben braun. Thorax ganz schwarz, Mittelsegment sehr grob
höckerig gerunzelt. Abdomen äußerst fein quergerunzelt, Endrand
der aethiopischen Region (Prosopis, Hym.). 131
der Segmente fen weißhaarig bandiert. Ventralsegmente einzeln grob
punktiert, Endrand lang weißlich behaart. Beine rot, nur Mitte von
Femur und Tibie dunkel. Flügel hyalin, Adern und Tegulae fast schwarz.
L. 9—10 mm, Br. 21/, mm.
1 2 von Ghinda in Eritrea, im Juni fliegend. N.-O.-Afrika.
Prosopis heraldiea Sm.
1854. Pr. h. Smith, 2 Cat. Hym. Br. Mus. v. 1, p. 25.
1905. Pr. abyssinica Alfken, $ in: Z. f. system. Hym. v. 5, p. 91.
1905. Pr. h. Alfken, & in: ebenda, v.5, p. 146.
1909. Pr. h. Friese, $ 2: Bienen Afrikas p. 113.
Q. L.7U/, mm (83—9 mm). Schwarz, Kopf und Thorax stark
punktiert, Clypeusmitte und -Ende sowie Mundgegend braunrot,
Clypeus im übrigen und die Wangen gelb; Collare gelblich bis rötlich,
Tegulae, Calli h. und alle Beine rot. Mesonotum und Sceutellum grob
höckerig gerunzelt punktiert, Abdomen meist rotbraun, nur Segm. 1
mit weißhaarigen Randbinden. Flügel gebräunt.
ä wie 9, Clypeus, Stirnschildehen und Wangen gelbweiß, die
beiden ersteren rot gerandet. Segm. 1 seitlich weiß geiranst, an Basis
und Seite rot, 2. seitlich und vor dem Ende rot, 5—7 ganz rot; Ventral-
segment 3 mit glänzendem Querwulst auf der Scheibe, 4 schwach convex.
Kapland (Algoabai im März, Salisbury im Mashonaland im Februar
und Shilouvane, N. Transvaal im Februar). Abessinien.
Prosopis junodi n. sp. 9.
Wie eine große Pr. variegata fällt Pr. junodi unter den afrikanischen
Arten durch das gelb gefleckte Scutellum auf.
Q. Schwarz, kaum behaart, Kopf und Thorax dicht runzlig
punktiert, fast matt, Clypeus fein längs nadelrissig mit einzelnen
schwachen Punkten. Mundteile wie Labrum, Mandibel, Genae und
vordere Clypeushälfte rot, Clypeus vorn bogig ausgerandet, Antenne
rotgelb, oben braun, Gesicht mit 3 gelbweißen Längslinien: je das
Nebengesicht gelbweiß und eine Linie über Steinschildcehen u. Clypeus;
Collare gelbweiß, Calli hum. rotgelb, Scutellum mit einzelnen
groben Punkten und 2 runden gelbweißen Flecken auf der Scheibe;
Mittelsegment grob gerunzelt wie fast bei allen” südafrikanischen
Prosopis-Arten. Abdomen äußerst fein punktiert, mit einzelnen erkenn-
baren Punkten, Segment 1 rot, und alle Segmentränder gelbbraun.
Ventralsegmente einzeln und grob punktiert, mit gelbroten Rändern,
Beine rot; Flügel schwach gelblich getrübt, Adern und Tegulae gelb-
braun. L. 8—81/, mm, Br. 2!/, mm.
2 @ von Shilouvane (N. Transvaal), Jun od leg.
S.-Afrika.
9%*
132 Dr. H. Friese: Die Maskenbienen
Prosopis magretti Vach.
1892. Pr. m. Vachal, ? in: Ann. soc. ent. France v. 61, Bull.p. 135.
Auffallend: Schildehen am Ende mit 2 kleinen gelben Flecken,
Segment 1 fein lederartig gerunzelt, unpunktiert, fast ganz schwarz,
nur an der Basis u. am Seitenrande schwach rötlıch, 1 u. 2 mit schwach
seitlicher Haarfranse; Flügel hyalin. L. 6 mm.
Q von Keren und Ghinda in Eritrea, im Juni fliegend.
N. O.-Afrika.
Prosopis quinquedentata n. sp. d.
Unter allen Prosopis-Arten durch die kolossalen Bewehrungen
des Segment 3 auffallend.
g. Schwarz, kaum weißlich behaart, Gesicht glänzend, mit einzelnen
Punkten und 3 gelben Längslinien; Antennenschaft stark keulig ver-
dickt, schwarz, Geißel rotbraun, Collare gelb gerandet; Mesonotum
fein runzlig punktiert, fast matt, Scutellum ebenso, Mittelsegment
grob gerunzelt, fast längsrunzelig, mit tiefer Mittelfurche. Abdomen
punktiert, Segment 1—2 mit schwachen seitlichen Fransen am End-
rande, 3. mit 2 mächtigen, ganz unmotiviert großen, stumpfen, nach
hinten gerichteten Dornen jederseits der Mitte, 4—7 verlängert, länger
greis behaart. Ventralsegmente punktiert, 3 mit drei solchen großen
Dormen bewehrt. Beine schwarz, Tibie I vorne gelbbraun, Tibie III
an der Basis gelb, alle Tarsen braun, Metatarsus mit gelber Basis,
Calcar gelb. Flügel hyalin, Adern braun, Tegulae gelb gefleckt. L. 8 mm,
B. 2 mm.
1& von Shilouvane (N. Transvaal), Junod leg. S8.-Afrika.
Anhang.
Prosopis bouyssoui Vach.
1899. Pr. b. Vachal, $ 2 in: Ann. soc. ent. France, v. 68, p. 535.
1909. Pr. b. Friese, $ 2: Bienen Afrikas, p. 111.
L. 51/,—6 mm. Schwarz, nur Collare des Pronotum mit unter-
brochener gelber Binde, beim 2 Segm. 1 fein punktiert, beim $ grob
und dicht punktiert; beim $ Gesicht gelb gefleckt, auch Tibie I und
Tarsenglied 1, Metanotum mit seitlich emgedrückten Pleuren und
rückwärts gerichteten, dreieckigen Dornen.
29, 1& von N.’Doro im September und November 1898.
Westafrika.
Prosopis eurvicarinata Cam.
1905. Pr. c. Cameron, & in: Tr. 8.-Afr. Phil. Soc. v. 15 p. 236.
1909. Pr. c. Friese, $: Bienen Afrikas p. 112.
d. L. 3 mm. Schwarz, Gesicht u. Beine gelb gefleckt; Kopf
u. Thorax stark, dicht und deutlich punktiert, Metanotum u. Mittel-
der aethiopischen Region (Prosopis, Hym.). 133
segment gerunzelt, Gesicht und Clypeus mit großen zerstreuten
Punkten.
Pearston.
Kapland.
Prosopis gabonica Vach.
1899. Pr. g. Vachal, @ in: Ann. soc. ent. France v. 68 p. 536.
1903. Pr. g. Vachal, $ in: ebenda v. 72 p. 400.
1909. Pr. g. Friese, $ 2: Bienen Afrikas p. 112.
9. L. 41/, mm. Schwarz, nur Nebengesicht gelblich, Kopf und
Thorax punktiert, Abdomen an der Basis oft rötlich, glatt, Segm. 1,
jederseits gefranst, Area gerunzelt.
g auch Clypeusende und Beine gelb gezeichnet.
Kongogebiet im September—November.
Prosopis gaullei Vach.
1899. Pr. g. Vachal, ® in: Ann. soc. ent. France v. 68 p. 536.
1909. Pr. g. Friese, @: Bienen Afrikas p. 112.
©. L. 7 mm. Schwarz, Caili h. gelb gefleckt, Beine ohne Angabe.
Segment 1 glänzend, kaum schwach punktiert, jederseits kaum ge-
franst, 2—5 fast glatt; Flügel hyalın.
Mouny.
W.-Afrika.
Prosopis gracilis Bingh.
1903. Pr. gr. Bingham, @ in: Ann. Nat. Hist. v. 12 p. 50.
1909. Pr. gr. Friese, 2 Bienen Afrikas p. 113.
9. L. 4), mm. Schwarz, kurz weiß behaart, Clypeus mit
l-förmigem gelbem Fleck; Tarsen meist rötlich-gelb.
Durban. Kapland.
Prosopis pernix Bingh.
1903. Pr. p. Bingham, ? in: Ann. Nat. Hist. v. 12 p. 49.
1909. Pr. p. Friese, 2: Bienen Afrikas p. 113.
@. L. 8-10 mm. Schwarz, rötlich behaart, Gesicht gelb: Clypeus-
mitte, Orbitae, Mandibelbasis, Vertex und Scutellum Querfleck. Kopf
und Thorax zerstreut punktiert, sonst glatt. Abdomen schwach glänzend,
mit haartragenden Tuberkeln und Punkten, Segmentränder gelblich.
3 wie 9, aber Mandibel ganz gelb, Gesicht reichlicher gelb,
Scutellum ohne Gelb. L. 7” mm (?).
Durban, Kapland.
Prosopis quadrilineata Cam.
1905. Pr. qu. Cameron, @ in: Rec. Albany Mus. v. 1 p. 197.
1909. Pr. qu. Friese, 2: Bienen Afrikas p. 114.
134 Dr. H. Friese,
2. L. 6-7 mm. Schwarz, glänzend, Kopf und Thorax punktiert,
innere Orbitae mit gelber Linie, die von den Ocellen bis zu dem Munde
breiter wird; Clypeus mit Längskiel und schmaler, gelber Mittelllinie,
Collare und ein breiter Scutellumfleck gelb. Segment 1I—3 schmal
gelblich.
Brak Kloof, Kapland.
Wohl zu Allodape gehörend!
Prosopis quinquelineata Cam.
1905. Pr. qu. Cameron, @: Tr. 8.-Afr. Phil. soc. v. 15 p. 235.
1909. Pr. qu. Friese, ?: Bienen Afrikas p. 114.
2. L.Tmm. Schwarz, glänzend, innere und äußere Orbitae gelblich,
auch Clypeusmitte schmal, Kopf punktiert, Thorax glänzend, glatt;
Pleuren lang weißlich behaart; Segmente schwarz behaart.
Stellenbosch, Kapland.
Prosopis robertiana Cam.
1906. Pr. r. Cameron, & in: Tr. 8.-Afr. Phil. soc. v.16 p. 325.
1909. Pr. r. Friese, $: Bienen Afrikas p. 114.
9. L. 5 mm. Schwarz, Gesicht und Beine gelb gefleckt, Kopf
und Thorax punktiert; Abdomen glänzend, sparsam und fein punktiert.
Pearston, Kapland.
Prosopis rubriplagiata Cam.
1905. Pr. r. Cameron, Q in: Tr. S8.-Afr. Phil. soc. v. 15 p. 233.
1909. Pr. r. Friese, 2: Bienen Afrikas p. 115.
L. 6 mm. Schwarz, Gesicht gelb gefleckt, Clypeusseiten
breit, Mandibel, Antennenschaft, Antennenunterseite, Collare, Tegulae,
Calli h., Segment I an der Basis und den Seiten, 2—4 mehr weniger
und die Ventralsegmente meist rot. Beine rot; Flügel hyalin, mit
dunklerem Rande. & wie 9, aber Clypeus ganz gelb, ohne Gelb.
Dunbrody, Grahamstown (Brak Kloof). Kapland.
Prosopis sandaracata Bingh.
1903. Pr. s. Bingham, @ in: Ann. Nat. Hist. v.12 p. 49.
1909. P. s. Friese, 2: Bienen: Airikas p. 115.
0. L. 6 mm. Schwarz, weißlich behaart, Clypeus, Collare, Fleck,
unter den Tegulae (Calli h. ?), Basalhälfte des Seutellum und alle Kniee
gelb; alle Tibien und Tarsen, Segment I—2 am Endrand und Seiten
und die Scheibe von 3—5 rot. Kopf und Thorax glatt, glänzend,
Abdomen fein quergerunzelt, fast matt. Flügel gebräunt.
Durban, Kapland.
Neue Bienen-Arten der palaearktischen
Region (Hym.).
Von
Dr. H. Friese, Schwerin ı/M.
Mit S Abbildungen.
Im Folgenden mache ich eine Anzahl neuer Bienen - Arten und
Varietäten bekannt, die besonders durch ihre extreme Bildungen
und dadurch bedingte extreme Stellung im System die Aufmerksam-
keit der Hymenopterologen verdienen.
Nomia heymonsi n. sp. S 9.
Q. Fuliginosa, flavido-tomentosa, ut N. rufescens, sed sparsim
punctata, nitida, segmentis I—2 apice nudis, d segmentis 6.—7.
nudis, 7. margine reflexo, angulato, segmento ventrali 4. medio lobato;
pedibus II tarsorum articulo extremo dilatato, apice nigro, pedibus
III femoribus incrassatis, tibiis apice lobato, tarsis prolongatis. Long. ?
8 mm, lat. 3 mm; & long. 9—10 mm.
Q. Braun bis schwarzbraun; Kopf und Thorax grob und sparsam
punktiert, glänzend, dicht weiß- bis gelbfilzig behaart, Antennenglied
2. = 3,3. = %, vom 4. Thoraxscheibe nackt, Vorderrand dicht gelb
befilzt. Abdomen braun, mit helleren Segmenträndern, Basis von
1.—5 und Endrand von 3.—5. weißgelb befilzt, 6 verjüngt, 3-kielig
und befilzt. Bauch kahl, weißlich gefranst; Beine weißlich befilzt,
Scopa weiß. Flügel gelblich, mit getrübtem Rand, Adern gelbbraun,
Tegulae groß, weißgelb.
ö wie 9, Antennenglieder gleich groß, Thorax oben dicht gelb-
filzig, Scutellum jederseits bedornt, Segment 1.—2. mit kahlem End-
rand, sonst Segmente gelbbefilzt, 6.—7. kahl, 7. mit aufgebogenem
Rande, jederseits eckig vorragend, mitten ausgeschnitten. Bauch
kahl, Segment 4 mitten weit lappig vorragend, dieser Lappen mitten
tief ausgeschnitten. Beine schlank, II u. IlI mit verlängerten Tarsen,
Calcar II = !/, von Glied 1 der Tarsen, Klauenglied rundlich ver-
breitert, mit dunkler Endhälfte, Beine III deformiert, Femur kantig,
verdickt, Tibien III von Femurlänge, Endhälfte nach unten in weißen,
rundlichen und dieken Lappen ausgezogen, Metatarsus gleichmäßig
gekrümmt, gelblich mit dunklem Ende, Tarsen stark verlängert,
länger als Femur und Tibie zusammen. L. 8—10 mm, Br. 3—3!/, mm.
Der Nomina rufescens Mor., die von Transkaspia (Nerduali) und
Turkestan (Katty Kurgan) bekannt wurde, nahestehend, aber kleiner,
feiner und sparsamer punktiert, glänzend, $ mit verbreitertem Klauen-
glied II. Femur nicht stark angeschwollen, Tibien so lang wie Femur.
Im Juli 1901 in der Goldnaja Steppe (Turkestan) durch Prof. Dr.
R. Heymons -Berlin gesammelt,
136 Dr. H. Friese: Neue Bienen-Arten
Cubitalia n. subgen.
Wie Ewucera, Radialzelle lang gestreckt, Ende abgerundet, vom
Rande entfernt liegend, mit 2 Kubitalzellen, wovon die II beide
Discoidalqueradern, weit vom Ende entfernt aufnimmt, Kubital-
querader 2 im rechten Winkel und gleichschenklig verlaufend; Mund-
teile hochentwickelt, Zunge lang, Paraglossen von Zungenlänge, faden-
förmig, Maxillarpalpen 4-gliedrig, zweigestaltig, Glied 1 fast dreimal
so lang wie das 1., 3 und 4 winzig klein, vor dem Ende des 2. seit-
lich eingefügt, winkelig abstehend.4 Q Beinscopa Anthophora-artig,
Ventralsegmente bürstenartig behaart.
& mit kubischem Kopf, Antenne dünn, fadenförmig, kurz, erreicht
nur das Scutellum, Beine bewehrt. L. 16 mm, Br. 6 mm.
Asia minor — Syria.
Cubitalia ist ein Mittelding zwischen Zucera und Anthophora, von
Eucera trennt sie der kurze Clypeus, die stark nach außen gebogene,
rechtwinkelige 2 Kubitalquerader, im 9 die starke Bauchbehaarung,
im & die kurzen Anthophora-Antennen.
Von Anthophora wird sie durch die 2 Kubitalzellen geschieden.
Vorläufig als Subgenus zu Zucera.
Eucera (Cubitalia) breviceps n. sp. 3 9.
©. breviceps ist im 2 Eucera ähnlich mit dem typischen depri-
mierten. Abdomen, wie eine sehr große Hucera longicornis, im wie
Anthophora mit kubischem Kopf, an dem der Clypeus breiter als lang
und vorne weit bogig ausgerandet ist. 9. Schwarz, oben gelbbraun,
unten weißlich behaart, wie eine große Zucera longicornis, Kopf und
Thorax fein runzlig punktiert, schwach glänzend, Clypeus breiter
als lang, grob runzlig punktiert, besonders nach dem Endrande zu,
Labrum ebenso skulpturiert, doppelt so breit wie lang, mitten mit
langem Haarschopf, Antenne schwarzbraun, 2. Geißelglied = 3 + 4.
Mesonotum äußerst fein skulpturiert, mit einzelnen großen, flachen
Punkten, Area fein skulpturiert, fast matt, mit einzelnen, erhabenen,
haartragenden Punkten. _ Abdomen zerstreut punktiert, glänzend,
Segm. 1—4 jederseits beulig erhaben, 2—4 gelb gefranst, auf 2 und 3
oft die Binde unterbrochen, 5 fast braun gefranst, 6 rötlich. Ventral-
segmente höckerig punktiert, 2—6 bürstenartig gelblich behaart,
wie eine Bauchscopa mit Pollenkörnern besetzt. Beine schwarz,
dicht weißlich behaart, Tarsen 2—5 rot, Tarsen mehr rotgelb beborstet,
Scopa weiß, auf Metatarsus innen braunrot, Penicillus braun. Flügel
getrübt, Adern und Tegulae braun. L. 15 mm Br. d. Thorax 51/, mm,
Br.. d. Abdom. 61/, mm. dä wie 9, aber größer, Kopf lang weißlich
behaart, kurz und dick, mehr kubisch, Clypeus kurz, breiter als lang,
gelb mit schwarzer Basis, zurückgezogen und tief bogig ausgerandet,
Labrum länger als breit, ganz gelb; Antenne dünn, fadenförmig,
schwarz, erreicht das Scutellum, 2. Geißelglied länger als 3, 3 = 4;
Stirn gekielt. Mesonotum fast matt; Abdomen sparsam punktiert,
glänzend, Segment 1—2 sparsam, aber lang gelblich behaart, 3—6
der palaearktischen Region (Hym.). 137
schwarz behaart; Ventralsegmente sparsam lang behaart, zerstreut
punktiert, nur 6 mit schwacher Mittelfurche und 2 seitlichen Rippen
vor dem Ende. Beine schwarz, weißlich behaart, Klauenglied rot,
Tarsen verlängert, Tarsenglied 1 der Beine (II) innen mit stumpfem
Zahn oder Absatz, dann verschmälert, Metatarsus (III) mit solchen
stumpfen Zähnen am Innenrande, außen rötlich befilzt. Flügel getrübt,
Adern und Tegulae gelbbraun. L. 16 mm Br. 6 mm. | fig
2 $ 12 von’ Güleck im Taurus cilic. 1897 von-Holtz mit-
gebracht (? Walter Siehe leg.); 1 2 von Syrien.
| i Cubitalia breviceps 2
Cubitalia breviceps 5 2), n.Gr.
2/, n.Gr.
Osmia vogti n.sp. SQ.
Größte schwarze Osmia-Art, zur Gruppe der O. ceristata gehörend,
aber größer, 2 ohne die besondere groteske Bildung der Mandibel,
Scopa braun, & mit fast 2-spaltigem Analsegment.
Q. Schwarz, weißlich behaart, Kopf viel breiter als der Thorax,
Kopf und Thorax fein und dicht runzlig punktiert, ganz matt, Gesicht
lang weiß behaart, Clypeus mitten vorgezogen, ausgerandet mit ge-
wulstetem Rand, Mandibel sehr groß, schaufelförmig, vorne am
breitesten und hier in 2 mächtigen, kolossal breiten, meist roten Zahn-
lappen endend; Antenne kurz schwarz, unten braun, 2. Geißelglied
— 3 + 4, die letzten Glieder plattgedrückt. Scutellum mit glatter
Mittellinie; Area fein. skulptiert, matt, mit glatter Scheibe. Abdomen
punktiert, glänzend, Segment 1—4 jederseits mit weißer Fransen-
binde, auf 5 ist diese Binde nicht unterbrochen, 6. ganz kahl, ver-
längert und seitlich eingeschnürt. Scopa braun, an der Basis weiß.
Beine schwarz, weißlich behaart, Tarsen innen braun bis rotbraun
beborstet, Calcar gelbbraun. Flügel getrübt, Adern und Tegulae
schwarzbraun. L. 13—14 mm Br. 4!/, mm.
d wie ©, Kopf schmaler als der Thorax, Mandibel einfach,
Gesicht sehr lang und dicht weiß behaart, 6 wie beim 9 verlängert
und ausgerandet, jederseits aber mit langem, spitzem Dorn bewehrt,
7 sehr lang vorragend, tief 2-lappig, fast bis zur Basis gespalten;
Ventralsegmente dicht gelb seidenartig und anliegend behaart, 3—4
138 Dr. H. Friese: Neue Bienen-Arten
gelblich gefranst, 5 tief ausgerandet, 6 konkav, fast glatt, glänzend.
Beine schwarz, Tibie III keulenartig verdickt. L. 12—13 mm Br. 4
—4!/, mm.
JdQ von Tunis, wo sie im April 1898 von Dr. Osc. Vogt ge-
sammelt wurden, $< @ von Tunis, Schmiedeknecht leg.
Megachile (Chalicodoma) alborufa n. sp. 9.
Der Ch. baetica Gerst. von Spanien ähnlich, aber Beine teilweise
rot, hintere Thoraxwand und Segm. 1—2 weiß behaart.
Q. Schwarz, schwarz behaart, Kopf und Thorax dicht runzlig
punktiert, matt, wie Ch. baetica geformt, Clypeus vorgezogen, gerundet,
crenuliert, Mandibel lang, schwarz, einzähnig, Antenne schwarz,
2. Geißelglied länger als 3, Stirn weißlich behaart, auch die hinteren
Kopfseiten; Mesonotum mit feiner Mittellinie, Metanotum und Mittel-
segment weißlich behaart; Area äußerst fein gerunzelt, matt. Ab-
domen fein punktiert, glänzend, Segment 1—2 lang weißlich behaart,
oft auch der Seitenrand vom 3, 4—6 schwarz behaart, Scopa rot an
den Rändern schwarz. Ventralsegmente dicht gerunzelt, Beine schwarz,
alle Tarsen rot oft auch die Tibien, wenigstens größtenteils rot, gelb
braun behaart, Metatarsus verbreitert, von Tibienbreite, Calcar gelb-
braun. Flügel getrübt, mit braunem Rande, der leicht bläulich
schimmert, Adern schwarzbraun, Tegulae schwarz. L. 14 mm,
Br. 5 mm. — 3 @ von Murut im Kaukasus. Ost-Europa.
Megachile (Chalicodoma) marina n. sp. 9.
Der Ch. desertorum Mor. aus Turkestan verwandt, aber Körper
schwarz, hintere Thoraxwand und Segment 1 jederseits weißhaarig.
Q. Schwarz, gelbbraun befilzt, Kopf und Thorax dicht runzlig
punktiert, matt, wie Ch. desertorum geformt, Clypeus vorgezogen,
gerundet und crenuliert, Mandibel schwarz, sehr lang, einzähnig,
Antenne schwarzbraun, Scapus und Geißelglied 1—2 rot, 2 etwas
länger als 3, aber kürzer als 3 +4. Area äußerst fein runzlig punktiert,
matt, jederseits weiß behaart. Abdomen schwarz bis schwarzbraun,
grober als desertorum punktiert, dicht gelbbraun befilzt, fast beschuppt,
Segment 1 jederseits weiß bebüschelt, oft auch 2 bis 5 am Hinterrande
schmal weiß gefranst, 6 schwarz, wie das 5 grobkörnig gerunzelt, kaum
noch behaart. Ventralsegmente grob punktiert, 1 mit großem Quer-
wulst, Scopa dünn, rotgelb. Beine rot, kurz gelbrot beborstet, Meta-
tarsus von Tibienbreite. Flügel getrübt, mit braunem Endrand, der
schwach bläulich schimmert, Adern schwarzbraun, Tegulae rotgelb.
L. 14 mm Br. 5 mm.
3 @ von Jericho, 12. Mai 1900. Syrien.
Anthidium moricei n.sp 9.
Der Osmia decemsignata Rad. täuschend ähnlich, aber ein echtes
Anthidium, schwarz, weiß behaart, Kopf am Hinterrand oben jeder-
seits und auf dem Nebengesicht mit kleinem, gelbem Fleck.
der palaearktischen Region (Hym.). 139
@. Schwarz, sparsam weiß behaart, Kopf und Thorax ziemlich
grob punktiert, glänzend, Stirn um die Antennenbasis herum strahlen-
. artig lang weiß behaart, Gesicht schwarz, bis auf einen kleinen gelb-
lichen Fleck jederseits auf dem Nebengesicht an der unteren Orbita,
Clypeus dicht und fein runzlig punktiert, nur an der Basis einzeln und
grob punktiert, Endrand stark aufgebogen, mit dick gewulstetem
Endrand, der unten fein gehöckert ist; Mandibel schwarz, parallel
mit 3 Zähnen; Antenne schwarz, unten rotbraun, 2. Geißelglied = 1
(Pedicellus) und fast doppelt so lang wie 3; Hinterrand des Kopfes
jederseits mit gelbem Fleck. Mesonotum und Scutellum gleichartig
punktiert, Scutellum ziemlich flach, etwas vorragend, sonst gerundet
und mitten ausgeschweiit; Seitenlappen groß, aber nicht hervor-
tretend; Area punktiert, mitten glatt. Abdomen grob punktiert,
glänzend, Segment 1—5 jederseits mit mehr weniger langer weißer
Fransenbinde, 6 schwarz, dicht runzlig punktiert, mitten etwas vor-
gezogen und ausgebuchtet, Scopa weißlich, dicht mit gelbem Pollen
besetzt. Beine schwarz, weißlich behaart, Tarsen gelblich behaart,
Metatarsus zylindrisch, viel schmaler als die Tibie, Calcar gelb. Flügel
gebräunt, besonders dem Rande zu, Adern und Tegulae schwarzbraun.
L. 9 mm, Br. 4 mm.
1 2 von Jericho am 6. April 1909 von F. D. Moric ee gesammelt.
Syrien.
Die Art bildet eine besondere Gruppe, bei A. luctuosum Gribodo
einzuschalten; mag aber vorläufig wegen des einfarbig schwarzen
Chitins zu A. montanum Mor. gestellt werden.
Dioxys richa@nsis n. sp. d.
Von der Größe der Paradioxys moricei Friese aus Algerien, sonst
eine kleine D. tridentata, aber Scutellum einfach gerundet, unbewehrt,
Ventralsegment 6 zweidornig.
d. Schwarz, sparsam gelblich befilzt, Kopf und Thorax wie bei
D. tridentata skulpturiert, ziemlich grob runzlig punktiert, Clypeus
gewölbt, mit fein erenuliertem, stark gerundetem Endrand, Mandibel-
ende rotbraun, 2-zähnig; Antenne schwarzbraun, unten rotbraun,
2. Geißelglied —= 3; Scutellum eimfach gerundet, etwas vorstehend,
sonst unbewehrt; Area fein skulpturiert, fast matt. Abdomen deutlich,
aber nicht sehr dicht punktiert, Segment 1—5 mit schmalen, braunen
Endrändern, 1—2 mit schmalen, weißen Fransenbinden, 6 schwarz,
dreieckig, 7 unsichtbar (? auf. der Ventralseite). Ventralsegmente
punktiert, 1—3 schmal weiß gefranst, 4—5 lang gelblich bewimpert,
6 gewulstet, tief gefurcht, Furche gelbbraun befilzt, jederseits mit
kräftigem Höcker, der spitzen nach hinten gekrümmten Dom trägt.
Beine schwarz, Tarsen braun, Calcar rot. Flügel getrübt, Adern und
Tegulae braun. L. 51/,—6 mm Br. 1°/, mm.
15 von Jericho, am 31. März 1909 von F. D. Morice ge-
sammelt und mir freundlichst mitgeteilt. Syrien.
140 Dr. H. Friese: Neue Bienen-Arten
Ammobates niveatus Friese 9.
? 1838. Phileremus niveatus Spinola, @ in: Ann. soc. ent. France
VII p. 555.
? 1895. Biastes niveatus Friese, ® Bienen Eur. v. 1 p. 151.
Durch die schneeweiße Befilzung von Kopf, Thorax und Segment 1
und Segment 4—6 auffallend.
Q. Schwarz, schneeweiß befilzt, Kopf und Thorax zerstreut
punktiert, besonders im Gesicht dicht weißfilzig, Clypeus schnabel-
artig weit vorragend, gerade abgestutzt, jederseits an der Basis mit
einer kahlen schwarzen Ecke; Antenne rotgelb, 2. Geißelglied wenig
länger als 3, Scheitel weniger dicht befilzt; Mesonotum mit ein-
gedrückter Mittellinie, Scutellum vorgebaut aufliegend, dicht weiß
befilzt, 2. beulig, Mittelsegment kahl, glatt, glänzend, schwarz, an der
Basis punktiert, weißfilzig. Abdomen rotgelb, fein und dicht runzlig
punktiert, Basis der Segmente braun bis schwarz werdend, 1 ganz
dicht weißlilzig, ebenso 4—6, Segment 2—3 mit kahler Basis, Ventral-
segmente rotgelb, fein runzlig punktiert, die Ränder sparsamer
punktiert, äußerster Rand glatt und hellrot, 5. gekielt, nach hinten in
spitzen Dorn verlängert. Beine rot bis rotgelb, mit dunkler Basis
(Coxa, Trochant.), weiß befilzt, Tarsen fast gelb. Flügel hyalin, Adern
fast scherbengelb, Tegulae rotgelb, Basis weißfilzig. L. 7!/, mm
Br. 21 ‚mm.
1 2 von Ägypten.
Den Namen niveatus wähle ich wegen der guten charakteristischen
Bezeichnung und um auf den Namen Spinola’s hinzuweisen,
der offenbar dieselbe Art vor sich hatte, aber zu Phileremus stellte und
mit einer zu kargen Beschreibung ausstattete.
Ammobates niveatus ist bei A. rostratus Friese aus Jericho (Syrien)
einzuschalten.
Phiarus luctuosus n. sp. 9.
Dem Ph. melectoides Sm. sehr ähnlich, aber schwarz behaart,
mit weißlichen Haarbüscheln wie bei Melecta luctuosa, Geißelglied 2
länger als 3 + 4, Clypeus 1?/, so breit wie lang,
punktiert mit Mittellinie, Segment 1—4 mit weißen
Haarflecken. Beine schwarz, schwarz behaart,
(ohne weiße Haare).
9. Schwarz, schwarz behaart, stellenweise
mit weißen Haarbüscheln, Kopf und Thorax
punktiert, glänzend, COlypeus stark gewölbt, 11/,
so breit wie lang, deutlich punktiert, mit glattem
Endrand und angedeuteter Mittellinie, Stirn um
Phiarius luetuosus 9 die Antennenbasis weiß behaart, Antenne schwarz,
2/, n.Gr. nur 2. Geißelglied unten mit rotgelbem Strich,
2. Geißelglied = 3 + 4. Collare, Mesopleuren,
Seutellum und das Mittelsegment jederseits weiß behaart; Area fein
skulpturiert, matt. Abdomen punktiert, auf den Segmentsrändern
der palaearktischen Region (Hym.). 141
feiner, Segment 1—4 jederseits mit weißem Fransenfleck, die auf 3
und 4 den Seitenrand nicht erreichen, 5 lang schwarzbraun behaart,
6 klein, gerundet. Ventralsegmente fein runzlig ;punktiert, 5 aus-
gerandet und hier lang schwarz gefranst. Beine schwarz, ohne weiße
Behaarung, Calcar und Klauenglied schwarz. Flügel getrübt, mit
dunklem Rande, Adern schwarz, Tegulae schwarzbraun. L. 10 mm
Br. 3 mm.
1 2 von Kleinasien, 1890.
Wir haben hier offenbar eine östliche und westliche Form von
Phiarus melectoides Sm. zu unterscheiden. Die von mir nach geliehenen
Exemplaren von Radoszkowski s. Zt. gegebene Beschreibung
in meinen „Bienen Europa’s“ vol. Ip. 136—137 dürfte für Ph. luctuosus
gelten, da das Pärchen von Kiachta in Sibirien stammte.
Die westliche Form = Ph. melectoides Sm. ist größer (L. 12—
—121/, mm Br. = 4 mm) trägt im 9 weißhaarige Fransenbinden auf
Segment 2—4, die mitten unterbrochen und hier nach vome um-
gebogen sind, auf Segm. 5 finden sich nur schmale Seitenflecken, beim $
auf 5—6 sind die Fransenbinden ganz. Clypeus ist 2 mal so breit wie
lang, fein runzlig punktiert. Antenne 9 Geißelglied 2—4 rotgelb und
2. kürzer als 3 + 4. Beine außen weißlich behaart. Ob wir hier 2 gute
oder nur geographische Formen (= subspecies) vor uns haben, kann
erst nach Bekanntwerden des $ von Ph. luctuosus entschieden werden.
Phiarus melectoides erhielt ich inzwischen durch F. D. Morice
und zwar $® von Valloidreia (bei Barcelona), wo die Tiere am
14.—15. Mai 1903 ,an den*Nistplätzen’der Meliturga caudata gelangen
wurden. 1 3 von Valladolid (Juni), & @ von Lyon, 29. Juni 1904,
Grilat leg.
Phiarus abdominalis var. sanguinea n. var. 3.
d. Wie Ph. abdominalis 9, aber Abdomen und alle Tarsen rot
gefärbt. Abdomen etwas zerstreuter punktiert, Segment 1 schwarz,
IB TR EEE TE Er.
Phiarus abdom. var. san- Phiarus abdominalis 5 Phiarus abdom.
uinea d. ?/, n.Gr. 2), n.Gr. var. rufa 9. ?/, n.Gr.
ı1 1 ‚1
mit schmalem, rotem Endrande, 2—5 blutrot, auf der Scheibe mit
verschwommenem braunrotem Fleck; Ventralsegmente rot 4—6 mit
142 Dr. H. Friese: Neue Bienen-Arten
schwarzem Scheibenfleck, 5—6 wie bei abdominalis gebildet; Tarsen
rot bis rotbraun, Tibie III rotbraun, innen wie die Tarsen rot gefärbt.
Behaarung des Körpers mehr weißlich. L. 10 mm Br. 4 mm.
1 & von Sarachs, am 22. Juni gefangen. Turkestan.
Ph. abdominalis var. sanguinea hat auch ein weitergehendes
Zoologisches Interesse, zeigt sie uns doch bei einer so stark sexuell
dimorphen Form, 2 mit rotem Abdomen, 3 gewöhnlich mit schwarzem
Chitin, daß neben solchem extremen Geschlechts-Dimorphismus doch
auch dem Q gleich gefärbte $ Individuen auftreten können. Ähnlich
liegt der Fall bei Biastes brevicornis Pz., wo auch 5 mit dem rot-
gelärbtem Abdomen des ? auftreten sollen.
Phiarus abdominalis var. rufa n. var. 9.
9. Wie Ph. abdominalis 9, aber Abdomen ganz rot, also auch
Segment 4—5 ohne schwarze Färbung, 5—6 rötlich behaart, nicht
schwarz wie bei der Stammform. L. 9 mm Br. 3Y/, mm.
1 2 von Eriwan im Kaukasus-Gebiet, Korb leg.
Caesarea n. subgen.
Wie Ammobates, aber Abdomen schmal, langestreckt, Segment
3—6 stark deprimiert, flach, 5—6 verlängert, verjüngt verlaufend, da-
durch den Übergang zu Dioxys herstellend. L. 8!/,;, mm. Ost-Europa.
— Ammobates subg. Caesarea.
Ammobates (Caesarea) depressa n. sp. 9.
Dem Ammobates vinctus Gerst. aus Südeuropa ähnlich, aber
Segment 4—6 schwarz, verlängert und stark deprimiert.
Ammobates (Caesarea) Ammobates (Caesarea)
depressa 9. °/ı n.Gr. sanguinea 2. ?/, n.Gr.
| I 9. Schwarz, mit einzelnen weißfilzigen Stellen, Kopf und Thorax
grob runzlig punktiert, mit erhabenen, glatten, glänzenden Stellen,
Gesicht schwach weißlilzig, Clypeus fein gerunzelt, matt; Mundteile
schwarz, Antenne schwarz, 2. Geißelglied = 3 (bei A. vinctus viel
länger als 3). Mesonotum mit breiter eingedrückter Mitteliurche,
darin mit Mittellinie, Scutellum 2-beulig; Area spiegelglatt, mit matter
Mittelfurche, Abdomen ziemlich grob punktiert, mit glatten Segment-
rändern, fein greis befilzt, Segment 1—3 rot, 4—6 schwarz und fein
der palaearktischen Region (Hym.). 143
punktiert, Endränder mit gleicher Skulptur, 2—6 deprimiert, ganz
lach, 4—6 verlängert, so daß das 6 länger als breit ist, mit gelb ge-
fransten Endrand. Ventralsegmente punktiert, 1—3 rotbraun,
4—6 schwarz, 5 so lang wie breit, auf der Endhälfte scharf gekielt,
am Ende rund ausgeschnitten, so daß das 6 (?) als 2-teilige Gabel
sichtbar wird. Beine schwarz, matt, Klauenglied braunrot, jederseits
braunrot gefranst, Calcar schwarz, Metatarsus — ?/, der Tibienlänge
erreichend, und !/, der Tibienbreite, zylindrisch. Flügel gebräunt,
besonders am End- und Vorderrande, Adern schwarzbraun, Tegulae
schwarz mit braunem Rand. L. 8!/, mm Br. 2!/, mm.
1 2 von Murut im Kaukasus.
Ammobates (Caesarea) sanguinea n. sp. 9.
Der (©. depressa Fr. in der Form sehr ähnlich, aber das Rot weit
verbreitet und die glatten Ränder der Segmente I—5 sehr breit und
stark glänzend.
Q. Wie (©. depressa, aber blutrot, nur Mesonotum, Mesopleuren,
Scutellum und Areamitte rotbraun bis schwarzbraun, Kopf und Thorax
grob runzlig punktiert, wie bei depressa, aber mit feinem, gelbem
Haarflaum überzogen, Gesicht weißfilzig; Ende vom Labrum und
Mandibel schwarz, Antenne rotbraun, oben schwarzbraun, 2. Geißel-
glied etwas länger als 3. Pronotum dicht weißülzig, ebenso Metanotum
und die Seiten des Mittelsegments. Abdomen blutrot, nur Scheibe von
Segm. 4—5 schwarzbraun, 6 schwarz, gelb gefranst, Segment 1 ganz,
2—4 seitlich weißfilzig, so daß bei auffallender Beleuchtung 4 weiße
Randflecken jederseits sichtbar werden; Segmente fein punktiert;
aber die niedergedrückten Ränder von 1—5 breit, glatt, glänzend und
konkav, 6 fein runzlig punktiert, matt; Bauch ganz rot, 5. der ganzen
Länge nach stark gekielt, sonst wie bei depressa gebildet. Beine rot,
weißüilzig, Calcar schwarz. Flügel getrübt, Adern schwarzbraun,
Tegulae rotbraun. L. 8!/, mm Br. 21/, mm.
1 2 von Turkestan, Sarachs im Juni, durch Radoszkowski
erhalten.
Ichneumonidenstudien.
Von
Alb. Ulbricht, Crefeld.
Nachstehend bringe ich einige Notizen über Schlupfwespen, wie
ich sie mir beim Bestimmen der Tiere gemacht habe. Vielleicht tragen
sie etwas zur besseren Unterscheidung der Arten bei oder geben
wenigstens Anregung, diese etwas vernachlässigte Hymenopteren-
familie mehr zu beobachten und zu sammeln. Das Häuflem der
Schlupiwespenliebhaber ist recht klein; es fehlt noch sehr an den
Sammlern, die das Material aus allen Gegenden herbeibringen und
Interesse an seiner Feststellung haben. Bei intensivem Sammeln
werden immer noch neue Formen gefunden und für den Forscher
ist deshalb noch reichlich Arbeit.
Hoplismenus pica Wesm.
Das bisher noch nicht bekannt gemachte 53 läßt sich nach der
Beschreibung des ® leicht bestimmen.
Weiß sind: Oberlippe, Clypeus mit Ausnahme eines dreieckigen
Fleckes an der Spitze, Maxillartaster exkl. Basalglied, die Seiten des
Gesichts, Flecken auf der Vorderseite des Schaftes, Linien an der
Flügelwurzel, Schildchen, Dornen des Metathorax, 2 runde Flecken
des 1. Segments, Flecken aui der Unterseite der vorderen und auf
der Oberseite der hintersten Hüften. Fühlerring, Flecken des
2. Segments und die Vorderbeine sind mehr bräunlichgelb.
Postpetiolus und Basis des 2. Segments sind grob runzlig punktiert;
Unterseite, Hinterleib und Beine grauschimmernd behaart. Länge
14 mm.
1 & aus Senjsko Bilo (Ungarn) von Herrn Dr. Kiss v. Zilah ın
Bethlen gefangen.
Type Coll. Kiss.
Platylabus larvator Gr.
Das $ dieser Art ist bereits 1829 von Gravenhorst beschrieben; das
Q war bisher unbekannt. Ein solches wurde von Herrn Dr. Kiss-Bethlen
in der Umgegend von Fiume (1. V11.09) entdeckt und mir gütigst
überlassen. Es weicht nur unbedeutend von der Beschreibung des 3
ab und”zwar in den nachstehenden Punkten: Mandibeln mit gelbem
Fleck; Clypeus schwarz, Gesichtsränder nur schmal gelbweiß; Meso-
notum schwarz, dafür ein Fleck mehr an den Brustseiten unter den
Hinterilügeln gelb. Hintertarsen rot. Die über körperlangen Fühler
sind nicht gezähnt; die weiße Zeichnung ist nur Halbring; dahinter
sind sie leicht zurückgebogen. Bohrer sehr kurz. Länge 9 mm.
Ichneumonidenstudien. 145
Cryptus rhenanus n. sp. 28.
Q Länge 10—13 mm. Kopf hinter den Augen verengt. Fühler
diek,fadenförmigundstarkeingerollt, die emzelnen
Glieder viel kürzer als bei anderen Arten; die Hälfte des 6. bis mit
dem 11. Glied innen weiß, außen braun. Metathorax runzlig, nur die
hintere Querleiste deutlich und mit schwachen Seitenhöckern.
Bohrer kürzerals derhalbe Hinterleib. Kopf und
Thorax punktiert, fast matt; Hinterleib etwas glänzender. — Schwarz;
Beine gelbrot; Hüften, Trochantern sowiehintereSchienen
und Tarsen schwarz, die schmale Basis der Schienen ver-
schwommen rötlich. Flügel schwach getrübt, Stigma braun, in der
Mitte heller.
& 12—13 mm. Auch hier sind die Fühler dicker als bei verwandten
Arten; Hinterleib viel breiter als bei Cr. fulvipes, spiralis und
moschator. Körperschwarz,ohnejedeweißeZeich-
nung. Beine wie beim 9, aberdieHälftedes2,das3.und
4. Glied der Hintertarsen weiß. Die Leisten des Meta-
thorax etwas deutlicher.
Beschrieben nach 6 @ und 2 $ aus der Umgebung von Crefeld
und Neuß (meist am Rheinufer). Außer in der Größe variieren die
Exemplare gar nicht.
Die neue Art ist dem Cryptus lugubris Gr. nahe verwandt und
es wäre möglich, daß sie eine Lokalvarietät des letzteren bildete;
dannaber würde dasvon Thomson beschriebene
und zu lugubris Gr. 9 gestellte $ schwerlich zu
dieser Art gehören.
Die neue Art hatte ich schon früher einige Male gefangen; sie
war mir seinerzeit als Or. spiralis Gr. bestimmt worden. Als ich aber
im vergangenen Jahre den richtigen Or. spiralis Gr. aus Spanien
erhielt, kam der Irrtum zutage.
Hoploeryptus buccatus Tschek.
Nach Schmiedeknecht sind bisher nur & aus Österreich bekannt.
Ich erhielt ein solches von Herrn Pulm-Neuß, gefangen in der‘ Um-
gegend am 16.5.05. Länge 13 mm.
Hoploeryptus quadriguttatus Gr.
1 $ aus der Umgegend von Neuß muß ich zu dieser Art stellen,
obgleich es nicht genau den Schmiedeknechtschen Angaben entspricht.
Vielleicht kann nachstehende kurze Beschreibung zur Klärung dieser
Art beitragen:
Kopf hinter den Augen nicht verengt. Auch die Areola
ist wie bei H. buccatus Tschek beschaffen, nämlich der innere Nerv
ist länger als der äußere und der rücklaufende Nerv
mündetweitvorder Mitte. Nervellus postfurkal, ungefähr
in der Mitte gebrochen. Die Fühler sind hinter der Mitte etwas
Archiv iür Naturgeschichte
1911.12. 10
146 Alb. Ulbricht:
breitgedrückt und dann zugespitzt. Körper schwarz, Hinter-
rand des zweiten Segments rot. Weiß sind: Flecke der Mandibeln,
einer auf dem Clypeus und einer mitten im Gesicht, ebenso die Ge-
sichtsseiten, ferner Tegulä, Schildehenspitze und das 7. Segment.
Beine rot, Hüften und Trochantern schwarz; Basis der Vorderschenkel,
hintere Knie, Schienen und Tarsen braun; auch die Mitteltarsen sind
gebräunt, mit Ausschluß des weißen 3. und 4. Gliedes; an den Hinter-
tarsen ist die Hälfte des 2., das 3. und 4. Glied weiß. Länge 10 mm.
— Das Exemplar befindet sich in der Sammlung des Städt. Natur-
wissenschaftl. Museums Crefeld.
Pleetoeryptus flavopunetatus Bridg.
1 Q und 1 S aus der Umgegend von Neuß. Während das ? genau
mit der Beschreibung übereinstimmt, machen sich bei dem einzigen &
einige Abweichungen bemerkbar:
Der helle Gesichtsfleck, wovon die Art wahrscheinlich ihren
Namen hat, ist kaum bemerkbar; dafür ist der ganze Clypeus, die
Unterseite des Schaftes, die Oberseite des 12. und
13. Geißelgliedes, sowie außer dem Schildchen auch das
Hinterschildchen gelb. Ich schlage hierfür den Namen:
var. sellatus m. vor.
Als Unterschied von dem häufigen Pl. arrogans $ wäre noch
anzuführen: Die Fühler sind kürzer und dünner und der Nervellus
stark antefurkal, während er bei arrogans oppositus ist.
Type im Städt. Naturw. Museum Crefeld.
Pimpla brachycera Thms.
Diese Art ist von Thomson mit ganzen zwei Zeilen Beschreibung
bedacht und auch Schmiedeknecht wußte ihnen nichts mehr hinzu-
zusetzen. Trotzdem scheimt sie garnicht selten zu sein, wenigstens
hat sie eine weitere Verbreitung. Ich fing sie in mehreren Exemplaren
in den Ratinger Wäldern bei Düsseldorf, erhielt sie aus Neuß (Pulm),
sah sie aus Brilon i. Westfalen, aus Versecs und Nagyenyed in Süd-
ungarn (Dr. Kiss); ferner erhielt ich sie aus Montarco in Spanien,
aus Südfrankreich und Korsika. Die Briloner Exemplare waren aus
Larinus stumus von Thurau gezogen und befinden sich im Kgl.
zoologischen Museum zu Berlin.
© Länge 12 mm, dabei sehr robust; Bohrer vom Ursprung gemessen
12,5 mm, Fühler 6 mm. Schwarz, 2. bis 5. Segment verschwommen
braunrot. Die ungarischen Exemplare sind kleiner, nur 8&—9 mm,
und haben schwarzen Hinterleib. Spitze der Fühler rostrot. Beine
rot; Vorder- und Mittelhüften schwarz, letztere manchmal nur an der
Basis, manchmal auch die Hinterhüften braunfleckig; Basis der
Schienen schwach weißlich, Klauen braun, Clypeus vorn halbrund
eingedrückt, etwas rötlich. Endglieder der Taster, Tegulä und ein
Punkt davor gelb. Stigma braun, bis zur Mitte und
wiederamEndeweiß. Areola breit; Nervellus nur wenig über
Ichneumonidenstudien. 147
der Mitte gebrochen. Der ganze Körper mit Ausnahme der glatten
Hinterleibsränder grob und tief punktiert; Thorax matt, nur über
den Hüften glatt und glänzend.
Von dem bisher unbekannten £ erhielt ich 1 Ex. aus Neuß und
mehrere aus Ungarn und Frankreich. Es ist an den kurzen, an der
Spitze roten Fühlern, dem grob punktierten, gedrungenen Körper
und an der Färbung des Stigma (s. 9) als hierzu gehörig zu erkennen.
Kopf hinter den Augen verengt. An den roten Beinen sind alle Hüften
und die Basis der Trochantern schwarz, die Basis der Hinterschienen
ist deutlicher weiß und die hinteren Tarsenglieder gelblich mit braunen
Spitzen; die Vorderbeine sind mehr gelbrot. Auffällig sind die großen
Genitalklappen. Bei 2 Exemplaren ist der Hinterleib rötlich durch-
schimmernd, bei dem dritten ganz schwarz. Länge 7—9 mm. Die
übrigen Merkmale stimmen mit dem 9.
Typen: Coll. Kiss und meine Sammlung.
Pimpla Enslini n. sp. 9.
Gehört zur Gruppe der P. maculator, alternans, Kolthoffi etc.
(Untergattung /toplectis Först.) und zeichnet sich vor den genannten
Arten aus durch die schwarzen Fühler und Taster, schwarzbraune
Tegulä, schwarze Hüften und Trochantern, sowie die schwarzen,
schmal weißgeringelten Hinterschienen und Tarsen.
Kopf hinter den Augen gerundet verengt. Fühler ziemlich lang,
gegen das Ende verdickt. Mesonotum fein punktiert, glänzend und
kaum sichtbar behaart, ohne Parapsiden; die Seiten glatt und glänzend.
Metathorax kurz, wenig gewölbt, an den Seiten punktiert, zwischen
den kräftigen parallelen Leisten und im hinteren Mittelfelde glatt
u. glänzend. Luftlöcher oval. Hinterleib dicht und rauh punktiert,
die Endränder der Segmente sparsamer und glänzend. Die mittleren
Segmente mit starken Einschnürungen und deutlichen Höckern.
Bohrer von !/, Körperlänge. Nervulus postfurkal und
wenig schräg; Nervellus wie bei den verwandten Arten weit über
der Mitte gebrochen. Klauen ungezähnt.
Körper schwarz, nur die vorderste Ecke der Tegulä sowie die
feinen Hinterränder der mittleren Segmente schwach rötlich. Beine
rot, die vorderen mehr bräunlich gelb; Hüften, Trochantern, sowie
die hintersten Schienen und Tarsen schwarz, letztere beiden wie bei
P. alternans schmal weiß geringelt. Die Vorderbeine haben dieselbe
Zeichnung, aber mehr verschwommen braun und gelb. Hinterschenkel
an der Spitze braun. Flügel glashell; das Stigma schwarz, an Basis
und Spitze heller. Länge 6 mm.
1 2 von Herrn Dr. Enslin in Fürth i. B. gefunden, der es mir
freundlichst überlassen hat.
Pimpla terebrans Ratzeb.
ist in Färbung und Größe recht variabel. Als Hauptmerkmale haben
zu gelten: Stirn glatt und glänzend; Stigma breit; Klauenglied nur
10*
148 Alb. Ulbricht:
doppelt solang als das vierte. Erstes Segment länger als breit, das
zweite quadratisch, das dritte bis fünite quadratisch oder breiter wie
lang und mit starken Höckern; Hinterleib am Ende zugespitzt. Bohrer
länger als der Körper; Bohrerklappen kaum sichtbar behaart.
Bei der Stammform (Ratzeburg, Ichn. d. F. 1844 u. 1848)
ist das Stigma schwarzbraun, die Beine dunkelrot, hintere Schienen
und Tarsen braun.
Später (1863) hat Taschenberg eine Form mit gelb-
rotem Stigma und gelbroten Beinen mit Ausschluß
der an Außenseite schwarzbraunen Hinterschienen und der Tarsen als
P. terebrans Ratzeb. beschrieben. Dieselbe Form hat Thomson
1877 als Ephialtes planifrons beschrieben. Herr Dr. A Roman ın
Upsala übersandte mir ein solches Exemplar, das er mit den Thom-
sonschen Typen verglichen hatte. Ich habe diese Form bei Düsseldorf
gefangen und sie 1909 (Mitt. d. Ver. f. Naturk. Crefeld, p. 19) als
P. terebrans Rtzb. var. Taschenbergi m. bezeichnet. Es sind aber
auch Übergänge vorhanden, denn in dem Maße, wie bei einem Ex.
die ‘Beine heller rot gefärbt sind, sind auch das Stigma und die Hinter-
schienen heller braun.
1896 beschreibt Kriechbaumereinen Zphialtes geniculatus 9,
der nichts anderes ist als P. terebrans Rtzb., wie ich aus einer größeren
Anzahl südungarischer Stücke feststellen konnte, bei denen alle Über-
gänge vorhanden waren (hintere Knie weißlich oder rot oder schwarz-
braun).
Alle mir bekannt gewordenen $ haben schwarzbraunes Stigma,
wenigstens an der Außenseite schwarzbraune Hinterschienen mit
weißlicher oder rötlicher Basis; die vorderen Hüiten und Trochantern
sind gelb oder gelb mit schwarzer Basis, die hintersten Hülten schwarz
oder braunrot. — Ich habe die $ Mitte bis Ende Mai bei Crefeld in
srößerer Zahl an Eichengebüsch gefangen; die ? erscheinen einige
Tage später bis Anfang Juni an denselben Örtlichkeiten. Nach meinen
Beobachtungen sind die hellgefärbten zu planifrons gehörenden
Exemplare die kleinsten (ca. 10 mm), während die südlichen geni-
culatus von 10—18 mm groß werden; die Stammform hält die Mitte.
Die Synonymie dieser Art würde sich also folgendermaßen stellen:
Pimpla terebrans Ratzeb. |
Pimpla terebrans var. planifrons Th. syn. v. Taschenbergi Ulbr.
Pimpla terebrans var. geniculatus Kriechb.
Eine andere Frage wäre nun, ob man die Art nicht lieber zu Ephialtes
stellen soll: Das $ hat ganz Ephialtes-Charakter und das 2 wenistens
das oberflächliche Aussehen; aber Prof. Schmiedeknecht ist der
Meinung, daß sie besser bei Pimpla stehe.
Pimpla Habermehli Schmiedek. (1904)
halte ich für eine schwarze Form der P. arundinator F., obgleich es
mir noch nicht gelungen ist, eine typische arundinator zu erhalten.
Auch Schmiedeknecht sagt, daß er nur schwarze Exemplare der
Ichneumonidenstudien. 149
P. arundinator F. in Thüringen gefangen habe. Dr. A. Roman in Upsala
hält die Habermehli identisch mit P. similis Bridg. (1884), welcher
Name dann die Priorität hätte. Verschiedene Punkte sprechen aber
gegen diese Annahme. Bei den mehr als 20 Exemplaren, die ich gesehen
habe, darunter mehrere von Herrn Prof. Habermehl in Worms, schwankt
die Bohrerlänge zwischen 1/,—?/, Hinterleibslänge (similis: Bohrer
so lang wie der Hinterleib), die Körperlänge zwischen 9—12 mm
(similis: 6—10 mm); bei letzterer wird der Thorax ‚ohne alle Skulptur“
genannt; ich finde bei Habermehli das Mesonotum zwar glänzend,
aber doch deutlich punktiert, ebenso das Metanotum zu beiden Seiten
der Längsleisten mit deutlichen Punkten.
Die P. Habermehli ist weit verbreitet. Außer hier am Nieder-
rhein am schilfreichen Rheinufer und ım Hülserbruch, habe ich sie in
Sachsen an der Triebitzsch gefangen. Herr Professor Brauns-Schwerin
hat mir diese letzteren 2 Stücke seinerzeit mit P. arundinator F.
bestimmt. Ferner habe ich noch 2 Ex. aus Versecz in Südungarn
(Dr. Kiss) gesehen, die vollständig mit den hiesigen übereinstimmen.
Abgesehen von der rötlichen Färbung des Hinterleibs bei arundinator,
paßt sowohl die Beschreibung von arundinator F. als auch von Haber-
mehli Schmdk. auf alle. Ich würde vorschlagen, die Art als Pimpla
arundinator F. var. Habermehli Schmdk. zu bezeichnen.
Die Habermehli ist der Pimpla detrita Hlgr. sehr ähnlich. Beide
Arten haben die auffallend erweiterten Klauenglieder, wenngleich
dieses Merkmal weder bei arundinator noch bei Habermehli erwähnt
wird; beide Arten sind aus den Schiligallen der Fliegengattung Lipara
gezogen worden und bei manchen Exemplaren ist man wirklich im
Zweifel, ob man sie zu Habermehli oder detrita stellen soll. Ich habe
detrita-Exemplare, die die rötliche Hinterleibsfärbung der arundinator
oder einen etwas längeren Bohrer besitzen, und Habermehli-Exem-
plare, bei denen Hinterschienen und Tarsen genau wie bei detrita
gefärbt sind. — Auch die so oft empfohlene Zucht kann hier keine
endgültige Entscheidung bringen. Die Pimpla-Arten sind eben fast
alle polyphag, und wenn ich aus einem Bündel Schilf alle drei vor-
genannten Formen gezogen habe, wer kann mir mit Sicherheit sagen,
wieviele verschiedene Pimpla-2 die Gallen angestochen haben ?
Delomerista Strandi n. sp. 9.
Die neue Art unterscheidet sich von den bisher bekannten sofort
durch den kräftigen, geraden, nach hinten all-
mählich verbreiterten Bohrer, der sich dann jäh zu
einer kurzen Spitze verjüngt.
Länge 7—7,5 mm, Bohrer knapp 4 mm (vom Ursprung gemessen).
Kopf schwarz glänzend, hinter den Augen verengt; Spitze der
Wangen und Mandibeln gelb; Taster schmutzig gelb; Clypeus in der
Mitte eingedrückt, rötlich. Gesicht gewölbt, nach unten etwas behaart,
unter den Fühlern mit einzelnen Punkten. Fühler länger als der halbe
Körper, gegen die Spitze rötlich. Thorax glänzend, schwarz oben fein
150 Alb. Ulbricht:
punktiert und behaart, an den Seiten glatt. Metathorax gefeldert,
fein runzlig;area superomedia hufeisenförmig, die Seitenfelder undeutlich
geteilt. Luftlöcher klein. Hinterleib schwarz glänzend, vorn durch
stärker runzelige Punktierung matt, nach hinten fein weißlich pubeszent.
1. Segment länger als breit, an der Basis mit 2 Kielen, am Ende beider-
seits niedergedrückt; 2. Segment mit eingedrückten Schrägstreifen,
diese sind jedoch undeutlicher als bei mandibularis; das 3. Segment
noch etwas höckerig, die übrigen glatt. Bohrer kürzer als der Hinter-
leib, sehr kräftig und nach hinten verdickt, mit kurzer Spitze. Flügel
hyalin; Stigma und Tegulä braun; Areola klein, niedrig; Nervellus
etwas unter der Mitte gebrochen. Beine schmutzig rot, die hintersten
von den Knien an mehr oder weniger einfarbigbraun.
Beschrieben nach 2 9, die Herr Embrik Strand in Nor-
wegen: Nordland, Rösvand, Juli 1899 und Nordland, Hemnesberget
in Ranen 13. Juli 1903 gefunden hat.
Type im Kgl. zool. Museum zu Berlin.
Ephialtes messor Gr.
habe ich in 2 Exemplaren aus Deutschland (Sammlung des Kgl. zool.
Museums in Berlin) gesehen; sie waren gezogen aus den Bockkäfern
Stenostola ferrea und Saperda populnea.
Perosis albomarginata n. sp. 29.
Im Vergleich mit den anderen drei bekannten Arten dieser Gattung
fällt diese sofort auf durch ihre geringe Größe, den ganz schwarzen
Kopf und die weißen Hinterleibsränder.
Länge 8 mm. Kopf rundlich, glänzend, hinter den Augen kaum
erweitert. Körper schwach skulpiert, glänzend. Metathorax mit beiden
Querleisten, dazwischen querrunzlig, aber feiner als P. annulata. Das
1. Segment ziemlich kurz, gedrungen und gekrümmt, kaum gestielt;
die ohrförmigen Erweiterungen an der Basis wenig deutlich. Hinterleib
spindelförmig. Bohrer von ca. halber Hinterleibslänge. Fühler faden-
förmig, die ersten Geißelglieder verlängert und dünner, 7 mm. Areola
klein, fünfseitig, der äußere Nerv fehlt; der rücklaufende Nerv in der
Mitte. Nervulus weit vor der Gabel. Hinterer Teil des Radius stark
nach der Spitze des Flügels gekrümmt. Nervellus postfurkal, etwas
über der Mitte gebrochen. Beine sehr dünn; Vorderschenkel ausge-
randet; Vorderschienen aufgeblasen, an Basis und Spitze eingeschnürt.
Körper schwarz. Weißlich sind die Palpen, Spitze des Schildehens
und Hinterschildchen, ferner die feinen Hinterleibsränder vom
2. Segment an. Reinweiß ist der Fühlerring. Die Basis der Fühler
verschwommen rostrot, ebenso die Mandibeln rostrot. Beine rot;
Hüften, Trochantern, hinterste Knie, Spitze der Schienen und Tarsen
braun. Der weiße Ring der Hintertarsen umfaßt das letzte Drittel des
1., das 2. und 3. und die Hälfte des 4. Gliedes. Die äußerste Spitze
des Metatarsus ist jedoch wieder gebräunt. Die Mitteltarsen braun
mit rötlichem Ring.
Ichneumonidenstudien. 31
Das einzige @ wurde von Herm Dr. Kiss in Hadad in Ungarn
gefunden.
Type: Coll. Kiss.
Odontomerus rufiventris Hlgr. n. var. rufipes m. 9.
Die neue Varietät steht zwischen rufiventris und melanarius Hlgr.
— Hinterleib glänzend und äußerst fein punktiert, nur das 1.
und die Basis des 2. Segments etwas stärker schwarz, die mittleren
Segmente besonders an den Hinterrändern rötlich durchschimmernd.
Beine rot; Hüften und Trochanternbasis schwarz; bei einem
Exemplar auch die Spitzen der Hüften rot. Mittelschienen nicht gedreht.
Bohrer kaum länger als der Körper. Auffällig ist der kurze, fast punkt-
förmige Kubitalquernerv. Länge 9—1l1l mm.
1 Ex. aus Melsungen (Cl. Gehrs), das andere aus Südungarn
(Dr. Kiss).
Xorides Kissi n.sp. 23.
Nervulus vor der Gabel. Gesicht sehrschmal, nach
unten verengt; die Entfernung von Clypeus und Fühlerbasis ist etwa
doppelt so groß als der untere Augenabstand. Das 1. Segment fast
bis zur Spitze mit Längsrinne. Hinterleib fein querrunzlig
punktiert, beim 3 vom 2. Segment an glatt und glänzend. Klauen
nieht gespalten. Bohrer etwas länger als der Hinterleib.
Schwarz; insbesondere derHinterleibobenundunten
ohne weiße Segmentränder. Weiß sind beim ® nur die
schmalen Gesichts- und Stirnseiten, beim & Palpen, das ganze Unter-
gesicht, die Stirnseiten und der Schaft unten. Tegulä beim 9 braun,
beim $ gelb oder rötlich. Prothoraxseiten ® und 3
sehwarz. Beine rot, die vorderen beim & mehr gelb; Hinter-
schienen und Tarsen braun, an der Basis 9 rot,
d weißlich. Stigma gelbbraun. Länge 14—16 mm.
Beschrieben nach 2 9 und 2 $ aus Südungarn, entdeckt von
Herrn Dr. Kiss v. Zilah in Bethlen. Typen: Coll. Kiss.
Banchus falcatorius F. 9.
Bei südostungarischen Stücken finde ich das Rot auf den vorderen
Segmenten mit gelben Flecken und Binden untermischt; bei einem 9
ist die rote Färbung ganz geschwunden und dafür das 1. bis
3. Segment am Hinterrand mit breiter gelber
Binde. versehen Auch das Schildchen hat einen gelben Längswisch.
Ich schlage vor, diese auffällige Abweichung mit: var. Iuteofaseiatus m.
zu bezeichnen.
Type und Übergänge: Coll. Kiss.
Rhorus Braunsi Haberm.
Seit ca. 4 Jahren fange ich diese Art regelmäßig am Rheinufer
auf Wiesen und zwar immer nur an den Stellen, wo auch die Knopf-
152 Alb. Ulbricht.
horn-Blattwespen Abia sericea L. und Abia candens Kw. vorkommen.
Die Blattwespen fliegen im Juli und August, die Schlupfwespen im
August bis Anfang September. Ich glaube sicher annehmen zu dürfen,
daß der Rhorus Braunsi bei den Abia schmarotzt, umsomehr als auch
der größere Rhorus punctus Gr. bei der größeren Knopfhornwespe
Cimbex lutea L. lebt.
Habermehl hatte nur das ® beschrieben. Das & ist ganz ähnlich,
in allem etwas dunkler: Gesicht meistschwarz, bei einem &
ist der Clypeus mit gelbem Fleck, bei einem anderen & das Gesicht
mit 2 rundlichen gelben Flecken unter den Fühlern (? Gesicht gelb).
Fühler länger als beim $, schwarz, nur an der Basis unten rot
(2 ganz rot). Schildchen schwarz (2 gelb oder gelb mit schwarzem
Mittelfleck). Hinterleib schwarz, die mittleren Segmente
rot, das 2. mit großen gelben Flecken oder einer Binde am Hinter-
rand. Beim 2 ist die gelbe Färbung ausgedehnter, oftmals gar kein
Rot mehr vorhanden. Länge 9—11 mm.
Typen in meiner Sammlung.
Verzeichnis der beschriebenen Arten.
Seite
Banchus falcatorius F. n. v. luteofaseiatus . . . 222 2 2200. 151
Cryptus-rhenanus,n. Sp-4 2 0 nl een En 145
Delomierista, Strandı Nn..8Ps ,-., wrreızeraes)n werten oe Melle a er Re 149
Iiplualtes messor Gr, ver. wugen 2.0 Apr, icheie we ne ae 150
Floplisspenus Pıca Wasm: ., um =, = 00.06 5 eb. "8 yopaeike Te ee 144
Eioploeryptus buceatus, Ischek 0 0 0 ee ae ne 145
Hioplöeryptus: quadrigubtatus. Gr. 2 0..0 anne © or onanıa er 16 ee ae 145
Odontorserus/rutiventris. Hior. n. v.,rufipes, „0 .0oe un 151
Perosıs albomarsımala n.8p.W ._ 2 une rear ale ee Be Seren 150
Piniplar prachycera The \.2 0.2 auto no ee Zone ner ea 146
PrimplstEnslni n. ep. . a0) = 0, ee ubre ree ae Be ee: 147
Eımpla Habermehl Schmiedk.. „7. =. top .ge je fe ferteuns za = 148
Pimpla terebrans Ratzb. 0... ter. re ee ae ee Ve 147
Platylabus larvator "Gr. * uteye gu ne eh age ae ee a ee 144
Plectocryptus flavopunctatus Bridg. n. var. sellatus ... 2.2.2... 146
Rharus: Braunsı Haberm: zu. IE WI RE . „4151
Xorides Kissin. sp a a 70. HB, el IEN Hl
Neue Arten der Chaleididengattungen
Epistenia Westw., Aepocerus Mayr und
Podagrion Spin.
Von
Embrik Strand.
Epistenia bella Strand n. sp.
Ein @ von: Peru, Pachiteafluß.
Von B. quadriplagiata Wlk. (Amazon.) leicht dadurch zu unter-
scheiden, daß der Kopf breiter als Thorax ist, Antennen einfarbig
schwarz, Flügel subhyalin mit braunem Geäder und einem einzigen,
längsverlaufenden, höchst undeutlichen bräunlichen Schatten durch
die Mitte. Von der ohne Vaterlandsangabe beschriebenen E. ania WIk.
ebenfalls durch die einfarbigen Fühler usw. abweichend. Wohl am
nächsten mit Z. basalis Wlk. von Tapayos (Brasilien) verwandt, aber
die Suturen des Thorax sind nicht von der Umgebung abweichend
gefärbt und ebenso wenig die Spitze des Abdomen usw. — Kopf und
Thorax blau, Gesicht grünlich, Scutellum purpurschimmernd; das
erste Rückensegment sehr glatt und stark glänzend, prachtvoll goldig-
bronzefarbig glänzend; die beiden folgenden Segmente matt, mit sehr
groben Punktgruben, und ganz schmaler, glatter, aber wenig glänzender
Hinterrandbinde, purpurblau gefärbt; die folgenden Segmente schwarz
mit ganz schwachem Purpurschimmer; an den Seiten sind die Segmente
in der Basalhälfte blau, in der Endhälfte grün, der Bauch schwärzlich,
und ebenso die Spitze des Abdomen. Beine rot, die Coxen II und III
grün-blau, Tarsen II—III in der Basalhälfte heller, am Ende dunkler
als die übrigen Glieder. Augen schwarz. Tegulae rötlich. — Die Spitze
des Bohrers ist von oben sichtbar. Das Gesicht ist der Länge und Quere
nach gleichmäßig gewölbt. Augen in der oberen Hälfte innen sub-
paralell, in der unteren nach unten divergierend. Der Knopf des Radius
recht deutlich, eine schräg nach vorn und außen gerichtete Ecke bildend.
Körperlänge 8, Flügellänge 5,5 mm.
Aepocerus nitidiventris Strand n. sp.
Ein 2 von Amazonas, Obidos I. 1906 (Ducke).
Weicht von der Gattungsbeschreibung dadurch ab, daß die hinteren
Ozellen von den Augen weiter als von der vorderen Ozelle entfernt sind,
die Stirnlängsgrube ist so tief, daß der Schaft beider Fühler darin
offenbar ganz eingebettet werden kann und „unmittelbar hinter den
Fühlergelenken“ ist ein „kürzeres oder längeres Längskielchen“ nur
ganz schwach angedeutet. Der Kopf nach unten und ein wenig nach
hinten gerichtet. Bewimpert ist im Vorderflügel nur der Saum, der
Marginalabschnitt des Vorderrandes trägt aber feine und ganz kurze
154 Embrik Strand: Neue Arten der Chalcididengattungen
Börstchen. Radius nicht halb so lang wie die Marginalader, mit recht
deutlichem Knopfe.
Von den von Mayr beschriebenen (in: Verh. Zool. bot. Ges.
Wien 35 (1885) p. 241—246), bisher einzig bekannten Arten schon durch
bedeutendere Größe abweichend: Kopf + Thorax 2,5, Abdomen 3 mm
lang, steht aber nach der daselbst gegebenen Artenübersicht der A. sim-
plex am nächsten, wenn auch die Pronotumscheibe nicht flach, sondern
vielmehr der Länge wie Quere nach gewölbt ist; von oben gesehen er-
scheint Pronotum fast sechsmal so breit wie lang. — Kopf und Thorax
grün, die Stirngrube, Wangen, Mesonotum und teilweise Pronotum
bläulich, tief blau sind die Axillen, die Hinterhälfte des Scutellum,
die Pleuren und Außenseite der Coxen II und III, Femoren I—II
schwärzlich, III grün, die beiden Enden aller Femoren, die Spitze
aller Coxen, sowie die Trochanteren hellgelblich und so sind auch die
folgenden Glieder mit Ausnahme eines dunklen Ringes in der End-
hälfte der Tibien; dunkel ist ferner das Krallenglied der Tarsen, Tegulae
und Flügelbasis hellgelblich, Geäder schwärzlich, Flügel hyalin, ganz
schwach iridisierend. — Abdomen glatt und besonders an der Basis
sehr stark glänzend; das erste Rückensegment grün mit schwachem
goldigem Schimmer an der Basis, die folgenden schwarz mit schwachem
bronzefarbigem Schimmer, die Seiten und die Unterseite des Abdomen
stark grünlich-goldig glänzend, die Spitze geschwärzt. Abdomen
unten und an den Seiten spärlich mit ziemlich langen, schräg abstehenden
weißlichen Haaren besetzt. Kopf reichlich so breit wie Thorax, dieser
unverkennbar breiter als Abdomen, das von oben wie von der Seite
etwa dreieckig, nach hinten allmählich und scharf zugespitzt, oben
abgeflacht, unten vorn keilförmig ist. Kopf und Thorax matt, dicht
und grob runzlig punktiert. Augen ziemlich klein, hochsitzend,
graulich gefärbt.
Podagrion coeruleo-viride Strand n. sp.
Viele Exemplare von: Surinam, Paramaribo (Heller) (Typen!)
und von: Demerary (H em m).
Von den in Frage kommenden bekannten Arten leicht zu unter-
scheiden; P. brasiliense How. ist kleiner, der Ovipositor ist kürzer als
der Körper (hier dagegen deutlich länger) usw.; P. cyaneum Ashm. ist
abweichend gefärbt und die hinteren Femoren tragen mehr Zähne;
P. melleus Westw. ist recht ungenügend beschrieben, scheint aber jeden-
falls von vorliegender Art verschieden zu sein. Die übrigen be-
schriebenen Arten sind ebenfalls alle verschieden, was übrigens schon
wegen des Vorkommens in anderen Weltteilen zu erwarten war.
Femoren III mit 5 kräftigen Zähnen.
Kopf und Thorax grün, Mesonotum, Scutellum und Dorsulum
schwach bronzefarben schimmernd, Metathorax blau und ebenso
das erste Segment oben und z. T. an den Seiten; Abdomen ist sonst
im Grunde braungelb, über die Mitte aber mit zwei oben zusammen-
hängenden, an den Seiten divergierenden, den Bauch fast erreichenden
Querbinden, während die Spitze des Abdomen grün ist. Bohrer schwarz,
Epistenia Westw., Aepocerus Mayr und Podagrion Spin. 155
unten mitten gebräunt. Beine I—II einfarbig braungelb, an III sind
die Coxen grün mit blauer Außenseite und braungelber Spitze, die
Trochanteren braungelb, die Femoren braungelb, aber mit einer
breiten grünblauen Querbinde, die der Spitze des Gliedes näher als der
Basis ist und sich auch auf der Innenseite des Gliedes fortsetzt, unten
jedoch unterbrochen ist, die Zähne der Femoren schwarz und so sind
auch die Tibien, bloß an beiden Euden und teilweise unten braungelb.
Tarsen bräunlich-gelb mit dunklerer Spitze. Fühler braungelb mit
schwarzem Kolben und dunkel geringter Oberseite. Mundteile
bräunlich. Flügel hyalin, schwach iridisierend, Geäder gelblich. Augen
und Ozellen schwarz.
Körperlänge 4 mm, Bohrer 4,7, Flügel 3 mm lang.
Das $ weicht ab durch das Vorhandensein von nur 4 Zähnen
an den Femoren III und zwar sind diese auch nicht wie beim @ unter
sich einigermaßen gleich weit entfernt, sondern die beiden proximalen
sind unter sich fast doppelt so weit wie der zweite von dem folgenden
Zahn entfernt und die beiden distalen Zähne hängen in ihren basalen
zwei Dritteln der Länge nach zusammen und bilden also einen Doppel-
zahn, was übrigens, wenn auch meistens weniger deutlich beim 2 der
Fall ist. Abdomen ist bräunlichgelb mit schwarzem Apicaldrittel und
gebräunter Basis, sowie etwas flachgedrückt, von oben gesehen drei-
eckig, gegen die Basis allmählich verjüngt mit der größten Breite im
apicalen Drittel, an der Spitze breit abgestutzt.
Von Paramaribo sind 29 2 9, aber bloß 25 $ vorhanden. Zwei
Eierpakete irgend einer Mantide, aus welchen diese Exemplare ge-
züchtet sind, liegen auch vor; sie sind hellgraubräunlich gefärbt und
28 X 21 bezw. 14 x 14 mm groß.
Podagrion dentatum Strand n. sp.
Ein @ von San Bernardino, Paraguay, 30. IV. (K. Fiebrig).
Von Pod. cyaneum Ashm. abweichend u. a. durch geringere Anzahl
Zähne der hinteren Femoren (8 oder 9?), Kopf und Thorax grün mit
schwachem bronzigem Schimmer, Kolben der Fühler nicht rein schwarz,
die vorderen Coxen sind nicht an der Basis schwarz usw. Von der
Beschreibung von Pod. brasiliense How. (in: Journ. Linn. Soc. London,
Zool. 25. p. 83) durch Folgendes abweichend: Größe bedeutender
(Körperlänge 3 mm, Ovipositor 2,4 mm lang, Flügellän ge 2,2 mm
[die Expansion läßt sich leider nicht feststellen]); Metanotum mit
kräftigen, die hintere Abdachung begrenzenden Schrägleisten, die sich
am Vorderende vereinigen und als eine gemeinsame Mittellängsleiste
bis zum Vorderrande sich erstrecken, eine Felderung auch an der
hinterenAbdachungzwischen den genannten Schrägleisten ist angedeutet;
der Fühlerkolben ist kürzer als die 5 vorhergehenden Geißelglieder
zusammen. Kopf und Thorax dunkelgrün, matt, oben ganz schwach
bronzig schimmernd. Nur der Kolben der Fühler angeschwärzt.
Femoren I einfarbig gelb, die Spitze aller Tarsen dunkel.
Die Art ist jedenfalls mit ?. brasiliense am nächsten verwandt, .
aber wahrscheinlich distinkt. Schließlich kann es eine Frage sein,
156 Embrik Strand: Neue Arten der Chaleididengattungen
ob die nach Exemplaren von St. Vincent (West-Indien) beschriebene
Art, die den unglücklich gewählten Namen brasiliense bekommen hat,
nicht von der in Brasilien vorkommenden Form verschieden ist.
Podagrion terebratum Strand n. sp.
Ein @ von: Canton, China, 10.X.08 (R. Mell), mit flg. Be-
merkung vom Sammler: „Steckausschlag und niedere Äste vom
Banyan-Baume, nachts gekätschert.“
Von der aus Hongkong beschriebenen Art Pod. sinense W]Ik.
abweichend, u. a. dadurch, daß der Bohrer kürzer, jedenfalls der
Schaft der Antennen gelb, die Augen grau-schwärzlich usw. — Von
instructum W]lk., ebenfalls von Hongkong, leicht dadurch zu unter-
scheiden, daß der Bohrer länger als T'horax ist.
Kopf vorn grün, schwach schimmernd, oben dunkelblaugrün,
matt; Abdomen blaugrün, glatt, stark glänzend, Bauchseite bräunlich-
gelb, Bohrer dunkelbraun, unten ein wenig heller. Die Coxen III
außen bläulich, innen schwärzlich, am Ende ebenso wie die ganzen
Trochanteren III und die Basis der Femoren III bräunlichgelb, die
Tibien IJI schwärzlich, an beiden Enden bräunlichgelb; sämtliche
Tarsen gelblichweiß mit dunklerer Spitze. Beme I—II bräunlichgelb,
Femoren mitten bläulich, die Coxen bläulich mit hellerer Spitze. Tegulae
bräunlichgelb, Flügel hyalin, ganz schwach iridisierend, Geäder braun.
(Fühlergeißel fehlt, Schaft siehe oben!) — Metanotum nur vorn mit
Andeutung einer Längsleiste, hinten mit schwachen Schrägleisten.
Mesonotum dicht und ziemlich kräftig retikuliert, wie der Scheitel
gefärbt, matt. Abdomen glatt, glänzend, oben mit einer die ganze
Rückenseite einnehmenden tiefen Einsenkung (ob zufällig?), im
Protil gesehen subtriangulär, die Bauchseite eine fast gleichmäßige
Wölbung bildend, die Rückenseite ganz schwach nach unten konvex
gekrümmt erscheinend. Bohrer viel länger als der ganze Körper
(bezw. 5,5 und 3,6 mm). Die hinteren Femoren mit 6 kräftigen Zähnen,
von denen No. 2 von der Basis an kleiner ist.
Podagrion virescens Strand n. sp.
Ein @ von: Nova Hollandia occ. (Preiss).
Scheint etwas Ähnlichkeit mit dem chinesischen Podagrion sinense
Wik. zu haben, ist aber u.a. durch kürzeren Bohrer zu unterscheiden.
Grün, etwas glänzend, Gesicht und Mesonotum fast matt, Augen braun,
Tegulae bräunlichgelb, Fühler dunkel, grünlich schimmernd; Abdomen
unten, vorn auch an den Seiten bräunlichgelb; Bohrer schwärzlich,
unten ein wenig heller. Beine bräunlichgelb, an den beiden vorderen
Paaren ganz schwach grünlich an den Femoren, die Coxen werden wohl
ganz grün sein (kaum zu sehen, weil das Typenexemplar aufgeklebt ist),
die Coxen III grün, an der Spitze ein wenig heller, die Femoren außen
srün mit gelblichen Enden, innen scheint nur sehr wenig grünlicher
Glanz vorhanden zu sein, die hinteren Tibien bräunlich, die Tarsen
heller. — Hinterfemoren mit 4 kräftigen Zähnen, außerdem scheint
ein kleinerer fünfter Zahn vorhanden zu sein. — Körperlänge 3,5 mm,
Övipositor 4 mm.
Epistenia Westw., Aepocerus Mayr und Podagrion Spin. 157
Podagrion micans Strand n. sp.
Ein @ von Ceylon (Nietner).
Von den beiden von Motschulsky in seinen ‚„Etudes Entom. 8“
beschriebenen Arten von Ceylon schon durch die Färbung leicht zu
unterscheiden; auch das Vorhandensein von 9 Zähnen an den hinteren
Femoren ist abweichend.
Kopf und Thorax matt dunkelblau, im Gesicht teilweise grün-
schimmernd, insbesondere nahe den Fühlern, Augen und Ocellen
rötlich, auch Mundteile rötlich; Mesonotum am dunkelsten blau
gefärbt, Beine einfarbig hellgelb, Antennen hellgelb, aber an der Ober-
seite der Geißel dunkler. Abdomen prachtvoll rot-blau-violett
glänzend, an der Unterseite, insbesondere vorn, bräunlichgelb; Bohrer
hellbraun, an der Spitze nicht heller, aber überall schwach seidenartig
schimmernd. Die Zähne der Hinterfemoren schwarz, unter sich an
Größe ein wenig verschieden und zwar abwechselnd größer und kleiner.
Die Tibien Ill an der Unterseite schwarz.
Die Ocellen gleich groß, unter sich um ihren Durchmesser, von
den Augen um weniger entfernt; eine die Seitenocellen vorn tangierende
Gerade würde die mittlere Ocelle nicht berühren. — Von oben gesehen
erscheint die größte Breite des Abdomen kurz hinter der Mitte, von
da nach vorn ganz allmählich schwach verschmälert, nach hinten
stärker verschmälert und in eine scharfe aber kurze Spitze endend,
im Profil erscheint der Rücken der Länge nach ganz allmählich und
schwach gewölbt, die Profillnien der beiden Enden des Abdomen
etwa parallel verlaufend. Bohrer doppelt so lang wie der Körper
(bezw. 5 und 2,5 mm). Die Femoren III etwa doppelt so lang wie mitten
hoch und kaum mehr als halb so breit wie hoch, die größte Breite
in oder kurz innerhalb der Mitte des Gliedes, dasselbe am distalen Ende
am stärksten verjüngt.
Podagrion ophthalmicum Strand n. sp.
Ein 2 von Columbia (Moritz).
Von Podagrion cyaneum Ashm. abweichend u. a. durch die eim-
farbig gelblichen Vorderbeine, von meinem Pod. coeruleo-viride ver-
schieden u. a. durch die roten Augen, die helleren Hintertibien, den
grünen Metathorax, die insbesondere im Saumfelde gebräunten Flügel
usw. — Die Femoren III mit 9 Zähnen, von denen der distale bei weitem
der größte ist, No. 3 von der Basis an der kleinste und bisweilen vielleicht
ganz fehlend; auch die übrigen unter sich an Größe nicht ganz gleich.
Kopf und Thorax grün, glänzend, Augen rot, Antennen bräunlich-
gelb mit dunklerem Kolben, Beine noch heller bräunlichgelb mit gelb-
lichen Tarsen, jedoch die Coxen III blaugrün mit gelblicher Spitze
und die Femoren III ebenso gefärbt mit beiden Enden gelblich, die
Zähne der letzteren schwarz. Tegulae bräunlichgelb, Flügelgeäder
braun. Abdomen blau, stark glänzend, Basis und Bauch braungelb
und ebenso der Bohrer. Die beiden hinteren Ocellen unter sich um
reichlich ihren Durchmesser, von den Augen um ihren Radius, von
dem fein leistenförmig hervortretenden Hinterrand des Scheitels
158 Embrik Strand: Neue Arten der Chaleididengattungen
um den Durchmesser entfernt. Die Furchen des Mittelrückens blau-
schwärzlich. Metathorax insbesondere an den Seiten bläulich an-
geflogen. Bohrer fast von Körperlänge (bezw. 2,8 und 3 mm).
Podagrion melleum Westw.
Ein © und Vorderleib eines zweiten Exemplares von: Brasilien,
ex Mantis ovis (Bescke).
Die allerdings sehr kurzgefaßte Diagnose Westwoods (in: Trans.
Ent. Soc. London IV (1847) p. 260) paßt auf diese Form, aber völlig
sicher ist die Richtigkeit der Bestimmung nicht, schon auch weil
W. das & beschreibt, während mir das @ vorliegt. — Die Spitze der
Antennen meines Exemplars ist abgebrochen, so daß es sich nicht fest-
stellen läßt, ab diese dunkel gefärbt ist; letzteres ist aber wahr-
scheinlich, nach Analogie mit verwandten Arten. Augen und Ozellen
rotbraun. Prothorax dunkler als Metanotum, sowie fast matt, Meta-
pleuren bläulich. Über die Mitte des Abdominalrückens ein schmaler,
undeutlicher, schwärzlicher Querstreifen. Die hinteren Femoren
mit 4 großen und (am proximalen Ende!) 2 kleineren Zähnen. Der
Bohrer ist etwas zusammengekrümmt, scheint aber fast von Körper-
länge zu sein. Letztere 4 mm.
Podagrion minus Strand n. sp.
Aus der ehemaligen Reinhard’schen Sammlung steckt im
Berliner Museum ein von Lucca stammendes weibliches Exemplar
eines Podagrions, das, anscheinend in Schmiedeknechts Handschrift,
die Bezeichnung ‚,n. sp.“ trägt. Von Podagrion pachymerus WIk.
ist die Form ohne Zweifel verschieden, steht aber der von Westwood
als besondere Art beschriebenen Form P. religiosum jedenfalls näher;
letztere wird nun allerdings von späteren Autoren, so auch von
Schmiedeknecht in „Genera Insectorum“ 1909, als Synonym von
pachymerus aufgeführt, was aber nicht richtig ist. — Von der Be-
schreibung des religiosum Westw. (in: Trans. entom. Soc. London 4
(1847) p. 259), weicht unsere Art durch Folgendes ab: Thorax dicht
und ziemlich deutlich retikuliert, aber kaum punktiert; Antennen
hellbräunlich mit gelblichem Schaft und Pedicellus, nur der Kolben
schwärzlich, die Coxen III blauschwarz mit gelblicher Spitze, Tibien III
braun, an beiden Enden gelblich, auch die Femoren I und 11
bräunlich mit helleren Enden, Körper kürzer im Verhältnis zum Bohrer
(bezw. 2,3 und 2,6 mm lang) [leider ist das Exemplar aufgeklebt, so
daß weder die Bauchseite, Beine, noch Mundteile genau zu sehen
sind]. Die Bewehrung der Femoren III weicht insofern von Westwoods
Figur (Taf. X, Fig. 23el. c.) ab, als Zahn No. 1 und 2 (vom proximalen
Ende an) unter sich nicht weiter als No. 2 und 3 unter sich entfernt
sind, eher umgekehrt, außerdem ist die Anzahl der Zähne 7, von denen
allerdings der eine klein ist und vielleicht bisweilen ganz fehlt; alle
Zähne absolut und relativ kleiner als bei pachymerus. — Von dieser
Art weicht die unsrige außerdem ab durch u. a. geringere Größe,
abweichende Färbung, der Kopf erscheint von oben gesehen dicker
bezw. länger, Metanotum zeigt außer den beiden vorn zusammen-
Epistenia Westw., Aepocerus Mayr und Podagrion Spin. 159
hängenden, nach hinten stark divergierenden Schrägrippchen, die aber
bei pachymerus kaum so deutlich wie hier sind, noch zwei ähnliche,
aber weniger regelmäßige und nicht so deutliche, außen von den anderen
und mit diesen subparallel verlaufende Schrägrippchen, Augen und
Ocellen schwärzlich, die Flügel scheinen ganz hyalin zu sein, jedoch
sind sie etwas verklebt, so daß dies nicht sicher festzustellen ist;
Abdomen erscheint von oben gesehen etwa parallelseitig und schmäler
als bei pachymerus oder kaum halb so breit wie Thorax, was aber mit
der Weise, in welcher der Bohrer vorgestreckt und ventralwärts ge-
schoben ist, zusammenhängen mag.
Alle Typen gehören dem Berliner Museum.
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak.
Von
Dr. C. Fr. Roewer, Bremen.
Hierzu Tafel IV.
Die hier beschriebenen Opiliones erhielt ich zur Bearbeitung aus
dem Indian Museum zu Caleutta und dem Sarawak-Museum. Da ich
zu gleicher Zeit die WITH’schen Typen der Opiliones (Gagrellin:)
(WITH 1903), wenigstens zum größten Teil, einer Revision unter-
ziehen konnte, ist es mir hier möglich, wichtige Ergänzungen zu meiner
„Revision der Opiliones Plagiostethi“ (ROEWER 1910) hinzuzufügen
und teilweise Berichtigungen emfügen, die mir früher nicht möglich
waren, da ich eben jene T'ypen von WITH (1903) nicht gesehen hatte.
Ich behandle im folgenden zunächst die Opiliones der Sammlung
des Indian Museum (Caleutta) und schließe daran an die Beschreibung
der weniger zahlreichen, aber ebenso interessanten Formen des Sara-
wak-Museums.
Subord. Opiliones Palpatores.
Fam. Phalangiidae.
Subfam. Gagrellini.
Melanopa THORELL 1889.
Dorsalscutum deutlich entwickelt, mit 1 (oder 2 hintereinander)
Dorsalstachel. — Augenhügel doppelt so breit wie hoch, basal kaum
oder nicht eingeschnürt, ohne größere Dornen, sonst entweder glatt
oder bezähnelt. Coxenrandhöcker entweder viereckig stumpf oder
dreispitzig. Beine kurz und kräftig. Beinfemur I und III kürzer oder
höchstens so lang wie der Körper, Femur II nicht doppelt so lang als
der Körper, meist 1—1!/, der Länge des Körpers messend; nur Bein-
femur II mit 1 (Femur 1, IIL, IV ohne) Pseudogelenk.
Melanopa atrata (STOLICZKA 1869).
Eine der im Gebiet des Himalaya häufigsten @agrellini-Art ist
anscheinend Melanopa atrata ROEWER 1910 (= Gagrella atrata STO-
LICZKA 1869 p. 213), deren Verbreitung sich nicht nur auf das Hoch-
gebirge des West- und @st-Himalaya erstreckt, sondern auch aus der
Tiefebene von Bengalen bis Caleutta hin, ja sogar zus Nieder-Birma
(Rangoon) bekannt geworden ist. Ich verzeichne in dieser Sammlung
Melanopa atrata (ROEWER 1910, STOLICZKA 1869) von folg. Fund-
orten:
Ost-Himalaya (Ghumti, 2500 Fuß, Darjiling) — GRAVELY leg.
— 4 Exemplare.
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 161
Ost-Himalaya (Kurseong, 4700—5000 Fuß) — ANNANDALE leg.
— 4 Exemplare.
Ost-Himalaya (Darjiling, Botan. Gardens, 6900 Fuß) — Ü. PAIVA
leg. — 1 Exemplar.
West-Himalaya (Simla, 7000 Fuß) — ANNANDALE leg. —
1 Exemplar.
Nepal (Terai, Thamaspur) — Mus. Collect. Caleutta leg. —
8 Exemplare.
Nepal (Butal) — Mus. Collector Caleutta leg. — 3 Exemplare.
Nepal (Terai, Sukhwani) — Mus. Collect. Caleutta leg. —
4 Exemplare.
Nieder-Birma (Rangoon) — ANNANDALE leg. — 1 Exemplar.
Caleutta (Botan. Gardens) Sibpur — GRAVELY leg. — 9 Exem-
plare.
West-Himalaya (Dehra Dun) — 5. MANLIK leg. — 40 Exemplare.
Assam-Bhutan (Mangaldai Distrikt N.O.) — KEMP S. W. leg.
— 15 Exemplare.
Puri Orissa-Coast — ANNANDALE u. GRAVELY leg. — 9 Exem-
lare.
: Im Gebiete von Darjiling erscheinen weiter die Arten Melanopa
fragilis (WITH 1903) u. Melanopa hirta (WITH 1903). Beide wurden
von WITH 1903 als G@agrella-Arten beschrieben, gehören aber ihrer
kurzen Beine und ihres kräftigeren Körperbaues wegen zu dem von
THORELL 1889 fixierten Genus Melanopa, das sehr wohl begründet
ist und nur an Beinfemur II 1 Pseudogelenk hat.
Melanopa hirta (WITH).
—= @agrella hirta, WITH 1903. p. 492.
Ost-Himalaya (Darjiling Distrikt, Punkabari — 2 Exemplare
(pulli!).
Melanopa fragilis (WITH).
— Gagrella fragilis, WITH 1903, p. 493.
Ost-Himalaya (Darjiling Distrikt, Punkabari) — 3 Exemplare.
Ober-Birma (Puddupyu) — ANDERSON leg. (Yünnan Exped.)
— 3 Exemplare (2 @ sich häutend + 1 pull.).
Von Melanopa fragilis läßt sich außer der Varietät M. fragilis
var. bispinosa (WITH 1903, p. 494) noch eine andere Varietät unter-
scheiden:
Melanopa fragilis var. luteomaculata nov. var.
In Größe des Körpers, Länge der Beine, Körperstruktur und
Bewehrung und Bau der Gliedmaßen völlig mit der form. typ. über-
einstimmend.
Die Färbung des Körpers ist die gleiche wie bei der form. typ.,
doch kommt hinzu:
Archiv für Naturgeschichte
1911. 1. 2. 11
162 Dr. ©. Fr. Roewer:
Scutum jederseits am Seitenrande mit 3 kleinen, aber scharf
und deutlich gelbweißen (nicht aus Hautdrüsensekret bestehenden)
Flecken. Vordere Ventralsegmente seitlich blaß goldig gelb. Jedes
der beiden hinter dem Augenhügel gelegenen Cephalothoraxsegmente
an den Seitenecken jederseits mit einem kleinen goldgelben Fleckchen.
Cephalothorax außerdem fein blaßgelb berandet. Augenhügel goldgelb.
nur die Augen und die schmalen Augenringe schwarz.
Ost-Himalaya (Darjiling Distrikt, Ghumti, 2500 Fuß) — Gra-
vely leg. — 4 Exemplare (3 + ?).
Ferner lag vor:
Melanopa varians (WITH).
— Gagrella varians, WITH 1903, p. 503.
Diese Gagrella-Art WITH’s, deren Type ich nachuntersuchen konnte,
ist ohne Zweifel eine Melanopa-Art, wegen ihres ganzen Habitus und
ihrer kurzen Beine, von denen nur Beinfemur II 1 Pseudogelenk
aufweist.
Nieder-Birma (Tavoy) — Museum Collector Calcutta leg. —
5 Exemplare.
An bekannten Arten des Genus Gagrella (in der von mir 1910
gegebenen Einschränkung dieses Genus) wurden gefunden:
Gagrella Feae (THORELL 1889. p. 648).
Caleutta — 7 Exemplare (davon 1 Exemplar. var. bispinosa
Thorell).
Ober-Tenasserim — J. WOOD-MASON leg. — 11 Exemplare.
Ober-Birma (Kakhyen Hills) — Yünnan Expedit. — 1 Exemplar.
Neu von diesen Fundorten ist nur: Caleutta.
Gagrellaspinulosa (THORELL 1889. p. 657).
Ober Tenasserim — J. WOOD-MASON leg. — 1 Exemplar.
Gagrellaspeciosanov. spec.
Körper 5 mm lang; Beinfemur I 10, II 18, III 8,5, IV 13mm
lang; Bein I 43, II 91, III 43, IV 50 mm lang.
Körper (Cephalothorax, Scutum und freie Dorsalsegmente)
ganz glatt. Scutum mit 1 dünnen und schlanken Dorsalstachel. Freie
Ventralsegmente glatt, desgleichen die Coxen und Genitalplatte. Die
ganze Bauchfläche sehr fein und dicht behaart; Coxenrandhöcker vier-
eckig abgestumpft.
Augenhügel so hoch wie lang, wenig breiter, senkrecht
stehend, basal verengt, oben längsgefurcht, gänzlich glatt und
unbewehrt.
Supramandibularfortsätze spitz und bezähnelt.
Mandibeln klein und normal gebaut; Glied I dorsal glatt.
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 163
Palpen dünn; Femur so lang wie Patella + Tibia, so lang wie
der Tarsıas. Femur und Tibia ventral bezähnelt; Patella einfach und
ohne Apophyse, und dorsal bezähnelt. Tarsus unbewehrt, seine
Klaue kammzähnig.
Beine lang und dünn; Trochantere unbewehrt; Femora spärlich
bezähnelt und weitstehend fein behaart; nur Femur II mit 1 Pseudo-
gelenk.
Färbung des Cephalothorax blaßbraun, über den Coxen fein
schwarz berandet und in jeder Ecke zwischen je 2 Coxen ein ein-
gedrückter schwarzer Punkt; vom Stirnrand bis zum Augenhügel
und diesen frontal hinauf mit einem milchweißen Medianband, das
nur in der Stirnmitte einen kurzen dunklen Medianstrich trägt. Die
2 letzten Cephalothoraxsegmente hinter dem Augenhügel und das
Scutum schwarz, stark stahlblau schimmernd; Seitenecken der
2 letzten Cephalothoraxsegmente groß blaßgeileckt, und noch stärker
blaßgefleckt jederseits die Vorderecken des Dorsalscutums, sodaß
hier inder vorderen Scutummitte ein viereckiger, stahlblau schimmernder
schwarzer Fleck (rings um den Scutumstachel) entsteht, der hinten
breit m das Schwarz des Scutums übergeht. Die 2 letzten Cephalo-
thoraxsegmente hinter dem Augenhügel außerdem mit je einer kurzen
Querreihe weißer Pünktchen und vor dem Dorsalstachel in jenem
viereckigen schwarzen Fleck einige weiße Pünktchen paarweise hinter-
einander. Auf der Höhe des Dorsalstachels beginnen 2 parallele,
undeutliche Fleckenreihen goldgelber Fleckchen, die sich auch über
die freien Dorsalsegmente fortsetzen. — Bauch weißlich, mehr oder
minder mit weißem Hautdrüsensekret bedeckt; Segmentfurchen
breit und quer schwarz liniert. Coxen weißgelb, fein dunkelbraun
gesprenkelt; ihre Randhöckerreihen schwarzbraun. Beine einfarbig
dunkelbraun; Trochantere der Beine schwarz, dorsal mit weißen
Pünktchen deutlich gezeichnet. Mandibeln und Mundgegend ein-
farbig blaßgelb. Palpen blaßgelb, ihr Femur und Patella wenig gebräunt.
(Diese Art von Gagrella splendens WITH unterschieden besonders
durch die Zeichnung der Rückenseite (des Scutums) des Körpers.
Ost-Himalaya (Kurseong, 4700—5000 Fuß) — ANNANDALE leg.
— 6 Exemplare (5 davon pull.).
Gagrella prasina nov. spec.
& Körper 2,5—3 mm lang; Beinfemur I 11, II 20, III 9, IV 15 mm
lang. Bein I 46, 1I 83, III 36, IV 61 mm lang.
d Körper klein, oval, fast kugelig. Cephalothorax und Ab-
domen äußerst fein granuliert, sonst glatt glänzend. Cephalothorax
mit 2 schrägen (neben dem Augenhügel verlaufenden) vorn kon-
vergierenden Eindrücken. Die 2 letzten Cephalothoraxsegmente
durch deutliche und tiefe Querfurchen vom Abdomen getrennt. Vordere
Dorsalsegmente des Abdomens bilden ein hartes Seutum mit 1 sehr
dünnen und spitzen, glatten und wenig nach vorn gekrümmten Dorsal-
stachel; Scutum jederseits des Stachels mit 4 @Querreihen feiner,
11*
164 Dr. ©. Fr. Roewer:
punktartiger Eindrücke (den Segmenten entsprechend). Freie Ventral-
segmente, Genitalplatte und Coxen fast glatt, fein granuliert; jede
Coxa jedoch mit vorderer und hinterer regelmäßiger Randreihe scharf
viereckiger Höckerchen; eine gleiche Randhöckerreihe jederseits am
Seitenrand der Genitalplatte entlang.
Augenhügel so lang wie hoch, etwas breiter wie hoch, von
vorn basal deutlich verengt, oben deutlich längsgefurcht, gänzlich
glatt und unbewehrt.
Supramandibularfortsätze deutlich und wenig be-
zähnelt.
Mandibeln klein, normal gebaut; Glied I mit deutlichem
Ventralsporn, dorsal unbewehrt und glatt; Glied II glatt und un-
bewehrt.
Palpen lang und sehr dürn. Femur so lang wie Patella
+ Tibia, so lang wie der Tarsus. Trochanter und Femur basal innen
mit einigen winzigen und stumpfen Tuberkeln und Femur mit 1 dor-
salen Endzähnchen, sonst glatt und unbewehrt. Patella fast so lang
wie die Tibia, dorsal fein bezähnelt, apical innen mit klein vorge-
wölbter, gerundeter und unbewehrter Apophyse, die aber bisweilen
(bei ganz ausgewachsenen Tieren!) fehlen kann. Tibia 5 mal so
lang wie breit und spärlich behaart. Tarsus dünn, behaart, basal-
ventral mit einer Reihe feinster Körnchen, die beim 9 fehlen. Tarsal-
klaue stark kammzähnig.
Beine sehr lang und sehr dünn; Femora bezähnelt; nur Bein-
femur II mit 1 Pseudogelenk. Trochantere der Beine seitlich, vorn
und hinten, sehr spärlich und winzig bezähnelt.
Grundfarbe des ganzen Körpers blaßgelb. Der ganze Körper
ist prächtig mit einem spangrünen, metallischen Schimmer über-
flogen, der weithin aufleuchtend glänzt: das Scutum, die freien Dorsal-
segmente (außer den blaßgelben Furchen) und der Üephalothorax
(bis auf die vom Augenhügel schräg seitlichen Eindrücke und die
Querfurchen hinter dem Augenhügel) besonders stark metallisch
lauchgrün glänzend. Die blaßgelben Teile des übrigen Körpers, der
Mandibeln, der Palpen, der Coxen und Trochantere der Beine haben
auch einen, wenn auch nur schwachen grünen Schimmer. Die übrigen
Beinglieder sind blaß rostfarben bräunlichgelb.
(Diese Art steht in dem Bau des Körpers und der Gliedmaßen
nahe der Gagrella lepida THORELL u. Gagrella crux WITH, unter-
scheidet sich aber von allen übrigen Gagrella-Arten durch den hoch-
glänzenden lauchgrünen Metallschimmer des ganzen Körpers.)
West-Ghats, Indien (Travancore, Maddathoray) — ANNANDALE
leg. 3 Exemplare.
Marthanella (ROEWER 1910 p. 129).
Dieses Genus trennte ich 1910 von Marthana (Thorell 1891 p. 719)
ab, weil es an Beinfemur I und III keine, an IL 3 und an IV 1 Pseudo-
gelenk aufweist, während Marthana (THORELL 1891) an Beinfemur 1,
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 165
III u. IV keine, an II aber nur 1 Pseudogelenk u. Zumarthana
(ROEWER 1910 pag. 93) an Beinfemur I, III und IV keine, an II aber
3 Pseudogelenke besitzen. Von Orassieippus (ROEWER 1910 p. 100),
welches dieselbe Zahl und Verteilung der Pseudogelenke aufweist wie
Eumarthana, unterscheidet sich letztgenanntes Genus durch die zwei-
ästig divergierende Scutumsäule, während bei Crassicippus ein ein-
spitziger Stachelkegel das Scutum bewehrt. — Die Genus-Diagnose
von Marthanella stellt sich kurz also folgendermaßen:
Augenhügel niedrig, von vorn halb so hoch wie breit, von
der Seite so lang wie breit, basal nicht verengt, sehr flach längs-
gefurcht. — Scutum mit dicker stumpfer oder zugespitzter Säule.
Coxenrandhöcker viereckig stumpf. Beine lang und kräftig; Bein-
femur I und III ohne, II mit 3, IV mit 1 Pseudogelenk.
(Type Marthanella turrita ROEWER 1910 pag. 129).
Marthanella ferruginea nov. spec.
Körper 5 mm lang; Beinfemur I 10, II 19,5, III 8, IV 13mm
lang; Bein I 42, II 65, III 30, IV 42 mm lang.
Körper sehr kurz aber dicht behaart, Rücken grob rauh und
dicht granuliert. Scutum in der Mitte in eine kräftige, hoch kegel-
artige, mit stumpfer Stachelspitze endende Säule ansteigend. Scutum
rauh und dicht behöckert, seine Säule bis an die Spitze hin desgleichen.
Freie Dorsalsegmente spärlicher granuliert. Freie Ventralsegmente
jedes mit 1 Querreihe kleiner Tuberkeln. Genitalplatte und Coxen
rauh granuliert und verstreut behöckert, Höcker der vorderen und
hinteren Randreihen der Coxen viereckig stumpf.
Augenhügelniedrig, doppelt so breit wie hoch, wenig gefurcht
und vollkommen glatt und glänzend.
Supramandibularfortsätze deutlich, spitz und außen
bezähnelt.
Mandibeln normal gebaut und klein; Glied I mit Ventral-
sporn und dorsal mit 1 deutlichen, aber stumpfen Tuberkel; Glied II
frontal fein behaart.
Palpen lang und dünn; Femur so lang wie die Tibia und dorsal
wie lateral unbewehrt, ventral aber verstreut stumpf tuberkuliert.
Patella einfach, ohne Apophyse und unbewehrt. Tibia 4 mal so lang
wie breit und ohne Apophyse, etwas gekrümmt, völlig unbewehrt
und spärlich fein behaart. Tarsus gekrümmt, spärlich fein behaart
und ventral mit einer Längsreihe feiner und spitzer Körnchen ( £!).
Tarsalklaue kammzähnig.
Beine lang und dünn; Femora spärlich bezähnelt; Femur I
und III ohne, II mit 3, IV mit 1 Pseudogelenk.
Färbung des ganzen Körpers rostbraun einfarbig, nur die
Coxen der Beine sehr wenig dunkler. Mandibeln und Palpen der
Grundfarbe des Körpers gleichfarbig. Rücken (Scutum und Cephalo-
thorax) mit aschgrau bis weißlichem Hautdrüsensekret ungleichmäßig
166 Dr. C, Fr. Roewer:
überstreut; desgleichen die Ventralseite, besonders die Fugen zwischen
den Coxen. h
(Diese Art hat große Ähnlichkeit mit Marthana cornifer (LOMAN
1906), dessen Type ich zum Vergleich heranzog; von dieser ist die
vorliegende Art aber leicht unterschieden durch Zahl und Verteilung
der Pseudogelenke der Beinfemora (wie auch hierdurch und durch den
Bau der Palpentibia und Patella von Marthana cuspidata LOMAN
1892). Von der Type dieses Genus: Marthanella turrita ROEWER
1910 p. 129 mit stumpfer Scutumsäule unterscheidet sich die vor-
liegende neue Art durch die spitze Scutumsäule).
Ober-Birma (Kakhyen Hills) — Yünnan Expedit. — 1 Exemplar.
Gagrellula (ROEWER 1910 p. 110).
Dieses Genus habe ich von Gagrella (STOLICZKA 1869) abgetrennt,
weil es am Beinfemur II 3 (an I, III, IV keine) Pseudogelenke auf-
weist, während @agrella an Beinfemur II nur 1 (an I, III und IV kein)
Pseudogelenk besitzt. Für Gagrellula ROEWER 1910 p. 110 lautet
mithin die Diagnose:
Augenhügel hoch, wenigstens so hoch wie breit, oben
deutlich gefurcht, basal stark verengt und hier unter den Augen
entlang nicht spitz bezähnelt, oben glatt bezähnelt. Scutum mit
1 schlanken und dünnen (basal nicht auffällig dicken und breiten)
Dorsalstachel (Unterschied v. Crassicippus ROEWER 1910). Coxen-
randhöcker entweder 3 spitzig oder viereckig stumpf. — Beine lang
und dünn; nur Femur II mit 3 (Femur I, III und IV ohne) Pseudo-
gelenken.
Gagrellula melanotarsus nov. spec.
Körper des & 4,5 mm lang, des ® 6,5 mm lang. Beinfemur I 7,
II 16, III 7, IV 12mm lang. Bein I 31, II?, III 30, IV ? mm lang.
(Die Tarsenglieder der Beine II und IV sind teilweise abgebrochen.)
Körper (Cephalothorax, Scutum und freie Dorsalsegmente)
stark rauh granuliert. Cephalothorax mit einigen schrägen, vertieften
Eindrücken. Scutum mit 1 langen, senkrechten, schlanken und
spitzen Dorsalstachel. Freie Ventralsegmente und Coxen grob rauh
behöckert; Höcker der Coxenrandreihen viereckig abgestumpft.
Augenhügel so lang wie hoch wie breit, wenig rückgeneigt,
vollkommen glatt, basal verengt, oben gefurcht, auch basal unter
den Augen entlang nicht bezähnelt.
Supramandibularfortsätze groß, spitz und deutlich
bezähnelt.
Mandibeln klein und normal gebaut; Glied I mit dem ge-
wöhnlichen Ventralsporn und dorsal mit 2—3 kleinen Zähnchen
bewehrt; Glied II normal und unbewehrt.
Palpen lang und ziemlich robust. Femur so lang wie Patella
+ Tibia, Tarsus um '/, länger. Femur ventral grob und stumpf be-
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 167
höckert, dorsal unbewehrt. Patella einfach und ohne Apophyse, nur
dorsal spärlich spitz bezähnelt. Tibia 4 mal so lang wie breit, etwas
gekrümmt und der Spitze zu verdünnt, glatt, glänzend und unbewehrt.
Tarsus behaart, apical-ventral mit einigen wenigen Körnchen besetzt;
Tarsalklaue kammzähnig.
Beine lang und kräftig; Femora bezähnelt; nur Femur II mit 3
(Femur I, III und IV ohne) Pseudogelenken.
Färbung des Körpers schmutzig dunkelbraun bis schwarz.
Cephalothorax mit blasser Mediangabelzeichnung von der Stirnrand-
mitte zur vorderen Augenhügelbasis; dieser mit blasser Furche.
Cephalothorax und Abdomen mit grau - weißen Fleckchen aus
Hautdrüsensekret ungleichmäßig mehr oder weniger bedeckt;
Bauchsegmente und Coxen desgleichen, aber gleichmäßiger. Seitlich
die Grenzen zwischen den Dorsalsegmenten und den freien Ventral-
segmenten blasser braun. Mandibeln und Palpen (auch deren End-
glieder) völlig schwarz glänzend. Beine schwarz, desgleichen ihre
Trochantere, doch Trochanter I, II und III hinten mit einem kleinen
weißgelben Fleckchen, der aber nicht aus Hautdrüsensekret ge-
bildet wird.
(Die Unterschiede dieser Art von den von mir 1910 beschriebenen
Gagrellula-Arten lassen sich, wie folgt, zusammenfassen: Beine voll-
kommen schwarz (nicht blaß geringelt).. Augenhügel vollkommen
glatt, glänzend [Unterschied von Gagrellula atra ROEWER 1910 p. 115].
Mandibeln schwarz und alle Palpenglieder (auch Palpentarsus)
schwarz [Unterschiede von Gagrellula Niasensis, @. Lomanmi und
@. unicolor ROEWER 1910 p. 113 bis 118, deren Mandibeln u. Palpen-
tarsus blaßgelb ist].
Nieder-Birma (Mudon bei Moulmein) — ANNANDALE leg. —
23 +19).
Strandia Roewer 1910 p. 177.
Dieses Genus trennte ich 1910 p. 105 von dem Genus Gagrella
STOLICZKA 1869 p. 212 ab unter dem Namen Maindronia ROEWER
1910 p. 105: Dieser Name mußte aber geändert werden, weil er schon
von BOUVIER 1907 verbraucht war; ıch habe deshalb den Namen
Strandia vorgeschlagen in der Entom. Rundschau 1910. No. 24. p. 177.
Die Diagnose dieses Genus lautet:
Augenhüzgelso breit wie hoch, basal verengt, oben entweder
ganz glatt oder bezähnelt, doch basal unter den Augen entlang
stets mit mehreren deutlichen Zähnchen besetzt. Sceutum mit
1 Dorsalstachel (selten 2 nebeneinander).
Coxenrandhöcker viereckig abgestumpft.
Beine sehr lang und dünn; nur Femur II mit 3 (Femur I, III
und IV ohne) Pseudogelenken.
Zu diesem Genus gehörig lagen vor;
168 Dr. ©. Fr. Roewer:
Strandia ceylonensis (Karsch).
— Gagrella ceylonensis KARSCH 1891, p. 308.
— Maindronia ceylonensis ROEWER, 1910 p. 108.
Ceylon (Peradeniya) — F. H. GRAVELY leg. — 11 Exemplare
(einige davon pulli).
Strandia similis mov. spec.
& Körper 3,5 mm lang; Beinfemur I 8,5, II 17, III 8,5, IV 10 mm
lang; Bein I 32, II 52, III 32, IV 43 mm lang.
d Cephalothorax, Scutum und freie Dorsalsegmente
rauh granuliert; vorletztes freies Dorsalsegment mit einer Querreihe
feiner Zähnchen. Scutum mit 1 schlanken, spitzen Dorsalstachel.
Freie Ventralsegmente völlig glatt, nicht tuberkuliert. Coxen rauh
behöckert, die Höcker der Randreihen viereckig abgestumpft.
Augenhügel so hoch wie lang, wie breit, oben gefurcht,
basal verengt, wenig rückgeneigt, oben jederseits der Furche glatt
und unbewehrt, doch jederseits unterhalb der Augen mit einer deut-
lichen Zähnchenreihe.
Supramandibularfortsätze klein und spitz.
Mandibeln klein, normal gebaut; Glied I mit Ventralsporn
und dorsal mit 2—3 spitzen, winzigen Zähnchen; Glied II völlig
unbewehrt.
Palpen lang und dünn, ebenso gebaut wie bei Strandıa ceylo-
nensis (KARSCH), doch Tarsalglied mit vollkommener ventraler
Körnchenreihe. Patella einfach und ohne Apophyse; Tibia 3 mal so
lang wie breit.
Beine sehr lang und dünn: Trochantere vorn und hinten
bezähnelt; Femora bezähnelt; nur Femur II mit 3 (Femur I, III und
IV ohne) Pseudogelenken.
Färbung des Körpers dorsal rostbraun, auf den ersten zwei
Scutumsegmenten neben dem Dorsalstachel jederseits ein schmaler
blasser Längsstrich, sodaß von der Grundfarbe ein gleichfarbiges
Medianband mit 2 parallelen blassen Rändern abgetrennt wird. Cephalo-
thorax gefärbt wie bei Strandia triangularıs (WITH 1903 p. 499 u.
ROEWER 1910 p. 106). Freie Dorsalsegmente braun, jedes Segment mit
2 winzigen gelben Pünktchen. Bauchsegmente weißlichgelb, nur die
Randhöckerreihen der Coxen und der Genitalplatte scharf dunkelbraun.
2 Körper 6mm lang; Beinfemur I 8, II 12, III 8, IV 9,5 mm
lang; Bein I 30, II 54, IIL 30, IV 40 mm lang.
Das Q ist vom d nur durch die Körpergröße und teilweise auch
durch die Färbung unterschieden; auch fehlt dem Palpentarsus die
ventrale Körnchenreihe.
Die Färbung des 9 ist im ganzen etwa wie bei Strandia triangularıs
(WITH): Die 2 letzten Cephalothoraxsegmente (hinter dem Augen-
hügel) bräunlich mit je einer Querreihe goldgelber Sprenkeln; ebenso
auf den Scutumsegmenten und den freien Dorsalsegmenten. Scutum
auf den beiden ersten Segmenten jederseits des dunkelbraunen Dorsal-
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 169
stachels mit 2 goldgelben verwischten Flecken; Seiten des Scutums
weiß gesprenkelt und sein Hinterrand jederseits scharf aber schmal
weiß berandet. Augenhügel weißlich längsgefurcht.
Unterschiede des $ von den übrigen Strandia-Arten:
— von Strandia Maindroni (SIMON 1897 p. 296, ROEWER 1910
p. 106) unterschieden durch den Augenhügel und das Fehlen eines
blaßgelben Medianstreifens auf dem Scutum; überhaupt andere
Scutumzeichnung.
— von Strandia ceylonensis (KARSCH 1891 p. 308, ROEWER 1910
p. 108) unterschieden durch das Fehlen des dunklen Medianstreifens
auf der weißen Ventralseite und die völlig glatten Ventralsegmente.
— von Strandia triangularis (WITH 1903 p. 499, ROEWER 1910
p. 106) unterschieden durch den oben glatten und unbewehrten Augen-
hügel und das Fehlen der Patellarapophyse.
Süd-Indien (Bangalore, 3000 Fuß) — ANNANDALE leg. — 2 8,
19, 1 pull. |
Süd-Indien (Base of the West-Ghats, Travancore, Maddathoray).
— ANNANDALE leg. — 18 pull.
Die Gagrellini Süd - Ostasiens und Indiens, welche auf dem
Dorsalseutum keinen Stachel, Dorn oder Höcker haben, also hier
völlig unbewehrt sind, verteilen sich auf eine Reihe bisher bekannt
gewordener Genera, welche nach folgender Tabelle zu unterscheiden
sind:
1. Nur Beinfemur II mit Pseudogelenken; Beinfemur I, III und IV
ohne Pseudogelenke 2
— Beinfemur Il und IV mit Pseudogelenken; Beinfemur I und III
ohne oder mit Pseudogelenken
2. Beinfemur II mit nur 1 Pseudogelenk 3
— Beinfemur II mit mehr als 1 Pseudogelenk 4
3. Augenhügel glatt oder gleichmäßig mit kleinen Zähnchen bewehrt
und doppelt so breit wie hoch Zaleptus (THORELL)
— Augenhügel mit 4 großen, divergierenden Dornen, im übrigen nur
so breit wie hoch Geratobunellus (n.g.)
. Beinfemur II mit 2 Pseudogelenken 5
4
— Beinfemur II mit 6 Pseudogelenken Ceratebunus (THORELL)
5. Augenhügel gänzlich glatt u. unbewehrtt Verpulus (SIMON)
6
Augenhügel mit Zähnchen oder Dornen bewehrt 6
. Augenhügel bezähnelt, doch nicht mit größeren Dörnchen be-
wehrt Hypsibunus (THORELL)
— Augenhügel mit 2 hohen Dornen (vom Durchmesser des Augen-
hügels) bewehrt Kempina (n.g.)
7. Auch Bemfemur I und III (also alle 4 Beinfemora) mit Pseudo-
gelenken 9
— Beinfemur I und III ohne Pseudogelenk (also nur Beinfemur II
und IV mit Pseudogelenken) 8
8. Beinfemur II mit 6, IV mit 1, I und III ohne Pseudogelenke
Bastia (ROEWER)
170 Dr. ©. Fr. Roewer:
— Beinfemur II mit 3, IV mit 1, I und III ohne Pseudogelenke
Euzaleptusn.g.
9. Beinfemur I, III und IV mit je 1, Femur II mit 4 Pseudogelenken
Harmandella (ROEWER)
— Beinfemur I, III und IV mit je 1, Femur II mit 6 Pseudogelenken;
Augenhügel vorn jederseits mit stumpfer Beule
Bullobunus (ROEWER)
Zaleptus THORELL 1876.
Unter dieses Genus vereinigte ich 1910 p. 130 all diejenigen
Zaleptus-Arten THORELL’s u. WITH’s,welche nur an Beimfemur II
nur 1 Pseudogelenk haben und deren Augenhügel breiter als hoch,
gleichmäßig fein bezähnelt oder glatt und unbewehrt und nicht mit
größeren Dornen bewehrt ist.
Zaleptus splendens nov. spec.
Körper 3,5 mm lang; Beinfemur I 7, II 13, III 7, IV 10 mm lang;
Bein I 32, II 70, III 32, IV 48 mm lang.
Körper dorsal (Cephalothorax, Scutum und freie Dorsal-
segmente) glatt glänzend. Bauchsegmente, Genitalplatte und Coxen
unbewehrt und glatt. Coxenrandhöcker viereckig abgestumpft.
Augenhügel breiter wie hoch, basal verengt, deutlich
gefurcht und vollkommen glatt und unbewehrt.
Supramandibularfortsätze deutlich und spitz,
spärlich bezähnelt.
Mandibeln klein und normal gebaut; Glied I mit dem gewöhn-
lichen Ventralsporn und dorsal völlig glatt und unbewehrt; Glied II
frontal desgleichen.
Palpen lang und sehr dünn; Femur so lang wie Patella + Tibia,
so lang wie der Tarsus. Femur ventral zahlreich stumpf behöckert,
dorsal bis auf 1 Spitzenzähnchen glatt und unbewehrt. Patella apical
mit deutlicher, bürstiger Innenapophyse und dorsal mit einigen
wenigen Zähnchen bewehrt, sonst unbewehrt. Tibia 3!/, mal so lang
wie breit, gänzlich unbewehrt und nur spärlich behaart. Tarsus nur
behaart, seine Klaue deutlich kammzähnig.
Beine lang und sehr dünn. Trochantere glatt und unbewehrt;
Femora fein bezähnelt; nur Beinfemur II mit 1 (Femur I, III und IV
ohne) Pseudogelenk.
Färbung des Cephalothorax median vor dem Augenhügel
rostbraun, Augenhügel und einige bogige Eindrücke schräg neben
ihm desgleichen; die Fläche des Cephalothorax neben dem Augenhügel
ist perlmutterartig weiß glänzend. Die beiden letzten Cephalothorax-
segmente (hinter dem Augenhügel) wie auch das Scutum und die
freien Dorsalsegmente sind schwärzlich violettkupferig bis stahlblau
schimmernd; vordere Seitenecken des Scutums mit je 2 undeutlichen
weißlichen Fleckchen. Ventralseite weiß, Segmentfurchen schwärzlich,
Coxenrandhöckerreihen scharf schwarz; Coxenspitzen bräunlich.
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 171
Genitalplatte median mit bräunlichem Längsband, das sich undeutlich
median in einzelnen verschwommenen Fleckchen über die Ventral-
segmente fortsetzt. Die Gelenkhäute zwischen den Coxen und den
Trochanteren der Beine treten scharf milchweiß hervor. Trochantere
der Beine schwarz, stahlblau schimmernd, doch jeder außerdem
dorsal mit 2 weißen, kreisrunden Pünktchen gezeichnet. Die übrigen
Beinglieder einfarbig braun, nur die Femora basal dunkler bis schwarz
angelaufen. Palpen und Mandibeln einfarbig blaßgelb wie auch die
ganze Mundgegend.
Ost-Himalaya (Darjiling, Botan. Gardens, 6900 Fuß) — C. PAIVA
leg. — 1.
R Von allen bisher bekannten Zaleptus-Arten ist Zaleptus splendens
n. sp. unterschieden durch die (wie das Scutum) stahlblau schimmernden
Beintrochantere, von denen jeder dorsal 2 weiße Pünktchen aufweist,
und durch den über dreimal die Körperlänge messenden Beinfemur II.
Ferner lagen in dieser Sammlung an Zaleptus-Arten vor:
Zaleptus sulphureus (THORELL 1889 p. 609).
Ober-Tenasserim — J. WOOD-MASON leg. — 5 Exemplare.
Zaleptus festivus (THORELL 1889 p. 611).
Ober-Tenasserim — J. WOOD-MASON leg. — 2 Exemplare.
Harmandella (ROEWER 1910).
Dieser Genus unterschied ich 1910 p. 152 von allen übrigen
Gagrellini unter dem Namen Harmanda, weil die Verteilung der Pseudo-
gelenke an den Beinfemora sich auf je 1 an Femur I, III und IV und
auf 4 an Femur II stellte. Der Name mußte aber, weil er schon ander-
weitig verbraucht war, umgeändert werden. Dieses Genus erhielt mithin
von mir 1910 (Ent. Rundsch. p. 177) den Namen Harmandella, dessen
Diagnose lautet:
Augenhügel niemals höher als breit, meist doppelt so breit
wie hoch, oben glatt oder bezähnelt. Scutum unbewehrt. Coxen-
randhöcker viereckig stumpf oder dreispitzig. Beinfemur I, II und IV
mit je 1, Femur II mit 4 Pseudogelenken.
Die Tabelle der bisher bekannten Arten stellt sich folgendermaßen:
1. Rücken (Scutum) metallisch schimmernd; Beine einfarbig dunkel-
braun, nur Tibia II mit breitem weißen Endring; Coxenrand-
höcker dreispitzig H. aenescensn.sp.
— Rücken (Scutum) nicht metallisch schimmernd; Beine deutlich
blaß und dunkelbraun geringelt; Coxenrandhöcker viereckig
stumpf 2
2. Scutum mit blassem und deutlichen, aber unscharf begrenzten
Medianband 3
— Scutum ohne blasses Medianband, vielmehr quer dunkler ge-
sprenkelt H. annulatan.sp.
172 Dr. C. Fr. Roewer:
3. Augenhügel unbewehrt; Palpentibia unbewehrt A. lineata n. sp.
— Augenhügel bezähnelt; Palpentibia bezähnelt
H. instructa (ROEWER 1910).
Harmandella aenescens nov. spec.
& Körper 4 mm lang; Beinfemur 19,5, II 17, III 9, IV 12 mm lang;
Bein I 40, II 80, III 39, IV 57 mm lang. >
gd Körper flach gewölbt, hinten quer abgestutzt. Cephalo-
thorax vorn und seitlich vom Augenhügel glatt; hinter ihm wie auch
das Seutum und die freien Dorsalsegmente grob granuliert. Freie
Ventralsegmente glatt, Öoxen fein granuliert, ihre Randhöcker dreispitzig.
Augenhügelso hoch wie lang wie breit, oben gefurcht, basal
verengt, vollkommen glatt glänzend.
Supramandibularfortsätze deutlich bezähnelt.
Mandibeln klem, normal gebaut; Glied I mit dem üblichen
Ventralsporn, dorsal wie auch das ganze Glied II völlig glatt und
unbewehrt.
Palpen lang und dünn; Femur so lang wie Patella + Tibia,
so lang wie der Tarsus. Femur ventral, lateral und dorsal unregel-
mäßig, nicht in Reihen dicht tuberkuliert. Patella mit kleiner Innen-
apophyse und dorsal fein bezähnelt. Tibia 3 mal so lang wie breit,
dicker als der Tarsus und dorsal mit emigen winzigen Zähnchen.
Tarsus gekrümmt, behaart, ventral innen mit einer feinen regelmäßigen
Längsreihe winziger Körnchen. Tarsalklaue deutlich kammzähnig.
Beine sehr lang und sehr dünn. Trochantere seitlich spärlich,
bezähnelt; Femora bezähnelt; Beinfemur I, III und IV mit je 1, II mit
4 Pseudogelenken.
Färbung des Körpers rostbraun; Cephalothorax vor und
seitlich vom Augenhügel weiß glänzend, mit einigen eingedrückten,
rostbraunen, schräg neben dem Augenhügel verlaufenden Stricheln.
Vom Augenhügel zur Stirnrandmitte ein rostfarbenes bräunliches
Medianband. Die 2 letzten Cephalothoraxsegmente (hinter dem
Augenhügel) und das Scutum wie auch die freien Dorsalsegmente
schwärzlich rauh, sehr schön kupirig metallisch schimmernd. Die
weichen Gelenkhäute zwischen den 2 hinteren Cephalothoraxsegmenten,
dem Scutum und den einzelnen freien Dorsalsegmenten, sowie die
weichen Gelenkhäute an den Scutum-Seiten blaßgelb. Freie Ventral-
segmente weißlich glänzend und fein, aber verschwommen rostfarben
gesprenkelt. Zwischen Coxa III und IV von oben her ein weiß-
glänzender Fleck. Mandibeln und Palpen einfarbig hell rostbraun.
Coxen und Trochantere der Beine rostbraun eimfarbig, von den Bein-
gliedern nur Tibia II mit breitem weißen Endring.
Q Körper 5,5 mm lang; Beinfemur I 8, II 15, HI 8, IV 11mm
lang. Beim I 38, II 77, III 35, IV 51 mm lang.
Das 9 ist im ganzen wie das & gebaut, nur größer, weil das
Abdomen mehr eiförmig gewölbt ist. Auch Angenhügel, Mandibeln
und Palpen wie beim &, doch Palpentibia zylindrisch und nicht
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 173
merklich dieker als der Tarsus; dieser gänzlich unbewehrt und ohne
ventrale Körnchenreihe.
Färbung des Körpers im allgemeinen wie beim 3, so die
milchweiß glänzenden Seiten des Cephalothorax kontrastreicher
hervortretend und scharf dunkelbraun gesprenkelt schräg neben dem
schwarzen Augenhügel. Die 2 letzten Cephalothoraxsegmente (hinter
dem Augenhügel), das Scutum und die freien Dorsalsegmente, soweit
sie_hart und stark rauh granuliert sind, schwärzlich, schön kupferig-
metallischschimmernd. Die weichen Gelenkhäute zwischen diesen
harten Teilen entsprechend breiter als beim 5 und daher viel mehr
blaßgelb hervortretend, so besonders die Seiten des Abdominalscutums
zur Ventralseite hin (hier breit rostbraun und weiß getleckt), hinter
dem Scutum und die breiten Gelenkhäute zwischen den freien Dorsal-
segmenten breit blaßgelb und bräunlich und weiß gesprenkelt. Ventral-
segmente milchweiß glänzend, desgleichen die Coxen, doch diese in
den Fugen fein und undeutlich bräunlich gesprenkelt, ihre Randhöcker-
reihen scharf dunkelbraun. Trochantere der Beine dunkelbraun und
scharf abstechend gegen die weißen Coxen; die übrigen Beinglieder
wie beim & gefärbt.
West-Himalaya (Mussootie, 7000 Fuß) — Museum-Üollector Cal-
eutta leg. — 16 (+2).
Nepal (Gowchar) — Museum-Üollector Caleutta leg. — 5 &.
Harmandella lineata nov. spec.
& Körper 4 mm lang; Beinfemur 18, 11 15,5, III 8, IV 10 mm lang.
Bein I 35, II 76, III 37, IV 46 mm lang.
S-Körperflach gewölbt und hinten quer abgestutzt. Cephalo-
thorax fein und mehr zerstreut granuliert. Scutum und freie Dorsal-
segmente stark rauh granuliert. Freie Ventralsegmente glatt; Genital-
platte und Coxen verstreut rauh behöckert; Coxenrandhöcker vier-
eckig abgestumpft.
Augenhügel so lang wie breit wie hoch; basal verengt,
gefurcht und völlig glatt und unbewehrt.
Supramandibularfortsätze groß, spitz und be-
zähnelt.
Mandibeln klein, normal gebaut; Glied I mit dem gewöhn-
lichen Ventralsporn und dorsal völlig glatt.
Palpen lang und dünn; Femur so lang wie Patella + Tibia, so
lang wie der Tarsus. Patella mit kleiner Innenapophyse; Tibia 2!/, mal
so lang wie breit. Femur ventral und Patella dorsal bezähnelt. Tibia
unbewehrt; Tarsus behaart, doch mit regelmäßiger ventraler
Körnchenreihe; Tarsalklaue kammzähnig.
Beine lang und sehr dünn; Femora bezähnelt; Femur I, III
und IV mit je 1, Femur II mit 4 Pseudogelenken.
Färbung des Cephalothorax jederseits schräg neben dem
Augenhügel perlmutterartig weiß glänzend mit einigen schrägen, ein-
gedrückten Sprenkeln jederseits; von der Stirnrandmitte zum schwarzen
174 Dr. €. Fr. Roewer:
Augenhügel eine blasse rostbraune Medianbinde. Cephalothorax
hinter dem Augenhügel tief schwarzbraun, ebenso das Scutum; dieses
nach hinten zu blasser werdend und an den vorderen Seitenecken
jederseits mit 2—3 verwischten, perlmutterartigen weißlichen Sprenkeln
und einer blaß rostgelben hellen Medianbinde mit unscharfen Rändern,
die etwas hinter dem Scutumvorderrand beginnt. Bauch blaßgelb,
Coxenrandhöckerreihen gebräunt. Maudibeln und Palpen blaßgelb.
Beine und Trochantere rostfarben bräunlich: Femur II, Tıbia II und IV
mit breitem weißen Endring.
© Körper 6 mm lang; Beinfemur I 6, II 14, III 6, IV. 10 mm lang;
Bein I 29, II?, III 29, IV 41 mm lang.
(Die Tarsen von Bein II fehlen teilweise!)
Q wie das { gebaut, nur größer, da das Abdomen oval hoch
aufgewölbt und hinten convex zugespitzt ist. Palpentarsus ohne
ventrale Körnchenreihe. Scutum weicher, daher:
Färbung des Scutums blasser als beim $ und die zum Scutum
verwachsenen vorderen Dorsalsegmente des Abdomens leichter
kenntlich als beim &, blasser braun und undeutlich weißlich gesprenkelt
freie Dorsalsegmente desgleichen. — Färbung des Cephalothorax und
des Augenhügels wie beim &, auch die blasse Medianzeichnung des
Scutums ist vorhanden, den Scutumhinterecken entsprechend ein
Anflug einiger perlmutterartig weißer Sprenkeln. Mandibeln und
Palpen wie beim & gefärbt. Die Beine sind kontrastreicher gefärbt
wie beim &, rostbraun; Femur an den Pseudogelenken blaßgelb
geringelt und mit weißlichem Endring; Patellen dunkelbraun bis
schwarz, sie heben sich scharf von den übrigen Beingliedern ab;
Tibien rostbraun, apical allmählig dunkler bis schwärzlich, doch
(besonders II und IV) mit deutlichen weißlichen, breiten Endringen.
Ost-Himalaya (Kurseong, 4700—5000 Fuß) — Annandale leg.
— 3 Exemplare.
Harmandella annulata nov. spec.
& Körper 4 mm lang; Beinfemur 15, U 11, III 6, IV 9 mm lang.
(Die ganzen Beinmaße können nicht angegeben werden, wesl
die meisten Tarsenglieder fehlen.)
'& Körper flach, hinten quer abgestutzt. Cephalothorax,
Scutum und freie Dorsalsegmente fein granuliert. Ventralsegmente
glatt; Coxen glatt, fein zerstreut schwarz borstig behaart; jedes der
freien Ventralsegmente mit einer Querreihe femster schwarzer Börstchen.
Coxenrandhöcker viereckig abgestumpft.
Augenhügel so lang wie breit wie hoch, basal nicht verengt,
oben schwach längsgefurcht und vollkommen glatt und unbewehrt.
Supramandibularfortsätze deutlich und spitz.
Mandibeln klein, normal gebaut; Glied I mit dem gewöhn-
lichen Ventralsporn und dorsal glatt; Glied II frontal spärlich behaart.
Palpen lang und dünn; Femur so lang wie Patella + Tibia,
so lang wie der Tarsus. Femur und Patella dorsal und lateral außen
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 175
spärlich stumpf behöckert, sonst unbewehrt wie die Tibia und der
Tarsus. Tarsalklaue kammzähnig. Alle Glieder der Palpen fein,
aber sehr zerstreut schwarz beborstet. Patella mit kleiner, spitzer
Innenapophyse; Tibia 4 mal so lang wie breit.
Beine dünn und lang; Trochantere, Femora wie die übrigen
Beinglieder unbewehrt, nur fein zerstreut schwarz beborstet. Bein-
femur I, III, IV mit je 1, II mit 4 Pseudogelenken.
Färbung des Körpers fahl lederfarben braungelb.
Cephalothorax reichlich dunkler gesprenkelt. Augenhügel weißlich
mit schwarzen Augen. Scutum von der Körpergrundfarbe; die Segment-
furchen blasser, quer verstreut blaßgelb und dunkelbraun untermischt
gesprenkelt. Eine Medianzeichnung fehlt dem Sceutum; jene Sprenke-
lungen stehen in bräunlichen Querbändern. — Coxen blaßgelb, jede
mit deutlichem dunkelbraunen Spitzenfleck und schwärzlichen Rand-
höckerreihen. Trochantere der Beine blaßgelb; die übrigen Bein-
glieder blaßgelb, ihre Börstehen schwarz; Femora und Tibien mit
schwarzen Ringflecken in folgender Anordnung: Femur I mit 3, II mit
5—6, III mit 3 und IV mit 3, Patellen I—-IV ganz schwärzlich, Tibia I
mit 4, II mit etwa 10, (IIL?), IV mit etwa 5 solch schwarzer Ringel-
flecken. — Mandibeln blaßgelb. Palpen blaßgelb, ihr Femur apical-
dorsal und ihre Patella dorsal etwas dunkler gebräunt.
2 Körper 7,5 mm lang; Beinfemur I 6, II 11, III 6, IV 85 mm
lang. Bein 1 32, 11 56, II 31,5, IV? mm lang.
@Körperim ganzen wie beim & gebaut, nur ist das Abdomen
dicker, gewölbter und hinten convex zugespitzt, in Struktur und
Bewehrung wie beim 5, nur von ihm unterschieden durch die Färbung.
Färbung im Grunde blasser als beim 3, daher kontrastreicher;
so auf dem dorsalen Abdominalsegment IV ein sammetbrauner
bis schwärzlicher Querfleck aus zwei nebeneinander stehenden
zusammengeflossen; der Hmterrand dieses Fleckens schmal weißgelb
"berandet. Diese Zeichnung wiederholt sich auf den Segmenten davor
und dahinter, wenn auch viel weniger scharf und deutlich. Im übrigen
ist die Sprenkelung des Cephalothorax und des Abdominalrückens
dieselbe wie beim &. Ventralsegmente blaßgelb, doch die Segment-
furchen fein schwarz quer punktiert und die Flächen der Ventral-
segmente blasser gesprenkelt. Gliedmaßen wie beim & gefärbt, ebenso
die Coxen der Beine.
West-Himalaya (Simla, 7000 Fuß) — ANNANDALE leg. — 14.
West-Himalaya (Munduli, Jounsa Division, 9000 Fuß, Dehra
Dun Distrikt) — Museum-Colleetor Calcutta leg. — 19.
Ceratobunellus nov. gen.
Dieses Genus ist vom Genus Ceratobunus Thorell 1889 p. 616 zu
trennen, nachdem sich an 3 Typen WITH’s, welche ich aus dem Indian
Museum aus Caleutta nachuntersuchen konnte, feststellen ließ, daß
die Verteilung der Pseudogelenke an den Beinfemora bei diesen
176 Dr. ©. Fr. Roewer:
WITH’schen Arten eine andere ist wie bei den THORELL’schen Cerato-
bunus-Arten. Die Diagnose für das Genus Ceratobunellus lautet mithin:
Augenhügel mit 4 großen, divergierenden Dornen. Ab-
dominalscutum unbewehrt. Beine relativ kurz, Beinfemur I, III und
IV ohne, Beinfemur Il mit nur 1 Pseudogelenk.
Diese Verteilung der Pseudogelenke stellte ich an folgenden
WITH’schen (1903) Typen fest, die sich nach folgender Tabelle von
einander unterscheiden.
1. Dornen des Augenhügels an der Spitze zweiästig
©. pulcher WITH
— Dormen des Augenhügels einfach, nicht zweiästig
2. Körper schwarzbraun; hinteres Abdomen mit einem rötlichbraunen
Flecken auf jeder Seite ©. calceuttensis WITH
— Körper gelbrot mit dunkleren Flecken und ein helles undeutliches
Längsband über den Abdomimalrücken laufend
©. brevipes WITH
Ceratobunellus pulcher (WITH 1903, p. 476 [= Cerato-
bunus|). — Punkabari.
Ceratobunellus calcuttensis (WITH 1903, p. 477
[= Ceratobunus]). — Caleutta.
Ceratobunellus brevipes (WITH 1903, p. 478 [= Cera-
tobunus]). — Caleutta.
Ceratobunus THORELL.
(THORELL 1889 p. 616 u. 1891 p. 689; [WITH 1903, p. 476];
ROEWER 1910, p. 142).
Nachdem ich die THORELL’schen Typen und auch die WITH’schen
Typen dieses Genus (aus Caleutta) untersuchen konnte, ergab sich,
daß nur ein Teil von ihnen, und zwar die von THORELL 1889 u. 1891
beschriebenen Arten, an Beinfemur Il 6 Pseudogelenke (an Femur I,
III und IV keine) aufweisen, während, wie oben schon dargelegt wurde,
WITH’s Ceratobunus-Typen aus dem Indian-Museum in Caleutta an
Beinfemur I nur 1 Pseudogelenk (an Femür I, III und IV keine)
besitzen (vergl. oben Ceratobunellus n.g.). Der Name Ceratobunus
(THORELL) kann also nur für die THORELL’schen Arten beibehalten
werden. Es sind dies:
Ceratobunus annulatus THORELL 1889, p. 616.
Ceratobunus bimaculatus THORELL 1889 p. 619.
Ceratobunuslugubris THORELL 1889, p. 621.
Ceratobunus quadricornis THORELL 1981, p. 689.
Fermer ist unter das Genus Ceratobunus (nach oben begründete
Einschränkung) zu rechnen: Hypsibunus vigilans WITH 1903, p. 475,
dessen Type aus dem Indian Museum in Caleutta ich einer Unter-
suchung unterziehen konnte. Es fand sich dabei, daß Beinfemur I 6
(I, III und IV keine) Pseudogelenke aufweist, während die übrigen
Hypsibunus-Arten an Beinfemur II nur 2 (an I, IH und IV keine)
Pseudogelenke besitzen; auch ist der Augenhügel bei der Type von
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 127
Hypsibunus vigilans — ähnlich wie bei übrigen 4 Arten von Cerato-
bunus — mit 2 Dörnchen, von denen das eine aber bei der Type ab-
gebrochen ist (was WITH 1903 übersehen zu haben scheint), bewehrt:
also: Ceratobunus vigilans = (Hypsibunus vigilans, WITH
1903, p. 475).
Die für obige 5 Arten mithin aufzustellende Genus-Diagnose für
Ceratobunus Thorell lautet kurz:
Augenhügel mit 2 oder 4 größeren, divergierenden Dornen;
Seutum unbewehrt. Beine sehr lang und dünn; Beinfemur Il
mit 6, Beinfemur I, III und IV ohne Pseudogelenke.
In der vorliegenden Sammlung fand sich
Ceratobunus annulatus THORELL (1889 p. 616).
Nieder-Birma (Mudon bei Moulmein) — ANNANDALE leg. —
2 Exemplare.
Ober-Birma (Puddupyu) — ANDERSON ( Yünnan Exped.) leg.
— 3 Exemplare.
Hypsibunus THORELL 1891 p. 679.
Nachdem Hypsibunus vigilans WITH 1903, p. 475 aus diesem
Genus (wie oben begründet) als ein Ceratobunus ausgeschieden ist,
verbleiben in ihm noch 2 Species (7. diadematus und scaber). Für dieses
Genus lautet die Diagnose:
Augenhügel hoch und bezähnelt, doch nicht mit größeren
Dornen bewehrt. — Seutum®unbewehrt. Beine sehr lang und
dünn; Beinfemur II mit 2 (I, III und IV ohne) Pseudogelenken.
Eine solche Verteilung der Pseudogelenke an dem Beiniemora
fand sich auch bei den 2 Exemplaren der Type Zaleptus fuscus With
1903 p. 479, die mir aus Caleutta zur Verfügung stand. Diese Art muß
demnach zum Genus Hypsibunus gestellt werden, und die Arten dieses
Genus sind mithin folgende:
Hypsibunus diadematus THORELL 1891, p.679. Nieder-
länd. Indien.
Hypsibunus scaber ROEWER 1910, p. 149. Anam.
Hypsibunus fuscus (= Zaleptus WITH 1903, p. 479).
Caleutta.
Kempina nov. gen
Augenhügel wenigstens so hoch wie breit, basal deutlich
eingeschnürt, gefurcht, oben in der Mitte jederseits der Furche außer
kleinen Bezähnelungen mit 2 langen schlanken, senkrechten, diver-
gierenden Dornen besetzt.
Scutum unbewehrt, weder mit Stachel noch mit Höcker besetzt.
Beine sehr lang und dünn; Beinfemur II mit 2 (Femur I, IH
und IV ohne) Pseudogelenke.
Kempina bicornigera nov. spec.
Körper 3,5 mm lang; Beinfemur I 4, II 9, III 4, IV 5,5 mm lang.
Bem I 20,5, II 44, III 20,5, IV 30 mm lang.
Archiv für Naturgeschichte
1911.12. 12
178 Dr. ©. Fr. Roewer:
Körper oval eiförmig und hochgewölbt. Cephalothorax fein
lederartig, durch 2 Querfurchen deutlich vom Abdomen getrennt;
jederseits des Augenhügels mit 2 schräg vorn konvergierender Ein-
drücken, sodaß die Stirnmitte etwas emporgewölbt erscheint und hier
einige feinste Körnchen aufweist. Scutum grob und rauh granuliert,
ohne Spuren von Segmentgrenzen. Freie Dorsalsegmente fast glatt.
Freie Ventralsegmente glatt; Coxen und Genitalplatte rauh behöckert;
die Höckerchen der Seitenrandreihen der Genitalplatte und der Coxen
viereckig abgestumpft, nur die Höcker am Vorderrand der Coxa I
schwach 3 spitzig.
Augenhügel hoch, vorn doppelt so hoch wie lang, knopf-
artig, basal verengt, schwach rückgeneigt, hinten gerundet und hier
nur so hoch wie lang, deutlich gefurcht, oben hinten jederseits der
Furche einige spärliche winzige Zähnchen, doch oben in der Mitte
jederseits der Furche mit einem schlanken, senkrechten, glatten Dorn,
der so lang ist wie der Augenhügel hinten hoch.
Supramandibularfortsätze deutlich und scharf be-
zähnelt.
Mandibeln klein, normal gebaut; Glied I mit dem üblichen
Ventraldorn und dorsal glatt. Glied II unbewehrt.
Palpen lang und dünn; Femur so lang wie Patella + Tibia, so
lang wie der Tarsus. Femur allerseits fein bezähnelt. Tibia doppelt so
lang wie breit und allerseits spärlich, aber fein bezähnelt. Tarsus
gänzlich unbewehrt; alle Palpenglieder außerdem fein behaart. Tarsal-
klaue deutlich fein kammzähnig.
Beine sehr lang und dünn. Trochantere und Femora fein be-
zähnelt; nur Beinfemur II mit 2 (I, III und IV ohne) Pseudogelenken.
Färbung des Körpers schwärzlich, aber deutlich geileckt,
wie folgt: Cephalothorax auf der aufgewölbten Stirnrandmitte und
in den Ecken zwischen den Coxenausbuchtungen schwarzbraun;
beiderseits neben dem schwarzbraunen Augenhügel ein weißer perl-
mutterartig glänzender schräger Fleck, der in der Mitte ein paar ver-
tiefte braune schräge Strichel aufweist. Hinter diesem ist der Cephalo-
thorax breit dreieckig schwarzbraun, in die gleiche Grundfarbe des
Scutums übergehend. Dieses aber an den Vorderrandseitenecken
(und auch auf den Seitenecken des letzten Cephalothoraxsegments)
perlmutterartig silberweiß gefleckt derart, daß hier 3 solch
kleiner silberweißer Flecken jederseits hintereinander liegen. Eben-
so jede Hinterrandseitenecke des Scutums mit eimem solchen
Fleck und das freie Dorsalsegment I mit jederseits solchem Fleck.
Freie Dorsalsegmente jederseits der Mediane mit je 1 silberglänzenden
Pünktchen (also nicht an den Seitenrandecken!); freies Dorsalsegment
III mit breiten, größeren, silberglänzenden Medianfleck, seine Seiten-
randecken schwarz; Analsegment ganz einfarbig schwarz. Freie
Ventralsegmente rotbraun, Furchen dunkler quergezeichnet; Coxen
und Genitalplatte rotbraun, ihre Randhöckerreihen und ein schmaler
Rand unterhalb der schwarzen Trochantere der Beine schwarzbraun.
Mandibeln bis auf die schwarzen Klauen blaßgelb wie die Palpen bis
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 179
auf ihre feine, schwarze Bezähnelung. Beine rotbraun bis schwärzlich:
Bein I und III einfarbig, Bein II und IV Femur, Patella desgleichen
einfarbig, doch Tibia mit breitem weißen Endring; die ersten 3—4 Tarsen
glieder dieser beiden Beinpaare milchweiß.
Assam-Bhutan (Grenze: Mangaldai Distrikt N.O.) — KEMP
leg. 2 Exemplare.
Euzaleptus nov. gen.
Dieses Genus mußte”vom Genus Zaleptus THORELL abgetrennt
werden, weil die Verteilung der Pseudogelenke an den Beinfemora
eine besondere ist. Abweichend von der Diagnose von Zaleptus ergibt
sich nur:
Beinfemur I ohne, II mit 3, III ohne, IV mit 1 Pseudogelenk.
Euzaleptus minutus (WITH 1903).
Die Type des von WITH 1903, p. 481 beschriebenen Zaleptus
minutus von Darjiling konnte ich aus dem Indian Museum aus Caleutta
nachuntersuchen, wobei sich die oben für das neue Genus angegebene
Verteilung und Zahl der Pseudogelenke an der Beinfemora ergab.
Darjiling — 1 Exemplar — WITH deser. 1903, p. 481.
Die Genera Verpulus SIMON 1901, p. 84 und Bastia ROEWER
1910, p. 156 lagen in dieser Sammlung nicht vor. Die eine Art: Verpulus
spumatus Simon 1901, p. 84 wurde in Birma, die eine Art: Bastia lineata
ROEWER 1910, p. 156 in Indien (Maria Basti) gefunden.
Das Genus Bullobunus ROEWER 1910, p. 153 ist mit 3 Arten:
B. luteovittatus ROEWER, B. ater ROEWER, B. similis ROEWER nur
von den Philippinen bekannt geworden.
Subord. Opiliones Laniatores.
Fam. Assamiidae.
Assamia THORELL 1889.
Außer einigen jungen und daher unbestimmbaren Assamiidae
aus der Umgebung Caleuttas lagen aus dem Indian Museum 3 Arten
vor, von denen die eine neu ist.
Assamia reticulata Thorell 1889, p. 704.
un — J. WOOD-MASON leg. — 107 Exemplare
(IHN).
Caleutta (Ballygunge) — Hodgart leg. — 2 Exemplare.
Ober-Birma (Puddupyu) — ANDERSON, Yünnan Exped. leg. —
2 Exemplare.
Caleutta (Sibpur, Botan. Gardens) — F. H. GRAVELY leg. —
19 Exemplare.
12*
180 Dr. C. Fr. Roewer:
Assamia Soerensenii THORELL 1889, p. 701.
Ober-Birma (Pumpataung, Wau-hsaung) — C. W. BEEBE leg.
— 1 Exemplar.
Assamia Gravelyi nov. spec.
Körper 4,5 mm lang; Beinfemur 1 3,5, II 5,5, III 4,5, IV 7,5 mm
lang. Bein I 11, II 21, 11 13, IV 19 mm lang.
Körper kurz und umgekehrt trapezartig-oval. Nur die letzten
6 Dorsalsegmente des Abdomens frei; die übrigen mit dem Cephalo-
thorax in ein großes Scutum verwachsen, welches 5 Querfurchen
aufweist. Vorderrand des Cephalothorax fein granuliert und außerdem
mit 5 wagerecht über den Mundgliedmaßen vorspringenden gleich-
großen Dornen; über dem mittleren von ihnen ein 6. Dorn am Stim-
rand, der senkrecht kegelartig emporsteht. Auf Abdominal-Segment II
des Scutums ein Paar großer senkrechter Dornen, sonst Scutum gänzlich
unbewehrt. Freie Dorsalsegmente und Hinterrand des Scutums mit
je einer Querreihe winziger, stumpfer Höckerchen; freie Ventral-
segmente desgleichen, nur die Analplatte glatt. Stigmen auf” der
Bauchseite deutlich sichtbar, seitlich hinter ihnen je ein größerer und
ein kleinerer Höcker. Coxa IV dick, geschwollen, etwa doppelt so
breit und lang wie Coxa Ill. Alle vier Coxen rauh granuliert, und
Coxa I, II und III mit Randreihen großer, stumpf gerundeter Höcker;
Coxa II mit oberen, vorderen Innendorn, der über den Rand des
Scutums übergreift.
Augenhügel oben nur mit 2 kleinen Tuberkeln besetzt,
quer gestellt, breiter als lang und hoch.
Mandibeln klein; Glied I dorsal plötzlich halbkugelig auf-
getrieben, hoch gewölbt und am Vorderrand mit 3 winzigen Zähnchen;
Glied II unbewehrt; Klaue mit je einer Innen-Leiste starker Säge-
zähnchen.
Palpen gekreuzt getragen. Trochanter klein, ventral stumpf
bezähnelt. Femur spindelartig verdickt, flach zusammengedrückt,
apical gekrümmt, dorsal in Reihen winzig tuberculiert, ventral mit
größeren und kleineren, stumpfen Zähnchen dicht besetzt. Patella
keulig, flach zusammengedrückt, basal stark verengt, etwa 2!/, mal
so lang wie apical breit, dorsal winzig bezähnelt, ventral desgleichen,
doch hier außerdem kurz vor der Spitze mit breit vorgestrecktem,
kleinen Dorn. Tibia rechteckig, seitlich zusammengedrückt, so breit
wie die Patellarspitze, doppelt so lang wie breit, dorsal und ventral
winzig bezähnelt, doch ventral kurz vor der Spitze mit einem großen
weit vorgestreckten mit einer Spitze bewafineten Dorn, davor (zwischen
ihm u. dem Ventralvorderrand der Tibia) 2 kleinere mit solcher Spitze
bewaffnete Zähnchen. Tarsus kurz, beilartig, wenig kürzer als die
Tibia, seitlich stark zusammengedrückt, dorsal granuliert, ventral
mit 2 großen mit Spitzenborsten bewaffr.eten, schräg nach vorn abwärts
gerichteten Dornen und zwischen ihnen an der ganzen Ventralfläche
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 181
des Tarsus kleinere Tuberkeln verstreut. Tarsalklaue groß, sichelartig
gekrümmt gegen die Ventralseite des Tarsus.
Bein ediünn und ziemlich lang; Bein Iam kürzesten. Trochantere
unbewehrt, nur Trochanter I vorn mit deutlichen Tuberkeln bestreut.
Femora cylindrisch, gerade und nicht gekrümmt. Alle übrigen Bein-
glieder unbewehrt. Endglied von Beintarsus I und II mit einer, III
und IV mit doppelter Klaue.
Färbung des Körpers rostgelb. Scutum fein und regelmäßig
dunkelbraun gesprenkelt; diese Sprenkel treten median hinter dem
Augenhügel bis an den Hinterrand des Scutums dichter zusammen,
auf diese Weise einen dunklen Medianstreifen bildend, der seitlich
durchaus nicht scharf begrenzt ist. Neben diesem Medianschatten
stehen die beiden tiefschwarz-glänzenden Scutumstacheln, deren
schwarze Farbe basal scharf gegen die gelbe Grundfarbe des Scutums
abgegrenzt ist. — Augenhügel schwarz gesprenkelt, nur die Furche
zwischen den Augen schmal gelb. Freie Dorsal- wie auch freie Ventral-
segmente und Coxen der Beine einfarbig goldgelb, nicht gesprenkelt.
Mandibeln, Palpen und Beine rostgelb, doch sehr fein verworren und
sehr spärlich schwarz bestrichelt. Die Enden der Beinfemora und der
Beintibien dunkler braun bis schwärzlich angelaufen.
(Nach Vergleich mit den Typen-Exemplaren: Assamıa reticulata
Thorell 1889 ist die eben beschriebene Art nahe mit A. reticulata
verwandt, unterscheidet sich außer geringen Abweichungen in Bau
und Bewehrung der Gliedmaßen aber augenfällig von ihr durch die
Färbung des Scutums, welches bei A. reticulata nicht jene deutliche
Medianzeichnung aufweist.)
Ceyion (Peradeniya) — 3 Exemplare — F. H. GRAVELY leg.
— (Nalanda) — 1 Exemplar — ders. leg.
— (Kandy) — 3 Exemplare — ders. leg.
(Patipola) — 6 Exemplare — ders. leg.
Ferner bekam ich aus dem Sarawak-Museum eine Reihe von
Opiliones, die ich im folgenden zusammenstelle. Bei den aus Sarawak
vorliegenden Formen waren genaue Fundorte und Sammler
selten angegeben. Es fanden sich:
Subord. Opiliones Palpatores.
Fam. Phalangiidae.
Subfam. Gagrellini.
Dentobunus bidentatus ROEWER 1910, p. 38 (= @a-
grella bidentata Thorell 1891, p. 697).
Borneo (Kuching?) — 1 erwachsenes Tier.
Borneo (Kuching?) — 1 pull.
Borneo (Matang) — 1 pull.
182 Dr. C. Fr. Roewer:
Während bei dem erwachsenen Exemplar die Palpenpatella
einfach und ohne Apophyse ist, findet sich bei den 2 jungen Tieren
eine sehr lange Patellarapophyse (fast so lang wie die daneben entlang
laufende Tibia), und auch die Palpentibia hat eine lange Apophyse,
die halb so lang ist wie das Glied selber ohne sie. Beides sind Charaktere,
wie sie bei den jungen Phalangiiden (besonders den Gagrellini) sehr oft
anzutreffen sind (vergl. KULCZYNSKI 1904. p. 76—84, Taf. IX,
0.9211):
Gagrella (STOLICZKA 1869) ROEWER 1910.
Eine Tabelle der bisher aus Borneo bekannten Arten gab With
1905. p.5. Diesen Arten ist aus dieser Sammlung keine neue hinzu-
zufügen; vielmehr fanden sich in ihr:
G@agrellasarawakensis WITH 1905, (p. 5).
Borneo — 2 Exemplare.
Gagrellapaupera WITH 1905 (p. 7).
Borneo — 2 erwachsene Tiere + 1 pull.
Borneo (Penrisen) — 1 pull.
Ich habe 1910 in meiner Revision der Gagrellini p. 125 Gagrella
paupera WITH als wahrscheinlich zum Genus Zugagrella gehörig be-
schrieben. Damals hatte ich noch kein Exemplar dieser Art gesehen
und konnte nur aus Vergleichen mit anderen Arten, die ihr als ähnlich
in der Diagnose aufgeführt waren, schließen. Jetzt liegen mir Tiere
dieser Art in mehreren Exemplaren vor, welche nur an Beinfemur II
1 Pseudogelenk haben; also muß diese Art eine „Gagrella‘“ paupera
WITH bleiben.
Euzaleptus sarawakensis nov. spec.
& Körper 2,5 mm lang; Beinfemur I 9, II 17, III 8, IV 11 mm
lang. Bein I 37, II 79, IIL?, IV 50 mm lang.
S&Körpergedrungen, dorsal wie ventral fein granuliert. Scutum
ohne Querfurchen und unbewehrt; Genitalplatte und Coxen etwas
rauher granuliert; Coxenrandhöcker an Coxa II, III und IV viereckig
abgestumpft, an Coxa I vorn und hinten 3 spitzig.
Augenhügel doppelt so breit wie hoch, basal eingeschnürt,
flach längsgefurcht, beiderseits der Furche nur vorn oben mit je
3 winzigen Zähnchen.
Mandibelnklein, normal gebaut; Glied I mit dem gewöhnlichen
Ventralsporn und dorsal fein granuliert.
Palpen lang und dünn. Femur so lang wie Patella + Tibia.
Tibia 41/, mal so lang wie breit und ebenso lang wie der Tarsus. Patella
mit kleiner Innenapophyse. Femur ventral und dorsal fein zerstreut
bezähnelt. Patella nur dorsal, Tibia nur ventral fein zerstreut be-
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 183
zähnelt. Tarsus behaart, mit ventraler Körnchenreihe; Tarsalklaue
fein kammzähnig.
Beine sehr lang und sehr dünn; Femora bezähnelt; Femur I
ohne, II mit 3, III ohne, IV mit 1 Pseudogelenk.
Färbung des Körpers rostfarben gelblich. Cephalothorax
gelblich, nur schmal um den Augenhügel und dieser selbst ganz dunkel
braun, sonst einfarbig und ungefleckt. Die 2 letzten Cephalothorax-
segmente (hinter dem Augenhügel) und die vordere Hälfte des Scutums
von ganz einförmig schwefelgelber Farbe, welche sich auf die hintere
Scutumhälfte nur median fortsetzt und auch den freien Dorsal-
segmenten in einer medianen, bis zum After reichenden Binde erstreckt.
Auf der hinteren Seutumhälfte jederseits der schwefelgelben Median-
binde ist das Sceutum breit halbmondförmig tief braun angelaufen,
doch außenseits (in der Hohlseite dieses braunen Halbmondes) sind die
scharfen Hinterrandsseiteneecken des Scutums mit einem weißen
Perlmutterfleck geschmückt. Freie Ventralsegmente, Genitalplatte und
Coxen einfarbig schwefelgelb» Trochantere der Beine dunkelbraun
wie die Basalhälfte der Femora; diese der Spitze zu in die rotgelbe
Grundfarbe der übrigen Beinglieder übergehend.. Mandibeln und
Palpen einfarbig blaßgelb.
Borneo (Sarawak) — ? leg. — 1 Exemplar. ($).
Subord. Opiliones Laniatores.
Fam. Epedanidae THORELL (nec W. SOER.).
Epedanus THORELL 1879 (p. 127).
In dieser Sarawak-Sammlung fanden sich 2 neue Arten dieses
Genus, sodaß die bisher bekannten Arten einschließlich der zwei
neuen, sich nach folgender Tabelle unterscheiden:
1. Palpenpatella außenseitig mit 1 und innenseitig mit 2 großen,
schräg nach vorn abwärts gerichteten, spitzenborstigen Stacheln 2
— Palpenpatella gänzlich unbewehrt und glatt 5
2. Palpentrochanter dorsal mit 3 kleinen, stumpfen Zähnchen, ventral
mit zwei längeren, spitzenborstigen Stacheln B)
— Palpentrochanter dorsal nur mit 1 oder 2 Zähnchen, ventral des-
gleichen mit zwei längeren Zähnchen
3. Palpentibia außen mit 3 langen, spitzenborstigen Stacheln und
innen mit 3 ebensolchen Stacheln (form. typ. gen.) — (Borneo)
Ep. pictus (THORELL)
— Palpentibia außen mit 4, innen mit 3 langen, spitzenborstigen
Stacheln — (Pinang) Ep. pinangensis (THORELL)
4. Palpentrochanter dorsal mit 2 Zähnchen bewehrt; Seitenrandwulst
des Scutums mit einer Tuberkelreihe (Java)
Ep. javanus (THORELL)
— Palpentrochanter dorsal nur mit 1 Zähnchen besetzt; Seitenrand-
wulst des Scutums ohne Tuberkelreihe und glatt — (Borneo)
Ep. lutescens (THORELL)
184 Dr. ©. Fr. Roewer:
5. Palpenfemur ventral mit einer Reihe aus 6—7 Stacheln oder mit
1 kleinen Basalzahn und einem großen Mittelzahn 6
— Palpenfemur sehr lang, dünn und außer einem kleinen ventral-
basalen Tuberkel gänzlich unbewehrt, dorsal wie ventral völlig
glatt glänzend — (Borneo) Ep. venator n. sp.
6. Palpenfemur mit ventraler Reihe aus 6—7 Stacheln; Mandibeln
Glied II frontal nur gleichmäßig bezähnelt, ohne Sicheldorn oder
Haken — (Hongkeng) Ep. geniculatus (POCOCK)
— Palpenfemur mit kleinen ventralbasalen Zahn und ventral zu
2/, gegen die Spitze hin mit 1 senkrecht abstehenden, stumpfen
Haken, die Gegend zwischen diesen beiden größeren Ventral-
zähnen stumpf behöckert. Mandibeln Glied II frontal in der Mitte
mit einem großen Sichelhaken — (Borneo)
Blei ı Ep. accentwatusn.sp.
Aus dem Sarawak-Museum lagen mir hier vor:
Epedanus pictus Thorell 1876 p. 128.
(Taf. IV Fig. la u. 1b.)
Borneo (Sarawak, Simunjan) — ? leg. — 1 Exemplar ( £).
Epedanus venator nov. spec.
(Taf. IV, Fig. 2a, b.)
& Körper 8 mm lang; Palpen (ohne Klaue) 19,5 mm lang. Palpen-
femur 8,5 mm lang. Palpenpatella 5,5 mm lang. Palpentibia + Tarsus
(ohne Klaue) 5,5 mm lang. Beinfemur 17, II 11, IH 10,5, IV 12,5 mm
lang. Bein I 22,5, II 42, III 31,5, IV 40 mm lang.
Körper. Segmente dorsal wie ventral fein lederartig, nicht
granuliert rauh. Scutum ohne Mittellängsfurche, doch die 4 Quer-
furchen und die Seitenrandlängsfurche jederseits deutlich ausgeprägt,
am Randwulst entlang jederseits mit einer deutlichen Reihe stumpfer
Höckerchen. Stirnrand des Cephalothorax mit einer gleichen Reihe
wenn auch unregelmäßig stehender Höckerchen; vor dieser Stirn-
randreihe ist der Cephalothorax oberhalb der Mandibeln, deren Ein-
lenkung entsprechend, in spitzen Ecken ausgebuchtet. — Jede der
4 Coxen der Beine mit einer vorderen und hinteren Randreihe stumpfer
Höckerchen, außerdem auf der Mittelfläche jeder Coxa eine solcher
mediane Höckerreihe; im übrigen sind die Coxen glatt glänzend.
Augenhügel quer gestellt, fast in der Mitte des Cephalo-
thorax gelegen, nicht hoch, doch in der Mitte oben in einen senk-
rechten, geraden und glatten Stachel auslaufend, der etwa 4 mal so
lang wie der Augenhügel breit ist.
Mandibeln groß und kräftig, den Stirnrand schräg aufwärts
weit überragend. Glied I fast cylindrisch, nur apical allmählig verdickt,
dorsal mit einigen wenigen stumpfen Tuberkeln bestreut, ventral _
gänzlich glatt. Glied II basal verengt, dann breit oval verdickt,
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 185
frontal spärlich stumpf behöckert. Klauen in der Spitzenhälite mit
je 3—4 starken stampfen Zähnen besetzt. (Taf. IV Fig. 1b).
Palpen sehr lang und basale Glieder sehr lang und schlank,
Endglieder abgeflacht und dieker. Coxenglied weit kegelig vor-
springend, spärlich stumpf behöckert. Trochanter kugelig, dorsal mit 2,
ventral mit 1 winzigen stumpfen Tuberkel. Fermur sehr dünn und sehr
lang, basal vorgekrümmt, dann gerade verlaufend, apical wiederum wenig
gekrümmt und hier etwas keulig verdickt; Femur gänzlich unbewehrt
und glatt, nur an der Ventralbasalecke (nahe der Trochantereinlenkung)
mit 1 winzigen Zähnchen. — Patella sehr lang und sehr dünn, nur
apical etwas keulig verdickt, gänzlich glatt glänzend und unbewehrt.
— Tibia rechtwinklig zur Patella getragen, halb so lang wie diese,
basal dick, der Spitze zu wenig schmaler, dorsal gewölbt, ventral
breit abgeflacht; jederseits am Rande mit 3 schräg abwärts gerichteten,
spitzenborstigen, großen und schlanken Stacheln, am Hinterrande
der Ventralfläche ein weiterer ebenso großer; zwischen diesen 7 großen
Stacheln, auf der inneren Ventralfläche einige verstreute kleineZähnchen
und zwischen den 3 großen Stacheln des Außenrandes, abwechselnd
mit ihnen, 3 kleinere ebenso gestaltete Dörnchen. — Tarsus in der
Verlängerung der Tibia getragen, wie diese gestaltet, basal stark
eingeschnürt, dorsal gewölbt, ventral abgeflacht, apical schmal zu-
laufend und hier mit einer sichelartigen Klaue von der Länge des
Tarsus, die gegen diesen eingeschlagen getragen wird, bewehrt; Tarsus
am Außen- und Innenrande entlang mit je 3 großen, schlanken, spitzen-
borstigen Stacheln besetzt, zwischen denen am Außenrande, mit
ihnen abwechselnd, 2—3 kleinere Dörnchen stehen; die flache
Ventralseite des Tarsus ist mit Sägezähnchen bestreut (Taf. IV, Fig. 1a
— rechter Palpus von außen).
Beine H-IV langu.dünn; Bein Ikurzunddünn. Trochanter I
vorn mit wenigen stumpfen Tuberkeln; Trochantere II—IV glatt.
Alle übrigen Beinglieder glatt, weder bezähnelt noch beborstet.
Färbung des Körpers rostfarben gelbbraun. Cephalothorax
mit dem Augenhügel und seinem Stachel hell rostgelb, nur die Augen
und die schmalen Augenringe schwarz. Die Scutumsegmente des
Abdomens hinter dem Cephalothorax median schwarzbraun scharf
abgesetzt, die Segmentfurchen hier blasser wie der Hinter- und Seiten-
rand des Scutums. Die freien Dorsal- und Ventralsegmente rostfarben
braungelb, doch jedes undeutlich schwärzlich quergestreift. Coxen
einfarbig rostbraun, wie die Trochantere der Beine und die übrigen
Beinglieder; nur die Tarsenglieder der Beine sind blasser gelb. —
Mandibeln rostfarben braungelb; Glied I fem schwärzlich genetzt;
Glied II einfarbig. — Palpen blaß gelblich; Femurspitze und Patellen-
basis schwarz angelaufen, Patellenspitze, die ganze Tibia und der
ganze Tarsus schwarz (mit wenigen gelblichen Netzfleckchen); die
Stacheln der Tibia und des Tarsus und auch die Tarsalklaue sind scharf
blaßgelb gegen die Tibia und den Tarsus abgesetzt.
Borneo (Sarawak, Irasan ?) — ? leg. — 1 Exemplar ( $).
186 Dr. C. Fr. Roewer:
Epedanus accentuatus nov. spec.
(Taf. IV, Fig. 3a, b, c.)
dä Körper 6 mm lang; Palpen (ohne Klaue) 17 mm lang. Palpen-
femur 7,5 mm lang. Palpenpatella 3,5 mm lang. Palpentibia + Tarsus
(ohne Klaue) 6 mm lang. Beinfemur I 6, II 12, III 8, IV 13,5 mm
lang. Bein 121, II 43, II 32, IV 42 mm lang.
d Körper: Cephalothorax, Scutum, Augenhügel, freie Dorsal-
und Ventralsegmente und Coxen genau wie bei Zpedanus venator
n. sp. gebaut und bewehrt. Auch sind die Beine wie bei voriger Art
gebaut. Unterschiede nur in den Mandibeln und Palpen:
Mandibeln eigentümlich gestaltet, weit schräg über den
Stirnrand des Cephalothorax hervorragend. Glied I fast cylindrisch,
apical allmählich verdickt und dorsal zerstreut grob tuberkuliert,
ventral glatt. Glied II basal eng eingeschnürt, dann breit eiförmig, dick
aufgetrieben und gewölbt, über doppelt so dick wie Glied I. Glied II
frontal in der Mitte mit einem senkrecht abstehenden Sichelhaken
von der Länge des Glieddurchmessers. Dieser Haken hat keine Spitzen-
borste und neben seiner Basis steht innenseits ein weiterer viel kleinerer
und stumpfer Höcker. Auf der Hinterseite des Gliedes II, hinter den
Klauen ein kleiner, abwärts gebogener Zahn. —Klauen seltsam ver-
bogen. Bewegliche Klaue zunächst ihrer Basis dick spiralig nach
vorn gedreht bis zur Hälfte ihrer Länge, hier innen mit einem dicken
Kegelzahn, dann gleichmäßig bis zur Spitze zugespitzt, dieser Teil
sitzt rechtwinklig an der Basalhälfte und hat 3 innere kleine, fast gleich-
große Kegelzähnchen. — Unbewegliche Klaue auch spiralig nach vorn
gedreht, aber nicht so sehr wie die bewegliche, ohne den dicken Kegel-
zahn in der Mitte der Innenkante; die Spitzenhälfte der unbeweglichen
Klaue gegen die Spitzenhälfte der beweglichen Klaue hingebogen und
hier (mit den 3 Zähnchen jener alternierend) mit 3 Kegelzähnchen
an der Innenseite. (Taf. IV Fig. 3b und c.)
Palpen lang und kräftig. Coxenglied kegelartig vorgestreckt,
mit dorsaler Längsreihe stumpfer Tuberkeln und ventral mit spitz-
borstigen Höckerchen. — Trochanter kugelig, ventral mit 1 kleinen,
dorsal mit 1 größeren spitzborstigen Zähnchen. — Femur lang und
dünn, basal und apical wenig gekrümmt, ventral oberhalb des
Trochantergelenks ein kleines, senkrecht abstehendes Zähnchen und
ein zweites größeres, senkrecht abstehendes Zähnchen ventral !/, vor
der Spitze; die Gegend zwischen diesen beiden Ventralzähnen (also
die basalen ?/, des Femurs) allerseits mit stumpfen Höckern rauh
bestreut; alle Zähnchen und Höckerchen spitzborstig; das Enddrittel
des Femur ist glatt und unbewehrt. — Patella halb so lang wie der
Femur, dünn, schlank, eylindrisch, nur apical plötzlich keulig an-
geschwollen, gänzlich unbewehrt. — Tibia im rechten Winkel aufwärts
zur Patella getragen, basal eng eingeschnürt, dorsal gewölbt, ventral
mäßig abgeflacht, apical schmaler werdend; am Außenrand entlang
mit 3 großen, schräg abwärts gerichteten, abstehenden, spitzborstigen
Stacheln, zwischen den hinteren und mittleren von ihnen 2 kleinere
Opiliones aus Britisch Indien und Sarawak. 187
solcher Stacheln; am Innenrand entlang nur 3 große abstehende,
spitzborstige Stacheln (zwischen ihnen keine kleineren). Die Ventral-
fläche der Tibia mit kleinen Sägezähnchen bestreut, dorsal völlig glatt.
— Tarsus basal eng eingeschnürt, rechtwinklig abwärts zur 'Tibia
getragen, dorsal hoch aufgewölbt, ventral mäßig abgeflacht, apical
schmaler werdend; am Außenrand entlang mit 3 großen (der mittlere
der größte) spitzborstigen, schräg nach unten gerichteten, abstehenden
Stacheln bewehrt; am Innenrand entlang ebenso wie am Außenrand
bewehrt; dorsal sonst völlig glatt glänzend, Ventralfläche aber mit
kleinen Sägezähnchen dicht bestreut. Tarsalklaue lang (so lang wie der
ganze Tarsus) und gegen den Tarsus sichelförmig eingeschlagen getragen
(Taf. IV, Fig. 3a rechter Palpus von außen).
Färbung des Körpers größtenteils hochgelb. Cephalothorax
und Scutum matt schwefelgelb; Cephalothorax vor dem Augenhügel
und dieser auch undeutlich fein schwarz genetzt. Die hellen gelben
Stellen liegen hinter dem Augenhügel auf der Cephalothorax- und
Seutum-Mitte. Seitenrandwulst und letztes Scutumsegment braun-
schwarz, ebenso die freien Dorsalsegmente, doch diese median undeutlich
gelb. — Freie Ventralsegmente und Coxen und Trochantere der Beine
einfarbig rostbraun; die übrigen Beinglieder desgleichen bis auf Patellen
und Femurenden, die etwas dunkel gebräunt sind. Mandibeln,
besonders das dicke Glied II schwarz, fein genetzt. Palpen wie bei
voriger Art gefärbt.
Borneo (Sarawak, Penrisen) — COX und SHELFORD leg. —
1 Exemplar (3).
Borneo (Sarawak) — ? leg. — 1 Exemplar (nicht ganz erwachsen).
Literatur- Übersicht.
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— Zool. Ergebn. Reise in Niederl. Ost-Ind. Prof. M. Weber, Leyden II.
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188 Dr. C. Fr. Roewer.
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Mus. Zool. Anat. compar. Torino XX No. 509 pp. 1—12.
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— Abhandl. a. d. Gebiet d. Naturwiss. Hamburg. Band XIX. Heft 4.
. 1—294.
= Derselbe. 1910. Bemerkungen zu einigen neuen Gattungen
der Opiliones Plagiostethi. — Entomol. Rundschau 27. Jahrg. No. 24.
p- 177.
Erklärung der Tafel IV.
Fig. 1. Epedanus pietus Thorell.
la. Rechter Palpus von außen her gesehen.
lb. Rechte Mandibel von außen her gesehen.
Fig. 2. Epedanus venator nov. spec.
2a. Rechter Palpus von außen her gesehen.
2b. Rechte Mandibel von außen her gesehen.
Fig. 3. Epedanus accentuatus nov. spec.
3a. Rechter Palpus von außen her gesehen.
3b. Rechte Mandibel von außen her gesehen.
3c. Linke Mandibel von der Stirnseite aus gesehen (die Klauen).
Arachniden von der kanarischen Insel Gomera,
gesammelt von Herrn Prof. Dr. W. May.
Von
Embrik Strand.
Herr Prof. Dr. W. May (Karlsruhe) hat während seines
Aufenthalts auf der Insel Gomera Ende 1907 und Anfang 1908 eine
kleine Arachnidensammlung zusammengebracht, die er mir zur Be-
arbeitung gefälligst zugesandt hat. Die Anzahl der Arten ist nicht
groß, es finden sich aber mehrere interessante darunter und unsere
Kenntnis der Arachnidenfauna der Kanaren ist noch so höchst unvoll-
ständig, daß jeder Beitrag dazu willkommen sein dürfte.
Araneae.
l. Zoropsis rufipes (H. Lue.). 1 2: Agulo, unter Steinen oberhalb
des Weges zwischen Agulo und Hermigua 15.11.08. Ebenda auch
unreife Ex. — 13: Agulo, unter Steinen auf dem sumpfigen Boden
der Inacuafelder am Rande eines Rinnsales oberhalb des Ortes 17. II. 08.
— Ein unreifes Ex. von: Valle Hermigua, unter Steinen am Ufer des
Baches 29. XI. 07. — Ebenfalls unreifes Ex. von: San Sebastian,
im Wohnhause 13. I. 1908.
2. Oecobius navus (Bl.). Ein 9 von: „San Sebastian, Hof meimes
Hauses 18. XII. 07“. Epigyne erscheint trocken gesehen wie von
Kulezynski abgebildet in: Arachnoidea opera Rev. E. Schmitz collecta
in imsulis Maderianis et in insulis Selvages dietis (Dissertat. math.
phys. Ac. Litt. Cracovienses, Vol. XXXVIpl. VI. fig. 12); in Flüssigkeit
treten scharf zwei schwarze Samentaschen, eine jederseits der Basis
der ligula hervor, und von diesen erstrecken sich zwei schmale braune
Kanäle bis zur Spitze der ligula, die kurz vor der Mitte der letzteren
ein wenig schmäler und unbedeutend weniger unter sich entfernt
sind als an der Spitze.
3. Eresus niger (Pet.). Ein 2 von Alto Garajouay, unter Steinen
4. 111.08. Epigyne ist so von gehärtetem Sekret ausgefüllt, daß die
genaue Struktur nicht zu erkennen ist, die Form der Grube ist aber
ganz wie bei Zresus niger (Pet.).
4. Segestria florentina Rossi. Ein unreifes Exemplar von: Agulo,
unter Steinen, oberhalb des obern Weges zwischen Agulo und Hermigua,
15. 11. 08.
5. Dysdera macra Sim. Ein etwas beschädigtes Exemplar ( 9)
vom Wald zwischen Ermita de las Nieoes und Alto Garajouay 2. III. 08,
halte ich für diese Art. Von den von Simon angegebenen 2 oder
3 Stacheln nahe der Basis der Oberseite der Femoren IV sind nur je 1
190 Embrik Strand: Arachniden von der kanarischen Insel Gomera,
deutlich vorhanden, es scheint aber noch je 1 vorhanden gewesen.
Die Tibien III zeigen vorn 1. 1 Stacheln, außerdem unten an der
Spitze 2, IV hinten 1. 1, unten 2. 2 Stacheln, die Metatarsen III und IV
wie von Simon angegeben mit mehreren Stacheln unten und an den
Seiten.
6. Dysdera insulana Sim. var. Ein $ von: Ermita de las Nieoes,
unter Steinen auf bewachsenem Boden 1.11.08. Mandibeln fast halb
so lang wie Cephalothorax (bezw. 2.5 und 4,6 mm), länger als beide
an der Basis breit. Femoren IV oben nahe der Basis mit 3 Stacheln.
Cephalothorax 3,5 mm breit, vorn 2,4 mm breit. — Von der ebenfalls
auf den Kanaren vorkommenden europäischen Art Dysdera crocota
©. L. K. abweichend durch die Längenverhältnisse der Mandibeln
und des Cephalothorax, dunklere Färbung des letzteren, größere Anzahl
Stacheln oben auf den Femoren IV ete. — Von der Beschreibung
von D. insulana Sim. abweichend durch etwas geringere Größe, Sternum
ist seitlich, msbesondere hinten, recht deutlich ‚‚coriaceo-vermieulatum“,
Tibia IV zeigt zwei kleine Dorsalstacheln und die Femoren IV haben
oben nur 3 Stacheln. Ob diese Abweichungen individuell oder einer
besonderen Form charakteristisch sind möchte ich wegen Mangels an
genügendem Material dahingestellt lassen; sollte letzteres der Fall
sein, so möchte ich den Namen gomerensis m. in Vorschlag bringen.
7. Dysdera crocota C. L. Koch (?). Ein unreifes $ von: „San
Sebastian, im Hof meines Hauses 19. I. 08°. — So weit nach einem
unreifen Exemplar zu urteilen ist wird es crocota sein.
8. Drassodes lapidosus Walck. Ein & von Laguna grande, unter
Steinen 2. III. 08. Körperlänge 10 mm. Cephalothorax 4 mm lang.
Beine: I Femur 3,8, Pat. + Tib. 5,2, Met. + Tars. 5,1 mm; IV bezw.
3,8; 4,8; 5,3 mm. Also: I 14,1; IV 13,9 mm. — Ferner ein & von Alto
Garajouay, unter Steinen 4. III. 08.
9. Callilepis moebii Bösbg. Von: Laguna grande, unter Steinen
2. III. 08 liegen mehrere reife $g und 9 2 vor, die mit Ü. moebiv
Bösbg. (in: Abhandl. Ges. Naturw. (Hamburg) XIII, p. 5 (Sep.), Taf.
Fig. 8) identisch sein müssen, wenn auch die meisten @ @ kleine Ab-
weichungen von der Originalkennzeichnung zeigen; sie variieren aber
offenbar nicht unerheblich. Die Größe ist bedeutender als nach Bösen-
bergs Angabe (@ 7 mm, Cephal. 3mm, & nur wenig kleiner); das
kleinste @ ist 8mm lang, Cephal. 3,5 mm lang, das größte Il mm,
Cephalothorax 4,5 mm lang. Die Mandibeln sind meistens rötlichbraun,
bei den größten Exemplaren kann jedoch Bösenbergs Angabe „schwarz-
braun‘ als zutreffend bezeichnet werden. Epigyne des kleinsten
Exemplares stimmt mit Bösenbergs Figur, scheint mir jedoch noch
deutlicher breiter als lang zu sein und bei den größeren Exemplaren
tritt dieser Unterschied noch deutlicher hervor. Trocken gesehen
erscheint sie als eine dunkelgefärbte, scharf abgesetzte rundliche
Quergrube, die doppelt so breit wie lang und etwa so breit wie
der Lippenteil ist; der Hinterrand ist mitten schwach nach vorn
konvex gekrümmt, sowie daselbst etwas niedergedrückt, während
der Vorderrand in der Mitte subtriangulär schmal ausgeschnitten
gesammelt von Herrn Prof. Dr. W. May. 191
ist; die Spitze dieses Ausschnitts ist nach vorn gerichtet und
sie zeigt Andeutung eines jnach hinten gerichteten, am leichtesten
in Flüssigkeit zu sehenden Mittellängskiels. Ein solcher ist auch in
der Grube angedeutet und zwar ist er hinten am deutlichsten sowie
etwas erweitert und schwach quergestrichelt. — Die charakteristische
Fleckenzeichnung des Abdominalrückens ist bei allen Exemplaren
vorhanden, aber z. T. undeutlich. — Die männlichen Palpen stimmen
ganz mit Bösenbergs Figuren überein. Die $ 3 sind 8mm lang.
— Die Typen waren von Teneritfa.
Es ist ganz wahrscheimlich, daß Calllepis convexa (Sim.) mit
moebii identisch ist, in welchem Falle die Art convexa heißen müßte;
nach der wie gewöhnlich höchst ungenügenden Beschreibung von
Simon (die m diesem Falle auch deswegen ungenügend ist, weil er nur
„un seul individu en mauvais &tat‘‘ vor sich hatte!) ist es aber unmöglich
mit irgend welcher Sicherheit die Art als convexa zu bestimmen. — Die
Angabe bei Bösenberg, daß bei convexa ‚(nach Simon) die Metatarsen I
und II unbewehrt‘ seien ist unrichtig, denn Simon schreibt vielmehr:
„tibias I et Il et metatarse I inermes; mötatarse II pourvu en dessous
de trois paires d’epines courtes et robustes“.
Ferner liegen folgende Exemplare dieser auf Gomera offenbar
häufigen Art vor: ein unreifes Ex. von: San Sebastian unter Steinen
auf den Bergen rechts vom Tal 13. XII. 07; zwei unreife Ex. von Valle
Hermigua, unter Steinen am Ausgang des Tales 1. XII. 07; unreife
Ex. von San Sebastian, unter Steinen auf der Hochtläche links vom
Tal 2.1.08; ein unreifes Ex. vom Valle Hermigua unter Steinen in
einem Bananengarten 30. X1. 07; zwei unreife Ex. von: San Sebastian,
Barranco de la Villa, unter Steinen des Talgerölles 13. 1. 08; von San
Sebastian, unter Steinen am Strand 24. X11. 07 liegen unreife sowie
ein zwar reifes, aber ganz neugehäutetes, auffallend kleines $ vor
(nur 4 mm lang); Merkmale, die mit Sicherheit darauf deuten
könnten, daß dies Ex. einer anderen Art angehören könne, kann ich
nicht finden, möchte vielmehr die kleinen vorhandenen Abweichungen
auf den neugehäuteten Zustand des Tieres zurückführen; reife 2 9
und 1 reifes $ von: Alto Garajouay, unter Steinen 4. IIl. 08; ein
unreifes 5 von Ermita de las Nicoes, unter Steinen auf bewachsenem
Boden 1. 11. 08; zwei reife 9 von: Valle Gran Rey, unter Steinen des
Talbodens 22. Il. 08; ein reifes @ von der Hochfläche zwischen Barranco
de la Villa und Barranco de Bilbao 17. I. 08.
Eine Revision der Callilepis-Arten der Kanaren wäre erwünscht;
nicht bloß ‚, Pythonissa‘‘ convexa Sim., sondern auch musiva und verneaui
Sim. sind noch recht rätselhafte Arten.
10. Gnaphosa canaricola Strand n.sp. Ein 2 von: Alto Gara-
jouay, unter Steinen 4. III. 08.
Körperlänge 9mm. Cephalothorax 4,5 mm lang, 3 mm breit.
Abdomen 5 mm lang, 3,5 mm breit. Beine: I Fem. 2,7, Pat. + Tib.
3,2, Met. + Tars. 2 mm; IV bezw. 2,9; 3,1; 38mm. Also: I 7,9;
IV 9,3 mm. Tibien I unbewehrt, II an der Spitze unten innen 1 Stachel.
Tibien IV oben nahe der Basis mit einem Stachel, Tibien III haben
192 Embrik Strand: Arachniden von der kanarischen Insel Gomera,
oben an der Spitze zwei Stacheln neben einander und an der Basis
einen einzigen. Metatarsen I unten innen unweit der Basis 1 kurzer
kräftiger Stachel, II unten mit 2.2. 1 oder weniger Stacheln; an der
Spitze sind I—II ganz unbewehrt. Tibia I länger als Metatarsus.
Epigyne erscheint in Flüssigkeit als ein abgerundetes, reichlich so
langes wie breites Feld, das hinten zwei schwarze, runde, unter sich
um fast ihren doppelten Durchmesser entfernte Samentaschen zeigt,
die durch einen schwärzlichen Querstreiten verbunden sind, in welchem
man zwei weißliche runde Flecke und dazwischen einen schmalen
hellen Längsstreifen bemerkt; letzterer geht vorn in ein helles, mitten
beiderseits sowie vorn tief ausgerandetes und daselbst schmal braun
begrenztes Längsfeld über. — Trocken gesehen erscheint Epigyne als
ein hellbraunes, hinten geschwärztes Feld, das eime ziemlich tiefe
Längsgrube zeigt, die mitten jederseits durch einen rundlichen, nach
innen und hinten gerichteten Höcker verschmälert wird, vorn durch
eimen kurz zungenförmigen, nach hinten und schräg nach unten ge-
richteten, quergestreiiten Höckeriortsatz begrenzt wird und ein etwa
gleichbreites, nach vorn allmählich niedriger werdendes und ver-
schwindendes, hinten erhöhtes Längsseptum geteilt wird; der Hinter-
rand der Grube wird außer durch das Ende dieses Septums von je
einem oder wenn man will zwei neben diesem gelegene undeutliche,
zusammenhängende Längswülste gebildet und fällt hinten senkrecht ab.
Cephalothorax und Extremitäten dunkel braungelb, ersterer mit
dunkleren Strahlenstreifen und tiefschwarzer Randlinie, Sternum
rot mit dunklerem Rande, Lippenteil braun mit dunklerem Seiten-
rand. Abdomen grauschwarz, oben vorn mit Andeutung eines Herz-
streifens, hinten mit grauweißlichen, mitten winkelförmig nach hinten
oifen gebrochener Querbinden (etwa 6), die beiderseits durch eine
Längsreihe schwarzer Flecke begrenzt werden; Bauchseite und Hinter-
hälite der Seiten graulich mit undeutlichen schwarzen Flecken und
Punkten.
Die hintere Augenreihe fast gerade, die weißen M. A. unter sich um
ihren Durchmesser, von den S. A. um doppelt so weit entfernt. Vordere
Reihe stark procurva gebogen, die M. A. unter sich weiter als vorn
den S. A. entfernt.
Die Carina der Mandibeln scheint ganz kurz, fast stumpf zahnförmig
zu sein (die eine Mandibel fehlt ganz und die andere ist beschädigt!)
11. Teutana grossa (©. L. K.). Ein 2 von: Agulo, unter Steinen
oberhalb des oberen Weges zwischen Agulo und Hermigua 15. II. 08.
— Ein Q von: Laguna grande, unter Steinen 2. III. 08. — Zwei unreife
d& von: Valle Hermigua, unter Steinen bei der Cueva del Sobrado
2. XII. 07. — Zwei unreife Ex.: Wald oberhalb Hermigua, unter
Steinen am Bach, 13. II. 08. — Ein ® von: Agulo, unter Steinen auf
dem sumpfigen Boden der Inacuafelder am Rande eines Rinnsales
oberhalb des Ortes 17. II. 08.
12. Enoplognatha mandibularis Luc. Ein 9 von: Valle Hermosa,
unter Steinen auf bewachsenem Boden an der Mündung des Tales
20. II. 08.
gesammelt von Herrm Prof. Dr. W. May. 193
13. Aranea cerucifera Luc. Ein reifes und ein unreifes ? von:
Valle Gran Rey, unter Steinen des Talbodens 22. Il. 08.
Das reife Exemplar ist ungewöhnlich klein: bloß 6 mm lang, aber
an die Artzugehörigkeit kann kein Zweifel sein; die Zeichnung stimmt
recht gut mit der Fig. 91 in: Kulezynski, Arachnoidea opera Rev.
E. Schmitz colleeta in Insulis Maderianis ete. (1899), Taf. 8, jedoch
ist vom em dunkler, hell begrenzter Mittellängsstreifen deutlicher
vorhanden und die das Folium begrenzenden schwarzen, unter sich
entfernten Schrägstriche treten schärfer hervor. Epigyne stimmt
genau mit der von Kulezynski 1. ce. Figg. 99—100 gegebenen Ab-
bildung überein. 7
Das unreife Exemplar hat mit der Fig. 90 l.c. am meisten Ahn-
lichkeit. — Die von mir 1908 (Zoolog. Anz. 33. p. 3—4) aufgestellten
Varietäten ladislausi, albimaculata, pyramidella und ochroleucella
Strand liegen also nicht vor.
14. Zilla litterata Ol. (x-notata Cl.). Ein @ von: Cumbre del
Carbonero, unter Steinen im Lorbeerwald 4. I. 08.
Anm. Herr Prof. May teilt mir mit, daß er außer den mir ge-
sandten Spinnen noch eine Art mitgebracht hat, die er selbst nach
Barker-Webb et Berthelot als Tetragnatha gracilis H. Luc. bestimmt
hat: 3 Ex. von San Sebastian, unter emem großen Stein im Bach,
1 Stunde oberhalb des Ortes. Die Art macht über dem Wasserspiegel
ein horizontal zwischen Steinen ausgespanntes Radnetz.
15. Cyrtophora citricola (Forsk.). Unreifes Ex. von: „San Se-
bastian, Hof meines Hauses 5. XII. 07.“
16. Aysticus sebastianus Strand n. sp. Ein 2 von: San Sebastian,
Barranco de la Villa, eine Stunde oberhalb S. S., unter Steinen am
Bach 11. XII. 07.
Die Zeichnung stimmt gut mit der Abbildung von „Thomisus“
asper Luc. überein; diese Art scheint aber, so weit man nach der Be-
schreibung urteilen kann, größer zu sein, zum großen Teil rot gefärbt
(wovon bei meiner Forın kaum etwas zu erkennen ist) und die Augen-
stellung scheint etwas abweichend zu sein. Leider ist es noch, so lange
die Spinnenfauna der Kanaren so wenig bekannt ist, kaum möglich
den „Thomisus asper“ auf irgend eine Xysticus-Art mit Sicherheit
zu beziehen; Simon hat (Ann. ent. France (6) 3. p. 286) die Type nicht
wiederfinden können und kann daher keine weitere Mitteilung über die
Art geben als daß sie „‚certainement differente‘“ von den beiden anderen
daselbst als neu beschriebenen Xysticus-Arten ist; Bösenberg will
(Beitrag zur Kenntnis etc. 1. c.) die Art von Orotava gesehen haben,
gibt aber gar keine Angaben darüber was er unter dem Namen Xysticus
asper Luc. versteht, so daß man immer noch allein auf die dürftige
Beschreibung von H. Lucas angewiesen ist.
Epigyne erscheint in Flüssigkeit als ein rundliches, reichlich so
langes wie breites, hell graubräunliches, schmal dunkler begrenztes
Feld, das hinten mitten zwei kleine schwarze Flecke zeigt, die unter
sich und vom Hinterrande um ihren Durchmesser entfernt sind und
von denen je eine breite braune Längslinie nach vorn entspringt; diese
Archiv für Naturgeschichte «
111.12. 13
194 Embrik Strand: Arachniden von der kanarischen Insel Gomera,
Linien verlaufen zuerst parallel, biegen sich dann kurz hinter dem
Vorderrande nach außen, dann nach hinten und endlich ein wenig
nach innen um. Trocken gesehen erscheint Epigyne als eine vom tiefe
Grube, die durch ein Längsseptum (in Flüssigkeit durch die braunen
Linien angedeutet) geteilt wird; kurz hinter der Mitte des Feldes wird
diese Grube durch ein Querseptum geschlossen, das mit dem Längs-
septum eine j-förmige Figur bildet und hinter dem eine ganz kleine
Quergrube vorhanden ist. Die Breite der Epigyne ist etwa gleich
derjenigen der hinteren Tibien.
Cephalothorax 2, Abdomen 3,1mm lang. Femoren I wie ge-
wöhnlich bei Xysticus mit einer schrägen Reihe von 3 kräftigen, zu-
gespitzten Stacheln. Tibia I oben oder oben seitlich ohne Stacheln,
wohl aber mit Reihen kräftiger Borsten. — Die vordere Augenreihe
erscheint gerade von vorn gesehen so schwach recurva gebogen, daß
eine die $S. A. unten tangierende Gerade die M. A. im oberen Drittel
schneiden würde; die vorderen M. A. ein wenig kleiner als die hinteren
und wenigstens so weit wie diese unter sich entfernt. Die hinteren
M. A. unter sich weniger als von den S. A. entfernt.
Mit X. insulanus Th., von Madeira beschrieben, jedenfalls nahe
verwandt, aber der subtrianguläre dunkle Fleck in der hellen Längsbinde
des Cephalothorax ist hinten ganz stumpf zugespitzt und überragt
die Mitte des Cephalothorax nur ganz wenig; die braunen Seiten
des letzteren zeigen nur hinten eine kurze, unregelmäßige, nicht bis
zur Mitte reichende helle Längsbinde, Beine I kaum dreimal so lang
wie Cephalothorax ete. Am sichersten aber von insulanus zu unter-
scheiden durch die Form der Epigynengrube, die bei insulanus erheblich
länger als breit (cfr. Kulezynski, Arachnoidea.... in insulis Maderianis
ete., t. VIII, fig. 85), hier dagegen reichlich so breit wie lang ist.
17. Xysticus sp. Unreifes, unbestimmbares Ex. von: San Sebastian
unter Steinen am Strand 24. XII. 07.
18. Xysticus sp. (ob asper Luc.?) Ein nicht ganz reifes @ von
San Sebastian, Barranco de la Villa, unter Steinen des Talgerölles
13. I. 08. — Vielleicht die noch recht ungenügend bekannte Art Xyst.
asper H. Luc.
19. Thanatus? Je ein unreifes Exemplar von: Valle Hermigua,
unter Steinen in einem Bananengarten 30. XI. 07, und: Valle Hermigua,
unter Steinen am Ausgang des Tales 1. XII. 07. — Nach Bösenberg
kommt Thanatus vulgaris Sim. bei Orotava vor.
20. Misumena spinifera Bl. Ein $ von: Wald oberhalb Her-
migua, unter Steinen am Bach 13. II. 08. Weicht von Misumena vatıa
ab durch abweichende Augenstellung, Bestachelung, Form des Ab-
domen und Epigyne. Cfr. Kulezynski, Arachnoidea ..... . collecta in
Insulis Maderianis ete. p. 84, wo auch die Synonymie angegeben ist.
21. Clubiona decora Bl. Ein Z von: Cumbre de l. Carbonero, im
Moos des Lorbeerwaldes 4. 1.08. Körperlänge 3,7 mm.
22. Micaria gomerae Strand n.sp. Ein Qsubad. von: Cumbre
de l. Carbonero, im Moos des Lorbeerwaldes 4. I. 08.
gesammelt von Herrn Prof. Dr. W. May. 195
Körperlänge 2,8 mm. — Vordere Augenreihe procurva, die S. A.
größer als die M. A., vom Ülypeusrande um ihren Durchmesser, von
den M. A. sehr wenig entfernt; diese sind unter sich etwa um ihren
Durchmesser entfernt; eine die M. A. unten tangierende Gerade würde
die S. A. etwa im Zentrum schneiden. Die hintere Augenreihe weniger
procurva, die M. A. kleiner, unter sich um ihren doppelten, von den
S. A. um kaum ihren einfachen Durchmesser entfernt (von oben, in
Flüssigkeit gesehen). — Beine IV länger als I. Alle Femoren oben
nahe der Basis 1, III—IV außerdem oben nahe der Spitze 1 Stachel,
jedenfalls die Femoren I und (bisweilen?) III vorn mit 1 Stachel.
Tibien I unten mit 1 schwachen Stachel. Metatarsen I—II scheinen
unbewehrt zu sein.
In Flüssigkeit erscheint der Cephalothorax graubräunlich mit
schwarzer Seitenrandlinie und Andeutungen schwärzlicher Strahlen-
linien. Augen schmal schwarz gerandet, die vorderen M. A. in schwarzem
Fleck gelegen. Die Beine wie Cephalothorax, an I—II sind jedoch
die Patellen bis und mit den Tarsen hellgelblich, und auch an III
sind die Glieder heller als die Femoren. Coxen II—IV blaßgelb (ins-
besondere unten). Sternum braun mit dunklerem Rande. Abdomen
oben grauschwarz, in der hinteren Hälfte fast rein schwarz, spärlich
mit graulich-metallischen Schuppen bekleidet, die, wenn man Ab-
domen (in Flüssigkeit) schräg von oben und hinten ansieht, schön
grün schimmern; über die Mitte eine schmale, gerade, überall gleich-
breite weiße Querbinde, die sich bis zum Seitenrande des Bauches
fortsetzt; letzterer größtenteils wie die Vorderhälite des Rückens
gefärbt, ganz spärlich heller beschuppt, vor den Spinnwarzen ein wenig
dunkler. An der weißen Querbinde eine ganz schwache Einschnürung,
die Vorderhälfte des Abdomen jedoch kaum schmäler als die hintere
(die breitesten Stellen desselben sind m der Mitte der Hinterhälfte und
kurz vor dem Ende der Vorderhälfte des Abdomen). Petiolus von oben
kaum sichtbar.
Durch die Form des Hinterleibes allein sollte die Unterscheidung
von z. B. der anscheinend sonst ziemlich ähnlichen Micaria dives
H. Luc. möglich sen. Da aber das Exemplar leider unreit ist, so
sind die Artrechte dieser Form nicht ganz sicher.
23. Tegenaria sp. Unreifes $ von Valle Hermigua, unter Steinen
bei der Cueva del Solvado 2. XII. 07.
24. Tegenaria pagana C.L. Koch. Ein 3 von San Sebastian,
im Haus.
25. Pisaura rufofasciata (D. G.) (mirabilis Cl... Ein $ vom:
Wald oberhalb Hermigua, unter Stemen am Bach 13. II. 08.
26. Tarentula (Lycorma) ferox Luc. Ein nicht ganz reifes Q von:
Valle Hermigua, unter Steinen am Bach 4. XII. 07.
Körperlänge 13mm. Cephalothorax 8mm lang, 6mm breit,
vorn 3,5 mm breit. Beine: I Fem. 5,5, Pat. -- Tib. 7, Met. + Tars.
6,2 mm; II bezw. 5,2; 6,5; 6 mm; III bezw. 4,5; 5,5; 6,5 mm; IV bezw.
6; 7,2; 9mm. Totallänge: I 18,71 II 17,7; III 16,5; IV 22,2 mm.
Abdomen 10 mm lang.
13*
196 Embrik Strand: Arachniden von der kanarischen Insel Gomera,
Das Exemplar stimmt mit den Angaben über Lycorma und ‚,Lycosa
ferox Luce.“ in: Simon, Explor. scient. Tunisie, Arachn. p. 9 (1885)
und ebenso mit der unter dem Namen Trochosa zylina Ch. Koch in:
M&m. Soc. Roy. Se. Liege (2) 3 (1873) p. 355 von Simon beschriebenen
Art, die nach seinen späteren Angaben mit /erox identisch sein soll.
Die von Lucas gegebene Kennzeichnung ist leider von wenig Wert.
— Auffallend ist bei meinem Exemplar das Vorhandensein von zwei
dunklen Längsstreifen (wie z. B. bei Trochosa ruricola) im der hellen
Längsbinde des Thoraxrückens.
27. Tarentula gracilis Bösbg. Ein 2 von: Agulo, unter Steinen,
oberhalb des oberen Weges zwischen Agulo und Hermigua. 15. II. 08.
Körperlänge 10 mm. Cephalothorax 4,5 mm lang, ein wenig
kürzer als Pat. + Tib. IV (4,35 mm), ein wenig länger als Metatarsus
IV (4,2 mm lang). — Vordere Augenreihe schwach procurva und
kürzer als die zweite; die M. A. ein klein wenig größer. Patella IV
oben an der Spitze eine Borste, keinen Stachel. — Mandibeln m
der Endhälfte geschwärzt, sonst rot.
Die Zeichnung des Cephalothoraxrückens stimmt besser mit
Bösenbergs Figur von seiner Tar. brunnea ]. c. als mit gracilis, insofern
als die größte Breite der Mittellängsbinde auf dem Brustteile deutlich
geringer als auf dem Kopfteile ist, dagegen ist die größte Breite der
Kopfbinde wie bei gracilis in der Mitte derselben (bei brunnea hinter
der Mitte) und die Ausbuchtung der Binde bildet eine ganz gleich-
mäßige Krümmung: Die hellen Seitenbinden treten deutlich hervor
und hierin ist größere Ähnlichkeit mit der Figur von brunnea vor-
handen. Die Epigyne stimmt aber ganz mit der von gracilis überein
ebenso wie die Dimensionen. Ganz sicher scheint es mir nicht zu sein,
daß brunnea und gracilis spezifisch verschieden sind; die Überein-
stimmung auch in der Epigyne ist so groß, daß es sehr gut möglich sein
kann, daß gracilis auf kleinen Individuen der brunnea begründet ist,
was auch durch die z. T. intermediären Eigenschaften des vorliegenden
Exemplares angedeutet wird. — Sternum mit Andeutung eines helleren
Mittelflecks. Coxen durch hellere Färbung von der übrigen Unterseite
auffallend abweichend.
Zwei reife Q Q@ und ein wahrscheinlich zugehöriges unreifes Ex.
von: Ermita de las Nieoes, unter Steinen auf bewachsenem Boden
1. II. 08 sind kaum von dem vorigen, als gracilis bestimmten Exemplar
artsverschieden, bilden aber gleichzeitig ebenfalls Übergänge zu
brunnea: die in Alkohol deutlich hervortretenden hellen Längsbinden
der Epigyne sind fast so lang wie bei brunnea (cfr. Bösenbergs Figur!),
aber sie divergieren schwach nach vorn, während sie bei brunnea nach
vom zu konvergieren scheinen, zwei deutlich zu unterscheidende
dunkle Samentaschen jederseits sind nicht vorhanden, das helle hintere
Mittelquerfeld tritt so deutlich hervor wie bei gracilis. Das eine
Exemplar trägt oben eine bis zu den Spinnwarzen reichende, breite,
gelbliche, scharf und regelmäßig markierte Abdominallängsbinde,
bei dem andern Exemplar ist diese nur angedeutet. — Das Ex. von
Agulo scheint nach, die anderen vor der Eiablage sich zu befinden.
gesammelt von Herrn Prof. Dr. W. May. 197
28. Tarentula kulezynskii Bösbg. v. gomerae Strand n. var. Ein 9
von: Alto Garajouay, unter Steinen, 4. III. 08.
Erinnert sowohl durch die Form der Epigyne als durch die Färbung
an Tarentula kulezynskii Bösbg., ist aber schon durch die Größe von
dieser leicht zu unterscheiden: Körperlänge 13 mm. Cephalothorax
6,5 mm lang, 4,8mm breit. Abdomen 7,2 mm lang, 5 mm breit.
Pat. + Tib. IV 6, Metat. IV5 mm lang. Pat. + Tib. 15,8, Met. + Tars.
5 mm. Die Epigyne weicht u. a. dadurch ab, daß das in Alkohol scharf
hervortretende hintere Mittelfeld hinten breiter quergeschnitten und
etwa doppelt so breit wie lang ist, während das ganze Genitalfeld
reichlich so breit wie lang, bei T. kulezynskii dagegen umgekehrt, ist.
Bauchfeld mit schwärzlicher Randbinde und ebensolchen Mittellängs-
streifen, der aber wenig deutlich ist und nicht bis zu den Spinnwarzen
reicht. — Vordere Augenreihe procurva; die M. A. ein wenig größer;
die Reihe ist ein wenig kürzer als die zweite.
Auf alle Fälle ist die'Verwandtschaft mit Tar.kulezynskü so groß, daß
es sich höchst wahrscheinlich um eine Form dieser Art handelt. Indem ich
den Varietätsnamen gomerae m. vorschlage, möchte ich die Beschreibung
der Epigyne sowie die Dimensionsangaben ergänzen: Beine I: Fem. 4,
Pat. + Tib. 5,8; Met. + Tars. 5 mm; II bezw. 3,8; 5; 4,7 mm; III bezw.
3,6; 4,1; 5,2 mm; IV bezw. 5; 655 + 25mm. Also: I 14,8; II 13,5;
III 12,9; IV 18,5 mm oder IV, I, II, III. Epigyne erscheint trocken
gesehen als eine dunkel blutrote, der Länge und Quere nach leicht
gewölbte Area von der angegebenen Form, die hinten ein Mittelfeld
(siehe oben u. Bösenbergs Fig.!) einschließt, das beiderseits von einer
schmalen, gekrümmten, vorn in eine runde Grube endenden Furche
begrenzt wird und das überall quergestrichelt ist sowie vorn mitten
flach oder seicht niedergedrückt, hinten dagegen der Quere nach
gewölbt; vor dem „Hals“ dieses Feldes findet sich eine Einsenkung
und beiderseits des „Halses““ ist dasselbe glatt und glänzend, sonst
überall ziemlich spärlich, aber kräftig punktiert.
29. Tarentula spp. Unreife, nicht näher bestimmbare Exemplare
liegen vor von: Alto Garajouay, unter Steinen 4. III.08; Laguna
grande, unter Steinen 2. III. 08; Barranco de la Villa, unter Steinen,
eine Stunde oberhalb S. Sebastians, am Bach 11. XII. 07 (eine
Trochosa).
30. Tarentula (Trochosa) cinerea F. Eine Anzahl Exemplare
beiderlei Geschlechts, reif und unreif, von: Valle Hermigua, unter
Steinen am Ufer des Baches 4. XII. 07. — Diese bekannte europäische
Art ist schon von Simon als auf den Kanaren vorkommend angegeben
worden.
3l. Tarentula (Trochosa) mayi Strand n.sp. Ein 29 von: Valle
Hermigua, unter Steinen am Ufer des Baches 4. XII.07. En
ebenda 29. XI. 07.
@ Körperlänge 7 mm. Cephalothorax 3,6 mm lang, 2,5 mm breit.
Abdomen 3,5 mm lang, 2 mm breit. Pat. + Tib. IV 3, Metatarsus
2,8 mm lang. Pat. + Tib. I 2,6 mm lang (also fast — Metatarsus IV).
— Vordere Augenreihe etwa so lang wie die zweite, die M. A. in Flüssig-
198 Embrik Strand: Arachniden von der kanarischen Insel Gomera,
keit deutlich größer, trocken gesehen wenig größer erscheinend, unter sich
(in Flüssigkeit gesehen) um fast ihren Durchmesser, von den 8. A. um
etwa halb so weit entfernt. — Patella I unbewehrt. Epigyne erscheint
in Flüssigkeit als ein reichlich so breites wie langes Feld, das 2 parallele
Längsgruben einschließt, dievorn abgerundet und ganz schwach erweitert
enden, hinten dagegen nach innen, gegen einander so stark erweitert sind,
daß ihr Zwischenraum daselbst kaum halb so breit wie in der Mitte
ist; letzterer zeigt beiderseits eine schwarze breite Randbinde. Die
Gruben, die etwa 4 mal so lang wie ihre durchschnittliche Breite in
der vorderen Hälfte und in der Mitte unter sich um ihre dreifache Breite
entfernt sind, werden von einer weißlichen Membran (?) erfüllt (ob
immer?), so daß ihre genauere Struktur nicht zu erkennen ist.
g Körperlänge 5,5 mm. Cephalothorax 3,2 mm lang, 2,2 mm
breit. Pat. + Tib. IV 2,8 mm, Metat. IV 2,5 mm lang. Die vordere
Augenreihe erscheint in Flüssigkeit fast unmerklich procurva gebogen,
mindestens so lang wie die zweite, die Augen gleich groß, die M. A.
unter sich um ihren Durchmesser, von den S. A. nur halb so weit
entfernt.
Q ist mit Trochosa stigmosa Th. verwandt, weicht aber von der
Originalbeschreibung u. a. dadurch ab, daß eine Zeichnung auf dem
Rücken des Cephalothorax nicht oder kaum zu erkennen ist, Sternum
ist heller (bei stigmosa ‚„‚nigricans‘‘), am hinteren Falsrande finden sich
nur 3 Zähne, die Augenstellung weicht etwas ab, die Zeichnung des
Abdominalrücken ebenfalls et. Das Vorkommen von stigmosa auf
den Kanaren wäre außerdem nicht zu erwarten, weil diese Art in
Europa als eine östliche Form auftritt.
Von der aus Algier beschriebenen T. rubicundicolorata Strand
wäre sie nach der Beschreibung durch Folgendes zu unterscheiden:
die beiden Furchen der Epigyne sind nicht um ihre vierfache Breite
unter sich entfernt, ihr Zwischenraum ist der Länge nach stark ge-
wölbt und mit groben Punktgruben dicht besetzt, dagegen nicht längs-
gestreift; am Hinterende ist er niedergedrückt und erheblich ver-
schmälert und scheint daselbst auch keinen erhöhten Seitenrand zu
haben. In Flüssigkeit kommt, ebenso wie bei rubicundicolorata, ein
schwarzer Randstreif am Längsseptum, also am Innenrande der Gruben,
vor; dieser erreicht wie bei genannter Art nicht den Hinterrand, ist
aber mitten erweitert, an beiden Enden zugespitzt, während er bei
rub. hinten erweitert ist. Ferner dadurch abweichend, daß eine hellere
Medianzeichnung des Thorax wenigstens in Alkohol kaum zu erkennen
ist, während auf dem Abdominalrücken ein hellerer Längsstreifen
und einige helle Fleckchen weiter hinten angedeutet sind, deutlich
sind aber nur zwei helle Flecke am Vorderrande, welche vom Längs-
streifen linienschmal entfernt sind.
d. Beim & sind die hellen Seitenflecke des Thorax deutlicher
und eine helle Mittellängszeichnung desselben ist erkennbar. Ab-
domen ähnlich gefärbt und gezeichnet wie bei rubicundkcolorata (cfr.
Strand, Nordafrikanische. . . Lycosiden (Archiv f. Naturg. 73. Jhg.
1 [1908]) p. 333—5), aber die Seiten unten vorn mit einem hellen
gesammelt von Herın Prof. Dr. W. May. 199
Längsfeld, oben und hinten mit schrägen Querreihen heller Fleckchen,
oben mit Längsstreifen und Basalflecken wie beim 9, und kurz vor
der Mitte des Rückens findet sich jederseits ein heller Fleck von
derselben oder etwas bedeutenderen Größe und Deutlichkeit wie die
Basalflecke, dieser Fleck schließt aber nicht wie bei rubic. einen
dunkleren Punkt ein; weiter hinten sind zwei näher beisammenstehende
helle Flecke und dann kommt eine fast oder ganz zusammenhängende
unregelmäßige, helle, undeutliche Querfigur. Der Bauch ist dunkel.
Beine mit dunklen, unten und meistens auch oben unterbrochenen
Ringen.
Tarsalglied der Palpen etwa so lang wie die beiden vorhergehenden
zusammen und nur ganz wenig dicker über die Mitte des Bulbus, der
ebenso wie das Tibialglied keine deutliche Fortsätze trägt. Die Spitze
des Bulbus ist von der mit zwei kräftigen Stacheln versehenen Spitze
der Lamina nur ein klein wenig weiter als von der Basis derselben
entfernt.
32. Unbestimmbare Salticide. Ein junges Exemplar
von San Sebastian, im Hause 18. XII. 07.
33. Menemerus semilimbatus Hahn. Ein 9 von: „San Sebastian,
an der Tür meines Zimmers am Tage gefangen, 9. XII. 07.“ Ein S
von San Sebastian, im Hause 13. XII. 07.
Die von Simon in seiner Attiden-Monographie gegebenen Figuren
vom männlichen Palpe (unter dem Artnamen Menemerus vigoratus
C.L. K.) sind z. T. ganz unrichtig, insbesondere Fig. 4a, indem der
nach hinten gerichtete Fortsatz des Bulbus nicht gerade nach hinten,
wie abgebildet, gerichtet ist, sondern vielmehr schräg nach hinten
und innen, so daß, von unten gesehen, dieser Fortsatz vom Gliede
abzustehen scheint. Gegen die Profil-Figur (l. ce. Fig. 4) ist einzuwenden,
daß der Fortsatz des Tibialglieds auch in dieser Stellung schwach
zurückgebogen erscheint, und daß die Unterseite des Endglieds mitten
oder ein klein wenig außerhalb der Mitte einen stumpfen Zahnhöcker
zeigt, der an der betr. Figur auch nicht angedeutet ist. — Als Unter-
scheidungsmerkmale von verwandten Arten kommen beim & u.a.
in Betracht, daß Tarsus und Metatarsus IV fast so lang wie Tibia und
Patella sind, daß der Fortsatz des Tibialgliedes am Ende zurück-
gebogen ist und Tibia I länger als ihre Patella; die Färbung und
Zeichnung sind in Lucas’s Figur seines Salticus mauretanicus (= semi-
limbatus) gut dargestellt, besser als in ©. L. Kochs Abbildung seiner
Euophrys vigorata (= semilimbatus). Von dem in den Tropen so
weit verbreiteten Menemerus bivittatus L. Duf. unterscheidet sich der
mediterrane M. semilimbatus im Allgemeinen schon durch die
Zeichnung ziemlich leicht, indem bwvittatus, wie schon im Namen
angedeutet, zwei meistens recht deutliche dunkle Subdorsallängs-
binden und zwar sowohl auf Cephalothorax als Abdomen trägt. — Sonst
ist hervorzuheben, daß das Septum der Epigyne von semilimbatus
durch eine Längsfurche geteilt wird (dadurch z. B. von M. Heydeni Sim.
abweichend) und die Cilien der Augen orangerot sind.
200 Embrik Strand: Arachniden von der kanarischen Insel Gomera,
Opiliones.
1. Phalangium canarianum Strand n.sp. Ein 2 von: Ermita de
las Nieoes, unter Steinen auf bewachsenem Boden. 1. II. 08. — Em &
von: Oberhalb Agamorna, auf flechsenbewachsenen Felsen 1. III. 08.
Das $ weicht von der von Simon in Ann. entom. France (6)
3. p. 300 unter dem Namen Ph. spiniferum Sim. beschriebenen Art
durch Folgendes ab: Oberseite des Körpers überall mit höchst undeut-
lichen helleren und dunkleren Fleckchen bestreut, die Basis der Zähne
des Teguments weiß, die Spitze derselben tiefschwarz; Thorax oben
mit weiteren Zähnen als die von S. angegebenen und zwar sind jederseits
des Augenhügels je 2, die nach hinten divergierende Reihen bilden,
die Seiten tragen je eine Schrägreihe von 3 Zähnen, die etwa gleichweit
vom Augenhügel und vom Seitenrande sich befindet, bei den Seiten-
poren finden sich vor denselben zwei, hinter denselben drei Zähne,
am Seitenrande oberhalb der zusammenstoßenden Ränder der Coxen
II und III finden sich 3 Zähne, die vorderen Seitenrandecken tragen
eine Gruppe von 5 und am Hinterrande des Thorax ist eine mitten
nicht unterbrochene Reihe von 12 unter sich etwa gleich weit entfernten
Zähnen, sowie jederseits mit einem weiteren, freistehenden, etwas weiter
nach vorn gerückten Zahn; der Augenhügel oben mit zwei Längsreihen
von je 6 oder 7 Zähnen; das Patellarglied der Palpen zeigt oben 2 oder
3 kleine Zähnchen und seine vordere, innere Ecke tritt etwas vor;
Femoren, Patellen und Tibien mit helleren Ringen, wie solche ja auch
an H. Lucas’s Abbildung deutlich dargestellt sind; die Bewehrung
der Tibien I erheblich schwächer als die derselben Femoren.
Von Ph. parietinum leicht zu unterscheiden u. a. durch das Vor-
handensein von zwei Zähnen in der membranösen Partie des Cephalo-
thorax und dadurch, daß die Augen von oben gesehen unter sich um
mehr als ihren Querdurchmesser, bei parietinum um weniger als den-
selben unter sich entfernt erscheinen etc.; von P. canestrinii Th. u. a.
durch das unten bewehrte Femoralglied der Palpen, von P. sazxatile
©. L. K. und segmentatum Sim. durch die oben bewehrten Tibien ab-
weichend ete. — Ist wahrscheinlich diese Art, die von ©. Koch (Frank-
furt) unter dem Namen parietinum von den Kanaren angegeben wurde.
Q. Tibien kantig, wenn auch nicht scharf. Die membranöse Partie
mit zwei Zähnchen, die erheblich kleiner als die des & sind. Femoren
dentikuliertt. Vor dem Augenhügel eine vordere, gerade Querreihe
von 3 und eine hintere, recurva gebogen von 4 Zähnchen; außerdem
scheint ein weiteres Zähnchen innerhalb dieser letzteren Reihe vor-
handen zu sein. — Von Ph. parietinum u. a. durch die stark geringelten
Beine zu unterscheiden: Femoren in der Mitte und am Ende, Patellen
am Ende, Tibien in der Basal- und Apicalhälfte (von beiden Enden
deutlich entfernt) mit je einem dunkelbraunen Ring; an den Palpen
ist das Femoralglied im Enddrittel bräunlich gefleckt, das Patellar-
glied oben und außen mit je einer, weder Basis noch Apex ganz
erreichenden schmalen braunen Längsbinde; nicht bloß die Femoren,
sondern auch die Patellen und Tibien sind bewehrt: Patellen am
gesammelt von Herrn Prof. Dr. W. May. 201
Ende oben mit einer Querreihe von 3 oder 4 kräftigen Zähnen, die
Tibien unten in der Basalhälfte mit ganz wenigen und schwachen
Stacheln. — Basalglied der Mandibeln oben braun gefleckt, Endglied
an den Seiten undeutlich braun quergestreift. — Rückenseite des
Tieres mit einer dunkelbraunen, scharf markierten Mittellängsbinde,
die sich bis zum Vorderrande erkennen läßt, daselbst zwei dunkelbraune,
nahe beisammen liegende, parallele Längsstriche einschließt, quer
über den Augenhügel eine Breite von reichlich 2 mm erreicht, sich
dann nach hinten verschmälert, bis sie bei der dritten Zähnchen-
querreihe nur eine Breite von 1,5 mm hat, erweitert sich dann ziemlich
plötzlich bis zu einer Breite von 2,5 mm, um sich dann nochmals zu
verschmälern; ein heller Mittellängsstreifen ist nicht vorhanden. —
Dimensionen: Körperlänge 7, Breite 4mm. Beine: I Fem. 5,5, Pat.
+ Tib. 5,5, Tarsen 12,5 mm; II bezw. 9,5; 9,5; 25mm; III bezw.
5,5; 5,5; 14 mm; (IV fehlt!). Also: I, II, III (IV?) mm. — Palpen:
Tarsalglied 1,8 mm, Tibialglied 0,95 mm, Patellenglied 0,6 mm,
Femoralglied 1,5 mm lang.
Vorläufig ist es meines Erachtens nicht möglich das Phalangium
spiniferum H. Luc. mit Sicherheit zu wiedererkennen, vielmehr bezweifle
ich, daß die von Simon unter diesem Namen beschriebene Art mit
derjenigen von H. Lucas identisch ist. Von beiden scheint aber, so
weit nach den Beschreibungen zu urteilen ist, die vorliegende ver-
schieden zu sein.
* *
*
Ferner enthielt die Sammlung zwei weitere und zwar fragliche
Exemplare von ÖOpiliones sowie einige Milben (wahrschemlich
l Art), die ich einstweilen unberücksichtigt lassen muß.
Februar 1911.
Vorläufige Diagnosen neuer Spinnen,
insbesondere aus der Südsee, des Sencken-
bergischen Museums.
Von
Embrik Strand.
Die im Folgenden diagnostizierten Spinnen wurden, wo das
Gegenteil nicht ausdrücklich angegeben ist, von Herrn Dr. E. Wolf
gesammelt und mir von der Direktion des Senckenbergischen Museums
zur Bearbeitung gefälligst anvertraut. Die definitive Arbeit wird in
den Abhandlungen der Senckenbergischen Naturforschenden Ge-
sellschaft erscheinen.
Diese Diagnosen waren schon vor mehreren Monaten an eine andere
Zeitschrift eingesandt, das Manuskript ist aber, vielleicht infolge des
inzwischen erfolgten Redaktionswechsels der betreffenden Zeitschrift,
verloren gegangen, sodaß ich die Diagnosen nochmals habe schreiben
müssen, die nun leider viel später als beabsichtigt erscheinen werden.
Dem Direktor des Senckenbergischen Museums, Herrn Prof. Dr.
OÖ. zur Strassen und Herrn Kustos Dr. E. Wolf sage ich auch
an dieser Stelle meinen besten Dank.
* *
*
Phlogiellus bicolor n.sp. 9. 17 mm lang ohne, 21 mit Mandibeln.
Cephalothorax 7 mm lang, 5,2 mm breit. Beine: I 17,5; II 15,5; III
14; IV 19,5 mm. Cephalothorax und Extremitäten olivenfarbig
sraugelb, Abdomen schwarz, unten mit 2 helleren Linien. Stri-
dulationsorgan besteht aus 4 kräftigen, aber nicht langen, gleichgroßen
Bazillen in der Mitte der Innenseite der Palpencoxen. Metatarsus I
an der Spitze 1 Stachel, II ebenda 3 Stacheln, III—IV ebenda
5 Stacheln. Die unteren Spinnwarzen so lang wie das Mittelglied
der oberen. — Simpsonhafen, N. Pommern.
Argyrodes Wolfi n.sp. d. Von A. reticola Strand abweichend
durch bedeutendere Größe, abweichende Färbung des Abdomen und
Form der Palpen; von amboinensis am leichtesten durch den ab-
gerundeten unteren Kopflobus zu unterscheiden. — 5,5 mm lang.
Cephal. 2,5 mm lang. Beine: I 24,2; II 16,8; III 9,2; IV 15,5 mm.
-—— 3 Epigyne erscheint m Flüssigkeit als zwei schwarze, runde, unter
sich um weniger als ihren Durchmesser entfernte Flecke, die hinten
durch eine stark procurva gekrümmte schwarze Linie verbunden sind.
— Keule Insel, N. Guinea.
Aranea moluccensis (Dol.).
Q. Var. rubicundinota n.: Abdominalrücken rot, ungefleckt, jedoch
Basis gelblichweiß. — Keule Insel, Neu Guinea.
Vorläufige Diagnosen neuer Spinnen. 203
9. Var. albidinota n.: Abdominalrücken weiß mit 2 nach hinten
konvergierenden, aus je 3 schwarzen Flecken bestehenden Längsreihen.
— Karolinen, Angaur.
9. Var. Bukae n.: Abdomen oben dottergelblich und rötlich,
hinten mit 3—4 schwarzen Querlinien und dunkler Netzaderung. —
Buka, Salomonen.
Aranea Theisi (Walck.). 9. Ab. feisiana n.: Die Färbung viel
heller, Cephalothorax bloß mit Andeutung einer dunkleren Mittel-
längslinie, Abdomen oben weißlich mit feinen graulichen Punkten
und Strichelung, die nur eine Mittelbinde, wie bei typischen Theısı
geformt, freilassen. — Feis, W. Karolinen.
Aranea de Haani (Dol.).
9. Var. pygitubereulata n.: Abdomen endet hinten in einen
3—4 mm langen Schwanz, der an der Spitze zweihöckrig erscheint;
ein dritter Höcker ist angedeutet. — 8. O. Celebes, Bau-Bau (Dr.
J. Elbert).
Q. Ab. oetopunctigera n.: Abdominalrücken mit 2 Längsreihen von
je 4 reinweißen, gleichgroßen Punktflecken. — Anir, nordöstlich von
N. Mecklenburg.
Cyrtarachne Friederieii n.sp. 9. Mit ©. tricolor (Dol.) nahe
verwandt, aber die vorderen M. A. sind noch deutlicher als bei dieser
Art größer als die hinteren, und das Feld der M. A. daher vom nicht
unerheblich breiter als hinten, Abdomen ist breiter und vorn querer
abgestutzt; die vordere gelbe Querbinde schließt die 7 Vorderrands-
sigillen ein ete. — Eitape, D. N. Guinea (Dr. Friederiei).
Argiope avara Th.
Var. tristipes n.: Wie die dunkelste in der Originalbeschreibung
behandelte Form, aber Palpen länger als Cephalothorax (bezw. 13 u.
10 mm), Beine: I = II 51, III 30, IV 48 mm, Färbung größtenteils
schwarz, jedoch Abdomen oben mitten gelb ohne dunkle Quer-
binden oder Linien, wohl aber sind solche an den Seitenrändern
vorhanden, die gelben Längsstreifen des Bauches sind nicht unter-
brochen ete. — Squally Island.
Var. angulicosta m.: Kleiner, (Cephalothorax etwa 7 mm lang),
Sternum dunkler aber mit größerem und mehr keilförmigem Mittel-
fleck, die hellen Längsbinden des Bauches sind schmäler und unter-
brochen, der erhöhte Hinterrand des Corpus der Epigyne bildet in der
Mitte emen Winkel. — Keule Insel bei N. Guinea.
Ab. brunnescentia n.: Wie v. tristipes, aber die Beine größtenteils
rot, schwarz sind nur die Coxen, Trochanteren, Patellen und Tarsen
sowie die Spitze der übrigen Glieder; Cephalothorax gebräunt. —
Squally Ins.
Ab. ocelligera n.: Abdominalrücken schwärzlich mit 4 gelben
Flecken; sonst wie angulicosta. — Keule Insel.
Argiope crenulata (Dol.). 9. Ab.(?) pietula n.: Eine Form von
S. O. Celebes, Boeton, mit hellen Palpen und 3 Abdominalquerbinden
wenigstens in der Anlage vorhanden. (Dr. Elbert).
204 Embrik Strand: Vorläufige Diagnosen neuer Spinnen,
Argiope Friederiei n. sp. 9. Mit A. picta verwandt, aber
Cephalothorax ist flacher und breiter sowie starker niedergedrückt,
seine Behaarung tritt als Flecke und Striche noch stärker hervor,
die Beine länger und dünner, die Palpen dunkel. 17—18 mm lang.
Cephal. 6, Tibia IV 6,5 mm lang. — Eitape, D. N. Guinea (Dr.
G. Friedericı).
Argiope aetherea (Walck.).
©. Var. melanopalpis n.: Palpen schwärzlich, Cephalothorax
nicht länger als breit, Haarringe aiı den Beinen kaum bemerkbar,
letztere braun. — Lamassa bei N. Mecklenburg.
Q. Var. tangana n.: Wie melanopalpis, aber die Rückenfärbung
gelblich, nur hinten mit feinen undeutlichen dunklen Linien, Sternum
mit Andeutung brauner Flecke. — Tanga-Inseln nördlich von N. Meckle-
burg.
Argiope Wolfi n.sp. 2. Sternum dunkelbraun mit kleinem
hellgelbem Mittelfleck, gelber Spitze und mit rötlichgelben Punkten
bestreut. Bauchfeld vorn sammetbraun, hinten rötlicher, die hellen
Längsstreifen schmal, undeutlich, stellenweise unterbrochen. Der
Zwischenraum der hinteren M. A. beträgt 1!/, ihres Durchmessers
(trocken gesehen). Der erhöhte Rand der Lamina der Epigyne er-
reicht nicht oder kaum die Basis. — Anir, N. O. von N. Mecklenburg.
Nephila imperialis (Dol.). Var. novae-mecklenburgiae n.: 9.
Weicht von der f. pr. dadurch ab, daß Cephalothorax kürzer als Tibia
II und nicht länger als Tıbia IV ist, Femoralglied der Palpen unten heller,
Abdomen gelb, ungefleckt, wenn auch oben mit hellerem Längswisch
und dunklen Längslinien ete. — Kamieng, Inseln bei Neu-Mecklen-
burg.
Se granulata (Walck.). Var. rimitara n.: Abdomen kürzer
und höher, mit mehr silberweißer, aber fast keiner goldigen Be-
schuppung, die Beine erscheinen kürzer, die ganze Färbung ist heller.
Abdomen 6,2 x 4 x 3,5 mm lang-hoch-breit. Beine: I 19, IV 13 mm.
— Rimitara, Austr. Inseln.
Leucauge euan. sp. Die hellen Längsbinden des Bauches sind in der
hinteren Hälfte plötzlich doppelt so breit wie in der vorderen und
durch eine Querbinde verbunden. Die Epigynengrube erscheint
gefeuchtet vorn mitten quergeschnitten, mit zwei schwarzen parallelen
Längslinien, die von kurz hinter dem Vorderrande bis zum Hinter-
rande reichen und weiter unter sich als vom Seitenrande entfernt sind.
— 9—10 mm lang. Cephal. 3,5 mm, Tibia IV 4,5 mm lang. — Eua.
Orsinome Elberti n.sp. Weicht von O. Vethi dadurch ab, daß
schwarze Annuli an den Extremitäten fehlen, die Körpergröße ist
bedeutender, die Binden des Cephalothorax sind braun und zwar die
marginalen recht undeutlich, die hellgelben Palpen sind an der Spitze
geschwärzt, aber sonst nicht geringelt ete. — Wetar, Ilimakı.
(Dr. J. Elbert).
Leucauge grata (Guer.). Die Art tritt in verschiedenen Lokal-
varietäten auf, die sich u. a. durch folgende Merkmale unterscheiden:
insbesondere aus der Südsee, des Senckenbergischen Museums. 205
1. Cephalothorax und Extremitäten braungelb 2
Cephalothorax und Extremitäten schwärzlich 6
2. Abdomen rötlich mit Andeutung dunkleren Herzstreifens und
schwarzer Querbinde hinten (Squally Island): v. squallyensis ın.
Abdomen meistens gelblich, immer aber mit ganz schwarzem
Herzstreifen und schwarzem, kleine helle Flecke einschließendem
Ende B
3. Der schwarze Herzstreifen ist breit und an beiden Seiten durch
eine schmale silbrige Binde oder ebensolche Flecke begrenzt; außerhalb
letzterer sind die Seiten der Rückenfläche rot (Anir): v. anirensis m.
Der schwarze Herzstreifen ist meistens schmäler und nicht silbrig
begrenzt; die Rückenfläche gelblich oder rötlich 4
4. Die Vorderhälfte der Seiten des Abdomen gelblich, die hintere
mit 2 schwarzen und dazwischen 1 roten Schrägfleck (Atollinsel bei
St. Mathias): v. mathiasensis ın.
Die Seiten des Abdomen dunkel mit 2 weißlichen Schrägbinden 5
5. Größer (8 mm lang), das schwarze Endfeld des Abdomen mit
4 weißen Flecken (Toma, N. Pommern): v. tomaensis m.
Kleiner (6 mm lang), das schwarze Endfeld des Abdomen mit
2 weißen Flecken und einer roten Querbinde (Buka, Salomonen):
v. bukaönsıs m.
6. Die Seiten des Abdomen mit 3 weißen Querbinden; Herzstreiien
deutlich (Maitland, N. Mecklenburg): v. maitlandensis ın.
Die Seiten des Abdomen mit 2 ebensolchen (mitten und hinten
je eine); Herzstreifen verwischt (Buka, Salomonen): v. salomonum m.
Tetragnatha rimitarae n.sp. 9. Charakteristisch u. a. durch
einen kleinen Zahn an der Außenseite der Mandibelklaue unweit der
Basis. Am unteren Falzrande eine Reihe von 6 kräftigen Zähnen,
von denen der innere kleiner ist und der äußere unmittelbar an der
Klaueneinlenkung steht; am oberen Rande ebenfalls 6 Zähne, von
denen die 4 inneren kleiner sind und unter sich weniger als von den
beiden übrigen entfernt sind. — Rimitara, Austral. Inseln.
Gasteracantha (Atelacantha) Wolfin.sp. 9. Mit @. Mengei Keys.
verwandt, aber Cephalothorax (excl. Mandibeln) und Beine schwarz-
braun, Scutum 14 mm breit und 5,5 mm lang, Cornua kürzer als
Metatarsus + Tarsus IV (bezw. 2,5 und 3,5 mm), weder Vorder-
ME Aaterrand des Scutuin heller gefärbt ete. — Lo Insel (Admiralitäts-
Inseln).
Gasteracantha wogeonis n.sp. 9. Weicht von @. Westringi Keys.
ab. durch kleinere Dornen, von denen insbesondere die hintersten
unter sich weiter entfernt sind, die Sigillen sind kleiner und Scutum
schmäler ete. — Wogeo, Schouten Island.
Gasteracantha analispina n.sp. {Q. Weicht von @. violenta L. K.
durch das mit gelbem Fleck versehene Sternum ab, abweichende An-
ordnung der vorderen Marginalsigillen ete. — Cornua länger als die
übrigen Dornen. Femora schwarz, auch die Tarsen rotgeringelt. Die
hinteren Discalsigillen nicht in einem schwarzen Fleck gelegen. —
Eitape, D. N. Guinea (Dr. G. Friederici), N. Pommern.
206 Embrik Strand: Vorläufige Diagnosen neuer Spinnen,
Var. anirensis n.: Zwei schwarze Diskalbinden, von denen die
letztere teilweise mit der schwarzen Hinterrandbinde zusammen-
geflossen ist, Bauchseite mit wenigeren, aber größeren und lebhafter
gefärbten Flecken. — Anir, nordöstlich von N. Mecklenburg.
Gasteracantha signifer Poc.
Ab. bistrigella n.: Die schwarze Rückenzeichnung besteht aus zwei
kurzen Querbinden.
Ab. pustulinota n.: Die Rückenzeichnung besteht nur aus
schwarzen Flecken, welche die Sigillen einschließen. — Inneres von
Buka, Salomonen (beide Aberrationen).
Gasteracantha Theisi Guer. Var. quadrisignatella n.: Scutum
schwarz mit 2 hellgelben ovalen Flecken zwischen den hinteren Seiten-
dornen, einem schmalen Längsstrich am Vorderrande und 3 Flecken
am Hinterrande; die hinteren Seitendornen ein wenig länger als die
Metatarsen + Tarsen Ill. — Wogeo, Schouten Insel.
Gasteracantha Bradleyi Th.
Ab. univittinota n.: Oben einfarbig schwarz mit bloß einer
einzigen gelben Querbinde am Vorderrande.
Ab. trivittinota n.: Die gelbe Querbinde zwischen den Cornua
ist in der Mitte breit unterbrochen und dahinter findet sich eine aus
5 unter Umständen zusammenhängenden Flecken gebildete Querbinde.
— Beide Formen von Mahur, nördlich von N. Mecklenburg.
Gasteracantha Strasseni n.sp. 9. Von @. crucigera Bradl. ab-
weichend durch folgendes: Sternum gelb mit dunklem Rande, Beine
hellrot, nur die Tarsen und z. T. die Metatarsen schwarz; Cornua an
der Basis wie am Ende blau, am Ende scharf zugespitzt, 2,3 mm lang,
ganz gerade, etc. — Von @. Lepelletieri abweichend u. a. dadurch,
daß die 4 hinteren Dornen an der Basis stark verdiekt sind. — La-
massa u. Lihir bei N. Mecklenburg, Toma nm N. Pommern.
Gasteracantha Butleri Th. 9. Var. Elbertin.: Sternum mit einem
kleinen gelben Fleck; Abdomen oben mit schwarzen Flecken, die zwei
Querbinden andeuten, II mm breit und 6,5 mm lang; Cornua nicht
gekrümmt und kürzer als die Afterdornen, die reichlich so lang wie die
Tibien IV sind. — S. O. Celebes, Boeton (Dr. J. Elbert).
Olios Wolfin.sp. 9. Subad. Vordere Augenreihe ganz schwach
procurva; die M. A. unbedeutend kleiner, unter sich um ihren Radius,
von den $. A. um weniger als den Radius, vom Clypeus um fast ihren
Durchmesser entfernt, größer als die hinteren M. A. — Cephal. 8 x
7,7 mm (NB. das Ex. unreif!). Beine: 133, II 35, 1II 25, 5 mm,
IV 28 mm. Cephal. rötlichbraun, Mandibeln ebenso, aber mit schwarzen
Längsstrichen. Das braungelbliche Abdomen hat oben eine dunklere
schmale Längsbinde, die sich linienschmal bis zu den Spinnwarzen
erstreckt; unten vier helle, die Spinnwarzen nicht erreichende Längs-
striche sowie um die Spalte eine schwarze Querbinde. — Bertrand-
insel, N. Guinea.
Tychicus rufoides n.sp. 9. 29 mm lang. Cephal. 13 x 10,5 mm;
Beine I 56,5; IT 55; III 37; IV 44,5 mm. Vordere Augenreihe fast
gerade; die M. A. kleiner, unter sich und vom Clypeusrande um ?/, ihres
insbesondere aus der Südsee, des Senckenbergischen Museums. 207
Durchmessers, von den S. A. um den halben Radius entfernt. Färbung
gelblich rot, Mandibeln schwarzbraun — Pack Ins. (Admiralitäts-
inseln).
Heteropoda kabaenae n.sp. {Q. 19mm. Cephal. 7,5 X 7 mm.
Tibia IV 7 mm lang. Epigyne ähnelt der von 4. Hosei Poec., aber
das die beiden Gruben trennende Septum ist fast linienschmal, erweitert
sich aber hinter den Gruben zu der dreifachen Breite; die Hintergrube
tief und subtriangulär; die beiden Vordergruben sind tief und eckig
geformt. — Kabaena.
Dolomedes wetarius n.sp. Q. Vordere Augenreihe ganz schwach
recurva, die M. A. größer, unter sich (trocken gesehen) fast um ihren
Durchmesser, von den S. A. um weniger als den Radius entfernt. Das
Feld der M. A. vorn schmäler als hinten und so lang wie hinten breit;
die vorderen M. A. kleiner. — 25mm. Cephalothorax 12 x 10 mm,
Clypeus bloß 5 mm breit. Pat. + Tib. I 16,5, IV 17,5 mm. Tibia IV
so lang wie Cephalothorax. — Wetar, Ilimakki (Dr. Elberit).
Tarentula tongatabuensis n.sp. 9. 12,5 mm lang. Cephal. 6 mm
— Patella + Tibia IV, länger als Metatarsus IV: 5,lmm. AÄhnelt
T. laeta L. K., aber der Bauch ist nicht schwarz und das Septum der
Epigyne ist am Vorderende nicht zugespitzt. Von T. laetella Strand
abweichend u. a. dadurch, daß Sternum viel heller als Lippenteil und
Maxillen ist, die Zeichnung des Abdominalrückens ist recht deutlich,
Epigyne ist reichlich so lang wie hinten breit, Patella II ist vorn mit
einer feinen Stachelborste bewehrt ete. — Nukuolofa auf Tongatabu.
Opisthoneus nigrifemur n.sp. 3. Von „Hyllus“ tenuipes Keys.
durch folgendes abweichend: Femoren I—II unten schwärzlich, auch
die Tibien I—II unten vorn, insbesondere an den Enden, geschwärzt
und wie die Femoren mit bläulichem Schimmer. Tibien und Meta-
tarsen I—II unten mit schwarzer abstehender Behaarung. Bauchseite
mit Andeutung eimes schwärzlichen Längsbandes, Dimensionen ab-
weichend ete.. — Toma, N. Pommern.
Kroll’s Buchdruckerei, Berlin S.
Sebastianstrasse 76.
ARCHIV
NATURGESCHICHTE,
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON
W.F. ERICHSON, F.H. TROSCHEL,
E. VON MARTENS, F. HILGENDORF,
W. WELTNER UND E STRAND.
de
SIEBENUNDSIEBZIGSTER JAHRGANG.
1911.
I. Band. 1. Supplementheft.
HERAUSGEGEBEN
VON
EMBRIK STRAND,
KÖNIGL. ZOOLOG. MUSEUM ZU BERLIN.
NICOLAISCHE
VERLAGS-BUCHHANDLUNG R.STRICKER
Berlin.
‚ARAM DEI: ” A Kor ’
, R ‚ Hay TSTUadoTRoh
a
Nodiuomotggak .t ‚bunt I
Inhaltsverzeichnis.
Heinrich Bickhardt. Verzeichnis der von Dr. F. Eichelbaum im
Jahre 1903 in Deutsch-Ostafrika gesammelten Histeriden
(Col): »(Mik.’2: Textiiguren) An na a RR
Heinrich Bickhardt. Verzeichnis der in den Nestern von Warm-
Biutern gefundenen Kafer*., „u... wenn are
Franz Heikertinger. Die Haltieinengattung Ochrosis Foudr.
Kill 'b Pextfiruren) zu, + dreufaan Sshms eyeirer a brirse Aupanıe
Franz Heikertinger. Die Haltieinengattung Neocrepidodera
Rar.tgen.). {Mit 2 Tetign) er A TE
Dr. Anton Hermann Krausse-Heldrungen. Über Aphaenogaster
TE LTR EEE OR PETENESSRGR
Edmund 6röschel. Die Flugorgane der Hornis. (Hierzu Tafel I
Amos ntA. zierte Ama, erlimamh
Franz Pcche. Die Klassen und höheren Gruppen des Tierreichs
Embrik Strand. Die indisch-australischen Castniiden .... .
Hermann Müller. Beiträge zur Kenntnis der Gattung Eleutheria.
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Verzeichnis der von Dr. F. Eichelbaum im
Jahre 1903 in Deutsch-Ostafrika gesammelten
Histeriden (Col.).
(7. Beitrag zur Kenntnis der Histeriden.)
Von
Heinrich Bickhardt.
(Mit 2 Textfiguren.)
Dr. F. Eichelbaum scheint als erster Coleopterologe im
tropischen Afrika das Sammeln der Kleinkäfer mit Sieb usw.
systematisch betrieben zu haben. Er hat fast alle größeren und an-
scheinend gewöhnlicheren Arten unbeachtet gelassen, dafür aber eine
Menge kleiner und kleinster Spezies, die zur Hälfte neu sind, mit-
gebracht. Bisher waren Vertreter der Gattung Bacanıus vom Fest-
lande Afrika — wohl wegen ihrer Kleinheit und schweren Auffindbarkeit
— noch gar nicht, von Acrius-Arten nur eine bekannt.
Dr. F.Eichelbaum fand u.a. 3 Bacanius-Arten und 3 Aeritus-
Arten, die sich sämtlich als neu erwiesen haben, ferner eine neue
Gattung und 5 weitere nov. species. Da viele der von ihm auf-
gefundenen schon bekannten Spezies für Deutsch-Ostafrika noch
nicht nachgewiesen waren, gebe ich hier eine vollständige Liste der
Ausbeute.
1. Hololepta africanae Lew. Amani, Ost-Usambara.
Okt. 1903. 3 Ex. (No. 1.)
2. Trypanaeus (Pygocoelis) usambicus Kolbe.
Amani. Okt. 1903. 10 Ex. (No. 29.)
3. Teretrius mozambicus Mars. Amani. Okt. 1903
und Dez. 1903. 5 Ex. (No.7, 19, 20.)
4. Chaleurgus filiformis n. Sp.
Oylindrieus, parallelus, elongatus, piceus, nitidus, punctulatus ;
pedibus testaceis; capite magno, antice cum elypeo profunde excavato;
pronoto stria marginali tenuwi antice deficiente, elytris stria suturali
postice abbreviata, subhumerali integra, dorsalibus nullis; prosterno
lobo lato punctulato antice arcuato, postice inter coxas anguste carınato;
tibiis antieis 6—T denticulatıs.
Long 1?/, mm. Hab. Deutsch-Ostafrika.
Lang zylindrischh sehr schmal, pechbraun bis pechschwarz,
glänzend; Beine gelbbraun; Kopf mit den Augen so breit als das
Halsschild, oben fein punktiert und gewölbt, die ganze Vorderseite
und der Clypeus gemeinschaftlich tief ausgehöhlt, der obere Rand
dieser Aushöhlung vorn (in der Mitte der Stim) etwas ausgebuchtet;
innen ist die Aushöhlung — besonders nahe dem Rande — mit kurzen
Wimperhaaren besetzt. Halsschild seitlich mit feiner Marginallinie
Archiv ftir Naturgeschici te
1911. I. 1. Suppl. 1
I Heinrich Bickhardt: Verzeichnis der von Dr. F. Eichelbaum
die sich an der Basis entlang fortsetzt, Punktierung etwas stärker
als auf dem Kopf, vor dem Schildehen mit länglichem Grübchen.
Flügeldecken an der Naht so lang als das Halsschild, etwas feiner
punktiert als dieses, mit einem dreiviertel der Länge der Fld. erreichen-
den Suturalstreif und einem ganzen Subhumeralstreif. Beide Streifen
sind durch eine quer an der Basis verlaufende Randlinie mit emander
verbunden. Progygidium und Pygidium convex, wie der Kopf punktiert.
Prosternum vorn mit sehr breiter dicht punktulierter Kehlplatte,
zwischen den Vorderhüften zusammengedrückt mit scharfem Kiel,
Mesosternum abgerundet und mit seitlicher Randlinie versehen.
Von Chaleurgus minor Kolbe durch die Farbe, die stärkere Aus-
höhlung der Stirn und den stärker punktierten Kopf, von brevipennis
Lew. durch die längeren Flügeldecken, die schmälere Gestalt und das
Fehlen der Dorsalstreifen, von beiden durch geringere Größe und die
Behaarung der Aushöhlung des Kopfes verschieden.
Diese zierliche Art wurde von Herrn Dr. med. Eichelbaum
im November 1903 bei Amani (Usambara) in einem Stück erbeutet.
Jetzt in meiner Sammlung. (No. 28.)
5. Pachycraerus cyanescens Er. Kerei. Diese Art
wurde von A. Karasek, dem inzwischen in Kumbulu verstorbenen
Sammler, in Mehrzahl erbeutet.
6. Pachycraerus laticeps Lew. Kerei, Majo. Eben-
falls von Karasek gefunden und hier der. Vollständigkeit halber
mitaufgeführt.
7. Pachycraerus morulus Lew. Amani. Okt. 1903.
8 Ex. (No. 6.)
8. Pachycraerus modestus Lew. Tanga. Juli 1903;
Dar-es-Salaam, Mai und Juni 1903. (No. 18 u. 26.)
9. Pachycraerus (Grammopeplus n. subgen.) Eiche/baumi n. sp.
Oblongus, parallelus, depressus, niger, mitidus; antennis clava rufa,
pedibus rufopice:s ; capıte antıce concavo, fronte punctulata, stria marginali
pone oculos impressa, antice late interrupta; pronoto fortiter denseque
punctato, stria laterali utrinque valida, antice obsoleta; elytris strüis valdıs,
subhumerali externa dorsalibusque 1—6 integris, 5a suturalique antice
conjunctis, margine inflexo bistriato; propygidio fortiter pygidio minus
densiusque ocellato-punctatis; prosterno bistriato, bası vix inciso, strüis
parallelis postice divergentibus antice arcuatim conjunctis; mesosterno
vix bisinuato, in medio minime acuminato, stria marginali valida integra;
tibüis anticis 6-dentatıs.
Long. 4—5 mm. Hab. Deutsch-Ostafrika.
Gestreckt; parallelseitig, oberseits flach, wenig gewölbt, schwarz,
glänzend, im Habitus einer Platysoma (Subgen. Cylistoma) am ehesten
vergleichbar. Fühlerkeule rot, Beine pechbraun, Kopf hinten stärker,
vorne schwächer punktiert, Clypeus stark konkav, Randlinie neben
den Augen vertieft, vorne fehlend. Halsschild parallelseitig, überall
kräftig und dicht, an den Seiten fast runzelig punktiert, Lateralstreif
an den Seiten tief eingeschnitten, wodurch der schmale Seitenrand
etwas aufgewulstet erscheint, Vorderecken schräg abgestutzt, außen
im Jahre 1903 in Deutsch-Östafrika gesammelten Histeriden (Col.). 3
mit abgerundetem stumpfen, innen mit spitzem Winkel. Randstreif
durch die grobe Punktierung hinter dem Kopfe undeutlich. Flügel-
decken mit 7 ganzen (äußerem Subhumeral- und 6 Dorsal-) Streifen,
von denen die beiden innersten sich an der Basis vereinigen. Pro-
pygidium mit gröberen, Pygidium mit etwas feineren Augenpunkten
ziemlich dicht besetzt. Prostenum an der Basis sehr schwach aus-
geschnitten, Streifen in der Mitte parallel, an der Basis divergent,
vorne im Bogen zusammenlaufend. Vorderrand des Mesosternums
nur schwach zweibuchtig mit sehr kleiner Spitze in der Mitte,
Randstreif vollständig, kräftig und fast gerade.
Diese merkwürdige Art ist nur mit Pachyeraerus suleicollis Lew.
verwandt und vergleichbar. Letztere Spezies aus Kamerun hat jedoch
eine vorn gerandete Stim und ein an der Basis gerandetes Halsschild.
Der Seitenwulst ist breiter als bei Zichelbaumi, auch liegt die breiteste
Stelle des Wulstes bei suleicollis nahe der Mitte (nach der Figur von
Lewis in Ann. Mag. Hat. Hist. 1905 t. 10 £.5 sogar vor der Mitte),
bei Eichelbaumi dagegen nahe der Basis. Endlich ist die Bildung
des Propygidiums der beiden Arten völlig verschieden.
Pachyceraerus Eichelbaumi weicht durch seine flache Gestalt,
durch die Bildung des Mesosternums, dessen Vorderrand fast gerade
ist und durch den aufgewulsteten Seitenrand so erheblich von den
übrigen Pachycraerus-Arten ab, daß ich die Aufstellung einer besonderen
Untergattung: Grammopeplus nov..subgen. für gerechtfertigt erachte.
Hierher gehört außerdem noch der erwähnte P. suleicollis Lew.
Von Herrn Dr. med. F. Eichelbaum in Amanı (Deutsch-
Ostafrika) im Oktober 1903 entdeckt und ihm zu Ehren benannt.
(No. 6.)
10. Hister ovatulus Mars. Kissarawe (evangelische
Mission in den Pugubergen). Juni 1903. 1 Ex. (No. 13.)
ll. Hister (Atholus) conformis Er. Amani, Okt.
1903; Tanga, Juli 1903. (No.9 und 11.)
12. Carcinops delicatula Fährs. Dar- es - Salaam,
Kulturgarten in Polyporus lucidus). 20. Juni 1903. 1 Ex. (No. 15.)
13. Carcinops minuta Fährs. Tanga, Juli 1903. 1 Ex.
(No. 17.)
14. Tribalus capensis Payk. Sigahöhle bei Tanga, 5. Juli
1903. 1 Ex. (In Klippschiefermist.) (No. 27.)
15. Tribalus onustus Lew. Tanga, Juli 1903. (No. 5.)
16. Epitozus hilarulus Lew. (?). Amani, Okt. 1903;
Dar-es-Salaam, Mai 1903. (No. 12, 24.)
Xenosternus n. gen.
Corpus ovatus, subconvexus, punctatus. Caput retractum, fronte
a elypeo haud distincta; stria frontali lateribus impressa antice nulla;
labro brevi arcuato, mandıbulis robustis; antennis sub frontis margine
insertis, fossa antennali sub angulo prothoracis. Pronotum transversum,
antice angustatum, marginatum. Scutellum minutum. Elytra striata,
strüs dorsalibus abbreviatis, quarta suturalique arcuatim junctis. Pro-
pygidium transversum, pygidium inchinatum, converum. FProsternum
1*
4 Heinrich Biekhardt: Verzeichnis der von Dr. F. Eichelbaum
basi vix incisum, strüs inter coxas triangulum formantibus, apice tri-
anguli stria unica in medio continuata, lobo lato. Mesosternum brevissimum,
bisinuatum. Tibiae anticae sat dilatatae, extus denticulatae.
Im Habitus und auch nach der Skulptur der Oberseite mit Saprinus
vergleichbar, mit dem aber wegen des Baues des Sternums keine
Verwandtschaft besteht. Auch mit Phelister Mars. und Epitoxus Lew.
entfernt verwandt, jedoch auch von diesen wegen des anders gebauten
Prosternums und wegen der Skulptur der Oberseite getrennt. Bei
Phelister sowohl wie bei Epitoxzus erreichen sämtliche Dorsalstreifen
der Flügeldecken die Spitze derselben, bei Xenosternus keiner außer dem
annähernd vollständigen Nahtstreif.
Systematisch ist die neue Gattung hinter Epioxus zu stellen.
Außer der im folgenden beschriebenen Art Xenosternus saprinoformis m.
gehört noch hierher der von J. Schmidt zu Phelister gestellte
X. saprinopterus Schm.
Figur 1. Figur 2.
17. Xenosternus saprinoformis n. sp.
Ovatus, subconvexus, nigro-piceus, nitidus,; antennis pedibusque
rufo-piceis; fronte dense punctulata, stria laterali impressa; pronoto
sparsim, lateribus densius, punctato, stria marginali antice inter oculos
interrupta. Elytris antice sparsim, postice densius punctatis, strüs
dorsalibus 1. versus apicem, 2. 3. magis abbreviatis, 4. brevi cum suturali
integra arcuatim juncta, humerali brevi obliqua, subhumeralibus nullis;
propygidio pygidiogue dense sat fortiter punctatis; prosterno inter coxas
trianguliformi, lobo subtiliter dense punctulato, mesosterno bisinuato,
stria marginali vix interrupta, transversa arcuata integra. Tibris anticıs
subdilatatis, 5—6 denticulatıs.
Long. 2!/, mm.
Hab. Deutsch-Ostafrika.
Oval, mäßig gewölbt, pechschwarz, glänzend; Fühler und Beine
rötlich. Stirn fein und ziemlich dicht punktiert, Randstreif vor den
Augen schart und eckig eingedrückt, der Streif setzt sich schwächer
werdend auf den mit der Stirn ohne Naht verwachsenen Clypeus fort.
Halsschild mäßig stark, auf der Scheibe zerstreut, an den Seiten dichter
punktiert. Randstreif am Vorderrand zwischen den Augen fehlend.
Flügeldecken mäßig stark, vorn zerstreut, gegen die Spitze dichter,
punktiert; von den Dorsalstreifen reicht der 1. bis gegen die Spitze,
der 2. und 3. erreichen etwa ?/,, der 4. kaum !/, der Flügeldeckenlänge,
letzterer ist an der Basis mit dem Suturalstreif im Bogen vereinigt.
im Jahre 1903 in Deutsch-Ostafrika gesammelten Histeriden (Col.). 5
An der Basis des 1. Dorsalstreifs entspringt ein schräg gegen diesen
verlaufender Humeralstreif von der Länge des 4. Streifs, Subhumeral-
und 5. Dorsalstreif fehlen. Propygidium mäßig kräftig und dicht,
Pygidium wenig feiner und dichter punktiert. Das Prosternum besteht
aus einem von 3 Streifen eingeschlossenen Dreieck mit etwas ab-
‚gerundeten Ecken und einer fein und dicht punktierten Kehlplatte.
Die Fortsetzung der Spitze des Dreiecks bildet auf dem erhobenen
Mittelteil ein kurzer deutlicher Streif, seitlich von diesem verläuft
jederseits ein weiterer kurzer Streif, beide divergieren deutlich nach vorne
(vergl. Figur 2). Mesosternum kurz mit kleiner vorragender Spitze
in der Mitte, der Randstreif ist in der Mitte wenig unterbrochen,
der Querstreif (die Naht zwischen Meso- und Metasternum) ist sehr
fein und gebogen. Vorderschienen wenig erweitert, im vorderen Teil
parallelseitig, mit 5—6 Zähnchen.
Diese Art unterscheidet sich von X. saprinopterus Schm. (als
Phelister beschrieben) vom Kongo in folgenden Punkten. Die
Punktierung auf Halsschild und Flügeldecken, besonders aber auf
dem Propygidium ist bei X. saprinoformis m. kräftiger. Auf dem
Pygidium ist sie außerdem auch bedeutend dichter. Der bei saprınopterus
vorhandene 5. Dorsalstreif hart neben dem Nahtstreif fehlt bei der
neuen Art, dafür finde ich bei Schmidt keine Angabe über einen
Humeralstreif, der bei saprinoformis wohl ausgebildet ist.
1 Ex. von Amani (Usambara) Oktober 1903. Dr. Eichel-
baum (No. 10.)
18. Epiechinus seriepunctatus n. sp.
Orbicularıs, conmvexus, niger, subnitidus, setosus; fronte carınıs
media et lateralibus antice convergentibus non conyunctis, utrinque
tuberculo brevi inter carinas; thorace margine lateralı costaque utrinque
parallela (hac antice posticeque abbreviata) elevatıs, 4 carınis anticıs
brevibus, quisque seriebus duabus parallelis punctorum perducta; elytris
margine costisque 3 elevatıs, sutura subelevata, interstitiis biseriatim
foveolatis,; propygidio pygidioque fortiter punctatis, prosterno lato,
strüis rectis antice convergentibus nec vero junctis, interstitio antice carına
brevi laevi; mesosterno antice bisinuato, angulis lateralibus impressis;
metasterno grosse punctato, linea media subimpressa.
Long. 2!1/, mm. Hab. Deutsch-Ostafrika.
Der Kopf trägt einen Mittel- und jederseits vor den Augen einen
Seitenkiel von ungefähr gleicher Länge. Die Seitenkiele konvergieren
etwas nach vorn. Zwischen den Kielen stehen noch jederseits auf dem
Scheitel je ein kleinerer kurzer Kiel (Tuberkel). Das Halsschild ist
besonders interessant. Die dem erhobenen Seitenrand parallele Lateral-
rippe ist in der Mitte stark erhoben und nach vorn und hinten ab-
gekürzt (vielleicht nur individuell). Die mittleren 4 Rippen sind nur
vorn schwach ausgebildet und zwar sind die beiden mittleren die
kürzesten; auf diesen Rippen und in ihrer Forstsetzung bis zum
Hinterrand verlaufen je 2 Parallelreihen ziemlich kräftiger Punkte,
die seitlich und nach dem Hinterrand zu unregelmäßiger angeordnet
sind. Zwischen diesen Punktreihen (besonders zwischen den beiden
6 Heinrich Bickhardt: Verzeichnis der von Dr. F. Eichelbaum
mittleren Doppelreihen ist das Halsschild völlig unpunktiert. Zwischen
den Rippen der Flügeldecken verlaufen je 2 Parallelreihen Grübchen,
zwischen diesen Reihen sind die Flügeldecken glatt. Das Prosternum
trägt vom in der Mitte zwischen den Enden der Lateralstreifen einen
sehr kleinen glänzenden Kiel. Das Metasternum ist sehr grob punktiert.
E. seriepunctatus ist mit E. punctisternum Lew. am nächsten
verwandt. Bei dieser Art ist jedoch das Halsschild unregelmäßig
punktiert (briefliche Angabe von G. Lewis). Auch von allen anderen
Arten der Gattung unterscheidet sich die neue Art durch die reihen-
artige Anordnung der Punktierung des Halsschildes.
In Tanga von Dr. F. Eichelbaum im Juli 1903 in 1 Ex.
aufgefunden (No. 2).
19. Epiechinus suleisternus n. sp.
Differt ab E. seriepunctato m. thorace irregulariter punctato;
elytrorum interstitüs leviter biseriatim foveolatis; prosterni striis
antice subeurvatıs, carinula media nulla; mesosterno in medio et margine
antico elevatis, lateribus valde impressis,; metasterno sulco medio fortiter
impresso, meso-metasterno sparsim subtiliter punctato.
Long. 2!/, mm. Hab. Deutsch-Ostafrika.
Mit E. seriepunctatus stimmt die Kopf- und Flügeldeckenskulptur
nahezu überein, doch sind die Grübcehen auf den Zwischenräumen
der Flügeldecken noch flacher. Verschieden ist 2. suleisternus von
der vorhergehenden Art in folgenden Punkten: Die Punktierung des
Halsschildes ist unregelmäßig, die Prosternalstreifen sind nicht völlig
gerade, sondern in der vorderen Hälfte schwach einwärts gebogen,
das feine Kielchen vorn zwischen den Enden der Prosternalstreifen
fehlt. Ganz wesentlich anders ist die Bildung des Meso-Metasternums.
Vom Mesosternum liest nur der mittlere Teil und der Vorderrand
in der Ebene des Metasternums. Die Seiten sind stark eingedrückt
bis auf den schmalen Seitenrand, der ebenfalls erhoben ist. Das Meta-
sternum trägt eine tiefe und breite Mittelfurche in seiner ganzen Länge.
Die Punktierung beider Sterna ist fein und weitläufig.
Mit E. costipennis Fährs. verwandt, jedoch durch weniger kräftige
Rippen des Halsschilds und der Flügeldecken und andere Bildung
des Meso- und Metasternums getrennt, auch die Punktierung des Hals-
schildes ist bei suleisternus weniger grob.
Mit dem vorigen zusammen in ebenfalls nur 1 Ex. in Tanga ge-
sammelt. (No. 2.)
20. Abraeus bacanioformis n. sp.
Orbieularis, convexus, niger, nitidus; antennis pedibusque rufıs,
antennarum clava testacea,; fronte sat dense punctulata; pronoto sub-
tilhiter dense punctulato, marginato, basi strigoso, linea antescutellari
brevi arcuata; elytris sat dense punctatis, strüis dorsalibus nullis, sub-
humerali tenui apicali dimidiata; pygidio punctato,; prosterno antice
latiore, basi angustiore, mesosternogue subtilissime sparsim punctulatıs,
hoc stria marginali antice interrupta; metasterno stria longitudinali
longa distincta, tibiis anticis rotundato dilatatis.
Long. 1—1!/, mm. Hab. Deutsch-Ostafrika.
im Jahre 1903 in Deutsch-Ostafrika gesammelten Histeriden (Col.). 7
Gerundet, gewölbt, schwarz, glänzend; Beine und Fühler rot,
Fühlerkeule braungelb; Stirn ziemlich dicht und fein punktiert. Hals-
schild fein und dicht punktiert, seitlich gerandet, an der Basis vor dem
Schildehen mit einer kurzen gebogenen Querlinie die ein sparsamer
punktiertes, querdreieckiges Feld einschließt; seitlich findet diese
Querlinie ihre Fortsetzung durch eine Reihe paralleler kräftiger Längs-
strichel, die nach den Hinterecken des Halsschildes zu immer kürzer
werden und schließlich nur noch Punkte darstellen. Flügeldecken
ziemlich dicht und etwas gröber als das Halsschild punktiert, ohne
Dorsalstreifen, dagegen befindet sich an der Seite ein dünner fast
bis zur Mitte nach vorn reichender apicaler Subhumeralstreif, der
manchmal undeutlich ist. Die umgeschlagenen Seiten der Flügeldecken
gegen die Spitze zu fein längsgestrichelt. Pygidium ähnlich wie die
Flügeldecken punktiert. Prosternum vorn sehr breit, nach der Basis
zu stark verengt, ebenso wie das Mesosternum sehr fein und zerstreut
punktuliert, letzteres nur seitlich gerandet. Mittelfurche des Meso-
sternums deutlich der ganzen Länge nach ausgebildet. Vordertibien
allmählich erweitert, Außenrand gerundet.
Mit Abraeus cyclonotus Mars. verwandt, jedoch durch die feinere
Punktierung des Halsschildes sowie des Pro- und Mesosternums,
ferner durch das Fehlen der Dorsalstreifen verschieden. Von allen
bekannten Abraeus-Arten außerdem getrennt durch den an Bacanıus
erinnernden Subhumeralstreif.
2 Exemplare, 1 aus Tanga (Juli 1903) und 1 aus Amani (8. Dez.
1903) von Dr. F. Eichelbaum mitgebracht. (No. 35, 36).
21. Bacanius africanus n. sp.
Subrotundatus, subglobosus, brunneus, nitidus; fronte antice
plana, vix perspicue puncticulata; thorace marginato, subtilissime
punctulato; elytris distinctius punctulatis, sutura elevata, stria sub-
humerali interna integra. Pygidio vix perspicue punctieulato. Prosterno
subquadrato, striis subtilissimis obsoletis fere parallelis, lobo punctulato,
mesosterno subsinuato, striis lateralibus fortiter curvatıs, sutura meso-
metasternali distincta, metasterno vix perspicue punctieulato. Trebirs
antiers dilatatis subparallelis denticulatıs.
Long. 3/,—?/, mm. Hab. Deutsch-Ostafrika.
Gerundet, stark gewölbt, braun, stark glänzend; Stirn eben,
kaum erkennbar punktuliert; Halsschild mit feiner Seitenrandlinie,
sehr fein und nicht sehr dicht punktiert, eine Querlinie nahe der Basis
(vor dem Schildchen) ist nicht vorhanden. Flügeldecken fein, etwas
deutlicher als das Halsschild punktiert. Naht erhoben, Subhumeral-
streif ganz. Pygidium kaum erkennbar punktiert. Prosternum
fast quadratisch, an den Seiten äußerst fein obsolet gerandet (Seiten-
streifen gerade und fast parallel), Kehlplatte stärker als die Oberseite
punktiert; Mesosternum vorn wenig gebuchtet, die Trennungslinie
zwischen Meso- und Metasternum deutlich, Seitenstreifen stark ge-
bogen; Metasternum äußerst fein und weitläufig punktiert. Vorder-
schienen verbreitert, fast parallelseitig, fein gezähnelt.
8 Heinrich Bickhardt: Verzeichnis der von Dr. F. Eichelbaum
Dieses von Dr. F. Eichelbaum bei Amani, Usambara, am
Bomoleberg am 11. und 13. Oktober 1903 durch Sieben erbeutete
Tier ist wohl einer der kleinsten bis jetzt bekannt gewordenen Ver-
treter der Gattung. Es ist die erste auf dem Festlande Afrika über-
haupt gefundene Bacanius-Art. Von den benachbarten Seychellen,
die zoogeographisch mehr Beziehungen zu Indien und Madagaskar
als zum Kontinent aufweisen, hat J. Sehmidt in den Bull. Soc.
Ent. France 1893 p. CI und CI zwei Bacanius beschrieben, von denen
der erste B. ambiguus Schm. von Mah& unserer neuen Art vielleicht
etwas nahe kommt. B. ambiguus hat aber einen nur bis zur Hälfte
der Flügeldecke reichenden inneren Subhumeralstreif, auch ist die
Oberseite dieser Art viel kräftiger punktiert als bei B. afrıicanus m.
(No. 39.)
22. Bacanius usambaricus n. sp.
Subrotundatus, convexzus, brunneo - piceus, nitidus; _fronte
punctulata; thorace marginato, sat dense, elytris fortius punctatıs, lınea
basali transversa thoracıs subsinuata crenata, spatio ante scutellum
laevi; elytris stria subhumerali interna apicali recta dimidiata, externa
tenui flexuosa integra. Pygidio subtiliter punctulata; prosterno sub-
quadrato, strüis parallelis, lobo dense punctulato, mesosterno brevissimo
antice bisinuato, sutura meso-metasternali crenata, stria laterali fortiter
curvata, metasterno antice sublaevi. Tibiis anticıs drlatatıs.
Long. 1 mm. Hab. Deutsch-Ostafrika.
Gerundet, gewölbt, pechbraun, glänzend; Stirn fein und ziemlich
dicht punktiert. Halsschild seitlich gerandet, ziemlich fein und
ziemlich dicht, Flügeldecken etwas gröber punktiert. Die Querlinie
auf dem Halsschild verläuft seitlich sehr nahe und ziemlich parallel
der Basis und ist vor dem Schildehen etwas nach vorne ausgebogen,
so daß hier der glatte Zwischenraum etwas breiter wird. Flügeldecken
mit einem geraden inneren, von der Spitze bis zur Mitte reichenden,
und einem vollständigen geschwungenen äußeren Subhumeralstreif,
ferner einem ebenfalls vollständigen geschwungenen Randstreif.
Pygidium fein punktiert. Prosternum fast quadratisch mit parallelen
Seitenstreifen und dicht punktierter Kehlplatte. Mesosternum sehr
kurz, Vorderrand in der Mitte mit vorgezogener Ecke, wodurch er
zweibuchtig erscheint; Meso-Metasternalnaht aus kräftigen Punkten
gebildet, Seitenstreifen stark gebogen, Metasternum vorn fast un-
punktiert. Vordertibien verbreitert.
Dieser zweite Bacanius vom afrikanischen Kontinent ist mit der
vorigen viel kleineren Art schon infolge der Querlinie auf dem Hals-
schild nicht verwandt. Von B. inopinatus Schm. von den Seychellen
durch den nur bis zur Hälfte reichenden inneren Subhumeralstreif
der Flügeldecken und die bedeutend kräftigere Punktierung der
Oberseite getrennt.
Ein Exemplar bei Amani (Usambara) von Dr. F.Eichelbaum
- derselben Lokalität wie die vorige Art am 11. Okt. 1903 gesiebt.
(No. 38.)
im Jahre 1903 in Deutsch-Ostafrika gesammelten Histeriden (Col.). 9
23. Bacaniwus spec. nov.
Ein einzelnes defektes Exemplar, das infolge seines äußerst feinen
kurzen apikalen Subhumeralstreifs ebenfalls einer neuen Art angehört.
Zur Beschreibung reicht der Zustand des Stückes nicht aus. — Amani.
8. Dez. 1903. (No. 32).
24. Acritus Eichelbaumi n. sp.
Orbieularis, convexiusculus, piceus, nitidus; antennis pedibusque
testaceis; fronte convexa, subtiliter punctulata; pronoto marginato, sub-
tiliter dense punctato, basi linea punctorum transversa ante scutellum
leviter sinuata, spatio antescutellari laevi; elytris sat dense punctatıs,
sutura subelevata,; propygidio pygidioque subtiliter punctulatis; pro-
sterno subquadrato, striüis laterahbus subparallelis, subtihter sparsim
punctato;, mesosterno brevi, in medio trianguliter impresso, parce punctato;
tibüis anticis subdilatatıs.
Long. t/,—1l mm. Hab. Deutsch-Ostafrika.
Gerundet, mäßig gewölbt, pechbraun, glänzend, Fühler und Beine
gelbbraun; Stim fein punktiert. Halsschild gerandet, fein und dicht
punktiert mit einer fast geraden vor dem Schildchen nur schwach
gebogenen Querlinie, die aus sehr kurzen kräftigen Parallelstricheln
besteht; der eingeschlossene Raum vor dem Schildchen ist glatt;
Flügeldecken ziemlich dieht und etwas kräftiger als das Halsschild
punktiert, Naht schwach erhoben. Propygidium und Pygidium fein
und weniger dicht punktiert. Prosternum fast quadratisch, fein
und weitläufig punktiert, Seitenstreifen fast parallel; Mesosternum
kurz, in der Mitte mit einem schwachen dreieckigen Eindruck, mäßig
dicht punktiert; Vordertibien wenig erweitert.
Mit Acritus Alluaudi Schm. aus Madagaskar infolge des Baues
des Mesosternums verwandt. A. Alluaudi hat aber völlig glatte Flügel-
decken und Pygidien, auch sind Kopf und Halsschild viel feiner punktiert
als bei A. Eichelbaumi m.
Von Dr. F. Eichelbaum im Dezember 1903 in Amani
(Usambara) entdeckt und ihm zu Ehren benannt. (No. 33, 41.)
25. Acritus multipunctus n. sp.
Ovalis, sat convexus, piceus, nitidus; antennis pedibusque rufo-
brunneis; fronte convexa, subtiliter punctulata; pronoto marginato,
dense punctato, basi linea punctorum transversa recta, spatio antescutelları
punctis sparsis;, elytris dense punctatis, sutura elevata, stria dorsali
obsoleta, propygidio pygidioque subtilissime punctulatis; prosterno
strüs utrinqgue divergentibus, mesosternoque punctatis,; tıbiis amticis
subdilatatis.
Long. 1 mm. Hab. Deutsch-Ostafrika.
Mit der vorher beschriebenen Art am nächsten verwandt, so daß
es genügt, die Unterschiede aufzuzählen. A. multipunctus m. ist mehr
gewölbt und auf der Oberseite kräftiger punktiert als A. Hichelbaumi.
Bei A. multipunctus ist die Querlinie auf dem Halsschild gerade,
der schmale Raum vor dem Schildehen mit einigen Punkten besetzt,
die Pygidien sind feiner punktiert. Die Prosternalstreifen divergieren
nach vorn und hinten, bei A. Zichelbaumi sind sie fast parallel. Ein
10 Heinrich Bickhardt.
Eindruck auf dem Mesosternum ist bei A. multipunctum kaum wahr-
nehmbar.
Zwei Exemplare (je 1 aus Dar-es-Salaam, Juni 1903 und Amani,
83. Dezember 1903) von Dr. F. Eichelbaum mitgebracht.
(No. 35, 37.)
26. Acritus rugosus n. sp.
Orbieularis, convexus, niger, nitidus, antennis pedibusque rufis;
fronte convexa, dense punctata; pronoto marginato, sat fortiter denseque
punctato, lateribus rugosis; elytris grosse punctatis, apicibus rugosis,
sutura elevata; propygidio pygidioque dense punctatis; prosterno bistriato,
striüss amtice divergentibus, mesosterno brevi, metasternoque grosse
punctatis; tibiis anticis vix dilatatıs.
Long. /, mm. Hab. Deutsch-Ostafrika.
Stark gerundet, gewölbt, schwarz, glänzend; Fühler und Beine
rötlich. Die ganze Ober- und Unterseite stark punktiert, und zwar
am dichtesten auf dem Halsschild, am gröbsten auf den Flügeldecken.
Seiten des Halsschilds und Spitze der Flügeldecken längsrunzelig.
Eine Querlinie auf dem Halsschild fehlt. Vorderschienen nur sehr
schwach nach der Spitze zu verbreitert.
Diese Art ist mit keiner der bis jetzt bekannten Acritus-Spezies
näher verwandt. Das Tier macht fast den Eindruck eines sehr kleinen
Abraeus, gehört aber nicht zu dieser Gattung.
Zwischen Dar-es-Salaam, Tanga und Amani im Juli 1903 m
einem Exemplar erbeutet. (No. 34.)
27. Saprinus .(Hypocaccus) aprıcarıus Br
Amani, Juli 1903. (No. 22.)
28. Saprinus (Hypocaccus) harmonicus Mans.
Tanga, Juli 1903. (No. 23.)
Verzeichnis der in den Nestern von Warm-
blütern gefundenen Käfer.
Von
Heinrich Bickhardt.
Die Nester unserer Klein-Säugetiere und Vögel, besonders die
in der Erde und in hohlen Bäumen usw. angelegten, sind der Zufluchts-
ort einer Reihe Insekten, vor allem Käfer.!) Diesen Nestbewohnern
nachzuforschen und ihre Biologie zu studieren, ist ein erst kürzlich
in Aufnahme gekommener und noch sehr entwicklungsfähiger Zweig
der Coleopterologie. Die vorgenommenen Untersuchungen haben
bereits ergeben, daß die Nester eine besondere Fauna, dieichNidicol-
fauna nennen möchte, beherbergen, und daß es eine Reihe Käfer-
arten gibt, die ausschließlich oder fast ausschließlich in Nestern leben.
N. H. Joy war der erste, der eine Einteilung der in den Nestern
gefundenen Käfer nach biologischen Gesichtspunkten in 3 Gruppen
vornahm, J. Roubal ist ihm gefolgt und auch ich glaube seiner
Klassifizierung beitreten zu sollen. Er unterscheidet:
A. Typische Nesterbewohner, die den Nestern
eigentümlich sind, dort ihre Metamorphose durchmachen und nur
äußerst selten außerhalb der Nester angetroffen werden.
B. Arten, diegewöhnlichin Nestern gefunden
werden, sich wohl auch oft dort entwickeln, überhaupt gern
in ähnlichen Schlupfwinkeln leben, aber auch anderwärts vorkommen.
C. Gelegentliche oder zufällige Gäste in Nestern.
Daß es auch Tiere gibt, die eine Übergangsstellung zwischen
den einzelnen Gruppen einnehmen, ist selbstverständlich. Ebenso
wird es sich nicht vermeiden lassen, daß bei dem geringen bis jetzt
vorliegenden Beobachtungsmaterial im Folgenden einzelne Arten
in unrichtigen Gruppen aufgeführt sind.
Die Art des Aufsuchens der Nester und die Technik des Fanges
der Käfer brauche ich hier nieht nochmals zu erörtern, ich darf wohl
auf die Arbeiten von K. Gerhard, R. Heinemann und von
mir in den „Entomologischen Blättern‘‘?) verweisen.
In dem nachfolgenden Verzeichnis sind die bis jetzt in Nestern
gefundenen Coleopteren mit Angabe ihrer Wirte aufgeführt, wobei
die vorn angegebene Gruppierung zur Anwendung gekommen ist.
Den Herren Amtsrichterr K. Gerhard, Professor Dr.
L. von Heyden, Pfarrer W. Hubenthal, Ober-Postsekretär
H. Kirchhof und Revierverwalter R. Tredl spreche ich für
freundliche Unterstützung durch Literatur und Material meinen
besten Dank aus.
1) Literaturnachweis am Schlusse.
2) Vergl. Literaturnachweis am Schluß.
12 Heinrich Bickhardt: Verzeichnis der in den Nestern
Gruppie A}
Xylodromus affinis Gerh. Hamster, Maulwurf, Maus.
Coprophilus pennifer Motsch. Ziesel, Hamster.
Medon castaneus Grav. Maulwurf, Maus.
Philonthus spermophili Ganglb. Ziesel, Hamster, Kaninchen,
Maulwurf, Maus.
> Scribae Fauv. Ziesel, Hamster, Kaninchen.
wi fuscus Grav. Star, Eule, Specht, Hohltaube.
Quedius longicornis Kr. Maulwurf, Kaninchen.
® brevicornis 'Thoms. Star, Specht (auch Ameisengast).
„ vexans Epp. Maulwurf, Hamster, Dachs.
en talparum Deville (Heidenreichi Heinem.) Maulwurf,
Hamster.
ochripennis var. nigrocoeruleus Fauv. Maulwurf,
Maus.
. Heterotops praevia Er. Ziesel, Maulwurf, Hamster, Dachs,
Kaninchen, Maus.
13. Atheta paradoxa Rey Maulwurf, Hamster, Maus, Ziesel,
Kaninchen.
14. Oxypoda longipes Rey Hamster, Maulwurf, Maus.
15. Microglossa nidicola Fairm. Utferschwalbe.
16. Aleochara villosa Mannerh. Maulwurf, Specht, Taubenschlag.
a A a BB I
ee
en
je
[S0)
17. A Breiti Ganglb. Ziesel, Hamster.
18. 5 spadicea Er. Maulwurf, Maus.
19: 4 cuniculorum Kr. Hamster, Kaninchen, Dachs,
Maus, Taubenschlag.
20. Neuraphes rubicundus Schaum Maulwurf, alte Vogelnester.
21. Choleva elongata Payk. Maulwurf.
22. Hister marginatus Er. Maulwurf.
23. Dendrophilus punctatus Hbst. Vogelnester.
24. Onthophilus sulcatus F. Maulwurf.
25. Gnathoncus nidicola Joy Vogelnester.
26. Cryptophagus Schmidti Strm. Hamster.
27. Dermestes bicolor F. Taubenschlag.
28. Trox Perrisi Fairm. (Haroldi Flach). Wildtaube, Buntspecht,
Vogelnester.
Bem.: Von den vorstehenden typischen Nestbewohnern sind 18 Arten
reine Säugetiergäste und 7 Arten reine Vogelgäste, nur 3 Arten, No. 16,
19 und 20, sind sowohl in Säugetierbauten wie in Vogelnestern (bez. Tauben-
schlägen) gefunden worden.
GruppeB.
Phyllodrepa floralis Payk. Taubenschlag.
% v. nigra Grav. Specht.
35 pygmaea Gyll. Eichhörnchen, Vogelnester.
Omalium septentrionis Thoms. Hamster.
= caesum Grav. Maulwurf, Maus, Taube, Fasan.
von Warmblütern gefundenen Käfer. 13
Omalium validum Kr. Kaninchen.
Xylodromus coneinnus Marsh. Maulwurf, Taube.
testaceus Er. Taube.
Acidota crenata F. Hausschwalbe.
Coprophilus striatulus F. Kaninchen.
Ozxytelus sculpturatus Grav. Maulwurf, Hamster, Maus.
R Fairmairei Pand. Maulwurf.
R Sauleyi Pand. Maulwurf, Ziesel, Kaninchen.
Bernhaueri Ganglb. Ziesel.
Bledius procerulus Er. Ziesel.
Lathrobium fulvipenne v. Letzneri Gerh. Hamster.
Xantholinus glaber Nordm. Wiedehopf, Vogelnester.
Quedius microps Grav. Hamster, Wiedehopf.
Rt ochripennis Men. Hamster, Maulwurf.
„ ventralis Arag. Alte Vogelnester.
» mesomelinus Marsh. Dachs, Maulwurf, Hamster, Vogelnester.
„ infuscatus Er. Star, Vogelnester.
Euryusa optabilis Heer Specht.
Atheta angusticollis Thoms. Maulwurf, Maus, Meise.
„ nigricornis Thoms. Turmfalke, Wiedehopf, Dohle, Specht, Star.
„ eoriaria Kr. Eichhorn, Wiedehopf.
„ Länderi Bris. Eichhorn.
„ eastanoptera Mannh. Hamster, Kaninchen.
„ eelata Er. Maulwurf, Wiedehopf, Taubenschlag.
analıs Grav. Maulwurf.
Sipalia circellaris Grav. Maulwurf, Specht.
Oxypoda opaca Grav. Maulwurf, Hamster.
# umbrata Gyll. Hamster, Fasan.
r Spaethi Bernh. Ziesel.
2 togata Er. Ziesel, Hamster.
4 annularis Mannerh. Maulwurf, Dachs, Hamster.
Crataraea suturalis Mannerh. Specht, Vogelnester.
Miceroglossa pulla Gyll. Specht, Star.
” Bernhaueri Dev. (longicornis Bernh. nee Thoms.). Eich-
hörnchen.
5 gentilis Märk. Star, Eule, Specht.
x marginalis Grav. Eule, Star, Wiedehopf, Specht,
Taubenschlag.
Aleochara spissicornis Er. Kaninchen, Dachs.
g: morion Grav. Hamster.
h sparsa Heer. Maulwurf, Kaninchen, Eichhorn, Dachs,
Maus, Star, Vogel-
nester, Taubenschlag.
= inconspicua Aube Maulwurf.
ruficornis Grav. Kaninchen, Dachs.
Euplectus signatus Reichenb. Maulwurf.
= Karsteni Reichenb. Specht.
Bythinus securiger Reichenb. Maulwurf.
14 Heinrich Bickhardt: Veızeichnis der in den Nestern
Bythinus punecticollis Denny Maulwurf.
Neuraphes angulatus Müll. Maulwurf.
Choleva Sturmi Bris. Maulwurf, Hamster, Maus.
cisteloides Fröl. Hamster, Maulwurf, Maus.
„ agilıs Il. Maulwurf.
Nargus Wilkini Spence Dachs.
Catops depressus Murr. Kaninchen.
fumatus Spence Kaninchen.
Si Watsoni Spencee Maulwurf, Kaninchen, Hamster, Maus,
Wiedehopf.
„ alpinus Gyll. Kaninchen.
fuscus Panz. Hamster, Maulwurf, Maus.
* nigricans Spence Kaninchen.
7 fuliginosus Er. Kaninchen, Hamster.
= nigrita Er. Maulwurf, Kaninchen, Hamster, Maus.
;» morio F. _Wiesel, Hamster, Maulwurf, Maus.
B quadraticollis Aube Kaninchen.
R neglectus Kr. Kaninchen.
n Kirbyi Spence Kaninchen.
3, chrysomeloides Panz. Hamster, Kaninchen.
e tristis Panz. Maulwurf, Hamster.
Nemadus colonoides Kr. Eule, Star, Wiedehopf, Specht.
Ptomophagus sericatus Chaud. Hamster, Maulwurf.
Leptinus testaceus Müll. Maulwurf, Maus.
Ptenidium laevigatum Er. Maulwurf, Spitzmaus.
Hister merdarius Hoffm. Eule, Dohle, Turmfalke, Specht, Tauben-
„ merdarius var. Gerhardi Bickh. Specht. [schlag.
Carcinops pumilio Er. Eule, Storch.
Gnathoncus rotundatus Kug. Ziesel, Hamster, Specht, Eule, Wiede-
hopf.
Onthophilus globulosus Ol. Kaninchen, Maulwurf.
Tenebroides mauritanicus L. Taubenschlag.
Dermestes murinus L. Taube, Turmfalke.
Simplocaria semistriata F. Maulwurf, Hamster.
Ptinus fur L. Taubenschlag.
Tenebrio molitor L. Taubenschlag.
r picipes Duft. Eichhorn, Dohle.
Trox perlatus Goeze Storch.
„ scaber L. Wiedehopf, alte Vogelnester.
Aphodius rhododactylus Marsh. Ziesel, Kaninchen, Hamster.
F scrofa F. Hamster.
5 pusillus Hbst. Steppenmurmeltier (Silantjev).
fi 4-maculatus L. Ziesel, Hamster.
2 biguttatus Germ. Ziesel.
” rotundangulus Reitt. Steppenmurmeltier (Silantjev).
Onthophagus semicornis Panz. Ziesel.
„ vitulus F. Ziesel, Hamster.
Potosia aeruginosa Drury Wildtaube, Eule, Wiedehopf.
von Warmblütern gefundenen Käfer. 15
Bem.: Auch die vorstehende Liste bietet im Verein mit der Liste A
eine Fülle von Anregungen und Material für den Biologen. Die Gattung
Microglossa ist beispielsweise fast vollzählig der Nidicolfauna angehörig
und zwar ausnahmslos in Vogelnestern anzutreffen. Die nahe verwandte
Gattung Aleochara bevorzugt dagegen in der Mehrzahl die Säugetiernester;
beide Genera sind also auch biologisch getrennt. Ein ähnliches Beispiel
bieten die Gattungen Catops und Nemadus, von denen erstere mit 14 Arten,
nur in Säugetiernestern,!) letztere nur in Vogelnestern gefunden wurde.
Solche Vergleiche lassen sich noch in Menge anstellen. Hier sei nur eine
Anregung zur Weiterarbeit gegeben. Das bisher Erreichte ist erst als schwacher
Anfang anzusehen und eingehende Studien der Biologen sind sehr erwünscht.
GruppeC.
Carabus granulatus L. Maulwurf; C. cancellatus Ill. Maulwurf;
C. nemoralis Müll. Maulwurf; Leistus ferrugineus L. Hamster; Nebria
brevicollis F. Hamster; Notiophilus aquaticus L. Hamster; Dyschirius
globosus Hbst. Kaninchen; Bembidium obtusum Serv. Hamster;
Trechus 4-striatus Schrk. Maus; Panagaeus cerux-major L. Maul-
wurf; Amara aenea Deg. Hamster; A. apricaria Payk. Maulwurf,
Hamster, Kaninchen; Pterostichus vernalis Panz. Maulwurf; P. niger
Schall. Maulwurf; P. minor Gyll. Maulwurf; P. strenuus Panz.
Maulwurf; P. diligens Sturm., Dromius melanocephalus Dej. Maul-
wurf.
Acrolocha striata Grav. Maulwurf; Omalium rivulare Payk.
Kaninchen, Hamster, Fasan; Trogophloeus elongatulus Er. Maul-
wurf; T. joveolatus Sahlb. Hamster; Haploderus caelatus Grav.
Hamster; Oxytelus rugosus F. Maulwurf; O. laqueatus Marsh. Hamster;
O. inustus Grav., Maus; O. tetracarinatus Block Ziesel, Kaninchen,
Hamster; Platystethus nitens Sahlb. Hamster; Stenus clavicornis
Scop. Maulwurf; $. buphtalmus Grav. Maulwurf; S. melanarius
Steph. Maulwurf; $. eircularıs Grav. Maulwurf; $. nigritulus Gyll.
Maulwurf; S. tarsalis Ljung. Maulwurf; Stilieus subtilis Er. Hamster;
S. Erichsoni Fauv. Maus; Scopaeus minimus Er. Maulwurf; Medon
propinguus Bris. Maulwurf; M. melanocephalus F. Maulwurf;
Lathrobium multipunetum Grav. Maulwurf, Maus; L. castaneipenne
Kol. Maus; ZL. fulvipenne Grav. Maulwurf; Z. foveatum Steph.
Maulwurf; Z. longulum Grav. Maulwurf, Hamster; Z. pallidum
Nordm. Hamster; Leptacinus var. linearis Grav. Hamster; Xantho-
linus punctulatus Payk. Maulwurf, Maus; X. angustatus Steph. Maul-
wurf; X. linearis Ol. Maulwurf, Hamster, Kaninchen; X. v. longi-
ventris Heer Specht; Philonthus aeneus Rossi Wiedehopf; P. chalceus
Steph. Hamster; P. corruscus Grav. Hamster, Ziesel; P. concinnus
Grav. Hamster; P. immundus Gyll. Hamster; P. fuscipennis Mannh.
Hamster, Maulwurf; P. varius Gyll. Maulwurf; P. varians Gyll.
!) Der Fund von Catops Watsoni Spence im Wiedehopfnest ist bei der
Häufigkeit dieser Spezies wohl ohne Bedeutung.
16 Heinrich Bickhardt: Verzeichnis der in den Nestern
Hamster; P. cephalotes Grav. Hamster, Taubenschlag; P. sordidus
Grav. Hamster, Taubenschlag; P. nıgrita Grav. Maulwurf; P. nigri-
tulus Grav. Maulwurf, Hamster; P. splendidulus Grav. Hamster;
Staphylinus ophtalmicus Scop. Hamster; S. similis F. Hamster,
Maulwurf; Creophilus mazillosus L. Taubenschlag; Quedius boops
Griav. Hamster; Mwycetoporus brunneus Marsh. Maulwurf; Cono-
soma pubescens Grav. Maulwurf; Tachyporus nitidulus F. Maul-
wurf; T. macropterus Steph. Maulwurf, Hamster; T. pusillus Grav.
Maulwurf, Hamster; T. ruficollis Grav. Kaninchen; T. chryso-
melinus L. Maulwurf; 7. Ahypnorum F. Maulwurf, Hamster; T.
obtusus L. Maulwurf, Hamster; Tachinus flavipes F. Hamster;
T. subterraneus L. Kaninchen; T. collaris Grav. Maulwurf, Hamster,
Maus; T. rufipennis Gyll. Maulwurf, Ratte; Myllaena minuta Grav.
Maulwurf; Zncephalus complicans Westw. Maulwurf; Silusa rubi-
ginosa Er. Hamster; Leptusa ruficollis Er. Dachs; Falagria sulcata
Payk. Hamster; F. sulcatula Grav., Maulwurf; F. nigra Grav.
Hamster; F. obscura Grav. Maulwurf, Maus, Specht; Atheta melano-
cera Thoms. Maulwurf; A. debilis Er. Maulwurf; A. truncata Epp.
Hamster; A. angustula Gyll. Maulwurf; A. occulta Er., Taubenschlag;
A. fungwora Thoms. Vogelnester; A. preipes Thoms. Taubenschlag;
A. ravilla Er. Maulwurf; A. palustris Kiesw. Ratte, Maulwurf;
A. inquinula Grav., Wiedehopf; A. amicula Steph. Maulwurf, Ratte,
Maus; A.divisa Märkl. Hamster; A. oblita Er. Maulwurf; A. nigritula
Grav. Hamster; A. crassicornis F. Ratte; A. triangulum Kr.
Kaninchen; A. euryptera Steph. Hamster; A. Pertyi Heer Hamster;
A. livida Muls. Meise; A. zosterae Thoms. Turmfalke, Maulwurf;
A. longicornis Grav. Maus; A. sordida Marsh. Hamster, Maulwurf;
A. pygmaea Grav. Maulwurf; A. aterrima Grav. Maus; A. parva
Sahlb. Maus; A. chientula Er. Hamster; A. fung: Grav. und v.
orbata Er. Maulwurf, Eichhorn, Hamster, Dachs, Taube, Turmfalke,
Fasan, Meise; A. soror Kr. Vogelnester; A. exilis Er. Maulwurf;
Astilbus canaliculatus F. Maulwurf; Zyras limbatus Payk. Maus;
Ilyobates nigricolliss Payk. Maulwurf; Reichenbachia juncorum
Leach. Maulwurf; R. impressa Panz. Maulwurf; Tychus niger Payk.
Maulwurf; Pselaphus Heisei Hbst. Maulwurf; Huthia seydmaenordes
Steph. Maulwurf. Neuraphes elongatulus Müll. Maulwurf; Ziodes
calcarata Er. Kaninchen; Agathidium rotundatum Gyll. Hamster;
Clambus armadilla Deg. Maulwurf; Ptenidium laevigatum Er. Maul-
wurf; Ptilium affine Er. Maulwurf; Pieryx suturalis Heer Maul-
wurf; Trichopteryx atomaria Deg. Maulwurf; T. intermedia Gillm.
Maulwurf; T. fascieularıss Hbst. Maulwurf; Heister unicolor L.
Hamster; H. cadaverinus Hoffm. Turmfalke; H. stercorarius
Hoffm. Hamster; A. ruficornis Grimm Kaninchen; H. purpu-
rascens Hbst. Hamster; FH. carbonarius Hoffm. Taube, Hamster;
H.corvinus Germ. Hamster; Plegaderus dissectus Er. Specht; Saprınus
semistriatus Seriba Hamster; 8. aeneus F. Hamster; Helophorus
nubilus F. Hamster; Cercyon unipunctatus v. impunctatus Kuw.
Maulwurf; ©. tristis Il. Maulwurf; CO. flavipes Thunb. Maulwurf;
von Warmblütern gefundenen Käfer. 17
Epuraea depressa Gyll. Maulwurf; E. melina Er. Maulwurf; Rhizo-
phagus perforatus Er. Maulwurf; AR. parallelocollis Gyll. Maulwurf;
Cryptophagus validus Kr. Maulwurf; C. dentatus Hbst. Taube;
C. umbratus Gyll. Kaninchen; (©. distinguendus Sturm Maulwurf,
Dachs; ©. pilosus Gyll. Maulwurf, Maus; Atomaria nigriventris
Steph. Maulwurf; A. linearis Steph. Hamster, Maulwurf; A. meso-
melaena Hbst. Rohrsänger; A. fuscata Schönh. Maulwurf; A. atri-
capilla Steph. Maulwurf; A. analis Er. Maulwurf; Epistemus globulus
Payk. Maulwurf; Lathridius nodifer Westw. Maulwurf; Eniemus
minutus L. Storch, Schwarzdrossel, Hamster; E. transversus Ol.
Maulwurf; Cartodere ruficollis Marsh. Storch; Corticaria pubescens
Gyll. Schwarzdrossel; ©. umbilicata Beck. Maulwurf; Melanophthalma
fuscula Gyll. Hamster; Pullus haemorrhoidalis Hbst. Maulwurf;
Anitys rubens Hoffm. Taubenschlag; Hydrothassa marginella L.
Maulwurf; Chaetocnema hortensis Geoffr. Maulwurf; Othiorrhynchus
velutinus Germ. Hamster, Ziesel; O. ovatus L. Maulwurf; Sevaphilus
asperatus Bonsd., Maulwurf; Strophosomus melanogrammus Forst. Maul-
wurf; Trachyphloeus aristatus Gyll., Maulwurf; Liosoma deflexum Panz.
Dachs; Ceuthorrhynchus punctiger Gyll. Maulwurf; Apion seniculus
Kirby Maulwurf; A. frumentarium L. Maulwurf; Aphodius inquinatus
Hbst. Hamster; A. prodromus Brahm Hamster; Onthophagus ovatus
L. Ziesel, Hamster. !)
Bem.: Unter Gruppe C ist alles aufgenommen worden, was von
Käfern teils freiwillig, teils unfreiwillig in die Nester geraten ist, was aber
offenbar keine näheren Beziehungen zu den Warmblütern und ihren Nestern
unterhält.
Literatur.
T. Hudson Beare and William Evans. Coleoptera in mole’s nest
in the Edinburgh distriet. Ent. Mo. Mag. 1909 p. 88.
E. F. Bedwell. Ontophilus sulcatus F. in a mole’s nest. Ent. Mo:
Mag. 1907. p. 62—63.
H. Bickhardt. Über das Vorkommen von Käfern in Nestern
von Säugetieren und Vögeln. Ent. Zeitschr. Guben No. 35. 1907.
— ( ). Käfer in Nestern. Ent. Blätter III. 1907 p. 81—86 und
97—102.
3. Breit. Verh. zool. bot. Gesellsch. Wien 1897, p. 567.
; €. 6. Calver. Käferbuch. VI. Auflage, bearbeitet von C.Schau-
uss.
!) Der Vollständigkeit halber füge ich noch hinzu, daß in Maulwurfs-
nestern in England die folgenden Floharten festgestellt worden sind: Cerato-
phyllus gallinae Schrk., Ctenophthalmus agyrtes Heller, ©. bisoctodentatus Kolen.,
©. gracilis Taschb., ©. pentacanthus Rothsch., Hystrichopsylla talpae Curt. —
Auch die Nester von Hamstern, Mäusen, Uferschwalben usw. beherbergen
eine Reihe Floharten, ferner finden sich in allen diesen Nestern zahllose Milben,
Scolopender, Dipterenlarven usw. usw.
Archiv für Naturgeschichte
1911. 1. 1. Suppl. 2
18 Heinrich Bickhardt.
6. A. Dunlop. A note of some inhabitants of Badger’s nest. Ent.
Mo. Mag. 1910. p. 15.
K. Gerhard. Käfer in Nestern. Ent. Blätter. V. 1909. p. 128
—132 und 144—147.
E. Heidenreich. Coleopteren im Hamsterbau. Deutsche Ent.
Zeitschr. 1902 p. 156.
— (). Verzeichnis der zwischen Saale, Elbe und Mulde
beobachteten Staphylinen. Ins. Börse 1906 p. 194, 195, 199; 1907 p. 8,
11,.42,,15, 16, 18,19.
R. Heinemann. Käfer in Maulwurfsnestern. Ent. Blätter VI.
1910. p. 121—126 u. 157—164.
Prof. L. von Heyden. Die Käfer von Nassau und Frankfurt.
II. 1904.
Th. 3. Kräsa. O spoluziti nökterych druhu brouku s mensimi
ssaveci. Act. Soc. ent. Bohem. III. 1906. p. 115—188.
Norman, H. Joy. Coleoptera oceuring in the nest’s of mammals
and birds. Ent. Mo. Mag. 1906 p. 198—202, 237—243.
— ( ). Coleoptera from old birds nests. Ent. Mo. Mag. 1906.
p. 39—40.
— ( ). Gnathoncus nidicola n.sp. A Coleopterous inhabitant
of birds’ nests. Ent. Record. 1907. p. 28.
— ( ). Notes on searching the nests of birds and mammals for
beetles. Hastings Nat. 1907. p. 68—170.
—() A further note on the Coleoptera inhabiting mole’s nests.
Ent. Mo. Mag. 1908. p. 246—249.
— ( ). Oxytelus Saulcyi Pand. a new British beetle from mole’s
nests. Ent. Mo. Mag. 1910. p. 4.
Prof. H. Kolbe. Die Lebensweise des Dermestes bicolor und des
Tenebrio molitor in Taubenschlägen. Insekten-Börse XXII. 1905.
187.
r 0. Langenhan. Über die beim Ziesel und Hamster vorkommenden
Käfer. Entom. Wochenblatt 1907. p. 60, 61.
M. Pic. Sur divers Coleopteres interessants de France (Tachinus
rufipennis Gyll.). Eehange 309. 1910. p. 66.
3. Roubal. Ein interessanter Fall von Symbiose einiger Arthro-
poden mit der Maus. Wien. Ent. Zeitg. 1904.
— ( ). O broucich ve hnizdech ssaveu a ptäku. Act. Soc. ent.
Bahn IV. 1907. p. 124—134.
A. Semönoff. Bemerkungen über Käfer aus dem europ. Rußland
und dem Kaukasus. Rev. Russ. Ent. 1905. p. 127—138.
3. 3. Walker. Medon castaneus Grav. and other coleoptera in
mole’s nests near Oxford. Ent. Mo. Mag. 1907 p. 82, 83.
Die Haltieinengattung Ochrosis Foudr.
Von
Franz Heikertinger.
(Mit 5 Textfiguren.)
Die Gattung Ochrosis wurde von Foudras (Ann. Soc. Linn. Lyon,
tom. VI, p. 147 [pro 1859, erschienen 1860], und Mulsant, Hist. Nat.
Col. France, Altisides par Foudras, 1859—1860 [erschienen 1860]
p. 35) auf Haltica ventralis Ill. und Haltica (Galleruca) salicariae Payk.
aufgestellt und (Altisides, p. 302—304) eingehend charakterisiert!).
Allard hat in seiner ersten Arbeit über die europäischen Haltieinen
(Essai monographique sur les Galerucites anisopodes, Ann. Soc. Ent.
Fr. 1860, p. 54) die Haltica ventralis Ill. in der Gattung Crepidodera
Chevr. untergebracht, die Haltica salicariae Payk. aber — gleichzeitig
mit Haltica (Batophila Foudr.) rubi Payk. — der Gattung Podagrica
(Chevr.) Foudr. einverleibt, ein Vorgang, der eine tatsächlich bestehende
Beziehung zwischen den Haltieinenarten salicariae Payk. und rubi
Payk. herstellt, in diesem Falle aber doch nur auf eine rein mechanisch
arbeitende Oberflächlichkeit zurückzuführen ist).
Kutschera (Beitr. zur Kenntnis d. europ. Haltieinen, Wien. Ent.
Monatsschr. 1860, p. 140—142, Sep. 102—104) bringt beide Arten
in seiner Sammelgattung Haltica Geoff. (III. Gruppe: Crepidodera
Chevr.) unter.
In seiner zweiten Monographie (Abeille III., p. 182—183, Sep. 14
u. 15; 1866) stellt Allard beide Arten in die Gattung Crepidodera Chevr.,
nimmt also die von Foudras (1860) gegründete Gattung Ochrosis
nicht an.
Und sie hat auch später nur geteilte Anerkennung gefunden,
diese Gattung.
C. G. Thomson (Skandinaviens Coleoptera, Lund 1866, p. 223)
akzeptiert sie für die einzige nordische Art salicariae.
1) Als erste Art hat Foudras die salicariae gesetzt; da jedoch die Gattungs-
diagnose beide Arten gleichmäßig berücksichtigt, stand es einem späteren Mono-
graphen frei, bei einer Spaltung der Gattung irgendeine der beiden Arten als
Typus aufzufassen. Der Vorgang Bedels, der 1897 (Faune Col. Bassin Seine,
tome V, p. 168) Ochr. ventralis Ill. als Gattungstyp aufstellte und auf Ochr.
salicariae Payk. die neue Gattung Lythraria errichtete, ist sohin unanfechtbar.
‚?2) Letzteres ergibt sich klärlich daraus, daß Allard in seiner zweiten Be-
arbeitung der Haltieinen die Batophila rubi Payk. weitab von Ochrosis (Crepido-
dera) salicariae Payk. einreiht und keine Relation zwischen beiden andeutet,
wogegen die gar nicht verwandte Gattung Podagrica Foudr. unmittelbar neben
Batophila stehen bleibt.
2%
20 Franz Heikertinger:
Chapuis (Lacordaire et Chapuis, Genera des Coleopteres, tome XT.,
p. 53—54; 1875) wirft sie mit Crepidodera zusammen.
Der Catalogus Coleopterorum von Gemminger et de Harold
(Tom. XII., p. 3486 u. 3487, Monachii 1876; die Haltieinen behandelte
Harold) tut desgleichen.
G. Seidlitz in seinen beiden Faunenwerken (Fauna baltica und
Fauna transsilvanica) behält die Gattung bei, stellt sie aber systematisch
an eine Stelle, an der allenfalls die Art salicariae, niemals aber die
noch ausgesprochen zur Crepidodera-Gruppe gehörende ventralis
einen natürlichen Platz finden kannt. Dagegen stellt Seidlitz die
Batophila rubi unmittelbar hinter Ochrosis saliciariae.
Es zeigen sich eben bereits allenthalben die Schwierigkeiten,
den morphologischen Eigenheiten der beiden Ochrosis- Arten, die
zweifellos eimander sehr nahe verwandt sind und die dennoch in so
fundamentalen Merkmalen, wie es die Halsschildeindrücke bei den
Halticinen sind, differieren, bei der systematischen Eimreihung des
Genus Ochrosis als Gattungsganzes in den Katalog gerecht zu werden.
Seidlitz legt wie Thomson das Schwergewicht auf salicariae,
die nordische Art. Zum Zwecke einer richtigen systematischen Unter-
bringung eignet sich jedoch zweifellos ventralis, als der minder
differenzierte, ursprünglichere Typus besser, und aus ihm läßt sich
unwiderleglich die Ableitung der Ochrosis-Arten vom Crepidodera-Typus
nachweisen. Wenn auch salicariae mit Rücksicht auf das Fehlen
der Halsschildeindrücke nach der handwerksmäßigen Systematik
absolut nicht in das Registraturfach „Crepidodera-Gruppe‘ passen
will, so muß sie doch wohl cder übel als ein weit abgeirrtes Glied der-
selben dort eingereiht bleiben, als ein Pendant zu Aeschrocnemis
graeca All., die Allard als eine Batophila beschrieb und die Weise
(Erichs. Nat. Ins. Deutschl., VI, p. 855) als ein von Derocrepis Weise
abzuleitendes Genus mit rückgebildeten Halsschildeindrücken richtig
mitten in die Crepidodera-Verwandtschaft stellte.
Inwieweit diese Rückbildung der Halsschildeindrücke ein Licht
auf die natürliche systematische Stellung der Gattungen Glyptina Lee.
(1859) und Batophila Foudr. (1860) wirft, die bis jetzt, unter vor-
wiegender Berücksichtigung der hinten offenen Hüfthöhlen der Vorder-
beine, weit ab von den Crepidoderen geführt wurden, möchte ich
andernorts bei Besprechung der Gattung Lythraria Bedel (1897)
näher beleuchten. Nur soviel möchte ich schon jetzt erwähnen, daß
die drei letztgenannten Gattungen, wenn nicht miteinander identisch,
so doch äußerst nahe verwandt sind, woran meiner persönlichen Über-
zeugung nach das nicht phylcgenetisch begründete Scheidungsmerkmal
1) Die Fußnote (Seidl. Faun. transsilv. p. 803): „Vielleicht muß auch die
eylindrica Mill. aus Dalmatien, die wegen der fehlenden Längsstriche‘ des Hals-
schildes nicht bei Mantura stehen kann, hierher (d. i. in die Gattung Ochrosis)
gebracht werden,‘ habe ich bereits an anderer Stelle (Verh. zool. bot. Ges. Wien
LIX, p. (370)—{(372), 1909) erledigt. Die eylindrica Mill. ist eine Mantura und
steht mit der Gattung Ochrosis in keinerlei verwandschaftlicher Beziehung.
Die Halticinengattung Ochrosis Foudr. 2
offener oder geschlossener Gelenkshöhlen nicht das mindeste ändert.
Sie sind als abgeleitete Formen zwanglos dem Crepidodera-Zweige
Ochrosis anzureihen, so bedauerlich dies für eine reinliche morpho-
matische Abgrenzung der Crepidodera - Gruppe (Arten mit ge-
schlossenen Hüfthöhlen, ausgebildeten Halsschild-
eindrücken [zumindest deutlichen Basallängsfältchen], punkt-
streifigen Decken usw.) auch sein mag und so sehr es eine halbwegs
natürlich aussehende, lineare Reihung der Arten (Katalogform) er-
schwert. Der Ausweg liegt nur in der ziemlich verpönten Schaffung
kleinerer (unbenannter) Gruppen, innerhalb deren eine phylogenetische
Reihung, soweit selbe überhaupt erforschbar, eher möglich ist.
Für jeden Fall ist die Gattung Crepidodera Chevr. in dem Um-
fange, wie sie noch der Catal. Coleopt. Gemminger et Harold und
G. H. Horn (für Nordamerika) angenommen haben, vom Gesichts-
punkt des heutigen Wissensstandes aus ein undenkbares Kon-
glomerat.
Zur Besprechung der Gattung Ochrosis zurückkehrend, bleibt
mir noch zu erwähnen, daß Weise (Erichs. Nat. Ins. Deutschl. VI,
p. 705; 1886) die Gattung in genau demselben Umfange aufnahm,
wie sie Foudras begrenzte. Wie dieser stellt er sie zu den Crepidodera-
artigen und sogar unmittelbar hinter Crepidodera selbst.
Der Bearbeiter der nordamerikanischen Halticinen, Geo. H. Hom,
kennt in seiner Synopsis of the Halticini of Boreal America (Trans.
Am. Ent. Soc. XVI, 1889, p. 239) die Gattung Ochrosis nicht. Es
ist ihm unbekannt geblieben, daß die amerikanische Crepidodera
atriventris Melsh. ein typischer Vertreter derselben ist. Aber auch für
den Fall, als dies zu seiner Kenntnis gekommen wäre, hätte er diese
Gattung ebenso sicher abgelehnt, wie er die im nearktischen Faunen-
gebiete vertretenen Gattungen Derocrepis Weise, Chalcoides Foudr.
und Hippuriphila Foudr. unter Bezugnahme auf Chapuis und Harold
abgelehnt hat. Da er für die Fauna des nördlichen Amerika zu jeder
dieser Gattungen kaum mehr als eine Art (im ganzen überhaupt nur
sieben „Crepidodera“ - Arten) aufführt und sich anscheinend nicht
längere Zeit mit dem Halticinenstudium beschäftigte, hat seine
systematische Anschauung nur relativen Wert.
Ohne die Frage entscheiden zu wollen, ob Ochrosis Foudr. eine
genügend begrenzte, natürliche Gattung darstellt oder nicht, möchte
ich doch meiner Anschauung dahin Raum geben, daß sie nach Aus-
scheidung der salicariae zweifellos eine gut charakterisierte, homogene
Formengruppe umfaßt, die wohl als besondere systematische Kategorie
geführt zu werden verdient. Jedenfalls behandle ich mit Vorliegendem
Ochrosis als Gattung und überlasse alles Weitere dem besseren Wissen
einer Zukunft.
Die natürliche Stellung des Genus ist in unmittelbarer Nähe der
Gattung Crepidodera (im heutigen Sinne; vergl. Revision der palae-
arktischen Arten von Dr. J. Daniel, Münch. koleopt. Zeitschr. II.,
p- 237—297); von dieser ist sie durch den charakteristischen Habitus,
die Form der Stirnhöcker usw. vorläufig genügend differenziert,
22 Franz Heikertinger:
Nachstehend das den heutigen Katalogen entnommene Bild
der Gattung für das holarktische Gebiet, d. i. für die gesamte palä-
arktische Region und die faunistisch verwandten nearktischen Teile
Nordamerikas.
Ochrosis Foudr.!)
ventralis Illig., Mag. für Insektenkunde, Bd. VI., p.58; 1807.
Eur. med. et mer.
syn. abdominalis Küst., Käfer Eur. XV. 9.
syn. salicariae Wollast., Ins. Mader. 442; 1854 (sec. Allard).
ab. nigriventris Bach., Stett. Ent. Zeitg., 1856. 245.
Krüperi Weise, Ins. Deutschl. VI. 706. Creta, Rhodos, Turcia, Syria,
As. min.
rubicunda Perris, Ann. Soc. Ent. Fr. 1864. 302. Corsica.
syn. corsica All., Ab. III. 184 (Mon. 16).
pisana All., Ann. Soc. Ent. Fr. 1861. 308. Ital. med., Corfu.
ab. virıdana Reitt., Deutsch. Ent. Zeitschr. 1906. 451.
coreyrea Pic, Echange Rev. Linn. XXV., 145, 1909. Corfu.
lubrica Woll., Cat. Col. Canar. 1864. 406. Teneriffa.
sibirica Pic, Echange, Rev. Linn. XXV., 155, 1909. Amur.
Auf Grund meiner vergleichenden Untersuchungen möchte ich
dieses Katalogbild in folgender Weise ändern:
Ochrosis Foudr.
ventralis Illig. Eur. med. et mer.
syn. abdominalis Küst.
syn. salicariae Woll.
1) Ob Crepidodera parvula Baly (Trans. Ent. Soc. Lond., 1874, p. 195) von
Nagasaki (Japan) eine Ochrosis ist, kann ich nach der Beschreibung nicht ent-
scheiden. Die letztere lautet:
„Crepidodera parvula. Ovata, convexa, nigra, nitida, antennis pedibusque
piceis, illis basi, tibiis tarsisque pallidis; thorace fere impunctato, suleo fere
obsoleto; elytris regulariter punctato-striato, interstitiis nitidis, impunctatis.
Long. *, lin. (= 2 mm).
Hab. — Nagasaki.
Front impunctate, separated from the encarpae by a deep groove; encarpae
obliquely transverse, contiguous; four lower joints of antennae piceo-fulvous,
the rest nigropiceous. Thorax nearly twice as broad as long, sides parallel, anterior
angles thickened, obliquely truncate, produced laterally into an indistinet tooth;
surface convex, nearly impunctate, a few punctures only being visible at the
base; basal groove indistinet, nearly obsolete. Elytra much broader than the
thorax, regularly punctate-striate, punctures large, interspaces smooth and
shining, impunctate.‘“
Desgleichen ist mir die japanische Manobia Lewisi Jacoby (Proc. Zool.
Soc. Lond. 1885, XLVIII, p. 741) und ihr Verhältnis zur Gattung Ochrosis
unbekannt.
Die Haltieinengattung Ochrosis Foudr. 23
ab. rubieunda Perris
syn. corsica All.
?ab. lubrica Woll.
ab. nigriventris Bach.
ab. obseuricollis Hktg.!)
ab. coreyrea Pie.
ab. pisana All.
(ab. viridana Reitt.)
var. Krüperi Weise.
atriventris Melsh. Amer. bor.
Neocrepidodera nov.gen. Hktg.
sibirica Pic (Ochrosis) Amur.
? syn. recticollis Jacoby (Crepidodera) Japan.
Kurz resümiert: Alle europäischen Formen der Gattung Ochrosis
halte ich für Abänderungen einer einzigen Art, die aus Prioritäts-
gründen den Namen ventralis Ill. zu führen hat, ein Name, der übrigens
ohnehin die als Typus anzusprechende Form trifft.
Ochrosis (Haltica) lubrica Woll. von den Canarischen Inseln
ist die einzige mir in natura unbekannt gebliebene Form der Gattung;
nach der Beschreibung kann ich sie nicht artlich von ventralis trennen,
weshalb ich sie vorläufig fraglich zu dieser stelle.
Crepidodera atriventris Melsh. aus Nordamerika ist nach mir
vorliegenden Stücken eine typische Ochrosis.
Ochrosis sibirica Pic weicht völlig vom Ochrosis-Typus ab. weshalb
ich für sie eine besondere systematische Kategorie — Neocrepidodera m.
— aufstelle.. Von Ochrosis sibirica kann ich nach der Beschreibung
Crepidodera recticollis Jacoby (Proc. Zool. Soc. Lond. 1885, XII.,
p. 721) von Kashiwagi in Japan nicht trennen, weshalb ich sie fraglich
zu dieser stelle.
Ich habe die Unterformen des europäischen Artrepräsentanten
ventralis fast durchwegs als „Aberrationen“ aufgeführt, in Befolgung
des Grundsatzes, alles das als „Aberration‘‘ zu bezeichnen, was auf
individueller Abweichung beruht, d. h. mit der Normalform gleichzeitig
und vermischt mit dieser auftritt. Daß manche dieser Aberrationen
nebenbei ein ausgesprochenes lokales Überwiegen, ja ein oft geradezu
endemisches Verhalten zeigen, konnte hiebei allerdings nicht zum
Ausdruck gebracht werden und werde ich auf diese Tatsache daher
im Folgenden des Nähern eingehen müssen.
1) In der Zeitschr. f. wissensch. Insektenbiologie, Bd. VI, p. 142, 143 u. 171,
1910 (G. Paganetti - Hummler, Beitr. zur Kenntn. d. Halt.-Fauna Mittel- u.
Südital.) ist diese Form versehentlich ab. pieicollis genannt. Der Name picicollis
könnte nomenklatorisch Anstoß erregen, da Weise (Ins. Deutschl. VI. 707) eine
Ochrosis salicariae var.picicollis aufstellte, die allerdings heute im Genus Lythraria
Bed. steht,
24 - Franz Heikertinger:
Lediglich Ochrosis Krüperi schien mir ein geographisch schärfer
abgegrenztes, selbständiges Areal zu besitzen, mithin nicht schlankweg
als Aberration abfertigbar zu sein. Da ihre Unterschiede von der Normal-
form der ventralis aber gleich denen der übrigen Formen in der Färbung
liegen, die zur Aufstellung einer Subspezies oder geographischen Rasse
nicht genügt, habe ich diese Form nur durch die unbestimmte Be-
zeichnung ‚var.‘ von den übrigen ‚ab.‘ unterschieden. Im übrigen
verweise ich auf die nachfolgenden zoogeographischen Erörterungen.
Allgemeine Charakteristik der GattungOchrosist).
Nächstverwandt mit Crepidodera Chevr. (sensu Daniel), vor-
wiegend durch die Form der Stirnhöcker und Halsschildeindrücke,
sowie durch'ein charakteristisches Habitusbild und in der Regel
beträchtlich geringere Größe von dieser verschieden.
Ziemlich kleine, relativ breit gebaute Arten mit ausgeprägten
Stirmhöckerchen, welche deutlich — wenn auch oft nur durch schwache
Linien — nach oben hin von der Stirn getrennt sind. Bei den Formen
Europas sind diese Höckerchen ziemlich flach, dreieckig; bei der
amerikanischen Art gewölbter und mehr langgestreckt. ;
Der Halsschild besitzt vor der Basis einen Quereindruck, der bei
der Art Nordamerikas schmal und furchenartig, bei den europäischen
Formen mehr oder minder flach, aber stets erkennbar ist, und der in
ein Grübchen nahe der Basis mündet, das nach außen durch eine
kleine, scharfe Falte abgeschlossen ist. Es ist im Prinzip die gleiche
Bildung wie bei Crepidodera s. str., doch in der Regel eine Tendenz
zur Rückbildung zeigend. (Bei der von Bedel abgespalteten Gattung
Lythraria sind diese Halsschildeindrücke bereits völlig verschwunden.
Da die Eindrücke bei den Halticiden wohl eine frühe Bildung dar-
stellen, werden wir Lythraria als einen vom Eniiederene Mi ab-
geleiteten Typus und Ochrosis als das Bindeglied zwischen beiden
betrachten müssen, wodurch die Reihenfolge für eine phylogenetische
Wertung der Gattungen, wenigstens hinsichtlich dieses Merkmals,
gegeben ist).
Die Punkte der Flügeldecken stehen in regelmäßigen Streifen.
Die Hautflügel sind vollständig entwickelt. WAR
* *
*
Übersicht der Arten.
1. Art: Ochr. ventralis Illig.
(Fig. 1, 2 und 3.)
Eiförmig, mäßig gewölbt; von variierender (bräunlichgelber
1!) Da die detaillierten Gattungsbeschreibungen bei Foudras und Weise
infolge der später erfolgten Abtrennung der Gattung Lythraria Bed. nicht mehr
zutreffend sind, sehe ich mich veranlaßt, eine kurze Charakterisierung der
Gattung im heutigen Sinne zu geben.
Die Halticinengattung Ochrosis Foudr. 25
bis schwarzer) Färbung, bei der nur Fühler und Beine stets rötlichgelb
bleiben (erstere nach der Spitze hin zuweilen etwas angedunkelt);
mit dreieckig-flachen Stirnhöckerchen, deren obere Begrenzung fast
geradlinig die Stirn quert, deren untere eine A-förmig gebrochene
Linie, die oberhalb des ziemlich flachen Nasenkieles steht, bildet
(Fig. 2). Die obere Begrenzung kann schwach werden, die untere ist
stets ausgeprägt. Stirn und Scheitel fein chagriniert, erstere schwach
punktiert, letzterer ohne deutliche Punkte.
Halsschild im allgemeinen eindreiviertel bis doppelt so breit
als lang, nach vorn nur wenig oder kaum verengt, mit kaum oder
schwach gerundeten Seiten; die vordere Borstenpore tritt ungefähr
im vorderen Fünftel oder Sechstel als stumpfes Eckchen nach außen.
Der Halsschild ist mäßig gewölbt, äußerst fein chagriniert, daher meist
nur fettglänzend, mehr oder minder sehr fein (aber mit starker Lupe
Fig. 2. Kopf v. Ochro-
sis ventralis Dig. Fig. 3. Penis v. Ochro-
sis ventralis Illig. (von
Fig. 1. Ochrosis ven- unten u. von d. Seite).
tralis Illig. (Palä-
arktis).
stets erkennbar) punktuliert. Der Quereindruck teilt ungefähr das
hintere Viertel des Halsschildes ab, ist mehr oder minder seicht, in
der Mitte manchmal kaum mehr erkennbar, seitlich stets tiefer werdend
sanft der Basis zugebogen und hier ein deutliches Grübchen bildend,
dessen Rand nach außen (seitlich) hin zu einer kleinen, scharfen,
etwas gekrümmten Kante (Längsfältchen) aufsteigt, die bis zum
Halsschildhinterrande reicht.
Die eiförmigen Flügeldecken besitzen eine deutliche (von oben
gesehen seitlich allerdings wenig vortretende) Schulterbeule; in Über-
einstimmung damit besitzt die Art ausgebildete Hautflügel. Die
Decken tragen neun sehr regelmäßige und nirgends verwirrte Punkt-
streifen sowie einen ungefähr ein Drittel der Deckenlänge erreichenden
Skutellarstreifen; die Punkte dieser Streifen stehen zuweilen eng,
zuweilen ziemlich weitläufig, sind oft kräftig, oft wieder fein, ohne daß
solchen Differenzen mehr als eine individuelle Bedeutung zugemessen
26 Franz Heikertinger:
werden kann.!) Im letzten Drittel der Elytren verlöschen die Punkt-
streifen fast völlig.
Der Penis des $ (ich habe normale ventralis, rubicunda, pisana und
Krüperi?) untersucht) ist kurz und breit, von oben gesehen ziemlich
parallelseitig, am Ende breit verrundet, manchmal mit einem kaum
merklich vorgezogenen, verrundeten Spitzchen. Seine Unterseiten-
skulptur ist wenig ausgeprägt und differiert graduell, aber belanglos
(Fig. 3).
=> die Färbung der Art anbelangt, so ist das typische Kolorit
ein glänzendes, rötliches Braungelb oder Gelbbraun, das auf den Flügel-
decken etwas heller ist. Meso- und Metathorax sowie Abdomen sind
schwarz oder dunkel pechbraun, Fühler und Beine hell rötlichgelb.
Diese Färbungen können beträchtlich abändern und zwar nach
folgendem Schema:
a) Das ganze Tier einfarbig bräunlichgelb, die Unterseite nicht
oder nur wenig dunkler: var. Krüperi Weise.
b) Oberseite braungelb oder rötlich braungelb bis gelbbraun,
Flügeldecken etwas heller, Mittel- und Hinterbrust sowie Hinterleib
pechbraun bis schwarz, Hinterleibsspitze oft hell: Normalform.
c) Halsschild und jede Flügeldecke fein dunkel umsäumt.
d) Hierzu der Scheitel pechbraun, Halsschild zuweilen leicht
angedunkelt.
e) Die ganze Oberseite mäßig angedunkelt; bräunlichrot (ab. rubi-
cunda Perr.), kastanienbraun (ab. nigriventris Bach).
f) Halsschild stark verdunkelt bis schwärzlich pechbraun glänzend:
ab. obscuricollis m.
g) Kopf, Halsschild und Flügeldecken ungleich verdunkelt:
ab. coreyrea Pic.
h) Die ganze Oberseite schwarz, oft mit bläulichem oder grünlichem
Schimmer (ab. pisana All., ab. viridana Reitt.).
Die Beziehungen dieser Färbungsabänderungen zum Areal bilden
den Hauptgegenstand der nachfolgenden Ausführungen.
Was die geographische Gesamtverbreitung der Art anbelangt,
so kann letztere als vorwiegend südeuropäisch bezeichnet werden.
Sie geht nordwärts allerdings bis Mitteldeutschland, ist aber hier
wenig häufig und fehlt weiter nördlich gänzlich. Im südlichen Europa
ist sie häufiger und bildet neben der Normalform Färbungsabänderungen,
die darauf hindeuten, daß ihr Hauptentfaltungsgebiet hier liegt.
1) Ich möchte hier ausdrücklich darauf hinweisen, daß ein minutiöses Be-
schreiben einer größeren oder geringeren Körperbreite, Feinheit der Skulptur,
Breite des Halsschildes, Tiefe des Halsschildquereindrucks, Nuancierung der
Farbe usw. von einzelnen Exemplaren, und ein Aufstellen von ‚Arten‘ nach solchen
Merkmalen bei einer so variablen Art, wie es Ochr. ventralis ist — und mit ihr
viele andere Halticinen sind — verfehlt erscheint. Die Genauigkeit führt dann
zur wertlosen Individualbeschreibung, die nur geeignet ist, Verwirrung in die
Systematik zu bringen.
?) Von letzterer Stücke von Rhodos (v. Oertzen) und Creta.
Die Haltieinengattung Ochrosis Foudr. 97
Von den Canarischen Inseln an bis Corfu besetzt sie die Mittelmeer-
länder; die meisten Färbungsdifferenzen liegen mir von der Apenninen-
halbinsel und von Corfu vor. Weiter östlich, etwa von der Balkan-
halbinsel an, beginnt das Gebiet der var. Krüperi, das bis Syrien und
den Kaukasus nachgewiesen ist.
(b, ce, d.) Ochr. ventralis forma typica.
Färbung wie oben angegeben (meist wie sub b, seltener wie sub c
und d, ganz ausnahmsweise wie sub e [ab. nigriventris Bach)).
Der Typus wird von Weise noch aus Thüringen, von Kittel aus
Baiern, von Letzner aus Schlesien, von Bedel aus dem Seinebecken
angegeben. Ich selbst sah z. B. Stücke von Calvados (Fresney le Puceux,
Dubourgais). Weiters bewohnt er die britischen Inseln. Aus ver-
schiedenen Teilen Österreich-Ungarns ist die Art nachgewiesen, scheint
aber nirgends häufig zu sein. Seidlitz (der sich nach Bielz, Sieben-
bürgens Käferfauna hielt) erwähnt sie aus Transsilvanien nicht.!)
Zahlreicher liegt sie mir vor aus Südeuropa, z. B. Portugal (Coimbra,
Dr. Flach), Spanien (Ponferrada, Paganetti) aus verschiedenen Teilen
Südfrankreichs, Italiens (von Genua bis Kalabrien und Sizilien),
ferner von Corsica, dann von Dalmatien und seinen Inseln (z. B. Meleda)
bis Corfu, wo sie überall nicht selten zu sein scheint. Bedel und Sahl-
berg nennen sie von Nordafrika (Algerien, Tunis; ich sah selbst tunesische
Stücke |Sicard]) und nach Wollaston bewohnt sie Madeira und Porto
Santo.
Diese Form scheint demnach überall vertreten, wo die Art
überhaupt vorkommt, ausgenommen auf dem griechischen Festlande
und den östlich davon gelegenen Ländern, von wo mir ausschließlich
die Form Krüperi bekannt geworden ist.
Während nun die ventralis in Mitteleuropa, selbst in den südlichen
Teilen desselben, sehr wenig Neigung zu Farbenabänderungen zeigt,
findet sich auf einigen Inseln und Halbinseln des Mittelmeeres die
Normalform vermischt mit nachfolgend charakterisierten Aberrationen.
(e.) Ochr. ventralis ab. rubicunda Perris.
Perris hat dieses Tier ursprünglich richtig gedeutet und als Varietät
zu ventralis beschrieben. Allard hat dieselbe Form etwas später mit
dem Namen Crep. corsica als Art beschrieben?). Und als Art wurde
sie auch bis heute geführt.
1) Seidlitz (Fauna baltica u. Fn. transsilv.) bringt die Notiz: ‚‚nach Obert
in Finnland‘, was wohl nach der heute bekannten Verbreitung der Art unwahr-
scheinlich ist. J. Sahlberg (Catal. Col. Faun. Fennicae, 1900) zweifelt diese
Angabe Oberts mit Recht an (l. c. p. 124).
2) Abermals ein Zeugnis des unmotivierten Eifers, den Allard in seiner recht
nachlässig redigierten zweiten Monographie hinsichtlich des Speziesmachens
entwickelte, und dem mehrere Färbungsaberrationen von Haltieinen, die teil-
weise sogar er selber ursprünglich richtig nur als Färbungsabänderungen gedeutet
hatte, zum Opfer fielen, wie z. B. Podagrica tristicula All. und Ochrosis (Crepid.)
pisana All.
23 Franz Heikertinger:
Vielfach ist sie wohl etwas glatter, glänzender, dunkler (braun-
rötlich) als die Normalform. Ich hatte jedoch Gelegenheit, unter einer
Anzahl von Stücken zuverlässig korsischer Provenienz (Ajacecio,
Vodoz) sowohl typische rubicunda, als auch Stücke zu finden, die
sich in nichts von typischen mitteleuropäischen ventralis unter-
schieden und kann mich daher nicht entschließen, die rubicunda als
unbedingte Lokalform der ventralis auf Corsica anzusehen, sondern
kann ihr nur eine mehr oder minder individuelle Valenz, also Aberrations-
charakter, zubilligen. Tatsache ist allerdings, daß die Mehrzahl der
korsischen Stücke den rubicunda-Typus zeigt (ich sah von Merkl,
Damry, Vodoz u. a. herrührende Exemplare); auch einige, vermutlich
der Coll. Hopffgarten entstammende Stücke meiner Sammlung mit
der Fundortsbezeichnung ‚Gallia‘“‘ weisen diesen Habitus auf. Da-
gegen sind Tiere von San Remo (Schneider) bereits typische ventralis.
Die ventralis-Form nigriventris Bach aus Deutschland, die oben
kastanienbraun sein soll, dürfte sich äußerlich kaum von rubicunda
unterscheiden. Ich habe allerdings ein so dunkles mitteleuropäisches
Stück noch nicht gesehen.
(f, 9, h.) Ochr. ventralis ab. obscuricollis m., ab. corcyrea Pic,
ab. pisana All. et ab. viridana Reit.
Noch auffälligere Färbungsabweichungen zeigt die Art in Italien
und auf dem benachbarten Corfu. Finden sich schon im mittleren
Europa hie und da Stücke mit stark verdunkeltem Oberkopf und
schwach angedunkeltem Halsschilde (z. B. Mödling bei Wien, in coll. m.,
usw.), so finden sich auf der Apenninenhalbinsel unter normalfarbigen
Tieren Exemplare, bei denen Kopf und Halsschild gebräunt bis völlig
pechschwarz sind (zuweilen sogar mit Spuren eines grünlichen
Schimmers), wogegen die Decken mit Ausnahme des dunklen Rand-
und Nahtsaumes bräunlichgelb bleiben (ab. obscuricollis m.).
In weiterer, etwas anderer Entwicklung der Dunkelfärbung
wird beispielsweise der Vorderkörper braunrötlich, der Scheitel ge-
bräunt, die Flügeldecken dunkel mit unbestimmt rötlichen Schultern
und Spitze (ab. coreyrea Pic.).
Der nächste Grad ist ein dunkles Pechbraun der ganzen Ober-
seite, das schließlich mit völliger Schwarzfärbung und einem eventuell
darübergehauchten bläulichen oder grünlichen Schimmer zur eigentlich
melanotischen Form wird (ab. pisana All. et ab. viridana Reitt.).
Ich besitze Übergangstypen von mehr als einem Fundort (vergl.
die nachfolgende Aufstellung), die keinerlei konstante morphologische
Differenzen aufweisen und den individuellen Charakter dieser
Färbungsaberrationen erweisen.
Crepidodera pisana wurde von Allard ursprünglich (Ann. Soc.
Ent. Fr. 1861, p. 308) richtig als Varietät der ventralis beschrieben.
In seiner zweiten Monographie (1866) bereut der Autor dies und stellt
sie mit unhaltbaren Merkmalen als eigene Art auf, als welche sie auch
bis heute geführt wurde. Sie lag ihm vor von Pisa (Toscana), wonach
Die Haltieinengattung Ochrosis Foudr. 29
er sie benannte. Ihre Färbung gibt er als oberseits und unterseits
„completement noire‘“ an. Rein schwarz ist sie allerdings meist nicht;
gewöhnlich zeigt die Oberseite einen schwachen, bläulichen oder
grünlichen Schimmer (ab. viridana Reitt.), der jedoch völlig belanglos
ist und den Allard jedenfalls nicht beachtetet).
Piero Bargagli (La Flora delle Altiche in Europa, Bull. Soc. Ent.
Ital. X. 1878; Sep. p. 23) fing die Ochr. pisana bei Livorno (Toscana)
im Juli, seiner Angabe nach auf Hyoscyamus albus L.
Nachstehend ein Überblick über die mir vorgelegenen Dunkel-
formen der Ochr. ventralis; dieselben stammen durchwegs aus Süd-
und Mittelitalien oder Corfu.
Ins. Elba (Dr. K. Holdhaus, G. Paganetti): Normalform, Stücke
mit sehr dunkler Naht, ab. obscuricollis und ab. pisana.
Varano bei Ancona (Paganetti): obseuricollis und pisana.
Mte. Conero, Prov. di Ancona (Paganetti): pisana.
Rom (Strasser, Krüper in Coll. Weise): pisana.
Neapel (Coll. Eppelsheim): pisana.
Caserta (Campania; Coll. Reitter): pisana (Type der ab. viridana).
Mte Gargano, 16. 6. 07 (Coll. ©. Leonhard): Normalform und pisana.
S. Domino (Coll. Reitter): pisana (viridana).
Mte Pagano bei Castel di Sangro (Paganetti): pisana.
Grottaglie, Murgien (Paganetti): obseuricollis.
Calabria, Sta. Eufemia d’Aspromonte (Paganetti): Normalform,
obseuricollis und pisana.
» Aspromonte (Paganetti): Normalform und pisana (verschiedene
Färbungsnuancen).
‚„ Antonimina (Paganetti): pisana.
‚„ Cimina (Paganetti): obseuricollis.
Sieilia: Messina: obseuricollis.
„ (E. Ragusa): Normalform, kastanienbraune Stücke und corcyrea.
Corfu, Val di Ropa (O. Leonhard, J. Sahlberg): Normalform und
obseuticollis.
„ Kymnopistes, unter Eichenblättern (J. Sahlberg): ab. corcyrea Pie,
Zwischenformen zu pisana und pisana selbst.
Es fällt hier auf, wie groß die Übereinstimmung der Ochr.ventralis-
formen der Apenninenhalbinsel mit denen Corfus ist, und wie fremd
die letzteren der ganz hellen Form des griechischen Festlandes gegen-
überstehen. In Italien wie in Corfu normale ventralis und deren Nigrinos
—- schon auf Morea (Taygetos, Olympia, sec. Pie, Bull. Soc. Ent. Fr.
1909, p. 226) aber den der Faunensphäre Kleinasiens angehörigen
Albino (Rufino) der Art: Krüperi Wse. Vielleicht ein Zeugnis einstiger
Landverbindungen?).
1) Wie er beispielsweise auch bei den Aphthonen bläulich und grünlich
schimmernde Arten einfach ‚noire‘‘ nennt.
2) Vergl. Dr. K. Holdhaus, Coleopterengeographische Studien in Italien
(Ent. Wochenbl. ehem. Insektenbörse, Jahrg. XXV, 1908,
.
30- Franz Heikertinger:
(a) Ochr. ventralis var. Krüperi Weise.
Im Osten Europas, etwa vom griechischen Festlande an östlich
und südöstlich, wird die normalfarbige ventralis durch eine Hellform
ersetzt: Ochr. Krüperi Wse.
Als einzige nach dem mir vorliegenden Materiale konstante
Differenz dieser Ochrosis von der gewöhnlichen ventralis konnte ich
nur die Hellfärbung der Unterseite feststellen. Die sonstigen in ihrer
Beschreibung erwähnten Unterschiede erweisen sich bei Vergleich
eines reicheren Materials als mehr oder minder individuell, zufällig,
weshalb ich Krüperi nur als Form der ventralis ansprechen kann.
Soweit meine Untersuchungsmöglichkeiten reichten, vikariieren
die beiden. Während nämlich die Dunkelformen der ventralis (pisana
und Übergänge) wohl an ein beschränktes Teilgebiet des weiten Art-
areals gebunden erscheinen, jedoch dieses Teilgebiet mit der Normal-
form gemeinsam besetzen, schließt die hellbauchige Krüperi die Normal-
form aus ihrem Gebiete aus. Dennoch scheint mir der Differenzial-
charakter zu belanglos, um die Form als ausgesprochene Lokalrasse
(welcher Begriff mit ‚„Subspezies““ identifiziert wird) zu betrachten.
Es ist eben eine Farbenaberration, die mehr oder minder endemisch
auftritt, mehr oder minder exklusiv einem bestimmten Areale eignet.
Wir werden diesem Begriffe in einer Anzahl nicht immer scharf zu
präzisierender Abstufungen immer wieder begegenen.
Das mir bekannt gewordene Verbreitungsgebiet der Krüperi ist
ungefähr folgendes:
Attica (Reitter), Morea (Pic), Creta (Krüper, Typen), Rhodos
(Oertzen, Pie), Constantinopel (Merkl), Jerusalem (Letourneux), Chaifa,
Syria (Coll. v. Heyden), Beirut (Sahlberg), Akbes (Delagrange), Goek
Dagh (v. Bodemeyer), Angora (Escherich), Kaukasus (Leder).
Für jeden Fall ist Krüperi mit der von Allard (Beitr. z. Kenntn.
der kauk. Käferfauna, Schneider u. Leder, p. 430) aus dem Kaukasus
und Syrien erwähnten hellbauchigen ventralis-Form zu identifizieren.
Als bemerkenswertes Analogon sei erwähnt, daß auch die mit
Ochr. ventralis nahe verwandte Lythraria salicariae Payk., die in der
Normalform gleich ventralis einen unterseits schwärzlichen Hinter-
körper besitzt, im Kaukasus und im armenischen Gebirge eine hell-
bauchige Form — ab. unicolor Reitt. (Deutsch. Ent. Zeitschr. 1906
p. 451) — bildet.
* +
*
Was Aufenthalt und Lebensweise der Ochr. ventralis und ihrer
Formen anbelangt, so liegen kaum sichere Daten hierüber vor. Die
ersten Stände sind unbekannt. Eine Reihe mir vorliegender Fund-
daten umfaßt die meisten Monate des Jahres. Der Käfer wurde im
Frühling im Gesiebe gefunden (2. IV., Butschowitz, Moravia, Wingel-
müller), dürfte daher überwintern. Die meisten Fänge fallen in den
Die Haltieinengattung Ochrosis Foudr. 31
Spätsommer und Herbst, um welche Zeit sich (wenigstens im mittleren
Europa) frisch entwickelte Tiere finden. Als Standpflanze nennt
Foudras und ihm folgend eine Anzahl späterer Autoren, Solanum
dulcamara L. Die Ochr. pisana zitiert Bargagli von Hyoscyamus
albus L., zwei Angaben, die leidlich zusammenstimmen, da beide
Pflanzen der Familie der Solanaceen angehören. Ich habe indessen die
Ochr. ventralis weder auf Solanum dulcamara noch auf einer anderen
Solanacee gefunden und halte es für möglich, daß hier eine Ver-
wechslung mit der auf den ersten Blick sehr ähnlichen Psylliodes
affinis Payk. unterlief!). Ein abschließendes Urteil möchte ich mir
allerdings nicht erlauben. Erwähnenswert erscheint mir eine Tat-
sache: In der ersten Hälfte des September fand ich auf dem Eich-
kogel nächst Mödling (Aust. inf.) eine Anzahl eben ausgereifter Ochr.
ventralis auf einem hohen Gebüsche von Carpinus betulus L. Da jedoch
die in Gefangenschaft gehaltenen Tiere die Weißbuchenblätter nicht
berührten und da das gleiche Gebüsch auch andere Haltieinen
beherbergte (auf Carp. betulus L. fand sich noch Phyllotreta nigripes
Fab. und Haltica oleracea L., auf danebenstehenden Eichenbüschen
fanden sich in Menge Psylliodes luteola Müll. und Phyllotreta nigripes
Fab.) nehme ich an, daß es sich in allen diesen Fällen nur um
Aufenthaltspflanzen handelt, die zu irgend einem uns unbekannten
Zwecke von den Tieren erstiegen werden. Diese Gewohnheit des
„Aufbäumens‘“ finden wir bei vielen Halticinen wieder. Solanaceen
konnte ich im Umkreise nicht wahrnehmen; der Standort ist ein
trockener Kalkhügel der pontischen Eichenformation.
Auf keinen Fall ernst zu nehmen ist aber die Angabe bei Bargagli
„In Sieilia danneggia alquanto le foglie di Citrus aurantium
Linn. od Arancio dolce (Mina - Palumbo).‘“ Nach den bahn-
brechenden Untersuchungen Mina-Palumbos sollen ja auch
Aphthona nigriceps Redt., Longitarsus tabidus Fab. und Crepidodera
impressa Fabr. auf dem Orangenbaum leben; letztere soll sogar wie die
Öchrosis „danneggia“, schädlich, sein.
Es ist demnach selbst die Kennntnis der Standpflanzen für Ochrosis
keine sichere.
Ochrosis lubrica Woll.
Ob Haltica lubrica Woll. (Cat. Canar. Col. 1864, p. 406), beschrieben
nach einem einzigen, von Teneriffe stammenden Stücke, von Ochr.
ventralis ‚artlich verschieden ist, läßt sich nach der Beschreibung
!) Ein so genauer Halticinenkenner und verläßlicher Systematiker Foudras
auch war, so scheinen doch bei einigen seiner Standpflanzenangaben Ver-
wechslungen vorgefallen zu sein. So z. B. gibt er Psylliodes luteola Müll. von
Solanaceen, speziell von der Kartoffel an, was nur auf eine Vermengung mit
Psylliodes affinis Payk. zurückzuführen sein kann, die allenthalben auf Kartoffel-
äckern — wo sich Psyll. luteola nie findet — gemein ist. "
32 Franz Heikertinger:
nicht entscheiden. Wahrscheinlich dürfte auch sie nur eine ventralis-
Form sein.
Ihre Originalbeschreibung lautet:
„H. subovalis, convexa, nitida, rufo-ferruginea, elytris paulo
magis testaceis; capite prothoraceque minutissime et levissime punctu-
latis, hoc angusto angulis posticis obtusis, postice in medio levissime
transversim impresso sed utrinque fovea parva profunda notato;
elytris profunde striato-punetatis. — Long. corp. lin. 1!/,. (= 3 mm).
Habitat Teneriffam; exemplar unicum tempore vermali A. D.
1862 deprehendit W.D. Crotch.
The present Haltica is a good deal allied, at first sight, to the
European H. ventralis Illig. ; it is, however, a little larger, more shining,
and convex, its colour is considerably darker, or more ferruginous,
its prothorax is altogether narrower (especially in front), less deeply
impressed at the base, and with its posterior angles more obtuse, and
its elytra are somewhat more oval and more deeply punctate-striated.
The unique example described from was taken by Dr. Crotch in Teneriffe,
during the spring of 1862.“
Übrigens ist auch Ochr. ventralis aus der Nachbarschaft der
Canaren, von der Madeira-Gruppe, durch Wollaston gemeldet. Wie
nämlich schon Allard (Ann. Soc. Fr. 1860 p. 54) feststellt, ist die von
Wollaston (Ins. Mader. 1854, p. 442) von Funchal und Porto Santo
zitierte Haltica salicariae eigentlich eine Ochr. ventralis, was klar
aus Wollastons Angabe: „..... prothorace brevi postice
in medio transversim impresso ... .“ hervorgeht. Wollaston fmg ein
Exemplar auf einem Zuckerrohr in einem Garten in Funchal; häufiger
fand er die Art im Frühlinge auf Porto Santo, am sandigen Südstrande,
besonders auf Arundo donax und einem anderen großen Grase. Nach
ihm würde also das Tier auf Gramineen leben. Hinsichtlich der
morphologischen Charaktere sagt Wollaston von diesen Stücken,
daß sie „a trifle larger and less deeply sculptured than the ordinary
northern type‘ seien.
L. Bedel (Faune Col. Bassin Seine, V. p. 292) zitiert diese
Wollaston’schen Stücke mit dem Zeichen der Autopsie unter Ochr.
ventralis.
* *
* n
2. Art: Ochrosis atriventris Melsh. !).
(Crep. atriventris Melsh., Proc. Ac. Phil. III. p. 165. — Crotch, Proc.
Ac. Phil. 1873, p. 71. — Horm, Trans. Am. Ent. Soc. XVI., p. 243, 1889).
(Fig. 4 und 5.)
Eine typische Ochrosis, wiewohl dies nirgends erwähnt ist. Durch-
schnittlich wesentlich kleiner als die europäische Art (1,5—1,7 mm
!) Die mir unbekannte nordamerikanische Crepidodera nitens Horn (Trans.
Am. Ent. Soc. XVI. p. 243, 1889) gehört nach der Beschreibung wohl nicht
zur Gattung Ochrosis.
Die Haltieinengattung Ochrosis Foudr. 33
gegen 1,3—2,4 mm bei letzterer), besitzt sie völlig den gleichen Habitus
wie diese. Ihre Färbung ist etwas dunkler als die normaler ventralis,
hell rötlichbraun, Fühler und Beine heller, Mittel-, Hinterbrust und
Abdomen pechfarbig. Hinsichtlich der Stim-
bildung weicht sie insofern von ventralis ab, als
ihre Stirnhöcker nicht dreieckig flach und schwach
umrandet, sondern lang und schmal, erhaben
und besonders nach oben hin durch sehr tiefe,
geradlinig zum hinteren Augenrande laufende
Stirnlinien begrenzt sind. Der Nasenkiel der
amerikanischen Art ist viel schmäler und scharf-
kantiger als der der europäischen (Fig. 5). Die
Stirn ist ziemlich eben, sehr fein chagriniert,
glänzend, ohne Punkte.
Der Halsschild ist an der Basis ungefähr
doppelt so breit als lang, nach vorn stärker verengt Fig. 4. Ochrosis atri-
als bei ventralis. Diese Verengerung wird be- ventris Melsh. (Ne-
sonders dadurch hervorgehoben, daß die sehr arktis).
stark und scharf nach außen tretende vordere
Borstenpore nicht wie bei ventralis ungefähr im
ersten Fünftel, sondern beiläufig im ersten Drittel
des Halsschildseitenrandes steht, also sehr weit
nach hinten gerückt ist, und der vor ihr liegende
Teil stark gegen den kleinen Kopf zu abgeschrägt
ist. Die Abschrägung tritt bei dieser Art auffällig
hervor. Der Halsschildseitensaum ist ungefähr FEIERTE
wie bei ventralis, - der Halsschildhinterrand re 5 ur
dagegen differiertt stark von dem der euro- a
päischen Art. Er ist jederseits zwischen Schildchen und
Längseindruck (Basalgrübchen) stark ausgeschweift, wodurch der
unmittelbar vor dem Schildchen liegende Teil beinahe lappig
nach hinten gezogen erscheint; gleichfalls eine auf fällige Bildung.
Der Hinterrand ist sehr fein (im der Mitte undeutlich) gesäumt.
Die Oberfläche des Halsschildes ist ziemlich stark gewölbt, fein
aber deutlich chagriniert, etwas seidenglänzend. Eine Punktierung
ist nicht deutlich wahrnehmbar. Der Quereindruck schneidet das
hintere Viertel des Halsschildes ab, er ist schmal und tief, in der Mitte
kaum merklich nach hinten gezogen, gegen die Enden zu schwach
nach hinten gekrümmt, aber den Hinterrand nicht erreichend, sondern
in die Grube des Längseindruckes, der nach außen hin einen scharfen
Rand besitzt, fallend.
Die neun regelmäßigen Längsstreifen der Flügeldecken nebst
dem relativ ziemlich langen (meist mehr als ein Drittel der Decken-
länge messenden) Skutellarstreifen bestehen aus netten, kräftig
eingestochenen Punkten, die gegen die Spitze zu verlöschen. Die
Zwischenräume der Streifen sind glatt. Die Schulterbeule ist sehr
deutlich, wenn auch klein und von oben gesehen nur wenig vortretend. _
Die Art ist zweifellos flugfähig.
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 1. Suppl, 3
Fig. 5. Kopf von
34 Franz Heikertinger.
Bei Differenzen solcher Art ist es vollkommen ausgeschlossen,
daß wir in Ochr. atriventris eine ventralis vor uns hätten, die, in
historischer Zeit eingeschleppt, sich von der europäischen Form so
weit differenziert hätte. Vierhundert Jahre kommen hier nicht in
Betracht.
Horn nennt als Areal „from Massachusetts to Maryland, ‘also
einen großen Teil der nordatlantischen Region der Vereinigten Staaten.
Sie besetzt aber zweifellos viel größere Gebiete Nordamerikas; ich
besitze selbst Exemplare aus Pennsylvanien und solche aus Illinois
(Kahokia, St. Clair Co., S. Ill., Dr. G.W. Bock). Angabe über Stand-
ans dieser Art, die nach Chittenden überwintert, konnte ich nicht
finden.
Die Halticinengattung Neocrepidodera
(nov. gen.).
Von
Franz Heikertinger.
(Mit 2 Textfiguren.)
M. Pic hat im Echange Rev. Linn. XXV. No. 296, p. 155 (1909)
eine Ochrosis sibirica aus dem Amurgebiet beschrieben. Nachstehend
die Originalbeschreibung derselben:
„Ochrosis sibirica (nouv.). — Assez large, r&tr&ci posterieurement,
tres brillant, entierement d’un testac& päle & l’exception des yeux qui
sont noirs, lisse, ou imperceptiblement ponctue, en dessus. Töte &
sillon transversal arqu& et tubereules peu marques, indistinctement
ponctuee; prothorax indistinctement ponetue, presque droit sur les
cötes a angles anterieurs saillants, sillon transversal assez profond;
elytres bien plus larges que le prothorax, assez courts, & epaules peu
marquees, a ponetuation tres fine, presque indistincte, en partie
irregulierement disposee. Long. 2,5 mill. Siberie: Amur. (coll. Pie).
— Je ne connais pas nitidicollis Mots. en nature, mais je ne suppose
pas que sibirica soit une simple variete de cette espece a ponctuation
moins forte et plus ou moins irreguliere, et d’une coloration generale
päle. O. sibirica est tres distinct de nos esp£ces palearctiques testacees
par sa ponctuation presque indistincte et tres irr&guliere sur les ölytres.“
Die Haltieinengattung Neocrepidodera (nov. gen.). 35
Herr Pic hatte die Liebenswürdigkeit, mir die Type zur Ansicht
einzusenden. Es ist ein einzelnes, unausgereiftes und infolgedessen
etwas deformiertes Tier, das von dem Bilde der Gattung Ochrosis
völlig abweicht und habituell an eine echte Crepidodera erinnert,
zu welcher Gattung es allerdings der Bildung der Stirnhöcker halber
nicht gut gestellt werden kann.
So ungern ich nach so unzureichendem Materiale eim Urteil ab-
gebe, so sah ich mich doch gezwungen, das nun einmal beschriebene
Tier irgendwo unterzubringen, und da es mir in keine bekannte
palaearktische Gattung zu passen scheint, sah ich mich veranlaßt,
dafür eine neue Kategorie — Neocrepidodera m. — aufzustellen.
Ob diese Kategorie, die ich vorläufig als besondere Gattung
führe, auch in Zukunft generischen Wert behalten oder ob sie als
Subgenus einer andern Gattung angeschlossen werden wird, kann ich
nicht entscheiden, da mir ein einzelnes, deformiertes ® zur Ent-
scheidung solcher Fragen nicht ausreichend scheint.
Allerdings konnte ich Merkmale, die eine generische Abspaltung
von ÖOchrosis sicher begründet hätten, an dem Tiere nicht entdecken.
Da es jedoch von dieser habituell ‚homogenen Gattung gestaltlich
beträchtlich abweicht, glaubte ich es vorläufig für jeden Fall davon
isolieren zu müssen.
Charakterisiert ist das Tier hauptsächlich durch seine im Verhältnis
zu Öchrosis beträchtliche Größe, die Crepidodera-artige Körperform,
die nach vorn beinahe divergierenden, fast geraden Halsschildseiten,
die an der vorderen Borstenpore scharf-eckig vorspringen, durch die
Bildung der Stirnhöcker, die flach, dreieckig und von der Stirn (also
nach oben hin) durch eine tiefe Rinne getrennt sind, durch die nahe
der Basis verworrenen Punktreihen der Elytren usw. (Vergl. Fig. 6
und 7).
Ich gebe im Nachstehenden eine Beschreibung dessen, was eventuell
als Gattungscharakteristik gelten könnte.!)
Allgemeine Gattungscharakteristik.
Kopf rundlich, mit kurzem Untergesicht. Stirnkielung schmal,
scharf. Form der Stirnhöcker an Ochrosis, Hippuriphila, Arrhenocoela
erinnernd: Höckerchen mäßig groß, flach, ausgesprochen dreieckig,
schief gegeneinandergelehnt stehend, über dem Ende des Stirnkieles
mit einer Ecke zusammenstoßend. Von der oberhalb gelegenen Stim
sind diese Höckerchen durch eine sehr deutliche, starke, fast wagerecht
verlaufende Rinne geschieden, die dann in die schief nach hinten an-
steigende und zum oberen (hinteren) Augenrande verlaufende Augen-
rinne mündet. Die untere Ecke der Stirnhöckerchen liegt in dem
Winkel, den der Innenrand der Fühlergrube mit dem seitlichen Abfalle
1) Das Fehlen von Vergleichsmaterial und die Unzulänglichkeit der unreifen
Type erlaubt die Abfassung einer sichern Diagnose nicht.
3*
36 Franz Heikertinger:
des Stirnkiels bildet. Die Umrandung der Höcker ist überall deutlich,
nett (vergl. Fig. 7):
Fühler wie bei Crepidodera; Glied 1 verlängert und verdickt,
Glied 2—4 und 6 kürzer, untereinander ziemlich gleichlang, Glied 5
länger, 7—11 verlängert und allmählich verdickt.
Halsschild im Baue mit dem von Crepidodera
übereinstimmend, mit stark quer abgestutzten
Vorderecken, die längswulstig verdickt sind,
stark nach außen vorspringender Borstenpore
und scharf rechtwinkeligen Hinterecken; im ba-
salen Viertel wie bei Crepidodera mit einem mäßig
tiefen Quereindruck, der beiderseits von einem
kurzen, gebogenen Längsfältchen, das an der
Basis liegt, abgeschlossen wird. Die Form dieser
Eindrücke erinnert auch an Hermaeophaga (Ortho-
crepis) ruficollis Luc. Vorderrand des Hals-
schildes ungesäumt, Seitenrand mäßig breit ab-
gesetzt und aufgebogen gesäumt. Hinterrand nur
Fig. 6. Neocrepido- seitlich schmal gesäumt, in den mittleren Teilen
: wie bei Crepidodera ungesäumt.
Flügeldecken länglich, Punktreihen nur in
den mittleren Teilen regelmäßig.
: Beine wie bei Crepidodera; Hüfthöhlen der
Vorderbeine hinten geschlossen.
Ich habe das mir vorliegende Tier auf eine
der bereits beschriebenen Arten dieser Verwandt-
schaft zu beziehen versucht und hierbei fest-
Fig. 7. Kopf von gestellt, daß es gut auf die Beschreibung der
Neoerepidodera si. rep. recticollis Jacoby aus Japan paßt.
Daten Pie, Da auch die Provenienz gut hiermit in Ein-
klang zu bringen ist — (ich verweise auf Crep.
obscuritarsis Motsch., die gleichfalls aus dem Amurgebiete und aus
Japan bekannt ist: ef. J. S. Baly, Trans. Ent. Soc. Lond. 1874,
p. 195; auch M. Jacoby, Proc. Zool. Soc. Lond. 1885, p: 721 [Crep.
Lewisi Jacoby] und Dr. J. Daniel, M. K. Z. II., p. 251—252).
— halte ich es- für möglich, daß weiteres Material die Identität
beider Arten dartun könnte. Nach einem einzigen Stücke einer-
seits und einer Beschreibung anderseits aber eine derartige Identi-
fizierung vornehmen zu wollen, halte ich für verfrüht, umsomehr,
als einzelne Punkte der Beschreibung (ich habe sie in der nachfolgenden
Reproduktion durch gesperrten Druck hervorgehoben) — nicht völlig
auf das vorliegende Tier zu stimmen scheinen.
dera sibirica Pic:
Orepidodera recticollis Jacoby
(Originalbeschreibung aus Proc. Zool. Soc. Lond. 1885, p. 721.)
„Oblong-ovate, narrowed behind, entirely pale fulvous; thorax
impunctate, the sides straight; elytra finely punctate-striate.
Die Haltieinengattung Neocrepidodera (nov. gen.). 37
Length 1 line.
Head impunetate, the frontal tuberceles rather
obsolete; antennae more than half the length of the body, entirely
fulvous, the second and third joints short and equal, the following
joints not much longer. Thorax about twice as broad as long, the
sides straight, the anterior angles oblique, surface rather convex, the
basilar groove deep and bounded at the sides by an equally deep
longitudinal groove; within the former a transverse
row of punctures is placed; the rest of the disk is impunctate.
Scutellum very small. Elytra narrowed and pointed at their
apices, finely and regularly punctate-striate, the
punctuation nearly absent at the apices. Legs and underside fulvous.
Kashiwagi.
Much smaller than ©. Lewisi; the sides of the thorax straight,
the punctuation more regular, and the antennae and legs entirely
fulvous. From C. ferruginea Scop., the species is distinguished by
the impunctate thorax, the finer punctuation of the elytra, and the
smaller size.“
Nachstehend eine Beschreibung der mir vorliegenden Type
(vergl. Fig. 6).
Neocrepidodera sibirica Pic
(Artcharakteristik).
Auf den ersten Blick an eine blaßgelbe Hermaeophaga (Ortho-
crepis) ruficollis Luc. erinnernd; von dieser allerdings sofort durch
den nach vorn gar nicht verschmälerten Halsschild, durch die Bildung
der Stirnhöcker und die wenigstens teilweise regelmäßig gereihten
Deckenpunkte zu unterscheiden. Von den gelben Crepidodera-Arten
denen das Tier gleichfalls einigermaßen ähnelt, durch Kleinheit und
Zartheit, den nach vorn nicht verengten Halsschild und die nach
oben hin scharf begrenzten, dreieckig-flachen Stirmhöckerchen leicht
zu unterscheiden.
Ungefähr von der Körperform einer Crep. interpunctata Motsch.
oder der bereits erwähnten Herm. (Orthocrepis) ruficollis Luc.; der
ganze Körper blaßgelblich mit kaum rötlicher Beimischung (das vor-
liegende Stück ist allerdings unreif, dürfte aber auch im Reifezustande
nicht viel dunkler gefärbt sein), nur die Augen schwarz. Stim und
Scheitel eben, glänzend, mit kaum sichtbaren Pünktchen zerstreut
besetzt.
Halsschild von auffälliger Form; ungefähr eindreiviertelmal
so breit als lang, in der Anlage quer rechteckig mit ziemlich geraden
Seiten, vorn mindestens ebensobreit wie hinten, durch die seitlich
vortretende vordere Borstenpore sogar beinahe noch breiter als hinten
erscheinend. Die Seiten verlaufen von den Hinterecken bis zur vorderen
Borstenpore, die etwa im vorderen Viertel am Seitenrande eingesetzt
ist, ziemlich parallel und fast geradlinig nach vorn, sind nur vor der
Mitte kaum merklich sanft erweitert und knapp vor den Hinterecken
38 Franz Heikertinger.
und knapp hinter der vorderen Borstenpore sehr schwach ausgeschweift.
Die vordere Borstenpore tritt spitz und scharf zahnförmig nach außen.
Vor derselben schrägen sich die Vorderecken des Halsschildes ziemlich
geradlinig gegen die Augen zu ab und sind in Form eines ziemlich
starken Längswulstes verdickt. Der Seitenrand des Halsschildes
ist besonders gegen die Vorderecken zu deutlich vertieft und schmal
aufgebogen gesäumt; diese Saumlinie ist eine Spur dunkler gefärbt
als der übrige Halsschild. Der Hinterrand des Halsschildes ist zwischen
den Längsfältchen sanft bogenförmig nach hinten gezogen. Der Hals-
schildquereindruck liegt ungefähr zwischen dem hinteren Drittel
und Viertel, ist eine Spur breiter und flacher als bei Herm. ruficollis Lue.,
ungefähr dem bei Crep. interpunctata Motsch. entsprechend. Der
Vorderrand des Halsschildes erscheint von oben gesehen infolge der
weit außen stehenden Borstenpaare sehr breit und etwas gerundet.
Die Wölbung des Halsschildes ist besonders nach vorn eine ziemlich
starke, die Oberfläche ist eben und sehr glänzend; sie kann als fast
glatt bezeichnet werden, da nur mit einer starken Lupe feine Pünktchen-
spuren darauf entdeckt werden können. Auch die Tiefe des Querein-
druckes zeigt nur sehr schwache Punktspuren (allerdings ist das unter-
suchte Tier unreif).
Die Form der Flügeldecken ist infolge teilweiser Faltung durch
Immaturität nicht mit Sicherheit beurteilbar. Die Elytren sind augen-
scheinlich relativ wenig breiter als der Halsschild, treten aber in den
Schultern mit einer sehr ausgeprägten, glatten Beule vor, scheinen
dahinter ziemlich subparallel oder nur mäßig gerundet zu sein, wodurch
der bereits erwähnte Habitus der Herm. ruficollis zustande kommt.
Sie sind anscheinend mehr als zweieinhalbmal so lang als der Hals-
schild und besitzen sehr schwache (vielleicht übrigens nur bei dem
unreifen Stücke so schlecht ausgeprägte) Reihen von sehr feinen
Punkten, die auf der Scheibe regelmäßige Streifen bilden, gegen die
Basis zu aber sehr stark ineinandergewirrt sind und im hintern Drittel
allmählich zu verlöschen scheinen.
Geflügelt.
Länge: 2,4 mm, Breite 1,2 mm.
Patria: ‚Amur‘; Coll. Pic.
Über Aphaenogaster sardoa Mayr.
Von
Dr. Anton Hermann Krausse - Heldrungen.
Aphaenogaster sardoa Mayr ist eine dem Mediterrangebiete
eigentümliche Ameisenart. Das wegen seiner fuchsroten Färbung
auffallende Tier ist auf Sardinien zwar nicht gerade selten, indes auch
nicht häufig. Viel häufiger ist eine nahe verwandte Form, Aphaeno-
gaster testaceopilosa spinosa Emery, die man, wie die Messorarten,
fast überall auf Sardinien antreffen kann.
Zuerst begegnete mir das schöne Tier in der Campidanoebene
bei Oristano, etwa 7 km von der Küste. Hier im Überschwemmungs-
gebiete des Tirso fand ich es oft, und zwar meist im Ufer des Flusses,
wenn ich daselbst nach Coleopteren und anderen Arthropoden,
Schlangen und Eidechsen grub. Nie sah ich diese Ameise hier unter
Steinen, die übrigens an dieser Lokalität recht selten sind, nur zweimal
beobachtete ich, wie sich eine kleine Kolonie unter Opuntienstämmen
häuslich eingerichtet hatte. Bei Asuni, etwa 40 km von ÖOristano
entfernt, etwa 250 m hoch, findet sich unsere Spezies ebenfalls nicht
häufig; hier wohnt sie hauptsächlich unter Steinen auf den Miniatur-
tafelbergen; unten in den engen Tälern der Winterbäche findet sie
sich indes auch. Immer da, wo Bombardierkäfer (Brachynusarten)
vorkommen, da kann man auch auf Aphaenogaster sardoa Mayr
rechnen; doch ist sie nicht, wie es bei den Brachynusarten der Fall ist,
an jene alluvialen Regionen gebunden, ich fand sie auch im Gennargentu
bei Sorgono, in einer Höhe von 688 m, auf steinigem Terrain. Während
einer Exkursion von mehreren Wochen nach dem Südwesten der
Insel (Gonnesa, Fluminimaggiore) habe ich sie nicht gesehen.
Wie die Baukunst der heutigen Sarden im Gegensatz zu der der
Urbewohner (der Nuraghenzeit) eine recht geringe ist, so ist auch die
unserer Ameise recht mäßig. Ich glaube nicht, daß die Bewohner
der Tirsoufer ihre Erdhöhlen immer selbst angelegt haben, vielmehr
benutzen die meisten Kolonien schon vorhandene Höhlungen. Auch
bei jenen Kolonien unter den ÖOpuntienstämmen, die auf weicher
Erde auflagen, waren nur sehr geringe Spuren von Bautätigkeit zu
bemerken. Ähnlich verhält es sich mit jenen Kolonien, unter den
Steinen auf steinigem Terrain, hier werden die Spalten, die die Steine
bilden, als Wohnung benutzt. Eine kleine Kolonie von etwa
fünfzig Arbeitern mit etwa ebensovielen jungen Larven und mit Erde
brachte ich in ein künstliches Nest, wie ich es in der Jenenser ‚Natur-
wissenschaftlichen Wochenschrift“, 1911, beschrieben habe. Hier
bauten Arbeiter einen Damm um die mit den Larven beschäftigten
Individuen. .
Auf jeden Fall ist die Baukunst dieser Ameise keine große. Das
hängt mit der Lebensweise dieser Art zusammen, für sie genügen die
40 Dr. Anton Hermann Krausse-Heldrungen:
Elemente der Baukunst. Denn sie hat jene labyrinthischen Gänge
und Kammern nicht nötig, weder als Lager für die Larven und Puppen,
noch, wie die Messorarten, als Kornspeicher. Körner sammelt sie nicht,
sondern sie verhält sich im Winter in ihrer Höhle ganz still, die ganze
Kolonie ist zu einem großen Klumpen zusammengeballt. Gräbt man
eine Kolonie auf, so weicht die Erstarrung nur langsam. Wir haben
hier etwas Ähnliches wie den ‚‚Winterschlaf‘ der nördlichen Ameisen.
Eier, Larven und Puppen haben die zu Klumpen geballten Ameisen
im Zentrum der Klumpen, dieselben und sich untereinander mit den
Mandibeln und Tarsen festhaltend. Niemals habe ich Kolonien anders
angetroffen, als in dieser Weise. Sie brauchen keine kunstvollen
Bauten. Die Regulierung hinsichtlich der Wärme und Feuchtigkeit,
für die Brut so wichtig, geschieht durch Lockerung oder dichteres
Zusammenballen und noch einfacher durch Ortsveränderung der
ganzen Kolonie. Nur wenige Individuen hielten sich in der Nähe des
Klumpens — im künstlichen Neste — vereinzelt auf mit vorgestreckten
Antennen.
Das ist das typische Bild im Winter. Im Sommer indes war das
Verhalten ziemlich dasselbe, freilich sind da die Tiere recht flink,
sodaß sich die Klumpen recht schnell lösen und wieder vereinigen
können. Eine Kolonie fand ich unter einem großen Steine, der auf
anderen auflag, in den Spalten, ich fing eine Reihe Arbeiter und Puppen
und tat sie mit einigem erdigen Nestmaterial in eine Glasröhre. Hier
verblieben sie etwa eine halbe Stunde, bis ich nach Hause kam. Als
ich das Glasröhrchen hervorholte, hatten die so durcheinandergeworfenen
Tiere längst wieder den obligaten Klumpen gebildet, die Puppen im
Zentrum. Sie wurden nun wieder durcheinandergewürfelt beim
Hineinbringen in das künstliche Nest. Es dauerte aber nur kurze Zeit,
etwa zehn Minuten, und der Klumpen war wieder gebildet; nur wenige
Individuen schweiften im Neste umher, einige andere befaßten sich
mit dem angefeuchteten Zucker. Das alles ging mit ziemlicher Ruhe
und Langsamkeit — Ende September — vor sich. Der Kolonieklumpen
wechselte am Tage mehrere Male den Ort, bald war er mehr im Zentrum
des künstlichen Nestes, bald mehr am Rande, bald in der Nähe der
feucht gehaltenen Ecke, bald mehr davon entfernt.
Damit, daß unsere Ameise keine Körner sammelt und keine
Kammern baut, scheint mir das Fehlen der Gäste zusammenzuhängen.
So finden sich Coluocera, Merophysia, Thorictus, Oochrotus oft in
großer Anzahl hier auf Sardinien in den Nestern der Messorarten
und anderer Ameisen, bei Aphaenogaster sardoa Mayr sucht man sie
vergebens. Es spricht das dafür, daß diese Käfer in der Tat nur harm-
lose Synoeken sind, die es hauptsächlich auf die Abfallstoffe abgesehen
haben; ähnlich scheint es sich mit den Lepismen zu verhalten. Wie
mir Herr E. Wasmann $. J. mitteilte, ist in der Tat bisher noch kein
„Gast“ unserer Art bekannt; nach genaustem Durchsuchen zahl-
reicher Nester konnte ich bisher auch nichts entdecken, als jene winzige
Collembolen, die sich bei vielen Ameisen finden; den Namen der bei
Über Aphaenogaster sardoa Mayr. 41
unserer Ameise in Betracht kommenden Art habe ich noch nicht
feststellen können.
Zufälligerweise habe ich bisher die Geschlechtstiere noch nicht
zu Gesicht bekommen. Die Größe der Kolonien ist gewöhnlich nicht
sehr beträchtlich, die meisten schätze ich auf etwa 300 bis 1000
Individuen, seltener sind kleine Kolonien von etwa 50 bis 100 Indi-
viduen, noch seltener große Nester von 2000 bis 4000 Individuen.
Wie zahlreiche andere Ameisen, so bringt auch Aphaenogaster
sardoa Mayr deutlich zu vernehmende Töne hervor; darüber habe ich
im „Zoologischen Anzeiger“ 1909 und in der „Zeitschr. f. wissensch.
Insektenbiologie‘“ 1910 berichtet.
Bemerkenswert ist weiter, daß unsere Art sowohl trockene wie
feuchte Lokalitäten (Überschwemmungsgebiet des Tirso) bewohnt,
im Gegensatz zu den körnersammelnden Messorarten, die wegen ihrer
aufzubewahrenden Kömer trockene Gegenden aufsuchen müssen.
Die Klumpenkolonien unserer sardinischen Ameise erinnern
an jene „Wandermester‘ der neotropischen Dorylinen (Belt, W. Müller).
Zum Schluß möchte ich noch darauf hinweisen, daß hier in meiner
Gegend ein Dermapteron, Euborellia moesta Gene als Räuber von
Ameisenlarven verschiedener Arten auftritt (vide: „Biologisches
Centralblatt‘““ 1911); bei Aphaenogaster sardoa Mayr indes habe
ich diesen Räuber nie gefunden, auch das erklärt sich aus der Lebens-
weise dieser interessanten Ameise, jenes Dermapteron kann an die
Larven in der Mitte des Knäuls nicht herankommen ohne angegriffen
zu werden, und direkten Angriffen geht es aus dem Wege, wie die meisten
Synechthren.
Asuni, Sardinien, April 1911.
* *
*
Nachtrag.
Hinsichtlich der Geschlechtstiere der in Rede stehenden Ameisen-
art möchte ich noch kurz Folgendes bemerken. Wie mir Herr Prof.
Emery mitteilte, sind die Männchen bisher noch unbekannt. Ein
Weibchen fand ich am 11. Mai 1911 in der Nähe von Asuni, Sar-
dinien. Es handelte sich um eine alte Königin; die betroffene Kolonie
zählte kaum einige hundert Arbeiter. Sie befand sich unter einem
Steine auf steinigem Boden; von Bautätigkeit waren nur geringe
Spuren zu bemerken! In der angegebenen Zeit befanden sich ganz
junge Larven im Neste.
Bei näherer Untersuchung dieses Nestes fand ich, daß die Arbeiter
unter anderen undefinierbaren Insektenresten zwei Arbeiter einer
größeren Ameisenart, Camponotus maculatus aethiops Ltr. (det.
E. Wasmann) eingetragen hatten, sowie eine Blattwanze. -
Unsere Ameise ist ein wenig scheues, behäbiges Tier, ganz im
Gegensatz zu seiner nahen Verwandten, Aphaenogaster testaceopilosa
spinosa Emery, die äußerst flink ist.
Sorgono, Sardinien, Juli 1911.
Die Flugorgane der Hornis.
Von
Edmund Gröschel.
(Ausgeführt im Zoologischen Institute der k. k. Deutschen Universität in
Prag, mit Hilfe einer Subvention der Gesellschaft zur Förderung
deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen.)
I. Einleitung.
Da die Flugwerkzeuge der Hymenopteren, besonders die Gelenke
und Muskeln ihrer Flügel noch nie genau beschrieben worden sind,
schien es wünschenswert eine Darstellung derselben zu geben. Ihrer
Größe und Flugtüchtigkeit wegen eignet sich von den einheimischen
Formen wohl am besten die Hornis zu einer derartigen Untersuchung.
Deshalb, und weil sie in unserer Gegend leicht in größeren Mengen
erhältlich ist, wählte ich diese als mein Objekt. Ich unterließ es aber
nicht auch andere größere Arten, namentlich von Aculeaten, zum
Vergleich heranzuziehen.
In den älteren Arbeiten von Latreille (1819), Chabrier (1820),
Jurine (1820), Audouin (1820—1824), Baer (1826), und Strauß-
Dürkheim (1828) finden sich Beschreibungen des Thoraxskelettes der
Insekten, die z. T. recht gut sind. 1832 erschien das Handbuch der
Entomologie von Burmeister, welcher eine tabellarische Übersicht
der Benennungen der Thoraxskelettteile gibt. Viel Brauchbares ist
auch in den neueren allgemein entomologischen Werken von Graber
(1877), Kolbe (1893) und anderen enthalten. Die wichtigsten Arbeiten
über die Flügel sind jene von Adolph (1880) und Redtenbacher (1886).
Anatomische und flugphysiologische Angaben über verschiedene
Insekten sind von Landois (1860), Marey (1869), Pettigrew (1875),
Lendenfeld (1881—1903), Amans (1883), Voß (1905) und andren
gemacht worden. Das Endoskelett behandelte Kleuker (1883); die
Muskulatur Aubert (1853), Verson (1868), Luks (1883) und Kölliker
(1888).
Speziell über Hymenopteren besitzen wir außer den älteren Arbeiten
von Jurine (1820), Chabrier (1828), Mac Leay (1830), Gray (1860),
Staveley (1860, 1862) und Packard (1866), neuere Abhandlungen von
Adolph (1883) über die Flügel, Amans (1884) über die Flugwerkzeuge
überhaupt, und Walter (1907) und Bachmetjew (1909) über die Ein-
richtungen zur Verbindung von Vorder- und Hinterflügel.
II. Methoden.
Untersucht wurden außer der Vespa crabro noch Vespa vulgaris
und silvestris, Polistes gallica, Apis mellifica, Osmia cornuta und
Die Flugorgane der Hornis. 43
Bombus lapidarius, hortorum und silvestris. Am besten eigneten sich
zu der Untersuchung junge, eben erst ausgeschlüpfte Stücke, weil bei
diesen das Chitin nicht so hart und auch nicht so stark tingiert wie
bei älteren zu sein pflegt. Die Stücke wurden frisch verarbeitet oder
in 50 % Alkohol aufbewahrt. Lange dürfen sie aber nicht in Spiritus
liegen, da sie bei längerer Aufbewahrung selbst in diesem schwachen
Alkohol sehr hart werden.
Da der Chitinpanzer auch bei jungen Hornissen ziemlich hart
und dunkel ist, wurde das Skelett in schwacher Kalilauge aufgeweicht,
in Chlorwasser etwas gebleicht und dann erst unter dem Binocular
zerlegt. Als vorteilhaft zeigte es sich, das Objekt nach der Bleichung
trocknen zu lassen, da dabei die Festigkeit der Nähte abnimmt, so daß
man das Thoraxskelett dann leicht in seine einzelnen Bestandteile
zerlegen kann, ohne die letzteren, durch die Präparation zu beschädigen.
Die Schnittmethode ist für die Untersuchung der Skelettteile,
besonders der Gelenke, wegen der Sprödigkeit derselben wenig brauchbar
und kann nur zur Kontrolle der auf andre Weise gewonnenen Ergebnisse
dienen. Die relativ besten Skelettschnitte erhielt ich durch Aufweichen
in Kalilauge und durch sehr langsames Einbetten in Celloidin. Wichtig
ist es, daß beim Einbetten sämtliche Hohlräume ausgefüllt werden,
da zwischen dem Objekt und dem Celloidin bleibende Hohlräume ein
Zerspringen der Chitinstücke beim Schneiden zur Folge haben.
Die Muskeln wurden ebenfalls, sowohl mit Hilfe einfacher Prä-
paration unter dem Binokular als auch an Schnitten studiert. Für
sie eignet sich die Schnittmethode viel besser als für das Skelett.
Gefärbt wurden die Muskeln vornehmlich mit Delafields Häma-
toxylin und Eosin.
III. Nomenklatur.
Bei der Benennung der Teile bin ich tunlichst den früheren Autoren
gefolgt. Jedes der drei Segmente des Thorax (Pro-, Meso- und Meta-
thorax) besteht aus einem Rückenstück, zwei Seitenstücken und
einem Bruststück. Das Rückenstück nenne ich mit Burmeister
Notum (Pro-, Meso- und Metanotum); das Bruststück mit demselben
Autor Sternum (Pro-, Meso- und Metasternum); und die Seitenstücke
mit Audouin Pleura (Pro-, Meso- und Metapleura). Jedes dieser
Stücke entsteht bei der Entwicklung aus mehreren Teilen. In den
Pleuren sind diese meist noch als getrennte Platten zu erkennen.
Voss bezeichnet die vorne liegenden Platten als vordere Stücke der
Meso- beziehungsweise Metapleuren, den rückwärts liegenden Teil
derselben als hintere Stücke der Meso- beziehungsweise Metapleura.
Ich ziehe es vor wie Audouin die vorderen Episterna, die rück-
wärtigen Epimera zu nennen. Die ventralen Endoskelettstücke nenne
ich mit Strauß-Dürkheim die sternalen Apophysen (Pro-,
Meso- und Metapophysen); die dorsalen mit Kirby und Bur-
meister Phragmen. Da die letzteren sich jedoch nicht, wie die
Apophysen, in den drei Thorakalsegmenten metamer wiederholen,
will ich sie, mit Kleuker der Reihe nach Proto-, Deutero-, Trito-
44 Edmund Gröschel:
etc. phragma nennen. Die lateralen von den Pleuren nach innen ab-
gehenden Fortsätze nennt Audouin Apodeme, und da sind wieder
je nach ihrer Lage in den Segmenten Pro-, Meso- und Metapodeme zu
unterscheiden Wenn in einem Segment mehr sind als eines, können
noch nähere Bezeichnungen, wie vorderes oder hinteres (Metapodem)
hinzugefügt werden. Bezüglich der Bezeichnung der Flügeladern folge
ich Adolphund Redtenbacher. Für eine Anzahl bisher un-
benannter Teile wurden neue Namen aufgestellt.
IV. Allgemeine Bemerkungen.
Die durchschnittliche Körperlänge der Hornisse unserer Gegend
(Taf. II Fig. 37) beträgt ungefähr 25mm. Davon entfallen auf den
Thorax etwa 8,2 mm, also fast ein Drittel. Die meisten Verbindungen
der drei Thoracalsegmente miteinander sind sehr fest, und ihre gegen-
seitigen Grenzen von außen kaum zu erkennen. Die Flugmuskeln, die
im Thorax Platz finden müssen, sind sehr voluminös. Hierauf ist wohl
die bedeutende relative Größe des Thorax zurückzuführen. Die Kon-
traktionen dieser Muskeln sind sehr rasch und kräftig. Das macht
eine feste Verbindung der thorakalen Stützskelettteile notwendig.
Der ganze Körper ist so gebaut, daß sein Schwerpunkt nahe an und
etwas tiefer als die Ansatzstelle der Flügel liegt.
V. Das Skelett.
1.,Dez Protheorax..'(Taf.],-Fig.1,.2); 32,33).
Da diesem thorakalen Segment die Flüge] fehlen, ist es kleiner als
die beiden folgenden. Reißt man einer Hornis den Kopf ab, so bleibt
regelmäßig ein Teil des Prothorax, mit dem ersten Beinpaare am
Kopfe hängen. Dies zeigt, daß dieser Prothoraxteil mit der elastischen
Halshaut fester als mit den übrigen Teilen des Thorax verbunden ist.
Dieser, also abreißbare Teil des Prothorax ist der einzige Teil des
ganzen Thorax der nur lose mit den übrigen Teilen desselben zusammen-
hängt. Die übrigen Teile des Thorax bilden zusammen ein festgefügtes
Ganzes. Luks behauptet, daß der Prothorax mit dem Mesothorax
fest verbunden sei. Bei der Hornis und auch einigen andren, von mir
untersuchten Aculeaten ist das nicht so. Bei dieser sind zwischen Pro-
und Mesothorax Muskeln ausgespannt, was, falls diese beiden Segmente
verschmolzen wären, wohl kaum der Fall wäre. Was vom Prothorax
beim Abreißen des Kopfes zurück und mit dem übrigen Thorax ver-
bunden bleibt, ist das Pronotum. Der Rest, welcher mit dem: Kopfe
im Zusammenhang bleibt, besteht aus den Pleuren und dem Pro-
sternum.
Das Pronotum (Taf. I Fig. 32, 33 Prn) erscheint als ein schräg
gestellter, oben nach vorne geneigter Ring, der unten in eine Spitze
ausläuft, der zwei dreieckige Platten anliegen. Die nach rückwärts
gerichteten Ecken der letzteren reichen fast bis zu den Tegulae. Das
Pronotum liegt tiefer, als das Mesonotum. Es ist außen dicht behaart
und innen glatt. An dem dem Prosternum zugekehrten Rande finden
Die Flugorgane der Hormis. 45
sich die klappenartigen dicht behaarten Stigmendeckel. Für gewöhnlich
sind diese Klappen ihrer geringen Größe wegen von außen nicht zu
erkennen; an Querschnitten treten sie aber deutlich hervor. Neben
dem Deckel liegt innen eine gegen die Körpermitte vorragende, kurze
und schmale Leiste (Taf. I, Fig. 1, Chl). An dieser ist ein kurzer,
bandförmiger Muskel inseriert, welcher durch seine wechselnde Ver-
kürzung die Weite des vom Stigma hineinführenden Tracheeneingangs-
rohres zu verändern vermag.
Die Propleuren (Taf. I, Fig.1, 2, Pl) bilden den untern
Teil der Front des Thorax. Sie sind in der Mitte durch eine Naht
verbunden und entsenden je einen Fortsatz nach oben (Taf. I,
Fig.1,2, Pl).
Das Prosternum (Taf. I, Fig. 1, 2, St), welches zwischen
den beiden Coxen liegt, ist relativ klein. Es hat eine deltoidförmige
Gestalt, ist nach innen konvex gekrümmt und entsendet zwei platten-
förmige Fortsätze in das Innere des Prothorax, die den größten und
kompliziertesten Teil des ganzen Endoskelettes bilden.
Das Grundgerüst der Proapophyse (Taf.I, Fig. 1, 2 Pra)
besteht aus einem massiven Chitinstamm, der vorne in eine Leiste
übergeht, welche die Naht zwischen den Pleuren entlang zieht. Der
Stamm selbst erstreckt sich schief nach rückwärts und aufwärts und
teilt sich sodann in zwei plattige Äste (Taf. I Fig. 1, 2 Ap), die als
flügelförmige Anhänge erscheinen, schief gegen die Propleuren hin-
ziehen und in diese übergehen. Dem Grundgerüst sind auch schaufel-
förmige Fortsätze (Taf. I, Fig. 1, 2, Asch) angeheftet, medialwärts
nahe zusammen treten und einen Einschnitt (Taf. I Fig. 1, 2, Ar)
zwischen sich freilassen, in dem die Brustganglien liegen. Den Proapo-
physenschaufeln sind Muskeln angeheftet.
2. Der Mesothorax. (Taf.I, Fig.3, 7, 25, 32, 33).
Während bei den Orthopteren und Coleopteren, wo die Flugarbeit
hauptsächlich von den Hinterflügeln verrichtet wird, der Mesothorax
kleiner als der Pro- und Metathorax ist, ist er bei den Hymenopteren,
Dipteren und Lepidopteren, wo hauptsächlich oder allein die Vorder-
flügel verrichten, das größte thorakale Segment. Das beruht darauf,
daß er bei den fliegenden Arten dieser Familien die großen indirekten
Flugmuskeln enthält. Obwohl der Grad der Verwachsung der Teile
des Mesothorax bei den verschiedenen Hymenopterenfamilien ein
verschiedener, so erscheint er doch stets als der massivste und festeste
Teil des ganzen Thorax. Bei der Hormis ist auch die Verbindung des
Meso- mit dem Metathorax eine so feste, daß man sagen kann die zwei
Segmente seien miteinander verschmolzen.
Das Mesonotum (Taf. I, Fig. 7) ist eine große, ziemlich stark
gewölbte Chitinplatte und hat, von oben gesehen, eine halb eiförmige
- Gestalt. Vorne gegen den Prothorax hin, wo es von den spitzen Anal-
fortsätzen des Pronotums eingeschlossen wird, erscheint es etwas
zugespitzt. Sein Hinterrand (Taf. I Fig. 7, Hr), seine Grenze gegen
das Metanotum, ist ganz gerade. Seine Seitenränder und seine vordere
46 Edmund Gröschel:
Spitze sind etwas eingesenkt und es wird die Lage dieser Teile durch
eine ziemlich breite Rinne markiert. Die Innenseite des Mesonotums
zeigt den Haarwurzeln gegenüber liegende, kleine Erhebungen. An
den beiden rückwärtigen Ecken artikulieren die Tegulae. Die rück-
wärtigen Teile der Seitenränder zeigen Verdickungen und Einsenkungen
(Taf. 1 Fig. 7 G), welche am Aufbau des Flügelgelenkes Anteil nehmen.
Das Mesonotum ist bei der Hornis das größte Skelettstück des ganzen
Körpers.
Die Pleuren. Die kleine, trapezähnliche, etwas gewölbte
(konkave) Platte, die dicht vor und unter der Flügelwurzel liegt, bis
zum Mesosternum herabreicht und am Aufbau des Flügelgelenkes
teilnimmt kann als Episternum (Taf. I Fig. 25, 32 Epst, 33 Epst II)
angesehen werden. Das Epimeron (Taf. I Fig. 32 Epi) ist deutlich
erkennbar. Es liest unterhalb des Vorderflügels, hinter dem (fraglichen)
Episternum und ist mit diesem und dem Mesosternum fest verwachsen.
Der Hinterseite des Episternums und der Oberseite des Epimerons
liegen zwei stark gewölbte Platten an. Sie dienen, wie die Tegulae, zum
Schutze. Ihre konkaven Seiten erscheinen napfförmig und schließen
das Vorderflügelgelenk ein.
Das Mesosternum (Taf. I Fig. 3) ist sehr groß und hat eine
mediane Naht, die zeigt, daß es aus zwei Stücken zusammengesetzt ist.
Es bildet die untere und den größten Teil der seitlichen Bepanzerung
des Mesothorax, ist stark gewölbt und außen mit Haaren bedeckt.
Der Innenseite entragt ein stark entwickeltes Endoskelett.
Die endoskelettalen Bildungen im Mesothorax sind
sehr groß und kräftig. Vom Mesosternum erhebt sich senkrecht eine
quere Platte die Mesapophyse (Taf. I Fig. 3 Stpl), von deren beiden
oberen Ecken starke Äste (Taf. I Fig. 3 Zap) schief nach oben und
außen abgehen. Diese Äste sind durch ein Querstück verbunden und
vom Ende eines jeden”gehen zwei abgeplattete Fortsätze ab, ein
vorderer, der frei endet (Taf. I Fig. 3 Appl), und ein seitlicher der
mit dem Lateralteil des Mesosternums verwachsen ist (Taf. I Fig. 3
Apae). Das Ganze erscheint als ein Ring (Apophysenring) von annähernd
dreieckiger Gestalt, dessen Ecken durch drei plattige Chitinbalken
mit dem ventralen und den beiden seitlichen Teilen des Mesosternums
verbunden sind und von dessen Seiten zwei frei endende Fortsätze
nach vorne abgehen. Die vom Mesapophysenring abgehenden, auf- und
lateralwärts gerichteten Äste gehen analwärts in die Metapodeme über.
Sie sind an der Übergangsstelle sehr dünn und elastisch, so daß sie jedem
von den Muskeln ausgeübten Zuge folgen können. Der Apophysenring
steht senkrecht. Der Brustteil der Bauchganglienkette und das Schlund-
rohr gehen durch ihn hindurch. Die Meso- und Metapophyse liegen
sehr nahe beisammen, die letztere dicht hinter der ersteren. Es sind
drei Mesapodeme auf jeder Seite vorhanden, ein vorderes, ein mittleres
und ein hinteres. Das vordere (Taf. I Fig. 3 Vap) zieht an den Seiten
des vorderen Teiles des Mesosternums herab, ist oben breit, ver-
schmälert sich aber nach unten und geht in eine Querleiste des ventralen
Teiles des Mesosternums über, die es mit der zum Apophysenring auf-
Die Flugorgane der Hornis. 47
steigende Platte verbindet. Das mittlere Mesapodem entspringt unter
der Flügelwurzel. Es ist schräg nach unten und rückwärts gerichtet
und reicht nur bis zur Mitte des Mesothorax hinab. Das hintere Mesa-
podem erstreckt sich nach unten und vorne und läuft in eine medial-
wärts umgebogene Spitze aus, die in der Nähe des Vorderrandes der
Coxen liegt.
Das Endoskelett des Mesothorax dient nicht nur den Flugmuskeln
zum Ansatz. sondern erhöht auch die Festigkeit des Mesothorax und
des ganzen Thorax in erheblichem Maße. Der Umstand, daß das Endo-
skelett im Mesothorax viel höher entwickelt ist als im Metathorax
entspricht der Tatsache, daß der Vorderflügel größer ist und mehr
Arbeit leistet als der Hinterflügel.
3. Der Metathorax. (Taf.I Fig. 4, 8, 9, 10, 24, 32, 33)
Der Metathorax ist viel kleiner als der Mesothorax. An dem Aufbau
seines Skelettes nehmen außer dem Notum, den Pleuren und dem
Sternum drei weitere, eigentlich zum Abdomen gehörige Stücke, zwei
gewölbte Platten, die die Analwand des ganzen Thorax bilden, und
ein schmaler Grenzring teil.
Das Metanotum (Taf.I Fig. 4 Hıst, 8) ist fest mit dem
Mesonotum verbunden. Es ist gewölbt, außen stark haarig, und hat
in der Mitte einen seichten Einschnitt. Lateral biegt es im scharfen
Winkeln um. Der hintere Randteil weist zwei Gelenkflächen auf,
eine kleine, nach hinten konvexe (Taf. I Fig. 8 Pf II) und eine große,
nach hinten konkave (Taf. I Fig. 8 P£ J).
Die Mesopleuren im Metathorax sind nur die Episterna
(Taf. I Fig. 3 Epst III, 32 Epst mg, 33, Espt III) entwickelt. Sie liegen
der Flügelgelenkshöhle an und tragen Fortsätze, die episternalen
Gelenkplatten, welche am Aufbau des Gelenkes Anteil nehmen. Sie
sind oben breit und laufen unten in Spitzen aus.
Dieht hinter dem Episternum jeder Seite liegt eine kleine, etwas
undeutliche Platte, die vermutlich zum ersten Abdominalsegment
gehört. Sie bildet den Deckel des Stigmas des ersten Abdominal-
segmentes. Die anale Panzerplatte (Schlußplatte, Taf. I Fig. 4 Abpl)
des Thorax gehört gleichfalls dem ersten Abdominalsegment an. Sie
ist an den Seitenrändern nach vorne gebogen und in der Mitte ein-
gesenkt.
Zwischen diesem Stück und dem Metanotum liegt ein Chitinring,
der vorne in der Mitte verbreitert ist und nach rückwärts in eine
Spitze ausläuft. Im vorderen Teil jeder Seite finden sich eine Ein-
senkung und ein Fortsatz, die an dem Aufbau des Hinterflügelgelenkes
Anteil nehmen.
Das Metasternum (Taf. I, Fig. 4 Mtst) ist eine völlig kreis-
runde Platte, die außen eine mediane, ziemlich hohe Leiste trägt. An
den Seiten dieser Leiste sind die Beine inseriert. Das Metasternum ist
an den Seiten (rechts und links) bis zur halben Höhe des Thorax hinauf
gebogen und bildet so nieht nur den ventralen, sondern auch die unteren
48 Edmund Gröschel:
Partien der lateralen Teile des Panzers des Mesothorax. Dort wo der
ventrale Teil in die seitlichen Teile umbiegt, finden sich Chitinwülste.
Das Endoskelett des Metathorax (Taf. I Fig. 4, 24) ist sehr
einfach gebaut. Der Vorderrand des Metasternums ist verstärkt und
nach innen ein wenig umgeschlagen. Sein mittlerer, mit einer medianen
Furche ausgestatteter Teil bildet den Stamm der Metapophyse. Diese
trägt zwei, rinnenartig ausgehöhlte Äste, (Taf. I, Fig. 4 Apae) welche
in flügelförmige, vom Episternum nach Innen ragende Platten über-
gehen.
Vorne findet sich jederseits ein breites, aber kurzes, spindelförmiges
Apodem (Taf. 1 Fig. 4 Vap), welches unterhalb des Flügelgelenkes
entspringt, und von hier nach abwärts zieht. Dicht hinter diesem
liegt ein zweites, rückwärtiges Apodemenpaar (Taf. I Fig. 4 RAp).
Diese Apodeme tragen flügelartige Platten und erstrecken sich nach
unten bis zum Vorderrand des Metasternum. Von dorsalen Fort-
sätzen sind zwei vorhanden. Dem Vorderrande des Metanotums
entragt ein schief nach rückwärts gerichtetes Deuterophragma (Taf. I,
Fig. 4 Ph). Dasselbe ist in der Mitte schmal, gegen die Seiten hin jedoch
stark verbreitert. Dem Hinterrande des Metanotum entragt das Trito-
phragma. In Gestalt eines Chitinbandes von gleichbleibender Breite
erstreckt sich dieses, der Innenseite des Mesanotums folgend, nach
vorne. An den Hinterrand des Metanotums ist — an zwei Stellen —
eine Chitinmembran, das Diaphragma (Taf. I Fig. 24) geheftet die
weit ins Innere ragt. An dieser Chitinmembran inserieren die beiden
indirekten, Längsmuskeln. Auch von der Analwand des Thorax ragen
endoskelettale Bildungen ins. Innere. Oben finden sich schräg nach
Innen gegen die Flügelgelenkshöhlen ziehende Platten (Phragmen).
Unten liegt eine apophysenartige, mit kurzem Stamm sternal ent-
springende, in zwei starke Aste auslaufende Skeletbildung.
VI. Die Flügel und ihre Gelenke.
Dieser Abschnitt zerfällt in acht Teile, je vier für die Vorder- und
Hinterflügel. In den vier, zu jedem der beiden Flügelpaare gehörigen
Abschnitten werden 1. die Tegulae (Schulterdecken, Scapulae),
2. die Flügel, 3. die Pteralia, das sind die kleinen zu den Gelenken
gehörigen, zwischen Flügel und Thorax gelegenen Stücke und 4. jene
Thoraxteile behandelt, welche an der Gelenkbildung teilnehmen.
1. Die Tegulae.
Die Tegulae sind hochgewölbte, nach außen konvexe Platten,
welche die Gelenke der Vorderflügel bedecken. Sie sind vor den
Flügelgelenken am Thorax befestigt und mit diesem gelenkig verbunden.
Das Tegula-Gelenk besteht aus einer Rinne in die der Proximalrand
der Tegula eingreift. Die Tegula wird durch zwei kleine Muskeln,
einen Heber und einen Senker auf und ab bewegt.
Die Flugorgane der Hornis. 49
2. Die Flügel.
Vorder- und Hinterflügel derselben Seite sind miteinander ver-
bunden. Diese Verbindung wird hergestellt durch eine Reihe, am
Vorderrande des Hinterflügels sitzender Hacken, welche in eine Rinne
am Hinterrande des Vorderflügels eingreifen. Die also verbundenen
Flügel derselben Seite scheinen sich ausnahmslos zusammen und gleich-
artig zu bewegen, so daß sie mechanisch wie ein einziger Flügel wirken.
Die Flügel sind Chitinmembranen, welche durch stärkere Chitinröhren
(Adern) versteift erscheinen. Sie sind, namentlich in ihrem Grundteil,
längsfaltig. Die stärksten und wichtigsten Versteifungsröhren verlaufen
in den nach oben ragenden, hochliegenden Grenzen zwischen den
Falten. (Konvexadern)
A. Die Vorderflügel (Taf. I Fig. 5, 6, 11—13, 26, 32; Taf. II,
Fig. 37).
Der Vorderflügel ist größer und dementsprechend auch reicher
an Adern als der Hinterflügel. Seine horizontale Flächenausdehnung
ist ungefähr doppelt so groß als jene des Hinterflügels. Er ist am Grunde
ziemlich schmal, distal verbreitert er sich. In seinem schmalen Basal-
teile liegen die Längsadern nahe beieinander.
Der Vorderflügel der Hornis (Taf. I Fig.26) hat vier Längs-
stammadern, vorne, am Rande, die Costalader (c), dicht dahinter die
Radialader (R), in der Mitte die Cubitalader (Cu) und dicht dahinter
die Analader (An). Die Cubitalader spaltet sich ziemlich bald in einen
vorderen (Cu I) und einen hinteren (Cu II) Ast, die beide auch Längs-
adern sind. Die proximale Hälfte des Flügels wird nur durch diese
Längsadern versteift; in seiner distalen Hälfte findet sich ein grobes
Netz etwas schwächerer Versteifungsröhren (Cubitalqueradern (Cuqu),
Discoidalader (Dis), und Discoidalqueradern (Disqu 1, II). Die relativ
geringe Zahl der Adern weist auf eine bedeutende Entwicklungshöhe
dieses Flugorgans hin.
Costal- und Radialader sind am Flügelgrunde derart um einander
gedreht, daß am äußersten proximalen Flügelende der Radius vor
der Costa zu liegen kommt. Der basale um die Costa herumgewundene
Teil des Radius liegt in einer tiefen, rinnenförmigen Einsenkung der
Costa und ist fest mit dieser verbunden (Taf. I Fig. 11). Er ist zu-
gespitzt und trägt vorne eine gewölbte Lamelle. Die letztere (Taf. I
Fig. 11 L) steht in Verbindung mit einem nach innen vorgewölbten
Stück, in dessen äußere Höhle (Taf. I Fig. 11, N) ein hackenförmiger
Fortsatz des Pterale C eingreift. Mit diesem Stück ist außerdem ein
dünnes, nach außen etwas konvexes Chitinschildehen verbunden, das
sich über einen Teil des Gelenkes ausbreitet und, wie die Tegula, zum
Schutze desselben dient. Der aus den basalen Endteilen der Costa
und des Radius zusammengesetzte Grundteil des Flügels trägt Wülste
mit vorragenden Riefen und muldenförmigen Einsenkungen und
stößt unmittelbar an die Pteralia. Die Cubitalader nimmt am Aufbaue
des Gelenkes keinen Anteil. Die Analader trägt an ihrem Proximalende
Archiv für Naturgeschichte
1911. 1. 1. Suppl. 4
50 Edmund Gröschel:
einen Hacken (Taf. I, Fig. 5), mit einem langen, stark verdickten
Fortsatz. Der Hacken greift in eine pfannenartige Einsenkung eines
kleinen Chitinstückes ein, das unterhalb des Flügelgrundes liegt. Dieses
Stück (Taf. I Fig. 12, 13), welches ich Pterosteum nenne, ist ganz
schwarz. Von seiner Außenseite erheben sich zwei hügelförmige Vor-
ragungen. Seine Innenseite ist konkav. Die Höhlung dieser Konkavität
wirdvon einer Membran ganz überspannt. Das Pterosteum des Vorder-
flügels ist durch ein elastisches Chitinband mit dem Radius und durch
Sehnen mit dem Pteralen A und B verbunden.
B. Die Hinterflügel (Taf.I Fig. 23, 27,32; Taf. II Fig. 37).
Die horizontale Ausdehnung des Hinterflügels ist nur halb so
groß wie jene des Vorderflügels und es hat der hintere Flügel auch
weniger Adern als der vordere. Am Grunde des Hinterflügels sind
wohl dieselben vier Längsadern wie am Vorderflügel erkennbar (Taf. I
Fig. 27, C, R, Cu An), es ist aber das distale Adernetz rudimentär.
Costa und Radius treten an der Flügelbasis eng zusammen und ver-
einigen sich distal. In der Gegend dieser Vereinigungsstelle trägt die
erstere 29—32 Hacken, die in den eingebogenen Hinterrand des Vorder-
flügels eingreifen.
Das Gelenk des Hinterflügels (Taf. I Fig. 23) ist jenen des Vorder-
flügels ähnlich, aber viel zarter. Der Costateil desselben (Ct) ist nach
außen stark konvex und hat hinten einen Fortsatz und vorne eine Ein-
senkung. Der Radiusteil ist kleiner, oben halbkugelig gewölbt, und
zeigt eine Einsenkung auf der der Flügelspitze zugekehrten Seite. Beide
Stücke sind kahl. Das frei, mit den basalen Analaderstück verbundene
Pterosteum des Vorderflügels hat am Hinterflügel kein Homologon.
3. Die Pteralıa,
Zwischen den Flügelwurzeln und dem Thorax liegen verschieden
gestaltete, chitinige Körperchen, die den Carpalia der Wirbeltiere
analog sind. Ich benütze für sie die von Ritter eingeführte Be-
zeichnung Pteralia.. Nach Abnahme eines Flügels liegen die zu ihm
gehörigen Pteralia offen da. Sie werden durch eine elastische Chitin-
haut verbunden und können als lokale Verdickungen und Ver-
härtungen dieser Haut angesehen werden. Zusammen bilden die Pte-
ralia jeden Flügels eine Reihe. Zu jedem Flügel gehören dr ei Pteralia.
Die drei Pteralia des Vorderflügels bezeichne ich fortlaufend von oben
ne unten, mit A, B und C; jene des Hinterflügels ebenso, mit a,
und c.
A. Die Pteralia des Vorderflügels (Taf. I Fig. 14—16,
19, 20, 32).
Das Pterale A (Taf.I Fig. 14, 32 A) ist länglich platt, und
medial konvex homartig gebogen. Von der Seite gesehen erscheint
es sichelförmig. Seine Innen- und Außenränder sind verdickt. Es ist
an beiden Enden zugespitzt. Die Außenrandverdiekung erscheint als
Die Flugorgane der Hornis. 51
eine kantige Leiste. An den Hinterrand schließt sich eine, nach Außen
konvexe Chitinlamelle (Taf. I, Fig. 14 Chl) an. An der Unterseite
tritt eine Leiste (Taf. I Fig. 14 L) hervor, die sich gabelt und deren
Gabeläste einen Fortsatz des Pterale © zwischen sich fassen.
Das Pterale B (Taf.I Fig. 15, 16, 32 B) liegt tiefer und weiter
rückwärts als das Pterale A. Es besteht aus zwei Teilen, einem herz-
förmigen (Taf. I Fig. 15 H) und einem kurzen massiven (M). Der herz-
förmige Teil hat auf der Vorderseite eine tiefe Höhlung, die ganz von
Muskeln ausgefüllt ist. Von der Hinterseite, an der Grenze zwischen
beiden Teilen, ragt eine Leiste vor. Das Pterale B ist durch Membranen,
beziehungsweise Sehnen mit dem flügelähnlichen Fortsatze des Ptero-
steums, mit der Innenseite des Pterale A, und mit dem proximalen
Endteile der Analader verbunden.
DasPteraleC (Taf. I Fig. 19, 20, 32 C) ist das größte und festeste
von allen. Es besteht aus einem Zentralkörper, von dem distal zwei
schlanke Fortsätze, proximal ein breiterer Fortsatz abgehen. Der
letztere ist fast rechtwinkelig geknickt. Sein Endteil erscheint als eine
Art Stiel (Taf. I Fig. 20 St). An der Knickungsstelle ist dieser Fort-
satz verdickt. (Ch R) Diese Verdickung liegt zwischen zwei Vorragungen
des Mesonotums, die Spitze (der Stiel) in der Leistengabel an der
Innenseite des Pterale A. Die distalen Fortsätze (A I, A II) sind ge-
bogen. Beide reichen bis zum Grundteil der Radialader. Die Spitze
des vorderen greift in eine Einsenkung desselben ein.
Außer dieser Pteralia ist noch ein im Vorderwinkel der Flügel-
gelenkhöhle gelegenes, bei der Flugbewegung vermutlich mitwirkendes
Chitinstück (Taf. I Fig. 25 g) zu erwähnen, dessen Zugehörigkeit zu
den Pteralien der Reihe zweifelhaft erscheint. Es erscheint als ein,
nahe dem einen Ende stark geknicktes Band und ist an das Episternum
angeheftet. Der längere Teil ragt über die Episternalplatte hinaus,
sodaß er wenn man den Flügel hebt, sichtbar wird. Es ist durch eine
elastische Haut mit dem Schutzschilde des Grundstückes der Radial-
en verbunden. Ich nenne dieses Stück das Gonosteum des Vorder-
ügels.
B. Die Pteralia des Hinterflügels.
Die Pteralia der Hinterflügel liegen nicht so regelmäßig über
einander, wie jene der Vorderflügel, denn es sitzt von den ersteren jedes
folgende nicht nur tiefer sondern auch etwas weiter vorne als das
vorhergehende.
Das Pteralea (Taf. I, Fig. 21, 22, 32 a) liegt dicht unter dem
Grundteil der Radialader, steht senkrecht zur Medianebene und ist
mit der Analader verbunden. Es ist länglich, leicht gebogen, läuft an
beiden Enden in Zapfen aus und trägt in der Nähe des einen einen
kurzen Fortsatz. Der eine Endzapfen (Taf. I Fig. 22 Z), schiebt sich
in den Winkel der Analader ein, der andere geht in eine häutige Lamelle
über. Von dem mittleren Teil des Pterale a geht eine Lamelle ab,
die sich nach vorne wendet. An dieser Lamelle inseriert eine Muskel-
sehne.
4*
52 Edmund Gröschel:
Das Pterale b (Ta£.I Fig. 17, 18, 32 b) ist ein starkes hammer-
förmiges Chitinstück. Der Hannerkopf ist nach außen gebogen und
ziemlich breit. Seine Enden sind ziemlich schlank und abgerundet.
Das eine, kürzere, ist gegen das Pterale a, das andere, längere, gegen
das Pterale e gerichtet. Vom mittleren Teile des Stiels erhebt sich
ein gewölbter, flügelartiger, lamellöser Fortsatz (Taf. I Fig. 17, 18 FI£),
dessen konkave Seite nach außen gewendet ist. Das Pterale b ist mit
den Pteralia a und ce durch Sehnen verbunden. — Das Pterale ec
(Taf. I Fig. 28, 29, 32 c) ähnelt dem Pterale © des Vorderflügels. Seine
Außenseite ist konkav, seine Innsenseite flach. Oben läuft es in eine
Spitze aus, die durch einen tiefen Einschnitt von dem Rest seines
Körpers abgetrennt erscheint. Das untere Ende ist massiv. Es liegt
tiefer als das Pterale b, dessen flügelartiger Fortsatz in seine Aus-
höhlung hineinragt.
Wie im Vorderflügel findet sich auch im Hinterflügel am Grunde
ein Chitinstück (Taf. I, Fig. 30, 31), welches außerhalb der Pteralien-
reihe liest. Es ist am Vorderende der Flügelgelenkhöhle befestigt
und erscheint als ein starkes Plättchen mit einem nach rückwärts
gerichteten, rinnenförmigen, terminal schwach verdickten Stiel. An
das Plättchen ist eine stark chitinisierte Muskelsehne geheftet. Dieses
Chitinstück ist offenbar dem Gonosteum des Vorderflügels homolog;
ich nenne es das Gonosteum des Hinterflügels.
4. Die Thorakal-Gelenkstücke.
A. Die zu den Vorderflügeln gehörigen.
An der Bildung der Gelenkhöhlen der Vorderflügel nehmen folgende
thorakale Teile teil: das Pronotum, dessen anale Spitzen bis zu den
Ansatzstellen der Tegulae reichen; das Mesonotum mit seiner tiefen
Randrinne und der flachen Vertiefung seines Hinterrandes; das Epi-
sternum und das Epimeron. Von dem Hinterrande des Episternums
und dem oberen Rand des Epimerons ragen Platten auf, die einerseits
die Vorderflügelgelenke schützen und andrerseits durch pfannen-
förmige, nach innen gerichtete Einsenkungen am Aufbau dieser Gelenke
Anteil nehmen. Die Hinterwände der Gelenkshöhlen der Vorderflügel
werden von der Vorderseite des Metanotums gebildet. Ihre Vorder-
wände bestehen aus Teilen des Pronotums, des Mesonotums und des
Episternums. Den größten Anteil an der Bildung der letzteren hat das
Mesonotum, dessen rückwärtiger Teil einen plattenartigen Fortsatz,
die Tergalplatte (Taf. I Fig. 7 Tgpl) trägt. Letzterer ist eine Gelenk-
pfanne mit 2 vorstehenden Zapfen eingesenkt. Durch diese Pfanne
ist die Tergalplatte mit dem Pterale C gelenkig verbunden. Auch
dem Episternum ist eine Gelenkpfanne eingesenkt.
Der größte Teil des Bodens der Gelenkhöhle wird von der Tergal-
platte des Mesonotums und dem Vorderteil des Metanotums gebildet.
Zwischen diesen lückenlos aneinandergeschlossenen Teilen und der
episternalen Gelenkpfanne findet sich ein schmaler Spalt, durch den
die Sehnen der direkten Flugmuskeln in die Gelenkhöhle emtreten.
Die Flugorgane der Homis. 53
B. Diezu den Hinterflügeln gehörigen.
An die Gelenke der Hinterflügel reichen Teile des Metanotum
und der Metapleuren heran. Vorne und außen werden die Gelenk-
höhlen der Hinterflügel vom Hinterrande des Metanotum begrenzt.
Die an die Gelenke anstoßenden Metanotumteile sind innen glatt außen
behaart und decken und schützen die Hinterflügelgelenke wie die
Tegulae die Vorderflügelgelenke. Die hinteren Ränder der Gelenk-
höhlen werden vom Hinterrandring des Metanotums gebildet. Dieser
hat lateral jederseits eine kleine, flache Mulde mit je einem gegen die
Flügel gerichteten Fortsatz. Die Böden der Gelenkshöhlen entsprechen
in ihrem Baue den Böden der Gelenkshöhlen der Vorderflügel.
vH. Die Muskeln.
Die Flugmuskeln der Hornis sind zweierlei Art: große, mittelbar
wirkende, sehnenlose, welche zwischen verschiedenen Teilen des Thorax
ausgespannt sind; und kleine, unmittelbar wirkende, am Distalende
in eine Sehne übergehende, welche zwischen einem Thoraxteil und
einem Teil des Flügelgelenkes ausgespannt sind. Die ersteren nenne
ich, mit Ritter, die indirekten, die letzteren die direkten Flug-
muskeln.
l. Die indirekten Flugmuskeln (Taf. II Fig. 34, 36, 39).
Die indirekten Flugmuskeln sind sehr groß und füllen den größten
Teil des Meso- und Metathorax aus. Es sind zwei Paare von solchen
Muskeln vorhanden: ein Paar zunächst der Medianebene gelegener
Längsmuskeln und ein Paar lateral gelegener Quermuskeln.
DieindirektenLängsmuskeln (Taf. II Fig. 34, 36 M,)
sind vorne am Protophragma und rückwärts am Diaphragma inseriert.
Das Diaphragma ist eine an beiden Seiten mit dem Metanotum ver-
bundene, in der Mitte aber freie Chitinplatte. Diese Muskeln sind der
eigentliche Flügelsenker. Zwischen den beiden Längsmuskeln liegt das
Herz.
Die indirekten Quermuskeln (Taf. II Fig. 36, 39 M,)
sind oben am Mesonotum und am Vorderrande des Metanotums, unten
am Mesosternum inseriert. Diese Muskeln sind die eigentlichen Flügel-
heber.
2. Die direkten Flugmuskeln (Taf. II Fig. 35, 38, 40).
Während die oben beschriebenen, indirekten Muskeln alle vier
Flügel, sowohl die beiden Vorderflügel als auch die beiden Hinter-
flügel zugleich heben und senken, wirken die direkten Muskeln nur auf
je einen Flügel ein. Jeder Flügel hat seine eigene Gruppe von direkten
Muskeln.
Die indirekten Muskeln sind meist flach, fiederförmig. Jeder
läuft distal in eine zylindrische oder bandförmige Sehne aus, welche
sich an einem Pterale oder einem thorakalen Gelenkteil ansetzt.
54 Edmund Gröschel:
A. Die direkten Muskeln der Vorderflügel.
Zu jedem Vorderflügel gehören sechs direkte Flugmuskeln; alle
liegen ganz lateral im Mesothorax. Ihrer lateralen Lage wegen nenne
ich diese Muskeln mesothorakale Lateralmuskeln und unterscheide
die sechs durch angehängte Zahlen.
Der Musculus lateralis mesothoracis primus
(Taf. II Fig. 35, 40, M,) ist hinter dem vorderen Mesapodem dem
Mesosternum angeheftet. Er ist breit, kurz, fiederförmig und geht in
eine lange, zylindrische, chitinige Sehne über, die zum Flügelgelenk
hinaufzieht. Dort teilt sie sich in zwei weiche und elastische Äste,
von denen einer am Gonosteum inseriert, der andere aber an der Unter-
seite des Grundteiles der Radialader in ein Ligament übergeht. Durch
die Wirkung dieses Muskels wird das Gonosteum nach oben und der
Flügel vorwärts bewegt und gehoben.
DerMuseuluslateralis mesothoracissecundus
(Taf. II Fig. 35, 40, m,) liegt höher und weiter lateral als der erste.
Er entspringt am Mesosternum, und ist fiederförmig, abgeplattet und
ziemlich breit. Nach oben hin (distal) verschmälert er sich und geht
dann in eine kurze, bandförmige, weiche Sehne über, die mit dem,
zwischen den Pteralia B und Ü ausgespannten Ligament verschmilzt.
Der Musculus lateralis mesothoracis tertius
(Taf. II Fig. 35, 40 m,) liegt weiter rückwärts als der erste. Er ent-
springt vom Mesopleurum, ist schmal und geht in eine ziemlich lange,
weiche, bandförmige Sehne über, die zum Pterale B zieht.
Der Musculus lateralis mesothoracis quartus
(Taf. IL Fig. 35, 40 m,) ist der kräftigste von allen direkten meso-
thorakalen Flugmuskeln. Der größere Teil desselben entspringt am
Mesopleurum, ein kleiner Teil vom Mesosternum. Er ist sehr lang,
fiederförmig, und geht in eine kurze, bandförmige Sehne über, die mit
der Spitze des Vorderrandes des Metanotums verbunden ist. Durch
ihn werden das Mestanotum und weiterhin da Pterale C gesenkt.
Der Musculus lateralis mesothoracis quintus
(Taf. II Fig. 35, 40 m,) entspringt hinter der Mesapophyse vom Meso-
sternum. Er ist fiederförmig, schmal, und geht in eine lange Sehne
über, die an einem Chitinstab inseriert, welcher durch ein breites
Ligament mit dem Pterale B verbunden ist. Dieser Muskel ist ein
Rückzieher des Flügels.
Der Musculus lateralis mesothoracis sextus
entspringt am Mesapophysenaste derselben Seite, ist flach, und geht
in eine bandförmige Sehne über, die zum Flügelgelenk emporzieht.
B. Die direkten Muskeln der Hinterflügel (Taf. II
Fig. 38).
Die Hinterflügel sind mit drei direkten Flugmuskeln ausgestattet,
die sämtlich im Metathorax liegen. Diese Muskeln nenne ich, ent-
sprechend den mesothorakalen, oben aufgeführten, die metathorakalen
Lateralmuskeln und unterscheide sie ebenfalls durch Zahlen.
Die Flugorgane der Hornis. 55
Der Musculus lateralis metathoracis primus
entspringt am Metasternum zwischen dem vorderen Apodem und dem
Aste der Metapophyse. Es ist ein ziemlich kräftiger, fiederförmiger
Muskel, der in eine sehr lange, zylindrische, chitinisierte Sehne über-
geht. Die letztere ist der Unterseite des Gonosteums des Hinterflügels
angeheftet.
DerMusculuslateralis metathoracissecundus
entspringt hinter dem vorderen Apodem vom Metathorax. Er ist
klein. Seine Sehne inseriert am Pterale b.
Der Musculus lateralis metathoracis tertius
entspringt am rückwärtigen Apodem, ist kräftig, aber kurz und geht
in eine Sehne über, welche am Pterale a inseriert.
VII Die Flügelbewegung.
Verkürzen sich die indirekten Längsmuskeln so wird das Dia-
phragma nach vorne und etwas nach oben gezogen. Da dieses mit
seinen beiden Enden am Metanotum angewachsen ist, muß letzteres
der Bewegung des Diaphragma folgen. Dabei zieht es die damit ver-
bundenen Pterale b, B, ce und Ü mit, wodurch alle vier Flügel gesenkt
und nach rückwärts bewegt werden. Die beiden indirekten Quer-
muskeln sind die Antagonisten der beiden indirekten Längsmuskeln.
Durch ihre Verkürzung werden die Nota des Meso- und Metathorax
gegen die gegenüberliegenden Sterna herabgezogen und die mit den
letzteren verbundene Pteralia C und c gesenkt. Auf die Flügel über-
tragen, welche sich jetzt wie zweiarmige Hebel um die fixen Pteralia A
und a bewegen, bewirkt das eine Hebung und Vorwärtsbewegung
Die Hauptbewegungen der Flügel und der allergrößte Teil der eigent-
lichen Flugarbeit — wenn nicht die ganze — beruhen auf der wechsel-
weise erfolgenden Zusammenziehung der indirekten Muskeln.
Die indirekten Muskeln rufen durch ihre Verkürzungen nur unbe-
deutende Änderungen in der Lage und Bewegungsrichtung der Flügel
hervor und verrichten hauptsächlich oder ausschließlich die Arbeit
des Steuerns. Die erste mesothoracale Lateralmuskel hebt durch seine
Verkürzung das Gonosteum und breitet dadurch wohl den, in der
Ruhelage einfach längs gefalteten Vorderflügel aus. Er zieht ihn auch
nach vorne. Der zweite mesothorakale Lateralmuskel dürfte den Flügel
aufwärts und rückwärts ziehen, ebenso der dritte, während der vierte
am Pterale © inserierte, ihn senkt. Der fünfte dürfte den Flügel nach
aufwärts und rückwärts, der sechste ihn nach aufwärts bewegen.
Überdies werden sicherlich diese Muskeln auch den Grad der Torsion
des Flügels beeinflussen.
Der erste metathorakale Lateralmuskel, zieht das Gonosteum
des Hinterflügels nach abwärts, und dürfte dadurch zur Flügelentfaltung
beitragen. Der zweite dürfte den Hinterflügel decken, der dritte ihn
heben. Alle drei werden gewiß auch seine Torsion zu verändern im
Stande sein.
Wesentlich wird die Bewegung des Hinterflügels auch durch
56 Edmund Gröschel:
seine Verbindung mit dem Vorderflügel (Hackenreihe-Rinne) be-
einflußt werden, weil er infolge dieser Verbindung von diesem, wenn
er sich bewegt, sozusagen mitgenommen wird.
IX. Luftsäcke.
In einer gewissen Beziehung zur Flugtätigkeit dürften auch die
sackförmigen Erweiterungen der Tracheen stehen, die vermutlich den
Luftsäcken der Vögel analog sind. Bei der Homis liegt der größte
thorakale Luftsack hinter dem Diaphragma, zwischen diesem und
den, das‘ letzte Beinpaar und das Abdomen bewegenden Muskel-
gruppen. Im Abdomen finden sich ebenfalls Luftsäcke d. h. geräumige
Erweiterungen der Tracheenröhren.
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XI. Tafelerklärung.
Tafel I.
Fig. 1. Skelett des Protothorax von | IH Intersegmentale Haut.
vorne. Das Pronotum ist abgenommen. | Pl Propleuren.
Vergr. 12: 4. PIF Pleurenfortsätze.
Ap Flügelförmige Anhänge der | Pra Proapophyse.
Proapophyse. St Prosternum.
Ar Einschnitt zwischen den { ;
schaufelförmigen Proapo- Fig.2. Skelett des Protothorax
von rückwärts. Das Pronotum ist
hysen-Anhä e
physen angen abgenommen. Vergr. 12:4,
Asch Schaufelförmige Anhänge der
Proapophyse. Ap Flügelförmige Anhänge der
Chl Chitinleiste. Proapophyse.
Cx Ansatzstelle des ersten Bein- | Ar Einschnitt zwischen den
paares. schaufelförmigen Proapo-
H Halsöffnung. physen-Anhängen.
Hz Halszapfen.
Die Flugorgane der Hornis.
Asch Schaufelförmige Anhänge der
Proapophyse.
Cx Ansatzstelle des ersten Bein-
paares.
IH Intersegmentale Haut.
Hz Halszapfen.
1a! Propleuren.
PIF _Pleurenfortsätze.
Pra Proapophyse.
St Prosternum.
Stw Wülste des Sternums.
Fig. 3. Skelett des Mesothorax von
vorne. Das Mesonotum ist abgenommen.
Vergr. 12: 4.
Apae Seitliche Apophysenzweige.
Appl Vordere Apophysenzweige.
Mst _Ventraler Teil des Mesosternum.
Sch Schiene.
Stpl Laterale Teile des Mesosternum.
VAp Vorderes Apodem.
Zap Primäre Äste der Mesapophyse.
Fig. 4. Skelett des Metathorax von
vorne. Vergr. 11:7.
Abpl Abdominale Schlußplatten.
Apae Apophysenäste.
Cr Crista.
G Gelenkbildung.
Hrst Hinterrandstück des Meta-
notum.
Mtst Metasternum.
Ph Deuterophragma.
RAp Rückwärtiges Apodemenpaar.
VAp Vorderes Apodemenpaar.
ve Vorderrand des Metasternums.
Fig. 5. Hakenförmiges Proximal-
ende der Analader des Vorderflügels
von rückwärts. Vergr. 34: 6.
Fts Chitinfortsatz, der in die Pfanne
des Pterosteums eingreift.
HF]I Häutiger Flügel.
Fig.6. _Gonosteum des Vorder-
flügels von oben. Vergr. 106.
A Ansatzstelle am Episternum.
59
Fig. 7. Rückwärtiger Teil der linken
Hälfte des Mesonotums von der Seite
(außen). Vergr. 8.
G Gelenkbildungen.
Hr Hinterrand.
Pph Proterophragma.
Rr Randrinne.
Tgpl Tergalplatte.
Fig. 8. Rechte Hälfte des Meta-
notums von rückwärts. Das Dia-
phragma ist abgenommen. Vergr. 11: 8.
Hr Hinterrand.
Pf I Große, nach hinten konkave
Gelenkfläche.
PfIT Kleinere, nach hinten konvexe
Gelenkfläche.
Trph Tritophragma.
Fig. 9, 10. Metanotum. Vergr. 12.
Fig. 9. von rückwärts.
Fts Fortsatz.
Pf Pfanne.
Fig. 10 von vorne.
Fts Fortsatz.
Pf Pfanne.
Fig. 11. Grundteil des Vorder-
flügels. Vergr. 25.
C Costa.
HFI hHäutiger Flügel.
L Lamelle.
N Näpfehen, in welches ein
Fortsatz des Pterale C hinein-
reicht.
R Radius.
% Verwachsungsstelle mit Pterale
C.
Fig. 12, 13. Pterosteum des Vorder-
flügels. Vergr. 24: 3.
Fig. 12 von innen.
Löffelförmiger Fortsatz.
Umgebogener Rand.
Pf
R
Fig. 13 von außen.
Löffelförmiger Fortsatz.
Umgebogener Rand.
Pf
R
60
Fig. 14. Pterale A des Vorderflügels
von innen. Vergr. 38.
Chl Nach außen konvexe Chitin-
lamelle.
L Leiste, in deren Gabelung eine
Chitinspitze des Pterale C
liegt.
Fig. 15, 16. Pterale B mit einem Teil
des Vorderflügels.. Vergr. 28.
Fig. 15 von innen.
F Proximaler Endteil der Anal-
ader.
H Herzförmiger Teil.
M Massiver Teil.
S Sehne der Analader.
Fig. 16 von außen.
Fig. 17, 18. Pterale b des Hinter-
flügels. Vergr. 186.
Fig. 17 von außen.
Fig. 18 von innen.
Fif Flügelartiger, nach außen
konvexer Fortsatz.
Fig. 19, 20. Pterale C des Vorder-
flügels. Vergr. 31.
Fig. 19 von vorne.
Fig. 20 von rückwärts.
Vorderer Arm, welcher in eine
Einsenkung des Flügel-
grundteils eingreift.
Rückwärtiger Arm, welcher
mit dem Grundteil der Radial-
ader verwachsen ist.
Fortsatz, welcher in die Leisten-
gabelung des Pterale A
hineinreicht.
Vorragung, welche zwischen den
Fortsätzen des Mesonotums
liegt.
Stielartiger Teil, welcher mit
dem Metanotum verbunden
ist.
Al
A2
Chk
St
Fig. 21, 22. Pterale a des Hinter-
flügels. Vergr. 11:8.
Fig. 21 von unten.
Edmund Gröschel:
Fig. 22 von oben.
F Fortsatz.
Z Zapfen.
Fig. 23. Das aus den Grundteilen
der Costa und des Radius bestehende
Gelenkstück des Hinterflügels von oben.
Vergr. 27.
A Analader.
[6 Costa.
[07 Costateil.
H Pfannenartige Höhlung.
R Radius.
Fig. 24. Das Diaphragma mit den
anstoßenden Chitinbildungen. Vergr.
19: 6.
A Muskelinsertion.
D Diaphragma.
H Haken, der das Pterale c um-
faßt.
M Metathorax.
Fig. 25. Das Episternum des Meso-
thorax mit dem Gonosteum. Vergr.
38:6.
G Gonosteum.
Fig. 26, 27. Die beiden Flügel von oben.
Vergr. 2:6.
Fig. 26. Vorderflügel.
An Analader.
C Costalader.
Cu Cubitalader.
CulI _Vorderer Cubitalast.
Cu II Hinterer Cubitalast.
Cuqu Cubitalqueradern.
Dis Discoidalader.
Disqu I Vordere Discoidalquerader.
Disqu II Hintere Discoidalquerader.
R Radialader.
Fig. 27. Hinterflügel.
An Analader.
[6 Costalader.
Cu Cubitalader.
R Radialader.
Fig. 28, 29. Pterale c des Hinter-
flügels. Vergr. 56.
Die Flugorgane der Homis.
Fig. 28 von innen.
Fig. 29 von außen.
Fig. 30, 31. Gonosteum des Hinter-
flügels. Vergr. 56.
Fig. 30 von außen.
Fig. 31 von innen.
Fig. 32. Die Thorakalgelenkstücke
von der Seite. Die Nota sind ab-
nommen. Die Flügel und Pteralia
sind etwas herausgehoben. Der Hinter-
61
Epst Episternum des Mesothorax.
EpstG Episternales Gelenkstück des
Mesothorax.
EpstMG Episternales Gelenkstück des
Metathorax.
HFI Hinterflügel.
Prn Pronotum.
St Stigma.
VFI Vorderflügel.
Fig. 33. Die Thorakalgelenkstücke von
ä; y : % oben. Vergr. 51.
flügel ist gegen die Medianebene ge-
dreht. Vergr. 26 : 4. Epi Sch Epimerales Schutzschild am
a Pterale & des Hinterflügels. Metathorax.
Rs Epst II Episternum des Mesothorax.
A Pterale A des Vorderfügels. E IH Evi Jesse
b Pterale b des Hinterflügels. Eu a GE Bu ie k ie a
B Pterale B des Vorderflügels. | Pt en Gelenkpfanne des
c Pterale e des Hinterflügels. Enst MG E esothoraz. h
[6 Pterale C des Vorderflügels. pst MG eg Metat Fi Ge-
Epi Epimeron des Mesothorax. e En stück des Metathorax.
EpiSch Epimerales Schutzschild am ar Aue
Metathorax.
Tafel I.
Fig. 34. Medianschnitt. Rechte |m, Musculus lateralis mesothoraeis
Hälfte des Thorax. Vergr. 6. quintus.
H Herz. Fig. 36. Querschnitt durch den
M, Der durch den Medianschnitt | Mesothorax. Vergr. 6.
ee En udn M, Indirekter Längsmuskel.
mon M, Indirekter Quermuskel.
Fig. 35. Medianschnitt: Die am Fig. 37. Eine Hornis von oben.
weitesten lateral gelegenen, direkten | Vergr. 3.
mesothorakalen Flugmusken der £ 3 p h
Fig. 38. Medianschnitt: die am
rechten Seite, nach Abpräparation der
näher der Medianebene gelegenen, in-
direkten. Vergr. 6.
m; Musculus lateralis mesothoraeis
primus.
Mm, Musculus lateralis mesothoracis
secundus.
m, Musculus lateralis mesothoraeis
tertius.
m; Musculus lateralis mesothoraeis
quartus.
weitesten lateral gelegenen, direkten
metathorakalen Flugmuskeln der linken
Seite nach Abpräparation der näher der
Medianebene gelegenen indirekten.
Fig. 39. Medianschnitt: Der große
indirekte Quermuskel der rechten Seite.
indirekten
Nach Abpräparation des
Längsmuskels. Vergr. 6.
M, Quermuskel.
Tr Tracheen im Muskel,
62 Edmund Gröschel.
Fig. 40. Medianschnitt: Die am
weitesten lateral gelegenen, direkten
mesothorakalen Flugmuskeln der
rechten Seite. Nach Abpräparation
der näher der Medianebene gelegenen,
indirekten. Verg. 6.
m, Musculus lateralis mesothoraeis
primus.
my
m;
Musculus lateralis mesothoraeis
secundus.
Musculus lateralis mesothoraeis
tertius.
Musculus lateralis mesothoraeis
quartus.
Musculus lateralis mesothoraeis
quintus.
Die Klassen und höheren Gruppen des
Tierreichs.
Von
Franz Poche, Wien.
(Vortrag, gehalten am 8. Internationalen Zoologen - Congress in
Graz, 15.—20. August 1910.)
Meine Herren!
Wenn ich es unternehme, in dem knappen Rahmen einer Stunde
über die Klassen und höheren Gruppen des Tierreichs zu Ihnen zu
sprechen, so kann es nicht meine Absicht sein, eine gleichmäßige
Darstellung dieser von den Flagellaten bis hinauf zu den Säugetieren
zu geben, wobei ich mich dann notgedrungen so ziemlich ausschließlich
auf kurze Definitionen der einzelnen Gruppen beschränken müßte,
die naturgemäß nur Ihnen zum sehr großen Teile mehr oder minder
allgemein bekannte Tatsachen enthalten könnten. Gewiß ist es, dem
Titel meines Vortrages entsprechend, meine Aufgabe, eine Übersicht
über sämtliche gedachte Gruppen zu geben, und werde ich
Stellung,Rang, Umfangund Name derselben in den Kreis
meiner Betrachtungen zu ziehen haben; aber ich will dies in der Weise
tun, daß ich dort, wo über einen oder mehrere der genannten Punkte
im Allgemeinen Einheitlichkeit der Anschauungen herrscht
und diese auch mit den meinigen übereinstimmen, den- oder dieselben
nicht speziell erwähne, also eventuell eine Gruppe auch bloß mit
ihrem Rang und Namen anführe, und nur dort auf dieselben eingehe,
wo mehr oder weniger beträchtliche Meinungsverschiedenheiten dar-
über obwalten oder meine Ansicht von der herrschenden
abweicht. Selbstverständlich kann aber auch
diesnurin dergedrängtesten Kürze geschehen,
und mußichvon vornherein darauf verzichten,
im Allgemeinen alle jene anatomischen, histologischen, ontogenetischen
etc. Tatsachen auch nur andeutungsweise anzuführen, auf die sich
ein Urteil über die Stellung und den Rang einer Gruppe gründen
muß, was oft bei einer solchen allein eine viertel oder halbe Stunde
in Anspruch nehmen würde; ich werde daher zur Begründung
meiner Ansichten in ausgedehntem Maße auf bereits in der Literatur
vorliegende Angaben verweisen u. nur dort die einschlägigen Tatsachen
selbst anführen, wo dies mit wenigen Worten geschehen kann
oder sie sich in der Literatur überhaupt nicht oder wenigstens nicht
in einer für meine Zwecke verwendbaren Weise oder Zusammenstellung
angeführt finden. Ebensoistesganzausgeschlossen,
bei jeder Gruppe alle oder auch nur die Mehrzahl der Ansichten
anzuführen, die über die oben genannten in Betracht zu ziehenden
64 Franz Poche: Die Klassen
Punkte in neuerer Zeit vertreten worden sind, undmußichmich
daheraufjene beschränken, die dort, wo meine An-
schauungen von der herrschenden abweichen oder wo gar keine
solche vorhanden ist, mehr oder weniger mit jenen übereinstimmen
und deren Anführung daher ein Gebot der Gerechtig-
keit gegenüber den betreffenden Autoren ist, oder dort, wo über-
haupt große Meinungsverschiedenheiten über einen einschlägigen
Punkt bestehen, zwar nicht mit den meinigen übereinstimmen, aber
wegen der Begründung, auf die sie sich stützen, wegen ihrer weiten
Verbreitung, wegen der Autorität der Forscher, welche sie vertreten,
oder endlich weil es die einzigen bisher über den betreffenden
Gegenstand veröffentlichtensind, besonders beachtenswert
sind und daher eine spezielle Besprechung erheischen. Einzig
undalleinindiesemSinnealsoistesaufzufassen,
wenn ich im Nachfolgenden die von den meinigen abweichenden
Ansichten einzelner Autoren speziell zu widerlegen suche, undnicht
etwaso, daß ich sie als ganz besonders unrichtig und verwerflich
und daher einer Richtigstellung besonders bedürftig betrachte.
Was die im Folgenden angewandte, im ersten Augenblick vielleicht
etwas kompliziert und sonderbar anmutende, in Wirklichkeit aber
äußerst einfache und durchaus folgerichtigee Benennungs-
weise der Kategorien sowie der Einheiten des
Systems und die Prinzipien betrifft, von denen ich mich bei der
Wahl zwischen schon vorhandenen Namen solcher leiten ließ, so
verweise ich lediglich auf den zweiten meiner
gestern an dieser Stelle gehaltenen Vorträge
(1911). Daselbst habe ich eingehend theoretisch
die Grundsätze entwickelt und begründet, die
ich heute praktisch anzuwenden haben werde,
und auch schon auf meinen heutigen Vortrag als auf eine praktische
Illustration derselben hingewiesen. Nur in aller Kürze will ich, um
denjenigen von Ihnen, die den gedachten Vortrag nicht gehört
haben, das Verständnis der nachfolgenden Ausführungen zu er-
leichtern, eine Übersicht über die von mir unterschiedenen Rang-
stufen des Systems vom Reich bis herab zur Klasse mit den
von mir empfohlenen und angewandten Abkürzungen ihrer (latei-
nischen) Namen sowie über die Endungen geben, die ich als für
die Namen der Gruppen der einzelnen dieser Rangstufen be-
zeichnend — aber nicht etwa als für dieselben verbindlich
(wie es z.B. die Endung idae für die giltigen Namen von Fa-
milien ist) — gewählt habe. Und zwar sind die gedachten
Rangstufen, Abkürzungen und Endungen folgende:
und höheren Gruppen des Tierreichs. 65
Für die Namen der
Gruppen dieser Rang-
stufe bezeichnende
Rangstufen des Systems Abkürzung des latei-
nischen Namens ‚der-
selben
lateinischer Name deutscher Name R Endung
Regnum Reich Sorrgp —
Supersubregnum Supersubregnum Ssr, odea
Subregnum Unterreich sr. odeae
Subsubregnum Subsubregnum ssr. odei
Supersuperphylum | Supersuperphylum SSph acea
Superphylum Superphylum Sph. aceae
Subsuperphylum Subsuperphylum sSph. acei
Phylum Stamm ph. aria
Supersubphylum Supersubphylum Ssph. ariae
Subphylum Unterstamm sph. arü
Subsubphylum Subsubphylum ssph. adae
Supersuperclassis Supersuperklasse SSe. omorpha
Superclassis Superklasse Sc. omorphae
Subsuperclassis Subsuperklasse sSc. omorphi
Classis Klasse & oidea
Selbstverständlich ist aber das von mir
aufgestellte System dem Wesen nach durchaus
unabhängig sowohlvon den vonmirangewandten
Benennungen der verschiedenen systemati-
schen Kategorien alsvondenvonmir gewählten
Namen dereinzelnen Gruppen, sodaßesalsoder
Sache nach natürlich auch von jemandem an-
genommen werden kann, der mit diesen oder
jenenoderauchsowohlmitdiesen wiemitjenen
nichteinverstanden ist — wie ja ebenso das Umgekehrte
der Fall ist.
Die Zählung der Einheiten erfolgt in der Weise, daß ich
die der obligatorischen Kategorien (Reich, Phylum, Klasse)
innerhalb jeder nächst höheren obligatorischen Einheit, die
der accessorischen Kategorien (alle anderen genannten) da-
gegen innerhalb jeder nächst höheren jeweils unterschiedenen
Einheit von 1 anfangend fortlaufend nummeriere.
Ebenso habe ich die allgemeinen logischen Prin-
zipien, die ich als bei der Aufstellung eines Systems maßgebend
betrachte, soweit der den einzelnen Gruppen zu
gebende Rang in Betracht kommt, gleichfalls bereits gestern
dargelegt; undin sonstiger Hinsicht habe ich betreffs jener
zu bemerken: Ich lege meinem System die Morphologie im
weitesten Sinne zugrunde, also einschließlich der äußeren
Charaktere, der Ontogenie, Histologie und Cytologie, und bestrebe
mich dabei, den morphologischen und systematischen
Wert der einzelnen Charaktere sorgfältig ab-
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 1. Suppl, 5
66 Franz Poche: Die Klassen
zuwägen, um so ein dem natürlichen möglichst nahekommendes
System zu schaffen. AlslogischunvermeidlicheFolge
davon ergibt sich weiters, daß es mit meiner
Überzeugung durchaus unvereinbar wäre, ir-
gendwelche Gruppen eingestandener- oder un-
eingestandenermaßenals „Sammelgruppen“ auf
zustellen oder zu benützen, d.h. als Rumpel-
kammer für Formen, deren hauptsächlicher ge-
meinsamer Charakter meist darin liegt, daß
man sie sonst nirgends recht unterbringen
kann, für die man aber aus Bequemlichkeitsgründen, Konser-
vativismus, wegen ihrer geringen Zahl, Seltenheit etc. dennoch nicht
eigene höhere Gruppen von ihrer isolierten Stellung entsprechendem
Range aufstellen will — ich erinnere nur an die berüchtigten
„Vermes‘“ im alten, mit relativ geringenVeränderungen sogar heute
noch nur allzuoft gebrauchten Sinn, an die Mesozoa mancher
neueren und neuesten Autoren usw.
Da es bekanntlich in der Mehrzahl der Fälle ziemlich und oft
sogar sehr schwer ist festzustellen, wo die Namen supergenerischer
Gruppen eingeführt wurden, so gebe ich sowohl bei den von mir als
giltige solche gebrauchten wie bei den als Synonyme angeführten
das genaue Zitat derältesten von mirermittelten zu-
lässigen Anwendung derselben; wo ich dabei neben der
an erster Stelle angeführten Seitenzahl auf eine zweite hinweise —
„[ef. p. . . |“ — enthält die letztere Stelle nomenklatorisch oder sachlich
wichtige Angaben, so insbesondere die Kennzeichnung, die Angabe,
daß es sich um einen neu eingeführten Namen handelt, solche über den
Umfang der Gruppe, usw. Und zwar habe ich sämtliche betreffenden
Stellen selbst nachgeprüft, mit Ausnahme von zwei oder drei Zitaten,
wo mir das einschlägige Werk nicht zugänglich war; in diesen Fällen
gebe ich jedoch stets die Quelle an, aus der ich die Angabe entnommen
habe. Beidem bekannten äußerst ungenügenden Stande der Registratur
dieser Namen und derganzunformellen Art, wie sie viel-
fach, besonders wenn sie stammverwandt mit bereits bestehenden
wissenschaftlichen oder nichtwissenschaftlichen Namen der betreffenden
Einheit sind, „eingeführt“ werden, und zudem oft noch an sehr
versteckter Stelle, großenteils in vielfach sehr schwer zugänglichen
Hand- und Lehrbüchern ete., die man unmöglich alle daraufhin durch-
sehen kann, kann ich aber natürlich nicht die mindeste Garantie dafür
übernehmen, daß die von mir gegebenen Zitate wirklich stets die
älteste zulässige Anwendung des betreffenden Namens bezeichnen,
sondern muß es im Gegenteil als sehr wahrscheinlich erklären, daß
dem in diesem oder jenem Fallenichtso sein wird; ja ich kann nicht
einmal die Möglichkeit ganz ausschließen, daß einer oder der andere
der von mir als neu eingeführten Namen bereits früher irgendwo für
die betreffende Gruppe gebraucht worden ist, wenn ich auch natürlich
nach Tunlichkeit getrachtet habe, ein solches Vorkommnis zu ver-
meiden. In jenen nicht seltenen Fällen aber, wo ich für die Einführung
und höheren Gruppen des Tierreichs. 67
eines Namens ein jüngeres Datum, oft auch einen anderen Autor
angebe, als gewöhnlich geschieht, ist dies nicht etwa auf einen
Irrtum meinerseits, sondern darauf zurückzuführen, daß derselbe
an der gewöhnlich zitierten Stellenicht in zulässiger Weise
(als nomen nudum, nicht als wissenschaftlicher Name etc.)oderüber-
hauptnicht — sondern nur ein ihm mehr oder weniger ähnlicher
— gebraucht wird.
SelbstverständlichkannundsolldasSystem,
das ich nunmehr Ihrem Urteile, meine Herren, unterbreiten werde,
nurdengegenwärtigenStandunsererKenntnisse
zum Ausdruck bringen und wird mit dem Fortschreiten
dieser mehr oder minder bedeutenden Veränderungen unterworfen
werden müssen; ja ich darf nicht einmal zu hoffen wagen, daß ich
in allen Fällen das nach dem jetzigen Stande dieser Richtige ge-
troffen habe; wohl aber kann ich das eine sagen, daß ich gerade
dort, wo ich eine von der mehr oder weniger herrschenden Ansicht
abweichende Anschauung vertrete, die Gründe, die mich
hiezu bestimmen, mit doppelter und dreifacher Sorgfalt geprüft habe.
Der Gegenstand der nachfolgenden Betrachtungen ist also das
gesamte
Regnum: Animalia Linnaeus (1758, p. 6 [ef. p. 9]).
Ich stelle den „Einzelligen“ nicht die Gesamtheit der vielzelligen
Tiere als eine gleichwertige Hauptabteilung des Tierreiches gegen-
über, sondern unterscheide innerhalb dieser mehrere jenen coordinierte
solche, weil im Lichte unserer heutigen Kenntnisse einesteils der
Unterschied zwischen jenen und den übrigen Tieren durchaus nicht
als so fundamental, anderenteils die Übereinstimmung dieser letzteren
untereinander keineswegs so groß erscheint, wie man früher glaubte
und wie es sehr oft auch heute noch schematisierend dargestellt wird.
Ich verweise in letzterer Hinsicht auf das unten bei Besprechung des
II. bis V. der von mir unterschiedenen Supersubreena Gesaste, und in
ersterer einerseitsaufdiemannigfachen Fällevon
mehroder minder ausgesprochener Mehrzellig-
keit und Differenzierung der einzelnen Zellen
untereinander in verschiedenen Gruppen der
Protozoen, so auf die Volvocidae, bei deren höchstentwickelter
Gattung, Volvox L., nicht nur die einzelnen Zellen (bis 22 000 an der
Zahl) untereinander durch protoplasmatische Fortsätze verbunden
und in fortpflanzungsunfähige, also rein somatische Zellen,
abortive Parthenogonidien und relativ wenige Parthenogonidien,
bezw. (im Herbste) Androgonidien und Oogonidien, sowie je nach
ihrer Lage im Individuum — diese Bezeichnung ist wohl entschieden
richtiger als die gewöhnlich gebrauchte Coenobium — in solche
mit vollkommen entwickeltem, solche mit mehr oder weniger re-
duziertem und solche ganz ohne Stigma differenziert sind, sondern
auch am Gesamtorganismus deutlich ein vorderer und hinterer Pol zu
5*
68 Franz Poche: Die Klassen
unterscheiden ist, die nicht nur durch die Konstanz des bei der Be-
wegung nach vorne gerichteten, sondern auch morphologisch durch
die eben erwähnte verschiedene Ausbildung der Stigmen in den be-
treffenden Hemisphären als solche gekennzeichnet sind, auf die
Actinomyxidia, welche im erwachsenen Zustande (als Pansporo-
blasten) aus einer zweizelligen, höchstwahrscheinlich der Er-
nährung dienenden äußeren Schichte und, von dieser umschlossen,
8 Sporen bestehen, die ihrerseits wieder z. B. bei Triactinomyxon
ignotum Stole aus 6 selbst bei völlig reifen Sporen deutlich von-
einander getrennten Deckzellen, die selbst wieder in zwei Gruppen
von je 3 von denen der anderen Gruppe wesentlich verschiedenen
Zellen differenziert sind, und, von diesen umschlossen, 8 Sporozoiten
und 2 Restkernen nebst einer „chromatischen Kugel“ bestehen
(s. Leger, 1904), also zweischichtig sind, während der ganze
Pansporoblast sich sogar als dreischichtig dar-
stellt, und auf das vor kurzem entdeckte Haplozoon Dogiel,
welches, wie wir sofort sehen werden, wohl zweifellos zu den Pro-
tozoa zu stellen ist — die Kluft zwischen diesen und den ‚,viel-
zelligen Tieren‘ aber um nichts weniger verringern würde, wenn man
es letzteren zurechnen wollte — und bei dem die durch Teilung
der „Kopfzelle“ und ihrer Abkömmlinge entstehenden Zellen, die
durch fortgesetzte Teilungen die Gametocyten aus sich hervorgehen
lassen, in oft sehr beträchtlicher Zahl (bis zu 86 und mehr) und bei
manchen Arten sogar in mehrschichtiger Anordnung in Verbindung
mit jener sowie untereinander bleiben und (wenigstens in der vor-
deren Hälfte des Körpers) vermittelst eines gesetzmäßig angeordneten
Systems von intercellulären Öffnungen sämtlich ihre Nahrung aus-
schließlich oder mindestens zum größten Teil von der „Kopfzelle“
empfangen, — andererseits auf die gewiß nicht zu
den Protozoen zu stellende und auch von niemand dahin
gestellte, aus verschiedenen Zellsorten bestehende
einschichtige Salinella Frnz., die also ganz sicher nicht
auf die allen „Vielzelligen Tieren“ gemeinsam sein sollende Grund-
form der Gastrula zurückgeführt werden kann.
I. Supersubregnum: Protozoodea, nom. nov.
Den Namen Protozoa für das einzige von mir in diesem
Supersubregnum unterschiedene Phylum beibehaltend, bin ich
genötigt, für ersteres den obigen neuen Namen einzuführen.
I. Phylum: Protozoa Goldfuß (1817 [Tabelle] [ef. p. 21]).
Grobben (1904, p. 20 [ef. p. 219—248]; 1909 a, p. 492f. u. 506)
unterscheidet innerhalb der von ihm als Unterreich betrachteten
Protozoa die Flagellata + Rhizopoda + Sporozoa einer-, die Ciliata
andererseits als zwei Divisionen (Cytomorpha und Cytoidea,
d.h. als dem Phylum übergeordnete, den Coelenteraten
und höheren Gruppen des Tierreichs. 69
und Coelomaten unter den Metazoen gleichwertige (etwa meinen Sub-
regna entsprechende) Abteilungen, und konnten die zur Zeit, als er
ihnen zuerst diesen hohen Rang beilegte, tatsächlich ganz fundamental
scheinenden Kerndifferenzen zwischen ihnen dies auch berechtigt er-
scheinen lassen. Da aber einerseits seitdem bei den verschiedensten
daraufhin genauer untersuchten Protozoen ein den entsprechenden
Verhältnissen bei den Infusorien ähnlicher Dualismus der somatischen
und generativen Kernsubstanzen wenigstens in irgend einer Periode
des Lebens konstatiert wurde — ich verweise auf die vorzügliche
Zusammenfassung von Schaudinn (1905, p. 21—26), ferner auf
Winters Studien über Reticulosa (1907, p. 81—107), andererseits bei
verschiedenen Infusorien entweder die Trennung von Macro- und
Mieronucleus überhaupt nicht vorhanden ist (Opalina [s. Metcalf,
1909, p. 305 £.]) oder der Mieronucleus während bestimmter Perioden
des Entwicklungszyklus (Trachelocerca phoenicopterus [s. Lebedew,
1908, p. 81 u. 107 £.]) oder während des ganzen vegetativen Lebens
(Holophrya [= Ichthyophthirius] multifiliis [s. Neresheimer, 1908 a],
Bütschliella [s. Awerinzew, 1908]) oder sogar auch während der Teilung
fehlt (Chromidina, Opalinopsis [s. Dobell, 1909]), und überdies einzelne
Formen (die Opalinidae, die Trichonymphidae, Maupasia Schewk.
und Monomastix Roux), auf die ich noch zurückkommen werde, in
verschiedener Weise Charaktere jener beiden Gruppen in sich ver-
einigen, so halte ich es für naturgemäßer, die Protozoa wie die über-
wiegende Mehrzahl der Autoren als ein einziges Phylum
bildend und jene beiden Gruppen — die unbeschadet des eben Gesagten
dennoch natürliche Abteilungen darstellen — nur als Superklassen zu
betrachten. — Als Namen derselben bevorzuge ich die von Doflein
(1901) eingeführten Bezeichnungen Plasmodroma und Ciliophora
gegenüber den von Hatschek (1888) stammenden Cytomorpha (p. 63)
und Cytoidea (p. 65), weil ich die Endungen -omorpha und -oidea
für Gruppen vom Range einer Supersuperklasse, bzw. einer
Klasse reserviere (s. Poche, 1911).
1. Superklasse: Plasmodroma Doflein (1901, p. 3).
1. Klasse: Flagellata Cohn (1853, p. 273).
Es liegt durchaus kein ausreichender Grund vor, den älteren,
kürzeren, in den Namen aller oder fast aller Unterklassen derselben
wiederkehrenden und mindestens ebenso gebräuchlichen Namen
Flagellata zu Gunsten von Mastigophora Diesing (1865, p. 294
[ef. p. 306]) zu verwerfen, wie nicht wenige Autoren es tun, zumal
für die dann bisweilen mit jenem bezeichnete typische Unter-
abteilung der Klasse bereits in dem Namen Euflagellata ohnedies
eine sehr glücklich gewählte Bezeichnung vorliegt. — Von hin-
sichtlich ihrer Stellung umstrittenen Formen rechne ich zu dieser
Klasse: die Trichonymphidae (im weitesten Sinne), da
die große Zahl und die schlaffen Bewegungen der Geißeln —
denn als solche und nicht als Cilien müssen wir die fraglichen
70 Franz Poche: Die Klassen
Organelle in Anbetracht ihrer bedeutenden Länge bezeichnen
— der Mehrzahl derselben doch sicherlich nicht einen Unterschied
von Klassenrang begründen, zumal da Multicilia Cienk. sich ihnen
in beiden Beziehungen wenigstens nähert, und überdies die von
Grassi und Foä (1904) bei ihnen beobachtete ungeschlechtliche Fort-
pflanzung durch Längsteilung sehr mit der der Flagellaten über-
einstimmt, während Dinenympha Leidy nach den Untersuchungen
von Grassi (1894, p. 54) undulierende Membranen mit ver-
dicktem Rande besitzt [der ja eine Geißel repräsentiert], die
zudem, wie in allerjüngster Zeit Comes (1910 b, p. 20—24) gezeigt
hat, wenigstens bei den jungen Tieren sich in ebensoviele (4)
freie Geißeln fortsetzen, Pyrsonympha Leidy dieser so nahe steht
(s. Porter, 1897, p. 65), daß sie keinesfalls weit von ihr getrennt
werden kann, zumal da die von Porter (p. 61) so genannten kon-
traktilen ‚‚Stränge“ wohl gleichfalls undulierende Membranen dar-
stellen (cf. id., p. 65), und die neubeschriebene Lophophora Comes
(1910 a) ebenfalls solche besitzt und außerdem ein Verbindungsglied
zwischen Dinenympha und den typischen Formen der Tricho-
nymphiden bildet; die Gattung Maupasia Schewk. [Sche-
wiakoff (1893, p. 27 ff.) hat für diese eine besondere „Gruppe“
Mastigotricha aufgestellt, „welche eine vermittelnde Stellung zwischen
den Klassen Mastigophora und Infusoria Cxliata einnehmen würde“.
Tatsächlich spricht aber das Vorhandensein eines mit einem Schlund
versehenen Mundes keineswegs, wie er meint, gegen ihre Zugehörigkeit
zu den Flagellata, indem sich ein solcher auch sonst bei solchen findet;
und die am Vorderende befindlichen ‚Cilien“, die Schewiakoff selbst
als ziemlich lang bezeichnet, unterscheiden sich nach seiner eigenen
Zeichnung (tab. II, fig. 29) sehr wenig von den den übrigen Teil des
Körpers bedeckenden „Geißeln“ und sind wohl richtiger trotz ihrer
geringeren Dicke gleichfalls als solche zu betrachten. Damit fällt
dann aber jeder Grund hinweg, Maupasia nicht den Flagellata zuzu-
rechnen]; die bisherigeOrdnung oder Unterordnung
der Sporozoen Haemosporidia mit Ausnahme von
Hepatozoon und eines Teiles der Arten von Haemogregarina (ein-
schließlich der typischen Art dieser Gattung, H. stepanowi!), wie es
M. Hartmann (1907 a, p. 103 und 119 ff.) zuerst getan und (1907 b,
p. 146—154) in so treifender Weise begründet hat, daß ich lediglich
auf seine bezüglichen Ausführungen verweise [cf. auch Hartmann u.
Jollos (1910); Polykrikos Bütsch. (s. Kofoid, 1907); und
Erythropsis R. Hertw. (s. Delage Herouard, 1896, p. 387 £.);
dagegen nicht die von vielen Autoren hieher gestellte, in Wirk-
lichkeit aber dem Pf£lanzenreich zugehörige
Gattung Spirochaeta Ehrbg., die im Gegensatz zu zahl-
reichen anderen Angaben keine undulierende Membran
besitzt und sich nicht dureh Längs-, sondern
durch Querteilung fortpflanzt (s. Zuelzer, 1910;
Schellack, 1909; Swellengrebel, 1909, p. 529—532 u. 544—548).
und höheren Gruppen des Tierreichs. 71
2. Klasse: Rhizopoda Siebold (1845, p.3 [ef. p. 9 ff.]).
Ich ziehe für diese den älteren und auch entschieden gebräuch-
licheren Namen Rhizopoda Sieb. — bei Dujardin, dem er ge-
wöhnlich zugeschrieben wird, findet sich nur die französische
Form ‚„Rhizopodes“, die also nomenklatorisch nicht in Betracht
kommen kann — dem von Hertwig und Lesser (1874, p. 43) an Stelle
desselben eingeführten Sarkodina vor, zumal da jener, wie es ja auch
sonst so oft der Fall ist, ein zwar nicht durchgreifendes, wohl aber
sehr charakteristisches Merkmal unserer Gruppe bezeichnet und
andererseits auch der Name Sarkodina, der der Gruppe deshalb ge-
geben wurde, weil „das Vereinigende in den Lebenserscheinungen
der undifferenzirten Sarkode zu suchen ist“, bei dem heutigen Um-
fange dieser ebensowenig einen allgemeingiltigen Charakter derselben
zum Ausdruck bringt. — In letzterer Zeit haben mehrere Autoren
mit Recht stärker auf die Verwandtschaft der Haplosporidia
mit den Mycetozoa und Amöben hingewiesen und einzelne sie auch
ganz aus den Neosporidia, bzw. den ‚‚Sporozoen“ überhaupt aus-
geschlossen und zu einer selbständigen Gruppe der Protozoen er-
hoben, nämlich Awerinzew (1910, p. 474) und Leger et Dubosq (1910,
p. 217— 222), letztere allerdings mit einem? Meiner Ansicht nach
ist es aber sogar gerechtfertigt, noch ein oder zwei Schritte weiter
zu gehen und sie direkt den Rhizopoda zuzurechnen. Die
Gründe für diese Vereinigung liegen außer in ihren allgemein
anerkannten Beziehungen zu Rhizopoden in der weitgehenden Über-
einstimmung ihrer Sporenbildung mit der der Amoeben (s. Awe-
rinzew, ]. c.) und in den Verhältnissen, die wir bei der wenigstens
nach unseren gegenwärtigen Kenntnissen wohl sicher hieher zu
rechnenden Gattung Scheviakovella finden (Vorhandensein
einer contractilen Vacuole in den amoeboiden
Formen und Verschmelzung mehrerer von diesen
zueinem Plasmodium). Auch erinnere ich an die Gattungen
Chytridiopsis, Zoomyxa und Mycetosporidium, die Beziehungen
sowohl zu diesen wie zu den Mycetozoa zeigen. Und was die
Bildung von Pansporoblasten betrifft, die man vielleicht als einen
wichtigen Punkt der Übereinstimmung der Haplosporidia mit
„Sporozoen‘‘ und einen wesentlichen Unterschied derselben gegen-
über den Mycetozoa zu betrachten geneigt sein könnte, so
stellen ja die Sporangien dieser im Wesent-
lichen gleichfalls Pansporoblasten (indivi-
dualisierte Plasmaportionen, die mehrere $Spo-
roblasten, bzw Sporen aus sich hervorgehen
lassen) dar, wenn sie sich auch insofern von denen jener unter-
scheiden, daß sie von Anfang an mehrkernig sind (was aber mit
dem Begriff eines Pansporoblasten keineswegs im Widerspruch steht),
was die jener erst späterhin werden. (Stempell [s. z. B. 1909, p. 347]
bekämpft überhaupt die Verwendung des Terminus Pansporoblast
bei anderen Protozoen als Myxosporidien; diese Auffassung kann,
wie ohne weiteres ersichtlich, der Tendenz der vorstehenden Ar-
72 Franz Poche: Die Klassen
gumentation nur günstig sein, auf keinen Fall aber etwa gegen
sie ins Feld geführt werden, da es mir ja dabei nur darauf ankommt,
die wesentliche Übereinstimmung der betreffenden Stadien bei den
Haplosporidia und Mycetozoa nachzuweisen, unabhängig davon,
wie dieselben zu bezeichnen sind). Auch gibt es ja Haplosporidia
(z. B. Urosporidium), bei denen der Plasmakörper gleich in Teile
zerfällt, die nur je eine Spore liefern und daher überhaupt nicht,
wie Doflein (1909, p. 816) es tut, als Pansporoblasten betrachtet
werden können. — Ebenso stelle ich entgegen der allgemein herr-
schenden Ansicht hieher die Gattung Woronina Cornu, indem es
nach den überzeugenden Untersuchungen Zopfs (1894, p. 43—60),
die bedauerlicher Weise bisher ganz unberücksichtigt geblieben zu
sein scheinen, nicht mehr zweifelhaft sein kann, daß diese all-
gemein zu den Synchytriaceae und somit zu den Pflanzen ge-
stellte Gattung in Wirklichkeit zu den Protozoa gehört (amö-
boide Bewegung und Aufnahme fester Nahrung
im vegetativen Zustand, Ausscheidung von
festen Exkrementen), und zwar zu den Mycetozoa. —
Ferner rechne ich von Formen, betreffs deren Stellung Meinungs-
verschiedenheiten herrschen, hieher: diesogenannten „Prot-
eomyxa“ und die Mycetozoa, die bekanntlich von vielen
Autoren dem Pflanzenreich zugerechnet werden, aber in ihren ver-
schiedenen Formen so vielfache und nahe Übereinstimmungen mit
diversen Protozoen und speziell Rhizopoden zeigen, daß ihre Zu-
rechnung zu dieser Klasse durchaus naturgemäß erscheint (im ein-
zelnen erwähne ich zur näheren Begründung dessen die engen Be-
ziehungen, die die „Vampyrellida‘ einerseits durch Hya-
lodiscus (s. Hoogenraad, 1907, p.99) zu den ‚„‚Amoebina‘“, anderer-
seits durch das Gros ihrer Formen (Vampyrella, Nuclearia, Chon-
dropus, Monobidia) zu den Heliozoa, die Mycetozoa durch ihre
primitiveren Formen (Pseudosporidae, ‚„Gymnococcinae‘“) zu den
Vampyrellideen, bei denen sich bei manchen Arten ja auch eine
Plasmodiumbildung findet, sowie zu niedrigen Reticulosa, nämlich
Protomyxa, bei weicher Gattung dies gleichfalls der Fall ist, be-
sitzen); die Gattungen Mastigamoeba F. E. Sch.,
Mastigina Frmz. und Mastigella Frnz. [s. Goldschmidt
(1907), dessen bezüglichen Ausführungen (p. 160 £.) ich durchaus bei-
stinnme, insbesondere in Anbetracht der zahlreichen Übergänge
zwischen Geißeln und Pseudopodien, auf die ja auch Goldschmidt
selbst (p. 120 ff.) hinweist]; Magosphaera H., betrefis deren
Auffassung ich mich im Gegensatz zu denjenigen von Haeckel
(1894, p. 228f.), Delage Herouard (1896, p. 398£.) u. A. im Wesent-
lichen an Hartog (1906, p. 88.) anschliesse, da abgesehen von einem
anschenend ausnahmsweisen bezüglichen Vorkommen bei
Chrysamoeba (s. Scherffel, 1904, p. 440) keine freilebenden Flagellata
mit einem geißellosen, rein amöboiden Entwicklungsstadium, wie
es sich bei dieser Gruppe findet, wohl aber vielfach Rhizopoda
mit geißeltragenden Schwärmsporen bekannt sind, wenn auch die
und höheren Gruppen des Tierreichs. 73
Zahl der Geißeln sonst stets eine geringere ist; und die Xeno-
phyophora, deren Zugehörigkeit zu dieser Klasse nach den Aus-
führungen F. E. Schulzes (1905, p. 46 f.) wohl kaum mehr zweifelhaft
sein kann. — Der Vollständigkeit halber erwähne ich an dieser
Stelle auch die Gattung Strombodes Sjöbring (1901), die ihr
Autor den Rhizopoda zurechnet. Sowohl der Text als noch mehr
die zahlreichen Abbildungen machen aber einen, gelinde gesagt,
durchaus laienhaften Eindruck und können uns absolut nicht be-
rechtigen, die in Rede stehende Gattung den Rhizopoda oder über-
haupt den Protozoa zuzurechnen oder auch nur anzunehmen, daß
sie auf die Entwicklungsstadien irgend eines Organismus ge-
gründet sei. Vielmehr scheint Sjöbring unter jenem Namen in
buntem Gemisch Zellen und Zellbestandteile, bzw. -produkte von
Homo sapiens (insbesondere Fettsubstanzen), ferner Bakterien und
daneben vielleicht auch wirkliche Protozoen (Rhizopoda?, Sporo-
zo?) vereinigt zu haben.
3. Klasse: Cnidosporidia Doflein (1901, p. 176 [ef. p. 177).
Die von M. Hartmann (1907 a, p. 104) vorgenommene und (1907 b)
in überzeugender Weise begründete Erhebung der beiden bisherigen
Unterklassen der Sporozoa Neosporidia und Telosporidia zu eigenen,
nicht näher miteinander verwandten Klassen muß von allen, die ein
wirklich natürliches System anstreben, angenommen werden, und
verweise ich diesbezüglich bloß auf seine letztgenannte Arbeit, wo
auch bereits die später von Doflein (1909, p. 291) geäußerte Idee
einer eventuellen Vereinigung dieser mit den Rhizopoden (ähnlich
auch Awerinzew, 1909, p. 109), bzw. den Flagellaten in je eine Klasse
als unberechtigt nachgewiesen wird. — Daß ich die Haplo-
sporidia aber nicht als den Neosporidia, sondern als den Rhi-
zopoda zugehörig betrachte, habe ich soeben dargelegt; und auch
die Sarcosporidia kann ich nicht jenen zurechnen, da sie
sich von der Hauptgruppe derselben, den Cnidosporidia, nicht nur
durch das Fehlen emer aus eigenen Zellen gebildeten
Sporenhülle, wie sie sich bei allen Gruppen dieser findet (für die
Microsporidia hat dies Awerinzew, 1909, p. 108 auf Grund noch un-
veröffentlichter Untersuchungen angegeben), sondern auch von Pol-
kapseln und Polfäden in den Sporen fundamental unterscheiden.
[Das Vorhandensein dieser wurde zwar von verschiedenen Autoren
und insbesondere von Laveran und Mesnil angegeben; doch hat
bereits L. Perrier (1907) die bezüglichen Angaben als unrichtig
nachgewiesen und ganz neuerdings Leger (in Leger et Duboscq,
1910, p. 220) dies gegenüber einer gegenteiligen Angabe A. Webers
(1909, p. 1062) ausdrücklich bestätigt. Fast gleichzeitig damit hat
zwar Erdmann (1910) gleichfalls das Vorhandensein von Pol-
fäden (was natürlich auch das von Polkapseln involviert) bei unseren
Tieren angegeben; aber ihre bezüglichen Angaben und speeiell ihre
Abbildungen sind nicht im mindesten dafür beweisend, daß es sich da-
bei auch wirklich um solche handelt; und sowohl bei den Myxosporidia
74 Franz Poche: Die Klassen
und Microsporidia als bei den Actinomyxidia sehen diese ganz wesent-
lich anders aus]. Bei der nächsten Klasse werde ich auf die den
Sarcosporidia zu gebende Stellung zurückkommen. — Durch die
Elimination dieser beiden Gruppen werden die Neosporidia Schau-
dinns (1900, p. 281) umfangsgleich den Cnidosporidia Dofleins; und
‚da für die Gruppe in diesem Umfange der letztere Name schon
ziemlich eingebürgert und sehr bezeichnend ist, was bei ersterem
durchaus nicht der Fall ist, indem, wie wir heute wissen, bei einem
sehr großen Teile jener keine ‚‚Neosporie‘“, sondern eine
„„Telosporie‘‘ vorhanden ist, so wähle ich ihn als giltigen Namen
der Klasse, wie es auch schon Stempell (1909, p. 348f.) ge-
tan hat.
4. Klasse: Sporozoa Leuckart (1879, p. 241).
Es ist meines Erachtens durchaus unnötig, den viel älteren,
vollkommen eingebürgerten und überdies kürzeren Namen Sporozoa,
wie Hartmann (ll. cc.) es tut, ganz fallen zu lassen, weil der Umfang
der betreffenden Klasse durch die Abtrennung der Neosporidia b e-
schränkt wird, und ihn durch den jedenfalls weniger ge-
läufigen Telosporidia Schaudinn (1900, p. 281) zu ersetzen, zumal
da die überwiegende Mehrzahl der ursprünglich unter
jenem Namen begriffenen Formen auch jetzt noch in dieser Klasse
vereinigt bleibt, wozu nunmehr noch kommt, daß der mit letzterem
correspondierende Name Neosporidia ohnedies hinweglällt.
Der Name Telosporidia Schaud. stellt somit bei dem jetzigen
Stande der Systematik ein bloßes Synonym von Sporozoa Leuck.
(emend. M. Hartm.) dar. — Hieher stelle ich auch die Sarco-
sporidia, wie es auch, allerdings mit einem ?, Leger et Duboseq im
einer soeben erschienenen Arbeit (1910, p. 222 [ef. p. 219£.]) tun.
Die Gründe, weshalb sie nicht der vorigen Klasse zugerechnet
werden können, habe ich bereits bei Besprechung dieser auseinander-
gesetzt; und der Umstand, daß sie „Neosporie‘“ und nicht ‚‚Telo-
sporie‘“ aufweisen, kann umsoweniger als Argument gegen ihre Ein-
beziehung in die jetzt in Rede stehende geltend gemacht werden,
als sich ja auch bei den Cnidosporidia beide Formen der Fort-
pflanzung sogar innerhalb einer und derselben Ordnung (Micro-
sporidia, Myxosporidia) finden. Auch die von Awerinzew (1909,
p. 108£.; 1910, p. 473) vertretene Ansicht, daß die Sarcosporidia
wahrscheinlich irgend welchen Flagellaten näher stehen als den
Cnidosporidia, steht durchaus im Einklang mit der ihnen von mir
gegebenen Stellung, indem ja auch die anderen von mir als Sporozoa
zusammengefaßten Formen im Gegensatz zu letzteren von solchen
abzuleiten sind. In der allerjüngsten Zeit wurde Fiebiger (1910,
p- (87) £.) (gemeinsam mit Moroff) durch die „Beobachtung des Vor-
kommens von Übergangsformen, welche zu den fixen Gewebszellen
zu führen scheinen [im Original nicht gesperrt — der Verf.],
veranlaßt . . ., die Frage der Parasitennatur [der Sarcosporidia]
überhaupt in Diskussion zu stellen.“ Da er aber unmittelbar an-
In
und höheren Gruppen des Tierreichs. 75
schließend daran selbst sagt: „Wir verkennen nicht die Momente,
welche von vorneherein die Gebilde als parasitische Protozoen er-
scheinen lassen; ferner sind wir uns über das Fehlen pathologisch-
anatomischer Analogien klar... .“, so brauche ich auf diese Punkte
nicht näher einzugehen, sondern betone nur, daß insbesondere auch
die (such von Fiebiger erwähnte) von verschiedenen Autoren nach-
gewiesene erfolgreiche Übertragung von Sarcosporidien auf neue
Wirte in schlagender Weise für ihre parasitäre Natur spricht, und
daß diese in keiner Weise als durch die Untersuchungen Fiebigers
und Moroffs erschüttert betrachtet werden kann. — Ferner stelle ich
zu den Sporozoa die Gattung Joyeuxella Brasil (s. Brasil, 1904,
p. 225—231 und Caullery et Mesnil, 1905, p. 166), wie es die letzt-
genannten Autoren kurz begründet haben. — Im übrigen verweise
ich bezüglich des Umfanges dieser Gruppe auf das bei der vorigen
Klasse sowie das bei den Flagellata über die Zurechnung der bis-
herigen Ordnung oder Unterordnung Haemosporidia der Sporozoa zu
jenen Gesagte.
5. Klasse: Haplozooidea, nom. NOV.
Diesen Namen führe ich auf Grund der von mir gestern ent-
wickelten Grundsätze an Stelle von Catenata Dogiel (1908, p. 417
[ef. p. 471]), bzw. des bedingungsweise vorgeschlagenen Metaperidinea
Dogiel (1908, p. 471) für die nur die Gattung Haplozoon Dogiel um-
fassende Tierklasse ein. Die Gründe, weshalb ich diese den Protozoa
zurechne, ergeben sich zum Teil unmittelbar aus dem oben einerseits
über Fälle von Mehrzelligkeit bei zweifellosen solchen, andererseits
über den Bau unserer Form Gesagten [cf. auch die bezüglichen Aus-
führungen Neresheimers (1908 b, p. 311), denen ich vollkommen
beistimme, sowie das von Dogiel (1910, p.437 £.) über seine prinzipielle
Auffassung der Mesozoa als eine provisorische, sehr verschiedene
Charakterzüge aufweisende Gruppe, in der Tiere ganz verschiedener
Ordnung durcheinander geworfen sind, Gesagte, auf Grund deren
er eben unser Tier diesen zurechnet und welche für mich nach den
eingangs entwickelten Grundsätzen selbstverständlich von vornherein
unannehmbar ist], zum Teil liegen sie in den so vielfachen und nahen
Übereinstimmungen dieser mit Flagellaten (Noctiluca und ganz be-
sonders Peridineen), betreffs deren ich auf Dogiel (1908, insbesondere
p. 464—467, und 1910, speziell p. 436 f.) verweise. Diese letzteren
Übereinstimmungen sind auch der Grund, weshalb ich Haplozoon den
Plasmodroma zurechne und nicht eine eigene Superklasse für dasselbe
aufstelle.. Andererseits weicht es aber durch das Fehlen einer Geißel
(wenigstens in allen bekannten Stadien) und die Zusammensetzung
aus verschiedenen Zellarten — ohne wie Plasmodium bisweilen
wenigstens einen Geißelkern zu besitzen und mit geißeltragenden
Arten oder wie Volvox mit einzelligen Formen durch zahlreiche
Übergänge eng verbunden zu sein — so sehr von den Flagellata ab,
daß es nicht etwa diesen zugerechnet werden kann, sondern als Ver-
treter einer eigenen Klasse betrachtet werden muß.
76 Franz Poche: Die Klassen
Genera Plasmodromorum sedis incertae.
Von folgenden Gattungen läßt sich infolge ungenügender
Kenntnis derselben nur sagen, daß sie zu den Plasmodroma ge-
hören, aber nicht, zu welcher Klasse dieser:
Pansporella Chatton (1907) (eine Besprechung der syste-
matischen Stellung derselben in der definitiven Arbeit wurde vom
Autor versprochen; es ist aber meines Wissens bisher keine solche
erschienen);
Cardiosporidium Gaver et Stephan (1907) (von den
Autoren mit Wahrscheinlichkeit als ‚ein von den bekannten Formen
ziemlich abweichendes Sporozoon‘“ betrachtet);
Dimoerium Przesmycki (1901, p. 374—402);
Lymphosporidium Calkins (1900);
Botellus Moniez (s. Minchin, 1903, p. 312, u. Doflein, 1909,
p. 820, die diese Gattung den als eine in ihrer Stellung unsichere
Gruppe der ‚Sporozoa“ betrachteten Serosporidia, bezw. Serum-
sporidia zurechnen);
Metchnikovella Caull. Mesn. (s. Minchin, 1903, p. 316 £.;
Caullery et Mesnil, 1905, p. 167 £.);
Hyalosaccus Keppen (1899; Minchin, 1903, p. 313);
Chitonicium Plate (1901 a; Minchin, 1903, p. 318);
Microklossia Krass. und Aporiella Krass. (s. Krassil-
stschik, 1909, der in Bezug auf sie (und speziell erstere) sagt (p. 63)
„daß von nun an eine Teilung der Sporozoen in Telo- und Neosporidia
als überflüssig erscheinen darf. Die Myxo- (inkl. der Miero- und
Sarco-) Sporidien dürften schon nicht mehr den Telosporidien
gegenübergestellt werden . . . . Die unverkennbaren verwandt-
schaftlichen Beziehungen der Myxosporidien zu unseren Microklossien
in der postcopulationalen Entwicklungshälfte der letzteren, verbinden
auf das Engste die Myxosporidien mit den Coceidien, bei denen die
präcopulationale Entwicklungshältte fast genau so verläuft, wie bei
Microklossia.“ Aber abgesehen davon, daß Krassilstschiks Dar-
stellung des Entwicklungscyklus von Microklossia einzelne Lücken
aufweist, ist er auch, wie er selbst zugibt (p.45f.), den
Beweis dafür, daß ihre Sporen wirklich mit den so charakte-
ristischen der Myxosporidia [und Cnidosporidia überhaupt] über-
einstimmen, gänzlich schuldig geblieben, sodaß also gar
nicht 'ernstlich davon die Rede sein kann, auf seine Befunde hin —
so interessant und wertvoll sie an sich sind — die gedachte so
natürlich scheinende Teilung der alten ‚‚Sporozoen“ aufzugeben.).
2. Superklasse: Ciliophora Doflein (1901, p. 3).
6. Klasse: Monomastigoidea, €. NOV.
Unter diesem Namen erhebe ich die Gattung Monomastix J. Roux
zur Vertreterin einer eigenen Klasse. Ihre Zugehörigkeit zu den Cilio-
phora ergibt sich in erster Linie aus der konstanten Trennung von
und höheren Gruppen des Tierreichs. 77
Maecro- und Micronucleus, wozu überdies (abgesehen von anderen
Charakteren) der Besitz eines Wimperkleides kommt. Es ist also
ganz unstatthaft, sie mit J. Roux (1899, p.558) den „Mastigo-
tricha“ Schewk. zuzurechnen, deren einzige Gattung Maupasia Schewk.,
wie wir oben gesehen haben, zu den Flagellaten gehört (wie ja auch
Roux selbst ausdrücklich angibt, daß sie mit dieser keineVerwandtschaft
hat), oder gar sie, wie B. Haller (1902, p. 43) es tut, mit dem zweifel-
losen (nur durch den Besitz von Borsten ausgezeichneten) Flagellat
Mallomonas Perty zu einer (zwischen Mastigamöben und Flagellaten
gestellten!) Gruppe Mastigociliata zu vereinigen. Willey und Hickson
(1909, p. 170) führen sie unter den Flagellaten an und sagen zwar,
daß sie den „Ciliata‘“ zugerechnet werden sollte, zählen sie jedoch
auch auf p. 159 ausdrücklich als Flagellat auf. — Entsprechend dem
systematischen Werte, der innerhalb der Plasmodroma dem Besitz
einer Geißel beigelegt wird, ist es nur folgerichtig für Monomastix, der
allein unter allen Ciliophora durch eine solche ausgezeichnet ist, eine
eigene Klasse aufzustellen, zumal da zu diesem Charakter noch die
merkwürdige Verdoppelung sowohl des Macro- wie des Micronucleus
kommt, und definiere ich de Monomastigoidea, wie ich
dieselbe nenne, als CxiliophoramitbleibendemCilien-
kleid, (wenigstens) einer Geißel, Mund und zwei
Maecero- und Micronuclei, ohne Saugtentakel.
7. Klasse: Infusoria O. F. Müller (1773, Blatt d2 [ef. p. #)).
Es liegt nicht der mindeste Grund vor, den ungleich älteren und
noch geläufigeren Namen Infusoria durch Ciliata Perty (1852, p. 22
[ef. p. 136]), der zudem durch Ciliata Latreille (1825, p.538) [annähernd
= Ütenophora] präokkupiert ist, zu ersetzen und jenen ganz fallen
zu lassen, wie es seitens mancher neueren Autoren geschieht — ab-
gesehen davon, daß der meist stattfindende gleichzeitige Gebrauch
des vollkommen gleichbedeutenden Namens Ciliophora für eine über-
geordnete Gruppe dann sehr leicht zu Verwechslungen Anlaß gibt.
— Von hinsichtlich ihrer Stellung umstrittenen Formen rechne ich
hieher Opalina Purk. & Val., die von Hartog (1906, p. 111 u. 123 £.)
und Neresheimer (1907, p. 34f.) den Flagellaten, bezw. den Plasmo-
dromen zugerechnet wird, indem die von diesem letzteren Autor
hiefür geltend gemachten Gründe nach den Darlegungen Metcalfs
(1909, p. 303 £.) nicht stichhaltig sind.
8. Klasse: Acinetordea, nom. nov.
Von den bisher für diese Gruppe üblichen Namen sind Acinetina
Claparede und Lachmann (1859, p. 381) [der zudem in neuerer
Zeit wieder ziemlich außer Gebrauch gekommen ist] und Acinetaria
Lankester (1885, p. 838 [ef. p. 865]) für uns nicht verwendbar, da nach
dem gestern aufgestellten Codex (Poche, 1911) die Endung -aria Gruppen
vom Range eines Phylums bezeichnet, andererseits bei solchen
von Klassenrang nicht die Endung -ina, sondern -oidea an den
Stamm des Namens der typischen Gattung angefügt wird; Suctoria
78 Franz Poche: Die Klassen
Claparede und Lachmann (1858, p. 72 [ef. p. 73 und iid., 1859, p. 377 ££.])
ist durch den, zudem sehr häufig als giltiger solcher gebrauchten Namen
Suctoria Retzius (1783, p. IV [ef. p. VI] unter den Insekten prä-
okkupiert; Infusoria tentaculifera Huxley (1877, p. 95) ist nicht uni-,
sondern binominal und daher nach den Nomenklaturregeln für eine
der Art übergeordnete Gruppe unzulässig; und Tentaculifera Huxley
(1877, p. 100) endlich ist durch Tentaculifera d’Orbigny (1840, p. 67)
unter den Cephalopoden präokkupiert. Ich habe deshalb in enger
Anlehnung an die beiden ersterwähnten der schon vorhandenen solchen
für unsere Gruppe den obigen neuen Namen gebildet. — Vielfach
wird diese auch zu den Infusoria gestellt und bloß als eine eigene
Unterklasse derselben unterschieden. Dies war auch, solange man
die verschiedenen Klassen der Protozoa einfach nebeneinander stellte
und nicht zu höheren Gruppen vereinigte, insoferne gerechtfertigt, als
dadurch wenigstens die bedeutend nähere Verwandtschaft dieser
beiden Gruppen untereinander als mit irgend einer anderen Klasse
der Protozoen zum Ausdruck gebracht wurde. Diesem Verhältnis ist
aber gegenwärtig durch die Unterscheidung zweier Superklassen
innerhalb der Protozoa ohnedies in vollem Maße Rechnung getragen ;
und da sich die Acinetoidea von den Infusoria tatsächlich ebensosehr
unterscheiden wie die einzelnen Klassen der Plasmodroma untereinander
— wenn auch das Fehlen von Wimpern im erwachsenen Zustand
kein durchgreifender Charakter jener ist, wie allerdings gewöhnlich
angegeben wird (ich erinnere an Hypocoma Grbr., Suctorella Frnz.),
so ist der Besitz der hochdifferenzierten Saugtentakel sicher morpho-
logisch mindestens ebenso schwerwiegend wie etwa der von Geißeln
oder aber Pseudopodien —, ist es also nur konsequent, ihnen
gleichfails den Rang einer eigenen Klasse zu geben.
Genus Ciliophororum sedisincertae.
Peitiada Frenzel (1891, p. 357£.) (cf. Sand, 1899, p. 203£.). Von
dieser läßt sich derzeit nicht angeben, ob sie zu den Infusoria oder
zu den Acinetoidea gehört.
Genus Protozoorum sedis incertae.
Microhydrella Frenzel (1891, p. 358—360) (cf. Sand, 1899,
p. 204 £.), welche Gattung anscheinend entweder den Flagellata oder
den Ciliophora zuzurechnen ist [über das Vorhandensein oder Fehlen
eines Micronucleus ist nichts bekannt].
Von folgender Gattung ist es fraglich, ob sie den
Protozoa (und zwar den Plasmodroma) oder den Pflanzen
zugehört:
Raphidospora Liöger (1900a), die „während sie zahlreiche
Beziehungen zu gewissen Formen der Blastomyceten wie Monospora
Metchnikoff und Lecaniascus Moniez aufweist, auch nieht ohne
Analogie mit gewissen Sporozoen ist“ (s. auch Leger, 1900 b, und
Minchin, 1903, p. 317). |
und höheren Gruppen des Tierreichs. 79
Als den Protozoa irrtümlicher Weise zuge-
rechnet, tatsächlich aberihnensowiedem Tier-
reich überhaupt nicht zugehörig sind noch an-
zuführen:
Amoebidium Cienk., das in Wirklichkeit zu den Pflan-
zen und speziell den Thallophyten und zwar wahrscheinlich den
Pilzen gehört (s. Chatton, 1906, und Leger et Duboscq, 1909, p. 21);
Exosporidium Sand (1898), das nach der Schilderung
seines Autors am nächsten mit Amoebidium verwandt ist und von
ihm (mit diesem) mit Wahrscheinlichkeit den ‚‚Sporozoen‘“ und
speziell den ‚„‚Exosporidien‘‘ zugerechnet wird, dessen Stellung unter
jenen und den Protozoen überhaupt infolge eben jener Verwandtschaft
aber mit dem Ausschluß dieses Genus von den Protozoa gleichfalls
hinfällig wird und das mit diesem den Pflanzen und speziell den
Thallophyten und zwar wahrscheinlich den Pilzen zuzurechnen ist;
Capillus Granata (1908), dessen Verwandtschaftsbeziehungen,
wie sein Autor (p. 14) angibt, ‚ziemlich unbestimmt und vielleicht
nicht geringer mit eimigen niederen Pflanzen als mit den Sporozoen‘
sind, der aber viele Berührungspunkte mit Amoebidium Cienk. auf-
weist, und den er den „Exosporidia“ (eine für diese Gattung ge-
gründete Sporozoenordnung) zurechnet; und augenscheinlich ist er
tatsächlich mit diesem verwandt und, wie wir es soeben von diesem
gesehen haben, gleichfalls dem Pilanzenreich und zwar den Thallo-
phyten zuzurechnen;
Blastulidium Perez, das nach Chatton (1908) zu den
Chytridineae und daher zu den Pflanzen gehört;
Coccidioides Rixf. & Gilchr., die, wie Ophüls (1905, p. 443
—459) überzeugend nachgewiesen hat, zu den Fungi und somit zum
Pflanzenreich zu stellen ist.
II. Supersubresnum: Salinellodea, Ssr. nov.
Unter diesem Namen erhebe ich die Gattung Salinella Frnz.
zur Vertreterin eines eigenen Supersubregnums, und definiere
dieses als Animalia, die aus einer Schicht unter-
einander differenzierter Zellen, welche einen
verdauenden Hohlraum umschließt, bestehen.
— Aus dieser Definition geht ohne weiteres klar hervor, daß Sali-
nella sich in keiner der sonst unterschiedenen Hauptgruppen der
Animalia unterbringen läßt und daher unbedingt eine eigene solche
bilden muß. — In den bisherigen Klassifikationen wurde diese Form
entweder überhaupt nicht untergebracht — die Gründe für dieses
Vorgehen hat zum Teil Neresheimer (1908, p. 285 £.) angeführt und
zugleich als unberechtigt nachgewiesen, zum Teil liegen sie (selbst-
verständlich uneingestanden) zweifellos darin, daß dieselbe sich in
vorschriftswidrigster Weise nicht in die so schöne Zweiteilung in Proto-
und Metazoa fügen wollte —, oder den „Mesozoa“ zugerechnet,
80 Franz Poche: Die Klassen
wobei jedoch die betreffenden Autoren meist selbst offen zugestanden,
daß diese eine künstliche Vereinigung völlig heterogener Formen seien.
Der einzige Garbowski (1903, p. 60) hat ihr eine einigermaßen ent-
sprechend selbständige Stellung gegeben, indem er sie anscheinend
allen anderen seiner „Protenterien“ [= vielzellige Tiere ohne
„Trichoplaciden, Dieyemiden und Orthonectiden“] gegenüberstellt.
II. Phylum: Salinellaria, ph. nov.
Da dieses das einzige in diesem Supersubregnum enthaltene
Phylum ist, so ist eine eigene Definition desselben gegenüber jenem
nicht erforderlich.
1. Klasse: Salinelloidea, nom. nov.
Diesen Namen führe ich an Stelle des ohnedies nicht in Gebrauch
gekommenen Mesocoelia Delage Herouard (1899, p.2) ein (s. Poche,
1911).
II. Supersubregnum: Sphaeriparodea, Ssr. nov.
Als Supersubregnum Sphaeriparodea fasse ich die Genera
Sphaeripara, nom. DOV.,
(sphaera die Kugel, pario ich gebäre; so genannt wegen der charak-
teristischen Vermehrung durch kugelförmige Fortpflanzungskörper)
— welchen Namen ich an Stelle von Lohmannella Neresheimer
(1904, p. 137), der durch Lohmannella Trouessart (1901, p. 263)
unter den Arachnoidea präokkupiert ist, einführe — und Amoebo-
phrya Köpp. zusammen, und definiere dasselbe als Anvmalva,
die aus zwei, voneinander verschiedenen und
durch einen Zwischenraum getrennten Schich-
ten von Zellen bestehen und aus einer Schichte
von Zellen bestehende Fortpflanzungskörper
bilden. Damit ist gleichzeitig de Begründung für die
Vereinigung jener beiden Formen zu einer Gruppe gegeben,
wie ja auch schon Neresheimer (1904, p. 163 [ef. p. 162]) sie unter
dem Namen Blastuloides — den ich allerdings schon deshalb nicht
annehmen kann, weil ich die Endung -oidea für Gruppen vom Range
einer Klasse reserviere (s. oben p.64£.) — zu einem Unterstamm der
Mesozoa zusammengefaßt hatte, während er später (1908, p. 294 u.
308) diese Anschauung fallen gelassen und sie (nebst anderen
Formen) mit Hartmann (1907 e, p. 117) als „Anhang“ zu der Klasse
Moruloidea (der einzigen nunmehr von ihm innerhalb des Typus
Mesozoa unterschiedenen) gestellt hat — ein Vorgehen, das für mich
natürlich von vornherein unannehmbar ist (s. Poche, 1911). Anderer-
seits zeigen unsere Tiere absolut keine speziellere Verwandtschaft
mit den Moruloidea [die von Hartmann (l. e.) hervorgehobene
Ahnlichkeit des jüngsten bekannten Stadiums von Sphaeripara mit
einem jungen Orthonectiden-Plasmodium stellt sich, wenigstens beim
und höheren Gruppen des Tierreichs, 81
gegenwärtigen Stand unserer Kenntnisse, als eine bloß äußerliche und
zufällige dar (s. Neresheimer, 1908, p. 306)], und können daher logischer
Weise nicht mit diesen zu einer höheren Einheit vereinigt werden. —
Wie aus dem Gesagten ohne weiteres ersichtlich ist, betrachte ich die
Sphaeriparodea und bei Sphaeripara auch jedes einzelne Segment mit
Neresheimer (1904 u. 1908) als mehrzellig, und verweise ich betreffs
der gegenteiligen Ansicht Dogiels (1908, p. 468 f.) und (hinsichtlich
Amoebophrya) Borgerts (1897) auf die treffenden Ausführungen jenes
Autors (1908, p.290f. u. 311f.), sowie auf Korotneff (1891, p. 625,
tab. XXXII, fig. 26), der mit aller Deutlichkeit die Form und Grenzen
der Zellen in der inneren Schichte von Amoebophrya angibt, bzw.
einzeichnet, und insbesondere auf die jüngsten bekannten Stadien von
Sphaeripara, die aus zwei kernhaltigen Schichten be-
stehen, die „überall deutlich voneinander ab-
gesetzt“ sind, „so daß die Innenschicht als eine geschlossene
Hohlkugel innerhalb der äußern liegt‘“ (s. Neresheimer, 1904, p. 147 ff.,
tab. X—XI, fig. 13—15), die also unmöglich als aus einer
Zelle bestehend betrachtet werden können und die Dogiel (1908)
bei seiner Deutung des Baues dieses Tieres ganz unberücksichtigt läßt.
(1910, p. 440 erklärt er dieselben zwar als unzweifelhaft zweischichtig,
setzt aber hinzu: „da jedoch deren Übergang zu den älteren Stadien
noch nicht bekannt geworden ist, so ziehe ich es vor, dieselben einst-
weilen keiner Bewertung zu unterwerfen.‘ Diese letztere Behauptung
ist aber völlig unrichtig, wie aus der Arbeit Neresheimers (1904, p. 147
—149, tab. X—XI], fig. 13—20) aufs klarste erhellt.) — Die tiefgreifenden
Unterschiede zwischen den beiden hiehergehörigen Genera zwingen
mich, für jedes derselben ein eigenes Phylum aufzustellen.
III. Phyjlum: Amoebophryaria, ph. nov.
Die Amoebophryaria defimiere ich als Sphaeri-
parodea, bei denen die äußere Zellschicht in
ihrem größten Teile gut ausgebildet und kern-
haltig ist, sich dauernd erhält, und sich auch
beiden Jugendformen unmittelbarin dieInnen-
schicht fortsetzt. — Es ist nicht ausgeschlossen, daß in einem
gewissen Stadium die Zellgrenzen in einer oder beiden Schichten
schwinden und diese somit Syncytien darstellen.
1. Klasse: Amoebophryoidea, ce. nov.
Diese dem Phylum umfangsgleiche Klasse umfaßt nur die Gattung
Amoebophrya Köpp.
IV. Phylum: Sphaeripararia, ph. nov.
Die Sphaeripararia definiere ich als Sphaeripa-
rodea,beidenendieAußenschichtindenreiferen
Stadieninihremgrößten Teileeinedünne,kern-
lose Membran darstellt, die zur Zeit der
Archiv für Naturgeschichte
1911. L 1. Suppl. 6
82 - Franz Poche: Die Klassen
Fortpflanzung gänzlich schwindet und in den
Jugendformen von der Innenschicht überall
vollkommen getrennt ist, sodaß beide in sich
völlig geschlossen sind. — Der Auffassung Neresheimers
(1908, p.293f. u. 305£.), als Zellschicht nur kernhaltiges Gewebe
gelten zu lassen, kann ich mich durchaus nicht anschließen, sondern
muß als solche unbedingt auch alles Gewebe in Anspruch nehmen,
das aus einer zweifellosen solchen hervorgegangen ist, mögen auch
die Kerne auf weite Strecken hin zur Seite gedrängt oder ganz de-
generiert sein (wie ja auch die kernlosen Erythrocyten der Mammalia
mit Recht allgemein als Zellen betrachtet werden). -
1. Klasse: Sphaeriparoidea, c. noV.
_ Diese dem Phylum umfangsgleiche Klasse enthält nur das Genus
Sphaeripara Poche. |
IV. Supersubregnum: Spongiodea, nom. nov.
In Anlehnung an die beiden ältesten zulässigen Namen
für diese Gruppe, Spongita Goldfuss (1818, col. 1010) und Spongidiae
J. E. Gray (in S. F. Gray, 1821) [zitiert nach Vosmaer, 1882, p. 1],
bilde ich entsprechend den gestern entwickelten Grundsätzen den
vorstehenden Namen, der sich zudem auch an eine ganze Anzahl der
von späteren Autoren für dieselbe gebrauchten mehr oder weniger
eng anschließt. — Der tiefgreifende Unterschied zwischen den Spon-
giaria und den Metazoa, der mit dem Fortschreiten unserer Kenntnisse
immer mehr hervortritt (Umkehr der Keimblätter, sodaß also von
einer wirklichen Gastrula, wie sie für die Metazoa charakteristisch ist,
bei ihnen füglich nicht gesprochen werden kann, einzig dastehende Art
des Ernährungsapparates, Fehlen von Muskeln, Nerven und Gonaden),
macht es in einem natürlich sein sollenden Systeme unerläßlich, jene
von den Metazoa ganz zu trennen und zu einer eigenen obersten
Abteilung des Tierreichs zu erheben, wie es auch bereits Carazzi (1907,
p. 701—704) getan hat.
V. Phylum: Spongiaria Nardo (1833, col. 519).
Es liegt nicht der mindeste Grund vor, den älteren und äußerst
zweckmäßig gewählten Namen Spongiaria Nardo durch den jüngeren
Porifera Grant (1835, p. 108) zu ersetzen, wie es seitens vieler Autoren
geschieht. — In Anbetracht der (von allen Forschern anerkannten)
schärferen Trennung der Kalkschwämme von sämtlichen übrigen
Spongiaria sowie des Umstandes, daß die letzteren selbst in zweiGruppen
von Klassenrang zerfallen, ist es durchaus naturgemäß, die Klassen
dieses Phylums mit W. J. Sollas (1887, p. 421) und I. B. J. Sollas
(1906, p. 184 ff.) zu zwei höheren Gruppen zusammenzufassen, denen
ich den Rang von Superklassen gebe und für die ich an Stelle
der von diesen für sie verwendeten, ohnedies wenig in Gebrauch
und höheren Gruppen des Tierreichs. 83
gekommenen Namen Megamastietora W. J. Sollas (1886, p. 13) und
Micromastietora W. J. Sollas (l. ec.) (in derselben Reihenfolge) die im
Folgenden angewandten einführe.
1. Superklasse: Caleareomorphae, nom. nov.
1. Klasse: Calcarea Bowerbank (1863, p. 1088).
2. Superklasse: Spongiomorphae, nom. nov.
2. Klasse: Hexactinelloidea, nom. nov.
Entsprechend meinem Codex (s. Poche, 1911) habe ich den für
diese Gruppe bisher gebrauchten Namen Hexactinellida Carter (1875,
p. 131 [ef. p. 199£.]) etwas modifiziert. — Die bekannten tiefgreifenden,
durch keinerlei Zwischenformen überbrückten Unterschiede zwischen
dieser Gruppe und allen anderen Spongiomorphae lassen es vollkommen
gerechtfertigt erscheinen, ihr mit Minchin (1900, p. 111) und
1. B. J. Sollas (1906, p. 197) den Rang einer Klasse zu geben, zumal
da die von mehreren Autoren wenigstens vermutungsweise angenommene
Verwandtschaft derselben mit den sogenannten Hexaceratina Ldf.
sich auf Grund unserer heutigen Kenntnisse als eine nur scheinbare
darstellt (s. Topsent, 1905, p. CLXXIf.; Dendy, 1905, p. 200 ff.).
3. Klasse: Spongiordea, nom. noV.
Da keiner der Namen Demospongiae W. J. Sollas (1885, p. 395)
und Tetraxonia Lendenfeld (1887, p. 575 [ef. p. 580]), die oft für diese
Gruppe gebraucht werden, allgemein eingebürgert und auch nicht
besonders bezeichnend ist, so führe ich für sie den obigen neuen, von
dem der typischen Gattung der typischen Familie und zugleich in
ereinstimmung mit denen der übergeordneten Gruppen (s. oben)
gebildeten solehen ein. — Von Formen, über deren Zugehörig-
keit Meinungsverschiedenheiten bestehen, stelle ich hieher: Merlia
Kkptk. (s. Weltner, 1909, und Kirkpatrick, 1910a); Astrosclera
Lister (s. Kirkpatrick, 1910 b); die von manchen Autoren als eine
eigene Hauptgruppe (Klasse oder Unterklasse) der Spongiomorphae be-
trachteten Myxospongiae Lank., die aber so wenig Verwandtschaft
untereinander, dafür jedoch so zweifellose nahe Beziehungen zu ver-
schiedenen skeletführenden Spongioidea zeigen, daß sie unbedingt
in diese Klasse gestellt werden müssen; endlich die Hexacera-
tina Ldf. — soweit sie nicht ohnedies unter die Myxospongiae
fallen —, betreffs welcher ich auf das soeben über sie Gesagte
verweise.
V. Supersubregnum: Dieyematodea, nom. nov.
Von den verschiedenen für diese Gruppegegenwärtig üblichen Namen
hat sich keiner auch nur einigermaßen allgemeine Anerkennung zu
erwerben vermocht, und zwar in erster Linie deshalb, weil jeder der-
6*
84 ‘ Franz Poche: Die Klassen
selben bestimmte phylogenetische oder morphologische Vorstellungen
zum Ausdruck bringt, die von zahlreichen anderen Autoren als
unzutreffend angesehen werden. Es sind dies die Namen Mesozoa
(E. Van Beneden, 1882, p. 226), der eine Mittelstellung jener zwischen
den Protozoa und Metazoa ausdrückt [und bei der Unterscheidung
mehrerer diesen coordinierter Hauptgruppen des Tierreichs zudem
überhaupt wenig geeignet ist], Planuloidea Hatschek (1888, p. 40
[ef. id., 1889, p. 295 £.]) [s. gegen denselben Hartmann, 1907 ce, p. 105 £.],
und Moruloidea Hartmann (1907 c, p. 106 [cf. p. 117]) [ef. gegen
diesen Caullery und Lavallee, 1908, p. 463—466]. Ich führe deshalb
für sie den obigen Namen ein, der nach keiner Richtung hin irgend
etwas präjudiziert. — Unabhängig von den zahlreichen Meinungs-
verschiedenheiten darüber, ob unsere Tiere einer Morula, einer Planula
oder einer anderen Form der Gastrula entsprechen, ob sie von Cni-
dariern, Turbellarien, Trematoden oder irgendwelchen anderen Formen
abstammen, ob sie Entoderm besitzen oder nicht, ob sie in der Haupt-
sache primitive oder aber hochgradig reduzierte Formen sind u. s. w.
[ich verweise diesbezüglich nur auf die Arbeiten von Hartmann (1907e),
Neresheimer (1908), Caullery und Lavall&e (1908, p. 4653—466), Grobben
(1909b, p. 305 ff.) und Dogiel (1910, p. 438 ff.), kann darüber
kein Zweifel bestehen, daß sie sich nach ihrer ganzen
Organisation (und Entwicklung) durchaus nicht weniger sowohl von
den verschiedenen im Voräergehenden besprochenen, vielfach mit
ihnen als Mesozoa vereinigten Formen als auch insbesondere von den
Metazoa unterscheiden — ich erwähne in letzterer Hinsicht nur das
Fehlen eines Nervensystems und eines Darmes (daß letzterer auch bei
manchen Metazoen fehlt, kann hiegegen nicht schwer in die Wagschale
fallen, da diese Formen sich dafür in anderer Hinsicht vollkommen
von den hier besprochenen entfernen und andererseits zahlreiche und
schwerwiegende Übereinstimmungen mit einen solchen besitzenden
Formen aufweisen), die relativ sehr geringe histologische Differenzierung
und die einzig dastehende Art ıhres Entwicklungseyclus — wie
sonst die verschiedenen von mir unterschiede-
nen Supersubregna untereinander, und daß wir
ihnen daher konsequenterweise ebenfalls den
Rangeines solchen geben müssen. Ihre mutmaßliche
Abstammung von den Metazoa kann 'selbstverständlich nicht
im Geringsten als Argument dagegen angeführt werden, wie ja z. B.
auch die Spongiodea und Metazoen zweifellos von Protozoen ab -
stammen, ohne deshalb aber solche zu sein, oder, um einen
Fall von regressiver Entwicklung anzuführen, die Cestoden von Tre-
matoden, gleichwohl aber nicht etwa diesen zugerechnet
werden.
VI. Phylum: Dieyemataria, nom. nov.
Aus denselben Gründen wie für das Supersubrenum habe ich
mich veranlaßt gesehen, auch für dieses ihm umfangsgleiche Phylum
einen neuen Namen einzuführen. — Die schwerwiegenden Unter-
und höheren Gruppen des Tierreichs. 85
schiede zwischen den beiden hiehergehörigen Gruppen, betreffs welcher
ich auf Neresheimer (1908, p. 262—284) und Caullery und Lavallee
(1908, p. 460-466) verweise, machen es erforderlich, diesen den Rang
von Supersuperklassen zu geben.
l. Supersuperklasse: Dieyematomorpha, SSc. nov,
Diese ist umfangsgleich mit der einzigen in ihr enthaltenen Klasse
und ist daher eine besondere Definition derselben nicht erforderlich.
1. Klasse: Dicyematoidea, nom. nov.
Entsprechend den gestern von mir entwickelten Grundsätzen
führe ich diesen Namen an Stelle von Rhombozoa E. Van Beneden
(1882, p. 226) und Dicyemiae Delage Herouard (1899, p. 14) ein.
2. Supersuperklasse: Rhopaluromorpha, SSc. nov.
Aus demselben Grunde wie bei den Dicyematomorpha ist eine
eigene Definition dieser Supersuperklasse nicht notwendig.
2. Klasse: Rhopalurordea, nom. nov.
Diesen Namen führe ich an Stelle von Orthonectida Giard (1877,
p. 812 [ef. p. 814]), Orthonectiae Delage Herouard (1899, p. 14 [ef.
p. 26 ff.]) und Plasmodiogenea Neresheimer (1908, p. 277) ein (cf. Poche,
1911). — Von hinsichtlich ihrer Stellung umstrittenen Formen rechne
ich, Neresheimer (1908, p. 277 ff.) folgend, hieher die Gattung
Pelmatosphaera Caull. Mesn.
VI. Supersubregnum: Metazoa Haeckel (1874 a, p. 19 [cf. p. 52]).
I. Subregnum: Goelenterata Leuckart (1847, p. 137).
VII. Phylum: Cnidaria Schmarda (1871, p. 210).
1. Klasse: Hydrozoa Owen (1843, p. 82).
Von hinsichtlich ihrer Stellung umstrittenen Formen stelle ich
hierher Tetraplatia W. Busch (cf. die durchaus überzeugende
Arbeit von Carlgren, 1909), Trichoplax F.E.Sch. und Trep-
toplax Montie. (s. Krumbach, 1907), und, Maas (1904) und
Hickson (1906, p. 423 f.) folgend, aber entgegen K. C. Schneider
(1904 b), Hydroctena Daw.
2. Klasse: @astrodoidea, €. Nov.
Unter diesem Namen errichte ich für die Gattung Gastrodes
Korotn. eine eigene Klasse, und definiere dieselbe als Onidaria
mit zellenfreier Mittelschichte, ektodermalem
Schlundrohr, ektodermal gebildeten Eizellen,
durch Septen geteiltem Darm, ohne Nesselzellen.
86 Franz Poche: Die Klassen
— Die Gründe, weshalb ich dieses Tier mit Korotneff (1891, p. 613
—618) den Cnidaria statt mit Heider (1893) — dem sich Delage
H£rouard (1901, p. 759 f.) wenigstens insoweit anschließen, daß
sie es als „Anhang“ an diese aufführen — den Ütenophora zu-
rechne, liegen in dem Fehlen eines apicalen Sinnesorganes und des
Mesoderms (sowie Mesenchyms), also zweier der wichtigsten Cha-
raktere dieser, deren Nichtvorhandensein eine Zuordnung zu
dieser Gruppe durchaus verbietet, und in der ektodermalen Ent-
stehung der Eier, während diese bei den Ctenophoren — was
damals allerdings noch nicht bekannt war — mesodermalen Ursprungs
sind. Die mutmaßlichen Samenzellen sollen nach Korotneff (p. 616)
allerdings wahrscheinlich im Entoderm entstehen; da aber nach seinen
eigenen Angaben nicht einmal die Natur der betreffenden Bildungen
als Spermatozoen und noch weniger ihr entodermaler Ursprung fest-
steht, so muß ich betonen, daßeinederartigeEntstehung
der beiderlei Geschlechtsprodukte aus ver-
schiedenen Keimblättern im ganzen Tierreich
einzigdastehenwürdeundauchausallgemeinen
Gründenvonvornhereinäußerstunwahrschein-
lich ist und somit in Anbetracht jener doppelten Unsicherheit in
der bezüglichen Angabe bei der Bestimmung der Stellung unseres
Tieres gewiss nicht weiter berücksichtigt werden darf — übrigens
auch selbst im Falle ihrer Richtigkeit keine Änderung der ihm von
- mir gegebenen mit sich bringen würde. — Der von Heider für die
Zugehörigkeit unseres Tieres zu den Ctenophoren in erster Linie geltend
gemachte zweistrahlige Bau desselben kann den angeführten
grundlegenden Unterschieden gegenüber durchaus
nicht ins Gewicht fallen, zumal da sich ein solcher ja auch bei
Cnidariern und zwar den Hexactinien (bedingt durch die Form
des Mundes sowie durch die Anordnung der Muskelfahnen) — und
während der Entwicklung auch bei anderen Formen jener —
findet, und ebensowenig die von ihm im eimzelnen dargelegte
sonstige Übereinstimmung desselben mit einer Ctenophorenlarve,
indem diese nicht wesentlich größer ist als diejenige, die im
Allgemeinen nach ihrer beiderseitigen Organisation zwischen einem
tentakellosen, mit Schlundrohr und Septen versehenem, sonst aber
wenig differenziertem Cnidarier von zweistrahligem Bau und einer
solchen zu erwarten ist; und was die von Heider seiner Vergleichung
zugrunde gelegteZahl von 8Magentaschen, die den Anlagen der 8Rippen-
gefäße entsprechen sollen, betrifft, so finden wir diese nur in der Höhe
des Schlundrohres, während sie weiter apicalwärts bloß 6 beträgt.
— Es bleibt also als durchgreifender Unterschied unserer Form von
den anderen Cnidariern nur der Mangel der Nesselzellen, was ganz
gewiß kein genügender Grund ist, sie von diesem Phylum auszu-
schließen, und auch von Heider in diesem Zusammenhange mit
vollstem Recht nur nebenbei erwähnt wird. — Außer durch dieses
natürlich dessenungeachtet wichtige Merkmal unterscheidet sich
Gastrodes aber, wie aus der obigen Definition der Gastrodoidea ohne-
und höheren Gruppen-des Tierreichs. 87
weiteres hervorgeht, von jeder einzelnen Klasse der Cnidaria durch
mindestens zwei der für dieselbe konstitutiven Merkmale,
sodaß also die Aufstellung einer eigenen Klasse für diese Form un-
abweislich erscheint.
3. Klasse: Scyphozoa Goette (1837, p. 55).
Wenn ich den Begriff Scyphozoa auch viel enger fasse als Goette,
so halte ich es doch für durchaus zweckmäßig, diesen bequemen, sehr
gut eingebürgerten, bezeichnenden und denen der anderen größeren
Klassen des Phylums mehr oder minder analog gebildeten Namen in
Übereinstimmung mit R. Hertwig (1907, p. 215 ff.), Grobben (1909 b,
p. 285 ff.), Hickson (1906, p. 249 u. 310 ff.) u. A. für diese Gruppe
beizubehalten. — Von Formen, betreffs deren Stellung Meinungsver-
schiedenheiten obwalten, rechne ich hieher bis auf weiteres Pemma-
todiscus Montic., der nach Maas (in Neresheimer, 1904, p.161) wohl
bloß die Gastrula einer Meduse, vi@lleicht von Rhizostoma [seinem
Wirte] selbst, darstellen dürfte, und bemerke dazu, daß durch den von
Krumbach (1907) gelieferten Nachweis, daß die sich ebenfalls durch
Zweiteilung vermehrende Trichoplax F. E. Sch. bloß die Planula der
Hydromeduse Eleutheria darstellt, im Verein mit ähnlichen Er-
scheinungen bei der Blastula von Oceania armata und anscheinend
auch bei der Gastrula von Chrysaora die Hauptschwierigkeit gegen
eine solche Auffassung, nämlich die Fähigkeit von Pemmatodiscus
sich durch Zweiteilung fortzupflanzen, glücklich beseitigt wird.
4. Klasse: Anthozoa Ehrenberg (1831, Phytozoa Polypi, Bog. a,p. —[1]).
Betreffs der Berechtigung, diese als eine eigene, den Hydrozoa
gleichwertige Klasse zu betrachten, verweise ich auf die Ausführungen
von Carlgren (1908, p. 131£. u. 152£.) und Hadzi (1907, p. 38—41).
I. Subrenum: Coelomatodeae, sr. nov.
Als Coelomatodeae fasse ich die Ctenophora und Coelo-
mata zusammen und definiere dieselben als Metazoa, die
ein echtes Mesoderm und ein zentrales Nerven-
system besitzen. — Diese Vereinigung wurde bereits von
Emery (1904) vorgenommen, jedoch die Gruppe nur mit dem (wie aus
dem Vergleich mit den anderen in der Arbeit angewandten Bezeich-
nungen aufs klarste hervorgeht) italienischen Namen ‚Epineuri“
(p. 73) bezeichnet; und da eine systematische Einheit vom Standpunkte
der Nomenklatur bekanntlich erst dann aufgestellt ist,
wenn sie einen zulässigen Namen erhält (s. z. B. v. Maehrenthal,
1904, p. 97 £.), so mußte die Gruppe oben als eine neue solche be-
zeichnet werden. — Die Begründung derselben liegt außer in den
in der obigen Definition angeführten Charakteren einerseits in der
tiefgreifenden Verschiedenheit der Ctenophora von den Cnidaria,
die eine Vereinigung derselben zu einer höheren Einheit durchaus
verbietet, andererseits in den mehr oder minder von so ziemlich allen
88 Franz Poche: Die Klassen
Seiten anerkannten vielfachen und schwerwiegenden Überein-
stimmungen in Bau und Entwicklung zwischen jenen und den niederen
Coelomaten, speziell den Turbellarien (ich verweise diesbezüglich, ohne
mich deshalb den Ausführungen der betreffenden Forscher in allen
Punkten anzuschließen, nur z. B. auf Emery (1904), Schneider (1904 a,
p. 396 ff.), Hubrecht (1904, p. 151—161 u. 175.) und Maas (1908 a,
p. 10; 1908 b, p. 20), welcher letztere die Angaben Dawydofts (1907)
über die Existenz eines echten Mesoderms bei den Larven eines Cni-
dariers (Solmundella) als unrichtig nachweist.
I. Subsubregnum: Ctenophorodei, sSr. nov.
Dieses ist umfangsgleich dem einzigen in ihm enthaltenen
Phylum und erfordert daher keine eigene Definition. — Wenn ich auch
mit voller Entschiedenheit für die Vereinigung der Ctenophoren mit
den Coelomaten zu einer höheren Gruppe eintrete, so muß ich doch
andererseits anerkennen, daß sie sich von diesen durch das Fehlen
eines Coeloms und den zweistrahligen (statt, wenigstens bei der Larve,
bilateral-symmetrischen) Bau und von der ihnen am nächsten stehenden
Gruppe der Zygoneura unter denselben überdies insbesondere dadurch,
daß die Primärachse der Gastrula als Hauptachse des Körpers erhalten
bleibt (statt daß sie nach der Ventralseite geknickt wird), so tiefgreifend
unterscheiden, daß sie der Gesamtheit derselben als eine gleichwertige
Gruppe entgegengestellt werden müssen. Völlig unannehmbar ist a for-
tiorı also die von einem so ausgezeichneten Forscher wie Hubrecht
(1904, p. 175 [e£. p. 176]) vertretene Ansicht, sie mit den Plathelminthen
zu einem Phylum zu vereinigen — während andererseits die
doch so zahlreiche Übereinstimmungen mit den Turbellarien dar-
bietenden Nemertinen von demselben ausgeschlossen werden.
VIII. Phyjlum: Ctenophoraria, nom. nov.
Den Namen Ctenophora für die einzige Klasse dieses Phylums
beibehaltend, bin ich genötigt, für letzteres diesen neuen Namen
einzuführen.
1. Klasse: Otenophora Burmeister (1837, p. 458 [cf. p. 463]).
Dem seit längerer Zeit fast allgemein herrschenden Gebrauche
folgend, nehme ich für diese Klasse obigen Namen an Stelle des älteren
(aber auch keineswegs ältesten!) Ctenophorae Eschscholtz (1829,
p. 20) an.
II. Subsubregnum: Coelomata Lankester (1877, p. 441).
I. Supersuperphylum: Zygoneura Hatschek (1888, p. 40).
Ich sehe keinen ausreichenden Grund, den älteren und ganz
gut gewählten Namen Zygoneura durch Hypogastrica (Goette,
1902, p. 124 [cf. p. 125 £.]) oder Protostomia (Grobben, 1909 a, p. 497)
und höheren Gruppen des Tierreichs. 89
zu ersetzen. In Bezug auf letzteren Namen wäre überdies zu be-
merken, daß der definitive Mund nicht aus dem Prostoma hervor-
geht, sondern dieses vielmehr — wie ja auch Grobben (t. c., p. 495)
selbst ausdrücklich angibt — als Schlundpforte in die Tiefe gerückt
wird. — Infolge der relativ nahen Verwandtschaft, die zwischen
sämtlichen obersten Gruppen dieses Supersuperphylums (direkt oder
durch Vermittlung anderer solcher) besteht, kommt jenen nur der
Rang von Phyla zu, was auch dem bisherigen Gebrauche entspricht.
IX. Phylum: Platodaria Haeckel (1896, p. 241 [ef. p. 246)).
Ich akzeptiere diesen von Haeckel für eine Klasse von viel
geringerem Umfange eingeführten Namen für das betreffende Phylum,
sodaß also der bisweilen in gleichem oder ähnlichem Sinne gebrauchte
Name Scolecida Huxley (1864, p. 42 [ef. p. 47]) — der nach meinem
Codex für ein Phylum überhaupt nicht verwendet werden könnte
(s. Poche, 1911) — ein Synonym desselben wird.
I. Subphylum: Platodes Leuckart (1854, p. 307).
Ich gebrauche mit zahlreichen Autoren diesen kurzen, gut ein-
gebürgerten älteren Namen an Stelle der auch vielfach für diese Gruppe
verwendeten Bezeichnungen Platy[hjelminthes Gegenbaur (1859,
p. 137) und Plathelminthes Haeckel (1879, p. 468).
1. Klasse: Planariordea, nom. nov.
Unter diesem Namen vereinige ich die bisher als selbständige,
den Cestoidea gleichwertige Gruppen unterschiedenen Turbellaria und
Trematoda (incl. der Temnocephalen) zu einer Klasse. Dieser
Schritt erscheint logisch unabweisbar, wenn wir die so weitgehende
ereinstimmung zwischen denselben in Betracht ziehen. Denn der
Unterschied zwischen ihnen reduziert sich bekanntlich in der Haupt-
sache darauf, daß die ersteren auch im erwachsenen Zustande wenigstens
teilweise bewimpert sind, die letzteren dagegen nur in der Jugend
(wobei man zudem noch von den Temnocephaliden absehen muß) — was
ganz gewiß nicht zur Trennung in verschiedene Klassen aus-
reicht. — Daß keiner der beiden angeführten Namen für die Gruppe
in diesem Umfange irgendwie geeignet ist, brauche ich wohl nicht
erst eigens zu beweisen, und habe ich deshalb für sie obigen neuen
Namen eingeführt. — Von umstrittenen Formen rechne ich hieher,
Luther (1908) folgend, Weldonia C. H. Martin.
2. Klasse: Cestoidea Rudolphi (1808, p. 222 [cf. id., 1810, p. 3]).
Es liegt kein triftiger Grund vor, den älteren Namen Cestoidea,
wie es seitens der meisten Autoren geschieht, durch Cestodes Burmeister
(1837, p. 526) zu ersetzen, weshalb ich mit Benham (1901, p. 1) jenen
ersteren beibehalte. — Zu dieser Klasse stelle ich auch die neuerdings
wieder. von Lühe (1902, p. 235 £.) als eine eigene solche von ihr abge-
9 Franz Poche: Die Klassen
trennten sogenannten Cestodaria, zumal da der Charakter, auf den
Lühe sich dabei mit Recht in erster Linie stützte, nämlich die von der
bei der Oncosphaera beobachteten abweichende Zahl und Anordnung
der Hacken am Vorderende des Embryo, für Gyrocotyle rugosa nach
den Untersuchungen von Haswell (1902, p. 53) nicht zutrifft, indem
diese hierin mit der typischen Oncosphaera übereinstimmt.
II. Subphylum: Nemertarii, nom. nov.
Entsprechend meinem Codex führe ich diesen Namen an Stelle
der meist für die Gruppe gebrauchten Nemertina Ehrenberg (1831,
Phytozoa Turbellaria, Bog. c, p. — [4]), Nemertinea Diesing (1850,
p. 182 [cf. p. 238]) und Nemertini Siebold (1845, p. 186) ein. — Es ist
wohl zweifellos, daß diese und die Platodes einander näher stehen als
irgend einer anderen Gruppe, andererseits aber doch so tiefgreifende
Unterschiede aufweisen, daß sie als verschiedene Subphyla be-
trachtet werden müssen, und verweise ich diesbezüglich auf die Aus-
führungen von Bürger (1905, p. 458—-472), und betreffs des Unter-
schiedes der ersteren von den Annulata außerdem auf Grobben (1909 a,
p. 502 £.).
3. Klasse: Memertordea, nom. nov.
Aus denselben Gründen wie für das Subphylum bin ich genötigt,
auch für diese ihm umfangsgleiche Klasse einen neuen Namen ein-
zuführen.
X. Phylum: Articulata C. Carus (1818, p. 26).
Ich vereinige unter diesem Namen nebst einigen kleineren
Gruppen nicht nur die Arthropoden und Ringelwürmer, die als
einander nächstverwandte Gruppen ziemlich allgemein anerkannt
werden, sondern auch die Rädertiere, wie es schon seit langem
Lankester in seinem Phylum Appendiculata (1877, p. 441 [ef.
445 ff.]) tut. — Die Gründe, weshalb ich die letzteren hieher-
ziehe, liegen nicht etwa nur in ihrer vielbesprochenen Ähnlichkeit
mit der Trochophora, sondern besonders auch in den
weitgehenden Übereinstimmungen zwischen
ihnen und den niedrigsten Vermes (Histriob-
dellidae, Dinophilidae). Ich verweise diesbezüglich auf die
Darlegungen von Haswell (1900, p. 328—332) und Shearer (1910,
p. 350—352), wozu ich bemerke, daß der auf das angebliche Fehlen
des Mesoderms begründete Unterschied zwischen jenen und Dino-
philus nach den Darlegungen Eisigs (1898, p. 243) — die unterdessen
durch den Nachweis der mesodermalen Entstehung der Keim-
zellen der Ctenophoren eine gewichtige Stütze erhalten haben — tat-
sächlich nicht vorhanden ist, und betone außerdem,
daß nach den neueren Forschungen zwischen Protonephridien, wie
wir sie bei den Rotiferen finden, und Metanephridien, wie sie für die
Annulaten charakteristisch sein sollten, durchaus kein prinzipieller
und höheren Gruppen des Tierreichs. 91
Unterschied besteht und daß zahlreiche Polychäten
mit ersteren versehen sind (s. insbesondere Fage, 1906),
daß durch die Echinoderiden und Tardigraden (s. unten) die Kluft
zwischen den Rotifera und den Vermes noch sehr wesentlich verringert
wird, und daß endlich der Umstand, daß ein Tier unsegmentiert ist
— selbst wenn also nicht viele Rotiferen deutliche Spuren einer
Segmentierung erkennen ließen —, selbstverständlich keineswegs
hindert, es mit segmental gebauten in einem Phylum, ja einer
Klasse zu vereinigen (ich erinnere nur an die unsegmentierten Formen
unter den Cestoidea). Ferner betone ich die von Eisig (1898, p. 122 ff.
[ef. p.240]) nachgewiesene geradezu schl’agende Über-
einstimmung in der komplizierten Stomodäumbildung bei Rotiferen
und Annulaten (Capitella), und verweise gegenüber der von manchen
Forschern vertretenen Annahme einer näheren Verwandtschaft
ersterer mit den Platoden als mit den Vermes — der einzigen anderen
ernstlich in Betracht kommenden möglichen Ansicht — auf die
kurzen, aber treffenden Bemerkungen Langs (1903, p. 10).
I. Subphylum: Vermarii, nom. nov.
Die unter diesem Namen von mir zusammengefaßten Gruppen
zeigen untereinander zum Teil außerordentlich große Verschieden-
heiten, sind jedoch, wie wir sehen werden, durch Zwischenformen relativ
so eng miteinander verbunden, daß ihre Vereinigung zu einem Sub-
phylum unabweislich ist. |
1. Supersuperklasse: Rotiferomorpha, nom. nov.
Diese Gruppe ist umfangsgleich der von Zelinka (1889, p. 379)
aufgestellten, von Haeckel (1896, p. 261 £f.) zu einem „Cladom“
erhobenen Klasse der Trochelminthes, welcher Name aber sehr wenig
in Gebrauch gekommen ist, sodaß ich es vorziehe, ihn durch einen
meinem Codex entsprechend gebildeten zu ersetzen. So natürlich
die Gruppe auch ist, so sind doch die Unterschiede zwischen den Räder-
tieren und Gastrotrichen (s. z. B. Zelinka, 1889, p. 369—375) so be-
deutende, daß man diese folgerichtiger Weise nicht in eine Klasse
vereinigen kann.
1. Klasse: Gastrotricha Metnikow (1865, p. 458).
Von hinsichtlich ihrer Stellung umstrittenen Formen stelle ich
zu dieser Klasse Philosyrtis Giard und Turbanella
M. Schultze, die gewiß sehr abweichend sind, aber doch nicht Unter-
schiede aufweisen, die den Rahmen einer Klasse überschreiten
würden, zumal da Philosyrtis durch Turbanella mit Zelinkia Giard
und Turbanella durch Zelinkia wieder mit den normalen Gastrotricha
verbunden ist (cf. Grünspan, 1908, p. 230—232 u. 236, und Zelinka,
1889, p. 292).
92 Franz Poche: Die Klassen
2. Klasse: Rotifera Blainville (1834, p. 628).
2. Supersuperklasse: Echinoderomorpha, SSc.nov.
Diese ist umfangsgleich der bisherigen Gruppe der Kinorhyncha.
Die deutliche Metamerie in Integument, Muskeln und Nervensystem,
der so sehr abweichende Bau dieses letzteren und der Exkretions-
organe, die Querstreifung der Muskulatur etc. überwiegen weit die
unleugbar bestehenden mehrfachen Beziehungen derselben zu den
Nematoden (s. Schepotieff, 1907, p. 320), sodaß sie mit diesen nicht
zu einer höheren Gruppe vereinigt werden darf, zumal da sie weit
weniger entfernte. Verwandtschaft einerseits mit den Gastrotrichen
— wie auch Schepotieff (p. 319 ff.) betont —, andererseits mit den
Tardigraden und Annulaten zeigt. Die von Schepotieff (p. 319) hervor-
gehobenen angeblichen fundamentalen Unterschiede gegenüber letzteren
bestehen in Wirklichkeit größtenteils gar nicht zu Recht [s. das oben
über die Articulata Gesagte, sowie Zelinka, 198]. Gleichwohl unter-
scheiden unsere Tiere sich von jeder der genannten Gruppen, wie aus
der nachfolgenden Definition ohneweiteres ersichtlich ist, in so wichtigen
Merkmalen, daß sie mit keiner derselben zu einer Einheit zusammen-
gefaßt werden können, sondern als eine eigene Supersuperklasse
Echinoderomorpha betrachtet werden müssen, die ich definiere als
Vermarii mit deutlicher, aber auf Integument,
Nervensystem und Muskulatur beschränkter
Metamerie, einziehbarem Vorderende, ohne
Fußstummelundäußere Bewimperung, mitepi-
thelial gelegenem Schlundring und unpaarer
Bauchganglienkette, geräumiger primärer
Leibeshöhle, quergestreifterHaut- und Leibes-
höhlenmuskulatur,terminalemMundundAfter,
nematodendarmähnlichem Darm, je 1 Paar be-
wimperter, nach außen mündender Protone-
phridien und nahe dem Hinterende mündender
Geschlechtsorgane, ohne Zirkulationsorgane,
mit einer mit Häutungen einhergehenden Meta-
morphose und getrennten Geschlechts.
3. Klasse: Echinoderoidea, nom. nov.
Diesen Namen führe ich an Stelle der bisher meist für diese Gruppe
gebrauchten Echinoderida Haeckel (1896, p. 296) und Kinorhyncha
Reinhard (1886, p. 205 [ef. p. 296]) ein — entsprechend den in meinem
gestrigen Vortrage von mir entwickelten Grundsätzen.
3. Supersuperklasse: Gordiomorpha, SSe. nov.
Unter diesem Namen erhebe ich die bisherige Ordnung oder Klasse
der Nematomorpha Vejdovsky (1886, p. 634) oder Gordiacea Siebold
(1843, p. 302) zu einer eigenen Supersuperklasse. Ihre Zugehörigkeit
zu den Vermarii ist durch die Resultate der neueren Forschungen,
die bei aller sonstigen Verschiedenheit der Anschauungen doch durch-
und höheren Gruppen des Tierreichs. 93
wegs darin übereinstimmen, daß ihre Verwandten in einer der von
mir unter diesem Namen zusammengefaßten Gruppen zu suchen sind
(Rauther, 1905, p. 76 u. 88; Schepotieff, 1908 d, p. 237 ff.; Nierstrasz
1907, p. 19 ff.; Sväbenik, 1909, p. 62 — welche beiden letzteren sie
allerdings als den Nematoden ungefähr ebenso nahe stehend be-
trachten, wogegen ich auf Rauther (1909, p. 492—498) verweise), wohl
sichergestellt, während andererseits ihre tiefgreifenden Unterschiede
von allen anderen Gruppen jener (cf. die eben zitierten Arbeiten sowie
insbesondere auch ihre abweichende Entwicklung) uns zwingen, sie
als eine eigene Hauptgruppe jener zu betrachten.
4. Klasse: Gordioidea Trautzsch (1889, p. 20).
5. Klasse: Nectonematoidea, ce. noV.
Unter diesem Namen errichte ich für die Gattung Nectonema
Verrill eine eigene Klasse, die ich deiiniere als @ordiomorpha mit
geräumigerLeibeshöhle,dorsalerundventraler
Medianlinie, großen Plasmaanhängen an den
Muskelzellen, nur wenige, aber zum Teil sehr
große Ganglienzellen enthaltendem Gehirn,
intracellulärem Lumen des Ösophagus, ohne
After, mit paarigen, unsegmentierten Keim-
drüsen. — Die Berechtigung hiezu ergibt sich unmittelbar aus
einem Vergleich dieser Definition mit den entsprechenden Charakteren
der Gordioidea, während die Zugehörigkeit der Klasse zu den Gordio-
morpha aus den Arbeiten von Nierstrasz (1907) und Rauther (1909,
p. 493—496) mit Sicherheit hervorgeht.
4. Supersuperklasse: Tardigradomorpha, nom. nov.
Diese umfaßt bloß die Klasse Tardigrada. Dass diese nicht
zu den Arthropoden gehört, hat Handlirsch (1906, p. 100 f.; 1908,
p- 1311f.) überzeugend nachgewiesen, was seitdem durch Richters
(1909, p. 40—44) eine weitere gewichtige Bestätigung erfahren hat.
Ersterer betrachtet sie (1906, p. 102; 1908, p. 1317) als eine den Roti-
feren, Anneliden etc. coordinierte Gruppe, während letzterer sie (p. 44)
„als nächste Verwandte der Anneliden‘“ auffaßt, zwei einander nicht
widerstreitende Ansichten, denen ich der Sache nach vollkommen
beistimme. — Diese Stellung derselben kann ich auch durch die neue-
sten Ausführungen Rauthers (1909, p. 584—587), der sie als mit
den Insekten verwandt ansieht, durchaus nicht als erschüttert,
geschweige denn widerlegt betrachten, da er nicht nur auf die Argu-
mente der genannten Autoren in keiner Weise eingeht, sondern auch
die von ihm für seine Ansicht angeführten Charaktere zum Teil bei
verschiedenen Gruppen der Articulata vorkommen, also für seine
Zwecke nur wenig ins Gewicht fallen können, zum Teil eben nur solche
von hochspezialisierten Larvenformen von Insekten sind, auf
welche Larven aber die allgemeine systematische Stellung der be-
94 ‘Franz Poche: Die Klassen
treffenden Formen keineswegs gegründet ist, sodaß auch eine gewisse
Ähnlichkeit einer Tiergruppe mit jenen bei der Beurteilung der Stellung
dieser zwar gewiß mit in Betracht zu ziehen ist, aber keineswegs aus-
schlaggebend sein kann.
6. Klasse: T’ardigrada Siebold (1848, p. 506).
5. Supersuperklasse: Vermomorpha, nom. nov.
Diesen Namen führe ich für jene Supersuperklasse ein, deren
typische Unterabteilung die VermesL. bilden. — Da die Sternaspididen
unter den Vermes in mancher Hinsicht die Kluft zwischen diesen und
den Gephyrea überbrücken, so gebe ich den gedachten beiden Gruppen
nur den Rang von Subsuperklassen.
1. Subsuperklasse: Vermes Linnaeus (1758, p. 13 [ef. p. 641)).
Allgemeinen nomenklatorischen Grundsätzen entsprechend behalte
ich den alten Namen Vermes (nach Ausschluß einiger heterogener
Formen) für jene Gruppe bei, auf die er zuerst (von Cuvier,
1800, Tabl. Gen. Class. Anim. [cf. 6. Tabl.) beschränkt wurde.
7. Klasse: Dinophiloidea, nom. nov.
Entsprechend meinem Codex (s. Poche, 1911) führe ich an Stelle
von Dinophilea Parker & Haswell (1897, p. XXXIL [ef. p. 310]) obigen
Namen für diese Klasse ein. — Betreffs der Berechtigung, diese Gruppe
den Vermes zuzurechnen, verweise ich auf die durchaus überzeugenden
Darlegungen von Haswell (1900, p. 324—331), Nelson (1904, p. 727
— 728; 1907 p. 129 und 133—136) und Salensky (1907, p. 253—255),
während die, sie als eine eigene Klasse zu betrachten, in ihren trotzdem
unleugbar bestehenden wichtigen Unterschieden von den Annulaten,
insbesondere dem Fehlen einer epithelialen Aus-
kleidung der Leibeshöhle sowie einer Metamerie der Ge-
schlechtsorgane und dem Besitz eines Schwanzanhanges liegt, wozu
noch andere Charaktere kommen, die sie nur mit höheren, von
ihnen wieder anderweitig sehr weit getrennten Annulaten gemeinsam
haben.
8. Klasse: Histriobdelloidea, c. nov.
Diese Klasse umfaßt die Histriobdellidae und wenigstens provi-
sorisch Cirrodrilus Pier., und definiere ich sie als Vermes mit
umfangreichemCoelom,dasnurdurch1lDissepi-
ment geteiltist, ungeteiltem Kopf, vordem Ge-
hirne gelegener Mundöffnung, mehreren Ten-
takeln,mitbeweglichenAnhängenaneinemTeile
der Rumpfsegmente, gegliedertem Bauchmark,
ohne Ringmuskeln, Mesenterien und Blut-
geiäßsystem, mit 1 Paar von Gonaden, in
ihrer ganzen Länge bewimperten Nephridien,
und höheren Gruppen des Tierreichs, 95
unpaarer männlicher und paariger weiblicher
Geschlechtsöffnung, getrennten Geschlechts,
mit direkter Entwicklung. — Hieraus ergeben sich ohne-
weiteres die wichtigsten Unterschiede derselben von den Dinophiloidea
einer- und den Annulata (oder wenigstens den ihnen nächststehenden
Formen dieser) andererseits und damit auch die Gründe, weshalb
ich sie als eine eigene Klasse betrachte; speziell betreffs ihrer Selbst-
ständigkeit gegenüber den Annulaten cf. auch Haswell, 1900, p. 325
— 328. — Ferner erhellt hieraus auch, daß ich den neuesten Angaben
Shearers (1910, p. 305f. u. 348), wonach die Leibeshöhle von Histri-
obdella eine primäre sein soll, nicht Glauben schenken kann. Denn
die von ihm als den Darm bekleidend angegebene kernhaltige
„Cutieula““ stellt offenbar die Splanchnopleura dar, während das
vermeintliche Fehlen einer Somatopleura wohl nur darauf zurück-
zuführen ist, daß die Zellen dieser, wie es Haswell (1900, p. 312) für
Stratiodrilus Hasw. nachgewiesen hat, noch in unmittelbarem Zu-
sammenhang mit den Längsmuskeln stehen. — Die Gattung
Cirrodrilus konnte in der obigen Definition
nur hinsichtlich der äußeren Charaktere be-
rücksichtigt werden, da ihr innerer Bau leider ganz
unbekannt ist, und kann daher auch ihre Zurechnung zu dieser Klasse
vorläufig natürlich nur eine vermutungsweise sein; doch ist ihre Über-
einstimmung in Bezug auf jene (ich verweise auf die eben gegebene
Definition) mit den Histriobdellidae weit größer als mit den Branchi-
obdellidae, der einzigen anderen Gruppe, mit der sie bisher in Be-
ziehung gebracht wurde (Pierantoni, 1905, p. 2) mit der sie aber
im Gegensatz zu ersteren bloß die Anordnung der Kiefer und die
Ausbildung und Lage der Saugscheibe gemeinsam haben.
9. Klasse: Annulata Latreille (1806, p. 3).
Ich acceptiere diesen bereits oft für sie gebrauchten Namen
für die Klasse, zumal da die sonst vielfach in ähnlichem Sinne ver-
wendeten Namen Annelides Lamarek (1818, p. 274) und Annelida
Grant (1835, p. 110) jünger sind und überdies nach meinem Codex für
eine Klasse nicht verwendet werden können. — Hieher gehören außer
den (allgemein als solche betrachteten) Chaetopoden — unabhängig
davon, ob ihre Einfachheit primär oder sekundär ist — die Poly-
gordiidae und Protodrilidae, was schon durch die
trefflichen Auseinandersetzungen Goodrichs (1901, p. 420—426) zur
Genüge bewiesen wurde (s. auch Pierantoni, 1906, p. 70; 1908, p. 220
—224) und seitdem durch die Entdeckung des borsten-
tragenden Polygordiiden Chaetogordius (s. Moore, 1904) vollends
über jeden Zweifel erhoben worden ist, femer Sternaspis Otto
(ef. Mesnil, 1899, p. 84f.), die Myzostomatiden (s. Wheeler,
1896, p. 269—288) und die Hirudineen, die von vielen Autoren
als eine eigene Klasse betrachtet werden, was aber ganz unhaltbar
geworden ist, seitdem wir wissen, in wie zahlreiehen und wichtigen
Punkten Acanthobdella Gr. den Übergang zu den Oligochaeten
96 Franz Poche: Die Klassen
bildet oder direkt mit solchen übereinstimmt (s. die ausgezeichnete
Arbeit von Livanow, 1906, insbesondere p. 832—838).
2. Subsuperklasse: Gephyrea Quatrefages (1847, p. 340), sSe. nov.
Ich erhebe hiemit die bisherige Klasse Gephyrea zu einer Sub-
superklasse und verweise betreffs der Berechtigung, sie als eine ein-
heitliche Gruppe zu betrachten, auf die Darlegungen Shipleys (1896,
p. 447—449), die seitdem durch die entwicklungsgeschichtlichen
Untersuchungen Geroulds (1906, p. 126—131 u. 145.) insoweit eine
wichtige Stütze gefunden haben, als durch diese die Kluft zwischen den
Sipunculoidea und den anderen Vermomorpha überhaupt und damit
also auch den Echiuroidea sehr wesentlich verringert wird. Gegen die
Vereinigung ersterer mit den Bryozoen etc. cf. auch Gerould, p. 133
—137. — Gleichwohl ist aber der Unterschied zwischen ersteren und
den Echiuroidea noch vollkommen groß genug, um mit Grobben
(1904, p. 20 [cf. p. 387—393) beide als eigene Klassen zu betrachten.
Da nun aber, wie Shipley (p. 445—447) gezeigt hat, die Pria-
puloidea den ersteren, mit denen sie gewöhnlich vereinigt werden,
durchaus nicht näher stehen als letzteren — Moltanov (1908, p. 966)
glaubt sogar, daß sie „den Echiuriden am nächsten stehen, daß aber
auch hier die Verwandtschaft eine sehr entfernte ist‘‘ —, so müssen
wir diesen konsequenter Weise gleichfalls den Rang einer Klasse
geben; und dasselbe gilt von den Epithetosomatoidea, die ebenfalls
mit keiner anderen Klasse der Gephyrea vereinigt werden können
(s. Shipley, p. 444 f. u. 449 — der alle vier genannten Gruppen als
Ordnungen betrachtet).
10. Klasse: Echiurordea Claus (1883, p. 346).
11. Klasse: E’pithetosomatoidea Shipley (1896, p.412 [cf. p. 444]), ce. nov.
Theel (1906, p. 9£.) sagt zwar, daß nichts im Text und den Ab-
bildungen von Danielssen u. Koren (1881) der Annahme entgegen
zu stehen scheint, daß Epithetosoma Danielssen & Koren (1881,
p. 39), die einzige hiehergehörige Gattung, eine Nemertine sei,
während, wie er kurz ausführt, manches für diese von ihm vertretene
Ansicht spreche; dagegen muß ich aber bemerken, daß die genannten
Autoren (p. 39—43, tab. VI) ausdrücklich angeben, daß diese ein
Peritoneum und Mesenterien, also eine sekundäre Leibeshöhle,
besitzt, was allein schon ihre Zurechnung zu den
Nemertinen unmöglich macht, ferner daß der Körper
von einer Cuticula bedeckt ist, die am Rüssel sogar ziemlich dick ist,
die Leibeswand außer der äußeren auch eine innere Ringmuskel-
schicht aufweist, das Zentralnervensystem als unpaarer Bauch-
strang vorhanden ist, der Rüssel nicht zurückziehbar ist und seine
Höhlung eine unmittelbare Fortsetzung der Leibeshöhle bildet, u. s. w.
— lauter Befunde, die mit den entsprechenden Verhältnissen bei den
Nemertoidea in direktem Gegensatz stehen, dagegen zum größeren
Teil mit den bei Gephyreen obwaltenden übereinstimmen, sodaß ich
unsere Form, wie bisher allgemein geschehen, diesen zurechne.
und höheren Gruppen des 'fierreichs. 97
12. Klasse: Priapuloidea Shipley (1896, p. 412 [cf. p. 430]), e. nov.
13. Klasse: Sipunculoidea Siebold (1845, p. 75).
II. Subphylum: Peripatarii, nom. nov.
Unter diesem Namen trenne ich, insbesondere auf Grund der
überzeugenden Ausführungen Handlirsch’s (1908, p. 1309—-1311 und
1317), die Klasse der Onychophora als eigenes Subphylum von den
Arthropoda ab; eine Zurechnung derselben zu den Vermarii, wie es
Boas (1899, p. 364 f.) tut, ist aber in Anbetracht ihrer dessen-
ungeachtet tiefgreifenden (auch von Handlirsch zu wenig hervor-
gehobenen) Unterschiede von diesen, speziell auch in ihrer Entwicklung,
wohl entschieden zu weit gegangen.
14. Klasse: Onychophora Grube (1850, p. 275).
Betreffs der Gründe, weshalb ich diesen als den giltigen Namen
der Klasse annehme, verweise ich auf Bouvier, 1905, p. 44—-47.
Bis Subphylum: Linguatularii, nom. nov.
Diesen Namen führe ich für das die bisher gewöhnlich als Lingua-
tulida Vogt (1851, p. 499) oder Linguatulina Gerstaecker (1863, p. 346)
bezeichnete Gruppe umfassende Subphylum ein. Daß diese nicht
zu den Arachnoideen gehört, wohin sie gewöhnlich gestellt wird, hat
bereits Ihle (1899) klar bewiesen und sie zu einer eigenen Klasse der
Tracheaten erhoben, während Handlirsch sie, allerdings mit einem
Fragezeichen, als eine den Arthropoden, den Peripatarii etc. gleich-
wertige Gruppe betrachtet (1906 a, p. 100 u. 102; 1908, p. 1312. u.
1317). Und hierin muß ich ihm durchaus beistimmen; denn die Quer-
streifung der Muskulatur findet sich unter den Articulaten nicht nur
bei den Arthropoden, sondern auch bei den Echinoderomorpha und
in beschränktem Maße auch bei den Peripatarii, während ich im der
von Ihle (p. 608) behaupteten Zweigliedrigkeit der Fußstummel der
Larven überhaupt keinen Arthropodencharakter erblicken kann, indem
man einen einfachen in 2 Krallen ausgezogenen Chitinring unmöglich
als einGliedim SinnederGliederderArthropoden-
beine betrachten kann; und sonstige spezielle Arthropoden-
charaktere weisen unsere Tiere überhaupt kaum auf, während sie
sich in mehreren wichtigen Punkten durchaus von diesen unter-
scheiden (Besitz einer äußeren Ringmuskelschicht, Fehlen jeder
Metamerie sowie von gegliederten Extremitäten auf allen Ent-
wicklungsstadien etec.).
15. Klasse: Zinguatuloidea, nom. nov.
Entsprechend meinem Code (s. Poche, 1911) führe ich diesen
Namen für die einzige in diesem Subphylum enthaltene Klasse ein.
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 1. Suppl. 7
98 Franz Poche: Die Klassen
IV. Subphylum: Arthropoda Siebold (1845, p. 4).
Infolge der relativ nahen Verwandtschaft, die zwischen den
Hauptgruppen dieser trotz der großen Divergenz ihrer Endglieder
infolge der Existenz zahlreicher — meist fossiler — verbindender
Formen besteht, wie insbesondere Handlirsch (1908, p. 1302—1308)
überzeugend dargelegt hat, kann jenen nur der Rang von Super-
klassen gegeben werden.
1. Superklasse: Careinomorphae, nom. nov.
Unter diesem Namen fasse ich die Carcinoidea, Arachnoidea und
Pycenogonoidea zusammen. Betreffs der Gründe, weshalb ich die
beiden ersteren zu einer Gruppe vereinige, verweise ich auf Kingsley
(1894, p. 131 f.), Heymons (1901, p. 147) und Carpenter (1905, p. 475
—483), welche Gründe (cf. auch Handlirsch, 1908, p. 1301) mir ge-
wichtiger zu sein scheinen als die interessanten Ausführungen Börners
(1909, p. 100—120) zugunsten einer Vereinigung der Caremoidea mit
den Tracheata, und legeich vornehmlich auch darauf
Gewicht, daß. die :Triloebiten "unverkennbar
erstere mit den Arachnoidea verbinden Die
Pyenogonoidea andererseits ziehe ich deshalb hieher, weil sie un-
streitig nähere Verwandtschaft zu jenen beiden Gruppen als zu den
Tracheaten zeigen (s. Bouvier, 1907, p. 7—12; Meisenheimer, 1902,
p. 231—243; Lankester, 1904, p. 214f. u. 221—223; Börner, p. 120).
Jedoch sind die Unterschiede zwischen jenen drei Gruppen immer-
hin noch so bedeutende (s. Heymons, 1901, p. 136—146; Börner,
p- 118£.; Packard, 1903, p. 146—153 betreffs jener zwischen den
Careinoidea und Arachnoidea, und betreffs jener zwischen diesen
beiden und den Pyenogonoidea einerseits die Meinungsverschieden-
heiten, mit welcher dieser Gruppen sie in Beziehung zu setzen
sind [s. die eben zitierten Arbeiten], andererseits die Darlegungen von
Thompson, 1909, p. 525—-528), daß es erforderlich wird, für jede
derselben eine eigene Subsuperklasse zu errichten, deren Namen ich
entsprechend meinem Code von dem der betreffenden Klasse bilde.
1. Subsuperklasse: Carcınomorphi, nom. nov.
16. Klasse: Carcinoidea Hemprich (1820, p. 161 [cf. p. 162]).
Da der Name Crustacea (Brisson, 1762, p. 4 [cf. p. 6]) nach meinem
Codex für eine Klasse nicht verwendet werden kann (s. oben, p. 64#.
sowie Poche, 1911) — es ist dies die weitaus unbequemste An-
derung, die dieser mit sich bringt —, so gebrauche ich dafür den
eben genannten. — Hieher ist auch die vermeintliche Protozoen-
gattung Schizogenes Pouchet zu stellen, von der G. W. Müller
(1895) überzeugend nachgewiesen hat, daß sie nur das Secret der
Schalendrüse von gewissen Ostracoda darstellt (nachdem ja ein
Name bekanntlich auch dann zulässig ist, wenn er auf einen irr-
tümlicher Weise für ein ganzes Individuum gehaltenen Teil oder ein
Produkt eines Organismus gegründet wurde).
und höheren Gruppen des Tierreichs. 99
2. Subsuperklasse: Pyenogonomorph:i, nom. nov.
Bereits Börner (1909, p. 120) hat dieser Gruppe einen Rang
gegeben, der zum mindesten (cf. t. c., p. 124) dem meiner Subsuper-
klassen entspricht.
17. Klasse: Pyenogonoidea Hodge (1862, p. 33 [ef. p. 34).
Entsprechend meinem Codex gebrauche ich diesen Namen an Stelle
des bisher für die Gruppe vielfach verwendeten Pyenogonida (Schmarda,
1872, p. 5l); und ebenso ist gar kein triftiger Grund vorhanden, für
sie, wie es auch öfters geschieht, den jüngeren Namen Pantopoda
Gerstaecker (1863, p. 348) zu verwenden.
3. Subsuperklasse: Arachnomorphi, nom. nov.
18. Klasse: Arachnoidea Schweigger (1820, p. 141 [cf. p. 140)).
Zu dieser Klasse stelle ich mit Kingsley (1893, p. 227—248),
Lankester (1904, p. 225—232), Shipley (1909, p. 258f. u. 277) und
Anderen die Xiphosuren, ünd verweise zur Begründung dessen außer
auf die Ausführungen dieser Forscher insbesondere darauf, daß Palaeo-
phonus die Kluft zwischen jenen und den Scorpionen noch wesentlich
verringert (s. Pocock, 1901), sowie auch darauf, daß wie jene auch
die Opilionidea keine sog. Malpighi’schen Gefäße besitzen, deren
Fehlen meist als ein wichtiger Unterschied jener von den Arach-
noidea betrachtet wird.
2. Superklasse: Tracheata Bronn (1858, p. 23 [cf. p. 24)).
Es liegt gar kein triftiger Grund vor, diesen gut eingebürgerten
Namen durch die jüngeren Antennata Lang (1889, p. 291 [cf. p. 452])
oder Atelocerata Heymons (1901, p. 143 [ef. p. 147]) zu ersetzen —
denn wie oft bezeichnen Namen eine nicht ausschließliche
Eigentümlichkeit der betreffenden Gruppe. — Den Ausführungen
von Verhoeff (1902, p. 1—4) und Packard (1903, p. 155—161) Rechnung
tragend, unterscheide ich hier 2 Hauptgruppen, denen ich aber infolge
ihrer relativ nahen Verwandtschaft, die in erster Linie durch die Sym-
phyla vermittelt wird (cf. speziell auch Carpenter, 1905, p. 475—480),
nur den Rang von Subsuperklassen geben kann.
1. Subsuperklasse: Progoneata Pocock (1893, p. 274).
19. Klasse: Pauropoda Lubbock (1868, p. 182).
20. Klasse: Diplopoda Gervais (1847, p. 57, Tabl. Syn. Genr. Myriapodes
[ef. p. 58 £f.)).
21. Klasse: Symphyla Ryder (1880, p. 375 [ef. p. 376)]).
2. Subsuperklasse: Opisthogoneata Pocock (1893, p. 274).
22. Klasse: Chilopoda Latreille (1817, p. 155).
23. Klasse: Insecta Linnaeus (1758, p. 13 [ef. p. 339).
Hieher stelleich auch die Apterygota. Wenn ich auch den von
7
100 Franz Poche: Die. Klassen
Börner (1904, p. 523 f.) gegen Handlirsch’s Abtrennung und Auflösung
dieser in drei selbständige Klassen vorgebrachten Hinweis auf
die bisher allgemein herrschende gegenteilige Ansicht durchaus nicht
als wissenschaftliches Argument anerkennen kann, so kann ich doch
die von dem letztgenannten Forscher (1904, p. 748£.; 1908, p. 1289,
1295—1298 und 1314£.; s. auch id., 1906 a, p. 13—17) dafür geltend
gemachten Gründe nicht als ausreichend betrachten. Nur einige
Punkte aus seinen gehaltvollen Ausführungen seien kurz erörtert:
(1904) Die fundamentalen Unterschiede zwischen Cyclostomata und
Pisces (s. unten) scheint Handlirsch augenscheinlich sehr zu unter-
schätzen. Reptilien und Vögel sind konsequenter Weise zu einer
Klasse zu vereinigen (s. unten), überdies gibt es keine anderen, die
Distanz zwischen beiden überbrückenden Gruppen, wohl aber
[natürlich nicht in gerader Linie] zwischen einer Blatta und einem
Schmetterling oder einer Libelle und einer Laus, während das Alter
einer Gruppe an sich für ihren systematischen Rang überhaupt voll-
kommen irrelevant ist (cf. die bis ins Kambrium zurückreichende
Gattung Lingula); betreffs der unterscheidenden Charaktere der
Pterygota dürfen wir nicht vergessen, daß die Flügel ledig-
lich Hautduplikaturen darstellen und somit
zwar gewiss sehr auffallende und meistbiolo-
gisch wichtige, morphologisch aber doch nur
Gebildevon sehr mäßigem Werte sind (mit deren
Auftreten allerdings andere Organisationseigentümlichkeiten, wie
Ausbildung der Flugmuskeln ete. Hand in Hand gehen) und daß
sich zudem nicht nur bei Thysanuren (wo zum mindesten bei Lepisma
sogar Tracheen in sie eintreten), sondern auch bei Japyx seitliche
und hintere Verlängerungen der Rückenplatten des Thorax finden,
welche den Flügeln der Pterygoten homolog,
bezw. homodynam sind (s. Grassi, 1886, p. 615; 1888,
p. 580 f£.), daß Tracheen auch innerhalb der Arachnoidea sowie
der von Handlirsch als Klasse betrachteten Gruppe der Collembola
vorhanden sind oder fehlen, daß die Thysanuren
wie in anderer Beziehung so auch insbesondere hinsichtlich ihrer Ent-
wicklung einen Übergang zwischen den anderen Apterygoten und
den Pterygoten bilden, daß das spezifisch ausgebildete Tracheen-
system der letzteren auch bei Thysanuren vorhanden ist, die „typische
Segmentierung‘ der Pterygoten sich auch bei den Apterygoten findet,
indem die drei ersten Rumpfsegmente den Thorax bilden und diese
allein. vollentwickelte Beine tragen und auch die Zahl der Abdominal-
segmente, die jedoch auch innerhalb der Pterygota selbst (gar nicht zu
reden von anderen Klassen der Arthropoden) von 8 bis [wahrschein-
lich] 12 (die ursprüngliche Zahl!) schwankt, nur bei den Collembola
eine abweichende (6) ist; die Chilopoden unterscheiden sich von
allen Insecta wesentlich durch das Fehlen der typischen Segmen-
tierung dieser (s. oben), die geringere Differenzierung der einzelnen
Beinglieder, das ungleich höher entwickelte Blutgefäßsystem, das un-
paareOvarium und die Ausbildung des 1. Beinpaares als hochdifferenzierte
und höheren Gruppen des Tierreichs. 101
Kieferfüsse; —- (1908) auch bei den Pterygoten entsteht, wie man
nach dem Schwergewicht der neueren einschlägigen [zum Teil erst
nach der gedachten Publikation Handlirsch’s erschienenen] Arbeiten
wohl ruhig behaupten kann, der Mitteldarm wie bei den Apterygoten
aus dem Entoderm (cf. die vorzügliche kritische Darstellung bei
Korschelt und Heider, 1910, p. 3833—409). Ferner sei auch noch hervor-
gehoben, daß durch die jüngsten Untersuchungen von Börner (1908,
p- 62—66; 1909, p. 104—111 u. 120—125) die Ansicht von der Ver-.
wandtschaft der Apterygota sowohl untereinander als mit den Ptery-
gota eine neue Stütze erhalten hat.
XI. Phylum: Nemathelminthes Gegenbaur (1859, p. 137).
Die bekannten tiefgreifenden Unterschiede dieser von allen anderen
Gruppen der Zygoneura erheischen es sie, wie es auch schon von
mehreren anderen Autoren geschehen ist, als ein eigenes Phylum
zu betrachten, während ihre Beziehungen zu einzelnen Gruppen
der Articulaten (cf. Rauther, 1909) und speziell den Echino-
deroidea (s. Schepotieff, 1907, p. 320) nur derart sind, daß es nicht
erforderlich wird, ihnen einen höheren Rang als den einer den
Gruppen der Platodaria, Articulata, Mollusca ete. coordinierten Ab-
teilung zu geben, was man in Anbetracht der unverkennbaren Be-
ziehungen dieser untereinander sonst unbedingt tun
müßte.
1. Klasse: Nematoidea Rudolphi (1808, p. 252 [ef. p. 324 u. id., 1809,
. 55]).
Es liegt gar kein Grund ar diesen Namen, wie es in neuerer
Zeit meist geschieht, durch die jüngeren Nematodes Burmeister (1837,
p. 534) oder Nematoda Haeckel (1866, p. LXXXII) zu ersetzen. —
Zu dieser Klasse gehören, wie insbesondere die Untersuchungen
Schepotieffs (1908 a u. b) bewiesen haben, auch Trichoderma
Grff. und die Desmoscolecidae, die bisher öfters nur als
„Anhang“ an sie angeschlossen wurden. s
XI. Phylum: Acanthocephalaria, nom. nov.
Entsprechend meinem Code (s. Poche, 1911) führe ich diesen
Namen an Stelle der bisher für die Gruppe gebrauchten Acantho-
cephala Rudolphi (1809, p. 251) und Acanthocephali Rudolphi (1808,
p: 356 [ef. p. 295 u. 206]) em. — Hinsichtlich ihres Ranges gilt
genau dasselbe, was ich soeben über die Nemathelminthes gesagt habe,
und verweise ich betreffs ihrer Beziehungen zu anderen Gruppen —
die uns aber nicht etwa zu einer Unterschätzung ihrer schwer-
wiegenden Besonderheiten verleiten dürfen — auf Schepotieff (1908 c,
p: 300 £.) und Rauther (1909, p. 503—506).
1. Klasse: Acanthocephaloidea, nom. nov.
. Ausanalogen Gründen wie für das Phylum führe ich für die ein-
zige Klasse desselben diesen neuen Namen ein.
102 Franz Poche: Die Klassen
XII. Phylum: Bryozoaria Delage & Herouard (1897, p. 3
[ef. p. 47)).
Ich gebrauche diesen ursprünglich als Klassenname an Stelle von
Bryozoa eingeführten Namen in erweitertem Sinne für das diese ent-
haltende Phylum, da der gebräuchlichste Name desselben, Molluscoidea
Carus u. Engelmann (1861, p. 834), abgesehen davon daß sich zahl-
reiche Autoren und nicht ohne Grund gegen den Gebrauch desselben
sträuben (s. z. B. Haeckel, 1896, p. 303; Delage Herouard, 1897, p. 1
u. 327), nach meinem Codex für ein solches nicht verwendet werden kann
(s. oben p. 64f. und Poche, 1911) und auch keiner der anderen an
Stelle desselben vorgeschlagenen Namen eine allgemeinere Annahme
gefunden hat, Tentaculata Hatschek (1888, p. 40) zudem eine sehr
unbestimmte Bezeichnung und außerdem bereits vielfach (z.B. von
Latreille, 1825, p. 176 unter den Gastropoden; Wilbrand, 1814, p. 124
unter den Mollusken; Lankester, 1877, p. 441 [cf. p. 444] unter den
Echinodermen; Chun, 1880, p. 30 [cf. p. 268] unter den Ctenophoren)
präokkupiert ist. Die bekannten sehr beträchtlichen Unterschiede
zwischen den drei dieses Phylum bildenden Gruppen rechtfertigen es
ohneweiteres, jede derselben zu einem eigenen Supersubphylum
zu erheben — einzelne Autoren, so in neuerer Zeit Fleischmann (1898,
p. 294 u. 296), geben sogar sowohl den Bryozoa wie den Brachiopoda
je den Rang eines Phylums —, und ist es im Gegenteil vielmehr
erforderlich, ihre Vereinigung zu einem Phylum zu be-
gründen als diese Trennung.
I. Supersubphylum: Actinotrochariae, nom. nov.
Die Gründe für die Einführung dieses Namens sind ganz analoge
wie sie es für die des Namens der Klasse waren (s. unten). —
Bereits Masterman (1896, p. 135) hat diese Gruppe augenscheinlich
als eine Abteilung von höherem Range als dem einer Klasse betrachtet,
während Lankester (1900, p. 5) sie provisorisch sogar als ein eigenes
Phylum auffaßt. Betreffs der Gründe, weshalb ich sie dem Phylum
Bryozoaria zurechne, verweise ich auf die trefflichen Ausführungen
von Selys-Longehamps (1907, p. 258—277) und betone dabei nur,
daß, wenn auch die Actinotrochariae gewisse Beziehungen zu den
Sipunculoidea aufweisen, diese doch, wie Selys-Longchamps (p. 275)
auch selbst ausdrücklich anerkennt, entferntere als die zu den Bryozoen
sind, während jene ihrerseits, wie wir bereits gesehen haben, viel
näher mit den anderen Gephyreen verwandt sind und daher nicht,
wie Selys-Longchamps (p. 274£.) will, von diesen abgetrennt und
mit den Actinotrochariae, Bryozoa etc. zu einer höheren Einheit
vereinigt werden dürfen.
1. Klasse: Actinotrochoidea Poche (1908 a, p. 321).
Hinsichtlich der Gründe, die mich nötigten diesen Namen einzu-
führen, s. auch Poche, 1908 b, p. 373—377.
und höheren Gruppen des Tierreichs. 103
II. Supersubphylum: Bryozoa Ehrenberg (1831, Phytozoa Polypi,
Bog. a, p. — [1] [ef. p. — [2]]).
Dies ist nicht nur der gebräuchlichste Name dieser Gruppe,
indem er von fast allen außer den englisch schreibenden Autoren
und auch von einzelnen dieser angewandt wird, sondern auch der
älteste, indem Polyzoa J. V. Thompson (1830, p. 89
[ef. p. 92]) der bisher allgemein als solcher betrachtet und von
der überwiegenden Mehrzahl der englisch schreibenden sowie einzelnen
wenigen anderen Autoren angewandt wurde, nicht den Namen
einer supergenerischen Gruppe, sondern lediglich
einen Gattungsnamen darstellt, wie sich aus der
betreffenden Arbeit mit vollster Sicherheit ergibt. So heißt es gleich
im Titel dieser: „On Polyzoa, a new animal discovered....‘, weiter
auf p. 92: „this animal has been designated by the name of Polyzoa,
because it appears...“! Dementsprechend spricht Thompson auch
von unseren Tieren in der Mehrzahl ganz analog wie bei anderen
Gattungen vielfach als ‚„Polyzoae‘“ (p. 92, 97 etc... Es ist also
fortanauchnichtmehrderScheineines@Grundes
dafür vorhanden, Polyzoa als giltigen Namen
der Gruppe zu gebrauchen. — Betreffs der Berechtigung,
auch die Entoprocta hieherzustellen, verweise ich auf die überzeugenden
neueren Untersuchungen von Seeliger (1906), Czwiklitzer (1908, p. 177
—184) und Prouho (1892, p. 641—644), aus denen sich zugleich die
Widerlegung der Ansicht Lebedinskys (1905, p. 546 f.) ergibt, daß sie
„in erster Linie dem C’ephalodiscus anzugliedern“ sind, gegenüber der
ich auch auf Harmer (1905, p. 124 f.) verweise; die nichtsdestoweniger
schwerwiegenden Unterschiede jedoch, die zwischen ihnen und den Ecto-
procta in Bau und Entwicklung bestehen — wenn manche Autoren
gelegentlich von ‚naher Verwandschaft“ zwischen ihnen sprechen,
so ist das nur cum grano salıs, nämlich im Gegensatz zu der von
manchen Forschern befürwortetenvollkommenenTrennung
derselben, zu verstehen—, rechtfertigen es vollkommen, beide Gruppen
als Vertreter je eines eigenen Subsubphylums zu betrachten, dessen
Namen ich gemäß den gestern entwickelten Grundsätzen (Poche,
1911) bilde.
I. Subsubphylum: Eetoproctadae, ssph. nov.
2. Klasse: Ectoprocta Nitsche (1869 b, p. 34).
II. Subsubphylum: Entoproetadae, ssph. nov.
3. Klasse: Entoprocta Nitsche (1869 b, p. 34).
Dem überwiegend herrschenden Gebrauche folgend, der zudem
auch durch sprachliche Gründe gestützt wird, bevorzuge ich diesen
Namen gegenüber dem nur wenige Monate älteren Endoprocta
Nitsche (1869 a).
104 Franz Poche: Die Klassen
III. Supersubphylum: Brachiopodariae, nom. nov.
Dasselbe enthält nur die Klasse Brachiopoda.. Wegen der Be-
rechtigung, diese den Bryozoaria zuzurechnen, verweise ich auf die
Arbeiten von Conklin (1902, p.58—70) und Blochmann (1892, p. 43—50).
4. Klasse: Brachiopoda Blainville (1817, p. 62).
XIV. Phylum: Mollusca Linnaeus (1758, p. 641 [cf. p. 644)).
I. Subsubphylum: Amphineura Ihering (1876, p. 123 [cf. p. 136)).
Betreffs der Berechtigung, diese als eine einheitliche Gruppe zu
betrachten, sie aber zugleich auch den gesamten Conchifera als eine
gleichwertige solche gegenüberzustellen, sei bloß auf Plate (1901a,
p. 546—576) und Nierstrasz (1910, p. 414—427) verwiesen, während
andererseits die bedeutsamen Unterschiede zwischen Placophora und
Aplacophora (s. Thiele, 1902, p. 297”—320) es logisch unabweislich
machen, beide als eigene Klassen zu betrachten.
1. Klasse: Aplacophora Ihering (1876, p. 136).
Es ist nicht der mindeste Grund vorhanden, an Stelle dieses Namens,
wie es seitens mancher Autoren geschieht, den jüngeren Solenogastres
Gegenbaur (1878, p. 135) zu gebrauchen, zumal letzterer für die
Chaetodermatidae überhaupt nicht zutreffend ist. — Hieher gehört
auch die von Stewart (1909a) als eine Gephyree beschriebene und
Investigator genannte und (1909b) in Ereunetes [non
Ill.] umgetaufte Gattung, wie Spengel (1910) kurz dargelegt hat.
2. Klasse: Placophora Ihering (1876, p. 137).
II. Subsubphylum: Conchifera Gegenbaur (1878, p. 334).
Im Anschluß an Grobben (1894, p. 74—76 und 84—86) stelle ich
die Cephalopoda allen anderen Conchifera gegenüber.
1. Superklasse: Gastropodomorphae, nom. nov.
Indem ich die Gastropoda als die typische, zentrale Gruppe
dieser Abteilung betrachte, führe ich für letztere an Stelle von Pro-
rhipidoglossomorpha Grobben (1894, p. 84) obigen Namen ein, da
die Endung -omorpha nach meinem Codex eine Supersuperklasse
bezeichnen würde (s. p. 65).
3. Klasse: Scaphopoda Bronn (1862, p. 522 [cf. p. 524]).
4. Klasse: Gastropoda Burmeister (1837, p. 493).
5. Klasse: Lamellibranchia Risso (1826, p. 286).
Da dieser Name sprachlich vollkommen richtig gebildet (cf. Opistho-
branchia, Elasmobranchia ete.), sehr vielfach gebraucht und dabei
kürzer ist, so bevorzuge ich mit zahlreichen anderen Autoren ihn
gegenüber dem gleichfalls häufig verwendeten vollkommen gleich-
bedeutenden Lamellibranchiata Blainville (1824, p. 306).
und höheren Gruppen des Tierreichs. 105:
2. Superklasse: Cephalopodomorphae, nom. nov.
Da der gelegentlich für diese Gruppe gebrauchte Name Siphono-
poda Lankester (1877, p. 448) wenig Eingang gefunden hat, so führe
ich den eben gebrauchten Namen für sie ein.
6. Klasse: Cephalopoda Froriep u. Meckel (in Cüvier, 1809, 5. Tab.).
III. Subsubphylum: Rhodopadae, ssph. nov.
Unter diesem Namen erhebe ich die Familie Rhodopidae zu
einem eigenen Subsubphylum der Mollusca. Da dieses umfangs-
gleich mit der einzigen in ihm enthaltenen Klasse ist, so ist
eine eigene Definition desselben nicht erforderlich. — Meine Gründe
für jenes Vorgehen liegen einerseits in den unverkennbaren Über-
einstimmungen, die Rhodope mit den Mollusken und speziell manchen
Nudibranchiern bietet (s. Böhmig, 1893) und die so bedeutsam sind,
daß ich sie auch nicht etwa den Amphineura + Conchifera als eine
gleichwertige Abteilung entgegenstellen möchte — ich verweise ins-
besondere auf Cenia cocksi, bei der auch in der Entwicklung eine
Schale fehlt und das Velum sehr reduziert ist (s. Pelseneer, 1899) —,
sodaß ich mich der Anschauung Böhmigs (p. 113), der geneigt wäre,
für unsere Form eine eigene Klasse zu schaffen, ‚die anhangsweise
zunächst bei den Scoleciden unterzubringen wäre“, und Pelseneers,
der sie (1906) in seiner Bearbeitung der Mollusken überhaupt
nicht anführt, also sie offenbar diesen nicht zurechnet, durchaus
nicht anschließen kann, auch weiter gehe als Hescheler (1900, p. 482
—485), der sie bloß als „Anhang“ zu den Mollusken anführt,
andererseits in den tiefgreifenden Unterschieden, die dessenungeachtet
im Bau (s. Böhmig) und besonders in der Entwicklung (s. Trinchese,
1887, p. 134—137) zwischen ihr und jeder anderen Gruppe der Mollusca
bestehen und die es auf jeden Fall verbieten sie, wie es seitens mancher
Autoren geschieht, den Opisthobranchiern und gar direkt den Nudi-
branchia zuzurechnen (cf. auch das oben p. 84 über die Dicye-
matodea Gesagte).
7. Klasse: Rhodopoidea, nom. nov.
An Stelle des kaum in Gebrauch gekommenen Namens Proto-
cochlides Ihering (1876, p. 143), den dieser später (1887, p. 525 [ef.
p. 523]) auf die Rhodopidae beschränkte, gegen dessen Annahme sich
aber heute wegen seines Wortsinnes wohl die meisten Zoologen sträuben
würden, führe ich für die die genannte Familie umfassende Klasse obigen
Namen ein.
Genus Zygoneurorum sedis incertae.
.. Hemidasys Claparede (1867, p.18 [ef. p. 23]). Diese Gattung
ıst so mangelhaft beschrieben, daß jede genauere Einordnung in das
System unmöglich ist; jedenfalls scheint sie nicht zu den Gastro-
tricha zu gehören, wohin sie von ihrem Autor gestellt wurde (s. Ze-
linka, 1889, p. 291 £.; Delage Herouard, 1897, p. 235).
106 Franz Poche: Die Klassen
II. Supersuperphylum: Chaetognatha V. Carus (1863, p. 427 [ef.
p. 454]), SSph. nov.
Am nächsten kommt meiner Auffassung von der außerordentlich
isolierten Stellung dieser Gruppe Grobben (1909 a, p. 496—499 [ef. id.,
1905, p. 684 u. 686]), der ihr den Rang eines ‚„Unterkreises‘“ [gleich-
wertig meinen Superphyla] gibt, sie aber dem ‚Kreise‘ der Deutero-
stomia [= meinem Supersuperphylum Deuterostomata Huxl.] zu-
rechnet (in welcher letzteren Hinsicht ihm auch Heider (1910, p. 115)
und Korschelt und Heider (1910, p. 304—307) beistimmen und der
Sache nach bereits Goette (1902, p. 123—126 u. 302 ff.) vorangegangen
ist). Sogar dies ist aber meiner Ansicht nach ungenügend; denn wenn
sie auch in Bezug auf den wichtigen Punkt, daß der definitive Mund
nahe, bzw. an dem Vorderende unabhängig vom Blasto-
porus entsteht, mit den Deuterostomata übereinstimmt, so unter-
scheidet sie sich doch von diesen sehr wesentlich nicht nur dadurch,
daß letzterer nicht zum Anus wird, sondern sich schließt (daß Grobben
mutmaßt, daß dieser trotzdem auf jenen zurückzuführen sei, ist wohl
nur eine ad hoc gemachte Annahme, die allerdings in dem analogen
Verhalten bei Balanoglossus eine Stütze findet), sondern auch in ihrem
gesamten Bau, in welchem sie weit mehr Übereinstimmung
mit manchen Zygoneura aufweist [s. z. B. Doncaster, 1902, p. 388 £.
u. 392 f., wozu ich bemerke, daß, wie Haswell gezeigt hat (1900, p. 312),
auch bei Stratiodrilus unter den Vermes die Somatopleura auseben
denselben Zellen besteht, deren distaler Teil die Längs-
muskeln bildet, und daß sich vielleicht auch bei den Chaetognathen
ein Rückengefäß findet (s. K. C. Schneider, 1902, p. 699)]. Da sie aber
sich andererseits von diesen ebenfalls durch bedeutende Unterschiede
in Bau und Entwicklung (s. Doncaster, p. 389—393, und insbesondere
auch die vom Prostoma unabhängige Entstehung des Mundes) so weit
entfernt, daß sie naturgemäßer Weise nicht in eine Gruppe mit ihnen
gestellt werden kann, so müssen wir sie folgerichtig zu einem eigenen
Supersuperphylum erheben.
XV. Phylum: Sagittaria, nom. nov.
Entsprechend meinem Code führe ich diesen Namen für das
einzige in diesem Supersuperphylum enthaltene Phylum ein.
1. Klasse: Sagittoidea Grobben (1909 a, p. 506).
III. Supersuperphylum: Deuterostomata Huxley (1874, p. 101).
Ich gebrauche diesen älteren Namen (in unseren heutigen Kennt-
nissen entsprechend beschränkterem Umfange) [ef. Huxley, 1875,
p- 207 u. 211] an Stelle von Pleurogastrica Goette (1902, p. 124 [cf.
p- 125]) und Deuterostomia Grobben (1909 a, p. 496), welcher letztere
ohnedies ganz dasselbe Merkmal zum Ausdruck bringen soll. Betreffs
der Berechtigung zur Aufstellung dieser Gruppe (über den Ausschluß
und höheren Gruppen des Tierreichs. 107
der Chaetognatha von ihr habe ich soeben gesprochen) verweise ich
auf Goette (p. 123—126) und Grobben (p. 495—498) und vornehmlich
auch auf die unverkennbaren Beziehungen, die die Enteropneusten
sowohl zu den Echinodermen wie zu den Chordoniern haben und
auf die ich sofort zu sprechen kommen werde. Darin liegt zugleich
im Wesentlichen die Widerlegung der von Carazzi (1907, p. 708—710)
vertretenen Ansicht, daß die Echinodermen allen anderen Coelomaten
entgegenzustellen seien, und füge ich nur hinzu, daß er die syste-
matische Bedeutung des Kalkskeletes jener sehr überschätzt; finden
wir skeletbildende Kalkablagerungen doch in den verschiedensten
Gruppen des Tierreichs!
1. Superphylum: Ambulacralia Hatschek (1888, p. 40).
XVI. Phylum: Echinodermata Blainville (1819, p. 190
[e£.. p.:191]).
Die gegenwärtig fast allgemein angenommene Einteilung dieses
Phylums im Pelmatozoa und Echinozoa oder Eleutherozoa kann nach
dem von A. H. Clark (1909) eingehend geführten Nachweise einer viel
näheren Verwandtschaft der Echinoidea mit den Crinoidea als mit den
Asterioides und Ophiuroidea nicht länger aufrecht erhalten werden;
und da tatsächlich, wie er (p. 686) auch selbst angibt, die Bohadschioidea
ebenfalls in den Echinoidea ihre nächsten Verwandten finden (s. Mac
Bride, 1906, p. 560—567 u. 622), so sind der Sache nach die beiden
von ihm l.c. unterschiedenen Gruppen der Echinodermata Hetero-
radiata und Echinodermata Astroradiata durchaus gerechtfertigt. Da
aber nach den Internationalen Nomenklaturregeln die Namen aller
supergenerischen Gruppen uninominal sein müssen, so sind die von
ihm eingeführten Namen jener nicht zulässig, und benenne ich
sie daher mit von denen der jeweils typischen Gruppe abgeleiteten
solchen. Da ferner beide doch in relativ naher Verwandtschaft
miteinander stehen, die besonders durch die Echinoidea vermittelt
wird — ich erinnere u.a. an das Vorkommen der Pluteuslarve bei
diesen und den Ophiuroidea —, so kann ich ihnen nicht, wie Clark es
u den Rang von Subphyla, sondern nur den von Supersuperklassen
geben.
l. Supersuperklasse: Echinomorpha, nom. nov.
Indem ich die Echinoidea als die typische, zentrale Gruppe dieser
Abteilung betrachte, führe ich entsprechend meinem Codex obigen
Namen für diese ein.
1. Superklasse: Pelmatozoa Leuckart (1848, p. 42).
1. Klasse: Orinoidea J. S. Miller (1821, p. [I] [ef. p. 7 £f.)).
2. Superklasse: Echinomorphae, nom. nov.
Statt des Namens Ovozoa Clark (p. 686) führe ich den eben
gebrauchten für diese Superklasse ein.
2. Klasse: Echinoidea Ehrenberg (1836, p. 56 [cf. p. 58]).
108 Franz Poche: Die Klassen
3. Superklasse: Bohadschiomorphae, nom. nov.
An Stelle des ziemlich vagen Namens Vermiformes Clark (p. 686)
führe ich diesen von dem der einzigen Klasse dieser Abteilung gebildeten
für letztere ein.
3. Klasse: Bohadschioidea Poche (1907, p. 108).
2. Supersuperklasse: Asteriomorpha, nom. nov.
Diesen Namen führe ich an Stelle von Echinodermata Astro-
radiata Clark (s. oben) ein. — Clark (l. c.) gibt jeder der beiden in dieser
Supersuperklasse enthaltenen Klassen gleichzeitig den Rang einer
höheren (denen der Echinomorpha gleichwertigen) Gruppe; hierin
kann ich ihm jedoch in Anbetracht der näheren Verwandtschaft,
in welcher jene unverkennbar stehen und die besonders durch
paläozoische Formen vermittelt wird (s. Gregory, 1900, p. 237—239)
nicht folgen und betrachte sie bloß als Klassen, wenn es
auch andererseits wegen der trotzdem bestehenden, von Gregory
augenscheinlich unterschätztenwesentlichenUnterschiede
zwischen ihnen — ich verweise diesbezüglich außer auf die bekannten
anatomischen Verschiedenheiten insbesondere auf die so sehr ver-
schiedenen Larvenformen derselben — nicht gerechtfertigt wäre sie,
wie Gregory es tut, in eine Klasse zu vereinigen.
4. Klasse: Asterioidea Bronn (1860, p. 240).
Da die typische Gattung und Familie dieser Klasse, von deren
Namen der dieser letzteren gebildet ist, Asterias L., bzw. Asteriidae
(und nicht Asteridae) heißt, so muß auch diese folgerichtigerweise
Asterioidea und nicht, wie sie allerdings öfter genannt wird, Asteroidea
(Sharpey, 1836, p. 30, und Ehrenberg, 1836, p. 59) heissen.
5. Klasse: Ophiuroidea Norman (1864, p. 106).
II. Superphylum: Chordonia Haeckel (1874 b, p. 412 [ef. p. 415
u. 714)).
Im Gegensatz zu Hatschek (1888, p. 40) und Grobben (1910,
p- 713—718) rechne ich die Hemichordata zu diesen und nicht zu den
Ambulacralia, da die unverkennbar bestehenden Beziehungen zu
letzteren, die vornehmlich in der weitgehenden Übereinstimmung
der Tornaria mit einer Echinodermenlarve und in dem Besitz eines
Hydrocöls liegen (cf. auch Schepotieff, 1908 e, p. 438—443), weit
geringer sind als die mit den Chordaten, betreffs derer ich auf
Ihle (1910, p. 407), MacBride (1909, p. 299 — 311 [speziell Über-
einstimmung in der Mesodermbildung bei Balanoglossus und Branchio-
stoma]), van Wijhe (1901, p. 176—179), Harmer (1905, p. 121—125),
Andersson (1907, p.111f.) und Schepotieff (1908 e, p. 435—438)
verweise.
und höheren Gruppen des Tierreichs. 109
I. Subsuperphylum: Hemichordata Bateson (1885, p. 29).
Es liegt gar kein stichhaltiger Grund vor, diesen Namen durch
den jüngeren Prochordata Wijhe (1901, p. 124) zu ersetzen. — Betreffs
der Gründe, weshalb ich diese allen anderen Chordonia gegenüberstelle,
s. Ihle, 1908, p. 90. |
XVI. Phylum: Enteropneustaria, nom. nov.
Diesen Namen führe ich für das einzige in diesem Subsuper-
phylum enthaltene Phylum ein. — So sicher die Verwandtschaft der
beiden in diesem vereinigten Gruppen auch ist, so sind doch die Unter-
schiede zwischen ihnen so bedeutende (cf. Schepotieff, 1908 e, p. 430
—435, und Andersson, 1907, p. 102—110), daß man ihnen den Rang
von Subsubphylen geben muß, deren Namen ich entsprechend meinen
Grundsätzen (s. Poche, 1911) bilde.
I. Subsubphylum: Pterobranchiadae, nom. nov.
1. Klasse: Pterobranchia Lankester (1877, p. 448).
Hieher gehören die Gattungen Cephalodiscus M’Int. und
Rhabdopleura Allm., betreffs deren naher Verwandtschaft ich
auf Schepotieff (p. 418—423) und Andersson (p. 105 f.) verweise.
II. Subsubphylum: Enteropneustadae, nom. nov.
2. Klasse: Enteropneusta Claus (1871, p. 387).
II. Subsuperphylum: Chordata Balfour (1880, p. 250.[cf. p. 255]).
XVII. Phylum: Tunicata Lamarck (1816, p. 80).
Es ist durchaus nicht zu empfehlen, diesen alteingebürgerten
Namen durch den weit jüngeren Urochorda Lankester (1877, p. 441
[ef. p. 450]) zu ersetzen, wie es. seitens einer Anzahl von Autoren ge-
schieht. — Die bereits von mehreren Seiten (z.B. Ihle, 1908, p. 65—76)
hervorgehobenen großen Unterschiede der Copelata von beiden anderen
Klassen der Tunicaten, welche letzteren zudem durch Pyrosoma
einander näher gebracht werden, machen es erforderlich, jene als
eine eigne Supersuperklasse diesen entgegenzustellen,
wie es der Sache nach bereits Lankester (1888, p. 186) getan hat.
1. Supersuperklasse: Copelatomorpha, nom. nov.
1. Klasse: Copelata Haeckel (1866, p. CVII).
Es liegt nicht der mindeste Grund vor, diesen gut eingebürgerten
älteren Namen, wie es bisweilen geschieht, durch Larvacea Herdman
(1882, p. 25) oder Perennichordata Balfour (1881, p. 8) zu ersetzen.
2. Supersuperklasse: Aseidiomorpha, nom. nov.
2. Klasse: Ascidioidea, nom. noV.
Entsprechend meinem Codex (s. Poche, 1911) führe ich diesen
110 Franz Poche: Die Klassen
Namen an Stelle der bisher gewöhnlich für diese Gruppe gebrauchten
Ascidiacea Blainville (1824, p. 363) und Tethyodea Claus (1867, p. 378)
ein. — Von hinsichtlich ihrer Stellung umstrittenen Formen gehören
hieher de Octacnemidae, wie Ritter (1906) in unzweifelhafter
Weise nachgewiesen hat.
3. Klasse: Dagysoidea, nom. nov.
An Stelle des bisher für diese Klasse gebräuchlichen Namens
Thaliacea Menke (1830, p. 124), der nach meinem Codex für eine
Klasse überhaupt nicht verwendet werden könnte, führe ich den oben-
stehenden ein (cf. Poche, 1907, p. 109). — Von Formen, über deren
Stellung Meinungsverschiedenheiten bestehen, rechne ich hieher die
Pyrosomatidae, und verweise betreffs der Begründung hie-
für auf Brooks (1893, p. 129—139).
XIX. Phylum: Vertebrata Hemprich (1820, p. 6).
I. Supersubphylum: Acrania Haeckel (1866, p. CXIX).
Die bekannten tiefgreifenden Unterschiede dieser von den Craniota
(s. z. B. Delage Herouard, 1898, p. 337—345; Goodrich, 1909, p. 1—28)
machen es unabweislich, ihnen den Rang eines eigenen Supersub-
phylums zu geben, und liegt nicht der mindeste Grund vor, obigen
sehr gut gewählten und geläufigen Namen, wie es öfters geschieht,
durch den viel jüngeren Cephalochorda Lankester (1877, p. 441 [cf.
p. 450]) zu ersetzen.
1. Klasse: Zeptocardii J. Müller (1844, p. 421).
IT. Supersubphylum: Craniota Haeckel (1866, p. CXX [cf. tab. VII]).
Da dieser Name sprachlich vollkommen richtig gebildet ist (cf.
Amniota!), so ist nicht der mindeste Grund vorhanden, statt des-
selben, wie es bisweilen geschieht, den jüngeren Namen Craniata
Lankester (1877, p. 441 [cf. p. 450]) zu verwenden.
I. Subphylum: Monorrhina Haeckel (1866, p. CXX).
Hinsichtlich der wesentlichen Unterschiede dieser von allen anderen
Craniota, die es durchaus gebieten, sie denselben als eine gleichwertige
Hauptabteilung gegenüberzustellen, sei auf Bridge (1904, p. 147 f.)
und Goodrich (1909, p. 30—46 u. 58—92) verwiesen. — Die Unter-
schiede zwischen den beiden unter diesem Namen zusammengefaßten
Gruppen sind so tiefgreifende (ich verweise beispielsweise auf Bridge,
p. 421f. und 425£.; Goodrich, 1909, p. 46—53; Fürbringer, 1897,
p- 658—661, u. 1900), daß wir ihnen den Rang von Superklassen
geben müssen — wird ja doch auch niemand, der den Bau beider kennt,
bestreiten wollen, daß jene beträchtlich größer sind als etwa die zwischen
Fischen und Amphibien oder zwischen Reptilien und Säugetieren.
und höheren Gruppen des Tierreichs. 111
1. Superklasse: Myxinomorphae, nom. nov.
2. Klasse: Myxinoidea Gegenbaur (1874, p. 407).
2. Superklasse: Petromyzontomorphae, nom. Nov.
Diesen Namen führe ich entsprechend meinem Code an Stelle
der bisher vielfach für die Gruppe gebrauchten Petromyzontes
Fitzinger (1873, p. 58) oder Petromyzontia Haeckel (1868, p. 440)
ein — und analog den sofort zu gebrauchenden für die einzige
Klasse derselben.
3. Klasse: Petromyzontordea, nom. noV.
II. Subphylum: Amphirrhina Haeckel (1866, p. CXXI).
Betreffs der Berechtigung, die Anamnia den Amniota entgegen-
zustellen — die sich bekanntlich keineswegs nur auf das Vorhandensein
von Amnion und Allantois bei letzteren gründet —, verweise ich auf
Haeckel (1895, p. 6—8) und auf die übersichtliche Gegenüberstellung
von Assheton (1909, p. 272f.). In Anbetracht ihrer relativ nahen
Verwandtschaft, die besonders durch die Stegocephalen einer- und
die Proreptilia andererseits vermittelt wird, kommt ihnen aber nur der
Rang von Subsuperklassen zu.
1. Subsuperklasse: Anamnia Haeckel (1866, p. CXXI).
4. Klasse: Selachii Richardson (1836, p. 287).
Daß diese als eine eigene Klasse von den Pisces abzutrennen sind,
haben Regan (1909, p. 75) und Hubrecht (1908, p. 150—156) klar
bewiesen, wenn ich auch angesichts der tiefgreifenden Unterschiede,
die die Monorrhina von allen Amphirrhina trennen (s. oben), sowie
andererseits der vielfachen Übereinstimmungen zwischen Selachiern
und Ganoiden im GegensatzzudenTeleostiern durchaus
nicht so weit gehen kann wie letzterer, der die Craniota in die drei
Superklassen der Cyclostomata, Chondrophora [= Selachii] und
Osteophora zu teilen vorschlägt, zumal da es sich überdies bei dem
für die letzteren charakteristisch sein sollenden ‚Trophoblast‘“ wohl
jedenfalls um sehr verschiedene Bildungen handelt (cf. Assheton,
1909, p. 229—239).
5. Klasse: Prsces Linnaeus (1758, p. 12 [cf. p. 239)).
6. Klasse: Amphibia Linnaeus (1758, p. 12 [cf. p. 194)).
Dies und nicht der in neuerer Zeit von einer Anzahl Autoren
für sie gebrauchte viel jüngere Name Batrachia Macartney (in:
Cuvier, 1802, tab. III [zitiert nach Stejneger, 1907, p.1]) ist nach
allgemeinen nomenklatorischen Grundsätzen der richtige Name für
diese Klasse (cf. Stejneger, 1904) und betone ich noch speciell,
daß ein Name selbstverständlich nicht geändert zu werden braucht,
wenn der betreffende Begriff erweitert oder beschränkt wird.
112 Franz Poche: Die Klassen -
2. Subsuperklasse: Amniota Haeckel (1866, p. CXXXI).
7. Klasse: Reptilia Linnaeus (1761, p. 101).
Zu dieser Klasse stelle ich, wie es der Sache nach bereits Cope
(1900, p. 159) und E. Schulze (1904, p. 373), allerdings ohne irgend eine
Begründung hiefür zu geben, getan, auch die Aves, ein Vorgehen, das
gewiß manche Unbequemlichkeiten mit sich bringt, aber unvermeidlich
ist, wenn wir bedenken, wie gering verhältnismäßig die Kluft zwischen
diesen, speziell den Saururae, und den anderen Reptilien ist, wobei ich
insbesondere darauf hinweise, daß bekanntlich auch bei den Krokodilen
die beiden Herzkammern vollkommen getrennt sind, die Feder in ihrer
frühen Entwicklung sehr mit der Reptilienschuppe übereinstimmt
und überdies in ihrem morphologischen und systematischen Werte —
stellt sie ja doch ein bloßes Hautgebilde dar — nicht überschätzt
werden darf (ich erinnnere auch an die großen Verschiedenheiten in
der Hautbedeckung innerhalb der anderen Reptilien und der Säuge-
tiere), und letzteres auch von der Homöothermie gilt, die zudem
bei den Monötremen und besonders bei Echidna (gar nicht zu reden von
den Erscheinungen des Winterschlafs) nur in sehr beschränktem Maße
oder richtiger gesagt nicht vorhanden ist, ohne daß dies als ein
einen Klassen unterschied darstellendes Merkmal betrachtet wird
und diese deshalb von der Klasse der Mammalia ausgeschlossen werden.
8. Klasse: Mammalia Linnaeus (1758, p. 12 [cf. p. 14)).
Hierher ist auch die von ihrem Autor als ein Protozoon be-
schriebene Gattung Neuroryctes Calkins zu stellen. Gegenüber
der Ansicht Negris (1909a), der 'sie gleichfalls den „Sporozoen‘“ zu-
rechnen zu können glaubt (s. auch id., 1909b), verweise ich auf die
Untersuchungen von Koch und Rissling (1910), nach denen Neuro-
ryctes (das „Negrische Körperchen‘) „ein Reaktionsprodukt
der Ganglienzellen des Ammonshornes auf den
eingedrungenen Parasiten“ darstellt, sodaß also Neuro-
ryctes den Mammalia zuzurechnen ist (nachdem ja eine Gattung be-
kanntlich auch dann in zulässiger Weise aufgestellt ist, wenn sie auf
einen Teil oder ein Produkt eines Organismus,
die irrtümlicher Weise für ein ganzes Individuum gehalten wurden,
gegründet wurde), nicht aber, wie Calkins und Negri behaupten,
den Erreger der Lyssa darstellt. — Nach eben diesem Grundsatze
ist wahrscheinlich auch die Gattung Karyamoeba Giglio - Tos
hierherzustellen, die mit ihrem Autor den Protozoa zuzurechnen
wenigstens nach unseren jetzigen Kenntnissen, wie Policard (1907)
nachgewiesen hat, keinerlei Berechtigung vorliegt, sondern die wahr-
scheinlich nur pathologisch veränderte Kerne des Nierenepithels von
Mus decumanus darstellt. -
Das von mir aufgestellte System des Tierreichs stellt
sich also wie folgt dar: |
und höheren Gruppen des Tierreichs. 113
Regum: Animalia.
I. Supersubremum: Protozoodea.
I. Phylum: Protozoa.
1. Superklasse: Plasmodroma.
1. Klasse: Flagellata.
2. Klasse: Rhizopoda.
3. Klasse: Cnidosporidia.
4. Klasse: Sporozoa.
5. Klasse: Haplozooidea.
2. Superklasse: Ciliophora.
6. Klasse: Monomastigoidea.
7. Klasse: Infusoria.
8. Klasse: Acinetoidea.
II. Supersubregnum: Salinellodea.
II. Phyjlum: Salinellaria.
1. Klasse: Salinelloidea.
III. Supersubrenum: Sphaeriparodea.
II. Phyjum: Amoebophryaria.
1. Klasse: Amoebophryoidea.
IV. Phylum: Sphaeripararia.
2. Klasse: Sphaeriparoidea.
IV. Supersubremum: Spongiodea.
V. Phylum: Spongiaria.
1. Superklasse: Caleareomorphae.
1. Klasse: Calcarea.
2. Superklasse: Spongiomorphae.
2. Klasse: Hexactinelloidea.
3. Klasse: Spongiordea.
V. Supersubremum: Dieyematodea.
VI, Phyjlum: Dieyemataria.
1. Supersuperklasse: Dieyematomorpha.
1. Klasse: Dieyematordea.
2. Supersuperklasse: Rhopaluromorpha.
2. Klasse: Rhopaluroidea.
VI. Supersubregnum: Metazoa.
I. Subremum: Coelenterata.
VII. Phylum: Cnidaria.
1. Klasse: Hydrozoa.
2. Klasse: Gastrodordea.
Archiv für Naturgeschichte
1911. 1. 1.3uppl. 8
114 Franz Poche: .Die Klassen
3. Klasse: Scyphozoa.
4. Klasse: Anthozoa.
II. Subremum: Goelomatodeae.
I. Subsubregnum: Gtenophorodei.
VII. Phylum: Ctenophoraria.
1. Klasse: Otenophora.
II. Subsubregnum: Coelomatä.
I. Supersuperphylum: Zygoneura.
IX. Phylum: Platodaria.
I. Subphylum: Platodes.
1. Klasse: Planarioidea.
2. Klasse: Cestoidea.
II. Subphylum: Nemertarii.
3. Klasse: Nemertoidea.
X. Phylum: Articulata.
I. Subphylum: Vermarii.
1. Supersuperklasse: Rotiferomorpha.
1. Klasse: Gastrotricha.
2. Klasse: Rotifera.
2. Supersuperklasse: Eechinoderomorpha.
3. Klasse: Echinoderordea.
3. Supersuperklasse: Gordiomorpha.
4. Klasse: Gordioidea.
5. Klasse: Nectonematordea.
4. Supersuperklasse: Tardigradomorpha.
6. Klasse: Tardıgrada.
5. Supersuperklasse: Vermomorpha.
1. Subsuperklasse: Vermes.
7. Klasse: Dinophiloidea.
8. Klasse: Hestriobdelloidea.
9. Klasse: Annulata.
2. Subsuperklasse: @ephyrea.
10. Klasse: Echiurordea.
11. Klasse: Epithetosomatoidea.
12. Klasse: Priapulordea.
13. Klasse: Sipunculordea.
II. Subphylum: Peripatarii.
14. Klasse: Onychophora.
III. Subphylum: Linguatularii.
15. Klasse: Linguatuloidea.
IV. Subphylum: Arthropoda.
1. Superklasse: Careinomorphae.
1. Subsuperklasse: Carcinomorphi.
16. Klasse: Carcinoidea.
und höheren Gruppen des Tierreichs. 115
2. Subsuperklasse: Pyenogonomorphi.
17. Klasse: Pycnogonoidea.
3. Subsuperklasse: Arachnomorpht.
18. Klasse: Arachnoidea.
2. Superklasse: Tracheata.
1. Subsuperklasse: Progoneata.
19. Klasse: Pauropoda.
20. Klasse: Diplopoda.
21. Klasse: Symphyla.
2. Subsuperklasse: Opisthogoneata,
22. Klasse: Chilopoda. i
23. Klasse: Insecta.
XL Phylum: Nemathelminthes.
1. Klasse: Nematoidea.
XIL Phylum: Acanthocephalaria.
1. Klasse: Acanthocephaloidea.
XII. Phylum: Bryozoaria.
I. Supersubphylum: Actinotrochariae,.
1. Klasse: Actinotrochoidea.
II. Supersubphylum: Bryozoa.
1. Subsubphylum: Eetoproctadae.
2. Klasse: Ectoprocta.
II. Subsubphylum: Entoproctadae.
3. Klasse: Entoprocta.
III. Supersubphylum: Brachiopodariae.
4. Klasse: Brachiopoda.
XIV. Phylum: Mollusca.
I. Subsubphylum: Amphineura.
1. Klasse: Aplacophora.
2. Klasse: Placophora.
II. Subsubphylum: Conchifera.
1. Superklasse: Gastropodomorphae.
3. Klasse: Scaphopoda.
4. Klasse: Gastropoda.
5. Klasse: Lamellibranchia.
2. Superklasse: Cephalopodomorphae.
6. Klasse: Cephalopoda.
III. Subsubphylum: Rhodopadae.
7. Klasse: Rhodopoidea.
II. Supersuperphylum: Chaetognatha.
XV. Phylum: Sagittaria.
1. Klasse: Sagittoidea.
III. Supersuperphylum: Deuterostomata.
I. Superphylum: Ambulacralia.
XVI. Phylum: Echinodermata.
1. Supersuperklasse: Echinomorpha.
8r
116 Franz Poche: Die Klassen
1. Superklasse: Pelmatozoa.
1. Klasse: Orinordea.
2. Superklasse: Echinomorphae.
2. Klasse: Echinoidea.
3. Superklasse: Bohadschiomorphae.
3. Klasse: Bohadschiordea.
2. Supersuperklasse: Asteriomorpha.
4. Klasse: Asteriordea.
5. Klasse: Ophiuroidea.
II. Superphjlum: Chordonia.
I. Subsuperphylum: Hiemichordata.
XVH. Phylum: Enteropneustaria
I. Subsubphylum: Pterobranchiadae.
1. Klasse: Pterobranchva.
II. Subsubphylum: Enteropneustadae.
2. Klasse: Enteropneusta.
II. Subsuperphylum: Chordata.
XVII. Phylum: Tunicata.
1. Supersuperklasse: Copelatomorpha.
1. Klasse: Copelata.
2. Supersuperklasse: Asecidiomorpha.
2. Klasse: Ascidiordea.
3. Klasse: Dagysoidea.
XIX. Phylum: Vertebrata.
I. Supersubphylum: Acrania.
1. Klasse: Leptocardi:.
II. Supersubphylum: Craniota.
I. Subphylum: Monorrhina.
1. Superklasse: Myxinomorphae.
2. Klasse: Myzxinoidea.
2. Superklasse: Petromyzontomorphae.
3. Klasse: Petromyzontordea.
II. Subphylum: Amphirrhina.
1. Subsuperklasse: Anamnva.
4. Klasse: Selachi:.
5. Klasse: Pisces.
6. Klasse: Amphibia.
2. Subsuperklasse: Amnvota.
7. Klasse: Reptilva.
8. Klasse: Mammalva.
Ich unterscheide also im Tierreich als oberste Abteilungen 6 Super-
subregna, die zusammen 19 Phyla und 79 Klassen sowie eime ent-
sprechende Anzahl accessorischer Gruppen umfassen. — Zur Er-
leichterung des Überblicks gebe ich noch eine kurze Zusammen-
stellung der Phyla und höheren Gruppen.
und höheren Gruppen des Tierreichs. 117
Regnum: Animalia.
I. Supersubremum: Protozoodea.
I. Phylum: Protoz203.
II. Supersubregnum: Salinellodea.
II. Phylum: Salinellaria.
II. Supersubremum: Sphaeriparodea.
III. Phylum: Amoebophryaria.
IV. Phyjlum: Sphaeripararia.
IV. Supersubregnum: Spongiodea.
V. Phylum: Spongiaria.
V. Supersubregnum: Dieyematodea.
VI. Phylum: Dieyemataria.
VI. Supersubregnum: Metazoa.
I. Subremum: Coelenterata.
VII. Phylum: Cnidaria.
II. Subregnum: Coelomatodeae.
I. Subsubregnum: Gtenophorodei.
VII. Phylum: Ctenophoraria.
II. Subsubrenum: Coelomata.
I. Supersuperphylum: Zygoneura.
IX. Phylum: Platodaria.
X. Phylum: Articulata.
XI. Phylum: Nemathelminthes.
XI. Phylum: Acanthocephalaria.
XII. Phylum: Bryozoaria.
XIV. Phylum: Mollusca,
II. Supersuperphylum: Chaetognatha,
XV. Phylum: Sagittaria.
III. Supersuperphylum: Deuterostomata.,
I. Superphylum: Ambulacralia.
XVI. Phylum: Echinodermata.
II. Superphylum: Chordonia.
I. Subsuperphylum: Hemichordata.
XVI. Phylum: Enteropneustaria
II. Subsuperphylum: Chordata.
XVII. Phylum: Tunicata.
XIX. Phylum: Vertebrata.
(Die Discussion zu diesem Vortrag erscheint in den
Verh. VIII. Internat. Zool.-Congr. Graz 1910, 1911.)
118 Franz Poche: Die Klassen
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Die indisch-australischen Castniiden.
Von
Embrik Strand.
Bei meiner Bearbeitung der indisch - australischen Castniiden
für Seitz, Die Großschmetterlinge der Erde, habe ich nur
allzudeutlich empfunden, wie wichtig es ist, diese schwer zu unter-
scheidenden Formen durch ausführliche Beschreibungen zu
kennzeichnen und gern hätte ich daher die Beschreibungen im
genannten Werk erheblich ausführlicher gemacht, wenn der zur
Verfügung stehende Raum es nur gestattet hätte. Allerdings
werden die ausführlichen Beschreibungen durch die in Seitz’s
Werk gegebenen Abbildungen ja z. T. wesentlich ersetzt, ich halte es
aber dennoch für unbedingt nützlich, außerdem eine ausführliche
Darstellung im Wort neben der in „Seitz“ gegebenen Darstellung im
Bild zu haben, zumal nicht alle der zugehörigen Formen daselbst ab-
gebildet werden konnten. Da mir bei der Ausarbeitung dieser Mono-
graphie die Schätze des Berliner Museums zur Verfügung standen,
so war mir die Gelegenheit geboten, einen, wie ich hoffe, wirklich
nennenswerten Beitrag zur Kenntnis dieser seltenen und schwierigen
Tiere zu liefern. — In den Beschreibungen finden sich folgende Ab-
kürzungen: Fhlr. = Fühler, V£lg. = Vorderflügel, Hflg. = Hinter-
flüge, Hrand = Hinterrand, Vrand = Vorderrand, Pp. = Puppe,
Rp. = Raupe, Hlb. = Hinterleib.
Familie Castniidae.
Die Castniiden vereinigen eine Anzahl morphologisch sich ziemlich
fremder Gruppen. Die eigentlichen Castnien, die Boisduval
(1874—1875) m 4 Genera teilt: Casinia, Gazera, Orthia, Ceretes,
Westwood (1877) und Kirby (1892) aber alle in der Gattung
Castnia vereinigen, sind ausschließlich auf Amerika beschränkt und
durchaus tropische Tiere, die, im heißen Süd- und Zentral-Amerika
eine große Rolle spielend, in den Vereinigten Staaten kaum noch im
Süden einen Vertreter haben. Die zweite Gruppe, enthaltend die Gattung
Synemon, kommt in Australien vor und besteht aus ziemlich kleinen
und nicht zahlreichen Arten; die dritte Gruppe, aus den Gattungen
Tascina und Neocastnia gebildet, enthält drei indische Arten und scheint
ganz lose mit den anderen Gattungen verknüpft!).
Manche, die australischen Synemon mit den amerikanischen
Castnia verbindenden Kriterien dürften sich bei genauer Prüfung
!) Diese dritte Gruppe wurde als eigene Familie, Neocastniidae, von den
Castniiden abgezweigt. Eine vierte von Kirby hierhergestellte Gattung,
Hecatesia, behandeln wir, Hampson folgend, bei den den Noctuen nahe-
stehenden Agaristiden.
138 Embrik Strand:
als Konvergenzerscheinungen herausstellen, so die geknöpften Fühler,
die mehrfach geteilte Zelle usw. Zweifellos haben wir es mit phylo-
genetisch alten Gruppen zu tun, die in mancher Beziehung an die
Cossiden und Hepialiden sowie Sesiiden erinnern.
Außer den am Ende verdickten Fhlr seien als allen Castniiden
gemeinsame Merkmale das Vorhandensein des Frenulum hervorgehoben
sowie daß im Hflg die Rippe 8 vorhanden und von 7, bzw. von. der
Basis von 6 +7 weit entfernt und 5 näher 4 als 6 ist.
Die Castniiden fliegen im heißen Sonnenschein mit äußerst
energischem, etwas an den der Catocalen erinnerndem Fluge. Die mit
einem Rüssel versehenen Arten saugen an Blumen und ruhen im
Gebüsch oder an Stämmen mit dachförmig zusammengelegten Flügeln,
in welcher Stellung sie häufig dürren Blättern oder Rindenstücken
ähneln. Die & & lauern auf Buschgipfeln und besonders auf der Spitze
emporragender Reiser oder Astenden auf die vorüberfliegenden Insekten,
auf die sie, nach 2 2 suchend, losstürzen und die sie oft hartnäckig
verfolgen. Sie paaren sich bei Tage und legen ihre Eier vermittelst
einer vorstreckbaren Legeröhre in das Innere von Pflanzen (Stengel,
Örchideenknollen).. Die Rpn, insoweit bekannt, sind glatt, nur mit
wenigen Büscheln ganz kurzer Borsten auf dem Rücken versehen,
mit hornigem Kopf und hartem Nackenschild. Bei der Pp sird die
Scheiden der Flügel, Fhlr und Beine sehr lose verbunden und der
Hlb: trägt über den Rücken halbkreisförmige Hakenreihen. — Die
Schmetterlinge sind ziemlich scheu und viele Arten scheinen selten
zu sein.
Außer in der indisch-australischen Region sind die Castniiden
in der alten Welt nur noch auf Madagaskar vertreten und zwar nur durch
die isoliert stehende Gattung Pemphigostola Strand (mit der einzigen
Art Ph. synemonistis Strand).
1. Gattung: Synemen Doubld.
Die Synemon unterscheiden sich von den anderen Castniiden
durch die scharf und knopfiörmig abgesetzte Fhlrkeule, sowie durch
das Flügelgeäder, das von dem. der folgenden Gattung Tascina ins-
besondere durch die im Vflgl geschlossene, im Hflgl aber offene Zelle
abweicht, während es mit dem der amerikanischen Castnia weit mehr
Übereinstimmung zeigt. — Vflg mit kräftig geteilter, bezw. mit ein-
geschobener Zelle versehener (Discoidal-) Zelle und mit 2 Dorsal-
rippen; Rippe 3 doppelt so weit von 2 wie von 4, 5 weiter von 6 als
von 4, 7 +8 +9 gestielt, 8 läuft in die Flglspitze, 10 und 11 aus dem
Vrande der Zelle. Hilgl mit offener Zelle und 2 Dorsalrippen; Rippe 4
näher 3 als 5, 6 +7 gestielt, 7 in die Flügelspitze, 8 an der Basis von
7 deutlich entfernt. Die Flgl im ganzen dick, kräftig und großschuppig,
die Vflg mit gerundeter Spitze, die Hflgl oval. Die Fhlr sind zwischen
der Keule und dem Kopf dünn und zart; die Palpen borstig behaart
mit kurzem ersten und langem dünnen Endgliede; Augen groß;
Sauger lang und kräftig; erstes Tarsenglied länger oder so lang als die
Die indisch-australischen Castniiden. 139
Schienen, von denen die vorderen mit einem kräftigen Mittelhaken,
die mittleren mit einem Paar Endsporen, die hinteren mit zwei Paar
Sporen versehen sind. Der Hlb der 2 $ sehr lang, weit über den
Analwinkel der Hflgl hervorragend, der der $& fast tagfalterartig
dünn mit stark behaartem Ende. Die Färbung der Hflgl ist meist
Catocala-artig bunt, die der Vflgl graubraun, der Baumrinde angepaßt,
an der die Tiere ruhen. Sie fliegen vielfach bei Tage, besuchen Blumen
und manche Arten erinnern im Fluge an die Hesperiden der Gattung
Telesto. Die Gattung ist auf Australien beschränkt, in dessen südlichen
und südwestlichen Distrikten sie besonders zur Ausbildung gelangt ist.
S. sophia Ad. White!) (Fig. la in Seitz’s Werk) ist eine
der größeren Synemon-Arten. 2 Flügelspannung bis 45 mm.
V£lgl braun bis schwarz, schattenförmig hellgrau bestäubt, sodaß
die Grundfarbe stellenweise fast ganz verdeckt wird; am reinsten
tritt sie hervor als eine mitten oder vor der Mitte meistens
unterbrochene antemediane, mitten saumwärts erweiterte Quer-
binde und als eine postmediane gerade Schrägbinde, die auf
dem Vorderrande breit anfängt (etwa 4 mm breit), in der Mitte
sich bis zur Hälfte plötzlich verschmälert, um sich dann plötzlich
wieder zu erweitern, ohne den Saum, wohl aber durch eine Schrägbinde
den Innenrand zu erreichen. Wurzelwärts wird diese Binde begrenzt
von einer weißlichen, durch graue und bräunliche Schuppen stellen-
weise, insbesondere nach hinten zu verdeckten, winklig gebrochenen
Querbinde, die in der hinteren Hälfte am breitesten und von der
Mitte des Vorderrandes gegen das Ende des Innenrandes gerichtet
ist, jedoch keinen der beiden Ränder ganz erreichend. Häufig ist diese
Binde wie an der Figur la deutlich in zwei Flecke aufgelöst, von denen
der vordere immer als ein wurzelwärts breit quergeschnittener, sub-
triangulärer, rein weißer Discozellularfleck vorhanden ist. Saum-
wärts wird die postmediane schwarze Schrägbinde von einer weißen,
aus 5—6 gleichgroßen sich berührenden Flecken gebildeten Quer-
binde begrenzt (ef. Fig. la in: Seitz, I. ec... Hflg ef. Fig. eit.
— Unterseite beider Flg. schwarz mit orangegelben Zeichnungen:
Vflg mit einer Querbinde von der Mitte des Vorderrandes bis
zum Ende des Innenrandes, die hinter der Mitte am breitesten
ist und einer nur halb so langen, subparallelen, schwach wurzel-
wärts konkav gebogenen, 4—5 undeutliche weißliche Flecke ein-
schließende Subapicalbinde, sowie mit einer Reihe von 9 fast
gleichgroßen länglichen Sublimbalflecken, von denen die vorderen
weißlich, die hintersten wohl immer mit der Medianbinde zu-
sammenhängend sind. Hflg mit einer ebensolchen Reihe von Sub-
limbalflecken, aber nur 7 und die 3 hinteren sind viel größer als die
vorderen, ferner mit einer postmedianen, aus drei größeren Flecken
bestehenden Querreihe, die hinten mit dem einfarbig ocker-orange-
gelblichem Innenrandsfeld zusammenfließt und deren beide hintere
Flecke immer zusammenhängen, aber von dem vorderen Fleck und den
!) Literaturhinweise siehe p. 157.
140 Embrik Strand:
Sublimbalflecken deutlich getrennt sind; auch der große runde Diskal-
fleck unten wie oben. Wurzelfeld aller Flg unten ocker-orangegelb.
Fransen der Vflg oben braunschwärzlich, unten graulich. — $ ein
wenig kleiner (37—43 mm), vom ® nicht wesentlich abweichend. —
Australien, besonders im Süden; die mir vorliegenden Exemplare
sind Adelaide, Sidney und S$. Australien etikettiert.
S. parthenoides Feld. ist sophia sehr ähnlich, aber (9) noch
größer (50 mm), dieVflg ein klein wenig schmäler, die beiden weißen
Querbinden der Vflg sind breiter, regelmäßiger und schärfer markiert
und die distale fließt mit einer fast ebenso deutlichen sublimbalen
hellen Binde zu einem nach vorn offenen V zusammen, an der Unter-
seite der Hflg fließen die gelben Flecke der sublimbalen Querreihe
jedenfalls hinter der Mitte mit denen der vorhergehenden Reihe ganz
oder fast ganz zusammen; die beiden hellen Querbinden der Oberseite
der Vflg scheinen im Allgemeinen hinten unter sich weniger entfernt
zu sein als bei sophia (um die Breite bezw. um die doppelte Breite der
proximalen dieser Binden), jedoch ist dieses Merkmal jedenfalls bei
sophia nicht ganz konstant. Auch nur im Allgemeinen scheint der Unter-
schied zutreffend zu sein, daß die gelben Flecke der Oberseite der
Hinterflügel bei parthenordes größer und unter sich weniger entfernt
sind als bei sophia. — Leider liegen mir nur 3 Exemplare vor, die ich
für parthenoides halten kann und auch diese stimmen nicht ganz mit der
Originalabbildung überein, indem das V der Vflgoberseite nie so deutlich
ist bezw. der distale Strich dieser Figur ist immer viel weniger deutlich
als der proximale. Ob parthenoides von sophia spezifisch verschieden
ist, kann fraglich sein; daß von parthenoides keine $ d bekannt zu
sein scheinen und daß sie an derselben Stelle wie sophia vorkommt
(zwei der vorliegenden Exemplare sind von Adelaide, was auch Felders
Lokalitätsangabe entspricht) ist verdächtig. Auch andere Ento-
mologen sind über parthenordes offenbar nicht klar geworden; unter
den vorliegenden, zweifelsohne zu sophia gehörigen Exemplaren waren
einige als parthenoides etikettiert, und was Boisduval 1875 als
parthenoides abbildet, hat mit dieser Art gar nichts zu tun (siehe
unten!) (seine Figur wird aber dennoch von Westwood, Kirby
und Swinhoe unter »parthenoides zitiert), — Wird auch von
Swan River angegeben. 1]
Die von Boisduval 1858 unter dem Namen parthenoides abge-
bildete Synemon-Art ist, wie gesagt, von der wahren parthenoides recht
verschieden, wenn auch verwandt. Die V-förmige Zeichnung der Vflg
fehlt, indem nur die proximale der dieselbe bildenden Binden vorhanden
ist und statt der breiten zusammenhängenden hellen Medianquerbinde
der parth. finden sich hier zwei Figuren, ein quergestellter Diskozellular-
fleck und dahinter, weiter saumwärts gerückt, eine kurze weiße Quer-
binde, die um ihre Länge von demVrand und fast ebensoweit von dem
Hrand entfernt ist. Hflgl weichen nicht wesentlich von denen der
parthenoides ab. Flügelspannung 45 mm. Australien. Ich nenne diese
Form partita Strand (= parthenoides Boisd. nec Feld.).
Die indisch-australischen Castniiden. 141
" 8.maja Strand (Fig.9a l. c.) ist ebenfalls mit sophia verwandt; liegt
eider nur in einem nicht ganz frischen Exemplar (?) aus „Australien“
(ex coll. Maassen, jetzt im Berliner Museum) vor. —? 45mm. Vflg
schwärzlich mit etwas graulicher Bestäubung; die beiden hellen Binden
weiß, scharf markiert, breit und zwar die äußere noch breiter als die
Vorderhälfte der inneren und beide sind hinten unter sich um weniger
als 1 mm getrennt, der zwischen beiden gelegene Fleck von der Grund-
farbe erscheint schmal becherförmig und ist fast senkrecht auf den
Vrand gerichtet. Die proximale Binde entspringt auf der Mitte des
Vrandes, ist daselbst etwa 2 mm breit, in der Mitte ein wenig ver-
schmälert und gekrümmt, dann bis zur doppelten Breite erweitert
und erreicht fast den Innenrand; die proximale Binde ist reichlich
3 mm breit, in der Mitte schwach saumwärts konvex gekrümmt und
um kaum ihre eigene Breite vom Saume entfernt (bei sophia ist
dieselbe Binde um ihre dreifache Breite vom Saume entfernt). Eine
Reihe undeutlicher weißlicher Sublimbalflecke scheinen vorhanden zu
sein. — Hflg schwarz mit scharf markierten hellgelben Flecken, die sich
etwa wie bei sophia verhalten, jedoch ist der vordere Fleck der sub-
medianen Reihe der größte, erheblich größer als der Diskalfleck und
diese Reihe zeigt einen vierten, deutlich isolierten Fleck im Anal-
winkel. Unterseite wie Oberseite, jedoch die Flecke der Hflg noch
blasser, fast weiß, umgekehrt sind die Binden der Vflg schwach gelblich
angeflogen, insbesondere am Rande, die Sublimbalflecke sind größer,
unter sich und mit den beiden Binden zusammengeflossen, so daß
die ganze Apicalhälfte des Flügels gelblichweiß erscheint, bloß die
schwarze becherförmige, hier weder Vrand noch Saum ganz erreichende
Mittelfigur und eine schmale schwarze sublimbale und gleichzeitig
subapikale Querbinde einschließend. — Auch wenn die Zeichnungen
der Hflg dieser Form bei ganz frischen Exemplaren orangegelb wie bei
sophia oder parthenoides sein sollten, was ich allerdings für unwahr-
scheinlich halte, so verhalten die Zeichnungen der Vflg sich doch so
abweichend, daß ich die Artrechte der maja nicht bezweifeln möchte.
S.gerda Strand (Fig.9a l.c.) $ 40mm. Der Typus der Zeichnungen
der Vflg etwa wie bei S. maja, aber Weiß fehlt denselben gänzlich und
auch sonstige Unterschiede sprechen entschieden gegen die Zusammen-
gehörigkeit von gerda und maja als die beiden Geschlechter einer Art.
Mit der mir unbekannten leucospila Meyr. vielleicht verwandt. — Vflg
schwarz, so dicht mit bleigrauen Schuppen bestreut, daß die schwarze
Grundfarbe nur als eine antimediane, undeutliche, hinten verschmälerte,
unregelmäßige Querbinde und als zwei große subtrianguläre Quer-
flecke in der apikalen Hälfte des Vorderrandsfeldes erhalten bleibt;
der distale dieser Vorderrandsflecke setzt sich nach hinten in eine
Reihe von 3 oder 4 ganz kleinen schwarzen Flecken bis zum Anal-
winkel fort, eine sublimbale Reihe schwarzer Punkte läßt sich er-
kennnen und unregelmäßige schwärzliche Fleckchen finden sich im
Wurzelfelde; der proximale der Vorderrandsflecke wird begrenzt
von zwei undeutlichen grauen, mit gelblichen und bräunlichen Schuppen
gemischten Querbinden, die etwa wie bei maja geformt sind, aber die
142 Embrik Strand:
distale ist schmäler als die proximale und beide Binden fließen in der
Mittellängslinie des Flügels zusammen. Wahrscheinlich ist in der
proximalen Binde ein hellerer Diskozellularfleck bisweilen erkennbar.
Fransen schwärzlich. — H£flg. schwarz mit ziemlich kleinen, hellgelben,
scharf markierten Flecken wie bei der vorhergehenden Art, aber der
Diskalfleck und der vordere der folgenden Reihe sind gleichgroß,
die vier Flecke dieser Reihe sind unter sich getrennt und zwar erscheint
derjenige des Innenrandes als eine schmale halbmondförmige Schräg-
figur und die sublimbale Reihe besteht nur aus den drei größten der
bei den verwandten Arten vorkommenden Flecke. Die Fransen der
Mitte des Saumes schwarz, an beiden Enden derselben sind sie blaßgelb
mit dunklerer Basallinie, unten sind die Fransen der Mitte heller und
die dunklere Basallinie ist kaum erkennbar; Innenrandsfeld der Hflg
olivengraulich behaart. Unterseite der Hinterflügel in der Wurzel-
und Innenrandshälfte dicht grau beschuppt; die Flecke noch blasser
als oben, die drei hinteren der mittleren Reihe hängen ganz oder fast
ganz zusammen und in der äußeren Reihe, die hier hart am Rande
liegt, sind auch die vier vorderen kleinen Flecke vorhanden. Vilg
unten gelblich bestäubt im Wurzelfelde und der Basalhälfte des Vorder-
randsfeldes und mit zwei hellgelben, scharf markierten Querbinden,
die etwa wie die graulichen der Oberseite verlaufen, aber nicht zu-
sammenfließen, dagegen beide Flügelränder erreichen. Längs dem
Saume eine Reihe von 9—10 weißlichgelben, gleichgroßen, fast vier-
eckigen Flecken. Fransen ein wenig heller als oben. — Ein Exemplar
im Berliner Museum, aus der ehemaligen Maassen’schen
Sammlung; aus „Australien“.
S. heliopis Meyr. (Fig. 9a 1. c.). — $Q 27—35 mm. Kopf, Thorax
und Abdomen braun. Palpen schneeweiß, Antennen dunkelbraun, weiß
geringelt. Beine braun, Femoren unten weiß, Tibien unten ockerfarbig.
Vorderflügel wie bei $. leucospila geformt; braun, bisweilen mitten
recht dunkel, ein schmaler, weißer, schräg quergestellter Fleck in der
Mitte der Scheibe, eine dunkler gemischte Binde von hellgrauen
Schuppen von der Flügelwurzel bis unter den Diskalfleck sich erstreckend
und dann weiter längs der oberen Hälfte des Saumes bis zur Flügel-
spitze; eine schwach gekrümmte Binde von etwa fünf teilweise zu-
sammengeflossenen, kleinen, verloschenen, ockerweißlichen Flecken
in der oberen Flügelhälfte bei 3/, der Flügellänge. Fransen braun.
— Hinterflügel schwarzbraun, rostfarbig angeflogen, mit kleinem, ver-
wischtem, orangefarbigem Diskalfleck und einer sehr breiten, tief-
orangefarbigen Saumbinde, die nicht den Vorderrand erreicht, am
Analwinkel verwischt ist und eine sublimbale Reihe kleiner, sub-
confluenter, schwarzbrauer Flecke, die nach unten zu größer werden,
einschließt; ferner mit schwarzbrauner Saumlinie. Fransen braun.
— West-Australien, Geraldton, im November. — Mit $. austera und
brontias nahe verwandt, aber charakteristisch durch den schmäleren
Diskalquerfleck der Vorderflügel, die braunen Fransen, größeren
Diskalfleck der Hinterflügel und die sehr breite orangefarbene, mit
dunkler Fleckenreihe gezeichnete Binde.
Die indisch-australischen Castniiden. 143
Mir liegt nur ein einziges, obendrein wenig gut erhaltenes Exemplar
( Q) vor, und zwar von Swan River, so daß ich die obige Beschreibung
des Autors nur durch die Bemerkung ergänzen kann, daß die Flügel-
spannung 40 mm erreichen kann, und die Apikalhälfte der Unterseite
der Vflgl hell orangegelb, innen scharf begrenzt ist, und einen schwarzen,
fast keilförmigen, nach hinten kaum die Mitte überschreitenden Quer-
fleck in der Mitte einschließt; ein weiterer, viel kleinerer schwarzer
Fleck findet sich an der Spitze und der Saum ist mit einer breiten
schwarzen Linie bezeichnet.
S. selene Klug. (Fig. 1b 4, 6. Fig; Q@ 1b, auf d. Tafel irrig
als „theresa‘“ bez... Q 45—48 mm, & 46 mm. V£lg schwärzlich
mit graulichen und bräunlichen Schuppen überstreut, die Rippen,
insbesondere im Saumfelde, abstechend hellgrau beschuppt und die Art
schon dadurch von den vorhergehenden leicht zu unterscheiden; durch
je eine feine, halbmondförmig gekrümmte, helle Querlinie unmittelbar
vor dem Saume erscheinen die Rippenlinien unter sich verbunden.
Cir. sonst die beiden Figuren in Seitz. — & unten mit schmutzig
orangefarbenen Vilg, dieam Ende des Wurzelfeldes einen schwärzlichen
Mittelwisch und dann einen 4—5 mm langen und breiten, dreieckigen,
außen quergeschnittenen, tiefschwarzen, scharf markierten, dem
Vorderrande genäherten Diskalfleck zeigen; die Hflg weniger scharf
gefleckt, sonst etwa wie an der Oberseite. — Q unten schmutzig gelblich-
weiß, im Vflg mit zwei kleinen schwarzen Wischen am Ende des Wurzel-
feldes und ähnlichem, aber kleinerem und mehr in die Quere gestrecktem
Diskalfleck, sowie einer subapikalen Reihe von 3—4 kleinen schwarzen
sublimbalen Flecken; die Rippen am Ende schwarz und ebenso die
ganze Saumlinie. Im Hflg sind die Rippen und die Saumlinie wie im
Vilg; eine aus 5—6 schwarzen Flecken bestehende, in der Mitte breit
unterbrochene Sublimbalreihe und ein schwarzer, höchst unregelmäßiger,
hinten verjüngter Medianquerfleck treten scharf hervor. Fransen der
Vilg braun, der Hilg graugelblich, erstere undeutlich heller gescheckt,
letztere mit dunklerer Basallinie. — Südaustralien (Adelaide). — Die
ebenfalls von Adelaide stammende adelaida S w h. schemt abzuweichen
durch mehr rötlichbraune Beschuppung in der Apikalhälfte der Vflg,
an weißen Zeichnungen der Vilg finden sich nur zwei Flecke: der Disko-
zellularfleck und der Vorderrandsfleck in der Apikalhälfte des Flügels,
die Medianreihe der Hilg besteht nur aus 2 Flecken, die Sublimbal-
flecke derselben sind sehr klein.
S. icaria Feld. & 30, 2 38—40 mm. V£lg dunkelbraun, aber
so dicht mit bleigrauen Schuppen überstreut, daß die dunkle Grund-
farbe nur noch als eine ante- oder submediane Querbinde, die beide
Flügelränder ganz oder fast ganz erreicht und eine postmediane, nur
in der vorderen Flügelhälfte vorhandene, meistens ganz schwarze
Querbinde erhalten bleibt, welche Binden parallel verlaufen, hinten
aber, etwa in der Mitte des Flügels, zusammenfließen oder die kurze
distale endet hinten blind oder sie kann durch einen schmalen Fortsatz
sich mit einer ganz undeutlichen dunklen Sublimbalquerbinde ver-
binden; im Vorderrandsfelde findet sich noch eine, meistens wenig
144 Embrik Strand:
deutliche oder nur als ein Querfleck auftretende dunkle Subapikal-
querbinde. Diskozellularfleck der Vflg rund und weiß; zwischen den
beiden distalen dunklen Binden eine weißliche Querbinde. Hflg lebhaft
orangerot mit tiefschwarzer, unregelmäßiger, schmaler und mitten
fast immer breit unterbrochener Medianquerbinde, die den Vrand,
aber nicht den Hrand erreicht und ebensolcher, mitten meistens unter-
brochener und immer eine Reihe von 5—6 orangeroten Fleckchen,
von denen die mittleren die größten sind, einschließender Saumbinde.
Abdomen ist bei beiden Geschlechtern orangefarben fast wie die Hflg.
Hilg höchstens mit Andeutung eines schwarzen Diskalflecks. Unter-
seite beider Flg hell orangerot, im Vflg mit weißen Zeichnungen wie
an der Oberseite und außerdem mit einer Reihe länglicher, weißer,
durch die daselbst schwarzen Rippen getrennter Limbalflecke, die
innen durch eine mitten unterbrochene Reihe schwarzer Flecke begrenzt
werden; ein schwarzer postmedianer Querfleck im Vorderrandsfelde
und ein in zwei Flecke aufgelöster antemedianer schwarzer Querstreif.
Ähnlich sind die Hilg gezeichnet und sie zeigen oben eine nicht er-
kennbare, mitten breit unterbrochene Querreihe von 3—4 kleinen
weißen Flecken. — Adelaide (auch die mir vorliegenden Exemplare).
— Fliegt nach Tepper auf der Halbinsel Yorke (8. Austr.) im
November. — Ob die mir unbekannte gratiosa Westw. (Fig. lc 1. c.)
gute Art ist, möge dahingestellt bleiben, jedenfalls ist sie mit
icarva nahe verwandt. Sie ($) hat etwas hellere Vflg. (die Figur
Westwoods ist nach seiner Beschreibung zu urteilen wahrscheinlich
zu hell geraten, die Fig. Ic in Seitz’ Werk ist vielleicht zu
dunkel!) mit schärfer markierten schwarzen Zeichnungen, darunter
eine Reihe Sublimbalflecke, im Hilg ist von der schwarzen Median
binde nur ein oder zwei kleine Flecke erhalten, dagegen ist
die Saumbinde nicht unterbrochen und trägt ganz kleine rote
Flecke. (Swinhoe, der die Type Westwoods untersucht
hat, führt gratiosa einfach als Synonym von icarıa an.). — „Nova-
Hollandia“.
S. laeta Wkr. (Fig. 9b l.c.). $ 42 mm. Ist zcaria sehr ähnlich,
aber größer, die Hflg tragen eine ununterbrochene, 2—3 mm breite, den
Vrand, aber nicht den Hrand erreichende, fast rechtwinklig gebrochene,
tiefschwarze Medianquerbinde und großen schwarzen Diskalfleck; auch
die Saumbinde ist 2—3 mm breit, ununterbrochen und schließt eine
Reihe von 7 ganz kleinen orangeroten Flecken ein. Vflg bleigrau be-
schuppt mit tiefschwarzen Querfiguren, die ähnlich wie bei scarıa
angeordnet sind, von denen aber die beiden größten auch hinten nicht
zusammengeflossen sind, während das Saumfeld zwei parallele Reihen
kleiner tiefschwarzer Flecke zeigt. Hleib dunkler als die Hflg. Fransen
der Hflg orangefarben, die der Mitte des Saumes jedoch dunkler. —
Vagans W est w. (Fig. le in Seitz) ist vielleicht (sec. Swinhoe) nur das
normale 2 zu laeta $; der von Westwood hervorgehobene Charakter
im Flügelschnitt, nämlich, daß die Flügel bei vagans langgestreckt sind
mit schrägem Saum und schwach ausgerandetem Vrand, kann ein
Geschlechtsmerkmal sein. Ein weißer Diskozellularfleck im Vflg
Die indisch-australischen Castniiden. 145
scheint bisweilen zu fehlen oder er ist sehr klein; der Diskalfleck der
Hflgl verbreitet sich über das ganze Wurzelfeld und die Saumbinde
schließt keine hellen Flecke ein. — Beide Formen sind mir unbekannt.
Sie werden aus „Australien“ angegeben und nach Tepper (1882)
wäre laeta in Süd-Australien die häufigste Art der Gattung, was er
aber unter diesem Namen abbildet, scheint gar keine laeta zu sein.
S. catocaloides Wkr. (Fig.9al.c.). $ etwa 40mm. Vflg dunkel-
braun, dicht bleigrau bestäubt, mit tiefschwarzem Fleck in der Zelle, der
außen von dem saumwärts konvex gekrümmten, quergestellten, weißen,
außen durch roströtliche Beschuppung begrenzten Diskozellularfleck
begrenzt wird; letzterer ist außen mitten (ob immer?) zahnförmig
gegen den Saum ausgezogen. Bei ®/, der Vflglänge wie gewöhnlich
eine helle Querbinde, die kaum die Mittellängslinie des Flügels erreicht
und schwach saumwärts konvex gebogen ist. Unterseite schwarz mit
zwei orangeroten, scharf markierten, subparallelen, unter sich etwa
um ihre Breite entfernten, nach hinten kaum die Mitte überragenden
Querbinden im Vorderrandsfelde, bei 1/, und °/, der Flügellänge;
eine von 6 kleinen Flecken gebildete Sublimbalreihe, von denen die
vorderen weiß, die hinteren rötlich smd. — Hflg oben schwarz mit
intensiv orangeroten Zeichnungen: ein großer runder, wurzelwärts
ausgezogener Diskalileck, eine 3,5 mm breite, gerade, innen wellig
begrenzte, vorn abgerundete und bei weitem nicht den Vrand erreichende
Querbinde und endlich eine Reihe von 3 kleinen eckigen Sublimbal-
flecken in der hinteren Hälfte des Saumfeldes. Fransen der Hilg
oben schwarz, undeutlich heller gescheckt, unten wenig heller. Hilg
unten fast wie oben, die Zeichnungen ein wenig blasser, der Diskalfleck
rund und kleiner, von der Medianbinde ist vorn ein Fleck abgeschnürt
und im Saumfelde finden sich 6 weißliche Flecke, von denen die hinteren
die größten sind und denjenigen der Oberseite entsprechen. — Vom
Schwanenfluß beschrieben und von dort liegt auch mir ein Exemplar
vor.
S. magnifica Strand (Fig. 9b l.c.). 2 46mm. Vflg so tief
schwarz und die Hflg mit so brennend orangeroten Zeichnungen wie bei
keiner anderen mir bekannten Synemon-Art. Ähnelt am meisten S.laeta
Wkr. — Vflg tief schwarz, im Saumfelde schwach bräunlich angeflogen,
überall mit großen weißen Schuppen spärlich bestreut, im Wurzelfelde
sind einige bräunliche Schuppen und am Vrande einige orangerote vor-
handen. Eine submediane, intensiv schwarze und schwächer weiß
bestäubte, und außen mitten gezähnte Querbinde läßt sich erkennen
und ebenso die gewöhnliche postmediane dunklere, vorn breit an-
fangende Querbinde, die sich hier mit dem einfarbig schwarzen, etwas
bräunlich angeflogenen Saumfeld verbindet; zwischen den beiden
dunklen Binden ist eine hellgraue, mit bräunlichen Schuppen bestreute
Querbinde, die beide Ränder erreicht, in der vorderen Hälfte 2, in der
hinteren 4 mm breit und kurz vor der Mitte winkelförmig gebrochen
ist. Die bei ®/, der Flügellänge gewöhnlich vorhandene schmale helle
Querbinde ist auch da und besteht aus zwei intensiv weißen und
drei graulichen kleinen Flecken. — Diskalfleck der Hflg groß
Archiv für Naturgeschichte
1911. 1. 1. Suppl. 10
146 Embrik Strand:
(2,5 x 2,7 mm), viereckig und entsendet (am deutlichsten beim 9)
am hinteren Ende einen wurzelwärts gerichteten Strich, der sich
beim 9 wahrscheinlich bisweilen über einen großen Teil des Innen-
randsfeldes verbreitet; der Innenrand ist beim von einer roten
Linie, beim 2 von einer reichlich 2 mm breiten Binde bedeckt. Die
rote Submedianquerbinde ist parallelseitig, 2 mm breit, vorn kurz
zugespitzt, aber den Vrand nicht erreichend, hinten durch eine feine
Spitze mit dem roten Innenrandstreifen sich verbindend. Fünf rote,
nach vorn an Größe allmählich abnehmende Sublimbalflecke, von
denen No. 3 (von hinten) beim & ganz, beim 2 fast mit der Binde
zusammenfließt. Alle Fransen oben schwarz, im vorderen Drittel
des Saumes der Hilg jedoch orangegelb. — Unterseite aller Flügel
schwarz mit orangeroten (Hilg) oder orangegelben (V£lg) Zeichnungen
und zwar im Vilg mit zwei Querbinden, die gänzlich denen der Ober-
seite entsprechen (abgesehen von der Färbung), die äußere schließt
5 weiße Fleckchen ein; außerdem längs des Saumes 9 fast gleichgroße
orangefarbene Flecke (die beiden vorderen blasser); beim 2 ist das
ganze Wurzelfeld orangegelb, beim $ sind daselbst nur wenige solche
Schuppen. — Die Zeichnungen der Unterseite der Hilg wie die der
Oberseite, jedoch ein wenig blasser und das Wurzel- und Innenrands-
feld wird von einer 4 mm breiten orangefarbenen Binde eingenommen,
die beim Q sich auch noch über das ganze Diskalfeld verbreitet, einen
klemen schwarzen und ebensolchen weißen Fleck vor der Mitte und
eine submediane schwarze Querbinde, die weit vor dem Innenrande
endet, einschließend; zwischen letzterer und der schwarzen, mitten
unterbrochenen Sublimbalbinde findet sich eine Reihe von 4—5 kleinen
weißen Fleckchen, drei vom, eimer oder zwei hinten. — Kopf und
Thorax schwarz mit rotem Schultertleck, Abdomen oben schwarz
(beim 2 in der hinteren Hälfte orangefarbig), an den Seiten orange,
Brust und Bauch ockergraulich. — Ein gut erhaltenes Pärchen dieser
der prächtigsten mir bekannten Synemon-Art liegt mir aus Neu-Süd-
Wales (Mus. Berlin) vor.
S. colleta Swh. (Fig. lc in Seitz’s Werk). & 34-36, 9 37
—40 mm. Von der am nächsten verwandten Art, 8. theresa Doubld. ab-
weichend, u. a. durch den langen, schmalen, sehr schräg gestellten-
Diskozellularfleck der Vtlg, der in der Tat erheblich schräger als an ge-
nannter Fig. dargestellt, gerichtet ist, während der an der Figur sehr
deutliche Diskozellularfleck der Hflg nur bei dem 9 so groß ist, beim
& fehlt er ganz oder ist sehr klein. Charakteristisch sind die dunklen
lanzettförmigen, schmal weißlich umrandeten Längsstriche im Saumfelde
der Vilg; ähnliche, aber kürzere und undeutlich grau umrandete Striche
finden sich bei Zheresa, aber nur in der Vorderhälfte des Saumfeldes,
während die Reihe derselben hier durch das ganze Saumfeld verläuft.
Unterseite der Flügel (9) hell ocker-orangefarben mit weißlichem Disko-
zellularfleck und einer diskalen Querreihe weißlicher Flecke, die immer
wenig deutlich sind und jedenfalls im Vflg fehlen können; letzterer
mit 2—4 schwarzen Subapical- und Sublimbalflecken, Hflg mit einer
sublimbalen, mitten unterbrochenen Reihe von 5 oder 6 schwarzen
Die indisch-australischen Castniiden, 147
Flecken. Saumlinie beider Flg schwarz. Vflg des 3 unten an der Spitze
hellgraugelblich, meistens ungefleckt, im Wurzelfeld angeschwärzt;
Hilg in der größeren Wurzelhälfte schwärzlich mit hellerem Disko-
zellularfleck und gezacktem Außenrande; das Saumfeld schließt
4 oder 5 schwarze Flecke ein. — N. Australien, Neu-Süd-Wales, Sydney,
Queensland (Rockhampton). — Aus der ehemaligen Maassen -schen
Sammlung (jetzt im Berliner Museum) liegt mir ein & aus „Australien“
vor, dessen Flg verdunkelt sind, so daß im Hflg die Zeichnungen
rötlichbraun und ganz undeutlich sind und die Zeichnungen der Vilg
verwischt sind, während das Saumfeld der Unterseite der Hflg nur
um die schwarzen Sublimbalflecke undeutlich hellere Färbung zeigt
und im Vflg nur die Vorderhälfte des Saumfeldes die gewöhnliche
helle Färbung trägt. Ich nenne diese Form ab, obseuripennis Strand.
— Eine weitere Aberration, aus der ehemal. Atkinsonschen
Sammlung, jetzt im Berliner Museum, $ aus: Queensland, Port
[Denison ?], hat im Saumfelde der V£lg zwar helle Längsstreifen, aber
diese sind ganz unbestimmt begrenzt und die schwarzen Lanzett-
striche sind nicht zu erkennen, der Discozellularfleck wie gewöhnlich
und ein heller Längsstreifen im Wurzelfelde vorhanden. Das Gelbe
im Saumfelde der Hilg ist stark reduziert, ein Discozellularfleck ist
nicht einmal angedeutet und unten zeigen die Hflg nur 5—6 kleine
verloschene ockergelbliche Saumflecke, graulichgelblichen Anflug im
Innenrandfelde und ganz kleinen gelben Discozellularfleck, während
im Vflg die Apicalhälfte noch heller gelb als bei der f. pr., sowie ganz
ungefleckt ist. Diese Form nenne ich ab. simpla Strand.
Von Nord-Queensland, Cooktown (Eichhorn, ex. coll. Stgr.)
liegen zwei weibliche Exemplare vor, die ich nicht ganz ohne Zweifel
als einer Form von collecta angehörend anspreche. Größe geringer
(28—31 mm), die der Hauptform so charakteristischen Längsstreifen
und -flecken des Saumfeldes der Vflgl sind kaum angedeutet,
dagegen sind ein oder zwei helle Längsstreifen im Wurzel-
und Mittelfelde ziemlich deutlich, der Discozellularfleck ist außen
und innen schwarz angelegt; eine blaugraue Saumlinie, der innen eine
schmale rötliche Binde anliegt, die aber den Analwinkel nicht erreicht,
ist erkennbar. Hiflg oben nur dadurch abweichend, daß der Disco-
zellularfleck weißlich ist. Vflg unten orangegelblich, mit weißlichem
Diskalfleck und ebensolchem Querwisch vorn im Saumfelde und mit
4—5 schwarzen sublimbalen (und subapicalen) Flecken. Hflg unten
größtenteils weißlich mit schwärzlichen Sublimbalflecken, wie bei
der /. pr. und mit einem bräunlich-orangefarbenen Ring um den weiß-
lichen Diseozellularfleck. Ich nenne diese Form v. josepha Strand
(Fig. 9e 1. c.). — Ab. affinita Strand (Fig. 1b in Seitz’s Werk, irrig
als obscurella bezeichnet) dürfte der josepha nahe stehen, weicht aber
ab durch die Zeichnung der Hflg, den reinweißen, fast liegenden
Discozellularfleck der Vflg usw.
S. theresa Doubld. steht der vorigen Art am nächsten; die
wesentlichsten Unterschiede sind unter dieser schon besprochen
10*
148 Embrik Strand:
worden. 2 27—37 mm. Vf£lggraubräunlich, mit schmalen dunkleren
Längsstrichen, rein weißem, scharf markiertem, abgerundetem, quer-
gestelltem Discozellularfleck, in der vorderen Hälfte des Saumfeldes
eine Querreihe schwarzer, hell umrandeter Längsflecke ähnlich denen
der vorigen Art, welche Reihe innen von einem weißlichen, außen
von einem rötlichbraunen, undeutlichen, sich bis zum Analwinkel
fortsetzenden Querstreifen begrenzt wird. Hinter dem Discozellular-
fleck treten bisweilen zwei schwarze Längsfleckchen auf. Saumlinie
schwarz. Fransen braun mit hellerer Spitze, unten ein wenig heller.
Hflg heller oder dunkler braun mit rundem gelblichem Discozellular-
fleck und im Saumfelde 5 schwarzen, länglichen, gruppenweise an-
geordneten (hinten 3, vorn 2), in orangegelbem Wisch gelegenen
Flecken, ferner mit dicker schwarzer Saumlinie und Fransen wie im
Vilg. — Unterseite beider Flg beim 2 ocker-orangegelblich, in der
Basalhälfte der Vilg graulich oder bräunlich, außen scharf begrenzt,
in dem Costalfelde der Saumhälfte mit bräunlichen Querstreifen
bei 2/, und denselben 5 schwarzen Sublimbalilecken wie an der Ober-
seite, bloß noch stärker hervortretend. Hilg unten wie oben gezeichnet,
aber heller, die schwarzen Sublimbaltlecke meistens noch stärker
hervortretend. Unterseite beim $ dunkler gefärbt, aber ähnlich
gezeichnet, die Zeichnungen jedoch mehr verschwommen und auch die
schwarzen Sublimbaltlecke sind verwischt. — Süd-Australien, Adelaide,
„Australien“.
Zu den inKirbys Katalog unter $. theresa gegebenen Literatur-
hinweisen wäre nach Tepper noch nachzutragen: Angas, S. Austr.
THastr:'t. 277.9.
S.nais Klug (Fig. 1b l.c.) ist nach der gelungenen Fig. leicht
kenntlich; bei den Typen, die mir vorliegen, erscheint jedoch der Diskal-
tleck der Hilg ein wenig größer und der hintere helle Ring der Vilg ist
im Innern heller ausgefüllt. Unten sind beide Flg orangegelb mit dieker
schwarzer Saumlinie und schwarzen Flecken: im Vilg ein größerer
submedianer und ein kleinerer subapicaler, im Hilg eim großer, sub-
triangulärer und submedianer Fleck und eine sublimbale Reihe von
4—5 Flecken. Bisweilen ist die Wurzelhälite der Unterseite beider
Flügel dunkel, im Hilg jedoch mit hellerem Discozellularileck. , 24
—29 mm. — Adelaide.
S. discalis Strand (Fig. 9b l.c.) ist eine kleine Art (d 26mm) mit
sophia-ähnlicher Zeichnung; leider liegt mir nur ein Stück mit der un-
bestimmten Angabe ‚Australien“ vor (aus der Kollektior v.Schenck,
diein Staudingers Besitz übergegangen war und jetzt im Berliner
Museum ist). Vflg dunkelbraun, spärlich mit großen grauen Schuppen
bestreut, so daß der Totaleindruck graubraun ist, mit einer sub-
medianen, weder Vorder- noch Hinterrand ganz erreichenden, in der
Mitte rechtwinklig (basalwärts offen!) gebrochenen und einer eben-
solchen, damit parallel verlaufenden Querbinde bei ®/,; beide Binden
sind hinten stark verjüngt, in der Mitte und am Vorderende dagegen
fleckenförmig erweitert; Saumfeld, insbesondere vorn, dunkel ohne
Zeichnungen. Discalfleck rund und weiß. — Hflg. schwarz mit lebhaft
Die indisch-australischen Castniiden, 149
orangefarbenen runden Flecken: ein Discocellularfleck (2 x 1,5 mm),
der hinten mit der unbestimmt orangegraulichen Färbung des Dorsal-
feldes sich verbindet, dann eine Querreihe von 3 etwa ebenso großen
Flecken, von denen die beiden hinteren unbedeutend kleiner als der
vordere, sowie zusammenhängend sind, die Reihe ist vom Hinter-
rande ein wenig weiter als vom Vrande entfernt; an Sublimbalflecken
sind nur die drei hinteren, die bei anderen Arten die größten sind,
vorhanden. — Unterseite der Hflgfast wie die Oberseite, jedoch sind die
Flecke blaß ockergelblich und eckig, der vordere der drei Sublimbalflecke
ist wurzelwärts spitz verlängert und 3—4 weitere Sublimbalflecke
sind schwach angedeutet; im Wurzelfelde sowie am Vorder- und Hinter-
rande grauliche Beschuppung. Vflg unten dunkel mit zwei hell orange-
gelblichen schrägen Querbinden, die subparallel verlaufen, und etwa
1,8 mm breit sind: die proximale verläuft von der Mitte des Vrandes
bis zum Analwinkel, die distale in der Mitte zwischen der proximalen
und der Flügelspitze; am Saum 9 gelbliche oder (vorn) weißliche
Flecke. — Körper oben schwarz, unten weißlich.
S. hesperioides Feld. (Fig. 1b l.c.). $ 33 mm. V£lg dunkel-
braun mit zwei hellen ringförmigen Zeichnungen, hellem Diskalfleck und
bisweilen noch eine oder zwei kleine helle Fleckehen im Wurzelfelde;
die hellen Saumflecke häufig deutlicher als an der Figur dargestellt.
Hflg braun, etwas rötlich angeflogen, bisweilen mit bis zu 5 sublimbalen,
schwarzen, undeutlich heller umrandeten Flecken, von denen der
hinterste der deutlichste und von denen No.2 und 3 (von hinten) unter
sich entfernt sind, während die übrigen sich berühren (ab. maculata
Strand); bei der /. pr., die mir allerdings in natura nicht bekannt ist,
scheint auch keine Spur von diesen Flecken vorhanden zu sein. Unten
sind die Vflg braun, etwas schimmernd, längs dem Vorderrande mit
silbergrauer, an der Spitze sich erweiternden Längsbinde, die mit einem
kleinen quergestellten Discozellularfleck sich verbindet und m der
erweiterten Apicalpartie zwei kleine schwarze Längsflecke einschließt.
Auch die Hilg im Grunde braun, aber so dicht silbergrau beschuppt,
daß die Grundfarbe zum großen Teil verdrängt wird und nur noch als
eine weder Vorder- noch Hinterrand erreichende verloschene
Median - Querbinde, ein weiter wurzelwärts gelegener, außen
intensiver weißlich angelegter Fleck und als schwärzliche Sub-
limbalflecke, die denjenigen der Oberseite der ab. maculata entsprechen
und wahrscheinlich auch bei der Hauptform vorhanden sind, zum
Vorschein kommt; vereinzelte braune Schuppen finden sich aber auch
anderswo und die Rippen sind im Saumfelde dunkel. Fransen wie
die Grundfarbe der Flügel. — Süd-Australien, Sidney, N. 8. Wales;
die beiden mir vorliegenden Exemplare der ab. maculata (das eine ist
eigentlich nur trans. ad mac.!) sind von Victoria.
S. phaeoptila Turn. (Fig. 9b 1. c.). & 32—36 mm. Kopf,
Thorax und Abdomen braun. Palpen weißlich mit ockerfarbiger
Spitze. Antennen dunkelbraun, fein weiß geringelt, Kolben dunkel-
braun. Beine ockerfarbig, die hinteren weißlich. Vorderflügel
dreieckig mit gleichmäßig und nicht stark gekrümmtem Vorderrand,
150 Embrik Strand:
abgerundeter Spitze und abgerundetem und ein wenig schrägem
Saum; braun; Vorderrand schmal weiß, basalwärts allmählich ocker-
farbig werdend; eine Medianlinie von weiß - ockerfarbigen, etwas
glänzenden Schuppen von der Nähe der unteren Ecke der Zelle, jenseits
der Zelle sich zu einem breiteren Wisch erweiternd; ein weißlicher
Diskalfleck am Ende der Zelle; Fransen braun, an der Basis mit Weiß
eingemischt, an der Spitze heller. — Hflg mit rundlichem Saum,
braun und mit ebensolchen, oben an der Spitze helleren Fransen.
Unterseite der Vflg hell bräunlich-ockerfarbig, nach vorn zu weißlich-
ockerfarbig und mit einem großen braunen Basalfleck, der nicht den
Vorderrand, aber fast den Tornus erreicht, einem braunen postmedianen
Fleck und drei kleinen braunen subapikalen Flecken, vor denen sich
je ein kleines weißes Fleckchen befindet. Unterseite der Hflg braun,
am Vorderrande schmal, am Hinterrande breit glänzend grauweißlich,
und mit einer medianen, zwei postmedianen und einer limbalen Reihe
von ebenso gefärbten Flecken. — 2 34—36 mm. Wie das d, aber
mit folgenden Ausnahmen: Vflg unten ohne Basalfleck und mit weiß-
lichem Postmedianfleck. Hflg oben lebhaft bräunlichockerfarbig,
gegen Basis braun angeflogen und mit einer postmedianen Reihe
dunkelbrauner Flecke, drei gegen den Vorderrand und zwei größere
in der Mitte; die Fransen dunkelbraun in der Basalhälfte, heller in der
Apikalhälfte. Unterseite der Hflg weißlich-ockerfarbig mit braunem
antemedianen Fleck, der mit einer unregelmäßigen braunen Median-
binde zusammenfließt; ferner findet sich eine unterbrochene sub-
terminale braune Binde und Basis sowie Dorsalfeld sind mit grau-
weißlicher Beimischung versehen; alle braunen Zeichnungen ocker-
farbig gerandet; die Fransen an der Basis dunkelbraun, in der Mitte
weißlich, an der Spitze hellbraun. — Kuranda in N[ord] Q[ueensland]
[?] in Australien; im Januar und Februar. — Im Mus. Berlin und
Coll. Seitz von Cooktown.
Die 4 mir vorliegenden Exemplare dieser Art (aus Cooktown, Queens-
land), lauter $d, sind ein wenig kleiner als in obiger Original-
beschreibung angegeben: 26—31 mm, die Vflg zeigen oben am Ende
schwache Andeutung dreier helleren Längsflecke, im Hflg. sind z. T.
dunkle Sublimbalflecke an beiden Seiten angedeutet und die helleren
Limbalflecke der Unterseite der Hflg sind z. T. schwach rötlich oder
bräunlich bestäubt. Die dunklen Subapikalflecke der Unterseite
der Vflg fehlen in einigen Fällen vollständig und ebenso ist der braune
postmediane Wisch bisweilen kaum zu erkennen. Eben diese Exemplare
deuten eine nähere Verwandtschaft mit Syn. collecta Swh. an.
S. plana Wkr. 32—33 mm. Körper oben braun bis graugelblich
(Abdomen), unten weiß. Vflg schmutzig weißlich, mit dunkelbraunen
Flecken und Punkten überstreut und mit schwarzer Saum- und Costal-
binde, bisweilen aber im Grunde erheblich dunkler (Fig. le l.c.), immer
mit je einem großen schwarzen, schmal weißlich umrandeten, post-
medianen Fleck am Vorder -und Hinterrande, sowie mit ähnlichen, aber
kleineren und weniger deutlichen Flecken im Median- und Wurzelfelde;
bei dunkleren Exemplaren tritt der Diskozellularfleck scharf hervor (Fig.
Die indisch-australischen Castniiden. 151
eit.). Der dicken schwarzen Saumlinie liegen innen weiße Punktflecke
an. — H£lg chromgelb mit ganz schmaler, schwarzer Saumbinde
und einer aus 4—5 schwarzen Flecken bestehenden Postmedianreihe,
die mitten unterbrochen und bisweilen fast verschwunden ist. Die
Fransen beider Flügel undeutlich hell gescheckt. Unterseite rein silber-
weiß mit schmaler dunkler Saumbinde, die Vflg nahe der Spitze
mit zwei, die Hilg. in der Mitte mit vier dunklen Flecken. —
„Australien“, New South Wales, Hunter River.
Ss. mopsa Doubld. (Fig. 9b 1. ce.) ist eine kleine (30 mm) Art mit
rindenbraunen Vflg, die eine postmediane, hellgraue, mitten unter-
brochene, 6 kleine schwarze Längsflecke einschließende Querbinde,
quergestellten, strichförmigen, weißlichen Discozellularfleck und ebenso
gefärbten Längsstreifen, von der Basis bis reichlich zur Mitte reichend,
aufweisen. Hflg lebhaft gelb, mit nur Spuren von schwarzen Flecken, die
eine Querreihe andeuten; bisweilen soll das Gelbe der Hilg ins Braune
übergehen. Unterseite braun mit hellen Zeichnungen, die Vflg mit
kupferfarbigem Anflug und einem runden, breit ockerfarbig umrandeten
Fleck am Ende der Zelle sowie mit einer subapikalen Reihe schwarzer
Diskalflecke und einer submarginalen Reihe weißer Flecke. Körper
oben graubräunlich, unten heller. — Adelaide.
S.nupta Westw. (Fig. 9e l.c.)& 42 mm. V£lg dunkelbraun,
stellenweise so dicht blaugrau oder bleigrau beschuppt, daß die Grund-
farbe kaum zum Vorschein kommt, in der Zelle am Ende derselben ein
schwarzer, außen halbmondförmig weiß begrenzterW isch, dann folgt eine
schwarze, die Flügelmitte wenig oder kaum überragende Querbinde und
zwischen dieser und der Flügelspitze eine ähnliche, aber nur halb so lange
Querbinde, endlich eine Sublimbalreihe kleiner schwarzer Fleckchen und
schwarze Saumlinie. Wurzelfeld der Hflg zinnoberrot, jedoch ist das
Costalfeld der größeren Basalhälfte schwarz mit lebhaftem blauen
Glanz, Endhälfte tief schwarz mit einer sublimbalen Querreihe von
3 roten Flecken, von denen 2 hinterund 1, von den übrigen weit getrennt,
vor der Mitte liegen. Vflg unten schwarz mit einer verkürzten mittleren
Costalbinde und einer ebensolchen Subapikalbinde, beide rot; außerdem
findet sich rötlicher Anflug in der Basalhälfte des Costalfeldes. Hflg
unten schwarz mit kleinem weißen Discoidalfleck und (nach Swinhoe)
einer diskalen Querreihe von drei Flecken, von denen der mittlere
zinnoberrot, die anderen mit ebensolehem Anflug gefärbt sind; nach
Westwood tragen die Hilg unten drei weiße, ein Dreieck bildende
Diskoidalflecke und einen weiteren roten Fleck zwischen den beiden
hinteren der weißen. — Westwood gibt als Lokalität West-
australasien an, Swinhoe, der die Type nachuntersucht hat, Nord-
australien, ohne auf die abweichende Angabe Westwoods aufmerksam
zu machen, weshalb man vielleicht annehmen kann, daß die Angabe
Swinhoes ein lapsus ist.
S. notha West w. (Fig. 9e 1. c.) erinnert durch die Vflg an die
vorhergehende Art, ist aber erheblich kleiner (25—30 mm) und die Hflg
sind lebhaft mennigrot mit schwarzer Basis und Hinterrand, schmaler
(etwa 1 mm breiter), saumwärts konvex gekrümmter, submedianer
152 Embrik Strand:
schwarzer Querbinde und etwa gleichbreiter, 6 kleine rote Fleckchen ein-
schließender Saumbinde. Vf£lg wie die der nupta, jedoch ohne hellen
Discozellularfleck und ohne hellere Randlinie, wie sie zuweilen (oder
immer?) in der Basalhälfte des Innenrandes bei nupta vorkommt.
Unterseite beider Flg rötlich orange mitschwarzen Binden; Vflgmiteinem
hinteren Basalstrich, einem schwarzen und einem weißen Zellenfleck,
einer kurzen Diskalbinde von der Costa unweit der Spitze und ab-
wechselnd schwarzen und weißen Strichen im Saumfelde; Hilg mit
Zellenflecken wie im Vflg, zentralen und Saumfeldbinden, von denen
die letzteren eine Reihe Limbal- [oder Sublimbal-(?)]flecke ein-
schließen, die beim $ rot, beim ? weiß sind. — ‚„Australasia, Albany“.
S. direeta Westw. gehört zu den größten Synemon - Arten
(3 48 mm) und erinnert etwas an S. parthenoides. Die Vflg sind
chokoladebraun mit undeutlich helleren Längsstrichen im Wurzel-
felde und einer weißen, 2 mm breiten, geraden, postmedianen Quer-
binde, die von der Mitte des Vrandes bis zum Analwinkel gerichtet ist;
in der Mitte zwischen dieser Binde und der Flügelspitze verläuft eine
ähnliche, aber nicht so rein weiße, subparallele, aber am Hinterende
wurzelwärts gekrümmte und kurz hinter der Mitte mit der anderen
Binde zusammenstoßende Schrägbinde; beide Binden schließen ein
subovales Querfeld von der Grundfarbe ein. Hflg tiefschwarz mit
bräunlichem Innenrandsfeld, mit mennigroten Flecken, die einen
großen, saumwärts schwach konvex gekrümmten, quergestellten
Discozellularfleck, sowie eine Mittelbinde bilden, die aus zwei ähnlichen
Flecken und einem dritten, nicht immer freien, ganz kleinen Innen-
randsfleck besteht, von denen der mittlere winkelförmig gebrochen
und wie ein Doppel£fleck erscheint. Außerdem 3 ganz kleine sublimbale
rote Flecke hinter der Mitte des Saumes. — Unterseite beider Flg
rötlich orange mit schwarzen Querbinden, Vflg mit breiter gerader
Binde von der Costalmitte bis zum Analwinkel und einer ähnlichen
Binde von 3/, des Vrandes. Hiflg mit schwarzem Wurzelfeld, mit
Mittelbinde und Submarginalbinde. Körper oben einfarbig braun
wie die Grundfarbe der Vflg. — Australien. — Eine nahe verwandte
Form dürfte die Fig. le l.c. abgebildete Form, für welche ich den
Namen bifaseiata Strand vorgeschlagen habe, sein; sie weicht haupt-
sächlich dadurch ab, daß die distale Binde der Vflg ebenso scharf
markiert und rein weiß und sogar breiter als die proximale Binde ist.
S. obseurella W est w. (obscura Swh. nec Tepp.) (Fig. 9e 1. ce.) ist
eine kleinere Art (4 28mm) mit schwärzlichen Flügeln; die vorderen
mit rein weißem, scharf markiertem, als ein Querstrich erscheinendem
Discozellularfleck, und einer die Vorderhälfte des Saumfeldes einnehmen-
den, 3mm breiten, gelben Querbinde, die durch eine ganz schmale dunkle
Querbinde in zwei Binden geteilt wird, von denen die äußere ein klein
wenig breiter ist. Hflg. mit kleinem, scharf markiertem, ockergelbem
Discozellularfleck und einer ebenso gefärbten, etwas 3,5 mm breiten,
an beiden Enden verschmälerten und den Vrand nicht erreichenden
Saumbinde, die in der hinteren Hälfte einen undeutlichen dunklen
Querstrich einschließt. Unterseite der Vflg braun von der Wurzel
Die indisch-australischen Castniiden. 153
bis jenseits der Mitte, der Außenrand dieses Feldes gerade und zwar
erstreckt er sich von der Mitte der Vrandes bis zum Hrande nahe
dem Analwinkel, der Rest des Flgs ockerfarbig mit einem großen
braunen subeostalen Diskalfleck und einem undeutlichen, sublimbalen
braunen Schatten; Hflg unten wie oben [ob auch mit Discozellular-
fleck ?]. — Australien.
S. leucospila Meyr. & 2 31-42 mm. Kopf, Thorax, Abdomen
und Beine dunkelbraun, mit etwas Weiß besprengt. Palpen weißlich,
oben dunkelbraun. Antennen dunkelbraun, weiß geringelt. Vorder-
flügel länglich-dreieckig, Saum abgerundet und ziemlich schräg; hell
graubraun, Basis und Vorderhälfte der Costa mit dunklerem Braun
überzogen; vor der Mitte eine unregelmäßige, dunkelbraune, von drei
abgerundeten, zusammengeflossenen Flecken gebildete Binde; der
obere und bisweilen auch die anderen dieser Flecke hinten mit einem
ockerweißlichem Wisch umrandet; unter der Costa außerhalb der
Mitte ein abgerundeter dunkelbrauner Fleck, der hinten von einer
ockerweißlichen Binde oder Fleckenreihe umrandet wird; zwei Reihen
schattenartiger dunkelbrauner Sublimbalflecke und eine dritte Reihe
ebensolcher Limbalflecke. Fransen grau, an der Spitze weißlich. —
Hinterflügelschwarzbraun mit abgerundetem hellgelbem Discalfleck
und einer gelblichweißen Subterminalbinde, die weder Vorder- noch
Innenrand erreicht und häufig in vier oder fünf Flecke zerfällt, von
denen der mittlere sehr klein sein kann, oder sogar gänzlich fehlen;
eine sublimbale Reihe von sieben weißen Flecken, von denen die drei
oberen klein, die anderen ziemlich groß, und zwar die unteren ver-
wischt sind; Fransen braun mit weißer Spitze. — Die Art ist
charakteristisch durch ihre weißen Zeichnungen. — Westaustralien,
Geraldton; im November daselbst häufig.
S. austera Meyr. 8240 mm. Kopf, Thorax und Abdomen
weißlichbraun. Palpen schneeweiß. Antennen dunkelbraun, weiß
geringelt. Beine weißlich ockerfarbig. Vorderflügellänglich-dreieckig,
Saum stark gerundet, ziemlich schräg; hellbraun, ockerfarbig ange-
flogen; die Rippen z. T. mit schwarzbraunen Linien bezeichnet, unter
der Mitte von der Flügelwurzel bis zu ?/, der Flügellänge ist ein von
grauweißen Schuppen gebildete Binde, die sich dann aufwärts gegen
den Vorderrand bei #/, der Flügellänge krümmt; ferner eine schmälere
Binde längs des Saumes, die oberhalb der Mitte z. T. mit der vorher-
gehenden zusammenfließt; dreieckiger weißer medianer Diskalfleck;
ein schwach markierter ockerweißer, durch dunkle Rippen geteilter
Wisch wurzelwärts von der subterminalen Binde in der oberen Hältfte
des Flügels. Fransen weißlich-ockerfarbig, mit 1 oder 2 braunen
Linien und weißer Spitze. — Hinterflügel dunkelbraun, beim 9 mit
verwischtem orangefarbenen Diskalfleck; eine orangefarbige Binde
erstreckt sich von der Mitte des Flügels bis zur Spitze und ist nach
oben etwas erweitert; beim Q@ eine sublimbale Reihe verwischter,
orangefarbiger Flecke im oberen ?/, des Saumfeldes; Fransen weißlich,
Im basalen Drittel braun. — West-Australien, Carnarvon, im Oktober,
an sumpfigen Lokalitäten. — Von $. heliopis und brontias abweichend
154 Embrik Strand:
durch bedeutendere Größe, hellere Färbung, den dreieckigen Diskal-
fleck der Vorderflügel und weniger ausgedehnte orangefarbige Färbung
der Hinterflügel.
S. brontias Meyr. 39 25—33 mm. Körper braun. Palpen
schneeweiß. Antennen dunkelbraun, weiß geringelt. Beine braun,
unten weiß gesprenkelt. Vorderflügel länglich-dreieckig, Saum schräg
gerundet; braun, in der Mitte etwas dunkler, unter der Mitte und saum-
wärts grauweißlich gesprenkelt; ein verwischter abgerundeter ocker-
weißlicher Diskalfleck; eine gebuchtete Binde von verwischten
weißlichen, durch die dunklen Rippen getrennten Flecken bei 2/, der
Flügellänge und Vorder- und Innenrand fast erreichend; vor und hinter
dieser Binde finden sich zwei Reihen undeutlich markierter, länglicher,
dunkelbrauner Flecke; Fransen braun, mit Weiß gemischt. — Hinter-
flügel dunkelbraun mit orangefarbigem Diskalfleck und einer breiten,
ebenso gefärbten, die Spitze kaum erreichenden Saumbinde, die gegen
den Analwinkel verwischt ist und beim $ einen undeutlichen braunen
sublimbalen Schatten einschließt, beim 2 dagegen eine Reihe von
4 oder 5 dunkelbraunen verwischten Flecken; Saumlinie dunkelbraun;
Fransen wie die der Vorderflügel. — Westaustralien, Carnarvon, im
Oktober, in der Ebene. — Kleiner als $. heliopis und sonst abweichend
durch den rundlichen Diskalfleck der Vorderflügel, die zwei hinteren
Reihen undeutlicher dunkler Flecke, die Reihe weißlicher Flecke,
die fast beide Ränder erreicht, die weißgescheckten Fransen und die
dunklen subterminalen Flecke der Hinterflügel, die beim 3 durch einen
unbestimmten Wisch vertreten sind. Er
S. monodesma Lower. &38 mm. Kopf, Antennen und Beine
dunkelbraun, Gesicht und Palpen weiß. Thorax und Abdomen weißlich
unten. Beine weiß, mit Braun gemischt. Vf£flg länglich-dreieckig,
Vorderrand sanft gebogen, Saum schräg gerundet; tief braun-ocker-
farbig, schwach iridiscierend; eine sehr schräge weiße Medianquerbinde
von unter der Mitte des Vorderrandes gegen den Analwinkel gerichtet,
erstreckt sich aber nur über ?/, der Flügelbreite; eine verloschene,
weißliche, kurze, schräge Binde unter dem Vorderrande bei etwa */,,
ungefähr halb so lang wie die vorige Binde; die obere Hälfte des Saumes
mit einigen weißlichen Schuppen; Fransen braunweiß. Hflg mit
gerundetem Saume; schwarzbraun, mit lebhaft orangefarbigen
Zeichnungen; eine breite halbmondförmige Binde am Ende der Zelle;
eine ähnliche Binde vom Vorderrande bei 3/,, gegen den Analwinkel
gerichtet, aber denselben nicht erreichend, am oberen Rande oberhalb
der Mitte tief eingeschnitten; eine unregelmäßige Reihe von mehr
oder weniger obskuren orangefarbigen Flecken längs des Saumes;
Fransen weißlich. — Soll sich von den beschriebenen Arten durch
die einzige [Quer ?]binde der Vflg. unterscheiden. [? Cfr. oben !| —
Westaustralien, Mount Darling Range; im November.
S. pyrrhoptera Lower. &44mm. Kopf, Antennen und Thorax
dunkelbraun; die Antennen weiß geringelt mit unten weißlichem
Kolben. Palpen unten weiß, oben gebräunt. Beine bräunlichweiß,
Abdomen ockerbraun, unten weißlich. V£lg. länglich-dreieckig, Vrand
Die indisch-australischen Castniiden. 155
mäßig stark gebogen, Saum abgerundet; dunkelbraun, sehr unregel-
mäßig mit heller braunen und weißlichen Schuppen bestreut; ein großer
dunkelbrauner Diskalfleck am Ende der Basalhälfte kurz vor der
Mittellängslinie des Flügels; jenseits der Mitte ist ein schräger, ver-
loschener, hell-rötlicher Strich, der in der Mitte weiß ist und sich von
der Mitte des Vorderrandes bis vor den Analwinkel erstreckt; zwei
rein weiße Querflecke hinter dem Vorderrande bei ?/,, von denen der
obere der größte ist; eine wenig scharf markierte Querreihe, dunkler
Flecke von der Spitze bis zum Analwinkel, die fast parallel zum Saume
verläuft; Fransen braun, an der: Spitze derselben weißlich. Hflg.
scharlachfarbig mit schwarzen Zeichnungen; eine breite unregelmäßige
Saumbinde, die am Analwinkel schmäler ist und sich von der Mitte
des Vorderrandes bis zum Analwinkel erstreckt, zwei Flecke von der
Grundfärbung einschließend, den einen unter der Spitze, den anderen
nahe dem Analwinkel und zwar ist dieser von der Grundfarbe kaum
getrennt; Innenrand breit ockerbraun; Fransen wie im Vflg. — Unter-
seite der Vflg dunkelbraun, im Basalfelde stark mit rostrot überzogen;
‚ein schräger, unregelmäßider, keilförmiger, scharlachfarbiger Strich
von nahe dem Vorderrande bei !/, bis halbwegs über den Flügel sich
erstreckend; sechs trüb weißliche, eiförmige Querflecke, die rötlich
orange umrandet sind, von nahe der Spitze quer über den Flügel
bis zur Mitte desselben. Hiflg wie Vflg, mit scharlachrotem Diskalfleck,
einem weiteren blaßeren Fleck unter der Spitze, einem dritten un-
mittelbar unter dem ersten Fleck, einem vierten unmittelbar jenseits
und einen fünften unter und zwischen dem vierten und fünften [? Strd.]
Fleck. — Die Art soll insbesondere durch die Hflg charakteristisch
sein. — Australien, Fraser Range; Mitte Oktober.
S. obscura Tepper ist mir eine höchst obscure Art. Sie soll
sich durch ihre dunkle Grundfarbe und verwischten Zeichnungen
von denen die der Hflg rötlich sind, auszeichnen. In der Endhälfte
der Vflg finden sich drei helle, den Vrand nicht erreichende Quer-
streifen, von denen der distale sich wurzelwärts umbiegt, sowie ein
wurzelwärts verlängerter Längsstreif in der Zelle. Die hellen Zeichnungen
der Hflg treten insbesondere im Saumfelde auf, wo sie hinter der Mitte
mehr oder weniger zusammenfließen; im Median- und Wurzelfelde
sind nur vereinzelte helle Flecke vorhanden. Flügelspannung 33,
Flügellänge 15-16 mm. — Die der Beschreibung beigegebene Abbildung
ist elend und stellt obendrein ein Tierchen dar, das nicht an beiden
Seiten gleich gezeichnet ist. — County Adelaide in Südaustralien,
Lyndoch, Barossa.
8. livida Tepper. 9. Kommt zusammen mit 8. obscura vor,
von welcher sie sich angeblich leicht unterscheidet durch die bleifarbige
graue Färbung und abweichende Zeichnungen. Schwärzliche Striche
längs der Hauptnerven und als Sublimballinie sowie fünf oder sechs
Flecke längs der letzteren, dieselbe nicht ganz berührend, zeichnen
die Vorderflügel aus. Die Hflg zeigen einen schwarzen Strich längs
der Medianrippe, der sich mit einer schmalen schwarzen Querbinde
vereinigt, die in den Analwinkel ausläuft; zwischen dieser und dem
156 Embrik Strand: -
Saume finden sich vier undeutliche schwarze Flecke und alles unter
dieser schwarzen Binde ist orangefarbig. Flügelspannung 32, Flügel-
länge 15 mm.
2. Gattung: Taseina W est w.
Große Arten mit dickem Kopfe und sehr großen Augen, ganz
kleinen Palpen und völlig verkümmertem Sauger. Das Geäder ähnelt
zwar dem der Castnia von Amerika, doch ist die Anordnung der Rippen
eine andere; vor allem sind die Zellen aller Flügel offen. Vflg: nur
eine Dorsalrippe, 3 so weit von 4 wie von 2 entfernt, 4 und 5 an der
Basis stark genähert, 6 +7 +8 gestielt, 9 läuft etwa in die Spitze aus
und ist mit 10 und 11 gestielt. Hflg: mit 3 Dorsalrippen, die Rippen
2 +3, 4+5 und 6 +7 gestielt. Die kräftigen Fhlr zeigen eine lang
ausgezogene, oben mit einem Polster dichtstehender Sinnesschuppen
besetzte Keule, deren Ende zuweilen ein Haarpinselchen trägt; die
Beine sind kräftig mit starken Schienensporen. Bei den bis jetzt be-
kannten Arten sind die Vflgl dunkel mit einem weißen Schrägbande,
das von der Costamitte nach dem Innenwinkel zieht. Die Arten sind
auf Malakka und der Insel Palawan gefunden.
T. orientalis Westw. (Fig. la l.c.). Die Vilgl in eine lange
Spitze ausgezogen, dunkelbraun; das weiße Schrägband mündet breit
in den Außenrand oberhalb des Innenwinkels. Hflgl mennigrot mit
breitem dunkelbraunem Rande. Singapore.
T. metallica Pagenst. (Fig. la l.c.). Die Vflgl nicht in eine
lange Spitze ausgezogen; die Hflgl von einfarbig dunkler Grundfarbe,
der Wurzelteil lebhaft metallisch blaugrün glänzend; die Art hat
längere Palpen als die vorige und die Spitze der Vflg ist beim '&
weniger, beim ? überhaupt nicht ausgezogen; die übrigen Gattungs-
merkmale stimmen genau mit denen der vorigen Art überein. Pala-
wan.
3. Gattung: Neocastnia Hmpsn.
Wird, zusammen mit Tascina, von ihrem Autor als eigene Familie
abgetrennt, weil der Sauger fehlt, die Zelle beider Flgl offen und nicht
geteilt ist und die Rippe lc in beiden Flgl fehlt. Da die einzige zugehörige
Art mir leider nicht vorliegt, so kann ich nur die Hauptmerkmale nach
Hampson hier anführen. — Außer obigem sind charakteristisch die
sehr langen, den Kopf weit überragenden dünnen Palpen, die Fhlr
mit langer, nach beiden Enden allmählich sich verjüngender Keule,
Tibien und Tarsen dicht bestachelt, die Mittel- und Hintertibien
mit kleinen Endsporen; Vflg breit mit gekrümmtem Vrand und ganz
kurzer Spitze, Rippe la mit 1b durch einen Querast verbunden, Ic fehlt,
4 und 5 von einem Punkt entspringend, 7 + 8 mit 6 lang gestielt,
9 + 10 mit 11 lang gestielt. Hlfg mit 2 Dorsalrippen, 2 + 3 kurz
gestielt, 4 und 5 von einem Punkt und ebenso 6 und 7, 8 gegen die
Wurzel plötzlich gekrümmt. — Nur eine, von Tenasserim ‚bekannte Art.
N. nicevilei Hmpsn. (Fig. 9e l.c.) 2. Kopf und Thorax goldig-
rot, Scheitel metallisch blaugrün; Abdomen schwarz, oben mit blauem
Die indisch-australischen Castniiden, 157
Anflug. Vflg wie Thorax, mit einer breiten, rahmweißen Binde, von
kurz außerhalb der Mitte des Vorderrandes bis zum Analwinkel, die
innen mit geschlängeltem, kurz vor dem Hinterrande der Flgl. tiefer
ausgezacktem Rande. Hilgl schwarz, in und hinter der Zelle mit blauem
Schimmer. Unterseite von Thorax und Beine orangegelb. die Basal-
hälfte beider Flgl metallisch blau schimmernd, Vflg mit rötlichgelbem
Subapicalfleck. 90 mm. — Aus Tenasserim beschrieben.
* *
Alphabetisches Verzeichnis
zum Nachweis der Urbeschreibung der unter den indisch-australischen
Castniiden aufgeführten Formen.
* bedeutet, daß die Form an der zitierten Stelle auch abgebildet ist.
adelaida Synemon Swh., Cat. East. Lep. Het. I p. 154.*
affinita Syn. Strand, Seitz, Großschmetterlinge, Bd. 10 p. 2.*
austera Syn. Meyrick, Trans. R. Soc. South Australia 14. (1891) p. 189.
bifasciata Syn. Strand, Seitz, Großschmetterlinge, Bd. 10 p. 3.*
brontias Syn. Meyrick, Trans. R. Soc. South Australial4. (1891) p. 189.
catocaloides Syn. Wkr., Cat. Lep. Het. Br. M. XXXI p. 44.
collecta Syn. Swh., Cat. East. Lep. Het. I. p. 151.*
directa Syn. Westw., Trans. Linn. Soc. Lond. (2) I. p. 197.*
discalis Syn. Strand, Seitz, Großschmetterlinge, Bd. 10 p. 2.*
gerda Syn. Strand, Seitz, Großschmetterlinge, Bd. 10 p.2.*
gratiosa Syn. Westw., Trans. Linn. Soc. Lond. (2) I. p. 198.*
heliopis Syn. Meyrick, Trans. R. Soc. South Austral. (1891) p. 188.
hesperioides Syn. Feld., Reise Novara Lep., pl. 82, f. 12.*
icaria Syn. Feld., Novara Exped. Lep. Zool. II. Abt. 2. pl. 79, f. 6.*
josepha Syn. Strand, Seitz, Großschmetterlinge, Bd. 10 p. 2.*
laeta Syn. Wkr., Cat. Lep. Het. Br. M. I p. 36.
leucospila Syn. Meyrick, Trans. R. Soc. South Austral. 14. (1891) p. 188.
livida Syn. Tepper, Trans. R. Soc. South Australia. 4. p. 35.*
magnifica Syn. Strand, Seitz, Großschmetterlinge, Bd. 10 p. 2.*
maja Syn. Strand, Seitz, Großschmetterlinge, Bd. 10 p. 2.*
metallica Tasc. Pagenst., Iris III p.3.
monodesma Syn. Lower, Trans. R. Soc. S. Australia 29 (1905) p. 173.
mopsa Syn. Doubl., Lort Stokes, Discov. Austral. App. I p. 518.*
nais Syn. Klug, Abh. Akad. Berlin 1848 p. 250* (1850).
micevillei Neoc. Hmpsn., Trans. Ent. Soc. Lond. 1895 p. 286.
notha Syn. Westw., Trans. Linn. Soc. Lond. (2) I. p. 197.*
nupta Syn. Westw., Trans. Linn. Soc. Lond. (2) I. p. 197.*
obscura Syn. Tepper, Trans. R. Soc. South Australia. 4. p. 35.*
obscurella Syn. Westw., Trans. Linn. Soe. Lond. (2) I. p. 197.*
obscuripennis Syn. Strand, Seitz, Großschmett., Bd. 10 p.2.*
orientalis Tasc. Westw., Trans. Linn. Soc. Lond. (2) I. p. 199.*
158 Embrik Strand.
parthenoides Syn. Feld., Novara Expd. Lep. Zool. II. Abt. 2. pl. 79,
f. 7—8*.
partita Syn. Strand, Seitz, Großschmetterlinge, Bd. 10 p.1; Boisd.,
Hist. Nat. Ins. Lep. Het. I p. 550.*
phaeoptila Syn. Turner, Trans. R. Soc. South Australia 30 (1906)
. 136—137.
re Syn. Wkr., Cat. Het. Br. Mus. I. p. 37.
pyrrhoptera Syn. Lower, Trans. R. Soc. South Australia 16. p. 13—14.
selene Syn. Klug, Abh. Akad. Berlin 1848 p. 249 (1850).*
simpla Syn. Strand, Seitz, Großschmetterlinge, Bd. 10 p. 2.
sophia Syn. Ad. White, Grey’s Exped. Austral. Append. p. 474.*
theresa Syn. Doubld., Lort Stokes’s Discov. Austral., App. I p. 517.*
vagans Syn. Westw., Trans. Linn. Soc. Lond. (2) I p. 198.*
Beiträge zur Kenntnis der Gattung
Eleutheria.
Von
Hermann Müller.
(Hierzu Tafel III.)
Durch Herm Prof. Hartlaub wurden mir einige Exemplare von
Eleutheria claparedei Hb. freundlichst zur Untersuchung überlassen, die
Fräulein Binder, die Leiterin des Aquariums des Naturwissen-
schaftlichen Museum zu Mainz während eines Aufenthaltes im Labora-
toire maritime der Insel Tatihou bei St. Vaast la Hougue im August
und September 1909 gesammelt hatte. Fräulein Binder war es erst
nach längerem Suchen möglich gewesen, die seltene Meduse in der
Bai de la Hougue, also an ungefähr derselben Stelle, wiederzufinden,
wo vor nunmehr 50 Jahren Claparede diese Eleutheria zuerst beobachtet
hat. Clapar&de identifizierte damals!) die von ihm gefundenen Eleu-
therien trotz einiger ihm auffallenden abweichenden Merkmale mit
der von Quatrefages?) entdeckten, durch die kurz vor der Claparedeschen
Arbeit erschienenen Abhandlungen von Krohn?) und Hincks?) bereits
näher bekannten Eleutheria dichotoma Quatr. Er wird auch vermutlich
unter dem von ihm benutzten Materiale Exemplare von El. dichotoma
gehabt haben, da die letztere Art nach Fräulein Binders und meinen
eigenen Feststellungen bei St. Vaast la Hougue neben El. claparedei
zu finden ist, diese sogar an Häufigkeit des Vorkommens dort wesentlich
übertrifft. Claparede hob damals bereits als ein abweichendes Merkmal
seiner Eleutherien gegenüber den von andern Autoren beschriebenen
die geringere Anzahl der Radiärkanäle, 4 seltener 6, die innere Knospung
der Tochtermedusen, die geringere Anzahl der Eier, sowie ihre Lage
an den Seiten des Magens hervor und zog in Erwägung, ob nicht eine
generische Lostrennung seiner Art notwendig sei. Später sprach sich
Pavesi in einem Briefe an Spagnolini dahin aus, daß die von Clapar&de
entdeckte Eleutheria nicht identisch mit der ven Krohn und de Filippi
im Mittelmeer aufgefundenen seid). Endgültig trennte dann Hart-
ı) R. E. Claparede. Beobachtungen über Anatomie u. Entwickelungs-
geschichte wirbelloser Tiere. Leipz. 1863.
‚$&?) Quatrefages. M&emoire sur ’Eleutherie diehotome. Ann.d. Sc. Nat. II. Ser.
T.,18. 1842.
2) Krohn. Beobachtungen über den Bau u. die Fortpflanzung der Eleutheria
Quatref. Arch. f. Natg. Jahrgg. 27. 1861.
*) Hincks. On Clavatella, a new Genus of Corynoid Polypes and its Repro-
duction. Ann. and Mag. of Nat. Hist. Ser. III. T.7. 1861.
5)s. Cl. Hartlaub. Craspedote Medusen 1. Tl. 1. Lfrg. Codoniden und
Cladonemiden. Nord. Plankt. 6. Lfrg. Kiel 1907.
160 Hermann Müller:
laub!), nachdem er die Claparedesche Eleutheria auch bei Neapel
angetroffen und genauer untersucht hatte, diese als Eleutheria
claparedei von Eleutheria dichotoma Quatr., indem er auch auf die
gewöhnlich erhöhte Anzahl der Tentakel (El. clap. 8—14 gegenüber
5—9 bei El. dich.), auf die größere Länge der Tentakel und ihre mehr
endständige Gabelung bei El. elaparedei, sowie auf die verschiedene
Länge der Radiärkanäle bei beiden Arten hinwies.
Trotzdem ist bis heute die Berechtigung der Trennung dieser
Arten noch keineswegs allgemein anerkannt. Ganz abgesehen von
Haeckel?), der sich vor dem Erscheinen der Hartlaubschen Arbeit
für die Auffassung der Claparedeschen Eleutheria als einer Varietät
von Eleutheria dich. ausgesprochen hat, bezeichnet Browne?) noch neuer-
dings El. elap. nur als eine anormale Form von El. dich., wobei aller-
dings wohl eine Verwechselung der ersteren mit der von Quatrefages
beschriebenen Form von El. dich. vorliegt, die statt des Saugnapfes
einen zweiten Nesselknopf am Tentakel aufweisen soll. Letztere als
eine besondere Art abzugliedern, dazu scheinen mir in der Tat aus-
reichende Gründe nicht vorzuliegen, denn außer der eben erwähnten
Eigentümlichkeit, die eine Variationserscheinung sein kann und als
Abnormität bei einzelnen Tentakeln mitunter zu beobachten ist, ist es
nur die nach oben gerichtete Haltung des Mundes beim Kriechen, die
als eine Besonderheit in der Beschreibung der Eleutheria von Quatrefages
gegenüber den Berichten anderer Autoren über dieses Tier hervor-
tritt. Schließlich erscheint ja auch em Irrtum bei diesem Forscher, der
als erster überhaupt Eleutheria untersuchte, als nicht ganz aus-
geschlossen.
Demgegenüber möchte ich mich nach den ver-
gleichendenBeobachtungen,dieich anlebendem
und totem Material von El dichotoma und cla-
paredeimachenkonnte, trotz der weitgehenden Variabilität
von El. dichot. und trotz des Vorkommens beider an denselben Orten
entschieden für dieTrennung dieser beidenArten
aussprechen. Leider war das Material, von El. clap. das mir zur Unter-
suchung zur Verfügung stand, nicht allzu reichhaltig. Die Anzahl der
von Fräulein Binder erhaltenen Exemplare betrug nur vier, doch hatte
ich insofern Glück, als sämtliche Exemplare Geschlechtsprodukte
besaßen, während Hartlaub bei Neapel im Mai unter 18 geschnittenen
Individuen nicht ein einziges mit Sexualzellen fand und auch nach
Claparede im August und September bei den Eleutherien von St. Vaast
die Knospenzeugung bei weitem häufiger als die Erzeugung von Eiern
ist. Auch befand sich unter meinem Schnittmaterial ein Männehen,
während bisher ein solehes überhaupt noch nicht beobachtet worden
ist. Ein Aufenthalt im Laboratoire maritime von Tatihou von Mitte
Juli bis Anfang August vorigen Jahres brachte mich meinem Ziele
1) Cl. Hartlaub. Über die Claparedesche Eleutheria. Zool. Anz. XII 1889.
2) E. Haeckel. System der Medusen. Jena 1871. ;
®) Edw. T. Browne. Nat. Ant. Exp. Nat. Hist. Vol. V. Coelenterata V. Me-
dusen 1910.
Beiträge zur Kenntnis der Gattung Eleutheria. 161
nicht wesentlich näher, da ich dort zwar El. dichotoma in reichlicher
Menge, dagegen nur sehr wenige Exemplare von El. clap. fand, die
ich, da sie mir zum größten Teile bei einem Versuche, den Ammen-
polypen zu züchten, starben, teils nur in sehr unvollkommenem
Zustande konservieren konnte. Ähnlich erging es auch Fräulein Binder,
die aus gleichem Grunde von den im vorigen Jahre gesammelten
Exemplaren nichts für die Konservierung zu retten vermochte.
Jedoch hatte ich auf Tatihou Gelegenheit, durch unmittelbaren
Vergleich mich davon zu überzeugen, daß El. clap. und dichotoma
im Leben durchaus augenfällige Unterscheidungsmerkmale aufweisen.
Die hauptsächlichsten derselben, die ich hier folgen lasse, sind in
gleicher Weise auch von Fräulein Binder beobachtet worden, die
noch über ein wesentlich reicheres Material an El. claparedei verfügte
und so liebenswürdig war, mir ihre Resultate mitzuteilen.
Ein besonders hervortretendes charakte-
ristisches Kennzeichen für El. clap. ist zunächst
die merkwürdige steile Haltung der Tentakel bei der Fort-
bewegung dieser Meduse, während El. dichotoma die Tentakel hierbei
mehr seitwärts streckt und flacher läuft. Daß bei El. elap. die
Tentakelviellängerunddünnerundnuram Ende
sehr wenig gespalten sind, ist bereits von Hartlaub hervor-
gehoben worden. Der an dem einen Gabelaste derselben befindliche
Nesselknopf zeigt sich ferner nach Fräulein Binders Beobachtungen bei
El. clap. nicht so stark gerundet als bei El. dichot. Bezüglich der
Färbung erscheint letztere meist gelblicher gegenüber der mitunter
mehr orangerot gefärbten El. claparedei. Insehr vielen Fällen
zeigt weiterhnderKörperumfangbeiEl.claparedei
eine etwas ovale Form, doch kann diese nicht als ein notwendiges
Kennzeichen gelten, da es wohl eine secundäre Erscheinung, hervor-
gerufen durch im Innern sich bildende Knospen ist und ich auch in der
Tat Exemplare von El. clap. mit völlig kreisrundem Körperumriß
beobachtet habe. Vorsichtig muß man weiterhin sein bei der Heran-
ziehung der Tentakelanzahl zur Diagnostizierung beider
Arten. Die normale Anzahl derselben beträgt bei El.
claparedei, wie schon Claparede angegeben hat, 8—9, bei
El.dichotoma 6, doch können bei beiden Arten weitgehende
Variationen eintreten. So sind in je einem Falle von Hartlaub und
Fräulein Binder bei El. clap. ausnahmsweise 14, von mir bei El. dich.
einmal 11 Tentakel beobachtet worden!). S. Nachtrag.
!) s. (Untersuchungen über Eibildung bei Cladonemiden und Codoniden.
2. f£. w. Z. Bd. LXXXIX p. 35). Die dort von mir seinerzeit gegebene Mitteilung,
daß ich bei einer El. dich. 14 Tentakel beobachtet habe, beruht auf einem Irrtum.
Das betreffende Exemplar — es war mir, wie damals bemerkt, von Herrn Prof.
Hartlaub zur Verfügung gestellt — wird jene von Hartlaub aufgefundene El. clap.
mit 14 Tent. gewesen sein; war aber infolge des Alters des Präparates und der
starken Kontraktion der Tentakel nicht mehr mit Sicherheit zu diagnostizieren.
Archiv für Naturgeschichte
1911. L 1. Suppl. 11
162 Hermann Müller:
Über die als en weiteresHauptmerkmalderClapa-
r&de’schen Eleutheria bereits oben angeführte Bildung
von Knospen innerhalb des Glockenhohl-
raumes, die, wie Hartlaub nachgewiesen hat, vom Ringkanal aus
erfolgt und sich bis zur Produktion von 6 bis 7 Konspen steigern kann,
habe ich selbst leider nur wenig Beobachtungen machen können. Ich
fand ein Exemplar, das in seinem Innern die ersten Anfänge sich
bildender Knospen erkennen ließ, ein anderes zeigte eine innere Knopse,
bei der bereits Tentakelanfänge wahrzunehmen waren. Häufiger sind
diese Erscheinungen von Fräulein Binder beobachtet worden, die,
nach brieflicher Mitteilung, wie verschiedentlich auch Hartlaub, bei
einem größeren Tiere eine Knospe bemerkte, die an einem Stiele aus
der Glockenöffnung herausragte und von dem Muttertiere mit herum-
geschleppt wurde.
Während bei El. dichotoma ein gleichzeitiges Auftreten von
geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Fortpflanzung bei demselben
Individuum nicht selten zu beobachten ist, fehlt nach Claparede und
Hartlaub bei El. claparedei die Eiproduktion bei knospentragenden
Exemplaren. Meine Beobachtungen stimmen hiermit im wesentlichen
überein, da ich an knospenproduzierenden Individuen keine Eier und
nur bei einem Tier mit starker Eibildung an der Innenseite des Ring-
kanals eine Zellwucherung bemerkt habe, deren Knospennatur aber
noch nicht mit Sicherheit festzustellen war.
Unter den Mitteilungen Claparedes über die Eibildung bei seinen
Eleutherien — er hebt u.a. die geringe Anzahl der Eier (meist 2,
mitunter 3), vielleicht bedingt durch ihre bedeutende Größe (Dotter
0,18—0,30 mm), und ihre interradiale Lage hervor — ist wohl die
wichtigste, daß der Entstehungsort der Eier die Seiten des Magen-
grundes seien. Haeckel, der einen Artenunterschied zwischen El. clap.
und dich. nicht gelten lassen will, sucht diese Angaben mit den Berichten
Krohns und anderer Autoren von einer dorsal gelegenen Bruthöhle
bei Eleutheria dich. in Einklang zu bringen durch die Annahme, daß
die Eier erst sekundär von dem Magengrunde in die Bruthöhle hinein-
wanderten. Auch Hartlaub äußert noch neuerdings (N. Pl.6 p. 131)
Bedenken über die Richtigkeit der Claparedeschen Beobachtung.
Auf Grund von Schnittpräparaten bin ich in der Lage, die Angaben
Claparedes über die Ursprungsstätte der Eier durchaus zu bestätigen.
Die weiblichen Gonaden befinden sich bei El. clapa-
redei m der Tat am Manubrium, dieses im oberen Teile
ringförmig umschließend und bei stark kontrahiertem Zustande des-
selben es nach unten zu seitlich überragend s. Fig. 1. Sie sind von
einem dünnen Epithel bedeckt und enthielten neben zahlreichen
kleinen Ooeyten eine ganze Anzahl, bis zu fünf (nach Claparede
2 bis 3) größere Eizellen, die meist interradiär gelegen waren.
Bei Formolkonservierung und Behandlung mit Eisenhämatoxylin
und Orange G zeigte das Ooplasma eine äußerst fein gekörnelte, gelblich-
graue Grundsubstanz, die bei den kleinen Oocyten fast homogen (s.
Fig.1 oc.), bei den großen Eizellen etwas weniger dicht angeordnet
Beiträge zur Kenntnis der Gattung Eleutheria. 163
erschien und hier größere dunkle Körner einschloß, die in ihrer blau-
schwarzen Färbung durchaus jenen Körnchen glichen, mit denen sich
die Zellen des Magenentoderms, der Radiärkanäle und des Ringkanals
angefüllt zeigten (s. Fig. 1ov.). Verhältnismäßig arm an diesen Körnchen
erwiesen sich die dem Zellkern unmittelbar benachbarten Teile des Oo-
plasmas. Verschiedentlich zeigten sich auch hier ähnlich wie bei
El. diehotoma Erscheinungen, die auf eine Assimilation kleinerer
Ooeyten durch die größeren Eizellen hinzudeuten schienen. Alle
Eier, von denen scheinbar keines unmittelbar vor der Reife stand,
befanden sich noch innerhalb des Gonadenepithels. Von in Ent-
wicklung begriffenen Embryonen war nichts innerhalb der Glocken-
höhle zu bemerken.
Bei dem männlichen Exemplar trat eine lebhafte Spermaent-
wickelung hervor. Die männliche Gonade umgab in
einembreitenRingedasManubrium, fast den ganzen
Raum zwischen diesem und der Exumbrella ausfüllend und sich inter-
radiär etwas hervorwölbend, indem nur der unterste Teil des Manu-
briums von der Gonade freiblieb. Demgegenüber berichtet Krohn,
der einzige Beobachter, der bisher em rein männliches Exemplar
von Eleutheria dichotoma mit reicher Spermaentwickelung zu Gesicht
bekommen hat, sehr ausführlich, daß sich hier die Spermamasse auf
der Rückseite zwischen Ento- und Ectoderm befunden habe.
Von einer dorsalen Bruthöh-le ist bei El. clapa-
redeiauch bei solchen Exemplaren, die Geschlechtsprodukte besitzen,
nichts wahrzunehmen. Das Magenentoderm schließt sich
hier an der ganzen Rückenseite lückenlos an das exumbrellare Eetoderm
an und zieht sich auch interradiär noch ein Stück an der Seitenwandung
der Glocke abwärts, während radial deutlich ausgeprägte Kanäle
vom Magen nach dem wesentlich tiefer als das Magenlumen befindlichen
Ringkanal herabsteigen. Dem Ringkanal legt sich nach innen zu,
teilweise die von diesem und dem Velum gebildete kreisförmige Rinne
ausfüllend, ein verhältnismäßig schmaler, unbedeutender Nesselring an.
Deutlich treten diese Verhältnisse, die verhältnismäßig bedeutende
Ausdehnung der Glockenhöhle, die tiefe Lage des Ringkanals (re) und
Nesselringes (vr.) auf dem in Fig. 1 dargestellten Sagittalschnitt durch
eine weibliche Eleutheria claparedei hervor. Leider zeigt sich hier der
Radiärkanal (rde) in seinem unteren Teile etwas von dem Umbrellar-
ectoderm abgehoben, eine Erscheinung, die, wie mir vergleichende
Beobachtungen gezeigt haben, keine normale, sondern durch einen
Schnitt- oder Konservierungsfehler bedingt ist. Übereinstimmend
mit den Mitteilungen Claparedes zeigt hier auch der linke radial
gelegene Teil der Gonade nur kleine Oocyten, während der rechte
interradiale eine in der Entwicklung weit vorgeschrittene Eizelle
aufweist.
Da sich in Bildung und Lage der Hauptorgane des Medusen-
körpers interessante Übergänge zwischen den einzelnen Eleutheriaarten
zeigen und ihre Ausgestaltung aufs engste mit der für dieses Genus
charakteristischen Verkürzung der Vertikalachse und Reduktion der
11*
164 Hermann Müller:
Glocke, sekundär also auch mit dem Übergang dieser Medusenarten
zur kriechenden Lebensweise in Zusammenhang steht, so soll hier
eine vergleichende Übersicht über diese Verhältnisse bei Eleutheria
dichotoma Quatr., El. claparedei Hartl. und El. vallentini Browne
(Wandelia charcoti Bedot; El. hodgsoni Br.) gegeben werden. Über
die letztere Medusenart bin ich ebenfalls in der Lage, nach eigenen
Beobachtungen Angaben zu machen, da Herr Prof. Vanhöffen so
freundlich war, mir seine Schnittpräparate derselben zur Durchsicht
zu überlassen und mir einige jüngere Exemplare dieses Tieres, die in
der Nähe der Kerguelen bei Gelegenheit der Deutschen Tiefsee- und
Südpolarexpeditionen gesammelt waren, zum Schneiden zur Verfügung
zu stellen.
DiegrößteReduktionderSchwimmglocke zeigt
sich unter den genannten Eleutheriaarten unstreitigbeiEl.dicho-
toma. Die Glockenhöhle ist hier durch Verkürzung ihrer
Seitenwand fast vollständig verschwunden. Der
Ringkanal dadurch nach oben verlagert, umgibt den
oberen Teil des Magenlumens in geringem Abstande
und steht mit diesem radiär durch kurze Verbindungen in Zusammen-
hang, die mehr als Magenaussackungen denn als eigentliche Radiär-
kanäle erscheinen. Die peripherische Lage des Ringkanals bietet einmal
eine vorteilhafte Ausgangsstelle für die nach außen erfolgende Knospung
von Tochtermedusen, erlaubt andererseits eine für die kriechende
Fortbewegungsweise äußerst günstige Seitwärtsstellung der von ihm
ausgehenden Tentakel. Diese Fortbewegungsweise wird noch weiter
unterstützt durch die Lage des Nesselwulstes, der auf
die Unterseite des Ringkanals verschoben und meist
stark verdickt nach den Beobachtungen Hartlaubs als Stützorgan
dienen kann. Die Subumbrellarhöhle — ich rechne hierzu nicht den
zwischen Manubrium und dem nach unten stark vorgewölbten, umfang-
reichen Velum befindlichen Raum — ist also zunächst in ihrem Haupt-
teil beschränkt auf den ringförmigen Zwischenraum zwischen Nessel-
wulst und Manubrium. In ihrem oberen Teil wird sie durch die umfang-
reichen radiären Aussackungen des Magens stark eingeengt und zerfällt
hierdurch in eine Anzahl von Abschnitte, die schlauchartig dünn, inter-
radiär bis zum dorsalen Ectoderm vordringen. Es sind jene Gebilde,
die Hartlaub!) mit dem Namen Geschlechtskanäle bezeichnet, da
von ihrer ektodermalen Auskleidung die Keimzellenbildung ihren
Ausgang nimmt. Dadurch, daß bei eintretender Geschlechtsreife
unter lebhafter Zellvermehrung das Epithel dieser Kanäle sich
nach dem Rücken zu fortsetzt und eine dorsale Vereinigung
derselben erfolgt, die bis zur völligen Lostrennung des mittleren
dorsalen Magenentoderms vom Exumbrellarektoderm führen kann,
kommt es zur Bildung jener Bruthöhle, die schon lange als eine Eigen-
tümlichkeit von El. diehotoma bekannt ist. Diese Bruthöhle
1) Cl. Hartlaub. Über den Bau der Eleutheria Quatref. Zool. Anz. IX. Jhrgg.
1886.
Beiträge zur Kenntnis der Gattung Eleutheria. 165
stellt also, wie zuerst Hartlaub nachgewiesen hat, nichts anderes als
eine dorsale Fortsetzung der Subumbrellarhöhle
dar, die der Erzeugung der Geschlechtsprodukte und dem Schutze
der Embryonen in ihren ersten Entwicklungsstadien dient. Der
Schwerpunkt der Geschlechtszellenproduktion
— auch die ‚‚Geschlechtskanäle‘“ kommen allerdings hierfür, namentlich
für die Bildung der männlichen Sexualzellen in Betracht — erscheint
damitbeiEl.dichot.nachdemRückenzuverschoben,
eine Tatsache, die sich auch mit der Reduktion der Glocke in Einklang
bringen läßt, da hierdurch der um das Manubrium sonst bei Medusen
für die Gonadenbildung zur Verfügung stehende Raum aufs äußerste
beschränkt ist.
Von den Figuren 2 und 3, welche die eben besprochenen Eigen-
tümlichkeiten im Bau von El. dich. illustrieren, zeigt Fig. 2, ein Schnitt
durch ein älteres Exemplar mit zwei Tochtermedusen, deutlich auf
der rechten Seite den Zusammenhang der Magenhöhlung mit dem
Ringkanal. Leider ist in den dorsalen Partien das äußere Ektoderm
durch einen Konservierungstehler etwas abgehoben und weist in den
mittleren Teilen eine Verletzung auf. Doch tritt deutlich unterhalb
desselben die Fortsetzung des linksseitigen Subumbrellarepithels, das
Keimzellen aufweist, bis zum auf der entgegengesetzten Seite befind-
lichen Radiärkanal hervor. Zur Bildung einer vollständigen Bruthöhle
ist es bei diesem Exemplar noch nicht gekommen, da ein Auseinander-
weichen der Epithelschichten, welches meist erst erfolgt, sobald eine
lebhafte Eizellenbildung ein®tzt, bisher noch nicht eingetreten ist.
Auch ist hier, wie einer der folgenden Schnitte zeigt, in den mittelsten
Teilen an einer kleinen Stelle eine direkte Berührung zwischen Magen-
entoderm und Rückenektoderm noch vorhanden. In Fig. 3, welche
einen Schnitt durch ein sehr junges Exemplar mit einer einzigen nur
kleinen Knospe darstellt, ist links der Radiärkanal nur in seiner
seitlichen Wandung getroffen. Rechts tritt seitlich von dem hier
merkwürdigerweise lang ausgestreckt fixierten Manubrium die Fort-
setzung der Subumbrellarhöhle in einen dünnen Kanal bis zum dorsalen
Ektoderm deutlich hervor. Die starke Zellwucherung, die in den dor-
salen Partieen des Rückenektoderms zu finden ist, stellt jedenfalls
ein in der Entstehung befindliches Keimlager dar (von dem ein Teil
stark vergrößert von mir Z. £. w. Zool. Bd. LXXXIX. Taf. III. Fig. 5a
abgebildet ist), das die Anlage der Bruthöhle vorbereitet. Die Lage des
stark entwickelten Nesselwulstes unterhalb des Ringkanals tritt in
beiden Figuren deutlich hervor.
Bezüglich der eben angeführten Gesichtspunkte nimmt El.
vallentini, obwohl im äußeren Körperbau den beiden übrigen
Arten femer stehend, eine Mittelstellung zwischen El.
dichot. und elap. ein. Wie Fig. 4, ein Sagittalschnitt durch ein
jüngeres Exemplar von EI. vall., zeigt, ist auch hier der Ring-
kanal durch Reduktion der Glocke verhältnismäßig weit nach
oben gerückt, etwa in Höhe der Magenmitte, und bildet
bei seiner peripheren Lage gewissermaßen den Äquator des
166 Hermann Müller:
Medusenkörpers, auf der Unterseite begleitet von einem breiten Nessel-
ringe. Auch en oberhalb der Radiärkanäle gelegener,
subumbrellarer Raum ist hier vorhanden, welcher inter-
radiärmitderübrigen GlockenhöhleinVerbindung
steht und der, da sich in ihn hinein die Gonaden fortsetzen und er bei
weiblichen Exemplaren vor allem die Embryonen beherbergt, den Namen
Brutraum wohl verdient. Aber es kommt hier nicht zu einer
völligen Lostrennung des Magenentoderms vom Exumbrellarepithel.
Der Magen bleibt vielmehr, wie Vanhöffen!) bereits nachgewiesen hat,
zentral mit dem Rücken in Verbindung, wobei das Magenentoderm
an dieser verhältnismäßig schmalen Verbindungsstelle sich nicht
unwesentlich durch seine geringe Dicke von dem übrigen Magen-
entoderm unterscheidet und in dieser Eigenschaft mehr dem sub-
umbrellaren Epithel der Glockenwand ähnelt. Der zwischen den Radial-
kanälen und der dorsalen Begrenzung des ‚‚Brutraumes““ vorhandene
Zwischenraum — es bedarf dies allerdings noch genauerer Unter-
suchung, da mir Individuen ohne Gonadenbildung nicht zur Ver-
fügung standen — macht ferner den Eindruck, als ob er von vorn-
herein vorgebildet, nicht erst sekundär durch Wucherung des Keim-
epithels geschaffen sei. Die interradiären Verbindungen zwischen
dem oberen und unteren Teile der Glockenhöhle sind im Vergleiche zu
den Radiärkanälen bei El. vallentini wesentlich breiter als bei El.
dichotoma. Die Radiärkanäle wiederum, bei El. vall. zwar
auch verhältnismäßig kurz, sind hier durch ihren dünnen Querschnitt,
ferner durch die Beschaffenheit ihrer entodermalen Auskleidung,
deren Zellen im Gegensatz zu denen des Magenentoderms völlig frei
sind von mit Eisenhämatoxylin tingierbaren Einschlüssen, scharf
gegen den Magen abgesetzt. Sie sind auf der Unterseite
verstärkt durch die hier stark verdickte Gallertlamelle, entspringen
etwas oberhalb der Mitte der Magenhöhlung, und ziehen sich völlig
frei?), ohne Connex mit dem Subumbrellarepithel nach dem oberen
Teil des Ringkanals zu, um in diesen, scharf nach unten umbiegend,
einzumünden (s. Fig. 4 rde.). Im Gegensatz zu El. dichotoma befindet
sich bei El. vallentini ein sehr bedeutender Teil der Gonaden an dem
tiefer als die Radiärkanäle gelegenen Teil des Manubriums und zwar
erscheint hier, wie auch Fig. 4 zeigt, bei jüngeren Individuen wenigstens,
die Gonade in dem radiär gelegenen Teilen des Manubriums unter-
brochen, während sie oberhalb der Ausgangsstelle der Radiärkanäle
dieses in einem überall ziemlich gleichmäßig breiten Ringe umgibt.
Ein Übergreifen des Keimepithels auf das subumbrellare Epithel
!) E. Vanhöffen. Die Anthomedusen u. Leptomedusen der Deutschen
Tiefseeexpedition 1898—1899. Wiss. Erg. der Deutsch. Tiefseeexped. Jena 1911.
2) Gerade diese freie Lage der Radialkanäle läßt das Vorkommen von Ana-
stomosen zwischen den Radialkanälen, wie sie Bedot (Sur un animal pelagique
de la region antaretique. Exp. Ant. Frang. Spongiaires et Coel. 1898) bei
Wandelia chareoti glaubt beobachtet zu haben, als unwahrscheinlich erscheinen.
Auch habe ich bei Schnittpräparaten solche Anastomosen nie wahrgenommen.
Beiträge zur Kenntnis der Gattung Eleutheria. 167
der Glockenwand, wie es mitunter bei El. diehotoma vorkommt, war
bei El. vallentini nirgends zu bemerken. |
Was die innere Ausgestaltung der Gonaden anbelangt, so will ich
den von andern Autoren hierüber gemachten Mitteilungen nur einige
Bemerkungen über die Ausbildung und Weiterentwicklung der Eier
beifügen, da sich in dieser Beziehung mancherlei Übereinstimmungen
mit El. dichotoma zeigen. Die Anzahl der sich gleichzeitig entwickelnden
Eier ist bei El. vallentini entsprechend der verhältnismäßig viel größeren
Ausdehnung der Gonaden und des zur Verfügung stehenden Raumes
eine wesentlich bedeutendere als bei El. diehotoma. Wie bei letzterer
so erfolgt auch hier — Browne hat dies bereits in seiner Besprechung
von El. hodgsoni angeführt — die Ausbildung der Eier durch Ab-
sorption der sie umgebenden kleinen Keimzellen. Auch die Ver-
änderungen im Ooplasma sind bei El. dichotoma u. vallentini sehr
ähnliche. Dieses hat auch bei El. vall. zunächst eine dichte homogene
Beschaffenheit und nimmt bei zunehmendem Wachstum der Eizelle
durch fortschreitende Vakuolisierung zunächst eine wabige, schließlich
eine netzartige Struktur an, wobei innerhalb der Maschen des Netzes
Dotterkörner auftreten, die sich mit Eisenhämatoxylin und Nach-
färbung mit Orange G teils gelblichgrau teils tiefschwarz färben.
Riehtungskörperbildungen habe ich an den Eiern von El. vallentini
nicht bemerkt, wohl aber Eier in den ersten Teilungsstadien be-
obachtet, bei denen der Kern bereits in zwei oder mehrere Teilkerne
zerfallen, die Bildung der trennenden Zellwand aber noch nicht ein-
getreten war. Auffällig war, daß diese Eier, offenbar erst seit kurzem
aus der Gonade herausgelöst — man sah deutlich noch die von ihnen
verlassene Lücke — an der der Gonade zugewandten Seite einen von
Plasma scheinbar nicht erfüllten, wenigstens nicht tingierbaren Hohl-
raum zeigten, dessen Konturen nach der Gonade zu lappenartige Fort-
sätze aufwiesen. Die Blastulaform zeigt in dem noch reichen Gehalt
ihrer Blastomeren an Dotterkörnern und in der anfangs noch vor-
handenen Furchungshöhle ebenfalls überraschende Ähnlichkeit mit
den gleichen Gebilden bei El. dich. Die zweizellige Planula, ebenfalls
der von E. dichotoma sehr ähnlich, scheint wie diese auch Nessel-
zellen in ihrem Entoderm zu beherbergen, weist wenigstens in einzelnen
Teilen eine außerordentliche Ähnlichkeit mit den Zellgebilden des
Nesselwulstes auf. Anfangs kugelig oder oval nimmt sie schließlich
eine mehr polyedrische Form an.
Bei einem Rückblick auf die drei Eleutheriaarten muß EI. clapa-
redei trotz ihrer weitgehenden Verkürzung der Längsachse und Re-
duktion ihrer Glocke als diejenige erscheinen, die sich noch am meisten
den übrigen Anthomedusenarten in der Anordnung ihrer Organe
nähert. Ist doch hier noch eine wirkliche Glockenhöhle und eine
deutlich ausgeprägte Glockenwandung vorhanden, die von Radiär-
kanälen begleitet ziemlich steil von dem Magen nach dem wesentlich
tiefer als die Magenhöhlung gelegenen Ringkanal abfällt, dessen tiefe
Lage, da er für die Tentakel die Ansatzstelle liefert, wohl die Ver-
anlassung ist für jene uns unbehifllich erscheinende, steile Haltung
168 Hermann Müller:
der Tentakel, die im Anfange als ein besonderes Kennzeichen der sich
bewegenden El. clap. erwähnt worden ist. Faßt man als das Cha-
rakteristikum der Gattung Eleutheria ihre Anpassung an die kriechende
Lebensweise auf, so möchte ich, vielleicht abgesehen von der inneren
Knospenbildung, die möglicherweise später erworben ist, El. elap.
als de Ausgangsform betrachten, während El. dichotoma mit
ihrer äußersten Reduktion der Glockenhöhle, die abgesehen von dem
Aufwärtsrücken des Ringkanals und der dadurch bedingten äußersten
Verkürzung der Radiärkanäle, bis zur dorsalen Verlagerung der Gonaden
geführt hat, ans Ende der Entwickelungsreihe zu stellen wäre.
Nach den hier gegebenen Zusammenstellungen dürfte es nötig
sein, die bisher für Eleutheria aufgestellten Gattungsmerkmale, da
sie mehr oder weniger nur auf El. diehotoma zugeschnitten sind, einer
Revision zu unterziehen, will man nicht eine generische Lostrennung
von El. claparedei und vallentini vornehmen, So wäre das Vor-
kommen einer dorsal gelegenen Bruthöhle und
von Hermaphroditismus unter die Speziescharak-
tere von El. diehotoma zu verweisen. Die Lage des
NesselwulstesunterdemRingkanalund diestarke
Verkürzung der Radiärkanäle käme nur El. dicho-
toma u. vallentini zu, während nach den bisherigen Fest-
stellungen de Medusenknospung vom Ringkanal aus eime
Eigentümlichkeit von El. dich. u. elaparedei dar-
stellen würde, hier aber entsprechend dem ungleichen Bau beider nach
verschiedenen Richtungen, bei El diehotomanach außen,
bei El. claparedei nach der Glockenhöhle zu
erfolgt. Im übrigen bedürfen die hier über das Genus Eleutheria
gemachten Mitteilungen, speziell was El. claparedei anbelangt, wie ich
mir bewußt bin, noch in mancherlei Hinsicht der Ergänzung, die ich
mir, wenn es gelingen sollte, noch weiteres Material dieser Meduse zu
bekommen, vorbehalte. Bedarf doch vor allem die Frage nach dem
Ammenpolypen von El claparedei noch der Aufklärung.
Zum Schluß sei es mir erlaubt, allen denen, die mich in der Ab-
fassung meiner Arbeit unterstützt haben, meinen Dank abzustatten.
Dank schulde ich in erster Linie für die Überlassung wertvollen
Materiales, für Mitteilungen und Ratschläge Fräulein Binder und
den Herren Prof. Hartlaub und Vanhöffen. Meinen verbindlichsten
Dank möchte ich ferner den Herren vom Laboratoire maritime der
Insel Tatihou sagen für die entgegenkommende Aufnahme in dieser
Station, im besonderen Herrn Dr. Malard für die liebenswürdige
Bereitwilligkeit, mit der er meine Studien gefördert hat. Auch Herrn
Direktor Prof. Dr. Brauer möchte ich für die mir erteilte Erlaubnis,
im Zoologischen Museum in Berlin zu arbeiten, meinen ergebensten
Dank auszusprechen.
Beiträge zur Kenntnis der Gattung Eleutheria. 169
Erklärung der Abbildungen.
Die Mikrophotogramme sind bei einer Tubuslänge von 170 mm und einem
Kameraauszug von 400 mm, Fig. 1—3 mit Leitz Comp.-Oc. 4, Obj. 4; Fig. 4, mit
Comp.-Oc. 4 und Obj. 3 aufgenommen.
Bezeichnungen.
e Embryonen oc Oocyten
g Gonade ov ältere Eizelle
gc Geschlechtskanal rc Ringcanal
kl Keimlager rde Radiärcanal
kn Knospe t Tentakel
m Manubrium v Velum
nr Nesselring
Fig. 1 Sagittalschnitt durch Eleutheria claparedei 9.
Fig.2 Sagittalschnitt durch Eleutheria dichotoma, älteres Exemplar.
Fig. 3 Sagittalschnitt durch Eleutheria dichotoma, junges Exemplar.
Fig. 4 Sagittalschnitt durch Eleutheria vallentini 9.
Berlin-Schöneberg, 15. Mai 1911.
* *
*
Nachtrag.
Neuere, während der Drucklegung dieser Arbeit bei einem nochmaligen
Aufenthalt auf Tatihou an reicherem Material von El. clap. und sehr zahl-
reichen Exemplaren von EI. dieh. angestellte Untersuchungen haben meine
Resultate bestätigt. Was die dabei genauer studierten Beziehungen zwischen
Radiärkanälen und Tentakeln anbetrifft, so kann ich Hartlaubs Angabe,
daß bei El. clap. die Zahl der Radiärkanäle stets kleiner als die der Tentakel
ist, durchaus beipflichten. Clapar&de gibt in seinen, allerdings etwas sche-
matisierten Abbildungen von der Lagebeziehung beider Organe ein gutes Bild.
Seine Behauptung, daß bei allen sechsarmigen Individuen von EI. die Zahl der
Radiärkanäle 6 betrage, stützt meine (p. 159) ausgesprochene Vermutung, daß
er unter seinem Materiale Exemplare von El. dich. gehabt habe, da nach meinen
Beobachtungen bei den sehr seltenen sechsarmigen Exemplaren von El. clap.
nur 4 Radiärkanäle vorhanden sind, während bei E!. dich., von ganz ver-
einzelten Mißbildungen abgesehen, Tentakel- und Radiärkanalzahl stets über-
einstimmt. Auch Krohns (p. 163) angeführte Mitteilung, daß bei rein männ-
lichen Exemplaren von El. dich. Sperma sich in reicher Menge dorsal
zwischen Ento- und Ectoderm entwickele, kann ich jetzt auf Grund eigener
Schnittpräparate bestätigen.
ARCHIV
NATURGESCHICHTE,
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON
W.F. ERICHSON, F.H. TROSCHEL,
E. VON MARTENS, F. HILGENDORF,
W. WELTNER UND E STRAND.
eg
SIEBENUNDSIEBZIGSTER JAHRGANG.
1911.
I. Band. 2. Supplementheft.
HERAUSGEGEBEN
VON
EMBRIK STRAND
KÖNIGL. ZOOLOG. MUSEUM ZU BERLIN.
NICOLAISCHE
VERLAGS-BUCHHANDLUNG R.STRICKER
Berlin.
Bir: es
a
Inhaltsverzeichnis.
Dr. €. Fr. Roewer. Übersicht der Genera der Subfamilie der
Phalangiini der Opiliones Palpatores nebst Beschreibung
einiger neuer Gattungen und Arten. (Hierzu Tafel I—III)
Carl Graf Attems. Myriopoden von Gomera, gesammelt von
Bros. W. May. (Hierzu Tafel IV)w..17 Dan Zu 0:
A. Arsöne Girault. Synonymie and Deseriptive Notes on the
Hymenoptera Chaleidoidea with Deseriptions of Several
Dev: Gchera and: Spesiea, Nase u. Sea. ante bare
Embrik Strand. Hymenoptera aus Peru und Equador ....
F. Schumacher. Beiträge zur Kenntnis der Rhynchotenfauna
Mensschlands (Hemipt 2% 2 ur .ur.. oe
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Übersicht der Genera der Subfamilie
der Phalangiini der Opiliones Palpatores
nebst Beschreibung einiger neuer Gattungen
und Arten.
Von
Dr. C. Fr. Roewer.
Hierzu Tafel I—III.
In der folgenden Übersicht habe ich die Ergebnisse meiner Unter-
suchungen der ÖOpilioniden-Sammlungen der Museen Amsterdam,
Berlin, Budapest, Frankfurt a. M., Hamburg, London (Brit. Mus.),
Paris und Wien (Hofmus.) zusammengestellt, soweit sie die Sub-
familie der Phalangiini der Opiliones Palpatores
betreffen. Es war die kritische Sichtung der vielen gerade aus dieser
Subfamilie beschriebenen Arten nur deshalb möglich, weil mir eine
sehr große Anzahl von Typen zugänglich waren, wofür ich den Leitungen
der betreffenden Museen auch an dieser Stelle danken möchte; alle
der genannten Museen kommen hier in gleicher Weise in Betracht.
Neben den Typen, die ich revidieren und studieren konnte, hatte ich
noch ein ungeheures Material von ca. 5000 Individuen zur Hand,
was für Vergleichung der Spezies und Genera, Neuaufstellung von
Spezies und Genera ebenso wie für die Synonymik älterer Arten von
größter Tragweite war. Ich konnte deswegen neue Genera gut be-
gründen und charakterisieren und außerdem eine Anzahl neuer Arten
beschrieben, die bisher unbekannt waren.
Später hoffe ich auch für die Subfamilie der Oligolophini
dasselbe durchführen zu können.
In meiner Revision der Opiliones Palpatores I (in: Abhandl. a. d.
Gebiet d. Naturwiss., Hamburg 1910 Bd. XIX. Heft 4) habe ich die
Familie der Phalangiidae genau charakterisiert und von den anderen
Familien der Opiliones Palpatores (den Selerosomidae, Ischyropsalidae,
Nemastomidae, Dieranolasmidae und Trogulidae) scharf getrennt.
Ferner habe ich dort (p. 12) die Familie der Phalangiidae aufgeteilt
in 5 Subfamilien, welche nach folgender Tabelle zu trennen sind:
Phalangiidae.
1. Glied I der Mandibeln ventral unbewehrt und glatt, ohne wage-
rechten Ventralsporn Subfam.: Phalangini.
— Glied I der Mandibeln stets mit wagerecht vorgestrecktem Ventral-
sporn oder Zahn 2.
2. Tarsalklaue der Palpen stets kammzähnig 3.
— Tarsalklaue der Palpen stets einfach 4.
Archiv für Naturgeschichte
1911. 1. 2. Suppl, 1
3 Dr. C, Fr. Roewer: Übersicht der Genera
3. Beinfemora (wenigstens Femur II mit 1) stets mit Pseudogelenken
Subfam.: Gagrellini
— Beinfemora aller 4 Paare stets ohne Pseudogelenke
Subfam.: Liebunini
4. Maxillarloben II in einer geraden Linie vor dem Vorderrand der
Genitalplatte Subfam.: Leptobunini
— Maxillarloben II m einem deutlich stumpfen Winkel vor dem
Vorderrand der Genitalplatte Subfam.: @ligolophini
Die Subfamilie der Phalangiini umfaßt also all diejenigen Pha-
langiidae, welche an Glied I der Mandibeln keinen Ventralsporn,
welche eine einfache, nicht kammzähnige Tarsalklaue der Palpen
und Beinfemora ohne Pseudogelenke aufweisen, deren Beincoxen
ferner, obwohl oft auf der Fläche rauh, nie regelmäßige Randhöcker-
reihen besitzen, und deren Maxillarloben II in einem deutlich stumpfen
Winkel vor dem Vorderrand der Genitalplatte liegen. Auch fehlt (bis
auf eine Gattung) ein hartes, aus verwachsenen Rückensegmenten
bestehendes Dorsalscutum.
Große Beachtung verdient der Supramandibularraum. Wenn
man bedenkt, daß dieser Raum bei den Gagrellini so sehr regel-
mäßig mit 2 Fortsätzen versehen ist, welche eine Spitze und außenseits
feine Zähnchen tragen (Merkmal der Subfamilie) und daß ferner auch
die Liobunini mit solchen 2, wenn auch stumpfen und unbe-
wehrten, so doch deutlichen Fortsätzen begabt sind, so wird zuzugeben
sein, daß diesem Raum eine große systematische Bedeutung zuzumessen
ist. In der Tat findet man bei den Phalangiini entweder emen
gänzlich unbewehrten Supramandibularraum oder andererseits 2 winzige
Dörnchen in der Mediane nebeneinander da, wo Glied I der Mandibeln
dem Cephalothorax eingelenkt ist. Ich habe aus dem eben angeführten
Grunde das Fehlen oder Vorhandensein dieser Dörnchen zur scharfen
Scheidung der Genera benutzt und konsequent durchgeführt.
Eine ebenso große Rolle in der Systematik der Phalangiini spielt
der sekundäre Geschlechtsdimorphismus zwischen $ und 9, der dieser
Familie so sehr eigentümlich und in ihr auffällig ist. Dieser Geschlechts-
dimorphismus betrifft im wesentlichen drei Organe, die Mandibeln
Palpen und Beine, welche bei einer Hälfte der Phalangiini bei den &
charakterisch ausgebildet sind, während diese Organe bei den be-
treffenden Q völlig normal sind. Die andere Hälfte der Arten dieser
Subfamilie weist keinen sekundären Geschlechtsdimorphismus auf
und J und 9 sind gleich gebaut, die & ohne besondere Geschlechts-
charaktere. Von diesen letzteren ist es also möglich, auch 2 zu be-
stimmen, wenn keine & vorliegen (z. B.beiMegabunus,Platy-
bunus, Dasylobus etc). Bei den Phalangiini, welche jenen
sekundären Geschlechtsdimorphismus besitzen, ist jenes Bestimmen
der 2, ohne daß & vorliegen, eine ausgesprochene Unmöglichkeit.
Die 2 all dieser Arten ähneln einander derart in Bau, Bewehrung
und Zeichnung, daß all diese Tiere zu einem Genus (nämlich Pha-
langium L.) gerechnet werden müßten, ja die 2 sich überhaupt
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores, 3
nicht unterscheiden lassen oder nur durch Merkmale, die nicht durchaus
stichhaltig sind. Die erste Aufteilung des großen Sammelgenus Pha-
langiumL. nach den erwähnten sekundären Geschlechtsmerkmalen
der $ nahm (. L. KOCH vor, als er die Genera Cerastoma,
Egaenus und Zacheus aufstellte (wobei zu bemerken ist, daß
der Name Cerastoma, weil er schon vorher für ein Molluskengenus
gebraucht worden ist, nicht bestehen kann, sondern geändert werden
muß). Weitere Genera, charakterisiert durch den sekundären Ge-
‚schlechtsdimorphismus, stellten SIMON (Rhampsinitus), LOMAN
(Guruia und Cristina), BANKS (Globipes) und THORELL
(Diabunus) auf. Ich habe in der vorliegenden Arbeit diese Auf-
teilung aus Gründen des sekundären Geschlechtsdimorphismus
konsequent zu Ende geführt und bin zu einer ganzen Reihe wohl
fixierter, neuer Genera gekommen, deren Diagnosen im einzelnen a.a.O.
folgen. Hervorzuheben ist, daß diese Genera und auch ihre Spezies
(innerhalb der Genera) nur sicher zu finden sind, wenn & zur Be-
stimmung vorliegen, anderenfalls nur Vermutungen ausgesprochen
werden können.
Hinzuzufügen ist an dieser Stelle noch folgendes: Alle in dieser
Arbeit nicht aufgeführten (weder als Spezies noch als Synonyma
-oder Spec. spur. oder pull.) Phalangium-, Opilio- ete.- Arten
hauptsächlich der Autoren ©. L. KOCH, L. KOCH, H. LUCAS, SIMON,
SAY, WEED, BANKS etc. etc. sind wegen Vorhandensein eines
Ventralsporns an Glied I der Mandibeln keine Phalangiini;
sie gehören anderen Subfamilien der Phalangiidae oder auch gar anderen
Familien der Opiliones Palpatores an. Ferner sind die bisher den
Phalangiini zugerechneten Genera Gyas und Prosalpia, die
in dieser Arbeit auch nicht aufgeführt werden, auch wegen ihres
Ventralsporns an Glied I der Mandibeln keine Phalangiini,
sonden Oligolophini; Gyas SIMON neigt zu Mitopus
THORELL und Prosalpia zu den Liobunini hin.
Die Genera mögen nach vorliegenden $ nach folgender Tabelle
unterschieden werden:
Tabelle der Genera ($) der Phalangiini.
l. Abdominalrücken mit 2 medianen Dörnchenreihen, außer den
Zähnchenquerreihen der Dorsalsegmente (Bein I meist hakenartig)
(Taf. I Fig. 1 Fig. 2) (Mittelamerika) — METOPILIO n. 2.
— Abdominalrücken ohne solche 2 Reihen von Dörnchen, höchstens
eine solche Medianreihe, im übrigen: Abdomen dorsal zerstreut
oder in Querreihen bezähnelt oder ganz glatt 2.
2. Glied I + II der Mandibeln (der $ und 9) 3!/, bis 4 mal so lang
als der ganze Körper (Taf. I Fig. 9 u. 13) i
— Glied I + II der Mandibeln kürzer als der Körper oder höchstens
1!/, bis 2 mal so lang 4.
3. Palpenpatella einfach und ohne Apophyse (Taf. I Fig. 9)
(Australien) — PANTOPSALIS SIMON.
1*
4
4.
Bei
=
x
Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Palpenpatella mit deutlicher Innenapophyse (Taf. I Fig. 13)
(Australien) — MACROPSALIS SOERENSEN.
Mandibeln des 3 in der Form auf Taf. I Fig. 3, 11: Glied I lang,
schmal zylindrisch, schräg aufwärts über den Stimrand hinweg
reichend; Glied II sehr dick angeschwollen, breit eiförmig; Klauen
lang und dünn, hakig gegen einander gestellt und in der Mitte
ein Ör freilassend, ihre Schneide glatt oder mit einem großen
stumpfen Höcker und nur an der Spitze fein sägezähnig
(Centralafrika) — GURUIA LOMAN,
Mandibeln des $ anders gebaut 5.
Mandibeln des & von der Form auf Taf.I Fig. 12 u. Taf. III Fig. 10.
Glied I schmal zylindrisch, stark verlängert und schräg aufwärts
weit über den Stirnrand vorragend; Glied II ähnlich Glied I,
so lang und schmal, oder gar länger, doch nicht breiter wie dieses,
fast zylindrisch, seine Klauen relativ sehr klein und dick, nur
etwa !/, der Gliedlänge erreichend 6.
Mandibeln des & anders gebaut .
Supramandibularraum völlig unbewehrt und glatt (Taf. I Fig. 12)
(Afrika) — RHAMPSINITUS SIMON.
Supramandibularraum mit 2 medianen Dörnchen (Taf. III, Fig. 10)
(Westafrika) — DACNOPILIO n. Q.
Mandibeln des $ in der Form von Fig. 2 u. 3 auf Taf. II: Glied I
mit einem großen, schräg aufwärts geneigten Dorsalhöcker von
der Größe des ganzen Gliedes, welcher über den Stirnrand des
Cephalothorax übergreift
(Canarische Inseln) — BUNOSTOMUM n. 2.
Mandibeln des $ anders gebaut 8.
Mandibeln des $ in der Form auf Taf. II Fig.1, 4,7, 9, 11
gebaut: Glied I entweder normal oder mit dorsaler Wölbung;
Glied Il mit oberem langen Dom oder hoher Kniewölbung 9.
Mandibeln des $ normal und ebenso wie beim 9 gebaut (kein
sekundärer Geschlechtsdimorphismus der Mandibeln, höchstens
beim $ an Glied II über den ‚Klauengelenken mit einem stumpf
vorspringenden Höcker 11.
Supramandibularraum unbewehrt; die Kniewölbung des II. Gliedes
der Mandibeln überragt die Einlenkung von Glied I zu II nicht,
sondern liegt mit ihr in einer Linie Re)
(Europa, Asien, N. Afrika) — EGAENUS C. L. KocH.
Supramandibularraum stets mit 2 medianen Dörnchen bewehrt 10.
Beine der 4 Paare lang; Palpen des & oit beinartig verlängert und
dünn. Das Horn des II. Gliedes der Mandibeln überragt die Ein-
lenkung von Glied I zu II beträchtlich (Taf. II Fig. L, aa. Iy
(Europa, Asien, N. Afrika) — PHALANGIUM L.
Beine der 4 Paare kurz; Palpen des $ denen des 2 gleich und
kurz und normal gebaut. Die Kniewölbung des II. Gliedes der
Mandibeln überragt die Einlenkung von Glied Tzull nicht, sondern
liegt mit ihr in einer Linie
(Europa, Asien, N. Afrika) — ZACHEUS C. L. KOCH.
18
12.
20.
21.
22.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 5
Femur IV des $ mit auffälliger Innensäge (Taf. I Fig. 8)
(Persien) — DIABUNUS THORELL.
Femur IV des $ normal gebaut, nicht von dem des 9 ab-
weichend 12.
Femur I des $ deutlich keulig verdickt (beim Q@ normal)
(sekundärer Geschlechtsdimorphismus der Beine I) 13.
Femur I des $ wie die Femora der übrigen Paare und die der 2
gleichmäßig gebaut, nicht keulig verdickt (kein sekundärer
Geschlechtsdimorphismus der Beine I) 17.
Supramandibularraum glatt und unbewehrt 14.
Supramandibularraum mit 2 medianen (oder mehreren in einer
Reihe) Dörnchen 16.
Femur, Patella und Tibia von Bein I und III der & auffällig dick
keulig angeschwollen (N. Amerika) — GLOBIPES BANKS.
Femur, Patella und Tibia nur von Bein I (nicht III) beim & dick
keulig angeschwollen (Taf. III Fig. 5) 15.
Augenhügel niedrig, kurz bezähnelt oder stumpf behöckert
(Central- Asien) — EUPHALANGIUM n. g.
Augenhügel hoch, kräftig bezähnelt oder lang bedornt
(Central- Afrika) — CRISTINA LOMAN.
Palpenpatella und Tibia stets emfach und ohne Innenapophyse
(Mittelmeerländer) — METAPHALANGIUM n. g.
Palpenpatella (oft auch Tibia) mit deutlicher Innenapophyse)
(Europa, Asien, N. Afrika) — METADASYLOBUS n. g.
Supramandibularraum mit 2 medianen Dörnchen 18.
Supramandibularraum glatt und völlig unbewehrt 20.
. Palpenpatella und Tibia stets ohne Apophyse
(Europa, N. Asien, N. Afrika) — PAROPILIO n. 9.
Palpenpatella (und oft auch Tibia) mit deutlicher Innen-
apophyse 19.
Augenhügel klein, soweit oder weiter vom Stirmrand entfernt
als sein Längsmesser
(Europa, Asien, N. Afrika) — EUDASYLOBUS n. g.
Augenhügel groß, sehr breit und höchstens halb so weit als sein
Längsmesser vom Stirnrande entfernt
(S. ©. Europa, Kleinasien) — METAPLATYBUNUS n. g.
Palpenpatella und Tibia stets ohne Apophyse 23.
Palpenpatella (oft auch Tibia) mit deutlicher Innenapophyse 21.
Augenhügel klein, soweit oder weiter vom Stirnrand entfernt als
sein Längsmesser (Europa) — DASYLOBUS SIMON.
Augenhügel groß, sehr breit und höchstens halb so weit wie sein
Längsmesser vom Stirnrand entfernt
Stirngegend vor dem Augenhügel glatt oder spärlich verstreut
bezähnelt, jedenfalls hier nicht 1 einzelner Mediandorn
(Taf. III Fig. 11) (Europa) — PLATYBUNUS C. L. KOCH.
— ""Stirngegend vor dem Augenhügel mit 1 einzelnen, schlanken
Mediandom, sonst glatt und unbewehrt
(Taf. II Fig. 6) (europ. Hochgebirge) — MEGABUNUS MEADE.
6 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
23. Dorsale Abdominalsegmente durch deutliche Querfurchen von
einander getrennt und mehr oder weniger weich und lederartig
(Palaearetis u. Nearetis) — @PIiLIe HERBST.
— Dorsale Abdominalsegmente (bis auf die freie Analplatte) mit
einander in ein gleichmäßiges hartes Scutum verwachsen; nur das
vorletzte Segment (vor der Analplatte) durch einen harten
Furcheneindruck kenntlich, doch fest mit dem Scutum verwachsen
(Turkestan) — SCLEROPILIO n. 9.
PHALANGIUM LINNE.
— Phalangium, LINNE 1761, Fauna suec. ed. alt. p. 485. No. 1992.
Phalangium, LINNE 1764, Syst. Nat. ed. XIL. t. I. p. II. p. 1027—28.
Phalangium, DE GEER 1778, Mem. VII. p. 173. Taf. X. fig. 12—15.
Phalangium, OLIVIER 1791, Enc. method. IV. p. 559.
= Phalangium, FABRICIUS 1793, Entom. syst. III. p. 430.
= Opilio, HERBST 1798, Natursyst. Ungeflüg. Insect. (ad part).
= Opilio, C. L. KOCH 1839, Ueb. Arach. Syst. (ad part).
= (erastoma, C. L. KOCH 1839, Ueb. Arach. Syst. II. p. 30.
= Phalangium, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova VIII (ad part).
= Phalangium, SIMON 1879, Arach. d. France. VII. (ad part).
= Phalangium, O. CAMBRIDGE 1890, Proc. Dorset Nat. Hist. Antiqu. Field.
Club. vol. XI. p. 176—177. (ad part).
= Phalangium, KRAEPELIN 1896, Mitt. Hamburg Mus. XIII. p. 224.
Il
Körperdecke weich lederartig; letzte Cephalothoraxsegmente
voneinander und vom Abdomen durch deutliche Querfurchen getrennt.
Cephalothorax zwischen Stirnmitte und Augenhügel mit einer Gruppe
kleiner Höckerchen, die ungeordnet und zerstreut stehen. Coxen
glatt oder zerstreut behöckert, doch stets ohne Randhöckerreihen.
Maxillarlobem II im stumpfen Winkel vor dem Vorderrande der
Genitalplatte.
Augenhügel mäßig hoch, gefurcht, jederseits der Furche
mit einer Reihe spitzer Höckerchen; Augenhügel vom Stirnrand
weiter entfernt als sein Längsmesser.
Supramandibularraum stets mit 2 winzigen, deutlichen
Mediandörnchen bewehrt.
Mandibeln beim 2 kurz und normal gebaut; Glied I stets
ohne Ventraldorn; Glied II beim $ in ein langes Horn (wenigstens
bei den erwachsenen $) verlängert, welches die Einlenkung von Glied I
zu II dorsal weit und deutlich überragt. (Taf. II Fig. 4 Fig. 9).
Palpen beim © (und nicht erwachsenen $) kurz, dünn und
normal gebaut, beim & bisweilen sehr lang und beinartig verlängert.
Femur und Patella apical wenig verdickt, aber ohne Innenapophysen,
hier auch nicht bürstig dicht behaart. Tarsalklaue stets einfach.
Beine lang und dünn, Paar II am längsten; alle Femora, Tibien
und Metatarsus I ohne Pseudogelenke. Femora und Tibien oft kantig
und regelmäßig bezähnelt. Femur I oft keulig verdickt.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 7
[Type: Phalangium cornutum L.].
Die Q dieser Gattung ähneln einander derart, daß an eine Be-
stimmung derselben (geschweige Bestimmungstabelle) ohne Vor-
handensein der 3 nicht im entferntesten gedacht werden kann. Daher
gilt folgende Tabellen u r für die $. — Ich vereinige unter dem Namen
Phalangium all diejenigen Arten, welche KOCH als Cerastoma
(welcher Name, weil er früher verbraucht worden ist, aber eingezogen
werden muß) beschrieb. Ich wähle den Namen Phalangium,
weil sein Typus cornutum die zuerst von Linne so benannte
Form ist.
Tabelle der Arten (4):
1. Das Horn von Glied II der Mandibeln überragt die Einlenkung
von Glied I zu II um das 5—6 fache der Länge von Glied II (ohne
Horn greechnet) — (Taf. II, Fig. 4)
(Syrien, Aegypten) — Savıqgnyi GERV.
— Das Horn überragt Glied II höchstens um das 1—1!/, fache der
Länge des Gliedes (ohne Horn gerechnet) 2.
2. Glied II der Mandibeln vor der Spitze mit 5 gekrümmten Ästchen
(2 davon vor den Klauen, die 3 andren auf den Klauen stehend).
— (Taf. II, Fig. 7) (Balkanländer) — militare C.L. KOCH.
— Glied II der Mandibeln über den Klauen nicht derart bewehrt 3.
3. Palpen lang und dünn, viel länger als der Körper, viel länger als
beim 9 (beinartig verlängert) 4.
— Palpen nur kurz und normal gebaut, bei beiden Geschlechtern
gleich entwickelt 5.
4. Femur I stark keulig verdickt, 2—3 mal so dick wie Femur III
(Krim, Kleinasien) — Pareissiin. sp.
— Femur I normal, kräftig, nicht keulig verdickt, ebenso kräftig wie
Femur III
(Nord- Asien, Europa, Nord- Amerika) — cornutum L.
5. Femur I stark keulig verdickt, etwa 3 mal so dick wie Femur III
(Balearen) — clavipus.n.sp.
— Femur I normal, kräftig, nicht keulig verdickt, ebenso kräftig wie
Femur III (Italien) — Targionii CANESTRINT.
Die bisher bekannten 4 Arten dieser Gattung werden beschrieben:
l. Phalangium cornutum LINNE 1764.
Synonyma sind:
Phalangium opilio, LINNE 1761, Fauna suec. ed. alt. p. 485. n. 1992.
Phalangium opilio, LINNE 1764, Syst. nat. ed. XII. t. I. p. 1027.
Phalangium cornutum, LINNE 1764, Syst. nat. ed. XII. t. I. p. 1028.
Phalangium cornutum, DE GEER 1778, M&m. VII. p. 173.
Phalangium cornutum, OLIVIER 1791, Enc. m6thod. IV. p. 559.
Phalangium cornutum, FABRICIUS 1793, Entom. syst. III. p. 430.
a Mel I a
I
I
Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Phalangium opilio, FABRICIUS 1793, Entom. syst. III. p. 429.
Opilio cornutus, HERBST 1798, Ungefl. Insect. Heft I. p. 13.
Phalangium opilio, LATREILLE 1802, Hist. nat. Fourmis. p. 377.
Phalangium cornutum, HERMANN 1804, Mem. apt. p. 102.
Phalangium cornutum, HAHN 1834, Arach. II. p. 68.
Phalangium longipes, HAHN 1834, Arachn. II. p. 70.
Cerastoma curvicorne, C. L. KOCH 1839, Uebers. Arachn. Syst. II. p. 30.
Cerastoma brevicorne, C. L. KOCH 1839, Uebers. Arachn. Syst. II. p. 30.
Cerastoma cornutum, C. L. KOCH 1848, Uebers. Arachn. Syst. XVI p. 8.
Cerastoma brevicorne, C. L. KOCH 1848, Uebers. Arachn. Syst. XVI. p. 10.
Phalangium canescens, MEADE 1855, Ann. Mag. Nat. Hist. XV. — 2 p. 404.
Phalangium cornutum, MEADE 1855, Ann. Mag. Nat. Hist. XV. — 2 p. 399.
Opilio molluscum, L. KOCH 1867, Verhandl. z. b. Wien — XV. — p. 887.
Cerastoma tirolense, L. KOCH 1868, Zeitschrift des Ferdinandeums p. 157.
Cerastoma capricorne, L. KOCH 1868, 1. c. p. 158.
Cerastoma praefectum, L. KOCH 1869, 1. c. p. 9.
Cerastoma molluscum, L. KOCH 1869, 1. c. Innsbruck p. 9.
Cerastoma tirolense, L. KOCH 1869, 1. c. Innsbruck p. 9.
Cerastoma aduncum, L. KOCH 1870, K. K. Gelehrt. Gesellsch. Krakau XLI.
p- 54.
Cerastoma cornutum, CANESTRINI 1872, Ann. Mus. civ. Genova II p. 34.
Cerastoma cornutum, C. KOCH 1872, Opil. mittl. Rhein. p. 25.
Cerastoma curvicorne, C. KOCH 1872, Opil. mittl. Rhein. p. 26.
Cerastoma longipes, C. KOCH 1872, Opil. mittl. Rhein. p. 26.
Cerastoma dentatum, C. KOCH 1872, Opil. mittl. Rhein. p. 27.
Phalangium cornutum, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova VIII. p. 488.
Phalangium opilio, SIMON 1879, Arach. de France, VII. p. 195.
Phalangium brevicorne, SIMON 1879, Arach. de France, VII p. 198.
Phalangium molluscum, SIMON 1879, Arachn. de France, VII. p. 208.
Phalangium tirolense, SIMON 1879, Arach. de France, VII. p. 208.
Phalangium longicorne, SIMON 1882, Bull. Ent. Ital. XIV. p. 33.
Phalangium opilio, CANTONI 1882, Bull. Ent. Ital. XIV.
Phalangium brevicorne, CANTONI 1882, Bull. Ent. Ital. XIV.
Phalangium cornutum, H. J. HANSEN 1884, Nat. Hist. Tidsk. 3. XIV.
p- 503.
Phalangium opilio, O. CAMBRIDGE 1890, Proc. Dors. nat. hist. Field.
Club. XI p. 177.
Phalangium longipalpis, WEED 1889—90, Amer. Natur. XXIV. p. 783—87.
Phalangium longipalpis, WEED 1890, Amer. Natur. XXIV. p. 917.
Phalangium longipalpis, BANKS 1893, Psyche VI. p. 402.
Phalangium longipalpis, BANKS 1893, Canad. Entomol. XXV. p. 207.
Phalangium opilio, CARPENTER 1895, Proc. Phys. Soc. Edinbg. XIII. p. 117.
Phalangium opilio, BECKER 1896, Ann. Mus. Belg. XII. p. 347.
Phalangium brevicorne, BECKER 1896, Ann. Mus. Belg. XII. p. 348.
Phalangium cornutum, KRAEPELIN 1896, Mitteilg. Nat. Hist. Mus. Hamburg
XIII. p. 224.
Phalangium brevicorne, KRAEPELIN 1896, Mitteilg. Nat. Hist. Mus. Hamburg
XIII. p. 225.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 9
Phalangium cornutum, STRAND 1900, Norske Vid. Selsk. Skrift. Nr. 2.
Phalangium longipalpis, BANKS 1901, Amer. Natur. XXXV. p. 416 u. 674.
Phalangium brevicorne = juv. cornutum, KULCZYNSKI 1904, Ann. Mus.
nat. Hungar. II. p. 79 u. 81.
Europa, gemäßigtes Asien, Nordamerika.
— (Deutschland, Rußland, Skandinavien, Island, Spitzbergen, Bri-
tische Inseln, Frankreich, Spanien, Italien, Östreich-Ungarn
(Alpenländer), Balkanhalbinsel, Kleinasien, Syrien, Nordafrika).
— ın ca. 400 Exemplaren (& + 92) vidi. (Mus.: Hamburg, Berlin,
Paris, Wien, London).
— Mongolei (Selenga) — ($ + 2) — Csiki leg. 1898 — (Mus. Buda-
pest) (vidi).
— Nord-Amerika (Arkansas) — ($ + 9) — Banks det. et ded.
(vidi). — (Puget Sound) — (+9) — Paessler leg. — (Mus.Hamburg).
Keine Art der Opiliones ist so oft und unter so vielen ver-
schiedenen Namen beschrieben worden als gerade Phalangium
cornutum L. Was zunächst die beiden Synonyma Pha-
langium opilioundPhalangiumcornutum anbetrifft,
so hat LOMAN 1902 die Gründe der Autoren für oder gegen den einen
oder anderen dieser beiden Namen eingehend gegeneinander ab-
gewogen. Da ich das bisherige Collectiv-Genus Phalangium
in die verschiedene Genera aufteile und zwar aus denselben Gründen,
welche für andere Autoren für die meiner Ansicht nach wohlberechtigte
Aufstellung und Charakterisierung der Genera Guruia, Cri-
stina, Rhampsinitus etc. maßgebend waren (vergl. auch
die Ausführungen über die Genera der Subfamilie: Phalangiini
weiter oben!), behalte ich für die vorliegende Art den auch von den
meisten Autoren verwendeten Namen Phalangiumcornutum
bei. Ebenso ist über die Bezeichnung Cerastoma (KOCH) für
dieses Genus weiter oben nachzulesen ; wohl aber sind hier die einzelnen
„Cerastoma“-Arten zu besprechen die ©. L. und L. KOCH in den
Jahren 1839—72 aufstellten: C. eurviecorne, brevicorne,
cornutum, tirolense, praefectum, capricorne,
molluscum, aduncum,longipes. Von diesen Arten sah
ich als Type ©. curvicorne,brevicorneundeornutum
aus dem Hofmuseum in Wien, desgl. C. tirolense und prae-
fectum als cotyp. bezeichnet aus Wien und Hamburg, desgl. als
cotyp. C. capricorne aus Hamburg. Wie sich bei der Nachprüfung
all dieser Typen erwies, handelt es sich hier höchstens um mehr
oder weniger berechtigte Varietäten ein und derselben Art: Pha-
langium cornutum, die ich m 500—600 Exemplaren von
ca. 100 Lokalitäten aller Gebiete von Island bis Nord-Afrika, von
Sibirien bis England und Portugal. und aus Nord-Amerika unter-
suchen und vergleichen konnte. Eine Tabelle jener ‚‚Cerastoma“-
Arten gibt L. KOCH 1869 in seinem „Beitrag zur Kenntnis der Arach-
nidenfauna Tirols.“ Bei Vergleichung all jener Exemplare, der $
10 Dr, ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
wie der 9, ist zu bemerken, daß z. B. die Biegungen des Mandibel-
hornes der &, die dorsale Bezähnelung von Glied I der Mandibeln,
das Vorhandensein oder „Fehlen“ der nur kräftig oder sehr winzig
ausgebildeten Supramandibularzähnchen, die Beborstung oder „‚Be-
zähnelung‘‘ des Palpenfemurs, ja sogar die Bezähnelung der Beinfemora
fluetuirend ist. Junge (vielfach als besondere Arten beschriebene)
Exemplare zeigen eine spärliche Zähnchenbewehrung der einzelnen
Extremitäten, die bisweilen nur als Beborstung angesehen werden
kann; solche Tiere, einzeln betrachtet, nehmen sich in Wahrheit als
„besondere Arten‘ aus, besonders wenn dann noch die geringe Aus-
bildung des Mandibelhornes zu beobachten ist. So ist hervorzuheben,
daß der Supramandibularraum immer mit 2 medianen Dörnchen
(wenn auch noch so klein und erst mit scharfer Vergrößerung des
Mikroskopes bei halberwachsenen Exemplaren deutlich sichtbar)
bewehrt ist, auch bei den Typen und Cotypen von €. tirolense
und praefectum, sodaß sich diese beiden Arten von KOCH
nicht einmal als Varietäten aufrecht erhalten lassen. Ebenso ist es
mit der vorhandenen oder fehlenden ventralen Bezähnelung des
&-Palpenfemurs, welche KOCH a. a. O. zur Trennung von C. cor-
nutum (form. typ.)undC.capricorne benutzt. Starke Borsten
und schwache Zähnchen sind hier so flukturierend, daß sich C.capri-
corneund ©. curvicorne, die ich nach vorliegenden Material
nur für besonders kräftige $ der form. typ. halte, nicht einmal als
Varietäten anerkennen lassen. — Nun hat ferner die dorsale Be-
wehrung von Glied I der Mandibeln zur Artunterscheidung herhalten
müssen, obgleich sie so sehr variabel ist, daß kräftige erwachsene &
hier auch kräftig warzenartig bezähnelt sind und weniger kräftige &
und junge ä eine mehr glatte, bisweilen sogar unbewehrte ‚‚nur be-
borstete““ Dorsalfläche des I. Mandibelgliedes aufweisen.: also dieses
Merkmal fällt auch. Phalangium (Opilio) molluscum
L. KOCH, welche Art ich aus dem Wiener Hofmuseum nachprüfen
konnte, ist nur ein nicht erwachsenes @ von Phalangiumcor-
nutum. Nun komme ich zu dem viel umstrittenen Phalangium
(Cerastoma)brevicorne:
SIMON 1879 gibt zur Unterscheidung von Phalangium
cornutum (Opilio) von Phal. brevicornean: „lebre&-
vicorne presente une disposition de la patte-mächoire qui permet
toujours de le reconnaitre: chez le male, le tibia, & peine plus long que
la patella, est garni de crins verres, tandis que chez opilio, meme
jeune, le tibia n’offre que de petits erins tres espaces.‘“ Dagegen bemerkt
KRAEPELIN 1896 (p. 225): ‚‚Andererseits muß ich den Angaben
SIMON’s (1879), daß die Behaarung und Länge der Maxillentibie stets
ein sicheres Unterscheidungsmerkmal beider Formen ((ornutum
und brevicorne) bilde, entgegentreten, da mir ausgewachsene, mit
bedornten Schenkeln versehene Männchen von Ph. cornutum
vorliegen, deren reichlich behaarte Maxillentibien kaum länger sind
als die Patella.“ — KULCZYNSKI (1904) endlich stellt fest, daß
Phal. brevicorne nur die Jugendform von Phal. cornu-
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 11
tum ©. KOCH ist. Die Untersuchungen der zahlreichen Exemplare
der als Ph. brevicorne bestimmten Tiere der Museen Hamburg
und Wien ergaben aber durch Vergleichung von erwachsenen und
jungen Formen von Ph. cornutum (Vergleiche in ca. 200 bis
300 Fällen), daß die Ansicht KRAEPELIN’s und KULCZYNSKT's
durchaus richtig ist; auch waren bei allen als Ph. brevicorne
zu bezeichnenden und bezeichneten Tieren die Geschlechtsorgane
(Penis und Ovipositor) nicht erwachsen, also: Phal. brevi-
corne=Phal.cornutum juv. (wohl vor der letzten Häutung.
— Femer sah ich von SIMON leihweise die Type Phal. longi-
corne (Piano e. Varco dell Pollino) n. sp. SIMON 1882 (Bull. Ent.
Ital. XIV. p. 33), welche durchaus als synonym mit Phal. cor-
nutum L. anzusehen ist. — Dann ist noch hinzuweisen auf die
„Cerastoma“ Nord-Amerikas: Phalangium longipalpis
WEED. Sowohl nach den Diagnosen der Autoren WEED und BANKS
als auch an 4$ und 3 9 aus Nordamerika (Seattle, Olympia) ergibt
sich, dad Phalangium longipalpis WEED so sehr mit
den europäischen Phalangium cornutum L. übereinstimmt,
daß für beide die betreffenden Diagnosen wechselseitig wörtlich gelten.
Es handelt sich demnach um ein und dieselbe Art und die amerikanische
Form kann nicht deshalb, weil sie nordamerikanisch ist, als besondere
Spezies aufgeführt werden. Es hat Ph. longipalpis WEED
keinerlei Berechtigung und ist synonym mit Phalangium
cornutumL.
2. Phalangium Savignyi P. GERVAIS.
(Taf. II, Fig. 4).
= Phalangium Savignyi, P. GERVAIS, ex Savignyi Egypte, Ar. Taf. IX. Fig. 3.
= Cerastoma Savignyi, CANESTRINI 1845, Padua. Atti. IV. p. 6—7.
Aegypten u. Süd-Italien — P. GERVAIS det.
Syrien (Haifa) — 1$ + 12 (Hofmus. Wien). (vidi).
3. Phalangium militare C. L. KOCH.
(Taf. II, Fig. 7).
= Opilio militaris, C. L. KOCH, Uebers. Arachn. Syst. II. 1859. p. 34.
= Oprlio militaris, C. L. KOCH 1848, Arachn. XVI. p. 42.
Griechenland.
Nach der KOCH’schen Diagnose und Zeichnung ist diese Art,
welche ich leider nicht gesehen habe, sicher ein Phalangium.
4. Phalangium Targionii CANESTRINI.
(Taf. II, Fig. 9).
= Opilio Targionii, CANESTRINI 1871, Bull. Ent. Ital. III. p. 381.
= Opilio Targionii, CANESTRINI 1872, Ann. Soc. nat. Modena VI. p. 3.
= Opilio Targionüi, CANESTRINI, 1872 Ann. Mus. civ. Genova II. p. 45. Taf. I.
Fig. l.
12 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Sardinien — (SS +2).
Sieilien (Messina) — 1 & — (Mus. Hamburg) — (vidi).
Malta — viele (+ ®) — (Mus. Budapest) — (vidi).
Neu kommen folgende Arten hinzu:
5. Phalangium clavipus nov. spec.
& Körper 6 mm lang; Beinfemur I, 5, II 9,5, III, 5,5, IV 8mm
lang; Bein I 24, II 35, II 27, IV 35 mm lang.
& Körper breit und flach; Cephalothorax vorn gerade ab-
gestutzt; zwischen Stirnrand und Augenhügel eine breite Gruppe
deutlicher, verstreuter Tuberkeln. Seitenränder des Cephalothorax
über den Coxenausbuchtungen mit feiner Zähnchenreihe; neben
dem Augenhügel einige solcher Tuberkeln verstreut; die 2 letzten
Cephalothoraxsegmente (hinter dem Augenhügel) mit je einer deut-
lichen Querreihe spitzer Zähnchen. Abdominalsegmente mit je einer
Querreihe spitzer Zähnchen, (die sich aber auf den letzten Dorsal-
segmenten verlieren). Bauch, Genitalplatte und Coxen glatt.
Augenhügel niedrig, halbkugelig, basal nicht verengt, längs
oval, oben über jedem Auge eine Kammreihe spitzer Zähnchen.
Supramandibularraum oberhalb der Einlenkung von
Glied I der Mandibeln mit 3—4 spitzer, gleichgroßer Tuberkeln jeder-
seits.
Mandibeln robust. Glied I dorsal hoch gewölbt und oben
auf der Wölbung mit breiter Tuberkelgruppe, im übrigen glatt. Glied II
vorn oben knieförmig hochgewölbt; dieses Knie überragt Glied I um
die Hälfte der Länge von Glied II. Glied II glatt und nur frontal
beborstet; bewegliche Klaue größer als die unbewegliche.
Palpen nicht sehr lang. Femur so lang wie Patella + Tibia,
so lang wie der Tarsus, nur dorsal fein spitz bezähnelt, ventral nur
beborstet. Patella einfach und ohne Apophyse. Tibia und Tarsus
allerseits nur behaart.
Beinekräftig. Bein I keulig verdickt (Femur, Patella und Tibia),
viel dicker als die übrigen Paare, alle Glieder kantig; jede Kante mit
einer scharfen Reihe spitzer Sägezähne; Tibia I nur ventral spitz
bezähnelt, dorsal glatt, Metatarsus desgleichen. Bein II—IV normal,
alle Glieder kantig und mit je 5 Längsreihen scharfer Sägezähnchen,
die aber nicht so kräftig sind wie an Beinpaar I. Metatarsen II—IV
nur ventral fein bezähnelt.
Färbung des Körpers lederfarben gelbbraun. Cephalothorax
schräg neben und hinter dem Augenhügel mit dunkler braunen
undeutlichen Flecken. Die Zähnchen des Augenhügels und des Cephalo-
thorax, des Augenhügels und Abdomens sind weißgelb mit feiner
schwarzer Spitze. Abdomen dorsal einfarbig lederfarben gelbbraun,
nur lateral (segmentweise) sehr undeutlich und fein braun gesprenkelt
und median mit schmalem, aber deutlichem und parallelrandigem,
weißen Längsstreif bis zur Analspitze. Bauch, Coxen, Genitalplatte
und Mandibeln einfarbig blaß ledergelb, nur die Klauenspitzen der
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 13
Mandibeln schwarz. Palpen einfarbig blaßgelb. Beine: Femora und
Patellen aller Paare einfarbig dunkelbraun, ihre Sägezähnchen weiß
mit schwarzer Spitze; Tibien aller Paare dunkelbraun, doch dorsal mit
je 2 feinen, sehr undeutlichen blaß weißenLängslinien und teilweise
schwarzen Pünktchenreihen; Metatarsen ‚und Tarsen der Beine ein-
farbig dunkelbraun.
Balearen (Mallorca, La Palma) — 1$ — K. u. E. KRAEPELIN
leg 1896 — (Mus. Hamburg).
6. Phalangium Pareissii nov. spec.
& Körper 7 mm lang; Beinfemur I 7, II 9, III 6, IV 8 mm lang.
Palpen 23 mm lang; Bein I 29, II 40, III 29, 1V 37 mm lang.
Q Körper 12 mm lang; Beinfemur I 3, I1 5, III 4, IV 5 mm lang;
Palpen 10 mm lang; Bein I 18, II 26, III 21, IV 30 mm lang.
ö Körper flach, auf der Grenze zwischen Cephalothorax und
Abdomen quer tief eingedrückt. Vorderrand des Cephalothorax halb-
kreisartig ausgebuchtet; zwischen Stirnrand u. Augenhügel eine Gruppe
deutlicher verstreuter spitzer Zähnchen. Seitenrand des Cephalothorax
mit einigen spitzen Zähnchen, desgleichen einige verstreut neben dem
Augenhügel; hinter diesem 2 Querreihen spitzer Tuberkeln auf den
beiden letzten Cephalothoraxsegmenten und die ersten 4 Dorsal-
segmente des Abdomens desgleichen mit je einer Querreihe; letzte
Abdominalsegmente wie auch die Bauchseite glatt.
Augenhügel niedrig, halbkugelig, basal nicht verengt;
jederseits der deutlich tiefen Furche en Kamm aus 6—7 spitzen
Zähnchen.
Supramandibularraum häutig und an der oberen,
inneren Einlenkung von Glied I der Mandibeln zwei schlanke, spitze
Dörnchen.
Mandibeln beim & viel größer als beim 9; Glied I dorsal
gewölbt, mit einigen spitzen Tuberkeln bestreut, die aber nicht in einer
warzenartigen Gruppe vereinigt sind. Glied II oberhalb der Einlenkung
mit Glied I in eine stumpfe Kegelspitze verlängert bis zur halben
Länge des ganzen®Gliedes. Glied Il nur fein verstreut beborstet.
Bewegliche Klaue doppelt so dick wie die unbewegliche, aber nicht
länger.
‘ Palpen sehr lang und dünn, fast so lang wie Bein I (Femur
+ Patella + Tibia). Patella ohne Apophyse und halb so lang wie die
Tibia. Alle Glieder nur spärlich verstreut und fein* beborstet.
Beine: Paar I keulig verdickt (Femur, Patella und Tibia) kantig
und die Kanten (besonders ventral) dicht und stark spitz bezähnelt;
Metatarsus I dünn, ventral verstreut dicht und spitz bezähnelt. Bein
II—IV normal, nicht keulig verdickt. Femora kantig; jede Kante
mit einer Sägereihe spitzer Zähnchen, desgleichen (besonders ventral)
die Patellen. Tibien zylindrisch und rundlich, nicht kantig und nur
beborstet.
Färbung des Körpers aschgrau. Cephalothorax bis auf die
14 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
weißen Ränder und die blasse Gegend vor dem Augenhügel dunkel
graubraun, mehr oder minder deutlich dunkler gesprenkelt. Vom
Stirnrand zum Aur hügel 2 feine, parallele, dunkelbraune Median-
linien. Augenhügel blaßgelb, die Spitzen der Zähnchen und die Augen
schwarz. Hinter dem Augenhügel beginnt die seitlich scharf weiß
begrenzte, dunkel sammetbraune Sattel, der fast bis zur Analspitze
reicht und bisweilen median mehr oder minder deutlich blaß längs-
gestreift ist. Dieser Sattel ist auf Segment 1 parallelrandig, auf Segment2
breit erweitert, auf Segment 3 plötzlich sehr stark eingeschnürt, auf
den folgenden wieder etwas erweitert und läuft mit zackigen Rändern
nach hinten aus. Hinteres Abdomen seitlich und auf den Segment-
grenzen schwarz punktiert. Bauch und Coxen blaßgelb, letztere in den
Fugen braun gestrichelt. — Mandibeln blaßgelb; Glied I dorsal braun
gesprenkelt; Glied II an den Seiten braun gestrichelt, Klauenspitzen
schwarz. — Palpen blaßgelb, Femurspitze, Patella und Tibia dunkler
gebräunt und dorsal mit feinem dunklen Längsstrich. — Beine blaß
gelbbraun, dorsal und an den Kanten mit Längsreihen kleiner brauner
Pünktchen; Patellen wenig dunkler gebräunt; Tibien in der Mitte
mit deutlichem blasseren Ringfleck.
2 — in folgenden Merkmalen vom & abweichend:
Körper gleichmäßig oval gerundet und das Abdomen hoch
gewölbt; Grenze zwischen Abdomen und Cephalothorax nicht ein-
gedrückt.
Mandibeln klein und normal; Glied I und II nicht bezähnelt,
nur mit einigen wenigen verstreuten Börstchen besetzt.
Palpen kurz und normal; alle Glieder äußerst spärlich mit
einigen Börstchen besetzt, sonst glatt; Tibia nur wenig länger als die
Patella.
Beine I—IV normal, keines keulig verdickt. Femora und
Tibien zylindrisch und rundlich, nicht kantig. Nur Femora mit
unregelmäßigen Längsreihen schwacher Zähnchen, die übrigen Glieder
nur spärlich beborstet.
Färbung des Körpers aschfarben weißlich gelb, hell und blaß.
Der Sattel des Abdominalrückens braun, scharf zackig berandet. Er
beginnt seitlich vom Augenhügel auf dem Cephalothorax und verliert
sich auf der Mitte des Abdominalrückens vollständig, sodaß die hintere
Hälfte des Abdomens einfarbig weißgrau ist. Bauchsegmente asch-
grauweiß. Segmentgrenzen fein durch schwarze Punktquerreihen
angedeutet. Coxen blaß graugelb, ihre Fugen schwach braun schräg
gestrichelt. Palpen und Beine blaßgelb, die einzelnen Glieder den
Enden zu fein braun punktiert.
Kleinasien (Samsun) — (1 + 49) — STEINDACHNER leg.
— (Mus. Wien).
Krim — (1 +29) — ? leg. — (Mus. Wien).
Cypern — 18 — ? leg. — (Mus. Wien).
Syrien (Kaifa) — (1 $ +1 9) — REITTER leg. — (Mus. Wien).
Krim — (13$ +19) — ? leg. — (Mus. Frankfurt a. M.).
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 15
Aus dem Hofmuseum zu Wien und auch aus dem Senckenberg-
Museum in Frankfurt a. M. gingen mir eine Reihe von Phalan-
giini zu, die in beiden Museen als Phalangium Pareissii
KOLLAR bestimmt und ausgezeichnet sind. Mir ist aus der Literatur
ken Phalangium Pareissii Kollar bekannt geworden. Da
es sich um eine besondere Art handelt, so lasse ich den Namen als
Phalangium Pareissii (Kollar) bestehen und gebe nach den
vorliegenden Exemplaren aus der Krim, Kleinasien, Syrien und
Cypern die obige Diagnose.
EGAENUS C. L. KOCH.
Egaenus C. L. KOCH 1835, in H. Schäffer Deutsch. Insect. p. 128.
Egaenus, SIMON 1874—75, Bull. Soc. Ent. France (5) V. p. CX.
Egaenus, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova VIII. p. 463.
(Egaenus), KARSCH 1878, Monatsber. Acad. Wiss. Berlin p. 333.
Egaenus, Lendl 1894, Termesz. Füzet. XVII. p. 24 etc.
Egaenus, KULCZYNSKI 1901, Zool. Erg. Zichy II. p. 363.
Egaenus, KULCZYNSKI 1904, Ann. Mus. Nation. Hungar. II. p. 81.
Egaenus, NOSEK 1905, Wien Ann. Nat. Hist. Hofmus. XX. p. 152.
Körper eiförmig gerundet, selten hinten quer abgestutzt.
Cephalothorax relativ klein; Stirnrand entweder gerade abgestumpft
oder in der Mitte ausgebuchtet, dann meist hochgewölbt; Stirngegend
in der Mitte vor dem Augenhügel glatt oder behöckert oder bezähnelt.
Letzte Cephalothoraxsegmente von einander und vom Abdomen
durch deutliche Querfurchen getrennt. Coxen glatt oder zerstreut
behöckert, doch stets ohne Randhöckerreihen. Maxillarloben II in
stumpfem Winkel vor dem Vorderrande der Genitalplatte.
Augenhügel meist um das Doppelte seines Längsmessers
vom Stirnrande entfernt (wie näher als das 1!/,fache), sehr niedrig
und klein, länger und breiter als hoch, basal nicht verengt, oben glatt
oder bezähnelt.
Supramandibularraum völlig unbewehrt und glatt.
Mandibeln: Glied I ventral ohne Dom und glatt. Beim &
zeigen die Mandibeln sekundären Geschlechtsdimorphismus, sind
sehr groß und kräftig (bis zur halben Körpergröße bei einigen Arten):
Glied I ist dorsal hochgewölbt, Glied II oben mit einem großen Knie,
das die Höhe von Glied Iabernicht überragt. Die Mandibeln des 2
sind klein, normal gebaut wie bei den ® der übrigen Phalangün:.
Palpen bei beiden Geschlechtern meist kurz, klein, normal
gebaut; die Glieder sehr selten mit Innenapophysen; Tarsalklaue
einfach.
Beine kurz und kräftig, ihre Femora höchstens so lang wie der
Körper, oft kürzer; bei @ alle 4 Paare gleich stark; beim 3 Femur,
Patella und Tibia von Bein I keulig verdickt. Alle Femora und Tibien
ohne Pseudogelenke.
[Type: Egaenus convexus ©. L. KOCH].
Re el
16
Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Tabelle der Arten ({):
Diese Tabelle gilt nur für die Bestimmung der 3; für die 9, die
bei den meisten Arten einander völlig gleichen, ist es nicht möglich
sie ohne $ daneben zu identifizieren. Aus diesem Grunde ist es auch
müßig, neue Arten nur von vorliegenden ? zu beschreiben; soweit
dies geschehen ist, betrachte ich diese Arten als spec. spur. oder spec.
pull.
T.
2.
ng
Gegend zwischen Stirmrand und Augenhügel mit deutlicher
Zähnchen- oder Höckergruppe besetzt 2.
Gegend zwischen Stirmrand und Augenhügel nicht bezähnelt,
hier völlig unbewehrt (Ukraine) — gulosus SIMON.
Augenhügel sehr niedrig und stets völlig glatt; Stirnrand auf-
geworfen mit medianer Kerbe
(Südost-Europa, Vorderasien) — convezus C.L. KOCH.
Augenhügel höher, stets deutlich bezähnelt; Stirnrandmitte ohne
solche Mediankerbe 3
Femur I rundlich keulig, nicht kantig, jedenfalls nicht mit 5 Längs-
reihen scharfer Zähnchen 4.
Femur I keulig verdickt, aber dennoch scharf 5 kantig und jede
Kante mit einer Reihe scharfer Zähnchen T.
Abdominalrücken aschfarben gelbgrau bis weißlich mit breitem,
sammetbraunen scharf gerandetem Sattel 5.
Abdominalrücken glänzend dunkelbraun bis schwarz, mit deutlicher
gelbweißer Medianbinde, Sattel undeutlich, nicht scharf berandet
(Sibirien) — Zichyi KULCZ.
Femur I dorsal glatt glänzend, hier nicht bezähnelt, nur ventral
verstreut rauh behöckert (Nord- Afrika) — ephippiatus n. sp.
Femur I auch dorsal bezähnelt 6.
Femur I in seiner ganzen Länge und allerseits ganz gleichmäßig
dicht mit stumpfen Tuberkeln (nicht in Reihen) besät. Glied 1
der Mandibeln dorsal stark verstreut bezähnelt
(Tibet, Turkestan) — tibetanusn.sp.
Femur I nicht kantig, aber dorsal mit 2 regelmäßigen Längsreihen
sehr kräftiger Zähnchen. Glied I der Mandibeln dorsal nur fein
beborstet (Akbes) — amanensis SIMON.
Mandibeln sehr groß (Glied I+Glied II so groß wie der ganze Körper);
Palpen in der Gesamtlänge kürzer (oder höchstens so lang) als die
Länge von Glied I + der Länge von Glied II der Mandibeln
(Nord-Afrika) — Kraepeliniin. sp.
Mandibeln kräftig, aber in ihrer Gesamtgröße viel kleiner als der
Körper. Palpen in der Gesamtlänge deutlich länger als die Länge
von Glied I + der Länge von Glied II der Mandibeln 8.
Mandibeln Glied II an der oberen Einlenkung (Knie) dicht be-
zähnelt; Palpenfemur ventral dicht und gleichmäßig spitz be-
zähnelt; Palpenpatella einfach und ohne Apophyse; Abdominal-
rücken auf jedem Segment mit einer deutlichen Querreihe starker,
spitzer Zähnchen, dazwischen glatt
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 17
— Mandibeln Glied II an der oberen Einlenkung (Knie) vollkommen
glatt; Palpenfemur ventral glatt und nur fein beborstet; Palpen-
patella mit sehr kurzer Apophyse; Abdominalrücken mit Quer-
reihen stumpfer Tuberkeln, doch auch die Zwischenräume mit
verstreuten Tuberkeln mehr oder minder dicht bestreut
(Algier) — tuberculatus H. LUCAS.
9. Sattel des Abdominalrückens deutlich und scharf durch-
gezeichnet; Augenhügel nur mit 3 Zähnchen jederseits der Furche.
Palpentarsus ventral mit 2 Reihen spitzer Körnchen
(Mongolei) — robustus (KULCZ.).
— Abdominalrücken ohne deutliche Sattelzeichnung; Augenhügel mit
2 Zähnchenreihen aus mehr als 3 Zähnchen jederseits der Furche;
Palpentarsus auch beim & ventral völlig unbewehrt
(China) — insolens SIMON.
Die bisher bekannten 7 Arten dieser Gattung werden beschrieben:
l. Egaenus convezus C.L. KOCH.
Synonyma sind:
— Egaenus convexus, C. L. KOCH 1835, H. Schaeffer, Deutsch. Insect. p. 128.
= Egaenus tibialis, C. L. KOCH 1839, Arachn. V. p. 149. Fig. 430.
= Egaenus ictericus, C. L. KOCH 1839, Uebers. Arachn. Syst. II. p. 25.
= Egaenus convexus, C. L. KOCH 1848, Arachn. XV. p. 103. Fig. 1490.
—= Egaenus icterieus, C. L. KOCH 1848, Arachn. XV. p. 105. Fig. 1491.
= Egaenus sinister, SIMON 1875, Ann. Soc. ent. France bull. (5) V. p. CXCVII.
= Egaenus Clairi, SIMON 1875, Ann. Soc. ent. France bull. (5) V. p. CXCVII.
—= Egaenus convexus, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova VIII. p. 463.
= Egaenus sinister, clairi, SIMON 1879, Compt. rend. Soc. ent. Belg. 22. IV.
13. p. LXXTII.
— Egaenus convexus var. ictericus, LENDL 1894, Termesz. Füzet. XVII. p. 18.
= Egaenus convexus var. atratus, LENDL 1894, Termesz. Füzet. XVII. p. 18
es u. 23:
= Egaenus maximus, LENDL 1894, Termesz. Füzet. XVII. p. 24, Taf. I, 5 u. II,
3 u. 14.
= Egaenus convexus (synon. ete.), KULCZ YNSKI 1904, Ann. Mus. Nat. Hungar.
11.9281.
Schon €. L. KOCH 1848 macht in seiner Diagnose von E. iete-
riecus darauf aufmerksam, daß es sich bei E. ietericus nur um
das nicht erwachsene Tier von E. convexus handelt.
KULCZYNSKI 1904 berichtet: „Egaenus ictericus
C. L. KOCH, quem Cel. Dr. A. LENDL pro varietate E.convexi
C. L. KOCH habuit, non varietas est sed forma juvenis speciei, euius
mas primo a C. L. KOCHIO deseriptus et Egaenus tibialis
appellatus est. Ejusdem speciei feminam idem autor ut speciem pro-
priam: E.convexum descripsit. — Quibus notis Cel. E. SIMON
olim (1879) Egaenos. ClairiE. SIM. tibialem C. L. KOCH
Archiv für Naturgeschichte
1911. 1. 2. Suppl. 2
18 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
(aut convexum potius), sinistrum E. SIM. distinxit, eisdum
differunt inter se: exempla non adulta et feminae adultae (pars femo-
ralis palporum feminae adultae subter non inermis quidem, sed multo
mimus abunde et manifeste denticulata est, quam maris) et mares
adulti Egaeni tibialis. Quum autem Egaenustibialis
Rumeliam incolat (exempla in terra ea lecta conservantur in Museo
Serajevensi), facile erediderim, EgaenosClairietsinistrum,
qui ad Constantinopolim leeti sunt, eosdem esse atque Egaenus
tibialis C. L. KOCH.“ Egaenus maximus LENDL ist,
wie sich bei Nachuntersuchung der Type aus dem Mus. Budapest
herausstellte, durchaus synonym mit Egaenus convexus
C. L. KOCH.
Südost-Mitteleuropa (Alpenländer, Österreich, Ungarn, Balkan-
länder) — zahlreiche Exemplare ( d, 2 u. juv.) aus Österreich, Ungarn,
Serbien, Bosnien, Kroatien ete.) (Mus. Wien und Budapest).
Moldau (Vallee de Berlad) — 2 (& + 2) — MONTANDON
leg. 1909 — (Mus. Hamburs).
Slavonien (Vinkovce) — 2($& + 9) — LENDL (det. als E. maxi-
mus) — (Mus. Budapest) — (vidi type).
Rumänien (Comava Vlasca) — (l& + 12) — MONTANDON
leg. 1904 — Mus. Hamburs).
2. Egaenus tuberculatus (H. LUCAS).
(Taf. II, Fig. 1).
= Phalangium tuberculatum, LUCAS 1846, Explor. Alg. p. 224.
Algier — 6 (d +9) — (Mus. Paris) — (vidi type!).
3. Egaenus gulosus SIMON.
= Egaenus gulosus, SIMON 1878, C. R. Soc. Ent. Belg. t. 21 p. 223.
Rußland (Ukraine) — 8.
4. Egaenus amanensis (SIMON).
= Phalangium amanense, SIMON 1884, Ann. Soc. Ent. France IV. p. 194.
Akbes.
Nach SIMON’s Diagnose und Abbildung der Mandibel gehört
diese Art sicher zum Genus ZEgaenus oben fixierter Diagnose.
5. Egaenus insolens SIMON.
= Egaenus insolens, SIMON 1894—95, Bull. Acad. St. Petersbg. II. p. 345.
China (Tal des Chatu) — ($ + 2) — SIMON deser.
6. Egaenus Zichyi KULCZ.
= Egaenus Zichyi, KULCZYNSKI 1901, Horvath’s Ergebn. Zichy. I
p. 363.
Sibirien (Kibalina) — ( $ + 9) — (Mus. Budapest) — (vidi type).
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 19
7. Egaenus robustus KULCZ.
= Phalangium robustum, KULCZYNSKI 1901, Horvath’s Ergeb. Zichy. II.
p- 359.
Mongolei (Tuguruk) — nur 1 & — (Mus. Budapest) — (vidi type).
Unbestimmbare 9 oder pull. des Genus Zgaenus sind zweifellos:
Egaenus diadema SIMON 1885, Ann. Soc. Ent. France Ser. 6. Bd. 5. p. 214.
Balkanländer (Mont Ossa, Konstantinopel) — nur 9 (daher spec.
spur.).
Egaenus Marenzelleri NOSEK 1905, Ann. Wien. Hofmus. XX. p. 152.
ist ein nicht erwachsenes $ wahrscheinlich von Eg. convexus
C. L. KOCH, also spec. pull.,, wie sich an der Type aus dem
Wiener Hofmuseum feststellen ließ (vidi type').
Egaenus pachylomerus SIMON 1879 (siehe Rhampsinitus pachylomerus).
Neu kommen folgende Arten hinzu:
8. Egaenus ephippiatus nov. spec.
Körper 6 mm lang; Palpen des $ 12 mm lang; Bein I 17 (Femur I
4) mm lang.
Körper breit, hinten oval; Cephalothorax an der Stirnmitte
flach, nicht hoch gewölbt, tief halbkreisartig ausgebuchtet; zwischen
Stirnrand und Augenhügel eine Gruppe kleiner, verstreuter Zähnchen;
hinter dem Augenhügel eine Querreihe ebensolcher winziger Zähnchen;
im übrigen Cephalothorax und Abdominalrücken nicht tuberkuliert,
sondern glatt, nur fein granuliert. Bauch glatt; Coxen der Beine fein
und sehr zerstreut beborstet, sonst glatt.
Augenhügel niedrig, länger als breit, halbkugelig, basal
nicht verengt; die Augen von je einem Halbkreis winziger, stumpfer
Zähnchen umkränzt.
Supramandibularraum unbewehrt.
Mandibeln beim 2 klein und normal entwickelt; beim &:
Glied I dorsal flach aufgewölbt und hier nicht tuberkuliert, sondern
glatt; Glied II apical stark keilförmig erweitert, kegelig über Glied II
hinausragend und hier und frontal sehr dicht fein schwarz beborstet;
unbewegliche Klaue klein und spitz; bewegliche Klaue größer als die
unbewegliche und mit hakenförmiger Spitze um die unbewegliche
herumgreifend.
Palpen kurz und kräftig beim 9. Beim & lang und fast so
lang wie Bein I. Femur so lang wie Patella + Tibia; Tarsus zur Hälfte
länger; Patella ohne Apophyse. Alle Glieder fein beborstet, nicht
bezähnelt.
Beine kurz und kräftig; Bein I: Femur keulig verdickt, des-
gleichen die kantige Tibia. Alle Glieder bis auf die Tarsen dorsal glatt,
doch ventral mit kräftigen spitzen Zähnehen besetzt. Bein II lang
und viel dünner als Bein I. Bein III und IV normal. Femur II—IV
nur basal spärlich bezähnelt; Patella II—IV mit 2 kleinen dorsalen
2%#
20 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Enddornen, im übrigen glatt wie die kantigen Tibien I—IV. — Beim 9
alle Beinglieder und Bein I nicht keulig verdickt.
Färbung blaßbraun; Cephalothorax seitlich weiß mit einigen
schwärzlichen Sprenkeln, besonders schräg hinter dem Augenhügel,
der blaß rotfarben ist (außer den schwarzen Augen). Vor dem Augen-
hügel zum Stirnrand laufen 2 feine, parallele, aber undeutliche, braune
Linien. Die Zähnchen der Stirngruppe blaßgelb mit feiner schwarzer
Spitze. Abdominalrücken seitlich weiß, mit deutlicher dunkelsammet-
brauner Sattelzeichnung, die ohne weißen Mediansreifen verläuft,
auf Abdominalsegment II eckig eingeschnürt ist und sich auf den
letzten Segmenten der Analspitze zu verliert. Die weißen Seiten des
Abdomens sind segmentweise mit vertieften schwarzen Pünktchen
gezeichnet. Bauch und Genitalplatte einfarbig aschgraugelb, Segment-
furchen durch quere Kettenreihen bräunlicher Pünktchen angedeutet.
Coxen von der Grundfarbe der Bauchsegmente, doch seitlich den
Spitzen zu scharf dunkelbraun punktiert; all die feinen Börstchen
der Ventralseite schwarz. Trochantere der Beine ledergelb und dunkel-
braun gesprenkelt. Beine rostfarben gelbbraun, die Zähnchen an Bein I
schwarz; dorsal sind alle Glieder bis zu den Metatarsen mit feinen,
scharfen Längslinien kleiner, kreisrunder, dunkelbrauner Pünktchen
gezeichnet. — Mandibeln dunkelbraun, Glied I dorsal weiß mit einer
Gruppe schwarzer winziger Pünktchen; diese weiße Längsstreifung
setzt sich auf Glied II fort dorsal bis an die Spitze des oberen Knies.
Den Klauen zu ist Glied II rostgelb, ebenso die Klauen selber bis
auf ihre schwarzen Zähnchen und Spitzen. — Palpen rostbraun, ihre
Patella und Tibia mit dorsalen, abwechselnd weißen Längsstreifen
und dunkelbraunen Punktreihen.
Die 2 haben dieselbe etwas dunklere Färbung wie die $, nur
sind die Zeichnungen bei weitem nicht so deutlich und teilweise ganz
verschwommen.
Afrika (französ. Süd-Congo) (Londima Niadi) — 2& + 19)
— CHOLET leg. 1889 — (Mus. Paris) (genaue Loc. unsicher).
Afrika (Marocco) — 1 Q — G. BUCHET leg. 1901 — (Mus. Paris).
Afrika (Algier) — 1Q — ? leg. — (Mus. Paris).
9. Egaenus tibetanus nov. spec.
& Körper 7 mm lang; Beinfemur I 3,5, II 5,5, III 3,5, IV 45 mm
lang; Bein I 17, II ?, IH 17, IV ? mm lang.
3 Körper: Cephalothorax vorm gerade abgestutzt und hier
nicht aufgewölbt, sondern flach, median vor dem Augenhügel stark
bezähnelt, ebenso seitlich vom Augenhügel und an den Vorderecken
des Cephalothorax. Die 2 letzten Cephalothoraxsegmente (hinter dem
Augenhügel) mit je einer Querreihe kleiner, aber deutlicher Zähnchen.
Abdomen dorsal auf jedem Segment mit einem Querband verstreuter,
feinster Zähnchen, sodaß nur die deutlichen Segmentfurchen glänzend
glatt freibleiben. Bauch und Genitalplatte nebst Coxen glatt.
Augenhügel niedrig, um das Doppelte seines Längsmessers
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 21
vom Stirnrande entfernt, so lang wie breit, aber nur halb so hoch;
um die schräg aufwärts gerichteten Augen einige winzige, stumpfe
Zähnchen verstreut.
Supramandibularraum unbewehrt.
Mandibeln kräftig; Glied I dorsal hoch gewölbt und hier
dicht tuberkuliert; Glied II oben knieartig emporgewölbt, aber hier
die Höhe der Wölbung von Glied I nicht überragend; die Kniewölbung
wie auch die Frontalseite gleichmäßig fein tuberkuliert.
Palpen klein, aber kräftig; Femur, Patella und Tibia ziemlich
dick, nur Tarsalglied dünner. Femur, Patella und Tibia allerseits
fein tuberkuliert und außerdem ventral mit größeren, stumpfen
Zähnchen; Tarsus ventral äußerst iein bezähnelt.
Beine: Trochantere aller Paare dicht rauh bezähnelt. Alle
Beinglieder zylindrisch nicht kantig, Femur Patella und Tibia I keulig
verdickt, Metatarsus dünn und normal gebaut, wie alle Glieder der
übrigen Beinpaare. Alle Femora, Patellen und Tibien, besonders aber
von Paar I, allerseits dicht und spitz bezähnelt, besonders ventral;
diese Zähnchen stehen unregelmäßig (nicht in Längsreihen) über die
ganze Fläche der Glieder verstreut. Metatarsus aller Beine, besonders
kräftig aber Metatarsus I, ventral bezähnelt, dorsal beborstet. Die
basalen Tarsenglieder von Bein I mit je einem kräftigen Enddorn, die
Tarsen der übrigen Beine unbewehrt.
Färbung des Körpers lederfarben gelbbraun; Stirnrandmitte
mit 2 feinen, parallelen, dunkelbraunen Längsstricheln, die den Augen-
hügel nicht erreichen; dieser blaßgelb, nur die Augen schwarz. Cephalo-
thorax seitlich vom Augenhügel mit einigen dunkelbraunen Stricheln,
seine Seitenränder mit je einer Randreihe deutlicher schwarzbrauner
Pünktchen. Cephalothorax hinter dem Augenhügel und Abdomen
in der Grundfarbe ledergelbbraun, überall mit feinsten dunkelbraunen
Pünktchen überstreut; ohne weiße Medianlinie, doch beginnt hinter
dem Augenhügel eine Sattelzeichnung, die median blaß (von der
Rückengrundfarbe) ist, aber seitlich mehr oder minder deutlich
dunkelbraun gerandet ist. Dieser bisweilen sehr verwischte Sattel ist
auf dem Abdomen parallelrandig und nur gleich hinter dem Augenhügel
auf dem Cephalothorax und Abdominalsegment I eingeschnürt. Auf
dem vorletzten Cephalothoraxsegment findet sich neben dem Sattel
jederseits ein kleiner, fast dreieckiger schwarzer Fleck. Bauch blaßgelb
bis aschfarben; Segmentfurchen durch Querreihen dunkelbrauner
Pünktchen angezeigt. Genitalplatte und Coxen desgleichen blaßgelb,
letztere (besonders III und IV) mehr oder minder dunkelbraun punktiert
Trochantere und Femora der Beine ebenso wie die übrigen Bein-
glieder ledergelb, dichten Zähnchen auf den Femora, Patellen und
Tibien sind dunkelbraun, sodaß diese Beinglieder fein dunkelbraun
gesprenkelt erscheinen; außerdem mit wenig regelmäßigen Längs-
reihen dunkelbrauner Pünktchen, besonders dorsal. Metatarsen und
Tarsenglieder blasser gelblich. — Mandibeln blaßgelb; Glied I dorsal
dunkel gebräunt, Glied II beiderseits fein dunkelbraun punktiert.
— Palpen: alle Glieder blaßgelb, Zähnchenbesatz dunkelbraun, außer-
22 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
dem Femur, Patella und Tibia dorsal mit Längsreihen deutlicher
dunkelbrauner Pünktehen. Tarsen apical schwärzlich.
© — ähnlich dem 3, von ihm unterschieden durch die nur
schmächtigen, normal gebauten und kleinen Mandibeln, die nicht keulig
verdickten Basalgliedern von Bein I, dessen Tarsalglieder nur behaart
und nicht bedornt sind.
Tibet (Ygantse) — 7 (3 + 2) — WALTON leg. 1904 — Brit.
Mus.)
Turkestan (Kustri) — 20 9.
Turkestan — 5 (4 +92) — CHAFFANJON leg. 1895 — (Mus.
Paris).
Tibet (Tal des Indus bei Nirda + Rongo) — 2 $ — STOLICZKA
leg. 1864 — (Hof. Mus. Wien).
10. Egaenus Kraepelini nov. spec.
(Taf. II, Fig 11.)
& Körper 4 mm lang; Mandibeln: Glied I 4, II 5 mm lang; Bein-
femur I 6, II 10, III 6, [IV 7 mm lang.
(Beine ?, da die Tarsenglieder teilweise fehlen.)
3 Körper: Stirnmitte des Cephalothorax mit deutlicher,
verstreuter Zähnchengruppe; Seiten des Cephalothorax mit einzelnen
verstreuten Zähnchen, im übrigen glatt glänzend. Abdominalrücken
und die 2 letzten Cephalothoraxsegmente (segmentweise) mit Quer-
reihen kleiner Zähnchen. Bauchsegmente, Genitalplatte und Coxen
glatt glänzend.
Augenhügelso hoch wie lang und breit, halbkugelig, schwach
gefurcht und jederseits der Furche mit einem Kamm aus etwa 5 kleinen
Zähnchen.
Supramandibularraum unbewehrt.
Mandibeln sehr stark entwickelt (Übergangsform zu
Rhampsinitus) Glied I so lang wie der Körper, Glied II noch
etwas länger. Glied I stark gekrümmt, zylindrisch, dorsal stark rauh
bezähnelt. Glied II zylindrisch, oben an seiner Einlenkung an Glied I
knieartig hochgewölbt, dieses Knie aber Glied I nicht hornartig über-
ragend, Glied II gleichmäßig rauh bezähnelt. Unbewegliche Klaue
und bewegliche Klaue mit je einem Zahn nahe der Basis.
Palpen sehr dünn, nicht sehr lang. Femur so lang wie Patella
+ Tibia, so lang wie der Tarsus. Femur apical stark rundlich an-
geschwollen, glatt, doch ventral mit 2 unregelmäßigen Längsreihen
kleiner Zähnchen; Patella mit wenig vorgewölbter Innenecke, doch
ohne Apophyse, dorsal wenig bezähnelt; Tibia zylindrisch und so lang
wie die Patella und ventral wenig bezähnelt; Tarsus nur fein beborstet.
Beine kurz und kräftig. Femur I apical nach vorn gekrümmt
und der Spitze zu verdickt, 5-kantig, jede Kante mit einer Reihe
starker Zähnchen, besonders ventral; Patella I dorsal bezähnelt; Tibia
glatt, doch ventral mit feiner Zähnchenreihe. Femur II dünn, mit
spärlichen Längsreihen feiner Zähnchen, desgleichen Femur III;
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 23
Femur IV dagegen dorsal glatt und nur ventral mit 2 Zähnchen-
längsreihen. Patella und Tibia II—IV kantig, glatt und unbewehrt,
nur Patellen dorsal mit ein paar kleinen Enddornen. Metatarsus I
ventral äußerst fein bezähnelt; Metatarsen II—III unbewehrt.
Färbung des Körpers bräunlich. Cephalothorax jederseits
vorn mit weißlichen Fleckchen. Abdomen mit dunkler Sattelzeichnung
und blaßfleckigen Seiten. Bauchsegmente, die Furchen der Segmente
mit queren braunen Pünktchenreihen; Genitalpaltte weißlich, seitlich
braun berandet; Coxen weißlich, aber die Seiten scharf dunkler ge-
sprenkelt. Beinglieder hell lederbraun mit mehr oder minder regel-
mäßigen Längsreihen feiner, dunkelbrauner bis schwarzer Pünktchen
in den Zwischenflächen zwischen den weißbezähnelten Kanten. —
Mandibeln schwarzbraun; Glied I dorsal weißlich und hier fein braun
punktiert, desgleichen das obere Knie von Glied II. — Palpen blaß
lederfarben; Patella und Tibia dorsal dunkler punktiert.
Nord-Afrika (Oran) — 35 — K. u. E. KRAEPELIN leg. 1896
— (Mus. Hamburg).
ZACHEUS C.L. KOCH.
= Phalangium (crista), BRULLE 1832, Exped. Mor. Art. p. 60.
= Zacheus (mordazx‘, C. L. KOCH 1839, Arachn. V. p. 152.
Körper eiförmig gerundet, selten hinten quer abgestutzt.
Cephalothorax relativ klein. Stirngegend in der Mitte vor dem Augen-
hügel behöckert oder bezähnelt. Letzte Cephalothoraxsegmente von
einander und vom Abdomen durch deutliche Querfurchen getrennt.
Coxen stets ohne regelmäßige Randhöckerreihen. Maxillarloben II
in einem stumpien Winkel vor dem Vorderrande der Genitalplatte.
Augenhügel niedrig, nicht höher als breit, meist etwas
breiter als lang und um das Doppelte seines Längsmessers vom Stirn-
rande entfernt.
Supramandibularraum stets mit 2 medianen Dörnchen.
Mandibeln Glied I ohne Ventraldom und glatt. Beim
sekundärer Geschlechtsdimorphismus: Glied I dorsal hochgewölbt,
Glied II oben mit einem großen Knie, dessen Wölbung die Höhe von
Glied I aber nicht überragt. Beim 2 sind die Mandibeln klein und
normal gebaut.
Palpen kurz, normal gebaut; beim & (bei einigen Arten) etwas
verlängert, aber nie beinartig dünn. Bisweilen der Tarsus mit kleiner
Apophyse. Tarsalklaue einfach.
Beine kurz und kräftig; ihre Femora höchstens so lang wie der
Körper, oft kürzer; beim 9 alle 4 Paare gleich stark entwickelt;
beim 3 Femur, Patella und Tibia von Bein I keulig verdiekt. Alle
Femora und Tibien ohne Pseudogelenke.
[Type: Zacheus crista (BRULL.)]
24 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Tabelle der Arten ({):
1. Supramandibularraum mit 2 sehr langen Dornen (von der halben
Länge von Glied I der Mandibeln) (Taf. II, Fig. 8)
(Maroeco) — bispinifronsn.sp.
— Supramandibularraum mit 2 kleinen, sehr winzigen, aber deut-
lichen Mediandörnchen 2.
2. Femur I keulig verdickt, dorsal vollkommen glatt oder nur sehr
spärlich verstreut bezähnelt, niemals mit 5 Zähnchenlängsreihen 3.
— Femur I, obwohl gleichfalls keulig verdickt, so doch stets mit
5 scharfen Längsreihen deutlicher spitzer Zähnchen
(Krim) — canaliculatus n.s?.
3. Palpen lang und dünn, stets nur beborstet und nicht bezähnelt
(Caucasus) — caucasicusNn. sp.
— Palpen kurz und dick, basale Glieder wenigstens ventral dicht
behöckert oder bezähnelt (Südost-Europa u. Vorderasien) —
crista BRULL. (form. typ. + var.)
Die bisher bekannte Art dieser Gattung ist beschrieben als:
l. Zacheus crista (BRULL.).
Synonyma sind:
= Phalangium crista, BRULLE 1832, Exped. Mor. Art. p. 60.
— Zacheus mordax, C. L. KOCH 1839, Arachn. V. p. 152.
— Zacheus trinotatus, C. L. KOCH 1839, Übers. Arachn. Syst. II. p. 26.
— Egaenus mordax, CANESTRINI 1872, Ann. Mus. civ. Genova II. p. 25.
= Zacheus mordax, SIMON 1884, Ann. Soc. ent. France Ser. 6. Bd. 4. p. 351.
= (var.) Phalangium hebraicum, SIMON 1884, Ann. Soc. ent. France Ser. 6.
Bd. 4. p. 194.
= (var.) Phalangium hebraicum-leucomelas, SIMON 1884, Ann. Soc. ent. France
Ser. 6. « Bd..4..;;p. 196.
— Zacheus mordax, SIMON 1885, Ann. Soc. ent. France. Ser. 6. Bd. 5. p. 214.
= (var.) Egaenus variegatus, LENDL 1894, Termes. Füzetek XVII. p. 23.
= (var.) Egaenus hungaricus, LENDL 1894, Termes. Füzetek XVIII. p. 23.
= (var.) Egaenus cerista-anatolicus, KULCZYNSKI 1903, Sitz. Ber. Acad. Wiss.
Wien. Bd. CXII p. 54.
Südost-Europa u. Vorderasien (Ungarn, Siebenbürgen, Balkan-
länder, Kleinasien, Syrien, Cypern) — ca. 150 Expl. vidi.
Syrien — 1& SCHLÜTER leg. 1895 — (Mus. Hamburg).
Kleinasien (Smyrna) — (3& +39) — Mus. Paris.
Von Zacheus crista BRULL. lassen sich möglicherweise nach
folgender Tabelle folgende Varietäten unterscheiden:
1. Metatarsus von Bein IV in Längsreihen bezähnelt 2.
— Metatarsus von Bein IV nur behaart 5.
2. Abdominalrücken mit deutlich durchgezogener gelber Median-
binde oder Fleckenreihe | 3.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 35
— Diese Medianbinde oder Fleckenreihe fehlt meistens oder ist nur
recht undeutlich | crista form. typ.
3. Ventralsegmente dunkelbraun, einfarbig, ohne Querreihen gelber
Pünktchen crista var. leucomelas.
— Ventralsegmente dunkelbraun, mit deutlichen Querreihen gelber
Pünktchen ä
4. Seitenrand des Cephalothorax unbewehrt; Gegend von dem
Augenhügel mit 7—9 Zähnchen jederseits und einem Zähnchen
in der Mitte bewehrt crista var. hebraicum.
— Seitenrand des Cephalothorax (wenn auch spärlich) bezähnelt;
Gegend vor dem Augenhügel mit ca. 30 Zähnchen bestreut
crista var. anatolicus.
5. Palpenfemur ventral bezähnelt crista var. hungaricus.
— Palpenfemur ventral unbewehrt, nur fein beborstet
erista var. varvegatus.
Die Synonyma dieser Varietäten werden beschrieben:
1. Zacheus crista var. variegatus (= Egaenus variegatus LENDL) Ungarn.
Glied I der Mandibeln dorsal weiß und schwarz liniert) (vidi type).
2. Zacheus crista var. hungaricus (= Egaenus hungaricus LENDL) Ungarn-
Glied I der Mandibeln dorsal nur weiß längsgefleckt (vidi type).
3. Zacheus crista var. hebraicus (= Phalangium hebraicum SIMON) —
Palästina — (vidi type).
4. Zacheus crista var. leucomelas (= Phalangium leucomelas SIMON)
Palästina — (vidi type).
5. Zacheus crista var. anatolicus KULCZ. Kleinasien — (vidi type).
Die aus Palästina beschriebenen Phalangium hebraicum (und var. leucomelas)
SIMON und Zgaenus variegatus LENDL und Egaenus hungaricus LENDL erwiesen
sich bei Vergleichung der Typen, die mir aus Paris und Budapest zur Verfügung
standen, sämtlich als Zacheus crista BRULL. (form typ.), von dem sie als mehr
oder minder berechtigte Varietäten unterschieden werden mögen. KULCZYNSKI
beschrieb noch eine weitere Varietät als Zgaenus crista var. anatolicus und wies
zugleich auf die Möglichkeit hin, daß Zg. hungaricus und Eg. variegatus LENDL
nur Varietäten von Egaenus crista seien, was mir durch den Augenschein der
Typen erwiesen ist. Übrigens sind LENDL’S Diagnosen sehr kümmerlich.
2. Zacheus bispinifrons nov. spec.
(Taf. II, Fig. 8.)
S Körper 4 mm lang; Beinfemur I 4, II 6,5, III 4, IV 5 mm lang;
Bein I 20, II 29, III 19, IV 24 mm lang.
ö Körper breit und flach, an den Seiten parallel, hinten quer
rund abgestutzt. Cephalothorax halbkreisförmig, vorn gerade ab-
gestutzt, vor und seitlich vom Augenhügel verstreut tuberkuliert;
die Tuberkelgruppe vor dem Augenhügel in 3 Längsreihen (davon eine
mediane) geordnet, welche auf die vordere Basis des Augenhügels
konvergieren; letzte 2 Cephalothoraxsegmente (hinter dem Augenhügel)
26 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
und die dorsalen Abdominalsegmente mit je einer deutlichen Quer-
reihe spitzer Zähnchen. Bauchsegmente, Genitalplatte und Coxen
glatt glänzend.
Augenhügel um das Doppelte seines Längsmessers vom Stirn-
rande entfernt, so lang wie breit, aber nur halb so hoch, gefurcht,
jederseits der Furche mit 6 spitzen Zähnchen.
Supramandibulargegend mit zwei medianen, sehr
langen spitzen Stacheln, die etwa die halbe Länge von Glied I der
Mandibeln erreichen (Taf: II, Fig. 8).
Mandibeln groß und kräftig; Glied I zylindrisch, dorsal
gewölbt und hier breit mit kräftigen, spitzborstigen Zähnchen dicht
bestreut, auch ventral mit spärlichen solcher Zähnchen (doch ohne
vorgestreckten Dorn); Glied II groß, oben knieartig gewölbt, aber
Glied I nicht überragend, allerseits nur borstig behaart, nicht be-
zähnelt.
Palpen klein und kurz. Femur so lang wie Patella + Tibia,
so lang wie der Tarsus; alle Glieder nur borstig behaart, nicht bezähnelt;
Femur apical mäßig dicker, desgleichen die Patella, aber ohne Apo-
physen; Tibia und Patella an den vorderen Innenecken dichter, aber
nicht bürstig behaart.
Beine kräftig. Femur, Patella und Tibia von Paar I keulig und
dicker als die der übrigen Paare; Femur I kantig, mit regelmäßigen
Zähnchenlängsreihen bewehrt; Metatarsus I und Tarsen dünn und
unbewehrt. Femora II—IV scharfkantig und mit Zähnchenlängs-
reihen; Patellen, Tibien und Metatarsen II—IV scharfkantig, aber
ohne Längsreihen von Zähnchen und nur behaart oder auch glatt
glänzend.
Färbung des Körpers lederfarben blaßgelb. Cephalothorax
gelblich, doch neben dem Augenhügel unregelmäßig dunkler gesprenkelt
und vor dem blaßgelben Augenhügel mit 2 feinen, parallelen, dunkel-
braunen Medianstrichen von der Stirnmitte bis zur Basis des Augen-
hügels. Abdominalrücken gleichmäßig graugelb, schwach heller und
dunkler gesprenkelt, ohne jede Spur eines Rückensattels und eines
Medianbandes. — Bauchsegmente und Genitalplatte einfarbig asch-
grau blaß, desgleichen die Coxen, doch deren Spitze und Seiten (Fugen)
fein und scharf dunkelbraun punktiert. Mandibeln und Supra-
mandibularstacheln blaßgelb,; die Zähnchen auf Glied I mit schwarzer
Spitze. — Palpen blaßgelb, alle Glieder einfarbig bis auf Patella und
Tibia, die dorsal weiß und hier fein dunkelbraun punktiert sind. —
Beine einfarbig rostgelb, doch die Patellen und Tibien z. T. auch die
Metatarsen dorsal blaßgelb bis weiß und hier (zwischen den Kanten)
fein dunkelbraun punktiert. Alle Zähnchen des Körpers und der Glied-
maßen mit fein schwarzer Spitze.
Marocco (Mazaghan) — (nur) 1& — FRITSCH leg.
3. Zacheus canaliculatus nov. spec.
3 Körper 4 mm lang (erwachsen). — Die Beine sind größtenteils
verstümmelt. |
a N
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 97
SCephalothoraxam Stimrande ausgebuchtet; Stimgegend
mit einer Gruppe verstreuter Zähnchen; desgleichen am Seitenrand
entlang einige Zähnchen. Die 2 letzten Cephalothoraxsegmente mit
Zähnchenquerreihen, ebenso jedes der dorsalen Abdominalsegmente.
Bauchsegmente unbewehrt und glatt, Genitalplatte und Coxen des-
gleichen, doch letztere an den Spitzen rauh beborstet.
Augenhügelso hoch wie breit wie lang, deutlich längsgefurcht,
basal nicht verengt und um das 11/,fache seines Längsmessers vom
Stirnrande entfernt. Über den Augen mit 2 Kammreihen spitzer,
deutlicher Zähnchen.
Supramandibularraum mit 2 medianen Zähnchen
bewehrt.
Mandibeln groß und kräftig, so lang wie der Cephalothorax.
Glied I dorsal hoch aufgewölbt und hier nur beborstet; Glied II oben
mit aufgewölbtem Knie, das die Höhe der Wölbung von Glied I aber
nicht überragt; Glied auch nur fein beborstet.
Palpen lang und dünn, so lang wie der Körper; Femur so lang
wie Patella + Tibia, Tarsus um die Hälfte länger. Alle Glieder
zylindrisch und nur beborstet, soweit unbewehrt.
Beine kräftig. Femur, Patella und Tibia von Bein I verdickt,
deutlich dicker als die der übrigen Beinpaare; Femur I gebogen,
5kantig und jede Kante mit einer scharfen Zähnchenlängsreihe be-
wehrt. Femur II—IV gerade und dünn, 5 kantig und jede Kante mit
einer deutlichen Zähnchenlängsreihe. Patella I—-IV 5 kantig, aber
unbewehrt. Tibia I—IV 5kantig, aber die Kanten nur beborstet.
Metatarsus I—IV zylindrisch und unbewehrt, Tarsenglieder I auch
unbewehrt.
Färbung des Körpers aschgrau bis weißlich. Cephalothorax in
der Stirnmediane mit 2 dunkelbraunen, parallelen Stricheln, die den
blaßgelben Augenhügel aber nicht erreichen. Schräg seitlich vor dem
Augenhügel mit ein paar dunkelbraunen Sprenkeln, ebensolche Sprenkeln
entlang der sonst weißgrauen Seitenränder des Üephalothorax.
Zähnchen des Cephalothorax, des Augenhügels und des Abdominal-
rückens weißlich mit fein schwarzer Spitze. Abdomen dorsal auf den
vorderen Segmenten mit Sattelspur. Dieser Sattel ist angedeutet
nur auf Abdominalsegment I, II und III durch seitlich je eine sammet-
braune, außen scharf weiß gerandete Zackenlinie, auf den hinteren
. Abdominalsegmenten verwischt. Ein blasses Medianband fehlt. Jene
seitliche Zackenlinien verlaufen von der Vorderrandmitte des Ab-
dominalrückens schräg nach außen-hinten bis auf Segment III, wo
sie am weitesten von einander entfernt sind und aufhören. Seiten des
Abdomens weißgrau mit runden, dunkelbraunen, weißgeringelten
Pünktchen dicht bestreut, die auf den hinteren Segmenten des Ab-
domens auch bis auf die Mediane übergehen, abwechselnd mit den
gelblichen Zähnchenquerreihen. Bauch aschgrau, Segmentgrenze
fein quer dunkelbraun punktiert, wie auch die gleichgefärbten Coxen
in den Fugen. — Mandibeln blaßgelb, Glied II lateral innen und außen
schräg braun bestrichelt. — Palpen weißlich mit schwarzen Börstchen
28 Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
und dorsalen Längsreihen dunkelbrauner Sprenkeln, Tarsus einfarbig
blaßgelb. — Beine weißgrau, nur die Spitzen der Femora und der
Tibien und die ganze Patella etwas dunkler bräunlich; Femora und
Tibien, teilweise auch die Patellen mit feinen Längsreihen dunkel-
brauner Sprenkeln, besonders dorsal.
Krim — 18 — ? leg. — (Hofmus. Wien).
Dieses Exemplar war von KOLLAR als Phalangum canaliculatum bestimmt
und bezeichnet. Ich habe die Diagnose eines Phalangium canaliculatum KOLLAR
in der Literatur nicht auffinden können. Da es sich zweifellos um eine neue
Zacheus-Spezies handelt, habe ich den Speziesnamen von KOLLAR übernommen.
4. Zacheus caucasicus nov. spec.
& Körper Il mm lang; Beinfemur I 5, II 6, III 4,5, I’ 5mm
lang.; Palpen 11 mm lang; Bein I 20, II 27,5, III 23, IV 26 mm lang
& — Cephalothorax halbkreisförmig, vorn ausgebuchtet; Gegend
zwischen Augenhügel und Stirnrand mit 3—4 medianen Tuberkeln,
um welche ca. 20 Tuberkeln einen nach der Stirn zu offenen Halbkreis
bilden. Seitenränder des Cephalothorax unbewehrt, desgleichen die
2 letzten Cephalothoraxsegmente (hinter dem Augenhügel), von denen
nur das erste seitlich Reste einer Zähnchenquerreihe zeigt. Neben dem
Augenhügel 2—3 winzige Tuberkeln. Abdomen dorsal und ventral
gänzlich unbewehrt und glattglänzend.
Augenhügel sehr niedrig, so lang wie breit, aber nur halb so
hoch; um das 11/, fache seines Längsmessers vom Stirnrande entfernt,
basal nicht verengt, kaum gefurcht und jederseits mit einem Kamm
aus 8&—10 stumpfen Zähnchen.
Supramandibularraum mit 2 medianen, winzigen
Zähnchen.
Mandibeln groß und kräftig, so lang wie der Cephalothorax.
Glied I dorsal hoch aufgewölbt und hier breit mit warzenartiger Gruppe
stumpfer Tuberkeln, ventral glatt. Glied II oben mit deutlichem Knie,
das aber die Höhe von Glied I nicht überragt, ; die ganze breite Frontal-
fläche von Glied II dicht und gleichmäßig mit feinen schwarzen Tu-
berkeln übersät, dazwischen feine Härchen. Bewegliche Klaue größer
als die unbewegliche.
Palpen lang und dünn, so lang wie der Körper. Femur so lang
wie Patella + Tibia, Tarsus um die Hälfte länger. Alle Glieder
zylindrisch, nicht keulig verdiekt, nur beborstet und nur der Tarsus
ventral mit äußerst feiner, kaum sichtbarer Spieulae-Gruppe.
Beine beim ® aller 4 Paare dünn; basale Glieder von Bein I
beim & keulig verdiekt. Femur II—IV 5 kantig, II unbewehrt, III nur
basal mit schwach angedeuteten Zähnchenlängsreihen und größten-
teils - unbewehrt, IV nur ventral mit Zähnchenlängsreihen, dorsal
unbewehrt. Patella und Tibia I scharf 5 kantig, die Kanten nur be-
borstet, desgleichen Patellen und Tibien III und IV, nur Tibia II
kantig, beborstet, aber ventral mit einigen Zähnchen. Metatarsen
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 29
I—IV kantig und ihre Kanten beborstet. Tarsenglieder aller 4 Bein-
paare nur behaart.
Färbung des Körpers lederbraun bis aschfarben, mit dunklem
Sattel. Cephalothorax lederbraun, seitlich weißgrau, Stirnmitte mit
2 dunklen Medianstricheln, die den Augenhügel nicht erreichen.
Zähnchen des Cephalothorax weißgelb mit feiner schwarzer Spitze,
desgleichen die des blaßgelben Augenhügels. Sattel hinter dem Augen-
hügel breit und parallelrandig beginnend, auf Abdominalsegment I
stark eingeschnürt, auf Segment Il und III breiter werdend; bis hier
ist der Sattel seitlich sammetartig tief schwarzbraun und außenseits
davon scharf milchweiß berandet. Vom Segment IV ab bis zum After
verschwindet die scharie Randung des Sattels allmählig, er wird
verwischt lederbraun und zeigt die Segmentiurchen fein dunkel
punktiert. Die Seiten des Abdomens sind vorn milchweiß, hinten
ebenso, jedoch hier mehr braun untermischt; diese Seitengegend zeigt
kreisrunde, weißberingelte, dunkelbraune Pünktchen in größerer
Zahl unregelmäßig verstreut. Bauch aschgrau, die Segmentgrenzen
fein dunkelbraun punktiert. — Mandibeln blaß ledergelb: Glied I
innenseits dunkelbraun, dorsal weisslich mit dunkelbraunen Punkten,
Glied II mit weißlichem Knie, seitlich schräg dunkelbraun liniert,
seine lederfarbene Frontaliläche erscheint durch die dichten, schwarz-
braunen Tuberkeln und Härchen fein dunkel gesprenkelt. — Palpen
blaßgelb bis weißlich mit schwarzen Börstchen und dorsalen Längs-
reihen dunkelbrauner Sprenkel; Tarsalglied einfarbig blaßgelb. — Beine
rostiarben hellbraun, nur die Femurspitzen, ganzen Patellen und
Tibienspitzen etwas dunkler bräunlich. Femora, Patellen und Tibien
mit feinen Längsreihen dunkelbrauner Sprenkel, besonders dorsal.
Q — ähnlich dem 3, doch Mandibeln und Palpen klein und normal
gebaut.
Färbung wie die des S, nur blasser und daher die Sattel-
zeichnung kontrastreicher: inmitten des Sattels bisweilen die schwache
Spur einer blassen Medianlinie. Auf den letzten Dorsalsegmenten des
Abdomens ist der Sattel auch noch deutlich gezeichnet und seitlich
eckig erweitert, aber hier doch nicht so breit wie auf den ersten Ab-
dominalsegmenten.
Caueasus (Talysch) — (1$ + 39) — LEDER leg. — (Hofmus.
Wien).
Zum Genus Zacheus ist zu bemerken, daß Zacheus africanus KARSCH
1878 eine Guruia africana ist (vidi type) (siehe dort). — Ferner ist Dasyglobus
egaenoides SIMON 1885 (Ann. Soc. Ent. France 6. Bd. V. p.25) (vidi type —
Mus. Paris) ein junger Zacheus (obiger Genusdiagnose) — also als spec. pull.
zu behandeln. — Als spec. spur. ist ferner zu erachten: Opilio punctipes L. Koch
1878. (Kaukas. Arachn. p. 63) aus Armenien (Eriwan.), da nur 2 vorliegen, die
zur Speziesdiagnose allein durchaus als nicht ausreichend
anzuerkennen sind.
30 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
DIABUNUS THORELL.
(Taf. I,. Fig. 8.)
— Diabunus, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova VIII p. 473.
Cephalothorax vorn breit abgestutzt; Stirngegend vor
dem Augenhügel wie auch die Seiten des Cephalothorax ohne jegliche
Bezähnelung, glatt. Abdominalsegmente dorsal mit je einer (undeut-
lichen) Querreihe feinster Zähnchen. Coxen der Beine ohne regel-
mäßige Randhöckerreihen. Maxillarloben II in einem stumpfen Winkel
vor dem Vorderrand der Genitalplatte.
Augenhügel klein, sehr niedrig, queroval, ganz glatt und
leicht längsgefurcht.
Supramandibularraum völlig unbewehrt.
Mandibeln stark, bei beiden Geschlechtern gleich entwickelt.
Glied I ohne Ventraldorn.
Palpen kurz und klein, ihre Glieder zylindrisch, ohne jede
Apophysen. Tarsalklaue einfach.
Beine sehr kurz und kräftig. An Bein IV sekundärer Ge-
schlechtsdimorphismus: beim & Bein IV viel dicker als die übrigen,
Femur IV stark keulig verdickt und scharf kantig, auch gekrümmt,
an der Außenseite entlang stark (zweizeilig) sägeartig bezähnelt (Taf. 1,
Fig. 8). Bein I—III beim $ normal gebaut wie beim 9, Bein I—IV.
Q — wie das & gebaut, nur Bein IV normal entwickelt.
[Type: Diabunus oedipus THORELL.]
Nur eine Art:
Diabunus oedipus THORELL.
(Taf. I, Fig. 8.)
= Diabunus oedipus, 'THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova VIII. p. 473.
Körper 4,3 mm lang; Beinfemur I 1,5 mm lang; Bein 17, II 12,5,
III 7,5, IV 11 mm lang.
ö& — Körper eiförmig, dorsal deutlich granuliert. Cephalo-
thorax vom breit abgestutzt und vollkommen unbezähnelt, deutlich
durch Querfurchen vom Abdomen getrennt, doch Abdominalsegmente
unter sich nicht deutlich getrennt und mit feinen Zähnchen überstreut,
die nur teilweise in Querreihen stehen. Stirnmitte vor dem Augenhügel
glatt und unbewehrt. Coxen der Beine ohne regelmäßige Randhöcker-
reihen. Maxillarloben II in einem stumpfen Winkel vor dem Vorder-
rand der Genitalplatte.
Augenhügeleklein, niedrig, quergestellt, ganz glatt und längs
gefurcht.
Supramandibularraum unbewehrt und glatt.
Mandibeln stark und glatt, teilweise behaart; Glied I von
oben her nicht länger als breit; Glied II schmal eiförmig, wenig gewölbt.
Palpen kurz, ihre einzelnen Glieder zylindrisch, wenig dicht
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 31
und ziemlich gleichmäßig behaart; Tibia doppelt so lang wie die Patella
und 2!/, mal so lang wie breit. Tarsalklauen unbewehrt.
Beine kurz; Femur, Patella und Tibia von Paar IV viel dicker
als bei den übrigen Paaren; Coxen I—III oben basal mit einem geraden
Stachel; Coxen II—IV vorn mit Zahn an der Spitze; Coxa IV an der
Vorderseite mit mehreren Zähnchen; nur die hinteren Trochantere
bezähnelt. Femora basal verengt außer Paar IV, dessen Femur von der
Basis zur Spitze stark verdickt ist und außerdem stark kantig ist.
Femur IV gebogen und an der Außenseite stark bezähnelt, und unten
mit 2 Reihen starker Zähnchen, auch oben mit 2 Reihen noch stärkerer
Zähnchen. Auch Patella und Tibia von Paar Ill an der Spitze mit
2 Stacheln versehen und unten bezähnelt (Taf. I, Fig. 8). Femora,
Patellen und Tibia von Paar III besonders unten bezähnelt, von Paar
I und II jedoch nur behaart, außer den Metatarsen, die bei Paar I,
III und IV unten bezähnelt sind. Tibien zylindrisch. Metatarsen I
ziemlich dick, die übrigen dünner; alle Glieder ohne Pseudogelenke.
Färbung. Cephalothorax vor dem Augenhügel blaß aschbraun-
gelb, mit dunkler bräunlichen Fleckehen an den Seiten und vorn
bis zum Stirnrand mit 2 feinen braunen parallelen Längslinien. Hinter
dem Augenhügel ist der Körper aschfarben gelbbraun mit dunklem
rostfarbenem Sattel, dessen Seiten fast parallel sind; er hat eine
weißliche Medianlinie, die in einzelne Flecken aufgelöst ist, auch haben
die Segmente mehr oder minder deutliche blasse Fleckchen; Ab-
dominalseiten dorsal rostfarben braun gesprenkelt, sodaß beiderseits
fast dunklere und hellere Querbinden entstehen. Mandibeln mehr oder
minder dunkel braungelb; Glied I dorsal-basal mit brauner oder
braunfleckiger Längszeichnung; Glied II seitlich bräunlich querge-
gestreift. Palpen und Bein aschfarben braungelb.
Q — gebaut und gefärbt wie das $; nur ist Bein IV normal
gebaut wie Bein I—III.
Persien (Teheran) — 1 Exemplar (nicht ganz erwachsen) DORIA
leg. THORELL det.
Persien (Kehre sang) — (13 + 19) — BRUNS 1910 leg. —
(Mus. Hamburg) — (vidi).
SCLEROPILIO NOV. GEN.
Körper hart, fein granuliert. Cephalothorax durch 2 deutliche
Querfurchen vom Abdomen getrennt. Dorsale Abdominalsegmente
(bis auf die freie Analplatte) mit eimander in ein gleichmäßiges hartes
Scutum verwachsen und nur das vorletzte Segment (vor der Anal-
platte) durch einen harten Furcheneindruck kenntlich, doch fest mit
dem Scutum verwachsen. Ventralsegmente frei und deutlich kenntlich.
Maxillarloben II in einem deutlichen stumpfen Winkel vor dem
BE der Genitalplatte. Coxen ohne regelmäßige Randhöcker-
reihen.
Augenhügel knopfartig, 1\/, mal wie sein Längsmesser vom
Stirnrande entfernt, basal verengt.
32 Dr. C, Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Supramandibularraum gänzlich unbewehrt und glatt.
Mandibelnklein und normal gebaut; Glied I ohne Ventraldorn.
Palpen klein, aber kräftig, normal gebaut und ohne Apophysen.
Beine kurz und kräftig; alle 4 Paare normal entwickelt, Paar I
nicht keulig verdickt.
[Type: Seleropilio coriaceus n. sp.]
Nur eime Art:
Scleropilio coriaceus no». spec.
& Körper 3,5 mm lang; Beinfemur I 1,5, Bein I 6, II 12,5, III 6,
IV 9 mm lang.
d—Körperhart und oval gewölbt. Cephalothorax und Dorsal-
scutum sehr fein gleichmäßig granuliert. Die ganze Dorsalfläche des
Cephalothorax und des Abdomens gänzlich unbewehrt; Cephalothorax
nuram Rande bewehrt und zwar: Vorderrand in der Mitte mit einem
wagerechten, spitzen Kegelzahn, jederseits daneben ein dickerer,
an der Spitze gabelig 2 teiliger Zahn, ebenfalls wagerecht vorgestreckt,
daneben jederseits (den Lateralporen zu) zwei getrennte spitze Kegel-
zähne von der Art des Medianzahnes. Seitenrand des Cephalothorax
von den Lateralporen ab an jedem Winkel zwischen den Coxen-
einbuchtungen mit einem wagerecht abstehenden spitzen Kegelzahn;
sonst Cephalothorax und Abdomen unbewehrt. Ventralsegmente
und Genitalplatte fein verstreut winzig behöckert, doch ohne regel-
mäßige Randhöckerreihe; jede Coxa am oberen Rande (unterhalb der
Trochantere) vorn und hinten mit feinen Kegelzähnchen besetzt.
Augenhügelnur um das 11/, fache seines Längsmes$ers vom
Stirnrande entfernt, gerundet, knopfartig, basal verengt, nicht gefurcht,
oben ganz glatt und unbewehrt, doch an der Vorderfläche und Hinter-
fläche mit je 2 winzigen Höckerchen.
Supramandibularraum völlig glatt und unbewehrt.
Mandibeln klein, normal gebaut; Glied I dorsal glatt und
ohne Ventraldorn; Glied II desgleichen gänzlich glatt glänzend.
Palpen kurz und kräftig; Femur so lang wie Patella + Tibia,
so lang wie der Tarsus. Femur glatt glänzend, nur ventral mit
6—7 stumpfen, abstehenden Kegelzähnchen, von denen jedes eine
feine Spitzenborste trägt. Patella ohne Apophyse; Tibia doppelt so
lang wie breit; Patella und Tibia gänzlich unbewehrt, glatt, spärlich
behaart. Tarsus behaart, ventral mit breitem Längsstreif dichter
winziger Körnchen. Tarsalklaue einfach.
Beine kurz und kräftig; alle Paare normal entwickelt. Femora
zylindrisch und mit wenigen winzigen Körnchen ungleichmäßig
bestreut und spärlich abstehend behaart, doch mit größeren dorsalen
Endzähnchen. Patellen und Tibien, wie Metatarsen zylindrisch, nieht
bezähnelt, nur spärlich abstehend behaart. ;
Färbung des Körpers glänzend schwarzbraun, durchaus
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 33
einfarbig an Körper und Extremitäten, nur Metatarsen und Tarsen-
glieder der Beine rostfarben gelbbraun.
Turkestan (Tekkes) — CHAFFANJON leg. — 18.
EUPHALANGIUM NOV. GEN.
Phalangium, L. KOCH 1879, Svensk. Acad. Handl. Bd. 16. No. 5. p. 109.
Phalangium, SIMON 1887, Bull. Soc. Zool. France XII. p. 461.
Phalangium, KULCZYNSKI 1901, Horvath’s Ergebn. Zool. Zichy, 11.
p. 350 etc.
Körperdecke weich und lederartig. Cephalothorax zwischen
Stirn und Augenhügel mit einer Gruppe verstreuter spitzer Zähnchen.
Furchen zwischen den 2 letzten Cephalothoraxsegmenten und dem
Abdomen deutlich. Coxen der Beine glatt oder verstreut tuberkuliert,
ohne regelmäßige Randhöckerreihen. Maxillarloben II in einem
stumpfen Winkel vor dem Vorderrand der Genitalplatte.
Augenhügel niedrig, basal nicht verengt, halbkugelig, aber
deutlich gefurcht und über den Augen mit je einem Zähnchen- oder
Tuberkelkamm besetzt. Augenhügel um das Doppelte seiner Länge
vom Stirnrande entfernt.
Supramandibularraum glatt und völlig unbewehrt.
Mandibeln bei beiden Geschlechtern gleich gestaltet, klein
und normal gebaut; Glied I ohne Ventraldorn.
Palpeneinfach, kurz und normal gebaut, bei beiden Geschlechter
gleich entwickelt; weder Patella noch Tibia mit Innenapophyse; Tarsal-
klaue einfach.
Beine kräftig; beim Q alle 4 Paare gleich entwickelt; beim &
Femur, Patella und Tibia von Bein I keulig verdickt, viel dicker als
die entsprechenden Glieder der anderen Beinpaare (sekundärer Ge-
schlechtsdimorphismus bei Bein I). Alle Femora und Tibien ohne
Pseudogelenke.
1A
[Type: Euphalangium Nordenskiöldi (L. KOCH)].
Tabelle der Arten ({):
1. Augenhügel um das Dreifache seines Längsmessers vom Stirmrande
entiernt; Beinfemur I in Längsreihen bezähnelt
(Sibirien) — personatum L. KOCH.
— Augenhügel höchstens um das Doppelte seines Längsmessers
vom Stirnrande entfernt; Beinfemur I nicht in Längsreihen, sondern
zerstreut bezähnelt 2.
2. Bauchsegmente mit Genitalplatte und Coxen einfarbig dunkel-
braun; Abdominalrücken ohne blassere Medianbinde ;
— Bauchsegmente blasser gelbgrau bis aschfarben, höchstens Genital-
platte u. Coxen dunkler braun, bisweilen aber auch blaß gelblich;
Abdominalrücken mit medianer blasser Binde oder Fleckenreihe 4.
Archiv für Naturgeschichte
1011. I. 2. Suppl. 3
4 Dr. 6. Fr. Roewer: Übersicht der Generä
3. Stirngegend vor dem Augenhügel mit einer Gruppe aus etwa 20
verstreut stehenden Zähnchen
(Sibirien) — Nordenskiöldi (form. typ.) L. KOCH.
— Stirngegend vor dem Augenhügel mit mehr und dichter stehenden
Zähnchen bewehrt
(Kola) — Nordenskiöldivar. kolensis STRAND.
4. Länge der Beine: I 32, 11 60, III 35, IV 49 mm. — (Mongolei).
Nordenskiöldivar.transbaicalica KULLCZ.
— Länge der Beine: I 18—22, II 33—39, III 19—21, IV 27”—32 mm 5.
5. Trochantere der Beine blaßgelb; Beine blaßgelb bis hellbraun,
außer den Patellen und Femurenden (Mongolei).
Nordenskiöldivar. pallida KULCZ.
— Trochantere der Beine wie die ganzen übrigen Beinglieder schwarz
bis dunkelbraun (Mongolei).
Nordenskiöldi var. albofasciatum KULLCZ.
Die bisher bekannten 6 Arten und Varietäten dieser Gattung
werden beschrieben als: Phalangium-Spezies, wie folgt, beschrieben.
1. Euphalangium Nordenskiöldi L. KOCH.
= Phalangium Nordenskiöldi, L. KOCH 1879, Sv. Acad. Handl. Bd. 16, No. 5,
p- 107.
= Phalangium Nordenskiöldi, L. KOCH 1878, Verts. z. b. Wien XXVIII p. 481
—483 = (Opilio funestus).
= Phalangium Nordenskiöldi, SIMON 1887, Bull. Soc. Zool. France XII. p. 461.
= Phalangium Nordenskiöldi, KULCZYNSKI 1901, Horvath’s Ergeb. Zool.
Zichy II. p. 350352.
Sibirien (Krasnojarsk) — viele Exemplare — L. KOCH det. 1879.
Mongolei (Ourga-Tsitsikhan) — 1 $ — CHAFFANJON leg. 1895
— (Mus. Paris) — (vidi).
Mongolei (Kouldja — Ourga) — (4& +3 2) — CHAFFANJON
leg. 1896 — (Mus. Paris) — (vidi).
2. Euphalangium Nordenskiöldi var. kolensis
STRAND.
= Phalangium Nordenskiöldi var. kolensis, STRAND 1906, Fauna Arctica,
Bd. IV p. 743.
„Von dem Typus durch kleineren Augenhügel und dichter
stehende Zähne am Vorderrande abweichend“ (nach den Angaben von
SIMON 1887 in: Bull. Soc. Zool. France XII. p. 46 von STRAND
aufgestellt).
Kola (Kandalaks) — STRAND 1906 det.
3. Euphalangium Nordenskiöldi var. albo-
Tasciatum KULCZ.
= Phalangium Nordenskiöldi var. albofasciatum, KULCZYNSKI 1901, Horvath’s
Ergeb. Zichy. II. p. 351.
.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 35
Mongolei (Urga) — (J + 9) — (Hofmus. Wien) — (vidi type).
Mongolei (Kouldja-Ourga) — 4& — CHAFFANJON leg. 1896
— (Mus. Paris) — (vidi).
4. EuphalangiumNordenskiöldivar.trans-
baicalica KULCZ.
— Phalangium Nordenskiöldi var. transbaicalica, KULCZYNSKI 1901. ebenda
p- 352.
Sibirien (am Selenga) — (J + 2) — (Hofmus. Wien) — (vidi
type).
Mongolei (Ourga) — 1 & — CHAFFANJON leg. — (Mus. Paris)
— (vidi).
5.EuphalangiumNordenskiöldivar.pallidaKULCZ.
= Phalangium Nordensköldi var. pallida, KULCZYNSKI 1901, ebenda p. 350.
Sibirien (Minusinsk) — (J + 2) — (Hofmus. Wien) — (vidi
type).
6. Euphalangium personatum (L. KOCH).
= Phalangium personatum, L. KOCH 1879, Svensk. Acad. Handl. Bd. 16. No. 5.
p- 109.
Sibirien (Krasnojarsk) — L. KOCH det. — 1£.
Diese Art, welche ich leider nicht gesehen habe, ist des verdickten Femur
von Bein I wegen höchstwahrscheinlich ein Euphalangium, wie aus der oben
gegebenen Diagnose von L. KOCH hervorgeht. L. KOCH bemerkt weiter: Pha-
langium personatum unterscheidet sich von Phalangium sazxatile C. L. KOCH deut-
lich: bei Ph. saxatile ist der Vorderrand des Cephalothorax hoch aufgebogen, der
Augenhügel nur zweimal so weit als sein Längsmesser vom Stirnrand entfernt;
die Körnchen des Abdominalrückens sind sehr klein und nicht deutlich in Quer-
reihen geordnet; Femur I und III sind länger und nur mäßig stärker als die übrigen,
Tibien der Beine ohne Körnchenreihen.
OPILIO HERBST.
Opilio, HERBST 1798, (ad part).
Opilio, C. L. KOCH 1839, Übers. Ar. Syst. — (Type: parietinum).
= Opilio, auet. (L. KOCH, CANESTRINI, ete.) — (ad. part).
= Phalangium, THORELL (ad part).
= Phalangium, SIMON 1879, Arachn. d. France VII. (ad. part).
Körper weich und lederartig; Cephalothorax vom Abdomen
durch deutliche Querfurchen getrennt; Dorsal- wie Ventralsegmente
des Abdomens deutlich kenntlich. Stirmmitte des Cephalothorax
stets mit einer Gruppe von Zähnchen oder stumpfer Tuberkeln.
Abdomen dorsal meistens mit Querreihen feiner Zähnchen (segment-
weise). Bauchsegmente glatt, desgleichen die Genitalplatte; Coxen
ohne Randreihen von Dörnchen oder Höckerchen; Maxillarloben II
3*
36 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
in einem stumpfen Winkel vor dem Vorderrand der Genitalplatte.
Augenhügel stets jederseits der Furche mit Zähnchenreihen
bewehrt; er ist von der Stirnrandmitte stets durch einen Raum
getrennt, der größer ist als sein Längsmesser.
Supramandibularraum völlig unbewehrt.
Mandibeln klein und bei beiden Geschlechtern stets normal
gebaut und gleich entwickelt; Glied I ohne Ventralsporn.
Palpen robust; bei beiden Geschlechtern stets gleich
entwickelt, Patella und Tibia stets ohne Apophyse. Tarsalklasse
einfach.
Beine lang und kräftig, alle 4 Paare normal entwickelt (Paar I
an den Basalgliedern nicht keulig verdickt). Beine bei beiden Ge-
schlechtern gleich entwickelt.
[Type: Opilio parietinus HERBST.]
Tabelle der Arten:
1. Abdominalrücken mit eimer medianen Längsreihe größerer spitzer
Dornen (von Segment zu Segment je 1) außer den Zähnchen-
querreihen 2.
— Abdominalrücken nicht so bewehrt, nur mit einer Querreihe gleich
großer Zähnchen auf jedem Segment, oder auch mehr oder minder
unbewehrt und glatt 3.
2. An der Stirmrandmitte außer schräg aufwärts gerichteten Dörnchen
noch stets drei wagerecht über die Mandibeln hinreichende Dornen
(China) — trispinifrons ROEWER.
— Stimrandmitte ohne solch 3 wagerechte Dornen, sondern nur eine
Gruppe stumpfer Tuberkeln hier
((China, Japan) — spinulatusn.sp.
3. Tuberkel- oder Zähnchengruppe vor dem Augenhügel verstreut,
nicht jederseits geteilt durch eine median verlaufende glatte
Furche 4.
— Tuberkel- oder Zähnchengruppe vor dem Augenhügel in eine linke
und eine rechte Gruppe geteilt durch eine median verlaufende
glatte Furche vom Augenhügel zur Stirnrandmitte 10.
4. Glied I der Mandibeln dorsal bezähnelt, wenn auch bisweilen nur
spärlich (Mongolei) — pallens ($) (KULCZ).
— Glied I der Mandibeln dorsal und allerseits unbewehrt, nicht
bezähnelt 5.
5. Augenhügel sehr niedrig, fast doppelt so breit wie lang, wie hoch,
quer gestellt und nur vorn stumpf behöckert; Grundfarbe des
Rücken fahl, blaß (Persien) — ejuncidus (THORELL).
— Augenhügel so lang wie hoch, selten nur wenig breiter, mit
2 Kämmen spitzer Zähnchen besetzt; Grundfarbe des Rückens
dunkler, oft schwarzbraun 6.
6. Augenhügel jederseits mit —7 Zähnchen bewehrt
(Mongolei) — scaber (KULCZ.).
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 37
— Augenhügel jederseits nur mit 3—4 Zähnchen, oder Tuberkeln
7
is
10.
13.
bewehrt i
Stirnmitte mit 8 größeren spitzen Zähnchen, ohne kleinere
Zähnchen dahinter oder dazwischen (beim @ nur 8 solcher
stumpfer Tuberkeln in derselben Anordnung wie die Dornen
beim $). 5 davon in einer Stirnrandreihe, 4 median dahinter
in ein Quadrat gestellt vor dem Augenhügel
(Italien) — coronatusn.sp.
Stirnmitte mit 5 größeren Zähnchen, kleinere jedoch daneben,
und in bestimmter Weise geordnet wie: 8.
Stirnmitte mit 5 größeren Zähnchen, deren medianer kleiner ist
als die seitlichen; dahinter (nach vorn offen) ein Halbkreis aus
kleineren Zähnchen (China) — serrulatus (KARSCH).
Stimmitte mit 5 größeren Zähnchen, deren 3 vordere die größten
sind und dormartig emporragen; dahinter (vor dem Augenhügel)
verstreute, kleinere Zähnchen 9.
Augenhügel mit nur 3 spitzen Zähnchen jederseits; Zähnchen-
gruppierung vor dem Augenhügel: 3 große vorderste, dahinter
2—4 kleinere Zähnchen (Mongolei) — tricolor (KULCZ.).
Augenhügel mit 4 spitzen Zähnchen jederseits; Zähnchen-
gruppierung vor dem Augenhügel: Stirnrandmitte mit 2 großen,
nach vorn gerichteten, davor noch 2 weitere kleine, dahinter
4 kleinere Zähnchen, dahinter wiederum 2 kleine Zähnchen: diese
letzteren 6 Zähnchen jedoch größer noch als die übrigen der vor
‚dem Augenhügel stehenden Gruppe
(China) — bidentatus (KULCZ.).
Der ganze Stirnrand des Cephalothorax zwischen den beiden
Lateralporen mit einer regelmäßigen Randreihe spitzer Dörnchen ;
dahinter in der Mediane durch eine glatte Furche getrennt zwei
parallele Reihen aus je 4 spitzen, kräftigen Dörnchen und vor der
Stirnrandreihe median wagerecht nach vorn 3 größere Dörnchen
vorgestreckt. (Taf. III, Fig. 2 u. 3)
(Turkestan) — armatusn. sp.
Bewehrung des Cephalothorax nicht in dieser Art IR
Rückenmitte des Abdomens stets ohne Spur einer blassen Median-
linie 12.
Rückenmitte des Abdomens mit blasser Medianlinie oder Flecken-
reihe 13.
. Femora der Beine in Längsreihen bezähnelt (oder beborstet —
pulli)
(Europa, N. Amerika) — form. typ. et var.: parietinus
HERBST.
Femora der Beine bezähnelt, aber nieht in Längsreihen, sondern
verstreut conspwutus (SIMON).
Jederseits an der oberen Vorderecke von Coxa IV eine mit einigen
Tuberkeln bestandene, wohl aber kleine Warze
(Turkestan) — Almasyin.sp.
Coxa IV an der oberen Vorderecke nicht so bewehrt 14.
38
14.
Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Abdomen dorsal mit Querreihen von Zähnchen; (& Femur I
deutlich gekrümmt); Beinglieder einfarbig blaßgelb ebenso die
Coxen der Beine (Caucasus) — lepidus (L. KOCH).
Abdomen dorsal hinten vollkommen glatt und unbewehrt;
(3 Femur I vollkommen gerade); Beinglieder braun geringelt;
Coxen der Beine blaßgelb, mit fein dunkelbraunem Medianstrich
(Caucasus) — Lederin.sp.
Die bisher bekannten — gut identifizierbaren — 10 Arten dieser
Gattung werden beschrieben als:
Opilio parietinus HERBST.
Phalangium opilio, LINNE 1764, Syst. Nat. ed. XII. p. 1027.
Phalangium parietinum, DEGEER 1778, M&m. VII p. 116, Taf. X. Fig. 35.
Phalangium Opilio, FABR. Ent. Syst. II p. 429. No. 3.
Phalangium Opilio, OLIVIER 1791, Ent. method. VI p. 459.
Opilio parietinus, HERBST 1798, Ungefl. Insekt. H. II. p. 12, Taf. I. fig. 1—2.
Opilio longipes, HERBST 1798, Ungefl. Insekt. H. II. p. 20, Taf. II. fig. 2 (1).
Phalangium parietinum, HERMANN 1804, Mem. apt. p. 98; Taf. VII u. IX.
Phalangium opilio, HAHN 1834, Arachniden, II. Bd. p. 67 Fig. 160.
Opilio saxatilis, C. L. KOCH 1839, Übers. Arachn. Syst. II. p. 21.
Opilio leucophaeus, C. L. KOCH 1839, Uebers. Arach. Syst. II. p. 32.
Opilio parietinus, C. L. KOCH 1848, Arachn. XVI. p. 12. Fig. 1513, 1514.
Opilio saxatilis, C. L. KOCH 1848, Arachn. XVI. p. 21. Fig. 1517, 1518.
Opilio leucophaeus, C. L. KOCH 1848, Arach. XVI. p. 25. Fig. 1520.
Phalangium parietinum, MEADE 1855, Ann. Mag. nat. Hist. p. 403. Taf. X.
Fig. 3.
Opilio saxatilis, L. KOCH 1861, Corresp. Blatt. z. m. Ver. Regensbg. XV.
No. 19. p. 138.
Opilio saxatilis, AUSSERER 1867, Verhandl. zool. bot. Wien XVII. p. 123.
Opilio parietinus, L. KOCH 1869, Zool. Mitt. Tirol., Innsbruck 1869 p. 13.
Opilio saxatilis, L. KOCH 1869, Zool. Mitt. Tirol., Innsbruck 1869. p. 13.
Phalangium cinereum, WOOD 1868, Commun. Essex Inst. VI. p. 25.
Opilio saxatilis, CANESTRINI 1872, Ann. Mus. civ. Genova 1. p. 40.
Opilio parietinus, CANESTRINI 1875, Attid. Soc. Ven.-trent. sc. nat. IV p. 8.
Phalangium Canestrinii, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova VII. p. 485.
Phalangium parietinum, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova VIII. p. 486.
Pualangium parietinum, SIMON 1879, Arachn. d. France VII p. 201.
Phalangium sawatile, SIMON 1879, Arachn. d. France VII. p. 203.
Phalangium Canestrini, SIMON 1879, Arachn. d. France VII. p. 205.
Phalangium segmentatum, SIMON 1879, Arachn. d. France VII. p. 206.
Phalangium Canestrinii, CANTONI 1882, Bull. Ent. Ital. XIV.
Phalangium sazxatile, CANTONI 1882, Bull. Ent. Ital. XIV.
Phalangium parietinum, H. J. HANSEN 1884, Arthrogast. Dan. Nat. hist.
Tidskr. 3."XIV. p. 505.
Phalangium cinereum, WEED 1887, Amer. Naturalist. XXI. p. 935.
Phalangium paritinum, ©. P. CAMBRIDGE 200 Proc. Dorset Nat. Hist.
Antiq. Field. Club XI. p. 179,
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 39
= Phalangium saxatile, OÖ. P. CAMBRIDGE 1890, Proc. Dorset Nat. Hist.
Antiq. Field Club. XI. p. 181.
= Phalangium cinereum, WEED 1890, Bull. Illinois. Lab. N. H. III. p. 9.
= Phalangium cinereum, WEED 1890, Amer. Naturalist. XXIV. p. 916.
= Phalangium cinereum, WEED 1891, Amer. Naturalist. XXVI. p. 32.
= Phalangium cinereum, WEED 1892, Trans. Amer. Ent. Soc. XIX. p. 269.
= Phalangium cinereum, WEED 1893, Proc. Nat. Mus. XVI. p. 560.
—= Phalangium Potanii, SIMON 1894—95, Bull. Ac. St. Petersburg. II. p. 344.
= Phalangium parietinum, CARPENTER 1895, Proc. Phys. Soc. Edinbg. p. 118.
= Phalangium saxatile, CARPENTER 1895, Proc. Phys. Soc. Edinbg. p. 118.
= Phalangium parietinum, BECKER 1896, Ann. Mus. Belg. p. 345.
= Phalangium saxatile, BECKER 1896, Ann. Mus. Belg. p. 351.
= Phalangium parietinum, KRAEPELIN 1896, Mitt. a. d. Nat. Hist. Mus.
Hamb. XIII. p. 225.
= Phalangium parietinum, STRAND 1900, Kgl. Norske Vid. Selskabs. Skft.
1900. No. 2.
= Phalangium cinereum, BANKS 1901, Amer. Natur. No. 416. p. 674.
= Phalangium saxatile, KULCZYNSKI 1903, Bull. Ac. Cracovie p. 57.
Schon SIMON 1879 (Arach. de France) gibt Opiliolongipes
HERBST als synonym mit Phal.parietinuman. — Opilio
leucophaeusC. L. KOCH ist ein nicht erwachsenes Exemlpar
von Opilio parietinus HERBST, wie aus der KOCH’schen
Diagnose hervorgeht und auch aus der Nachuntersuchung der
Type aus dem Wiener Hofmuseum. Auch die beiden Arten Pha-
langium Canestrinii THORELL und Phalangium
sesmentatum SIMON sind höchstens als Varietäten — aber
auch kaum als solche — zu erachten, denn die einzigen Unterschiede,
welche SIMON 1879 (Ar. d. France VII p. 195) in dem Schlüssel doch
als typisch unterscheidende anführt, sind nicht stichhaltig. Auch
konnte ich an der Type von Ph.segmentatum die mir SIMON
leihweise überließ, feststellen, daß ein vielleicht nicht erwachsenes
Exemplar von Opilio parietinus HERBST vorliegt. Von
Ph. Canestrinii gibt Thorell an, daß diese Art nur von
Ö.parietin us unterschieden sei durch dünnere und längere Palpen,
längere Beine, deren Tibien nicht bezähnelt sind. Von dieser Art
THORELL’s ist mithin dasselbe zu sagen, wie von Opiliosaxa-
tilisC. L. KOCH: Wie ich an den sehr zahlreichen alssaxatilis
aus den Museen Wien, Frankfurt a. M., Budapest, Hamburg, Paris
und London beschriebenen Exemplaren (ca. 200—300) festgestellt
habe, ist Opilio saxatilis C. L. KOCH nichts weiter als die
Jugendform von Opilio parietinus HERBST, welcher die
starke Bezähnelung (der Beine etc.) eben, noch fehlt, wie so oft bei
jungen Phalangiini. All diese O. saxatilis stimmten voll-
kommen überein mit den mit erwachsenen O0. parietinus zu-
sammen gefundenen jungen Tieren dieser Art. Auch habe ich nie
ausgebildete d. h. mit funktionsfähigen Geschlechtsorganen (Penis u.
Ovipositor) versehene, und als saxatile bestimmte Tiere gefunden.
40 Dr. C., Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Auch PhalangiumPotanii SIMON halte ich für synonym mit
Opilio parietinus HERBST, die höchstens als Varietät zu
gelten hat.
Phalangium cinereum WOOD steht zu Opilio
parietinus HERBST in demselben Verhältnis wie Pha-
langiumlongipes WEED zu Phalangiumcornutum
L. d.h. es ist Ph. ecinereum nichts als die unter neuem Namen
beschriebene Form Nord-Amerikas von Opilio parietinus
HERBST. BANKS hatte die Güte, mir8ExemplarePh.cinereum
. zu überlassen: Diese Tiere stimmen vollkommen mit den altweltlichen
OÖ. parietinus HERBST überein. Als Verbreitungsgebiet für
diese Art wäre also anzugeben:
Paläarktische und nearktische Region.
(Ich konnte etwa 500 Exemplare aller Gebiete untersuchen, darunter:
Mitteleuropa, Kleinasien, Sibirien, Turkestan, Mittelmeerländer, Nord-Amerika,
Island etc. etc.)
2. Opilioejuncidus (THORELL).
— Phalangium ejuncidum, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova VIII. p. 475.
Persien (Teheran) — 14 — DORIA leg. — THORELL deser.
Sehr zweifelhafte Art, welche ich leider nicht zu Gesicht bekommen habe.
Schon THORELL bemerkt: Von allen europäischen (also bis 1786 bekannten)
Arten dieser Gattung unterschieden durch den verdickten Metatarsus I und den
niedrigen, breiten Augenhügel; den Übergang bildend zum Genus Diabunus
THORELL.
3. Opiliolepidus (L. KOCH).
= Phalangium lepidum, L. KOCH 1878, Kaukasisch. Arach. p. 65.
Caucasien (genau Loc. von KOCH nicht angegeben, ebenso nicht
ob $ oder 2 vorliegt).
4. Opilioconsputus (SIMON).
= Phalangium consputum, SIMON 1894—95, Bull. Acad. St. Petersburg. I.
p. 343.
Mongolei (Dsassakta-Chan) — SIMON deser. — (d + 9).
5. Opilio scaber (KULCZ.).
= Phalangium scabrum, KULCZYNSKI 1901, Horvath’s Zool. Ergebn. II.
p- 353.
Mongolei (Urga) — 1& — CZIKI leg. 1898 — KULCZ YNSKI
deser. (Mus. Budapest) — (vidi type).
Sibirien (Telma) — 12 — CZIKI leg. 1898 — KUCZ. deser. —
(Mus. Budapest) — (vidi type).
6. Opiliotricolor (KULCZ.).
= Phalangium tricolor, KULCZYNSKI 1901, ebenda p. 355.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores, 41
Süd-Mongolei (Daba) — 1 $& — CZIKlleg. 1898 — (Mus. Budapest)
— (vidi type).
China (Peking) — 3 ($ u. 2) — O0. v. MÖLLENDORF leg. —
(Mus. Berlin) — (vidi).
7. Opilio bidentatus (KULCZ.).
= Phalangium bidentatum, KULCZYNSKI 1901, ebenda p. 357.
China (Khalgan) — 15 — CZIKI leg. 1898 — (Mus. Budapest).
— (vidi type).
China (Shanghai) — 15 — ? leg. — (vidi).
China (Peking) — 1$ — 0. v. MÖLLENDORF leg. — (Mus.
Berlin) — (vidi).
8. Opiliopallens (KULCZ.).
[Taf. III, Fig. 8.]
= Phalangium pallens, KULCZYNSKI 1901, ebenda p. 361).
Mongolei (Tuguruk) — 1 Q — CZIKI — leg. 1898 (Mus. Budapest)
— (vidi type).
KULCZYNSKI 1901 bemerkt, daß diese Art vielleicht nur das 2 zu
Phalangium robustum (= Egaenus robustus, siehe da!) ist. Ich möchte aber
dieses Tier nach Besicht der Type für eine eigene Art halten.
9. Opiliotrispinifrons ROEWER.
= Opilio trispinifrons, ROEWER 1911, Zool. Jahrbücher (Syst.).
Kiautschau (Tsingtau) — (43 + 19) — GLAUE leg. — (Mus.
Berlin) — (Type).
China (Peking) — 43 +4 2) — DAVID leg. — (Mus. Hamburg).
Der dürftigen Diagnose von KARSCH 1881 wegen füge ich nach
Besicht der Type aus dem Berliner Museum die vollständige Diagnose
für folgende Art hier hinzu:
10. Opilio serrulatus (KARSCH).
= Phalangium serrulatum, KARSCH 1881, Berlin. Ent. Zeitschr. Bd. 25. p. 220.
& Körper 8 mm lang; Beinfemur I 10, II 18, III 9, IV ? mm lang;
Bein I 42, II ?, III 47, IV ? mm lang.
@ Körper 10,5 mm lang; Beinfemur I 9, II 16, III 9, IV 12mm
lang; Bein I 36, II 72, III 41, IV 57 mm lang.
Sund Q—Cephalothoraxam Vorderrand mit fünf großen
Zähnchen bewehrt, deren mittlerer der kleinere ist; dahinter eine
gebogene Reihe aus Zähnchen gebildet, die nach vorn offen ist. Cephalo-
thorax seitlich und hinter dem Augenhügel bezähnelt. Jedes dorsale
Abdominalsegment mit 1 Querreihe spitzer Tuberkeln. Ventralseg-
mente, Genitalplatte und Coxen glatt.
Augenhügel halbkuglig, basal nicht verengt, jederseits oben
mit 4 kleinen, aber spitzen Zähnchen bewehrt.
42 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Supramandibularraum unbewehrt.
Mandibeln klein, normal gebaut und bei beiden Geschlechtern
gleich groß; beide Glieder vollkommen unbewehrt und nur spärlich
fein beborstet.
Palpen bei beiden Geschlechtern dünn und normal gebaut. Fe-
mur so lang wie Patella + Tibia; Patella ohne Apophyse, Tıbia 2!/, mal
so lang wie breit; Tarsus halb so dick und um die Hälfte länger als die
Tibia. Femur wenig gekrümmt, ventral mit weißen spitzen Zähnchen
regellos überstreut; Patella dorsal mit spitzen Zähnchen und 3 neben-
einander stehenden Enddörnchen; Tibia nur ventral mit verstreuten
Zähnchen; Tarsus mit ventraler, sehr dichter und winziger Zähnchen-
reihe; Tarsalklaue einfach.
Beine: Trochantere aller Paare seitlich stark bezähnelt;
Femora 5 kantig und jedes Kante mit einer Längsreihe spitzer Säge-
zähnchen. Patellen nur ventral spärlich bezähnelt, dorsal unbewehrt,
aber hier mit 2—3 winzigen Enddörnchen; Tibien 5 kantig, aber
unbewehrt. Metatarsen zylindrisch und wie die Tarsenglieder nur
bewehrt.
Färbung.des Körpers dorsal rotbraun mit schwach angedeuteter
dunkler Sattelzeichnung, ventral grauweiß. Beine rotbraun, Meta-
tarsen und Tarsenglieder einfarbig blaßgelb. Zähnchen des Körpers,
des Augenhügels und der Extremitäten (Palpen und Beinglieder)
weiß mit fein schwarzer Spitze. — Mandibeln blaßgelb; Glied I dorsal
Glied II frontal und apical schräg undeutlich braun bestrichelt. —
Palpen blaß gelblich; Femur dunkelbraun, seine Ventralbezähnelung
scharf weiß. Patella dorsal dunkelgebräunt, desgleichen basal die
Tibia; Tibiaspitze und Tarsus blaßgelb.
China (Peking) — (3 + 2) — KARSCH det. — (Mus. Berlin)
— (vidi type).
Neu sind folgende 5 Arten:
1l. Opiliospinulatusnov. spec.
(Taf. III, Fig. 9.)
g Körper 8—12 mm lang; 2 Körper 10—14 mm lang.
Körper: Cephalothorax vorn gerade und wenig hochgewölbt,
hier aber in der Mitte mit einer kleinen Gruppe starker Zähnchen
besetzt; im übrigen ist die Gegend dicht vor dem Augenhügel glatt.
Seitlich vom Augenhügel weist der Cephalothorax nur etliche sehr
spärliche und winzige Zähnchen auf, die auch den Seitenrändern des
Cephalothorax entlang folgen. Die 2 letzten Cephalothoraxsegmente
und jedes der deutlich erkennbaren Rückensegmente des Abdomens
mit einer deutlichen Querreihe stumpfer, winziger Zähnchen: in jeder
Reihe median ein spitzes größeres Zähnchen, sodaß über das Abdomen
(von Segment zu Segment) eine Medianreihe solcher (etwa 5) größerer
Zähnchen führt. Diese Zähnchenquerreihen sind bis auf den starken,
stets deutlichen Mediandorn beiden $ bisweilen kaum wahrnehmbar,
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores, 43
sodaß bei ihnen der Abdominalrücken (bis auf die Mediandornenreihe)
unbewehrt erscheint. — Bauchsegmente einschließlich der Genitalplatte
(vor dieser die Maxillarloben II in stumpfem Winkel!) und Coxen
(diese ohne Höckerrandreihen!) glatt glänzend, fein granuliert.
Augenhügel niedrig, um das Doppelte seiner Länge von der
Stirnmitte entfernt, so lang wie breit, doch nur halb so hoch, über jeder
der kleinen, schräg aufwärts gerichteten Augen eine Reihe winziger,
stumpfer Höckerchen.
Supramandibularraum unbewehrt.
Mandibeln (beim $ + 9) normal gebildet; Glied I ohne
Ventralsporn beide Glieder nur fein beborstet.
Palpen beim $ + 2 gleich entwickelt, kräftig und kurz.
Femur, Patella und Tibia dick; Tibia so lang wie die Patella und halb
so lang wie der Tarsus; Tarsus dünn. Beim & alle Glieder dorsal und
ventral dicht und grob rauh bezähnelt, außer dem dünnen Tarsus, der
nur ventral sehr dicht mit feinsten Tuberkeln übersät, dorsal aber nur
rauh behaart ist. — Beim 9 die Glieder wie beim & gebaut, aber viel
wenig bezähnelt: nur Femur und Tibia ventral sehr spärlich und Patella
dorsal spärlich stumpf behöckert, im übrigen sind die Glieder nur rauh
behaart. Tarsalklaue ($ + 9) einfach, nicht kammzähnig.
Beinealler 4 Paare beim $ und 9 kräftig und nicht sehr lang,
(keines auffällig verdickt); alle Glieder bis auf die Metatarsen und
Tarsenglieder 5 kantig und in 5 unregelmäßigen Längsreihen äußerst
fein bezähnelt (bei den $ Femur I außerdem zwischen diesen Längs-
reihen noch tuberkuliert). Alle Glieder mit 2—4 dorsalen Enddornen.
Metatarsen viel dünner als die Tibien.
Färbung des Körpers lederbraun, Zähnchen des Cephalothorax
und Abdomens auch seine Mediandornen weißgelb mit feiner schwarzer
Spitze. Augenhügel bis auf die Augen blaßgelb. Abdomen von der
Grundfarbe mit blasserem, schwach angedeuteten Sattel, der vorn
eingeschnürt und hier dunkler begrenzt ist. Abwechselnd mit den
weißgelben Zähnchenquerreihen jedes Segment mit feinsten kreisrunden
schwarzen Pünktchen überstreut, die den Seiten zu besonders deutlich
sind. Bauch hell lederbraun, einschließlich der Coxen, doch diese
seitlich in den Fugen gebräunt. Grenzen der Bauchsegmente durch
@Querreihen undeutlicher dunkelbrauner Grübchen kenntlich; außerdem
sind die Bauchsegmente mit weißen Pünktchen spärlich und ganz
unregelmäßig überstreut. Mandibein und Palpen rotbraun bis dunkel-
braun, einfarbig, nicht gefleckt. Beine: Femora hellbraun mit undeut-
lichen dunklen Längslinien; die Enden der Femora, die ganzen Patellen
und die Enden der Tibien ringelartig breit dunkel gebräunt. Patellen
und Tibien auch mit feinen dunklen Längslinien. Metatarsen und
Tarsen blaßgelb einfarbig.
. ‚China (Shensi meridion.) — 12 — A. DAVID leg. 1873 — (Mus.
aris).
China (Tsu-shin) —5($ + 9) — MERY (?) leg. 1891 — (Brit.
Mus. London).
44 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
China (Isur-Island) — 1$ — HOLST leg. 1901 — (Brit. Mus.
London).
Japan — (13$ +19) — ? leg. — (Hoimus. Wien).
12. Opilvo Almasyinov. spec.
& Körper 7,5—8 mm lang; Beinfemur I 10, II 18, III 10, IV
11,5 mm lang; Bein I 41, 11 78, III 41, IV 56 mm lang.
© Körper 10 mm lang; Beinfemur I 8, II 15, III 8, IV 11mm
lang; Bein I 37, II 60, III 37, IV 52 mm lang.
& — Körper weich und lederartig, hinten zugespitzt. Stirngegend
mit je einer unregelmäßigen Gruppe stumpfer Tuberkeln jederseits
einer glatten Medianfurche vom Augenhügel zur Stirnrandmitte.
Cephalothorax am Seitenrand und neben dem Augenhügel mit einigen
wenigen Tuberkeln bestreut. Die 2 letzten Cephalothoraxsegmente
wie jedes der dorsalen Abdominalsegmente mit je einer deutlichen
Querreihe sehr spitzer kleiner Zähnchen. Ventralsegmente und Genital-
platte glatt, Coxen desgleichen, doch Coxa IV an der oberen Vorder-
ecke mit einem abgesetzten, mit winzigen Tuberkeln besetzten Wärzchen.
Augenhügelso lang wie breit wie hoch, basal wenig verengt,
deutlich längsgefurcht, jederseits der Furche mit einem Kamm aus
6—7 winzigen Zähnchen besetzt.
Supramandibularraum unbewehrt und glatt.
Mandibeln normal gebaut und klein; Glied I dorsal rauh
beborstet, nicht bezähnelt und ohne Ventraldorn. Glied II glatt und
unbewehrt.
Palpen kurz, robust und ohne Apophyse. Femur so lang wie
Patella + Tibia, so lang wie der Tarsus. Femur ventral dicht stumpf
behöckert, doch trägt jedes Höckerchen eine feine Spitzenborste.
Patella dorsal bezähnelt. Tibia ventral mit Zähnchen bestreut, sonst
unbewehrt. Tarsus behaart und mit dichter ventraler Körnchenreihe;
Tarsalklaue einfach.
Beinelang und dünn; alle 4 Paare von gleicher Stärke. Femora
zylindrisch und in 5 wenig regelmäßigen Längsreihen fein bezähnelt;
diese Reihen sind an Femur I mehr oder weniger doppelt. Patellen I
—IV 5 kantig und mit 5 Zähnchenlängsreihen und stärkeren dorsalen
Endzähnchen. Tibien I—IV zylindrisch und fein bezähnelt.
Färbung des Körpers gelbbraun. Cephalothorax blaß mit
eingedruckten, schrägen dunkelbraunen Stricheln. Hinter dem blaß-
gelben Augenhügel beginnt ein außenseitig sehr, unscharf begrenzter,
dunkelbrauner Rückensattel, der quer nur von den blaßgelben Zähnchen
querreihen unterbrochen wird und sich analwärts verbreitert und den
hinteren Teil des Abdominalrückens dunkelbraun färbt. Dieser Sattel
ist von einer schmalen, blaßgelben Medianlinie vom hinteren Augen-
hügel bis zur Analplatte durchzogen. Diese schmale Medianlinie ist
auf Abdominalsegment II jederseits seitlich dreieckig blaßgelb quer
ausgezogen, ebenso auf Segment III und VI des Abdomens. Ventral-
segmente und Coxen einfarbig blaßgelb. Mandibeln rostgelb, desgleichen
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 45
einfarbig die Palpen. Beine einfarbig rostgelb, nur Patellen und Femur-
spitzen dunkler gebräunt.
Q — Abdomen mehr gewölbt und dicker als beim 3, daher größer
als dieses. Palpentarsus unbewehrt. Zähnchenbewehrung des Ab-
domens des @ stumpfer und kleiner als beim 3; Zeichnung des
Rückens blasser, daher kontrastreicher und die Seiten des Abdomens
gsrauweiß und dunkelbraun gesprenkelt.
Turkestan (Tekkes und Ala-Buga) — 4 ($ + 9) — ALMASY leg.
1907 — (Mus. Budapest).
15. Opilio Lederinov. spec.
Körper 7,5 mm lang; Beinfemur I 4,5, 11 7,5, III 4,5, I’ 5mm
lang; Bein I 20, II 32, III 20, IV 26 mm lang.
Sö Körper weich lederartig. Cephalothorax auf der Stirngegend
vor dem Augenhügel reichlich und dicht mit winzigen Körnchen
besät, welche nur eine glatte Medianfurche von der vorderen Augen-
hügelbasis bis zur Stirnrandmitte freilassen. Seitenränder und Fläche
neben den Augenhügel mit emigen Zähnchen bewehrt. Die 2 letzten
Cephalothoraxsegmente hinter dem Augenhügel und die ersten Ab-
dominalsegmente mit wenig regelmäßigen @Querreihen stumpfer,
winziger Tuberkeln; im übrigen der hintere Teil des Abdominalrückens
fast glatt und unbewehrt. Ventralsegmente, Genitalplatte und Coxen
glatt und unbewehrt.
Augenhügel sehr niedrig, basal nicht verengt, nicht gefurcht
und jederseits nur mit einigen winzigen Tuberkeln besetzt.
Supramandibularraum unbewehrt und glatt.
Mandibeln normal gebaut und klein; Glied dorsal glatt und
ohne Ventraldorn; Glied II unbewehrt.
Palpen kurz und kräftig; Femur so lang wie Patella -+- Tibia,
so.lang wie der Tarsus. Alle Glieder nur behaart, nicht bezähnelt.
Patella einfach und ohne Apophyse. Tarsalklaue einfach.
Beine kurz und robust. Bein I so dick wie III, diese beiden
etwas kräftiger als die übrigen, II am längsten und dünnsten. Alle
Femora scharf 5 kantig und jede Kante mit regelmäßigen Längsreihen
scharfer Zähnchen bewehrt, desgleichen die Patellen I—IV, welche
außerdem 3—4 dorsale größere Endzähnchen aufweisen. Tibien I—IV
scharf 5 kantig, unbewehrt und nur die Längskanten fein dicht anliegend
behaart. Metatarsen zylindrisch und unbewehrt.
Färbung des Körpers hell rostgelb. Cephalothorax besonders
um die Lateralporen herum gebräunt und mit einigen vertieften,
schwarzbraunen Eindrücken schräg neben dem Augenhügel. Stim- -
mitte mit 2 feinen braunen parallelen Medianstricheln. Abdomen
dorsal mit einer (einen schwachen, undeutlichen Sattel bildenden)
dunkelbraunen Doppelileckenreihe: auf jedem Segment ein Paar
nebeneinander liegende Flecken, getrennt durch eine unscharf begrenzte,
blaßgelbe Medianstreifung. Ventralsegmente, Genitalplatte einfarbig
blaßgelb wie auch die Mandibeln und Palpen. Coxen blaßgelb, doch
46 Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
jede mit einem fein schwarzbraunen Längsstrich. Beinglieder blaßgelb,
jeder Femur mit je einem dunkelbraunen Mittel- und einem solchen
Spitzenringfleck. Patellen bräunlich, Tibien mit je einem basalen und
einem apikalen dunkelbraunen Ringfleck. Metatarsen und Tarsen
einfarbig blaßgelb.
Caucasus (Kussari) — 19 — LEDER leg. — (Hofmus. Wien).
14. Opilioarmatusnov. spec.
(Taf. I, Fig. 7; Taf. III, Fig. 2 und Fig. 3.)
Körper 9 mm lang; Beinfemur I 2,5, Il 4, III 2,5, IV 3 mm lang;
Bein I 11, II 15, III 11, IV 13 mm lang.
gd — Körper oval, schwach gewölbt. Cephalothorax (Taf. III,
Fig. 2 u. 3) halbkreisförmig, sein Vorderrand mit einer regelmäßigen
Kammreihe starker, abstehender schlanker Zähnchen, frontal in der
Stirnmitte (unterhalb dieser Randreihe) 3 wagerecht vorgestreckte
Dörnchen, deren medianer der größte ist. Von der Stirnrand bis zur
vorderen Augenhügelbasis jederseits einer glatten Medianfurche eine
regelmäßige Längsreihe aus 3—4 spitzen Zähnchen. Seitenränder des
Cephalothorax an den Ecken (zwischen den Coxenausbuchtungen)
mit Gruppen aus 3—5 starken Zähnchen. Jederseits neben dem Augen-
hügel einige winzige Zähnchen verstreut und die 2 letzten Cephalo-
thoraxsegmente (hinter dem Augenhügel) wie auch jedes der dorsalen
Abdominalsegmente mit je einer regelmäßigen Querreihe kleiner
Zähnchen. Ventralsegmente ganz glatt glänzend, Genitalplatte vorn
wenig rauh behöckert. Coxen gleichmäßig stark rauh behöckert und
ihr Rand unterhalb der seitlich stark bezähnelten Trochantere mit
stärkeren schlanken Zähnchen besetzt.
Augenhügel niedrig, so lang wie breit, doch nur halb so
hoch; basal nicht verengt, nicht gefurcht; vorn und hinten jederseits
mit je einem Paar kleinster Zähnchen bewehrt, welche im Quadrat
stehen.
Supramandibularraum völlig glatt und unbewehrt.
Mandibeln normal gebaut und klein; Glied I dorsal voll-
ständig glatt und ohne Ventraldorn; Glied II vollkommen glatt
glänzend.
Palpen kurz und stark bewehrt. Trochanter halb so lang wie
der Femur und ventral mit 4 senkrecht abstehenden Zähnchen bewehrt.
Femur so lang wie Patella + Tibia, ventral mit langen Zähnchen
stark bewehrt, dorsal nur mit der Spitze zu größer werdenden Zähnchen
besetzt. Patella stark gebogen, ohne Apophyse, dorsal stark ab-
stehend bezähnelt. Tibia so lang wie die Patella und allerseits kräftig
abstehend bezähnelt. Die Zähnchen des Femurs, der Patella und Tibia
erreichen an Länge den Durchmesser des Gliedes. Tarsus unbewehrt,
behaart (beim & mit ventraler Körnchenreihe). Tarsalklaue einfach
(Taf. I, Fig. 7).
Beine sehr kurz und kräftig. Bein I und III am kräftigsten
doch I nicht keulig verdickt. Femur I und III mit 5 Längsreihen
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 47
kräftiger, an Länge fast den Durchmesser des Gliedes erreichender
Sägezähne. Patella I—Ill mit größeren dorsalen Enddörnchen. Tibien I
und III dorsal fast unbewehrt, ventral mit einer kräftigen Reihe
schlank abstehender Zähne. Metatarsen und Tarsenglieder von Bein
I—IV unbewehrt und nur fein behaart. — Bein Il: Femur zylindrisch
und bis auf eine scharfe Längsreihe schräg abstehender schlanker
Dorsaldornen nur wenig tuberkuliert, ventral fast glatt. Tibia II
fast unbewehrt, nur ventral mit einigen wenigen stumpfen Tuberkeln.
— Bein IV: Femur, Patella und Tibia mit je 5 scharfen Längsreihen
sehr kräftiger, schräg abstehender Zähnchen.
Färbung graugelb bis lederfarben braungelb. Cephalothorax
dunkelbraun gesprenkelt. Abdomen seitlich blasser, hier fein schwarz
punktiert. Abdominalrücken mit undeutlichen, dunkelbraunen Flecken,
je 2 nebeneinander, den Segmenten entsprechend, jedenfalls keine
deutliche Sattelzeichnung bildend. Bauch grau, fein undeutlich weiß
punktiert. Auf den rauhen Coxen sind die stumpfen Höckerchen weißlich
Mandibeln und Palpen rostfarben. Beine rostfarben gelbbraun, mehr
oder weniger fein dunkelbraun punktiert und gestreift: Femora, Patellen
und Tibien mit dunkelbraunem Endringfleck. Zähnchen blaßgelb,
mit fein schwarzer Spitze. Metatarsen und Tarsen blaßgelb.
Turkestan (genaue Loc. ?) — 2 3 — CHAFFANJON leg.
15. Opiliocoronatus nov. spec.
& — Körper 6 mm lang; Beinfemur I 5, II 10, III 5, IV’ 8mm
lang; Bein I, 21,5 II 42,5, Ill 21, IV 32 mm lang.
5 Körper weich lederartig, fein granuliert. Cephalothorax
an der Stirnmitte vor dem Augenhügel mit einer Gruppe aus 8 großen,
schräg aufwärts gerichteter schlanker Domen: Stimmrandmitte mit
3 größten, dahinter wieder 2 wenig kleinere, dahinter 1 medianer
großer Zahn; neben den vorderen 3 jederseits außerdem je 1 kleinerer
Tuberkel. Neben dem Augenhügel einige winzige Zähnchen verstreut;
Seitenränder des Cephalothorax an den Ecken der Coxenausbuchtungen
jedesmal mit 2—3 schlanken Dörnchen bewehrt. Die 2 letzten
Cephalothoraxsegmente so wie jedes der dorsalen Abdominal-
segmente mit je einer regelmäßigen Querreihe spitzer Zähnchen.
Ventralsegmente und Genitalplatte nebst Coxen II—IV nur fein
spärlich beborstet; Coxen I—IV vorn und hinten an den oberen Ecken
mit je einem spitzen, schlanken Dorn; Coxa I auf der Fläche dicht mit
stumpfen, aber eine feine Spitzenborste tragenden Höckerchen bestreut.
Augenhügel so lang wie breit wie hoch, längsgefurcht und
oben jederseits mit 4 spitzen, divergierenden schlanken Zähnchen.
Supramandibularraum völlig glatt und unbewehrt.
Mandibeln klein, normal gebaut; Glied I dorsal mit 3—4
winzigen Tuberkeln und ohne Ventraldorn; Glied II unbewehrt,
nur frontal fein kurz behaart.
Palpen dünn; Femur etwas gekrümmt und so lang wie Patella
+ Tibia, so lang wie der Tarsus. Alle Glieder verstreut und spärlich
48 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
kurz beborstet. Femur dorsal unbewehrt, ventral außen mit einer
unregelmäßigen Reihe stumpfer, kräftiger Höckerchen, von denen
jeder eine feine Spitzenborste trägt. Patella und Tibia ohne Apophysen
und nur behaart; Tarsus behaart und ventral-innen mit einem
schmalen Längsstreif dicht stehender winziger Körnchen. Tarsal-
klaue einfach.
Beine lang und dünn; Trochantere seitlich vorn und hinten
mit 2—3 langen, fast den Durchmesser des Gliedes erreichenden
Dörnehen oder Stacheln. Femora und Tibien schwach kantig, bei
ersteren mit spärlichen Längsreihen feinster Zähnchen, bei letzteren
die Kanten mit feinen Börstchen besetzt. Patellen 5 kantig und dorsal
mit 3 langen, spitzen Enddornen.
Färbung des Körpers rostfarben braun. Cephalothorax schräg
seitlich vom blaßgelben Augenhügel mit einigen dunkelbraunen, ein-
gedrückten Sprenkeln und Stricheln. Cephalothoraxsegmente hinter
dem Augenhügel und dorsale Abdominalsegmente dunkel gebräunt,
Furchen heller, doch keine scharfe Sattelzeichnung aufweisend.
Seiten des Abdomens verschwommen blasser rostfarben. Alle Zähnchen
und Dörnchen des Körpers gelbweiß mit fein schwarzer Spitze. Ventral-
segmente und Coxen blaßgelb, einfarbig, die feinen verstreuten Borsten-
haare schwarz. Mandibeln blaßgelb. Palpen in der Grundfarbe des-
gleichen, doch Femurspitze und Patella und Tibia dorsal dunkel-
braun angelaufen. Beine einfarbig gebräunt, die Dornen der Patellen
weißgelb mit schwarzer Spitze.
Italien (Portofino) — 1& — THOMAS leg.
Als spec. spur. des Genus Opilio sind folgende Arten zu betrachten:
a) Phalangium minutum, MEADE 1853 in: Ann. Mag. Nat. Hist. (3) vol. VII
und CAMBRIDGE 1890 in: Brit. Phal. Proc. Dorset. Nat. Hist. and Antiqu.
F. Club. Vol. XT. p. 182. — Beide Autoren haben diese Art nicht erwachsen
gesehen, sie ist als spec. pull. zu bezeichnen und einzuziehen. (Fundort unbekannt!)
b) Phalangium semiechinatum, SIMON 1885, Explor. se. d. Tunis Vol. 8.
p. (1—-59) konnte ich in dieser Arbeit nicht berücksichtigen, weil mir weder die
Literatur noch die Type zugänglich war. (SIMON beschreibt die Art vom Fundort:
Djebl Recas).
c) Opilio canariensis, ©. KOCH (Berichte der Senckbg. Naturforsch. Gesell-
schaft 1872) — (gefunden von GRENACHER I. Reise — Aquamansa auf Tene-
riffa) ist mir als Type aus dem Senckenberg-Museum in Frankfurt a. M. zugeschickt
worden. Wie die Untersuchung der Type ergab, gehören diese Tiere sicher zum
Genus Opilio, können aber, da einerseits mit der Beschreibung ©. KOCH’s
nichts anzufangen ist und andererseits die Exemplare gänzlich mazeriert, ohne
Beine und Gliedmaßen sind, nicht zur Diagnosen-Fixierung dienen und muß
dieser Name daher als Spec. spur. geführt werden.
PAROPILIO NOV. GEN.
= Opilio, C. L. KOCH (ad. part) und Phalangium, L. KOCH (ad part).
= Phalangium, NOSEK 1905, Ann. Wien Hofmus. XX. p. 150.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 49
Körper weich und lederartig. Cephalothorax vom Abdomen
durch deutliche Querfurchen getrennt; Dorsal- wie Ventralsegmente
des Abdomens deutlich kenntlich. Stirnmitte des Cephalothorax
stets mit einer Gruppe von Zähnchen oder Tuberkeln bewehrt.
Coxen der Beine ohne Randhöckerreihen. Maxillarloben II in einem
stumpfen Winkel vor dem Vorderrand der Genitalplatte liegend.
Augenhügel stets jederseits der Furche mit Zähnchen oder
Tuberkeln bewehrt und von der Stirnrandmitte stets durch eimen
Raum getrennt, der größer ist als sein Längsmesser.
Supramandibularraum mit 2 medianen Dörnchen
bewehrt.
Mandibelnklein und bei beiden Geschlechtern normal gebaut;
Glied I ohne Ventraldorn.
Palpen klein und bei beiden Geschlechtern normal gebaut;
Patella und Tibia ohne jede Innenapophyse. Tarsalklaue einfach.
Beine dünn und relativ lang, bei beiden Geschlechtern alle
4 Paare gleichmäßig entwickelt (basale Glieder von Bein Inicht
keulig verdickt).
[Type: Paropilio abstrusus (L. KOCH). ]
Tabelle der Arten:
1. Abdominalsattel fehlt, keine Spur von ihm vorhanden
(Canarische Inseln) — levobuniformis (C. KOCH).
— Abdominalsattel scharf gezeichnet, wenigstens auf den vorderen
Abdominalsegmenten
2. Vorranderand des Cephalothorax mit mehreren großen spitzen
und schlanken Dornen von 3—4 mal so großer Länge als basalem
Durchmesser bewehrt (Taf. III, Fig. 6 u. 7); Trochantere der Beine
hinten mit starken schlanken Dormen bewehrt
(Sieilien, Tunis, Balearen) — abstrusum (L. KOCH).
— Zwischen Stirnrand und Augenhügel nur mit einer Gruppe kleiner
und niedriger Tuberkeln bestreut; Trochantere der Beine nicht
auffallend lang bedomt (Kleinasien) — Strandi (NOSEK).
Bisher sind folgende 3 Arten dieser Gattung beschrieben worden:
l. Paropilio Strandi NOSEK.
= Phalangium Strandi, NOSEK 1905, Ann. Wien. Hofmus. XX. 150.
Kleinasien (Nigde) —2 (38 + 2) — PENTHER leg. — NOSEK
deser. — (Hofmus. Wien) — (vidi type).
2. Paropilioabstrusus L. KOCH.
(Taf. III, Fig. 6 u. 7.) .
= Phalangium abstrusum, L. KOCH 1881, Verh. z. b. Ver. Wien XXXI p. 669.
Balearen (Menorca u. Mallorca) — L. KOCH deser.
Sieilien — 2 (3 + 2) — aus dem Hofmus. Wien (vidi) waren
Archiv für Naturgeschichte
1911. 1. 2.Suppl. 4
50 Dr. C, Fr, Roewer: Übersicht der Genera
als Phalangium abruptum KOLLAR bestimmt, sind aber ohne jeden
ZweifelP.abstrusus_L. KOCH; mir ist außerdem aus der Literatur
kein Phal. abruptum KÖOLLAR bekannt geworden.
3. Paropilio leiviobuniformis C. KOCH.
Diese Art beschrieb C. KOCH 1872 (m: Bericht d. Senckbg.
Naturf. Gesellschaft) recht ungenügend; ich erhielt aber aus dem
Senekb. Mus. zu Frankfurt a. M. 2 Exemplare (Typen!) welche als
Opilioleiobuniformis Ü. KOCH bezeichnet waren und als
Geschenk von FRITSCH u. REIN 1872 von den Canarischen Inseln
stammen. Ich lasse daher die Diagnose dieser Art folgen, welche nach
den oben bezeichneten Typen aufgestellt ist: Se
Körper 5mm lang; Beinfemur IV 11, Bein IV 49 mm lang
(die übrigen Beine sind mehr oder weniger verstümmelt).
Körper flach, wenig gewölbt. Stirngegend des Cephalothorax
wie seine Seitenränder mit Zähnchen bestreut; die 2 letzten Cephalo-
thoraxsegmente (hinter dem Augenhügel) wie jedes der dorsalen
Abdominalsegmente mit je einer Querreihe winziger, spitzer Zähnchen
bewehrt. Ventralsegmente und Genitalplatte unbewehrt, Coxen
desgleichen.
Augenhügel so lang wie breit wie hoch, basal verengt,
gefurcht und jederseits mit 4—5 spitzen Zähnchen bewehrt; so weit
wie sein Längsmesser vom Stirnrand entfernt.
Supramandibularraum mit 2 medianen Dörnchen
bewehrt.
Mandibeln klein und normal gebaut; Glied I dorsal mit
etwa 3—4 Zähnchen und ohne Ventraldorn; Glied II völlig unbewehrt.
Palpen nicht sehr lang und dünn; Femur so lang wie Patella
+ Tibia, so lang wie der Tarsus. Femur dorsal und ventral spärlich
verstreut bezähnelt; Patella einfach und ohne Apophyse und spärlich
verstreut bezähnelt; Tibia fast glatt; Tarsus behaart und mit winzigen
Körnchen besetzt. Tarsalklaue einfach.
Bein elangund dünn, alle 4 Paare normal entwickelt. Trochanter
seitlich wenig bezähnelt. Femora dünn zylindrisch, fein bezähnelt in
spärlichen Längsreihen. Patellen und Tibien schwach kantig. Meta-
tarsen dünn und zylindrisch. Patellen, Tibien, und Metatarsen
unbewehrt.
Färbung blaßgelb. Cephalothorax mit einigen dunkelbraunen,
eingedruckten Stricheln am Seitenrand entlang und neben dem blaß-
gelben Augenhügel. Abdominalrücken ohne Sattelzeichnung, gleich-
mäßig fein bräunlich und grauweiß marmoriert. Bauchseite einfarbig
blaß gelbweiß, Coxen desgleichen, doch jede Coxa vorn und hinten
oben mit einem dunkelbraunen Flecken. Trochantere der Beine gelb-
weiß. Beine blaßgelb: Femora kurz vor der Spitze mit einem, Tibien
mit einem mittleren und kurz vor der Spitze einem dunkelbraunen
Ringfleck; Patellen basal weißgelb, apical dunkelbraun. Metatarsen
und Tarsenglieder weißgelb, doch schmal, aber sehr deutlich dunkel-
braun geringelt.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 51
Canarische Inseln — 2 $ — FRITSCH u. REIN ded. — C. KOCH
determ. — (Mus. Frankfurt a. M.) — (vidi type).
DASYLOBUS SIMON.
= Dasylobus, SIMON 1879, Arachn. d. France VII. p. 209 (ad part).
Körper weich und lederartig; Cephalothorax vom Abdomen
durch deutliche Querfurchen getrennt; Dorsal- wie Ventralsegmente
des Abdomens deutlich kenntlich. Stirngegend des Cephalothorax
entweder tuberkuliert, bezähnelt oder auch mehr oder minder unbe-
wehrt. Coxen der Beine ohne regelmäßige Randhöckerreihen.
Maxillarloben II in einem stumpfen Winkel vor dem Vorderrand der
Genitalplatte.
Augenhügel klein, niemals breiter als lang, stets jederseits
der Furche bezähnelt oder stumpf behöckert und von der Stirnrand-
mitte stets durch einen Raum getrennt, der so groß oder größer ist
als sein Längsmesser.
Supramandibularraum völlig unbewehrt und glatt.
Mandibelnklein und bei beiden Geschlechtern normal gebaut;
Glied I ohne Ventraldorn.
Palpen klein, bei beiden Geschlechtern gleich entwickelt;
Patella und oft auch Tibia mit je einer kleinen Innenapophyse versehen,
die dann bürstig behaart ist; Tarsalklaue einfach.
Beine lang und kräftig; alle 4 Paare bei beiden Geschlechtern
gleich entwickelt, Bein I nicht keulig verdickt.
[Type: Dasylobus argentatus (CANESTRINI]).]
Tabelle der Arten:
1. Mandibeln, Glied I dorsal bezähnelt 2.
— Mandibeln, Glied I dorsal unbewehrt
(Alpen) — nivicola SIMON.
2. Palpenfemur dorsal unbewehrt und glatt
(Italien, Corsika) — argentatus 2 CANESTRINI.
— Palpenfemur dorsal bezähnelt 3.
3. Abdomen dorsal unbewehrt und glatt; Palpentibia unbewehrt
(Italien, Corsika) — argentatus $ CANESTRINI.
— Abdomen dorsal ungeordnet bezähnelt; Palpentibia ventral
tuberkuliert (Madeira) — spinipalpisn.sp.
Die bisher bekannten 2 Arten dieses derart eingeschränkten Genus
werden beschrieben:
l. Dasylobusargentatus (CANESTRINI).
= Opilio argentatus, CANESTRINI 1872, Ann. Soc. nat. Modena VI. p. 4.
= ÖOpilio argentatus, CANESTRINI 1872, Ann. Mus. civ. Genova. II. p. 43.
= Opilio argentatus, CANESTRINI 1875, Atti Soc. Venet. Trent. d. Sc. nat.
Padova. vol. IV. p. 9.
4*
52 Dr. C, Fr, Roewer: Übersicht der Genera
— Dasylobus argentatus, SIMON 1879, Arachn. d. France. VII. p. 210.
Italien, Sardinien, Corsika — (S + 2).
2. Dasylobus nivicola SIMON.
— Dasylobus nivicola, SIMON 1879, Arach. de France. VII. $. 216.
Alpen (Hochgebirge) — ($ + 2) — SIMON deser.
Über sonst beschriebene Dasylobus-Arten siehe die Genera Metadasy-
lobus und Eudasylobusn.g. n.g. Ferner ist zu bemerken: Dasy-
lobus egaenoides SIMON 1885 siehe unter Zacheus.
Neu ist nur folgende Art:
3. Dasylobusspinipalpisnov. spec.
Körper 3 3,5; 2 4 mm lang; Beinfemur I 3, II 5, III 3, I
4 mm lang; Bem I 11, II 21, III 11, IV 17 mm lang.
Körper dorsal dicht granuliert; Cephalothorax vorn aus-
gebuchtet, seitlich gerundet. Stirnmitte vor dem Augenhügel mit
einigen wenigen Zähnchen; neben dem Augenhügel und an den Seiten-
rändern entlang einige spitze Zähnchen verstreut. Die 2 letzten
Cephalothoraxsegmente (hinter dem Augenhügel) mit je einer deutlichen
Querreihe. Abdomen dorsal reichlich mit Zähnchen und Tuberkeln
regellos überstreut. Ventralsegmente mit je einer Querreihe weit-
stehender, stumpfer und winziger Höckerchen. Genitalplatte und
Coxen glatt und unbewehrt.
Augenhügel so weit wie sein Längsmesser vom Stirnrande
entfernt, sehr niedrig, doppelt so lang und breit wie hoch, jederseits
der schwachen Furche mit eimer Reihe aus etwa 6 Zähnchen.
Supramandibularraum völlig unbewehrt.
Mandibeln klein, aber kräftig; Glied I ohne Ventraldorn,
doch dorsal mit 3—4 verstreuten spitzen Zähnchen; Glied II fast glatt,
oben frontal einige spitze Zähnchen.
Palpen kräftig; Trochanter nur ventral bezähnelt; Femur
mit deutlich bürstiger, vorgewölbter Innenecke, dorsal stark bezähnelt
(Zähnchen der Spitze zu geneigt), ventral dicht senkrecht abstehend
zerstreut bezähnelt. Patella deutlich mit bürstiger Apophyse, ventral
unbewehrt, dorsal spärlich bezähnelt. Tibia nur 2 mal so lang wie
breit und mit kleiner bürstiger Apophyse, dorsal glatt und ventral
dicht mit winzigen Zähnchen besetzt. Tarsus gerade und ventral
dieht mit winzigen Körnchen überstreut. Tarsalklaue einfach.
Beine kurz und kräftig; Trochantere seitlich dicht mit end-
borstigen Zähnchen besetzt. Femora zylindrisch, nieht kantig, mit
je 5 Längsreihen kräftiger, endborstiger Zähnchen; Patellen desgleichen
und mit kräftigen dorsalen Endkörnchen; Tibien und Metatarsen
zylindrisch, nicht kantig und nur beborstet.
, Färbung des Körpers rostfarben gelbbraun. Cephalothorax
mit 2 medianen, parallelen, dunkelbraunen Stricheln in der Stirm- ,
mitte, welche den Augenhügel aber nicht erreichen. Ränder des
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 53
Cephalothorax (besonders die Vorderecken um die Lateralporen herum)
schwärzlichbraun; seitlich vom Augenhügel einige vertiefte verstreute,
dunkelbraune Fleckchen, hinter ihm ein feiner dunkelbrauner Quer-
strich. Abdomen dorsal nur auf Segment I und II seitlich der Mediane
mit je 2 verwischten dunkelbraunen (außen fein weißlich gesäumten)
Fleckchen: auf Segment I größer und deutlicher als auf Segment II.
Abdomen dorsal sonst nur blaß braun verwischt gesprenkelt; die
Zähnchen weiß mit fein schwarzer Spitze. Bauch rostfarben, wenig
blasser als der Rücken; die Tuberkeln der Segmente weißlich. Coxen
braun, schwach und verwischt blaß gesprenkelt. — Mandibeln, Glied I
rostbraun, dorsal mit kleinem dunkelbraunen Längsfleck; Glied II
glänzend dunkelbraun bis schwärzlich, nur über den schwarzen Klauen
wenig blasser. — Palpen rostfarben gelbbraun; Femur mit dorsalem
dunkelbraunen Spitzenfleck und großen ventralen, dunkelbraunen
Längsfleck; Patella dorsal gebräunt; Tibia dorsal wenig gebräunt,
aber ventral deutlich schwärzlich längsgefleckt; Tarsus blaß, doch
dorsal mit einem dunkelbraunen, verwischten Fleck. — Beine dunkel
gebräunt, alle Zähnchen weiß mit fein schwarzer Spitze. Femora mit
weißlichem Mittelring; Patellen ganz braun, dorsal weißlich gesprenkelt;
Tibien dunkel gebräunt, mit. weißlichem Mittelring. Metatarsen und
Tarsen blaßgelb, erstere mit mehreren bräunlichen Ringen.
Madeira — ($ +2) — WATSON leg. — (Type!)
EUDASYLOBUS NOV. GEN.
— Dasylobus, SIMON 1879, Arachn. de France. VII. p. 209 ete.
(ad part.).
— Phalangium (ad part.) Thorell 1876 und = Opilio (ad part.)
L. Koch 1867.
Körper weich und lederartig; Cephalothorax vom Abdomen
durch deutliche Querfurchen getrennt; Gegend zwischen Augenhügel
und Stirnmitte des Cephalothorax mit einer Gruppe von Zähnchen,
Tuberkeln oder Börstchen, jedenfalls nicht glatt. Coxen der Beine
ohne regelmäßige Randhöckerreihen. Maxillarloben II in einem
stumpfen Winkel vor dem Vorderrande der Genitalplatte.
Augenhügel klein, niemals breiter als lang, jederseits der
Längsfurche rauh behöckert oder bezähnelt und von der Stirnrand-
mitte stets durch einen Raum getrennt, der so groß oder größer ist
als sein Längsmesser.
Supramandibularraum stets mit 2 medianen Dörnchen.
Mandibeln klein, normal gebaut, Glied I ohne Ventraldorn,
und bei beiden Geschlechtern gleich entwickelt (nur bei einigen wenigen
Formen hat Glied II der Mandibeln der $ über den Klauen einen
Frontalhöcker).
Palpen klein, bei beiden Geschlechtern gleich entwickelt.
Patella und bisweilen auch die Tibia mit deutlich vorspringender
Innenapophyse, die bürstig behaart ist. Tarsalklaue einfach.
Beine kurz, nicht sehr kräftig; beim Ju. 2 alle 4 Paare fast
54
Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
gleich stark entwickelt, jedenfalls Bein I an Femur, Patella und Tibia
nicht keulig verdickt.
y.
[Type: Zudasylobus Gestrov (THORELL).]
Tabelle der Arten (d + 9):
Palpenfemur dorsal deutlich bezähnelt 9.
Palpenfemur dorsal völlig unbewehrt, nur behaart d.
Abdomen dorsal mit Zähnen (in Querreihen oder auch verstreut)
besetzt 3.
Abdomen dorsal völlig glatt und unbewehrt (ohne Zähnchen oder
Tuberkeln) 5,
Abdominalrücken mit Zähnchen oder Tuberkeln in Quer-
reihen 4
Abdominalrücken”ganz zerstreut bezähnelt
(Algier) — infuscatus (H. LUCAS).
Femora der Beine zylindrisch mit verstreuten Zähnchen; Femora
und Tibien der Beine mit bräunlichen Ringeln. Abdominalrücken
mit deutlichem Sattel (Balearen) — ferrugineus
(THORELL).
Femora der Beine scharf 5 kantig und mit scharfen Längsreihen
spitzer Sägezähnchen; Femora und Tibien der Beine einfarbig
ledergelb, nicht braun geringelt. Abdominalrücken ohne Spur
eines Sattels (Rumänien) — unicolor n. sp.
Glied II der Mandibeln beim $ über den Klauen nach außen mit
deutlicher Vorwölbung, die mit Härchen besetzt ist 6.
Glied II der Mandibeln auch beim & normal gebaut, ohne solchen
Vorsprung T..
Palpenfemur ventral mit kleinen Höckerchen besetzt, außerdem
behaart; dorsal in mehreren Längsreihen kräftig bezähnelt
(Italien, Alpenländer, Spanien) — nicaeensis &
(THORELL).
Palpenfemur dorsal nur gegen die Spitze hin spärlich bezähnelt;
ventral weder bezähnelt noch behöckert, sondern mit einem
Längseindruck mit schwarzen Borstenhaaren
(Italien) — fulvaster & (SIMON).
. Palpenfemur ventral nur behaart, weder behöckert noch bezähnelt
(Italien) — fulvaster 2 (SIMON).
Palpenfemur ventral deutlich (wenn auch bisweilen stumpf)
bezähnelt 8.
Palpentarsus ventral mit Körnchen bestreut; Tibia I ventral
mit einer Reihe kleiner Zähnchen bewehrt
(Sardinien, Corsica) — Gestroi $ (THORELL).
Palpentarsus ventral nieht mit Körnchen bestreut, sondern nur
behaart; Tibia I ventral unbewehrt
(Italien, Alpenländer, Spanien) — n icaeensis® (THORELL).
Palpentibia ventral mit einem starken, endborstigen Mitteldorn
(Balkanländer) — laevigatus (L. KOCH).
10.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 55
— Palpentibia ventral gänzlich unbewehrt 10.
Cephalothorax vor dem Augenhügel unbewehrt, hier ohne Tuberkel-
gruppe (Sardinien, Corsica) — @estror 2 (THORELL).
Cephalothorax vor dem Augenhügel mit einer deutlichen Gruppe
von Zähnchen oder Tuberkeln 11.
. Beinfemora I—IV scharf 5 kantig 12.
II
il
Beimfemora I—IV nicht kantig, sondern stielrund oder zy-
lindrisch 14.
.. Palpenfemur ventral mit 5 walzenförmigen, endborstigen Wärzchen
dorsal unbewehrt, doch außen lateral mit etwa 21 seitenborstigen
Zähnchen (Kleinasien) — Kulczynskii (NOSEK).
Palpenfemur dorsal wie ventral und lateral vollkommen unbewehrt,
nur überall (besonders dicht ventral) behaart 13.
. Abdomen dorsal mit Zähnchenquerreihen
(Italien) — fuscusn.sp.
Abdomen dorsal vollkommen unbewehrt und glatt
(Algier) — serrifer (SIMON).
. Beinfemora II, III, IV behaart (Femur I teils bezähnelt teils
desgleichen behaart) 15.
Beinfemora II, III, IV bezähnelt, wie auch Femur I bezähnelt
(Persien) — hyrcanus (THORELL).
. Beinfemur I behaart (also alle Femora I—IV behaart
(Algier) — (negrecoxes) (SIMON).
Beinfemur I bezähnelt (wenigstens dorsal); Femur II, III, IV
unbewehrt, nur behaart - (Halien— Cavannae (SIMON).
Die bisher bekannten 11 Arten dieser Gattung werden beschrieben
1. Eudasylobus @estroi (THORELL).
Phalangium Gestroi, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova VII. p. 479.
Dasylobus Gestroi, SIMON 1879, Arachn. de France VII. p. 212.
Sardinien — (3% + 2 — GESTRO leg. — THORELL det. (type).
Corsica — ($ + 2) — SIMON deser. — (Mus. Paris) — (vidi).
Cypern — 1 2 — ? leg. — (Mus. Hamburg) — (vidi).
2. Eudasylobusnicaeensis (THORELL).
Phalangium nicaeense, THORELL 1876, Ann. Mus. eiv. Genova VIII. p. 481.
Dasylobus nicaeensis, SIMON 1879, Arachn. de France VII. p. 217.
Spanien — SIMON det. — (Mus. Paris) — (vidi type).
Spanien (Toledo) — 3 $ — KRAEPELIN leg. — (Mus. Hamburg)
(vidi).
3 Eudasylobushyrcanus (THORELL).
= Phalangium Hyrcanım, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova VIII. p. 477.
Persien (Teheran) — Q@ — DORIA leg. — THORELL deser. —
(type).
Persien (Teheran) — (3 + 9) — BRUNS leg. — (Mus. Hamburg)
(vidı).
56 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
4. Eudasylobus ferrugineus (THORELL).
— Phalangium ferrugineum, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova. VIII. p.483.
— Dasylobus ferrugineus, SIMON 1879, Arachn. de France. VII. p. 219.
= Phalangium pusillum, L. KOCH 1881, Verhandl. z. b. Ges. Wien. XXXI.
p- 668.
Balearen (Ibiza) — 2 5 — THORELL deser. — (type).
Balearen (Mallorca) — 15 — L. KOCH det 1881 (= Phalangium
pusillum — type) — (vidı).
Phalangium pusillum L. KOCH ist ein nicht ganz erwachsenes &
von Phal. ferrugineum THORELL, wie an der im Wiener Hofmus.
befindlichen Type ersichtlich ist.
5. Eudasylobus infuscatus (H. LUCAS).
= Phalangium infuscatum, LUCAS 1846, Explor. Alg. p. 297.
= Dasylobus infuscatus, SIMON 1879, Arachn. de France VII. p. 219.
Algier (Constantine) — 7 (& + 2) — LUCAS deser. — (Mus.
Paris) — (vidi type).
6. Eudasylobusnigricozis (SIMON).
= Dasylobus nigricoxis, SIMON 1878, Ann. Soc. Ent. Belg. 21. p. 219.
= Dasylobus nigricoxis, SIMON 1879, Arachn. de France VII. p. 219.
Algier (Bordj-Menail) — (9) — LEPRIEUR les. — SIMON
deser.
Diese Art, welche ich nicht gesehen habe, ist höchst wahrscheinlich ein nicht
ganz erwachsenes ® der vorigen Art.
7. Eudasylobus laevigatus (L. KOCH).
= Opilio laevigatus, L. KOCH 1867, Verhandl. z. b. Ver. Wien. XVII. p. 888.
= Dasylobus laevigatus, SIMON 1884, Ann. Soc. Ent. France IV. pp. 193 u. 352.
Tino — 13 — L. KOCH deser. — (Hofmus. Wien) — (vidi type).
Corfu — SIMON det. 1882.
Die L. KOCH’sche Type aus dem Wiener Hofmus. (1 $) ist zu mazeriert,
als daß die KOCH’sche kärgliche Diagnose danach neuerdings ergänzt werden
könnte; das gilt besonders betreffs der Körperfärbung. Nur die Palpen konnten
einer genaueren Revision unterzogen werden und charakteristisch dürfte der
Ventraldorn der Palpentibia sein, welcher etwas an das Genus Platybunus
erinnert. Doch weisen die anderen Merkmale dieser Art (besonders der Augen-
hügel) auf das Genus Eudasylobus.n.g. hin.
8. Eudasylobusserrifer (SIMON).
= Dasylobus serrifer, SIMON 1878, C. R. Soc. Ent. Belg. 21. p. 218.
Algier (Bordj-Menail) — 1 Q@ — LEPRIEUR leg. — SIMON
deser. — (vidi type).
es — (& + 9) — KRAEPELIN leg. — (Mus. Hamburg)
— (vidi).
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 57
9. Eudasylobus Cavannae (SIMON).
= Dasylobus Cavannae, SIMON 1882, Bull. Ent. Ital. XIV. p. 40.
Italien (Vulture) — ($ + 2) — SIMON deser.
10. Eudasylobus [ulvaster (SIMON).
= Dasylobus fulvaster, SIMON 1882, ebenda p. 42.
Italien (Cim. d. Catria) — (d + 2) — SIMON deser.
Italien (Elba) — 3 $ — (Mus. Hamburg) — (vidi).
11. Eudasylobus Kulczynskii (NOSER).
Dasylobus Kulezynskii, NOSEK 1905, Ann. Wien. Hofmus. XX p. 148.
Dasylobus argaeicum, NOSEK 1905, ebenda p. 149.
Kleinasien (Erdschias Dagh )— 12 + (12) — PENTHER leg.
— NOSEK det. — (Hofmus. Wien) — (vidi type).
Schon NOSEK 1905 gibt die Anmerkung, daß ihm D. argaeicum mit
D. Kulezynskii nahe verwandt oder sogar identisch zu sein scheint. —
Wie aus dem Vergleich der beiden Typen NOSEK’s aus dem Wiener Hofmus.
hervorgeht, ist D.argaeicum nurdas ?zuD. Kulczynskii( {); daher
muß D. argaeicum eingezogen werden, obgleich das eine bekannte & nicht
ganz erwachsen ist.
Neu kommen folgende 2 Arten hinzu:
12. Zudasylobus fuscusnov. spec.
& — Körper 7 mm lang; Beinfemur I 5, II 7, III 5, IV 6 mm
lang; Bein I 26, II 35, III 26, IV 31 mm lang.
g& — Körper gewölbt, hinten gerundet, dorsal fein regelmäßig
granuliert. Cephalothorax vorn nicht ausgebuchtet; Stirngegend vor
dem Augenhügel mit spitzen Zähnchen bestreut; neben dem Augen-
hügel je 3 Zähnchen; Seitenrand fast unbewehrt. Die 2 letzten Cephalo-
thoraxsegmente (hinter dem Augenhügel) und die dorsalen Abdominal-
segmente mit je einer deutlichen Querreihe spitzer Zähnchen. Ventral-
segmente und Coxen unbewehrt, spärlich und fein schwarz behaart.
Augenhügel um das 1!/,fache seines Längsmessers vom
Stirnrande entfernt, so lang wie hoch wie breit, gefurcht und jederseits
der Furche mit einer Kammreihe von 7—8 Zähnchen.
Supramandibularraum mit 2 medianen Dörnchen
bewehrt.
Mandibelnnormal gebaut; Glied I dorsal spärlich mit kräftigen
Zähnchen besetzt, ohne Ventraldorn; Glied II frontal nur fein behaart,
sonst unbewehrt.
Palpen kurz und normal gebaut; alle Glieder nur behaart,
ohne Zähnchen oder Tuberkeln, nur Tarsus ventral mit winzigen
Körnchen bestreut. Femur parallel, nicht gekrümmt, mit apicaler
bürstiger Innenecke; Patella mit bürstiger, kleiner Apophyse, Tibia
desgleichen, doch die Apophyse kleiner als an der Patella. Tarsal-
klaue einfach.
58 Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Beinesehr kräftig, doch Femur und Tibia I nicht keulig verdickt,
nicht dicker als III und scharf 5 kantig, wie auch die gleichmäßig
dünnen Femora und Tibien II, IIL und IV. Alle Femora mit 5 Längs-
reihen spitzer Sägezähnchen; Kanten der Tibien I—-IV nur fein
behaart. Metatarsen zylindrisch und unbewehrt.
Färbung des Körpers dunkelbraun. Cephalothorax frontal
mit 2 parallelen braunen Stricheln; seitlich vom Augenhügel je eine
schräge Linie schwarzer vertiefter Pünktchen, dicht am Seitenrande
entlang eine gleiche Reihe. Abdomen dorsal dunkelbraun, median
verschwommen heller bräunlich, ohne Spur einer Sattelzeichnung.
Zähnchen der Querreihen weiß mit schwarzer Spitze und mit jenen
Querreihen abwechselnd Spuren dunkler Pünktchen, besonders an
den Abdominalseiten; Abdomen über dem After und an den Hinter-
ecken allmählich dunkler braun. Bauch rostgelb, Coxen in den Fugen
dunkelbraun gesprenkelt. — Glied I der Mandibeln dunkelbraun,
dorsale Zähnchen weiß; Glied II rostgelb, doch gleichmäßig dunkelbraun
gesprenkelt. — Palpen rostgelb; ihr Femur der Spitze zu gleichmäßig
gebräunt; Patella einfarbig dunkelbraun; Tibia blasser braun; Tarsus
blasser gelbbraun wie die Tibia. — Beine rostbraun, nicht blaß geringelt;
Femora und Tibien teilweise fein dunkelbraun punktiert; Zähnchen
der Femora und Haare der Tibien schwarz. Patellen und Tibien dorsal
weißgelb längsgestreift, hier besonders deutlich dunkelbraun punktiert.
Liparische Inseln — nur 13 — Type.
13. Eudasylobus unicolor nov. spec.
3 — Körper 4 mm lang; Beinfemur I 5, I1 7, 111 5, IV 6 mm lang;
Bein I 21, II 37, III 24, IV 32 mm lang.
& — Körper wenig gewölbt; Furchen, welche den Cephalo-
thorax vom Abdomen trennen, sehr deutlich und tief. Cephalothorax
vor dem Augenhügel kräftig bezähnelt, desgleichen auch am Seiten-
rand vor und hinter der Lateralpore. Die 2 letzten Cephalothorax-
segmente wie jedes der dorsalen Abdominalsegmente mit je einer
Querreihe scharfer Zähnchen. Ventralsegmente und Coxen unbewehrt,
nur sehr zerstreut sehr fein behaart.
Augenhügel so weit wie sein Längsmesser vom Stirnrande
entfernt, so hoch wie lang wie breit, deutlich gefurcht und jederseits
dieser Furche ein Kamm aus 7 spitzen Zähnchen.
Supramandibularraum mit 2 medianen Dörnchen
bewehrt.
Mandibeln klein und normal gebaut; Glied I dorsal mit
verstreuten, spitzenborstigen Zähnchen besetzt, ohne Ventraldorn;
Glied II völlig unbewehrt.
Palpen dünn; Femur parallel, mit vorgewölbter bürstenhaariger
Innenecke, welche am Gelenkrand bezähnelt ist, dorsal und ventral
mit mehreren regelmäßigen Längsreihen endborstiger Zähnchen.
Patella etwa 3 mal so lang wie breit, mit bürstiger Apophyse, ventral
völlig unbewehrt, dorsal desgleichen, doch neben der Apophyse dorsal
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 59
2—3 winzige Zähnchen. Tibia 31/, mal so lang wie breit, mit sehr
kleiner, dicht bürstiger Apophyse, völlig unbewehrt. Tarsus parallel,
dünn, unbewehrt, nur ventral spärlich mit winzigen Körnchen bestreut.
Beine lang und alle 4 Paare dünn; Trochantere seitlich be-
zähnelt. Femur I—IV sehr scharf 5 kantig und jede Kante mit einer
Reihe kräftiger, spitzer Sägezähnchen. Patellen und Tibien 5 kantig,
Kanten nur fein beborstet.
Färbung des Körpers lederfarben gelb. Cephalothorax nur
mit etwa 3 winzigen dunkelbraunen Punkteindrücken jederseits des
Augenhügels; dieser ledergelb. Abdomen dorsal einfarbig, ohne Spur
eines Sattels, Segmentgrenzen (abwechselnd mit den weißlichen Zähn-
chenquerreihen) durch bräunliche vertiefte Pünktchen in Querreihen
(besonders an den Abdominalseiten) angedeutet. Alle Zähnchen des
Körpers und der Gliedmaßen weiß mit feiner schwarzer Spitze. Bauch
und Coxen weißgrau; Ventralsegmente wie die Coxen äußerst fein
zerstreut schwarz behaart; Coxen außerdem sehr schwach hellbraun
gesprenkelt. Mandibeln, Palpen und Beine lederfarben blaßgelb, sehr
undeutlich hellbraun gesprenkelt und punktiert.
Q Körper 7,5 mm lang.
Q — wie das $ gebaut und bewehrt an Körper und Extremitäten;
nur sind die Zähnchen stumpfer und kleiner (besonders auf dem Ab-
dominalrücken). Dieser ist deutlicher dunkel gesprenkelt (in Quer-
fleckenreihen auf ledergelber Grundfarbe).
Rumänien — (23 + 1%) — L. MONTANDON leg. — (Mus.
Hamburg).
METADASYLOBUS NOV. GEN.
= Dasylobus SIMON et auct. — ad. part.
Körper weich und lederartig. Cephalothorax vom Abdomen
durch deutliche Querfurchen getrennt; Gegend zwischen Stirnrand-
mitte und Augenhügel mit einer Gruppe von Zähnchen, Tuberkeln
oder Börstchen, jedenfalls nicht glatt. Coxen der Beine ohne regel-
mäßige Randhöckerreihen. Maxillarloben II in einem stumpfen Winkel
vor dem Vorderrand der Genitalplatte.
Augenhügel klein, niemals breiter als sein Längsmesser,
jederseits der Furche bezähnelt oder behöckert und vom Stirmrand
stets durch einen Raum getrennt, der so groß oder größer ist als sein
Längsmesser.
Supramandibularraum stets mit 2 medianen Dörnchen
bewehrt.
Mandibeln klein und bei beiden Geschlechtern normal gebaut.
Glied I ohne Ventraldorn.
Palpen klein, bei beiden Geschlechtern gleich entwickelt;
Patella und bisweilen auch die Tibia mit deutlich vorspringender
Innenapophyse, die bürstig behaart ist. Tarsalklaue einfach.
Beine kräftig, nicht sehr lang; beim 9 alle 4 Paare gleich
entwickelt; beim $ Femur, Patella und Tibia von Bein I keulig ver-
60 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
dickt, viel dicker als die entsprechenden Glieder der anderen Beinpaare
(sekundärer Geschlechtsdimorphismus an Bein I). Alle Femora ohne
Pseudogelenke.
[Type: Metadasylobus fuscoannulatus (SIMON).]
Tabelle der Arten ($ +9):
1. Palpenfemur dorsal deutlich bezähnelt 2.
— Palpenfemur dorsal völlig unbewehrt, nur behaart
(Süd-Frankreich, Spanien) — echinifrons 9 (SIMON).
2. Abdomen dorsal mit Zähnchen (in Querreihen oder verstreut)
besetzt 3.
— Abdomen dorsal glatt und unbewehrt (ohne Zähnchen oder Tu-
berkeln (Griechenland) — instratus (L. ED
3. Palpentibia ventral bezähnelt
— Palpentibia ventral unbewehrt, hier nur behaart 5
4. Palpenfemur ventral unbewehrt, nur behaart
(Italien) — graniferus (CANESTRIN]I).
— Palpenfemur ventral bezähnelt
(Griech. Inseln) — voraz (L. KOCH).
5. Abdominalrücken mit Zähnchen oder Tuberkeln in Querreihen
(und zwar nur die vorderen dorsalen Abdominalsegmente)
(Süd-Frankreich, Spanien) — echinifrons & a )-
— Abdominalrücken ganz verstreut bezähnelt
. Femur I fast glatt, nur am Grunde einige Zähnchen ringsum N
oder Femur nicht bezähnelt, unbewehrt, nur fein beborstet (9)
(Canarische Inseln) — fuscoannulatus (SIMON).
— Femur I mit 5 Längsreihen von Sägezähnchen
(Balkanländer) — pristes (L. KOCH).
fer)
Die bisher bekannten 6 Arten dieses Genus werden beschrieben:
l. Metadasylobus fuscoannulatus (SIMON).
Dasylobus fuscoannulatus, SIMON 1883, Ann. Soe. Ent. France p. 298.
Canarische Inseln — (3 + 9) — SIMON deser. — (vidi type).
Teneriffa — 1 Q pull. — Challenger Exped. — (vidi).
Teneriffa — 2 9 Sul. — KRAEPELIN leg. — (Mus. Hamburg)
— (vidi).
Canarische Inseln — 2 $ — BUCHET leg. 1897 — (Mus. Paris)
— (vidi).
Canarische Inseln — (23 +2 2) — VERNEAU leg. — SIMON
det. — (Mus. Paris) — (vidi).
I
2. Metadasylobusinstratus (L. KOCH).
= Opilio instratus, L. KOCH 1867, Verhandl. z. b. Wien. XVII. p. 891.
= Phalangium instratum, SIMON 1879, Arachn. de France VII. p. 208.
= Dasylobus instratus, SIMON 1884, Ann. Soc. Ent. France IV. p. 193.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 61
Griechische Inseln (Syra) — ($ + 2) — L. KOCH det. — (Hof-
mus. Wien) — (vidi type).
Montenegro — SIMON det. 1884 — (Mus. Paris) — (vidi).
3. Metadasylobus pristes (L. KOCH).
— Opilio pristes, L. KOCH 1867, Verhandl. z. b. Wien XVII. p. 889.
— Dasylobus pristes, SIMON 1884, Ann. Soc. Ent. France IV. p. 193 und 352.
Balkanländer (Korfu) — (& + 2) —L. KOCH det. — (Hofmus.
Wien) — (vidi type). F
Griechische Inseln (Syra) — SIMON det. — (Mus. Paris) — (vidi).
4. Metadasylobusvorax (L. KOCH).
= ÖOpilio vorax, L. KOCH 1867, Verhandl. z. b. Wien XVH. p. 892.
Griechische Inseln (Syra) — ($-+ 2) — L. KOCH det. — (Hofmus.
Wien) — (vidi type).
Griechenland (Pentelikon) — 1 — (vidi).
5. Metadasylobus graniferus (CANESTRINI).
— Opilio graniferus, CANESTRINI 1870, Bull. Ent. Ital. III. p: 382.
— Opilio'raniferus, CANESTRINI 1872, Ann. Soc. nat. Modena VI. p. 4.
— Opilio graniferus, CANESTRINI 1872, Ann. Mus. civ. Genova II. p. 44.
= Opilio graniferus, CANESTRINI, 1875, Ann. Soc. Venet. Trent. d. Se. nat.
Padova IV. p.9.
—= Opilio graniferus, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova. VIII. p. 465.
—= Opilio graniferus, SIMON 1879, Arach.-de France. VII. p. 208.
Italien (loc. divers.) — (3 + 9) — CANESTRINI deser.
6. Metadasylobusechinifrons (SIMON).
= Dasylobus echinifrons, SIMON 1879, Arachn. de France VII. p. 214.
Südfrankreich u. Spanien — (d + 9%) — SIMON det.
Dasylobus eremita SIMON (1878, Ann. Soc. ent. Belg. XXI. p.218)
(vidi type) ist ein junges, nicht erwachsenes Tier, wie schon aus der Diagnose
des Palpenfemur hervorgeht, welches an der ventralen Ecke (vor dem Trochanter)
einen kegelartigen behaarten Vorsprung hat — ein Charakteristikum junger
Phalangiini (vergl. die Ausführungen von KULCZYNSKI 1904, Ann. Mus.
Hung. II p. 76). Schon SIMON 1885 weist auf eine denkbare Verwandtschaft
mit Dasylobus pristes (L. KOCH) aus Montenegro, Corfu hin. Vielleicht ist es
ein junges Tier dieser Spezies; (vergl. Metadasylobus pristes
[L. KOCH)).
PLATYBUNUS C. KOCH.
= Phalangium, auct. (ad part.).
= Opilio, HERBST 1799 (ad part.).
— Platybunus, C.L. KOCH 1839, Übers. Arach.Syst. (Type: uncatus ex Hermann).
— Platylophus, C. L. KOCH 1839, Übers. Arachn. Syst. (Type: rufipes).
Dr. C. Fr, Roewer: Übersicht der Genera
{er}
[037
Megabunus, MEADE 1855 (ad part.).
Cerastoma, L. KOCH 1861 (ad part.).
Platylophus, L. KOCH (1867), Canestrini, Thorell ete.
Platybunus, SIMON 1879, Arachn. de France VII. p. 219.
Körper weich und lederartig. Cephalothorax und Abdomen
durch deutliche Querfurchen von einander getrennt. Dorsal- wie
Ventralsegmente des Abdomens deutlich kenntlich. Stirnmitte des
Cephalothorax selten mit kräftiger Tuberkelgruppe, meist jedoch
oder nur mit einem medianen feinen Zähnchen oder auch nur ein paar
feinste Zähnchen hier; dieser Stirnraum sehr schmal, denn
Augenhügel nahe hinter dem Stimrand, stets näher als
sein Längsmesser. Augenhügel sehr groß, meist breiter als lang und
tief gefurcht, oder auch tief ausgekehlt, höchstens mit 2 Zähnchen-
kämmen.
Supramandibularraum stets unbewehrt und ohne
mediane Dörnchen.
Mandibeln klein und bei beiden Geschlechtern normal
gebaut; Glied I ohne Ventraldorn.
Palpen kräftig. Femur ventral stets mit 5—6 größeren
Dornen von der Länge des Durchmessers des Gliedes; obere Innenecke
des Femur stark vorgewölbt und hier bezähnelt oder beborstet (keine
Apophyse). Patella und Tibia mit langer und dünner Apophyse und
außerdem bisweilen auch mit einigen Dornen bedornt; Klaue einfach.
Beine lang und dünn; alle 4 Paare bei beiden Geschlechtern
gleich entwickelt und normal gebaut; Coxa I vorn an der unteren Spitze
bisweilen bezähnelt.
Färbung der $ häufig dunkelbraun bis glänzend schwarz,
die der ? blasser mit deutlichem sammetbraunen Rückensattel.
[Type: Platybunus pinetorum (©. L. KOCH).
a
Der Name Platylophus L. KOCH kann nicht beibehalten
werden, da er wie SIMON 1879 schon hervorhebt, schon von SWAINSON
1833 für eine Vogelgattung (Faun. Bor. Am. p. 482) verbraucht ist.
Es sind viele Platybunus- Arten beschrieben worden, deren
Aufrechterhaltung bei Nachprüfung der Typen nicht möglich ist. Die
Platybunus- Arten zerfallen in 2 Gruppen, solche mit ventral
bedorntem Palpentarsus und solche mit ventral unbewehrtem. Die
Synonymik der ersteren vergleiche in der Bemerkung unter Platy-
bunusbucephalus €. L. KOCH. Von der 2. Gruppe sind als
gut charakterisierte Arten nur haltbar: Pl.pinetorum, mirus,
corniger, placidus. Alle übrigen sind nicht haltbar oder
nur fraglich. So beschreibt SIMON 1879 em Platybunus
arbuteus als (in der Diagnose angegeben) junges Tier, seine
Diagnose gibt es mit Deutlichkeit zu. Diese Art ist mithin einzuziehen.
Auch Pl. nigrovittatus SIMON 1879 möchte ich für eine
nicht erwachsene Form (9) von Pl. pinetorum halten, habe
aber keine Vergleiche an der Type vornehmen können und mußte
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 63
diese Art deswegen beibehalten. — Ferner ist schon von mehreren
Autoren (KRAEPELIN, KULCZYNSKI a. a. O.) Platybunus
triangularis HERBST als Jugendform von Pl. corniger
HERM. erkannt worden. Ich kann dies an vielen Exemplaren aus
ganz Mitteleuropa, auf welche sämtlich die Diagnose von Pl. tri-
angularis zustimmen würde, bestätigen; und es wurden mit den
vielen Pl. corni ger zusammen gefunden viele junge Tiere dieser
Art, die auch der Diagnose von Pl. triangularis zustimmen.
Auch Platybunusrobustus LENDL (type 1 9), welche ich
aus Budapest nachprüfen konnte, ist ein @ von Pl. corniger.
LENDL gibt ja eine seiner so sehr dürftigen Diagnosen von Pl. ro-
bustus, in der er als I. Abdominalsegment das Cephalothorax-
segment hixter dem Augenhügel ansieht und es ‚„‚bezähnelt‘‘ beschreibt.
Dieser einzige Unterschied von Pl.corniger 2 ist nicht stichhaltig,
denn auch bei anderen Platybunus-Arten ist jenes Segment
bezähnelt. Die Sattelzeichnung des Rückens ist bei vielen Platy-
bunus corniger ({) recht deutlich.
Ein im Hofmuseum in Wien von ERBER aus Smyrna als Opilio
obsoletus L. KOCH bestimmtes Tier ist sicher ein Platy-
bunus pinetorum C. L. KOCH spec. pull.
Platybunus-Arten sind folgende beschriebene Arten:
Phalangium uncatum HERM. Mem. apt. p. 106. Taf. VIII. Fig. 5
— Österreich (Hofmus. Wien). (vidi type).
Phalangium incanus C. L. KOCH 1839 Uebers. Arch. Syst. II.
p- 27 und 1848, Arachn. XV. p. 119, Fig. 1494.
Platylophus affınıs, ebenda.
Phalangium lineola, DUF. 1831, Ann. Sc. nat. Ser. I. p. 387.
Platybunus arbuteus SIMON 1879, (Porquerolles Isl.), Bull. Soc.
Zool. France IV p. 263.
Phalangium Be KOLLAR (Lit. ??) — 1 Exemplar aus Italien
(Hofmus. Wien) ist als Phalangiumornatum von KOLLAR
bestimmt worden, ist aber sicher en Plat. corniger pull.
Opilio Iucorum C. L. KOCH, (Steiermark) — (Type im Hofmus.
Wien vid) — (24 +99) = Platy bunus.ccorniger Herm.
Platylophus Hwugeri a KOLLAR (Dalmatien) —
(2 — Hofmus. Wien) vidi typ. = Plat. pull.
Phalangium appendiculatum KOLLAR (Dalmatien) — (vidi typ.
2 2 Hofmus. Wien) = EBEN corniger Herm. 29.
Tabelle der ee
1. Palpentarsus ventral mit 3—5 deutlichen größeren Dornen besetzt
(Gebirge Mitteleuropas) — bucephalus €. L. KOCH.
— Palpentarsus ventral unbewehrt, nur fein behaart oder (beim g
mit Körnchen bestreut, jedenfalls nicht bedornt 2.
2. Palpenfemur ventral nur beborstet
(Meeralpen, Corsika) — nigrovittatus SIMON.
— Palpenfemur ventral mit Tuberkeln, Zähnchen oder größeren
Dörnchen besetzt
64 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
3. Augenhügel jederseits der Furche nur mit 5 starken, gleichlangen
konischen Zähnen (Spanien?) — placidus SIMON.
— Augenhügel jederseits der Furche mit wenigstens 8—10 kleinen,
oft "stumpfen Zähnchen oder Tuberkeln 4.
4. Grundfarbe des Körpers schwarz oder dunkelbraun glänzend ( 4)
oder milchweiß bis aschgrau mit sammetbraunem Sattel ( 9);
Mandibeln beim $ und ° gleich normal gebaut
— Grundfarbe des Körpers rostfarben bis lederfarben gelb, bisweilen
mit rotbraunem, parallelrandigem Sattel; Mandibeln beim 2 normal,
beim & mit einem stumpfen Höcker über den Klauen (Taf. II,
Fig. 11) (Mitteleuropa) — corniger HERM.
5. Beine fast glatt; Trochantere der Beine gelbbraun
(Sumatra) — mirus LOMAN.
— Beine (Femora) mit Längsreihen winziger Zähnchen; Trochantere
der Beine dunkelbraun oder schwarz, blaß gesprenkelt
(Europa) — pinetorum C.L. KOCH.
Diese 6 bisher bekannten und identifizierbaren Arten dieser
Gattung sind:
1. Platybunuscorniger HERM.
(Taf. III, Fig. 11.)
= Opilio triangularis, HERBST 1799, Ungefl. Insect. III. p. 9 Taf. X. Fig. 2.
— (pull.).
= Phalangium cornigerum, HERMANN 1804, Mem. apt. p. 102 Taf. VIII.
Fig.2 E, F, S.
= Opilio corniger, C. L. KOCH 1836, Arachn. III. p. 87 Fig. 235 u. 236.
= Platybunus denticornis, C. L. KOCH 1848, Arach. XV. p. 112 Fig. 1495. (pull.).
— Megabunus corniger, MEADE 1855, Ann. Mag. nat. Hist. p. 405 Taf. X. 4.
—= (Cerastoma cornigerus, L. KOCH 1861, Corresp. Blatt. 2. M. Ver. Regensbg.
No. 9 p. 135.
= Platylophus corniger, L. KOCH 1868, Naturw. Abteil. p. 166.
= Platybunus corniger, SIMON 1879, Arach. d. France VII. p. 221.
= Platybunus triangularis, SIMON 1879, Arachn. d. France VII. p. 223. — (pull.).
—= Platybunus corniger (+ triangularis = pull.), HANSEN 1884, Naturhist.
Tidskr. (3) XIV. p. 506.
— Platybunus corniger, OÖ. P. CAMBRIDGE 1890, Brit. Phalangid. p. 183.
—= Platybunus triangularis, CAMBRIDGE 1890, Brit. Phalangid. p. 185 — (pull.).
— Platybunus robustus ( 9), LENDL 1894, Termes Füzetek XVIII p. 22.
— Platybunus corniger, CARPENTER u. EVANS 1895, Proc. Royal Phys.
Soc. Edinburgh. XIII. p. 118.
= Platybunus triangularis, CARPENTER u. EVANS 1895, Proc. R. Phys. Soc.
Edinburgh. XIII. p. 119 — (pull.).
= Platybunus corniger, KRAEPELIN 1896, Mitt. Naturhist. Mus. Hamburg
XIII. p. 226.
= Platybunus triangularis, KRAEPELIN 1896, Mitt. Naturhist. Mus. Hamburg
XII. p. 226. — (pull.).
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 65
— Platybunus triangularis, BECKER 1896, Ann. Mus. Belg. XII. p. 354. —
(pull.).
— Platybunus corniger, STRAND 1900, Norske. Vid. Selsk. Skrift. No. 2.
— Platybunus triangularis = pull. corniger, KULCZYNSKI 1904, Ann. Mus.
Hungar. II. {
— Platybunus corniger, STRAND 1906, Fauna arctica (nur aufgezählt).
Europa (Skandinavien, Spitzbergen, Mitteleuropa, und Südeuropa
Rußland und Balkanländer — überall verbreitet) ca. 200 Exemplare
aller Gegenden — vidi.
2. Platybunusbucephalus C.L. KOCH.
— Opilio bucephalus C. L. KOCH 1835, H. Schäffer, Deutsch. Insect. p. 128.
= Opilio rufipes, C. L. KOCH 1836, Arachniden III. p. 15.
— Platylophus rufipes, C. L. KOCH 1839, Übers. Arach. Syst. II. p. 29.
— Platylophus bucephalus, C. L. KOCH 1848, Arachn. XV. p. 127 fig. 1504.
— Platylophus montanus, L. KOCH 1869, Arachn. Tirols, Innsbruck. p. 18.
— Platylophus bucephalus, L. KOCH 1869, Arachn. Tirols, Innsbruck. p. 18.
—= Platylophus rufipes, L. KOCH 1869, Arachn. Tirols, Innsbruck. p. 18.
= Platylophus rufipes, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova. VIII. p. 464.
— Platybunus rufipes, SIMON 1879, Arachn. d. France VII. p. 224.
— Platybunus bucephalus, SIMON 1879, Arachn. d. France VII. p. 225.
—= Platybunus eques, SIMON 1881, Bull. Soc. Zool. France. VI. p. 86.
C. L. KOCH beschreibt 2 Arten (rufipes und bucephalus), die
sicherlich identisch sind; er gibt als Unterschied beider an die Bewehrung der
Palpenpatella, welche beirufipes innen lateral unbewehrt, dagegen beibuce-
phalus innen lateral mit 2 Dornen bewehrt ist. Ich fand bei den vielen unter-
suchten Exemplaren von den verschiedensten Orten der mitteleuropäischen
Gebirge alle Übergänge von 2 sehr starken Dornen an der Patella-Innenseite
bis zu winzigen mikroskopischen Spuren solcher Zähnchen. Diese ließen sich
bei mikroskopischer Untersuchung auch an den Typen von Pl. rufipes
C. L. KOCH auffinden. Andererseits gab es mit wohl bewehrten Exemplaren
zusammengefangene Tiere ( $ und 9), die eine innen-lateral völlig unbewehrte
Palpenpatella aufweisen. Aus alledem erhellt, daß Pl. rufipesund Pl. bu-
cephalus identisch sind, es gebührt Pl. bucephalusC. L. KOCH 1835
der Vorrang. — Pl. eques SIMON (Meeralpen) ist ein @ von PI. bu-
cephalus, der Unterschied in Bewehrung der Palpenpatella ist, wie oben
dargetan, hinfällig, desgleichen auch das Fehlen der Außenreihe winziger Tuberkeln
neben den großen Ventraldornen des Palpenfemurs. Pl.montanusL. KOCH
1867 (Erzgebirge) ist ein nicht erwachsenes Pl. bucephalus mit noch be-
borsteten Beinfemora.
Gebirge Mittel-Europas (Alpen, Carpathen, Sudeten, Erzgebirge,
Harz, Thüringer Wald ete. ete.) — viele Exemplare vidi. (ca. 1005 + 9).
2 Meeralpen (St. Martin Lantosque) — Q — SIMON det (Pl. eques
SIM.).
Balkanländer, Ungarn, Dalmatien — mehrere Exempl. (darunter:
rufipes KOCH-Type) — (Hofmus. Wien und Mus. Budapest).
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 2. Suppl. 5
66 Dr. €. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
3. Platybunus pinetorum C.L. KOCH.
Platylophus pinetorum, C. L. KOCH 1839, Übers. Arachn. Syst. II. p. 29 No. 4.
— Platylophus alpestris, C. L. KOCH 1839, Übers. Arachn. Syst. II. p. 29 No. 5.
— Platylophus pinetorum, C. L. KOCH 1848, Arachniden XV. p. 124 Fig. 1503.
— Platylophus alpestris, C. L. KOCH 1848, Arachniden XVI. p.2 Fig. 1506.
— Platybunus agilis, L. KOCH 1861, Corresp. Blatt. 2 M. V. Regensbg. No. 9
p. 132. — (pull).
— Platylophus alpestris, L. KOCH 1867, Verhandl. Z. B. V. Wien. p. 166.
— Platylophus alpestris, CANESTRINI 1872, Ann. Mus. civ. Genova II. p. 31
Taf. 1,84.
— Platybunus pinetorum, SIMON 1879, Arachn. d. France VII. p. 226.
Gebirge und Bergländer Mitteleuropas — ca. 200 Exemplare
(+9.
Dalmatien und Balkanländer — viele ($ + 9) — (Hofmus. Wien).
Tirol — (1$ + 19) — Dr. L. KOCH det. et ded. — (Mus. Ham-
burg) — (vidi).
Graubünden (St. Antonien) — 10 (+ 2) — (Brit. Mus. London)
— (vidi).
Salzburg — 25 — 0. SCHNEIDER leg. — (Mus. Hamburg) —
(vidi).
Harz — 45 — KRAEPELIN leg. — (Mus. Hamburg) — (vidi).
Herzegowina — viele ($ + ©) — PENTHER leg. — (Hofmus.
Wien) — (vidi).
(Opilio obsoletus L. KOCH erhielt ich als Type aus dem Hofmus. Wien,
danach ist diese Art aber ohne jeden Zweifel synonym Platybunuspine-
torum C.L. KOCH).
4. Platybunus placidus SIMON.
— Platybunus placidus, SIMON 1878, €. R. Ann. Soc. Ent. Belg. XXI. p. 220.
Spanien (loc?) — 19.
Diese Art kann auf die Dauer wohl kaum aufrecht erhalten bleiben, weil
nur 1 2 bekannt ist und seither keines wieder gefunden wurde. Ich habe die
Type leider nicht zu Gesicht bekommen können.
5. Platybunusnigrovittatus SIMON.
—= Platybunus nigrovittatus, SIMON 1879, Arachn. de France VII. p. 222.
Meeralpen, Corsica — SIMON deser.
Auch von dieser Art beschreibt SIMON nur das 9, von dem ich, da ich die
Type leider nicht gesehen habe, vermute, daß es ein 9 pull. zuPlatybunus
pinetorum ist. Vorerst muß diese Art aber noch bestehen bleiben.
6. Platybunus mirus LOMAN.
(Taf. II, Fig. 10.)
= Platybunus mirus, LOMAN 1892, Zool. rgebn. Reise in Niederl. Ost-Ind.
WEBER, Leyden, Bd. III. p- 5.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 67
Sumatra (Palembang) — 2 $ — LOMAN det. — (Mus. Amsterdam)
— (vidi type).
Die einzige bisher aus Süd-Ost-Asien bekannte Art, nach deren
Type die Figur 10 auf Tafel II gezeichnet wurde.
MEGABUNUS MEADE.
—= Megabunus, MEADE 1855, Ann. Mag. nat. Hist. (ad part.).
— Megabunus, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova. VIII. p. 15.
— Megabunus, SIMON 1879, Arachn. de France VII. p. 229.
Körper weich und lederartig. Cephalothorax und Abdomen
durch deutliche Querfurchen von einander getrennt; Dorsal- und
Ventralsegmente des Abdomens deutlich kenntlich. Stirnmitte des
Cephalothorax mit einem schlanken, spitzen und deutlichen Median-
dörnehen, im übrigen glatt und unbewehrt; diese Stirnfläche sehr
schmal. Bauchsegmente und Coxen unbewehrt, ohne regelmäßige
Randreihen von Höckerchen, doch hat Coxa I am Vorderrand eine
Reihe großer, spitzer Dörnen. Maxillarloben II in einem stumpfen
Winkel vor dem Vorderrand der Genitalplatte (Taf. III, Fig. 6).
Augenhügelsehr groß und nahe am Stirnrande, stets näher als
sein Längsmesser; tief gefurcht und mit 2 Reihen schlanker Dornen
oder spitzer Zähnchen besetzt.
Supramandibularraum völlig unbewehrt.
Mandibelnklein und bei beiden Geschlechtern normal gebaut;
Glied I ohne Ventraldorn.
Palpen kräftig; Femur ventral mit einigen größeren Dörnchen
besetzt; Patella und Tibia mit einer deutlichen Innenapophyse. Tarsal-
klaue einfach.
Beine lang und dünn; alle 4 Paare bei beiden Geschlechtern
gleich entwickelt.
[Type: Megabunus diadema (MEADE).]
Tabelle der Arten:
1. Obere Gelenke der Femora und Tibien der Beine mit je 2 langen
dünnen und aufgerichteten Stacheln bewehrt; Augenhügel jeder-
seits mit einer Reihe aus 5 5 langen, schlanken Dornen
— Obere Gelenke der Femora und Tibien der Beine nicht lang bedornt;
Augenhügel jederseits der glatten Furche mit einer dichten Reihe
unregelmäßig gestellter kurzer Zähnchen
(Hochalpen) — rhinoceros CANESTRINI.
2. Stachel der Stirnmitte auf dem Cephalothorax sehr kurz; Femora
und Tibien der Beine mit regelmäßigen Zähnchenreihen
(Hoch-Pyrenäen) — grouvellei SIMON.
— Stachel der Stimmitte des Cephalothorax lang und schlank, dorn-
artig; Femora der Beine mit unregelmäßigen Längsreihen spär-
Hr
68 Dr. €. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
licher und sehr winziger Zähnchen, Tibien der Beine nur fein und
spärlich beborstet
(England, Frankreich, Norwegen) — diadema FABR.
Die bisher bekannten 3 Arten dieser Gattung wurden beschrieben
als:
l. Megabunus diadema FABR.
Taf. II, Fig. 6.)
— Phalangium diadema, FABRICIUS 1779, Reis. Norw. p. 324.
= Phalangium diadema, FABRICIUS 1793, Entom. syst. 431 No. 6.
— Phalangium diadema, OLIVIER 1791, Ene. method. VI. p. 460.
= Megabunus insignis, MEADE 1855, Ann. Mag. nat. Hist. p. 406. Taf. X. Fig. 5.
— Megabunus diadema, THORELL 1876, Ann. Mus. civ. Genova VIH. p. 15.
— Megabunus diadema, SIMON 1879, Arachn. de France VII. p. 231.
Norwegen (FABRICIUS), England (MEADE), Frankreich
(SIMON).
England — mehrere (S + 2) (Brit. Mus. London) — (vidi).
2. Megabunusrhinoceros CANESTRINI.
— Platylophus rhinoceros, CANESTRINI 1872, Ann. nat. Modena VI. p.7.
= Platylophus rhinoceros, CANESTRINI 1872, Ann. Mus. civ. Genova II. p. 33.
Hochalpen (Wallis — bis 2500 m Meereshöhe).
Hochalpen (Cimon della Palla) — 15 — (Mus. Paris) — (vidi).
3. Megabunus grouvellei SIMON.
= Megabunus growvellei, SIMON 1881, Bull. Soc. Zool. France VI. p. 87.
Hoch-Pyrenaeen (Trumonze) — SIMON desecr.
METAPLATYBUNUS NOV. GEN.
— Platybunus (grandissimus) C. L. KOCH 1839, Übers. Arachn. Syst. II p. 29.
= Platylophus (grandissimus) C. L. KOCH 1848, Arachn. XVI. p. 1.
Cephalothorax und Abdomen durch deutliche Querfurchen
von einander getrennt. Dorsal- wie Ventralsegmente des Abdomens
deutlich kenntlich. Stirngegend des Cephalothorax vor dem Augen-
hügel rauh tuberkuliert, dieser Stirnraum nur sehr schmal. Coxen
ohne regelmäßige Randhöckerreihen.
Augenhügel nahe hinter dem Stirnrand und stets näher
als sein Längsmesser. Augenhügel sehr groß und tief gefurcht und
ausgekehlt, jederseits mit einem feinen Zähnchenkamm, der die tiefe
Furche glatt frei läßt. Augenhügel wohl um die Hälfte breiter als lang.
Supramandibularraum mit 2 medianen Dörnchen
bewehrt.
Mandibelnklein und bei beiden Geschlechtern normal gebaut;
Glied I ohne Ventraldorn. |
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 69
Palpen kräftig; obere Innenecke des Femur vorgewölbt; Patella
mit lang abstehender, großer und Tibia mit kleinerer und kürzerer
Innenapophyse. Tarsalklaue einfach.
Beine lang und dünn; bei beiden Geschlechtern alle 4 Paare
normal gebaut.
[Type: Metaplatybunus grandissimus (C. L. KOCH).]
Nur eine bisher bekannte Art:
1. Metaplatybunus grandissimus (C. L. KOCH).
— Platylophus grandissimus, C. L. KOCH 1839, Übers. Arachn. Syst. II. p. 29.
— Platylophus grandissimus, C. L. KOCH 1848, Arachnid. XVI. p. 1. Fig. 1505.
—= Platylophus strigosus, L. KOCH 1867, Verhand. z. b. Ver. Wien XVII. p. 884.
— Platybunus grandissimus, SIMON 1884, Ann. Soc. Ent. France IV. p. 352.
— Platybunus strigosus, KULCZYNSKI 1903, Bull. Acad. Sc. Cracovie p. 57.
Platybunus sirigosus (olympieus), KULCZYNSKI 1903, Sitz. Ber. Acad.
Wiss. Wien Math. Nat. Kl. CXH. Abt. 1.
Von dieser Art sind C. L. KOCH nur 9 bekannt gewesen und seine
Diagnose beschränkt sich auf nur 9. Die Art Platylophus (Platy-
bunus) strigosus L. KOCH ist die Jugendform (und zwar waren in der
Type — Hofmus. Wien — nur junge $ + 2 vorhanden) von Platy-
bunus grandissimus C. L. KOCH, von dem ich auch zahlreiche
(©. L. KOCH unbekannte) $ untersuchen konnte. Die jungen als
strigosus beschriebenen Tiere haben sämtlich an der Ventrobasal-
ecke des Palpenfemur einen konischen Vorsprung, der für alle nicht
erwachsenen, jungen Phalangüini so überaus charakteristisch ist (vergl.
KULCZYNSKI 1904, Ann. Mus. Hungar. II. p. 82). Aus diesem
Grunde muß Plat. strigosus L. KOCH eingezogen werden. Weil
C. L. KOCH 1839 und 1848 (s. oben!) nur die Diagnose des 9 geben
konnte, füge ich hier die Diagnose des & hinzu:
& Körper 7 mm lang; Beinfemur I 6, II 9, III 6, IV 8 mm lang;
Bein I 26, II 43, III 26, IV 39 mm lang.
5 — Cephalothorax vorn flach ausgerandet; Stirmmitte
verstreut bezähnelt, Seitenränder des Cephalothorax desgleichen;
neben dem Augenhügel jederseits 3—4 verstreute Zähnchen. Ab-
dominalrücken mit einer deutlichen Querreihe spitzer Zähnchen
auf jedem Segment. Ventralsegmente fein granuliert, Coxen rauh
behöckert und iein beborstet.
Augenhügel etwa 1!/,mal so breit wie lang wie hoch; nur
um seine halbe Länge vom Stirnrande entfernt; tief gefurcht und aus-
gekehlt, jederseits dieser breiten Furche mit einem Kamm aus
8—10 spitzen Zähnchen.
Supramandibularraum mit 2 medianen Dörnchen
bewehrt.
Mandibeln kräftig; Glied I ohne Ventraldorn und dorsal
70 Dr. ©, Fr. Roewer: Übersicht der Genera
kräftig bezähnelt; Glied II auf der oberen Kniewölbung und frontal
sehr dicht und rauh mit spitzen Zähnchen bedeckt.
Palpen kräftig. Femur dorsal, lateral-außen und ventral in
etwa 5 wenig regelmäßigen Längsreihen kräftig spitz bezähnelt, obere
Innenecke des Femur deutlich vorgewölbt und mit einem spitzen
Zähnchen bewehrt. Patella mit langer, bürstiger Apophyse und dorsal
in 2 Längsreihen kräftig bezähnelt. Tibia mit kleiner, bürstiger Apo-
physe, im übrigen glatt, nur basal (ventral und dorsal) mit wenigen
winzigen Zähnchen besetzt. Tarsus unbewehrt, doch ventral dicht
mit schwarzen Körnchen bestreut; Klaue einfach.
Beine aller 4 Paare relativ kräftig und normal gebaut.
Trochantere seitlich kräftig bezähnelt. Femur I—IV scharf 5 kantig
und mit 5 Längsreihen sehr kräftiger Sägezähnchen. Tibia I—IV
scharf 5 kantig, die Kanten fein bezähnelt (besonders Tibia I ventral).
Metatarsen I—IV zylindrisch und unbewehrt, doch sind Tibia I und
Metatarsus I ventral mit kleinen Zähnchen besetzt.
Färbung des Körpers glänzend dunkelbraun bis schwarz mit
blasseren Pünktchen besprenkelt, ventral desgleichen wenig blasser.
Cephalothorax einfarbig, Abdomen desgleichen und ohne eine Spur
von Sattelzeichnung. Augenhügel wenig blasser als die Körpergrund-
farbe. Zähnchen des Abdominalrückens, des Augenhügels und der
Beine blaßgelb mit fein schwarzer Spitze. Mandibeln und Palpen
(außer Tarsus) wie auch die Beine (Femur, Patella und Tibia) schwarz-
braun. Metatarsen und Tarsen der Beine blasser braun. Gelenkknöpfe
der Femora (über den Trochanteren) sind blaßgelb geringelt.
Griechenland — ©. L. KOCH deser. — (nur 9) — (Hofmus. Wien)
— (vidi type).
Griechenland (Peloponnes: Kardanigh) — ($ +9) — HOLLY
leg. — (Brit. Mus. London) — (vidi).
Griechenland (Pentelikon) — (J + 9) — SCHÜTT u. OBER-
DÖRFFER leg. — (Mus. Hamburg) — (vidi).
METAPHALANGIUM NOV. GEN.
= Opilio, C. L. KOCH 1839, Übersicht Arach. Syst. II. p. 35.
= Phalangium, H. LUCAS 1845, Explor. Alger. Arach.
Körperdecke weich lederartig; letzte Cephalothorax-
segmente von einander und vom Abdomen durch deutliche Querfurchen
getrennt. Cephalothorax zwischen Stirnmitte und Augenhügel mit
einer Gruppe von Zähnchen, die ungeordnet und verstreut stehen.
Coxen glatt oder zerstreut behöckert, doch ohne regelmäßige Rand-
höckerreihen. Maxillarloben II in einem stumpfen Winkel vor dem
Vorderrand der Genitalplatte.
Augenhügel mäßig hoch, jederseits der deutlichen Furche
mit einer Reihe spitzer Zähnchen. Augenhügel vom Stirnrand um das
Doppelte seines Längsmessers entfernt.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 71
Supramandibularraum mit 2 medianen Dörnchen
oder einer feinen Dörnchenreihe unterhalb des Stirnrandes.
Mandibeln klein, normal gebaut, Glied I ohne Ventraldorn;
bei beiden Geschlechtern gleich gebaut (obwohl beim 3 meist stärker
bezähnelt, so doch kein sekundärer Geschlechtsdimorphismus an
den Mandibeln).
Palpen einfach und normal gebaut bei beiden Geschlechtern ;
weder Patella noch Tibia mit Apophysen. Tarsalklaue einfach.
Beine kräftig; beim 2 alle 4 Paare gleich entwickelt; beim &
Femur, Patella und Tibia von Bein I keulig verdickt, viel dicker als
die entsprechenden Glieder der anderen Beinpaare (sekundärer
Geschlechtsdimorphismus bei Bein I). Alle Femora und Tibien ohne
Pseudogelenke.
[Type: Metaphalangium propinguum (H. LUCAS).]
Tabelle der Arten (£):
1. Supramandibularraum mit nur 2 medianen Dörnchen
— Supramandibularraum über jedem der beiden I. Glieder der
Mandibeln mit emer Bogenreihe kleiner brauner Dörnchen
(Mittelmeer-Länder) — propınguum H. LUCAS.
2. Bein II—IV blaßgelb und braun geringelt; auch die letzten dorsalen
Abdominalsegmente mit großen, spitzen Zähnchen in Querreihen
besetzt (Teneriffa) — spiniferum (H. LUCAS)
— Bein I1I—IV einfarbig blaßgelb bis auf die schwarzspitzigen
Zähnchen, nicht geringelt; letzte dorsale Abdominalsegmente
glatt und unbewehrt 9.
3. Die weiße Medianlinie des Abdomimalrückens vollkommen
parallelrandig durchlaufend
(Mittelmeerländer) cirtanum C.L. KOCH.
— Die schmale weiße Medianlinie des Abdominalrückens ist auf
Segment III seitlich wenig, aber deutlich eckig erweitert
(Algier) — albounilineatum H. LUCAS
Die bisher bekannten 4 Arten dieser Gattung werden beschrieben
als:
l. Metaphalangium propinguum (auct.).
= Phalangium propinguum, H. LUCAS 1845, Explor. Alger. Ar. p. 286;
Taf. XX. Fig. 4.
= Phalangium barbarım, LUCAS 1845, Explor. Alger. Ar. p. 293; Taf. XIX.
Fig. 1.
= Phalangium africanum, LUCAS 1845, Explor. Alger. Ar. p. 283; Taf. X VIII,
Fig. 9.
= Phalangium annulipes, LUCAS 1845, Explor. Alger. Ar. p. 292; Taf. XIX.
Fig. 1.
= Opilio luridus, C. L. KOCH 1848, Arachn. XVI p. 50; Fig. 1534.
712 Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Opilio luridus, CANESTRINI 1872, Ann. Mus. civ. Gen. II. p. 44; Taf. 1.
Fig. 3.
Opilio luridus, CANESTRINI 1875, Padua Atti IV. p. 10.
Phalangium propinquum, SIMON 1879, Arach. France VII. p. 200.
Phalangium africanum, SIMON 1879, Arach. France VII. p. 208.
Phalangium annulipes, SIMON 1879, Arachn. France VII. p. 208.
Phalangium barbarum, SIMON 1879, Arach. France VII. p. 208.
Phalangium propinguum, CANTONI 1882, Bull. Ent. Ital. XIV.
Phalangium africanum, CANTONI 1882, Bull. Ent. Ital. XIV.
(le leleli
Mittelmeerländer (Italien, Corsika, Elba, Spanien, Süd-Frankreich,
Algier, Tunis, Aegypten, Syrien, Türkei, Griechenland).
Algier — viele Exemplare (3 + 9) — H. LUCAS det. (als pro-
prinqguum, africanum annulipes, barbarum) Mus. Paris (vidi typ.
divers.).
Oran — (33 +2 2) — KRAEPELIN leg. 1896 (März) — (Mus.
Hamburg) — (vidi).
Italien — 15 — ? leg. — (Mus. Frankfurt a. M.) — (vidi).
Nord- Afrika (Carthago) — (1 S& + 19) — FRANK leg. 1898 —
(Mus. Frankfurt a. M.) — (vidi).
Sieilien — (1 +1Q +1 juv.) — GROHMANN leg. — (Hofmus.
Wien) — (vidi).
Sieilien (Messina) — 3 @ (juv.) — Frau ROS. MEYER leg. 1898
— (Mus. Hamburg) — (vidi).
Griechenland (Morea: Gaibjace) — $ + 2 — HOLITZ leg. —
(Brit. Mus. London) — (vidi).
Italien (Rom) — (23 + 1%) — KOCH ded. — (Mus. Hamburg)
— (vidi).
Algier — (AS +89) — LESNE leg. — SIMON det. — (Mus.
Paris) — (vidi).
Metaphalangium propinquum (H. LUCAS) umfaßt
die großen Phalangium-Arten der Mittelländer; es sind von
LUCAS viele besondere Spezies beschrieben worden, die sich bei ein-
gehender und vergleichender Untersuchung der LUCAS’schen Typen
mit einem sehr zahlreichen Material vieler Museen in vielen Über-
gangsstufen als Synonyma erwiesen und sich zwanglos unter die typische
Art Metaphalangium propinquum einreihen lassen; so
ist Phalangiumafricanum nur da 9 zupropinquum
(die von LUCAS beschriebenen & der Type in Parisvonafricanum
erwiesen sich als 9); ebenso ist Phalangium annulipes
LUCAS synonym mit Phalangium africanum, wie aus
Untersuchung und Vergleichung der Pariser Typen hervorgeht.
Höchstens könnte man eime Varietät als Metaphalangium
propinquum var. barbarum (LUCAS) abtrennen, welche
nach der LUCAS’schen Type (Paris) und anderen Exemplaren völlig
mitpropindgquum (form. typ.) übereinstimmen, nur daß das Glied II
der Mandibeln an der Innenseite der oberen Kniewölbung eine kleine
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 73
Tuberkelgruppe aufweist; die 9 dieser Varietät stimmen völlig mit der
form. typ. überein und gleichen dm Phalangium africanum
LUCAS.
2. Metaphalangium cirtanum (C. L. KOCH).
(Taf. II, Fig. 12.)
Opilio eirtanus, C. L. KOCH 1834, Ueb. Ar. Syst. II. p. 35.
Opilio cirtanus, C. L. KOCH 1848, Arach. XVI. p. 45 fig. 1531.
Phalangium cirtanum, H. LUCAS 1845, Explor. Alger. Ar. p. 282; Taf. XVIII.
fig. 2. (vidi).
— Phalangium cirtanum, SIMON 1879, Arach. d. France VII. p. 208.
IA
Bisher lag kein & dieser Art vor, und es sind nur ® beschrieben
worden. Auch KOCH’s Type und die LUCAS’schen Exemplare des
Mus. Paris sind nur 9. Da ich jetzt auch 1 & aus Algier beschreiben
kann, lasse ich die vollständige Diagnose dieser Art hier folgen:
ö Körper 9 mm lang; Beinfemur I 8, II 11,5, III 7, IV 9 mm lang;
Bein I 26, II 48, III 29, IV 37 mm lang.
S Cephalothorax am Stirmrand gerade abgestutzt, nicht
ausgebuchtet; zwischen Augenhügel und Stirnrand eine Gruppe großer,
starker, spitzer Dörnchen, die am Stirnrande am stärksten sind und
- divergieren; Fläche neben dem Augenhügel glatt bis auf ein vereinzeltes
Zähnchen; Ecken zwischen den Coxenausbuchtungen am Seitenrand
des Cephalothorax mit Gruppen aus 2 (3) Dörnchen. Die 2 letzten
Cephalothoraxsegmente (hinter dem Augenhügel) mit je einer deutlichen
Querreihe spitzer Zähnchen. Abdominalsegmente dorsal mit Querreihen
(segmentweise) weit steherder, kleiner Tuberkeln, von denen das
mediane jeder Reihe (in der Mitte des weißen Medianbandes) etwas
größer ist. — Bauch, Genitalplatte und Coxen glatt und nur sehr fein
und spärlich schwarz behaart.
Supramandibularraum mit zwei medianen spitzen
Zähnchen.
Augenhügel doppelt so weit vom Stirnrand entfernt wie
sein Längsmesser; so hoch wie breit wie lang, gefurcht, basal nicht
verengt; jederseits ein Kamm aus 4—5 spitzen Zähnchen, die vorn
und hinten am Augenhügel am stärksten sind.
Mandibeln kräftig, aber normal gebildet; Glied I dorsal
kräftig und dicht bezähnelt; Glied II frontal oben stumpf behöckert;
jedes Höckerchen trägt ein schwarzes Börstchen; Frontalfläche von
Glied II im übrigen fein schwarz beborstet.
Palpen kurz und kräftig; Femur so lang wie Patella + Tibia,
Tarsus etwas länger als der Femur; Patella einfach und ohne Apophyse;
Tibia doppelt so lang wie breit. Femur dorsal und ventral dicht spitz
bezähnelt, lateral außen und innen glatt; Patella dorsal mit 2 Längs-
reihen kräftiger, spitzer Zähnchen; Tibia unbewehrt, allerseits ver-
streut beborstet, desgleichen der Tarsus, doch dieser ventral seiner
ganzen Länge nach mit einem Streifen äußerst winziger (schwarzer,
pünktchenartiger) Körnchen.
74 Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Beine kräftig; Bein I: Femur, Patella und Tibia stark ge-
schwollen, etwa 6 mal so dick wie die entsprechenden Glieder der
übrigen Beine; Femur I stumpf 5 kantig, die 3 oberen Kanten mit
regelmäßigen Längsreihen spitzer (abwechsenld großer und kleiner)
Zähnchen; die beiden ventralen Kanten mit je einem breiteren Längs-
streif verstreuter, nicht regelmäßig geordneter Tuberkeln; Patella I
5 kantig, dorsal mit 3 Längskämmen spitzer Zähnchen, ventral ver-
streut bezähnelt; Tibia I zylindrisch, dorsal glatt glänzend, ventrale
Hälfte der ganzen Länge nach dicht mit äußerst winzigen Tuberkeln
besät; Metatarsus I sehr dünn, zylindrisch und nur ventral wie die
Tibia bewehrt; Tarsenglieder I spärlich beborstet. — Bein II—IV:
Femora lang und dünn, ventral vollkommen glatt, dorsal kantig und
mit 3 Längsreihen ungleich großer, spitzer Zähnchen (viel kleiner als
an Femur I) besetzt; Patella II glatt und nur dorsal mit 3 kleinen End-
dörnchen; Tibia II scharf 5 kantig, die Kanten unbewehrt, nur fein
beborstet; Metatarsus II zylindrisch und nur beborstet; — Patella III
und IV dorsal mit 3 Längsreihen winziger Zähnchen; Tibia III und IV
dünn und glatt, kaum mit spärlichen Börstchen besetzt. —Trochantere
aller Beine seitlich vorn und hinten kräftig bezähnelt.
Färbung des Körpers lederfarben gelbbraun. Cephalothorax
blaß, die Zähnchen weißlich mit feimer schwarzer Spitze (wie alle
Zähnchen und Dörnchen auf dem Körper und den Extremitäten);
Lateralporen dunkelbraun umsäumt. Augenhügel blaßgelb, Augen
schwarz. Hinter dem Augenhügel beginnt ein scharf hervortretendes,
etwa lmm breites, nur nach hinten allmählig schmaleres, milch-
weißes Medianband, das über den ganzen Rücken läuft und den dunkel-
braunen Sattel in 2 Hälften teilt. Dieser Sattel beginnt breit hinter
dem Augenhügel, ist an den Seiten fein, aber scharf weiß gesäumt und
auf der Grenze zwischen Cephalothorax und Abdomen etwas ein-
geschnürt, wird allmählig nach hinten wieder breiter bis Abdominal-
segment III, wo er am breitesten ist. Auf Segment III—IV nimmt
er an Breite ab und verengt sich bis an die weiße Medianbinde heran,
ohne auf der ledergelben Grundfarbe des übrigen Abdomens hinten
wieder hervorzutreten. Dieser nicht von der Sattelzeichnung einge-
nommene Teil des Rückens ist mit schwach dunkler braunen Flecken
segmentweise gesprenkelt. — Bauch mit Genitalplatte, Coxen und
Mundgegend einfarbig aschfarben weißgelb. Die Unterseite aller
Extremitäten (Mandibeln, Palpen und Beine) ist von gleicher Farbe
wie die Bauchseite des Körpers. — Mandibeln Glied I lateral innen
und außen dunkelbraun gefleckt, Glied II gänzlich einfarbig blaßgelb.
— Palpen desgleichen blaßgelb, ihre Zähnchen mit schwarzen Spitzen
und die Borsten schwarz. — Bein I: Femur, Patella und Tibia seitlich
vorn und hinten braun angelaufen, dorsal blaß gelbbraun gesprenkelt
zwischen den Zähnchenreihen oder Borstenreihen der Kanten. Diese
Zeichnung ist desgleichen, aber viel schwächer an den entsprechenden
Gliedern der Beine II—IV vorhanden; Metatarsen und Tarsen aller
Beine einfarbig blaßgelb, ihre Börstehen schwarz.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 75
Q Körper 9—11 mm lang; Beinfemur I 6, II 11, III 6, IV 9 mm
lang. Bein I 24, II 47, III 25, IV 38 mm lang.
Q Cephalothorax zwischen Stirnrand und Augenhügel
mit einer Gruppe spitzer Höckerchen, auch an den Seitenrändern mit
einigen solchen Höckerchen; hinter dem Augenhügel jedes Segment
(besonders die 2 letzten des Cephalothorax und die 3 ersten des Ab-
domens) mit je einer Querreihe äußerst winziger Höckerchen. Stirn-
rand des Cephalothorax nicht ausgebuchtet, sondern gerade ab-
gestutzt. Abdomen sehr dick und oval gerundet, vorn breiter als hinten.
Augenhügel wie beim 3, nur die Bezähnelung nicht so
kräftig.
Supramandibularraum mit 2 medianen, kleinen
Zähnchen. _
Mandibeln klein, aber kräftig und normal gebaut, weder
bezähnelt noch behöckert, bisweilen Glied I dorsal mit etlichen stumpfen
Höckern, die aber meist fehlen; im übrigen beide Glieder spärlich
fein beborstet.
Palpen: alle Glieder zerstreut beborstet, ohne Besatz spitzer
Zähnchen; im übrigen wie beim $ gebaut.
Beine aller 4 Paare normal, kräftig, doch Bein I nicht verdickt.
Femora, Patellen und Tibien kantig; jede Kante der Femora und
Patellen mit feinen Zähnchenreihen besetzt. Trochantere seitlich
spärlich bezähnelt, Coxen glatt. Tibien nicht bezähnelt und wie die
Metatarsen nur spärlich beborstet.
Färbung des Körpers (wie beim &) lederfarben gelbbraun und
mit breitem, sammetbraunen Rückensattel, der durch ein weißgelbes,
parallelrandiges Medianband (etwa 1 mm breit) geteilt wird. — Seiten
des Cephalothorax und seine Hinterecken fahlbraun, Stirn bis zum
Augenhügel breit sammetbraun, hier median etwas blasser, besonders
um den blassen Augenhügel, von dem ein feiner, dunkler Medianstrich
nach vorn läuft; hinter dem Augenhügel setzt sich der sammetbraune
Dorsalsattel fort, der seiner ganzen Länge nach fein und scharf weiß
gesäumt ist und auf Abdominalsegment 1—3 parallelrandig, von
hier aus bis zum Hinterrande von Segment 5 schräg breit erweitert,
von hier aus (Segment 6—7) ebenso wieder an Breite abnimmt und
parallelrandig bis zur Abdominalspitze verläuft. — Bauch schmutzig
weißgrau, fein quer braungesprenkelt; Coxen weißgrau mit feinem
rotbraunen Medianstrich und seitlich scharf braun gesprenkelt;
Trochantere blaßgelb, schwach gesprenkelt; Beine desgleichen, die
Zähnchenreihen (soweit vorhanden) schwarz; die einzelnen Glieder
dem Ende zu dunkler gebräunt. Glied I der Mandibeln mehr oder
minder braun angelaufen. Palpen blaßgelb und braun: Femur blaß-
gelb, seine Spitze braun gefleckt; Patella mit einigen braunen Längs-
stricheln; Tibia blaßgelb, doch vordere Außen- und Innenecken dunkel-
braun; Tarsen blaßgelb, apical schwach gebräunt.
(Bisweilen ist der Sattel in der Mitte des Abdominalrückens
verwischt, bisweilen auch fast ganz fehlend oder nur sehr schwach
erkennbar.)
76 Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Algier — nur % — H. LUCAS det. — (vidi typ.) — (Mus. Paris).
Algier — 3 9 — LESNE leg. — (Mus. Paris) — (vidı).
Algier — 2 9 — LUCAS leg. — (Mus. Paris) — (vidi).
Algier — 6 9 — LESNE leg. 1892—1894 — Simon det. — Mus.
Paris — (vidi).
Algier — 4 9 (juv.) — WEGENEBR leg. 1910 — (Mus. Hamburg)
— (vidi).
Algier (Constantine) — (l$ +22) — KRAEPELIN leg. 1901
— (Mus. Hamburg — (vidi).
3. Metaphalangium albounilineatum (H. LUCAS).
= Phalangium albounilineatum, LUCAS 1846, Explor. Algerie p. 284.
— Phalangium numidicum, LUCAS 1846, Explor. Algerie p. 285.
Die Untersuchung der LUCAS’schen Typen aus dem Mus. Paris
ergab, daß Phalangium albounilineatum synonym ist
mit Phalangium numidicum, ferner aber daß erstere Art
eine besondere Art bleiben muß.
3 Körper 9 mm lang; Beinfemur I 5, II 10, III 5, IV 8 mm lang;
Bein 1 25, II 44, III 25, IV 32 mm lang.
3 Körper: Cephalothorax vorn gerade abgestutzt, nicht aus-
gebuchtet, zwischen Stirnrand und Augenhügel eine Gruppe starker
und spitzer verstreuter Zähnchen; Vorderecken und Seiten des Cephalo-
thorax nicht bezähnelt, fast glatt, nur der Seitenrand über den Coxen-
ausbuchtungen mit einer freien Reihe spitzer Zähnchen und jedes der
beiden letzten Cephalothoraxsegmente (hinter dem Augenhügel) mit
regelmäßigen Querreihen feinster Zähnchen. Abdomen dorsal iast
glatt und nur vorn segmentweise mit winzigen Spuren von Zähnchen-
querreihen. Bauchsegmente glatt, Genitalplatte desgleichen; Coxen
rauh behöckert und beborstet.
Augenhügelhoch, und um das Doppelte seines Längsmessers
vom Stirnrande entfernt; basal wenig verengt, gefurcht und oben
jederseits mit einen Kamm aus 5—6 spitzen Dörnchen.
Supramandibularraum mit zwei deutlichen medianen
spitzen Zähnchen.
Mandibeln Glied I dorsal oben und innen rauh tuberkuliert,
im übrigen wie auch Glied II glatt. (Beim $ sind die Mandibeln etwas
kräftiger als beim 9, sonst aber ebenso und nicht abweichend gebaut.)
Palpen kräftig; Femur so lang wie Patella '-+- Tibia, so lang
wie der Tarsus; Patella einfach und ohne Apophyse; Tibia doppelt so
lang wie breit. Femur allerseits spärlich und zerstreut bezähnelt;
Patella dorsal mit 2 Längsreihen spitzer Zähnchen; Tibia und Tarsus
nur behaart.
Beine lang und kräftig. Bein I: Femur, Patella und Tibia
wenigstens doppelt so dick als die entsprechenden Glieder der übrigen _
Beinpaare. Femur I schwach kantig, jede Kante mit einer scharfen
Längsreihe größerer und kleinerer spitzer Zähnchen (bei M. pro-
p!nquum diese Zähnchen alle gleich groß), die meist abwechselnd
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 77
stehen; Patella I 5 kantig und dorsal mit 2 Reihen solcher Zähnchen;;
Tibia I nur wenig kantig, fast zylindrisch, dorsal vollkommen glatt,
nur ventral fein und sehr spärlich bezähnelt, desgleichen der dünne
Metatarsus I. — Bein II—IV dünn; Bewehrung der Femora II—IV
wie bei Femur I; Patellen und Tibien II—IV kantig und völlig glatt
und unbewehrt, nur fein beborstet.
Färbung des Körpers blaß rotbraun mit dunkelbraunem
Rückensattel. Cephalothorax jederseits neben dem blassen Augenhügel
(Augen schwarz) mit einigen mehr oder minder deutlichen dunkel-
braunen Fleckchen, die hinter dem Augenhügel zusammenfließen:
Vor dem Augenhügel bis zur Stirnrandmitte eine feine braune Median-
linie. Sattelzeichnung auf den beiden letzten Cephalothoraxsegmenten
(wo sie beginnt) parallel randig, auf den Abdominalsegmenten ein-
geschnürt: auf Segment II u. III wieder erweitert, auf III am breitesten,
dann allmählich nach hinten zu wieder schmaler werdend und über
dem After fast verschwindend. Der ganze Rückensattel wird median
geteilt durch einen breiten, weißen, sehr deutlichen Längsstreifen,
der parallelrandig vom Augenhügel bis zum After den Rückensattel
durchzieht und nur sehr wenig auf Segment III (dem breitesten Teile
des Sattels) seitlich verbreitert ist. Im übrigen sind die Rücken-
segmente des Abdomens einiarbig blaß. — Bauchsegmente und
Genitalplatte einfarbig aschfarben bis gelbbraun blaß, nur Coxen
blaß und wenig dunkler gesprenkelt, kaum deutlich; ebenso die
Mandibeln, Palpen und Beine; die Zähnchen dieser Gliedmaßen wie
auch die des Körpers sind weiß mit feiner schwarzer Spitze, bisweilen
nur Tibien und Patellen der Beine kaum merklich dunkler in Längs-
reihen gesprenkelt. >
Algier — 10 (5 + 2) — LUCAS det. — (Mus. Paris) — (vidi typ.).
Algier — 3 2 — LUCAS det. (als Phal. numidicum) —
(Mus. Paris) — (vidi type).
4. Metaphalangium spiniferum (H. LUCAS).
(Taf. III, Fig. 4.)
= Phalangium spiniferum, LUCAS, Barker-Webb u. Berthelot, Hist. nat. des
Iles Canaries II, 2. part. p. 46—47, pl. 7. fig. 7, 7a.
Diese Art erhielt ich in 5 Exemplaren ( 3 und 9) aus dem Senckenberg-
Museum in Frankfurt a. M., wo sie mit Fundort und Sammler als Opilio
spiniferus LUCAS bestimmt waren. Die Original-Diagnose von H. LUCAS
ist wie fast alle dieses Autors nicht viel wert, auch sind die beiden Figuren (Habitus
von oben mit Beinen, Profil des Körpers) ebenso wenig maßgebend. Da es sich
jedoch zweifellos um eine besondere Art des Genus Metaphalangium
handelt, so sei hier nach den Frankfurter Exemplaren neu beschrieben. — Ein
Phalangium spiniferum wird 1883 von SIMON in: Ann. Soc. ent.
France (6) III p. 300—301 beschrieben; ich konnte die SIMON’schen Tiere aus
dem Museum Paris nachprüfen und fand, daß sie mit den LUCAS’schen Tieren
(des Frankfurter Museums) — SIMON hat übrigens die LUCAS’schen Original-
formen auch nicht gesehen! — nicht identisch sind, vielmehr einem anderen
Genus: Bunostonum.n.g. (siehe dort!) angehören.
78 Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Die Diagnose nach den Frankfurter Exemplaren für Meta-
phalangium spiniferum LUCAS lautet:
& Körper 6 mm lang; Beinfemur I 7, II 10, III 6,5, IV 8 mm lang;
Bein I 22, II 44, III 23, IV 35 mm lang.
& Cephalothorax vorn gerade abgestutzt und zwischen
Stirnrand und Augenhügel eine Gruppe großer, spitzer Zähnchen, die
in folgender Weise angeordnet sind: Vor der Augenhügelbasis ein
medianes Zähnchen und von hier aus geradlinig, schräg zu den Vorder-
ecken des Cephalothorax verlaufend jederseits eine Reihe spitzer
Zähnchen; in dem dadurch entstehenden, dreieckigen Winkelraum
in der Stirnmitte zunächst drei nebeneinander stehende starke Zähnchen
und dahinter noch ein medianes. Seitenränder des Cephalothorax und
entlang den Rändern der Lateralporen und an den Ecken zwischen
den Coxenausbuchtungen mit Gruppen spitzer Dörnchen; die zwei
letzten Cephalothoraxsegmente (hinter dem Augenhügel) mit zwei
deutlichen Querreihen dicht gestellter spitzer Zähnchen. Desgleichen
jedes Dorsalsegment des Abdomens (bis auf das Analsegment) mit
je einer scharfzähnigen Querreihe dicht gestellter, kräftiger Zähnchen.
— Bauch, Genitalplatte und Coxen II—IV glatt, nur Coxa I spärlich
und schwach behöckert.
Augenhügelum das Doppelte seines Längsmessers vom Stirn-
rande entfernt, so hoch wie lang, wie breit; deutlich tief gefurcht;
basal nicht verengt; oben jederseits der Furche mit zwei scharfen
Kämmen aus 9—10 spitzen Dörnchen. Diese beiden Kämme fließen
vorn und hinten an der Basis des Augenhügels zusammen, die Zähnchen
stehen hier also verstreut (Taf. III Fig. 4).
Supramandibularraumnurmit zwei medianen Dörnchen
bewehrt.
Mandibeln klem und normal gebaut; Glied I dorsal mit
2—3 spitzen Körnchen, sonst glatt wie Glied II; dieses frontal spärlich
fein beborstet.
Palpen kurz, dünn und normal entwickelt. Femur so lang
wie Patella + Tibia, doch der Tarsus !/, länger als der Femur; Patella
einfach und ohne Apophyse; Tibia 2 mal so lang wie breit. — Femur
dorsal an der Spitze mit einigen wenigen Zähnchen, doch ventral mit
2 Längsreihen spitzer Zähnchen, und zwischen diesen beiden Reihen
einigespitzeZähnchen verstreut. Patella dorsal mit 2wenig regelmäßigen
Längsreihen spitzer Zähnchen. Tibia und Tarsus nur fein beborstet,
doch der Tarsus ventral mit einer äußerst feinen, kaum sichtbaren
Längsreihe äußerst winziger, spitzer Körnchen.
Beine kräftig und lang. Femur, Patella und Tibia von Paar I
stark keulig verdickt, die übrigen Glieder von Bein I und alle Glieder
von Bein II—IV dünn und von normalem Bau. — Femur I scharf
5kantig: 4 Kanten davon mit regelmäßigen Längsreihen spitzer
Zähnchen, die fünfte (äußere ventrale) mit einem breiten Streifen
dichtstehender, nieht so kräftiger und nicht so spitzer Tuberkeln
besetzt. Patella I scharf 5 kantig: mit 3 dorsalen kräftigen und 2 ven-
tralen schwächeren Längsreihen spitzer Zähnchen. Tibia 1 scharf
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 79
5 kantig und mit 5 scharfen Längsreihen spitzer Dörnchen, die besonders
in den beiden ventralen Reihen scharf und groß sind. Metatarsus I
zylindrisch und wie die Tarsenglieder von Bein I beborstet, doch hat
der Metatarsus I ventral eine unregelmäßige Längsreihe verstreuter
Zähnchen. — Femora, Patellen und Tibia der Beinpaare II—IV scharf
5kantig und jede Kante mit einer Längsreihe scharfer Zähnchen,
die an den basalen Gliedern kräftiger sind als an den apicalen. Meta-
tarsen und Tarsenglieder von Paar II—IV zylindrisch und nur beborstet.
Trochantere aller Paare seitlich vorn und hinten bezähnelt.
Färbung des Körpers graubraun bis aschfarben. Cephalothorax
rostfarben bis blaßgelb, zwischen den Zähnchen der Stirngruppe
undeutlich dunkelbraun gesprenkelt, desgleichen den Seitenrändern
entlang und hinten neben dem Augenhügel. Die Zähnchen und Dörnchen
des Cephalothorax, des Augenhügels und Abdomens sowie auch der
Beinfemora und Patellen gelbweiß mit feiner schwarzer Spitze. Ab-
domen gleichfarbig aschgrau bis bräunlich; median undeutlich blasser.
Auf den ersten 2—3 Dorsalsegmenten ist jederseits der kaum blasseren
Mediane ein schwacher Sattel nur undeutlich dunkler angedeutet,
welcher außen fein weiß, aber sehr undeutlich gerandet und auf Ab-
dominalsegment II am breitesten ist. Dahinter hört jede Spur des
Rückensattels auf und das Abdomen zeigt nur verschwommene dunkler
braune Sprenkeln in Querreihen abwechselnd mit den scharf blaßgelb
hervortreterden Zähnchenquerreihen. — Augenhügel blaßgelb. —
Mandibeln blaßgelb, Glied I dorsal und Glied II lateral außen fein und
scharf dunkelbraun punktiert. — Palpen blaßgelb, doch Femur dunkel-
braun mit blasser Spitze; Patella nur dorsal mit einigen blasser braunen
Fleckchen; Tibia und Tarsus einfarbig blaß. — Beine: Femora bis auf
die blasseren Zähnchen dunkelbraun (besonders Femur I), doch in der
Mitte jedes Femurgliedes undeutlich blaßgeringelt außer Femur II,
der bis auf seine schwärzlichen Zähnchenspitzen ganz blaßgelb ist.
Patellen und Tibien aller Paare nur dorsal zwischen den Zähnchen-
reihen mit schwachen dunkleren Pünktchenreihen; Metatarsen und
Tarsenglieder aller 4 Beinpaare einfarbig blaßgelb.
Q — wie das d gebaut und gefärbt, nur Femur, Patella und Tibia I
normal gebaut und dünn.
Teneriffa (Aqua mansa) — 5 ($ + @) — GRENACHER leg. 1871
— (Mus. . Frankfurt a. M.).
BUNOSTOMUM NOV. GEN.
(Taf. II, Fig. 2 u. 3.)
Cephalothorax vorn wenig ausgebuchtet, zwischen Stirnrand-
mitte und Augenhügel eine Gruppe verstreuter kleiner spitzer Zähnchen.
Abdomen deutlich vom Cephalothorax getrennt durch Querfurchen.
Maxillarloben von Bein II liegen in einem stumpfen Winkel vor der
Genitalplatte. Coxen ohne Randhöckerreihen; beim $ Coxa I doppelt
so dick wie II.
80 Dr. €. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Augenhügel so hoch, wie lang wie breit, mit 2 Zähnchen-
kämmen.
Supramandibularraum mit 2 medianen Dörnchen
bewehrt.
Mandibeln beim @ normal und klein, beim $ viel größer und
Glied I typisch dorsal mit einem sehr großen, schräg rückwärts ge-
neigten Höcker von der Größe des ganzen Gliedes; die hintere Spitze
dieses Höckers überragt den Stirnrand des Cephalothorax.
Palpen kurz und normal entwickelt beim $ und 9.
Beinelang und kräftig; beim Q alle 4 Paare gleich stark; beim &
Coxa, Trochanter, Femur, Patella und Tibia von Bein I stark verdickt,
Femur I stark keulig. Alle Glieder mit starken Zähnchenreihen.
[Type: Bunostomum crassipes nov. spee.].
nur eine Art:
Bunostomum crassiıpes nov. spec.
= Phalangium spiniferum, SIMON 1878, C. R. Soc. Ent. Belg. t. 21. p. 215—24.
= Phalangium spinipes, LUCAS — ? — Hierzu die Anmerkung:
Aus dem Senckenberg - Museum in Frankfurt a. M. ging mir zur Revision
eine Tube zu welche 3 Exemplare einer Phalangium - Art enthielt, die als
Phal.spinipes LUCAS bestimmt waren (der Bestimmer läßt sich nicht fest-
stellen); ich habe in der Literatur kein Phalangium spinipes LUCAS
auffinden können. Bei der Untersuchung erwiesen sich diese Tiere jedoch als 1
nicht ganz erwachsenes $ von Phalangium spiniferum SIMON
(= Bunostomum crassipes nov. g. n. spec.). Es dürfte sich bei den Frankfurter
Formen vielleicht um einen Schreibfehler des Bestimmenden handeln. Die beiden
übrigen Exemplare waren ganz junge Tiere. Bunostomum crassipes n. g. n. Sp.
— (Phalangium spiniferum SIMON 1878) ist streng zu unterscheiden von Meta-
phalangium spiniferum n.g. = Opilio spiniferus LUCAS: Bunostomum 3 mit
typischem Geschlechtsdimorphismus der Mandibeln, einfarbigen Beinfemora
und Beintibien, Abdomen nur vorn mit 3 Zähnchenquerreihen und im übrigen
glänzend glatt. Metaphalangium spiniferum n.g. (sp. LUCAS) dagegen mit in
beiden Geschlechtern kleinen und normalen Mandibeln, scharf blaßgeringelten
Beinfemora I, III und IV und Abdominalrücken auf jedem Segment (außer dem
Analsegment) mit scharfzähnigen Querreihen dicht gestellter kräftiger Zähnchen.
Obgleich beide Formen auf Teneriffa gefunden werden, sind sie sowohl in Bau
als auch Färbung scharf zu scheiden, nachdem ich von beiden Formen mehrere
Exemplare gesehen habe und untersuchen konnte.
Die Diagnose von B. crassipes n. sp. lautet:
3 Körper (ohne Mandibeln) 5 mm lang; Beinfemur I 10, II 19,
III 9, IV 12mm lang; Bein I 40, II 85, III 43, IV 56 mm lang.
5 Körper flach, hinten breit abgestutzt. Cephalothorax vorn
wenig ausgebuchtet; zwischen Stirnrandmitte und Augenhügel eine
Gruppe verstreuter kleiner spitzer Zähnchen; die schwachen seitlichen
Ausbuchtungen des Cephalothorax über den Coxen sind mit spitzen
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 81
Zähnchen mehr oder weniger regelmäßig gesäumt (besonders über
Coxa I). Cephalothorax seitlich vom Augenhügel mit einigen spärlichen
Zähnchen; die beiden letzten Cephalothoraxsegmente hinter dem
Augenhügel deutlich durch Querfurchen vom Abdomen getrennt und
jedes mit einer engen Querreihe spitzer Zähnchen. Abdomen dorsal
glatt, Segmente deutlich kenntlich, nur die 3 ersten Rücken-
segmente des Abdomens mit je einer Querreihe kleiner spitzer Zähnchen.
Bauchsegmente klein, deutlich und wie die vorn ovale Genitalplatte
glatt; Coxen glatt, weder beborstet noch granuliert, Coxa I doppelt
so dick wie Coxa II und die übrigen. Jedes Coxenglied innen (d.h.
unterhalb der Cephalothoraxausbuchtung) mit einem starken Dorn.
Augenhügel weit vom Stimrande entfernt, so lang wie breit
wie hoch, basal nicht verengt, deutlich gefurcht und über jedem Auge
eine Reihe mehrerer kleiner Zähnchen.
Supramandibularraummit2medianen spitzen Dörnchen.
Mandibeln kräftig und typisch gebaut: Gied I aufwärts
gekrümmt, ventral vollkommen glatt, dorsal mit einem sehr großen,
schräg rückwärts geneigten Höcker von der Größe des ganzen Gliedes;
die hintere Spitze dieses Höckers überragt den Stirnrand des Cephalo-
thorax und trägt hier etliche spitze Dörnchen, wie auch an der vorderen
Biegung; im übrigen ist Glied I glatt; Glied II normal, oben an der
Basis vor Glied I ein winziges spitzes, aufrechtes Zähnchen; Klauen
klein. (Taf. II, Fig. 2.)
Palpen normal gebaut, kurz und dünn; Femur so lang wie
Patella + Tibia, so lang wie der Tarsus; Patella vorn mit dreieckigem
Innenwinkel, aber ohne deutliche Apophyse; Tibia 31/, mal so lang
als breit. Trochanter ventral und besonders kräftig dorsal bezähnelt;
Femur dorsal und ventral kräftig spitz bezähnelt; Patella nur beborstet
und besonders dicht am vorderen Innenwinkel; Tibia nur spärlich
beborstet; Tarsus desgleichen, aber ventral-basal mit längsgereihter
diehter Gruppe spitzer, aber sehr winziger Zähnchen; Tarsalklaue
unbewehrt und einfach.
Beine sehr lang und dünn, bis auf Paar I. Wie Coxa I, so auch
Troechanter, I doppelt so dick wie II und seitlich bezähnelt. Femur 1
apical stark keulig verdickt, wohl 3—4 mal so dick wie II, scharf
5 kantig und jede Kante mit einer regelmäßigen Längsreihe großer
spitzer Dornen; Patella I und Tibia I auch dicker wie die übrigen,
5 kantig und mit ähnlichen Zähnchenreihen besetzt wie der Femur,
nur sind diese Zähnchen dorsal schwächer wie ventral entwickelt.
Metatarsus I nur ventral mit spitzen dichten Zähnchen. — Bein II
sehr dünn und sehr lang, nur dorsal fein borstenartig in Längsreihen
bezähnelt, ventral alle Glieder glatt, oder nur sehr spärlich beborstet.
Bein III und IV normal entwickelt, Femora wie bei Bein II 5 kantig
wie auch die Tibien II—IV, bewehrt wie Bein II.
Färbung des Cephalothorax lederfarben gelbgrau, schräg
seitlich vor dem Augenhügel mit einigen dunkleren undeutlichen
Stricheln und Fleckehen. Abdominalrücken aschgraubraun, seitlich
weißgrau mit (segmentweise) schwarzen Pünktchenquerreihen, die
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 2. Suppl. 6
83 Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
nur auf den Seiten sichtbar und angedeutet sind. Auf den ersten
Abdominalsegmenten ein lederfarbener dunkelgrauer (auf Segment II
seitlich wenig verbreiterter) sehr undeutlicher und unscharfer Sattel,
der sich auf den letzten Segmenten ganz verliert. Die Zähnchen des
Cephalothorax und des Abdomens, wie des Augenhügels und der Bein-
glieder von Paar I sind weiß mit fein schwarzer Spitze. Bauchsegmente
weißgrau einfarbig, Genitalplatte desgl.; Coxen von derselben Grund-
farbe, doch ihre Fugen und Spitzen (neben der Genitalplatte) mit
dunkelbraunen, undeutlichen, runden Fleckchen gesprenkelt. Mandibeln
und Palpen einfarbig blaß rostbraun. Trochantere der Beine und die
übrigen Beinglieder eimfarbig braungelb, nicht weiß geringelt; die
Zähnchen oder Börstehen von Paar II—IV sind dunkelbraun bis
schwarz.
Q unterscheidet sich vom 5 durch die kleinen, normalgebauten
Mandibeln, durch die dünnen, normal gebauten Beinglieder des Paares I
(wie III), durch die geringere Bezähnelung des Palpenfemurs, durch
das Fehlen der ventralen Tuberkeln am Palpentarsus. Die Färbung
des 9 ist blasser in der Grundiarbe, daher die Zeichnung des Rückens
kontrastreicher, der Sattel bisweilen deutlich und dunkel hervor-
tretend.
Canarische Inseln — (15 +19) — SIMON det. (= Phal. spini-
ferum) (vidi type!)
Teneriffa — (4 + 2) — ALLNAUD leg. 1896 — (Mus. Paris).
Teneriffa — (1 2 + 2 pull.) — SIMONY leg. 1889 — (Hofmus.
Wien) — (vidi).
GURUIA LOMAN.
= Gurwia, LOMAN 1902, Zool. Jahrbuch. System. Bd. XVI. Hft.2 p. 172.
— Gurwia, POCOCK 1903, Proc. Zool. Soc. London II (2) p. 397.
Körperdecke lederartig, weich; Cephalothorax vorn gerade
abgestutzt; letzte Cephalothoraxsegmente von einander und vom
Abdomen durch deutliche Querfurchen getrennt. Gegend zwischen
Augenhügel und Stirnmitte mehr oder minder bezähnelt oder unbewehrt
Abdomen mit Zähnchenquerreihen oder glatt. Bauchsegmente unbe-
wehrt, glatt; Coxen rauh behöckert oder glatt, doch stets ohne
regelmäßige Randhöckerreihen. Maxillarloben II im einem stumpfen
Winkel vor dem Vorderrand der Genitalplatte.
Augenhügel hoch, gefurcht, und kräftig bezähnelt; nur so
weit vom Stirnrand entfernt, wie sein Längsmesser mißt.
Supramandibularraum völlig glatt- und unbewehrt.
Mandibeln beim 9 klein und normal gebaut; bei $ länger
oder so lang als der Körper: Glied I schmal zylindrisch, stark ver-
längert, schräg aufwärts getragen und hoch über den Stirnrand hinweg-
ragend, dorsal rauh tuberkuliert, doch auch beim 9 ventral ohne den
wagerecht vorgestreckten Dorn (der Liobunum-Arten), obwohl hier
stark bezähnelt; Glied II sehr dick angeschwollen, hoch und breit
einförmig angeschwollen (bisweilen von der Größe des ganzen übrigen
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 83
Körpers, beide Glieder nebeneinander breiter oder wenigstens so breit
wie der Körper). Klauen lang und dünn, kräftig und hakig gegen
einander gebogen, ihre Schneide glatt, oder mit großen Mittelhöckern
und feiner Endsäge; jedenfalls derart gegen einander artikulierend,
daß zwischen ihnen stets ein breites Ör freibleibt.
Palpen lang und dünn, besonders beim $; Patella mit oder
ohne Apophyse; Tarsalklaue einfach.
Beine lang und dünn; alle 4 Paare bei beiden Geschlechtern
fast gleich stark entwickelt; 'bei den ö Bein I bisweilen stärker und
gekrümmt, aber nicht keulig verdickt.
[Type: @uruwia frigescens LOMAN.|
Tabelle der Arten (3):
1. Augenhügel mit nur 2 Dornen jederseits bewehrt
quadrıspinan. sp.
— Augenhügel mit wenigstens 3 Dornen jederseits
2. Die 3 ersten Dorsalsegmente des Abdomens mit je einem kurzen
Medianhöcker Talbotin.sp.
— Dorsale Abdominalsegmente ohne solche größeren Medianhöcker,
die sich von den Zähnchenquerreihen abheben
Palpenpatella mit deutlicher Innenapophyse 4.
— Palpenpatella einfach, apical nur wenig verdickt, aber ohne
apophyse
4. Glied II der Mandibeln oben und frontal auf ihrer ganzen Pläche
stark rauh bezähnelt
— Glied II der Mandibeln auf der Frontalfläche gänzlich ginaend
glatt, höchstens fein behaart
5. Palpen (gestreckt) über das Doppelte die Mandibeln ae:
Körper ca. 4,5 mm lang, Bein I ca. 44 mmlang longipesn.sp.
— Palpen (gestreckt) nur die Frontalseite der Mandibeln erreichend;
Körper ca. 6 mm lang; Bein I ca. 23 mm lang
palmatimanus POCOCK.
6. Bewegliche Klaue der Mandibeln in der Mitte, unbewegliche an
der Basis mit je einem großen stumpfen Höcker (Taf. I, Fig. 5)
levis LOMAN.
— Bewegliche Klaue der Mandibeln in der Mitte mit einem großen
stumpfen Höcker, unbewegliche vollkommen glatt und ohne
jeden Höcker palpinalisn.sp.
7. Unbewegliche Klaue der Mandibeln mit 1 starken Höcker nahe der
Spitze, bewegliche Klaue mit 2 stumpfen Höckern, die den einen
der unbeweglichen zwischen sich nehmen africana KARSCH
— Unbewegliche Klaue der Mandibeln mit 2 stumpfen Höcker (1 nahe
der Basis und 1 nahe der Spitze), bewegliche Klaue mit 1 stumpfen
Mittelhöcker frigescens LOMAN.
>
Die bisher nur aus Afrika bekannten 3 Arten dieser Gattung
werden beschrieben:
6*
84 Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
l. @uruwia frigescens LOMAN.
— Guruia frigescens, LOMAN 1902, Zool. Jahrb. Syst. Bd. XVI Hft. 2. p. 172.
Ost-Afrika (Gurui) — ($ + 2%) — (Mus. Berlin) — (vidi type).
2. @Guruia levis LOMAN.
(Taf. I, Fig. 5.)
— Guruia levis, LOMAN 1902, Zool. Jahrb. Syst. Bd. XV. 2. p. 173.
Ost- Afrika (Zansibar) — (d + 2) — (Mus. Berlin) — (vidi type).
3. Guruia palmatimanus POCOCK.
(Taf. I, Fig. 6.)
— Guruia palmatimanus, POCOCK 1903, Proc. Zool. Soc. London p. 397.
Ost- Afrika (Mombassa) — 5 — (Brit. Mus. London) — (vidi type).
Neu kommen folgende Arten hinzu:
4. Guruwia africana (KARSCH).
— Zacheus africanus KARSCH 1878, Monatsber. Acad. Wiss. Berlin
1879 p. 333.
5 — Körper 8mm lang; Bein I 38, II?, III 41, IV 55 mm lang;
Q — Körper Ilmm lang; Bein I 36, II 43, III?, IV 36 mm lang.
Wegen der von KARSCH 1878 gegebenen, nur sehr dürftigen
Diagnose führe ich nach Untersuchung der Berliner Type eine aus-
führlichere hier an:
Körper gerundet, vorn gerade abgestutzt; Rücken des Ab-
domens gewölbt. Vor dem Augenhügel nahe am Vorderrande des
Cephaolthorax ragen 2 spitze kleine Zähnchen hintereinander empor,
zu deren Seiten kleinere kaum sichtbar sind. Cephalothorax seitlich
vom Augenhügel spärlich tuberkuliert, fast glatt; hintere 2 Cephalo-
thoraxsegmente wie die ersten 5 dorsalen Abdominalsegmente mit
je einer " Querreihe gelblichgrauer Tuberkeln.. Bauchsegmente und
Coxen glatt, nicht rauh.
Augenhügel vor der Mitte des Cephalothorax gelegen, oben
mit 2 Längsreihen von je 3 Zähnchen, von denen die beiden mittleren
etwas größer sind. AOL |
Supramandibularraum unbewehrt und glatt. b=;
Mandibeln des $ robust: Glied I schmal, zylindrisch, stark
verlängert, schräg aufwärts getragen und Glied Il'sehr dick an-
geschwollen, hoch und breit eiförmig frontal rauh behöckert. Die
innere, unbewegliche Klaue mit einem starken Höcker nahe der Spitze,
die äußere, bewegliche mit zwei Zähnen, die den einen der unbeweglichen
zwischen sich n ehmen; beide Klauen stark nach außen gebogen. Beim 2
sind die Mandibeln klein und normal gebaut und haben beide nur je
einen Zahn.
Palpen beim { länger als beim 9, lang und dünn; Patella einfach
Re an Apophyse. Tarsus 1!/, mal so lang wie die Tibia; Tarsalklaue
einfac
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 85
Beine lang und dünn und alle Glieder mit deutlichen Zähnchen
dicht besetzt. Beim & ist Femur I stark nach außen und vorn gebogen,
aber nicht verdickt.
Färbung des Körpers braunschwarz, ventral gelblich bis
schmutzig weiß; über dem After ist der Rücken mit 4 gelben Quer-
bändern (entsprechend den 4 letzten dorsalen Abdominalsegmenten)
gezeichnet, welche zu je zweien seitlich zusammenfließen. Vor diesen
Flecken ist die Mitte des Abdominalrückens tieischwarzz, seitlich etwas
schwärzlich glänzend. Augenhügelzähnchen braun mit schwarzer
Spitze. Die Querreihen des Dorsalsegmente gelblichgrau. Bauch
des $ braungelb, Genitalplatte median mit einem breiten, braunen
Längsstreif, der dem © fehlt. Mandibeln beim $ fast schwarz, beim Q
braun. Beine beim $ tief schwarz, nur die Tarsenglieder heller braun.
Mozambique (Quellimane) — (1 & +2 2%) — PETERS leg. —
KARSCH desc. — (Mus. Berlin) — (vidi type).
5. Guruia quadrispinanmov. spec.
(Taf. I, Fig. 14.)
Körper des$& 7,28 mm lang; Beinfemur 18, 11 15, IIL 8, IV 12 mm
lang; Bein I 39, II 72, III 37, IV 58 mm lang.
$Cephalothorax vorn gerade abgestutzt, zwischen Augen-
hügel und Stirnmitte glatt, neben dem Augenhügel über den Seiten-
rand einige wenige, winzige spitze Körnchen. Cephalothorax und
Abdomen im übrigen granuliert lederartig; jedes Abdominalsegment
mit einer Querreihe kuppenartiger kleiner Höcker. Ventralseite matt-
glatt, desgleichen die Genitalplatte; Coxen rauh behöckert.
Augerhügel so lang wie breit wie hoch; würfelartig, oben
jederseits vorn und hinten mit einem schlanken, spitzen Dörnchen
(also 4 im ganzen) von der Länge der Höhe des Augenhügels bewehrt.
(Taf. I, Fig. 14).
Mandibeln groß und sehr breit; Glied I dorsal hochgewölbt,
breit eiförmig und frontal rauh behöckert, desgleichen das dick auf-
getriebene Glied II frontal.
Palpen lang und dünn; alle Glieder spärlich borstig behaart;
Femur so lang wie Patella -++ Tibia, so lang wie der Tarsus; Patella
ohne Apophyse; Tibia 31/, mal so lang wie breit. Tarsalklaue einfach.
Beine: Trochantere seitlich spärlich bezähnelt; Femora, Patellen
und Tibien dorsal grob, aber spärlich bezähnelt, ventral glatt.
Färbung des Körpers dorsal einfarbig matt schwarzbraun,
bisweilen Segmentgrenzen des Abdominalrückens schmal gelblich
blaß gerandet. Cephalothorax vorn fein weißgelb berandet und 2 feine
weißgelbe Längslinien von der Stirnmitte zum Augenhügel ;dieser
schwarzbraun. Bauch blasser (besonders beim 9); Genitalplatte und
Coxenspitzen blasser gelblich. Trochantere und Beine glänzend dunkel-
braun; Femora dorsal mit kaum deutlichen blasseren Fleckchen.
Mandibeln wie die Beine glänzend schwarz (blasser braun beim 9);
Palpenfemur schwärzlich, seine Spitze und alle übrigen Palpenglieder
blaß gelbbraun.
86 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Q — vom & nur durch die sehr kleinen und normal gebauten
Mandibeln unterschieden.
Ost- Afrika (Condo, Kondoa) — 17 ($ + 2) — BLOYET leg.
1885; — (Mus. Paris).
6. Guruia Talboti nov. spec.
(Taf. I, Fig. 10.)
($ unbekannt.)
Q — Körper 6 mm lang; Palpen 8 mm lang; Beinfemur I 8, II 16,
III 8, IV 12 mm lang; Bein I 35, II 76, III 37, IV 55 mm lang.
QCephalothorax vorn gerade abgestutzt, zwischen Augen-
hügel und Stirnmitte glatt; neben dem Augenhügel jederseits ein
niedriges Dörnchen und ebenso jederseits über dem Seitenrande des
Cephalothorax einige (3—5) niedrige Dörnchen. Cephalothorax und
Abdominalrücken im übrigen glatt glänzend, doch hat jedes der 3—4
ersten Rückensegmente des Abdomens ein sehr kurzen, aber kräftigen
Mediandorn (Taf. I, Fig. 10). Bauchsegmente, Genitalplatte und
Coxen glatt, letztere mit wenigen groben Höckerchen spärlich bestreut.
Augenhügel so hoch wie lang wie breit, frontal senkrecht,
nicht rückgeneigt, vorn und hinten, wie auch unter den Augen entlang
mit wenigen winzigen Körnchen bestreut, doch oben jederseits mit
3 langen, gleichgroßen, spitzen, sehr kräftigen und divergierenden
Dormen.
Mandibeln klein, normal gebaut, nicht auffällig groß; Glied I
dorsal, Glied II frontal fein beborstet.
Palpen sehr lang und dünn; alle Glieder borstig behaart,
nicht bezähnelt; Femur so lang wie Patella + Tibia, so lang wie der
Tarsus; Femur wenig gebogen; Patella mit langer und dünner Innen-
apophyse von der Länge der ganzen Patella = der halben Länge
der Tibia; diese 4 mal so lang wie breit und apical etwas verdickt.
Beine dünn und lang, alle Paare gleich dick; Femora bezähnelt.
Trochantere der Beine beiderseits gänzlich glatt.
Färbung des Körpers matt schwarzbraun. Cephalothorax
schwarzbraun, nur Stim fein weißgelb berandet und 2 weißgelbe
Längslinien von hier median bis zum Augenhügel; dieser schwarz.
Hinter dem Augenhügel die Segmentfurchen blaßgelb, besonders an
den vorderen Seitenecken des Abdomens über den Coxen IV. Abdomen
im übrigen dorsal schwarzbraun, seine Seitenränder zur Bauchfläche
hin blaß, ebenso die weißgelben deutlichen Furchen der braunen
Ventralsegmente; Genitalplatte schwarz glänzend; Coxen der Beine
in der Basalhälfte schwach weißgelb und in der Apicalhälfte tiefschwarz.
— Mandibeln weißgelb, nur die Klauenspitzen schwarz. — Palpenfemur
blaßgelb, seine Spitze dunkelbraun angelaufen, desgleichen die Patella
(Apophyse schwärzlich) und Tibia; Tarsus blaßgelb, basal-dorsal
wenig gebräunt. — Beine schwarz einfarbig, nur Trochantere und
Femurbasen wenig blasser; Tibien mit einigen winzigen blaßgelben
und undeutlichen Ringeln. | |
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 87
West- Afrika (Süd-Nigeria: Oban) — 3 2 — G. A. TALBOT leg.
- — (Brit. Mus. London).
T. Guruialongipesnov. spec.
(Taf. I, Fig. 4.)
Körper 4,5 mm lang; Mandibeln 4,5 und Palpen 9,5 mm lang;
Beinfemur I 10, II 19, III 9,5, 1V 15 mm lang; Bein I 44, II 76, III 45,
IV 54 mm lang.
& — Körper kurz, Abdomen sehr gedrungen. Cephalothorax
glatt, sein Stimrand gerade abgestumpft und nicht bezähnelt; zwischen
Stirnrand und Augenhügel glatt glänzend, nicht bezähnelt; Vorder-
randsseitenecken des Cephalothorax mit einigen spitzen Zähnchen.
Hinter dem Augenhügel mit 2 und jeder der folgenden Abdominal-
segmente mit je 1 Querreihe weit auseinander stehender, sehr niedriger
feiner Zähnchen; Abdomen im übrigen glatt glänzend. Bauchsegmente
und Genitalplatte glatt, Coxen rauh granuliert.
Augenhügel hoch, wenigstens so hoch wie breit, wie lang,
deutlich gefurcht, oben jederseits mit 3 kräftigen, schlanken und
spitzen Dornen, die divergieren.
Mandibeln sehr groß, so lang wie der Körper; Glied I
zylindrisch, wenig S-förmig gekrümmt und dorsal kräftig bezähnelt.
Glied II stark angeschwollen und oval aufgewölbt, oben und frontal
stark rauh bezähnelt. Unbewegliche Klaue seitlich abgebogen und
nahe der Basis mit 1 Zahn; bewegliche Klaue länger als die unbeweg-
liche, sichelförmig um die Spitze der unbeweglichen gekrümmt und
kurz vor der Spitze mit einem kräftigen Höckerzahn. Die Spitzen
der beiden Klauen sind sehr fein sagezähnig (Taf. I, Fig. 4).
Palpen lang, länger als die Mandibeln, sehr dünn; Femur so
lang wie Patella + Tibia, so lang wie der Tarsus. Femur dorsal mit
3—4 Zähnchen, im übrigen wie die anderen Glieder spärlich und winzig
beborstet und glänzend glatt. Patella halb so lang wie die Tibia und
am Innenwinkel mit einer Apophyse, die !/, so lang ist wie die Patella
ohne sie. Tibia halb so lang wie der Tarsus; dieser sehr dünn und vom
halben Durchmesser der Tibia.
Beine sehr lang und dünn. Alle Femora mit Zähnchenlängs-
reihen; Patellen und Tibien nur fein und spärlich behaart; Metatarsen
und Tarsen glatt.
Färbung des Körpers lederbraun. Cephalothorax seitlich
hell gefleckt; Augenhügel blaßgelb» Abdominalrücken und Bauch
einschließlich der Coxen lederbraun, die Zähnchen dunkler gebräunt
bis schwarz. — Mandibeln dunkelbraun, Zähne der Klauen und ihre
Spitzen glänzend schwarz. — Palpen dunkelbraun glänzend bis auf
den blaßgelben Tarsus. Beine einfarbig dunkelbraun bis auf die blaß-
gelben Metatarsen und Tarsenglieder.
Q — blasser wie das $; die Mandibeln des @ sind klein und normal
gebaut.
88 Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Ost - Afrika (Mikindani) — 1 38 — P. LIPP leg. 1899 — (Mus.
Hamburs).
Ost- Afrika (Amani) — 12 — VOSSELER leg. — (Mus. Berlin).
8. Guruva palpinalis mov. spec.
(Tat:-% Fig.3 uk)
& — Körper 8,5 mm lang; Mandibeln: Glied I 6, II 8,5 mm lang
und 4 mm breit; Palpen 12 mm lang; Beinfemur 17, II 9, III7,IV8mm
lang; Bein I 26, II 40, III 26, IV 35 mm lang.
@ Körper 8 mm lang.
Sö — Körper hinten gerundet; Cephalothorax vorn gerade
abgestutzt, Stirngegend vor dem Augenhügel mit einigen sehr ver-
streuten, äußerst winzigen Tuberkeln besetzt; Seitenränder des
Cephalothorax und neben und hinter dem Augenhügel fast glatt.
Abdominalsegmente dorsal deutlich wie auch die 2 letzten Cephalo-
thoraxsegmente mit je einer regelmäßigen Querreihe sehr winziger
Tuberkeln: zwischen diesen Querreihen ist das Abdomen dorsal glatt.
Ventralsegmente glatt einschließlich der Coxen und Genitalplatte
(Taf. I, 7Eig. 11):
Augenhügel so hoch wie lang ‚wie breit, deutlich gefurcht,
jederseits der Furche mit 2 Reihen aus 4 oder 5 schlanken Dörnchen
bewehrt, deren hinterster, wenn es 5 sind, sehr klein ist.
Supramandibularraum unbewehrt und- glatt.
Mandibeln so lang wie der Körper; Glied I zylindrisch, dick,
warzig, wenig gekrümmt, dorsal stark tuberkuliert, ebenso lateral,
ventral-außenseitig mit starken, warzenartigen Dornen dicht besetzt,
doch ventral glänzend glatt; Glied II äußerst dick und breit, sehr
stark geschwollen, hoch aufgewölbt, schräg stehend. Beide Glieder II
zusammen breiter als der Körper. Glied II glatt glänzend und mit
äußerst feinen Börstchen frontal und auf der oberen Wölbung. Un-
bewegliche Klaue seitlich nach innen abgebogen und schlank, glatt
und ohne größeren stumpfen Höcker, nur kurz vor der Spitze (wo sich
beide Klauen einzig berühren können) wie auch die Spitze der be-
weglichen Klaue fein sägezähnig; bewegliche Klaue breit seitlich
eingelenkt, glatt und in der Mitte mit einem stumpfen, großen Zahn-
höcker, sonst nur die Spitze fein sägezähnig (Taf. I, Fig. 3).
Palpen lang und sehr dünn; alle Glieder vollkommen glatt
glänzend. Femur gebogen und so lang wie Patella + Tibia, apical
etwas verdiekt; Patella mit langer, schlanker Innenapophyse von der
Länge des ganzen Gliedes; Tibia zylindrisch; Tarsus dünner als die
Tibia und 1!/, mal so lang wie diese, Klaue einfach.
Beine kräftig, nicht sehr lang; Femora und Tibien mehr oder
minder kantig; diese Glieder wie auch die Patellen mit deutlichen
Zähnchenlängsreihen besetzt (nur Tibia II glatt); Metatarsen und
Tarsen dünn und unbewehrt. Femur I nur wenig nach vorn gekrümmt.
Färbung des Körpers schwärzlich braun. Cephalothorax am
Vorderrand lederbraun glänzend. Augenhügel blaßgelb, Augen schwarz.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 89
Hinter dem Augenhügel beginnt ein dunkelbrauner Sattel, der sich
auf Abdominalsegment II verbreitert und von hier aus nach hinten
sich wieder gänzlich verliert; auf den ersten 2 Abdominalsegmenten
wird dieser Sattel, der nur hier deutlich ist, jederseits von 2 scharfen,
ledergelben Flecken berandet; außer den schmal blaß gesprenkelten
Seitenrändern ist das Abdomen im übrigen sammetbraun, besonders
die Segmentfurchen: jedes dieser Segmente mit einer deutlichen
Querreihe kleiner runder, gelber Pünktchen (den Zähnchenquerreihen
entsprechend). Die 2 (oder 3) letzten dorsalen Abdominalsegmente
weißgelb. — Mandibeln: Glied I schwärzlich glänzend, nur dorsal
verwischt ledergelb längsgestreift, Glied II bis auf die blassen Klauen-
spitzen. glänzend schwarzbraun. Bauch einschließlich der Coxen hell
ledergelb, die Coxen seitlich in den Fugen fein dunkelbraun gesprenkelt
und jede mit einem verwischten braunen Endring. Trochantere der
Beine lederbraun, desgleichen die Femora, Patellen und Tibien; Meta-
tarsen und Tarsen blaßgelb. — Palpen lederbraun, nur Femurspitze,
Patellarspitze + Apophyse, Tibienspitze und der ganze Tarsus blaßgelb.
Q — Stirmmitte des Cephalothorax ganz glatt, Abdomen dorsal
mit Querreihen gelber stumpfer Tuberkeln. Zeichnung des Rückens
wie beim dä. Mandibeln normal gebaut und klein, Glied I und II glänzend
glatt. Palpen dünn und lang, doch nicht so lang wie beim , ihre
Patellarapophyse nur halb so lang wie die ganze Patella. — Bauch und
Genitalplatte aschfarben grauweiß, die Segmentfurchen hier durch
feine, dunkelbraune Querstrichel angedeutet. Coxen glänzend schwarz-
braun. Beinfemora sehr dünn, Femur I nicht gekrümmt; im übrigen
die Beine wie beim $ gebaut und gefärbt.
Ost- Afrika (Kibwezi, Ukamba) — (1$ +19) — CH. ALLNAUD
1904 leg. — (Mus. Paris).
Ost-Afrika (Kibwezi) — (1 3, 11 2 + pull.) — (Mus. Berlin).
RHAMPSINITUS SIMON.
Rhampsinitus, SIMON 1879, Compt. Rend. Soc. ent. Belg. 1879 p. 438.
Rhampsinitus, LOMAN 1898, Zool. Jahrb. Syst. XI. p. 519-520.
Rhampsinitus, POCOCK. 1902—1903, Proc. Zool. Soc. London II. (2) p. 394.
Körperdecke lederartig; letzte Cephalothoraxsegmente von
einander und vom Abdomen durch deutliche Querfurchen getrennt.
Abdomen hinten meist quer abgestutzt. Cephalothorax zwischen
Augenhügel und Stirnrand mit einer Gruppe starker Zähncehen. Bauch-
segmente im Gegensatz zu den mitZähnchen besetzten Rückensegmenten
glatt; Coxen stumpf behöckert, jedoch ohne regelmäßige Randhöcker-
reihen. Maxillarloben II in einem stumpfen Winkel vor dem Vorder-
rand der Genitalplatte.
Augenhügel hoch, länger als breit, gefurcht und jederseits
der Furche mit 2, 3, 4, 5 oder mehr langen spitzen Dornen bewehrt.
Supramandibularraum völlig unbewehrt und glatt.
Mandibeln beim 2 klein und normal gebaut; beim & länger
|
90 Dr. C, Fr. Roewer: Übersicht der Genera
als der Körper und enorm entwickelt: Glied I schmal zylindrisch,
stark verlängert, schräg aufwärts getragen und hoch über den Stirn-
rand hinwegragend, dorsal (meist) rauh tuberkuliert, doch (auch beim 9)
ventral ohne den wagerechten Dorn der Ziobunum-Arten, obwohl hier
stark bezähnelt; Glied II ähnlich Glied I, ebenso lang und schmal,
oder gar länger doch nicht breiter wie dieses, fast zylindrisch, seine
Klauen relativ sehr klein und dick, nur !/,—!/, der Gliedlänge er-
reichend (Taf. I, Fig. 12).
Palpen beim 2 kurz, normal gebaut; beim $ meist (mit geringen
Ausnahmen; vergl. Rh. pachylomerus Simon) sehr lang, sehr dünn und
beimartig verlängert. Femur und Patella apical wenig verdickt, aber
ohne Apophysen; Tarsalklaue stets einfach.
Beinelang und dünn; beim 9 alle 4 Paare normal gebaut; beim &
Femur, Patella und Tibia von Bein I mehr oder minder keulig verdickt
und hakig getragen.
[Type: Rhampsinitus Lalander SIMON.]
Tabelle der Arten ($):
1. Abdominalrücken regellos und dicht mit spitzen Dörnchen
übersät 2.
— Abdominalrücken mit mehreren regelmäßigen Querreihen klemer
Dörnchen segmentweise besetzt
2. Augenhügel jederseits der Furche mit 4 langen, spitzen Dornen
bewehrt (S. Afrika) — Lalandei SIMON.
— Augenhügel jederseits der Furche mit 3 langen, spitzen Dornen
bewehrt (Capland) — hispidusn. sp.
3. Augenhügel mit mehr als 4 Paar langen, spitzen Dornen besetzt 4.
— Augenhügel mit höchstens 4 Paar Dornen bewehrt 5.
4. Stimmrand gerade und glatt, nur Stirngegend vor dem Augenhügel
bezähnelt (Abessinien) — pachylomerus SIMON.
— Stimrandmitte mit einem wagerecht vorgestreckten Dorn, dahinter
vor dem Augenhügel eine Zähnchengruppe
(Capland) — telifrons POCOCK.
5. Augenhügel nur mit 2 Paar Dornen bewehrt
(Ost- Afrika) — gquadrispinan.sp.
— Augenhügel mit 3 Paar Dornen bewehrt 6.
— Augenhügel mit 4 Paar Dornen bewehrt {2
6. Mandibeln, Glied I und besonders Glied II dicht rauh bezähnelt
(Natal) — Leighi POCOCK.
— Mandibeln, Glied I und II vollkommen glatt
(Natal) — minor LOMAN.
7. Coxen der Beine vollkommen glatt
(Ost- Afrika) — (Bettoni POCOCK).
— Coxen der Beine stumpf rauh tuberkuliert 8.
Stirnfläche vor dem Augenhügel glatt; Körperfarbe schwarzbraun
(Ost- Afrika) — niger n. sp.
ad
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 91
— Stirnfläche vor dem Augenhügel deutlich bezähnelt; Körperfarbe
graugelb bis gelbbraun aschfarben 9.
9. Zwischen Augenhügel und Stirnrand eine Gruppe aus ca. 20
gleich großen, spitzen Dörnchen
(Capland) — corassus LOMAN.
— Zwischen Augenhügel und Stirnrand eine Gruppe aus ca. 10 kleinen
Dörnchen, von denen ein medianer größerer die Stirnrandmitte
wagerecht überragt (Natal) — Spenceri POCOCK.
Die bisher bekannten 8 Arten dieser Gattung werden beschrieben:
1. Rhampsinitus Lalandev SIMON.
— Rhampsinitus Lalandei, SIMON 1879, ©. R. Soc. Ent. Belg. p. LXXI.
Afrika (‚‚Cafrerie‘“).
(Diese Art habe ich leider nicht zu Gesicht bekommen können,
sie scheint aber mit Rh. hispidus nov. spec. (siehe dort!) nahe verwandt
zu sein.)
2. Rhampsinitus pachylomerus SIMON.
— Egaenus pachylomerus, SIMON 1879, C. R. Soc. Ent. Belg. p. LXX.
Abessinien — $ — (Mus. Paris).
(Nach Besicht der Type, die ich aus dem Museum Paris entlieh,
ist diese Art ken Egaenus sondern en Rhampsinitus.)
3. Rhampsinitus minor LOMAN.
= Rhampsinitus minor, LOMAN 1898, Zool. Jahrb. Syst. XI. p. 519.
Natal (Lower Illovo) — ($ +2 + pull.) — (Mus. Amsterdam)
— (vidi type).
4. Rhampsinituscrassus LOMAN.
= Rhampsinitus crassus, LOMAN 1898, Zool. Jahrb. Syst. XI. p. 520.
= Rhampsinitus Leppanae, POCOCK 1903, Proc. Zool. Soc. London 1902. p.392.
Capland — (13 +5 9) — (Mus. Lübeck).
Capland (Algoa-Bai) — viele Expl. — (Mus. Hamburg).
Capland (Post Elizabeth) — (4 $ +7 9) — (Brit. Mus. London).
Transvaal (Johannisburg) — 13 — (Mus. Berlin).
Diese Art ist synonym mit Rh. Leppanae POCOCK. 1903, Proc.
Zool. Soc. London 1902 p. 392, wie ich mich an den POCOCK’schen
Typen aus dem Brit. Mus. London überzeugen konnte. Daher ist der
POCOCK’sche Name einzuziehen und für Rh. crassus LOMAN als
weitere Lokalität zu verzeichnen:
S. Afrika (Teafontein) — 1 2 (vidi).
S. Afrika (Port-Elizabeth) — ($ + 2) — (vidi).
5. Rhampsinitus Spenceri POCOCK.
= Rhampsinitus Spenceri, POCOCK 1902, Proc. Zool. Soc. London p. 394.
Natal — 3 (+ 9?) — (Brit. Mus. London) — (vidi type).
92 Dr. C. Fr. Roewer: Ubersicht der Genera
6. Rhampsinitus Leighi POCOCK.
— Rhampsinitus Leighi, POCOCK 1902, Proc. Zool. Soc. London p. 396.
Natal (Durban) — (1 $ +2 %) — (Brit. Mus. London) — (vidi
type).
7. Rhampsinitustelifrons POCOCK.
— Rhampsinitus telifrons, POCOCK 1902, Proc. Zool. Soc. London p. 395.
Capland (Jansenville) — 15 — (Brit. Mus. London) — (vidi type).
8. Rhampsinitus Bettoni (POCOCK).
— Phalangium Bettoni, POCOCK 1903, Ann. Nat. Hist. (7) XI. p. 438.
Ost-Afrika (Mombassa-Bahn) — Brit. Mus. London.
Diese Art unterscheidet POCOCK von Rh. Leppanae (welche sich
als synonym mit Rh. crassus LOMAN erwies) nach folgenden Merk-
malen: Rückenzähnchen viel kleiner als bei Leppanae, Coxen der Beine
glatt, Palpenpatella mit kleiner Innenapophyse. All diesen Merkmalen
nach (besonders der Patellarapophyse wegen) ist diese Art, welche
ich leider nicht gesehen habe, wohl ein 2 pull. einer Rhampsinitus-
Art; deshalb habe ich sie in der Tabelle nur in Klammern aufgeführt.
Unbestimmbare 2 oder pull. des Genus Rhampsinitus sind zweifellos:
Phalangium rugosum, GUERIN 1830—38, Iconograph. du regne animal.
Arachn. Taf. 4. fig. 4.
Phalangium discolor, KARSCH 1878, Z. ges. Naturw. (3) III. vol. 51. p. 311
—322.
Afrika (Zansibar).
Phalangium capense, LOMAN 1898, Zool. Jahrb. Syst. Bd. XI. p. 518.
Capkolonie — vidi type 1 2 — (Mus. Amsterdam).
Phalangium rhinoceros, STRAND 1909, Deutsche Südpol.-Exped. Bd. 10.
Zool. Bd. 2.
Capland — 12.
Neu sind folgende Arten:
9. Rhampsinitus hispidus nov. spec.
(Taf. I, Fig. 12.)
$ Körper 7 mm lang; Mandibeln Glied I 6, Glied II 8, Palpen
19 mm lang; Beinfemur I 7, II 12, 111 7, IV 8mm lang; Bein I 28,
II 43, III 28, IV 33 mm lang.
Q Körper 9 mm lang; Beinfemur I 7, II 13, III 7, IV 10 mm lang;
Bein I 30, II 57, III 30, IV 43 mm lang.
3 Körper dorsal äußerst rauh bezähnelt. Cephalothorax in
der Stirnmitte mit einem wagerecht vorstehenden größeren Dorn,
dahinter bis zur Basis des Augenhügels median fast glatt, aber jederseits
neben der Mediane stark bezähnelt. Seitlich und hinter dem Augen-
hügel sowie der ganze Abdominalrücken sehr dicht und völlig regellos
stark spitz bezähnt. Bauchsegmente glatt; Genitalplatte und Coxen
stumpf tuberkuliert.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores, 93
Augenhügel so hoch wie lang, jederseits der schwachen
Furche mit drei gleich langen, schlanken und spitzen Dornen besetzt,
die ihrerseits so lang sind wie der Durchmesser des Augenhügels.
Supramandibularraum glatt und unbewehrt.
Mandibeln Glied I so lang wie der Körper, zylindrisch, wenig
gekrümmt, lateral außen glatt, im übrigen stark und dicht spitz be-
zähnelt. Glied II länger wie Glied I, zylindrisch und über den Klauen
wenig dicker als basal, nur an der oberen basalen Wölbung mit einigen
spitzen Zähnchen, im übrigen glatt glänzend; Klauen klein und jede
mit einem stumpfen Zahn.
Palpen sehr lang und dünn (ähnlich wie bei Phalangium cor-
nutum); Femur so lang wie Patella + Tibia, so lang wie der Tarsus.
Femur nur ventral spärlich, aber (auf die ganze Länge verteilt) spitz
bezähnelt. Patella einfach und ohne Apophyse, nur dorsal spitz be-
zähnelt. Tibia zylindrisch und doppelt so lang wie die Patella, mit
einigen wenigen Zähnchen. Tarsus fein beborstet. Klaue einfach.
Beine kräftig; Trochantere allerseits bezähnelt; Femur I wenig
dicker als die übrigen und wenig gekrümmt; Femur II besonders dünn
und lang. Alle Femora mit je fünf Längsreihen starker spitzer
Dörnchen. Patellen mit drei dorsalen Längsreihen spitzer Dörnchen
und nur ventral glatt. Tibia I glatt, doch ventral spitz bezähnelt;
Tibia II glatt mit einigen verstreuten winzigen Zähnchen; Tibia III
und IV mit fünf undeutlichen Längsreihen äußerst winziger Zähnchen
(viel kleiner als an den Femora).
Färbung des Körpers hell lederbraun, fast einfarbig, auf den
ersten Abdominalsegmenten ist durch einen blassen Flecken jederseits
ein dunklerer medianer Sattel nur angedeutet. Bauchsegmente und
Genitalplatte weißlichgelb. Die Dörnchen der Dorsalseite hell weißgelb,
die größeren von ihnen mit schwarzer Spitze. Augenhügel blaßgelb,
Augen schwarz. Mandibeln und Palpen einfarbig ledergelb, Beine
desgleichen.
Q Cephalothorax und Abdominalrücken rauh bezähnelt,
sanz ebenso wie beim S, nur sind die Dörnchen bei weitem nicht so
kräftig. Bewehrung des Augenhügels wie beim £.
Mandibeln und Palpen normal gebildet, nicht auffallend
kräftig oder lang entwickelt wie beim &.
Beine wie beim $ bezähnelt, aber nicht so kräftig; Femur I
nicht verdickt.
Färbung des Körpers blasser als beim $ und daher die dunkle
Sattelzeichnung auf dem Abdomen deutlich durchgeführt, wo sie auf
dem Abdominalsegment I und II am schärfsten ist; Sattel fast parallel-
randig, doch auf Segment I eingeschnürt und hier jederseits scharf
durch einen weißen Fleck begrenzt, auf Segment II wieder breiter
werdend und dann parallel verlaufend bis zur Analspitze. Bezähnelung
des Körpers blaßgelb (wie beim $). Bauch blaß weisslichgelb, doch die
Segmentfurchen deutlich bräunlich quer gestrichelt.
Süd-Afrika (Port Elizabeth) — emige d + @ — H. BRAUNS
leg. 1898 — (Mus. Hamburg.)
94 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
10. Rhampsinitusniger mov. spec.
& Körper 8 mm lang; Mandibeln (Glied 1 = 4; II = 55) =
9,5 mm lang; Palpen (Femur = 10, Patella + Tibia 9, Tarsus = 8)
— 27 mm lang; Beinfemur I 10, II 14,5, III 9, IV 12 mm lang; Bein I
43, II 66, III 41, IV 55 mm lang.
d Körper dorsal fast glatt glänzend, fein granuliert. Cephalo-
thorax gänzlich glatt und unbewehrt, auch die Gegend vor dem Augen-
hügel; nur an der Vorderrandseitenecke (unmittelbar vor der Lateral-
pore) mit 3—4 spitzen Zähnchen. Abdominalrücken mit wenig regel-
mäßigen Querreihen stumpfer Tuberkeln, die sich analwärts verlieren.
Ventralsegmente und Genitalplatte glatt, spärlich behaart; Coxen
rauh, besonders Coxa I; Coxa IV fast glatt.
Augenhügel so lang wie hoch wie breit, deutlich gefurcht
und jederseits der Furche mit 4 spitzen Dornen, von denen der erste
der kleinste und die 3 übrigen gleich groß sind.
Supramandibularraum völlig unbewehrt und glatt.
Mandibeln sehr groß; Glied I zylindrisch wenig gekrümmt,
schräg aufwärts getragen, dorsal zerstreut kräftig bezähnelt und ventral
basal desgleichen, lateral mehr glatt glänzend (ohne ventrolaterale
äußere Dornenreihe!); Glied II so schmal wie Glied I, um die Klauen
länger als dieses, glänzend glatt und nur frontal innen am oberen Knie
mit einer Gruppe kräftiger Zähnchen.
Palpen sehr lang und sehr dünn (ebenso gebildet wie bei
Phalangium cornutum L. — {); alle Glieder ohne Apo-
physen und unbewehrt; Tarsalklaue einfach und Tarsus an der Spitze
leicht gekrümmt.
Beine sehr lang und dünn, nur basale Glieder von Paar I etwas
dicker als die übrigen, doch nicht keulig verdickt und der Femur I
schwach vorn gekrümmt. Trochantere I—IV seitlich bezähnelt.
Femur I—IV schwach 5 kantig und mit 5 sehr regelmäßigen Reihen
spitzer Zähnchen bewehrt; Patellen I—IV desgleichen. Tibien I-IV
schwach 5kantig, nur ventral mit schwächeren Zähnchenreihen
bestreut. Metatarsen II—IV unbewehrt, Metatarsus I ventral mit
einer Reihe weitstehender spitzer Zähnchen.
Färbung des ganzen Körpers und all seiner Gliedmaßen
glänzend schwarzbraun; nur Stimrandmitte des Cephalothorax mit
2 parallelen, schwach blaßgelben Stricheln. Augenhügel mit seinen
8 Domen ledergelb. Tuberkeln des Abdominalrückens und dessen
Seiten schwach blasser braun. Ventralseite aschfarben blaß graubraun.
Deutsch- Ost- Afrika (genaue Loc.?) — 148. ? leg.
ll. Rhampsinitus quadrispinanov. spec.
& — Körper 3,5 mm lang; Mandibeln (Glied I = 4; II = 4,5)
— 85mm lang; Palpen (Femur 4, Patella + Tibia 3,5, Tarsus 4)
—= 11,5 mm lang; Beinfemur I 5,5, II 8, III 5,5, IV 6,5 mm lang;
Bein I 21, II 33, III 21, IV 27 mm lang.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 95
& — Körper dorsal und ventral einschließlich der Coxen und
Genitalplatte unbewehrt und mattglatt, äußerst fein chagriniert,
nur die Stirngegend des Cephalothorax vor dem Augenhügel mit etwa
10 winzigen Tuberkeln und die Vorderrandseitenecken des Cephalo-
thorax mit etwa je 3 solch winziger Tuberkeln besetzt. -
Augenhügel so lang wie breit wie hoch, basal nicht verengt,
kaum gefurcht und nur oben jederseits mit 2 stumpfen, kurzen, aber
deutlichen Höckerchen, die mit den je 2 der anderen Seite im
Quadrat stehen.
Supramandibularraum völlig glatt und unbewehrt.
Mandibeln sehr groß und schmal; Glied I zylindrisch, wenig
gekrümmt, schräg aufwärts getragen, dorsal zerstreut kräftig be-
zähnelt, ventral-basal desgleichen, doch ventral-lateral außen mit
einer sehr wenig ausgebildeten Reihe winziger Dörnchen; Glied II
schmal wie Glied I und die Klauen länger als dieses, glänzend glatt,
doch frontal innen am oberen Knie mit einer Gruppe kleiner Tuberkeln;
Klauen basal mit 2 größeren Zähnen, an der Spitze mit feinen Säge-
zähnchen.
Palpen sehr lang und sehr dünn (ebenso gebildet wie beiPha-
langiumcornutumL. — 8); alle Glieder nur behaart; Patella
mit kurzer, aber deutlicher Innenapophyse; Tarsus an der Spitze leicht
gekrümmt; Tarsalklaue einfach.
Beinelang und kräftig; Trochantere seitlich bezähnelt. Femur I
wenig dicker als die übrigen, doch nicht keulig, etwas nach vorn
gekrümmt. Femora schwach kantig, mit regelmäßigen Reihen spitzer
Zähnchen; Femur I an der Spitze ventral mit einer Gruppe aus 5 breit
schaufelartig schräg nebeneinanderstehenden Zähnen von der Länge
des Femur-Durchmessers. Tibien I—IV scharf 5 kantig, aber gänzlich
unbewehrt; Metatarsen zylindrisch und gänzlich unbewehrt.
Färbung des Körpers dorsal wie ventral einfarbig rostgelb,
desgleichen die Palpen und Mandibeln (außer den schwarzen Klauen-
zähnen). — Beine: Coxen, Trochantere rostgelb wie die Basalhälfte
der Femora, deren Spitzenhälfte dunkler gebräunt; Patellen und
Tibien dunkelbraun; Metatarsen rostgelb.
Deutsch-Ost- Afrika (genaue Loc.?) — 18 — ! leg.
DACNOPILIO NOV. GEN.
Körperdecke lederartig; letzte Cephalothoraxsegmente von
einander und vom Abdomen durch deutliche Querfurchen getrennt.
Abdomen dorsal bezähnelt, ventral unbewehrt und glatt. Cephalo-
thorax zwischen Augenhügel und Stirmrand stark bezähnelt. Coxen
rauh behöckert, doch ohne regelmäßige Randhöckerreihen. Maxillar-
an II in einem stumpfen Winkel vor dem Vorderrand der Genital-
platte.
Augenhügelhoch, gefurcht, und jederseits der Furche kräftig
rer vom Stirnrand etwa um das 1!/, fache seines Längsmessers
entiernt.
96 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Supramandibularraum mit 2 deutlichen medianen
Dörnchen.
Mandibeln beim 2 klein und normal gebaut; beim $ länger
als der Körper und enorm entwickelt: Glied I schmal zylindrisch,
stark verlängert, schräg aufwärts getragen und hoch über den Stirn-
rand hinwegragend, dorsal rauh tuberkuliert, doch auch beim Q ventral
ohne den wagerecht vorgestreckten Dorn (der Liobunum-Arten),
obwohl hier stark bezähnelt; Glied II ähnlich Glied I, so lang und
schmal und nicht breiter wie dieses, fast zylindrisch, seine Klauen
relativ sehr klem und dick, nur !/,—"/, der Gliedlänge erreichend
(Taf. III, Fig. 10).
Palpen einfach und bei beiden Geschlechtern normal gebaut,
kurz und weder Patella noch Tibia mit Innenapophysen; Tarsalklaue
einfach.
Beine lang und dünn; beim 9 alle 4 Paare normal gebaut und
gleichstark; beim $ Femur, Patella und Tibia von Bein I gekrümmt,
deutlich keulig verdickt und hakig getragen.
[Type: Dacnopilio armatus nov. spee.]
Nur eine Art:
Dacnopilioarmatusnov. spec.
(Taf. III, Fig. 10.)
& Körper 6,5 mm lang; Beinfemur I 7,5, II 11, III 7,5, IV 8mm
lang; Bein 131, II 45, III 31, IV 40mm lang. ; Mandibeln (Glied I = 5,
Il = 8) = 13 mm lang; Palpen 9 mm lang.
&— Körper weich, lederartig, hinten quer gerundet. Cephalo-
thorax in der Stirngegend vor dem Augenhügel mit einer dichten
Gruppe aus ca. 20—25 verstreuten, ungeordneten Tuberkeln; solche
Tuberkeln auch an den Seitenrändern verstreut und einige wenige
neben den Augenhügel. Die 2 letzten Cephalothoraxsegmente hinter
dem Augenhügel mit je einer deutlichen Tuberkelquerreihe. Abdomen
vom Cephalothorax durch deutliche und tiefe Querfurchen getrennt;
Abdomen dorsal regellos dicht mit stumpfen Tuberkeln überstreut, die
nur die Segmentfurchen freilassen. Ventralsegmente und Genitalplatte
glänzend glatt; Coxen fast glatt, mit einigen wenigen winzigen Tuberkeln
überstreut, besonders an den oberen Rändern.
Augenhügel niedrig, so lang wie breit, doch nur halb so hoch;
jederseits der deutlichen Längsfurche mit einer Kammreihe aus 7—8
spitzen Zähnchen.
Supramandibularraum mit 2 großen und deutlichen
Mediandörnchen.
Mandibeln sehr groß und kräftig; Glied I zylindrisch, wenig
gekrümmt, schräg aufwärts getragen, dorsal dicht grob rauh behöckert;
ventral innen mit unregelmäßig verstreuten längeren Dörnchen,
ventral außen mit einer sehr regelmäßigen Reihe senkrecht abstehender
spitzer Dornen (Taf. III, Fig. 10), zwischen diesen beiden Randreihen
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 97
ventral glatt. Glied II zylindrisch wie Glied I um die Klauen länger als
Glied I, fast glatt, nur die obere Kniewölbung fein zerstreut bezähnelt.
Klauen basal mit 2 größeren Zähnen, an der Spitze mit feinen Säge-
zähnchen.
Palpen kurz und kräftig; Femur so lang wie Patella + Tibia,
so lang wie der Tarsus. — Femur wenig keulig, gekrümmt, dorsal und
ventral mit stumpfen großen Zähnchen in unregelmäßigen Längsreihen
besetzt. Patella ohne Apophyse, nur dorsal mit 2 Längsreihen feiner
Tuberkeln, sonst unbewehrt. Tibia 21/, mal so lang wie breit und unbe-
wehrt; Tarsus behaart, ventral innen mit einem Streifen dichter
Körnchen besetzt; Tarsalklaue einfach.
Beine lang und kräftig; Trochantere seitlich kräftig bezähnelt.
Femur I wenig verdickt und nach vorn gekrümmt. Femora schwach
kantig, mit regelmäßigen Reihen spitzer Zähnchen; zwischen diesen
Reihen aber andere Zähnchen verstreut, besonders ventral an Femur 1.
Patellen nur dorsal bezähnelt, mit stärkeren dorsalen Endzähnchen.
Tibien scharf 5 kantig und II—IV nur beborstet; Tibia I aber außerdem
noch mit einer ventralen Reihe spitzer Zähnchen. Metatarsen II—IV
zylindrisch und nur behaart; Metatarsus 1 mit ventraler Reihe spitzer
weitstehender Zähnchen, deren 2 letzte nebeneinander (an der Spitze)
die kräftigsten sind.
Färbung des Körpers rostfarben bis aschgrau; alle Zähnchen
des Körpers blaßgelb mit fein schwarzer Spitze. Stirnmitte mit 2
parallelen, dunkelbraunen Längsstricheln bis an die vordere Basis
des rostgelben Augenhügels. Seiten des Cephalothorax fein dunkel-
braun gesprenkelt. Hinter dem Augenhügel beginnt ein sammetartiger,
graubrauner, dunkler, fein weißberandeter Rückensattel, der sich bis
auf Abdominalsegment II verbreitert, dann sich auf Segment III
wieder verschmälert und sich analwärts verliert. Seiten des Abdomens:
blasser; Bauchseite und Coxen fahl gelbweiß. Mandibeln dunkelbraun;
Glied I dorsal-apical blaßgelb angelaufen; das ganze Glied II blaßgelb,
nur die Klauenzähne schwarz. — Palpen: Femur dunkelbraun, Spitze
dorsal blaßgelb angelaufen; Patella und Tibia desgleichen; Tarsus
einfarbig blaßgelb. — Beine rostgelb, Femora mehr dunkel gebräunt;
Patellen und Tibien, dorsal gelb gestreift; Metatarsen und Tarsen ein-
nn blaßgelb. Die Zähnchen der Beine weißgelb mit fein schwarzer
Spitze.
Togo (Bismarckburg) — (1& +2 pull) — BÜTTNER leg. — (Mus.
Berlin).
CRISTINA LOMAN.
= Cristina, LOMAN 1902, Zool. Jahrb. Syst. XVI. 2. Heft. p. 174.
Körperdecke weich und lederartig. Cephalothorax zwischen
Stirn und Augenhügel mit einer Gruppe spitzer Zähnchen. Furchen
zwischen den 2 letzten Cephalothoraxsegmenten und dem Abdomen
deutlich. Coxen der Beine rauh behöckert, aber ohne regelmäßige
Randhöckerreihen. Maxillarloben II in einem stumpfen Winkel vor
dem Vorderrand der Genitalpatte.
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 2,Suppl, - 7
98 Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Augenhügel hoch oder mäßig hoch, gefurcht, jederseits der
Furche mit mehreren kräftigen Zähnen besetzt. Augenhügel nur
um das 11/, fache seines Längsmessers vom Stirnrande entfernt.
Supramandibularraum gänzlich unbewehrt.
Mandibeln bei beiden Geschlechtern gleichgestaltet, klein,
normal gebaut; Glied I ohne Ventraldorn.
Palpen einfach, kurz, und kräftig, normal gebaut und bei
beiden Geschlechtern gleich entwickelt.
Beine kräftig; beim 9 aller 4 Paare gleich entwickelt; beim &
Femur, Patella und Tibia von Bein I enorm keulig verdickt und hakig
gebogen und getragen, viel dicker als die entsprechenden und normalen
Glieder der 3 übrigen Beinpaare (sekundärer Geschlechtsdimorphismus
an Bein I). Alle Femora und Tibien ohne Pseudogelenke.
[Type: Cristina crassipes LOMAN.]
Tabelle der Arten ($):
1. Färbung des Körpers dorsal lederfarben gelbbraun; Tibia von
Bein I ventral nur mit feinen Körnchenreihen, nicht bezähnelt _
(W. Afrika: Togo) — crassıpes LOMAN.
— Färbung des Körpers dorsal sammetfarben dunkelbraun bis
schwarz; Tibia von Bein I ventral mit 2 starken Reihen kräftiger
Sägezähne (Taf. III, Fig. 1) (0. Afrika) — armatan.sp.
Bisher war bekannt die Art:
l. Cristina crassipes LOMAN.
—= Cristina crassipes, LOMAN 1902, Zool. Jahrb. Syst. XVI. 2. p. 174.
West - Afrika (Togo, Bismarckburg) — viele (d$ + 2) —
C. BÜTTNER leg. — LOMAN deser. 1902 — (Mus. Berlin) — (vidi
type).
Neu ist folgende Art:
2. Cristinaarmatanov. spec.
(Taf. III, Fig. 1 und Taf. II, Fig. 5.)
& — Körper 7,5 mm, @ — Körper 8—9,5 mm lang; Beinfemur I
5,5, II 7, III 4, IV 5,5 mm lang; Bein I 20, II 27, III 20, IV 25 mm
lang.
Körper robust. Cephalothorax halbkreisförmig, seine Seiten-
ränder über den Coxen kaum ausgebuchtet und mit einer unregel-
mäßigen Randreihe kleiner Zähnchen besetzt. Stirnfläche vor dem
Augenhügel glatt, nur Stirnrandmitte mit 2 großen, senkrechten,
nebeneinander stehenden Dörnchen. Seitenrand des Cephalothorax
durch eine Längsfurche vom übrigen Cephalothorax getrennt. Neben
dem Augenhügel jederseits 2 oder 3 kleine Zähnchen, dann folgt jeder-
seits ein nach vorn konvergierender Längseindruck; zwischen diesen
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 99
und dem Seitenrandlängseindruck jederseits eine wenig regelmäßige
Längsreihe stumpfer Zähnchen, die auf die Stirnmitte hin umbiegt
und mit den 2 großen Medianzähnchen derselben einen Halbkreis
bildet. Die 2 letzten Cephalothoraxsegmente (hinter dem Augenhügel)
jedes mit einer deutlichen Querreihe großer, spitzer Zähnchen. —
Dorsale Abdominalsegmente durch deutlich vertiefte Querfurchen
kenntlich und jedes mit einer regelmäßigen Querreihe großer Dörnchen
(besonders in der Rückenmediangegend) und kleiner stumpfer Zähnchen,
die einander mehr oder minder abwechseln. — Ventralsegmente und
Genitalplatte glatt und unbewehrt; Coxen der Beine glatt und
unbewehrt.
Augenhügel nicht sehr hoch, länger und breiter als hoch,
doch so lang wie breit, weder basal verengt, noch oben gefurcht;
jederseits über den Augen mit 4 senkrecht nach oben gerichteten
schlanken Dörnchen.
Supramandibularraum völlig unbewehrt und glatt.
Mandibeln obwohl normal gebaut, so doch robust und kräftig.
Glied I dorsal rauh bezähnelt und ohne Ventraldorn. Glied II an der
oberen Wölbung wenig knieartig emporgehoben, ganz glatt glänzend;
Klauen nur klein.
Palpen kurz und dünn; Femur so lang wie Patella + Tibia, so
lang wie der Tarsus. Femur allerseits mit kräftigen, spitzen Zähnchen
bestreut und apical etwas verdickt. Patella kurz und dick, nur basal-
dorsal wenig bezähnelt, sonst glatt, nur fein behaart, besonders fein und
bürstig an der wenig vorgewölbten Innenapophyse. Tibia einfach,
glatt und unbewehrt, nur behaart, an der Innenecke etwas bürstig.
Tarsus dünn, behaart und mit ventraler Körnchenreihe; Klaue einfach.
Beinekurz und kräftig. Bein I (Coxa, Femur, Patella und Tibia)
enorm keulig verdickt. Coxa I glatt und fast doppelt so dick wie die
übrigen, Coxa II sehr einengend. Trochantere I—IV seitlich kräftig
spitz bezähnelt; Trochanter I wohl 4 mal so dick wie jeder der übrigen
Paare. Femur I enorm keulig verdickt und rund, nicht kantig, und
allerseits mit wenig in Reihen geordneten, kräftigen, rauhen Zähnchen
bestreut; Patella I auch sehr stark verdickt, dorsal glatt glänzend,
nur ventral mit einigen wenigen Zähnchen bewehrt; Tibia I basal
dünn, apicalwärts aber enorm keulig verdickt, zylindrisch und dorsal
glatt glänzend, ventral mit einem Außen- und einem Innenkamm
schräg nach vorn gerichteter Zähnchen, die basal ziemlich klein beginnen
der Spitze zu aber an Größe regelmäßig zunehmen, sodaß die beiden
Endzähne groß und quer nebeneinander abstehen (vergl. Taf. III,
Fig. 1); Metatarsus I auffallend dünn, gerade und zylindrisch, ventral-
sehr dicht mit winzigen Zähnchen bestreut und an der Spitze mit 2
hintereinander stehenden Paaren abstehenden Dornen, deren äußerer
jeden Paares der größere ist. Tarsenglieder I—IV unbewehrt, ventral
dicht kurz behaart. Bein II das längste u. dünnste und jedes seiner
Glieder zylindrisch; nur Femur II schwach bezähnelt; Patella, Tibia
und Metatarsus II unbewehrt. Bein III u. IV kräftiger als II: Femora
schwach kantig und mit je 5 Längsreihen kleiner Zährchen; Patellen,
7*
100 Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Geners
Tibien und Metatarsen unbewehrt, doch die Patellen dorsal mit
2—3 Endzähnchen.
Färbung des Rückens schwarzbraun glänzend und ohne
Sattelzeichnung. Augenhügel rostbraun mit blasseren Zähnchen;
überhaupt sind die Zähnchen des Körpers ihrer Spitze zu mehr blaß
rostbraun, ihre Spitze selber aber fein schwarz. Ventralsegmente und
Genitalplatte blasser gelbbraun wie auch dieMundgegend und die Spitze
der Coxen, die im übrigen schwarzbraun glänzen. Trochantere sämtlicher
Beinpaare scharf blaßgelb, wie auch die scharf abgesetzten Gelenk-
knöpfe der Femurtarsen. Femora sonst wie auch die Patellen und
Tibien der Beine I—IV schwarzbraun glänzend, wie auch die Mandibeln
und Palpen. Metatarsen und Tarsenglieder I—IV blaßgelb und gegen
die Tibien scharf kontrastierend.
Q— Körper robust; Cephalothorax wie beim $ bewehrt (vergl.
Taf. II, Fig. 5), nur die Zähnchen kleiner und stumpfer. Abdomen
breiter als die Basis des Cephalothorax und hinten oval gerundet und
hoch aufgewölbt. Abdominalrücken matt glatt, seine Segmente deutlich;
auf jedem derselben eine Querreihe kräftiger spitzer Zähnchen, die
median und auf den ersten drei Segmenten besonders kräftig sind.
Bauch und Coxen wie beim 3, doch Coxa I normal gebildet.
Augenhügel wie beim $ gebaut und bewehrt.
Mandibelnklein und normal gebaut; Glied I dorsal mit einigen
groben Zähnchen bestreut; Glied II frontal beborstet.
Palpen kurz und kräftig, wie beim $ gebaut und bewehrt, nur
fehlen die ventralen feinen Körnchen des Tarsengliedes.
Beine aller 4 Paare normal gebaut; Trochantere seitlich fein
bezähnelt. Femur und Patella von Bein I, III und IV kräftig und
bezähnelt, Patellen außerdem mit größeren dorsalen Enddörnchen.
Femur und Tibia II dünn und länger als bei den übrigen Paaren, nur
Femur II bezähnelt. Tibien I— IV scharf 5kantig und nur fein
beborstet, sonst unbewehrt.
Färbung des Körpers wie beim 3, von diesen nur abweichend:
vorn auf dem außer den gelben Zähnchen sonst schwarzbraun glänzenden
Abdominalrücken ist eine blaß gelbbraune Sattelzeichnung nur schwach
angedeutet, welche sich schon auf Segment III zu IV verliert.
Ost- Afrika (Deutsch: Mikindani) — 3 (d + 2) — P. LIPP. 1899
leg. — (Mus. Hamburg).
Ost- Afrika (Brit.: Kibwezi) — 2 & + 3 pull. — (Mus. Berlin).
Ost- Afrika (Albert Edward-See) — 3$ +72 — STUHLMANN
leg. — (Mus. Berlin).
Ost- Afrika (Deutsch: Kissenji) — 1& — STEGMANN leg. (Mus.
Berlin).
Ost- Afrika (Deutsch: Amani) — 1& — VOSSELER leg. —
(Mus. Berlin).
PANTOPSALIS SIMON.
= Phalangium, WHITE 1849, Proc. ce. t. zool. Soc. London XVII p. 6.
= Pantopsalis, SIMON 1879, Annal. Soc. Ent. Belg. p. LXXIIl.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 101
Pantopsalis, SOERENSEN 1886, Opiliones Australasiae, p. 4.
Pantopsalis, POCOCK 1902, Proc. Zool. Soc. London II (2) p. 399.
Pantopsalis, POCOCK 1903, Annal. Mag. Nat. Hist. 7 (XI) p. 436.
Körperdecke lederartig hart; Körper sehr kurz, fast kugelig
rund; Abdomen kürzer als der Cephalothorax, dieser sehr hoch und
fa‘t konisch. Analplatte des Abdomen einfach, klein und halbkreis-
förmig.
. ugenhügel hoch, so breit wie lang, unbewehrt, weit von
der Stirnrandmitte entfernt.
Mandibeln äußerst lang, viel länger (meist gegen 4 mal so
lang) als der Körper; ihre zwei Glieder fast gleich lang; Glied I ventral
ohne spitzen, vorgestreckten Zahn; Klauen robust und kurz. (Taf. I,
Fig. 9.)
ü Maxillarloben von Paar II zylindrisch, dünn, nicht ver-
schmälert und gegen den Vorderrand der Genitalplatte schräg gestellt,
aber sich nicht berührend. Genitalplatte vorn abgestumpft und hier
ein wenig erweitert.
Palpen viel kürzer als die Mandibeln, dünn und von normaler
Länge; Patella und Tibia viel länger als breit, beide Glieder fast gleich
lang, Patella ohne Apophyse und ohne Innenbürste; Tarsalklaue
deutlich, aber sehr klein und einfach.
Beine sehr lang und dünn; Tibia II mit 4 Pseudogelenken;
Metatarsen aller Beine mit Pseudogelenken.
Die allgemeinen Charactere erinnern an die Gattung Ga-
grella, von der sich Pantopsalis aber durch die Lage der
ereee II, Glied I der Mandibeln, und die Tarsalklaue unter-
scheidet.
[Type: Pantopsalis Listeri WHITE.
(Taf. I, Fig. 9.]
Tabelle der Arten:
1. Palpen blaß weiß (höchstens Basalhälfte des Femur gebräunt) 2.
— Palpen mehr oder minder dunkelbraun bis gelbbraun (wenn
letzteres, so nur der Tarsus blasser gelb) 3.
2. Glied I der Mandibeln viel länger als Beinfemur I
albipalpis POCOCK.
— Glied I der Mandibeln etwa so lang wie Femur I
Listeri WHITE.
3. Augenhügel deutlich bezähnelt 4.
— Augenhügel glatt, höchstens vorn oben einige Körnchen 5.
4. Glied I der Mandibeln viel länger als Beinfemur I
nigripalpis POCOCK.
— Glied I der Mandibeln kürzer als Beinfemur I
Jenningsi POCOCK.
5. Glied I der Mandibeln viel länger als Beinfemur I
Trippi POCOCK.
102 Dr. C. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
— Glied I der Mandibeln kürzer als Beinfemur I
coronata POCOCK.
Alle bisher bekannten 6 Pantopsalis-Arten stammen aus Neu-
Seeland und wurden beschrieben:
1. Pantopsalis albipalpis POCOCK.
= Pantopsalis albipalpis, POCOCK 1902, Proc. Zool. Soc. London II (2) p. 399.
2. Pantopsalis Lister: WHITE.
(Taf.L, Fig. 9.)
— Phalangium Listori, WHITE 1849, Proc. o. t. Zool. Soc. London XVII. p. 6.
— (vide type).
3. Pantopsalisnigripalpis POCOCK.
— Pantopsalis nigripalpis, POCOCK 1902, Proc. Zool. Soc. London II. (2) p. 399.
4. Pantopsalis Jenningsı POCOCK.
—= Pantopsalis Jenningsi, POCOCK 1903, Ann. Mag. Nat. Hist. (7) XI. p. 437.
5. Pantopsalis Trippi POCOCK.
= Pantopsalis Trippi, POCOCK 1903, Ann. Mag. Nat. Hist. (7) XI. p. 437.
6. Pantopsalis coromata POCOCK.
= Pantopsalis coronata, POCOCK 1903, Ann. Mag. Nat. Hist. (7) XI. p. 436.
Sollte es sich herausstellen, daß die $ und 9 dieses Genus dimorph
in ihren Mandibeln sind (entweder lang und dünn [$] oder kurz und
dick [Q], so wird die Zahl der bis jetzt beschriebenen Spezies vielleicht
auf die halbe heruntergehen, indem dann zu vereinigen sind:
albipalpis $ \ migripalpis d | Tripis \
Listeri 2 | JemingsiQ | cormaa? |
MACROPSALIS SOERENSEN.
—= Macropsalis SOERENSEN 1886, Opiliones Australasiae p. 2.
= Macropsalis POCOCK. 1902, Proc. Zool. Soc. London II (2) p. 39.
(Diagnose nach SOERENSEN):
Körper eiförmig; Körperdecke lederartig; Abdomen etwa so
lang wie der Cephalothorax. Analplatte des Abdomens einfach, halb-
kreisförmig. Lateralporen deutlich.
Mandibeln viel länger als der Körper, sowohl Glied I als auch
Glied II. Glied I fast so lang wie Glied II; Glied I ventral ohne spitzen,
vorgestreckten Dorn. Klauen robust, aber sehr kurz. (Taf. I, Fig. 13.)
Palpen viel kürzer als die Mandibeln; Tibia etwa 1!/, mal so
lang als die Patella, diese mit deutlicher, dünner Innenapophyse.
Tarsalklaue bisweilen mehr oder minder deutlich kammzähnjg.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 103
Maxillarloben von Paar II klein, schmal, convex, nicht
verschmälert, stumpf und gegen den Vorderrand der Genitalplatte
schräg gestellt.
Beine lang und dünn. Tibien II der Beine mit wenigstens
einem Pseudogelenk.
[Type: Maecropsalis serritarsus SOERENSEN.]
(Taf. I, Fig. 13.)
Tabelle der Arten:
1. Augenhügel mit wenigen kleinen spitzen Borsten besetzt. Palpen-
patella etwa so lang wie die Tibia, ihre Apophyse halb so lang wie
die Patella. Tibia I nur fein behaart; Tibia II mit höchstens
1 Pseudogelenk serritarsus SOERENSEN.
— Augenhügel mit 2 Reihen deutlicher Zähnchen besetzt. Palpen-
patella deutlich kürzer als die Tibia; ihre Apophyse höchstens
1/, so lang wie die Patella (4) oder noch kürzer (2). Tibia I dicht
bezähnelt; Tibia II mit 4 Pseudogelenken Hogge POCOCK.
Die beiden bisher bekannten 2 Arten stammen aus Australien
(Festland) und wurden beschrieben:
l. Macropsalis serritarsus SOERENSEN.
(Taf. I, Fig. 13.)
= Macropsalis serritarsus, SOERENSEN 1886, Opiliones Australasiae p. 3
(vidi type).
2. Macropsalis Hoggi POCOCK.
= Macropsalis Hoggi, POCOCK 1902, Proc. Zool. Soc. London II (2) p. 398.
GLOBIPES BANKS.
(Taf. III, Fig. 5.)
= Globipes, BANKS 1893, Canad. Entom. XXV p. 208.
Körperdecke weich lederartig; Cephalothorax vom Ab-
domen durch deutliche Querfurchen getrennt und vor dem Augenhügel
zerstreut tuberkuliert. Coxen ohne regelmäßige Randhöckerreihen.
Maxillarloben II in einem stumpfen Winkel vor dem Vorderrande der
Genitalplatte.
Augenhügel so hoch wie lang und breit, gefurcht und be-
zähnelt und nur so weit, wie sein Längsmesser ist, vom Stimrand
entfernt.
Supramandibularraum völlig unbewehrt und glatt.
Mandibeln bei beiden Geschlechtern gleich entwickelt, klein
und normal gebaut; Glied I ohne Ventraldomn.
Palpen einfach, kurz und bei beiden Geschlechtern gleich und
normal gebaut. Patella und Tibia ohne Apophysen; Tarsalklaue
einfach.
104 Dr. ©. Fr. Roewer: Übersicht der Genera
Beine kurz und zum Teil kräftig; bei beiden Geschlechtern
Femur, Patella und Tibia von Bein I und III stark keulig verdickt,
viel dieker als die entsprechenden Glieder der Beine II und IV, welche
dünn und normal gebaut sind. Alle Femora und Tibien ohne (außer
Tibia II welche 3 Pseudogelenke aufweist) Pseudogelenke.
[Typ.: Globipes spinulatus BANKS.]
(Taf. III Fig. 5.)
Nur eine Art:
Globipes spinulatus BANKS 189.
—= Globipes spinulatus, BANKS 1893, Canad. Entom. XXV. p. 208.
Süd-Californien — (vidi type).
METOPILIO NOV. GEN.
(Taf. I, Fig. 1 und 2.)
Phalangium, F. CAMBRIDGE 1904, Biol. Centr. Amerik. Aran. II. p. 579.
Phalangium, BANKS 1909, Proc. Acad. Nat. Sc. Philadelphia p. 231.
(Diagnose nach CAMBRIDGE):
Cephalothorax zwischen Augenhügel und Stirnmitte unbe-
wehrt. Letzte Cephalothoraxsegmente und Abdominalrücken mit
mehr oder weniger deutlichen Querreihen spitzer Tuberkeln, deren
2 mediane (segmentweise) dornartig verstärkt sind, sodaß zwei parallele
Längsreihen solcher Dornen entstehen. Coxen aller Beine mit je einem
deutlichen Innenstachel und ohne regelmäßige Randhöckerreihen
(Taf. I, Fig. 2); Maxillarloben II im einem stumpfen Winkel vor dem
Vorderrand der Genitalplatte.
Supramandibularraum unbewehrt.
Mandibeln klein und bei beiden Geschlechtern normal gebaut;
Glied I ohne Ventraldorn.
Palpen bei beiden Geschlechtern normal gebaut und klein;
sämtliche Glieder ohne Apophysen; Endklaue des Tarsus einfach.
Beinedesl. u. IlI. Paares stärker als die des Ill. u. IV. Paares;
beim 3 Bein I bisweilen hakenartig ausgebildet (Taf. I, Fig. 1).
II
[Type: Metopilio armigerum (F. CAMBRIDGE).]
Obgleich ich keine der hierher gehörigen Arten gesehen habe,
so trenne ich doch dieses Genus, dessen Arten CAMBRIDGE als
Phalangium- Arten beschreibt, von diesem Genus wegen der
eigentümlichen Rückenbewehrung der $ und der begrenzten Ver-
breitung in Mittelamerika ab.
Fünf von den hier m Betracht kommenden Arten beschrieb
CAMBRIDGE 1904 in Biol. Centr. Amerik. Aran. II p. 579—81 aus
Mexiko; eine weitere zweifellos hierher zurechnende Art beschrieb
BANKS 1909 als Phalangium ornatipes in Proc. Acad.
der Subfamilie der Phalangiini der Opiliones Palpatores. 105
Nat. Sc. Philadelphia p. 231 aus Costa Rica; leider sind alle Diagnosen
dieser beiden Autoren so dürftig, daß es kaum möglich sein wird,
sie zu identifizieren, auch gibt BANKS nicht an, ob & oder 2 vorliegt.
Ich habe keines von den Exemplaren gesehen und kann daher nur die
Tabelle nach CAMBRIDGE anführen, in welche ich die BANKS’sche
Spezies unter die & stelle:
Tabelle der Arten:
NR pen,
1. Tibia und Metatarsus von Bein I zu einem Haken ausgebildet
(Taf. I, Fig. 1) 2.
— Tibia und Metatarsus von Bein I normal 3.
2. Metatarsus I stark gebogen in seiner Basalhälfte armigerum
— Metatarsus I vollkommen gerade horridum.
3. Abdominalsegment III dorsal mit einem zentralen Paar langer
Dornen spinigerum.
— Abdominalsegment III ohne solch Dornenpaar, welches größer
ist als die Paare der anderen Rückensegmente 4.
4. Augenhügel nicht glatt, sondern bezähnelt acanthipes.
— Augenhügel gänzlich glatt und unbewehrt ornatipes.
a. Q Lt:
1. Beine mit Zähnchen besetzt, die oft sehr fein sind 2.
— Beine gänzlich ohne Zähnchenbesatz maculatipes.
2. Abdominalsegment III mit 2 starken Domen spinigerum.
— Abdominalsegment III ohne Dornenpaar, welches stärker ist als
die Paare der anderen Rückensegmente 3
3. Beine äußerst dicht bezähnelt armıgerum.
— Beine nur weniger dicht bezähnelt acanthipes
Von M. horridum ist bisher kein erwachsenes @ und von M. macu-
latipes kein $ bekannt geworden.
Erklärung der Tafeln.
Tafell
Fig. 1. Metopilio armigerum, nach CAMBRIDGE, Tibia und Metatarsus I.
Fig. 2. Metopilio armigerum, nach CAMBRIDGE, Dorsalansicht (g').
Fig. 3. Guruia palpinalıs n. sp., linke Mandibel, Glied II frontal.
Fig. 4. Guruia longipes, n. sp., linke Mandibel, Glied II frontal.
Fig. 5. Guruia levis LOMAN, linke Mandibel, Glied II frontal, (nach Type!).
Fig. 6. Guruia palmatimanus, POCOCK, linke Mandibel, Glied II frontal,
(nach Type!).
106
Fig. 7.
Fig. 8.
Fig. 9.
Fig. 10
Fig. 11
Fig. 12
Fig. 13
Fig. 14
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 4.
Fig. 5.
Fig. 6.
Fig. 7.
Fig. 8.
Fig. 9.
Fig. 10
Fig. 11
Fig. 12
Fig. 1
Fig. 2
Fig. 3
Fig. 4.
Fig. 5.
Fig. 6.
Fig: 7.
Fig. 8
Fig. 9
Fig. 10
Dr. C. Fr. Roewer.
Opilio armatus n. sp., Palpe (nach Type).
Diabunus oedipus, THORELL, Bein IV des &.
Pantopsalis Listeri, WHITE, Mandibel und Cephalothorax lateral,
(nach Type).
Guruia Talboti n. sp., (2) Lateralansicht des Rückens (nach Type).
Guruia palpinalis n. sp., Dorsalansicht des ZA (nach Type).
Rhampsinitus hispidus n. sp, Lateralansicht des & (nach Type).
Macropsalis serritarsis, SOERENSEN, Lateralansicht des Z' (nach Type).
Guruia quadrispina n. sp., Augenhügel lateral.
Tafel.
Egaenus tuberculatus, LUCAS, Mandibel des & lateral (nach Type).
Bunostomum crassipes n. sp., Mandibel des & lateral (nach Type).
Bunostomum crassipes n. sp., Lateralansicht des Z! (nach Type).
Phalangium Savignyi, P. GERVAIS, Lateralansicht des &.
Cristina armata n. sp., Cephalothorax des 9 lateral (nach Type).
Megabunus diadema, FABR., Lateralansicht.
Phalangium militare, nach C. L. KOCH, Mandibel des g' lateral.
Zacheus bispinifrons n. sp., Cephalothorax frontal (nach Type).
Phalangium Targionii, CANESTRINI, Mandibel des & lateral.
Platybunus mirus, LOMAN, Dorsalansicht des & (nach Type).
Egaenus Kraepelini n.sp., Lateralansicht des Z' (nach Type).
Metaphalangium cirtanum, C. L. KOCH, Dorsalansicht des & (nach
| Type).
Tafel I.
Cristina armata n. sp., Lateralansicht des & (nach Type).
Opilio armatus n. sp., Dorsalansicht des Cephalothorax (nach Type).
Opilio armatus n. sp., Lateralansicht des Cephalothorax mit dem
Augenhügel (nach Type).
Metaphalangium spiniferum, LUCAS, Augenhügel lateral.
Globipes spinulatus, BANKS, Lateralansicht des 2 (nach Type!').
Paropilio abstrusus, L KOCH, Dorsalansicht des Cephalothorax.
Paropilio abstrusus, L. KOCH, Lateralansicht des Cephalothorax mit
dem Augenhügel.
Opilio pallens, KULCZ., Dorsalansicht des Cephalothorax (nach Type).
Opilio spinulatus n. sp., Lateralansicht des J.
Dacnopilio armatus n. sp., Lateralansicht des & (nach Type).
Platybunus corniger, HERM., Frontalansicht des g.
Myriopoden von Gomera,
Gesammelt von Prof. W. May,
bearbeitet von
Carl Graf Attems.
Hierzu Tafel IV.
Die kleine Sammlung von Myriopoden, die Professor May auf
Gomera zusammengebracht hat, bildet eine sehr wertvolle Ergänzung
unserer Kenntnisse von der Fauna der Canaren und zeigt, wie wichtig
es ist, alle Inseln einer Gruppe, auch wenn sie so nahe beisammen
liegen wie hier, genau zu durchforschen. Die bisherigen Funde wurden
fast alle auf Teneriffa und Canaria gemacht und man hätte erwarten
können, daß Gomera dieselbe Zusammensetzung seiner Myriopoden-
fauna zeigt. Das ist aber nicht so, sondern unter den 6 Diplopoden-
arten die Prof. May mitgebracht hat, sind nicht weniger als 4 neu.
Die Gattungen, zu denen diese Arten gehören, liegen allerdings ganz
im Rahmen des erwarteten: es sind 3 Dolichiulus-Arten, von welcher
Untergattung schon eine ganze Anzahl von den Canaren bekannt ist,
und eine Art aus der Untergattung Trichoglomeris, von der bisher nur
eine Art von Madeira bekannt war.
Auch unter den Chilopoden findet sich eine neue Pectiniungurs-
Art und noch dazu eine sehr bemerkenswerte, indem sie einen
Übergang zur nächst verwandten Gattung Nannophilus bildet. Von den
anderen Arten der Gattung leben: eine auf Korfu und 2 in Amerika.
Die übrigen in Gomera gefundenen Arten sind bereits alle von den
Canaren bekannt.
Im Nachfolgenden gebe ich zunächst ein Verzeichnis der Fund-
orte, um bei den einzelnen Arten nicht alle Details derselben, die man
ja unter der Nummer des Fundortes nachsehen kann, wiederholen
zu müssen.
Fundorte:
5. Valle Hermigua. Unter Steinen am Ufer des Baches. 29. 11. 07.
7. Valle Hermigua. Unter Steinen im Banarengarten einer Tienda.
30. 11. 07.
13. Valle Hermigua. Unter Steinen am Ausgang des Tales. 1. 12. 07.
15. Valle Hermigua. Unter Steinen bei der Cueva del Sobrado.
2. 12. 07.
16. Valle Hermigua. Unter Steinen auf dem Acker der Hochfläche
westl. vom Tal. 2. 12. 07.
39. Barranco de la Villa. Unter Steinen, 1 Stde. oberhalb San
Sebastian, am Bach. 11. 12. 07.
43. San Sebastian. Unter Steinen auf den Bergen rechts vom Tal.
13. 12. 07.
83. San Sebastian. Unter Steinen am Sandstrand. 24. 12. 07.
108 Carl Graf Attems:
123. Cumbre del Carbonero. Unter Steinen im Lorbeerwald. 4.1.08.
141. Barranco de la Villa. Unter Steinen des Talgerölles, !/, Stde.
oberhalb San Sebastian. 13.1. 08.
153, 154. Hochfläche zwischen Barranco de la Villa u. Barr. de Bilbao.
Unter Steinen. 17.1. 08.
180. Barranco del Balo, Unter Steinen der Talsohle. 26. 1. 08.
181. Ermita de la Guadelupe. Unter Steinen. 26. 1. 08.
217. Wald oberhalb Hermigua. Unter Steinen am Bach. 13. 2. 08.
220. Agulo.. Unter Steinen oberhalb des obern Pfades von Agulo
nach Hermigua. 15.2. 08.
221. Agulo. Unter Steinen auf dem sumpfigen Boden der Inama-
felder am Rand eines Rinnsales oberhalb des Ortes. 17.2. 08.
223. Unter der Rinde eines alten Euphorbiastrauches (E. regis jubae ?)
an der Mündung des Valle Hermoso. 19. 2. 08.
224. Valle Hermoso. Unter Steinen auf bewachsenem Boden an der
Mündung des Tales. 20. 2. 08.
226. Valle Gran Rey. Unter Steinen des Talbodens. 22. 2. 08.
228. Alto Garajonay. Unter Steinen. 4.3. 08.
231. Wald zwischen Ermita de las Nieves u. Alto Garajonay. Unter
Steinen. 2.3. 08.
1. Lithobius Teneriffae Latzel.
Fundorte.
15 und 16. Valle Hermigua.
220. Agulo.
228. Alto Garajonay.
2%. Scolopendra valida Luc.
154. Hochfläche bei S. Sebastian.
180. Barranco del Balo.
181. Ermita de la Guadelupe.
224. Valle Hermoso.
226. Valle Gran Rey.
3. Cryptops trisulcatus Bröl.
153. Hochfläche bei S. Sebastian.
220. Agulo. h
Ein kleiner Unterschied gegenüber der Beschreibung Kräpelins
ist zu erwähnen: Patella und Tibia der Endbeine tragen am Ende
innen einen etwas stärkeren und außen einen etwas schwächeren Dorn.
Kräpelin spricht nur vom Dorn außen.
4. Geophilus carpophagus Leach.
217. Wald oberhalb Hermigua.
221. Agulo.
228. Alto Garajonay.
Myriopoden von Gomera. 109
5. Pachymerium ferrugineum €. Koch.
5. Valle Hermigua.
83. San Sebastian.
6. Henia biearinata Mein.
39. Barranco de la Villa.
1 2 mit 97 Beinpaaren. Bisher waren nur 67—85 angegeben.
%. Nannophilus eximius Mein.
153. Hochfläche über S. Sebastian.
Ein Exemplar von 50 mm Länge mit 75 Beinpaaren. Kopfschild
so breit wie lang, ohne Stirnfurche, mit sehr spärlichen winzigen
Härchen. Präbasalschild als schmaler Streif sichtbar. Basalschild
trapezisch. Die Klauen der Kieferfüße reichen geschlossen fast bis zum
Stirnrand. (Meinert sagt, daß sie denselben überragen.) Chitinlinien
fehlen, ebenso Zahnbildungen an allen Gliedern der Kieferfüße. Klaue
innen glatt.
1. Ventralplatte ohne Poren. 2. Ventralplatte mit einigen wenigen
undeutlichen Poren. 3.—22. Ventralplatte mit rundem oder schwach
querovalem Porenfeld in der Mitte. Die vorderen Ventralplatten sind
etwas breiter als lang. Die hinteren viel länger als breit, der Übergang
ein allmähliger. Jede Ventralplatte mit mehreren Querreihen winziger
Härchen.
Ventralplatte des Endbeinsegments vorn etwas weitschichtig und
länger beborstet; hinten ungemein dicht und kurz beborstet, ebenso
die Unterseite der Hüfte und in abnehmendem Maße auch des 2. und
3. Gliedes der Endbeine.
Meinert sagt, daß das 1. und 2. Glied der 5 gliedrigen Analbeine
fast mit einander verwachsen sind. Nach der heute allgemein gültigen
Auffassung müssen wir sagen: das 2. und 3. Glied der 6 gliedrigen
Analbeine sind fast miteinander verwachsen.
8. Peetiniunguis melanostietus n. sp.
Fig. 1.
Die Farbe ist recht auffallend durch eine eigentümliche schwarze
Zeichnung. Die Grundfarbe des Körpers ist gelb. Die schwarze Zeichnung
wird von zweierlei Elementen gebildet: 1. von zahlreichen großen
Hautdrüsen in ziemlich gleiehmäßiger Anordnung; wir finden sie an
den Seitenrändern der Rückenplatten, auf den ganzen Pleuren in
kleinen Gruppen, und auf den Ventralplatten u. zw. auf den vorderen
Ventralplatten in 2 Gruppen eine vorn und eine hinten in der Mediane,
auf den hinteren Ventralplatten dagegen mehr in einer großen Gruppe
hinten (Fig. 2); 2. auf dem Rücken schimmert zu beiden Seiten des
Rückengefäßes ein schwarzer Strang von wechselnder Dicke durch,
wahrscheinlich das schwarz pigmentierte Corpus adiposum. Kopf,
Basalschild und Analsegment bleiben frei von dieser schwarzen
Zeichnung.
110 Carl Graf Attems:
Breite eines 37 mm langen 2 (größtes Exemplar) nicht ganz 1 mm,
vorn und hinten etwas verschmälert. Meist 67 und bei einem Exemplar
63 Beinpaare.
Kopfschild etwas länger als breit: Länge: Breite = 19: 15. Hinter-
rand etwas eingebuchtet, in welcher Bucht der kleine Basalschild
sichtbar ist. Keine Stirnfurche. Antennen von mittlerer Länge, end-
wärts gar nicht verdickt. Der Kopf ist so wie der Rücken zerstreut
mit kurzen feinen Borsten besetzt.
Kieferfüße (Fig. 4) ohne Chitinlinien; Vorderrand der Hüften
und Innenrand der folgenden Glieder ohne Zahnbildungen; die Klauen
sind innen glatt und erreichen geschlossen den Stirnrand bei weitem
nicht. Eine Clypealarea ist nicht sichtbar.
Alle 3 Abschnitte des Zahnblattes der Mandibel (Fig. 5) bestehen
aus je 3 Zähnen. Erste Maxille mit 2 Paar kleinen, eng angedrückten
Tasterlappen. Klaue der 2. Maxille gekämmt.
Alle Ventralplatten, auch die vorderen sind viel länger als breit,
die vorderen nicht ganz, die hinteren mehr als zweimal so lang wie
breit. Jede hat 4-5 Querreihen von 4—5 kleinen, kurzen Borsten;
die Zwischenschilde haben eine Querreihe ebensolcher Borsten. Auf
den letzten Segmenten ist die Beborstung eine etwas längere und
dichtere. Die Ventralporen beginnen auf der ersten Ventralplatte
und reichen bis in die Nähe des Analendes, wo sie sich allmählig verlieren
indem das runde Feld auf immer weniger Poren einschrumpft. Auf
den vorderen Segmenten liegt das runde oder schwach querovale
Feld beiläufig in der Mitte der Ventralplatte, während es auf der
hinteren Segmenten näher zum Hinterrand liegt.
Die Borsten der Pleuren sind etwas größer und stärker als die des
Rückens. Endbeinsegment: (Fig. 1 $, Fig. 3 2) Ventralplatte breit,
trapezisch, zerstreut beborstet. Die Endbeine selbst sind in einer
Hinsicht sehr merkwürdig: die $ haben nämlich 5, die 2 7 Glieder.
Meines Wissens ist dies die einzige Geophilidenart, bei der so etwas
zu beobachten ist. und man kann diese Art gewissermaßen als Binde-
glied zwischen den Gattungen Nannophilus mit 6 und Pectiniunguis
mit 7 Gliedern bei beiden Geschlechtern betrachten. Die Sieben-
zahl ist jedenfalls die ursprüngliche, bei fast allen Geophiliden vor-
handene und das { stellt somit auch hier das höher entwickelte Stadium
vor. [Man muß dabei unwillkürlich an die Diplopodengattung Haplo-
soma denken, bei der die @ die ursprüngliche Zahl von 20 Rumpf-
segmenten, die S dagegen deren nur 19 besitzen.] In beiden Geschlechtern
sind-die Endbeine verdickt, beim & allerdings viel stärker als beim 9.
Das letzte Glied ist bei $ und @ sehr verkümmert und kralienlos. Die
Beborstung der Endbeine ist beim $ wieder viel stärker als beim 9.
Die 2 nicht großen Hüftporen liegen unter der Ventralplatte versteckt.
Das Innere der Endbeinglieder, besonders des 1.—5. Gliedes ist mit
großen Drüsenpäckchen angefüllt.
Männliche Genitalanhänge zweigliedrig.. Bei großen Männchen
sieht man den längsgerieften Penis durchschemen. Analdrüsen
vorhanden.
Myriopoden von Gomera. 111
Fundort: 141. San Sebastian, Barranco de la Villa. Unter Steinen
des Talgerölles 13. 1. 08. — 83. San Sebastian, unter Steinen am Sand-
strand 24. 12. 07.
9. Glomeris (Trichoglomeris) gomerana n. sp.
Fig. 6—8.
Farbe braunschwarz bis schwarz, Seiten- und Hinterrand der
Rückenschilde schmal weißlich gesäumt; vom Brustschild bis zum
12. Segment findet sich auf jedem Segment jederseits ein großer,
querovaler heller, gelblicher mehr oder weniger stark von schwarzen
Sprenkeln durchsetzter Fleck; bei einem 3 ist diese schwarze Sprenkelung
so spärlich, daß der helle Fleck sehr auffällig ist; bei den anderen
Individuen dagegen überwiegt die schwarze Sprenkelung, bei einigen
Individuen sogar so, daß kaum noch Spuren des hellen Fleckes übrig
bleiben. Beim schon erwähnten hellgefärbten 3 findet sich außerdem
ein über den ganzen Rücken vom Vorderrande des Brustschildes bis
zum Hinterrand des Analschildes verlaufender gelblicher Mittelstrich,
der auf jedem Segment in der vorderen bei gestrecktem Körper ein-
geschachtelten Partie stark verbreitert ist. Bei den dunkleren Indi-
viduen sind entweder nur Spuren dieses Mittelstriches oder nichts
davon sichtbar. Antennen braunschwarz, Bauch und Beine gelblich,
letztere rauchbraun überlaufen. & Länge 7.5 mm, Breite 4 mm.
Hinter dem Brustschild 10 gut entwickelte Rückenschilde.
Vorderer Teil des Kopfschildes bis zwischen die Antennen hinauf
etwas zerstreut und lang beborstet, der Rest des Kopfschildes dicht
und kurz behaart. Die Seiten des Kopfschildes sind durchaus nicht
grubig vertieft. Antennen relativ schlank, mit 4 Sinneskegeln am
Ende. Tömösvary’sches Organ stark in die Quere gestreckt, der Zapfen
an seiner Basis fadenartig verdünnt. Die Ocellen umgreifen die ganze
laterale Krümmung des Tömösvaryschen Organs. 7 stehen in einem
Bogen und ein an 8. außen davon hinten. Vordere Hälfte des Kopf-
schildes bis zwischen die Antennen überwiegend gelb mit schwacher
dunkelbrauner Punktierung; hintere Hälfte des Kopfschildes über-
wiegend schwarzbraun mit 3 gelben Punkten. Ein scharf begrenztes
rundliches Feld hinter dem Tömösvary’schen Organ das halb auf die
steil abfallende Hinterseite des Kopfes übergreift, ist auf dunklem
Grunde dicht gelb gefleckt.
Halsschild in der Mitte gelblich gesprenkelt, die Ränder braun-
schwarz. Mit 2 Querfurchen.
Vom Halsschild angefangen ist die ganze Oberfläche des Rückens
sehr dicht, gleichmäßig und fein punktiert und in jedem Punkte steht
ein winziges Härchen.
Der Rand des Vorderlappens des Brustschildes liegt mit dem
ganzen Hinterrand in einer Querlinie; er reicht weiter nach hinten
als bei den typischen Euglomeris. 2 feine durchlaufende Brustschild-
furchen, hinter ihnen noch eine dritte, die hoch hinaufzieht, aber nicht
durchläuft. |
112 Carl Graf Attems:
Analschild bei& und 2 gleichmäßig gewölbt und hinten zugerundet
ohne jede Einbuchtung od. dgl.
d. 17. Beinpaar (Fig. 6). Hüften getrennt, außen sehr weit vor-
gewölbt, relativ merklich weiter als bei Zuglomeris; die Glieder 2—5
dagegen recht klein.
18. Beinpaar (Fig. 7). Sehr bemerkenswert ist, daß hier die beiden
Hüften in der Mediane nicht verwachsen, sondern sich nur eng anein-
ander legen; der gemeinsame Endrand bildet einen tiefen, winkeligen
Einschnitt. Außer den Hüften sind 4 Glieder vorhanden, das letzte
mit Kralle.
19. Beinpaar (Fig. 8): Ganz wie bei Euglomeris. Syncoxit (Se.)
mit relativ schmalem Mittellappen, der von den Seitenfortsätzen
um em gutes Stück überragt wird; diese Fortsätze tragen einige ab-
stehende Borsten. 2. Glied mit langem borstentragenden Zapfen.
4. Glied mit zurückgebogenem Zahnlappen und sitzender Borste.
Fundort: 123 Cumboe del Carbonero, unter Steinen im Lorbeer-
wald 14. 1. 08.
Von der Untergattung Trichoglomeris war bisher nur eine Art
(Alluaudi) und die nur im weiblichen Geschlechte bekannt.
Gomerana ist merklich größer (4 mm breit, Alluaudi nur 2,5 mm
breit), hat 1 +7 Ocellen. Alluaudi hat nur 1 +5 Ocellen und ist anders
gefärbt. Während bei Alluaudi 5 Reihen heller Flecken vorkommen
finden sich hier nur 3, nämlich auf jeder Seite des Rückens nur ein
einziger querovaler Fleck, der mehr oder weniger erloschen sein kann,
sowie der Mittelileck.
Das Getrenntbleiben der Hüften des 18. Beinpaares des & ist ein
sehr ursprünglichens Merkmal, das sonst bei keinem Mitglied der
Glomeridae beobachtet wurde, und verdient besonders hervorgehobe
zu werden.
10. Strongylosoma Guerinii Gerv.
141. Barranco de la Villa.
224. Valle Hermoso.
226. Valle Gran Rey.
11. Brachydesmus proximus Latzel.
5. Valle Hermigua.
217. Wald oberhalb Hermigua.
220. Agulo.
12. Pachyiulus (Dolichiulus) senilis n. sp.
Fig. 12—15.
Farbe: tiefschwarz, Scheitel und Halsschildmitte mit zahlreichen
braunen Fleckchen, Beine bräunlich. $Breite 1.6mm, 43 Rumpfsegmente.
2 + 2 Supralabralborsten; keine Scheitelborsten; Ocellen in
einem querovalen Felde, einzeln ganz deutlich unterscheidbar. Stipites
gnathochilarii ohne Auftreibung. Antennen leicht keulig verdickt.
Backen des $ nach unten nicht vortretend.
Myriopoden von Gomera. 113
An der Quernaht sind die Segmente nur ganz schwach eingeschnürt.
Metazoniten sehr regelmäßig, mäßig dicht und eher etwas seicht längs-
gefurcht; Hinterrand ohne Cilien. Saftloch auf den vorderen Segmenten
sehr nahe an der Quernaht, dieselbe fast berührend, in der Körpermitte
ein wenig und auf den hinteren Segmenten ein gutes Stück von der
Quernaht abgerückt.
Ringteil des Analsegments mit Ausnahme des vordersten Streifens,
die ganzen Analklappen und die Schuppe dicht mit längeren weißen
Haaren bedeckt. Ringteil dorsal stumpfwinklig ausgezogen, ohne aber
im Geringsten vorzuragen. Analschuppe flachbogig.
Alle Beine des $ ganz ohne Tarsalpolster. (Fig. 15).
Gonopoden: vordere (Fig. 13) lang und ziemlich schlank, von
der Basis bis in die Nähe der Mitte etwas verjüngt; dann baucht sich
der Seitenrand ziemlich stark aus; das Ende des Vorderblattes ist
ziemlich zugespitzt. Der Medialrand bleibt bei alledem fast gerade.
Vor dem Ende stehen 2 stumpfe Haken, von denen der mediale der
stärkere ist. Distal von den 2 Haken ist die Spitze von Drüsen-
mündungen durchbohrt; die Medialkante in der basalen Hälfte verläuft
allmählich in der Nähe des Medialrandes ohne am Ende einen Absatz
zu bilden.
Hintere Gonopoden (Fig. 12, 14) vom gewöhnlichen Typus;
medial eine feine gestreiite, hyaline Lamelle (l) mit am Ende schwach
gezackten, sonst glattem Rand. Der Mittelblattfortsatz (Fig. 14 m)
ist dünn und spitz und reicht bis ungefähr zur Mitte zwischen distalem
Ende der medianen Lamelle und Ende des Hinterblattes. Das Hinter-
blatt ist schlank ausgezogen und zeigt eine Rinne, deren Umgebung
eine feine längsstreifige Struktur hat, das Ende wird von einem ringsum
bestachelten schlanken Zäpfchen gebildet.
Fundort: 216. Wald zwischen Erurita de las Nieves und Alto
Garagonay, unter Steinen 2. 3. 1808.
13. Pachyiulus (Dolichiulus) Sansebastianus n. sp.
8107910, 14.
Farbe: Schwarz; im Alkohol sehen die vorderen Teile der Ringe
schieferblau, die hinteren braunschwarz aus; am getrockneten Tiere
ist diese Querringelung aber nur undeutlich sichtbar. Hintersaum
der Metazoniten schmal hell durchscheinend.
Breite $ 2,4mm, @ 3mm. & mit 57—61 Rumpfsegmenten.
2 + 2 Supralabralborsten. Keine Scheitelborsten. Augen oben
abgerundet, vorn, unten und hinten geradlinig begrenzt; die einzelnen
Ocellen deutlich unterscheidbar. Antennen ziemlich schlank, leicht
keulig; bis zum Hinterrand des 3. Segments reichend. Backen des $
nach unten kaum ein wenig vortretend.
Halsschild seitlich stark verschmälert; der Vorderrand des Seiten-
lappens ein wenig eingebuchtet.
Furchung der Metazoniten seicht, weitschichtig und etwas
unregelmäßig, besonders in der Umgebung des Saftloches wo die
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 2. Suppl. fe)
114 Carl Graf Attems:
Furchen vorn etwas auseinanderbiegen. Hinter dem Saftloch ver-
laufen 0—2 Furchen. Alle Furchen erreichen weder die Quermaht
noch den Hinterrand ganz. An der Quernaht stehen ganz kürze feine
Strichel, deren Zahl viel größer ist als die der Längsfurchen. Saftloch
knapp hinter der Naht gelegen, diese berührend. Hinterrand der
Metazoniten ohne Cilien.
Ringteil des Analsegments in eine Spitze ausgezogen die beim
& ein wenig, beim Q nicht oder kaum vorsteht; neben der Spitze einzelne
längere Borsten. Analklappen und Schuppe dicht behaart; die Haare
gelblich weiß. Die Schuppe stumpf dreieckig.
Gonopoden: Vorderblätter (Fig. 9) ziemlich lang und schlank,
ungefähr an der Grenze des 1. und 2. Drittels etwas eingeschnürt;
distal von dieser Verengung nur sehr wenig, besonders für einen
Dolichiulus, verbreitert. Die Längskante der basalen Hälfte auf der
Medialseite verläuft allmählig gegen den Innenrand zu ohne am Ende
ein Eckchen zu bilden und ohne Borsten zu tragen. Vor dem Ende auf
der Aboralseite 2 basal gerichtete stumpfe Haken, von denen der
mediale etwas mehr proximal sitzt. Das Ende des Vorderblattes ist
abgestumpft.
Mittelblattfortsatz (Fig. 10, 11 m.) lang und spitz. Am Hinterblatt
(Fig. 10, 11) wieder medial die große, feingestreifte abgerundete Lamelle
(l). Das Ende des Hinterblattes wird von einer eingerollten Lamelle
mit stellenweise gefransten Rändern gebildet, die sich in einen langen,
schlanken, am Ende mit zahlreichen, stumpfen Stiftchen besetzten
Lappen auszieht.
Fundort: 153 Hochfläche zwischen Barranco de la Villa und
Barr. de Bilbao unter Steinen 17. 1. 08. — 39. Barranco de la Villa,
1 Std. oberhalb $. Sebastian, unter Steinen am Bach 11. 12. 07. —
15. Valle Hermigua, unter Steinen am Ausgang des Tales 1. 12. 07.
— 16. Valle Hermigua, unter Steinen auf dem Acker der Hochfläche
westl. vom Tale 2. 12. 07. — 43. S. Sebastian unter Steinen auf den
Bergen rechts vom Tal 13. 12. 07.
14. Pachyiulus (Dolichiulus) tiendarius n. sp.
Fig. 16, 17, 18.
Farbe: der Rücken ist gelblich und braun marmoriert und un-
deutlich quergebändert. Die Saftdrüsen scheinen als eine sehr auf-
fallende Reihe großer schwarzer Flecken durch, etwa wie bei gewissen
Blaniulus-Arten. Seiten unterhalb der Saftdrüsen gelblich, Beine
gelb, Antennen bräunlich. Breite $ 0,6 mm, 9 0,7 mm. & mit
39—45 Rumpfsegmenten.
2 +2 Supralabralborsten, keine Scheitelborsten. Ocellen schwarz,
einzeln deutlich unterscheidbar. Antennen am Ende wenig verdickt.
Backen des $ unten ohne Fortsatz.
Die Segmente sind in der Quermaht relativ stark eingeschnürt,
der Körper erscheint daher ein wenig knotig. Die Metazoniten sind
regelmäßig, weitschichtig und seicht gefurcht; die Furchen erreichen
Myriopoden von Gomera. 115
weder die Quernaht noch den Hinterrand völlig. Die ersten 4 Segmente
sind dorsal glatt; die Längsfurchen werden erst vom 5. Segment an
deutlich. Die Saftlöcher sind um das mehrfache des eigenen Durch-
messers von der Quernaht nach hinten entfernt. Hinterrand der
Metazoniten ohne Cilien.
Ringteil des Analsegments in einen stumpfen Zacken ausgezogen,
der aber gar nicht frei vorsteht. Das ganze Analsegment ist glatt,
ohne Runzeln, Hinterrand des Ringteils mit einigen längeren Borsten,
die Klappen weitschichtig langborstig; Analschuppe ziemlich tlach-
bogig abgerundet.
Gonopoden: Vorderblatt (Fig. 16) nahe der Basis etwas ver-
schmälert, dann durch Ausbauchung der Außenseite verbreitert,
endwärts wieder zugespitzt. Vor dem Ende die bekannten 2 abge-
stumpften, basal gerichteten Haken, die beinahe gleich groß sind. Die
Innenkante springt am Ende etwas zackig vor; sie trägt keine Borsten.
Der Mittelblattfortsatz (m) der hinteren Gonopoden (Fig. 17)
ist ein kleiner, aber spitzer und schlanker Dorn, der vom Hinterblatt
weit überragt wird. Das Hinterblatt wird von einer eingefalteten dünnen
Lamelle mit theilweise gezackten Rändern gebildet, von deren Ende
sich ein schlanker Fortsatz erhebt, dessen eine Kante spitz gefranst
ist. Median trägt das Hinterblatt die bekannte große hyaline Lamelle.
Fundort: 7. Hermigua, Tienda.
Die Untergattung Dolichiulus von Pachyiulus war in der letzteren
Zeit schon einmal Gegenstand einer Publikation von mir und ich gab
damals im Reisewerke Henri Gadeau de Kerville’s über seine Reise
in Syrien eine Übersicht der Arten. Die hier folgende Übersicht ist
nach etwas anderen Gesichtspunkten verfaßt und außerdem für die
3 hier neu zu beschreibenden Arten erweitert. Wie man sieht, teilen
sich die Arten in 4 Gruppen, von denen je 2 im Westen und im Osten
des mediterranen Gebietes leben, und die z. T. wenigstens später einmal
als eigene Untergattungen abgetrennt werden dürften, insbesonders
die unter 5a und 5b genannten Gruppen.
Übersicht über die Arten der Untergattung Dolichiulus.
la. Oberlippenrand mit ca. 20 Supralabralborsten in einer Reihe 2.
2a. $ ohne Backenlappen; Rücken ockergelb mit feiner schwarzer
Medianlinie; Flanken dunkelbraun; Tarsalpolster vorhanden
mystax Bröl.
2b. Backenlappen beim 3 vorhanden; Rücken und Flanken braun-
schwarz. Keine Tarsalpolster vorhanden Vosseleri Verh.
lb. 4—6 Supralabralborsten 3.
3a. Am Ende des Hinterblattes der Gonopoden ein schlanker,
zylindrischer Stiel, der sich am Ende stempelartig verbreitert 4.
4a. Das ganze Hinterende, insbesonders auch der Ringteil des Anal-
segments reichlich beborstet; Saftlöcher auf den vorderen Seg-
s+
116 Carl Graf Attems:
menten in der Quernaht, in der Mitte des Körpers knapp
an der Naht cedrophilus Att.
4b. Ringteil des Analsegments unbehaart; Saftlöcher weit hinter
der Quernaht cyprius Bröl.
3b. Hinterblatt ohne dieses stempelartige Gebilde 5.
5a. Das Hinterblatt ist in eine lange, schlanke, die Spitze des Mittel-
blattfortsatzes weit überragende, am Ende meist gefranste oder
bestachelte Spitze ausgezogen. Vorderblatt mit 2 ungefähr gleich
großen, schmalen stumpfen Haken vor dem Ende. Backenlappen
fehlen immer, ebenso Scheitelborsten; Mittelblattfortsatz sehr
schlank und spitz; Tarsalpolster meist vorhanden (fehlen nur bei
senilis), westliche Arten der Canaren und Madeiras 6.
6a. Alle Beine des $ ohne Tarsalpolster; Ringteil des Analsegments
mit Ausnahme des vordersten Streifens dicht behaart, ebenso
die ganzen Klappen und die Schuppe senilis n. sp.
6b. Vorletztes Glied oder die 2 vorletzten Glieder der vorderen Beine
des $ mit Tarsalpolstern 7,
7a. Analschuppe dreieckig mit scharfer Spitze (Ringteil des Anal-
segınents mit nur ganz wenigen Borsten) 8.
8a. Vorderblatt relativ schlank, seine größte Breite liegt in oder vor
der Mitte =
. 9a. Vorderblatt distal von der schwachen Einschnürung in der Nähe
der Basis nur sehr wenig seitlich ausgebaucht; das Ende recht
stumpf. Saftlöcher knapp hinter der Quernaht. 3 mit 57—
61 Rumpfsegmenten sansebastianus n. Sp.
9b. Vorderblatt mit einer stärkeren seitlichen Ausbauchung distal
von der Einschnürung; das Ende recht spitz. Saftlöcher mehr oder
weniger weit von der Quernaht abgerückt. $ mit 49—50 Rumpf-
segmenten 10.
10a. Endfortsatz des Hinterblattes glatt, ohne Dornspitzen, Meta-
zoniten eng gefurcht insularıs Brölem.
10b. Endfortsatz des Hinterblattes mit vielen kleinen Spitzchen
besetzt; Furchung der Metazoniten weitschichtiger
penicillatus Att.
8b. Vorderblatt keulig, breit und gedrungen, seine größte Breite liegt
nahe dem Ende (Furehung der Metazoniten sehr weitschichtig)
parcestriatus Bröl.
Tb. Analschuppe bogig abgerundet, ohne deutliche Spitze 11.
lla. $ mit 39—45 Rumpisegmenten, 0,6 mm breit; Ocellen einzeln
deutlich unterscheidbar; der Endfortsatz des Hinterblattes ist
seiner ganzen Länge nach auf einer Kante spitz gefranst. Ringteil
des Analsegmentes ganz glatt mit nur wenigen Borsten
tiendarius n. Sp.
11b. $ mit 49-58 Rumpfsegmenten, 2,3—3,3 mm breit. Ocellen
sehr verschwommen. Der Endfortsatz des Hinterblattes ist nur
am Ende mit stumpfen Stiftehen büschelig besetzt oder ganz
glatt. Analsegment ganz oder im hinteren Teile gerunzelt 12.
12a. Das ganze Analsegment ist runzelig canariensis Bröl.
Myriopoden von Gomera. 117
12b. Nur der Hintersaum des Analsegments ist runzlig
Alluaudi Bröl.
5b. Das Hinterblatt hat keinen langen, weit vorragenden Fortsatz
und seine Spitze reicht nicht oder nur wenig über die des Mittel-
blattfortsatzes hinaus. Mittelblattfortsatz mehr oder weniger
breit. Der mediane Lappen am Ende des Vorderblattes ist fast
immer sehr breit, nur bei domesticus schmäler, fehlt bei poly-
zonus und sporadensis (bei letzterem fehlt auch der laterale Lappen).
Backenlappen beim & fast immer vorhanden (fehlen nur bei
polyzonus), Scheitelborsten und Tarsalpolster vorhanden oder
fehlend. Östliche Arten (Inseln des östlichen, Mittelmeeres, Klein-
asien, Kaukasus) 13.
13a. Scheitelborsten vorhanden 14.
14a. Tarsalpolster fehlen ganz 15
15a. 13—20 mm lang, Prozoniten gelbbraun, Metazoniten schwarz-
braun, seitlich heller marmoriert obscurus Att.
1öb. 35 mm lang, Prozoniten graugelb, vordere Hälfte der Meta-
zoniten graubraun, hintere Hälfte gelb Barroisı Por.
14b. Vorletztes Glied der vorderen Beine des $ mit Tarsalpolster 16.
16a. Ringteil des Analsegments unbeborstet, Hinterrand der Meta-
zoniten ohne Cilien aphroditae Att.
16b. Ringteil des Analsegments reichlich beborstet, Hinterrand der
Metazoniten beborstet continentalis Att.
13b. Scheitelborsten fehlen 118
17a. am Ende des Vorderblattes keine Zacken oder Lappen
sporadensis Verh.
17b. am Ende des Vorderblattes meist 2 (nur bei polyzonus 1)
Lappen 18.
18a. Backenlappen fehlen; der mediale Zahn am Ende des Vorder-
blattes fehlt. Hinterraod der Metazoniten mit kleinen abstehenden
Cilien besetzt. 79—81 Rumpfsegmente polyzonus Att.
18b. Backenlappen beim $ vorhanden. Vorderblatt mit 2 Zacken
am Ende. Hinterrand der Metazoniten ohne Cilien. 42—63 Rumpf-
segmente 19.
19a. Vorletztes Glied der Beine des mit Tarsalpolster domesticus Att.
19b. Tarsalpalster fehlen sinaimontis Verb. und creticus Verh.
* *
*
Tafel-Erklärung.
Fig. 1—5. Pectiniunguis melanostictus n. sp.
1. Hinterende des $. Ventralseite. (Vergr. 42).
2. 10.—12. Segment, 2. Ventralseite.
3. Hinterende des 2. Ventralseite. (Vergr. 18).
4. Kieferfüße, 3.
5. Mandibel.
118
Carl Graf Attems.
Fig. 6--8. Glomeris (Trichogl.) gomerana n. Sp.
15.
Fig. 16—18,
16.
17. Beinpaar, d.
18. Beinpaar, &.
19. Beinpaar, &.
Pachyiulus (Dolichiulus) Sansebastianus n. sp.
Ein vorderer Gonopode.
Ein hinterer Gonopode von vorn gesehen.
. Ende eines hinteren Gonopoden. Laterale Ansicht.
Pachyiulus senilis n. sp.
Ein hinterer Gonopode. (Vergr. 54).
. Ein vorderer Gonopode.
Spitze eines hinteren Gonopoden. (Vergr. 91).
Bein des 6. Paares, Ö.
Pachyiulus tiendarius n. sp.
Vordere Gonopoden.
17. Ein hinterer Gonopode. (Vergr. 91).
18.
Spitze eines hinteren Gonopoden. (Vergr. 220).
Synonymie and Descriptive Notes on the
Hymenoptera Chalcidoidea with Descriptions
of Several New Genera and Species.)
By
A. Arsene Girault.
Family Torymidae.
Subfamily Monodontomerinae.
Genus Monodontomerus Westwood.
1. Monodontomerus montivagus Ashmead.
This species is somewhat variable in the characters of the scu-
tellum, the apieal portion of that sclerite distad of the narrow trans-
verse groove being sometimes nearly glabrous in the direct dorsal
aspect (or mesially). Also the small brown spot at the stigmal vein
varies in intensity and the slight brownish dash projecting disto-
caudad from the end of the stigmal knob may be absent as may also
the faint suffused brownish area under the stigmal vein.
Family Pieromalidae.
Subfamily Merisinae.
Tribe Raptrocerin:.
Genus Uriella Ashmead.
1. Uriella rufipes Ashmead.
The mandibles of this species are 3- and 4-dentate. In some
specimens the ovipositor is exserted for some length but not its
valves; there are certainly traces of a spiracular suleus and lateral
carina on the metathorax. In the Pteromalidae, the spiracular suleus
is rather obscure and its use as a character in taxonomy will doubtless
cause confusion.
Subfamily Entedoninae.
Tribe Omphalini.
Genus Closterocerus Westwood?).
1. Closterocerus cinctipennis Ashmead.
1) Owing to the fact that time did not allow us to send the proofsheets
to the Author in America, I myself have undertaken to read the proofs. For
misprints which may have escaped notice I thus only am responsible, the
Author is it in no way. The Editor of the ‚Archiv f. Naturg.“
Embrik Strand.
2) I had intended to make this species the type of a new genus, hence the
arrangement here. The description is comparative and when Closterocerus is
referred to the type species, trifasciatus is meant.
120 A. Arsöne Girault:
Normal position.
Normal for the subfamily and tribe and the genus Closterocerus
Westwood in habitus and fore wings but the antennae are but
7-jointed, the funiele 2-jomted, the ring-joint absent; flagellum not
so conspicuously compressed fusiform, the pedicel large. Fore wings
with moderately long marginal fringes. Body sculptured.
Female: — Vertex (dorsal aspect) thin, the occiput deeply
concaved, the lateral ocelli close to the eye margin, the eyes prominent,
their surfaces rough; head and thorax with prominent sculpture,
which on the mesothorax becomes close, distinet punctation; parapsidal
furrows complete, widely separated, moderately short and regularly
curved; mesocutellum promment, peltate, regularly rounded caudad,
its disk impressed, its edges raised but not acute, only prominent
margins, bearing no longitudinal grooved lines, its cephalic margin
straight; abdomen rounded ovate, its ovipositor not exserted, sessile,
the petiole not distinct, extremely short, barely indicated, normal
to the tribe, abdomen not any longer than the thorax; the mesopost-
scutellum apparently very short and curved attached to the apex of
the scutellum, its posterior margin ridged and convex, forming &
small hemispherical ridged sclerite, impressed within and not easily
visible at the apex of the scutellum.
Antennae moderately long, normal, not greatly compressed as
in Olosterocerus Westwood, cylindrical, most of the jomts longer than
wide or as long as wide, 7-jointed, scape, pedicel, 2 funicle joints and
a 3-Joimnted club, the terminal club jomt ending in a long acuminate
spine-like seta and itself acummate, the frist funicle jomt short, wider
than long, shorter than the pedicel.
Fore wings moderate in width, regularly rounded distad, the
marginal fringes moderate in length, not more than a fourth as long
as the greatest wing width, the discal ciliation not uniform, moderately
dense, but grouped and conspicuous in two transverse rows, one at
the apex and one at the stigmal vem, the latter most conspicuous
and longest, these two rows corresponding with the two transverse
fumated bands crossing the wings; between these more conspicuously
ciliated areas, the ciliation is distinctly less conspicuous, the cilia
minute, nearly invisible, casually appearing as a naked area crossing
the wing; marginal vein very long and straight, one and a half times
longer than the short submarginal vein, the postmarginal vein merely
appearing as the prolonged apex of the obliquely truncate end of the
marginal vein, the stigmal vein projecting from the opposite an.gle of the
truncation, gourd-shaped, the knob on a short petiole being ovate
and bearing the uncus closer to the petiole than to the apex of the
knob. Posterior wings bearing the discal ciliation mostly under (caudad)
the marginal vein and from thence half-way distad to the apex, not
denser than three or four longitudinal rows, the latter not in regular
lines; eiliation absent distad, excepting for the usual line at each
margin; the marginal cilia short on the cephalie margin but as long
on the caudal margin as the moderately long marginal :cilia of the
Synonymic and Deseriptive Notes on the Hymenoptera Chaleidoidea. 121
fore wing, about as long as the greatest width of the posterior wing
(at the apex of the marginal vein). Marginal and submarginal veins
of the posterior wings subequal, straight.
Tarsi 4-jointed, the first 3-joints subequal, the distal joint
distinetly the longest; tibial spurs single, straight, weak.
Male: — The same as the female, excepting that the abdomen is
somewhat longer, having parallel sides and the first funiele joint of
the antennae shorter, nearly discshaped, still wider than larg.
The type species of this genus (Closterocerus einetipennis Ashmead,
1888, p. 104) was originally described as follows:
„d. Length 0.04 inch. Head, pleura, sternum, metathorax and
abdomen blue; collar, mesothorax and scutellum golden green, strongly
punctate. Head emarginate in front and consequently very thin
antero-posteriorly. Antennae brown-black, hairy. Legs brown,
trochanters, tips of tibiae and tarsi pale or whitish. Wings hyaline,
fringed with long hairs, forewings with a brown band extending across
the stigmal region and another at the apical margin.
Hab. — U. S.“
This species differs from trifasciatus structurally in the fore wings
and antennae; the former have somewhat longer marginal fringes
while the latter are hardly compressed fusiform but eylindrical, the
pedicel large, the first funiele joint wider than long, the pedicel wider
than the club, the latter with its joints subquadrate, not much wider
than long and compressed as in the type species; in the latter also the
first funicle joint is large and distinetly larger than wide. I have failed
to find a ring-joint in cinctipennis and in trifasciatus it is exceedingly
short and usually hidden. ÖOtherwise the antennae of the two species
agree in regard to the number of joints — the funicle 2-jointed, the
club 3-jointed, the third joint terminating in a spinelike seta.
I add the following descriptive details: The blueness of the parts
mentioned in the description is a brilliant metallic blue and the brilliant
metallie greenness of the mesoseutum, scutellum and oceiput changes
to this blue at certain angles of vision. The original description is
correct. The punctation of the scutellum is quite as described; the
abdomen and oceiput are delicately sheened but the metathorax is
smooth. Venation dusky yellowish or brownish. The proximal dusky
band of the fore wing is more pronounced at the stigmal vein and both
bands in some specimens more distinct.
. Antennae differ slightly for the sexes; in the female the first funiele
joint is more nearly quadrate and the following joints subequal, sub-
quadrate, the terminal joint ending in a long, more prominent spine,
the joints more pubescent, the scape moderately long, eylindrical,
subequal to the club in length, the pedicel enlarged, oval, by far
the thickest joint, very much longer than the first funiele joint and
twice the size of the second; the first funiele joint abruptly small,
short, and wider than long, about one half the length of the second
funicle joint which is subquadrate but longer than wide from some
aspects, from others nearly globular, subequal to but yet somewhat
122 A. Arsene Girault:
larger and wider than the proximal club joint, which is also subquadrate
or subglobular; intermediate club joint equal to the basal club joint,
the third club. joint conical, subequal in length to the preceding and
terminating in a stout seta or several setae combined. Antennae
clothed with scattered long hairs.
From sixteen specimens, 2/3-inch objective, l-inch optie, Bausch
and Lomb.
Redescribed from seven males and nine females received for
determination from Mr. R. L. Webster, Iowa State College of Agri-
culture and Mechanie Arts, Ames, Iowa, mounted in balsam and on
tags and labelled as follows:
Balsam mounts: 1. „From egg of Eriocampoides limacına.
Exp. 84. July, 1909. R. L. Webster“, 2 males, 1 females, 14 and 22 July
and 20 July respectively. 2. Same label. Exp. 89. 15 July, 1909.
l male. 3. Same label. Exp. 60. 5 July, 1909, 1 male. 4. Same label.
Exp. 85. 10 July, 1909. 1 male. 5. Same label. Exp. 62. 28 June, 1909.
1 male. 6. Same label. Exp. 78. 5 July, 1909. 1 female. 7. Same label.
Exp. 68, 10 July, 1909. 1 female. 8. ‚From cherry leaves infested with
Eriocampoides limacina. Ames, Iowa, 7 August, 1909. R. L. Webster“.
1 female.
Tag-mounts: 1. „From egg of Eriocampsoides limacina.““
Exp. 81, 3 July, 1909. 1 female. 2. Same label. Exp. 186. 1909. 1 female.
3. Same label. Exp. 187, 20 August, 1909. 1 female. 4. Same label.
Exp. 188. 1909. 1 male. 5. Same label. Exp. 189. 1909. 2 females.
In sending these specimens which were reared in company with
Pentarthron minutum (Riley), Mr. Webster wrote: ‚The species was
solitary, only a single parasite to an egg.“ P. minutum was the more
common of the two.
In my personal collection I have found two females of this species
labelled ‚No. 84. From eggs of Selandria cerasi Peck. A. A. Girault,
Coll.“ Reference to the number 84 in my notebook showed that
originally three females were reared June 10, 1905 from pear leaves
collected at Washington, D. C., and containing eggs of the Eriocam-
pordes. At first the specimens were recorded there as having come
from the eggs of that host, but subsequently the record was changed
to read that the host was perhaps some minute lepidopterous leaf-
miner living in the leaves and unnoticed. It seems that a mistake
was made here and that the host was the Zriocampoides in its egg-
stage. f
Habitat. United States — Missouri (St. Louis); Iowa
(Ames); District of Columbia.
2. Closterocerus trifasciatus Westwood.
I have a single female specimen of this species recorded as having
been reared as a secondary parasite of Tischeria malifoliella Clemens,
the host on apple leaves collected in the District of Columbia. The
parasite emerged August 7, 1905. This European species, thus, is
probably common in the United States. The specimen bears the
characteristic three stripes of black across the fore wings; its body is
Synonymice and Descriptive Notes on the Hymenoptera Chalcidoidea. 123
uniformly deep blue, the legs concolorous and the antennae typical
for the genus. More recently (April 30, 1911) I captured a specimen
by sweeping in a wood at Oakwood, Illinois; in life, this specimen
showed more lustre, especially of aeneous green and coppery tints in
bright lights, on the head and thorax; the abdomen is distinctly poly-
gonally reticulated, the dorsum of the thorax densely, rather finely
punctured, the scutellum large, rounded. This specimen was a male.
The tarsi are white, the posterior wings hyaline, the fore wings with
short marginal fringes. The antennae in both sexes are similar, the club
joints strongly compressed and much wider than long, excepting the
distal one which is rounded conical, ending in a prominent seta.
Subfamily Aphelininae.
Tribe Aphelinin:.
Genus Aspidiotiphagus Howard.
l. Aspidiotiphagus eitrinus (Craw).
I have numerous specimens of this undoubtedly widespread
coceid parasite mounted on a slide with Polynema albicoxa (which see)
and labelled „1127 = 1221. Diaspis amygdali. Allamanda Gard.
hybrid. Suva, Fiji. 21, 10, ’99. A. Koebele.““ Both the host and the
locality appear to be unrecorded.
Genus Coccophagus Westwood.
1. Coccophagus lecanii (Fitch).
Professor T. D. A. Cockerell has sent me specimens of this species
reared from Pulvinaria bigeloviae Cockerell at Boulder, Colorado
(U. S. A.). The host is new to the species. The species occurs in Hawaii,
as has been recorded in the literature. The Colorado rearing record
may be somewhat doubtful becauce of the presence of some aphids
but it is hardly probable that lecanıiv came from them.
Subfamily Zlachertinae.
Tribe Elachertini.
Genus Zagrammosoma Ashmead.
1. Zagrammosoma multilineata (Ashmead), variety punicea nova.
Like the typical form in markings but the whole body is pink
instead of yellow with gradating forms between: thus the abdomen
may be ochraceous with the rest of the body pink.
Deseribed from four female specimens reared as a primary parasite
from the larva of Tischeria malifoliella Clemens, August 7, 1905, the
host on apple, District of Columbia (U. S. A.). The species and variety
have three dusky lines across the fore wings which vary somewhat
but the apical one is usually complete; otherwise the wings are hyaline.
Types: Accessi on No. 44,261, Illinois State Laboratory of
Nakaraı History, Urbana, Illinois, three females on tags (Washington,
Ce)
124 A, Arsene Girault:
Family Trichogrammatidae.
Subfamily Oligositinae.
Tumidifemur genus novum.
Normal position.
Female: — Head normal, the vertex wide, bearing the three
ocelli in a curved line across the vertex, the lateral ocelli not touching
the eye margin, the antennae inserted slightly below (ventrad) the
middle of the face but slightly dorsad of an imaginary line drawn
between the ventral ends of the eyes, 6-jointed — scape, pedicel, 1 ring-
joint and a 3-jointed club, the latter with scattered stiff pubescence
which is not very long; scape not reaching to the cephalie ocellus,
straight, eylindrical, distinetly longer than the pedicel; the latter
rather stout, obconic, not much longer than wide; ring-joint usually
hidden, shallow; club rather stout ovate, short, composed of three
rather indistinet, unequal joints, subequal in length to the scape.
Mandibles tridentate, all of the teeth acute. Parapsidal furrows com-
plete; abdomen short, obtusely conical, not longer than the thorax,
the ovipositor and its valves concealed beneath the venter, not exserted
or projecting slightly at tip. Legs normal but the caudal femora enlarged
and longitudinally striated, twice the width of the others, elliptical
oval and shorter than their tibiae, about twice longer than broad;
tarsi 3-jointed, the joints all short, lengthening slightly distad; tibial
spurs single, absent on the cephalie tibia, consequently the strigils
absent, elsewhere short and straight, acute. Trochanters 2-jointed.
Fore wings moderately broad, pyriform in general outline, enlarging
regularly distad, the apex rather oblately rounded, broadest at the
distal eighth, densely normally ciliate discally, the marginal cilia all
very short, barely longer than’ the discal cilia which are short and
fine; marginal cilia around wing apex nearly uniform, exceedingly
short along each margin, there closer and barely visible; a conspicuous
oblique hairless lme dividing the discal ciliation and running proximo-
caudad from the stigmal vein as in Aphelinus Dalman, but no oblique
line of discal cilia. Proximad of this line the discal ciliation is absent
excepting a small triangular area of about four or five lines against
the marginal vein and two isolated cilia against the submarginal vein
proximad of its break; two thirds the way down a short spur is given
off from the hairless line, entering the discal ciliation. Fore wing
uniformly slightly fumated proximad out as far as the end of the
stigmal vein and the discal ciliation included by the fumated area is
about twice coarser than the main part of the ciliation distad.
Venation straight; submarginal vein very narrow, breaking distad
and then as wide as the marginal, slightly longer than the marginal;
the latter long, somewhat over a fourth the wing length, not broad;
postmarginal vein absent; stigmalvein distinct, normal, with a distinct,
short neck and a slender uncus, its knob rounded-oval. Venation
bearing six or seven large setae. Posterior wings broad, their blade
knife-shaped, the cephalic margin straight, the caudal margin curved
Synonymic and Descriptive Notes on the Hymenoptera Chaleidoidea. 125
convexly, both meeting in a point; the venation long and slender,
ending in a small knob; the discal ciliation consisting of three principal
lines, two along the cephalic margin, one along the caudal margin,
the latter line shorter, the former two separated and attaining the
venation; in the apex of the blade is a fourth short line of about six
cilia, more or less, between the other lines and somewhat confused
with the inner ones. Cephalic marginal eilia short, similar to those
along the apical margin of the fore wing but nearly twice longer,
lenthening gradually distad, noticeably at the apex, along the caudal
margin becoming moderately long, there equal in length to the greatest
width of the posterior wings or slightly longer, about equal to a fourth
of the greatest width of the fore wings.
Male: — Unknown.
Type: Tumidifemur pulchrum species nova, described beyond.
This genus is an unique one because of its antennal structure,
because of the venation, the oblique hairless line of the fore wing
and the form of its posterior wings. Like Aphelinordea Girault, it
again shows marked similarity to certain Aphelinines and Encyrtines.
l. Tumidifemur pulchrum species nova.
Normal position.
Female: — Length, 0,50 mm. Moderate in size for the family.
General color deep black, most of the thorax, the lower part of
face, venation, antennae, knees, tips of tibiae and the tarsi dusky
yellow, the legs dusky; posterior wings hyaline. Eyes and ocelli ruby
red. Mandibles fuscous. Tegulae black. Fumation of fore wing slightly
variable in density, its distal margin convex.
Knob of stigmal vein with a rather long, slender uncus which
points distad; distal club joimt longest of the three. Marginal fringes
of fore wing around apex slightly variable, sometimes as long as the
cephalic marginal fringes of the posterior wing.
From six specimens, 2/3-inch objective, 1-inch optie, Bausch
and Lomb.
Male: — Unknown.
Described from six female specimens received for identification
from Mr. F. W. Urich through Dr. L. O. Howard, all mounted in balsam
with speeimens of Trichogrammatella tristis Girault (see beyond);
three slides, each labelled ‚From eggs of Horiola arguata. Tunapuna.
F. W. Urich. Feb. 1911“ and bearing respectively three females,
two females and one female. -
Habitat: Trinidad (Tunapunta).
Types: Type No. 13,826, United States National Museum,
Washington, D. C., two females in balsam (1 slide; mounted with
four homotype females of Trichogrammatella tristis Girault). Co-
types — Accession No. 44,256, Illinois State Laboratory of Natural
History, Urbana, Illinois, three females in balsam (1 slide, mounted
with cotypes, three males, four females of Trichogrammatella tristis
Girault).
126 A. Arsöne Girault:
Genus Westwoodella Ashmead.
1. Westwoodella sanguwinea Girault.
There is very little doubt but that Westwoodella clarimaculosa
Girault (1911) is a color variety of this species and should therefore be
designated as Westwoodella sanguwinea clarimaculosa Girault. It agrees
in all structural details with sanguinea but resembles somewhat the
male described for that species. With sanguinea, thus, there are two
colorational forms for the female while the males so far seen resemble
clarimaculosa. Very recently (April 30, 1911) I captured a male by
sweeping clover in grass at Oakwood, Illinois. From this specimen,
the vertex was seen to be minutely, densely punctulate, the metanotum
ending in an acute point. It was pale green in color, the substigmal
spot very conspicuous, as usual.
Subfamily Trichogrammatinae.
Trichogrammatella genus novum.
A genus resembling Trichogramma Westwood in the form of the
fore wing and its venation, but differing in antennal structure (the
funicle absent, the many-jointed club), in the structure and shape of
the posterior wings, in the shape of the abdomen and in the long slender
tibial spur of the intermediate legs. Also, the fore wings resemble those
of Trichogrammatoidea but the oblique line of discal cilia is present.
The genus may be recognized at once by means of its 5-Jointed antennal
club, its curved venation and the short and broad posterior wings.
Male, female: — Head normal, the eyes large, the ocelli
normal, in a triangular curve in the center of the vertex, the
antennae inserted slightly below the middle of the face, 8-jointed
— scape, pedicel, 1 minute ring-jomt and a 5-jointed club; scape
moderate in length, eylindrical, about twice the length of the
pedicel; the latter obconic, narrow proximad, longer than any of
the club joints, rather long; ring-joint shallow and narrow; club
long, nearly as long as the scape and pedicel combined, long-
acuminate, its five joints unequal but none very long, the second and
fourth joints longest, the first joint shortest, transverse, not always
distinetly separated from the second, the first incision straight, the
others oblique or obliquely curved. Pubescence of antennae sparse,
in the male slightly less so. Mandibles tridentate. Parapsidal furrows
complete, distinet, oblique, straight. Abdomen slightly longer than
the thorax, with parallel sides and subtruncate or blunt apex somewhat
as in the males of Zathromeris Foerster but not so long, shorter and
conical in the male with the genitalia exserted; ovipositor and its
valves as in Tumidifemur. Legs normal but the posterior femora
swollen somewhat as in Tumidifemur but not as much; trochanters
2-jointed; tarsi 3-jointed, the joints rather long in the intermediate
legs, the proximal joint there twice the length of the same joints in the
other legs where all the joints are short but longer than wide; tibial
spurs single, short, straight, acute, those of the cephalie tibiae closely
Synonymic and Descriptive Notes on the Hymenoptera Chaleidoidea. 127
applied to the first tarsal joint, not forked and not forming a strigil;
but the intermediate tibial spurs are comparatively very long and
slender, thrice or more the length of the others. Posterior tibiae
obelavate.
Fore wings as in Trichogramma Westwood; discal eiliation arranged
in regular rows (about from ten to fourteen), the rows arranged in
more or less distinet pairs with the exception of a straight line leading
directly distad from the apex of the stigmal vein, consequently from
the cephalie margin, three pairs, then a single line, then four pairs;
ciliation moderately sparse, two central lines projecting irregularly
beneath the venation as far as the tip of the submarginal vein and
from thence proximad, absent; absent near the venation; an oblique
line of five or six cilia leads proximo-caudad from the end of the
stigmal vein; it nearly joins the end of the three or four smaller cilia.
Discal eiliation distinet but not long or coarse. Several isolated cilia
proximad bordering either side of the venationt). Marginal cilia short,
slightly longer than normal for Trichogramma, but not more than
an eighth of the greatest wing width, longest around the apex; in the
male, the cilia are somewhat longer. Venation of fore wing forming
a bow but the marginal vein is only slightly curved, slightly shorter
than the rather long, slender, curved stigmal vein, only a third of the
length of the submarginal; stigmal vein with a long neck, ending in
an ovate knob which bears a nipple-like uncus pointing disto-cephalad.
Posterior wings short, reaching only &bout to the end of the stigmal
vein of the fore wing, the blade knife-shaped from the apex of the
venation only about twice wider than long, its apex obtusely pointed;
three complete lines of discal eiliation, the posterior line faint, the
longest marginal cilia about equal to the wings greatest width, or
slightly shorter; venation long and slender, slightly enlarged at the
end. There may be a single discal eilium caudad of the second line
of cilia of the caudal wing near its proximal end; it is usually missing.
Type: Trichogrammatella tristis species nova, described herewith.
l. Trichogrammatella tristis species nova.
Normal position.
Female: Length 0,40 to 0,55 mm. Moderate in size for the
family.
General color sooty black, the scutellum pale cadmium yellow;
scape and pedicel yellowish; club dusky yellowish; knees, trochanters,
tips of tibiae and all tarsal joints pallid; venation dusky; fore wings
slightly fumated proximad under the submarginal vein; posterior wings
hyaline. Mandibles fuscous. Eyes dark.
Pedicel of antenna dorsad with a ridged seulpture, in outline
along the edge appearing like serration; the caudal femora with
longitudinal striation.
From 12 speeimens, 2/3-inch objective, 1-inch optie, Bausch
and Lomb.
1) For instance two in the rather broad costal cell.
128 A. Arsöne Girault:
Male: — Lensth, 0,50 mm. The same; elub of antenna slightly
more hairy.
From 4 specimens, the same objective and eye piece.
Described from male and twelve female specimens received from
Dr. L. ©. Howard for identification, mounted on three slides with
Tumidifemur pulchrum Girault — one male, four females; four females;
and three males, four females, respectively — labelled ‚‚From eggs of
Horiola arquata. Tunapunta. F. W. Urich, Feb. 1911.“
Habitat: Island of Trinidad (Tunapunta).
Types: Type No. 13,827, United States National Museum,
Washington, D. ©. one male, four females in balsam (1 slide; mounted
with 1 homotype female of Tumidifemus pulchrum Girault). Co-
types — Accession No. 44,254, Illinois State Laboratory of Natural
History, Urbana, Illinois, three males, four females in balsam (1 slide;
mounted with the cotypes — three females — of Tumidifemur pulchrum
Girault).
Uscanella genus novum.
This genus is closely allied with Uscana in antennal structures but
differs in that the club is only 2-joited and there are two ring-joints;
. furthermore the fore wings bear long marginal cilia and their discal
ciliation is arranged differently; the venation is also different.
Normal position.
Female: — With the general build and appearance and with
all of the structural characteristies of Uscana Girault. Differing as
follows: Antenna 6-jomted — scape, pedicel, two minute ring-joints
and a short, stout 2-jomted club which is conic-ovate. Fore wings
shaped as m Trichogrammatoidea Girault but the marginal fringes
are loııger, moderately long, somewhat over a third as long as the greatest
wing width, proximad on both’margins abruptly becoming very short.
Discal ciliation very short like dots, sparse, rather faint, arranged m
very regular lines (about twelve in all), some of which are curved, absent
in all of the middle of the wing from the distal fifth to base with the
exception of several isolated cilia (not always visible) and a short
longitudinal group of about eight exceedingly mimute cilia situated
close together at the first break of the submarginal vein; no oblique
line of eilia running back from the stigmal vein. Venation straight,
the submarginal vein about one and three quarters times longer than
the marginal, broken twice, beyond its middle where it thiekens to
the width of the marginal vein and at its tip where it is discontinuous,
actually separated from the marginal vein by a space of the wing
membrane; its thicker portion is slightly shorter than the marginal
vein and is nearly straight; marginal vein straight, moderately long,
its cephalic edge with two emarginations, its distal end projected
slightly beyond the origin of the stigmal vein indicating a postmarginal
vein; stigmal vein distinet, oblique, about two thirds the length of the
marginal, rather long, gourd-shaped, its neck merely a prolongation
of the knob which is dart-shaped; the stigmal vein points more distad
Synonymie and Descriptive Notes on the Hymenoptera Chaleidoidea. 129
than caudad. Its uncus disto-cephalad. Posterior wings lanceolate,
small, with three complete lines of discal cilia, the cephalie one of
which is less conspieuous and shortest, the blade at apex of the venation
acute and proximad with a rather slender petiole. Marginal cilia
(caudad) of posterior wing slightly shorter than those of the fore wing
(distad) but nearly twice longer than the wing is wide (across apex
of the venation); posterior wing usual in length. Legs normal, the
tarsi 3-jointed, the joints short, the tibial spurs single, short (cephalic
tibiae and tarsi not seen). Ovipositor barely projecting beyond tip
of abdomen, not conspicouus. laws curved.
Male: — Unknown.
A genus characterized by the short antennae bearing a conic-ovate
2-jointed club and two ring-Joints, by the venation and ciliation of the
fore wings and the short blunt abdomen. Among others, it is nearly
similar in antennal structure to Tumidielava Girault, but the club is
only 2-jointed, the stigmal vein long and the marginal fringes long.
Type: Uscanella bicolor species nova, described herewith.
1. Uscanella bicolor species nova.
Female: — Length 0,45 mm. Moderately small for the sub-
family.
General color brownish yellow, the abdomen black; legs, antennae
and venation concolorous; eyes and ocelli red; fore wings slightly
fumated, more noticeable under the venation; a very small fuscous
blotch along the caudal (proximal) edge of the stigmal vein; meta-
thorax paler. Tegulae dusky.
Antennae with the two club joints unequal, obliquely divided,
the distal one nearly twice longer, cone-shaped, the proximal one
subhemispherical; pedicel oval, not quite as long as the distal club
joint and not as wide; scape not lang.
From five specimens, 2/3-inch objective, 1-inch optie, Bausch
and Lomb.
Described from five female specimens mounted in balsam received
from Mr. F. W. Urich through the courtesy of Dr. L. OÖ. Howard and
labelled ‚From eggs of Horiola arquata. Tunapunta, F. W. Urich,
Feb. 1911.“
Habitat: Trinidad (Tunapunta).
Types: Type No. 13,828, United States National Museum,
Washinston, D. C., four females in balsam (1 slide). Cotype:
— Accession No. 44,255, Illinois State Laboratory of Natural History,
Urbana, Illinois, one female in balsam. Type locality. —
Trinidad.
Uscanoidea genus novum.
A genus allied with and resembling both Uscana Girault and
Uscanella Girault but differing from the former in having a pointed °
conic-ovate abdomen which is longer than the thorax, in bearing a
shorter, soı ewhat swollen and compaet 2-jointed antennal club and
in lacking a ring-jomt in the antennae; from the latter genus it is
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 2. Suppl. 9
130 A. Arsöne Girault:
practically similar in the form of the antennae, but differs in the
absence of the ring-joint, in the short marginal cilia of the fore wing,
the more distinet and denser discal ciliation, the shorter marginal
and stigmal veins and the longer, more pointed abdomen. Normal
position.
Female: — Head normal, the ocelli normal, rather large, the
lateral ocelli rather close to the eye margin, the eyes large, the antennae
4-jointed — scape, pedicel and a short, rather stout, conic, 2-jointed
club, the scape slender, cylindrical, only moderate in length, the pedicel
rounded oval, the club somewhat longer than the scape, broadest, its
proximal joint much wider than long, a flat hemisphere, the distal
joint a cone, four or more times longer than the proximal joint, wrinkled
longitudinally and not terminating in a spine-like seta. Parapsidal
furrows complete, the mesoscutum longer than wide, its caudal margin
emarginate at the meson; mesophragma absent. Abdomen about
as long as the head and thorax combined, conic-ovate, pointed caudad,
the valves of the ovipositor projecting slightly beyond its tip. Legs
as in the type species of Uscana, the strigils absent.
Fore wings as in the type of Uscana but the discal eiliation is
more distinet and arranged in more regular line, the oblique line of
cilia leading back from the stigmal vein present, curved. The venation
differs from that of Uscana in the somewhat shorter stigmal vein
which is merely an ovate knob separated from the marginal vein by
a constriction (the very short, narrow neck) and appearing nearly as
if suspended from the edge of the marginal vein; the latter short,
about twice the length of the stigmal vein but not more than three
and a half times longer than broad; the uncus as in the other genus.
Posterior wings as in Uscana as regards discal ciliation!) but broader,
shaped nearly as in Uscanagrammatella but the marginal cilia are
shorter than with the type species of that genus, the longest (caudad)
not quite as long as the blade’s greatest width, yet about twice the
length of the longest marginal cilia of the fore wing.
Mandibles tridentate, the teeth small, the two outer ones more
acute than the inner.
Male: — The same; this sex differs from the other only in the
usual abdominal characters with the exception of coloration; the
abdomen is smaller, shorter and more blunt caudad, nearly rectangular,
the genitalia prominent but exserted.
Type: Uscanoidea nigriventris species nova, described herewith.
1. Uscanoidea nigriventris species nova.
Normal position.
Female: — Length, 0,60 mm, mean. Moderate in size for the
subfamily; visible to the naked eye.
General color dull honey yellow (pale clay yellow) suffused with
dusky, the abdomen deep velvety black marked with transverse stripes
1) But there is apparently a fourth, less conspieuous line at the caudal edge
of the blade, in reality the bases of the marginal cilia.
Synonymice and Deseriptive Notes on the Hymenoptera Chaleidoidea. 131
of the same yellow; parapsides, pleura, sometimes the mesoscutum
excepting a central triangular portion at base, the legs excepting the
trochanters, knees, tips of tibiae and sometimes much of the whole
joint and the tarsi all of which are pallid, the submarginal vein and
portions of the head dusky greyish; marginal and stigmal veins
black, the latter often suffused with pallid, its short neck pallid; fore
wings hyaline with the exception of a light smoke-colored round area
under the marginal and stigmal veins, bounded by them and the
oblique line of discal cilia (distad); in many cases suffused across the
wing to the caudal margin; distal end of submarginal vein pallid.
Posterior wings hyaline. Antennae honey yellow. Mandibles fuscous.
Eyes and ocelli carmine, the former darker, bearing short stiff hairs;
the scutellum bears about four short, stiff setae which are black;
they are arranged nearly in a square; sculpture inconspicuous, the
surface of the mesonotum opaque, in certain lights shiny; pubescence
sparse.
Fore wings bearing about eighteen longitudinal lines of discal cilia,
all the lines regular and distinet but alternately a line is somewhat
fainter, its eilia shorter; the discal ciliation projects proximad beneath
the venation in the caudal half of the wing blade and is absent directly
beneath the venation; the oblique line of cilia running back from the
apex of the stigmal vein is complete and contains about from six to
eight cilia; the marginal vein bears about eight moderate sized black
setae from its surface. Antennae moderately clothed with slender,
moderately long hairs.
From 60 specimens, 2/3-inch, objective l-inch optie, Bausch and
Lomb.
M ale: — Length, 0,47 mm, mean. Smaller, more compact. The
same as the female but the abdomen is wholly black, excepting the
extreme base.
From 32 specimens, the same optic and objective.
Described from many speeimens of both sexes received for identi-
fication from Dr. L. O. Howard. They were reared by Mr. E. A. Schwarz
from a froth-like egg - mass on the upper surface of a leaf of wild
Solanum, collected January 20, 1911 at Paraiso, Ishmaian Canal Zone,
Panama. The specimens were enclosed loosely in a vial bearing the
data ‚„No.11. Paraiso. Jan. 20. ? Leaf-hoppers on Solanum“; the
host egg-masses looked not unlike certain unarmored coccids with
ribbed bodies; they were found to contain (April 24, 1911) yellowish
eggs containing apparently healthy embryos and as has been implied
are apparently jassids.
Habitat: Isthmus of Panama (Paraiso).
* Types: Type No. 13,856, United States National Museum,
Washington, D. C., 7 males, 12 females in xylol-balsam (1 slide). Co -
types — Accession No. 44,266, Illinois State Laboratory of Natural
History, Urbana, Illinois, 7 males, 15 females, in xylol-balsam
(1 slide).
9%*
132 A. Arsöne Girault:
Genus Pentarthron Riley.
1. Penthartron euproctidis Girault.
Dr. L. O. Howard has sent me two trichogrammatids mounted
on a single slide which can not be separated from this species. The
slide bore the label ‚From eggs of Odonestes superanus. Tokio, Japan,
C. Sasaki. (32).“ I have previously recorded this species from Japan
but the host is new.
Genus Abbella Girault.
1. Abbella acuminata (Ashmead).
A single female of this species has been found in the colleetions
of the Illinois State Laboratory of Natural History, Urbana, bearing
the accession No. 5871 and reared from corn, Mt. Pulaski, Illinois,
June 6, 1885. It occurred incidentally.
Family Mymaridae.
Subfamily @Gonatocerinae.
Tribe Gonatocerini.
Genus Leimacis Foerster.
1. Leimacıs aspidioticola (Ashmead).
Unless the types of this species can be found, it will be extremely
difficult to identify it again with any amount of certainty, owing
to the obvious discrepancies occurring in its original description.
Genus Alaptus.
1. Alaptus globosicornis Girault.
I have an undoubted specimen of this species, described in 1908
from Florida (United States of America), which was collected in an
office at Honolulu, Hawaii, August 3, 1900 by Albert Koebele. As
the species is recorded as a parasite of coccids, it is not unlikely that
it was imported into Hawaii in shipments of fruit trees. The original
habitat of this species, hence, is problematical but perhaps it is a
tropical form. The longest marginal cilia of the fore wing are plainly
three and a half times longer than those wings’ greatest width. The
proximal funiele joint is not as small as shown in the figure accompa-
nying the original description.
Genus Litus Haliday.
1. Litus enocki Howard.
Proc. U. S. Nat. Mus., XVIII, 1896, pp. 643—644.
This species was described in 1896 from Ceylon and it has not
been taken since. Its author has very kindly loaned me the types
for study and I add here the following supplementary descriptive
notes from them:
Generie position and original description correct. With the habitus
of an Alaptus, especially in antennal and wing structures. As described
but the scape and pedicel are normal and as in Alaptus the pedicel
Synonymie and Descriptive Notes on the Hymenoptera Chaleidoidea. 133
stout, yet not abnormally swollen; first and second funicle joints over
thrice longer than wide; joints 3 and 4 each a fourth shorter; joints
5 and 6 each about a fourth shorter than either 3 or 4 but 5 is slightly
longer and less broad than 6, elub slender, long, much longer than the
scape; pubescence of funicle in whorls as in Alaptus, two rings of setae
on joints 3 to 6, each at basal and apical third, and on joints 1 and
2 the same but each whorl less conspicuous on these joints, its setae
less numerous. Tibial suprs single, short, straight, but the cephalie
ones forming a strigil, curved and forked, the tines distinet. Flagellum
about as long as the body. Parapsidal furrows distinct, complete,
curved. Ovipositor not exserted. Tarsal joints short; legs normal.
Fore wings slender and curved as in Alaptus, the caudal dilatation
present, not acute; marginal vein of fore wing about six times longer
than wide, moderate in length; discal eiliation. of fore wing consisting
of a paired line along each margin and an incomplete single midlongi-
tudinal line which is nearer the cephalic margin, and shorter proximad
by several cilia, than the bounding lines. Marginal cilia of fore wing
long and slender, the longest about from four and a half to five times
the greatest wing width, slightly longer than the longest eilia of the
posterior wings. Fore wing with a handle-like curve distad but this
is not pronounced. Posterior wings equal in length to the fore wings,
their discal ciliation consisting of a paired line of cilia along one margin
and a single line along the other, the latter line somewhat less distinct;
in shape, slender and curved, their marginal cilia moderately long at
both margins.
The above notes taken from the two type females which are mounted
together on a balsam slide. The male remains unknown.
Genus Gonatocerus Nees.
l. Gonatocerus ater Foerster.
I have the fragments of two female specimens labelled as this
species which were mounted on minutien pins in the colleetions of
the United States National Museum and which bore no data. Their
bodies are wholly jet-black, the fore wings very broad, the ovipositor
distinetly exserted. Comparison of the fore wings with Enock’s (Oo-
philus) Gonatocerus longicauda shows marked similarity as does also the
abdomen. The two species are undoubtedly the same. However,
I could not compare the antennae as they are missing in the specimens
before me. I treat of longicauda more at length elsewhere, showing that
it is a true Gonatocerus and not the type of a new segregate. The wing
and abdominal characters are characteristic as is also the mournful
black of the body.
Subfamily Mymarinae.
Tribe Anaphinit.
Genus Anthemus Howard.
1. Anthemus chionaspidis Howard.
Howard, Proc. U. S. Nat. Mus., XVIII, 1896, p. 643.
134 A. Arsene Girault:
This is the only species of Anthemus. I have been loaned the
types of the species by Doctor Howard and fill in here a number of
supplementary descriptive detailes:
ı Female: — The antennae are as described but a peculiarity of
them should be pointed out; they are compact, the club for instance
fitted closely to the last funicle joint, the funicle clavate, the flagellum
clavate, enlarging uniformly from the third funicle joint, noticeably
at the fourth funicle joint, the joints, however, all somewhat longer
than wide. Scape cylindrical, slightly convexed; pedicel obconiec,
distinetly much longer than any of the funicle joints; last funicle
joint scarcely longer than the first. Mesophragma long, conic, reaching
to the middle of the abdomen. Legs normal, not long and slender
nor especially short; the four tarsal joints all short, the proximal
joint longest, somewhat shorter in the cephalic legs than elsewhere;
tibial spurs single, short, the cephalic ones longer, curved and free,
forming the usual strigil. Mandibles apparently broad, with five or
six minute teeth. In the original description the fore wings are stated
to be „as with Anagyrus“, evidently a misprint for Anagrus; they
resemble fore wings in the latter genus but they are peculiar in that
their margins are not well-defined and the discal ciliation is uniform
to the edges of the blade. They are broadest across the venation at
the caudal dilatation which is rather prominent and long, the blade
from thence uniform in width, straight and rather narrow, bearing
only about from seven to nine longitudinal lines of discal ciliation
and at apex obtusely rounded from the caudal edge, the cephalic edge
remaining straight; the discal eiliation is conspicuous, uniform, mode-
rately dense, not short, moderate in length and extending proximad
under the venation. The venation is usual, not conspicuous, the
marginal vein, however, short, only about twice longer than wide.
Marginal cilia of fore wings very long, especially caudo-distad where
they are at least three and a half times longer than the width of the
distal portion of the blade, distinetly longer than the longest marginal
cilia of the posterior wing. Proximal portion of fore wing from base
to apex of caudal dilatation triangular, the caudal dilatation then by
an obtuse, short curve, ending in the main part of the caudal wing
margin; fore wing fumated out as far as the end of the venation.
Posterior wings rather short, ending in an obtuse point, conic-
cylindrical, moderate in width, not very narrow or slender, apparently
naked or without discal eiliation with the exception of a distinet short
line of about seven, somewhat irregularly placed, cilia proximad just
distad from the venation and a single line of inconspicuous eilia along
the caudal margin beneath the venation; marginal cilia of posterior
wing long and slender. Mesoscutum wider than long. Lateral ocelli
not touching the eye margins.. Color as described but the antennae
(excepting club) and the legs (excepting caudal femora and proximal
portions of other femora) yellow, both often pallid yellowish; the
exceptions are concolorous with the body as is also the venation.
Mandibles fuscous. The male club bears at least two whorls of the
Synonymic and Descriptive Notes on the Hymenoptera Chalcidoidea. 135
long hairs; it is nodular, acutely pointed. Male scape longer than
male antennal club, shorter without its bulla. Vertexal carina present.
The above notes taken from the slides of the type specimens,
bearing in all nine males and fifteen females, all in excellent condition.
Genus Anaphes Haliday.
1. Anaphes pratensis Foerster.
I have found four females of a mymarid species in the United
States National Museum collections labelled as this species and bearing
the locality label ‚France‘; the identification was evidently made
by Ashmead as the name of the species was in his handwriting. The
specimens are different from any species of the genus known to me but
of the American species so far described they are most similar to the
species_tole and nigrellus. They resemble zole rather closely in the
structure of the fore wings, which are larger, however; but the antennae
are entirely different agreeing somewhat with those of nigrellus in
general form but differing in that the second funicle joint is elongate
and distinctly longer than distal funicle jomt. The antennae of this
European species are characteristic and I make the following notes
concerning their structure: The funicle joints are all eylindrical and
much longer than wide, excepting the proximal joint; the latter very
short, barely longer than wide; second funiele joint abruptly lengthened,
nearly twice the length of the distal joint of the funicle; joints 3 and
4 subequal, a fourth shorter than the second but both long; jomt
5 a fourth shorter than jomt 4 and somewhat wider; the distal joint
still shorter and broader (joints 5 and 6 may be subequal and some-
times joints 4 and 5); pedicel very much larger than the first funicle
joint. The species is a typical Anaphes. 'The posterior wings are long
and curved, with a row of white dots along the caudal margin and two
complete lines of discal cilia down the middle of the blade, a single
row along each edge. The fore wings are moderately broad, bearing
about from fifteen to seventeen lines of moderately fine discal cilia;
their longest marginal cilia are three-fourths the greatest width of the
blade; the latter is slightly fuscous in places. The general color is black,
the legs brownish, the knees, tips of tibiae and tarsi pallid yellowish.
The specimens have been remounted in balsam and placed in the
colleetion from which they came. The species is about the same size
as nigrellus.
Genus Anagrus Haliday.
1. Anagrus lutulentus species nova.
Normal position.
M ale: — Length, 0,50 mm. Moderately large in size for the genus.
Resembling in the appearance of the fore wings Anaphes cincti-
ventris Girault.
General color brown pink, the legs, venation and antennae pallid
dusky yellowish, distal tarsal joint not darker; fore and posterior
wings distinctly, not very deeply, fumated, fore wings lighter caudad
136 A. Arsene Girault:
of the submarginal vein and near the apex, caudad; posterior wings
lighter toward apex and in most of the fumated area, mottled with
clear spots. Eyes red.
Fore wing moderately broad for the genus, but considered apart,
moderately narrow, clavate, its shape normal to the genus, about
six times longer than its greatest width, its discal ciliation sparse,
consisting of but two lines near the cephalic margin; the first or cephalic
of these is finer, running distad from the venation at the wing edge
to the apex, commeneing to leave the edge at little over halfway out
and following the margin of the wing around the apex to the beginning
of the caudal margin, hence encireling the distal and of the second
line; proximad its cilia are farther apart from each other in the line;
the second line is somewhat coarser, its cilia separated farther in the
line proximad and also increasing in length proximad, the line being
just cephalad of the midlongitudinal line of the wing blade and disappe-
aring at a distance distad of the apex of the marginal vein as the latter
is long. There is also a short line of three or four minute discal cilia
near the caudal margin just distad of the dilatation. Marginal vein
shorter than the submarginal but moderately long, about eigth times
longer than broad, its distalend curved cauda-distad, ending in a rounded
knob like a sessile stigmal vein. Marginal cilia of fore wing very long
and fine along both margins, the longest (caudo-distad) somewhat
twice longer than the greatest wing width and distinctly longer than
the longest cilia of the posterior wing. The latter instead of narrowing
distad, broadens gradually and is slenderly clavate; it is also curved
at the distal fifth; its marginal vein is strong, moderate in length,
clavate, obliquely truncate distad. Marginal cilia of posterior wing
where longest, about three times longer than the greatest wing width,
the shorter ones of the cephalic margin about a fourth longer than
the wings greatest width. Discal cilia of posterior wing consisting of
a distinct line along the whole of each wing margin, away from the
wing edge, both rounding the apex to meet; extremely proximad, the
caudal line is paired, several cilia of the usual line at the wing edge
there appearing; no cilia in the midlongitudinal line excepting one
(or maybe several) in the extreme apex, inclosed by the marginal lines.
Parapsidal furrows complete, distinct; mesoscutum cuneate,
broader cephalad, all margins straight but the lateral ones oblique.
Abdomen sessile, oval, only about two thirds the length of the thorax.
The four tarsal joints short; tibial spurs single; strigils present; the
proximal tarsal joint of the cephalic legs longer than the same joint
of the other legs.
Antennae 13-jointed; scape long, rather deeply curved, longer
than the pedicel and first two funiele joints combined; pedicel short,
obconic; flagellar joints all short, but all longer than the pedicel,
longitudinally striate, each little over twice longer than wide, the
proximal joint somewhat shorter.
From a single specimen, 2/3-inch objective, 1-inch optie, Bausch
and Lomb. |
Synonymie and Deseriptive Notes on the Hymenoptera Chalcidoides. 137
Female: — Unknown.
Described from a single male specimen received through the
kindness of Dr. L. OÖ. Howard, mounted on a slide labelled ‚‚998. Perth,
W. Austr. G. Compere.“
Habitat: West Australia (Perth).
Type: Type No.13,835, United States National Museum,
Washington, D. C., one male in balsam.
2. Anagrus armatus (Ashmead).
This species when mounted in balsam stains it a pinkish. It varies
considerably in general body color, sometimes being wholly pinkish
in color, this fading out, when mounted in balsam, to yellow. A female
of the variety nigriventris Girault captured in a greenhouse at Urbana,
Illinois, April 20, 1911, had the thorax nearly orange in color and
twenty-four hours after being mounted alive in balsam its body was
surrounded by a pink cloud originating from the thorax; the color
of the latter, consequently, fading toward yellow.
In the collections of the United States National Museum I have
found another female specimen of the variety nigriventris, preserved
dry in a small vial and bearing no data other than the number 7. It
was colored as described in the original description, having very
probably faded out from its natural color as noted above. However,
the colors in nature are frequently not pink on the thorax and when
yellow fade but little.
3. Anagrus brocheri Schulz.
Brocher, 1910, pp. 177—180, pl. XI, fig. 8; Schulz, ib., pp. 192
—19, figs. 3 and 4.
Dr. E. F. Weber, Musee d’Histoire Naturelle de Geneve, has very
kindly loaned to me for study, at my request, one male and three
female specimens of this species which were transmitted to him for
that purpose by Dr. Frank Brocher of Vandoeuvres pres Geneve.
I make herewith a comparison of it with those American species so
far described and with such European species known to me personally.
At first, however, it should be stated that it is a typical Anagrus
characterized by being somewhat larger than normal. As concerns
the American species, it is most similar to armatus Ashmead in structura]
characteristics but differs markedly in coloration from the usual bright
yellow of that species, being brown !), its color uniform. The antennae
differ from those of armatus not very much, on the average being
similar; however, the scape is somewhat longer?), the pedicel less
stout. The fore wings of brocheri differ from those of armatus in being
somewhat more regular in outline, in being more distinetly but uni-
formly and lightly fumated throughout and in having the marginal
vein stouter and somewhat shorter. Otherwise both pairs of wings
1) One of the females nearly olive.
2) Also very finely serrulate along its ventral margin; but further examination
shows that this is also true of armatus. "The serrulation is due to a fine ridged
sculpture or a sculpture like overlapping plates.
138 A. Arstne Girault:
are similar. The mesoscutum in brocheri is narrower than that in
armatus, about twice longer in proportion to its width caudad, in
armatus distinetly not twice longer than broad at its caudal margin.
Also on the scape, there are usually several more conspicuous setae
in the case of brocheri. Thus it is not an easy matter to separate the
females of these two species structurally and it is not certain but
that coloration mary vary in brocheri as it does in armatus (mostly,
however, to the pattern of its variety nigriventris Girault which still
has a bright yellow thorax). The males of booth species are similar
in antennal structure and thus no aid is given by this sex.
The European species certainly will average in size but little
above armatus, if at all. Individuals of the latter vary considerably
in this respect.
From the only European Species of Anagrus known to me —
incarnatus!) Haliday — brocheri may be distinguished at once from
the fact that in the female antenna of the latter, the second funicle
joint is distinetly much longer than the sixth, whereas in incarnatus
the opposite is true, the second funicle joint distinetly shorter than
the sixth joint of the funicle. Otherwise, the two species nearly agree,
especially in coloration; the Englisch species is lighter brown, however.
The fore wings are more pronouncedly curved in incarnatus. The
antennae of the male are similar im both species.
Anagrus brocheri is aquatic but shows no structural adaptations
for such a habit.
Tribe Mymarini.
Genus Polynema Haliday.
l. Polynema albicoxa Ashmead.
What appears to be a male of this species was sent to me by
Dr. L. O. Howard, mounted on a slide with Aspidiotiphagus citrinus
(Craw.) from Fiji. However, this identification is based entirely on the
fact that the specimen has a distinct fuscous band across about the
middle of the wing (but much nearer to the venation than to the wing
apex); only the female of the species is known. This male specimen
differs from the description of the female in having most of the fla-
gellum black (excepting the somewhat lighter proximal funicle joint),
its coxae are all black and only the cephalic legs yellow, the others
dusky. Its fore wings bear about twenty longitudinal lines of discal
cilia and are moderate in width, like those of enchenopae; their marginal
ciliation is moderately long, the longest about two-thirds the wings
greatest width; discal ciliation moderate. The first funicle joint is
thrice the length of the pedicel and about a fourth shorter than the
following joints which are long, about six times longer than wide,
gradually shortening distad, the distal joint subequal as usual to the
proximal joint. The proximal tarsal joint of posterior legs is very
!) Mounted on a slide by Mr. Fred Enock of London and presented to Dr. L. O,
Howard as examples of that species. |
Synonymic and Descriptive Notes on the Hymenoptera Chalcidoidea. 139
long, thin and slender, the posterior tarsi longer than their femora.
The posterior wings are narrow, Jinear, without discal ciliation excepting
a paired line along the cephalic edge and a single line along the posterior
edge. For the data on this species, see Aspidiotiphagus citrinus. This
species by having a fascia on the fore wings is allied with bfasciatipenne
and bimaculatipenne.
2. Polynema striaticorne Girault.
A single male speeimen of this species was found in an alcoholiec
collection of Chaleidoidea turned over to me for identification by
a member of the Department of Zoology, University of Chicago;
the vial containing it bore the labels ‚‚University of Chicago. Allen.
554.“ and ‚‚Geo. D. Allen. 8. 10.09. Stony Is. 554.
3. Polynema fumipenne Walker.
Mr. C. O. Waterhouse of England has sent me two female specimens
of a Polynema which he identifies as the forementioned species of
Walker’s. The specimens ditfer from any American species known. to
me but are most closely allied with maculipes Ashmead (in having
coarse discal eiliation) on the one hand, and enchenopae Girault on the
other. From the former they differ in having much broader, differently
shaped fore wings (about twenty longitudinal lines across the widest
portion of the fore wing) and in being much more robust. From enche-
nopae they also differ m having broader fore wings and in robustness;
moreover from the latter they differ in having longer marginal cilia
on the fore wing, which are not quite as long as the wings greatest
width. Altough in fumipenne the antennae are nearly similar to those
of enchenopae, yet the second funicle joint is relatively longer. The
legs are wholly orange yellow. The discal cilia are long and hairlike,
giving the fore wings a slight clouded appearance. The line of foveae
across the distal end of the seutellum is present, the parapsidal furrows
are complete; the ovipositor is slightly exserted as in striaticorne
Girault. The general body color is black, the thorax suffused with
brownish.
The two specimens were labelled ‚‚Cosmocoma fumipennis Walker.
Eng. Richmond. 9. 24. 9. 09. Whitehouse Plantations. C. Waterhouse.“
4. Polynema flavipes Walker.
A pair ot this British species was found mounted on separate cards
in the colleetions of the United States National Museum, each card
labelled ‚‚Polynema flavipes. Am. Ent. Soc. To be returned.“ No
other data were present. The specimens were remounted together
on a slide in xylol-balsam and studied. The species is distinet from any
known to me but resembles in color wings Polynema enockii (Girault)
another British species forming the type of Enock’s Stephanodes
(= Polynema). As concens the known American forms of the genus,
it is allied closely with striaticorne Girault but differs m being more
highly colored (the yellow being chrome yellow or chrome orange) in
having the first and third funicle jomts of the antennae relatively
longer in proportion to the second, in lacking the serrulation of the
scape and in lacking the slightly exserted ovipositor. Otherwise the
140 A. Arsöne Girault.
two species are identical. In flavipes, the legs (including coxae), ab-
dominal petiole and three proximal antennal joints are uniformly
chrome orange in color, the distal tarsal joint, the head and body
and the rest of the antennae black, the second funicle joint with some
brownish. From the preceding species (fumipenne), this species is very
distinet in morphological characters but nearly identical in color
excepting for the chrome yellow antennal funicle and distal tarsal
joints of fumipenne. The antennae are nearly similar structurally
in both species, but the fore wings differ remarkably in discal eiliation
being fine in the one and coarse in the other. The antennae of the
males of flavipes and striaticorne are identical excepting in the relative
size of the pedicel; in striaticorne this joint ıs larger, being at
least half as long as the proximal funicle jomt whereas in flavipes
it is smaller, being barely a third the length of the proximal jomt.
Literature Referred To.
1888. Ashmead, William Harris. Canadian Entomologist, London,
Ontario, XX, June.
1910. Brocher, Frank. Annales de Biologie Lacustre, Bruxelles,
IV, August.
1910. Schulz, W. A. Ibidem.
1911. Girault, Alexandre Arsene. Transactions American Ento-
mological Society, Philadelphia, XXXVII, April, p. 67.
Hymenoptera aus Peru und Equador,
Von
Embrik Strand.
Aus dem Pariser Museum wurden mir einige Hymenopteren
aus Equador und Peru zur Bearbeitung freundlichst anvertraut,
worüber im Folgenden berichtet wird '); sie bestehen aus 2 Ten-
thredinidae, 5 Pompilidae, 8 Crabronidae und 1 Apide. Wenn auch
klein, so ist die Sammlung doch von bedeutendem Interesse, weil
die Hymenopterenfauna des Gebietes noch höchst ungenügend be-
kannt ist; zwar sind schon zahlreiche Arten beschrieben, aber die
Anzahl der noch unbeschriebenen dürfte vielfach grösser sein und
dazu kommt, daß viele von den existierenden Beschreibungen so
ungenügend sind, daß eine einigermassen sichere Bestimmung nach
diesen allein gänzlich ausgeschlossen ist.
Fam. Tenthredinidae.
Gen. Tioloma Strand n. g.
Mit T'hrinax Knw. nahe verwandt, aber der Körper ist weniger lang-
gestreckt, Abdomen kurz hinter der Mitte am breitesten, Augen
deutlicher von der Mandibelbasis entfernt (als z. B. bei Thrinax mixta
Kl.), Antennen behaart, Antennenglied 3 länger als 4; der Discoidal-
nery mündet noch dichter vor dem Cubitus (als z. B. bei T’h. mixta)
und dieser ist an der Basis rechtwinklig gebrochen, an der Bruch-
stelle ein wenig verdickt und mit Andeutung eines Anhangs, die
Hauptrichtung des Cubitus weist auf den Discoidalnerven, von dessen
Einmündungsstelle deutlich entfernt, hin; Costa vor dem Stigma
schwach verdickt; Klauen gespalten; Sägescheide des 2? am Ende
nicht dreispitzig. — Von Strongylogaster Dahlb. abweichend durch
die Körperform, stärkere Behaarung vom Kopf und Thorax, die
ebenso wie Abdomen ziemlich glatt und glänzend sind (während
z. B. bei Strongylogaster filieis Kl. der Kopf sehr grob und dicht
punktiert ist), Augen ein wenig weiter von der Mandibelbasis, die
Antennen länger, Glied 2 kaum breiter als lang und etwa so lang
wie 1, Stirnfeld begrenzt, Cubitus gebrochen (siehe oben) — Type:
Tioloma nigrita Strand n. sp.
In der Uebersicht der Gattungen der Selandriades wie Konow
sie in: Genera Insectorum, gibt (p. 91) würde die neue Gattung
folgenderweise einzufügen sein:
') Cfr. auch Strand: Hymenopteres (in: Mission du Service G&ographique
de l’Arm&e pour la m&sure d’un Arc de Möridien Equatorial en Amerique du
Sud..... 1899— 1906. T. 9. Zoologie. [1911]).
142 Embrik Strand:
5. Fühlerglied 3 so lang oder kürzer als 4; Fühler fadenförmig;
Sägescheide des 2? am Ende dreispitzig
4. Gen. Thrinax Knw.
— ‚Eühlerglied 3 längersals As ti. 2 ee. 2 u, re
Fühler kräftig, kurz, kürzer als der Hinterleib. Körper ziemlich
fest und matt, zylindrisch. Cubitus an der Basis gekrümmt.
5. Gen. Strongylogaster Dahlb.
— Fühler schlanker, so lang oder länger als der Hinterleib.
Körper weich und glänzend, langeiförmig. Cubitus an der
Basis meistens gebrochen . ee Ir . 6a
6a. Fühlerglied 1 viel dicker als 2; dieses kurz kegelförmig, länger
als breit. Einmündungsstelle des Discoidalnerven mehr weniger
vom Oubitus entfernt; dieser bisweilen gekrümmt:
| 6. Gen. Stromboceros Knw.
— Fühlerglied 1 wenig oder kaum dicker als 2; dieses gloekenförmig
und so breit wie lang. Einmündungsstelle des Discoidal-
nerven unmittelbar nahe am Cubitus; dieser gebrochen und
an der Bruchstelle verdickt und mit Andeutung eines Astes
versehen... :3v 41.» es ı auge: 168, Gen... Trolomarskraml
=
1. Tioloma nigrita Strand n. sp.
Ein 2 von: Equador, Tioloma, 4300 m. hoch, im März
(Dr. P. Rivet, 1904).
2. Färbung. Schwarz; bräunlichgelb sind die Spitzen der
Femoren und Basis der Tibien, eine Seitenlängsbinde auf dem
Abdomen, Tegulae, Flügelbasis und Seiten des Pronotum. Flügel
subhyalin, grau angeflogen, irisierend, mit schwarzem Flügelgeäder.
Weißlichgelb sind die Cenchri und ein schmaler Längsstrich auf
dem ersten Dorsalsegment. — Körper sehr stark glänzend, glatt,
unpunktiert, jedoch Kopf und Thorax mit äusserst feiner Strichelung
und vereinzelten Pünktchen und mit tiichter schwarzer Behaarung;
solche findet sich auch an den Beinen, jedoch ist dieselbe an der
Unterseite aller Metatarsen und Tarsen und Vorderseite der Tibien
I—I, sowie an der Unterseite des Körpers gräulich. — Kopf
hinter den Augen gerundet, aber kaum verschmälert, die Seiten
desselben daher von oben gesehen fast parallel erscheinend.
Clypeus breit und seicht eingeschnitten, glatt, glänzend, fein gestrichelt
und fein und spärlich punktiert. — Antennen subzylindrisch, jedoch
das letzte Glied stark seitlich zusammengedrückt, sowie am Ende
schräg zugespitzt und kaum so lang wie das vorhergehende Glied.
Stirn unter den Ocellen schräg abgeflacht, nicht eingedrückt. Scheitel-
gruben breit aber nicht tief; Scheitel stark gewölbt und fast gleich
lang und breit; die Partie zwischen den Öcellen und den Augen
flach und stark glänzend. Die dritte Cubitalzelle etwa so lang wie die
beiden vorhergehenden zusammen. Körperlänge kaum 10 mm, Flügel-
länge etwas mehr als 10 mm, Größte Abdominalbreite fast 3 mm,
Hymenoptera aus Peru und Equador. 143
Gen. Anapeptamena Knw.
2. Anapeptamena nitida Strand n.sp.
Ein 2 von: Equateur, TermeSud, 2840m Höhe (Dr.P.Rivet 1903).
9. Weicht von den typischen Hoplocampides Knw., wie diese
durch die europäischen Formen vertreten sind, durch etwas be-
deutendere Größe und mehr langgestreckten, parallelseitigen Körper,
stimmt aber in beiden dieser Punkte ziemlich gut mit Phyllotoma
leucomelaena Kl. überein. Von der Diagnose der Gattung Anapeptamena
Knw. dadurch abweichend, daß Fühlerglied 3 ein wenig länger
als 4 ist; das Humeralfeld ist zwar offen ohne Quernerv, jedoch in
der Basalhälfte schwach zusammengeschnürt. Humeralfeld der
Hinterflügel überragt den Arealnerven um Unbedeutendes., — Auf
diesen Unterschieden eine neue Gattung zu gründen, davon möchte
ich vorläufig absehen, zumal es mir an Vergleichsmaterial fehlt;
daß die Gattung Anapeptamena bisher nur aus der indischen Region
bekannt ist, besagt nichts, denn eben unter den Blattwespen findet
man viele Gattungen mit einer sehr weiten und auffallenden Ver-
breitung. — Sollte es sich jedoch nachher herausstellen, daß für
diese Art eine neue Gattung (vielleicht Untergattung von Anapeptamena)
nötig wird, würde ich den Namen Neoanapeptamena m. in Vor-
schlag bringen.
Färbung. Schwarz; weißlichgelb sind: Clypeus, Pronotum,
Tegulae (die Flügelbasis dagegen schwarz), die hinteren Seitenränder
der Seitenlappen des Mesonotum, die Cenchri, der Hinterrand der
4—5 ersten Rückensegmente und alle Bauchsegmente ist linienschmal
gelblichweiss gefärbt, bloß am 1. Rücken-Segment erweitert sich
diese Linie in der Mitte und bildet einen nach vorn gerichteten
dreieckigen Fortsatz;; unbestimmt gelblich sind dieCoxen, Trochanteren,
Ende der Femoren und Basis der Tibien. Flügel subhyalin, rötlich
iridiszierend, das Geäder schwarz oder braunschwarz.
Behaarung kurz und spärlich, die der Antennen schwarz, die
des Körpers und der Beine grau oder weißlich.
Körper subzylindrisch, etwa 41/, mal so lang wie breit,
Abdomen am Ende stumpf gerundet und nur wenig verschmälert;
das Tegument ist überall glatt und stark glänzend, insbesondere in
der Basalhälfte des Abdominalrückens. — Clypeus am Ende breit
quergeschnitten, etwa 2'/, mal so breit an der Basis wie lang, am
Ende erheblich schmäler, matt glänzend, mit äußerst feiner und
undeutlicher Punktierung und Strichelung.
Stirn flach, stark glänzend, seitlich undeutlich begrenzt. Scheitel
der Quere nach ziemlich stark gewölbt, seitlich durch je eine
schwache Einsenkung, die sich hinten zu einer kleinen runden Grube
vertieft, begrenzt Die langen fadenförmigen Fühler mit am Ende
stark verdicktem, fast glockenförmigem Basalglied, das aber nicht
viel dicker als das reichlich so breite wie lange 2. Glied ist; das dritte
ein wenig länger als das vierte, die folgenden an Länge allmählich
144 Embrik Strand:
abnehmend, das letzte ein wenig dünner und am Ende stumpf zu-
gespitzt. Sägescheide am Ende abgerundet, ohne Fortsätzee. —
Körperlänge 7,3 mm. Flügellänge 8 mm.
Fam. Pompilidae.
Gen. Salius F.
3. Salius aequatoribius Strand n.sp.
Zwei 22 von: Equateur, Terme Nord, 2840—2850 m ü.M.
(Dr. P. Rivet) 1903.
2. Scheint mit Salius autrani Schrttk. nahe verwandt zu sein,
aber schon an dem schwarzen ersten Geißelglied zu unterscheiden.
Färbung. Kopf und Thorax blau mit schwachem violettem
Schimmer, Pro- und Mesothorax, Scutellum und Postscutellum,
Scheitel und Stirn mit rötlich-violettem, bronzeartig schimmerndem
Toment. Abdomen oben wie der Thoraxrücken, aber mit noch
stärkerem, bronzeartig-violettem Schimmer, an den Seiten mehr in
rötlich-violett übergehend, unten und an dem ganzen letzten Segment
schwarz oder bläulich-schwarz. Beine schwarz, alle Coxen und
Trochanteren sowie die Femoren II und III blauschimmernd. Schaft
und erstes Geißelglied der Fühler schwarz, letztere sonst rot oder
rotgelb, an der Spitze geschwärzt. Flügel intensiv blauglänzend,
am Ende ein wenig mehr violettlich. — Die abstehende Behaarung
des Körpers und der Extremitäten schwarz.
Clypeus quer, etwa dreimal so breit wie lang, mit geradem,
glatten, niedergedrücktem Vorderrand, der Länge und Quere nach
ziemlich stark gewölbt, sehr dicht punktiert, jedoch in der End-
hälfte ganz schwach glänzend. Die geringste Scheitelbreite un-
bedeutend geringer als die Stirnbreite. Wangen entwickelt und fast
so breit wie das erste Geißelglied lang. Scheitelwölbung schwach.
Von der vorderen Ocelle bis zwischen die Antennen eine tief
eingedrückte Linie. Die Seitenocellen sind von den Augen um fast
1!/; mal weiter als die Länge der von diesen Ocellen gebildeten
Linie entfernt. Die vordere Ocelle größer als die anderen und von
diesen um weniger als den Durchmesser der vorderen entfernt. Das
zweite Geißelglied um reichlich vier mal länger als breit, das
erste breiter als lang. Im Enddrittel nimmt die Fühlergeißel an
Dicke allmählich ab und diese Glieder sind leicht seitlich zusammen-
gedrückt. — Die dritte Cubitalzelle erheblich größer als die
zweite; aber die untere Länge der 2. Zelle reichlich so gross wie
die obere der dritten. Die erste Discoidalquerader von der zweiten
Cubitalquerader um die halbe Länge der letzteren entfernt und
ebenso weit befindet sich die Basalader der Vorderflügel von dem
Abschlusse der inneren mittleren Schulterzelle entfernt. Tarsenkamm
an den Vorderbeinen nicht vorhanden. Tibia I am Ende innen mit
einem aus 8 Stacheln gebildeten Pecten. Klauen mit einem scharfen,
senkrecht gestellten Zahn in der Mitte. Metathorax mit sehr
starken Querrippen, die regelmäßig parallel verlaufen, in der Mitte
Hymenoptera aus Peru und Equador. 145
aber durch eine schwach niedergedrückte Längslinie telweise unter-
brochen sind.
Körperlänge 24,5, Breite des Abdomen 6,5, Länge der Flügel
21,5 mm. Länge der Tibia III 8, des Metatarsus Ill 5,5 mm. —
Das zweite Exemplar ist kleiner: Körperlänge 19—20 mn.
Gen. Pepsis F.
4. Pepsis montezuma F. Sm.
Ein 2 von: Equador, Piso (De Joannis) 1898; zwei wahr-
scheinlich zugehörige gg‘ von: HEquador, Pinullar, 2900 m.
(Dr. P. Rivet) 1903.
Von P. montezuma liegen mir zum Vergleich nur 2 Expl. (S'P),
von R. Lucas bestimmt, vor. Von diesen weicht das 2 der Coll. Rivet
dadurch ab, daß die Flügel stark rötlich gefärbt sind, die Blaufärbung
des ganzen Körpers ist noch intensiver und sie erstreckt sich auch aut
die Basis der Fühler; die hinteren Tibien sind noch kräftiger säge-
artig gezähnt, die Zähne erscheinen im Profil breit dreieckig, an der
Basis sich fast berührend, die ziemlich scharfe Spitze ist schräg
nach unten und hinten gerichtet, die Tibien sind gegen diese Zahn-
reihe stärker zusammengedrückt und dieselbe fällt daher leichter
auf; ferner scheint Tibia III weniger bestachelt zu sein (als bei der
Hauptform), vielleicht sind aber die Stacheln zum Teil abgebrochen. —
Kopf + Thorax 15, Abdomen 13 mm lang. Flügellänge 27 mm.
Geringster Augenabstand etwa 3 mm. Tibia III 10,5, Metat. III 7 mm.
— Die beiden J'S' unsrer Form unterscheiden sich vom einzigen im
Berliner Museum vorliegenden Exemplar von P. montezuma 9‘ durch
ein wenig geringere Größe, unbedeutend stärker rotgefärbte Flügel,
ferner scheint die Subgenitalplatte am Ende mehr quergeschnitten
(bei montezuma f. pr. am Ende fast halbkreisförmig), sowie an der
Basis weniger deutlich verschmälert zu sein. — Kopf + Thorax 11,
Abdomen Ilmm lang. Flügellänge 22 mm. Tibia III 9, Meta-
thorax III 5,5 mm.
Ob die beschriebenen Abweichungen einer besonderen Lokal-
varietät angehören, läßt sich aus dem vorliegenden Material nicht
erkennen. Eventuell möge diese den Namen var. pisoönsis m.
bekommen.
An verwandten Arten seien erwähnt:
P. einnabarina R. Luc. ist ähnlich, aber die Flügel sind an der
Basis viel stärker geschwärzt, die Blaufärbung des Körpers intensiver,
der Flügelrand noch dunkler etc.
Von P.nessus R. Luc. durch die helleren Flügel leicht zu
unterscheiden; von P. circe Mocs. g' durch die längeren, senkrecht
gestellten, stark gekrümmten und am Ende sich berührenden Haar-
büscheln des Bauches leicht zu unterscheiden; ferner ist die Größe
bedeutender, die Blaufärbung des Körpers und Rotfärbung der
Flügel intensiver, die dritte Cubitalquerader gleichmäßig gekrümmt
mit der größten Krümmung fast in der Mitte. — Von P. cer-
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 2. Suppl. 10
146 Embrik Strand:
berus R. L. am leichtesten durch die Bauchbüscheln, sowie
durch die Gestalt der Subgenitalplatte zu unterscheiden; letztere
ist am Ende breit abgestutzt, allerdings mit gerundeten Ecken und
an beiden Enden fast gleich breit. Von P. limbata Guer. u. a. durch
die größere Ausdehnung der schwarzen Basalfärbung der Flügel,
abweichende Form der 3. Cubitalzelle und schmälere Bauchhaar-
büscheln zu unterscheiden (bei limbata bildet die 3. Cubitalquerader
eine undeutliche Knickung, wovon hier keine Spur vorhanden ist).
Gen. Pompilus F.
5. Pompilus titicacaensis Strand n. sp. mit var. basimacula n. var.
Drei Exemplare von: Chililaya, bords du lac Titicaca 17.7.1903
(Mission G. de Crequi-Montfort et E. Sön&chal de la Grange),
eins von: Equateur, Chillacoccha, 3900 m hoch. Februar (Dr. P. Rivet
1905). Alles 29.
Mit Pompilus phoenicogasier Holmbg. aus Argentinien ver-
wandt, aber durch Folgendes abweichend: Die Radialzelle soll
bei phoenicogaster oblonga sein, ist aber hier an beiden Enden zu-
gespitzt (wie bei guadripunctatus Dahlb. oder P. viaticus L. (nicht
ganz so scharf zugespitzt wie bei waticus sowie unten mehr gleich-
förmig gekrümmt)), das Toment des Vorderleibes und der Beine
grün oder blau und ist an den Beinen ebenso deutlich wie am
Körper, jedoch die Tarsen größtenteils schwarz, das Toment des
Vorderleibes so dicht, daß die Grundfärbung nirgends zum Vorschein
kommt, die Hinterseite des von den Ozellen gebildeten Dreiecks ist
deutlich länger als jede der beiden anderen Seiten und die hinteren
ÖOzeilen unter sich um ihren doppelten Durchmesser entfernt; die
Radialzelle reicht kaum so weit apicalwärts wie die 3. Cubitalzelle,
der äussere freie Teil der Radialader kaum länger als die zur selben
Ader gehörige Seite der 3. Cubitalzelle, im Hinterflügel fällt die
Spitze der Analzelle mit der Basis der Cubitalader zusammen, der
Zahn der Krallen sitzt etwa in der Mitte und ist durchaus nicht
klein; Abdomen glatt, glänzend, dicht und fein retikuliert, aber ohne
deutliche Punktierung, mit einem äusserst feinen graulichen Toment.
Die drei Exemplare vom Titicaca weichen von dem vierten
durch geringere Grösse und einfarbig schwarzes, ganz schwach
bläulich schimmerndes erstes Hinterleibssegment ab; der Hinterrand
desselben oben z. T. schwach angerötet. Der Vorderleib mit Ex-
tremitäten ist bei zwei von den Exemplaren blau, beim Dritten grün.
Die Flügel stark angeraucht, die Vorderflügel mit einer dunkleren,
scharf markierten Saumbinde, die vorn am breitesten ist und daselbst
die Spitze der Radialzelle berührt. Antennen braunschwarz, auf
auf dem Schaft und den beiden proximalen Geißelgliedern grünlich
oder bläulich. — Vorderrand des Clypeus gerade oder mitten ganz
seicht eingebuchtet. Die geringste Scheitelbreite deutlich kleiner
als die Breite des Gesichts an der Clypeusbasis. Wangen entwickelt
und zwar mindestens so breit (lang) wie das erste Geißelglied lang.
Hymenoptera aus Peru und Equador. 147
Das dritte Geißelglied reichlich so lang wie der Schaft. Pronotum
ist hinten, allerdings nicht scharf markiert, winklig ausgeschnitten;
eine feine eingedrückte Mittellängslinie ist vorhanden. — Die erste
rekurrente Ader (Nerv) mündet kurz hinter der Mitte der 2. Oubital-
zelle und zwar ist sie von der 2., ganz schwach saumwärts konvex
gekrümmten Cubitalquerader um die Länge dieser entfernt; die zweite
rekurrente Ader ist von der 2. Cubitalquerader reichlich so weit wie
die erste rekurrente Ader entfernt, mündet aber deutlich vor der
Mitte der 3. Cubitalzelle ein. Die Basalader ist nur im hinteren
Drittel leicht gekrümmt. — Tarsenkamm an den Vorderbeinen
vorhanden, diese Kammzähne lang (ca. 3 mal so lang wie die Breite
des Gliedes) und in geringer Anzahl vorhanden (am Metatarsus eine
nicht bis zur Basis reichende Reihe von 3 oder 4). Klauen mit einem
kleinen, senkrecht gestellten Zahn nahe der Basis; Klauenkamm
vorhanden. Der lange Endsporn der hinteren Tibien ist 1,5 mm, der
kurze etwa lmm lang. Die Tibien III 3,8, die Metatarsen III 2,5 mm
lang. — Metanotum schon von der Basis an nach hinten in schwacher
Wölbung allmählich abfallend, der Quere nach nur seitlich deutlich
gewölbt, mit einer fein eingedrückten Längslinie. — Körperlänge 13,
Flügellänge 11 mm, Breite des Abdomen 3 mm.
Das Exemplar von Chillacoccha weicht ab durch bedeutendere
Grösse (bezw. 16, 13 und ca. 4mm) und das Basalsegment ist rot
mit Ausnahme eines schwarzen runden Fleckes an der Basis. Indem
ich die Form von Titicaca als die Hauptform betrachte. schlage ich
für die größere den Namen var. basimacula m. vor.
6. Pompilus pisoönsis Strand n.sp.
Zwei g'g' von: Ecuador, Piso (De Joannis, 1898).
Sowohl diese als die flg. Art habe ich als Pompilus amethystinusF..
bestimmt gesehen. Dieser Name ist aber von fraglicher Bedeutung.
Fabricius hat die Art zuerst (1793) als Sphex, dann (1798) als
Pompilus und endlich (1804) als Pepsös beschrieben. Eine einiger-
maßen zur Wiedererkennung ausreichende Beschreibung wurde erst
1843 von Dahlbom gegeben (in: Hymenoptera Europaea, I p. 48
u. 446), der die Art als Pompilus aufführt; in dieser Gattung mub
daher auch die Art bleiben und nicht in Pepsis, in welcher sie von
Dalla Torre gelassen worden ist. Später ist sie von Spinola, der
sie als Pompilus, und von Cresson, der sie als Pepsis aufführt, be-
handelt worden, während R. Lucas sich in seiner Monographie
letzterer Gattung (1894) mit der Bemerkung begnügt, dab die Art
keine Pepsis ist. Von E. L. Taschenberg wurde sie 1869 (in: Zeit-
schrift f. ges. Naturw., Bd. 34) als Pompilus (amethystinus F.) be-
schrieben, welche Beschreibung in Dalla Torres Katalog unter dem
Namen Pompilus amethystinus Taschbg. zitiert wird, während die
meisten sich auf den Namen amethystinus beziehenden Beschreibungen
unter der Bezeichnung Pepsis amethystinus F, angeführt werden.
Wenn aber Dalla Torres Annahme, daß Taschenbergs amethystinus
10*
148 Embrik Strand:
von Fabricius’s Art verschieden sei, zutreffend ist, so kann Taschen-
bergs Art diesen Namen nicht behalten, weil sie ihn auf Grund
irriger Bestimmung bekommen hat, und zwar auch nicht, wenn die
beiden Arten verschiedenen Gattungen angehören, sondern Taschen-
bergs Art muß neubenannt werden. Daß dies nötig wird, dafür
spricht schon die verschiedene Größe beider Formen: diejenige
Taschenbergs ist fast doppelt so groß wie die von Dahlbom.
Übrigens ist letztere sehr fraglich, denn erstens ist die Be-
schreibung (p. 48) recht dürftig und zweitens steht sie in Wider-
spruch mit der im selben Werke später (p. 446) gegebenen
tabellarischen Uebersicht der Pompülus-Arten, wo es heißt: „Corpus
atrum“, während p. 48 steht: „cyaneus“. Bei Dahlbom heißt es:
„Alae posticae vena postica post originem venae cubitalis desinens“;
bei Taschenberg: „cellula alae posticae simul cum origine venae
cubitalis terminata*, welche Angaben sich auch nicht decken. Für
die Verschiedenheit spricht ferner die verschiedenen Lokalitäten:
Dahlbom hat seine Beschreibung offenbar nach Exemplaren aus
Süd-Carolina verfaßt, Taschenberg wahrscheinlich von Rio Janeiro.
Da der Name amethystinus natürlich in erster Linie der von Dahlbom
beschriebenen Form zukommt, so muß Taschenbergs einen neuen
Namen bekommen: ich nenne sie amethystinoides m. Uebrigens ist
es höchst wahrscheinlich, dass die von Fabricius beschriebene Form
wiederum eine andere ist (von der Insel St.-Croix beschrieben), die
in diesem Fall vielleicht immer ein Rätsel bleiben wird.
Die vorliegenden Z’d' von Piso weichen von Taschenbergs Be-
schreibung des P. amethystinus durch flg. ab: Größe geringer (Körper-
länge 16 mm, Flügellänge 14, Breite der Abdomen 3,6 mm), die Aus-
randung des Ölypeus ganz schwach, die Analzelle der Hinterflügel über-
ragt den Ursprung der Cubitalader, die Tarsen ohne blauen Schimmer,
die Bestachelung der Beine sparsam und die Stachel sind sämtlich
kürzer, mindestens sogar erheblich kürzer als der Durchmesser des
betreffenden Gliedes, Metathorax ohne Mittelfurche, die untere
Afterklappe ist scharf gekielt und am Ende scharf dreieckig ein-
geschnitten, der Zahn der Klauen ist verhältnismäßig nicht „kurz“; etc.
Als Unterschiede von der flg. Art sind hervorzuheben: die
Basalader der Vorderflügel aber nicht die Analader der Hinterflügel
ist interstitial, die Wangen sind deutlich entwickelt, die 3. Cubital-
querader ist fast gerade, u. s. w.
Färbung. Blauschwarz, auf dem Abdomen ist die blaue
Färbung am stärksten ausgeprägt, die Fühler und Tarsen sowie
das Endsegment des Abdomen schwarz. Die blaue Färbung rührt
von feinem dichten Toment her. Schwarze abstehende Behaarung
auf dem Kopf, Thorax, letzten Abdominalsegment und auf dem Bauch
spärlich vorhanden. Flügel blauschwärzlich mit violettem Schimmer;
bei durchscheinendem Licht kommt eine die Spitze der Radial-
zelle, hintere Spitze der 3. Cubitalzelle und fast die hintere
Spitze der Discoidalzelle erreichende dunkle Saumbinde zum Vor-
schein und Andeutung einer solchen Binde findet sich auch im
Hymenoptera aus Peru und Equador. 149
Hinterflügel. Die Mandibeln schwarz, in der Endhälfte leicht gerötet.
Klauen größtenteils rötlich, aber Stacheln und Spornen schwarz. —
Vorderrand des Clypeus ganz schwach eingebuchtet, linienschmal
glatt und glänzend; sonst dicht und fein, aber tief punktiert. Augen
innen schwach ausgerandet; die Breite des Gesichtes oben und
unten gleich groß (etwa 1,85mm oder mehr als die Länge des 2. Geibel-
gliedes), oben jedenfalls nicht größer als unten. Unter der Antennen-
basis erscheint das Gesicht ziemlich tief quer eingedrückt. Wangen
etwa so breit wie das erste Geißelglied lang, matt tomentiert, dicht
und fein gerunzelt.
Scheitelvonvorn und hinten fast zusammengedrückterscheinend;
in Frontalansicht fällt der Oberrand der Augen mit der, gerade und
horizontal erscheinenden Scheitellinie zusammen. In Dorsalansicht
erscheint die Länge des Kopfes etwa gleich der mittleren Länge
des Pronotum, die Breite des Kopfes größer als die des Pronotum;
letzteres ist hinten stumpf winkelförmig ausgerandet. Die hinteren
Ocellen unter sich kaum so weit wie von den Augen entfernt,
kleiner als die vordere Ocelle und um den Durchmesser dieser von
derselben entfernt. — Fühlerschaft viel dicker als die Geißel; das
erste Geißelglied breiter als lang, das zweite unbedeutend länger
als das dritte; die Behaarung der Fühler mikroskopisch fein. — Die
2. Cubitalzelle größer als die 3., fast ein Parallelogramm bildend,
erheblich länger als breit; die erste Cubitalquerader gleichmäßig
und schwach wurzelwärts konvex gebogen sowie schräg gestellt, die
zweite weniger schräggestellt, nicht gebogen, aber kurz unter (hinter)
der Mitte undeutlich stumpfwinklig gebrochen, die Entfernung dieser
beiden Queradern hinten größer als vorn. Die 3. Cubitalzelle empfängt
die 2. rekurrente Ader in der Mitte und ist oben (vorn) nur !/, so
lang wie unten; die 3. Cubitalquerader wie die erste gekrümmt und
schräg gestellt, aber beides in umgekehrter Richtung. — Mesonotum
mit, insbesondere hinten deutlich leistenförmig emporgerichtetem
Seitenrand.
Die erste rekurrente Ader am Anfang oder kurz hinter dem
Anfang des letzten Drittels der 2. Cubitalzelle einmündend. — Meso-
notum oben mittlere Längseinsenkung. — Beine: Vordertarsen und
vordere Metatarsen ohne Tarsalkamm; auch die sonstige Bewehrung
der Beine spärlich und schwach, die hinteren Tibien z. B. aussen mit
einer oberen Reihe von 8 und einer unteren von 4 Stacheln, die
bloß !/;—!/, so lang wie der größte Durchmesser des Gliedes sind.
Klauenglied mit stark entwickeltem Kamm; die Klauen mit starkem
Zahn in der Mitte, dessen Länge etwa gleich '/, derjenigen der
Klaue ist. Der längste Hinterschienensporn überragt die Mitte des
Metatarsus, der kürzere erreicht fast die Mitte. — Die untere
Afterklappe mit scharfem mittleren Längskiel und am Ende tief
dreieckig ausgerandet, das vierte Bauchsegment am Hinterrande wie
bei amethystinus Taschbg. mit einer tiefschwarzen, etwa halbmond-
förmigen, erhöhten, fast sammetartig erscheinenden Querbinde. Das
folgende Segment hinten ganz schwach ausgerandet.
150 Embrik Strand:
Körperlänge 16, Flügellänge 14,5 mm. Tibia III 5,5, Meta-
tarsus III 4 mm.
7. Pompilus riobambae Strand n. sp.
Zwei 22 von: Equador, Riobamba (Dr. P. Rivet 1901).
Von der vorhergehenden Art zu unterscheiden u. a. durch
geringere Größe, das Fehlen von deutlichen Wangen, die saumwärts
gleichmäßig gekrümmte 3. Cubitalquerader, daß die Analader der
Hinterflügel, aber nicht die Basalader der Vorderflügel interstitial
ist et. — Die Art ist mit P. phuladelphicus Lep. verwandt, aber
die 3. Cubitalzelle ist nicht kleiner als die 2. und die Augen
konvergieren nicht nach unten, die hinteren Ocellen sind unter sich
weniger als von den Augen entfernt etc. Scheint ferner mit P.
montezuma Cam. nahe verwandt zu sein, aber u.a. durch die Ent-
fernung der Ocellen und Augen und die nicht interstitielle Basal-
ader zu unterscheiden; von J’. misturatus Khl. dadurch abweichend,
daß der geringste Abstand der Augen auf dem Scheitel erheblich
kleiner als die Länge des 2. + 3. Geißelgliedes ist. — Am nächsten
verwandt mit P. Spinolae Khl. 1905 (in: Verh. k.k. zool.-botan.
Ges, Wien 1905. p. 346—48), weicht aber von der Beschreibung
dieser Art in flg. Punkten ab: Die Fühler weniger schlank, das
2. Geißelglied kam 5 mal so lang wie mitten dick, das 3. kaum
4 mal (bei spinolae bezw. 7 und 5 mal länger als breit); der geringste
Abstand der Netzaugen auf dem Scheitel größer als die Länge des
2. Geißelgliedes, die hinteren Ocellen unter sich weniger als von
den Augen entfernt, eine mittlere Längsvertiefung auf dem Mittel-
segment ist nur ganz schwach angedeutet; der Metatarsus der
Vorderbeine zeigt aussen 3 „entschiedene Kammdorne“, die in den
apicalen ?/; des Gliedes stehen, sowie eine weitere, weiter unten
stehende und weniger regelmässige Reihe von ebenfalls 3 Dornen,
sämtliche 6 nicht oder kaum länger als der Durchmesser des Gliedes;
an der Innenseite des Metatarsus I sind keine andere als der End-
stachel vorhanden; Cubitalzellen höher, z. B. die 2. entschieden höher
als lang.
Körperlänge Il mm. Flügellänge 9 mm. Länge der Tibien III
3,5, Metatarsus III 2,4 mm.
Fam. Crabronidae.
Gen. Stigmus Panz.
8. Stigmus nigricoxis Strand n. sp.
Ein g' aus: Equador, El Angel, 3000 m, im Februar (Dr. P. Rivet,
1903).
Färbung schwarz; rötlich braungelb sind die Trochanteren,
die Spitze der hinteren und mittleren Coxen, die ganzen Beine I],
die Spitze und Basis der Femoren II und III und, mehr oder weniger
gebräunt, die Tibien, Metatarsen und Tarsen derselben Beine; ferner
Hymenoptera aus Peru und Equador, 151
der Schaft und die Unterseite der Geißel der Antennen, die Spitze
derselben und die Oberseite der Spitze des Schaftes jedoch braun;
gelblich sind ferner die Mundteile und das Untergesicht. — Flügel
hyalin, iridiscierend, das Geäder braun, das grosse Mal dunkelbraun.
Gesicht ganz matt glänzend, dicht und ziemlich kräftig retikuliert;
Clypeus unbedeutend stärker glänzend. Scheitel wie das Gesicht
skulptiert; von vorn gesehen erscheint er als eine starke, mitten
etwas abgeflachte Wölbung. Das Feld der Ocellen fast so breit wie
seine Entfernung von den Augen. Breite des Kopfes grösser als die
des Thorax; von oben gesehen erscheint er hinter den Augen so stark
verschmälert, daß die geringste Breite fast nur halb so groß wie
die größte Breite ist. Mesonotum wie das Gesicht skulptiert, sowie
dicht und fein „punktiert, glänzend, um fast !/, breiter als das
Pronotum und von diesem scharf abgesetzt; der Länge nach ist
Mesonotum stark gewölbt, fällt vorn fast senkrecht herab und zeigt
daselbst ein Paar fein eingedrückte Längslinien. Metathorax lang-
gestreckt, oben flach und horizontal, nach hinten verschmälert,
hinten senkrecht abfallend, oben dicht gekörnelt-quergestrichelt und
-gerippt mit zwei feinen, nach hinten schwach konvergierenden
Längsrippchen, welche ein Mittellängsfeld begrenzen, das etwa 5 mal
länger als breit ist. Die Metapleuren mit kräftigen, subparalellen
Querrippen, die durch vereinzelte Längsrippen verbunden sind, oben
ein eigentliches Netzwerk bilden.
Abdomen lanzettförmig, nach beiden Enden gleich stark zu-
gespitzt; der Petiolus nicht scharf abgesetzt, sondern von der Basis
an nach hinten an der Breite allmählich zunehmend. Glanz und
Skulptur etwa wie die des Mesonotum oder ersterer etwas stärker
insbesondere hinten,
Die beiden Cubitalzellen sind unten fast gleich lang; an der
Zweiten sind die obere und die untere Seite etwa gleich lang und
zwar halb so lang wie die untere Seite der ersten Cubitalzelle.
Körperlänge 3,3 mm.
Gen. Sphex L.
9. Sphex Tomae F.
Ein g' von: Equador, Envir. de Riobamba (Dr. P. Rivet) 1901.
Die Form der dritten Cubitalzelle wechselt bei dieser Art
erheblich; bei vorliegendem Exemplar ist sie oben ungewöhnlich
verschmälert, fast in einem Punkte auslaufend und im ganzen also
subtriangulär erscheinend. Es weicht dadurch von allen anderen
mir vorliegenden Exemplaren (aus Nord-, Zentral- und Süd-
Amerika) der Art ab, wohl aber ist bei einigen von diesen die
obere Seite der Zelle nur halb so lang wie bei anderen. Bestimmte
Beziehungen zwischen der Form dieser Zelle und der auf Grund
anderer Merkmale aufgestellter Varietäten Americae borealis, Americae
meridionalis, Antillarum und mexicana Sauss. kann ich nicht fest-
stellen. Ob vielleicht diese durch stark zugespitzte dritte Cubitalzelle
ausgezeichnete Form den höheren Regionen der Anden eigen ist (Rio-
172 Embrik Strand:
bamba liegt ca. 3000 m über dem Meere)? In dem Falle würde
eine besondere Varietätsbezeichnung berechtigt sein (v. altibia m.);
auf Grund des einen Exemplares läßt sich aber darüber nichts
bestimmtes sagen.
Gen. Monedula Latr.
10. Monedula chilensis Esch.
Ein 2 von: Perou et Bolivie (Hauts Plateaux) [J. de Crequi-
Montfort et Sönöchal de la Grange] 1903.
Gen. Bembex F.
11. Bembex multipicta Sm.
2 22 von: Equador, Pinullar, 2900 m (Dr. P. Rivet) 1903.
Von der typischen Form von B. multipieta Sm. durch Folgendes
abweichend: der vordere der schwarzn Bauchflecke ist von den
übrigen breit getrennt und rhombisch oder dreieckig, der bei der
typischen multıpicta dann folgende schwarze Fleck fehlt hier ganz
oder wird durch zwei ganz kleine punktförmige ersetzt, während
die schwarzen (Querflecke der Bauchsegmente 3 und 4 hinten mitten
ausgerandet sind. (Als typisch betrachte ich eine im Berliner
Museum aus Bahia vorliegende, von Handlirsch bestimmte Form).
Gen, Crabro F.
12. Crabro (Rhopalum) Riveti Strand n. sp.
Ein 3‘ von: Equador, Casitagua, 3500 m hoch (Dr. P. Rivet) 1903.
g' mit Cr. jason Cam. von Mexico offenbar nahe verwandt, aber
das dritte Fühlerglied nicht länger als das vierte, die Basis der
Hintertibien nicht weiß, der Kopf deutlich breiter als lang, Mandibeln
einfarbig schwarz etc.
Schwarz; Antennen schwarz, die Glieder 7—12 unten gelblich-
weiß; Abdomen oben blaugrün schimmernd. Cephalothorax und
Kopf oben anscheinend mit langer, abstehender (?), graugrünlicher
Behaarung, die bei diesem Exemplar allerdings so schlecht erhalten
ist, daß genaueres sich darüber kaum angeben läßt. Untergesicht matt
silbergrau pubesziert, an den Seiten des Kopfes und des Thorax ist
anscheinend auch grauweißliche, aber viel spärlichere Behaarung
vorhanden. Die Flügel scheinen subhyalin, am Ende etwas getrübt
zu sein, sind aber nicht so rein, daß das genau zu erkennen ist.
Mandibeln am Ende einfach, ungezähnt. Clypeusrand mitten
ausgebuchtet, etwas vorstehend und wellenförmig, sowie jederseits
mit einem kleinen konischen, nach unten und vorn gerichteten Zahn
versehen. Antennen 13-gliedrig; das zweite Glied ein wenig länger
als breit, das dritte und das vierte etwa gleich lang, das fünfte
breiter als die übrigen, sowie unten hinten einen Höcker bildend,
alle Geißelglieder unten mitten etwas abgeflacht, jedoch in Profil
gesehen gewölbt erscheinend, das Endglied flachgedrückt, am Ende
Hymenoptera aus Peru und Equador. 153
breit abgestumpft, reichlich so breit und deutlich länger als das
vorhergehende Glied. — Die hinteren Ocellen unter sich um
weniger als von den Augen entfernt. — Scheitel breit abgeflacht,
horizontal, hinten abgerundet ohne irgendwelche deutliche Grenz-
linie; von oben gesehen erscheint der Hinterrand der Augen von
dem Vorderrand derselben und vom Hinterrand des Kopfes gleich
weit entfernt; letzterer erscheint hinten tief ausgehöhlt und von
den Augen an nach hinten nur ganz wenig verschmälert. — Stirn
und Scheitel schwach glänzend, sehr dicht retikuliert, mit feinen
undeutlichen Punkten spärlich besetzt. Mesonotum ein wenig deutlicher
glänzend, glatt, mit kräftigen, unter sich um ihren mehrfachen
Durchmesser entfernten Punktgrübchen und mit dichter feiner Längs-
strichelung an den Randpartien; in der vorderen Hälfte finden sich
zwei eingedrückte, nahe beisammen gelegene Längslinien, die eine
schmale Längserhöhung zwischen sich fassen.
Scutellum ein wenig matter als Mesonotum, weil es dichter
punktiert und gestreift ist. Metanotum dicht und schräg längs-
gestreift, an der Basis mit einer schmalen Querbinde, die seitlich
mit sehr deutlichen und regelmässigen, parallelen Längsrippen ver-
sehen ist, welche ohne scharfe Grenze in die gestreifte Umgebung
übergehen; in der Mitte sind ähnliche, aber weniger regelmäßige,
durch Queräste teilweise unter sich verbundene Längsrippen vor-
handen und in der Mittellängslinie bildet dies Basalfeld eine ganz
kurze und kleine, aber scharf markierte, hinten zugespitzte, die Mitte
der hinteren Abteilung durchaus nicht erreichende Längsgrube.
Der Stutz seitlich zusammengedrückt und daher von oben gesehen
ziemlich schmal, der Länge und Quere nach stark gewölbt. Abdomen
ziemlich lang und schmal gestielt, von oben und vorn gesehen von
der Basis bis zum Hinterrand des 4. Segments an Breite allmählich
schwach zunehmend, dann plötzlich scharf dreieckig zugespitzt.
Petiolus ist am Ende verdickt, aber diese Verdickung tritt fast nur
in Seitenansicht hervor und zwar als eine auch an der Unterseite
erkennbare Längswölbung. Abdomen matt glänzend, dicht und
fein retikuliert und quergestrichelt. — Die hinteren Tibien in der
Endhälfte stark kolbenförmig verdickt und zwar daselbst reichlich
so breit wie der Kolben des Petiolus.
Körperlänge 8- Y mm. Flügellänge 6 mm.
13. Crabro (Rhopalum) Gayi Spin. var.?
Lokalität: Equateur, Riobamba (Dr. P. Rivet) 1901. 3 dd.
Aehnelt Crabro Gayi Spin. (von denen mir 2 von Kohl bestimmte
Exemplare vorliegen), unterscheidet sich aber leicht u.a. durch die
schwarzen Schulterhöcker, ein wenig dunkleres Abdomen, geringere
Größe etc. Sonst von Or. Gayi durch Folgendes abweichend: Petiolus
nur am Ende und zwar ziemlich dunkelrot, die übrigen Segmente oben
geschwärzt, unten dunkelrötlich (bei @ayi hellrot, nur mit dunklerem
Ende); Scutellum dichter punktiert, sowie an den Seiten längs-
gestrichelt, in der Mitte dagegen mit einer schmalen glatten, leicht
154 Embrik Strand:
erhöhten Längsbinde, die sich auch auf dem Hinterteil des Mesonotum
erkennen läßt; die Skulptur des Mesothorax besteht bei beiden
Formen aus kräftigen, ein Netzwerk bildenden Rippen und Runzeln,
dies Netzwerk ist aber, zumal an den Seiten des Stutzes, bei unsrer
Form feiner, kleinmaschiger und unregelmäßiger und der Stutz
erscheint daher auch etwas matter und ferner zeigt er eine durch-
gehende Mittellängsrippe, die bei Gayi nicht vorhanden zu sein
scheint; die Ecken des Pronotum je ein kleines scharfes Zahn-
höckerchen bildend, was allerdings ein Geschlechtscharakter zu sein
scheint; die hinteren Tibien außen nur ganz spärlich und schwach
mit Stachelborsten besetzt.
Ob die angegebenen Unterschiede von der chilenischen Haupt-
form einer besonderen Lokalvarität oder sogar einer besonderen
Art angehören, gestattet das mir vorliegende Material leider nicht
mit Sicherheit zu entscheiden; dazu würden a. u. auch 22 von der
Equador-Form nötig sein. Sollte es sich nachher herausstellen, daß
ein besonderer Name für letztere erforderlich ist, würde ich aequa-
dorieus m. vorschlagen.
Gen. Notogonia Costa.
14. Notogonia domingana Strand n. sp.
Ein 2 von: Equador, Santo-Domingo de Los Colorados, 510 m
über d. Meer. (Dr. P. Rivet, 1905).
Charakteristisch u. a. dadurch, daß die Flügel in gewissen
Richtungen gesehen stark blau schimmern.
Einfarbig schwarz gefärbt, die Spitze der Krallen und die
Stacheln der Endglieder der Beine braun. Gesicht und Hinterseite
des Kopfes blaß messingglänzend tomentiert. Aehnliche, noch
feinere und undeutlichere Tomentierung bildet eine Binde am
Hinter- und Seitenrande des Mesonotum sowie am Hinterrande
der Abdominalsegmente 1- 3 und bedeckt das ganze Segment 5;
auf 4 scheint an den Seiten Andeutung einer ebensolchen Hinter-
randbinde vorhanden zu sein. Flügel stark angeraucht längs dem
Saume (bis zur Spitze der Radialzelle), sonst subhyalin; das Geäder
und Mal schwarz. — Die Radialzelle ist ziemlich breit abgestutzt,
die dritte Cubitalzelle fast zungenförmig ausgezogen und oben
mindestens doppelt so lang wie die Zweite. — Der geringste Abstand
der Augen auf dem Scheitel ist mindestens gleich der Länge des
zweiten Geißelgliedes. — Das Mittelsegment ist oben breit
abgeflacht, fast horizontal, schwach nach hinten abfallend, matt,
grob lederartig, mit einer nicht den Hinterrand erreichenden, erhöhten
Mittellängslinie; hinten ist die Fläche durch eine Querleiste von der
hinteren Abdachung (dem Stutz) getrennt und mit letzterem bildet
die Dorsalfläche (in Profil gesehen) einen deutlichen, wenn auch
stumpfen Winkel. Der Stutz ist etwas glänzend und längs der
Mitte mit einer tiefen Längsgrube versehen. Das zweite Bauch-
segment gewölbt, aber vorn etwas niedergedrückt, sowie daselbst
mit einer erhöhten Mittellängsleiste; die ovalen verflachten Stellen
Hymenoptera aus Peru und Equador. 155
an beiden Seiten dieses Kieles sind nicht abgesetzt oder deutlich
begrenzt. — Analsegment an der Spitze mit kräftigen, parallel nach
hinten gerichteten Borstenstacheln besetzt.
Basalglied der Fühler unten scharf gekielt, unten am Ende tief
ausgeschnitten, oben der Länge nach stark gewölbt. Geibelglied
2, 3, 4 und 5 gleich lang und zwar ein wenig länger als das Endglied.
Clypeus mit in der Mitte niedergedrücktem Vorderrand, der
ausserdem mitten einen kleinen undeutlichen Ausschnitt zeigt.
Körperlänge 7,5, Flügellänge 6,5 mm.
Gen. Trypoxylon Latr.
15. Trypoxylon Bourgeosi Strand n. sp.
Ein 2 von: Equador, Loja (Dr. P. Rivet) 1903.
Aehnelt u. a. Tr. excellens Strand, aber ohne die dieser Art so
charakteristische Gesichtsstruktur. Ebenfalls T’ryp. chichimeceum Sss.,
aber u.a. durch die hinten erweiterte Mittellängseinsenkung des
Metanotum zu unterscheiden.
9. Schwarz gefärbt; die Hinterränder der Abdominalsegmente
an den Seiten schwach gebräunt, die Tegulae braunschwarz. Flügel
angeraucht, am Saume am dunkelsten, stark rotgrünlich iridiszierend,
Flügelgeäder und -Mal schwarz. Behaarung überall sehr spärlich,
grauweißlich, im Untergesichte länger abstehend und silberschimmernd;
auf den Rückensegmenten des Abdomen ein feines grauweißliches
Toment, das aber keine Binden bildet.
Clypeus ragt nur unbedeutend über die Gerade hinaus, welche
man sich am Unterrande der Augen quer über den Clypeus
gezogen denken kann; der Vorderrand bildet eine mitten kurz ab-
gestumpfte Ausbuchtung, weshalb Clypeus am Ende von vorn gesehen
etwa breit trapezförmig erscheint, sowie dicht und fein quergestrichelt;
oben ist er gewölbt, dicht retikuliert und seicht punktiert und geht
ohne Grenze in das Stirnschild über. Die Augen unten stark genähert,
aber doch ein wenig mehr als halb so weit wie auf dem Scheitel
unter sich entfernt oder unten um mehr als die Länge des zweiten
Geißelgliedes unter sich entfernt. Die Ausrandung der Augen ist
sehr schmal und tief, fast parallelseitig. Die hinteren Ocellen unter
sich um mehr als ihren Durchmesser, von den Augen um kaum
denselben entfernt. Die vordere Ocelle ist ein klein wenig kleiner
als die hinteren. Das letzte Fühlerglied etwa so lang wie das
zweite Geißelglied. Stirn und Scheitel matt, dicht und kräftig
retikuliert, mit vereinzelten, sehr seichten Punktgrübchen. Die
silbrige Tomentierung und Behaarung reicht nur bis zu den Antennen
hinauf. Mesonotum und Scutellum wie die Stirn skulptiert, jedoch
die Punktierung ein wenig dichter. Metanotum mit seichter, hinten
bis zur doppelten Breite erweiterter Mittellängseinsenkung, sowie
dicht und ziemlich kräftig und regelmäßig gestrichelt; die Strichelung
ist in der Basalhälfte longitudinell, in der Endhälfte transversel,
und zwar bildet sie an der Basis ziemlich kräftige Längsrippen.
156 Embrik Strand:
Die hinteren Femora ohne besondere Auszeichnung. Abdominal-
petiolus ein wenig länger als das flg. Segment, und dies wiederum
etwas länger als das dann flg. Glied. Aftersegment in eine kurze,
aber scharfe Spitze endend, oben ohne eine glatte Längslinie.
Körperlänge 9, Flügellänge 5,3 mm.
Fam. Apidae
. Gen. Prosopis F.
16. Prosopis cuscoana Strand n. sp.
Ein 2 von: Peru, Cusco (Gay) 59—49.
2 schwarz gefärbt; gelb sind: eine schmale, parallelseitige,
weder Basis noch Apex ganz erreichende Mittellängsbinde auf dem
Clypeus, eine ebensolche, den Scheitel nicht ganz erreichende Binde
am inneren Augenrande, ein kleiner runder Querfleck am unteren
Rande des Stirnschilds, die Basis der Tibien III und ganz schmale,
gelblich pubeszierte Hinterrandbinden an den Segmenten I—V;
die Bauchsegmente mit ebensolchen, aber nicht besonders behaarten
Hinterrandbinden. Rötlich ist die Unterseite des Fühlerschaftes (mit
Ausnahme der Spitze) sowie die Krallen und z. T. und zwar un-
deutlicher die Tarsen. Feine silberweiße Pubeszens findet sich
ganz deutlich hinten und an den Seiten des Metathorax, auf der
Rückenseite des Thorax findet sich spärliche, graubräunliche Pubes-
zens, auf den hinteren Abdominalsegmenten außer den Hinterrand-
binden noch gelbliche oder bräunliche, schwach schimmernde Pubes-
zens oder Toment. Beine äußerst spärlich mit kurzer, feiner, weib-
licher Pubeszens: fast nackt erscheinend.
Beide rekurrente Adern interstitial. Die erste Cubitalquerader
steht fast senkrecht auf der Cubitalader und ist von der 2. Cubitalquer-
ader und dem Flügelmal gleich weit entfernt. Die 2. Cubitalquerader
ist saumwärts schwach und gleichmäßig konvex gebogen. Die
1. Cubitalzelle ein wenig mehr als doppelt so lang wie die 2. Basal-
ader deutlich gekrümmt. Nervulus interstitial.
Kopf senkrecht gestellt, ziemlich dick, langgestreckt. Clypeus
vorn abgeflacht, mit Andeutung einer seichten Mittellängseinsenkung,
dicht und deutlich längsgestrichelt und spärlich mit seichten länglichen
Grübchen besetzt, jederseits von einer sich bis zur Fühlerbasis er-
streckenden, auch unten von dem Augeninnenrande deutlich entfernten,
eingedrückten Längslinie begrenzt; das zwischen diesen, subparallel
verlaufenden Linien eingeschlossene Feld (=Clypeus + Unterhälfte des
Stirnschildes) ist mehr als doppelt so lang wie breit. Von zwischen
den Antennen bis zur vorderen Ozelle eine eingedrückte Längslinie.
Scheitel matt, grob punktiert und gerunzelt; Mesonotum noch kräftiger
skulptiert, mit sehr tiefen großen Gruben dicht besetzt und mit
dicht gestrichelten und retikulierten Zwischenräumen. Pronotum
höher und deutlicher als bei den meisten Prosopis-Arten mit recht-
winklig hervorstehenden Ecken und scharf gerandetem Vorderrand.
Hymenoptera aus Peru und Equador. 157
Scutellum ähnlich wie Mesonotum skulpiert, aber die Grubeu unter
sich erheblich weiter entfernt. Postscutellum dicht und unregelmässig
gekörnelt-gerunzelt ohne deutliche Punktierung. Der „herzförmige“
Raum ist etwa trapezförmig, sehr grob und unregelmäßig gerunzelt,
gestrichelt und mit größeren und kleineren Gruben besetzt; jeder-
seits lassen sich zwei parallele. nach hinten und innen gerichtete
Längsrippchen erkennen, von denen die äußere eigentlich den Pleuren
angehört. — Stutz subvertical, flach, der Länge nach schwach ein-
gedrückt, mit scharf markierter, tiefer Mittellängsfurche, parallelen,
undeutlich erhöhten Seitenrändern und Andeutung schräger Quer-
rippchen sowie ganz matt; die Höhe größer als die Breite und oben
ist die Stutzfläche jederseits schräg abgestutzt, oben mitten dagegen
tief eingeschnitten. Abdominalsegmente überall dicht retikuliert
und punktiert; sämtliche Punktgrübchen seicht, mit fein gestrichelten
Zwischenräumen, auf den hinteren Segmenten so dichtstehend, daß
sie sich fast berühren und diese Segmente daher matt erscheinend,
auf dem 1. Segment dagegen um ihren Durchmesser oder mehr
entfernt und dies daher etwas glänzend; jederseits der Mitte des
1. Segments findet sich eine Querfurche. Abdomen ist hinten scharf
zugespitzt und sowohl dadurch wie durch die hellen Querbinden
Vespiden- oder Gorytes-ähnlich.
Körperlänge 8 mm. Flügelspannung 16 mm. Flügellänge 7 mm.
Beiträge zur Kenntnis der Rhynchotenfauna
Deutschlands (Hemipt.).
II.
Hemiptera-Heteroptera aus Hessen-Nassau ex coll. Strand.
Von
F. Schumacher.
Im folgenden übergebe ich der Ötfentlichkeit ein kleines Verzeichnis
von Wanzen aus Hessen-Nassau, welche Herr Dr. E. Strand in
den Jahren 1903—1904 in der Umgebung Marburgs gesammelt hat.
Einige Funde habe ich gelegentlich bereits veröffentlicht, nämlich
Nr. 17. Zeitschrift £. wiss. Insektenbiologie, VII. 1911 p. 40.
Nr. 18. Zeitschrift f. wiss. Insektenbiologie, VII. 1911 p. 42.
Nr. 19. Zoolog. Anzeiger XXXVII. 1911 p. 136.
Nr. 89. Zeitschriit f. wiss. Insektenbiologie, V. 1909 p. 342.
Das gesammelte Material zeigt deutlich, daß die Fauna der Mar-
burger Gegend gänzlich mitteldeutsch ist und sich eng an die Fauna
Thüringens anlehnt.
Eurygaster maurus L. Marburg: 1. VI.—12. VI., 22. VL., 11. VII.
Thyreocoris scarabaeoides L. Marburg: 16. IV.
Gnathoconus albomarginatus Goeze. Marburg: 25. V.
Sehirus luctuosus Muls. Rey. Marburg: XI.
— bicolor L. Marburg: 1. IV., 16. IV., 20. IV., 12. VI., 26. VI.
(nebst Larvenstadien 3, 4, 5), XI.
6. ‚Sciocoris terreus Schr. Marburg: 1. IV.,20. IV.; Cappel b. Marburg:
24. IV.
7. Aelia acuminata L. Marburg: 1. VI.—12. VI., 8. VI, 22. VI,
26. VII., XI.; Wiesbaden: Dr. Bergmann.
8. Neottiglossa pusilla Gmel. Marburg: 31. V.
9. _— leporina H.-Sch. Marburg: IT VAL, 25. VIE
Diese Art ist in Süddeutschland ziemlich häufig, aber in Mittel-
deutschland ist sie nur noch sehr zerstreut vorhanden. So ist sie auch
im benachbarten Thüringen von Schmiedeknecht gefunden worden.
Mit dem Aufhören der mitteldeutschen Gebirge erscheint auch das
Vorkommen wie abgeschnitten, denn in der weiten norddeutschen
Tiefebene ist das Tier nirgends gefunden worden. Hessen und
Thüringen sind somit als die nördlichsten Gebiete seines Vorkommens
zu bezeichnen.
10. Eusarcoris aeneus Scop. Marburg: 16. IV.
11. Palomena viridissima Poda. Marburg; Cappel b. Marburg: 21. IV.
12. Carpocoris fuscispinus Boh. Marburg: 28. V.; Cappel b. Mar-
burg: 24. IV.
13. — purpureipennis Geer. Marburg: 31. V.
Sen
Beiträge zur Kenntnis der Rhynchotenfauna Deutschlands (Hemipt.) 159
. Dolyeoris baccarum L. Marburg: 1. III., 28. V.; Cappel b. Mar-
burg: 24. IV.
Eurydema oleraceum L. Marburg: 16. IV., 28. V.; Wiesbaden:
Dr. Bergmann.
— festivum L. var. decoratum H.-Sch. Wiesbaden: Dr. Berg-
mann.
Troilus luridus F. Marburg.
. Rhacognathus punctatus L. Marburg: 20. IV.
Olinocoris ferrugatus F. Marburg: 31. V., 26. VI.
* *
Syromastes marginatus L. Marburg: 20. IV., 26. VI. (auch Larven),
26. VII. (Larvenstad. z.).
Verlusia ;uadrata F. Marburg: XI.
. Coreus denticulatus Scop. Wiesbaden: Dr. Bergmann.
. Stenocephalus agilis Scop. Marburg: 20. IV., 24. IV.
Corizus parumpunctatus. Schill. Marburg.
Myrmus miriformis Fall. Marburg: 3. VII, 9. VII, 11. VII,
16. VII, 17. VII, 25. VIL,. 26.. VII:
. Berytus minor H.-Sch. Marburg: 28. V.; Cappel b. M.: 23. IV.
*
*
Nysius punctipennis H.-Sch. Marburg: 25. VII.
. Cymus obliquus Horv. Marburg: 28. V., 31. V.
— clavieulus Fall. Marburg: 1. III., 26. VIL, XI.
Ozxycarenus modestus Fall. Im Berliner Zoolog. Museum in der
alten Kollektion v. Baerensprung als O. Spitzyi Fieb. mit der
Bezeichnung ‚Wiesbaden, Kirschbaum“.
Tropistethus holosericeus Scholtz Marburg.
. Macrodema micropterum Curt. Marburg: 20. IV., XI.
. Plinthisus brevipennis Latr. Marburg: 1. III, XI.
. Stygnocoris fuligineus Geoffr. [arenarius Hhn.] Marburg: 20. IV.
. Peritrechus silvestris F. [luniger Schill.] Marburg: 1. III.
. Aphanus lynceus F. Marburg: XI.
— pimi L. Marburg: 1. III., XI.; Cappel b. M.: 23. IV.
Beosus maritimus Scop. [luscus F.] Marburg.
Drymus silwatieus L. Marburg: XI.
— brunneus Sahlb. Marburg: 1. III.
. Emblethis Verbasci F. Marburg.
. Eremocoris plebejus Fall. Marburg: 31. V., XI.; Cappel b. M.:
23. IV.
— erraticus F. Marburg: 16. IV.
. Scolopostethus decoratus Hahn. Marburg: 1. III., XI.
— affinis Schill. Marburg: XI.
Gastrodes ferrugineus L. Marburg: 31. V.
*
*
*
. Piesma maculata Lap. Marburg: 16. IV., 20. IV.; Cappel b.M.:
21. IV. — Alle Exemplare sind macropter.
Acalypta parvula Fall. Marburg: 1. IV.
160
F. Schumacher: Beiträge zur Kenntnis
Dictyonota [uliginosa Costa. Marburg‘ 26. VII.
. Lasiacantha capucina Germ. Marburg: 26. VII. — Ein brachy-
pteres Exemplar.
Tingis carduı L. Marburg: 1. IV., 24. IV.; Cappel b. M.: 24. IV.
. Catoplatus fabrieii Stäl [costata Fieb.]. Marburg: 22. VI.
. Serenthia laeta Fall. Marburg: 12. VI.
*
*
*
Velia currens F. Cappel b. M.: 23. IV.
. Gerris najas Geer Marburg: 1. IV., 20. IV., 24. IV., 28. V.
— lacustris L. Marburg: 16. IV.
Ploiariola vagabunda L. Marburg: 6.—15. VII.
Reduwvius personatus L. Marburg: Ende VII.
. Nabis lativentris Boh. Marburg: 20. IV., XI.; Cappel b. M.: 23. IV.
— limbatus Dahlb. Marburg: 16. VII., 25. VIII. (brachypter).
— ferus L. Marburg: 20. IV., 21.IV., 1.—12.VL, XL;
Cappel b. M.: 23. IV.
— rugosus L. Marburg: 16. I., 20. IV., 29. V., 8. VL, 3. VIL.,
XL; Cappel b. M.: 23. IV.
— ericetorum $z. Marburg: 16. I. (makropter), 8. VI.
(brachypter).
* R *
Salda saltatoria L. Marburg: 16. IV., 8. VI., XI
— cooksii Curt. Marburg.
* *
*
. Piezostethus eursitans Fall. Marburg: 1. IV. (brachypter).
Myrmedobia coleoptrata Fall. Wiesbaden: Kirschbaum _ (sec.
v. Baerensprung, Berl. Ent. Zeitschr. 1857 p. 164).
* *
*
Pithanus märkeli H. Sch. Marburg: 9. VIL., 26. VII.
. Miris calcaratus L. Marburg: 31. V., XI.
— laevigatus L. pallescens Marburg: 1. IIl., 1. IV., 31. V.,
12. VL, 9. VIL.; Cappel b. M.: 21. IV.
f. virescens: Marburg: 1.—12. Vl., 26. VI.
— holsatus F. Marburg: 16. IV., 6.—15. VIL.; Cappel b. M.:
21. IV.
. Megaloceraea recticornis Geofir. Marburg: 26. VI. 6.—15. VI.
. Leptopterna ferrugata Fall. Marburg: 26. VI.
— dolabrata L. Marburg: 26. Vl.
. Monalocoris filicis L. Marburg: 6.—15. VII.
. Lopus gothicus L. Marburg: 1.—12. VI., 26. VI.
Phytocoris ulmi L. Marburg: 6.—15. VII., 25. VII
— varipes F. Marburg: Ende VII.
. Adelphocoris lineolatus Goeze. Marburg: 25. VII.
— seticornis F. Marburg: Ende VII.
. Calocoris ochromelas Gmel. Marburg: 31. V.
— affinis H.-Sch. Marburg: Ende VII.
83.
84.
85
86.
87.
88.
89.
9.
91.
92.
93.
94.
92.
96.
97.
98.
39.
100.
101.
102.
103.
104.
105.
106.
107.
108.
109.
110.
114,
112.
113.
114.
115.
116.
EIT:
der Rhynchotenfauna Deutschlands (Hemipt.). 161
— roseomaculatus Geer. Marburg: 26. VI.
Lygus rubricatus Fall. Marburg: 6.—15. VII.
.. .— pratensis F. Marburg: 16.1., 1. III, 24. IV., 1.—12. VI,
Ende VII.
— campestris L. Marburg: 16.IV., 26. VL, 6.—15. VII,
25. VII.
— pabulinus L. Marburg: 26. VI.
Camptozygum pinastri var. d Rent (maculicollis Mls. R.) Mar-
burg: 6.—15. VII.
Poeciloseytus unifasciatus F. Marburg: 6.—15. VIIL., Ende VII.
— asperulae Fieb. ‚im Nassauischen‘ (nach Fieber).
Charagochilus gyllenhali Fall. Marburg: Ende VII.
Camptobrochis lutescens Schill. Marburg: 28. V., XI.
Capsus cordiger Hahn f. typica (cordiger Hahn) und var. apicalıs
Sign. Marburg: 6.—15. VII.
Rhopalotomus ater F. Marburg: 31. V., 25. VI.
Halticus apterus L. Marburg: Ende VII. (makropter).
Cyllocoris histrionicus L. Marburg: 26. VI.
Globiceps sphegiformis Rossi, Marburg: 6.—15. VII.
— selectus Fieb. 25. VII.
Mecomma ambulans Fall. Marburg: 6.—15. VIIL., 25. VIL.,
Ende VII.
Orthotylus tenellus Fall. Marburg: 1.—12. VI., 26. VI.
— viridinervis Kb. Marburg: 6.—15. VII.
— adenocarpi Pessis Marburg: '6.—15. VII.
— chloropterus Kb. Marburg: 6. —15.V1l.
— ericetorum Fall. Marburg: 6.—15. VII. .
Heterocordylus tibialis Hhn. Marburg: 31.V., 1.—12. VL,
26. VI., 6.—15. VII.
Hoplomachus thunbergi Fall. Marburg: 26. VI.
Onychumenus decolor Fall. Marburg: 26. VI., Ende VII.
Amblytylus nasutus Kb. Marburg: 26. VI.
Byrsoptera rufifrons Fall. Marburg: 6.—15. VII.
Phylus melanocephalus L. Marburg: 26. VI., 6.—15. VI.
— coryli L. Marburg: 1.—12. VI., 26. VI., 6.—15. VII.
Psallus ambiguus Fall. Marburg: 1.—12. VI.
— variabilis Fall. Marburg: 1.—12. VI., 26. VI., 6.—15. VII.
Atractotomus oculatus Kb. Marburg: 6.—15. VII.
Plagiognathus chrysanthemi Wlff. Marburg: 26. VI., 6.—15. VII
Ende VII.
— arbustorum F., Marburg: 6.—15. VII., Ende VII.
* *
*
Nepa cinerea L. Marburg: 26. IV.
Archiv für Naturgeschichte
19
11. I. 2. Suppl. Al
ARCHIV
NATURGESCHICHTE,
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON
W.F. ERICHSON, F.H. TROSCHEL,
E. VON MARTENS, F. HILGENDORF,
W. WELTNER UND E STRAND.
Bd
SIEBENUNDSIEBZIGSTER JAHRGANG.
1911.
I. Band. 3. Supplementheft.
HERAUSGEGEBEN
VON
EMBRIK STRAND
KÖNIGL. ZOOLOG. MUSEUM ZU BERLIN.
NICOLAISCHE
VERLAGS-BUCHHANDLUNG R.STRICKER
Berlin.
2 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
teil gewordene Unterstützung mit Ratschlägen und Literatur meinen
herzlichsten Dank auszusprechen.
Dank schulde ich auch Herrn Privatdozent Dr. Paul Stein-
mann für manchen Rat.
Zur Bestimmung einzelner Gruppen meines Sammelmaterials
wandte ich mich an einige erfahrene Spezialisten, die mir alle
freundlichst ihre Mitarbeit liehen. Es sind dies die Herren Dr. Felber-
Sissach (Trichoptera), Prof. Dr. A. Forel- Yvorne (Formicidae),
Dr. R. de Lessert- Geneve (Araneae), Dr. P. Steinmann-
Basel (Turbellariae), Dr. C. Walter- Basel (Hydrachnida). Herr
Sek.-Lehrer Liniger determinierte einen Teil meiner Landkäfer.
Die Myriopoden bestimmte ich gemeinschaftlich mit cand. phil.
W. Bigler. Herr Privatdozent Dr. A. Buxtorf£- Basel erteilte
mir verschiedene geologische Auskünfte und unterstützte mich, wie
auch Herr Prof. H. Baehmann - Luzern, mit Literatur.
Allen genannten Herren spreche ich meinen besten Dank aus.
Meine Arbeit will nach drei Seiten hin Aufschluß bringen. Sie
soll in erster Linie faunistisch eine Übersicht über möglichst
viele der im Moor vorhandenen Spezies mit genauer Abgrenzung
der engeren Fundorte geben, die Frage des Vorkommens charakte-
ristischer Formen beantworten. Soviel als möglich wird sodann das
biologische Verhalten unserer Tiergruppen verfolgt, um Auf-
schluß über phaenologische und ökologische Fragen, so über die der
Praesenzzeiten, der Fortpflanzungs - Verhältnisse, der Variabilität
unter dem Einfluß der Moorbedingungen etc. zu erhalten.
Ein zoogeographischer Überblick soll endlich über die
Herkunft, die Zusammensetzung unserer Moorfauna orientieren und
womöglich einige Streiflichter werfen auf die Entstehungsgeschichte
der Fauna unseres Gebiets.
Um eine allzugroße Zerrissenheit zu vermeiden, wurde eine strenge
Scheidung in faunistische, systematische und biologische Kapitel
nicht vorgenommen. Biologische Momente beleben den speziellen
faunistisch - systematischen Teil; die wichtigsten davon sollen in
einer kurzen Übersicht zusammengefaßt werden. Hingegen konnten
die gemachten ökologischen Beobachtungen über die Lokal-
beständigkeit einiger Gruppen, die Abhängigkeit von bestimmten
Faktoren der engeren Umgebung, in einem gesonderten Kapitel nach
biozönotischen Grundsätzen vereinigt werden.
Eine Schlußzusammenstellung der Resultate wird nicht gegeben,
doch finden verschiedene Kapitel am Schlusse jeweils kurze über-
sichtliche Resumierung.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald, 3
A. Einleitung.
I. Historisches.
Dem Botaniker waren die Hochmoore schon seit langem als
ausgesprochene Charakterformationen bekannt, als Stätten einer
Vegetationsgruppierung von interessantester Eigenart und Ur-
sprünglichkeit. Die botanische Forschung hat sich darum schon
frühzeitig eingehend mit dem Moore beschäftigt; dabei hat sie sowohl
. der charakteristischen, phanerogamischen Pflanzendecke ihr Interesse
zugewandt, als auch den großen Reichtum und die Eigenart der
mikrophytischen aquatilen Moorvegetation erkannt und betont.
Auch an jenes große Gebiet, das die botanische Wissenschaft, in Ver-
bindung mit der geologischen und chemischen, erschlossen: die Torf-
forschung mit ihren weittragenden Einflüssen auf den praktisch-
landwirtschaftlichen Zweig der ‚„Moorkultur‘, darf hier nur erinnert
werden.
Den Zoologen aber schienen die Moore lange Zeit weniger an-
zuziehen. Der charakteristische Typus des Hochmoors war zwar
von jeher den Entomologen bekannt als die willkommene Fundstätte
gewisser typischer Formen. Die große Masse der aquatilen Fauna
fehlte aber dem intakten Hochmoore, sie konnte erst reichlichere
Unterkunft finden, nachdem der Mensch durch seinen Eingriff in die
äußere Gestalt der Moore Möglichkeiten zu größeren Wasseransamm-
lungen schuf, dadurch aber zugleich die Mischung und Verwischung
des authochtonen Faunencharakters begünstigte.
Perty (43), Stein (46) und Leidy (40), späterhin auch
Lauterborn, Levander (l5) und Zacharias wiesen
zuerst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts auf den Reich-
tum und die Eigenartigkeit der Protozoenfauna der Torfgewässer hin,
auf das Vorhandensein typischer Moorformen; während z. B. Clessin
(180), Geyer (183) u. a. im Gegensatz hierzu ihre Armut an Mollusken
erkannten. Auch andere Spezialforscher wandten den Mooren ihr
Interesse zu, unter ihnen sind vor allem die Entomologen zu nennen
[Hoffmann (140),.Ris (149 ff.) u. v. a.]; auch fehlte es nicht an
gelegentlichen kleinern Beiträgen, sowie an allgemein gehaltenen
Beschreibungen der Moore, ihrer Pflanzen- und Tierwelt.
Eine planvolle systematische Bearbeitung
der Moorfauna, speziell der aquatilen, aber ist erst in den letzten
zehn Jahren da und dort in Angriff genommen worden, an den mehr
die gewöhnlichen Seichtwasserverhältnisse bietenden Flachmooren
sowohl, wie an den, einen eigenartigeren Typus darstellenden Hoch-
mooren. Es seien einige Namen genannt: Zacharias (31) wendet
der niedern Flora und Fauna holsteinischer Moorsümpfe sein Interesse
zu, Ulmer (27, 28) beschäftigt sich hauptsächlich mit der Insekten-
welt der Moore jener Gegenden. Einen Moordistrikt bei Franzensbad
bearbeitet Brehm (4); während im schweizerischen Jura Thie-
1*
4 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
baud u. Favre (25, 26) Torfgewässer in den Kreis ihrer Unter-
suchungen ziehen und Waldvogel’(29) einen Torfsee des
schweizerischen Mittellandes erforscht.
Hauptsächlich unter tiergeographischem Gesichtswinkel betrachtet
Fredericg (9) die Fauna des moorreichen Plateaus der Hoch-
ardennen. Eine neuere, tiefgreifende Arbeit über Flora und Fauna
von Mooren des württembergischen Schwarzwalds (mit Ausblicken
auf niederdeutsche Hochmoore) verdanken wir Schlenker (18).
Beiträge zur Fauna nordischer Moore lieferten u. a Levander (15)
und Ekman (89). An kleineren Notizen seien angeführt diejenigen _
vonHuber(l3)undBraun (2). Weitere Literatur, die sich haupt-
sächlich mit speziellen Gruppen der Hochmoorfauna beschäftigt,
wird weiter hinten zitiert werden.
Hatten wir es im obigen namentlich mit der aquatilen Moorfauna
zu tun, so sei zum Schluß noch an die großzügigen, systematischen
Mooruntersuchungen erinnert, wie sie hauptsächlich auf Veranlassung
westpreußischer naturwissenschaftlicher Gesellschaften in den weiten
Moorgebieten Norddeutschlands unternommen wurden. Sie be-
schäftigen sich zumeist mit der terrestrischen Fauna, es seien
namentlich erwähnt die Arbeiten von Enderlein (16), Dahl
(165), Kuhlgatz (168, Rübsamen (173), Speiser (143),
Woltersdorf£ff (19).
Die eingehende systematische Bearbeitung und monographische
Darstellung typischer Moore aus verschiedenen Gebieten wird dazu
führen, in der großen Zahl der beobachteten faunistischen, biologischen
und ökologischen Charaktererscheinungen einheitliche Grundzüge zu
finden und namentlich die Bedeutung der Moore für Tiergeschichte
und 'Tiergeographie in ihrem richtigen Umfange zu erkennen.
H. Darstellung des Jungholzer Hochmoorgebiets.
Das Hochmoor von Jungholz, im Volksmunde ‚„Kühmoos“ ge-
heißen, liegt in 740 m Höhe am südwestlichen Ende des Schwarzwald-
plateaus, das östlich durch das Murgtal, westlich durch das Wehratal
begrenzt ist und an dessen südlichem Rand der Absturz in die Rhein-
ebene erfolgt. (Siehe nebenstehende Kartenskizze.)
Den Grund des Moores bildet eine muldenartige, leichte Ein-
senkung, eingerahmt gegen Norden und Nordosten von den sanft
wellig ansteigenden Hängen von Jungholz, Bergalingen und Willa-
ringen, nach Osten, Süden und Südwesten umschlossen von den
gegen Süden leicht sich senkenden Hochwaldkomplexen des großen
Beuggenwaldes und der Maisenhardt. Die westliche Grenze des
Torfgebietes bildet eine bis zur Egger Säge sich erstreckende
moorige Wiesenfläche, die vom ‚„Heidenwuhr‘‘ durchflossen wird,
dem aus dem Quellgebiet oberhalb Hütten (ca. 1 Stunde vom Moor)
herkommenden, ursprünglich dem Murgtal zugehörigen, wahr-
scheinlich zur Römerzeit (,Heidenwuhr!‘“‘) in sein jetziges der Berg-
halde entlang laufendes Bett geführten Bergbach, der auch einen Teil
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 5
des Moorabwassers aufnimmt. Die nordöstlich ans Moor angrenzenden
Wiesenbezirke werden nach dem Fischmattenweiher, ins Gebiet des
Murgtals, entwässert. (Siehe Kartenskizze im Anhang.) Das Hoch-
moorgebiet umfasst einen Raum von ca. 800 m Länge und 500 m
größter Breite und gehört fiskalisch zur Gemeinde Willaringen.
Geologisch liegt unser Moor im Gebiete des Urgesteins, es weist
aber gerade in der engern Nachbarschaft des Moors eine bunte
Würfelung auf. Ins große anstehende Gneisslager sind eingebettet
Inseln von Granit und Buntsandstein. Nicht selten fand ich im Torf-
gebiet große Blöcke reinen, aus der Granitmasse ausgeschiedenen Feld-
spates, im Heidenwuhrbache sind Feldspatkrystalle nicht selten;
kleinere Buntsandsteinbrocken sind im Torfgrund enthalten.
Den Untergrund des Moors bildet eine ziemlich mächtige Schicht
feinkörnigen grauen Tones. Sie lieferte die undurchlässige Unterlage,
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auf welcher allein ein Moor sich bilden kann. Daß sie sich über dem
Urgestein ausbreitete, das an und für sich kalkarm ist, begünstigte
die Ansiedlung der kalkfliehenden Torfmoose.
Die Frage nach dem Grund der Entstehung unseres Hochmoors
vermögen wir nicht mit Sicherheit zu beantworten. Die Versuchung
liegt nahe, unser Moorgebiet in dieser Beziehung mit den Mooren im
Urgesteinsgebiet des höhern Schwarzwaldes (Schluchsee, Nonnen-
mattweiher, Hinterzarten u.a.) in Parallele zu setzen. Dort haben
wir es mit deutlichen glazialen Bildungen zu tun, mit der Ver-
landung kleinerer glazialer Reliktenseen. Jene Moore liegen in Tal-
mulden, abgeschlossen durch Endmoränen. Dürfen wir für das Jung-
holzer Moor eine ähnliche Entstehungsweise annehmen? Die Höhen-
lage unseres Gebietes und dessen allgemeine flachwellige Oberflächen-
struktur können die Möglichkeit einer Vergletscherung zur letzten
Eiszeit zulassen. Sagt doch Steinman.n (22), daß „die Skulptur des
Schwarzwalds von einer gewissen Höhe an, die wir im Durchschnitt
6 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
auf etwa 700 m ansetzen können, vorwiegend durch die Vorgänge
der letzten Eiszeit beherrscht wird.“ Auf alle Fälle könnte es sich
nur um Firnbildung von unbedeutender Ausdehnung gehandelt haben,
welche aber noch dadurch in Frage gestellt wird, daß unser Gebiet
nach Süden offen liegt, dem Einfluß starker Insolation ausgesetzt ist.
Die von den höchsten Kuppen des Schwarzwalds, vom Feldberg aus-
gehende Eismasse streckte ihre Zungen in weitem Vorstoß durch die
Täler abwärts. Daß das Wehratal von einer solchen Gletscherzunge
ausgefüllt war, die sich zu Zeiten ihrer maximalen Ausdehnung sogar
über das Rheintal hinaus erstreckte, zeigen mehrere Moränen am
Ausgange dieses Tales auf der jenseitigen Schotterhöhe. Andererseits
stießen die alpinen Gletschermassen des Rhein- und des Rhone-
gletschers ihre Stirnmoränen bis ins Wehratal hinein und bis an den
Wall des Urgesteingebirges oberhalb Säckingen hinan. Doch liegt die
höchste Moräne im Wehratal (Humbelsberg bei Hasel) nur in einer
Höhe von 440 m.
So stehen die Zeichen der Talvergletscherung fest. Auf unserm
Höhengebiet aber ist bis jetzt von den einzig untrüglichen Kennzeichen
einer ehemaligen Gletscherdecke, der Praesenz von Moränen oder
Erosionsformen in der nähern Umgebung nichts bekannt. Bohrungen
im Moor gaben kein deutliches Resultat.
Die mächtige Anhäufung gerundeter Gneissklötze über dem
Heidenwuhr am Egger Berg in der Nähe der „Jungholzer Felsen“,
wie auch die auf dem Plateau reichlich zu Tage tretenden Rundblöcke
sind als Verwitterungsprodukte des anstehenden Urgesteins auf-
zufassen. Falls sich glaziale Anzeichen im Gebiet fänden, müßten sie
wohl in der Einsenkung gegen das Murgtal hin zu suchen sein.
Huber (12) glaubt denn auch in den breiten Formen des oberen
Murgtals Gletscherwirkung zu erblicken, die am Felsriegel südlich
Hottingen ihr Ende erreicht hätte. Doch fand er auch keine Moränen-
relikte. Kann die Lösung der Entstehungsfrage unseres Hochmoors
nicht nach der glazial-lacustrischen Seite hin gesucht werden, so hätten
wir im Jungholzer Moor, wie auch in den Mooren bei Hänner jenseits
des Murgtales, Plateauhochmoore vor uns, wie sie im Sandsteingebiet
des nördlichen Schwarzwalds häufig sind, die sich hier auf der tonigen
Unterlage bildeten, weil das Wasser nur ungenügenden Abfluß finden
konnte. Die muldenartige Einsenkung unseres Bezirkes hinwieder
spräche zwar eher für lacustrischen Ursprung. Findet in dieser Weise
die Frage nach der Entstehung unseres Moores keine endgültige Klärung,
so vermögen uns doch die Allgemeinbetrachtung der Umgebung zur
Diluvialzeit, sowie die botanischen Verhältnisse Aufschluß zu geben
über den klimatologisch-biologischen Urcharakter unseres Gebiets.
Lag unser Plateau nicht unter den Diluvialeismassen begraben, so bildete
es wahrscheinlich eine hochragende Halbinsel zwischen den Gletscher-
zungen des Tals, unter dem thermischen Einfluß des nahen Eisstromes,
seiner südlich exponierten Lage gemäß aber geschaffen zu einem
Asyl praeglazialer Faunen- und Florenelemente.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. | 7
Hochmoore bilden sich in niederschlagsreichen Gebieten, denn die
Sphagna sind allein auf das meteorische Wasser angewiesen. Sie selbst
wirken mit ihrem Wasserreichtum auf die thermischen Verhältnisse
der Gegend kühlend ein, die Häufigkeit und die Dichte der Nebel
sind in Moorgebieten bekannte Erscheinungen. Das Charakteristische
unseres Lokalklimas ist der starke und oft schroffe Wechsel, die Extreme
des Winters und des Sommers. Die Höhenlage, die den Winden
exponierte Hochfläche in Verbindung mit dem rauhen Lokalcharakter
des Moores bedingen einen langen und strengen Winter mit festem,
dauerndem Eisverschluß der Gewässer und tiefer Schneedecke. Spät
erst erwacht auf dem Moor das Frühlingsleben, die Weiden blühen
meist erst Ende April. Hingegen steigt im Sommer infolge der Lage
am Südrande des Hochplateaus die Temperatur oft für kürzere Zeit
auf ein beträchtliches Maximum. Diese Erscheinung der thermischen
Extreme bleibt nicht ohne bedeutenden Einfluß auf die biologischen
Verhältnisse des Moors; worauf später eingetreten werden soll.
Führten uns die geologischen Betrachtungen auf verborgen
liegenden Wegen in die Glazialzeit zurück, so versetzt uns, wenn. wir
aus der grünen Rheinebene emporgestiegen, der plötzliche Anblick
unseres Moores unvermittelt und eindrücklich hinein in jene uns fern
liegende Epoche. Eigenartig mutet uns dieses Vegetationsbild an:
eine nordische Landschaft eingebettet in die sanften Hänge der grünen
Schwarzwaldhügel mit ihren malerischen kleinen Dörfchen. Dunkel
ziehen sich die langen Streifen der Torfstiche durch die Komplexe der
Heidenvegetation. Hell leuchten aus dem allgemeinen schweren Düster
die weißen Stämme der Moorbirken. Wenn im Frühjahr die umliegenden
Wiesen schon in saftigem Grün stehen, liegt das Moor eine weite gelb-
braune Fläche und im Spätsommer, wenn die Calluna in Blüte
steht, wallt ein rötlich-violettes Meer innerhalb der dunklen Rand-
linien.
Der heutige Zustand des Hochmoores läßt den ursprünglichen
Typus, die nach der Mitte zu ansteigende Wölbung kaum mehr hervor-
treten, nur auf dem nordwestlichen Teile kann man ihn noch einiger-
maßen erkennen. Das Moor ist stark durchwühlt, der Abbau der Torf-
lager wurde von verschiedenen Stellen aus in Angriff genommen;
ein sehr breiter abgetorfter Bezirk erstreckt sich von Westen aus der
Längsrichtung nach ins Moor hinein. Tiefere, zusammenhängende Torf-
lager finden sich vor allem am Nordrande in der südöstlichen Hälfte.
Die Mächtigkeit der Lager ist verschieden, erreicht an einzelnen
Stellen 3m. Der Torf ist in seinen oberen Lagen in der Hauptsache
Sphagnumtorf mit starken Callunetumeinschlüssen, an der nörd-
lichen Längsseite birgt er auch mächtige Holzeinschlüsse, das Moor
hat hier Hochwald begraben, Wurzelstöcke mit einer Verzweigung
von bedeutendem Umfang liegen zu Tage.
Der ursprüngliche typische Vegetationsverband ist an vielen
Stellen zerstört, doch bieten kleinere Komplexe noch das charakte-
ristische Bild. Üppige Sphagneenrasen wuchern über weite
Strecken dahin, hier einen ehemaligen Torfstichgraben bis zum Rande
8 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
wieder auffüllend, dort über verborgenen Löchern eine trügerische
Decke webend. Schneeige Inseln von Eriophorum vaginatum sind
eingestreut; Vaccinium ozycoceus hebt sich leuchtend vom Moos-
polster ab und an den nassen Rändern der Torfstiche blüht Drosera
rotundifolia und Andromeda polifolia.
Auf dem Rücken der Torflager dehnen sich weithin die Felder
von Calluna vulgaris, im nordöstlichen Bezirk gemischt mit Beständen
von Vaccinium uliginosum und Viis Idaea.
Die abgetorften Stellen sind von Scirpus und Carex in Beschlag
genommen, unter letztern finden sich die selteneren Arten diosca, diandra,
pauciflora, stellulata, rostrata, filiformis (Binz: Flora von Basel).
Die makrophytische Flora der Torftümpel wird fast ausschließlich
durch die alles überwuchernden Torfmoose gebildet, Lemna minor
findet sich nur in seichten Lachen. Am Rande der Gräben stehen häufig
dichte und hohe Rasen von Polytrichum gracile.. An den mehr oder
weniger sumpfigen Rändern des Moores trifft man neben den gewöhn-
lichen Konstituenten der Sumpfflora auch Menyanthes trifoliata,
Pedieularis palustris, Stellaria uliginosa, Alchimilla alpestris, Epilobium
obscurum, Spiranthus autumnalis ete.
Der Baumbestand unseres Moores ist ein ziemlich reicher. Außer
den üppigen Erlen- und Weidengebüschen (Salix aurita, Salix repens
(Binz) der Moorränder und des mittleren abgetorften Gebietes sind
hervorzuheben die Birken und die Föhrengruppen. Betua alba und,
weniger häufig, Betula pubescens tragen zur Ergänzung des Moor-
bildes bei. In kleinen Gruppen steht Pinus montana in ihren beiden
Variationen uncinata und Pumilho auf der ursprünglicheren, nörd-
lichen Moorhälfte. Auch Picea excelsa dringt da und dort ziemlich weit
aufs Torfgebiet vor.
Dieser kurze Überblick möge genügen um das typische Vege-
tationsbild zu zeichnen. Sein borealer Charakter tritt deutlich hervor.
Erwähnt sei deshalb im Gegensatz hierzu zum Schluß noch
das Vorhandensein eingesprengter xerothermer Elemente der
Pflanzenwelt, wie das der seltenen Formen Scutellaria minor und Ana-
gallıs tenella, deren Vorkommen ein Licht auf die vorn kurz ge-
schilderten klimatischen Verhältnisse wirft. Letztere Art erklärt
Binz (l) zwar eher als eine typisch mediterrane Form.
Die Ausbeutung der Torflager wurde einst in größerem Maßstabe
maschinell betrieben; vier Torfhütten sind über das Moorgebiet zerstreut.
In den letzten Jahren jedoch hat sie gänzlich aufgehört, die Schürf-
Maschinen sind demontiert oder stehen im Rost da. Nur ein unbe-
deutender manueller Abbau für den bäuerlichen Hausgebrauch wird
etwa geübt und im Herbst fallen die weiten Carezflächen als Streue
unter der Sense.
Geringe Ansätze zur Melioration sind am nördlichen Rande ge-
macht. Doch gewährt auch ohne die menschlichen Eingriffe das Hoch-
moor den Eindruck des allgemeinen Rückganges.
Die lange Schneebedeckung und das große Wasserbedürfnis der
Sphagnumdecke bringen dem Moor eine reichliche Bewässerung.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 9
Natürliche und künstlich geschaffene Wasseransammlungen sind
über das Gebiet zerstreut. Die natürlichen sind die sehr zahlreichen
„Sehlenken“ und „Kolken“: kleinere und größere Vertiefungen, ent-
standen durch das Emporwachsen der „Moosbulten“. Die wichtigeren
sind die künstlich geschaffenen: die Torfstiche, die als „Sphagnum-
tümpel“ und „Sphagnumweiher“ (S, s) bezeichneten vom
Moos vollständig ausgefüllten ehemaligen Torfgräben, zahlreiche
Bohrlöcher (E, F) und kleine Abzugsgräben, sodann die größeren
Tümpel am Moorrande („Randweiher“: A, B, „wüste Gülle“). Sie alle
führen nur atmosphaerisches Wasser. Des nähern soll auf ihre Ver-
hältnisse im ökologischen Kapitel eingetreten werden. Das „Heiden-
wuhr‘ durchschneidet den Torfbezirk nicht, sondern führt an dessen
Grenze vorüber, es empfängt die Abwässer der westlichen Moorhälfte
(„Torfbächlein“ im ökologischen Kapitel). Der Fischmattenweiher
(siehe ökologischer Teil) steht mit den Moorgewässern in keinem
direkten Zusammenhang (siehe Kartenskizze im Anhang).
Zusammenfassung: Das Jungholzer Torfmoor ist ein in 740 m
Höhe im Gneißgebiet des südlichen Schwarzwalds am südwestlichen
Rand der Hochterrasse zwischen Wehra- und Murgtal gelegenes Hoch-
moor.
Geologische Anzeichen glazial-lacustrischen Ursprungs sind im
Gebiet keine vorhanden
Trotz des starken Abbaus ist der charakteristische Vegetations-
verband erhalten.
Klimatisch ist das Gebiet ausgezeichnet durch starke Wechsel,
langen strengen Winter, große temporäre Überhitzung im Sommer.
B. Spezieller Teil.
I. Systematisches Verzeichnis der auf dem Hochmoor-
gebiet Jungholz konstatierten Arten.
In diese Liste wurden nur die eigenen Funde aufgenommen. Die
aus der Literatur mir bekannt gewordenen Arten, sowie die Fauna
des benachbarten Fischmattenweihers finden im Textteile Berück-
sichtigung.
I. Protozoa.
l. Rhizopoda.
1. Amoeba proteus Rösel 9. Difflugia lobostoma Leidy
2. Amoeba terricola Ehrbg. 10. Difflugia acuminata Ehrbg.
3. Amoeba striata Penard 11. Difflugia urceolata Carter
4. Amoeba vesiculata Penard 12. Centropyxis aculeata Stein
5. Pelomyxa palustris Greeff 13. Lecquereusia spiralis Ehrbg.
6. Difflugia pyriformis Perty 14. LecquereusiamodestaRhumbl.
7. D. p. var. lacustris Penard 15. Nebela collaris Leidy
8. D. p. var. bryophila Penard 16. Nebela bohemica Taranek
10 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
17. Arcella vulgaris Ehrbg. 20. Cyphoderia ampulla Ehrbg.
18. Arcella mitrata Leidy 21. Assulina seminulum Ehrbg.
19. Arcella discoides Ehrbg. 22. Amphitrema flavum Archer.
2. Infusoria.
1. Lacrimaria olor O.F.M. 7. Vorticella campanula Ehrbg.
2. Paramaecium spec. 8. Carchesium spec.
3. Spirostomum ambiguum Ehrbg. 9. Epistylis spec.
4. Stentor coeruleus Ehrbg. 10. Rhabdostyla brevipes Cl. u.L.
5. Stentor niger Ehrbg. var. epinais Schlenker
6. Stichotrycha spec. 11. Sphaerophrya spec.
II. Vermes.
3. Turbellaria.
l. Mesostoma spec.
2. Dendrocoelum lacteum Oerst.
3. Polycelis nigra Ehrbg.
4. Nematodes.
l. Dorylaimus stagnalis Duj.
5. Oligochaeta.
1. Nais obtusa Gerv. 5. Tubifex tubifex Müll.
2. Nais pseudoobtusa Piguet 6. Marionina sphagnetorum Veid.
3. Ophidonais spec. 7. Lumbricillus spec.
4. Veidowskyella comata Veid.
6. Rotatoria.
1. Rotifer vulgaris Ehrbg. 5. Metopidia triptera Ehrbg.
2. Rotifer macrurus Ehrbg. 6. Brachionus urceolaris Ehrbg.
3. Polyarthra plathyptera Ehrbg. 7. Anuraea aculeata var. serrulata
4. Furcularia longiseta Ehrbg. 8. > gi var. valga.
III. Crustacea.
7. Ostracoda.
1. Candona candida O. F.M. 3. Cypria ophthalmica Jur.
2. Candona Studeri Kaufm. 4. Cyclocypris laevis OÖ. F.M.
8. Cladocera.
1. Daphnia pulex de Geer 5. Alonella nana Baird.
var. obtusa
2. Ceriodaphnia pulchella Sars 6. Peracantha truncata O. F.M.
3. Rhynchotalona rostrata Koch 7. Chydorus ovalıs Kurz
4. Alonella exeisa Fischer 8. Chydorus sphaericus O. F.M.
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von Jungholz im südlichen Schwarzwald.
11
9. Copepoda.
. Cyelops fuseus Jur.
. Cyelops albidus Jur.
. Cyelops Dybowskii Lande
. Cyelops vernalis Fischer
. Cyelops languidus Sars
. Cyelops erassieaudis Sars
7. Cyclops nanus Sars
8. Cyelops serrulatus Fischer
9, Cyelops serr. var. denticulata
Graeter
10. Cyclops prasinus Fischer
11. Cyelops fimbriatus Fischer
12. Canthocamptus staphylinus
Jur.
IV. Arachnoidea.
10. Araneae.
Centromerus expertus Cambr.
. Bathyphantes spec.
Walckenaera cuspidata Bl.
. Tapinocyba palleus Cl.
. Cieurina cicur Meng.
Tetragnatha extensa L.
. Clubiona trivialis C. L.K.
. Pisaura mirabilis Cl.
. Dolomedus fimbriatus L.
. Lycosa nemoralis West
11. Lycosa terricola Th.
. Lycosa leopardus Sund.
. Lycosa lucorum L.K.
. Lycosa ruricola de Geer
. Pardosa amentata Cl.
. Pardosa pullata Cl.
. Aelurillus insignitus Oliv.
ll. Acarvna.
Thyas venusta C. L: Koch
. Sperchon squamosus Kramer
. Neumania triangularis Piers.
. Neumania vernalis O. F. M.
. Neumania spinipes O. F.M.
6. Piona carnea Koch
7. Arrhenurus Bruzelii Koen.
8. Arrhenurus maculator O.F.M.
9. Arrhenurus Neumani Piers.
10. Arrhenurus Leuckarti Piers.
V. Myriopoda.
. Geophilus longicornis Leach
. Lithobius forficatus L.
. Lithobius glabratus ©. Koch
4. Lithobius nigrifrons Latz
5. Lithobius spec.
6. Chordeuma silvestre ©. Koch.
VI. Insecta.
13. Coleoptera.
a) aquatil.
. Haliplus ruficollis de Geer
. Haliplus ruf. var. Heydeni
Wenke
Hydroporus pictus F.
. Hydroporus palustris L.
. Hydroporus obseurus Strm.
. Hydroporus tristis Payk.
Hydroporus nigrita F.
8. Agabus bipustulatus L.
9. Agabus femoralis Payk.
. Agabus chalconatus Panz.
ll. Agabus paludosus F.
. Agabus congener Payk.
. Uybius fuliginosus F.
. Ilybius aenescens Thoms.
. Rhantus bistriatus Er.
12 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
16. Acilius sulcatus L.
17. Dytiscus marginalis L.
18. Gyrinus natator L.
19. Hydrobius fuscipes L.
20. Crenitis punctatostriata Letzn.
b) terrestrisch.
. Cieindela campestris L.
. Poecilus cupreus S-
. Feronia angustata Dfl.
. Bembidium quadripustulatum
Serv.
. Silpha quadripunctata L.
. Elater cupreus
. Elater balteatus L.
. Elater praeustus Fabr.
. Corymbites castaneus L.
SO In DL Pub
10. Cantharis rustica F.
ll. Cantharis rufa L.
12. Metallites atomarıus Olıv.
13. Plagiodera armoracia L.
14. Chrysomela fastuosa L.
15. Adimonia capreae L.
16. Galeruca Viburni Payk.
17. Luperus pinicola Dit.
14. Trichoptera.
. Neuronia rufierus Scop.
. Grammotaulius atomarius F.
. Limnophilus rhombiecus L.
. Limnophilus politus Me.L.
. Limnophilus griseus L.
aPrpumNm—
6. Limnophilus sparsus Crt.
7. Stenophylax spee.
8. Sericostoma spec.
9. Odondocerum albicorne
15. Planipennia.
1. Myrmeleon formicalynx Fabr.
2. Sialis fuliginosa Pict.
3. Panorpa montana Br.
16. Odonata.
. Calopterix virgo L.
. Lestes fuscus Vand.
Lestes virens Charp.
Lestes viridis Vaud.
Lestes dryas Kirby
Lestes sponsa Haus.
Enallagma eyathigerum Ch.
. Agrion puella L.
. Pyrrhosoma nymphula Sulz.
. Aeschna grandis L.
. Aesehna cyanea Müll.
=Spornuanpun-
fe fl
12. Anax imperator Leach
13. Somatochlora arctica Zett.
14. Cordulia aenea L.
15. Orthetrum coerulescens Fabr.
16. Libellula quadrimaculataFabr.
17. L. q. var. praenubila.
18. Libellula depressa L.
19. Sympetrum striolatum Ch.
20. Sympetrum flaveolum L.
21. Sympetrum danae, Sulz.
22. Leucorrhinia dubia Vaud.
17. Diptera.
1. Corethra plumicornis F.
2. Culex spec.
3. Phalacrocera replicata L.
4. Chironomus spec.
5. Tanypus spec.
6. Ceratopogon spec.
7. Tabanus spec.
OD —
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von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 13
18. Lepidoptera.
. Aporia cerataegi L. 8. Melitaea Cinxia L.
. Pieris brassicae L. 9. Erebia Stygne O.
. Colias palaeno F. var. 10. Coenonympha Tiphon Rott.
Europome Esp. var. Philoxenus Esp.
. Thecla Rubi L. 11. Plusia gamma L.
. Vanessa urticae L. 12. Anarta myrtilli L.
. Vanessa antiopa L. 13. Ematurga atomaria L.
. Melitaea Aurinaria Rott. 14. Lygris testata L.
19. Formicıdae.
. Camponotus herculeanus L. 6. Formica rufa L.
. Lasius niger L. 7. Formica pratensis de Geer
. Lasius alieno-brunneus Forel 8. Myrmica scabrinodis Nyl.
. Formica fusca i. sp. L. 9. Myrmica rugulosa Nyl.
. Formica fusca var. globaria Nyl.
VI. Molluseca.
1. Arion eircumseriptus Johnst.
2. Limnaea peregra Müll.
3. Pisidium ovatum (less.
VII. Vertebrata.
21. Amphibia.
. Triton alpestris Laur. 6. Rana fusca Rösel
. Triton palmatus Schn. 7. Bufo vulgaris Laur.
. Triton eristatus Laur. 8. Bufo calamita Laur.
. Triton lobatus Otth. 9. Hyla viridis Laur.
. Rana esculenta L.
22. Reptila.
. Lacerta vivipara Jacq. 4. Anguis fragilis L.
. Lacerta agilıs L. 5. Tropidonotus natrix L.
. Lacerta muralis Laur. 6. Coronella laevis Lacep.
21. Aves.
. Anas boschas L. 3. Alauda arvensis L.
. Acrocephalus spec. 4. Perdix perdix L.
24. Mammalia.
1. Lepus timidus L.
2. Cervus capreolus L.
14 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
II. Die aquatile Fauna.
Protozoa.
So arm die Hochmoorfauna dem nur die Oberfläche streifenden
Beobachter erscheint, so überreich wird sie für den, der hineindringt
in den nassen Teppich schwanker Moosrasen und in die verborgenen
Schichten mächtiger jahrhundertealter Torflager oder der sein Netz
hinabsenkt in die Tiefe schwarzer Tümpel und schlammerfüllter
Gräben. Da öffnet sich vor dem Forscher die Formenfülle der mikro-
skopischen Urtierwelt, ihm aussichtsvolle Spezialarbeit für Jahre
verheißend.
Alle Klassen der Protozoen sind in den Torfgewässern reichlich
vertreten; von jenen Formen, die an der Grenze stehen, wo sich die
Übergänge pflanzlicher und tierischer Organisation verwischen und
von wo es abwärts geht in die üppig gedeihende Welt der Proto-
phyten bis zu den in vielgestaltiger Fülle die freie Wasserfläche
und den Untergrund belebenden /nfusorien. Zahlreich sind die Formen
dieser Kleintierwelt, die man als spezifische Moorformen, nur den
Torfgewässern eigen, erkannt hat.
Vorliegende Arbeit bringt aus dem Gebiete der Protozoen nur
kleine Ausschnitte und gelegentliche Beobachtungen.
Flagellata.
Schilling hat in seine Arbeit über die Süßwasserperidineen
(45) die Jungholzer Moortümpel einbezogen und betont ihren großen
Reichtum an Flagellaten. Boten sie ihm doch folgende zwei neue
Arten:
Glenodinium uliginosum Schill.
@lenodinium neglectum Schill.
die er zusammen im Hochsommer in ungeheurer Individuenzahl
vorfand. Auch
Glenodinium pulvisculus Stein
führt er für Jungholz an. Für andere Arten fehlen besondere Fundorts-
angaben, doch stammen möglicherweise folgende auch aus Jungholz.
Gymnodinium Vorticella Stein.
Hemidinium nasutum Stein
Glenodinium ceinetum Ehrbg.
Peridinium tabulatum Cl. u. L.
Peridinium einetum Ehrbg.
Peridinium bipes Stein
Peridinium umbonatum Stein
Peridinium minimum Müll.
Ceratium cornutum C. u. L.
Die letzte Art beobachtete ich selbst öfters im Randweiher A,
bis in den Dezember hinein, gemeinsam mit Spirostomum ambiguum.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 15
Eine fast gleichlautende Liste wie obige bringt Schlenker (18)
für seine Moore im nördlichen Schwarzwald. @lenodinium uliginosum
Schill. betrachtet Schlenker als ausgesprochene Moorform.
Infusoria.
Infusorien finden sich im Moore in besonders reicher Entfaltung
in den Torfstichen. Ich verzeichne folgende gelegentliche Beobachtungen.
In dem torfigen Wasser der Stiche tummeln sich besonders reichlich
verschiedene Arten der Gattung Paramaecium, viele erfüllt von leuchtend
grünen Zooxanthellen.
Im losen Torfschlamm leben zahlreiche Formen: Lacrimaria olor
O. F. M., Stichotrycha spec. und Vorticella campanula Ehrbg. Der
Randweiher A ist zu verschiedenen Zeiten des Jahres erfüllt von
Spirostomum ambiguum Ehrbg., das hier die Größe von 3 mm erreicht.
In besonders starker Entwicklung traf ich die Art Anfangs Dezember.
Sie existiert auch in Wasserlachen auf Grasgebiet, in stark humösem
Wasser fand ich sie jedoch nie. Schlenker (18) bezeichnet sie
in seiner großen Infusorienliste teilweise als Moorform. Ebenfalls
die Randtümpel bevorzugt Stentor; Stentor coeruleus Ehrbg. findet
sich häufig in der „Wüsten Gülle“, auch in einzelnen Kolken; ein
kleines Wasserloch am Moorrande war im August erfüllt vom dichten
Gewimmel ungeheurer Scharen von Stentor niger Ehrbg. Als Epizoen
sind besonders häufig Carchesium- und Epistylis-Arten auf Copepoden
etc. O'yclops fimbriatus war im Furkalwinkel regelmäßig besetzt mit
kleinen Kolonien der stiellosen Suctorie Sphaerophrya und auf den
Borstenspitzen von Nais pseudoobtusa sah ich mehrmals Rhabdostyla
brevipes, welcher Form deshalb auch Schlenker den Varietät-
namen epinais gegeben hat.
Rhizopoda.
Die Wurzelfüßer des Sphagnums von Jungholz haben vor kurzem
durch F. Heinis (39) ihre Bearbeitung erfahren. Ich beschränkte
mich deshalb in meiner Rhizopodensuche von vornherein ganz auf den
Torfstich und die Randweiher. Da ich aber auch von diesen Tümpeln
nur eine beschränkte Anzahl nach diesen Formen absuchte, ist meine
Liste eine kleine und sicher noch leicht zu vermehren. Sie gewährt
immerhin einen Überblick über die hauptsächlich vertretenen Gruppen
und ihre Verteilung auf die verschiedenen Typen von Gewässern und
bietet interessante Parallelen zu den Heinis’schen Resultaten.
Meine Liste umfaßt folgende 22 Arten:
*Amoeba proteus *Difflugia pyriformis
*Amoeba terricola *Difflugia pyrif. var. lacustris
*Amoeba striata * r » „» bryophila
Amoeba vesiculata *Difflugia acuminata
Pelomyxa palustris Difflugia urceolata
16 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Difflugia lobostoma
*Centropyxis aculeata
*Lecquereusia spiralis
Leequerensia modesta.
*Nebela collaris
*Arcella vulgaris
Arcella discoides
Arcella mitrata
Cyphoderia ampulla
*Assulina seminulum
Nebela bohemica *Amphitrema flavum.
Die mit * versehenen Arten sind von Heinis auch für das
Sphagnum aufgestellt worden. Außer diesen umfaßt seine Liste
noch folgende Namen:
Corycia flava Heleopera rosea
Pseudochlamys patella Arcella artocrea
Difflugia lucida Arcella arenaria
Difflugia globulosa Phryganella haemisphaerica
Centropyxis aculeata var. discoides Euglypha alveolata
Centropyxis laevigata Euglypha ciliata
Nebela minor Euglypha strigosa
Nebela lageniformis Euglypha laevis
Nebela bursella Assulina muscorum
Nebela flabellulum Sphenoderia dentata
Quadrula symmetrica Trinema enchelys
Heleopera petricola Corythion dubium.
Im ganzen zählt also Heinis’ Verzeichnis 5l Arten (d.h. zwei
Drittel aller von ihm in Moosen konstatierten); meine eigene Liste
bringt 7 weitere Arten hinzu (da Heinis die Rhizopoden nach Pe-
nard bearbeitete, hat er Arcella mitrata zu Arcella vulgaris und
Nebela bohemica zu Nebela collaris gestellt), sodaß also die Artenzahl
der Wurzelfüßer für Jungholz einstweilen 58 beträgt. Die von Heinis
alssphagnophil bezeichneten Arten sollen im ökolog. Teil zitiert
werden.
Bemerkungen zu einzelnen Arten.
Amoeba terricola. Diese große, im Torfschlamm relativ häufige
Amoebe zeigte stets eine sehr dunkle graubraune Färbung, was wohl
auf die Einwirkung des sie umgebenden” humösen Mediums zurück-
zuführen ist. Cystenbildung wurde auch im Winter keine beobachtet.
Amoeba vesiculata. Eine Amöbe, die der unter diesem Namen
beschriebenen am besten entspricht, gehört ebenfalls dem Moorgebiete
an. Bei einer Länge von 82 zeigt sie in Bewegung zumeist eine
gestreckte Gestalt. Eigentliche Pseudopodien kommen nicht vor,
stets nur sehr kleine lappenförmige Plasmawülste am einen Körperende.
Die helle resistante Pellicula ist scharf abgegrenzt und zeigt bei der
Kontraktion des Tiers, die auf den leisesten Druck erfolgt, die typische
Furchung. Sehr schön erkennbar ist die große Zahl von Vakuolen
im Körperinhalt.
Pelomyxa palustris. Die beobachteten Formen überschritten
400 u nicht. Der ganz schmale Ektosarkrand erweitert sich bei
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. Y7
der Bewegung kaum. Diese Fig. 1 Fig. 2 Fig. 3
ist sehr träge, eine Gestalts-
veränderung dabei kaum zu
konstatieren. Der Leibesinhalt
ist erfüllt von gelbgrünlichen
Körperchen, hingegen ist die
für Amoeba terricola vermerkte
Braunfärbung hier nicht be-
obachtet.
Difflugia pyriformis var.
lacustris. Diese durch ihre
langgestreckte, weniger aus-
gebuchtete Schalenform aus-
gezeichnete Art kommt nicht (
nur im Sphagnum, sondern
überhaupt in den meisten
Jungholzer Tümpeln vor.
Difflugia acuminata. In
den Moosen fand Heinis
diese Art selten, in den Torf-
stichen und Randweihern ist
sie eine der häufigsten Difflu- BR Bes
gien. Sie tritt, wie aus den Figuren 1—5 ersichtlich, in ver-
schiedenen, vor allem durch Anwesenheit, Form und Größe der
Schalenspitze charakterisierten Varietäten auf. Die Figuren 4
und 5 repräsentieren Formen, die zu Difflugia acuminata gestellt
wurden, da eine eingehende Untersuchung nicht möglich war, weil nur
die leeren Schalen vorgefunden wurden. Typus 4 zeigte die mittlere
Größe und die Schalenkonstruktion der Difflugia acuminata, aber
eine schön gekrümmte Spitze. Besonders interessant ist die Form 5
aus dem Randweiher „Wüste Gülle“. Größe 210 «. Die in gewohnter
Art aus kleinen Sandsplittern zusammengesetzte Schale zeigte auf
halber Höhe starke seitliche Buckel, die nicht etwa nur durch zufällig
. größere Sandkörner zustande kamen, sondern regelrechte Erhöhungen
darstellten. Dazu kam eine zierliche Dreiteilung der Spitze in der
Form eines ‚„‚Turnierkrönleins“. Ob es sich bei diesen beiden Exemplaren
wirklich um Varietäten der Difflugia acuminata handelt, oder ob sie
der Difflugia curvicaulis zugehören, Typus 5 eventuell einer andern,
Ben Art, bleibe unentschieden. [Vergl. Penard (41) pag. 243,
ig. 3].
Difflugia urceolata. Ein typisches Exemplar mit sehr schön aus-
gebildetem, algenbesetztem „Kragen“ fand sich in einem Tümpel auf
abgetorftem Gebiet.
Difflugia lobostoma. Neben Difflugia acuminata wohl die
häufigste Art. Mittlere Größe 80 «. In die kugelige Schale sind stets
zahlreiche Diatom&enpanzer eingelagert. Neben den typischen Formen
tritt hin und wieder eine mit einem kleinen Kragenansatz auf.
(Difflugia limnetica ?)
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 3. Suppl. 2
18 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Lecquereusia modesta. Diese von Lecquereusia spirahs durch
einen ganz kurzen, ungebogenen Hals unterschiedene Art kommt
im Torfschlamm vor, jedoch nicht häufig.
Nebela bohemica. Neben der, in den äußeren Umrissen der
Schale variablen, im Sphagnum sehr häufigen Nebela collaris, tritt
auch diese als Moorform zu bezeichnende Art auf. Sie weist nicht
die Mundlappen der Nebela collaris auf, wohl aber einen kragen-
ähnlichen Saum.
Arcella vulgaris. In verschiedenen Varietäten tritt, wie auch
Arcella discoides, diese in Sphagnumtümpeln massenhafte Art, auch
in Torfstichen auf. An die Stelle der Formen mit der gewöhnlichen,
kalottenförmigen Schalenwölbung treten oft solche mit welliger Schalen-
struktur.
Arcella mitrata ist eine bisher hauptsächlich in Sphagnum-
mooren gefundene Art. Sie nähert sich dem Typus von Arcella costata
Ehrbg., ist aber gekennzeichnet durch niedrigere, weniger scharf
gekantete Form.
Cyphoderia ampulla. Möglicherweise handelte es sich bei diesen
prächtigen, großen Formen um die Varietät Cyphoderia ampulla
var. major Pen. Da die Bestimmung dieser Art während eines Aufent-
haltes im Moorgebiet, wo Messokular und Material zu Dauerpräparaten
fehlten, ausgeführt wurde, ist diese Vermutung noch nicht entschieden.
Die Verteilung der Rhizopodengattungen auf die einzelnen Gewässer
des Moores ist eine charakteristische und kann kurz folgendermaßen
zusammengefaßt werden: Die eigentlichen ‚„Moorformen“ beherbergen
die Sphagnumweiher und Kolken, der nackte Torfstich zeigt eine
geringere Rhizopodenfülle, vorwiegend unbeschalte Formen, während
ın den Randweihern die Testaceen, besonders die Difflugien überreich
vertreten sind. Des nähern soll auf diese Verteilung im ökologischen
Kapitel eingegangen werden.
Nach biologischen Gesichtspunkten lassen sich die Rhizopoden
des Gebiets etwa folgendermaßen einteilen:
1. Moosformen.
la. sphagnophile Moorformen.
2. Eurytherme Seichtwasserformen.
3. Stenotherme Tiefenformen.
1. In diese Gruppe gehören die das offene Wasser meidenden, in
verschiedenen Moosrasen (auch in Sphagneen) lebenden Gattungen.
Sie zählen in der Hauptsache zu den Gruppen mit rein aus chitinösen
en aufgebauten Schalen: „Nebela und Euglypha dominieren.“
(Heinis.)
la. Hierher sind die speziell für das Sphagnum charakte-
ristischen, den andern Moosen fehlenden, also als reine Moorformen
zu bezeichnenden Arten zu zählen. &
2. Weitaus die Mehrzahl der von mir in Torfstichen und andern
Torftümpeln gefundenen Arten zählen hierher. Es sind zumeist kosmo-
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 19
politische und vielfach auch ubiquistische Formen, die auch den Moosen
nicht fehlen; in den Seen bewohnen sie die, ähnliche Bedingungen
wie der Aufenthalt in Tümpel und Sumpf bietende Uferzone.
3. Sehr interessant ist die Feststellung von Formen im Moor-
gebiet, die sonst der Tiefenfauna subalpiner Seen angehören, die also
als stenotherme Kaltwassertiere anzusprechen sind. Die von Heinis
im Sphagnum, von mir in verschiedenartigen Moortümpeln auf-
gefundene Difflugia lacustris Penard ist die Vertreterin dieser Gruppe.
Falls die von mir unter Difflugia acuminata beschriebenen und ab-
gebildeten Arten (Fig. 4 und 5) der Difflugia curvicaulis Penard an-
gehören, sind sie auch in diese Gruppe zu stellen; das gleiche gilt für
Oyphoderia ampulla var. major. Da die Bedeutung dieser Funde vor
allem auf tiergeographischem Gebiet liegt, soll im betreffenden Kapitel
darauf zurückgekommen werden.
Rotatoria.
Über die Rotatorienfauna von Jungholz liegen 2 Nachweise vor.
Der erste stammt von Tern etz (66), der bei seiner, 1891 entstandenen
Arbeit auch das Jungholzer Gebiet berücksichtigt hat, unter
Ausschluß der Moosfauna.
Er gibt folgende Liste:
Philodina erythrophthalma Ehrbg.
Rotifer vulgaris Ehrbg.
Notommata lacinulata Ehrbg.
Furcularia longiseta Ehrbg.
Dinocharis tetractis Ehrbg.
Diaschiza semiaperta Gosse.
Monostyla cornuta Ehrbg.
Metopidia acuminata Ehrbg.
Notommata lacinulata erklärt Autor für gemein, Monostyla cornuta
für häufig und Furcularia longiseta für nicht selten. Andere irgend-
welche spez. faunistische oder biologische Bemerkungen über unser
Gebiet finden sich in der Arbeit nicht. (Siehe Bemerkung pag. 22.)
Den M oosrotatorien von Jungholz wandte Heinis (39) sein
Interesse zu. Er fand in den Moosrasen folgende 18 Arten (d.ı. fast
die Hälfte aller von ihm überhaupt gefundenen Moosrotatorien).
Philodina roseola Ehrbg. Callidina lata Bryce
Philodina eitrina Ehrbg. Callidina plieata Bryce
Philodina aculeata Ehrbg. Callidina papillosa Thomps.
Rotifer Roeperi Milne Callidina multispinosa Bryce
Rotifer vulgaris Ehrbg. Callidina symbiotica Gel.
Rotifer macrurus Ehrbg. Adineta vaga Dav.
Rotifer tardus Ehrbg. Diaschiza semiaperta Grosse
Callidina longirostris Ins. Diglena uneinata Milne
Callidina leitgebi Zelinka Anuraea spec.
2*
20 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Ich selbst habe die Rotatorien von Jungholz nicht zum Gegenstand
spez. Studiums gemacht; sondern nur gelegentliche Funde bestimmt und
verzeichne 7 Arten:
Rotifer vulgaris Ehrbg. Brachionus urceolaris Ehrbg.
Rotifer macrurus Ehrbg. Anuraea aculeata var. serrulata
Polyarthra plathyptera Ehrbg. Ehrbg.
Fureularia longiseta Ehrbg. Anuraea aculeata var. valga
Metopidia triptera Ehrbg.
Diese Formen stammen aus verschiedenen Wasseransammlungen
des Moores. Kotifer fehlt wohl in keinem Tümpel; Brachionus und
Furcularia bevorzugen die Sphagnumweiher und Gräben, Metopidia
und Polyarthra traf ich im Randweiher A häufig. Die gemeinste Art
unter den Jungholzrotatorien ist aber Anuraea serrulata Ehrbg. In
den meisten torfigen Tümpeln, die eine größere freie Wasserfläche
bieten, fand ich sie jahraus, jahrein in oft ungeheurer Menge.
Anuraea serrulata Ehrbg. kommt nach den neueren
Forschungen [siehe Weber (68) und Krätzschmar (6)] nicht
mehr der Charakter einer selbständigen Art zu, sondern nur noch der
einer Variationsform des Grundtypus Anuraea aculeata. Ich führe
sie dennoch hier unter ihrem alten Speziesnamen auf, denn Anuraea
serrulata wird von verschiedenen Forschern als eine speziell den
Sphagnummooren eigene Form bezeichnet, tritt uns also als sehr
lokalbeständig und dadurch charakterisiert entgegen; sodann war ihr
Formenkreis während des Jahreslaufs ein bisher in dieser Art nicht
beobachteter, monotoner, daß ich diese Eigentümlichkeit durch Hervor-
hebung des Variationsnamens kennzeichnen will.
Im Jahreseyclus herrscht die dornenlose serrulata - Form weitaus
vor. Der stark erenulierte Panzer ist hinten ziemlich rechtwinklig
abgeschnitten, die Hinterseite schwach konkav (Fig. 6). Dieser serrulata-
Typ wird nur während ganz kurzer Zeit des Jahres abgelöst, nicht voll-
ständig verdrängt, durch eine Form,
die als monospine valga-Varietät
zu bezeichnen ist (Fig. 7). Während
der vordere Teil der Lorica sich
nicht verändert, verschwinden die
vorspringenden Hinterecken, ein
schräger Hinterdorn tritt auf,
während die andere Ecke sich stark
abrundet in ähnlicher Weise, wie
dies Voigt (67) für seine Anuraea
aculeata var. cochlearis aus Plöner
Sphagnum darstellt.
Über das Auftreten der beiden
Formen möge folgende Übersicht unterrichten:
Januar: Y,m Schnee, 30—40 cm Eis; keine Anuraea zu kon-
statieren.
Fig. 6
Fig. 7
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 21
Ende Februar— Anfang März: schwache Eisdecke. Die monospine
valga-Form herrscht vor. Einzelne Individuen mit Ei.
Mai: Nur typische serrulata-Formen massenhaft. Viele mit einem Ei.
Juli: Nur serrulata-Formen; zahlreich, einzelne mit Ei.
August: Nur serrulata-Formen; die meisten mit Eiern.
September: Nur serrulata- Formen; maximale Ver-
tretung; teilweise mit Eiern.
Oktober: Nur serrulata-Formen, die meisten mit Eiern.
November: teilweise unter Eis; nur serrulata-Formen, keine
eiertragenden beobachtet.
Dezember: teilweise unter Eis; nur serrulata-Formen, einzelne
mit Ei.
Diese Beobachtungen stammen aus 3—4 Tümpeln, wovon jedoch
der eine, ein stark torfiger, mit flutendem Sphagnum durchsetzter
Randweiher fortwährend beobachtet wurde.
Nie konnte eine typische aculeata-Form mit 2 Hinterdornen
gefunden werden, nie eine heterospine valga-Form. Welche der beiden
vorhandenen Typen als die primäre Grundform angesehen werden
muß, scheint unklar. Das vollständige Fehlen zweidorniger Formen, die
Konstanz, mit der der dornenlose Typus als Sphagnumform auftritt
und das zeitlich starke Überwiegen derselben im Gebiet spricht für
serrulata; die Entwicklungsfolge jedoch, wiesie Krätzschmar (63)
feststellte, erkennt die dornenlose Form als sekundär. Damit stimmt
auch das Auftreten der valga-Form nach der kurzen Latenzzeit im
Januar.
Ob hier nur die Beobachtung, daß Tümpelformen im Allgemeinen
keine Variation zeigen, wirksam ist, oder ob wir es bei Anuraea serru-
lata vielleicht mit einer Form zu tun haben, die unter dem Einfluß
der eigenartigen Lebensbedingungen der Hochmoore ihre Variabilität
einschränkt, formkonstanter wird, und die in diesem Sinne vielleicht
doch als eigene Art angesehen werden darf? Der Frage über die mut-
maßlichen Gründe für die Variation kann ich nicht näher treten,
denn außer der Konstatierung von Sommereiern während des ganzen
Jahres liegen keine Beobachtungen über die Fortpflanzungsverhältnisse
vor (Dauereier wurden keine getroffen); auch wurden noch keine
Messungen ausgeführt, sodaß obige Daten nur einen kleinen Beitrag
zur Kenntnis des Variationskreises der Anuraea aculeata darstellen.
Überhaupt darf die Rotatorienliste für das Jungholzer Moor, wie
sie sich aus den vorliegenden Verzeichnissen zusammenstellen läßt,
gar nicht als vollständig gelten. Das zeigt schon die jeweiligeVermehrung
der Liste durch den nachfolgenden Beobachter, das zeigen auch Ver-
gleiche mit den größern Rotatorienlisten anderer Hochmoore [vide
z.B. Voigt (67) und Zacharias (31)]. Auffallend erscheint
mir die Tatsache, daß die Hälfte der 8 von Ternetz für Jungholz
nachgewiesenen Arten, darunter gerade diejenigen, die er als häufig
und gemein verzeichnet später nicht wieder beobachtet werden, und
daß er selbst die gemeinste, das ganze Jahr über sozusagen in keinem
22 Ot to Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Tümpel fehlende Gattung, Anuraea nicht fand. Es läßt mich dies die
Vermutung aussprechen, Ternetz’ Liste stamme nicht allein
aus den Hochmoortümpeln, sondern auch aus andern der
zahlreichen Wasseransammlungen des Jungholzer Plateaus.. Daß in
früheren Arbeiten der Begriff „Hochmoorgebiet von Jungholz‘“ leicht
zu weit gefaßt wurde, wurde ja schon in der Einleitung bemerkt, und
Ternetz selbst nennt unser Gebiet im Verzeichnis seiner unter-
suchten Lokalitäten nicht, sondern führt den Fundort ‚„Jungholz“
nur bei den betreffenden Arten auf.
Als interessante Erscheinung möchte ich zum Schluß die auf-
fallende Ähnlichkeit erwähnen, die meine Rotatorienliste mit derjenigen
zeigt, die Klausener (62) für die „Blutseen“ der Hochalpen fest-
gestellt hat. Seine typischen Formen sind: Anuraea aculeata formae
curvicaulis et valga, Brachionus wurceolaris, Polyarthra platyptera.
Sein Anuraea aculeata-Cyclus geht ebenfalls von einer Form ohne
Hinterdornen aus (A. curvicaulis) die durch A. valga (und zwar einen
monospinen und einen heterospinen Typus) abgelöst wird. Die Ahn-
lichkeit dieses Formenkreises mit dem von mir verzeichneten, wie
auch die der übrigen Arten fällt auf. Ohne den Einfluß der äußern
Lebensumstände, spez. der Temperaturverhältnisse auf die Bildung des
Formenkreises, deren Bedeutung ja noch durchaus strittig ist, näher
berühren zu wollen, sei nur die Tatsache erwähnt, daß die markantesten
physikalischen Bedingungen, unter denen das Leben jener ‚„Blutseen“
steht, auch für die Tümpel des Hochmoors gelten: langer Eisverschluß
in der kühlen Jahreszeit, starke Überhitzung im Sommer.
Oligochaeta.
Nais obtusa Gervais Tubifex tubifex Müll.
Nais pseudoobtusa Piguet Marionina sphagnetorum Veid.
Ophidonais spec. Lumbrieillus spec.
Veidowskyella comata Veid.
Während die freie Wasserfläche der Torfgewässer, wohl infolge
Mangels eines dichten Pflanzengewirrs, wenig Oligochaeten aufweist
finden sich am Boden, im Torfschlamm und im Gefilze der Sphagnum-
kolken verschiedene interessante und typische Formen.
Nars obtusa. In den Torfstichen häufig.
Nais pseudoobtusa. Diese bisher nur aus der Westschweiz von
verschiedenen Orten, auch aus Torfgewässern bekannte Art fand ich
im Juni und September in Torfstich und Torfgraben. Färbung
grünlichgelb. Dorsale Nadelborsten 2—3 pro Bündel, mit je einer
steifen Haarborste, die gut drei mal so lang ist wie die Nadelborsten
sind. An der Spitze sämtlicher Nadel- und Gabelborsten wurde bei
einigen Exemplaren die bei den Infusorien vermerkte Rhabdostyla
brevipes getroffen und zwar auf jeder Borstenspitze aufsitzend ein
Tier, was einen sehr grotesken Anblick darbot.
Ophidonais spec. In einem Sphagnumkolk traf ich ein Exemplar
dieser durch das Fehlen von Haarborsten in den Dorsalbündeln aus-
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 23
gezeichneten Gattung. Die Artzugehörigkeit ist unbestimmt; sämtliche
dorsalen Nadelborsten waren nicht gabelig, sondern einfach-spitzig,
ein Merkmal, das auf die vonMichaelsenundPiguetals etwas
fraglich bezeichnete Art Ophidonais Reckei Floerickes (53) aus Schlesien
hindeutet. Hingegen sind diese Borsten nicht gerade, sondern leicht
S-förmig geschweift. Länge 15 mm. Wahrscheinlich liegt hier eine
Varietät vor.
Veidowskyella comata. Diese Art wurde zu verschiedenen
Zeiten (März—Oktober) im Torfschlamm des Torfstiches C reichlich
gefunden. Länge des Einzeltieres ca. 6mm. Die Haarborsten der
dorsalen Büschel zeigen Abweichungen vom normalen Bild. Ihre
Zahl ist verschieden, meist um 6 herum, ihre Länge beträgt maximal
kaum mehr als das Doppelte des Körperdurchmessers.. An ver-
schiedenen Exemplaren beobachtete ich an einzelnen Borsten statt
des einzeiligen feinen Härchenbesatzes einen zweizeiligen, wieder andere
entbehrten überhaupt dieses Besatzes. Die Borsten dieser Art traf
ich einmal befallen von einem äußerst feinen filzigen Geflecht, wohl
Pilzfäden.
Tubifex tubifec bewohnt in außerordentlich großer Zahl die
ganz seichten Wasserlachen auf Torfboden, wo die kleinen Röhrchen
eng beieinander im losen Torfschlamm stecken; das ganze einem
Stoppelfelde en miniature vergleichbar.
Marionina sphagnetorum. Ich traf diese Art verschiedene
Male (September, Oktober, Dezember unter Eis) und zwar nicht in
den Sphagnumkolken, sondern in Torfstichen und Löchern. Länge
ca. 8mm. Hakenborsten je zu 3 in den Bündeln.
Lumbriecillus spec. In diese Gattung möchte ich einen über 20 mm
langen, dunkelrot gefärbten, unentwickelten Wurm stellen, mit typisch
geschweiften Lumbrieillus-Borsten, je 4 per Bündel. Ich fand das
Exemplar im August in einem Randgraben des Moors zwischen
Sphagnum.
In obiger Liste fehlen mehrere Formen, die von verschiedenen
Forschern in Torfmooren, teilweise als für diese typisch, nachgewiesen
wurden; so Slavina appendiculata, Pristina longiseta, Chaetogaster-
und Dero-Arten. Es ist wahrscheinlich, daß sich die eine und andere
dieser Arten noch wird finden lassen. Die feuchten Torflager habe ich
nicht speziell nach Borstenwürmern abgesucht. Möglicherweise wäre
auch hier noch einiges zu erbeuten. Bretscher (50) stellte in
Torierde 9 Arten fest, betont aber auch gleichzeitig das Fehlen be-
stimmter Gattungen, z.B. der Enchytraeiden. Bei dem häufigen
Durchsuchen der Torflager bin ich niemals auf Regenwürmer gestoßen;
sie scheinen im Torf wirklich zu fehlen.
Eine interessante biologische Erscheinung beobachtete Piguet
(57) an Nais communis und Pristina longiseta aus westschweizerischen
Hochmoortümpeln, nämlich das auffallende Fehlen der geschlecht-
lichen Fortpflanzung, Bretscher und andere Spezialisten, die
der Torffauna ihr Interesse zuwandten, verzeichnen keine ähnlichen
Beobachtungen, auch ich habe sie nicht konstatiert.
24 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Turbellaria.
Den großen Reichtum an Strudelwürmern, wie er von ver-
schiedenen Forschern für torfige und moorige Gewässer festgestellt
wurde, konnte ich nicht in gleichem Maße für die Jungholzer Tümpel
erkennen. Ich begegnete Turbellarien nicht oft. Am ehesten finden
sie sich in den kleinen Randgräben. Zwei gelegentlich gesammelte
Proben übergab ich zur Bestimmung Dr. P. Steinmann. Sie
enthielten Mesostoma-Arten, sowie 2 jugendliche Exemplare des
Dendrocoelum lacteum.
Der Strudelwurm Polycelis nigra kommt im Fischmattenweiher vor.
Heinis (39) fand im Sphagnum von Jungholz einmal das inter-
essante Rhabdocoel Prorhynchus sphyrocephalus von Graff. Fuhr-
mann erwähnt in seiner Monographie der Basler Turbellarien unser
Gebiet nicht.
Ostracoda.
Candona candida O.F.M. Cypria ophtalmica Jur.
Candona Studeri Kaufm. Cyelocypris laevis O.M.F.
Auch für unser Moor wollen wir die bestimmte Meinung Kauf-
manns (105), daß man bei ganz intensivem Nachforschen in jedem
Tümpel ein paar Ostracoden entdecken könne, gelten lassen, wenn
auch mit einiger Milderung. Da die obige Liste nur die Ausbeute
einer nicht speziell angestrengten Ostracodensuche ist, bleibt es nicht
ausgeschlossen, daß noch weitere Arten, namentlich aus den Weihern
und Gräben am Nordrande hinzukommen können. Im Torfschlamm
jedoch, auf dem Grunde der Torfstiche und Sphagnumtümpel, sind
sie sehr spärlich, nur zweimal bin ich ihnen dort in ganz wenigen
Exemplaren begegnet. Auch die überall sich wohl fühlende Cypria
ophtalmica geht nicht über den Randtümpel A, den sie beherrscht,
hinaus. Wiederum dürfen wir aber hier nicht etwa nur an Humus-
feindschaft denken, oder an die Wirkung des Kalkmangels, sondern
es werden hier ein Komplex das Vorkommen bestimmender Faktoren
(chemische und thermische Verhältnisse des Wassers, Untergrund,
Mangel an Wasserpflanzen etc.) in Wirkung treten, wenn wir nicht
einfach von Zufall sprechen wollen. In innerschweizerischen Hoch-
mooren traf ich Candona und Cypria auch im Torfschlamm oft in
gewaltigen Mengen und Sven Ekman (103) entdeckte in hoch-
nordischen Gebirgsmooren eine sehr zahlreiche, typische Ostracoden-
gesellschaft.
Candona candida findet sich in den das Moor umsäumenden
Gräben häufig.
Candona Studer. Diese von Kaufmann aus dem Bieler-
see beschriebene, von candida durch ihre bedeutendere Größe,
die Schalengestalt und die Form des Putzfußes unterschiedene Art,
fand cand. phil. R. Menzel unter meinem konservierten
Candonen-Material. Ich maß einige Schalen und erhielt im Mittel:
Länge 1,32 mm, Breite 0,75 mm. Das Basalglied des Putzfußes zeigt
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 35
den deutlichen Ausschnitt. Sven Ekman, der Candona Studeri-
Formen im hohen Norden fand, erklärt sie jedoch bloß als üppigere
Formen der Candona candıda.
Oypria ophthalmica. Diese ubiquistische Form ist in den drei
südwestlichen Randtümpeln heimisch, in riesigen Scharen bevölkert
sie den Tümpel A, den kühlsten und schattigsten der drei, während
Kaufmann ihr die Bevorzugung unbeschatteter Gewässer zuschreibt.
Hier konstatierte ich sie während des ganzen Jahres,! auch unter Eis.
Juvenile Formen, hyalin oder mit feinrissigen Schalen fast zu jeder
Zeit. Anfang September fand ich ein Weibchen mit 2 Dauereiern.
An einigen Exemplaren war ganz deutlich eine Crenulierung des
Vorderrandes der rechten Schale zu konstatieren. Es handelte sich
also offenbar hier um Vertreter der Untergattung Physocypria, wie
sie vonM üller (106) in Moortümpeln bei Hamburg gefunden wurden.
Eine buckelige Auftreibung der Schale war nicht vorhanden.
Oyelocypris laevis lebt mit Cypria ophthalmica zusammen,
aber nicht so zahlreich, wie jene Art. Ein einzelnes Exemplar fand
sich auch in einem kleinen Sphagnumkolk.
Cladocera.
In den Jahren 1894 und 1900 hat Stingelin (98, 99) auf
dem Hochplateau von Jungholz Cladocerenmaterial gesammelt. Er
verzeichnet aus den ‚„Wasseransammlungen der Torfmoore‘“ (1894)
folgende Arten:
Ceriodaphnia pulchella Sars
Bosmina cornuta Jur.
Streblocerus serricaudatus Fischer
Alona guttata Sars
Pleuroxus nanus Baird.
Pleuroxus exeisus Fischer
Chydorus sphaericus O. F.M.
Chydorus ovalis Kurz.
In einem zweiten Beitrag (Material von 1900 und 1901) fügt er
weiter als neu hinzu aus den ‚„Torftümpeln im Jungholz“:
Daphnia longispina OÖ. F.M. prope var. typica Lillj.
D. long. var. litoralis Sars
D. long. var. cucullata Sars f. Kahlbergensis Schoed.
Acroperus harpae Baird.
Alona rectangula Sars.
Scheffelt (79) hat diese Daten Stingelins in seine Arbeit
über die Copepoden und Cladoceren des südlichen Schwarzwalds
aufgenommen. Bei meinen sich streng an die Gewässer des Torf-
gebietes haltenden Untersuchungen konnte ich gut die Hälfte der
in den obigen zwei Listen enthaltenen Arten nicht finden. Diese
Tatsache erklärte mir eine schriftliche Mitteilung des Herrn
Dr. Stingelin, daß er im Jungholzer Hochplateau gesammelt
26 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
habe, ohne eine kritische Ausscheidung zwischen Torfgewässern
s. str. und den übrigen Tümpeln des engern Gebietes zu machen. $o
gebe ich denn hier meine nur aus den Gewässern des Hochmoors
stammende Liste.
Daphnia pulex de Geer var. obtusa
Ceriodaphnia pulchella Sars
Rhynchotalona rostrata Koch
Alonella excisa Fischer
Alonella nana Baird.
Peracantha truncata O. F.M.
Chydorus ovalis Kurz
Chydorus sphaericus O. F.M.
Ein Vergleich der Listen zeigt gleich, daß Stingelin bei seinen
ersten Fängen wirklich die Torfgewässer im engeren Sinne berück-
sichtigt hat, und daß wahrscheinlich nur die Bosmina und Alona
außerhalb der Hochmoorzone gefunden wurden. Für Streblocerus
serricaudatus lautet die Angabe: ‚in sumpfigen Torfgräben massenhaft.“
Ich habe vergeblich während zwei Jahren die Hochmoorgräben nach
dieser Art abgesucht und doch ist sie auch anderwärts besonders in
Torflöchern und Sphagnummooren heimisch. Die Annahme, daß sie
in den inzwischen verstrichenen mehr als 10 Jahren ganz oder temporär
aus der Jungholzer Fauna verschwunden, ist nicht von der Hand
zu weisen.
Die Funde der zweiten Stingelinschen Liste stammen
zweifelsohne sämtlich aus dem ganz nahe am Moor gelegenen Fisch-
mattenweiher, dort habe ich sie fast alle bei gelegentlichen
Kontroll-Fängen selbst konstatiert.
Meine Liste der Torigewässercladoceren enthält also fast lauter
häufige und weit verbreitete Arten. Im einzelnen ist zu den kon-
statierten Arten folgendes zu bemerken:
Daphnia pulex de Geer: Diese einzige Vertreterin der Gattung
Daphnia fand ich auf Hochmoorgebiet nur einmal: Am 8. Dezember
unter einer leichten Eisschicht in dem Randtümpel A. (Temperatur
2°C.) Der Fund war interessant: es handelte sich um ein Sommereier-
weibchen der Variation obtusa, mit niedrigem Kopf und ganz kurzem
Schalenstachel; Färbung des ganzen Körpers schön orange. Im Brut-
raum befanden sich ca. 20 wohl entwickelte Sommereier!
Ceriodaphnia pulchella kommt auf Moorgebiet ebenfalls wie
oben erwähnt nur im Tümpel A vor. Die Antennen sind stets
violett gefärbt, der Körper grünlich. Über ihr Auftreten verzeichne
ich folgendes: Die Art erscheint erstmals Ende Mai gemeinsam mit
Oyclops Dybowskii und pflanzt sich bis in den August hinein partheno-
genetisch fort. Ende August und Anfang September ist das Maximum
erreicht, und es erfolgt die Dauereibildung. Ende Oktober— Anfang
November erlischt die Art. Es tritt also nur eine Sexualperiode
ein. Von einem Saisonpolymorphismus während der kurzen Existenz-
dauer wurde nichts bemerkt.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. Ar
Mit diesen beiden Formen ist die Vertretung der Daphniden-
familie im Moorgebiet erschöpft, in den stark humösen Toristichen
finden sie sich überhaupt nicht. Die übrigen sechs Oladoceren gehören
der C'hydoridenfamilie an.
Rhynchotalona rostrata Diese Art wurde nur zweimal
getroffen; im Juli im Torfstich. Körper 0,5 mm, Farbe gelbbraun,
im Torfwasser grau erscheinend. Das Rostrum war auffallend lang
und rückwärts gebogen, bald spitziger, bald breiter; an jüngern Formen
war der Schnabel relativ länger als an ältern. Die Strichelung der
Schale zeigte sich sehr undeutlich, nur am dorsalen Rande gut erkennbar.
Über die Fortpflanzungsverhältnisse bin ich nicht unterrichtet;
Ende Juni konstatierte ich Weibehen mit stark entwickelten
Embryonen.
Alonella excisa bewohnt im Hochmoor ausschließlich die
Sphagnumtümpel und Kolken. Den obern Schalenrand sah ich
bei Weibchen nie stark bucklig, sondern eher flach; die Schale selbst
zeigt außer der Strichelung in den Feldern auch Punktierung. Die
Kerben am hintern untern Rand sind schwach. Die Männchen weisen
den großen Vorsprung auf der Bauchseite der Schale auf.
Beobachtet wurde die Art von Mai bis Anfang November. Inter-
essant, weil durchaus schwankend, sind die Verhältnisse der Fort-
pflanzungsperioden. In den größern Weihern, die nie austrocknen,
waren den Sommer über (Mai, Juni, September) Sommereierweibchen
zu finden, Männchen aber erst Ende Oktober, worauf die Art bald
verschwindet. Anders aber in den kleinen, im Hochsommer meist
austrocknenden Kolken: hier traf ich Dauereierweibchen schon am
21. Juni in großer Zahl. So hat hier die Art ihre Fortpflanzungs-
tätigkeit den zwingenden äußern Verhältnissen angepaßt. (Siehe
dieselbe Erscheinung bei Chydorus.) Bemerkenswert ist auch die
große Resistenzfähigkeit dieser Form. In einer stehen gebliebenen
Sphagnumwasserprobe, die schon sehr stark in Fäulnis übergegangen
war, tummelte sie sich munter herum.
Alonella nana. Diese kleinste Cladocere lebt im Boden-
schlamm verschiedener Moorgewässer, auch in Torfstichen, vom
Frühling bis zum Winter. Beobachtungen über ihre Fortpflanzungs-
verhältnisse wurden keine gemacht.
Peracantha truncata ist besonders häufig im schmutzigen
Randweiher „Wüste Gülle‘; ausser hier fand ich sie auch im Fisch-
mattenweiher. Ihre maximale Vertretung fällt in Mitte August. Die
ganze Schale ist nicht nur längs gerippt, sondern auch fein punktiert.
Pigmentfleck groß, viereckig, nicht viel kleiner als das Auge. Männchen
und Dauereierweibchen kamen mir nicht zu Gesicht, Weibchen mit
Embryonen Mitte Juni. Ein Exemplar zeigte zwischen den Eiern
eine Anzahl (Spongillen-?) Nadeln im Brutraum.
Chydorus ovalıs. Diese seltene Art ist im Gebiet ziemlich
gemein. Ich beobachtete sie hauptsächlich in Kolken und in dem die
nordwestliche Seite des Moors entwässernden, in das Heidenwuhr
mündenden Torfbächlein.
28 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Ohydorus ovalis ist größer als Chydorus sphaericus, bis zu 0,65 mm.
Schale schön hornbraun, ohne erkennbare Struktur; Schnabel lang
und spitz, gestreckt oder gebogen; Vorderfühler dick und kräftig,
erreichen nicht selten beinahe die Länge des Rostrums, tragen vorn
in der Mitte eine Borste und eine viel kleinere zwischen dieser und
dem Fühlerende. Auge ziemlich größer als der Pigmentfleck. Hinter-
körper meist mit 13 Zähnen. Die Art bewegt sich kriechend durch die
flutenden Sphagnumbüschel.
Parthenogenetische Fortpflanzung beobachtet schon von Ende
Februar an bis im September. Maximum Ende August. Mitte
September je zwei Dauereier in leeren Schalen. Unter Eis wurde
Chydorus ovalis nicht gefunden.
Chydorus sphaericus ist wohl die häufigste aquatile Tier-
form des Moors. Sie fehlt in keinem der Weiher, Tümpel und
Löcher, jahraus und jahrein. Die Größe der einzelnen Formen ist
sehr verschieden, es wurden solche von 0,32 mm—0,58 mm gemessen,
Dauereierweibchen 0,42—0,45 mm, Männchen 0,30—0,39 mm. Auch
die Farbe ist äußerst variabel, junge Exemplare sind nicht selten ganz
hyalin, im übrigen treffen wir alle Nuancen vom Hellgelb durch Horn-
braun bis zum schmutzigen Grau, letzteres namentlich in Torfstichen.
Sehr veränderlich sind auch Länge und Richtung des Schnabels und
die Wölbung der Rückenlinie. Das Männchen ist im allgemeinen
dunkler gefärbt, der untere Schalenrand weist die typische mediane
Ausbuchtung auf; die Vorderfühler sind sehr dick, überragen oft die
Schnabelspitze und tragen vorn oben eine Papille, in der Mitte zwei
starke Borsten, am Ende deren sieben. Hinterer Schalenwinkel spitz.
Abdomen lang und schlank. Die gemachten Beobachtungen über das
Vorkommen seien zur bessern Übersicht tabellarisch wiedergegeben:
Ende Februar bis Anfang März: Torfstich (7° C.), teilweise
eisfrei: Chydorus sph. nicht häufig, keine eiertragenden Q9.
Ende März: verschiedene Torfgräben: Sommereier 99.
20. April: Torfstich: starke Vertretung, Juvenile und 92 mit stark
entwickelten Embryonen.
12. M a i: Sphagnumtümpel: (20°C.). Dominiert in riesigen Schwärmen ;
junge und alte Formen. (Eine maximale Vertretung dieser
Art um diese Zeit konstatierten auch Thiebaud und
Favre in Hochmoortümpeln des Jura.)
26.M ai: Sphagnumweiher, 18°C. Zahlreich mit stark entwickelten
Embryonen. — Kolk: wie oben. — Torfstich C (18° C.): in
starker Vertretung, keine eiertragenden 99.
22. Juni: Torfstich C (230 C.): Maximale Vertretung. Sommereier 99.
— Kolken: d$ und Dauereier-QPQ neben Sommer-
eier-QQ.
Mitte bis Ende Juli: Kolken:: meist eingetrocknet! Torfstich : Sommer-
eier-Q9®. Randweiher: do.
Anfang August: Randweiher B: wenige Dauereier-?9. Torfstich
(22° C.) zahlreich, juvenile und erwachsene Formen. — Graben
am Moorrand: Dauereier-?%.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 99
Ende August: Sphagnumweiher (20° C.): einzelne, mit stark ent-
wickelten Embryonen.
Anfang September: Randweiher (13° C.): nicht viele, ohne Eier.
Sphagnumweiher (17°C.): keine eiertragenden 29. Torfstich C
(14° C.): Nur wenige. Die maximale Entwicklung des C’yclops
prasinus, der jetzt ganz C erfüllt, scheint O’hydorus verdrängt
zu haben. In einem nur 5 Schritte entfernten Torfloch
wimmelt es hinwieder von CUhydorus, während Ü©. prasinus
sozusagen fehlt! Ähnliche Vorkommnisse wurden von
verschiedenen Forschern beobachtet. (Lutz [97]).
Mitte bis Ende Oktober: Sphagnumtümpel (4° C.). Sehr starke
Vertretung $& und 29. Dauereier-?? vorherrschend, wenige
Jungfern-?Q. Randweiher (6° C.): wie oben. Torfstich
(6° C.): nieht sehr viele, Dauereier 2%.
November: Randweiher B (9° C.): wenige, ohne Eier.
Ende Dezember: Randweiher: Schnee, Eisschicht, wie oben.
In der Zeit der maximalen Vertretung decken sich also die einzelnen
Gewässer nicht. Ein Sphagnumtümpel zeigte 2 Maxima, im Mai und
im Oktober, während in den Torfstichen Juni und September im all-
gemeinen die stärkste Besetzung aufweisen. Doch variiert die Er-
scheinung von Tümpel zu Tümpel.
Zusammenfassung der Beobachtungen über die
Fortpflanzungsverhältnisse.
Parthenogenetische Fortpflanzung herrscht bei den Cladoceren
während des ganzen Jahres. Nur sie wurde beobachtet bei Peracantha
truncata, bei Ohydorus sphaericus verschiedener Torfstiche und des
Sphagnumweihers S. Von Daphnia pulex var. obtusa wurde unter
Eis ein Sommereierweibchen getroffen. Für die sexuelle Fortpflanzung
gilt als Regel für alle beobachteten Formen die Monocyclie. Cerio-
daphnia weist nur eine kurze Frequenzdauer (Juni—Oktober) auf,
Ephippienbildung erfolgt im September. Alonella excisa, Chydorus
ovalis und sphaericus zeigen Dauereibildung im September oder
Oktober. Diese Erscheinung ist für die verschiedenartigen Moor-
gewässer konstatiert. Wir begegnen also ähnlichen Verhältnissen wie
ım Norden und in den Alpen. Neben diesen regelmäßigen, eintönigen
Zustand der Herbstsexualperiode tritt nun aber als Ausnahme eine
frühere Vorsommer - Geschlechtsperiode.e Sie ist beobachtet bei
Alonella excisa und Chydorus sphaericus. Diese dieyclische Fort-
pflanzungserscheinung beschränkt sich auf die Formen, welche die
kleinsten, der Austrocknung anheimfallenden Wasseransammlungen
bewohnen.
So zeigt sich hier überaus klar die Zweckmäßigkeit der der kurzen
Frequenzzeit entsprechenden Fortpflanzungsverhältnisse und ihre
Anpassung an äußere die Art bedrohende physische Faktoren.
30 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Copepoda.
Albert Graeter hat in seiner Arbeit über die Copepoden
der Umgebung von Basel (72) für unsere Torfgewässer aufgeführt:
Cyclops prasinus Fischer
Cycelops vernalis Fischer
Cyslops languidus Sars
Cyclops diaphanus nov. var. diaphanoides A. Graeter.
Ich bestätige die Praesenz dieser Arten (über die Identität des
Ö. diaphanoides siehe unten) und füge ihnen ferner bei:
Cyclops serrulatus Fischer
Cyclops serrulatus var. denticulata A. Graeter
Cyclops fuscus Jur.
Cyelops albidus Jur.
Cyclops fimbriatus Fischer
Cyelops Dybowskii Lande
Cyclops erassicaudis Sars
Canthocamptus staphylinus Jur.
Cyelops nanus Sars = C. diaphanoides A. Graeter.
Die Copepodenfauna unserer Hochmoorgewässer setzt sich also
aus 12 Arten zusammen.
Die Fauna der luftfeuchten Moospolster habe ich nicht unter-
sucht; F. Heinis fand darin Moraria muscicola Richters.
Oyclops fuscus Diese Art hat ihre Hauptvertretung im
außerhalb des Moors gelegenen Fischmattenweiher, findet sich aber
auch im Randweiher ‚„wüste Gülle“, hier seine sonstige Vorliebe für
klare Gewässer verleugnend. In diesem Tümpel hält er sich an das
Ufer, wo er zwischen dem ins Wasser hängenden Gestrüpp sehr häufig
ist, nur wenig aber in die freie Wasserfläche hinausgeht, wo in
riesigen Scharen Corethra plumicornis dominiert. Cyclops fuscus ist
in diesem Tümpel eurytherm, seine Hauptzeit ist der Hochsommer,
wenn der Tümpel 20 °C. weist und darüber. In die Torfstiche geht
er nur vereinzelt hinein. Über sein Vorkommen seien für die ‚„wüste
Gülle“ einige Daten verzeichnet:
3. März: (Eisschicht): Q2 mit Eiballen.
20. April: (14° C.): 22 wenige mit Eiballen.
Ende Juni: (20°C.): $& und 99 sehr zahlreich.
September: (7° C.): 2? ohne Eiballen.
Dezember: (Eis): wenige 29, ohne Eiballen.
Über sein abweichendes Verhalten im Fischmattenweiher siehe
Kapitel C II. Auffallend ist also sein Verharren im schmutzigen
Tümpel während der heißesten Jahreszeit.
Oyclops albidus. In den Moorrandtümpeln nur hie und da
vereinzelt.
Cyclops prasinus tritt im Moor als die typische Art der
Torfstiche auf, gleichsam den hier fehlenden, ihm in Körperbau und
Lebensweise so ähnlichen CO'yclops fuscus vertretend.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 31
Betrachten wir seine Periodizität in einem bestimmten Tümpel,
dem großen Torfstich C, wo er die herrschende Form repräsentiert.
Ich wähle das Jahr 1909/10 mit seinen überaus milden Temperatur-
verhältnissen.
8. März: (ganz eisfrei, 8°): wenige 99, nur einige mit Eiballen, Cyel.
serrulatus beherrscht den Tümpel.
20. April: (16°): Anzahl hat sich vergrößert, wenige 22 tragen
Eiballen. Cyel. serrulatus dominiert noch.
12. Mai: (19°) wie oben. Die Vertretung hat die Stärke der von
©. serrulatus noch nicht erreicht.
Mitte Juni: (18—25°) CO. prasinus überwiegt; SS und 22 reichlich.
Juli-August: (Maximale Temperatur 26,50.) Beherrscht in riesiger
Zahl den Torfstich. SS, 92 und Nauplien. Wenige serrulatus.
7. September: (14°) Im Abnehmen. $& und 99, diese meist
ohne Eiballen. Viele juvenile.
21. Oktober: (1°R.) Noch immer zahlreich. $S und 29.
Anfang November: (4%) Stark im Abnehmen P2 meist ohne
Eiballen.
31. Dezember: (6cm Eis.) Ganz wenige Q9.
31. Januar: (1/,m Schnee, darunter 20 cm dicke, weiche Eisschicht.)
Wenige 29. Einzelne mit Eiballen.
Mitte Februar: (Eis.) Wenige 2? unddd. Einzelne PP? mit riesigen
Eiballen, teilweise mit noch anklebenden Spermatophoren.
Im sehr viel strengeren Winter 1910/11 traf ich am 26. Januar
in einem mit Mühe freigelesten kleinen Loch keinen C'yclops. (30 cm
Schnee, 25—30 cm Eis, nur noch sehr geringe Wasserfläche!)
Cyclops prasinus, diese „stenotherme, wärmeliebende“, „aus-
gesprochen tropische‘ Form zeigt also in unserm Gebiete eine eigen-
artige, den Verhältnissen angepaßte Periodizität. Sie ist aus einer
dieyclischen zur perennierenden Art geworden, die zwar ihr Maximum
im Hochsommer hat, die sich aber unter günstigen Verhältnissen
auch nicht scheut, unter dicker Eisschicht in Fortpflanzung zu treten,
statt wie Wolf (85) dies annimmt, einem winterschlafähnlichen
Ruhestand zu verfallen. Diese Anpassung der wärmeliebenden Art
an tiefere Temperaturbedingungen zeigt auch deutlich sein Auf-
treten im schattigen und kühlen Randweiher A im November und
unter Eis, und ım Fischmattenweiher. Scehmeil hat ihn, wie
auch den wärmeliebenden ©. Dybowskii, in Höhlen konstatiert.
Kurz hingewiesen sei hier auch auf das schon in der Tabelle be-
rührte, vikarierende Verhalten von Cyclops prasinus und Üyclops
serrulatus und den Einfluß der Herrschaft von O'yclops prasinus auf
das Gedeihen der C'hydoriden (siehe pag. 29.)
Ähnlich wie im obigen Torfstich C ist sein Verhalten in andern,
kleinern Torfstichen.
Von Verfärbungserscheinungen, wie sie Wolf (85) im Herbst
und an Tieren aus stark insolierten Gewässern antraf, habe ich nichts
32 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
bemerkt, stets wiesen die Formen die typische dunkel lauchgrüne
Farbe auf.
Cyclops serrulatus. Diese ubiquistische und kosmopolitische
sehr resistenzfähige Art, tritt reichlich und zu allen Jahreszeiten auf.
Wiederum fehlt sie aber den Sphagnumtümpeln, ihre Schwimm-
tüchtigkeit dadurch dokumentierend.
Ich habe mich erst gegen Ende meiner Untersuchungszeit mit
eingehenderer Betrachtung dieser Art abgegeben, erhielt aber dennoch
einen deutlichen Eindruck ihrer großen Variabilität. Die Gesamt-
länge ist sehr schwankend, von 1,2 mm—1,8 mm. Die am häufigsten
beobachtete Abweichung ist die Verkürzung der ersten Antenne, die
zurückgeschlagen oft den Hinterrand des ersten Cephalothorax-
segmentes kaum überragt. Vereinigt mit dieser Antennenverkürzung
ist nicht selten eine Verlängerung der Furka, sodaß sich ein macrurus-
ähnlicher Typus herausbildet. Hingegen fehlt die wohlausgebildete
Säge nie; sie besteht oft aus sehr feinen Dornen und erstreckt sich
nicht nur über den ganzen Furkalrand, sondern noch hinaus auf die
äußerste Apikalborste. Auch die Färbung ist sehr unkonstant, neben
das Rostrot tritt nicht selten ein dunkelgrünlicher Ton. Cyelops
serrulatus ist perennierend, an keine Periodizität gebunden. Er ist
sozusagen in jedem Monat in Fortpflanzung anzutreffen, auch unter
dickem Eisverschluß. Im Torfstich C erreicht er ein Maximum im
Februar und März, während er in der übrigen Jahreszeit an Zahl
bedeutend zurücktritt, um Cyclops prasinus das Feld zu überlassen.
Cyclops serrulatus var. denticulata A. Graeter. Der Autor stellte
diese Bezeichnung auf für eine Abart, die sich von der Grundform
unterscheidet durch einen Dörnchensaum an Stelle der Rudermembran,
gleiche Dicke der drei Borsten des fünften Fußes und eine längere,
innerste Apikalborste. Farbe ein helles Gelbgrün. Die erste Antenne
reicht bis zum dritten Segment. Furka sehr lang.
Auch diese Varietät ist im Jungholz nicht selten; wurde jedoch
während des Winters nicht beobachte. Im Titisee wies sie
Scheffelt (79) nach.
Cyclops fimbriatus. Unter der sehr zahlreichen Gesellschaft
von O'yclops serrulatus, die sich Anfang März im eben eisfrei gewordenen
Torfstich C tummelte, fanden sich zwei Weibchen von COyclops fim-
briatus. Jedes trug nur einen Eiballen, einer mit acht, der andere mit
fünf Eiern. Im Furkalwinkel wiesen beide kleine Gruppen von
Acineten auf.
Dies sind die beiden einzigen Exemplare, die mir von dieser Art
überhaupt zu Gesicht kamen; weder fand sie sich merkwürdigerweise
späterhin im gleichen Torfstich wieder, noch sonst je in irgend einem
anderen der Moortümpel.
Cyclops Dybowskii verleugnet auch in unserm Gebiet seinen
wärmeliebenden Charakter nicht. Er tritt erst Mitte Juni auf,
interessanterweise aber nicht etwa in den bald erhitzten Torfstichen oder
Sphagnumtümpeln, sondern dort, wo es andauernd am kühlsten ist,
im Randtümpel A und im Fischmattenweiher. Dies wohl einzig aus
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 33
Gründen der Bewegungsfreiheit. Sein sexuelles Verhalten im ersteren
Tümpel ist bemerkenswert. Wolf (85) hat ihn als dieyelische Warm-
wasserform bezeichnet. Ich konnte nur einen einzigen Oyclus kon-
statieren. Die Form tritt je nach den Temperaturverhältnissen Mitte
bis Ende Juni auf, zeigt ein beständiges Anwachsen bis Ende Juli
und Anfang August, wo die dd sehr zahlreich sind; dann erfolgt wieder
Rückgang und Anfang September verschwindet sie wieder völlig,
von Üyclops prasinus abgelöst.
Während dieser also sein Vorkommen den extremen Temperatur-
verhältnissen des Hochmoors in positivem Sinne, durch weitgehende
Dehnung seiner Lebensgrenzen angepaßt hat, tritt uns bei C'yclops
Dybowskii das umgekehrte entgegen, ein Zusammendrängen der
Präsenzdauer auf ein Minimum von 21/;—3 Monaten; bedingt durch
sehr spätes Erscheinen (2 Monate später als in der Ebene) und Reduktion
der Sexualperiode auf einen einzigen Oyclus. O'yclops Dybowski muß
also auch für unser Gebiet als ein stenothermes Warmwassertier be-
zeichnet werden.
Cyclops vernalis. Fehlt nur den Sphagnumgräben und Kolken
mit wenig freier Wasserfläche. Hingegen lebt er in Fortpflanzung
begriffen in kleinsten, baldiger Austrocknung anheimgegebenen Regen-
wasserpfützen. Seine Resistenzfähigkeit muß eine sehr große sein.
Bei dieser Art ist die Färbung weniger variabel, meistens ein helles
Rostrot, die Eiballen dunkelspahngrün; nur vereinzelt wurde an
Exemplaren aus dem Torfstich © eine lebhaft grüne Färbung, ähnlich
derjenigen von prasinus, oder auch eine bräunlich-violette, gefunden.
Nicht selten waren Tiere mit 18 Antennengliedern. Am innern Furkal-
rand wiesen die meisten beobachteten Exemplare einen lichten Besatz
feinster Dörnchen auf, deren Anzahl (meistens um 6 herum) an den
beiden Seiten nicht gleich ist. Dieselbe Erscheinung stellte ich an
Exemplaren aus innerschweizerischen Mooren fest; in der Litteratur
finden sich hierüber keine Angaben. Cyclops vernalis ist sehr stark
von Parasiten befallen, hauptsächlich von Infusorienkolonien; was
mit der Vorliebe unseres O'yclops zusammenhängt, in den weichen
Torfschlamm einzudringen und sich dort halb kriechend, halb
schwimmend, zu bewegen.
Sein Auftreten ist im einzelnen Tümpel sehr unkonstant. In
nachfolgender Übersicht sind darum die Beobachtungen aus ver-
schiedenen Lokalitäten des Moors vereinigt.
31. Januar: TorfstichC (dieke Schnee- und Eisschicht): wenige 99
mit meist noch unvollständig gefüllten Eiballen.
Anfang März: Torfstich C (Eisdecke): Q? mit und ohne Eiballen.
20. April: Torfstiche C und e (16°): ?2 mit sehr großen Eiballen.
26. Mai: Torfstich © (18%): 92, weniger, mit Eiballen.
Randtümpel A: sehr viele juvenile unreife Formen mit
11 gliedrigen Antennen.
13. Juni: Torfstich: zahlreich, viele juvenile und Nauplien.
Randtümpel A (13°): zahlreiche 92.
Archiv für Naturgeschiohte
1911. 1. 3. Suppl, 3
34 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Torfstich C (220%): wenige 29, hauptsächlich im Torf-
schlamm.
Torfstich e (18°): sehr zahlreich.
Ende Juni bis Anfang August: Torfstich: 2? ohne Eiballen.
Ephemere Wasserpfützen: QP mit Eiballen, zahlreiche $4.
4. September: Torfstich © (12%): wenige 22 ohne Eiballen, 34.
Torftstich e: 22 mit Eiballen, ziemlich viele.
30. Oktober: Torfstich (20%): $& herrschen vor, wenige 99; viele
juvenile Formen mit 11 gliedrigen Antennen.
3. November: Randtümpel A (7,5%): 22 mit Eiballen.
Dezember: im Torfstich C und c kein Oyclops vernalis konstatiert.
Diese Übersicht zeigt sein Perennieren, seine Fortpflanzung auch
unter Eis, aber auch deutlich sein Überwiegen im Frühjahr. Inter-
essant sind die Gegensätze in der quantitativen Vertretung der Art
in den beiden ganz benachbarten Torfstichen C und c. Als Kalt-
wassertier aber ist Cyclops vernalis im Gebiet nicht zu bezeichnen.
Oyclops languidus. Die verborgene Lebensweise dieser Art
und ihrer Varietät nanus in den submersen Moosrasen und im üppigen
Sapropel der Torfstiche dokumentiert sich in ihrem verkümmerten
Körperbau, der Fähigkeit zu kriechen, der Farblosigkeit.
Von den an einer sehr großen Zahl von Exemplaren gemachten
Beobachtungen seien die folgenden erwähnt: Sch m eil(81) bezeichnet
als Größe des Tieres 0,86—1,lmm, Wolf (85) 0,63mm. Meine
Messungen ergaben ein Maximum von 1,02 mm, ein Minimum von
0,32 mm und einen Mittelwert von 0,91 mm (ohne Borsten). Das
Verhältnis von Cephalothorax zu Abdomen (ohne Borsten) ist 5: 3.
Die erste Antenne ist stets 16 gliedrig und überragt den Hinterrand
des ersten Cephalothoraxsegmentes sehr selten, erreicht ihn meistens
kaum. Die Cephalothoraxsegmente sind seitlich stark ausgebuchtet.
Die Schwimmfüße traf ich stets in der typischen Art, dreigliedrig,
ausgenommen das zweigliedrige erste Paar und der Innenast des zweiten
Paares. Durchgehende Zweigliedrigkeit an allen Füßen, wie sie Wolf
(86) erwähnt, ist mir nie begegnet. Das rudimentäre fünfte Fußpaar
ist stets zweigliedrig, und zwar zeigte dieses Organ eine weitgehende
Veränderlichkeit sowohl der Form der Glieder, als auch der Art der
Anhänge. In der Regel sind beide Glieder schlank (Fig. 8); das Basal-
glied, oft kegelförmig, neigt seine Spitze meist der seitlichen Aus-
buchtung des fünften Körpersegments zu, sodaß es oft den Anschein
hat, als träte die Borste aus dem Segmentrand heraus; dies namentlich
dann, wenn, was öfters eintritt, das Basalglied überhaupt sehr schwer
zu erkennen ist. Häufig aber sind die Glieder breit, das basale beinahe
viereckig, das zweite kürzer und gedrungen. Statt des Dorns und der
Borste traf ich einmal das zweite Glied bewehrt mit zwei gleich langen
Dornen (Fig. 9). Dieselbe Aberration begegnete mir an einem Weibchen
aus dem subalpinen Hochmoor Wagenmoos (siehe Anhang); beide
Male war es das linke Glied, welches diese Unregelmäßigkeit aufwies,
während das andere sich normal zeigte. Das Abdomen ist schmal;
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 35
die Furkaläste divergieren leicht. Ein feststehendes Merkmal ist
die Inserierung der Seitenborste am Beginn des untersten Drittels.
(Schauss [78] verzeichnet einen einzigen C'yclops languidus,
dessen Seitenborste in der Mitte des Furkalastes inseriert war;
offenbar war es ein C'yclops nanus.)
Fig. 8 Fig. 9
Die Längen der Apikalborsten betrugen in mittleren Zahlen von
außen nach innen: 0,03 mm, 0,18 mm, 0,30 mm, 0,023 mm. Die
innerste und äußerste sind also beinahe gleich lang; letztere ist hin-
gegen bedeutend dicker und reichlich behaart, erstere sehr fein und
dünn und unbehaart.
Ein wichtiges Arterkennungsmerkmal ist das Receptaculum
seminis. Seine Vielgestaltigkeit bei Cyclops langurdus, je nach der
Masse des Inhalts, ist bekannt (siehe Fig. 10, 11). Ganz absonderlich
sah das Receptaculum eines O'yclops languidus vom Hochmoor im
Eigental (am Pilatus) aus, das zur Vervollständigung auch hier erwähnt
sei (Fig. 12). Unter einer Samentasche von regulärer Form, prall mit
polyedrischen Spermazellen angefüllt, erstreckte sich bis ins folgende
Abdominalsegment hinein eine dunkle kompakte Samentraube, gleich-
sam eine Dependance des Receptaculums. (Siehe Schmeil (81),
Tafel III fig. 17.) Die Zahl der Eier in den Ballen beträgt bis 26, ge-
Zz*
36 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
wöhnlich aber weniger. Die Farbe des ganzen Tieres ist weiß, hin und
wieder gelblich, das rote Pigment des Auges ist bei vielen Exemplaren
nicht scharf ausgeprägt. W olf (85) hat bei seiner languidus-Varietät
Cyclops incertus aus Sphagnumtümpeln im württembergischen Schwarz-
wald den fast völligen Schwund des Augenpigments konstatiert.
Eine Tabelle über seine Periodizität aufzustellen, ist unnötig:
ich habe in jedem Monat, vom Januar bis Ende Dezember, unter
dicker Eisdecke und im bis über 30 ° ansteigenden Wasser der seichten
Sphagnumtümpel eiertragende Weibchen getroffen. Ein ununter-
brochenes Kommen und Gehen, sich drängende und durcheinander-
lebende Reihen von Generationen, ein Bild staunenerregender Frucht-
barkeit bietet uns dieser winzige Kruster. Immerhin ist im Hoch-
sommer (Juli, Anfang August) in den größern Tümpeln, in denen er
nicht wie in den Kolken überhaupt dem völligen Eintrocknen aus-
gesetzt ist, ein Schwächerwerden der Colonien deutlich zu kon-
statieren, dem im Spätherbst ein Maximum folgt. COyclops languidus
ist also im Gebiet der Typus der perennierenden, polycyclischen Art.
Oyclops nanus Sars syn. O'yclops diaphanoides A. Graeter. Unter
diesem Varietätsnamen beschrieb A. Graeter (72) einen Mikro-
cyclops aus den Jungholzer Toristichen und dem ebenfalls Hochmoor-
charakter zeigenden Nonnenmattweiher im südlichen Hochschwarzwald.
Scheffelt[79]acceptierte die Varietät und wies sie für einen weitern
Ort im Schwarzwald, (Schwärze bei Britzingen) nach. Ich habe der
Form als einem der häufigsten Jungholzer Copepoden besonderes
Interesse geschenkt. Wir haben in ihr den von Sars aufgestellten
C'yclops nanus vor uns, der neuerdings nur als eine Varietät von
languidus behandelt wird. Ich möchte ihn eher als selbständiges Glied
des Kümmerungsprozesses bezeichnen, in dem wir languidus begriffen
sahen.
Oyclops nanus ist konstant kleiner als languidus, im Mittel beträgt
seine Länge (ohne Borsten) 0,755 mm. Das Verhältnis von Cephalo-
thorax und Abdomen ist 4:3. Die ersten Antennen, stets 11 gliedrig,
erreichen den Hinterrand des ersten Cephalothoraxsegments nicht,
wie bei languidus; nur die Gliederzahl, nicht aber die relative Länge
der Antennen hat abgenommen. Sinneskolben konnte ich nicht fest-
stellen. Die Schwimmfüße sind wie diejenigen von languidus aus-
gebildet; Exemplare mit nur zweigliedrigen Füßen habe ich nicht
beobachtet.
Der Bau des rudimentären Fußes ist charakteristisch; er hat
Graeter dazu geführt, das Tier dem C'yclops diaphanus zuzuteilen.
In der Regel tritt uns auch hier wiederum das zweigliedrige Füßchen,
wie wir es bei languidus angetroffen, entgegen. Sehr oft aber auch
nimmt man das wahr, was Wolf (86) an seinen Formen aus dem
Buhlbachsee im nördlichen Schwarzwald beobachtet hat, daß nämlich
das Basalglied scheinbar verschwunden ist, aber bei scharfer Ein-
stellung unter dem Panzer gut nachgewiesen werden kann. In diesen
Fällen tritt das ein, worauf schon bei C'yclops languidus hingewiesen
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 37
wurde: die Seitenborste des Basalgliedes scheint dann aus dem Thorax-
segmentrande auszutreten.
Graeter (72) gibt in seiner Fig. 24 eine gute Abbildung des
deutlich zweigliedrigen Füßchens. Sehr schön läßt sich die Doppel-
gliedrigkeit jeweilen in der Seitenlage des Tieres erkennen.
Die Furka weist in ihrer Gesamtform gegenüber languidus keine
großen Abweichungen auf; ihre Länge erreicht oder überschreitet
diejenige der beiden letzten Abdomensegmente. Das Größenverhältnis
der apikalen Borsten ist, wie zahlreiche Messungen zeigten, durchwegs
dasselbe wie bei languidus, die Borstenlänge ist also bei nanus relativ
beträchtlicher. Die beiden mittleren werden ziemlich gespreitzt
getragen. Als konstantes Unterscheidungsmerkmal tritt sodann
wieder die Insertionsstelle der seitlichen Furkalborste auf; war sie
Fig. 16 Fig. 16
bei languidus stets zu Beginn des letzten Drittels, so finden wir sie bei
nanus immer genau in der Mitte. Dieses Merkmal ist so konstant,
daß man daran leicht juvenile Formen der beiden Arten auseinander
halten kann. Für das Receptaculum (Fig. 13—16) kann das bei lan-
quidus gesagte wiederholt werden: Die äußeren Umrisse sind, je nach
dem Grade der Füllung, variabel. Fig. 15 zeigt, wie die Maße des
Samens sich nach unten in eine schlauchartige Verlängerung ergossen
hat, sodaß eine dem Receptaculum von Cyelops gracilis ähnliche
Zeichnung entsteht. Fig. 16 bringt das Receptaculum von der Seite.
Das Geschlechtssegment ist oft bei juvenilen Formen kugelig auf-
getrieben. Die Eiballen enthielten nie mehr als 16 Eier. Die Farbe
des ganzen Tieres ist wiederum ein milchiges Weiß.
Die Bewegung ist, seinem Aufenthaltsort im Sphagnum gemäß,
kriechend, doch schwimmt er auch. Fassen wir die Unterscheidungs-
38 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
merkmale gegenüber languidus zusammen: 1. geringere Größe, 2. elf-
gliedrige Antennen, 3. mediane Inserierung des Furkalseitendorns,
4. geringere Eizahl. — Die Schwimmfüße, der rudimentäre Fuß und
die Gestalt des Receptaculums zeigen keine konstanten Verhältnisse.
Deutlich geht also aus obigem der Charakter des C'yclops nanus
als einer Reduktionsform von Cyclops languidus hervor. Auch im
Vorkommen stimmen die beiden Arten überein. Meistens trifft man
sie in den Sphagnumgewässern gemeinsam; oft beide gleichzeitig
zusammen in Fortpflanzung begriffen, oft beiderlei juvenile Exem-
plare durcheinander. Besonders reichliche Vertretung von 92 und dd
konstatierte ich am 8. März, während des ganzen Monats Mai, 20. Juni,
8. Dezember. Doch fehlt es in den Zwischenzeiten, auch unter Eis,
nicht an Sexualperioden. C'yclops nanus ist also ebenfalls perennierend
und polyeyclisch.
Erwähnenswert ist auch seine große Resistenzfähigkeit; in stark
faulendem Wasser gedeiht er fröhlich.
Oyclops languidus und nanus, zusammen mit O'yclops crassicaudıs
bieten ein neues Beispiel des engern gemeinschaftlichen Vorkommens
nahe verwandter Arten.
Hat sich somit das Aufgehen des C'yclops diaphanoides in C'yclops
namus ergeben, so bleibt dadurch dessen Stellung in der langwdus-
Gruppe, wie überhaupt die systematische Gliederung dieser ganzen
Gruppe noch schwankend. Die Merkmale, welche C'yclops languidus,
nanus, diaphanus trennen, verwischen sich, werden unkonstant, gehen
ineinander über: languidus-Formen mit 11 Antennengliedern, zwei-
gliedrigen Schwimmfüßen und undeutlich zweigliedrigem rudimentärem
Fuß, wie sie Wolf (85) verzeichnet, in welchen Hauptmerkmalen
unterscheiden sie sich noch von diaphanus? Im Receptaculum
vielleicht. Aber da betrachte man beispielsweise die Ungleichheit
der Abbildungen dieses Organs für O'yclops diaphanus bei Claus (69)
und beivan Douwe (71)! COyclops diaphanus Fischer ist das End-
glied des Reduktionsprozesses, dessen Phasen wir an den erwähnten
Schlammcopepoden verfolgen können. Öyclops languidus mit
16 gliedrigen Antennen und dreigliedrigen Füßen (Schmeil!) bildet
den Ausgangspunkt; es folgen sich als Kümmerungsvorgänge die Zwei-
gliedrigkeit des ersten und zweiten Beinpaares, die Verminderung
der Gesamtkörpergröße sowie der Antennengliederzahl auf 12 (C’yclops
crassicaudıs Sars) dann auf 11 (Oyclops nanus), die Reduktion des
rudimentären Fußes auf ein Glied, die vollständige Zweigliedrigkeit
der Schwimmfüße: C’yclops diaphanus. Spezielle äußere Verhältnisse
wirken noch auf weitere Organe: der Augenpigmentschwund bei
Uyclops incertus Wolf und C'yclops Zschokkei E. Graeter, welche beide
nanus sehr nahe stehen. Auch die Variabilität des Receptaculums
ist zu erwähnen. In diese Gruppe gehört wahrscheinlich auch der
mysteriöse Cyclops Olausii Heller. Üyclops gracilis und die andern
elfgliedrigen Formen stehen außerhalb dieser Reihe.
Oyclops crassicaudis. Diese, genetisch in die langwdus-Gruppe
gehörende Art, ist bis jetzt aus Deutschland noch wenig bekannt.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 39
VanDouvwe (70) fand sie im Bodenschlamm der Isar (vielleicht aus
den oberbayrischen Mooren zugeschwemmt?) und Wolf (85) hat sie
im Württembergischen Schwarzwald (Kniebis) in Moorgebiet nach-
gewiesen. Neben diese beiden süddeutschen Fundorte rückt nun
ferner Baden mit unserm Hochmoor. Cyclops crassicaudis (Van
Douwe hat von ihm im Zool. Anz. 03 eine Beschreibung gegeben)
zeigt in manchem seine Verwandtschaft mit langwidus: Größe, Färbung
und Bewegungsart; sodann in der Gestalt des rudimentären Fußes
und der Furkalbewehrung. Charakteristisch ist die Form des Recepta-
culums mit seinem stark lichtbrechenden, breiten Rande. An Einzel-
heiten über den Körperbau können den vorhandenen Beschreibungen
beigefügt werden: Die ersten Antennen sind sehr stark beborstet,
am neunten Glied eine Sinnesborste; sie ragen, zurückgeschlagen
wenig über das erste Segment hinaus; das fünfte Cephalothoraxsegment
ist seitlich in eine Spitze ausgezogen. Die Eier sind groß, weißlich,
meist 15—20 in einem Ballen. Die Furka erreicht die Länge der 2!/,
letzten Abdominalsegmente, wird stark gespreizt getragen, Insertion
des Seitendorns wie bei languidus im ersten Drittel, auch das Größen-
verhältnis des innersten zum äußersten Apikaldorn ist dasselbe wie
bei obiger Art. Mit ihr teilt er auch den Aufenthaltsort: die Sphagnum-
tümpel und Torfstiche; er verkriecht sich gerne im losen Schlamme,
schwimmt aber auch geschickt. Besonders bemerkenswert ist sein
stetiges Vorkommen in den oft nur eine minimale Wassermenge
bietenden, ephemeren Schneeschmelzlachen auf dem Torfboden
(ähnliche Fundorte in Schneegruben vermeldet Mräzek [76)).
Ich verzeichne folgende Funddaten:
Anfang Dezember (1909): Schmelzwasserlachen, ®2 ohne Ei-
ballen, nicht zahlreich.
Anfang Januar (1910): großes Loch auf abgegrabenem Torfgebiet
(3 cm Eis), sehr zahlreich, 22 mit Eiballen und anklebenden
Spermatophoren, dd.
Anfang März (1910): Schmelzwasserlachen, 22 ohne Eiballen.
EndeMärz (1910): Sphagnumweiher S$. in Gemeinschaft mit langurdus.
Zahlreiche 22 mit Eiballen.
Mitte Juni (1909): Torfstich (12°) wenige 92.
Mein Suchen nach der Art in den andern Monaten in denselben
Tümpeln blieb erfolglos. (van Douwe fand sein Material im Januar,
Wolf Ende September, und Mräzek März und Mai.) Ich nehme
deshalb an, daß wir es hier mit einer Kaltwasserform zu tun haben;
ihr Fortpflanzungsverhältnis scheint dieyelisch zu sein.
Meine Harpacticidenausbeute ist gering; intensives Nachsuchen -
speziell der Moosrasen dürfte noch weitere Arten zum Vorschein bringen.
Canthocamptus staphylinus. Als ein Kaltwasser-
tier ist diese Art im Sommer nur ausnahmsweise zu treffen.
Von Ende Oktober ab wird sie häufiger und persistiert meistens bis
zum April. Da zu verschiedenen nicht zu weit auseinanderliegenden
40 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Zeiten geschlechtsreife 2? getroffen wurden, bleibt es unentschieden,
ob er in den Sphagnumtümpeln des Moors nur einen, oder mehrere
Geschlechtseyelen vollendet.
Über seine Periodizität im Fischmattenweiher und über das Vor-
kommen von Canthocamptus microstaphylinus daselbst siehe Ka-
pitel CH.
Die Periodizität der Copepoden.
(Kurze Zusammenfassung der Resultate.)
Für diese kurze Übersicht wähle ich die Verhältnisse der Jahre
1909 und 1910. Der Winter war ungewöhnlich mild, die Eisbedeckung
der Tümpel weniger stark als andere Jahre. Diese äußeren günstigen
Umstände mögen im positiven Sinne auf die Vertretung der Arten
gewirkt haben, sodaß andere Jahre, wie ich dies tatsächlich an zwei
weitern Wintern beobachtete, die Präsenz der Arten in der kalten
Jahreszeit nicht so günstig ausfällt.
Dezember bis Februar: Alle Tümpel mit Eisdecke, zeitweise
Schneeschicht. Von den 12 Arten des Moors sind 8 zu treffen.
Davon sind die folgenden in voller Fortpflanzung begriffen:
Cyclops serrulatus im Torfstich C, Cyclops languidus und
Oyclops nanus im Sphagnumweiher S, Cyclops erassicaudis
im Torfloch F. (Cyclops albidus im Fischmattenweiher sei
hier nebenbei erwähnt.) Canthocamptus staphylinus in
Sphagnumtümpeln. Cyelops vernalis beginnt im Februar
einen Cyclus in C. Eiertragende Weibchen, hingegen nur
zerstreut auftretend, sind auch von Cyclops prasinus da,
erst gegen Ende Februar werden 22 und SZ dieser Art häufiger.
März: Sehr frühes Frühjahr. Nur noch wenig Schnee, Tümpel tags-
über zumeist offen. Außer C'yclops Dybowskii sind nun alle
Copepoden vorhanden und zwar zumeist in Fortpflanzung
begriffen.
M ai: Maximale gemessene Temperatur im Torfstich 18°C., in Sphagnum-
tümpeln 20°,
Cyclops languidus und Cyclops nanus haben ein Maximum
erreicht, sind die am meisten zu treffenden Copepoden.
Cyclops vernalis ist hauptsächlich durch juvenile Formen
des Winter-Cyclus vertreten.
Juni-Juli: Maximale Temperaturen: Torfstich 26,50C. Sphagnum:
0
Cyclops Dybowskii erscheint. Cyclops prasinus herrscht
in den Torfstichen vor. C'yclops vernalis beginnt einen neuen
Cyclus. — Cyclops languidus und nanus gehen zurück. Cyclops
crassicaudis Mitte Juni letztmals konstatiert.
August bis Anfang September: Cyclops fuscus hat in der
„wüsten Gülle“ sein Maximum.
Cyclops prasinus nimmt langsam an Zahl ab. Cyclops
vernalis häufig. Cyclops serrulatus allenthalben häufig.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 41
Ende September bis Oktober: Minimale Temperaturen:
Torfstich und Sphagnumtümpel: 1,5 °C.
Cyclops Dybowskii verschwindet. Cyclops prasinus
stark im Abnehmen. Cyclops vernalis neuer Cyclus. Cycelops
languidus und Cyclops nanus in Zunahme und reger Fort-
pflanzung.
November: Temporäre Eisbedeckung. Cyclops langwidus und
nanus herrschen vor. Canthocamptus staphylinus häufig.
Cyclops vernalis ziemlich zahlreich, Oyclops prasinus ver-
einzelte reife 99.
Die Untersuchungen ergaben also: die meisten Jungholzer Cope-
poden perennieren und pflanzen sich polycyelisch fort. Außer Cantho-
camptus staphylinus und vielleicht C’yclops crassicaudis fehlen typische
stenotherme Kaltwassertiere. Schwach stenotherme Formen halten
sich an den kühlen großen Fischmattenweiher (Oyelops albidus) oder
neigen zur Eurythermie (Oyclops vernalis, C’yclops fuscus.) Warm-
wassertiere passen siva an, werden eurytherm, perennieren poly-
cyclisch (Cyclops prasinus) oder beschränken sich auf einen einzigen
kurzen Cyelus (O'yclops Dybowskit). Andere Arten sind im Auftreten
unkonstant (C'yclops fimbriatus) oder zeigen keinerlei geregelte Perio-
dizität (C’yclops serrulatus). Die häufigsten Hochmoorcopepoden sind
Oyelops languidus, nanus, prasinus und serrulatus.
Hydrachnida.
Die Torfgräben, Tümpel und Weiher des Jungholzer Moorgebietes
hat C. Walter (118) nach Wassermilben abgesucht, fand aber, daß
sie alle, im Gegensatz zum Heidenwuhr, zum Fischmattenweiher und
andern Gewässern der Nachbarschaft, äußerst arm an diesen Tieren
seien. Er stellte nur Neumania vernalis Koch für die „wüste Gülle“
fest; konnte also die allgemeine Ansicht der Acarinologen, daß Mılben
in Torfmooren etwas seltenes seien, bestätigen.
Es war zu erwarten, daß eine fortgesetzte genauere Durchsuchung
der fraglichen Gewässer noch die eine und andere Form zu Tage fördern
würde. Ich habe denn in der Tat in den verschiedenen Lokalitäten
des Hochmoors mit der Zeit folgende 10 Arten gefunden:
Thyas venusta C. L. Koch
Sperchon squamosus Kramer
Neumania triangularis Piers.
Neumania vernalis O. F.M.
Neumania spinipes O. F.M.
Piona carnea Koch
Arrhenurus Bruzelii Koen.
Arrhenurus maculator O.F.M.
Arrhenurus Neumani Piers.
Arrhenurus Leuckarti Piers.
Nach Walter besitzt jede Kategorie von Gewässern eine aus
spezifischen Formen zusammengesetzte Milbenfauna. Im allgemeinen
43 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
ud
weist unsere Liste den Charakter der gewöhulichen, weit verbreiteten
resistenten Tümpelfauna auf, freilich mit unvermuteten, eingesprengten
Formen wie Sperchon squamosus und Thyas venusta. Die Eigen-
tümlichkeit der Torfgewässer zeigt sich also nicht in der Existenz
spezifischer Moormilben, sondern in ihrer Milbenarmut. Daß es sich
im speziellen Falle der Hydrachnıden um Flucht vor humussäurereichem
Wasser handelt, zeigt die Tatsache, daß von obigen 10 Arten nur 2—3
aus den Torfstichen stammen, die übrigen aus Randweihern, Abfluß-
gräben ete., noch deutlicher aber geht dies hervor aus einem Vergleich
mit der reichlichen Liste Walters aus dem nahen Fischmatten-
weiher; oder aus einem Vergleich der anderthalb Dutzend Arten, die
Walter im Heidenwuhrbach fand und den paar wenigen, die mir
das ins Heidenwuhr mündende Torfbächlein lieferte.
Daß nicht allein der Humussäuregehalt, sondern auch die extremen
thermischen Verhältnisse unserer Gewässer in der Vertretung der
Milben eine Rolle spielen, kommt im starken Überwiegen der resistenten,
gepanzerten Arrhenurus- und der zur Derbhäutigkeit neigenden Neu-
mania-Arten zum Ausdruck. (Diese sind es auch hauptsächlich, die
ich in innerschweizerischen Hochmooren fand; siehe Anhang.)
Das torfige Abflußbächlein am Südwestrand, von
Sphagnum und andern Moosen durchflutet, lieferte nahe bei seiner
Mündung ins Heidenwuhr:
23. Juli: Arrhenurus neumanv
3. Sept.: Arrhenurus Bruzelü 2 2.
7. Sept.: Arrhenurus Leuckarti 1 8.
8. Dezb. (Eis) Thyas venusta.
In Torflöchern fanden sich:
28. April: Neumania triangularis
1. Aug.: Arrhenurus spec. Nymphe
3. Aug.: Arrhenurus Neumani.
Im Randweiher ‚„wüste Gülle“ wurden erbeutet:
17. Juni: Arrhenurus spec. Nymphen
30. Juli: Piona carnea. Nymphe
7. Sept.: Neumania spinipes 9.
31. Okt.: Neumania vernals.
Der in der Nähe der „‚wüsten Gülle“ gelegene seichte „rote Graben“
ergab in wenig Wasser:
3. Aug.: Arrhenurus maculator
Sperchon squamosus 2 9.
Die meisten Formen lieferte also der Sommer; unter Eis, im Moos
des schwach bewegten Bächleins wurde nur die eine Thyas venusta
gefunden, die wohl vom Heidenwuhr her eingedrungen ist.
Alle Arten wiesen keine morphologischen Eigentümlichkeiten auf,
geben also zu systematischen Bemerkungen keinen Anlaß. Besondere
Hervorhebung verdient jedoch der Fund der zwei Exemplare von
Sperchon squamosus, einer typischen Kaltwasserbachform, nicht etwa
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 43
im oben erwähnten Bächlein, sondern im schmutzigen, stagnierenden
Moosgräblein (14°) ohne Abfluß. Walter hatte diese Art im Gebiet
nirgends gefunden; wohl Sperchon montanus im Quellgebiet des Heiden-
wuhrbaches. Dieses Auftreten typischer Bachbewohner in den seichten,
erhitzten Moortümpeln fiel mir nicht nur dieses eine Mal auf (siehe
Trichoptera), sodaß man versucht ist, zumal es sich in den Fällen nicht
nur um ein einziges Exemplar handelt, nicht an ein Produkt zufälliger
en Verschleppung, sondern an eine wirkliche Anpassung zu
enken.
Araneae.
Bei meiner Spinnensuche beschränkte ich mich auf die nähere
Umgebung des Wassers und namentlich auf die Torflager. Ich habe
also dem übrigen Gebiet, der Vegetation des Moores nur ganz ge-
legentliche Aufmerksamkeit geschenkt. An dieser Stelle, wo die
aquatile Fauna berücksichtigt werden soll, seien nur diejenigen Formen
berührt, denen das Wasser, wenn auch nicht spezifisches, so doch
sekundäres Lebenselement ist. Die einzige ausschließlich aquatile
Spinne, Argyroneta aquatica Clerek. fehlt im Moor. Der Mangel
an größeren Gräben mit reichlicher Vegetation wird die Ursache sein,
denn sie meidet sonst moorige Gewässer nicht. Müller und
Schenkel (115) zitieren die Wasserspinne auch nur aus dem Sumpf-
gebiet der Rheinebene nördlich von Basel. Sehr häufig im Moor ist
hingegen die schöne Dolomedes fimbriatus L. Sie hält sich meist an
den Rändern der Sphagnumkolken und verkriecht sich bei An-
näherung in das Moos, oder läuft geschickt auf dem Wasserspiegel,
geht am Rande auch unter Wasser. 33 und 22 traf ich Ende April, im
Herbst juvenile Formen.
In nähere Beziehung zum Wasser tritt wohl auch die langbeinige
Tethragnata extensa L. Sie baut ihr Nest an Zweigen von Sträuchern,
die über die Tümpelränder hinausragen.
Auf oder im Wasser selbst sah ich sie nie. Im Hochsommer ist
sie häufig.
Auch von den übrigen Arten der Liste würde die eine oder andere,
als gelegentlich am Wasser zu treffen, hier aufzuführen sein, so die
Gattung Bathyphantes, ferner Lycosa leopardus, Pardosa amentata
und Centromerus expertus u.a. Sie seien jedoch im Zusammenhang
genannt mit der übrigen Gruppe, mit der sie den Aufenthaltsort teilen,
die feuchten Torflager, und die im ökologischen Teil zur Darstellung
gelangen sollen. Auffallend erscheint das gänzliche Fehlen der Pirata-
Arten an den Tümpeln unseres Moores.
Tardigrada.
Der Arbeit von Heinis (39) ist folgende Liste von Bär-
tierchen, die er für das Hochmoorgebiet von Jungholz festgestellt
hat, zu entnehmen:
Macrobiotus macronyx Duj.
Macrobiotus lacustris Duj.
44 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Maerobiotus hufelandii Schultze
Macrobiotus intermedius Plate
Macrobiotus hastatus Murr.
Diphascon scoticum Murr.
Macrobiotus hufelandiw Schultze, Macrobiotus hastatus Murr. und
Diphascon scoticum Murr. wurden im Wasser der Sphagnumweiher,
die übrigen in den Moospolstern gefunden.
Coleoptera.
Haliplus ruficollis Degeer Agabus congener Payk.
Haliplus ruficollis var. Heydeni lIlybius fuliginosus F.
Wencke Ilybius aenescens Thoms.
Hydroporus palustris L. Rhantus bistriatus Er.
Hydroporus obscurus Strm. Acilius sulcatus L.
Hydroporus tristis Payk. Dytiscus marginalis L.
Hydroporus nigrita F. Gyrinus natator L.
Agabus bipustulatus L. Hydrobius fuscipes L.
Agabus femoralis Payk. Crenitis punctatostriata Letz.
Agabus chalconotus Panz.
Agabus paludosus F.
Der aquatilen Coleopterenfauna wurde ziemliche Aufmerksamkeit
geschenkt. Die Ausbeute war nicht nur faunistisch ergiebig, sondern
bietet auch einige tiergeographisch interessante Formen, worauf im
Kapitel D eingegangen wird.
Haliplus ruficolis. Diese Art, ohne Querimpression des
Halsschildes zwischen den Basalstricheln, wurde in einem einzigen
Exemplar im Ab£flußbächlein gefangen. Sehr häufig ist hingegen:
Haliplus ruficollis var. Heydeni Wehncke mit einer Querimpression
des Halsschildes.. Die Biegung des Basalstrichels ist oft schwach.
2,5 mm große Exemplare mit deutlich gebogenem Strichel hatten
oberseits dunkle Flügeldecken, die schwarzen Makeln waren größer
und mehr verwischt als bei der typischen Art.
Die Varietät ist fast in jedem Moortümpel das ganze Jahr zu treffen.
Auch in ephemeren Wasserlachen fehlt er nicht.
Hydroporus nigrita. Körper langoval, wenig gewölbt. Winkel
zwischen Halsschild und Flügeldecken schwach stumpf. Kopf rotbraun,
sehr fein punktiert. Halsschild nach vorn nur wenig verengt, schwarz,
Seitenrandlinie undeutlich. Flügeldecken schwarz, an der Basis braun
verlaufend, fein chagriniert und ziemlich dieht punktiert und behaart.
Epipleuren ziemlich breit. Unterseite schwarz, chagriniert, weitläufig
punktiert, gegen das Ende zu gar nicht. Beine rotbraun. Fühler von
der Mitte ab dunkel. Long. 3 mm. :
Der Fund dieses in Gebirgsbächen heimischen Käfers im Moor ist
bemerkenswert. Er bewohnt zahlreich in Gesellschaft anderer Hydro-
poriden das torfige Abflußbächlein.
Hydroporus _tristis. Stimmt in den äußern Merkmalen
ziemlich mit nigrita überein; hingegen bilden die Seitenränder von
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 45
Halsschild und Flügeldecken einen deutlichen Winkel. Long. 3 mm.
Im Sommer.
Hydroporus obscurus (?). Obschon in den Hauptmerkmalön
Übereinstimmung herrscht mit der Diagnose inGanglbauer (130)
sind folgende Unterschiede zu notieren: Körper eher flach. Halsschild
unten ganz gelbbraun, Oberseite braunrot, an der Basis und am. Vorder-
rand mit schwarzer Querbinde; Seitenrand schmal gelbrot. Kopf
braunrot, neben den Augen dunkler, fein punktiert. Flügeldecken
gleichmäßig punktiert, dazwischen fein chagriniert, dunkelbraun,
glänzend, behaart. Vorderrand und Seiten gelbbraun. Abdomen
schwarz mit helleren Stergiträndern, gegen das Ende zu loser punktiert.
Fühler und Beine gelbbraun. Long 3 mm. Im September im Sphagnum.
Hydroporus palustris geht. nicht mit den übrigen Hydroporiden ins
Moor hinein, sondern hält sich an die schmutzigen, mooserfüllten
Randgräben. Die dunkelbraunen Flecken neben den Augen sind zu
einer breiten Stirnbinde verschmolzen.
Agabus bipustulatus. Das ganze Jahr in verschiedenen Moor-
gewässern häufig. Einzelne Exemplare entbehrten der zwei roten
Scheitelflecken.
Agabus femoralis. Long. 7 mm. Chagrinierung sehr fein;
Punktierung unregelmäßig, aber deutlich, ebenso die Behaarung.
Oberseite dunkelbraun, stark glänzend, hellere Ränder.
Agabus chalconotu. Die netzförmige Chagrinierung ist,
namentlich auf dem Halsschild, schwach ausgeprägt. Schwarz, stark
glänzend, ohne hellere Flecken oder Randstreifen auf der Oberseite.
Fühler rotbraun, Spitze des letzten Gliedes schwärzlich. Vorder- u.
Mittelschenkel und -schienen dunkelbraun, Tarsen rotbraun; Hinter-
beine ganz schwärzlich; der längere Schienendorn nicht so lang wie das
erste Tarsenglied. Long. 9mm. In den Randtümpeln.
Agabus paludosus. Gleicht äußerlich Agabus congener; Oberseite
stark lackglänzend; Halsschild nach vorn ziemlich stark eingebogen,
ebenso sein Hinterrand gegen das Schildehen zu. Das Merkmal der
Länge des größern Hinterschienendorns ist nicht konstant, neben
Exemplaren, wo dieser Dorn die Länge des ersten Tarsengliedes erreicht,
stehen solche, wo er nur wenig zurückbleibt. Dasselbe Merkmal sah
ich übrigens an den zwei Extremitäten ein und desselben Tieres
unkonstant. Long. 7 mm.
Agabus congener. In den verschiedenen Moorgewässern das
ganze Jahr häufig. Neben unzweifelhaften, typischen Arten wurden
hierher mehrere Exemplare gerechnet, die in verschiedenen Merk-
malen, Größe, Färbung ete. mit den Diagnosen Ganglbauers
und Reitters nicht vollständig übereinstimmen. Eine absolut
genaue Diagnostizierung wird dem Nichtspezialisten, der über kein
großes Vergleichsmaterial verfügt, hier oft sehr schwer oder unmöglich.
Ilybius aenescens. Oberseite mit Ausnahme der zwei
Scheitelmakeln ganz schwarz; Beine, Mundgliedmaßen und Fühler
dunkelrotbraun. Spitzenwinkel der Hintertarsalglieder aufgebogen.
46 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Long. 9mm. Diese Art wurde nur in zwei Exemplaren gefunden,
während:
Ilybius fuliginosus in allen Gräben eine häufige Erscheinung ist.
Rhantus bistriatus in- einer etwas größern Form: 10,5 mm.
Von großen Wasserkäfern fanden sich nur:
Dytiscus marginalis und Acilius sulcatus, diese aber ziemlich
häufig.
@yrinus natator ist im Sommer, aber nur vereinzelt, auf kleinern
Wasserlöchern zu finden.
Hydrobius fuscipes. Diese überall gemeine Art bevölkert auch
im Moor die kleinsten Sphagnumkolken und Schmelzwasserlachen.
Orenitis punctatostriata. Im Gegensatz zu Ganglbauers
Beschreibung weisen meine zahlreichen Exemplare eine ziemlich
starke Bedornung der Schienen auf. Hingegen sind alle Schenkel
bis über die Mitte dicht pubescent. Dieses Käferlein (3 mm) führt ein
verborgenes Leben im dichten Gewirre der submersen Moose, in
fließendem und stagnierendem Wasser. Von Zeit zu Zeit erscheint es
an der Oberfläche, wobei sich die Bauchseite mit silberglänzender
Luftschicht überzieht.
Trichoptera.
Neuronia ruficrus Scop.
Grammotaulius atomarius F.
Limnophilus rhombicus L.
Limnophilus politus Me L.
Limnophilus griseus L.
Limnophilus sparsus Curt.
Stenophylax spec.
Sericostoma spec.
Odondocerum albicorne Scop.
Die im Gebiet gefundenen Trichopteren wurden sämtlich als
Larven gesammelt. Nur ganz gelegentlich fahndete ich auf Imagines,
fing auch nur Neuronia rufierus.
Neuronia ruficrus, diese typische Moortümpelbewohnerin, schon
von Felber (164) für unser Gebiet nachgewiesen, ist die im Jungholz
am häufigsten zu treffende Trichopterenlarve. Die Konstruktion des
Gehäuses ist verschieden; am meisten erscheint die große (bis 4 cm)
aus kurzen, spiralig auf Gramineenblätter geklebten Stengel- und
Nadelstückchen aufgebaute Röhre. Oft aber besteht sie auch aus
kleinen dachziegelartig angeordneten Blattfragmenten oder aus Büscheln
von Wurzelfasern. Die Larve ist vom März bis in den November hinein
zu finden.
Grammotaulius atomarius darf als neu für den Schwarzwald
bezeichnet werden. Larven in den aus größern Glasblätterstücken
lose gefügten Röhren schon im März in Abzugsgräben.
Limnophilus rhombieus. Nur Anfang Mai im Randweiher A sehr
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 47
häufig. Gehäuse groß, (über 3 cm lang) breit, nur aus gröbern Vege-
tabilien gebaut.
Eine junge Larve im Dezember unter Eis im Fischmattenweiher.
Limnophilus politus. Neu für den Schwarzwald. Gleichzeitig und
am gleichen Ort wie vorige Art. Gehäuse gleich gebaut, aber kleiner.
Ulmer (175) gibt die Larve für den Herbst an.
Limnophilus griseus. Die Larven sind ziemlich häufig im Vorsommer
(Juni) und im Herbst (September). Sie bevorzugen kleine flache
Tümpel auf Torfgebiet, wo sie der Farbe ihrer Gehäuse wegen leicht
übersehen werden. Die leicht gebogenen Röhrchen bestehen zumeist
aus dunkeln Rinden- oder Toristückchen.
Limnophilus sparsus. Neu für den Schwarzwald. Im Moorgebiete
selten. Die Röhren sind aus äußerst feinen, quer gelegten vegetabilischen
Fragmenten aufgebaut, unterbrochen durch kleine Komplexe aus Sand-
körnern.
Stenophylaz spec. Die Larven der Stenophylaz-Arten sind haupt-
sächlich im Bach zu Hause; doch sind sie ihrem Körperbau nach auch
wohl zum Leben im Teiche befähigt. Der starke Retentionsapparat
der typischen Bachbewohner fehlt ihnen und wird bei den torrenticolen
Arten der Gattung durch massive Bauart des Gehäuses ersetzt. Ich
sammelte zahlreiche Stenophylaxlarven sowohl aus den Tümpeln
im Moor als auch aus dem torfigen Abflußbächlein bei dessen Ein-
mündung ins Heidenwuhr.
Leider war die genaue Artbestimmung nicht möglich. Die
Sphagnum- und Torftümpel im Moor beherbergen nur kleinere Formen;
Gehäuse 15mm lang, leicht gebogen, aus feinen Rindenstückchen
gefügt, oft mit Sandkörnchen durchsetzt. Im Bächlein jedoch und im
Heidenwuhr, überhaupt da, wo gröberer Quarzsand und Urgestein-
splitter den Untergrund bilden, erscheinen mächtige Stenophylax-
larven mit schweren, breiten Gehäusen (25mm lang, 6mm dick)
aus kleinen Steinchen.
In dieser Weise scheiden sich die Tümpelformen scharf ab von
den Bachbewohnern. Die Larven waren vom Mai bis September,
im fließenden Wasser auch später zu finden.
Felber führt aus dem Heidenwuhr keine Stenophylax auf,
Steinmann (23): Stenophylax pieicornis Pict.
Sericostoma spec. Der Nachweis dieser Gattung in den Hoch-
moorgewässern ist von biologischem Interesse, stellt er doch ein
weiteres, auffälliges Beispiel der Anpassung von Bachbewohnern
an das Leben im stagnierenden Moortümpel dar. Die Sericostoma-
larven leben nach Ulmer (175) ausschließlich ‚‚in schnell fließendem
Wasser (Gebirgsbächen)“. Es handelt sich in meinem Falle nicht
etwa um ganz vereinzelte Funde, sondern ich traf die Larven zu ver-
schiedenen Jahreszeiten in mehreren Moortümpeln (,‚wüste Gülle“,
Torfstich); in besonders großer Zahl bewegten sie sich im März u.
April in den seichten Schmelzwasserlachen auf Torfboden.
Im Abflußbächlein jedoch fand ich sie nicht. Ebensowenig er-
wähnt sie Felber aus dem Heidenwuhr; doch stammt sie zweifels-
48 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
ohne ursprünglich dort her. Die Köcher waren in allen Fällen klein,
am Hinterende stark verengt, aus ganz feinen Sandkörnern aufgebaut.
Odondocerum albicorne. Ich führe einen einzigen Fund dieser
Art vom Mai aus dem Randweiher A an.
Eine Anzahl nicht determinierbarer Limnophiliden verzeichne
ich aus den verschiedensten Wasseransammlungen des Moors.
Im Abflußbächlein traf ich im Frühjahr auf der Unterseite von
Steinen festhaftend weichhäutige, mit Steinchen belegte Gebilde,
die ich für die Puppengehäuse von Trichopteren (Rhyacophiliden?)
hielt.
Odonata.
Die Torfgewässer sind sehr reich an Libellenlarven; über den
Torfstichen und Sphagnumweihern bietet sich den ganzen Sommer
über dem Entomologen ein erfreuliches, reiches Bild schwirrenden
Lebens. In meiner Liste, die sich ganz auf das Hochmoorgebiet be-
schränkt, finden sich Arten, die in der Literatur als die Torfgewässer
meidend bezeichnet werden; es sind auch ein paar Namen darunter,
die für den biologischen Charakter unseres Gebietes als spezifisch
anzusehen, zoogeographisch von Bedeutung sind. Die Tiere wurden
sämtlich als Imagines erbeutet; Larvenzuchtversuche konnte ich
keine ausführen.
In der Nomenklatur halte ich mich an Ris (152).
Calopterix virgo L. Anax imperator Leach
Lestes fuscus Vanderl. Somatochlora arctica Zett.
Lestes virens Charp. Cordulia aenea L.
Lestes viridis Vanderl. Orthetrum coerulescens Fabr.
Lestes dryas Kirby Libellula quadrimaculata L.
Lestes sponsa Hansem. Lib. quadr. var. praenubila Newm.
Enallagma cyathigerum Charp. Libellula depressa L.
Agrion puella L. Sympetrum striolatum Charp.
Pyrrhosoma nymphula Sulzer. Sympetrum flaveolum L.
Aeschna grandis L. Sympetrum danae Sulz.
Aeschna eyanea Müller Leueorrhinia dubia Vanderl.
Calopteryx virgo ist im Moor nicht selten zu treffen, hingegen wurde
die Larve in den Torfgewässern nie gesehen, wohl aber im Fisch-
mattenweiher.
Lestes fuscus. Diese, als Imago überwinternde Art, tritt schon
frühzeitig, im März, auf. Im Oktober sind 2? wiederum häufig (zweite
Jahres-Generation?),. Von den übrigen Lestesarten ist sponsa die
gemeinste.
Lestes viridis. Q zeigt kürzere Vorderflügel als Ris (152) u.
Tümpel (154) sie angeben, nur 22 mm.
Lestes nympha 2: Das schwarzbraune Pterostigma hat eine helle
vordere und hintere Randader. Metallglanz dunkel bräunlichgrün.
Thoraxseiten und Unterseite des Abdomens rötlichgelb. Die Spitzen
der robusten Valvae überragen das zehnte Segment kaum. App.
sup. median schwarz, lateral gelb.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 49
Lestes virens hält sich mehr an den Moorrand, am Fischmatten-
weiher ist sie äußerst häufig.
Meine Agrionidenausbeute ist nicht reichhaltig. Pyrrhosoma
nymphula und Enallagma cyathigerum sind gemein. Von letzterer
Art besitze ich Exemplare, bei denen die pikenförmige schwarze
Zeichnung des zweiten Segments auf einen schmalen Querstrich
reduziert ist.
Vielleicht handelt es sich bei schlecht erhaltenen kleinen
Exemplaren von Pyrrhosoma nymphula mit gelblichem Pterostigma
um Pyrrhosoma tenellum.
Agrion puella SQ mit besonders schön irisierenden Flügeln.
Leider vermisse ich unter meinen Funden die charakteristischen
Arten Agrion hastulatum und Agrion mercuriale, die Foerster
(147) 1895 für Jungholz angibt.
Von den Aeschniden ist Aeschna ceyanea überaus häufig. Ihre
Larven sind in den Torfstichen zu Hause. Sie meidet also Torf-
gegenden durchaus nicht. Ich bestätige also die Erfahrung Morys
(148), der, entgegen früheren Ansichten (Ris, Tümpel) das Vor-
kommen der Art in Torfgewässern festgestellt hat. Aeschna grandis
traf ich nur spärlich im Spätsommer und von Anax imperator
(formosus) erbeutete ich nur 1 & auf Moorgebiet.
Die Cordulinae sind durch zwei wohl unterschiedene Arten ver-
treten. Von Somatochlora (Cordulia) arctica, dieser seltenen nordischen
Form, fing ich zwei $& im Oktober. Auf die Bedeutung dieses Fundes
soll im zoogeographischen Kapitel eingegangen werden. Früher im
Jahr, im Juni, tritt zahlreicher Cordulia aenea am gleichen Lieblings-
platz wie die obige Art (‚„wüste Gülle‘) auf.
Foerster (147) hat Cordulia aenea am moorigen Nonnen-
‚mattweiher (Beschreibung siehe tiergeogr. Kap. pag. 91) gelangen
und konstatierte gegenüber Formen aus der Rheinebene eine geringere
Länge des $ Abdomens (34 mm statt 36) und des Hinterflügels an
statt 33). Er schloß daraus, eine üppige Form der Cordulia shurtleffi
aus den Sphagnumsümpfen Nordamerikas vor sich zu haben, die
„ursprüngliche aenea-Form der Postglazialzeit, die an die Fristenz
der Sphagnummoore der Renntierzeit gebunden ist und sich daher
nur in hochgelegenen Mooren erhalten hat oder durch Einwanderung
der Rheintalform wieder gebildet wurde.“ Er nennt seine Cordulia
darum aenea-turfosa.
Nun unterscheidet sich aber aenea von shurtleffi noch durch andere
Merkmale als nur die Größe: die gelben Flügelbasalflecken, die Gestalt
der untern Analanhänge. Foerster stellt es also rein auf die an-
gegebenen Längenmaße ab. Meine entsprechenden Maße sind 34 mm
und 33 mm. Die eine Zahl stimmt nicht. Nun weist (wie weiter
hinten gezeigt wird), das Nonnenmattmoor einen glazialeren
Faunencharakter als Jungholz auf. Der könnte sich wohl auch im
Odonatenbestand dartun. Ris gibt aber für beide Maße nur 33 mm
an. Die kleinere Gestalt dürfte also für Foersters Moorcordulien
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 3. Suppl. 4
50 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
nichts charakteristisches sein. Die nahe Verwandschaft der aenea-
und shurtleffi-Formen ist natürlich evident.
Orthetrum coerulescens meidet Torfgewässer durchaus nicht; sie
ist in beiden Geschlechtern im Hochsommer ziemlich häufig. Die
Zahl der Antenodalqueradern im Vorderflügel variiert zwischen 14
und 11!. Vorder- und Hinterflügel hin und wieder am Vorderrand
mit gelber Färbung, die sich gegen die Basis zu über den ganzen Flügel
ausdehnen kann. |
Libellula quadrimaculata ist im Sommer wohl die am zahlreichsten
vertretene Libelle. Sie erscheint in verschiedenen Färbungsvariationen;
so in der von Tümpelals Abart 1 gekennzeichneten mit doppeltem
Nodulusfleck, bis zur Mitte gelben Flügeln und etwas breiterem
Hinterleib; ferner in besonders schönen Exemplaren der Variation
praenubila mit den in verschiedener Ausdehnung rauchig überlaufenen
Flügeln. Hin und wieder sind die Merkmale beider Färbungsvarietäten
kombiniert.
Auch Libellula depressa bewegt sich in reißendem Fluge über den
Torflagern und Tümpeln vom Mai—Juli nicht spärlich, ?? seltener
als 9. Der dreieckige Fleck im Hinterflügel ist braunschwarz, die
Adern in seinem Gebiet gelbbraun.
Auch für diese Art ist also Tümpels Angabe über das Meiden
von Torf richtig zu stellen.
Sympetrum striolatum ist seltener als flaveolum. Ich erbeutete
nur 2 92 im August.
Sympetrum flaveolum im Spätsommer nicht selten. Die Größen-
angabe Tümpels (48 mm) ist ein Druckfehler, kein Exemplar über-
schreitet die Gesamtlänge von 32mm. (Ris: Abdomen: 24 mm.)
Eine schöne Färbungsvarietät (Tüm pels Abart 1) hatte den Vorder-
flügel in der obern Hälfte bis über den Nodulus hinaus, den Hinter-
flügel schräg abwärts über die Hältte safrangelb.
Sympetrum danae (scotica) ist die im Moor am reichlichsten auf-
tretende Diplaxart. Noch im Oktober wurden SS und 29 in Copula
getroffen. Man erbeutet während der ganzen Präsenzzeit dieser Art
neben typisch gefärbten Exemplaren eine unausgefärbte Form mit
weißem Pterostigma, graugelber Oberlippe, ohne schwarze Stirn-
basislinie und ohne die goldgelben Flügelbasisflecken. Das Abdomen
am 3. Segment ziemlich eingeschnürt, gegen Ende stark spindelförmig.
Leucorrhinia dubia. Diese typische Moorlibelle ist im Jungholz
eine sehr charakteristische Erscheinung. Ihre Flugzeit ist der Vor-
sommer. gg und 92 ungefähr gleich zahlreich. Die Farben der Ab-
dominalflecke treten nicht konstant auf. Es gibt d, deren zweites
bis drittes Segment die dunkelblutrote Zeichnung, Segment fünf
einen kleinen, sechs und sieben aber ziemlich große, die Mitte über-
ragende hell ockergelbe Flecken aufweisen. Hinwieder fing ich ein 2
mit grau überlaufenen am Grunde safrangelben Flügeln; die Hinter-
leibsfleeken braun statt hellgelb; Abdomen gekielt. Die übrigen
Gattungsgenossen der Leucorrhinia dubia, nämlich pectoralis, albifrons
und caudalis wurden nie beobachtet.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 51
Zusammenfassend sei im folgenden ein Überblick über das jahres-
zeitliche Auftreten der konstatierten Arten gegeben.
März: Die Tümpel sind noch nicht alle eisfrei, oft noch Schnee. Der
als Imago überwinternde Lestes fuscus flattert schon auf dem
Moor.
Mai: Pyrrhosoma nymphula herrscht vor. Daneben häufig Agrion
puella, Leucorrhinia dubia, Libellula quadrimaculata und noch
nicht häufig depressa.
Juni: Leucorrhinia und die zwei Libellulae sind in maximaler
Vertretung. Auch die Agrioniden sind sehr häufig. Neu treten
hinzu Orthetrum coerulescens, Cordulia aenea, Calopterixz virgo.
Julibis August: Es erscheinen die übrigen Lestesarten, die Sym-
petrumarten sehr zahlreich; Anax formosus, Aeschna cyanea.
Leucorrhinia im Abnehmen.
September: Die Libellenfauna hängt nun schon sehr von den
Witterungsverhältnissen ab. Aeschna cyanea dominiert.
Aeschna grandis selten. Die ZLestesarten noch zahlreich.
Libellula quadrimaculata und Orthetrum coerulescens selten,
Libellula depressa verschwunden, die Sympetrumarten
werden spärlicher.
Anfang Oktober: Nur in diesem Monat beobachtet wurde Cordulia
arctica.
Die Lestesarten sind häufig, besonders fuscus und sponsa.
Auch die Agrioniden sind noch zahlreich vorhanden. Von
den übrigen Arten nur noch vereinzelte Exemplare, außer
Aeschna cyanea, von der noch ziemlich viele 2 zu treffen sind.
Ende Oktober— Anfang November: Nur ganz selten einige
Agrioniden oder Lestes und Aeschna cyanea. Von letzterer
Art fing ich ein Exemplar in den ersten Novembertagen
bei stark frostigem Wetter. Sie ist demnach außer Lestes
fuscus die ausdauerndste Art.
Die physikalischen Verhältnisse unsres Moorgebietes machen sich
also im Auftreten der Libellenfauna geltend. Verschiedene Arten
zeigen, gegenüber ihrem Verhalten in der Ebene, verspätetes Auf-
treten, längeres Ausdauern oder eine allgemeine kürzere Präsenzzeit.
Zum Schluß sei noch die große Übereinstimmung berührt, welche
meine Artenliste mit derjenigen aus andern Hochmooren zeigt. Das
Verzeichnis Mory’s weist aus dem Jurahochmoor von Sentier
z. B. 22 Arten auf. Darunter sind 2 Arten, die jenes Gebiet aufweist,
die ich im Jungholz aber nicht fand (Cordulia metallica, Aeschna juncea)
während die drei Lestesarten fuscus, virens und viridis beiM o r y fehlen.
Es herrscht also fast vollständige Übereinstimmung; speziell
die charakteristischen Arten sind dieselben.
Diptera.
An Zweiflüglern habe ich nur die auffälligsten Funde von
aquatilen Larven zu verzeichnen. Tiefer eindringen in diese Gruppe
4*
52 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
konnte ich nicht; auch habe ich mich nicht mit dem Fangen von Imagines
beschäftigt. Darum mag mir vielleicht hier allerlei Interessantes
entgangen sein, denn gerade die Torfmoore haben den Dipterologen
manch systematisch und geographisch wertvollen und eigenartigen
Fund geliefert, wovon man sich bei Enderlein (162, 163),
Speiser (20, Rübsamen (173) u. a. unterrichten kann.
Corethra plumicornis F.
Culex spec.
Phalacrocera replicata L.
Chironomus spec.
Tanypus spec.
Ceratopogon spec.
Tabanus spec.
Corethra plumicornis. Diese interessante, durch den Besitz eines
vollständig geschlossenen Tracheensystems ausgezeichnete, von der
atmosphärischen Luft deshalb vollständig unabhängige Mücken-
larve ist im Moorgebiet eine äußerst häufige Erscheinung, beinahe in
allen Torfstichen, aber auch in kleinen Löchern und Kolken. Am
üppigsten aber gedeiht siein den Randweihern, besonders in der ‚‚wüsten
Gülle.“ Die Herrschaft dieses Planktophagen macht sich in diesem
Tümpel in der COrustaceenfauna sehr wohl bemerkbar: ein Netzzug
durch die freie Wasserfläche liefert uns eine Unmenge von Corethra-
arven und wenige Copepoden, einer durch die ins Wasser hängenden
Uiergebüsche wieder reichliches Orustaceenmaterial.
In den Torfstichen sind die Corethra-Larven gelblich gefärbt, in den
Tümpeln mit weniger humösen Wasser glashell umd durchsichtig.
Zum Studium der Periodizität von Corethra plumicornis bot die
„wüste Gülle“ sehr günstige Gelegenheit. Das ganze Jahr hindurch
sind hier die Larven vorhanden. Unter der winterlichen Eisdecke
ziehen sie sich in die Tiefe des Tümpels (ca. 3m) zurück. Im März
und April beleben sie zahlreich die freie Wasseroberfläche. Mitte bis
Ende Mai erfolgt die Verpuppung und im Juni, je nach den Temperatur-
verhältnissen früher oder später, ist die Flugzeit der Imagines. Ende
Juni und Juli finden sich die Laichpakete in der Uferzone zwischen
dem Gestrüpp. Im August bis Oktober herrschen nun die jungen
Larven vor. Doch sind stets auch große, erwachsene Larven darunter.
So ergeben sich hier zwei biologisch merkwürdige Fakta: das nur
einmalige Auftreten der Puppen (Mai—Juni), also nur eine Generation,
und die mehr als einjährige Persistenz von Larven. Daß das letztere aber
nicht die Regel ist, zeigt die geringe Zahl dieser in den jungen sommer-
lichen Cyelus hineinpersistierenden adulten Larven. |
Diese fortgesetzten periodischen Beobachtungen beschränken
sich auf den oben genannten Tümpel, in den übrigen Gewässern wurde
nur zu verschiedenen Jahreszeiten die Gegenwart von Larven
konstatiert.
Unter Eis erfolgt, wie oben schon vermerkt, der Rückzug in die
tieferen Wasserschichten. Das gleiche Verhalten konstatierte ich bei
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 53
sehr schwüler, Gewittern vorangehender Temperatur. Wir haben es
hier wohl mit einer Reaktion des hydrostatischen Organs der Larven,
der Tracheenblasen, auf die veränderten äußeren Druckverhältnisse
zu tun.
Culex spec. Larven und Puppen dieser Gattung sind den Sommer
über in den kleinern Moortümpeln häufig. Schon Anfang Mai
wimmelt es allenthalben von Puppen; Mitte September wurden solche
letztmals konstatiert. Ein Überwintern von Larven oder Puppen
beobachtete ich nie.
Phalacrocera replicata. Diese große, durch die frappante An-
passung der Körpergestalt an ihr Wohnelement, die Moosbüschel,
ausgezeichnete Larve, ist in den
submersen Moosrasen des torfigen ı
Abflußbächleins recht häufig. |
Mit den Beschreibungen, wie
sie Schmidt-Schwedt
und Lauterborn (157) ge-
geben haben, stimmen meine
Larven überein bis auf wenige |
Kleinigkeiten. Die Färbung ist
sehr variabel, von einem helleren |
grünen Ton bis zu dunklem
grün-braun oder gescheckten
Anordnungen, die Spitzen der
Fortsätze stets schwarz. Bauch-
seite bald weißlich, bald gras-
grün. Auch in der Gestalt der |
Fortsätze sind Unterschiede zu
konstatieren. Während bei den
einen Exemplaren beiderlei Fort-
sätze, pfriemliche und gabelige,
steif und starr vom Körper ab-
stehen, erscheinen sie bei andern,
nicht etwa nur ganz jungen,
weicher, gebogener. In der An-
ordnung auf die Segmente jedoch
fand ich keine Abweichung.
Die Larven leben in Wassermoosen, wo sie nur bei genauem
Zusehen gefunden werden. Ihre erstaunliche Trägheit und ihre Ge-
fräßigkeit sind bekannt. Sie sind mehr als einjährig, sie überwintern.
Die Verpuppung und der Flug der Imagines erfolgt Mitte bis Ende Juli,
also wiederum erheblich später als bisher konstatiert (April—Mai).
Auch scheint mir im Gebiet eine biologische Anpassung an das langsam
fließende Wasser vorzuliegen; wenigstens gingen mir Zuchtkolonien
in stehendem Wasser ein, während solche in fließendem gut gediehen.
Die Puppe zeigt vom Typus, wie ihn Miallund Shelford
(159) abbilden und beschreiben Abweichungen. (Siehe Fig. 17 u. 18.)
dorsal lateral
54 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Das 20 mm lange, 4 mm breite, dorsoventral etwas abgeplattete
Gehäuse ist dunkelsepiabraun ohne dunklere Längslinien. Die Seiten-
ränder der Hinterleibssegmente sind zu einem scharfen, mit kleinen
spitzen Dörnchen bewehrten Saum ausgezogen. Die Vorderstigmen,
auf kleinen Höckern aufsitzend divergieren, sie sind lang, nach vorne
dünner und in einen löffelartigen Knopf endigend, sie gleichen
Schmetterlingsfühlern.
Die Segmente sind zwei- oder dreifach geringelt und tragen in
der Nähe des untern Randes einen feinen Dornenkranz; sowie dorsal
zwei etwas stärkere Dornen. Die kräftigen dorsalen und ventralen
Hakenfortsätze des sechsten und achten Segmentes fehlen vollständig.
Es existieren nur zwei Paar kleinere, kräftige, chitinöse terminale
Fortsätze am siebenten Segment und zwei Dornen in der ventralen
Mitte desselben Segments. Die dorsale Seite ist gänzlich ohne Anhänge.
(Die Abbildung inGrünberg (155) auf pag. 35 ist nicht die dorsale,
sondern die ventrale Ansicht.) Alle von mir gefundenen Puppen
wiesen diesen Körperbau auf. Ob es sich hier nur um die weib-
lichen Puppen handelt (Mialls Fig. 14 stellt eine männliche
Puppe dar) oder ob weitergehende Unterschiede vorhanden, kann ich
vorderhand nicht entscheiden. Die Puppen fanden sich im Juli. Sie
halten sich aufrecht in den Moosbüscheln und sind sehr beweglich.
Durch die Stigmen, die an die Wasseroberfläche ragen, erfolgt die Re-
spiration. Beim Untertauchen bildet sich an jedem Knöpfchen ein
glänzendes Luftbläschen.
Imagines fing ich keine. Zuchtversuche sind noch nicht ab-
geschlossen.
Chironomus spec. Auf dem schlammreichen Boden der Toristiche
und Randweiher finden sich die in leichten Röhren steckenden karmin-
roten Larven recht häufig. Die Larven überwintern unter Eis; einmal
wurde auch im Januar eine Puppe überwinternd vorgefunden.
Die Angehörigen der Tanypus-Gruppe sind in gewissen Tümpeln
häufiger als die Chironomiden. Ihr schärfer segmentierter, nach hinten
verjüngter Körper war zumeist rötlich-braun gefärbt. Auch hier wurden
gelegentlich Exemplare in Röhren getroffen.
Die Ceratopogon-Arten gehören mehr den Sphagnumtümpeln
und Kolken an. Ihre kleinen Gehäuse sind leicht aus Algenfäden und
Sphagnumfragmenten gefügt.
Zuchtversuche wurden selbst keine ausgeführt; zu diesem Zwecke
abgegebenes Material aus dem Hochmoor hat noch keine Resultate
geliefert. Puppen von Tabanus fand ich in den feuchten Torflagern.
Rhynchota.
Auf den Tümpeln tummelt sich häufig Hydrometra palustris L.
und die kleineren Torfstiche belebt im Hochsommer oft direkt in
Schwärmen:
Notonecta glauca L., in der „wüsten Gülle“ gemeinsam mit
Corixa spec.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 55
Ephemerida.
In den Torfstichen sind wenig E’phemeridenlarven zu treffen, die
meisten der im Moor fliegenden Imagines scheinen aus den umgebenden
Gewässern zu stammen. Mehrmals jedoch konstatierte ich die Larve
von Oloöon dipterum L. Ende Mai beobachtete ich das Ausschlüpfen
zweier dd.
Perlida.
Perla maxima Scop. erbeutete ich öfters an den Torfrändern
sitzend, der Larve jedoch bin ich in den Torfgewässern nicht begegnet;
wahrscheinlich lebt sie außerhalb des Moors im Heidenwuhr ete.
Mollusca.
Über die Mollusken unseres Gebietes finden sich bei Kreg-
linger(186)undGysser(185) keine Angaben. Bollinger (177)
bringt von der „Ebene Jungholz-Bergalingen“ 3 Arten (Hyalına
radiatula, Fruticicola sericea, Limnaea ovata) von „Rainen und Schutt-
haufen“, ferner Olausilia parvula und Limnaea peregra einfach aus
„Jungholz“. Letztere Art und Zimnaea ovata dürften aus dem Hoch-
moorgebiet stammen.
Meine eigenen Funde sind bald aufgezählt:
Arion eircumseriptus Johnst.
Limnaea peregra Müll.
Pisidium ovatum (less.
Auf dem Hochmoor selbst, im Torfgebiet, traf ich nur 4 Exemplare
einer Arion-Art, die ich unsicher als circumscriptus bestimmte. Färbung
und Zeichnung waren nicht gleichmäßig. Grundfarbe dunkelgrau,
schwärzliche Leierzeichnung auf dem Schild, schwarze Längsbinde
über dem Saum. Bei zwei Exemplaren sind die Binden wenig deutlich.
Ich sammelte diese Nacktschnecken im Mai ab einem im Sphagnum
liegenden Froschaas am Moorrande; ich nehme an, daß sie dem nur
wenige Meter vom Moor entfernten Tannenwalde angehören, am Fund-
ort also nur zufällige Gäste waren.
Auch Limnaea peregra und Pisidium ovatum traf ich nicht in den
Torfstichen oder Sphagnumtümpeln, sondern in den das Moor um-
säumenden mit allerlei Moosen durchwachsenen Randgräben.
Von Limnaea peregra sammelte ich im Frühjahr junge, noch sehr
kleine und äußerst feinschalige Exemplare.
Pisidium ovatum, von Clessin als typische Urgesteinmuschel
bezeichnet, ist in allen den beschriebenen Gräben gemein. Oft waren
ihre Schalen bedeckt mit einer dicken, rostroten Kruste der in jenen
Gräben häufigen, sie rot färbenden Algen.
Woher nun diese äußerste Entblößung unseres Gebietes von
Mollusken? Zwei Erscheinungen treten hier zusammen: Die Mollusken-
armut des Urgesteingebietes des Schwarzwaldes an und für sich, dann
die Sphagnophobie der meisten Schnecken.
56 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Worin die Gründe für die erste Erscheinung liegen, ob nur im
Kalkmangel des Untergrundes (Bollinger fand im Gebiet Exem-
plare, die sich gegenseitig die Schalen stark benagt hatten), oder auch
in andern Faktoren, wie hohe Feuchtigkeit, zu starke Beschattung,
soll uns hier nicht weiter beschäftigen, die Tatsache ist evident.
Für die Wassermollusken könnte event. die Kalkarmut des Gebietes
weniger in Betracht fallen, für ihre geringe Vertretung müssen wir die
Humusfeindlichkeit vor allem verantwortlich machen. Die Mollusken-
fauna der Torfmoore ist ja in allen Fällen eine sehr beschränkte,
namentlich in den Hochmooren.
Daß auch dieses schwache Kontingent im Jungholzer Moor nicht
persistiert, daß vielmehr die wenigen Vertreter am Moorrande Halt
machen, mag auf dieses Zusammenwirken all der oben genannten
Umstände, sowie auf den Mangel an Torfstichen mit dichtem Pflanzen-
wuchs (Moose behagen den Schnecken nicht) zurückgeführt werden.
Amphibia.
Triton alpestris Laur. Triton eristatus Laur.
Triton palmatus Schn. Triton lobatus Otth.
Rana esculenta L. Bufo vulgaris Laur.
Rana fusca Rösel Bufo calamita Laur.
Hyla viridis Laur.
Die Tritonen fehlen im Moor nur den Sphagnumtümpeln, in den
Torfstichen und Randweihern sind sie häufig. Eine besonders günstige
Lokalität ist wiederum die „wüste Gülle“. Über die Fortpflanzungs-
verhältnisse der Tritonen im Gebiet und über die Verhältnisse unter
der dieken Eisdecke im Winter machte ich keine Beobachtungen.
Rana esculenta belebt die größeren Torfstiche und Rana fusca
wird im ganzen Gebiet herum, in den Gras- und Heidekomplexen,
häufig getroffen. Das Verschwinden und Wiedererscheinen und danach
die Fortpflanzungszeit sind stark beeinflußt durch die Temperatur-
verhältnisse. Im strengsten Winter (Mitte Januar) traf ich zwischen
dicken Eisschollen auf dem Fischmattenweiher eine Rana esculenta
scheinbar tot. Die Berührung brachte das Tier jedoch alsbald zur
Bewegung und es flüchtete auf die freie Eisfläche hinaus. Da die Tümpel
in deren Schlamm die Tiere überwintern, meist erst spät eisfrei werden
(in warmen Wintern Mitte März, meist aber erst im April) zieht sich
die Laichzeit ziemlich lang hin. Im Mai sind die Tümpel und mit
Vorliebe auch die kleinen seichten Torfschürfstellen vom schwarzen
Gewimmel der Larven erfüllt.
Nach der Anwesenheit des kleinen Moorfrosches Rana arvalıs
Nilss. habe ich vergeblich gefahndet. Diese Form steigt in der Tat
nach Hempelmann (188) nie über 700 m Höhe empor,
u. Wolterstorf£ff (195) hebt hervor, daß wir in ihr ein Charakter-
tier der nordostdeutschen Tiefebene zu erkennen haben, daß also seine
Anwesenheit in Hochmooren nicht etwa auf nordische Herkunft und
glaziales Reliktentum zu deuten ist.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 57
Hyla viridis sah ich nur einmal, Mitte April, sich auf einer durch-
wärmten Torfscholle sonnen. Sie scheint die schwer zugänglichen
sumpfigen Carexgebiete zu bewohnen.
Bufo vulgaris und Bufo calamita laichen gleichzeitig in der ‚wüsten
Gülle“. Dort sind die Laichstränge, in denen die Eier in drei und in
zwei Längsreihen liegen, von Mitte April ab zu finden.
Pisces.
In den Torfstichen und Randweihern leben keine Fische,
auch der Stichling nicht. Die Forellen des Heidenwuhrs
und seiner Nebenbächlein sind eingesetzt, wie es auch die früher im
Fischmattenweiher vorhandenen Karpfen etc. waren.
III. Die terricole Fauna.
Im nachfolgenden werden einige Beiträge zur terricolen Fauna
unseres Moores gegeben. Es handelt sich wiederum in erster Linie
um Fänge aus dem engern Torfgebiet. Eine zusammenfassende Dar-
stellung der Fauna der Torflager soll im ökologischen Teile versucht
werden. Bei den Gruppen der Coleoptera und Lepidoptera handelt
es sich nur um kleine Beiträge, um mehr gelegentlich als zielbewußt
gesammeltes Material. Einiges Sammelgut ist noch unbearbeitet
(Orthoptera, Hymenoptera, Collembola, Oribatidae).
Araneae.
Bathyphantes spec. Lycosa ruricola de Geer
Tapinocyba pallens Cambr. Lycosa leopardus Sund.
Walckenaera cuspidata Bl. Lycosa lucorum L. Koch -
Clubiona trivialis ©. L. Koch Pardosa pullata Cl.
Cicurina eicur Menge Pardosa amentata Cl.
Pisaura mirabilis Cl. Aelurillus insignitus Olıv.
Lycosa nemoralis Th. Centromerus expertus Cambr.
Lycosa terricola Th.
Obige Liste stellt das Ergebnis fortgesetzten Forschens nach
Spinnen auf und in den Torflagern dar. Sie bietet also nur einen
kleinen, engbegrenzten Ausschnitt der gesamten Araneenfauna des
Gebiets. Die hauptsächlich am Wasser zu treffenden Arten wurden
schon im vorigen Kapitel aufgeführt.
Als zufällige Gäste im engeren Umkreis des Torfes sind in meiner
Liste anzusehen: Clubiona trivialis, die sonst hauptsächlich auf
Tannen getroffen wird und ZLycosa nemoralis, die als gewöhnliche
Form trockener Standorte zu bezeichnen ist. Die übrigen im Torf
heimischen Arten sind feuchtigkeitsliebende, in sumpfiger Umgebung
hausende Formen.
Im feuchten Sphagnum wurden gefunden: Walkenaera cuspidata,
58 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
12 im April; sie ist eine Bewohnerin der montanen und alpinen Region;
Tapinocyba pallens, 1 9, April.
Aus den Torflagern, wohin sie sich zurückziehen, wurden aus-
gegraben: Lycosa terricola, häufig, April bis September 93. Sie ist es
auch, die dem Beobachter das reizende Schauspiel der Spinnenmutter
bot, deren Rücken mit ihren Jungen dicht, wie mit Wärzchen über
und über besetzt ist, die alle bei nahender Gefahr vom Rücken ab-
springen und davonstäuben.
Batyphantes spec. im August leider nur in einem jungen Exemplar,
dessen Artzugehörigkeit nicht festgestellt werden konnte.
Oteurina cicur, im April 19. Daß ich sie auch in inner-
schweizerischen Torflagern traf, spricht wohl dafür, daß es sich
nicht um ein zufälliges Vorkommen im Moor handelt.
Aelurillus insignitus ist, wie überall, auch im Torfmoor häufig.
Im Mai juvenile, Anfang September reife 99.
Mehr an die Nähe der Torfstiche, an deren Ränder, hielten sich:
Centromerus expertus, nur im Frühjahr, Anfang März 954 — Mai.
Läuft auch auf dem Wasser. Pardosa pullata Q nur im Oktober kon-
statiert. Lycosa ruricola im September häufig, PP mit Cocons. Lycosa
leopardus. Ein einziges Exemplar (juvenil) im September am Torf-
stich. Dahl (109) betont ihre Abneigung gegen das Torfmoor.
Lycosa lucorum L. Koch. Eine ziemlich seltene Art, die bis jetzt
weder in Deutschland noch in der Schweiz häufig gefunden worden.
De Lessert (113) erwähnt sie für Moos und Detritus. Ich fand
ein Q und ein & Mitte April nach der Schneeschmelze in den nassen
sphagnumbewachsenen oberen Torfschichten. Weniger lokalisiert
erwiesen sich die auch anderorts gemeinen Arten: Prisaura mirabils,
Q ım Frühling und Sommer; Lycosa nemoralis, deren Vorkommen
bereits im Gebiet als mehr zufällig bezeichnet wurde, da sie trockenere
Orte bevorzugt, ist im ganzen Moor herum dennoch ziemlich häufig.
Mitte und Ende Juli — Anfang September $ und ® mit Cocons.
Pardosa amentata ist wohl die im Moor am häufigsten zu treffende
Spinne. Anfang Mai juvenile Formen, $ und 9. September 2%.
Sie erfüllt also die Bedingungen, die ihr Dahl (109) setzt, nicht
gut, der sie auf „moorigem und sandigem Boden ohne klares, bezw.
schnellfließendes Wasser‘ fehlen läßt und nur für Orte ‚wo klares,
nicht mit Humussäuren versetztes Wasser in der Nähe ist‘, zitiert.
In der Hoffnung, im Torfmull interessante Kleinformen, etwa
Erigoniden zu finden, wurden im Frühjahr und im Herbst viele Torf-
proben teils von der Oberfläche, teils aus einiger Tiefe, an Ort und
Stelle durch ein feines Sieb auf eine weiße Unterlage gesiebt und
untersucht. Diese Methode lieferte auch eine Anzahl ganz kleiner
Formen, sie erwiesen sich jedoch bei der Untersuchung alle als un-
bestimmbare Juvenes.
Die Ausbeute aus dem engern Bezirke der Torflager und ihrer
Wasseransammlungen ist also eine kleine Gruppe paludophiler Araneen,
ohne besonders markante Formen.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 59
Nicht eine einzige Art gemeinsam hat nun meine obige Liste
mit derjenigen, die Müller und Schenkel (115) 1895 in ihrem
Spinnenverzeichnis von Basel und Umgebung, mit der Lokal-
bezeichnung ‚‚Jungholz““ aufführen.
Epeira sollers Prosthesima petiverii
Epeira ceropegia Micrommata ornata
Meta merianae Synaema globosum
Drapetisca socialis Diaea dorsata
Gonatium rubellum Xysticus pini
Dietyna arundinacea ÖOxyptila horticola
Clubiona coerulescens Tarentula andrenivora
Heliophanus auratus
Diese Liste läßt erkennen, daß bei ihrem Sammeln in unserm Gebiete
(Herr Dr. E. Schenkel erinnert sich dessen nicht mehr genau)
nicht nur der engere Hochmoorbezirk, sondern auch die nähere Um-
gebung, die bewaldeten Ränder miteinbezogen wurden. Im Moore
selbst wurde aber, wie deutlich aus der Liste hervorgeht, vor allem
die Vegetation, die Calluna- und Carexkomplexe, die Föhrengruppen
usw. abgesucht. In dieser Hinsicht wird also meine Liste ergänzt.
Wenig Aufmerksamkeit schenkte ich der Fauna der Sphagnum-
rasen. Dahl (109) fand in solchen an verschiedenen Lokalitäten
spezifische Hochmoorlycosiden (Pirata uliginosus Thor., Arctosa lam-
perti Dahl, Lycosa riparia subsp. sphagnicola Dahl).
Myriapoda.
Auf die bisherigen Myriapodenfunde in Torfmooren und auf
verschiedene Äußerungen über die Torffauna im allgemeinen, sowie
auf die Biologie unserer Torfmyriapoden soll im ökologischen Kapitel:
„der Torf‘ eingegangen werden. Nachfolgend sei nur die Liste der
im Jungholz gefundenen Arten mit einigen systematischen Bemerkungen
gegeben.
Geophilus longicornis Leach Lithobius nigrifrons Latz.
Lithobius forficatus L. Lithobius spec.
Lithobius glabratus €. Koch. Chordeuma silvestre C. Koch.
Geophilus longicornis: 1 9. Long.: 19 mm, ockergelb; Kopf
rotbraun.
Lithobius forficatus. Zahlreiche SS und 29, häufig auch juvenile.
Die Färbung schwankt zwischen hellen und ganz dunkelbraunen
Tönen. Ein Exemplar zeigte beinahe schwarze Fühler (Einfluß der
Humussäuren des Torfbodens?).
Lithobius forficatus ist die am häufigsten und zu den meisten
Zeiten konstatierte Art. Anfang August viele Pulli.
Lithobius glabratus. Die Diagnose eines einzigen, im
September gefundenen Exemplars, stimmt mit Latzels Angaben
gut überein, mit Ausnahme der Länge der Fühler, welche die Hälfte
des Körpers nicht ganz erreicht.
60 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Lithobius nigrifrons. Diese Art, die ich außer im Jungholz
auch in innerschweizerischen Hochmooren traf (siehe pag. 102), besitzt
in der schwarzen Zeichnung von Stirn und Kopf, sowie an.der hellern
Farbe des fünften Analbeingliedes deutliche Kennzeichen. Fühler-
glieder über 40. 22 +2 Genitalsporen; Analbeinklaue einfach.
Lithobius spec. juv. Aus dem Jungholzer Torf stammen ferner
eine Anzahl unausgewachsener Formen, die wahrscheinlich zu obiger
Art, Lithobius nigrifrons, zu zählen sind. Sie zeigen alle die schwarze
Zeichnung der Stirn, zwei Q2 weisen je 2 +2 Sporen auf, von denen
die innern kleiner sind als die äußern. Die Zähne der Rückenschilder
sind noch sehr wenig entwickelt.
Lithobius spec. 18. Der 11. und 13. Rückenschild zeigen sehr
deutliche Zähne, der 9. hingegen einen sehr undeutlichen, kaum als
solchen anzusprechenden. Die Diagnose zu Lithobius borealis stimmt
aber im übrigen nicht. Hüfte des Kieferfußpaares mit zwei Zähnen.
2 +2 Analsporen. Analklaue mit Nebenklaue. Fühlerglieder 38.
Färbung dunkelbraun. Long. 8mm. Die Art stimmt am ehesten
mit Lithobius tricuspis überein, obwohl das Vorhandensein eines Hüft-
seitendorns unsicher erscheint.
Chordeuma silvestre, der einzige Diplopode. Grundfarbe braun,
dunklere Ringe, hinterste und vorderste Teile aufgehellt, Kopf
und Fühler schwärzlich. Long. 13 mm. Die borstentragenden Knötchen
sind nur auf den letzten Segmenten deutlich, hingegen nicht auf-
fallend groß. Klauen der Laufbeine nicht doppelt. Die chitinösen
Kappen an der Spitze der Kopulationsfüße waren nicht zu sehen,
wohl aber deutlich die blasigen Organe an der Basis des vierten
Kopulationsfußes.
Coleoptera.
Orcindela campestris L. Wohl der häufigste Käfer des Moores.
Auf allen besuchten Hochmooren überhaupt war er stets das erste
sich bemerkbar machende Insekt.
‘ Poecilus cupreus L.
Feronia angustata Dft. Nur ein Exemplar dieser seltenen Art.
Bembidium quadripustulatum Serv. Auf Pinus, selten.
Sılpha quadripunctata L.
Elater cupreus.
Elater balteatus L. Häufig.
Elater praeustus Fabr. Von diesemnachRedtenbacher (134)
seltenen Käfer fing ich zwei Exemplare. Der schwarze Spitzenfleck
der Flügeldecken ist klein.
Corymbites castaneus L. Meinen Exemplaren fehlt die schwarze
Flügeldeckenspitze.
Cantharis rustica F. Auf Pinus.
Cantharıs rufa L. Auf Pinus.
Metallites atomarius Oliv.
Plagiodera armoracia L. Auf Weiden.
Chrysomela fastuosa L.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 61
Adimonia capreae L.
Galeruca viburni Payk.
Luperus pinicola Dft. Auf Pinus massenhaft.
Auffallend ist die geringe Vertretung der Laufkäfer. Ich sah
nie einen Carabus auf Torfgebiet. Nur einzelne der oben von mir auf-
geführten Arten kehren wieder in der großen, über 90 Arten um-
fassenden Liste, welche Fr. Hartmann in seinen „Beiträgen
zur Käferfauna Badens‘“ (131) aus dem „artenreichen Willaringer
Torfmoor“ aufführt und auf die ich hier hinweisen möchte. Doch
beschränkt sich diese Liste nicht ausschließlich auf das Moorgebiet;
einige Arten stammen von den westlich des Heidenwuhrbaches ge-
legenen Moorwiesen und Wegrändern. Die aquatile Käferfauna
hat Hartmann nicht berücksichtigt.
Lepidoptera.
Aporia crataegi L. Melitaea aurinia Rott.
Pieris brassicae L. Erebia stygne O.
Colias palaeno F. Coenonympha tiphon Rott. var.
Thecla rubi L. philoxenus Esp.
Vanessa urticae L. Plusia gamma L.
Vanessa antiopa L. Anarta myrtilli L.
Melitaea cinxia L. Ematurga atomaria L.
Lygris testata L.
Colias palaeno. Dieser auf allen Torfmooren des Schwarzwaldes
heimische, unsern Basler Sammlern als ‚der Schmetterling“ von Jung-
holz wohlbekannte Falter ist im Juni in großen Exemplaren vor-
handen. Es handelt sich bei der Schwarzwälder Form nicht um die
nordische palaeno typica, sondern um die Variation europome Esp.
mit sehr breiter scharf begrenzter schwarzer Binde. $ oberseits leuchtend
schwefelgelb, Unterseite der Hinterflügel graugelb. ® oben weißlich
bis grünlichweiß, Binden verwischter.
Thecla rubi ist auf Hochmooren stets zu treffen und zwar als
eine der ersten Formen im Frühjahr.
Erebia stygne ist ein den Urgesteinsgebieten, namentlich der
höhern Lagen, eigenes Tier.
Coenonympha tiphon (davus) var. philoxenus. Auf moorigen Wiesen
häufig, besonders in höheren Lagen. Ob in unserm Gebiet auch die
an Moorgräsern lebende Raupe überwintert, ist nicht festgestellt.
Plusia gamma. Ich erbeutete von diesem Falter nur $&. Ob er
im Gebiet auch in mehreren Generationen erscheint, ist fraglich; ich
traf ihn nur im August und September, dann aber häufig.
Anarta myrtilli. Den Schmetterling fing ich nicht, wohl aber fand
ich die Raupe auf Calluna im September.
Ematurga atomaria. Einer der im Moor im Frühjahr am häufigsten
zu treffenden Falter.
Lygris testata (achatinata). Eine Gebirgsform. Nur im September,
ziemlich häufig.
62 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Diese unvollständige Liste möge erweitert werden durch einige
Angaben aus der Literatur und aus einer Basler Privatsammlung.
H. Christ (136, 137) erwähnt Coenonympha HeroL. (für Juni).
L. G. Courvoisier (138) führt an Lycaeniden an: den
seltenen Chrysophanus hippothoe L. und die an das Vaccinium der
Torfmoore gebundene Lycaena optilete Knoch.
Reutti (142) zitiert das ‚„Willaringer Torfmoor“ nur zweimal:
für Colias palaeno und sodann für die den höher gelegenen Schwarz-
waldmooren als typisch angehörige Argynnis pales Schiff. var. arsilache
Esp.
Der Güte des Herrn H. Honegger, Basel, verdanke ich die
Mitteilung einer gegen 50 Arten zählenden Liste von Schmetterlingen,
die von ihm im Jungholzer Moorgebiet gefangen wurden u. in seiner
Sammlung sich befinden.
Ich führe hier diese Liste an, unter Weglassung überall gemeiner
Arten, sowie solcher, die nicht dem engern Torfgebiet, sondern den
umgebenden Wiesen und Tannenwäldern entstammen, sowie der
schon in obigen Listen zitierten Arten.
Papilio machaon L. Pararge maera L.
Colias palaeno var. europome Erebia medusa F.
Esp. $ aberr. Verdandi H.S. Setina mesomella L.
Polyommatus dorilis Hufm. Nemeophila plantaginis L.
Lycaena icarus Rott. Rhyparia melanaria L.
Lycaena semiargus Rott. Heliaca tenebrata Sec.
Lycaena argiolus L. Euclidia mi Cl.
Lyeaena cyllarus Rott. Jodis putata L.
Melitaea parthenie Bkh. Ellopia prosapiaria L. var. pra-
Melitaea dietynna Esp. sinaria Hb.
Melitaea athalia Rott. Bupalus piniarius L.
Melitaea aurelia Nik. Scoria lineata
Arsynnis aglaja L. Ortholitha plumbaria F.
Zygaena trifolii Cidaria albulata Schiff.
Diese Liste bringt, da die charakteristischen Arten schon weiter
oben angeführt wurden, in der Hauptsache weniger typische Arten.
An Moorpflanzen gebunden erscheinen von ihnen: Ortholita plumbarıa
(Calluna), Jodis putata (Vaccinium myrtillus), Bupalus pimiarius
(schwärmen um die Moorföhren). Hervorgehoben sei auch die gelbe
Q Aberration Verdandi des Colias palaeno. Alle diese Fänge datieren
von Mitte Mai bis August.
So existiert auf unserm Hochmoor, wie auch auf den andern
Torfmooren des Schwarzwaldes (Nonnenmattweiher, Hinterzarten,
Triberg, Kniebis u. a.) neben einer ansehnlichen Zahl gemeiner, weit-
verbreiteter Arten eine kleinere Gruppe für das Torfgebiet äußerst
charakteristischer Formen. Zum Vorkommen dieser typischen Moor-
gruppe tragen verschiedene Faktoren bei: Die einen sind an das Hoch-
moor als den Standort ihrer Raupenpflanzen (Vaccinien, Calluneten)
gebunden: Cohias palaeno, Rhyparia melanaria, Anarta myrtilli, Lycaena
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 63
optilete und weitere im Jungholz nicht, wohl aber in anderen Schwarz-
wälder Torfmooren konstatierte Arten (Acronycta menyanthidis O.,
Anarta cordigera Thub., COrambus uliginosellus Z., siwellus Hb., @ly-
phipteryx haworthana Stept., Brachmia pruinosella Z.). Bei anderen
tritt neben diesen ersten Faktor die allgemeine Vorliebe für feuchte
sumpfige Orte: Argynnis arsilache, Chrysophanus hippotoe, Coeno-
nympha tiphon (Scoparia pallida u. a... Sodann machen sich auch
geltend die Höhenlage: Lygris testata, Nemeophila plantaginis u.a.,
und die Natur des Untergrundes: Erebia stygne. Auf die zoogeographische
Bedeutung dieser Gruppe soll im Kapitel D eingetreten werden.
Wiederum sei an dieser Stelle an die Übereinstimmung der Fauna
von Jungholz mit derjenigen weiter entfernter Moorgebiete hingewiesen.
Die engere Gruppe der charakteristischen Torfmoorfalter kehrt mit
kleineren Abänderungen stets wieder. So beherbergt das subalpine
Einsiedler Hochmoor: Argynnis arsilache, Colias palaeno (var. euro-
pomene), Lycaena optilete u. a.; den Moorgebieten auf dem Harz fehlt
von obigen Arten merkwürdigerweise Colias palaeno, dafür treten
eine große Anzahl uns wohlbekannter Formen auf: Chrysophanus
hippotoe, Coenonympha tiphon, Plusia gamma, Anarta myrtlk,
Erebia medusa usw.; dazu eine Reihe für das Harzmoor cha-
rakteristischer Arten. Auf der rauhen, von Mooren bedeckten Hoch-
fläche der belgischen Ardennen (plateau de la Baraque-
Michel) kehren unsere Schwarzwälder Torfschmetterlinge sehr
zahlreich wieder, ebenso in den weiten Mooren der norddeutschen
Tiefebene, vermehrt um weitere charakteristische Formen.
Formicidae.
Aus der Ordnung der Hymenoptera kann ich nur einige Beiträge
zur Kenntnis der Ameisenfauna der Torflager bringen. Folgende Liste
enthält alle von mir auf dem Jungholzer Torfgebiet gesammelten
Formiciden:
Camponotus hereuleanus L. Formica rufa L.
Lasius niger L. Formica pratensis de Geer
Lasius alineo-brunneus Forel. Myrmica scabrinodis Nyl.
Formica fusca i. sp. L. Myrmica rugulosa Nyl.
Formica fusca var. globaria Nyl.
Es handelt sich also in der Hauptsache um weitverbreitete Arten
der palaearktischen Fauna, um Formen, „die von Shanghai bis
Brest und von Hammerfest bis Mailand wimmeln,‘“ wie mir Herr
Prof. Forel schreibt. Einige kurze Bemerkungen seien beigefügt.
Camponotus herculeanus. Der Fund bestand aus wenigen un-
geflügelten 92, die beim Abheben von Torfschichten zum Vorschein
kamen. Ob die Form wirklich im Moor nistet, vermag ich nicht zu
entscheiden, da ich keine Nester von ihr gefunden; die Anwesenheit
zahlreicher gefallener Baumstämme im Torf läßt eine solche Annahme
immerhin zu.
Den ihr, auch biologisch, nahestehenden Gattungsgenossen
64 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Camponotus ligniperdus Latr. traf ich in subalpinen Mooren auch im
Torf zahlreich (siehe Anhang).
Lasius niger. Die gemeinste Ameise Europas tritt uns im Moor
auf Schritt und Tritt entgegen vom Mai bis Ende Oktober. Sie baut
ihre Nester allenthalben, als einfache Erdgänge im Torf, unter herum-
liegenden Brettern, in Haufen von Torfabfällen oder führt auch aus
feinstem Torfmull zierliche Hügelchen auf. Ende Juli sind die Nester
voll Eier. Schon frühzeitig nach der Schneeschmelze erscheint sie
wieder auf dem Plan. L. niger ist auch die auf den Moorbäumen
(Betula, Pinus) am häufigsten zu treffende Ameise.
Lasius alineo-brunneus. Bei diesem Fund handelt es sich um einen
ähnlichen Fall wie bei Camponotus herculaneus, es möge deshalb auch
das dort gesagte gelten. Das Tier (1 ungeflügeltes 2 aus dem Torf)
kann der Abfall eines Schwarmes sein, das sich, ohne Aussicht auf die
Gründung einer Kolonie, im Moor aufhält. Freilich fehlt es ja auch
nicht an den von der Art bevorzugten Nistgelegenheiten.
Formica fusca ist auch ziemlich häufig. Über ihre Vorkehrungen
zum Schutze der Nester vor der allzugroßen Bodenfeuchtigkeit und
ähnliche Beobachtungen siehe im ökologischen Kapitel ‚‚der Torf“.
Formica rufa. Die ‚Waldameise‘“ ist im Moor nicht häufig; ich
fand sie nur im April. Sie stammt wohl aus den umgebenden Tannen-
waldungen.
Formica pratensis bewohnt die ausgedehnten abgetorften Gras-
gebiete des Moors, auf Torf fand ich nur verflogene 99.
Myrmica scabrinodis. Mitten in einen riesigen Schwarm dieser
Art hinein geriet ich im August. Er bewegte sich um im Moor befind-
liche Birkengruppen. Die Nester habe ich nicht gefunden, die Art
liebt feuchte Orte nicht.
Myrmica rugulosa. Ein Erdnest dieser Art fand ich nach der
Schneeschmelze im April in den obersten Torfschichten, es war gefüllt
mit Larven.
In meiner Liste fehlen ein paar Arten, die im Torfmoor wohl
vorkommen können, so Lasius flavus F. (baut Erdnester), Myrmıca
laevinodis Nyl. und Tetramorium caespitum L.
Charakteristische Moor- oder Torfameisen aber sind nicht bekannt.
Außer den Spinnen dürfte auch in unserm Gebiet als Feind der
Formiciden die Larve des Ameisenlöwen (Myrmeleo formicalynz)
in Betracht kommen.
Mehrere Male beobachtete ich sodann die Anwesenheit von Myrio-
poden, speziell junger Lithobiiden, in Ameisengängen im Torf.
Planipennia.
Myrmeleon formicalynz Fabr. Ich fing nur ein Imago auf dem
Torf, beobachtete aber die Larve nie. |
Sialis fuliginosa Piet. Imagines im Juni. Larven in der ‚„wüsten
Gülle.“ |
Panorpa montana Br. Häufig.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 65
Hemiptera.
A. Meess (170) führt in seinem Verzeichnis der Hemipteren
Badens zwei Arten mit der Fundortbezeichnung ‚Willaringen“ auf.
Es sind:
Heterogaster artemisiae Schill.
Plesiodoma pinetellum Zett.
Ob es sich um Funde aus dem Torfmoor handelt, ist nicht
ersichtlich.
Reptilia.
Lacerta vivipara Jacgq. Anguis fragilis L.
Lacerta agilıs L. Tropidonotus natrix L.
Lacerta muralis Laur. Coronella laevis Lacep.
Lacerta vivipara Jacq. Die „Bergeidechse“ ist in unserm Moor
eine recht häufige Erscheinung, doch entzieht sie sich auf dem Torfe
mit ihrer braunen Färbung leicht der Beobachtung. Der Bauch des $
ist orangerot mit schwarzen Flecken. Gegen den Herbst zu zeigt sie
sich am regsten, im September werden die Jungen lebend geboren,
nur selten sind junge Exemplare an der Oberfläche zu sehen, sie ver-
stecken sich in Ritzen und Löchern. Im Oktober gräbt sich Lacerta
vivipara gruppen- oder familienweise nicht sehr tief in Haufen loser
Torferde ein.
Anguis fragilis wurde nicht oft gefunden; hingegen ist Tropv-
donotus natrix in Moortümpeln und Torfstichen eine recht häufige
Erscheinung. Auch auf dem Torf, im Callunagestrüpp stieß ich
mehrmals auf sie.
Ein junges Exemplar von Coronella laevis, der glatten Natter,
fing ich am Moorrand.
Pelias berus, die Kreuzotter, sah ich im Moorgebiet nie, kommt
auch nach mündlichen Mitteilungen der die Rietgräser im Moor
schneidenden Landleute und anderer Bewohner der Gegend in der
Jungholzer Mulde nicht vor, wohl aber im Murgthal und nach einigen
Aussagen an den waldigen Schutthalden oberhalb Günnenbach, am
südlichen Abhang der Schwarzwälder Vorberge. Auch Weber (194)
berichtet, daß Pelias berus unterhalb der Murg nicht mehr zu finden sei.
Vipera aspis wird gleichfalls aus dem südlichen Schwarzwald
nicht selten gemeldet. Auch von ihr entdeckte ich auf Moorgebiet
nichts; doch dürfte es sich bei den obigen Aussagen über die Gift-
en jener Schutthalden über der Rheinebene um die Juraviper
andeln.
Aves.
Die Wildente (Anas boschas L.) ist im Moor ein häufiger Gast. Sie
brütet am Fischmattenweiher und hat im Torfstich C und dem großen
Sphagnumweiher S Standquartiere..e. Vom Heidenwuhr her fliegt
öfter die Bachstelze herüber. In den hohen Grasbüscheln und
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 3. Suppl, 5
66 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
den Erlengebüschen nisten die Rohrsänger (Acrocephalus) und in den
weiten Callunawirrnissen Lerche und Rebhuhn.
Mammalia.
Hase und Reh sind im Moor häufig. Eine Dachshöhle
mit vielen Ausgängen liegt im Waldzipfel zwischen Moor und Fisch-
mattenweiher. Die kleinen Nager und der Maulwurf fehlen
dem Torfgebiet. Am Moorrand fand ich einmal auf dem Schnee im
Februar eine zu früh aufgetauchte, wohl aus dem Nachbarwald herüber-
gekommene Spitzmaus.
C. Ökologischer Teil.
I. Versuche biozönotischer Darstellung der Hochmoorfauna.
Die länger andauernde Beobachtung gewisser Tiergruppen des
Hochmoors von Jungholz lehrte mich, daß manche Form innerhalb
des Moorgebietes an charakteristische Standorte gebunden ist. Es
legt mir dies die Absicht nahe, in einem eigenen Kapitel zu untersuchen,
welches die Einflüsse dieser Standorte sind, die eine Auslese in ihrer
Besiedelung bewirken können, und inwieweit die Summe dieser ihrer
ee wirklich den Charakter einer Lebensgemeinschaft
erhält.
Der Versuch der Darstellung verschiedener Biozönosen sei
unternommen.
Ich bin mir dabei bewußt, daß ich die Forderungen der streng
differenzierenden biozönotischen Forschungsmethode nicht ganz
erfülle; hält es doch schwer, innerhalb eines engen, an sich schon
lokal so scharf charakterisierten Gebietes, wie es ein Torfmoor darstellt,
die Übergänge aus einem Lebenskomplex in den andern scharf zu
trennen und jedem einzelnen vollgültige Grenzen zu stecken. Sagt
doch Dahl (8) mit Recht, daß die Beantwortung der Frage, inwieweit
in einem Gebiete Biozönosen zu unterscheiden seien, nicht etwa vom
Gutdünken des Forschers, sondern lediglich von den Erfahrungs-
tatsachen abhängt. Meine Biozönosen erfüllen die Mindestforderung,
die an eine Lebensgemeinschaft gestellt wird, daß sie nämlich wenigstens
eine charakteristische Art enthalten. Das ist ja eben meine Erfahrungs-
tatsache, daß mir von Anfang an die strenge Lokalisierung gewisser
Moortümpelbewohner auffiel, sodaß ich nie im Zweifel war, wo ich
sie, zu weiterer Beobachtung wieder zu suchen hatte.
Das ganze, nicht sehr große Hochmoor stellt einen einheitlichen
biotischen Komplex dar, ein „Biotop“ nach Dahl, oder eine
„Biosynöcie‘“ (biosynöcischer Distrikt), wenn wir Ender-
leins (163) Terminologie folgen wollen. Das bedingende Element
dieses Komplexes ist der Torf mit seiner charakteristischen Vege-
tation, seinen bestimmten auf die Ansiedlung.-einer aquatilen Fauna
wirkenden Faktoren physikalischer, hydrologischer und chemischer
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 67
Natur; mag es sich nun bei der Wirkung der ‚freien Humussäuren“
wirklich um solche handeln, oder, wie die neuesten Forschungen dartun,
(Mitteil. d. kg. Bayr. Moorkulturanstalt, 1910, Heft 4) um Ober-
flächenwirkungen von Colloiden in den Sphagneencellulosen.
Durch den Eingriff des Menschen wurde das Gesicht des Torf-
moors stark verändert, wurden neue Möglichkeiten zu biosynözischer
Gliederung geschaffen, wenn auch jene oben angedeuteten grund-
legenden Faktoren als dominierend für alle in Geltung blieben, eine
Abschließung der Biozönosen gegenüber dem Gesamten, der Bio-
synöcie nicht angeht.
Da sich meine Untersuchungen vor allem der aquatilen
Hochmoorfauna zuwandten, kann ich nur sie biozönotisch enger
gliedern, während ich von der terricolen Fauna lediglich einige ökolo-
gische Feststellungen im Abschnitt ‚der Torf‘ zusammenfasse.
Daß es sich um keine erschöpfende Darstellung handelt, daß
verschiedene Gruppen, die eine sichere Ausbeute verheißen würden,
nicht oder zu wenig eingehend behandelt werden können, wurde früher
schon betont, und daß die einzelnen biozönotischen Gruppen sich
noch mehr spezialisieren ließen (z. B. Torfstich: die Formen der freien
Wasserfläche, die Formen des torfigen Schlammes), was ich aber nicht
ausführe, sei hier betont.
Ich unterlasse auch die nochmalige Bemerkung nicht, daß es
sich nur um die Beobachtungen im Gebiete des Jungholzer Hoch-
moores handelt. Meine faunistischen Ergebnisse aus andern Hoch-
mooren (siehe Anhang) sind nicht die Frucht länger andauernder
Untersuchungen, sondern in der Hauptsache nur Sammellisten. Was
bis jetzt in biozönotischer Hochmoorforschng geleistet wurde,
beschäftigt sich aber zumeist mit der terrestrischen Fauna, haupt-
sächlich mit Insekten und Araneen; sodaß nur bei wenigen
Gruppen vergleichende Ausblicke möglich waren. Ich unterscheide
folgende Biozönosen:
Die Sphagnumweiher und Kolken.
Die Torfstiche und Abflußgräben.
Die Randweiher.
Der Torf.
Be RD
1. Die Sphagnumweiher und Kolken.
Diese Tümpel sind größere oder kleinere von Torfmoosen voll-
ständig erfüllte Gräben, in denen Regenwasser sich sammelt, entweder
natürliche Vertiefungen oder ehemalige vom Sphagnum wieder eroberte
Torfstichbezirke. Ihr Umfang ist sehr verschieden, ihre Tiefe meist
unbeträchtlich. Den Untergrund bildet in der Regel torfiger oder
lössiger Boden, je nach der Lage auf rezentem oder ehemaligem Tort-
gebiet. Der Moosteppich bildet oft einen solch dichten Abschluß
nach unten, daß das Wasser des Tümpels gar nicht oder nur wenig
die braune Moorwasserfarbe annimmt. Es ist auch sehr mineralarm,
speziell kalkarm, ‚‚weich“.
5%
68 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Die freie Wasserfläche ist meist sehr gering, bietet im flutenden
Sphagnumgewirre keinen Raum zu „pelagischer‘ Lebensweise.
Die Kolken sind die kleinen, zwischen den emporstrebenden
Moosbulten sich bildenden, periodisch mit atmosphärischem Wasser
gefüllten, Vertiefungen und Löcher. Sie trocknen zumeist im Hoch-
sommer gänzlich aus, während die größeren Sphagnumtümpel ihr
Wasser behalten. Im Winter ist das Einfrieren bis zum Grund nichts
seltenes. Die thermischen Verhältnisse dieser Sphagnumgewässer
sind starkem Wechsel unterworfen. Dabei herrscht Schwankung
nicht nur zwischen den einzelnen Tümpeln und Kolken, sondern auch
nimmt im einzelnen Gewässer die Temperatur nach unten sehr stark ab
und zeigt stets das Maximum innerhalb der dichten Sphagnumrasen
unter der Wasseroberfläche.
Einige Zahlen mögen dies zeigen:
19. Juni: Luft: 180 C., s: 24,50, 5: 28°, verschied. Kolken: 15°, 18°.
20. Juni: Luft: 220, 8: 290, S: 32°,
21. Juni: Luft: 20° Kolk: freie Wasserfläche: 15°.
(Vormitt.) RER Sphagnumrasen: 18°.
2 Luft: 240 ca. 60 cm Tiefe: 13°.
(Mittag) Kolk: Oberfläche 18°,
Sphagnumrasen: 22°.
Das überhaupt je gemessene Maximum waren obige 32°. S und s
sind die zwei meist untersuchten Sphagnumtümpel (siehe Karten-
skizze). Die Faktoren, welche auf die die Sphagnumtümpel be-
siedelnden Tierformen einwirken, sind also: Die Gegenwart der
Sphagneen mit ihren hygroskopischen und chemischen Eigentüm-
lichkeiten, das den Wasserraum erfüllende, gute Schwimmer aus-
schließende, dichte Moosgewirr, die extremen Temperaturverhältnisse,
totales Einfrieren und Austrocknen (in den Kolken).
Die Behandlung der im Sphagnumtümpel beobachteten Fauna
geschieht hier und in den folgenden zwei Abschnitten nach dem gleichen
Schema wie im. speziellen Teil.
Flagellata. Die Sphagnumtümpel sind reich an Flagellaten.
Als charakteristische Form darf u. a. wohl das im Jungholz von
Schilling (45) entdeckte Glenodinium uliginosum gelten.
Rhizopoda. Im Sphagnum treten uns die für die Hochmoore
charakteristischn sphagnophilen Arten entgegen. Da
ich mich selbst eingehender nur mit den Rhizopoden des Torfstichs
beschäftigt habe, zitiere ich in Kürze die Ergebnisse derH ein is ’schen
Rhizopodentorschungen im Jungholzer Sphagnum. Die Gegenüber-
stellung meiner 22 Arten umfassenden Liste aus den Torfstichen
und Randweihern und derjenigen von Heinis mit öl Arten kenn-
zeichnet die Rhizopodenfülle des Sphagnums deutlich genug.
Heinis bezeichnet von seinen Arten 25 als im Gebiet „aus-
schließlich sphagnophil, den andern Moosen fehlend“. Streiche ich
jedoch aus dieser Liste 8 Arten aus, die ich auch für meine andern
Fundorte feststellte, so verbleibt für Jungholz folgende Reihe
sphagnophiler Rhizopoden:
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 69
Difflugia bacillifera Nebela americana
Difflugia arcula Heleopera picta
Arcella artocrea Euglypha compressa
Hyalosphenia papilio Euglypha cristata
Hyalosphenia elegans Placocysta spinosa
Nebela tubulosa Trinema complanatum
Nebela militaris Corythion pulchellum,
Nebela crenulata Amphitrema wrightianum
Nebela tenella
Difflugia arcula, Trinema complanatum und Corythion pulchellum
sind freilich auch nur bedingt als sphagnophil zu bezeichnen.
Es handelt sich aber hier nicht nur um die submersen Sphagnum-
rasen der Tümpel, sondern auch um die oberirdischen, luftfeuchten
Moospolster, doch dürfte der biozönotische Charakter der beiden
Lokalitäten für diese Gruppe wenig differieren, da ja auch im
Hochsommer das Sphagnum infolge seiner eigenartigen, hygroskopischen
Zwecken dienenden anatomischen Struktur stets ziemlich wasser-
haltig ist.
Von den Rhizopoden, die Schlenker (18) im Schonacher
Hochmoor (nördl. Schwarzwald) fand, bezeichnet er als Moorformen:
Arcella mitrata Nebela collaris
Hyalosphenia papilio Nebela bursella
Hyalosphenia cuneata Heleopera petricola
Difflugia urceolata Cyphoderia ampulla.
Für Hyalosphenia cuneata, Difflugia wrceolata und Cyphoderia
ampulla kann diese Bezeichnung nicht aufrecht erhalten bleiben,
sie finden sich beispielsweise auch in Seen; die übrigen, ausgenommen
Hyalosphenia papilio, wären wohl besser als Moosformen zu be-
nennen. Im übrigen stimmt dieSchlenkersche Liste (33 Arten)
was die Vertretung der Gattungen anbetrifft, mit derjenigen von
Jungholz im wesentlichen überein. Auf pag. 665 seines Rhizopoden-
werkes gibt Penard (41) eine Zusammenstellung der Arten, die als
charakteristisch für das Sphagnum angesehen werden dürfen.
Eine Anzahl sphagnophiler Rhizopoden führen auch Leidy (40),
Zacharias (3l) und Levander (15) in ihren faunistischen
Arbeiten auf. Der letztere Autor faßt aber den Begriff „sphagnophile
Fauna“ sehr weit: „Organismen die ausschließlich oder vorzugsweise
in moosigen Gewässern leben“. So kommt es, daß er in diese Gruppe
An einführt, die wir zu den gewöhnlichen Seichtwasserformen
zählen.
Rotatoria. Von seinen 18 Jungholz-Rotatorien bezeichnet
Heinis folgende drei als sphagnophil:
Philodina aculeata
Rotifer macrurus
Rotifer roeperi
und zwar traf er die letztgenannte Art in den Außenzellen der Sphagnum-
blätter „raumparasitisch‘“ lebend.
70 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Rotifer macrurus fand ich auch im Sapropel eines nichttorfigen
Randweihers. Hingegen füge ich der Liste der sphagnophilen Ro-
tatorien hinzu:
Anuraea serrulata Ehrbg. Sie ist die in allen Listen von Hoch-
mooren regelmäßig auftauchende Form [vide: Lauterborn (64),
Levander (65), Bilfinger (59), Voigt (67)]. Sie erscheint
sowohl pelagisch in den Sphagnumtümpeln mit größerer freier Wasser-
fläche, als auch in den feuchtigkeitdurchtränkten Sphagnumpolstern.
Schlenker verzeichnet für seine Moore im nördlichen Schwarz-
wald nur Anuraea aculeata und Anuraea valga.
Im übrigen zeigt eine Vergleichung der Jungholzer sphagno-
philen Rotatorien mit den entsprechenden Gruppen bei anderen Forschern
z.B. bei Voigt, wenig Übereinstimmung. Allerdings fällt ja die
noch unvollständige Erforschung unseres Moores in Betracht. Für die
Liste vonLevander mag das gelten, was schon bei den Rhrzopoden
vermerkt wurde.
Oligochaeta. Aus der kleinen, noch unvollständigen Oligochaeten-
liste sei hervorgehoben Marionina sphagnetorum Veid. als im
schlammigen Gewirr auf dem Grunde der Sphagnumkolken lebend,
doch nicht als völlig charakteristisch für unsere Tümpel allein.
Naididen sind ziemlich selten in Sphagnumtümpeln; hingegen stammt
der einzige Fund von Ophidonars (Reckei?) aus einem Kolk.
Cladocera. Die Verteilung der Oladoceren auf die einzelnen Moor-
gewässer zeigt wenig Charakteristisches. Ausgesprochen sphagnophile
oder sphagnophobe limicole Cladoceren sind nicht bekannt. Le-
vander (15) bezeichnet zwar Alonella excisa und Alonella nana
alssphagnophil. In der Tat ist in unserm Moor die erstere ganz lokalisiert
auf die Sphagnumgewässer. Zusammen mit COhydorus sphaervcus
belebt sie die kleinen Kolken; während sie den Randtümpeln und selbst
den Torfstichen fehlt. Auch Thiebaud (25) und Schauss (78)
melden sie aus Moortümpeln.
Doch dürfen diese einzelnen Befunde nicht generalisiert werden.
Auch Chydorus ovalıs liebt den Aufenthalt in moosigen Gewässern.
Die biologisch bedeutsame Anpassung der Fortpflanzungs-
verhältnisse von Alonella excisa und Chydorus sphaericus an den
austrocknenden Standort durch Einschiebung eines frühern Dauer-
eistadiums in den monocyclischen Plan wurde schon im speziellen
Teile gewürdigt.
Copepoda. Unter den C'opepoden treten uns in den Sphagnum-
tümpeln die Schlammformen C'yclops languidus und Cyclops nanus
entgegen, deren Fähigkeit zu kriechen ihnen das Leben im Moosgewirr
ermöglicht. Schon im faunistisch-systematischen Kapitel wurden die
Eigentümlichkeiten im Körperbau, die O'yclops languidus und nanus
auszeichnen und zw der verborgenen Lebensweise befähigen, näher
berührt. Neben diesen beiden Hauptvertretern der im Gebiet sphagno-
philen Copepodenfauna wären ferner Canthocamptus staphylinus
und bedingungsweise O'’yclops erassicaudis zu setzen. Es ist natürlich
nicht davon die Rede, die drei Arten als ausgesprochen sphagnophile
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 71
Tierformen zu bezeichnen. Cyclops languidus fehlt ja fast in keiner
der Wasseransammlungen des Moors; C'yclops nanus freilich ist eher
auf die moosdurchfluteten Tümpel und Gräben beschränkt. Die
Bedeutung ihrer Anwesenheit in den Sphagnumgewässern, speziell als
die einzigen C'yclopiden in den kleinen Kolken, soll aber durch diese
Benennung hervorgehoben werden.
Sind sie doch die einzigen, die hier den Zustand der Eintrocknung,
ausgewachsen oder als Larven, überdauern, während diese Periode
die hier vorhandenen Cladoceren zur außerordentlichen Dauereibildung
veranlaßt. Der die gleiche biologische Eigentümlichkeit aufweisende
Cyclops diaphanus (siehe Claus [69]) erscheint darum auch dadurch
als der nahe Verwandte unserer beiden Formen.
Arachnoidea. Die große Dolomedes fimbriatus erscheint im Gebiet
ganz an die Moostümpel, an die Ränder der Kolken gebunden.
Ihr bevorzugter Aufenthaltsort sind sonst sumpfige Wälder, ferner
die Ufer von Tümpeln, Gräben und Seen der Ebene.
Hydrachniden fanden sich im Sphagnumteppich keine. Hingegen
hielten sich einzelne der aus den Abflußbächlein stammenden Arten
dort in den Moosrasen am Rande auf.
Tardigrada. Von seinen drei in Sphagnumtümpeln gefundenen
Tardigraden bezeichnet Heinis zwei als sphagnophil, nämlich
Macrobiotus hastatus und Diphascon scoticum.
Coleoptera. Als charakteristische Arten des dichten submersen
Moosgewirres fand ich im Moor Hydrobius fuscipes und noch aus-
gesprochener seinen kleinen Doppelgänger: Ürenitis punctatostriata.
Letzteren darf ich als sphagnophile Form vermerken. Beide zeichnen
sich, ihrem Standort gemäß, durch mehr kriechende als schwimmende
Bewegung aus. Auch die Agabiden, Ilybiiden und Hydroporiden
bevorzugen moosige Gewässer; doch lieben sie einen größeren Be-
wegungsraum.
Trichoptera. Keine der im Moorgebiet gefundenen Trichopteren-
larven hält sich streng an einen unserer biozönotischen Distrikte.
Neuronia rufierus und Limnophilus griseus bevorzugen offenkundig
ganz flache Wasseransammlungen, also Sphagnumkolken und seichte
Torfwasserlachen. Die übrigen Formen halten sich eher an die tiefen
Tümpel, aber durchaus nicht strikt.
Larven mit aus Sandkörnern zusammengesetzten Köchern in
Sphagnumiöchern, wo das anorganische Baumaterial eigentlich zu
fehlen schien, sind eine ökologisch beachtenswerte Erscheinung, die
ich wiederholt konstatierte. Auf die eigentümliche Anpassung torrenti-
coler Sericostomatiden an paludicole Lebensweise wurde schon früher
aufmerksam gemacht.
Von anderen Insekten sind im Sphagnumtümpel reichlich ver-
treten nur die Odonatenlarven. Ihre Anpassung an Temperatur-
schwankungen ist bedeutend. Zibellula-larven ertrugen eine Temperatur
von 38° C. in einer der Sonne ausgesetzten Glasschale mit nassem
Sphagnum. Ob und inwieweit spez. die Larven der charakterischen
Torflibellen sich innerhalb der Moorgrenzen biozönotisch scheiden,
12 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
ist nicht zu sagen. Soviel aus den gemachten Beobachtungen über-
haupt zu entnehmen ist, halten sich die großen Larven (Aeschniden)
hauptsächlich an die Torfstiche und tieferen Randweiher, während
in den Kolken meist kleinere Larven (Libelluliden) getroffen wurden.
Corethralarven kommen vereinzelt in Kolken vor.
Einen Triton fischte ich im Sphagnumtümpel nie; die Frösche
sind hier weniger zu Hause als in den offenen Torfstichen.
So stellt sich uns die Tierwelt der Sphagnumgewässer als eine
nicht sehr reichhaltige Lebensgemeinschaft mit ziemlich weit ge-
zogenen Grenzen dar, innerhalb der aber eine engere Gruppe niederer
Formen sich abschließt, denen das Vorhandensein des Sphagnums
unumgängliches Lebensbedürfnis ist, die als die eigentlichen stenotop-
homocoenen Charaktertiere unserer Biozönose zu bezeichnen sind:
die sphagnophilen Arten.
2. Der Toristich.
In den von den Torfstechern verlassenen Grabbezirken sammelt
sich an den tieferen Stellen das meteorische Wasser zu kleinern und
größern, oft bedeutend tiefen Tümpeln. Dieses Wasser nimmt stets
eine dunkel-kaffeebraune Färbung an. Außer Lemna und Algen fehlt
den Torfstichen die makrophytische Vegetation; sie sind mit Sphagnum
noch nicht wieder besiedelt. Sie bieten also Raum zur Entwicklung
eines Planktons.
Den Untergrund bildet eine tiefe Schicht lockeren Torfschlammes,
auf der Oberfläche des Wassers bilden sich oft irisierende Schichten
(Eisenhydroxyd?) oder sammeln sich an seichten Stellen rostrote Über-
züge von Bakterien.
Die thermischen Verhältnisse schwanken nicht innerhalb der
weiten Grenzen wie diejenigen der Sphagnumtümpel, steigen nicht zu
den Höhen an wie in den submersen Moosteppichen. Das gemessene
Maximum im großen Torfstich C betrug 26,5 ° C (20. Juni). Infolge
ihrer tiefen, durch oft bis 2/, m hohe Torfwände geschützten Lage
ist ihre Durchlüftung, ihr Sauerstoffgehalt gering. Kleinere, seichtere
Torfstiche liegen während der Hitzezeit oft trocken da, während im
Winter auch in den tieferen Stichen unter einem sehr dicken Eisver-
verschluß nur mehr eine geringe Wassermenge bleibt, wenn nicht
vollständiges Ausfrieren erfolgt.
Größeres thermisches Ausgeglichensein, das stark humöse Wasser,
die Abwesenheit der Sphagneen, der freie Schweberaum unter-
scheiden also die nackten Torfstiche von den vorhin charakterisierten
Tümpeln.
Diese Faktoren machen sich geltend in ihrer Biozönose und recht-
fertigen ihre Sonderbetrachtung, wenn schon betont werden muß,
daß der Hauptfaktor, auf dem die Sphagnophilie beruht, die
chemische Wirkung von Sphagnum und Sphagnumtorf, für beide ja
gemeinsam ist.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald, 73
Infusoria. Da meine Untersuchungen keine Spezialstudien über
die Infusorien einschließen, kann ich hier nur mit einem allgemeinen
Wort auf die ungemein reiche Vertretung dieser Tiergruppe spez.
im Torfschlamm hinweisen.
Rhizopoda. Schon in der Behandlung der Sphagnumgewässer
wurde die kleine Rhizopodenliste aus den Torfstichen der großen
aus den Sphagnumweihern gegenübergestellt. Die geringere Be-
siedlung der nackten Torfstiche an Rhizopoden, sowohl an Artenzahl,
als an Individuenmenge, jenen Tümpeln und den Randweihern gegen-
über fiel mir auf. Das Lebenselement der Rhizopoden im Torstich,
der aus feinen Torfpartikelchen bestehende, mit wenig anorganischem
Material gemischte Schlamm, bleibt nicht wirkungslos auf die Ver-
tretung der Gattungen. Das nicht überreichlich vorhandene Schalen-
baumaterial bedingt eine schwächere Vertretung der Difflugien, die
in den Randweihern aufblühen werden. Immerhin gehört die Hälfte
meiner Arten in die Gruppe der Kieselschaligen. Am zahlreichsten
sind unter ihnen: Difflugia acuminata, Difflugia lobostona, Centro-
pyzis aculeata.
Reichlich erscheinen im Torfschlamm hingegen die ünbeschalten
Amoebaeen.
Die sphagnophilen Arten treten zurück, gar nicht vorhanden
sind von ihnen u.a. die Gattungen Hyalosphenia und Heleopera.
Im ganzen zählt meine Liste des Torfstichs 18 Rhizopoden; nur
hier, im Sphagnum aber nicht, wurden gefunden: Pelomyxa palustris,
Difflugia lobostoma, Lecquereusia modesta. Eine von Heinis unter-
suchte Torfschlammprobe lieferte neun Arten, darunter folgende
drei von mir nicht konstatierte: Difflugia acuminata var. umbilicata,
Difflugia bacillifera, Arcella artocrea.
Im ganzen mangelt also der Rhizopodenfauna der Torfstiche das
eigene Gepräge.
Rotatoria. Im vorigen Abschnitt wurde Anuraea serrulata als
sphagnophile Form bezeichnet. Das schließt, wie oben in der Einleitung
gesagt wurde, ihr Vorkommen in den Torfstichen nicht aus. Sie ist
aber nicht in allen Torfstichen zu Hause, während sie kaum in einem
Sphagnumtümpel fehlt.
Oligochaeta. Bretscher und andere betonen die große Lokal-
beständigkeit gewisser Oligochaeten. Sehr charakteristisch ist in dieser
Hinsicht für unser Gebiet Verdowskyella comata, die sich streng an die
Torfstiche hält; in deren weichem, organischem Schlamme sie in großer
Zahl lebt, während sie in anderen Tümpeln nie getroffen wurde. Für
Marionina sphagnetorum hingegen kann das für Anuraea serrulata
vermerkte gelten.
Ostracoda. Über die große Seltenheit von Ostracoden im Jung-
holzer Torfschlamm wurden schon im speziellen Teil ein paar Worte
gesagt.
Cladocera. Daß die Daphniden nicht ins Innere des Moores vor-
dringen, in den Torfstichen völlig fehlen, ist wohl einfach dem Mangel
an größern freien Wasserflächen zuzuschreiben. Im Torfstich C dürften
74 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
sie freilich zu erwarten sein. Vielleicht wurden sie durch die Konkurrenz
der zahlreichen ausdauernderen Copepoden aus dem Felde geschlagen.
Daß es nicht die Abneigung gegen humöse Gewässer ist, die sie fern-
hält, zeigen die Cladocerenlisten aus andern Mooren. Lutz (97)
gibt eine sehr große, doch hat dieser Autor nur Wiesenmoore vor sich
ehabt.
: Die paar wenigen Funde von Rhynchotalona rostrata im Gebiet
stammen aus Torfstichen; Alonella nana ist im Torfschlamm zu treffen
und O’hydorus sphaericus stellt große Massen zum „Torfstichplankton“.
Copepoda. Körperbau und Lebensweise der Copepoden stehen in
Correlation zu ihrem engern Aufenthaltsort. Im Sphagnumteich
trafen wir kriechende Formen, deren Körper Zeichen von Reduktion
und Verkümmerung zeigten, hier treten uns nun die mit wohl ent-
wickelten Schwebe- und Schwimmorganen (Antennen, Schwimmfüße,
Furka) ausgerüsteten Arten entgegen. Zwar bieten die Torfstiche
mit ihrem verhältnismäßig geringen Wasserraum den größeren zu
pelagischer Lebensweise neigenden Formen ungenügenden Raum:
Oyclops albidus und /uscus finden sich hier nur gelegentlich und ver-
einzelt; auch Cyelops Dybowskii macht am Moorrande Halt. Hingegen
sind Cyclops serrulatus und Oyclops prasinus, zwei gute Schwimmer,
hier heimisch. COyclops prasinus ist recht eigentlich das pelagische
Tier der Torfstiche. Dafür scheinen nicht nur der günstige Bewegungs-
raum und die thermischen Verhältnisse, sondern direkt eine gewisse
Vorliebe für torfige Gewässer maßgebend zu sein, was auch sein Vor-
kommen in andern Mooren zeigt.
Oyclops vernalis ist in den meisten Moortümpeln zu treffen;
C'yclops crassicaudis fehlt auch den Sphagnumtümpeln nicht, wenn schon
er die freien Torfstiche bevorzugt.
Hydrachnida. Die Tatsache der Seltenheit der Wassermilben in
stark torfigem Gewässer wurde schon früher betont und auch die
wahrscheinlichen Gründe hierfür, die Empfindlichkeit dieser Tiere
gegen die Humussäuren und vielleicht auch gegen die starken
thermischen Schwankungen dieser Tümpel, genannt. Anderseits
ist ja freilich die sehr große Lebenskraft der Hydrachniden eine be-
kannte Tatsache. Wie aber die faunistischen Listen aus andern Hoch-
mooren keine oder wenige Milben nennen (bei mehreren ‚„Moorfunden“
Koenikes [112], Schlenkers [18] u.a. handelt es sich um
Wiesenmoortümpel, etwa meinen „Randtümpeln“ entsprechend) so
blieb es auch bei meinen Nachforschungen im Torfstich bei Neumania
triangularıs, Arrhenurus Neumani und einer Arrhenurusnymphe,
und man darf wohl von einer gewissen Sphagnophobie (Humophobie)
der Hydrachniden sprechen.
Coleoptera.. Moosliebende Wasserkäfer haben wir im vorigen
Abschnitt kennen gelernt; die Mehrzahl jedoch zieht die sphagnum-
freien Tümpel vor, wobei zwischen Torfstichen und Randweihern
wenig Unterschied herrscht. Dytiscus, Acilius und Rhantus fühlen
sich im weichen Untergrund der Torfstiche sehr wohl, ihnen und ihren
geiräßigen Larven bietet sich hier reichliche Nahrung.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 75
Agabiden und Ilybiiden sind hier weniger häufig. Sozusagen als
charakteristisch zu bezeichnen für den Torfstich © ist die Variation
Heydeni des kleinen Haliplus ruficollis; fast jeder Netzzug bringt
ihn ans Land.
Von den übrigen Insekten seien kurz noch erwähnt Corethra
plumscornis und namentlich die tüchtigen Schwimmer unter den
Rhynchoten: Notonecta und Corixa, die den Sphagnumtümpeln
natürlicherweise fehlen. Im Schlamm bauen sich die C'hironomiden
aus Torfpartikelchen ihre Gehäuse.
Auch der große Chor der Frösche und die je und je an der
Oberfläche auftauchenden Tritonen zeugen von der Wohnlichkeit
des üppigen Torfschlammes.
Mollusken fehlen, wie auch in den Sphagnumtümpeln, voll-
ständig.
Zwei Biozönosen sind es also eigentlich, die wir in den Torf-
stichen treffen: die vielformige Lebensgemeinschaft im Dunkel des
torfigen Schlammes und die kleine Gemeinschaft des „Torfstich-
planktons‘“, bestehend in der Hauptsache aus Anuraea serrulata,
Chydorus sphaericus, mehreren Arten von C'yclops, hauptsächlich pra-
sinus, serrulatus, languidus und vernalis, seltener nanus und crassi-
caudıs, sowie Corethra plumicornis und einigen andern Zuzüglern
wie Naididen u. a. Wa
Der Gesamteindruck des Faunencharakters der Torfstiche ist
derjenige der Armut an Arten, während die Individuenmenge oft eine
recht beträchtliche ist.
Im Anschluss an den Torfstich seien wenige Worte über das
torfige Abflußbächlein angebracht. Das fließende Element macht sich
vor allem bemerkbar im Zurücktreten planktontischer Formen
und in der Häufigkeit typischer Bachbewohner wie Stenophylaz,
gewisser Coleopteren und Hwydrachniden. Die Copepoden (Uyclops
languidus und nanus) suchen die moosigen Ränder auf; seinen Lieblings-
aufenthalt findet hier auch O’hydorus ovalis. Beziehungen mit dem
torfigen Wasser knüpfen hier die Milben Arrhenurus Bruzelii und
Leuckarti, sowie Thyas venusta. Waren die Ilybiiden und Agabiden
im stagnierenden Torfstich seltener, so finden sie sich hier in den
Moosrasen der Ufer in großer Menge (u. a. wurden nur hier gefunden:
Agabus femoralis und A. paludosus), in Gemeinschaft mit Hydro-
poriden, unter ihnen Hydroporus nigrita, dem Gebirgsbachbewohner.
Auch die interessante Larve von Phalacrocera replicata ist nur hier
zu treffen.
So bringt die Bewegung des Elementes gleich einen ganz anderen
Zug in den faunistischen Charakter dieses torfigen Gewässers.
3. Die Randweiher.
Unter diesem Namen seien die drei Tümpel am südlichen Moor-
rande (siehe Kartenskizze im Anhang) zusammengefaßt.
76 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Die zwei kleinern wurden mit den Buchstaben A und B bezeichnet,
während für den größten der bezeichnende Name, den ihm der Volks-
mund gegeben und der auch auf der Karte figuriert, angeführt wurde:
„wüste Gülle“. Die drei Tümpel unterscheiden sich von den eigentlichen
Moortümpeln durch ihre Lage außerhalb des Torfgebietes und die
dadurch bedingte veränderte Natur des Untergrundes und der Wasser-
beschaffenheit. Sie bieten eher den gewöhnlichen Tümpelcharakter,
namentlich der mit A bezeichnete mittlere der drei.
Die ‚„wüste Gülle“, ein fünf Meter breites, fünfzehn Meter langes,
bis drei Meter tiefes Loch mit flachen Rändern ist stetsfort mit
schmutzigem, dunkelbraunem Wasser angefüllt. Den Boden bedeckt
ein tiefer, grauer Schlick mit Verwitterungsprodukten des anstehenden
Urgesteins. In den Temperaturverhältnissen gleicht er den Torfstichen.
Der Tümpel A, nicht viel kleiner als die ‚„‚wüste Gülle“, ist ganz
versteckt in einem Dickicht von Erlen und von Weiden und ziemlich
tief gelegen. Diese ausgiebige Beschattung bekundet sich in seiner
Temperatur. A ist der kühlste Tümpel auf Moorgebiet; er wird am
spätesten eisfrei, bleibt im Hochsommer stets um einige Grade hinter
den übrigen Moorgewässern zurück, weist im Spätjahr zuerst die Eis-
decke auf.
A B Wüste Gülle Torfstich
8. März: . . . 5 cm Eis, 2°C 6° 20 80
Zlund: u 14 9 189 20 18°
4.48ept:: ... 2”; 10 13.2 17,52 15
Das Wasser des Tümpels ist ziemlich klar, nie braun gefärbt,
der Untergrund der gleiche wie in der ‚„wüsten Gülle‘, hingegen bedeckt
von einer dicken vermodernden Laubschicht; starker Schwefelgeruch
verkündet die Anwesenheit von Sumpfgas und Schwefelwasserstoff.
In seinen physikalischen Bedingungen weist somit der Tümpel A
die größte Ähnlichkeit mit dem bald zu besprechenden Fischmatten-
weiher auf und zeigt darum auch in seiner Fauna deutliche Hinweise
auf diejenige des obigen größeren Gewässers.
Am ehesten weist der Tümpel B, der kleinste der drei, die Ver-
hältnisse eines Torftümpels auf. Er stößt an das Torfgebiet an, ist
auch stellenweise an den Rändern stark mit Sphagnum besetzt, sein
Wasser weist stets die typische Braun-Färbung auf, in der Temperatur
weicht er ebenfalls nicht wesentlich von den Torfstichen ab.
Der allgemeine faunistische Charakter dieser Tümpel gegenüber
den Torfstichen und Sphagnumweihern ist der größerer Reichhaltigkeit.
Die gewöhnliche Tümpelfauna macht sich in vermehrter Weise
bemerkbar.
Es seien nur einige Einblicke in diese Welt festgehalten.
An Protophyten und Protozoen bieten unsere Tümpel eine reiche
Ausbeute. Einiges wurde schon im spez. Teile erwähnt, weniges sei
beigefügt. Eine Art von Wasserblüte ist im Frühling in A zu beobachten,
gebildet aus Flöckchen amethystfarbener Bakterien. Auch an Fla-
gellaten und Infusorien ist dieser Tümpel besonders reich, Spirostomum
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 77
ambiguum in Riesenexemplaren ist im Winter ein Leittier, während
die „wüste Gülle‘“ besonders von Stentor coeruleus wimmelt. Bei den
Rhizopoden ist der übergroße Reichtum an Difflugien in die Augen
springend. Nur hier fanden sich auch die schönen Exemplare von
Cyphoderia ampulla, die vielleicht planktontisch lebt. Dafür fehlen,
mit Ausnahme des Tümpels B, die sphagnophilen Arten.
Zur Beobachtung von Anuraea serrulata diente hauptsächlich der
Tümpel B, sie ist hier das leitende Planktontier.
Ostracoden lieferte, außer den Moorrandgräben fast ausschließlich
der Tümpel A; die Laubschicht auf seinem Grunde beherbergt Un-
mengen der Cypria ophthalmica, weniger Cyclocypris. Überhaupt
nicht in die Moortümpel hinein geht Candona candida, sie hält sich
an die Randgräben.
Cladocera. Der Tümpel „wüste Gülle“ besitzt eine nur ihm eigene
Form in Peracantha truncata, der Tümpel A in Ceriodaphnia pulchella
beide kehren nur im Fischmattenweiher wieder. Peracantha wird sonst
nirgends aus Torfgewässern gemeldet.
In B tummeln sich besonders zahlreich die beiden Chydorus.
Copepoda. Auf das biologisch interessante Verhalten von C'yclops
fuscus in der „wüsten Gülle“ wurde schon früher hingewiesen. Die
ziemliche Tiefe dieses Tümpels mag das Vorkommen dieses pelagischen
Cyclops begünstigen. Ganz auf A beschränkt sich Oyclops Dybowskir,
die Warmwasserform. Sein Verhalten und das ähnliche der Cer:o-
daphnia pulchella deutet darauf hin, daß diese Arten eine gewisse
mittlere Temperatur (um 15° herum) bevorzugen, wie sie ihnen in A
(und im Fischmattenweiher) geboten ist, daß sie große Kälte aktiv
nicht überdauern, die allzugroße Wärme sie aber auch aus den Torf-
stichen fernhält. Im übrigen aber zeigt sich der gewöhnliche
Tümpelcharakter unserer Randweiher im Mangel ausgesprochenen
Überwiegens bestimmter Typen, wie wir dies im Torfstich und im
Sphagnumweiher konstatierten.
Hydrachnida. Sahen wir diese Gruppe in den torfigen Gewässern
recht spärlich vertreten, so blühen sie nun hier eigentlich auf. Neu-
mania vernalis und spinipes, Arrhenurus spec., Piona carnea. Die
erstere und letztere sind in der „wüsten Gülle‘“ gemein.
Insecta. Wenig Bemerkenswertes ist zu verzeichnen: der große
Reichtum von B an Agabiden und Ilybiiden, A als der einzige Fundort
der großen Köcher von Limnophilus rhombicus, die interessante An-
passung von Sericostomalarven an das Leben in der „wüsten Gülle“,
die Massenvertretung von Corethra plumicornis und ihr biologisches
Verhalten ebenda, worauf im spez. Teile hingewiesen ist.
Hervorgehoben sei noch das gemeinsame Vorkommen aller vier
Tritonen im relativ kleinen Raum der ‚„wüsten Gülle“ und die Häufig-
keit von Tropidonotus natrix in allen Randtümpeln.
4. Der Torf.
Nicht um eine erschöpfende biozönotische Darstellung der Torf-
fauna kann es sich im folgenden handeln, sondern nur um einige Beiträge
78 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
zur Biologie torfbewohnender Tiergruppen. Schlenker (18)
u. a. betonen die große Armut, ja die völlige Entblößung des Torf-
bodens von Tieren. ‚Von den Humussäuren werden die in anderen
Böden minierenden und dieselben verbessernden Tiere ausgeschlossen.
Der Regenwurm fehlt im eigentlichen Torfmoor gänzlich, wie auch
auf Heiden und Dünen, ebenso fehlen die pflanzen- und tierfressenden
Tausendfüßler, die wurzelnagenden Insektenlarven und deren Vertilger,
der Maulwurf, sowie die Ameisen.“ (Schlenker, pag. 124.)
Regenwürmer, den Maulwurf oder die kleinen Nager des Feldes
habe ich auch niemals auf Torfgebiet getroffen. (Früh und
Schröter [10] fanden Würmer auch nur stets unter der lockern
leichten Oberfläche von Torflagern, in tiefern Schichten nie.) Für die
andern genannten Tiere aber widerlegen meine aus den Torflagern
von Jungholz stammenden Funde diese Anschauung.
Ich verzeichne folgende dem Hochmoortorf entnommene Gruppen:
Tausendfüssler, Spinnen, Milben, Ameisen, Wanzen, Springschwänze,
dazu eine ziemlich große Anzahl von Larven und Puppen verschiedener
Insektenordnungen (Käfer, Fliegen u. a.) und ferner Eidechsen und
Schlangen.
Über diejenigen der obigen Gruppen, deren Bearbeitung durch
mich schon durchgeführt wurde, sind faunistische und systematische
Notizen im vorigen Kapitel gegeben worden.
Einige ökologische und biologische Ergänzungen dazu sollen
die nachfolgenden Zeilen bringen.
Myriapoda. Über das Vorkommen von Myriapoden in Torfmooren
finden sich in der Literatur nur wenige positive Angaben vor.
Wolterstorff (195) bezeichnet von seinen 10 Myriapoden aus
der Tucheler Heide (Westpreußen) Schizophyllum sabulosum Latz.
als auf ‚‚Moorboden‘‘ lebend, ob es sich dabei um Torf handelte, ist
nicht ersichtlich; Protz (123) und Haase (121), die ebenfalls
in jenen moorreichen, norddeutschen Gegenden sammelten, berichten
nichts über ähnliche Fänge. Hingegen erwähnt Kuhlgatz (168)
das Vorkommen von Myriapoden im Betula-nana-Hochmoor im Culmer
Kreise (Westpreußen). Frederieg (9) zitiert Julus albipes ©. K.,
Julus mediterraneus Latz., Glomeris hexasticha Brandt und Lithobius
crassipes L. Koch von der Baraque Michel in den Ardennen, ob aus
dem Torf, ist wiederum nicht zu ersehen.
Neben Schlenkers negativer Ansicht ist diejenige von
Verhoeff (128) zu verzeichnen, welcher erklärt, daß ‚Moore,
Heiden usw. für die meisten Arten unübersteigbare Schranken“ bilden;
er erwähnt darum auch die Moore nicht in seiner Zusammenstellung
ökologischer Distrikte der Myriapoden.
Meine eigene Liste aus Jungholz (pag. 59) umfaßt sechs Arten,
fünf C’hilopoden und nur einen Diplopoden. Diese geringe Vertretung
der Diplopoden fällt auf. Ihnen, die sich hauptsächlich von vege-
tabilischen Zerfallstoffen ernähren und lokal eng begrenzte Bezirke
bewohnen, bieten doch scheinbar die Torflager günstigere Lebens-
bedingungen als den Chilopoden, die ihrer räuberischen Natur gemäß
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 79
weniger an bestimmte Örtlichkeiten gebunden sind. Zwar zeigen sich
letztere weniger von klimatischen Einflüssen abhängig und das reich-
liche Vorkommen der räuberischen Chrlopoden spricht übrigens für
sich wieder gegen Schlenkers Annahme der Armut der Torf-
lager an niedern Tieren. Die beiden Faktoren, die zum Gedeihen der
meisten Myriapoden unerläßlich sind, bietet ihnen der Aufenthalt
in den Torfschichten aufs beste: Feuchtigkeit und Dunkelheit. Die
Nachrichten über die Biologie der Chilopoden sind spärlich. Im Torf
halten sich die Tiere meist in ziemlicher Tiefe des Lagers auf und
vermögen sich in dem dichten Gefilze des Sphagnumtorfes äußerst
rasch zu verkriechen. Die Tiere leben einzeln, nur die Jugendformen
sind gesellig. Ich konstatierte Myriapoden vom März bis Oktober,
Juvenes im September und namentlich häufig im Frühjahr nach der
Schneeschmelze. Das reichliche Vorkommen von Lithobius forficatus
ist nicht verwunderlich, er ist ein Ubiquist. Lithobius glabratus liebt,
nach F a es (120), die Wärme, die ihm in den oberen, loseren Schichten
des Torfs reichlich zu teil werden kann. Lithobius nigrifrons scheinen
die Bedingungen der Torfmoore ebenfalls gut zuzusagen, er fand sich
außer im Jungholz auch in innerschweizerischen Mooren (siehe Anhang).
Über die Biologie der Diplopoden sind wir besser unterrichtet.
Auch unter ihnen zeichnen sich einzelne Gruppen durch großes Feuchtig-
keitsbedürfnis und durch Lichtempfindlichkeit aus. Chordeuma sil-
vestre, unser einziger Diplopode, gehört hierher.
Araneae. Die auf und in den Torflagern aufgefundenen Spinnen-
arten wurden auf pag. 57 aufgeführt. Dabei handelt es sich sowohl
um ein rein oberflächliches Vorkommen, als auch um ein Eindringen
in tiefere Schichten als Versteck vor Feinden oder zu starker Insolation
(Zycosa terricola), oder direkt um ein Wohnen im Torf, wenn schon
kleine Gänge, mit Gespinst ausgekleidet oder nackt, nur selten gefunden
wurden. Das Sieben von Torf lieferte, namentlich im Frühjahr nach
der Schneeschmelze, wie schon früher geschildert, lediglich juvenile
Formen in großer Zahl, zusammen mit einer zahlreichen Gesellschaft
von Oribatiden und Poduriden.
Die große Feuchtigkeit unserer Torflager, die unmittelbare Nähe
zahlreicher, humussäurereicher Gewässer, bewirkt also die Auslese
einer an Artenzahl relativ geringen, an Individuenmenge aber ziemlich
ausgiebigen (Pardosa amentata, Lycosa nemoralis) Spinnenfauna von
vorwiegend paludicolem Charakter.
Eine Zusammenstellung der Zycosiden auf Torfboden nach strenger
biozönotischer Abgrenzung siehe bei Dahl (109).
Formieidae. Hatten wir in den Myriapoden Tiere vor uns, denen
die Feuchtigkeit ihres Standorts Bedürfnis ist, so verhalten sich die
zumeist entgegengesetzt, sie bevorzugen trockene Wohn-
plätze.
Für sie sind darum die Torflager kein günstiges Feld. Umso
interessanter erscheint ihr reichliches Vorkommen in unserm Gebiet
und ihre Anpassung an die gegebenen Verhältnisse. Außer den Torf-
lagern selbst, spez. ihren obersten Schichten, kommen als Nistplätze
80 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
auch die im Torf begrabenen, wohl konservierten Baumstämme oft
beträchtlicher Größe in Frage.
Über den Nestbau von Lasvius nıger wurde auf pag. 64 berichtet.
Einen interessanten Fall der Anpassung an die Moorverhältnisse
beobachtete ich verschiedene Male bei Formica fusca. An feuchteren
Stellen des Moors baut sie nämlich ihr kleines Nest aus feinstem Torf-
mull in die Wipfel üppiger Polytrichumrasen, wo sie mit dem nassen
Boden nicht in Berührung kommt. An den langen Stämmchen dieses
Mooses herrscht dann ein eifriges auf und ab. Kuhlgatz, der
in seinem bei der vorigen Gruppe erwähnten Moore auch auf Ameisen
stieß, (Lasius niger, Formica cinerea, Myrmica rubra) beschäftigt sich
auch mit der Frage der Anpassung dieser Formen an das nasse Torfmoor.
Er beobachtete, daß die Ameisen hauptsächlich auf den kleinen, aus
Eriophorum und andern Gräsern gebildeten bultenförmigen Erhebungen
sich ansiedeln, wo die Torferde durch das Wurzelwerk zusammen-
gehalten und entwässert wird. Ähnliches konstatierte ich an Myrmica
rugulosa, die ihr Nest im Jungholzer Moor zwischen dem Wurzelwerk
der Calluneten baut.
Das Persistieren der Ameisen im Torf, der während eines großen
Teiles des Jahres ein überreiches Maß an Feuchtigkeit birgt, bleibt
also eine bemerkenswerte Tatsache.
Insektenlarven und Puppen. In der Torfbiozönose spielen die
Metamorphosezustände von Insekten durchaus keine untergeordnete
Rolle. Ziemlich häufig waren z. B. Tabanuslarven. Sie finden sich
vornehmlich in tieferen, stark feuchten Lagen.
Lacerta vivipara und Tropidonotus natrix finden ebenfalls im Hoch-
moortorf zusagendes Wohn- und Überwinterungsquartier.
Diese Übersicht über das bis dahin bearbeitete Material zeigt
deutlich, daß die in der Einleitung zitierte negative Anschauung
über die Reichhaltigkeit der Torffauna nicht zu Recht besteht. Sie
läßt auch erkennen, daß es in erster Linie die physikalischen Faktoren
des Untergrunds (Feuchtigkeit, Licht, Wärme, Struktur) sind, die
auf ihre Zusammensetzung wirken und erst in zweiter Linie chemische,
die Wirkung der „Humussäuren“ usw.
Bisher wurden nur die Formen im Torf berührt. Der ebenfalls
als „Torffauna““ zu bezeiehnenden Tiergemeinschaft, welche die
Oberfläche belebt und namentlich der an die charakteristische Torf-
vegetation gebundenen wurde noch nicht gedacht. Als an eine ganz
besonders typische Gruppe innerhalb der letztern sei nur kurz an die
Torflepidopteren erinnert (siehe pag. 62). Der Coleopterenfauna wurde
zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, um charakteristisches nennen
zu können, es sei denn die Wiederholung der auf einem halben Dutzend
von Hochmooren gemachten Beobachtung der ungemeinen Häufigkeit
von Cicindela campestris auf dem Torf. Hartmanns (131) Liste
der Jungholzer Käferfauna enthält keine ökologischen Mitteilungen.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 81
Fassen wir am Schlusse dieser biozönotischen Darstellung die
gewonnenen Resultate zusammen, so ergibt sich:
Stenotop-homocöne Formen (die innerhalb des Moors
nur einer Biozönose angehören) sind die rein sphagnophilen Protozoen,
außerdem vereinzelte Arten, wie Veidowskyella comata, Alonella
excisa, Peracantha truncata, sowie die Torflibellen und Schmetterlinge.
Innerhalb unserer engen Gruppierung heterocoen, aber dennoch
stenotop,aufs Moor beschränkt, ist eine große Zahl der konstatierten
aquatilen Formen.
Ihnen reihen sich die eurytopen Übiquisten der aquatilen
und terricolen Tierwelt an.
I. Der Fischmattenweiher.
Um die Tümpel des Hochmoors mit einem größeren freiliegenden
Gewässer der engern Nachbarschaft des Moors inbezug auf die
faunistischen Verhältnisse vergleichen zu können, entnahm ich zu
verschiedenen Jahreszeiten dem Fischmattenweiher Proben
aus Plankton und Schlamm. Um eine genaue, systematische
Untersuchung des reichen Tierlebens dieses Tümpels konnte es sich
nicht handeln, solches müßte eine Arbeit für sich sein.
Neben der Absicht, ein nahe gelegenes, nicht torfiges Gewässer
mit größerer freier Wasserfläche zur Betrachtung herbeizuziehen,
waren es hauptsächlich die thermischen Verhältnisse des Weihers,
die zu einer vergleichenden Untersuchung aufforderten.
Der Fischmattenweiher ist ein künstlich, zum Zwecke einst
betriebener Fischzucht, aufgestautes ca. 1500 m? großes, in seinem
oberen, nordwestlichen Teile aber schon stark verlandetes Becken.
Seine Lage im Gebiet ist aus dem Kärtchen ersichtlich; vom Torfmoor
wird er durch ein Stückchen Hochwald getrennt. Im oberen Teile
einer Mulde aufgestaut, empfängt er die Abwasser der nordöstlich
ans Heidenwuhr grenzenden moorigen Wiesen. Der kleine Rothen-
bach aber, der früher Zu- und Abfluß des Weihers war, führt an dessen
Rand vorüber und erhält nur noch das Abwasser. Ein anderer kleiner
Abfluß tritt in der Mitte am Fuße des Stauhügels aus.
Der Weiher birgt eine reiche Vegetation: Potamogeton, Ranunculus
fluitans, Hydrocharis, Lemna ete. Die Ufer sind auf zwei Seiten um-
säumt von Equiseten und Scirpeen, die auch hauptsächlich
die große Verlandungszone ausmachen. Auch die mikrophytische
Vegetation ist sehr reich, sehr häufig fand sich die schöne Miecrasterias
cruz melitensis unter dem Mikroskop ein.
Das Wasser ist während der größten Zeit des Jahres ziemlich
klar, nur im Hochsommer wird es unter der Einwirkung von Moor-
wasser leicht dunkelbraun und durch die hier nistenden und brütenden
Wildenten verschmutzt.
Die Lage des Weihers, nach Süden abgeschlossen durch den
bis an den Rand herantretenden Hochwald, bewirkt dessen tiefe
Temperierung, die gegenüber den Hochmoortümpeln stets um einige
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 3. Suppl. 6
82 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Grad zurückbleibt. Einige Zahlen mögen dies belegen. Im Winter,
wo überhaupt kein Sonnenstrahl die Mulde trifft, herrscht ein sehr
starker Eisverschluß, der ausgebeutet wird. Ende März (1910) als
alle Torfstiche und die Randweiher, mit Ausnahme von A, schon ganz
eisfrei waren, trug unser Weiher noch eine 7cm dicke Decke. Am
28. April: Fischmattenweiher: 13° C., Torfstich: 180 C. Am 12. Mai
(nach Neuschnee und längerem Temperatursturz, Luft: 12% C.) Fisch-
mattenweiher: 8° C., Tümpel A: 11%, Tümpel B: 15°, Torfstich C:
Tiefe: 13°, Oberfläche: 18°, Sphagnumtümpel: Tiefe: 130%, Oberfläche:
20°. Am 30. Juli (Luft: 220), Fischmattenweiher: 18° (in der besonnten
Vegetationsdecke 21°) „wüste Gülle“: 23°, Tümpel A (stark beschattet)
14°, Sphagnumteich: 29°. Am 8. September: Luft 14°, Fischmatten-
weiher: 13,50%, Torfstich C: 15,50%, Sphagnumweiher: 19. Am
21. Oktober (Luft 8%, Fischmattenweiher: 3°, Torfstich C: 3°,
Sphagnumweiher 5°. Die paar Beispiele mögen genügen, um den
Unterschied in der Wassererwärmung gegenüber den frei daliegenden
Hochmoortümpeln zu zeigen. Wenn also im Gebiet stenotherme
Kälteformen des Planktons vorhanden waren, mußten sie sich im
Fischmattenweiher am ehesten zeigen.
Meine Beobachtungen erstrecken sich in der Hauptsache auf
Copepoden, Oladoceren, Hydrachniden. Andere Gruppen wurden nur
gestreift.
Copepoda. Es wurden folgende Arten konstatiert.
Cyclops fuscus Cyelops serrulatus
Cyclops albidus Cyclops serrulatus var. denti-
Cyclops Dybowskii culata
Cyclops vernalis Cyclops prasinus
Cyclops bisetosus Canthocamptus staphylinus
Cyclops viridis Canthocamptus mikrostaphylinus.
Es fehlt also gegenüber den Moortümpeln die languidus-Gruppe
mit Oyclops languidus, Cyclops crassicaudis und C'yclops nanus; dafür
kommen allein dem Fischmattenweiher zu: O'yclops viridıs und bisetosus
sowie Canthocamptus mikrostaphylinus.
Die dominierenden Formen sind Cyclops fuscus und Cyclops
albidus. Beide, die in den Moortümpeln nur sporadisch auftreten,
sind hier das ganze Jahr hindurch in Menge vorhanden. Doch zeigt
sich sehr deutlich ihre Neigung zur Stenothermie: ihr Maximum fällt
auf die kalte Jahreszeit, im Dezember unter Eis herrscht, namentlich
beim überwiegenden albidus, rege Fortpflanzungstätigkeit, während
im Hochsommer kein Erlöschen, wohl aber ein deutlicher Rückgang
zu sehen ist. Dabei verdient das Verhalten des C’yclops fuscus Hervor-
hebung: Im schmutzigen, warmen Wasser der „wüsten Gülle“ sahen
wir ihn im Hochsommer aufblühen, den herrschenden Verhältnissen
sich anpassen, eurytherm werden; hier behält er seinen sonst zumeist
beobachteten schwach stenothermen Charakter bei.
Oyclops viridis und bisetosus sind im Fischmattenweiher nicht nur
selten, sondern auch ausgesprochene Kaltwassertiere, wenn auch ihre
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 83
Vertretung im Winter nicht so ausgeprägt erscheint wie die von C'yclops
albidus. Cyelops vernalis ist auch nicht häufig und sehr unkonstant
im Auftreten.
Vergeblich erwartete ich Cyclops strenuus zu finden. Die Vor-
herrschaft von Cyclops albidus und fuscus dürfte ihn aus dem Felde
geschlagen haben, die äußeren Bedingungen für sein Auftreten wären
wohl gegeben.
Cyclops serrulatus ist das ganze Jahr über zu beobachten. Eine
genaue Untersuchung dieser Art dürfte interessante systematische
Resultate zeitigen, denn ihre Variabilität scheint groß. Im Sommer
konstatierte ich besonders häufig die Variation dentieulata A. Graeter
(Anfang September JSQQ) und Formen mit sehr langer, dünner Furka
und kräftiger Serra.
Cyclops Dybowski und Cyelops prasinus sind gänzlich auf die
wärmere Jahreszeit beschränkt, sie erscheinen im Juni und verschwinden
im September wieder, C'yclops Dybowski weicht also auch hier von
seinem Verhalten im Randweiher A nicht ab, während prasinus die
Verhältnisse hier zum aktiven Überwintern nicht so günstig erachtet
wie in den Torfstichen.
Canthocamptus staphylinus ist wie im Moor ausgesprochenes
Kaltwassertier. Er tritt in zwei deutlich getrennten Generationen
auf, einer Frühjahrs- (April—Mai) und einer Spätjahrgeneration
(September—Dezember). In der Zwischenzeit fanden sich nur äußerst
selten vereinzelte Exemplare.
Anfang Mai fielen mir erstmals unter der Schar von staphylinus
schmächtigere Formen auf; nähere Untersuchung ergab ihre Zu-
gehörigkeit zu der von Wolf (85) ge-
schaffenen Art Canthocamptus mikrostaphy-
Iınus. Ich habe ihr längere Zeit meine
Aufmerksamkeit geschenkt und fand nicht
nur Exemplare, die alle erwähnten Unter-
schiede im Körperbau gegenüber siaphy-
linus aufwiesen, sondern auch zahlreiche,
welche ein deutliches Übergangsstadium
darstellten. Diese zeigten am vorletzten
Abdominalsegment wohl einen ununter-
brochenen Dornenkranz, aber die mittlere
Partie, da, wo bei staphylinus die Lücke
klafft, bestand aus deutlich kleineren, sehr
feinen Dornen (siehe Fig. 19). Unkonstant
war ferner die Zahl der Analdeckelzähne, Fig. 19
ich zählte bis 13 spitzige, eng stehende.
Die Größe betrug 0,79 mm ohne, 0,842 mm mit Furka; die ent-
sprechenden Zahlen für staphylinus: 0,89 mm und 0,95 mm.
Q2 mit anhängenden Spermatophoren konnte ich keine auffinden
und die Fortpflanzungsweise dieser Art ist mir noch unaufgeklärt. In
ihrem zeitlichen Auftreten deckt sich die Art ganz mit Canthocamptus
staphylinus. Ich suchte darum natürlich auch zu ergründen, ob die
6*
84 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Form auch hier, da sie ja vom Mai bis September verschwindet, zur
Bildung von Sommercysten schreitet, wie sie von Lauterborn
und W ol£ (87) im Untersee aufgefunden wurden. Viele unter dem
Mikroskop untersuchte Schlammproben enthielten aber nichts
derartiges, auch brachten mehrere über den Sommer ausgesetzte
Proben kein Resultat. Hingegen fand sich im Bodenschlamme am
7. September, zur Zeit, da der Cyclus noch nicht begonnen, ein Cantho-
camptus mikrostaphylinus lebend. Die Frage, ob die Art in unserm
Weiher die Latenzzeit im Schlamm verborgen, wie Canthocamptus
staphylinus zubringt, oder aber in einem Dauerstadium, erscheint
jedoch dadurch noch nicht als entschieden.
Rekapitulieren wir die Ergebnisse der Copepodenuntersuchung:
Der Fischmattenweiher bietet einer Mehrzahl größerer pelagisch
lebender Copepoden Raum, die in den kleinen Moortümpeln nicht recht
zur Entfaltung kommen können. (C. fuscus, albidus, viridıs.) Die
thermischen Verhältnisse machen sich geltend durch strengere Steno-
thermie im Auftreten der Kaltwasserformen: Uyclops viridis, bisetosus,
albidus und fuscus und der Warmwasserformen Cyclops prasinus und
Dybowsküi, die ganz auf die Sommermonate beschränkt sind.
Cladocera. Folgende Arten wurden festgestellt:
Simocephalus vetulus OÖ. F.M.
Ceriodaphnia pulchella Sars
Daphnia longispina s. str. f. typica O.F.M.
Daphnia longispina f. litoralis Sars
Alona guttata Sars
Alonella nana Baird.
Peracantha truncata O.F.M.
Chydorus sphaericus O. F.M.
Hier mögen ferner auch noch die Stingelin’schen Arten
erwähnt sein, die ich aber nicht fand:
Daphnia longispina var. cucullata f. Kahlbergensis
Alona rectangula
Bosmina cornuta
Acroperus harpae.
Vielleicht auch stammen nur die beiden ersten aus dem Fisch-
mattenweiher, die letztern aber aus dem Egger Sägeweiher am Rand
des Jungholzer Plateaus (siehe Karte). Da dieser seit einiger Zeit des
Wassers entbehrt, konnten keine Kontrollfänge ausgeführt werden.
Daphnia konstatierte ich erstmals Ende April, in der forma typica,
teilweise schon mit Sommereiern. Sie persistiert den Sommer über,
im August fand ich forma htoralis ebenfalls in parthenogenetischer
Fortpflanzung; Ende September scheint das Maximum erreicht zu
sein und es tritt erstmals Ephippienbildung auf, die bis Ende Oktober
andauert, worauf die Art erlischt.
Daphnia tritt also in einer einzigen Generation auf, ist mono-
eyklisch. Das gleiche gilt für Simocephalus vetulus und Cerio-
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 85
daphnia pulchella, die im Fischmattenweiher weniger häufig sind,
auch sie zeigen nur die eine Herbstgeschlechtsperiode.
Für Peracantha truncata ist die Sexualperiode früher anzusetzen;
schon im August sah ich ein $ mit Dauereiern.
Alona guitata wies kleine Abweichungen im Körperbau. Das
Postabdomen ist gegen das Ende nicht verjüngt. Die Schale weist
gar keine Streifung, wohl aber eine deutliche Punktierung auf. (var.
tuberculata). Der Unterrand mit ziemlich langen Borsten, die hintere
untere Randwölbung mit äußerst feiner Borstenreihe. Das Nebenauge
kleiner als das Auge. Die Tastantennen überragen den Schnabel ein
wenig und haben in der Mitte eine feine Borste. Farbe grünlich. Sie
wurde hauptsächlich im Bodenschlamm rasch kriechend getroffen.
Alonella nana zeigte Exemplare, bei denen die markante Schalen-
streifung im hintern und untern Schalenteil in Felderung überging.
Von den beiden letztern Arten sind Dauereierstadien nicht beobachtet.
Typisch für den Fischmattenweiher ist also sein großer Reichtum
an Daphniden, die nur an einem Punkte ins Moor hineingehen, im
Randweiher A, der überhaupt und namentlich wegen seiner ähnlichen
Temperaturverhältnisse die meiste Ähnlichkeit in der Besiedelung
mit dem Fischmattenweiher aufweisen kann.
Im ganzen Gebiet aber gilt als Regel für die sexuelle Fortpflanzung
der Oladoceren die Monocyelie.
Hydrachnida.. An Wassermilben fing ich:
Diplodontus despiciens Müll.
Arrhenurus globator Müll.
Pionacercus Leuckarti Piers.
Piona carnea Koch.
Ferner verzeichnet Walter (118) folgende weitere Arten:
Hydrachna geographica Müll.
Arrhenurus maculator Müll.
Arrhenurus Neumani Piers.
Arrhenurus affinis Koen.
Arrhenurus mülleri Koen.?
Piona conglobata Koch
Tiphys ligulifer Piers.
Neumania vernalis Müll.
Die häufigste der Arten ist Piona carnea; Mitte Mai und später
wieder, Ende Juli, erhielt ich von ihr den Laich, der zur Verfolgung
der Entwickelungsstadien an Dr. C. Walter übergeben wurde.
Im Winter, unter Eis, scheint das Milbenleben ganz zur Ruhe zu
kommen, ich bekam zu dieser Zeit nie ein Exemplar ins Netz.
Von den 12 Milben des Fischmattenweihers wurden nur 4 in den
wohldurchsuchten Tümpeln des Moors wiedergefunden (Neumania
vernalis, Piona carnea, Arrhenurus maculator, Arrhenurus Neumanı)
und diese teilweise nur in den weniger torfigen Randweihern (siehe
pag. 42). Es wurde dies schon im speziellen Teile als Beweis für die
Abneigung der meisten Hydrachniden gegen Torfgewässer angesehen.
86 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Denn die Möglichkeit passiver Einschleppung ist in der Tat sehr groß.
Die zahlreich im Weiher nistenden Wildenten erheben sich, auf-
gescheucht, in die Luft, um dann meist stracks über die Waldecke
hinweg dem Moore zu, in den großen Torfstich zu fliegen. Dies verfolgte
ich viele Male. Ferner trug eine gefangene Lestes sponsa an ihrem
Thorax unbestimmbare Milben im Puppenstadium. Der Fischmatten-
weiher ist sehr reich an Lestes-, Agrion- und andern Libellenlarven,
Auch Dipteren dienen zu solcher Verschleppung, wie ich in der Inner-
schweiz an einer Trpula gigantea Schrank konstatierte. Die Annahme
passiver Verbreitung von Hydrachniden vom Fischmattenweiher in
die Torftümpel erscheint gerechtfertigt, und die obige Erklärung
der Milbenarmut des engeren Torfgebiets deshalb wahrscheinlich.
Coleoptera. Mein wenig vollständiges Verzeichnis nennt:
Haliplus £flavicollis Strm.
Hydroporus pictus F.
Hydroporus palustris L.
Dytiscus marginalis L.
Haliplus flavicollis. Die Flügeldecken glänzend, ohne deutliche
dunkle Zeichnung. — Diese Art ist im Moor nicht vorhanden, wird
dort durch den sehr häufigen ruficollis ersetzt.
Hydroporus pictus fehlt im Moor ebenfalls, nicht aber palustris.
Dagegen vermißte ich im Fischmattenweiher die im Moor so
reichlich vertretenen Colymbetinen.
Diptera. Corethra plumicornis fehlt nicht, ebensowenig im Boden-
schlamm Chironomus- und Tanypuslarven.
Ephemerida. Oloeon dipterum L. Baetis spec. und andere sind häufig
Baetis in großen Schwärmen unter Eis.
Turbellaria. Polycelis nigra Ehrbg., eine sonst mehr der Ebene
angehörige Art, nicht selten.
Molluseca. In den Moosrasen, die die Ufer umsäumen, lassen sich
stets reichlich finden: Pisidium ovatum Cless. und Limnaea peregra Müll.
Amphibia. Trionen und Scharen von Rana esculenta beleben
die Wasserfläche.
II. Biologische Schlußbetrachtungen.
Im folgenden seien kurz einige im speziellen Teile schon berührte
und vereinzelt geschilderte biologische Verhältnisse, die durch die
eigenartigen physikalischen Bedingungen des Moores erklärt sind und
als charakteristisch erscheinen, übersichtlich zusammengestellt. Es
handelt sich vor allem um die Phaenologie, die Gestaltung der
Fortpflanzungsverhältnisse in ihrer Abhängigkeit von den physischen
Faktoren des Moores. Die klimatischen Einflüsse, die lange Schnee-
bedeckung des Winters bewirken bei einigen Formen eine Beschränkung
der Gesamtfrequenzdauer, tönen also alpine Verhältnisse an. Ver-
spätetes Auftreten gegenüber der Ebene zeigt vor allem die Insekten-
welt, sehr allgemein die Lepidopteren, dann verschiedene Odonaten,
aber auch die Amphibien ete. Das bedingt Verschiebungen in den
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 87
Metamorphosen und Ruhezuständen: die späte Verpuppung von
Phalacrocera replicata und die Verlängerung der einjährigen Larvenzeit
bei gewissen Individuen von Corethra plumicornis und bei obiger
Dipterenatt.
Das allgemeine Zusammendrängen der Frequenzdauer bedeutet
für mehrere Formen gleichzeitig eine Reduktion der Geschlecht-
generationen auf eine (Monocyclie), so bei den Oladoceren, bei
Oyclops Dybowskii, Corethra plumicornis, auch bei terricolen Formen:
Plusia gamma.
Im Gegensatz hiezu ist aber auch Ausdehnung der vitalen Grenzen
im Sinne von thermischer Anpassung und Vermehrung der Gene-
rationenzahl beobachtet: Cyclops prasinus und COyclops languidus
werden polyeyelisch und perennierend, Canthocamptus
staphylinus zeigt zwei Wintergenerationen und Daphnia pulex
pflanzt sich auch unter Eis parthenogenetisch fort.
Aber auch die sommerlichen Hitzezustände greifen in die Fort-
pflanzungsordnung ein. Die Eintrocknung der seichten Moostümpel
zwingt die Formen, die diese Periode nicht aktiv überdauern können,
zur Einschiebung von Sexualeyclen: Cyclops vernalis, Chydorus sphae-
ricus, Alonella ezcısa.
Ob und inwieweit der Cyclus der Anuraea serrulata von solchen
äußern klimatischen Faktoren sich abhängig zeigt, bleibt noch fest-
zustellen.
Verschiebungen im allgemeinen biologischen Charakter zeigen
sich bei verschiedenen Formen: Zur Stenothermie neigende Wasser-
formen werden im Gebiet eurytherm (U'yclops fuscus, vernalis, prasınus),
pelagisch lebende passen sich dem Dasein im stagnierenden kleinen
Tümpel an (Cyclops fuscus.). Auch typische Bachbewohner finden
sich hier ein und persistieren (Stenophylax-, Sericostomaarten, Sperchon
squamosus und einige Käfer: Orenitis, Hydroporus nigrita).
Als charakteristische biologische Erscheinungen wären ferner
zu nennen die Sphagnophilie und die Sphagnophobie, wie sie in den
beiden ersten Abschnitten dieses Kapitels für einige Gruppen dar-
gestellt wurde.
Eine Wirkung des Moorlebens, spez. der Huminsäuren des Unter-
grunds auf die vitale Färbung der Organismen im Sinne der Neigung
zum Melanismus stellten Hoffmann (140) und Klun-
zinger (189) bei Schmetterlingen resp. Fröschen fest. Vielleicht
dürfen die bei den Myriopoden und Copepoden kurz erwähnten Färbungs-
erscheinungen in diesem Sinne gedeutet werden.
Die quantitative Vertretung der einzelnen Tierklassen im Moor-
gebiet: ist eine sehr verschiedene. Der Eindruck der Öde und Ver-
lassenheit, den die weiten nackten Torfflächen mit ihrer geringen
Besiedelung von Wirbeltieren auf den Moorwanderer ausüben, ver-
schwindet für den Forscher, der dem reichen Kleinleben in Strauch,
Gras und Moos nachspürt oder sein Interesse der Mikrofauna der
zahlreichen Wasseransammlungen zuwendet. Von einzelnen Gruppen
freilich ist das Torfgebiet völlig entblößt (Mollusca, Hirudinei,
88 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Amphipoda u. a., andere zeugen von deutlicher Armut (Ostracoda,
Hydrachnida, gewisse Gruppen aquatiler Insekten: Perlida, Ephe-
merida u. a.), andere jedoch gehen auf in üppiger Entfaltung (Protozoa,
Insecta).
Ist die Artenzahl für viele Gruppen eine recht beschränkte, so
erweist sich die Individuenmenge oft als bedeutend, eine Beobachtung
die in gleicher Weise für die Pflanzenwelt des Moores gilt.
Auch den Torflagern mangelt es nicht an Belebung.
Typische Moortiere traten uns entgegen im Stamme der Pro-
tozoen, bei den Würmern und den Insekten (Odonaten, Le-
pidopteren).
Erschöpft auch diese kleine Zusammenfassung die Vielgestaltigkeit
der biologischen Verhältnisse, die auf dem Moore herrschen, nicht,
so zeigen sie doch deutlich ihre Eigentümlichkeit und Veränderlichkeit
und spiegeln dadurch vor allem die herrschenden klimatischen Zustände
wieder, hervorgerufen durch den bedeutsamen Wechsel von rauhen,
montanen Wintern und kurzen überheißen Sommern, den Charakter
des Hochmoors als Feuchtigkeitsaufstapler und die Lage des Gebiets
an der obern-Grenze der Vorbergzone des Schwarzwalds.
Auf die Frage der Herkunft unserer Fauna soll im folgenden
Kapitel eingetreten werden.
D. Zoogeographischer Teil.
Im folgenden soll ein kurzer Blick auf die Herkunft der Jung-
holzer Fauna geworfen werden. Fehlt auch noch manche Gruppe,
die zur Beurteilung des Ganzen nicht unwesentliche Beiträge wird
liefern können, so treten doch auch jetzt schon gewisse Grundlinien
ziemlich deutlich hervor. Es wird aber nicht möglich sein, allzusehr
ins Einzelne einzutreten. Es soll vor allem eine Frage ins Auge gefaßt
werden: Inwieweitspiegelnsich die in der Einleitungberührten Charakter-
züge aus der geologischen Vergangenheit unseres Moores im Bilde
seiner heutigen Tierwelt wieder? Haben wir Anzeichen dafür, daß
unser Hochplateau unter der klimatischen Wirkung der nahen Diluvial-
eisströme stand und als Refugium praeglazialer Elemente in Betracht
fallen konnte? Finden sich in unserer Fauna Formen, terrestrische
oder aquatile, die als Überreste der glazialen Mischfauna angesprochen
werden können; welche die geographischen und biologischen An-
forderungen erfüllen, welche Zschokke (34) für sie aufgestellt hat:
Persistenz auf ehemaligem Glazialgebiet und ein biologisches Verhalten,
das sie noch heute als Zeugen des einstigen Eiszeitklimas charakterisiert,
also Vorliebe für tief temperierte Standorte. Fällt für die terrestrischen
Formen mehr das geographische Moment, die Art ihrer Verteilung
auf weite Gebiete ins Gewicht, so erlangt bei der aquatilen Fauna
das biologische Verhalten im Sinne der Stenothermie für kaltes Wasser
erhöhte Bedeutung, oder weitgehender Eurythermie mit entsprechenden
physiologischen oder phänologischen Anpassungen.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 89
Was sich nicht den Bedingungen, die für diese Gruppe aufgestellt
sind, einfügt, muß der großen Masse postglazial gebildeter oder zu-
gewanderter Fauna zugerechnet werden. Wobei die Frage, inwieweit
aber auch bei glazialen Tieren eine Anpassung an die eigenartig ver-
änderten Bedingungen erfolgen, ihr Charakter sich verwischen konnte,
nicht außer Betracht fallen darf, wenn sie auch schwer zu beantworten
sein wird.
Vergleiche mit entsprechenden Faunenelementen von geologisch
oder klimatisch analogen Örtlichkeiten werden uns Aufschlüsse geben
über den bio- und zoogeographischen Charakter einzelner Faunenteile
unseres Hochmoors.
Der Kosmopolitismus der Rhizopoden als Gesamtheit ist bekannt;
wenn auch bei ihnen lokale Differenzierung, die Anpassung an ganz
bestimmte Standorte, sehr ausgeprägt ist. Wir haben diese Einteilung
schon im spez. Teile durchgeführt, die sphagnophile Gruppe sodann
im ökologischen Kapitel behandelt; aufgespart blieb nur die nähere
Betrachtung einer Difflugva.
Die auffallende Übereinstimmung gewisser Elemente der Tiefen-
fauna subalpiner Seen einerseits, der Fauna kalter alpiner Tümpel
oder anderer ständig tief temperierter Gewässer anderseits führten
Zschokke (36) dazu, in diesen Elementen Angehörige eines früher
gemeinsamen Wohnbezirks zu erblicken, Überreste einer glazialen
Fauna.
Ein solches Element bildet Difflugia pyriformis var. lacustris
Penard. Sie ist bisher festgestellt für die Seentiefe und verschiedene
andere kalte Gewässer. Thie&ba ud (25) erwähnt sie aus Neuenburger
Hochmooren, offenbar hat sie auch Schlenker (18) vor sich
gehabt in seinen Formen ‚mit sehr langem Hals“. Im Sphagnum
von Jungholz fand sie Heinis, ich selbst in verschiedenen andern
Moortümpeln. Das Auftreten in verschiedenen weit auseinander-
liegenden Mooren ist bemerkenswert. Immerhin muß hier nicht nur
an das Gesagte über den wahrscheinlichen Ursprung unseres Moores,
sondern auch an die früher gekennzeichneten thermischen Ver-
hältnisse speziell der Sphagnumtümpel erinnert werden; siesind während
des Hochsommers nichts weniger als tief temperiert (320!). Auf der
andern Seite ist ja freilich die Periode, wo wirklich boreale Bedingungen
im Moore herrschen, von ziemlicher Dauer und die thermischen Ver-
hältnisse sind allgemein starkem Wechsel unterworfen.
Inwieweit also die glaziale Dignität der Drfflugia lacustris durch
ihre Anwesenheit im Hochmoor gefördert wird, ist mit Sicherheit
erst wohl nach weiteren Feststellungen zu entscheiden. Ähnliches
mag für die Difflugia curvicaulis (siehe pag. 17) gelten, die vom obigen
Autor auch in den Neuenburger Hochmoorgräben gefunden worden ist.
Die noch ungenügende Kenntnis der geographischen Verbreitung
der Oligochaeten gestattet keine weitgehenden Schlüsse. Erst
von wenigen zerstreuten Lokalitäten werden gemeldet: Ophidonais,
Naıs pseudoobtusa, Marionina sphagnetorum. Veidowskyella ( Bohemilla)
90 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
comata, die wir als sehr lokalbeständig erkannten, wird in der Literatur
(34) als Glazialrelikt bezeichnet. Michaelsen gibt sie für Böhmen,
Deutschland, Frankreich und Großbritannien an.
Für die Rotatorven unseres Moores hat Heinis entweder
Kosmopolitismus oder weite Verbreitung im europäischen Gebiet
festgestellt.
Dasselbe kann auch für die von mir der Liste noch zugefügten
Arten gesagt werden.
Für die in Jungholz vertretenen niedern Orustaceen liegen
die tiergeographischen Verhältnisse ziemlich einfach, im Gegensatz
zu andern Gewässern des Hochschwarzwalds. Formen mit scharf
ausgeprägten biologischen Beziehungen zu hochalpinen oder nordisch
glazialen Faunenelementen fehlen fast ganz. Wenigstens müssen wir
bei den Copepoden davon absehen, den in seiner Verbreitung noch
ungenügend bekannten Oyclops crassicaudis definitiv zu registrieren.
Er ist bis jetzt konstatiert für Moore im nordschwedischen Sarek-
Hochgebirge (103) und den tiefern Norden, sodann für verschiedene
Orte in Böhmen (76) und die drei früher gekennzeichneten (pag. 39)
Lokalitäten in Süddeutschland. In der Zwischenzone und in der
Schweiz fehlt er bis jetzt. Canthocamptus staphylinus ist ein stenothermes
Kaltwassertier mit sehr weiter Verbreitung. Auch O'yeclops albidus, der
am ausgesprochensten stenotherme Neigung zum kalten Wasser auf-
weist, ist Kosmopolit. Hingegen zeigen C'yclops viridis und bisetosus,
die zwar im kühlen Fischmattenweiher nur sporadisch nachgewiesen
werden konnten, immerhin aber ebenfalls ihre Stenothermie bekundeten,
Beziehungen ersterer zu Alpen und Norden, letzterer zum Norden,
werden darum oft als Glazialtiere zitiert. Im Gegensatz hierzu aber
sind Formen, die auch als stenotherme Kaltwassertiere, ja als Glazial-
relikte gelten, in unserm engern Moorgebiet beachtenswerter Weise
ausgesprochen eurytherm: COyclops fuscus und vernalis leben in
erhitzten Moortümpeln. Während Cyclops languidus, eurytherm,
mehr nach Süden, weist seine Reduktionsform, C'yclops nanus deutlich
nach Norden, wo ihn Sars auch erstmals entdeckte.
Das Bild wird vervollständigt durch einige ubiquistische Kosmo-
politen (Cyclops serrulatus und fimbriatus) und durch eurytherme
oder Warmwasserformen, die im Süden weite Verbreitung haben,
im Norden und in den Alpen fehlen: O'yclops Dybowskiüi und prasinus.
So fügen sich in unserm Gebiet die bio- und zoogeographischen
Verhältnisse der Copepoden zu einem bunten Mosaik: Formen die
nach Norden zu tendieren scheinen (Cyelops crassicaudis und O'yclops
nanus) und stenotherme Kaltwasserbewohner (Canthocamptus staphy-
linus und CO'yclops albidus, C’yclops viridis) mit glazialen Andeutungen
bilden das eine, südliche Warmwasserformen das andere Extrem,
dazwischen schiebt sich eine Mehrzahl von Formen, deren Anpassungs-
fähigkeit in unserm Gebiet größer erscheint als anderswo.
Hingegen muß beigefügt werden, daß vielleicht die Untersuchung
der Jungholzer Moospolster noch andere Formen (z. B. Harpactieiden)
wird bieten können.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald, 91
Ähnlich liegen die Verhältnisse bei den Cladoceren, nur daß hier
ausgesprochen nordische oder glazialalpine Formen einfach fehlen.
Wenigstens möchten wir dievon Scheffelt(79) als solche bezeichneten
Peracantha truncata und Alonella nana bei ihrer allgemeinen weiten
Verbreitung nicht dafür ansprechen. Freilich reicht ihr Wohnbezirk,
wie auch derjenige von Alonella excisa, Alonella guttata, Daphnia
longispina, Ceriodaphnia pulchella, Simocephalus vetulus u. a. in die
Alpen und in die nordischen Regionen hinauf. Doch spricht ihre übrige
Verbreitung und ihr biologisches Verhalten in der Ebene nicht dafür,
daß wir sie als glaziale Tiere bezeichnen müssen.
Ähnliches gilt für die von Stingelin (siehe pag. 25) auf dem
Jungholzer Plateau konstatierten Arten. Auch sie, Bosmina cornuta,
Alona rectangula, Acroperus harpae, fallen als eurytherme, kosmopo-
politische Tiere in Betracht.
Die Verbreitung von Chydorus ovalis ist noch wenig bekannt, außer
der Umgebung von Basel und in den innerschweizerischen Hochmooren
(siehe Anhang) wurde er in Österreich, Rußland und Skandinavien
gefunden. Sireblocerus serricaudatus aus den Torfgräben (Stingelin)
und Rhynchotalona rostrata sind kosmopolitisch.
Über die wenigen nachgewiesenen Ostracoden ist nicht viel
zu bemerken. Cyclocypris laevis und Candona candıida weisen eine
starke nordische Verbreitung auf, steigen auch hoch in den Alpen
empor. Im allgemeinen ist ja die geographische Verbreitung der
Ostracoden noch zu wenig erforscht. Die Funde Ekm ans aus Mooren
im Sarekgebirge deuten auf das Vorhandensein einer spezifisch
arktischen Ostracodenfauns; von 12 konstatierten Arten fehlen fünf
in südlicheren Gegenden.
Die in obigen Zeilen dargestellte Hauptbeobachtung: die Zu-
sammensetzung der Jungholzer Crustaceenfauna aus zumeist eury-
thermen, weitverbreiteten Arten, das Fehlen ausgesprochen cha-
rakteristischer Glacialrelikte, mag noch deutlicher hervortreten aus
einem Vergleich unseres Hochmoorgebietes mit ähnlichen Lokalitäten.
Die Gewässer von Jura-Hochmooren des Kantons Neuchätel
(1000—1200 m) wurden von Thiebaud und Favre (25) unter-
sucht. Sie enthielten neben anderen charakteristischen Formen
an Ürustaceen: Cyclops strenuus, Canthocamptus gracılıs, Cantho-
camptus rubellus, Chydorus latus. Also Arten, die als streng stenotherme
Kaltwassertiere bekannt sind, oder die ihrer eigenartigen Ver-
breitung wegen (Norden; hochgelegene Moore in Mitteleuropa) un-
zweifelhaft glaziale Beziehungen verraten. Nur für Chydorus latus
ist die Sache noch unsicher.
Die erwähnten Jurahochmoore sind typische Glazialbildungen
FR stehen unter strengeren physikalischen Verhältnissen als unser
ebiet.
Näher als ein Vergleich mit dem Hochjura liegt ein solcher mit einer
Lokalität des Schwarzwalds selbst: dem Nonnenmattweiher. Dies
ist ein kleiner See, in hochmooriger Umgebung (früher freischwimmende,
jetzt angewachsene Torfinsel), in 917 m Höhe am Belchen im südlichen
92 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Schwarzwald gelegen. Die Crustaceenfauna dieses Weihers ist von
A.Graeter(72)undScheffelt(79) eingehend untersucht worden.
Ich zitiere von charakteristischen Formen: Holopedium gibberum,
Heterocope saliens, Diaptomus denticornis, O'yclops strenuus (pelagisch) ;
Sida cristallina, Daphnella brachyura, Polyphemus pediculus, Cyclops
nanus (= diaphanoides Graeter) (litoral).
Es ist also eine stattliche Zahl nordisch-glazialer Typen darunter.
Holopedium gibberum meldet Ekman (89) hauptsächlich aus hoch-
nordischen Torfmooren.
Das Fehlen solcher typischer Formen speziell der pelagischen im
Jungholz mag z. T. dem Mangel an größern Gewässern zuzuschreiben
sein; wenn schon im Fischmattenweiher manche ein ausreichendes
Medium finden könnten. Wo Cyclops viridis und albidus gedeihen,
könnte Oyclops sirenuus auch fortkommen.
Der Höhenunterschied zwischen Jungholz und Nonnenmattweiher
beträgt nur 150 m. Der Hauptgrund der Erscheinung muß darum
wohl im Urcharakter des Nonnenmattweihers, seiner unzweifelhaft
glazialen Herkunft, gesucht werden.
Die Zusammensetzung der Jungholzer Hydrachnidenfauna
aus zumeist weit verbreiteten Tümpelformen gibt zu Erörterungen
an dieser Stelle wenig Anlaß. Sperchon squamosus, die wegen ihrer
Anpassung an den stagnierenden Moosgraben schon früher erwähnte
Bachmilbe, zeigt hauptsächlich nördliche Vertretung (Hammerfest,
England, Thüringen), unser Moor dürfte der südlichste bis jetzt bekannte
Fundort sein. Also eine Parallelerscheinung zu den von Walter
im Fischmattenweiher gefundenen: Arrhenurus affinis und Tiphys
ligulifer. Als neuer Beitrag zur Bachfauna des Schwarzwalds erscheint
Thyas venusta, bisher aus Gräben Mittel- und Norddeutschlands ge-
meldet, auch aus Frankreich und Schweden.
Auch die Gruppe der Araneen kann uns, ihrem schon früher
gekennzeichneten Charakter nach, keine wichtigen zoogeographischen
Aufschlüsse bringen. Die horizontale Verbreitung der meisten Arten
erstreckt sich über das ganze Europa; auch vertikal zeigen sie große
Ausdehnung, von der Ebene bis zur alpinen Region. Walckenaera
cuspidata meldet de Lessert (113) nur aus montanen und alpinen
Fundorten. Mehr der Ebene angehörig sind Lycosa leopardus und
Dolomedes fimbriatus, doch fand D a hl (109) sie beide im Schwarzwald
über 1000 m aufsteigend.
Festgehalten sei das Vorkommen der Lycosa lucorum im Moor;
Dahl (109) konnte die Art nicht finden; sie scheint Heiden zu bevor-
zugen und hauptsächlich dem südlichen Deutschland anzugehören.
Auch die Müller-Schenkel’sche Liste (siehe pag. 59) bringt
in der Hauptsache nur horizontal und vertikal weitverbreitete Formen.
Epeira ceropegia steigt in den Alpen sehr hoch hinauf (nach Calloni
bis 3000 m). Clubiona coerulescens und Heliophanus auratus gehören
der Ebene an; Epeira sollers zeigt eine mehr südliche Verbreitung.
Die Hoffnung aber, im Torfmoor Formen zu finden, deren Vor-
kommen deutliche Beziehungen zur rein alpinen oder nordischen Fauna
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 93
zeigten, hat sich nicht erfüllt. Derartige Funde aus Mooren sind auch
in der Literatur nirgends erwähnt.
Von den sechs Tardigraden von Jungholz kann nach
Heinis Diphascon scoticum auf Grund seiner Verbreitung (Mittel-
gebirge, Norden, der Ebene fehlend) event. als Glazialrelikt auf-
gefaßt werden; während die übrigen als weitverbreitete Formen
gelten müssen.
Die Myriapoden boten gleichfalls nichts tiergeographisches
von Belang. Die drei Zithobien und Chordeuma silvestre haben palae-
arktische Verbreitung. Nach Verhoeff (128) gibt es keine Diplo-
podenart, welche nur alpin und gleichzeitig nur arktisch auftritt, die
also Reliktencharakter beanspruchen dürfte.
Die Insekten bieten interessante Beiträge zu unserer Be-
trachtung.
Von den Coleopteren sind vor allem die zwei Funde von
Gebirgsformen hervorzuheben: Hydroporus nigrita aus dem Torf-
bächlein ist charakteristisch für Bäche höherer Gebirgslagen der
Schweiz und von Mittel- und Nordeuropa. Auch findet er sich in
Pommern und nach Ulm er (27) im Eppendorfer Moor bei Hamburg.
Er steht dem alpinen Hydroporus nivalis Heer sehr nahe. Ürenitis
punctatostriata aus den Sphagnumtümpeln, die einzige europäische
Art der Gattung (Orenitis monticola in Nordamerika) hält sich in moosigen
Gewässern, stehenden und langsam fließenden, höherer Lagen auf:
Beskiden, Glatzer Gebirge, Sudeten, Harz. Aus den Alpen ist sie nicht
bekannt.
Weniger lokalisiert erscheint, wenn auch seine Verbreitung eben-
falls ein Bevorzugen kalter Gewässer höherer Lagen erkennen läßt:
Agabus congener. In den Alpen bis hoch hinauf und im Norden nicht
selten auftretend, wird er von verschiedenen Forschern als glaziales
Tier bezeichnet, wennschon er auch in der Zwischenzone, im Süd-
bis Norddeutschland, besonders in bergigen Gegenden, nicht fehlt.
Auch andre der im Gebiete konstatierten Käfer steigen, allerdings
mehr gelegentlich, in die Alpen empor (Hydroporus tristis, Hydro-
porus palustris, Hydroporus pictus, Hydrobius fuscipes, Agabus chalco-
notus, Agabus paludosus) oder zeigen weite nördliche Verbreitung
(Ilybius aenescens, Hydroporus obscurus).
Rhantus bisiriatus weist hingegen eher nach Südwesten.
Die Trichopterenmausbeute bringt wenig markantes. Drei
Arten (Grammotaulius atomarius, Limnophilus pohtus und sparsus)
sind für den Schwarzwald neu.
Im übrigen weisen die gefundenen Arten eine weite, in die subalpine
und alpine Region reichende Verbreitung auf.
Hingegen fehlen unserm Hochmoor typische arktische oder hoch-
alpine Tiere (Limnophilus borealis, Glyphotaelius punctatolineata,
Asynarchus coenosus) wie sie in den Hochmooren von Sentier, von
Einsiedeln und am Katzensee bei Zürich konstatiert wurden (171).
Die Odonatenfauna von Jungholz bringt uns interessante
geographische Aufschlüsse, wie sie ähnlich schon von andern gleich-
94 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
artigen Lokalitäten gemeldet wurden. Es handelt sich vor allem um
die drei arktischen Libellen: Agrion hastulatum, Somatochlora arctica
und Leucorrhinia dubia. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt im Norden
(Grenze bis 68° 55‘, Agrion bis 62 °), nach Süden zu zersplittert sich
ihr Wohngebiet in vereinzelte, oft weit auseinanderliegende eng-
begrenzte Bezirke von gemeinsamem, bestimmtem physischen Charakter
Sodann treffen wir sie als Bewohner der Alpen. Norden und Alpen
gleichen sich in ihren thermisch-physischen Verhältnissen; jene ver-
einzelten Lokalitäten in den Zwischenregionen des europäischen
Kontinents sind zumeist Moorgebiete oder ähnliche Örtlichkeiten
mit spezifischem geologischem und klimatischem Lokalton. In
ihrer Vegetation kehrt das Bild der nordischen Tundra, das Charakter-
bild der Interglazialzeit wieder, und in jenen oben genannten Tier-
formen erblicken wir Reste der ihr eigentümlichen Fauna, also einer
glazialborealen Tierwelt.
Unter den übrigen Odonaten des Gebiets finden sich ferner solche
mit stark nach Norden tendierender Verbreitung; am ausgeprägtesten
bei Sympetrum danae, weniger bei Cordulia aenea und Sympetrum
flaveolum. Doch ist ihre Ausdehnung im Tieflande keine so sporadische
und charakterisierte wie bei den drei oben genannten arktischen
Formen.
Es fehlen im Gebiete auch nicht Arten mit mehr nach Süden
weisender, mediterraner Ausbreitung: Lestes viridis und virens, Sym-
petrum striolatum; doch ist ihre Verbreitung in Deutschland eine all-
gemeine.
An obige Ausführungen über die Gruppe der arktischen Libellen
schließen sich analoge Bemerkungen über die markante terrestrische
Gruppe der Torfmoorlepidopteren. Auch bei ihr finden wir wieder
ähnliche geographische Verbreitung: nordische Ebene einerseits, Alpen-
gebiet (subalpine und alpine Zone) anderseits; im Zwischengebiet
Wohnorte in Gebirgsgegenden oder lokal scharf gekennzeichneten
Örtlichkeiten: Mooren, Brüchen usw. Neben die Wirksamkeit der
äußeren physikalischen Bedingungen dieser Lokalitäten fällt aber hier
als stark bedingender Faktor die Vegetation in Betracht, deren Einfluß
auf die Vertretung der Lepidopteren man wohl einzuschätzen hat.
Die eircumpolare und kontinentale Verbreitung von Colias palaeno
hat Fredericg (9) eingehend dargestellt; sie entspricht dem oben
skizzierten Schema, und wenn es sich auch bei den Schwarzwälder
und den alpinen Formen um eine Varietät handelt, so ist doch die prae-
glaziale Herkunft des Falters anerkannt. Er ist völlig an die Hoch-
moorpflanze Vaccinium uliginosum gebunden; nicht aber schließt das
Vorkommen dieser Pflanze dasjenige des Colias palaeno durchaus ein,
wie Hoffmann (140) für den Oberharz zeigt. Ähnliches in bezug
ihrer Verbreitung gilt für Argynnis arsilache, Ohrysophanus hippothoe,
Lycaena optilete. Auch sie sind im Norden Ebenenformen, im Mittel-
gebiet montan oder auf Moorgebiete lokalisiert, im Süden alpin.
Ihr biologisches Verhalten und ihre Verbreitung unterscheidet sie von
Arten, deren weite Verbreitung auch hoch nach Norden hinaufgreift
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 95
(Coenonympha Tiphon) oder die einfach ihrer Nährpflanze dorthin
folgen und charakteristische Moor- oder Torfschmetterlinge sind
(Anarta myrtilli, Rhiparia melanaria u. a.) und deutet hin auf die
Wahrscheinlichkeit ihres glazialen Reliktentums. Auffallend ist die
auf Schwarzwald und Vogesen sowie auf die Alpen beschränkte Ver-
breitung der Zrebia stygne; auch sie scheint praeglazialen Ursprungs
zu sein. Erebia medusa weist außer ihrer mehr südlichen Vertretung
einen nordischen Herd in Lappland.
Als Bergformen dürfen, außer Erebia stygne, angesehen werden:
Nemeophila plantaginis, Melitaea aurelia, Lycaena semiargus, Pararge
maera, Jodis putata, Ellopia prasinaria, Heliaca tenebrata.
Die zitierten Dipteren geben keinen Anlaß zu näherer
Besprechung an diesem Ort. Phalacrocera replicata L. scheint weit
verbreitet zu sein: Skandinavien, England, Deutschland, Frankreich.
Über Dipterenfunde von hoher geographischer Bedeutung in
Hochmooren (die Renntierfliege Pogonota hircus Zett.) berichten
u.a. Speiser (20) und Fredericg (9).
Die Formicidenliste von Jungholz enthält paläarktisch
gemeine Arten. Erwähnenswert ist nur der Fund des sonst haupt-
sächlich alpinen Camponotus herculeanus.
Die äußerste Molluskenarmut unseres Gebiets wurde im
speziellen Teile mit geologisch-physikalischen Gründen erklärt. Als
lokale Urgesteinsform muß Pisidium ovatum betrachtet werden; auch
ihr wird ihrer Verbreitung wegen diluvialer Reliktencharakter zu-
gesprochen.
Am Schlusse unserer kurzen Übersicht sei noch des Charakter-
tiers unter unseren Reptilien Erwähnung getan: Lacerta vivipara.
Im Norden Ebenentier, bei uns die ‚„Bergeidechse‘“ gilt auch sie als
Überrest der mitteleuropäischen glazialen Mischfauna.
Fassen wir das Beobachtete kurz zusammen, so ergibt sich:
die große Masse unserer Hochmoorfauna besteht aus weitverbreiteten,
geographisch wenig charakteristischen Arten.
Eine kleinere Gruppe, den verschiedensten Familien angehörend,
fällt innerhalb dieses Ganzen auf, durch biologische Eigentümlich-
keiten, die in den physikalischen Moorverhältnissen begründet sind
und durch engbegrenzte geographische Verbreitung. In der aquatilen
Fauna sind es hauptsächlich die sich durch ihre Stenothermie oder
ihre Lokalbeständigkeit (Sphagnum) auszeichnenden Formen, in der
terrestrischen Fauna die an die typische Torfvegetation gebundenen.
Innerhalb dieser Gruppe finden wir Formen, die als die Trümmer
einer einst reicheren praeglazialen Fauna anzusehen sind, wenige
Überreste, die sich teilweise der bedeutenden sommerlichen Erhitzung
angepaßt haben. Die in der Hinsicht in Betracht fallenden Arten
seien im folgenden noch übersichtlich vereinigt:
Difflugia lacustris Agrion hastulatum
Veidowskyella comata Somatochlora arctica
Cyelops vernalis Leucorrhinia dubia
96 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Cyelops viridis Colias palaeno
Cyclops fuscus Argynnis arsilache
(Cyelops crassicaudis?) Chrysophanus hippotoö
Diphascon scoticum Lycaena optilete
Agabus congener Pisidium ovatum
(Crenitis punctatostriata?) Lacerta vivipara.
Neben ihnen, die soweit sie der aquatilen Fauna zugehören, ihre
Vorliebe für tieftemperiertes Wasser durch ihr Perennieren zeigen,
haben sich Formen mit entgegengesetzten Lebensforderungen, Warm-
wassertiere eingenistet und angepaßt und tragen dazu bei, die Viel-
gestaltigkeit des biologischen Bildes, seinen Mischcharakter zu erhöhen.
Postglaziale Einbürgerung, Zuwanderung von Süden oder Südwesten
hat sie gebracht. Ob sich auch in der terrestrischen Fauna, analog
den xerophilen Elementen der Flora (siehe pag. 8) xerophile Formen
eingefunden, kann, angesichts der noch unvollständigen Kenntnis
dieser Gruppen, spez. der Insekten, nicht entschieden werden, erscheint
aber fraglich.
Formen der Ebene sowie des Hochgebirges kennzeichnen die Lage
unseres Moors an der orographischen und klimatischen Grenze des
höhern Schwarzwaldes. Das Urgestein des Untergrundes wirkt mit
auf die Bindung von Faunenelementen. Tiere des bewegten Berg-
baches sind in die Moortümpel eingedrungen und hier heimisch ge-
worden.
So haben zahlreiche Faktoren daran gearbeitet, in der Tierwelt
unseres Hochmoors Teile von verschiedenartigen Charakterfaunen
zusammenzuführen.
Die strengen Bedingungen des langen Bergwinters, der rauhe
Grundton des lokalen Moorklimas sorgten dafür, daß die praeglazialen
Grundlinien faunzstisch in aktiven Resten, wenn auch sehr spärlichen,
erhalten blieben, und daß sie auch boologisch, im Verhalten zahlreicher
Formen aus der postglazialen Menge nachträglich deutlich erkennbar
wiederkehren. Die zeitweise bedeutende Steigerung der Temperatur
im Sommer aber gestattete einer großen Zahl von Tieren der Ebene
die Ansiedlung; die eigentümliche Torfvegetation, sowie die chemische
und physische Konstitution des Sphagnummoores endlich schenkten
der Tierwelt neue typische Glieder.
So entstand das formenreiche, eigenartige Züge aufweisende
Bild unserer Jungholzer Moorfauna.
E. Anhang.
Beiträge zur Fauna subalpiner Hochmoore.
Zum Vergleiche der faunistischen und biologischen Ergebnisse
der Studien auf Jungholz mit den Verhältnissen analoger Gebiete
wurden während eines Aufenthaltes am Vierwaldstätter See ver-
schiedene Exkursionen nach Hochmooren der subalpinen Zone aus-
geführt.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 97
Die folgenden Mitteilungen bringen als Frucht dieser Exkursionen
kleinere faunistische Beiträge; zu eingehenden biologischen Studien
reichte die Zeit nicht aus, immerhin gestatten die Resultate einige
allgemeine Bemerkungen über die Hochmoorfauna.
1. Das Wagenmoos.
Das ,„Wagenmoos“, sowie das im nächsten Abschnitt zu
betrachtende ‚Teufried“ sind kleine Überreste eines einstmaligen
größeren Moorgebiets auf dem Rücken der bewaldeten Molasseerhebung
zwischen Küßnacht und Meggen am Vierwaldstättersee (etwa 600 m).
Eingehendere geologisch-botanische Beschreibungen der in diesem
Anhang zur Besprechung kommenden Moorgebiete finden sich in der
Monographie vonFrühundSchroeter (10), weshalb ich jeweilen
einfach auf die betr. Stellen verweisen werde.
Das Wagenmoos (Früh und Schroeter pag. 537) ist zum
größten Teil schon kultiviert (Gemüse-, Kartoffelbau im. mittleren
Teil); am östlichen Rande werden die gegen zwei Meter mächtigen
Torflager noch abgebaut, während der östliche in Hochwald über-
gehende Teil Hochmoorvegetation trägt, größere Rasen von Sphagnum
mit Kolken und kleineren Gräben, bestanden mit Eriophorum, kleinere
Komplexe Callunetum.
Mehrere Wassergräben sind durchwuchert von Sphagnum oder
Lemma trisulca. Ich untersuchte im Mai und Juni die kleinen Sphagnum-
kolken, sowie zwei der tieferen Gräben.
a) Die Sphagnumkolken.
Die seichten, mit meteorischem Wasser gefüllten Kolken lieferten
folgende Ausbeute. Im Bodenschlamm, der hauptsächlich aus Stengel-
und Blattfragmenten der Sphagnummoose besteht, fanden sich an
Rhizopoden hauptsächlich
Difflugia acuminata und
Difflugia baeillifera.
Der einzige Copepode
Cyclops languidus
verkriecht sich im Schlamm. Am 21. Juni d$ und 92 mit aus-
schlüpfenden Nauplien.
Diptera: Chironomus spec.
Anfang Mai waren ferner in allen Kolken häufig Larven von
Culex pipiens. Mitte Mai Imagines.
Oligochaeta: Nais spec.
Zahlreich bewegten sich in diesen seichten Lachen die Larven
folgender Trichopteren:
Neuronia rufierus
Limnophilus sparsus
Limnophilus griseus.
Von ersterer fing ich am 21. Juni auch ein Imago.
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 3. Suppl. 2
98 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Im dichten Gefilze der Sphagnumrasen krochen massenhaft die
typischen Käfer
Hydrobius fuscipes
Hydroporus nigrita,
die auch im Jungholz konstatierte Gebirgsform. An den Rändern
der Kolken und auf dem Moosrasen fanden sich Ende Juni folgende
Spinnen.
Dolomedes fimbriatus L.
Aelurillus insignitus 29
Lycosa (Pirata) piratica Clerck
Lycosa latitans Blackw.
Lycosa nemoralis West &
Diplocephalus cristatus Blackw. 2
Pisaura mirabilis Cl. 22 mit Cocons.
Von Dolomedes fimbriatus L. fanden sich $3 und ?Q ziemlich häufig,
von letzteren ein wahres Riesenexemplar. Dr.R.deLessert,der
die Bestimmung freundlichst besorgte, machte zu ihr folgende Notiz:
‚la pubescence des bandes claires du cephalothorax est jaune, celle
de l’abdomen blanc-jaune. Le bandeau pr&sente quelques poils jaunes
sous les yeux mödians. Les f&murs des pattes sont noirs en dessous.
La pubescence des bandes claires du cephalothorax et de l’abdomen
est tres blanche. On constate egalement la prösence de poils blancs
sur Je bandeau, les ch&liceres, le tibia et le tarse de la patte-machoire.“
Wiederum konnte das Verkriechen der Art unter Wasser beob-
beobachtet werden.
Lycosa piratica und Lycosa latitans, zwei echte Sumpfspinnen,
die im Jungholz nicht beobachtet wurden, fanden sich hier im feuchten
Torfmoos am Rande der Kolken. Von ersterer wurden nur ein d,
von letzterer nur 22 erbeutet. Diplocephalus cristatus 2. An feuchten
Orten häufig; liebt humusreichen Boden.
Im Torf fand sich wiederum Lycosa nemoralis.
b) Wassergräben.
Im folgenden sind die Faunenlisten zweier Gräben von geringer
Ausdehnung einander gegenübergestellt. Die Gräben unterschieden
sich, trotzdem sie einander unmittelbar benachbart waren, stark
nach der Lage im Gebiet, ihrem Untergrund und dem Aussehen des
Wassers. Der erstere liegt an der Grenze des meliorierten Moorgebiets,
zeigt sandigen Untergrund, führt ziemlich klares Wasser (erhält das
Abwasser einer kleinen Quelle) und ist erfüllt bis zum Grunde mit
einem dicken Algen- und Lemnateppich. Ich nenne ihn den nicht-
torfigen Graben.
Der andere, ein kleiner Torfstichgraben, liegt zwischen Torf-
wänden eingebettet, sein Untergrund besteht aus reinem Torfschlamm,
sein Wasser ist dunkelbraun gefärbt, hat Lemnavegetation. Ich
nenne ihn den torfigen Graben. '
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 99
torfiger Graben: 26.:%, nichttorfiger Graben:
Stentor polymorphus --
Cyelops serrulatus JS ?2, Naupl. Cyelops serrulatus JS ?7
Cyelops vernalis P? und Naupl. Cyeclops vernalis QQ mit Eib.
mit achtgliedr. Antennen.
ı Candona candida
Chydorus sphaericus PQ mit
Embryonen —
_ Dendrocoelum lacteum zahlreich
—_ Polycelis nigra
= Mesostoma spec. zahlreich
Thyas vigilans Sperchon montanus
Arrhenurus Leuckarti Arrhenurus spec.
Arrhenurus spec. Nymphe
Chironomus spec. lose Röhren aus
Torfschlamm Tubifex tubifex
Culex spec. —
Tanypus spec. —
Hydroporus palustris —
Hydroporus obsoletus —
Agabus affinis —
Triton spec. Triton eristatus
Bombinator pachypus —
= Planorbis rotundatus
— Limnaea peregra, beide im Lemna-
gewirr sehr häufig.
— Pisidium obtusale im Boden-
schlamm.
Die Unterschiede in der Besiedlung der zwei dicht benachbarten
Gräben sind wohl durch die oben geschilderten Verschiedenheiten
in der Konstitution zu erklären. Interessant ist das Fehlen der Mollusken
im Torfstich (alle drei sind zwar andernorts in Torfgräben zu treffen),
der Mangel an Turbellarien und Ostrakoden hier und der Coleopteren
dort, die Unterschiede in der Hydrachnidenbesiedelung (Sperchon
montanus ist ein typischer Bergbachbewohner). Bemerkenswert ist
auch die Praesenz von Hydroporus obsoletus, einer südlichen Form
und des alpinen Hydroporus nigrita (siehe Sphagnum) auf demselben
kleinen Moorgebiet.
c) Torf.
Den Torflagern schenkte ich wenig Aufmerksamkeit. Auf ihrer
Oberfläche wurde eine Anzahl Käfer gefangen:
Cicindela campestris
Poecilus cupreus
Poecilus coerulescens
Corymbites tesselatus
Chrysomela fastuosa
Tr
100 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
sowie zwei Ameisenarten:
Camponotus ligniperdus
von der ein großer Schwarm die Moorgegend erfüllte und die wohl in
den Tiefen der Torflager nisten dürfte, die starke Einschlüsse von
Holz bergen.
Formica rufa subsp. pratensis,
ein flügelloses Q.
Diese kleinen Listen führen uns relativ viele Bekannte von unserm
Hochmoor im Schwarzwald auch vor.
r 2%. Teufried.
Dieses etwa 10 Minuten vom obigen in östlicher Richtung entfernte
Moor (Früh-Schröter pag. 539) wird noch stark abgebaut.
Es zeichnet sich aus durch Mächtigkeit seiner Lager, die Tiefen
von 6 m erreichen (Name: ‚Teufried“!) und den großen Reichtum
an Torfholz; ein ganzer Hochwald liegt im Torf begraben, Tannen-
stämme von mächtigem Umfang treten zu Tage. Die ursprüngliche
Hochmoorvegetationsdecke ist nur noch in Resten auf der südlichen
Anhöhe vorhanden. Das Moor wird seiner Längsrichtung nach aus-
gebeutet, wodurch in der. Mitte ein tiefer breiter Graben
entstand, während zu beiden Seiten die Torfwände sich er
heben, südlich sanft ansteigend, rechts steil aufragend. In der Tiefe,
in den Winkeln der alten Stiche haben sich kleinere Tümpelchen
gebildet, mit einer dicken Lemnadecke geschlossen; ein Graben ent-
wässert das Moor. Am südlichen Rande finden sich einige ganz seichte
Sphagnumkolken.
Auf zwei Exkursionen (19. V. und 2. VII.) untersuchte ich den
Entwässerungsgraben, einzelne der kleinen Torfstiche und Sphagnum-
kolken, sowie die Torflager.
a) Abflussgraben und Torfstiche.
Cyelops serrulatus 2? mit Eiballen
Cyelops vernalis 2? mit Eiballen
Chydorus sphaericus ??2 mit Embryonen
Nais pseudoobtusa. Färbung grünlichgelb. Ventrale Borsten je fünf,
gabelförmig. Dorsale Nadelborsten einfachspitzig, mit je
einer steifen Haarborste, die 21/,—31/, mal solang ist wie die
Nadelborsten.
Chaetogaster diaphanus, im Torfschlamm häufig.
Haemopis sanguisuge im Schlamm nasser Torflöcker. Früh
und Schroeter erwähnen die Häufigkeit der „Hoch-
moortönnchen“ (Cocons von Nephelis) im Teufrieder Torf.
Dorylaimus stagnalis im Torfschlamm
Arrhenurus Neumani
Arrhenurus spec. Nymphen.
Ilybius fuliginosus.
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 101
Agabus uliginosus, ein Exemplar, 7 mm, tiefschwarz, lackglänzend.
Scheitelflecken sehr schwach. Flügeldecken dunkelkastanien-
braun; Vorder- und Seitenrand heller, Chagrinierung sehr
fein, mit kleinen Pünktchen, aber nicht in allen Maschen. Deut-
liche Längsstreifen.
Sericostoma spec. Larven im untern Teil des Abflußgrabens, wo
sandiger Untergrund.
Limnophilus griseus am gleichen Ort.
Libellula quadrimaculata.
Pyrrhosoma minium. Ein typisch gefärbtes Exemplar zeigt im Flügel-
geäder Abweichungen, nach dem Charakter der Nehallenia-
Ischnuragruppe hin: Abgang vom M, vorn vier Zellen distal
vom Nodus, hinten drei.
Hydrometra spec.
Limnaea peregra im Lemnateppich häufig.
Triton eristatus im Torfwasser häufig.
b) Sphagnumkolken.
Die kleinen seichten Wasserlachen im Sphagnum wiesen geringes
Tierleben auf. Ich konstatierte am 2. Juli:
Cyelops languidus 92 SG.
Chydorus ovalis. Größe über 0,5 mm. Schale hell, nicht hornbraun;
ganze Oberfläche gepünktelt! Vorderfühler von typischem
Bau, hingegen über die Schnabelmitte hinausragend. Hinter-
körper mit 13 starken Stacheln. Endkrallen außer den zwei
Basaldornen mit feinem Kamm.
Die meisten trugen weit entwickelte Embryonen im Brut-
raum, etliche aber auch zwei Dauereier.
c) Der Torf.
Besonders eingehend suchte ich die mächtigen Torflager nach ihren
Bewohnern ab. Ich verzeichne Spinnen und Tausendfüßler.
Araneae.
Exkursion vom 19. Mai.
Dolomedes fimbriatus JS 92 ad.
Pardosa paludicola 2 mit Kokons.
Pardosa amentata 9.
Lycosa pulverulenta Cl. &.
Lyecosa cuneata Cl. 3.
Aelurillus insignitus 99.
Exkursion vom 2. Juli.
Pardosa amentata 92 und juv.
Pardosa pullata 9.
Lycosa nemoralis 99.
Lycosa terricola juv.
Lycosa leopardus 22 mit Kokons
Theridion riparium Bl. 9.
102 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Diplocephalus eristatus 9.
Nesticus cellulanus Cl. 9.
Cicurina eicur Menge @ mit Kokons.
Aulonia albimana Walk. @ mit Kokon.
In diesen Listen dürfen als zufällige Funde am Ort gelten: T’heridion
und Nesticus; sie gehören sonst feuchten Orten nicht an.
Formen, die ebenfalls trockene Standorte vorziehen und wohl
selten in die feuchteren Lagen des Torfmoors vordringen, sind: Lycosa
pulverulenta und cuneata, ferner Aulonia albimana, eine südliche Form.
Die übrigen konstatierten Arten gehören in die Gruppe der paludo-
philen Araneen, wie wir dies schon beim Jungholzer Torf feststellten.
Daß Pardosa amentata die Nähe von humösem Wasser doch nicht
scheut, wie Dahl (109) angibt, beweist ihre erneute Feststellung
im Torfmoor.
Myriapoda.
Lithobius forficatus.
Lithobius nigrifrons.
Julus spec.
Chordeuma silvestre.
Die Ausbeute war nicht so reichlich wie im Jungholzer Moor;
wahrscheinlich spielt die größere Trockenheit der oberen Torfschichten
hier mit. Lithobius forficatus wurde am häufigsten getroffen.
Lithobius nigrifrons (siehe pag. 60) kann als neu für die
Schweiz bezeichnet werden.
Julus spec. Ozellen mehrreihig. Schwänzchen eher stumpf als spitzig.
Saftlöcher die Quernaht nicht berührend. Farbe eintönig,
gelblich. Länge 15 mm.
3. Eigental.
Den Gebirgshochmooren im Eigental auf der nordwestlichen
Abdachung des Pilatus (970 m) galt am 14. Juli ein kurzer Besuch.
Das prächtige Moorgebiet, für dessen Erhaltung als Reservation
man sich bemüht, hat durch Früh und Schroeter (pag. 644)
seine Darstellung erfahren.
Es sind zwei, durch Flachmoorgebiet getrennte kleinere Hoch-
moore, wovon namentlich das südliche ‚„Maienstoßmoos‘“ den äußeren,
nach der Mitte zu gewölbten, typischen Hochmooraufbau sehr schön
zeigt. Auf dieses Moor beschränken sich meine Fänge. Wasser-
ansammlungen sind nicht viele vorhanden.
Ein etwa 1 m breiter, 30 cm tiefer Graben, ein alter Torfstich,
wies merkwürdigerweise gar kein Plankton auf, während es in kleinen,
algenerfüllten Wasserpfützen im benachbarten Carexgebiet wimmelte
von Oligochaeten, Rotatorien und Tardigraden; von Ürustaceen fand
sich jedoch nur ganz spärlich C'yclops languidus. In einer kleinen,
innerhalb eines Torflagers austretenden Quelle tummelten sich im
breiigen Torfschlamm in ungeheuren Scharen Oypria ophthalmaca
und Candona candıda. |
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 103
Ein Wasserloch auf Sphagnumgebiet, mit flutenden Moosrasen,
die Ufer mit Drosera rotundifolia bestanden, lieferte
Cyelops languidus ?? mit Eiballen, Naupl.
Cyelops vernalis, juvenile Formen.
Limnophilus spec.
Ilybius £fuliginosus.
An Odonaten wurden auf dem Moor erbeutet:
Calopterix virgo 9.
Ischnura elegans.
Agrion ornatum.
Pyrrhosoma nymphula 5 9.
Libellula quadrimaculata.
Libellula quadrimaculata var. praenubila.
Leucorrhinia dubia $ 2.
Sehr häufig war auch
Perla maxima
und die kleine grünschimmernde Neuroptere
Chrysopa perla.
An Araneen wurden im Sphagnum und auf der Torfvegetation
erbeutet:
Dolomedes fimbriatus juv.
Micrommata virescens Cl. &.
Araneus ceropegius Walck. 3.
Tetragnatha extensa L. 2 3.
4. Zugerberg.
Dem ausgedehnten Hochmoorgebiet ,„Geißboden“ auf dem
Rücken des Zugerberges (990 m, siehe Früh und Schroeter
pag. 638) wurde Anfang September nach wochenlanger Regenperiode
ein Besuch abgestattet.
Die sehr kühle Witterung machte sich in der Armut der Be-
siedelung der sehr reichlich vorhandenen Wassertümpel schon stark
bemerkbar. In Regenwasseransammlungen auf abgegrabenem Torf-
gebiet (Torfstiche) fand sich folgende Fauna:
Cyelops serrulatus ?2 mit den Resten der Eiballen.
Cyelops languidus Q? mit in Bildung begriffenen Eiballen, also neuer
Cyelus in Vorbereitung.
Alonella exeisa P? mit Embryonen.
Chydorus ovalis 2? mit stark entwickelten Embryonen.
Hydroporus spec. |
Limnophilus spec.
Limnaea peregra.
Auf noch intakten Gebieten des Moors finden sich üppige Rasen
von Lycopodium inundatum. Diese Rasen bilden auf dem Torf auf-
liegend einen kompakten, enggepreßten Teppich, auf dem sich in
Vertiefungen kleine Regenwasserlachen erhalten. Auf dem Grund
dieser kleinen „Kolken“ findet sich ein grauer, pflanzlicher Schlick,
in dem eine überaus reiche Mikrovegetation (Grünalgen) persistiert.
104 Otto Kleiber: Die Tierwelt des Moorgebietes
Proben aus solchen Miniaturtümpeln ergaben folgendes faunistische
Resultat:
Der vegetabilische, graue Bodensatz war sehr reich an Rhızopoden,
speziell Amoeben und bryophilen Formen der Gattungen Euglypha,
Nebela u.a. Auch Copepoden waren in der geringen Wassermenge
vorhanden:
Cyelops serrulatus, zwei Id.
Cyelops vernalis, 2 mit Eiballen.
Das Zugerbergmoor bot auch Gelegenheit zur faunistischen
Betrachtung eines Moorbaches. Ein bewegter Bergbach hat seinen
Lauf durch die Torflager hindurchgenommen, sich von Zeit zu Zeit
weite Becken ausspülend. Durch ein solches Becken zog ich mein Netz.
Zum ersten Mal in einem torfigen Gewässer fischte ich zahlreiche
Exemplare von
Gammarus pulex
in lauter jungen, kleinen Exemplaren, während größere Exemplare
im nichttorfigen durch Wiesengebiet strömenden Bach häufig getroffen
wurden.
Cyclops serrulatus 2? mit Eiballen.
Alona guttata var. tuberculata.
Schale grünlich, deutlich ungestreift und ungefeldert aber fein
punktiert; doch hatte diese Punktierung eher den Anschein feiner
Löchlein, als der kleiner Tuberkeln. Hinterkörper gegen das Ende
nicht verjüngt, deutlich eckig, mit 10 kurzen, breiten Dornen. Der
Brutraum war leer.
Chydorus ovalis mit Embryonen im Brutraum.
An Hydrachniden wurde erbeutet
Teutonia primaria Koen.
Der sandige Untergrund lieferte große Exemplare der Trichoptere
Odondocerum albicorne
und die unvermeidliche
Lymnaea peregra war allenthalben häufig. -
Von terrestrischem Insektenleben war wenig mehr zu sehen,
hingegen huschte an allen Torfwänden herum Lacerta vivipara.
Die kleinen Beiträge zur subalpinen Hochmoorfauna zeigen,
so wenig sie auch den Gegenstand erschöpfen mögen, doch deutlich
gemeinsame verbindende Züge sowohl in der Fauna dieser inner-
schweizerischen Gebiete untereinander, als auch mit unserm Schwarz-
wälder Hochmoor. Die aquatile Fauna kleiner charakteristischer
Tümpel, wie der Torfstiche und Mooslöcher, kehrt in wenigen lokal-
beständigen Formen stets wieder. Hervorgehoben sei die mehr-
malige Feststellung des Chydorus ovalis, dieser sonst noch wenig ge-
fundenen Cladocere, in Torfgewässern, es scheint dies eine Vorliebe
dieser Art für Moore zu dokumentieren.
Der Haupteindruck der faunistischen Betrachtungen aber ist der
der geringen Reichhaltigkeit des Artenbestandes der Moorgewässer,
und wir kommen damit auf die im ökologischen Teile dieser Arbeit
besprochenen Verhältnisse zurück.
* *
*
von Jungholz im südlichen Schwarzwald. 105
Literaturverzeichnis.
(Nachfolgende Übersicht zitiert nicht alle eingesehene Literatur.
Von den zahlreichen Moormonographien werden nur diejenigen auf-
geführt, in denen Faunistisches berührt wird und die mir selbst
vorgelegen.)
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115
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Die phyletischen Beziehungen der Lycoriiden
(Sciariden) zu den Fungivoriden (Myceto-
philiden) und Itonididen (Cecidomyiiden) und
ihre systematische Gliederung.
Von
Dr. Günther Enderlein.
Hierzu Tafel I—II und 2 Textfiguren.
In seinem „Beitrag zur Monographie der Sciariden“ (Wien 1867)
stellt Winnertz auf Seite 11 acht Hauptunterscheidungsmerkmale
der Sciariden und Mycetophiliden zusammen. Es hat sich nun allmählich
herausgestellt, daß keiner dieser Charaktere zu einer Unterscheidung
beider Familien stichhaltig ist. Winnertz schreibt:
„Eine Vergleichung dieser Merkmale mit denen der Pilzmücken
läßt eine nahe Verwandtschaft dieser beiden Gruppen nicht verkennen.
Hervorragende Abweichungen von den Pilzmücken sind bei den
Sciarinen folgende:
1. Die Stellung des Kopfes, welcher weniger tief am Rücken-
schilde sitzt;
2. die Gestalt und Beschaffenheit der Fühler;
3. der weniger hohe und weniger steile Hinterrücken;
4. die weniger verlängerten Hüften;
5. die stark entwickelte Haltezange des $;
6. die kürzere Unterrandader;
7. die der Unterrandader genäherte, fast immer mit derselben
parallel laufende Mittelader, und
8. die stets langgestielte, meistens aus der Mitte der Mittelader
entspringende Gabel.
Sie geben den Sciariden einen Typus, welcher von dem der Pilz-
mücken so verschieden ist, daß eine Vereinigung dieser beiden Gruppen
als unstatthaft erscheinen muß.“
Zu Punkt 1 erwähne ich nur den außergewöhnlich tief herab-
gedrückten Kopf bei Rhynchosciara Rübs. und besonders bei Hybo-
sciara Rübs. bei den Sciariden, und der Kopf der Ceroplatinen, Bolito-
pholinen usw. ist fast in der normalen Stellung.
Ferner ist die Gestalt und Form der Fühler in beiden Familien
so stark variierend, daß sie nicht in Betracht kommen; ich erwähne
nur die außerordentlich verkürzten Fühler von Ceratiosciara. Für die
Variabilität der Gestaltung in allen Abstufungen finden sich zahl-
reiche Beispiele in beiden Familien.
Als Beispiel der mycetophilidenartigen Entwicklung der Coxen bei
Sciariden erwähne ich Megalosphys Enderl., Scythropochroa Enderl. usw.
Die phyletischen Beziehungen der Lyeoriiden. 117
Die Haltezange der & ist in der Größe in beiden Familien mannig-
faltigen Schwankungen unterworfen. Die Unterrandader (r,) kommt
sowohl bei den Mycetophiliden auch kurz (z. B. Leia Meig.) und bei
den Sciariden auch länger vor (z. B. Megalosphys Enderl.).
Die Zelle R tritt auch bei den Sciariden breit auf (z. B. @ephyromma
Enderl.), als auch bei den Mycetophiliden schmal.
Beispiele für kurzgestielte Mediangabel bei den Sciariden sind
Anarete Hal. und Anaretella Enderl., Beispiele für langgestielte Median-
gabel bei den Mycetophiliden sind zahlreich (z. B. Nervijuncta Marsh.
Parastemma Grzegorz.).. Auch die Insertion des Mediangabelstieles
variiert sowohl bei den Lycorüden (Sciariden) wie auch bei den
Fungivoriden (Mycetophiliden).
So hatten sich die Begriffe beider Familien immer mehr verwischt,
so daß auch neuere Autoren beide Familien zusammenziehen, wie es
früher schon Schiner gemacht hatte, oder daß die Gattungen will-
kürlich einer von beiden Familien eingeordnet wurden, meist blos
von habituellem Gesichtspunkte aus. Auch die „Records“ vereinigen
beide zu einer Familie.
Auf Grund eines reichhaltigen Materiales konnte ich nun fest-
stellen, daß sich doch ein durchaus durchgreifender Unterschied
zwischen beiden Familien findet und zwar in der Augenbildung.
Alle Lycoriiden (Seiariden) besitzen nämlich an jedem Auge oben
einen schmalen Fortsatz; diese Fortsätze beider Augen laufen hinter
der Fühlerbasis und vor den Ocellen über die Stirn, und stoßen in der
Mitte zusammen oder nähern sich wenigstens so stark, daß nur ein
ganz winziger Zwischenraum die beiden Enden trennt; ich bezeichne
diese schmale Augenverbindung mit „Augenbrücke“. Sie ist immer
im Verhältnis zur Augenbreite sehr schmal (im Gegensatz zu den
meisten Chironomiden und den Scatopsinen, wo die Augen nieren-
förmig um die Fühlerbasis herumgelagert in der Stirnmitte breit
zusammenstoßen und überall ungefähr gleichbreit sind).
Das Auge der Fungivoriden (Mycetophiliden) ist dagegen rundlich
oder oval und hat nie eine brückenartige Ausbuchtung; eine eigen-
artige Sonderstellung innerhalb der Familie nehmen die Augen der
Gattung Mesochria Enderl. 1910 (M. Scottiana Enderl. 1910 Seychellen)
ein, die außerordentlich vergrößert sind und in der Medianlinie auf
einer langen Strecke zusammenstoßen; aber auch hier weicht die
Augenform richt von der rundlichen Gestalt ab.
Während nun einerseits die Abgrenzung der Lycoriiden (Scia-
riden) nach den Fungivoriden (Mycetophiliden) völlig bestimmt ist!),
versagt sie nach den Itonididen (Ceeidomyiiden) in ihrer jetzigen
Fassung völlig. Zunächst ist bei allen Itonididen (Ceeidomyiiden) die
Augenbildung die völlig gleiche wie bei den Lycoriiden (Sciariden);
auch sie zeichnen sich durch den Besitz der schmalen Augenbrücke
aus, die somit ein Charakteristicum der Lycoriiden-Itonididen- (Sciari-
!) Auch Lameere vertrat schon die Ansicht, die Lycoriiden (Scia-
riden) mit den Fungivoriden (Mycetophiliden) zu vereinigen.
118 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
den-Cecidomyiiden-)Reihe ist. Eine eigenartige Sonderstellung nimmt
unter den Itonididen (Cecidomyiiden) nur die zur Lasioptera-Gruppe
gehörige Gattung Trotteria Rübs. (Choristoneura) ein, die zwar die
Augenbrücke durchgehend besitzt, auf welcher aber in der Mitte die
Ommatidien fehlen; es ist aber durch Vorhandensein der Contour
der Augenbrücke ohne weiteres ersichtlich, daß es sich hier um eine
sekundäre Bildung handelt, und daß die Ommen durch Reduktion
verschwunden sind.
Zieht man nun die übrige Organisation zum Vergleich, so erkennt
man, daß die Lycoriiden (Sciariden) und Itonididen (Cecidomyiiden)
in einer kontinuierlichen Reihe gradueller Differenzen ein organisches
Ganze bilden, wobei die Heteropezinen und Itonidinen (Cecidomyiinen)
durch Reduktionen und Erwerbungen besonderer Eigentümlichkeiten
sich zwanglos als die abgeleiteten Formen erkennen lassen, während
die Lestremiinen in ihrer ursprünglichen Organisation sich sowohl
für die Lycoriinen (Sciarinen) als Ausgangspunkte darstellen, als auch
der Wurzel der Heteropezinen und Itonidinen (Cecidomyiinen) nahe-
stehen. Zwischen den Lestremiinen und Lycoriinen (Sciarinen) sind die
Übereinstimmungen so durchgreifend, daß nicht nur gar nicht daran zu
denken ist, sie zu verschiedenen Familien zuzuteilen, sondern daß
sogar Bedenken obwalten können, sie als zwei verschiedene Unter-
familien aufzufassen, weil man nur ein Unterscheidungsmerkmal
zwischen beiden finden kann, das z. B. innerhalb von Fungivoriden-
(Mycetophiliden-)Unterfamilien nicht mehr als ein Unterschied nahe-
stehender Gattungen darstellt.
Beide etwa nach der Entwicklung der Randader (ob bis r reichend,
oder darüber hinaus) zu trennen, ist ganz unmöglich, weil dann die
ganz nahe verwandten Gattungen des Tribus Campylomyzini ausein-
andergerissen würden, wenn es auch wieder bei dem Tribus Lestremiini
verlockend wäre, die beiden Gattungen Zygoneura Meig. 1830 und
Gephyromma Enderl., die ich gezwungen bin hier einzuordnen, von
den übrigen Gattungen zu trennen, bei denen die Randader nicht
über r, hinweggeht (vorausgesetzt, daß Trizyga Loew so organisiert
ist), und sie den Lycoriinen (Sciarinen) einzuordenen, wie für Zygo-
neura es auch bisher geschehen ist.
Hierzu kommt noch der schwerwiegende biologische Faktor,
daß die Lestremiinen wie alle Lycoriinen (Sciarinen) im Gegensatz zu
allen übrigen Itonididen (Cecidomyiiden) nicht gallenbildend ist.
Nur einen einzigen einigermaßen stichhaltigen Unterschied habe
ich feststellen können, auf Grund dessen man die Aufrechterhaltung
der beiden Unterfamilien wenigstens in der Lage ist, verteidigen zu
können, es ist die Tatsache, daß bei den Lycoriinen (Sciarinen) der
Mediangabelstiel weit von der Basis von ır etwa in der Mitte der
Zelle R inseriert, während er bei den Lestremiinen nahe an die
Basis von rr gerückt am äußeren Ende der Zelle R steht und meist
nicht viel mehr weiter von ır abgerückt ist, wie die Länge des Basal-
abschnittes von ır beträgt. Alles dies erklärt mein Unternehmen, die
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 119
Lestremiinen aus den Itonididen (Cecidomyiiden) herauszunehmen und
sie den Lycoriiden (Sciariden) einzuordnen, völlig.
Durch diesen Schritt ergibt sich nun zugleich die Tatsache, daß
der Gegensatz zwischen Lycoriden (Seiariden) und Itonididen (Ceci-
domyiiden), so gering er auch noch immer ist, wesentlich schärfer
geworden ist, und zwar:
Lycoriidae [= Sciaridae] (Lycoriinae, Cratyninae und Lestremiinae)
Media vorhanden (gegabelt oder ungegabelt). Ocellen vor-
handen (3). Larven nicht gallenbildend.
Itonididae [= Cecidomyiidae] (Heteropezinae und Itonididae) Media
fehlt (reduziert). Ocellen fehlen. Larven gallenbildend.
Der Bau der Fühlergeißel (Geißelglied gestielt oder ungestielt)
mit als Unterscheidungsmerkmal anzuführen, wie dies früher geschehen
ist, muß fallen gelassen werden; ich erinnere nur an den Fühler der
Cecidomyiiden-Gattung Asphondylia Loew 1850, dessen Geissel-
glieder völlig ungestielt u. Lycoriidenartigsind. Daß das Vorhandensein
oder Fehlen der Ocellen hinzugezogen werden kann, halte ich für einen
Zufall; meiner Meinung nach ist es nicht ausgeschlossen, daß auch
Lycoriden (besonders Lestremiinen) ohne Ocellen gefunden werden
können und zudem ist es noch nicht ganz sicher, ob es nicht Vertreter
der Gattung Lestremia gibt, denen die Ocellen fehlen. Die Gattung
Cratyna Winn. 1867 fasse ich als besondere Unterfamilie auf, weil
die Beziehungen der Lycoriinen (Sciarinen) zu den Cratyninen die
gleichen sind, wie die der Fungivorinen (Mycetophilinen) zu den Scio-
philinen.
Wie schon erwähnt, sind die obengenannten Differenzen zwischen
beiden Familien verhältnismäßig gering, aber für so abgeleitete und
in so hoher phylogenetischer Stellung befindliche Tiere dürften sie
doch gerade noch zur Trennung in Familien genügen, zumal auch noch
Differenzen im Bau der Larven hinzukommen.
In phylogenetischer Beziehung sind die Itonidinen (Cecidomyiinen)
durch die Verkürzung des 1. Tarsengliedes die abgeleiteteren Formen,
während die Heteropezinen mit weniger als 5 Tarsengliedern durch
mehr oder weniger starke Reduction der Tarsenglieder die ab-
geleiteteren Formen sind; diese beiden halten sich so im Grade der
Ableitung nahezu die Wage, während diejenigen Gattungen der Hetero-
pezinen, die 5 Tarsenglieder besitzen, zweifellos die ursprünglichsten
Itonididen (Cecidomyiiden) darstellen, und nicht nur Vorläufer, der
übrigen Heteropezinen sind, sondern auch der Wurzel der Itonididen
(Cecidomyiinen) sehr nahestehen.
In Bezug auf die Stellung der Gattungen Frirenia Kieff. 1904,
Leptosyna Kieff. 1904 und Pero Mein. 1870, die Kieffer trotz ver-
kürztem Metatarsus zu den Heteropezinen stellt, gebe ich durchaus
Rübsaamen recht, der Pero zu den Itonidinen (Cecidomyiinen)
stellt; alle 3 Gattungen müssen dieser Subfamilie eingeordnet werden,
denn die Flügelform, die Schwäche der Adern und sehr kurze abstehende
Pubescenz des Flügels, die sie nach der Meinung Kieffers in nächste
120 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Nähe der Gattungen Oligarces, Miastor und Heteropeza bringen sollen,
kommen im Vergleich zu dem für diese phylogenetisch hochstehende
Gruppe wichtigen morphologischen Faktor der Verkürzung des 1. Tarsen-
gliedes gar nicht in Betracht, zumal sie ja beinahe verwandten Gattungen
und selbst innerhalb der Gattungen lebhaft variieren. Ebenso ist die
biologische Tatsache der Paedogenesis, durch die sich sowohl einerseits
Frirenia und Leptosyna, als auch andererseits Pero, Oligarces und
Miastor auszeichnen, nicht heranziehbar, weil solche hohe biologische
Errungenschaften an den verschiedenen Endpunkten phylogenetisch
hochstehender Organismen unabhängig von einander auftreten können.
Während sich die Lestremiinen nun sowohl nach der Seite der
Lycoriinen (Sciarinen) hin als die ursprünglichen charakterisieren,
als auch der Wurzel der Itonidinen (Cecidomyiinen) nahestehen,
zumal sie ja in dem Tribus Campylomyzini eine sehr wesentliche
Näherung an diese darstellen, ist nach der Seite der viel ursprüng-
licheren Fungivoriden (Mycetophyliden) nicht leicht ein Ausgangs-
punkt zu finden. Ich habe eine große Anzahl Fungivoriden (My-
cetophiliden) daraufhin untersucht. Es glückte mir auch, in der
Fungivorinengattung Docosia Winn. 1863 einen, wenn auch wenig
auffälligen Beziehungspunkt zu finden; diese Gattung (Docosia sciarina
[Meig.]) hat die Augen hinten nach oben zu etwas verschmälert und
sehr schwach zugespitzt und sehr wenig nach oben ausgezogen, ein
Charakter, der den Beobachtern bisher entgangen ist. Diese auf-
fällige Tatsache macht es mir im hohen Grade wahrscheinlich, daß
immerhin noch ziemlich nahe Beziehungen der Lycoriiden-Itonididen-
(Sciariden-Cecidomyiiden-)Reihe mit den Fungivoriden (Mycetophilinen)
bestehen, zumal ja auch die Cratyninen, die durch den Besitz einer
Radialgabel die ursprünglichsten Lycoriiden (Sciariden) sind, Be-
ziehungen zum Geäder der Sciophilinen aufweisen.
Doch dürften bei dieser Verwandtschaft die Bibioniden eine
vermittelnde Rolle spielen. Was zunächst die Scatopsinen anbetrifft,
so finden sich hervorragende Übereinstimmungen mit den Lestremiinen ;
das Geäder stimmt völlig überein (besonders auch durch den
rudimentären oder fehlenden Stiel der beiden Cubitaläste), Vorhanden-
sein der Ocellen, Insertion des Mediangabelstieles usw.; als Unter-
schied bleibt nur die zwar nierenförmig um die Fühlerbasis gebogenen
und in der Medianlinie auf der Stirn zusammenstoßenden Augen der
Scatopsinen, die aber in dem Verbindungsstück auf der Stirn nicht
verschmälert sind, sondern so breit wie bei dem unteren Augenteil;
die starke Verkürzung der Fühler der Scatopsinen ist nur mit Vor-
behalt als Unterschied herbeizuziehen, da bei einigen Gattungen
der Lestremiinen, z. B. bei Anarete, der Fühler ebenfalls ziemlich ver-
kürzt ist und diese Formen somit auch hierin einen Übergang bilden.
Die Bibioninen haben dagegen normale, runde Augen, die beim
weit getrennt und beim $ eine lange Strecke auf der Medianlinie
zusammenstoßen, die beiden Cubitaläste sind zu einer relativ kurzen
Gabel vereinigt und lang gestielt, die Media ist mit dem Cubitus
durch eine Querader verbunden, die Fühler sind sehr kurz und dicht
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 121
und die Geißelglieder sehr kurz und breit. Es ist daher kein Zweifel,
daß die Scatopsinen den Lestremiinen viel näher stehen als den Bibioninen
Itonidinae
(Cecidomytinze)
Oligarces
Miastor
Monodicrang Zygomma
Hereropeza Eurierium
Rhynchasciara
Aptanaogyna
Ledomyia
\ Aycosciara
er Dasyscıara
\ Plastosciara
Trichopteromyra Loiıdapus
Apelmocreagris
(Scıara) Lycoris
Pr Psiloscıara
Amesicrium Bradysia
Corynoptera
e (eratiosciara
Trichosia
‚Ayboscıara
B Odontonyx
e Wasmanmiella
Amiarella Hiisiuel i
rn öcythropochroa Peromyia
Joamisıa
Megalosphys Bryamyia
Psilomegalosphys Prianelllis
Aprionus
Monardıa
———e MNicromyia
Psectrosciara Campylomyza
Tizyga Limnopneumella
Strobliella Catocha Anarete
Anaretella
Ylestremia
Zyganeura
Cratyna ephyromma
und es ergibt sich hieraus, will man nicht die ganze Reihe Bibioninae
— (ecidomyiinae als eine einzige Familie auffassen, der Zwang, die
193 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Scatopsinen von den Bibioninae als selbständige Familie abzutrennen,
also beide Unterfamilien zu Familien zu erheben: Scatopsidae
und Bibionidae. Der außerordentlich nahen Verwandtschaft
der Scatopsiden, Lycoriiden (Sciariden) und Itonididen (Cecidomyirden)
gebe ich dadurch Ausdruck, daß ich sie zu einer Gruppe zusammen-
fasse, für die ich auf Grund der Joch-Augen den Namen Zygophthalmen
vorschlage.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Lycoriiden - Itonididen-
(Sciariden - Cecidomyiiden -) Gruppe auch sehr große Beziehungen zu
den Tendipediden (Chironomiden) hat, die besonders im Geäder ihren
Ausdruck finden; diese sind aber weniger abgeleitete Formen durch
die nicht verschmälerte Augenbrücke, die häufig in der Medianlinie
noch unterbrochen ist, und besonders, weil es eine Reihe von Formen
unter ihnen gibt, die ganz normale gerundete Augen ohne irgend
welche Spuren einer Augenbrücke besitzen, wie z. B. Limnophyes
Eat. mit ganz rundlichen Augen (hierdurch unterscheidet sich diese
Gattung von Orthocladius v. d. Wulp), ebenso Halırytus Eat. usw.
Einen abgeleiteten Standpunkt nehmen sie bezüglich der Lycoriiden
allerdings durch die Fühlerdifferenzen u. den Mangel der Ocellen ein.
Einen Hinweis, an welcher Stelle die Tendipediden (Chironomiden)
einem phylogenetischen System anzuschließen wären, geben die Me-
lusiniden (Simulüiden), die eine vermittelnde Stellung einnehmen; sie
unterscheiden sich von den Scatopsiden nur durch das Fehlen der
Ocellen und die zwar etwas nierenförmigen aber auf der Stirn weit
getrennten Augen, und von den Teendipediden (Ohironomiden) durch die
einfachen und sehr kurzen Fühler. Im Geäder haben die Melusinidae
(Simuliiden), die Scatopsiden und die Lestremiinen eine außerordentlich
auffällige Übereinstimmung.
Es dürfte aus dem Stamm der Tendipediden (Chironomiden)
frühzeitig der der Culiciden abgetrennt sein. Die Basis des Polyneuren-
Stammes nehmen die Psychodiden, Dixiden, Orphnephiliden, Tipuliden
(s.1.) und Ptychopteriden und vor allem die Blepharoceriden ein; die
Blepharoceriden stehen allen übrigen Polyneuren durch den Besitz
von Ocellen gegenüber, abgesehen von den Phryniden (Rhyphnden).
Und was schließlich die Phryniden (Rhyphiden) anbetrifft, so
nimmt ihre gesamte Organisation im Hinblick auf alle besprochenen
Familien, das heißt also bezüglich der gesamten nematoceren
Orthorhaphen, die ursprünglichste Stelle ein. Die Augen sind
rund, in beiden Geschlechtern gleich und stoßen nie auf der Stirn zu-
sammen; die Fühler sind unverkürzt, in beiden Geschlechtern gleich;
der Flügel ist im Geäder der am wenigsten reduzierte, die Media ist
3teilig und mit dem Cubitus durch Querader verbunden, Discoidalzelle
vorhanden (durch Anwesenheit einer Querader zwischen m, und m,),
die Ocellen sind vorhanden.
Aber auch mit der ursprünglichsten Familie der brachyceren
Orthorhaphen, mit den Stratiomyüden, sind die Phryniden (Rhyphiden)
auffällig nahe verwandt, so daß sich die Stratiomyviden den Phry-
niden (Rhyphiden) direkt anschließen und es zeigt sich somit, daß die
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 123
Phryniden (Rhyphiden) auch hinsichtlich der gesamten brachy-
ceren Orthorhaphen und somit zugleich aller Cyelo-
rhaphen die ursprünglichste Stelle einnehmen. Die Phryniden
(Rhyphiden) (typ. Gattung: Phryne Meig. 1800 [=Rhyphus Latr. 1804])
dürften daher dem Urtypus der Dipteren am nächsten kommen.
Im beistehenden Schema (pag. 121) versuche ich, die phyletischen
Beziehungen der Lycoriiden-Itonididen- (Sciariden-Cecidomyiiden-)
Gruppe zu versinnbildlichen. Eine Detaillierung der Itonidinen (Ceci-
domyiinen) habe ich unterlassen. :
Die Steigerung der Reduktion der Tarsenglieder gibt bei den
Heteropezinen einen guten Anhalt zur phylogenetischen Gruppierung.
Itonidinae
Cecidomyiinae)
Diadocidinge ;
Heteropezinae Eugahine
Mycetobiinae en BS/enoxeninge
(Seiarinae) Ceratopagoninae)
Mycerogphilinae Heleinaa
Fachyneurjnae
Chironominae)
Balıtgphilinge Cratyninge 7 Tendipedinge
estreminge % -
Sciophilinae (Simuhidae) Bnypaainze)
(Macrocerinae) Melusimida Felbpinae
Euphrosindge N Scaropsıdae Corethrinae
7 Culicinae
Ceroplatinge A ibionide
Tipulidae
Prychopteridae
Orphnephilidge
Dixida:
Psychadidae a
Blepharoceridae
Rhyphidae)
Phrynidage
Durch die Anwesenheit und das Fehlen der Mediangabelung
spalten sich von den Lycoriinen(Scijarinen) der Tribus Amesicriini von den
Lestremiinen der Tribus Campylomyzini. Der Rest der Lycoriinen
(Sciarinen) zerfällt nach der Form der Cubitalgabel in 2 Tribus, die
Sciarini mit einer meist kurz gestielten (oder ungestielten) Cubital-
gabel, die im Basalteil schmal und erst später stark divergiert; und
die Megalosphyvini mit einer langgestielten Cubitalgabel, die sogleich
steil divergiert. Diese gleichen Differenzen kommen auch noch zu
der Unterscheidung der Campylomyzini von den Lestremiini mit
Hilfe der Gestaltung der Media.
Infolge der nahen Stellung der Amesicriini zu den Lycoriini
(Seiarini) wäre es auch nicht möglich, die gesamten Lycoriiden (Scia-
124 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
riden) auf Grund der Anwesenheit oder des Fehlens der Mediangabel ein
zuteilen, zumal die Lestremiini trotz dieser Verschiedenheit und der
Differenzen im Bau der Cubitalgabel viel näher mit den Campylomy-
zini verwandt sind, als mit den Lycoriinen (Sciarinen).
Die Fungivoriden (Mycetophyliden) von den Lestremiinen ab-
zuleiten, wie dies Meunier tut (Monographie des Cecidomyidae,
Sciaridae, Mycetophilidae et Chironomidae de l’ambre de la Baltique.
Ann. Soc. Se. Bruxelles t. 28. p. 1—264 Pl. I-XVI; p. 40), ist wie
aus dem Vorstehenden ersichtlich, unmöglich; allein die Augenform
und das bei den meisten Subfamilien ursprünglichere Geäder
charakterisiert die Fungivoriden (Mycetophiliden) als die weniger
abgeleiteten Formen.
Für die mikroskopisch feine Membranbehaarung des Flügels
habe ich die Bezeichnung Microtrichen gebraucht, die ich 1910 für andere
Insektenordnungen vorgeschlagen habe.
Einen sehr interessanten; Nachweis kann ich auf Grund eines
Präparates der Mundteile von Lycoria hortulana (Beling) aus Deutschland
führen. Hier konnte ich feststellen, daß die innere Lade der Maxille
noch deutlich, wenn auch stark reduziert, erhalten ist als ziemlich
kurzes und sehr dünnes, fast borstenartiges Stilett, das vor dem Ende
einige lange anliegende Haare trägt (cf. Fig. 15).
Da das Basalglied (Trochanter) des Maxillarpalpus häufig mehr
oder weniger mit der Maxillarbasis verschmilzt und daher mehr oder
weniger deutlich ist, halte ich es für vorteilhaft, die Anzahl der Glieder
des Maxillarpalpus abgesehen vom Trochanter anzugeben, weil hier-
durch eine schärfere Feststellung möglich ist, welche Glieder reduziert
sind. So würde denn diese Angabe für die Gattung Lycoria (Sciara)
2. B. heißen: Maxillarpalpus außer dem mehr oder weniger reduzierten
Trochanter dreigliedrig.
Für die Gruppierung in Gattungen ist die Zähnelung oder Zahn-
losigkeit der Klauen von Wichtigkeit, ebenso auch, wie dies Kieffer
anwendet, die Länge der Haftläppchen (auch Haftballen, Söhlchen,
Arolia, Pulvillen, Plantulae, pelotes und Pelotten genannt).
Bestimmungstabelle der Familien und Subfamilien der Lycoriiden-
Itonididen- (Seiariden-Ceeidomyiiden)-Reihe.
(Über die Unterscheidung dieser von den Fungivoriden (Mycetophy-
liden) auf Grund der Augenbildung vergl. pag. 117.)
1. Media vorhanden (gegabelt oder ungegabelt), zuweilen nicht sehr
deutlich. 3 Ocellen vorhanden. Larven nicht gallenbildend.
Lycoriidae (= Seiaridae) 2.
Media fehlt (reduziert). Ocellen fehlen. Larven gallenbildend.
Itonididae (= Cecidomyiidae) 4.
%. Radialramus gegabelt (sonst wie die Lycoriinae [Sciarinae])
Cratyninae m.
(nur eine Gattung: C’ratyna Winn. 1867) Typus: C. atra Winn.
1867 Central-Europa)
Radialramuseinfach (ungegabelt) . . . .... 2.0.0... 3
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 125
3. Der Abstand der Basis des Mediangabelstieles (resp. von m außer-
halb der Zelle R) von rr ist viel größer als der Basalabschnitt
von rt. Der Mediangabelstiel inseriert etwa in der Mitte der
Foleeaueslise .».. Melia Lycoriinae (= Sciarinae).
Der Abstand der Basis des Mediangabelstieles (resp. von m außer-
halb der Zelle R) von rr ist so groß, kleiner oder nur (besonders
bei den Campylomyzinen) wenig größer als der Basalabschnitt
von ır. Der Mediangabelstiel inseriert weit außerhalb der Mitte
der Zelle R, meist nahe am äußeren Ende derselben, oder am
Ende derselben (zuweilen sogar ein wenig außerhalb derselben
Ba N ee Lestremiinae
4. Tarsen weniger wie 5 gliedrig, oder, wenn 5 gliedrig, dann stets
das erste Glied länger als das zweite . .. . . Heteropezinae.
Tarsen 5 gliedrig und das erste Glied stets viel kürzer als das zweite.
Itonidinae (= Ceeidomyiinae).
Fam. Lycoriidae (= Seiaridae).
Media vorhanden (gegabelt oder ungegabelt), zuweilen sehr
deutlich. 3 Ocellen. Larven nicht gallenbildend.
Durch die schmale Augenbrücke über die Stirn hinweg stimmen
die Sciariden mit den Cecidomyiiden überein, unterscheiden sich aber
scharf (cf. Einleitung) von den Mycetophiliden, die stets ein rundliches
oder ovales Auge haben (vergl. Docosia, pag. 120).
Subfam. Lycoriinae (= Seiarinae).
Media gegabelt oder selten ungegabelt. Radialramus einfach
(ungegabelt). Der Abstand der Basis des Mediangabelstieles von rr
ist viel größer als der Basalabschnitt von rr. Der Mediangabelstiel
inseriert etwa in der Mitte der Zelle R. Stets 3 Nebenaugen. Tarsen
stets 5 gliedrig. Die Anzahl der Fühlerglieder ist stets 2 -+ 14 gliedrig
Bestimmungstabelle der Tribus und Gattungen
der Subfamilie Lycoriinae (Seiarinae) !).
I ee EEE Er ROTER LEO 4 OO TEE Re 2.
Media einfach (ungegabelt) Tribus Amesiecriini m.
Amesicrium nov. gen.
[Typus: A. nanum nov. spec. Seychellen. ]
2. Cubitalgabelstiel lang. Cubitalgabel sogleich stark und steil
divergierend. Cubitalgabelung stets distal vom Ursprung
des Mediangabelstieles.
Tribus: Megalosphyinim 3.
Cubitalgabelstiel meist kurz, selten fehlend. Cubitalgabel auf einer
langen Basalstrecke schmal und erst dann stärker divergierend.
Cubitalgabelung proximal, meist stark, proximal vom Ursprung
des Mediangabelstieles; eine Ausnahme macht nur Aniarella
nov. gen., bei der die Cubitalgabelung unter oder eine Spur
distal derselben ist. Tribus Lyeoriinae m. (Seiarini) %.
!) Es sind hier nicht aufgenommen: Psilosciara Kieff. 1909, Novakia Strobl
1893 und Aniarella nov. gen. (conf. pag. 141).
126 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
3. Maxillarpalpus außer dem Trochanter eingliedrig; Trochanter
als deutliches Glied entwickelt, das aber vom Maxillar-Stipes
nicht immer abgesetzt ist. (Mierostrichen mit der Lupe deutlich
sichtbar). Klauen ungezähnt . . . Seythropochroa nov. gen.
(Typus: 8. latefurcata nov. spec. Seychellen.)
Maxillarpalpus außer dem Trochanter 3 gliedrig; Trochanter stark
reduziert und mit dem Maxillar-Stipes verwachsen. . . . 4
4. Mediangabel in der Basalhälfte stark verbreitert, in der Endhälfte
verschmälert und am Ende wieder etwas verbreitert. (Micro-
trichen mit der Lupe deutlich sichtbar). Klauen gezähnt.
Metangela Rübs. 1894.
u Bybas: M. balläplern Rübs. 1894, En
Mediangabel normal (schmal). Klauen ungezähnt. ......
. Mierotrichen mit der Lupe deutlich erkennbar. Die beiden Önbilal
asterdivergieren'nogleseh stark... ME Di re 6.
Microtrichen äußerst kurz, mit der Lupe nicht deutlich als Haare
erkennbar. Die beiden Cubitaläste laufen an der Basis eine
kurze Strecke weniger stark divergierend nebeneinander, ehe
sie stark divergieren. . . . . . . Psilomegalosphys nov. gen.
(Typus: Ps. zanthogaster nov. spec., Sumatra.)
6. Die 3 deutlichen Palpenglieder (Femur, Tibia und Tarsus) lang
und schlank, besonders das Endglied (das vierte Palpenglied)
zwischen den deutlichen Mierotrichen des Flügels finden sich
keine längeren Haare ". . . ".. vi Megalosphys nov. gen.
[Typus: M. Iluteicoxa nov.spec., Süd-Brasilien.]
Die drei deutlichen Palpenglieder kurz und gedrungen (ungefähr
so lang wie dick). Zwischen den deutlichen Microtrichen des
Flügels sind zahlreiche lange Haare verteilt
Trichomegalosphys nov. gen.
[Typus: T. funesta nov.spec., Sumatra.]
%. Mediangabel. stark verbreitert in. oil. 0. 8.
Mediangabel normal (schmal) -. » . . .. 2... 2. alspuge -R
8. Mediangabel im ganzen Verlauf stark verbreitert. Microtrichen
lang, mit der Lupe deutlich als Haare erkennbar.
Eurierium nov. gen.
(Typus: E. Rübsaameni nov.spec., Nüd- Brasilien.)
Mediangabel nur in der Basalhälfte stark verbreitert, in der End-
hälfte stark verschmälert. Microtrichen äußerst kurz, mit der
Lupe nicht deutlich als Haare erkennbar
So
Zygomma nov. gen.
(Typus: Z. fasciatellum nov. spec.)
9. Klauen gezahne. ne an Odontonyx Rübs. 1894
(Typus: O. niger [Wiedem. 1821] Mittel- u. a)
Klauen, ungezahnt . .,.7 far ons ce on ee.
10. Thorax stark nach vorn zu gewölbt, den Kopf überragend
Hyboseiara Rübs. 1894
(Typus: H. gigantea [Macq. 1846] (Columbien und Ecuador.)
Thorax nicht den Kopf überragend . . .: . 0... 11.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 127
41. Untergesicht stark rüsselartig verlängert
Rhynehoseiara Rübs. 1894
(Typus: R. villosa Rübs. 1894, Südamerika.)
Untergesicht nicht verlängert . -. .--. 2. 2222020. 12.
12. Microtrichen der Flügelmembran lang und mit der Lupe deutlich
als Haare erkennbar ...... Trichosia Winn. 1867.
(Typus: Tr. splendens Winn. 1867, Mittel-Europa.)
Microtrichen der Flügelmembran . mikroskopisch klein, mit der
Lupenicht deutlich als Haare erkennbar ........ 13.
13. Maxillarpalpen außer dem mehr oder weniger deutlichen Trochanter
Sehedzigis Ti aseasos). elsuacku zluala aoh dur. 14.
Maxillarpalpen außer dem mehr oder weniger deutlichen Trochanter
1-2 sliedrie >17 gran ha Iuawaier girssarwldoruid - 19.
14. Weibchen ungeflügelt. Männchen unbekannt, wahrscheinlich
geflügelt.. (Maxillarpalpus sehr kurz) . . Epidapus Hal. 1851
(Typus: E. venaticus [Halid. 1837] Mittel- und Aust)
Männchen und Weibchen geflügelt .. . . 2... 2.2.2...
15. Cubitalgabel völlig ohne Stiel . . . Apelmocreagris nov. Br
(Typus: A. bibionea Speis. 1910, Ost- und Westafrika.)
Cubitalgabel mit mehr oder weniger kurzem Stiel... .. . 16.
16. Fühler des Männchens mit quirlförmig angeordneten Haaren.
Flügel schmal, allmählich breiter werdend
Corynoptera Winn. 1867 1)
(Typus: CO. perpusilla Winn. 1867, Mitteleuropa.)
Fühler des Männchens ohne quirlförmig angeordnete Haare 1.
17. Flügel von normaler Größe, länger als der Hinterleib, mehr oder
BeREL BER al Alinrentch pn anloiwihwilsanem e 18.
Flügel verkürzt, kürzer als der Hinterleib, ziemlich schmal
Bradysia Winn. 1867.
(Typus: B. angustipennis Winn. 1867, Mitteleuropa.)
18. Augen pubeseiert . . . Lyecoria Meig. 1800 (Seiara Meig. 1803)
(Typus: L. Thomae [L. 1767], Europa.)
Ausen. unpubeseiertt - . ..»* ... Psilosciara Kieff. 1909.
(Typus: Ps. membranigera Kieff. 1903, Süd-Frankreich.)
19. Augen unbehaart. Männchen und Weibchen mit normalen Flügeln.
20.
Augen behaart. Männchen geflügelt, Weibchen ungeflügelt oder
gänztkurzgeflügelt! „rtigaseis J>Yrläeuits Isbk sloilemıis 1.
20. Maxillarpalpus 2 gliedrig (außer dem wohl reduzierten Trochanter).
Fühler von gewöhnlicher Länge; Geißelglieder wesentlich länger
Blaiicishl sun see ee Plastosciara Berg 1899
(Typus: Pl. pietiventris Kieff. 1898, Mitteleuropa.)
Maxillarpalpus 1 gliedrig (außer dem reduzierten Trochanter).
Fühler ganz ungewöhnlich kurz (Länge kaum ein Viertel der
1) Corynoptera und Bradysia sind nicht mehr als Untergattungen von
Lycoria (Sciara), Bradysia ist wohl besser ganz fallen zu lassen, da eine
Abgrenzung unmöglich ist.
128 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Flügellänge; Geißelglieder fast nur halb so lang wie breit (mit
Ausnahme der zwei ersten Glieder und des Endgliedes)
Ceratiosciara nov. gen.
(Typus: C. corniculata nov. spec., Seychellen.)
21. Vordertibien an der Spitze mit einer kammartigen Querreihe
von braunen Dörnchen. Palpen außer dem reduzierten Trochanter
deutlich 2 gliedrig. Flügel des 2 halb so lang wie der Thorax.
d unbekannt 12a Klar air Dasysciara Kieff. 1903
(Typus: D. pedestris Kieff., 1903, Südfrankreich.)
Vordertibien an der Spitze ohne Dornkamm; Palpen des Weibehens
außer dem stark reduzierten Trochanter nur eingliedrig. 22.
2%. Q unbekannt. Empodium reduziert; Haftläppchen (Pulvillen)
hirschhornartig verzweigt und so lang wie die Klaue
Myecoseiara Kieff. 1903
(Typus: M.brevipalpis Kieff. 1903 Lothringen
Palpus des außer dem reduzierten Trochanter, 2 gliedrig, aber
das 2. Glied ist sehr klein knopfartig (des @ 1 gliedrig) Klauen
ohne Haftläppchen (Pulvillen) . . . Aptanogyna Börn.1903t)
(Typus: A. microthorax Börner 1903, Sizilien.)
Tribus: Amestieriini m.
Die Media ist ungegabelt.
Amesierium nov. gen.
Typus: A. nanum nov. spec., Seychellen.
Fig. 3.
Sehr Kldins Form. Media und Cubitus sind durch ziemlich
breite grauschwärzliche Linien dargestellt, die keine scharfen Konturen
aufweisen. Die Media ist nicht gegabelt sondern einfach. Sonst wie
Lycoria (Sciara).
Amesicrium nanum nov. spec.
Fig. 3.
2. Kopf und Augen schwarz; Fühler gelblichschwarzgrau mit
weißlichgrauer Pubescenz, mäßig dünn, die Geradglieder etwas länger
als breit. Augenbrücke ziemlich schmal. Kopf relativ groß.
Thorax mäßig gewölbt, schwarz. Abdomen schwarzbraun, lang
und ziemlich dünn, allmählich zugespitzt, Legerohr schlank, Endglied
der Cercis oval. Beine fein behaart, Coxen gelblich schwarzbraun,
1) Aptanogyna Börner ist im Zoologischen Anzeiger Bd. 26 vom 15. Juni
1903 beschrieben worden, und scheint daher um kurze Zeit älter als die somit
synonyme Gattung Peyerimhoffia Kieffer, deren Originaldiagnose sich in:
Annales de la Societ& scient. de Bruxelles, tome 27, 1903, 2e partie, pag. 198
findet. Die Gattung Aptanogyna enthält somit 4 Arten: A. microthorax Börner
1903 (Sicilien), A. brachyptera (Kieff. 1903), A. Schillei Börn. 1903 (Galizien),
und A. aptera Kieff. 1903 (Süd-Frankreich); von der A. brachyptera (Kieffer)
ist $ und 2 bekannt.
der Lyeoriiden und ihre systematische Gliederung. 129
Trochanter und Schenkel hell graugelblich, Schienen grauschwarz,
Tarsen schwarz.
Flügel grau, Mierotrichen kurz und dicht. Randpubescenz sehr
lang, am Vorderrand dichter. r, und rr sind schwärzlich, scharf, deutlich
doppelt konturiert. Media und Cubitus als ziemlich breite deutlich
graue Linien, die aber keine scharfen Konturen aufweisen. Der (als
Querader erscheinende) Basalabschnitt von rr mäßig scharf. Die Rand-
ader erreicht nicht ganz die Mitte zwischen rr und m. Die Zelle RR
sehr breit. Die Cubitalgabel in der Endhälfte sich stark verbreiternd.
Cubitalgabel mäßig kurz, etwa dreimal so lang wie der Basalabschnitt
von rr. Analis bis zur Mitte von cu, reichend. Axillaris etwas kürzer.
Membran schwach rot bis blau irisierend.
Körperlänge 1,1 mm.
Flügellänge 1,05 mm.
Länge der Hinterschiene etwa 0,65 mm.
Seychellen. Mahe. Wald von ziemlich verkrüppelten Capucin-
bäumen (Northea). Gipfel vom „Montagne Anse Major,“ ungefähr
2000 Fuß. 1. Februar 1909. 19.
Tribus: Megalosphyini m.
Media gegabelt. Cubitalgabelstiel lang. Cubitalgabel sogleich
stark und steil divergierend (nur bei Psilomegalosphys n. g. erst eine
ganz kurze Strecke weniger stark divergierend.) Cubitalgabelung
stets distal vom Ursprung des Mediangabelstieles. Die Coxen sind
meist verhältnismäßig lang, die Formen erinnern deshalb häufig im
Habitus an Fungivoriden (Mycetophiliden).
Hierher gehören folgende Gattungen: Megalosphys nov. gen.,
Trichomegalosphys nov. gen., Pstilomegalosphys nov. gen., Metangela
Rübs. 1894 und Scythropochroa nov. gen.
Megalosphys nov. gen.
Typus: M. luteicoxa nov. spec. Südbrasilien.
Fig. 4 u. 5.
Zelle Rschmal. Mediangabelstiel entspringt in der Mitte der ZelleR.
Die Querader zwischen ır und m mehrfach länger der als Basalabschnitt
von rr. Mediangabel normal. Cubitalgabelung distal von dem
Insertionspunkt des Mediangabelstieles; die beiden Cubitaläste
divergieren von der Gabelung ab sogleich stark bis sehr stark, und
laufen nicht erst eine mehr oder weniger lange Strecke wenig
divergierend neben einander, wie z. B. bei Zycoria (Sciara). Micro-
trichen relativ lang und mit der Lupe deutlich sichtbar. Coxen sehr
lang, wie bei den Fungivoriden (Mycetophiliden). Augenbrücke in
der Mitte mehr oder weniger breit unterbrochen oder auch fast nicht
unterbrochen. Palpus (Fig. 5) außer dem mit dem Stipes ver-
schmolzenen Trochanter 3 gliedrig, das Endglied meist sehr lang und
schlank. Hierher gehört auch die Trichosia melanocephala (F. 1805)
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 3. Suppl. 9
130 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
aus Surinam, Seiara striata Rübs. 1894 aus Mexico, wie die Sciara
debilis Will. 1896 aus Zentralamerika (St. Vincent.)
Megalosphys luteicoxa nov. spec.
Fig.4 u. 5.
& 92. Kopf kurz und etwas schmäler als der Thorax. Scheitel
kurz, etwas glatt, hinten dicht und lang behaart. Die 3 Ocellen liegen
auf einer geraden Linie, die hinteren sehr groß, rund, die vordere
kleiner als halb so groß und wird von einer Tangente an den Vorder-
rand der hinteren in der Mitte geschnitten. Rüssel mäßig kurz. Gesicht
3/, so lang wie breit; vorn mit einer Querreihe ziemlich langer Borsten.
Die schmale Augenbrücke ist in der Mitte sehr schmal unterbrochen.
Fühler kräftig, erst von der Mitte ungefähr ab verjüngt; die beiden
Basalglieder kürzer als dick, die 4 ersten Geißelglieder etwa 1!/, mal
so lang wie dick, das 5. und 6. etwa doppelt so lang wie dick, das 7.
und 8. etwa 21/, mal so lang wie dick; die übrigen sind abgebrochen;
Fühlerlänge bis dorthin fast 1?/, mm.
Thorax wenig gewölbt; Brustkegel mäßig groß; breit und breit
gerundet. Scutellum kurz und breit. Rückenschild wenig glänzend,
kurz und spärlich behaart. Postscutellum kurz und etwas glatt,
mikroskopisch fein und dicht behaart, wenig gewölbt. Abdomen
lang, beim @ so dick wie der Thorax, beim $ dünn. Legerohr lang
ausgezogen und Abdominalspitze zugespitzt. 2. Cercalglied sehr lang
gestreckt und schmal. Zange des $ kräftig, 2. Glied so lang wie das 1.,
in 2 übereinander gelegene kräftige zahnartige Fortsätze gespalten,
von denen der untere in einen langen dünnen Dorn endet, der obere
mit kurzen dieken Borsten besetzt ist. Coxen sehr lang und schlank,
so lang wie die Thorakalhöhe und 3/, der Thorakallänge. Hinter-
schienen des $ oben mit einigen kurzen Börstchen, beim 9 ohne diese.
Fußbörstehen kurz und spärlich. Längerer Hinterschienensporn !/,
des 1. Tarsengliedes.
Flügel breit. se sehr kurz. r, mündet am Ende des 2. Drittels.
r, so lang wie m,, der Mediangabelstiel etwa 11/, so lang. Mediangabel
schmal, parallelseitig. Cubitalgabel sehr breit, am Ende mehr als drei-
mal so breit wie die Mediangabel. Cubitalgabelstiel etwa zwei Drittel
vom m,, Ende distal von der Basis des Mediangabelstieles und hinter
der Mitte zwischen diesem und dem sehr kurzen Basalabschnitt von ır.
Zelle R, sehr schmal, rr am Ende etwas nach hinten gebogen. Der
Randabstand zwischen z, und trist so lang wie der der
Cubitalgabel. Die Costa endet am Ende des 3. Fünftels zwischen rr
und m,. Alle Adern lang behaart. Microtrichen wenig lang. Rand-
behaarung lang.
Scheitel schwarz, Pubescenz schwarz, Gesicht rostbraun, ebenso
die Pubescenz. Fühler schwarz, die beiden Basalglieder rostbraun.
Augen grauschwarz. Thorax und Abdomen gänzlich schwarz. Coxen
hell bis lebhaft ockergelblich. Schenkel gelbbraun, beim 2
dunkel gelblichbraun, beim & zuweilen die Vorderschenkel
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 131
ockergelb. Schienen gelbbraun, beim $ dunkel gelblichbraun. Tarsen
dunkelbraun bis schwarzbraun. Flügel schwach bräunlich hyalin,
Vorderrandsaum graubraun. Adern blaßbräunlich, e, r, und rr dunkel-
braun. Membran sehr lebhaft in allen Farben irisierend. Halteren
schwärzlich, Stiel hell ockergelb.
Körperlänge: $ mm, 9 4,3—4,6 mm.
Flügellänge: $ 3%/, mm, 9 4,5—5,1 mm.
Thorakallänge: $ 1!/, mm, 9 1,4 mm.
Abdominallänge: $ 2,6 mm, 9 2,9—3,4 mm.
Länge des Hinterschenkels: $ 2 mm, 2 2 mm.
Länge der Hinterschiene: $ 2,1 mm, 9 2, 4 mm.
Länge des Hintertarsus: 5 2,2 mm, 9 2,3 mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 348,59 gesammelt von
Lüderwaldt. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Megalosphys peduneulata nov. spec.
2. Kopf ziemlich kurz, ein wenig schmäler als der Thorax. Scheitel
kurz, hinten mit dichter und ziemlich kurzer Behaarung, vorn poliert
glatt, hinten sammetartig matt. Eine Tangente an dem Vorderrand
der hinteren größeren Ocelle schneidet den sehr kleinen vorderen
Ocellus in der Mitte. Gesicht doppelt so breit wie lang, vorn durch eine
Querreihe Borsten begrenzt. Die schmale Augenbrücke ist in der Mitte
in der Länge eines hinteren Ocellus unterbrochen, die Augenfortsätze
sind nach der Stirnmitte zu stark zugespitzt. Fühler mäßig kräftig,
die beiden Basalglieder etwas breiter als lang, die 6 ersten Geißel-
glieder sind etwa doppelt so lang wie breit, hinter dem 6. Geißelglied
ist der Fühler abgebrochen, Länge bis hierher etwa 1!/, mm.
Thorax wenig gewölbt; Brustkegel nicht hoch, halbkreisförmig.
Rückenschild schwach glänzend. Pubescenz kurz, Seutellum schwach
glänzend, schmal und ziemlich wenig hoch, fast halbkugelig gerundet;
Pubescenz dicht und kurz. Postscutellum kurz, der hintere Teil in das
1. Abdominalsegment eingesenkt. Abdomen lang und dicht, dicht und
kurz behaart, Oberfläche matt. Legerohr schlank, 2. Cercalglied
sehr lang und schmal. Coxen lang und mäßig dick, Vordercoxen etwas
dieker. Schienenborsten fehlen. Fußbörstchen sehr kurz und spärlich.
1. Hintertarsenglied 31/, mal so lang wie der längere Hinterschienen-
sporn.
Flügel groß und lang, se sehr kurz, r, mündet am Ende des 2. Drittels.
m, etwa 1!/, so lang wie r,. Mediangabelstiel so lang wie m,. Ende der
Cubitalgabel doppelt so breit wie die Mediangabel.e Radiomedian-
querader ein Drittel des Mediangabelstiels. Zelle R, sehr schmal,
ır ziemlich stark umgebogen. Die Randader erreicht nicht ganz die
Mitte zwischen rr und m,. Die Cubitalgabelung liegt etwas distal
von der Basis des Mediangabelstieles. Randbehaarung kurz. Micro-
trichen kurz, aber mit der Lupe deutlich sichtbar. Haltere schlank
spindelförmig, spitz endend, Stiel dünn und schlank.
Einfarbig schwarz, Beine dunkelbraun. Empodium der Klauen
9*
132 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
silberweiß behaart. Flügel graubraun. Adern hellbraun, sc, r und ır
schwarzbraun. Halteren schwarz.
Körperlänge 6 mm. Länge des Hinterschenkels 3 mm.
Flügellänge 6,5 mm. Länge der Hinterschiene 3 mm.
Thorakallänge 1?/, mm. Länge des Hintertarsus 2°/, mm.
Abdominallänge 3 mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 19 gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Megalosphys hirtipes nov. spec.
SQ. Kopf etwas verkürzt und so breit wie der Thorax. Scheitel
mäßig kurz, poliert glatt, hinten dicht braun pubesciert. Die 3 Ocellen
gelb; der vordere Ocellus halb so groß wie die hinteren; eine Tangente
vorn an die hinteren Ocellen tangiert den vorderen Öcellus hinten.
Gesicht 3/, so lang wie breit, vorn mit einer dichten Querreihe ziemlich
langer Borsten. Die schmale Augenbrücke ist in der Mitte sehr schmal
unterbrochen. Fühler sehr kräftig, nur die Spitze verjüngt; die beiden
Basalglieder kürzer als diek, das erste Geißelglied beim 2 doppelt
beim & 21/, so lang wie dick; beim 2 die 2 folgenden Glieder 1!/, mal
so lang wie dick, 4.—12. Geißelglied 2—2!/, mal so lang wie dick,
13. Glied ca. 3, 14. Glied fast 4 mal so lang wie dick; beim & ist das
2. bis 12. Geißelglied 2—3 mal so lang wie dick, das 13. u. 14. Glied
ca. 5 mal so lang wie dick.
Thorax mäßig gewölbt. Brustkegel kräftig, matt. Scutellum kurz
und breit, glatt, mit feinen Querriefchen. Rückenschild etwas glatt,
Pubescenz kurz und sehr spärlich. Postscutellum kurz. Abdomen
lang, beim $ sehr schlank und allmählich verdünnt, beim 2 diek und
breit, Legerohr dünn; Pubescenz dicht und lang. Zange des $ sehr
kräftig, 1. Glied sehr lang und kräftig, 2. kürzer. 2. Cercalglied sehr
lang gestreckt und schmal. Coxen sehr lang und schlank. Mittel- und
Hinterschenkel und die Mittel- und Hinterschienen beim, 2 verdickt
und mit auffälliger und dichter langer Pubescenz besetzt, die beim $
viel schwächer ist. Fußbörstehen kurz und spärlich. Längerer Hinter-
schienensporn beim 9 Y/,, beim & ca. /, der Länge des Metatarsus.
Flügel breit. se sehr kurz. r, mündet ungefähr am Ende des
2. Flügeldrittels. r, so lang wie r und etwas kürzer als m,. Median-
gabel ziemlich schmal, parallelseitig. Cubitalgabel am Ende ca. 3 mal
so breit wie die Mediangabel. Cubitalgabelstiel nicht ganz ?/; von my;
Ende etwas distal von der Basis des Mediangabelstieles. m, so lang
wie der Medianstiel. Radiomedianquerader 1/, des Mediangabelstieles.
Zelle R schmal. Zelle R, mäßig schmal und fast gleichbreit. rr gleich-
mäßig und mäßig stark gebogen. Die Randader erreicht das Ende
des 2. Fünftels der Entfernung zwischen ır und m,. Randbehaarung
kurz. Mierotrichen kurz. Haltere sehr schlank spindelförmig, Stiel dünn
und so lang wie der Knopf.
Kopf und Thorax schwarz, beim $ sind die beiden Basalglieder
der Fühler und die Palpen rostgelb. Abdomen ockergelb, beim 2
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 133
schmutzig ockergelb, Spitze schwarz. Beine schwarz, Schienenend-
sporne lebhaft ockergelb; Beine des $ braun, Schenkel, Schiene und
Coxe des Vorderbeines ockergelb. Haltere schwarzbraun, Stiel ocker-
gelb, beim 2 braungelb. Flügel grau hyalin, Adern gelbbraun, Costa und
Radius schwärzlich. Membran in allen Farben irisierend, beim 9
schwach, beim & stark.
Körperlänge $ 4,5 mm, @ 5 mm.
Flügellänge $ 4,5 mm, 9 5,7 mm.
Länge des Hinterschenkels $ 2,5 mm, Q 2,5 mm.
Länge der Hinterschiene $ 2,6 mm, 9 3 mm.
Länge des Hintertarsus $ 2,5 mm, 9 2,3 mm.
Columbien. Hacienda Pehlke 1% und IQ in Copula,
gesammelt von E. Pehlke.
Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Megalosphys nigricolor nov. spec.
2. Kopf mäßig klein, so breit wie der Thorax. Scheitel kurz,
matt; vor den Ocellen (Stirn) glatt. Schläfen schmal, erst ganz oben
etwas verbreitert. Der sehr kleine vordere Ocellus liegt dicht vor
der Tangente an den Vorderrand der großen hinteren Ocellen; Abstand
der hinteren Ocellen von einander ungefähr 1 Ocellendurchmesser.
Augenbrücke schmal, in der Mitte sehr kurz unterbrochen. Fühler
dünn und ungefähr ein Drittel der Vorderflügellänge; Geißelglieder
dreimal, an der Basis zweimal so lang wie dick. Palpus fein und
schlank.
Thorax gewölbt, Brustkegel breit und nicht hoch. Rückenschild
etwas glänzend, Pubescenz wenig dicht, kurz, hinten länger. Scutellum
mäßig groß. Postscutellum mäßig lang, gleichmäßig gewölbt. Abdomen
schlank, Ende dünn und spitz, ziemlich lang behaart. Cerci schlank,
Endglied langoval. Mittel- und Hintercoxen vier Fünftel so lang
wie der Thorax, die vorderen kürzer. Schienenborsten sehr kurz,
Fußbörstchen fast fehlend, 1. Hintertarsen sind dreimal so lang wie
der längere Hinterschienensporn.
Flügel mäßig breit. sc sehr kurz. r, mündet etwas außerhalb der
Flügelmitte und wenig proximal vom Mediangabelungspunkt. r,
etwas kürzer als r und ein Drittel von rr. m, ein wenig länger als der
Stiel. Ende der Cubitalgabel dreimal so breit wie die sehr schmale
und ziemlich parallele Mediangabel. Radiomedianquerader ein Drittel
des Mediangabelstiels. Zelle R, nicht sehr schmal; rr wenig gebogen.
Die Randader erreicht das Ende des ersten Drittels der Entfernung
zwischen rr und m,. Die Cubitalgabelung liegt etwas distal der Basis
des Mediangabelstieles. Randbehaarung kurz. Microtrichen kurz.
Balz lang, schlank spindelförmig, Stiel dünn und so lang wie der
opf.
Kopf und Thorax schwarz, Abdomen dunkelbraun bis schwarz-
braun, Beine braun bis dunkelbraun, Schienen, schwach heller braun,
Tibienendsporne rostbraun. Fühler dunkelbraun mit grauer Pubescenz.
134 Dr. Günther Enderlein: Die pbyletischen Beziehungen
Flügel ziemlich dunkel graubraun. Adern braun, Costa und Radius
dunkelbraun. Halteren schwarzbraun, Stiel gelbbraun.
Körperlänge 3—3,3 mm. Länge des Hinterschenkels 1,6 mm.
Flügellänge 31/;—4 mm. Länge der Hinterschiene 2 mm.
Thorakallänge etwa 1 mm. Länge des Hintertarsus etwa 1,8 mm.
Abdominallänge 2—2,5 mm.
Columbien. 2 ? gesammelt von E. Pehlke. 19 April bis Juni
1908, gesammelt von E. Pehlke.
Costa Rica. 1 2 gesammelt von H. Schmidt.
Megalosphys pygmaea nov. spec.
Fig. 5.
3 2. Kopf ziemlich klein, so breit wie der Thorax. Scheitel kurz,
poliert glatt, hinten etwas pubesciert. Die hinteren Ocellen ziemlich
groß, längsgestellt oval, der vordere Ocellus mit kaum halb so großem
Durchmesser, eine Tangente an den Vorderrand ersterer schneidet
letzteren; Abstand der hinteren Ocellen von einander etwa 11/, Durch-
messer der hinteren Ocellen. Rüssel kurz. Gesicht etwa 1?/, mal so
lang wie breit. Die ziemlich breite Augenbrücke ist in der Mitte kaum
unterbrochen. Fühler lang und dünn, etwa zwei Drittel der Flügel-
länge. Die beiden Basalglieder sehr kurz und breit, mehr als doppelt
so breit wie lang; Geißelglieder etwa doppelt so lang wie breit, im Spitzen-
drittel werden sie immer länger und dünner; das letzte (14.) Geißel-
glied sehr lang und dünn; Pubescenz ziemlich lang und dicht. Palpus
schlank.
Thorax mäßig gewölbt; Brustkegel mäßig groß, abgerundet
kegelförmig. Rückenschild matt; Pubeszenz kurz, in 5 Längsstreifen.
Scutellum in Form eines wenig breiten halbkreisförmigen dünnen
Plättchens, das ziemlich steil absteht und einige lange Borsten trägt,
die leicht abzubrechen scheinen. Postscutellum ziemlich lang, flach
gewölbt, glatt und unpubesciert. Abdomen lang und ziemlich dünn,
dicht und kurz behaart. Haltezange des $ ungefähr so lang wie das
längste 4. Segment, kräftig, 1. Glied breit, nach dem Ende zu etwas
verjüngt, 2. Glied halb so breit und zwei Drittel so lang. Coxen schlank,
etwa zwei Drittel der Thorakallänge, Vordercoxe etwas verbreitert.
Beine dünn und lang, auch die Schenkel. Hinterschienen oben mit
spärlichen sehr kurzen Börstchen. Fußbörstchen dicht und kurz.
Längerer Hinterschienensporn etwa ein Viertel des 1. Tarsengliedes.
Flügel zart, etwa breit. sc sehr kurz. r, etwas distal der Flügel-
mitte mündend. m, ist 11/, von r,. Der Mediangabelstiel ist ein kleines
Stück länger als m,. Die Cubitalgabel am Ende fast doppelt so breit
wie die Mediangabel. Cubitalgabelstiel ungefähr halb so lang wie m,,
sein Ende ein wenig distal von der Basis der Mediangabel. Zelle R
ziemlich breit. rr in der Mitte sehr schwach umgebogen. Die Costa
endet am Ende des 2. Drittels zwischen ır und m,. Alle Adern lang
behaart. Microtrichen mäßig kurz, deutlich mit der Lupe erkennbar.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 135
Randbehaarung mäßig lang. Halteren sehr schlank spindelförmig,
am Ende spitz, Stiel lang und dünn.
Kopf blaß ockergelblich, Scheitel braungelb, Ocellen gelblich,
Augen grauschwarz. Thorax blaß ockergelb, Rückenschild rostgelb,
mit 3 etwas zusammenfließenden, häufig ganz zusammenfließenden,
dunkelrostbraunen Striemen. Scutellum und Postscutellum braungelb,
ebenso die Metapleure. Abdomen dunkelbraun, ebenso die Behaarung.
1. Zangenglied des 3 hell ockergelb, 2. braungelb. Beine blaß ockergelb,
Trochanter enden am Ende mit einem schwarzen Punkt. Tarsen braun.
Halteren dunkelbraun, Stiel blaß ockergelb. Flügel hyalin, sehr schwach
gebräunt, Adern hell ockergelblich, se, rund rr hell braungelb. Membran
sehr intensiv in allen Farben irisierend, ein sehr breiter Saum am Außen-
und Hinterrand blauviolett bis blaugrün irisierend.
Körperlänge 2—3 mm.
Flügellänge 2,2—3 mm.
Fühlerlänge 13/, mm.
Thorakallänge 0,6—0,9 mm.
Abdominallänge 1,2—2 mm.
Länge des Hinterschenkels 1,5 mm ] bei einem größeren
Länge der Hinterschiene 1,7 mm | Bzemplar mit 2,9 mm
Länge des Hintertarsus 18 mm Flügellänge.
Südbrasilien. Santa Catharina. 22%, 1Q gesammelt
von Lüderwaldt. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Megalosphys melanocephala (F. 1805).
Sciara melanocephala Fabricius, Syst. Antl. 1805. pag. 60.
Sciara melanocephala F., Wiedemann, Dipt. exot. I. 1821. Fig. 33.
Sciara melanocephala, F. Wiedemann, Außereurop. zweifl. Ins. I. 1828.
pag. 69.
Triehosia melanocephala (F.), Rübsaamen, Berlin. Entomol. Zeitschr.
39. Bd. 1894. p.23. Taf. 3. Fig. 21,
Textfig. 1.
Megalosphys melanocephala (F.) m.
Surinam.
Megalosphys striata (Rübs. 1894).
Sciara striata Rübsaamen, Berlin. Entomol. Zeitschr. 39. Bd. 1894.
pag. 37. Taf. 2. Fig. 12.
Megalosphys striata (Rübs.) m.
Mexico.
Megalosphys debilis (Willist. 1896).
Seiara debilis Williston, Trans. Ent. Soc. London. 1896. pag. 266.
Pl. VIII. Fig. 22.
Megalosphys debilis (Willist.) m.
Mittelamerika (St. Vincent).
136 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Trichomegalosphys nov. gen.
Typus: Tr. funesta nov. spec., Sumatra.
Trichomegalosphys unterscheidet sich von Megalosphys dadurch,
daß zwischen den deutlichen Microtrichen auf den Flügeln zahlreiche
lange Haare verteilt sind, und daß die 3 Palpenglieder (Femur, Tibia,
Tarsus) sehr kurz und dick sind (ungefähr so lang wie dick).
Trichomegalosphys funesta nov. spec.
2. Kopf klein, etwas kugelig, Rüssel sehr kurz. Fühlerlänge
nicht ganz halb so lang wie der Vorderflügel, ziemlich dick, am Ende
des ersten Drittels am dicksten, Endviertel zugespitzt; Stiele der
Glieder am trockenen Tier nicht bemerkbar; Pubescenz ziemlich
dicht, kurz und ziemlich abstehend; erstes Glied so lang wie dick,
2. Glied drei Viertel so lang wie dick, 3. Glied doppelt so lang wie dick,
4. Glied 11/, mal, 5.—7. so lang wie dick; 8.—11. Glied etwa 1!/, mal
so lang wie dick, 12. und 13. etwa 1°/,, 14. etwa doppelt, 15. etwa 3 mal,
16. etwa viermal so lang wie dick. Maxillarpalpus sehr kurz, die drei
slieder so lang wie dick, das erste Glied noch einmal so dick wie die
übrigen und oben am Ende mit einem langen Haar. Gesicht so lang
wie breit. Augen sehr groß und auf den Hinterkopf ausgedehnt, Augen-
brücke sehr breit und breit in der Mitte verschmolzen. Ocellen mäßig
groß, stark erhaben, in einer fast geraden Linie geordnet, die nach
hinten zu schwach gebogen ist. Ocellenabstand voneinander etwa
1 Ocellendurchmesser, ebensoweit stehen alle drei Ocellen vom Augen-
rande ab.
Thorax poliert glatt, mäßig stark gewölbt, Behaarung wenig dicht
und ziemlich lang und fein. Scutellum kräftig gewölbt, mit spärlicher
längerer Behaarung. Beine schlank, Schenkel wenig verbreitert. Klauen
schlank, ungezähnt. Fußbörstchen fast fehlend. Tibienendsporne
mäßig kurz. Abdomen kräftig, lang, hinten konisch zugespitzt. End-
glied der Cerci oval.
Flügel groß und breit, Spitze abgerundet. sc mündet ein Stück
distal der Basis von ır. r, ganz gerade, mündet ein Stück außerhalb
des 3. Flügelviertels. Costalzelle mäßig breit. Die Costa endet ungefähr
in der Mitte zwischen ır und m,. Mediangabel so lang wie der Stiel,
wenig divergierend und sehr wenig gebogen. Letzterer entspringt
in der Mitte der Zelle R. Die Randstrecke der Cubitalgabel ist mehr
als dreimal so lang wie die der Mediangabel. Adern alle kräftig, Radius
sehr kräftig. Die Axillaris drei Viertel der Strecke bis zum Rand
und läuft nahe am Cubitus. Halteren am Knopf allmählich
schaufelförmig verbreitert, am Ende etwas abgestutzt.
Kopf, Thorax, Abdomen, Beine, Palpen und Fühler schwarz-
braun, Vordercoxen braun. Fühlerpubescenz gelblichgrau. Flügel
ziemlich dunkelbraun, Halteren dunkelbraun. Augen rötlichbraun.
Ocellen gelbbraun. Adern braun, Radius schwarzbraun. Membran
matt ehern grün bis rötlich, Hinterrandsaum besonders rötlich irisierend.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 137
Körperlänge 9 mm. Flügellänge 91/, mm.
Fühlerlänge etwa 4!/, mm. Hinterschenkellänge 3 mm.
Hinterschienenlänge 31/, mm. Hintertarsuslänge 3,6 mm.
Sumatra. Soekaranda. 29. Dr H. Dohrn. Typen
im Stettiner Zoologischen Museum.
Psilomegalosphys nov. gen.
Typus: Ps. xanthogaster nov. spec., Sumatra.
Fig. 6.
Psilomegalosphys unterscheidet sich von Megalosphys durch die
mikroskopisch kleinen Microtrichen, die mit der Lupe nicht deutlich
als Haare erkennbar sind. Die Cubitaläste laufen von der Gabelung
ab erst eine kurze Strecke weniger stark divergierend nebeneinander,
um erst dann zu divergieren. Mit Zycoria (Sciara) stimmt Psilo-
megalosphys auch in der Flügelpubescenz überein. Palpus dreigliedrig,
das erste Glied (Femur) gedrungen, die beiden übrigen schlank.
Psilomegalosphys xanthogaster nov. spec.
Fig. 6.
®. Kopf klein, nahezu halbkugelig. Rüssel sehr kurz. Fühler-
länge zwei Fünftel der Flügellänge, mäßig dick, Endhältfte allmählich
zugespitzt, Stiele der Glieder sind am trockenen Tier nicht bemerkbar.
Erstes Glied etwas länger als dick, 2. Glied etwa 3/, mal so lang wie dick,
am Ende etwas verbreitert, 3. Glied 13/, mal so lang wie dick, 4. Glied
1!/, mal so lang wie dick, die übrigen 2 bis 2!/, mal so lang wie dick.
Endglied etwa dreimal so lang wie an der Basis dick, wenig zugespitzt
und am Ende abgerundet. Fühlerpubescenz sehr dicht und sehr kurz.
Maxillarpalpus mit langem Endglied, dessen Basalhälfte stark stiel-
artig verdünnt ist. Gesicht mäßig schmal, etwa so lang wie breit.
Augen sehr groß. Ocellen mäßig groß, rund, mäßig dicht gestellt.
Thorax wenig verdickt, ziemlich glatt. Beine schlank, Schenkel
schwach verdickt. Klauen ziemlich klein und schwach. Fußbörstchen
fast fehlend. Tibienendsporne mäßig kurz. Abdomen gedrungen,
Spitze sehr kurz. Endglied der Cerci sehr klein, so lang wie breit, stark
lateral zusammengedrückt, hinten mit rechtwinkliger Ecke.
Flügel groß und breit, Spitze abgerundet. sc endet vor der Basis
von ır. r, mündet am Ende des 2. Flügeldrittels. Costalzelle mäßig
schmal. rr entspringt eine Spur außerhalb der Mitte von r und r;;
die Zelle Rschmal und parallelseitig. Die Costa endet eine Spur oberhalb
der Mitte zwischen den Enden vom Radialrand und 1. Medianast.
Der 1. Medianast ist ein sehr kurzes Stück länger als der Median-
gabelstil. Letzterer entspringt in der Mitte der Zelle R.
cu, ungefähr dreimal so lang wie der Cubitalstiel. Die Randstrecke
der Cubitalgabelzelle ist doppelt so lang wie die der Mediangabelzelle.
Stiel der Mediangabel fast verschwindend blaß. Die Axillaris erreicht
138 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
oO
die Hälfte der Strecke bis zum Rand. Halteren am Kopf allmählich
schaufelförmig verbreitert und am Ende abgestutzt und abgerundet.
Kopf, Thorax, Beine und Abdominalspitze tiefschwarz, Vorder-
schenkel gelbbraun. Abdomen hell ockergelb. Fühler schwarzbraun,
Basalviertel rostbräunlich. Flügel braun, Adern braun, Costa, Radius
und Radialramus schwarzbraun. Halteren braun, Basaldrittel des
Stieles. Das ganze Abdomen ist dicht mit langen dünnen haarartigen
weißen Fäden einer wachsartigen Ausschwitzung besetzt, die zwischen
der mehr bräunlichen Pubescenz häutig büschelartig angeordnet sind.
Auch auf Thorax, Kopf und Coxen finden sich Reste solches Wachs-
sekretes, besonders auf den Pleuren, vermutlich ist es hier auch ur-
sprünglich dichter gewesen und nur abgerieben. Membran in der hinteren
und Spitzen-Hälfte sehr stark tief ehern in den Farben irisierend.
Körperlänge 4!1/,—5 mm. Flügellänge 6'/,—63/, mm.
Fühlerlänge 21/, mm. Hinterschenkellänge 21/, mm.
Hinterschienenlänge 31/), mm. Hintertarsuslänge 31/, mm.
Sumatra. Soekaranda. 39. Dr H. Dohrn. Typen
im Stettiner Zoologischen Museum.
Seythropochroa nov. gen.
Typus: 8. latefurcata nov. spec., Seychellen.
Fig. 7 u. 8.
Die Gattung unterscheidet sich von Megalosphys nur durch den
Palpus (Fig. 8); außer dem Trochanter (Fig. 8 tr.), der deutlich und
ziemlich lang gliedartig ausgebildet, aber von der Basis nicht sehr
scharf abgesetzt ist, ist nur ein einziges großes kräftiges Glied ent-
wickelt. Es ist aber bei dieser Gattung auch die Möglichkeit, daß das
erste Glied der Trochanterofemur und das 2. Glied der Tibiotarsus ist.
Seythropochroa latefurcata nov. spec.
Fig. 7u.8.
Q. Kopf mäßig groß, so breit wie der Thorax. Scheitel kurz,
ziemlich glatt. Die hinteren Ocellen ziemlich groß, ihr Abstand von
einander ungefähr gleich dem eigenen Durchmesser; der vordere Ocellus
etwas kleiner, eine Tangente am Vorderrand der hinteren Ocellen
schneidet den vorderen Öcellus in der Mitte. Augenbrücke mäßig
schmal, in der Mitte völlig verschmolzen und ohne Einschnürung.
Fühler kurz, mäßig dünn, kaum länger als ein Drittel der Flügellänge;
die beiden Basalglieder so lang wie breit, die Geißelglieder so lang
wie breit, die der Spitzenhältte etwas länger. Pubescenz fein, mäßig
kurz und ziemlich dicht. Gesicht sehr schmal, etwa 21/, mal so lang
wie vorn breit, hinten etwas verbreitert.
Thorax wenig gewölbt; Brustkegel breit und fast rechtwinklig,
Spitze abgerundet. Rückenschild glatt; Pubescenz sehr fein, an den
Seiten lang und kräftig. Scutellum kurz und breit, hinten gerundet,
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 139
Behaarung ziemlich dicht und lang. Postscutellum ziemlich lang,
glatt, flach und wenig gewölbt. Abdomen lang, so dick wie der Thorax,
von der Mitte ab allmählich zugespitzt; Legerohr sehr dünn und
lang; 2. Cercalglied langoval. Beine nicht lang, aber ziemlich dünn.
Coxen lang und schlank, Hintercoxen etwas dicker und kürzer. Schienen-
borsten oben sehr kurz und fein, in einer ziemlich dichten Längsreihe,
bei der Mittelschiene sehr spärlich, bei der Vorderschiene fast fehlend.
Fußbörstchen kurz und spärlich. 1. Hintertarsenglied etwa 31/, mal
so lang wie der längere Hintertibiensporn.
Flügel etwas schlank. Die Subcosta erreicht fast das Ende der
Radialzelle R, das Enddrittel ist aber sehr fein und undeutlich. r, eine
Spur länger als m,. Mediangabelstiel 11/, von m,, Mediangabel relativ
kurz und breit, Cubitalgabel am Ende nur 1!/, so breit wie sie. Radio-
medianquerader ein Drittel des Mediangabelstieles und dreimal so lang
wie der Basalabschnitt von rr. Zelle R, sehr schmal, Endhälfte breiter,
r, in der Mitte sehr schwach umgebogen. Die Randader erreicht fast
das Ende des vierten Fünftels der Entfernung zwischen rr und m,.
Die Cubitalgabelung liegt etwas distal von der Basis des Mediangabel-
stieles. Randbehaarung mäßig lang. Microtrichen sehr dicht und
mäßig lang. Haltere schlank spindelförmig, Stiel mäßig lang und mäßig
dünn.
Kopf braunschwarz, Augen schwarz, Fühler dunkel gelblichbraun.
Ocellen braungelb. Thorax dunkelbraun. Abdomen dunkelgelblichbraun,
unten braungelb; Legerohr und die Cerci schwarz, Beine mit den Coxen
hell braungelb, Tarsen schwärzlich. Flügel schwärzlich grau; Adern
gelbbraun, c, r und rr mehr schwärzlich.
Membran stark violett bis grün irisierend. Halteren schwarz-
braun, Stiel braungelb.
Körperlänge 2!/,—3!/,; mm.
Flügellänge 23/,—3 mm.
Thorakallänge 0,9—1 mm.
Abdominallänge 1,7—2,5 mm.
Fühlerlänge 1 mm
Länge des Hinterschenkels 0,8 mm
Länge der Hinterschiene 1,2 mm bei dem größten Exemplar
Länge des Hintertarsus 1,1 mm
Seychellen. Mahe Cascade Estate, ungefähr 800 bis
1500 Fuß, Oktober 1908 .bis Januar 1909. 59 gesammelt von
H.P.Thomanet und H.Scott. Mahe£. GebietvonMare aux
Cochons, ungefähr 1500 Fuß hoch. 26. Jan. bis 2. Febr. 1909.
42.
Seythropochroa velata nov. spec.
©. Kopf klein und kurz, schmäler als der Thorax. Rüßel kurz.
Maxillarpalpus sehr kurz, nicht länger als der Rüßel; außer dem
Trochanter nur aus einem Gliede bestehend, das ziemlich dick eirund
und dreimal so lang wie der kleine Trochanter ist, der außer den
Microtrichen auf der Unterseite am Ende eine lange Borste trägt.
140 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Fühler ungefähr halb so lang wie der Flügel; 2 + 14 gliedrig,
ziemlich dick, von der Mitte ab allmählich zugespitzt. 3.—5. Glied
etwa 1Y/,, 6.—13. Glied 12/,;—1?/, mal so lang wie breit, 14. und 15. Glied
etwa 21/, mal so lang wie breit, 16. Glied etwa 31/, mal so lang wie breit.
Thorax wenig gewölbt, kaum dicker als das Abdomen; Behaarung
sehr kurz und spärlich. Brustkegel wenig breit, mäßig groß und ziemlich
spitz. Rückenschild etwas glänzend, Parapsidenfurchen kräftig aber
kurz, etwas nach hinten zu offen gebogen. Scutellum kurz, hoch ge-
wölbt, rauh. Postscutellum wenig gewölbt, etwas rauh. Abdomen
sehr lang und dick, erst kurz vor der Spitze zugespitzt; etwa dreimal
so lang wie der Thorax. Das scheibenförmige 2. Cercalglied fast kreis-
rund. Coxen schlank, ‚gleichlang und zwei Drittel der Thorakal-
länge. (Hinterbeine abgebrochen).
Flügel lang und mäßig breit. sc endet am Ursprung von ır. I}
mündet am Ende des 4. Fünftels der Flügellänge und ist fast gerade.
rr besonders am Ende des 2. Drittels stark gebogen, läuft fast parallel
von r,. und dann zum Vorderrand und mündet ein Stück oberhalb
der Flügelspitze. Die ganze Media fast verschwindend blaß, entspringt
in der Mitte der Zelle R. Die Cubitalgabelung ist gerade unter dem
Ursprung der Media; die Randstrecke der Gabel ist fast doppelt so lang
wie die der Mediangabel. se endet am Ende des 3. Viertels des Ab-
standes rr von m,. Microtrichen mikroskopisch fein. Adern hier und da
spärlich behaart. Randbehaarung mäßig lang, fein.
Kopf, Fühler und Thorax dunkelbraun, Thorakalrücken und
Brustkegel glänzend schwarz. Abdomen dunkel rostbraun. Beine gelb-
braun, Coxen gelblichbraun. Flügel bläulichgrau, Adern blaßbraun,
Costa und Radius braun, Media sehr blaß. Membran in allen Farben,
irisierend, besonders rot bis grün. Halteren dunkelbraun.
Körperlänge 6,8 mm.
Flügellänge 5,7 mm.
Thorakallänge 1,6 mm.
Abdominallänge 5 mm.
Sumatra. Soekaranda. 19. Dr. H. Dohrn. Type im
Stettiner Zoologischen Museum.
Metangela Rübs. 1894.
Typus: M. calliptera Rübs. 1894. Brasilien.
Metangela, Rübsaamen, Berl. Ent. Zeitschr. 39. 1894. pag. 19
und 24. Fig. 2.
Cubitalgabelstiel lang. Cubitalgabelung distal vom Ursprung
des Mediangabelstieles. Cubitalgabel sogleich stark und steil
divergierend. Maxillarpalpus außer dem Trochanter dreigliedrig.
Mediangabel in der Basalhälfte stark verbreitert, in der Endhälfte
verschmälert und am Ende wieder etwas verbreitert. Mierotrichen
mit der Lupe deutlich sichtbar. Klauen gezähnt.
Hierher gehört noch M. toxoneura (Ost.-Sack. 1862) Nordamerika,
wenn auch nicht ganz sicher.
der Lyeoriiden und ihre systematische Gliederung. 141
Tribus: Lycoreini m.
Media gegabelt. Cubitalgabelstiel meist kurz, selten fehlend.
Cubitalgabel auf einer langen Basalstrecke schmal und erst dann
stärker divergierend.
Aniarella nov. gen.
Typus: A. pellucens nov. spec. Südbrasilien.
Fig. 9.
Diese Gattung unterscheidet sich von Zycoria (Sciara) dadurch, daß
der Ursprung des Mediangabelstiels so stark proximal an der Zelle R
gerückt ist, daß die relativ etwas lang gestielte Cubitalgabel den
Gabelungspunkt unter der Ursprungsstelle des Mediangabelstieles
zu liegen hat oder eine Spur distal davon. Die Cubitalgabel ist aber
sonst wie bei Lycoria (Sciara) geformt, nämlich in der Basalhälfte
sehr schmal und erst in der Distalhälfte stark divergierend.
Aniarella pellucens nov. spec.
Fig. 9.
2. Kopf relativ groß, fast so breit wie der Thorax. Scheitel
mäßig kurz, nach den Augen steil abfallend. Schläfen schmal, erst ganz
oben etwas verbreitert. Augenbrücke mäßig schmal, nach der Mitte
zu schwach verbreitert, und in der Mitte schmal unterbrochen. Ocellen
klein, zu stumpfem Dreieck angeordnet, der vordere kleiner und rund,
die hinteren größer und langgestreckt; Augenabstand ersteres etwas
mehr als sein Durchmesser, letzterer etwas mehr als ihr längster Durch-
messer. Die beiden ersten Fühlerglieder so lang wie breit (die übrigen
abgebrochen). Maxillarpalpus lang und schlank, Endglied nach der
der Basis zu zugespitzt, am Ende schwach zugespitzt und abgerundet.
Scheitel mit mäßig dichter, kurzer abstehender Pubescenz.
Thorax hochgewölbt, so lang wie hoch. Brustkegel ziemlich breit,
abgerundet. Rückenschild ziemlich matt, Pubescenz kurz. Scutellum
groß und breit, Hinterrand gerundet, mit verstreuten, längeren Haaren.
Postscutellum mäßig lang, schräg abfallend, mäßig gewölbt,
unpubesciett. Abdomen kräftig, an der Basis fast so dick wie der
Thorax, von der Basis ab gleichmäßig bis zur Spitze konisch zugespitzt.
Pubeszenz ziemlich lang, fein, mäßig dicht und abstehend, unten
dichter. Beine schlank. Hinterschienen oben mit feinen Borsten
mäßig dicht besetzt, die nicht ganz so lang sind wie der Schienen-
durchmesser, auch unten solche Borsten, aber spärlicher und etwas
kürzer. Fußbörstchen vereinzelt. Hintertibiensporne gleichlang,
1. Tarsenglied etwa viermal so lang.
Flügel kräftig, groß und ziemlich breit. Die Subcosta läuft sehr
dicht an r, endet am Ende der Zelle R, ist aber nur im Basalviertel
braun pigmentiert. r (von der Basalquerader ab) ist etwa ein Sechstel
länger als r,; r, mündet etwas proximal von der Mediangabelung in
die Costa. Mediangabelstiel ist 11/, von m,. Mediangabel mäßig breit,
142 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
parallel, am Ende halb so breit wie die Cubitalgabel, die dieht am Ende
durch eu, stärker verbreitert ist. Zelle R sehr schmal und parallel-
seitig. ır am Ende des 2. Drittels mäßig stark umgebogen. Zelle R,
schmal, am Ende des 1. Drittels verbreitert. Die Costa endet in der
Mitte zwischen rr und m,. Randpubeszenz dicht und mäßig lang.
Halteren schlank, spindelförmig, Stiel dünn und lang.
Einfarbig braunschwarz. Beine braun. Vorderschenkel gelbbraun.
Augen grau, Ocellen gelblich. Schienenendsporne dunkelbraun. Flügel
hellbraun, Adern hellbraun, Radıus schwarzbraun, Costa braun,
Membran intensiv tieirot bis grün irisierend.
Körperlänge 3,8 mm. Länge des Hinterschenkels 2 mm.
Flügellänge 5,5 mm. Länge der Hinterschiene 2,2 mm.
Thorakallänge 1,4 mm. Länge des Hintertarsus 1,7 mm.
Abdominallänge 2,3 mm.
Südbrasiien.e Santa Catharina. 102 gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Eurierium nov. gen.
Typus: E. Rübsaameni nov. spec. Südbrasilien.
Fig. 10.
Die ganze Flügelmembran ist sehr dicht pubesciert wie bei der
Gattung Trichosia W inn. 1867; das Geäder unterscheidet sich aber durch
die in der Mitte der Basalhälfte sehr stark eckig nach hinten verbreiterte
Radialzelle R, und den im Basalteil hoch aufgerichteten gebogenen
vorderen Ast der Mediangabel, wodurch eine sehr breite Mediangabel
entsteht, die der bei der Gattung Metangela Rübs. 1894 sehr ähnelt,
aber am Ende nicht eingeschnürt ist. Metangela unterscheidet sich von
Eurierium durch die gezähnten Klauen, die bei letzterer klein, dünn
und ungezähnt sind. Rüssel sehr kurz.
Der Palpus ist außer dem Trochanter deutlich dreigliedrig.
Den Typus dieser Gattung widme ich Herrn Ew.H.Rübsaamen.
Eurierium Rübsaameni nov. spec.
Fig. 10.
2. Kopf mäßig klein, poliert glatt. Rüssel sehr kurz. Fühler ab-
gebrochen. Augenbrücke hinter den Fühlern sehr schmal. Ocellendreieck
sehr breit und flach, Ocellen ziemlich groß.
Thorax ziemlich wenig verdickt, poliert glatt, Pubescenz sehr
spärlich. Abdomen mäßig schlank, Legerohr ziemlich stark abgesetzt,
gleich sehr dünn und halb so lang wie das übrige Abdomen. Abdomen
mit sehr dichter und sehr kurzer sammetartiger Pubescenz, spärlich
länger behaart, Spitze u. Legerohr außerdem mit verstreuten langen
abstehenden Borsten. 2. Cercalglied fast rechteckig, mit abgerundeten
Ecken und 11/,mal so lang wie breit. Beine mäßig schlank, Fußbörstehen
spärlich und sehr kurz. 1. Hintertarsenglied etwas kürzer als die vier
übrigen zusammen. |
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 143
Flügel breit, Spitze breit abgerundet... Membranpubescenz sehr
dicht und relativ lang, Randbehaarung sehr lang. Der Radialstamm
mündet eine Spur außerhalb der Flügelmitte. Costalzelle mäßig breit,
nicht ganz doppelt so breit wie die Zelle R. Diese verhältnismäßig
kurz und breit. Radialramus entspringt am Ende des 2. Drittels des
übrigen Radius. Die Subeosta endet ungefähr vor der Mitte der Zelle R.
Die Costa erreicht fast das Ende des 3. Viertels zwischen den Enden
des Radialramus und m,. Mediangabelstiel 11/, von r4ıs und ent-
springt eine Spur vor der Mitte der Zelle R. 145 schwach gebogen.
Die Randstrecke der Cubitalgabelzelle ist nur ein wenig länger als die
der Mediangabelstelle. Stiel der Cubitalgabel nicht ganz halb so lang
wie die Zelle R. cu, ziemlich stark umgebogen und sehr steil den Hinter-
rand treffend. Analis bis fast zu dieser Krümmungstelle, ax sehr kurz.
Halterenknopf sehr groß und lang, bis zum Ende keulig verbreitert
und am Ende schwach bogig abgestutzt, Ecken abgerundet, Stiel
lang allmählich in die Keule übergehend.
Kopf und Thorax glänzend schwarz, Abdomen schwarzbraun.
Palpen und Beine braun, Schienen und Tarsen gelbbraun, Flügel
ziemlich dunkelbraun, die Axillarzelle und ein Längsstreif dicht vor
cu, bis hinter die Basis der Mediangabel hell bräunlichgrau. Adern der
Zelle R, r, rr und an schwärzlich braun, Cubitus hellbraun; Media
blaßbraun, der Stiel fast verschwindend blaß und schwer erkennbar.
Halteren schwarz. Die ganze Membran ziemlich stark fast ehern rot
bis grün irisierend.
Körperlänge ohne Legerohr 2,2 mm, mit Legerohr mehr als 3 mm.
Flügellänge 2,6 mm.
Hinterschenkellänge 1 mm.
Hinterschienenlänge 1,1 mm.
Hintertarsuslänge etwa 1 mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 10 gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Zygomma nov. gen.
Typus: Z. faseiatellum nov. spec. Südbrasilien.
Fig. 11.
Zelle R schmal. Mediangabelstiel entspringt in der Mitte der -
Zelle R (nicht in der Nähe der Spitze der Zelle R). Die Querader
zwischen rr und m ist länger (mehr als dreimal so lang) als der Basal-
abschnitt von rr. Mediangabel in der Basalhälfte stark erweitert
und in der Distalhälfte verengt. Cubitalgabelung proximal von der
Basis des Mediangabelstieles. Mierotrichen mikroskopisch kurz. Coxen
ziemlich lang. Palpus außer dem Trochanter deutlich dreigliedrig.
Bei Zygoneura Meig. entspringt der Mediangabelstiel nahe der
Spitze der Zelle R und die Querader zwischen ır ist so lang wie der
Basalabschnitt von rr.
144 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Zygomma fasciatellum nov. spec.
Fig. 11.
82. Kopf mäßig groß. Rüssel ganz kurz. Fühler fast so lang
wie der Vorderflügel, beim $ ziemlich diek, beim 2 etwas dünner,
die drei letzten Glieder wesentlich dünner; die Geißelglieder etwa
1/, mal länger als dick, die 2 letzten Glieder viel länger; Geißelglieder
beim g ziemlich lang gestielt, beim 2 ziemlich kurz gestielt. Augen
sroß.
Thorax ziemlich verdickt, poliert glatt, von oben ist seine ziemlich
stumpfe Ecke etwas über den hinteren Teil des Kopfes herübergezogen.
Haltezangen des $ lang und gebogen. Legerohr des @ sehr dünn und
schlank. Endglied der Cerci schlankoval, hinten etwas zugespitzt.
Beine schlank. Klauen sehr dünn, klein und ungezähnt. Fußbörstchen
spärlich und kurz. 1. Hintertarsenglied so lang wie die 4 übrigen
zusammen, das 4. am kürzesten.
Flügel mäßig schlank, Spitze abgerundet. Der Radialstamm
mündet ungefähr in der Flügelmitte. Costalzelle schmal, ein wenig
schmäler als die Radialzelle R. Radialramus entspringt am Ende des
3. Viertels des übrigen Radius. Die Subcosta erreicht fast das Ende
des 2. Drittels der Zelle R. Zelle R mäßig schmal, in der Mitte schwach
verbreitert. Die Costa endet am Ende des 3. Viertels zwischen den
Enden des Radialramus und des 1. Medianastes. 14:5 ist so lang
wie der Gabelstiel, der ein wenig außerhalb der Mitte der Zelle R
entspringt. Die Mediangabelzelle ist an der Basis fast kreisförmig
erweitert und in der Endhälfte halsförmig verengt mit fast parallelen
Grenzen, und zwar ist m, nur sehr schwach S förmig gekrümmt,
während m, in der Basalhälfte einen sehr starken Bogen beschreibt.
Die Randstrecke der Cubitalgabelzelle ist etwa doppelt so lang wie
die der Mediangabelzelle. Stiel der Cubitalgabel etwa halb so lang
wie die Zelle R. cu, schwach gekrümmt, cu, sehr stark umgebogen
und fast rechtwinklig den Hinterrand treffend. Randpubescenz ziemlich
lang. Mediangabelstiel blaß. Analis lang, Axillaris kurz. Halteren-
kopf groß, so lang wie breit, Seiten schwach nach dem Ende divergierend
und am Ende gerade abgestutzt mit scharfen Seitenecken; Stiel wenig
länger als der Kopf, nach der Spitze zu schwach verdickt.
Kopf und Thorax schwarz. Abdomen dunkelbraun. Fühler schwarz-
braun, Endglied (nur beim $ vorhanden) weißlich, das vorletzte
Glied grauweißlich. Halteren braun, Stiel gelblich. Beine hell bräunlich
graugelb, Hinterschenkel bräunlich, Basaldrittel aller Schenkel hell-
ockergelblich. Coxen mit Ausnahme der Spitze bräunlich. Schienen-
endsporne ockergelb. Flügel hyalin, eine graubraune Querbinde !/, der
Flügellänge breit durch die Flügelmitte, das ganze Spitzenviertel
mit fast gerader und scharfer Grenzlinie ebenfalls graubraun. Die
ganze Membran sehr intensiv in allen Farben irisierend.
Körperlänge $ mit Zange 1,5 mm (ohne 1,4 mm), 2 1,7 mm
(1 Ex. 2,3 mm, dieses mit einer Flügellänge von 2,4 mm).
Flügellänge $ 1,8 mm. |
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 145
Fühlerlänge $ 1,4 mm.
Hinterschenkellänge 0,8 mm.
Hinterschienenlänge 0,9 mm.
Hintertarsuslänge 0,7 mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 38,3 Q gesammelt von
Lüderwaldt. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Odontonyx Rübs. 1894.
Typus: O. niger (Wiedem. 1821). Mittel- und Nordamerika.
Odontonyx Rübsaamen, Berl. Ent. Zeitschr. 39. 1894. pag. 19 u. 25.
Cubitalgabelstiel kurz oder fehlend. Cubitalgabel auf einer langen
Basalstrecke schmal und erst dann stärker divergierend. Cubital-
gabelung proximal, vom Ursprung des Mediangabelstieles.. Median-
gabel schmal. Klauen gezähnt.
Hierher gehört außerdem noch: O. Fruhstorferi Rübs. 1894 aus
Java und O. helveolus Rübs. 1894 aus Portorico.
Rhynchoseiara Rübs. 1894.
Typus: R. villosa Rübs. 1894. Columbien, Costa Rica, Mexico.
Für beide bekannte Arten ist charakteristisch, daß das erste Basal-
glied der Fühler am Ende nach oben zu sehr dünn ausgezogen ist
und das zweite Basalglied am Ende oben eine wallartige Wölbung trägt.
Palpus außer dem Trochanter deutlich dreigliedrig. Die Cubital-
gabelung ist beim $ wenig proximal vom Ursprung des Median-
gabelstiels, beim Q etwas mehr basalwärts gerückt. Rüssel verlängert.
Rhynehoseiara villosa Rübs. 1894.
Costa Rica. 11 Q gesammelt von H. Schmidt.
Columbien. Hacienda Pehlke. 3 &, 6 2, gesammelt von Ernst
Pehlke.
Die vorliegenden Exemplare sind etwas kleiner.
Köperlänge $ etwa 6 mm, 9 7!/, mm.
Flügellänge $ etwa 61/,—7 mm, Q 81/,—9 mm.
Rhynchoseiara brevicornis Rübs. 1894.
Südbrasilien. Santa Catharina. 4 9,2 9, gesammelt vonLüder-
waldt. Espiritu Santo. 29. Coll. Fruhstorfer.
Hyboseiara Rübs. 1894.
Rübsaamen, Berl. Ent. Zeitschr. Bd. 39. 1984. pag. 28. Taf. I. Fig. 1.
Taf. II. Fig. 6. Taf. III. Fig. 3.
Palpus außer dem Trochanter dreigliedrig.
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 3. Suppl. 10
146 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Hybosciara gigantea (Macq. 1846).
Sciara gigantea Macquart, Dipt. ex. Suppl. I. 1846. pag. 19 (Neu
Granada).
Er z S Bellardi, Ditterologia Messicana. I. 1859.
pag. 13. (Mexico).
SE : % Osten-Sacken, Catal. Dipt. N. Amer. Ed. II.
1878. pag. 13.
% Re an Osten-Sacken, Biolog. Centr. Americ. Dipt.
I. 1886. pag. 2. (Centralamerika.)
Hybosciara gigantea Rübsaamen, Berl. Ent. Zeitschr. Bd. 39. 1894.
pag. 28a. Taf. I. Fig. 1. Taf. II. Fig. 6.
Taf. III. Fig. 3. (Columbien.)
Ecuador. Balzapamba. Juni bis September 1900. 1 2 gesammelt
von R. Haensch. (Im Stettiner Zoolog. Museum.)
Diese Spezies war bisher aus Columbien und Mittelamerika bekannt.
Die Spezies Rübsaamen’s ist meines Erachtens mit der Marquart’s
identisch.
Apelmocreagris nov. gen.
Typus: A. bibionea (Speis. 1910).
Fig. 12.
Diese Gattung unterscheidet sich von Lycoria Meig. 1800 (Sciara
Meig. 1803) durch die völlig ungestielte Cubitalgabel. Die beiden
Cubitaläste entspringen dicht nebeneinander nahe der Basis der
Media. Fühler 16 gliedrig (2+ 14), Maxillarpalpus 3 gliedrig. Palpus
außer dem undeutlichen Trochanter deutlich 3 gliedrig.
Sie ist über die orientalische, aethiopische und neotropische Region
verbreitet. Es sind meist sehr große Formen; die eine südamerikanische
Spezies ist weniger groß. Hier ist einzuordnen: Sciara pruinosa Rübs.
1894 aus Borneot), Se. rufithorax v. d. Wulp. 1881 }) aus Sumatra und
Ceylon, Zye. bibionea Speis. 1910 aus Ostafrika, sowie vermutlich auch
Se. ruficollis Walk. 1848 vom Congo.
Alle diese Arten haben einen ganz oder zum Teil gelblichroten
Thorax und es scheint diese Färbung so für die Gattung charakteristisch
zu sein, zumal eine solche Färbung bei der Gattung Lycoria Meig.
1800 (Sciara Meig. 1803) nur vereinzelt vorzukommen scheint, z. B.
Lye. rufa (Walk. 1848) von Westafrika (Sierra Leone), die aber auch
möglicherweise zu Apelmocreagris zu ziehen ist.
Apelmoereagris bibionea (Speis. 1909).
Lycoria bibionea Speiser, Wiss. Ergebn. Schwed. Zool. Exp. Kili-
mandjaro, Meru usw. 10. Diptera.
4. Orthorapha 1910 p. 31—32, Fig. 1u.2.
Fig. 12.
1) Das Geäder ist abgebildet in Rübsaamen, Die außereurop. Trauer-
mücken des Königl. Museums für Naturkunde in Berlin. Berl. Ent. Zeitschr.
Bd. 39. 1894, Taf. I Fig. 2 u. 10.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 147
9. Kopf sehr klein, sehr kurz, von vorn nach hinten zusammen-
gedrückt, abgerundet. Rüßel kurz. Fühler etwa halb so lang wie der
Flügel; allmählich nach der Spitze zu zugespitzt, ungefähr in der Mitte
ziemlich schnell verdünnt, so daß die Endhälfte viel dünner ist, die
Basalhälfte dagegen sehr kräftig; 16 gliederig, die beiden Basalglieder
etwas dieker. Die Glieder kaum merklich gestielt. Das erste Glied
cubisch, das zweite sehr kurz, halb so lang wie dick, das dritte etwa
21/, mal so lang wie dick, 4. und 5. doppelt so lang wie dick, die übrigen
21/, bis 4 mal so lang wie dick, Endglied etwa 7mal so lang wie an der
Basis dick, stark zugespitzt, Spitze lang und dünn ausgezogen; Fühler-
pubescenz dicht, ziemlich kurz, und schräg abstehend. Maxillarpalpus
schlank, besonders das Endglied. Gesicht unter den Fühlern sehr
schmal, etwa 11/, mal so lang wie breit. Augen sehr groß, stark ge-
wölbt, ziemlich glatt und nehmen fast die ganzen Kopfseiten ein.
Ocellen oval, mäßig dicht, der vordere Ocellus berührt die Verschmel-
zungsstelle der beiden Augen.
Thorax sehr kräftig, hoch gewölbt, ziemlich glatt. Beine sehr
schlank, Tibiensporne kurz, Fuß mit sehr spärlichen und sehr kurzen
Börstchen. Coxen vorn am Ende ziemlich dicht behaart. Klauen
ungezähnt. Halteren langgestielt, Keule ziemlich dick, spindelförmig,
Ende ziemlich spitz. Abdomen lang und kräftig, Spitze lang und dünn,
Endglied der Cerei klein, fast kreisrund, diskusförmig.
Flügel groß und breit, Spitze stark abgerundet. Querader zwischen
Radialstamm und Radialramus trifft die Mitte des ersteren; die ent-
standene Zelle sehr schmal. Die Subcosta überragt diese Querader
noch ein kurzes Stück. Costalzelle schmal. Der Radialstamm mündet
außerhalb der Vorderrandmitte. Die Costa endet am Ende des zweiten
Drittels des Zwischenraumes zwischen der Mündung vom Radialramus
und 1. Medianast. Der 1. Medianast ist ein wenig länger als der Gabelstiel.
Letzterer entspringt in der Mitte zwischen Querader und Ursprungs-
stelle vom Cubitus. Die Randstrecke der Cubitalgabelzelle ist 1!/, mal
so lang wie die Randstrecke der Mediangabelzelle. Die Axillaris
erreicht fast die Hälfte der Strecke bis zum Rand. Stiel der Radial-
gabel sehr blaß und fein.
Kopf schwarz, Augen tiefschwarz, Fühler, Schienen und Tarsen
rötlich dunkelbraun, Abdomen rötlich schwarzbraun; der ganze
Thorax, Coxen, 'Trochanter, Schenkel und Basalhälfte des Halteren-
stieles hell schwach bräunlich ockergelb; Halteren rostbraun. Tibien-
endsporne ockergelb. Flügel dunkel gelblichbraun, Adern dunkel-
braun. Hinterschenkel zuweilen oben bräunlich. Die beiden Basal-
glieder der Fühler zuweilen schwach rostgelblich. Membran des Hinter-
und Außenrandsaumes relativ matt dunkel rötlich bis grünlich irisierend.
Körperlänge 7—8 mm. Vorderflügellänge 7—8!/, mm.
Fühlerlänge etwa 4 mm. Vorderflügelbreite 2,3—3,5 mm.
Hinterschienenlänge 4!/, mm. Hinterschenkellänge 3!/, mm.
Hintertarsuslänge 23/, mm.
Transvaal, Zoutpansberg. 49.
10*
148 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Die Flügel sind viel weniger gedrungen als die Geäderabbildung
Fig. 1 von Speiser und besonders die Zelle R, ist viel schmäler
und länger.
var. miniaticeps nov.
Diese Form unterscheidet sich von der Stammform durch einen
hell bräunlich ockergelben Kopf, ebenso gefärbt ist der Rüssel und die
beiden Basalglieder der Fühler. Der obere Rand des Gesichts bräunlich.
Die Membran irisiert bei dieser Form im Hinter- und Außenrandsaum,
sehr lebhaft tief ehern gelbgrün, bis grün, bis rot, bis violett.
Westafrika. FernandoPo. 2 9, gesammeltvonL.Conradt.
Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Falls, wie es scheint, diese beiden Formen einer Art angehören,
dürfte diese Spezies weit über den Tropengürtel Afrikas verbreitet
sein. Die nahestehende Apelmocreagris ruficollis (Walk. 1848) vom
Congo unterscheidet sich durch Folgendes: Thorax oben mit jederseits
einem schwarzen Streifen, die Körperlänge beträgt 5 mm, die Flügel-
länge weniger wie 6 mm.
Apelmoecreagris leucacrocera nov. spec.
38. Kopf ziemlich klein, kurz und schmäler als der Thorax.
Scheitel kurz, matt, an den Seiten mit kurzer dichter Pubescenz.
Die 3 Ocellen in sehr flachem Dreieck. Der vordere Ocellus berührt
fast eine Tangente durch den Vorderrand der hinteren Ocellen; letztere
groß und stark gewölbt; erstere sehr klein, ihr Abstand vom Augen-
brückenrand ist geringer als ihr eigener Durchmesser. Rüssel kurz.
Gesicht schmal, doppelt so lang wie breit. Die Augenfortsätze sind
breit, am Ende breit gerundet und stoßen in der Mitte mäßig breit
dicht zusammen, so daß die Augenbrücke nicht unterbrochen ist,
und nur in der Mitte vorn und hinten einen einspringenden Winkel
besitzt. Fühler dünn, nach der Spitze zu nicht zugespitzt, die beiden
Basalglieder doppelt so breit wie lang, die Geißelglieder 3—3!/, mal
so lang wie breit, die letzten drei in der Länge stark variierend, Pubescenz
dicht, kurz und anliegend, beim & länger und abstehend; Fühler-
länge kürzer als die halbe Flügellänge. Palpen mäßig schlank.
Thorax stark gewölbt, so hoch wie lang und etwa 1!/, mal so lang
wie breit, Brustkegel schmal und hoch, an der Spitze schmal abgerundet.
Rückenschild matt, hinten schwach glänzend, Pubescenz vereinzelt
und kurz. Scutellum ziemlich breit, fast halbkreisförmig, am Hinter-
rande mit einer Anzahl kürzerer Haare, Postscutellum ziemlich lang,
gewölbt glatt, und unbehaart. Abdomen fast so dick wie der Thorax,
spärlich kurz und fein behaart. 1. Cercalglied des @ langgestreckt,
2. fast kreisrund. Zange des $ viel breiter als das dünne Abdomen,
beide Glieder sehr dicht und geschwollen, das 1. Glied größer. Coxen
lang und schlank, die Vordereoxe etwas länger als die übrigen. Schienen-
borsten fehlen, Fußbörstehen ganz vereinzelt. 1. Hintertarsenglied
der Lyeoriiden und ihre systematische Gliederung. 149
fast 5 mal so lang wie der längere Hinterschienensporn. Schenkel-
behaarung fein, wenig dicht und mäßig lang.
Flügel lang und mäßig breit. se endet vor der Basis von ır
mitten in der Zelle. r, mündet am Ende des 3. Flügelfünftels.
m, ist 11/, von r, und so lang wie der Mediangabelstiel. Median-
gabel mäßig breit, parallelseitig, dicht am Ende etwas verbreitert.
Cubitalgabel am Ende nicht ganz doppelt so breit wie die Mediangabel.
Cubitalgabelstiel fehlt völlig. Zelle R, an der Basis schmal, nach der
Spitze zu verbreitert. rr am Ende des 2. Drittels schwach nach hinten
umgebogen. Die Costa endet am Ende des 2. Drittels zwischen ır und
m,. Adern unbehaart. Microtrichen äußerst klein, mit der Lupe nicht
erkennbar. Randbehaarung ziemlich kurz. Halteren sehr groß, lang-
oval, nach dem langen und mäßig dünnen Stiel zu allmählich verjüngt.
Kopf und Augen schwarzbraun. Ocellen gelblich. Fühler braun,
Spitzenviertel weißlich, die Pubescenz der ganzen Fühler silberweiß,
beim $ mehr gelblich. Thorax schwarzbraun, Ecken der Propleure
gelblich. Abdomen dunkelbraun, jedes Segment hinten meistens
etwas aufgehellt. Beine braungelb, Hinterschenkel gelbbraun, Coxen
braun, Vordereoxen gelblich braun. Flügel ziemlich dunkel graubraun,
Adern hellbraun, sc, r, und rr schwarzbraun. Halteren dunkelbraun,
Stiel hell bräunlichgelb. Membran intensiv in allen Farben irisierend.
Körperlänge $ 2,6 mm, 9 2,8—3,3 mm bis? mm.
Flügellänge $ 3 mm, 9 4-5 mm.
Fühlerlänge 1,5—2 mm.
Thorakallänge $ ®/, mm, 2 1—1,1 mm.
Abdominallänge $ 1,6 mm, 9 1,8—2,6 mm bis? mm.
Länge des Hinterschenkels 2 mm.
Länge der Hinterschiene 2 mm.
Länge des Hintertarsus 1,4 mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 1&, 3 gesammelt von
Lüderwaldt. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Trichosia Winn. 1867.
Typus: Tr. splendens Winn. 1867. Zentraleuropa.
Fig. 13.
Trichosia, Winnertz, Beitr. z. e. Monogr. d. Sciarinen. 1867. pag. 73.
Fig. 4.
Diese Gattung unterscheidet sich von Lycoria (Sciara) nur durch
die dicht und lang behaarten Flügel.
Sciara melanocephala F. aus Südamerika, de Rübsaamen
hier einordnet, gehört jedoch zur Gattung Megalosphys Enderl.,
die gleichfalls behaarte Flügel besitzt.
Hierher gehört außerdem noch:
Tr. absurda Winn. 1867 Zentraleuropa; Tr. hirtipennis (Zett. 1838)
Nordeuropa; Tr. jugicola Strobl 1897 Zentraleuropa. Tr.
mazima Strobl 1880 Zentraleuropa; Tr. modesta Winn. 1867
150 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Zentraleuropa; Tr. nigriclava Strobl 1897 Zentraleuropa;
Tr. Winnertzi Now. 1868 Zentraleuropa; Tr. hebes Loew 1869
Nordamerika; Tr. Masters Skuse 1888 Australien.
Lycoria Meig. 1800.
Typus: L. Thomae (F. 1767). Europa.
Lycoria Meigen, Nouvelle classification des mouches & deux ailes (Diptera
L.). Paris 1800 pag. 17. — Hendel, Verh. Zool. Bot. Ges. Wien. 1908 pag. 48.
Sciara, Meigen, Illiger’s Magazin, II. 1803, pag. 263. (Typus: Sc. Thomae
[F. 1767].)
Fig. 14 u. 15.
Rüssel nicht verlängert. Fühler 2 + 14 gliedrig, selten mit
weniger Gliedern!). Thorax nicht über den Kopf vorgewölbt. Coxen
nicht stark verlängert. Klauen ungezähnt. Cubitalgabelstiel kurz
bis sehr kurz. Der Mediangabelstiel entspringt ungefähr in der Mitte
der schmalen Zelle R. Die Cubitalgabelung proximal, meist stark
proximal der Basis des Mediangabelstieles; die beiden Cubitaläste
laufen erst etwa die Hälfte der Länge der Cubitalgabel wenig
divergierend neben einander, ehe sie stark divergieren. Media gegabelt.
Microtrichen der Flügelmembran mikroskopisch klein, mit der Lupe
nicht deutlich als Haare erkennbar. Maxillarpalpus außer dem mehr
oder weniger deutlich gliedartigen Trochanter dreigliedrig. & und Q
geflügelt. Fühler des $ nicht mit quirlförmig angeordneten Haaren.
Flügel hinten an der Basis schnell stark verbreitert. (Die Abdommal-
spitze überragt die Flügelspitze nicht; — im Gegensatz zu Bradysia
Winn. 1867, die besser als Gattung fallen zu lassen ist.)
Lycoria laticornis (Walk. 1857).
Sciara laticornis Walker, Journ. Linn. Soc. London. I. 1857. pag. 105.
Diese von Borneo beschriebene Species liegt nur in einem etwas
größeren ?@ von Sumatra vor.
Körperlänge 9/;, mm. Flügellänge 9 mm.
Sumatra. Sinabong. 19. Dr.H. Dohrn.
Die Fühlerglieder sind stark verbreitert und so lang oder sehr
wenig länger als breit. Das Abdomen ist sehr dunkel rötlich rostbraun.
Die Vorderschenkel sind sehr schwach gelblichbraun gelichtet. r, ist
so lang wie r von der Basalquerader ab, verläuft am Ende ziemlich
spitz und mündet etwas distal der Mediangabelung.
Lycoria fuscolimbata nov. spec.
Q. Kopf mäßig klein, etwas schmäler als der Thorax; fast halb-
kugelig. Scheitel mäßig groß. Die hinteren Ocellen etwas größer
1) Lycoria nigrans nov. spec. aus Süd - Brasilien hat nur 13 gliedrige
(2+-11gl.) Fühler.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 151
als die vorderen; eine Tangente an den Vorderrand ersterer tangiert
den letzteren hinten. Abstand der hinteren Ocellen von einander gleich
2 Ocellendurchmesser. Augenbrücke schmal, in der Mitte verschmälert,
aber beide Teile berühren sich. Fühler mäßig dünn, 3. Glied 21/,,
4. bis 8. doppelt, 9. bis 13. Glied etwa 21/, mal so lang wie breit (die
übrigen abgebrochen); Pubescenz fein und dicht. Gesicht so lang wie
breit. Scheitelpubescenz sehr kurz, dicht und abstehend.
Maxillarpalpus dünn und schlank.
Thorax kräftig und hoch gewölbt. Brustkegel sehr niedrig. Rücken-
schild etwas glatt, fast unpubesciert, mit einem weißlichgrauen Reif,
der auch auf dem Scheitel sich schwächer findet. Scutellum hoch,
fast halbkreisförmig, oben mit etwa 6 kräftigen Querriefen. Post-
scutellum ziemlich flach und steil. Abdomen so breit wie der Thorax
aber stark abgeflacht, Spitzenviertel zugespitzt. Endglied der Cerci
sehr klein, rund. Abdominalpubescenz mäßig lang, mäßig dicht und
ziemlich steil abstehend. Beine lang und mäßig kräftig. Coxen schlank,
etwa halb so lang wie der Thorax, Vordereoxen kürzer und dicker.
Schienen fein behaart, Borsten fehlen. Fußbörstchen fast fehlend.
1. Hintertarsenglied etwa dreimal so lang wie der längere Hinter-
tibiensporn und 1!/, der vier übrigen zusammen.
Flügel ziemlich schlank. Die Subcosta erreicht den Ursprung von
rr. r, ist etwa 11/, mal so lang wie r von der Basalquerader ab und
mündet ein Stück distal von der Mediangabelung. Der Mediangabelstiel
ist fast so lang wie m,, die Gabel fast parallel und mäßig breit. Cubital-
gabel am Ende doppelt so breit wie die Mediangabel. Radiomedian-
querader etwa !/, des Mediangabelstieles. Cubitalgabelstiel mäßig
kurz. Zelle R schmal, am Ende nicht verbreitert. rr schwach gebogen.
Zelle R, ziemlich schmal und lang. sc endet am Ende des 2. Fünftels
zwischen rr und m,. Randbehaarung kurz. Haltere sehr schlank
spindelförmig, allmählich in den langen Stiel übergehend.
Der ganze Körper schwarzbraun, Rückenschild und Scheitel grau
bereift. Flügel blaß graubräunlich, Vorderrandsaum bis zu ır ein-
schließlich der Zelle R ziemlich dunkelbraun. Adern blaßbraun, der
Radius dunkelbraun. Membran stark grün bis rot irisierend.
Körperlänge etwa 5,5 mm. Länge des Hinterschenkels 2,6 mm
Flügellänge 6,5 mm. Länge der Hinterschiene 3 mm.
Thorakallänge 1,9 mm. Länge des Hintertarsus 1,3 mm.
Abdominallänge 3,4 mm.
Sumatra. Soekaranda. 19. Dr. H. Dohrn. Type im
Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria sumatrana nov. spec.
Q. Kopf mäßig groß, nahezu halbkugelig. Rüssel sehr kurz.
Von dem Fühler sind nur 13 Glieder vorhanden (die übrigen 3 ab-
gebrochen), diese sind etwas länger als die Hälfte der Vorderflügel-
länge; die Stiele der Glieder sehr kurz; die beiden Basalglieder sind
viel dicker als die übrigen Glieder, das erste so lang wie dick, das zweite
>
152 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
5/, so lang wie dick; das 3. Glied ist dreimal so lang wie dick; das 4.
bis 6. Glied doppelt so lang wie dick, die übrigen 2!/, bis dreimal
so lang wie dick. Fühlerpubescenz kurz und dicht. Endglied des
Maxillarpalpus sehr schlank und dünn. Gesicht mäßig breit, so lang
wie breit, schwach gewölbt. Augen groß. Ocellen ziemlich groß, mäßig
dicht zusammengerückt und zu rechtwinkligem Dreieck angeordnet.
Thorax wenig verdickt, matt. Beine schlank, Schenkel schwach
verdickt und stark seitlich zusammengedrückt. Klauen klein und dünn.
Fußbörstchen unten ziemlich zahlreich. Die beiden gleichlangen
Schienenendsporne mäßig lang. 1. Hintertarsenglied etwas länger als
die übrigen 4 zusammen. Abdomen mäßig gedrungen, zugespitzt.
Endglied der Cerci eiförmig rund und lateral stark zusammengedrückt.
Flügel mäßig schlank, Spitze abgerundet. Der Radialstamm
mündet ein wenig außerhalb der Mitte. Costalzelle schmal. Radial-
ramus entspringt am Ende des zweiten Drittels des übrigen Radius;
die Zelle R schmal und nach der Basis zu verjüngt. Die Subcosta
erreicht nur die Mitte der Länge des Abstandes dieser Querader von
der Flügelbasis. Die Costa endet am Ende des zweiten Drittels zwischen
den Enden des Radialramus und des 1. Medianastes. r, ist etwa 3,
von r von der Basalquerader ab und endet etwas proximal von der
Mediangabelung. Der 1. Medianast ist eine Spur länger als der Gabel-
stiel. Letzterer entspringt in der Mitte zwischen Querader und Cubital-
ursprung. Die Randstrecke der Cubitalgabelzelle ist fast dreimal
so lang wie die der Mediangabelzelle. Stiel der Cubitalzelle etwa !/,
von cu, und etwa 31/, mal so lang wie die Querader. Stiel der Median-
gabelzelle sehr blaß. Die Axillaris erreicht das Ende des 2. Drittels
der Strecke bis zum Rand. Halteren lang elliptisch und langgestielt.
Schwarz, Abdomen und Fühler schwarzbraun, Beine dunkelbraun.
Schienenendsporne gelbbraun. Flügel bräunlich hyalin, Adern hell-
braun, Costa, Radius und Radialsaum dunkelbraun. Membran sehr
lebhaft in allen Farben irisierend.
Körperlänge 4 mm. Flügellänge 4'/, mm.
Hinterschenkellänge 1!/, mm. Hinterschienenlänge 1*/, mm.
Hintertarsuslänge 1'/, mm.
Sumatra. Soekaranda. 19. Dr. H. Dohrn. Type im
Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria japonica nov. spec.
2. Kopf mäßig klein, etwas schmäler als der Thorax. Scheitel
mäßig kurz, etwa dreimal so lang wie die Breite der mäßig breiten
in der Mitte etwas eingeschnürten Augenbrücke; matt, fast rauh,
relativ dicht und kurz behaart, die Haare stehen steil nach vorn gerichtet
ab. Ocellen ziemlich groß und fast gleichgroß, sie stehen alle fast in
einer geraden Linie; der Abstand vom Augenrand ist kaum !/, Ocellen-
durchmesser, Abstand des seitlichen vom vorderen Ocellus fast 1 Ocellen-
durchmesser. Fühler ziemlich dünn und sehr kurz, kaum ein Drittel
der Flügellänge; die beiden Basalglieder so lang wie breit und etwas
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 153
dieker als die Geißel; letztere nach der Spitze zu sehr wenig zugespitzt,
und mit dichter gelblichgrauer Pubescenz, die den beiden Basalgliedern
fehlt; 1. Geißelglied 1!/, mal so lang wie breit, 2.—9. Glied 1!/,, 10.
bis 13. Glied 1!/,, das 14. mehr als doppelt so lang wie breit, aber nicht
zugespitzt, nur am Ende abgerundet. Maxillarpalpus groß und lang.
Thorax nicht kräftiger als das Abdomen, ein wenig länger als hoch,
nach vorn ein wenig hoch übergewölbt. Brustkegel klein und abgerundet.
Rückenschild ganz matt, mit ziemlich starkem grauen Reif, und drei
schmalen Längsstreifen, die mit längerer Pubescenz ziemlich dicht
besetzt sind. Die beiden seitlichen Streifen beginnen wenig einwärts
der Schulterecken und konvergieren geradlinig so, daß sie sich am
Hinterrande des Rückenschilds nahezu berühren; der mittlere Streifen
ist kurz und endet schon am Ende des ersten Viertels der Länge des
Rückenschildes. Auch die Seiten des Rückenschildes dicht pubesciert.
Scutellum sehr kurz und wenig hoch; Hinterrand in Form eines sehr
flachen Kreisabschnittes; ohne Haare und ohne Pubescenz. Post-
scutellum wenig steil abfallend und mäßig stark gewölbt. Abdomen
in der Basalhäflte sehr dick, (im mittleren Teil dicker als der Thorax),
in der Endhälfte sehr dünn und allmählich zugespitzt. Abdominal-
pubescenz sehr kurz. Beine relativ klein und dünn. Coxen mäßig
klem und schlank, fast gleichlang. Beinpubescenz außerordentlich
kurz, Schienenborsten und Fußbörstehen sehr kurz.
Flügel mäßig schlank. Subcosta nur eine kurze Strecke deutlich,
wenig deutlich reicht sie aber fast bis zum Ende der ZelleR. r, mündet
ein wenig distal der Mediangabelung. r von der Basalquerader ab ist
fast 1?/, von r,. m, ist fast 11/, vom Mediangabelstiel. Die Median-
gabel ist ungewöhnlich schmal und schlank, nicht viel breiter als ?/,
der Breite des vor ihr gelegenen Teiles der Zelle RR.; parallel, nur ein
Endfünftel etwas divergierend. Cubitalgabel am Ende etwa 21/, mal
so breit wie die Mediangabel. Radiomedianquerader ist ungefähr die
Hälfte des Mediangabelstieles. Cubitalgabelstiel etwa */, der Basal-
strecke der Media. Zelle R schmal und ziemlich gleichmäßig breit.
rr ım Laufe des 3. Viertels gleichmäßig und ziemlich schwach gebogen.
Zelle R, mäßig breit, Basalteil ziemlich schmal. sc endet etwas unter
dem Ende des 2. Drittels zwischen rr und m,. Randbehaarung kurz
und dicht. Haltere spindelförmig, Stiel dünn und ebensolang.
Kopf schwarz, Augen grau. Fühler und Maxillarpalpen braun.
Thorax schwärzlich mit weißlich grauem Reif, die drei pubescierten
Streifen (siehe diese) dunkelbraun, ohne diesen Reif; Schulterecken
gelblich; Halteren braun, Stiel bräunlichgelb. Beine gleichmäßig
rostbraun, ebenso die Coxen. Abdomen mäßig dunkel rostgelb. Flügel
und Adern hellbraun, Costa und Radius braun. Membran lebhaft grün
bis rot irisierend.
Körperlänge 4'/, mm. Flügellänge 4 mm.
Thorakallänge 1 mm. Abdominallänge 3!/, mm.
Japan. Kanagawa. 19. 6. 1906. 12 gesammelt von
H. Sauter.
154 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Diese Spezies ist in verschiedenen Punkten sehr auffällig.
Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria brevipetiolata nov. spec.
Fig. 14.
Q. Kopf mäßig groß, nahezu halbkugelig. Rüssel kurz. Fühler
zwei Fünftel so lang wie der Vorderflügel, nach der Spitze zu
schwach zugespitzt, die Stiele der Geißelglieder ziemlich kurz, die
beiden Basalglieder sehr kurz und gedrungen; drittes Glied 11/, mal
so lang wie dick, 4. bis 10. Glied doppelt so lang wie dick, 11.—15.
etwa 21/, mal so lang wie dick, das 16. Glied schlank, etwa vier
bis fünfmal so lang wie dick. Fühlerpubescenz kurz und dicht,
ziemlich anliegend. Endglied des Maxillarpalpus schlank, Basalhälfte
stielartig verdünnt, Ende etwas keulig verdickt. Gesicht außerordentlich
schmal, nach oben schwach verjüngt, etwa dreimal so lang wie breit.
Ocellen mäßig groß, die vordere etwas kleiner, mäßig dicht zusammen-
gerückt, die hinteren ziemlich weit von einander; sie bilden ein sehr
flaches Dreieck, eine Tangente an den Vorderrand der hinteren Ocellen
tangiert den vorderen Ocellus hinten.
Thorax ziemlich stark verdickt und ziemlich hoch gewölbt. Beine
schlank, schwach verdickt und seitlich zusammengedrückt. Klauen
sehr klein und sehr dünn. Fußbörstchen vereinzelt und sehr kurz.
Die beiden Schienenendsporne schlank und mäßig lang. 1. Hinter-
tarsenglied so lang wie die 4 übrigen zusammen, Abdomen ziemlich
schlank, allmählich zugespitzt. Endglied der Cerci seitlich zusammen-
gedrückt, schlankoval, Ober- und Unterrand ziemlich gerade und
parallel, hinten etwas abgestutzt.
Flügel mäßig breit, Spitze breit abgerundet. r, ist ?/, von r von
der Basalquerader ab und mündet am Ende des 3. Fünftels der Flügel-
länge, gerade über der Mediangabelung. Costalzelle schmal. Querader
zwischen Radialstamm und Radialramus trifft ersteren am Ende des
zweiten Drittels; die entstandene Zelle schmal, lang und parallelseitig.
Die Subeosta erreicht fast diese Querader. Die Costa endet am Ende
des 2.Drittels zwischen den Enden des Radialramus und des 1. Median-
astes. Der 1. Medianast ist eine Spur länger als der Mediangabelstiel.
Letzterer entspringt eine Spur basalwärts von der Mitte zwischen Quer-
ader und Cubitalursprung. Die Randstrecke der Cubitalgabelzelle
ist fast doppelt so lang wie die der Mediangabelzelle. Stiel der Cubital-
zelle sehr kurz, etwa doppelt so lang wie die Querader. Stiel der Median-
gabelzelle sehr blaß. Die Axillaris erreicht nur das Ende des ersten
Drittels der Strecke bis zum Rand. Halteren ein wenig schlank elliptisch
und sehr lang und dünn gestielt.
Kopf und Thorax schwarz, Abdomen rötlich schwarzbraun. Fühler
braun, die beiden Basalglieder schwarzbraun, die drei ersten Geißel-
glieder mehr oder weniger bräunlichgelb. Beine mit den Coxen braun,
Schenkel bräunlichgelb, Schiene und erstes Tarsenglied gelbbraun,
Tibienendsporne ockergelb. Schenkel und Schienen vereinzelt dunkel
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 155
gelbbraun. Flügel hell gelblichbraun, Adern hellbraun, Costa, Radius
und Radialramus dunkelbraun. Membran sehr lebhaft in allen Farben
irisierend.
Körperlänge (trocken) 4—4t/, mm. Fühlerlänge 1?/, mm.
Flügellänge 41/,—43/, mm. Hinterschenkellänge 1?/, mm.
Hinterschienenlänge 2!/, mm. Hintertarsuslänge 1?/, mm.
Westafrika. Fernando Po. 6% gesammelt von Leopold
Conradt. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Übersicht über die vorliegenden süd- und mittelamerikanischen
Lycoria- Arten.
1. r, mündet über oder distal der Mediangabelung ...... 2.
r, mündet proximal der Mediangabelung . . ... 2.2... 9.
2%. r, kleiner als r (r von der Basalquerader ab gerechnet) IV uude
PIRBODEFOR wie 0 BERARHE [EUR EN a. >.
3. m, etwas mehr als doppelt so lang wie der Stiel (Flügellänge 9!/, mm
BR ale) ea pleeiodes nov. spec. (Ecuador)
m, ungefähr so lang wie der Stiel. Flügellänge nicht mehr 7
Kanman (04-7 mm) Menden os abe DORE i:
4. Alle Ocellen berühren den Augenrand. Beine braun. Flüzel.
lange 67/8 mn) „er... tristans nov. spec. (Ecuador)
Die hinteren Ocellen haben einen Abstand vom Augenrand von
!/, Ocellendurchmesser. (Flügellänge 7 mm)
psychina nov. spec. (Mexico)
Beimeöschwarz:oderbraundi „A HU RN, 6.
Beine gelbbraun oder dunkel gelbbraun .......... 8.
6. Abdomen des ® hat auf der Unterseite am Ende des 2. Drittels
einen sehr kräftigen kegelförmigen Höcker, der nach unten und
vom in eine dünne Spitze ausgezogen ist
pimpliformis nov. spec. (Columbien)
oki Oshermalss zu ah, on Seiten UNS, I;
7. Zelle R, ziemlich breit, besonders beim 9, in der Mitte verbreitert
(Flügellänge etwa 5 mm).
nigrina Rübs. 1894 (Columbien u. Zentralamerika)
Zelle R, sehr schmal, in der Mitte nicht verbreitert (Flügellänge
ae ne) ende, obseurans nov. spec. (Ecuador)
8. Mediangabeläste i im Endviertel viel stärker divergierend als vor-
her. Geißelglieder des @ (3.—11.) doppelt so lang wie breit; 1.
und 2. Geißelglied gleichlang. Beine dunkel gelbbraun. (Flügel-
aupel 2,3) mm): „in men nigrans nov. spec. (Südbrasilien)
Mediangabeläste in der Endhälfte parallel. 1. Geißelglied des ?
doppelt so lang wie breit, 2. nur 1!/, mal so lang wie breit. Fühler
des $ sehr kräftig. Zange des & sehr kräftig. Beine gelbbraun.
(Flügellänge 4—4!/, mm). . . foreipigera nov. spec. (Costa Rica)
9. r, kleiner als r (r von der Basalquerader ab gerechnet) . . 10.
ERROR wie Bad. Bam eh iin, loan 24.
5
156 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
1%.
18.
19.
Beine schwärzlich, braun bis gelbbraun, höchstens die Vorder-
beine ‚hellgelblich.. ve derlu# Pirat Bi) ae 11.
Beine gelblich .oder hellgelblich *. 2.5.22... „u 13.
Alle Beine gleichmäßig schwärzlichbraun bis gelbbraun . . 12.
Die Beine braun, Vorderschenkel hell bräunlichgelb, Vorder-
schiene braungelb (Flügel 3%/, mm)
prosthioxantha nov. spec. (Columbien)
Ocellen zu einem flachen Dreieck geordnet, Abstand der hinteren
vom Augenrande 1!/, Ocellendurchmesser. Zelle R, in der distalen
Hälfte fast doppelt so breit wie in der proximalen. Costa endet
am Ende des 4. Fünftels zwischen rr und m,. (Flügellänge 3,4
EHRT NE Rn guayanensis nov. spec. (Guayana)
Öcellen zu einem rechtwinkligen Dreieck geordnet, Abstand
der hinteren vom Augenrande fast 2 Ocellendurchmesser. Zelle R,
ist schmal und fast gleichbreit, nur im Basalviertel sehr wenig
verschmälert. Costa endet am Ende des 2. Drittels zwischen rr
und m,. (Flügellänge 1,7 mm) nigriecans nov. spec. (Südbrasilien)
Thorax schwärzlich oder braun bis braungelb. ...... 14.
Tihorax rostgelb. bis«blaßrostgelb.., .. .. .. .. .. ., . re Di 21.
rr ist völlig gerade oder nur ganz unmerklich gebogen . . 15.
ır ist mehr.oder weniger stark gebogen . . ....... 18.
r, ist etwas kürzer als r. rr ist etwa 21/, von r, und im Spitzen-
drittel sehr schwach gebogen. Die Costa endet am Ende des
5. Sechstels zwischen rr und m,. (Flügellänge 2—2,5 mm)
fumigans nov. spec. (Südbrasilien)
T7Jäst ungefährihalb’so.dang wie'z 7. m m en 16.
Zelle RR an der Biegung von m, stark verschmälert und am Ende
stark verbreitert (die Mediangabelzelle liegt stark nach hinten
gerichtet). rr ist dreimal so lang wie r,. Die Costa endet am
Ende des 2. Drittels zwischen ır und m,. rr ist nur vor dem
Ende unmerklich gebogen. (Flügellänge 1,9 mm)
fulgescens nov. spec. (Südbrasilien)
Zelle RR normal, ebenso die Lage der Mediangabelzelle . . 1%.
Thorax matt schwarzbraun. Geißelglieder 1'/, mal so lang wie
breit. Mediangabelstiel deutlich. rr ist 31/, von r,. Die Costa
endet am Ende des 3. Viertels zwischen rr und m,. rr ganz gerade.
(Flügellänge 1,8—1,9 mm). . . regens nov. spec. (Südbrasilien)
Thorax braungelb. Geißelglieder doppelt so lang wie breit. Median-
gabelstiel kaum erkennbar, fast völlig reduziert. rr ist 4!/, von r..
Die Costa endet am Ende des 2. Drittels zwischen rr und m..
rr nur in der Mitte ganz unmerklich und flach gebogen. (Flügel-
länge! 14" mm) u 6 Aefkle evanescensnov. spec. (Südbrasilien)
Zelle R, sehr schmal und fast gleichbreit. Hinterschiene fast
um die Hälfte länger als der Hintertarsus. (Flügellänge 3 mm)
simulans nov. spec. (Südbrasilien)
Zelle R, breit. Hinterschiene so lang wie der Hintertarsus 19.
Der Basalabschnitt von rr relativ lang und die Zelle R, an der
Basis wenig verschmälert und ziemlich breit. Die Costa endet
0.
21.
22.
23.
24.
26.
1.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 157
am Ende des 3. Viertels zwischen rr und m,. (Flügellänge 1,6 mm)
minuens nov. spec. (Südbrasilien)
Der Basalabschnitt von rr sehr kurz, die Zelle R, an der Basis
Ben sohmalltuoı 112. rei ART DAR 20.
Mediangabelzelle ist sehr schwach divergierend. Halteren schwärz-
lich mit gelblichem Stiel. Rückenschild glänzend schwarz. rr ist
stark gebogen. (Flügellänge 3 mm)
hyalescens nov. spec. (Costa Rica)
Mediangabelzelle verhältnismäßig stark divergierend. Halteren
braungelb mit gelblichem Stiel. Rückenschild gelbbraun. rr ist
weniger stark gebogen. (Flügellänge 2,8—4,3 mm)
columbiana nov. spec. (Columbien)
rr gleichmäßig gebogen. Zelle R, an der Basis wenig schmäler 22.
rr gerade, nur am Ende des 2. Drittels schwach gebogen. Zelle R,
an der Basis stark verschmälert, und sonst ziemlich breit 23.
Zelle R, sehr schmal. rr ist nicht ganz dreimal so lang wie r,. Die
Costa endet vor dem Ende des 2. Drittels zwischen rr und m..
(Flügellänge 3 mm) . . . propinquans nov. sp. (Südbrasilien)
Zelle R, mäßig breit. rr ist viermal so lang wie r,. Die Costa
endet kaum außerhalb der Mitte zwischen rr und m,. (Flügel-
Jane ORBUN) 2-0. nn: flavescens nov. spec. (Südbrasilien)
Thorax rostgelb, ohne Längsstreifen. rr ist 2!/, von r, (Flügel-
länge 2,3—2,5 mm) . . . fulvescens nov. spec. (Südbrasilien)
Thorax blaß rotgelblich, mit drei bräunlichen Längsstreifen.
rr ist dreimal so lang wie r,. Flügellänge 2,7 mm)
longinquans nov. spec. (Südbrasilien)
Thorax vorn scharf über den Kopf vorgezogen, ähnlich wie bei
der Gattung Aybosciara. ır im Verlaufe des 3. Viertels gleich-
mäßig und wenig stark gebogen. (Flügellänge 3,5 mm)
aequans nov. spec. (Südbrasilien)
Thorax normal. rr ziemlich gerade, entweder nur in der Mitte
oder am Ende des 2. Drittels schwach gebogen, oder in der ganzen
Länge gleichmäßig sehr schwach gebogen . ....... 25.
. er ist in der ganzen Länge gleichmäßig sehr schwach gebogen.
Costa endet am Ende des 4. Fünftels zwischen rr und m,. (Flügel-
länps 58:mm) Asien! vergens nov. spec. (Südbrasilien)
rr nur in der Mitte oder am Ende des 2. Drittels sehr schwach
mal. 01». 1010, N PARGNEN WAR, MORE PRCNTL PIRG BE SET SPAFREL ER NERTIREF LER LEI OWL 26.
Öcellen zu einem stumpfwinkligen Dreieck angeordnet. rr ist nur
im mittleren Teil flach gebogen. Die Costa endet am Ende des
4. Fünftels zwischen rr und m,. (Flügellänge 3,1 mm)
arcuans nov. spec. (Südbrasilien)
Der vordere Ocellus wird von einer Tangente an den Vorderrand
der hinteren Ocellen geschnitten oder berührt . . . . . . 1.
Thorax rotbraun. Der Mediangabelstiel ist so lang wie m,. rr ist
2!/, von r,. Die Costa endet am Ende des 3. Viertels von r,. (Flügel-
länge 3mm) ....2.. obsolescens nov. spec. (Südbrasilien)
158 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Thorax schwarzbraun. Der Mediangabelstiel ist etwas kürzer
aleinue Wer rg ra ee 28.
28. ır ist 2%/, von I,. Die Costa endet am Ende des 4. Fünftels zwischen
ır und m,. Halteren.schwarzbraun, Stiel rostbraun. (Flügel-
länge 4,718) ansicht 3 nubilans nov. spec. (Südbrasilien)
tr ist 31/, von r,. Die Costa endet am Ende des 2. Drittels zwischen
ır und m,. Halteren hellbraun, Stiel gelblich grau. (Flügellänge
3,6 una) e . . fuscescens nov. spec. (Costa Rica)
Lycoria pleciodes nov. spec.
Q. Kopf klein halbkugelig, viel schmäler als der Thorax. Scheitel
mäßig kurz, Schläfen ziemlich schmal. Augenbrücke mäßig schmal,
in der Mitte eingeschnürt, beide Teile fast zusammenstoßend. Ocellen
fast in einer Querlinie, die seitlichen größer. Scheitelnaht fein, Scheitel
stirnnaht sehr fein (sie liegt so, daß der vordere Ocellus auf die Stirn
zu liegen kommt). Scheitelbehaarung kurz sammetartig. Fühler sehr
kurz, nicht viel länger als ein Viertel der Flügellänge; undeutlich gesägt,
Pubescenz äußerst kurz; 3. Glied doppelt so lang, 4. bis 7. so lang,
8. bis 15. wenig länger als breit, 16. etwa 2!/, mal so lang wie breit.
Gesicht und Clypeus doppelt so lang wie breit. Maxillarpalpus sehr
lang und schlank, Basalhälfte des letzten Gliedes eingeschnürt.
Thorax kräftig und ziemlich hoch gewölbt. Brustkegel auffällig
klein und flach. Rückenschild matt sammetartig, unpubesciert, mit
5 Streifen sehr feiner dicht anliegender Pubescenz, der mittelste schmal
und in der vorderen Hälfte verschwindend. Scutellum hoch, flachge-
drückt, fast halbkreisförmig. Postscutellum kurz, wenig gewölbt.
Abdomen kräftig, so breit wie der Thorax, aber nicht ganz so hoch.
Abdominalspitze eingezogen, nur die Cerci ragen heraus; 2. Cercal-
glied klein, fast kreisrund. Beine lang und mäßig kräftig. Coxen mäßig
gedrungen, gleichlang, etwa ein Drittel der Thorakallänge. Schienen
fein behaart, ohne Borsten. Fußbörstchen fehlen. 1. Hintertarsen-
glied etwa viermal so lang wie der längere Hintertibiensporn und so
lang wie die 4 übrigen Glieder zusammen.
Flügel groß, breit und kräftig. Die Subcosta geht wenig über die
Basalquerader hinweg. r von der Basalquerader ab ist 1!/, von r,, r}
mündet etwas distal von der Mediangabelung. m, etwas mehr
als doppelt so lang wie der Stiel; die Gabel schmal, fast parallel und
nur am Ende schwach divergierend. Cubitalgabel am Ende 2!/, mal
so breit wie die Mediangabel. Mediangabelstiel etwa 2!/, der Radio-
medianquerader. Cubitalgabelung ungefähr unter der Mitte des Basal-
abschnittes der Media. Zelle R mäßig schmal. ır schwach gebogen,
sehr lang; Zelle R, mäßig schmal, in der Mitte am breitesten. Die
Coxa endet am Ende des 2. Fünftels zwischen ırr undm,. Randpubescenz
sehr kurz und dicht. Halteren mäßig lang, spindelförmig, allmählich
in den ziemlich breiten Stiel übergehend.
Der ganze Körper sammetschwarz, Augen gelblich graubraun,
Beine braunschwarz, Die 5 Pubescenzlängsstreifen auf dem Rücken-
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 159
schild grau bis gelblich grau. Schienenendsporne schwarz. Flügel
mehr oder weniger hellbraun, Vorderrandsaum bis zu rr einschließlich
Zelle R braun. Adern braun, Radius schwarzbraun. Membran mattrot
bis grün irisierend.
Körperlänge 7,5—9 mm. Fühlerlänge 2,1 mm.
Flügellänge 9,5—11,5 mm. Länge des Hinterschenkels 3,5 mm.
Thorakallänge 2,5 mm. Länge der Hinterschiene 4 mm.
Abdominallänge 5,5—7 mm. Länge des Hintertarsus 3,2 mm.
Ecuador. Santaln&z. 1200 m. hoch. Oktober bis Dezember
1899. 1 2 gesammelt von R. Haensch. Balzapamba, 750 m
hoch; Mai bis September 1899. 1 Q gesammelt von R. Haensch.
Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Diese große Spezies erinnert im Habitus stark an südamerikanische
Vertreter der Bibionidengattung Plecva.
Lycoria tristans nov. spec.
2. Kopf klein, halbkugelig, nicht viel schmäler als der Thorax.
Scheitel kurz, Schläfen sehr schmal. Augenbrücke schmal, in der
Mitte nicht unterbrochen und kaum eingeschnürt. Die 3 Ocellen
ziemlich groß, zu einem sehr flachen Dreieck angeordnet, eine Ver-
bindungslinie der Centren der hinteren Ocellen tangiert den Hinterrrand
des vorderen Ocellus; alle Ocellen berühren den Augenrand. Scheitel
weiß bereift, außerdem dicht, fein und ziemlich kurz pubesciert. Gesicht
und Clypeus zusammen etwas länger als breit. 1. Fühlerglied so lang
wie breit, 2. etwa 11/, mal so breit wie lang, 3. bis 5. Glied 11/, mal,
6. bis 8. etwa doppelt so lang wie breit (die übrigen Glieder abgebrochen)
Maxillarpalpus mäßig schlank.
Thorax ziemlich hoch gewölbt. Brustkegel schmal und wenig hoch.
Rückenschild weißlich bereiit, mit vier schmalen Längsstreifen feiner
Pubescenz, die seitlichen am Seitenrand. (Scutellum durch die Nadel
zerstört). Postscutellum fast horizontal und wenig gewölbt. Abdomen
etwas weniger dick als der Thorax, von der Mitte ab zugespitzt. 2. Cercal-
glied oval. Abdominalbehaarung dünn und mäßig lang. Beine lang
und ziemlich dünn. Coxen schlank, halb so lang wie der Thorax.
Schienen fein behaart; die beiden Endsporne nahezu gleichlang. Fuß-
börstehen spärlich und kurz. 1. Hintertarsenglied etwa 5 mal so lang
wie die Hinterschienenspornen und um ein Fünftel länger als die übrigen
Glieder zusammen.
‘Flügel mäßig breit. Die Subcosta erreicht nicht ganz den Ur-
sprung von Ir. r, ist 3/, von r (von der Basalquerader ab) und
mündet gerade über der Mediangabelung. m, so lang wie der
Stiel, etwas gebogen, Gabel mäßig schmal, kurz vor dem Ende
mäßig eingeschnürt. Cubitalgabel am Ende 1?/, mal so breit
wie die Mediangabel. Cubitalgabelstiel etwa !/, der Länge des
Basalabschnittes der Media. Zelle R sehr schmal, lang und nahezu
gleichbreit. rr ziemlich stark gebogen, endet distal von m,. Außen-
160 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
hälfte der Zelle R, ziemlich breit, der mittlere Teil ziemlich stark ver-
breitert. Die Costa erreicht fast die Mitte zwischen rr und m,. Rand-
pubescenz fein und dicht. Halteren lang, schlank spindelförmig, am
Ende zugespitzt und in den langen Stiel allmählich übergehend.
Kopf und Thorax schwarz mit weißlichem Reif; Pubescenz des
Kopfes schwarzbraun, des Thorax schwarz. Fühler braun, mit grauer
Pubescenz, die beiden Basalglieder rostgelb. Maxillarpalpus schwarz.
Abdomen dunkelbraun, Pubescenz graubraun. Beine braun, Schienen
ohne die Spitze sowie ?/, der Basis des ersten Tarsengliedes wenig heller.
Schienenendsporne dunkelbraun. Halteren braun, Stiel hell bräunlich-
gelb. Flügel hellbraun, Adern hellbraun, Radius braun. Membran
matt rot bis grün irisierend.
Körperlänge 5°/, mm. Länge des Hinterschenkels 2,6 mm.
Flügellänge 6!/,;, mm. Länge der Hinterschiene 31/, mm.
Thorakallänge 1,7 mm. Länge des Hintertarsus 2,3 mm.
Abdominallänge 4,4 mm.
Ecuador. Santa ln&z. 1200 m hoch. Oktober bis Dezember
1899. 1 2 gesammelt von R. Haensch. Type im Stettiner
Zoologischen Museum.
Lycoria psychina nov. spec.
2. Kopf klein, halbkugelig, nicht viel schmaler als der Thorax.
Scheitel sehr kurz, Schläfen verschwindend kurz. Augenbrücke mäßig
breit, in der Mitte nicht unterbrochen und kaum eingeschnürt. Die
Ocellenbasis ist etwas erhöht und fällt zur Augenbrücke sehr steil ab;
Ocellen groß, Abstand der hinteren Ocellen vom Augenrande etwa
1/, Ocellendurchmesser, von einander etwa 1!/, Ocellendurchmesser.
Scheitel unbereift, Pubescenz ziemlich dicht, fein, ziemlich lang u.
abstehend. Gesicht und Clypeus 1!/, mal so lang wie breit. Fühler
mäßig dünn, ziemlich kurz, Pubescenz kurz und fein; die beiden Basal-
glieder so lang wie dick, 3. und 4. Glied 1?/, mal, 2. bis 8. doppelt,
die übrigen drei bis viermal so lang wie breit; Länge etwa zwei Fünftel
des Flügels. Maxillarpalpus mäßig schlank.
Thorax sehr hoch gewölbt, so lang wie hoch. Brustkegel schmal und
nicht sehr hoch. Rückenschild matt, kurz pubesciert. Scutellum rela-
tiv klein und kurz, matt, oben ohne Querriefen. Postscutellum relativ
lang, horizontal und wenig gewölbt. Abdomen etwas schmäler als der
Thorax und stark abgeflacht; Pubescenz ziemlich dicht, fein, lang und
senkrecht abstehend. 2. Cercalglied mäßig klein, kreisrund. Beine lang
und ziemlich dünn. Coxen gleichlang, mäßig schlank, etwa zwei Drittel
der Thorakallänge. Schienen sehr fein und kurz behaart. Fußbörstehen
kurz und spärlich. 1. Hintertarsenglied etwa fünfmal so lang wie die
Unterschienenspornen und ein wenig länger als die übrigen Glieder
zusammen.
Flügel ziemlich breit. m, etwas kürzer als der Stiel. Gabel nach
dem Ende zu etwas verschmälert. Cubitalgabelstiel nicht ganz die
Hälfte des Basalabschnittes der Media. m, ungefähr so lang wie der
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 161
Stiel. Zelle R schmal und lang, nahezu gleichbreit. rr stark gebogen.
Außenhälfte der Zelle R, schmal, der mittlere Teil nicht verbreitert.
Die Costa erreicht die Mitte zwischen rr und m,. Randpubescenz
fein. Halteren wie bei ZL. tristans.
Kopf, Fühler, Maxillarpalpen, Thorax und Abdomen, schwarz-
braun, Beine mit den Coxen schwarzbraun. Schienenendsporne schwarz.
Flügel braun, Adern braun, Radius dunkelbraun. Halteren schwarz-
braun, Stiel bräunlichgelb. Membran speckig glänzend.
Körperlänge etwa 5l/, mm. Fühlerlänge etwa 2*/, mm.
Flügellänge 7 mm. Länge des Hinterschenkels 2,2 mm.
Thorakallänge 2 mm. Länge der Hinterschiene 23/, mm.
Abdominallänge etwa 3!/;mm. Länge des Hintertarsus 2,1 mm.
Mexico. Chiapas. 15. November 1907. 1 2 gesammelt von
L. Conradt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria nigrina (Rübs. 1894).
Sciara nigrina Rübsaamen, Berl. Ent. Zeit. 39. Bd. 1894. pag. 35.
Taf. I. Fig. 12. Taf. II. Fig. 2.
Das Geäder, die Flügellänge und die übrige Beschreibung paßt
völlig auf diese vorliegenden Stücke, doch sind die Körperlängen
kleiner, etwa 31/, mm (kolumbische Stücke) bis 4'/), mm (Stücke
von Costa Rica) (gegen 6 mm) und die Fühler etwas kürzer 1,9 mm
(gegen 2,25 mm) auch sind die Geißelglieder in der Basalhälfte (mit
Ausnahme des ersten) nur wenig länger als breit und erst in der Spitzen-
hälfte 1!/, mal so lang wie breit. r, ist so lang wie r.
Rübsaamen lag jedoch nur ein einzigesWeibchen vor, das vermutlich
nur ein besonderes großes Exemplar war und die vorliegenden Stücke
sind wahrscheinlich etwas stärker geschrumpft.
Columbien. 4Q gesammelt von E. Pehlke.
Mittelamerika. Costa Rica. 1g&, 2% gesammelt von
H. Schmidt.
Lycoria obseurans nov. spec.
d. Kopf mäßig klein, halbkugelig, nicht viel schmäler als der
Thorax. Scheitel mäßig lang, Schläfen unten sehr schmal, nach oben
verbreitert. Augenbrücke schmal, in der Mitte (besonders hinten)
stark eingeschnürt. Ocellen mäßig klein, eine Linie durch die Centren
der hinteren Ocellen tangiert den vorderen Ocellus; Abstand letzteres
von den hinteren Ocellen etwa zwei Drittel Ocellendurchmesser, vom
Augenrand etwa !/, Ocellendurchmesser; Abstand der hinteren Ocellen
vom Augenrand fast 1 Ocellendurchmesser. Scheitel sammetschwarz,
Pubescenz kurz. Gesicht und Clypeus zusammen 1!/, mal so lang
wie breit. Fühler mäßig diek, Pubescenz dicht und ziemlich kräftig;
erstes Glied so lang wie breit, 2. etwa 1!/, mal so lang wie breit, 3.
bis 6. Glied 1!/, mal so lang wie breit, 7. bis 12. Glied so lang wie breit
(die Spitze abgebrochen). Maxillarpalpus ziemlich schlank.
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 3. Suppl. 11
162 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Thorax stark gewölbt, etwas länger als hoch. Brustkegel ziemlich
spitz und schmal. Rückenschild sammetartig mit sehr kurzer spärlicher
Pubescenz. Postscutellum mäßig stark gewölbt und ziemlich steil
abfallend. Abdomen fast so breit wie der Thorax, aber stark abgeflacht.
Basalglied der Haltezange des $ sehr kräftig, nach der Basis zu ver-
diekt, 2. Glied zwei Drittel so lang und halb so dick, zylindrisch.
Abdominalbehaarung lang, ziemlich dicht und gerade abstehend.
Coxen gleichlang, zwei Drittel der Thorakallänge, mäßig schlank,
Beine mäßig lang und schlank. Fußbörstchen ganz undeutlich. Erstes
Hintertarsenglied sechsmal so lang wie die Schienenendsporne und so
lang wie die übrigen Glieder zusammen.
Flügel mäßig breit. Die Subcosta erreicht das Ende des 1. Drittels
der Zelle R. r, ist so lang wie r (von der Basalquerader ab) und mündet
gerade über der Mediangabelung. m, etwa 11/, so lang wie der Stiel,
Gabel sehr schwach divergierend, mäßig breit. Cubitalgabel am Ende
1?/, mal so breit wie die Mediangabel. Cubitalgabelstiel ?2/, vom Basal-
abschnitt der Media. Endhälfte der Zelle R mäßig breit, gleichbreit,
von der Mitte aus zur Basis stark verschmälert. rr sehr stark gebogen,
endet stark distal von m,. Zelle R, sehr schmal, in der Mitte nicht
verbreitert. Die Costa erreicht das Ende des 3. Fünftels der Ent-
fernung zwischen rr und m,. Randpubescenz mäßig lang und mäßig
dicht. Halteren dick spindelförmig, Ende sehr spitz, Stiel kurz und
mäßig dünn, gut abgesetzt.
Einfarbig sammetartig braunschwarz. Fühler schwarzbraun,
nach der Spitze zu braun werdend. Beine dunkelbraun. Augen und
Ocellen grau. Schienenendsporne braungelb. Flügel blaßbräunlich
hyalin, Vorderrandsaum hellbraun. Adern hellbraun, Radius braun,
Halteren schwärzlich, Stiel gelbbraun. Membran stark und tief rot
bis grün bis violett irisierend.
Körperlänge 3 mm. Länge des Hinterschenkels 1,6 mm.
Flügellänge 4,4 mm. Länge der Hinterschiene 1,9 mm.
Thorakallänge 1!/, mm. Länge des Hintertarsus 1,7 mm.
Abdominallänge 2 mm.
Eeuador. Banos. 1800 m hoch. 1899. 1% gesammelt von
R. Haensch.
Type im Stettiner Zoologischen Museum. .
Lyeoria pimpliformis nov. spec.
Q. Kopf klein, fast halbkugelig, schmäler als der Thorax. Scheitel
mäßig kurz, Schläfen unten sehr schmal, nach oben zu etwas ver-
breitert. Augenbrücke sehr schmal, in der Mitte sehr fein unter-
brochen und etwas eingeschnürt. Die 3 Ocellen sehr flach, Ocellen-
grund etwas erhöht; Verbindungslinie der Centren der hinteren Ocellen
tangiert den vorderen Ocellus; letzterer berührt den Augenrand an
zwei Stellen, Abstand der beiden hinteren etwa !/, Ocellendurchmesser.
Scheitel matt. Gesicht und Clypeus zusammen 1!/, mal so lang wie
der Lyeoriiden und ihre systematische Gliederung. 163
breit. Die beiden ersten Fühlerglieder etwas kürzer als breit (Fühler-
geißel abgebrochen). Maxillarpalpus mäßig schlank.
Thorax hochgewölbt, fast so hoch wie lang. Brustkegel ziemlich
schmal und spitz. Rückenschild matt, Pubescenz fast fehlend. Seutellum
nicht ganz halbkreisförmig. Postscutellum schräg abfallend und sehr
stark gewölbt. Abdomen ziemlich dünn und schlank, Spitzendrittel
stark zugespitzt, auf der Unterseite findet sich am Ende des 2. Drittels
ein sehr kräftiger, kegelförmiger Höcker von der Breite des Abdomen,
der nach unten und vorn in eine dünne Spitze ausgezogen ist. Abdominal
pubescenz nur an der Spitze und fein. 2. Cercalglied schwachoval.
Beine mäßig schlank. Schienen und Tarsen nur sehr kurz pubesciert.
Fußbörstchen fast fehlend. 1. Hintertarsenglied etwa viermal so
lang wie die Hinterschienensporne und ungefähr so lang wie die vier
übrigen Glieder zusammen.
Flügel mäßig breit. Die Subcosta verschwindet vor der Mitte der
Zelle R völlig. r, ist so lang wie r und mündet gerade über der Median-
gabelung. m, ist 1!/, vom Stiel. Mediangabel schmal, parallel. Cubital-
gabel am Ende 21/, mal so breit wie die Mediangabel. Cubitalgabelstiel
ist 2/, des Basalabschnittes der Media. Zelle R mäßig schmal, an der
Basis wenig verschmälert. rr mäßig stark gebogen, endet gerade über
m,. Zelle R, mäßig breit, in der Mitte sehr wenig verbreitert. Costa
endet in der Mitte zwischen ır und m,. Randpubescenz dicht und
mäßiglang. Halteren mit kräftigem, spindelförmigem Kopf und dünnem
langen, abgelösten Stiel. ‚
Einfarbig schwarzbraun. Beine dunkelbraun. Augen grau. Ocellen
schwarz. Schienenendsporne blaß gelblich. Flügel mäßig blaß grau-
bräunlich, Basaldrittel hellbraun; Adern hellbraun, Radius braun.
Membran stark rot bis violett bis grün irisierend. Halteren schwarz,
Stiel schwärzlich gelbbraun.
Körperlänge 3,8 mm. Länge des Ventralzapfens etwa !/, mm.
Flügellänge 4,6 mm. Länge des Hinterschenkels 1,1 mm.
Thorakallänge 1,2 mm. Länge der Hinterschiene 1,5 mm.
Abdominallänge 2,4 mm. Länge des Hintertarsus 1,1 mm.
Columbien. 1 9 gesammelt von E. Pehlke. Type im Stettiner
Zoologischen Museum.
Durch den spitzen nach vom gerichteten Zapfen auf der Unter-
seite des Abdomens täuscht diese Spezies den Besitz eines Legestachels
vor, wie er z. B. bei den Pimpliden nach vorn gerichtet werden kann.
Lycoria nigrans nov. spec.
9. Kopf mäßig groß, vorn nach hinten plattgedrückt kugelig;
kaum schmäler als der Thorax. Scheitel mäßig kurz und ziemlich
matt. Schläfen mäßig schmal. Augenbrücke mäßig schmal, in der
Mitte stark eingeschnürt. Die 3 Ocellen auf nicht erhöhter Basis,
ziemlich klein, Abstand der hinteren vom Augenrand ®/,; Ocellen-
durehmesser. Gesicht und Clypeus fast zusammen doppelt so lang wie
I1*
164 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
breit. Fühler ziemlich dünn, fast halb so lang wie der Flügel, nur
13 gliedrig (2+ 11); erstes Glied so lang, 2. halb so lang wie breit;
3. bis 11. Glied etwa doppelt so lang wie breit, 13. Glied 11/, mal so lang
wie breit, Spitzendrittel stark zugespitzt. Maxillarpalpus schlank.
Thorax ziemlich stark gewölbt, fast so hoch wie lang. Brustkegel
schmal und ziemlich spitz. Rückenschild poliert glatt, grau bereift
und mit nur ganz vereinzeltem Härchen. Scutellum ziemlich kurz,
gleichmäßig gerundet, stark plattgedrückt. Postsceutellum schräg ab-
fallend, ziemlich lang, glatt, etwas gewölbt und unpubesciert. Abdomen
ziemlich dünn und schlank, behaart. 2. Cercalglied nicht sehr klein,
fast kreisrund. Beine mäßig schlank. Schienen und Tarsen pubeseciert.
Fußbörstchen fehlend. 1. Hintertarsenglied viermal so lang wie die
Hinterschienensporne.
Flügel mäßig breit. Die Subcosta erreicht das Ende der Zelle R.
r, ist so lang wie r und mündet gerade über der Mediangabelung.
m} ist 1!/, vom Stiel. Mediangabel mäßig breit, sehr schwach diver-
gierend, dicht am Ende stärker divergierend. Cubitalgabel am Ende
l!/;, mal so breit wie die Mediangabel. Cubitalgabelstiel sehr kurz.
Zelle R sehr schmal und fast parallel. Die Costa endet am Ende des
2. Drittels der Entfernung zwischen rr und m,. Randpubescenz mäßig
kurz. Haltere mäßig kurz, kräftig spindelförmig, Stiellang und dünn.
Kopf, Fühler und Maxillarpalpen gelbbraun; die beiden Basal-
glieder der Fühler rostgelb. Thorax schwarz mit Spuren eines grauen
Reifes. Scheiteldreieck hell rostgelb. Abdomen dunkelbraun. Beine
dunkel gelbbraun. Halteren braun, Stiel hell ockergelb, Enddrittel
braun. Flügel hellbraun, Adern braun, Radius dunkelbraun. Membran
lebhaft in allen Farben irisierend.
Körperlänge 3,1 mm. Fühlerlänge 1,7 mm.
Flügellänge 4,3 mm. Länge des Hinterschenkels 1,8 mm.
Thorakallänge 1!/, mm. Länge der Hinterschiene 13/, mm.
Abdominallänge 2 mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 1% gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Durch die 13 gliedrigen Fühler unterscheidet sich diese Spezies
von allen übrigen Lycoria-Arten.
Lyeoria foreipigera nov. spec.
3 92. Kopf mäßig groß, rundlich, so breit wie der Thorax. Scheitel
ziemlich kurz, sehr wenig glatt, Schläfen sehr schmal, erst ganz oben
etwas verbreitert. Augenbrücke ziemlich breit, beim $ ungewöhnlich
breit, in der Mitte kaum eingeschnürt. Die drei Ocellen zu einem recht-
winkligen Dreieck angeordnet, die hinteren ziemlich groß, beim & sehr
sroß, der vordere Ocellus klein. Abstand der hinteren Ocellen vom
Augenrand beim $ Y/, beim 9 ?/, Ocellendurchmesser. 1. Geißel-
glied des Q doppelt so lang wie breit, die übrigen kürzer (das 2. Geißel-
glied 1'/, mal so lang wie breit). Fühler des & sehr kräftig, die 6 ersten
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 165
Geißelglieder außerordentlich stark dorsoventral verbreitert u. ungefähr
so breit wie die Schenkel in der Mitte; 2. Fühlerglied mehr als doppelt
so breit wie lang; 1. Geißelglied 11, mal so lang wie breit,
2.—4. Geißelglied so lang wie breit, 5. etwa 11/,, 6. etwa 13/, mal
so lang wie breit, 7. bis 13. Glied etwa 2!1/,mal so lang wie breit,
14. Glied etwa viermal so lang wie breit. Maxillarpalpus klein,
dünn und schlank.
Thorax beim 3 länger als hoch, beim 9 so lang wie hoch. Rücken-
schild ziemlich glatt, beim $ mit spärlicher, sehr kurzer und mehr
anliegender Pubescenz, beim 2 mit etwas dichterer, ziemlich langer
und mehr abstehender Pubescenz. Scutellum mit längeren Haaren
besetzt. Postscutellum mäßig stark gewölbt, matt und wenig abfallend.
Abdomen ziemlich dicht und abstehend behaart, bei beiden Ge-
schlechtern dünner als der Thorax, beim $ jedoch fast so breit. Zange
des $ außerordentlich kräftig, viel breiter als das Abdomen, das erste
Glied so lang wie dick und halb so breit wie die Breite des Abdomens;
2. Glied ebenso dick und halb so breit aber etwas länger; am Ende
nicht zugespitzt, aber etwas nach einwärts gebogen, am Innenrand
auf dem ersten und dritten Drittel sehr dicht mit langen basalwärts
gerichteten Haaren besetzt, in der Mitte ein sehr langes ganz dichtes
Büschel kräftiger Haare, die hakenförmig basalwärts gekrümmt sind.
Beine ziemlich schlank, Pubescenz verschwindend kurz, nur an den
Schenkeln etwas länger. Fußbörstchen sehr kurz. 1. Hintertarsen-
glied fünfmal so lang wie die Hinterschienensporne.
Flügel mäßig breit. Die Subcosta erreicht das Ende des zweiten
Drittels der Zelle R. r, ist so lang wie r und mündet ein wenig distal
der Mediangabelung, beim Q gerade über ihr. m, ist so lang wie der
Stiel. Mediangabel mäßig breit, Endhälfte parallel. Cubitalgabel
am Ende 2!/, mal, beim 2 zweimal so breit wie die Mediangabel. Cubital-
gabelstiel halb so lang wie der Basalabschnitt der Media. Zelle R
sehr schmal und fast parallel, beim @ etwas breiter. Die Costa endet
am Ende des vierten Fünftels zwischen ır und m,. Randpubescenz
kurz und dicht. Haltere schlank spindelförmig, Stiel so lang wie der
Knopf.
Kopf, Thorax und Abdomen braunschwarz, gelbbraun sind:
die beiden Basalglieder der Fühler, Säume an den lateralen Seiten
des Rückenschildes und des Postscutellum, sowie das 1. Zangenglied.
Maxillarpalpus dunkel gelbbraun. Beine bräunlichgelb, beim Q etwas
dunkler, alle Tarsen braunschwarz. Flügel hellbraun, Adern braun,
Costa und Radius dunkelbraun. Halteren dunkelbraun, Stiel bräunlich-
gelb. Membran lebhaft grün bis rot irisierend, beim ® in allen Farben
irisierend.
Körperlänge $ 3,9 mm, 9 3 mm.
Flügellänge $ 4,4mm, 2 4 mm.
'" 'Thorakallänge $ 1,4 mm, @ 1 mm.
; Abdominallänge $ 2,8 mm, 9 2,1 mm.
| ” Länge des Hinterschenkels $ 1,7 mm, 9 1,7 mm.
Länge der Hinterschiene $ 2,1 mm, 2 1,7 mm.
®
r
ı
166 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Länge des Hintertarsus $ 2,1 mm, $ 1,4 mm.
Länge der Zange des 5 1,2 mm.
Mittelamerika. Costa Rica. 1& und 1Q gesammelt von
H. Schmidt. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Das männliche und das weibliche Exemplar haben viel Ähnlichkeit;
sollten sich die Differenzen doch als spezifische erweisen, so ist der
Name für das & zu erhalten.
Lycoria guayanensis nov. spec.
2. Kopf klein, kurz, schmäler als der Thorax. Scheitel mäßig
kurz. Augenbrücke mäßig schmal, in der Mitte etwas eingeschnürt.
Ocellen sehr klein, zu flachem Dreieck geordnet; Abstand der hinteren
Ocellen vom Augenrand 1!/, Ocellendurchmesser. Fühler dünn, etwa
halb so lang wie der Flügel, 2-+ 14 gliedrig, die Geißelglieder etwa
zweimal so lang wie breit, die drei letzten dünner und dreimal so lang
wie breit.
Thorax mäßig stark gewölbt, aber kräftig, etwa so lang wie hoch.
Rückenschild matt, Pubescenz wenig dicht und ziemlich lang. Scutellum
mäßig groß, flachgedrückt, lang behaart. Postscutellum horizontal,
mäßig stark gewölbt. Abdomen an der Basis so dick wie der Thorax
allmählich nach der Spitze zu verjüngt, Pubescenz nur unten und an der
Spitze. 2. Cercalglied eiförmig. Beine mäßig schlank, Schienen und
Tarsen mit nur sehr kurzer Pubescenz. Fußbörstchen spärlich und
kurz. 1. Hintertarsenglied etwa fünfmal so lang wie die Schienen-
endsporne und ungefähr lo lang wie die übrigen Glieder zusammen.
Flügel mäßig schlank, die Subcosta verschwindet vor der Mitte
der Zelle’R. r, ist vier Fünftel von r (von der Basalquerader ab) und
mündet ein wenig proximal der Mediangabelung. m, ist 1!/, vom Stiel.
Mediangabel mäßig breit, nahezu parallel. Cubitalgabel am Ende
1?2/, mal so breit wie die Mediangabel. Cubitalgabelstiel ist 1/, des
Basalabschnittes der Media. Zelle R schmal und nahezu gleichbreit.
Zelle R, in der distalen Hälfte fast doppelt so breit wie in der proximalen ;
rr in der Endhälfte wenig gebogen. Costa endet am Ende des 4. Fünftels
zwischen rr und m,. Randpubescenz ziemlich dicht und lang. Halteren
mäßig lang, spindelförmig, Stiel ebenso lang, dünn und abgesetzt.
Kopf und Palpen schwarzbraun, Fühler braun. Thorax schwarz-
braun, Abdomen dunkelbraun, Coxen und Trochanter braun, die
übrigen Beine gelbbraun, Vorderschenkel braungelb. Tibienendsporne
braungelb. Halteren dunkelbraun, Stiel gelbbraun. Flügel hell grau-
braun, Adern hellbraun, Media etwas blasser, Radius braun, Membran
intensiv in allen Farben irisierend.
Körperlänge 2,8—3,6 mm.
Flügellänge 3,4—4,4 mm.
Thorakallänge 0,9—1 mm.
Abdominallänge 2—2,9 mm.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 167
Fühlerlänge etwa 1,3 mm.
Länge des Hinterschenkels 1,7 mm } beim größeren Exemplar.
Länge der Hinterschiene 2 mm
Guayana, Demerara. März bis April 1904. 2 9, gesammelt
von R. Haensch. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria prosthioxantha nov. spec.
Q. Kopf mäßig klein, so breit wie der Thorax. Scheitel sehr
kurz, höchstens dreimal so lang als die sehr schmale Augenbrücke
breit. Ocellen sehr groß, der vordere etwas kleiner, und wird von der
Tangente an den Vorderrand der hinteren Ocellen in der Mitte ge-
schnitten; Abstand der hinteren Ocellen vom Augenrand kaum 1/,
Ocellendurchmesser (Fühler abgebrochen).
Thorax mäßig hoch gewölbt, nicht ganz so hoch wie lang. Rücken-
schild matt, ohne Glanz, Behaarung kurz, spärlich aber ziemlich kräftig.
Scutellum mit einer Anzahl Borsten. Postscutellum horizontal und
sehr wenig gewölbt. Abdomen gleichmäßig dick, lang, nur an der
Spitze zugespitzt; etwas weniger dick als der Thorax. Pubescenz
kurz und fein. Beine mäßig schlank, Pubescenz an Schienen und
Tarsen sehr kurz, Schienenborsten (außen) kurz, Fußbörstchen (innen)
sehr kurz. 1. Hintertarsenglied etwa fünfmal so lang wie die Schienen-
endsporne und ein wenig kürzer als die übrigen Glieder zusammen.
Flügel mäßig breit. Die Subcosta verschwindet am Ende des
4. Fünftels der Zelle R. r ist 1!/, von r, (von der Basalquerader ab).
r, mündet ziemlich proximal stark der Mediangabelung. m, ist so
lang wie der Stiel. Mediangabel ziemlich schmal, parallel. Cubital-
gabel am Ende 1!/, mal so breit wie die Mediangabel. Cubitalgabelstiel
ist 1/, des Basalabschnittes der Media. Zelle R ziemlich schmal und
nahezu gleichbreit. Zelle R, breit, im proximalen Teil etwa halb so
breit. rr in der Mitte leicht nach hinten, ganz am Ende wieder etwas
nach vorn gebogen. Die Costa endet am Ende des 3. Viertels zwischen
rr und m,. Randpubescenz dicht. Halterenstiel dünn und lang, Knopf
abgebrochen.
Kopf schwarz, Scheitel mit bräunlich grauem Reif. Thorax
schwarzbraun, mit bräunlichgrauem Reif. Die beiden Basalglieder der
Fühler gelbbraun. Brustkegel schwarz, Abdomen schwarzbraun.
Beine braun, Vorderschenkel hell bräunlichgelb, Vorderschiene braun-
gelb. Flügel blaßbraun. Adern hellbraun, Radius und Costa braun.
Membran lebhaft in allen Farben irisierend, am Rande ein schmaler
goldener, nach innen roter Saum.
Körperlänge etwa 3,7 mm. Länge des Hinterschenkels 1,6 mm.
Flügellänge 3°/, mm. Länge der Hinterschiene 2,1 mm.
Thorakallänge 1,1 mm. Länge des Hintertarsus 2 mm.
Abdominallänge etwa 2,6 mm.
Columbien. RioMagdalena. 1 ? gesammelt von E. Pehlke.
Type im Stettiner Zoologischen Museum.
168 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Lycoria nigricans nov. spec.
&. Kopf groß, fast kugelig, etwas breiter als der Thorax, matt.
Augen groß, Augenbrücke sehr schmal. Scheitel kurz, ungewölbt,
Schläfen sehr schmal, oben sehr wenig verbreitert. Ocellen klein,
zu einem rechtwinkligen Dreieck angeordnet; der Augenabstand der
hinteren Ocellen ist fast zwei Ocellendurchmesser. Fühler verhältnis-
mäßig dick; die 12 ersten Fühlerglieder (die übrigen 4 sind abgebrochen)
sind ungefähr halb so lang wie der Flügel; die Geißelglieder sind un-
gefähr 1!/, mal so lang wie dick.
Thorax mäßig kräftig, etwas länger als hoch; ohne Glanz, stark
matt. Pubescenz fast verschwindend. Scutellum mäßig klein, hinten
gleichmäßig gerundet, oben gewölbt; ohne Pubescenz und ohne Haare.
Postscutellum ziemlich kurz, etwas gerundet, wenig abfallend. Abdomen
dünn, gleichmäßig dick, Zange nicht breiter als das Abdomen, schlank,
besonders das 2. Glied. Beine schlank und dünn; Pubescenz sehr
kurz. Fußbörstchen vereinzelt und kurz. 1. Hintertarsenglied fast
um ein Viertel kürzer als die vier übrigen Glieder zusammen.
Flügel mäßig breit. Subeosta stummelförmig. Zelle R schmal
und schlank, Basaldrittel stark verschmälert. r, ist kaum die Hälfte
von r und mündet sehr stark proximal der Mediangabelung. Der
Mediangabelstiel entspringt ungefähr in der Mitte der Zelle R, ist im
basalen Teil sehr undeutlich und ist ein wenig länger als m,. Die
Mediangabel ist parallel, nur dieht am Ende schwach divergierend
und ist kaum breiter als der davor gelegene Teil der Zelle RR, die am
Ende etwas divergiert. rr ist am Ende des 2. Drittels mäßig stark
und ziemlich unvermittelt umgebogen; der Basalabschnitt ist kurz
und nicht schwarz. Zelle R, ist schmal, fast gleichbreit und im Basal-
viertel sehr wenig verschmälert. rr ist 41/, mal so lang wie r,. Die
Costa endet ungefähr am Ende des 2. Drittels zwischen rr und m,.
Costalzelle sehr schmal. Randpubescenz lang und wenig dicht,, auf
der Costa dichter. Microtrichen relativ lang und dicht. Halteren
kräftig spindelförmig, Stiel dünn.
Kopf, Thorax und Abdomen schwarzbraun, Fühler dunkelbraun
mit brauner Pubescenz. Maxillarpalpen braun. Beine braun, Schienen
etwas heller braun. Flügel blaß graubraun; Adern blaßbraun, Costa
und Radius hellbraun. Membran rötlich bis gelbrötlich irisierend.
Halteren mit Stiel dunkelbraun.
Körperlänge 1,5 mm. Länge der Hinterschiene ®/, mm.
Flügellänge 1,7 mm. Länge des Hintertarsus 0,7 mm.
Länge des Hinterschenkels 0,5 mm.
Südbrasiien. Santa Catharina. 1% gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria fumigans nov. spec.
& 9. Kopf so breit wie der Thorax. Augenbrücke mäßig schmal.
Scheitel mäßig lang, gewölbt. Schläfen schmal. Ocellen sehr klein,
zu stumpfem, fast rechtwinkligem Dreieck angeordnet; Augenabstand
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 169
des vorderen Ocellus fast 1 Ocellusdurchmesser, der hinteren Ocellen
etwas mehr als 1 Ocellendurchmesser. Scheitel ziemlich matt. Die
beiden ersten Fühlerglieder etwas kürzer als breit; Geißel breit, jedes
Glied 1!/, und so lang wie breit, hinter dem 7. Geißelgliede abgebrochen.
Thorax hochgewölbt, vorn etwas über den Kopf gewölbt, so hoch
wie Jang. Rückenschild schwach glänzend, beim $ matt, Pubescenz
sehr spärlich. Scutellum gleichmäßig breit gewölbt. Postscutellum
lang, gleichmäßig gewölbt, kaum abfallend. Abdomen mäßig dünn,
nach der Spitze zu beim $ allmählich verbreitert. Haltezange sehr
groß und kräftig; erstes Glied so lang wie die beiden Segmente vorher,
etwas konisch zugespitzt, 2. Glied etwas kürzer, dünner und nur
schwach zugespitzt. Abdominalpubescenz gleichmäßig, ziemlich lang
und mäßig dicht. Abdomen beim ® allmählich zugespitzt, 2. Cercal-
glied relativ groß eiförmig. Beine schlank, Pubescenz sehr kurz, Fuß-
börstchen spärlich. 1. Hintertarsenglied etwa viermal so lang wie die
Hinterschienensporne und ungefähr so lang wie die vier übrigen Glieder
zusammen.
Flügel mäßig breit. Die Subeosta ist undeutlich und verschwindet
ungefähr in der Mitte der Zelle R. r, ist etwas kürzer als r und mündet
etwas proximal der Mediangabelung. m, ist 1!/, vom Stiel. Median-
gabel mäßig breit, parallel. Cubitalgabel am Ende 1?/, mal so breit
wie die Mediangabel. Cubitalgabelstiel ist 3/, des Basalabschnittes
der Media. Zelle R mäßig schmal, an der Basis wenig verschmälert. rr im
Spitzendrittel sehr schwach gebogen, endet gerade über m,. Zelle R,
im 3. und 4. Fünftel ziemlich verbreitert. rr ist etwa 21/, von r,. Die
Costa endet am Ende des 5. Sechstels zwischen rr und m,. Rand-
pubescenz ziemlich lang und dicht. Mierotrichen ziemlich kräftig.
Halteren mit langem spindelförmigen Knopf und dünnem langen,
wenig abgesetzten Stiel.
Kopf braun. Fühler braun, die beiden Basalglieder hell ockergelb.
Thorax gelblichbraun, oben beim $ etwas glänzend schwarzbraun.
Abdomen braun. Beine blaß bräunlichgelb. Flügel hellbraun, Adern
braun, Radius dunkler. Membran stark blaß bis hellgrün, vorn auch
> irisierend. Halteren gelbbraun, Knopf außer der Spitze mehr
raun.
Körperlänge $ 2,2 mm, 9 2 mm.
Flügellänge $ 2,5 mm, @ 2 mm.
Thorakallänge $ 0,9 mm, @ 0,7 mm.
Abdominallänge $ 1,3 mm, 9 1,3 mm.
Länge des Hinterschenkels 1 mm
Länge des Hinterschiene 1,4 mm } beim d.
Länge des Hintertarsus 1,1 mm
Südbrasilien. Santa Catharina. 14, 1Q gesammelt von
Lüderwaldt. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria regens nov. spec.
&. Diese Spezies ist der Z. minuens ähnlich und unterscheidet
sich von ihr durch folgendes:
170 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Geißelglieder 11/, mal so lang wie breit (Spitze abgebrochen).
Schläfen oben viel schmäler. rr ist völlig gerade. Der Mediangabelstiel
entspringt etwas proximal von der Mitte der etwas schmäleren Zelle R.
Fühler ganz schwärzlich mit grauer Pubescenz, Beine hell ockergelb,
Coxen braun. Flügel hell bräunlich hyalin, Adern hellbraun, Radius
braun. Halteren graugelb mit gelbem Stiel. Thorax matt schwarz-
braun (ohne Glanz). Membran golden gelb bis rötlich irisierend.
Körperlänge 11/,—1?/, mm.
Flügellänge 1,3—1,9 mm.
Länge des Hinterschenkels 0,7 mm.
Länge der Hinterschiene 3/, mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 2 $ gesammelt von
Lüderwaldt. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria fulgescens nov. spec.
d. Kopf so breit wie der Thorax, matt, fast kugelig. Augenbrücke
schmal. Ocellen klein, gelblich, die hinteren etwa 1 Ocellendurchmesser
vom Augenrand entfernt. Scheitel ziemlich kurz, gewölbt. Schläfen
schmal, nach unten verschwindend. Geißelglieder 11/, mal so lang
wie breit, die beiden letzten Glieder schlanker und länger, jedes Geißel-
glied mit kurzem scharf abgesetztem Stiel. Fühlerlänge vier Fünftel
der Flügellänge.
Thorax länger wie hoch. Pubescenz spärlich und kurz. Rücken-
schild poliert glatt. Scutellum breit und kurz. Postscutellum lang,
schräg abfallend und schwach gewölbt. Abdomen schlank und dünn,
Zange nicht dicker; 1. Zangenglied kräftig, länger als das vorher-
gehende Segment, etwas zugespitzt, 2. Glied kaum kürzer, schlank
elliptisch, am Ende zugespitzt. Beine ziemlich schlank, Pubescenz
sehr kurz, Fußbörstehen verschwindend. 1. Hintertarsenglied etwa
sechsmal so lang wie die Hintertibiensporne u. so lang wie die vier
übrigen zusammen.
Flügel mäßig breit. Von der Subeosta ist nur ein sehr kurzer,
wenig deutlicher Stummel vorhanden. r, ist etwas länger als halb
so lang wie r und mündet stark proximal von der Mediangabelung.
Der Mediangabelstiel entspringt etwas proximal der Mitte der mäßig
schmalen an der Basis etwas verjüngten Zelle R und ist 1!/, mal so lang
wie der an der Basis ziemlich stark gebogene Ast m,. Mediangabel
breit und parallel. ZelleRR vor dem Ende (an der Biegung von m,) stark
verschmälert und am Ende sehr stark verbreitert (die Mediangabel-
zelle liest etwas ungewöhnlich, nämlich stark nach hinten gerichtet).
Der Cubitalgabelstiel ist halb so lang wie der Basalabschnitt der Media.
ır fast ganz gerade, nur vor dem Ende unmerklich gebogen. rr ist
dreimal so lang wie r,. Die Costa endet am Ende des zweiten Drittels
zwischen rr und m,. Microtrichen mäßig fein. Halteren mit sehr
feinem kurzen und schmalen Knopf, der von dem langen dünnen Stiel
kaum abgesetzt ist.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 171
Kopf sammetschwarz. Augen grau. Fühler braun, die beiden
Basalglieder ockergelblich. Thorax schwarz. Rückenschild poliert
glänzend schwarz. Abdomen gelbbraun. Beine mit den Coxen hell
blaßgelb, schwärzlich sind 2. bis 5. Tarsenglied aller Beine und die
Hinterschenkel mit Ausnahme des Basaldrittels. Flügel hellbraun.
Adern hellbraun, Radius braun. Membran intensiv grün bis gelbgrün
am Rande bis blaugrün irisierend. Halteren gelblich, Knopf blaß ge-
bräunt.
Körperlänge 1,7 mm.
Flügellänge 1,9 mm.
Länge des Hinterschenkels 0,7 mm.
Länge der Hinterschiene 0,9 mm.
Länge des Hintertarsus 0,7 mm.
Südbrasilien. Santa Catharina 1% gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria evanescens nov. spec.
3. Kopf eine Spur breiter als der Thorax, matt. Scheitel ziemlich
kurz, etwas gewölbt. Fühler etwa */, der Flügellänge; Geißelglieder
doppelt so lang wie breit, im Spitzenviertel etwas kürzer, Endglied
etwas schlanker.
Thorax etwas länger .als hoch, ziemlich schmal; Rückenschild
poliert glatt, mit einzelnen langen senkrecht abstehenden Haaren.
Abdomen ziemlich dünn, Zange nicht dicker; Pubescenz ziemlich lang
und dicht. Beine ziemlich schlank, Pubescenz sehr kurz. Fußbörstchen
sehr kurz. 1. Hintertarsenglied dreimal so lang wie die Hintertibien-
sporne und so lang wie die übrigen vier Glieder zusammen.
Flügel zart und mäßig breit. Die Subcosta ist fast völlig ver-
schwunden. r, ist 1/, von r und mündet sehr stark proximal von der
Mediangabelung. Zelle R mäßig schmal, Basaldrittel verjüngt. Median-
gabelstiel kaum erkennbar und fast völlig reduziert, die Ursprungs-
stelle am Ende des ersten Drittels der Zelle R; die Basalhälfte von m,
ebenfalls ganz undeutlich und fast völlig fehlend. m, ist ungefähr so
lang wie der Stiel. Mediangabel schwach divergierend. Cubitalgabel
am Ende etwa ?/, so breit wie die Mediangabel. Der Cubitalgabelstiel
ist etwa 3/, des Basalabschnittes der Media. rr fast grade, nur in der
Mitte ganz flach gebogen. rr ist etwa 4!/, von r,. Die Costa endet am
Ende des 2. Drittels zwischen rr und m,. Randpubescenz lang. Micro-
trichen sehr fein. Halteren lang und kräftig spindelförmig, am Ende
etwas abgerundet, Stiel ziemlich kurz, dünn und allmählich in den
Knopf übergehend.
Kopf braun. Fühler gelblichbraun mit graugelber Pubescenz
und 2 braungelben Basalgliedern. Thorax braungelb. Abdomen gelb-
braun, Pubescenz grau. Beine mit Coxen hellgelb; Trochanter der
Hinterbeine unten mit braunen Längsstreifen. Flügel blaß grau-
bräunlich. Adern sehr blaß, Radius braun. Membran intensiv blau,
am Rande bis rot irisierend. Halteren braungelb, Stiel gelblich.
172 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Körperlänge 1,1 mm.
Flügellänge 1,4 mm.
Länge des Hinterschenkels 0,6 mm.
Länge der Hinterschiene 0,7 mm.
Länge des Hintertarsus 0,6 mm.
Südbrasiien. Santa Catharina. 1% gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
L. evanescens ist durch die starke Reduktion der Media von
den übrigen Arten ausgezeichnet.
Lycoria hyalescens nov. spec.
3. Kopf nicht ganz so breit wie der Thorax, fast halbkugelig.
Augen groß, Augenbrücke mäßig schmal. Ocellen mäßig groß, Scheitel
sehr kurz. Schläfen völlig verdrängt. Fühler etwa °/, der Flügellänge;
Enddrittel der Geißel stark verdünnt, 1. Geißelglied doppelt so lang
wie breit, 2. und 3. etwa 11/, mal so lang wie breit, 4. und 5. doppelt so
lang, 6. bis 10. etwa dreimal so lang wie breit, die übrigen etwa viermal
so lang wie breit, das 14. noch länger und schlanker.
Thorax kräftig hochgewölbt. Rückenschild ziemlich stark glänzend,
Pubescenz spärlich. Scutellum fast halbkreisförmig, sehr flach, Be-
haarung kräftig. Postscutellum mäßig lang, schwach gewölbt, un-
pubesciert und schwach geneigt. Abdomen sehr lang und dünn, ziemlich
dicht und lang behaart. Haltezange nicht breiter als das übrige Abdomen,
erstes Glied der Zange so lang wie das vorhergehende Segment, nahezu
gleichdick, nur etwas abgerundet, 2. Glied ebenso lang, halb so dick
und am Ende einwärts gebogen. Beine schlank, Pubescenz an den
Schienen und Tarsen kurz. Fußbörstehen mäßig dicht und kurz.
1. Hintertarsenglied etwa fünfmal so lang wie die Hintertibiensporne
und ein wenig kürzer als die vier übrigen Glieder zusammen.
Flügel mäßig breit. Die Subeosta ist lang, aber nur ein kurzer
Stummel ist deutlich; auch die Basalquerader ganz undeutlich.
r, ist etwa 2/, von r und mündet stark proximal der Mediangabelung.
Der Mediangabelstiel ist 11/, von m,. Die Mediangabel sehr schwach
divergierend, nicht breiter als das Ende der Zelle RR. Der Cubital-
gabelstiel ist zwei Drittel des Basalabschnittes der Media. Zelle R
ziemlich schmal, und schlank, an der Basis nicht verschmälert. rr am
Beginn des Spitzendrittels schwach gebogen. Zelle R, mäßig breit,
im Basaldrittel schmal. rr ist 31/, von ı,. Die Costa endet am Ende
des 2. Drittels zwischen rr und m,. Randpubescenz ziemlich dicht und
lang. Microtrichen sehr winzig, Membran daher ziemlich glatt er-
scheinend. Halteren mit kräftigem spindelförmigem Knopf, am Ende
weniger spitz, Stiel lang und dünn, wenig abgesetzt.
Kopf schwarz, Thorax graubraun, Fühler graubraun, mit ocker-
gelblicher Behaarung, Rückenschild glänzend schwarz, Scutellum
schwarzbraun. Abdomen braun. Beine gelblichbraun, Vorderschenkel
und die Innenseite der Basalhälfte des Unterschenkels bräunlich ocker-
gelb, Tibienendsporne hell ockergelblich; Tarsen schwärzlich. Flügel
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 173
schwach grau hyalin, Adern blaß braun, Radius braun; Flügelwurzel
ockergelb». Membran sehr stark in allen Farben irisierend. Halteren
schwarz, Stiel gelb.
Körperlänge 2,3 mm. Länge des Hinterschenkels 1,4 mm.
Flügellänge 3 mm. Länge der Hinterschiene 2 mm.
Thorakallänge 1 mm. Länge des Hintertarsus 2 mm.
Abdominallänge 1,9 mm.
Mittelamerika. CostaRica. 1 S gesammelt von H. Schmidt.
Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria columbiana nov. spec.
82. Diese Spezies steht der Lycoria hyalescens nov. spec. aus
Costa Rica nahe und unterscheidet sich nur durch Folgendes von ihr:
Mediangabelzelle verhältnismäßig stark divergierend, Halteren
braungelb mit gelblichem Stiel. Rückenschild gelbbraun. rr ist weniger
stark gebogen und besonders hauptsächlich im Verlauf des 3. Viertels.
Körperlänge $ 2!1/, mm. 2 3 mm.
Flügellänge $ 2,8 mm. @ 4—4,3 mm.
Columbien. 15 gesammelt von E. Pehlke.
Columbien. RioMagdalena. 3 Q gesammelt von E. Pehlke.
Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria minuens nov. spec.
8 2. Kopf so breit wie der Thorax, fast halbkugelig. Augen-
brücke schmal. Ocellen gelblich, ziemlich groß, zu stumpfwinkligem,
fast rechtwinkligem Dreiecke angeordnet. Scheitel ziemlich lang,
gewölbt. Schläfen oben sehr breit, nach unten keilförmig verschmälert.
Geißelglieder wenig länger als breit (Spitze abgebrochen).
Thorax kräftig und hochgewölbt, beim 9 weniger kräftig. Rücken-
schild matt. Scutellum lang, ziemlich steil, fast elliptisch abgerundet;
mit einzelnen gelben Borsten. Postscutellum mäßig lang, etwas gewölbt.
Abdomen beim 3 ziemlich schlank und dünn, Zange dicker; 1. Zangen-
glied sehr kräftig, etwas länger als das vorhergehende Segment, etwas
konisch, 2. Glied schlank elliptisch und fast ebensolang. Abdomen
des 2 allmählich zugespitzt, Ende stark zugespitzt, 2. Cercalglied
schlank elliptisch. Beine ziemlich schlank, Pubescenz sehr kurz,
Fußbörstchen mäßig dicht. 1. Hintertarsenglied etwa viermal so lang
wie die Hintertibiensporne und etwas kürzer als die vier übrigen
Glieder zusammen.
Flügel mäßig breit. Von der Subcosta ist nur ein ziemlich kurzer
Stummel vorhanden. Basalquerader ziemlich deutlich. r, ist kaum
mehr als !/, von r und mündet stark proximal der Mediangabelung.
Der Mediangabelstiel entspringt in der Mitte der ziemlich breiten
an der Basis etwas verjüngten Zelle R und ist so lang wie m,. Die
Mediangabel war am Ende schwach divergierend, etwas schmäler als
Zelle RR. Der Cubitalgabelstiel ist wenig mehr als die Hälfte des Basal-
174 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
abschnittes der Media. rr am Beginn des Spitzendrittels sehr schwach
gebogen. Der Basalabschnitt von rr relativ lang. rr ist 3!/, von r,.
Die Costa endet am Ende des 3.Viertels zwischen rr und m,. Rand-
pubesecenz lang. Mierotrichen mäßig fein. Halteren mit ziemlich
kräftigem spindelförmigem Knopf, Stiel lang und dünn.
Kopf, Thorax und Abdomen schwarzbraun (mit schwach rost-
rötlichem Ton), Zange wenig heller; beim ? rostbraun. Fühler schwärz-
lich mit gelblicher Pubescenz, die beiden Basalglieder ockergelb. Beine
mit Coxen hell ockergelb, 2. bis 5. Glied der Vordertarsen leicht ge-
bräunt. Flügel blaßgrau weißlich hyalin, Adern sehr blaß bräunlich.
Membran sehr stark gelb bis grün, am Rande rot bis blau irisierend.
Halteren gelbbraun mit hell ockergelbem Stiel.
Körperlänge 1,5 mm.
Flügellänge 1,6 mm.
Länge des Hinterschenkels 0,6 mm.
Länge der Hinterschiene 0,8 mm.
Länge des Hintertarsus 0,3 mm.
Südbrasilien.. Santa Catharina. 448, 12 gesammelt
von Lüderwaldt. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria simulans nov. spec.
d. Diese Art steht der L. fulvescens nahe und unterscheidet sich
von ihr durch Folgendes: Die Ocellen sind dem Augenrande näher
gerückt. Augenbrücke mäßig schmal. Thorax hochgewölbt. Abdomen
schlank und ziemlich dünn, Pubescenz dicht und lang; Zange etwas
breiter; erstes Zangenglied fast so lang wie die beiden vorhergehenden
Segmente zusammen, ziemlich dick und wenig zugespitzt; 2. Glied
nierenförmig nach innen gebogen, fast ebenso dick, Pubescenz des
Innenrandes sehr dicht und etwas basalwärts gerichtet. Die Median-
gabel ist nicht ganz so schlank. Der Mediangabelstiel entspringt
etwas distal der Mitte der Zelle R. Die Costa endet vor dem Ende
des 3. Viertels zwischen rr und m,. Zelle R, sehr schmal. Halteren sehr
schlank spindelförmig, wenig dieker als der dünne und lange Stiel.
1. Hintertarsenglied ist 11/, so lang wie die vier übrigen zusammen;
das 3. ist 3/, des 2., das 5. ist 3/, des 4. Gliedes.
Kopf, Thorax und Abdomen dunkelbraun. Die beiden Basal-
glieder der Fühler hell bräunlich gelb. 1. Zangenglied rostgelb. Beine
blaß bräunlich gelb, 2. bis 5. Tarsenglied blaß bräunlich, Mittel- und
Hinterschenkel mit Ausnahme der Basis braun. Membran lebhaft in
allen Farben irisierend, am Rande besonders blau.
Körperlänge 2,5 mm.
Flügellänge 3 mm.
Länge des Hinterschenkels 1,2 mm.
Länge der Hinterschiene 1,6 mm.
Länge des Hintertarsus 1,1 mm.
Südbrasiien. Santa Catharina. 1& gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 175
Lycoria propinquans nov. spec.
d. Diese Spezies steht der L. simulans sehr nahe und unter-
scheidet sich durch Folgendes:
Kopf und Thorax rostgelb. 1. und 2. Geißelglied doppelt, 3. und
4. etwa 21/, mal so lang wie dick. Fühler bräunlich, die beiden Basal-
glieder hell bräunlichgelb. Abdomen dunkelbraun, Zange hell rost-
gelb. Alle Schenkel blaß bräunlich gelb. Ursprung des Mediangabel-
stieles etwas proximal der Mitte der schmalen Zelle R. Zelle R, sehr
schmal wie bei L. simulans. rr ist nicht ganz dreimal so lang wie r..
Die Costa endet vor dem Ende des 2. Drittels zwischen ır und m..
1. Hintertarsenglied so lang wie die vier übrigen zusammen, daß 2. ist
so lang wie das 3., das 4. so lang wie das 5. und ®/, des 2. Gliedes,
Körperlänge 2,2 mm.
Flügellänge 3 mm.
Länge des Hinterschenkels 1,4 mm.
Länge der Hinterschiene 1,6 mm.
Länge des Hintertarsus 1,5 mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 1& gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria fulvescens nov. spec.
Q. Kopf so breit wie der Thorax. Augenbrücke ziemlich breit,
in der Mitte beide Hälften breit zusammenstoßend. Ocellendreieck
stumpfwinklig fast rechtwinklig; der vordere Ocellus dem Augenrande
sehr nahe gerückt, die hinteren Ocellen um Ocellendurchmesser ab-
gerückt. Scheitel mäßig lang, gewölbt; Scheitel oben ziemlich breit,
nach unten stark keilförmig verschmälert.
Thorax mäßig kräftig, ziemlich schlank. Rückenschild etwas
glänzend, fast ohne Pubescenz. Scutellum kurz und breit, wenig ab-
stehend. Postscutellum mäßig kurz, schräg abfallend und ziemlich
stark gewölbt. Abdomen in der Endhälfte stark zugespitzt, Pubescenz
kurz und spärlich; Endglied des Cercus fast kreisförmig. Beine sehr
schlank, Pubescenz sehr kurz, Fußbörstehen wenig dicht und kurz.
1. Hintertarsenglied etwa fünfmal so lang wie die Hintertibiensporne
und etwa so lang wie die vier übrigen Glieder zusammen.
Flügel mäßig breit. Die Subcosta verschwindet vor dem Ende
der Zelle R. r, ist ein wenig kürzer als r und mündet etwas proximal
der Mediangabelung. Zelle R, ziemlich breit. Der Mediangabelstiel
entspringt etwas proximal der Mitte der ziemlich schmalen, im Basal-
drittel etwas verjüngten Zelle R u. ist so lang wie m,. Die Median-
gabel ist ziemlich parallel, schlank und vor dem Ende ganz kurz
divergierend. Zelle RR am Ende ziemlich stark divergierend. Der
Cubitalgabelstiel ist */, des Basalabschnittes der Media. rr am Beginne
des Spitzendrittels sehr schwach gebogen. Der Basalabschnitt von ır
kurz. rrist 21/, vonr,. Die Costa endet am Ende des 3. Viertels zwischen
ır und m,. Randpubescenz lang und dicht. Microtrichen ziemlich fein.
Halteren kräftig und breit spindelförmig. Stiel lang und dünn.
176 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Kopf schwarz. Fühler abgebrochen, die beiden Basalglieder
hell bräunlich gelb. Thorax rostgelb, Abdomen hell rostgelb, Spitze
dunkler. Beine blaß bräunlichgelb, 2. bis 4. Tarsenglied bräunlich.
Flügel sehr blaß bräunlich, Adern sehr blaß, Radius hellbraun. Membran
gelb bis rot, Rand breit blaß, nach innen zu gelbgrün irisierend. Halteren
blaß graubräunlich, Stiel gelblich.
Körperlänge 1,9—2,4 mm.
Flügellänge 2,3—2,5 mm.
Länge des Hinterschenkels 1 mm.
Länge der Hinterschiene 1 mm beim größeren Exemplar
Länge des Hintertarsus 0,9 mm.
Südbrasiien. Santa Catharina. 2% gesammelt von
Lüderwaldt. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria flavescens nov. spec.
2. Kopf klein, schmäler als der Thorax. Augenbrücke schmal.
Scheitel kurz. Fühler dünn, Geißelglieder 21/, mal so lang wie breit
(hinter dem 4. Geißelglied abgebrochen).
Thorax relativ kräftig, so hoch wie lang. Brustkegel nicht hoch.
Scutellum ungefähr halbkreisförmig, hinten behaart und mit zwei
längeren Borsten, oben eben und mit einigen sehr feinen Querleistchen.
Postseutellum kurz, wenig geneigt und wenig gewölbt. Abdomen ziem-
lich schlank, das erste Enddrittel zugespitzt; Endglied der Cerei kurz-
oval. Beine sehr schlank, Pubescenz sehr kurz; Fußbörstchen sehr
vereinzelt. 1. Hintertarsenglied etwa fünfmal so lang wie die Hinter-
tibiensporne und etwas länger als die 4 übrigen Glieder zusammen.
Flügel mäßig schlank, Subcosta sehr fein, endet vor der Mitte
der Zelle R. r, ist 3/, von r und mündet stark proximal der Median-
gabelung. Der Mediangabelstiel entspringt am Ende des ersten Drittels
der mäßig schmalen Zelle R, die im Basaldrittel schwach verjüngt
ist, ist mit Ausnahme der beiden Enden etwas verblaßt und so lang
wie m,. Mediangabel nur dicht am Ende etwas divergierend. Die End-
hälfte der Zelle RR parallel und sehr wenig schmäler als die Median-
gabel. Der Cubitalgabelstiel ist ®/, des Basalabschnittes der Media.
rr im Verlaufe des 3. Viertels schwach gebogen. Zelle R, mäßig breit
und nahezu gleichbreit. Der Basalabschnitt von rr mäßig kurz und
etwas schräg. rr ist viermal so lang wier,. Die Costa endet kaum außer-
halb der Mitte zwischen rr und m,. Randpubescenz lang und dicht.
Mierotrichen fein. Halteren eiförmig, am Ende zugespitzt, Stiel sehr
dünn und fast doppelt so lang.
Kopf hellbraun, Augen schwarz. Fühler hellbraun, die beiden
Basalglieder hell ockergelblich. Thorax blaß rostgelb. Abdomen
hellbraun. Beine blaßgelblich, blaßbraun ist ein Längsstreif, der die
obere Hälfte der Außenseite des Hinterschenkels einnimmt, sowie
die Striemen und Tarsen. Tibiensporne lebhaft blaßgelblich. Flügel
blaß bräunlichgelb, Adern hell braungelb, Costa dunkler. Halteren
hell braungelb. Membran stark in allen Farben irisierend.
Körperlänge 2,6 mm.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. HT
Flügellänge 3,38 mm.
Länge des Hinterschenkels 1,4 mm.
Länge der Hinterschiene 2,1 mm.
Länge des Hintertarsus 2 mm.
Südbrasilien.. Santa Catharina. 1Q gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria longinquans nov. spec.
2. Diese Spezies ähnelt der Z. flavescens und unterscheidet sich
von ihr durch Folgendes: Fühler dünn, 3—31/, mal so lang wie breit
(hinter dem 10. Geißelglied abgebrochen). 1. Hintertarsenglied etwa
viermal so lang wie die Hintertibiensporne und so lang wie die 4 übrigen
Glieder zusammen.
Thorax blaß rostgelb mit drei hellbräunlichen Längsstreifen.
Subcosta nur stummelförmig. r, ist 3/, von r und mündet etwas
proximal der Mediangabelung. Der Mediangabelstiel entspringt in der
Mitte der weniger langen in der Basalhälfte stark verjüngten Radial-
zelle und ist so lang wie m,. Mediangabel parallel. Die Zelle RR am
Ende mäßig stark divergierend. Der Cubitalgabelstiel ist ?/, des Basal-
abschnittes der Media. ZelleR, breit, Basaldrittel viel schmäler. rr ist
dreimal so lang wie r, und am Ende des 2. Drittels schwach gebogen.
Die Costa endet am Ende des 2. Drittels zwischen rr und m,. Die Media
ist etwas verblaßt. Halteren sehr schlank spindelförmig, Stiel sehr
dünn. Alle Schenkel einfarbig blaßgelblich. Halteren gelbbraun,
Stiel hell gelblich. Membran stark in allen Farben, Rand breit blau
irisierend.
Körperlänge 2,2 mm.
Flügellänge 2,7 mm.
Länge des Hinterschenkels 1 mm.
Länge der Hinterschiene 1,3 mm.
Länge des Hintertarsus 1,3 mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 1% gesammelt von
Lüderwaldt. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria vergens nov. spec.
0. Kopf so breit wie der Thorax. Augenbrücke breit, in der
Mitte verschmälert. Scheitel mäßig kurz, gewölbt. Schläfen schmal
und bald verschwindend. Fühler abgebrochen.
Thorax sehr kräftig und sehr hoch gewölbt, ohne Glanz; Pubescenz
kurz und mäßig dicht. Scutellum ziemlich kurz und mäßig breit,
gleichmäßig gewölbt, mit einigen Borstenhaaren. Postscutellum
mäßig stark gewölbt und mäßig lang, ziemlich stark abfallend. Ab-
domen ziemlich dünn und schlank, allmählich zugespitzt, Endglied
sehr langund dünn. 2. Cercalglied schlankoval. Beine schlank, Pubescenz
sehr kurz. Fußbörstchen sehr kurz und wenig dicht. 1. Hintertarsen-
glied so lang wie die vier übrigen zusammen.
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 3. Suppl. 12
178 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Flügel mäßig breit. Die Subcosta erreicht fast das Ende der mäßig
schmalen im Basaldrittel verjüngten Zelle R. r, ist so lang wie r und
mündet etwas proximal der Mediangabelung. Der Mediangabelstiel
entspringt etwas proximal der Mitte der Zelle R und ist so lang wie m..
Die Mediangabel ist völlig parallel und ein wenig schmäler als die Zelle
RR. Der Cubitalgabelstiel ist ?2/; des Basalabschnittes der Media.
rr ist in der ganzen Länge gleichmäßig sehr schwach gebogen. Der
Basalabschnitt ist mäßig kurz und nicht schräg. Zelle R, ist ziemlich
gleichbreit und schmal, nur im Basaldrittel etwas enger. ır ist fast
dreimal so lang wier,. Die Costa endet am Ende des 4. Fünftels zwischen
rr und m,. Randpubescenz mäßig lang, Microtrichen ziemlich fein.
Halteren schlank spindelförmig, Stiel dünn und lang.
Kopf und Thorax schwarzbraun. Schulterecken gelblich. Augen
schwarz. Die beiden Basalglieder der Fühler gelbbraun. Abdomen
braun mit einigen helleren Ringen. Beine mit den Coxen gelbbraun,
Tibienendsporne wenig heller. Flügel blaß gelbbraun, Adern blaß gelb-
braun, Radius und Costa gelbbraun. Membran sehr lebhaft rot bis blau,
an der Flügelwurzel grün bis blau, in der Randzone gelb bis grün
irisierend. Halteren braungelb.
Körperlänge 2,3 mm.
Flügellänge 3,8 mm.
Länge des Hinterschenkels 1,4 mm.
Länge der*Hinterschiene®1,7 mm.
Länge des Hintertarsus 1,4"mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 1 Q gesammelt von
Lüderwaldt. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
© 1 «
Lycoria nubilans nov. spec.
Q. Kopf so breit wie der Thorax, matt. Augenbrücke mäßig
schmal und gleichbreit. Scheitel ziemlich kurz, gewölbt. Schläfen
sehr schmal, oben etwas breiter. Ocellen klein, fast auf einer geraden
Linie liegend, der vordere sehr klein und nur wenig vorgerückt. Augen-
abstand etwa dem Ocellendurchmesser gleich. Fühler (2-+ 14 gi.)
dünn, nicht ganz halb so lang wie der Flügel; die beiden Basalglieder
breiter wie lang; die fünf ersten Geißelglieder etwa doppelt so lang
wie breit, die übrigen etwa 21/, mal so lang wie dick, das letzte etwas
länger und stark zugespitzt.
Thorax relativ klein, hoch und so lang wie hoch; ohne Glanz;
Pubescenz ziemlich kurz und nicht dieht. Scutellum ziemlich klem,
hinten mit einer Anzahl Borsten. Proscutellum ziemlich lang, kaum
gewölbt und ziemlich steil abfallend. Abdomen relativ dünn gleich-
mäßig dick und nur das Endviertel zugespitzt; 2. Cercalglied eirund.
Beine ziemlich schlank, Pubescenz sehr kurz. Fußbörstehen kurz
und ziemlich dicht. 1. Hintertarsenglied so lang wie die vier übrigen
zusammen.
Flügel mäßig breit. Die Subcosta erreicht das Ende der mäßig
breiten im Basaldrittel stark verjüngten Zelle R. r, ist eine Spur
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 179
länger als r und mündet ein wenig proximal der Mediangabelung.
Der Mediangabelstiel entspringt etwas proximal der Mitte der Zelle R
und ist t/, von m,. Die Mediangabel ist völlig parallel und so breit
wie die Endhälfte der am Ende sehr wenig verbreiterten Zelle RR.
rr ist der mittlere Teil gleichmäßig sehr schwach gebogen; der Basal-
abschnitt ist mäßig kurz und nicht schräg. Zelle R, ist mäßig breit,
im Basalteil wenig schmäler. rr ist 2%/, mal so lang wie r,. Die Costa
endet am Ende des 4. Fünftels zwischen rr und m,. Costalzelle ziemlich
breit. Randpubescenz dicht. Mierotrichen dicht und fein. Halteren
ziemlich kräftig spindelförmig, nicht sehr lang, Stiel etwas länger
und dünn.
Kopf, Thorax und Abdomen braunschwarz. Fühler dunkelbraun,
die beiden Basalglieder gelbbraun. Maxillarpalpus dunkelbraun.
Beine dunkel gelbbraun. Flügel ziemlich dunkelbraun, Adern braun,
Radius und Costa dunkelbraun. Membran lebhaft in allen Farben
irisierend. Halteren schwarzbraun, Stiel rostbraun.
Körperlänge 3,5 mm.
Flügellänge 4,7 mm.
Länge des Hinterschenkels 1,7 mm.
Länge der Hinterschiene 2 mm.
Länge des Hintertarsus 1,5 mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 1% gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria arcuans nov. spec.
&. Kopf ein wenig breiter als der Thorax, matt. Augenbrücke
mäßig schmal und gleichbreit. Scheitel ziemlich kurz, gewölbt. Schläfen
nur oben ganz schmal, nach unten bald verschwindend. Ocellen mäßig
klein, zu stumpfwinkligem, fast rechtwinkligem Dreieck angeordnet;
der vordere Ocellus sehr nahe am Augenrand, Abstand der hinteren
Ocellen vom Augenrand 1 Ocellendurchmesser. (Fühlergeißel abge-
brochen).
Thorax nicht sehr kräftig, etwas länger als hoch, glanzlos; Pubescenz
kurz, ziemlich anliegend und spärlich. Scutellum ziemlich klein, hinten
mit einigen Borstenhaaren. Postscutellum ziemlich lang, mäßig stark
gewölbt und wenig abfallend. Abdomen relativ kräftig, nach der Spitze
zu sehr schwach zugespitzt; Behaarung lang und mäßig dicht; Zange
kräftig, dicht behaart, nur breiter als das Abdomen. Beine schlank,
Pubescenz sehr kurz. Fußbörstchen spärlich und verschwindend.
1. Hintertarsenglied so lang wie die vier übrigen zusammen.
Flügel mäßig breit. Die Subeosta erreicht das Ende des 3. Viertels
der Zelle R, die mäßig schmal und in der Basalhälfte etwas verjün gt
ist. r] ist so lang wie r und mündet etwas proximal der Mediangabelung.
Der Mediangabelstiel entspringt wenig proximal der Mitte der Zelle R
und ist ein wenig kürzer als m,. Die Mediangabel ist parallel und kaum
breiter als die Endhälfte der am Ende sehr wenig verbreiterten Zelle
RR. rr ist im mittleren Teil gleichmäßig sehr flach gebogen. Zelle R,
12*
180 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
ist mäßig breit, im Basalabschnitt wenig schmäler. rr ist fast dreimal
so lang wie r,. Die Costa endet am Ende des 4. Fünftels zwischen ır
und m,. Costalzelle ziemlich breit. Randpubescenz dicht. Microtrichen
fein. Halteren abgebrochen, Stiel lang und mäßig dünn.
Kopf, Thorax und Abdomen mit der Zange braunschwarz, die beiden
Basalglieder der Fühler rostgelb, Scutellum dunkel rostgelb; Beine
rostgelb, Tarsen dunkelbraun, Tibienendsporne hell gelblich. Flügel
hell bräunlich, Adern hellbraun, Radius und Costa braun. Membran
lebhaft in allen Farben irisierend. Halteren gelblich, Knopf abgebrochen,
wie es scheint bräunlich.
Körperlänge 2,7 mm.
Flügellänge 3,1 mm.
Länge des Hinterschenkels 1,4 mm.
Länge der Hinterschiene 1,7 mm.
Länge des Hintertarsus 1,6 mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 1& gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria obsolescens nov. spec.
Kopf so breit wie der Thorax, matt. Augenbrücke schmal.
Scheitel kurz, Schläfen verschwindend. Ocellen langgestreckt, der
vordere kleiner und rundlich; eine Tangente an den Vorderrand der
hinteren tangiert den vorderen hinten. Fühler dünn und kurz, Geißel-
glieder etwa zweimal so lang wie breit, (hinter dem 9. Geißelgliede
abgebrochen).
Thorax kräftig und hoch gewölbt, mäßig glatt, mit schwarzgrauem
Reif; Pubescenz mäßig lang und mäßig dicht. Scutellum mäßig groß,
gleichmäßig gerundet, hinten mit eimigen längeren Borsten, oben
gleichmäßig gewölbt. Postscutellum ziemlich lang, wenig gewölbt
und sehr wenig abfallend. Abdomen relativ dünn, gleichmäßig zu-
gespitzt, letztes Segment sehr lang und dünn; Cercus lang und ziemlich
schlank. Beine schlank, Pubescenz sehr kurz.
Flügel mäßig breit. Die Subcosta erreicht das Ende des 4. Fünftels
der mäßig breiten in der Basalhälfte etwas verjüngten Zelle R. r, ist
ist etwas länger als r und mündet ziemlich stark proximal der Median-
gabelung. Der Mediangabelstiel entspringt ungefähr in der Mitte der
Zelle R und ist so lang wie m,. Die Mediangabel ist völlig parallel,
nur dicht am Ende ein wenig divergierend, ziemlich schmal und
ziemlich viel schmäler als die Zelle RR, deren Endhälfte sich nach
der Spitze stark verbreitert. rr ist fast gerade, nur am Ende des 2.
Drittels ganz flach und schwach gebogen. Zelle R, ist ziemlich breit,
die Basalhälfte wesentlich schmäler. rr ist 21/, von r,. Die Costa
endet am Ende des 3. Viertels zwischen ır und m,. Randpubescenz
dicht und lang. Mierotrichen dicht und fein. Halteren schlank spindel-
förmig, Stiel dünn.
Kopf und Thorax rostbraun, ebenso Fühler und Maxillarpalpus.
Abdomen und Cerei schwarzbraun, Behaarung ockergelblich. Beine
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 181
hell braungelb, Tarsen dunkelbraun. Flügel blaßbraun, Adern blaß-
braun, Costa und Radius braun. Membran lebhaft in allen Farben
irisierend. Halteren ganz rostbraun.
Körperlänge 2 mm.
Flügellänge 3 mm.
Länge des Hinterschenkels 1,1 mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 1% gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria fuscescens nov. spec.
Q. Kopf so breit wie der Thorax, matt. Augenbrücke mäßig
schmal, in der Mitte etwas eingeschnürt. Scheitel ziemlich kurz,
gewölbt. Schläfen schmal, oben wenig verbreitert. Ocellen mäßig
groß, zu sehr flachem Dreieck angeordnet, die Tangente an den Vorder-
rand der hinteren Ocellen schneidet den Mittelpunkt des vorderen
Öcellus; Augenabstand ungefähr !/, Ocellendurchmesser. Fühler dünn,
kaum halb so lang wie die Flügel; die Geißelglieder doppelt so lang
wie dick, das letzte Geißelglied (14.) schlank, gleichmäßig zugespitzt
und etwa dreimal so lang wie dick.
Thorax mäßig kräftig, länger als hoch; ohne Glanz; Pubescenz
sehr kurz, anliegend und mäßig dicht. Scutellum fast kugelkolotten-
artig, nur wenig dorsoventral zusammengedrückt, ohne Haare, nur
mit sehr feiner Pubescenz. Postscutellum mäßig kurz, wenig geneigt
und fast gar nicht gewölbt. Abdomen relativ schlank, gleichmäßig
zugespitzt; 2. Cercalglied fast kreisrund. Beine ziemlich schlank,
Pubescenz sehr kurz. Fußbörstehen mäßig dicht, kurz. 1. Hinter-
tarsenglied so lang wie die vier übrigen zusammen.
Flügel mäßig breit. Die Subcosta erreicht ungefähr die Mitte
der mäßig schmalen im Basaldrittel stark verkürzten Zelle R. r, ist
so lang wie r und mündet ziemlich viel proximal der Mediangabelung.
Der Mediangabelstiel entspringt etwas proximal der Mitte der Zelle R
und ist etwas kürzer als m,. Die Mediangabel ist parallel und nur dicht
am Rand etwas divergierend; die Zelle RR ist in der Außenhälfte
im inneren Teil schmäler, divergiert im äußeren Teil mäßig stark
und ist hier breiter als die Mediangabel. rr ist nur am Ende des 2. Drittels
flach und sehr schwach gebogen; der Basalabschnitt ist flach und nicht
schräg. Die Zelle R ist ziemlich breit, im Basaldrittel nach der Basis
zu allmählich verjüngt. rr ist 31/, mal so lang wie r,. Die Costa endet
am Ende des 2. Drittels zwischen rr und m}. Costalzelle ziemlich breit.
Randpubescenz dicht. Microtrichen fein und dicht. Halteren mit
ziemlich breitem, spindelförmigem Knopf und ziemlich dünnem Stiel.
Kopf, Thorax und Abdomen braunschwarz. Fühler mit den Basal-
gliedern dunkelbraun, Pubescenz grau. Maxillarpalpus braun. Schulter-
ecken mit ockergelblichem winzigem Fleck. Beine hell bräunlichgelb,
2. bis 5. Tarsenglied braun. Tibienendsporne hellgelblich. Flügel
blaßbräunlich hyalin. Adern blaßbraun, Costa und Radius braun.
182 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Membran lebhaft in allen Farben irisierend. Halteren hellbraun, Stiel
gelblichgrau.
Körperlänge 3 m.
Flügellänge 3,6 mm.
Länge des Hinterschenkels 0,8 mm.
Länge der Hinterschiene 1,1 mm.
Länge des Hintertarsus 1 mm.
Mittelamerika. CostaRica. 1 Q gesammelt vonH. Schmidt.
Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Lycoria aequans nov. spec.
2. Diese Spezies steht der L. flavescens nahe und unterscheidet
sich von ihr durch Folgendes:
r, so lang wie r. Der Mediangabelstiel entspringt in der Mitte
der Zelle R. rr ist 21/,mal so lang wie r, und im Verlaufe des 3. Viertels
gleichmäßig und mäßig stark gebogen. Die Mediangabel vor dem Ende
schwach und flach eingeschnürt, die Zelle RR am Ende etwas ver-
breitert. Die Costa endet am Ende des 2. Drittels zwischen rr und m,.
Hinterschenkel ganz braun. Kopf braun. Thorax und Abdomen
hell braungelb. Membran lebhaft gelbgrün irisierend, hier und da
auch blau und rot. Der Thorax ist vorn scharf über den Kopf vor-
gezogen, ähnlich wie bei der Gattung Hybosciara.
Körperlänge 3,4 mm.
Flügellänge 3,5 mm.
Länge des Hinterschenkels 1,2 mm.
Länge der Hinterschiene 1,7 mm.
Länge des Hintertarsus 1,1 mm.
Südbrasilien. Santa Catharina. 1% gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Psilosciara Kieff. 1909.
Typus: Ps. membranigera (Kieff. 1903) !), Südfrankreich (Digne).
Psilosciara Kieffer, Bull. Soc. Ent. France. 1909. pag. COXLVI.
Unterscheidet sich von Lycoria (Sciara) nur durch die un-
pubescierten Augen.
Corynoptera Winn. 1867.
Typus: ©. perpusilla Winn. 1867. Mitteleuropa.
Corynoptera Winnertz, Beitr. z. Monogr. d. Sciarinen. Wien. 1867.
pag. 177. Taf. Fig.
Unterscheidet sich von Lycoria (Sciara) nur durch Folgendes:
!) Beschrieben in: Ann. Soc. scient. Bruxell 1903, Vol. 27, p. 201 (& 2),
Fig. 2 u. 3.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 183
Flügel schmal, allmählich breiter werdend. Fühler des Männchens
mit gleichmäßig angeordneten Haaren. — Diese Gattung ist wohl
nur als Subgenus von ZLycoria aufzufassen.
Hierher gehört außerdem noch:
©. gracilıs (Winn. 1853) Zentraleuropa; C. minutula Winn. 1867,
Zentraleuropa; Ü. pumila (Winn. 1853), Zentraleuropa.
Bradysia Winn. 1867.
Typus: Dr. angustipennis Winn. 1867. Mitteleuropa.
Bradysia Winnertz, Beitr. z. Monogr. d. Sciarinen. Wien. 1867. pag. 180
Taf. Fig.
Unterscheidet sich von’ Zycoria (Sciara) nur durch die verkürzten
Flügel, die kürzer als der Hinterleib sind. Diese Gattung ist wohl
besser mit Lycoria zu vereinigen.
Hierher gehören außerdem:
Br. brevipennis (Walk. 1848), Nordeuropa; Br. Heydeni Winn.
1867, Zentraleuropa und Br. pumila Winn. 1867, Zentraleuropa.
Plastoseiara Berg 1899.
Typus: Pl. pietiventris (Kieff. 1898), Zentraleuropa.
Pseudosciara Kieffer, Bull. Soc. Entom. France, 1898. pag. CXCIV.
Plastosciara Berg, Commun. Mus. Nac. Buenos Aires. I. 1899. pag. 78.
Geäder wie bei Lycoria (Sciara). Maxillarpalpus außer dem wohl
reduzierten Trochanter zweigliedrig. Fühler von gewöhnlicher Länge.
Geißelglieder wesentlich länger als dick. Augen unbehaart.
Nur eine Spezies bekannt.
Ceratioseiara nov. gen.
(Typus: ©. corniculata nov. spec. Seychellen.)
Fig. 16, 17, 18, 19.
Geäder wie bei Lycoria (Sciara). Maxillarpalpus (außer dem redu-
zierten Trochanter) eingliedrig. Fühler ungewöhnlich kurz (etwa ein
Viertel der Flügellänge); die Geißelglieder ungewöhnlich kurz, mit
Ausnahme der zwei ersten Glieder und des Endgliedes, bei vor-
liegender Spezies fast nur halb so lang wie breit. Klauen ungezähnt.
Augen unbehaart. Auch im weiblichen Geschlecht geflügelt (im
Gegensatze zu Dasysciara, Mycosciara und Aptanogyna). Das & liegt
nicht vor.
Ceratioseiara eornieulata nov. spec.
Fig. 16, 17, 18, 19.
2. Kopf rundlich, so breit wie der Thorax. Scheitel ziemlich lang,
etwa vier- bis fünfmal so lang wie die Breite der schmalen Augenbrücke.
Ocellen sehr klein, der vordere winzig klein, nur als winziges Pünktchen
bei 30—60 facher Vergrößerung erkennbar; der vordere Ocellus wird
184 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
hinten von der Tangente an den Vorderrand der hinteren Ocellen
tangiert; der Abstand der beiden hinteren Ocellen ist etwa 2 Ocellen-
durchmesser, ihr Abstand vom Augenrand etwas mehr als 3 Ocellen-
durchmesser, und ihre Stellung ist wenig vor der Mitte der Scheitel-
länge. Fühler (Fig. 17) sehr kurz, etwa ein Viertel der Fühlerlänge.
1. Basalglied wenig länger als breit, 2. Basalglied und die zwei ersten
Geißelglieder so lang wie breit, 3. bis 13. Geißelglied 1!/, bis fast zweimal
so breit wie lang; 14. Geißelglied doppelt so lang wie breit und am Ende
abgerundet. Fühlerbehaarung (Fig. 19) kurz und relativ kräftig.
Maxillarpalpus (Fig. 18) eingliedrig, mit ziemlich dünnem Stiel, nach
dem Ende zu stark keulig verdickt; auf der Unterseite nach dem
Ende zu mit vier Borstenhaaren; die ganze Oberfläche sonst mit
feinen mäßig langen Microtrichen sehr dicht besetzt.
Thorax hochgewölbt und vorn ein wenig über den Kopf ragend
und so lang wie hoch. Kopf sehr tief unten am Thorax eingelenkt.
Behaarung wenig dicht, fein und kurz. Brustkegel fast das Ende der
Coxen erreichend. Scutellum breit und mäßig lang, hinten gleich-
mäßig flach gerundet. Postscutellum nicht länger als das Scutellum,
kaum gesenkt und sehr wenig gewölbt. Abdomen schlank, allmählich
verjüngt, ein Stück der Spitze sehr dünn und spitz. Cercus ziemlich
gedrungen, erstes Glied so lang wie breit, 2. Glied oval. Beine mäßig
schlank, Pubescenz kurz, Fußbörstchen fehlen.
Flügel (Fig. 16) ziemlich zart; Microtrichen sehr kurz. Die Sub-
costa erstreckt sich fast bis zur Basis von rr, aber nur das Basaldrittel
ist scharf. r ist etwa 11/, von r, und mündet stark proximal von der
Mediangabelung etwa in der Mitte des Vorderrandes. Der Median-
gabelstiel ist nahezu 1?/, von m,. Mediangabel ziemlich breit und kurz,
die Aste ziemlich gleichmäßig und mäßig stark divergierend. Die
Cubitalgabel am Ende 1?/, so breit wie die Mediangabel. Zelle R sehr
schmal und parallel. rr ziemlich gerade, in der Mitte sehr seicht und
wenig deutlich gebogen. Zelle R, ziemlich breit, in der Mitte am
breitesten, Basalteil sehr schmal. Cubitalgabelstiel etwas länger
als halb so lang wie der Basalabschnitt der Media. r, etwa 21/, mal
so lang wie die Radiocubitalquerader. rr etwa 23/, von r,. Die Costa
endet am Ende des 4. Fünftels zwischen rr und m,. Randpubescenz
dicht und kurz, am Hinterrand weniger dicht. Halteren nicht sehr
lang aber mit breitem, abgeflachten (diskusartigen) ovalen großen
Kopf und ebensolangem mäßig dünnen Stiel.
Kopf schwarzbraun, Fühler und Maxillarpalpus blaß schmutzig-
gelb. Thorax rostgelb bis rostbraun. Abdomen hell schmutziggelb
mit schwarzbrauner Spitze bis schwarzbraun (letztere Farbe wohl durch
Schrumpfung erzeugt). Beine blaß schmutziggelb, Klauen gelblich.
Flügel blaßgrau, Adern hellgrau, Costa etwas dunkler, Radius schwärz-
lich. Membran sehr schwach rötlich bis bläulich irisierend;; bei einzelnen
Exemplaren ist dieser Glanz etwas stärker.
Körperlänge 1,6—1,8 mm.
Flügellänge etwa 2,1 mm.
Länge des Hinterschenkels 0,6 mm.
der Lycoriıden und ihre systematische Gliederung. 185
Länge der Hinterschiene 0,6 mm.
Länge des Hintertarsus 0,42 mm.
Länge des 1. Hintertarsengliedes 0,18 mm.
3 uk r 0,08 mm.
# Wr: R 0,04 mm.
# „4. $ 0,05 mm.
5 N 0,08 mm.
Seychellen. Mahe. 1 9. Mare aux Cochon. Gesammelt von
J.S. Gardiner. Mahe. 59, Cascade Estate, ungefähr 800 bis
1500 Fuß. 1909. Typen im Museum von London, Stettin und Cam-
brigde (England).
Dasyseiara Kieff. 1903.
Typus: D. pedestris Kieff. Südfankreich (Digne).
Dasysciara Kieffer. Ann. Soc. Scient. Bruxelles. 27. 1903. pag. 199.
Unterscheidet sich von Lycoria (Sciara) durch Folgendes:
Maxillarpalpen außer dem reduzierten Trochanter deutlich zwei-
gliedrig. Flügel des 9 halb so lang wie der Thorax. & unbekannt.
Augen behaart. Vordertibien an der Spitze mit einer kammartigen
Querreihe von braunen Dörnchen.
Epidapus Hal. 1851.
Typus: E. venaticus (Halid. 1837). Mittel- und Nordeuropa.
Epidapus Haliday, in: Walker, Ins. Britannica. I. 1851. pag. 7.
Atomaria Bigot, Ann. Soc. Entom. Fr. ser. II. 3. 1854. pag. 454.
Q ungeflügelt. Männchen unbekannt, wahrscheinlich geflügelt
und mit Sciara ähnlichem Geäder. Maxillarpalpus sehr kurz, drei-
gliedrig (außer dem Trochanter). Untergesicht nicht verlängert. Klauen
ungezähnt.
Hierher gehören außerdem:
E. atomarius (Deg. 1778) (= degeeri Bigot 1854) östl. Europa;
E. scabiei Hopkins 1895, Nordamerika.
Mycoseiara Kieff. 1903.
Typus: M. brevipalpis Kieff. 1903. Lothringen.
Mycosciara Kieffer, Ann. Soc. Scient Bruxelles, XXVII. 1903. pag. 203.
&. Empodium reduziert. Haftläppchen hirschhomartig ver-
zweigt und so lang wie die Klaue. Vordertibie an der Spitze ohne
Domkamm. Palpus eingliedrig (Trochanter wohl stark reduziert).
Augen behaart. Flügel wie bei Sciara. 2 unbekannt.
Aptanogyna Börner 1903.
Typus: A. microthorax Börner. Sizilien.
Aptanogyna Börner. Zool. Anz. 26. Bd. 1903. pag. 505.
Peyerimhoffia Kieffer, Ann. Soc. Sc. Bruxelles. 27. 1903. pag. 198.
Fig. 1 und Tafel mit 9 Figuren. Typus: P. brachyptera Kieff.
186 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Q ungeflügelt, 8 geflügelt oder mit sehr kleinen Flügelstummeln
und nur mit Spuren von Geäder. Palpus des $ außer dem reduzierten
Trochanter zweigliedrig, aber das 2. Glied ist sehr klein und knopf-
artig; Palpus des ? eingliedrig. Klauen ohne Basalanhänge. (Vorder-
tibien an der Spitze ohne Dornenkamm). Flügel des $ wie bei Sciara.
Hierher gehört noch A. brachyptera (Kieff. 1903), Südfrankreich;
A. Schillei Börn. 1903, Galizien; und A. aptera (Kieff. 1903) Südfrank-
reich.
Von der A. brachyptera (Kieff.) ist $ und 2 bekannt, von den
übrigen Arten nur die Weibchen.
Novakia Strobl 1893.
Typus: N. scatopsiformis Strobl 1893. Südeuropa (österreichisches
Küstengebiet).
Novakia Strobl, Wien Ent. Zeitung. XII. 1893. pag. 162.
Die Stellung dieser Gattung ist unsicher, sie gehört wahrscheinlich
nicht zu den Sciariden, wohin sie Strobl stellt.
Strobl 1. e.
„Caput orbiculare. Ocelli 3 aequales in linea direeta dispositi.
Rostrum brevissimum, palpi eylindriei artieulis 3 aequilongis, ultimo
tenui. Antennae capite vix longiores, incrassatae, cylindricae. Pedes
robusti, fortiter calcarati. Alae latae, obtusae. Vena 1. et transversa
approximatae, deinde connexae; tertia recta oritur prope apicem
primae et desinit paullo incurva ante apicem venae costalis; reliquae
vix conspicuae; furca posterior longe ante basim anterioris.‘
Rübsaameniella Meun. 1903.
Typus: R. semibrachyptera Meunier 1903. Baltischer Bernstein.
Rübsaameniella Meunier, Rev. Sci. Bourbonnais 1903. XVI. pag. 165
—167 (Un nouveau genre de Sciaridae).
Diese von Meunier als Lycoriide (Sciaride) 1903 beschriebene
Gattung erwähnt er in seiner Monographie der Cecidomyiiden, Scia-
riden usw. des Bernsteins 1904 nicht.
Subfam. Cratyninae m.
Radialramus gegabelt; sonst wie die Sciarinae. Hierher gehört
nur eine Gattung und zwar:
Cratyna Winn. 1867.
Typus: C. atra Winn. 1867. Zentraleuropa.
Fig. 20.
Cratyna Winnertz, Beitrag zu einer Monographie der Sciarinen,
Wien 1867. pag. 176. Taf. Fig. 7.
Nur eine Spezies, Cratyna atra Re 1867 aus Zentraleuropa
bekannt.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 187
Subfam. Lestremiinae.
Lestremiinae Autorum.
Anaretina Loew, Dipt. North America. I. 1862. pag. 177.
Media vorhanden (gegabelt oder ungegabelt), zuweilen sehr fein.
Der Abstand der Basis des Mediangabelstieles von rr ist so groß, kleiner
oder nur ein wenig größer als der Basalabschnitt von rr. Der Median-
gabelstiel inseriert weit außerhalb der Mitte der Zelle R, meist nahe
am äußeren Ende derselben, oder am Ende derselben (zuweilen sogar
ein wenig außerhalb auf rr.) Drei Nebenaugen, die zuweilen nicht
sehr deutlich sind. 1. Tarsenglied nicht verkürzt. Tarsen wohl immer
fünfgliedrig. Die Anzahl der Fühlerglieder schwankt zwischen 2 +6
und 2-+ 14. Die Larven sind nie gallenbildend.
Als Gegensatz zu dn Trauermücken (Sciarinen) und den
Gallmücken (Cecidomyiiden) schlage ich für die Lestremiinen
die deutsche Bezeichnung Holzmücken vor, da die Larven der
Lestremiinen, besonders der Campylomyzinen, in faulendem
Holze sich entwickeln.
Bestimmungstabelle der Tribus und Gattungen
der Subfamilie Lestremiinae.
1. Media gegabelt, immer deutlich. Cubitalgabelstiel sehr kurz
oder fehlend (also dann 2 einfache lange Cubitaläste). Cubital-
gabel auf einer langen Basalstrecke schmal und erst dann stärker
divergierend (zuweilen cu, im Basalteil mehr oder weniger lang
Erler Bet)e ec. So een Tribus: Lestremiini 3.
Media ungegabelt, zuweilen nicht sehr deutlich ...... 2.
2. Cubitalstiel sehr kurz oder fehlend. Tribus: Strobliellini
Strobliella Kieff. 1897 [Typus: Str. intermedia Kieff. 1897 (Steierm..)
Cubitalstiel lang. Cubitalgabel sogleich stark und steil divergierend.
Tribus: Campylomyzini ar
3. Randader über rr hinweggehend . . ... 2.22 22.2...
Randader bei rr endend (ob auch bei T'ritozyga Loew?). Oubilal,
gabel ungestielt (beide Äste einzeln), zuweilen der Basalteil von
cu, mehr oder weniger weit erloschen . .... 2. .2.... 6.
4. CnbitaleabplTgeetielii hl ns Mm Ha en lee 5.
Cubitalgabel ungestielt. Mediangabelstiel länger als die Median-
sabel. ... .. SERIE a Catocha Halid. 1833
[Typus: ©. latipes Halid. 1833 Zentral- und Nordeuropa]
3. Mediangabel normal. Zelle R sehr breit. Gephyromma nov. gen.
[Typus: @. fulgidum nov. spec. Südbrasilien]
Mediangabel sehr breit, an der Basis stark verbreitert (die Basis
von m, steht senkrecht auf dem Stiel) und vor dem Ende etwas
eingeschnürt. Zelle R sehr schmal Zygoneura Meig. 1830
[Typus: Z. sciarina Meig. 1830 Mittel- und Nordeuropa]
6. Mediangabel kürzer als der Stiel oder nur etwas länger. Der Basal-
teil vöhlten, ist! vorkaulannnn un lin nn u 7.
188
10.
11.
12.
13.
14.
15.
Dr. Günther Enderlein: Die pbyletischen Beziehungen
Mediangabel viel mehr als doppelt so lang wie der Stiel. 2
Basalhältte vonscu; fehlt. "17. Kar 2, Be
. Die Endstrecke von cu, ist vorhanden (die Zelle R, ist ee
schmal). 4... 2.1.2: m 232. ZAE0% SEE DEE 8.
Die Endstrecke von cu, fehlt. (Die Zelle R, ist sehr breit. m,
bildet mit dem Gabelstiel eine gerade Linie)
Psectroseiara Kieff. 1911.
[Typus: P. mahensis Kieff. 1911 Seychellen].
m, bildet mit dem Gabelteil eine gerade Linie. m, ist s-förmig
geschwungen und trifft den Stiel senkrecht
Tritozyga Loew 1862.
[Typus: fehlt; Nordamerika].
Medianpabel nprural. . .. 7.9 Mur Lestremia Macq. 1826.
[Typus: L. cinerea Meig. 1826 Zentral- und Nordeuropa].
. Flügelfläche wie gewöhnlich behaart . . . Anaretella nov. gen.
[Typus: A. defecta (Winn. 1870) Zentraleuropa].
Flügelfläche unbehaart, nur ein schmaler Außenrandsaum ist
behaark acer nn ie ee a Re 10.
Klauen gezähnt. Die Axillaris in der ganzen Länge entwickelt
(allerdings -DlaD). „ . 2.4011. kn ses Anarete Halid. 1833.
[Typus: A. candidata Halıd. 1833 Europa].
Klauen ungezähnt. Die Axillaris in der Flügelfläche völlig ver-
schwundeninigs,} dal alasıpk, . „ Limnopneumella nov. gen.
[Typus: Z. stettinensis Enderl. 1910 Pommern].
Haftläppchen kurz oder fehlend (Palpus viergliedrig) . . . 12.
Haftläppchen lang Hl! . .e.r rar area ar en RR 14.
Klauen ungezähnt. (Ende der Randader stark m genähert)
Aprionus Kieff.1895 [Typus: A.lepidus (Winn. 1870) |
Klagen’ gezahtt? mn Ra TEN EA RETREER
Q flügellos. Fühler ( 2) 15 gliedrig. Haftläppchen fehlen. Be
glieder ano ocamelb. er. „mr Wasmanniella Kieff. 1898
[Typus: W. aptera Kieff. 1898. Zentraleuropa].
Beide Geschlechter geflügelt. Fühler beim $ 14 gl., beim 2
12 gliedrig. Geißelglieder kurz gestielt. Ende der Randader stark
in; senabert 2"... 202.7. ORERReh IE IS Monardia Kieff. 1895
- [Typus: M. stirpium Kieff. 1895. Zentraleuropa].
Randader geht kaum über rr hinweg. ( az fast Kugelg
und lang#destselt) .......-... -ucs an ae on onen an an ar 2. RR
Randader geht weit über rr hinweg und nähert sich m stark 1.
Palpus zweigliedrig. Klauen im oberen Drittel verbreitert. Antennen
beim d 2+ 12 gliedrig, beim 2 2+ 11 gliedrig
Peromyia Kieff. 1894
[Typus: P. Leveillei Kieff. 1894. Zentraleuropa].
Palpus drei- oder viergliedrig. Klauen normal, ungezähnt, gebogen.
Antennen beimg 2-+ 12 gliedrig, beim e) 2+9 gliedrig
Joanisia Kieff. 1894
.[Typus:.J. aurantiaca Kieff. 1894 Zentraleuropa).
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 189
16. Klauen gezähnt. Geißelglieder fast konisch, gewöhnlich beim 2
Bamaaulehlinolii.Al onab alla: Prionellus Kieff. 1895
[Typus: P. pini Kieff. 1894, ee
Klauen ungesahnt.u.»..0.!. w%x mbn.zaie mu. Atiflee 20 rar .
17. Klauen im oberen Drittel verbreitert. Antennen wie bei el
Bryomyia Kieff. 1895
[Typus: B. Bergrothi Kieff. 1895. Zentraleuropa].
Klauen nicht verbreitert, ungezähnt, gebogen. 2
kugelig oder fast kugelig, ohne Hals}. re
18. Fühler beim $ mit 2+ 12 Gliedern, beim @ mit 2+ 10 bis 2 + pi
Bee ee nchenialisare: Campylomyza Meig.1818
[Typus: ©. albicauda Winn. 1870, Zentraleuropa].
Fühler beim $ mit 10—11 Gliedern, beim 2 mit 6—8 Gliedern
Mieromyia Rond. 1840
[Typus: M. lucorum Rond. 1840. Zentral- und Südeuropa].
Tribus: Lestremiini.
Die Media gegabelt. Die beiden Cubitaläste kurz gestielt oder
ungestielt. Palpen bei allen bekannten Gattungen viergliedrig.
Hierher gehören:
Gephyromma Enderl., Zygoneura Meig. 1830, Lestremia Maeq. 1826,
Catocha Halid. 1833, Tritozyga Loew. 1862, Psectrosciara Kieff. 1911,
Anaretella Enderl., Anarete Halid. 1833 und Limnopneumella Enderl.
Gephyromma nov. gen.
(Typus: @. fulgidum nov. spec. Südbrasilien).
Fig. 21.
Die Querader zwischen rr und m so lang wie der Basalabschnitt
von Ir, die Insertion des Medialgabelstiels daher nahe an das äußere
Ende der Zelle R gerückt. r und rr ziemlich weit getrennt. Die Zelle R
ungewöhnlich breit. Cubitusgabelung proximal von der Insertion des
Mediangabelstieles. Die schmale Augenbrücke ist in der Mitte schmal
unterbrochen. Coxen schlank und lang, ähnlich wie bei Fungivoriden
(Mycetophiliden). Rückenschild poliert glatt. Palpus dünn, aber
wie es scheint viergliedrig.
Gephyromma fulgidum nov. spec.
Fig. 21.
d. Kopf mäßig groß, fast kugelig; Scheitel hoch gewölbt, lang,
poliert glatt, unpubesciert; die Ocellen stehen erhaben; Ocellendreieck
fast rechtwinklig, die hinteren Ocellen sind etwas längsoval, der vordere
etwas queroval. Augen hellgrau, mikroskopisch fein pubesciert, die
Augenbrücke ist in der Mitte in der Länge de 2. Fühlergliedes unter-
brochen. Gesicht poliert glatt, doppelt so lang wie breit, nach vorn
etwas konvergierend. Fühler sehrlang, kräftig; das erste Glied dick und
so lang wie dick; 2. Glied 3/, so lang wie dick, nach der Basis zu stark
190 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
verjüngt; Geißelglieder etwa dreimal so lang wie dick, das 1. Geißelglied
etwa 21/, mal so lang wie dick; hinter dem 10. Fühlerglied ist der Fühler
abgebrochen, seine Länge beträgt bis hierher 1,6 mm. Palpen sehr
kurz, wie es scheint nur ein- oder zweigliedrig.
Thorax stark gewölbt, so lang wie hoch; der Brustkegel zwischen
Vorder- und Mittelcoxen sehr groß und breit, an der Spitze breit ab-
gerundet. Rückenschild sehr stark, poliert glatt, die Parapsiden-
furchen kurz eingedrückt, in der Verlängerung derselben je ein Längs-
streifen kurzer Härchen, deren Basis die sonst unpunktierte Fläche
fein punktiert erscheinen lassen. Scutellum sammetartig matt, breit,
sehr kurz, fast gar nicht abstehend mit mikroskopisch kurzer dichter
Pubescenz. Postscutellum ebenso, matt und pubesciert, flach gewölbt.
Abdomen sammetartig, matt, mit ziemlich dichten langen und feinen
Haaren besetzt. Haltezange des $ sehr kräftig, 1. Glied lang und sehr
dick, 2. Glied halb so dick und ?/, so lang, an der Spitze etwas aus-
gezogen und nach innen gebogen. Coxen schlank, nicht verbreitert,
gleichlang und etwa ?/, so lang wie der Thorax. Beine schlank, be-
sonders auch die kaum verbreiterten Schenkel. Schienen etwas kürzer
als die Schenkel. Schienenborsten fehlen, Fußbörstchen fast fehlend.
Hinterschienenendsporne fast gleichlang und etwa !/, des 1. Tarsen-
gliedes.
Flügel ziemlich breit. r, mündet etwas distal der Flügelmitte.
Mediangabelstiel etwas länger als m,. Die Costa erreicht nicht ganz
' das Ende des 3. Viertels der Entfernung zwischen rr und m,. Median-
gabel etwas schmäler als diese Entfernung. m, an der Spitze etwas
nach unten gebogen. Cubitalgabel am Ende 1°/, der Mediangabel.
Cubitalgabelstiel doppelt so lang wie die Radiomedialquerader. Die
Analis endet unter dem Basalabschnitt von rr, Analis noch kürzer.
Halteren groß oval, Stiel lang und dünn, nach der Basis zu verbreitert.
Kopf glänzend tiefschwarz, Palpen und Fühler schwarz, die beiden
Basalglieder ersterer dunkelbraun. Fühlerpubescenz gelblich. Thorax
tiefschwarz, Rückenschild intensiv glänzend, Propleure braungelb.
Abdomen sammartig braunschwarz, Behaarung gelblich. Die Innen-
seite des ersten Zangengliedes ockergelblich. Beine blaß ockergelblich,
Endhälfte des 1. Tarsengliedes und die übrigen Tarsenglieder hell
bräunlich. Flügel hyalin, schwach grau; Adern sehr blaß, r,, tr und ce
braun. Membran sehr lebhaft in allen Farben irisierend. Halteren
blaß ockergelblich.
Körperlänge 2,1 mm. Länge des Hinterschenkels 1,3 mm.
Flügellänge 2,3 mm. . Länge der Hinterschiene 1,2 mm.
Thorakallänge 1 mm. Länge des Hintertarsus 1,4 mm.
Abdominallänge 1,3 mm.
Südbrasiien.. Santa Catharina. 1% gesammelt von
Lüderwaldt. Type im Stettiner Zoologischen Museum.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 191
Zygoneura Meig. 1830.
Typus: Z. seiarina Meig. 1830. Zentral- und Nordeuropa.
Fig. 22.
Zygoneura Meigen, Syst. Beschr. VI. 1830. pag. 304. Taf. 65 Fig. 15.
Zygoneura Meig., Loew, Dipt. North Am. I. p. 177. Fig. 8 (auf p. 178).
Zygoneura Meig., Winnertz, Beitr. Mon. Sciarinen, 1867. pag. 183
Taf. I. Fig. 8.
Mediangabel stark verbreitert und vor dem Ende etwas ver-
schmälert. Randader über rr hinweggehend und m, genähert. Cubital-
gabelstiel kurz. Flügel unbehaart. Fühler 2-+ 14 gliedrig. Palpus
viergliedrig.
Hierher gehört noch:
Z. tenella Loew. 1850, Zentraleuropa; Z. sciastica Willist. 1896,
Zentralamerika (Ins. St. Vincent) und Z. maculipennis Skuse 1890,
Australien.
Lestremia Macq. 1826.
Typus: Z. cinerea Macq. 1826. Zentral- und Nordeuropa.
Fig. 23.
Lestremia Macquart, Recueil Soc. Agricult. Lille, 1826. pag. 173
Lestremia Macq., Loew., Dipt. North Amer. ]. 1862, pag. 178, Fig. 12
(auf pag. 178) (nur 8).
Lestremia Macq., Winnertz, Verh. Zool. bot. Ges. Wien. 20. 1870.
pag. 30 Taf. 2; 5 Figuren (mit Ausnahme von Fig. 2).
Cecidogona, Loew, Stettiner Ent. Zeit. V. 1844. pag. 324 (nur 9).
Cecidogona, Loew, Dipt. North Amer. I. 1862. pag. 178.
Fureinerva Rondani, Nuovi Annal. Sc. Nat. Bologna ser. 2 VI. 1846 sep.
pag.7. p.P.
Mimosciara Rondoni, Nuovi Annal. Sc. Nat. Bologna, ser. 2, VI.
1846 sp. pag. 10.
Molobraea Rondani, Atti Soc. Ital. Sc. Nat. Milano. II. 1860. pag. 287
Yposatoea Rondani, Prodromus, I. 1856. pag. 198.
Flügel behaart. Die Randader endetanrr. Fühler $2 + 14gliedrig,
Q 11—12 gliedrig. Palpus viergliedrig. Medianstiel mäßig lang.
Cubitaläste ungestielt (ohne gemeinsamen Stiel).
Hierher gehört noch:
L. carnea Loew 1844 (Zentral- und Nordeuropa), Z. fusca (Meig.
1830) (Zentral- und Südeuropa), L. lestremina (Rond. 1840) (Süd-
europa), L. leucophaea (Meig. 1818) (Europa), L. molobrina (Rond.
1840) (Südeuropa), ZL. nigra Blanch. 1852 (Chile), Z.? pallida (Olıv.
1813) (Westeuropa), L. sydneyensis Skuse 1890 (Australien).
192 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Catocha Halid. 1833.
Typus: ©. latipes Hal. 1833. Zentral- und Nordeuropa.
Fig. 24.
Catocha, Haliday, Entomol. Magaz. I. 1833. pag. 156.
Halid., Loew, Dipt. North Amer. I. 1862, pag. 177. Fig. 10
(auf pag. 178).
Hal., Winnertz, Verh. Zool. bot. Ges. Wien. XX. 1870.
pag. 27. Taf. 2, 4 Figuren.
Furcinerva Rondani, Nuovi Annal. Sc. Bologna. Ser.2. VI. 1846.
pag. 7 (separat) p. p.
Macrostyla Winnertz, Stettiner Ent. Zeit. VII. 1846. pag. 20.
Mediangabelstiel sehr lang; m, erreicht beim 2 den Flügelrand
nicht. Randader geht etwas über rr hinweg. Cubitaläste ungestielt.
Flügel behaart. Fühler $ 2+ 14 gliedrig, 2? 2+ 8 gliedrig. Palpen
viergliedrig. Flügel an der Basis nicht mit scharf vorspringendem
Winkel; allmählich verbreitert.
Hierher noch: C. crassitarsis v. d. Wulp 1874 (Zentraleuropa)
und ©. brevinervis Zett. 1851 (Nordeuropa).
2)
Tritozyga Loew 1862.
Typus: fehlt. Nordamerika.
Fig. 25.
Tritozyga Loew, Diptera of North America. I. 1862. pag. 178. Taf. 1.
Fig. 13.
Cubitaläste ungestielt. m, stark S förmig gebogen, m, gerade
und gerade Fortsetzung vom Stiel. Flügel behaart. Nahe der Gattung
Lestremia, die Fühler auch wohl ähnlich gebildet.
An welcher Stelle die Randader mündet, ist weder aus der Be-
schreibung noch aus der Abbildung ersichtlich.
Pseetroseiara Kieff. 1911.
Typus: $. mahensis Kieff. 1911. (Seychellen).
Fig. 26.
Psectrosciara Kieffer, Trans. Linn. Soe. London. 1911.
L Kieff., Enderlein, Trans. Linn. Soc. London 1911.
Enderlein, 1. e.:
„Augen kahl. Palpen kurz, eingliedrig. Antennen 2 + 14 gliedrig.
Flügel ohne längere Behaarung. nur mikroskopisch fein beborstet;
Cubitus von der Costalis nicht überragt. Empodium lang, breit, viel-
teilig, wenigstens so lang wie die Krallen, welche einfach sind; Pulvillen
fehlend. Mundteile aus 2 lanzettlichen, am Ende abgestutzten oder
ausgerandeten, schwach chitinösen, und fast kahlen Lappen zusammen-
gesetzt.‘
I
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 193
Flügel an der Basis allmählich verbreitert, nicht mit scharf ein-
springendem Winkel.
Kieffer stellte diese Gattung zu den Sciarinen.
Anaretella nov. gen.
Typus: A. defecta (Winn. 1870). Zentraleuropa.
Fig. 27.
Lestremia defecta Winnertz, Verh. Zool. bot. Ges. Wien. 20. 1870.
pag. 33. Taf. II, Fig. III, 2.
Lestremia defecta Winn. Bergenstamm u. P. Löw, Verh. Zool. bot. Ges.
Wien. 26. 1876. pag. 19.
Lestremia defecta Winn. Strobl, Mitt. Naturwiss. Ver. Steiermark,
1894 (1895). pag. 129.
Lestremia defecta Winn. Kieffer, Synopse d. C&cidom. d’Europe et
d’Algerie. 1898. pag. 52.
Anaretella defecta (Winn.) m.
Flügel ganz behaart. Fühler lang, $2 + l4gliedrig, Q2 + Ygliedr.
Randader endet an ır. Palpus viergliedrig. Mediangabel sehr lang,
ihr Stiel sehr kurz. Die Querader zwischen rr und m völlig reduziert.
Die Basalhälfte von cu, fehlt. Flügel an der Basis mit scharf ein-
springendem Winkel.
Anaretella africana nov. spec.
Fig. 28.
®. Kopf klein, matt gelblich dunkelgrau, etwas schmäler als der
Thorax. Fühler abgebrochen. Mundteile graugelblich. Augenbrücke
schmal und schwärzlich.
Thorax matt gelbbraun, Brustkegel braunschwarz und ziemlich
flach. Pubescenz spärlich. Halteren kräftig und lang spindelförmig,
kurz gestielt hellgrau braungelb. Abdomen lang und kräftig nach
der Spitze von der Mitte ab allmählich zugespitzt; hell grau bräunlich
gelb, oben mehr gebräunt. Endglied der Cercei eiförmig gerundet.
Beine braungelb Pubescenz sehr kurz; Länge des Hinterschenkels
0,9 mm, der Hinterschiene 1 mm, der Hintertarsenglieder 1. 0,5 mm,
2. 0,22 mm, 3. 0,15 mm, 4. 0,12 mm, 5. 0,13 mm; Hintertarsus !/, länger
als die Schiene. Klaue schwarz, gekrümmt, ungezähnt.
Flügel hyalin, etwas weißlichgrau. Basalabschnitt vorn ist ver-
schwindend kurz. Radiomedianquerader verschwindend kurz. Rand-
strecke zwischen r, und rr St. 11/, von der zwischen rr und m,. Median-
gabel 2°/, des Stieles. m, gerade. cu, gerade, nur ganz am Ende eine
Spur nach hinten gebogen. Zelle R sehr schmal. Cubitalgabel am
Rande doppelt so breit wie die Mediangabel. Basalviertel von eu,
völlig fehlend. Adern mit sehr knapper dichter Pubescenz. Membran
und Rand größtenteils ziemlich dicht behaart. cu, der Rand stark
schräg treffend. Analis und Asillarix relativ lang sichtbar. Adern
hyalin, nur Costa, Radius und m gebräunt. Membran ziemlich stark
rotviolett, an den Adern blau visierend.
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 3.Suppl. 13
194 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Körperlänge 2,1mm, Flügellänge 2 mm.
Deutsch Ost-Afrika. Myembe (Südlich vom Victoria Nyansa)
1911. 1 2 gesammelt von Hammerstein. Type im Stettiner
Zoologischen Museum.
Anarete Hald. 1833.
Typus: An. candidata Halid. 1833. Europa.
Fig. 29, 30.
Anarete Haliday, Entomol. Magaz. I. 1833. pag. 156 und pag. 148
(hier neben Lestremva).
Hal., Loew, Stett. Ent. Zeit V. 1845. pag. 395. Taf. 1. Fig. 2 u.3.
Hal., Walker, Ins. Britannica, Dipt. Ill. 1856 pag. 60. Taf. 23.
fig. 1 (zu den Mycetophiliden).
Loew, Dipt. North Amerie. I. 1862. pag. 177. Fig. 9 (auf
pag. 178) (zu den Lestremiinen; er nennt diese Anaretina).
Schiner, Fauna austr. Dipt. 11. 1864. pag. 353 (zu den Bibioniden
[Scatopsinen)).
Sciara Meig. Zetterstedt, Dipt. Skand. X. 1851. pag. 3739, XII.
1855. pag. 4890 (zu den Sciariden).
Anarete Halid. Enderlein, Stett. Ent. Zeit. 72. Jhg. (1911) 1910.
pag. 130. Fig. 1.
Flügel nur ganz an der Spitze behaart. Randader endet an rr.
Basis von eu, fehlt. Die Querader zwischen ır und m sehr kurz oder
fehlend. Die Axillaris ist deutlich doppelt kontouriert in der ganzen
Länge vorhanden, wenn auch sehr blaß; bei A. coracina (Zett.) ist
sie behaart. Fühler sehr kurz, 9[—10] gliedrig!). Palpus viergliedrig,
1. Glied (Trochanter) sehr kurz. Flügel an der Basis mit scharf ein-
springendem Winkel. Klauen gezähnt (Fig. 30). Haftläppchen lang.
Rondani stellt Anarete auch zu den von ihm Lestremina ge-
nannten Gattungen der Cecidomyiden (Memorie per servire alla Dittero-
logia italiana; in: Annali di Bologna).
Hierher noch: A. coracina (Zett. 1851) Europa.
Limnopneumella nov. gen.
Typus: Z. stettinensis Enderl. 1910. Pommern.
Fig. 31, 32.
Diese Gattung unterscheidet sich von Anarete Hal. durch die völlig
ungezähnten Klauen (Fig. 32). Ferner ist von der Axillaris an der
Flügelbasis nur ein kurzer Stummel erkennbar, in der Flügelfläche
ist sie dagegen völlig verschwunden.
Bei der Aufstellung der Gattung Limnopneumella habe ich von
Anarete coracina (Zett. 1851), die durch die Anwesenheit der Axillaris
der Anarete candidata Halid. 1853 (vergl. Walker, Ins. Brit. Dipt.
1) Nach Loew (1845) hat die Games Anarete, wenigstens im weib-
lichen Geschlecht, 10 gliedrige Fühler.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 195
III. 1850. pag. 60. Taf. 23 Fig. 2) näher steht, den Schluß gemacht,
daß die Klauen ähnlich wie bei letzterer Spezies gebildet sind, besonders,
daß sie gezähnt sind. Sollte sich aber herausstellen, daß A. candidata
ungezähnte Klauen hat, so muß dann die Spezies steltinensis zu Anarete
kommen, und die Anarete coracina (Zett.) wäre dann der Typus einer
neuen Gattung, für die ich den Namen Limnopneuma vorschlagen
möchte.
Limnopneumella stettinensis Enderl. 1910.
Fig. 31, 32.
Anarete stettinensis Enderlein, Stettin. Ent. Zeit. 72. Jhrg. 1911. pag. 132
Fig. 1.
Pommern. Schwabach bei Stepnitz (bei Stettin). 6. Juni 1909.
1 2; auf sumpfigem Terrain.
Tribus: Strobliellini.
Fig. 33.
Kieffer, Synopse d. Cecidom. d’Europe et d’Algerie 1898 p. 51
(Strobliellinae).
Media ungegabelt. Cubitalgabelstiel sehr kurz oder fehlend.
Hierher gehört nur:
Strobliella Kieff. 1898. — Typus: Str. intermedia Kieff. 1898. Steier-
mark.
Media ungegabelt. Cubitalstiel fehlend, die Cubitaläste
lang. Randader nicht abgebrochen, sondern läuft unmerklich
nach dem Hinterrand.
Strobliella intermedia Kieff. 1898.
Strobliella intermedia Kieffer, Synopse des Cecidomyid. d’Europe et
d’Alserie 1898. pag. 51.
Strobliella intermedia Kieff., Kieffer, Ann. Soc. ent. France Vol. 69.
1900. PI. 22. Fig. 9.
Tribus: Campylomyzini.
(vergl. Kieffer, Ann. Soc. Ent. Fr. Bullet. Vol. 63. 1894. p. CLXXV.
Die Media einfach (ungegabelt). Die beiden Cubitaläste ziemlich
lang gestielt.
Hierher gehören:
Campylomyza Meig. 1818. — Typus: ©. albicauda Winn. 1870, Zentral-
europa (cf. Kieffer, Syn. Cec. d’Europe et d’Algerie, 1899
pag. 50). (Fig. 34, 35 u. 36).
[Palpen viergliedrig, das 1. sehr klein; Fühler beim $
mit 2 + 12 kugeligen Gliedern, beim 2 mit 2-++ 10 bis 2 + 23
fast kugeligen Gliedern. Randader geht über den Radial-
ramus (rr) hinweg. Cubitalgabelungsstelle distal der Ur-
sprungszelle der freien Medianstrecke auf der Zelle R.
13*
196 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Tarsus fünfgliedrig. Klauen ungezähnt, Haftläppchen lang.
Flügelmembran behaart, die Haare fallen aber bei einigen
Spezies sehr leicht aus. ]
Mieromyia Rond. 1840. — Typus: M. lucorum Rond. 1840, Zentral-
und Südeuropa.
[Palpen viergliedrig, das 1. sehr klein; Fühler sehr kurz,
g 10—11-, 2 6—8 gliedrig. Geißelglieder ohne Hals. Tarsen
fünfgliedrig. ]
Monardia Kieff. 1895. — Typus: M. stirpium Kieff. 1895, Zentral-
europa.
[Palpus viergliedrig. Klauen gezähnt. Haitläppchen kurz
oder rudimentär. Fühler $ 14-, 9 12 gliedrig. Sonst wie
Aprionus (nach Kieffer).
Joanisia Kieff. 1894. — Typus: J. aurantiaca Kieff. 1894; Zentral-
europa (Fig. 37).
[Palpus drei- oder viergliedrig. Antennen beim d 2 + 12-
gliedrig, beim ? 2 +9 gliedrig. Geißelglieder kugelig oder
ellipsoid mit langem Hals. Klauen normal, ungezähnt,
gebogen. Randader geht kaum über ır hinweg. Geißel-
glieder bei g und $ fast kugelig und lang gestielt.]
Peromyia. Kieff. 1894. — Typus: P. Leveillei Kieff. 1894. Zentral-
europa.
[Palpus zweigliedrig. Antennen beim $ 2-+ 12 gliedrig,
beim 22 -+ 11 gliedrig. Klauen im oberen Drittel verbreitert.
Randader geht kaum über rr hinweg. Geißelglieder bei $
und @ fast kugelig und lang gestielt.]
Wasmanniella Kieff. 1898. Typus: W. aptera Kieff. 1898; Zentral-
europa.
[Flügellos (2). Fühler 2 -++ 13 gliedrig, Glieder fast kugelig,
lang gestielt, jedes mit einem Borstenwirtel und mit einem
Wirtel von vier glashellen hakig gebogenen Anhängen.
Klauen gezähnt. Keine Haftläppchen. ]
Bryomyia Kieff. 1895. — Typus: B. Bergrothi Kieff. 1895; Zentral-
europa.
[ef. Miscell. Entomol. III. 1895. pag. 78.] Klauen wie bei
Peromyiva. Palpen viergliedrig. Antennen wie bei Prionellus.
Prionellus Kieff. 1895. — Typus: Pr. pini Kieff. 1894; Zentraleuropa.
(= Prionota Kieff. 1894.)
[Palpus viergliedrig. Klauen gezähnt. Haftläppchen
lang und groß. Ende der Randader stark m genähert. Geißel-
glieder fast konisch, gewöhnlich bei den 2 subsessil.]
Aprionus Kieff. 1895. — Typus: A. lepidus (Winn. 1870).
[Palpus viergliedrig. Klauen ungezähnt. _ Haftläppchen
kurz oder rudimentär. Ende der Randader stark m genähert.
Geißelglieder fast konisch, gewöhnlich bei den 2 subsessil.
Männliche Geißelglieder ungewöhnlich, mit kleinen zu mehreren
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 197
Ringen ziemlich dieht angeordneten Erhebungen; außerdem
mit quirlförmig angeordneten langen Haaren. Geißelglieder
des 9 fast konisch oder fast eiförmig mit sehr kleinem Hals. ]
Über die Stellung einiger falsch gruppierter zu den Fungivoriden
(Mycetophiliden) gehöriger Gattungen.
Da die Stellung einiger von Meunier aufgestellten und den
Lyeoriiden (Sciariden) zugeordneten Gattungen zweifelhaft erschien,
war eine erneute Untersuchung der im Bernstein eingeschlossenen Ori-
ginalstücke von großer Bedeutung. Ich verdanke es der freund-
lichen Bereitwilligkeit von Herrn Prof. Dr. Klebs in Königsberg in
Ostpr., einige dieser Originalexemplare einsehen zu können.
Parastemma Grzeg. 1885.
Typus: P. ambiguum Grzeg. 1885. Europa.
Parastemma, Grzegorzek, Berl. Ent. Zeitschr. Vol. 29. 1885. pag. 199.
E Johannsen, Gen. Ins. 93. fasc. Dipt. Mycetophilidae.
1909. pag. 90, Pl. 6. Fig. 1, 2, u. 3.
Heeriella, Meunier, Ann. Soc. scient. Bruxelles, T. 28. 1904. pag. 44
u. 75, Taf. 7. Fig. 4 u. 5.
Sciarella, Meunier, ebenda, pag. 44 u. 78. Taf. 7. Fig. 15.
Parastemma bifurcata (Meun. 1904) und P. mycetophiliformis
(Meun. 1904) erstere als Heeriella, zweite als Sciarella beschrieben
sind beide mit Parastemma zu vereinigen und echte Fungivoriden
(Mycetophiliden). Mir liegt nur eine Type von Parastemma bifurcata
(Meun.) vor und zwar K 806 (= 2795); sie zeigt die normalen Augen
der Fungivoriden (Mycetophiliden), sie haben keine Spur der für die
Lycoriiden (Sciariden) charakteristischen brückenartigen Augenfort-
sätze über die Stirn hinweg; das Auge ist schwachoval und ziemlich
stark gewölbt. Die Adern sind mäßig dick, nur die Mediangabel und
ihr Stiel sind ziemlich dünn und zart.
Die Coxen sind etwa ?/, der Thorakallänge, außen sind sie mit
sehr langen Borsten ziemlich dicht besetzt.
Manota Willist. 1896.
Typus: M. defecta Will. 1896. St. Vincent. (recent.)
Manota Williston, Trans. Ent. Soc. London 1896. pag. 260.
s: Johannsen, Gen. Ins. 93. fasc. Dipt. Mycetophilidae. 1909.
p- 64. Pl. 4. Fig. 21.
Cerato, Meunier, Ann. Soc. scient. Bruxelles. T. 28. 1904. p. 76. Taf. 7.
Fig. 6—8.
Mir liegt die eine Type von Manota longipalpis (Meun. 1904)
(2.59 = K 5103) vor. Die Augen haben keine Spur der für die
Lycoriiden (Sciariden) charakteristischen brückenartigen Augenfort-
sätze über die Stirn hinweg; sie sind völlig abgerundet und langoval.
198 Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Auch der sonstige Habitus ist durchaus Fungivoriden-(Mycetophiliden-)
artig, besonders sind die Coxen sehr lang (so lang wie der Thorax).
Alle Adern sind ungefähr gleichdick.
Wie schon Johannsen angibt, ist Cerato mit Manota zu
vereinigen und eine typische Fungivoride (Mycetophilide).
Heterotricha H. Loew 1850.
Typus: A. hirta Loew 1850. Bernstein.
Heterotricha, H. Loew, Über den Bernstein und die Bernsteinfauna,
Progr. K. Realsch. zu Meseritz. 1850. pag. 33 u. 34.
H. Loew, Meunier, Ann. Soc. scient. Bruxelles, T. 28.
1904. pag. 43 u. 52. Taf. 3. Fig. 16.
Meuniergibtl.c. an, daß diese Gattung von Palaeoheterotricha
Meun. sich nur dadurch unterscheidet, daß r, proximal von der Median-
gabelung in den Vorderrand mündet (bei Palaeoheterotricha weit
distal davon). Mir liegt leider das Originalstück Meunier’s nicht
vor, aber es ist auch hier anzunehmen, daß die Augen normal gebaut
sind und die Gattung von den Fungivoriden (Mycetophiliden (Subf.
Fungivorinae [Mycetophilinae]) zu zählen ist.
Palaeoheterotricha Meun. 1904.
Typus: P. grandis Meun. 1904. Bernstein.
Fig. 38.
Palaeoheterotricha Meunier, Ann. Soc. scient. Bruxelles. I. 28. 1904.
pag. 43 u. 51. Taf. 3. Fig. 13—15.
Mir liegen 3 $ vor und zwar ist das eine Stück eine Type (K 4188
— Z947); die beiden anderen Stücke (K 5746 = a 274) liegen dicht
neben einander in einem Bermsteinstück.
Die Augen sind rundlich, ziemlich stark gewölbt, ohne Spur der
für die Lycoriiden (Sciariden) charakteristischen brückenartigen
Augenfortsätze über die Stirn hinweg. Die Vordercoxen sind fast
so lang wie der Thorax und sehr schlank, die übrigen Coxen etwas
kürzer und gedrungener. Die Adern sind alle fast gleichdick, r,
und rr sowie die Costa sind aber ziemlich dunkelbraun pigmentiert,
während die übrigen Adern sehr blaß sind.
Ich stelle also die Gattung dementsprechend zu den Fungi-
voriden (Mycetophiliden) in die Subfamilie Fungivorinae (Myceto-
philinae); ungewöhnlich sind nur die beiden isolierten Cubitaläste, die
aber ebenso bei der Gattung Allactoneura Meij. 1907 verlaufen.
Palaeognoriste Meun. 1904.
Typus: P. sciariforme Meun. 1904. Bernstein.
Palaeognoriste, Meunier, Ann. Soc. scient. Bruxelles. T. 28. 1904.
pag. 76. Taf. 7. Fig. 9—13.
T Johannsen, Gen. Ins. (Wytsman) 93. fasc. Dipt.
Mycetophilidae. 1909. pag. 61. Pl. 4. Fig. 17.
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 199
Auch diese Gattung wird von Johannsen zu den Fungi-
voriden (Mycetophiliden) gestellt.
Meunieria Johannsen 1909.
Typus: M. magnifica (Meun. 1904). (Baltischer Bernstein.)
Willistoniella Meunier, Ann. Soc. Sc. Bruxelles, T. 28. 1908. pag. 74.
Taf. 7.
Meunieria, Johannsen, Gen. Ins. (Wytsman), Mycetoph. 1909. pag. 87.
Taf. 5. Fig. 27.
Auch diese Gattung gehört zu den Fungivoriden (Mycetophiliden),
wohin sieauch Johannsen stellt.
Eugnoriste Coquill. 1896.
Typus: E. oceidentalis Coq. 1896. Nordamerika.
Eugnoriste, Coquillet, Proc. Entom. Soc. Washington III, 1896. pag. 321.
Fig. 24.
Li Johannsen, in: Wytsman, Gen. Ins. Mycetophilidae.
1909. pag. 52.
Das Geäder ist dem der Gattung Lycoria (Sciara) sehr ähnlich.
Johannsen nimmt die Gattung in der Bestimmungstabelle der
Subfam. Fungivoridae (Mycetophilidae) mit auf, läßt aber die
Möglichkeit offen, daß sie zu den Lycoriiden (Sciariden) gehört.
Ohne Kenntnis des Augenbaues ist diese Frage nicht zu entscheiden.
Lygistorrhina Skuse 1890.
Typus: L. insignis Skuse 1890. Australien.
Lygistorrhina Skuse, Proc. Linn. Soc. N. S. Wales, ser. 2. V. 1890.
pag. 600. Taf. 19. Fig. 1.
A" Johannsen, in: Wytsman, Genera Ins. Mycetophilidae.
1909. pag. 62. Pl. 1. Fig. 23. Pl. 4. Fig. 18.
Der Augenbau zeigt deutlich, daß diese Gattung zu den Fungi-
voriden (Mycetophiliden) zu stellen ist (cf. Johannsen, 1. e. Pl. 1.
Fig. 23).
Anhangsweise restituiere ich bei dieser Gelegenheit noch die
Gattung:
Messala Curt. 1836.
Typus: M. fusca Meig. 1818 (= M. Saundersi Curt. 1836). Europa.
Messala, Curtis, Brit. Ent. 1836. pag. 581.
Bolitophila p. p. Johannsen, Gen. Ins. Myc. 1909. pag. 6.
Diese Gattung unterscheidet sich von Bolitophila Meig. 1818 da-
durch, daß der Rz;s nicht in r,, sondern in die Randader mündet.
Winnertz und Johannsen ziehen beide Gattungen
zusammen.
Hierher gehört auch noch M. bimaculata (Zett. 1828) aus Europa.
200
Fig.
Er
Dr. Günther Enderlein: Die phyletischen Beziehungen
Verzeichnis der Figuren.
Textfiguren. Seite
1. Stammbaum der Gattungen der Lycoriiden (Sciariden) und der
Heteropezarien! Tr 1. NDRERTE EN RAT ERLERNT RN 121
2. Stammbaum der Subfamilien der Fungivoriden (Mycetophiliden),
Lycoriiden (Seiariden), Itonididen (Cecidomyiiden) und einiger
anderer Famzlientnuktaiteun. 2.0 He a nee 10. 1) 2 123
Tafel I.
3. Amesicrium nanum Enderl. 2 Seychellen. Geäder. Vergr. 56:1.
4. Megalosphys luteicoxa Enderl. 2. Südbrasilien. Geäder. Vergr. 13:1.
5. > » d. Maxillarpalpus. Vergr. 160 :1.
6. Pilomegalssche ys xanthogaster Enderl.Q. Sumatra. Flügel. Vergr. 12:1.
7. Scythropochroa latefurcata Enderl. Seychellen. Flügel. Vergr. 20:1.
8. % Maxillarpalpus. Vergr. 353 :1.
9. Aal pellucens Enderl. 9. Südbrasilien. Flügel. Vergr. 12:1.
10. Euricrium Rübsaameni Enderl. 9. Südbrasilien. Flügel. Vergr.20 :1.
11. Zygomma fasciatellum Enderl. Südbrasilien. Flügel. Vergr. 25:1.
12. Apelmocreagris bibionea (Speis. 1909.). Transvaal. Flügel. Vergr. 12: 1.
13. Trichosia Winn. 1867. Flügel. Nach Winnertz 1867. Taf. Fig. 4.
(Die dichte Flügelbehaarung ist weggelassen).
14. Lycoria brevipetiolata Enderl. 9. Fernando Po. Flügel. Vergr. 15:1.
15. Lycoria hortulana (Beling 1873) 2. Deutschland. Maxillarpalpus.
Vergr. 120 :1. sti= Stipes, cl = Coxalleiste, iln = Innere Lade
der Maxille. Vom 4-gliedrigen Palpus ist: tr = Trochanter, f =
Femur, ti = Tibja, ta = Tarsus.
16. Ceratiosciara corniculata Enderl. 2. Flügel. Vergr. 35:1.
17. desgl. Umriß des Fühlers (Behaarung weggelassen). Vergr. 120:1.
18. desgl. Maxillarpalpus. Vergr. 275 :1.
19. desgl. Vorletztes Geißelglied (15. Fühlerglied). Vergr. 355 :1.
20. Cratyna atra Winn. 1867. Nach Winnertz 1867, Taf., Fig. 7.
Tafel Il.
. 21. Gephyromma fulgidum Enderl. $. Südbrasilien. Flügel. Vergr.20:1.
22. Zygoneura sciarina Meig. 1830. Europa. Flügel. Nach Winnertz
1867, Taf., Fig. 8.
23. Lestremia leucophaea Meig. 2. Europa. Flügel. Vergr. 20 : 1.
24a. Catocha Halid. 1833. Geäder nach Winnertz, 1870, Taf. II, Fiz. Il, 1.
24b. Catocha Halid. 1833. Geäder nach Loew, 1862 p. 178, Fig. 10.
25. Tritozyga Loew 1862. Geäder nach Loew, 1862 Taf., Fig. 13.
26. Psectrosciara mahensis Kieff. 1911. Seychellen. Flügel. Vergr. 42 :1.
27. Anaretella defecta (Winn. 1870). Flügel. Nach Winnertz 1870, Taf. Il,
Fig. III, 2.
28. Anaretella africana Enderl. Q. Deutsch Ostafrika. Flügel. Vergr. 42:1.
29. Anarete coracina (Zetterst 1851). Flügel. Vergr. 42:1.
30. Anarete coracina (Zett. 1851). Deutschland. Klaue vom Vorderbein.
Vergr. 700 :1.
31. Limnopneumella stettinensis Enderl. 1910. (Deutschland). Flügel.
Vergr. 42:1. f
der Lycoriiden und ihre systematische Gliederung. 201
Fig. 32. Limnopneumella stettinensis Enderl. 1910. (Deutschland). Klaue
vom Mittelfuß. Vergr. 700 :1.
„33. Strobliella intermedia Kieff. 1898. (Steiermark). Flügel. Nach
Kieffer, Ann. Soc. Ent. Fr. Vol. 69. 1900. Pl. 22. Fig. 9.
„ 34. Campylomyza flavipes Meig. (Deutschland.) Flügel. Vergr. 42:1.
RE E 3 atra Meig. (Deutschland.) Flügel. Vergr. 42:1.
„ 36. Campylomyza bicolor Meig. (Deutschland.) Flügel. Vergr. 42:1.
„ 37. Joanisia Kiefferiena Enderl. 1911. Flügel. Vergr. 42:1.
„38. Palaeoheterotricha grandis Meun. 1904. (Fossil im Bernstein.) Flügel.
Vergr. 15:1.
Alphabetisches Verzeichnis der Familien, Subfamilien, Tribus
und Gattungen.
Synonyma sind cursiv gedruckt.
Amesicriini m. p.128. — Amesierium nov. gen. p. 128. — Anarete Hal.
1833 p. 194. — Anaretella nov. gen. p. 193. — Aniarella nov. gen. p. 141. —
Apelmocreagris nov. gen. p. 146. — Aprionus Kieff. 1895 p.196. — Aptanogyna
Börn. 1903 p. 185. — Atomaria Pig. 1854 p. 185. — Bradysia Winn. 1867 p. 183.
— Bryomyia Kieff. 1895 p. 196. — Campylomyza Meig. 1818 p. 195. — Campylo-
myzini p. 195. — Catocba Halid. 1833 p. 192. — Cecidogona Loew 1844 p. 191. —
Ceratioseiara nov. gen. p. 183. — Cerato Meun. 1904 p. 197. — Corynoptera Winn.
1867 p.182. — Cratyna Winn. 1867 p. 186. — Cratyninae m. p. 186. — Dasy-
sciara Kieff. 1903 p. 185. — Epidapus Halid. 1851 p. 185. — Eugnoriste Coq. 1896
p- 199. — Eurierium nov. gen. p. 142. — Furcinerva Rond. 1846 p.191. — Gephy-
romma noy. gen. p.189. — Heeriella Meun. 1904 p.197. — Heterotricha Loew 1850
p. 198. — Hybosciara Rübs. 1894 p. 145. — Joanisia Kieff. 1894 p.196. — Lestremia
p. 191. — Lestremiinae p.187. — Lestremiini p. 189. — Limnopneumella
nov. gen. p. 194. — Lycoria p.150. — Lyeoriidae p.125. — Lycoriinae p 125.
— Lycoriini p.141. — Lygistorrhina Skuse 1890 p. 199. — Macrostyla Winn.
1846 p.192. — Manota Willist. 1896. p. 197. — Megalosphyini m. p.129. —
Megalosphys nov. gen. p. 129. — Messala Curt. 1836 p. 199. — Metangela Rübs.
1894 p.140. — Meunieria Joh. 1909 p. 199. — Micromyia Rond. 1840 p.196. —
Mimosciara Rond. 1846 p.191. — Molobraea Rond. 1860 p.191. — Monardia
Kieff. 1895 p.196. — Mycosciara Kieff. 1903 p.185. — Novakia Strobl 1893
p.186. — Odontonyx Rübs. 1894 p.145. — Palaeognoriste Meun. 1904 p. 198.
— Palaeoheterotricha Meun. 1904 p.198. — Parastemma Grzeg. 1885 p. 197. —
Peromyia Kieff. 1894 p.196. — Plastosciara Berg 1899 p. 183. — Peyerimhoffia
Kieff. 1903 p. 185. — Prionellus Kieff. 1895 p. 196. — Privnota Kieff. 1894 p. 196.
— Psectrosciara Kieff. 1911 p.192. — Psiloseiara Kieff. 1909 p.182. — Psilo-
megalosphys nov. gen. p. 137. — Pseudosciara Kieft. 1898 p.183. — Rbyncho-
sciara Rübs. 1894 p.145. — Rübsaameniella Meun. 1906, p.186. — Seiara
Meig. 1903 p.150. — Sciarella Meun. 1904 p. 197. — Sciaridae p. 125. — Scia-
rini p.141. — Scythropochroa nov. gen. p. 138. — Strobliella Kieff. 1898 p. 19.
— Strobliellini p. 195. — Triehomegalosphys nov. gen. p. 136. — Trichosia Winn.
1867 p.149. — Tritozyga Loew 1862 p. 192. — Wasmanniella Kieff. 1898 p. 196.
— Yposatoea Rond. 1856 p. 191. — Zygomma nov. gen. p.143. — Zygoneura
Meig. 1830 p. 191.
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden.
Untersuchungen über die Larve von Heptagenia sulphurea
Müller.
Von
Dr. Fr. Wilh. Leue.
(Aus dem zoologischen Institut der Universität Berlin.)
Hierzu Tafel III—V.
Einleitung.
Schon im XVIII. Jahrhundert haben die Eintagsfliegen durch
ihre eigentümliche Erscheinung, ihr massenhaftes Auftauchen zu
bestimmten Jahreszeiten und ihr plötzliches Verschwinden die Auf-
merksamkeit der Forscher auf sich gezogen, und seit dieser Zeit ist die
Ephemeriden-Literatur durch zahlreiche Arbeiten recht erheblich
angewachsen. Jedoch die meisten Autoren beschäftigen sich in der
Hauptsache nur mit den Imagines, und auch von diesen ist haupt-
sächlich die Systematik unter Beifügung biologischer Beobachtungen
bearbeitet worden. Erst in neuerer Zeit ist den Larven dieser Tiere
mehr Aufmerksamkeit gewidmet worden; doch sind anatomisch-
histiologische Untersuchungen nur bei einigen Species, besonders bei
Clo&on ausgeführt worden. So erschien es wohl angebracht, eine
weniger untersuchte Ephemeridenlarve in monographischer Dar-
stellungsweise zu bearbeiten. Auf den Rat meines verehrten Lehrers
Herrn Professor Dr. Deegener habe ich es daher unternommen, die
Larve von Heptagenia sulphurea Müller in dieser Weise zu unter-
suchen. Es ist nun natürlich nicht der Zweck dieser Arbeit, eine voll-
ständige Monographie dieser Larve zu geben, vielmehr sollen hier
nur, wie ja schon der Titel sagt, die wichtigsten Organsysteme und,
soweit möglich, ihre Physiologie behandelt werden. Da ich in der mir
bekannt gewordenen Literatur von der Larve vorliegender Species
weder eine äußere morphologische Beschreibung, noch eine Abbildung
auffinden konnte, so habe ich der anatomisch-histiologischen Unter-
suchung eine genauere Darstellung der äußeren Morphologie voran-
gestellt.
Eine angenehme Pflicht ist es mir, auch an dieser Stelle meinem
verehrten Lehrer, Herrn Geheimen Regierungsrat Professor Dr.
F. E. Schulze meinen aufrichtigsten Dank für die gütige Bereitwilligkeit
auszusprechen, mit der er mir die reichen Hilfsmittel des Zoologischen
Instituts für diese Arbeit zur Verfügung stellte. Vielen Dank schulde
ich ferner dem ersten Assistenten dieses Instituts, Herrn Professor
Dr. Deegener, für die Anregung zu dieser Arbeit sowie für den stets
gern gewährten Rat.
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 203
Literatur.
Im Folgenden gebe ich nun eine kurze Übersicht über die in Frage
kommende Literatur; jedoch ist natürlich nicht beabsichtigt, eine
vollständige Bibliographie zu bieten. Vielmehr beschränke ich mich
hier auf die Aufführung der wichtigsten Hauptwerke sowie der mit
dieser Arbeit in engem Zusammenhange stehenden Abhandlungen.
Als erster bildet schon J. Swammerdam in seiner Biblia Naturae
1737 eine Ephemeridennymphe mit den Grundzügen ihrer Organisation
ab; es handelt sich jedenfalls um eine Species der Gattung Ephemera.
Die wichtigsten Organsysteme sind hier schon mit einer in Anbetracht
der primitiven Methoden bewundernswerten Genauigkeit dargestellt.
Dann veröffentlicht Reaumur in seinen M&moires pour servir &
l’histoire des Insectes die Beschreibung der Imagines einiger Species
(Palingenia, Ephemera, Cloöon) und gibt vor allem recht genaue bio-
logische Beobachtungen.
Es folgen dann Arbeiten von K. Degeer (1779), Schäffers (1779),
M. Stephens (1835), A. H. Davis (1835), H. Burmeister (1839) Hand-
buch der Entomologie, Rambur (1842) und anderen. 1843 veröffent-
lichte dann F. J. Pictet sein für die Systematik der Ephemeriden
grundlegendes Werk: Histoire naturelle des Insectes nevropteres;
Famille des Ephemörines. Pictet gibt hier recht gute Diagnosen und
Abbildungen einer ganzen Anzahl von Species; auch die Imago der
hier zu behandelnden Heptagenia sulphurea beschreibt er unter dem
Namen Baötis sulphurea. Er teilt die Larven der Ephemeriden ein in
grabende (fouisseuses), platte (plattes), schwimmende (nageuses) und
kriechende (rampantes). Nach diesem System gehört unsere Hepta-
genia sulphurea zu den ‚platten‘ Larven. Eigene anatomische Unter-
suchungen hat Pictet jedoch nicht gemacht; hier bezieht er sich auf
seine Vorgänger.
Von den darauf folgenden Werken nenne ich noch: F. Brauer, Die
Neuropteren Europas und insbesondere Oesterreichs mit Rücksicht
auf ihre geographische Verbreitung 1876.
1877 gab dann Palmen (Zur Morphologie des Tracheensystems,
Helsingfors) eine genauere Darstellung des Respirationssystems;
insbesondere weist er nach, daß die Tracheenkiemen der Ephemeriden-
larven und die Stigmen der Imagines genetisch nichts mit einander zu
tun haben. In einer späteren Arbeit hat er dann außer den Geschlechts-
organen noch den Darmkanal, insbesondere mit Bezug auf die Ge-
schlechtsorgane bei verschiedenen Arten untersucht (Ueber paarige
Ausführungsgänge der Geschlechtsorgane bei Insekten, Helsingfors
1884).
Anatomische Untersuchungen haben wir ferner von A. Vayssiere
(Recherches sur l’organisation des larves des Ephemerines; Annales
des sciences naturelles, 6. ser. Zool. tom. XIII 1882). Jedoch beruhen
seine Angaben nur auf Präparationen mit Nadel und Skalpell und sind
daher recht ungenau.
1883 gibt dann Eaton in seiner Monographie der Ephemeriden
204 . Dr. Fr. Wilh. Leue:
eine systematische Darstellung dieser Familie, die auch heute noch
im wesentlichen in Geltung ist.
Von neueren Werken sind noch zu nennen: M. Rostock, Die Netz-
flügler Deutschlands, Zwickau 1888. R. Tümpel, Die Gradflügler
Mitteleuropas, Eisenach 1901. Brauer, Die Süßwasserfauna Deutsch-
lands, Heft 8: Fr. Klapälek, Ephemeridae, Jena 1909. Für die Be-
stimmung der Eintagsfliegen kommen hauptsächlich die beiden letzten
Werke in Frage; doch kann man danach die Nymphen resp. Larven
nur bis zur Gattung bestimmen.
Zum Schlusse dieses Abschnittes nenne ich noch enige neuere Ar-
beiten, die mit vorliegenden Untersuchungen in engerem Zusammen-
hang stehen. Es sind dies: A. Fritze, Ueber den Darmkanal der Ephe-
meriden, und R. Sternfeld, Die Verkümmerung der Mundteile und der
Funktionswechsel des Darmes bei den Ephemeriden. Auf diese, wie
auf die Fritzesche Arbeit werde ich später genauer zu sprechen kommen.
Endlich erschien dann noch, als sich meine Untersuchungen bereits
dem Abschlusse näherten, H. Drenkelfort, Neue Beiträge zur Kenntnis
der Biologie und Anatomie von Siphlurus lacustris. Wir finden hier
besonders biologische Beobachtungen.
Material und Methode,
Die für die vorliegende Arbeit verwendeten Larven von Heptagenia
sulphurea stammen fast durchweg aus dem Müggelsee bei Berlin.
Als ergiebigster Fangplatz erwies sich hier der Schilfbestand hinter der
Mole des Königlichen Instituts für Binnenfischerei in Friedrichshagen.
Geschützt vor der starken Brandung, herrscht hier im flachen Wasser
mit schlammigem Boden ein reges Leben aller möglichen Süßwasser-
organismen. Von Ephemeriden fand ich stets mit den Heptagenia-
larven zusammen in großen Mengen die Larven von Cloöon und Caenis.
Die Fangmethode war folgende: Mit einem sogenannten Pfahlkratzer
streifte ich in dem Schilf dicht über dem Boden dahin. Der Inhalt
des Netzes wurde dann in einen Eimer voll Wasser gespült. Dies wurde
mehrfach wiederholt, und schließlich wurde der Inhalt des Eimers
im Institut in einer kleinen Schale nach einander durchgesehen. Die
Larven direkt aus dem Netze herauszusuchen, empfiehlt sich nicht,
da die gelblich braunen Tiere in dem gleichgefärbten Detritus leicht
übersehen werden.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich nicht versäumen, dem Direktor
des Instituts für Binnenfischerei, Herrn Professor Dr. P. Schiemenz,
meinen wärmsten Dank auszusprechen für die Bereitwilligkeit, mit der
er mir jederzeit die Einrichtungen des Instituts zur Verfügung stellte.
Die Larven hielt ich im hiesigen Zoologischen Institut meist in
flachen Glasschalen, in denen einige Sprosse von Elodea canadensis
schwammen, und die auf eine Unterlage von weißem Papier gestellt
wurden. In diesen Schalen lassen sich die Tiere jederzeit leicht beob-
achten, und bei etwa wöchentlicher Erneuerung des Wassers halten sie
sich sehr lange am Leben.
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 205
Für die Untersuchung wurden die Tiere sowohl unter der Lupe
präpariert als auch in Schnittserien zerlegt.
Für die erstere Methode wurden die Larven in 93 prozentigem
Alkohol oder Carbol-Glycerin konserviert. Namentlich letzteres
erwies sich hierzu sehr geeignet. Das Material wird nicht so hart und
spröde wie das in Alkohol konservierte und läßt sich mit Nadel und
Skalpell leicht bearbeiten.
Für die Schnittmethode erwiesen sich als beste Konservierungs-
flüssigkeiten Carnoys Gemisch (6 Teile abs. Alkohol, 3 Teile Chloro-
form, 1 Teil Essigsäure) und eine Lösung von 96 prozentigem Alkohol,
60 Teile; Formol, 40 %, 45 Teile und 2 Teilen Essigsäure. Erstere Lösung
ließ ich 5 bis 10 Minuten einwirken, letztere ca. 4 Stunden.
Größere Exemplare wurden vor der Konservierung durch einen
schnellen Schnitt mit der Schere in zwei Teile zerlegt, um das Ein-
dringen der Flüssigkeit zu erleichtern.
Weniger gute Resultate erhielt ich mit Pikrinsäure (konzentrierte
Lösung in 63 prozentigem Alkohol) und konzentrierter Sublimat-
lösung mit Zusatz von einigen Tropfen Essigsäure auf 25 cem.
Es wurden Serien von 5 u Schnitten angefertigt, und zwar in fron-
taler, sagittaler und transversaler Richtung.
Für die Kernfärbung verwendete ich Hämatoxylin nach Delafield
und Ehrlich, für die Nachfärbung die van Giesonsche Lösung (Pikrin-
säure-Säurefuchsin) und Eosin. Recht gute Resultate gab auch eine
Kernfärbung mit Boraxkarmin mit einer Nachfärbung mit Bleu de Lyon.
Die angegebenen Messungswerte stellen Durchschnittswerte aus einer
größeren Anzahl von Messungen dar. Sie beziehen sich, falls nichts
' anderes bemerkt ist, auf fast erwachsene Larven, bezw. Nymphen.
Wie schon oben erwähnt, ist es nach den vorliegenden Werken
nicht möglich, die Larven der Ephemeriden bis zur Species zu bestimmen.
Um nun dies einwandfrei festzustellen, hielt ich größere Larven, resp.
Nymphen bis zum Ausschlüpfen der Subimagines in Aquarien und
bestimmte dann die Subimagines.
Äußere Morphologie.
Die in diesem Abschnitt gegebene Darstellung der Morphologie
bezieht sich auf ältere Larven, etwa von 5 mm Körperlänge an, resp.
Nymphen. Bei jüngeren Larven zeigen sich Abweichungen, besonders
in Bezug auf die Tracheenkiemen, da diese erst im Laufe der postembryo-
nalen Entwicklung gebildet werden.
Im Gegensatze zu vielen anderen Ephemeridenlarven ist der
Körper der Heptagenialarven nicht drehrund, sondern dorso-ventral
abgeflacht. Pictet stellt sie ja dementsprechend zu seinen ‚„larves
plattes“. Kopf, Thorax und Abdomen sind wie bei den meisten anderen
Eintagsfliegen deutlich zu unterscheiden.
Der Kopf. Betrachten wir die Larve von Heptagenia sulphurea
von der dorsalen Seite, so erscheint uns der Kopf etwa in Form einer
Ellipse, deren große Achse zur Körperachse senkrecht steht. Auch
206 N Dr. Fr. Wilh. Leue:
am Kopfe macht sich die Abplattung bemerkbar, die für diese Gattung
charakteristisch ist. Während z. B. der Kopf von Clo&on von der
Seite betrachtet in der äußeren Form einige Ähnlichkeit mit dem Kopfe
der Locustiden zeigt, ist der Kopi unserer Heptagenialarve etwa so lang
wie hoch, wie dies ja z. B. auch aus dem in Fig. 11 dargestellten Median-
schnitt ersichtlich ist.
An der dorsalen, gewölbten Kopikapsel sind Epieranium und
Clypeus noch leicht erkennbar. Das Epieranium wiederum läßt
deutlich eine linke und eine rechte Hälfte unterscheiden, die in der
Medianlinie durch eine deutlich erkennbare Naht verbunden sind.
Jeder dieser Teile trägt eins der großen seitlichen Facettenaugen und
einen Lateralocellus, und zwar liegen diese Ocellen direkt vor dem Innen-
rande der Facettenaugen, dicht am rostralen Rande des Epicraniums.
Der Clypeus läßt bei unserer Larve keine mediane Naht mehr erkennen,
er erscheint vollkommen einheitlich. Auf der sogenannten Stirn ist
ein Besatz von feinen Härchen, offenbar Sinneshaaren, leicht zu
erkennen. Der Clypeus trägt den Medianocellus und die beiden Fühler.
Nach der Ventralseite hin setzt er sich in das Labrum, die Oberlippe
fort. Diese stellt jedoch keinen eigentlichen Mundteil dar, da sie nicht
aus einer embryonalen Extremitätenanlage hervorgeht. Die Fühler
sind etwas länger als der Kopf breit ist, also verhältnismäßig groß.
Man kann an ihnen die drei Hauptteile der Insektenantennen leicht
unterscheiden. Dem Clypeus sitzt zunächst ein kurzes, breites Glied
auf, das Basalglied. Darauf folgt das Pedicellum, welches etwas schmaler
und über doppelt so lang als breit ist. Auf dieses endlich folgt das
ahlförmige Flagellum. Dieses besteht hier aus ca. 24 Gliedern, welche
an dem basalen Ende ziemlich kurz, stets kürzer als breit, sind, aber
nach dem apicalen Ende zu an Länge zunehmen. Jedes dieser Glieder
des Flagellums trägt an seinem basalen Ende einen ringförmigen Besatz
von feinen Borsten. Einen Besatz von stachelförmigen Borsten, wie
es für andere Ephemeridenlarven beschrieben worden ist, habe ich
jedoch nicht konstatieren können.
Der ventrale Teil der Kopfkapsel ist im Gegensatz zu dem dorsalen
fast eben. Er läßt keinerlei Nähte erkennen, sondern erscheint bei
unserer Larve als vollkommen einheitliches Gebilde. Drenkelfort
(1910) nennt diesen Teil „‚Mundteld‘‘ und gibt an, daß er sich hierin
Vayssiere anschließe. Ich habe jedoch diesen Terminus bei Vayssiere
nirgends finden können. Dieser Autor bezeichnet diesen Teil vielmehr
(8.25) als Ventralfeld (plan ventral), und ich möchte diesen Ausdruck
auch beibehalten, da er die Lage dieses Teiles der Kopfkapsel unzwei-
deutig und klar zum Ausdruck bringt. Dieses Ventralfeld umschließt
die Mundöffnung und trägt die echten Mundteile: Mandibeln, erste
Maxillen und die verwachsenen zweiten Maxillen, das Labium. Diese
Mundteile will ich jedoch erst bei der Besprechung des Verdauungs-
systems genauer behandeln, da sie in physiologischer Hinsicht eng zu
diesem Organsystem gehören.
Vayssiere unterscheidet dann noch ein drittes Feld (plan posterieur),
welches das Foramen oceipitale umgrenzt. Dieses Feld besteht auch
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 207
bei unserer Larve aus einem einzigen unpaaren Stück; es verbindet
das Ventralfeld mit den beiden Hemisphären des Epieraniums und
schließt so die Kopfkapsel analwärts.
Der Thorax. An den Kopf schließt sich eng der Thorax an. Er
besteht wie bei allen Insekten aus drei Segmenten, Pro-, Meso- und
Metathorax, von denen jeder ein Beinpaar trägt. Alle drei Segmente sind
bei unserer Species ohne weiteres leicht zu unterscheiden. Auf der
dorsalen Seite erscheinen sie ein Stück in einander eingeschoben, auf
der ventralen Seite dagegen sind Meso- und Metathorax nur durch
eine flache Einkerbung von einander abgesetzt (Fig. 11). Von der
dorsalen Seite betrachtet, erscheinen sie alle breiter als lang, doch ist
der Mesothorax am mächtigsten entwickelt. Die Abplattung des ganzen
Tieres tritt am Thorax am wenigsten in Erscheinung, doch ist auf
Transversalschnitten die Abflachung auch bei dieser Körperregion
noch deutlich erkennbar.
Die Beine lassen die füni Teile der typischen Insektenextremität
leicht erkennen. Coxa, Trochanter, Femur, Tibia, Tarsus sind gut
ausgebildet. Alle drei Beinpaare sind ziemlich gleichmäßig entwickelt;
bei allen sind Femur, Tibia und Tarsus stark abgetlacht. Eigentümlicher-
weise ist das Gelenk zwischen Tibia und Tarsus offenbar nicht ausge-
bildet. Äußerlich wenigstens ist es nicht zu erkennen, und ich habe
auch weder bei lebenden noch konservierten Tieren eine Beugung an
dieser Stelle beobachtet. Tibia und Tarsus bilden vielmehr stets eine
ziemlich grade Linie. Der Tarsus nun besteht bei unserer Larve an
sämtlichen Beinen nur aus einem einzigen Glied. Erst bei der Häutung
der Nymphe zur Subimago teilt er sich in fünf Tarsalia, wie es für die
ganze Gattung bei Subimagines und Imagines typisch ist. An den
Tarsus schließt sich eine einfache Kralle. Diese ist ziemlich lang, etwa
ein Drittel so lang als der Tarsus und erscheint daher bei flüchtiger
Beobachtung leicht als ein zweites Tarsalglied.
An den Beinen unserer Spezies habe ich fiederförmige Borsten,
wie sie für andere Arten beschrieben sind, nicht gefunden. Dagegen
findet sich ein reicher Besatz von einfachen Borsten und Härchen.
Zunächst ist das Femur an den Schmalseiten bei sämtlichen Beinen
mit vielen starken, stachelförmigen Borsten besetzt. Ferner ist überall
die Tibia und bei dem vorderen Beinpaar auch der Tarsus auf der
oberen Schmalseite mit einem Borstenbesatze versehen, während sowohl
Tibia wie Tarsus sämtlicher Beine auf der unteren Schmalseite reich
mit feinen Härchen bestanden sind. Diese letzteren dienen offenbar
der Übertragung von Tastempfindungen, während die starken Borsten
Schutzwafien darstellen.
Außer den Beinen sitzen dorsal am Meso- und Metathorax je ein
Paar larvaler Flügel, die Anlagen der Flügel der Imago. Von diesen
ist das vordere, am Mesothorax inserierende Paar das bei weitem
größte; von diesem mesothorakalen Paar werden bei älteren Larven
die beiden metathorakalen vollkommen überdeckt, so daß sie ohne
weiteres überhaupt nicht zu erkennen sind.
Das Abdomen. An den Thorax schließt sich als letzter Körper-
208 Dr. Fr. Wilh. Leue:
abschnitt das Abdomen an. Dieses ist von allen Körperregionen am
stärksten dorso-ventral abgeplattet.
Über die Anzahl der Abdominalsegmente der Ephemeriden liegen
nun sehr verschiedene Angaben vor. Ich will hier nur kurz einige davon
mitteilen. Pictet gibt für alle von ihm beschriebenen Species neun
Segmente an, ebenso Eaton (S. 12). Vayssiere dagegen weist diese
Zahl als unriehtig zurück. Er konstatiert für alle von ihm untersuchten
Arten zehn Segmente, und diese Zahl wird auch von Heymons für
Ephemera und Caenis bestätigt. Merkwürdigerweise gibt dann wieder
Tümpel für die Larven neun Segmente an, während er für die Imagines
zehn zählt. Schließlich hat dann Drenkelfort (1910) für Siphlurus
lacustris wieder zehn Segmente festgestellt.
Für unsere Species lassen sich nun, wenn man das Tier von der
dorsalen Seite betrachtet, leicht zehn Segmente erkennen, welche alle
deutlich von einander abgesetzt sind; von der ventralen Seite be-
trachtet erscheint allerdings das zehnte Segment vom neunten weniger
deutlich gesondert.
Bei allen Segmenten sind die Tergite stark gewölbt, während die
Sternite fast ganz eben oder nur flach gewölbt sind. An den Pleuren
sind die Segmente mit Ausnahme des letzten in einen Stachel aus-
gezogen.
Als wichtigste Anhänge des Abdomens müssen wir die Tracheen-
kiemen betrachten. Von den zehn Abdominalsegmenten tragen nur
die sieben vordersten je ein Paar dieser Respirationsorgane, wir haben
also sieben Paar Tracheenkiemen. Von diesen bestehen die vordersten
sechs aus einem blattförmigen und einem büschelförmigen Teil (Fig 1
und 2), während beim siebenten Paar nur der blattförmige vorhanden
ist (Fig. 3). Bei den ersteren ist der blattförmige Teil stets über dreimal
so lang als der büschelförmige und verdeckt den letzteren fast völlig,
so daß dieser, wenn man das Tier von der dorsalen Seite betrachtet,
der Beobachtung leicht entgeht.
Der blattförmige Teil der Tracheenkiemen der ersten sechs Ab-
dominalsegmente hat bei älteren Larven und Nymphen etwa die Form
eines Fliederblattes, jedoch ohne den herzförmigen Einschnitt der
Blattbasis eines solchen zu zeigen (Fig. 1 und 2), während bei jungen
Tieren die Spitze weniger ausgezogen ist. Die Kieme des siebenten
Abdominalsegmentes dagegen erscheint mehr lanzettförmig (Fig. 3).
Bei den vorderen sechs Paaren ist dieser blattförmige Teil etwa doppelt
so lang als breit, bei diesem letzten Paar dagegen etwa dreimal so lang
als breit.
Klapälek (1909) unterscheidet in seiner von Eaton übernommenen
Bestimmungstabelle der Nymphen: Kiemenblättehen schmal lanzett-
förmig: Heptagenia; die vorderen Kiemenblättchen ellipsoid, die
hinteren von länglich eiförmigen in eiförmige übergehend, bei jüngeren
Stücken sind sie schmäler und eher dreieckig: Eedyurus. Aus dem
oben über die Kiemenblättehen von Heptagenia sulphurea Gesagten
und den beigefügten Abbildungen geht hervor, daß diese Diagnose für
die vorliegende Species nicht genau zutrifft. Allerdings erscheinen
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 209
die Kiemen, wenn man das lebende Tier von der dorsalen Seite be-
trachtet, oft lanzettförmig, da ihre Fläche nicht in der Frontalebene
des Tieres liegt, sondern mit dieser einen ziemlich großen spitzen
Winkel bildet. Ebenso wenig zutreffend für diesen Fall ist Tümpels
(1901) Diagnose: ‚„‚Untergattung Heptagenia: Mit drei Schwanzborsten.
Blattförmiger Teil der Kiementracheen sehr schmal, fadenförmiger
ungefähr so lang wie der blattförmige.“
Die in diesen Kiemenblättehen verlaufenden Tracheenstämme
lassen eine Verästelung bis zum zweiten Grade erkennen. Bei dem
dritten bis siebenten Paar (Fig. 2 und 3) ist in jeder Kieme nur ein
Hauptstamm vorhanden, der dieselbe vom Grunde bis zur Spitze
durchzieht und nochmals verzweigte Seitenäste abgibt, so daß diese
Kiemenblättehen mit einem Laubblatt mit seiner Nervatur große
Ähnlichkeit haben. Bei den ersten beiden Paaren dagegen geht vom
Grunde außerdem noch ein zweiter weniger kräftiger Hauptstamm
aus (Fig. 1).
Von den übrigen Abdominalsegmenten ist noch das letzte erwähnens-
wert. Auf seiner Ventralseite trägt es die Afteröffnung, bedeckt von
drei Afterklappen. Dorsal liegt die unpaare sichelförmige Lamina
supraanalis, ventral die beiden Laminae subanales. Ferner trägt dieses
Segment die drei Schwanzborsten. Diese sind bei unserer Species alle
gleich gut entwickelt und im Verhältnis zur Körpergröße sehr lang, etwa
eineinhalbmal so lang als der übrige Körper. Längere Haare finden
sich an ihnen nicht, vielmehr trägt jedes Glied an seinem distalen Ende
nur einen Kranz kurzer borstenartiger Härchen.
Es bleibt nun nur noch übrig, eine kurze Beschreibung der Fär-
bung unserer Larve zu geben. Hier sind wiederum besonders die
fast ausgewachsenen Larven bezw. die Nymphen in Betracht gezogen;
bei jüngeren Tieren ist die Zeichnung noch weniger ausgeprägt.
Die Ventralseite zunächst zeigt eine ziemlich gleichmäßige, schwach
gelbliche Färbung. Eine prägnante Zeichnung finden wir hier nicht,
diese beschränkt sich vielmehr auf die dorsale Seite. Die Grundfarbe
dieser letzteren nun ist durchweg ein blasses Ockergelb, auf das die
Zeichnung in sepiabraunen bis rötlich-braunen Tönen aufgesetzt ist.
Auf dem Epieranium finden wir zunächst zwischen den beiden
Facettenaugen zwei parallele Längsbinden. An diese stößt mit einer
Ecke eine etwa rhombische Figur des Clypeus an. Ferner finden wir
auf dem Kopie noch, rostral von den Seitenaugen, zwei kurze, fast
fleckenartige Binden, welche an die lateralen Ecken der erwähnten
Clypeuszeichnung anstoßen. Die Seitenaugen selbst erscheinen bei
auffallendem Licht silbergrau bis tiefschwarz, während die Ocellen
stets rein schwarz sind.
Auf den drei thorakalen Tergiten finden wir in der Mediane eine
mattgraue schmale Linie, die sich gegen den caudalen Rand jedes
Segmentes etwas verbreitert. Daneben finden wir symmetrisch jeder-
seits noch zwei braune Längsbinden auf jedem Tergiten, also im ganzen
vier. Diese Zeichnung ist am deutlichsten auf dem Prothorax; auf dem
Meso- und Metathorax erscheint sie mehr verwaschen.
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 3. Suppl. 14
210 Dr. Fr. Wilh. Leue:
Die Tergite des Abdomens zeigen alle eine recht gleichmäßige
Zeichnung. In der Mediane finden wir aufjedem Segment eine mattgraue
Längsbinde, die sich caudalwärts in zwei Äste spaltet. Auf jeder Seite
davon sehen wir ferner eine sepiabraune Längsbinde, die mit den Enden
der Gabeläste in Verbindung steht. Jedes Segment erscheint ausserdem
mit einem schmalen hellbraunen Rand umzogen.
Die Beine zeigen mehr eine graugrünliche Grundfarbe, besonders
Tibia und Tarsus. Das Femur ist schwach carmoisinrot angehaucht
und trägt zwei unregelmäßige Querbinden. Besonders farbenprächtig
ist diese Zeichnung bei dem prothorakalen Beinpaar.
Die Tracheenkiemen erscheinen mattgrau mit einem schwachen
gelblich-braunen Anflug, die Tracheen derselben dunkelbraun bis
schwarz.
Die Schwanzfäden endlich zeigen eine blaßgelbliche Grundiarbe,
während das caudale Ende eines jeden Gliedes eine ringsum laufende
braune Binde trägt, so daß die Schwanzfäden braun geringelt erscheinen.
Biologisches.
Die Larven von Heptagenia sulphurea bewohnen größere, lang-
samer fließende Gewässer oder größere klare Seen. Hier findet man
sie ausschließlich an Stellen mit reichlicher Vegetation, z. B. in Schilf-
beständen und in der Bodenflora von Elodea canadensis und Myrio-
phyllum. Sandige, öde Stellen meiden sie völlig.
Ihre Nahrung ist fast ausschließlich vegetabilisch, kleinere Tiere,
besonders Rotatorien, werden wohl nur gelegentlich durch Zufall
aufgenommen. Die wichtigste Nahrung bilden unzweifelhaft Detritus
und Diatomeen. Man sieht die Tiere im Aquarium häufig auf einem ver-
moderten Pflanzenteilchen sitzen und eifrig daran nagen. Andererseits
sind die Tiere aber auch ohne Zweifel imstande, feineren Detritus
und besonders Diatomeen ohne kauende Bewegung der Mundwerk-
zeuge sondern durch bloßes Aufsaugen aufzunehmen. Bei der Be-
sprechung des Verdauungssystems werde ich darauf zurückkommen.
Hier will ich nur noch erwähnen, daß ich diese Art der Nahrungs-
aufnahme auch deutlich bei den von mir in Glasschalen gehaltenen
Tieren habe beobachteten können.
Da unsere Larven also stets reichlich mit Nahrung versehen sind,
so haben sie es nicht nötig, auf Raub auszugehen. Sie sitzen meist
träge da und bewegen nur die Tracheenkiemen, um das zur Atmung
nötige frische Wasser herbeizustrudeln.
Die Fortbewegung geschieht in der Hauptsache durch Schwimmen.
Hierbei werden die Tracheenkiemen dicht an den Körper gelegt, für
die Fortbewegung kommen sie nicht in Betracht.
Dasselbe hat schon Drenkelfort für Siphlurus lacustris beobachtet.
Die Ansicht Tümpels, daß die Tracheenkiemen die Larve beim
Schwimmen vielleicht unterstützen, trifft also auch für unsere Spezies
nicht zu.
Ebenso habe ich auch an den Beinen keine rudernde Bewegung
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 91
beobachtet, wie dies Drenkelfort für Siphlurus lacustris annimmt.
Diese werden vielmehr beim Schwimmen ebenfalls dem Körper lose
angelegt. Die starke Abflachung der Beine hat also wohl nur den
Zweck, dem Wasser beim Schwimmen einen möglichst geringen Wider-
stand zu bieten.
Die Schwimmbewegung kommt vielmehr durch Auf- und Ab-
schlagen des Abdomens mit den Schwanzfäden zustande. Ebenso
wie dies Drenkelfort für Siphlurus lacustris beobachtete, habe ich
auch für Heptagenia sulphurea feststellen können, daß die Schwimm-
bewegungen der jungen Larven viel hastiger sind als die der älteren.
Drenkelfort erklärt dies wohl zutreffend mit der verhältnismäßig
größeren Länge der Schwanzborsten bei den älteren Tieren.
Ihrer Beine bedienen sich die Tiere zur Fortbewegung ziemlich
selten. Sie können laufend auch keine große Behendigkeit entwickeln,
wie etwa die meisten Plecopterenlarven. Vielmehr schreiten sie
ziemlich schwerfällig dahin.
Wieviel Häutungen bei unserer Species während des Larvenlebens
vorkommen, habe ich leider nicht beobachten können, da es mir nicht
gelang, die Tiere vom Larvulastadium bis zur Nymphe am Leben
zu erhalten.
Das Larvenleben dauert bei Heptagenia sulphurea nach meinen
Beobachtungen ein Jahr. Ich habe jedenfalls niemals zu gleicher Zeit
Larven gefangen, deren Altersunterschied sehr groß erschien; er mochte
wohl höchstens zwei bis drei Monate betragen. Dieser Unterschied
erklärt sich daraus, daß bei uns diese Eintagsfliege vom Mai bis in den
Oktober hinein fliegt. Mehrere Generationen sind nach meinen Be-
obachtungen in einem Jahre nicht vorhanden. Andererseits schlüpften
sämtliche Larven, die ich im März fing, noch in demselben Sommer aus.
Ich kann also wohl mit ziemlicher Sicherheit für Heptagenia sulphurea
eine Larvenperiode von etwa einem Jahre annehmen.
Anatomisch-histiologische Untersuchungen.
1. Hautskelett.
Exoskelett. Das Exoskelett umhüllt bei unserer Larve alle
Körperteile als ziemlich gleichmäßige Chitineuticula. Auf Schnitten
durch diese Cuticula lassen sich mit der Gieson-Färbung leicht zwei
über einander liegende differente Schichten nachweisen, eine äußere,
welche sich mit Pikrinsäure gelb färbt, und eine innere, welche
sich mit Säurefuchsin rot färbt. Von diesen beiden Teilen ist augen-
scheinlich die äußere die festeste und widerstandsfähigste. Beim
Schneiden splittert sie leicht, und auf Schnitten erscheint sie stets -
als feste, solide Masse. Die äußere Schicht dagegen erscheint weniger
widerstandsfähig, und zeigt oft ein zerschlissenes faseriges Aussehen.
Vosseler spricht diese innere Schicht nach seinen Untersuchungen an
anderen Insekten als eine mit der Zellulose in jeder Hinsicht vollkommen
übereinstimmende Schicht an.
Je nach der größeren oder geringeren Beanspruchung weist nun
14*
>19 Dr. Fr. Wilh. Leue:
die Cuticula an den verschiedenen Körperteilen eine verschiedene
Dicke auf. Nachstehend gebe ich einige Werte für fast erwachsene
Larven bezw. Nymphen. Hier zeigt die Cuticula der Kopfkapsel
durchschnittlich eine Dicke von ca. 17 u, wovon 12,5 u auf die innere
(rote) und 4,5 a auf die äußere (gelbe) Schicht entfallen. Etwas
schwächer ist die Cutieula der dorsalen Seite des Thorax und des
Abdomens ausgebildet. Hier wird die innere Schicht 3,5 «, die äußere
11,5 u diek, die ganze Cuticula also etwa 15 « dick. Noch schwächer
ist die Cuticula der Ventralseite. Hier mißt die rote Schicht etwa
6 bis 7 w, die gelbe 3 4, die ganze Cuticula also etwa 9 bis
10 u. Die Schwanzfäden endlich zeigen im Durchschnitt eine Cuticula
von etwa 7 bis 84, wobei die innere Schicht 5 u, die äußere 2 bis 3 « mißt.
Die Matrix der Cuticula oder die Hypodermis ist nicht überall
gleich entwickelt. Ihre Dicke schwankt zwischen 35 und 10 «, und
zwar ist sie am stärksten an der dorsalen Seite des Thorax. Die Kerne
sind etwa 3,5 bis 5 u groß, fast stets annähernd kugelig und enthalten
ein gleichmäßig, verteiltes, ziemlich lockeres Chromatin. Zellgrenzen
habe ich nicht immer mit Bestimmtheit erkennen können, doch läßt
der Abstand der Kerne von einander eine durehschnittliche Größe
von ca. 5 bis 10 « für die einzelnen Matrixzellen erkennen.
Recht ansehnliche Verdickungen zeigt nun die Cutieula an den
Segmentgrenzen, und zwar ist hier besonders die äußere, also die wider-
standsfähigste Schicht verstärkt. Diese Verdiekungen sehen wir auf
allen Längsschnitten, die wir durch das Tier führen (Fig. 4), besonders
mächtig jedoch am Abdomen. Sie stellen rippenartige Skeletteile
dar, welche den Körper etwa wie Tonnenreifen umschließen. Diese
Leisten werden etwa 25 « dick, wovon 10 u auf die äußere (gelbe),
also widerstandsfähigste, und 15 w auf die innere (rote) Schicht ent-
fallen.
Diese starken Chitinleisten sind von Wichtigkeit als Anheftungs>-
punkte für die Körpermuskulatur. Unsere Larven schwimmen ja
durch Auf- und Niederschlagen des Abdomens. Hier an diesen Ver-
diekungen nun setzen kräftige Muskeln an, welche andererseits an der
Cuticula des vorhergehenden Segments inserieren. Durch abwechselnde
Kontraktionen der Muskein der Dorsalseite und denen der Ventral-
seite wird dann das Abdomen auf- und niedergeschlagen.
Endoskelett. Außer diesem äußeren Cuticularskelett ist nun
noch das innere Kopfskelett, das Tentorium, gut entwickelt. Es besteht
zunächst aus einem flachen plattenartigen Hohlkörper, welcher ventral
vom Kropf liegt. Von diesem gehen drei Paare von sogenannten Endo-
sterniten aus. Das eine Paar zieht zum Clypeus, das zweite ventralwärts
zu den Mundteilen, während das dritte analwärts gerichtet ist und an
dem hinteren Teile der Kopfkapsel endigt.
Das ganze Endoskelett verrät noch deutlich seine Herkunft aus
einer Einstülpung des Exoskelettes. Seine sämtlichen Teile sind hohl
und kommunizieren direkt mit der Außenwelt. Die Wände dieser
Hohlräume zeigen denselben Bau, wie er weiter oben für das Exoskelett
beschrieben wurde. Die Cuticula zeigt bei der van Giesonschen Färbung
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 213
auch hier eine gelbe und eine rote Schicht. Für den zentralen Hohl-
körper sind die Maße: gelbe Schicht: 6 u, rote Schicht: 5 u, also ganze
Cutieula 11 «u. Entsprechend der Entstehung des Tentoriums als eine
Einstülpung ist die gelbe Schicht gegen das Lumen desselben-gerichtet.
Der roten Schicht liegt überall die Matrix an, welche denselben Bau
wie die Matrix des Exoskeletts zeigt; sie ist etwa 5 w dick.
Das Tentorium ist in erster Linie von Wichtigkeit als Stützpunkt
für die Muskulatur des Kopfes. An den beiden ventro-orad verlaufenden
Endosterniten setzen die Muskeln der Kauwerkzeuge an. An der
Mittelplatte dagegen inserieren vor allem die Dilatatoren des Oeso-
phagus. Ferner ist diese letztere noch von Wichtigkeit für die Auf-
hängung des Mitteldarms. Etwas seitlich von der Medianebene nämlich
zieht jederseits ein Strang von festem Bindegewebe zum Vorderende
dieses Darmabschnittes und fixiert ihn so in seiner Lage.
Häutungen. An den regelmäßigen Häutungen der Larve ist das
gesamte Cutieularskelett einschließlich des Tentoriums beteiligt. Da
nun das Tier beständig wächst, so ist die Chitinhülle für die vergrößerte
Matrix nach jeder Häutung bald wieder zu eng. Diese ist daher ge-
zwungen, sich in Falten zu legen. Am Körper unserer Larve selbst
treten diese weniger auffallend hervor, da bei dem langsamen Wachstum
des Tieres und den vielen Häutungen der Unterschied jedesmal nicht so
bedeutend ist. Wir finden daher hier nur kürzere Zeit vor jeder Häutung
eine leichte Faltung der Matrix mit der jungen Cutieula unter der
alten Chitinhülle, besonders am Clypeus und an den Abdominal-
segmenten.
Bedeutender im Verhältnis hierzu ist die Längenzunahme der
Schwanzborsten und der Flügelanlagen. Besonders sind die Schwanz-
fäden bei jüngeren Tieren verhältnismäßig viel kürzer als bei aus-
gewachsenen Larven. Hier zeigt infolgedessen die Matrix vor jeder
Häutung eine starke Faltung, wie dies an dem, in Figur 5 dargestellten
Medianschnitt durch die mittlere Schwanzborste einer in der Häutung
befindlichen Larve leicht zu erkennen ist. Ganz ähnliche Bilder zeigt
in diesem Stadium ein Sagittalschnitt durch die Flügelanlagen.
2. Ernährungssystem.
a) Die Mundteile.
Labrum. Die Mundöffnung wird von der dorsalen Seite her von
der Oberlippe, dem Labrum bedeckt. Das Labrum gehört ja nicht
zu den echten Mundteilen, die aus einer embryonalen Extremitäten-
anlage hervorgegangen sind, es stellt vielmehr eine unpaare Hautfalte
des Clypeus dar. Das Labrum unserer Larve hat etwa die Form eines
regelmäßigen Trapezes (Fig. 6), wobei die kleinere Grundlinie die
Insertion am Clypeus darstellt. Der distale Rand ist an den Ecken ab-
gerundet und in der Medianebene leicht eingekerbt. Er trägt einen
dichten Besatz von Haaren, welche alle medianwärts gekrümmt sind.
In der Mittellinie des Trapezes etwa springt jederseits eine kräftige
214 Dr. Fr. Wilh. Leue:
Chitinverdiekung in das Innere vor, welche zum Ansatz eines Muskel-
bündels dient.
Ein Epipharynx, wie er für Siphlurus lacustris von Drenkelfort
beschrieben worden ist, fehlt hier.
Mandibel. Die Mandibeln sind bei unserer Larve nicht einander
spiegelbildlich gleich. Sie haben beide eine etwa dreieckige Form. Am
distalen Ende tragen sie je zwei starke gezähnte Chitinzähne, median-
wärts liegt die Kaufläche und zwischen beiden befindet sich ein Büschel
feiner Haare, der Rest des rudimentären Palpus mandibularis (Fig. 7
und 8pm). Ferner findet sich auf der der Medianebene abgekehrten
Seite ein kräftiger Besatz langer Haare. Die Kaufläche ist nun bei den
beiden Mandibeln verschieden ausgebildet. An der rechten Mandibel
(Fig. 7) finden wir eine Mahlfläche, welche kräftige Furchen zeigt
und einen Besatz kräftiger Borsten trägt. Die linke Mandibel dagegen
(Fig. 8) zeigt eine einzige Reihe von starken, ziemlich langen Chitin-
zähnen, welche ihrerseits wieder eine Reihe analwärts gerichteter
kleiner Zähnchen tragen. Hinter diesem Zahnbesatz findet sich dann
auf der Dorsalseite noch eine bogenförmige Reihe kräftiger Haare.
Erste Maxillen. Bei den ersten Maxillen sind Lobus internus,
Lobus externus, Stipes und Cardo miteinander zu einem Stück ver-
schmolzen. Dieses trägt an seinem distalen Rande acht einander
parallele kammförmige Erhebungen, der mediane Rand dagegen trägt
einen Besatz ziemlich langer borstenförmiger Haare. Parallel zu
letzterem finden wir ferner auf der dorsalen Seite ebenfalls eine Reihe
von Haaren.
Der Tasterträger, das Palparium, ist deutlich abgesetzt. Darauf
erhebt sich der zweigliedrige Palpus maxillaris, welcher besonders
an seinem distalen Ende ebenfalls mit Chitinhaaren besetzt ist.
Labium. Die beiden zweiten Maxillen sind hier wie gewöhnlich
zum Labium, der Unterlippe, verwachsen. Lobus internus und Lobus
externus sind noch deutlich zu erkennen; sie tragen an ihrem distalen
Rande ebenfalls einen Besatz von Haaren (Fig. 10). Die Labialtaster
sind zweigliedrig und äußerst kräftig entwickelt. Das distale Glied
trägt an seinem freien Rande einen bürstenförmigen Besatz kräftiger
Borsten und Haare, etwas proximal davon findet sich eine leistenförmige
Chitinverdickung.
Hypopharynx. Dorsal liegt der Unterlippe die Zunge, der
Hypopharynx auf, ohne jedoch mit der ersteren verwachsen zu sein.
Wir können hier zunächst ein unpaares medianes Stück von etwa ovaler
Gestalt unterscheiden, lateral davon liegt dann jederseits noch ein
etwas analwärts gekrümmter Abschnitt. Alle diese drei Teile tragen
am, distalen freien Rand ebenfalls einen Besatz von Haaren.
Diese bei den einzelnen Mundteilen beschriebenen Borsten und
Haare bilden in ihrer Gesamtheit ein dichtes Reusensystem, welches die
Mundhöhle gegen das Eindringen von größeren Nahrungsteilen völlig
abschließen kann. Nur wenn die Tiere größere Detritustücke mit ihren
Mandibeln benagen, werden die Maxillen weiter auseinander geschlagen,
sie dienen dann zum Festhalten der Nahrung.
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 215
b) Der Darmkanal.
Die Prinzipalachse des gesamten Darmkanals liegt bei unserer
Larve annähernd in der Medianebene des Tieres, im, Gegensatz zu vielen
anderen Insekten mit stark gewundenem Darmtraktus.
Mundhöhle. Die Mundöffnung führt zunächst in die Mund-
höhle (Fig. 11, Mh). Diese erstreckt sich direkt dorsad und bildet einen
ziemlich weiten Sack, dessen Wände von einem Epithel annähernd
kubischer Zellen gebildet werden. Diese gehen an der Mundöffnung
direkt in die Matrixzellen des Cuticularskeletts über und tragen auf
ihrer dem Lumen zugewendeten Fläche eine dünne Chitinintima, die
sich ihrerseits an der Mundöffnung direkt in die Cutieula fortsetzt.
Oesophagus. Die Mundhöhle setzt sich direkt in den Oesophagus
fort. Dieser steigt hier nicht steil dorsad an, wie es z. B. für Closon
(Fritze, 1889) beschrieben worden ist, sondern zieht fast direkt, nur
leicht dorsal geneigt, analwärts. An seinem oralen Ende ist ihm das
Ganglion frontale (Fig. 12 gf) dorsal aufgelagert, von welchem aus der
Nervus recurrens (nr) dorsal auf dem Darmtractus analwärts zieht.
Die innerste Auskleidung des Oesophagus ist wieder eine dünne Chitin-
intima; darauf folgt nach außen das Oesophagusepithel. Dieses ist im
Durchschnitt etwa 8 bis 9 u hoch. Die einzelnen Zellen erscheinen
etwa ebenso breit, sind also etwa kubisch. Der Kern ist 3,5 bis 5 «
groß, meist kuglig, seltener länglich und vorwiegend mittelständig.
Das Chromatin erscheint auf Schnitten in Form gleichmäßig verteilter
gröberer Brocken. Meistens ist ein zentraler Nucleolus deutlich erkenn-
bar. Diese Epithelzellen sitzen einer äußerst feinen Basalmembran
auf, die nur bei sehr starker Vergrößerung eben zu erkennen ist.
Wie dies bei einer ganzen Anzahl anderer Insekten beobachtet
worden ist, zeigt auch hier der Oesophagus mehrere Längsfalten.
Betrachten wir zunächst einen Querschnitt durch den Anfangsteil
des Oesophagus (Fig. 13), so erscheint uns das Lumen, nur als ein
schmaler, querer Spalt, der sich jederseits in zwei Divertikel gabelt,
eingeengt durch vier mächtige Längswülste. Ein Stück weiter anal-
wärts bietet uns ein Querschnitt ein Bild, wie es Figur 14 zeigt. Der
ventrale Längswulst hat sich in zwei schwächere aufgelöst, während
der dorsale etwas weniger ausgedehnt erhalten ist; die beiden seitlichen
Wülste verschwinden schon dicht hinter dem Anfang des Oesophagus.
Wir haben also im oralen Abschnitte im wesentlichen drei Längs-
wülste, einen dorsalen und zwei ventrale, die sich oralwärts vereinigen.
Weiter analwärts flachen sich diese drei Hauptwülste etwas ab, dafür
treten aber jederseits zwei weniger mächtige laterale Wülste hinzu,
wie es die Figuren 14 und 15 zeigen.
Dieses System von Längswülsten habe ich bei wirklich trans-
versalen Schnitten durch den Oesophagus stets regelmäßig kon-
statieren können. Wenn Fritze (1889) für Clo&on dipterum ein „unregel-
mäßiges, sternförmiges Aussehen“ des Querschnittes erhält, so ist das
wohl daraus zu erklären, daß seine Schnitte vielleicht in Bezug auf das
ganze Tier, nicht aber auf den hier steil ansteigenden Oesophagus
genau transversal sind.
216 Dr. Fr. Wilh. Leue:
Das Lumen des Oesophagus ist ziemlich gering; auf meinen Schnitt-
präparaten betrug es in dorso-ventraler Richtung höchstens etwa
0,025 mm, in lateraler Richtung etwa 0,1 mm.
Der Oesophagus zeigt nun eine recht kräftig entwickelte Muskulatur.
Zunächst liegt der Basalmembran der Epithelzellen eine Schicht von
Längsmuskeln an (Fig. 12—15 lm), besonders die Falten ausfüllend,
welche die Längswülste nach außen zu bilden. Diese Muskelbündel
erscheinen am Anfang des Oesophagus bis zu 5 « dick, nehmen aber
analwärts ständig an Mächtigkeit ab und sind schließlich kaum noch
erkennbar.
Auf diese Längsmuskulatur folgt dann nach außen zu eine ziemlich
kräftig entwickelte Ringmuskulatur. Auch diese ist wieder am kräftigsten
direkt am Anfang des Oesophagus ausgebildet und bildet hier einen
recht kräftigen ca. 12 bis 15 « dieken Muskelring. Weiter analwärts
nimmt dann auch diese Muskellage an Stärke ab, gewinnt aber kurz vor
dem analen Ende des Oesophagus, am Kropf, wieder an Mächtigkeit.
Zu diesen beiden Schichten von Längs- und Ringmuskeln kommt
nun noch ein System kräftiger Dilatatoren als Antagonisten der Ring-
muskeln. Besonders inserieren diese wiederum am Vorderende des
Oesophagus. Auf der ventralen Seite ziehen hier 6 bis 8 Muskelbündel
zu der zentralen Platte des Tentoriums (Fig. 12). Auf der dorsalen Seite
ziehen besonders kräftige Muskeln (Fig. 15 di) vom Oesophagus zum
Clypeus und inserieren hier jederseits symmetrisch zur Medianebene
besonders in der Nähe der Antennenbasis. Dorsale Dilatatoren, welche
direkt in der Medianebene liegen, wie sie Sternfeld in seiner Figur 6
zeichnet, habe ich nicht konstatieren können. Diese wären ja, zum
mindesten allein, auch nicht imstande, gemeinsam mit den zum Ten-
torıum ziehenden Muskeln eine Erweiterung des Oesophagus zu be-
wirken.
Recht abweichende Angaben fand ich über die Längs- und Ring-
muskelschicht. Fritze schreibt in Bezug auf Clo&on dipterum (pag. 6):
„Die äußerste Lage ist ein dünnes Peritonaeum, dann folgt Binde-
gewebe, in welchem Längsmuskelstämme eingelagert sind und hierauf
eine starke Ringmuskulatur. “ Sternfeld (pag. 426) berichtet dann
(jedenfalls für die Imago von Heptagenia venosa, doch ist dies nicht
genau ersichtlich): „Eine Längsmuskelschicht, wie Fritze sie angibt,
ist nicht vorhanden.“ Drenkelfort (1910) macht dann für Siphlurus
lacustris fast genau dieselben Angaben wie Fritze: „Zu äußerst ist der
Darm umgeben von einem ziemlich dünnen Peritoneum, an dieses
schließt sich nach innen zu Bindgewebe an, das hier und da von Längs-
muskelfasern durchzogen ist. Auf dieses folgt dann eine kräftig ent-
wickelte Ringmuskulatur.“
Daß diese Angaben für Heptagenia sulphurea nicht zutreffen,
habe ich mit der vorzüglichen van Giesonschen Färbung unzweifelhaft
feststellen können. Auch bei Larven von Cloöon dipterum und Caenis
halterata, die ich zum Vergleich mitheranzog, habe ich dieselben
Verhältnisse konstatieren können, wie sie oben für unsere Larve be-
schrieben worden sind. Ich halte es daher für wahrscheinlich, daß
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 217
von seiten der genannten Untersucher hier ein Irrtum vorliegt. Dies
ist bei der Kleinheit des Objektes immerhin leicht möglich, falls nicht
sehr starke Vergrößerungen zur Verfügung stehen. Im übrigen würde
ja auch diese Anordnung der beiden Muskelschichten in auffallendem
- Gegensatze zu. allen an anderen Insekten gemachten Beobachtungen
stehen.
Kropf. Der Oesophagus geht analwarts direkt in den Kropf,
Ingluvies, über; dieser erscheint eigentlich nur als eine Erweiterung
des ersteren. Immerhin zeigen sich im histiologischen Bau einige
Unterschiede. Das Epithel ist zunächst flacher, ca. 6,5 « hoch, die
Kerne dagegen gleichen in Form, Größe und Struktur völlig denen
des Oesophagusepithels. Die Intima ist ebenfalls sehr dünn, ebenso
die Basalmembran. Die Längsmuskulatur fehlt an diesem Abschnitt
völlig, dagegen ist auch hier die Ringmuskulatur recht gut ausgebildet.
Letztere erreicht in der Mitte des Kropfes eine Mächtigkeit von etwa
12 bis 15 «. Wie am Oesophagus, so finden wir auch hier ein System
von Längsfalten (Fig. 17), und zwar in der Hauptsache zwei große
dorsale Falten und zwei weniger mächtige ventrale. An seinem analen
Ende verengert sich der Kropf wieder und springt dann mit einer Ring-
falte in das Lumen des anschließenden Mitteldarmes vor.
Imaginalring. Auf der Grenze zwischen diesen beiden Darm-
abschnitten schiebt sich jedoch noch ein Imaginalring für die Bildung des
Vorderdarmepithels ein (Fig. 18). Dieser scheint mir bis jetzt bei den
Ephemeriden nicht beschrieben worden zu sein. Fritze, Sternfeld
und Drenkelfort beschreiben zwar für mehrere Species die oben erwähnte
Ringfalte, nicht aber einen Imaginalring. Das Epithel dieses Ringes
kann bei flüchtiger Beobachtung leicht mehrschichtig erscheinen,
jedoch ist es in Wirklichkeit stets einschiehtig. Die Kerne liegen
zahlreich dicht gedrängt bei einander, in den benachbarten Zellen
meist einander ausweichend. Die Höhe der einzelnen Zellen beträgt
bis zu 35 w, dabei sind sie, besonders an der Basis, sehr schmal. Die
Kerne und die Plasmastruktur unterscheiden sich von denen des Vorder-
darmes nicht, doch ist die Chitinintima hier kaum zu erkennen. Nur bei
sehr starker Vergrößerung (etwa 1300) erscheint sie als feine, der Epithel-
oberfläche eng anliegende Lamelle. Die starke Hervorwölbung dieses
Epithelringes in das Lumen des Darmtraktus ist wohl auf den Druck
der sich vermehrenden Zellen zurückzuführen. Eine wesentliche
Bedeutung als Verschlußapparat zwischen Vorder- und Mitteldarm
dürfte dieser Ringfalte wohl nieht zukommen. Dafür spricht schon
das Fehlen einer Ringmuskulatur.
Daß es sich nun hier wirklich um einen Proliferationsring handelt,
dafür spricht vor allem, daß ich nur hier, wenn auch sehr selten, Teilungs .
figuren finden konnte, während ich sie im Oesophagus und im Kropfe
nie angetroffen habe. Die große Seltenheit der Mitosen erklärt sich
leicht aus der langsamen, stetigen Entwicklung mit den zahlreichen
Häutungen der Ephemeriden. Den embryonalen Zellen kommt hier
auch nicht die Funktion einer Epithelregeneration zu, wie es für die
holometabolen Insekten von mehreren Autoren nachgewiesen ist
218 Dr. Fr. Wilh. Leue:
(z. B. Deegener 1904). Vielmehr geht von hier aus einfach das Wachstum
des Vorderdarmes aus. Die Zellen des Proliferationsringes flachen sich
ab und werden allmählig zu Epithelzellen des Vorderdarmes. Der Ans-
druck „Imaginalring‘“ ist also genau genommen für die Ephemeriden
nicht zutreffend. Gleichwohl möchte ich ihn beibehalten, da er sich
allgemein eingebürgert hat, und da auch im Prinzip kein wesentlicher
Unterschied besteht.
Mitteldarm. Der Mitteldarm (Fig. 11 MD) ist hier der aus-
gedehnteste Teil des gesamten Darmtraktus; er erstreckt sich vom
ersten Thoraxsegment bis zum, sechsten Abdominalsegment. Zunächst
verläuft er vom Kropf aus direkt gradlinig analwärts.. Im dritten
Abdominalsegment jedoch biegt er ziemlich scharf ventralwärts um,
wendet sich jedoch gleich wieder analwärts; es entsteht also an dieser
Stelle eine knieförmige Knickung (Fig. 11). An diese schließen sich
dann gewöhnlich noch mehrere kleine Falten. Der Aufhängung des
Mitteldarmes dienen an seinem oralen Ende die bereits weiter oben
erwähnten bindegewebigen Verbindungen mit dem zentralen Teil des
Tentoriums. Im übrigen dienen jedenfalls die von den beiden Längs-
tracheenstämmen zum Darm abzweigenden Seitenäste dazu, diesen
in seiner Lage zu fixieren.
Histiologisch lassen sich zwei verschiedene Teile am Mitteldarm
unterscheiden, doch sind diese nicht scharf von einander geschieden,
sondern sie gehen allmählich in einander über. Die Grenze zwischen
beiden stellt etwa das erwähnte Knie dar.
Der vordere Abschnitt zeigt in seiner ganzen Ausdehnung einen
etwa kreisrunden Querschnitt. Eine ventrale Längsfalte, wie sie
Vayssiere (1882) für Heptagenia longicauda in seiner Figur 48 ab-
bildet, ist nicht vorhanden.
Das Epithel dieses Teiles (Fig. 19) besteht aus sehr hohen Cylinder-
zellen, welche einer dünnen Basalmembran aufsitzen. Diese werden
in dem im Thorax gelegenen Teil 75 bis 80 « hoch bei einer Breite von
etwa 15 bis 20 «, analwärts nehmen sie jedoch an Höhe bis auf etwa
50 w ab. Der Kern ist mittelständig, meist eiförmig, seltener kugelig
und etwa 10 bis 15 u groß, ein ansehnlicher, bis 9 u großer kugeliger
Nuceleolus ist leicht wahrnehmbar. Die Chromatinkörner füllen den
Kernraum ziemlich gleichmäßig, eine freie Randzone ist nie vorhanden.
Das Plasma der Zellen wird in der Längsrichtung von zahlreichen
Strängen durchzogen, sodaß es eine deutliche Längsstreifung erkennen
läßt; ım apicalen Teile der Zelle ist vielfach eine feine Körnelung (sk)
deutlich erkennbar. Diese Körnchen stellen offenbar das Sekret dar.
Vakuolen habe ich nicht beobachten können.
Dem Epithel sitzt überall ein deutlicher, bis 5 « hoher Stäbchen-
saum auf, der nirgends eine Unterbrechung erkennen läßt. Im apikalen
Teil der Zellen ist eine Reihe von Basalkörnern dieses Rhabdoriums
deutlich sichtbar.
In diesem Darmabschnitt kann man häufig den Sekretaustritt
beobachten. Das Sekret (Fig. 19 sb) tritt in einer Blase durch das
Rhabdorium und schnürt sich allmählich von der Zelle ab, wie dies
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 219
für viele andere Insekten beobachtet worden ist. Es färbt sich mit
Pikrinsäure stark gelb, ist also acidophil. Das Epithel erscheint bei
unserer Larve homomorph; Calyeoeyten und Sphäroeyten, wie sie von
Deegener (1909) für Deilephila euphorbiae L. beschrieben worden sind,
lassen sich hier nicht unterscheiden.
Die Muskulatur ist an diesem vorderen Abschnitt des Mitteldarmes
nur schwach entwickelt. Auf die Basalmembran folgt nach außen zu
zunächst eine Schicht von Ringmuskeln, eingebettet in ein zartes
Bindegewebe, darauf folgt eine Lage von zarten Längsmuskelsträngen,
und schließlich wird das Ganze von einer dünnen serösen Hülle umgeben.
Fritze beschreibt in dem Mitteldarmepithel „einen bröunlichen
Stoff, welcher sich in Form fester, unregelmäßig geformter Körnchen
über den ganzen Mitteldarm verteilt vorlindet.‘“ Er hält diesen Stoff
für ein Sekret (bei Cloöon und Baötis). Drenkelfort schreibt dann über
Siphlurus lacustris: „In die Epithelzellen sind, besonders zahlreich
im vorderen Teile des Magens, eingelagert gelbe Körnchen von unregel-
mäßiger Gestalt, die nach Fritze Sekretkörner darstellen.“ Er bildet
die „Körner“ als recht große krystallähnliche Gebilde ab, die z. T. den
Kern an Größe übertreffen. Von derartigen Einschlüssen der Epithel-
zellen habe ich bei unserer Larve nichts bemerken können, trotzdem
ich ein ziemlich reiches Material daraufhin durchgesehen habe.
Der hintere Abschnitt des Mitteldarmes zeigt nun doch etwas
andere Verhältnisse. Zunächst ist das Darmrohr hier etwas dorso-
ventral abgeplattet. Das Epithel ist hier bedeutend niedriger als im
vorderen Abschnitt (Fig. 20), stellenweise nur 18 bis 20 u hoch bei
einer Breite von 20 bis 23 u. Die einzelnen Zellen sind in das Lumen
ziemlich stark vorgewölbt, sodaß ein Schnitt durch diese freie Fläche,
wie es Figur 20 zeigt, eine Wellenlinie ergibt. Das Plasma läßt nur
selten eine deutliche Längsstruktur wie im vorderen Abschnitt erkennen,
es erscheint hier mehr körnig und färbt sich mit Haematoxylin stärker.
Die Kerne sind ebenfalls etwas kleiner als die des vorderen Abschnittes,
etwa 6 bis 8 « groß, zeigen aber dieselbe Struktur. Der Stäbchensaum
wird hier immer flacher und geht schließlich im hintersten Teile in eine
homogene Intima über. Eine Sekretion habe ich in diesem hinteren
Mitteldarmabschnitt nie beobachtet. Dagegen zeigt das Plasma in den
apikalen Teilen der Zellen oft zahlreiche scharf umgrenzte Vakuolen,
die ich als Resorbtionsvakuolen anspreche. Die Tätigkeit dieses Ab-
schnittes ist also offenbar nur eine resorbierende.
Die Muskulatur dieses hinteren Teiles ist bedeutend kräftiger als
die des vorderen. Schon Vayssiere (1882) ist bei seiner makroskopischen
Untersuchung von Heptagenia longicauda dieser Unterschied aufgefallen.
Er schreibt: „Les parois sont, & sa partie anterieure, peu musculaires
mais trös glandulaires, tandis que posterieurement elles ne sont presque
constituses que par des bandes de museles transverses et longitudinaux.“
Meine Beobachtungen bestätigen dies bei Heptagenia sulph. Auf die
Basalmembran der Epithelzellen folgt nach außen zu eine Schicht
kräftiger Ringmuskelbündel, die am analen Ende des Mitteldarmes
ihre größte Mächtigkeit von 4 u erreichen. Diese Bündel liegen hier
220 | Dr. Fr. Wilh. Leue:
dicht gedrängt (Fig. 20), ein Bindegewebe ist zwischen ihnen nicht
vorhanden. Nach außen zu folgt dann eine weniger mächtige, 1,5 bis
2 w dicke Längsmuskelschicht und schließlich wieder eine dünne
seröse Hülle.
Imaginalring. Anschließend an den Mitteldarm findet sich auch
hier, wie dies schon für eine große Anzahl anderer Insekten festgestellt
worden ist, ein Imaginalring (Fig. 21). Das Epithel ist auch hier ein-
schichtig. Die Zellen zeichnen sich vor denen des Mitteldarmes vor
allem durch ihre starke Färbbarkeit aus; sie sind ziemlich hoch, etwa
27 u, und dabei ziemlich schmal, etwa 15 u, doch sind die Zellgrenzen
nicht überall zu erkennen. Die Kerne sind kugelig bis eiförmig und
weichen in benachbarten Zellen gewöhnlich einander aus. Im übrigen
Bau stimmen diese Imaginalzellen mit den Mitteldarmzellen überein.
Das ganze Gebilde wölbt sich auch hier, wie dies schon für den Imaginal-
ring des Vorderdarmes beschrieben wurde, wulstförmig in das Lumen
vor. Die Muskulatur des Mitteldarmes setzt sich auch über den
Imaginalring hinweg fort; besonders ist hier die Ringmuskulatur
kräftig entwickelt und erreicht eine Mächtigkeit von 8 u.
Die Tätigkeit dieses Imaginalringes werden wir uns ähnlich vor-
zustellen haben wie die des oesophagealen. Da bei den Ephemeriden
eine Abstoßung und Neubildung des Darmepithels nicht vorkommt, °
so beschränkt sich die Tätigkeit des Imaginalringes auf die Bildung
der für das Wachstum nötigen neuen Epithelzellen. Die Zellen des
Imaginalringes flachen sich auch hier allmählich ab und gehen con-
tinuierlich in das Darmepithel über. Dieses Wachstum ist offenbar
ein beständiges. Daraus erklärt es sich, daß bei Larven, welche vor der
Häutung stehen, der hintere Abschnitt des Mitteldarmes mehr in
Falten gelegt erscheint, während er nach der Häutung gerade gestreckt
ist, da ja hierbei der ganze Chitinpanzer des Tieres eine Vergrößerung
erfährt.
Dieser Imaginalring ist von Fritze zwar beiläufig beschrieben
und, wenn auch nicht ganz einwandfrei, gezeichnet worden; jedoch
hat Fritze ihn nicht als solchen erkannt. Er bezeichnet ihn bei der
Nymphe nur als einen Wulst des Mitteldarmes, der den Eintritt des
Sekrets der Malpighischen Gefäße in den Mitteldarm erschwert oder
. gar unmöglich macht.
Daß der Imaginalwulst auch in diesem Sinne iunktioniert, halte
ich für wahrscheinlich; dafür spricht vor allem die stark entwickelte
Ringmuskulatur.
Drenkelfort (1910, pag. 593) schreibt dann für die Larve von
Siphlurus lacustris: „Vor der Einmündung der Malpighischen Gefäße
wird das Epithel des Mitteldarmes zweischichtig ete.‘“ Für die Imago
berichtet er dann: „Gegen Ende des Mitteldarmes aber, wo wir früher
ein doppelschichtiges Epithel hatten, befindet sich jetzt zum größten
Teile einschichtiges Epithel, das zudem kubische Form angenommen hat.“
Ich kann nach den oben über unsere Larve mitgeteilten Be-
obachtungen wohl annehmen, daß Drenkelfort sich durch die dicht-
gedrängten Zellen des Imaginalringes mit ihren einander ausweichenden
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 221
Kernen hat täuschen lassen, und daß es sich auch hier in Wirklichkeit
um einen einschichtigen Imaginalring handelt. Dafür spricht auch
die von ihm angeführte Beobachtung, daß das Epithel beim Übergang
zum Luftleben einschichtig wird. Der Imaginalring hat hier seinen
Zweck erfüllt, da ja jetzt das Tier völlig ausgewachsen ist, und er
geht daher völlig in dem übrigen Darmepithel auf.
Ileum. An den Imaginalring schließt sich im siebenten Abdominal-
segment der Dünndarm, das Ileum (Fig. 11 11.), von ersterem getrennt
durch die Einmündungen der Malpighischen Gefäße (em). Gegen
den Imaginalring sowohl als auch gegen den folgenden Diekdarm is
das lleum durch je einen muskulösen Ringwulst oder Sphinkter ab-
gegrenzt.
Der nach dem Imaginalring zu gelegene Sphinkter, der Pylorus,
ist für eine ganze Reihe von anderen Insekten beschrieben worden
und bewirkt dort stets einen Abschluß des Ileums gegen den Mitteldarm.
Bei unserer Larve jedoch ist der Pylorus nur schwach entwickelt.
Die Hervorwölbung in das Darmlumen ist nur flach, so daß ein Ver-
schluß wohl kaum erzielt werden kann. Auf das etwa 45 « hohe Epithel
folgt hier nach außen zu eine Ringmuskulatur, die bis 8 « dick wird.
Das eigentliche Ileum nun wird in seiner ganzen Ausdehnung
von in das Lumen einspringenden Längswülsten durchzogen (Fig. 22).
Um eine Faltung, wie wir sie beim Oesophagus antrafen, handelt es sich
hierjedoch nicht. Diese Wülste, von denen ich 11 bis 14 zählte, werden
vielmehr durch die verschiedene Höhe der Epithelzellen hervorgerufen,
während die Zellen alle der durchaus eylindrischen Basalmembran
aufsitzen. In diesen Wülsten erreichen die Epithelzeilen eine Höhe
von 26 bis 34 w, während sie an den niedrigsten Stellen nur etwa 9 u
hoch sind. Die Kerne dieses Abschnittes liegen im apikalen Teile der
Zellen und erscheinen auf Sagittalschnitten meist etwa kreisförmig
und bis 15 « groß, auf Transversalschnitten dagegen mehr länglich
elliptisch. Ein kleiner Nucleolus ist meist deutlich zu erkennen, und
das Chromatin füllt den ganzen Kern aus. Die Intima ist gut ent-
wickelt und überall gleich dick. Nach außen zu folgt auf die Basal-
membran auch hier wieder eine Ringmuskelschicht von etwa 5 bis 7 w
Stärke, darauf einige wenige Längsmuskelbündel und schließlich die
seröse Hülle.
Am anderen Ende bildet das Ileum dann wieder, wie schon erwähnt,
einen kräftigen, muskulösen Ringwulst (Fig. 23). Dieser zweite Sphinkter
ist ebenfalls von Deegener für Malacosoma beschrieben worden. _ Er
bildet einen Verschluß zwischen lleum und Colon. Die Längswülste
des lleums sind auch in diesem Sphinkter erhalten, bei der Kontraktion
der Ringmuskeln berühren sie sich vollständig. Die letzteren sind hier
sehr kräftig entwickelt und bilden Bündel von ca. 10 # Mächtigkeit.
Dieser zweite Sphinkter steht nun nicht senkrecht zu der Wand des
lleums, er stülpt sich vielmehr etwas in den Diekdarm vor und bildet
so eine Art Rückschlagventil.
Colon. Der Dickdarm oder das Colon erstreckt sich ziemlich
gerade durch das achte und neunte Abdominalsegment. Der Haupt-
292 Dr. Fr. Wilh. Leue:
sache nach besteht das Epithel dieses Abschnittes aus großen, ziemlich
hohen Zellen; auf der ventralen Seite jedoch (Fig. 24) finden wir eine
dünne Falte von kleinkernigem, flachen Epithel.
Das hohe Epithel bildet auch hier, wie das des Ileums etwa 11 oder
12 Längswülste. In diesen sind die Zellen etwa 55 bis 70 u hoch, an
den niedrigsten Stellen dagegen erreichen sie nur eine Höhe von 25 u.
Die Kerne erscheinen auf Sag:ttalschnitten meist etwa kreisrund, zum
Teil aber auch unregelmäßig gelappt (Fig. 25) und etwa 12 bis 20 w
groß. Auf Querschnitten (Fig. 24) des Colons dagegen erscheinen sie
lang gestreckt und nur etwa 3,5 w breit. Sie sind also meistens etwa
linsenförmig gestaltet. Das Chromatin ist gleichmäßig fein in dem
ganzen Kern verteilt, außerdem ist ein kugliger Nucleolus vorhanden.
Das Plasma zeigt eine deutliche Längsstreifung und färbt sich in den
verschiedenen Schichten verschieden. Der apikale Teil nämlich färbt
sich bei der van Gieson-Färbung gelb und zeigt eine äußerst feine Körne-
lung (Fig. 25), während das übrige Plasma sich wie gewöhnlich rötlich-
violett färbt. Diese feinen Körnchen möchte ich ihrem ganzen Aus-
sehen nach als ein Sekret ansprechen; die Tätigkeit des eigentümlich
stark ausgebildeten Colons wäre eine secernierende, doch vermag ich
hierüber nichts Genaues anzugeben. Da dieses Sekret bei einigen von
mir untersuchten Tieren nicht nachzuweisen war, so versuchte ich
diese Sekretion mit der Nahrungsaufnahme in Verbindung zu bringen,
doch ließ sich hierin keine Beziehung nachweisen.
Dieses hohe Epithel des Colons setzt sich nun auf der ventralen
Seite in die bereits oben erwähnte Längsfalte fort. Das Epithel dieser
Falte (Fig. 24) ist nur 5,5 bis 6 w hoch. Die Kerne sind kugelig, etwa
3 bis 4 u groß und zeigen einen kleinen runden Nucleolus. Diese ventrale
Epithelfalte findet sich in der ganzen Ausdehnung des Colons, erreicht
jedoch etwa in der Mitte ihre größte Ausdehnung.
Eine Intima habe ich am Colon nicht wahrnehmen können; dagegen
ist eine Basalmembran deutlich erkennbar. Auf diese folgt nach außen
zu wieder eine Ringmuskelschicht, die nach dem analen Ende zu an
Mächtigkeit zunimmt.
Besonders kräftig ist diese Ringmuskulatur auf der ventralen
Seite (Fig. 24), wo sie den durch die Längsfalte gebildeten Spalt über-
spannt. Die Längsmuskulatur ist auch hier wieder nur schwach ent-
wickelt.
Bereits Fritze hat für den Diekdarm von Clo& diptera und Baötis
fluminum ähnliche Verhältnisse beschrieben, wenn auch hier die An-
ordnung der Epithelarten eine andere ist. Über die Bedeutung dieses
Baues schreibt er (pag. 16): „Der Wechsel beider Epithelarten scheint
mir darauf zu beruhen, daß in dem niedrigen Epithel sich neue Zellen
bilden, daß diese vorrücken, allmählich in die Zellen des hohen Epithels
umgewandelt werden, dann, sei es durch Ausstoßung in das Darmlumen,
sei es durch einen Auflösungsprozeß, zu Grunde gehen und durch nach-
rückende Zellen wieder ersetzt werden“. Gegen diese Ansicht sprechen,
wenigstens soweit unsere Larve in Betracht kommt, jedoch meine
Befunde. Zunächst nämlich läßt sich ein allmählicher Übergang des
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 223
flachen Epithels in das hohe nie konstatieren, beide sind vielmehr
scharf von einander abgegrenzt. Außerdem habe ich auch nie etwas
von einer Auflösung oder Abstoßung des hohen Epithels bemerken
können.
Meiner Ansicht nach erklärt sich das Vorhandensein dieser Ventral-
falte von flachem Epithel einfach aus der Dilatationsfähigkeit des Dick-
darms. Das hohe feste Epithel allein würde wohl kaum imstande sein,
den Kontraktionen der Ringmuskulatur Folge zu leisten. Diese Ventral-
falte dagegen ermöglicht ohne weiteres eine erhebliche Erweiterung
und Verengerung des Darmlumens. Für meine Ansicht spricht auch
die oben beschriebene starke Ausbildung der Ringmuskulatur an
dieser Stelle.
An seinem analen Ende bildet auch das Colon wieder einen sehr
kräftigen Sphinkter zum Abschluß gegen das Rectum (Fig. 26). Dieser
Verschlußapparat ist bei weitem kräftiger ausgebildet als die beiden
Sphinkteren des Iieums. Das Epithel besteht hier nur aus ziemlich
hohen Zellen, das flache Epithel der Ventralfalte ist nicht mehr vor-
handen. Äußerst kräftig ist die Ringmuskulatur entwickelt, die Bündel
erreichen eine Stärke von 15 u. Dieser Sphinkter ist weder von Fritze
noch von Drenkelfort erwähnt worden. Wie ich später darlegen werde,
kommt ihm jedoch eine große Bedeutung zu.
Rectum. An diesen dritten Sphinkter des Darmes schließt sich
als letzter Darmabschnitt das im letzten Abdominalsegment gelegene
Rectum an. Dieses ist hier sehr muskulös und spielt bei der Fort-
bewegung eine wichtige Rolle. Das Epithel ist ziemlich flach, etwa
5 bis 6 « hoch. Die Kerne sind kuglig, etwa 3 bis 4 w groß und
lassen gewöhnlich einen kleinen, meist mittelständigen Nucleolus
erkennen. Intima und Basalmembran sind deutlich zu erkennen.
Auf der ventralen Seite des letzten Abdominalsegments mündet das
Rectum mit dem After. Hier geht das Epithel direkt in die Matrix
der Cuticula über, während sich die Intima in die Cuticula fortsetzt.
Das Rectum ist nun durchweg mit einer kräftigen Ringmuskulatur
umgeben (Fig. 27—29, rm), die bis zu 6 w dick wird. Dazu kommt
ein System kräftiger Dilatatoren, welche einerseits an der Basal-
membran, andererseits an dem Cuticularskelett ansetzen. Ich habe
sechs Gruppen solcher Dilatatoren festgestellt. . Zwei davon ziehen
dorsal zum Tergiten, zwei etwa zu den Pleuren und die beiden übrigen
schräg ventralwärts, um hier am Sterniten zu inserieren. Wenn also
diese Muskeln kontrahiert sind, so bildet das Lumen des Rectums eine
weite Höhlung von sechseckigem Querschnitt, wie es Figur 28 zeigt.
Andererseits wird durch Erschlaffen dieser Dilatatoren und gleich-
zeitige Kontraktion der Ringmuskeln die Wand des Rectums in
Falten gelegt, so daß das Lumen jetzt äußerst gering ist (Fig. 29 u. 31).
Hierbei bildet das Rectum in der Hauptsache Längsfalten (Fig. 31);
auf der ventralen Seite jedoch bildet sich durch den Zug eines medianen
Muskelbündels (m!) eine ziemlich große oradgerichtete Querlalte
(Fig. 26 u. 29, vf.).
224 Dr. Fr. Wilh. Leue:
Physiologie des Darmtraetus.
Die Physiologie des Darmes der Ephemeriden ist von neueren
Autoren besonders von Palmen (1884), Fritze (1889) und Sternfeld
(1907) berücksichtigt worden. Alle diese Autoren beschäftigen sich
jedoch nur mit der Beziehung dieses Organsystems zum Imago-
stadium und in letzter Linie zur Fortpflanzung.
Beim Übergang zum Luftleben tritt ja bei dem Darm eine Meta-
morphose ein, von der besonders der Mitteldarm betroffen wird. Dieser
nämlich ist hier außerordentlich erweitert und füllt die ganze Leibes-
höhle aus, den einzelnen Organen wie Muskeln, Bauchmark, Ge-
schlechtsorganen ete. eng anliegend. Das hohe Cylinderepithel der
Larve ist in ein ganz flaches Plattenepithel übergegangen und über-
haupt nur schwer als solches zu erkennen. Daneben ist dann noch der
Pylorusabschnitt des IHeums kräftiger entwickelt als bei der Larve,
sodaß er hier wohl einen Abschluß des Mitteldarmes gegen das Nleum
bewirken kann. Ferner ist der Nahrungsinhalt des Darmes völlig ent-
leert. An seine Stelle ist bei der Subimago Wasser getreten, und bei
der Imago endlich finden wir den Mitteldarm mit Luft gefüllt.
Diese letztere Beobachtung ist schon von Swammerdam gemacht
worden, und spätere Forscher haben sie bestätigt. Histiologische
Darstellungen dieses umgewandelten Mitteldarmes haben wir besonders
von Palmen (1884) und Fritze (1889). Diese Angaben habe ich bei der
Imago von Heptagenia sulphurea nur bestätigen können. Ich verzichte
daher auf eine genauere Darstellung dieser Metamorphose.
Es ist nun ohne weiteres klar, daß ein derartig mit Luft gefüllter
Darın gegenüber den larvalen Darm für die Imago eine bedeutende
Verminderung des spezifischen Gewichts und somit eine Steigerung
des Flugvermögens zur Folge haben muß.
Diese Ansicht hat schon Swammerdam ausgesprochen. Über die
Art, wie die Luft in den Darm gelangt, schreibt dann Palmen (pag. 58):
„Sobald die Subimago, und noch mehr die Imago, sich in der Luft
aufgehalten hat, findet man den vorher collabierten Mitteldarm mit
Gas gefüllt. Ich stelle mir vor, ohne es jedoch untersucht zu haben,
daß es nur atmosphärische Luft ist, und daß diese in folgender Weise
hineinkommt. Durch die Bewegungen der Körperringe infolge der
Muskelkontraktionen wird der Körper rythmisch ausgedehnt und
zusammengepreßt. Bei der Ausdehnung kann die Luft leicht durch den
Munddarm in den Mitteldarm hineingesogen werden; hinaus kann sie
nicht gelangen ete.‘“ Wie schon Fritze nachgewiesen hat, ist Palmen hier
im Irrtum, wenn er meint, der Mitteldarm der Subimago sei ebenfalls
bereits mit Luft gefüllt. Hier besteht der Darminhalt vielmehr aus
Wasser. Man kann dies ja leicht feststellen, indem man Imagines
und Subimagines unter Wasser zerschneidet und dann leicht mit der
Pinzette preßt. Bei den ersteren sieht man Gasblasen austreten, bei
den letzteren dagegen nicht. Dies habe ich sowohl für Heptagenia
sulphurea als auch für Clo&on dipterum bestätigen können.
Dagegen glaube ich Palmens Annahme über die Art, in der die
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 225
Füllung des Darmes mit Luft geschieht, bestätigen zu können. Die
pumpenden Bewegungen, welche Palmen beschreibt, habe ich nämlich
an den soeben ausgeschlüpften Imagines direkt beobachten können.
Dagegen habe ich einen Austritt von Wasser, den man doch erwarten
müßte, niemals wahrnehmen können.
Ferner schreibt dann Palm&n dem mit Luft vollgepumpten Mittel-
darm noch eine bedeutende Rolle bei der Entleerung der Geschlechts-
produkte zu, eine Ansicht, welche mir sehr wahrscheinlich erscheint.
Fritze (1889) hat dann über die Funktion des luftgefüllten Mittel-
darmes noch eine andere Ansicht ausgesprochen. Das durch die Luft
ausgedehnte Abdomen soll nach seiner Ansicht der Imago zusammen
mit den Flügeln ‚als eine Art Fallschirm dienen können, welcher es
bei dem ungemein zarten Körperbau der Eintagsfliegen dem Tiere
ermöglicht, sich längere Zeit in einer gewissen Höhe zu erhalten, d.h.
ohne eine größere Anstrengung ein rasches Herabsinken zu vermeiden.
Wird dann die Luft durch die Kontraktion des Darmes plötzlich
ausgestoßen, so nimmt der ganze Körper einen bedeutend kleineren
Raum ein, und das Tier kann sich rasch sinken lassen.‘‘ Fritze nimmt
also an, daß sich der Mitteldarm während der Hochzeitstänze der
Ephemeriden abwechselnd mit Luft vollpumpt und dann diese aus-
stößt. Durch direkte Beobachtung dürfte sich diese Annahme kaum
bestätigen oder widerlegen lassen. Nach dem oben über das Aufnehmen
der Luft Gesagten, halte ich dies jedoch nicht für möglich. Eine derartig
intensive und anstrengende Tätigkeit, wie es das Aufpumpen nach
meinen Beobachtungen für das Tier offenbar ist, dürfte während des
Fluges völlig unmöglich sein. Wie schon Drenkelfort zeigt, kommt dazu,
daß das Vollpumpen mit Luft überhaupt nicht das Abdomen fallschirm-
artig verbreitern würde. Bei unserer Heptagenia sulphurea wenigstens ist
das Abdomen auch bei der Imago ziemlich stark dorso-ventral abge-
plattet. Durch den Druck der Luft würde es sogar das Bestreben
haben, eine mehr eylinderförmige Gestalt anzunehmen, und die Trag-
fläche für das Schweben würde sogar verringert werden.
Schließlich hat sich dann noch Sternfeld (1907) speziell mit der
Funktion des Vorderdarmes der Ephemeriden beschäftigt. Er schließt
sich im allgemeinen den Ansichten Fritzes an, schreibt dann aber
(pag. 427): „Vor allem vermag der Mitteldarm bei dem für die Ephe-
meriden so charakteristischen Auf- und Niedersteigen während des
Hochzeitsfluges nach Art einer Schwimmblase zu wirken, da es dem
Tiere ja völlig freisteht, ihn beliebig zu füllen und zu entleeren.“ Er
geht noch weiter als Fritze und meint, daß sogar das spezifische Gewicht
des Tieres während des Fluges dauernd geändert werden kann. Hierzu
nimmt Sternfeld nun offenbar eine Vergrößerung des Volumens der
Imago durch das Vollpumpen mit Luft an. Das ist aber zunächst bei
der Konsistenz des Cutieularskeletts mit seinen rippenförmigen Ver-
dickungen und der offenbar spröden Beschaffenheit der inneren (sich
bei der van Gieson-Färbung mit Säurefuchsin rot färbenden) Schicht
nicht anzunehmen. Selbst wenn dies aber der Fall wäre, dann müßte
das spezifische Gewicht durch die komprimierte Luft nur noch ver-
Archiv für Naturgeschichte
1911. 1. 3. Suppl. 15
226 Dr. Fr. Wilh. Leue:
größert werden, denn die komprimierte Luft würde das Tier mehr
beschweren, als an Auftrieb durch die größere Luftverdrängung
infolge des größeren Volumens gewonnen würde. Immerhin sind jedoch
derartige Verschiedenheiten so klein, daß sie praktisch kaum in Frage
kommen. Durch einen etwa anhaftenden Tautropfen z. B. würde eine
größere Wirkung hervorgebracht werden. Vorstehende Darlegungen
sollen ja auch nur dazu dienen, Sternfelds Vorstellungen über eine
etwa mögliche Änderung des spezifischen Gewichts zu entkräften.
Sternfeld schreibt ferner, offenbar ohne Palmöns Untersuchungen
zu kennen, dem Vorderdarm mit seiner Ausrüstung mit Ringmuskeln
und Dilatatoren die Rolle einer Luftpumpe für die Füllung des Mittel-
darmes zu. Meine Beobachtungen bei der Häutung der Subimago zur
Imago bei Heptagenia sulph. und Clo&on sprechen jedoch dagegen.
Endlich sucht Sternfeld dann noch den Oesophagus mit der senk-
rechten Stellung des Körpers der Ephemeriden beim Hochzeitstanze
in Verbindung zu bringen. Er schreibt darüber: ‚Stellen wir uns
nämlich vor, daß nach Füllung des Mitteldarmes mit Luft, der sowohl
an der Mundöffnung wie an der Biegung vor dem Kropf geschlossene
Oesophagus, durch die Dilatatoren erweitert wird, so muß notwendiger-
weise ein luftverdünnter Raum entstehen, was natürlich ein Leichter-
werden des Kopfes und damit die aufrechte Stellung des Körpers zur
Folge hat.“ Zunächst sehe ich hierbei nicht ein, wie Sternfeld diese
Funktion mit der abwechselnden Entleerung und Füllung des Mittel-
darmes mit Luft während des Fluges in Einklang bringen will; denn
wenn der Oesophagus wirklich einen durch die Ringmuskeln an seinem
oralen und analen Ende geschlossenen luftverdünnten Raum bildet, so
schließt er doch dabei gleichzeitig den Mitteldarm ab und macht somit
zum mindesten seine Füllung mit Luft durch pumpende Bewegungen
des Oesophagus unmöglich, wenn man auch bei der Entleerung ein Ent-
weichen der Luft aus dem After annehmen kann.
Vor allem aber ist eine Verringerung des spezifischen Gewichtes des
Kopfes auf diese Weise überhaupt nicht möglich. Angenommen, daß
wirklich durch Kontraktion der Dilatatoren bei gleichzeitigem Ab-
schluß des Oesophagus nach beiden Seiten ein luftverdünnter Raum
entstände, so bleibt doch sowohl das Volumen wie das absolute Gewicht
des Kopfes das gleiche, mithin also auch das spezifische Gewicht.
Wenn wir nun die vorstehenden Ansichten der verschiedenen
Autoren, welche sich mit der Physiologie des Darmes der Imagines
der Ephemeriden beschäftigt haben, überblicken, so sehen wir, daß
offenbar überall das Bestreben geherrscht hat, die Persistenz des
Darmes und seiner Muskulatur physiologisch zu erklären; offenbar
ist ihnen diese Persistenz bei Tieren, welche keine Nahrung mehr auf-
nehmen, äußerst merkwürdig erschienen. Wir finden jedoch das gleiche
Verhalten auch bei gewissen Lepidopteren, die ebenfalls als Imagines
keine Nahrung zu sich nehmen. So hat man denn offenbar larvalen
Organen, vor allem der Oesophagusmuskulatur, auch durchaus eine
Funktion bei der Imago zuschreiben wollen, die ihnen in Wahrheit
nicht zukommt. |
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 227
Betrachten wir nun die Physiologie des Darmes der Larve,
wenigstens für Heptagenia sulphurea. Zunächst funktioniert hier
offenbar wie bei anderen Insekten der Oesophagus und seine Muskulatur
als eine Vorrichtung zum Transport der Nahrung von der Mundhöhle
zum Mitteldarm, also zum Schlucken. Daneben spielt er aber bei
unserer Larve noch eine wichtige Rolle bei der Nahrungsaufnahme.
Wie schon oben erwähnt, besteht ja die Nahrung der Larve, wenigstens
im Sommer, zum großen Teile aus Diatomeen. Diese können ihrer
Kleinheit wegen jedoch nicht zerkaut werden, sie werden vielmehr
direkt durch die Kontraktion der Dilatatoren des Oesophagus bei
gleichzeitigem Verschluß des analen Endes desselben durch die kräftige
Ringmuskulatur aufgesaugt, wobei das eigentümliche System von
Borsten und Haaren an den Mundteilen ein Sieb bildet, welches gröbere
Substanzen zurückhält. Ebenso wird auch feiner Detritus aufgesaugt.
Man kann dies leicht beobachten, wenn man die Larven in flachen
Schalen hält, deren Boden mit äußerst feinem organischem Fanl-
schlamm bedeckt wird. Man sieht dann bei diesen ziemlich durch-
sichtigen Tieren direkt den Eintritt der Nahrung in den Darm, ohne
daß dabei die Mundteile kauende Bewegungen ausführen.
Über die Funktion der folgenden Darmabschnitte wurde schon
weiter oben gesprochen. Der Mitteldarm ist hier in seinem vorderen
Teile sekretorisch, in seinem hinteren resorbierend tätig. Das lleum
funktioniert vor allem mit seinen Sphinkteren als Verschlußapparat,
während für das Colon eine secernierende Tätigkeit wahrscheinlich ist.
Besondere Bemerkung jedoch verdient das Rectum. Dieser Darm-
abschnitt mit seiner kräftigen Muskulatur stellt nämlich hier, ähnlich
wie bei den Libellenlarven, ein Bewegungsorgan dar. Eine wichtige
Rolle spielt hierbei ferner der oben beschriebene mächtige muskulöse
Ringwulst am analen Ende des Diekdarmes. Wenn dieser Ringwulst
geschlossen und gleichzeitig das Reetum durch die Dilatatoren aus-
gedehnt wird, so muß sich das letztere mit Wasser füllen. Werden
dann die Ringmuskeln plötzlich kontrahiert und dadurch das Reetum
zusammengepreßt, so schießt das aufgenommene Wasser in einem
kräftigen Strahl aus dem After hervor, und das Tier wird dadurch
ziemlich rasch vorwärts geschnellt.
Die Larven benutzen jedoch diese Art der Bewegung haupt-
sächlich nur auf der Flucht. Man kann das heftige Ausstoßen des
Wasserstrahles leicht beobachten, wenn man die Tiere in ein Be-
obachtungsaquarium setzt und dem Wasser etwas Farbstoff, etwa
Neutralrot oder chinesische Tusche zusetzt. Wenn man die Tiere dann
etwa mit einem Glasstab stört, so schnellen sie sich zunächst auf diese
Art vorwärts, wiederholen jedoch diese Bewegung nicht wie die Libellen,
sondern schwimmen dann gewöhnlich nur durch ihre eigentümliche
Körperbewegung weiter.
Bei jungen Larven spielt das Rectum ferner noch eine wichtige
Rolle als Atmungsorgan, wie dies schon Palm&n (1877 pag. 6) für Baötis
und Clo&on beobachtet hat. Hier führt der Mastdarm, auch wenn das
Tier ruhig dasitzt, die oben beschriebenen Bewegungen aus, nur wird
15*
2283 Dr. Fr. Wilh. Leue:
das Wasser nicht so kräftig wieder ausgestoßen. Doch ist hier nicht,
wie bei vielen Libellenlarven, die Wand des Reetums mit Kiemen
besetzt, diese funktioniert vielmehr mit ihrem reichen Tracheennetz
gleichsam selbst als Kieme. Diese Art der Atmung kommt bei den
Larven von Heptagenia sulphurea nicht nur während des sogenannten
Larvulastadiums, vor der ersten Häutung, vor, ich habe sie vielmehr
noch bei Larven nach der zweiten Häutung, wo die Tracheenkiemen
schon als fadenförmige Gebilde deutlich sichtbar sind, beobachten
können.
3. Exkretionssystem.
Die Malpighischen Gefäße haben hier etwa dieselbe Gestalt, wie
sie von Vayssiere (1882) für Heptagenia longicauda abgebildet worden
ist. Jedes Gefäß besteht aus zwei Teilen, einem diekeren exkretorischen
und einem dünneren mehr ausführenden. Der erstere Abschnitt ist
an dem Ende, an welchem der dünnere Abschnitt ansetzt, etwas spiralig
aufgerollt; der zweite Abschnitt ist etwa nur halb so dick als der erstere
und zeigt je nach der Lage unregelmäßige Windungen. Je zwei oder
drei der Malpighischen Gefäße münden hier in ein gemeinsames „Re-
ceptaculum.“ Im Ganzen zählte ich zehn derartige Receptacula,
welche dem Darm ringförmig, auf der Grenze zwischen Imaginalring und
Ileum aufsitzen; es sind hier im ganzen etwa 26 Malpighische Gefäße
vorhanden. Die Mündungen liegen derartig dicht zusammen, daß
sie den Imaginalring hier fast völlig vom Jleum trennen. Von
dieser Einmündungsstelle aus erstrecken sich nun die meisten Gefäße
analwärts, so daß ihre Hauptmasse im siebenten Abdominalsegment
liegt, während sich nur wenige einerseits in das sechste und anderer-
seits in das achte Abdominalsegment erstrecken. Sie bilden um das
Ileum ein derartiges Gewirr, daß es mir nicht möglich war, ihre Anzahl
durch makroskopische Präparation direkt festzustellen.
Die histiologische Struktur ist in allen Teilen etwa die gleiche, der
Unterschied ist nur ein quantitativer. Überall finden wir vom Lumen
nach außen zunächst die großen exkretorischen Zellen, dann die tunica
propria und schließlich eine zarte Grenzlamelle mit kleinen verstreuten
Kernen; eine Intima ist nicht vorhanden (Fig. 30).
Die Exkretionszellen lassen keine Grenzen untereinander erkennen,
diese werden nur stellenweise durch Intercellularlücken angedeutet,
welche vom Lumen aus vorspringen, jedoch stets nur sehr flach er-
scheinen. Auf einem Querschnitt findet man meist nur zwei oder drei
Zellen. Diese sind in dem stärkeren Abschnitt etwa 17,5 « hoch und
bis 20 w breit im ausführenden Teil und in den Receptacula nur 7,5 u
hoch und bis 9 u breit. Die Kerne sind stets kugelig und zeigen einen
ansehnlichen meist mittelständigen Nucleolus. Das Chromatin ist
gleichmäßig und ziemlich fein verteilt. Die Größe der Kerne beträgt
in dem dickeren Teil bis etwa 10 «, in den übrigen Teilen 6 u. Das Plasma
der Zellen färbt sich bei der van Giesonschen Färbung der Hauptmasse
nach rosa bis violett (Hämatoxylin), im apicalen Teile jedoch mit
Pikrinsäure gelblich. Meistens finden sich im Plasma verteilt kleine
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden. 229
Körnchen von unregelmäßiger Gestalt, die sich mit Pikrinsäure stark
gelb färben; es sind offenbar die Exkretkörnchen. An den Kern an-
grenzend findet sich häufig eine scharf umgrenzte Vakuole.
Das Lumen erscheint in dem verdiekten Abschnitt auf Quer-
schnitten stets als ein äußerst enger kreisrunder, stellenweise nur 1,5 u
weiter Kanal (Fig. 30,1). In dem schmalen ausführenden Teile (Fig. 30, 2)
dagegen sieht man das Lumen auf Querschnitten als einen schmalen
Spalt von etwa 9 w, Breite und etwa 1,5 « Höhe. In diesem letzteren
Teile wölben sich die gegenüberliegenden Zellen abwechselnd in das
Lumen vor, so daß dieses selbst auf Längsschnitten als ein ziekzack-
förmiges Band erscheint (Fig. 30,3).
Auf die übrigen Organsysteme will ich hier nicht eingehen. Meine
Untersuchungen über das Nervensystem und das Tracheensystem
haben keine neuen Momente ergeben. Ich verweise hierüber auf die
Arbeiten von Palmen (1877 u. 1884) und Vayssiere (1882).
* *
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ena.
Die Tracheenkiemen der Ephemeriden.
* *
*
Erklärung der Abbildungen.
Abkürzungen.
Af: After. Im: Längsmuskel. rh: Rhabdorium.
bm: Basalmembran. m: Muskel. rm: Ringmuskel.
c: Cuticula. ma: Matrix. sb: _ Sekretblase.
Co: Colon. Md: Mitteldarm. sh: Seröse Hülle.
di: Dilatatoren. mg: Malpighisches sk: Sekretkörnchen.
em: Einmündung der Gefäß. Sph,: Zweiter Sphinkter,
Malpighischen Gefäße. | Mh: Mundhöhle. zwischen leum
fk: Fettkörper. mo: Medianocellus. und Colon.
gr: Grenzlamelle. nr: Nervus recurrens. Sph;: Sphinkter zwi-
gf: Ganglion frontale. oe: Oesophagus. schen Colon und
1: Intima. og: Oberschlund- Rectum.
Il: Ileum. ganglion. te: Tentorium.
im: Imaginalring des pm: Palpus mandibu- tp: Tunica propria.
Vorderdarmes. laris. ug: Unterschlund-
ir: Hinterer Imaginal- | po: Palmensches Organ. ganglion.
ring. Py: Pylorus. v: Vakuole.
Kr: Kropf. Re: Rectum.
a
m
w
Fig.
ou
Fig. 13:
Bu:
Fig. 18:
. 19:
Fig. 1.
Fig. II.
ig. 14—16: Querschnitte durch
Beiträge zur Kenntnis der Ephemeriden.
: Tracheenkieme des ersten Ab-
dominalsegments.
dominalsegments.
: Tracheenkieme des siebenten
Abdominalsegments.
: Sagittalschnitt durch die Cu-
ticula auf der ventralen Seite
zwischen dem 6. und 7. Ab-
dominalsegment.
: Sagittalschnitt, annähernd me-
dian, durch die mittlere
Schwanzborste während der
Häutung; ac: alte, abgeworfene
Cutieula.
: Oberlippe.
: Rechte Mandibel.
: Linke Mandibel.
: Erste Maxille.
: Labium.
: Annähernd medianer Sagittal-
schnitt durch die Larve.
: Annähernd medianer Sagittal-
schnitt durch den Kopf.
Querschnitt durch den Oeso-
phagus dicht hinter der Mund-
höhle.
den
Oesophagus weiter analwärts.
Querschnitt durch den Kropf.
Sagittalschnitt durch den Ima-
ginalring des Vorderdarmes.
Stück einer annähernd me-
dianen Sagittalschnittes durch
: Tracheenkieme des fünften Ab- | Fig. 20:
Sal:
RR
.23:
.24:
ie. 25:
ie. 26:
ie. 27:
231
den vorderen Teil des Mittel-
darmes.
Stück eines annähernd me-
dianen Sagittalschnittes durch
den hinteren Teil des Mittel-
darmes.
Sagittalschnitt, nahe der Me-
dianebene durch den hinteren
Imaginalring und den Pylorus.
Querschnitt durch das Ileum.
Fast medianer Sagittalschnitt
durch den zweiten Sphinkter.
Querschnitt durch das Colon.
Stück eines annähernd me-
dianen Sagittalschnittes durch
das Colon.
Annähernd medianer Sagittal-
abschnitt durch den dritten
Sphinkter und das Rectum.
Transversalschnitt durch das
10. Abdominalsegment mit dem
Rectum.
: Querschnitt durch das Rectum
in erweitertem Zutande.
: Querschnitt durch das Rectum;
dieses ist zusammengefaltet.
: Maipighische Gefäße:
1. Querschnitt durch den
dickeren Abschnitt.
2. Querschnitt durch den
dünneren Abschnitt.
3. Längsschnitt durch
letzteren.
den
Dorsale Ansicht einer Larve von Heptagenia sulphurea von etwa 6 mm
Ein Bein des vordersten Paares.
[Körperlänge.
» I -
- an Sur Pre
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2
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ARCHIV
NATURGESCHICHTE,
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON
W.F. ERICHSON, F.H. TROSCHEL,
E. VON MARTENS, F. HILGENDORF,
W.. WELTNER UND E STRAND.
ee
SIEBENUNDSIEBZIGSTER JAHRGANG.
1911.
1. Band. 4. Supplementheft.
HERAUSGEGEBEN
voN
EMBRIK STRAND
KÖNIGL. ZOOLOG. MUSEUM ZU BERLIN.
NICOLAISCHE
VERLAGS-BUCHHANDLUNG R.STRICKER
Berlin.
Inhaltsverzeichnis.
Frieda Bornstein. Über Regeneration der Federn und Be-
ziehungen zwischen Federn und Schuppen. (Hierzu
Tatel I Il). 0. 2 re en m Le
Embrik Strand. Neue afrikanische Bienen der Gattungen
Spheeodes und Ceratina . .-.. 2er
Hans Helmuth Wundsch. Pneumonoeces asper Looss und sein
Verhältnis zu den Gattungsverwandten. (Hierzu Tafel III-V])
Dr. Martin Bold. Die Hornhöcker an den vorderen HKıx-
tremitäten von Leptodactylus ocellatus (L.). (Mit 4 Text-
Embrik Strand. Tagfalter und Schwärmer aus Abyssinien,
gesammelt von Herm A. Kostlan .... .. ...:....
Carl Schirmer. Beiträge zur Kenntnis einheimischer Orthopteren.
Embrik Strand. Sechs neue exotische Großschmetterlinge. . .
Franz Poche. Ergänzungen und Berichtigungen zu den Indices
neuer Gattung- und Untergattungsnamen des Zoological
zwvecord, Bd. XXXVIH—XLVI (für 1901-1909). ... . .
Embrik Strand. Westafrikanische Lepidoptera der Familien
Danaididae, Satyridae, Nymphalididae, Notodontidae und
Dvapanidae . Un ea ar
Franz Poche. Über den Inhalt und die Erscheinungszeiten
der einzelnen Teile, Hefte ete. und die verschiedenen Aus-
gaben des Schreber’schen Säugetierwerkes (1774—1855).
Seite
12
103
107
124
Ban ee ee
Über Regeneration der Federn und
Beziehungen zwischen Federn und Schuppen.
Von
Frieda Bornstein.
Hierzu Tafel I u. UI,
Einleitung.
Diese Arbeit hat den Zweck den Ersatz der Federn und die Be-
ziehungen zwischen Feder und Schuppe klarzulegen. Bevor ich aber
meine Untersuchungen bespreche, möchte ich einen historischen
Überblick über die Entwicklung der Kenntnis der Federbildung geben
und zugleich die Ansichten verschiedener Autoren über Regeneration
der Federn behandeln. Die ersten Untersuchungen über Entwicklung
der Federn datieren schon aus dem 17. Jahrhundert, wo Poupart 1699
die ersten Beobachtungen darüber veröffentlichte; ihm folgte Du-
trochet!) im Jahre 1819, der die Hauptzüge der Entstehung der Federn
zwischen Papille und Scheide, die er als homolog der Epidermis einer
Hautpapille betrachtet, die Bildung der Rhachis aus Vereinigung
der zuerst angelegten Rami schon richtig darstellte Ihm folgte
F. Cuvier?), welcher in wenig klarer Weise die Beobachtungen Du-
trochet’s wieder verdunkelte, aber die ersten naturgetreuen Abbildungen
der Federentwicklung lieferte. Eine befriedigende Einsicht in die
intimeren Vorgänge der Entwicklung der Feder konnte aber erst
erlangt werden, von der Zeit an, wo die Zellenlehre allgemeine An-
nahme gefunden hatte. So versuchte Reclam?) zum ersten Mal die
Entwicklung der Dunenfeder zu verfolgen. Aus seinen Beobachtungen
zieht er den Schluß, daß die Strahlen der Feder aus Faltenbildungen
hervorgehen.
Remak®) gibt schon ausführlichere Beobachtungen über die Bildung
der Strahlen. Er beschreibt den Prozeß der Längsleistenbildung in
der Wand der Federpapille. Die Bildung der definitiven Feder wurde
von ihm wenig berücksichtigt. Es sei noch seine Beobachtung erwähnt,
daß die alte und die neue Feder ihre Nährstoffe aus einer und derselben
gefäßhaltigen Pulpa erhalten. Eine zusammenfassende auch auf
1) Lit. 25. — 2) Lit. 26. — ®) Lit. 29. — 4) Lit. 30.
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 4. Suppl. 1
p) Frieda Bornstein: Über Regeneration der Federn
eigenen Untersuchungen basierte Übersicht über die Entwicklung der
Feder lieferte Stieda!) im Jahre 1869. Von Pernitza?) wurde zum
ersten Male die vollständige Entwicklung der Dunenfeder in Betracht
gezogen. Er zeigte nämlich wie sich die Nebenstrahlen bilden.
Studer?) behandelte ausführlicher die Bildung der definitiven
Feder. Über den Ersatz der Feder sagte er folgendes: „Der Ausfall
der alten Feder erfolgt dadurch, daß die Spule an ihrer Basis immer
enger wird und zuletzt die Gefäßpapille dergestalt einschnürt, daß
die Blutzufuhr vollkommen abgeschnitten wird. Nun haben wir
gesehen, daß in diesem Fall bei der Embryonalfeder der alte Follikel
einfach in die Tiefe wächst und eine neue Papille bildet, welche dann
die alte bei ihrem Hervorwachsen aus dem Follikel heraushebt. Ein
ähnlicher Vorgang möchte auch bei der Mauserung stattfinden, nur daß
die neue Papille nicht im Stande ist, die große Feder mit ihrer Spitze
herauszuheben und so seitlich von ihr aus dem Follikel tritt.‘“ Lwoff®)
bringt wieder sehr wenig neues über die Entwicklung der definitiven
Feder. Dafür untersuchte er eingehender die Federseele und be-
hauptete, daß die bindegewebigen Elemente derselben nichts anderes
seien, als die vertrocknete Papille selbst. Pernitza’s und Klee’s?)
Theorien über die Erneuerung der Feder weichen von den Be-
obachtungen Studers ab. Klee nimmt an, daß die alte Papille durch
Einwucherung in die Tiefe den Ursprung der neuen definitiven Feder
darstellt. Nach ihm würden also alle aufeinander folgenden Federn
eine und dieselbe Cutispapille besitzen. Samuel‘) untersuchte auch den
Ersatz der Federn, aber behandelte ihn nur vom physiologischem
Standpunkte aus. Die späteren Forscher wie Degen’) und Stone®)
befassen sich nur mit der Mauserung und begnügen sich mit den
äußeren Erscheinungen und Bedingungen, die den Federwechsel hervor-
rufen.
Über die Neubildung der Papille indeß herrschen noch in den
neuesten Publikationen Streitigkeiten. So nimmt Shigi®) an, daß
die Papille der Dunenieder eintrocknet, sich zurückzieht und von der
inneren Schicht der zylindrischen Zellen eingehüllt wird. In diesem
Zustand verharrt die Papille bis sie die neue Feder bildet. Nach diesen
Ansichten entsteht die definitive Feder aus der gleichen Papille, aus
welcher die embryonale Feder hervorgegangen ist.
Nach Jones’s!?) Untersuchungen über Entenembryonen wächst
die erste Feder bis der Vogel ausgewachsen ist, worauf sich eine zweite
Feder aus der gleichen Papille an der Basis der ersten Feder zu ent-
wickeln beginnt.
Eine Zusammenstellung der bis 1902 gewonnenen Resultate über
Federentwicklung gibt Krause in Hertwig’s „Entwicklungsgeschichte
der Wirbeltiere.“
1) Lit. 22. — 2) Lit. 16. — ?°) Lit. 18. — *) Lit. 12. — 5) Lit. 11. —
e) Lit. 21. — °) Lit. 4 — ®) Lit. 20. — ®) Lit. 5. — 1) Lit. 8.
und Beziehungen zwischen Federn und Schuppen. 3
Küster!) zeigt in seiner Arbeit über Innervation und Entwicklung
der Tastfeder, daß jede Ersatzfeder aus einer neuen Papille hervor-
geht, welche an die Stelle der abgestorbenen vorhergehenden tritt.
(s. besonders Abbildg., Taf. III, fig. 13 u. 14.)
Bis in die Gegenwart war es eine strittige Frage, ob die Papille des
ausfallenden Haares erhalten bleibt und das neue Haar sich aus ihr
bildet, oder, ob die Papille bei jeder neuen Haarbildung erneuert werde.
Nach Keibel?) geht die alte Papille nicht vollständig zu Grunde,
sondern es bleibt ein Zellkomplex zurück, der keine Papillenform mehr
zeigt, aus dem sich aber dann die Papille des Ersatzhaares bildet.
In der jüngst erschienenen Arbeit von Stieda?) nimmt der Verfasser
beim Ersatz der Haare sowohl für den Keim, wie für die Papille eine
Neubildung an. Er steht damit im Gegensatz zu Stöhr), der die Ansicht
vertritt, daß sich die neue Papille aus der alten atrophischen bilde.
Die Mauserung selbst ist als ein Vererbungsprozeß im Sinne der
periodischen Häutungen der Reptilien aufzufassen.
Bezüglich der Mauserung der Vögel läßt sich bei Casuarius und
Dromaeus beobachten, daß die Spitze der neuen Feder mit der Basis
der alten Feder in Verbindung bleibt und die Tiere wochenlang solche
Doppeliedern auf sich tragen. Über das Ausfallen der Schwung- und
Steuerfedern sind viele Beobachtungen gemacht worden. Die Gänse,
Schwäne und manche Enten verlieren in kurzer Zeit alle Hand- und
Armschwingen, so daß sie eine Zeit lang flugunfähig sind. Andere wie
Tauben, Papageien verlieren ihre Federn nicht gleichzeitig; sehr viele
scheinen nur einmal im Jahre vollständig zu mausern und zwar in
unseren Breiten im Spätsommer und Herbst; andere wieder verlieren
alle Federn im Herbst und machen noch eine partielle Mauserung im
Frühjahr durch. (Möwen, Mauerläufer ete.) Wieder andere machen
eine vollständige Mauserung im Herbst und im Frühling durch.
(Schneehuhn.) Endlich gibt es auch solche, die keine bestimmte Zeit
für den Federwechsel haben (vielfach Vögel der äquatorialen Breiten).
Meine nun folgenden Untersuchungen beschränken sich auf die
Vorgänge, die sich beim Ersatz der Federn abspielen.
* *
*
Für meine Untersuchungen lag mir ein umfangreiches Material
bestehend ın jungen Enten, Kibitzen und Tauben von verschiedenen
Altersstadien vor. Die Herstellung der Präparate bietet große
Schwierigkeiten, denn die stark verhornten Bildungen machen Serien-
schnitte fast zur Unmöglichkeit. Die Objekte wurden in Formalın,
Sublimat, Flemmingscher und Müllerscher Flüssigkeit konserviert.
Nach der Härtung im Sublimat-Essig versuchte ich beim Auswaschen
in 70%, Alkohol einige Tropfen Salpetersäure zuzugeben. Ich erhielt
vorteilhafte Resultate, denn das Horn der Feder war nicht mehr hart
1) Lit. 28. — 2) Lit. 9. — ®) Lit. 23. — *) Lit. 32.
1*
4 Frieda Bornstein: Über Regeneration der Federn
und brüchig und ließ sich nach der Einbettung in Paraffin von 520
Schmelzpunkt leicht schneiden. Die Schnitte wurden dann mit Eiweiß
(nach Meyer) aufgeklebt. Als Färbungsmittel empfehle ich in diesem
Falle Haemalaun und zur Nachfärbung Congorot, Orange. Die
günstigsten Objekte waren Kibitzembryonen, welche kurz vor dem
Ausschlüpfen ein entwickeltes Dunenkleid besitzen. Dieses Embryonal-
kleid macht erst später der definitiven Feder Platz.
Fig. 3 stellt einen jungen Cypselus dar, bei dem das Dunenkleid
eben im Begriff ist dem definitiven Federkleid zu weichen. Rücken-,
Bauch- und Halsgegend sind noch mit Dunenfedern bedeckt. Die
Dunen der Rücken- und Bauchseite sind von derselben Beschaffenheit.
Die Spule ist sehr klein und ein Schaft wenig entwickelt (Fig. 4). Die
Hauptstrahlen besitzen lange, dicht aneinander liegende Nebenstrahlen,
die bis an ihre Spitzen hinaus vorkommen. Die Mittellinie der ventralen
Seite des Vogels war vollständig von Dunen wie auch von definitiven
Federn frei. Die letzteren unterscheiden sich schon durch ihre dunkel-
braune Farbe von den ersten. Was den morphologischen Bau der
definitiven Feder anbetrifft, so ıst ıhr Schaft sehr dünn und auch die
Spule wenig entwickelt. Die Flug- und Schwanzfedern sitzen in tiefen
Taschen und sind von Scheiden umgeben. — Ein gut entwickeltes
Embryonal-Dunenkleid ist abhängig von der Lebensweise und dem
Anpassungsvermögen des Vogels. Die Jungen der Nestilüchter, die
gezwungen sind selbständig ihre Nahrung zu suchen, besitzen einen
dichten, pelzartigen Flaum. Bei den Nesthockern dagegen verkümmert
das Erstlingsgefieder während dem Aufenthalt in ihren warmen und
gut gebauten Nestern. Über abnorme Befiederungsverhältnisse macht
uns Studer folgende Angaben: Bei allen Hühner-, Wat- und den meisten
Schwimmvögeln, so bei Hühnern, Anatiden, Procellariden und Lariden,
ferner bei Chionis minor u. a. bleibt die äußere Hornscheide bis nach
dem Ausschlüpfen des Vogels bestehen und fällt erst später meist
mit Hülfe des Vogels selbst ab. Die Jungen dieser Vögel sind erst
wie mit Haaren bedeckt, die aus der äußeren Hornscheide der, zu
Strahlen differenzierten Schleimschicht und der inneren vertrockneten
Pulpa bestehen und sich auch morphologisch vom Haar nur durch die
Länge der Pulpa unterscheiden, bis ‘dann durch Abfallen der Horn-
scheide die differenzierte Schleimschicht allein noch zur Geltung
kommt. Beim Pinguin dagegen fällt die Hornscheide noch im Ei mit
der Verhornung der Strahlen ab, so daß der junge Vogel schon mit
freien Dunenstrahlen das Ei verläßt. Ähnliches findet sich bei Halieus
verrucosus Cab. und Reich. Dort treten die Dunen erst nach dem Aus-
kriechen des Vogels aus dem Ei auf und verlieren gleich beim Hervor-
treten ihrer pinselartigen Spitzen die Hornscheiden. Als eigentümliche
Befiederung zeigt auch nach Studer das Gefieder der Spheniscidae.
Hier fehlen mit Ausnahme der Steuerfedern eigentliche Contourfedern,
die Federn des Rumpfes sind durchgängig dunenartig mit kurzem,
platten Schaft und loser Fahne, die der Ruderschwinge zeigen einen
sehr platten, breiten Schaft mit kurzer Fahne, so daß sie Schuppen
und Beziehungen zwischen Federn und Schuppen. 5
ähnlicher sehen als Federn. Andre Verhältnisse zeigt ferner nach
Studer Leiopa ocellata, ein Megapodier, der bekanntlich aus ab-
gefallenem Laub einen Haufen zusammenscharrt und darin durch die
Gärung der faulenden Stoffe die Eier ausbrüten läßt. Dieser Vogel
soll ein Ei von acht Unzen legen, aus dem das Junge schon vollständig
befiedert auskriecht, dasselbe ist der Fall bei Megapodius. Nach
Studers Auffassung erlaubt vielleicht die große Menge des Nahrungs-
materials dem Vogel den ersten Federwechsel schon im Ei durchzu-
machen. Ferner nimmt er an, daß dasselbe der Fall sei bei Apteryx,
dessen Ei !/; der Schwere des Vogels beträgt. Dieser Vogel trägt ein
Gefieder, das mit dem embryonalen Kleide vieler Vögel so über-
einstimmt, daß man vermuten könnte, der Apteryx trage zeitlebens
nur ein embryonales Federkleid.
Die Beobachtungen über die Entwicklung der Feder wurden am
Kibitzembryo gemacht. Wenn sich die erste Federanlage als kleine
Papille über die Haut erhebt, besteht die Epidermis aus zwei Schichten:
Epitrichial- und Schleimschicht, die zylindrische Zellen besitzt. Die
äußere Schicht verdicket sich auf Kosten der Schleimschicht. Die Basis
der Papille senkt sich in die Haut und bildet den sog. Federkeim. Dann
wächst der Keim in die Höhe und bildet ein zylindrisches Gebilde, in
dem sich die Zellen der Schleimschicht stetig vermehren. Dieses
Stadium zeigt Fig. 8. Nach außen Epitrichialschicht, dann Rundzellen
oder Intermediärzellenschicht, wie sie Davies genannt hat und zu innerst
die Zylinderzellenschicht. Der Innenraum der Papille wird ausgefüllt
von der Bindegewebe-Pulpa, in welcher Blutgefäße zu sehen sind, welche
die Ernährung der Feder besorgen. Die weitere Entwicklung zeigt
ein fortwährendes Wachstum der Zylinderschicht. Dasselbe beginnt
an der Spitze der Papille, und bildet eine Anzahl von Falten, welche die
Cutispapille einengen, aus diesen gehen dann später die Strahlen hervor.
Ira Querschnitte (Fig. 9) sind solche Falten sichtbar, die aus Rundzellen
bestehen und gegen das Innere durch die Zylinderschicht abgegrenzt
werden. Dann tritt der Verhornungsprozeß ein.
In den ersten Stadien der Entwicklung besteht die Pulpa der
Papille aus einer einheitlichen Masse, welche sich in den späteren
Stadien verändert und zu einem lockeren Gewebe wird (Fig. 9). Nach
vollendeter Entwicklung der Dunenfeder wird die Pulpa allmählich
absorbiert und auch die Papille nimmt an Größe ab.
Dieser Zustand entspricht der vollständigen Entwicklung der
Nestlingsfeder und der Vorgang zeigt keine Abweichungen gegenüber
dem der anderen Vögel.
An diesem Objekte glückte es mir den Ersatz der definitiven Feder
zu beobachten. Im ersten Stadium (Fig. 10) ist noch keine Spur eines
definitiven Federkeims zu sehen. Nur die Dunenfeder ragt hervor
und ist mit einer Scheide umgeben. Ältere Stadien zeigen an der Basis
des Federfollikels eine kleine Anhäufung von Zellen, die aus der
Malpighischen Schicht hervorgegangen sind. Diese Anhäufung ist
6 Frieda Bornstein: Über Regeneration der Federn
zuerst eine lockere, wird aber durch Zellvermehrung bald zu einem
kompakten Fortsatz, der in etwas gebogenem Verlauf in die Tiefe
dringt (Fig. 11a). Wir wollen denselben als Federleiste bezeichnen.
Dieselbe bildet am Ende eine Verdickung, diese wird durch eine
entgegenwachsende Cutispapille, über welchem nun die Leiste einen
kappenartigen Überzug bildet, zu einem neuen Federkeim analog der
ersten Federpapille der Embryonalfeder gestaltet (S. Fig. 12c). Wie
aus derselben Figur hervorgeht, geht von der Basis der jungen Papille
eine Leiste noch weiter in die Tiefe, so die Anlage weiterer Federn
bildend. Während dieses Prozesses entwickelt sich die Dunenfeder
weiter. Ihre Papille rückt allmählig in die Höhe. Die Papille der defini-
tiven Feder bleibt vermittelst einer Epithelleiste mit ihr in Verbindung,
wächst in die Höhe und gelangt in den Follikel der Dunenfeder, die sie
später aus demselben heraushebt. Die Entwicklung der definitiven
Feder geht beim Kibitz in gleicher Weise vor sich wie die der Dunenfeder,
Es bilden sich zunächst Falten (Fig. 13), in welchen eine schnelle
Verhornung stattfindet. Zwei von den Falten können sich zur zu-
künftigen Rhachis vereinigen. In Fig. 14 teilen sich die Zellen und die
im Inneren der Papille liegenden bilden die Strahlen (Rami). Aus
den Zellen des äußeren Teiles, welche die Scheide umgeben, entstehen
die Radii.
Die Untersuchungen an der neu gebildeten Papille zeigen, daß
sich die Entwicklung der Dunen und der definitiven Feder gleich-
zeitig vollziehen kann. Der Unterschied zwischen der Bildung der
Dunen- und der definitiven Feder besteht darin, daß die erste direkt
durch eine Erhebung der Epidermis entsteht. Die neue dagegen bildet
sich aus einem, aus der Malpighischen Schicht entstandenen Feder-
keim, der in das Corium hineinwächst. Wenn die Dunenfeder ausfällt,
so wird ihre Papille atrophiert. Die Regeneration der Feder beruht
also auf der Bildung einer neuen Papille.. Für die Mauserung glaube
ich nach dem Vorhergehenden denselben Vorgang annehmen zu dürfen.
— Die Regeneration der Feder kann man mit der Haar- und der Zahn-
bildung vergleichen. Die Anlagen der Milch- und Ersatzzähne werden
gleichzeitig gebildet und nehmen ihren Ursprung von der Epithelleiste.
Der Zahnwechsel bei den Selachiern, überhaupt bei niederen Wirbel-
tieren ist ein unbeschränkter, da legen sich immer neue Papillen an
der Tiefe der Zahnleiste an. Dasselbe ist nach Stieda!) beim Haare der
Fall, wo die neue Papille aus einer vom Follikel in die Tiefe dringenden
Epithelleiste gebildet wird.
Eine Zusammenfassung meiner Untersuchungen ergibt folgende
Schlüsse:
1. Für den Ersatz der Feder bildet sich immer ein neuer’Keim.
2. Der neue Keim entsteht bereits, während die alte Feder noch
im Wachstum begriffen ist.
!) Lit. 23.
und Beziehungen zwischen Federn und Schuppen. 7
3. Der neue Keim bildet sich aus der Malpighischen Schicht, die
einseitig an der Basis des Federfollikels ihren Ursprung nimmt.
4. Dieser neue Federkeim bildet einen Fortsatz, welcher in die
tieferen Schichten der Cutis hineinwächst, und aus dem die neue
Papille gebildet wird.
5. Beim Ausfallen der Feder wird die alte Papille atrophiert.
Schuppen und Federn.
Wie aus den Forschungen der Paläontologie hervorgeht besteht
zwischen Reptilien und Vögeln ein enger Zusammenhang. Viele Autoren
haben aus diesen Gründen die Integumentbildungen beider Klassen
einer eingehenden Untersuchung unterworfen. Kerbert!) nimmt Federn
und Schuppen als ganz homologe Gebilde an. In seiner Arbeit hebt
er hervor neben verschiedenen Eigentümlichkeiten der Pinguinfeder,
daß sie eine Papille habe und dadurch von anderen Federn zu unter-
scheiden sei. Er erwähnt ferner: „Übrigens gibt es auch weiter noch
genug Übergänge zwischen Schuppen und Federn, Federn nämlich,
von welchen weiter nichts als die Spulen ausgebildet sind und die eine
vollständige Ähnlichkeit besitzen mit den kegelförmigen Schuppen
bei Moloch unter den Reptilien.‘
Studer hat aber gezeigt, daß die schuppenförmigen Federn der
Pinguine aus Spule, Schaft und Fahne bestehen und daß ihre Ent-
wicklung mit der Federentwicklung anderer Vögel übereinstimmt.
Auch das Vorhandensein einer Papille ist nicht nur der Feder des Pinguin
eigentümlich, sondern wie bekannt besitzen auch alle anderen Federn
eine solche. Gegen Kerbert’s Meinung spricht sich auch Davies?) aus,
der die Ansichten Studers bestätigt. Ziemlich allgemein wurde die
Ansicht vertreten, daß die papillenartige, erste Anlage der Embryonal-
dune homolog sei einer Reptilienschuppe. (Stieda, Davies, Studer).
Um diese Frage, deren Bejahung schon von Ghigi in negativem Sinne
angezweifelt wurde, zu prüfen, untersuchte ich die Hautstellen von
Vögeln, wo Schuppen und Federn in engem Zusammenhange stehen.
Als Untersuchungsobjekt diente mir der Lauf von Tetrao urogallus,
der charakteristische Beziehungen zwischen Schuppen und Federn
aufweist. Die Außenseite des Laufes (Fig. 1) ist mit kurzen, braunen
dicht angelegten Federn bedeckt. Die hintere Seite des Laufes und
die Zehen sind vollständig federfrei, stellen aber verhornte Gebilde
dar, welche verschiedene Schuppenformen repräsentieren. An der
hinteren Seite des Laufes finden wir unregelmäßige körnerartige
Schuppen. An den Zehen unterscheidet man 3 Formen und zwar ist
die Oberseite mit Schildern bedeckt, die dachziegelförmig überein-
einander gelagert sind und die in dieser Weise eine hornige Decke
darstellen. Diese wird zu beiden Seiten von zwei unter sich parallelen
Schuppenreihen von rhombischer Gestalt begrenzt. Diese wieder
1) Lit. 10. — 2) Lit. 2.
8 Frieda Bornstein: Über Regeneration der Federn
begrenzen längliche Schuppen, die an die Unterseite der Zehen mit den
Rändern sägezähnartig hervorragen. Nach Entfernung der Federn
des Laufes kommen auch auf der Außenseite des Laufes eigentümliche
Horngebilde zum Vorschein, wie das Fig. 2 zeigt. Diese sind schuppen-
artig, am Rande jeder entspringt eine Feder. Betrachten wir die
Federn, so sind dieselben dunenartig weich und bestehen aus einer
Feder (Fig. 5) mit großem Afterschaft, der mit weit getrennten zwei-
zeilig abgehenden Strahlen besetzt ist (Fig. 6). Da die beiden, Feder
und Afterfeder sich an Größenentwicklung fast gleichkommen, so
erinnern sie einigermaßen an die Doppelfeder des neuholländischen
Casuars. Daß eine Doppelfederbildung als Einzelerscheinung auch sonst
vorkommen kann, zeigt die hier in Fig. 7 abgebildete Steuerfeder einer
Möwentaube. Hier kommen aus einer Spule zwei vollkommen ent-
wickelte Contourfedern, je mit Schaft, Rami und Radii, die durch
Häckchen in gewöhnlicher Weise verbunden sind. Nur zeigt die eine
insofern eine Abweichung, als der Schaft gegen die Spitze einen Seiten-
ast abgibt, der wieder selbständig Strahlen trägt. Um das Verhältnis
von Feder zu Schuppe genauer zu eruieren, untersuchte ich den Fall,
wo bei Hausgeflügel sich an beschilderten Läufen Federn entwickeln.
Bei einer Kropftaube fand ich folgende Verhältnisse. Die vordere
Lauffläche war mit langen Federn bedeckt. Die Länge einer Feder
an der mittleren Zehe betrug 5—6cm. Auf der hinteren Lauffläche
fehlten die Federn. Der obere Teil des Laufes zeigte sich bedeckt
mit dreireihig geordneten Schildern. Dieselben berührten sich nicht
mit ihren Rändern. Die hintere Seite des Laufes war mit Körner-
schuppen bedeckt. An der Seite waren keine Schuppen, nur eine
glatte, weiche Haut. Die Zehen waren von größeren unter sich eng
verbundenen Schildern bedeckt. Sie stellen dünne Plättchen dar,
deren unterer Rand etwas vorsteht, von diesem entspringt je eine Feder.
Es sei hier noch erwähnt, daß die Spule dieser Feder wenig entwickelt
ist. Bei den seitlich liegenden Federn, die nicht mehr an Schuppen
entspringen, war dagegen die Spule gut ausgebildet.
An einem Schnitt durch die Fuß-Haut einer gewöhnlichen Taube,
die keine Federn am Fuße besitzt, ist folgendes zu unterscheiden
(Fig. 16). Die Lederhaut zeigt papillenartige Erhebungen. An der
Epidermis findet man eine Lage Zellen mit deutlichen Kernen, die
Zylinderschicht. Dann folgt die Hornschicht. Das Corium enthält
Blutgefäße. Es läßt sich hier keine Spur von Federanlagen beobachten.
Einen Schnitt (Fig. 17) durch die Fuß-Haut der oben erwähnten
Kropftaube, deren Füße mit Federn bedeckt waren, zeigt folgendes
Bild. In der Tiefe der Schuppe, ihrem Rande zugewendet, finden wir
eine einzige Federanlage, was dem makroskopischen Befunde entspricht.
Die zapfenartig eingestülpte Papille ähnelt der bei der Haarbildung
beobachteten. Bei der weiteren Entwicklung der Feder wird die Horn-
schicht der Schuppe immer dünner. Die Zylinderschicht senkt sich
in die Cutis ein und umgibt den Federfollikel (Fig. 18). Dann bildet
sich allmählich die Schuppe zurück, was auch einen Schwund der
und Beziehungen zwisehen Federn und Schuppen. 9
Hornschicht zur Folge hat, die dann der Feder keinen Widerstand
mehr entgegensetzt. Die letzte Figur (Fig. 19) zeigt uns die vollent-
wickelte Feder am Rande der Schuppe.
Aus dem vorhergehenden geht deutlich hervor, daß die Feder
als Sekundärbildung der Schuppe anzusehen ist. Sie entspricht aber
nicht der ganzen Schuppe, sondern hat sich nur aus einem Teile der-
selben gebildet. Wir können nur den Schuppenbezirk und den Feder-
bezirk als Äquivalente bezeichnen. Bei der Quinkunxstellung der
Federn z. B. bei einem jungen Sperlinge (Fig. 15) zeigen die Leisten
die Grenze der Schuppen an. Die Gruppenstellung läßt sich also
erklären aus einem früher vorhandenen Schuppenkleid, das im Laufe
der Entwicklung schwand und als einzige Spur die Quinkunzstellung
der Federn zurückgelassen hat.
De Meijere!) hat Federgruppen gefunden, welche eine bestimmte
Ähnlichkeit mit den Dreihaargruppen auf beschuppten Säugetier-
schwänzen haben. Es waren nämlich bei einer Strix flammea drei
Federn hinter der Schuppe vorhanden. Die Mittelfeder war viel länger,
als die lateralen. Es ist dies wie durch Untersuchungen bekannt ge-
worden ist, eine analoge Anordnung wie sie die der menschlichen
Haare zeigen, wo neben jedem ziemlich starken Mittelhaare ein Paar
feine Seitenhärchen zu sehen sind. Davies nimmt an, daß die Federn
am beschilderten Laufe den primitiven Zustand darstellen und äußert
sich folgendermaßen darüber: „Die vorhandenen Laufschuppen und
Schilder nahmen ihren Ursprung als Verdiekungen der Haut rings
um die Ansatzstellen dieser Federn und die Halbringe auf den Zehen
und dem Lauf entstanden jeder durch die Verschmelzung von mindestens
zwei solcher Hautverdickungen.“ Nach seiner Ansicht wären also die
Schuppen sekundäre Bildungen. Warum würden sie sich aber dann,
wenn sich die Feder entwickelt, zurückbilden! Diese Rückbildung
läßt sich aber nur dadurch erklären, daß sich die Feder aus einen
Teil der Schuppe bildet und den anderen Teil derselben verdrängt,
wie meine angeführten Untersuchungen zeigen. Zu demselben Resultat
kommt Ghigi, der den Lauf bei Ephialtes scops untersucht hat, und
fand, daß die Feder aus einem Teil der Schuppe sich bilde (8. 175).
Wenn wir uns nach dem Ursprung der Schuppen der Vögel fragen,
gelangen wir zu dem gleichen Ergebnis, zu welchem schon Reh?) bei
Untersuchungen über die Schuppen der Säugetiere gekommen ist.
Sie müssen als ererbte Bildungen angesehen werden, die in den Federn
durch langsame allmähliche Umwandlung eine hohe Differenzierung
erlangt haben.
) Lit. 15. — 2) Lit. 17,
10 Frieda Bornstein: Über Regeneration der Federn
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33. Stöhr. Entwicklungsgeschichte des menschlichen Wollhaares.
Anat. Hefte. H. 71. 23. Bd. 1903.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1 u. 2. Fuß des Tetrao urogallus.
Fig. 3. Junger Cypselus.
Fig. +. Embryonaldune des Cypselus.
Fig. 5 u. 6. Federn des Laufes von Tetrao urogallus.
Fig. 7%. Doppelfeder, mit einer Spule, von einer Möwentaube.
Fig. 8. Querschnitt durch eine Papille eines Kibitzembryos. a) Epitrichial-
schicht, b) Intermediärzellen, ce) Cylinderzellenschicht, d) Pulpa, e) Blutgefäß.
Fig. 9. Querschnitt einer Papille; es beginnt die Faltenbildung.
Fig. 10. Längsschnitt durch die Embryonalfederpapille des Kibitzembryos.
Fig. 11. Längsschnitt durch die Embryonalfederpapille. a) Keim der defini-
tiven Feder.
Fig. 12. Längsschnitt der Embryonaldune. a) Dunenfeder, b) Epithelleiste,
c) Papille der definitiven Feder.
Fig. 13. Querschnitt einer definitiven Feder; Verhornung der Strahlen.
Fig. 14. Querschnitt der definitiven Feder, es bilden sich Nebenstrahlen.
Fig. 15. Die Gruppenstellung bei einem jungen Sperlinge.
Fig. 16. Schnitt durch die Fuß-Haut einer gewöhnlichen Taube. a) Horn-
schicht, b) Cylinderschicht, c) Blutgefäß.
Fig. 17, 18 und 19. Längsschnitte durch die Haut des Laufes einer Kropf-
taube. a) Rand der Schuppe. b) Federanlage.
' Neue afrikanische Bienen der Gattungen
Sphecodes und Ceratina.
Von
Embrik Strand.
Sphecodes oneili Cam. var. nigrielypeus Strand n. v.!) (an Sp.
propria?).
Ein @ von Kapland. — Mit Sph. oneili Cam. jedenfalls nahe
verwandt, aber größer, der herzförmige Raum ohne zwei große glatte
Flecke, eine Längsstrichelung vor den Ozellen ist kaum vorhanden,
Ulypeus ist einfarbig schwarz, die Coxen I und III sind z. T. schwarz,
die Rotfärbung des 2. Abdominalsegments erstreckt sich jedenfalls
an den Seiten bis zum Hinterrande, die Flügel subhyalin, im Saum-
felde am stärksten getrübt, Geäder und Mal dunkelbraun, die Körper-
größe bedeutender: Kopf + Thorax 4,3, Abdomen 4,2, Flügel 6,8 mm
lang. — Bis zur vorderen Ozelle zieht eine feine Längsrippe (die
vielleicht zu der Cameronschen Beschreibung: „below the ocelli finely
longitudinally striated‘“ die Veranlassung gegeben hat?). Die Punkt-
gruben des Clypeus sind zwar, wie die Diagnose Camerons verlangt,
meistens unter sich deutlich getrennt, einige fließen jedoch mehr
oder weniger zusammen. Stutz des Metanotum ist nicht bloß „strongly
Bun sondern auch kräftig gerunzelt und mit tiefer Mittellängs-
urche. ß
Das erste Geißelglied ein wenig länger als die gleichlangen Glieder 2
und 3, aber kürzer als 4. Die erste rekurrente Ader ist nur halb so weit
von der 2. Cubitalquerader entfernt, wie die zweite von der 3. Cubital-
querader. Die erste Cubitalquerader ist vom Stigma ein wenig weiter
als von der zweiten Cubitalquerader entfernt. Die dritte Cubitalquer-
ader ist vorn doppelt so lang wie die zweite. Nervulus ist etwa um
seine halbe Länge antefurcal.
Sphecodes rufichelis Strand n. sp.
Ein @ von Kapland. — Mit Sph. iridipennis Cam. anscheinend
verwandt, aber durch die Körpergröße, die Skulptur des Meta-
notum etc. abweichend. Die beiden ersten Geißelglieder gleich
lang, das Endglied nur wenig länger als das vorhergehende Glied.
Der Kopf erscheint von oben reichlich doppelt so breit wie
lang, von vorn gesehen jedenfalls erheblich breiter, aber nicht
doppelt so breit als lang. Die Augen nach unten ganz schwach
konvergierend. Die Ocellen sind von den Augen um 1!/, Mal weiter
als unter sich entfernt. Die vordere Ocelle ist von den hinteren um
kaum ihren Durchmesser entfernt. — Mesonotum ganz schwach
glänzend, mit sehr tiefen, unter sich z. T. um reichlich ihren Durch-
!) Die Typen sämtlicher Arten befinden sich im Königl. Zoologischen
Museum zu Berlin. ’
Embrik Strand: Neue afrikanische Bienen, 13
messer entfernten Punktgruben, von denen allerdings die meisten
näher beisammen liegen; vorn ist eine schwache Mittellängseinsenkung;
der Vorderrand des Mesonotum ist stark vorstehend, und überragt das
niedrige, mitten niedergedrückte, leistenförmige, rechtwinklig gee-kte
Pronotum. Scutellum abgeflacht, nur ganz schwach gewölbt, mit noch
spärlicherer, aber sonst ähnlicher Punktierung wie Mesonotum.
Metanotum mit einer aus,hohen scharfen Rippen gebildeten
groben Retikulierung, zwischen den Rippen glänzend und daher als
Totaleindruck schwach glänzend; die Basalarea hinten und seitlich
von einer ziemlich glatten, glänzenden, nur mit unter sich weit ent-
fernten und niedrigen parallelen Längsrippen versehener, etwa halb-
inondförmig procurva gebogener Grenzbinde umgeben. Der Stutz
ist senkrecht und glänzend. Alle Abdominalsegmente glatt und glänzend
mit ziemlich kräftiger aber spärlicher Punktierung, nur eine breite
Hinterrandbinde unpunktiert. Färbung. Kopf und Thorax schwarz,
Mandibeln rot mit geschwärzter Spitze, Tegulae außen und vorn
blaßgelblich. Beine schwarz mit rötlichem Knie und ebensolchen
Tarsen, Tibien I vorn (innen) hellrötlich, auch die anderen Glieder
z. T. mit rötlichem Schimmer. Fühlergeißel unten ganz schwach
gebräunt. Flügel gleichmäßig stark gebräunt, nur an der Basis ein
klein wenig heller; Tibien mit bräunlichgelben Sporen. Abdomen
rot, die beiden letzten Segmente schwarz. — Gesicht dicht und
lang grau behaart mit silbrigem Schimmer, auch die feine
Pubescenz des Hinterhauptes ist silbrig schimmernd. Mesonotum
ganz kurz und spärlich dunkel behaart, die Schulterbeulen und Ecken
des Pronotum mit dichter hellgrauer Pubescenz und beiderseits des
Seutellum ist ein ebensolcher Fleck. Abdomen fast kahl, an den
Seiten mit äußerst spärlicher graulicher Pubescenz. Geäder. Die
erste rücklauferde Ader mündet deutlich hinter der Mitte in die
2. Cubitalzelle ein. Die erste Cubitalquerader ist ganz gerade und von
dem Mal weiter als von der 2. Cubitalquerader entfernt. Die 2. rück-
laufende Ader mündet ebenfalls hinter der Mitte in ihre (d. h. d.
3. Cubital-) Zelle ein. Nervulus um etwa !/, seiner Länge antefurcal.
Körperlänge 11,5 mm, Flügellänge 8,5 mm.
Sphecodes atriapicatus Strand n. sp.
Ein @ von Kapland (Dr&ge). — Von der vorhergehenden
Art am leichtesten durch die schwarze Abdominalhinterhälfte und
die Struktur des herzförmigen Raumes zu unterscheiden. Ganz
rot sind nämlich nur die beiden ersten Abdominalsegmente, das
dritte ist rot in der vorderen und schwarz in der hinteren Hälite
und die folgenden Segmente sind einfarbig schwarz, höchstens
mit leicht gebräuntem Hinterrand. Die Tegulae sind nur am Innen-
rande schwarz. Beine bräunlich schwarz, ohne hellere Knien und ohne
hellere Vorderseite der Tibien I. Fühlergeißel (ausgenommen die drei
Basalglieder) unten hellrötlichbraun. — Der herzförmige Raum
zeichnet sich durch das Vorhandensein von kräftigen, unter sich wei
entfernten, parallelen Längsrippen aus, zwischen denen aber niedrigere,
ein Netzwerk wie bei der vorigen Art bildende Rippen vorhanden sind;
14 Embrik Strand: Neue afrikanische Bienen
das ganze deutlich glänzend. Der herzförmige Raum geht hinten und
an den Seiten durch ein Grenzield in die Umgebung über, das von
dem der vorhergehenden Form nur dadurch abweicht, daß es deut-
licher glänzend und weniger deutlich skulpturiert ist. Ferner sind
die Ocellen von den Augen unbedeutend weniger weit entiernt als
bei voriger Form. Mesonotum ist matt. Ferner ist die Größe ein
wenig geringer: Körperlänge ca. 9mm, Flügellänge 8 mm.
Von 8. iridipennis Cam. wäre die Art am leichtesten durch die
schwarze Hinterhälfte des Abdomen zu unterscheiden.
Ob aber $. atriapicatus von rufichelis spezifisch verschieden ist,
kann erst durch mehr Material entschieden werden, jedenfalls verdient
er als Varietät unterschieden zu werden.
Sphecodes nyassanus Strand n. sp.
16 SS von: Nyassa See, Langenburg (Fülleborn), gefangen
im Juni, Juli, Anfang August und Oktober, Anfang September. —
Mit Sph. capensis Cam. verwandt, aber die ganzen Mandibeln und
Labrum sind rot, das Stigma und die Adern sind dunkelbraun ete.
Färbung. Schwarz; rot sind die äußerste Abdom'nalspitze
und Abdominalsegmente II und III mit Ausnahme je eines schwarzen
Rückenfleckes, der bisweilen ganz undeutlich ist (insbesondere der-
jenige des Segments II, der in der Mitte liest, während derjenige des
Segments IIl immer größer ist und am Hinterrande des Segments
gelegen ist); ferner ist die Hinterhälfte des Segments I rot und ebenso.
die Mandibeln, Wangen und der Lippenteil. Tegulae blaßgelblich
mit schwarzem Innenrand. An den Beinen sind die Kniee und Tarsen
rötlich braungelb und ebenso die Innenseite der Tibien I. Fühler-
geißel unten nicht oder nur ganz schwach gebräunt. Flügel subhyalin,
in der-Endhälfte gleichmäßig angeraucht; Geäder und Mal dunkel-
braun. Behaarung weiß oder grauweißlich, größtenteils so
spärlich, daß das Tegument überall zum Vorschein kommt; auf dem
Untergesicht dicht und ziemlich lang wollig schneeweiß und silber-
glänzend behaart, mit Ausnahme der unteren Hälfte des Clypeus ist
diese Behaarung so dicht, daß das Tegument völlig verdeckt wird;
auf dem Thorax ist dichte Behaarung nur an den Schulterbeulen und
auf dem Pronotum vorhanden. Die Tibialsporen hell bräunlichgelb.
Augen grauschwärzlich.
Clypeus am Ende quergeschnitten oder ganz schwach aus-
gerandet, Labrum zeigt vorn mitten eine seichte Ausrandung. Man-
dibeln in der Basalhälfte außen flach oder sogar ganz seicht ausgehöhlt
und behaart, in der Endhälfte glatt und stark glänzend. Scheitel und
Stirn sehr kräftig punktiert und matt. Die vordere Oc elle ist ganz
deutlich größer und z. T. auch dunkler gefärbt als die hinteren und
von diesen um kaum ihren Durchmesser entfernt; eine die M. A. hinten
tangierende Gerade würde die $. A. vorn schneiden. Antennen
lang, das Scutellum erreichend, aber kaum überragend, mäßig dick,
die Glieder leicht gewölbt und die Geißel daher schwach knotig
erscheinend; der Schaft kurz, etwa so lang wie das dritte Geißelglied,
umgekehrt kegelförmig, die beiden ersten Geißelglieder sind ring-
der Gattungen Sphecodes und Ceratina. 15
oder scheibenförmig, vielfach breiter als lang und zwar das erste ein
klein wenig länger als das zweite, das dritte Glied ist zylindrisch und
länger als die folgenden, knotigen Glieder, sowie reichlich doppelt
so lang wie breit; das Endglied ist konisch zugespitzt und nicht oder
höchst unbedeutend länger als das vorhergehende Glied. Der Scheitel
der Quere, aber nicht der Länge nach stark gewölbt, vielmehr von
vorn und hinten zusammengedrückt. Mesonotum und Scu-
tellum matt glänzend, mit kräftigen, tiefen Punktgruben, die unter
sich um etwa ihren Radius entfernt sind; die Zwischenräume glatt
und glänzend. Basalarea des Metathorax groß, horizontal, mit
kräftigen, z. T. durch Querrippen verbundenen Längsrippen und leicht
glänzend, hinten durch eine glatte, glänzende, ungerippte Querbinde
in den Stutz übergehend; dieser ist senkrecht, matt, grob gekörnelt,
mit sehr tiefer Mittellängsfurche. Das Basalglied ds Abdomen
an der vorderen Abdachung mit tiefer Mittellängseinsenkung; die
Rückenseite des I. Segments zeigt Andeutung einer feinen Längs-
erhöhung in der Mitte. — Abdomen matt glänzend, deutlich, aber
weniger kräftig als Mesonotum punktiert, die Hinterränder glatt,
glänzend. — Die erste rücklaufende Ader ein wenig hinter der Mitte
der 2. Cubitalzelle einmündend; diese Zelle ist erheblich höher als
lang. Die erste Cubitalquerader ist von dem Stigma weiter als von der
2. Cubitalquerader entfernt. Körperlänge 6 mm, Flügellänge 5 mm.
Sphecodes togoanus Strand n. sp.
Ein $ von: Togo, Misahöhe 15. bis 21. VI. 1894 (E. Bau-
mann). Der vorigen Art zum Verwechseln ähnlich, aber durch
noch längere, etwa bis zur Basis des Abdomen reichende und
auch noch dickere und mehr knotige Fühler abweichend; sie
sind sowohl durch Länge, Dicke als Form recht auffallend und
die Art läßt sich dadurch von der vorigen auf den ersten
Blick unterscheiden, wenn man beide neben einander hat. Sonst
stimmt die Beschreibung des Sph. nyassanus auch auf das vorliegende
Tier mit folgenden Ausnahmen: Die schwarzen Flecke der Segmente II
und III sind größer (vielleicht kein konstanter Unterschied!), die
Mandibeln an der Spitze schwarz, Wangen braun, die Femoren II
und III sind gerötet, die Tibien I sind hellrötlich, bloß mit dunklerer
Oberseite, Behaarung des Gesichts nicht so rein silberweiß. Meso-
notum und Scutellum noch deutlicher glänzend, weil :pärlicher
punktiert, die Basalarea des Metathorax ist mit feineren und unter
sich weiter entfernten Längsrippen versehen. (Der Stutz ist der Unter-
suchung nicht zugänglich).
Ceratina langenburgiae Strand n. sp.
Ein $ von: Nyassa See, Langenburg, Konde Land, 1. XI. 1899
(Fülleborn). — Mit ©. nasalis Fr. verwandt, aber die Ocellen
größer, das erhöhte, dreieckige, scharf umrandete Stirnschild und
die Skulptur der Area mediana des Metathorax weichen ab. Die
Ocellen sind unter sich um nicht ganz ihren Durchmesser entfernt;
eine die hinteren vorn und die vordere hinten tangierende Linie
würde gerade sein. Das Stirnschild ist beiderseits von einer
16 Embrik Strand: Neue afrikanische Bienen
scharfen Leiste begrenzt, welche Leisten oben in einer abgerundeten
Spitze zusammenstoßen, von welcher sich eine mit einer feinen
Furche versehenen Leiste nach oben bis zur vorderen Ocelle
fortsetzt; das zwischen den Leisten eingeschlossene Feld ist flach,
mit seichten Gruben und einem von den leistenförmigen Zwischen-
räumen dieser Gruben gebildeten Netzwerk. Nach unten ist das Stirn-
schild von dem sowohl spärlicher als seichter punktierten Clypeus
durch nur eine feine eingedrückte Linie begrenzt. — Die größere
Hälfte der Area mediana wird von zwei rundlichen, scharf umrandeten,
etwas breiter als langen, im Grunde ziemlich glatten und glänzenden
Feldern eingenommen, die je eine mit der äußeren Randleiste parallel
verlaufenden und von dieser nicht weit entfernten schrägen Längs-
rippe einschließen. Die Seitenpartien der Area mediana sind fein
gerunzelt und punktiert, aber ohne deutliche Rippen, von dem Stutz
durch die kräftige Randleiste dieses getrennt wird. Der Stutz wird
oben mitten von der Area mediana durch eine schmale, glatte, glänzende
Binde getrennt, während er oben seitlich und an den Seiten durch
seine kräftige Randleiste begrenzt wird; er ist sonst flach, matt, fein
behaart, mit seichten, undeutlichen Gruben und einer Mittellängs-
furche versehen.
Färbung blau, stellenweise grünlich schimmernd, Mundteile
schwarz, Labrum jedoch mit kleinem gelbem Fleck in der Mitte; Clypeus
gelb mit schmaler brauner Vorderrandbinde. Antennen schwarz,
Geißel unten nur ganz schwach gebräunt. Tegulae braunschwarz,
vorn mit einem gelblichen Wisch. An der Basis aller Tibien ein gelber
Fleck, der sich auf dem 1. Paare zu einem Längsstreifen ausdehnt.
Tarsen rötlichbraun.
Die Flügel ziemlich stark angeraucht, nur in der Basalhältfte als
subhyalin anzusehen. Die erste rücklaufende Ader hinter der Mitte
(etwa am Anfang des letzten Drittels) der 2. Cubitalzelle einmündend
und in derselben Weise verhält sich die zweite rücklaufende Ader.
Die zweite Cubitalquerader gleichmäßig saumwärts konvex gekrümmt.
Die zweite Cubitalzelle ist vorn (auf der Marginalader) ein wenig
kürzer als die dritte. Nervulus ganz kurz antefurkal. Körperlänge
7,5 mm, Breite des Abdomen 2,5 mm, Länge der Flügel 5,5 mm.
Ceratina togoana Strand n. sp.
Ein 2 von: Togo, Bismarckburg 3. VI.—3. VII. 1893 (L. Con-
radt). — Durch die Bestimmungstabelle von Friese in: „Bienen
Afrikas“ p. 191—3, kann man auf die ostafrikanische C. sulcata Fr.
kommen, die aber durch das Vorhandensein der Clypeuseinsenkung
leicht zu unterscheiden ist. Von genannter Art weicht die vor-
liegende ferner ab durch ihren grünlichen Anflug, den unten ver-
breiterten und gerundeten Clypeusfleck, der Kiel des Endsegments
ist deutlicher und die Körpergröße geringer ete. — Charakteristisch
ist ferner die Basaltläche des Abdomen; sie ist sehr schräg, so daß
die Rückenfläche des ersten Segments nur noch als eine schmale
Binde erscheint, und oben von der Rückenfläche nicht scharf begrenzt,
wohl aber an den Seiten mit einer allerdings wenig scharf markierten
der Gattungen Sphecodes und Ceratina. 17
2
Grenzleiste versehen; im oberen Drittel ist die Basalfläche glatt, stark
glänzend und unpunktiert, weiter unten spärlich und seicht punktiert,
aber dennoch glänzend und mit einer etwa bis zur Mitte der Fläche
reichenden, sehr tiefen basalen Grube, die fast wie ein Loch erscheint.
— Die untere Hälfte des Clypeus zeigt jederseits eine ziemlich tiefe
und breite Grenzfurche, die im Grunde glatt und glänzend ist und
schon dadurch von der Umgebung deutlich abweicht; nach oben
verlängert sie sich, allmählich undeutlicher werdend bis zur Basis
der Antennen. Vorderrand des Clypeus bildet «ine niedrige, aber
ziemlich scharfe Leiste,-die sich an beiden Seiten erweitert und daselbst
eine kleine Einsenkung einzuschließen scheint.
Geäder. Die erste rücklaufende Ader mündet etwa am Anfang
des hinteren Viertels in die 2. Cubitalzelle ein und so verläuft auch die
2. rücklaufende Ader. Die 2. Cubitalzelle ist auf der Marginalader
nur !/; so lang wie die 3. Cubitaltelle. Basalader stark gebogen. Nervulus
interstitial. Die 2. Cubitalquerader ist ganz wenig wurzelwärts konkav
gebogen.
Färbungund Behaarung. Der Hinterrand der Segmente
2, 3 und 4 ist fein gelblich ziliiert. Der Bauch ganz kurz und nicht
dicht silberweißlich bebürstet. Behaarung der Metatarsen und Tarsen
hell gelblich, die der übrigen Glieder der Extremitäten graulich. Flügel
überall,*auch in der Basalhälfte, ziemlich stark angeraucht; Geäder
und Mal dunkelbraun. Auf Cephalothorax gibt es oben fast gar keine
Behaarung, an den Seiten und unten nur feine Pubescenz, jedoch ist
solche oben vielleicht abgerieben. Färbung schwarz mit schwachem
grünlichem und violettem Anflug; Clypeus mit einem gelben Längs-
fleck, der subellipseniörmig, unten ein wenig breiter als oben und
oben quergeschnitten erscheint und den Vorderrand des Clypeus nicht
ganz erreicht, während er auch nicht den Seitenrand, weder oben noch
unten, ganz erreicht. Gelb sind ferner die Schulterbeulen, eine schmale
Längsbinde an der Unterseite der Femoren I, die nicht ganz die Spitze
und noch weniger die Basis des Gliedes erreicht, eine ähnliche Binde
an der Oberseite der Tibien I, die zwar die Basis, aber bei weitem
nicht die Spitze des Gliedes erreicht, endlich trägt Pronotum eine
gelbe, mitten breit unterbrochene Linie. Fühlergeißel mit Ausnahme
der 4—5 basalen Glieder unten leicht gebräunt und ebenso der Außen-
rand der Tegulae. Flügel leicht gebräunt, insbesondere in der Apical-
hälfte. Geäder braun. Körperlänge 8,5 mm, Flügellänge 5,5 mm,
Breite des Abdomen 2,5 mm.
Ceratina penicilligera Strand n. sp.
Ein & von Sansibar (Hildebrandt). — Mit ©. penicillata Fr.
am nächsten verwandt, aber bronzefarben (was mit Frieses Be-
stimmungstabelle, aber nicht mit seiner Beschreibung übereinstimmt),
die Tegulae sind außen hinten rötlichbraun; Segment 7 ist aus-
gebuchtet (was bei penicillata jedenfalls nicht angegeben wird),
aber in der Mitte wie bei penicillata schwach ausgerandet (fast un-
merklich!) und seitlich gezähnt; ferner sind die Beine anders gefärbt,
der Sporn der Hinterbeine braungelb, Clypeusfärbung scheint auch
Archiv für Naturgeschichte 5)
1911. I. 4. Suppl. 7
18 Embrik Strand: Neue afrikanische Bienen
abzuweichen, der Längskiel des 6. Dorsalsegments ist kräftig und die
Größe ist bedeutender: Totallänge 8 mm, Flügellänge 5—6 mm. Breite
des Abdomen 2,5 mm. — Die Art bildet zusammen mit (©. tibialis Fr.,
penicillata Fr. und emarginata Fr. eine durch die penicillaten Hinter-
tibien ausgezeichnete Gruppe. — Von Ü. lunata u. a. durch den glatteren
Clypeus zu unterscheiden. — Charakteristisch ist u.a. das glatte
glänzende Mesonotum. — Von meiner O. tanganyicensis durch folgendes
zu unterscheiden: die kupfermetallische Färbung, die Hinterränder
der Abdominalsegmente nicht ziliiert, Mesonotum glatter, glänzender
und spärlicher punktiert, auch die Skulptur des Scutellum schwächer;
Clypeus glatt, glänzend, unpunktiert, nur der dunkle Rand punktiert;
Labrum schwarz, mit sehr tiefer Mittellängsgrube; Mandibeln wenigstens
in der Basalhälfte glatt und stark glänzend; Flügel noch stärker
angeraucht, insbesondere in der Apicalhälfte und zwar am deutlichsten
in der Radialzelle. Ferner durch den recht deutlichen Mittellängskiel
des letzten Dorsalsegments, der auch auf dem vorletzten Segment,
wenn auch ganz schwach, angedeutet ist, ausgezeichnet.
Den schon gemachten Angaben über die Färbung wäre noch
ergänzend hinzufügen, daß die schwarzbronzigen Beine an der Unter-
seite der Femoren I eine schmale gelbe Binde tragen und dieselben sind
auch an der Spitze oben gelb, die Tibien I sind hinten schwärzlich,
vorn bräunlichgelb, oben mit schmaler gelber Längsbinde, die Meta-
tarsen und Tarsen I hell bräunlichgelb, jedoch das letzte Glied ge-
schwärzt, die Klauen wiederum an der Basis braungelblich, am Ende
schwarz; ähnlich, aber dunkler sind die Metatarsen und Tarsen Il
und III gefärbt.
Basalader stark gekrümmt. Die erste rücklaufende Ader von der
2. Cubitalquerader nur halb so weit wie die zweite rücklaufende Ader von
der 3. Cubitalquerader entfernt ist.
Ceratina daressalamica Strand n. sp.
Zwei 8 von Daressalam, Pangani u. Hinterland (Regner).
— Ähnelt 0. inermis Fr., aber davon abweichend u. a. dadurch, daß
die Zeichnungen des Gesichts elfenbeinweiß statt gelb sind.
Färbung tiefblau, Antennenschaft schwarz, Antennen oben
schwarzbraun, unten braun. Tegulae hellbraun. Geäder braun. Flügel
hyalin, iridisierend. Beine hellbraun, Coxen und Trochanteren
schwärzlich, Femoren I unten mit weißlicher Längsbinde, Tibien I
oben mit ebensolcher, alle Metatarsen und Tarsen gelblich, jedenfalls
die Metatarsen I oben mit weißlicher Längsbinde, Tibien III oben
in der Basalhälfte mit weißlicher Längsbinde. Clypeus elfenbeinweiß,
der Seitenrand in der unteren Hälfte schwarz, der Vorderrand an beiden
Enden gebräunt. Labrum elfenbeinweiß mit breiter schwarzer Seiten-
randbinde. Mandibeln elfenbeinweiß mit schwarzer Spitze. — Die
äußerst spärliche Behaarung grauweißlich, die der Beine silber-
weißlich. Augen hellgrau.
Das 6. Rückensegment mit feinem, an der Basis fehlendem Mittel-
längskiel; das 7. Segment mit einem, im Profil gesehen, fast zungen-
förmig vorragendem Längskiel in der Mitte, Bauch mit ganz spärlicher
der Gattungen Sphecodes und Ceratina. 19
hellgraulicher Behaarung. — Die zweite Cubitalzelle subtriangulär,
oben (vorn) nicht halb so lang wie die dritte Zelle, die oben fast so lang
wie die Vorderseite der zweiten Zelle ist; die Entfernung der zweiten
rücklaufenden Ader von der zweiten Cubitalquerader reichlich so groß
wie die Länge der letzteren, die oberhalb der Mitte schwach gebogen
ist. — Mesonotum matt glänzend, mit 3 tief eingedrückten Längs-
linien, zwischen denen nur ganz wenige, einigermaßen in Längsreihen
angeordnete Punktgruben vorhanden sind. Postscutellum jederseits
mit einer tiefen Grube. Basalfeld des Metanotum zeigt einen Mittel-
längskiel, der zwei seichte grubenförmige Einsenkungen trennt, die
hinten von dem leistenförmig erhöhten Oberrand des Stutzes begrenzt
werden; letzterer ist ilach, schwach glänzend, mit feiner Mittellängs-
furche und spärlich, aber tief punktiert, auch an den Seiten mit aller-
dings wenig deutlicher Randleiste. Körperlänge bei etwas gekrümmtem
Abdomen 5,5 mm, Breite derselben 1,9 mm, Flügellänge 4 mm.
Ceratina guineana Strand n.sp.
Ein 5 von Guinea (v. Homeyer). — Ist u. a. charakteristisch
durch die tiefe Grube des Labrum, das außerdem durch einen ganz
kleinen gelben Fleck in der Mitte ausgezeichnet ist. Mesonotum
dicht und kräftig punktiert und matt.
Färbung grünschwarz mit bronzigem Schimmer, die schwarze
Farbe an den Femoren am reinsten erhalten. Fühler matt schwarz,
die Geißel unten kaum gebräunt. Clypeus schmutzig gelb, an den
Seiten und vorn schwarz umrandet. Augen grauschwärzlich. Tegulae
schwarz, am Außenrande ganz schwach gebräunt. Tibien I oben mit
ganz schmaler hellgelber Längsbinde, eine ebensolche, aber abgekürzte
findet sich an der Unterseite der Femoren I. An den Beinen II—III
tragen nur die Femoren an der Spitze oben einen kleinen gelben Fleck.
Alle Tarsen mehr oder weniger gerötet. Die Tibialsporen braungelb.
Flügel ziemlich stark angeraucht und iridiszierend, nur in der Basal-
hälfte subhyalin; Geäder schwärzlich. Behaarung an den Seiten
und unten ziemlich lang, aber sehr spärlich und grauweißlich gefärbt,
mit silbrigem Schimmer. Metatarsen und Tarsen unten hell bräunlich-
gelb behaart.
Clypeus glatt, matt glänzend, in der oberen Hälfte mit einer
ganz seichten undeutlichen Mittellängslinie, in der unteren Hälfte
jederseits mit einigen wenigen sehr seichten Pünktchen; der schwarze
Vorder- und Seitenrand ist dichter punktiert. Beiderseits ist Clypeus
durch eine ziemlich tiefe eingedrückte Linie begrenzt. Labrum mit
sehr tiefer Mittelgrube, die vom End- und Seitenrande, aber nicht
von der Basis deutlich getrennt ist; beiderseits dieser Grube erscheint
also Labrum als ein glatter, glänzender und tief punktierter Längs-
wulst. Mandibeln glatt, stark glänzend, an der Basis mit feiner
Querleiste. Hinterrand des Scheitels fein leistenartig erhöht; die
hinteren Ocellen von diesem Rande um reichlich ihren Durchmesser
entfernt. Das erste Geißelglied ein klein wenig länger als das zweite
und dies wiederum als das dritte; das Endglied deutlich länger als
das vorletzte. Die Augen nach unten konvergierend. Kopf fast glanzlos,
2+
20 Embrik Strand: Neue afrikanische Bienen
sehr grob und kräftig punktiert; zwischen der Antennenbasis eine
ganz feine Längsleiste. Basis des Metanotums grob chagriniert, jeder-
seits mit unregelmäßigen und kräftigen Längsrippchen. Der Stutz
glatt und glänzend, mit feiner, seichter Mittellängseinsenkung. Das
erste Abdominalsegment an der stark schrägen Basalseite flach, ganz
matt glänzend, mit wenigen großen, aber seichten Punktgrübchen,
ohne deutliche Randleiste, an der Basis mit nur einer ganz seichten
Einsenkung Abdomen matt glänzend, mit seichten, länglichen,
unter sich zum großen Teil nur durch leistenförmige Zwischenräume
getrennten Grübchen. Das 6. Rückensegment mit feinem, die Basis
nicht ganz erreichendem Mittellängskiel. Das letzte Bauchsegment
mit einer glatten, glänzenden, ganz spärlich punktierten, seichten,
Einsenkung, die hinten und seitlich mit schwach erhöhtem Rande
versehen ist und am Hinterrande in der Mitte eine kurze aber ziemlich
hohe Längsleiste trägt.
Geäder. Die dritte Cubitalzelle ist vorn fast dreimal so lang
wie die zweite, aber ihre Vorderseite ist nicht so lang wie die Ent-
fernung der zweiten rücklaufenden Ader von der zweiten Cubital-
querader. Die Entfernung der ersten rücklaufenden Ader von der
zweiten Cubitalquerader ist so groß wie die Länge der Vorderseite
der 2. Cubitalzelle. Körperlänge 7 mm. Flügellänge 5,2 mm.
Ceratina defeminata Strand n. sp.
Ein Pärchen von Tanganyika-See (P. Reichard). — Von der
vorhergehenden Art (CO. guineana m.) abweichend u. a. durch glatteres
und weniger punktiertes Mesonotum. — Von (©. tanganyicensis m.
abweichend u. a. durch noch glatteres Mesonotum, nicht erhöhten
Basalteil bezw. Mitte des Clypeus, durch den starken kupfrig-grünen
Schiramer etc.
9. Färbung. Kupfrig-grün, auf dem Mesonotum schwarz,
auch die Beine im Grunde schwarz. Fühler schwarz, die Geißel unten
gebräunt mit Ausnahme der basalen Glieder. An den Beinen gelbe
Zeichnungen wie bei der vorhergehenden Art und die Tarsen teilweise
gerötet. Clypeus mit schmutziggelbem Längsfleck, der fast den Ober-
rand erreicht, aber von den übrigen Rändern weit entfernt bleibt,
oben verschmälert und abgerundet ist, unten aber sich beiderseits in
eine kurze horizontale Linie seitwärts erweitert, die den Seitenrand
nicht erreicht und etwas höher als die untere Spitze des Fleckes gelegen
ist. Beine mit gelben Zeichnungen wie bei den beiden vorhergehenden
Arten. Tegulae schwarz mit rötlichem Außenrand. Flügel gleich-
mäßig stark angeraucht, in der Basalhälfte nur wenig heller; Geäder
und Mal dunkelbraun.
Das einfarbig dunkle Labrum hat in der Basalhälfte eine tiefe,
den Basalrand nicht ganz erreichende, im Grunde glatte und glänzende
Längsgrube; die beiden Seitenpartien des Labrum wenig gewölbt
und ziemlich matt. Das zweite Geißelglied etwa so lang wie das erste.
Mesonotum glatt und stark glänzend, an den Seiten mit wenigen,
großen, mehr oder weniger regelmäßig in etwa 4 Längsreihen an-
geordneten Punktgruben, von denen diejenigen am Rande kleiner sind.
der Gattungen Sphecodes und Ceratina. 21
Am Hinterrande das Mesonotum mit einer schmalen, sehr dicht und
kleiner punktierten Binde. Scutellum gewölbt, kräftig punktiert
und nur vorn schwach glänzend. Basalarea des Metathorax matt,
dicht retikuliert und gekörnelt, nur an den Seiten mit wenigen (etwa 5)
ganz kurzen Längsrippchen. Stutz glatt und stark glänzend, der
Quere nach ganz schwach gewölbt, mit einer feinen eingedrückten
Mittellängslinie, nur gegen den Oberrand und die Seitenränder hin
spärlich punktiert. Basalfläche des Abdomen wie bei der vorigen
Art. Das 6. Rückensegment mit feinem, linienförmigem, die Basis
erreichendem Mittellängskiel. — Die dritte Cubitalzelle vorn nur
unbedeutend länger als die zweite. Körperlänge 7,5, Flügellänge 5 mm.
& weicht nur wenig vom Q ab. Die dritte Cubitalzelle ist vorn um
1/, länger als die zweite, der gelbe Clypeustleck ist unten stärker ver-
breitet, indem jederseits statt einer gelben Linie eine ebensolche Binde
seitwärts sich erstreckt. Labrum ist auch hier einfarbig dunkel. Das
letzte Bauchsegment ähnlich gestaltet wie bei der vorhergehenden
Art, ist aber ganz matt und die Mittelerhöhung stumpfer und kleiner.
Körperlänge reichlich 7 mm.
Ceratina taborae Strand n. sp.
Ein @ von: D. O. Afrika, Tabora V11.08 (Wintgens) —
Mit C. nasalis Fr. nahe verwandt, aber durch die Längsrippen und
die deutliche Felderung der Area mediana leicht zu unterscheiden ;
ferner ist der gelbe Clypeusfleck anders, indem der bei nasalis 2
(Type!) eine schmal ellipsenförmige Längsfigur bildet, während er
hier eine breit viereckige, den ganzen Clypeus mit Ausnahme des
Randes ausfüllende Figur bildet, die abgesehen von den schmalen
Seitenbinden unten kaum 1/, länger als breit ist oder mit diesen
reichlich so breit wie lang erscheint. — Von Ü. emarginata Fr.
abweichend u. a. durch die eben beschriebene Färbung des Clypeus,
den blauen Schimmer des ganzen Körpers ete.
Charakteristisch ist u. a. daß die Endsegmente keine Andeutung
von Längskiel zeigen, das 6. Segment hinten mitten vielmehr eine
kleine Einsenkung hat. Scutellum ist mit kräftigen Seitendornen
versehen.
Färbun gschwarzblau, matt, mit grober, kräftiger Punktierung;
im Gesicht und Metathorax reiner blau gefärbt. Pronotum mit einer
schmalen hellgelben Linie. Schulterbeulen hinten hellgelb. Tegulae
schwarz, am Außenrande gebräunt. Unterseite des Thorax mit grün-
lichem Schimmer. Tarsen gebräunt. Fühler schwarz, am Ende ganz
schwach gebräunt. Flügel subhyalin, am Ende schwach gebräunt.
Geäder braun.
Labrum kräftig gerunzelt, seitlich fein gerandet, ohne irgend
welche Mittelgrube, ganz matt. Die vorderen Seitenecken des Clypeus
etwas ausgebuchtet und mit erhöhtem, halbkreisiörmig gekrümmtem.
Rande; sonst ist Clypeus flach, matt, chagriniert und spärlich und
unregelmäßig punktiert. Stirnschildehen bildet ein dreieckig queres,
oben zugespitztes und bis zwischen die Basis der Antennen reichendes,
beiderseits scharf erhöht umrandetes Feld, dessen Rand sich nach
22 Embrik Strand: Neue afrikanische Bienen
oben als eine weit vor der vorderen Ocelle endende Mittellängsleiste
erstreckt. Mandibeln an der Basis mit hohem, abgerundetem,
glattem, glänzendem Querwulst; etwa in der Mitte der Mandibel ist
eine seichte Längseinsenkung. Ocellen unter sich um reichlich
ihren Durchmesser, von dem ziemlich scharfen Hinterrande des
Scheitels um ihren doppelten Durchmesser entfernt. Scheitel gleich-
mäßig der Länge und Quere nach gewölbt. Mesonotum ganz matt
glänzend, mit drei eingedrückten Längslinien und sehr tiefen Punkt-
gruben, die unter sich um höchstens ihren Radius, meistens aber nur
durch leistenförmige Zwischenräume entfernt sind. Scutellum
noch dichter punktiert, matt, gewölbt. Basalarea des Metanotum
etwas glänzend, vorn und hinten mit deutlicher Randleiste, mit zwei
neben einander gelegenen, durch Längsrippen begrenzten, fast kreis-
förmigen (breiter als langen), im Grunde flachen, nur schwach und
unregelmäßig gerippten Medianfeldern, jederseits dieser finden sich
zwei schmale, tiefe, durch scharfe Rippen getrennte Längsfurchen,
während seitwärts von diesen eine mehr unregelmäßige, netzförmige
Struktur mit wenig oder ohne deutliche Rippen sich findet.
Abdomen ganz matt glänzend mit deutlich eingeschnürten
Segmenträndern, auf den drei vorderen Segmenten mit ähnlicher,
aber seichterer Punktierung als auf dem Mesonotum, die folgenden
Segmente weniger deutlich punktiert. Die Hinterseite des letzten
Rückensegments mit seichter Mitteleinsenkung. Körperlänge 9 mm,
Flügellänge 5—6 mm, Breite des Abdomen 2,5 mm.
Ceratina acutipyga Strand n. sp.
Ein @ von Kapland (Krebs). — Charakteristisch u. a. durch
die kleinen, von den Augen weit getrennten Ocellen, deren beiden
hinteren unter sich deutlich weniger als von den Augen entiemt
sind; vom Hinterrande des Scheitels sind sie um reichlich ıhren-
doppelten Durchmesser entfernt. Der Scheitel scheint hinter den
Augen und Özellen eine ganz seichte Quereinsenkung zu haben. —
Scutellum mit Seitendornen.
Färbung lebhaft blau; Clypeus mit länglich viereckigem,
oben etwas abgerundetem, vorn ganz schwach erweitertem, gelbem
Fleck, der fast um die Hälfte seiner Länge länger als breit ist, den
Ober- aber weder den Vorder- noch Seitenrand erreicht und keine
Andeutung der bei verwandten Arten gewöhnlichen Erweiterung
am Vorderrande zeigt. Fast die ganze vordere Hälfte des Olypeus ist
im Grunde schwarz. Schwarz sind ferner die Wangen, Labrum und
Mandibeln, sowie die Antennen. Schwarz, an der Basis vielleicht
bläulich, am Vorderrande ganz leicht gerötet sind die Tegulae. Augen
braun. Bauchsegmente mit schwarzen, glatten, glänzenden Vorder-
und Hinterrändern, so daß der Bauch mit 5 schmalen, schwarzen Quer-
binden versehen zu sein scheint. An der Basis der Tibien I—II ein ganz
kleiner heller Fleck. Alle Tarsen gerötet. Die Flügel subhyalin in der
Basalhälfte, angeraucht in der Apicalhälfte, schwach iridisierend,
Geäder schwarz. Tibien und Tarsen lang silberglänzend behaart,
nur die Tarsen unten blaß gelblich beborstet. Abdomen oben und
der Gattungen Sphecodes und Ceratina. 23
unten ganz spärlich mit silbergraulichen Härchen besetzt, flüchtig
angesehen ganz kahl erscheinend.
Der dicke Kopf mindestens so breit wie Thorax, insbesondere
unten gewölbt mit tiefer Aushöhlung unten hinten, das ganze Gesicht
etwas gewölbt; Clypeus vorstehend, die Spitze derselben im Profil
gesehen die Augen erheblich überragend, in der unteren Hälfte seitlich
mit scharfer Randleiste, auch der Vorderrand fein und zwar doppelt
leistenförmig erhöht. Labrum kräftig gerunzelt, der Quere nach
gewölbt, seitlich etwas niedergedrückt. Mandibeln mit Mittellängs-
einsenkung bezw. erhöhtem Seitenrand. — Das erste und zweite
Geißelglied gleich lang, das dritte reichlich halb so lang wie das zweite.
Mesonotum vorn sehr dicht punktiert und matt, mitten und hinten
sind die tiefen Punktgruben unter sich zum Teil um ihren ganzen
Durchmesser oder mehr entfernt und die Fläche daher etwas glänzend.
Scutellum dicht punktiert und fast matt, nur in der Mitte ein wenig
glänzend. Basalarea des Metanotum mitten glatt und glänzend, mit
unter sich weit entfernten Längsrippen, seitwärts sind die Längsrippen
viel näher beisammen und das Feld im Grunde fein gekörnelt und daher
matt. Stutz fast senkrecht, flach, mit feiner Mittellängseinsenkung,
am oberen Rand schwach glänzend, sonst matt, oben und an den Seiten
gerandet, oben mitten trägt der Rand einen kleinen Eindruck. Ab-
domen matt glänzend, auf dem 3. und 4. Segment am deutlichsten
glänzend, das letzte Segment am Ende kurz, aber scharf dreieckig zu-
gespitzt, diese Spitze verlängert sich aber nicht kielförmig gegen die
Basis des Segments, sondern nach oben zu wird sie vielmehr von einer
kleinen Aushöhlung begrenzt.
Geäder. Die zweite Cubitalzelle ist subtriangulär, oben (vorn)
nur halb so lang wie die dritte. Die zweite rücklaufende Ader mündet
ein wenig weiter vor der 2. Cubitalquerader als die erste rücklaufende
Ader vor der 1. Cubitalquerader ein; beide rücklaufende Adern sind
oberhalb der Mitte schwach gebogen. Die 3. Cubitalquerader recht
deutlich S-förmig gekrümmt. Die Basalader stark gekrümmt.
Kopf + Thorax 4 mm; Abdomen 3,3 mm lang, 2,4 mm breit,
Flügellänge 5 mm.
Ceratina nasalis Fr. var. viriditincta Strand n. var.
Ein $ von: Sansibar (Hildebrandt). — Von Friese als
„Ceratina nasalis Fr. var.“ bestimmt und wird vielleicht von
dieser Art nicht spezifisch verschieden sein. Die Größe ist geringer
(Körperlänge 6,5 mm, Flügellänge 4,5 mm, Breite des Abdomen
2,3 mm), die Färbung ist grün mit schwachem bronzigem Schimmer,
die Fühlergeißel ist unten noch heller braun als bei einer mir
vorliegenden Type, jedoch die drei basalen Glieder unten wie
oben schwarz, die Wangen sind anscheinend glatter und glänzender,
die Basalarea des Metanotum ist mit kräftigeren und unter sich
weiter entfernten Längsrippen versehen und der erhöhte Hinter-
rand dieses Feldes ist etwas wellig gebogen und nicht wie bei der
Hauptform mitten ausgerandet, Stutz glatt und stark glänzend, die
2. und die 3. Cubitalzelle vorn (oben) fast gleich lang, während bei der
24 Embrik Strand: Neue afrikanische Bienen
f. pr. die 2. subtriangulär ist, oben in fast einen Punkt endend, und
unten nur ganz wenig oder kaum länger als die 3. Cubitalzelle oben;
bei beiden Formen mündet die 1. rekurrente Ader kurz hinter der Mitte,
die 2. weit hinter der Mitte der betreifenden Zelle ein.
Der Unterschied in Größe, Färbung und Geäder ist so bedeutend,
daß man an eine spezifische Verschiedenheit glauben könnte, aber
die Bewehrung des Analsegments und sonstige morphologische Merk-
male scheinen zu übereinstimmen.
Ceratina senegalensis Strand n. sp. 4
Ein @ von Senegal (Mion). — Die Bestimmungstabelle in
Frieses „Bienen Afrikas“ führt auf CO. elongata Fr. oder minuta Fr.,
von beiden ist aber unsre Art ohne Zweifel verschieden; von minuta
weicht sie ab durch robusteren Körperbau, gerötete Fühler, viel
gröbere Punktierung ete. — Charakteristisch u. a. durch die sehr
tiefe Mittelgrube des Labrum; die gelbe Mittelpartie des Clypeus
ist erhöht, glatt und glänzend, wenn auch mit einigen, großen,
tiefen, etwa in 2 Längsreihen angeordneten Punktgruben versehen,
während die dunklen Seitenpartien des Clypeus dichter und weniger
regelmäßig punktiert sind. Scutellum ohne Dornen. Analsegment
nur an der hinteren Hälfte mit Andeutung eines Mittellängskiels,
am Ende kurz dreieckig zugespitzt, welche Spitze die direkte Fort-
setzung des Längskieles bildet. — Ganz besonders charakteristisch
ist ein kräftiger Zahn in der Mitte der Oberseite der Tibien III.
Färbung. Schwarz mit grünlich-bronzefarbigem Schimmer.
Gesicht mit schmutzig gelblichem Längsfleck auf dem Clypeus, der
oben und seitlich ohne deutliche Grenze in die Umgebung übergeht,
den Vorderrand nicht erreicht, vorn nicht erweitert ist und auch den
Seitenrand nicht erreicht. Die 5—6 basalen Geißelglieder einfarbig
schwarz, die Geißel sonst unten braungelb, oben dunkelbraun.
Schulterbeulen graugelblich. Tegulae braungelb. Flügelgeäder
braun; die Flügel schwach getrübt und iridisierend. Tarsen hell-
braun, auch die anderen Glieder, mit Ausnahme der Coxen, Tro-
chanteren und Basis der Femoren, etwas gebräunt. Tibien I oben
mit schmaler, hellgelber Längsbinde, die nicht die Spitze des Gliedes
erreicht; an den Beinen II und III nur ein kleiner gelber Fleck an
der Basis der Tibien. Behaarung silberweißlich, an der Unterseite
der Metatarsen und Tarsen goldige Behaarung. Tibienspornen
braungelb.
Die gelbe Partie des Clypeus leicht erhöht, etwas glänzend,
mit großen, seichten, unter sich entfernten, etwa in zwei Längsreihen
angeordneten Grübchen, die schwarze Vorderrandbinde des Clypeus
mit einer dichten Reihe tieferer Gruben; vorn an den Seiten wird
Clypeus von einer tiefen, außen durch eine scharfe Leiste begrenzten
Furche abgeschlossen. Labrum in der Basalhälfte glatt und
glänzend, was auch mit der Grube desselben der Fall ist; auch am
Seitenrande trägt Labrum eine ziemlich tiefe Grube. Mandibeln
ziemlich glatt und glänzend, jedoch mit feinen Punktgrübchen und
seichten, wenig auffallenden Einsenkungen. Mesonotum mit tiefen,
der Gattungen Sphecodes und Ceratina, 25
unter sich entfernten Punktgruben, etwas glänzend, mit 3 ein-
gedrückten Längslinien. Seutellum etwas dichter punktiert als Meso-
notum. Basalarea des Metanotum matt, dicht punktiert und gekörnelt,
hinten mit erhöhter, etwas gekrümmter Randleiste, in der Mitte mit
zwei kleinen rundlichen Einsenkungen. Stutz senkrecht, matt, flach.
Körperlänge 6 mm, Flügellänge 4 mm, Breite des Abdomen 1,9 mm.
Ceratina fureilinea Strand n. sp.
Ein @ vom Tanganyika-See (P. Reichard). Ähnelt ©. viridis
Guer., ist aber u. a. durch die Färbung der Beine leicht zu unter-
scheiden. Auch mit Cer. tanganyicensis Strand nahe verwandt, aber
die gelbe Querbinde auf dem Ülypeus erreicht mitten den Vorder-
rand, eine Erhöhung auf dem Clypeus ist nicht vorhanden, die
Färbung ist etwas abweichend ete. — Labrum ist charakteristisch,
weil breit, flach und ohne eine Mittelgrube.
Färbung. Kopf und Thorax blau, Abdomen grünlich
schimmernd. Fühlergeißel unten hellbraun, oben schwarz, das letzte
Glied jedoch auch oben gebräunt, die beiden basalen einfarbig schwarz
ebenso wie der Schaft. Clypeus mit einem fast quadratischen, nur
wenig länger als breiten hellgelben Fleck, der den Oberrand des
Clypeus, aber nicht den Seitenrand erreicht und der unten eine ganz
schmale, ebenso gefärbte Querbinde, der jedoch nicht ganz den Seiten-
rand erreicht, jederseits entsendet; jeder von diesen Seitenzweigen
ist etwa so lang wie der Querdurchmesser des Medianflecks. Längs
des Vorder- und Seitenrandes des Clypeus zieht also eine schmale
schwarze Binde, die allerdings in der Mitte des Vorderrandes rötlich
ist; der Vorderrand selbst ist seitwärts durch je eine schmale gelbe
Linie bezeichnet. Mandibeln am Ende ganz leicht gerötet. Augen
grau mit schwärzlichen Flecken. Ozellen braungelb. Coxen, Trochanteren
und Femoren tiefschwarz; die Femoren I an der Spitze oben und hinten
mit je einem kleinen hellgelben Fleck, von denen der hintere auf einer
kleinen Erhöhung sitzt; die Tibien I tragen oben einen schmalen hell-
gelben Längsstrich, die Vorderseite ist, mit Ausnahme der Basis,
hellrot. Sämtliche Tarsen hell bräunlich oder rötlich. Alle Tibial-
sporen braungelb. Tibien III an der Basis oben mit kleinem blaßgelbem
Fleck. Flügel ganz schwach getrübt, leicht iridisierend, mit braunem
Geäder. Behaarung der Beine schmutzig silbergraulich, die der Unter-
seite der Tarsen messinggelblich.
Geäder. Die 2. und 3. Cubitalzelle vorn gleich lang; die
1. Cubitalquerader ist von dem Stigma deutlich weiter als von der
2. Cubitalquerader entfernt. Die beiden rücklaufenden Adern münden
in gleicher Entfernung von der hinteren Ecke der 2., bezw. der 3. Cu-
bitalzelle ein. Basalader stark gekrümmt. Nervulus antefurcal.
Kopf dick und gewölbt. Mesonotum glatt, ungewöhnlich
spärlich punktiert, aber dennoch fast glanzlos; über die Mitte zwei
gänzlich unpunktierte Längsbinden, die etwa so breit wie die vorderen
Femoren sind und durch eine etwa ebenso breite, spärlich punktierte
Binde getrennt werden. Randwärts ist Mesonotum ziemlich dicht und
kräftig punktiert. — Basalarea des Metanotum matt, dicht retikuliert,
96 Embrik Strand: Neue afrikanische Bienen
im mittleren Drittel mit bloß drei, aber kräftigen Längsrippen, die
zwei etwa quadratische Felder einschließen; in den Seitendritteln
finden sich etwa je 4 viel näher beisammen gelegene, aber undeutlichere
Längsrippen. Das kurz eiförmige, hinten eine ganz kurze dreieckige
Spitze bildende Abdomen zeigt auf dem Analsegment eine eingedrückte
Mittellängslinie statt eines Längskieles, die allerdings in die kurz
kielförmige Spitze des Segments endet. — Körperlänge 7, Flügellänge
4,7 mm, Breite des Abdomen 2,5 mm.
Ceratina nyassensis Strand n. sp.
Ein @ von: Nyassa See, Langenburg VI., VII. 1898 (Fülle-
born). — Ähnelt meiner Ceratina subelongata, ist aber u. a. durch
die hellen Schulterbeulen leicht zu unterscheiden. — Erinnert auch
an O. personata Fr., aber die schwarzen Beine sind weniger weiß
gefleckt, der Körper kaum metallisch, Clypeus trägt nur einen
weißen Fleck, die Flügel sind fast hyalin ete. — Charakteristisch
ist der mit zwei Höckern versehene Clypeusrand, indem er, von
oben gesehen, mitten tief ausgerandet und an beiden Enden schräg
abgeschnitten erscheint, während dazwischen, beiderseits der Aus-
randung also, je ein vorstehender stumpfer Höcker sich findet; im
Profil erscheint Clypeus so stark vorstehend, daß die Spitze desselben
um 2/, des kürzeren Durchmessers der Augen von diesen entfernt ist.
Auch die Punktierung des Gesichtes ist charakteristisch; das ganze
Gesicht ist mit großen, ganz seichten, im Grunde flachen, aber mitten
mit einem ganz kleinen Höckerchen versehenen, eckigen, nur durch
feine leistenförmige Zwischenräume unter sich getrennten Gruben
besetzt, die nur auf der gelben Partie des Clypeus fehlen oder undeutlich
sind. Parallel zum inneren Augenrande, aber davon deutlich entfernt,
verläuft eine feine Längsrippe. Labrum ist größtenteils, insbesondere
in der Basalhälfte, glatt und glänzend und zeigt daselbst eine ganz
seichte Einsenkung, also keine Grube, die beiderseits von einem niedrigen
Längswulst begrenzt wird; an Punktgrübchen sind nur ganz wenige
und seichte, undeutliche vorhanden; der Seitenrand fein leistenförmig
erhöht. Der Kopf ist reichlich so breit wie lang und wie Thorax breit,
hinten ausgerandet. Mandibeln an der Basis breit, flach, etwas
glänzend, mit nur wenigen und höchst undeutlichen Punktgrübchen.
— Das erste Geißelglied länger als das zweite und dies wiederum ein
klein wenig länger als das dritte; die Geißel recht deutlich kolben-
förmig, am Ende aber kurz dreieckig zugespitzt. Mesonotum matt,
bloß mit zwei schmalen, ‚glatten, glänzenden Längsbinden, die unter
sich etwa so weit wie vom Seitenrande entfernt sind; die Punktierung
auch in der Mitte dicht, die Grübchen scharf markiert, aber von ver-
schiedener Größe. Die Basalarea des Metanotum bildet eine schmale,
regelmäßige, hinten scharf umrandete Querbinde, die der ganzen Länge
nach mit unter sich gleich weit entfernten und auch sonst gleichen
Längsrippchen, die ebenso wie ihre Zwischenräume fein granuliert
erscheinen, versehen sind. — Der senkrechte Stutz ist flach, glatt,
stark glänzend und deutlich gerandet; eine Mittellängsfurche scheint
zu fehlen. — Das Basalsegment des Abdomen trägt an der Abdachung
der Gattungen Sphecodes und Ceratina. 27
eine tiefe Mittellängsfurche und ist sonst daselbst glatt und glänzend.
Das senkrechte Analsegment trägt nur hinter der Mitte einen ganz
feinen Längskiel.
Färbung schwarz, schwach bronzig schimmernd. Auf dem
Clypeus nur ein kleiner, dreieckiger, blaßgelber Fleck in der Mitte.
Schulterbeulen weißlich. An der Basis aller Tibien ein kleiner weiß-
licher Fleck, der nur auf dem 1. Paare mehr langgestreckt ist und
zwar bis zur Mitte der Tibia reicht sowie auf die Spitze des Femurs
sich erstreckt. Die Tarsen gerötet. — Behaarung silbergraulich, auf
der Unterseite der Tarsen goldgelblich. Körperlänge 6,5, Flügellänge
4 mm, Breite des Abdomen 1,8 mm.
Ceratina foveifera Strand n. sp.
Ein Exemplar ohne Fühler von Nord-Kamerun (L. Conradit).
— Von den übrigen hier beschriebenen sowie den meisten bekannten
Ceratina-Arten abweichend durch das glatte und stark glänzende
Tegument, jedoch kennt man Arten, z. B. die südamerikanischen
Oeratina Mülleri Fr. und oxalidis Schrttk. bei denen es sich
ganz ähnlich verhält. Noch merkwürdiger ist das in der hinteren
Hälfte mit einer sehr tiefen dreieckigen, mit der Spitze nach
vorn gerichteten Grube versehene Analsegment, die etwas an die
daselbst vorhandene Einsenkung der Halictus-Weibchen erinnert,
aber viel tiefer und mit vorn zusammenstoßenden Seitenrändern
versehen, also von Form länglich dreieckig ist.
Kopf tiefschwarz mit hellrötlichem Clypeus und rotbraunen
Mandibeln; die weit ausgestreckten Mundteile sind blaß bräunlich-
gelb. Thorax schwarz, auf dem Mesonotum und an der Unterseite
gerötet. Tegulae blaßgelb. Abdomen schwarz, oben mit 4 blaßrötlichen
schmalen Querbinden, die durch die hellen Hinterränder und die daran
stoßenden Basalränder gebildet werden; auf der Bauchseite dehnt
sich die rötliche Färbung noch weiter aus. Beine braungelb, die Tarsen
am hellsten, die Coxen III am dunkelsten. — Flügel subhyalin, leicht
iridisierend, Geäder hellbraun, Mal dunkler. — Die äußerst spärliche
Behaarung weißlich. Metanotum stark gewölbt, mit ausgedehnter
Basalarea, die sehr dicht retikuliert ist, eine Mittellängsrippe trägt
und ohne scharfe Grenze in die Umgebung übergeht, sich hinten durch
eine mittlere Einsenkung in Verbindung mit dem Stutz setzend;
dieser ist glatt, glänzend, gewölbt, ohne Randleiste. — Kopf reichlich
so lang wie breit. Körperlänge 5,5 mm, Flügellänge 4 mm.
* *
*
Alle Typen im Berliner Museum.
Pneumonoeces asper Looss und sein
Verhältnis zu den Gattungsverwandten.
Von
Hans Helmuth Wundsch.
Hierzu Tafel III—VI.
I. Einleitung.
I. Daten zur Vorgeschichte der Gattung Pneumonoeces.
Die Trematoden-Gattung Pneumonoeces, mit deren einem Ver-
treter die vorliegende Arbeit im Speziellen sich beschäftigen soll,
kann als solche gegenwärtig auf ein Alter von 12 Jahren zurück-
blicken. Sie wurde geschaffen im Jahre 1899 von Lo 0 ss (18) zugleich
mit einer größeren Anzahl anderer bei der Aufteilung des alten Genus
Distomum Retzius und erhielt zunächst den Namen Haematoloechus.
Dieser wurde drei Jahre später, im Jahre 1902, von Looss (20)
selbst in die heutenoch geltende Bezeichnung Pneumonoeces abgeändert.
Die Bekanntschaft der Wissenschaft mit hierher gehörigen Formen
überhaupt, datiert allerdings schon aus einer viel weiter zurückliegenden
Epoche. Waren doch diese stattlichen, auffallend gefärbten und
häufigen Bewohner der Lungensäcke unserer Batrachier ein Objekt,
das in der Blütezeit der deskriptiven Helminthologie während der
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unbedingt die Aufmerksamkeit
der zahlreichen Forscher auf sich lenken mußte, die damals auf diesem
Gebiete tätig waren.
So teilt bereits Zeder (1) im Jahre 1800 eine Beobachtung
vom 5. Juni 1789 mit, die auf einen Pneumonoeciden zu beziehen ist,
wobei er freilich an seinem Objekt den Bauchsaugnapf übersah und
daher seinen Fund zu einem Monostomum stempelte. Unglücklicher-
weise stieß dieser erste Beobachter auf unseren Wurm zugleich an
einem durchaus exzeptionellen Fundort, nämlich in Bombinator
igneus, und seine Angabe, von Rudolphi (2) übernommen und
durch einen Fund von G aede (2) in Bufo cinerea bestätigt, bewirkte
es, daß die Form, die mittlerweile an anderer Stelle von Rudolphi
selbst unter dem Namen Distoma variegatum aus Rana esculenta
beschrieben war, bis zum Jahre 1845 in den Systemen ein eigenartiges
Doppeldasein führte.
Seit dieser ersten wissenschaftlichen Diagnostizierung in Ru-
dolphis Synopsis gehen die Pneumonoeeiden unter den ver-
schiedensten Namen als fester Bestand durch die Systeme. Bei
Bremser(3), Creplin(4,5)undMayer (6) finden wir Diagnosen
die meist auf Rudolphi zurückgehen und von größtenteils sehr
mangelhaften Abbildungen begleitet sind. Dujardin (7) weist
1845 endlich die Identität der Rudolphischen Formen nach,
Hans Helmuth Wundsch. 29
doch noch bis in das große systematische Werk von Diesing (9)
fristet das alte Zedersche Monostomum sein Leben.
Von dieser Zeit an beginnt sich der zweite Rudolphische
Name Distomum variegatum als der allein gültige durchzusetzen.
Pagenstecher (l0), Wagener (ll), Molin (12), Wright
(13) und Ercolani (14) geben ihre Beobachtungen unter dieser
Bezeichnung, und als Distomum variegatum Rudolphi findet sich die
spätere Gattung Pneumonoeces auch in jener Publikation, auf deren
grundlegenden Ergebnissen die vorliegende Arbeit im wesentlichen
weiterbauen soll, in der klassischen Schrift von Lo oss (16) über die
„Distomen der Fische und Frösche‘, vom Jahre 1894.
Zum erstenmal eingehend anatomisch und histologisch mit den
vervollkommneten Mitteln der neueren Wissenschaft untersucht,
liefert das Distomum variegatum unter der Hand dieses Forschers
bereits ein Bild, dem rein deskriptiv wenig mehr hinzugefügt werden
könnte, wenn nicht bald darauf die Geschichte dieses Parasiten in ein
neues Stadium getreten wäre, und zwar durch die eingangs erwähnte
Aufstellung einer neuen Gattung auf Grund dieser Art.
Schon in den ‚„Distomen der Fische und Frösche‘ waren Looss
(S. 73) bei den von ihm untersuchten Vertretern von Distomum varie-
gatum einige „Ungleichheiten‘“ und ‚Variationen‘ aufgefallen, und
als dieser Autor fünf Jahre später von Ägypten aus die dringend not-
wendig gewordene Gliederung des Genus Distomum Retzius ins Werk
setzte, wurde es ihm an der Hand seines alten Materials zur Gewißheit,
daß die Lungentrematoden der Rana esculenta mindestens drei ver-
schiedene Typen aufwiesen, deren Differenzen eine Sonderung in
Arten gerechtfertigt erscheinen ließen. So wurde die zunächst auf die
Bewohner der Lungen von Rana esculenta beschränkte Gattung
Haematoloechus, später in Pneumonoeces umgetauft, geschaffen, und
die drei festgestellten Typen als die beiden guten Arten Pneumonoeces
variegatus Rudolphi und Pneumonoeces similis Loos und die Spezies
inquirenda Pneumonoeces asper Looss darin untergebracht. Was
Looss dazu bewog, diese letztere Form als Species inquirenda ein-
zuführen, war lediglich der Umstand, daß er unter seinem alten Material
in Kairo nur zwei Vertreter dieses Typus auffand und die endgültige
Aufstellung erst auf Grund eines größeren Materials vorzunehmen
gewillt war, wie es denn am Schlusse seiner diesbezüglichen Be-
sprechung heißt: „Jedenfalls dürfte es sich verlohnen, diesen ganz
interessanten Verhältnissen an einem Orte, wo das Distomum varie-
gatum häufig ist, nachzugehen und durch Vergleich eines großen
Materials die Existenz dieser drei verschiedenen Formen auch ander-
wärts nachzuweisen.“
Sonderbarerweise ist diese Aufforderung, obwohl ein so nahe-
liegendes und auch biologisch interessantes Glied unserer heimischen
Fauna betreffend, bisher so gut wie unberücksichtigt geblieben. Zwar
wurde in den systematischen Arbeiten von Stafford (19), Seely
(26) und Klein (27) die Gattung Pneumonoeces um sechs nord-
amerikanische und eine indische Art bereichert, die drei ursprünglichen
30 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
mitteleuropäischen Species aber liefen in der Lo ossschen Benennung
zwar durch die systematischen Werke (28, 29, 30), und in gelegentliche
Erwähnungen durch einige Publikationen allgemeineren Inhalts
(17, 20, 22, 23, 24, 25), bis auf die Gegenwart, aber es fand sich kein
zoologischer Autor, der sich im Sinne der Lo oss’schen Intentionen
in umfassenderer Weise mit den hier gegebenen Formen speziell be-
schäftigt hätte.
So beruht unsere Kenntnis der mitteleuropäischen Lungen-
parasiten von Rana esculenta in anatomisch histologischer Hinsicht
noch fast ganz auf den Ergebnissen aus den „Distomen der Fische und
Frösche‘, die doch in der Hauptsache nur auf die eine heutige Species
Pneumonoeces variegatus zu beziehen sind, in der Systematik noch
immer auf der Publikation von Looss aus den Jahre 1899 (1902),
obwohl nach Looss’ eigenem Ausspruch besonders auf anatomisch-
histologischem Gebiete noch „manche unklaren Punkte‘ übrig geblieben
waren. Von hier aus ergänzend weiterzuführen, möchte ich als Zweck
und Ziel meiner vorliegenden Arbeit angesehen wissen, und es soll
daher zunächst ihre Aufgabe sein, in anatomisch-histologischer und
systematischer Beziehung ein ausführliches Bild zu geben von jener
dritten Loossschen Speeies, die bis auf den heutigen Tag als
inquirenda geht, und deren Verhältnisse zu den anderen deutschen
Pneumonoeeiden in erster Linie der Klarstellung bedürfen, wenn wir
unsere Kenntnisse über diese biologisch so bemerkenswert geschlossene
Trematodengruppe zu einiger Vollständigkeit erheben wollen.
2. Die Vorgeschichte der bisherigen Species inquirenda Pneumonoeces
asper Looss.
Was nun die historischen Daten zu Pneumonoeces asper im
Speziellen anbetrifft, so sind es naturgemäß wieder die Arbeiten von
Looss (16, 18, 21), auf die man in erster Linie zurückgreifen ge-
zwungen ist. Wie erwähnt, führt dieser Forscher in den Distomen
der Fische und Frösche seine spätere Species inquirenda bereits als
Varietät von Distomum variegatum ein. Und er ist in der Tat der
erste, der an dieser Stelle die vorliegende Verschiedenheit der Formen
bewußt gesehen hat. Es ist mir aber bei der Durchsicht der von Looss
angegebenen Literatur doch eine Stelle aufgefallen, die, wie ich glaube,
schon auf Pneumonoeces asper bezogen werden muß. In Pagen-
stechers ‚Trematodenlarven und Trematoden“ (10) heißt es
nämlich am Schluß der dort mitgeteilten Beobachtungen an Distomum
variegatum: „Ich habe ein Tier dieser Art gefunden, welches, gering
von Größe, an einer Stelle hinten am Körper einen noch adhärierenden
Fetzen eines schmutzigen Epithels trug, welches, die übrige glatte
Peripherie überragend, ganz feine Zähnchen barg.“
Der Autor knüpft an diese Beobachtung zwar eine irrtümliche
Folgerung, indem er bemerkt: ‚So scheint es, daß auch dieses Distoma
ein jugendliches Stachelkleid mit dem Wachstum ablegt.“ Dennoch
ist es wohl unzweifelhait, daß Pagenstecher Pneumonoeces
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. sl
asper vorgelegen hat. Bei Pneumonoeces similis hätte Pagen-
steceher wohl kaum die ganz feinen Zähnchen betont, und außerdem
löst sich nur bei Pneumonoeces asper die Cuticula in der beschriebenen
Weise in Fetzen mitsamt dem Spitzchenbesatz bei zu starker Quetschung
ab, während bei Pneumonoeces similis die Stacheln zunächst einzeln
einem Auflösungsprozeß zu verfallen beginnen. Von den anderen
Autoren bis 1896 scheint niemand auf spezifische Verschiedenheiten
der Lungendistomen von Rana esculenta aufmerksam geworden zu sein.
Erst die schon mehrfach erwähnte große Arbeit von Looss (16)
aus dem Jahre 1896 bringt, zunächst noch in Form einer ‚Ungleichheit
der Ausbildung‘, die spezifischen systematischen Merkmale, besonders
die auffällige Beschaffenheit des Cuticula-Besatzes, die 1899 zur Auf-
stellung der Species inquirenda Haematoloechus asper geführt haben.
Die damals gegebene Lo0ss’sche Diagnose (Haematoloechus asper,
7—10 mm lang, 2 mm breit, Haut in feine Spitzchen aufgelöst, Dotter-
stöcke ziemlich bis ins Hinterende reichend, Eier 0,055 mm lang,
0,029 mm breit, tief dunkelbraun) ist die bis heute beibehaltene und
zur Bestimmung des Tieres vollkommen ausreichend, nachdem dieser
Forscher noch erkannt hatte, daß die von ihm in den ‚„Distomen der
Fische und Frösche“ beschriebenen „großen Eier‘ ebenfalls ein Speei-
ficum des Pneumonoeces asper bildeten.
Von diesem Jahre an scheint Pneumonoeces asper merkwürdiger-
weise so gut wie nicht mehr beobachtet worden zu sein. Ein eigen-
artiger Zufall hat es gefügt, daß sowohl in der Umgebung von Leipzig,
wo Looss arbeitete, dieser Wurm ‚jedenfalls die seltenste der drei
Formen“ war, wie auch, daß er bei Königsberg i. Pr., wo sich in der
darauf folgenden Epoche die helminthologische Forschung zu lokali-
sieren begann, fast ganz zu fehlen scheint. Es geht dies auch aus der
statistischen Arbeit von J. Hollack (23) über Froschtrematoden
hervor, die in 83 Exemplaren von Rana esculenta der Königsberger
Umgebung 78 Individuen von Pneumonoeces variegatus, 41 von
Pneumonoeces similis, aber nicht eins von Pneumonoeces asper fest-
gestellt hat. Überhaupt wird die Form in keiner der wenigen Arbeiten,
die sich in den letzten zehn Jahren mit den Pneumonoeeiden anatomisch
oder systematisch beschäftigt haben, auch nur erwähnt, und auch die
Angabe von Lühe in der Brauerschen ‚„Süßwasserfauna“, die
den Wurm als „anscheinend sehr selten‘ bezeichnet, geht, ebenso
wie die dort gegebene Diagnose, wohl noch direkt auf die Loossschen
Feststellungen zurück.
An diesem Punkte möchte ich nun zunächst mit den Resultaten
meiner eigenen Beobachtungen einsetzen, die mir ein ganz anderes
Bild von der Verbreitung dieser Species gegeben haben, als man bisher
anzunehmen geneigt sein mußte.
Bevor ich jedoch auf die Ergebnisse meiner Untersuchung näher
eingehe, möchte ich auch an dieser Stelle meinen hochverehrten Lehrern,
Herrn Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. F. E. Schulze für die Überlassung
eines Arbeitsplatzes im Zoologischen Institut und die Erlaubnis, das
photographische Atelier desselben benutzen zu dürfen, sowie den Herren
32 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
Prof. Dr. Deegener, Prof. Dr. Collin, Prof. Dr. Weltner
(Berlin), Prof. Dr. Schiementz (Friedrichshagen) und Prof.
Dr. Lühe (Königsberg) für die Unterstützung, welche sie meiner
Arbeit durch ihre Ratschläge angedeihen ließen, meinen herzlichsten
Dank aussprechen.
II. Vorkommen und Häufigkeit der Species
Pneumonoeces asper.
Ich wurde auf Pneumonoeces asper zuerst aufmerksam bei der
Durchsicht einer Anzahl von Pneumonoeciden, die ich Ende April 1910
auf der Königlichen Domäne Adl. Schönau im Kreise Graudenz in
W.-Pr. gesammelt und in toto konserviert hatte. Das Material stammte
fast ausnahmslos aus einem einzigen kleinen Teich und von Fröschen,
die soeben das Winterlager verlassen hatten. Bei der Bestimmung
dieser aus 27 Stück bestehenden Ausbeute ermittelte ich nicht weniger
als acht Exemplare, die ganz zweifellos dieCharaktere von Pneumonoeces
asper Looss durchaus übereinstimmend aufwiesen. Schon damals
erschien mir dieser hohe Prozentsatz gegenüber den Angaben der von
mir zu Rate gezogenen Autoren einigermaßen auffallend, so daß ich
zuerst fast an einen Irrtum meinerseits in der Artbestimmung zu
glauben geneigt war. Als ich jedoch später in der Umgebung von
Berlin meine Materialsammlung zu Pneumonoeces fortsetzte, stieß
ich auch hier, und zwar noch bedeutend häufiger, auf Formen, die der
Loossschen, von Lühe aufgenommenen Diagnose so vollkommen
entsprachen, daß mir die relativ starke Verbreitung der angeblich
„sehr seltenen“ Form in der hiesigen Gegend alsbald zur Gewißheit
wurde. Dieser auffallende Befund bewog mich zunächst, der Frage
des Pneumonoeces asper Species inquirenda im Speziellen näher
zu treten.
Ich habe seit dem Sommer 1910, also im Verlaufe eines Jahres,
das mir erreichbare Material an Rana esculenta systematisch auf das
Vorkommen von Pneumonoeces asper hin untersucht. Meine Objekte
stammten, abgesehen von einer kleineren Anzahl ost- und west-
preußischer Stücke, hauptsächlich aus der Umgebung von Berlin,
vom Müggelsee, aus der Nähe von Erkner, ferner aus der Umgebung
von Strausberg und zum großen Teil auch aus der Spandauer Gegend,
wo mir speziell die Falkenhagener Wiesen reiche Ausbeute lieferten.
Ferner konnte ich eine größere Anzahl von Stücken aus der Gegend
von Klausenburg in Ungarn, die vorher zu Versuchen im physiologischen
Institut der Universität gedient hatten, während des Winters 1910/11
zu meinen Untersuchungen mit heranziehen.
Als Resultat meiner Beobachtungen an dem sehr zahlreichen
Material, das auf diese Weise durch meine Hände ging, ergab sich mit
Bestimmtheit, daß einmal Pneumonoeces asper keinesfalls länger als
Species inquirenda angesehen werden kann, sondern vielmehr als eine
gut charakterisierte, der Lo ossschen Diagnose von 1899 im wesent-
lichen entsprechende Species zu betrachten ist. Freilich war dies nach
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 33
Art der Loossschen Aufstellung, die ja die Bezeichnung Species
inquirenda nur durch Materialmangel begründet, von vornherein zu
erwarten, und wurde auch wohl von Kennern des betreffenden Formen-
kreises schon länger stillschweigend angenommen. Wenigstens bemerkt
bereits Odhner in einer brieflichen Mitteilung an Herrn Prof.
Dr. Collin, die dieser mir übermittelte, daß zwar Pneumonoeces
asper als Species inquirenda gehe, aber eine ebenso gute Art sei, wie
die beiden anderen. Eben aus diesem Grunde jedoch, da die Spezies
tatsächlich bis heute noch in den Systematiken die irreführende Be-
zeichnung mit sich zieht, möchte ich auch an dieser Stelle es nicht
versäumen, ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß die Species Pneu-
monoeces asper Looss in ihrer Existenzberechtigung nicht länger
angezweifelt werden darf.
Das zweite Ergebnis meiner Nachforschungen bestand in der
Feststellung der Tatsache, daß Pneumonoeces asper durchaus zu
Unrecht in dem Rufe großer Seltenheit steht und mindestens in der
Umgebung von Berlin sich bedeutend öfter findet, als die Species
" Pneumonoeces similis, die nach Hollack (23) wieder in der Um-
gebung von Königsberg in größerer Menge auftritt. Es will mir über-
haupt scheinen, als ob, wie viele andere Trematodenformen, so auch
die Pneumonoeeiden, und im besonderen Pneumonoeces asper sehr
zu regionalem Auftreten neige. Seine spezielle Verbreitung in hiesiger
Gegend mögen einige zahlenmäßige Beispiele verdeutlichen.
Am 24. März 1911 erhielt ich 24 Stück Rana esculenta var. ridi-
bunda frisch aus dem Winterschlafe, im Schlamm gefangen, aus dem
Karutzsee bei Erkner. Von diesen waren mit Pneumonoeces infiziert
acht Stück; sie lieferten im ganzen 21 Exemplare der Parasiten; davon
entfielen auf Pneumonoeces variegatus ein Exemplar, auf Pneumonoeces
similis drei Exemplare, auf Pneumonoeces asper 17 Exemplare von
ganz jungen bis zu voll erwachsenen Stücken.
In der Zeit vom 20. April bis 15. Mai untersuchte ich 17 Stück
Rana esculenta verschiedener Altersstufen aus einem kleinen Graben
in der Nähe der Försterei Finkenkrug. Davon waren infiziert zwölf
Stück, sie lieferten im ganzen 54 Stück Pneumonoeciden, davon
Pneumonoeces variegatus 22 mal, Pneumonoeces similis 5 mal,
Pneumonoeces asper 27 mal. In einem Frosche fanden sich allein
25 Exemplare des Parasiten, davon 7 Pneumonoeces asper. In einem
anderen fünf Stück Pneumonoeces asper ohne Vergesellschaftung
mit einer der anderen Formen. Mehrfach waren alle drei Typen in einem
Wirtstier vertreten.
iz: Am 26. Juni fand ich in zehn Rana esculenta aus der Umgebung
von Köpenick 15 Pneumonoeciden, davon Pneumonoeces asper 5 mal.
Die größte Anzahl von Pneumonoeces asper, die ich in einem einzigen
Exemplar von Rana esculenta beobachtete, betrug 21 Stück, sämtlich
bereits geschlechtsreif.
. Von den sehr zahlreichen Rana esculenta, die ich während der
Wintermonate 1910/11 frisch getötet aus dem physiologischen Institut
erhielt, habe ich statistische Notizen nicht aufgenommen, da die Tiere
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 4. Suppl, 3
34 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
vorher zu physiologischen Versuchen gedient hatten, mithin die Lungen
oft verletzt, oder zum Teil entfernt waren, und sich so ein statistisch
unzuverlässiges Bild ergeben hätte; doch habe ich auch bei diesem
Material Pneumonoeces asper keineswegs selten angetroffen. In den
von mir untersuchten zahlreichen Fröschen aus der Gegend von Straus-
berg dagegen gelang es mir nicht, Pneumonoeces asper aufzufinden,
und auch die anderen Formen waren außerordentlich spärlich vertreten.
Ob die Gründe für dies regionale Auftreten rein zufälliger Natur sind
oder auf dem Gebiet der Biologie, vielleicht im Verhältnis zu bestimmten
Zwischenwirtsformen, gesucht werden müssen, habe ich auf Grund
meines bisherigen Materials nicht”entscheiden können.
III. Technik.
Schon Looss (16) hat in seinen ,„Distomen der Fische und
Frösche‘ mit Recht darauf aufmerksam gemacht, daß bei der Unter-
suchung der entoparasitischen Trematoden die Beobachtung am
frischen, lebenden Objekt an erster Stelle steht. In der Tat läßt die
außergewöhnliche Durchsichtigkeit der meisten hierher gehörigen
Formen diesen Weg als den zunächst gangbarsten erscheinen, und so
habe auch ich bei der Untersuchung von Pneumonoeces asper das
Verfahren der mikroskopischen Beobachtung am frischen Quetsch-
präparat in erster Linie angewandt. Freilich hat ebenso Looss auch
bereits auf die Schwierigkeit hingewiesen, die speziell bei Pneumonoe-
ciden die relativ wenig durchscheinende Cuticula und das körnige
Epithel einem solchen Verfahren entgegensetzen. Dennoch wird man
auch bei diesem Objekt mit Anwendung von einiger Geduld und Sorg-
falt durch die beschriebene Methode mit Sicherheit zu den gewünschten
Erfolgen gelangen. Es ist dazu allerdings notwendig, vorzugsweise
jüngere Exemplare zu verwenden, bei denen der Uterus noch nicht
mit reifen Eiern gefüllt und zu seiner vollen Ausdehnung entwickelt ist,
da dieser bei Stücken in voller weiblicher Reife einen großen Teil der
inneren Organisation zu verdecken pflegt.
Als Medium diente mir in allen Fällen physiologische Kochsalz-
lösung, in der die Tiere unter möglichst großem Deckglase durch
kapillaren Druck gequetscht wurden. Wenn man die Vorsicht gebraucht,
das verdunstende Wasser vom Rande her rechtzeitig zu ersetzen oder
(nach Looss) einen Wachsring um das Deckglas zieht, so halten sich
die Tiere mehrere Stunden lang lebend, ohne durch zu starke Be-
wegungen die Beobachtung zu stören, wobei die große Abplattungs-
fähigkeit der weichen Pneumonoeciden eine Betrachtung mit den
stärksten Immersionen mühelos gestattet. Für Pneumonoeces asper
kommt als günstiger Umstand noch hinzu, daß diese Art nach meiner
Erfahrung gegen die beschriebene Behandlung widerstandsfähiger ist,
als die beiden anderen (variegatus und similis), ein Punkt, auf den
ich bei der Besprechung der Cuticula und des Exkretionssystems noch
näher zurückkommen muß.
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten, 35
Was die Konservierung zum Schnitt anlangt, so ergaben mir
die besten Durchschnittsresultate die altbewährten Methoden mit
Sublimat (gesättigt kalt oder auf 30° angewärmt) mit oder ohne Eisessig
oder Alkoholzusatz. Die Osmiumsäure-Mischungen (Flemmingsche
und Deegenersche Lösung) ergaben zwar eine gute Konservierung
der histologischen Elemente, beeinträchtigten aber doch stark die
Färbbarkeit durch die Plasmafarbstoffe, ein Moment, das gerade beim
Studium des Trematodengewebes störend ins Gewicht fällt. Die
Fixierung mit dem Carnoyschen Gemisch, die ich ebenfalls probe-
weise anwandte, liefert ungefähr die gleichen Resultate, wie die Sublimat-
mischungen, weist jedenfalls keine Vorteile diesen gegenüber auf.
Von Färbungen habe ich neben den gewöhnlichen Kernfärbe-
methoden (Delafieldsches Hämatoxylin und Heidenhain-
sches Eisenhämatoxylin) hauptsächlich die sogenannte ‚‚modi-
fizierte van Gieson- Färbung‘ mit Eosin und Wasserblau-Pikrin-
säure angewandt, die mir zum Teil ausgezeichnete Resultate geliefert
hat. Die genauen Angaben über diese Färbung, die aus dem Tübinger
Institut stammt und auch von Blochmann bei seinen Epithel-
studien angewandt worden ist, finden sich in einer Publikation von
Hofmann aus dem Jahre 1899 (Zool. Jahrb. Syst. Abt. Bd. XII).
Die Färbung ist typisch regressiv. Das zuerst angewandte Eosin soll
durch die beiden anderen Farbstofie aus dem Plasma wieder verdrängt
und auf die Kerne beschränkt werden. Es soll eigentlich eine drei-
fache Färbung resultieren, indem die Kerne rot, Plasma und Binde-
gewebe blau und die Muskeliasern gelb gefärbt werden. Bei meinen
Präparaten ist mir jedoch eine wirklich scharfe Färbungsdifferenzierung
zwischen rot und gelb ungeachtet aller Versuche nie möglich gewesen.
Die Muskulatur behielt regelmäßig die rote Farbe des Eosin, was im
übrigen in vielen Fällen eher zum Vorteil als zur Störung gereicht.
Leider habe ich bei keinem der eingesehenen Autoren einen Hinweis
auf das Mischungsverhältnis der Wasserblau-Pikrinsäurelösung ent-
decken können, so daß ich die Quelle des Fehlers, wenn ein solcher vor-
handen war, nicht durch exakte Nachprüfung der Methoden feststellen
konnte. Trotz dieses Umstandes aber hat sich mir diese Färbung
da, wo essich um das Studium von Muskulatur, Parenehym und Cuticula
handelte, als bei weitem brauchbarste erwiesen. Auch die H ein schen
Methylenblau- und Thioninmethoden (31) habe ich angewandt und
habe ihnen gute Resultate zu verdanken.
Als Einbettungsmedien diente mir Chloroform und Zedernöl. Die
Dicke meiner Schnitte betrug 3—5 w, dieker zu schneiden ist bei der
Kleinheit der in Betracht kommenden Zellen nicht angängig. Sehr
große Schwierigkeiten bereiten beim Schneiden von erwachsenen
Individuen die Uterusschlingen mit den darin so massenhaft ent-
haltenen spröden und hartschaligen Eiern, die stets die sehr störende
Tendenz zeigen, aus dem Schnitt herauszubröckeln und, vom Messer
durch das umliegende Gewebe geschoben, dieses zu zerstören. Hier
leistet Bestreichen der Schnittfläche mit dem Heiderschen Mastix-
kollodium vortreffliche Dienste. Mit Hilfe dieses Mittels lassen sich
3*
46 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
deutlichste, ebenso, und ohne den geringsten Unterschied der Aus-
bildung weisen es aber auch die Querschnitte der vorderen „Haupt-
gefäßstämme‘ bis an das äußerste Ende auf, wo es beim Übergang
in die wahren Gefäße erster Ordnung alsbald vollkommen zurücktritt.
Auch dies Verhalten scheint mir deutlich zu beweisen, daß wir in den
angeblichen „vorderen Hauptgefäßästen““ tatsächlich die in diesem
Fall exzessiv verlängerten Schenkel der Sammelblase selbst vor uns
haben.
Ich bin auf diese Verhältnisse etwas genauer eingegangen, da
bisher der von Looss angegebene Bau der Sammelblase in syste-
matischen Schriften als Gattungs-Charakteristikum für die Pneumonoe-
ciden vielfach angegeben worden ist (29). Daß dieses Organ mindestens
bei Pneumonoeces asper eine von der angegebenen abweichende Aus-
bildung besitzt, glaube ich durch die vorstehenden Ausführungen nach-
gewiesen zu haben, völlig zutreffend ist nach meinen Beobachtungen
die Loosssche Beschreibung überhaupt nur auf Pneumonoeces
variegatus, während bei Pneumonoeces similis, wie erwähnt, die Blasen-
schenkel schon etwas mehr verlängert sind, obwohl sie gegenüber
denen von Pneumonoeces asper noch immer als sehr unbedeutend
erscheinen.
In den Abbildungen, die Lo 0 ss von seinem Distomum variegatum
gibt, den einzigen brauchbaren, die bisher existieren, und die noch
keine Nachfolger gefunden haben, ist leider das Exkretionsgefäßsystem
nirgends in seiner vollen Ausdehnung eingezeichnet. Wohl aber sind
auf derjenigen Abbildung, die nach der Erklärung die „Varietät mit
bestachelter Haut‘ darstellen soll, also auf Pneumonoeces similis
zu beziehen wäre, die Enden der beiden vorderen Äste angedeutet,
aber so, wie sie sich bei Pneumonoeces asper und zwar nur bei diesem
zu präsentieren pflegen, und wie sie sich z. B. auch auf Photographien
darstellen. Sogar das nach hinten ziehende wahre Gefäß erster Ordnung
ist auf einer Seite in der Zeichnung zu erkennen. Leider geben
Stafford (19) und Klein (27) in ihren systematischen Be-
schreibungen der bisher entdeckten ausländischen Formen von Pneu-
monoeces über den Verlauf der Exkretionsgefäße nichts an, so daß
es nicht möglich ist, nach dieser Seite hin Vergleiche anzustellen.
Nur der nordamerikanische Pneumonoeces complexus scheint nach
der Beschreibung von Seely (26) einen mit Pneumonoeces asper
übereinstimmenden Bau der Sammelblase aufzuweisen.
Ich muß jedoch an dieser Stelle noch einmal auf die Lo osssche
Abbildung der ‚„Varietät mit bestachelter Haut“ zurückkommen, da
diese bisher immer, wo von Pneumonoeces in Publikationen die Rede
war, die maßgebende geblieben ist. Es hat mir dieses Bild zu manchen
Bedenken Anlaß gegeben. Nach den Angaben über die bestachelte Haut
und den nur bis zur Leibesmitte reichenden Dotterstöcken wäre es
ohne Zweifel auf Pneumonoeces similis zu beziehen. Nun fügt aber die
Erklärung zu dem Bilde ausdrücklich hinzu „mit großen Eiern“, ein
Kennzeichen, welches, nach den späteren Angaben von Lo 05 s selbst,
lediglich dem Pneumonoeces asper zukäme, wie es nach meinen Be-
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 47
obachtungen auch tatsächlich und unzweifelhaft der Fall ist. Auch im
allgemeinen Habitus, besonders in der regelmäßig abgerundeten Form
von Hoden und Keimstock, weist die Abbildung mehr auf Pneumonoeces
asper als auf eine der anderen Formen hin. Hierzu kommt noch die
erwähnte deutliche Zeichnung der Exkretionsblasenschenkel im
Vorderende, die geradezu als eines der auffälligsten Kennzeichen von
Pneumonoeces asper im frischen Präparat bezeichnet werden müssen.
Auf Grund dieser Tatsachen hat sich mir schon früh die Vermutung
aufgedrängt, es möchte diese Abbildung vielleicht doch als eine kom-
binierte aufzufassen sein, in der aus irgendwelchen Ursachen bei der
Herstellung Charakteristika von Pneumonoeces asper und Pneumonoeces
similis gemeinsam dargestellt worden sind. Es dürfte dies übrigens
kaum verwunderlich erscheinen, wenn man daran denkt, daß zur Zeit
der Herausgabe jener Arbeit die Arten ja tatsächlich noch nicht
getrennt waren, und Looss noch die Überzeugung hegte, daß eine
Konstanz der Differenzen nicht nachweisbar sei.
Bei der Wichtigkeit, welche diese bisher einzig brauchbaren Ab-
bildungen für die Kenntnis unserer einheimischen Trematodenfauna
besaßen, habe ich es für nötig gehalten, auf diese Umstände hier aus-
drücklich aufmerksam zu machen. Looss hat zwar später die be-
treffenden Kennzeichen mit Ausnahme des Verhaltens der Exkretions-
blase in richtiger Weise auf die Spezies gruppiert. Aber noch in der
systematischen Bearbeitung der Süßwassertrematoden vom Jahre 1909
in der Brauerschen Süßwasserfauna (29) geht die dort gegebene
Abbildung von Pneumonoeces similis aui jenes Bild von 1894 zurück,
das, wie wir gesehen haben, sicher nicht als einheitlich von Pneumonoeces
similis hergenommen betrachtet werden darf. (Das Mißgeschick,
welches diese Abbildung zu verfolgen scheint, ist ihr auch hier insofern
nicht untreu geworden, als sie in der Unterschrift verschentlich als
Pneumonoeces variegatus bezeichnet wird.)
%. Die Genitalorgane.
Ich komme nunmehr zu der Besprechung der Genitalorgane, die,
in einigen Punkten wenigstens, wieder Verhältnisse aufweisen, die für
Pneumonoeces asper im speziellen charakteristisch sind.
Was zunächst die Keimdrüsen anbetrifft, so stimmt Pneumonoeces
asper in deren Zahl und Anordung mit den beiden anderen Arten,
in den allgemeinen Verhältnissen mit der Looss schen Beschreibung
von Distomum variegatum vollkommen überein. In ihrer Form
können sie zur Abgrenzung der Art insofern beitragen, als sie im
wesentlichen die gleichen Formenverhältnisse, wie die von Pneumonoeces
similis zeigen, und sich dadurch mit diesen zusammen von denen des
Pneumonoeces variegatus unterscheiden.
Es ist in der neueren Systematik Pneumonoeces similis von
Pneumoönceces variegatus nicht nur auf Grund seiner Bestachelung
und abweichenden Gestalt abgegrenzt worden, sondern es wurde
auch darauf hingewiesen, daß sich bei dieser Form niemals der länglich
38 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
an die Lungenwand angeheftet erscheint, daß das Tier nur durch einen
ziemlich starken Zug mit der Pinzette zum Loslassen bewogen werden
kann. Auch beim Herumkriechen im Lungengebälk habe ich eine
Wirksamkeit des Bauchsaugnapfes nicht bemerken können. Diese
Fortbewegung, die man bei unberührten Würmern in frisch geöffneten
und ausgespannten Lungen gut beobachten kann, findet vielmehr in
der Weise statt, daß das Vorderende, sich außerordentlich streckend,
mit dem Mundsaugnapfe vorgreift, diesen anheftet und dann mittels
einer starken, von vorn nach hinten vorschreitenden Kontraktionswelle
den Hinterkörper ziemlich rasch nachzieht. Es mag sein, daß der
Bauchsaugnapf bei diesem Vorgreifen des Vorderkörpers in gewisser
Weise die Fixierung des übrigen Wurmleibes unterstützt. Ich habe
jedoch niemals, wenn ich Würmer, die mit dem Vorderende auf der
Suche nach einem neuen Stützpunkt gewissermaßen tastend umher-
fuhren, aufzuheben oder fortzuschieben versuchte, einen Widerstand
aus der Gegend des Bauchsaugnapfes bemerken können, so daß auch
diese Funktion immerhin nur sehr unwesentlich in Betracht kommen
kann.
Die Gründe für diese auffallende funktionelle Reduktion des
bei den anderen Trematodengattungen so wohl ausgebildeten Haft-
werkzeuges dürften wohl in der besonderen Lebensweise der Pneu-
monoeciden zu suchen sein. Wir haben es nämlich hier (und bei Haplo-
metra cylindracea, die die gleichen Verhältnisse aufweist) mit Formen
zu tun, die nicht wie die Darmtrematoden den in ihrer Umgebung
befindlichen Detritus aufnehmen, sondern ihrem Wirt direkt Blut ab-
saugen, und zwar nicht nur ausnahmsweise im Falle des Nahrungs-
mangels, wie z. B. Azygia, sondern als einzige und regelmäßige
Ernährunssart.
Während es nun für die Darmbewohner hauptsächlich von Vorteil
sein mußte, in diesem sich lebhaft kontrahierenden Organ einen festen
Haltepunkt zu gewinnen, ohne doch die Mundöffnung an der freien
Beweglichkeit und einem gewissen Spielraum zum Zwecke der Nahrungs-
auswahl zu hindern, und demgemäß die Entwicklung des Bauchsaug-
napfes zum wesentlichen Haftorgan das Gegebene war, weisen die
Lebensverhältnisse der blutsaugenden Lungenparasiten bei Reptilien
und Amphibien wohl von vornherein auf eine andere Bahn.
An ihrem Wohnsitze einer Beunruhigung durch dessen Eigen-
beweglichkeit kaum ausgesetzt, mußte es für sie wohl vielmehr vorteil-
haft sein, eine möglichst solide Befestigung der Mundpartie des Körpers
zu erreichen. Denn für diese kommt nach ihrer einmaligen Arheftvrg
lange Zeit wohl nur eine ganz bestimmte Stelle im Gewebe ihres Wirtes
in Frage, nämlich die, welche zuerst angebohrt, durch länger andauernden
Reiz ja immer stärkeren Blutzufluß liefern mußte. Die hierfür geeignete
Organisation sehen wir nun auf doppeltem Wege erreicht, einmal
durch Hinaufrücken des stark ausgebildeten Bauchsaugnapfes bis
fast unter den Pharynx, wie bei Macrodera longicollis, zweitens aber,
wie eben bei den Pneumonoeeiden und Haplodera dadurch, daß der
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten, 39
Mundsaugnapf vorwiegend wird, während der Bauchsaugnapf dagegen
mehr und mehr zurückzutreten im Begriff steht.
Ein Einwand gegen die hier gegebene Deutung könnte vielleicht
in dem Vorhandensein von Darmformen mit schwächerem Bauch-
saugnapfe, wie Pleurogenes elaviger und medians, Opisthioglyphe ranae
u. a. gefunden werden. Doch hat bereits Lo oss (16, S. 124) auf das
Wechselverhältnis zwischen der Ausbildung von Saugnäpfen und
Stachelbesatz bei diesen Formen aufmerksam gemacht. In der Tat
kann ja bei diesen Würmern, in deren Lebensweise es nur auf Be-
festigung und Widerstandsfähigkeit an sich, weniger aber auf länger
dauernde Festheftung an ein und demselben Orte ankommt, der
Stachelbesatz unbeschadet vikariierend für die eigentlichen Haft-
organe eintreten. Bei den Lebensverhältnissen der blutsaugenden
Lungentrematoden wäre dies, wie aus den vorhin angeführten Gründen
zu ersehen, wenig zweckmäßig, und so sehen wir speziell bei den Pneumo-
noeeiden denn auch das an ihren wohl zweifellos sekundären Wohnort
mitgebrachte Stachelkleid mit manchen Besonderheiten ausgestattet,
auf die ich noch später zurückkommen werde, die aber vielleicht auch
zum Teil den hier geschilderten Umständen ihre Ausbildung verdanken.
. Ob die hier gegebene Deutung der Verhältnisse in der Tat das
Rechte trifft, müßte ein umfassender Materialvergleich und
entwieklungsgeschichtliche Studien lehren. Jedenfalls scheinen mir
diese Betrachtungen, die sich mir beim Studium der Pneumonoeciden
ergaben, im wesentlichen mit den tatsächlichen Befunden überein-
zustimmen, und sie sind vielleicht geeignet, die hier vorliegenden
Verhältnisse in der von Looss bereits angedeuteten Richtung weiter
zu beleuchten.
4.' Organsystem der Empfindung.
Was das Nervensystem von Pneumonoecees asper anbetrifft,
so kann ich mich darüber kurz fassen. Die Schwierigkeiten, welche
die Untersuchung des Nervenverlaufs am lebenden Tiere gerade bei
den Pneumonoeciden macht, sind bereits von Looss (16, 8.75)
hervorgehoben worden. Nach dem, was ich am Totalpräparat und
an Schnitten über den Verlauf der Stämme und Kommissuren zu
eruieren vermochte, treffen die Angaben von Loc ss über Distomum
variegatum auch für Pneumonoeces asper im Speziellen im vollen
Umfange zu. Wir finden also ein auf Schnitten meist gut sichtbares
Zerebralganglion in der Höhe des Pharynx zu beiden Seiten desselben
und dorsal darüber gelagert, von dem aus drei Längsnervenstämme
jederseits dorsal, ventral und lateral nach hinten und vorn ziehen,
die durch Kommissuren miteinander in Verbindung stehen. Die genaue
Anzahl der Kommissuren habe ich jedoch nicht festzustellen vermocht,
da die von Havet (35) (bei Distomum hepaticum) und Betten-
dorf (31) mit Erfolg angewandten spezifischen Nervenfärbungen
an meinem Material trotz zahlreicher Versuche gänzlich negative
Resultate ergaben. Abweichungen irgendwelcher Art in Bau und Ver-
lauf des Nervensystems gegenüber Pneumonoeces variegatus und
40 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
Pneumonoeces similis vermochte ich nicht zu konstatieren. Im all-
gemeinen ist festzustellen, daß das Nervensystem von Pneumonoeces
asper in keiner Weise aus dem Bilde, wie es die gerade auf diesem Gebiete
so zahlreichen neueren Untersuchungen (16, 31, 35, 37) uns vom Nerven-
system der Trematoden im allgemeinen liefern, herausfällt, wie ja
bei dem höchst einheitlichen Bau, den dies Organsystem gerade inner-
halb dieser Ordnung aufweist, von vornherein zu erwarten war.
5. Organsystem der Ernährung.
a) Vorhofund Pharynx.
Was die Verhältnisse des Pharynx mit Vorhof, Ösophagus und
anschließenden Gabeldarm anbetrifft, so ist die von Lo 055 gegebene
allgemeine Beschreibung im wesentlichen auch für Pneumonoeces asper
zutreffend. Der Durchmesser des Pharynx beträgt !/, bis !/, von
dem des Mundsaugnapfes, die absoluten Maße ändern sich je nach
dem Altersstadium des Tieres. Die auffallende, schon von Looss
erwähnte Helligkeit und Durchsichtigkeit des Pharynx gegenüber
dem sonstigen Wurmkörper geht auf seinen großen Reichtum an Muskel-
fasern zurück, der ihn geradezu als einen „Hohlmuskel‘“ erscheinen
läßt. Es steht diese Eigenschaft wohl mit der Schließfunktion im
Zusammenhang, die der Pharynx in bezug auf den folgenden Teil
des Ösophagus ausübt. Bei einem Tier, das wie Pneumonoeces asper
und seine Gattungsverwandten darauf angewiesen ist, die Nahrung
anzasaugen, ist die Bedeutung eines festen Verschlusses des Darms
während der Tätigkeit des vorderen Saugnapfes leicht einzusehen.
Nach der Ansicht von Looss (16, 8. 139) findet ganz allgemein
eine Beteiligung von Vorhof und Ösophagus am Sauggeschäft resp.
dem „Prozeß der Nahrungsaufnahme‘ nicht statt, und dient der
Ösophagus auch bei den anderen Formen „zunächst“ nur als Verschluß-
apparat des Darms. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Nahrung
des Pneumonoeces asper ebenso wie die der anderen Pneumonoeciden
ausschließlich aus den Blutkörperchen der Rana esculenta, also aus
einem sehr leicht beweglichen, man möchte sagen, schlüpfrigen Material
besteht, so dürfte es einleuchten, daß ein besonderer Verschluß der
oftmals sehr stark gefüllten Darmschenkel bei diesen Formen von
Wichtigkeit ist. Daß dieser Apparat seinen Zweck in der Tat in hervor-
ragender Weise erfüllt, läßt sich an Exemplaren, die man unter Deck-
glas einem stärkeren Druck aussetzt, leicht beobachten. In den meisten
Fällen tritt eher eine Zerreißung der Darmwand ein, als ein Austreten
des Inhalts durch den Ösophagus. Daß dabei nicht etwa der durch
das Deckglas ausgeübte Druck im wesentlichen der verschließende
Faktor ist, wie wir es später bei dem Exkretionsporus kennen lernen
werden, kann man aus dem Umstande ersehen, daß bei Erschlaffung
der Muskulatur infolge beginnenden Absterbens, oder wenn das Tier,
wie deutlich wahrnehmbar, aktiv den Pharynx erweitert, das Austreten
der Blutkörperchen alsbald in reichem Maße stattzufinden pflegt.
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 41
b) Ösophagus und Darmschenkel.
Im Bau des Ösophagus und der Darmschenkel stimmt Pneumonoe- -
eces Rz mit seinen Gattungsverwandten überein. Wie bei diesen,
ist ein Ösophagus in Gestalt eines gemeinsamen vorderen Abschnittes
des Verdauungsweges zwar vorhanden, aber bei gefüllten Darm-
schenkeln meist nicht erkennbar und tritt erst an Schnittpräparaten
infolge seiner abweichenden histologischen Struktur deutlich hervor.
Jedenfalls ist dieser Teil des Verdauungstraktus nur sehr kurz und
mißt bei einigermaßen gestrecktem Körper des Wurmes meist nicht
über 0,5 mm. Der Ösophagus gabelt sich in zwei ebenfalls nur durch
abweichenden geweblichen Aufbau charakterisierte Ansatzstücke von
etwa 0,1 bis 0,3 mm Länge, die in die beiden auf diese Weise als solche
vollkommen getrennten Darmschenkel übergehen.
Die beiden den Magendarm repräsentierenden Blindsäcke reichen
bis ziemlieh zum Ende des Hinterkörpers. Sie verlaufen in der Nähe
der Körperseiten, den größten Teil des Genitalapparates zwischen sich
fassend. Am Hinterende des Körpers sind sie jederseits in dem Raume
zwischen dem zentral verlaufenden Teile des Uterus und dessen seitlicher
Schlinge gelagert. Sie sind sehr stark erweiterungsfähig und zeigen
eine kräftige Peristaltik.
Eine Zusammenziehung in der Längsrichtung findet, wie bereits
Looss (16, 8. 74) an Distomum variegatum beobachtete, in größerem
Maßstabe nicht statt, so daß bei starker Kontraktion des Gesamt-
körpers der Darm nicht imstande ist, diese seinerseits mitzumachen,
sondern gezwungen wird, sich, oft sogar ziemlich stark, in quere Falten
zu legen. Auch ist zu erwähnen, daß beim voll erwachsenen Tiere
infolge starker Ausbildung und Fülllung des Uterus im hinteren Körper-
ende die dort gelegenen Abschlüsse der Darmschenkel in ihrem Lumen
beträchtlich eingeengt werden, so daß bei solchen Individuen meist
nur derjenige Teil der Darmschenkel, der sich vom Ösophagus bis in
die Höhe des Bauchsaugnapfes erstreckt, als das eigentliche Nahrungs-
reservoir zu betrachten ist und daher oft außerordentlich stark auf-
getrieben erscheint.
6. Das Exkretionsgefäßsystem.
Ich komme nunmehr zu der Besprechung der anatomischen
Verhältnisse des Exkretionsgefäßsystems und sehe mich genötigt,
bei diesem Punkte etwas ausführlicher zu werden, da ich, was die
Ausbildung dieses Gesäßsystems bei Pneumonoeces asper anbetrifft,
im Verlauf meiner Untersuchung zu Ergebnissen gekommen bin,
die von den betreffenden Angaben bei Looss über Distomum
variegatum nicht unbeträchtlich abweichen.
Es ist daher notwendig, zunächst einen Blick auf die Angaben
zu werfen, die sich in den ‚„Distomen der Fische und Frösche‘ über
die betretienden Verhältnisse finden. Der Autor macht bei seiner
Beschreibung des Exkretionsapparates von Distomum variegatum
(16, 8.75) zunächst die Bemerkung, daß von diesem infolge der Un-
42 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
durchsichtigkeit des Parenchyms nicht viel zu sehen sei. ‚Zwischen
den Hoden und dem Bauchsaugnapfe“, heißt es dann weiter, „aber
mehr dem letzteren genähert, bemerkt man oft in den Körperseiten
zwei blasenförmige Gebilde, deren Vorderende mehr oder minder
abgerundet, deren Hinterende dagegen von den Keimdrüsen und dem
Uterus stets verdeckt ist. Es sind die Schenkel der Exkretionsblase,
welche hier ganz ähnlich wie bei dem Distomum ceylindraceum zum
bei weitem größten Teil von einem unpaaren Hauptstamme dargestellt
wird“. Dann weiter: „Aus den kurzen, sackförmigen Schenkeln des
Sammelraumes kommt jederseits ein Gefäß hervor, über dessen Verlauf
ich aber nicht zur völligen Klarheit gekommen bin. Augenscheinlich
verhält sich dasselbe jedoch ähnlich wie bei Distomum cylindraceum,
wo es sich bald in einen hinteren und einen vorderen Ast gabelt, die dann
den Nebengefäßen den Ursprung geben. Am deutlichsten sieht man
gewöhnlich den vorderen Hauptgefäßast, der bis zur Höhe der Darm-
teilung aufsteigt und dort in die Kapillaren zerfällt.“
Als ich nun meine Beobachtungen an Pneumonoeces asper begann,
lag es, obiger Beschreibung folgend, natürlich für mich nahe, nach
jenen beiden blasenförmigen Schenkeln in der Nähe des Bauchsaug-
napfes zu suchen. Bei diesem Beginnen fand ich zunächst nur bestätigt,
daß von dem ganzen Gefäßsystem in der Tat ‚nicht sehr viel“ zu sehen
ist. Zwar gelang es mir nach einiger Mühe, bei manchen Exemplaren
in jüngeren Stadien den hinteren Hauptstamm, der vom Porus ausgeht,
zu beobachten und ein Stück nach vorn zu verfolgen. Aber so oft
und so viele Exemplare des Wurmes ich auch untersuchte, die kurzen
sackförmigen Schenkel zu entdecken, wollte nicht gelingen. Dagegen
fiel mir bereits von vornherein der von Looss erwähnte ‚vordere
Haupigefäßast‘“ auf, der bei Pneumonoeces asper allerdings jederzeit
als bemerkenswerte Erscheinung am frischen Quetschpräparat hervor-
tritt. Sowie sich nämlich der Wurm unter dem Deckglase abgeflacht
hat, erscheinen in seinem vorderen Ende, in der Höhe des Pharynx,
seitlich von diesem und den Darmschenkeln, zwei Gebilde von auf-
fallender Durchsichtigkeit, die nach vorn birnenförmig aufgetrieben
sind und nach hinten zu sich etwas verschmälernd davon ziehen, um,
sobald die gefüllten Darmschenkel an die Körperseiten herantreten,
durch den Darininhalt verdeckt zu werden.
Auf seiner Taf. II, Fig. 43 in den „Distomen der Fische und
Frösche“ gibt Looss eine richtige Darstellung dieser Erscheinung,
wie sie bei einer Betrachtung des Wurmkörpers zunächst ins Auge fällt.
Nun ist der Durchmesser dieser „Gefäßäste‘‘ an dem vorderen Ende
im Quetschpräparat, sogleich nach der Herstellung gemessen, ge-
wöhnlich gleich mindestens dem des Pharynx, ein wenig später, wenn
durch den Druck des Deckgläschens eine gewisse Aufblähung ein-
getreten ist, sogar noch erheblich größer, und auch auf Querschnitten
der betreffenden Region sind die Kanäle in ganzer Größe mühelos
aufzufinden.
Es erschien mir daher bei öfterer Beobachtung dieser Tatsachen
zunächst auffallend, daß zwei Gefäßäste, soweit von der Sammelblase
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 43
entfernt, einen derartigen Umfang annehmen sollten, der dem der
unpaaren Hauptstammes der Sammelblase in vielen Fällen fast gleich
kam. Ich versuchte deshalb, um mir über diese Verhältnisse Klarheit
zu verschaffen, den Verlauf dieser beiden Gefäße nach rückwärts von
der Stelle an, wo sie unter den Darmschenkeln scheinbar verschwinden,
zu verfolgen. Ich machte mir dabei den Umstand zunutze, daß die
Sichtbarkeit aller Gefäße im lebenden Quetschpräparat in hohem
Maße zunimmt, wenn man den Kondensor so weit herunterschraubt,
daß der Körper des Tieres fast dunkel erscheint. Bei dieser Beleuchtung
genügt die Verminderung der Körperdicke durch die Wassergefäß-
lumina an den von diesen durchlaufenen Stellen, um die Gefäße hell
durchscheinend in dem undurchsichtigen Körpergewebe hervortreten
zu lassen. Es gelang mir nun an einigen jüngeren Exemplaren von
Pneumonoeces asper, bei denen der noch ungefüllte Uterus die Be-
obachtung nicht störte, den Gefäßverlauf in seiner ganzen Ausdehnung
festzustellen, und zwar bin ich dabei zu folgenden Ergebnissen
gekommen. Die Loosssche Beschreibung des Gefäßverlaufes trifft
nur für Pneumonoeces variegatun und Pneumonoeces similis im
wesentlichen zu. Bei diesem letzteren sind immerhin die paarigen Blasen-
schenkel nach vorn so weit verlängert, daß man den Ausdruck „kurz
sackförmig‘“ schon nicht mehr gut anwenden kann.
Bei Pneumonoeces asper aber sind die auf der Loossschen
Zeichnung angedeuteten Gebilde, die bis zur Höhe der Darmteilung
aufsteigen, nicht Gefäße, die von der Sammelblase ausgehen, sondern
es sind die Schenkel der Sammelblase selbst, die sich so ungewöhnlich
weit nach vorn erstrecken. Diese beiden Schenkel, an ihrem vorderen
Ende, wie erwähnt, etwas aufgetrieben, verlaufen im ersten Körper-
drittel noch ziemlich nahe an den Körperseiten, biegen dann allmählich
nach innen, laufen ventral unter den Darmschenkeln hinweg, und
vereinigen sich zwischen Bauchsaugnapf und erstem Hoden zu einem
gemeinsamen Endstamm, der in allmählich zunehmender Stärke
in der Medianlinie des Körpers zum Exkretionsporus hinunterzieht.
Ich habe wiederholt konstatieren können, daß an der Vereinigungsstelle
der beiden Schenkel von einer etwa blasenförmigen Auftreibung
oder Erweiterung nichts zu sehen ist. Es findet vielmehr stets ein
glatter Übergang in den unpaaren Stamm statt, und man gewinnt
im Quetschpräparat sogar eher den Eindruck, daß die voluminöseste
Stelle der ganzen Y-förmigen Blasenanlage eben gerade das von
vornherein so stark hervortretende vordere Ende der Schenkel neben
dem Ösophagus sei. Aus diesem vorderen Ende entspringt nun jederseits
ein Gefäß erster Ordnung, das seinen Weg wieder nach hinten nimmt,
und zwar läuft es bis zu der Stelle, wo die Blasenschenkel sich einwärts
zu biegen beginnen, in schwachen Windungen diesen parallel. Von
da an zieht das Gefäß in den Körperseiten unterhalb der Darmschenkel
bis etwa zur Höhe des Bauchsaugnapfes, um sich dort in zwei Äste
zu teilen, die, der eine nach der Körperwand, der andere nach dem
Inneren zu gelegen, abwärtssteigen und nun in etwa rechtem Winkel
die Kapillaren abgeben, an deren Ende die Wimperflammen liegen.
44, Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
Eine gesetzmäßige Anordnung der Kapillaren in einer feststehenden
Anzahl von Gruppen jederseits, wie sie Looss bei Distomum
eylindraceum (16, 8.68) und einigen anderen Formen nachgewiesen
hat, vermochte ich bei Pneumonoeces asper an den von mir unter-
suchten Exemplaren nicht feststellen. Es schienen mir vielmehr die
Kapillaren von den rücklaufenden Gefäßen einzeln zu entspringen.
Immerhin erschwert die große Undurchsichtigkeit des Objekts im
lebenden Zustande das Erkennen dieser feineren Verhältnisse derart,
daß man eine Verteilung der Kapillaren analog derjenigen bei Distomum
cylindraceum als vielleicht nicht ausgeschlossen bezeichnen kann.
Leider gelang es mir bei der Kleinheit der Tiere bisher nicht, Injektionen
von ausreichender Vollkommenheit zu erzielen. Es dürfte dies die
einzige Methode sein, durch die eine zweifelsfreie Demonstration des
feineren Gefäßverlaufes zu erzielen wäre. An demjenigen Stück, das
die weitgehendste Verfolgung der Kapillaren zuließ, wies die Gesamt-
verteilung der Gefäße, abgesehen von der zweifellos andersartigen
Ausbildung der Exkretionsblase in der Tat einige Ähnlichkeit mit dem
Bilde auf, wie es Looss (16, Taf. VIII, Fig. 165) von Distomum
cylindraceum gibt. Insbesondere vermochte ich auch bei Pneumonoeces
asper festzustellen, daß die Terminalflimmerzellen sämtlich ausnahmslos
der Medianlinie des Körpers zugewandt lagen. Ihre Zahl schien bei
den von mir genauer durchsuchten noch jugendlichen Individuen
ziemlich gering zu sein. Ich vermochte niemals mehr als 7—8 jederseits
aufzufinden, doch läßt auch hier die Ungunst der Objektsverhältnisse
eine ganz sichere Bestimmung nicht zu.
Die gleichen Ergebnisse über den Verlauf der Sammelblase bei
Pneumonoeces asper, die mir günstige Quetschpräparate lieferten,
erhielt ich auch bei der Durchmusterung von Schnittserien durch junge
Exemplare dieses Wurms. Hier ist der Endstamm der Blase auf Quer-
schnitten durch das Hinterende leicht aufzufinden. Er repräsentiert
im Schnitt einen ziemlich großen Hohlraum, der, etwa im Zentrum
des gesamten elliptischen Querschnittsbildes, zwischen den Quer-
schnitten der beiden Darmschenkel liegt. Auf meinen Präparaten
zeigte dies Bild des Exkretions-Blasenquerschnittes meist eine ziemlich
starke Einfaltung der Ränder, die einer Längsfaltung des Organs
entsprechen würde. Ich glaube, daß man diese Faltenbildung, die s>hr
regelmäßig zu beobachten ist, nicht etwa nur auf eine bei den betreffenden
Objekten zufällig geringere Füllung der Exkretionsblase zurückführen
kann, vielmehr scheint mir diese Einbiegung der Gefäßwand in eine
Anzahl von großen Längsfalten, diesich durch das ganze Organ verfolgen
lassen, der normale Zustand zu sein, wie man überhaupt auch am Total-
präparat bei der Beobachtung des Gefäßsystems den Eindruck eines
zwar ziemlich weiten, aber schlaffen und wenig widerstandsfähigen
Röhrenwerkes hat.
Hiermit stimmt auch die Beobachtung von Looss überein,
daß nämlich eine wirklich pralle Füllung der Sammelblase und der
Gefäße stets erst im Quetschpräparat allmählich eintritt, nachdem
durch den Druck des Deckgläschens die seitlichen Uterusschlingen
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 45
im Hinterleibe nach der Leibesmitte hin gepreßt worden sind und den
Exkretionsporus verschlossen haben, so daß der Abfluß des Exkretes
nicht mehr in normaler Weise erfolgen kann. Im übrigen habe ich jedoch
das Exkretionsgefäßsystem von Pneumonoeces asper sehr viel wider-
standsfähiger gefunden, als die Angaben von Looss (16, 8.75)
es erwarten lassen. Der von ihm beschriebene Zerfall der Gefäßwände
trat keineswegs ‚sehr bald“ ein, sondern selbst nach mehrstündiger
Beobachtung waren sowohl die Blase, wie die Hauptgefäße und
Kapillaren noch gut erhalten und zu verfolgen, natürlich unter der
Voraussetzung, daß der Druck des Deckglases nicht allzusehr erhöht
wurde.
Verfolgte man nun das Querschnittsbild des unpaaren Blasen-
stammes durch die Schnittreihe nach dem Vorderende gehend weiter,
so kann man ebenfalls zwischen Bauchsaugnapf und vorderem Hoden
die Gabelung in die beiden Seitenäste beobachten. Auch diese zeigen
die beschriebene Einfaltung der Wandungen und sind zugleich, je
mehr sie nach vorn zu ziehen, um, so stärker seitlich komprimiert, so
daß sie schon sehr bald im Querschnitt nicht mehr das Bild von
Kreisen, sondern mehr das von langgestreckten, etwas gewundenen
Schlitzen darbieten. Diese sind zunächst regelmäßig jederseits
zwischen den Querschnitten des Darmes und denen der medianen
Uterusschlingen gelegen. Mit der fortschreitenden Annäherung der
Blasenäste an das Vorderende des Wurms wandeln die Querschnitte
dann ventral um diejenigen der Darmschenkel herum und nähern sich
mehr der Seitenwand des Körpers, um schließlich in der Höhe des
Ösophagus zu verschwinden, d. h. in die Gefäße erster Ordnung über-
zugehen, deren Querschnitte meist in der Menge der umgebenden
Parenchym- und Epithelzellen nicht aufzufinden sind. Während
dieses ganzen Verlaufes ist von einer plötzlichen Volumenänderung
der beiden nach vorn ziehenden Äste, wie sie nach der Looss schen
Beschreibung beim Austritt aus den „sackförmigen Schenkeln‘“ statt-
finden müßte, nichts zu bemerken.
Und noch ein anderer letzter Umstand beweist die Zugehörigkeit
der beiden Schenkel in ihrer ganzen Länge zur Sammelblase selbst:
der völlig mit dieser übereinstimmende histologische Bau ihrer
Wandungen. Auf die Einzelheiten dieses Baues einzugehen, bin ich
noch bei der Besprechung der histologischen Verhältnisse genötigt.
Hier nur soviel: In dem allgemeinen Teil seiner „Distomen der Fische
und Frösche‘ weist Lo oss selbst darauf hin, daß eine scharfe Unter-
scheidung zwischen Exkretionsblase und Gefäßen dadurch ermöglicht
sei, daß die Exkretionsblase stets zellige Wandungen besäße, die den
Gefäßen abgehen. Seitdem Bugge (34) die Entstehung der Gefäße
und Kapillaren aus Wandzellen des Urgefäßstammes nachgewiesen
hat, ist diese Annahme dahin zu modifizieren, daß an den Wandungen
der Sammelblase ein Epithel stets leicht nachweisbar ist, während es
an denen der Gefäße und Kapillaren stark reduziert erscheint. Auf
meinen Präparaten zeigt nun der unpaare Stamm der Sammelblase
dieses Epithel in einer später zu besprechenden Form aufs aller-
46 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
deutlichste, ebenso, und ohne den geringsten Unterschied der Aus-
bildung weisen es aber auch die Querschnitte der vorderen „Haupt-
gefäßstämme“ bis an das äußerste Ende auf, wo es beim Übergang
in die wahren Gefäße erster Ordnung alsbald vollkommen zurücktritt.
Auch dies Verhalten scheint mir deutlich zu beweisen, daß wir in den
angeblichen „vorderen Hauptgefäßästen“ tatsächlich die in diesem
Fall exzessiv verlängerten Schenkel der Sammelblase selbst vor uns
haben.
Ich bin auf diese Verhältnisse etwas genauer eingegangen, da
bisher der von Looss angegebene Bau der Sammelblase in syste-
matischen Schriften als Gattungs-Charakteristikum für die Pneumonoe-
ciden vielfach angegeben worden ist (29). Daß dieses Organ mindestens
bei Pneumonoeces asper eine von der angegebenen abweichende Aus-
bildung besitzt, glaube ich durch die vorstehenden Ausführungen nach-
gewiesen zu haben, völlig zutrefiend ist nach meinen Beobachtungen
die Loosssche Beschreibung überhaupt nur auf Pneumonoeces
variegatus, während bei Pneumonoeces similis, wie erwähnt, die Blasen-
schenkel schon etwas mehr verlängert sind, obwohl sie gegenüber
denen von Pneumonoeces asper noch immer als sehr unbedeutend
erscheinen.
In den Abbildungen, die Lo 0 ss von seinem Distomum variegatum
gibt, den einzigen brauchbaren, die bisher existieren, und die noch
keine Nachfolger gefunden haben, ist leider das Exkretionsgefäßsystem
nirgends in seiner vollen Ausdehnung eingezeichnet. Wohl aber sind
auf derjenigen Abbildung, die nach der Erklärung die „Varietät mit
bestachelter Haut‘ darstellen soll, also auf Pneumonoeces similis
zu beziehen wäre, die Enden der beiden vorderen Äste angedeutet,
aber so, wie sie sich bei Pneumonoeces asper und zwar nur bei diesem
zu präsentieren pflegen, und wie sie sich z. B. auch auf Photographien
darstellen. Sogar das nach hinten ziehende wahre Gefäß erster Ordnung
ist auf einer Seite in der Zeichnung zu erkennen. Leider geben
Stafford (19) und Klein (27) in ihren systematischen Be-
schreibungen der bisher entdeckten ausländischen Formen von Pneu-
monoeces über den Verlauf der Exkretionsgefäße nichts an, so daß
es nicht möglich ist, nach dieser Seite hin Vergleiche anzustellen.
Nur der nordamerikanische Pneumonoeces complexus scheint nach
der Beschreibung von Seely (26) einen mit Pneumonoeces asper
übereinstimmenden Bau der Sammelblase aufzuweisen.
Ich muß jedoch an dieser Stelle noch einmal auf die Lo osssche
Abbildung der „Varietät mit bestachelter Haut‘ zurückkommen, da
diese bisher immer, wo von Pneumonoeces in Publikationen die Rede
war, die maßgebende geblieben ist. Es hat mir dieses Bild zu manchen
Bedenken Anlaß gegeben. Nach den Angaben über die bestachelte Haut
und den nur bis zur Leibesmitte reichenden Dotterstöcken wäre es
ohne Zweifel auf Pneumonoeces similis zu beziehen. Nun fügt aber die
Erklärung zu dem Bilde ausdrücklich hinzu „mit großen Eiern“, ein
Kennzeichen, welches, nach den späteren Angaben von L 0 085 selbst,
lediglich dem Pneumonoeces asper zukäme, wie es nach meinen Be-
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 47
obachtungen auch tatsächlich und unzweifelhaft der Fall ist. Auch im
allgemeinen Habitus, besonders in der regelmäßig abgerundeten Form
von Hoden und Keimstock, weist die Abbildung mehr auf Pneumonoeces
asper als auf eine der anderen Formen hin. Hierzu kommt noch die
erwähnte deutliche Zeichnung der Exkretionsblasenschenkel im
Vorderende, die geradezu als eines der auffälligsten Kennzeichen von
Pneumonoeces asper im frischen Präparat bezeichnet werden müssen.
Auf Grund dieser Tatsachen hat sich mir schon früh die Vermutung
aufgedrängt, es möchte diese Abbildung vielleicht doch als eine kom-
binierte aufzufassen sein, in der aus irgendwelchen Ursachen bei der
Herstellung Charakteristika von Pneumonoeces asper und Pneumonoeces
similis gemeinsam dargestellt worden sind. Es dürfte dies übrigens
kaum verwunderlich erscheinen, wenn man daran denkt, daß zur Zeit
der Herausgabe jener Arbeit die Arten ja tatsächlich noch nicht
getrennt waren, und Looss noch die Überzeugung hegte, daß eine
Konstanz der Differenzen nicht nachweisbar sei.
Bei der Wichtigkeit, welche diese bisher einzig brauchbaren Ab-
bildungen für die Kenntnis unserer einheimischen Trematodenfauna
besaßen, habe ich es für nötig gehalten, auf diese Umstände hier aus-
drücklich aufmerksam zu machen. Looss hat zwar später die be-
treffenden Kennzeichen mit Ausnahme des Verhaltens der Exkretions-
blase in richtiger Weise auf die Spezies gruppiert. Aber noch in der
systematischen Bearbeitung der Süßwassertrematoden vom Jahre 1909
in der Brauerschen Süßwasserfauna (29) geht die dort gegebene
Abbildung von Pneumonoeces similis auf jenes Bild von 1894 zurück,
das, wie wir gesehen haben, sicher nicht als einheitlich von Pneumonoeces
similis hergenommen betrachtet werden darf. (Das Mißgeschick,
welches diese Abbildung zu verfolgen scheint, ist ihr auch hier insofern
nicht untreu geworden, als sie in der Unterschrift verschentlich als
Pneumonoeces variegatus bezeichnet wird.)
%. Die Genitalorgane.
Ich komme nunmehr zu der Besprechung der Genitalorgane, die,
in einigen Punkten wenigstens, wieder Verhältnisse aufweisen, die für
Pneumonoeces asper im speziellen charakteristisch sind.
Was zunächst die Keimdrüsen anbetrifft, so stimmt Pneumonoeces
asper in deren Zahl und Anordung mit den beiden anderen Arten,
in den allgemeinen Verhältnissen mit der Loossschen Beschreibung
von Distomum variegatum vollkommen überein. In ihrer Form
können sie zur Abgrenzung der Art insofern beitragen, als sie im
wesentlichen die gleichen Formenverhältnisse, wie die von Pneumonoeces
similis zeigen, und sich dadurch mit diesen zusammen von denen des
Pneumonoeces variegatus unterscheiden.
Es ist in der neueren Systematik Pneumonoeces similis von
Pneumonceces variegatus nicht nur auf Grund seiner Bestachelung
und abweichenden Gestalt abgegrenzt worden, sondern es wurde
auch darauf hingewiesen, daß sich bei dieser Form niemals der länglich
48 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
gestreckte Keimstock und die seitlich gekerbten Hoden finden, wie
wir sie bei ganz erwachsenen Exemplaren von Pneumonoeces variegatus
in den meisten Fällen antreffen. Die gleiche Abgrenzung gegen varie-
gatus ist auch bei Pneumonoeces asper anzuwenden. Sogar, wie mir
scheinen wollte, noch auffälliger als bei Pneumonoeces similis finden
wir bei Pneumonoeces asper auch an völlig erwachsenen Tieren stets
die Keimdrüsen in sehr schön regelmäßiger, ganz glattrandiger Rundung,
den Keimstock fast regulär kugelig, die Hoden als schöne Eilipsoide. Die
Lage der Organe im Körper ist, wie schon von Looss (16, 8.76)
angegeben wird, nicht ganz konstant, doch glaube ich auf Grund
meines zahlreichen Materials eine gewisse Regelmäßigkeit in ihrer
Lagerung konstatieren zu können.
Bei der großen Mehrzahl der von mir untersuchten Tiere lag
nämlich der Keimstock rechts vom Bauchsaugnapf, also von der
Medianlinie des Körpers — im Sinne des Tieres gesprochen —, und
ebenso war der rechte Hoden der mehr dem Hinterende genäherte.
Es waren freilich hier und da Ausnahmen zu konstatieren, auf die
bei Pneumonoeces variegatus auch schon von Cohn (20) hingewiesen
worden ist. Dennoch wies ein so großer Prozentsatz meiner Präparate
übereinstimmend die geschilderte Lagerung auf, daß ich wenigstens
für Pneumonoeces asper dies Verhalten als das normale anzusehen
geneigt bin.
Mehr wesentliche Punkte zur Charakteristik von Pneumonoeces
asper gegenüber den anderen Arten liefert uns das dritte Element der
Keimdrüsen, nämlich die Dotterstöcke. Looss hat bei der Arten-
aufstellung (18) angegeben, daß seine beiden Exemplare von Pneu-
monoeces asper sich von Pneumonoeces similis außer durch die Spitzen-
cutieula noch dadurch unterschieden, daß die Dotterstöcke ziemlich
bis in das hintere Körperende reichten. Dies ist, wie sich mir beim
Vergleich mit meinem Material ergab, in der Tat ein gutes Kennzeichen
der Art, das auch noch bei Exemplaren mit zerstörter Cutieula, wie
man sie unter Totaldauerpräparaten zuweilen antrifft, in Verbindung
mit der Eiform ein sicheres Erkennen der Species ermöglicht. Aber
auch gegenüber Pneumonoeces variegatus weisen die Dotterstöcke von
Pneumonoeces asper einen konstanten Unterschied auf, der meines
Wissens weder von Loos, noch von späteren Autoren hervorgehoben
worden ist, obwohl er speziell bei jüngeren Exemplaren beider Arten
zum richtigen Erkennen mit Nutzen herangezogen werden kann. Es
ist dies die Form der Follikel und der Follikelgruppen. Looss
beschreibt die Dotterstöcke des Distomum variegatum als typisch
bäumehen- oder traubenförmige Drüsen, ohne bestimmte Formen-
unterschiede anzugeben, obwohl er die im folgenden besprochenen
Verhältnisse ebenfalls schon beobachtet hat, wie aus seinen Abbildungen
zu ersehen ist. Betrachtet man nämlich gut gefärbte Totalpräparate
von Pneumonoeces variegatus in einem beliebigen Altersstadium,
wofern nur die Dotterstöcke bereits ausgebildet sind, so wird man
inne, daß die durch den ganzen Körper bis zum Hinterende verbreiteten
Dotterstocksfollikel eine sehr auffallende und durchaus konstante
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 49
Art der Gruppierung zeigen. Sie stehen nämlich in der von Looss
angegebenen Zahl von zehn bis zwölf Gruppen jederseits um je ein
eigenes, zum zugehörigen Dotterlängskanal abgehendes Stämmchen,
und zwar bilden die einzelnen Follikel um die Enden dieser Stämmchen
ziemlich geschlossene Döldchen von 6 bis 18 Stück, die im Quetsch-
präparat das Aussehen recht regelmäßiger kleiner Rosetten annehmen.
Diese wegen ihrer starken Färbbarkeit sogleich ins Auge fallenden
Follikelrosetten sind für Pneumonoeces variegatus typisch.
Hat man dagegen ein Exemplar von Pneumonoeces asper vor sich,
so ist zu bemerken, daß einmal die einzelnen Dotterstocksfollikel
trotz der geringeren Durchschnittsgröße des Pneumonoeces asper
nicht unwesentlich größer erscheinen, als bei Pneumonoeces variegatus.
Ferner aber wird man bei Pneumonoeces asper niemals jene typische
Rosettenform des Pneumonoeces variegatus entdecken können. Die
Follikel liegen vielmehr hier stets in größeren und kleineren Gruppen,
teile mehr bündelweise vereint, teils selbst isoliert, jedenfalls gänzlich
unregelmäßig in den Körperseiten verteilt. Auch die Stielchen, welche
die größeren Trauben mit den seitlichen Längskanälchen verbinden,
sind keineswegs regelmäßig ausgebildet und angeordnet. Es hat selbst
des öfteren den Anschein, als seien solche gemeinsamen Längsstämme
gar nicht vorhanden, und als liefen die von den einzelnen Follikel-
haufen abgehenden Gänge direkt zu den ins Ootyp führenden queren
Dotterwegen jeder Seite zusammen.
Diese verschiedenen Charaktere, an sich geringfügig, bewirken
nun dennoch in ihrer Gesamtheit, daß dem Beobachter bei einer ver-
gleichenden Betrachtung der Formen jedesmal ein Gesamtbild von
durchaus erkennbarer, spezifischer und konstanter Verschiedenheit
dargeboten wird, so daß es bei einiger Übung möglich ist, gleich große
Individuen der Arten schon bei schwachen Vergrößerungen allein
an diesem Bilde der Dotterstocksanlagen voneinander zu unterscheiden.
Einen Übergang dieser Ausbildungsformen ineinander habe ich niemals
nachweisen können. Was Pneumonoeces similis anbetrifft, der ja
von vornherein an der geringeren Ausdehnung seiner Dotterstocks-
anlage, die nach hinten nicht über die Hoden hinausreicht, kenntlich
ist, so hält er in der Form der Einzelteile des Organs zwischen den
beiden anderen Arten etwa die Mitte, insofern als die einzelnen Follikel
zwar nicht die durchschnittliche Größe derer des Pneumonoeces asper
zu erreichen pflegen, sondern sich mehr denen des Pneumonoeces
variegatus nähern; in der Gruppierung aber zeigt auch diese Form
mehr die unregelmäßige Verteilung der Follikelgruppen, wie sie bei
Pneumonoeces asper zu sehen war.
Was den anatomischen Bau der Ausfuhrwege von beiderlei Keim-
drüsen anlangt, so hat mir meine Untersuchung von Pneumonoeces
asper neue und von den Gattungsverwandten abweichende Ergebnisse
nicht geliefert. Lo o s s hat speziell diese Teile an Distomum variegatum
in außerordentlich eingehender Weise am lebenden Präparat untersucht,
und ich habe nur bestätigen können, daß die von ihm konstatierten
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 4. Suppl. 4
50 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
Tatsachen sämtlich auch für Pneumonoeces asper im speziellen
Gültigkeit besitzen.
Wir finden also bei Pneumonoeces asper ebenso, wie bei seinen
Gattungsverwandten, vom Keimstock ausgehend, einen kurzen Keim-
gang, der an Stelle des Laurerschen Kanals mit einem umfangreichen,
den Keimstock an Größe meist übertreffenden Receptaculum seminis
in Verbindung steht, über dessen physiologische Bedeutung die von
Looss entwickelte Ansicht (16, S. 78) bisher unwidersprochen
geblieben ist. Hinter der Einmündung dieses Receptaculum seminis
und der benachbarten des Dotterganges treffen wir alsbald den Ootyp
inmitten des umfangreichen Schalendrüsenkomplexes, worauf der
Keimgang, nunmehr als Uterus zu bezeichnen, seinen für alle Pneu-
monoeciden charakteristischen Verlauf im Körper nimmt. Der Uterus
zieht nämlich nach hinten, um dann, gewöhnlich erst auf der linken,
dann auf der rechten Körperseite eine zwischen Darm und Leibeswand
bis zur Höhe des Bauchsaugnapfes reichende gestreckte Schlinge zu
bilden, und erst darauf median den ganzen Körper durchsetzend in
vielen Schlingen zu seiner unmittelbar unter dem Pharynx gelegenen
Ausmündungsstelle zu führen.
Looss gibt bei seiner Beschreibung des Verlaufes an, daß ‚bei
alten und jüngeren Tieren der Verlauf ganz derselbe“ sei. An einer
späteren Stelle fügt er in einigem Widerspruch mit der früheren Angabe
hinzu, daß ‚‚der Uterus, der ursprünglich (bei jungen Individuen) nur
in gerader Linie in das Hinterende und von da direkt nach vorn zurück
verlief‘ allmählich die seitlichen Schlingen bekommt, „die zuerst
nur kurz, später an Ausdehnung zunehmen, ohne daß zunächst schon
Eier zur Füllung vorhanden wären“.
Ich habe diese Präformation des Uterusverlaufes bei Pneumonoeces
asper wenigstens allerdings nicht bestätigt gefunden, vielmehr stets
den Eindruck gewonnen, daß die Ausbildung der seitlichen Schleifen
erst erfolgt infolge und auf Grund der zunehmenden Füllung mit
Eiern, resp. jenen Konglomeraten von Dotter und Schalensubstanz,
die vor der Befruchtung produziert und von L o 0 s s nicht unzutreffend
als „verunglückte Eier‘ bezeichnet werden. Jedenfalls kann ich mich
nicht erinnern, jemals einen Fall gefunden zu haben, in dem der Uterus
bei erkennbar ausgebildeten Schleifen wirklich leer gewesen sei. Bei
befruchteten Individuen in voller Eiproduktion läßt sich je nach dem
Alter eine sehr verschiedene Ausbildung der Uterusschleifen kon-
statieren, so daß die zuerst zitierte Angabe, daß nämlich der Verlauf
'bei jungen und alten Tieren ganz derselbe sei, mindestens als leicht
mißverständlich bezeichnet werden darf.
Als männliche Leitungswege finden wir bei Pneumonoeces asper
ebenfalls der Beschreibung der Gattungsverwandten entsprechend,
zwei von den Hoden ausgehende Samenleiter, die sich etwas oberhalb
des Bauchsaugnapfes zur Vesicula seminalis vereinigen. Diese verläuft,
in ihrem Cirrusbeutel eingeschlossen, sanft geschlängelt mit dem
aufsteigenden Uterusast zusammen nach dem Vorderende, um, mit
Pars prostatica und Ductus ejaculatorius versehen, neben dem Uterus
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 51
in das gemeinsame Genitalatrium auszumünden. Die anatomischen
Besonderheiten stimmen mit den Loossschen Angaben und Ab-
bildungen bei Distomum variegatum überein und sind in dessen genauer
Beschreibung (16) einzusehen. Auf Einzelheiten im geweblichen
Aufbau der Genitalorgane werde ich im histologischen Teil noch des
näheren eingehen, da hier die von Lo o ss absichtlich nicht angewandte
Schnittmethode in manchen Punkten die Beobachtung am lebenden
Objekt zu ergänzen geeignet erscheint.
8. Die Eier.
Zu den morphologischen Charakteren, die eine sichere Abgrenzung
des Pneumonoeces asper von den anderen Pneumonoeciden ermöglichen,
gehört endlich und hauptsächlich auch die Gestalt der Eier. Diese
sind nicht nur im reifen Zustande beträchtlich viel dunkler gefärbt
als diejenigen von Pneumonoeces variegatus und Pneumonoeces
similis, sondern übertreffen auch an Größe die Eier jener beiden Arten
ungefähr um das Doppelte. Dieser Umstand war einer von denen,
die späterhin Lo0ss hauptsächlich bewogen haben, seine Exemplare
von Pneumonoeces asper als Typen einer Species zu betrachten. Auf
die von ihm nicht berücksichtigte Tatsache, daß auch der in diesen
großen Eiern enthaltene Embryo von dem der anderen Arten in seinem
Bau Abweichungen zeigt, werde ich noch bei der Besprechung der
Embryologie von Pneumonoeces asper im speziellen zurückkommen.
V. Das Verhältnis von Pneumonoeces asper
zu Pneumonoeces schulzei (Wundsch) nova species.
An dieser Stelle sehe ich mich genötigt, noch auf eine Entdeckung
einzugehen, die ich im Verlauf meiner Untersuchungen im März 1911
machte, und die geeignet erscheint, auf einige Angaben der ersten
Loossschen Arbsit ein neues Licht zu werfen. Looss betont bei
der Besprechung der verschiedenen Eiformen von Distomum varie-
gatum ausdrücklich, daß diese Differenzen nicht als spezifisch zu deuten
seien, da sie nicht in konstanter jeweiliger Verbindung mit einer der
verschiedenen Cutieula-Formen gefunden würden. Diese Ansicht
ist zwar bei der späteren Artenaufstellung ausdrücklich von Looss
widerrufen worden (18), nichtsdestoweniger aber mußte es unerklärlich
erscheinen, daß ein Beobachter wie Looss sich beim Vergleich des
frischen Materials in diesen unschwer zu übersehenden Verhältnissen
getäuscht haben sollte, zumal wenn man in Betracht zieht, daß die
Artenaufstellung in Ägypten an konservierten Stücken von beschränkter
Anzahl ohne die Möglichkeit einer Nachprüfung stattgefunden hat.
Ich habe nun eine Feststellung machen können, durch die der
eben erwähnte Widerspruch in einer unerwarteten Weise gelöst und
in seiner Entstehung erklärt erscheint. Es gibt nämlich tatsächlich
eine Form von Pneumonoeces, die typisch und unverkennbar jene
Beschaffenheit der Cuticula aufweist, wie sie der Species asper eigen
4*
592 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
ist, die in Form und Größe der Eier aber wieder mit Pneumonoeces
similis und Pneumonoeces variegatus übereinstimmt und außerdem
in erwachsenem Zustande den Pneumonoeces asper an Größe gut um
das Doppelte übertrifft. Ich erhielt diese Form zunächst in drei großen,
wohl erwachsenen Exemplaren aus einem Stück von Rana esculenta
var. ridibunda aus dem Karutzsee bei Erkner und später noch einmal
in vier Exemplaren ebenfalls aus var. ridibunda aus der Umgebung
von Köpenick. Diese Stücke stimmen untereinander in ihren Merk-
malen völlig überein, weichen jedoch in der Gesamtheit ihrer Charaktere
sowohl von Pneumonoeces asper, wie auch von Pneumonoeces variegatus
und Pneumonoeces similis derart wohl erkennbar ab, daß es, nach dem
Vorgange vonLo0ss , geboten erscheint, auch diese Form der Gattung
Pneumonoeces zur selbständigen Art zu erheben.
Ich möchte diese meines Wissens bisher noch nicht beobachtete
Species dem hochverehrten Leiter unseres Berliner Zoologischen
Instituts, an dem ich die vorliegende Arbeit vollenden konnte, Herrn
Geheimrat Prof. Dr. F. E. Schulze widmen und als Pneumonoeces
schulzei Wundsch an dieser Stelle als Nova species in die Systematik
einführen.
Die Diagnose dieser Art muß lauten: Körperform oblong; nach
vorn nicht verschmälert; Vorder- und Hinterende fast gleichmäßig
abgerundet; 15 bis 18 mm lang; Bestachelung in Form zahlloser, ober-
flächlich aufsitzender, sehr feiner und nach hinten umgelegter Spitzchen,
das Lumen der Saugnäpfe mitüberziehend; Mund- und Bauchsaugnapf
relativ größer, als bei den anderen Pneumonoeciden; Schenkel der
Exkretionsblase deutlich über den Bauchsaugnapf verlängert, doch
nicht bis zur Darmgabelung reichend; Dotterstöcke unterhalb der
Darmgabelung beginnend und fast bis ins Hinterende sich erstreckend;
Follikelgruppen in Form typischer Rosetten mit eigenen Stämmchen
an Längskanälen; Keimstock rund; auf- und absteigender Uterus-
schenkel stark gewunden; Hoden oval, glattrandig; Eier 0,025 bis
0,027 mm lang, dunkelbraun.
Die Form steht also etwa in der Mitte zwischen Pneumonoeces
variegatus und asper, ist jedoch von ersterem durch die Spitzencuticula,
von letzterem durch die Kleinheit der Eier und die Form der Dotter-
stöcke und der Exkretionsklase, außerdem noch von beiden durch die
abweichende Körpergestalt und die relativ größeren Saugnäpfe hin-
länglich spezifisch verschieden, so daß die Erhebung zur Species
durchaus als gerechtfertigt erscheinen dürfte.
VI. Ausführliche Bestimmungstabelle der miittel-
europäischen Species von Pneumonoeces.
Bevor ich nunmehr zur Schilderung des geweblichen Aufbaues von
Pneumonoeces asper im Speziellen übergehe, erscheint es mir noch
als zweckmäßig, auf Grund der von mir neu betonten Unterscheidungs-
merkmale im Verein mit den schon bekannten und mit Hinzuziehung
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 53
der neugeschaffenen Species eine vervollständigte Bestimmungstafel
der bisher aus Mitteleuropa bekannten Arten hier einzuschalten.
1. Pneumonoeces variegatus Rudolphi: Haut
glatt; Vorderende deutlich verschmälert; 7—18 mm lang Exkretions-
blasenschenkel nicht über den Bauchsaugnapf hinausreichend; Keim-
stock längsgestreckt; Hoden an den Rändern gebuchtet; Dotterstock
bis in das hintere Körperende reichend; Follikelgruppen typisch
rosettenförmig; Eier 0,025 bis 0,032 mm lang, 0,012 bis 0,019 mm
breit; sehr häufig.
2. Pneumonoeces similis Looss: Haut bestachelt;
Körpergestalt gleichmäßig oval; 7 bis 10 mm lang; doppelte Längs-
und Ringmuskelschicht; Exkretionsblasenschenkel nicht über den
Bauchsaugnapf hinausreichend; Keimstock rund; Hoden glattrandig,
oval; Dotterstock nicht über die Hoden hinausreichend; Follikel-
gruppen unregelmäßig traubig; Eier 0,0336 bis 0,042 mm lang, 0,016
bis 0,021 mm breit; in Ostdeutschland häufig.
3. Pneumonoeces asper Looss: Haut mit Spitzchen-
besatz; Körpergestalt gleichmäßig oval; 7 bis 10 mm lang; Exkretions-
blasenschenkel bis zur Höhe des Pharynx verlängert; Keimstock
rund; Hoden glattrandig, oval; Follikelgruppen unregelmäßig traubig;
Dotterstöcke bis in das Hinterende reichend; Eier 0,0448 bis 0,048 mm
lang, 0,029 mm breit.
4. Pneumonoeces schulzei Wundsch: Haut mit
Spitzehenbesatz; Körpergestalt gleichmäßig oblong; 15 bis 18mm
lang; Exkretionsblasenschenkel deutlich bis über den Bauchsaugnapf
hinausreichend; Saugnäpfe relativ groß; Keimstock rund; Hoden
glattrandig, oval; Dotterstock bis in das Hinterende reichend; Follikel-
gruppen typisch rosettenförmig; Eier 0,0256 bis 0,0272 mm lang,
0,019 mm breit.
Ich habe es bei dieser Gelegenheit für nötig gehalten, in der Diagnose
von Pneumonoeces similis auch ein Kennzeichen anzugeben, welches
für gewöhnlich nur im Schnitt erkennbar ist: die doppelte Lage der
Ring- und Längsmuskulatur nämlich. Die Tatsache, daß sich bei
Pneumonoeces similis in einiger Entfernung unter dem eigentlichen
Hautmuskelschlauch eine dünne, doch wohl erkennbare zweite Längs-
und Ringmuskellage hinzieht, ist bereits von Looss (16, Taf. VII,
Fig. 136) richtig dargestellt worden. Doch geht aus der Erwähnung
nicht hervor, daß er diese Erscheinung als für die bestachelte Form
spezifisch erkannte. Bei der Artenaufstellung kommt er auf diese
Verhältnisse nicht weiter zu sprechen, und auch in den neueren
Systematiken finde ich bezüglich dieses Punktes nichts angegeben.
Tatsächlich ist diese zweite Muskellage für Pneumonoeces similis
jedoch ein gutes, stets nachweisbares Charakteristikum, das sich
bei keiner der anderen Formen wiederfindet.
54 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
VII. Histologie.
1. Vorbemerkung.
Der eigenartige gewebliche Aufbau unserer parasitischen Platt-
würmer hat in den letzten Jahrzehnten den Anlaß zu einer größeren
Anzahl von Spezialuntersuchungen verschiedener Forscher gegeben.
Diese Arbeiten haben einerseits den Erfolg gehabt, daß wir über die
wesentlichsten prinzipiellen Fragen auf diesem Gebiete heute ziemlich
eingehend orientiert sind, andererseits hat sich zugleich ergeben, daß
speziell unter den Trematoden in histologischer Beziehung eine ver-
hältnismäßig große Einheitlichkeit zu finden ist, die wesentliche
histologische und cytologische Neuentdeckungen bei der Untersuchung
einer Durchschnittsform von vornherein nicht erwarten läßt. Es kann
daher nicht die Aufgabe der vorliegenden Arbeit sein, eine umfassende
Darstellung der Histologie des behandelten Objekts zu liefern, da diese
eben in der Hauptsache auf eine Repetition bekannter Tatsachen
hinauslaufen würde. Indem ich daher meinen von Anfang an verfolgten
Zweck von neuem ins Auge fasse, nämlich ein möglichst klares Gesamt-
bild einer bisher als solcher fast unbekannten Species zu entwerfen,
ergibt sich die notwendige Beschränkung, nur denjenigen Punkten
der Histologie von Pneumonoeces asper eine genauere Darstellung
zu widmen, durch die dieser Parasit entweder sich von verwandten
Formen spezifisch unterscheidet, oder durch die er geeignet erscheint,
an anderen Formen gewonnene prinzipielle Ergebnisse auch seinerseits
nutzbringend zu erhärten.
2%. Die Körperbedeckung.
Bei der geweblichen Untersuchung von Pneumonoeces asper
wird die Aufmerksamkeit des Beobachters zunächst von der eigen-
tümlichen Beschaffenheit der äußeren Cuticulaschicht in Anspruch
genommen. Diese weist eine Ausbildung auf, welcher der in Frage
stehende Parasit nicht nur seinen Speciesnamen verdankt, sondern
die ihm und seinem schon erwähnten Verwandten Pneumonoeces
schulzei eine exzeptionelle Stellung innerhalb der ganzen Ordnung
verschafft.
Es handelt sich um jene eigenartige ‚„Spitzchencuticula“, die
schon Lo 0ss als eine besonders eigentümliche Erscheinung aufgefallen
ist. Wir wissen, daß unter den Trematoden Stacheleinlagerungen
der Cuticula zu den allgemein verbreiteten Eigentümlichkeiten gehören.
Während aber bei den meisten anderen Gliedern der Ordnung das
Stachelkleid, wenn überhaupt vorhanden, sehr ausgepräst und schon
mit schwächeren Systemen gut zu erkennen ist, auch eine regelmäßige
Anordnung in queren Ringen um die Längsachse des Körpers auf-
zuweisen pflegt, wobei die Stachelindividuen auf der Fläche hinter-
einander in sogenannter Quincunxstellung angeordnet sind, weist die
Bestachelung von Pneumonoeces asper ganz andere Verhältnisse auf.
Zunächst ist mit schwächeren Systemen von einer Differenzierung
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 55
der äußeren Cuticulaschicht überhaupt nichts zu entdecken, und erst
bei Anwendung von Zeiß E gewahrt man, daß es sich nicht, wie bei
Pneumonoeces variegatus, um eine völlig glatte Cuticula handelt.
Bei Anwendung von Immersionen erhält man endlich das von Looss
beschriebene Bild, demzufolge die Oberfläche der Cuticula in „zahllose,
äußerst feine und nach hinten umgelegte Spitzchen ausgezogen ist“.
Looss findet für diesen Anblick den äußerst zutreffenden Vergleich
mit einer „dicht mit Papilli filiformes besetzten Säugetierzunge“.
Leider kommt Looss gelegentlich der vergleichenden Besprechung
der Organsysteme bei den von ihm untersuchten Formen auf diese
interessante Bildung nicht wieder zurück, sondern begnügt sich, an
der vorhin zitierten Stelle, mit der Bemerkung, daß die fraglichen
Spitzchen „augenscheinlich nur Fortsätze der Haut‘ seien. Es scheint
also, daß er sie nicht als homolog den Stacheln der anderen Formen
betrachtet hat, eine Auffassung, die auch in die neueren Definitionen
der Species übergegangen ist, da es z. B. in der „Süßwasserfauna“
(29) von Pneumonoeces asper heißt, die Haut sei „oberflächlich in
Spitzchen ausgezogen“.
Nach meinen Erfahrungen läßt sich diese Angabe jedoch nicht
rechtfertigen, und zwar glaube ich mich zu einer gegenteiligen Ansicht
durch das färberische Verhalten der Spitzchen berechtigt. Wendet
man nämlich auf einen Schnitt durch eine typisch bestachelte Form,
wie Pneumonoeces similis, die von mir benutzte Eosin-Wasserblau-
Färbung an, so fällt auf, daß die großen, mit ihrer Basis die Cutieula
zur Hälfte durchsetzenden Stacheln dieses Wurmes ausgeprägt eosinophil
reagieren. Sie heben sich in ihrer gesamten Ausdehnung durch leuchtend
rote Farbe scharf von der sich tief blau färbenden Cuticula ab. Es ist
also die von der Cuticula abstammende Substanz dieser Stacheln
in einer spezifischen Weise verändert worden, so daß auf Grund der
beschriebenen Färbung eine scharfe Scheidung zwischen Stacheln
und Cutieulasubstanz möglich ist. Wendet man das gleiche Verfahren
auf Schnitte durch Pneumonoeces asper an, so zeigt sich, daß die
Cuticulaspitzchen in ihrem Verhalten genau den echten Stacheln ent-
sprechen, d. h., sie färben sich in ganzer Länge distinkt rot, im Gegen-
satz zu der unterliegenden Cuticula, die blau bleibt. Es handelt sich
dabei nicht etwa um einen bloßen Erhärtungsvorgang der alleräußersten
Cuticulaschicht; denn bei Schnitten durch Pneumonoeces variegatus
zeigt es sich, daß auch die äußerste Grenze der Cutieula, die bei dieser
Form vollständig glatt bleibt, keine färberische Differenzierung er-
kennen läßt. Es scheint zwar zunächst bei Pneumonoeces asper gegen-
über den echten Stacheln die Besonderheit bestehen zu bleiben, daß
die Spitzchen nicht in die Cuticula eingesenkt sind, sondern ihr auf-
sitzen. Bei Beobachtung geeigneter Stellen des Präparates läßt sich
jedoch feststellen, daß eine, obwohl nur schwache Einsenkung mit dem
unteren abgerundeten Ende in die Oberfläche der Cuticula tatsächlich
vorhanden ist. Ferner setzt die Eosinfärbung an dieser abgerundeten
Basis stets scharf ab, und auch die geringe Strecke der Hautoberfläche,
welche sich zwischen je zwei Spitzchen befindet, behält ihre reine Blau-
56 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
färbung, ohne nach der Außenfläche oder den Stacheln hin einen all-
mählichen Übergang zur roten Farbe zu zeigen.
Auf Grund dieser Beobachtungen möchte ich die Ansicht ver-
treten, daß Pneumonoeces asper und Pneumonoeces schulzei doch in
der Ausbildung ihrer Hautbestachelung den Formen mit echtem
Stachelkleide zuzuzählen sind. Ihre cutieularen Spitzchen entsprechen
in jeder Hinsicht den gewöhnlichen Trematodenstacheln. Was die
Maßverhältnisse der Gebilde anbetrifft, so habe ich als Länge der
Spitzchen durchschnittlich 0,0051 mm ermittelt. Die Dicke an der
Basis beträgt etwa 0,0017 mm, jedenfalls nicht mehr, die Zwischen-
räume zwischen den einzelnen Stacheln sind unmerklich größer als
deren Durchmesser. Der Querschnitt ist drehrund, die Anordnung
regellos, ohne irgendwelche erkennbare Reihen- oder Gruppenbildung,
die Verteilung absolut gleichmäßig über die gesamte Körperoberfläche
hin, so daß man bei flächenhaften Anschnitten der Haut das Bild
einer unregelmäßig fein punktierten Fläche erhält.
Was nun die Besonderheiten in der Ausbildung des Stachelkleides
bei den beiden erwähnten Formen anbetrifft, die ja in dieser Beziehung
unter den bekannten Distomen eine einzigartige Stellung einnehmen,
so dürfte man wohl versucht sein, diese auf die gegenwärtigen Lebens-
verhältnisse der beiden Arten zurückzuführen.
Es ist wohl als sicher anzunehmen, daß die Lunge der Batrachier
nicht der ursprüngliche Wohnort der gegenwärtig diesen Hohlraum
bewohnenden Trematodenarten gewesen ist. Der durch Ssinitzin
(25) festgestellte Übertragungsmodus durch die Nahrungsaufnahme
von Rana esculenta läßt vielmehr darauf schließen, daß wir es hier
mit ursprünglich Darm oder Magen bewohnenden Formen zu tun haben,
die erst sekundär ihren Wohnsitz in den Lungen ihres Wirtstieres
suchten, eine Wanderung, welche die Jugendformen ja bei jeder Neu-
infektion des Wirtes noch heute immer wieder aktiv anzutreten ge-
zwungen sind.
Ich habe nun bei der Besprechung der anatomischen Verhältnisse
der Saugnäpfe die Annahme zu begründen versucht, daß die starke
Entwicklung des Mundsaugnapfes eine Folge des veränderten Domizils
mit den neuen Bedingungen der Nahrungsaufnahme gewesen sein
könne. Falls dies zutrifft, so hätten wir uns in den ursprünglichen
Darm bewohnenden Pneumonoeciden Formen mit verhältnismäßig
schwach entwickelten Saugnäpfen vorzustellen, bei denen also zufolge
der von L o o s s festgestellten allgemeinen Korrelation eine ausgebildete
Bestachelung anzunehmen gewesen wäre. Die bei Pneumonoeces
asper und Pneumonoeces schulzei, sowie in etwas anderer Form bei
Pneumonoeces similis vorliegende Verhältnisse scheinen mir nun
dafür zu sprechen, daß wir es in Beziehung auf das Stachelkleid mit
Rückbildung, resp. unterdrückter Ausbildung ehemals entwickelter
Anlagen zu tun haben.
Am auffälligsten tritt dies bei Pneumonoeces similis hervor,
dessen Stachelkleid auf jeden, der an den sauberen Anblick der Körper-
oberfläche bei bestachelten Darmtrematoden gewöhnt ist, einen,
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 57
ich möchte sagen, ruinenhaften Eindruck machen muß. Es findet
sich hier eine besonders auffallende Erscheinung, die bereits von
Looss beobachtet und in anderem Zusammenhange besprochen
worden ist: Die Stacheln des Pneumonoeces similis durchsetzen nämlich
beim erwachsenen Tiere die Cuticula nur bis zur Hälfte, d. h. ihre Basis
fällt nicht, wie bei den anderen Formen, mit derjenigen der Cuticula
zusammen, sondern ‚,‚es zieht sich unter ihnen noch eine Schicht Haut-
substanz hin, die nicht von ihnen durchsetzt ist. Bei jungen Tieren
fehlt diese Schicht“. Looss gebraucht diese Erscheinung zum Beweise
des nachträglichen Diekenwachstums der Haut und kommt in bezug
auf das Einzelindividuum zu der Annahme, daß die basale stachellose
Hautlage ‚später zu der ehemals vorhandenen hinzukam“. Ich möchte
nun im Zusammenhang mit den vorhin begründeten Schlüssen meiner-
seits die Annahme vertreten, daß der zitierte Satz von Looss auch
auf die Entwicklung der Art als solcher anzuwenden sein dürfte, d. h.
das ehemals normale Stachelkleid des Pneumonoeces similis, das bei
der Jugendform noch regelrecht angelegt ist (wie Ssinitzin nach-
weist), macht seit dem Wohnungswechsel seines Trägers die Ent-
wicklung der Haut nicht mehr, wie bei den Darmformen,
korrespondierend mit, da es seinem Inhaber unter den veränderten
Lebensbedingungen an seinem neuen Wohnort nicht mehr von
wesentlichem Nutzen sein konnte.
Auch die von Looss hervorgehobene außerordentlich leichte
Zerstörbarkeit der Stacheln bei Pneumonoeces similis scheint mir
dafür zu sprechen, daß das Stachelkleid dieses Wurmes sich auf dem
Wege zum gänzlichen Untergange befindet.
Nicht ganz dem entsprechend und doch in der Hauptsache als
analog müssen nun die Verhältnisse bei Pneumonoeces asper, wie ich
glaube, beurteilt werden. Auch hier nimmt ja beim Individuum das
Stachelkleid an der Entwieklung der Haut nicht merklich teil, sondern
verharrt auf jener Ausbildungsstufe, die es bei jungen und jüngsten
Tieren bereits aufweist. Im Gegensatz zu Pneumonoeces similis macht
jedoch die Hautbekleidung bei den beiden Arten mit Spitzchenceuticula
gar nicht den Eindruck der Reduktion, erweist sich auch lange nicht
in dem Maße als hinfällig, wie bei jenem. Fand sich doch bei Individuen,
die ich 36 Stunden lang in Normalsalzwasser gehalten hatte, der
Spitzchenbesatz fast unversehrt vor. Eine andere Erscheinung dagegen
bietet hier die Handhabe zur Deutung der Verhältnisse, die Tatsache
nämlich, die auch“von Looss bereits deskriptiv erwähnt wird,
daß der Spitzchenbesatz die Lumina von Mund- und Bauchsaugnapf
unverändert überzieht, ein Verhalten, welches erwachsene, Stachel
tragende Formen im allgemeinen nicht aufzuweisen pflegen. Für
Prosotocus confusus und Asymphylodora tincae gibt Looss die
gleiche Erscheinung für jugendliche Individuen an.
Ich möchte daher auf Grund dieser Verhältnisse das Stachelkleid
von Pneumonoeces asper und Pneumonoeces schulzei in seiner heutigen
Ausbildung nicht für ein Reduktionsphänomen, sondern für eine
konservierte Jugendanlage halten, die das Tier an seinem neuen Auf-
58 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
enthaltsort nicht mehr weiter zu entwickeln nötig hatte, die es aber
als mindestens indifferent auch nicht aufzugeben gezwungen war.
Jedenfalls spricht die innere Spitzchenauskleidung der Saugnäpfe,
welche mit deren eigentlicher Funktion als Haftorgane in einigem Wider-
spruch steht, dafür, daß bei etwaigen darmbewohnenden Vorfahren,
bei denen die Haftfunktion eine wesentliche Rolle spielen mußte,
die endliche Ausbildung des Stachelkleides eine andersartige gewesen
sei. Für die Annahme einer sekundären Bildung nach Einwanderung
in die Lunge liegt gar kein Grund vor, da wir ja sehen, daß Pneumo-
noeces varlegatus mit völlig glatter Haut an demselben Wohnsitz
vorzüglich zu existieren vermag.
Was diesen letzten Vertreter endlich anbetrifft, so ist er wohl
als das am weitesten entwickelte Glied der Gattung unter den mittel-
europäischen Formen anzusehen. Dafür spricht neben der großen
Häufigkeit des Vorkommens meiner Meinung nach vor allem die
weitgehende Ausschaltung des Hinterleibes aus dem Bereich der ani-
malen Funktionen. Tatsächlich erscheint bei älteren erwachsenen
Individuen dieser Species der sehr umfangreiche, vom Vorderkörper
deutlich abgesetzte Hinterleib als reines Genitalreservoir und fast
bewegungsunfähig, eine Ausbildung, die wohl nur durch die Annahme
einer längeren Anpassung an einen so sicheren und verhältnismäßig
ruhigen Aufenthaltsort, wie ihn die Lunge der Batrachier bildet,
erklärt werden kann. Jedenfalls erscheint eine so große Passivität
der hinteren Leibeshälfte mit dem Leben eines Darmtrematoden
schlecht vereinbar und wird auch tatsächlich unter diesen Formen
nicht angetroffen. Ob auch Pneumonoeces variegatus eine bewaffnete
Cuticula aufgewiesen hat, muß natürlich dahingestellt bleiben. Leider
ist es mir bisher nicht möglich gewesen, Cercarien dieser und der
anderen Arten zu erhalten; vielleicht könnte die Entwicklungsgeschichte
dieser Formen, die ich in einer späteren Publikation zu behandeln
gedenke, über diese Frage weitere Schlüsse zulassen.
Gehen wir nun zur Betrachtung der eigentlichen Cuticula von
Pneumonoeces asper über. Seitdem durch die Arbeiten von Bloch-
mann (32) und Zernecke die echt epitheliale Natur der Platy-
helminthencuticula im allgemeinen nachgewiesen worden war, haben
sich neuerdings Maclaren (38), von Gronkowski (22)
und Hein (36) mit diesen Verhältnissen bei Trematoden im Speziellen
beschäftigt, und sie sind in ihren ausführlichen Arbeiten im wesentlichen
zu den gleichen Resultaten gekommen, wie Blochmann sie für
Cestoden festgestellt hatte, daß nämlich die Cuticula als Abscheidungs-
produkt eines echten durch den Hautmuskelschlauch in die Tiefe
versenkten Epithels anzusehen ist.
Sonderbarerweise hat von den genannten Forschern nur einer
(Gronkowski) einen Pneumonoeciden zu seinen Untersuchungen
herangezogen, obwohl es, wie bereits Bloehmann (32) in seiner
grundlegenden Arbeit erwähnt, gerade das Distomum variegatum
war, an dem Looss als erster den Übergang der Subeutilarzellen
in die Cutieula beobachtete, ohne allerdings damals den wahren Sach-
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 59
verhalt zu durchschauen. Nun beziehen sichvonGronkowskis
Abbildungen und Angaben, die übrigens zum Teil von Hein (36)
angefochten werden, zweifellos auf Pneumonoeces variegatus (der
Autor selbst führt noch den alten Sammelnamen Distomum variegatum
an), während die beiden Abbildungen von Looss, auf die sich
Blochmann und übrigens auch von Gronkowski selbst
beziehen, gerade von den heutigen Species similis und asper
hergenommen worden sind, die später keine Nachuntersuchungen er-
fahren haben.
Es mußte also schon aus diesen Gründen von Interesse sein, den
Bau des Epithels bei diesen Formen genauer zu untersuchen. Dabei
ergibt es sich nun, daß die Pneumonoeciden-Formen in der Tat recht
günstige Objekte zur Demonstration der geschilderten histologischen
Verhältnisse bilden; insofern, als es an guten Präparaten leicht möglich
ist, auch mit den gewöhnlichen Färbungen, d. h. ohne Anwendung einer
elektiven Methode, den Zusammenhang der Epithelzellen mit der
Cutieula festzustellen.
Wir finden bei Pneumonoeces asper auf Längsschnitten, die
für die Erkenntnis dieser Verhältnisse besonders geeignet sind, die
Kerne der Epithelzellen ziemlich gleichmäßig verteilt in einer Schicht
unterhalb der Cutieula, die ungefähr die drei- bis vierfache Mächtigkeit
der Cuticula selbst besitzt. Der Durchmesser der Kerne beträgt
0,0068 mm, ihre Gestalt ist fast kugelig, nur sehr schwach ellipsoid.
Was den Nucleolus anbetrifft, so muß ich den Ausführungen von
Hein (36) allerdings in einem Punkte widersprechen. Dieser Forscher
bezeichnet es mehrfach als charakteristisch für die Epithelzellen
im Gegensatz zu den Parenchymzellkernen und den Myoblasten,
daß ein Nucleolus „nicht erkennbar vorhanden sei“. Hierdurch wird
der Anschein erweckt, als ob es sich in dem Mangel von Nucleolen
um ein objektiv vorhandenes histologisches Charakteristikum der
Profundoepithelzellen überhaupt handele. Ich habe jedoch feststellen
können, daß ein solcher Mangel eines Nucleolus nur durch gewisse
Arten der Färbung vorgetäuscht wird. Bei der von Hein angewandten
Thionin- und Methylenblau-Methode, ebenso wie bei der sogenannten
modifizierten van-Gieson-Färbung mit Eosinwasserblau, die im übrigen
so vorzügliche Resultate aufweist, läßt sich allerdings ein Nucleolus
nicht, oder nur in Ausnahmefällen feststellen. An Schnitten von
Pneumonoeces asper, die mit Eisenhämatoxylin behandelt waren,
ist jedoch in jedem der zahlreichen kugeligen Zellkerne ein kleiner,
vollkommen kugeliger, scharf abgegrenzter Nucleolus erkennbar,
der sich intensiv schwärzt und eine etwas exzentrische Lage einnimmt.
In seiner Nachbarschaft bemerkte ich regelmäßig ein längliches,
ebenfalls, doch nicht so intensiv geschwärztes Gebilde, das sich gegen
das körnige, im übrigen spärlich vorhandene Chromatin nur unscharf
abgrenzt und aus einer homogenen oder nur sehr feinkörnigen Substanz
zu bestehen scheint. Da diese Erscheinung fast durchgehend zu be-
obachten war, möchte ich diese besondere Anordnung der chromatischen
Substanz, soweit Pneumonoeces asper in Betracht kommt, für normal
und charakteristisch bei den Profundoepithelzellen halten.
60 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
Das Plasma des Zellleibes erweist sich als sehr starkkörnig,
vakuolisiert und färbt sich intensiv mit Wasserblau, die Zellgrenzen
sind gewöhnlich, eben infolge dieser Eigenschaften des Plasmas,
schlecht erkennbar.
Um so deutlicher sind dagegen meist die strangförmigen Fort-
sätze der Zellen nachzuweisen, welche, den Hautmuskelschlauch
durchsetzend, zur sogenannten Basalmembran verlaufen, um durch
diese hindurch in die Cuticula einzutreten. Eine Vereinigung von Aus-
läufern mehrerer Zellen zu einem einheitlichen Strang,wievon Gron-
kowskiangibt, habe ich nicht beobachten können, ich hatte vielmehr
stets den Eindruck, daß auch bei gruppenweiser Lagerung jede Zelle
ihre Individualität bis zum Eintritt in die Cuticula bewahrt. Doch ist
an Eisenhämatoxylin-Präparaten die von Hein (36) beschriebene
Auffaserung der plasmatischen Ausläufer vor ihrem Eintritt in die
Cuticula zu beobachten, ebenso wie die Erscheinung, daß sich diese
feinsten plasmatischen Stränge eine Strecke weit innerhalb der
eigentlichen Cuticula zu erhalten scheinen, wodurch diese teilweise
in ihren unteren Schichten sehr fein radiär gestreift erscheint.
Die gleichen Zellen finden sich, den Beobachtungen von Hein
entsprechend und in unserem Falle kenntlich an ihrem stark körnigen
Plasma innerhalb der Saugnapfmuskulatur und auch an den Anfangs-
teilen des Darms, der Geschlechtswege und der Exkretionsblase.
Die eigentliche Cuticula endlich besteht aus feinkörniger
plasmatischer Substanz und ist, bis auf die erwähnte Radiärstreifung
an der Basis, die durch das Eindringen der Epithelzellfortsätze hervor-
gerufen wird, homogen. Die widerstandsfähigere Außenschicht, welche
sich bei darmbewohnenden Formen findet, ist nur in Gestalt einer un-
differenzierten Membran vorhanden. Die Dicke der Cuticula beträgt
je nach dem Kontraktionszustande 0,01 bis 0,0051 mm. Vakuolen sind
normalerweise nie darin vorhanden, treten aber gelegentlich an Schnitten
infolge der Fixierung auf. Die untere Fläche der Cutieula, mit der
sie der parenchymatischen Basalmembran aufliegt, ist für gewöhnlich
der oberen parallel; verhältnismäßig oft sieht man jedoch im Schnitt-
präparat, daß die Cuticula an ihrer Basis in eine große Anzahl von
Zipfeln ausgezogen erscheint, die durch Basalmembran und Haut-
muskelschlauch hindurch in das Körperinnere ziehen. Diese Bildung
erscheint durch den Kontraktionszustand des Tieres bedingt, und die
Zipfel entsprechen zum großen Teil den Eintrittsstellen der Epithel-
zellausläufer, andererseits können sie jedoch auch Anheftungsstellen
von Dorsoventral-Muskelfasern vorstellen, worauf ich bei der
Besprechung der Muskulatur noch zurückkommen werde.
3. Organsystem der Bewegung.
a) Körpermuskulatur.
Die Körpermuskulatur von Pneumonoeces asper weicht in keiner
Hinsicht von dem Bilde ab, welches dieses Organsystem innerhalb
der Trematoden im allgemeinen bietet. Unmittelbar unterhalb der
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 61
Cuticula treffen wir auf den typischen dreischichtigen Hautmuskel-
schlauch, bestehend aus Ring-, Längs- und Diagonalfaserzügen. Die
äußerste Schicht weist eine einfache Lage feinerer und feinster Ring-
muskelfasern auf, die der Baselmembran unmittelbar anliegen und in
irgendeiner Weise an ihr befestigt zu sein scheinen, da sie im Gegensatz
zu den Längsmuskelzügen allen zufälligen Krümmungen und Ver-
biegungen der Basalmembran genau folgen, und man niemals sieht,
daß die Basalmembran sich infolge irgendwelcher Zufälligkeiten bei
der Fixierung von ihnen abhebt. Was die feineren histologischen Ver-
hältnisse anbetrifft, so finden wir die grundlegenden Angaben von
Bettendorf£ (31) im ganzen Umfange bestätigt.
Die Ringmuskelfasern liegen sehr dicht und gleichmäßig verteilt;
ihr Durchmesser beträgt im Maximum 0,0017 mm, meist ist ihre Dicke
noch geringer. Auffaserung und Anastomosenbildung ist im allgemeinen
nicht zu beobachten, es wechseln ziemlich regelmäßig eine Anzahl
feiner Fasern mit je einer etwas gröberen ab.
Die darunter liegenden Längsmuskelfaserzüge sind bedeutend
mächtiger und repräsentieren den Hauptbewegungsapparat des ge-
samten Körpers. Die Bündel halten ziemlich regelmäßige Abstände
von 0,008—0,01 mm ein, ihr Diekendurchmesser beträgt etwa 0,003 mm.
Die von Bettendorf angegebene feine Längsstreifung ist sehr
schön erkennbar. Eine Auffaserung der Bündel während des Verlaufs
und eine Anastomosenbildung durch sehr allmählich schräg abgehende
Fasern ist häufig zu beobachten.
Die unterste Lage des Hautmuskelschlauches besteht aus Diagonal-
muskelfasern, die einander unter einem spitzen Winkel von etwa 70°
kreuzen. Die Fasern weisen in Durchmesser und Anordnung im all-
gemeinen die gleichen Verhältnisse wie die Längsmuskulatur auf,
doch ist die Dicke der verschiedenen Bündel ungleichmäßig, die Struktur
erscheint im ganzen lockerer, die Fibrillen sind sehr deutlich erkennbar,
die Auffaserung stark, die Zwischenräume sehr unregelmäßig, doch
0,025 mm nicht überschreitend.
Die großen Myoblasten für die drei Schichten sind unmittelbar
unter dem Hautmuskelschlauch aufzufinden, und an günstigen Prä-
paraten ist der Zusammenhang mit den Myofibrillen im Sinne von
Bettendorf (31) nachzuweisen. Die großen Kerne der Myoblasten
messen im Durchmesser durchschnittlich 0,0085 mm, der scharf ab-
gegrenzte kugelige Nucleolus, der sich als stark eosinophil erweist,
0,0035 mm.
Parenchymmuskulatur findet sich in Gestalt von mäßig zahl-
reichen Dorsoventralmuskelbündeln, die zwischen den verschiedenen
Organen hindurchziehen. Der bewegliche Vorderkörper ist natur-
gemäß reichlicher damit versehen als der Hinterleib, in dem der Raum
für das Parenchym und seine Abkömmlinge beim erwachsenen Tier
mehr und mehr durch die Ausbildung der Genitalprodukte eingeengt
wird. Die mittlere Dieke der Bündel ist etwa gleich derjenigen der
Ringmuskelfasern. Die Insertion erfolgt an der Basalmembran, indem
sich die Bündel in Büschel feinster Fibrillen auflösen, die einzeln bis
62 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
an die Basalmembran zu verfolgen sind, und diese nebst der darüber
liegenden Cuticula im Kontraktionszustande zipfelförmig in das Innere
des Körpers ausziehen können.
b) Die Saugnäpfe.
Zum Bau der Saugnäpfe ist an dieser Stelle nur zu bemerken,
daß sie in jeder Beziehung dem Bilde entsprechen, welches bereits
seit den Zeiten Leuckarts in seinen Einzelheiten bekannt ist.
Wir haben also, wenn man die Saugnäpfe als Hohlkugeln mit der
Mündung als Pol betrachtet, eine kräftige innere und zarte äußere
Schicht von Äquatorialmuskelbündeln, darunter eine äußere und innere
ziemlich gleich starke Lage von meridional verlaufenden Muskelfasern
und endlich eine stark ausgebildete Radiärmuskulatur. Diese ist als
der eigentliche funktionell charakteristische Teil der Saugnäpfe zu
betrachten, da die peripherischen Muskellagen in Verteilung und
Stärke der Bündel nicht von den allgemeinen Verhältnissen des Haut-
muskelschlauches abweichen. Die Radiärmuskelzüge stehen in durch-
schnittlichen Zwischenräumen von 0,004 mm, die fibrilläre Struktur
ist sehr deutlich erkennbar, vor der Insertion tritt Auflösung in Fibrillen
ein, die, zwischen den peripherischen Faserlagen hindurchziehend
nach Art der dorsoventralen Körpermuskeln an der Basalmembran,
resp. der parenchymatösen Membran, welche die Saugnäpfe nach dem
Körperinneren hin bekleidet, inserieren. Daß die Lumina beider Saug-
näpfe von der Körpercuticula einschließlich des Spitzchenbesatzes
voll ausgekleidet werden, ist bereits von Looss mehrfach hervor-
gehoben worden. Zwischen den Muskellagen der Saugnäpfe sind Epithel-
zellen mit ihren Ausläufern zur Cuticula, Parenchymzellen, und endlich
die „großen Zellen‘ früherer Autoren aufzufinden, deren Bedeutung
als Myoblasten von Bettendorf (31) nachgewiesen ist, und deren
Verbindung mit den Muskelfasern an geeigneten Präparaten auch
bei Pneumonoeces asper konstatiert werden kann.
4. Organsystem der Empfindung.
Das Studium der Histologie des Nervensystems von Pneumonoeces
asper wurde mir durch das Versagen der elektiven Färbemethoden
sehr erschwert. Soviel ich an den hierher gehörigen Elementen mit
Hilfe der gewöhnlichen Färbungen festzustellen vermochte, entspricht
der histologische Bau dieses Organsystems durchaus dem an anderen
Formen längst gewonnenen Bilde. Auch die Verteilung der Ganglien-
und Sinneszellen und der Verlauf der Faserzüge weist bei Pneumonoeces
asper spezifische Besonderheiten nicht auf.
5. Organsystem der Ernährung.
a) Ösophagus mit Vorhof und Pharynx.
Der Mund liegt bei Pneumonoeces asper in der bei den Digenea
gewöhnlichen Lage am Grunde des Mundsaugnapfes und ist. durch
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 63
die am Rande sphinkterartig ausgebildete Ringmuskulatur dieses Organs
verschließbar. Durch die Mundöffnung gelangt die Nahrung in den
Ösophagus, der, wie den bei anderen Formen in Vorhof, Pharynx und
Ösophagus s. str. zerfällt. Der Vorhof wird repräsentiert durch ein
kurzes Rohr ohne eigene Muscularis. Er ist im Inneren von einer
dünneren Cuticula ausgekleidet, auf die der Spitzchenbesatz der
Körperoberfläche sich noch in etwas reduzierter Form fortsetzt,
wie bereits Looss angibt. In ausgezogenem Zustande muß der
Vorhof dem Pharynx an Länge fast gleichkommen. Leider bekommt
man ihn fast nie völlig gestreckt zu sehen, da die Tiere sich bei der
Fixierung oder unter dem Deckglase zu kontrahieren pflegen. Infolge-
dessen ist der Vorhof auf Schnitten meist in Gestalt einer glockenförmig
über den oberen Teil des Pharynx gestülpten Falte nachzuweisen.
Eine besondere Funktion des Vorhofs bei der Nahrungsaufnahme hat
Looss, der diese Frage genau untersucht hat, nicht nachzuweisen
vermocht. Er schreibt dem Vorhof vielmehr einzig die Bedeutung zu,
dem Pharynx eine freiere Beweglichkeit zu ermöglichen.
Der Pharynx, das muskulöseste Organ des ganzen Distomen-
körpers, weist bei Pneumonoeces asper keine von den Verwandten
abweichenden Züge auf. Er ist schwach birnenförmig gestaltet, das
spitzere Ende dem Mundsaugnapf zugewandt. Wir finden eine äußere
und innere Äquatorialfaserlage von mäßiger Stärke, die innere ent-
sprechend ihrer Schließfunktion stärker ausgebildet. Zwischen beiden
befindet sich eine äußerst kräftige Radiärfaserschicht mit großen
Myoblasten, ohne epitheliale Elemente. Die den Pharynx im Lumen
auskleidende Cuticula, die hier des Spitzenbesatzes entbehrt, wird
vielmehr, entsprechend der Bettendorfschen Beschreibung, von
Epithelzellen geliefert, die außerhalb der eigentlichen Muskelmasse
gelegen sind. Das ganze Organ wird außen von einer dünnen Längs-
faserlage mit parenchymatischer Membran überzogen, die sich in die
Längsfaserlage des folgenden Ösophagus direkt fortsetzt. |
. Am Eingang und besonders am Ausgang des Pharynx ist die
Äquatorialmuskulatur zu Sphinkteren entwickelt. Die Verbindung
zwischen Pharynx und Mundsaugnapf erfolgt bei Pneumonoeces
asper nicht nur durch den Traktus des Vorhofs, sondern durch eine
Einrichtung, die ich bei Looss in dessen sonst ausführlicher Be-
schreibung dieser Organe nicht erwähnt finde. Es verlaufen nämlich
zwischen dem äußeren Hinterrande des Mundsaugnapfes und der
vorderen Außenfläche des Pharynx eine Anzahl von kräftigen
Parenchymmuskelfasern, die eine Adduktion des Pharynx ermöglichen,
und die ich als die eigentlichen Regulatoren der Lage dieses Organs
anzusehen geneigt bin. Im Gegensatz zu einer von Looss bezüglich
einer anderen Form (Distomum endolobum) gegebenen Zeichnung bin
ich nämlich nicht imstande gewesen, am Vorhof eine eigene Muskularis
zu entdecken. Die Tatsache, daß man bei starker Adduktion des Organs
an den Mundsaugnapf den Vorhof nicht kontrahiert, sondern in eine
Falte gelegt findet, scheint auch dafür zu sprechen, daß dieser Teil
bei den Pneumonoeciden die bloße Bedeutung eines Verbindungs-
64 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
stückes ohne eigentliche aktive Funktion besitzt. Diese wird vielmehr
außer durch die allgemeine Körpermuskulatur durch die geschilderten
Fasern ersetzt, die mit der Muscularis des Ösophagialtraktus nichts zu
tun haben, sondern an die parenchymatösen Membrane von Mund-
saugnapf und Ösophagus außen ansetzen und die Kontraktionsfalte
des Vorhofs noch zwischen sich lassen.
Hinter dem Pharynx folgt derjenige Teil des Ösophagus, der
unmittelbar in die eigentlichen Magendarmschenkel überleitet und
durch den Mangel eines sezernierenden und resorbierenden Epithels
charakterisiert ist. Es ist dies diejenige Partie des ganzen Verdauungs-
traktus, welche die Gabelungsstelle umfaßt, die selbst an dieser Gabelung
teilnimmt, und sich also aus einem unpaaren Teil in Fortsetzung des
Pharyngeallumens und zwei paarigen „Ansatzstücken“ der beiden
de facto also völlig getrennten Magendarmschenkel zusammensetzt.
Eine innere Cuticula, eine kräftige Muscularis aus inneren Ring- und
äußeren Längsfasern und eine Schicht außerhalb dieser gelegener
Epithelzellen mit Fortsätzen zu der Cutieula sind auch hier nach-
weisbar. Die Längsmuskelfasern haben eine durchschnittliche Stärke
von 0,003 mm und halten Abstände von 0,005 mm ein. Die beiden
paarigen Ansatzstücke gehen nach einer Länge von etwa 0,77 mm
unvermittelt in die verdauenden Magendarmschenkel über, dadurch
daß die Epithelzellen durch die Muskelschicht nach innen treten und
die Cutieulabildung aufhört.
b) Die Magendarmschenkel.
Das eigentliche Darmepithel zeigt das Bild einer einfachen Zell-
schicht, welche die Innenfläche der Darmschenkel von den Ansatz-
stücken bis zu dem blind geschlossenen Ende in völlig gleichartiger
Ausbildung überzieht. Im Schnittpräparat fallen zunächst die sehr
gleichmäßigen kugeligen Kerne auf, die einen Durchmesser von
0,0059 mm zeigen. Sie weisen eine deutliche Membran und einen
schwach exzentrischen runden Nucleolus im Durchmesser von 0,0017 mm
auf, der sich mit Eisenhämatoxylin intensiv schwärzt und sich auch
mit Eosin stark färbbar zeigt. Chromatin findet sich spärlich in deut-
licher Körnchenform. Das Zellplasma ist sehr feinkörnig und aus-
geprägt längsfädig struiert, eine Erscheinung, die besonders an der
Basis in schönster Weise zum Ausdruck kommt. Auffallend ist die
sehr große Plastizität der Zellen. Ihre Form ist völlig inkonstant,
je nach dem Füllungsgrade und Kontraktionszustande des Darm-
schenkels. Bei nicht oder schwach gefülltem Darm ragen die Zellen
als hohe Zylinder, die zum Teil birnenförmige Gestalt annehmen, in
das Darmlumen hinein; die Kerae befinden sich im unteren Drittel
in vollkommen kugeliger, zuweilen sogar etwas in der Längsrichtung
verdrückter Form. Das apikale Zellende ist abgerundet und gewöhnlich
mit einer oder mehreren Vakuolen versehen. Von dieser Gestalt aus
finden sich nun zuweilen innerhalb desselben Darmschenkels alle Über-
gänge bis zur völlig abgeflachten Form, die das Bild eines Platten-
epithels vortäuscht, und in der die Zellen bis zu einem Breitendurch-
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 65
messer von 0,025 mm abgeplattet sein können, so daß der Kern, auch
seinerseits zu einem flachen Sphäroid zusammengedrückt, buckel-
förmig in das Lumen hervorspringt.
Bemerken möchte ich, daß es mir nicht gelungen ist, die von
anderen Autoren vielfach konstatierte Bildung von pseudopodien-
artigen Fortsätzen während des Verdauungsvorganges nachzuweisen.
Freilich verhinderte die Undurchsichtigkeit des lebenden Objekts
eine Beobachtung dieser Verhältnisse am Quetschpräparat, die gerade
bei dieser Frage von Nutzen gewesen wäre. Doch konnte ich auch
an meinem besten Schnittpräparate bei den verschiedensten Färbungen
nie eine Andeutung von einer Fäden- oder Lappenbildung am apikalen
Zellende wahrnehmen. Wo sie sich scheinbar darbot, erwies sie sich
vielmehr stets als Faltungserscheinung, hervorgerufen durch starke
Kontraktionen des leeren Darmlumens. Bei straff gefüllten Darm-
schenkeln in voller verdauender Tätigkeit erschienen mir die Zellen
stets von einer wohl erkennbaren kontinuierlichen Membran begrenzt,
so daß ich nicht annehmen kann, die „Pseudopodien‘ seien etwa nur
durch Konservierung und Schnitt unkenntlich geworden.
Es scheint mir vielmehr der Verdauungsprozeß bei unserem
Tiere und auch wohl bei den anderen Pneumonoeciden rein auf dem
Wege von Sekretion und Resorption vor sich zu gehen. Es treten
nämlich bei verdauenden Zellen gleichmäßig in der gesamten Länge
des Darmes runde, gelbbraune, stark lichtbrechende Sekretkörnchen
im apikalen Zellteil in großer Zahl auf. Dieselben Körnchen finden
sich aus den Zellen ausgetreten zunächst in dichterer Ansammlung
auf der Oberfläche des Epithels und ferner gleichmäßig verteilt unter
dem gesamten Darminhalt. Sie sind durch Eosin nicht färbbar und
scheinen, da sie nur in gefüllten Darmschenkeln sich zeigen, eine
wesentliche Rolle bei der Verdauung zu spielen.
Der Darminhalt besteht einzig und allein aus dem Blute des
Frosches ohne jede andere Beimischung. Die Darmschenkel sind meist
prall gefüllt, und die Verdauung scheint restlos, aber sehr langsam
vor sich zu gehen, wie bereits Lo 0ss hervorgehoben hat. Aus eben
diesem Grunde aber möchte ich diesem Autor doch widersprechen,
wenn er das Distomum variegatum für einen „sehr gefährlichen Gast“
erklärt. Die Blutmenge, welche selbst einegrößere Anzahl ausgewachsener
Pneumonoeciden einem Frosche entziehen, ist bei dem langsamen
Nahrungsverbrauch des Parasiten gar nicht ins Gewicht fallend, und
man bemerkt dementsprechend, selbst an Wirtstieren, die mit 20 und
mehr erwachsenen Würmern besetzt sind, in Entwicklung und Be-
nehmen nicht den geringsten Unterschied von solchen, deren Lungen-
säcke jedes Bewohners entbehren.
Auf Schnitten bemerkt man sogleich die sich stark färbenden
Kerne der roten Blutkörperchen im Darmlumen in großer Zahl ver-
streut, innerhalb einer gleichmäßig feinkörnigen Masse, welche die
koagulierte Ernährungsflüssigkeit darstellt und untermischt ist mit
den vorhin erwähnten Sekretkörnchen. Die Zellgrenzen, zuerst noch
deutlich erkennbar, beginnen im Verlauf der Verdauung, d. h. je weiter
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 4. Suppl. 5
66 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
man den Darm nach dem hinteren Körperende zu verfolgt, zu
schwinden, die Kerne bleiben aber sehr lange erhalten, und erst bei
weit fortgeschrittenem Verdauungsprozeß bemerkt man einen von den
Rändern her einsetzenden Zerfall des Chromatins, wobei übrigens die
Kernmembran nach Auflösung des Chromatins noch eine Zeitlang
erkennbar bleibt. Die ganzen Darmschenkel sind wie die übrigen
Organe fest ins Parenchym eingelagert und weisen an ihrer Außenseite
eine innere Ringmuskel- und eine äußere Längsmuskelschicht auf,
der von Zeit zu Zeit Ganglienzellen und Bettendorfsche Myoblasten
angelagert sind.
6. Das Exkretionsgefäßsystem.
Das Exkretionsgefäßsystem von Pneumonoeces asper zeigt in
seinem geweblichen Aufbau einige Besonderheiten, auf die ich an
dieser Stelle vor allem deswegen einzugehen genötigt bin, weil dieses
ÖOrgansystem in seiner gesamten Ausbildung, wie ich im anatomischen
Teile dargelegt habe, ein bisher unbeachtetes wichtiges Speziesmerkmal
dieser Pneumonoecidenform bildet. Das gesamte Exkretionsgefäß-
system läßt sich in üblicher Weise in Sammelblase, Gefäße, Kapillaren
und Flimmertrichter einteilen. Looss, der sich über diese Ver-
hältnisse bei den von ihm untersuchten Distomen sehr ausführlich
äußert, grenzt ganz allgemein den Sammelraum oder die Endblase
gegen das übrige Kanalsystem dadurch ab, daß er ‚ihn einfach so weit
rechnet, als eigene Wandungen zelliger Natur nachweisbar sind“.
Dieses Kriterium ist in seinem strengen Sinne seit den Untersuchungen
Bugges (34) nicht mehr anwendbar, da dieser die zelluläre Ent-
stehung der Gefäße und Kapillaren ebenso wie deren Eigenwandungen
dargetan hat. Soweit es sich allerdings um ein jederzeit deutlich als
solches erkennbares Epithel handelt, bleibt die Loosssche For-
mulierung in ihrer Anwendbarkeit bestehen, besonders wenn man ein
von Looss nebenher hervorgehobenes Moment hinzuzieht, dar,
wie ich glaube, dem Epithel an charakteristischer Wichtigkeit nicht
nachsteht, nämlich das Vorhandensein einer Muscularis.
Rechnen wir also in Übereinstimmung mit Looss die Sammel-
blase so weit, wie ein deutliches Epithel und eine deutliche Muscularis
sich nachweisen lassen, so erhalten wir beim histologischen Studium
das gleiche Ergebnis, welches die anatomische Untersuchung uns
lieferte, daß nämlich die beiden Schenkel der Sammelblase sich im
Gegensatz zu den Verhältnissen bei unseren anderen drei Pneumonoe-
cidenarten bei Pneumonoeces asper zweifellos bis in die Region des
Pharynx erstrecken, um erst hier das Hauptgefäß abzugeben.
Was die Museularis anbetrifft, so setzt sie sich aus einer äußeren
Längs- und inneren Ringfaserlage zusammen und ist im ganzen Verlauf
der Sammelblase bis zu den Schenkelenden hin deutlich nachweisbar.
Die Muskelfasern sind am Hinterende, wo an der Blasenmündung
der Verschluß des Exkretionsporus stattzufinden hat, am stärksten
entwickelt. Späterhin werden besonders die Ringmuskelfasern sehr
fein und kommen auf Querschnitten an den Blasenschenkeln kaum
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 67
zum Ausdruck, während die Längsfasern, von vornherein stärker
entwickelt, ihre anfängliche Beschaffenheit bis zum Ende der Schenkel
beibehalten und auf Querschnitten jederzeit nachweisbar sind. Die
Fibrillen der Ringfasern überziehen die Blasenwand in einer fast
kontinuierlichen Schicht, ohne Zwischenräume zwischen sich zu lassen
und sind infolgedessen meist schwer zu unterscheiden. Soviel ich be-
obachten konnte, unterscheiden sich die Längsfasern von denen des
Darms und der Geschlechtswege dadurch, daß sie keine regelmäßigen
Abstände auf der Oberfläche der Blase einhalten, sondern eine durchaus
ungleichmäßige Verteilung aufweisen.
Das Epithel endlich ıst, wie erwähnt, leicht nachzuweisen, und
zwar im besonderen bei jüngeren Tieren, in einer Form, die von der
gewöhnlichen Beschreibung dieser Verhältnisse auffallend abweicht.
Sowohl Looss, wiespäter Bugge, betonen nämlich, daß sich selbst
im Endabschnitt der Blase nur sehr spärliche Kerne finden, so daß
Looss sogar zu der Bemerkung veranlaßt wird, es sei nicht zu ver-
wundern, wenn man auf Schnitten meist nichts davon finden könne.
Ganz im Gegensatz zu diesen Angaben ist bei Pneumonoeces asper
nichts leichter zu entdecken, als dies Blasenepithel, ja bei einem aller-
dings noch sehr jungen Exemplar finden sich die wohl ausgebildeten
Zellen so dicht stehend, daß bei einer Schnittdicke von 5 u auf jedem
Querschnitte eine Anzahl von mindestens 6 bis 10 deutlichen Kernen
nachweisbar ist. Bei mäßig gefülltem Zustande der Blase erscheinen
die Epithelzellen unregelmäßig kugelig, buckelförmig ins Lumen vor-
springend, mit deutlichen Grenzen, im Durchmesser etwa 0,085 mm
betragend. Das Zellplasma ist sehr feinkörnig, eine fädige Struktur
nicht erkennbar. Die Kerne, etwa 0,0034 bis 0,0051 mm im Durch-
messer groß, enthalten einen sehr deutlichen mit Eosin stark färb-
baren Nueleolus, im Durchmesser von etwa 0,0016 mm. Dies so
beschaffene Epithel kleidet die Blase gleichmäßig bis zum Ende der
Schenkel in der Höhe des Pharynx aus. Im äußersten hinteren Ab-
schnitt vor dem Exkretionsporus, wo die Muskulatur sich zu einer Art
von Verschlußapparat zu verdicken beginnt, fehlt das Epithel ganz
und wird von einer Cuticula ersetzt, die als Fortsetzung der äußeren
Körpereuticula zu betrachten ist und wie diese von außerhalb der
Blase im Parenchym gelegenen versenkten Epithelzellen geliefert wird.
Die Gefäße und Kapillaren mit den Trichtern sind infolge ihrer
großen Zartheit bei Pneumonoeces asper auf Schnitten sehr schlecht
zu studieren. Hier leistet in der Tat die Untersuchung am lebenden
Quetschpräparat erheblich Vollkommeneres. An einem solchen lassen
sich die medianwärts gerichteten Trichter mit den Wimperflammen
und die davon ausgehenden Kapillaren leicht auffinden und beobachten.
Die Gefäße selbst weisen Besonderheiten gegenüber den für Trematoden
im allgemeinen nachgewiesenen Verhältnissen nicht auf, nur habe ich
von der durch Looss für Distomum variegatum besonders hervor-
gehobenen geringen Widerstandsfähigkeit der Wandungen bei Pneu-
monoeces asper nichts bemerken können. Wenn man den Druck des
Deckglases nicht allzusehr erhöht und konstant erhält, so blähen sich
5%
68 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
die Kapillaren zwar etwas auf, die von Lo 0ss beschriebenen Zerfall-
erscheinungen habe ich jedoch selbst bei stundenlanger Beobachtung
nicht zu konstatieren vermocht.
Was die Flimmertrichter selbst anbetrifft, so erscheint auffällig
die sehr geringe trichterförmige Ausbildung. Man hat selbst an frischen
Exemplaren, wo eine Aufblähung der Kapillaren kaum eingetreten ist,
den Eindruck, als ob die Wimperflamme lediglich am blind ge-
schlossenen, fast gar nicht erweiterten Ende der Kapillare schwingt.
Eine abschließende verzweigte Zelle mit starker Schlußplatte, von der
die Wimperflamme ausgeht, ist meist gut zu erkennen.
Die Flamme selbst mißt 0,016 mm in der Länge und ist an der
Basis 0,0076 mm breit. Eine zarte Längsfaserung, den einzelnen
verklebten Wimpern entsprechend, ist nachweisbar. In den Kapillaren
selbst, die im lebenden Objekt nach Looss den Eindruck der Wandungs-
losigkeit machen, sah ich stets eine unregelmäßig in Zacken und Buchten
nach innen vorspringende membranartige Bildung, über deren Bedeutung
ich nicht völlige Klarheit zu gewinnen vermochte. Die Kapillaren
laufen in den Gefäßen erster Ordnung zusammen, deren Durchmesser
0,0085 bis 0,01 mm den der Kapillaren nur wenig übertrifft, und die
in gleichbleibender Weite bis zur Einmündung in die Exkretions-
blasenschenkel zum Vorderende des Wurmes hinziehen.
%. Hautdrüsen.
In der Verteilung der Hautdrüsen stimmt Pneumonoeces asper
mit seinen Verwandten überein. Die Drüsenzellen, die vor allem als
„Kopfdrüsen“ in der Umgebung des Mundsaugnapfes, aber auch am
Rande des Bauchsaugnapfes und an anderen Stellen der Körperober-
fläche verstreut ausmünden, messen in ihrem hinteren kolbig ver-
dickten Ende etwa 0,094 mm im Durchmesser. Das stark körnige
Plasma nimmt bei Anwendung der modifizierten van Gieson-Methode
einen lebhaft violetten Farbenton an, der die Drüse im Schnitt deutlich
hervortreten läßt. Ihre Kerne sind klein, mit gleichmäßig fein verteiltem
Chromatin und stark färbbar, so daß der vorhandene Nucleolus oft nur
schwer zu sehen ist. Die Form der Kerne ist im konservierten Präparat
nicht kugelig, sondern eigentümlich unregelmäßig, so daß man vielfach
den Eindruck polygonaler Körper von ihnen hat. Die Ausführungs-
gänge sind, besonders im lebenden Präparat, deutlich zu sehen und
oft sehr lang. Die bei anderen Trematodeniormen im Umkreise des
Vorhofes zuweilen beschriebenen Drüsenzellen, die als Speicheldrüsen
gedeutet werden, habe ich bei Pneumonoeces asper nicht nachweisen
können.
8. Genitalorgane.
a) Vorbemerkung.
Was die Histologie der verschiedenen Teile des Genitalapparates
anbetrifft, so kann ich mich nur darauf beschränken, die von Looss
an Distomum variegatum gewonnenen Ergebnisse, die sämtlich auch
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 69
für Pneumonoeces asper im Speziellen zutreffen, zu bestätigen. Im
allgemeinen ist zu bemerken, daß die Wandungen der männlichen und
weiblichen Keimdrüsen nebst den ausführenden Wegen ebenso wie die
anderen Hohlorgane des Körpers aus einem Epithel und einer außen
aufgelagerten Muscularis von Ring- und Längsfasern besteht. Diese
allgemein vorhandenen Bestandteile erleiden nun je nach der Funktion
der betreffenden Partie des Genialtraktus mehr oder weniger weit-
gehende Umgestaltungen, derart, daß bald das Epithel, wie an den
Keimdrüsen und dem Uterus, bald die Musecularis, wie an Vagina und
Cirrus das prädominierende Element wird.
b) Weibliche Organe.
«) Der Eierstock.
Der Eierstock stellt sich bei Pneumonoeces asper als ein annähernd
kugeliges Gebilde von je nach dem Alter des Wurmes wechselnder
Größe dar, das durch eine dünne bindegewebige Membran gegen das
Parenchym hin abgegrenzt erscheint. Eine Muscularis ist nicht nach-
weisbar. Das Organ zeigt sich im Lumen von den Keimzellen völlig
ausgefüllt. Diese weisen nach den Wänden hin das Bild eines Keim-
epithels auf, dessen Zellen, die Ureier, 0,005 mm im Durchmesser groß
sind. Sie sind zum größten Teil von dem kugeligen Kern eingenommen,
gegen den das feinkörnige Zellplasma sehr zurücktritt. Die Kerne
weisen einen exzentrisch gelegenen Nucleolus von 0,0017 mm auf.
Ihr Chromatin zeigt eine grob retikwWläre Anordnung. Während der
Eireifung tritt ein beträchtliches Wachstum der Keimzellen ein. Die
verschiedenen Phasen des Reifeprozesses lassen sich auf Schnitten gut
verfolgen, doch sehe ich von einer genaueren Darstellung hier ab,
da die mir zur Verfügung stehenden optischen Hilfsmittel nicht zur
genauen Feststellung aller Einzelheiten ausreichten, und ich die Ent-
wieklungsgeschichte der Pneumonoeciden in einer späteren Arbeit
speziell zu behandeln gedenke. Die reifen Eizellen sammeln sich in dem
der Ausmündung des Keimganges benachbarten Teile des Organs. Sie
messen 0,022 mm im Durchmesser, zeigen ein fein granuliertes Plasma
und einen großen Kern (0,0085 mm), der ein grobmaschiges Netz von
Chromatin und einen gegenüber den Ureizellen nur wenig vergrößerten,
stark färbbaren Nucleolus aufweist.
ß) Der Keimgang.
Für diesen Teil der Geschlechtswege habe ich die Angaben von
Looss (16, S.201) in allen Einzelheiten bestätigen können. Die
Verdickung der Eierstocksmembran an der Austrittsstelle des Ganges
ist auch auf Schnitten sehr ins Auge fallend; die von L o o s s entdeckten
„Schließzellen“ sind ebenfalls nachweisbar. Der Gang zeigt außen
eine feine aber dicht stehende Ringmuskulatur, die einem Epithel
aufgelagert ist, dessen Kerne besonders an jugendlichen Individuen
in Schnitten leicht aufgefunden werden können. Die von Looss
im Keimgang nachgewiesene Auskleidung mit Flimmerhaaren ist
70 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
natürlich auf Schnitten meist nur sehr unvollkommen erhalten. Der
Ootyp wird nur durch eine geringe Erweiterung des Keimganges ohne
Änderung der Struktur dargestellt. Die Einmündungsstellen von
Receptaculum seminis und Dottergang weisen keine Besonderheiten auf.
y) Das Receptaculum seminis.
Wie Looss (16, 8.78) an Distomum variegatum nachgewiesen
hat, ist der Laurersche Kanal der anderen Trematodenformen bei den
Pneumonoeciden blind geschlossen und zu einem umfangreichen
Receptaculum seminis entwickelt, das auch auf Schnitten sogleich ins
Auge fällt und den Keimstock an Größe meist etwas übertrifft. Auch
an diesem Organ ist im Jugendstadium ein Epithel mit Kernen nach-
weisbar, ebenso eine sehr feine Ringmuskelfaserlage. An der Aus-
mündung des Verbindungsganges zum Ootyp ist die dort vorhandene
dichte Flimmerbekleidung selbst im Schnitt meist zu erkennen. Der
aus Spermatozoen bestehende Inhalt präsentiert sich im Schnitt meist
als schwer färbbare körnige und streifige Masse, in der die Spermien-
köpfe als verstreute stark gefärbte Pünktchen zu erkennen sind.
0) Die Schalendrüsen.
Der Schalendrüsenkomplex ist bei Pneumonoeces asper ebenso
wie bei den anderen Pneumonoeciden um das Ootyp gelagert und stellt
ein ziemlich umfangreiches Organ dar, das den Keimstock an Aus-
dehnung übertrifft. Zwar ist der Komplex gegen das Parenchym hin
nicht durch eine Membran abgegrenzt, macht aber dennoch infolge
der dichten Aneinanderlagerung der Drüsenzellen auf Schnitten stets
den Eindruck eines zusammenhängenden einheitlichen Gebildes.
Looss (16, 8. 214) hat bereits auf den Umstand hingewiesen, daß
die Zahl der Schalendrüsen bei Distomum variegatum unter unseren
Fisch- und Froschtrematoden das Maximum bedeutet, und daß infolge-
dessen die Ausführungsgänge der äußersten Drüsenzellen eine relativ
sehr große Länge (0,2 mm) erreichen. Ihre Gestalt ist birnenförmig,
mit langem Stiele, der durch den Ausführungsgang gebildet wird. Das
Plasma ist feinkörnig, ein kugeliger Kern mit Nucleolus stets vorhanden.
&) Die Dotterstöcke.
Der histologische Bau der Dotterstocksfollikel weicht bei Pneu-
monoeces asper nicht von den als normal bekannten Verhältnissen
ab. Begrenzt werden die Follikeln durch eine epitheliale Membran,
der keine Muscularis aufgelagert zu sein scheint. Die dicht gedrängt
in den Follikeln liegenden Dotterzellen sind regelmäßig kugelig mit
einem Durchmesser von 0,01 bis 0,012 mm; ihre großen Kerne messen
0,0015 mm und zeigen stark färbbare Nucleolen. Dotterkörnchen
sind in das Zellplasma in großer Menge eingelagert. Die von den
Follikelgruppen zum Ootyp führenden Dottergänge weisen in ihren
Endabschnitten eine zarte Ringmuskelfaserlage und ein gut erkenn-
bares zelliges Epithel auf.
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 71
5) Der Uterus.
Hinter dem Ootyp beginnt der bisherige Keimgang sich zum
eigentlichen Uterus zu erweitern. Dieser bildet ein je nach dem
Füllungszustand verschieden weites dünnwandiges Rohr, das innen
von einem zarten Plattenepithel ausgekleidet wird, dessen Kerne
auch bei voll erwachsenen Individuen stets im ganzen Verlauf nach-
weisbar bleiben. Sie haben eine stark abgeplattet sphäroide Form und
messen im längeren Durchmesser etwa 0,008 mm; ein deutlicher Nu-
cleolus ist stets vorhanden. Was die aufliegende Muscularis anlangt,
so ist der Uterus vom Keimgang durch das Hinzutreten von Längs-
muskelfaserzügen außerhalb der Ringmuskulatur unterschieden.
Die durch diese Muskellagen bewirkten schwachen Kontraktionen
der Uterusschlingen sind am lebenden Objekt deutlich zu beobachten.
Ich habe diese Längsmuskulatur des Uterus, deren Existenz von
Looss (16, 8. 216) geleugnet wird, an meinen Präparaten mehrfach
nachweisen zu können geglaubt, allerdings in sehr zarter Ausbildung.
Myoblasten und Ganglienzellen sind in äußerer Anlagerung von Zeit
zu Zeit anzutreffen.
n) Die Vagina.
In seinem Endabschnitt sehen wir den Uterus zur sogenannten
Vagina umgewandelt, die einerseits dadurch charakterisiert ist, daß
die Muskellagen eine bedeutende Verstärkung erfahren, so daß die
Muscularis im Querschnitt die Dicke von etwa 0,004 mm annimmt,
andererseits durch das Auftreten einer Cuticula, während die Epithel-
zellen durch die Muscularis nach außen rücken und wie bei der Körper-
cuticula sich in Form eines „versenkten Epithels‘ präsentieren. An
der Mündung im Genitalsinus steht diese Cuticula mit derjenigen des
Körpers in kontinuirlichem Zusammenhang. Das Lumen der Vagina
mißt bei erwachsenen Exemplaren von Penumonoeces asper etwa
0,02 mm im Durchmesser.
c) Männliche Organe.
. @) Die Hoden.
Was die histologische Struktur der Hoden von Pneumonoeces
asper anlangt, so ist ihre Wand durch eine dünne Membran dargestellt,
deren zellige Abstammung von Looss nachgewiesen und auch an
meinen Schnitten bei jungen Individuen zu konstatieren ist. Eine
Museularis ist nicht nachweisbar. Innen liegt der Hüllmembran das
Keimepithel, dargestellt durch die Ursamenzellen, in mehreren Lagen an
Die Spermatogenese, auf die Looss nicht näher eingeht, habe
ich an der Hand der Angaben von Monticelli (39) etwas aus-
führlicher beobachtet. Sie findet in der für Trematoden typischen
Weise statt, indem die Ursamenzellen nach einigem Wachstum eine
große Zahl von unvollständigen Teilungen eingehen, derart, daß die
birnenartigen Teilungszellen mit den verschmälerten Enden zentral
im Zusammenhang bleiben und sogenannte Spermatomorulae bilden,
72 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces acper Looss
deren einzelne Zellen um so kleiner sind, je weiter die Ursamenteilung
fortgeschritten erscheint. Der zentrale Zusammenhang der Spermato-
cyten in einem Punkte, der auf Schnitten meist nicht nachweisbar ist,
kann durch Ausstrichpräparate von zerzupften Hoden mit Hilfe der
Giemsa-Romanowski-Färbung leicht demonstriert werden.
Die herangewachsenen Ursamenzellen messen unmittelbar vor der
ersten Teilung etwa 0,008 mm, ihre kugeligen Kerne 0,005 mm im
Durchmesser. Ihr Plasma ist fein granuliert. Das Chromatin im Kern
gleichmäßig sehr grobkörnig verteilt, ein exzentrischer Nucleolus
vorhanden. Während der Teilungsvorgänge sind karyokinetische
Figuren oft sehr schön erkennbar. In der reifen Spermatomorula
messen die Einzelzellen an dem distalen verdickten Ende nur noch
0,005 mm im Durchmesser, das Chromatin im Kern hat sich in einen
stark färbbaren Körper zusammengezogen, in dem eine Struktur nicht
mehr erkennbar ist.
Von diesem Stadium an sistieren die Teilungen, und es beginnt
durch Längenwachstum von Zellen und Kernen die Umwandlung der
Spermatomorulae in die Spermatozoengruppen, die aber noch sehr
lange den zentralen Zusammenhang bewahren. Nach dem endlichen
Zerfall gelangen die Spermatozoen, auf deren feineren Bau ich hier
nicht eingehen kann, in die Samenleiter, in denen man sie stets in leb-
hafter Bewegung antreffen wird.
8) Die Samenleiter.
Die Samenleiter werden durch zwei dünne Schläuche dargestellt,
deren Querschnitt etwa 0,0085 mm im Durchmesser aufweist. Eine
epitheliale Auskleidung mit deutlichen Kernen ist nachweisbar, ebenso
eine zweischichtige Muscularis. Zwar gibt Looss (16, 8.182) nur
eine Ringfaserlage zu, doch gelang es mir vermittels der modifizierten
van Gieson-Färbung eine Längsmuskelfaserschicht deutlich als vor-
handen zu erkennen, die, zunächst sehr fein, von der Vereinigungsstelle
der beiden Samenleiter kurz vor dem Eintritt in den Cirrusbeutel an
sich bedeutend zu verstärken beginnt.
y) Die Samenblase.
Eine kurze Strecke oberhalb des Bauchsaugnapfes vereinigen sich
die Samenleiter, und zwar habe ich im Gegensatz zu der Angabe von
Looss (16, 8.76) konstatieren können, daß die Vereinigung noch
vor dem Eintritt in den Cirrusbeutel, also noch bevor man von einer
Samenblase sprechen kann, stattfindet, so daß die Vasa deferentia tat-
sächlich in ihrem letzten Ende einen kurzen gemeinsamen Abschnitt
aufweisen. Die Samenblase selbst, die nur einen stark erweiterten
Abschnitt des gemeinsamen Vas deferens darstellt, bildet in ihrer
außerordentlichen Länge bekanntlich einen Gattungscharakter der
Pneumonoeeiden. Bei erwachsenen Exemplaren von Pneumonoeces
asper beträgt der Durchmesser der Samenblase etwa 0,04 mm. Ein
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 73
Epithel und eine kräftige Muscularis, bestehend aus äußeren Längs-
und inneren Ringfasern, ist nachweisbar,
d) Der Ductus ejaculatorius.
Der sich nach vorn zu an die Samenblase anschließende enge und
stark muskulöse Teil des männlichen Genitaltraktus, von Looss
als Ductus ejaculatorius bezeichnet, zeigt bei Pneumonoeces asper
in seinem hinteren engeren Teile einen Durchmesser von etwa 0,017 mm.
Die kräftigen Ring- und Längsmuskelfasern halten Abstände von
0,001 mm ein, Epithelzellkerne sind nur im Jugendstadium gut nach-
weisbar. Das vordere, etwas erweiterte Ende des Organs; das den für
gewöhnlich eingestülpten Penis repräsentiert, weist histologisch die
gleichen Verhältnisse auf. Im Inneren ist bei erwachsenen Tieren eine
Cuticula mit dem von L o o s s beschriebenen Zäpfehenbesatz vorhanden.
&) Der Cirrusbeutel.
Der Cirrusbeutel erstreckt sich vom hinteren Ende der Samen-
blase bis zum Genitalatrium und umfaßt Samenblase und Ductus
ejaculatorius vollständig. Seine histologischen Elemente sind die
gleichen wie diejenigen des Penis: eine schwächere äußere Längs-
muskulatur, innere starke, dicht stehende Ringmuskulatur, deren
Kontraktion die Ausstülpung des Penis bewirkt und nach innen von
der Muscularis eine Epithelauskleidung mit spärlichen Kernen. Der
durchschnittliche Durchmesser des Cirrusbeutels beträgt 0,08 mm
Der den Duetus ejaculatorius enthaltende Teil umfaßt zugleich die
stets nachweisbaren Prostatadrüsenzellen, deren Form im allgemeinen
der der Schalendrüsenzellen ähnlich ist. Das geschwellte distale Zell-
ende zeigt kugelige Kerne von 0,005 mm Durchmesser, mit deutlichen
kleinen Nucleolen. Am vorderen Ende geht die Wandung des Cirrus-
beutels kontinuierlich in diejenige des Genitalsinus über.
d) Der Genitalsinus.
Der Genitalsinus repräsentiert bei Pneumonoeces asper eine seichte
Grube, an deren Grunde die Mündung von Penis und Vagina sich
befindet. Histologisch macht der Genitalsinus bei dieser Spezies den
Eindruck einer bloßen Vertiefung der Körperoberfläche. Die Spitzen-
cuticula kleidet ihn ohne Unterbrechung aus, ebenso hat es mir scheinen
wollen, als ob der Hautmuskelschlauch an dieser Stelle kontinuierlich
in die Muscularis der Geschlechtswege überginge. Als einzige Differen-
zierung gewahrt man im Schnitt, daß die Cutieula innerhalb des Genital-
sinus ziemlich stark verdickt erscheint. Jedenfalls habe ich mich
gerade bei diesem Objekt nicht davon überzeugen können, daß die
Auskleidung des Genitalatriums, wie sonst vielfach angegeben wird,
von der Körperhaut prinzipiell zu trennen sei.
74 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
9. Das Körperparenchym.
Was das Körperparenchym bei Pneumonoeces asper anbetrifft,
so ist dazu nur zu bemerken, daß dieses Gewebe die für alle Trematoden
typische Entwicklung zeigt. Es ist also das Plasma in Gestalt von
netzförmig anastomosierenden Strängen ausgebildet, die alle Organe
mehr oder weniger dicht umspinnen und insbesondere die Muskelfasern
mit einer Art von Scheide zu umgeben pflegen. In den Knotenpunkten
der Plasmastränge liegen die nicht sehr zahlreichen kleinen ovoiden
Kerne im Durchmesser von etwa 0,005 mm mit stets deutlich nach-
weisbarem Nucleolus. Dievon Gronkowski(22) bei Pneumonoeces
variegatus beschriebene zweite Art von parenchymatösen Gebilden
(„ziemlich scharf abgegrenzte, rundliche oder keilförmige größere
körnige Substanzmassen, in welchen, wie in Nestern, zahlreiche Kerne
mehr oder weniger dicht gedrängt, zusammenliegen‘“‘) habe ich nie und
nirgends nachweisen können. Die gegebene Beschreibung paßt aber so
schön auf das Bild, welches die Anschnitte von Dotterstocksfollikeln
liefern, daß man fast zu der Annahme neigen könnte, jener Autor
habe sich durch solche täuschen lassen.
VIII Entwicklungsgeschichtliches.
Da ich die Entwicklungsgeschichte unseres Wurmes in einer
Fortsetzung der vorliegenden Arbeit ausführlich zu behandeln gedenke,
so will ich hier nur auf einige Punkte der Embryologie eingehen, die
für die Abgrenzung der Species von Wichtigkeit sind.
Das befruchtete Ei, wie es nach der Schalenbildung aus dem
Ootyp austritt, weist eine große kugelige Keimzelle am animalen und
vier nur wenig kleinere Dotterzellen mit zahlreichen Dotterkörnern
am vegetativen Pole auf. Die Schale ist auf diesem Stadium noch.
völlig durchsichtig und ungefärbt. Während des Vorrückens im Uterus
findet die Furchung und Embryonalentwicklung in einer mit den
allgemeinen Angaben von Schauinsland (40) im wesentlichen
übereinstimmenden Weise statt. Das zur Ablage reife Ei, wie es sich
im Endabschnitte des Uterus vorfindet, enthält einen völlig aus-
gebildeten, sich lebhaft kontrahierenden Embryo und weist in ver-
schiedener Beziehung für Pneumonoeces asper spezifische Verhältnisse
auf. Seine Länge beträgt 0,0448 bis 0,048 mm, seine Breite 0,029 mm.
Der scharf abgesetzte Deckel bildet eine Kalotte von 0,005 mm Höhe.
Die Färbung ist sehr viel dunkler als bei den Eiern der anderen Pneu-
monoeciden, so daß ein geübter Beobachter den Pneumonoeces asper
schon bei schwacher Vergrößerung an den tief schwarz erscheinenden
Uterusschlingen zu unterscheiden vermag. Der in dem Ei enthaltene
Embryo weicht von dem der Gattungsverwandten in bemerkenswerter
Weise ab.
Während nämlich der Embryo von Pneumonoeces variegatus,
Pneumonoeces similis und Pneumonoeces schulzei an seinem Vorder-
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 5
ende vier deutliche „lichtbrechende Körper“ zeigt, von denen bei der
seitlichen Betrachtung unter dem Mikroskop nur zwei, diese aber sehr
klar zu erkennen sind, weist der viel größere Embryo von Pneumonoeces
asper an deren Stelle ein anderes Gebilde auf. Man bemerkt nämlich hier
an der dem Eideckel zugewandten Spitze des Miracidienkörpers eine
Art von Köpfchen, ein kugeliges Gebilde von etwa 0,0085 mm Durch-
messer, das eine größere Anzahl von Längsstreifen erkennen läßt, die
vielleicht als der optische Ausdruck einer Faltung oder einer Muskel-
anlage aufzufassen sind. Die genauere Bedeutung dieses Organs, das
schon auf einem sehr frühen Stadium des Eis angelegt erscheint, habe
ich bisher nicht ermitteln können. Mit den „lichtbrechenden Körpern“
der anderen Trematodenembryonen ist es jedenfalls im Aussehen
gar nicht zu vergleichen. Die von Looss gegebene Abbildung der
„großen Eiform‘ aber bringt diese Verhältnisse nicht richtig zur Dar-
stellung: der formale Unterschied gegenüber den Eiern der anderen
Species ist in Wahrheit ein viel mehr ins Auge fallender.
Der reife Embryo weist außerdem ein langes Wimperkleid auf und
ist von einer Hüllmembran umgeben, die beim Ausschlüpfen ab-
geworfen wird. Kontraktionen des Embryo sind häufig zu beobachten,
eine Bewegung der Flimmerhaare innerhalb der Eischale habe ich
jedoch niemals feststellen können. Als ganz interessante Abnormität
habe ich einmal an einem sonst wohl ausgebildeten Embryo eine
verkehrte Lagerung im Ei, d.h. mit dem hinteren Ende nach dem
Deckel zu, beobachtet.
Über die postembryonale Entwicklung, Zwischenwirtsformen
usw. bin ich zu sicheren Feststellungen noch nicht gelangt; ich hoffe
dieselben später folgen lassen zu können.
IX. Schlußbemerkung.
Hiermit bin ich am Ende meiner Untersuchungen über die bisherige
Species inquirenda Pneumonoeces asper Looss und ihr Verhältnis
zu den Gattungsverwandten angelangt.
Ich hoffe, durch die vorliegende Arbeit zur Beseitigung einiger
Unklarheiten auf dem Gebiete unserer einheimischen Tierformenkunde
beigetragen zu haben und lasse die wichtigsten Ergebnisse in kurzer
Zusammenstellung hier nochmals folgen.
Ergebnisse,
1. Die Species Pneumonoeces asper ist nicht länger als Species
inquirenda, sondern als sichere und gute Art anzusehen.
2. Die Species Pneumonoeces asper L o 0 ss ist keineswegs selten,
sondern eine unserer häufigeren entoparasitischen Trematodenarten.
3. Die widersprechenden Angaben von Looss über die syste-
matischen Kennzeichen der Art aus den Jahren 1894 und 1899 erklären
76 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
sich aus dem Vorhandensein einer vierten Pneumonoeciden-Spezies
(P. schulzei Wdsch. n. sp.), die in ihren systematischen Merkmalen
zwischen Pneumonoeces asper und Pneumonoeces variegatus steht.
4. Der Spitzchenbesatz von Pneumonoeces asper ist als ein echtes
Stachelkleid zu betrachten.
5. Die Epithelverhältnisse von Pneumonoeces asper bestätigen die
Ergebnisse der Untersuchung von Hein (36) über die Trematoden-
cuticula.
6. Die Verdauung des Darminhalts findet bei Pneumonoeces
asper nicht unter Pseudopodienbildung der Enterodermzellen, sondern
auf dem Wege der Sekretion statt.
7. Die Schenkel der Exkretionsblase sind bei Pneumonoeces
asper vom Bauchsaugnapf bis zur Region des Pharynx verlängert.
8. Der von Looss beschriebene Bau der Exkretionsblase ist
demnach nicht mehr als Gattungscharakter der Pneumonoeciden an-
zusehen.
9. Der Embryo von Pneumonoeces asper weist gegenüber dem
seiner Gattungsverwandten spezifische Verschiedenheiten auf.
10. In allen übrigen Punkten seiner Organisation stimmt Pneu-
monoeces asper im wesentlichen mit seinen Gattungsverwandten
überein.
Literatur.
I. Spezialliteratur zu der Gattung Pneumonoeces.
1. 1800. Zeder. Nachtrag zu Goeze S.160. Einführung von
„Monostomum bombynae“.
2. 1809. Rudolphi. Ent. hist. nat. II. S. 333.
1819. Derselbe. Ent. synops. S. 84 und 344, 8. 99 und 378.
Die dort gegebenen Diagnosen lauten: $. 84; Monostoma ellipticum;
M. poro orbiculari corpore depressiusculo, retrorsum incrassato. Hab.
in pulmonibus Bufonis ignei (Berolini Junio Gaede reperit) Bufonis
cinerei. — 9.344; Genauere Beschreibung, Hinweis auf Zeder,
der nur ein Stück gesehen habe und dessen Diagnose als „Manca et
erronea“ bezeichnet wird. — $. 99; Distoma variegatum; D. depressum,
elongatum antrorsum attenuatum, poris orbicularibus remotis, antico
maiore. Hab. in pulmonibus R. esculentae. Berolini Octobri reperi.
— 8.378; Genauere Beschreibung, wohl zweifellos auf P. variegatus
zu. beziehen. (Collum dimidiam fere totius vermis longitudinem sibi
sumens, duplo angustius quam corpus.)
3. 1824. Bremser. Icon. Helm. tab. VIII, Fig. 12—14, gibt als
„Monostomum ellipticum‘“ drei gänzlich unkenntliche Totalbilder.
4. 1829. Creplin. Nov. Obs. de Entoz. Berol. 1829, gibt unter
Distoma variegatum die Diagnose nach Rudolphi, hat die trauben-
förmigen Dotterstöcke, die Doppelschleife des Uterus, das Austreten
der Eier aus dem Genitalporus beobachtet.
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 77
1831. Creplin. Dazu Referat von Mehlis in Isis 8. 177.
5. 1839. Creplin. Ersch. u. Grubers Encykl. I To. XXXII, S. 288.
6. 1841. Mayer. Beiträge zur Anat. de Entoz. Bonn 1841, S. 18.
Taf. III, Fig. 13, gibt unter Dist. eylindricum kurze und ungenaue
Beschreibung, hat die Peristaltik der Darmschenkel beobachtet. Die
Spezies ist aus der Abbildung nicht zu erkennen.
7. 1845. Dujardin. Hist. Nat. des Helm. S.359 und 416. —
S8. 359: Die Identität von Monostoma bombynae und Dist. variegatum
wird festgestellt. — S. 416; Gibt genauere Beschreibung des D. varie-
gatum mit vielen Irrtümern in der Deutung der Organe.
8. 1847. Blanchard. Annales d. Sc. nat. Zool. ILIe Ser., To. VIII,
8.298, Pl. XIII, Fig. 1, gibt unter Brachylaemus variegatus, eine
längere Beschreibung mit schlechten Illustrationen, hält die Dotter-
stöcke für ,„ovaires“.
9. 1850. Diesing. Syst. Helm. $. 322, 8. 354. — 8. 322: Gibt
noch einmal Monostomum ellipticum nach R udolphian, fügt zu
den Fundorten noch „Phryne vulgaris vere‘ hinzu. — 8. 354: Gibt
zu Distomum variegatum kurze Diagnose unter Berufung auf Ru--
dolphi, Creplin, Mehlis, Dujardin, Blanchard.
10. 1857. Pagenstecher. Trematodenlarven und Trematoden.
S.41 Taf. V Fig. 2, gibt zu D. variegatum eine schlechte Abbildung
und genauere Beschreibung mit mannigfachen Irrtümern in der Deutung
der Organe. Beobachtet die Wimpertrichter und den Ppitzebenbeenkz,
hat also mindestens schon zwei Spezies gesehen.
11. 1857. Wagener. Natuurk. Verhandel. v. d. Maatsch. d. eben.
sch. Haarlem. Taf. XXI, Fig. 1 und 2 bildet von D. variegatum Ei und
Miracidium ab, letzteres ohne Wimpern. Bezieht sich auf P. variegatus
oder similis.
12. 1859. Molin. Sitzungs-Berichte der Kaiserlichen Akademie,
37. Bd. 1859, Math. Natw. Kl. S. 828, Taf. III, Fig. 2, gibt zu D. varie-
gatum ein Autorenverzeichnis bis Diesin g; hat die Dotterstöcke
und das „Organo germinativo“ richtig erkannt: eine schlechte Ab-
bildung.
13. 1879. Wright. Contrib. to Americ. Helminthol. I Toronto,
S.8. Kurze Diagnose zu D. variegatum.
14. 1882. Ercolani. Dell’ adattamento ete. (nuove Richerche etc.)
Mem. Accad. Sc. Inst. Bologna V, 3 Taf. III, Fig. 29—31. Keine
neuen Merkmale.
15. 1888. Pachinger. Neue Beiträge ete. Taf. I B. C. Mir nicht
zugänglich gewesen. — Identifiziert nach Looss D. variegatum und
cylindraceum.
16. 1894. Looss. Die Distomen unserer Fische und Frösche, Bibl.
Zool. Heft 16, S. 71—82 (und an vielen Stellen im allgemeinen Teil),
Taf. II, Fig. 4348, Taf. VII, Fig. 134—146. Genaue und vorzügliche
Beschreibung der Anatomie und Histologie von D. variegatum; unter-
scheidet drei Varietäten. Gibt die Literatur bis Pachin ger (mit
Ausnahme von 11) nebst kurzem geschichtlichen Überblick.
78 Hans Helmuth Wundsch: Pneumonoeces asper Looss
17. 1898. Mühling. Die Helminthenfauna der Wirbeltiere Ost-
preußens. Arch. f. Naturg. 1898. Band I, S. 1—118, findet D. varie-
gatum in R. esc. var. ridibunda zu 471/,%, gibt über Varietäten
nichts an.
18. 1899. Looss. Weitere Beiträge zur Kenntnis der Trematoden-
fauna Ägyptens, zugleich Versuch einer natürlichen Gliederung des
Genus Distomum Retzius. Zool. Jahrb. Abt. f. Syst. XII, S. 601—603.
— Das frühere D. variegatum wird zur Gattung erhoben unter dem
Namen Haematoloechus mit den drei Spezies H. variegatus Rud.,
H. similis Lss. und H. asper spec. inquirenda Less. |
19. 1902. Stafford. On the American representatives of Distomum
variegatum. Zool. Jahrb., Abt. f. Syst. XVI, 8.895—912. Rein
systematische Arbeit, gibt fünf neue Species aus amerikanischen
Batrachiern; Haematoloechus longiplexus, H. breviplexus, H. vario-
plexus, H. similiplexus und H. medioplexus.
20. 1902. Cohn. Mitt. über Trematoden, Zool. Anz. XXV, S. 712
bis 718. Konstatiert Fälle von Situs inversus bei Dotterstöcken und
Hoden von P. variegatus.
21. 1902. Looss. Über neue und bekannte Trematoden aus See-
schildkröten, Zool. Jahrb., Abt. f. Syst. XVI, 8. 752. — Änderung
des Namens Haematoloechus in Pneumonoeces.
22. 1902. €. v. Gronkowski. Zum feineren Bau der Trematoden.
Poln. Arch. f. Biol. und med. Wiss. I 1902, Lemberg, 8. 511 bis 536.
— Untersucht nebst mehreren anderen Trematoden auch D. variegatum
auf versenkte Epithelzellen. Aus den Bildern geht hervor, daß P. varie-
gatus Rud. vorgelegen hat.
23.. 1904. Engler. Abnormer Darmverlauf bei Opistorchis felineus.
Zool. Anz. Bd. XXVIII, S. 186—188. — Zitiert P. variegatus aus
Cohn. cf. 1902.
24. 1905. Hollack. Die Häufigkeit der Trematoden bei R. escu-
lenta. Zentralbl. f. Bakt. ete. XXX VIII, Abt. I, Originale S. 199/200.
— Statistische Arbeit. Verfasserin hat nur P. variegatus und similis
beobachtet.
25. 1905. D. F. Ssinitzin. Beiträge zur Naturgeschichte der
Trematoden: die Distomen der Fische und Frösche der Umgebung
von Warschau. Warschau 1905 (russ.). — Referate im Zool. Zentr.-Bl.
Bd. XIII, $. 681-689, und in Zentr.-Bl. f. Bakt. etc. I. Abt. Referate
Bd. XXXIX. — Beobachtungen über die Befruchtung von Haemato-
loechus variegatus. Nachweis der Jugendform von P. similis in der
Leibeshöhle von Calopteryx virgo.
26. 1906. Seely. In Biol. Bull. Lane. Pa. vol. X, S. 229 und 254.
Pneumonoeces complexus nov. sp. aus Rana pipiens.
27. 1908. Klein. Neue Distomen aus Rana hexadactyla, Zool.
Jahrb., Abt. f. Syst. XXII, 8. 59—80. — Pneumonoeces capyristes
aus Rana hexadactyla: Bestimmungstabelle der bisher aufgestellten
Pneumonoeeidenspezies. Autor hat „kein Exemplar gefunden, das
P. asper spec. inquirenda entspräche‘“.
und sein Verhältnis zu den Gattungsverwandten. 79
28. 1908. Ch. Wardell Stiles and Albert Hassal. Index catalogue of
medical and veterinary Zoologie, Trematoda and Trematode diseases.
— Zusammenstellung der systematischen Literatur über Pneumonoeces
seit 1902.
29. 1909. Brauer. Süßwasserfauna Deutschlands, H. 17 (M. Lühe,
Parasitische Plattwürmer I. Trematodes, S. 102—105). — Diagnose
von P. variegatus, similis und asper spec. inqu. nach den Angaben von
Looss.
30. 1911. Odhner. Results of Swedish Expedition to Egypt. vol. IV.
Einreihung der Gattung Pneumonoeces in die U. F. der Lepodermatiden.
(Ist mir nicht zugänglich gewesen. Briefliche Mitteilung des Autors.)
IH. Allgemeine Literatur.
31. Bettendorf, H. Über Muskulatur und Sinneszellen der Tre-
matoden. 1897. Zool. Jahrb. Abt. An. Bd. X, S. 307—358.
32. Blochmann, F. Die Epithelfrage bei Cestoden und Trematoden.
Hamburg, Graefe und Sillem, 1896.
33. Bronn. Klassen und Ordnungen des Tierreichse. Band IV;
Trematodes: bearb. v. M. Braun.
34. Bugge, 6. Zur Kenntnis des Exkretionsgefäßsystems der
Cestoden und Trematoden. Zool. Jahrb. Abt. An. Bd. XVI, 8. 177
bis 234, 1902.
© 35. Havet, J. Contributions & l’&tude du systeme nerveux des
Trematodes (Distomum hepaticum), La Cellule, t. XVII, 1900.
36. Hein,W. Zur Epithelfrage der Trematoden. Ztschr. f. wissensch.
Zool. Bd. 77, 8. 546—585, 1904.
37. Looss, H. Über Amphistomum subelavatum und seine Ent-
wicklung. Festschrift Leuckart 1892.
38. Maclaren, N. Über die Haut der Trematoden. Zool. Anz.
Bd. 26, 8. 516—528. 1902.
39. Monticelli, F. S. Richerche sulla Spermatogenesi nei Trema-
todi. Int. Monatsschr. f. Anat. u. Phys. Bd. IX, S. 112—149. 1892.
40. Schauinsland, H. Beitrag zur Kenntnis der embryonalen
Entwicklung der Trematoden. Jenaer Nat. Zeitschr. XVI. 1883.
Die Hornhöcker an den vorderen Extremitäten
von Leptodactylus ocellatus (L.).
Von
Dr. phil. Martin Boldt.
Mit 4 Textfiguren.
(Aus dem Zoologischen Museum Königsberg/Pr.)
Die sogenannten Daumenschwielen der Anuren sind Gegenstand
zahlreicher anatomischer und physiologischer Untersuchungen gewesen.
Fast sämtlichen derartigen Beobachtungen liegen als Material die
einheimischen Species der Gattung Rana zu Grunde und nur selten
findet man andere Anuren berücksichtigt. Die entsprechenden Organe
vieler ausländischer Froscharten dagegen sind bisher nicht einmal
beschrieben, geschweige denn von physiologischen Gesichtspunkten
aus untersucht worden. Durch die gütige Vermittlung des Herrn
Prof. Dr. Lühe erhielt ich von Herrn Dr. Gomes de Faria, dem ich
hiermit meinen besten Dank ausspreche, aus Rio de Janeiro ein
männliches Exemplar von Leptodactylus ocellatus (L.) in konserviertem
Zustande. An dem Tiere fallen bei äußerer Betrachtung sofort zwei
große, schwarz gefärbte Höcker an der Hand auf. Trotzdem war
‚aus der einschlägigen Literatur über diese doch augenscheinlich recht
charakteristischen Bildungen nicht viel zu erfahren. Dieses ist um
so wunderbarer, als die Species in ihrer Heimat Brasilien häufig vor-
kommt und sogar als Laboratoriumsfrosch gebraucht wird.
Daß Leptodactylus ocellatus kein seltenes Tier ist, geht schon daraus
hervor, daß die Art bereits Linn& (1754) bekannt war und von ihm
als Rana ocellata aufgeführt wird. Was die Forscher betrifft, die nach
Linne diese Species in ihren meist systematischen Werken aufführen,
so kann ich mich damit begnügen, auf die Zusammenstellungen hin-
zuweisen, die von Peters (1873) und Boulenger (1882) gegeben worden
sind. Soweit mir die von diesen beiden Autoren angeführte Literatur
zur Verfügung stand, konnte ich daraus ersehen, daß nur bei Dumeril
und Bibron (1841) eine die bei L. ocellatus vorliegenden Verhältnisse
näher kennzeichnende Schilderung vorliegt. Sie sei daher im folgenden
wörtlich zitiert: „Les membres anterieurs des individus mäles offrent
en outre le long et en dehors du second doigt deux gros tubercules
dont l’extremite amincie est emboitee dans un petit de de corne analogue
& celui qui protege la portion terminale des orteiles des Dactyle&thres.
L’un de ces tubereules est la pointe m&me ou la phalangette du premier
doigt ou du pouce, lequel, chez les Batraciens anours est presque toujours
enseveli sous la peau. L’autre est un saillie ou une sorte d’apophyse
osseuse, qui prend naissance sur le bord laterale interne du metacarpien
Dr. phil. Martin Boldt. 81
du second doigt, os qui est ici tr&s-fort, tres-epais et tr&s-large.“ In
allen anderen Werken werden die Höcker dieser Species entweder ganz
unberücksichtigt gelassen oder ihr Vorhandensein wird nur kurz
erwähnt. Obwohl mir nur ein Exemplar zur Verfügung steht, will
ich daher doch im folgenden versuchen, eine kurze Beschreibung dieser
Gebilde zu geben.
Untersuchungsmethode.
Das Untersuchungsmaterial bestand aus einem männlichen
Exemplare von Leptodactylus ocellatus (L.) (zur Familie der Cystigna-
thiden gehörig), das aus Brasilien stammte und mit Formalin kon-
serviert worden war. Seine Länge betrug von der Schnauzenspitze
bis zum After 11,2cm. Um das Skelet der vorderen Extremität prä-
parieren zu können, mußten die beiden Höcker abgelöst werden, was
bei dem am Metacarpus befindlichen verhältnismäßig leicht gelang,
während der andere nur zusammen mit der letzten Phalange des rudi-
mentären Daumens abtrennbar war. Nachdem zur Entkalkung der
Endphalange die Thoma’sche Methode!) in Anwendung gebracht
worden war, wurden die losgelösten Ballen in Paraffin eingeschlossen
und Querschnitte davon in 5—7 u Dicke angefertigt. Zum Färben
gebrauchte ich die kombinierte Methode: Hämalaun oder Pikrokarmin
und Resorein-Fuchsin.
Form und Größe der Höcker.
Wie aus der Fig. 1 ersichtlich, befinden sich an der Innenseite
der vorderen Extremität zwei höckerartige Vorsprünge und zwar
ein proximaler an der Handwurzel und ein distaler am ersten Mittel-
handknochen. Beide Höcker sind je mit einer Kappe versehen, deren
Substanz sich schon bei makroskopischer Betrachtung als Horn zu
erkennen gibt. Wie aus der Abbildung hervorgeht, zeichnen sich diese
Hornkappen durch tiefschwarze Färbung aus und sind an ihrem Rande
scharf gegen die übrige Haut abgesetzt. Ihre Form würde sich mit der
eines Fingerhutes vergleichen lassen, wenn beide nicht in Richtung
der Handfläche ziemlich stark abgeplattet wären, und ferner an ihrer
Spitze je eine scharfe Kante besäßen. Bei dem Metacarpusballen
verläuft diese Kante halbkreisförmig. An der Spitze des proximalen
Höckers ist sie gradlinig und deutlich hervortretend, so daß das ganze
Gebilde mehr einem Meißel ähnelt. Außerdem ist diese Hornkante
noch mit mehreren kleinen Zacken besetzt. Durch dieses Auslaufen
in eine Schärfe tritt der Zweck der beiden Bildungen deutlich zu Tage:
es sind Klammerorgane des Männchens zum Festhalten am Weibchen,
die den Daumenschwielen der Ranaarten physiologisch gleichwertig
sind. In anatomischer Hinsicht sind sie infolge der glatten Oberfläche
1) In: Zeitschrift wiss. Mikrosk., Vol. 8, 1891, p. 191. (Zitiert nach Lee
u. Mayer, Mikrosk. Techn.)
Archiv für Naturgeschichte
1911. L 4. Suppl. 6
89 Dr. phil. Martin Boldt: Die Hornhöcker an den
ihres Hornes und anderer Besonderheiten in der Struktur, die später
gezeigt werden sollen, von den Gebilden bei Rana verschieden. In-
wiefern eine Ähnlichkeit mit den Hornbildungen an den drei Mittel-
zehen der Arten der Gattung Dactyletra (Dumeril u. Bibron [1841])
und dem ‚calcar‘ bei Pelobates u. Heleioporus (Howes and Ridewood
[1888]) besteht, vermag ich wegen fehlenden Materials nicht zu ent-
scheiden.
Die beiden Ballen sind relativ groß und, soweit man aus dem
Werke Boulengers (1882) ersehen kann, in ähnlich starker Ausbildung
bei anderen Leptodactylusarten, bei denen teilweise diese Bildungen
sogar ganz fehlen, nicht bekannt. Nur L. pentadactylus käme zu
einem Vergleiche in dieser Hinsicht in Betracht, jedoch besitzt diese
Species nur einen derartigen Höcker am Metacarpus, während am
Daumen ein entsprechendes Gebilde vermißt wird. Die Hornkappe
Fig. 1. Die linke vordere Fig.2. Skelet der linken Hand eines
Extremität. männlichen Exemplares von Lepto-
Natürliche Größe. dactylus ocellatus (L.). Volarseite. Die
radiale Seite etwas auseinander gezerrt
dargestellt. 1,8: 1.
am proximalen Höcker des mir vorliegenden Exemplars hat an der
Basis einen größten Durchmesser von 2,75 mm und eine Höhe von
1,6 mm. Die distale Kappe ist etwas größer und besitzt einen größten
Durchmesser von 3,5 mm und eine Höhe von 2,25 mm.
Das Skelet der Hand.
Das Skelet der vorderen Extremitäten von Leptodactylus ocellatus
(L.) ist bisher in den vergleichend-anatomischen Werken, die sich
mit Amphibien beschäftigen, nicht berücksichtigt worden. Nur über
eine nahe verwandte Art existieren in dieser Hinsicht zwei Be-
schreibungen. Mayer (1835) gibt einen kurzen Bericht über seine Funde
vorderen Extremitäten von Leptodactylus ocellatus (L.). 8?
bei Rana pachypus gigas (= Leptodactylus pentadactylus) nebst Ab-
bildungen, darunter eine vom Handskelet. Howes u. Ridewood (1888),
welche den Carpus und Tarsus verschiedener Anuren miteinander
vergleichen, stellen in Fig. 25 das Skelet einer vorderen Extremität
derselben Species dar. Besonders aus der letztgenannten Abbildung,
bei der es den Autoren allerdings mehr darauf ankommt die Anzahl
und Lage der Carpalelemente, als ihre Form und Beziehungen zu ein-
ander zur Anschauung zu bringen, ist deutlich das Grundschema
wiederzuerkennen, welches auch im Bau der mir vorliegenden Ex-
tremität von L. ocellatus herrscht. Einige Eigentümlichkeiten sind
jedoch an meinem Objekt vorhanden. In Fig.2 ist das Skelet der
linken vorderen Extremität von der Volarseite her wiedergegeben.
Zum Verständnis der Abbildung ist zu bemerken, daß die radiale
Seite etwas auseinandergezerrt dargestellt worden ist, um die einzelnen
Teile deutlich sichtbar zu machen.
Das Auffälligste ist zunächst der stark ausgebildete Metacarpus
des zweiten Fingers, der in dieser Form und Größe nur bei einigen
Cystignathiden gefunden wird. Bedingt ist diese besondere Gestalt
durch einen Fortsatz oder, um mit Dumeril u. Bibron zu reden, durch
„une sorte d’apophyse‘“ an der Innenseite des Knochens. Dieser Vor-
sprung, der auf seiner Spitze die eine der beiden Hornkappen trägt,
ist so stark ausgebildet, daß er die ursprüngliche Form des Metacarpus
kaum erkennen läßt. Seine Gestalt scheint der Art charakteristisch
zu sein. Denn der von Mayer (1835) und Howes u. Ridewood (1888)
abgebildete Fortsatz von Leptodactylus pentadactylus ist nicht so
plump, sondern besitzt mehr die Form eines Dornes. Die Abbildung
der englischen Autoren zeigt, da sie von der Dorsalseite der Hand
aufgenommen ist, auch die andere Eigentümlichkeit des Metacarpus, die.
ich in ähnlicher Weise auch bei meinem Exemplar finde, nämlich die
auf der Rückseite diagonal verlaufende Leiste, die zum Ansatze der
an dieser Stelle stark ausgebildeten Muskulatur dient. Da sie bei
L. ocellatus auch charakteristischen Verlauf aufzuweisen scheint, habe
ich sie in Fig. 3 wiedergegeben. Die starke Ausbildung des Metacarpus
hat augenscheinlich auf die Art der gelenkigen Verbindung mit der
Handwurzel Einfluß gehabt. Das Carpale II, das gewöhnlich den
Metacarpus des zweiten Fingers trägt, ist zu diesem Zwecke viel zu
klein. Es sind daher die zunächst liegenden Knochen zur Aushilfe
herangezogen worden. Sonst kommt in diesem Falle das Carpale I
in Betracht. Bei L. ocellatus finde ich jedoch außerdem noch das
Centrale dazu verwendet und zwar in der Weise, daß das Carpale II
und das Centrale, wie aus Fig. 2 ersichtlich, zusammen eine Gelenk-
fläche bilden. Da beide nur dureh eine dünne Bindegewebsschicht
getrennt sind und sich sonst in keiner Weise von einander abheben,
erweckt es den Anschein, als ob sie verwachsen wären. Das Daumen-
rudiment, das von dem proximalen Höcker umgeben wird, wird bei
dieser Froschspecies, wie es auch von den vorhin erwähnten Autoren
für die nahe verwandten Arten angegeben wird, aus drei Teilen gebildet.
6*
84 Dr. phil. Martin Boldt: Die Hornhöcker an den
Im übrigen zeigen die Verhältnisse nichts besonderes. Ulnare, Radiale
und Centrale bilden die erste Reihe, wobei das Centrale bis an den
Radius heranreicht. Die miteinander verwachsenen Carpalia III—V
tragen die Metacarpalia II—IV. Die Finger IV und V haben je drei
Phalangen und Finger II u. III je zwei. Auf der Dorsalseite der Hand
befindet sich ferner zwischen Ulnare und Radiale ein recht stark aus-
gebildetes Sesambein von ovaler Gestalt.
Struktur.
In der Struktur zeigen die beiden Höcker kleine Verschiedenheiten.
Der das Daumenrudiment umgebende Höcker, von dem Fig. 4 einen
Querschnitt darstellt zeichnet sich vor allem durch die Dicke seiner
Hornkappe aus. Zahlreiche Hornschichten sind übereinandergelagert,
die infolge starker Pigmenteinlagerung tiefschwarze Färbung besitzen.
Fig. 3. Metacarpus des 1. Fingers.
Dorsalseite. 4,5:1.
Fig. 4. Querschnitt durch den am Daumen
rudimente sitzenden Höcker. 20:1.
Am Rande der ganzen Kappe setzt sich diese Schicht scharf ab, jedoch
zeigt auch die in der nächsten Umgebung befindliche Haut in ihrer
Epidermis eine relativ starke Verhornung, die allerdings jede Spur
von Pigment vermissen läßt und deshalb durchsichtig ist (s. Fig. 4).
Die Mächtigkeit der schwarzen Hornschicht beträgt etwa 150 u, kann
jedoch stellenweise 200 u und mehr erreichen. Gebildet und regeneriert
wird diese Kappe durch ein Stratum germinativum, das mindestens
5—6 Zellenlagen erkennen läßt und einen Durchmesser von 30—40 w
besitzt. Der Raum zwischen dem letzten Skeletstück des rudimentären
Daumens und dem Stratum germanitivum wird von unregelmäßig
durcheinanderlaufendem fibrillärem Bindegewebe angefüllt, das nur
von Blutgefäßen und Nerven durchsetzt ist. Dagegen sind Drüsen,
welche bei den Daumenschwielen anderer Frösche eine große Rolle
vorderen Extremitäten von Leptodactylus ocellatus (L.). 85
spielen, im Bereich der schwarzen Hornkappe nicht vorhanden. Nur
außerhalb inder Umgebungtreten sie auf,sind jedoch nicht sehr zahlreich
und weichen in ihrer Form nicht von dem gewöhnlichen Typus ab.
Ebenso fehlen unter der Kappe als überflüssig die verästelten Pıgment-
zellen, die auch erst außerhalb des Randes auftreten, wo das wir
verlaufende Bindegewebe allmählich in das regelmäßig geschichtete
Corium des umgebenden Integumentes übergeht. Das Bild, welches der
distale Höcker zeigt, ist insofern anders, als die einzelnen Schichten
dünner sind. Die schwarze Hornkappe finde ich bei meinen Präparaten
nur etwa 10 u dick. Das Stratum germinativum erscheint nicht so
zellenreich, wie im anderen Höcker und besitzt einen Durchmesser
von etwa 30 «. Zwischen dem Vorsprung des Metacarpus und der
Epidermis bleibt für das innerhalb der Hornkappe ebenfalls unregel-
mäßig verlaufende Bindegewebe nur ein Abstand von etwa 150 u.
Diese schwächere Ausbildung der Schichten, besonders der Hornkappe,
dürfte daraus zu erklären sein, daß der Fortsatz des Metacarpus allein
schon dem distalen Ballen genügende Festigkeit gewährt. Bei dem
Höcker, der dem rudimentären Daumen mit seinen teilweise noch
unverkalkten Knorpeln aufsitzt, muß eine bedeutend dickere Hornkappe
dem ganzen Gebilde die zu seiner Funktion notwendige Härte geben.
Drüsen und verästelte Pigmentzellen treten auch am distalen Höcker
erst nach Aufhören der schwarzen Hornschicht auf und zeigen in der
umgebenden Haut keine Eigentümlichkeiten.
Der Umstand, daß Wagler (1830) in seiner Abbildung eines männ-
lichen Exemplars von O'ystignathus pachypus (= Leptodactylus ocellatus)
die beiden Höcker an der Hand als Anschwellungen ohne schwarze
Hornkappen darstellt, und daß Mayer (1835) bei Rana pachypus
(= L. ocellatus) den Metacarpalhöcker einfach als einen „mit Haut
überzogenen Knochenfortsatz‘‘ schildert, läßt vermuten, daß die
beiden Hornbildungen bei den männlichen Tieren dieser Species nicht
dauernd in der Weise erhalten bleiben, wie ich sie vorhin geschildert
habe. Wahrscheinlich schwindet außerhalb der Brunstzeit die Horn-
kappe, wie dieses von Boulenger (1882) ausdrücklich für die ent-
sprechenden Gebilde von Leptodactylus pentadactylus hervorgehoben
wird. Die Frage, wie weit derartige Veränderungen gehen, würde sich
natürlich nur bei genügender Menge von Untersuchungsmaterial
beantworten lassen.
* *
*
Literatur.
1754. Linnaeus, Carol. Museum S. R. M. Adolphi Frideriei Regis
Svecorum. Holmiae 1754. II. Prod. p. 39.
1825. Spix, Joa. Bapt. Ranae et Testudinis brasiliensis species
novae, cum tabb. XXXIX color. Monachini 1825 p. 26. pl. 2 und p. 30
pl. 6. fig. 2.
86 Dr. phil. Martin Boldt.
1825. Wied, Maximilian Prinz zu. Beiträge zur Naturgeschichte
von Brasilien. Bd.I. p. 540.
1830. Wagler, Joa. Natürliches System der Amphibien, mit
vorangehender Classification der Säugetiere u. Vögel. Stuttgart
1830. p. 202.
1830. Derselbe. Descriptiones et icones Amphibiorum.
Fasc. II. pl. XXI. Stuttgart 1830.
1835. Mayer, A. F. J. €. Analecten für vergleichende Anatomie.
Bonn 1835.
1841. Dumeril, A. M. €. et Bibron, 6. Erpetologie generale ou
histoire naturelle complete des Reptiles. T. VIII. p. 396. Paris 1841.
1853. Girard, Ch. Reptiles of the U. S. Explor. Exped. 2. Part.
Batrachians exotic to North America. in: Proceed. d. Acad. Nat. Se.
Philad. Vol. 6. 1853. p. 420.
1858. Günther, A. Catalogue of the Batrachia Salientia in the
British Museum. London 1858. p. 27.
1859. de Castelnau, Franeis. Expedition dans les cing parties
centrales de ’Amörique du Sud pendant les annees 1843— 1847. 7. Partie
Zoologie. Paris 1859. (Guichenot, Amphibien).
1861. Burmeister, H. Reise durch die La Plata-Staaten. — Nebst
einer systematischen Übersicht der beobachteten Rückgratthiere.. Bd. I.
Halle 1861. p. 532.
1862. Reinhardt, J. und Lütken, Ch. Bidrag til kundskab om
Brasiliens Padder og Krybdyr. In: Videnskabelige Meddelelser fra d.
naturhist. Foren. i Kjöbenhavn 1862. p. 163.
1867. Hensel, R. Beiträge zur Kenntnis der Wirbelthiere Süd-
brasiliens. In: Arch. f. Naturgesch. 1867. p. 123.
1873. Peters, W. Über die von Se in Brasilien gesammelten
Batrachier des kgl. Naturalienkabinets zu München. In: Berl.
Monatsber. (1872) 1873. p. 199.
1873. Hoffmann, €. K. Amphibien. In: Bronns Klassen u.
Ordnungen des Thierreichs. Leipzig 1873—78.
1882. Boulenger, 6. A. Catalogue of the Batrachia salienta s.
Ecaudata in the Collection of the British Museum. London, 1882.
p. 247.
1888. Howes, 6. B. and Ridewood, W. On the carpus and tarsus
of the Anura. Proc. Zool. Soc. 1888, p. 141—182, Pl. VII—IX.
Tagfalter und Schwärmer aus Abyssinien,
gesammelt von Herrn A. Kostlan.
Von
Embrik Strand.
Rhopalocera.
Fam. Danaididae.
1. Danaida chrysippus L. f. chrysippus L. 9 dS von: Eli 12.—
31. X. 08. — 15 99 ebenda 27. IX.—29. X. 08. — Zwei 22 von Eli
10. X. 08 bilden den Übergang zu v. aleippus Cr., die auch durch ein
typisches Pärchen dieser Form vertreten ist, von denen das d von
Addis Abeba 4. VII. 07, das von Elı 22. X. 08 stammt. — Ein $ von
Eli 10. X. 08 kann der var. orientis (Auriv.) Strand zugerechnet werden.
2. Danaida dorippus Klug. — 16 $3 von Eli 7.—29. X. 08, Addis
Abeba 21. VI. 07 und 12. VII. 07. — 35 22 von: Eli 29. IX.—830. X. 08,
eins am Fluß 12. IX. 08). — Von der ab. transiens Suff. liegt ein Pärchen
von Eli 30. X. 1908, von var. albinus Lanz je ein von Eli 30. X. und
10. X., ein @ von 9. X. und 2 ohne nähere Bezeichnung.
3. Danaida (Tirumala) limniace Or. v. petiverana Doubl. — Ein &
ohne nähere Bezeichnung.
4. Danaida (Melinda) formosa Godm. var. neumannı Rothsch.
— 2 dd von: Eli 28. IX. und 9. X. 08.
Fam. Nymphalididae.
Subfam. Acraeinae.
5. Acraea eliana Strand n.sp. cum ab. toka Strand n. ab.!). Je
ein d von: Eli 13. X. und 15. X. 1908, ein @ ohne nähere Bezeichnung.
&. Mit A. intermediana Strand (in: Mitteil. d. Zoolog. Mus. Berlin,
Bd. V. p. 283—4, fig.) nahe verwandt, aber größer (Flügelspannung
42 mm, Flügellänge 23 mm), an der Oberseite der Vorderflügel ist
der schwarze Fleck in der Mitte der Zelle größer, dreieckig und fließt
mit der schwarzen Vorderrandbinde zusammen, der schwarze Schräg-
fleck am Ende der Zelle erstreckt sich bis zu und fließt, wenn auch
nur als ein schmaler Strich, mit der schwarzen Saumbinde zusammen,
ist aber am Vorderrande erweitert und bildet somit eine entfernt drei-
eckige Figur (Binde), die auf der Rippe 4 linienschmal unterbrochen
sein kann; das zwischen dieser Binde und der Apicalbinde eingeschlossene
Feld von der Grundfarbe bildet eine schmälere und mehr senkrecht
auf den Vorderrand gerichtete Binde als bei intermediana, und der
!) Die Typen sämtlicher im Folgenden beschriebenen Novitäten gehören
dem Berliner Museum.
88 Embrik Strand: Tagfalter und Schwärmer
Proximalrand dieser Binde ist ganz gerade. — An der Unterseite der
Vorderflügel ist die schwarze Schrägbinde am Ende der Zelle viel
weniger scharf markiert als an der Oberseite und auch als bei :nter-
mediana und schließt außerdem zwei helle Längsschrägflecke ein,
fließt aber nicht oder kaum mit der Saumbinde zusammen, die CostaJ-
binde erscheint graugrünlich statt schwarz; der schwarze Fleck in der
Zelle kann deutlich vorhanden sein oder bisweilen fast kaum zu
erkennen, immer aber viel kleiner als an der Oberseite und isoliert.
An der Unterseite der Hinterflügel ist die helle Postmedianbinde breiter
als bei intermediana (3 mm breit) und ohne daß dunklere Bestäubung
eingemischt ist; die Mittelbinde zeigt keine braune Bestäubung, ist aber
größtenteils rot, dies Rote ist aber am Innenrande breit, am Vorderrande
sowie auf den Rippen ganz schmal unterbrochen; die schwarzen Flecke
sind tiefschwarz und scharf markiert, fast alle sind in die Quere aus-
gezogen und zwar bildet derjenige im Felde lc eine winkelförmige,
saumwärts offene Figur, der Discozellularfleck ist stark in die Quere
ausgezogen und saumwärts schwach konkav gebogen. Das Wurzelfeld
ist von derselben hell ockergelblichen Grundfärbung wie die Post-
medianbinde und ist nicht wie bei intermediana dunkler bestäubt.
Der schwarze Discalfleck im Felde 3 kann vorhanden sein oder fehlen;
die Reihe dieser Flecke ist weniger scharf winklig gebrochen als bei
intermediana, die Spitze des Winkels liegt aber wie bei letzterer im
Felde 4. Der in der Mitte der Zelle gelegene schwarze Fleck der Ante-
medianreihe ist von dem Discozellularfleck weniger weit als von dem
Basalfleck der Zelle entfernt, während es bei intermediana umgekehrt ist.
Q (leider nicht ausgezeichnet erhalten!) ist größer (Flügelspannung
50, Flügellänge 26,5 mm) und blasser gefärbt mit, jedenfalls im Wurzel-
felde der Vorderflügel bräunlichem Anflug, die schwarzen Zeichnungen
sind wahrscheinlich nicht so tiefschwarz. Sie weichen von denen des {
dadurch ab, daß die schwarze Schrägbinde der Vorderflügel mitten
(d. h. auf der Rippe 4) sehr deutlich unterbrochen ist, der Distalrand
der hellen Subapicalbinde ist wurzelwärts konvex gebogen, die hellen
Saumflecke sind größer und mehr dreieckig. In der Mittelbinde der
Unterseite der Hinterflügel sind nur zwei rote, ziemlich schmale Längs-
streifen vorhanden und zwar je einer in dem Felde lc und der Zelle;
vielleicht wäre aber die rote Bestäubung bei frischen Individuen
ausgedehnter. Die schwarzen Flecke der Unterseite der Hinterflügel
sind größer und mehr rundlich als beim $; der Diskalfleck im Felde 3
fehlt.
dab. Von Eli 11. X. 08 liegt ein & vor, das wohl ohne Zweifel
eine Aberration dieser Art bildet. Der schwarze Mittelfleck der Ober-
seite der Vorderflügel ist groß, abgerundet und von der Vorderrand-
binde linienschmal getrennt. An der Unterseite der Hinterflügel
sind die Diskalflecke in der Anzahl 8 vorhanden, groß und bilden eine
dichte Reihe und in der Mittelbinde sind, wie beim 9, nur zwei kleine
ıote Flecke vorhanden; die innere Grenzlinie der Saumbinde ist schwarz
(bei der f. pr. rötlich). Ich nenne diese Form ab. toka m.
6. Acraea alicia Sharpe. — Ein & ohne Notiz.
aus Abyssinien, gesammelt von Herrn A. Kostlan. 89
7. Acraea encedon L. f. pr. — 2 83 von Addis Abeba März 1907,
1 9 Eli 13. X. 08. — Eine an infumata Stgr. erinnernde Form liegt in
3 &d und 2 99 vor von: Eli 22. X. und 10. X. 08, während die Form
Iycia F. durch nicht weniger als 104 $& und 16 992 vertreten ist, welche
von folgenden Lokalitäten stammen, fast alle von: Eli im Laufe vom
Oktober z. T. „auf Wiese“ gefangen, vereinzelt von: Marocko
(Abyssinien) 16.IX.08. Unter den $& von lycia findet sich ein ver-
krüppeltes unsymmetrisches Exemplar, dessen rechter Vorderflügel
28mm, der linke nur 24mm lang ist, während an dem Hinter-
flügel das Verhältnis umgekehrt ist: rechts 19, links 20 mm lang. —
Ab. necoda Hew. ist durch 3 $& von Addis Abeba, März 1907 und 19
von Eli 31. X. vertreten, während ab. daira Godm. Salv. 234 von Eli
10.—12. X. und 3 22 ebenda 10. X. aufweist.
8. Acraea safie Feld. (antinorii Oberth. fig.). — 6 dd ohne nähere
Angabe.
Subfam. Nymphalidinae.
9. Atella columbina Cr. 10 $& von: Marokko (Abyss.) am Fluß
4. VIII. 08, ebenda 17. IX., je ein @ von Eli 7.X. und 20. X. 08.
10. Atella phalantha Dr. v. aethiopica Rothsch. Jord. 7 $& von Eli
8.X.—9.X., 19 von Eli 20. X. 08.
ll. Pyrameis abyssinica Feld. 234 1 9, gesammelt „im Garten“
2. II. 1907 und 5. II. 1907, wahrscheinlich von Addis Abeba.
12. Pyrameis cardui L. vertreten durch 55 3 und 50 29, sowie
5 Ex. ohne Vorderbeine und daher fraglichen Geschlechts. Die J&
sind von: Addis Abeba 20.—26. VI. 07—4. VII. 07, Eli 26. IX. bis
Ende Oktober; die 22 ebenda von Mitte September bis Ende Oktober.
13. Precis orithya L. v. madagascariensis Guen. — 16 d& von Elı,
Ende Oktober; ein Exemplar ist „15. 4. 07° datiert.
14. Precis clelia Cr. Nicht weniger als 235 $& und 50 22 liegen
vor, die von Eli stammen und im Laufe vom Oktober gesammelt
wurden; ein & ist von: „unterhalb Antotos, Mai 1907‘, eins von „Eli
12. IX. 07, am Fluß“, eins ebenda: „16. IX. 07, auf Wiese‘.
Unter all:n diesen Exemplaren sind natürlich mehrere aberrative
Formen vertreten, von denen einige hier mögen besprochen werden:
Ab. bipupillata Strand n. ab. 2. 2 Ex. von Eli, Oktbr. — Zeichnet
sich dadurch aus, daß vor der vorderen Ocelle der Hinterflügel eine
zweite kleinere Ocelle gelegen ist, die mit der großen verbunden ist,
indem die roten begrenzenden Ringe beider Ocellen an der Peripherie
sich verbinden, aber nicht zur Bildung eines gemeinsamen Ringes
zusammenschmelzen. — Das eine dieser Exemplare bildet den Über-
gang zu
Ab. triocellata Strand 1911 (in: Internat. Entom. Zeits. p. 219 sq.),
wovon außerdem drei mehr typische Exemplare vorliegen.
Ab. posterior Strand n.ab. Ein®Q von Eli 8.X.08. — Ist wie bi-
pupillata mit einer überzähligen Ocelle versehen, die mit der vorderen
der beiden ordinären Ocellen der Hinterflügel verbunden, aberhinter
dieser gelegen ist. — Ein zweites Exemplar weicht dadurch ab, daß
90 Embrik Strand: Tagfalter und Schwärmer
die kleine Ocelle höchst undeutlich, nur durch eine schmale Linie,
von der großen Ocelle getrennt ist, so daß beide in einem gemein-
samen roten Ring eingeschlossen zu sein scheinen.
Ab. subtriocellata Strand n.ab. 2 von Eli 15.X%.08. — Wie
triocellata, aber von der vorderen kleinen Ocelle ist nur der rote Rand-
ring, der sich aber auch über das Innere der Ocelle verbreitet hat,
vorhanden; diese Ocelle erscheint also als ein roter, halbkreisförmiger,
hinten quergeschnittener und daselbst mit dem Randring der großen
Mittelocelle verbundener Fleck, der bisweilen im Inneren einen höchst
undeutlichen dunklen Fleck zeigt.
Ab. subbipupillata Strand n. ab. 2 22 von Eli 5. X. 08. — Wie
bipupillata, aber die an der Vorderseite der großen vorderen ÖOcelle
der Hinterflügel gelegene kleinere Ocelle ist ganz rudimentär und nur
durch eine stumpf zahnförmige, nach vorn gerichtete Verlängerung
des roten Randringes der großen Ocelle angedeutet.
Ab. virilis Strand n. ab. ist eine weibliche Form mit großem blauen
Hinterflügelfleck wie bei den dd. — Type von Eli 29. X. 08.
15. Precis oenone L. v. cebrene Trim. — 72 $& 28 22. Von Eli, im
Oktober, vereinzelt im September (,,12. IX. 07, am Fluß“), ein stark
geflogenes Ex. von „Marocko in Abyssinien 24. 7. 07, am Weg.“
16. Precis sophia F. ab. leucotincta Strand. Eind von Eli 23. X. 07.
17. Precis octavia Cr. f. pr. 59 84, 4 22 sowie 3 unsicheren Ge-
schlechts, weil die Vorderbeine fehlen. Alles von Eli, Oktober und
Ende September. — Var. amestris Dr., von Eli, Oktbr.: 9 & 2 29.
18. Precis milonia Feld. var. 3&&. Ohne nähere Angabe.
19. Precis chorimene Guer. 8J& 5 29 von der f. pr. und 5 Sg der
ab. orthosia Kl. Alles von Eli, Oktbr. und Ende Septbr., z. T. „auf
Wiese“.
20. Hypolimnas misippus L. f. pr. 41 $3 11 22 von Eli, Oktober
und Ende Septbr. Ab. inaria Cr. ist durch 7 22 vertreten.
21. Eurytela dryope Cr. v. angulata Auriv. — 633 5 99 von Eli
25. IX. und X. 1908.
22. Byblia ilithyia Dr. v. polinice Cr. Ein 2 ohne Angabe des
Fundorts.
23. Byblia acheloia Wallgr. v. vulgaris Stgr. 51 SS 19 ?Q von Bli,
Ende Septbr. und ganz Oktbr., ein Ex. ist etikettiert „auf Wiese
25. VII.08. Marocko in Abyssinien“. — Ab. albitrimaculata Strand.
1 & von Eli 6. X. 08.
24. Neptis agatha Stoll. 53& 12 von Eli 13.—15. X. 08.
25. Pseudacraea lucretia Cr. v. expansa Butl. ab. eliana Strand.
1 2 von Eli 16. X. 08.
26. Charazes candiope Godt. f. pr. Ein &: Eli 20. X. 08.
27. Charazxes etheocles Cr. v. viola Butl. 1& Eli 30. IX. 08 auf Wiese.
Fam. Libytheidae.
28. Libythea labdaca Westw. 3 $&, von denen das eine, von „Bli
29. IX. 08 auf Wiese‘ stammend, typisch ist, das zweite von „Marocko,
aus Abyssinien, gesammelt von Herrn A. Kostlan. 91
am Fluß 4. VIII. 08“, den Übergang zur f. werneri Fruhst. bildet,
während das dritte, ohne Lokalitäts- oder Datumangabe, werner:
jedenfalls sehr nahestehend ist.
Fam. Lycaenidae.
29. Axiocerses perion Cr. Ein $ von „unterhalb Antotos, Mai 1907“.
30. Leptomyrina boschi Strand. Unicum ohne nähere Angabe.
31. Zycaenesthes princeps Butl. Ein $ von Eli 28. IX. 08.
32. Lycaenesthes ligures Hew. var. liguroides Strand. 6 JS von
Eli vom Ende September und Anfang Oktober.
33. Cupido (Uranotheuma) nubifer Trim. v. distinctesignatus
Strand. 7 $3 von Eli, Ende Septbr. und Anfang Oktbr.
34. Cupido (Hyreus) palemon Cr. Ein $ von unterhalb Antotos
3. VI. 1907.
35. Cupido (Tarucus) telicanus Lang v. plinius F.113$&$ 1%. Ende
Septbr., Anf. Oktbr., 1& von Marocko 4. VIII. 08. „Auf Wiese‘ oder
„am Fluß“ gesammelt.
36. Cupido (Azanus) sigillatus Butl. 1834 3 22 Eli, Ende Septbr.,
am Fluß gesammelt, ein 2 „auf Wiese“. Ein 3 von ‚„Marocko, am
Fluß, 4. VIII. 08.“
37. Cupido (Azanus) ubaldus Cr. Ein 2 vom Mai 1907, bei Antoto
gesammelt.
38. Cupido (Polyommatus) baeticus L. 17 $& 19. Eli Ende Septbr.
bis 22.Oktbr. Addis Abeba, im März (Unicum). Zum Teil „am Busch-
rand“ oder „am Waldrand“ gesammelt.
39. Cupido celaeus Cr. v. abyssinensis Strand. 4 $& 3 92 von Eli
Anf. Oktbr.
40. Cupido elicola Strand. 2 von Eli 1.—5. X. 08.
41. Cupido antoto Strand. Ein von unterhalb Antotos, Mai 1907.
42. Cupido messapus Godt. Ein Q von unterhalb Antotos 3.VI. 1907.
43. Cupido messapus Godt. ab trisignatus Strand. Ein $ ebenda.
44. Cupido (Neolycaena) eissus Godt. 17 $& von Eli 1.—20. X. 1908.
45. Cupido antanossa Mab. Ein $ von Eli 28. IX. 08 auf Wiese.
46. Cupido gaika Trim. Ein $ von Eli 25. IX. 08 am Fluß.
47. Heodes abboti Holl. Ein $ von Eli 20. X. 08.
Fam. Pierididae.
48. Mylothris agathina Cr. Ein $ und 10 22 von: unterhalb
Antotos bei Addis Abeba, Mai 1907 und 3. VI. 07; Eli 9.—10. X. 08;
Addis Abeba 24. I. 1907 und 4. VII. 07.
49. Pieris gidica Godt. v. westwoodi Wallgr. 32 $&$ 2 92 von Eli,
Ende Septbr. und Oktbr.
50. Pieris severina Cr. Ein $ von Eli 1. X. 08 auf Wiese. — 15 3%
16 22 der var. boguensis Feld. von Eli im Oktober, vereinzelt auch von
Addis Abeba 26. VI. 07.
51. Pieris (Pinacopteryx) orbona Geyer v. vidua Butl. 17 $& von
Eli 13. IX.—3. X., Marokko 4. VIII. 08 (Unicum).
92 Embrik Strand: Tagfalter und Schwärmer
52. Pieris (Pinacopteryx) pigea Boisd. v. alba Wallgr. 2038 von Eli
13. IX.—7. X., vereinzelt von Marocko (in Abyss.) 28. VII. 1908
bis 4. VIII. 08.
53. Pieris (Pinacopteryz) elia Strand n.sp. Ein ? von Eli auf Wiese
13.1IX. 1908. — AlleFlügel obenlebhaft gelb gefärbt mit orangegelblichem
Anflug im Wurzelfelde, der Vorderrand linienschmal schwarz bestäubt;
diese schwarze Bestäubung des Vorderrandes erweitert sich im Saum-
felde bis zu einer Breite von 1,5 mm und setzt sich dann als ebenso
breite Saumbinde bis zu Rippe 5 fort, zwischen den Rippen 5—6 und
6—7 aber ganz schmal unterbrochen, außerdem an der Spitze der
Rippen 2—4 je ein kleiner schwarzer Fleck und ein ganz verschwindender
ebensolcher an der Spitze der Dorsalrippe; in der Mitte des Feldes 3
ein kleiner runder, schwarzer, vom Saume um 4 mm entfernter Fleck.
Hinterflügel in der hinteren Hälfte des Saumfeldes und der äußeren des
Innenrandes schwach orangegelblich angeflogen, am Saume eine Reihe
von 7 kleinen schwarzen Punktflecken. Unterseite der Hinterflügel ein-
farbig orangegelb; die schwarzen Saumpunkte wie oben. Unterseite der
Vorderflügel im Wurzelfelde, in der ganzen Zelle und in der Apical-
hälfte des Saumfeldes orangegelb; oben andere schwarze Zeichnungen
als der schwarze Fleck im Felde 3, der ebenso deutlich wie an der Ober-
seite ist. Körper oben schwarz, mit grauweißlicher abstehender Be-
haarung, Gesicht und Brust gelb behaart, Bauch weißlich behaart.
Flügelspannung 40, Flügellänge 22 mm. — Ob vielleicht das? zu Pieris
spilleri Spill. ?
54. Pieris abyssinibia Strand. Ein @ ohne Lokalitätsangabe.
55. Pieris gerda Sm. Kby. Zwei dd von Eli 20. X. 1908.
56. Pieris daplidice L. 388 3 29 von Eli 1. —22.X. 08.
57. Pieris brassicoides Guer. 5 JS 4 22 von Addis Abeba 25.—
30. I. 07, März 1907, 4. VII. 07, 4. VII. 07, 16. VII. 07.
58. Teracolus amatus F. var. calais Cr. 25 von Eli, 25. IX. und
12. X. 08.
59. Teracolus erıs Kl. 2 $& ohne nähere Angabe. — Dann 6 SG,
die einer noch unbeschriebenen Form angehören: var. erioides Strand
v..n., die sich durch Folgendes auszeichnet: Auf der Mitte der Disco-
cellulare ist ein kleines schwarzes Fleckchen, das wohl nur bei ganz
frischen Exemplaren erkennbar ist und auch bei solchen fehlen kann,
der Saum der Hinterflügel mit 5 mehr oder weniger deutlichen
schwarzen Flecken oder Punktflecken, der ganze Vorderrand der
Vorderflügel schwarz bestäubt. Die ganze Unterseite der Hinterflügel
und die Spitze oder die vordere Hälfte des Saumfeldes der Vorderflügel
schmutzig ockergelb gefärbt; letztere sind sonst im Grunde gelblich
weiß, das Schwarze der Oberseite schimmert durch und in der Mitte
der Felder 2 und 3 der Vorderflügel findet sich je ein schwarzer Fleck,
von denen der vordere viel größer sowie etwa dreieckig ist, während
der hintere wohl häufig ganz fehlt. Die Rippen 2—6 derselben Flügel
sind unten an der Spitze (auf dem Saume) durch je einen schwarzen
Punkt bezeichnet. Der Vorderrand der Hinterflügel ist orangegelb,
wenigstens in der basalen Hälfte. Die Vorderhälfte des Saumfeldes
aus Abyssinien, gesammelt von Herrn A, Kostlan. 93
der Vorderflügel ist an der Oberseite anscheinend ein wenig dunkler
als bei der /. pr., oben mit 6 ziemlich deutlichen helleren Längskeil-
flecke, von denen der hinterste der am schärfsten markierte ist und
meistens weißlich. Die Flügelspannung schwankt zwischen 47 und
42 mm.
60. Teracolus eupompe Kl. Ein Pärchen ohne nähere Angaben.
61. Teracolus achine Cr. 4 $& 7 99, die 4 verschiedenen Formen
angehören und von Eli (im Oktober) stammen.
62. Teracolus sp., scheint eine Form von daira Kl. zu sein. 83&
von Eli, Oktbr.; ein Krüppel von Elı 12. IX. 1908, dessen rechter
Hinterflügel einen Lappen bildet, der nur 6 mm lang und kaum 5 mm
breit ist.
. 63. Teracolus sp., ein nicht ausgezeichnet erhaltenes 2 von Eli
16.1X. Flügelspannung bloß 26 mm.
64. Eronia leda Boisd. f. pr. 45 3 2 29, von Eli, Oktober; ver-
einzelt von Marocko (Abyss.) 4. VIII. 08. Die ?2 sind 25.—30. IX.
gesammelt. — 3 92 der var. cygnophila Suff. von Eli 3.—12. X. 08.
— 1 der ab. pupillata Strand von Marocko (Ab.) 4. VIII., am Flusse.
65. Catopsilia florella F. 2 $S von Addis Abeba 25. X. 07 und
30. X. 07.
66. Terias senegalensis Boisd. f. pr. 18 von Eli 7. X. 08. — Var.
bisinuata Butl. 12 && 1 9 von Eli 26. IX.—20. X. 08, vereinzelt von
Marocko (Ab.) 4. VIII.
67. Terias floricola Boisd. v. ceres Butl. 43 von Eli, Anf. Oktbr.
68. Terias desjardinsi Boisd. v. regularıs Butl. 6 SS von 26. IX.
—8. X. 08. — Var. marshalli Butl. 3 3 7 22. Elı 24. IX.—30. X. 08.
69. Terias brigitta Cr. v. zoe Hopffi. 109 3& 8 22 von Eli 13. IX.
—22. X. 08.
70. Colias electo L. 436 I 75 22 von Elı 24. IX.—Ende X. Ver-
einzelt von Addis Abeba, März 1907. — Ab. aurivillius Keferst. 12 29
von Eli 26. IX.—29. X. — Ab. kostlanı Strand. 1Q von Eli 16. IX. 08.
Fam. Papilionidae.
71. Papilio dardanus Brown v. antinorii Oberth. 15 SS 7 22 von
Eli 26. IX. bis 20. X. 08.
72. Papilhio nireus L. v. pseudonireus Feld. 2433 4 22 von Anfang
Oktober.
73. Papilio aethiops Rothsch. Jord. (cf. Strand in: Entomo-
logische Rundschau 1911... 1433 12 von Eli 12. IX. —30.X.
— Ab. elicola Strand. 15 ohne Lokalitätsangabe.
74. Papilio demodocus Esp. 38 3 8 22 von Eli 29. IX.—20. X.
Anm. Die Hesperiiden werden später, zusammen mit Heterocera
behandelt werden.
Sphinges.
1. Herse convolvuli L. Addis Abeba, abends im Garten; ebenda
in der Dämmerung 30. X. 07; do. abends 20.—27. V1. 07; do. 10. VII. 07
Eli 9.X.08; Addis Abeba 6. 1I.07 und ,5/08“;
94 Embrik Strand. Carl Schirmer.
2. Acherontia atropos L. Unicum von Eli 14. IX.
3. Cephenodes hylas L. f. virescens Wallgr. Unicum in Addis Abeba,
am Tage gefangen (26. VI. 07).
4. Nephele vau WIk. Eli 2.—10. X. 08; Addis Abeba 15. IV., 30. V.,
12. VIL, 17.—26. VI, 5. XI. 07.
5. Temnora pseudopylas Rothsch. f. pr. Unicum vom 30. V. 07.
6. Macroglossum trochilus Hbn. Eli 29.1X.08. Addis Abeba
10. VII. 07.
7. Celerio lineata F. v. livornica Esp. Addis Abeba 17. VI. 07.
8. Basiothia medea \'. Eli 12. IX. 08 an blühendem Baum in der
Dämmerung; ebenda 20. X. 08; Addis Abeba 25. X. 07.
9. Hippotion celerio L. Eli 2.X.08 u. 28. IX. 08; Addis Abeba
in der Dämmerung 5. XI. 07, 17.—27. VI. 07, 30. V. 07, 10. VII. 07.
10. Hippotion eson Cr. Addis Abeba 10. VII. 07, 22. VI. 07,
22. VI. 07. Eli 6. —9. X. 08.
* *
*
Sämtliche Typen gehören dem Kgl. Zoologischen Museum zu Berlin,
Beiträge zur Kenntnis einheimischer
Orthopteren.
Von
Carl Schirmer.
Über einige Stenobothrus-Arten ist man immer noch geteilter
Meinung, trotzdem diese Tiere so zahlreich überall auftreten und so
leicht gesammelt werden können. Manche Art gilt als selten, die es
durchaus nicht ist und erst bei näherer Bekanntschaft mit dieser
springenden Gesellschaft lernt man auch jene angeblich seltenen
Spezies kennen und an bestimmten Örtlichkeiten leicht finden.
Der diesjährige (1911) so abnorm heiße Sommer hatte den Ortho-
pteren vielfach die Existenzmöglichkeit genommen, da Gras und Kraut
verdorrt und der Boden ausgetrocknet war. An vielen Orten, namentlich
auch in der Umgebung von Berlin, in den heißen Kiefernwaldungen,
war die Bodendecke in Sand und Asche aufgelöst, ohne jede Spur von
Vegetation. Auf der Suche nach Stenobothrus-Arten lernte ich zwei
Stellen kennen, die mir besonders interessant waren. Hier hatten die
genannten Tiere in der Einöde ringsum geradezu Schutz gesucht und
Beiträge zur Kenntnis einheimischer Orthopteren. 95
gefunden und waren nicht nur in großer Individuenzahl, sondern auch
in merkwürdigem Artenreichtum vertreten.
I j Die eine Stelle liegt in dem dürftigen Grunewald, unweit jener
Stätte, wohin in Kurzem zu den bereits vorhandenen Museen und
öffentlichen Gärten noch neue aus Berlin hinzutreten sollen, also in
Dahlem ‚bei der Königl. Biologischen Anstalt und dem Botanischen
Garten.
Dort hatten sich in dem kläglich aussehenden Walde, in einer
talartigen Vertiefung, noch einige Adlerfarne, halb grün, halb versengt
erhalten und an einer kleinen Stelle in der Mitte wuchsen noch die
Überreste einer Binse, die in noch grüner Verfassung sagen wollten,
daß es unter normalen Umständen hier etwas sumpfig ist. Das Gras
war meist ganz gelb, nur einige niedrige Heidepolster am Abhange
bewahrten noch ein lebendiges Aussehen. Hier hatten sich folgende
Stenobothrus-Arten hingeflüchtet und waren in ziemlicher Anzahl
zu finden: Im Grunde um Farne und Binsen lebte St. viridulus L. in
großer Zahl, mit grünen und gelben Männchen, sprang vereinzelt ein
St. lineatus Panz. und St. dorsatus Zett. herum, an den Abhängen
jedoch waren zahlreiche St. haemorrhoidalisCharp. namentlich $& und
St. biguttulus in allen Farbenabweichungen zu finden, untermischt mit
Gomphocerus maculatus Thunb. und Oedipoda coerulescens L. Die
andere Örtlichkeit befindet sich hart am Teltowkanal an einer be-
fahrenen Straße und geht von dieser in eine Wiese und dann in einen
Sumpf über. An der Straße verstaubte Dolden von Achillea mille-
folium, meist rosablüthig, und völlig versengte Gräser, weiter hin halb-
welke kurze Brennesselstauden und noch weiter dann trotz aller Hitze
eine saftige Wiesenflora; zusammengesetzt aus Ampfer, Fingerkraut und
Doldengewächsen. Noch weiter zu gehen verbot sich von selbst, da der
Boden lebhaft schwankte ‚und tiefe Löcher, in‘ denen noch Feuchtigkeit
zu finden war, zur Vorsicht mahnten. In diesem Sommer war es möglich
diese Gegend zu betreten, die inianderen Jahren jedoch wohl kaum
passierbar ist.
Interessant war die Reihenfolge der Stenobothrus-Arten, die hier
lebten.. Oben an der Landstraße, bestaubt"und in der Sonne sehr be-
weglich: St. haemorrhoidalis und biguttulus, letzterer recht helle Farben
zeigend. Nur wenig weiter: St. viridulus und lineatus, zwischen den
Brennesselstauden St. apricarius in Menge, da wo der Ampfer sich
ausbreitete: St. elegans, die als selten genannte Art in verschiedenen
Farbenvarietäten und in großer Anzahl.
Auf schon schwankendem Terrain endlich die beiden Stenobothrus,
die stets da zu finden sind, wo es feucht ist: St. dorsatus und parallelus
und außerdem schon durch sein Flugvermögen auffallend: Mecostethus
grossus L. Hier galt es namentlich die Arten elegans und apricarius
einzufangen, die ich bei Berlin noch nicht gesammelt hatte. Da aber
elegans und dorsatus sich sehr ähnlich sind, mußte ich beide in Anzahl
mitnehmen, namentlich bei einer zweiten Exkursion, da bei der ersten
mir von einigen Abweichungen nur eine Probe in’s Netz gegangen war.
Möge es mir gestattet sein über die Arten elegans, dorsatus, parallelus
96 Carl Schirmer:
und apricarius hinsichtlich ihrer Variabilität nachstehend Einiges zu
bemerken.
Stenobothrus elegans Charp. In den mir vorliegenden drei Werken
über Orthopteren: Tümpel, Fröhlich und Redtenbacher steht bei dieser
Art übereinstimmend: „ziemlich selten in ganz Mitteleuropa, auf
grasigen Plätzen und feuchten Wiesen“. Um Berlin war mir diese Art
noch nicht vorgekommen, trotzdem sie nach älteren Angaben bei Tegel,
in der Jungfernheide und am Müggelsee, nach neueren bei Hermsdorf
und im Grunewald gefangen sein soll. Was kann man aber bei der fast
unheimlich wachsenden Ausdehnung der Stadt Berlin und der Vor-
orte noch auf alte Fundortangaben heute geben!
Nach dem vor mir liegenden Material kann ich von St. elegans
vier Hauptformen unterscheiden, ohne im Sinne zu haben diese nach
moderner Art mit Namen zu versehen:
l. eine gelbgraue Form, Pronotum mit oder ohne schwärzliche
Längsstreifen und hell graugelben Hinterschenkeln, im männl. wie
weibl. Geschlecht, einige Stücke auch ausgesprochen grau mit gelbem
Randstreifen.
2. Körper gelbbräunlich; Kopf, Pronotum oben und Deckflügel
hellgrün bis dunkelgrün, mit und ohne schwärzliche Längsstreifen
oben auf dem Pronotum. Hinterschenkel wie der Körper gefärbt.
Männchen in dieser Färbung sehr selten.
3. Körper ganz hellgrün; Kopf, Pronotum und Deckflügel gelb-
bräunlich mit schwarzen Pronotum - Längsstreifen und hellgrünen
Hinterschenkeln. Männchen sind mir in dieser Färbung, die im um-
gekehrten Verhältnis zu No. 2 steht, nur selten vorgekommen.
4. eine ganz grüne Form, bei der nur der Leib gelblich ist!).
Der gelblich weiße Randstreifen ist allen vier Formen im weibl.
Geschlecht eigen, fehlt aber bei den $& oder ist schwach angedeutet.
Ähnlich wie elegans variiert auch die ihr so nahe stehende Art St.
dorsatus Zett.
1. in einer unter No. 1 der elegans entsprechend gefärbten Form,
aber dunkelgrauer als diese.
Bei einem Ausflug nach Finkenkrug erbeutete ich nur diese graue
Form auf der Wiese hinter dem alten Finkenkrug, kein einziges
grünes Stück, höchstens gelbliche, die aber alle frisch waren. Dagegen
auf der großen Lake, ehe man zu dem Restaurant kommt, meist recht
helle. grüne Stücke, graue nur selten. Auch waren die gesammelten
1) Noch eine fünfte Form und gerade die interessanteste ist mir erst nach-
träglich bekannt geworden. Dieses Tierchen ist eines der reizendsten Ge-
schöpfe, das mir unter den heimischen Insekten je vorgekommen. Diese
Abart ist schön hellgrün mit gleichen Hinterschenkeln, violett - rotem Kopf
und Pronotum sowie ebensolchen Deckflügeln.. Um darauf aufmerksam zu
machen auf diese Seltenheit, möge diese Form einen Namen erhalten und
superbus m. heißen. Von dem Präparator Herrn Spaney im Norden Berlins,
bei Wittenau aufgefunden und dort auch von mir gesammelt. Das Königl.
Museum für Naturkunde besaß bis jetzt kein Stück dieser Form.
Beiträge zur Kenntnis einheimischer Orthopteren. 97
Stücke von Chrysochraon dispar auf dem ersteren Fundort nur grau,
keine rothen Exemplare, die auf den Wiesen an der Bahn jedoch vor-
kamen. Hellgrüne Stücke, wie sie Redtenbacher angibt, habe ich hier
noch nicht beobachtet, nur stud. Ramme fing solche im vorigen Jahre.
2. Körper bräunlich mit grünem Kopf, Pronotum und ebensolchen
Deckflügeln, aber bräunlichen Hinterschenkeln mit und ohne schwarze
Längsstreifen auf dem Pronotum.
3. in einer Form No. 3 bei elegans entsprechend und
4. in einer ganz grünen Form, nur am Bauche mehr gelbbräunlich,
analog der Form 4 von elegans.
Die Männchen gehören allen vier Formen an.
Auch bei St. parallelus Zett. kann man stets zwei Formen unter-
scheiden:
l. eine ganz grüne Form und
2. eine rotbraune Form, bei der der Körper und die Hinterschenkel
grün, der Kopf, das Pronotum oben und die Deckflügel rotbraun sind
mit schwarzen Längsstreifen auf dem Pronotum, ähnlich wie St. lineatus
gezeichnet an dieser Stelle. Die langflügeligen Männchen gehören
beiden Formen an.
Was nun St. apricarius L. anbetrifft, so gehört wohl das & in die
Gruppe, bei denen die Queradern im Diskoidalfelde mit einander
parallel verlaufen, das Q aber zeigt bei allen hier gefangenen Stücken
unregelmäßig netzförmige Queradern im Diskoidalfelde und weicht
hierdurch vom $ völlig ab. Stettiner Expl. @ dagegen, die ich besitze,
haben vielmehr parallele Queradern, wenn auch nicht ganz so scharf
wie die dd.
Auch konnte ich bei den hiesigen Exemplaren feststellen, daß die
Deckflügel bei den Weibchen durchgängig kürzer sind als der Hinterleib,
bei manchen Stücken sogar erheblich kürzer, bei den Männchen dagegen
reichen die Deckflügel über den Körper hinaus.
St. apricarius L. soll nach Redtenbacher nicht häufig in ganz
Mittel- und Nordeuropa vorkommen. Meiner Meinung nach wird diese
Art häufig übersehen, wo sie vorkommt ist sie sicher gesellig.. Wenn
in dem Buche von Dr. Carl Fröhlich: „Die Odonaten und Orthopteren
Deutschlands mit besonderer Berücksichtigung der bei Aschaffenburg
vorkommenden Arten“, bei St. morio F. vermerkt steht: „In Nord-
deutschland auf Bergwiesen nicht häufig (Rud.)“, so dürfte sich diese
Bemerkung wohl nur auf den kleineren St. apricarius beziehen, nicht
auf den größeren morio. Alle meine Stücke aus Norddeutschland
(Brandenburg, Pommern, Mecklenburg) gehören zu apricarius und
trotz aller Mühe ist es mir noch nicht gelungen einen morio von dort
zu erhalten.
Archiv für Naturgeschichte
1911. 1. 3. SuppL 7
Sechs neue exotische Grossschmetterlinge.
Von
Embrik Strand.
Fam. Nymphalididae.
Anaea perwviana Strand n. sp. Ein 2 von 8. O. Peru 1903 (coll.
Niepelt). — Aus der indigotica-Gruppe. — Oberseite ähnelt sehr der von
Anaea indigotica Salv., aber auf den ersten Blick dadurch abweichend,
daß die gelbe Binde der Vorderflügelden Innenrand des Hinter-
winkels berührt; beide Ränder sowie die äußerste Spitze dieses Winkels
bleiben jedoch schwarz und zwar in einer Breite von 1/,—1 mm. Außer-
dem ist die Binde schmäler und weniger gebogen als bei indigotica;;
sie ist an dem linienschmal schwarzen Vorderrande 7—8 mm breit, von
der Wurzel um 14, von der Spitze des Flügels um 16,5 mm entfernt, ihr
Innenrand verläuft fast gerade, ist aber mehrmals fein eingeschnitten,
ihr Außenrand zeigt deutlicher eine saumwärts konvexe Krümmung,
ist aber ebenfalls mit seichten Einschnitten versehen, längs des Saumes,
der sowie die Fransen dunkel bleibt, ist die Binde 12, längs der Rippe 3
11,5 mm breit. Die Vorderhälfte des Saumenfeldes der Hinter-
flügel mit einer 5—6 mm breiten gelben Binde, die zwar schärfer
hervortritt als bei den mir vorliegenden Exemplaren von indigotica,
aber doch am Rande etwas verwischt ist; die hintere Hälfte desselben
Saumfeldes schwach gelblich angehaucht. — Die dunklen Querbinden
der Unterseitesind dunkler und schärfer markiert als bei indigotica,
die mediane Binde der Hinterflügel setzt sich im Saumfelde der Vorder-
flügel wenigstens bis zur Rippe 4 fort, die antemediane Binde der
Hinterflügel setzt sich im Vorderflügel bis zur Rippe 5 ganz gerade und
scharf markiert fort, ist zwischen 5 und 6 fast nicht zu erkennen und
verläuft dann fast senkrecht auf den Vorderrand, mit dem hinteren
Teil derselben einen Winkel bildend.. Vom Hinterrande der Disco-
cellulare verläuft eine gerade Binde oder Strich, parallel zu der Wurzel-
binde, bis zum Vorderrande; auch letztere ist im Vorderflügel schärfer
markiert als bei indigotica. — Vorderilügelspitze ein wenig spitzer als
bei indigotica 9, etwa wie bei indigotica 3.
Flügelspannung 56, Flügellänge 34, Fühlerlänge 13—14 mm.
Anm. In der ehemaligen Maassen’schen Sammlung, jetzt im
Berliner Museum, steckt ein Exemplar ohne Vaterland, das von Maassen
als Anaea placıida Druce bestimmt ist und zwar sicher richtig, indem
es mit der Abbildung dieser Art (in: Proc. Zoolog. Soc. 1877. t. LXII.
f. 4) übereinstimmt und außerdem hat Maassen wahrscheinlich die
Type in London gesehen. Dies Exemplar stimmt nun mit der im
Berliner Museum vorhandenen Type von Anaea cluvia Hopff., die
ebenso wie placida aus Bolivia beschrieben ist, vollkommen überein
Sechs neue exotische Großschmetterlinge. 99
und Anaea placida Druce 1877 ist daher ein Synonym
von A. clwia Hopff. 1874.
"Fam. Castnüidae.
Castnia bogota Strand n. sp. Ein $ von Bogota (Columbia) (coll.
W. Niepelt). — Gehört zu Westwoods Sectio I. — Im Vorderflügel ist
die Dorsalrippe la gegabelt. — Vorderflügel rotbraun, an der
Diseocellulare ein wenig dunkler, die schlecht erhaltenen Fransen sind
wenigstens nach hinten zu weißlich, vorn dagegen anscheinend braun.
Innenrand schmal schwarz. Unterseite orangegelb in der Mitte und
im Dorsalfelde, gegen die Wurzel stärker gerötet, am Vorderrande
eine ca. 2 mm breite Binde, die sich von der Mitte an allmählich saum-
wärts erweitert, in der Flügelspitze eine Breite von 7 mm erreicht
und sich dann nach hinten allmählich verschmälert und bis zur Rippe 2
reicht; von dann ab bis zum Innenrande setzt sie sich als eine schwarze,
innen dreimal tief gezähnte Binde fort. Schwarze Bestäubung im Saum-
felde findet sich übrigens auch bei den Rippen 3—5 und zwar als ein
den Saum nicht erreichender schmaler Längsstrich. Discocellularfleck
tiefschwarz, quergestellt und 2 X 1,2 mm groß. — Hinterflügel
oben und unten lebhaft orangefarben mit tiefschwarzer Saumbinde,
die 5 mm breit, vorn jedoch etwas verschmälert und innen fein gezähnt
ist; oben schließt sie in den Feldern 1—4 je einen ganz kleinen, bläulich-
schimmernden Fleck ein und unten, wo die Binde, quergeschnitten,
zwischen den Rippen 5 und 6 endet, sind solche Flecke ebenfalls vor-
handen und zwar noch erheblich größer. Rückenhälfte des Körpers
schwarz oder braunschwarz, Bauchhälfte und Extremitäten orange-
farbig. Antennen schwarz, der Kolben hellbräunlich. Flügelspannung
42, Flügellänge 25, Körperlänge 25 mm.
Fam. Saturnirdae.
Bunaea (Ubaena) carabella Strand n.sp. Ein @ von: Kassaifluß,
Kongo-Staat (coll.W.Niepelt). — Ist mit B. arabella Auriv.nahe verwandt,
aber die das Saumfeld der Vorderflügel innen begrenzende
dunkle Binde ist schmäler (ca. 1,5 mm breit), beiderseits gleich deutlich
wellig gebogen und innen von einer 2,5 mm breiten, schmutzig weißen
Binde begrenzt, welche den weißen Ring um das Auge tangiert. Das
Mittelfeld der Vorderflügel ist rötlich etwa wie das Wurzelfeld und wird
innen begrenzt von einer schmutzig weißlichen, ca. 5 mm breiten Quer-
binde, die um 11 mm von der Wurzel des Flügels entfernt ist, und mit
dem weißen Augenring durch einen die ganze Breite der Zelle ausfüllenden
Längsstreifen verbunden wird. — Im Hinterflügel verhält sich
die schwarze Querbinde und die diese innen begrenzende weiße Binde
genau wie im Vorderflügel, jedoch ist letztere um fast ihre eigne Breite
von dem weißen Augenring entfernt; letzterer ist schmäler als im
Vorderflügel und an zwei Stellen ganz oder fast ganz unterbrochen.
Das Wurzel- und Medianfeld gehen ohne Grenze in einander über,
7*
100 Embrik Strand:
sind graurötlich gefärbt (also heller als im Vorderflügel) und zwar ganz
einfarbig. Die Augen sind in beiden Flügeln den Saumfeldquerbinden
näher als bei arabella und haben den roten Ring trüber gefärbt, den
schwarzen Ring breiter als bei letzterer Art. Thoraxrücken ist einfarbig
rot. — Die Unterseite dürfte, so weit sich nach dem wenig guten
Vergleichsmaterial beurteilen läßt, von derjenigen von arabella haupt-
sächlich dadurch abweichen, daß das Wurzel- und Mittelfeld der Hinter-
flügel größtenteils gelb ist, nur im Dorsalfelde mit einer deutlichen
schwarzen Binde versehen; die Saumfeldquerbinden verhalten sich
wie oben. — Abdomen unten und an den Seiten gelb, letztere mit
schwarzen Querbinden. Brust und Beine scheinen wie bei arabella
zu sein, das Gesicht ist aber einfarbig gelb. Flügelspannung 10,3 mm.
Flügellänge 60 mm, Körperlänge 37” mm. Fühlerlänge 13mm. (Das
einzige zur Verfügung stehende Vergleichsexemplar von Bunaea
arabella Auriv. ist von Aurivillius selbst bestimmt, aber leider nicht
gut erhalten).
Fam. Janidae.
Dirphia brevifurca Strand n. sp. Ein 2 von Macas, Ecuador
(coll. Niepelt). — Mit D. targuinia Cr. verwandt, aber u.a. durch die an
beiden Enden verkürzte weißliche Längsbinde der Vorderflügel
zu unterscheiden ; diese Binde ist außerdem schmäler: mitten kaum 1 mm
breit und nach beiden Enden verjüngt, ihre äußere Spitze bleibt um
l mm von dem hellen Saumfelde, ihre innere um 16 mm von der Flügel-
wurzel entfernt. Der Querast der Gabelzeichnung ist 1,7 mm breit
und 6,5 mm lang, mitten gerade, an beiden Enden leicht gekrümmt
(bei targuinia ist die Krümmung mehr gleichmäßig). Wurzelfeld
dunkel rehbraun, ohne helle Grenzlinie, am Innenrande 17, am Vorder-
rande 5 mm lang; die äußere Grenze desselben zwischen der vorderen
Mittelrippe und dem Innenrande ist ganz gerade. Das Saumfeld ist
am Vorderrande 14 mm breit, längs der Rippe 2 mißt sie 9 mm; die
innere helle Partie ist mitten nur 4—5 mm breit, erweitert sich aber an
beiden Enden ‘plötzlich, so daß sie den Saum erreicht, allerdings auf
dem Vorderrande eine kleine dunklere dreieckige Partie einschließend.
— Hinterflügel dunkelbraun mit graulichem Anflug, im Wurzel-
felde mehr braungelblich ; auf der Discozellulare ein schwarzer, 3—4 mm
langer und ca. !1/, mm breiter Strich. Unterseite beider Flügel einfarbig,
wie die dunkle Partie der Oberseite der Hinterflügel. — Kopf und
Thorax bräunlich schwarz, Metathorax jedoch braungelblich behaart.
Abdomen schwarz mit 4 schmalen rotgelblichen Querbinden und eben-
solcher Spitze. — Antennen weiß. Flügelspannung 95, Flügellänge 50,
Körperlänge 30 mm.
Fam. Hepvalidae.
Dalaca indicata Strand n. sp. Ein & von Macas, Ecuador. (coll. W.
Niepelt). — Mit D. assa Druce von Guatemala am nächsten verwandt
und wahrscheinlich ist es die vorliegende Art Druce vor sich hatte,
Sechs neue exotische Großschmetterlinge. 101
als er der Beschreibung von Dalaca assa (in: Biologia Centr.-Amer.,
Heter. I. p. 232) folgende Bemerkung hinzufügte: „This species is
closely allied to an undeseribed one from Ecuador in my own collection.“
Von D. assa, so weit man diese nach der Beschreibung l. c. und
der Abbildung (l. e. tab. 24, £. 10) beurteilen kann, durch Folgendes
abweichend: Vorderflügel mit ziemlich scharf markierten, schwarzen,
heller umrandeten, kleinen, rundlichen oder ovalen Flecken, von
denen einige (etwa 8), eine Schrägreihe von kurz außerhalb
der Mitte des Innenrandes bis zum Vorderrande (daselbst von der
Spitze um 4 mm entfernt) bilden und etwa 7 längs dem Vorder-
rande einigermaßen regelmäßig angeordnet sind; ein vereinzelter
Fleck, der so groß wie die größten Flecke der erwähnten Schrägreihe ist,
findet sich in der Mitte des Dorsalfeldes, eine antemediane Schrägreihe
kleiner Flecke scheint vorhanden zu sein und in der Basalhälfte finden
sich mehrere, ziemlich dicht, aber unregelmäßig stehende kleine schwarze
Flecke. (Ob das Saumfeld besonders gezeichnet gewesen, ist an dem
vorliegenden Exemplar nicht mit Sicherheit zu ersehen). Während
bei assa nur ein einziger runder silberweißlicher Fleck vorhanden zu
sein scheint, sind deren hier drei nahe der Rippe 6 und zwar dicht
beisammengelegene, von der Flügelwurzel um 13 mm entfernte eben-
solche Flecke vorhanden und außerdem scheint ein vereinzelter eben-
solcher um 1 mm weiter wurzelwärts zu liegen. Ein schwarzer Längs-
streif aus der Wurzel, wie er bei assa vorhanden ist, fehlt hier ganz. —
Hinterflügel etwas dunkler als bei assa. — Die Unterseite beider Flügel
scheint, so weit nach diesem Exemplar zu urteilen ist, im Grunde
wie die Vorderflügel oben gefärbt, aber ganz zeichnungslos zu sein.
— Körper und Extremitäten scheinen wie bei assa zu sein. Flügel-
spannung 47, Flügellänge 23, Körperlänge 26 mm.
Fam. Noctuidae.
Sypna hieroglyphigera Strand n.sp. Ein $ von Macas, Ecuador
(coll. Niepelt). — Vorderflügel im Grunde weiß, dicht mit schwarzen
Fleckchen und Zickzacklinien gezeichnet: nahe der Basis drei Quer-
reihen kleiner schwarzer Flecke, die aus bezw. 2, 1 oder 2 und 3 solchen
bestehen; dann, 4,5 mm von der Wurzel, eine aus 5 Flecken bestehende,
gerade Doppelreihe, die fast wie eine Binde erscheint, weil die Flecke
teilweise zusammengeflossen sind; ein submedianes Querfeld von der
Grundfarbe schließt einen kleinen schwarzen Ringfleck ein, hinter
diesem liegen zwei kleine keilförmige Fleckehen und auf der Disco-
cellulare ist ein großer, ovaler Querfleck, der hinten einen kleinen
weißen Ring einschließt; dieser Discozellularfleck wird außen von
einer stark ziekzackförmig gebrochenen und mitten weit saumwärts
gebogenen Doppellinie tangiert, welche beide Linien gegen den Vorder-
und noch mehr gegen den Innenrand verdickt sind; parallel mit dieser
Doppellinie verläuft eine zweite ebensolche, die von der ersten um etwa
2 mm entfernt und an den Enden nicht verdickt ist; um 3 bis 5 (am
102 Embrik Strand.
Vorderrande) mm weiter saumwärts verläuft eine weitere Ziekzack-
linie und der Raum zwischen dieser und der vorhergehenden Doppel-
linie wird von etwa 6 schwarzen Flecken eingenommen, von denen die
beiden vorderen die größten sind und zwar verlängert Nr. 2
(von vorn) sich bis auf die Fransen; endlich eine sublimbale Reihe
von 7—8 kleinen schwarzen Fleckchen, eine schwarze, etwa sechs-
mal unterbrochene Limballinie und schwarze Fransenflecken. Die
Unterseite der Vorderflügel ist grauweißlich, im Basalfelde
schmutzig gelb, mit einem großen schwarzen, unregelmäßigen
Discocostalfleck und einer etwa 5mm breiten schwarzen Sublimbal-
binde, die weder Vorder- noch Hinterrand erreicht, und mit ähnlichen,
aber undeutlicheren Limbalzeichnungen wie an der Oberseite.
Hinterflügel ockergelb mit schwarzer Saumbinde, die
unbestimmt begrenzt ist, den Vorder- aber nicht den Hinterwinkel
erreicht, an der Rippe 6 etwa 5 mm breit ist, aber gegen beiden Enden
an Breite abnimmt. — Unten sind die Hinterflügel grauweißlich,
dicht und fein schwarz punktiert und zwar ist diese Punktierung im
inneren Saumfelde am dichtesten; ferner mit rundem schwarzem
Discalfleck, zwei undeutlichen, schwarzen, antemedianen Wellenlinien,
einer scharf markierten, schwarzen, ziekzackförmigen Postmedianlinie,
Andeutung zweier wellenförmiger Querlinien im Saumfelde und feinen
schwarzen Sublimbalpunkten; die ockergelbliche Innenrandpartie hat
gar keine Zeichnungen.
Thorax ist oben wahrscheinlich bunt grau und schwarz ge-
zeichnet gewesen, leider ist die Behaarung fast gänzlich abgerieben.
Scheitel weiß mit schwarzem Augenrandfleck. Gesicht scheint grau
und schwarz gefleckt zu sein. Antennen hellgrau, mit schwarzer Spitze
und einem schwarzen Schrägfleck an der Außenseite. Unterseite des
Körpers hellgrau; Bauch mit einer oder zwei Reihen schwarzer Punkt-
flecke, Oberseite des Abdomen ockergelb, an der unteren Grenze dieses
Feldes jederseits eine Längsreihe schwarzer Punktflecke. Beine grau,
z. T. schwarz gefleckt. Spitze des Abdomen grau. Flügelspannung 50,
Flügellänge 26, Körperlänge 25 mm.
* *
*
Sämtliche Typen in coll. W. Niepelt (Zirlau).
Ergänzungen und Berichtigungen zu den
Indices neuer Gattungs- und Untergattungs-
namen des Zoological Record, Bd. XXXVIHI
bis XLVI (für 1901-1909).
Von |
Franz Poche, Wien.
Nachfolgend veröffentliche ich eine dritte — und voraussichtlich
letzte — Serie von Ergänzungen und Berichtigungen zu den genannten
Indices. Sie schließt sich unmittelbar an die beiden von mir früher
(Zool. Anz. XXXI, 1907, p. 705—707; Arch. Natgesch., 75. Jg., I,
1909, p. 67—70) publizierten an, und brauche ich daher bloß auf das
am Eingange der betreffenden Artikel Gesagte zu verweisen und nur
hinzuzufügen, daß ich dort, wo ich die Klasse, in die die betreffende
Tierform gehört, nicht festzustellen vermochte, statt jener die nächst
höhere Gruppe angebe, zu der die Zugehörigkeit dieser von mir
ermittelt wurde.
„Actinotrochidea, Poche, Verm. 47“ in Zool. Rec. XLV, 1908,
1910, Index Names New Gen. Subgen.: delendum [ist kein
Gattungs-, sondern ein Ordnungsname).
Agreocantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907,
p: 243. — Aves. [Cit. nach ‚Committee‘: Allen, Richmond, Brewster,
Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk XXVI, 1909, p. 301.]
Aptus Sharpe, Hand-list Gen. Spec. Birds, V, 1909, p. 511 (ef.
p- 645). — Aves.
Azuria Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907, p. 238.
— Aves. [Cit. nach „Committee“ : Allen, Richmond, Brewster, Dwight,
Merriam, Ridgway, Stone, Auk XXVI, 1909, p. 301.]
Caeruleocantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907,
p. 236. — Aves. [Cit. nach „Committee“: Allen, Richmond, Brewster,
Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk XXVI, 1909, p. 301.]
Catastylus Olfers, Schrift. Physik. - ökon. Ges. Königsberg
XLVIII, 1907, 1908, p. 23. — Insecta.
Chaitophoroides Mordwilko, Ann. Mus. Zool. Acad. Sci. St.-P£ters-
bourg XIII, 1908, 1909, p. 382. — Insecta.
Chromulinella Lemmermann, Algen I (Schizophyceen, Flagellaten,
Peridineen) (in: Kryptogamenflora Mark Brandenburg angrenz.
Gebiete, herausg. von dem Botanischen Verein der Provinz Branden-
burg, III), Heft III, 1908, p. 418 (cf. p. 421). — Flagellata.
Cinerosa Maynard, Warblers New England, T.5?, 1904, p. 110.
— Aves. [Cit. nach Richmond, Proc. United States Nat. Mus.
XXXV, 1908, p. 599.]
re Cockerell, Ann. Mag. Nat. Hist. (7) XII, 1903, p. 202.
— Insecta.
104 Franz Poche: Ergänzungen und Berichtigungen zu den Indices
Cuculliger Olfers, Schrift. Physik. - ökon. Ges. Königsberg
XLVIII, 1907, 1908, p. 24. — Insecta.
Cyanomonas Oltmanns, Morphol. Biol. Algen, I, 1904, p. 30. —
Flagellata.
Dendranthus Sharpe, Hand-list Gen. Spec. Birds, V, 1909, p. 144.
— Ave.
Dimoerium Przesmycki [errore: Ppzesmycki (cf. p. 334], Anz.
Akad. Wiss. Krakau 1901, Math.-Natwiss. Cl., p. 374 (cf. p. 402). —
Plasmodroma.
Embrithopoda Andrews, Nature LXXIII, 1906, p. 224. —
Mammalia.
Endophrys Przesmycki [errore: Ppzesmycki (cf. p. 334)], Anz.
Akad. Wiss. Krakau 1901, Math.-Natwiss. Cl., p. 367 (ef. p. 373).
— Rhizopoda.
Euchromulina Lemmermann, Algen I (Schizophyceen, Flagellaten,
Peridineen) (in: Kryptogamenflora Mark Brandenburg angrenz.
Gebiete, herausg. von dem Botanischen Verein der Provinz Branden-
burg, III), Heft III, 1908, p. 418 (cf. p. 420). — Flagellata.
Euphacus Lemmermann, Ber. deutsch. bot. Ges. XIX, 1901,
p- 88. — Flagellata.
Eurrhinospiza Bianchi, Ann. Mus. Zool. Acad. Sci. St.-Peters-
bourg XII, 1907, 1908, p. 569 (cf. p. 572). — Aves.
Fruticantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907,
p. 246. — Aves. [Cit. nach ‚„Committee‘‘: Allen, Richmond, Brewster,
Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk XXVI, 1909, p. 301.]
Frutiornis Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907,
p- 251. — Aves. [Cit. nach ‚„‚Committee‘‘: Allen, Richmond, Brewster,
Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk XXVI, 1909, p. 301.]
Geoffroya Sherborn, Index Animal., I, 1902, p. 414. — Insecta.
„Gnoremopsar, Richmond, Aves 146“ in Zool. Rec. XLV, 1908,
1910, Index Names New Gen. Subgen.: delendum [vide Gnori-
mopsar].
Gnorimopsar Richmond, Proc. United States Nat. Mus. XXXV,
1909, 1908, p. 584. — Aves. [In Zool. Rec. XLV, 1908, 1910, Index
Names New Gen. Subgen. als ‚„‚Gnoremopsar, Richmond, Aves 146“
angeführt. ]
Guercioja Mordwilko, Ann. Mus. Zool. Acad. Sci. St.-Petersbourg
XIII, 1908, 1909, p. 361. — Insecta.
Gueriniella M. E. Fernald, Cat. Coccidae World, 1903, p. 331. —
Insecta.
Holothusia H. L. Clark, Science (N. S.) XXVI, 1907, p. 550. —
Bohadschioidea. [Cit. nach S. Pace and R. M. Pace, Echinoderma
(in: Zool. Rec. XLIV, 1907, 1909), p. 23.]
Klebsia Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg XLVIIH,
1907, 1908, p. 8. — Insecta.
Kuwania Cfoc]k[ere]ll in M. E. Fernald, Cat. Coccidae World,
1903, p. 32. — Insecta. |
Kuwanina C[oc]kfere]l in M. E. Fernald, Cat. Coccidae World,
1903, p. 121. — Insecta.
neuer Gattungs- und Untergattungsnamen des Zoological Record. 105
Lepismodion Olters, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg
XLVIII, 1907, 1908, p. 16. — Insecta.
Lineocantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907,
p. 240. — Aves. [Cit. nach „Committee“: Allen, Richmond, Brewster,
Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk XXVI, 1909, p. 301.]
Lozxiipasser Sharpe, Hand-list Gen.Spec. Birds,V ‚1909, p.207.—Aves.
Machilodes Ol£ers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg XLVIII,
1907, 1908, p. 11. — Insecta.
Machilopsis Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg XLVIII,
1907, 1908, p. 10. — Insecta.
Maculocantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907,
p- 238. — Aves. [Cit. nach „Committee“: Allen, Richmond, Brewster,
Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk XXVI, 1909, p. 301.]
Martinella Cockerell, Ann. Mag. Nat. Hist. (7) XII, 1903, p. 450.
— Insecta.
Melithreptes Sharpe, Hand-list Gen. Spec. Birds, V, 1909, p. 64.
— Aves.
Micropa Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg XLVIII,
1907, 1908, p. 8. — Insecta.
Myiornis Bertoni, An. Cient. Parag. 1901, p. 129. — Aves.
Nematocystis Hesse, Arch. Zool. Exper. Gen. (5) III, 1909, p. 44
(cf. p. 45 u. 145 ff.). — Sporozoa.
Neodendroica Maynard, Warblers New England, T. 4, 1901, p. 69.
— Aves. [Cit. nach Richmond, Proc. United States Nat. Mus.
XXXV, 1908, p. 625.]
Nesospiza [errore pro: Neospiza] Reichenow, Vögel Afrikas, III,
1904, p. 226 (cf. p. 278). — Aves.
Notabilia Mordwilko, Ann. Mus. Zool. Acad. Sei. St.-Petersbourg
XIII, 1908, 1909, p. 362. — Insecta.
Oreomystes Sharpe, Hand-list Gen.Spec.Birds,V, 1909, p.132.—Aves.
Ocellia Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg XLVIII,
1907, 1908, p. 7. — Insecta.
Omophora Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg XLVIII,
1907, 1908, p. 21. — Insecta.
Palpiger Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg XLVIII,
1907, 1908, p. 19. — Insecta.
Palpigeridia Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg
XLVIII, 1907, 1908, p. 19. — Insecta.
Palpigerina Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg XLVII,
1907, 1908, p. 19. — Insecta.
Paulomagus Howe, Suppl. Birds Rhode Island, 1903, p. 22. —
Aves. [Cit. nach „Committee“: Allen, Richmond, Brewster, Dwight,
Merriam, Ridgway, Stone, Auk XXI, 1904, p. 423.]
Perimenia Nierstrasz, Ergebn. Fortschr. Zool. I, 1908, p. 291
(cf. p. 298). — Aplacophora.
Piceacantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907,
p-2. — Aves. [Cit. nach „Committee“: Allen, Richmond, Brewster,
Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk XXVI, 1909, p. 301.]
Pinacantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907,
106 Franz Poche.
p. 244. — Aves. [Cit. nach ‚Committee‘: Allen, Richmond, Brewster,
Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk XXVI, 1909, p. 301.]
Pleurocystis Hesse, Arch. Zool. Exper. Gen. (5) III, 1909, p. 44
(ef. p. 45 u. 189). — Sporozoa.
Polystylus Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg XLVIII,
1907, 1908, p. 24. — Insecta.
Razocorys Bianchi, Bull. Acad. Sci. St.-Petersbourg (5) XXIII, 1905,
Cl. Phys.-Math., p. 230. — Aves. [Im Zool. Rec. XLIII, 1906, 1908,
Index Names New Gen. Subgen. als „Rhazocorys, Bianchi, Aves 99°
angeführt. ]
ReganellaC.H.Eigenmann, Science (N.S.) XXI, 1905, p.794. — Pisces.
„Rhazocorys, Bianchi, Aves 99°“ in Zool. Rec. XLIII, 1906, 1908,
Index Names New Gen. Subgen.: delendum [vide Razocorys].
Rhynchocystis Hesse, Arch. Zool. Exper. Gen. (5) III, 1909, p. 44
(cf. p. 45 u. 124 ff). — Sporozoa.
Schizolachnus Mordwilko, Ann. Mus. Zool. Acad. Sei. St.-Pöters-
bourg XIII, 1908, 1909, p. 375. — Insecta. !
„Dolenopoda, Zarnik, Prot. 47“ in Zool. Rec. XLIV, 1907, 1909,
Index Names New Gen. Subgen.: delendum[ist kein Gattungs-,
sondern ein Ordnungsname].
. Spirophacus Lemmermann, Ber. deutsch. bot. Ges. XIX, 1901,
p- 88. — Flagellata.
Sporothraupis Sharpe, Hand-list Gen. Spec. Birds, V, 1909, p. 379,
— Ave.
Steinina Leger et Duboscq, Arch. Protistk. IV, 1904, p. 351 (ef.
p- 352). — Sporozoa.
Stytonotus Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg XLVIII,
1907, 1908, p. 20. — Insecta.
Sylviocantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907,
p- 239. — Aves. [Cit. nach „Committee“: Allen, Richmond, Brewster,
Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk XXVI, 1909, p. 301.]
en Sharpe, Hand-list Gen. Spec. Birds, V, 1909, p. 489.
— Aves.
Tenes Thomas, Ann. Mag. Nat. Hist. (8) III, 1909, p. 468. —
Mammalıa.
Terracantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907,
p- 245. — Aves. [Cit. nach ‚Committee‘ : Allen, Richmond, Brewster,
Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk XXVI, 1909, p. 301.]
Theileria Bettencourt, Franga & Borges, Arch. Inst. Bacter.
Camara Pestana I, 1907, p. 343 (cf. p. 346). — Flagellata.
Triaenura Olfers, Schrift. Physik.-ökon. Ges. Königsberg XLVIII,
1907, 1908, p. 26. — Insecta.
# Tuberolachnus Mordwilko, Ann. Mus. Zool. Acad. Sei. St.-Peters-
bourg XIII, 1908, 1909, p. 374. — Insecta.
Vireocantor Maynard, Direct. Birds East. North America, 1907,
p. 242. — Aves. [Cit. nach „Committee“: Allen, Richmond, Brewster,
Dwight, Merriam, Ridgway, Stone, Auk XXVI, 1909, p. 301.] ni
Westafrikanische Lepidoptera der Familien
Danaididae, Satyridae, Nymphalididae, Noto-
dontidae und Drepanidae.
Von
Embrik Strand.
Die im Folgenden behandelten Lepidopteren wurden mit zwei
Ausnahmen von Herrn Ingenieur E. Hintz gesammelt und dem
Kgl. Zoologischen Musum in Berlin überwiesen. Die Sammlung
ist von großem wissenschaftlichen Wert, weil sie größtenteils aus
bisher gänzlich oder fast gänzlich unerforschten Gebieten stammt,
die zum Teil in größeren Höhen gelegen sind; daß alles sorgfältig
etikettiert ist, mit genauen Lokalität-, Datum- und Höhenangaben,
ist noch besonders lobend hervorzuheben. Nach einer von Herrn
Hintz selbst gemachten Zusammenstellung gebe ich hiermit ein
Verzeichnis der Lokalitäten und deren Höhen; die Datumangaben
siehe im Folgenden bei den betreffenden Arten.
l. Küste Kameruns: Victoria, Duala und Longji
Plantation.
2. Am Großen Kamerunberg: Buea, 900—1200 m Höhe
(10.—17.X.: 900—1200 m; — 7. XI.: 1000—1200 m; 10. XT.: 1000 m),
Musake, 1800—2200 m, Ekona, 400—600 m, Bavinga, 400 m, Diebo,
200 m, Barombi, 150 m, Bakossu, 400 m, Bomana, 500 m, Bomana-
gipfel, 28. Septbr., 500—1200 m und am 29. Septbr. 1200—3000 m,
Mimbia, 1100 m, Ewili, 500 m, Gipfel des Großen Kamerunberges,
3000—4070 m.
3. Mungofluß: Bombe.
4. An der Manengubabahn: Manjo und Nlohe.
Über weitere von Herrn Hintz gesammelte und dem Berliner
Museum geschenkte Insekten aus Kamerun habe ich schon anderswo
berichtet!); die Bearbeitung des Restes seiner Lepidopterenausbeute
hoffe ich folgen lassen zu können.
Fam. Danardidae.
Gen. Danaida Latr.
l. Danaida chrysippus L. aleippus Cr. $$: Ekona-Bavinga 22. X.,
Diebo 23. X., Ekona 20. X., Manjo 14. XI., Bombe 12. XT., Bakossu
26.X. — 99: Bakossu, Ekona, Bombe, Nlohe 16.X.
1) Strand: Über die von Herrn Ingenieur E. Hintz in Kamerun ge-
sammelten Hymenoptera mit Beiträgen zur Kenntnis afrikanischer Paniscus-
Arten. In: Mitteil. aus d. Zoolog. Museum in Berlin, Bd. V, H.3 p. 485 sq.
(1911).
— — Eine neue Pyraustine (Fam, Pyralidae) aus Kamerun. In: Intern
Entomol. Zeitschr. V. p. 125 (1911).
108 Embrik Strand: Westafrikanische Lepidoptera der Familien
2. Danaida limniace Cr. v. petiverana Doubl. Hew. Unikum von
Ekona 19. X. &.
Gen. Amauris Hb.
3. Amauris niavius L. Ein d von Manjo 14. XL, ein 2: Buea 1. XI.
4. Amauris damocles Beauv. ab. psyttalea Plötz. 1 &: Bakossu
25.X.
5. Amauris tartarea Mab. mozarti Suff. 1&: Bombe 12. XI.
6. Amauris hecate But. 8 $: Nlohe 16. XI, Bakossu 26. X.,
Manjo 14. XI., Ekona 19. X. — 2 2: Buea 16. X.
7. Amauris inferna Butl. cum ab. infernalis Strd. n. ab. 12 3:
Ekona 21. X., Nlohe 16. XI, Bondongo 27. X., Manjo 14. XI,
Bombe 12. XI., Bakossu 26. X. — 2 29: Bombe 12.X., Ekona
19.X. — Ein $ von Bombe 12.X. weicht dadurch ab, daß die
hellen Zeichnungen der Hinterflügel nur noch aus einem kleinen
weißlichen Querwisch nahe der Basis der Zelle bestehen. Im
Vorderflügel fehlt der weiße, isolierte mediane Subeostalfleck;
die vier Flecke der postmedianen Querreihe sind unter sich
deutlich entfernt. An der Unterseite ist der Subcostalfleck angedeutet
und im Hinterflügel sind die hellen Sublimbalflecke vorhanden, aber
allerdings weniger deutlich, mehr graulich als bei der Hauptform.
Ich nenne diese Form ab. infernalis m.
8. Amauris egialea Cr. 1 2: Bakossu 26. X.
Fam. Satyridae.
Gen. Melanitis F.
9. Melanitis leda L. africana Fruhst. Unikum von Ekona 21. X.
Gen. G@nophodes Westw.
10. Gnophodes parmeno Doubl. Hew. 1& von Ekona 19. X.— 599:
Ekona, Bakossu 26. X.
Gen. Mycalesis Hb.
11. Mycalesis (Bicyclus) medontias Hew. 1 &: Nlohe 16. XI.
12. Mycalesis (Bieyclus) italus Hew. 1 &: Bakossu 26.X.
13. Myealesis (Bicyclus) xeneas Hew. 1 Q: Buea 8. XI.
14. Mycalesis (Mycalesis) ignobilis Butl. 1 2: Ekona-Bavinga
15. M ycalesis (Monotrichtis) auricruda Butl. 4 J, 5 22: Bakossu
26. X., Bondongo 27. X., Ekona-Bavinga 22. X.
16. Mycalesis (Monotrichtis) dorothea Cr. melusina F. 24 $: Buea
1.—17. XI., Ekona-Bavinga 22. X., Bakossu 26. X. — 10 2: Buea,
Bakossu.
17. Muycalesis (Monotrichtis) sophrosyne Plötz. 11 &: Buea 8.
—17. XL, Mimbia 31.X. — 11 9%: Buea, Bombe 12. XI., Ekona
20.X., Bakossu 25. X., Ekona-Bavinga 22. X.
Danaididae, Satyridae, Nymphalididae, Notodontidae u. Drepanidae. 109
18. Mycalesis (Monotrichtis) anısops Karsch. 14 33: Buea 12. X.,
3. XL, Musake 5. X. — 6 99: Buea 14.X., 4. XI., Musake.
19. Mycalesis (Monotrichtis) martius F. 1 8: Ekona-Bavinga
22.X.
20. Mycalesis (Monotrichtis) buea Strand n.sp. 37 58 von: Buea
10.—17.X. und 1.—10. XI., Mimbia 31. X., Musake 4.—9. X., Ekona
18., 21. X., Bondongo 27. X. — 3 22 von Buea 1.—17. XI. — Die
männliche und die weibliche Type von Buea. — Das & ist in Färbung
und Zeichnung von M. martius F. fast nicht zu unterscheiden; das
Saumfeld der Unterseite beider Flügel bezw. die Umgebung der Ozellen
ebenda, ist insbesondere im Hinterflügel noch weniger aufgehellt
als bei martius, so daß im Hinterflügel ein helles Feld um die Ozellen
meistens überhaupt kaum zu erkennen ist, die vordere Ozelle der Vorder-
flügel erscheint im Vergleich mit der hinteren ein wenig größer und
von dieser um nur den Durchmesser des hellen Ringes der hinteren
Ozelle entfernt, die Ozellen im Felde 3 und lc der Hinterflügel sind ein
klein wenig größer als bei martius und im Verhältnis zur Ozelle im Felde 2.
Der wesentliche Unterschied beider Arten liegt aber in dem Verhalten
der Haarpinsel der Oberseite der Flügel, indem dadurch die beiden
Arten in verschiedene Untergruppen (nach Aurivillius’s Einteilung in
Seitz’s Werk) gebracht werden müssen und zwar kommt unsre neue
Art in die 3. Untergruppe, wo sie der M. obscura Auriv. am nächsten
stehen dürfte; der Pinsel entspringt in oder nahe der Basis des Feldes 6
am Vorderrande der Zelle, ist grau gefärbt und 6 mm lang. Im Vorder-
flügel ist kein Pinsel vorhanden; im Hinterflügel ist die ganze Zelle
mit langer Behaarung versehen, die jedoch keinen Pinsel bildet. Von
obscura weicht sie ab durch tiefer schwarze Oberseite der Vorderflügel,
auch die Unterseite ist tiefschwarz, nur im Saumfelde sehr undeutlich
heller (siehe oben!), die Hinterflügel unten mit im allgemeinen
6 Ozellen, die Vorderflügel mit 2 oder 3, indem die immer sehr
kleine Ozelle im Felde 6 fehlen kann, während umgekehrt, aber sehr
selten, auch eine sehr undeutliche an der Hinterseite der großen Vorder-
ozelle vorhanden sein kann. (M. obscura kenne ich nur nach der Be-
schreibung.) Von obscura wie von martius durch geringere Größe
abweichend: Flügelspannung 35, Flügellänge 19 mm. — Von martius $
ferner abweichend durch mehr gerundete Hinterflügel (die bei martius
zwischen den Rippen 3 und 6 vorhandene Einbuchtung des Saumes
ist bei buea nicht erkennbar).
Das 2 ist größer (38 mm Flügelspannung, 21 mm Flügellänge)
und oben braunschwarz, am Saume wahrscheinlich etwas heller (nicht
ausgezeichnet erhalten!), die Unterseite ist zwar dunkler, aber auch
nicht rein schwarz, die Ozellen in erheblich hellerem und innen scharf
markiertem Feld; die Grenzlinie dieses ist im Vorderflügel zwischen
den beiden Ozellen stumpfwinklig gebrochen und die hintere dieser
Ozellen ist ein wenig größer als beim & (der Längsdurchmesser des
äußersten hellen Ringes ist 5,5 mm, beim 3 4,5 mm) und die vordere
Ozelle erscheint daher etwas kleiner; alle 3 Exemplare haben im Vorder-
flügel nur 2 Ozellen. Im Hinterflügel sind 7 Ozellen vorhanden, von
110 Embrik Strand: Westafrikanische Lepidoptera der Familien
denen die größte (im Felde 2) noch ein wenig größer als beim $ erscheint,
sonst verhalten sich diese Ozellen wie beim d. 4
21. Mycalesis (Monotrichtis) Hintzi Strand n.sp. Zwei Sg von
Buea 1.—10. XI., eins von Musake 1800—2200 m 4.—9. X. Letzteres
ist die Type.
s.; Hinterflügel mit nur einem Haarpinsel, der am Vorderrande der
Zelle unweit der Basis des Flügels entspringt, dunkelgrau gefärbt und
5,5 mm lang ist. In und hinter der Zelle findet sich wie bei der vorigen
Art lange, schwarze, anliegende Behaarung, die aber keine Pinsel bildet;
im Vorderflügel findet sich ein kleiner Haufen solcher Haare im Felde Ic,
die zur Not als pinselbildend bezeichnet werden können. — Oberseite
aller Flügel einfarbig schwarzbraun, fast rein schwarz, im Saumfelde
kaum oder fast unmerklich heller. Unten ist die Färbung im zusammen-
hängenden Wurzel-Mittelfeld tiefer schwarz als oben; das Saumfeld
beider Flügel ist wenig, aber unverkennbar heller und seine innere
Begrenzungslinie bildet kurz hinter der vorderen Ozelle eine leichte,
saumwärts konvexe Krümmung, die nur zur Not als eine Knickung
(Ecke) aufgefaßt werden könnte; letztere wäre vom Saume um 6,5,
vom Vorderrande um etwa 4mm entfernt; die Begrenzungslinie des
Saumfeldes der Hinterflügel zeigt nur eine schwache Knickung im
Felde 4. Die Ozellen haben scharf markierte weiße Pupille und das
dieselbe einschließende tiefschwarze Feld tritt ebenfalls scharf hervor,
dagegen ist der das letztere einschließende helle Ring schmal und
undeutlich. Im Vorderflügel hat die Ozelle im Felde 2 einen Durch-
messer von 3mm, diejenige im Felde 5 bloß von 1,7 mm; vor und
hinter der letzteren liegt je ein weißer Punkt als Rest der vielleicht
einmal vorhandenen deutlicheren Ozellenzeichnung; diese 2 Punkte
werden wohl häufig ganz fehlen, so daß also in dem Fall nur 2 Ozellen
daselbst vorhanden sind. Im Hinterflügel ist wie gewöhnlich die
Ozelle im Felde 2 die größte, aber ein wenig kleiner als die hintere
Ozelle der Vorderflügel (Durchmesser 2,7 mm); in den Feldern le
und 5 liegt je eine Ozelle, welche beide erheblich kleiner als die größte
Ozelle sind und unter sich etwa gleich groß oder diejenige in lc ist
ein wenig größer. In den Feldern Ib und 4 findet sich je eine noch,
insbesondere im Felde 1b kleinere Ozelle, während in den Feldern‘ 3
und 6 gar keine vorhanden ist. Zusammen also 5 Özellen im
Hinterflügel.
Flügelspannung 37—38 mm, Flügellänge 21 mm.
Im Äußeren ähnelt diese Art sehr martius F., weicht aber u.a.
durch den Flügelschnitt ab, indem der Saum der Vorderilügel weniger
konvex ist und die Spitze daher deutlicher hervortritt; an der Unter-
seite ist das Saumfeld dunkler, die Ozellen sind größer und schärfer
markiert als bei martius; etc.
22. Mycalesis campides Strand n. sp.
8 90 von Mimbia 11. X., Buea 10.—17. X. und 1.—10. XI.
Die Art erinnert an M. golo Auriv., ist aber u.a. dadurch zu
unterscheiden, daß die innere Begrenzungslinie des Saumfeldes der
Hinterflügel zwischen den Rippen 3 und 4 eine wurzelwärts offene
Danaididae, Satyridae, Nymphalididae, Notodontidae u. Drepanidae. 111
Knickung hat, die allerdings sehr stumpi ist, aber doch deutlich ver-
schieden von der ganz schwachen Krümmung, die daselbst bei golo
vorhanden ist. Sie stimmt in der Beziehung mit M. campa Karsch
überein, weicht aber davon dadurch ab, daß diese Linie am Vorderrande
umgekehrt, saumwärts gerichtet ist, so daß also zwischen der
oben erwähnten Kniekung und dem Vorderrande eine saumwärts
offene Knickung oder Krümmung gebildet wird. Der Ozellen-
reihe dieser Flügel liegt außen und innen je eine schmale,
hellgrauliche, gerade Querbinde an, etwa wie bei lamani,
aber nicht wie bei dieser ziekzackförmig oder überhaupt deutlich
geeckt. Zwischen der äußeren dieser Binden und dem Saume finden
sich zwei wellenförmige, parallele helle Linien und die innere Grenze
des Saumfeldes wird von einer ähnlichen Binde wie die beiden die
Özellenreihe begrenzenden Binden gebildet. Letztere besteht aus
7 Ozellen, die reinweiße Pupille, tiefschwarzes Inneres und scharf
markierten hellen Außenring haben und daher scharf hervortreten.
Sie bilden eine gleichmäßige Krümmung wie bei golo und die Größen-
verhältnisse sind auch wie bei dieser Art; die größte Ozelle (im Felde 2)
hat einen Durchmesser von 3,3 mm, die dieser benachbarten Ozellen
sind wenig kleiner und unter sich gleich groß, die drei vorderen sind
unter sich gleich groß und zwar ein klein wenig größer als diejenige im
Analwinkel.
Auch im Vorderilügel trägt das dunkle Mittel- und Wurzelfeld
außen eine kleine zahnförmige Erweiterung, die gegen den Zwischen-
raum der beiden Ozellen gerichtet ist und an M. campa erinnert, jedoch
weniger schräg gegen den Vorderrand gerichtet ist. Auch hier werden
die Ozellen innen von einer recht deutlichen hellgraulichen Binde be-
grenzt, die sich um jedes Auge herum besonders krümmt, aber an
der Außenseite der hinteren Ozelle unterbrochen ist; letztere hat
(der schwarze Außenring mitgerechnet) einen Längsdurchmesser von
5 mm,.der Querdurchmesser ist noch ein wenig größer. Die vordere
Ozelle ist im Längsdurchmesser 3,5 mm und um den Durchmesser
ihres schwarzen Inneren von der hinteren Ozelle entfernt; vor der-
selben und damit durch den hellen Ring verbunden liegt eine winzig
kleine Ozelle (kleiner als die kleinste der Hinterflügel), die aber immer
vorhanden zu sein scheint, hinter der größten der vorderen Özellen ist
meistens Andeutung einer weiteren Ozelle erkennbar. Helle Sublimbal-
linie der Vorderflügel recht deutlich. Im Hinterflügel unten ist ein
undeutlich helleres Wurzelfeld angedeutet, das 4 mm lang ist.
Die matt schwarzbraune Oberseite ist am Rande kaum heller,
zeigt aber im Vorderflügel einen undeutlich helleren Subapicalschräg-
wisch, der von der Mitte oder kurz hinter der Mitte bis zum Vorder-
rande, daselbst von der Spitze um 4mm entfernt, verläuft. Sonst
sind oben keine anderen Zeichnungen vorhanden als daß die beiden
großen Ozellen der Unterseite der Vorderflügel durchschimmern,
allerdings undeutlich und bisweilen vielleicht überhaupt nicht.
Flügelspannung 36—37 mm. Flügellänge 20, Körperlänge 13 mm.
Daß diese Form zu einer schon im männlichen Geschlecht be-
112 Embrik Strand: Westafrikanische Lepidoptera der Familien
kannten gehört, dürfte nicht ganz ausgeschlossen sein; daß sie mit
M. Hintzi einerlei ist, scheint mir aber zum wenigsten unwahrscheinlich.
23. Mycalesis (Monotrichtis) vulgarıs Butl. Zwei 22 von Ekona
18. 21.X.
24. Muycalesis (Monotrichtis) funebris Guer. agraphıs Karsch.
Ein & von Ekona 18. 21. X, ein Q ebenda und eins von Ekona-Bavinga
22.X.
Die Zugehörigkeit dieser weiblichen Form zu agraphis & ist nicht
ganz sicher, wenn auch wahrscheinlich. — Oben ist sie schwarzbraun
mit zwei undeutlich helleren Sublimballinien, im Hinterflügel schimmern
die beiden größten der Ozellen der Unterseite ganz undeutlich durch,
im Vorderflügel sind die beiden Ozellen der Unterseite oben durch je
einen tiefschwarzen, undeutlich heller umringten Fleck angedeutet
und eine hellgraugelbliche, ziemlich scharf hervortretende Subapical-
binde, die von kurz außerhalb der Mitte des Vorderrandes ent-
springt und gegen die Mitte des Saumes gerichtet ist, aber
von diesem um 2—3mm entfernt bleibt. — Die Unterseite ist
matt schwarz; ein Wurzelfeld ist in beiden Flügeln durch eine ziemlich
undeutliche grauliche Querbinde abgegrenzt, die im Vorderflügel fast
gerade verläuft, auf den Vorderrand fast senkrecht gerichtet ist und von
der Wurzel vorn um 6 mm, hinten um 7,5 mm entfernt ist; im Hinter-
flügel ist die entsprechende Binde in der vorderen Hälfte wurzelwärts, in
der hinteren saumwärts konvex gekrümmt und an beiden Enden um
etwa 5 mm von der Wurzel entfernt. Die Ozellen verhalten sich wie
beim $, treten aber schärfer hervor, weil die hellen Ringe dick,
heller und schärfer markiert sind; sie liegen in hellerer, recht auf-
fallender Saumbinde, die in beiden Flügeln 8 mm breit ist, bloß im
hinteren Drittel des Hinterflügelsaumes ist sie etwas schmäler; sie wird
wurzelwärts in beiden Flügeln durch einen bis 1,5 mm breiten hellen
Streifen begrenzt und je ein ebensolcher erstreckt sich außen wie innen
von der Ozellenreihe, während zwei schmälere ebensolche längs dem
Saume beider Flügel verlaufen und auch oben sichtbar sind. Im Vorder-
flügel erweitert dieser innere Grenzstreifen sich im Costalfelde zu einem
breiten hellen Wisch, welcher der Subapicalbinde der Oberseite ent-
spricht. Die größte Ozelle der Vorderflügel hat einen Durchmesser
(= dem Durchmesser des hellen Ringes) von mm, wird dann von
einem schwarzen Ring umgeben, der wiederum innen und beiderseits
von einem hellen Ring umgeben ist. Die vordere Ozelle ist 2 mm im
Durchmesser und vor und hinter derselben ist eine winzige Ozelle, die
am Rande mit der größeren Ozelle zusammengeflossen ist. Der Zwischen-
raum der beiden Ozellen erscheint als ein heller Längsfleck.
Flügelspannung 39 mm, Flügellänge 22 mm.
Von der von Karsch unter dem Namen rhanıdostroma beschriebenen
weiblichen Form, die nach Aurivillius zu agraphis gehören soll, weicht
das obige @ ab durch dunklere Färbung, geringere Größe, schärfer
markierte Subapicalbinde der Vorderflügeloberseite, größere Hinter-
ozelle im Vordertlügel, die hellen Streifen in der Saumbinde der Hinter-
flügel treten deutlicher hervor und machen mehr den Eindruck von
Danaididae, Satyridae, Nymphalididae, Notodontidae u. Drepanidae. 113
selbständigen Binden als bei rhanidostroma, wo die inneren in Ringe
um die Augen zerfallen, während ein besonderer heller Randstreifen
bei rhanıdostroma kaum vorhanden ist; ein charakteristischer Unter-
schied ist ferner, daß, während die Ozellen in den Feldern 2 und 6 der
Hinterflügel bei rhanıdostroma gleich groß sind, ist diejenige im Felde 2
hier viel größer als die in 6. Daß beide Formen spezifisch verschieden
sind, läßt sich jedenfalls nicht bezweifeln und ich bin sehr geneigt
anzunehmen, daß oben beschriebenes @ eher zu agraphis $ gehört als
rhanidostroma 2; letztere dürfte dann gute Art sein.
Sollte dagegen obige Form nicht zu agraphis gehören, würde ich
den Namen agraphides m. vorschlagen.
Gen. Ypthima Westw.
25. Ypthima doleta Kby. 47 Exemplare von: Ekona 18.—21. X.;
Buea meistens 10.—17. X., seltener ebenda 1.—10. XI.
Fam. Nymphalididae.
Subfam. Acraeinae.
Gen. Acraea F.
26. Acraea zetes L. 3 & 1 2 von: Ekona 18.—21. X., Bombe
12. XL, Duala 17.—19. XI. und „Kamerun“.
27. Acraea egina Cr. Ein ? von Ekona 18.—21.X.
28. Acraea perenna Doubl. Hew. 2 & von Bakossu.
29. Acraea vinidia Hew. Ein $ von Ekona, ein Q von Victoria
28. IX.—2.X.
30. Acraea bonasia F. 37 $: Ekona 18.—21.X., Bakossu 20.—26. X. ;
3 @ von Ekona.
31. Acraea oberthüri Butl. Je ein 2 von Buea 10.—17.X. und
Nlohe 15.—16. XI.
32. Acraea pharsalus Ward. 35 $: Ekona 18.—21.X., Buea
1.—10. XI.; 9 2 ebenda sowie eins von Mimbia 31. X.
33. Acraea encedon L. sganzini Boisd. 3 &: Duala 17.—19. XI.,
Ekona 18.—21. X. — A. e.L.1IyciaF. 59 von Duala, Nlohe 15.—16. XI.
Bombe 12.—13. XI. Sind die Iycia stets 2? Dann ist Iycia keine Lokal-
oder Zeitform!
34. Acraea orestia Hew. Ein $ und 4 2 von Ekona 18.—21.X.
35. Acraea orina Hew. Für das Museum neue Art. Ein $ von
Buea 10.—17.X.
36. Acraea peneleos Ward. Je ein $& von: Ekona 18.—21.X.,
Bakossu 24.—26. X., Diebo 23. X., Buea 10.—17.X.
37. Acraea lycoa God. Ein $ 3 2 von Ekona, ein @ von Bombe
12.—13. XI.
38. Acraea jodutta F. Ein & von Buea 1.—10. XI.
39. Acraea aleciope Hew. Ein 2 von Ekona. — Außerdem ein
aberratives Q von Bakossu 20.—26. X., das sich dadurch auszeichnet,
daß die Binde der Vorderflügel im vorderen Drittel weiß ist; ferner
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 4. Suppl. 8
114 Embrik Strand: Westafrikanische Lepidoptera der Familien
ist sie schmäler als gewöhnlich, undeutlich begrenzt und in der Mitte
2 oder 3 mal schmal durchschnitten. Flügelspannung 66, Flügel-
länge 36 mm. — Ich nenne diese Form ab. bakossua m.
40. Acraea aurivilki Staud. Ein 2 von Nlohe 15.—16. X.
Gen. Planema Doubl. Hew.
41. Planema epaea Cr. Je ein @ von Bakossu 20.—26. X., Nlohe
15.—16. XI., Duala 17.—19. XI.
42. Planema tellus Auriv. Ein $ von Nlohe 15.—16. XL, ein 9
von Diebo 13.X.
Subfam. N ymphalidinae.
Gen. Atella Doubl.
43. Atella columbina Cr. Ein & von Bombe 13. XI, ein ® von
Bakossu 20.—26. X.
44. Atella phalantha Dr. aethiopica Roths. Jord. 1 9: Ekona.
Gen. Antanartia Roths. Jord.
45. Antanartia (Hypanartia) dehus Dr. 1 8 Buea 1.—10. XI,
je ein Q ebenda 10.—17. X. und Bombe 13. XI.
Gen. Pyrameis Hb.
46. Pyrameis cardui L. 6&5 2 Buea 10.—17. X. und 1.—10. XI.
Gen. Vanessula Dew.
47. Vanessula milca Hew. 34 & 3 2. Wie vorige Art.
Gen. Precis Hb.
48. Precis cleia Cr. 8 $: Duala 17.—19. XI., das eine Ex. von
Bombe 12.—13. XI.
49. Precis oenone L. cebrene Trım. Ein { von Ekona 18.—21.X.
50. Precis sophia F. 8&: Bakossu 20.—26. X., Ekona 18. —21.X.,
Manjo 14.—15. XL, Nlohe 15.—16. XI. — 6 2 von: Ekona, Bakossu
und Ekona-Bavinga 22. X.
51. Precis milonia Feld. 4& und 25 2 von: Bombe 12.—13. XI,
Buea 10.—17.X. und 1.—10. XL, Nlohe 15.—16. XI., Manjo 14.—
15. XI., Ekona-Bavinga 22. X., Bakossu 20.—26. X., Barombi 24. X.
52. Precis terea Dr. 14 &: Ekona 18.—21. X., Bombe 12.—13. XI.,
Ewili 3.—7. XL, Buea 10.—17.X. und 1.10. XI. — 4 9: Ekona
18.—21.X.
53. Precis stygia Auriv. 17 &: Diebo 23. X., Bakossu 20.—26. X.,
Ekona 18.—21.X., Ekona-Bavinga 22. X., Bombe 13.XI. — 6 2:
Bombe, Bakossu, Ekona-Bavinga.
Gen. Salamis Boisd.
54. Salamis temora Feld. 4 & Bakossu 20.—26. X.
55. Salamis parhassus Dr. f. pr. 8 &: Bakossu 20.—26. X., Diebo
Danaididae, Satyridae, Nymphalididae, Notodontidae u. Drepanidae. 115
23.X., Bombe 13. XI., Nlohe 16. XI. — 3 2: Ekona 18.—21.X.,
Buea 1.—10. XI.
Gen. Hypolimnas Hb.
56. Hypolimnas misippus L. 11 $ 5 2: Duala 30. IX., Vietoria
28. IX. — Ab. inaria Cr. 12 von Duala.
57. Hypolimnas salmacis Dr. 5 3: Buea 1.—10. XI, Bakossu
20.—26. X., Bombe 13. XL
58. Hypolimnas dinarcha Hew. Ein 2 von Buea 1.—10. XI.
59. Hypolimnas dubius Pal. f. pr. 9 &: Diebo 13. X., Buea
1.—10. XI., Mimbia 31. X., Ekona-Bavinga 22. X., Ekona 18.—21.X.
— 2 9: Bakossu 20.—26. X., Buea 1.—10. XI
59 bis. Hypolimnas dubius Pal. damoclina Trim. 4 $: Ekona-
Bavinga 22.X., Barombi 24.X., Diebo 23.X. — 5 2: Bakossu
20.—26. X., Buea 1.—10. XI, Ekona 18.—21. X.
59 ter. Hypolimnas dubius Pal. mima Trim. 1 2: Ekona-Bavinga
22.X.
60. Hypolimnas anthedon Doubl. 8 &: Ekona-Bavinga, Bakossu,
Diebo 23. X., Ekona, Nlohe 16. XI. — 3 9: Ekona, Buea 1.—10. XI.
Gen. Kallima Westw.
61. Kallima rumia Doubl. Hew. 15 $: Ewili 3.—7. XI, Ekona-
Bavinga 22. X., Nlohe 16. XI., Bakossu. — 2 2: Diebo 23. X., Bombe
13. X1.
Gen. Eurytela Boisd.
62. Eurytela dryope Cr. alinda Mab. 1 2 Ewili 3.7. XI.
Gen. Neptidopsis Auriv.
63. Neptidopsis ophione Cr. 5 $: Ekona 18.—21.X., Ekona-
Bavinga 22. X., Barombi 24. X., Bakossu 20.—26. X., Bombe 13. XI.
Gen. Ergolis Westw.
64. Ergolis enotrea Cr. 5 $: Bakossu 26.X., Bombe 13. XL,
Ewili 3.7. XL; 1 2 Bakossu.
Gen. Byblia Hb.
65. Byblia goetzius Herbst vulgaris Staud. 1 $ Bombe 13. XI.
Gen. Orenis Boisd.
66. Crenis (Asterope) occidentalium Mab. 1% Nlohe 16. XI.
67. Crenis (Asterope) amulia Cr. 1.8 Duala 30. IX.
Gen. Neptis F.
68. Neptis metella Doubl. Hew. 1 2 Bakossu 26. X.
69. Neptis saclava Boisd. 1 2 Ekona 18.—21. X.
70. Neptis agatha Stoll. 1& ebenda, 1 2 von Duala 17.—19. XI.
8+
116 Embrik Strand: Westafrikanische Lepidoptera der Familien
er a Neptis micomedes Hew. quintilla Mab. 2 3 Ekona-Bavinga
12. Neptis melicerta Dr. 4 $; Ekona und Ekona-Bavinga.
72 bis. Neptis melicerta Dr. var. melicertula Strand n. var.
Ein $ von Nlohe 16. XI. 10.
Vorläufig möge diese Form als Varietät von melicerta gelten,
sie ist aber vielleicht gute Art. Von melicerta weicht sie durch Folgendes
ab: Im Vorderflügel ist von einer dritten weißen zusammenhängenden
Sublimballinie kaum noch Spuren vorhanden, der weiße Längsfleck
in der Zelle ist am Ende schmäler und abgerundet und die zwischen
diesem Ende und dem Saume gelegenen beiden weißen Flecke sind
kleiner und zwar erscheint der proximale nur als ein kleiner runder
Punktileck, die Flecke, welche die Querbinde der Vorderflügel bilden,
sind ein wenig größer und daher unter sich weniger weit entfernt,
die Reihe von weißen Strichen längs der Außenseite dieser Binde tritt
scharf hervor, sämtliche Flecke der Oberseite sind weniger rein weiß
als bei der f. princ. Flügelspannung 43, Flügellänge 24 mm.
Gen. Pseudoneptis Snell.
73. Pseudoneptis coenobita F. Ein $ von Bombe 13. XI., je ein 2
von Bakossu 26. X. und eins von Ekona-Bavinga 22. X.
Gen. Catuna Kby.
74. Catuna angustata Feld. 6 $ von: Bakossus 26. X., Diebo
23.X., Nlohe 16. XI.
73. Catuna oberthüri Karsch. 48 von: Bakossu 26. X., Diebo 23. X.
Gen. Aterica Boisd.
76. Aterica galene Brown. 3 d von: Bakossu 26. X., Buea
1.—10. XI, Diebo 23. X.
Gen. Euphaedra Hk.
77. Euphaedra ruspina Hw. 23 von Nlohe 16.XI., 12 von Bombe
13. XI.
78. Euphaedra themis Hb. janetta Btl. 1 2 Bakossu 26. X.
719. Euphaedra xypete Hw. cum ab. bombeana Strd. n.ab. 1&
Nlohe 16. XI, 2 2 Diebo 23. X. nr
Ein 2 von Bombe 13. XI. ist der ab. mirabilis Bart. jedenfalls
nahestehend, ist aber größer (Flügelspannung 82, Flügellänge 45 mm),
die helle Querbinde der Vorderflügel ist weißlich (z. T. undeutlich
bläulich umrandet) und breiter (6 mm, im Felde 4 fast 10 mm breit)
sowie durch die wie gesagt im Felde 4 vorhandene Erweiterung ab-
weichend, an der Unterseite ist diese Binde innen nur schmal und
undeutlich schwarz begrenzt und alles was zwischen derselben und
dem Saume bezw. der Flügelspitze und Ende des Costalrandes liegt ist
fast einfarbig schwarz, während im Saumfelde der Hinterflügel zwar
eine sublimbale Fleckenreihe sich erkennen läßt, aber undeutlich, weil
Danaididae, Satyridae, Nymphalididae, Notodontidae u. Drepanidae. 117
ihre Flecke unter sich und mit der Saumbinde zusammengeflossen
sind. An der Unterseite der Hinterflügel finden sich in der Zelle (außer
dem Discozellularfleck) drei schwarze Flecke, während der im Felde 5
gelegene schwarze Fleck ganz rudimentär ist. — Ich nenne diese
Form ab. bombeana m.
80. Euphaedra medon L. 5&: Ekona-Bavinga 22. X., Diebo 23. X.,
Buea 1.—10. XI., Bombe 13. X. — Ein kleines @ von Bakossu 26. X.,
Nlohe 16. XI.
81. Euphaedra wardi Druce. 1 2 Diebo 23. X.
82. Euphaedra spatiosa Mab. 15 Nlohe 16. XI.
Gen. Euryphene Westw.
83. Euryphene maledicta Strand n.sp. — Ein Pärchen von
Nlohe 16. XI.
Q ähnelt innocua Kby. Sm. und cutteri Hew. und ist an der Ober-
seite von diesen fast nicht zu unterscheiden; die Subapicalbinde der
Vorderflügel ist jedoch ein wenig weiter vom Saume entfernt (diese
Entfernung ist mindestens 2,5 mm), die Binde ist gelb wie bei cuiteri,
aber in der vorderen Hälfte nur 5 mm breit, in der hinteren, wo das
Gelbe durch dunkle Schuppen verunreinigt wird, dagegen 7—8 mm
breit; der Innenrand der Binde wenig gezähnt. Die blaugrüne Färbung
im Innenrandsfelde der Vorderflügel überragt nicht die Rippe 2 und
ist von der Wurzel um fast 9 mm entfernt. Im blaugrünen Feld der
Hinterflügel ist der hellgraugelbliche Wisch in der Mitte ganz klein
und undeutlich. —Die Unterseit esteht zwischen den beiden Arten;
die braune Färbung der innocua fehlt, vielmehr herrscht im Hinter-
flügel grünliche Färbung wie bei cutteri vor, während im Vorderflügel
größtenteils schwarzbräunliche Färbung, die in der Zelle ins Schwarze
übergeht, sich findet. Die gelbliche Subapicalbinde der Vorder-
flügel erstreckt sich nach hinten deutlich nur bis zur Rippe 4, ist
aber weiter saumwärts, wie an der Oberseite, durch einen hellen Wisch
verlängert. Wegen der dunklen Färbung des Saumfeldes treten die
sublimbale und die hinter der Rippe 4 sich befindende submediane
Fleckenreihe, deren Flecke in beiden Fällen ganz oder fast ganz zu-
sammengeflossen sind, nur undeutlich hervor. Zwischen der schmalen,
blauweißlichen, etwa S-förmig gekrümmten postmedianen Querbinde
der Zelle und der subapicalen Querbinde ist ein fast einfarbig
schwarzes Feld. Die blaugraulichen Figuren der Dorsalhälfte der
Vorderflügel sind schmäler als bei cutteri, weil die schwarzen Flecke
an der Basis der Felder 2 und 3 größer sind. Im Hinterflügel
ist in der Costalhälfte und im Saumfelde die grünliche Färbung mehr
oder weniger durch dunkle Beschuppung verunreinigt. Mit Ausnahme
der drei tiefschwarzen Flecke in der Zelle sind die schwarzen Flecke
der Hinterflügelunterseite verwischt und also von denen der cuiteri
abweichend. — Flügelspannung 70, Flügellänge 39, Körperlänge 22,
Fühlerlänge 19 mm.
Das 3 läßt sich mit phantasiella Stgr. vergleichen. Es ist größer
118 _Embrik Strand: Westafrikanische Lepidoptera der Familien
(Flügelspannung 65mm, Flügellänge 35 mm), die Subapicalbinde
der Vorderflügel ist breiter (vorn 5, hinten, wo zwei schwarze Flecke
eingeschlossen werden, 6 mm breit) und die hintere Hälfte derselben
ist spärlich dunkler beschuppt. Die dunklen Figuren in der Zelle der
Vorderflügel sind ganz undeutlich und die Hinterflügel zeigen keine
tiefschwarze Mittelquerbinde Die Unterseite weicht ab durch
die größere Breite der Vorderflügelbinde (wie oben), im Saumfelde,
insbesondere der Vorderflügel, ist die Grünfärbung durch bräunliche
Bestäubung fast verdrängt, von der hinteren inneren Ecke der Sub-
apicalbinde der Vorderflügel läßt eine sich bis zum Innenrande hin-
ziehende hellere Binde sich undeutlich und unregelmäßig erkennen,
die helle Medianquerbinde der Hinterflügel erstreckt sich nach hinten
bis zur Rippe 5, die beiden ringförmigen Flecke in der Zelle sind tief-
schwarz und somit schärfer hervortretend als bei phantasiella. — Von
innocua & u. a. durch das gänzliche Fehlen von grüner oder blauer
Bestäubung an der Oberseite leicht zu unterscheiden.
84. Euryphene nivaria Ward. 1& Bombe 13. XI.
85. Euryphene mandinga Feld. 1& Ewili 3.—7.XI
86. Euryphene zonara Butl. 6 $: Ekona-Bavinga 22.X., Ewili
3.—1. XL, Bakossu 24. X., Nlohe 16. XI., Diebo 23. X.
87. Euryphene absolon F. 2& von: Ewili 3.—7. XL, Diebo 23. X.,
1 2 von Diebo.
88. Euryphene tentyris Hew. 4 9: Buea 1.—10. XI, Ekona
18.—21.X. — 138 Nlohe 16. XI.
89. Euryphene sp.
Zwei wenig gut erhaltene $$ aus der Verwandtschaft von tentyris:
Nlohe 16. XI. und Bombe 13. XI.
90. Euryphene subtentyris Strand n. sp.
Zwei & von Buea 1.—10. XI.
Die Beschreibung wird anderswo erfolgen.
Gen. Diestogyna Karsch.
91. Diestogyna tadema Hew.
4 & von Bakossu 26. X.
Die Bestimmung erscheint mir nicht ganz sicher, trotzdem in
Staudingers Sammlung genau übereinstimmende Stücke, die wahr-
scheinlich in England bestimmt worden sind, sich finden. Es sind
aber Abweichungen von der Originalkennzeichnung der Art vorhanden;
die Hinterflügel tragen an der Unterseite einen subbasalen, runden,
schwarzen, scharf markierten Fleck und ihre Medianquerbinde hat
in der Mitte einen oder zwei schwarze, unbestimmt begrenzte Flecke,
während an der Abbildung Hewitsons von diesen Flecken gar nichts
zu erkennen ist, wohl aber heißt es in der Beschreibung „posterior
wing with a black spot.‘‘ Da also seine Abbildung und Beschreibung
nicht ganz übereinstimmen, dürfte es nicht viel Wert auf diese an-
scheinenden Unterschiede zu legen sein. Dann wird in der Beschreibung
von Zeichnungen an der Unterseite der Hinterflügel gesprochen, die
Danaididae, Satyridae, Nymphalididae, Notodontidae u. Drepanidae. 119
„rufous‘ sein sollen, welche Bezeichnung mir weder mit Hewitsons
Figur noch mit meinen Exemplaren ganz zu stimmen scheint. Die
schwarzen Punkte der postmedianen Punktquerreihe werden an der
Innenseite von je einem weißen Punktfleck begrenzt, der an der Figur
nicht zu erkennen ist.
92. Diestogyna Duseni Auriv. 1% Nlohe 16. XI.
93. Diestogyna camarensis Ward. 1 & ebenda.
Gen. Euryphura Stgr.
94. Euryphura porphyrion Ward. 13 Bombe 13. XI.
Gen. Cymothoe Hb. bin
95. O’ymothoe oemilius Doumet. 1 Q Bombe 13. XI.
96. C’'ymothoe theobene Doubl. Hew. 5 &: Diebo 23. X., Ekona-
Bavinga 22. X., Bakossu 26.X. — 29 Bakossu.
97. O'ymothoe egesta Cr. confusa Auriv. 15 Bombe 13. XI.
98. Cymothoe& Lucasi Doumet. 1 & Nlohe 16. XI.
99. Cymothoe Beckeri H.-S. 1& Bombe 13. XI., 1 2 Bakossu 26. X,
100. Cymothoö fumana Westw. 1& von Nlohe 16. XI.
101. Cymothoe capella Ward. 1.8 Diebo 23. X.
102. Cymothoe caenıs Dr. 20 S: Ekona 18.—21. X., Ekona-
Bavinga 22. X., Barombi 24. X., Bakossu 26. X., Diebo 23. X., Buea
10.—17. X., Duala 30. IX. — 7 2: Ekona, Bakossu, Duala, Buea. —
3 d& (von Bakossu, Bombe und Buea) gehören einer Aberration an, die
sich dadurch auszeichnet, daß die isolierten schwarzen Flecke im Saum-
felde der Vorderflügel ganz oder fast ganz fehlen, auch im Hinterflügel
sind solche, wenigstens in der Costalhälfte des Flügels, nicht vorhanden
und die schwarze sublimbale Ziekzacklinie dieser Flügel bildet bei der
Type nur undeutliche schwarze Flecke; die schwarze Limbalbinde
beider Flügel ist bei dem typischen Exemplar schmäler als gewöhnlich
(Type von Bakossu.) Ich nenne diese Form ab. bakossensis Strand n. ab.
Von der ab. euthalioides Kby. liegen 5 @ von: Nlohe 16. XI.,
Buea 10.—17. X., Duala 19. XI. und Ekona 18.—21. X. vor, während
die ab. conformis Auriv. durch ein @ von Ekona 18.—21. X. vertreten ist.
103. C'ymothoe Preussi Stgr. Ein schlecht erhaltenes $ von Diebo
23. X. wird wahrscheinlich dieser Art angehören.
104. Cymothoö coceinata Hew. 15 Ekona-Bavinga 22. X. — Von
Diebo 23. X. liegt ein $ vor, das der von Hewitson in seiner Fig. 26 als
Varietät von coceinata abgebildeten Form, die nach Aurivillius zu
anitorgis gehören soll, jedenfalls sehr nahe steht. Von der typischen
Form von coceinata (Fig. 25 Hew.) dadurch abweichend, daß die
schwarze Färbung der Spitze der Vorderflügel ein wenig ausgedehnter
ist (aber nicht so stark wie bei anitorgis) und die schwarzen Flecke
der Hinterflügel durch eine feine Ziekzacklinie verbunden sind. Dass
dies Exemplar nicht zu anitorgis gehört, beweist die mit coceinata über-
einstimmende Grundfarbe, das Fehlen einer schwarzen Saumbinde
120 Embrik Strand: Westafrikanische Lepidoptera der Familien
im Vorderflügel etc. Ich nenne diese Form ab. ziekzack m. n. ab. — Ob
Hewitsons Fig. 26 dieser Form oder anitorgis angehört, ist mir fraglich.
105. Cymothoe anıtorgis Hew. 1 & Diebo 23. X.
Gen. Euzxanthe Hb.
106. Eusxanthe trajanus Ward. 1 2 Diebo 23. X.
Gen. Charazxes Ochs.
107. Charazxes fulvescens Auriv. Ein 2 ebenda.
108. Charazxes numenes Hew. 1& Bakossu 26. X.
109. Charazxes lucretius Cr. 1 & Diebo 23. X.
110. Charaxes etheocles Cr. Ein Pärchen von Bombe 13. XI. Das
Q gehört der ab. catochrous Stgr. an.
111. Charaxes paphianus Ward. 13 Ekona-Bavinga 22.X.
112. Charaxes lichas Doubl. 1 2 (schlecht erhalten?) von Diebo
23.X.
Gen. Palla Hb.
113. Palla violinitens Crowl. 1 Q Ekona-Bavinga 23. X.
Fam. Notodontidae.
Gen. Tricholoba Hmpn.
Von der erst 1910 aufgestellten Gattung Tricholoba Hmpn. (in: Ann.
Mag. Nat. Hist. (8) 5. p. 489—490) liegen mir drei neue Arten vor, die
sämtlich hier beschrieben werden mögen, trotzdem nur die eine aus
Hintz’s Sammlung stammt. — Daß die Tricholoba sehr an Lasio-
campiden erinnert, insbesondere auch durch die bei letzterer Familie
so häufige Erweiterung des Vorderrandes der Hinterflügel, wird von
Hampson leider nicht angegeben.
Tricholoba immodica Strand n. Sp.
Ein @ von Buea 1. 10. XI
Vorderflügel unbestimmt hell bräunlichgrau mit schwachem
gelblichem Ton, die braune Bestäubung häuft sich etwas mehr an im
Saumfelde zwischen den Rippen 2—3 und 4-5 und an der Mitte des
Innenrandes und geht im Saumfelde daselbst auch auf die Fransen über.
Die Hinterflügel oben und unten hell fahl-ockergelblich, der Vorder-
rand jedoch unten dunkelbraun befranst. Die Vorderflügel unten
ähnlich wie die Hinterflügel gefärbt, jedoch dunkler, bräunlich an-
geflogen, insbesondere im Saumfelde, die Fransen dunkelbraun, an der
Spitze erscheinen die Fransenhaare ein wenig heller. — Kopf und
Thorax oben und unten wie die Vorderflügel gefärbt, auch die Stirn
hat die Farbe der Unterseite. Antennen braungelb. Abdomen wie die
Hinterflügel gefärbt, oben mit undeutlich braungelblich gefärbten
Hinterrandbinden der Segmente.
Flügelspannung 54, Flügellänge 27, Körperlänge 23 mm.
Tricholoba trisignata Strand n. Sp.
Ein 2 von N. W. Kamerun, Mbabon 13. VI. 1901 (Diehl).
Vorderflügel im Grunde weißlich, im Wurzel- und Innenrandsfelde
Danaididae, Satyridae, Nymphalididae, Notodontidae u. Drepanidae. 121
mit bräunlicher Bestäubung und mit einem ebensolchen Schatten in
der Mitte des Saumfeldes. In der Mitte des Flügels eine sehr charakte-
ristische, aus 3 tiefschwarzen, etwas dreieckigen, innen gelb ausgefüllten,
nahe beisammen gelegenen, aber sich nicht berührenden Rinnen, die
der Länge oder (der distale?) schräg der Quere nach gerichtet sind,
gebildete Figur; von dem hinteren dieser Ringe zieht eine feine dunkle,
mitten winklig gebrochene Querlinie bis zum Innenrande des Flügels.
Wurzelwärts von den Ringen finden sich einige schwarze Schuppen,
die wohl mitunter einen oder zwei Punktflecke bilden und nahe der Basis
ist ebenfalls und zwar ganz deutlich ein schwarzer Punktfleck. Unten
sind die Vorderflügel ockergelblich mit bräunlichem Anflug in der
Innenrandshälfte; wenigstens in der hinteren Hälfte sind die Fransen
braun, die Haare an der Spitze heller erscheinend. Die Hinterflügel
sind unten im Grunde wie die Vorderflügel, das Vorderrandsfeld
jedoch 2—3 mm breit braun beschuppt. Kopf und Thorax so weit
erkennbar wie die Vorderflügel oben gefärbt, unten sowie die Beine mit
bräunlicher und ockergelblicher Beschuppung. Abdomen hell ocker-
gelblich.
Flügelspannung 52, Flügellänge 25 mm. Körperlänge 21 mm.
Tricholoba squalidula Strand n. sp.
Ein @ von Freetown (Preuss, ex coll. Staudinger).
Vorderflügel weißlich mit schmutzigbräunlichen Flecken,
die eigentlich nur unregelmäßige Schuppenanhäufungen zu sein
scheinen und von denen einer nahe der Basis, einer um die hintere Ecke
der Zelle, einer im Analwinkel, ein ganz kleiner an der Spitze und einer,
in 3 geteilter Fleck nicht weit von der Spitze sich finden. Der Innenrand
bräunlich bestäubt. Hinterflügel oben und unten blaß ockergelblich,
oben am Vorderrande ganz schwach gebräunt, unten ist der Vorderrand
bezw. die Vorderrandsfransen dunkelbraun. Vorderflügel unten
ockergelb, im Saumfelde bräunlich bestäubt mit dunklerer Saumlinie,
die Fransen in der Basalhälfte braun, in der Endhälfte weißlich. An-
tennen braungelb. Kopf und Thorax oben schmutzig graulichweiß.
Das ganze Abdomen und die Unterseite des Thorax blaß ockergelblich,
die Beine angebräunt.
an iSönancign toll,
Scrancia prothoracalis Strand n. sp.
Ein @ von Duala (Kamerun) 29.—30. IX.
Charakteristisch u. a. durch den tiefschwarzen Prothorax. — Vorder-
flügel braun mit rötlich-violettlichem Anflug und, insbesondere in
und um die Zelle und im Wurzelfelde, mit spärlicher grünlicher Be-
stäubung, sowie mit folgenden schwärzlichen Flecken: am Ende des
Wurzelfeldes ein länglicher, außen und innen heller begrenzter Fleck,
dem ein zweiter Längsfleck oder Längsstrich auf der hinteren Median-
rippe und ein dunkler Wisch am Innenrande gegenüberliegen, diese
drei dunkle Flecke sind vielleicht mitunter zu einer zusammenhängenden
Querbinde verbunden; am Ende der Zelle ein scharf markierter
schwarzer Längsfleck; das Medianfeld wird außen von einer schwarzen
122 _Embrik Strand: Westafrikanische Lepidoptera der Familien
Zickzacklinie begrenzt, die in ihrer vorderen Hälfte stark saumwärts
konvex gebogen ist sowie am Vorderrande um 11, am Hinterrande um
5 mm von dem Saume entfernt ist und gegenüber dem schwarzen
Zellenfleck von einem schwarzen Längsstrich geschnitten wird; im
Saumfelde ist, wenigstens vorn, Andeutung einer hellen Sublimballinie
vorhanden und vielleicht sind noch eine oder zwei weitere solche Linien
mitunter deutlich erkennbar. — Hinterflügel einfarbig dunkel
braungrau und so ist auch die Unterseite beider Flügel im Grunde
gefärbt, aber mit höchst undeutlichen dunkleren Schatten, beide
Flügel auf der Mitte des Vorderrandes mit schwärzlichem Fleck, von
denen derjenige im Vorderflügel tiefschwarz und ziemlich scharf
markiert ist; letztere tragen in der Endhälfte noch 4—5 weitere und
zwar kleinere schwarze Vorderrandflecke, die sich auch oben erkennen
lassen. — Thorax wie die Vorderflügel gefärbt, der Halskragen aber
wie oben gesagt tiefschwarz. Kopf mit Anhängen braun und so wird
wohl auch die Unterseite des Thorax gefärbt sein. Abdomen wie die
Hinterflügel gefärbt, unten, insbesondere vorn, etwas dunkler.
Flügelspannung 50 mm. Flügellänge 23—24 mm. Körperlänge
20 mm.
Fam. Drepanidae.
Gen. Spidia Butl.
Spidia excentrica Strand n. Sp.
Ein & (?) von Buea 10.—17. X. 10, 900—1200 m.
Mit Spidia fenestrata Butl. am nächsten verwandt. — Beide Flügel
oben hellbräunlich grau mit gelblichem Ton; die vorderen mit einer
fast, linienschmalen schwarzen Binde von der Spitze des Flügels bis
zur Mitte des Innenrandes, die fast unmerklich saumwärts konvex
gebogen ist; auf dem Hinterflügel ist eine ebensolche Binde, die aber
nicht die direkte Fortsetzung der Binde des Vorderflügels bildet,
sondern am Vorderrande um 1!/, mm weiter saumwärts gerückt anfängt,
zuerst schwach saumwärts gebogen und dann gerade bis kurz innerhalb
der Mitte des Innenrandes verläuft. Auf dem Vorderrande der Vorder-
flüge] ein schwarzer Fleck, der von der Basis um 7, von der Flügel-
spitze um 9mm entfernt ist; etwa 3 mm weiter apicalwärts findet
sich ein weiterer schwarzer Fleck auf dem Vorderrande. Die Innen-
bezw. Vorderseite beider Binden ist braun angelegt. Vorderflügel
mit einem hyalinen länglich-ovalen Fleck am Ende der Zelle und vier
weiteren ebensolchen, von denen zwei kleine längliche, dicht neben-
einander gelegene, längsgerichtete die Spitze des Zellflecks berühren,
während ein größerer, mehr abgerundeter Fleck die Hinterseite des
Zellflecks berührt und hinter diesem runden Fleck, denselben berührend
findet sich ein kleinerer, abgerundet dreieckiger Fleck; die vier Flecke
bilden eine etwa gerade Reihe, die subparallel zu der schwarzen Binde
verläuft, und sie liegen in den Feldern 1c,2,3 und 4. — Die Hinter-
flügel tragen eine zweite schwarze Querbinde zwischen der be-
schriebenen und der Flügelwurzel, die am Innenrande von der anderen
um 1,5 mm entfernt ist, nach vorn aber divergiert und auf den Vorder-
Danaididae, Satyridae, Nymphalididae, Notodontidae u. Drepanidae. 123
rand etwa senkrecht gerichtet zu sein scheint (die Flügel daselbst etwas
abgerieben). Die Hinterflügel tragen nur einen Glasfleck; er ist länglich
rund (sein kleinster Durchmesser 1,5 mm), schließt die Spitze der Zelle
und die Basis des Feldes 4 ein, ferner erreicht er die Rippe 3 und
schließt die Basis der Rippe 5 ein; die Zellspitze ist mit einem tief-
schwarzen Fleck bezeichnet, der excentrisch, wurzelwärts von der
Mitte des Glasflecks gelegen ist. — Unterseite beider Flügel blaß ocker-
gelblich, spärlich dunkel besprenkelt, auf dem Vorderflügel mit einer un-
bestimmt begrenzten Binde, die gegen den Vorderrand in der Nähe der
Spitze und gegen den Hera bei ®/, desselben gerichtet ist, aber
alle beide Ränder nicht erreicht; diese Binde ist breiter als diejenige
der Oberseite und erweitert sich hinter den Glasflecken durch daselbst
wurzelwärts sich verbreiternde schwarze Bestäubung. Im Hinterflügel
ist in der vorderen Hälfte des Flügels eine feine schwarze, entsprechende
Binde angedeutet.
Über Körper und Extremitäten lassen sich, wegen wenig guter
Erhaltung des Exemplars, keine Angaben machen. Aus demselben
Grund ist über die Haftborste nicht klar zu werden und das Geschlecht
des Exemplars bleibt daher fraglich.
__ Vorderflügel mit scharfer, aber nicht zurückgebogener Spitze,
hinter derselben mit ziemlich tiefer Ausrandung, die bis zur Mitte des
Feldes 3 reicht, dann ist der Saum ebenfalls deutlich eingebuchtet bei
der Rippe 2 und eine höchst undeutliche Einbuchtung läßt sich bei der
Rippe 3 zur Not erkennen. Hinterwinkel stumpf. — Im Hinterflügel
ist der Analwinkel recht, der Vorderrand in der apicalen Hälfte stark
konvex gekrümmt; die Spitze, die sich im Felde 6 befindet ist etwa
rechtwinklig, der Saum fast gerade.
Flügelspannung 30, Flügellänge 17 mm.
Über den Inhalt und die Erscheinungszeiten
der einzelnen Teile, Hefte ete. und die ver-
schiedenen Ausgaben des Schreber’schen
Säugetierwerkes (1774—1855).
Von
Franz Poche, Wien.
In den Proc. Zool. Soc. London 1891, 1892, p. 587—592 findet
sich eine äußerst wertvolle und höchst mühsame Arbeit des durch
seine ganz außergewöhnliche Kenntnis der Literatur unserer Wissen-
schaft rühmlichst bekannten englischen Forschers Herrn C. Davies
Sherborn: ‚On the Dates of the Parts, Plates, and Text of Schreber’s
‚Säugthiere‘ “. Wie es in Anbetracht der Lage des Falles bei dem
ersten derartigen Versuche praktisch kaum anders möglich war, ent-
hält diese, wie der verdienstvolle Autor selbst ausdrücklich anführt,
eine Anzahl Lücken und ferner auch manche unentschieden gelassene
Punkte sowie etliche Irrtümer, die ich im Folgenden, soweit es mir
möglich ist, ausfüllen, bezw. aufklären oder richtigstellen möchte.
Auf die Wichtıgkeit der bezüglichen Feststellungen hat bereits
Sherborn (p. 587) kurz hingewiesen, und brauche ich den Worten
eines so competenten Beurteilers — zumal in Anbetracht der großen
Rolle, die gegenwärtig die Priorität der verschiedenen Namen spielt —
wohl nichts hinzuzufügen und bemerke nur, daß insbesondere auch
die Erscheinungszeit der verschiedenen Tafeln von großer
Wichtigkeit ist, indem eine ganze Anzahl Arten auf diesen zuerst
aufgestellt wurde. Im Anschlusse daran werde ich dann noch
kurz auf die verschiedenen Ausgaben dieses großen
Werkes eingehen, deren Existenz Sherborn anscheinend unbekannt
geblieben ist. Ich betone dabei jedoch ausdrücklich, dass mein Artikel
lediglich ein Supplement zu der Arbeit dieses Autors darstellen will
und daß ich daher allejene Punkte, woichseinen An-
gabennichts hinzufügen kann, von vornherein
nicht erwähne, und ebenso auch jene nicht, wo ich nur auf
Grund anderweitiger Quellen eine Bestätigung einer bereits
von ihm festgestellten Tatsache bringen könnte. Aus demselben
Grunde halte ich mieb auch in der Anordnung des Stoffes so viel wie
möglich an die von Herrn Sherborn gewählte.
Da, wie wir späterhin sehen werden, einzelne Tafeln in ver-
schiedenen Exemplaren des Werkes verschiedene Be-
zeichnungen tragen, so seierwähnt, daß mir beı dieser Arbeit
folgende Exemplare desselben vorgelegen sind: das der Zoologischen
Abteilung des Naturhistorischen Hofmusevms, der Universitäts-
bibliothek, der Hofbibliothek, der Familienbibliothek des Kaisers
Über das Schreber’'sche Säugetierwerk (1774—1855). 125
von Österreich und der Technischen Hochschule in Wien (letzteres
unvollständig, indem es nur bis p. 1112 reicht), und das des Zoologisch-
Zootomischen Institutes der Universität Graz (letzteres eine spätere
Ausgabe darstellend [s. weiter unten]). — Da ich auf die gedachte Arbeit
Sherborns naturgemäß sehr häufig Bezug zu nehmen haben werde,
so zitiere ich sie der Kürze halber stets nur als: Sherborn, p. .. . . .
Zum leichteren Verständnis einer in den im Folgenden zitierten
alten Bibliographien etc. vielfach vorkommenden Zeitangabe sei noch
erwähnt, daß Michaelis auf den 29. September fällt.
Die ursprüngliche Ausgabe des Werkes.
Zunächst führt Sherborn (p. 587) u. a. tab. [1]—240 als in Th. I
—IV, tab. „241—347 und. verschiedene Supplementtafeln“ als in
Th. V, I, tab. 308—328 als in Th. VI und tab. 329—385 als in Th. VII,
ferner tab. 1—165 als im Supplementband, I.—III. Abth., tab. 168 [sie!]
—8327 als t. c., IV. Abth., und abermals tab. 1—51 als t. c., V. Abth.
enthalten an. In Wirklichkeit beginnt aber in dem Werke die Zählung
der Tafeln nicht zweimal, sondern nur einmal von neuem bei
eins, und zwar in der V. Abth. des Supplementbandes, die tatsächlich
die Tafeln 1—51 enthält. Im ganzen übrigen Werk, also einschließlich
der Abth. I—-IV des Supplementbandes, findet sich aber nur eine
Serie der Nummerierung der Tafeln, und zwar von I-CCOCLXXXV
(Sherborn gebraucht wohl der Kürze wegen auch für diese Tafeln
durchweg die arabischen Ziffern). Auch ist es ohne weiteres einleuchtend,
daß, wenn (wie es tatsächlich der Fall ist) tab. CCCVIII—CCCXXVILUI
zu Th. VI und tab. CCCXXIX—CCCLXXXV zu Th. VII gehören,
nicht tab. CCXLI—CCCXLVI zu Th. V,I gehören können. Offenbar
ist Herrn Sherborn hier eine Verwechselung zwischen den Tafeln,
die sachlich zu einem bestimmten Theile gehören, und denen, die
bloss mit dem Texte dieses ausgegeben wurden, unter-
laufen (ef. das unten p. 126f. über die Abgrenzung der verschiedenen
Theile Gesagte). Ebenso waren im Supplementband, Abth. I—-IV
überhaupt ni:ht im entferntesten so viele Tafeln enthalten als Sherborn
angibt, und verweise ich betreffs der wirklich in den diesen zugehörigen
Heften ausgegebenen auf das bei der Besprechung dieser Gesagte.
Das von Sherborn angeführte und in ausgedehntem Maße als
Quelle benützte „Circular Goldfuss’s““ ist mir ebenfalls vorgelegen,
und zwar ist es in dem dem Naturhistorischen Hofmuseum gehörigen
Exemplare des Werkes am Ende des 1. Bandes des V. Theiles bei-
gebunden. Der Teil, wo der Inhalt der einzelnen Hefte angegeben
ist, ist aber von niemand unterfertigt und rührt augenscheinlich
nichtvon Goldfuss (sondern jedenfalls von der Verlagsbuchhandlung)
her. Unmittelbaranschließend daran findet sich aber
eine „Ankündigung“, deren 1. Seite „Dr. Goldfuss“ unter-
zeichnet ist, also tatsächlich von Goldfuss herrührt, und hat offenbar
dieser Umstand Herrn Sherborn dazu verleitet, auch jenen erst-
126 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
erwähnten Teil diesem Autor zuzuschreiben. Im Folgenden werde ich
denselben einfach als ‚die Disposition‘ bezeichnen.
Da die verschiedenen Quellen untereinander nicht immer überein-
stimmen, so führe ich, wie es auch Sherborn tut, zwecks größerer
Verläßlichkeit überall dort, wo es mir möglich ist, mehr als einen
Beleg für die einzelnen von mir gemachten Angaben an; wenn aber
die Zahl der von mir gefundenen Qvellen für eine solche einegrößere
ist und alle untereinander übereinstimmen und zu einem bezüglichen
Zweifel auch sonst keinerlei Grund vorliegt, so habe ich diese nicht
alle, sondern nur eine angemessene Auswahl davon angeführt.
Was die Abgrenzung der verschiedenen „Theile“, bzw.
die Zuordnung der einzelnen Hefte zu diesen betrifft, so bemerkt
Sherborn (p. 588) bei der Anführung von Heft 12: ‚Nach Gold-
fus3’s Cireular beschloss Heft 12 Th. II, aber das widerspricht
aller anderen Evidenz.“, und ebenso (p. 589) zu Heft 37, 38,
Heft 48, 49, Heft 52, und Heft 53, 54 der Reihe nach: „Goldfuss, in
seinem -Cireular, endigt Th. IV. hier!“, „Th. V. hier!!“, „Th. VI
hier!!!“, „Th. VII. hier!!!!“. — Dazu möchte ich erklärend hinzu-
fügen, daß diese Abgrenzung der einzelnen Theile in der Disposition —
eine kleine Incongruenz bei dem Doppelhefte 37, 38 ist wohl nır eine
scheinbare, indem es bei diesem statt der hinzugefügten Bemerkung
„zum 3ten und 4ten Theil‘ offenbar (wie sich aus den in ihm enthaltenen
Tafeln ergibt) „zum 4ten und Öten Theil“ heißen sollte — mit der Zu-
gehörigkeit der (fortlaufend nummerierten) Tafeln zu den betreffenden
von jenen übereinstimmt [beim VII. Th. natürlich nur soweit als die-
selben eben damals bereits erschienen waren], und nicht, wie bei Sher-
born, mit der des Textes. Sie entspricht auch ganz zweifellos
der ursprünglichen (jedenfalls auf den Umschlägen der einzelnen Hefte
angegebenen); denn in der Allg. Lit.-Zeit. 1785, I, p. 102 (vom 28. Jan.)
wird „Der Säugthiere V. Theil. XXXIX Heft.“ besprochen (dabei
aber auch gesagt, daß ‚„‚durch den beyliegenden Textbogen noch immer
nicht der 4te Theil des Werks beendiget“ ist), ebenso op. c. 1786, IV,
col. 172ff. ‚Der Säugthiere V Theil. XL. XLI. (beide zusammen)
XLII und XLIIl. Heft“, op. ec. 1789, IV, col. 385£. ‚Der Säug-
thiere V Theil, XLIV und XLV Heft. Beide zusammen und XLVI
und XLVII Heft.‘‘, und in der Allg. deutsche Biblioth. LXIX, 1786,
p. 456f. „Der Säugthiere V. Theil. XL. und XLI. Heft...... 1784.
XL. Heft..... 1785.‘ ; und ebenso citiert [Temminck], Cat. Syst.
Cabin. Ornith. Coll. Quadrumanes de Temminck, 1807, p. 1 die in dem
in der Disposition unter den ‚„Supplementen‘ angeführten Hefte 56, 57
enthaltene tab. III.B aus ‚Schreber Säugthiere Supplement“, und
war eg also durchaus berechtigt, jene Abgrenzung der Dis-
position zugrunde zu legen. — Andererseits ist aber die von Sherborn
angenommene Abgrenzung, insbesondere für die heutige Zeit, un-
streitig rationeller, indem der Text naturgemäß weit mehr an
ein Erscheinen in regelrechter Aufeinanderfolge gebunden war als die
Tafeln und eine sehr beträchtliche Anzahl von Heften überhaupt keine
fortlaufend nummerierten solchen enthält und demgemäß bei ersterem
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 127
Verfahren gar keinem ‚Theile‘ zugewiesen werden kann (so
werden ja auch in der Disposition die Hefte 55—64 nur als ‚„‚Supple-
mente“ angeführt!), obwohl diese letzteren in ihrer Gesamtheit doch
das ganze Werk umfassen sollen. Demgemäß tragen ja auch die
Titelblätter der einzelnen Theile die Jahreszahl des Abschlusses des
Textes und nicht die desjenigen des Erscheinens ihrer (fortlaufend
nummerierten) Tafeln. Ich schließe mich daher in dieser Beziehung
durchaus der Auffassung Sherborns an und betone dabei nur, daß es
eben infolge der Incongruenz zwischen dem Inhalte der einzelnen Hefte
an Text und an fortlaufend nummerierten Tafeln in vielen Fällen un-
möglich ist, dieselben in einer gleichzeitig sowohl der Zugehörigkeit
jenes als der dieser zu den einzelnen Theilen des Werkes Rechnung
tragenden Weise diesen letzteren zuzutheilen.
I. Theil.
Heft 1. Als Erscheinungszeit desselben gibt Sherborn (p. 588)
[1774] an [die [ ] ist von Sherborn und bedeutet augenscheinlich,
daß das betreffende Datum nicht nachweisbar, sondern nur auf
Vermutungen seinerseits gegründet ist. Und tatsächlich ist diese
Vermutung Sherborns vollkommen richtig; denn in C. G. Kayser,
Vollst. Bücher-Lex., V, 1835, p. 130 wird das 1.—69. Heft als
[1]774—[1]823 erschienen angegeben; und ebenso wird in der
Revis. Lit. 1785—1800, 1. Jg., I, 1801, col. 273 mitgeteilt, daß
der Verleger „schon im [auf 1773] folgenden Jahre.... das Werk
in monatlichen Heften .... herauszugeben anfing“. Desgleichen
wird auch von [Bruder in] W. Heinsius, Allg. Büch.-Lex., 1. Suppl.,
I, 1798, p. 405 das Werk als ‚[1]774 angeg.‘‘ angeführt, und ebenso
von Wrede u. Weber (in: W. T. Krug, Enzyklop. Handb. wiss. Lit.,
II, 2. Heft, 1806, p. 149) als ‚seit 1774“ erscheinend.
Heft 6. In der Disposition und von Sherborn (p. 588) wird eine
tab. 46 als in Heft 6 enthalten angeführt. Die Bezeichnung tab. XLVI
trägt nämlich irrtümlicherweise in einem Teile der Exemplare des
Werkes die Tafel, die in anderen richtig als tab. XLVI. B. bezeichnet
ist. Die Identität dieser beiden Tafeln erhellt scwohl aus dem Ver-
gleich derselben als auch daraus, daß in Th. I, 1775, [1774], p. 185
ausdrücklich angegeben wird, daß auf tab. „XLVI Vespertilio
hastatus“‘ der Buchstabe B fehlt, was allerdings nur für einen Teil
der Exemplare des Werkes zutrifft, indem in einigen der mir zu-
gänglichen dieser dieselbe, wie bereits erwähnt, richtig als tab. XLVI.B
bezeichnet ist. — Eine tab. XLVI. B wird demgemäß auch in der
Disposition und von Sherborn überhaupt nicht angeführt.
Heit 9. Als Erscheinungszeit desselben gibt Sherborn (p. 588) [1774]
an [die [| ] ist von Sherborn; cf. über diese das bei Heft 1 Gesagte].
Auch diese Vermutung Sherborns ist vollkommen zutreffend, indem
auch die nachfolgenden Hefte 10—12 nicht, wie Sherborn angibt,
1775, sondern bereits 1774 erschienen sind (ef. das bei Besprechung
dieser Gesagte). Dementsprechend ist auch die Vorrede zum I. Th.,
128 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
welcher mit Heft 9 abschließt und in der Schreber u. a. sagt, daß ‚‚izo
mit der ersten linneischen Abtheilung der Säugthiere der erste Theil
geschlossen werden kan“, vom 1. November 1774 datiert; und der
Umstand, daß das Titelblatt desselben die Jahreszahl 1775 trägt,
ist offenbar (wie ja auch Sherborn angenommen zu haben scheint)
nur auf die leider so verbreitete Unsitte der Verleger zurückzuführen,
auf das Titelblatt von im Herbste eines Jahres erscheinenden Ver-
öffentlichungen bereits das Datum des näch tfolgenden zu setzen.
II. Theil.
Heft 10. Als Erschemungszeit desselben gibt Sherborn (p. 588)
[1775] an [die[ ] ist von Sherborn; cf. darüber das bei Besprechung von
Heft 1 Gesagte]. Dasselbe ist aber schon 1774 erschienen, indem
die darin enthaltenen Tafeln (LXIII—-LXX) nach einer auch von
Sherborn angeführten Angabe in der Zug. Götting. Anz. gel. Sach.
1776, p. CCXXIl in jenem Jahre publiciert wurden und daher natürlich
dasselbe von dem ganzen Hefte gilt. (Daß l.c. nur die Tafeln
des fraglichen Heftes als 1774 erschienen angeführt werden, kann
keineswegs als Argument gegen diese Auffassung geltend gemacht
werden, wie sich aus dem Zusammenhange der betreffenden Stelle
aufs klarste ergibt; es heißt nämlich dort: ‚Der zweyte Theil... . ist
den Kupfern nach noch A. 1774. völlig herausgekommen, ihre Anzahl
geht von 63 bis auf 80.,... “; der Text des Il. Th. wird also hier
ganz offenbar nur deshalb nicht erwähnt (sondern erst auf p. CCXXII),
weil er zum größeren Teile (von p. 223 an) später als die Tafeln des-
selben [und zwar augenscheinlich erst 1775] erschienen ist.
Heft 11. Dieses wird von Sherborn (p. 588) als [1775] er-
schienen angeführt [die [] ist von Sherborn; cf. das bei Be-
sprechung von Heft 1 Gesagte. In Wirklichkeit wurde es aber
schon 1774 ausgegeben, und sind die Gründe hierfür genau
dieselben wie sie bei Heft 10 geltend gemacht wurden. —
Ferner wird in der Disposition und von Sherborn (p. 588) eine
tab. „71A“ als in Heft 11 enthalten angeführt. Damit ist ganz
zweifellos tab. LXXI gemeint, welche Dasypus trieinetus Linn. dar-
stellt, indem diese — wie aus dem Gegenstande derselben hervorgeht
— bereits von Schreber selbst (II. Th., 1775, p. 215 [1774; cf. das
bei Besprechung von Heft 12 Gesagte], 279£. [17 75]) constant als
tab. LXXLA bezeichnet wird und andererseits eine tab. LXXI.A
in dem Werke überhaupt nicht existiert. Es liegt hier also augen-
scheinlich ein ganz analoger Fall vor wie bei tab. „116A“ in Heft‘17,
weshalb ich bloß auf das unter diesem Gesagte verweise.
Heft 12. In Allg. deutsche Biblioth. XXXIIL, 1778, p. 572 wird
des Schreber’schen Werkes ‚Zweeter Theil... ., 1775. 4. 11 Bogen,
20 Kupfer.“ besprochen. Diese ganze in „ “ angeführte Angabe
bezieht nun Sherborn (p. 588) auf die Hefte 12—14, als deren Er-
scheinungszeit er auf Grund derselben 1775 angibt, und setzt überdies
die 11 Bogen gleich 44 pp. Was ihn zu dieser Auffassung verleitet hat,
des Schreber’schen Säugetierwerkes (1774 —1855). 129
ist ganz unklar; denn weder die Zahl der in jenen Heften enthaltenen
Bogen, bezw. Seiten, noch die der Tafeln (außer wenn von letzteren
bloß die in den Heften 13 und 14 enthaltenen gezählt werden, was
eine gewisse Begründung darin finden würde, daß Sherborn die in Heft12
enthaltenen ausdrücklich als 1774 erschienen anführt) stimmt mit
jener Angabe überein. Irrig ist ferner auch seine Gleichsetzung von
11 Bogen mit 44 p., indem dieselben vielmehr 88 p. entsprechen.
— In Wirklichkeit bezieht sich jene Angabe ganz zweifellos, wie ihr
Wortlaut sagt, auf den gesamten zweiten Theil, indem dieser l.c. in
seiner Gänze besprochen wird und auch die Angabe
eines Umfanges von 11 Bogen u. 20 tab. sehr wohl mit dem dieses
letzteren übereinstimmt, indem dieser tatsächlich Bog. Bb—Mm
[++ 1 Blatt von Bog. Nn] [= p. 191—280] sowie ursprünglich [s. II. Th.,
1775, p. 279£.] 20 Tafeln (LXIII—LXX, LXXIA, B-LXXVIL,
LXXVII. B-LXXX) enthielt, und das Datam 1775 also lediglich auf
die am Titelblatte desselben angegebene Jahreszahl. Damit wird natür-
lich aush der oben erwähnten Angabe Sherborns, daß die Hefte 12—14
1775 erschienen sind, die Grundlage entzogen; und tatsäshlich ist
Heft 12 bereits 1774 erschienen. Die Gründe hierfür sind ganz die-
selben wie die bei Besprechung von Heft 10 angeführten, weshalb ich
lediglich auf das dort Gesagte verweise.
Heft 15. Dieses Heft führt Sherborn (p. 588) als [1775] erschienen
an. (Die [ ] ist von Sherborn; cf. darüber das bei der Besprechung von
Heft 1 Gesagte.) Und tatsächlich ist es im Jahre 1775 erschienen,
indem in P. L. St. Müller, Ritters Linne’ vollst. Natursyst.,
Suppl.-Regist.-Bd., 1776, p.30 eine der darin enthaltenen Tafeln
(tab. CIV) bereits citiert wird, der „Vorbericht“ [= Vorwort] dieses
Bandes vom 4. Januar 1776 datiert (und der Verfasser am 5. Januar 1776
plötzlich gestorben) ist [s. t. c., Nachricht d. Verleg.], sodaß also eine
erst 1776 erschienene Publikation in den ersten Teilen desselben
keinesfalls mehr hätte angeführt werden können. — Damit
stimmt auch überein, daß das Titelblatt von Theil II (dessen letztes
Heft das in Rede stehende war) die Jahreszahl 1775 trägt.
III. Theil.
Sherborn gibt (p. 588) auf Grund einer Mitteilung in der Zug.
Götting. Anz. gel. Sach. 1776, p. COXXIV an, daß 50 tab. des III. Theiles
vor dem 13. Juli 1776 publiciert wurden Dazu muß jedoch bemerkt
werden, daß t.c., p. CCXXII die Tafeln des II. Theiles des Werkes
als von 63—80 (wovon „einige doppelt‘ sind) reichend angegeben
wurden, die fraglichen 50 Tafeln des III. Theiles also von tab. LXXX
und nicht etwa von tab. CVILB ab, mit der bei Sherborn der
II. Theil des Werkes abschließt, zu zählen sind. Damit kommen wir
dann (die mehrfach vorkommenden „doppelten“ [i. e. ale A und B
unterschiedenen] Tafeln sind bei jener Angabe wohl nur einmal gezählt,
andererseits einzelne noch fehlende Nummern mitgerechnet) gerade auf
tab. CXXX, die die letzte in Heft 18 enthaltene Tafel bildet.
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 4. SuppL. 9
130 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
Heft 1%. Obwohl eine tab. 116 A in dem Werke nicht vorhanden ist,
wird in der Disposition und von Sherborn (p. 588) eine solche als in
Heft 17 enthalten angeführt. Diese Angabe bezieht sich aber ganz offen-
bar auf tab. CXVI, indem diese in dem Werke tatsächlich vorhanden
ist, in der Disposition und von Sherborn aber nirgends angeführt
wird, und sich überdies ihrem Inhalte nach vorzüglich in die Reihe
der anderen Tafeln dieses Heftes einfüst. Dazu kommt noch, daß
bereits Schreber selbst (III. Th., 1778, [177 7],p. 431) emetab. CXVI.A
anführt, womit, wie aus der betreffenden Stelle klar hervorgeht, die
von ihm unmittelbar vorher auf p. 430 richtig als tab. CXVI be-
zeichnete Tafel gemeint ist. Es scheint also die Absi:»ht bestanden
zu haben, die beireffende Tafel — wie es in analogen Fällen mehr-
fach geschehen ist — als CXVI.A zu bezeichnen, was aber dann aus
irgend einem Grunde nicht ausgeführt wurde, und dürfte wohl hier.n
auch der Grund jener unzatreffenden Angabe in der Disposition zu
suchen sein.
Heft 20. Dieses wird in den Götting. Anz. gel. Sach. 1777, II,
p: 663 besprochen. Wie sich aus dem daselbst über die Gegenstände
der Tafeln desselben Gesagten ergibt, enthielt es ausser den in der
Disposition und von Sherborn angeführten Tafeln u. a. je eine neue
tab. VIII und XXVI, und statt der ]l. cc. als darin enthalten an-
gegebenen tab. „42 A“ eine zweite tab. XLII.
Die Bezeichnung tab. VIII tragen nämlich z wei Tafeln, welche
beide Simia Mormon darstellen, und zwar 1. die ursprüngliche tab. VIII,
die ın Heft 1 enthalten war, von Sherborn (p. 588) angeführt wird,
aus den „Abh. Akad. Stockholm [= Vet. Acad. Handl.] XXVII“
entnominen und von Leitner gestochen ist (s. Schreber, Th. I, 1775,
[1774], p. 186); und 2. eine neue tab. VIII, die in Heft 20 ent-
halten war, in der Disposition und von Sherborn nicht angeführt
wird, von Ihle gezeichnet und von Nussbiegel gestochen ist und ‚Eine
neue, bessere Zeichnung“ enthält (s. Schreber, Th. III, 1778, p. 590).
— Ebenso gibt es in dem Werke zwei tab. XXVI, die beide
Simia Paniscus dars'ellen, und zwar 1. die ursprüngliche tab. XXVI,
die in Heft 3 enthalten war, von Sherborn (p. 588) angeführt wird,
von De Seve gezeichnet und von Küffner gestochen und aus Buffon,
Hist. Nat., XV entnommen ist (s. Schreber, Th. I, 1775, [1774], p. 187);
und 2. eine neue tab. XXVI, welche in Heft 20 enthalten war, in der
Disposition und von Sherborn nicht angeführt wird, von Alten-
wanger gezeichnet und von Tyrofi gestochen ist und ‚eine ... vom Herrn
Prof. Herrmann mitgetheilte Figur“ enthält (s. Schreber, Th. III,
1778, p. 590). — Ebenso tragen auch die Bezeichnung tab. XL
zwei Tafeln; 1. eineim I. Th. (Heft 6) enthaltene, die Lemur flavus
darstellt; und 2. eine in Heft 20 nachgelieferte, die Lemur Simia-
Sciurus darstellt und in der Disposition und infolgedessen auch
von Sherborn (p.588) unrichtigerweise als 42 A bezeichnet wird. (Dab
sich diese beiden Angaben tatsächlich auf die in Rede stehende Tafel
und nicht etwa auf die wirkliche tab. XLIIA, welche Lemur lanatus
darstellt, beziehen, erhellt außerdem auch klar daraus, daß im III. Th.,
des Schreber’schen Säugetierwerkes (1774—1855). 131
p.590 ausdrücklich die „[tab.] XLII. Lemur Simia-Seiurus PETIV.“
als zum I. Th. nachgeliefert angegeben und überdies die wirkliche
tab. XLIITA im Folgenden sowohl in der Disposition als von Sherborn
(p. 590) ordnungsmäßig angeführt wird.) — Bemerkt sei noch, daß diese
zweite tab. XLII insofern von besonderer Wichtigkeit ist, als auf
ihr der Name Lemur Simia-Sciurus zum ersten
MaleindiezoologischeNomenklatureingeführt
wird.
Heft 24. Eine tab. XCIIIB ist in dem Werke nicht vorhanden;
gleichwohl wird jedoch in der Disposition und von Sherborn (p. 589)
eine solche als in Heft24 enthalten angeführt. Ich glaube jedoch mit
ziemlicher Sicherheit annehmen zu dürfen, daß dies ein Irrtum für
tab. XCIII* ist, die in der Disposition und von Sherborn überhaupt
nicht angeführt wird. Sie ist nämlich offenbar erst nach der Aus-
gabe von Heft 21 (1776) erschienen, da Schreber bei der in diesem
Hefte (III. Th., p. 362ff.) enthaltenen Schilderung von Canis Lagopus,
der den Gegenstand derselben bildet, noch nicht auf sie verweist,
andererseits aber zweifellos nicht später als der Nachtrag zum
26. Hefte (1778) (s. d.), der p. 457—590 umfaßte, da sie bereits im
III. Th., p. 586 unter den zu diesem gehörigen Kupfertafeln angeführt
wird. Überdies findet jene Annahme auch dadurch eine Stütze,
daß, wie aus der Zug. Götting. Anz. gel. Sach., II, 1777, p. 496 her-
vorgeht, gerade in Heft 24 tatsächlich einige Tafeln, ‚die noch zum
Hunde [im Original nicht gesperrt — d. Verf.], zum Affen und
zur Katze gehören“, nachgeliefert worden sind.
Heft 26. In den Götting. Anz. gel. Sach. 1778, I, p. 623 (vom
27. Juni) heißt es: „Von den Schreberischen Säugthieren und deren
dritten Theil haben wir von diesem Jahre [im Orig. nicht ge-
sperrt — d. Verf.] das 26. Heft vor uns“; als Erscheinungszeit
desselben ist also 1778 und nicht, wie Sherborn (p. 589) angibt,
1777 anzusetzen.
Nachtrag zum 26. Hefte. Da das 26. Heft (s. d.) nicht, wie
Herr Sherborn glaubte, 1777, sondern erst 1778 erschienen ist, so
kann natürlich auch der Nachtrag dazu erst in diesem letzteren
Jahre und nicht, wie Sherborn (p. 589) angibt, schon 1777 er-
schienen sein — andererseits aber auch nicht später, da in
demselben Jahre auch schon das nachfolgende Heft 27
erschien. Dadurch findet dann auch der Umstand, daß das
Titelblatt des III. Theiles das Datum 1778 trägt, seine natur-
gemäße Erklärung. — Daß der „I—IIlI Theil, Erlangen 1775—77“,
in den Beschäft. Berlin. Ges. Naturforsch. Freunde III, 1777, p. 530,
wie auch Herr Sherborn anführt und worauf sich seine gedachte An-
gabe augenscheinlich gründet, von Martini als für die Bibliothek der
gedachten Gesellschaft gekauft angeführt wird, kann demgegenüber
wohl nicht als Argument dafür geltend gemacht werden, daß Theil III
zur Gänze bereits 1777 erschienen sei, indem es nach der Art des Ver-
zeichnisses nahe lag, es nicht eigens zu erwähnen, wenn ein angeführter
Band noch nicht ganz vollständig, seine Vollendung aber in der nächsten
9*
132 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
Zeit mit Bestimmtheit zu erwarten war; auch kann ja der ganze III. Th.
sehr wohl wirklich bereits ‚gekauft‘, d.h. im Voraus bezahlt gewesen
sein.
In der Disposition und von Sherborn wird angegeben, daß dieser
Nachtrag tab. LX und Bog. Nnn—Eeee enthalten habe, und setzt
letzterer zu dieser Angabe hinzu: ‚(pp. 457—584)“. Tatsächlich
enthielt derselbe aber ganz zweifellos auch Bog. Ffff (p. [585]—590),
der noch zu Th. III gehört, aber allerdings nicht mehr laufenden
Text enthält, sondern nur das „Verzeichniss der zum dritten
Theile gehörigen Kupfertafeln“, was offenbar der Grund ist, weshalb
die betreffenden Seiten in jener Angabe in der Disposition übersehen
wurden; denn Heft 27 gehört bereits zu Th. IV und beginnt mit Bog.
Gggg (p. 591). Dadurch werden also auch p. 585—590 entsprechend
lociert, über die die Disposition und Sherborn überhaupt keinen
Aufschluß geben. — In der Disposition und demgemäß auch
von Sherborn wird [außer der im I. Th., Heft 9 ausgegebenen
tab.XL [ef. I. Th., 1774, p.190 (wo dieselbe übrigens irrtümlicherweise
als [Tab.] LXI. und diese dagegen als [Tab.] LX. bezeichnet wird)],
welche ‚‚Vespertilio leporinus Linn.‘ unterschrieben und von J. Nuss-
biegel gestochen ist] eine zweite ‚tab. 60°“ als in dem in Rede
stehenden Nachtrag ausgegeben angeführt. Eine solche findet sich
aber weder im III. Th., p. 590 oder im IV. Th., 1792, p. 936 unter den
zum I. Th. nachgelieferten noch in dem Verzeichnis sämtlicher bis
zum Jahre 1847 inc). erschienener Tafeln (VII. Th., 1846, [1847],
p- 480) angeführt, noch ist sie in einem der mir vorliegenden Exemplare
des Werkes enthalten. Es ist also ganz offenbar eine zweite
tab. LX überhaupt nicht erschienen, und muß somit bei jener An-
gabe irgendein Irrtum unterlaufen sein.
IV. Theil.
Heft 29. In der Disposition und von Sherborn (p. 589), von
diesem allerdings mit ?, wird u.a. eine tab.183 als in diesem Hefte
enthalten angeführt. Diese Angabe bezieht sich aber in Wirklichkeit auf
tab. CLXXXIILB, die Mus soricinus darstellt. Dies geht klar daraus
hervor, daß in den Götting. Anz. gel. Sach. 1781, I, p. 192 u. a. gerade
die „Rüsselmaus“ [= Mus sorieinus (s. Schreber, IV. Th., 1780, p. 661)]
als in Heft 29 abgebildet angeführt wird. Demgemäß wird auch eine
tab. CLXXXIILB in der Disposition und von Sherborn überhaupt
nicht angeführt. (Bemerkt sei noch, daß auf dieser Tafel der Nzme
Mus soricinus zum ersten Male in die zoologische Nomenklatur ein-
geführt wird.) — Die wirkliche tab. CLXXXIIH, Mus minutus dar-
stellend, wird dagegen in der Disposition und von Sherborn (p. 589)
richtig als in Heft 28 enthalten angeführt. Daß tatsächlich diese und
nicht etwa die eben besprochene Tafel in diesem Hefte enthalten
war, erhellt ausser aus dem im Vorstehenden Gegagten auch mit voller
Sicherheit aus der Angabe der Götting. Anz. gel. Sach. 1779, II,
p. 1222, daß auf den Tafeln desselben u. a. eben Mus minutus dar-
gestellt wird.
des Schreber’schen Säugetierwerkes (1774—1855). 133
Heft 30. Auf p.589 führt Sherborn p. 623—630 als in Heft29 und
p- 627 [?] [die [ ] ist von Sherborn — d. Verf.] —650 als in Heft 30 ent-
halten an. Die hierin involvierte zweimalige Anführung von p. 627—630
ist vollkommen richtig und das ‚„[?]‘“ demgemäß zu tilgen, indem die
betreffenden Seitenzahlen tatsächlich zweımal vorkommen; und
zwar wird auf den zweıten, in Heft 30 enthaltenen p. 627—630
sowie den anschließenden p. 631—634 eine wesentlich erweiterte und
verbesserte Darstellung des Inhaltes der ersten, dem Heft 29
angehörigen p. 627—630 (Lebensweise etc. von Castor Fiber) gegeben.
Heit 35. In der Disposition und von Sherborn (p. 589) wird eine
tab. 225 A als in Heft 35 enthalten angeführt. Damit ist aber ganz zweifel-
los tab. CCOXXV gemeint, indem diese in der Disposition und von Sher-
born nicht angeführt wird, in dem Werke aber tatsächlich vorhanden
ist und zwar gerade in Heft 35 enthalten war, wie sich aus der Be-
sprechung desselben in den Götting. Anz. gel. Sach. 1782, III, p. 1024
ergibt, indem hier gesagt wird, daß „auf den 4 [auf tab. COXXIV]
folgenden“ Tafeln „das Mäuseeichhorn, eine neue Art Dryas, die Eichel-
maus, und die Haselmaus‘ abgebildet sind [wobei mit ‚Mäuseeichhorn“
ganz offenbar Myoxus glis gemeint ist (ef. auch [Höslin], Ritters
Linne’ Lehr-Buch Nat.-Syst., I, 1781, p. 128, wo eben diese Art
„Maus - Eichhörngen‘‘ genannt wird)], tab. COXXV aber die einzige
Tafel in dem Werke ist, auf der Myoxus glis dargestellt wird, und auch
die drei übrigen angeführten Arten tatsächlich die auf tab. COXXV.B,
CCXXVI [,,Myoxus Nitela“, = Mus quereinus L.] und CCXXVI
dargestellten sind, während andererseits eine tab. 225 A in dem Werke
überhaupt nicht vorhanden ist.
Heft 36. Sherborn führt (p. 589) nach den Angaben in der Disposition
u. a. tab. „230—232, 234“, als in diesem enthalten an, daneben aber
auch eine Angabe der Götting. Anz. gel. Sach., wonach dieses Heft
u. a. tab. „230—234“, also auch eine tab. 233 enthalten hätte. Tat-
sächlich ist aber die erstere Angabe die richtige, indem eine
tab. COXXXII in dem Werke überhaupt nicht enihalten
ist. (Ebenso fehlt ja beispielsweise in diesem auch eine tab. CCXXXV,
COXXXVL) Und zwar hätte diese angebliche tab. COXXXII, wie
aus dem in den Götting. Anz. gel. Sach. 1783, II, p. 728 Gesagten
hervorgeht, augenscheinlich die Abbildung des ‚Tolai“ [„Lepus Tolai‘]
oder eventuell auch die des ‚„Bastarten“ [,,‚Lepus variabilıs Pall. hy-
bridus‘‘] enthalten, was schon deshalb nicht richtig sein kann, weil
tatsächlich die erstere Form auf tab. CCXXXIV und die letztere
auf tab. COXXXV.C dargestellt wird. Jene Angabe der Götting. Anz.
gel. Sach. ist also lediglich auf ein leicht erklärliches Versehen zurück-
zuführen. (Ebenso wird merkwürdigerweise auch in der Allg. deutsch.
Biblioth. LXIV, 1785, p. 133 eine „Pl. COXXXIIT“, [Lepus] Ogotona
darstellend [die augenscheinlich beabsichtigte Einhaltung der Reihen-
folge vorausgesetzt!], als in den Heften 36—39 enthalten angeführt,
was aber schon aus dem Grunde nicht richtig sein kann, weil diese Art
in Wirklichkeit auf tab. CCXXXIX dargestellt wird, welche ihrer-
seits hier überhaupt nicht als in den gedachten Heften enthalten an-
gegeben wird.
134 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
Ferner führt Sherborn nach den Angaben in der Disposition
u.a. tab. „235B, 236C, 237° als in Heft 36 enthalten an, daneben aber
auch eine Angabe der Götting. Anz. gel. Sach., wonach dieses u.a.
tab. „235 B,C, 237°“ enthalten hätte Und tatsächlich ist
aieletztereAngabeganz zweifellos dierichtige,
indem eine tab. COXXXVC, Lepus variabilis Pall. hybridus dar-
stellend, in dem Werke wirklich vorhanden ist, in der Disposition und
von Sherborn aber sonst nirgends angeführt wird,
während die in Wirklichkeit nur einmal vorkommende tab.
CCXXXVIC in der Disposition und von Sherborn unmittelbar nach-
einander zweimal angeführt wird, nämlich als in Heft 36 und in
Heft 37,38 enthalten, und zudem in den Götting. Anz. gel. Sach.
ausdrücklich angegeben wird, daß auf einer der Tafeln von Heft 36
ein Bastardhase dargestellt ist, Lepus variabilis Pall. hybridus aber
die einzige in dem Werke abgebildete dieser Angabe entsprechende
Form ist, und eine ähnliche, speziell auf tab. COXXXV C hindeutende
Angabe sich auch in Allg. deutsch. Biblioth. LXIV, 1785, p. 133
findet. Die Nichtanführung einer tab. 235C in Heft 36 ist also ganz
offenbar nur auf einen Druck- oder Schreibfehler in der Disposition
(„236 C“ statt 235C) zurückzuführen.
Ebenso wird tab. CCXXXVIII, die Lepus alpinus darstellt, in
der Disposition und von Sherborn als in Heft 36 enthalten angeführt;
daneben führt letzterer aber auch eine Angabe der Götting. Anz. gel. Sach.
an, wonach sie in diesem Heft nich t enthalten gewesen wäre. Diese
letztere Angabe findet darin eine Bestätigung, daß op. c., 1785, ],
p- 159 die den „Alpenhasen“ [der in dem Werke nur einmal ab-
gebildet ist!] darstellende Tafel als in den Heften 37”—39 enthalten
angeführt wird, und dürfte wohl die tatsä:hlich zutreffende sein (cf.
den nächsten Absatz).
Andererseits wird tab. CCOXXXIX, die Lepus Ogotona darstellt,
in der Disposition und von Sherborn (p. 589) als in Heft 37, 38 enthalten
angeführt. Nun wird diese Species aber in den Götting. Anz. gel. Sach.
1785, I, p. 159f., wo die Hefte 37—39 besprochen werden, nicht
als in ihnen abgebildet angeführt, wohl aber op. c., 1783, II, p. 728
als in Heft 36 dargestellt. Zwar wird auch hier auffallenderweise
die tab. CCXXXIX — die einzige, auf der diese Art abgebildet ist —
nicht als in diesem enthalten angeführt; doch ist darauf insofern -
nicht viel Gewicht zu legen, als die Zahl der hier als in diesem Hefte
enthalten angeführten Tafeln (bei Abrechnung der tatsächlich nicht
existierenden tab. COXXXIII [s. oben]) gegenüber jener der
als auf ihnen abgebildet angeführten Tierformen (7 gegen 8) auf jeden
Fall um eine zu gering ist und es, da bei allen übrigen Formen auch
wirklich die betreffenden Tafeln als in dem gedachten Hefte vor-
handen angegeben werden, sehr nahe liegt anzunehmen, daß eben
jene tab. COXXXIX die fehlende ist, die infolge irgend eines Ver-
sehens nicht angeführt wurde.
Heft 37,38. Betreffs der von Sherborn als in diesem enthalten
angeführten tab. COXXXIX verweise ich bloß auf das sub Heft 36
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 135
Gesagte. Andererseits war wahrscheinlich die von Sherborn als in
Heft 36 enthalten angeführte tab. COXXXVIII in Wirklichkeit in
Heft 37, 38 enthalten (ef. gleichfalls die Besprechung des vorigen
Heftes).
Heit 40, 41. In der Allg. Lit.-Zeit. 1786, IV, col. 172 werden die
Hefte 40—43 als 1785 erschienen angeführt, dagegen in den Götting.
Anz. gel. Sach. 1786, II, p. 1112, wie auch Herr Sherborn (p. 589) an-
gibt, die Hefte 40 und 41 als „noch 1784“, Heft 42 aber ebenfalls als
1785 ausgegeben. — Welche Angabe richtig ist, vermag ich nicht
zu sagen.
Außer den von Sherborn angeführten war tab. CCLVILB in
Heft 40, 41 enthalten, wie daraus klar hervorgeht, daß sie in der Dis-
position als in diesem enthalten angegeben wird, und wird sie von
Sherborn ganz offenbar nur aus Versehen nicht angeführt. Überdies
wird jenes auch dadurch bestätigt, daß in Allg. deutsche Biblioth.
LXIX, 1786, p. 457 [Antilope] silvatica — die den Gegenstand der
gedachten Tafel bildet — als in den Heften 40—42 abgebildet an-
gegeben wird, und ebenso in den Götting. Anz. gel. Sach. 1786, II,
p. 1112 die „Waldgazelle‘‘ — was ganz offenbar der „‚deutsche Name“
für Antilope silvatica sein soll.
Heit 43. Eine tab. CCXV.C wird in der Disposition und von
Sherborn überhaupt nicht angeführt. In Wirklichkeit existiert jedoch
eine solche, und zwar stellt sie Sciurus anomalus dar. Da nun aber in
den Götting. Anz. gel. Sach. 1791, II, p. 1008 diese Species als in den
Heften 43—49 abgebildet und in der Allg. Lit.-Zeit. 1786, IV, col. 172
die tab. COXV.C, Sciurus anomalus darstellend, als in den Heften
40—43 enthalten angeführt, und andererseits in der Disposition
und von Sherborn (p. 589) eine tab. 225 C als in Heft 43 enthalten
angegeben wird, während in Wirklichkeit eine solche über-
haupt nicht existiert, so können wir daraus mit voller
Sicherheit schließen, daß diese Angabe lediglich auf einen Schreib-
oder Druckfehler in der Disposition („225 C“ statt 215C) zurückzuführen
ist und in Wirklichkeit tab. CCXV.C in Heft 43 enthalten war.
Ebenso wird eine tab. CCLXIII in der Disposition und von
Sherborn nicht angeführt; es existiert jedoch eine solche, und zwar
ist sie „Antilope pieta Pall.‘‘ unterschrieben. Da nun aber in der
Disposition und von Sherborn eine tab. „263 A“ als in Heft 43 ent-
halten angeführt wird, während in Wirklichkeit eine solche in dem
Werke überhaupt nicht vorhanden ist, so können
wir wohl mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß damit die tab.
CCLXIII gemeint ist und somit diese in Heft 43 enthalten war. Diese
Annahme wird fast zur völligen Gewißheit durch den Umstand, daß
auch Goldfuss (V. Th., I, [1817], p. 1159) bei der Besprechung von
Antilope pieta u. a. eine tab. CCLXIII.A anführt, womit, wie sich aus
dem Gegenstande derselben ergibt, ganz offenbar ebenfalls tab. CCLXIII
gemeint ist. Es scheint also die Absicht bestanden zu haben, die be-
treffende Tafel als CCLXIII.A zu bezeichnen, was aber dann aus irgend
einem Grunde nicht ausgeführt wurde (cf. das über einen analogen
136 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben .
Fall bei Heft 17 Gesagte). — Erwähnt sei noch, daß merkwürdiger-
weise auch in der Allg. Lit.-Zeit. 1786, IV, col. 172 eine tab. „263. A.
Ant. pieta fem. n. Pallas““ darstellend — welche in Wirklichkeit den
Gegenstand von tab. CCLXIILB bildet —, als in den Heften 40-43
enthalten angeführt wird. -
Heft 48. Dieses wird im Intellbl. Allg. Lit.-Zeit. 1788, col. 501
[augenscheinlich in der zweiten Hälfte November erschienen] als „neu
fertig geworden und in allen Buchhandlungen zu haben‘ angeführt, in
den Comment. Reb. Sci. Nat. Med. XXXIII, 1791, p. 379 £. sowie in den
Götting. Anz. gel. Sach. 1791, II, p. 1008 dagegen, wie auch Sherborn
(p. 589) angibt, als 1789 erschienen ; und ebenso werden in der Revis. Lit.
1785—1800, 1. Jg., I, 1801, col. 273 die Hefte 48—61 als 1789—1799
erschienen angeführt. — Trotzdem ihr also drei andere Angaben
entgegenstehen, dürfte dennoch die detaillierte erstangeführte
wohl die richtige sein, während die drei letzteren vielleicht darauf
zurückzuführen sind, daß jenes Heft am Umschlag, gemäß einer
weitverbreiteten Unsitte, bereits die Jahreszahl 1789 trug.
In der Disposition und demgemäß auch von Sherborn (p. 589) wird
eine Tafel ‚315B‘“ als in Heft 52 enthalten angeführt (in der Dis-
position überdies in unrichtiger Reihenfolge, nämlich v or tab. 3081),
obwohl eine solche in dem Werke in Wirklichkeit nicht vorhanden
ist. Andererseits wird eine tab. COXV.B in der Disposition und von
Sherborn nich t angeführt; gleichwohl ist jedoch eine solche in dem
Werke vorhanden, und zwar stellt sie Sciurus vulpinus dar. Da ferner
in den Götting. Anz. gel. Sach. 1792, II, p. 848 u. a. eben das ‚‚Fuchs-
ähnliche Eichhorn“ [= Sciurus vulpinus] als in Heft 52 abgebildet
angeführt wird, so ist es zweifellos, daß jene eingangs angeführte
Angabe lediglich auf einen Druck- oder Schreibfehler in der Disposition
(„315 B“ statt 215 B) zurückzuführen ist und daher tatsächlich
tab. CCXV.B in Heft 52 enthalten war.
Heft 53, 54. In einem Teil der Exemplare des
Werkes ist eine tab. CCOXXXVII vorhanden; und zwar ist diese,
wie sich aus dem Gegenstande derselben ergibt, identisch mit der
in diesem Heft enthaltenen tab. CCCXXXVII B und jene Be-
zeichnung derselben offenbar — da sie im Werke selbst stets als
tab. CCOXXXVILB angefübrt wird — nur auf ein Versehen zurück-
zuführen.
Ferner gibt Sherborn (p. 589) an, daß die Tafeln „337 A, B—347“,
also auch tab. CCCXLV, in Heft 53, 54 enthalten gewesen wären, was
in bezug auf letztere ganz zweifellos lediglich auf ein Versehen zurück-
zuführen ist, indem in der Disposition, auf welche sich Sherborn bei
jener Angabe stützt (s. p. 587), diese nicht als in den gedachten
Heften enthalten angeführt wird (in den außerdem von ihm citierten
Comment. Reb. Sci. Nat. Med. XXXV, 1793, p. 693 wird über den
Inhalt der betreffenden Hefte überhaupt gar nichts gesagt). Außer-
dem wird in der Neue allg. deutsche Biblioth. XI, 1794, p. 461 in einer
Besprechung von Heft 53, 54 tab. CCCXLV ausdrücklich als
fehlend angeführt; und ebensc führt Dryander (Cat. Biblioth.
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 137
Hist.-Nat. J. Banks, V, 1800, p. 17) zwar (v. a.) die Tafeln CCCXXXI
—CCCXLIV, CCCXLVI, CCCXLVIL, nicht aber tab. CCCXLV
als in der gedachten Bibliothek vorhanden an, und ist letztere in
Wirklichkeit erst in Heft 67 erschienen.
Heit 55. Dieses Heft wird in den Götting. Anz. gel. Sach. 1798,
I, p. 544 als „noch 1797... . ausgegeben“ angeführt, und ebenso in
der Neue allg. deutsche Biblioth. XXXIX, 1798, p. 144 sowie von
[Bruder in] W. Heinsius, Allg. Büch.-Lex., 1. Suppl., I, 1798, p. 405
als 1797 erschienen. — Bemerkt sei, daß in einem Teil der Exemplare
des Werkes die Tafel, die in den übrigen richtig als tab. CCXLVII F
bezeichnet ist — ich sage richtig, weil jene andere Bezeichnung
ganz offenbar nur auf einem Versehen beruht, wie allein schon aus
dem Platze, der der Tafel nach ihrem Gegenstande zukommt, klar
hervorgeht — und auch von Sherborn als solche angeführt wird, die
Bezeichnung tab. CXLVILF trägt.
V. Theil.
I. Band.
Heft 56,5%. In der Disposition und von Sherborn (p. 590) werden
die Hefte 56, 57 gemeinsam [also ganz offenbar als ein Doppel-
heft]angeführt. Dagegen wird Heft 56 im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Ostermesse 1797 Jahres, [1797], p. 148 als erschienen angeführt
und muß also, da Heft 55 erst 1797 ausgegeben wurde (s. d.), gleich-
falls in diesem Jahre und zwar spätestens zu Ostern erschienen sein,
während Heft 57 (sowie Heft 58) erst im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Ostermesse 1798 Jahres, [1798], p. 147 als erschienen an-
geführt wird und also in der Zeit von Michaelis 1797 bis Ostern 1798
erschienen ist. — Eine Aufklärung dieses Widerspruches betreffs des
Heftes 57 ist mir nicht möglich.
Die in Heft 56, 57 enthaltene tab. XIV C ist in einem Teil der
Exemplare des Werkes als tab. XIV B bezeichnet; jedoch ist jene
erstere Bezeichnung derselben die eigentlich beabsichtigte und diese
letztere offenbar nur auf ein Versehen zurückzuführen, wie daraus
hervorgeht, daß sie in dem Werke selbst (Supplbd., 1. "Abth., 1839,
p. 116; VII. Th., 1847, p. 417) stets als tab. XIV C angeführt wird.
Heft 58, 59. In der Disposition und von Sherborn (p. 590) werden
die Hefte 58,59 gemeinsam [also ganz offenbar als ein Doppel-
heft] angeführt. Dagegen wird Heft 58 (sowie Heft 57) im Allg. Verz.
Büch. Frankfurt. Leipzig. Ostermesse 1798 Jahres, [1798], p. 147 als er-
schienen angeführt und ist also in der Zeit von Michaelis 1797 bis Ostern
1798 erschienen, während Heft 59 nach den Erscheinungszeiten der
Hefte 57 u. 58 einer- und 60 u. 61 andererseits in Verbindung mit dem
Umstande, daß es im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig. Östermesse
1798 Jahres, [1798], sowie im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Michaelismesse 1799 Jahres, [1799], nicht angeführt wird, in der
Zeit von Ostern 1798 bis Ostern 1799 erschienen ist. — Zur Auf-
klärung dieses Widerspruches vermag ich nichts beizutragen.
138 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
Ferner wird in der Disposition und von Sherborn eine tab. „246 A“
als in Heft 58, 59 enthalten angeführt. Diese Angabe bezieht sich aber
in Wirklichkeit auf tab. CCXLVla, die Cervus canadensis darstellt.
Dies erhellt daraus, daß die wirkliche tab. CCXLVI.A, die Cervus alce
darstellt, bereits in Heft 37, 38 enthalten war, wie Sherborn (p. 589)
angibt und was dadurch bestätigt wird, daß auch in den Götting.
Anz. gel. Sach. 1785, I, p. 159 u. a. eben die das ‚„Elendthier“
[= Cervus alce] darstellende Tafel als in den Heften 37—39 ent-
halten angegeben wird, und andererseits die tab. CCXLVlIa in der
Disposition und von Sherborn überhaupt nicht angeführt wird.
Heft 60, 61. Dasselbe wird im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Michaelismesse 1799 Jahres, [1799], p. 345 als erschienen
angeführt und ist also in der Zeit von Ostern bis Michaelis dieses
Jahres erschienen. Ebenso werden in der Revis. Lit. 1785—1800,
1. Jg., I, 1801, col. 273 die Heite 48—61 als 1789—1799 erschienen
angeführt, wonach also Heft 60, 61 gleichfalls in letzterem Jahre
veröffentlicht wurde.
In der Disposition und von Herrn Sherborn (p. 590) wird eine
tab. „38 E*“ als in diesem Hefte enthalten angeführt. Damit ist
aber ganz zweifellostab. XXX VIIL.E gemeint, welche ‚‚Lemur Speetrum
Pall.“ [= Tarsius tarsier (Erxl.)] darstellt. Denn diese wird von
Sherborn überhaupt nicht, und in der Disposition bei keinem
Hefte als in demselben enthalten, sondern lediglich am Schlusse
unter den Tafeln, welche nicht mehr ausgegeben werden, ‚da sie durch
verbesserte ersetzt wurden, welche mit einem * bezeichnet sind‘,
angeführt. Nun könnte sie aber frühestens in Heft 55 (1797 [s. das
über dieses Gesagte]) erschienen sein, indem — von anderen Umständen
abgesehen — die in früheren Heften zum I. Th. nachgelieferten
Tafeln sämtlich jeweils auf der letzten Seite der einzelnen Theile an-
gegeben werden, die gedachte Tafel aber nicht darunter figuriert,
und andererseits spätestens in Heft 59 (Ostern 1798 bis
Ostern 1799 [s. das bei Heft 58, 59 Gesagte]), da in dem nächst-
folgenden Heft 60, 61 ja bereits die sie angeblich ersetzende verbesserte
Tafel „38 E*“ enthalten gewesen sein soll, und ist es von vornherein
sehr unwahrscheinlich, daß in der Zeit von höchstens zwei Jahren
eine Tafel bereits durch eine verbesserte ersetzt worden wäre. Dazu
kommt aber noch, daß eine tab.383E* sonst nirgendsan-
geführt wird, weder in dem Werke selbst von Wagner bei der
Besprechung von Tfarsius] Spectrum (Supplbd., 1. Abth., 1840,
1839, p. 297£.) oder in dem Verzeichnis aller in den Heften 1—137
erschienener Tafeln (VII. Th., 1846, 1847, p. 417—427), no:h in
einem vom 1. August 1839 datierten Circular der Expedition des
Werkes „Zur Nachricht an die verehrlichen Abnehmer des
Schreber’schen Säugthier-Werkes“, welches in dem in der
Bibliothek der Zoologischen Abteilung des Naturhistorischen Hof-
museums in Wien befindlichen Exemplare dieses am Ende der 5. Abth.
des Supplementbandes beigebunden ist und u.a. ein Verzeichnis
aller in den Heften 1—94 ausgegebenen Tafeln enthält, noch sonst
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 139
irgendwo in der Literatur, tab. XXXVIILE dagegen an sämt-
lichen der drei zuerst genannten Orte (und zwar in beiden
Tafelverzeichnissen nicht etwa als durch eine verbesserte ersetzte,
sondern als einen integrierenden Teil des Werkes bildende Tafel) und
an sehr vielen anderen Stellen der auf Tarsius bezüglichen Literatur.
Aus all’ dem ergibt sich also mit voller Bestimmtheit, daß jene Be-
zeichnung als tab. „38E*“ nur auf ein Versehen zurückzuführen ist.
Und zwar dürfte dieses dadurch zu erklären sein, daß tab. XXXVIILE
tatsächlich eine Verbesserung einer anderen Tafel darstellt, nämlich
der in Heft 23 enthaltenen tab. CLV, auf der unter dem Namen Di-
delphys? macrotarsos dasselbe Tier abgebildet ist.
Heit 62. Eine als tab. COXCIV D bezeichnete Tafel ist in dem
Werke nicht vorhanden; gleichwohl wird jedoch in der Disposition und
von Sherborn (p.590) eine solche als in Heft 62 enthalten angeführt, und
bezieht sich diese Angabe ganz zweifellos auf die (ältere) „Ovis mon-
tana‘‘ unterschriebene Tafel, die irrtümlich als tab. CCXIVD
[statt CCXCIV D] bezeichnet ist, wie mit Bestimmtheit daraus hervor-
geht, daß eben diese Tafel in dem Werke selbst durchwegs (s. V. Th.,
I, p. 1367 u. 1472; Supplbd., 4. Abth., p.505; VII. Th., p. 425)
als tab. CCXCIV.D angeführt wird und sich als solche auch ihrem Gegen-
stande nach naturgemäß in die Reihenfolge der übrigen Tafeln ein-
fügt, während sie als tab. CCXIV D in eine völlig heterogene Um-
gebung — mitten unter die Nagetiere! — zu stehen käme.
Heft 63. Dieses wird im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Ostermesse 1805 Jahres, [1805], p. 187 als erschienen angeführt
und ist also in der Zeit von Michaelis 1804 bis Ostern 1805 er-
schienen. — Außer den von Sherborn angeführten enthielt dieses
Heft tab. XVIB, die Sherborn überhaupt nicht erwähnt; in der
Disposition wird sie jedoch als in ihm enthalten angegeben, und ist
Sherborns Nichtanführung derselben ganz zweifellos nur
auf ein Versehen zurückzuführen, indem er (p. 590) statt der-
selben tab. „XXVIB“, die in der Disposition nicht als in
jenem Hefte enthalten angegeben wird und erst in den Heften 89
—94 erschienen ist, als in demselben vorhanden angibt. — Bemerkt
seinoch, daß die in Rede stehende Tafel insofern von besonderer
Wichtigkeit ist, als auf ihr der Name Simia rufa
zum ersten Male in die Literatur eingeführt
wird.
Heft 64. Dieses wird im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Östermesse 1806 Jahres, [1806], p. 154 als erschienen angeführt und
ist also in der Zeit von Michaelis 1805 bis Ostern 1806 erschienen.
— Von Sherborn (p. 590) wird es als [1810] erschienen angeführt.
[Die [ ] ist von Sherborn; cf. darüber das sub Heft 1 Gesagte.]
Seine bezügliche Vermutung ist aber, wie wir soeben gesehen
haben, nicht zutreffend. Allerdings führt auch Schweigger-Seidel
(in: Ersch, Handb. deutsch. Lit, Neue Ausg., III, [2. Abth.],
1828, col. 422f.) 64 Hefte des Schreber’schen Werkes als von
[1]775—[1]810 [betreffs des ersteren Datums verweise ich auf das
140 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
bei Besprechung von Heft 1 Gesagte] erschienen an. Diese Angabe
dürfte sich aber wohl nur auf W. Heinsius (Büch. - Lex., 2. Aufl.,
III, 1812, col. 628) gründen, der 64 Hefte als erschienen anführt, und
zwar insofern als bis Ende 1810 erschienen, als das gedachte Werk
die Litereratur bis zu dem gedachten Zeitpunkte enthält. Natürlich
kann aber daraus in keiner Weise geschlossen werden, daß das letzte
dieser Hefte auch wirklich erst 1810 ausgegeben worden sei, wie es
Schweigger - Seidel anscheinend tut. Übrigens findet die eingangs
angeführte Angabe eine gewichtige indirekte Bestätigung und damit
die Vermutung Sherborns sowie die in Rede stehende Angabe
Schweigger-Seidels auch eine gewisse indirekte Widerlegung dadurch,
daß Heft 64 weder im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig. Ostermesse
1810 Jahres, [1810], bzw. im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Michaelismesse 1810 Jahres, [1810] oder im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Ostermesse 1811 Jahres, [1811], noch in [Hinrichs], Verz.
neu. Büch. Jan. bis Juny 1810, 1810, bzw. [Hinrichs], Verz. neu.
Büch. July bis Decemb. 1810, 1810 angeführt wird, wie es doch un-
bedingt zu erwarten wäre, wenn dasselbe tatsächlich 1810 erschienen
wäre.
Heft 65. Als Erscheinungszeit desselben gibt Herr Sherborn (p. 590)
auf Grund einer Angabe in Isıs 1818, I, col. 199 1817 an. Tatsächlich wird
es aber hier bloß als „‚bereits an die Buchhandlungen versendet“ an-
geführt (und besprochen). Dagegen führt Hinrichs, Verz. neu. Büch.
Jan. bis Juny 1818, 1818, p. 113 die Hefte 65—67 als [1818] erschienen
an. Andererseits aber sagt Goldfuss in der oben (p. 125) erwähnten
„Ankündigung“, die auf ihrer 2. Seite vom März 1817 datiert ist,
daß „zu Michaelis d. J. [also 1817] ein neues Heft [also das 65.] er-
scheinen“ wird. Im Einklang damit werden auch im Allg. Verz.
Büch. Frankfurt. Leipzig. Michaelismesse 1817 Jahres, [1817], p. 448
das 65. u. das 66. Heft als erschienen angeführt, und ebenso von
C. G. Kayser (in: W. Heinsius, Büch.-Lex., VI, 1822, p. 757) die Hefte
65—67 als [1]817—18 (also Heft 65 als 1817) erschienen. — Heft 65
dürfte also wohl wirklich schon 1817 ausgegeben worden sein.
Eine tab. CCLIV Ba ist in dem Werke nicht vorhanden; gleich-
wohl wird jedoch von Sherborn (p. 590) auf Grund einer Angabe in
der Isis 1818, I, col. 200 eine tab. „254 Ba‘ als in Heft 65 enthalten
angeführt. Jene Angabe ist aber, wie sich aus dem daselbst angeführten
Gegenstande der betreffenden Tafel mit voller Sicherheit ergibt, nur
auf ein Versehen zurückzuführen und sollte richtig tab. CCLIV.B
heißen.
Heft 66. Dieses wird in Isis 1818, I, col. 1081—1083 als 1817
erschienen angeführt und besprochen. Es enthält, wiesich aus der Angabe
der Bogen in Verbindung mit dem Umfange von Heft 65 und den an-
geführten Gegenständen der Tafeln ergibt: p. 1161—1176; [,‚Titelkupfer“
(s. VII. Th., 1846, p. 417):] „Der Mensch“; tab. XXVI*, XXXVIII*,
XXXXI*, LXXVI* CLILB.b, B.c, CLV.A.b. — Auch wird es im
Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig. Michaelismesse 1817 Jahres,
[1817], p. 448 als erschienen und 8tab. und 2 Bog. enthaltend angeführt,
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 141
dagegen von Burdach, Lit. Heilwiss., III, 1821, p. 119 als [1]818
erschienen, und ebenso von Hinrichs, Verz. neu. Büch. Jan. bis Juny
1818, 1818, p. 113 die Hefte 65—67 als [1818] erschienen. Diese letztere
Angabe kann allerdings nicht allzuschwer ins Gewicht fallen, weil sie
ja auch für das Heft 65 gilt, das wohl zweifellos bereits 1817 erschienen
ist (s. das über dieses Gesagte). — Ein sicheres Urteil über die Er-
scheinungszeit von Heft 66 ıst also auf Grund der vorliegenden Daten
nieht möglich; doch neige ich der Ansicht zu, daß es tatsächlich
bereits 1817 ausgegeben wurde.
Heit 6%. Dieses Heft wird im Allg. Repert. neuest. Lit. 1821,
III, 1821, p. 1 als 1821 erschienen, 4 Bog. und tab. CLIL.B.d, B.e,
COXII B, CCLX.B [errore: CCLX, doch geht aus dem daselbst an-
gegebenen Gegenstande derselben, „Antilope pygmaea Pall.“, klar
hervor, daß damit die tab. CCLX.B gemeint ist, wozu noch kommt,
daß tab. CCLX (die in dem Werke nur einmal vorhanden ist)
bereits in Heft 43 enthalten war (s. Sherborn, p. 589)], CCLXXVII B
und CCCXLV enthaltend angeführt. Der Text reichte, wie sich aus
dem angegebenen Umfange desselben in Verbindung mit dem von
Heft 66 (s. d.) ergibt, von p. 1177—1208.
Auch wird Heft 67 im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Ostermesse 1821sten Jahres, [1821], p. 224f. als erschienen angeführt,
und ferner in Hinrichs, Verz. neu. Büch. Jan. bis Juny 1821, 1821,
p. 134. — Andererseits gibt ©. G. Kayser (in: W. Heinsius, Büch.-Lex.,
VI, 1822, p. 757) an, daß die Hefte 65—67 in den Jahren [1]817—18
erschienen seien; und ebenso wird Heft67 im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Ostermesse 1818 Jahres, [1818], p. 169 als erschienen angeführt;
desgleichen von Burdach, Lit. Heilwiss., III, 1821 (‚Die Jahre 1811
bis 1820 umfassend‘; Vorwort vom 28. Februar 1821 datiert), p. 119
als [1]818 erschienen, und ebenso die Hefte 65—67 von Hinrichs,
Verz. neu. Büch. Jan. bis Juny 1818, 1818 p. 113 als erschienen. —
Zur Aufklärung dieser auffallenden Widersprüche vermag ich nichts
beizutragen, neige aber der Ansicht zu, daß das in Rede stehende Heft
tatsächlich bereits 1818 ausgegeben wurde (cf. auch das sub Heft 68
Gesagte).
Heft 68. Dasselbe wird im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Michaelismesse 1821 Jahres, [1821], p. 467 als erschienen angeführt,
und ebenso von Hinrichs, Verz. neu. Büch. July bis Decemb. 1821,
1821, p. 80. ©. G. Kayser (in: W. Heinsius, Büch.-Lex., VII, [2. Abth.],
1828, col. 290) führt dagegen die Hefte 68 u. 69 als [1]822 erschienen
an. — Die erstere Angabe ist aber zweifellos die richtige; denn in
dem Hinrichs’schen Verzeichnisse wurden seit 1819 nur die „tat-
sächlich vorliegenden“ Veröffentlichungen aufgenommen (s. Verlagskat.
J. C. Hinrichs’schen Buchhandlung 1845—1904, 1905, p.72 [ef.
p. V]), und nimmt dasselbe unter den deutschen Bibliographien
in Bezug auf Zuverlässigkeit überhaupt entschieden den ersten
Rang ein (s. Petzholdt, Biblioth. Bibliogr., 1866, p. 285); überdies
stimmen darin zwei von einander völlig unabhängige Quellenwerke
überein, und erhält sie außerdem noch eine weitere Bestätigung
142 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
durch die Tatsache, daß die ın dem in Rede stehenden Hefte ent-
haltene tab. CCLXXXVILU. A in Desmarest, Mammalogie (in:
Encyelop. Möth.), 2. T., 1822, p. 488, der in der Bibliogr. France
1822, p. 411 (vom 6. Juli) bereits als erschienen angeführt
wird, schon citiert wird [zwar irrtümlicherweise als ‚tab. 228 A.“
bezeichnet, doch geht aus dem daselbst angegebenen Gegenstande
derselben mit voller Sicherheit hervor, daß die in Rede stehende Tafel
gemeint ist], was wohl kaum der Fall wäre, wenn das fragliche Heft
selbst erst 1822 ausgegeben worden wäre.
Der Text desselben reichte, wie sich aus dem Vergleich mit dem
Inhalte der Hefte 67 und 69 ergibt, von p. 1209—1240. Da ferner der
Inhalt an Tafeln aller anderen vor 1830 erschienenen Hefte von
Sherborn oder mir bereits anderweitig festgestellt ist, so war es mir auch
möglich, durch Vergleichung der in diesen enthaltenen mit den von
J. B. Fischer, Synops. Mammalium, 1829 als in dem Schreber’schen
Werke bis dahin überhaupt erschienen angeführten Tafeln zu ermitteln,
welche Tafeln zu dem in Rede stehenden Hefte gehören. Und zwar
sind dies die folgenden: tab. LXIIL.B, C, LXIV.A, CXLIV. A,
CCLXXIV, CCLXXXVIL.A [diese führt Fischer (p. 489) zwar als
„t. 286.A.“ an, aus dem von ihm angegebenen Gegenstande derselben
geht jedoch mit vollster Sicherheit hervor, daß damit die genannte
Tafel gemeint ist].
Heit 69. Als Erscheinungszeit desselben führt Sherborn (p. 590)
auf Grund einer entsprechenden Angabe in der Isis 1825, I, col. 485
1824 an. Übereinstimmend damit wird es von Schweigger-Seidel (in:
Ersch, Handb. deutsch. Lit., Neve Ausg., III, [2. Abth.], 1828, col. 1161)
als [1]824 erschienen angeführt, und ebenso von Hinrichs erst in seinem
Verz. Büch. Landkart. July bis Decemb. 1824, 1824, p. 100f. (als
erschienen). Dagegen wird es im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Ostermesse 1823 Jahres, [1823], p. 157 unter den ‚fertig
gewordenen Schriften“ angeführt. Ferner wird in €. G. Kayser, Vollst.
Büch.-Lex., V, 1835, p. 130 das 1.—69. Heft als [1]774—[1]823 er-
schienen angeführt, und ebenso in €. G. Kayser, Deutsche Bücher-
kunde, II, 1827, p. 434. Endlich führt derselbe Autor (in: W. Heinsius,
Büch.-Lex., VII, [2. Abth.], 1828, col. 290) das Heft 69 gar als bereits
[1]822 erschienen an. — Trotz dieser abweichenden
Angaben dürfte aber doch das von Sherborn
angegebene Datum, 1824, das richtige sein.
Denn das Hinrichs’sche Verzeichnis ist durch besondere Zuverlässigkeit
ausgezeichnet (s. das oben bei Heft 68 Gesaste); und ferner stimmen
in der betreffenden Angabe zwei sicher von einander unabhängige
Quellen überein, während die Angaben Kaysers von vornherein einen
wenig vertrauenerweckenden Eindruck machen, indem er, wie wir
gesehen haben, 1827 das Jahr 1823, 1828 das Jahr 1822 und 1835
wieder 1823 als Erscheinungszeit des fraglichen Heftes angibt.
An Stelle der von Sherborn (auf Grund einer Angabe in der Isis
1825, I, col. 485) als in letzterem enthalten angeführten tab. LXIII
enthielt dasselbe, wie sich mit Bestimmtheit aus dem in der Isis, 1. c.
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 143
über den Gegenstand derselben Gesagten ergibt, die tab. LXIII.A,
während die wirkliche tab. LXIII bereits in Heft 10 enthalten war
(s. Sherborn, p. 588).
Da in dem Werke zweitab. CCCXXV.B vorhanden sind, die auch
beide von Sherborn (p. 590) vollkommen richtig angeführt werden,
und von denen die eine in Heft 69, die andere in Heft 76 (s. d.) ent-
halten war, so handelt es sich also noch um die Feststellung, welche
davon in jenem Hefte und welche in diesem enthalten war. Die eine
davon ist einfach ‚‚Sus labiatus“, die andere ‚‚Sus labiatus.
Dicotyles albirostris Illig.““
unterschrieben. Da im VI. Th., 1835, p. 520 die erstere als „Ori-
ginalzeichnung von Prof. GoldfuBß besorgt“, die letztere als unter
Leitung von J. A. Wagner verfertigte „Originalzeichnung als Ver-
besserung der vorigen“ angeführt wird, so ist es vollkommen
evident, daß jene in Heft 69 und diese erst in Heft 76 er-
schienen ist.
(Betreffs des Schlusses von Th. V s. weiter unten [Heft 79, 80].)
VI. Theil.
Heft %0. In diesem war, wie Sherborn (p. 590) richtig angibt,
u. a. auch tab. VI.C enthalten. Da aber in dem Werke zwei
Tafeln diese Bezeichnung tragen, von denen die eine Simia comata
und die andere Cynocephalus anubis darstellt, so handelt es sich
noch darum, zu ermitteln, um welche davon es sich hier handelt.
Und zwar ist dies diejenige, die Simia comata darstellt, wie daraus
hervorgeht, daß in Isis 1834, col. 383 diese als in Heft 70 ab-
gebildet angeführt wird, während die zweite tab. VI.C erst in
Heft 87,88 geliefert wurde.
Heit 74,95. Diese werden in Isis 1834, col. 1237 (vom December)
besprochen. Sie enthalten, wie aus den daselbst angegebenen
Gegenständen der Tafeln hervorgeht: [Heft 74:] tab. IX *, CV. A,
CXLIV.B, COCLXXIX.A, CCLXXXVIL D, CCCXVI. A, CCCXVII. A,
B,G;
Heit 15. tab. XX=VI* CEOXYI. CC, D, DD, E G,.H,
CCCXIX. B, CCCXXIV. A. — „Der Text geht von Bogen 37 bis 48“
[= p. 289-384].
Heit 76. Der Inhalt der Hefte 76, 77, 78 wird von Sherborn (p. 590)
auf Grund einer Besprechung derselben in der Isis 1835, col. 586 bloß
für alledreigemeinsam angegeben. Wie aber im Repert. deutsch. Lit.
V, 1835, p. 571 angegeben wird, umfaßt jedes derselben 6 Bog., also
Heft 76 (bei Berücksichtigung des Umfanges von Heft 74, 75 — s.d.)
p- 385—432, und überdies, wie aus den t. c., p.572 mitgeteilten Gegen-
ständen der darin enthaltenen Tafeln hervorgeht, tab. CXVI. C,
CXLII.B, CXLIV.C, CCXXIV.C, CCL.A, CCLXV.A, CCLXX.A,
COCXXV. B [,,Sus labiatus.
Dicotyles albirostris Illig.‘“ unterschrieben (cf. das bei Be-
sprechung von Heft 69 Gesagte)]), COCCXXXI.
144 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
Heft 7%. Der Inhalt der Hefte 76, 77,78 wird von Sherborn (p. 590)
bloß für alle drei gemeinsam angegeben (cf. das bei Besprechung von
Heft 76 Gesagte). Wie aber im Repert. deutsch. Lit. V, 1835, p. 571
angegeben wird, umfaßte jedes derselben 6 Bog., also Heft 77 (bei
Berücksichtigung des Umfanges von Heft 76) p. 433—480, und über-
dies, wie aus den t.c., p. 572 mitgeteilten Gegenständen der darin
enthaltenen Tafeln erhellt, tab. V*, LXXXV.A, XCVILC, CXXV.CC,
D, CXXXILA, CLV.B, CCLI.A [welche Herr Sherborn offenbar in-
folge eines Übersehens überhaupt nicht anführt], CCLXVI.A. — Sher-
born führt allerdings auf Grund einer Angabe in der Isis (l. c.) p. 385
—480 als in den Heften 76, 77, 78 enthalten an, wonach also nicht
wohl schon der Text von Heft 77 bis zur letztgenannten Seite gereicht
haben könnte; doch ist in dem bezüglichen Referate in der Isis ganz
zweifellos ein Versehen unterlaufen, indem es zwar „Schre-
bers Naturgeschichte ....... Heft 76—78. 26 Tafeln.‘ überschrieben
ist, dann aber folgendermaßen lautet: „Wir freuen uns, schon wieder
2 Hefte anzeigen zu können. Sie enthalten Bogen 49—60 [= p. 385
—480], worauf die Tapire und Schweine sehr ausführlich beschrieben
sind. Auf 18 Tafeln folgen die Thiere sorgfältig abgebildet... .““. Bei
der Aufzählung der abgebildeten Tiere werden aber wieder 26 Formen
angeführt! Es wurden also offenbar ursprünglich nur die beiden
Hefte 76, 77 besprochen, nachträglich aber dann auch noch Heft 78
— das gerade 8 Tafein enthielt — in den Rahmen des Referates
einbezogen, dabei jedoch übersehen, sämtliche Angaben desselben
mit seinem erweiterten Umfange in Einklang zu bringen, wie aus
den eben angeführten darin enthaltenen Incongruenzen wohl ohne
weiteres ersichtlich ist.
Ferner wird von Herrn Sherborn (p. 590) eine tab. „125 Ce“
als in den Heften 76, 77, 78 enthalten angeführt. Diese Angabe bezieht
sich aber ganz offenbar auf tab. CXXV CC, indem diese, wie aus dem
in Isis 1835, col. 586 über die Gegenstände der in ihnen enthaltenen
Tafeln Gesagten — worauf die gedachte Angabe Sherborns gegründet
ist — klar hervorgeht, in einem jener Hefte (und zwar, wie wir soeben
gesehen haben, speziell in Heft 77) enthalten war, von Herrn Sherborn
aber nirgends angeführt wird, während eine tab. OXXV Ce in demWerke
überhaupt nicht vorhanden ist.
Heft 78. Der Inhalt der Hefte 76, 77,78 wird von Sherborn (p. 590)
bloß für alle drei gemeinsam angegeben (cf. das sub Heft 76 Gesagte).
Wie aber im Repert. deutsch. Lit. V, 1835, p. 571 angegeben wird, um-
faßte jedes davon 6 Bog., also Heft 78 (bei Berücksichtigung des
Umfanges von Heft 77 sowie von Theil VI, der mit dem in Rede
stehenden Hefte abschloß, indem Heft 79, 80 [s. d.] bereits wieder
zu Th. V gehört) p. 481—520 + I—XVI, und überdies, wie aus den
t. e., p. 572 mitgeteilten Gegenständen der darin enthaltenen Tafeln
hervorgeht, tab. LXIX.A, XCIL.A, CXIIL.A, CXLID, E, CLXVILLA,
CCXIIL.C, COXXXILF ‚(nur 8 Tafeln)“.
Nach Sherborn reichte der in den Heften 76—78 enthaltene
Text allerdings nur bis p. 480, und gehörten die. Hefte 79 und
des Schreber’schen Säugetierwerkes (1774—1855). 145
80 auch noch zum VI. Theile; doch sind diese beiden Angaben
unrichtig, und verweise ich betreffs der ersteren auf das bei Be-
sprechung von Heft 77, und betreffs der letzteren auf das
bei jener von Heft 79, 80 Gesagte. Überdies wird auch’ in
einem vom 1. September 1835 datierten Prospect der Expedition
des Werkes „An das naturhistorische Publikum,
die Fortsetzung des Schreber’schen Säugthierwerkes betreffend“,
der dem in der Familienbibliothek des Kaisers von Österreich ent-
haltenen Exemplare des Werkes beiliegt, auf p. 8 ausdrücklich an-
gegeben, daß der Text zum VI. Th. in der Ostermesse 1835 mit dem
77. und 78. Heft vollendet wurde. — Ferner wird von Sherborn (p. 590)
eine tab. „[141]Dd“, die in dem Werk überhaupt nicht vorhanden ist,
als in den Heften 76, 77, 78 enthalten angeführt. Diese Angabe bezieht
sich zwar offenbar, wie wir gleich sehen werden, auf tab. CXLI.DD,
ist aber auch für diese nicht zutreffend. Die Sache verhält sich folgender-
maßen: In der Isis 1835, col. 586 wird Ursus tibetanus [der den
Gegenstand sowohl von tab. CXLI.DD als von tab. OXLI.D bildet]
als in den Heften 76—78 abgebildet angeführt. Auf diese an sich voll-
kommen richtige Angabe hin führt nun Herr Sherborn sowohl tab.
CXLLD als eine tab. „[141]Dd‘“ (womit, wie auf Grund der vor-
stehenden Darlegungen wohl ohne weiteres ersichtlich sein dürfte,
ganz offenbar tab. CXLI.DD gemeint ist) als in den gedachten Heften
enthalten an. Dies findet aber natürlich in der oben erwähnten Angabe
keinerlei Stütze, und wird direkt widerlegt durch die ebenda gemachte
weitere, daß die Hefte 76—78 26 Tafeln enthalten, indem diese Zahl
überschritten werden müßte, wenn eine der daselbst als abgebildet
angeführten Formen auf zwei verschiedenen Tafeln dar-
gestellt wäre. — Tatsächlich war von den beiden in Betracht
kommenden Tafeln tab. COXLI.D in den fraglichen Heften und zwar,
wie wir gesehen haben, speziell in Heft 78 enthalten, während
tab. CXLI.DD erst in den Heften 89—94 (s. das über Heft 90—94 Ge-
sagte) ausgegeben wurde.
V. Theil. (Schluss.)
I. Band.
Heft 79, 80. Diese werden in Isis 1835, col. 995 (vom November) be-
sprochen. Sie enthalten, wie aus den daselbst gemachten Angaben über
die Gegenstände der Tafeln und Inhalt und Bogenzahl des Textes hervor-
geht: [Heft 79:] tab. XXXIIL.A, CIIL.B, CVIIL.D, CXLLF, CLXXIIL.A,
CCXVILA, CCXXIV.D, CCOXXXIILE;
[Heft 80:] tab. IX.B, XXIV.A, XXVLF, XXXILA, XXXIILC,
CXLII.B*, CCXII.D, CCXIV.C, CCXVIILA (wozu bemerkt wird,
daß „in unserm Exemplar“ tab. XXIV.A u. XXVLF fehlt, da-
gegen tab. CCXCIV.D* beiliegt);
und p. 1273—1416. Da diese Seiten aber zum V. Th. gehören, so
müssen die in Rede stehenden Hefte selbstverständlich diesem und nicht,
wie Herr Sherborn (p. 590) es tut, dem VI. Th. zugewiesen werden,
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 4. Suppl. 10
146 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
und ist demgemäß auch seine ganz augenschemlich nur aus dem Um-
fange dieses letzteren deducierte Angabe, daß dieselben p. [481]—520
enthalten, im Sinne des vorstehend Gesagten zu berichtigen. Damit
erledigt sich auch ohne weiteres seine Bemerkung: „N.B. — Ich bin
nicht imstande gewesen pp. 1273—1416 nachzuweisen.‘ — Überdies
wird in dem bei Besprechung von Heft 78 erwähnten Prospect der
Expedition des Werkes auf p. 8 mitgeteilt, daß die oben angeführten
Tafeln in Heft 79, ‚in welchem der Anfang des fehlenden Textes zum
fünften Theil ausgegeben wird‘, bzw. Heft 80 [in diesem auch tab.
XXIV.A u. XXVI.F, nicht aber tab. CCXCIV.D*] erscheinen werden.
Heft 81, 82. Von Sherborn werden (p.591) diese beiden Hefte ge-
meinsam besprochen und auf Grund einer Angabe in der Isis 1837,
col. 69 als 1836 erschienen angeführt. Dagegen werden vom „Heraus-
geber“ [Wiegmann] im Arch. Naturgesch., 3. Jg., II, 1837, p. 142 nur die
Hefte 82 und ‚,,83 u. 84“ als (1836) erschienen angegeben; und im Ein-
klang damit werden im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig. Michaelis-
messe 1835. Jahres, [1835], p. 560 das 79., 80. u. 81. Heft als erschienen
angeführt, das 82. dagegen erst im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Ostermesse 1836. Jahres, [1836], p. 227. — Heft 81 dürfte also wohl
tatsächlich schon 1835 ausgegeben worden sein.
Obwohl eine tab. XVI.D in dem Werke nicht vorhanden ist,
wird doch von Sherborn (p. 591) eine solche als in den Heften 81, 82
enthalten angeführt. Wie aber aus dem in Isis 1837, col. 69 über die
Gegenstände der in diesen enthaltenen Tafeln Gesagten klar erhellt,
bezieht sich diese Angabe auf tab. CXVI.D, die ihrerseits von Sher-
born überhaupt nicht angeführt wird. Und zwar ist die Angabe zweifellos
nur auf einen Schreib- oder Druckfehler (,,16 D“ statt: 116 D) zurück-
zuführen, wie insbesondere daraus hervorgeht, daß sie sich nicht an
der Stelle in der Reihenfolge der Tafeln angeführt findet, die einer
tab. XVI.D, sondern an jener, die der tab. CXVI.D zukommen würde.
Andererseits war in Heft 81, 82 die tab. CCLXXXLE
enthalten, wie sich aus dem in Isis, l.c. über die Gegenstände
der in diesen vorhandenen Tafeln Gesagten klar ergibt, und wird sie
von Sherborn ganz offenbar nur aus Versehen nicht als darin ent-
halten angeführt.
Wie aus dem von Wiegmann l.c. über die Gegenstände der in
ihm ausgegebenen Tafeln Gesagten erhellt, enthielt speziell
Heft 82 (u.a.) tab. XXX1.C, OXVI.D und CCLXXIX*. — Anderer-
seits ergibt sich aus dem Vergleich dieser Tafeln, die Wiegmann aus-
drücklich als die in Heft 82 gegebenen Original-
zeichnungen anführt, mit den überhaupt in den Heften 81, 82
enthaltenen solchen (welche Tafeln solche darstellen, ist sowohl aus
diesen selbst zu ersehen, als auch für die meisten derselben in dem
in Th. V, I, p. 1465—1472 gegebenen Verzeichnis der in diesem Bande
enthaltenen Tafeln ausdrücklich angegeben), daß in Heft 831
u.a. enthalten waren: tab. CCXLV.C, CCLXXXI.C und
CCLXXXVILG.
des Schreber’schen Säugetierwerkes (1774—1855). 147
„Beschreibung und Abbildung einerneuen Fledermaus
aus Ostindien“. In dem in der Bibliothek der Zoologischen Abteilung
des hiesigen Naturhistorischen Hofmuseums vorhandenen Exemplare
des Werkes sind am Ende von Th. I (nach p. 190) 2 Blätter Text
mıt obigem Titel beigebunden, welche nicht paginiert, sondern bloß
als „) (“ und „) (2° bezeichnet und am Schlusse
„Frankfurt an der Oder. Schneider.“
unterfertigt sind. Sie beginnen wie folgt: ‚„Beyde Exemplare, welche
ich in Weingeist aufbewahrt zur Untersuchung erhielt, waren männ-
lichen Geschlechts mit herabhängendem Gliede, und ein wenig in der
Größe verschieden. Die ganze Gestalt..... “, und enden mit dem Satze:
„Im Deutschen würde ich diese Art Tiefnase, lateimisch speoris,
d.i. die Nase in einer Höle, nennen.“ Der Name Vespertilio
kommt im Texte der Abhandlung zwar nicht vor, ist aber ganz zweifel-
los als Gattungsname zu speoris zu ergänzen und findet sich überdies
auch auf der im Titel derselben erwähnten Tafel, welche als tab. LIX B
in Heft 56,57 (s. Sherborn, p. 590) enthalten war — denn es kann
nicht der mindeste Zweifel obwalten, daß diese die gedachte Tafel
ist — und ,„Vespertilio speoris Schneid.‘“ darstellt, und zwar
„nach dessen eigener Zeichnung‘, wie in den Götting. Anz. gel. Sach.
1800, II, p. 1016 [jedenfalls nach einer Angabe am Umschlage des
betreffenden Heftes] mitgeteilt wird.
Schon daraus, daß die zu der in Rede stehenden Abhandlung
gehörende Tafel eine solche des Schreber’schen Werkes ist, geht her-
vor, daß auch der Text derselben nicht etwa nur zufällig dem eingangs
genannten Bande beigebunden ist, sondern gleichfalls einen inte-
grierenden Bestandteil des Werkes bildet. Überdies wird dies aber da-
durch bestätigt, daß derselbe auch in dem in der Bibliothek der hiesigen
technischen Hochschule befindlichen Exemplare des Werkes vor-
handen ist; und zwar ist er hier in Th. IV/V [die hier neinen Band
gebunden sind] nach p. 1112 beigebunden. Da dies, wie wir eingangs
gesehen haben, die letzte in dem betreffenden Exemplare vorhandene
Seite ist und diese zwischen Michaelis 1805 und Ostern 1806 erschienen
ist (s. oben p. 139), worauf dann bis 1817 ein Stillstand im Erschemen
des Werkes eintrat, so ist jener zweifellos gleichfalls vor 1807 erschienen;
und zwar ist es am wahrscheinlichsten, daß er gleichzeitig mit der zu-
gehörigen Tafel, also in Heft 56, 57 (1797/8) [cf. das über dieses Ge-
sagte], oder wenigstens in einem der nächstvorhergehenden oder nächst-
folgenden Hefte ausgegeben wurde.
II. Band.
Heft 8%, 88. Von Sherborn wird (p. 591) eine tab.6CC als in
diesem enthalten angeführt. Eine solche ist jedoch in dem Werke
nicht vorhanden, und bezieht sich diese Angabe ganz zweifellos auf
jene tab. VI. C, die Cynocephalus anubis darstellt und von Sherborn
überhaupt nicht angeführt wird, wie daraus erhellt, daß diese Art
in der Isis 1837, col. 828. als in Heft 77 u. 78 [was ein ganz offen-
10%
148 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
barer Irrtum für Heft 87 u. 88 ist] und im Arch. Naturgesch., 4. Jg.,
II, 1838, p. 381 vom ‚Herausgeber‘ [Wiegmann] als in Heft 85—88
abgebildet angeführt wird. (Tatsächlich war auch die Bezeichnung
tab. VI.CC augenscheinlich die für sie beabsichtigte, da sie in dem
Werke gegebenenfalls (Supplbd., 1. Abth., 1839, p. 156; VII. Th., 1846,
p. 417) stets unter dieser angeführt wird.)
Heft 89. Als Erscheinungszeit desselben gibt Sherborn (p.591) 1837
an und zitiert als Quelle hierfür Isıs 1844, col. 453. Hier heißt es aber
diesbezüglich lediglich: „Der 2te Band des fünften Theils 1837
beginnt mit $. 1473. und geht bis S. 1839; enthält: ... ‘“ Und tat-
sächlich ist das den Schluß von Th.V, II bildende Heft 89 erst 1838,
und zwar (frühestens) im September dieses Jahres, erschienen, wie
sich mit Bestimmtheit aus einem vom l. September 1838
datierten Zirkular der Expedition des Werkes „An die verehrlichen
Besitzer des Schreber’schen Säugthierwerkes“ (das in dem
Exemplare der zoologischen Abteilung des Naturhistorischen Hof-
museums in Wien im Supplbd., 5. Abth. nach p. 810 beigebunden
ist) ergibt, welches folgendermaßen beginnt: „Indem wir das 89ste
Heft von Schreber’s Säugthieren übergeben ..... “ Dem-
entsprechend ist auch Wagners Vorrede zu Th. V, Il erst vom 5. Julil838
datiert, und trägt dieser Band auch auf dem Titelblatte die Jahreszahl
1838. — Jene Angabe des Jahres 1837 in der Isis (l.c.) kann sich
also offenbar nur auf die früheren Hefte des betrefienden Bandes
beziehen und auf jeden Fall gegenüber den im Vorstehenden angeführten
authentischen Angaben und Daten nicht weiter in Betracht kommen.
Außerdem wird das in Rede stehende Heft im Verz. Büch. Landkart.
Jan. bis Juni 1839, 82. Forts., 1839, p. 215 als am 1. Sept. 1838 er-
schienen angeführt und zugleich angegeben, daß es 6 tab. u. 11/, Bog.
[= 12 p.] enthält, und ebenso in der Allg. Bibliogr. Deutschland 4,
1839, p. 552.
Außer den von Sherborn als in ihm enthalten angeführten p. 1825
—1840 enthielt dieses Heft ganz offenbar auch p. I—IV (Titelblatt und
Vorrede zu diesem Bande). — Betreffs der in ıım enthaltenen Tafeln
verweise ich auf das bei Besprechung von Heft 90—94 Gesagte. Die
oben angeführten Angaben, daß es 1!/, Bog. enthalten habe, sind mit
der eben angeführten Sherborns sehr wohl vereinbar, indem der
laufende Text desselben tatsächlich bloß 1!/, Bog. (p. 1825—1836)
umfaßt, während die folgenden Seiten bloß das Verzeichnis der Tafeln
enthalten.
Supplementband.
I. Abtheilung.
Heft 90—94. Wie sich aus dem Umfange der Hefte 95—98 ergibt
(s. d.), enthielten die Hefte 90—94 p. 1—320, also in der Hauptsache
die Bearbeitung der Affen (cf. Sherborn, p.591), sowie offenbar auch p. I
-VI[2. Serie der Paginierung], welche gleichfalls speziell zur Bearbeitung
dieser gehören. Da ferner sämtliche in den Heften 1—88 enthaltene
Tafeln von Sherborn oder mir bereits anderweitig ermittelt worden
des Schreber’schen Säugetierwerkes (1774—1855). 149
sind, so war ich dadurch imstande, durch Vergleichung dieser mit den
in dem oben (p. 138) erwähnten Circular der Expedition des Werkes
als in den Heften 1—94 erschienen angeführten zu ermitteln, welche
Tafeln in den Heften 89—94 enthalten waren. Und zwar sind dies die
folgenden: tab. II*, XXVLA, B LVA, B, LXI.A, LXXVLA,
XCVIILA, CXVI.G, CXLLDD, CXLULC, D, CCXV.D, CCXXXIILG,
CCOXXXV.D, COXCIV.D*, CCOXXVILA. Und zwar waren von diesen
6 in Heft 89 enthalten (s. d.), und die anderen 11 also in Heft 90—94.
Heit 95—98. Diese werden im Verz. Büch. Landkart. Juli bis De-
cember 1840, 1841, p. 222 als erschienen und 31 Bogen und 8 tab., ‚‚wo-
von 5.ccolor. sind“, enthaltend angeführt, und ebenso in der Allg. Bibliogr.
Deutschland VI, 1841, p.50 als 1840 erschienen und 31 Bog. und 8 zum
Teil color. Tafeln enthaltend. Da die I. Abth. des Supplementbandes,
die mit Heft 98 abschließt, 69 + 2 Bogen + VIp. umfaßt, und die ge-
dachten VI p. offenbar bereits in Heft 90—94 enthalten waren (s. d.), so
entfallen also auf die in Rede stehenden Hefte Bog. 41—69 (= p. 321
—551) + p. I{XVI. — Zu den in ihnen enthaltenen Tafeln gehörten
u. a. tab. CCCLVIII, CCCLXII und CCCLXIX. Denn vor Heft 95
können diese aus demselben Grunde wie tab. CXCIL.A (s.d.) nicht
erschienen sein, später als Heft 98 aber auch nicht, dasievon H. Schlegel,
Abhandl. Gebiete Zool. vergl. Anat., 1. Heft, 1841, p. 22, 20 und 25
[in der obigen Reihenfolge] bereits citiert werden, die Hefte 99, 100
aber selbst erst 1841 und zwar augenscheinlich erst um die Mitte des
Jahres (cf. das über sie Gesagte) erschienen sind. (In Schlegel,
t. c., p.20 heißt es zwar: „Tab. 162°; doch geht aus dem daselbst
angegebenen Gegenstande derselben mit Sicherheit hervor, daß dies
nur auf ein Versehen zurückzuführen ist und richtig ‚Tab. 362° heißen
sollte.) Der Autor derselben ist Wiegmann, wie Schlegel (ll. cc.)
und Wagner (VII. Th., 1846, p. 332, 335 und 324 [in derselben Reihen-
folge]) angeben. — Erwähntseinoch, daß tab. CCCLVIII
und CCCLXII von besonderer Wichtigkeit sind,
weildaselbstdie Arten Delphinuspseudodelphis
und Delphinus loriger zum ersten Male in die
Literatur eingeführt werden.
Sherborn gibt zwar (p. 591) als Erscheinungszeit der Hefte 95
u. 96 „[1839.]“ [die [ ] ist von Sherborn — ef. über dieselbe das bei
Besprechung von Heft 1 Gesagte] an, und stützt sich dabei ganz
augenscheinlich auf die von ihm angegebenen Erscheinungsdaten
der vorhergehenden Hefte 90—94 einer- und der nachfolgenden 97, 98
andererseits, nach welchen jene sowie diese 1839 ausgegeben worden
wären. Da dies aber für diese letzteren nicht zutrifft, indem dieselben
erst 1840 erschienen sind, so wird natürlich auch der daraus gezogene
Schluß hinsichtlich der Erscheinungszeit der ersterwähnten Hefte hin-
fällig. — Ebenso führt Sherborn Heft 97, 98 als 1839 erschienen an, und
citiert als Quelle hiefür [Wagner], Arch. Naturgesch., 7. Jg., II, 1841,
p-2. Tatsächlich sagt aber Wagner hier, daß er dieselben „noch im
vorigen Jahre ausgegeben“ hat, das ist also 1840. Damit stimmt
auch überein, daß die Vorrede der 1. Abth. des Supplementbandes
150 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
vom 10. August 1840 datiert ist und das Titelblatt derselben
ebenfalls diese Jahreszahl träg. Dadurch findet dann auch
Sherborns weitere, in unmittelbarem Anschluß an die oben angeführte
gemachte und in diesem Zusammenhange nicht ganz klare Angabe:
„Der vollständige Bd. wurde 1840 ausgegeben (Isis, (6) 1844, p. 453).“
ihre Bestätigung und Erklärung. — Daß die Hefte 95—98 wirklich
sämtlich erst 1840 erschienen sind, ergibt sich auch mit Bestimmtheit
aus der Angabe A. Wagners selbst (Arch. Natgesch., 7. Jg., II, 1841,
p. 22), daß er „im Laufe des Jahres 1840° eine Monographie der Chi-
roptera im Schreber’schen Werke publiciert hat, indem diese p. 328—551
umfaßt und somit in den gedachten Heften enthalten war.
Im Allg. Verz. Büch. Ostern 1839 bis Michaelis 1839, [1839],
p. 536 wird Heft 95 allerdings bereits als erschienen angeführt (Heft 96
dagegen erst im Allg. Verz. Büch. Ostern 1840 bis Michaelis 1840,
[1840], p. 186). Die Unrichtigkeit jener Angabe erhellt aber außer
aus den oben mitgeteilten übereinstimmenden gegenteiligen Angaben
und Daten insbesondere auch daraus, daß in dem bei Heft 90-94
angeführten, vom 1. August 1839 datierten Circular der Expedition
des Werkes selbst auf p. 3 die Hefte 1—94 als bis 1839 incl. erschienen
angeführt werden, und ähnlich auf p. 1, wo es überdies ausdrüsklich
heißt: Heft 93 und 94 [die damals noch nicht erschienen waren — aber
nicht auch Heft 95!] werden noch im Laufe dieses Jahrs ausgegeben . .“
— Dementsprechend ist natürlich auch die Angabe Sherborns (p. 587),
daß die 1. Abth. des Supplementbandes 1839 vollendet worden sei,
richtigzustellen.
II. Abtheilung.
Heft 99, 100. Diese werden in der Allg. Bibliogr. Deutschland VI,
1841, p. 345 (vom 6. August) als erschienen und p. 1—120 und 4 zum
Teil color. Tafeln enthaltend angeführt, und im Verz. Büch. Landkart.
Juli bis Decemb. 1841, LXXXVII, 1841, p. 229 als erschienen. Herr
Sherborn führt sie (p. 591) dagegen als 1840 erschienen an, und eitiert
als Quelle hierfür [Wagner], Arch. Naturgesch., 7. Jg., II, 1841,
p. 2. Tatsächlich sagt aber Wagner hier: Verf. hat ‚das 97ste und 98ste
Heft von Schreber’s Säugethieren noch im vorigen Jahre
[i. e. also 1840] ausgegeben und das 99ste bis 100ste Heft ist soeben
erschienen.‘‘ Aus dieser letzteren Angabe und insbesondere aus der
Gegenüberstellung dieser beiden Hefte gegen die 1840 erschienenen
(ef. das über Heft 95—98 Gesagte) ergibt sich also mit voller Bestimmt-
heit, daß dieselben erst 1841 ausgegeben worden sind. (Ihre An-
führung in einem Jahresbericht für die Jahre 1839 u. 1840 kann nicht °
etwa als Argument dafür geltend gemacht werden, daß sie bereits 1840
erschienen seien, indem Wagner (t.c., p.1) ausdrücklich sagt, daß
ausnahmsweise „einigemal auch auf 1841 eingegangen worden“ ist,
was ja auch gerade in diesem Falle besonders nahe lag.) Überdies
werden in Kayser, Bücher-Lex., X, 1848, p. 325 die Hefte 99—135 als
in der Zeit von 1841-—1846 erschienen angeführt, und können also auch
nach dieser Angabe die beiden in Rede stehenden Hefte erst im Jahre
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 151
1841 ausgegeben worden sein. — Zu beachten ist, daß der Abschnitt
„Beschreibung des Baues der Igel-Stacheln“ (p.14—20) nicht
von Wagner, sondern von Erd] verfaßt ist. Da ferner Wagner (p. 14)
sagt: „Eine höchst genaue mikroskopische Untersuchung der Stacheln
von 7 Igelarten hat auf meine Veranlassung Herr Dr. Erdl vorge-
nommen, dessen Beschreibung, begleitet von den [errore: dem] von
ihm gefertigten Abbildungen, ich im Nachstehenden folgen lasse.“,
so geht hieraus klar hervor, daß tab. CLXII.A, welche diese Ab-
bildungen enthält, in den in Rede stehenden Heften enthalten war —
wie auch, daß nicht Wagner, sondern Erdl der Autor derselben ist.
Heft 101, 102. Diese werden im Allg. Verz. Büch. Ostern 1841
bis Michaelis 1841, [1841], p. 166 als erschienen und 8 tab. ent-
haltend angeführt, in der Allg. Bibliogr. Deutschland VI, 1841,
p. 429 (vom 10. Sept.) dagegen als erschienen und p. 121—240 und
3 color. und 1 schwarze Tafel enthaltend. — Diese letztere Angabe
dürfte auch wohl die richtige sein, indem nach dem Verz. Büch.
Landkart. Juli bis Decemb. 1841, LXXXVII, 1841, p. 229 die Hefte
99-106 im Ganzen nur }ötab. (‚wovon 12 illum. sind“) enthielten,
was genau mit der Summe der in der Allg. Bibliogr. Deutschland VI,
1841 für die Hefte 99, 100 (s. d.), 101, 102, und 103—106 (s. d.) an-
gegebenen übereinstimmt, während dies bei den bezüglichen im Allg.
Verz. Büch.... . enthaltenen Angaben nicht der Fall ist (cf. die sub
Heft 103—106 angeführte), wozu noch kommt, daß diese letzteren
überhaupt auffallend hoch erscheinen.
Heft 103—106. Diese werden im Allg. Verz. Büch. Michaelis
1841 bis Ostern 1842, [1 842], p. 202 als erschienen und 16 tab. ent-
haltend angeführt, dagegen in der Allg. Bibliogr. Deutschland VI,
1841, p. 612 (vom 26. Novemb.) als erschienen und p. 241—496 und
6color. und 1 schwarze Tafel enthaltend. — Auch hier ist jedenfalls
diese letztere Angabe der Zahl der Tafeln die richtige, und verweise
ich bloß auf das bei Besprechung von Heft 101, 102 Gesagte.
Heit 107, 108. Diese werden in Allg. Bibliogr. Deutschland
VII, 1842, p. 344 (vom 5. August) als 1841 erschienen, zur 2. Abth.
des Supplementbandes gehörend und p. 497—558 + VIII p. und 3 color.
und 1 schwarze Tafel enthaltend angeführt. Dagegen werden die
Hefte 107—110 im Allg. Verz. Büch. Ostern 1842 bis Michaelis 1842,
[1842], p. 197 als erschienen und 8 tab. enthaltend angeführt, und
im Verz. Büch. Landkart. Jan. bis Juni 1842, 1842, p. 221 als er
schienen, Bog. 63—71 [= p. 497—558 + I—VIII] der 2. und Bog. 1
—7 der 3. Abth. des Supplementbandes sowie 8 Tafeln enthaltend.
Tatsächlich dürften aber wohl die erstangeführte Angabe richtig und
die Hefte 107 u. 108 also bereits 1841 erschienen sein.
Nach A. Wagner, Arch. Natgesch., 8. Jg., II, 1842, p. 34 hätten
Heft 108 u. 109 die Bearbeitung der Marsupialia enthalten und würde
somit Heft 108 bereits zur 3. Abth. des Supplementbandes gehören.
Der aus dieser Angabe Wagners sich ergebende Umfang derselben,
nämlich p. 1—134 der 3. Abth. des Supplementbandes, steht aber in
Widerspruch mit dem in der Allg. Bibliogr. Deutschland VII, 1842,
152 Franz Poche: Über den Inbalt und die verschiedenen Ausgaben
p. 344 für Heft 109, 110 angegebenen, wonach diese p. 1—80 [eben
dieser Abth.] umfaßt haben, welche Angabe ihrerseits in vollem Ein-
klang steht sowohl mit dem 1. c. für Heft 107, 108 (s. oben) wie auch
insbesondere mit dem im Verz. Büch. Landkart. Jan. bis Juni 1843,
1843, p. 179 für Heft 111—116 (s. d.) angegebenen. Ebenso führt
auch Engelmann, Biblioth. Hist.-Nat., I, 1846, p. 365 das in Rede
stehende Heft als zur 2. Abth. gehörig an, und gibt Waterhouse, Nat.
Hist.Mammalia,I, 1846, p.284 und t.c., 1845, p.134 u.144an, daß Heft 111,
112 [u.a.] p. 81, 116 u. 128 [der 3. Abth. des Supplementbandes],
die noch zur Bearbeitung der Beuteltiere gehören, enthalten haben.
Angesichts aller dieser unter sich übereinstimmenden Angaben — wozu
noch kommt, daß Wagner t. c. über die nachfolgenden Hefte keinerlei
entsprechende Mitteilungen macht, sodaß also auch nach dieser Richtung
hin eine Kontrolle seiner Angabe unmöglich ist — müssen wir also
unbedingt, wie oben geschehen, diese als maßgebend betrachten und
die gegenteilige Wagners auf ein Versehen zurückführen.
III. Abtheilung.
Heft 109, 110. Diese werden in Allg. Bibliogr. Deutschland
VII, 1842, p. 344 (vom 5. August) als [1842] erschienen und p. 1—80
und 4 color. Tafeln enthaltend angeführt, und im Verz. Büch. Land-
kart. Jan. bis Juni 1842, 1842, p. 221 als erschienen.
Betreffs der Angabe A. Wagners (Arch. Natgesch., 8. Jg., II,
1842, p. 34), daß Heft 108 u. 109 die Bearbeitung der Beuteltiere
enthalten hätten, wonach sie bis p.134 reichen müßten, verweise ich
bloß auf das diesbezüglich bei Besprechung von Heft 107, 108 Gesagte.
Ebenso steht die Angabe im Verz. Büch. Landkart. Jan. bis Juni 1842,
1842, p. 221, daß die Hefte 107—110 Bog. 63—71 der 2. und Bog. 1—7
[= p. 1-56] der 3. Abth. des Supplementbandes (sowie 8 Tafeln)
umfassen, im Widerspruch sowohl mit der oben angeführten wie mit
der im Verz.. Büch. Landkart. Jan. bis Juni 1843, 1843, p. 179 ent-
haltenen über den Umfang von Heft 111—116 (s. d.) und ist somit
offenbar gleichfalls eine irrtümliche.
Daß Wagner (t. c., p.1) den „Anfang der 3ten Abtheilung, die Beutel-
thiere behandelnd,“ in seinem „Bericht über die Leistungen in der
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1841” als er-
schienen anführt, kann nicht etwa als Argument dafür geltend ge-
macht werden, daß die betreffenden Hefte (also Heft 109 u. 110
sowie augenscheinlich noch ein weiteres, also Heft 111 [indem die
gedachte Gruppe bis p.134 reicht)] schon 1841 erschienen wären,
indem Wagner in dem gedachten Bericht mehrfach (p. 41, 45, 46, 57)
und besonders bei seinen eigenen Arbeiten auch erst 1842 er-
schienene Publikationen bespricht (ef. seine entsprechende sub Heft 99,
100 angeführte Bemerkung im vorhergehenden Jahresbericht), weshalb
es auch unnötig ist erst eigens zu beweisen, daß dies tatsächlich nicht
der Fall war.
Heft 111—116. Diese werden im Verz. Büch. Landkart. Jan. bis
Juni 1843, 1843, p. 179 als erschienen und Bog. 11—59 [=Pp. 81—472]
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 153
u. tab. XCVL.A [,Hyaena brunea Thunb.“, CLV.A.d, CLXXVLA
[,,Mystromys albipes Wagn.“], B, CLXXXL.A, CCVLA.a, CCXV.D.d,
COXXXIX.B, CCLXXXLF enthaltend angeführt. — Daß die Hyaena
brunea und nicht etwa die andere in dem Werke enthaltene, Proteles
Lalandii darstellende tab. XCVI.A in den in Rede stehenden Heften ent-
halten war, geht mit Bestimmtheit daraus hervor, daß die letztere bereits
in einem der Hefte 95—106 enthalten war (s. das über dieselbe Ge-
sagte). — Desgleichen ergibt sich, daß die Mystromys albipes und nicht
etwa die andere in dem Werke enthaltene, Sminthus loriger dar-
stellende tab. CLXXVI.A in den fraglichen Heften enthalten war,
daraus, daß jene Art erst im Supplbd., 3. Abth., 1843, p. 500
von Wagner zuerst beschrieben wurde und also keinesfalls anzunehmen
ist, daß die sie darstellende Tafel so viel früher ausgegeben worden
ist als es der Fall wäre, wenn sie schon vor Heft 111 erschienen wäre,
während sie andererseits keinesfalls nach Heft 117, 118 erschienen
sein kann, da sie in diesem (Supplementbd., 3. Abth., 1843, p. 500)
bereits citiert wird; und da sie in diesem nicht enthalten war, so muß
sie es augenscheinlich in einem der hier in Rede stehenden Hefte ge-
wesen sein. — Auf jeden Fall aber ist diese Tafel insofern von be-
sonderer Wichtigkeit, als auf ihr die Gattung Mystromys und die Art
Mystromys albipes zuerst aufgestellt wurde.
Im specielleren werden
Heft 111, 112 m der Allg. Bibliogr. Deutschland 1843, p. 14
(vom 12. Januar) als erschienen und 3 Tafeln enthaltend und von
Waterhouse, Nat. Hist. Mammalia, I, 1846, 1845, p.134 als am
30. November 1842 erschienen und t.c., 1846, p. 381 als [u.a.] tab.
CLV.A.d enthaltend angeführt; und zwar enthielten sie, wie sich aus
dem Umfange von Heft 111—116 im Vereine mit dem von Heft 113, 114
ergibt, p. 81—208. Ferner werden
Heft 113, 114 im Leipzig. Repert. Lit., 1. Jg., I, 1843, p. 502 (vom
24. März) als 1843 erschienen und p. 209—336 u. tab. CLXXXI.A,
CCVI.A.a und CCXV.D.d enthaltend und in der Allg. Bibliogr.
Deutschland 1843, p. 69 (vom 9. März) als erschienen und 3 Tafeln
enthaltend; und
Heft 115, 116 im Leipzig. Repert. Lit., 1. Jg., III, 1843, p. 43
(vom 7. Juli) als 1843 erschienen und 17 Bog. und 3 tab. enthaltend,
ebenso in der Allg. Bibliogr. Deutschland 1843, p. 190 (vom 29. Juni)
(als erschienen), und im Allg. Verz. Büch. Ostern 1843 bis Michaelis
1843, [1843], p. 247 als erschienen angeführt. Und zwar enthielten
diese, wie sich aus jener ersteren Angabe bei Berücksichtigung des Um-
fanges von Heft 113, 114 ergibt, p. 337—472.
Heft 11%, 118. Diese werden im Verz. Büch. Landkart. Juli bis
Decemb. 1843, 1843, p. 197 als erschienen und Bog. 60—78 [offenbar
errore pro 77, da die betreffende Abtheilung mit diesem, von dem
sogar noch ein Blatt fehlt, abschließt!] + 2 Bog. Regist. [= p. 473
—614 + I—XIV] und tab. XCILC und CXCI.B enthaltend an-
geführt; im Allg. Verz. Büch. Ostern 1843 bis Michaelis 1843, [1843],
p. 247 als erschienen; und im Leipzig. Repert. Lit., 1. Jg., III, 1843,
154 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
p. 578 (vom 29. September) sowie in der Allg. Bibliogr. Deutschland
1843, p. 270 (vom 7. September) als 19!/, Bog. u. 2 tab. enthaltend.
Diese letztere Angabe eines Umfanges von 19/, Bogen weicht ganz
augenscheinlich nur infolge ihrer größeren diesbezüglichen Genauigkeit
von der erstangeführten, die einen solchen von 18 [errore: 19]
+2 = 20 Bog. ergeben würde, ab, indem bei ihr die fehlenden zwei
letzten Seiten je des 77. Bogens sowie des zweiten Bogens des Registers
(s. oben) offenbar in Abzug gebracht worden sind, bei der erstange-
führten dagegen nicht.
IV. Abtheilung.
Heft 119—124. Diese werden im Verz. Büch. Landkart. Jan. bis
Juni 1844, 1844, p. 227 als erschienen und Bog. 1—48 [= p. 1—384]
und tab. XCII.D, CXXXIILB, CLX.A, CCXLIIL.C, CCXLV.D, CCLLB,
CCLXXVLA, CCLXXXLD, CCCXVIILK enthaltend angeführt.
Im Speciellen werden
Heft 119—122 im Leipzig. Repert. Lit., 2. Jg., II, 1844,
p. 359 (vom 31. Mai) als 1844 erschienen und 32 Bog. [= p.1
—256] und 4 color. tab. enthaltend, und im Allg. Verz. Büch.
Michaelis 1843 bis Ostern 1844, [1844], p. 286 und ebenso in
Allg. Bibliogr. Deutschland 1844, p. 85 (vom 14. März) als erschienen
angeführt. — Außer den oben erwähnten 4 colorierten Tafeln waren
offenbar in diesen Heften die in den Heften 119—124 ausgegebenen
nicht colorierten tab. CCXLII.C und CCXLV.D enthalten.
Denn da in letzteren im ganzen 9 Tafeln, in Heft 123, 124 3 solche und
in den Heften 119—122 4 colorierte solche vorhanden waren,
so müssen die 2 auf jene erstere Zahl fehlenden Tafeln eben nicht
coloriert und in den Heften 119—122 enthalten gewesen sein — und
die erstere Bedingung erfüllen von allen in Betracht kommenden
9 Tafeln nur die beiden angeführten.
Heft 123, 124 werden dagegen im Leipzig. Repert. Lit.,
2. Jg., III, 1844, p. 72 (vom 12. Juli) als 1844 erschienen und 16 Bog.
und 3 tab. enthaltend angeführt; una zwar reichte der Text derselben,
wie sich aus jener Angabe im Vereine mit dem über den Umfang von
Heft 119—122 Gesagten ergibt, von p. 257—384. Ebenso werden
sie im Allg. Verz. Büch. Ostern 1844 bis Michaelis 1844, [1844],
p- 225 und in Allg. Bibliogr. Deuts:hland 1844, p. 183 (v»m 13. Juni)
als erschienen angeführt.
Heft 125—127. Diese werden im Verz. Büch. Landkart. Juli bis
Decemb. 1844, 1844, p. 222 als erschienen und 19 Bogen [= p. 385
—523 + I—XIJ, wie sich aus dem Umfange von Heft 119—124 im
Vereine mit dem der betreffenden (4.) Abtheilung des Supplement-
bandes ergibt] und 6tab. enthaltend angeführt, und ebenso im Leipzig.
Repert. Lit., 2.Jg., IV, 1844, p. 468 (vom 13. Decemb.) sowie in der
Allg. Bibliogr. Deutschland 1844, p. 285 (vom 19. September). Des-
gleichen werden sie im Allg. Verz. Büch. Ostern 1844 bis Michaelis
1844, [1844], p. 225 als erschienen angeführt.
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 155
Da auf tab. CCXLI.A u. B die in diese Hefte fallenden p. 397,
bzw. 398 eitiert werden und ebenso auf diesen Seiten die genannten
Tafeln, so müssen offenbar Text und Tafeln gleichzeitig erschienen
und somit diese gleichfalls in Heft 125—127 enthalten gewesen sein.
— Letzteres gilt auch von tab. CLX.B. Denn die auf ihr dar-
gestellte Form, Sorex Hedenborgi, wurde erst in den Vet. Akad.
Handl. 1842, p. 174 von Sundevall aufgestellt, tab. CLX.A ist erst
in den Heften 119—124 erschienen (s. d.), während tab. CLX.B in
keinem der Hefte 111—124 enthalten war (s. d.) und somit offenbar
nicht früher als in Heft 125 erschienen sein kann;
andererseits kann sieaberauchnicht später alsin Heft127
ausgegeben worden sein, da Wagner im Arch. Natgesch., 10. Jg.,
II, 1844, p. 157 sie bereits erwähnt — und Heft 128 erschien ja erst
1845.
Wie aus dem Vorstehenden erhellt, gelangte die 4. Abth. des
Supplementbandes mit Heft 125—127 zum Abschlusse und gehörte
also Heft 128, 129 nicht mehr, wie Sherborn (p. 592) angibt, zu dieser.
(Betreffs der V. Abtheilung des Supplementbandes s. weiter unten
(p. 167).) :
VII. Theil.
Herr Sherborn sagt (p. 592) in Bezug auf die Autorschaft dieses
Theiles: „Von Wiegmann, siehe Wagners Vorreden zu Th. V (1&2),
und Stannius (Vorrede zu Th. VII.), und endlich von Wagner selbst
(ibid.)“, und spricht ebenso auch im folgenden von Stannius’ Teil
desselben. — In der Vorrede zu Th. V, I (1836, p. III) sagt nun Wagner
allerdings: ‚den siebenten Theil, die Walle enthaltend, hat Herr
Professor Wiegmann übernommen“; und ebenso in der zu Th. V, II
(1837, p. IV): „Herr Professor Wiegmann wird nun bald den
letzten Band, die W alle enthaltend, erscheinen lassen“; aber in der
Vorrede zum VII. Th., 1846, [1847], p. IV sagt er: „‚die [Bearbeitung]
der Cetaceen wollte Herr Prof. Dr. Rudolf Wagner über-
nelımen. Er übertrug sie jedoch bald an Herrn Prof. Wiegmann
in Berlin, der sich auch eifrig der Sache annahm und viele Tafeln dazu
anfertigen ließ. Sein früher Tod vereitelte die Ausführung ..... i
als Herr Prof. Stannius in Rostock sich zu derselben erbot. Leider
hat eine frühere langwierige Krankheit... ihn verhindert, die Be-
arbeitung der Cetaceen vorzunehmen; selbst die anatomische Ab-
theilung, auf die er sich zuletzt beschränkte, hätt e [im Original nicht
gesperrt — d. Verf.] noch eine geraume Zeit erfordert... So kam es
denn mir selbst ganz unerwartet, dass ich endlich ebenfalls die Be-
arbeitung der Cetaceen, so unvorbereitet ich auch dazu war, über-
nahm, ....“. — Hieraus geht also klar hervor, daß de facto
Stannius gar keinen Anteil an dem in Rede
stehenden Bande hat, Wiegmann nur der Autor
einer Anzahl von Tafeln ist — welcher, habe ich im
einzelnen festgestellt, verweise jedoch, um Wiederholungen zu ver-
156 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
meiden, diesbezüglich bloß auf das bei Besprechung der betreftenden
Hefte, bezw. Tafeln Gesagte —, und der ganze übrige
Teil desselben von Wagner herrührt.
Heft 128, 129. Diese werden im Verz. Büch. Landkart. Juli bis
Decemb. 1845, 1845, p. 218 als erschienen und 12 Bog. und 3 tab. ent-
haltend angeführt, und ebenso im Leipzig. Repert. Lit., 3. Jg., III, 1845,
p. 469 f. (vom 19. September) sowie in Allg. Bibliogr. Deutschland 1845,
p. 279 (vom 4. Sept.); und im Allg.Verz. Büch. Ostern 1845 bis Michaelis
1845, [1845], p. 211 gleichfalls als erschienen. — Da die 4. Abth. des
Supplementbandes, wie sich aus dem Umfange von Heft 125—127
(s. d.) ergibt, mit Heft 127 zum Abschlusse gelangte, so können
die hierin Rede stehenden Hefte nicht, wie Sher-
born (p. 592) angibt, auch noch zu dieser gehören,
ebensowenig aber zur 5. Abth. desselben, der
Shberborn die anschließenden Hefte 130ff. zurechnet (cf. das über
diese Gesagte), da letztere erst im Jahre 1853 zu erscheinen begann,
sondern nur zum VII. Theil des Werkes; und zwar
umfassen sie, wie aus jenen Angaben hervorgeht, p. 1—96 desselben.
— Andererseits führt A. Wagner (Arch. Natgesch., 12. Jg., 11, 1846,
p. 114) in dem Jahresbericht für 1845 ein zum VII. Theil gebörendes
Doppelheft ,„128a und 129“ an, das den Text der Bearbeitung
der Pinnipedia enthält. Da dieser p. 1—97 umfaßt, von welchen die
letzte zudem nur einige wenige Zeilen enthält, so deckt sich der ange-
gebene Umfang desselben so gut wie vollkommen mit dem von Heft
128, 129, und zwar derart, daß bei Annahme der Existenz eines Heftes
128 kein Raum und kein Stoff für ein Heft 128a übrig bleibt, und um-
gekehrt. Da überdies ein Heft 128a nirgends außer von Wagner |. c.
angeführt wird und zudem ein Grund, warum eines der Hefte so
hätte bezeichnet werden sollen, in keiner Weise ersichtlich ist, so
können wır wohl mit voller Sicherheit annehmen, daß jene Angabe
Wagners nur auf einen Druck- (oder auch Schreib)fehler zurück-
zuführen ist. Damit schwindet dann auch nicht nur der scheinbare
Widerspruch zwischen jener und dem auf Grund der beiden eingangs
angeführten Angaben ermittelten Umfange von Heft 128, 129, sondern
wird sie sogar zu einer authentischen Bestätigung dieses letzteren. — Wieso
Sherborn dazu kam, die gedachten Hefte der 4. Abth. des Supplement-
bandes zuzurechnen, gibt er zwar nicht an, doch vermute ich, daß er
dies auf Grund einer dahin lautenden Angabe in Engelmann, Biblioth.
Hist.-Nat., I, 1846, p. 365 tut. Letztere — für die keinerlei Beweis
beigebracht wird — ist aber natürlich gleichfalls im Sinne des im Vor-
stehenden geführten gegenteiligen Beweises, der auch mit den
authentischen Angaben Wagners im Einklang steht (s. oben), zu
berichtigen. |
Diese Hefte enthielten u.a. auch tab. LXXXVIIL.B, die von
A. Wagner (Arch. Natgesch., 12. Jg., II, 1846, p. 148) in seinem
„Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säugthiere
während des Jahres 1845“ als (in diesem Jahre) erschienen angeführt
wird, indem. sie die einzigen sind, die 1845 ausgegeben wurden. — Be-
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 157
merkt sei, daß auf dieser Tafel die Art (anıs nigrescens
aufgestellt wurde.
Heft 130, 131. Diese beiden 1846 erschienenen Hefte ge-
hören keineswegs, wie Engelmann (Biblioth. Hist. - Nat., I, 1846,
p. 642) und nach ihm Sherborn (p. 592) angibt, dem Supplement-
bande, bzw. speciell der 5. Abth. desselben an, indem diese erst
im Jahre 1853 zu erscheinen begann (s. das über Lief. 1 derselben
Gesagte), sondern dem VII. Th. des Werkes, welches
letztere daraus hervorgeht, daß alle anderen „Theile“ und „Ab-
theilungen“ (außer natürlich der eben erwähnten 5.) damals
bereits abgeschlossen waren, wie auch andererseits die in Rede
stehenden Hefte sich ihrer Nummerierung nach naturgemäß an das
ebenfalls diesem Theile angehörige Doppelheit 128,129 (s.d.) an-
schließen. — Dieselben werden im Verz. Büch. Landkart. Jan. bis
Juni 1846, 1846, p. 239 [errore als: „129s u. 130s Heft‘ (s. Verz. Büch.
Landkart. Juli bis Decemb. 1846, 1846, p. 212)] als 12 Bog. und 3 tab.
enthaltend angeführt, im Leipzig. Repert. Lit., 4. Jg., III, 1846, p. 27
(vom 3. Juli) als 12 Bog. und 4 tab. enthaltend, und ebenso im Allg.
Verz. Büch. Ostern 1846 bis Michaelis 1846, [1846], p. 262 sowie in
Allg. Bibliogr. Deutschland 1846, p. 183 (vom 4. Juni). Dagegen
gibt Engelmann (l. c.) als Inhalt derselben „12. Bog. u. 4 Kpfrtaf.“,
und Sherborn ‚pp. 1—32, pls. 1—4“ an. Was zunächst die Angabe
Sherborns betrifft, daß sie pp. 1—32 enthalten hätten, so ist es mir
ganz unklar, wie er zu dieser gekommen sein mag; auf jeden Fall ist
sie aber unrishtig, indem p. 1—96 bereits im Heft 128, 129 enthalten
waren (s. d.). Auch Engelmanns Angabe, daß sie den „12. Bog.“
[= p. 89-96] enthalten hätten, kann aus demselben Grunde nicht
zutreffend sein. Überdies wäre der Umfang von einem Bogen (and
4 Tafeln) für zwei Hefte natürlich viel za gering — was übrigens auch
von der erwähnten Angabe Sherborns gilt. In Verbindung mit den
vier oben angeführten übereinstimmenden Angaben geht hieraus mit
vollster Sicherheit hervor, daß die gedachte Angabe Engelmanns
lediglich auf einen kleinen Schreib- oder Druckfehler zurückzuführen
ist und vielmehr richtig „12 Bog.“ heißen sollte. Danach haben
also die beiden in Rede stehenden Hefte, wie sich aus dem Umfange
von Heft 128, 129 ergibt, an Text p. 97”—192 enthalten. — Ebenso
ist Sherborns weitere, ganz offenbar auf die Annahme, daß die
gedachten Hefte den Anfang der 5. Abth. des Supplementbandes
bilden, in der die Nummerierung der Tafeln mit 1 beginnt, ge-
gründete Angabe, daß sie tab. 1—4 enthalten hätten, entsprechend
den am Anfange dieses Absatzes gegebenen Darlegungen zu be-
richtigen und auf die ihr anscheinend zugrunde liegende Angabe
Engelmanns (]. c.) zu reducieren, daß sie 4 tab. enthalten haben.
Heit 132—135. Diese 4 Hefte sind 1846 erschienen, wie
sich daraus ergibt, daß sie imVerz. Büch. Landkart. Juli bis Decemb.
1846, 1846, p. 212 als erschienen und 24 Bog. und 8 tab. enthaltend
angeführt werden, (desgleichen im Allg. Verz. Büch. Michaelis 1846
bis Ostern 1847, [1847], p. 278 sowie in der Allg. Bibliogr. Deutsch-
158 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
land 1846, p.411 (vom 3. Decemb.), und ebenso im Leipzig. Repert.
Lit., 5. Jg., I, 1847, p. 33 (als 1846 erschienen); und ebenso werden
die Hefte 99—135 in Kayser, Bücher-Lex., X, 1848, p. 325 als in
der Zeit von 1841—46 erschienen angeführt. Jene können daher
auch nicht, wie Herr Sherborn (p. 592) angibt, der 5. Abth. des
Supplementbandes angehören, welche erst im Jahre 1853 zu er-
scheinen begann (s. das über Lief. 1 dieser Gesagte), sondern
nur dem VI. Th, des Werkes, welches letztere daraus
hervorgeht, daß alle anderen ‚Theile‘ und ‚„Abtheilungen“
(außer natürlich der eben erwähnten 5.) im Jahre 1846 bereits
abgeschlossen waren, wie andererseits die fraglichen Hefte si:h
naturgemäß an die ebenfalls diesem Theile angehörigen Hefte 130,
131 anschließen. — Der in ihnen enthaltene Text reicht von p. 193
(cf. das bei Heft 130, 131 Gesagte) —384.
(Nicht unerwähnt will ich lassen, daß es in einem von der
„Ostermesse 1847° datierten Circular der Expedition des Werkes
„An die verehrlichen Besitzer des Schreber’schen Säugthier-
Werkes“ [welches in dem in der Biblicthek der Zoologischen
Abteilung des hiesigen Naturhistorischen Hofmuseums befind-
lichen Exemplare desselben am Ende der 5. Abth. des Supplement-
bandes beigebunden ist] u. a. heißt: „Mit der gegenwärtigen
Lieferung (Heft 134 und 135.) ist sie [die Expedition] jedoch im
Stande, den Schluß des ganzen Werkes nebst ausführlichem Register
und specifizirtem Verzeichnisse der Kupfertafeln zu veröffentlichen . .““,
und daß ferner auf p.[3] des gedachten Circulars das Schreber’sche
Werk als bestehend aus dem „1.—135. Heft... . Erlangen (1775
—1824) 1826—1847. (Leipzig, L. Voß). Heft 65—69, herausg. v.
Aug. Goldfuß. 70 bis Schlußheft 135 v. J. A. Wagner in
München.“ angeführt wird. Danach würde es scheinen, als ob die Hefte
134, 135 den (vorläufigen) Schluß des Werkes gebildet hätten und erst
1847 erschienen wären. Ersteres wird jedoch durch die in unzweifel-
hafter Weise nachgewiesene Existenz der nachfolgenden Hefte 136, 137
(s. d.) widerlegt und ist nur das richtig, daß jene aen Schluß
des laufenden Textes enthielten, letzteres durch den oben
geführten Nachweis, daß sie tatsächlich schon 1846 erschienen sind.
Es ist also in diesem Cirkular ganz offenbar irgend ein Irrtum unterlaufen
— wie es ja bei dem besonderen Inhalte der Hefte 136, 137 (s. d.)
umso leichter erklärlich ist. — Ebenso sagt Wagner (Arch. Natgesch.,
13. Jg., II, 1847, p. 1), daß er im vergangenen Jahre (i. e. also 1846)
„mit dem VlIIten Bande seine Fortsetzungen von Schreber’s
Naturgeschichte der Säugthiere zum Abschlusse gebracht‘ hat, was
auch nur insofern richtig ist, als derlaufende Text dieses Bandes
in dem gedachten Jahre vollendet wurde und andererseits die Hefte
136, 137 (s.d.) ihrem Hauptinhalte nach (i. e. außer p. I-VIII [wo
die Vorrede auch bereits vom September 1846 datiert ist!]) wohl nicht
von Wagner selbst herrühren dürften. Die von Sherborn (p. 592)
auf Grund der gedachten Mitteilung Wagners gemachte Angabe, daß
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 159
der VII. Th. des Werkes 1846 vollendet wurde, ist also gleichfalls
im Sinne des soeben Gesagten zu berichtigen.)
Heft 136, 13%. Diese beiden Hefte werden im Verz. Büch.
Landkart. Juli bis Decemb. 1847, 1847, p. 261 als erschienen, zu
Th. VII gehörend und p. I—-VIII, 385—427 und 7 tab. enthaltend
angeführt; genau dieselben Angaben finden wir aush in der Alle.
Bibliogr. Deutschland 1847, p. 216 (vom 1. Juli), im Leipzig. Repert.
Lit., 5. Jg., IH, 1847, p. 233 (vom 6. Aug.) und in Kayser, Bücher-
Lex., XII, 1854, p. 344, an welchen beiden letzteren Stellen jene
außerdem ausdrücklich als 1847 erschienen angeführt werden;
ebenso werden sie im Allg. Verzeichn. Büch. Ostern 1847 bis
Michaelis 1847, [1847], p. 217 als erschienen angegeben; und über-
dies werden auch in Th. VII, p. 417 die Hefte 1—137 als „vom Jahre
1775—1847 incl.“ erschienen angeführt. Sherborns Angabe (p. 592),
wonach jene zur 5. Abth. des Supplementbandes gehören würden,
ist also dementsprechend richtigzustellen,;, außerdem ergibt sich
mutatis mutandis aus ganz denselben Gründen, wie sie bei Besprechung
von Heft 132—135 geltend gemacht wurden, daß sie nicht zu jener,
sondern nur zum VII Th. des Werkes gehören
können. — Der Inhalt derselben bestand, wie aus den citierten An-
gaben hervorgeht, lediglich aus dem Titelblatt und der Vorrede zum
VII. Th. (beide von 1846 datiert), dem Inhaltsverzeichnis desselben,
dem Schluß des Inhaltsverzeichnisses und dem Verzeichnis der Tafeln
des Gesamtwerkes, und 7 Tafeln, umfaßte also keinen laufenden Text
mehr. Sie bildeten den Schluß des VII. Theiles
und damit — nachdem alle anderen ‚Theile‘ und ‚„Abtheilungen“
des Werkes (außer natürlich der 5. Abth. des Supplementbandes)
damals bereits abgeschlossen waren — zugleich den (vor-
läufigen)desGesamtwerkes. (Betreffs der in dem von der
„Ostermesse 1847‘ datierten Circular der Expedition des Werkes
enthaltenen Angabe, daß bereits das Heft 135 den Schluß desselben
gebildet habe, sowie der Angabe Sherborns (l. c.), daß der VII. Th.
schon 1846 vollendet wurde, verweise ich der Kürze halber bloß auf
das bei Besprechung der Hefte 132—135, und betreffs der von Sherborn
im unmittelbaren Anschlusse an Heft 137 angeführten weiteren Hefte
138—146 auf das über diese Gesagte.) ’
Zu den in ihnen enthaltenen Tafeln gehören zweifellos tab.
CCCLXI, CCCLXVIH und CCCLXX/CCCLXXI indem die beiden
ersteren in Th. VII, 1846, p. 369, wo wenigstens je eine der auf ihnen
dargestellten Arten erwähnt wird (während die zweite auf tab.
CCCLXVIII abgebildete Species im Text überhaupt nicht an-
geführt wird) und die ganz offenbar erst in das Heft 135 fiel
(s. das über Heft 132—135 Gesagte), noch nicht angeführt werden,
und die letztere — die de facto eine einzige Tafel darstellt, indem hier
dasselbe Verhältnis obwaltet wie bei tab. CCCLXV/CCCLXVI (s. d.)
— ebenso wie die eine der auf ihr dargestellten Arten, Delphinus
Philippii, die selbst erst 1846 [abgesehen von eimer anscheinend ganz
unbekannt gebliebenen Arbeit in Maurolico (N. S.) I, 6. Heft, 1841]
160 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
von Cocco, Arch. Natgesch., 12. Jg., I, p. 104 beschrieben wurde,
im Text, dessen Schluß (p. 370) natürlich gleichfalls erst in das Heft
135 fällt, überhaupt nicht erwähnt wird, und also sämtliche genannte
Tafeln offenbar erst nach Heft 135 erschienen sind. — Tab. CCCLXI
und CCCLXVIII verdienen deshalb besondere Beachtung, weil
auf ersterer dieArten Delphinus fulvilasciatus
und D. brevimanus und auf letzterer die Arten
Delphinus breviceps und Balaenoptera nodosa
zuerst aufgestellt wurden.
Tafeln, deren Zugehörigkeit zu bestimmten Heften
noch nicht festgestellt ist.
Wie aus dem Vorstehenden ohne weiteres ersichtlich ist, ist es
bei einer Anzahl von Tafeln weder Herrn Sherborn noch mir gelungen,
ihre Zugehörigkeit zu einem der von ihm oder mir behandelten Hefte,
bezw. Complexe von solchen, zu ermitteln. Da es mir aber in allen
Fällen möglich war, wenigstens mehr oder weniger enge
Grenzen festzustellen, innerhalb derer die betreffende Tafel er-
schienen sein muß, so führe ich im Nachfolgenden an, was ich dies-
bezüglich zu ermitteln vermochte. Oft ist ja dem Auskunftsuchenden
auch schon mit einer annähernden Angabe gedient, während anderer-
seits eine solche vielfach als Basis für eine zukünftige genaue Fest-
stellung von Wert sein kann.
tab. XXVI.C, D. Diese Tafeln sind in irgendwelchen der Hefte
95—110 oder 125 bis 137 enthalten gewesen und somit in der
Zeit von 1840—1842 oder 1844—1847 erschienen. Denn sie werden
in dem sub Heft 60, 61 erwähnten Circular der Expedition des
Werkes in dem Verzeichnis aller in diesem ‚‚vom Hefte 1—94 (d.h.
vom Jahre 1775—1839 incl.)‘“ erschienenen Tafeln auf p. 3 in einer
Fußnote ausdrücklich als ‚‚zur Zeit noch nicht erschienen‘ bezeichnet,
während die obere Grenze der möglichen Zeit ihres Erscheinens (1847)
durch den Abschluß von Th. VII, der den (vorläufigen) Schluß des
ganzen Werkes bildete und in welchem sie auch (p. 418) als erschienen
angeführt werden, gegeben ist; und da sie in den Heften 111—124
nicht enthalten waren (s. d.), so können sie nur in einem der angegebenen
Hefte enthalten gewesen sein.
tab. XCH. E. Diese Tafel ist in einem der Hefte 125—135 ent-
halten gewesen und somit in der Zeit von 1844—1846 erschienen.
Denn vor 1843 (Heft 11l)kann sie nicht erschienen sein, da die
auf ihr dargestellte Art, Canis melampus, von Wagner erst im Arch.
Natgesch., 9. Jg., I, 1843, p. 357 beschrieben wurde; nach 1846
(Heft 135) auch nicht, da sie von Wagner, Arch. Natgesch., 12. Jg.,
II, 1846, p. 147 bereits als erschienen angeführt wird; und da sie
in den Heften 111—124 (s. d.) nicht enthalten war, so muß sie es
in einem der angegebenen Hefte gewesen sein.
tab. XCVI. A. [,Proteles Lalandii Isid Geoffr.‘“] Diese ist
in einem der Hefte 95—106 enthalten gewesen und somit 1840
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 161
oder 1841 erschienen. Denn sie wird von Wagner, Supplbd.,
2. Abth., 1841, p. 455, welche Seite spätestens in Heft 106
[und sehr wahrscheinlich in diesem!] enthalten war (s. das über
Heft 103—106 Gesagte), bereits angeführt, kann also nicht später als
Heft 106 erschienen sein, andererseits aber auch nicht früher als Heft 95
(1840) (s. das über Heft 9598 Gesagte), da die in den früheren Heften
enthaltenen Tafeln von Herrn Sherborn oder mir bereits sämtlich
festgestellt worden sind. (Der oben bei Anführung der Tafel ın [ ]
gemachte Zusatz ist deshalb notwendig, weil es in dem Werke noch
eine zweite tab. XCVI. A gibt, die Hyaena brunea darstellt und in
Heft 111—116 enthalten war [s. das über diese Gesagte].)
tab. XCVI. €. Diese Tafel ist in einem der Hefte 95>—110 oder
125—137 enthalten gewesen und somit in der Zeit von 1840—1842
oder 1844—1847 erschienen. Denn vor Heft 95 kann sie aus dem-
selben Grunde wie tab. CXCII.A (s. d.) nicht erschienen sein, in
den Heften 111—124 war sie nicht enthalten (s. d.), und muß sie somit
in einem der gedachten Hefte ausgegeben worden sein.
tab. €. A. Diese ist in einem der Hefte 107”—110 enthalten gewesen
und somit 1841 oder 1842 erschienen. Denn sie kann nicht früher
als in Heft 107 (1841) erschienen sein, da sie von Wagner im Supplbd.,
2. Abth., 1841, p. 490, welche in Heft 106 fällt, bei Besprechung von
Felis marmorata, die den Gegenstand dieser Tafel bildet, noch nicht
angeführt wird, andererseits aber auch nicht später als Anfang 1844
(Heft 124), da sie in Schinz, Syst. Verzeichn. Säugethiere, I, 1844,
p. 442 [Vorrede vom März 1844 datiert!] bereits citiert wird.
Nachdem sie aber, wie wir oben gesehen haben, in den Heften 111—
124 nicht enthalten war, kann sie nur in einem der Hefte 107—
110 erschienen sein.
tab. €. B. Diese ist in einem der Hefte 109, 110 oder 125—
137 enthalten gewesen und somit 1842 oder in der Zeit von 1844—
1847 erschienen. Denn sie wird von Wagner im Supplbd., 2. Abth.,
1841, p. 537, die in Heft 107, 108 [und zwar offenbar Heft 108!] fällt
(s. das über diese Gesagte), bei der Besprechung von Felis mani-
eulata die den Gegenstand derselben bildet, noch nicht an-
geführt und ist also frühestens in Heft 109, 110 (1842) erschienen;
und da sie in den Heften 111—124 nicht enthalten war (s. oben), so
kann sie nur in einem der angegebenen Hefte enthalten gewesen sein.
tab. EX. €. Diese Tafel wurde in einem der Hefte 95—108 aus-
gegeben und ist somit 1840 oder 1841 erschienen. Denn sie wird
von Wagner, Supplbd., 2. Abth., 1841, p. 530, welche Seite in Heft 107,
108 enthalten war, bereits angeführt, kann also nicht später als
Heft 108 (1841) erschienen sein, andererseits aber auch nicht früher
als Heft 95 (1840), da die in den früheren Heften enthaltenen Tafeln
von Sherborn oder mir sämtlich ermittelt worden sind.
tab. CLIV. A. Diese Tafel ist in einem der Hefte 125—137
enthalten gewesen und somit in der Zeit von 1844—1847 erschienen.
Denn vor Heft 111 (1842) kann sie nicht erschienen sein, da Wagner
die auf ihr dargestellte Art, Halmaturus (Petrogale) lateralis, im
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 4. Suppl. 11
162 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
Supplbd., 3. Abth., 1843, 1842, p. 102—128, welche Seiten die be-
treffende Gattung behandeln und in die Hefte 111, 112 fallen, über-
haupt noch nicht anführt und sie also zum mindesten bei der Ausgabe
von Heft 109, 110 (1842) noch nicht gekannt hat — sie wurde
nämlich erst von Gould, Monogr. Macropodidae, T. 2, 1842 aufge-
stellt; in den Heften 111—124 war jene Tafel nicht enthalten (s. d.),
und muß sie daher in einem der angegebenen Hefte publiciert
worden sein.
tab. CLIV. B. Diese Tafel ist in einem der Hefte 125—137 ent-
halten gewesen und somit in der Zeit von 1844—1847 erschienen.
Denn vor 1842 (Heft 109, 110) kann sie nicht erschienen sein, da die
auf ihr dargestellte Species, Tarsipes rostratus, erst in den Proc.
Zool. Soc. London X, 1842, p. 1 und im Mag. Zool. (2) 1. Sect.,
1842, p.— von Gervais und Verreaux aufgestellt wurde; in diesen
war sie aber auch nicht enthalten, da Wagner diese Art in seiner Be-
arbeitung der Beuteltiere (Supplbd., 3. Abth., p. I—134), die in die
Hefte 109ff. fällt, überhaupt noch nicht erwähnt; und da sie in den
Heften 111—124 auch nicht enthalten war (s. das über diese Gesagte),
so kann sie nur zu einem der angegebenen Hefte gehört haben.
tab. CLXXVI. A. [,‚Sminthus loriger Nordm.“] Diese Tafel war
in einem der Hefte 95—110 enthalten und ist somit in der Zeit von
1840—1842 erschienen. Denn vor Heft 95 kann sie nicht ausgegeben
worden sein (s. das über Heft 90—94 Gesagte), aber auch nicht
später als Heft 117, 118 (s.d.), da sie in diesem (p. 608) bereits
angeführt wird; und da sie in den Heften I111—118 nicht ent-
halten war (s. das über diese Gesagte), so muß sie in einem der
Hefte 95—110 ausgegeben worden sein.
(Der oben bei Anführung der Tafel in [ ] gemachte Zusatz ist
deshalb notwendig, weil es in dem Werk noch eine zweite tab. CLXXVI.A
gibt, die Mystromys albipes darstellt und in den Heften 111—116
enthalten war [s. d.].)
tab. CXCH. A. Diese ist in einem der Hefte 95—110 enthalten
gewesen und somit in der Zeit von 1840—1842 erschienen. Denn sie
kann nicht früher als Heft 95 ausgegeben worden sein, da die in
den früheren Heften erschienenen Tafeln von Sherborn oder mir
bereits vollzählig festgestellt worden sind, aber auch nicht später als
Heft 113, 114, da in diesem (Supplbd., 3. Abth., p. 334) bereits auf
sie verwiesen wird; und da sie in den Heften 111—114 nicht enthalten
war (s.d.), so muß sie es in einem der oben angegebenen Hefte ge-
wesen sein.
tab. CCVI. A. Diese Tafel war in einem der Hefte 99—110
enthalten und ist somit in der Zeit von 1841—1842 erschienen.
Denn sie kann nicht früher als 1841 (Heft 99) erschienen sein, da
eine der auf ihr dargestellten Arten, Dendromys pumilio, von
Wagner erst in den Gel. Anz. bayer. Akad. Wiss. XII, 1841, col. 437
(März!) aufgestellt wurde, aber auch nicht später als Heft 115, 116,
da sie in diesem (Supplbd., 3. Abth., p. 463 f.) bereits angeführt wird;
des Schreber’schen Säugetierwerkes (1774—1855). 163
und da sie in den Heften 111—116 nicht enthalten war, so muß
sie in einem der oben angegebenen Hefte ausgegeben worden sein.
tab. CCVI. B. Diese Tafel ist in einem der Hefte 125—137 ent-
halten gewesen und somit in der Zeit von 1844—1847 erschienen.
Denn vor Heft 111 kann sie nicht ausgegeben worden sein, da Heft
109, 110 im Verz. Büch. Landkart. Jan. bis Juni 1842, 1842, p. 221
bereits als erschienen angeführt wird und andererseits die auf ihr
dargestellte Art, Schizodon fuscus, erst in den Proc. Zool. Soc. London
IX, 1841, 1842, p. 91, die frühestens im März 1842 ausgegeben
wurde (s. P. L. Selater, op. e., 1893, p. 437), von Waterhouse auf-
gestellt wurde; und da sie in den Heften 111—124 nicht enthalten
war (s.d.), so kann sie also nur in einem der Hefte 125—137 er-
schienen sein.
tab. CCXXXI. A. Diese ist 1845 erschienen und somit in einem
der Hefte 125—129 enthalten gewesen. Denn sie wird von Wagner,
Arch. Natgesch., 12. Jg., II, 1846, p. 155 [als 1845 erschienen] an-
geführt; und überdies wurde die auf ihr dargestellte Art, Meriones
myosurus, überhaupt erst op.c., 11. Jg., I, 1845, p. 149 von Wagner
aufgestellt.
tab. CCXXXIH. €. Diese Tafel ist in einem der Hefte 99—110
enthalten gewesen und somit 1841 oder 1842 erschienen. Denn vor
Heft 99 (1841) kann sie nicht erschienen sein, da die auf ihr dar-
gestellte Species, Lepus mediterraneus, erst in den Gel. Anz. bayer.
Akad. Wiss. XII, 1841, col. 439 von Wagner aufgestellt wurde,
ebensowenig aber nach Heft 122, da sie in Heft 119—122 (Supplbd.,
4. Abth., 1844, p. 77) bereits angeführt wird; und da sie in den
Heften 111—122 nicht enthalten war (s. d.), muß sie in einem der
Hefte 99—110 erschienen sein.
tab. CCXXXIX. €. Diese ist in einem der Hefte 125—137 und
somit in den Jahren 1844—1847 erschienen. Denn vor Heft 115, 116
kann sie nicht erschienen sein, da sie in Heft 113, 114 (Supplbd.,
3. Abth., 1843, p. 317), wo die auf ihr dargestellte Art besprochen
wird, noch nicht angeführt wird; in den Heften 115—124 war sie
nicht enthalten (s. d.), und kann sie also nur in einem der Hefte 125
—137 erschienen sein.
tab. CCXXXIX. D. Diese Tafel ist in einem der Hefte 128—137
und somit in der Zeit von 1845—1847 erschienen. Denn es werden
auf ihr u. a. Zähne von 2 Arten von Isothrix [errore als Mesomys
bezeichnet] dargestellt, welche beiden Gattungen und Arten erst im
Arch. Natgesch., 11. Jg., I, 1845, p.145f. von Wagner aufgestellt
wurden.
tab. CCXXXIX. E. Diese Tafel war offenbar in einem der
Hefte 1283—137 enthalten und ist somit in den Jahren 1845—1847
erschienen. Denn tab. COXXXIX.D. (s. d.), die einen ganz analogen
Gegenstand (gleichfalls Zähne verschiedener Nagetiere) darstellt, ist
frühestens in Heft 128 enthalten gewesen, und ist die mit E be-
zeichnete Tafel in diesem Falle wohl sicher nicht vor der mit D be-
zeichneten erschienen.
11®
164 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
tab. CCXLVIL I, K. Diese Tafeln sind in den Heften 95—110
enthalten gewesen und somit in der Zeit von 1840—1842 erschienen.
Denn sie können aus demselben Grunde wie tab. CXCIL A (s.d.)
nicht früher als Heft 95 erschienen sein, aber auch nicht später als
Heft 124, da sie in diesem (Supplbd., 4. Abth., 1844, p. 380 £.) bereits
angeführt werden; und nachdem sie in den Heften 111—124 (s.d.)
nicht enthalten waren, müssen sie in einem der oben angeführten
ausgegeben worden sein.
tab. CCLXXVIIL. A. Diese ist in einem der Hefte 95—110 oder
125—127 enthalten gewesen und somit in der Zeit von 1840—1842
oder 1844 erschienen. Denn sie kann aus demselben Grunde wie
tab. CXCII. A nicht früher als in Heft 95 ausgegeben worden sein,
aber auch nicht später als in den Heften 125—127, da sie in diesen
(Supplbd., 4. Abth., 1844, p. 432) schon angeführt wird; und da sie
in den Heften 111—124 nicht enthalten war (s. d.), so kann sie nur
in einem der oben angegebenen Hefte erschienen sein.
tab. CCULXXXVI. E. Diese war in einem der Hefte 128—137
enthalten und ist somit in der Zeit von 1845—1847 erschienen.
Denn sie kann offenbar nicht früher als in Heft 128 (1845) aus-
gegeben worden sein, da Wagner sie in Heft 125—127, 1844, p. 499
[die jedenfalls schon zu Heft 127 gehört] bei der Besprechung der
auf ihr dargestellten Art noch nicht zitiert, sondern vielmehr auf
eine in einem anderen Werke erscheinende Abbildung dieser ver-
weist; und die obere Grenze der möglichen Zeit ihres Erscheinens
(1847) ist durch den Abschluß von Th. VII, der den (vorläufigen)
Schluß des ganzen Werkes bildete und in dem sie auch (p. 425) als
erschienen angeführt wird, gegeben.
tab. CCCXVI. I, L. Diese Tafeln waren in den Heften 95—110
enthalten und erschienen somit in der Zeit von 1840—1842. Denn
sie können aus demselben Grunde wie tab. CXCI. A nicht früher
als in Heft 95 ausgegeben worden sein, aber auch nicht später als in
Heft 123, 124, da in diesem (Supplbd., 4. Abth., 1844, p. 288, bezw.
291) bereits auf sie verwiesen wird; und da sie in den Heften 111—
124 (s. d.) nicht enthalten waren, so müssen sie in irgendwelchen der
Hefte 95—110 ausgegeben worden sein.
tab. CCOXLVII. Diese Tafel ist in einem der Hefte 128—135
enthalten gewesen und somit 1845 oder 1846 erschienen. Denn vor
Heft 128 (1845) kann sie nicht erschienen sein, da Wagner (Th.VII,
1846, p. 363) ausdrücklich sagt, daß er [im Original nicht gesperrt
— d. Verf.] auf ihr eine Abbildung hat copieren lassen, und er die Be-
arbeitung der Wale (zu der die fragliche Tafel gehört) erst übernahm,
nachdem er bereits den siebenten Band mit den Ruderfüßern be-
gonnen hatte (s. Wagner, Th. VII, 1846, 1847, p.IV; cf. id.,
Supplbd., 4. Abth., 1844, p.III), also jedenfalls nach Ausgabe
der eben citierten Abth. des Supplementbandes, die mit Heft 127
abschloß, und sehr wahrscheinlich sogar erst nach Ausgabe von
Heft 128, 129, die die Bearbeitung der Ruderfüßer enthielten [in
welchem Falle die fragliche Tafel dann frühestens in Heft 130, 131
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 165
(1846) erschienen sein könnte]; und ebensowenig nach Heft 135
(1846), da sie in diesem (Th. VII, 1846, p.352f. u. 360 f.) bereits an-
geführt wird.
tab. CCOXLIX—CCCLI. Diese Tafeln sind in irgendwelchen der
Hefte 95—110 oder 125—135 enthalten gewesen und somit in der
Zeit von 1840—1842 oder 1844—1846 erschienen. Denn vor Heft 95
können sie aus demselben Grunde wie tab. OXCII. A nicht ausgegeben
worden sein, und nach Heft 135 ebensowenig, da sie (in derselben
Reihenfolge) in den Heften 132—135 (Th. VII, 1846, p. 282, 341 u.
311) bereits angeführt werden; und da sie in den Heften 111—124
nicht enthalten waren (s. d.), so müssen sie es in irgendwelchen der
angegebenen Hefte gewesen sein.
tab. CCCLII. Diese ist in einem der Hefte 125—135 und somit in
der Zeit von 1844—1846 ausgegeben worden. Denn vor Heft 119
(1844) kann sie nicht erschienen sein, weil die eine auf ihr ent-
haltene Abbildung aus Temminck et Schlegel, Mammalia (in: P. F.
de Siebold, Fauna Japon.), Dec. 3, 1844 [s. Wagner, Arch. Natgesch.,
11. Jg., II, 1845, p.7; Engelmann, Biblioth. Hist. - Natur., I, 1846,
p. 341 £.], tab. 25 entnommen ist, nach Heft 135 ebensowenig, da
sie in den Heften 132—135 (Th. VII, 1846, p. 305 u. 315) bereits
angeführt wird; und da sie in den Heften 119—124 nicht enthalten
war (s. d.), so muß sie in einem der angegebenen Hefte erschienen sein.
tab. CCCLIIT— CCCLVI. Aus ganz denselben Gründen wie
tab. CCCXLIX—CCCLI sind auch diese in irgendwelchen der Hefte
35—110 oder 125—135 enthalten gewesen und somit in der Zeit von
1840—1842 oder 1844—1846 erschienen; und zwar werden sie [der
Reihenfolge ihrer Nummer nach] auf p. 313, 314, 367, 337 und 338
angeführt.
tab. CCCLIX. Diese Tafel ist in einem der Hefte 95—110 oder
125—134 enthalten gewesen und somit 1840—1842 oder 1844—1846 er-
schienen. Denn vor Heft 95 kann sie aus demselben Grunde wie
tab. CXCII.A nicht ausgegeben worden sein; andererseits ist sie sicher
vor Heft 135 publiciert worden, da Wagner sie in Th. VII, 1846,
p: 366, welche ganz offenbar in Heft 135 fällt (s. das über Heft 132
-—135 Gesagte), als bereits früher erschienen anführt; und da sie in
den Heften 111—124 nicht enthalten war (s. d.), so muß sie es in einem
der angegebenen Hefte gewesen sein. Der Autor derselben ist
Wiegm[ann], wie Wagner ]. c. angibt. — Diese Tafel ist deshalb von
besonderer Wichtigkeit, weil auf ihr die Art Delphinus Chamissonis
zuerst aufgestellt wurde.
tab. CCCLX. Diese ist in einem der Hefte 125—135 und somit
in der Zeit von 1844—1846 ausgegeben worden. Denn vor Heft 111
(1843) kann sie nicht erschienen sein, da die eine auf ihr befindliche
Abbildung aus Hombron et Jacquinot, Zoologie [Atlas] (in: Voyage
Pole Sud Oc£anie), 1842—1853, Mammiferes, tab. 22, welche letztere
in der Zeit von 1843—1845 erschienen ist (s. Hartlaub, Arch. Natgesch.,
20. Jg., II, 1854, p. 49), entnommen ist, später als Heft 135 ebenso-
wenig, da sie in den Heften 132—135 (Th. VII, 1846, p. 325) bereits
166 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
angeführt wird; und da sie in den Heften 111—124 nicht enthalten
war (s. d.), so muß sie in einem der Hefte 125—135 erschienen sein.
— Zu bemerken ist noch, daß auf dieser Tafel die Art Delphinus rosei-
ventris zuerst aufgestellt wurde.
tab. CCCL XIN—CCCLXIV. Diese Tafeln sind aus ganz denselben
Gründen wie tab. CCCXLIX—CCCLI in irgendwelchen der Hefte 95
—110 oder 125—135 enthalten gewesen und somit in der Zeit von
1840—1842 oder 1844—1846 erschienen; und zwar werden sie auf
p. 336 angeführt. — Der Autor derselben ist Wiegm[ann], wie Wagner
l.c. mitteilt. |
tab. CCCLXV/CCCLXVI Diese — die de facto eine einzige
Tafel darstellt, indem lediglich die beiden auf dieser befindlichen
Abbildungen (offenbar zur Vermeidung einer Lücke in der
laufenden Zahl der Tafeln) je als eine eigene Tafel nummeriert
und gezählt sind — war in einem der Hefte 135—137 enthalten
und ist somit 1846 oder 1847 erschienen. Denn vor Heft 135 kann
sie nicht ausgegeben worden sein, da sie im VII. Th., 1846, p. 319 £.
[welche offenbar frühestens in Heft 134 enthalten waren (s. das
über Heft 132—135 Gesagte)] bei der Besprechung der einen der
auf ihr dargestellten Arten noch nicht angeführt wird.
tab. CCCLXVIIL. Aus ganz denselben Gründen wie tab. CCCXLIX
—CCCLI ist diese Tafel in einem der Hefte 95—110 oder 125—135
enthalten gewesen und somit in der Zeit von 1840—1842 oder 1844
— 1846 erschienen; und zwar wird sie auf p. 332 angeführt. — Der
Autor derselben ist Wiegm[ann], wie Wagner (Th. VII, 1846, p. 333)
mitteilt.
tab. CCCLXXI. Diese ist aus ganz denselben Gründen wie
tab. CCCXLIX—CCCLI in einem der Hefte 95—110 oder 125—135
enthalten gewesen und somit in der Zeit von 1840—1842 oder 1844
— 1846 erschienen; und zwar wird sie auf p. 344 angeführt. — Der
Autor derselben ist Wiegmf[ann], wie Wagner ].c. mitteilt.
tab. „ÜCCL X XITH—CCCLXXVIIF“. Diese Bezeichnung trägt eine
einzige (2 Abbildungen enthaltende) Tafel — offenbar um eine Lücke
in der laufenden Zahl dieser zu vermeiden. Dieselbe war in einem
der Hefte 95—110 oder 125—133 enthalten und wurde somit in der
Zeit von 1840—1842 oder 1844—1846 ausgegeben. Denn vor
Heft 95 kann sie aus demselben Grunde wie tab. OXCII. A nicht
ausgegeben worden sein, nach Heft 133 ebensowenig, da sie von
Wagner in Th. VII, 1846, p.228, welche letztere ganz zweifellos
spätestens in Heft 133 erschienen ist (cf. das über Heft 132—135
Gesagte), bereits angeführt wird; und da sie in den Heften 111
— 124, wie wir gesehen haben, gleichfalls nicht enthalten war, so
kann sie nur in einem der angegebenen Hefte erschienen sein.
tab. CCCLXXVIIL, CCCLXXIX. Diese sind in irgendwelchen der
Hefte 131—137 und somit 1846 oder 1847 erschienen. Denn vor
Heft 131 können sie nicht ausgegeben worden sein, da sie von Wagner
in Th. VII, 1846, p.118f., bezw. 124 f., wo die auf ihnen dargestellten
Arten besprochen werden (während die zweite auf tab. COCLXXIX
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 167
abgebildete Species im Text überhaupt nicht erwähnt wird), noch
nicht angeführt werden und die gedachten Seiten ganz zweifellos in
das Heft 130 fallen (s. das über Heft 130, 131 Gesagte).
tab. CCCLXXX—CCCLXXXIL. Diese sind in irgendwelchen der
Hefte 95—110 oder 125—131 und somit in der Zeit von 1840—1842
oder 1844—1846 erschienen. Denn sie können aus demselben Grunde
wie tab. CXCII. A nicht früher als in Heft 95 ausgegeben worden
sein, aber auch nicht später als in Heft 131, da sie in den Heften 130,
131 bereits angeführt werden, und zwar die beiden ersteren in Th.VII,
1846, p. 118 und die letztere t.c., p. 144f.; und da sie in den Heften
111—124 (s.d.) nicht enthalten waren, so können sie nur in irgend-
welchen der angegebenen Hefte erschienen sein. — Der Autor der-
selben ist Wiegmann, wie Wagner Il. cc. mitteilt.
tab. CCCLXXXIH—CCCLXXXIV. Diese sind in irgendwelchen
der Hefte 131—137 und somit 1846 oder 1847 erschienen. Denn sie
können nicht früher als in Heft 131 ausgegeben worden sein, da sie
von Wagner in Th. VII, 1846, p. 144 f., bezw. 156 f., wo die auf ihnen
behandelten Arten besprochen werden, noch nicht angeführt werden,
die betreffenden Seiten aber frühestens in Heft 130 enthalten waren
(s. das über Heft 130, 131 Gesagte).
tab. CCCLXXXV. Diese ist in einem der Hefte 95—110 oder
125—131 und somit in der Zeit von 1840—1842 oder 1844—1846
ausgegeben worden. Die Gründe hiefür sind genau dieselben wie
bei tab. CCCLXXX—CCCLXXXI (s. d.); und zwar wird sie auf
p. 153 und 156 angeführt. — Auch der Autor dieser Tafel ist Wieg-
mann, wie Wagner Il. cc. angibt.
Supplementband. (Schluß.)
V. Abtheilung.
Diese erschien mit doppeltem Titelblatt, nämlich außer als Teil
des Schreber’schen Werkes auch als selbständiges Werk
mit dem Titel: „Johann Andreas Wagner, Die Säugthiere in Ab-
bildungen nach der Natur und mit Beschreibungen. Eine Zusammen-
stellung der neuesten Entdeckungen auf dem Gebiete der Säugthier-
kunde. 1855. (Cf. Wagner, t.c., p. VII.) Dies ist offenbar auch der
Grund, weshalb in ihr die Zählung der — nunmehr als „Liefe-
rungen“ bezeichneten — Hefte wieder mit 1 begann.
In seinem „Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Säugthiere während des Jahres 1853‘ (Arch. Natgesch., 20. Jg.,
II, 1854, p. 1-30) sagt A. Wagner (p.1), daß von der 5. Abth. des
Supplementbandes „bereits 7 Lieferungen ausgegeben worden sind.“
Die... Zusätze und Berichtigungen „sind in den angeführten
7. Lieferungen bereits den Ordnungen der Affen, Zahnlücker und
Beutelthiere zu Theil geworden. Jede Lieferung enthält 6 Bogen
Text und 3 colorirte Tafeln“. — Da in den Lieferungen 8—11 (s. d.)
tatsächlich tab. 22—33 enthalten waren, tab. 1—21 ihren Gegenständen
nach durchwegs zu dem Inhalte der Hefte I—7 gehören, die Tafeln
168 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
der in Rede stehenden Abtheilung im jeweils zugehörigen Texte stets
bereits eitiert werden und daher offenbar sämmtlich zum mindesten
nicht viel später als dieser erschienen sind, und auch keinerlei Grund
ersichtlich ist, warum dieselben in einer anderen als der ihnen nach
ihrer Nummerierung zukommenden Reihenfolge hätten ausgegeben
werden sollen (wie sehr die Verhältnisse in mehrfacher Hinsicht hier
anders liegen als beim Erscheinen der ersten Theile des Werkes, brauche
ich wohl nicht erst näher auszuführen), so ist bis zum Beweise des Gegen-
teils die Annahme durchaus berechtigt, daß sie tatsächlich in dieser
Reihenfolge erschienen sind. Auf Grund dieserAnnahme
gebe ich im folgenden dort wo, wie es hier meist der Fall ist, in den
von mir benützten Quellen nur die Zahl der in den einzelnen von
mir besprochenen Lieferungen (bzw. Gruppen solcher) enthaltenen
Tafeln angeführt ist, nicht aber welche dies waren, letzteres mit
dem Beisatze ‚offenbar‘ in [ Jan — Angaben, die natürlich für den
keine Geltung beanspruchen können, der den obigen Gedankengang,
auf den jene Annahme sich gründet, nicht als berechtigt anerkennt.
Lieferung I. Diese wird in der Allg. Bibliogr. Deutschland 1853,
1853, p.272 (vom 11. August) als erschienen und p.1-—48 und
3 tab. [offenbar: tab. 1—3] enthaltend angeführt.
Lieferung 2, 3. Diese werden in der Allg. Bibliogr. Deutschland
1853, 1853, p. 344 (vom 29. Septemb.) als erschienen und p. 49—144
und 6 tab. [offenbar: tab. 4—9] enthaltend angeführt, und überein-
stimmend damit die Lief. I—3 im Bibliogr. Jahrb. Buch-, Kunst-
Landkart.-Hand., 1. Jg., II, 1853, p. 305 als 1853 erschienen und
p. 1—144 und 9 Tafeln enthaltend, und ebenso im Verz. Büch.
Landkart. Juli bis Decemb. 1853, 1853, p. 318.
Lieferung 4, 5. Diese werden in Allg. Bibliogr. Deutschland
1854, 1854, p. 120 (vom 6. April) als erschienen und p. 145—240 und
6 tab. [offenbar: tab. 10—15] enthaltend angeführt, und ebenso,
und zwar als 1853 erschienen, im Bibliogr. Jahrb. Buch-, Kunst-
Landkart. - Hand., 2. Jg., I, 1854, p. 325. Übereinstimmend damit
führt A. Wagner in seinem oben angeführten Jahresbericht seine
Bearbeitung der Beutelthiere (p. 17) und der Edentata (p. 23) in der
in Rede stehenden Abtheilung des Supplementbandes, in der sie
p. 162—336 einnimmt und somit in die Lieferungen 4—7 fällt, an,
also unter der Literatur des Jahres 1853, sodaß also auch die Liefe-
rungen 4—7 offenbar tatsächlich bereits in diesem Jahre erschienen
sind. — Daß diese im Verz. Büch. Landkart. Januar bis Juni 1854,
1854, p. 254 als [1854] erschienen und p. 145—336 und 12 tab. ent-
haltend angeführt werden, steht damit nicht im Widerspruch, indem
es begreiflicherweise oft vorkommen wird, daß erst am Ende des
Jahres erschienene Veröffentlichungen nicht mehr in dem betreffenden,
sondern erst im nächsten Bande des gedachten Verzeichnisses an-
geführt werden. — Sherborns Angabe (p. 592), daß 1854 sechs
Hefte erschienen seien, entbehrt der Begründung. Denn an der Stelle,
auf die sie sich offenbar stützt (Arch. Natgesch., 21. Jg., II, 1855, p.1),
wird lediglich angegeben: „Von....deröten Abtheilung des Supplement-
des Schreber’schen Säugetierwerkes (1774—1855). 1.769
bandes ..... sind bis jetzt 6 weitere Hefte erschienen, und wird diese
Abtheilung noch im Laufe des gegenwärtigen Jahres vollständig
abgeschlossen werden.“ Wenn dies nun auch in einem Jahresbericht
für 1854 steht, so involviert es doch, wie ohne weiteres ersichtlich,
keineswegs, daß jene 6 Hefte in diesem Jahre erschienen seien, sondern
nur, daß dies bis zur Zeit der Abfassung, bzw. Drucklegung des Berichtes,
die naturgemäß erst zu einem vorgerückteren Zeitpunkte des Jahres
erfolgen konnte, der Fall war.
Lieferung 6, 7. Diese werden in Allg. Bibliogr. Deutschland
1854, 1854, p. 152 (vom 4. Mai) als erschienen und p. 241—366 und
6 Tafeln [offenbar: tab. 16—21] enthaltend angeführt, und ebenso,
und zwar als 1853 erschienen, im Bibliogr. Jahrb. Buch-, Kunst-
Landkart.-Hand., 2. Jg., II, 1854, p. 276.
Betreffs weiterer Angaben über dieselben verweise ich auf die bei
Besprechung von Lief. 4,5 angeführten über die Lieferungen 4—7;
und aus ganz denselben Gründen wie sie dort für jene geltend gemacht
wurden, ergibt sich auch für Lief. 6,7, daß sie jedenfalls tatsächlich
bereits 1853 erschienen sind.
Lieferung 8S—I1. Diese enthalten nach G[iebe]l, Zeitschr. Ges.
Natwiss. V, 1855, p. 427 (vom Mai): p. 337—528, tab. 22—33. Ferner
werden sie im Verz. Büch. Landkart. Jan. bis Juni 1855, 1855, p. 259
als [1855] erschienen, p. 337—528 und 12 tab. enthaltend angeführt.
Im einzelnen werden
Lieferung 8, 9 in Allg. Bibliogr. Deutschland 1855, 1855, p. 100
(vom 22. März) als erschienen und p. 337—432 und 6 tab. [offenbar:
tab. 22—27] enthaltend, und
Lieferung 10, 11 in Allg. Bibliogr. Deutschland 1855, 1855,
p. 172 (vom 17. Mai) als erschienen und p.433—528 und 6 tab.
[offenbar: tab. 283—33] enthaltend angeführt.
Lieferung 12, 13. Diese werden in Allg. Bibliogr. Deutschland
1855, 1855, p.256 (vom 19. Juli) als erschienen und p. 529—624
und 6 tab. [offenbar: tab. 34—39] enthaltend angeführt.
Lieferung 14, 15. Diese werden in Allg. Bibliogr. Deutschland
1855, 1855, p. 388 (vom 18. Octob.) als erschienen und p. 625—720
und 6 tab. [offenbar: tab. 40—45) enthaltend angeführt.
Lieferung 16, 1%. Diese werden in Allg. Bibliogr. Deutschland
1855, 1855, p. 448 (vom 22. Novemb.) als erschienen und p. 721—
810 + XXVI p. und 6 tab. [offenbar: tab. 46—51] enthaltend an-
geführt.
„[Heft.] 138, 139, 140, 141, 142, 143, 144, 145, 146. in Sherborn.
Sherborn führt (p. 592) im unmittelbaren Anschlusse an Heft 137
noch die weiteren Hefte 138—146 als in der 5. Abth. des Supplement-
bandes enthalten an. In Wirklichkeit waren aber in dem Werke Hefte
mit den Nummern 138—146 überhaupt nicht enthalten, sondern
begann, nachdem dasselbe mit dem Hefte 136, 137 (s. d.) im
Jahre 1847 zu einem vorläufigen Abschlusse gekommen war, in der
1853 angefangenen 5. Abth. des Supplement-
bandes, wie wir gesehen haben, dieZählung der — nun-
170 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
mehr als „Lieferungen“ bezeichneten — Hefte wieder
mitlundgingbis 17. — Wie kam Sherborn aber dann dazu,
die 5. Abth. des Supplementbandes gerade mit Heft 146 abschließen
zu lassen, wenn es ein solches überhaupt gamicht gab? Dies ist wohl
zweifellos damit zu erklären, daß er wußte, daß jene 17 Hefte ent-
halten hatte, und nun, nachdem er sie einmal, durch eine unrichtige
Angabe Engelmanns irregeleitet, welche in diesem Falle ganz ent-
schieden das mo®@rov weidog darstellt, mit Heft 130, 131 (s. d.) hatte
beginnen lassen, einfach von da aus weiter zählte, bis jene Zahl von
17 Heften erreicht war.
Spätere Ausgaben des Werkes.
Außer der im vorstehenden besprochenen ursprünglichen
(Herrn Sherborn anscheinend allein bekannten) Ausgabe des Werkes
sind von den ersteren Teilen desselben noch drei weitere solche
erschienen, und teile ich im Folgenden mit, was ich über diese zu er-
mitteln vermochte, einerseits der Vollständigkeit halber, andererseits
um dem Benützer derselben nach Tunlichkeit Aufklärung über sie
zu geben. Die bezüglichen Daten sind allerdings keineswegs durch-
gehends vollständig, aber stets ausreichend, um ein Bild von der be-
treffenden Ausgabe, der Zeit und Art ihres Erscheinens usw. zu ge-
winnen; und dies dürfte für praktische Zwecke — auf die es uns ja in
erster Linie ankommt — wohl in allen Fällen genügen, indem, wenn
auch zum mindesten eine der in Rede stehenden Ausgaben keine
bloße Titelausgabe im strengen Sinne ist, die in ihnen vorhandenen
Abweichungen von der ursprünglichen Ausgabe doch durchwegs
ganz untergeordneter Natur sind.
Die älteste derselben führt den Titel:
Johann Christian Daniel (v.) Schreber, Neue Ausgabe
der Säugthiere.
Von dieser sind 21 „Lieferungen“ in der Zeit von 1782 bis Ostern
1803 erschienen, und zwar sollten diese programmgemäß halbjährlich,
nämlich zu Ostern und zu Michaelis erscheinen und je 24 Tafeln nebst
Text enthalten. Es heißt nämlich in der Revis. Lit. 1785—1800, 1. Jg.,
I, 1801, col. 273 in einer Besprechung des Schreber’schen Werkes:
„Seit dem Jahre 1782 wurde die Einrichtung getroffen, daß unter dem
Titel: Neue Ausgabe der Säugthiere diejenigen, welchen es zu schwer
fallen möchte, das ganze Werk sich auf einmal anzuschaffen, in jeder
Messe [d. h. zu Ostern und Michaelis] eine Lieferung von 24 Platten
[= Tafeln] nebst Text erhalten könnten, von denen wir 19 kennen,
die ohngefähr eben so weit, wie die erste Ausgabe [von der 61 Hefte
vorlagen], in Kupfern und Text vorgerückt sind.“
Wie sich aus der Zahl der erschienenen Lieferungen im Verhältnis
zu der Zeit, über die sich ihr Erscheinen erstreckt, ohne weiteres ergibt,
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 171
ist dieses Programm der Ausgabe von jährlich zwei Lieferungen aber
nicht konstant eingehalten worden, indem die Zahl dieser sonst eine
bedeutend größere sein müßte; und dies findet durch die nachfolgenden
Einzelangaben seine volle Bestätigung.
1. Lieferung. Diese ist zweifellos, wie aus der eben citierten
Angabe hervorgeht, 1782, und zwar anscheinend zu Michaelis er-
schienen, indem im Intellbl. Allg. Lit.-Zeit. 1788, eol. 501 [augen-
scheinlich in der zweiten Hälfte November erschienen] die 13. Lieferung
als „neu fertig geworden“ angeführt wird, sodaß letztere also sicher
1788, und zwar offenbar zu Michaelis ausgegeben wurde, was auch
vollkommen mit der Erscheinungszeit der 14. Lieferung (1789) [s. d.]
in Einklang steht; und von da jährlich um zwei Lieferungen nach
rückwärts zählend, gelangen wir für Lieferung 1 auf das angegebene
Datum.
Von diesem ausgehend ergibt sich dann weiter, daß die
2. Lieferung Ostern 1783;
3. Lieferung Michaelis 1783;
4. Lieferung Ostern 1784;
5. Lieferung Michaelis 1784;
6. Lieferung Ostern 1785 erschienen ist. Diese enthält, wie in der
Allg.Lit.-Zeit. 1786, IV, col. 175f. (vom 26. Octob.) im Anschlusse an eine
Besprechung der Hefte 40—43 [die auch bereits 1784/85 erschienen sind]
mitgeteilt wird, „unter einem Umschlage mit dem Titel: Neueste Ausgabe
der Säugthiere VI Lieferung, die Tafeln C biss OXVI, und die Bogen Ddd
biss Ti [= p. 385—432].“ — Warum diese als „Neueste Ausgabe der
Säugthiere‘“‘ statt als ‚Neue Ausgabe der Säugthiere‘‘ angeführt wird,
oder ob sie am Umschlag wirklich so bezeichnet war, vermag ich nicht
zu sagen; jedenfalls kann aber nach der ganzen Sachlage keinerlei
Zweifel bestehen, daß es sich um die hier in Rede stehende Ausgabe
handelt (s. auch das über die 8. Lieferung Gesagte).
%. Lieferung. In der obigen Weise weiter fortschreitend finden
wir als Erscheinungszeit dieser Michaelis 1785. Sie enthielt, wie in
der Allg. Lit.-Zeit. 1786, IV, col. 175 £. angegeben wird, tab. OXVII
—CXXXVI und Bogen Kkk—Rır [= p. 433—496].
8. Lieferung. Ebenso ergibt sich als Erscheinungszeit dieser
Ostern 1786. Sie wird in der Allg. Lit.-Zeit. 1787, III, col. 555 als
VIII. Lief. ‚der neuen Ausgabe der Säugthiere‘‘, tab. COXXXVII
—CLXV, Bog. Sss bis Fiff [= p. 497—590] enthaltend angeführt,
„womit der dritte Theil dieses Werks geschlossen ist. (Die hier zuviel
ausgegebene[n] 14 Tafeln fehlen dagegen in der folgenden Lieferung.)“
9. Lieferung. Als Erscheinungszeit dieser ergibt sich in gleicher
Weise Michaelis 1786. Sie wird in der Allg. Lit.-Zeit. 1787, III,
col. 555 als tab. CLXVI bis CLXXIV, Bog. Gggg—LIl [= p. 591
—630] enthaltend angeführt [ef. das über die 8. Lieferung Gesagte).
10. Lieferung. Ebenso finden wir als Erscheinungszeit dieser
Östern 1787. Sie wird in der Allg. Lit.-Zeit. 1787, III, col. 555 als
tab. CLXXV—COXCV.B und Bog. Mmmm—Tttt [= p. 627—690 (oder
172 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
631-6942; cf. das oben bei Besprechung von Heft 30 über p. 627
—630 Gesagte)] enthaltend angeführt.
11. Lieferung. Als Ausgabedatum dieser finden wir in gleicher
Weise Michaelis 1787.
12. Lieferung. Als Ausgabedatum dieser ergibt sich Ostern 1788.
13. Lieferung. Nach derselben Rechnung ergibt sich als Er-
scheinungszeit dieser Michaelis 1788. — Im Intellbl. Allg. Lit.-Zeit.
1788, col. 501 [augenscheinlich in der zweiten Hälfte Novemb. er-
schienen] wird sie als neu erschienen und „24 Tafeln sammt der
dazu gehörigen Beschreibung“ enthaltend angeführt.
14. Lieferung. In den Comment. Reb. Sci. Nat. Med. XXXII,
1791, p. 380 wird im unmittelbarsten Anschlusse an Heft 48, 49 eine
14. Lieferung ab 1789 erschienen angeführt. Es wird zwar hier nichts
darüber gesagt, daß diese der „Neuen Ausgabe“ des Werkes angehört,
doch ist es nach der Lage des Falles ohne weiteres klar, daß es sich
lediglich um diese handeln kann.
15.—18. Lieferung. Bis zur 14. oder wenigstens 13. Lieferung
war das Erscheinen dieser ein durchaus regelmäßiges, zweimal jährlich
erfolgendes; mit oder nach den jetzt in Rede stehenden wurde dies
aber anders und traten zwischen dem Erscheinen der einzelnen
Lieferungen größere Pausen ein. Ich kann daher von der 15.
—18. Lieferung nur sagen, daß sie zweifellos in der Zeit von
(Michaelis) 1789—1797 erschienen sind; denn [Bruder in] Heinsius,
Allg. Büch.-Lex., 1. Suppl., I, 1798, p. 405 führt vom Schreber’schen
Werk 18 Lieferungen an, und zwar als vor 1798 erschienen, da der
betreffende Band ‚‚die erschienenen Bücher vom Jahr 1793 bis Ende
des Jahres 1797, so wie Verbesserungen und Ergänzungen der erstern
vier Bände des Bücherlexicons“ enthält — wobei es wieder ohne
weiteres klar ist, daß sich diese Angabe auf die hier in Rede
stehende Ausgabe des Werkes bezieht.
19. Lieferung. Diese wird im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Ostermesse 1797 Jahres, [1797], p. 148 als erschienen angeführt und
ist also in der Zeit von Michaelis 1796 bis Ostern 1797 erschienen.
20. Lieferung. Diese wird im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Michaelismesse 1799 Jahres, [1799], p. 346 als erschienen
angeführt und wurde also in der Zeit von Ostern bis Michaelis 1799
ausgegeben.
21. Lieferung. Diese wird im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Ostermesse 1803 Jahres, [1803], p. 176 als erschienen an-
geführt und ist also in der Zeit von Michaelis 1802 bis Ostern 1803
erschienen. Sie wird hier als zur „2en Ausgabe‘ des Werkes gehörend
angeführt; und ebensowenig wie bei den früheren*Lieferungen kann
irgend ein Zweifel darüber bestehen, daß "damit;fdie uns hier be-
schäftigende Ausgabe gemeint ist.
Weitere Lieferungen dieser Ausgabe sind augenscheinlich nicht
erschienen.
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 173
Ich habe kein Exemplar dieser Ausgabe gesehen und kann daher
nicht sagen, ob es sich nur um eine Titelausgabe im strengen Sinne
handelt oder ob auch sonstige Abweichungen gegenüber der ersten
Ausgabe vorhanden sind; auf keinen Fall werden diese aber größer
gewesen sein als in der von Goldfuß herausgegebenen (s. d.) — also
auf jeden Fall sehr geringfügig. — Auch heißt es in der Allg. Lit.-
Zeit. 1786, IV, col. 176 anläßlich einer Besprechung der 6. und
7. Lieferung der uns hier beschäftigenden Ausgabe: „An dem Ab-
druck der Tafeln, der Schönheit der Illumination, und dem Druck an
sich, ist von der vorigen Ausgabe nicht die mindeste Verschiedenheit
wahrzunehmen; es wird eine wie die andere gleich angelegentlich
besorgt.“
Noch während des Erscheinens der eben besprochenen Ausgabe
unseres Werkes begann eine dritte, nämlich
Johann Christian Daniel von Schreber,
Die Säugthiere in Abbildungen nach der Natur mit
Beschreibungen. Neue monatliche Ausgabe.
Über diese wird in der Revis. Lit. 1785—1800, 1. Jg., I, 1801,
01.273 anknüpfend an die Besprechung der ‚Neuen Ausgabe der
Säugthiere“ (s. oben p. 170) gesagt: „Seit dem Jahre 1792 wurde
wieder eine neue monatliche Lieferung von 4 Platten [= Tafeln], von
welcher 57 Hefte in unsern Händen sind, veranstaltet.‘
Auch bei dieser Ausgabe wurde, wie ebenfalls aus der Zahl der
erschienenen Hefte im Vergleich zu der Zeit, über die sich ihr Erscheinen
erstreckt, unmittelbar erhellt, das vorgesteckte Programm, nämlich
monatlich ein Heft erscheinen zu lassen, nicht konstant eingehalten,
indem sonst die Zahl dieser bedeutend größer sein müßte; und dies
wird durch die folgenden Detailangaben vollkommen bestätigt, aus
welchen wir aber andererseits auch ersehen, daß gelegentlich wieder
sogar mehr als ein Heft pro Monat erschienen ist (cf. das über das
58.—69. Heft Gesagte).
1.—36. Heft. Den Beginn des Erscheinens dieser Ausgabe vermag
ich nieht mit Sicherheit anzugeben, indem, wie wir gesehen haben, in
der Revis. Lit. 1785—1800, 1. Jg., I, 1801, col. 273 angegeben wird,
daß sie „seit dem Jahre 1792 .... veranstaltet‘‘ wurde, dagegen von
[Bruder in] Heinsius, Allg. Büch.-Lex., 1. Suppl., I, 1798, p. 405, daß
42 Hefte derselben 1794—97 erschienen sind [was nicht etwa der Auf-
fassung Raum läßt, daß auch schon vor 1794 andere Hefte erschienen
wären, indem der betreffende Band ‚‚die erschienenen Bücher vom Jahr
1793 bis Ende des Jahre 1797, so wie Verbesserungen und Ergänzungen
der erstern vier Bände des Bücherlexicons“ enthält und auch in
diesen letzteren keine Hefte derselben angeführt werden]; und in Einklang
‚mit dieser letzteren steht eine Angabe in den Nova Acta Phys. Med.
Acad. Leopold.-Carol. Nat. Curios. IX, 1818, p. 11, daß in der Zeit
von 1794—1805 mehrere [,‚plures‘‘] Hefte mit dem Zusatz zum Titel
174 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
„Neue monatliche Ausgabe“ erschienen sind. [Der Ausdruck ‚‚mehrere“
ist für die Zahl von über hundert Heften, wie sie von dieser Ausgabe
bis 1805 erschienen war (s. unten), allerdings nicht mehr am Platze;
und außerdem hörte das Erscheinen jener nicht 1805 auf, sondern
wurde, wie wir sehen werden, noch 1806 eine beträchtliche Anzahl
von Heften ausgegeben.]
Da nun aber das 42. Heft spätestens zu Ostern 1797 erschien
(s. das über das 37.—42. Heft Gesagte) und somit, wenn die fragliche
Ausgabe erst seit 1794 zu erscheinen begonnen hätte, bei monatlicher
Ausgabe je eines Heftes die Zeit zu kurz gewesen wäre, als daß bis
zu diesem Datum bereits 42 Hefte hätten ausgegeben sein können,
so ist es am wahrscheinlichsten, daß die ersten Hefte der in Rede
stehenden Ausgabe bereits in den letzten Monaten des Jahres 1793
ausgegeben wurden, am Umschlag aber schon die Jahreszahl 1794
trugen — eine Unsitte, die ja bekanntlich auch heute noch vielfach
geübt wird. Das 36. Heft ist andererseits spätestens zu Michaelis
1796 erschienen, indem das 37. bis 42. Heft in der Zeit von Michaelis
1796 bis Ostern 1797 ausgegeben wurden (s. d.).
37.—42. Heft. Diese werden im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Ostermesse 1797 Jahres, [1797], p. 148 als erschienen an-
geführt und sind also in der Zeit von Michaelis 1796 bis Ostern 1797
erschienen.
43.—48. Heft. Diese werden im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Ostermesse 1798 Jahres, [1798], p. 147 als erschienen an-
geführt und sind also in der Zeit von Michaelis 1797 bis Ostern 1798
erschienen.
49.—5%. Heft. Wie sich aus den Erscheinungszeiten des 48. und
des 58. Heftes ergibt, wurden die in Rede stehenden Hefte in der
Zeit von Ostern 1798 bis Ostern 1799 ausgegeben.
58.—69. Heft. Diese werden im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Michaelismesse 1799 Jahres, [1799], p. 346 als erschienen an-
geführt und sind somit in der Zeit von Ostern bis Michaelis 1799 er-
schienen.
10.—75. Heft. Diese sind, wie aus den Erscheinungszeiten des
69. und 76. Heftes ohne weiteres erhellt, in der Zeit von Michaelis
1799 bis Michaelis 1802 erschienen.
76.—81. Heft. Dieselben werden im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Ostermesse 1803 Jahres, [1803], p. 176 als erschienen an-
geführt und wurden also in der Zeit von Michaelis 1802 bis Ostern
1803 ausgegeben.
82.—87. Heft. Diese werden im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Michaelismesse 1803 Jahres, [1803], p. 413 als erschienen an-
geführt und sind also in der Zeit von Ostern bis Michaelis 1803 er-
schienen.
88.—93. Heft. Diese werden im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Ostermesse 1804 Jahres, [1804], p. 159 als erschienen an-
geführt und sind demnach in der Zeit von Michaelis 1803 bis Ostern
1804 erschienen.
des Schreber’schen Säugetierwerkes (1774—1855). 175
94.99. Heft. Diese werden im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Michaelismesse 1804 Jahres, [1804], p. 431 als erschienen an-
geführt und sind also in der Zeit von Ostern bis Michaelis 1804 er-
schienen.
100.—105. Heft. Diese werden im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Ostermesse 1805 Jahres, [1805], p. 187 als erschienen angeführt
und wurden somit in der Zeit von Michaelis 1804 bis Ostern 1805
ausgegeben.
106.—111. Heft. Diese werden im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Michaelismesse 1805 Jahres, [1805], p. 430 als erschienen an-
geführt und sind also in der Zeit von Ostern bis Michaelis 1805 er-
schienen.
112.—117. Heit. Diese werden im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Ostermesse 1806 Jahres, [1806], p. 154 als erschienen an-
geführt und wurden also in der Zeit von Michaelis 1805 bis Ostern
1806 publiziert.
118.—123. Heft. Diese werden im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Michaelismesse 1806 Jahres, [1806], p. 362 unter den fertig ge-
wordenen Schriften angeführt und sind demnach in der Zeit von
Ostern bis Michaelis 1806 erschienen.
!# Weitere Lieferungen dieser Ausgabe sind augenscheinlich nicht
erschienen, und sei insbesondere bemerkt, daß auch in den nächst-
folgenden Jahrgängen des Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig. ......
messe keine solchen angeführt werden.
Auch von dieser Ausgabe habe ich kein Exemplar gesehen und
kann daher ebensowenig wie von der vorher besprochenen sagen,
ob es sich bloß um eine Titelausgabe im strengen Sinne handelt oder
ob sie auch sonst Abweichungen gegenüber der ersten Ausgabe, bzw.
der oben besprochenen „Neuen Ausgabe der Säugthiere“ zeigt; auch
hier werden diese aber auf keinen Fall größer gewesen sein als in der von
Goldfuss herausgegebenen Ausgabe (s. d.), und waren alsoaufjeden
Fallsehr geringfügig.
Eine vierte Ausgabe endlich ist die eben erwähnte von
Goldfuß herausgegebene:
Johann Christian Daniel von Schreber,
Die Säugthiere in Abbildungen nach der Natur mit
Beschreibungen. Fortgesetzt von August Goldfuß.
Von dieser wird die
1. Lieferung von Hinrichs, Verz. Büch. Landkart. Januar bis Juny
1826, 56. Forts., 1826, p. 136 als erschienen und 11 Bog. [= 88p.] u.
24 ıllumin. und 3 schwarze Tafeln enthaltend, und im Allg. Verz.
Büch. Frankfurt. Leipzig. Ostermesse 1826. Jahres, [1826], p. 186 als
erschienen angeführt. Ebenso führt ©. G. Kayser (in: Heinsius,
Büch.-Lex., VII, [2. Abth.], 1828, col. 290) die 1.—6. Lief. derselben
als [1]826—27 erschienen an, dagegen Schweigger-Seidel (in: Ersch,
176 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
Handb. deutsch. Lit., Neue Ausg., III, 2,1828, col. 1161) die1.—4. Lief.
als [1]825—26 erschienen und 144 tab. enthaltend an. Daß die
1. Lief. bereits 1825 erschienen wäre, wird aber in keiner anderen
Quelle angegeben (cf. auch das sub Lief. 19 und 20 Gesagte) und
dürfte also wohl auf einem Irrtum beruhen. Auch die Zahl von
144 tab. für Lief. I—4 stimmt ganz und gar nicht mit den anderwärts
für Lief. 1 u. 2—4 (s. d.) angegebenen überein.
2.—4. Lieferung. Diese werden von Hinrichs, Verz. Büch. Land-
kart. July bis Decemb. 1826, 57. Forts., 1826, p. 108 als erschienen,
29 Bog. [= 232p.] u. 72 illumin. und schwarze Tafeln enthaltend,
und im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig. Michaelismesse 1826.
Jahres, [1826], p. 455 als erschienen angeführt. Desgleichen werden die
5. und 6. Lieferung von Hinrichs, Verz. Büch. Landkart. Januar
bis Juny 1827, 58. Forts., 1827, p. 145, und died. Lief. im Alle.
Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig. Ostermesse 1827. Jahres, [1827], p. 173
und die 6. im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig. Michaelismesse
1827. Jahres, [1827], p. 482; die
%. und 8. Lieferung ebenfalls im Allg. Verz. Büch. Frankfurt.
Leipzig. Michaelismesse 1827. Jahres, [1827], p. 482 als erschienen
und im Einklang damit die 7.—12. Lief. [als ‚(Neue) Quartal-
ausgabe“ bezeichnet] von Hinrichs, Verz. Büch. Landkart. Januar
bis Juny 1829, 62. Forts., 1829, p. 162 als 1827, 1828 erschienen; die
9. Lieferung im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig. Ostermesse
1828. Jahres, [1828], p. 172; die
10. und 11. Lieferung im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Michaelismesse 1828. Jahres, [1828], p. 422; die
12. und 13. Lieferung im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Östermesse 1829. Jahres, [1829], p. 156 als erschienen, und spezieller
die 7.—12. Lief. von Hinrichs, Verz. Büch. Landkart. Januar bis
Juny 1829, 62. Forts., 1829, p. 162 als 1827, 1828 erschienen und die
13.—17. von Hinrichs, Verz. Büch. Landkart. Januar bis Juny 1830,
1830, p. 184 als 1829, 1830 erschienen; die
14. und 15. Lieferung im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Michaelismesse 1829. Jahres, [1829], p. 407f. als erschienen; die
16. und 1%. Lieferung im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Ostermesse 1830. Jahres, 18[30], p. 169 als erschienen und die 13.
—17. Lief., als ‚(Neue) Quartalausgabe‘‘ bezeichnet, von Hinrichs,
Verz. Büch. Landkart. Januar bis Juny 1830, 64. Forts., 1830, p. 184
als 1829, 30 erschienen; die
18. Lieferung im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig. Michaelis-
messe 1830. Jahres, [1830], p. 471; und die
19. und 20. Lieferung im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Östermesse 1831. Jahres, [1831], p. 189 als erschienen angeführt.
Ebenso führt [L. Voss], Biblioth. Phys.-Med., 1832, p. 119 das
1.—20. „Heft“ dieser Ausgabe als 1826—31 erschienen und 540 tab.
enthaltend an, und Kayser, Vollst. Büch.-Lex., V, 1835, p. 130 20 Lief.
derselben als [1]826—31 erschienen an.
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 177
21. Lieferung. Diese wird im Allg. Verz. Büch. Frankfurt. Leipzig.
Ostermesse 1832. Jahres, [1832], p. 159 als erschienen angeführt.
Daß O. A. Schulz (in: W. Heinsius, Büch.-Lex., VIIL., 2. Abth.,
1838, p. 240) u.a. von dieser Ausgabe die Theile I, II, III u. IV
einzeln je als [1]826 erschienen anführt, ist nach den vorstehend mit-
geteilten Daten zweifellos unrichtig und anscheinend darauf zurück-
zuführen, daß er die betreffenden Angaben über die Lieferungen
1—4 irrtümlicherweise auf die gedachten Th eile des Werkes bezogen
hat (daß seine Angaben sich tatsächlich auf diese beziehen,
geht aus dem von ihm angegebenen Umfange der einzelnen „Theile“
mit voller Sicherheit hervor).
Im Zootomischen Institut der Universität Graz habe ich Gelegen-
heit gehabt, diese Ausgabe zu sehen. Sie umfaßt, wie aus den Titel-
blättern erhellt, (wenigstens) Th. I—IV des Werkes. Sie ist keine bloße
Titelausgabe im strengen Sinne, indem sie außer auf dem Titelblatt
(und Druckfehlern) auch anderweitige Veränderungen aufweist, die
allerdings durchwegs nur geringfügig sind und fast sämtlich in ortho-
graphischen Veränderungen sowie solchen der Typographie und Druck-
anordnung bestehen. Die wenigen irgendwie bemerkenswerten sonst
noch vorkommenden bestehen lediglich aus einzelnen kleinen Aus-
lassungen (speziell von „Zusäzen und Verbesserungen“) und sind durch-
wegs auf den 1. Theil beschränkt. Infolgedessen umfassen in Th. I
der Neuen Ausg. die „Zusäze und Verbesserungen“ p. 177—184 [statt
wie in der ursprünglichen p. 177—185], und das „Verzeichniss der
Kupferplatten .....“ p. 185—188 [statt p. 186—190], womit der
Theil abschließt. Im übrigen stimmt aber (was beim Citieren
wichtig ist!) die Paginierung beider Ausgaben in allen 4 Theilen
(abgesehen von unbedeutenden Verschiedenheiten in der Vorrede)
vollkommen miteinander überein. Bemerkt sei auch noch, daß die
Titelblätter der in Rede stehenden Ausgabe kein Datum tragen.
Zur besseren Übersicht und zur Erleichterung der praktischen
Benützung dieser Arbeit gebe ich im Folgenden in gedrängtester
Kürze eine
Zusammenstellung der wesentlichen Resultate
der vorstehenden Untersuchungen.
Die ursprüngliche Ausgabe des Werkes.
(Der Kürze halber ist im Folgenden statt ‚„Erscheinungszeit“ stets nur
„Er.“ gesetzt.)
Theil I-VII und Supplementband, 1.—4. Abth. enthalten tab. I
—CCCLXXXV, Supplementband, 5. Abth. tab. 1-51.
I. Theil.
Heft 1. — Er.: 1774.
Heft 6. — Tab. XLVI: in einem Teil der Exemplare des Werkes
enthaltene irrtümliche Bezeichnung der tab. XLVLB.
Heft 9. — Er.: 1774.
Archiv für Naturgeschichte
1911. I. 4. Suppl. 12
178 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
II. Theil.
Heft 10. — Er.: 1774.
Heft 11. — Er.: 1774. Enthielt keine tab. 71A, wohl aber
tab. LXXI.
Heft 12. — Er.: 1774.
Heit 15. — Er.: 1775.
II. Theil.
Heft 1%. — Enthielt keine tab. 116 A, wohl aber tab. CXVI.
Heft 20. — Enthielt keine tab. 42A, wohl aber je eine neue
tab. VIII, XXVI u. XL.
Heft 24. — Enthielt keine tab. 93 B, aber sehr wahrscheinlicher-
weise tab. XCIII*.
Heft 26. — Er.: 1778.
Nachtrag zum 26. Hefte. — Er.: 1778. Enthielt p. 457—590, aber
nicht tab. LX.
IV. Theil.
Heft 29. — Enthielt nicht tab. CLXXXII, wohl aber tab.
CLXXXILB. &
Heft 30. — Enthielt p. 627—650.
Heit 35. — Enthielt keine tab. 225 A, wohl aber tab. CCXXV.
Heft 36. — Enthielt keine tab. 233 noch tab. COXXXVIC und
wahrscheinlich auch nicht tab. CCOXXXVIIL, wohl aber tab. CCXXXV C
und wahrscheinlich auch tab. CCXXXIX.
Heft 3%, 38. — Enthielt wahrscheinlich nicht tab. CCXXXIX,
wohl aber wahrscheinlich tab. CCXXXVIL.
Heft 40, 41. — Er.: 1784 oder 1785. Enthielt tab. CCLVIL.B.
Heft 43. — Enthielt keine tab. 225C noch eine tab. 263 A, wohl
aber tab. COXV.C und höchstwahrscheinlich auch tab. CCLXIL.
Heft 48. — Er.: vermutlich 1788.
Heft 52. — Enthielt keine tab. 315 B, wohl aber tab. CCXV.B.
Heft 53, 54. — Enthielt nicht tab. CCCOXLV. In einem Teil
der Exemplare des Werkes ist die tab. CCCOXXXVILB irrtümlich
als tab. CCOXXXVII bezeichnet.
Heft 55. — Er.: 1797. In einem Teil der Exemplare des Werkes
ist die tab. CCOXLVIIF irrtümlich als tab. CXLVIIF bezeichnet.
V. Theil.
I. Band.
Heft 56, 5%. — Ein Doppelheft? Anscheinend erschien Heft 56 1797,
und zwar spätestens zu Ostern, Heft 57 in der Zeit von Michaelis
1797 bis Ostern 1798. Tab. XIVC ist in emem Teil der Exemplare
des Werkes irrtümlich als tab. XIV B bezeichnet.
Heft 58, 59. — Ein Doppelheft? Heft 58 erschien anscheinend
in der Zeit von Michaelis 1797 bis Ostern 1798, Heft 59 in der von
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 179
Ostern 1798 bis Ostern 1799. Enthielt keine tab. 246 A, wohl aber
tab. CCXLVla.
Heft 60, 61. — Er.: 1799. Enthielt keine tab. 38 E*, wohl aber
tab. XXXVIILE.
Heit 62. — Enthielt keine als tab. 294 D, wohl aber die irrtümlich
als tab. COXIV D [statt COXCIV D] bezeichnete (ältere) „Ovis mon-
tana““ unterschriebene Tafel.
Heft 63. — Erschien in der Zeit von Michaelis 1804 bis Ostern 1805.
Enthielt nicht tab. XXVLB, wohl aber tab. XVIB.
Heft 64. — Erschien in der Zeit von Michaelis 1805 bis Ostern 1806.
Heit 65. — Er.: wahrscheinlich 1817, vielleicht aber auch erst
1818. Enthielt keine tab. 254 Ba, wohl aber tab. CCLIV.B.
Heft 66. — Er.: 1817 oder 1818. Enthielt p. 1161—1176; [,,Titel-
kupfer“:] ‚Der Mensch‘; tab. XXVI*f, XXXVIH*, XXXxXI*
LXXVII*, CLIILB.d, B.c, CLV.A.b.
Heit 6%. — Er.: 1821 oder [wahrscheinlicher] 1818. Enthielt
p. 1177—1208; tab. CLIL.B.d, B.e, CCXII B, CCLX.B, CCLXXVIB,
CCCXLV.
Heft 68. — Er.: 1821. Enthielt p. 1209—1240; tab. LXIIL.B, C,
LXIV.A, CXLIV.A, CCLXXIV, CCLXXXVIILA.
Heit 69. — Er.: wahrscheinlich 1824, möglicherweise aber 1823
(oder schon 1822??). Enthielt nicht tab. LXIIL, wohl aber tab. LXIIL.A
und jene tab. CCCXXV.B, die einfach ‚‚Sus labiatus‘“ unterschrieben ist.
(Betreffs des Schlusses von Th. V s. weiter unten [Heft 79, 80].)
VI. Theil.
Heft 70. — Enthielt jene tab. VI.C, die Simia comata darstellt.
Heft %4, %5. — Enthielten p. 289—384; [Heft 74:] tab. IX*,
CV.A, CXLIV.B, CCLXXIX.A, CCLXXXVI.D, CCCXVLA,
CCCXVI.A,B,C; Heft 75: tab. XXXVII*, CCCXVILCC,D,DD,
E,G,H, CCCXIX.B, CCCXXIV.A.
Heft %6. — Enthielt p. 385—432; tab. CXVLC, CXLIN.B,
CXLIV.C, CCXXIV.C, CCL.A, CCLXV.A, CCLXX.A, CCCXXV.B
[,Sus labiatus. Dicotyles albirostris Illig.‘“ unterschrieben], CCOXXXT.
Heft 7%. — Enthielt p. 433—480; tab. V*, LXXXV.A, XCVIIC,
CXXV.CC,D, CXXXIHLA, CLV.B, CCLLA, CCLXVLA.
Heft 78. — Enthielt p. 481—520 + I-XVI; tab. LXIX.A,
XCH.A, CXIILA, CXLLD, E, CLXVIIIL.A, CCXIIIL.C, COXXXIILF.
V. Theil. (Schluß.)
I. Band.
Heit 79, 80. — Enthielten p. 1273 — 1416; [Heft 79:] tab.
XXXIILA, CII.B, CVII.D, CXLLF, CLXXIILA, COXVLA,
COXXIV.D, CCXXXILE; [Heft 80:]tab. IX.B, XXIV.A, XXVLF,
XXXIlLA, XXXIILC, CXLII.B*, CCXIILD, CCXIV.C, COXVIILA.
12*
180 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
Heft St, 82. — Heft 81 dürfte schon 1835 erschienen sein. Diese
Hefte enthielten keine tab. 16D, wohl aber tab. CXVI.D und
CCLXXXLE. Speziell enthielt Heft 81 u. a. tab. CCXLV.C,
CCLXXXLC und CCLXXXVI.G, und Heft 82 u.a. tab. XXXLC,
CXVID und CCLXXIX#,
Beschreibung und Abbildung einer neuen Fleder-
maus aus ®stindien. — Von Schneider; der Text ist vor 1807 und
zwar am wahrscheinlichsten in Heft 56, 57 (1797/8) oder wenigstens
einem der nächstvorhergehenden oder nächstfolgenden Hefte er-
schienen, die Abbildung findet sich auf tab. LIX B.
II. Band.
Heft 8%, 88. — Enthielt keine tab. 6 CC, wohl aber jene tab. VI.C,
die Cynocephalus anubis darstellt.
Heft 89. — Er.: 1838. Enthielt p. 1825—1840 + I—IV und 6 tab.
(s. Heft 90—94).
Supplementband.
I. Abtheilung.
Heft 90—94. — Enthielten p. 1—320 und offenbar auch p. I—-VI
[2. Serie der Paginierung). Die Hefte 89—94 enthielten folgende
Tafeln: tab. II*, XXVLA,B, LV.A,B, LXI.A, LXXVLA, XCVIILA,
CXVI.G, CXLLDD,,. CXLIIEC,-D, 7CEXVD, (CR
COXXXV.D, CCXCIV.D* CCCXXVIL.A.
Heft 95—98. — Er.: 1840. Enthielten p. 321—551 + I-{XVI]
und 8 _tab., darunter tab. CCCLVIIL, CCCLXI und CCCLXIX.
Der Autor dieser drei Tafeln ist Wiegmann.
I. Abtheilung.
Heft 99, 100. — Er.: 1841. Enthielten p. 1—120 und 4 tab.,
darunter tab. OLXIL.A, die wie der Abschnitt „Beschreibung
des Baues der Igel-Stacheln“ (p.14—20) nicht
Wagner, sondern Erdl zum Autor hat.
Heft 101, 10%. — Er.: 1841. Enthielten p. 121—240 und sehr
wahrscheinlich 4, möglicherweise aber 8 Tafeln.
Heft 103—106. — Er.: 1841. Enthielten p. 241—496 u. jedenfalls
7 tab.
Heft 10%, 108. — Erschienen wahrscheinlich 1841, vielleicht aber
auch erst 1842. Enthielten p. 497—558 + I—VII u. 4 tab.
HI. Abtheilung.
Heft 109, 110. — Er.: 1842. Enthielten p. 1—80 u. 4 tab.
Heft 111—116. — Enthielten p. 81—472 u. tab. XCVI.A [,,Hyaena
brunea Thunb.‘“]), CLV A.d, CLXXVLA [,‚Mystromys albipes Wagn.“],
B, CLXXXLA, CCVI.A.a, COXV.D.d, COXXXIX.B, CCLXXXLEF.
— Im Spezielleren erschienen Heft 111, 112 1842 und ent-
hielten p. 81—208 u. 3 tab., darunter tab. CLV.A.d; Heft 113,
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774 —1855). 181
114 1843 und enthielten p. 209—336 u. tab. CLXXXLA, CCVLA.a
u. CCXV.D.d; Heft 115, 116 1843 und enthielten p. 337—472
u. 3 tab.
Heit 117, 118. — Er.: 1843. Enthielten p. 473—614 + I—XIV
u. tab. XCILC u. CXCLB.
IV. Abtheilung.
Heft 119—124. — Er: 1844. Enthielten p. 1—384 u. tab. XCIL.D,
OXXXIILB, CLX.A, CCXLILC, CCXLV.D, CCLLB, CCLXXVLA,
CCLXXXLD, CCCXVII.K. — Im Speziellen enthielten Heft 119
—122 p.1-256, tab. COXLIIL.C, CCXLV.D u. 4 color. Tafeln,
Heft123, 124 p. 257—384 u. 3 tab.
Heit 125—127. — Er.: 1844. Enthielten p. 385—523 + I—XIl
u. 6 tab., darunter tab. CLX.B, CCXLLA, B.
(Betreffs der V. Abtheılung des Supplementbandes s. weiter
unten).
VII. Theil.
Stannius hat gar keinen Anteil an diesem Bande, Wieg-
mann ist nur der Autor einer Anzahl von Tafeln,
während der ganze übrige Teil desselben von
A. Wagner herrührt.
Heft 128, 129. — Er.: 1845. Enthielten p. 1—96 u. 3 tab., darunter
tab. LXXXVILB.
Heft 130, 131. — Enthielten p. 97—192 u. 4 tab.
Heft 132—135. — Er.: 1846. Enthielten p. 193—384 u. 8 tab.
Heft 136, 13%. — Er.: 1847. Enthielten p. 385—427 + I—VIII
u.7tab., darunter tab. CCCLXI, CCCLXVIL u. CCCLXX/CCCLXXI.
Tafeln, deren Zugehörigkeit zu bestimmten Heften
noch nicht festgestellt ist.
Enthalten in
Zeit, in die ihr
Da: et Erscheinen fällt: Bemerkungen
der Hefte:
XXVLC, D 95—110 1840—1842
oder 125—137 | oder 1844—1847
XCIIE 125—135 1844— 1846
XCVLA [,‚Proteles Lalandi Isid.
Geoffr.‘‘] 95—106 1840—1841
XCVLC 95—110 1840—1842
oder 125—137 | oder 1844—1847
CA 107—110 1841—1842
C.B 109, 110 1842
oder 125—137 | oder 1844—1847
182 Franz Poche: Über den Inhalt und die verschiedenen Ausgaben
Tafeln:
Bm ee ee nee ee ESESESESEEEE
CX.C
CLIV.A, B
CLXXVLA [,Sminthus loriger
Nordm.‘“], CXCII.A
CCVI.A
CCVI.B
CCXXXILA
CCXXXILC
COXXXIX.C
CCXXXIX.D, E
CCXLVILLK
CCLXXVIII.A
CCLXXXVI.E
CCCXVILLL
CCCXLVII
CCCXLIX—CCCLI
CCCLHI
CCCLIH—CCCLVL
CCCLIX
CCCLX
CCCLXIII—CCCLXIV
CCCLXV/CCCLXVI
CCCLXVI, CCCLXXIH
„CCCLXXIII—CCCLXXVI “
CCCLXXVII, CCCLXXIX
CCCLXXX—CCCLXXXII
CCCLXXXII—CCCLXXXIV
CCCLXXXV
Enthalten in
irgendeinem, bzw.
irgendwelchen
der Hefte:
95—108
125—137
95—110
99—110
125—137
125—129
99—110
125—137
128—137
95—110
95—110
oder 125—127
128—137
95—110
128—135
95—110
oder 125—135
125—135
95—110
oder 125—135
95—110
oder 125—134
125—135
95—110
oder 125—135
135—137
95—110
oder 125—135
95—110
oder 125—133
131—137
95—110
oder 125—131
131—137
95—110
oder 125—131
Zeit, in die ihr
Erscheinen fällt:
1840—1841
1844—1847
1840—1842
1841—1842
1844—1847
1845
1841—1842
1844—1847
1845—1847
1840—1842
1840—1842
oder 1844
1845—1847
1840—1842
1845—1846
1840—1842
oder 1844—1846
1844—1846
1840—1842
oder 1844—1846
1840—1842
oder 1844—1846
1844—1846
1840—1842
oder 1844—1846
1846—1847
1840—1842
oder 1844—1846
1840—1842
oder 1844—1846
1846—1847
1840—1842
oder 1844—1846
1846—1847
1840—1842
oder 1844—1846
Bemerkungen.
Autor der-
selben ist
Wiegmann.
do,
do.
do.
do.
des Schreber'schen Säugetierwerkes (1774—1855). 183
Supplementband. (Schluß.)
V. Abtheilung.
Erschien mit doppeltem Titelblatt, nämlich als Teil des Schre-
ber’schen Werkes und als selbständiges Werk.
Lief. 1. — Er.: 1853. Enthielt p. 1—48 u. 3 tab. [1—3].
Lief. 2, 3. — Er.: 1853. Enthielten p. 49—144 u. 6 tab. [4—9].
Lief. 4, 5. — Er.: 1853. Enthielten p. 145—240 u. 6 tab. [10—15).
Lief. 6, %. — Er.: 1853. Enthielten p. 241—336 u. 6 tab. [16—21].
Lief. 8—11. Er.: 1855. Enthielten p. 337—528 u. tab. 22—
33. Im einzelnen enthielten Lief. 8, 9 p. 337—432 u. 6 tab. [22—
27), Lief. 10, 11 p.433—528 u. 6 tab. [28—33].
Lief. 12, 13. — Er.: 1855. Enthielten p. 529—624 u. 6 tab. [34—39].
Lief. 14, 15. — Er.: 1855. Enthielten p. 625—720 u. 6 tab. [40—45].
Lief. 16, 1%. — Er.: 1855. Enthielten p. 721—810 + I-XXVlu.
6 tab. [46—51).
„[ Heft.) 138, 139, 140, 141, 142,143, 144, 145, 146°“ in Sherborn.
— Existieren nicht.
Spätere Ausgaben des Werkes.
Die Abweichungen dieser von der ursprünglichen sind durch-
wegs ganz untergeordneter Natur, wenn auch zum mindesten die letzte
derselben keine bloße Titelausgabe im strengen Sinn ist.
Johann Christian Daniel (v.) Schreber, Neue Ausgabe der Säugthiere.
Von dieser sind 21 „Lieferungen“ in der Zeit von 1782—1803
erschienen, die programmgemäss je 24 Tafeln nebst Text enthalten
sollten.
Johann Christian Daniel von Schreber, Die Säugthiere in Abbildungen
nach der Natur mit Beschreibungen. Neue monatliche Ausgabe.
Von dieser sind 123 ‚Hefte‘, programmgemäß zu je 4 Tafeln
[sammt Text], in der Zeit von 1793 (oder 1792 oder 1794?) bis 1806
ausgegeben worden.
Johann Christian Daniel von Schreber, Die Säugthiere in Abbildungen
nach der Natur mit Beschreibungen. Fortgesetzt von August Goldfuss.
Von dieser sind 21 „Lieferungen“ von 1826—1832 (1831?) er-
schienen, die (wenigstens) Th. I—-IV des Werkes umfassen.
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Bornstein, Ueber Regeneration der Federn.
Lichtdruck von Albert Frisch, Berlin W 35.
Lichtdruck von Albert Frisch, Berlin W835. - Bornstein, Ueber Regeneration der Federn.
Archiv für Naturgeschichte 77. Jahrgang. 1911. I. Band. 4. Supplementheft.
(©) Fig. 1—4. Pneumonoeces variegatus Rud. Fig. 5—8. Pneumonoeces asper Lss. Fig. 9—12,
IP
Fig. 5
Phot. nach dem lebenden
Quetschpräparat
Fig. I (Vergr. 10 %) Fig. 9
Phot. nach lebendem Quetsch- Phot. nach dem lebenden
präparat (Vergr. 10 x) Quetschpräparat
(Vergr. 10 x)
Fig. 7
Totalpräparat, gefärbt mit Borax-
karmin. Zeiss aa, Comp. Oc. 2
(Vergr. 19 %)
Fig. 3 Fig. 11
Totalpräparat, gelärbt mit Borax- Totalpräparat gefärbt mit
Carmin. Zeiss aa Comp. Oc. 2 Boraxkarmin.
(Vergr. 19 X) Zeiss aa, Comp. Oc. 2
(Vergr. 19 X)
Fig. 2 Fig. 4 Fig. 6 e ,
Phot. der embryonierten Eier, Längsschnitt durch Cutieula und Phot. der lebenden embryonierten ar. Fig. 8 Br Fig. 10 e Fig. 12
vor der Ablage, lebend Epithel. Eisenhaematoxylin Eier vor der Ablage Snesschnift durch Cuticula und Phot. der lebenden embryonierten Längsschnitt durch Cuticula und
(Verar. 585 %) Zeiss Y Imm Comp. Oe. 4 (Vergr. 585 X) -pithel, modif, van Gieson- Eier vor der Ablage „. „Epithel. Eisenhämatoxylin,
(Vergr. 520 %) u Färbung (Vergr. 585 X) Zeiss !/,, hom. Imm. Comp. Oc. 4
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(Vergr. 520 X)
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Archiv für Naturgeschichte 77. Jahrgang. 1911. I. Band. 4. Supplementheft.
| Fig. 13-16. Pneumonoeces schulzei Wdsti. Fig. 17-25. Pneumonoeces asper Lss.
Fig. 17
Phot. Längsschnitt durch Cuticula Fig. 18
und Epithel, etwas contrahiert. = ; .
Zeigt die Epithelzellfortsätze und Phot. BacHEnbatten Busch an
die Radıärstreifung der Cutieula. Cutieula Zeigt die Kegelinsigkei eines ungefüllten Darmschenkels.
Eisenhämatoxylın (Vergr. 520 %) in der Anordnung der Spitzchen 5 Färbung: Eisarhämatoxäilin
: Färbung: Mod. van Gieson Fig. 21 (Vergr. 520%)
(Vergr. 520 X) Längsschnitt durch den Mundsaugnapi-
. Färbung: Eisenhämatoxylın.
Zeiss C. Comp. Oc. 2. (Vergr. 95 x)
a) Adduktoren des Pharynx.
b) Vorhof.
c) Oesophagus.
d) Genitalatrium.
Fig. 13 Fig. 23
Phot. nach lebendem Quetsch- Phot. Längsschnitt durch die Wand
präparat (Vergr. 10 x)
Fig. 24
Längsschnitt durch die Wand eines unge-
füllten Darmschenkels. Färbung: Eisen-
hämatoxylin Zeigt die Gestaltung des
. Darmepithels. Zeiss !/ı. hom. Imm. Comp.
Oce. 4. (Vergr. 520 X)
Fig. 15
Totalpräparat, gefärbt mit Methylenblan.
Zeiss aa, Comp. Oc. 2 (Vergr. 19 X)
Fig. 16 Fig. 19 I. Fig. 20 }
Längsschnitt durch Cuficula Längsschnitt durch Cuticula und EpUHEL Schnitt durch den Mundsaugnapi. h
und Epithel Eisenhäma- Zeigt die Färbungsdifferenz zwischen euch 2| Zeigt einen Bettendorischen |
Eig. 14 toxylin, Zeiss !/j, hom. Imm und „Spitzchen“. Färbung: nase] Be Die x Fig. 22 Fig. 25
5 Cou Oc. 4 (Vergr. 520 X) Zeiss !/» hom. Imm Comp Oe 4 (Verar. 9-7 Farbung: Mod var Qieson. A R 5 s Ener ae Re
Phot. von reifen embryonierten Eiern a a) Spitzchenbesatz nn Cutieula. €) Basal-| Zeiss 1/,, hom. Imın. Comp. Oc. 12 Sagittalschnilt durch den Oesophagus. Längschnitt durch die Wand eines gefüllten
vor der Ablage, aus einem lixierten membran. d) Ringmuskelfasern e) Längs- (Vergr. 1560 x) Zeigt den Oesopnagus, die Ansatzstücke Darmschenkels. Färbung: „Eisenhäma-
Fotalpräparat (Vergr 585 %) muskellasern f) Diagonalmuskellaser und gen Beginn des Darmschenkels. toxylin. Zeigt Darminhalt u. Sekretkörner
& g). Epithelzellen h) Parenchymzellkern Zeiss a hom. Imm. Comp Oc_4. Zeiss !, hom. Imm Comp. Oc 4.
i) Dorsoventralmuskelfaser. Färbung: Mod. van Gieson (Vergr. 520 %) (Vergr. 520 x)
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Archiv für Naturgeschichte 77. Jahrgang. 1911. I. Band. 4. Supplementheft. 5 | ; Di
Fig. 26—37. Pneumonoeces asper Lss.
Fig. 30-37. Verlauf der Sammelblase auf einer Serie von Querschnitten durch ein ganz junges Tier, 1'/, mm lang. Färbung: Modif. van Gieson.
(Vergr. überall 260 x) a: rechter, b: linker Excretionsblasenast. ‚
Fig. 26 n
Flimmertrichter mit has En Fig. 30
Wimperilamme aus dem Fig. 27a ig. 27b Höhe des Pharynx Höhe der Darmgabelung Die Gabelungsstelle des 15 unter der Gabelungsstelle des
lebenden (uetschpräparat Verlauf der Sammel- Verlauf der Sammel- Hauptstammes ‘ Hanpfstammes
Zeiss !/;;hom. Imm Comp blase und der Gcfässe, blase und der Gefässe
Oe 12 (Vergr. 1560 x) nach einem lebenden (combiniert und halb-
Quetschpräp.(Zeiss aa schematisch)
Comp.Oc 2 (Vergr. 19) (Vergr. 19 X)
Fig. 29
Querschnitt durch einen Schenkel der
Sammelblase i. d. Höhe des Bauch-
saugnapfes,. Zeigt das Epithel und die
Muscularis. Färbung: Mod. van Gieson
Zeiss tja hom. Imm. Comp. Oc. 6
Fig. 28 (Vergr. 780 X) Fig. 32 Fig. 33 Fig. 36 Fig. 37
Phot. Querschnitt durch ein sehr H Höhe des Bauchsaugnapies 15 4 über der Gabelungsstelle der Der Hauptstamm in der Höhe des Der Hauptstamm kurz vor dem
junges Tier i. d. Höhe des Pharynx, Blase hinteren Hodens Porus in der Höhe des Endes der
zeigt das „Cerebralganglion" Darmschenkel.
Färbung: Mod. van Gieson
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Fig. 38—48. Pneumonoeces asper Lss.
Fig. 42-45. Allmähliche Ausbildung der Uterusschlingenpei jungen Individuen. Zeiss aa Comp. Oc. 2 (Vergr. 19 x)
Fig. 39
Phot. Längsschnitt.
Austrittsstelle des Keimganges aus dem Ovar
(halberwachsenes Tier mit reifen Eizellen)
Färbung: Eisenhämatoxylin. (Vergr. 500 X)
Fig. 38
Phot. Querschnitt
Austrittsstelle des Keimganges aus dem Ovar
Sehr junges, noch nicht geschlechtsreiies Tier)
Färbung: mod van Gieson (Vergr. 500 X)
Dotterzellen
Fig. 46
Befruchteles Ei vor Beginn
der Furchung (Vergr. 600 X)
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Fig. 41
Fig. 40
Phot. Längsschnitt Phot. Längsschnitt durch den GIRL ni \ Fig 48. Fig. 47
Austritisstelle des Verbindungsganges zwischen Zeigt den Llebergang der Samenblase in den DuUClUS 101. eines Schnittes durch einen reifen Hoden Phot. vollständ FE en
PR ? er ser ändig embryonierter E ebe
Receptaculum seminis und Keimgang aus dem ejaculatorius und die Museulatur diessmlen Färbung: Grenacherhämatoxylin (Vergr. 585 % (Veret Is Eier, lebend
Färbung: Modif. van Gieson (Vergr. 50 ) a: Spermatocyte erster Ordnung vor Beginn der a: „Kopf“ "des Embryo
Teilungen
Spermatomorula kurz vor Sistierung der
Neilungen
Permatomorula in Spermienbildung begrifien
rsteren. Färbung: Eisenhämatoxylin (Vergr. 500%)
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