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GEGRÜNDET Vu. EA. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON}. ERICHSON.
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von
Di. F, H. TROSCHEL,
Erster Band. N a
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Mit 20 Tafeln. %
Berlin,
Inische Y erlagsbu chhandlung.
_ Sirieken,
FESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN:
Inhalt des ersten Bandes.
Helminthologische Beobachtungen von Dr. von Linstow in
Ratzeburg. Hierzu Tafel I und 11.
Ueber Triton heiveticus von F. Brüggemann in Jena .
Beiträge zur Naturgeschichte der Milben von Dr. P. Kramer
zu Schleusingen. Hierzu Tafel II.
Zur Naturgeschichte einiger Gattungen aus der Familie der
| Gamasiden von Dr. Kramer. Hierza Tafel IV und V
Deber eine merkwürdige durch Parasiten hervorgerufene Ge-
websneubildung von Dr. J.H.L. Fiögel. Hierzu Tafel VI.
. Ueber einige Canis-Arien des südlichen Süd-Amerika’s von H.
Burmeister.
Verzeichniss der von Dr. Gundlach auf der Insel Guba ge-
sammelten Rüsselkäfer (Fortsetzung) von Dr. E. Suffrian
' in Münster. .
Ueber die Nahrung der Alausa vulgaris und die Spermatophore
von Temora velox Lilj. Eine Ergänzung und Berichtigung
zu Dr. Barfurths Schrift »Ueber Nahrung und Lebens-
. weise der Salme, Forellen und Maifische« von Max Weber.
h Hierzu Tafel NM .......-
Eine Bemerkung über ein Räderthier aus der Familie der As-
plauchneen von Dr. Kramer in Schleusingen. Hierzu
Taf. VII. Fig. 14. Er.
‚Die Familie der Bdelliden. Von Dr. Kramer. Hierzu Taf.
2, SUR, Fie. 5-8. |
' Ueber Dendroptus, ein neues Milbengeschlecht. Von Dr. Kramer.
- Bierzu Taf. VIII. Fig. 9—11.
Seite
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106
116
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x der einheimischen Limaeinen. Von Di
n Bonn. Hierzu Tafel IS =
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natomisches au Een aber Giectum, ‚ein
‚Arachnide. |
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Ueber ei en von Salpa. Von Dr. m KR. Bro
ns
Helminthologische Beobachtungen
von
Dr. von Linstow
in Ratzeburg.
Hierzu Tafel I und IH.
1. Taenia laevis Bloch.
Im Darm vor Anas ferina fand ich eine grosse Tänie,
- 150Mm. lang und 7 Mm. breit, der Sceolex ist sehr klein
und der sogenannte Hals sehr dünn; die Anzahl der winzig
kleinen Haken beträgt 9, und ihre Tänze 0,0164 Mm. Die
Art stimmt vollständig mit der von Krabbe!) unter obigem
‚Namen beschriebenen Art, bis auf die Form der Haken,
'was mich veranlasst von'letzteren eine Abbildung 'zu ge-
ben. Die conischen Cirren sind schon mit blossem Auge
sichtbar, und ist die Tänie dadureh sehr ausgezeichnet,
dass öde Proglottide jederseits einen Cirrus hat. Ob
"Bloeh und Batsch unter diesem Namen dieselbe Art
„wie Krabbe verstehen, ist aus ihren Beschreibungen und
I ealduneen sehr eilt
2. Tetracoiyle Foetorii n. sp.
Ausser dem von mir in diesem Archiv 1875. p. 192
beschriebenen Distomum Putorii lebt in Foeiorius putorius
noch ein eingekapselter Trematode, der zu Tetracotyle
sah werden muss. Er findet u in Cysten unter der
“ Haut am Halse zwischen den Halsmuskeln und am Oesopha-
Bw. Die Länge beträgt 1, die Breite 0,48 Mm. Der Mund-
ee 1) Bidrag til Kundskab om Faglenes Pasudelonoe, Di,
A Arehie für Naburg. XXINIL. Jahrg. 1. Ba, 1
N
2 v. Linstow:
saugnapf hat 0,13, der Bauchsaugnapf 0,17 Mm. im Dureh-
messer. Der gegabelte Darm ist gelblich gefärbt; Vorder-
und Hinterkörper sind durch eine Einschnürung getrennt,
hinter dem Bauchsaugnapf liegen grosse, zellige Körper,
die Anlage der Geschlechtsorgane. Die Ansicht, dass das
Genus Tetracotyle den Larvenzustand von Holostomum dar-
stellt, ist mir durch die Untersuchung dieser Art noch
wahrscheinlicher geworden.
2]
3. Echinorhynchus lanceolatus n. sp.
im Darm vom Charadrius hiaticula fest angeheftet. Der
Körper ist lancettförmig, im vorderen Drittel am breite-
sten, im unteren Drittel etwas verdickt, und hat 28-30
Hakenreihen. Die äussere Haut ist ohne Bewaffnung. Die
Länge des Männchens beträgt 4,5 Mm., die grösste Breite
1,6 Mm.; beim Weibchen ist die Länge 6,5, die Breite
'2,3Mm. Beim Männchen sind Rüssel und Rüsselscheide
je 0,7 Mm. lang; die Lemniscen, braun von Farbe, mes-
sen 1,9 Mm., und reichen beim Männchen bis dahin, wo
die beiden Hoden an einanderstossen, mitunter ist das
Ende zurückgebogen, und bei einem Männchen theilt sich
ein Lemnisecus in der Mitte in zwei Arme. Die Eier
sind elliptischh und hat die innere starke Eihaut eine
kugliche Ausbuchtung an den beiden Eipolen; sie sind
0,12 Mm. lang und 0,059 Mm. breit. Der Embryo hat an
seinem Vorderende nach hinten gerichtete zweispitzige
Häkchen von 0,0098 Mm. Länge und die Haut ist in der
Längsrichtung gewellt. Aehnliche Verlängerungen der in-
neren Eihaut finden sich bei Ech. filicollis Wagener ?).
Was den Unterschied von Ech. inflatus betrifft, welche
"Art ich Anfangs glaubte gefunden zu haben, so ist der
. Rüssel bei dieser Species sehr lang, an der Spitze am
dieksten, mit 10—12 Hakenreihen besetzt, und ist die Rüs-
selscheide oft halb so lang wie der ganze Körper, während
er bei lanceolatus kurz ist, die grösste Dieke am unteren
Drittel hat, 28—30 Hakenreihen führt und die Rüssel-
scheide '/—!/; der Körperlänge hat. |
1) Z. £. wiss. Zoolog. IX, Tab. VI, Fig. 16.
Helminthologische Beobachtungen. 3
4. Ascarıs depressa Rud.
Zur Vervollständigung der von mir !) angegebenen
Unterschiede zwischen Ascaris depressa und spiralis kann
ich die reifen Eier von A. depressa näher beschreiben,
die ich kürzlich zu untersuchen Gelegenheit hatte. Ihre
Länge beträgt 0,111 Mm., die Breite 0,072 Mm.; sie sind
doppelschalisg ohne Verdickung der äusseren Schale an
den Polen; letztere zeigt sehr feine, erhabene Stäbchen,
die ein zierliches Netzwerk bilden, und an eine Melonen-
schale erinnern; von den Eiern der Asearis depressa sind
sie also hinlänglich unterschieden.
5. Stongylus serratus 0. Sp.
‚aus dem Coecum von Anser demostica. Der Körper nimmt
von vorn nach hinten allmählich an Länge zu; die Haut-
- eontour ist sägelörmig wie bei Strongylus retortaeformis;
x
am Mundende stehen drei schwach angedeutete Papillen,
eine eigentliche Mundhöhle ist nicht vorhanden. Das
"Männchen misst 6,5 Mm. in der Länge und 0,08 Mm. in der
Breite, das Weibchen ist 7,5 Mm. lang und 0,092 Mm. breit.
Der Oesophagus misst !/ı; der Körperlänge; wie gewöhn-
lich finden sich zwei Spieula und ein accessorisches Stück.
Die Bursa hat jederseits vier eng an einander liegende
Rippen, davon zweigt sich eine dünnere ab, die nach vorn
zurückgebogen ist, nach hinten folgt eine einzelne gerade,
_ und in der Mitte steht eine, die doppelt dichotomisch ge-
Wa a
theilt ist. Beim Weibchen steht die Vulva weit hinten ;
der durch sie gebildete vordere Theil des Körpers verhält
sich zum hinteren wie 19:°/,; der Schwanz misst '/s- der
Körperlänge und verjüngt sich nach der Spitze zu all-
mählich. Die Eier sind 0,058 Mm. lang und 0,036 Mm. breit.
Dass diese Art nicht mit Strorgylus nodularis vereint wer-
den kann, ist gewiss; die glatte Haut, die’ grosse mit drei
auffallenden conischen Zähnen bewaffnete Mundhöhle ?)
sind allein Unterscheidungsmerkmale genug. Beim Weih-
a
1) Dieses Archiv 1875, p. 203—203.
2) Vel. Wedl, Sitzungsber. d. W. Akad. XIX, Tab. II, Fig. 22.
4 v. Linstow:
chen beträgt hier die Länge 8,77, die Breite 0,2 Mm. Der
Oesophagus misst !/ıs, der Schwanz 1/4, der Körperlänge ;
die Vulva theilt den Körper so, dass der vordere Abschnitt
sich zum hinteren verhält wie 19:5. Die Eier sind 0,11 Mm.
lang und 0,056 Mm. breit; ausserdem genügt zur Unter-
scheidung von serratus ein Blick auf Schneiders ı) Ab-
bildung der Bursa. Strongylus nodularis fand ich zwi-
schen den Magenhäuten von Fuliea atra.
6. Filaria aculeata Creplin
(= Spiroptera aculeata auf.)
aus dem Öesophagus von Charadrius hiatieola.
Das Männchen ist 3,4 Mm. lang, 0,13 Mm. breit, Schwanz-
länge 0,13 Mm.
Das Weibchen misst 4,09 Mm., Breite 0,14 Mm., Schwanz |
0,06 Mm. lang.
Der Kopf ist 0,06 Mm. lang und hat eine rücken-
und eine bauchsiändige Lippe, von denen oben und unten
in sich zurückziehende Krausen ausgehen. Der Körper
nimmt von vorn nach hinten allmählich an Dieke zu, ver-
dünnt sich ganz am Ende wieder etwas und hat eine ab-
gerunletkegelförmige Spitze. Der Oesophagus besteht aus
einem vorderen dünnen Theil, der von der Kopfspitze an
gemessen 0,15 Mm. lang, und einem hinteren diekeren, der
0,25 Mm. lang ist, am Beginn der hinteren Hälfte liegt
der Nervenring. Hinter dem Kopfe beginnen vier Stachel-
reihen, die in den Submedianlinien stehen, beim Weib-
chen bis ans Schwanzende gehen und beim Männchen nach .
hinten zu immer feiner werdenden Spitzen werden, die da,
wo die Uirren anfangen, sich ganz verlieren. Die Haut
hat Querringe, welche aus rundlichen, longitudinal gestellten
Schuppen bestehen. — Das Männchen hat einen kurzen,
zweiarmigen, sichelförmig gekrümmten und einen langen, am
Ende halbkreisförmig gebogenen Cirrus, der an der Wur-
zei zwiebelförmig angeschwollen ist, und am Ende eine
hakenförmig umgebogene Spitze hat. Es finden sich jeder-
seits vier prä- und vier postanale, langgestielte Papillen,
1) Monographie, p. 143.
F ER ‚ Helminthologische Beobachtungen. 5
- die zweite und dritte der postanalen hat einen längeren
5 Zwischenraum zwischen sich. Die Eier sind elliptisch
A und sehr dickschalig, 0,042Mm. lang und 0,023 Mm. breit.
d — Die Muskulatur entspricht der der Polymyarier, und ist
die Art zweifelsohne zur Schneider’schen Gattung Filaria
Ba stellen.
Be Folgende zwei Arten sind im System nicht unterzu-
bringen, und wird es nöthig sein, ein neues Genus
u. | Acanthophorus
“ mit folgender Diagnose zu begründen:
; Polymyarier, zwei ungleiche Spieula, ohne Papillen,
in der Bauch-, der Rücken- und den Seitenlinien Stacheln
vom Kopie bis zum Schwanze; vorn in den Submedialianien
zu je zwei gestellte Haken. |
2 - Von Filaria unterscheidet sich dieses Genus durch
die nicht vorhandenen Papillen, von Physaloptera, Hete-
rakis, Aneryacanthus, Hedruris, Ceratospira, Cucullanus aus-
ser vielen anderen Merkmalen ebenfalls durch den Mangel
> an Papillen, von Hystrichis durch die auf vier Reiben be-
— schränkten Hauptstacheln, von Cheiracanthus u. A. durch
- die bis an das Schwanzende fortgesetzten Stacheln, von
- — Rietularia durch letzteres Merkma! und durch die Länge
der Stachelreihen.
Fr Acanthophorus tenwis n. SP.
aus en Oesophagus von Mergus merganser. Länge des
Männchens 3,1Mm., grösste Breite im hinteren Viertel
0,1 Mm. ÖOesophagus 0,8 Mm. lang; Schwanz am Ende
etwas abgerundet, 0,18 Mm. lang,. über die Rückenfläche
gebogen. Der längere Cirrus 0,28, der kürzere 0,088 Mm.
lang. Die chitinisirte Mundkapsel ist 0,098 Mm. lang; Mund
- dreilippig. In der ganzen Länge eine einfache Reihe
spitzer, dünner Hautstacheln, in der Rücken-, Bauch- und
den Seitenlinien, die von der Cutis entspringen und von
der Cutieula von der Kopfseite her eine Deckschuppe be-
_ kommen. Die Reihe der Bauchseite theilt sich hinter der
Cloake in zwei Reihen, und nimmt so die Stellung der
Papillen der Filarien ein. In den Submedianlinien stehen
6 v. Linstow:
eigenthümliche Doppelhaken vom Kopfe bis da, wo der
Darm beginnt.
8. Acanthophorus horridus n. sp.
aus dem Oesophagus von Anas ferina. Länge 5,5 Mm.
grösste Breite in der Oesophagusgegend 0,13Mm. Haut
regelmässig längs- und quergestreift, so dass gleichmässige
Quadrate entstehen. Vom Kopfe an beginnt in der kücken-,
Bauch- und den Seitenlinien je eine Reihe keilförmiger
Dornen, die anfangs zwei- bis dreifach neben einander
stehen und 0,018 Mm. lang sind; da wo der Oesophagus
anfängt, dieker zu werden, siehen sie nur noch ein-
fach, werden nach hinten zu allmählich seitner, reichen aber
bis ans Schwanzende. Die 0,033Mm. lange eylindrische
Mundhöhle ist von drei Lippen umgeben, deren jede eine
kleine Papille trägt. Der Oesophagus ist 0,016 Mm. dick,
und umgiebt sich 0,21 Mm. vom Kopfende mit einer drü-
sigen Masse, so dass die Dicke nun 0,059 Mm. beträgt;
die Gesammtlänge des Oesophagus ist 0,77 Mm. Der Ner-
venring liegt etwas hinter der Mitte der vorderen Oeso-
phagus-Abtheilung. Der Schwanz ist kegelförmig, nach der
Rückenfläche gekrümmt, 0,16 Mm. lang. Die Spienla mes-
sen 0,48, resp. 0,098 Mm. In den Submedianlinien stehen
in der Gegend der hinteren Hälfte des Vesophagus eigen-
thümliche cehitinige Doppelhaken. Die Larven haben keine
Stacheln, keine Mundhöhle und ein abgestumpftes
Kopfende. |
In der Beschreibung der Filaria Stomoxeos (p. 196, Jahr-
gang 1875 dieses Archivs) ist ein Schreibfehler stehen ge-
blieben; die Zahlen 11:16 sollen nicht die Länge des
Oesophagus zum ganzen, sondern zum übrigen Körper
angeben, so dass erstere etwa ?/, der ganzen Körperlänge
einnimmt.
Freilebende Nematoden.
9. Dorylaimus flavomaculatus n. sp.
Von dieser Art sah ich nur Weibehen. Der Körper
ist langgestreckt, 2 Mm. lang, 0,043 Mm. breit, der Schwanz
ni
Helminthologische Beobachtungen.
lang zugespitzt, !/; des Körpers messend. Der Muud ist ohne
Papillen, aber mit flachen Grübehen ausgestattet. Der Oeso-
phagus, '/; so lang wie der Körper, verbreitert sich etwas
4 hinter der Mitte fast um das Doppelte; der Darm ist mit
grossen, glänzenden Kernen besetzt. Die Eier sind sehr
- dieksehalig, 0,029 Mm. breit und 0,075 Mm. lang. Die Vulva
“ liegt so, dass die vordere Körperhältte sich zur hinteren
verhält wie 4:5. In der vorderen Oesophagusgegend hat
die Haut vier röthlichgelbe, doppelt contourirte, spindel-
förmige Flecken. Der Art D. tenuicaudatus Bastian steht
die beschriebene Art am nächsten, doch ist dieselbe fast
doppelt so dick im Verhältniss zur Länge, die Mundbil-
dung ist eine andere und fehlen ihr die eigenthümlichen
gelben Flecken.
Fundort: Sand am Boden des Ratzeburger See’s, in
Gesellschaft von D. stagnalis. |
10. Dorylaimus macrourus 2. Sp.
Länge 1,7 Mm., grösste Breite 0,039. Schwanz lang
‚und fein zugespitzt, '/; der Körperlänge einnehmend, Mund
mit sechs undeutlichen Lippen, jede mit zwei einander fast
- berührenden Papillen. Beim Beginn des bräunlichen Darms
ist der Körper am dicksten, und verschmälert sich allmäh-
| lieh von hier an nach hinten, am Anus verdünnt sich der
- Körper plötzlich wieder etwas; der Enddarm, auf den ich bei
Beschreibung von D. stagnalis zurückkomme, ist 0,12 Mm.
lang. Der Oesophagus misst !/; der Körperlänge; der
"Stachel ist 0,1 Mm., der Reservestächel 0,025 Mm. lang.
Der Oesophagus ist in seiner vorderen Hälfte dünner, und
‚hier von zwei Drüsenkörpern begrenzt. Die Vulva liegt
0,7 Mm. vom Kopfende entfernt und ist von zwei kleinen,
ark lichtbrechenden Körpern begrenzt. Das Männchen
habe ich nicht gesehen.
Von Doryglaimus longieaudatus nitörscheide. sich
diese un durch den a Schwanz nn die geringere
8 v. Linstow:
11. Dorylaımus pachysoma n. Sp.
Länge 0,98 Mm., Breite am Oesophagus 0,039, am
Schwanzende 0,049 Mın.; der Körper ist auffallend dick im
Verhältniss zur Länge; die Breite nimmt beständig von
vorn nach hinten zu, der Schwanz ist abgerundet und misst
!/ss der Körperlänge; der Oesophagus, '/; der Körperlänge
einnehmend, setzt sich trichterförmig in den Darm fort.
Der Stachel misst 0,066 Mm., der Reservestachel 0,013Mm.; ,
der Mund zeigt drei konische Lippen; die Muskulatur ist.
sehr deutlich als zu den Polymyariern gehörig kenntlich.
Die Art habe ich nur geschlechtlich unentwickelt beobachtet.
D. minutus ist die nächstverwandte Species, doch genügt
ein Vergleich der Abbildung Bütschlis') mit meiner,
um zu zeigen, dass die Schwanzenden ganz verschieden
gestaltet sind; bei minutus ist dasselbe in eine rundliche
Spitze ausgezogen, während bei pachysoma das Schwanz-
ende kolbig endet. Geschlechtsorgane noch nieht ent-
wickelt.
Fundort: unter Moos; Stade.
12. Dorylaimus stagnelis Duj.
Die Art ist von Dujardin, Bastian und Büt-
schli hinreichend genau geschildert worden, und will ich
nur Einiges über den inneren Bau und die Häutung an-
führen. Das Ende des Darms, bei einem 2,87 Mm. langen
Exemplare 0,29 Mm. lang, ist farblos und unterscheidet
sich wesentlich von dem übrigen Darm. Bütsehli sieht
nur die Zellen am Hinterende des Darms sehr hell, „so dass
dieser heilere hintere Abschnitt von dem braunen ziemlich
scharf abgesetzt ist“ ?); es ist hier aber bei D. stagnalis ein
ganz entschiedener Abschnitt, und communieiren beide
Theile durch eine nur enge Oeffnung; der physiologische
Unterschied dieser beiden Darmtheile ist mir nicht klar
geworden. Der Mund ist bisher als keine deutliche Pa-
1) Beiträge zur Kenntniss der freilebenden Nematoden, Tab. I N
Fig. 6b. | Be
2), €: B.,:24,
}lelmintkologische Beobachtungen. 9
es-finden sich sechs birnförmige Papillen. Die Eier sind
0,098 Mm. lang und 0,059 Mm. breit. Bei der Beschrei-
bung des Männchens hat Bastian !) eine grosse Anzahl
Drüsen an der Bauchseite vor der Geschlechtsöffnung über-
sehen, deren Ausmündungsgänge die Cutis in der Rich-
- tung der Striche in der Haut durchsetzen, welche sich in
© Bastians fig. 37. tab. 9 finden, von mir aber, um das Bild
- nicht zu verwirren, fortgelassen sind. Wahrscheinlich son-
. dern diese Drüsen eine Art Kitt ab, der bei der Copula
verwandt wird.
f "Die Embryonen und die Larven beider Geschlechter
besitzen einen längeren zugespitzten Schwanz, die ge-
' schlechtsreifen Weibchen ebenfalls, die geschlect ıtsreifen
- Männchen dagegen zeichnen sich durch ein kurzes, abge-
'rundetes Schwanzende aus; den Zustand, wo unter der
Larvenhaut des Männchens mit spitzem en das ge-
: rundete Hinterleibsende vorgebildet ist, habe ich abgebil-
‘ det. Die UVebergänge zwischen Er al und Larven-
"zustand einerseits, sowie zwischen Larven- und geschlechts-
" "reifem Zustande andererseits sind charakterisirt durch eine
- Häntung, bei welcher auch der Stachel mit abgeworfen
; wird, und der Reservestachel an dessen Stelle tritt; ganz
' junge Exemplare besitze ich, welche zwei Ba
d.h. den Larven- und den definitiven Stachel zeigen; In-
- dividuen mit vollständig entwickelten Sexualorganen zeigen
Bi keine Reservestachel und haben keinen Wechsel des Sta-
® chels mehr. Der Reservestachel rückt, wenn er den zur
ı Zeit funktionirenden ersetzen will, weiter nach vorn und
ö - En tritt schliesslich dicht an das nn Oeso-
Stachel Platz zu hl De ee bildet ER
' geschlossene Röhre, sondern ist seiner ganzen Länge nach
- an der Seite, u der untersten Stelle des Sehrägschnit-
TEN
tes entspricht, gespalten, stellt also eine Rinne dar, und
10 v. Linstow:
tinrohr des Oesophagus dicht unterhalb des zu ersetzen-
den Stachels. Im Anschluss an den so situirten Reserve-
stachel umgiebt sich das chitinige Oesophagealrohr mit
einem zweiten, das erste eng einschliessende, und sobald
dieses gebildet ist, wird das innere Rohr sammt dem mit
ihm verbundenen Stachel seiner ganzen Länge nach aus-
gestossen, wobei der Reservestachel vorrückt und die Stelle
des vorigen einnimmt; dieser Process vollzieht sich gleich-
zeitig mit der Häutung und die durch das Zurückweichen
des Körperparenchyms gebildete Lücke schliesst sich wieder.
Dass bei der Häutung das innere Chitinrohr des Oesophagus
abgeworfen wird, habe ich auch bei anderen Gattungen
beobachtet, und halte ich es für nicht unmöglich, dass
Marion’s Calyptronema auch ein solcher in der Häutung
begriffener Helminth ist.
13. Tylenchus filiformis Bütschli.
Das Männchen dieser Art ist noch nicht beschrieben
worden. Es misst nur 0,54 Mm. und ist 0,0098 Mm. breit;
in der Mitte ist es am dicksten, das Schwanzende ist fein
zugespitzt, Y/; der Körperlänge einnehmend, der Oesopha-
gus misst etwa 1/,, die Bursa ist ohne Querstreifen.
Das noch keine Eier zeigende Weibchen ist 0,62 Mm.
lang und 0,016 Mm. breit. Der Schwanz misst 1/; der
Körperlänge, die Vulva theilt den Körper so, dass der vor-
dere Abschnitt sich zum hinteren verhält wie 11: 17.
Obgleich die Zablen nicht ganz mit Bütschlis stimmen,
glaube ich doch, dieselbe Art beobachtet zu haben.
Fundort: unter feuchtem Moos; Stade.
14. Aphelenchus erraticus n. Sp.
als Pseudoparasit im Darm von Lacerta vivipara gefunden.
Nur das Männehen habe ich gesehen und dieses ist
0,85 Mm. lang und 0,923 Mm. breit. Der Oesophagus misst
bis zur ersten Anschwellung 0,075 Mm., und ist die Grenze
zwischen Oesophagus und Darm nicht klar; der Mund hat
drei Papillen, der Stachel ist 0,011 Mm. lang. Der Darm
zeigt grosse, stark lichtbrechende Körper, die Cirren sind
i
k = | Helminthologische Beobachtungen. 17
'sichelförmig gekrümmt, der Schwanz misst '/ı, der Kör-
perlänge und läuft in eine feine Spitze aus. Von Aphe-
lenchus parietinus Bütschli ist diese Art durch andere
Form der Spieula, durch die Mundbildung und ihre Di-
mensionen verschieden. Eigenthümlich ist, dass der Em-
bryo von Eustrongylus gigas genau solchen Mundstachel
wie die Genera Tylenchus und Aphelenchus besitzt ').
Be 15. Trilobus gracilis Bastian.
Die Spienla und ihr accessorisches Stück sehe ich
etwas anders als Bütschli, und erinnert letzteres in sei-
ner Form einigermassen an die fureula der Vögel; statt
der sechs rundlichen Körper in der Bauchlinie der Männ-
chen habe ich bei einem Exemplar sieben gefunden ; ob
dieselben als Haft-, Saug- oder Kittorgane zu deuten sind,
3 ist mir aus ihrer Structur nicht klar geworden. Die Ge-
> sammtlänge des Männchens beträgt 1,68 Mm., wovon !/s
auf den Oesophagus, !/,; auf den Schwanz kommt.
' - Fundort: im Ratzeburger See.
Zizre g S ll Z a a ei
h 16. Triüobus octiespapillata a. sp.
3 Männchen 2,13 Mm. lang, 0,072 Mm. breit; die Cir-
- "ren sind ähnlich wie bei T. gracilis, doch scheinbar ohne
aecessorisches Stück; der Oesophagus misst !/,, der Schwanz
Io —!ı3 der Körperlänge; ähnliche Körper wie T. gracilis
‚ deren sechs besitzt, zeigt das Männchen dieser Art acht
an der Bauchseite, und nehmen diese Körper das hinterste
Viertel des Körpers ein. Das Weibehen misst 2,28 Mm.
in der Länge und 0,11 Mm. in der Breite; der Oesophagus
© ist 1%, der Schwanz '/; der Leibeslänge gross, die Eier
sind dickschalig, kuglig und haben einen Durchmesser von
0,062 Mm. Die Yale theilt den Körper so, dass der vor-
dere Theil sich zum hinteren verhält wie 9: 11. Der Mund-
- becher ist in der Mitte eingeschnürt, der Mund ist von
zarten Borsten umgeben, die viel feiner sind, als bei T.
gracilis (vid. Bütschli Beiträge ete. tab. IV, fig. 21, a).
1) Balbiani, Journal de l’anat. et physiolog. Paris, 187071,
ab, II, Fig. 6 u. 7.
12 - v. Linstow: Be A
Die Mundöffnung ist von drei schwachen Erhabenheiten
umgeben; die Haut ist durch kleine gruppenweise parallel
liegende Stäbchen eigenthümlich chagrinirt. Der Körper
ist ohne Borsten im Gegensatz zu T. graeilis. a
Fundort: im Ratzeburger See; im Sande des Grundes.
17. Trilobus longicauda n. sp.
Die Länge des Männchens beträgt 1,06 Mm, die
Breite 0,05; der Oesophagus misst 1/s, der Schwanz /ı der
Körperlänge. Das Weibchen misst 1,44 Mm., die Breite
beträgt 0,059 Mm., der Schwanz nimmt /,, der Oesopha-
gus Us der Körperlänge ein. Der Körper ist kleiner nd
schlanker als bei voriger Art. Die Mundhöhle ist becher-
förmig; der Kopf trägt sechs Borsten; die Muskulatur ist
kräftig. Das Männchen trägt zwei Spieula, die sich an
ihrem hinteren Ende etwas verjüngen und von einem ae-
cessorischen Stück klammerartig umgeben werden; vor der
Cloake trägt das Männchen, wie T, gracilis, sechs ovale
Gebilde in der Bauchlinie, deren Zeichnung aus der Ab-
bildung ersichtlich ist. Der Körper trägt keine Borsten,
und ist die Art durch die Länge des Schwanzes ausge-
zeichnet, welcher doppelt so lang wie bei T. graeilis und
pellueidus, sechsmal so lang wie bei T. longus ist.
Fundort: im Ratzeburger See im Sande.
185. Monhystera ocellata n. sp.
Das Weibehen, welches ich allein gefunden habe,
misst 1,53Mm. und ist 0,098 Mm. breit; der Oesophagus
ist !/s .der Körperlänge gross; der Schwanz misst !/. der
Körperlänge, ist allmählich zugespitzt und hat eine Spinn-
drüse am Ende. Das Kopfende ist allmählich stark ver-
dünnt, hat eine flache, cylindrische Mundhöhle mit chitiniger
Basis; der Mund ist von vier feinen Furchen umgeben,
hinter dem Kopfende finden sich seitlich Seitenkreischen,
und hinter diesen auf der Rückenseite zwei einander ziem-
lich nahe gerückte, braun pigmentirte Ocellen. Der Oeso-
phagus nimmt nach hinten an Dicke bedeutend zu, am
Beginn des Darms liegen grosse, drüsige Körper, die Darm-
a SE Helminthologische Beobachtungen. 13
‘ wand ist dicht mit braunen, glänzenden Körnern durchsetzt.
‘ Der Darm nimmt an Durchmesser nach hinten zu bald um
die Hälfte ab. Der Uterus. enthält schöne vieleckige Zel-
len, die Anlage der Eier. Die Vulva ist weit nach hinten
gerückt, die durch sie abgetheilte Körperhälfte verhält sich
zur hintern wie 5:2.
Die Art erinnert an M. similis und crassa, ist aber
grösser und fehlen diesen Arten die Ocellen; von M. stag-
nalis unterscheidet sie sich durch die ganz abweichende
Mundbildung, einen längeren Schwanz und die abweichende
Bildung der Ocellen; die Unterschiede von den übrigen
Arten sind noch deutlicher, und schon dureh das Fehlen
der Ocellen bei letzteren gegeben.
Fundort: Schlamm aus dem Ratzeburger See.
h 19. Chromadora Ratzeburgensis n. Sp.
© Männchen 0,69 Mm. lang, 0, 043 Mm. breit; Oesophagus
Aje, Schwanz !/; der Körperlänge ; Spieula sichelförmig ge-
bogen und zwei accessorische, hakenförmig umgebogene
Stücke; zwei prominirende Papillen vor der Cloake.
Weibchen 0,5 Mm. lang, 0,043 Mın. breit; Vulva etwas
vor der Mitte; der vordere Körperabschnitt verhält sich
zum hintern wie 8:9; die Eier sind 0,062 Mm. lang und
0,039 Mm. breit.
Am Munde stehen vier Borsten, drei eigenthümlich
gebogene Chitinkörper schliessen eine kleine Mundhöhle
ein, die innere obere Gränze der Mundhöhle ist sägeförmig;
- nicht weit nach hinten vom Kopfende folgen in der Rücken-
"gegend zwei rothbraune Öcellen. Der Oesophagus endet
mit einem starken Bulbus, der drei chitinige, stark glän-
rende, halbovale Körper rochheest, Der Darm ist braun.
R _ Neben dem dünneren Theile des Oesophagus liegen seit-
iR lich zwei Drüsenkörper.
» Die Spinn- oder en a dicht ne dem
ie ED re
h
A
A Be Zwischen F al im ee ds,
en. su ‘ w. Linstow:
20. Chromadora viridıs n. Sp.
Männchen 0,61 Mm. lang, 0,029 Mm. breit; Oesophagus
1/s, Schwanz !/; der Körperlänge messend. Spieula fast
gerade mit zwei accessorischen Stücken; vor der Cloake
16 längliche Papillen.
Weibehen 0,68 Mm. lang, 0,036 Mm. breit, Oesophagus
1 —!/,, Schwanz !—!/; der Länge. Die Vulva liegt hinter
der Mitte; der vordere Körpertheil verhält sich zum bin-
teren wie 2:3. Die Eier sind 0,043 Mm. lang und 0,023
Mm. breit; ihre Schale ist fein granulirt.
Die Mundbildung ist ähnlich wie bei voriger Art, die
Ocellen stehen dem Mundende näher ; der Bulbus ist eckig
begrenzt und ohne Chitinkörper im Innern. Der ganze
Körper führt Borsten in den Submedianlinien. Der Darm
ist grün.
Fundort gemeinschaftlich mit voriger Art, aber viel
seltner. Repräsentanten des Genus Chromadora sind in
sissem wie im Seewasser gefunden, und vielleicht gehören
die beiden von Greeff!) im Salinenwasser von Kreuznach
und Münster am Stein entdeckten Arten auch zu dieser
Gattung. |
21.. Rhabdiüis agilıs n. Sp.
Männchen 0,57 Mm. lang, 0,026 Mm. breit; Länge des
ODesophagus etwas weniger als !/, des Schwanzes !/ı, der
Körperlänge. Kopfende abgerundet, von 6 kurzgestielten
Papillen umgeben; dann folgt eine 0,02 Mm. lange, eylin-
drische Mundhöhle mit chitinigen Wandungen. Das Schwanz-
ende ist an der Bauchseite concav ausgeschnitten und endet
spitz; die Bursa ist pfeilspitzenförmig, nach hinten zuge-
spitzt, nach vorn vorgebuchtet und abgerundet; die Spieula
sind von gelblicher Farbe, 0,026 Mm. lang, das aceesso-
rische Stück misst 0,0028 Mm. Die Bursa hat ungewellte
Ränder und führt jederseits fünf langgestielte Papillen.
Das Weibchen misst 0,63 Mm. in der Länge und 0,033
1) Sitzungsber. der niederrhein. Ges. zu Bonn. 1865, XXH,
p. 87. :
|
Helminthologische Beobachtungen. 15
Mm. in der Breite; Länge des Oesophagus !/;, des Schwanzes
1/; der Körperausdebaung. Die Vulva liegt genau in der
Körpermitte, die Eier sind 0,039 Mm. lang und 0,02 Mm.
breit; Länge der Mundhöhle 0,016 Mm. Die Vulva hat
einen zarten, häutigen Anhang ohne Structur und symme-
- trische Form, der vielleicht von der letzten Häutung zurück-
geblieben ist. |
Es finden sieh zwei Oesophagusanschwellungen, deren
hintere einen Klappenapparat zeigt.
Von der nahe verwandten Rhabditis oxyuris Claus !)
unterscheidet sich diese Art durch die am Rande nicht ge-
wellte Bursa, durch ganz andere Maasse des Schwanzes,
der bei unserer Art grösser ist, durch die Anzahl der Pa-
pillen (6), deren R. oxyuris 8 besitzt und durch die andere
Mundbildung;; die Stiele der 6 Mundpapillen bilden bei R.
oxyuris eine Art von äusserem Mundbecher. Die Bewe-
sungen sind sehr lebhaft.
‚ Fundort : humusreicher Sandboden ; Ratzeburg.
Den
22. „Nematoden‘,
welchen Bütschli l. e. p. 122 beschreibt, habe ich unter
Moos auf den Stader Festungswällen gefunden; die Bewe-
- gungen sind äusserst träge, kaum erkennbar; als Anlage
- der Gesehlechtsorgane ist ein 0,25 Mm. langer, heller Schlauch
> in der Mitte des Körper zu erkennen. Die Länge beträgt
1,297—1,38 Mm., die Breite 0,026—0,033 Mm., der Oesophagus
misst 1/;, der Schwanz !/ıı der Körperlänge. Der Schwanz
ist stets hakenförmig umgebogen, der Darm ist mit stark
liehtbreehenden Körpern dicht besetzt ; die Haut zeigt keine
I Querringel, die Muskulatur ist undeutlich. Der Oesophagus
"verdiekt sich nach unten; das Darmlumen ist anfangs nur
" halb so breit wie der Oesophagus; das Mundende ist
sehwach trichterförmig eingezogen ; hinter dem After steht
eine kleine Papille. Eine Abbildung habe ich unterlassen
mi 1) Bütschli 1. ce. p. 105, Tab. IX, Fig. 57.
16 v. Linstow:
anzufertigen, weil sie der Bits chf 8 a. e. Tab. x,
Fig. 67) durchaus gleichen würde.
Da Bütschli, welcher zuerst diesen Helminthen ge-
funden und beschrieben hat, denselben nicht benannt hat,
will auch ich dieses nicht thun; warum ich den Zusammen-
hang mit Sphaerularia bombi für unwahrscheinlich halte,
habe ich anderweitig ausgeführt; der einzige Heiminth, an
welchen dieser durch seine Struetur erinnert, ist Myoryctes
Weismanni Eberth, welcher ebensolchen langen, durch
nichts ausg ee Oesophagus besitzt ; die spitze
Schwanzspitze könnte sich durch eine Häutung möglicher-
weise in eine runde verwandeln, und übrigens gehört Myo-
ryctes seinem Habitus nach sicher zu den Helminthen, die
nur zeitweilig parasitisch leben, wie derselbe auch nur zu
einer gewissen Jahreszeit im Froschmuskel gefunden wird.
23. Diplolaimus gracilis n. gen., n. Sp.
Diese höchst merkwürdige Art lebt im Sande des
Bodens des Ratzeburger See’s, und habe ich dieselbe nur
im Zustande der beginnenden Geschlechtsentwicklung beob-
achtet. Die Länge beträgt 2,84 Mm., die Breite 0,085 Mm. ;
der Oesophagus misst !/ı, der Schwanz !/ıs der Körper-
länge. Die Gestalt ist schlank, an den beiden Enden stark
verdünnt. Die Haut ist glatt ohne Querringel. Das Mund-
ende hat eine halbkugelförmige Auflagerung, an deren
Peripherie feine Börstchen stehen ; dieselbe ist durch Längs-
furchen getheilt und zeigt im Innern, d. h. in der Nähe
der Längsaxe des Thieres, mehrere kleine chitinige Ringe.
Das erste Fünftel des Oesophagus, der chitinige Wandungen
hat, ist trichterförmig verengt, und beginnt an der Stelle
der grössten Verengerung eine eigenthümliche Verstärkung
des Oesophagus, die ich in der Abbildung nachzusehen
bitte; dieselbe umgiebt die hinteren vier Fünftel des Oe-
sophagus; dieser nimmt noch hinten an Dicke etwas zu,
hat aber keinen Bulbus und Zahnapparat; der Darm ist
mit glänzenden, bräunlichen Körnchen durchsetzt; der
Schwanz ist fein zugespitzt und hat am Ende eine Spinn-
oder Leimdrüse. Der Muskulatur-nach gehört das Thier
scheinbar zu den Holomyariern.
| Ha > Helminthologische Beobachtungen.
17
Die Form ist mit keinem bekannten Genus zu ver-
einigen. Donylaimus, Tylenchus, Aphelenchus, Mononchus
unterscheiden sich hinreichend durch die Mundbildungen,
Monhystera dureh die Seitenkreischen, Trilobus durch die
dreilappige Bildung am Ende des nba, Tripyla
durch die Mundbildung und das Oesophagealrohr ohne
Chitin, Anguillula, Chromadora, Cephalobus, Pleetus, Rhab-
ditis, Diplogaster durch den einfachen oder doppelten Oe-
sophagealbulbus, Tronus durch die Mundhöhle ; unsere Form
unterscheidet sich aber dureh die Bildung des Kopfes und
des Oesophagus nicht nur von allen obigen Gattungen,
sondern auch von allen von Eberth, Schneider, Bastian,
Marion, Bütschli beschriebenen marinen Gattungen.
Erklärung der Abbildungen auf Taf. IT und IT.
“ Fig. 1. Ein Haken von Taenia laevis. _
a » 2. -Tetracotyle Foetorii.
>» 8 Ei von Echinorhynchus lanceolatus.
>.» 4. Kopfende von Strongylus serratus.
- » 5. Männliches Hinterleibsende derselben Art.
‚ » 6. Kopfende von Filaria aculeata:
» 7. Männliches Hinterleibsende von Acantophor us tenuis.
» 8. Hautstachel ders. Art.
» 9. Doppelhaken in den Submedianlinien ders. Art.
» 10. Kopfende von Acanthophorus horridus.
» 11.. Männlichcs Hinterleibsende ders. Art.
» 12. Doppelhaken in den Submedianlinien ders. Art.
» 13. Kopfende von Donylaimus favomaeulatus.
Kopfende von Dorylaimus macrourus.
'» 15. Kopfende von Donylaimus pachysoma.
» 16.
Sehwanzende ders. Art.
» 17—22. Donylaimus stagnalis.
Fig. 17. Kopfende, in welchem der Reservestachel a den vor-
; deren Stachel b ersetzt; das Körperparenchym ist
weit zurückgetreten und lässt eine grosse, amphoraför-
. mige Lücke,
18. Männliches Hinterleibsende. a. Drüsen.
» 19. Männliches Hinterleibsende einer Larve, im Begriff
die Larvenhaut abzustreifen. a, Larvenhaut, b. defini-
tive Haut.
Sn a ee
18
Fig.23.
Fig.
v. Linstow: Helminthologische Beobachtungen.
30. Weibliches Hinterleibsende.
» 21. Reservestachel.
» 22. Uebergang des Darmes a. in den Enddarm DB.
24,
25.
26.
27.
23.
29.
30.
31.
32.
33.
Tylenchus filiformis. Männchen.
Aphelenchus erraticus, Kopfende.
Männliches Hinterleibsende ders. Art.
Spieula von Trilobus gracilis. a. accessorisches Stück.
Saugnapfartiges Gebilde am männlichen Hinterleibsende-
ders. Art im Profil.
Kopfende von Trilobus octiespapillata.
Kopfende von Trilobus longicauda,
Männliches Hinterleibsende ders. Art.
Kopfende von Monhystera ocellata. a. Ocellus.
Chromadora Ratzeburgensis; Kopfende a. Drüse.
Männliches Hinterleibsende ders. Art. a. accessorisches
Stück. b. Spinn- oder Leimdrüse.
Chromadora viridis, Kopfende.
Männliches Uinterleibsende ders. Art. |
Kopfende von Ehhabditis agilis, das Kopfende von oben ge-
sehen.
Männliches Schwanzende ders. Art.
Kopfende von Diplolaimus gracilis.
Veber Triton helvetiens.
Von
F. Brüggemann
in Jena.
Be Der fadenschwänzige oder schwimmfüssige
Wassermolch (Triton helvetieus) ist lange Zeit über-
. sehen oder'mit anderen Arten verwechselt worden. Leydig
hat das Verdienst, diese merkwürdige Species der Ver-
gessenheit entrissen und in diesem Archiv 1867 Bd. Ip. 220
eine genaue Charakteristik derselben gegeben zu haben.
Später hat Schreiber in der Herpetologia europaea p. 31
diesen Triton in bekannter eingehender Weise abgehandelt.
Durch die Güte des Herrn Baron Dr. v. Bedriaga war
ich i in der Lage, eine Anzahl lebender Exemplare vergleichen
“ zu können, und da ich in Folge dessen einige Ergänzungen
und Berichtigungen zu den bisherigen Beschreibungen zu
seben vermag, so will ich im Anschluss an die letzteren
ier Einiges über das Thier mittheilen.
Was zunächst den Rückenkamm anbetrifft, so haben
ee .. ae “ > die französischen Au-
20 u. Brüggemann: A Ra RR
in der 2. Aufl. der Hist. of Brit. rept. seinem Lissotriton
palmipes einen mässig hohen, ungezähnten Rückenkamm
zu und bildet ihn auch in entsprechender Weise ab; nd
Gray tadelt sogar an der Bell’schen Abbildung, dass der
Kamm nicht hoch genug gezeichnet sei. Bei einem in der
Umgegend von Bremen gefangenen Männchen, von welchem
ich in den Abhandl. d. nat. Ver. zu Brem. IV p. 205 eine
kurze Beschreibung mitgetheilt habe, fand ich ebenfalls
einen fast über die ganze Länge des Rückens verlaufenden
Fiossensaum vor. Wenn ieh nunmehr an dieser letzteren
Angabe festhalte, soll somit nicht ausgesprochen sein, dass
die zuerst genannten Beobachter ungenaue Beschreibun-
gen geliefert hätten. Es ist zunächst daran zu erinnern,
dass die Höhe des Kammes bei allen Tritonen je nach der
Jahreszeit bedeutend wechselt, und dass derselbe nach der
Paarungszeit bei sämmtlichen Arten und auch bei der in
Rede stehenden mehr oder weniger obliterirt; sodann dass,
wie bereits von mehreren Seiten hervorgehoben wurde, die
Ausbildung des Kammes auch individuell und je nach der °
Loealität sehr beträchtlicher Variation unterliegt !). Dafür
lieferte mir hier der Triton palustris (taeniatus) einen
augenfälligen Beleg. Exemplare aus einem Teiche bei Jena,
die, nach der Färbung und anderen Anzeichen zu schliessen,
bereits über die Paarungszeit hinaus waren, besassen weit
höhere und schöner gezähnte Kämme als solehe im vollsten
Hochzeitskleide von einer anderen Localität ebenfalls in
hiesiger Gegend.
Bei den von mir neuerdings untersuchten Männchen °
des Triton helveticus im Hochzeitskleide (28. April) verhielt °
sich die Sache folgendermassen. Ein vielleicht nieht ganz
ausgewachsenes ?) Exemplar hatte die unweit hinter dem °
1) Vgl. hierüber besonders die Bemerkungen von Carl Koch
im Correspondenzblatt des nat. Ver. d. Rheinl. u. Westph. 1872
p. 101. |
1) Die Lebensdauer der Tritonen scheint nicht eben gering zu
sein. Nach Higginbottom ist Triton eristatus erst zu Ende des
vierten Jahres ausgewachsen, Ein im Sommer 1873 in Paris gekauftes,
damals schon völlig erwachsenes Männchen des schönen Triton mar-
moratus lebt noch gegenwärtig (Sommer 1875) in der Gefangenschaft,
ri
Ueber Triton helveticus. 21
Kopfe beginnende Rückenleiste kammartig erhaben, etwa
1 Mm. hoch; von einem eigentlichen Kamme konnte hier
aber nicht die Rede sein, da der Gipfel dieser Leiste deut-
lich abgerundet war, und die hlattartige Zuschärfung erst
an der Schwanzwurzel erfolgte. Dies wäre also ungefähr
derselbe Befund, welcher in den meisten Gegenden der ge-
- wöhnliche zu sein scheint, und der fast allen Beschreibungen
zu Grunde liest. — Bei mehreren anderen Männchen war
dagegen ein flossenartiger Kamm vorhanden ; die Leiste
besann hinter dem Kopfe zuerst stumpf, wurde allmählich
höher, mehr comprimirt und auf der Firste mehr zugeschärtt,
und bildete von der Mitte des Rückens an einen blaitarti-
gen Hautsaum. Bei einem besonders schön entwickelten
* Individuum war endlich die Rückenleiste fast vollständig
zu einem schwärzlich gefärbten, gegen 3 Mm. hohen, un-
gezähnten Hautkamme umgebildet, welcher als solcher seinen
"Anfang nicht weit hinter den Vorderbeinen nahm. — Aus
diesen T'hatsachen würde etwa Folgendes zu entnehmen
sein. Triton helveticus scheint in der Mehrzahl der Fälle
keinen flossenartigen Hautsaum auf dem Rücken zu be-
sitzen. Aneinigen Localitäten (England, Norddeutschland,
- Italien) bildet sich indess die Rückenleiste zu einem solchen
> aus‘). Es sind deshalb die Seetionen zwei und drei,
welehe Strauch in der Gattung Triton unterscheidet,
nicht scharf zu trennen, da Tr. helvetieus ein vollständiges
Uebergangsglied zwischen beiden darstellt. Die Gruppe 2
(allein aus Triton vittatus bestehend) ist wohl besser ein-
zuziehen, wenn auch die Anordnung der Arten dieselbe
bleiben kann.
| Der spornartige Höcker an den Hinterfüssen, welcher
\ nach Schreiber nur dem Weibchen zukommen soll, fehlt
" auch dem Männchen nicht. Er ist bei diesem sogar noch
"deutlicher entwickelt und schärfer zugespitzt, übrigens bei
” beiden Geschlechtern hell gefärbt. Bei einem jüngeren
EN a ze
| 1) Es ist dies ein hübscher Beweis dafür, wie variabel oft die
secundären Geschlechtscharaktere sind. Auch in Bezug auf den
' Schwanzfaden, den das Weibehen wohl erst nachträglich vom Männ-
{ ‚chen überkommen hat, drängt sich dieselbe Betrachtung auf.
N
22 Brüggemann:
Männchen war an der entsprechenden Stelle keine Hervor-
ragung, sondern nur ein hellerer Fleck zu bemerken. |
Bezüglich der in ihrer Gestalt ziemlich veränderlichen
Schwanzspitze zeigte eines der Männchen ein abnormes
Verhalten. Die obere Schwanzfiosse besass nämlich vor
dem Ende eine stark vorspringende scharfe Ecke und war
von da aus gegen den (hier kurzen) Faden allmählich ver-
engt. Die untere Schwanzflosse zeigte dicht hinter dem Vor-
sprung der oberen eine schwache Einbuchtung und weiter-
hin ebenfalls einen graduellen Uebergang in den Endfaden.
Das Weibchen soll keine Spur einer Sckhwimmhaut
zwischen den Hinterzehen besitzen; indess finde ich, dass
eine deutliche Spannhaut vorhanden ist, die etwa ein Drittel
der Zehenlänge einnimmt und sich an den Zehenseiten all-
mählich verschmälert. Bemerkenswerth ist noch die auf-
fällige Entwicklung der Hinterbeine bei beiden Geschlech-
tern; der Unterschenkel wird über der Fusswurzel unver-
hältnissmässig breit.
Die Färbung scheint bei unserem Triton einer ziem-
lich bedeutenden Veränderlichkeit unterworfen zu sein.
Das oben erwähnte Bremer Männchen war hell gelblich
braun, deutlich ins Röthliche spielend; bei einer Anzahl
Männchen aus Italien herrschte dagegen als Grundfarbe
ein Olivengrün vor, welches bald mehr ins Gelbliche- zog,
bald dunkler war; im letzteren Falle pflegten auch die
dunklen Zeiehnungen weniger scharf abgegrenzt zu sein.
Die Flecken der Oberseite sind schwärzlich, mit mehr
oder weniger grünem Anfluge, manchmal sogar schön dun-
kelgrün, was besonders an den Körperseiten deutlicher
hervortritt. Der Kopf ist oben mit mässig grossen, dichten,
theilweise zusammenfliessenden Flecken bedeckt. Vom Vor-
derrande der Schnauze aus verlaufen an jeder Seite des
Koptes zwei einander genäherte bräunlichschwarze Streifen,
die, allmählich breiter werdend, durch das Auge gehen,
dann zusammenfliessen und sich bis zum Hinterkopf fort-
seizen. Oft sind auch beide Streifen schon vor dem Auge
zu einem breiten Bande vereinigt. Durch diese Augen-
streifen wird oben und unten je eine mehr oder weniger
deutliche weissliche Binde abgegrenzt; die untere Binde
DI
pub!
Ueber Triton helveticus.
ist oft fast goldfarbig und geht bis zu den Vorderbeinen.
Der Rücken ist sparsam gefleckt, zuweilen fast ohne Zeich-
nung; an den Seiten (von den Seitenleisten an abwärts)
werden die Flecken umfangreicher und fliessen in grösserem
oder geringerem Masse zusammen, wodurch sich die Ge-
sammtfärbung der Oberseite nach unten hin ziemlich scharf
abgrenzt.
Die Unterseite ist nicht in allen Fällen. gleich gefärbt.
Die Kehle ist farblos, röthlich durchscheinend, bald unge-
Heekt, bald mit einigen Pünktchen versehen. Der Bauch
- war bei dem Exemplar von Bremen hochgelb, ohne Flecken ;
ähnlich auch bei dem am schönsten entwickelten ita-
lienischen Männchen, wo jedoch das Gelb weniger lebhaft
war und sich vorn ein paar leichte Andeutungen von schwar-
zen Fleckehen vorfanden. Bei anderen Exemplaren gehen
mamentlich die Seiten mehr ins Weisse über, se dass zu-
- letzt höchstens ein gelbbräunlicher Anflug in der Mittellinie
- übrig bleibt. Auch ist der Bauch gewöhnlich mit Flecken
versehen, die in der Mitte kleiner, undeutlicher, spärlicher,
und unregelmässiger sind ; an den Seiten sind sie bedeutend
grösser, rundlich, nach oben zu oft zusammenfliessend und
- dann im Verein mit den oberen Seitenfleeken eine weiss-
liche Längsbinde abgrenzend.
A Der Schwanz ist mit grossen Flecken versehen, die
rauf der Ober--und Unterhälfte in je zwei ziemlich ı
- mässige Reihen geordnet sind. Die Mitte der Schwanz-
seiten ist gelbbraun, der Raum zwischen den beiden unteren
Fieckenreihen weiss.
18 Die Vorderbeine sind dieht und klein gefieckt. Die
Unterseite der Vordertüsse ist weisslich. Die Hinterbeine
haben grössere dunkle Zeichnungen; ein heller Flecken
über ihrer Wurzel ist nur in einigen Fällen bemerkbar.
Die Zehen der Hinterfüsse und die Schwimmhäute sind
schwärzlich. Etwas heller, mehr bräunlich erscheint die
\ Obere Schwanzfiosse und der Endfaden des Schwanzes.
_ Die Kloakenwülste haben oft einzelne grosse dunkle
E Plecken, oft sind sie nach hinten schwärzlich angelaufen,
mitunter auch ganz schwärzlich.
Das Weibchen erscheint auf den ersten Blick fast ein-
24 Brüggemann:
farbig, gelblich olivengrün. Bei genauerer Betrachtung lassen
sich indess zahlreiche schwärzlichgrüne verschwommene
Fleckchen auf gelblichem Grunde erkennen, die nach den
Seiten zu dichter werden. Die Rückenleiste ist mehr gelb-
bräunlich, ebenso die Beine, welche hier kaum gefleckt
sind. Br ungefleckte des Schwanzes zeigt die-
selbe Farbe; die Fleckenreihen über ihm fliessen zu einer
dunkleren Linie zusammen. ‘Der dunkle Augenstreif ist
undeutlich ; die obere helle Binde vorhanden ; die untere
fehlt, indem die betreffende Kopfgegend mit der Kehle
gleichfarbig ist ; dagegen ist der goldgelbe Streif vom Auge
bis zu den Vorderbeinen bemerkbar. Die Bauchseite ist
srösstentheils farblos, röthlich durehschimmernd, in der
Mitte gelb mit einigen grossen, sehr verwaschenen schwärz-
lichen Fiecken. Die helle Binde an den Körperseiten ist
kaum angedeutet. Die Kloake ist hell gefärbt.
Die vorstehenden Beschreibungen beider Geschlech-
ter beziehen sich auf das Frühlingskleid; im Sommer haben
die Thiere bereits ein sehr verändertes Aussehen erlangt.
Beim Männchen (9. August). ist der Kamm zu einer
sehr niedrigen, bald stumpfen, bald scharfgekielten Leiste
redueirt. Die Seitenleisten, die im Frühjahr bei den
bestentwickelten Männchen auch am ausgeprägtesten wa-
ren, sind ganz geschwunden; ebenso die Schwanzflossen.
Von den Schwimmhäuten ist kaum ein schwaches Rudi-
ment am Grunde der Zehen geblieben. Ueber der Wurzel
der Hinterbeine macht sich ein gelblicher, stark vorsprin-
gender Höcker bemerklich !). Von dem Sporn der Hinter-
füsse ist keine Spur mehr vorhanden. Der fadenförmige
Anhang am Schwanzende existirt entweder nur noch als
kurzes Spitzchen von schwärzlicher Farbe, oder derselbe
ist ganz verloren gegangen; im letzteren Falle ist jedoch
die äusserste Schwanzspitze noch schwarz gefärbt. — Die
1) Dieser Höcker entsteht nur in Folge der Abmagerung; er
wird durch die unter der Haut vortretende Spitze des Darmbeines
gebildet. Bei Tr. palustris ist er im Sommer ebenfalls zu beobachten,
erscheint indess weniger ausgeprägt und nicht durch die Färbung
unterschieden,
Ueber Triton helveticeus. 25
»anze Färbung ist viel weniger lebhaft, bald dunkler, bald
heller trüb olivengrün. Die Zeichnungen sind sehr ver-
schwommen, die Flecken auf einen viel geringeren Um-
fang beschränkt, mitunter fast fehlend oder in die Grund-
farbe aufgegangen; nur die Schwanzflecken besitzen noch
eine grössere Ausdehnung. ÖOber- und Unterseite gehen
in ihrer Färbung in einander über, indem die seitlichen
Fleekenreihen ganz verwaschen erscheinen. Die Zeichnun-
gen des Kopfes sind viel weniger scharf; zuweilen ist der
ganze Oberkopf fast einfarbig gelblichbraun und der Au-
- genstreif kaum noch zu erkennen. Die Färbung der
Bauchseite bleibt im Ganzen dieselbe, nur scheint das Gelb
ausgedehnter und intensiver zu werden. Die Beine sind
undeutlicher gefleckt, die hinteren fast einfarbig, viel dunk-
ler als die vorderen. Die wenig vorragende Kloake ist
. schwätrzlich.
a Das Weibchen weist weniger Veränderungen auf;
- im Ganzen ist es dem Männchen-ähnlicher geworden, na-
- mentlich dadurch, dass überall auf dem Körper eine aus
e schwarzen Fleckehen bestehende Zeichnung aufgetreten
ist. Die Flecken an der Bauchseite sind grösser, jetzt
“ scharf begrenzt und tiefschwarz. Die Rückenleiste ist
bedeutend stumpfer, und lebhafter orangegelb geworden ;
in dieselbe Farbe spielt auch die ganze mediane Partie
"des Rückens. Der Höcker über den Hinterbeinen ist
eben so entwickelt wie beim Männchen; der Sporn ist
auch hier ganz verschwunden. Der Schwanzfaden fehlt
ebenfalls; die äusserste Spitze des Schwanzes ist schwärz-
" lieh. Die Schwimmhaut hat dieselbe Ausdehnung behal-
ten, ist also jetzt viel grösser wie beim Männchen. Die
. Haut lässt namentlich an den Körperseiten sehr schwache
helle Körnchen bemerken.
° Der Triton helvetieus giebt, wenn man ihn unsanft
er denselben quäkenden Ton von sich wie Tr. palu-
stris. Von einem unangenehmen Moschusgeruch, der nach
E.. und Bibron dem a un soll, habe
Die Synonyme der eben besprochenen Triton-Art
N
i)
ag RE
nr 2
en
BT Re EL EM
26 Brüggemann:
war in früherer Zeit sehr verworren; erst Leydig hat in
dieselbe volles Licht gebracht. Warum übrigens dieser
ER a ee
ee
Forscher nicht den von Razoumowsky vorangestellten
und keineswegs unpassenden Namen „paradoxus“ wählte
und dafür lieber den wenig bezeichnenden: „helveticus“
einführte, ist nicht recht einzusehen ; doch dürfte eine
nachträgliche Aenderung kaum zu empfehlen sein. — Die
Synonyme finden wir bei Schreiber ziemlich vollständig
aufgezählt. Indess sind noch einige Citate nachzufragen,
von denen hier nur diejenigen genannt werden sollen,
welche sich auf Artnamen beziehen, die von Schreiber
nicht erwähnt worden sind: |
Salamandra (Lacerta) „aguatica“. Sonnini Hist. nat. d.
rept. II. p. 248. tab.243. fig.4 (1802). — Latreille spricht
in seinem Werke „Salamandres de France“ die wenig ge-
rechtfertigte Vermuthung aus, es möge die Lacerta aqua-
tiea Linne’s mit der Salamandra palmipes identisch sein.
Sonnini, der zwei Jahre später für Latreille’s Histoire
naturelle des reptiles (die einen Theil der Duodez-Ausgabe
der Buffon’schen Werke bildet) die Molche, und zwar
ganz ohne Kritik, bearbeitete, nimmt nun unbedenklich
die Linne@sche Benennung für das Thier auf. Dass dies
Verfahren ein durchaus irrthümliches ist, braucht kaum
bemerkt zu werden; übrigens habe ich bereits darauf auf-
merksam gemacht, dass Linne& aller Wahrscheinlichkeit
nach nur den Triton taeniatus aus eigener Anschauung
kannte, und dass demnach Lacerta palustris L., L. vulga-
rıs L. und L. aquatica L. nur auf die letztgenannte Art 7
zu beziehen sind.
Lissotriton appendieulatus. Bell i. liti. — Mit obigem “
Namen hat Bell nach seiner eigenen Angabe (Hist. of 7
Brit. rept. ed. II. p.155) anfangs den „Lissotriton palmi-
pes“ (= Triton helvetieus) bezeichnet.
Triton minor. Higginbottom. Annals and magaz. of]
nat. hist. II. ser. XII. p. 382. tab. 16. fig. 8, 9. (1853). —
Der Verf. giebt einige dürftige Notizen und ein paar sehr 4
rohe Abbildungen von dieser Art; übrigens hält er es für
nothwendig, auch die beiden gemeinen englischen Arien
mit neuen Namen zu versehen!
Ueber Triton helveticus. 27
Die Fundorte des Fadenmolches beschränken sich
bekanntlich auf das westlichere Europa; zu den bei Schrei-
ber aufgeführten wäre von früher bekannten ausserdeut-
schen noch die Insel Wight (nach Bell) hinzuzufügen.
Ausserdem vermag ich hier noch einen neuen Fundort
namhaft zu machen : das nordwestliche Italien. Leydig
hat nachgewiesen, dass die italienischen Faunisten Bona-
parte und de Betta unter ihrem Triton palmatus den
Tr. taeniatus verstanden haben; er glaubt überhaupt aus
geographischen Rücksichten das Vorkommen des ächten
Triton helvetieus in Italien bezweifeln zu müssen. Den-
noch gehört letzterer zuverlässig der italienischen Fauna
an: Herr v. Bedriaga entdeckte ihn nämlich in grösse-
rer Anzahl in einer steinernen Cisterne bei Bordighera
(am Mittelmeer, östlich von Nizza). Es ist allerdings wahr-
seheinlich, dass die Verbreitung sich von hier aus nicht
viel weiter nach Osten erstreckt. Die lebend mitgebraeh-
ten Exemplare waren sämmtlich Männchen; die Beschrei-
bung des Weibehens habe ich nach einem lebenden Exem-
plare von Fontainebleau entworfen.
Schliesslich möchte ich nochmals den westdeutschen
Thierfreunden das Nachsuchen nach dieser Art sowie nach
dem in Deutschland bisher noch nicht beobachteten Triton
vittatus und anderen speeifisch westeuropäischen Lurchen
_ empfehlen. Immerhin mag das Vorkommen derselben ein
seltenes und local beschränktes sein; so fanden sich z.B.
unter einer grossen Anzahl von Tritonen, die ich durch
Herrn Herm. Müller jun. aus der Gegend von Lippstadt
erhielt, keine Individuen des Tr. helveticus vor. Da in-
dess diese Art durch Dr. Bertkau auch für die Umge-
bung von Bonn nachgewiesen wurde, so ist kaum zu be-
zweileln, dass dieselbe sich als im Rheingebiet sehr ver-
Mi breitet erweisen wird; und da sie noch in der Gegend
von Bremen vorkommt, so dürfte sie auch in den zwischen-
diegenden Ems- und Wesergegenden zu finden sein.
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NEN
Beiträge zur Naturgeschichte der Milben.
Von
P. Kramer Dr. phil.
| zu Schleusingen.
Hierzu Tafel III.
Im Nachfolgenden sind über einige anziehende Kapitel
aus der Naturgeschichte der Milben kurze Bemerkungen
enthalten, die mir der öffentlichen Erwähnung werth er-
scheinen. Es wird 1) über die Frage, welches Beinpaar
der Milben beim Uebergang aus dem Larvenstadium in
die erste achtbeinige Form nachgebildet wird, einiges Beob-
achtungsmaterial geboten. Es folgt 2) die Beschreibung
der merkwürdigen Ausbildung von Leibesringen bei einer
dem Dermaleichus verwandten Milbe;; 3) die Beschreibung
einer neuen dem Tyroglyphus es Milbe; 4) Ver-
gleichung der Mundtheile von Cheyletus, Tyroglyphus und
jener neuen Milbe; 5) eine neue Beobachtung über die
Hypopus als Männchenform von Tyroglyphus. WUeberall
durch die Beobachtungen die einschlagenden Streitfragen
‘entschieden zu haben, kommt mir nicht in den Sinn, so
namentlich nicht in der fünften Abtheilung, wo vielmehr die
Ungewissheit mit meiner Beobachtung wieder begonnen hat. 9
Es sind aber die Milhen ein noch so wenig durchgrei-
fend bearbeitetes Gebiet, dass selbst Bruchstücke wie diese
fünf manches bieten können, was anderen Naturfreunden
Gelegenheit giebt, ihre Beelachann zu Fvervallatandızen
und auf neue Seiten hinzulenken.
Kramer: Beiträge zur Naturgeschichte der Milben. 29
1) Welches Beinpaar teblt den Milbenlarven ?
Die Frage, welches Beinpaar bei den Milben nach der
Larvenzeit nachgebildet werde, scheint noch immer eine
- offene zu sein, da in den zoologischen Handbüchern sich
wohl noch die ganz allgemeine Bemerkung findet, dass das
der Reihenfolge nach zweite Beinpaar des entwickelten
Thieres das nachgebildete sei, während sich in monographi-
- "sehen Arbeiten für manche Arten die Nachbildung des
- vierten Paares als wahrscheinlich herausstellt.
& So hat z.B. H. A. Pagenstecher für mich über-
- zeugend nachgewiesen, dass bei Ixodes rieinus das vierte
- Beinpaar das später auftretende ist.
n In den allerwenigsten Fällen mag ein Urtheil über
die Nachbildung dieses oder jenen Beinpaars auf wirklicher
Beobachtung beruhen, denn die Häutungen bei den Milben
gehen unter so ganz besonderen Verhältnissen vor sich,
dass man in den Fällen, wo die Beinpaare keine wirklichen
Verschiedenheiten zeigen, von vorn herein gar nicht sagen
kann, ob nach überstandener Häutung das neu hinzuge-
kommene das erste oder letzte der nun vorhandenen ist.
“ Nur in den Fällen, wo ein Beinpaar ganz besonders auf-
" fallende Kennzeichen besitzt, lässt sich die Periode, in
welcher es entstanden ist, durch wenige en
feststellen.
Solche besondere Kennzeichen besitzt in ganz aus-
gezeichnetem Maasse eine Milbe, welche auch sonst des
merkwürdigen genug bietet und die ich in Gallen auf
“ Prunas padus vorfand. Ich bin versucht sie als die Ge-
“ sehleehtsthiere der vierbeinigen Larven, dieman gewöhnlich
’ für Phytoptus hält, anzusprechen, da ich sie in jedem
Gallen zu Schaaren antraf. Wären es nur zufällige Be-
'wohner der Milbengallen gewesen, so wäre es nicht ein-
fach zu erklären, dass siein sämmtliche, doch ziemlich schwer
zugängliche Gallen in solcher Menge eingedrungen wären.
Indess lasse ich hier die Frage über den Zusammenhang
ieser Milbe mit Phytoptus unerörtert, vermeide es auch
unächst einen neuen Namen für das merkwürdige Geschöpf
zuführen, da möglicherweise doch der genetische Zu-
30 Kramer:
sammenhang dieser Milbe mit Phytoptus nachweisbar sein
könnte, und gehe auf die Thatsache ein, dass bei dieser
Milbe ganz bestimmt das vierte Fusspaar das zuletzt ge-
bildete ist, dass also ganz bestimmt das zweite Fusspaar
bereits bei der Larve gefunden wird. Das vierte Fusspaar
ist nämlich bei beiden Geschlechtern völlig anders gestaltet,
als die drei übrigen. Beim Weibehen, Fig. 1, scheint es
eine rückgängige Entwicklung durchgemacht zu haben, es
ist nur noch rudimentär. Beim Männchen, Fig. 2, hat es
in Folge anderer Funktionen, die dem Fusspaar zugewiesen
sind, eine colossale Entwicklung erfahren und ist breit,
plump und zum Gehen ebenso untauglich, wie dasselbe Fuss-
paar beim Weibchen.
Als näheres Detail der Beschreibung zu den Bean
1 u. 2 mag nur noch erwähnt werden, dass die hintersten
Füsse der Weibehen der Kralle verlustig gegangen sind,
An der Spitze des dünnen schmächtigen Endgliedes finden
sich ein längeres und ein kürzeres Haar, welche bei der
Oberansicht der ganzen Milbe gerade noch gesehen werden,
so dass das Thier sechsbeinig und mit einem Paar längerer
Haare am Hinterleibsrande versehen erscheint. Die andern °
Glieder des Fusspaares sind ebenfalls dünn und lassen
das ganze Paar wie ein Anhangsgebilde zum dritten Fuss-
paar erscheinen, dem es ausserordentlich nahe gerückt ist.
Beim Männehen, dessen Hinterleibsende wie ein Kameels-
höcker mehr auf den Rücken gerückt ist, scheint das vierte
Beinpaar beim Begattungsakt Dienste leisten zu müssen, ist
also Greiforgan geworden und hat dem entsprechend eine
starke hakenförmige Klaue erhalten, welche am Ende einer °
. Reihe sehr stark verbreiterter Fussglieder sich befindet. n
Beim Männchen ist gerade dies vierte Fusspaar das aller-
stärkste und treibt daher auch in seiner Umgegend das 5 |
Tbier zur grössten Breite auf, während das Weibchen ®
seine breiteste Stelle zwischen dem zweiten und dritten
: Fusspaar zeigt.
Hier haben wir also in beiden Geschlechtern sehr merk-
bare Gebilde und da ündet sich denn, dass die sechsbei- “
nige Larve diese merkwürdigen Füsse nicht besitzt. Nun
bleibt die doppelte Annahme übrig, dass die neu hinzu-
‚Beiträge zur Naturgeschichte der Milben. 31
kommenden Füsse das vierte Paar des vollkommenen Thieres
darstellen, oder dass das neue Paar im erwachsenen Thier
das dritte Paar würde, dann aber das letzte Fusspaar der
Larve sich während der Larvenruhe derart umwandle, wie
es nun im erwachsenen Thier erscheint. Dieses letztere
ist wohl schwerlich das Richtige, wenigstens lässt die direkte
Beobachtung bei einer der Häutung nahestehenden Larve
die erste Annahme als die bei weitem wahrscheinlichere
erscheinen. Man sieht nämlich deutlich, dass in der Höhe
der beiden vordern Paare wieder zwei Fusspaare und zwar.
nach vorn gestreckt liegen. In der Höhe des dritten Fuss-
paares liegt ein diesem gleich gestaltetes und erst hinter
diesem das ebenfalls nach hinten gestreckte vierte Fuss-
paar. Da dieses sich in einer Leibesgegend liegend findet,
wo früher kein Fusspaar sich befand und da das dritte
Fusspaar des ausgebildeten Thieres völlig die Form des
letzten Larvenfusspaares besitzt, so schliesse ich, dass das
vierte Fusspaar das neugebildete ist.
Anders dagegen scheint es bei den Wassermilben und
zwar speciell bei der Gattung Nesaea Koch zu sein. Hier
bildet sich entschieden eines der beiden ersten a
nach, allerdings muss ich es im Zweifel lassen, weiches
von beiden. Schlüsse sind es, welche zu dieser as
gung geführt haben, da Beobachtungen bei der Schwierig-
keit, junge Wassermilben in engen Gefässen zu ziehen, mir
noch nicht geglückt sind.
Bekanntlich ist bei den Wassermilben die Trennung
der Fusspaare in eine vordere und eine hintere Gruppe
sehr deutlich ausgesprochen. Die sogenannten Hüftplatten
oder Epimereu machen diese Sonderung sehr kenntlich,
- indem zwischen der zweiten und dritten Hüftplatte jeder
Seite ein Zwischenraum eingeschaltet ist, in welchem ein
Haar nebst Porenöffnung hineingerückt ist. Beobachtet man
nun junge Nesaeen, so findet man sehr bald die ungemein
ausgedehnten Hüftplatten der beiden hinteren Fusspaare als
eine einzige Platte, in welcher ganz wie beim erwachsenen
vi I Thier, durch eine dem vorderen Rande näher als dem
| iiferen Rande gelegene verdickte Leiste die Gränze
y
ü Brrenon der dritten und vierten Fussplatte angedeutet
32 Kramer:
ist. Ebenso deutlich wird man den weichhäutigen Zwi-
schenraum zwischen den vorderen und hinteren nn
bemerken.
Die vorderen Hüftplatten sind aber noch einfach und
jede trägt , auch nur ein einziges Bein. Hiermit ist klar,
dass bei der Larve die hinteren Beine bereits völlig wie
beim erwachsenen Thier vorhanden sind, dass dagegen
vorn ein noch unfertiger Zustand herrscht. Noch aber
kann das bei der Larve schon vorhandene vordere Fuss-
paar beim erwachsenen Thier entweder erstes oder zweites
Fusspaar werden, eine direete Beobachtung, die beurthei-
len liesse, welches von beiden bereits im Larvenstadium
vorhanden gewesen, liegt nicht vor. Wenn man sich dafür
entschied, lieber das zweite als das erste bei der Larve zu
vermissen, so möchte dafür die Meinung massgebend ge-
wesen sein, dass das erste Fusspaar eigentlich zu den
Mundtbeilen gezählt wurde, und solche wichtige Gliedmaas-
sen doch nicht erst nach einer verhältnissmässig langen
Lebensdauer gebildet werden dürften. Doch ist auch diese
Meinung von der Bedeutung des ersten Fusspaars durchaus
nicht zu begründen und bleibt eine blosse Annahme, von
der aus man allerdings die Annahme von der Nachbildung
des zweiten Fusspaares bilden, aber nicht beweisen kann.
Es muss also, bis neue Beobachtungen die Lücke ausfüllen,
bei den Hydrachniden unbestimmt gelassen werden, ob
das zweite oder das erste un in der a
nachgebildet werde.
2) Die Segmentirung des Milbenkörpers.
Dieselbe Milbe, welehe mir vorhin Veranlassung gab,
einige Bemerkungen über die Nachbildung des einen Fuss-
paares zu machen, besitzt in ihrer wunderschönen Segmen-
tirung einen Charakter, der sie vielleicht vor allen bisher
bekannt gewordenen Milben auszeichnet. Es giebt ja aller-
dings Milben genug, bei denen durch eine Abschnürung
des Leibes zwischen dem zweiten und dritten Fusspaar
eine Segmentirung eingeleitet ist, jedoch nimmt gerade ©
° [27 je . . B %
diese Abschnürung oit nur den Charakter einer einfachen
4
Beiträge zur Naturgeschichte der Milben. 33
zerfällt mit” dem kopfartigen Anfangsstücke in sieben
deutlich abgetrennte Halbringe, welche beim Weibchen, des-
- sen Hinterleib nicht durch so monströs umgestaltete Hin-
terfüsse umgebogen wird, ganz besonders deutlich zu sehen
sind. Auch sind es nicht bloss Einschnürungen der Haut,
durch weiche, eiwa wie bei Raupen, die Ringe von ein-
_ ander getrennt erscheinen, sondern der eine Ring legt sich
eine gute Strecke über den nächstfolgenden, so dass wir
genau ein Bild ähnlich einem Insektenhinterleib bekom-
men. Eine solche Erscheinung ist in der That auffallend
genug, um näher berücksichtigt zu werden, und da das
- Material zur Untersuchung in überreichem Maasse jedem,
- weleher Milbengallen auf Prunus padus gefunden hat, zu
Gebote steht, so wird eine Untersuchung die Beobachtung
- leieht bestätigen. Ganz identi <h ist nun trotz der grossen
- Aehnlichkeit die Segmentbildung nicht mit der der In-
{ - sekten. Ein Halbring nämlich, der dritte, überragt sowohl den
zweiten als auch den vierten Ring, so dass er als Haupt-
stück erscheint, er besitzt breite freie Seitenränder und
bedeckt wie ein Rückenpanzerstück den mittleren Theil
des Thieres. Auch ist er der breiteste, obwohl der vierte
ihm wenig an Breite nachsteht. Aehnlich, wie der dritte
Ring, dehnen sich wohl die andern auch nur über den
Rücken und die Seiten des Körpers aus, sind mit ihren
- Seitenrändern aber fester mit dem Leibe verbunden, als es
sich beim dritten Ringe herausstellte, indem hier die Sei-
tenränder beim Druck mit dem Deckgläschen oft fügel-
artig nach beiden Seiten sich aufklappen liessen. Die
Ringe tragen auf ihrem obersten oder Rückentheile einige
_ Haare und zwar der zweite ein Paar, eins jederseits ziem-
lieh entfernt vom hinteren Rande. Der dritte Ring trägt
_ ebenfalls ein Paar, doch stehen die Haare ganz dicht am
hinteren Rande, der vierte Ring ermangelt der Haare, der
fünfte, sechste und siebente dagegen besitzt wie er je
ein Paar, dessen Haare ganz wie auf dem ersten Ringe
"stehen. Soviel von der äusseren Erscheinung. Es ist na-
türlich, dass hierbei die immer wieder behandelte Frage
m der etwaigen Thoracal- und Abdominalgränze bei Milben
ch in den Vordergrund drängt.
Archiv für Naturg. XXXXIE, Jahrg. 1. Bd. 3
CHBL
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7 zn
34 Kramer:
Der zweite Leibesring unserer Milbe trägt die beiden
ersten Fusspaare, wenigstens fällt der hintere Rand des
auf dem Rücken ganz scharf abgegränzten zweiten Ringes
weit hinter die Hüftglieder der beiden ersten Fusspaare.
Nimmt man nun auch bei anderen Milben an, dass zwar
auf dem Rücken sich die Thoraxglieder gut ausgebildet
erhalten haben, während sie auf dem Bauche fast völlig
vom Abdomen verdrängt sind, so geht diese Annahme bei
unserem Thier wohl nicht an, da wir hier eine schön und
deutlich ausgesprochene, bis auf die Seiten des Leibes völ-
lig scharf sichtbare Segmentirung beobachten. Es müssen
die auf dem Rücken markirten Segmente, ohne eine ge-
zwungene Annahme zu machen, auch nach dem Bauche zu
fortlaufend gedacht werden, so dass die Gränzlinie der-
selben wie eine gewöhnliche Kreisliniie um den Leib des
Thieres herumläuft. Es kämen demnach, wie oben schon
erwähnt, die beiden ersten Fusspaare in den zweiten Lei-
besring, die beiden letzten, ebenfalls dicht aneinanderste-
henden Fusspaare, in den vierten Ring. Das wichtigste
Ergebniss dieser Beobachtung scheint mir zunächst das zu
sein, dass man für die Trennung der beiden ersten Fuss-
paare auch selbst bei der so deutlichen Leibessegmentirung
keinen Anhalt hat. Man will ja bekanntlich das erste
Fusspaar noch zu den Mundtheilen ziehen, so dass das
zweite Fusspaar eigentlich das erste wirkliche wäre. Würde
sich eine Segmentirungslinie zwischen dem ersten und
zweiten Fusspaare finden, so würde diese Ansicht allerdings
an Wahrscheinlichkeit gewinnen. Dem ist aber nicht so,
und daher vermag ich noch immer nicht mich zu ihr zu
bekennen. Allerdings befindet sich zwischen den Füssen
des ersten und zweiten Paares je einer Seite bei unserer
Milbe ein sehr merkwürdiges Organ, nämlich ein kleiner
gestielter Kolben, den man möglicherweise für ein Sinnes-
organ halten kann. Es wäre damit die Gränze des Ko-
pfes über das erste Fusspaar hinausgerückt, jedoch nur
unter zwei Voraussetzungen, von denen die erste nicht all-
gemein gültig und die zweite für unsern Fall nicht erwie-
sen ist, dass nämlich nur der Kopf Sinnesorgane tragen m
kann und dass das Kölbehen ein Sinnesorgan ist,
ge a Et Se:
Beiträge zur Naturgeschichte der Milben. 35
Durch die ganz evidente Segmentirung, weiche unsere
' Milbe auf der ganzen Länge ihres Leibes und nicht blos
am Abdomen zeigt, wird die Untersuchung auf bei andern
Milben etwa vorhandene Andeutungen einer Segmentirung
wieder von neuem geführt, so namentlich bei den Gama-
siden, welche in ihren hRückenpanzern ganz deutliche Reste
einer solchen besitzen. Bei ihnen ist ganz allgemein das
Muskelbündel, welches die Scheerentaster bewegt, an derjeni-
gen Stelle des Rückens befestigt, welche bei den Gama-
susarten mit getrenntem Rückenschilderpaar durch ee
hinteren Rand des vorderen Rückenschildes angedeutet is
Die Spalte zwischen den Rückenschildern muss also a jr
eine Segmentirungslinie angesehen werden, über deren Be-
* deutung später in einer künftigen Arbeit gehandelt wer-
den soll.
. Anmerkung. Die Stellung unserer Milbe im Systeme
macht wegen der Segmentirung Schwierigkeit. Abgesehen
davon würde sie noch am meisten Anknüpfungspunkte an
die Gattungen Tyroglyphus, Glyeiphagus und Rhizoglyphus
- bieten, namentlich an Tyroglyphus, obwohl auch bier nur
die eigenthümliche Verbindung der Epimeren der Füsse des
ersten Paares das vollkommen übereinstimmende Merkmal
ist. Die Mundtheile zeigen einen Stechapparat, dessen
Einzelheiten klar zu durchschauen mir nicht gelang. Die
Füsse besitzen eine Doppelkralle mit Haftscheibe. Am
meisten charakteristisch ist das Vorhandensein von Tra-
‚cheen, ‘welche bei jenen Gattungen völlig fehlen. Da wo
der Kopfring mit dem zweiten zusammenstösst, befindet
\ sich jederseits ein Stigma, von welchem ein Tracheenfaden
_ gekrümmt bis an das Leibesende fortläuft, dort umbiegt,
. wieder nach vorn verläuft und dicht an dem Stigma en-
digt, so besitzt also das T'hier im Ganzen nur zwei unver-
ee Tracheenröhren. Saugnäpfe sind in keinem der
36 Kramer:
3) Ein neues Acaridengenus.
Eine Milbe, welche der Gattung Tyroglyphus näher
steht als die im vorigen Abschnitt besprochene, fand sich
in grösster Menge in einem seit Jahresfrist unberührten
Fässchen, dessen früherer Inhalt in Weisskohl bestand.
Der Deckel war hineingefallen, hatte sich dann unter dem
Einduss der im Fass befindlichen Flüssigkeit mit schimmel-
artigem Ueberzug bedeckt und trug an seinen feuchten Stellen
haufenweise neben vielen Gamasen und Tyroglyphen, neben
Fliegenmaden und Staphylinen, die in Fig. 3 dargestellte
Milbe. Sie ist äusserst langsam in ihren Bewegungen, die ihr
überhaupt nur in einem ganz feuchten, wo möglich von Flüs-
sigkeit ganz durchtränkten uad geradezu schwimmenden
Aufenthaltsort auf die Dauer möglich sind. An die Luft
gebracht, vertrocknet sie bald völlig. Ihre Farbe ist bei
auffallendem Lichte glänzend weiss von den im Körper
massenhaft entwickelten Fettkügelchen, bei durchgelassenem
Lichte dunkel. Der letztere Umstand erschwert die Unter-
suchung und macht namentlich bei gepressten Objecten fast
jede Beobachtunz illusorisch. So sind mir nur die äus-
seren Verhältnisse so deutlich geworden, dass darüber Aus-
reichendes beigebracht werden kann, und das besteht in
manchen Punkten aus interessanten Details. So sind die ”
Mundvorrichtungen schön und merkwürdig entwickelt. Sieht
man bei angemessener Vergrösserung ohne Anwendung °
eines Druckes eins der Thiere genan an, so scheint es 7
einen Stechapparat zu besitzen. Doch ist dieses nicht der
Fall, vielmehr sind die stechborstenartigen Gebilde nur °
die oberen, von der schmalen Seite her gesehenen verlän-
gerten Aeste der sehr merkwürdig gestalteten Taster, von ”
denen die Fig.4 eine Seitenansicht zeigt. Sie sitzen ge-
nau da eingefügt, wo die Scheerentaster bei Tyroglyphus %
u.8.w. sich finden. Die mit gekrümmten Zähnchen be- %
waffneten Arme sind blass, aber scheinen doch eine ge- 4
wisse Härte zu besitzen, na ich niemals einen zerbrechen 5
sah. Diese Taster, deren nähere Beschreibung völlig un- 4 |
möglich ist, entsprechen den fühlhörnerartigen Tastern @
der Bdelliden, den merkwürdigen Greifarmen von Chey-
Beiträge zur Naturgeschichte der Milben. 37
letus, den gewöhnlichen Tastern der anderen Milben. We-
nigstens sind sie die nächsten nach dem Munde zu einge-
lenkten Gliedmassen, von den Füssen ab gerechnet. Die
anderen nun folgenden Mundgliedmassen werden am besten
nach einer von unten genommenen Abbildung des vorderen
Kopfabschnitts Fig. 5 aan werden. Indem ich nämlich
die Deutung bis zu einem anderen Capitel aufspare, sei hier
nur erwähnt, dass am vorderen Rande des Kopfes sich
ein tiefer, schnitt befindet, weleher zwei an ihrem äus-
seren Rande vorn mit einer scharfen Einbuchtung verse-
bene Chitinstücke herstellt Fig. 5, x. In jeder dieser
Einbuchtung ist beweglich ein blattförmiges Organ (d)
eingelenkt, welches zwei unbewegliche lange, seitlich und
rückwärts gerichtete Haare trägt. Der hintere Seitenrand
dieses Be ornigen Organs ist zierlich lappenartig ausge-
randet. Zwischen jenen beiden Hauptchitinstücken a
befindet sich ein unpaares kleineres (ce), welches offenbar
an der mittleren verdickten Stelle. die Mundöffnung trägt.
Dieses mittlere Stück erscheint allerdings stachelartig, zu-
mal da es mir bei einigen Beobachtungen vorn besonders
zugespitzt erschien, doch wird dieser Gedanke doch auch
wieder dadurch, dass kein Muskelapparät zu einer Bewegung
” sichtbar werden will, weniger wahrscheinlich. So viel
zunächst über die Mundwerkzeuge. Ueberragt werden sie
" durch eine dachförmige Verlängerung des Thorax, eine
Verlängerung, die vorn an beiden Seitenecken ein rück-
‚wärtsgekrümmtes Haar trägl. Um den Leib läuft in der
Gegend zwischen dem dritten und zweiten Fusspaare eine
"deutliche Einschnürung, ein Merkmal, welches unsere Milbe
Mi mit der Gattung Tyroglyphus gemein hat, auch berühren
sich, wie bei dieser, die Hüftstützplättchen der Füsse
des vordersten Paares in der Mitte. Die übrigen Epime-
ren verhalten sich ebenfalls genau so wie bei Tyroglyphus.
_ Wenn so die untere Seite eine entschiedene allgemeine
_ Aehnlichkeit un Br der feine besitzt, so unter-
38 Kramer:
zwischen dem zweiten und dritten Fusspaar befindet, die
beiden anderen stehen links und rechts vor der Geschlechts-
öffnung ziemlich weit auseinandergerückt. Die Geschlechts-
öffnung ist lang und eigentlich recht weit nach hinten ge-
schoben, viel mehr als es die verwandten Gattungen Ty-
roglyphus und Glyciphagus zeigen. Die Afteröffnung ist
bereits nach oben auf den Uebergangstheil zwischen Rücken
und Unterleib gerückt. Ebenso charakteristich, wie die
eben namhaft gemachten Kennzeichen, ist die Behaarung
der Milbe. Sie besteht aus zwiefachen Haaren. Ganz
kurze unregelmässig über den Körper zerstreute, namentlich
aber am hinteren Ende dichter gestellte, und grosse merk-
würdig hakenartig sekrümmte an den Stellen, die unge-
fähr für Milben charakteristisch sind. Die Füsse sind kurz,
wenig behaart und eigentlich schlank, sie bestehen aus
fünf frei beweglichen Gliedern, von denen das letzte das
längste und durch seine bei manchen Fusslagen ganz auf-
fallende Verdünnung nach vorn zu am meisten ausgezeich-
nete ist.
Sämmtliche Füsse tragen nur je eine ziemlich robuste
Kralle und keinen Haftlappen. Schon bei oberflächlicher
Beobachtung fällt das lange Haar auf, welches an den
vier vorderen Füssen am äussersten Ende des Tarsus neben
der Kralle seinen Ursprung nimmt. Ueberhaupt sind die
ersten Fusspaare auch namentlich durch die Behaarung
von den beiden letzten besonders unterschieden. Die mög-
lichst. genaue Abbildung eines weiblichen Fig. 6, und: dane-
ben eines vermuthlicher Weise männlichen Tarsus Fig. 7,
stellt am Grunde des Tarsusgliedes eines jener dicken, oben
keulenförmig anschwellenden Haare vor die Augen, wie
sie bei den merkwürdigen Milber der früheren Gattung
Acarus häufig vorkommen. Bei dem weiblichen Tarsus ist
das Verhältniss der Länge zur grössten Breite an der Ein-
lenkungsstelle mit dem vierten Fussgliede wie 7 : 27,
bei dem andereu, welches ich von einem allem Anschein
nach männlichen Individuum genommen habe, stellt sich
das Verhältnisss wie 7 : 16. Bei jenem ist eine starke
aber doch einfache Kralle vorhanden, bei diesem eine ent-
schiedene Doppelkralie, indem der Tarsusrand sich haken-
Beiträge zur Naturgeschichte der Milhen. 39
- förmig erweitert, und so eine Kralle gebildet hat. Die
‘ hinteren Füsse sind bei weitem weniger behaart, als die
* Vorderfüsse und entbehren namentlich jener langen Haare
an dem vorderen und der Kenlenhaare am hinteren Ende.
| Durch die vorstehenden Notizen und die beigefügten
sorgfältig nach den genauen Maassen verfertigten Zeich-
nungen scheint die behandelte Milbe genugsam charakteri-
sirk. Sie gehört keinem bekannten Geschlechte an und
wenn sie auch dem Tyroglyphus am nächsten kommt, so
- ist doch der Mangel von Scheerentastern und das dafür beob-
achtete merkwürdige kammähnliche Gebilde neben der eigen-
- thümlichen Stellung der Saugnäpfe auf dem Bauche Grund
genug, sie mit einem neuen Gattungsnamen in das Sysiem
4 einzuführen. Sie mag Phyllostoma pectineum heissen nach
- den blattfürmigen Kieferfühlern und den kammförmigen
4 Kiefertastern. Um für die Stellung der nenen Gattung
wenigstens eine Art Anhalt zu haben, wende ich noch ein-
“ mal die Aufmerksamkeit auf die-Mundwerkzeuge der be-
- sproehenen Milbe und einiger verwandten Geschlechter.
4 4) Vergleichung der Mundwerkzeuge
E von a Tyroglyphus, Phyllostema und einiger
anderer Milben.
| Fumonze und Robin haben in ihren Monographien über
N die zu dem früheren Geschlechte Acarus gehörige Milben
auch einer Milbe nähere Aufmerksamkeit gewidmet, welche
bisher nur unvollständig bekannt war. Die Gattung Chey-
tus ist von ihnen auch auf die Mundtheile und wie es
cheint genau betrachtet. Leider sind die Beschreibungen
er einzelnen Mundtheile nicht von Zeichnungen begleitet,
40 Kramer:
nungen ohne verlor Beschreibungen die Verhältnisse
darlegen.
Der ‘Kopf von Cheyletus verengert sich ‚nach vorn
schnabelartig, dochfist er nur oben durch eine ungetheilte
Hülle bedeckt. Auf der Unterseite bietet die Schnabelspitze
den in der Figur 5 dargestellten Anblick. Fin Einschnitt
rechts und links schneiden ein mittleres vorn abgerundetes
Chitinstück (b) aus. Die beiden Seitenlappen‘(a, a) sind
unbeweglich und; tragen auf der Unterseite sowie auf der
Oberseite je ein Haar, welches über die Schnabelspitze
herausragt. In der Höhlung, welche auf diese Weise unten
von den Stücken a und b begrenzt ist, liegen drei beweg-
liche Mundtheile, ein mittleres und zwei übereinstimmend
gebaute seitliche. Das mittlere (ec) ist ein schwertförmiges
breites, an seinem unteren linde mit einer Oeffnung ver-
sehenes Chitinstück, jedenfalls der Ort, wo die eigentliche
Mundöffnung sich findet. Die beiden seitlichen ' Organe
(d) sind Stechorgane von der Gestalt, wie sie Figur 9 zeigt,
in welcher der Zusammenhang der Stücke durch Druck
genügend gelöst ist. Sie haben eine gabelig getheilte untere
Hälfte und sind hier mit den Gabelzinken an . kräftige
Muskelbündel befestigt, welche wie rundliche Ballen‘ vor der
deutlich sichtbaren mittleren Tracheenöffnung gelegen sind.
Will man nach der gewöhnlichen in den Lehrbüchern
üblichen Benennung die Namen vertheilen, so würden es fol-
sende sein:
Kiefertaster: die armförmigen merkwürdig ge-
bauten Greiforgane (in der Figur nieht dargestellt);
Kieferfühler: nadelfömig (d); |
Aunge: schwertförmig (ec); _
Unterlippe: breit zugespitzt (b);
Anders gestalten sich die Mundtheile von Tyrogiyphus.
ich bewahre ein wohlgelungenes Präparat der kleineren
Mundgliedmassen von Tyroglyphus echinopus und erläutere
die Einzelheiten an Fig. 10, welche ein möglichst getreues
Bild des Präparates giebt. Auch von dieser Art geben
Fumouze und Robin in dem Archiv de l’anatomie et de )
la physiologie (Jahrg. 1868 p. 294--295) nur eine Be- 7
schreibung der Mundtheile, ohne eine Zeichnung beizufügen. 7
Beiträge zur Naturgeschichte der Milben. 4i
" Eslag ihnen offenbar mehr daran, durch höchst sorgfältige
Darstellungen der Füsse mit allen ihren Anhängen die Art
sicher zu stellen, als auf das eigentliche anatomische, zu-
nächst nicht gleich ins Auge fallende Detail einzugehen.
"Die Beschreibung der Mundtheile lässt aber, wie es bei
4 so zusammengesetzten Organen natürlich ist, den Leser
- über viele Punkte völlig im Unklaren. ei beginne bei
‘der Beschreibung von der Unterseite. Hier wird der Kopt
geschlossen durch das Chitinstück a, welches mit zwei
Zinken a‘ vorspringt; auf den Zinken stehen zweigliedrige
Taster d. E. Olaparede giebt den Tastern drei Glieder.
Er wurde dazu wahrscheinlich durch die zinkenartigen Vor-
sprünge des Kopfpanzers verleitet. Zwischen die Zinken
Bi legt sich ein mittleres breites, vorn eingeschnittenes Chitin-
stück b, welches vorn die Taster d von unten bedeckt.
- Weber dem mitileren Stück b befindet sich der die Mund-
) Öffnung selbst tragende Theil, wie gewöhnlich in Gestalt
_ einer Lanzette (ce), die einen aus verschiedenen Chitinleisten
bestehenden Stützapparat besitzt. Ueber diesem lanzett-
förmigen Organ bemerkte ich noch ein frei bewegliches,
ebenfalls schmal ianzettförmiges Organ (d). Das Chitin-
serüst (xx) für die Lanzette e hängt zusammen mit dem
weit zurückgezogenen oberen Rande der Mundhöhle. In
der Mitte des auf diese Weise ungemein verkürzten oberen
Kopfdeckblattes sind die hohen und platten Scheerentaster
u eingefügt, welche die Tyroglyphen und Glyeiphagen so eng
J. ‚an die Oribatiden anreihen. Werden die Mundtheile, welche
“ "bisher beschrieben wurden, nach gewöhnlicher Weise be-
nannt, so sind es folgende;
. Kiefertaster: scheerenföürmige Organe tragende
Taster (in der A nicht gezeichnet) ;
! . Kieferfühler: die zweigliedrigen Taster (d);
Zunge: das er lanzettförmige Organ (ec);
Unterlippe: der breite mittlere Lappen (b). |
Es bliebe also hier noch das zweite lanzettförmige
Organ zu benennen übrig. Nehme ich nun hierzu die
Mundtheile der neuen von mir oben beschriebenen Milbe,
Phyllostoma, so finden wir bei ihr ‚folgendes nach der ge-
i wöhnlichen Benennung :
42 Kramer: ei,
Kiefertaster: die eigenthümlichen kammartigen
Organe. | AN u a
Kieferfühler: die blattförmigen Organe mit einem
Paar rechtwinklich zu einander stehender Haare (Fig. 5 d).
Zunge: das mittlere Glied, in welchem zugleich wohl
die Unterlippe enhalten sein kann.
. Werden so die nach möglichst sorgfältigen Beobach-
tungen gefundenen Mundtheile einiger der niedrigsten
Milben mit denselben Organen der Trombidien oder Gama-
siden verglichen, so fällt eine grössere Uebereinstimmung
auf, als sie bisher vielleicht angenommen wurde. Aller-
dings nehme ich hierbei die Mundtheile unter den Trom-
bidien von Erythraeus parietinus in Betracht, die ich selbst
untersuchte und von denselben Theilen des von Pagen-
stecher untersuchten Trombidium holosericeum nicht un-
wesentlich verschieden fand. Pagenstecher weiss nichts
von der Existenz eines Organs, welches ich im Vorherge-
henden Zunge nannte; sie mag auch bei den eigentlichen
Trombidien gerade so wie bei den Hydrachniden so schwer
zu sehen sein, dass man sie iibersehen muss, bei Erythraeus
dagegen ist sie sehr schön entwickelt, so dass wir auch
bei dieser Milbe gerade so wie bei den Gamasiden, Kiefer-
taster, Kieferfühler und Zunge besitzen, und zwar als ganz
genau von einander unterscheidbare Stücke. Eine Unter-
lippe wird stets da noch angenommen werden können, wo,
wie bei den Hydrachniden, sich ein mittleres Kopfbasalstück
durch Leisten markirt, oder wo sie, wie bei Cheyletus und
Tyroglyphus, durch Einschnitte angedeutet erscheint. Bei °
en übrigen Milben muss sie durch weitere Untersuchungen
noch erkannnt werden. Jedenfalls werden die hier darge-
legten Verhältnisse es rechtfertigen, dass die Mundtheile
der Milben von neuem Interesse erregen, allerdings muss
erst noch beträchtliches Beobachtungsmaterial gesammelt
werden, um die Mundwerkzeuge zu einer systematischen
Anordnung der Milben zu benutzen. Die eben beendeten |
Vergleichungen zeigen übrigens, dass Phyllostoma mit keiner
der bisher bekannten Gattungen in besonders u Weise A
verbunden werden kann.
Beiträge zur Naturgeschichte der Milben. 45
5) Ein Wort über Hypopus als Männchentorm von
Tyroglyphus.
E. Claparede lehrte durch seine in Siebold und
Köllicker’s Zeitschrift, Band 18 mitgetheilteu Beobach-
tungen einen Hypopus in den Entwicklungsgang von Tyro-
glyphus einordnen. Indess scheint dadurch die Naturge-
schichte der Tyroglyphen nicht völlig aufgeklärt zu sein.
Nach E. Claparede’s Vorgang gelingt es nämlich jetzt
unschwer, Tyroglyphusexemplare zu finden, in welchen ein
fertiger Hypopus zum Ausschlüpfen bereit liegt, aber die
Hypopus scheinen doch nicht die Männehen sein zu können,
sondern eine merkwürdige Zwischenform der Entwicklung
darzustellen. Es giebt nämlich von dem Tyroglyphus, in
welchem ich die Hypopusform fand, richtige Tyroglyphus-
Männchen, die sich von dem Weibehen nur durch einige
äussere Kennzeichen unterscheiden. E. Claparede stellte
seine Beobachtungen an einem auf Hyacinthenzwiebeln vege-
tirenden Tyroglyphus an, und sagt, er habe nur Weibchen
gesehen, bis ihn die Entwicklungsgeschichte auf die Hy-
popus geführt habe, die er nun für die Männchen anspreche.
In demselben Jahre veröffentlichten Fumouze und Robin
(Journal de l’anatomie et de la physiologie, 1868) einen
Aufsatz über Tyroglyphus echinopus, eine neue Art, in
- weleher man die von E. Clapare&de beobachtete Acaride
unschwer entdeckt. Auch Fumouze und Robin fanden
sie auf und in Hyaecinthenzwiebeln und ebenso wie Cla-
parede in Gesellschaft mit einem Hypopus, dem sie den
Namen Hypopus spinitarsus Hermann beilegen. So hätten
wiralso zunächst für ein und denselben Hypopus die beiden
- Namen Hyp. Dujardinü, den Clapare&de gewählt hat, und
Hypopus spinitarsus, den bereits Hermann gebraucht.
Die beiden französischen Beobachter erkannten sehr bald,
dass die Tyroglyphen in zwei Formen vorhanden waren,
von denen die eine Eier trug, also Weibchen sein musste.
Die andere, mit zwei Saugnäpfen am hintern Ende der
Afterspalte versehen, wurde für ein Männchen gehalten und,
” wie sich aus meinen Beobachtungen ergeben hat, mit vollem
Recht. Ich beobachtete nämlich an einem neuen andern
Ad | Kramer:
Tyroglyphus die beiden Geschlechter in Copulation und
fand das Männchen mit denselben eigenthümlichen Saug-
näpfen versehen. Wenn es sonach vollständig Tyroglyphus-
artige Männchen bei einem Tyroglyphus giebt, in dessen
Entwicklungskreis ein Hypopus gehört, so frägt man sich,
was durch diese letztere Form dargestellt sein kann. Eine
Antwort darauf zu geben bin ich noch nicht im Stande. Die
Hypopasformen, welche aus einer Tyroglyphuslarve heraus-
kommen, wachsen jedenfalls noch ziemlich bedeutend, denn
ich fand, entgegen der Beobachtung Claparede's, Exem-
plare, die fast doppelt so gross waren als andere. Merkwür-
dig erschien mir, dass sämmtliche Hypopus völlig regungslos
an ihrer Stelle verharrten. Auch konnte dies nicht eine nur
momentan durch heftige Anstösse erzeugte Ruhe sein, da
ich die Tyroglyphus- Kolonie in einem Gläschen hielt, in
welchem ich den Zustand der einzelnen Individuen zu jeder
Zeit ohne sie zu stören beobachten konnte.
Claparöde erwähnt an jener Stelle noch eines
zweiten Hypopus, den er mit Hypopus Dugesii benennt.
Er ist der Ansicht, dass dieser kleine, durch einen auf-
fallend grossen Saugnapf an den beiden Vorderfüssen ge-
kennzeichnete Hypopus nicht auf anderen Thieren gefunden
werde. Dem entgegen fand ich dieses kleine Geschöpf
auf einem Gamasus in so grosser Anzahl, dass sein Rücken
dicht gedrängt damit bedeckt war. Es ist mir unzweitel-
haft, dass ich dieselbe Hypopusspeeies vor mir habe, wie
E. Claparede, dafür spricht nicht nur jener mächtig
entwickelte Saugnapf, sondern auch die Haltung der Vor-
derfüsse, und die nahezu rudimentäre Gestalt der Hinter-
füsse. Mit jenem Gamasus an demselben beschränkten Ort
lebten Tyroglyphen in mehreren Arten. Möglich, dass zu
einer derselben der Hypopus gehört, doch gelang es mir
nicht, die Vermuthung durch eine Beobachtung zur ‚Gewiss-
heit zu erheben. |
Kramer: Beiträge zur Naturgeschichte der Milben. 45
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Hintere Hälfte des weiblichen Phytoptus, um die Segmen-
tirung und die rudimentären Füsse des vierten Paares
zu zeigen.
» 2. Das Leibesende des männlichen Phytoptus mit einem Fusse
des vierten und des dritten Paares.
3. Ein weibliches Phyliostoma von unten.
4. Ein Kiefertaster desselben.
5. Die Kopfspitze desselben von unten.
» 6. Ein weiblicher Vorderfusstarsus.
7. Ein männlicher Vorderfusstarsus.
8. Das vordere Kopfende von Cheyletus eruditus von unten.
» 9. Dasselbe durch Druck zerrissen.
» 10. Der Kopf von Tyrogylphus echinopus ohne Kiefertaster,
von oben gesehen. y der untere Hinterrand des Kopfes,
y’ der obere.
Zur Naturgeschichte einiger Gattungen aus der
Familie der Gamasiden.
Von
P. Kramer Dr. ph.
in Schleusingen.
Hierzu Tafel IV und V.
Die Gamasiden verdienen, trotz manchen Bearbeitun-
gen, die über sie vorliegen, dennoch von neuem einer mehr
auf. das Detail eingehenden Behandlung, da, wie die nach-
folgenden Zeilen zeigen werden, von ihrer äussern und in-
neren Organisation bisher nur Vereinzeltes bekannt SEWOT-
den ist. Sie zeigen Eigenthümlichkeiten im Vergleiche zu
anderen Milbenklassen, die ihnen ein ganz besonderes In-
teresse verleiht und die genaue mikroskopische Untersu-
chung zu einer sehr lohnenden macht. Es darf nicht über-
raschen, dass sich bei einer solchen Untersuchung erst
die schärferen Unterscheidungsmerkmale auffinden liessen,
um die zahlreichen Arten der hierher gehörigen Thhiere
von einander sicher zu sondern, was dem eifrigen und un-
ermüdlichen Beobachter der niederen Arachniden, ©. L.
Koch nicht glücken wollte, da er nur mit der Lupe die
unzähligen ihm vorkommenden Formen prüfte. Trotz der
reichen Zahl von sehr verschiedenartig gestalteten Arten
kann die später aufgeführte Reihe von Thieren nur den
Anspruch machen, eine möglicherweise ziemlich vo!lstän-
dige Fauna der freilebenden Gamasiden aus der Nach- °
barschaft der thüringischen Kreisstadt Schleusingen dar- 4
zustellen. nn
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 47
Allerdings bin ich aueh der Meinung, dass die Ver-
r breitungsgebiete vieler Arten sehr weit gehen. da die Be-
- dingungen ihrer Existenz sehr einfach sind, nämlich Feuch-
> tigkeit und modernde Pflanzenmasse, in elches sie sich
bewegen. So würde denn auch durch die nachfolgenden
- Blätter ein Grund für eine deutsche Fauna der Gamasiden
" gelegt sein, da ich glaube, dass die Arten durch wirklich
leicht ins Auge fallende Kennzeichen sicher charakteri-
sirt sind.
Be
1. Abtheilung: Anatomische Resultate.
Die Hautbedeekung ist wohl, mit alleiniger
"Ausnahme der Gattung Dermanyssus, bei allen Gamasiden
vollständig oder wenigstens auf dem grössten Theile des
Rückens und Bauches erhärtet. Wie weit dieser Erhär-
tungsprozess vorgeschritten ist, lässt sich im Allgemeinen
"nieht bestimmen, doch kann man annehmen, dass bei er-
wachsenen Thiere die erhärteten Stellen einen nahezu pan-
zerartigen Charakter zeigen, wie er sonst nur noch bei
den Oribatiden und einigen wenigen Hydrachniden beob-
"achtet wird. Die Art und Weise, wie die erhärteten Par-
tien angeordnet sind, lässt die on aufkommen,
dass in ihnen :noch ein Rest der Leibesgliederung erhal-
"ten scheint, die sonst bei diesen Milben, wie bei: den
"allermeisten anderen vollständig verschwunden ist.
ei Diese Andeutung der Leibesgliederung finde ich na-
mentlich in dem Vorkommen einer doppelten Rückenplatte
"bei vielen Arten der Gattung Gamasus und der eigenthim-
lichen Beziehung, welche die Retraktoren der Scheeren-
taster durch ihre Insertionsstelle mit der ersten dieser
"Platten haben, eine Beziehung, die am gehörigen Ort
näher auseinandergesetzt werden soll. Der Rückenpanzer
"erscheint beim Weibchen in der Regel vom Bauchpanzer
"völlig getrennt, da nur bei verhältnissmässig wenigen Ar-
‚ten eine Verschmelzung des Rückenpanzers mit der hinte-
n Abtheilung des Bauchpanzers beobachtet wurde. Beim
ännehen dagegen ist es die Regel, dass der Rücken und
=
48 Kramer: jr Pl
Bauch durch einen einzigen ununterbrochenen Panzer be-
deekt sind, so dass hier die Hautbedecekung einen einfa-
cheren Charakter zeigt. Die nachfolgende weitere Panzer-
beschreibung wird sich daher auf die Verhältnisse beim
Weibchen und zunächst die Gattung Gamasus bezieken.
Der Rückenpanzer kann entweder aus zwei Platten, deren
Berührung mehr oder weniger innig ist, bestehen, oder
wird nur durch eine einzige Platte gebildet. Mit der vor-
: deren dieser Platten oder der vorderen Spitze der einzi-
gen Rückenplatte findet sich stets ein schmaler oberhalb
der Hüften nach hinten hinlaufender Panzerstreifen ver-
bunden, welchem ich, wenn er auch nirgends als ganz iso-
lirter Panzertheil auftritt, doch von seiner eigenthümlichen
Funktion den besönderen Namen der Stigmalplatte gebe. °
Ihre Breite und Länge zeigt namhafte Modifikationen, im- %
mer aber trägt sie an ihrem hinteren .Ende die Luftröh- %
renöffnung, von welcher ein meistens schwach wellenförmig
geschwungener, halbröhrenfömiger Kanal nach dem vorde- 7
ren Ende der Platte sich hinzicht, Taf. IV. Fig. 1. Die bei- 4
den Kanäle treten vorn oft ganz dieht an einander heran, %
ohne jedoch in einander überzugehen. Eine, so weit es %
nöthig, detailirte Beschreibung des nicht ganz einfach ge- #
bauten Stigma soll weiter unten bei Betrachtung des Tra-
cheensystems gegeben werden.
Der Bauchpanzer wird bei den weiblichen Gamasiden
von drei Platten gebildet Taf. IV. Fig. 3, 11, 23, 24. Taf. V.
Fig. 20. Die vordere ist zwischen den Hüften der beiden l
mittleren Beinpaare gelegen und zeigt gewöhnlich einen %
verdicekten Seitenrand, der jedoch nicht eigentlich zur Platte Dj
zu gehören scheint, sondern in näherer Beziekung zu den
Hüften steht. _ Diese vordere Platte möge die Brustplatte 1
heissen. Zunächst nach hinten folgt die Mittelplatte, in 7
oder vor weicher sich die Geschlechtsöffnung befindet. 9
Diese letztere ist meist von ungemeinen Dimensionen und F
wird von unten her durch einen Theil der Mittelplatte wie 4 |
von einem Deckel geschlossen. Die Form dieses Deckels #
ist maunigfach in den Arten modifieirt Taf. IV. Fig.3, 19,4
21. Taf. V. Fig. 43. An dritter Stelle endlich folgt die)
Afterplatte, mehr oder weniger entwickelt, aber immer #
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 49
die Afteröffnung enthaltend. Diese drei Platten können
so stark entwickelt sein, dass sie die ganze Unterseite
bedecken, stets sind aber die Trennungslinien dann deutlich
wahrnehmbar. Bei jenen oben bereits als Ausnahme er-
wähnten Arten (G. globulus, Gam. magnus), ist der Rücken-
| panzer mit der Afterplatte verwachsen, die Mittelplatte aber
| blieb getrennt, ebenso wie die Brustplatte. Diese letztere
zeigt sich gelegentlich, wie es einigemal beobachtet wird,
|" dureh einen Längsschnitt in zwei Theile zerfallen. Auf
' der Unterseite des Thieres bemerkt man ausser den nam-
haft gemachten Plattenstücken noch einige andere Hant-
verhärtungen, welche zu dem ersten Fusspaare in enger
"Beziehung zu stehen scheinen; nämlich zwei kleine Plat-
i tenstückehen vor der Brustplatte, Stützplatten für die Hüften
des ersten Fusspaares. In seltenen Fällen zeigt sich zwi-
schen beiden noch eine dritte kleine Verhärtung als Stütze
für den nachher zu erwähnenden Bauchtaster.
. Alle verhärteten, wie auch die weichen Hautpartien.
“sind meist mit zahlreichen Dornen besetzt, welche nur in
seltenen Fällen, wie bei G. horridus, eine auffallende Länge
‚und gezähnte Ränder besitzen. Für viele dieser Dornen
scheint es eine typische Stellung zu geben. Zwei stehen
regelmässig nach vorn gerichtet auf der vorderen Spitze des
| Riekenpanzers, die anderen sind zwar nicht in gleicher
© Zahl und Grösse bei allen Arten wiederzufinden, doch sind
| bei einer Anzahl von Arten eine ansehnliche Schulterborste
"und auf dem vorderen Theil des Rückenpanzers noch ein
| oder zwei Paar sehr ansehnlicher Dornen immer an dersel-
ben Stelle erkennbar. Die Dornen auf der Unterseite der
h ebenfalls erhärteten Kopfrühre sind ganz constant in Zahl
N und Stellung, Taf. IV, Fig. 10. Sämmtliche Hautdornen oder
| Haare stehen auf 0 umgebenen Hautporen. Doch
"sind die so besetzten Poren nicht die einzigen in der Haut
| dieser Milben, vielmehr zeigt eine Querschnittsansicht
[a ei solchen Thieren, wo die Haut eine anschnliche Dicke
ee reicht, dass zahlreiche, überaus feine Porenkanäle die-
ı selbe durchsetzen. Nur in seltenen Fällen nehmen die
"Haarborsten einen besonderen Charakter an; so giebt es
"keulenförmig verdickte, oder an der Spitze ruderartig er-
"Archiv für Naturg. XXXXIT. Jahrg. 1. Bd. A
50 | Kramer:
weiterte ; auch gefiederte oder bedornte kommen nur ganz
vereinzelt vor. Frei von Haarborsten ist die obere Hälfte:
der Kopfröhre.
Abweichend und äusserst zierlich angeordnet und ge-
staltet sind die Panzertheile bei der zweiten hier in Be-
tracht kommenden Gamasidengattung Notaspis. Da hier
aber eine grössere Mannichfaltigkeit zu herrschen scheint, %
so kann die nachfolgende Beschreibung nicht den Anspruch
einer typischen machen, sondern versucht nur die Verhält-
nisse bei einer der häufigsten Arten darzulegen, Taf. IV, 4
Fig. 22. Der den Rücken vollständig bedeckende Rücken-
panzer ist der Hauptsache nach ein nahezu kreisrunder °
mässig gewölbter Schild, doch lösst sich an seinem vorde-
ren Ende ein schmaler Streifen ab, welcher wie ein Rah- °
men mit zierlicher Randzeichnung um den ganzen Schild '
herumläuft, durch einen schmalen unverhärteten Hautstrei-
fen von ihm getrennt. Dieser Rahmen liegt horizontal, so '
dass der Rücken, von oben her geseben, mit einem flachen 7
Rande versehen erscheint. Die Ausdehnung dieses so im
Ganzen angesehenen Rückenpanzers ist derart, dass die °
Taster und Füsse nur wenig darüber hinausragen, wenn
das Thier im Laufen beobachtet wird. An jenen Rahmen °
legt sich von unten her rings herum der Bauchpanzer an, fl
welcher die ganze Unterseite ebenso vollständig einhüllt,
wie der Rückenpanzer die Oberseite. Dadurch, dass der If
Bauchpanzer auch vorn ununterbrochen den Rand des A
Rückenpanzers berührt, ist eine Lage der Kopfröhre zwi- ”
schen beiden Platten ausgeschlossen, und sie muss durch '
eine grosse Oeffnung der Bauchplatte hindurehtreten, eine’
charakteristische Eigenthümlichkeit, die sich bei allen Mit-
gliedern der Gattung Notaspis wiederholt. Sonach bildet?
also. der vorderste Abschnitt des Bauchpanzers ein Dach über /f
der Kopfröhre, aber nicht nur ein einfaches, vielmehr hebt
sich von der Stelle, wo die Unterseite dieses Daches mit?
dem oberen Rande der Kopfröhre in Verbindung tre-'
ten müsste, die Panzerschicht noch einmal nach vorn ab”
und bildet so ein zweites Dach über der Kopfröhre, des-#
sen vorderer Rand bei verschiedenen Arten eine verschiedene
Gestalt zeigt. Es treten also hier Gebilde aut, von denen
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 51
‘sieh bei Gamasus auch nicht einmal eine Andeutung fin-
det. : Die grosse Unterbrechung der Panzerverhärtung,
welche zum Durehtritt der Kopfröhre gelassen ist, dient
zugleich auch als Einlenkungsstielle der ganz enorm ent-
wiekelten Hüftglieder des ersten Fusspaares. Die Seiten-
theile des Bauchpanzers tragen Gruben, welche, genau der
Grösse und Gestalt der Füsse nachgebildet, diese vollstän-
dig in sich aufnehmen können, so dass eine Milbe dieser
Art sich gegen einen Angriff durch vollständiges Einzie-
hen aller Glieder, ähnlich mancher Käferarten, z. B. aus
der Gattung Byrrhus, schützen kann. Der eigentliche Bauch-
© panzer ist je nach den Arten in versöhiedenarlie gestaltete
" Platten zerfallen oder bietet nur eine einzige ununter-
brochene, die Unterseite bedeekende Platte dar. Die Be-
haarung oder Bedornung tritt bei den Arten dieser Gat-
tung sehr zurück und besteht nur in kurzen Dornen, welche
"sich aber auch hier wieder an den charakteristischen Stel-
"len, wie vorn an der Spitze des Rückenpanzers und an
der Schulter einstellen. Die Stigmalplatte findet sich mit
der Bauchplatte verschmolzen und trägt oft eigenthümlich
gewundene Halbkanäle. |
Alle die erwähnten Plattenstücke, welche sich bei
Gamasus- und Notaspis-Arten am Bauche vorfinden, schei-
"nen eine blosse Hautverhärtung zu sein und in keiner
" Beziehung zu den Füssen zu stehen, wie bei den Hydrach-
niden, wo nieht wenige Beobachter in den Bauchplatten
gie Hüftglieder der Füsse zu erkennen glauben. Bei den
" Gamasiden bemerkt man ja allerdings auch häufig, dass die
- Brustplatte und auch die Mittelplatte die Einlenkungsstelle
"der hinteren Füsse mit einem vollständigen von ihr aus-
gehenden Ring umgeben, doch finden sich aueh Arten, bei
- denen diese Platten weit entiernt von den Hüftgliedern
“der Füsse aufhören und so scheint die Annahme nahe zu
liegen, dass bei den Gamasiden sämmtliche Glieder der
‚acht Füsse vollständig frei sind.
Werden diese Füsse genauer angesehen, so erweist
"es sich schwierig, über die Anzahl der Glieder eine sichere
Ansicht zu bilden. €. L. Koch zählt ihrer 7, doch hat
"er vermuthlich keine starke Vergrösserung angewendet, um
53 Kramer:
sich über diese Verhältnisse Klarheit zu verschaffen. Mir |
scheint es, als wenn unbedingt 10 angenommen werden müss-
ten. Ein Fussglied ist ja doch durch seine selbstständige
Beweglichkeit am allermeisten gekennzeichnet, nimmt man %
diess als Maassstab, so muss das blasse Anhangsglied, in
welchem die Krallen sitzen, den Werth eines vollen Gliedes
beanspruchen. Andererseits wird man überall da, wo die
Hautbedeekung des Fusses durch einen ringsumgehenden
Einschnitt unterbrochen ist, auch wenn eine Bewegung an
einer solchen Stelle nicht beobachtet ist, die Andeutung
eines Gelenkes sehen. Ist dem so, so muss das letzte
dunkelgefärbte Stück des Gamasidenfusses als aus drei
Gliedern bestehend angesehen werden. Tat. IV, Fig. 6 stellt
. einen Fuss des ersten und Fig.5 einen Fuss des zweiten
Paares, mit welchen die des dritten und vierten Paares über-
einstimmen, dar. Die Glieder sollen im Nachfolgenden, mit 7
Ausnahme des ersten, welches Hüftglied heissen mag, durch 7
einfache Zahlen bezeichnet werden, da sich kein Gewinn #
daraus ziehen lässt, die bei den Insekten gebräuchlichen ”
Namen auf Milbenfüsse zu übertragen. Die Länge der %
einzelnen Glieder ist im Verhältniss zur Dieke bei den °
verschiedenen Arten nicht unbedeutenden Schwankungen
unterworfen. Namentlich streekt sich das letzte Fusspaar
bei schnelllaufenden Gamasiden leicht zu ganz bedeuten-
der Länge. Besondere Beachtung verdienen die von mir
oben mit dem Namen Anhangsglieder benannten äussersten,
die Krallen tragenden Fussenden, wegen der eigenthümlichen 9
Art und Weise der Krallenbefestigung, Taf. IV. Fig.7 und 8.
Die Krallen sind nämlich nicht, wie es sieh bei den kral-
lentragenden Füssen fast aller niederen Thiere findet,
unmittelbar dem letzten Fussgliede eingelenkt, vielmehr |
findet sich eine zusammengesetzte Verbindungsvorrich- "
tung folgender Art. Im Innern des dütenförmigen Anhangs- °
gliedes bemerkt man einen ansehnlichen Chitinstab, welcher
als das letzte Stück der Sehne des die Krallen bewegen- ”
den ee ie a a. Stabe a an beuä F
en Zinken; Me lee Zinken dient als Beil 4
festigungsstelle des ‚oberen Haftlappens, die beiden seit- i
OO a ren
Zur Naturg,. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 53
"lichen wenden sich den beiden Krallen zu, mit welchen
sie auf bewegliche Weise verbunden sind. Zum Zweck
dieser Verbindung ist an der Basis jeder Kralle die harte
Chitinmasse durch eine Oeffnung unterbrochen, an welche
sich die den Zinken und die Kralle verbindende Haut an-
setzt. Der unterhalb der Kralle gelegene Theil des Haft-
apparats wird allem Vermuthen nach von der unteren Seite
des Querriegels seinen Ursprung nehmen, doch konnte die-
ses nicht mit der Sicherheit, wie die Verhältnisse des
oberen Haftlappens, erkannt werden. So ist also der
Querriegel in beweglicher Verbindung mit dem Chitinstabe
' und die Kralle ihrerseits in beweglicher Verbindung mit
dem Querriegel. Bei Rückwärtsbewegung des Chitinstabes
zieht sich die zusammengelegte Doppelkralle mit dem zu-
sammengefalteten Haitlappen in die Krallendüte zurück.
Beim Nachlassen der Muskelspannung tritt der ganze Ap-
' parat wieder heraus und entfaltet sich dabei von selbst.
- Die Umrissfigur des Hattlappens ist für die Art meist
charakteristisch, indem der obere Haftlappen theils einfach
abgerundet oder ausgeschnitten oder endlich in einzeine
Theile zerfallen ist Taf. IV, Fig.7. Taf. V, Fig. 6. 11, 26,
33, 35, 44.. Der untere ei zeigt eine solche ver-
" schiedene Gestalt nicht, sondern bietet fast“immer ein
| längliches Oval dar. Bei vielen Arten ist das Anhangsglied
"und namentlich Kralle und Hafilappen am ersten Fuss-
| paare im Verhältniss zu denselben Gebilden an den ande-
' ren Füssen ungemein klein, doch kann dies nicht als Re-
gel angesehen werden.
Es fällt in die Augen, wie verschieden die Krallen-
| einrichtung der Gamasiden im Vergleich zur Anordnung
| der Krallen-Einlenkung bei sämmtlichen übrigen Milben-
ı familien ist. Bei diesen ist sogleich an die Krallenbasis das
Ende des Retraktors fest angewachsen, und selbst da, wo
sich ein entwickelter Haftlappen zeigt, wie bei Hyponus,
| hat dieser keine Beziehung zur Kralle, sondern scheint nur
ein besonders umgeformtes Haar zu sein. Die Haftlappen
| ‚bei einigen Acariden, wie Glyciphagus, habe ich allerdings
| noch nicht genauer air. Doch wird es sich dort auch
| nieht anders verhalten, wie z, B. bei Myocoptes musculi,
54 Kramer:
wo die Haftlappen besonders entwickelt erscheinen. Wie
bereits erwähnt, sind die Füsse des zweiten, dritten und
vierten Paares unter sich übereinstimmend gebaut und nur
der Grösse nach von einander verschieden. Für die Männ-
chen ist dabei in sofern eine Ausnahme zu constatiren, als
bei den meisten von ihnen am zweiten Fusspaar die Glie-
der vom dritten bis zum vorletzten mit horn-, geweih- oder
hakenartigen Anhängen geschmückt erscheinen. Auch sind
die ersten Fussglieder dieses Paares meist stark verdickt.
Diese Anhänge sind nach den Arten verschieden und oft
recht charakteristisch, auch findet sich hie und da eine Ver-
biegung des sonst geraden letzten Gliedes.
Die Bauehtaster. Zwischen Rumpf und Kopfröhre
findet sich auf der Unterseite ein den Gamasiden eigen-
thümliches Organ eingelenkt, welches der Form nach mit
dem Mundwerkzeug von Hypopus übereinstimmt, der Funk-
tion nach aber wohl sehr weit von jenem abweicht, näm-
lich der Bauchtaster Taf. IV, Fig. 16, a. Bei einmaliger
Beobachtung könnte man sich dazu verleiten lassen, das
Organ mit dem Munde in enge Beziehung zu setzen, da
die beiden gefiederten Dornen, welche sich an demselben
befinden, oft bis an den vorderen Rand der Kopfröhre rei-
chen. Die Beobachtung eines auf der Seite liegenden Ga-
masus zeigt aber evident, dass das Organ mit dem Munde
nichts zu thun hat. Ebenso wenig kann ich mich der An-
sicht Dujardins anschliessen, welcher es zuerst bemerkte
und ein verkiimmertes Fusspaar darunter vermuthete. Der
Gestalt nach könnte es ja wohl diese Bedeutung bekom-
men, aber die Füsse sind bei Gamasiden so wohl und voll- °
ständig ausgebildet, dass man bei ihnen am wenigsten
Fussrudimente erwartet. Das Organ besteht aus einem %
meist lang gestreckten Stiele, an dessen vorderen Ende zwei
lange gefiederte Borsten befestigt sind. Die Grössenent-
wicklung des Stiels, welcher ab und zu durch einen Quer-
schnitt wie in zwei Abtheilungen zerlegt erscheint, ist eine
ungemein verschiedene, doch scheint bei Arten mit auch 7
sonst lang gestreckten Gliedern auch der Bauchtaster in 7
die Länge gezogen. Bei den Männchen ist das Basal- 7
glied oft auf einen unbedeutenden Rest redueirt. Möglich
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 55
dass hier dieses Organ, da sich die Geschlechtsöffnung
direkt darunter befindet, eine Beziehung zum Begattungsakt
hat. Bei einigen Arten findet man noch die Spur: einer
Stützplaite für den Bauchtaster, als wäre noch ein mit der
Haut verwachsenes Glied des Stieles dadurch angedeutet.
DieKopfröhre, ihre Anhänge und dieMund-
theile. Die Kopfröhre der Gamasiden nenne ich denje-
" nigen Theil des Leibes, an welchem die Kiefertaster und
| in welehem die Mundtheile, nämlich die Kieferfühler und
die Speiseröhre mit ibren lippenartigen Endstücken ange-
bracht oder eingebettet sind. Sie bildet zwar einen ringsum
| völlig geschlossenen Raum, doch ist an der Unterseite
" deutlich ein Längsstrich wahrnehmbar, welcher zwar die
|" Röhre nicht wie ein Schnitt theilt, wohl aber als die Narbe
der Verwachsung eines Schnittes bedeuten mag. Nach der
über das entsprechends Gebilde bei anderen Milben von den
_ Beobachtern abgegebenen Meinung wäre die Röhre aus der
| Verwachsung der Kiefern entstanden, und zwar der Ma-
- xillen. Die Richtigkeit dieser Annahme lasse ich vorläufig
ı dahingestellt und betrachte den eigenthümlichen Bau der
'" Kopfröhre. Sie zerfällt innerlich in drei verschiedene Ab-
"theilungen. Die beiden zur Seite gelegenen sind für die
' Muskein der Taster aufbehalten, die mitilere dient in ihrer
|" unteren Hälfte zur Aufnahme des vordersten Speiseröhrenab-
' sehnittes, in ihrer oberen Abtheilung zum Ein- und Austriits-
’ gaug der Scheerentaster. Die Abgrenzung der Seitentheile
" gesen den mittleren ist durch eine Leiste bewirkt, welche‘
' namentlich in der unteren Hälfte der Röhre deutlich wahr-
nehmbar ist. In der oberen Hälfte derselben wird sie zum
\ Theil durch die Basis des in dieser Gegend an der oberen
"Wölbung befestigten Speichelausführungganges gebildet,
welcher als langer Dorn aus der Röhre hervorragt Taf. V,
(Bis, 25. Die mittlere Abtheilung ist in ihrer oberen Hälfte
| noch durch eine schmale. von der oberen Röhrenwand her-
| anterhängende Leiste in zwei Theile getheilt, vermuth-
lieh um den beiden Scheerentastern bei ihrer Beweglich-
keit einen festeren Halt zu geben. Diese schmale Leiste
hilft mit ihrer vordersten stachelförmigen Endung die Fi-
| gur vervollständigen, in welcher der mittlere obere Röh-
Br
56 | Kramer:
renrand einen ganz eharakteristischen Theil besitzt, Diese #
sogenannte Randfigur würde vollständig zureichende Art- 7
merkmale abgeben, wenn man die Arten nach einem ein-
zigen Kennzeichen unterscheiden wollte; sie besteht aus
einer Reihe von Zacken, weiche an dieser Stelle des Röh-
renrandes in unveränderlicher Form bei jungen und alten
Thieren derselben Art immer wieder vorkommen. Hierbei
ist allerdings zu beachten, dass, obgleich jene Mittelspitze
der Randfigur im Allgemeinen ebenso fest und unbe-
weglich ist als die seitlichen Spitzen, doch bei manchen |
Arten und zu gewissen Perioden in der Lebenszeit eines
und desselben Individuums gerade dieser Theil beweglich
wird, so dass beim Ein- und Ausschieben der Scheeren- #
taster die Figur mancherlei Formen annehmen kann. Man
wird die charakteristische Randfigur in solchen Fällen
stets erhalten, wenn die Scheerentaster völlig vorgestreckt
sind. Sie ist den Beobachtern bis jetzt der Beachtung
nieht werth erschienen, mit Ausnahme vielleicht von Du-
g&s, welcher möglicher Weise auf sie hingewiesen hat
mit den allerdings nicht ganz klaren Worten: Die Lippe
von &. coleopteratorum umschliesst die Mandibeln und en-
digt in eine mittlere Spitze und zwei Seitenhaken. Mög-
lich ist es auch, dass er die auf der Unterseite der Kopf-
röhre vorn befindlichen Anhänge gemeint und erwähnt hat.
An den Seiten der Kopfröhre sind die beiden Kiefertaster |
eingelenkt, bei den Gamasiden, wie fast überall bei den ?
Milben, freie fussähnliche, aus fünf Gliedern zusammenge- °
setzte Organe. Bei Notaspis und einigen Mitgliedern der ®
Gattung Gamasus sind diese Taster sehr kurz, bei der 4
Mehrzahl dagegen sind die einzelnen Glieder, mit Aus- @
nahme des letzten, gestreckt. Das erste Glied ist an sei-
nem Basalende leicht gekrümmt und erinnert dadurch ®
etwas an das dritte Fussglied, auch zeigen sich hier leicht %
höckerartige Fortsätze bei den Männchen. Namentlich das
fünfte Glied, aber auch schon das Ende des vierten Glie-
des ist mit dicht stehenden Haaren auf allen Seiten reich- #
lich versehen. Unter diesen ragt bei einigen Arten be- }
sonders deutlich bemerkbar ein längeres Haar hervor, _ das i #
sich durch gleichmässig bis zur Spitze beibehaltene Dieke #
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 57
" und blassere Contourzeichnung vor den übrigen auszeich-
“net und vielleieht als bevorzugtes Fühlhaar funktionirt.
- Neben dieser Behaarung befindet sich an der inneren Basis
des letzten Gliedes ein in mehrere Aeste sich zertheilender
beweglicher Dorn eingefügt. Dieser dem Willen des Thieres
_ unterworfene Dorn hat vielleicht sogar den Anspruch auf
den Werth eines vollen Tastergliedes zu erheben. Es wird
durch ihn, indem er mit dem zwar sehr viel diekeren, aber
- kaum längeren fünften Tastergliede eine Art Scheere her-
stellt, der Taster noch mit als Greiforgan charakterisirt.
Die Taster werden nach unten gekrümmt getragen und
mögen wohl auch mit dazu dienen, die Nahrung fest ge-
gen den Mund zu drücken.
l: Es folgen nun in der Reihenfolge eine Anzahl dee:
" deren Bedeutung klar zu legen Schwierigkeiten machen
wird, so lange die Darstellung der Mundwerkzeuge der
Milben noch nicht von einem allgemeineren Standpunkt
aus geschehen ist. Allerdings zeigte es sich, wie in einem
3 ‚ vorhergehenden Aufsatze dieser Zeitschrift bereits darge-
"legt wurde, dass eine grössere Uebereinstimmung in der
R Bildung der Mundwerkzeuge bei den Milben stattfindet,
“ als nach den in zoologischen Handbüchern gegebenen No-
" tizen auf den ersten Blick vermuthet werden könnte, aber
% bisher sind manche grössere Milbengruppen Eh rau auf
H diesen Punkt hin noch gar nicht beobachtet, theils zeigen
7 die Detaildarstellungen genauer Untersuchungen, wie bei-
Vonielmeie die Beschreibung des Trombidium holosericeum
von Pagenstecher, wieder abweichende EL len.er
E80 behalte ich denn vorläufig soweit es möglich ist für die
- beobachteten Organe die hergebrachten Namen und schliesse
"mich vornehmlich an Fumouze und Robin an, deren
"sehr sorgfältige Beobachtungen wohl überall, so weit sie
" gedrungen sind, grössere Klarheit in die Deutung der be-
_ treffenden Organe gebracht haben.
| Am meisten i in ir Augen fallend ns die Kieferfüihler
SEERTTERE
niangs ebenfalls, es verlängert sich aber nach vorn in.
58 Kramer:
seiner oberen Partie zu einem stark chitinisirten und ge-
wöhnlich mit scharfen Zähnen versehenen Fortsatz, an
dessen Basis das kurze, ebenfalls stark verhärtete und mit
Zähnen versehene dritte Glied eingelenkt ist, also derart,
dass es sich bei Schliessung der Scheere von unten nach
oben gegen den Fortsatz des zweiten Gliedes bewegt. Eine
durchaus übereinstimmende Bewegungsrichtung besitzen die
äussersten Kieferfühlerglieder auch bei Trombidium und
allen Wassermilben. Die Spitzen der Scheerenglieder greifen
bei vielen Arten sehr deutlich kreuzschnabelartig überein-
ander. Bei den Männchen findet man leicht eine knorrige
Gestalt der Scheere, Taf. IV, Fig. 9. Der unbewegliche Theil
ist dabei oft verlängert und der Umriss überall sehr höcke-
rig, auch bemerkt man an der Basis des beweglichen
Scheerengliedes dann einen Kranz nicht unansehnlicher
Borsten. Die Grössenentwicklung der Taster ist eine un-
gemein verschiedene. Bei einer Art (G. cervus) finden sich
wahrhaft riesenförmige Scheerenglieder, während bei andern,
namentlich den Mitgliedern der Gattung Notaspis, die Scheere
von verschwindender Kieinheit gegen die enorm in die
Länge gezogenen ersten und zweiten Glieder ist, Taf. V,
Fig. 18 u. 46. Merkwürdig ist die Art der Befestigung
dieser Scheerentaster. Obwohl doch sicher ein zum Munde
gehöriges Organ, strecken sich doch die Retraktoren des-
selben so tief in den Leib hinein, dass sie sich erst an
derjenigen Stelle der Rückenhaut inseriren, über welcher bei
solchen Arten, welche zwei Rückenplatten besitzen, das
hintere Ende der vordern Rückenplatte liegt, und an der
entsprechenden Stelle bei solehen Arten, die nur eine ein- |
zige grössere Rückenplatte führen.
Auf diese Weise rückt die Insertionsstelle oft erstaun- |
lich weit nach hinten. Soll nun der Kopf soweit gerechnet #
werden, als diese Muskelinsertion rückwärts gerückt ist? f
Jedenfalls giebt die Analogie anderer Gliederthiere an die
Hand, dass die Kopfgliedmuskeln sämmtlich im Kopf selbst i |
ihren Ursprung nehmen, ein Gesetz, das für die Insekten WE
ohne jede Ausnahme gilt. Unter dieser Annahme würde 4
der Hauptabschnitt des Rückens bei den Gamasiden noch
zum Kopfe zu rechnen sein, eine Annahme die vielleicht
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 59
auch durch die Stellung der Augen bei andern Milbenfa-
milien eine Stütze erhalten könnte. Allerdings können die
Sinneswerkzeuge immerhin noch an andern Körperstellen
auftreten, so dass die Augenstellung nur ein zweifelhaftes
Argument abgeben wird.
Die Kieferfühler selbst laufen in einer vollständigen
Hautscheide, welche nach vorn zu an der Gelenkstelle
zwischen dem ersten und zweiten Gliede an dem Taster
befestigt ist. Diese Haut kann, wie der Finger eines Hand-
schuh, in sich selbst einges stülpt werden und dient so dem
Kıieierfihler als Hülle, aus weleher er sich herausschieben
kann. In besonders glücklichen Fällen beobachtet man,
dass die beiden Scheerentasterscheiden in ihrem hintern
Abschnitt in der Mitte zusammenfliessen und so nur einen
Kanal bilden, dessen Wände dann mit der Kopfröhre ver-
wachsen sind und diese nach aussen hin abschliessen.
Durch diese röhrenartigen Scheiden treten die am
Rücken befestigten Retraktoren ins erste und zweite Glied.
Das dritte Glied wird durch zwei kräftige und mit lan-
gen Sehnen versehene Muskeln bewegt, welche aus dem
zweiten und ersten Gliede her ihre Muskelbündel bezie-
hen, und zwar entnimmt der Heber des Scheerengliedes
seine Muskelröhren aus dem ersten und der Senker die sei-
nigen aus dem zweiten Gliede. Die Scheerenbewegungen
"sind äusserst kräftig, und es gewährt einen unterhaltenden
"Anblick, wenn man dem Spiel dieser Rauborgane zusieht,
. was ” einigen Arten möglich ist, da ihr Panzer fest
" genug, um sie unter einem Deckgläschen in Wasser zu
erhalten.
| Ehe ich nun zur Beschreibung der weiteren eigent-
10 " lichen Mundtheile übergehe, ist noch eines an dem untern
Kopfröhrenrande befestigten Organes Erwähnung zu thun.
“ Ban bemerkt nämlich, am besten bei einer Bauchansicht,
zu beiden Seiten der an der Kopiröhre sichtbaren Längs-
ine, je einen horn- oder zabnartigen Anhang, welcher wie
- esscheint beweglich diesem Rande eingelenkt ist, Taf. IV,
Fries. 10. Das Vorhandensein dieses auf das Döulieliste
_ vom Rande losgelösten, also vollkommen selbstständigen
‚Anhangs lässt die Frage hier wieder auftauchen, die weiter
50 Kramer:
oben schon einmal angedeutet, deren Lösung aber noch
verschoben wurde, welche Mundtheile wohl zur Bildung
der Kopfröbre beigetragen haben mögen. In der unte-
ren Kopfröhrenwandung sind mehrere leistenartige Ver-
schmelzungslinien zu erkennen, welche vielleicht Aufschluss
über die zur Kopfröhre zusammengeflossenen Theile geben
können. Dieselben sind in der angegebenen Figur nach °
einem sehr übersichtlichen Präparat dargestellt. Das von
solchen Leisten eingeschlossene Stück a trägt jederseits die
Taster b, die inneren Randleisten der Stücke a berühren
einander nicht, sondern sind durch eine weniger verhärtete
Partie von einander getrennt. Die äusseren Randleisten
streeken sich aber durch die ganze Kopfröhre bis zum ”
hintern Rande derselben. Von dieser Randleiste an ist die °
weitere Wölbung der Kopfröhre nach oben hin ohne neue
Verdickung bis zur Secheitelmittellinie. Von den erwähnten
Randleisten dient keine einzige als Muskelansatz, sie können
also nur als Grenzlinien verschiedener Stücke gelten. Als °
Analogie für diese Anschauung müssen die Hüftplatten der ®
hinteren Füsse der Wassermilben angeführt werden, wo
die beiden in einzelnen Fällen auch völlig von einander 7
getrennten Hüftplatten des dritten und vierten Fusses in
den meisten Fällen zu einer einzigen Platte mit einer durch °
ihre Fläche durchlaufenden Trennungslinie verschmolzen
sind. Ich bin der Meinung, dass wir in den Stücken a auf
jeden Fall den Rest der Unterlippe vor uns haben und
desshalb lege ich den zahnartigen Anhängen den Namen
Lippentaster bei. Die Unterlippe würde danach den unte- °
ren Theil der Kopfröhre bilden, und’ es blieb dann immer
noch der Haupttheil derselben für die Maxillen übrig. 5
Jedenfalls bieten die Gamasiden nach den hier dar-
gelegten Verhältnissen ein noch dankbareres Objekt als °
die Wassermilben, wo ich ebenfalls bereits die Existenz
eines besonderen, durch persistirende Randleisten erkenn- 3
baren, Mittelstückpaares in’ einem früheren Aufsatze nach-
gewiesen habe. Die Lippentaster sind meistens wenig länger °
als breit, doch herrscht auch in diesem Punkte eine grosse
Mannigfaltigkeit und es giebt Arten, bei denen sie wie
zwei Spiesse nach vorn vorragen, wie bei Gamasus longi-
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 61
%
eornis. Auch findet sich hier und da das ganze untere
“ Mittelstück, weiches also der Unterlippe entsprechen würde,
weit nach vorn vorragend und auch so in Wirklichkeit
von den Seitentheilen getrennt (G. eomplanatus).
Ueber diesem Mittelstück nach innen liegt die vordere
- Abtheilung der Speiseröhre, deren Muskeln sich an diesen
" untern Abschnitt der Kopfröhre anlegen. Besondere Auf-
merksamkeit verdienen die zum Theil schwierig blosszu-
" liegenden oberen und die leicht in die Augen fallenden
' unteren Ränder des Mundes. Bei einer nur oberflächlichen
Betrachtung fallen am untern Kopfröhrenrande ein Paar
fein gefiederte blasse Anhänge auf, welehe von G. nemo-
Ir rensis in der Taf. IV, Fig. 10 u. 13 genau dargestellt sind.
" Sie gehören zum unteren Rande der Mundöffnung und
dienen augenscheinlich dazu, um die Flüssigkeit, welche
als Nahrung aufgenommen werden soll, mechanisch aufzu-
saugen. Bei manchen Arten ist die untere Wandung der
MW eneiseröhre und damit die untere Randhältte des Mundes viel-
leicht mehr als bei anderen mit der Unterlippe verwachsen,
E und dann seheint es, als wenn die Seitenhörner des Feder-
_ anhangs noch direkt zu der als Unterlippe gedeuteten Ab-
theilung gehörten. In diesem Falle sind diese Seitenhörner
” gut entwickelt, haben aber ihre blasse Farbe behalten,
"wie denn auch die Partie, aus welcher sie sich herausheben,
„von blasser Farbe isi; besonders deutlich ist diese Bildung
zum Feen) bei dei Männchen von Gamasus quinguespi-
i nosus. So wie nun der untere Mundrand zum Aufsaugen
- der Nahrungsflüssigkeit dient, so ist auch der obere Mund-
' rand zu diesem Zwecke le eingerichtet. Zwei
_ lanzettförmige Zipfel, auf dem einander zugewendeten
"Rande mit tausend feinen Härchen besetzt, decken den Mund
von oben her zu; sie sind gewöhnlich derart an einander-
"Zipfel erscheinen, welcher als eigentliche Oberlippe gelten
kann. Vergleicht man die Bildung des Mundrandes von
"andern Milben, so findet man diese Zweitheilung des obern
- Mundrandes nicht allgemein, auch die eigenthümliche zier-
che federartige Form des untern Mundrandes ist etwas
en Gamasiden Eigenthümliches.
gedrückt, dass 1 wie ein einziger langgezogener dreieckiger
ne er
ge; gr“
62 Kramer:
Die Athmung. Die Stigmalplatte liegt, wie oben ”
erwähnt wurde, zwisehen der Hüftregion und dem eigent-
lichen Rückenschild, und an ihrem hintern Ende befindet
sich die Luftöffnung. Wie bekannt ist die Lage derLuftlöcher
für ganze Klassen von Milben eharakteristisch. Die Trom- 4
bidien, die Hydrachniden, Oribatiden, Cheyletus und ver-
wandte Gattungen besitzen ein Paar an dem vordern Theil “
des Leibes, meist über der Befestigungsstelle der Kiefer- '
fühler. Die Ixodes dagegen führen die Luftlöcher an den %
Leibesseiten noch hinter dem vierten Fusspaar. Mit der
Lage des Luftloches über dem dritten oder vierten Fuss-
paar schliessen sich die Gamasiden auf den ersten Blick
den Ixodes-Arten an, jedoch ist ihre Stellung entschieden
eine mittlere, da die Luftröhrenöffnung bei ihnen ganz”
enorm in die Länge gezogen erscheint, wenn auch die Durch-
bohrung der Leibeshaut nur eine kreisförnmige ist. Es muss
nämlich der auf der Stigmalplatte hinlaufende und in der %
Luftöffnung ausmündende Kanal mit zu der letzteren ge-
zogen werden. Da nun dieser Kanal sich fast bis an die 7
vordere Spitze des Rückenschildes erstreckt, so dass sich °
die beiden Kanäle nahezu treffen, so könnte man hier den
Beginn der Luftröhrenöffnung suchen, und es würde eine h
Anschliessung der Gamasiden an die erste Milbenabtheilung
sich rechtiertigen lassen. Nach hinten erweitert sich jeder ”
Kanal, ehe er in die Luftöffnung selbst ausläuft, oft kreis, °
artig, verengt sich dann plötzlich und geht in die von
einem Ringwall umgebene Luftöffnung aus, Taf. IV, Fig.2, E.
in andern Fällen verläuft der Kanal ohne Erweiterung | 4
direet ins Luftloch. Von jedem Luftloch geht ein starker “
kurzer Tracheenstamm aus, welcher sich sehr bald in”
mehrere Seitenstämme zertheilt, diese theilen sich von ‚
neuem, und so erscheint hier die von andern Beobachtern {
bei andern Milbenfamilien gefundene Regel nicht befolgt, \
dass die Tracheenstämme der Milben sich nieht verästeln. %
Die inneren Organe. Der Verdauungskanal be- |
ginnt mit einer ausserordentlich schmalen Speiseröhre, 4
len der Beobachtung für gewöhnlich entgeht und nur
sichtbar wird, wenn ein lebendiges Thier beim Einführen
von Nahrung oder Wasser beobachtet wird. Dabei wird
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 63
auch deutlich, dass die Speiseröhre sehr langgestreckt ist,
_ wie es auch bei den Wassermilben als Regel gilt. Der
auf die Speiseröhre folgende Darm ist augenscheinlich nach
zwei Typen, die allerdings nur verschiedene Formen eines
einzigen sind, gebaut. Bei den meisten Mitgliedern der
Gattung Gamasus zeigt er die Gestalt wie Taf. IV, Fig. 14a.
- Es ist dabei kein eigentliches Magenrohr zu unterscheiden,
- sondern nur eine sackartige Erweiterung, von welcher aus
nach hinten und vorn jederseits drei Blindsäcke ihren
- Ursprung nehmen. Die Oberfläche der Blindsäcke ist dabei
im allgemeinen glatt. Der Darm ist, ähnlich ‘der Speise-
- röhre, wieder ein schmaler langgestreckter Kanal. Die Mehr-
- zahl der Mitglieder der anderen Gattung Notapsis dagegen
besitzt ein vollständig deutlich erkennbares Magenrohr,
aus dessen Seitenwänden jederseits zwei kurze Blindsäcke
"ihren Ursprung nehmen. Die Blindsäcke wie auch die
- Magenwandung haben eine traubenförmige Oberfläche, indem
die grossen Wandungszellen, welche vielleicht der Leber
entspreehen, aus der allgemeinen Masse halbkugelförmig
hervorspringen. Am Magenende bemerkt man bei gün-
stiger Ansicht eine Einschnürung, von welcher aus der
- Darm ungefähr in der Dicke des Magenrohrs sich nach
“hinten weiter erstreckt. Einmal glaube ich ziemlich nahe
der Afteröffnung einen in den Darm auslaufenden Kanal
"gesehen zu haben, welcher wohl die auch bei den Gama-
"siden vorhandene Secretionsdrüse mit dem Darm verbinden
“ wird. Dies Excretionsorgan ist bei unserer Milbengruppe
‘sehr umfangreich, und besteht aus zwei langen, weit
mach vorn, sogar bis in die ersten Glieder des ersten Fuss-
"paares reichenden Kanälen, welche aus einem umfangrei-
chen, im hintern Leibesende gelegenen sackförmigen Theil
"entspringen. Man beobachtet an dem Organ lebhafte Con-
"traktionsbewegungen, welche den Inhalt sehr energisch hin
‚und hertreiben. Eigenthümlich ist an diesem Organ die
"sehr weitgetriebene Zweitheilung, welche bei den meisten
Milben anderer Gruppen nur eben angedeutet ist. Doch
ist diese Eigenthümlichkeit noch bei weiten nicht so
‚charakteristisch wie die, welche bei der Ausmündung der
Speichelgefässe beobachtet wird und die allerdings in ihrer
ER
u e x
a
E
- 2 %
TE
64 Kramer HN; AN .
Art wohl einzig dasteht. Der Ausführungskanal dieser
Gefässe war mir schon manchesmal als recht ansehnlicher
mit einem Spiralfaden versehener Gang bekannt geworden,
und ich vermuthete, da sein Ende immer nicht zur Beob- °
achtung kam, dass es in den vordern nicht sehr zugäng- °
lichen Abschnitt der Speiseröhre zu verlegen sei. Um so
mehr musste ich überrascht sein, als ich bei einem beson-
ders grossen Exemplar von G. nemorensis den Kanal in
schönster Ausbildung auf das Deutlichste in die oben er- %
wähnten stiletförmigen Gebilde neben den Kiefertastern °
ausmünden sah. Diese Stilete sind also überall hohl und
dienen den Gamasiden als weit über die Mundöffnung heraus-
ragende Ausführungsgänge der Speicheldrüsen, die dann h
wohl mit als Giftdrüsen funktioniren mögen. Bei andern
Milbengruppen ist etwas ähnliches nirgends vorhanden, ”
vielmehr nehmen dort die Speicheldrüsenausgänge wie ge- )
wöhnlich in der Speiseröhre ihr Ende. Bei der eben er- !
wähnten Anordnung der Abführungsöffnung des Speichels ”
muss, da die Stilete oft ganz ausserordentlich weit hervor- \
ragen, die Nahrung bereits bei Annährung an den Mund
mit der Speichelflüssigkeit durehtränkt werden. Andere
Speichelausführungsgänge als die erwähnten konnten nicht 7
weiter entdeckt werden, obwohi Pagenstecher's Erwäh-”
nung von zwei Paar Speicheldrüsen bei anderu Milben die ”
Aufmerksamkeit geschärft hatte.
Die mönnlichen Geschlechtsorgane bieten in
Gestalt und Mündungsart viel Bemerkenswerthes dar. Zuerst i
das Nöthige über die Lage der Geschlechtsöffnung. Be-
trachtet man einen männlichen Gamasus von der Bauch- %
seite her, so ist ausser der Atteröffnung auch nicht die
Spur einer andern Oefinung, namentlich nieht in der Ge-"
gend zwischen den Hüften des hintern Fusspaares wahr-
en Dagegen bemerkt man vorn, hinter dem Bauch- E |
taster, eine eigenthümliche, durch stärker ehitinisirte Leisten }
erzeugte Figur. Man überzeugt sich bald, dass diese Figur)
unter dem Bauchschilde liegt und beweglich ist. An dieser”
Stelle, also ganz unmittelbar hinter der Kopfröhre, hat?
man die männliche Gesehlechtsöffnung zu suchen, und jene
Figur stellt die Mündung selbst dar. Man beobachtet näm-"
A ER y 4 ;
ar Naturg. einiger en aus d. Familie d. Gamasiden. 65
lich unschwer einen Kanal, welcher sich in ziemlicher Breite
und sich im mer'mehr rennt nach hinten erstreckt.
| Bei längerer Betrachtung lassen ziemlich starke Contraetio-
men, weiche an diesem Kanal entlang laufen, über seine
Existenz keinen Zweifel mehr aufkommen. In denselben
"münden von der andern Seite her die Ausführungsgäuge
zweier Hoden und zweier accessorischer Drüsen, so dass die
männlichen Organe ein Gesammtbild wie Taf. IV, Fig. 17
darbieten. Die mit Sperma gefüllten Hoden schimmern
deutlich durch die schwächeren Hautpartien durch und
gewähren in Folge der sehr regelmässigen Lagerung der
"bandförmigen Spermaelemente einen kamm- oder feder-
"artiven Anblick. Die länglichen, einer eignen Bewegung
völlig enthehrenden Samenclemente sind 0,062 Mm. lang
‚und 0,006 Mm. breit, und zeigen an beiden Enden eine
sanfte Krümmung in entgegengeseiztem Sinne. Taf. IV,
Big. IB.
1 Die weibliche Geschlechtsöffnung befindet sich zwi-
‚schen den Hüften der beiden hintern Fusspaare. und be-
‚Sitzt oft entsprechend der Grösse der Eier eine ganz colos-
‚sale Dimension. Von ihr aus geht bei der Gattung Notas-
pis ein kurzer Ausführungsgang zu einer breiten aber kurzen
"Höhle, in welche die Fileiter aus zwei einfachen trauben-
förmigen Eierstöcken einmünden. In denselben Raum
münden auch zwei kleine kugelförmige Drüsen. Der weib-
‚liche Gesehlechtsapparat der Gamasue - Arten ist mir bis
; jetzt entgangen.
Das Cireulationsorgan. Bei Gamasus findet sich
"endlich im letzten Drittel des Hinterleibes ein lebhaft pul-
sirendes Herz. Da bei den meisten Arten die verhärtete
"Rückendecke die Beobachtung der innern Organe unmög-
‚lieh macht, so eignen sich zur Auffindung er Herzens nur
unerwachsene oder eben durch eine Häutung gegangene
Thiere, an denen es aber leicht und sicher erkannt werden
kann. Seine Bewegungen sind von denen der Exeretions-
drüse natürlich auf das bestimmteste verschieden, auch
entspricht seine Lage sanz dieht unter der Haut u Lage
et iR
( esselben Organs bei ande Gliederthieren.
se Arebiv für En XIII, Jahrg, 1. Bd. 5
66 Kramer:
I. Abtheilung: Zur Systematik. ; m
Dug&s giebt im dritten Artikel seiner grösseren Ar- B
beit über die Milben Auskunft über theils schon bekannte,
theils von ihm neu gefundene Arten. Zu jenen gehört G. co-
leopteratorum, welche wohl, seit lange bekannt, auch aus den
Beschreibungen immer wieder erkennbar ist. Die andern
sind nieht wiederzuerkennen. Le Gamase borde, mit dem
G. marginatus Herm. identifieirt, wird dureh Kennzeichen M
charakterisirt, die auf jedes Weibchen eines mit ungetheil- 7
tem Riückenschild versehenen Gamasus passen. Le Gamase
tetragonoide, welcher auch bildlich dargestellt wird, ist ein
männlicher Gamasus und die Unterscheidungsmerkmale wer-
den zum grössten Theil von Eigenthümliehkeiten hergenom- E
men, welche allen Männchen oder wenigstens den allermeisten
semeinsam sind. Allerdings würde der Anhang am vierten
Kiefertastergliede vielleicht ein Arteharakter sein können.
Le gamase lagenaire ist durch nichts gekennzeichnet, da ”
der bewegliche Dorn am fünften Tasterglied bei allen Ga-
masus-Arten mit kleinern Dormen besetzt ist, er ist näm- °
lich stets in mehrere Spitzen fiederartig ik Die %
Spitzen und Dornen an der Lippe geben ebenfalls kein 7
sicheres Merkmal ab, da eine so kurze Beschreibung, wie f
sie Dug&s von diesen Organen, welche allen Gamasiden “
semeinsam sind, gibt, nicht ausreicht. Le gamase eourt
ist völlig unbestimmbar ebenso wie le G. arrondi Duges.
Möglich A die ‚beiden letzten Arten zu den abgerunde- | A
ten Gamasiden gehören, welche Koch zu seinem Genus No-
taspis z08. 4
Die Kenntniss der Gamasiden hat auch im Allgemeinen a
vonDuges nicht in dem Maasse eine Erweiterung ertalnaal E
wie die von andern Milbenfamilien. Er ist der Meinung, g
dass die ganze Familie der Gamasiden aus parasitisch
lebenden Milben besteht, ein Urtheil; welches er wohl vor”
allem auf die eigenthümliche Bildung der Füsse gründet
weiches aber wohlnur in sehr beschränktem -Maasse richtig
ist, da die allermeisten Gamasiden nie und von den weni-
gen, die parasitisch leben, aueh nicht alle sich immer auf
anderen Thieren aufhalten. Von den äussern und innern
.
A
\
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 67
anatomischen Details finden sich nur wenige Andeutungen,
_ welehe nicht geeignet sind, sich eine ausreichende An-
schauung von der Organisation der hierher gehörigen Ge-
schöpfe zu verschaffen. Ebenso wenig ist durch Dujar-
dins Arbeit über die Milben eine einigermassen genügende
Kenntniss der Gamasiden gewonnen. Trotzdem finden sich
manche neue Einzelheiten bei ihm erwähnt, so namentlich
hat Duj. den Bauchtaster' dieser Milben gefunden, auch
erwähnt er das Tracheensystem, und hat unzweifelhaft
die eigenthümliche Stigmenbildung bemerkt. Die ganze
Anlage seines Aufsatzes, der wie aus der Vogelperspective
das Milbenheer übersieht, ist aber richt dazu angeihan, ein-
"gehend die einzelnen Abtheilungen desselben zu unter-
"suchen und die Ergebnisse zusammenhängend darzustellen.
Auch anderwärts findet sich nicht viel weiteres ana-
tomisches Detail. Fr. Leydig tbeilt seine Beobachtung
der Harnschläuche an G. coleopteratorum mit, doch bleibt
dies die einzige Notiz über Gamasiden in dem ganzen um-
fangreichen Aufsatz: „Zum feineren Bau der Arthropoden“.
- Eine umfangreiche systematische Bearbeitung erfuhren die
" Gamasiden mit allen andern Milbenfamilien durch C. L.
"Koch.-
We Eir bildet aus ihnen die dritte Familie der-vierten Mil-
benabtheilung, der Laufmilben, und beschreibt 7 Gattungen
"mit im Ganzen 116 Arten. Die Gattungen zum Theil
“neu, sind folgende: Dermanyssus Duges mit 7 Arten,
"Gamasus Latr. mit 64 Arten, Laelaps mit 4 Arten,
Zereon mit 16 Arten, Sejus mit 10 Arten, Notapsis Herm.
mit 8 Arten, Eumaeus mit 7 Arten. Diese. Gattungen wer-
‚den nach Körper, Augen, Rüssel, Taster und Beinen unter-
‚schieden, aber derart, dass das wirkliche mikroskopische
Detail, welches bei so kleinen Geschöpfen eigentlich doch
"allein maassgebend sein kann, vernachlässigt wird. Die
" Gattung Dermanyssus ist allerdings durch den mangelnden
Panzer deutlich genug von den übrigen Gattungen geson-
dert. Ohne die farbigen Abbildungen würde die Gattung
"Gamasus von Zercon durchaus nieht zu unterscheiden sein,
da die Gattungsmerkmale von Koch so unbestimmt El
‚Niessend angegeben sind, dass selbst Thiere, die die Mehr-
vo
68 Kramer:
zahl der erwähnten Kennzeichen nicht besitzen, dennoch
dem Geschlechte beigezählt werden können. Wenn eine °
Schulterborste nur „meistens“ vorhanden ist, so ist sie eben
kein Gattungsmerkmal und wenn die Trennungslinie zwi-
schen Vorder- und Hinterleib „mehr oder minder“ deutlich
sein kann, ja selbst nur als ein feines Stricheleben ange-
‚deutet zu sein braucht, so hört die Möglichkeit auf diese
Trennung zum Gattungscharakter zu erheben.
Laelaps und Notaspis sind nur dureh die beschriebene
Lebensweise von einander sicher trennbar, wie denn über-
haupt die Bemerkungen Kochs über Lebensweise und
Betragen der zu den verschiedenen Gattungen gezogenen
Thiere eine fast mehr gesicherte Charakteristik liefern, als
alle Angaben über Füsse, Taster u. s. w. Wie zu den 7
allermeisten Gattungen, so fand Koch eine ungewöhnlich
grosse Anzahl von Arten namentlich bei Gamasus und
musste das Bedürfniss empfinden, hier Unterabtheilungen 3’
herzustellen. Das erste Merkmal gab ihm dazu das Vor-
handensein oder das Fehlen einer beweglichen Sehulter-
borste. Es ist nicht zu läugnen, dass diese Borste bei *
einigen Arten besonders auffallend verlängert ist, doch 7
findet sie sich bei allen Gamasus- Arten, deren Rücken- #s
panzer nicht den Bauchpanzer direkt berührt; sie ist eine #
der eharakteristischen Dornen dieser Milben; sie würde
auch bei allen andern Arten, wo sie wegen ihrer Kleinheit
unter den andern Dornen des Rückens verschwindet, doch ®
ausfindig zu machen sein, So lässt also die Betrachtung "
dieser Dornen, zumal sie in allen möglichen Grössen ge- %
funden wird, keine sichere Gruppirung zu. Indess auch %
die andern Merkmale, nach welchen Koch seine Gamasus- ”
Arten unterschieden hat, machen jede Wiedererkennung
unmöglich. Wer will entscheiden! ob eine Milbe eiförmig,
l,y; oder weniger eiförmig, 1, d ist; eins davon muss man %
kennen, um das andere zu bestimmen, kennt man kein
Thier aus einer der beiden Gruppen, so ist es eben un- %
möglich die Tabelle zu benutzen; aber nın kommt gar
noch 1,8 dazu, „eiförmig und ohne eigentliche Rücken- 7
zeichnung«. Mine Rückenzeichnung findet ch aber über-
haupt kaum bei einem Gamasus. il
a
"a Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 69
So ist man denn lediglich auf die colorirten Abbil-
dungen angewiesen, denn die nicht colorirten auf Taf. X
seiner Uebersicht des Arachnidensystems lassen auch nicht
im mindesten, mit Ausnahme des G. coleopteratorum, ver-
muthen, welches Thier in den Figuren eigentlich a stellt
"ist. Da ich über die Gattungen Dermanyssus und Laelaps
"in dem Nachfolgenden nicht zu handeln gedenke, bleiben
noch die fünf Gattungen Gamasus, Zercon, Sejus, Notaspis,
Eumaeus übrig. Vergleicht man die Al bbrldisen mit den
Beschreibungen, so fällt sofort auf, dass Koch den bei
"sehr vielen Gamasiden durch die Haut schimmernden Darm
als Charakterzeichnung aufgefasst und in die unterschei-
denden Details mit aufgenommen hat, so z. B. Heft 27,
Fig. 3, 4, 6, 8, 11, unter den zu Zercon gerechneten Milben.
Wird dieses E nschen ein Hauptmer Anal so kann eine
Bestimmuug nicht zum Ziel führen. Man nehme z. B.
Gamasus arcualis 26, 14 und Gamasus vegetus 26, 16.
E. Allerdings ist die Rückenzeichnung verschieden, doch “
diese nach jeder Mahlzeit, die das Thierchen einnimmt, eine
andere, so bleibt denn für die Unterscheidung nur noeh die
Binde; dass Gamasus arcualis am Hinterrand kurze feine
Börstehen besitzt und dass bei G. vegetus die ganze Rücken-
fläche mit feinen Seidenhärchen bedeckt ist, a seiden
"artig glänzt. Koch hat nun wohl den Glanz gesehen ind
auf die Seidenhärchen geschlossen, denn ich fand bei
‚keinem Gamasus Seidenhärchen und davon herrührenden
"Beidenglanz. Für mich ist @. arcualis völlig identisch mit
6. vegetus. Ebenso identisch mit nn beiden muss
man G. stabularis halten, denn die blosse Rückenzeich-
nung ist unwesentlich, auch ist der le bei dieser
Art gerade so erwähnt wie bei G. vegetus. Die weitere
Notiz betreffend die Fussborsten wird dureh die Zeichnung
nicht Dura, da ‚die 0 von Koch a natur-
Mer zu nen da der über I Heckenschild herausr Bo
d linterleibsr and von dem durch Eier geschwollenen Leibe
‚berrühren kann. Sonach wäre beispielsweise die ganze
‚Gruppe: der Gamasns- Arten unter A, d auf zwei unter-
‚schiedene ‚Arten. zuriiekzuführen, wenn nicht diese noch
70 Kramer:
wieder auf Arten anderer Abtheilungen zurück gebracht
werden müssen. Ebenso ist @. cerinus 24, 21 und ©.
motatorius nieht von einander verschieden, da die Behaa-
rung am Hinterleibe bei einer nieht ganz serupulösen Be-
obachtung gar kein irgendwie klares Merkmal ist. Aus A
demselben Grund ist &. dilatatus und litus 25, 3 und 4
nieht von einander zu unterscheiden, trotzdem die Rücken-
zeichnung ja sehr verschieden erscheint. So liesse sich
eine ganze Menge von Arten, welche Koch aufgestellt hat,
zu einer einzigen zusammenziehen, zumal da er nicht beob-
achtet hat, dass die männlichen Gamasiden verdiekte und
mit Anhängen versehene Füsse des zweiten Paares haben. °
Da nun die Männchen viel seltner sind als die Weibchen,
so ist anzunehmen, dass Koch zu vielen der abgebildeten °
Männchen auch die Weibchen gesehen und abgebildet hat;
damit fallen schon ungefähr 6 oder 7 Arten. “
Geht man zu einem andern. Geschleeht z.B. Eumaeus,
so ist E. pyrobolus und globulus 27, 15 und 17 nieht zu schei- °
den. Die anderen Arten Eumaeus scheinen von einander 7
unterschiedene Thiere zu sein. Doch ist gar keine Garantie ”
gegeben, dass die unter diesem Namen abgebildeten Thier-
ehen von solehen anderer Gattungen verschieden sind. Es
ist nämlich ganz unmöglich Zercon fimbriatus 27, 7 von |
Eumaeus ciliatus zu trennen, da die Angabe über die 7
vorhandene Wölbung, welche die Gattungen Zereon und
Eumaeus vielleicht trennen könnte, nicht scharf genug ge- |
halten ist. So erscheint es denn als ein ziemlich vergeb- ”
liches Unternehmen, die Koch’schen Arten erkennen zu %
wollen, wenn nicht er charakteristische Asusserlichkeiten A @
die Wiedererkennung ermöglichen. Und wenn ich trotzdem
‚einige Namen aus von Koch gewählten wieder auf-
nehme, so hat das seinen Grund in dem Bestreben, die )
Vorarbeit Kochs, obgleich sie fast völlig unbenutzbar ist, >
doch möglichst mit aufzunehmen. Die Gattungen, welche '
Koch benannt hat, sind nach seinen Bestimmungen nicht
wiederzuerkennen mit Ausnahme von Gamasus als Aypise
Gattung. Dennoch werde ich für die Gattungen, zu welchen °
meine beobachteten und nachher beschriebenen Arten al
sammentreten, auch durch Koceh’sche Namen benennen.
I
BR,
\
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 71
- Von sämmtlichen 64 Arten der Gattung Gamasus, welche
Koch abgebildet hat, gelang es mir nur, ausser G. coleop-
teratorum, eine einzige annährend sicher zu identifieiren,
bei drei andern konnte ich vermuthen, dass Koch vielleicht
mit mir dieselbe Art meint. Daher habe ich nur zwei Art-
namen von Koch herübernehmen können.
Uebersehe ich die nachfolgend beschriebenen Arten,
so scheint mir ein nicht unwesentliches Unterscheidungs-
" merkmal darin zu liegen, ob die Füsse in dazu vorhan-
dene Gruben zurückziehbar sind oder nieht. Sind Fussgruben
in dem Bauehpanzer vorhanden, so hängt damit zugleich
die sehr charakteristische Erscheinung zusammen, dass die
Kopfröhre nicht zwischen Baueh- und Rückenpanzer gelegen
ist, sondern durch eine grosse Oefinung des Bauchpanzers
hindurehtritt. Bauch- und Rückenpanzer berühren sich
daher in dem ganzen Umfang des Thieres. Die Stigmal-
platte ist mit dem Bauchschild vollständig verwachsen,
während sie bei der andern Gruppe entweder frei oder
mit dem Rückenschild auf eine längere Strecke verwachsen
erscheint. Zu gleicher Zeit erhalten die Hüftglieder des
ersten Fusspaares eine ganz enorme Entwicklung und decken
von unten her die kurze Kopfröhre fast gänzlich zu, Taf, IV,
Fig. 18. Unter die hierher gehörigen Thiere scheinen mir
einige der zu Notaspis Herm. gezogenen Milben zu gehören
und ich lasse daher die Gattung Notaspis bestehen. Im übri-
Sen aber ist es ganz unmöglich, den seiner ganzen Aus-
bildung und Organisation nach so sehr übereinstimmen-
B den Rest der von mir beobachteten Milben in mehrere
Gattungen zu trennen, wenn nicht vielleicht die beiden
Arten G. elongatus und pyriformis, welche grosse Ver-
wandtschaft mit der Gattung Notaspis zeigen, ein Recht
beanspruchen können, eine besondere Gattung zu bilden.
" Daher lasse ich die von Koch neu gegründeten Arten Zer-
- con und Eumaeus fallen, wogegen ich allerdings glauben
muss, dass Sejus durch eigenthümlich gebaute Thierchen
- bestimmt wird und daher beibehalten zu werden verdient.
Um die Arten des Geschlechts Gamasus gehörig
_ von einander zu unterscheiden, muss man auf den Panzer
und den vorderen Rand der Kopfröhre sehen. Namentlich
12 Kramer:
giebt das zweite Merkmal so constante Verschiedenheiten,
dass darmach eine ganz sichere Unterscheidung vorzuneh-
men ist. Obgleich nämlich die Randfigur meistens aus nur
drei Dornen gebildet wird, so findet sich doch eine ganz
überraschende Verschiedenheit in Grösse und Gestalt der
einzelnen Dornen. Neben Randfiguren mit drei Dornen
beobachtet man auch solehe, welche aus fünf oder nur aus
einem Dorn gebildet werden. B
Im Allgemeinen lässt sich behaupten, dass folgende *
Merkmale in einem Abhängigkeitsverhältniss zu einander
zu stehen scheinen. Erstens: Ein rundliches den ganzen
Leib dachförmig bedeckendes Rückenschild, kurze Kiefer-
taster, sehr lange, schmale und mit ganz kleiner Zange
versehene Kieferfühler, langer vorn gefiederter Fortsatz
am oberen Kopfröhrenrande, und kurze Füsse. Zweitens: °
Längliches oft nur die oberste Rückenfläche bedeckendes
Rückenschild, verlängerte Kiefertaster, mässig lange und ”
verhältnissmässig sehr breite Kieferfühler mit grosser Zange,
drei Dornen am vorderen Kopfröhrenrande und lange”
Gliedmassen. e:
Diese beiden Gruppen von Eigenschaften, so in die
Augen springend sie auch sein mögen und einen so be-
stimmten Charakter sie auch den Thieren, welche sie be-
sitzen, geben mögen, machen doch keine Trennung der °
Gattung Gamasus unbedingt nothwendig, namentlich aber ”
lassen sie sich nicht auf einen bestimmten und klaren
Wortlaut zurückführen. Könnte man bei allen die innere
Organisation mit ausreichender Klarheit sieh vergegenwär- 7
tigen, so würde vielleicht der Unterschied durchgreifender
sich geltend machen lassen, der jetzt eben nur angedeutet °
werden kann. Es scheint nämlich, als wären jene beiden °
oben erwähnten Typen der Magenbildung derart unter die
Gamasiden vertheilt, dass der einen Gruppe die Magenbil-
dung mit vier getrennten Blindsäcken, der anderen die mit
in einander übergehenden Blindsäcken zukäme. Es bliebe
also anderen geschiekteren Forschern vorbehalten, durch ge-
nauere Feststellung dieser Verhältnisse die bessere Grup- °
'pirung der Gamasusarten zu ermöglichen. Ich werde die °
Bi
Trennung der Gattungen Gamasus und Notaspis haupt-
ir
- Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 73
- sächlich auf das Fehlen oder Vorhandensein von Fussgruben
im Bauchpanzer basiren.
Es erübrigt noch zu erwähnen, dass um die Constanz
der Oberkoptröhren-Randfiguren zu erproben, ich von G.
stercorarius aus verschiedenen Gegenden gesammelte Exem-
plare in ziemlicher Anzahl untersuchte und immer fand ich,
“ dass die gerade bei dieser Art sehr eigenthümliche und
; eomplieirte Randfigur von Individuum zu Individuum völlig
" übereinstimmte. Ebenso bei der nicht minder charakteri-
- stischen Figur von G. nemorensis. Es scheint demnach
angenommen werden zu können, dass mit diesem Merkmal
i die Arten am sichersten von einander unterschieden werden.
B
i
.
9
" können, wenn es gilt, schneil den Bestand einer Gegend.
zu untersuchen.
Eine Definition der Familie der Gamasiden ist m
"jedem Lehrbuch der Zoologie gegeben.
- Uebersicht der hier behandelten Gattungen und Arten.
1. Gattung: Notaspis Herm.
Bauehpanzer mit Gruben für die Füsse, den Kücken-
"panzer ringsherum berührend, vorn durchbohrt, um die
Kopfröhre durchzulassen. Die Hüftglieder der Füsse des
"ersten Paares sehr dick, lang und einander berührend, in
"der Ruhelage die Kopfröhre von unten her völlig verber-
gend. Die Rückenplatte flach gewölbt.
Rückenpanzer eine einfache Platte, der Bauchpanzer
. mit einem zierlich gezeichneten Rahmen, die beiden
hintern Fusspaare in der Ruhe nach hinten, die
7% ‚beiden vordern nach vorne gewendet.
h marginatus. Taf. IV, Fig. 19.
Rückenpanzer von einem zierlich gezeichneten Rahmen
umgeben, welcher vorn mit der Rückenplatte ver-
wachsen ist. Die drei hintern Fusspaare in ı
- Ruhe nach hinten gerichtet. ovalis. Taf. 1V, Fig. 2
- Rückenpanzer durch einen fast am hintern
"7 gelegenen Quersehnitt in zwei Platten zerlegt, um
| welehe sich ein vorn mit der Hauptplatte verwach-
74 Kramer:
sener Ring legt. Die Füsse wie in voriger Art. .
x tectus Taf. IV, re 20.
2. Gattung. Ta
Bauchpanzer ohne Gruben für die Füsse, den Rücken-
panzer ringsum berührend, vorn durchbohrt, um die Kopf- °
röhre durchzulassen, auch über der Kopfröhre mit dem
Rückenpanzer verwachsen. Die Hüftglieder des ersten
Fusspaares nicht verdickt, so dass die Kopfröhre von ihnen 4
nicht verdeckt wird. Die Rückenplatte flach. 4
Die Rückenplatte an der Seite und dem hintern Rande
mit dieht stehenden gekrümmten und verbreiterten
Dornen (Taf. V, Fig. 41) besetzt . . pyriformis. 7
Die Rückenplatte an der Seite und dem hintern Rande 7
ganz domnlas u... Oo
3. Gattung: Gamasus Bal {
Bauchpanzer ohne Gruben für die Füsse, die Rücken- °
platte mindestens vorne nieht berührend, da sich die Kopf- 5
röhre zwischen Rücken und Brustplatte einschiebt. Die ;
Hüften des ersten Fusspaares Bucht verdickt und me aus- “
einanderstehend. Be.
ee Dr
Tabelle zur Bestimmung der Arten des Geschlechts
Gamasus.
1. Die Füsse des ersten Paares ohne Anhangsglied, Kral-
len und Hüftlappen . . . 2. role
Die Füsse des ersten Br iu Artanessiedi '
Krallen und Haftlappen . : . une
2. Dämmtliche Rückenborsten Aalen. so lang NE
Rückenpanzer, säbelförmig gebogen und’auf der e
caven Seite schwach gezähnt . . . . . horrid
Sämmtliche Rückenborsten höchstens /, des Rücken. |
panzers an Länge gleich, die Mehrzahl aber beden-
tend kürzer... En
3. Der Rückenpanzer durch‘ . eine von eb aa hi k
einschneidende Bucht in zwei Abschnitte getheilt, wel
E,
Kae N
= Zur Naturg. einer Caltanedu aus d. Familie d. Gamasiden. 75
in der Mitte noch mit einander zusammenhängen
Belt, ....; DH GERN.
Der: ar dureh eine e@uhrlinie in zwei
ale aerloet . ."...; EN a AL
Der Rückenpanzer NN also eine einzige
Platte darstellend . . ,„ . es,
. Die Querlinie in der Mitte Sk nich heulen ausge-
De TEN Beth .:.....%%.% nemorensis.
Die Querlinie völlig gerade über den Rücken ver-
lanfend .'...... 5,
. Der Seitenrand Herden Bldien stark Sera Tat. V,
Re ..... serratus.
Der Seitenrand Beider Platten a elätt.....,6.
Die Kopfröhrenrandüigur besteht aus einem einzigen
'stumpfen Fortsatz. Taf. IV, Fig.28 . . . cerassus.
Die nn... wird von drei Spitzen
Bebildeh 0.4 L
. Die hintere Änckenplaite ee ae als die
vordere, von dieser meist durch einen breiteren Raum
getrennt, den Hinterleib nicht völlig umhüllend, so
dass von oben ber noch ein Streifen weicher Haut
sichtbar ist: . . . . en. 0,
Die hintere lan gross, an die vordere auf
| der ganzen Rückenbreite sich dicht anschliessend, den
- ‚Hinterleib völlig einhüllend, so dass auch bei Pres-
sung des Thieres keine on Hinterleibspartie Sicht-
Be yeird ... . i ne
‚8. Am hinteren Rande der en Bckenpintie vier
besonders starke Domen . . . . eoleopteratorum.
Am hinteren Rande der hinteren Rückenplatte zwei
Rn ders starke Dornen . . . Real) Se srmilis,
Am hinteren Rande der hinteren Bückenplaite kein
besonders starker Dom . . . ee Sahirtus:
iR . Die drei Zähne am Mir orsrunz des oberen Kopf-
Iren. Re
MAL:
I
ev
bot
N
;
ie röhrenrandes gleich gross und sehr kurz. Tai. V,
Deren... 2, u trieuspidatne.
Der mittlere der ‚drei Faline grösser oder viel
grösser EN rer 10,
. Der Miltelvorsprung init Eieokoschen Seitenr ändern,
zn
az
m
6
11.
13.
14.
"zugespitzt, die beiden seitlichen nicht sehr dicht an ” i
. Am hinteren Rande der Rückenplatte zwei lange ru- 7
Dornen...» ar. Po
eine tiefe Bucht getrennt, hinten mit derselben ve
Kramer:
Taf. V, Fig. 14. Männchen und Weibehen mit sehr ”
verdiektem zweiten Fusspaar . . . . . magnus, N
Der Mittelvorsprung mit ausgebogenen Seitenrän- %
dern, Taf. V, Fig. 16 und 24. Weibehen ohne ver-
diektes zweites Fusspaar . . nn
Der mittlere Dorn sehr lang Konto die beiden ’
seitlichen dicht au ihn herangerückt und im Ver-
hältvuiss zum mittleren sehr klein, der Mittelvorsprung 4
des Kopfrandes so lang oder länger als breit, Taf. V,
Bee, Js IENPHOSUS .
Der mittlere Dora un, aus I Basis scharf
ihn herangerückt und auch nicht verschwindend klein
im Verhältniss zum mitileren. Der Me
des Kopfröhrenrandes breiter als lang, Taf. V, Fig. 24.
übten r anıs, A
derartig erweiterte Dornen‘... 129% Tremischr
Am hinteren Rande der Rückenplatte keine solche Ä
Die Konsens. ze fünf spitze Dornen, E
Tann ab I ee ... quingquespinosus.
Die Kopiröhrenrandligur ee einen fisechschwanz-
artig verbreiterten Fortsatz, aus dessen Rande ein tei-
ner Gabeldorn hervorsieht, Taf. V, Fig. 29 stercorarius.
Die Kine zeigt einen sehr Iangen
mittleren Dorn mit zwei sehr kurzen breit abgerun- M
deten und an der Rundung gezähnelten Vorsprin
an' dessen Basis. Taf, V, Fi, 28" 7 70% Sp nOnı
Die Kopfröhrenrandigur zeigt drei spitze Dornen 14.
N £ „ einen langen und spit- ;
zen Dotn 2 Neu Ra
Der Kopfröhrenrand Br Au bröi or, ohne
besonders ausgezeichneten Dornfortsatz . . . 18
Afterplatte von der Rückenplatte an den Seiten dure
{m
IM
B.
R:
schmolzen, Taf. IV, Fig. 3. N lo
trennt. eine Hi SL 1
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 77
15. Alle drei Dornen gerade nach vorn gerichtet, Taf. V,
‚Fig.27. Der Haftlappen’ in drei lange Zipfel zer-
BRITEN ie Do in. Arieornis:
Die beiden äusseren Dornen etwas nach aussen
gebogen, Tai.V, Fig. 25. Der Haftlappen besteht aus
einer einfachen abgerundeten Platte . trispinulosns.
16. Der Bauchpanzer besteht hinten aus vier einzelnen
Tiauen, Tat. IV, Fig.25 .... ..... ‚euspidatus.
Der Bauchpanzer besteht Hten nur aus der After-
Se In ee
17. Der sehr lange Dorn ie Kopiröhrenrandes ist kegel-
förmig nach vorn zugespitzt und besitzt eine Öffnungs-
artige Figur in seiner Fläche, Taf. V, Fig.36 rotundus.
Der sehr lange Dorn des Kopiröhrenrandes ist lan-
zenspitzenförmig in der Mitte verbreitert. Taf. V,
De... 2. en. lOnSIEpInUSus,
18. Die Scheerentaster mit a unbeweglichen Schee-
genstück, Tai. V, Fie.32. .-. . . . paradoxus.'
Die Scheerentaster mit einfachem unbeweglichen
ee a. 20
© 19. Die Unterlippe ragt wie ein schmales Rechteck weit
nach vorn vor. Randfigur der oberen Kopfröhre ge-
£)
wen... rn... oomplanatus.
Die Unterlippe ragt nicht vor, Randfigur glatt
minimus,.
II. Abtheilung. Beschreibung der Arten.
h No Gelee marginalus.
D°.: Der Rückenpanzer besteht aus einem einzigen ovalen
"Dach. Das Nebendach über der Kopiröhre ist eine aus brei-
ter Basis lang und kräitig ausgezogene Spitze. Der Bauch-
panzer besitzt einen rings herumlaufenden Rand, welcher
von den eigentlichen di Bauch deekenden Elrichiheilen
durch einen Streifen weicherer blasser Haut getrennt ist.
Er wird durch einen zinnenförmig ausgezackten Chitin-
streifen gebildet, welcher auf jedem der Zähne einen Dorn
trägt, Taf. Iy.. Wie: 19. Die Bauchfläche ist von vier stark
: 30
‚2
Kramer:
1
(02)
u %
Bw
Bu:
geränderten Platten bedeckt, deren Gestalt die Figur wie- :
dergiebt, da eine Beschreibung nicht möglich erscheint.
Die Länge des Bauchpanzers einschliesslich des Seiten 4
randes ist 0,66, die Breite 0,55 Mm. Die Länge der schma- °
len zwischen den Hüften BD Bauchplatte 0,36 Mm., die
- Breite derselben 0,12 Mm., doch hat sie geschwungene Ränder
und also etwas ech huge Breite. Die Gruben, in welche 4
die Füsse eingezogen werden können, sind so Sagen
dass nur die beiden letzten Paare in der Ruhelage mit der
Spitze nach hinten zeigen, während: das zweite Paar mit
der Spitze nach vorn eingezogen wird. Die Platten sind mit ”
grossen kreisförmigen Narbenllecken bedeckt. Der obere
Kopfröhrenrand ist in einen mässig langen, vorne spitzen °
und stark bedornten Fortsatz ausgezogen, welcher an seiner
breiten Basis verstärkte Seitenränder zeigt. Diese Seiten- ”
ränderlinien ziehen sich noch in die obere Kopfröhrenwand
als einander entgegengekrümmte Verdickungen fort. Die ”
‚Seheerentaster sind nieht übermässig verlängert. Sie be-®
sitzen bei einem ersten Gliede von 0,06 Mm. und einem
zweiten von 0,75 Mm. Länge eine grösste Breite von 0,027 Mm., 4
Die Scheere ist sehr klein. Die Farbe des Thieres ist ein”
blasses Gelbhraun.
Notaspis ovalis. 9
Männchen : Der Rückenpanzer des Männchens besteht TB
aus einem schön gewölbten nussbraunen Schilde, welches” | |
den ganzen Leib durchaus bedeckt. Um dasselbe legt.
sich, durch einen schmalen Streifen weicher und blasser’
ar getrennt, ein rahmenartiger Ring mit äusserst zierlicher"
Zeichnung, Taf. IV, Fig. 22. Auf der unteren Fläche dieses”
Ringes bemerkt man am hinteren Leibesende in grossen 2 i
Porenöffnungen stehend fünf dicke Haare, welche jedoch |
nicht über den Rand des Ringes herausragen. Der Ring- I
rand trägt in Zwischenräumen Borsten. Die Borsten, we- 7
che auf dem Rückenschild selbst stehen, sind auf blasse”
Kreise aufgesetzt, in deren Fläche excentrisch sich die
borstentragende Porenöffnung befindet. . Der Bauchpan-”
zer besteht aus einer einzigen sehr soliden Platte, wel-'
che vorne über der Kopfröhre ein abgerundetes, kaum se .
|
|
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 79
huies FE ordaiı bildet. In die Seitenflächen der Bauch-
latte sind Fusshöhlungen derart eingelassen, dass sich
die drei hinteren Fusspaare mit der Fussspitze nach hinten
‚darin bergen können. Zwischen den Hüften des dritten
nd vierten Fusspaares befindet sieh die sehr diekwandige
inde Geschlechtsöffnung mit kleinem Lumen. Von dieser
an ziehen sich von der inneren Seite der vierten Hüfte
"nach hinten und aussen scharf gekennzeichnet zwei linien-
rtige Verdickungen des Bauchpanzers, welche nachher vom
nde des Schildes wieder nach der Afteröffnung zu sich
zurückwenden. Die Stigmalröhre ist merkwürdig gebogen.
er. obere Kopfröhrenrand ist in einen vorn stark bedorn-
e Seitenränder des Fortsatzes sind verdickt und so
heint eine blasse dreieckige Figur in dem Kopffortsatz
liegen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das hier
hriebene Thier das Männchen zu der nachfolgenden
ist. Den Grund zu dieser Vermuthung nehme ich aus
ähnlichen Zeichnung, mit welcher der Rahmen des
ückenschildes verziert ist, der Grösse des ganzen Thie-
und der Art und Weise, in welcher die Füsse bei ihrer
iziehung gelagert sind. Eine direkte Beobachtung des
chen Zusammenhangs beider Arten wird wohl noch
Be glücken; so u mag van le sg Sei-
{u ‚Dir dei sand he-
ers s charakteristisch gebildet Er serfälk in eine gTosse
} Be ee Taf. IV, Fig. 20.
. Beinpaare sind in der Ruhelage mit der Spitze
eingebettet. Der Bauchpanzer zeigt eine sehr
n anschnlichen Fortsatz aus breiter Basis ausgezogen.
BZ
80 Kramer:
Z
entwickelte Afterplatte, eine sehr redueirte Böustplahle und
cinen mächtigen Geschlechtsöffnungsdeckel, Taf. IV, Fig. 21.
Dieser letztereliegt wie ein enormes, hinten gerade abe %
tes Oval zwischen den Hüften der drei hinteren Pusspaare.
Der Seitenrand des Rückenpanzers trägt zahlreiche kleine
Dornen, von denen die 10—11 vorderen sehr lange, durch F
verhärtete Chitinsubstanz geführte Porenkanäle besitzen. »
Es gewinnt dadurch der vordere Panzerrand ein sehr eha- h
rakteristisches und eigenthümliches Ansehen. Der obere
Kopfröhrenrand ist ineinen langen gewimperten Mittelfor tsatz
ausgezogen. Der Fortsatz erreicht fast das vordere Ende | 4
des vierten Gliedes der sehr kurzen Kiefertaster, Taf. IV, |
Fig. 18. Die Hüftglieder des ersten Fusspaares sind un-
gemein entwickelt, zwischen ihnen etwas nach vorn ge- %
rückt der kurze Bauchtaster. Die Krallen der Vorderfüsse ”
sind sehr klein. Die Scheerentaster besitzen ein erstes
Glied von 0,12, ein zweites Glied von 0,135 und ein Scheere "
von 0,018Mm. Länge. Das zweite Glied ist vorn sehr 7
schmal, der unbewegliche Theil! der Scheere bedeutend län-
ser als das dritte Tasterglied.
Trachynotus pyriformis.
Eine Milbe von ganz besonderem Ansehen. Der Um-
riss des Rückenpanzers ist birnförmig, wie ihn Taf. VW,’
Fig. 40 wiedergiebt. Hat sich das Thier ruhig hingelegt, so”
kann man von oben her nur noch die nach vorn gekrümm-
ten Füsse des ersten und zweiten Paares etwas über den )
Seitenrand herausragen sehen. Dadurch bekommt das vordere
Ende ein kolbenartiges Aussehen. Der Rückenpanzer ist
auf dem hinteren Theile seiner Fläche durch ein Paar Ein-
schnitte in mehrere Stücke zerlegt, die aber doch auch
durch schwächere Chitinmasse verbunden sein können, so‘
dass nur die Andeutung einer Zerlegung übrig geblieben
ist. Ausserdem finden sich auf der Mittelfläche des Rücken-
schildes erhabene Linien, wie sie die Figur in den einfa-
chen Strichen zeigt, die ganze Fläche ist mit einer feinen
granulirten Zeichnung überzogen. Am hinteren Rande des-
selben Rückenschildes, aber auch noch am hinteren Sei-
tenrande und auf der weichen Haut dicht unterhalb des”
1 .
.
Bf
Bas
PR: ‚Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 81
- Schildes stehen in dichter Reihe sehr eigenthümlich um-
gestaltete Haare, die mit ihrer gekrümmten Spitze derart
- über einander greifen, dass ein Flechtwerk von Haaren
- vorhanden zu sein scheint, Taf. V, Fig. 40 und 41. Wo sich
“ sonst noch auf dem Panzer Haarborsten finden, haben sie
-_ überall die merkwürdig flache und ne Gestalt.
Von der Unterseite he angesehen, zeigt sich, dass der
R Rückenpanzer ausserordentlich weit nach vorn über die
Kopfröhre hinwegragt. Diese Partie des Rückenpanzers
4 ist ganz enorm diek und zeigt ein ganz besonderes gestreif-
tes Gefüge, auch ist sie mit dem hierbin sich ausdehnen-
den Bauchpanzer verwachsen, so dass nur eine im Bauch-
- panzer vorhandene Oeffnung den Durchtritt der Kopfröhre
_ ermöglicht. Die Hüften des ersten Fusspaares sind aber
i nicht so bedeutend erweitert, wie bei der Gattung Notaspis,
so dass sie noch einen breiten Zwischenraum zwischen
sich lassen. Da es fast unmöglich ist, durch Beschreibung
}: die Panzerverhältnisse des Bauches darzustellen, so giebt
Wat. V, Fig. 43 ein möglichst getreues Bild der eomplieirten
Plattenverbindungen, welche bei dieser Milbe ein besonderes
. Interesse in Anspruch nehmen. Bemerkenswertlh erscheint
Na "das grosse zwischen den Hüften liegende Plattenstück,
_ weiches die Geschlechtsöffnuug zu verschliessen scheint. Die
- Randfigur der Kopfröhre ist ein mächtiger nach vorn vor-
‚springender und am Rande gezähnelter Mitteldorn, Taf. V,
ig. 42. Die Farbe dieser ziemlich grossen, aber in ihren
Bewegungen sehr langsamen Milbe ist ein tiefes Dunkel-
"braun. Die Milbe findet sich unter abgefallenen Blättern.
Trachynotus elongatus.
Der Rückenpanzer ist länglich, spitzeiförmig, 0,45 Mm.
ang, 0,3 Mm. breit, Taf. V, Fig.30. Der Rand erscheint
att, aber dicht daneben zeigt sich eine zierliche einge-
DE niitene Linie, Taf.V, Fig.31. ;Der Panzer ist ganz
lach und zeigt auf seiner Fläche eine Menge rundliche
ndrücke, wenigstens halte ich die blässeren rundlichen
Be Er en in dem ne. Am Bauche
| von der grossen, Pe a den Hüften gelegenen
Archiv für Naturg. XXXXII. Jahrg. 1. Bd. 6
29 Kramer:
Unterleib ganz bedeekenden Mittelplatte. Der vordere An-
fang des Luftzuleitungskanals auf der Stigmalplatte liest
in der Gegend des zweiten Fusspaares, also ziemlich weit
nach hinten. Der vordere Kopfrand zeigt einen mittleren
grossen und lang zugespitzten Vorsprung, welcher an seinem
Ende behaart erscheint. Das erste Glied der Scheerenta-
ster ist 0,12 Mm. lang, 0,015 Mm. breit, das zweite Glied ®
0,18 Mm. und an seinem vorderen Ende 0,006 Mm. breit. ER
Die Seheere selbst ist ungemein kurz, nämlich 0,03 Mm. °
Die Gestalt zeigt Taf. V, Fig. 46. Die Gesammtlänge des
Kiefertasters beträgt dagegen nur 0,072 Mm. Das blassgelbe
Thierchen fand sich auf einem mit Schimmel überzogenen
Holzstück in einem völlig lichtlosen Raume.
Gamasus mollis.
Diese 0,4 Mm. lange und 0,32 Mm. breite höchst cha-
rakteristische Art ist erstens durch den Mangel eines An-
hangsgliedes und damit der Krallen und Haftlappen am °
ersten Fusspaare, zweitens durch die langen säbelförmig
gebögenen Haare auf dem Rücken und endlich durch eine °
saugnapfähnliehe Kreisfigur auf dem Rücken in der Ge-
send über den Hüften der Füsse des vierten Paares vor
anderen ausgezeichnet. Von einem Rückenpanzer habe ich ”
nichts wahrnehmen können. Die Randfigur der Kopfröhre
ist auf Taf. V, Fig. 39 dargestellt, wobei die Zähne an den”
Seitenrändern bedeutend feiner zu denken sind. A
Am ersten Fusspaare sind die Haare des letzten sicht- °
baren Gliedes von bedeutender Länge, die beiden längsten
am Seitenrande fast so lang als das Glied selbst, vorn am
Fussende stehen zwei nur wenig kürzere Haare, dicht dar-
unter viele kürzere. Die anderen Füsse sind mit sehr vie- °
len langen gebogenen Haaren bedeckt. Die Rückenansicht 7
des Thieres zeigt Taf. IV, Fig. 29. ii
Gamasus horridus.
A
Diese kleine aber höchst interessante Milbe ist sofort
erkennbar an den Rückenborsten, welche eine ungewöhn-
liche Länge erreichen. Während nämlich die ganze Länge ’
des Leibes, ungerechnet die Füsse, nur 0,34 Mm. beträgt,
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 83
strecken sich die meist halbkreisförmig gebogenen Dornen
Eis zu 0,5 Mm. und noch mehr, sind also nahezu ebenso
lang als der Rumpf und übertreffen mit ihrer Länge die
"auf 0,25 Mm. geschätzte Breite um ein bedeutendes. Sie
"sind auf der convexen Seite schwach sägezähnig einge-
schnitten. Der Rückenpanzer ist hoch gewölbt und schnei-
det mit einer scharf gezeichneten kreisförmig um den Leib
"laufenden Linie nach der Bauchseite hin ab. Seine Ober-
"fläche ist durch kleine unregelmässige und dunkler gefärbte
" Höcker rauh, Taf.V, Fig. 47. Bei näherer Betrachtung er-
scheinen ee Höcker wie kleine drei-, vier- oder fünf-
eckige Sternehen mit dunkelgelbem Kern und blassgelben.
2 ‚Zipfeln. Die Porenöffnungen, auf welchen die Borsten ste-
hen, sind rund und sehr ansehnlich. Der Bauchpanzer be-
"schränkt sich auf eine ovale quergestellte Afterplatte, welche
‚die Afteröffnung ziemlich in der Mitte trägt, eine sehr schwach
angedeutete Mittelplatte und eine ebenso schwach ver-
härtete und kleine Brustplatte. Die Randfigur besteht in
einem einfachen ungezähnten dreiseitigen Vorsprung. Die
Füsse sind sehr schlank, trotzdem ‚bewegt sich das Thier-
chen äusserst langsam. Die Haftlappen sind halbkreisför-
'Scheerentastern sind an ihren Rändern flügelartig erweitert.
ie Farbe des ganzen T'hieres ist rothbraun.
GFamasus cervus.
Der Rückenpanzer dieser schönen Milbe ist auf merk-
ürdige Weise in zwei zusammenhängende Blätter getheilt,
af.V, Fig. 17. Die Länge der Gesammtrückenplatte be-
trägt 0,8 Mn., so dass das ganze Thier etwa einen Leib
on 1 Mm. Länge haben mag, die Breite der Platte steigt
auf 0,56 Mm. Das hintere Blatt der Platte ist bedeu-
d kleiner als das vordere. Die Kopfröhre besitzt einen
deren Oberrand in der Form, wie Taf. V, Fig.19 es
stellt. Was die Gliedmassen anbetrifft, so sind sie bei
‚erer Milbe alle ungemein in die Länge gezogen. Enorm
längert erscheinen die Kieferfühler. Sind sie eingezo-
HT ua scheinen sie ‚fast bis in ag hintere ae des Lei-
iS ohne Ausschnitt. Die Glieder der Scheere an den
84 Kramer:
schen den hinteren Enden der beiden Seiteneinsehnitte des
. Rückenpanzers gelegen ist. Taf. V, Fig. 18 stellt die Fühler
genau im Verhältniss zum Rückenpanzer dar. Die Füsse
besitzen ausserordentlich Janggezogene Glieder. Das Ver- #
hältniss der drei letzten Hauptglieder zusammen zum An- °
hangsglied ist wie 8:1. Ebenso ist der Bauehtaster aus-
serordentlich schlank. Die Nebenfühler erreichen eine be-
deutende Länge, während nämlich die beiden ersten Kie-
fertasterglieder zusammen 0,126 Mm. Länge haben, besitzen
die Nehenfähler eine ae von 0,111 Mm. Die Milbe
gehört zu den allerhäufigsten und variirt in der Grösse ganz ”
ungemein. Von allen Gamasiden zeichnet sie sich sogleich | 5
durch die unmässig langen Scheerentaster aus. D
Gamasus nemorensis Koch.
Die Abbildung dieser Milbe zeigt bei Koch eine nach
hinten spitz ausgezogene Theilungslinie des Rückenpan- | E
zers; danach glaube ich, dass Koch die von mir gesehene 4
Milbe mit seiner Fig. 18, Heft 24 gemeint hat. Mir ist
nur das Weibehen hekanms geworden. Der Rückenpanzer
ist in zwei Platten zerfallen. Die Theilungslinie zwischen i
beiden ist geschwungen, so dass die vordere Platte einen
in der Mitte vorgezogenen Hinterrand und die Hinter-
platte einen in der Mitte eingebuchteten Vorderrand bei
sitzt, Taf. V, Fig. 4. Die Länge der vorderen Platte be=’
trägt 0,50, die der hinteren 0,26 Mm., die Breite der vor-°
deren. 0,44, die der hinteren 0,4 Mm. Auf der hinteren
Rückenplatte zählt man 36 starke Dornen. Die Afterplatte‘
ist ein kleines rundliches Panzerstück, die Mittelplatte’
dagegen sehr vergrössert und nach Inte verschmälert. |
Es erhält dadurch der Bauchpanzer ein besonders für diese 1
Milbe eigenthümliches Ansehen. Der die Geschlechtsöff-
nung von unten bedeckende Fortsatz der Mittelplatte endigt?
mit einem starken nach vorn gerichteten Dorn. Der vor-
dere Kopfrand zeigt eine sehr charakteristische Randfigur,
Taf. V, Fig.5, welche schon bei ganz jungen Individuen’
vollständig ausgebildet ist. Die Fussglieder sind wenig’
gestreckt. Die Scheerentaster erreichen eine Länge von
0,45 Mm., sind also etwa so lang als die vordere Rücken-
Zur Naturg. ee Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 85
platte, und besitzen unter sich gleich grosse Glieder. Das
Basalglied des Bauchtasters ist 0,08 Mm. lang und 0,01 Mm.
breit. Die kleinen Stützplatten desselben besitzen die
Form eines stumpfwinklig gleichseitigen Dreiecks. Der
Haftlappen der Füsse ist tief eingeschnitten und besitzt ab-
gerundete »eitenlappen, Taf. V, Fig. 6.
Gamasus serratus.
Es ist mir nur das Weibchen bekannt geworden, die-
ses allerdings in grosser Anzahl. Die Körperfarbe ist
gelb, Körperform oval, nach vorn zugespitzt. Der Rücken-
} panzer ist durch eine Querlinie in der Höhe des vierten
' Fusspaares in zwei Theile getheilt, weiche mit ihren plat-
ten Flächen den Körper vollständig von oben her bedecken.
Der Seitenrand dieser Rückenplatien ist auf eine sonst bei
Milben dieser Familie nicht wieder beobachtete Weise gezähnt.
- Taf. V, Fig.1 giebt den Totaleindruck der ganzen Gestalt,
Taf. V, Fig.3 eine einzelne Zahnabtheilung, um den Verlauf
des Haarkanals durch den Chitinpanzer zu zeigen. Auf dem
- hinteren’Panzerstück zählte ich jederseits am Rande sieben
Borsten. Da jeder Zahneinschnitt des Seitenrandes wieder
einen kleineren Zahneinschnitt trägt, so lässt sich von
- Halbeinschnitten sprechen. Ein solcher Halbeinschnitt findet
sich am vorderen und hinteren Ende der Reihe der an der
- hinteren Kückenplatte befindlichen Einschnitte, der vordere
trägt noch sein Haar, der hintere dagegen trägt keins. Auch
_ der Seitenrand der vorderen Rückenplaite besitzt sieben
' Randhaare mit ihren zugehörigen Zahneinschnitten. Die
" Länge des Rückenpanzers beträgt im Ganzen 0,47, die Breite
0,37 Mm. Die Länge des hinteren Rückenschildes 0,25 Mm.
Auf der hinteren Hälfte der zweiten Rückenplatie stehen
ji starke Haarborsten, wie die Figur 1 es angieht, ausserdem
"noch vier halbmondförmige, durch tiefere Färbung ausge-
zeichnete Hautverdiekungen. Das ganze Rückenschild ist
schuppenförmig gezeichnet und trägt ausser jenen starken
Borsten. noch viele kleinere. Auf der Bauchplatte stehen im
Ganzen 28, BD auch auf der Hinterplatte 28 Haar-
Die 2.036 Mm. lange Kopiröhre besitzt einen vorde-
86 Kramer:
ren oberen Kopfrand, dessen Gestalt Fig. 3 wiedergiebt.
Die Kieferfühler sind kurz. Die Scheere 0,036 Mm. lang,
das zweite Glied verhält sich zur Scheere wie 2:1. Der
Unterlippenrand des Kopfes ist weit vorgestreckt und be-
sitzt kleine Lippentaster. DerBauchtaster ist sehr schmäch-
tig, sein Basalglied 0,024Mm. lang und oben 0,006 Mm.
breit, nach unten zu verbreitert es sich ansehnlich. Stütz-
platten habe ich weder für den Bauchtaster noch tür das 7
erste Fusspaar beobaehten können. Die drei Bauchplatien
berühren einander. Die Afterplatte ist breit und lang und 3
berührt mit ihren Rändern die Seitenränder der Rücken-
‚platte. Die Füsse sind kurz und diek. Die Krallen der
drei letzten Fusspaare sind bedeutend kleiner als die des
ersten Fusspaares, wo ein Anhangsglied fast völlig unsicht- 7
bar ist. Die Krallen dieses ersten Fusspaares sind sehr
gross und stark, eine Eigenthümlichkeit, die sich nicht %
oft bei Gamasiden wiederholt. Die Geschlechtsöffnung ist
mit zwei auffallenden ovalen Seitenorganen versehen, deren %
Struetur mir unbekannt blieb. Die Bier besitzen eine
Grösse von 0,135 Mm. in der Länge und etwa 0,120 Mm.
in der Breite. Die Bewegungen des an feuchten Orten 7
unter modernden Pflanzenresten sich aufbaltenden Thieres
sind langsam.
Gamasus crassus. \
Von dieser grossen und kräftigen Art ist mir nur das %
Männchen bekannt geworden. Da nun die Weibchen mit
den Männchen die Körpergrösse und vor allen Dingen den
vorderen Kopfrand theilen, so war es klar, dass dieses
Männchen zu keiner der weiterhin beschriebenen Arten
gezogen werden konnte. An Körpergrösse kommt ihm nur
G. magnus und G. quinquespinosus gleich (zu diesen bei-
den Arten fand ich aber Männchen und Weibchen, so dass
der gemeinsame Besitz derselben Randfigur bei Männchen
und Weibchen von mehreren Arten nachgewiesen werden’
konnte). Der Rückenpanzer, welcher das ganze Thier, von
oben her betrachtet, einschliesst, wird durch eine einfach
Trennungslinie in zwei einander ganz berührende Platten
getheilt, welche mit starken gekrümmten Borsten ziemlich
dicht besetzt sind. Die Grösse dieser namentlich am Hin-
. Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Wamilie d. Gamasiden. 87
terrande auch von oben her deutlich sichtbaren Borsten
beträgt indess kaum den vierten Theil der langen, etwas
nach vorn gerichteten Sehulterborsten. Die Kopfröhre ist
sehr kurz und trägst als Randfigur einen dieken stark chi-
tinisirten und gefärbten Vorsprung, Taf.IV, Fig. 28. Ueber-
haupt ist die ganze vordere Partie des T'hieres, Koptröhre,
Scheerentaster, zweites Fusspaar sehr gedrungen und plump.
Die Scheerentaster besitzen fast quadratisch erscheinende
Glieder. Das erste und zweite Giied sind 0,2 Mm. lang
und 0,15 Mm. breit. Die Scheere ist ebenso lang und be-
- sitzt ein durchbrochenes bewegliches Glied. Taf. IV, Fig. 26.
Ausgezeichnet ist das zweite Fusspaar, namentlich das ge-
bogene Ende, an dessen ceoneaver Seite ein starker nach
vorn gerichteter dernförmiger Fortsatz der Chitinhaut sich
findet, Taf.IV, Fig. 27. Am vierten Fussgliede dieses
Paares bemerkt man einen sehr stark gekrümmten Hom-
fortsatz mit zwei kleinen an seiner Basis, Am sechsten
Gliede ist ein kurzer Dorunfortsatz.
Gamasus coleonteratorum Linne, Duges.
" Die blassgelbe Art gehört unter diejenigen, welche
- auf Insekten schmarotzend angetroffen werden. Da es aber
keineswegs bloss diese einzige Art ist, welche auf Käfern
sich aufhält, so war der alte Name einer dieser Arten zu-
zutheilen und es schien als wäre die hier beschriebene von
- Koch und Dugös bereits beobachtet.
1% Ihr Rückenpanzer besteht aus zwei Stücken, welche
einander fast direkt berühren, Taf.V, Fig.7. Die vordere
"Platte ist 0,5 Mm. lang und breit, die hintere 0,3 Mm. breit
und 0,275 Mm. lang. Auf der vorderen Rückenplatte sind
die beiden Schulterborsten am längsten, doch finden sich
auf ihr noch drei Paar Dornen von besonderer Stärke und
Länge, zwei Paar auf der Fläche und ein Paar am vor-
eren Ende, Auf dem breit abgerundeten hinteren Rande
ler hinteren Rückenplatte sind vier ebenso ausgezeichnete
Dornen eingefügt. Auf dieser hinteren Platte stehen im
"Ganzen 30 Dornen. Die weiche Haut an den Leibesseiten
und auf dem Bauche ist mit sparsam gestreuten Dornen
esetzt, welche der Mehrzahl der auf den Rückenplatten
838 Kramer:
befindlichen an Grösse gleichkommt.. Auf dem Bauche
sieht man nur zwei Plaiten durch einen bedeutenden Zwi-
schenraum von einander getrennt, nämlich die kleine After-- #
platte und die herzförmig zugespitzte Brustplatte. Diese
berührt die Hüftglieder niebt und trägt an ihren durch ©
keinen Randwulst verdiekten Rändern acht Borsten. Der ©
vordere Kopfrand zeigt auf einem mässigen Vorsprung drei 5
Dornen, deren mittelster dann und wann länger erschemt @
als die beiden seitlichen, und in der Regel durch einen 4 |
kurzen Einschnitt getheilt ist, Taf. V. Fig. 8. Die Füsse |
sind gestreckt und namentlich erscheinen die letzten Glie- @
der der Füsse des vierten Paares von bedeutender Länge. |
Die hier beschriebene Art ist nicht leicht von einem
anderen Gamasus zu unterscheiden, welcher genau die-
selbe Randfigur besitzt, dessen Rückenschilder aber an
den Seiten mit einander verschmolzen sind, so dass die ©
Theilungslinie nur in der mittleren Fläche des Rückenpan-
zers zu bemerken ist. Die Rückenplatten sind sehr scharf ° |
netzartig gezeichnet, die hinteren aueh sehr ausgedehnt und
mit vielen groben Dornen besetzt. Da deren Anzahl über E.
40 steigt, zeigt sich an dieser hinteren Platte ein charak- ” |
teristischer Unterschied, der noch unterstützt wird durch
die schr deutliche und nach vorn rag zugespitzte Figur B
der Geschlechtsplatte. “
Ich vermeide es, für die hierdurch charakterisirte Form
einen Namen einzuführen, doch scheint mir bei der gros- .
sen Regelmässigkeit, mit weicher sich auch so geringfügige
Merkmale als die Rückenborsten sind, immer bei derselben -
Art wiederfinden, dass hier eine mindestens bereits sehr
weit abgezweigte Varietät von G. coleopt. vorliegt.
Gamasus simihs.
Diese grosse und kräftige Milbe ist dem Gamasus eoleop-
teratorum auf den ersten Anblick ähnlich, doch achte man auf
nachfolgende Unterschiede. Der Rückenpanzer besteht aus "
zwei der Grösse nach sehr ungleichen Panzerplatten, deren °
Gestalt und Verhältniss unter einander Taf.V, Fig. 9 angieht. 2
Die vordere Platte ist 0,7 Mm. lang und 0,64 Mm. breit,
die hintere 0,35 Mm. lang und -0,64Mm. breit. Die der R
IE AMarg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 89
Grösse a Dieke nach ausgezeichneten Borsten auf der
‚vorderen Platte sind die Schulterborsten, zwei Paar Bor-
sten auf der Mittelfläche und die beiden am vorderen
Rande, welehe recht weit von einander entiernt stehen. Die
“hintere Platte trägt pur zwei ausgezeichnete Borsten am
“hinteren Rande, im Uebrigen nur kleine und dünne. Die
weiche Leibeshaut ist auch hier nur mässig mit Dornen-
hen besetzt. Auf dem Bauche ist nur eine Afterplatte
‚geringer Dimension und eine lange schmale, die Hüft-
eder nicht erreichende Brustplatte vorhanden. Die Kopf-
hre ist unverhältnissmässig kurz und trägt eine von der
? vorigen Art völlig verschiedene Randfigur, Taf. V,
ig. 10 (links), sowie die Füsse einen Haftlappen von cha-
Benyene: Gestalt Fig. 11.
© hänge bis zu 1,5 Mm. Die der Plaite n
b, im een ist sie weisslich. Aufenthalt: an dunklen,
Gamasus hirtus.
Die gelblichbraune Art steht dem Gamasus coleopte-
m sehr en muss 2. da sich. unech sehr er-
Im keit. leo we Kohmnaler u die vordere
> und recht spitz dreieckig a Auf der vor-
sten und die ebenso langen Bones; in der Nähe
Rs Kandes. Die beiden nach vorn ee
Sk "Um den Rand dieser Platte KA Baht
n auf jeder Seite, vier auf der Vorderlinie,
Die Bene gehört unter die Een Baeilen |
90 Kramer:
auf der Platte im Ganzen 3%. Die weiche Haut an den
Leibesseiten ist mit dieht gedrängten Reihen von Dornen 4
besetzt, so dass man bei gepressten Thieren bis fünf Rei- 7
hen vom Rande des hinteren Rückenschildes bis zum Rande
des Leibes zählt. In jeder Reihe stehen die Dornen, de-
ven Grösse etwa die Hälfte der Randdornen des hinteren
Rückenschildes beträgt, sehr dicht. Auf dem Bauche be-
finder sich ausser der Bauch- und der Afterplatte noch 7
zwei sehr kleine Platten und zwar jederseits eine hinter der
Hüfte des vierten Fusspaares. Diese kleinen Platten müs-
sen sehr constant sein, denn ich sehe sie bereits auf Zeich- 7
nungen, die ich vor eiehlich zwölf Jahren bei der ersten '
Beobachtung an Gamasiden gefertigt habe. Die Bauchplatte
berührt die Hüftringe nicht, ist mit acht Dornen am Rande
geziert und etwas herzförmig gestaltet. Die Füsse sind 4
ausserordentlich gestreckt. | |
Gamasus tricuspidatus. |
Männchen: Der kückenpanzer besteht aus zwei Pan-
zerstücken, welche sich in einer geraden Querlinie eng)
berühren. Die. hintere Rückenplatte geht ohne Naht in’
die Bauchpanzerplatte. über, welche sich zwischen den
Hüftgelenken hindurch bis “ die Kehle des Thieres er-
streckt. Die Länge der Rückenplatte ist 0,55 Mm., di
Breite 0,8 Mm. Der obere Rand der Kopfröhre besitzt eine
vorgezogenen Mittellappen, an dessen vorderem Ende drei
kleine Zähne sich befinden, Taf. V, Fig. 13. 2
Die Scheerentaster haben eine Totallänge von 0, 18 Mm.
und jedes Glied beträgt davon ein Drittel, die Dicke des
zweiten Gliedes ist 0,05 Mm. Also ist der Taster kurz un
gedrungen. Die beweglichen Scheerenglieder haben einen’
verdieckten und fast durchbrochenen unteren Rand. "De
zweite Fusspaar ist besonders verdickt. An der Untersei
des dritten Gliedes steht an der Basis desselben ein zwe
spitziger anschnlicher Höcker. Am vierten Glied fin
sich auf der Unterseite nach dem vorderen ae zu e
breiter sehr stumpfer Höcker.
Der Bauchtaster ist auf ein ganz niedriges querst
fenartiges Basalglied mit zwei entfernt von einander 8
henden Haaren redueirt.
13
RN
N
Bu
f. on ”
y; 0
Zur Rule. einiger Gattungen aus ld Familie d. Gamasiden. 91
=
E Da es schwer hält, diesen Gamasus ausser der sehr
_ eharakteristischen Randfigur der Kopfröhre durch scharfe
und leicht in die Augen fallende Merkmale zu kennzeich-
gen, tritt die Nothwendigkeit ein, auf geringe Details auf-
"merksam zu machen, z. B. auf die längere Schulterborste
"und die Krümmung des Luftkanals in der Gegend dieser
"Borste, auch ist das zweite Fussglied der Füsse des vier-
"ten Paares sehr stark. Die Farbe des Thieres ist gelb.
Gamasus Magnus.
| Eine ausgezeichnet schöne Milbe. Der Rückenpan-
zer bedeckt den Rücken vollständig und besteht aus zwei
Panzerstücken, welche sich eng an einander schliessen und
ur durch eine gerade querverlaufende Linie von einander
getrennt sind. Das vordere Panzerstück ist vorn stark ver-
gt. Beim Männchen sowohl wie beim Weibchen geht
as hintere Rückenpanzerstück ohne Naht in die After-
latte über, so dass beim Männchen der ganze Bauch und
ie hintere Rückenkälfte so wie die hinter den Beinen
| egenden Seitenpartien von einem einzigen Panzerstück
mschlossen sind. Beim Weibehen findet sich, wie ge-
öhnlich, die Mitiel- und Brustplatte gesondert. Die Pan-
tücke tragen eine sehr schöne und chin: Schup-
enzeichnung. Der vordere Kopfrand zeigt drei Dornen, von
enen der mittelste der längste; sie stehen auf einem brei-
nu Vorsprung des Randes, Taf. V, Fig. 14. Die Glied-
sen zeigen manches kirabehe, So ist namentlich
s zweite Fusspaar bei beiden Gesehlechtern erheblich
verdickt. Dadurch ist diese Milbe von allen übrigen Gama-
Beim Männchen findet sich an der Unterseite des
en Gliedes ein sehr starker hornartiger Fortsatz, am
en ein kurzer, ebenso am fünften, am siebenten Gliede
ppen zerfallene Gestalt, Tat. V, Fie.33. Die Scheeren-
? sind kurz und gedrungen. Die Scheere des Männ-
3%
92 Kramer:
‚Basis höckerig verdiektes unbewegliches Glied, Taf. IV,
Bi2. 9. | 4
Weibchen und Männchen sind von gleicher Grösse und °
besitzen beide eine hell caffeebraune "Farbe. E
Koch hat auf Taf. 17 in Heft 26 einen Gamasus ab- °
gebildet, der vielleicht das Männchen dieser Art darstellt.
Gamasus trispinosus.
Das Weibehen: Der Rückenpanzer besteht aus zwei
Platten, welche durch eine Schnittlinie von einander ge- °
trennt sind. Die Länge der vordern Platte 0,45 Mm., die
Breite 0,49 Mm. Die Länge der hinteren Platte 0,3 Mi,
die Breite derselben 0,45 Mm. Auf der vordern stehen zwei °
Paar sehr lange Docneu unter vielen kurzen, auf der hin-
tern Platte ein solches Paar. Der Bauch zeigt eine 4
sehr kleine Afterplatte, keine bemerkbare Mittelplatte, und
eine ziemlich lange, die Hüftringe nicht erreichende Brust- !
platte, welche in der Höhe. des zweiten Fusspaares tief
ausgeschnitten ist. Der vordere Oberrand der Kopfröhre
besitzt einen mittleren Vorsprung, an welchem vorn drei
Spitzen sich befinden, von denen die mittlere weitaus die
längste ist, Taf. V, Fig. 16. Die beiden seitlichen sehen
aus wie Zähnchen, welche an den Seitenrändern des mitt-
leren haften. Die Lippentaster sind ungemein klein. Die
Füsse dick und nicht auffallend kurz.
Gamasus subterraneus. h;
Das Weibeben dieser am dunkeln feuchten Orte je |
benden Milbe besitzt zwei nicht sehr scharf von einan-
der getrennte Rückenpanzerplatten, auf denen sich kein |
Dorn von besonders hervortretender Grösse findet. Die
Länge des Gesammt- Rückenpanzers etwa 0,8 Mm., die °
Breite 0,5. Die Afterplatte ist gross und deekt den ganzen. E
hintern Unterleib, wird aber von der Rückenplatte. nicht
berührt. Die Mittelplatte ist klein und gewöhnlich gebaut. i
Auf der recht ansehnlichen Brustplatte stehen vier Paar‘
Borsten, ein Paar nach vorn geschoben und drei Paar zur
Seite ne Geschlechtsöffnung. Der vordere Kopfrand be-
sitzt einen breiten mittlern Vorsprung, an welchem drei
kurze Zähne sitzen, Taf. V, Fig. 24. Der Bauchtaster be-
u,‘
I“
“ H ur Meture. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 93
3 sitzt zwei kleine besondere Chitinstücke als Basalglied-
stützen. Die Stützplatten sind schmal und unbedeutend.
\ f Die Scheerentaster sind gedrungen und kurz, im Ganzen
0,3 Mm. lang, 0,072 Mm. breit. Die Scheere_ selbst ist
Matte und besitzt stark gezähnte Glieder, das erste und
zweite etwa 0,105 Mm. lang.
Das Männchen führt am dritten Gliede des zweiten
Fusses einen Dorn mit zwei Spitzen, einer grösseren und
‚einer kleineren. An seinem unbeweglichen Zangengliede
“ befindet sich ein starker Höcker an der Aussenseite der
Spitze.
Gamasus remiger.
! Dir flache Rückenpanzer dieser sehr charakteristi-
ehen Art besteht aus einem einzigen Stück und besitzt
ine Länge von 0,6 Mm., eine Breite von 0,34 Mm., Taf. V,
ie. 20. Seine Farbe ist braun und seine Oberfläche an
em vorderen Ende und den Seiten von einem sehr groben
letzwerk rauh, in der Mitte hat das Netzwerk einem un-
regelmässigen System von Rissen und Linien Platz gemacht.
er Vorderrand ist spitzig und trägt dort die beiden
)ornen von verhältnissmässig kleiner Gestalt, der Hinter-
and ist wenig abgerundet und trägt an den beiden Seiten-
cken einen starken Höcker mit je einem für das Genas
masus sehr bemerkenswerthen Haar. Dieses besteht aus
inem Schaft und einer Ruderblatt -ähnlichen Verbreite-
“rung an der Spitze, Taf. V, Fig. 22. Die Länge dieser
jaare ist gegen die übrigen auf der Haut befindlichen:
hr bedeutend. Die Seitenränder des Rückenschildes sind:
En ar auf nn Pen in nach hinten se
ine ehr ausgedehnte, am demand a
ati, ohne Zusammenhang mit ihr und unterein-
nder ‚die Mittel- und Brustplatte. Zwischen Mittel- und
cervus N en Die eline bebitzen bei
Breite (0,018 Mm.), eine sehr bedeutende Länge
94 5 Kramer;
(das zweite Glied ist allein 0,18 Mm. lang) und tragen
sehr kleine Scheerenglieder. Die Füsse tragen einen arı
Rande nicht ausgeschnittenen Haftlappen. Die Milbe fand N
sich unter abgefallenem Laube. e'
Gamasus quinquespinosus. m
Möglich dass G. testudinarius Koch diese von mir
beobachtete Milbe ist, doch lässt sich kein sicheres Merk- °
mal erkennen, um die Identität zu constatiren. Die Milbe
gehört zu denjenigen, welche im erwachsenen Zustande 2
mit einem sehr festen Harnisch ausgestattet sind. E
Weibchen : der Rückenpanzer besteht aus einer einzigen "
Platte, deren Länge 1,1 Mm. ungefähr die Länge des ganzen
Hinterleibes gleich ist. Die grösste Breite von 0,75 Mm. 7
liegt hinter der Mitte. Die Rückenplatte ist stark behaart.
Die 0,35 Mm. lange Afterplatte und die sich daran schlies- ©
sende Mittel- und Brustplatte bedecken den ganzen Unterleib. R
Charakteristisch gestaltet sind die Stützplatten. Sie sind %
viereckig und schliessen das Bauchtasterbasalglied ziem-
lich eng ein. Der vordere Kopfrand ist dureh fünf Dornen ©
deutlich gekennzeichnet, von denen drei gleich grosse in
der Mitte in einer Linie stehen, während die beiden seit- %
lichen kleineren weiter zurücktreten, Taf.V, Fig.15. Die
Scheerentaster sind 0,56 Mm. lang, davon kommen auf”
das erste Glied 0,26 Mm., auf das zweite bis zur Scheere ©
0,15.Mm , ebenso viel auf die Scheere. Jedes Scheeren-)
glied führt einige scharfe Zähne. Die Füsse sind kräftig. 5
Der Haftlappen ist in der Mitte durch einen tiefen Ein- m
aha in zwei Häliten See von denen ah an ib 3
Thieres ist ein tiefes Braun. &
Männehen: völlig übereinstimmend ne dem Weib- 2
chen mit Ausnahme der Panzerbildung und der Entwick- |
lung des zweiten Fusspaares. Der Panzer folgt in seiner
Anordnung der allgemeinen für die Männchen geltenden MM
Regel. Doch ist der vordere zwischen den Hüften des
zweiten Fusspaares gelegene Rand des Bauchtheils in der
Mitte ansgeschnitten, um für die bei dieser Art ganz be-
sonders deutlich und stark ausgebildete Gesehlechtsöffnung
eis, ERDERR Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 95
2 zu schaffen. Die nen sus breit auseinander
Er Das zweite Fusspaar ist erheblich verdickt. Die
= er an | diesen Füssen führen N ns und zahlreiche
Aanfie. Glied en a einen ganz et
dem aber noch zwei kleinere.
Gamasus stercorarins.
durch die ganz ausnahmsweise. dicke Leibeshaut
an den Stellen, welche von chitinöser Verhärtung
En sind u daher völlig weiss un aus-
2 rei hr endlich von a cn Platten,
Gestalt Tat. IV, Mr 11 a Der obere
in Figur, welche aus enden durch-
blasser Chitinsubstanz besteht, Taf. V, Fig. 29.
shtaster ist ebenfalls völlig blass. Die Füsse sind
ind lang. Ueberhaupt macht das ganze Thier,
tigen Eindruck, auch muss es wohl Kräfte be-
m durch die dieke Geotrupeshaut durchzustechen.
entaster sind sehr lang und gross. Die Scheeren-
jen eine an der Spitze etwas aufgetriebene Scheere.
sicht hat Koch diese Milbe schon gesehen und
lem Namen G. marginatus auf Taf. 22 u. 23 im
gebildet. Der Fundort meines G. stercorarius
MN
ngkäfer, Koch fand seine in feuchten Winkeln,
Kr,
RR
Pe [3 7
na Rn Rn
96 Kramer:
(Famasus SspiNosus.
Der Rückenpanzer dieser Milbe besteht aus einem |
einzigen Stück und besitzt eine Länge von 0,6 Mm., eine ©
Breite von 0,4. Die Farbe ist hellgeib. Der mit dem
Rückenpanzer am Hinterleibe verschmolzene Bauchpanzer be- "
deckt den ganzen Unterleib und zeigt die drei gomohnlichegg
Theile bei dem Weibchen, welches mir allein und zwar
in mehreren Exemplaren vorgekommen ist. - Die Mittel-
platte ist sehr schwer zu erkennen. Der vordere Kopf-
rand zeigt eine ganz besonders charakteristische Figur,
Taf. V, Fig. 28. Ein Mittelvorsprung besitzt einen mitt-
leren, ganz ausserordentlich verlängerten Zahn, an dessen
Basis zwei abgerundete und. an an ihrem Ed scharf $
sezähnelte Vorsprünge steben. Die Zunge ist bei dieser@
Milbe schr deutlich, breit und bewimpert. Die Scheeren-
taster sind sehr gestreckt und schmal, die Längen der Glieder 2 |
vom ersten ab 0,1Mm.; 0,11 Mm.; der Scheere 0,04 Mm.; |
die Breite nur 0,02 Me Die sehr Klee Scheere nur vom |
gezähnt. Die Füsse, namentlich die der beiden hinteren
Paare sind auffallend kurz, die Krallen an allen Füssen
gross. Die Haftlappen sind in vier einzelne Blätter zer“
fallen, die zwei oberen sind breit und abgerundet,- die
beiden unteren verlängert und spitz, es erinnert diese Haft
!appenbildung an die von ©. tricornis.
. Die Milbe lebt unter abgefallenem feuchten Laube. | 4
Gamasus g globulus.
Es ist mir nur das Weibchen bekannt geworden. Dieses
ist gekennzeichnet durch seine ungemein gewölbte Gestalt
und die eigenthümliche Art und Weise, wie der Rückenpam®
zer mit der Afterplatte verschmolzen ist. Taf. IV, Fig. 4
giebt eine Seitenansicht des Tihieres, in welcher nur de
Rückenpanzer und die Afterplatte dargestellt sind, um
Taf. IV, Fig. 3 giebt eine dazu gehörige Ansicht % H
Thieres von unten. Hier sieht man, dass die Trennung
der Rückenplatte von der Afterplatte in deren vordern Parti
durch je einen tiefen Einschnitt angedeutet ist. Die Afte er:
platte nimmt an der Bildung der Hüftringe Antheil bi
“ lches die Hüften von oben her stützt. Die ee
t ungemein gross und reicht weiter nach vorn, als’ dies
ı Allgemeinen bei Gamasiden der Fall is. In Folge
geschnitten. Sie ist ausserdem durch einen Längsschnitt
zwei Theile Be nn pa ar u en 37,
5 nn die Breite 0,46 Mm.
Die Füsse sind mässig lang, dabei die Bewegungen
ftlappen sind durch einen tiefen Mittelschnitt getheilt,
er Theil am Rande zierlich ausgeschnitten, Taf. V,
5, 44. Die Scheere erreicht die bedeutende Länge von
0,08 Mm., kommt sonach nahezu der Gesammtlänge der
den ersten Kiefertasterglieder gleich.
nis ITTCOTMIS.
Der Rückenpanzer des Weibchens besteht aus einer
inzisen Platte von 0,7 Mm. Länge und 0,5 Mm. Breite.
‚Afterplatte ist kurz und breit, quereiförmig, 0,24 Mm.
und 0,4 Mm. breit, und trägt die Afteröffnung in der
"Die _. ri a also kaum ae Mittel-
| Make getrennt. Der vordere Kopiand trägt drei
. Ar gerade ne vorn ee ey
Ä er Br 26. Die Kr allendite Betr zwei sehr
eitliche Haare. Die Scheerentaster sind lang und
Archiv für Naturg. XXXXIT. Jahrg. 1.Ba 7
'Thieres langsam und fast unbeholfen. Die oberen
PL
98 Kramer:
dünn, 0,39 Mm. lang 0,036 Mm. breit. Das Scheerenglied 7
ist 0,09 Mm., die beiden andern 0,15 Mm. lang.
Gamasus trispinulosus.
Der Rückenpanzer des Weibehens besteht aus einer 3 |
einzigen Platte von etwa 0,65 Mm. Länge und 0,35 Mm. 7
Breite, Die Afterplatte ist sehr ausgedehnt, 0,3 Mm. lang,
hinten etwas zugespitzt und 0,25 Mm. breit. Sie beginnt “
etwas hinter den Hüften des vierten Fusspaares.. Die ”
Mittelplatte klein und in unmittelbarer Berührung mit den ”
beiden andern Platten ; sie bildet den Hüftring für das ”
vierte Fusspaar, die Brustplatie die Hüftringe für die zwei ”
mittleren Paare. Der Kopfrand besitzt drei gleich grosse
Dornen, von denen die beiden äusseren etwas nach aussen ge-
bogen sind, Taf.V, Fig.25. Von den Dornen geht der nach der "E
Seite zu laufende Kopfrand erst nahezu etwas nach innen,
um sich dann in einer starken Krümmung nach aussen zu "
biegen. Die Scheerentaster sind kurz, ihre Gesammtlänge
beträgt 0,27 Mm., die Breite 0,06 Mm., auf jedes Glied ©
kommt ein Drittel der Länge. Die Scheere selbst ist scharf ”
sezähnt. Die Haftlappen sind blattförmig abgerundet und ”
nicht länger als die Krallen. Die Krallendüte ohne Haare ”
am vorderen Rand.
So ähnlich der vordere Kopfrand dieser Milbe nait
demselben Theil der vorigen Art ist, so wird man durch
das constante Auftreten der doch gewiss sehr ins Auge 7
fallenden Verschiedenheit der Kopfdoinen beide Arten scharf } |
unterscheiden können, zumal da die Anordnung der Bauch-
platten und namentlich der Haftlappen diese Unterschei- 7
dung dringend fordern.
Famasus cuspidatus.
Der Panzer dieser Milben, von welcher mir auch
nur das Weibehen bekannt geworden ist, zeigt sehr charak- 2
teristische Eigenthümlichkeiten. Der Köck uno besteht
aus einem einzigen Stück. Zwischen diesem aber und der
- Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 99
on einen das kleinste, die beiden seiten ziemlich aus-
edehnt sind. Taf. IV, Fig. 25 giebt ein Bild der An-
| Um es richtig anfzufassen ist das zu unterst
inet halbmondförmige Chitinstück nach dem Rücken
herumgeschlagen zu denken. Die Stigmalplatte ist hinten
Y Ilständig mit der Afterplatte verschmolzen, welche ebenso,
vie bei G. globulus, an der Bildung der Hüftringe theil-
nt. Ihre Länge betr ägt 0,45, ihre Breite dicht hinter
e. 2“ nen 0,3Mm. Der vordere Rand der
En leer entaster mil 0:27 Mm. ans vorne a
£ die Scheere 0,07 Mm., auf das zweite Glied 0.1 Mm.,
r Rest auf das erste Glied. Die Breite des zweiten Ei.
s ist 0,05Mm. Die Füsse sind ebenfalls kurz und ge-
Iru mu: Die Farbe ist tiefbraun. Der Aufenthaltsort ist
| “ EN Gamasus rotundus.
‚erstreckt und der kleinen (0,07 Mm. langen und
38 : . breiten) Afterplatte. Für die Füsse sind keine
100 * Kramer:
nen in etwa gleichen Abständen (doch wird diese Anzahl #®
wohl schwanken). Der obere Kopfrand ist in einen ganz
enormen Mittelstachel ausgezogen, welcher nahezu bis an das 4
vordere Ende des dritten Tastergliedes reicht. Das untere
breite Ende dieses Fortsatzes trägt eine Figur, welche wie #
eine Oeffnung in der Basis erscheint, Taf. V, Fig. 36. Die %
Seheerentaster sind lang und schmal mit kleiner Scheere. 4 |
Das erste Glied 0,105 Min. lang, 0,027 Mm. breit, das zweite #
und dritte zusammengenommen 0,165 Mm. lang und am Ende ©
kaum 0,015 Mm. breit, auf die Seheere kommt 0,036 Mm. 4 |
Der Bauchtaster besitzt ein Basalglied, welches an der
Basis wohl doppelt so breit ist als am vorderen Ende. Die SE
Füsse sind gedrungen aber nicht kurz. Die Haftlappen |
zeigen drei leichte Lappenausschnitte. Die Krallen und Haft- |
lappen der vorderen Füsse sind so gross als die der übrigen.
Das Thierehen lebt in grossen Mengen unter modern-
dem Laube und besitzt eine hellrothe Farbe. Die Rücken-
platte glänzt lebhaft. Te
Gamasus longispinosus.
Der Rückenpanzer des Weibchens besteht aus einer TR
einzigen Platte, welche vorn stark verengert erscheint. Die } | |
beiden nach vorn sehenden Dornen auf seinem vorderen TR
Ende stehen ganz dicht aneinander. Um den Rand ziehen FR
von der Schulterecke an noch jederseits acht recht an- | |
sehnliche Borsten mit etwas gefiederter Spitze, auf der j
weichen Haut unterhalb des Rückenpanzers noch einmal
jederseits fünf Borsten. Die Länge des Rickenpanzers (und
damit die des ganzen Leibes) beträgt 1 Mm. bei 0,7 Mm.
Breite. Er ist ungemein fein punktirt und führt auf seiner
hinteren Hälfte eine grobe Maschenzeichnung. Der Bauch-
panzer (Taf.IV, Fig. 23) zeigt eine vorn breite, nach hinten ”
zugespitzte Afterplatte von 0,5 Mm. Länge und 0,4 Breite. '
Sie ist mit sehr grossmaschigem, polygonalem Netzwerki ’
bedeckt, dessen einzelne Maschen bis zu 0,04 Mm. Grösse |
besitzen. Die Mittelplatte, welche unmiitbeibar an die Af- |
terplatte stösst, besitzt einen sanft abgerundeten vorderen
Rand. Die Brastplatte schickt, was nach meinen bishe-
rigen Beobachtungen selten vorkommt, zwei per Hörner
Zur Naturg. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 101
; f feinen Boris Linien ach Der obere
Kopfrand besitzt einen langen mittleren Dorn von lanzen-
spitzenförmiger Gestalt, zu dessen Seiten ziemlich entfernt
zwei sehr kleine stehen, Taf. V, Fig. 38. Besonders cha-
rakteristisch sind ausserdem für diese Art die ungemein
"verlängerten Lippentaster. Von den 0,25 Mm., die man von
- ihrer vorderen Spitze bis zum Den Rande der Kopfröhre
rechnet, kommen 0,12 Mm. allein auf die Lippentaster. Nicht
minder charakteristisch erscheint der zum Luftloch laufende
_ Canal auf der Stigmalplatte. Er geht nicht direkt auf das
Luftloch zu, sondern macht einen ziemlich ansehnlichen Um-
weg, indem er erst nach hinten über das Luftloch hinaus-
ar und dann wieder nach vorn umbiegt. Die Scheeren-
taster besitzen eine kurze Scheere. Ihr erstes Glied ist
“ 0,18, das zweite 0,15, die Scheere 0,1 Mm. lang, die Breite
"schwankt zwischen 0,6 und 0,7 Mm. Jedes Scheerenglied be-
sitzt einen grossen Zahn dicht hinter der Spitze.
| Der Haitlappen an denFüssen ist eine einfache nicht
‚ausgesehnittene Platte.
Gamasus paradoxus.
- Der Rückenpanzer des Männchens besteht aus einer
einzigen Platte, deren Länge 0,5, deren Breite 0,27 Mm.
beträgt. Sie besitzt eine deutliche schuppenartige Zeich-
nung und trägt viele Dornen, welche nicht allzudicht stehen.
ie Platte biegt sich noch etwas nach der Seite um und
hliesst sich ziemlich eng an die einzige Bauchplatte an,
‚ welche von der Afteröffnung bis vor die Hüften des zwei-
en Fusspaares reicht und die Oeffnungen für die drei
Bihteren Beinpaare trägt. Die vordere Randfigur des Ko-
es vermochte ich nicht klar zu erkennen, sie scheint jedoch
ir ein einfacher nach vorn gekrümmter Fortsatz zu sein,
ne jede Zähnchenbildung. Die Scheerentaster besitzen
ne Gesammtlänge von 0,15Mm., das zweite Glied ist das
ıgste und ist 0,069 Mm. lang. Auffallend ist die Scheere
ildet, welehe ein doppeites unbewegliches Glied zeigt.
‚beiden Zinken sind an der Basis verwachsen, Tat. V,
102 Be Kramer:
| Fig. 32. Die grössere ist auf der Innenseite ganz glatt, 4 |
die kleinere besitzt einen scharfen Zahn unweit der Spitze.
Die Füsse sind kräftig und verhältnissmässig lang.
Gamasus complanaltus.
Diese Milbe, deren Weibehen mir bekannt wurde, ist |
stark abgeflacht. Das Rückenschild, welches vorn ein we-
nig zugespitzt ist, besitzt eine Länge von 0,72 und eine 7
grösste Breite von 0,68 Mm., bedeckt für gewöhnlich die
Kopfröhre vollständig, ist abgeplattet und dunkelbraun von )
Farbe, meistens ohne Glanz. Der Bauchpanzer ist umfang- ®
reich, namentlich die Afterplatte, welche den ganzen hin- °
ter den Beinen gelegenen Unterleib bedeckt und sich dieht. 5”
‚an die kleine Mittelplatte anlegt. Diese gränzt mit einer Sf
sanft gerundeten Linie an die Brustplatte Die Stützplat- ®
ten sind breit und schmal und besitzen vorn einen breiten
lassen Rand. Der vordere Koptrand bildet einen scharf
gezähnelten nicht bedeutenden Vorsprung, Taf. V, Fig. 34. j
Der untere Kopfrand dagegen tritt als schmaler Fortsatz
weit vor und trägt ansehnliche Lippentaster. Die Glied- °
maassen sind nicht gestreckt nnd besitzen keine Gruben, ”
in welche sie zurückgezogen werden, was man auch hier "
aus der flachen abgerundeten Gestalt des Thieres schliessen
könnte. Die Scheerentaster sind von gewöhnlicher Bildung, ”
das erste Glied’0,13 Mm. lang, das dritte, das Scheeren- ©
glied 0,09 Mm. lang, beide Seheerentheile sind mit schar- ”
fen Zähnen versehen. Der Haftlappen ist abgerundet, be- ©
sitzt aber eine dreitheilige Form, Tat. V, Fig. 35. Der Bauch- ©
taster besitzt ein ganz kurzes Basalglied, die Endhaare |
sind mehr als doppelt so lang.
ih miNnımMS. 4
Diese äusserst kleine Milbenart findet man z. B. auf |
Erlenblättern zwischen dem Filz der durch Phytoptus ent- W
standenen Gallen. Sie ist farblos und weich und erreicht
kaum die Länge von 0,4 Mm. Der Rückenpanzer, wenn |
man so die kaum eickie Hautregion benennen will, auf |
welcher die Rückenborsten aufgestellt sind, besteht aus”
einem einzigen Stück, welches nach hinten zu mit einem”
mu. aM juug. einiger Gattungen aus d. Familie d. Gamasiden. 103
ihr groben, zellenartigen Netzwerk bedeckt ist. Die obere
Kopfröhrenwand bildet eine einfache breit vorgezogene
pitze ohne jede bemerkbare Zähnelung. Ich fand von die-
r Art nur Weibehen mit mächtigen Eiern. Bei dem Exem-
ar, weiches ich den Messungen zu Grunde legte, sind
die Maasse einiger Stücke folgende: Rückenpanzer 0,33,
Kiefertasterlänge 0,108, daran die einzelnen Glieder 0,018,
014, 0,018 Mm., der Rest kommt aufs vierte und fünfte
slied. Das zweite Scheerentasterglied 0,045, die Scheere
021 Mm. Das Bauchschild wird von vorn nach hinten be-
deutend breiter. Die Geschlechtsöffnung ist durch eine nur
wenig nach vorn gekrümmte Grenzlinie zwischen Bauch-
und Mittelplatte angedeutet. Länge des Eies 0,15 Mm.
Der Haftlappen bildet eine unausgeschnittene Kreisfläche.
. ? e Erklärung der Abbildungen.
Taf. IV.
. Stigmalplatte der linken Seite von Gamasus.
| neh auf derselben.
»Gamasus globulus von unten.
Der Panzer desselben von der Seite.
. Ein Fuss des zweiten Fusspaares von Gamasus.
' Ein Fuss des ersten Fusspaares.
Krallen und Haftlappen von Gam. noir
_ Dieselben etwas eingezogen.
Die Scheere von Gam. magnus. Männchen.
Die Unterseite der Kopfröhre von Gam. nemorensis.
Gam. stercorarius von unten.
Der Speichelausführungsgang von Gamasus.
Die Fahne von Gam. nemorensis. a die uniere Wandung
' des vorderen Speiseröhrenendes; b die harte Kopfröhren-
wand. Rh
Magenforn v von Gamasus; b Magenform von Notaspis.
Spermatozoon von Gamasus. |
Geschlechtsöffnung des männlichen Gamasus. a Bauchtaster;
b die Geschiechtsöffnung ; e der Samenleiter.
or männliche Geschlechtsapparat von Gamasus,
"90:
I
NopEp Du
. Kopfrandfigur von demselben.
. Das rechte Hinterende des Rückenschildes von demselben,
. Dieselbe von G. subterraneus.
Kramer:
.
Kopfröhre und Hüftglieder des ersten Fusspaares von No- u
taspis. | “a
Notaspis marginatus von unten.
Notaspis tectus von oben.
Derselbe von unten.
Notaspis ovalis von oben.
Gamasus longispinosus von unten.
Gam. complanatus von unten.
Gam. euspidatus von unten.
Scheerenglied
Fussende am zweiten T'usspaar \ von Gam. crassus.
Randfigur |
Gam. mollis von oben.
Taf. V.
Gamasus serratus von oben.
Randfhigur von dems. ei
Ein Stück Seitenrand des Rückenschildes von demselben. Ri
Gamasus nemorensis. Kückenschild.
Kopfrandfigur von dems.
Haftlappen von dems.
Gamasus coleopteratorum. Rückenschild mit den horvor- N
ragenden Dornen. n
Kopfrandfigur von dems,. Y | 4
Gam. similis. Rückenschild mit den hervorragenden Dor nen.
Kopfrandfigur von dems. Ä
Haftlappen von dems. W
Gamasus hirtus. ee mit den ‚hervorragenden }
Dornen.
Kopfrandfigur von Gam. tricuspidatus.
Dieselbe von G. maenus.
Dieselbe von G, quinquespinosus.
Dieselbe von G. trispinosus.
Gam. cervus. Rückenschila.
Scheerentaster von demselben, nach demselben Maas bh
wie Fig. 17. I
Kopfrandfigur von demselben.
G. remiger Bückenschild. Die punktirten Theile gehören N)
zur Bauchansicht. Be
N.
vi
um die ruderförmig erweiterte Borste zu zeigen.
G. euspidatus. Kopfrandügur.
Dieselbe von G. trispinulosus.
ttungen aus d. Familie d. Gamasiden. 105
; Bonn von 6. ara
MR Kopfrandfigur von demselben.
Dieselbe von G. spinosus. \
\ Dieselbe von G. stercorarius.
# Rückenschild von Trachynotus elongatus. Die ım Innern
N ea, gelegene Zeiehnung gehört zur Bauch-
Se nein von demselben.
cheere von G. paradoxus. |
ussende des Fusses vom zweiten Paar Bi G. magnus.
2 & Kopfrandfigur von &. complanatus,.
35 % Haftlappen von demselben.
36 " Kopfrandfigur von G. rotundus.
en.) u 6. globulus. !
6 en reis von oben.
Zwei Haare von der en Seite des Hinterrandes des
erentaster von Se ER,
| horridus von oben.
Y Berichtigung.
ni A »Beiträge zur Naturgeschichte der
rehiv XXXXII, gebrauchte Name a pec-
EL ECHEES OEREIEREETIEEG SECEELE EEEEEELET ENEEERIEEE. EEE (FEAR AETE NORERDER BIS DEE GERA ER EREPRERER FERRARI ARSTER 7ER APR VERA TRAIN I DE VOR FRERREUN TIRENWERTLEN TR
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“
Ueber eine merkwürdige, durch Parasiten
hervorgerufene Gewebsneubildung.
- Von
Dr. J. B. L. Flögel.
Hierzu Taf. VL
Bekanntlich kommen an verschiedenen Spinnen schar- |
lachrothe parasitische Milben vor, die im Larvenzustande
sich vom Blute der Spinnen nähren. Bezüglich ihres ge-
schlechtsreifen Zustandes fehlt bis jetzt eine genauere
Untersuchung. Bei meiner Beschäftigung mit der Anato-
mie dieser Thiere fiel mir auf, dass sich an der Stelle, wo
die Milbe sich angesogen at im Leibe der Spinne con-”
stant ein eigenthümliches dendritisches Gebilde findet, wel ‘
ches nachstehend beschrieben werden soll. E
Wenn man dies Gebilde, welches mit den normalen
Geweben der Spinne keinerlei Aehnlichkeit hat (auch ir
den Tracheen nicht), für sich betrachtet, so würde man
es ohne weiteres für einen Pilz erklären können. Um pas-
sende Formen aus den Beschreibungen und Abbildungen’
der Schimmelpilze wäre man kaum verlegen; z. B. die Gat-
tung Monosporium Bonorden hat Arten, welehe bei nicht‘
sehr gründlicher Untersuchung wohl hierauf bezogen werden 'y
könnten). Desto mehr muss es auffallen, dass das an-
scheinende Gewächs mit Pilzen gar nichts zu thun hat, i
1) Bonorden, Handbuch der Mycologie Fig. 124.
FR bed 1 Jen Bes NAH
EN
70 a Pa
Ueb. eine merkw. durch Parasiten hervorg. Gewebsneubildung. 107
E vielmehr eine Neubildung im Spinnenkörper ist, welche
N lediglich durch den Einfluss des saugenden Parasiten ent-
. steht. .. |
N Untersuchen wir die Beziehung dieses eigenthümlichen
h Bäumehens zu dem Parasiten genauer, so finden wir, dass
der Stamm desselben auf dem Loche steht, welches der
Parasit in der Spinnenhaut gemacht hat. Fig. 1, die Ab-
bildung eines vorzüglich erhaltenen Präparate, soll diese
Verbindung im Allgemeinen näher erläutern. Der Baum
"und die Spinnenhaut — in Wirklichkeit farblos — sind
h roth gezeichnet, um zu zeigen, wie weit die Mundtheile
i des Parasiten in das fremde Gebiet hineinreichen ; wir
"sehen hier die scharfen und spitzen Haken der Mand ibein
im Innern des Spinnenkörpers und zugleich in der Höhlung
des parasitischen Bäumchens. Ausnahmsios ist die Ver-
bindung des Parasiten mit der Spinne so. Die Milbe hält
"sich nieht etwa mit den Beinen fest, wie z. B. Gamasus
"thut; auch ist sie nicht eigentlich angesogen, sondern die
"starken Haken der beiden Mandibeln, welche nach aussen
. gekriimmt werden können, bilden, wenn sie angezogen
werden, zusammen einen ankerartigen Widerhaken, mittels
‚dessen der Parasit fest am Spinnenleibe haftet. Von diesen
andibelhaken aus beginnt nun der Stamm des Bäum-
hens, anfangs dick, später sich bei den zahlreichen Ver-
stelungen immer mehr verjüngend.
Das schönste parasitische Bäumehen, welches ich
sitze, gehört einer Milbe von etwa 0,9 Mm. Länge an
und ist in Fig. 2 abgebildet. Der Stamm theilt sich auch
ier, wie in Fig. 1, sogleich in zwei nahezu gleichdicke
— Erigone dentipalpa — verästeln. Die Ansatzstelle war
mahe bei dem (in der Figur braun dargestellten) Ver-
"bindungsrobr zum Cephalothorax, ein Nebenast steigt
rch dies Rohr in den letzteren empor. Wie die
gur zeigt, haben wir es mit einem diekwandigen Rohr
'thun, dessen Wand und Lumen bei der weiter ge-
nden Verästelung immer dünner und enger werden.
f den äussersten Zweigspitzen sitzen eigenthümliche
sse Kugeln, gerade wie die Sporen auf den Sporenträ-
108 Flögel:
gern eines Fadenpilzes.. Die Art der Verästelung ist in °
vielen Fällen eine vollkommene Dichotomie; doch kommen
auch ebenso viele Ausnahmen vor, wie aus der Figur
näher ersichtlich. (Dieselbe ist, was die grösseren Aeste
anlangt, naturgetreu; nur habe ich auch diejenigen Aeste, ®
welche man sich aus der Ebene heraustretend vorzustellen
hat, als auf diese projieirt dargestellt; in der Verästelung '
der letzten Enden habe ich jedoch bei dem grossen Ge-
wirre mich nicht an die wirkliche Zahl binden können,
um die Figur nicht zu üiberladen) 0
Was die mit den stärksten Vergrösserungen an dem ‘
Gebilde wahrnehmbaren Details anbetrifft, so beginne ich
mit der Beschreibung der blassen Endkugeln. Dieselben
haben im Allgemeinen einen Durchmesser von 4—6
es giebt jedoch auch erheblich kleinere. Sie sind, wie
das Röhrensystem, völlig farblos, viel zarter ‚begrenzt als
das Rohr und unter Umständen sicht man, dass der Um- °
riss sehr fein granulirt erscheint. Das Innere scheint ho-
mogen zu sein; von kernartigen Bildungen ist nichts >
wahrzunehmen. Der Zweig, welchem die Kugel aufsitzt,
reicht eine Strecke weit, gewöhnlich bis zum Mittelpunkt,
in die blasse Substanz mit schärferen Contouren hinein
und endigt hier mit einer offenen Mündung (Fig. 8). In’
einem Fall sehe ich das Rohr im Innern der Kugel ge-
bogen und mit dem Ansatz eines kleinen Astes versehen;
die Kugel ist eine der grössten und sitzt auf einem verhält-
nissmässig langen Ast (Fig. 6). Ich glaube diesen Fall
als Einleitung zur Astbildung betrachten zu dürfen. Nor-'
malerweise ist das Endrohr in der Kugel gerade und die}
Mündung durch nichts weiter ausgezeichnet.
Das Rohr zeigt eine recht einfache Beschaffenheit. Beil
den blassen Kugeln in einer Dieke von 1,3 u beginnend,
wird es beim Zusammentritt der Aeste immer mächtiger und‘
hat im Stamm einen äusseren Durchmesser von 23 u,
wobei das Lumen 8—10 « weit ist. Im Lumen sind’
keinerlei körnige Stoffe wahrzunehmen. Die Wand zeigt
dort, wo sie bei grösserer Dicke der Untersuchung zugäng-
lich wird, eine Zusammensetzung aus drei Schichten. Die]
äussere und die innere Lage brechen das Licht am stärk 1
R vi
“
" Veh. eine merkw. durch Parasiten hervorg. Gewebsneubildung. 109
sten; die mittelste ist optisch dünner. Im Uebrigen ist we-
der Streifung, noch irgend eine Unebenheit daran nach-
zuweisen.
Die untere Endigung des Hauptstammes besitzt keine
weitere Auszeichnung; sie scheint mit der Chitindecke der
pinne fest verwachen zu sein.
Fragt man nach der Bedeutung der einzeinen Theile
diese. parasitischen Gebildes, so lässt sich darüber eigent-
ieh nur an der Hand der Eutwicklungsgeschichte dessel-
ben Auskunft geben. Bedenkt man, dass die Spinnen mit
einem recht ausgebildeten Circulationssystem versehen sind,
lässt sich schon daraus abnehmen, dass die Kugeln
nestheils den Zweck haben, dies Gefässsystem gegen den
arasitischen Organismus abzuschliessen, anderentheils als
ne Art Filtrirapparat für den Parasiten selbst dienen.
Das Blut scheint bei den Spinnen unter hohem Drucke zu
stehen, denn bei der geringsten Verletzung quillt es her-
vor. Es lässt sich erwarten, dass der Organismus bei
‚einer Verletzung strebt, die Oefinung wieder zu verschlies-
' Da der Parasit aber durch seine Haken und sein
sen die Oeffnung dauernd erhält (diese Parasiten wech-
nämlich offenbar ihren Ort niemals), so mag in Folge
‚ beständigen Reizes dies merkwürdige Gebilde ausge-
ieden werden. Vielleicht wird auch ein aus den Spei-
eldrüsen des Parasiten ohne Zweifel fliessendes Secret
zur Bildung des Bäumchens beitragen. Das genauere
au jum der 00. unseres u
= lee mit ai dieser raten besetzt war. Die
une, selbst nur 2 Mm. lang, musste zwei fast ganz aus-
v schen Bäumehen herstellen, welche sich
slos, r en und (bis auf zwei, die mir bei den
110 Flögel:
Manipulationen verloren gingen) als Balsampräparate ein- '
gelest sind. a
Das gedachte jüngste Thier von 0,224 Mm. Körper-
länge zeigt nun, wie zu erwarten, noch keinen Baum. Ich 7
habe das Stückchen Spinnenhaut mit der daran beiestig-
ten Milbe sorgfältg freipräparirt, so dass selbst das Pig- Er
ment der Spinne erhalten ist. Vor dem Munde des Thiers
sieht man nur eine Anzahl kugeliger Ballen, die sich ein-
ander berühren ; ein sie verknüpfendes Rohr ist nicht zu
erkennen. Die Ballen aber haben im Allgemeinen das”
Aussehen jener oben beschriebenen hlassen Endkugelin ”
(Fig. 3). | A
Ein zweites Thier, welches etwas grösser war (bei-
läufig 0,3 Mm., es wurde leider vor der Section nicht ge- 7
nau gemessen), hat bereits einen deutlich ausgebildeten 7
kleinen Baum erzeugt (Fig. 4). Derselbe besteht aber nur 7
|
|
aus drei kurzen Aesten (ein senkrecht nach oben steigen- ”
der ist in der Figur nicht dargestellt), die Aeste sind an
ihren Enden mit kleinen Endkugeln traubig besetzt. Die”
Zahl der Kugeln ist aber sehr gering; ihre Stiele sind un-
gemein kurz, die drei Röhren auffallend eng. #
Als drlros Stadium können wir das Exemplar neh-
men, welches uns zur Fig. I diente. Es ist 0,45 Mm. lang und
sass auf dem Cephalothorax einer kleinen (bis jetzt nicht be-
stimmten) Spinne, welche selbst nur 1,28 Mm. lang war. Der”
Hauptstamm theilt sich unmittelbar beim Kieferhaken in zwe
Aeste, der grösste derselben ist schon ebenso lang als de
eine des in Fig. 2 dargestellten Baumes, hat auch dasselb
Kaliber. Aber die Zahl der kleinen Endzweige ist be
deutend geringer. Leider sind an diesem Präparat, wel
ehes als das erste in seiner Art nieht sorgfältig genug be
handelt war, fast alle Endkugeln abgestreift. Nach der
Zabl der Endzweige glaube ich ihre Anzahl auf nicht hö-”
her als 30-40 veranschlagen zu dürfen. 7
Bei einem Schmarotzer von 0,56 Mm. Länge beträgt |
die Entfernung der äussersten Kugeln vom Munde auch
nicht mehr als 0,18 Mm., aber die Zahl der Aeste ist aus-)
serordentlich vermehrt nn sie sind so durcheinander 8e |
ie
En ee
Man sieht aus dieser Darstellung der Entwickelung
B ‚Rn a das Ra sehr bald das Be Kali-
en eine Pilzzelle) bis zu einem gewissen on
h Intussusception wächst, dann aber sich nicht verän-
t, und dass nun das Wachsthum auf die jungen Enden
schränkt bleibt. Wie die Anlegung neuer Aeste und
In erfolgt, habe ich oben schon angedeutet. Ich be-
ildete zu sein. Die eine Kugel ist bedeutend klei-
‚ und es macht den Eindruck, als sei sie noch: ver-
t mit Ber erennen. Ich ae Ba Fig guren
Pr ” Aeste a zu "Es are
Aeorendig des frischen Mater ials. Dass es ih
2 SR in der ersten Anlage, handelt, ht der in
5 sie Fall, wo ein A dlinner Ast unter
112 Flögel: | er
die Endkugeln. Man muss jedoch diese Meinung zurück- 7
weisen, weil durch derartige Zufälligkeiten unmöglich jene °
regelmässige Bildung mit der Endigung des Rohrs in der 4
Mitte jeder Kugel u. s. w. zu Stande kommen könnte.
Auch aus dem Grunde scheint mir die beschriebene #
Neubildung von besonderem Interesse zu sein, weil es sich ”
um ein Produkt des thierischen Körpers handelt, dessen 7
Entstehung anscheinend gar nicht auf das Zellenschema
zurückzuführen ist, das aber doch, namentlich bei sehr ”
dichter Verzweigung, eine Art Gewebe vortäuscht- Oder %
wollte man die Endkugeln für Zellen erklären? Dagegen 4
spricht ihr ganzes Verhalten, insbesondere auch die Abwe- 7
senheit jedes kernartigen Einschlusses. Soweit mir be-
kannt, kennt man an durch Parasiten verursachten Neubil- °
dungen bei Wirbellosen nur structurlose Kapseln, welche 4
aufgerollte Nematoden einschliessen. Dagegen könnte man 7
Auklänge an jene Bildungenn vielleicht in der Pflanzenwelt 7
antreffen, die Gallen nämlich. |
Ein Punkt, den ich gern weiter aufgeklärt hätte, 4
muss leider augenblicklich unerledigt bleiben, ich meine”
die Frage nach den chemischen und physikalischen Eigen-
schaften des Bäumehens. Als Beiträge zur Beantwortung U
dieser Erage erwähne ich nur Folgendes. Die angewandte 7
Coneentration der Osmiumlösung und die Zeit ihrer Ein-
wirkung schienen nicht genügend, um eine Dunkelfärbung
der Kugein zu bewirken, das Rohr blieb bei dieser Be-$
handlung ebenfalls ungefärbt. Letzteres macht — vorsieh-#
tig durch Alkohol und Terpentinöl in Balsam übergeführt$
— etwa den Eindruck eines Chitinrohrs; die Substanz des”
Rohrs (wenigstens die äussere und die innere Schicht) ist |
stärker lichtbrechend als Balsam. Die Endkugeln stehen
dem Balsam an brechender Kraft anscheinend ziemlich#
gleich, und machen in den Präparaten etwa den Eindruck
- wie gehärtete Protoplasmaklümpchen. Dass von dem gau-
zen Gebilde nichts in absolutem Alkohol, Aether, Isobutyl- 3
alkohol, Terpentin, Chloroform, gelöst wid. ergiebt sich
bei einer Vergleichung des frischen Präpsrats mit dem
eingelegten.
Um den Leser in den Stand zu setzen, diese Beoba« 5
3
eb. eine merkw. durch Parasiten hervorg. Gewebsneubildung. 113
ung zu controliren, gebe ich nachstehend eine kurze Be-
chreibung des Parasiten, die nur so weit geht, um den
eobachter gegen Verwechselung mit anderen rothen Pa-
asiten zu schützen. Es wäre doch nicht undenkbar, dass
ın Spinnen noch andere rothe Milben vorkämen, die keine
erartigen Neubildungen hervorrufen. So kann ich we-
igstens bei derjenigen Art, die an Fliegen nicht selten
nd der vorliegenden ziemlich ähnlich ist, trotz genauester
Jurchforschung nichts von einem Bäumchen finden. Eine
"mit der Beschreibung anderer Parasiten in nächster Zeit
n mir geliefert werden.
Das sicherste Unterscheidungsmerkmal liegt in den
Tundtheilen. Die Mandibeln (= Kieferfühler) sind seit-
lich gesehen, beinahe eylindrisch, von oben gesehen aber
"in der Mitte beträchtlich erweitert; der Haken schlägt,
venn er angezogen wird, nach oben und auswärts. Die
terlippe trägt keinen besonderen Besatz an der Spitze.
is Tasterendglied ist, wie die Haken des vorletzten Glie-
8, sehr klein. Das Uebrige folgt aus der Erklärung der
ig. 9. Am Hinterrande Heilen vier grössere gefiederte
ten, die beiden mittelsten sind die längsten. Ausser-
auf dem Rücken in zwei unregelmässigen Ziekzack-
ihen je zehn, wovon das Paar vor dem Auge nach vorn,
anderen nach hinten gerichtet sind; die der Bauchseite
enfalls in zwei Reihen je drei Fiederborsten. Die Füsse
ben drei Klauen, zugespitzte Endglieder und Fiederhaare.
ederseits ein une, bestehend aus einer grösseren Vor-
er- und einer kleineren Hinterlinse, am Vordertheile des
ibes in der dureh Fig. 1 geuau tneien Lage.
Manche mühsame Arbeit wird man sich ersparen,
on man Ben und ae zug gleich Bad De a
angewandt; bei dieser Stärke sterben aber grössere
| nieht gesehwind genug, und on dann leicht
hi AER Naturg. XXXXTE. Jahrg. 1. Ba. 8
enauere Beschreibung der Milbe wird, im Zusammenhang
114 | Flögel:i %
die Parasiten ab. Es ist unter allen Umständen vortheil-
hafter, recht kleine Spinnen zu verwenden. Beim Aufsu- 4 |
chen dieser bleibt man indess immer sehr vom Zufall ab- °
hängig, und es scheint, dass auch nur im Juli und August %
die Parasiten vorkommen. | 4
Bramstedt bei Kiel, 28. November 1875.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Ein Thier mittlerer Grösse, genau seitlich gesehen mit |
theilweiser Darstellung der inneren Organe. ex Excre-
tionsorgan ; g Gehirn ; oe Augen, sp Spinnenhaut als Falte
im optischen Durchschnitt gezeichnet; p parasitisches Bäum- | |
chen (Vergr. "#/,). Das Thier, frisch dunkel scharlachroth 3
und ganz undurchsichtig, ist durch: die Behandlung mih |
Alkohol, Aether, Terpentin vollkommen farblos und durch- M
sichtig geworden. | |
» 2. Parasitisches Bäumchen eines sehr grossen Thieres. m Man- %
dibeln des Parasiten, welcher sich am Abdomen ganz nahe
bei dem Cephalothorax angesogen hatte; sp das Verbindungs- |
rohr zwischen Abdomen und Cephalothorax der Spinne;
d ein in den Üephalothorax hinaufsteigender Nebenast, |
welcher im Präparat nicht weiter verfolgt werden kann;
b und e die beiden Hauptäste, welche im Abdomen ver-
laufen; a Zweig, der in Fig. 8 stärker di abge- 7
bildet ist (Vergr. *'®/,). E
» 3 Mandibeln eines sehr kleinen (0,224 Mm, langen) Parasi- |
ten mit vor dem Munde liegenden blassen Endkueog N
(Vergr. *35],), 4
» 4. Desgleichen eines grösseren (c. 0,3 Mm. langen) Thieres ri
der parasitische Baum hat 5 Hauptäste, von denen nur 2
gezeichnet sind; der dritte steigt senkrecht aufwärts und?)
ist fast schwächer an Kaliber als jene 2 (Vergr. *15/,).
» 5. Das Stammmende eines grossen parasitischen Baumes, 900mall |
vergrössert, im optischen Durchschnitt. m Mandibelhaken;
e äussere, i innere stärker lichtbrechende Schicht des Rohre
mi breite schwächer brechende Schicht desseiben ; sp Spin 1
nenhaut; pi Pigment der Spinne. MW
» 6. Ein wei mit einer grossen Endkugel, in der sich mutl
wmaselich eine Theilung vorbereitet (Vergr. ®®/,). |
ee ee. ir 0),
au zur wen Figur gehört (Vergr. a
Deber einige Canis-Arten des südlichen
Süd-Amerika’s
H. Burmeister. |
1. Canis gracils.
Mein verehrter Freund R. A, Philippi hat in diesem | |
Archiv, Jahrg. XXXV. I. Bd. S. 45 (1869) einen aus Porte ®
Mont erhaltenen Fuchs besprochen, welchen er für Canis’ |
fulvipes Waterhouse, Zool. of the Beagle nimmt und ®
dabei, indem er dessen Beschreibung von Canis Azarae'
und meine von Canis gracilis (Reise, II. Bd. S. 406) zu
Rathe zieht, sein Bedauern äussert (a. a. 0. $.49), dass #
ich in meiner Schilderung des Letzteren denselben wie ®
mit C. griseus Gray, so auch nicht mit C. Azarae ver-®
glichen habe. Gleiches Bedauren muss ich gegen Phi-#
lippi darüber erheben, dass er meine Erläuterungen z.8
Fauna Brasil. (Berlin 1856. Fol.), auf die ich mich bei®
meiner Beschreibung des C. gracilis beziehe and worin:
S.44 der C. Azarae ausführlich besprochen und durch Ab-
bildung des Schädels erläutert ist, unbenutzt gelassen hat 3
er würde bei Berücksichtigung er älteren Arbeit die
gewünschte Vergleichung selbst haben anstellen können
und mir nicht zugemuthet haben, Dinge noch einmal wieder
auseinanderzusetzen, welche ich früber genugsam besprochen
zu haben glaubte. Diese meine Erläuterungen dienen zur
Feststellung der von ınir selbst untersuchten, süd-amerika
nischen Canis-Arten und sollten billig von Zoologen be -
achtet werden, die sich über eine oder die andere Art
dieses Gebietes äussern wollen. 5
Canis Azarae besass die Hallische Sammlung zur Zei a
wie ich meine Erläuterungen verfasste, noch nicht; «&
Ueber einige Canis-Arten des südlichen Süd-Amerika’s. 117
‚sicht gesendet, aus dem ich den Schädel herausnehmen
‚und abbilden liess, und das, wenn ich recht berichtet bin,
von Sellow in der Banıld Oriental gesammelt worden
war. Jetzt liegen mir mehrere Exemplare aus hiesiger
Gegend vor, deren Schädel ganz mit meiner Abbildung
(Taf. 28. Fig. 4 und Taf. 29. Fig. 3) übereinstimmen. Sie
sind indessen ein wenig kleiner und gehören wohl weib-
lichen Thieren an, während jenes ein männliches gewesen
zu sein scheint. De Canis gracilis von Mendoza besitze
‚ich gegenwärtig nicht, weil ich bisher noch kein Exem-
h plar von dort habe erhalten können, aber alles was Phi-
ippi von der Chilla, dem Canis Azarae der Chilenen sagt,
cheint mir dafür zu sprechen, dass es nicht der ächte C.
zarae ist, welcher Chili bewohnt, sondern mein ÜC. gra-
-eilis. Namentlich stimmen die Maasse des Schädels und
‚der Zähne, welehe Philippi von der Chilla angiebt, weit
besser zu den meinigen des C. gracilis, als zu denen des
wirklichen C. Azarae, wie er an der Ostseite der La Plata-
N egenden auftritt. In der Färbung sind nicht bloss alle
diese Arten einander sehr ähnlich, sondern sie variiren
auch etwas nach der Jahreszeit, die im Sommer lichter,
röthlichgelber ist, als im Winter, wo sie mehr ins Graue
und am Rücken ins Schwärzliche übergeht, wie das
ild des 0. Azarae in der Zool. of the Beagle sie angiebt.
6. In den Erläuterungen habe ich die Länge des Schädels
on Canis Azarae, vom Rande des Condylus oceipitalis bis
| dem der oberen Schneidezähne zu 5l/, Zoll angegeben,
as in Metermaass übertragen ziemlich genau 14 Centi-
neter ausmacht. Der Schädel von Canis gracilis ist viel
kürzer und ähnelt zwar sehr dem des €. griseus, bleibt
er hinter demselben etwas an Länge zurück. Da nun
ser 4 Zoll 19—11 Linien. d. h. 12,9 Cent. Länge hat,
kann der von C. gracilis etwa 12,8 lang sein, was zu
ilippi’s Angabe der Schädellänge der Chilla von 13,1
weitem besser passt als zu der des C. Azarae von 14
‚ent. Nimmt man ausserdem an, dass wie bei allen Thieren,
| auch bei diesen Füchsen, geringe Variationen der Grösse
| ommen werden, so liesse sich der Schädel von Ü. gra-
118 Burmeister:
eilis, d. h. auch der Chilla, zu etwa 13 Cent. durchschnitt- °
lich ansetzen und der des ächten C. Azarae zu 14. Ich
gebe ferner an, dass der Orbitalfortsatz des Stirnbeins, auf
dessen besondere Form bei den fuchsartigen Thieren Süd-
Amerikas ein sehr grosses Gewicht gelegt werden muss, ‚
bei ©. gracilis breiter und stumpfer sei, als bei C. griseus, °
was besser zu der Bildung von C. Azarae passt. Phi-
lippi sagt merkwürdiger Weise nichts von dieser hinteren )
Orbitalecke und scheint ihren Werth, als systematisches
Moment, nicht gekannt zu haben; nach seiner Abbildung °
des Schädels der Chilla (Taf. IH. Fig. 1) hat sie die stumpfe,
herabgebogene Form wie bei Canis Azarae, scheint aber ”
etwas flacher, also wohl wie bei ©. graeilis gewesen zu
sein. Ferner passen die Maasse des Fleischzahns und der
Kauzähne, die er selbst 5. 50 giebt, fast genau zu meinen ’
von C. gracilis, aber sehr wenig zu denen von C. Azarae,
so dass ich nach allen diesen Debereinstimmungen nicht ”
zweifeln kann, dass die Chilla wirklich meinem C. gracilis
angehört, aber entschieden nicht mit C. Azarae zusammen- "
gebracht werden darf. Auch die Maasse des ganzen Körpers
kommen einander sehr nahe, wenn man, wie es die An-
gaben lehren, darauf Rücksicht nimmt, dass das von Phi-
lippi gemessene Thier etwas grösser war, als das meinige; ”
wobei indessen viel auf die Zeit des Ausstopfens ankommt
und die Art des Präparanten, der bald dehnt, bald Theile
zusammengeschrumpft lässt, wie es ihm gutdünkt. Gegen |
©. Azarae gehalten, passen Philippi’s Maasse entschieden °
weniger zu ihm, als zu den meinigen von C. gracilis.
| Ich bin also der Meinung, dass die Chilla nieht den
Canis Azarae vorstellt, sondern wie es auch schon die geo-
graphische Verbreitung viel wahrscheinlicher machte, meinen”
C. graeilis. g
Schliesslich rügt dann Philippi noch zwei Versehen |
meinerseits. Er wundert sich, dass ich Culpeus und nicht
Culpeu schreibe, wie es heissen müsse, weil der Name
ih cArdkauulächer sei, aber nicht, wie ieh annahm, der
spanische Wortlaut des Lateinischen vulpes. Hierin mag
er Recht haben, obgleich Molina eine andere Erklärung
des Namens giebt; allein die Schreibart Culpeus, oder viel-”
n u
_ Deber einige Canis-Arten des südlichen Süd-Amerikas. 119
=. h
systematischen Namens, selbst gebraucht (Comp. ete. I. pag.
330 und 388) und bin ich ihm darin gefolgt, weil der Name
so dem deutschen Ohr annehmlicher klingt. Auf meine
prachliche Conjeetur lege ich selbst gar keinen Werth,
und muss es dahin gestellt sein lassen, ob sie mit solcher
” Emphase als „ein grosser Irrtrum“ zu bezeichnen war, wie
” das Philippi a.a. 0. thut. Zum wenigsten
’ die Hinweisung auf meine mangelhafte Kenntniss des
B Pereohen am us des Satzes mir Bi motivirt, denn
e. Mit m. nen Philippi solche rügende
a Nebenbemerkungen macht, sieht man recht deutlich aus
einem anderen Anfsatz im Jahrg. 39. I. Bd. S. 9, wo er es
u ‚unbegreiflich findet, Molina’s Wort fulvo des italienischen
. Orginals durch at übersetzt zu finden; incendido
eisse „Brennendroth.“ Das ist nicht richtig, incen-
dido heisst nur feuerfarben, und die Farbe des Feuers
‚denn die Flamme ist en mehr er ” roth ge-
| Be Eehenstzer den nenn. ee, (Madrid 1788), der
T. Theil 8.333 so das Wort fulvo überträgt. Wäre ich
w WRhilppf Zu Br yenbemerkimgen ae so würde
r seines ns nicht genug ee sei. Und N
t sich diese Bemerkung von selbst auf, wenn man
Bes. 36. S. 41 die Beschreibung der Felis Colicolo
‚ und einleitungsweise gesagt findet, dass diese Katzen-
Species seit Molina kein Naturforscher, so viel er wisse,
u habe. alla pi weiss s also nicht, dass dieselbe Art 5
k kann sehr wohl fulvo a werden, oder umgekehrt,
120 EL Burmeister:
Aires gezeigt; er"brachte es mit aus Salta, dem Ge-
burtsorte seiner Frau, und hatte es dort von Chinchilla-
Jägern erstanden, von denen es auf dem nahen Puma-Pla- ®
'teau erlegt worden war, wo diese Katze den Chinchillas
sehr nachstellt. Das Thier ist also, wie so viele andere, WE
weit durch die Cordilleren verbreitet, und hilft die von mir
in mehreren Aufsätzen, z. B. in der Entom. Zeitung Jahrg.
1875. 8.470 vertretene Ansicht mit beweisen, „dass die ?
organische Bevölkerung des Westens der Argentinischen °
Republik aus Norden herabkommend sich langsam nach
Südost über das Patagonische Stufenland, welches älter 7
ist, als die eigentliche Pampasebene ausbreitete, mit dem %
östlichen organischen Gebiete, dessen Centrum die ältesten 7
erhobenen Streeken des Küstengebirges bilden, aber nichts 7
gemein hat, weil es in alten Zeiten völlig davon getrennt
war. Viele schlagende Beispiele bestätigen diese Auffas- ”
sung, welche schliesslich auch für die Debereinstimnung 7
der Chilla mit dem Canis gracilis spricht, und der Iden-
tität mit ©. Azarae entgegentritt. '
9. Cams canerıvorus.
In meinen vorhin erwähnten Erläuterungen zur Fauna
Brasiliens habe ich >. 36 die überschriftlich genannte, zu- 7
erst von Buffon als Chien de bois de Cayenne (hist.
gener et part. ete. Suppl. VII pag. 146 pl. 38) beschrie-
bene Canis-Art mit dem ©. brasiliensis Lund (C. melam- °
pus Wagner) in eine Species zusammengezogen, haupt- ®
sächlich auf die totale Vebereinstimmung der Schädelform
' mich stützend, welche von der der übrigen Canis -Arten %
Süd-Amerikas sehr bestimmt abweicht, wie die Vergleichung
meiner Abbildungen a. a. O. auf Taf. 27 mit der der an-
deren Species auf Taf. 28 alsbald lehrt. Ich bildete fi
dieselbe und die verwandten Arten Brasiliens ohne Schei-%
telkamm, welche sich zugleich durch die beträchtliche”
Grösse ihrer Kauzähne auszeichnen, die besondere Unter-
gattung der Schakalfüchse, welde ich Lycalopex
nannte. N
Meine damalige Schilderung des Körpers der Art grün- E
dete auf einem auselonfien Balg, den ich als C. brasi-
Ueber einige Canis-Arten des südlichen Süd-Amerikas, 121
Elansis Lund direkt aus Lagoa Santa erhalten hatte, und
Fäin sehr junges Thier aus Surinam mit relativ Karen.
> dünner behaarten Schwanz; ein altes Exemplar mit ähn-
lichem Schwanz, wie ihn Buff on beschreibt und abbildet,
lag mir nicht vor. Seitdern habe ich zwei alte Exemplare
eben dieser kurzschwänzigen Form untersuchen können,
welche für die hiesige Sammlung erworben wurden, und
diese Untersuchung bestimmt mich, den C. brasiliensis
Lund. (CO. melampus Wagner) wieder vom C. eanerivorus
"Desm. zu trennen und als selbständige Art anzuer-
kennen. Meine beiden Exemplare stammen das eine aus
"Bolivien, wo es bei Sa. Cruz de la Sierra erlegt wurde,
das andere aus dem Süden der Provinz Corrientes, vom Rio
Guayguirarö! Beide sind nicht ganz gleich alt, das erstere
ist etwas älter und männlichen Geschlechts, das andere
jüngere weiblichen; sie gleichen aber in Gestalt und
‚Farbe einander völlig und unterscheiden sich von C. bra-
siliensis, wie er auf Taf. 22 meiner Erläuterungen abge-
bildet ist, in mehreren Punkten, dieich hier zusammen stelle.
Canis cancrivorus ist gestreekter und kurzbeiniger, hat
etwas kürzere Ohren, besonders aber einen viel kürzeren
®
U nd ktirzer behaarten Schwanz. Ich finde folgende Maasse:
Männchen. Weibchen.
Kopf. 7 Zoll 61/, Zoll.
Hals 3 » 3 h)
Rumpf 20, 18 y
Scehwanzrübe 9 „ Su.
' Ohrmuschel 2 „2 Lin. 2 A
Hinterpffte 4 „ BEN,
Schnauze a; 22, ,
Schädelbasis 5?/; „ Bl; ı,
' Vergleicht man diese Maasse mit denen von Ü. bra-
ensis, S. 33 der N so Rich, dass
Er. Zollökürer, an 4 ie Blase len
zieren Art hochbeiniger, wie das schon der längere
ehwanz andeutet. Was die Farbe und Zeichnung betrifft,
’
a REIT
%
1232 In Burmeister:
so sind beide Arten zwar einander sehr ähnlich, aber doch
auch darin verschieden. C. canerivorus ist weder so schwarz
am Rücken, noch so röthlichgelb an den Seiten und am
Bauch; seine Farbe spielt hier mehr ins Ledergelbe, dem °
Ton des frischen Leders ähnlich, doch etwas trüber, wie
wenn das Leder nicht mehr ganz frisch ist. Am röthlich-
sten ist diese Farbe an den Seiten des Halses und hinter
dem Ohr. Der dunkle, schwärzliche Ton des Rückens be-
ginnt im Nacken und dehnt sich bis zur Schwanzspitze ”
hin aus, reicht aber an den Seiten nicht so weit hinab, son-
dern endet schon über deren. Mitte. Aber ein Hauptunter-
schied liegt in der Farbe der Schnauze und der Beine, "
die nicht a, gefärbt sind, sondern gelbgrau; ”
nur die Sohle der Pfoten ist schwarzbraun, welche Farbe "
vorn an der Handwurzel, hinten am Hack ihren Anfang |
nimmt. Aehnlichen dunklen Farbenton hat der Mundwinkel
und beim Weibchen auch der ganze Unterkiefer ; selbst |
der hellere Fleck vorn über den Zehen ist an den Vorder- 7
beinen angedeutet, aber nicht so dunkel DINERBBBE wie bei
C. brasiliensis. @
Aus allen diesen Angaben geht eine grosse Aehnlich-
keit beider Arten hervor, welche auch durch die entschie-"
' dene Vorliebe derselben, im Walde oder dichtem Gebtisch) N
sich aufzuhalten, net wird.
Was endlich die Schädelbildung betrifft, so bin ich]
nicht im Stande, eine entschiedene anern a Differenz
daran zwischen beiden Arten nachzuweisen; nicht bloss)
die Gesammtform, sondern auch die einzelnen Theile sind’
bei beiden Arten so übereinstimmend, dass es schwer hält,
andere als relative Differenzen anzugeben. Der a 8
charakter der beiden Arten besteht in der grossen Breite!
der Gehirnkapsel nach vorn, hinter der Stirn, doch findet
sieh eine ähnliche Beschaffenheit derselben auch bei Q.
entrerianus, den ich in meiner Reise (Bd. II. S. 400) be-
schrieben habe, In diesem Punkt stimmen beide Geschlech-
ter des C. eanerivorus mit einander überein, und bin ich,
dadurch unschlüssig geworden, ob die beiden früher von
mir als Männchen und Weibchen einer Species beschrie- 1
benen Formen, welche in diesem Punkt stark differirten,
ne
x Se
4
@ Ueber einige Oanis-Arten 0 südlichen Süd-Amerikas. 123
| Eichtzm einer und derselben Art gehören, wie ich da-
mals annahm. Das Weibchen könnte wohl ein Ü. Azarae
gewesen sein, denn diese Art hat die enge Stirnkapsel
‚ hinter der Stirn und ähnelt darin mehr den typischen
| " Füchsen. Ich finde nun bei ©. canerivorus ganz dieselbe
hr E Bildımg wie bei C. brasiliensis (Tat. 27. Fig. 2 und 3), doch
ist die Orbitalecke der Stirnbeine bei ersterem nicht so
- spitz, wie bei letzterem, sondern völlig so stumpf wie bei
€. vetulus (Taf. 28. Fig. 1), oder noch etwas stumpfer beim
" Weibehen. Dies scheint schon das ganz junge, aus Suri-
"nam bezogene Thier (Taf. 27. Fig. 1), was entschieden zu
©. canerivorus gehört, anzudeuten durch das völlige Ver-
schwinden dieser Ecke an seinem Schädel, während das
halbwüchsige von C. brasiliensis (Taf. 27. Fig. 2) sie schon
deutlicher zeigt, als die Schädel der älteren Thiere von
eancrivorus. -
h Vom Unterkiefer ist zu ns das die hintere
untere hakenförmige Eeke bei C. eanerivorus breiter und
stumpfer ist, als bei Ö. brasiliensis und der- Kronenfortatz
etwas Bi dagegen erscheint mir der Jochbogen schlan-
‚ker und niedriger bei Ü. cancrivorus als bei der ande-
Eren Art.
Vom Gebiss will ich hervorheben, dass die oberen
_ Kauzähne durchaus nicht grösser sind bei C. canerivo-
"rus, als bei C. brasiliensis, vielleicht ist der zweite hin-
terste nach innen etwas breiter. Sie messen beim Männ-
ehen zusammen 13 Mm. und der vorhergehende Fleisch-
"zahn ist 12 Mm. lang, Maasse, die denen des Ü. brasiliensis
nicht ganz entsprechen, denn bei dieser Art ist der Fleisch-
'zahn 14 Mm, lang und beide Kauzähne zusammen messen
N. . Mm. Das Weibehen von Ü, eancrivorus hat ae,
Eı.. zusammen ebenfalls; 0. brasiliensis hat einen
grösseren Fleischzahn von 17 Mm. Länge, aber seine bei-
den Kauzähne zusammen sind nieht länger als 14 Mm.
fiernach ist der C. brasiliensis entschieden die ausgebil-
. Typusform der Gruppe der Schakalfüchse, Höchst
124 Burmeister: Ueb. einige Canis-Arten d. südl. Süd-Amerikas. 4
bezeichnend ist für diese Gruppe die Kleinheit der Eck-
zähne, sie sind nicht bloss niedriger, sondern auch dünner
als die der ächten Füchse, z. B. des C. vulpes, und da °
Rengger eben diese Eigenschaft von seinem in Para-
guay beobachteten Fuchs hervorhebt (Säug. von Parag.
S.144), so bin ich um so mehr geneigt, seine Art für mei-
nen C. entrerianus zu halten; denn vom ächten C. Azarae °
gilt das durchaus nicht, dessen Eekzähne sind völlig so lang,
wie die von 0. vulpes, und haben ausserdem eine schär- "
fere, schneidende Kante nach hinten, als die der Art Eu-
ropas. Auch alles Uebrige, was er vom Schädel des Pa- °
raguay-Fuchses sagt, passt nicht auf ©. Azarae, sondern gut
auf C. entrerianus. | F
Auf einen Unterschied im Gebiss zwischen C. eaneri- >
vorus und ©. brasiliensis will ich endlich noch aufmerk-
sam machen, der darin besteht, dass ersterer schon am’
dritten Lückenzahn des Unterkiefers zwei Zacken an der
hinteren Schneide zeigt, wie C. brasiliensis nur die eine”
untere hat. Gewöhnlich finden sich zwei solcher Zacken nur
am vierten Lückenzahn der Füchse und da hat sie auch "
C. brasiliensis, aber nicht am dritten, sondern an ihm nur
die eine untere Zacke fast aller übrigen Species. Etwas |
Aehnliches hatPhilippi zum Unterschied der Chilla vom?
C. fulvipes (a. a. O.) hervorgehoben, welcher letziern Art
die zweite Nebenzacke auch am vierten Lückenzahn fehlt,
Da die Chilla ihn besitzt, so harmonirt sie darin mit dem
Typus von C. Azarae undC. gracilis, zu welcher letzteren. ö
Art sie nach meinem Datürhalten unbedenklich gehörte. 4
Dagegen könnte der C. fulvipes wohl ein Schakalfuchs
(Lycalopex) sein, die angegebenen Grössenverhältnisse des 2
Fleischzahns und der Kauzähne sprächen dafür, gleich wie
die geringe Länge der Pfote (Tarsus) von 3 Zoll; und ist
deshalb sehr zu bedauern, dass über die Form seiner Ge-
hirnkapsel gleich hinter den Orbitalecken kein Wort m
der Beschreibung gesagt ist, wie ebenfalls nicht über die
Form der Orbitalecken selbst.
Buenos Aires, 24. November 1875.
Verzeichniss der von Dr. Gundlach anf der Insel
EB: Unba een Rüsselkäfer.
(Fortsetzung. 8 ‚Jahrg. 38. 8.207.)
Von
Dr. E. Suffrian,
© ' Geheimrath in Münster.
XXX Gryptorhynchus Illig.
formes de . se Do “ toute definv-
tion precise.“ Er beschränkt sie dem entsprechend auf die
} Ber. .. Art, unserem Cr. oa) F. zu-
den Arten werden solle, ist eine Frage, auf deren Be-
ıtwortung der Autor nicht weiter eingegangen ist, ho
. ich um so weniger zu ie N 1 si
aterials nicht beantwortet worden ist. Like aber
> ‚ der habituellen
126 Suffrian: 4
chen zusammengestellten Formen, während ich geringfü- ®
gige Abweichungen in der Länge einzeiner Fühlerglieder,
der Hinterschenkel u. s. w. nicht als ausreichend für ge- 7
nerische Trennungen anzuerkennen vermag. Ich behalte
deshalb die einmal angenommene Gattung einstweilen im E
Sehönherr'schen Sinne bei, und unterscheide in ihr nur
nach dem Habitus kleinere Gruppen, die das Wiedererkennen
der einzelnen Arten wenigstens in etwas erleichtern werden. ’
N
a. Corpus elongatum, depressum; thorax autioe) Hi
rotundato-angustatus. Femora mutica. 8
94. C. calandroides m. Nigricans opacus sub-
depressus einnamomeo-squamosus; thorace punetulato, ely-7 |
tris punetato-striatis postice spinulosis, pedibus erassis spi- ”
nuloso-serratis, femoribus mutieis. L 3—4', lat ?/,— 1,
Die vorliegende etwas eigenthümlich erscheinende
Art ist eine von denjenigen, welche Herr Laeordaire.
meinem Freunde Riehl als eine neue Oryptorhynchiden-
form bezeichnet hat. Für die Errichtung einer neuen Gat-
tung hat er sich aber nicht ausgesprochen, und bei nähe-
rer Betrachtung erscheinen auch die vorhandenen Abwei-
ehungen, welche namentlich. in dem flachen, gestreckten
Körper und den ungewöhnlich aufgetriebenen Schienen ete.
hervortreten, doch nur mehr habitueller Art, als dass sie
einen. bestimmten Grund für eine generische Bändern ab-
geben könnten. Der Rüssel erscheint verhältnissmässig kurz
und dick, mit kurzer kräftiger Krümmung an seiner Wur-
zei fast gerade, schwarz, und wie die abgeriebene Spi 4
zeigt, fein und dieht punktirt, sonst von dichter Schuppen-,
bedeekung braun, etwas rauh und matt, flach halbrund;
die am ersten Viertel der Länge angehefteten Fühler
schmutzig gelbbraun, der Kopf an den Augen nur schwa bh
quer eingedrückt. Das Halsschild etwa so lang wie we
breit, die hinteren °/s ziemlich gleichbreit mit leichter Sei
tenrundung, der vordere Theil durch eine allmähliche sanfte
Krümmung des Seitenrandes verschmälert, ohne den bei den
meisten Arten hier gewöhnlichen Absatz. Die ch
glänzende schwarze Oberfläche ziemlich dieht und deutlich
punktirt, in der Mitte mit einer leicht angedeuteten Längs-
ih
; Verzeichn. d. v. Gundlach auf d. InselOuba ges. Rü sselkäfer. 197
_ linie, oben flach gedrückt und wo die Bedeekung nicht
abgerieben ist, mit dichten kurzen schräg aufgerichteten
- zimmtbraunen Schüppchen bedeckt. Von einem Schildehen
ist kaum eine Spur vorhanden. Die Deckschilde eng an
- das Halsschild angeschlossen, mit rechtwinklig abgerunde-
ten aber nicht hervortretenden Schultern, gestreckt, etwa
doppelt so lang als breit, hinter den Seht ultern wenig im
Bogen erweitert und dann sich sehr allmählich hinterwärts
" verengend, oben gleichfalls abgeflacht, längs der Naht der
Länge nach niedergedrüekt. Die Punktstreifen durch grobe,
ziemlich vereinzelte, durch die Schüppchen tast ausgefüllte
und unkenntlich gemachte Punkte gebildet, meist nur längs
der Naht, besonders in der Mitte kenntlich; die Zwischen-
räume an den Seiten erscheinen, aus gewisser Entfernung
angesehen, sehr flach gewölbt und sind dicht punktirt aber
matt, an den unbeschädigten Stellen mit einer ähnlichen
Beschuppung wie die des Halsschilds, nur kürzer, bedeckt,
‚durch welche besonders die halb an echlasensf Seite
an der Spitze hell zimmtbraun erscheinen. Unterseite und
Beine schwarz, mit dicht anliegenden grösseren. rundlichen
‚gleichfalls braunen Schuppen bedeckt, die stellenweise
"auch ins weisslichgraue fallen, und an den kurzen und
‚dieken Schienen, an denen sie sich mehr vom Grunde ab-
‚heben, sich zu einem abstehenden Kamme gestalten, so dass
‚sie der ganzen Oberfläche der Beine, besonders aber der
Schienen, 'ein steifes Ansehen ertheilen. An den Füssen sind
"die sehr verkürzten Krallen kaum aus dem Spalt des dritten
‚Gliedes hervorstehend und hellbraun.
We ae G. im December und Januar Am Bezirke Carde-
IA
b. Corpus elongatum subeonvexum, thorax antice
angustatus; femora mutica.
95. ‚Or. fuseo- -aeneus Mus. nn Atro- Euaanue Ahr
FE interstitis planiusculis, Ka le ae
ae; lat. 2, — EN
h
ur
in
128 i Suffrian:
Von dem äusseren Ansehen eines Pseudomus, aber _
gestreckter, in Halsschild und Deckschilden länger, jenes
nach vorn weniger verengt, mit fast gerader Firste, vorn )
breit und flach eingeschnürt. Dabei wechselt die a 4
ungemein ab, indem die grösseren Stücke über die klei-
neren fast um das Doppelte hinaus reichen. Der Kopf ist °
verhältnissmässig klein, der Rüssel kurz, zwischen Fühlern |
und Augen gekielt, ziemlich dicht und deutlich punktirt, 2
der Oberkopf hinter den Augen quer gefurcht und in der 2
Mitte dieser Furche mit einem tieferen Grübchen besetzt. ;
Die kurzen Fühler braunroth mit geschwärzter Keule. Das 4
Halsschild länger als hinten breit mit fast grader Mittel- '
firste, nach vorn kegelförmig verschmälert, das erste Drittel
hinter den wulstig aufgetriebenen, in der Mitte vorgezoge-
nen und schwach eingedrücktenVorderecken breit aber seicht
eingeschnürt, und die stärkeren Unterenden dieses Eindrucks”
his zu dem breit zugerundeten Augenlappen des Halsschil- ?
des hin bemerkbar; die unteren Enden dieser letzteren
häufig gebräunt, selbst geröthet. Die Farbe glänzend”
schwarz mit zerstreuter Punktirung und schwachem Erz-'
schimmer, auf dem Untergrunde vereinzelte weissliche Schup-
penatome; das kleine Schildehen längliehrund, tief einge-
senkt, schwarz. Die Deckschilde mehr wie doppelt län-?
ger als breit, im Umriss schmal elliptisch, und hinten, be?
sonders bei den kleineren ('?) Stücken kahnartig zusam-
mengedrückt, mit abgerundet rechtwinkligen Schultern und
längs der Naht leicht abgeflachtem Rücken, die Punktirung‘
sehr vereinzelt, zu regelmässigen Streifen zusammengestellt,
deren Punkte nur grob sind und sich hinterwärts abschwä-
chen, deren beide äusserste aber schon vor der Mitte zu-
sammenfliessen und dann als ungetheilter, aber keine)
Punkte mehr zeigender Randstreif bis zur Spitze fortziehen.
Die Zwischenräume leicht gewölbt, fein runzlig punktirt,
die Runzeln selbst hinterwärts deutlicher; ausserdem di
Oberfläche mit mehr oder weniger deutlichen wellenförmi
gen, aus weisslichen Schuppenhärchen gebildeten Querfleck-
chen bestreut. Die Unterseite schwärzlich, mit stark unt
dicht punktirter Hinterbrust, mit vereinzelten Schüppehen
besetzt, die ungezahnten Schenkel schwärzlich oder tief
ER
RE SH
“ Verzeichn. d. v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 129
"gebräunt, die Schienen etwas heller gebräunt, die Fuss-
"glieder braunroth.
Ein schwarzbraunes schlecht ausgefärbtes und etwas
‚abgeriebenes Stück erhielt ich von Herrn Riehl mit meh-
reren der gewöhnlichen Färbung mit dem angegebenen Na-
men zur Ansicht; wie eben solehe auch von Herr Dr. ©.
"selbst. Letzterer fand die Art in den Bezirken Cardenas,
"Cienfugos, Trinidad im Juli und December an Sumpfkräu-
‚tern und Jussieuen.
96. Cr. deeipiens m. Niger opacus, antennis fer-
rugineis,: thorace oblongo foveolato-rugoso sparsim 'albide-
"maculato, elytris grosse striatim punetatis, macula minore
antica alteraque majore postica transversa albido-squamosis.
Long. 2— 21/2"; lat. 3u—1'".
"In Habitus, Färbung, Zeichnung und Grösse ist die-
er Käfer dem gemeinen Gr. foveolatus ee aus
den Vereinigten Staaten (Schh. Cure. IV. 140. n. 92) täu-
'schend ähnlich, auch eben so in der Grösse Andernd,
weshalb ich ch auf die Beschreibung der genannten Art
Bezug nehmen und mich auf das Hervorheben der Unter-
chiede beschränken kann. Die auffallendste Abweichung
ilden die rostrothen Fühler der vorliegenden Art, ausser-
dem ist das Halsschild derselben ohne Kiellinie, die Grüb-
hen desselben sind kleiner nnd flacher, der erhöhte Grund
wischen ihnen ist breiter, wie abgeschliffen, und bildet
adurch flache Runzeln; ebenso sind die grubigen Punkte
ıf den Deekschilden feiner, die Zwischenräume daher
jreiter, seitlich und vor der Spitze sehr flach gewölbt;
ie beiden äusseren Streifen fliessen am Ende des ersten
Dritiels zusammen, und bilden dann eine gemeinsame aus
einen Punkten bestehende Reihe, die erst im letzten Viertel
i rieder ‚deutlicher hervor tritt, a. vorn und hinten benlig
En grössere auf der Mitte neben einander hervortreten;
so Ber den en ein Schräg- oder ee oe: am
130 | Suffrian: ; %
fassend, und ein vorn und hinten unregelmässig begrenz-
ter Querfleck auf der Wölbung, welcher mit seinem Ne-
benfleck eine die Aussenränder fast erreichende Querbinde
bildet, und in der Mitte auf der Naht auch wohl noch ein °
schuppenfrei gebliebenes, aber schwärzliches ocellenartiges
Fleckehen zeigt. Die Farbe dieser Nahtflecke ist weiss,
wie sie auch oft genug bei Cr. foveolatus erscheint. Die 5
Einsenkung zwischen Halschild und Deckschilden zeigt sich
dagegen etwas tiefer als bei der ebengenannten Art. Die °
Unterseite mit den Beinen ist mattschwarz, erstere grob
punctirt, die zahnlosen Schenkel sind dicht mit kurzen
bräunlichen Schupperhärchen besetzt.
Von Trinidad.
97. Cr. pilosulus M. Ber. Obsein brunneus griseo- i
hirtus, antennis tibiis tarsisque ferrugineis, thorace nigri- )
cante crebre punetato antice constrieto, elytris fortiter pune-
tato-striatis, interstitiis convexiuseulis. Long. 1“; lat. 1/3‘.
Eine der winzigsten Arten dieser Gattung, in der man '
eher Alles andere als einen Cryptorhynchus erkennen sollte, !
aber doch trotz des abweichenden Habitus nicht wohl von
dieser Gattung zu trennen. Aeusserlich gleicht die Art einer
kleinen, schmalen. Erirhinus, während sie durch die ab-
stehende derbe Behaarung von allen anderen Arten der Gat-
tung verschieden ist. Der bei sparsamer Behaarung glän-
zende Rüssel nicht eben lang, verhältnissmässig stark ge-'
bogen, mit einer derberen mittleren und jederseits zwei
schwächeren seitlichen Kiellinien besetzt, wodurch auf sei-
ner Oberseite vier feine Längsriefen gebildet werden. Die’
Fühler hell rostgelb, die Stirn zwischen den grossen schwar-
zen Augen leichuik: 'geschwärzt, matt, und mit feinen’
dunkeln Schuppenhärchen besetzt. Das Haisschild wenig”
breiter als lang, vorn breit und leicht eingeschnürt, sehr’
wenig verschmälert, an den Seiten abgerundet, oben?
flach gewölbt mit einer wenig eingedrückten, undeut-
lichen Längsrinne, dicht und fein punktirt, matt schwarz‘
oder bei einem der vorliegenden Stücke mit einem ver-
waschen gebräunten Flecke auf der Mitte, die Oberseite miß?
Er 1
or
2
a i Verzeichn. d. v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 131
chen Binden sammeln. Das Schildchen undeutlich, punkt-
förmig. Die Deckschilde mehr wie doppelt länger als
3 breit, über die beiden vorderen Drittel ihrer Länge gleieh-
‚breit fortziehend und dann kurz verschmälert, kaum breiter
"als das Halsschild, flach walzenförmig, grob punktstreifig,
\ ‚die Streifen selbst furebenartig vertieft, die Eschen ke
; ‚vorn mehr flach gewölbt und breiter, hinterwärts stärker
“ erhöht, schmaler und mehr rippenförmig. Die Seiten bei
‚ einem der vorliegenden Stücke matischwarz mit unklar
. gebräuntemn Hinterrande, einem andern schwarzbraun mit
| ‚ geschwärater Naht, dazu bei beiden die Oberfläche mit lan-
‚gen greisen, weit abstehenden Härchen ziemlich dicht be-
setzt, zwischen denen aber der dunkle Untergrund überall
erkennbar bleibt. Die Unterseite schwärzlich, die Schenkel
_ gebräunt, die Schienen und Fussglieder ne ins Röthlich-
‚gelbe fallend.
W Von Cardenas.
98. Or. lepidus Mus. Ber. Oblongo-ovatus nigri-
Ye ja i
Von dem Habitus eines kleinen Phytonomus; der
Rüssel verhältnissmässig kurz und dick, nach der Spitze
zu etwas stärker und dabei wenig gekrümmt, braun und
dabei mit grüngelblichen Sehüppchen mehr oder weniger
besetzt, von der schmalen, dichter beschuppten Stirn durch
nen deutlichen Quereindruck getrennt. Die kurzen Füh-
ler hell rothgelb. Das Halsschild etwas länger als breit,
a leicht eingeschnürt, mit schwärzlichen Schuppen dicht
deekt, die leicht aufgerichtet sind und dadurch die Ober-
he rauh erscheinen lassen; besonders richten sich die-
en längs des Vorderrandes und hinter demselben kamm-
& in die Höhe, machen sich auch in ähnlicher Weise
noch länger an den Seiten ee alle an der
133 i Suffrian:
vand der Deckschilde eingesenkte Schildehen kaum wahr-
nehmbar. Dabei sind jene an das Halsschild eng ange-
schlossen, reichlich doppelt länger als breit, mit den recht- °
' winkligen, leicht abgerundeten Schultern etwas über das
Halsschild hinausreichend, von der Wurzel ab hinterwärts
etwas weniger dentlich, zuletzt stärker im Bogen verschmä-
lert und leicht zugespitzt, oben nur flach gewölbt, inner- °
halb der eckigen Schulterbeulen nur wenig eingedrückt. WE
Die Punktstreifen ziemlich grob. Die flachen Zwischen-
räume hinterwärts mit vereinzelten abstehenden Borsten-
härchen besetzt ; die seitlichen Streifen durch die nieder--
liegenden, einen festanschliessenden Ueberzug bildenden
Schuppen fast vollständig verdeckt. Die Farbe der Schup-
pen hellbraun, von der Mitte ab nach vorn, hesonders nach
den Schulterwinkeln hin immer heller werdend, an letzte-
ren fast weiss, und von einer, etwa das vordere Sechstel
der Naht bedeekenden ziemlich breiten Nahtlinie nur durch #
die sich hier wischartig hineinziehende Grundfarbe getrennt;
eben so auch die leicht zusammengedrückte Spitze der
Deckschilde mit einem gemeinsamen, aber nach vorn schär-
fer begrenzten weissen Fleck, wie mit einem kalkartigen °
Ueberzuge bedeckt. Die schwärzliche Unterseite verwischt
punktirt und besehuppt, die dünnen Beine gleichfalls mit
Schuppen besetzt, die Schenkel ungezähnt, die Schienen
und Fussglieder ins bräunliche oder röthliche fallend. |
Von Üardenas. 3
99. Or. trilineatus m. Nigricans squamulis albis "
. variegatus, antennis tibiis tarsisque ferrugineis, thorace sub-
eylindrico, antice constricto, canaliculato, albido- trilineato,
elytris profundius punctato-striatis, interstitiis alternis vr
elevatis. Long. ?a 1/4"; lat. Ya‘. 4
Ein kleiner ich Käfer, der, wenn man aan
Bau des Rüssels nicht beachtet, Eich Keine Sitona-Art
täuschend ähnlich ehe und daher bei‘ fehlendem |
könnte. Der Rüssel ist nur wenig Be glatt und
braun, leicht ae: an =“ Wurzel ‚dieht To chr
punktirt nen sie Halsschild I “
N I Sg
Versichn. n v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 133
% breit, die Beiten wenig gerundet, hinten etwas eingezogen,
nach vorn stärker verschmälert und auch eingeschnürt,! mit
i etwas aufgerichtetem, schräg worgezogenem Vorderrande,
_ leicht längsgestreift, und dadurch am vordern wie dem
- hintern Rande der vorderen Querfurche jederseits ein klei-
ner Höcker emporgehoben; die Oberseite fein punktirt und
schwärzlich besehuppt, die Mittellinie breiter und jeder-
‚sch noch eine feinere Längslinie schmaler weiss, so dass
_ dadurch die schwärzliche Oberfläche in zwei dunkle Längs-
folder getheilt wird. Das Schildchen klein, abgerundet-
_ dreieckig, etwas eingesenkt und weisslich. Die Deck-
j 'schilde wenig breiter als das Halsschild, mit eckigen, in-
| k nerseits durch einen Eindruck abgesetzten Schulterbeulen
_ jederseits etwas über dasselbe hinausreichend, hinterwärts
Ö wenig und in flacherm Bogen verschmälert und an der Spitze
kurz zusammengedrückt, mit flach gewölbtem Rücken vorn
etwas niedergesenkt. Die Oberfläche mit groben Punkt-
reihen besetzt, die matten Zwischenräume wie die Punkt-
reihen selbst regellos mit greisen und weisslichen Schuppen
-bestreut, die graden Zwischenräume besonders hinterwärts
lach gewölbt, und stellenweise mit kleinen Büscheln auf-
gerichteter schwärzlicher ‘Schuppenhärchen besetzt. Die
Beine dünn, die Schenkel zahnlos, die Schienen grade un:
mit den Füssen hellgelb.
R Gleichfalls von Cardenas.
N 100, Cr. griseolus m. Nigricans albido-squamo-
sus, thorace sub-ceonice antice constrieto canalieulato setu-
loso nigrobilineato, elytris subtilius punctato-striatis, in-
"terstitiis planis alternis elevatioribus, maeula antica sutu-
‚rali erueiformi alterague postica communi nigris. Long.
- ee lat. n— la
Non Herrn m RANE war dieser kleine, dem vor-
PRESE TR SP
134 Suffrian:
wenn man sie nicht, was ich nicht darf, der Gefahr des
Zerbrechens aussetzen will. Der folgenden Beschreibung
liegt das am besten erhaltene G.’sche Stück zum Grunde.
' Das Thier zeigt mit der Grösse einer kleinen Sitona-Art
auch den flachen Rücken einer solchen; der Kopf mit dem 5
Rüssel ist tief eingekniffen und daher nicht wohl zu be-
schreiben. Das Halsschild ist anscheinend länger als breit,
was aber nur von dem stark im Bogen vorgezogenen Vor- °
derrande herrührt; in der Wirklichkeit ist es kaum länger
als hinten breit, seitlich leicht zugerundet, in dem vorde-
ren Drittel mit starker Krümmung verschmälert und breit
eingedrückt, auf der Mitte seicht längsrinnig, dicht grob
anliegend beschuppt, auf dem Mittelfelde jederseits der
Längsrinne eine breite und deutliche, mattschwarze Längs- °
linie; der vordere Theil, besonders der vorgezogene Vor- )
derrand mit aufgerichteten Borsten besetzt, auch die Seiten
dureh leichte Erhebung der rundlichen greisen Schüppchen °
wie fein gekörnt. Das schwärzliche Schildehen klein und °
kaum wahrnehmbar, jederseits an dem fein beulenartig er-
höhten Rande der Flügeldecken kenntlich. Die Deck- ®
schilde vorn breiter als das Halsschild, mit eckig abge- A
rundeten, etwas vortretenden Schultern, fast gleich breit und
erst an der seitlich leicht eingedrückten Spitze kurz zuge-
rundet, oben nur sehr flach gewölbt. Die Punkistreifen 7
fein, mit ziemlich breiten, flachen Zwischenräumen, die gra- °
den etwas breiter, ein wenig erhöht und je mit einer weit- °
läufigen Reihe feiner Grübchen besetzt; aus deren jedem
. ein Büschel weisser borstenartiger Schüppchen hervorragt.
Letztere sind fast nur hinten sichtbar, vorn wahrscheinlich "
nur abgerieben, und stellenweise auch auf den schmäleren
ungraden Zwischenräumen, wenigstens an deren hinterem
Ende zu finden. Die mattschwarze Oberseite ist überall mit”
dicht angedrückten hellgreisen Schüppchen bedeckt, auf)
dem sich bei dem vorliegenden reinsten Stücke eine Anzahl’
regelmässig vertheilter schwärzlicher Zeichnungen erken-
nen lässt; ein dicker Kreuzfleck bedeckt den vordern Theil’
der Naht; ein kleinerer je zwei Zwischenräume umfassender
gemeinsamer Querfleck liegt hinter der Mitte, und dem’
letzteren gegenüber jederseits noch ein theilweise getrenn-'
Verzeichn. d. v. Gundlach auf &. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 135
" ter eckiger dunkler Fleck am Seitenrande. Bei dem zwei-
ten Stücke liegt die gleiche Zeichnung, aber weniger klar
und sauber vor. Die kurzen, kräftigen Beine sind bis auf
- das fuchsgelbe Krallenglied g gleichfalls dicht weiss beschuppt
und die hebt zahnlos.
Ebenfalls von Cardenas; auf dem Boden am Meere,
von Mai bis Juli.
"2 .@ Corpus latiusculum, erassum; thorax antice for-
h; tius angustatus. Femora dentata.
v 101. Cr. gracilirostris m. Nigrieans, squamulis
rufogriseis nebulosus, thorace dilutius squamoso, angustato-
" bimaeulato, elytris punctato-striatis, interstitiis 1. et 3. de-
pressis, religuis elevato-carinatis, femoribus acute u
long. 4. lat...11/e'“,
E Er ensehnlichsten Arten der ganzen Gattung.
Der Rüssel ist ungewöhnlich lang und dünn, stark ge-
_ krtimmt, nach der Spitze zu glatt, abwärts a punktirt
und längsstrichelig, so dass die Mittelürste als ein etwas
I stärkerer Kiel hervortritt, und dahei dünn greisgelb be-
I sehuppt; die Stirn durch De nahe zusammentretenden Augen
. sehr verengt, die Fühler braungelb mit langgestreckter,
| - greisbehaarter Keule. Das Halsschild etwas länger als breit,
am Hinterrande tief doppelt eingedrückt, die hintere Hälfte
gleiehbreit, die vordere nach vorn in sanfterem Bogen ke-
geltörmig bis zur halben Breite verschmälert, der schwarze
" wenig glänzende’Grund, wie die abgeriebenen Stellen zei-
gen, deutlich punktirt und vorn schwach gekielt ; bei un-
versehrten Stücken ist die Oberfläche mit dicht anliegen-
en greisgelben Schüppehen ziemlich dicht bedeckt, die
n denSeiten und auch auf einer matteren Mittellinie
‚ mehr ins Weissliche fallen, und besonders längs der er-
steren bei schräger Beleuchtung einen metallischen Schim-
mer zeigen; ausserdem auf der Mitte neben einander
wei rein weisse, silberglänzende Schuppenlecke Das
' örmige Schildehen klein und mit den Rändern etwas
gesenkt, die Deckschilde gestreckt, halb elliptisch, vorn
er. breiter > das Bean, über dessen Ba
136 Suffrian:
ten, von da ab in flach gekrümmtem Bogen hinterwärts
verschmälert und stumpf zugerundet, oben nur sehr fach °
gewölbt, seitlich stärker abfallend; die Punktreihen aus
grossen viereckigen etwas getrennten Punkten gebildet, ”
die Zwischenräume als schmale, linienförmige glänzende
Rippen erkennbar, und ausser der Naht der erste und dritte 7
stärker niedergedrückt, kaum anders als durch die ein- 7
schliessenden Punktreihen kenntlich, die erste Rippe an
der Spitze eine Strecke lang wie zerhackt. Die beiden
äussersten Reihen fliessen jederseits gegen die Mitte hin "
zusammen. Die schwärzliche Oberfläche ist überall mit
untermengten greisen und röthlichgelben Schüppehen dicht
bedeckt, und letztere sind hei schräger ‚Beleuchtung stel-
lenweise schwach metallisch-glänzend, erstere mitunter ins
Weissliche fallend, an den Schultern zu einem grösseren
hellen Fleck zusammengedrängt. Unterseite und Beine
sind in gleicher Weise beschuppt. Die Schenkel sind un- °
ten stark verdickt, ihre Innenseite ist nicht eigentlich ge-
gefurcht, vielmehr die Vorderkante der normalen Furchen 4
zu einem Längskiele ausgebildet, der sich in der Mitte zu
einem kräftigen Zahne erweitert. Die etwas ee N
Schienen scharf zusammengedrückt, die Fussglieder, beson-
ders das dritte, breit erweitert, und, zumal an den Vorder- i
füssen, mit kurzen abstehenden Härchen gepolstert. |
Gleichlalls un Beyirke Garliende gefunden. ng
102.. Or. ineconspieuus m. Nigricans, sordide '
cinereo-squamosus et pilosus, antennis ferrugineis, thorace
erebre punetato carinulato, elytris modice punctato-striatis, ä
interstitiis planiusculis rugulosis, femoribus dentatis. Long.’ J
Ba Far 1 4
Auch der ee Käfer ist Hrn. Riehl von La
cordaire als Art einer eigenen Gattung der Cryptorhyn- 2
chen-Gruppe bezeichnet orden die er jedoch nieht näher
charakterisirt hat; und der Habitus ist auch allerdings
etwas abweichend, indem das Thier sich bis auf den din-
nen Rüssel mehr der Phytonomen-F'orm nähert, als dass’
man darin einen echten Cryptorhynehus erkennen möchte. .
Sonst aber finde ich ausser den leicht geschweiften Schie-”
nen keine erhebliche Abweichung, und die Art kann daher
= 'Verzeichn. d. v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 137
iR ;
i nach meiner Ansicht füglich einstweilen in der Gattung
- Cryptorhynchus verbleiben, bis man sich über deren weitere
} Zertheilung verständigt haben wird. Die Grösse der Art
{ ist die einer unserer grösseren Phytonomus-Arten, man kann
sie daher nach Grösse und Gestalt am ersten mit unse-
. rem Phytonomus murinus oder den grösseren Stücken
desPh. polygoni vergleichen, während der lange dünne
stark gekrümmte Rüssel sie auch habituell wieder weit
von diesen Thieren entfernt. Der Rüssel ist vor den Füh-
| lern glatt und glänzend, mit sehr flach gewölbtem Vorder-
i ende, der hintere Theil bis zum Nacken hinauf fein ge-
| kielt, mit dünnen schmutzig greisen Schuppen besetzt, die
Stim und der mittlere Theil des Nackens grubig punktirt,
der obere seitliche Theil des Nackens bis zu den Augen
iin schuppenlos und vorn fein gestrichelt, schwarz. Die
Fühler hell rostrotı. Das kurze Halsschild flach walzen-
E förmig gewölbt und nach vorn etwas verschmälert, hier
aber wie an den Seiten merklich eingedrückt, dicht und
"grob punktirt, mit einer schwach angedeuteten, unterbro-
chenen. Kiellinie, der Zwischengrund ein feines Maschen-
netz bildend, und mit unregelmässig vertheilten, wahrschein-
ich theilweise abgeriebenen angedrückten and gekrümmten
Schüppehen beseizt. Das kleine eirunde Schildehen einge-
senkt, und vorn von einem leicht vortretenden Zipfel des
Isschilds bedeckt. Die Deckschilde um die Hälfte län-
r als breit, vorn mit abgerundeten Schultern etwas über
s Halsschild hinüberreichend, und hinterwärts allmählich
‚seichtem Bogen verschmälert, über der Spitze jederseits
‚schräg eingedrückt, mit flach zöwülbtem Rücken vorn leicht
niedergesenkt; die Punktstreifen regelmässig, und die bei-
d den äussersten jeder Flügeldecke bereits im ersten Drittel
Zusammenfliessend; die Zwisenräume flach gewölbt, der
‚schwarze ererund! mit gelbgreisen schmutzigen Sehtipp-
ı ziemlich dicht bedeckt, letztere vorn grösser, besonders
er, , hinterwärts angedrückt, nach der Spitze zu schmaler,
hlich ins haarähnliche übergehend. Durch den überall
en schwärzlichen an -. die
| den vorderen Barklree) ke breit, elechiräit
138 | Suffrian:
und in der Mitte leicht OA (ob Göschlechune
mal ?), die beiden folgenden wieder gleichbreit, je kann U I
halb 'so breit als der verhergehende, der letzte wieder brei- %
ter und in der Mitte leicht eingedrückt. Die Seiten schwarz,
mit zerstreuten theilweise in Querreiben gestellten Punk- #
ten besetzt, auf deren jedem sich ein gelbliches Schüpp- 9
chen befindet, An den Beinen sind die Schenkel und ”
Schienen in gleicher Weise, nur etwas feiner, punktirt und f |
beschuppt, erstere kräftig aufgetrieben, unterseits Stark rin- “ |
nenförmig ausgefurcht und der Vorderrand dieser Rinne %
in den gewöhnlichen Zahn erweitert; das lange dünn
braune Krallenglied auf der oberen Hälfte gelblich durch-
scheinend, mit ungewöhnlich kleinen Krallenhäkchen.
Von Öienfugos, April, Mai. N
103. Cr. diffieilis Sehh. Cur. Va 5.152. 0.111.
Die von Boheman bei Schh. a. a. O. gegebene Beschrei-
bung ist treffend und gut, und bedarf deshalb auch nur ©
weniger Zusätze. Charakteristisch für die Art ist die #
Seulptur des Halsschilds; dieselbe besteht aus tief einge- %
schnittenen Längs- und Schräggrühehen, zwischen denen "
die ursprüngliche Oberfläche dann in Gestalt sehmaler netz-
förmig verschlungener Scheidewände stehn geblieben ist, |
Eben so haarfrei, wie diese, ist dann auch der die Vor-
derhälfte des Balsselnlds durchziehende Längskiel; die ver- |
einzelten greisen Schuppenhärchen sind nach den Seiten
zu niedergelegt, und entspringen auf der äusseren Seite‘
des Mittelkiels und der kielartigen Runzeln. Die Punkt-
streifen sind mässig vertieft, und ihre leicht gewölbten Zwi-
schenräume erscheinen durch eine dreifache Bedeckung“
erhöht. Zuerst trägt jeder Zwischenraum eine Längsreihe
von vereinzelten, glänzend schwarzen schräg hinterwärts ge |
richteten Höckern, dann ist die Oberfläche mit regellos%
gestellien und vertheilten weisslichen oder gelblichen?
Schuppenfleckchen besetzt, die sich besonders vorn an den
Seiten und hinten an der Spitze zusammendrängen, die
Höcker aber nicht überragen und aus diesen Schuppen N
stehen dann, besonders hinten an den Seiten, wieder ver [=
einzelte kürzere und stärkere greise Borstenhärchen, ähn-
lieh denen des Halsschilds, hervor, die aber auch his
a
a
)ie schwärzliche Dinterseite ist mit kinadicn Smtibehein-
rtigen Punkten besetzt, deren jeder durch ein rundliches
schüppcehen bedeckt ist; dieselben bilden auf dem 2. bis
4. Ringe je eine ziemlich regelmässige Querreihe, wäh-
“rend dieselben auf dem ersten und letzten Hinterleibs-
ringe, wie auf der Brust, viel mehr zusammengedrängt nnd
egellos gestellt sind. An den bis auf die röthlichen Fuss-
lieder gieichfalls schwarzen dünn greis beschuppten Bei-
nen ist die Unterseite der Schenkel ebenfalls der Länge
‚nach breit gefurcht und der Vorderrand dieser Furche in
der Mitte mit einem kurzen, aber breiten und spitzen Zahne
En,
jesetzt. Die kürzere obere Hälfte der Schienen ist leicht
- Von Cardenas..
104. Cr. lividipes Schh. ib. IV. 8.75. n.29. Auch
ier ist die von Boheman gegebene Beschreibung im
lgemeinen treffend, Bi anscheinend nach einem undeut-
ren e kakon Mobs nn unserem Käfer über-
upt sehr nahe steht; dieser unterscheidet sich aber von
‚ bufonius auch ausser der Zeichnung durch die stär-
m Rückenstreifen. Die Zeichnung selbst trägt bei der
schwachen Längskiel des Halsschilds deekenden hel-
ı Mittellinie eine weissliche Färbung, welche auch auf
| den Beraten Anflug einer zen hinteren Seiten-
w ver lässt. Die weisslichen ga jeder-
> se auch stark ins Weisse fallend, und dazu
af dann noch Be a Wisch auf der hinteren
140 Suffrian:
Bi,
“d
Längslinie bezeichnet, der aber auch als ein ziemlich scharf
begränzter schwarzer Querfleck auftritt. Vor der Spitze ®
finden sich nur vereinzelte hellere oder dunklere Seiten- |
fiecken ohne scharfe’ Begränzung, auch nieht bei allen Stü- ©
cken, nieht einmal bei demselben Stücke beiderseits über- 5
einstimmend. Die Unterseite und die Beine wie bei dem #
Folgenden, die Schienen an der Wurzel leicht gekrümmt #
und daselbst auf der äusseren Kante scharf zusammen- 3 |
gedrückt. Ä nn
Bei Sehönherr heisst der Käfer Cr. levidipus,
für welche Benennung ich weder eine Ableitung noch eine ©
Bedeutung habe ermitteln können. Ich glaube daher, dass
sie, wie so manche andere bei Schönherr, nur aus einem
Schreib- oder Druckfehler entstanden ist, und habe sie so
umgeformt, dass sie wenigstens einen Anklang lateinischer ©
Färbung zeigt, so wenig ich darin auch eine passende
Bezeichnung der Farbe der Beine zu finden vermag. Ei
Von Cardenas. 2
105. Cr. bufonius Jacq. Duv. ap. Ramon de Sagra 5
hist. 1. e. e. VII. 87. Die von dem Autor gegebene, etwas. |
weitläufig gerathene Diagnose lässt Manches zu wünschen ©
übrig, die Beschreibung ist genauer, aber anscheinend doch ©
nach Stücken entworfen, welche abgerieben und entschuppt, ' |
vielleicht auch durch langes Liegen in Spiritus verdorben ©
sind. Die weisslichen oder vielmehr gelbgreisen Zeich-?
nungen sind nirgends scharf begränzt, müssen aber m”
gewisser Entfernung vom Auge ohne Glas betrachtet wer- |
greisen Schüppchen gebildete Längslinie; die Flügeldecken
sind nicht, wie die Diagnose will, maculis pallidioribus
nebulose variegata, sondern zeigen, wie auch die Beschrei-
bung andeutet, eine von der Schulterbeule ausgehende,
gränzie, etwas gekrtimmte, nach der Mitte der Naht hin-
ziehende deutliche, hellgreise weiss gekernte Schräglinie,
hinter welcher die ganze Spitze eine wellig verschwimmende,
die übrige Grundfarbe etwas hinter sich lassende gelblich-
“
mit fast leistenförmigen Zwischenräumen; die kräftigen
"Schenkel auf der Unterseite breit und tief gefurcht, die
Vorderkante ra Furche zu einem breiten und stumpfen
und dscheinend hellbraun. Die Gekesike ist bräunlich,
“mit grossen rundlichen auf dem Hinterleibe ungeordnete
Querreihen bildenden weisslichen Schüppehen besetzt, die
beiden glatten Querfurchen zwischen den Ringen ind in
der Mitte etwas erweitert. |
Von Bahiahonda. Juli.
d. Corpus latiusculum, crassum; thorax antice
sinuato-constrietus, plerumgue tuberculatus; fe-
mora dentata.
106. Cr. histrionieus m. Nigricans setulosus,
a discoidali nigricante a Ne ee nn
© o-striatis, interstitiis costatis, imparibus antice debilita-
. apiee vittague obligua aaa pallidis. Long. 2°;
lrückt, und zeigt, wenn abgerieben, dichte und
unktirung. Die Oberfläche ist dieht fein anliegend
eschuppt, der Vorderrand an dem Quereindruck
RM
122 | Suffrian: Trade a
jederseits mit einer büscheligen Oriärzeäle längerer. aufge- | |
richteter Borstenschüppchen besetzt, deren sich auch noch
eine zweite etwas schwächere jederseits hinter dem Sei-
tenbuckel findet und dadurch dem Seitenrande selbst das
Ansehn einer schärferen höckerigen Kante verleiht. Eine |
längere und kräftigere Reihe solcher Schüppehen zeigt sich @
dann noch auf der Mitte jederseits des flachen Längsein-
drucks, und giebt dann der ganzen mit einem grossen vorn”
zugespitzten schwarzen Mittelfleck bedeckten Scheibe Oana
Ansehen eines im Innern nur etwas kürzer und sparsam
besetzten schwärzlichen Deckfeldes, weiches nach vorn in.
eine zarte, den borstigen Querwulst durchschneidende
weissliche Längslinie ausläuft. Auch. hinterwärts zeigd
sich die Andentung einer solehen, grade auf das kleine
kreisförmige greise Schildchen Suslantend. und jederseits
derselben ist der Hinterrand etwas eingesenkt. Die Deck-
schilde etwas breiter als das Halsschild, mit schräg abge-"
rundeten Schultern noch etwas verbreitert und dann all-
mählich im Bogen sich bis zu der kräftig zusammenge-
drückten Spitze verschmälernd. Die Punkstreifen grob, die’
Zwischenräume rippenförmig erhöht, die ungraden vorn
schwächer und theilweise kaum hervorragend, alle mit be-
sonders hinterwärts deutlichen Reihen feiner Höcker besetzt,
deren jeder noch eine emporgerichtete kurze aber dicke
Borste trägt. Die Flügeldecken selbst sind mit einem‘
dieht anhaftenden gelbgreisen Schuppenüberzuge bekleidet,
welcher Ueberzug auf der Scheibe der Decksehilde und in?
einer Querbinde längs der Wurzel nichz ins Braune al,
zur Naht reichende, etwas Sekrinunte Schrägbinde an die ı
ziemlich breite Spitze der Deckschilde selbst. Unterseite und Y
Beine gleichfalls dicht beschuppt, die Schenkel mässig “
aufgetrieben, in der Mitte dunkler gefleckt und mit einem.
kurzen, spitzen Zahne besetzt. | cl
Im Bezirke Cuba gefunden.
107. Cr. suberosus Mus. Ber. Nigricans Ko
neo-squamosus parce setulosus, thorace 8-tubereulato, ely-
tris postice late impressis punetato-striatis, interstitiis alter r-
Me
Verzeichn. d.v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 143
nis elevatioribus carinatis, femoribus vix dentatis. Long.
a a. 9, |
In dem helibeschuppten Körper, der plumpen Gestalt und
lem höckerigen Halsschilde zeigt die vorliegende Art einige
ehnlichkeit mit dem unten folgenden Or. frontalis Schh,,
ährend sie sich anderseits durch die Sculptur der Deck-
schilde erheblich von demselben unterscheidet und mehr
an den vorhergehenden anschliesst. Der Rüssel ist ver-
hältnissmässig kurz und diek, wenig gekrümmt, nach der
pitze zu etwas verbreitert, die hellrothgelben Fühler nahe
or der Spitze eingefügt, die Oberfläche dicht röthlichgelb
beschuppt, mit vereinzelten aufgerichteten Borsten besetzt;
der Kopf zwischen den Augen tief quer eingedrückt. Das
Halsschild ist eben so lang als hinten breit, die hintere
älfte gleichbreit, die vordere quer niedergedrückt, seitlich
ch einen ziemlich eckigen Absatz verschmälert, der
mittlere Theil des Vorderrandes in breitem Bogen vorge-
sen. Die unebene Oberfläche trägt acht Höcker, deren
rei auf dem vortretenden Theile des Vorderrandes, vier
einer Querreihe auf der Mitte, deren äusserste die ob-
achten scharfen Seitenecken des Halschilds bilden, und
ii wei am Hinterrande, so dass, die Seitenhöcker abgerech-
,‚ zwei aus je drei Höckern bestehende Längsreihen sich
jer den mittleren Theil des Halsschilds hinziehen. Die
erfläche des letzteren ist, wie die des ganzen Körpers,
einem Ueberzuge von dicht anhaftenden roströthlichen
ehüppehen bedeekt, zwischen denen sich einzelne weiss-
che Börstehen, stellenweise, zumal auf den Höckern, kleine
chel bildend, erheben. Der schwarze Untergrund nur
einisen abgeriebenen Stellen bemerkbar. Das kleine
ildehen kaum wahrnehmbar. Die Deecekschilde breit
| hochgewölbt, hinterwärts noch etwas ansteigend und
pen fast doppelt breiter als der Hinterrand des Halsschilds,
r dessen Hinterecken aber die rechtwinkligen, stumpf ab-
ndeten Schultern noch merklich hinausreichen; der
en flach gewölbt, das Hinterende stark abfallend und.
‚Spitze jederseits tief ein- und seitlich zusammen-
144 Suffrian:
hinterwärts durch die Schuppen verdeckt, gepaart, die
graden Zwischenräume kielartig erhöht und zugleich je
mit einem Kamme aufgerichteter, stellenweise abgeriebe-
ner Borstenhärchen besetzt, der hintere Buckel durch das
Zusammenstossen der 3. und 4. Rippe jeder Flügeldecke °
gebildet, und der ausserhalb der 4ten liegende Theil der
Flügeldecke ganz nach der Unterseite eingeschlagen. Da- ’
bei ist die ganze Oberseite mehr oder weniger deutlich
mit stumpfen, die Längsrippen verbindenden Querbeulen
durchzogen. Auch die Unterseite ist, wo sie nicht abge-
rieben ist, dicht röthlich beschuppt, an den Beinen zugleich
weissborstig, und die Schenkel sind mit einem unscheinba-
ren Zähnehen besetzt. | 3
Von Cardenas. F)
108. Cr. posticatus m. Niger fusco-squamosus,
antennis ferrugineis, thorace brevi postice bi-impresso albi-'
do-variegato, elytris profunde punectato-striatis, faseia po-
stice abbreviata alba notatis, interstitiis convexiusculis, fe-
moribus apice dilutius squamulosis. Long. a lat}
Era 12/0. = A
Von der Grösse der vorhergenden Art, und derselben
auch äusserlich nicht unähnlich, aber planet und an
dem kurzen, hinten stark eingedrückten Halsschilde leicht)
kenntlich. Der gebräunte Rüssel von mässiger Länge und
Krümmung, vorn glatt, oberhalb der rostgelben Fühler’
längsrissig, wodurch sich drei feine Längslinien me
ausserdem aber punktirt und mit Schüppehen besetzt; zw
schen den Augen ist der Kopf leicht flach gedrückt. Da
Halsschild in der Mitte erheblich breiter als lang, und hier
piötzlich nach vorn bis zur Hälfte der hinteren Breite ver
schmälert; es entsteht dadurch hier eine starke Einschnü- |
rung, bank welcher der Seitenrand als ein abgerundeter
Höcker hervortritt. Hinterwärts ist das Halsschild wieder
leicht im Bogen verschmälert, zugleich jederseits des Schild-
chens etwas ausgerandet und leicht eingesenkt, wodurch
sich der mittlere Theil als ein breiter und flach gewölll D-
ter Querwulst emporhebt, während zwischen den beide
hinteren Eindrücken der mittlere Theil des Hinterrandes
als ein leichter, kurzer Mittelzipfel stehen bleibt. Der au
8 IR Verzeichn. 4. v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 145
| in abgeriebenen Stellen sichtbare glänzend schwarze Un-
tergrund. ist mässig punktirt, meist aber mit gelbgreisen,
- stellenweise ins Röthliche oder Weissliche fallenden Schüpp-
" chen bedeckt, die sich besonders an den Seiten, vorn und
' ‚auf dem Mitielzipfel zu dichieren, manchmal bindenartigen
_ Fleckehen zusammendrängen. Das kleine Schildcehen tief
"eingesenkt und schwarz. Die Deckschilde etwa 1!/smal
" länger als breit, vorn kaum so breit als das Halsschild, erst
auf dem letzten Drittel zusammengedrückt orrknilent,
rob-punktstreifig, die Zwischenräume je weiter seitlich
esto stärker als flach gewölbte Rippen hervortretend, der
Ate und noch mehr der aus dem abgekürzten 9ten und dem
1Oten sich bildende eine fast schuppenlose Kante darstel-
lend, die übrige Oberfläche mit gelblichen, stellenweise ins
‚Weissliche oder Fuchsröthliche fallenden Schuppen bedeckt,
aus denen sich hinten eine beiden Flügeldecken gemein-
(same, jederseits bis zur Tten Rippe reichende abgekürzte
weisse Schuppen - Querbinde heraushebt. Die glänzend
hwarze Unterseite grob punktirt und beschuppt, auch die
eine bis auf die röthlichen Füsse schwarz, dünn beschuppt,
ur vor den Knien sind an den Selenkein die Schuppen
dichter gedrängt, so dass hier ein deutlicher röthlicher
leck entsteht. Die Unterseite der Schenkel breit längs-
'rchig und mit einem breiten und scharfen, schrägen Zahne
esetzt.
Aus den Bezirken Cuba und Guantanamo im März, Juli
| November.
‚109. Cr. stercorarius m. Nigricans squamulis
dide griseis undique teetus, thorace profunde punetato
en al, lineola media eh Eh rude punctato-
is nigro- -maculatis. Bone 32 lad).
Durch den Pipe An lichen ae ist diese Art von
nicht wohl verwechselt el kann. Der lange,
sekriümmte Rüssel dieht und ziemlich grob punktirt,
' Naturg. XXXXII. Jahrg. 1. Ba. | 10
it ziemlich rechtwinkligen Schultern. Die Oberfläche
>
146 Suffrian:
schwarzbraun und matt, nach der Wurzel hin mit kurzen,
anliegenden greisen Schüppehen besetzt; auf der Stirn
scheinen letztere etwas kürzer. Die Fühler sind etwas
heller gelbbraun mit greis behaarter Keule. Das Halsschild
ziemlich kurz und breit, auf dem vorderen Viertel stark
buchtig verschmälert und zusammengeschnürt, dabei aber nur
fein punktirt, auf der Mitte etwas abgerieben und mit einer
glänzend schwarzen, aber nicht erhöhten Längslinie besetzt,
am Hinterrande jederseits schwach eingedrückt und dadurch 8
das Mittelfeld leicht aufgewulstet, die nicht abgeriebenen 4
Stellen mit gleichfalls röthlichgreiser Besehuppung bedeckt,
auf welcher drei Längsbinden, eine grosse auf der Mitte und
jederseits eine etwas gekrümmte Seitenbinde, sich durch °
eine lichtere Färbung bemerkbar machen. Das eingesenkte
punktförmige Schildeken kaum wahrnehmbar. Die Deck-
schilde vorn kaum breiter als das Halsschild, von den
Schultern ab bis über die Mitte hinaus seitlich in flachem °
. Bogen erweitert, von da ab sich plötzlich wieder mit stär-”
kerer Kern verschmälernd und an der Spitze fester '
zusammengedrückt,, grob punktstreifig, die Punkte meist 3
durch die derben, die Oberfläche dicht bekleidenden Schup-"
pen bedeckt, daher auch die etwas gewölbten Zwischen-
räume schmutzig und rauh erscheinen, und dabei gegen”
die Spitze hin mit vereinzelten dünnern Schüppehen in Ge- 8
stalt eines aus kürzeren Borsten bestehenden Kammes rei-!
henförmig besetzt sind. Von der Grundfarbe ist auf dem’
dicht röthlichgreis beschuppten und stellenweise mit schwärz-
lieben Fleckehen gescheckten Zwischenräumen wenig zu
sehen, das grössere hintere Drittel der Deckschilde aber
von deren breitester Stelle ab durch einen grösseren helle-
ren Fleck eingenommen, der besonders durch seinen
helleren weisslichen und wellig gebogenen Vorderrand ge-
gen den vorderen Theil der Deekschilde absticht. Unter-
seite und Beine schwarz und punktirt; auf jener die Punkte
' gröber, und die Schuppen, die Seiten der Vorderbrust ab-
gerechnet, weniger dicht; an den Beinen die Punkte fei-
ner, die Schüppehen ne und dichter gedrängt. Die
Schenkel mit einem spitzen und kräftigen Zahne hesetzt,
auf der Unterseite nicht eigentlich gefurcht, die kürzeren
k 2 Megzeichn, % v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 147
- Sehienen gerade und besonders auf der Aussenkaute durch
die diehten Schüppehen rauh.
> In den Bezirken von Trinidad, und San Oristobal. Juni,
‚November.
© 7110. Cr. frontalis Schh. 1. 1.IV. 118. n. 75. Der
von Boheman hier gegebenen sehr treffenden Beschreibung
"habeich nichs weiter hinzuzusetzen, als dass die Grösse der Art,
| eben so wie die der meisten übrigen Arten, sehr ah
‚Stellen, zumal des Halsschildes, die Borsten matt schwarz
mit dichter, feiner Punktirung erscheinen, dass die Höcker-
hen auf den Rippen der Deckschilde eigentlich nur sich
leicht abreibende schwarze Schuppenbüschel sind, und
dass der Schenkelzahn bei all seiner Grösse, zumal Bi
( och nicht wohl spitz genannt werden en
| Von $. Oristobal und Guantdnamo. Juni.
“ 1il. Or. variegatus m. Nigricans, ferrugineo-
- squamulosus, albovariegatus, thorace antice angustato, leviter
constrieto nigro-bivittato, elytris punetato-striatis, intersti-
is convexiusculis alternis elevatioribus, fascia postica
ommuni abbreviata alba, femoribus dentatis apice dilutius
mamosis. Long. 2'/4 ; lat. 1!/3'".
Eiwa von der Grösse des Cr. frontalis Schh., etwas
treckter, das Halsschild verhältnissmässig schmaler; der
ssel bis auf die dicht und fein greis behaarte Wurzel
chwarz und blank, die Stirn schwach niedergedrückt, das
alsschild mit ziemlich stark vorgezogenem, abgerundeten,
E nicht aufgerichtetem Vorderrande, eben so lang wie
it, hinten mit abgerundeten Seiten etwas verengt und
dergedrückt, im vorderen Drittel stark durch eine Aus-
+ verschmälert, aber seicht und breit eingedrückt;
schwärzliche Untergrund dicht mit anliegenden röth-
er Schuppen bedeckt, denen slellayeisi weissliche
sehwärzliche Atomenfleckchen nn... sind. Auf
(Länge 19, 21%) abändert, dass an den abgeriebenen
148 Suffzian:
einen fast weisslichen Längsstreifen abblasst. Das mit
der Wurzel der Flügeidecken gleichfalls a
greise Schildchen klein und schmai. Die Deckschilde mit |
abgerundeten Schultern wenig über das Halsschild hinaus- W
reichend; hinterwärts breit im Bogen erweitert, dann aber
ebenso sanft wieder verschmälert, an der Spitze seitlich
ein wenig eingedrückt, flach gewölbt, die Punktstreifen "SE
derb, die oberen schwächer die seitlichen stärker er- \
höhten geraden Zwischenräume besonders . hinten etwas
gewölbt, je mit einer weitläuftigen Reihe Schüppehen oder '
börsiehentragender Punkte besetzt. Der Zeche
selbst ist dicht mit anliegenden röthliehweissen Seh N
bedeckt, unter denen auch untermischte 'schwärzliche und
gelblichweisse bemerklich werden; vor der Wölbung eine
ziemlich breite, gemeinsame, rein weisse, vorn und hinten 4
etwas zackige Querbinde. Unterseite a Beine schwärz-
lich, gleichfalls mit Schüppchen besetzt, aber so, dass end B.
. Grund überall durchseheint, und die Schüppehen sich nur
am Knie stärker een die Schenkel schwach 4
aufgetrieben, in der Mitte an der Vorderkeule der etwas %
ausgefurchten Unterseite mit einem spitzen Zahne. 7
Uardenas, im April an Baumstämmen. n.
112. Cr. multitubereulatus m. Nigricans, anten-
nis tarsisque ferrugineis, macula frontali Iuteo-squamosa, 4
thorace antice profunde constrieto 6-tubereulato macula po-
stica ferruginea, elytris rude punctato-striatis, interstitiis
convexis alternis inaequaliter elevatioribus, fascia postiea”
indeterminate albida, femoribus dentatis. Long. 1 4
lat. 2/46. |
Im Bau den vorhergehenden nicht unähnlich, abe ’
erheblich kleiner und durch die Höcker des Halsschildes. "
ausgezeichnet. Der mässig gekrümmte Rüssel am äusseren
grösseren Theile glatt und glänzend, schwärzlich, deutlich
aber nicht dicht punktirt, mit einem unten von Heien Punk- Fi
ten begränzten Längsfleckehen zwischen den rostrotben”
Fühlern, oberhalb letzterem mit aufgerichteten röthlichen.
Schüppehen besetzt. Auch der Nacken ist mit grösseren“
‚ heilgelben, aus dicht anliegenden Schüppeben bestehenden
Fleckchen bedeckt. Das BUenpAlN nicht so Inn © als hi
_ Verzeichn. d. v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 149
h ten breit, das vordere Drittel stark verschmälert und ein-
gedrückt, der vorgezogene Vorderrand mit zwei deutlichen
Höckerchen besetzt, zwischen denen noch Spuren einer
- hellgelblichen an den Nackenfleck sich anschliessenden
Schuppenbedeckung sich zeigen; der hintere er
- ziemlich flach, dünn greis und gelb beschuppt, mit fei
punktirtem rund auf dem vor dem Schildehen a
_ ein grösserer mehr rothgelbschuppiger Fleck kenntlich
” macht und auf dem Zwischenraume zwischen den Vorder-
4 höekern hin eine undeutliche Spur einer Längsbinde sehen
lässt; ausserdem vor der Mitte hinter der Einschnürung
h eine Querreihe von vier Höckern, jede mit einem Härchen-
> oder Schuppenbüschel von schwärzlicher Farbe besetzt, die |
beiden äusseren auf den Rand gestellt, und sich schmaler
seitlich nach der Unterseite hin verlängernd. Das Schild-
_ chen klein und schmal, kaum sichtbar. Die Deckschilde
" gestreckt, die Schuliern schräg abgerundet, wenig hervor-
tretend; die Seiten schwach gerundet, sich hinterwärts ver-
ehmälernd und an der Spitze quer zusammengedrückt.
Ihre Oberfläche grob punktstreifig, die Punkte stellenweise
durch die schmutzig Schwzzliche Beschuppung verdeckt,
- die ungeraden Zwischenräume oben flacher, seitlich deut-
- lieher erhöht, die geraden sich stärker und besonders vorne
n Gestalt länglicher Höcker erhebend; gegen die Spitze hin
reten alle in ziemlich gleicher Höhe hervor. Auf der
ERBETEN
ine aus weissen Flecken gebildete, jederseits abgekürzte
vellige Querbinde, nur auf dem Rande hinter derselben
eigen sich weissliche und röthliche Schuppenfleckchen in
‚rösserer Anzahl, ohne jedoch den Grundeharakter der Fär-
"bung wesentlich zu ändern. Unterseite und Beine in glei-
cher Weise, jedoch etwas dichter beschuppt, daher der
chwärzliche Untergrund wenig bemerkbar, die Schenkel
jemlich ie Ic stark, mit einem en, breiten Zahne
41a. ‚er Biklennine m. Niger, en cum pedi-
s sordide griseo-squamulosus, antennis tarsisque ferrugi-
% rostro punctato, thorace conico unitubereulato, squa-
150 a Suffrian: ‚AN en ) E
>
mulis ereetis nigris hirto, elytris punetato-striatis, inter-
stitiis alternis carinatis, macnla diseoidali :obliqua albida,
femoribus dentieulatis. Long. 23/3‘; lat. 11/4. #
| Von der Länge der vorigen, aber erheblieh breiter,
und an seiner einfachen Färbung leicht kenntlich. Die %
Grundfarbe ist ein mattes Schwarz, Unterseite und Beine ”
mit einer anliegenden gelb-greisen Beschuppung bedeckt,
die aber doch überall den dunklen Untergrund erkennen 4
lässt. Fühler und Fussglieder sind hellrothgelb, und auf
jeder Flügeldecke zeigt sich ein schmaler weisser, nach
vorn und unten gerichteter, gegen den Grund stark abste- WE
chender Schrägfleck auf dem ersten Drittel, von der ersten
bis zur zweiten Kiellinie reichend. Der.nicht stark gebo- "
gene Rüssel auf der grösseren lachen Unterseite’ glänzend 7
schwarz, gegen die Spitze hin mit einem Stich ins Bräun- h
liche, grob zerstreut puuktirt, aus welcher Punktirung sich ”
oberhalb der Fühler eine undeutliche Längsreihe ent
ekelt, und daselbst zeigen sich zugleich immer dichter ge- "
drängte, theilweise ausgerichtete schwarze Schüppehen, die °
vielleicht unterwärts nur abgerieben sind. Das Halsschild ”
eben so lang als hinten breit, kegelförmig und nach vorn ’
allmählich im Bogen verschmälert, daselbst auch leicht ü
quer eingedrückt, hinten mit dem leicht doppelt ausge- N
buchteten Rande etwas eingesenkt, schwach punktirt, auf"
der Mitte mit einem länglichen, ein Stück einer abgekür zten
Kiellinie bildenden Höcker; dieser, sowie der ganze vordere
Theil und eine von da ab an der vorderen Seite hinziehende
Bogenreihe mit aufgerichteten borstenartigen schwarzen
Schuppen besetzt. Das kleine Schildehen fast kreisrund, zart
weisslich beschuppt. Die Deckschilde wenig länger als breit,
flach gewölbt, mit etwas vortretenden stumpf abgerundeten h
Schultern, hinten mit stark abfallender Wölbung nur kurz ZU-
gerundet und verschmälert, wodurch der Rumpf ein mehr eine m
Ceutorhynchus oder Cionus ähnliches Ansehen bekommt. Die
Oberfläche deutlich punktstreifig, die geraden Zwischenräu
am stärksten der 2. und 4., rippenartig erhöht, zumal vo
und stellenweise mit kürzeren, gleichfalls aufgerichteten
Schüppchen besetzt, die Nahkinze besonders auf der Hinter-
hälfte deutlich geröthet. Unterseite und Beine ebenfallg
= nf a
Verzeichn. d. v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 151
schwarz, durch ihre schmutzig gelbgreise dichte Schuppen-
decke etwas ins Röthliche fallend, die Beine kurz und dünn,
die Schienen auffallend gerade, die Schenkel mit einem
- kurzen und stumpfen Zähnchen besetzt.
j 114. Cr. cordiger m. Ovalis niger obscure squamosus
dilutius variegatus, antennis ferrugineis, thorace antice eon-
- strieto albido-lineate, seutello albo, elytris profunde punctato-
striatis basi rufe scentibus macula postica communi fulva, in-
terstitiis carinatis parce setulosis, alternis elevatior .
E Eons, 21,0; lat. 12/2". | |
j Von dem Habitus des Ur. posticatus, aber etwas
kürzer, wenn auch kaum schmaler, sehr ausgezeichnet durch
die Fär bung der Deckschildspitze, die mit einem gemein-
samen grossen, das grössere Dritiel der Deckschilde ein-
| " nehmenden hellen Flecken besetzt ist. Der Rüssel verhält-
nissmässig dünn und schlank, mässig gekrümmt, schwarz-
braun, glänzend und vorn anscheinend abgerieben, hinten
deutlich gekielt, jederseits dieses Kieles grob zerstreut
punktirt und sparsam beschuppt, die sehr dünnen und ge-
streckten Fühler durchscheinend rosigelb. Das kurze Hals-
” schild von dem Bau der genannten Art, nur hinterwärts
schwächer eingesenkt, daher auch der en quer auf-
gewulstete Theil weniger hoch emporgehoben; die 'Ober-
fläche dicht mit bräunlichen und einzelnen untermischten
helleren Schuppen besetzt, und über die Mitte zieht sich
der. Länge nach eine bleichröthliche Schuppenlinie, die
"sich in der Mitte etwas undeutlich erweitert. Das kleine
rundliche Schildehen weisslich beschuppt. Die Deckschilde
ppen Eekleideh, edle. eigentlich bräunlich, doch
weise ins Bleichröthliche übergehen, in ER
152 Be a Baffelan
mässiger Weise mit dieser Färbung das andere Drittel de 9
Flügeldecken, namentlich um die Schultern bedecken, und
sich auf dem hinteren abschüssigen Drittel zu einem grossen
gemeinsamen, die ganze Spitze einnehmenden herzförmigen a
Fleck zusammendrängen, hier aber mehr und mehr eine ins 4
Bleichröthliche ühersehleeude Farbe annehmen. Die mässig |
glänzende Unterseite ist schwarz, der Hinterleib in der
Mitte niedergedrückt, vereinzelt punktirt und ee A
die Bauchringe mit hellen aber nicht klaren m - ’
fleckehen bezeichnet; die Beine, besonders die Schenkel |
breit beschuppt, eier auf der Unterseite breit gefurcht,
von den Kanten der Furche nur die vordere deutlich und
in der Mitte mit einem breiten kurzen Zahne besetzt, die
Schienen am oberen Ende wenig gebräunt und die Fuss- 4
glieder röthlich durchscheinend. i
Von Bayamo. i
-115. Or. strigirostris Chv. Sordide brunneus, an-
tennis ferrugineis, rostro bistriato, thorace foveolato- rugosQ 4
suhtilissime carinato, punctorum striis geminatis, interstitiis
costaeformibus, alternis elevatioribus, femoribus dentieu- | h
latis: ; Long, 2, Tat. 1". 4
Schmutzig graubraun, über den ganzen Körper mit
dünnen, abstehenden, sehr vereinzelten, auf dem Rande meist
abgeriebenen greisen Härchen besetzt. Der Rüssel En
lich schlank, stark gekrümmt, die rothgelben Fühler am
Ende des ersten Viertels befestigt, die Oberfläche ziemlich
glänzend, auf der hinteren Hälfte kielartig und dadurch
zwei deutliche Längsfurchen enthaltend. Der mittlere, ”
stärkere Kiel his zur Stirn zwischen den Augen fortgesetzt; B
zwischen letzteren die Härchen etwas länger und dichter, ®%
leicht ins Fuchsbräunliche fallend. Das Halsschild so lang‘ \
als hinten breit, die beiden hinteren Drittel ziemlich gleich”
breit, seitlich wenig gerundet und hinterwärts merklich
verengt, das vordere Drittel durch eine mit einem unschein- 2
baren Höcker besetzte Ausbuchtung stark eingeengt, nach
vorn herziörmig verschmälert und quer etwas zusammen- ı
gedrückt: die Oberfläche ‚grob runzlig punktirt, und der’
Zwischengrund nur als ein feines Masehennetz zurückge-
- blieben, und auf der Mitte eine feine fadenförmige u
A
B | |
Verzeichn. d. v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 158
‘ glänzende, den Hinterrand nicht erreichende Kiellinie. Das
"schmal eiförmige Schildehen klein und etwas eingesenkt.
- Die Deckschilde wenig länger als vorn breit, im Umriss
_ sich aus dem Dreieckigen mit seitlich abgerundeten Seiten
- hinterwärts zuspitzend, die Schultern abgerundet recht-
5 ar über das Halsschild hinausreichend, der fast gerade
Vorderrand jederseits vor der 2. Rippe zur Aufnahme des
Halsschildes leicht ausgerandet; der vordere Theil des
- Rückens abgeflacht, allseitig stark abfallend, die Oberfläche
- grob punktsireifig, die Streifen gepaart, die ungeraden
. Zwischenräume, wie die Naht selbst, flach, die geraden
_ längskielig rippenartig erhöht, die erste ur dritte Rippe
\ vom zu einem kleinen Ei verdickt, und dieser
in die Schulterbeule auslaufend; die 4. Rippe liegt schon
) ganz auf der Seite und bildet einen scheinbaren Seitenrand,
während die 5. weniger deutliche nur beim Umwenden in
\ Käfers sichtbar wird. Die schmutzig graubraune Färbung
längs der Wurzel etwas lichter. Die heller gebräunten,
"nieht eben dicken Schenkel durch röthliche und weissliche
" Sehuppenhärchen leicht gescheckt, unterseits gefurcht und
mit einem unseheinbaren Zähnchen besetzt; Schienen und
Fussglieder nach oben leichter gebräunt.
| Von- Dayamo und $. Oristobal im Juni und Juli.
- Bei einem, überhaupt nicht, und namentlich im Bau
des Rüssels nieht abweichenden Stücke der Riehl’schen
‚Sammlung zeigt der, durch die ziemlich starke Einziehung
es Rüssels frei gewordene Oberkopf einen rundlichen,
veisslichen, unten leicht gerötheten Schuppenleck, dem
(des Cr. frontalis ähnlich, und einen derben Zahn am
henkel. Letzteren halte ich für ein Geschlechtsmerkmal
d ersteren für ein eigentlich typisches Kennzeichen, wel-
es bei den übrigen Stücken durch Ausstrecken des Rüssels,
rodurch sich der Oberkopf bis an die kurzen Fühler unter
s Halsschild geschoben hat, abgerieben oder unkenntlich
macht worden ist. Gundlach hatte das später nicht
rieder wneke .. früher unter einer besonderen
VERRITT DE
154 Suffrian:
tibiis tarsisque dilute brunneis, thorace punctulato, anti
subito angustato, elytris punetate-striatis, squamis fulves-
centibus variegatis basi dilutius squamosis, interstitiis |
costaeformibus alternis elevatioribus, femoribus dentieulatis.
Long. 11%— 2"; lat. a—/e“. 4
Eine von den Arten mit geripptem, im Umrisse ziemlich 4
dreieekigen Deekschilden, welehe Schönherr wieder nach
der Zahl und der Theilung oder Unterbrechung der Rippen in °
eine Reihe für unsern Zweck entbehrlicher Unterabtheilungen 4
gebracht hat. Unter diesen Arten ist die vorliegende eine
der kleinsten, aber auch durch ihre Färbung und Furchen-
theilung ee Nur mit Einrechnung des gestreekten E
dünnen Rüssels erreicht sie die angegebene Grösse, während,
wenn derselbe eingeschlagen ist, ihre Länge kaum ?/; der-
selben ausmacht. Der Rüssel selbst ist lang und dünn,
mässig gekrümmt, braun, glatt, zwischen den Fühlern und
Augen stumpf gekielt und ie letzteren auf der Stirn
durch feine Runzeln matt; die Fühler gleichfalls dünn, '
ziemlich lang, hellbraun, ins durchscheinend Lehmgelbe
fallend. Das Halsschild etwas länger als breit, die hintere
grössere Hälfte gleichbreit, die kleinere vordere nach vorn’ ’
hin kegelförmig fast bis zur halben Breite verschmälert,
wodurch hier an den Seiten eine stumpfe Ecke gebildet wird; \
die Oberfläche dicht runzlig punktirt, mattschwarz, mit zer
streuten weisslichen Schuppenhärchen besetzt. Das Schild-
ehen eiförmig und etwas eingesenkt, schwärzlich. Die k
Deckschilde eng an das Halsschild angeschlossen, jederseits
des Schildehens mit sehr flachem Bogen in den leicht doppelt
ausgerandeten Hinterrand des Halsschildes eingreifend, 5
vorn fast doppelt so breit als das Halsschild, mit recht- -
winklig heraustretenden abgerundeten Schultern; der Um-
riss dreieckig, mit leicht gekrümmter Seite und ziemlich’
flachem Rücken, leicht seitlich abfallend; die Oberfläche e
derb pinkease, die Streifen zu Doppelstreifen geordnet, ;
indem die geraden Zwischenräume von der breiten Naht ab
sich als fein aber deutlich erhöhte glänzende Rippen hei ;
vorheben ; soleher Rippen sind auf jeder Flügeldecke deutlich
4 zu erkennen, deren 3. in die eckige Schulterbeule aus:
läuft, während der äussere Theil der Flügeldecken mit der5
ar NR Fi
m,
u. >
Be
;
Verzeichn. d. v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 155
_ (und abgekürzten) Rippe sehon theilweise sich der Unter-
> seite des Körpers zuwendet. Die Farbe auch hier matt
schwarz, die Oberfläche durch regellos verbreitete hellröth-
" lieh weisse Schuppen etwas gescheckt, da wo sich letztere
- dichter zusammendrängen heller gefärbt, was dann meist
vor der Spitze der Fall ist; ausserdem der vordere Theil
- der Wurzel an der Schulter bis nahe an das Schildehen
' ziemlich breit, aber mit hinterwärts unregelmässiger Be-
- grenzung, mit einem deutlichen weisslichen, schwächer ins
Röthliehe fallenden Schuppenfleck besetzt. Auch die Unter-
seite matt schwarz, wenig punktirt und an den Rändern
- schuppig, die Lappen der Riisselenden auf der Vorderbrust
" breit verwaschen geröthet. An den Beinen die Schienen
- und Füsse schmutzig gelblich, die Schenkel etwas dunkler,
- durch stärkere Beschuppung stellenweise bunt erscheinend,
auf der Unterseite stark längsfurchig und der Vorderrand
| dieser Furche zu einem kleinen Zähnchen erweitert. Im
‘Mus. Ber. war die Art Cr. scapularis genannt, welcher
Name aber von Sehönherr schon vergeben ist.
Von Cardenas.
“ 117. Cr. plagiellus m. Sordide ale rostro
theraeisque antice constrieti plaga triangulari obseurioribus,
" elytris modice punctato striatis, interstitiis alternis elevatiori-
"bus, femoribus dentatis. Long. 2'/;"'; lat. 1".
K Dem unten folgenden Cr. suleieollis ähnlich, aber
"kleiner und von ihm leicht durch die eckig vorspringenden
Ni Sehultern und den abweichenden Bau des Halsschildes zu
| "unterscheiden. Der mässig dieke Rüssel kahl und glänzend,
wie abgerieben, punktirt und an der Wurzel mit br Süulichen
Schüppehen besetzt, daselbst auch seitlich fein gerandet;
er rundliche Kopf eben so, aber dichter beschuppt. Das
\ eg Halsschild Dan vorn Park DEMUTNRER und
an
EEE
FE 3
.
h
14
N
is
liesst. Die Oberfläche mit ähnlichen Schuppen, wie der
| 1 ‚besetzt, die Mitie durch einen grossen dreieckigen
üstern Fleck bezeichnet, dessen abgerundete Ecken etwas
ee en
a
> 8 b4 e u.» » Fi:
elytris punetato-striatis, interstitiis planis, macula suturali”
156 Suffrian:
erhöht sind und an dessen Vorderrande sich der erwähnte '
Höcker befindet, der aber den breiten liehten Vorderrand
nicht erreicht. Der Hinterrand deutlich zweibuchtig. Das
Schildehen gleichfalls dunkelbraun, etwas erhöht. Die Deck-
schilde vorn doppelt breiter als der hintere Theil des Hals-
schildes, nach hinten in Gestalt eines etwas länglichen °
Dreiecks mit mässig gekrümmten Seiten ausgezogen, die 4
Schultern breit und stumpfreehtwinklig vorragend, der
vordere Theil des Rückens hinter den Schultern flach nieder-
gedrückt, die Spitze kaum zusammengedrückt. Die Punkt-
streifen deutlich aber nicht tief, durch die Erhebung der 7
kielföürmigen gerader Zwischenräume paarig gestellt, von '
letzteren die vorderen als kurze schmale Höcker erhöht,
die beiden ersten Kiele auch an den Schultern durch einen a
Quereindruck unterbrochen, der erste nochmals hinter der ”
Mitte; die Oberfläche mit gleichmässig schmutzig dunkel- '
gelblichen Schüppchen dicht bedeckt. Die Unterseite %
schwächer beschuppt, mit fast kahlem, glänzenden, punk-
tirten Hinterleibe, auf dem nur an den Ecken der einzelnen
Ringe sich dreieckige gelbliche Schuppenfleckcehen zeigen.
Die Beine dichter beschuppt, durch untergemischte dunklere i
Scehüppehen gescheeckt, die kräftigen Schenkel mit einem
deutlichen Zahne. i
Ein Fundort ist nicht angegeben.
e. Corpus ovatum crassum; thorax conieus aut glo-"
boso-pulvinatus, antice deelivis; femora dentata. ”
118. Cr. discophorusm. Nigricans, fusco-pilosus,
postiea nigra. Long. rostro exel. 2“; lat. 13/4. 4
Von der Grösse und Gestalt eines DI teIEgasei
seiner einfachen Färbung leicht kenntlich. Der lange, j |
schlanke Rüssel wenig gekrümmt, glänzend schwarz, zer-
streut punktirt, an der Wurzel bis zur Stirn hin längs-"
striehlich, die an. an a er N en E
Verzeich. d. v. ge auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. _ 157
A etwas ausgerandet, Die Oberfläche nur flach
- gewölbt, ziemlich dieht punktirt, mit fuchsig greisen Härchen
bedeckt und letztere hinterwärts angedrückt. Das Schildchen
"klein, halb eirund und wenig bemerkbar. Die Deckschilde
etwas länger als an der Wurzel breit, fast kugelig gewölbt,
hinterwärts und an den Seiten flach abfallend, punktstreifig,
‚die Streifen grob, die Zwischenräume breit, hinterwärts
etwas erhöht, durch feine Runzeln matt, die Farbe schwärz-
"lieh-greis, die ganze Oberfläche mit ähnlichen aber dichteren
Härchen wie das Halsschild besetzt. Auf der Mitte, aber
‚dem. Hinterrande etwas näher gerückt, ein Ein. gut
begrenzter ander schwarzer Da slioher Fleck,
‚etwa von der Breite zweier Zwischenräume, so dass er
durch die Naht halbirt wird, und hinter diesem, hart vor
der Spitze der Flügeldecken noch ein etwas kleinerer
ehwärzlicher Fleck mit schlechter Begrenzung aut der
aht selbst; der Raum zwischen beiden Flecken etwas
heller und besonders nach vorn hin stellenweise eine schmutzig
weissliche Färbung zeigend. Auch die Unterseite mit den
einen greis behaart, die Schenkel mit einem derben Zahn
yor dem Knie, die Schienen an der Wurzel deutlich ge-
Ein Fundort ist nicht angegeben.
119. Cr. pulehellus m. Ovatus eretaceo-squamosus,
‚horace fusco-bivittato, elytris basi variegatis et profunde
etato- striatis, femoribus dentatis. Long. 3°"; lat. 1%/.'".
Die grösste und schönste unter den nbannehen ren
eser Gattung, an dem kreideweissen Schuppenüberzuge
icht zu erkennen. Der im Verhältniss nicht lange Rüssel
nn und glänzend schwarz, tief eingeschlagen, aher die
ühler kaum bemerkbar. Das Halsschild nach vorn kugel-
örmig verschmälert, etwa so lang wie hinten breit, wie
Ir. nes ahzoriebene as zeigt, ee En
158 Suffrian:
Bindenflecken, welche von dem Hinterrande bis zur Mitte |
reichen und hier allmählich erlöschen. Das Schildehen $
klein, rundlich, weiss. Die Deckschilde länglich-eiförmig, ”
wie der abgeriebene Seitenrand zeigt, glänzend pechschwarz,
punktstreifig, die Streifen nur an der Wurzel deutlich,
hinterwärts durch den Schuppenüberzug allmählich feiner #
und undeutlicher und zuletzt, wo dieser Ueberzug die kreide #
weisse Farbe annimmt, fast ganz von demselben bedeckt. ®
Auf der vorderen Hälfte ist dieser Schuppenüberzug ein ®
Gemisch aus Weiss, Schwarz und einem sehmutzigen Fuchs- z
braun, nimmt an die Gestalt einer schwarzen Querbinde‘ |
an, welche auf der Naht und an den beiden Seitenenden ; |
auf den einzelnen Flügeldecken sich um das Doppelte er- ®
weitert; hinter dieser Binde ist der ganze übrige Theil der 4 |
Flügeldecken bis zur Spitze einfarbig kreideweiss, nur hier
und da zeigen sich auf ihm vereinzelte schwarze Pünktchen, TE
als oh die Grundfarbe hier wieder sichtbar würde, und bei ©
schräger Beleuchtung nimmt man auf ihr auch schwache 7
vertiefte Längslinien, wie Andeutungen verdeckter Punkt- j 1
streifen wahr. Vor der Spitze zeigt sich ein grauer un- 7
regelmässig gestalteter Schatten. Die schwärzliche Unter- 7#
seite wenig glänzend und die schwarzen Beine dünn weiss- ©
lich beschuppt, die Schuppen aber an den verdiekten ©
Schenkeln theilweise abgerieben, wodurch die letzteren ab- TE
wechselnd schwarz und weiss gescheckt erscheinen. Die T#
Schenkel vor dem Knie mit einem etwas gehogenen Zahne: 2
besetzt, die Schienen fast gerade. 2
Von Matanzas. 4
120. Cr. eurticollis m. Niger nitidulus, antennis
basi pedibusque piceis, thorace brevi subeylindrico, elytri 0
punctato-striatis, interstitiis convexiuseulis punctatis antice
depressis, temoribns dentatis. Long. 11/.; lat. 1%. ‚
Ein kleiner unansehnlicher Käfer von dem Ansehen 7;
eines mittelgrossen Acalles. Die Farbe schmutzig schwarz,
mit einem schmutzigen, fest anklebenden Ueberzuge, den
ich aber, ohne Gefahr, den nur einmal vorhandenen Käfer
zu beschädigen, nicht wohl beseitigen kann. Der Rüssel 7
wenig gekrümmt, das vordere Drittel glatt und wie abge-"
rieben schwarz, der übrige Theil mit kleinen, schwarz-
Verzeichn d. v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 159
rauen rbbripehen besetzt, der grössere untere Theil der
ühler pechbraun. Das kurze Halsschild hinter dem Vorder-
; rande bis hinter die Augen’ leicht eingedrückt, in der Mitte
es Vorderrandes in einen breiten afremmndelin Zipfel
vorgezogen, daher hinter jedem Auge tief ausgebuchtet, die
" grössere Hinterhältte flach walzenförmig zugerundet, ih
em Hinterrande zu etwas niedergesenkt, die Oberfläche
n schmutzigen Schüppchen rauh. Das Schildehen klein,
alb eirund, schmutzig schwärzlich. Die Deekschilde, so
weit dies der schmutzige Ueberzug erkennen lässt, schwarz,
yunktstreifig, die Streifen der Punkte vorn mehr vereinzelt,
iinterwärts mehr furchenartig zusammengerückt, die Zwi-
chenräume vorn flach gewölbt und fein punktirt, hinter-
värts zwischen den Furchen kielartig sich erhebend. Die
nterseite schmutzig geschwärzt, die Beine pechbraun, die
zahnten Schenkel etwas verdiekt und mit fuchsbräun-
hen Schüppchen dicht besetzt; die Schienen nur an der
urzel etwas gekrümmt.
Fundort nicht angegeben.
121. Cr. peetinatusm. Albidus nigrovarius, thorace
Iytrisque earinatis, earinis setulosis horridis, femoribus
sticis dentatis. Long. 21/2"%> lat. 11fe.
Von der Körpergrösse a nn. Habitus eines mittleren
Phytonomus, durch die Schuppenkämme auf der Ober-
1 io rein, 74 zweile Glied, wie nn vor a
ste, an der Eee keulenförmig verdickt. Die Stirn
ischen den Augen weiss beschuppt. Das ciförmige, flach-
wölbte Halsschild nach vorn etwas verengt, der Vorder-
| hinter den Augen etwas ausgebuchtet, zwischen den-
ben in einem stumpfen Lappen vorgezogen und dieser
7 rei kleinen aufgerichteten Höckern besetzt. Die ganze
iche des Halsschildes mit anliegenden weissen Schup-
esetzi, an jeder Seite ein dem Rande gleichlaufender,
gekrümmter Kiel, welcher mit schwärzlichen, an der
ins gelbliche fallenden, aufgerichteten Schüppcehen
örstchen besetzt ist; auf der Mitte des Halsschildes
160 Suffrian:
liegen noch zwei ähnliche, aber kürzere Kiellinien, welche “
mit ebensolchen Schuppen dicht besetzt sind und aus weiterer °
Ferne einen ziemlich grossen, aber hinterwärts durch einen °
weiss bleibenden Zwischenraum getrennten schwärzlichen °
Längsfleck bilden: Die Fläche zwischen ihm und den ®
Seitenkielen ist mit vereinzelten eingestochenen Pünktchen
besetzt. Das Schildchen klein, halb kreisrund und weiss-
lich. Die Deckschilde eiförmig, punktstreifig, die Streifen )
paarweise, die Zwischenräume abwechselnd breiter und
diese breiteren kielartig erhöht; diese Kiellinien mit ähn-
lichen Schuppen, wie die auf dem Halsschilde liegenden, °
besetzt, und der Grund durch Querrunzeln, welche die
Schuppen verbinden und dazwischen liegende Grübehen "
runzelig uneben. Solcher kammartig ‚beschuppter Kiel-
linien, welche auf der Vorderhälfte der Flügeldecken zer-
rissene Querbinden bilden, liegen auf jeder Flügeldecke von °
der Naht an gezählt vier; hinterwärts werden dieselben °
schwächer, ebenso sind die äusseren Zwischenräume feiner °
und mehr erhöhten Linien gleich; die Spitze der Flügel-
decken ist etwas zusammengedrückt. Die Unterseite des
Körpers ist mit weisslichen anliegenden Schuppen besetzt,
ebenso die Beine, deren Schenkel jedoch an der. Spitze °
schwarz sind und an den Hinterbeinen einen kleinen, mehr °
einem sehuppenähnlichen Höcker ähnlichen Zahn erkennen 4
lassen. 2
Aus dem Bezirke Cuba.
f. Corpus ovatum, crassum, aut elongatum, ae ’ |
Thorax subeylindrieus, antice angustatus. Elytra- 1
punetato-striata subearinata. Fremora mutica.
122: Cr. nigritelius m. Niger parum nitidus, ®
squamulis ereetis fuseis parce obsitus, thorace rotundato | |
rugoloso, elytris apice grisescentibus, interstitiis alternis j
carinatis. Long. 21/2‘; lat. 11/4. 2
Von diesem mittelgrossen Käfer ist nur ein einzelnes,
und zwar schadhaftes Stück vorhanden, so dass dessen Be-
schreibung auch nur mangelhaft und dürftie ausfallen kann,
und deren Ergänzung der Auffndung mehrerer Stücke vor-
behalten werden muss. Die Farbe ist schwärzlich, mit einer
Verzeichn. d. v. Gundlach auf d. InselCuba ges. Rüsselkäfer. 161
Ari von Glanz, wie sie da vorzukommen pflegt, wo Härchen
oder Schüppehen abgerieben worden sind, und die Ober-
Häche zeigt auch noch an mehreren Stellen, namentlich
auf dem vorderen Theil des Halsschildes und an den
"Schienen solche aufgerichtete kurze, aber dicht gedrängte
- fuchsrothe Schüppchen, die wohl Reste eines abgeriebenen
Ueberzuges sein mögen. Der Rüssel ist gleichfalls schwarz,
nach der'Spitze zu etwas abgeflacht und breiter als ge-
wöhnlich. Das Haisschild an den Seiten gerundet, oben
‚gewölbt und nach vorn verengt, grob runzelig punktirt,
der Hinterrand ziemlich tief eingesenkt und vor jeder
‚ Flügeldecke ausgerandet. Das Schildehen punktförmig und
kaum sichtbar. Die Deckschilde eiförmig, die Oberfläche
‚gerieft, die Furchen punktstreifig, aber nicht tief, die flach-
'gewölbten Zwischenräume unordenilich punktirt, durch
‚die ausgerissenen Punkte der Streifen in die Quere gerissen,
von der Naht ab die geraden. etwas stärker erhöht und
‚breiter, wiewobi nur hinten auf der Wölbung deutlich rip-
‚penartig hervortretend. Das ganze hintere Ende der Deck-
‚schilde etwas ins Weissgraue fallend, als ob hier die Farbe
‚der abgeriebenen Schuppen eine hellere gewesen wäre. An
‚den Beinen die Schienen ziemlich kurz und gerade und die
Schenkel mässig verdiekt und zahnlos.
= "Auf der Pinos-Insel unter Geriss im Januar.
1% 123. Cr. salebrosus m. Candido-griseus, thorace
‚dense punetulato, elytris postice faseia undulata albida, pun-
etato-striatis, interstitiis subearinatis. Long. 11/4“; lat. ?/4.
| die ziemlich dichte weissgraue run womit
der ganze Körper des vorliegenden kleinen und zierlichen
Käfers, mit Einschluss des dünnen und fest eingekniffenen
Rüssels, bedeckt ist, wirkliche Körperfarbe, oder nur ein
nach Eintrocknung einer früheren Feuchtigkeit verbliebener
fester Ueberzug sei, lässt sich jetzt nicht mit Gewissheit
feststellen, da das einzige vorhandene Stück des Käfers
der Gefahr einer Zerstörung durch unvorsichtige Behand-
dung nicht ausgesetzt werden darf. Nach der äusseren
Eı scheinung macht derselbe aber den Eindruck, als sei er
bei wiederholter Benetzung (etwa durch Seewasser?) und
wieder Trockenwerden mit einem fest anhaftenden Ueber-
"Archiv für Naturg. XXXXII. Jahrg. 1. Ba. 11
: Beat,
'schild kegelförmig nach vorn etwas verschmälert und da-
162 | Suffrian:
zuge von dessen festen Bestandtheilen überzogen San
was durch das Auffinden mehrerer Stücke desselben wohl 5
ermittelt werden wird. So wie er jetzt vorliegt, sind der '
Rüssel mit Kopf und Augen mit jener weisslichen Färbung °
dieht überzogen. Das Halsschild walzenförmig, vorn durch ”
einen Absatz, welcher etwa den fünften Theil, aber keine 7
eigentliche Einschnürung bildet, verengt, mit einer Spur °
einer feinen Längslinie auf der Mitte, sonst fein und dicht
punktirt, anscheinend durch kleine Höckerehen rauh, das
Schilächen punktförmig und kaum erkennbar. Die Flügel- '
decken walzenförmig und erst im letzten Viertel verengh, 4
derb punktstreiig, die Zwischenräume etwas erhöht, ein “
wenig gewölbt und querrunzelig, das Innere der Punkte”
theilweise schwarz erscheinend, als ob die ursprüngliche
Körperfärbung hier durchschimmerte; im Anfange der wöl-
bung jederseits ein etwas erhöhter weisslicher Schrägfleck, |
so dass beide beim Zusammenstossen an der Naht eine
etwas winklige Querbinde bilden. Diese Flecken, aus”
etwas derberen, abgekürzten Läugslinien gebildet, welche”
anscheinend gegen den übrigen Theil der Zwischenräume
etwas erhöht sind. Die Beine nur kurz und die Schienen 5
fast gerade. -
124. Cr. mutieus m. Niger nitidulus subtus ar |
pedibus griseo-squamosus, thorace antice angustato erebre
punctulato carinato, elytris punectato-striatis, interstitiis alter- 7
nis acute carinatis.,. Long. 1'/4“; lat. °/a. } |
Dem Cr. bisignatus nicht unähnlich, aber nur halb. |
so gross, glänzend schwarz, schuppenlos, auch ohne den
weissen Belsdeot auf den Flügeldecken, daher eine gute, |
leicht zu unterscheidende -Art. Der gekrümmte Rüssel”
mässig glänzend, fein punktirt, aus welcher Punktivani an
sich nach oben hin ein Paar deutliche, in den feinen Längs-
linien eingedrückte Punktreihen entwickeln; zwischen diese: 1 |
eine stumpfe Mittellinie, welche nach der Wurzel zu schärfer
wird und sich bis zur Stirn fortsetzt. Der gerunzelte Nacke en
durch einen stumpfen, eiwas vortretenden Querwulst von
der Stirn getrennt. Die Fühler hellrothgelb. Das Hals-
selbst leicht, seitlich stärker eingedrückt, oben nur flach
Verzeichn. d. v. Gundlach auf d. Insel Uuba ges. Rüsselkäfer. 168
gewölbt, dicht siebartig punktirt, kahl, auf der Mitte mit
ner feinen, aber deutlich und scharf erhöhten Kiellinie,
” deren Hinterende als feiner Zipfel zwischen den hinteren
" Ausbiegungen des Hinterrandes hervortritt; die Farbe
schwarz, mit stellenweise bräunlich schimmerndem Vorder-
nde. Jederseits dieser Kiellinien ist die Oberfläche sanft
iedergedrückt. Das kaum sichtbare Schildehen schwarz.
ie Deckschilde wenig breiter als das Halsschild, vorn
"leicht eingesenkt, die Schultern abgerundet und etwas zu-
"rüektretend ; die Schulterbeulen als Vorderenden der dritten
| ung jederseits bis zur ersten Kiellinie eine breite, flach
niedergedrückte Längsfurche bildend. Die Punktstreifen
ehr regelmässig und deutlich, die geraden Zwischenräune
als kielartige Längsrippen heraustretend, auch die unge-
ır flach zusammengedrückt. Untere Seite und Beine greis
chuppt, Schenkel und Schienen verhältnissmässig dünn,
rstere zahnlos, die Fussglieder schmutzig rostroth.
Von aıgos. April und Mai.
125. Cr.suleicollis m. Fuscus antennisferrugineis,
stro earinato, thorace profunde suleato multi-tubereulato,
tris Dep ua u, interstitiis con-
r
el. en. Kkehen an ieh eine schied aber
R ” a .n Kiellinie Kal an den
iellinie stärker emporgehoben, die Naht und deren Um-
den als flache erhöhte Längsrippen kenntlich. Die Spitze
a es
164 N Suffrian:
Buckel bildet. Auf der Aussenseite jedes der beiden Vorder-
höcker befindet sich noch eine schwächere Erhöhung, so ”
dass hinter diesen vier vorderen Höckern das Halsschild
von einer, durch die Seiten der Längsfurche durchsetzten,
oben mehr breit, seitlich tiefer einschneidenden Querfurche
eingeschnürt erscheint. Auf der Aussenseite des Mittelfeldes ”
zeigt sich eine flachgerundete Quererhöhung, welche hinten
von einer zweiten, kleineren Querfurche begrenzt wird, und
auf der Aussenseite des stumpfen Hinterwulstes liegen noch
zwei ähnliche Schrägerhöhungen, deren Aussenende sich
noch mehr nach Aussen zieht und dadurch den ganzen
Hinterrand des Haisschildes als aus 6 solchen kleinen
Höckern bestehend erscheinen lässt. Von einer feinen (ab-
seriebenen ?) Behaarung zeigt sich stellenweise eine schwache
Andeutung. Das Schildehen länglich eiförmig, klein, g
bräunt. Die Deckschilde etwas breiter als das Halsschil
mit stumpf hervortretenden, abgerundeten Schultern, hinte
wärts erst sehr unmerklich, dann stärker verschmälert, unter
der Wölbung leicht zusammengedrückt, vorn im letzt
Viertel der Länge durch einen leichten Quereindruck etwa
zusammengeschnürt und vor diesem flach aufgetrieben. D
Punktstreifen vorn tief, von dem Eindrucke ab, besonders
die oberen, nur schwach, und in nicht-punktirte Längsreih
übergehend;; die Zwischenräume wenig gewölbt, die gerad
erhöht, welehe Erhöhung stärker da hervortritt, wo die Punk
streifen tiefer werden, also namentlich vor dem Qnerei
druck, Die Farbe schmutzig hellbraun, stellenweise m
noch helleren verwaschenen Fleckehen gescheckt, welche
stellenweise als weissliche Längslinien erscheinen, D
schwarzbräunliche Unterseite wenig beschuppt, die Bei,
gelbgreis, an den Schenkeln statt des Zahnes nur ein
stumpfer Wulst, die Krallenhäkchen röthlich.
Ein Fundort ist nicht genannt.
126. Cr. palmicola m. Sordide nigrobrunnen
thorace conico, elytris subtiliter punctate-striatis apice Jute
maeula ‚postiea communi quadrangulari nigra, interst,
planis, femoribus dentatis. Long. 21/3“; lat. 1.
Als eine Art von Anhang lasse ieb hier noch
Arten von einem etwas fremdartigen, von dem Typus
Verzeichn. d. v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 165
" vorliegenden Gattung abweichenden Habitus folgen, die sich
in je einzelnen Stücken in der früheren Riehl’schen, jetzt
" der Königl. Universität Marburg gehörenden Sammlung
|" vorfinden. Dieselben “tammen aus früherer Sendung Dr.
7 Gundlach’s und w .ren unter den in [] beigefügten Num-
mern gesendet wor/.en, waren aber bei späteren Sendungen
icht wieder mitge,rommen. Dieselben sind von Lacor-
aire meinem erewwigten Freunde Riehl als Oryptorhyn-
-ehiden, welche neuen Gattungen angehören, bestimmt wor-
en; Lacordaire hat diese neuen Gattungen weder benannt
och charakterisirt, und ich vermag diese Lücke auch nicht
uszufüllen, sondern muss mich darauf beschränken, diese
"neuen Arten für ein späteres Wiederaufünden kenntlich zu
machen, indem ich das Weitere denjenigen Entomologen
berlasse, welche ein reichlicheres Material vor sich haben
nd zugleich jüngere und schärfere Augen, wie ich, be-
sitzen. Von diesen drei Arten ist die vorgenannte die
grösste. Sie hat etwa die Grösse eines mittelmässigen
Erirhinus, aus der Verwandtschaft des E. validirostris
chh., ist aber doch an dem dünnen, schlanken, längeren
es
eersibee Halsschild nach vorn mit ehe an nen
Seiten kegelförmig verschmälert. Das Schildehen eirund,
in, matt schwarzbraun. Die Deckschilde ziemlich gleich
E. eiwa doppelt länger als ‚breit, sehr flach gewölbt,
a Begr enzung als ein dreiöckiger el in n die Grund-
be einschneidet und vorn mit dessen Spitze auf der Naht
ra die Mitte des Rückens erreicht. Dicht unter der
bung liegt dann auf dieser gelben Färbung noch ein
iner, zierlicher schwarzer Längsfleck, scharf begrenzt,
166 | Suffrian:
breitern Ende breit. Die Unterseite gleichfalls re h
ebenso die verhältnissmässig kurzen Beine; die dunkleren
Schenkel unter der Mitte mit einem, an den Vorderschenkeln r
etwas deutlicheren Zahne, die Yorderschienen etwas ge E
. krümmt. 11162. Dr. 6] h
Von Oardenas; an Paimscheiden; Jan., Ile, Dee. |
121.2. Or. Sereiula m. Fuseo-griseus, squamulis
erectis asper, thorace bicarinato, elytris profundius punctato-
striatis, macula laterali nigricante. Long. au; lat; en 4
Kaum halb so gross wie der vorhergehende, und bei
dem durch den tief eingeklemmten Rüssel stumpf a
rundeten Kopfe und dem schmalen Körperbau einer kleinen
Sitona-Art nicht unähnlich. Der Kopf sparsam und fein °
punktirt, schmutzig gelbgreis, das Halsschild merklich
länger als breit, gewissermassen aus zwei Theilen gebildet,
das vordere Drittel durch einen seichten, dem Vorderrande ”
gleichlaufenden Quereindruck etwas verengt und ver- ”
schmälert; der hintere grössere Theil etwas höher Ua
breiter, gleichtalls fein und sparsam punktirt, mit zwei )
nebeneinander liegenden feinen schwärzlichen Kiellinien, ”
welche sich hinterwärts allmählich verlieren, nach vorn
etwas stärker werden und am Vorderrande mit je einem "
Büschel schwärzlicher Schüppchen besetzt sind. Der etwas)
vertiefte Raum zwischen beiden Kiellinien hellgelblich greis, ”
eine lichte Längslinie darstellend; der Raum auf der Aussen- “
seite ve Kiellinien an De um ie. gleich, |
deren sich auch einzelne ganz am Vorder des Hals il
' schildes hefinden. Das Schildehen nur punktförmig. Die
Deckschilde vorn ein wenig breiter als das Halsschild, A
hinterwärts in bauchiger Rundung ein wenig verbreitert ' i
und aufgewölbt, punkistreifig, die Streifen ziemlich grob?
eingeschnitten und in die Zwischenräume eingreifend; letz-
tere schwach gewölbt, an der Naht am breitesten und dann
allmählich nach Aussen verschmälert, durch vereinzelt e
schwärzliche Schüppchen rauh; ausserdem auf dem sehmutzig
gelbgreisen Grunde jeder Bitsoldecke am Rande ziemlich.
in der Mitte ein schwärzlicher, schlecht begrenzter Fleck,”
welcher sich nach der Naht zu allmählich verschmälert und
' Verzeichn. d. v. Gundlach auf d. Insel Cuba ges. Rüsselkäfer. 167
is über die Mitte der Flügeldecke hinausreicht. Die Beine
urz, die Schenkel nur schwach keulenförmig, die vorderen
twas grösser und die Beine selbst durch kleine, en
Peppeben rauh. [No. 1382. Dr. 61
. Ven San Oristobal.
ch 128. Cr. peregrinus m. Elongatus fusco- en
jarce setulosus, rostro breviore, thorace punctato-ruguloso
elytris geminato-punctato-striatis, interstitiis alternis eleva-
ioribus. Long. 1!/,; lat. 3/4".
» # Dem vorhergehenden im Bau nicht unähnlich, um ein
i RR grösser und an der reinen bräunlichen, jeicht ins
lehmgelbe fallenden, fleckenlosen Färbung kemntlich, dabei
der Vorderkörper mit leichten Schüppchen, der tere mn
rsaın besetzt. Der Rüssel verhältnissmässig kurz, flach
gewölbt, nach der Spitze zu etwas verbreitet und abgeflacht.
Das Halsschild ziemlich walzenförmig nach vorn ver-
mälert, runzlig punktirt, auf der Mitte mit einer fein
ngedrückten, besonders auf der vorderen Hälfte deutlichen
ängslinie, durch deren Fortsetzung die Stirn in zwei flache
eulen getheilt wird. Das Schildehen punktförmig und
nig wahrnehmbar. Die Deckschilde fast gleich breit,
paarweise punktstreifig, die zwischen zwei Doppelstreifen
| Eden en same etwas Si und dadurch höher
Pie: 1039. Dr. G.]
‘ Ein Fundort ist nicht genannt.
reibung ist treffend kn gut. Hinzugesetzt de
'einzelten, schräg hinterwärts gerichteten gelblichen Borsten
168 Suffrian: Verzeichn. d. v. Gundlach auf Cuba ges. Rüssclkäfer
könnte noeh dass die Art in der Grüsse ausserordentlich
abändert. Die grössten Stücke, die ich von beiden Ge- '
schlechtern vor mir habe, sind von der Stirn ah bis zur"
Spitze der Deckschilde reichlich doppelt grösser als die |
kleinsten, und gleiches Verhältniss findet auch in Beziehung ”
auf die Vorderbeine statt. Die Schenkel des $ sind zahn- "
los, wenig verdickt und etwas gebogen, die Schienen doppelt
geschwungen und am unteren Theile etwas einwärts ge-
bogen; die Schenkel des 2 sind etwas kürzer, mehr keulen
förmig verdickt und gezahnt, die Vorderschienen an der
Wurzel etwas gekrümmt. In seiner Heimath scheint der |
Käfer keine Seltenheit, denn er war bis jetzt in jeder. N
Gundiach’schen Sendung enthalten. Uebrigens scheint 7
der Artname wenig glücklich gewählt, denn an dem Körper
ist weder von einem clavus, noch die Vorderschenkel des’
Weibehens abgerechnet von einer elava die Rede. 4
Von Cienfugos und dem nördlichen Theil der Insel
an Stämmen, besonders von todter Carica. Juni, Januar.
und Februar. (Fortsetzung folgt).
Spermatophore von Temora velox Lil,
Bine er inzung und Bericht me zu Dr. Barfurths
| „Ueber Nahrung und Lebensweise der Salme,
Forellen und Maifische.“
Yon
Max Weber, cand. med.
Hierzu Tafel VII =
a zu sich nehmen.
nun den an des Laichens wegen an
des Resultat, indem nur bei wenigen der Magen
N leer. war, bei den en aber sich ein stets
i rt Reihenfolge im Text Benatiahen Zahlen Hein
A RE asiiaoie am Schluss.
DE BR EEE FE Ft
3 Ka a
7 RR n ’ “n
170 | ' Weber:
gleicher grauer, körniger Inhalt vorfand, der, vom Secret ”
der Magenschleimdrüsen umhüllt, die spindeltförmige Trhaih
des ceontrahirten Magens darstellte. Dieser körnige LH Y
' stellte sich unter dem Mikroskope als bestehend aus Tarsen
und Fühlern, sowie grösseren zusammenhängenden Theilen
mikroskopischer Entomostraceen und anderer Crustaceen
heraus. Unser Beobachter schreibt weiter: „Dass diese “
Tarsen etc. zum Theil auch von kleinen Inseeten herrührten,
ist wohl möglich, doch babe ich nie Flügel, Panzertheile ete. 4
eines Insects finden können. Ferner muss ich bemerken, 4
dass ich in keinem Individuum Fischreste gefunden habe.“
Dass sich hieraus nun noch nicht mit Sicherheit ergab,
dass der Maifisch im Rhein nichts fresse, geht aus Noll’s
Kritik (16) p. 159 der Barfurth’schen Arbeit hervor,
worin er schreibt: „Da durch die Stromregulirungen im '
Rhein der Strom verstärkt wird und ruhige Ausbuchtungen ü
abgeschnitten sind, so wird die Nahrung für die Maifische '
im Rhein immer seltener, und die Mägen dieser Thiere
sind deshalb, wie ich selbst mehrfach gefunden, häufig
völlig leer.“ R
Jedoch nicht Mangel an Nahrung ist der Grund, dass
der Magen leer ist, sondern, wie Barfurth hervorhob, =
Mangel an Verlangen nach Nahrung.
Dass diese letztere Ansicht die richtige sei, ergab
sich aus den weiteren Untersuchungen des Mageninhaltes,
mit denen mich mein Freund Barfurth betraute. Die im
diesem Frühjahr frisch untersuchten Mägen von Maitisch
zeigten ein gleiches makroskopisches Verhalten bezüglich”
ihres Inhaltes, wie die, welche Barfurth untersuchte.”
Durch genaue mikroskopische Untersuchung sowohl dieses )
frischen als auch des vorigjährigen, von Barfurth inGlycerin
und Alkohol aufbewahrten Inhaltes, erkannte ich zunächst %
den vollständigen Mangel enAwelcher Hartgebilde, die’ 4
von Insecten herrühren konnten. Alle Tarsen, Fühler, voll-
ständiger erhaltene Leibesringe u. s. w. ergaben sich unter‘
dem Mikroskope als Copepoden-Reste. ' {
Zur Entscheidung der Frage, ob sich Alausa ul
während ihres Aufenthaltes im Rhein den Salmoneern gleiel h
verhalte, handelt es sich mithin nur um die Frage: sind |
{
"Pass hl
Mr \
Bo
Ueber die Nahrung der Alausa vulgaris etc. 171
| Ei eoden marine oder Süsswasser-Formen, oder um
" die dritte Möglichkeit: finden sich beide: ua
Durch die genaue Zusammenstellung nun der einzelnen
Bruchtheile, sowie durch die Auffindung einzelner, ziemlich
vollständig erhaltener Thiere, die sich allerdings nur äusserst
selten unter dem Gesichtsfelde zeigten, stellte sich die auf-
fallende Thatsache heraus, dass wir es im Wesentlichen
> mit den Bruchtheilen nur „eines“ Copepoden zu thun hatten,
"der mit Hülfe der einschlägigen Literatur alsbald für Te-
mora Baird. bestimmt werden konnte.
B Es gelang sogar durch Vergleichung mit Liljeborg’s
‚ Abbildungen (4) das Thier als Temora velox Lilj. zu be-
stimmen.
u Die Richtigkeit dieser Behauptung scheint mir hervor-
zugehen aus der Identität meiner Fig. 3, auf welcher ich
‚das 5. Beinpaar unseres männlichen ee welches zu
f 2 eharacteristischen Fangbeinen umgestaltet ist, abgebildet
E» mit Liljeborg’s Fig. 9 und 10 auf tab. XIX; so-
ie aus der Gleichheit des 5. Beinpaares des Weibe ohehs,
Yy welches ich zur Vergleichung mit Lilj Be s Fig. 7 =
tab. XX in ‚Fig. 4 dargestellt habe).
n 3 Ausserdem spricht die Zahl der Een so-
wie die Uebereinstimmung der übrigen Theile, soweit es
möglich war selbige zu erkennen, für die Gleichheit mit
ne s Temora velox.
f Es muss nun hervorgehoben werden, dass sich im
M Bin nur eines einzigen Maifisches in verschwindender
.nge ‚die Bruchtheile eines anderen Copepoden vorfanden,
ich, nach den Abbildungen und Beschreibungen von
Claus und Liljeborg für Ichthyophorba zu halten ge-
gt bin.
_ Doch dies ist jedenfalls von geringerer Bedeutung
jüber der auffallenden Thatsache, dass sich Temora
als einzige genossene Nahrung im Magen von cirea
im Magen des Fisches berücksichtigen, der es. unmöglich
‚die Theile in ihrer ganzen Feinheit erkennen zu lassen.
172 i Weber:
30 Maifischen, die während dreier‘) Jahre zu ganz ver- |
schiedenen Perioden der Fangzeit gefangen wurden, vorfand. °
Diese Gleichartigkeit der Nahrung wird uns nun nicht ”
so sehr Wunder nehmen, wenn wir uns an ähnliche Berichte 4
erinnern. 4
So theilt uns Leydig (12) pag. 2 mit, dass die Cla-
doceren und Cyclopiden die fast ausschliessliche Nahrung ”
der geschätztesten Fische der bairischen Gebirgsseen und
des Bodensees ausmachen. Die eröffneten Mägen von Oore-
gonus Wartmanni und Salmo salvelinus enthielten stets ohne
andere Beimischung dergleichen mikroskopische Krusten- ”
thiere als Inhalt. Aehnliches berichtet er uns auf pag. ”
153 (Anm.). E
Von noch grösserer Bedeutung für (den Haushalt der
Natur sind die das Meer benshaeiden Entomostraceen,
wie aus den Mittheilungen Goodsir’s (6) hervorgeht,
Dieser untersuchte die von den Fischern von Firth of Forth ”
„Maidre‘“ genannten zusammenhängenden Massen von un-
eh ieh Ausdehnung, welche neben Akalephen, Amphipoden °
und Cirripedien vorzugsweise aus Entomostraceen bestehen,
und unermesslichen Heerden von Fischen, selbst Cetaceen als
Nahrung dienen. Derselbe Forscher fand däs Meer auf’
weite Strecken hin von Cetochilus röthlich gefärbt. In
gleichem Sinne berichtet uns Roussel de Vauz&me (5)von
Cetochilus australis, der sich in der Südsee zu vöthlich
gefärbten Bänken un und hierdurch sich und seinen
Verwandten mit Recht den Namen Wallfischspeise erwarb.
Claus (13) sagt: „Unter marinen Formen der Cope-"
poden sind Cetochilus finmarchieus, Temora longicornis, ”
Anomalocera Pattersonii, Tisbe easy und Canthocamptus
Strömii als Fischnahrung hervorzuheben, die beiden letzter en
im Magen schottischer Hekinss gefunden (Diaptomus castor }
im Magen der Küstenhäringe Pommerns).‘“ M
Die neueste Mittheilung diesen Punkt betreffend finden
wir bei Möbius (17) p. 271; er kann die Bedeutung der,
ur e
1) Auch in diesam Frühjahr utereeh ich nämlich einige,
Mägen und erhielt dasselbe Resultat, zu welchem ieh durch Unter-
suchung der Alsen aus den Jahren 1874 und 1875 Belangte, !
| Ueber die Nahrung der Alausa vulgaris etc. 173
Gopepoden als Heringsnahrung nicht genug hervorkeben.
|" Von besonderem Interesse ist es noch, dass O. F. Müller
a) p. 116 nach Aufzählung einiger Fundstellen seines
| Cyelops longieornis schreibt: „ac in ventrieulo He
conglomeratos absque instituto examine vidi,“ da Mülle
es hier mit dem nächsten Verwandten unserer eraa
velox Lilj. zu thun hatte. |
Aus dem bisher Mitgetheilten ergibt sich nun, dass
ich der Maifisch bezüglich der Nahrung gleich wie seine
"Verwandten, die Heringe verhält, dass er nämlich von
marinen Entomostraceen "lebt und dass sich dem gegenüber
‚die Ansieht Günthers (7) p. 124 nicht aufrecht erhalten
ässt, welcher sagt: „Die Nahrung der Maifische besteht
aptshehlich in Würmern und Insecten, er soll jedoch auch
gekochten Erbsen gefangen werden können.“
Ferner scheint mir der Schluss berechtigt, dass Alausa
Igaris. mit der des Laichens wegen ebenfalls rheinauf-
ärts steigenden Trutta salar L. und Trutta trutta L. darin
jereinstimmt, dass auch sie keine Nahrung im Rheine zu
ich Bo. und zwar nicht aus an Noleans, wie
S Endlich ächte ich noch hervorheben, dass Temora
[ox Lilj., welche Claus (10) p. 195 als en be-
dsee-Fauna einzureihen sein möchte, da doch ver-
hlieb die Maifische ihre letzte Nahrung in der Nordsee,
EEE,
3
174 Weber:
eines Copepoden und in unserem Falle folgerichtig die der
Temora velox Lilj. — Dazwischen fanden sich aNer din R
in geringerer Menge Helmintheneier. E
Was nun En schlauchförmigen Gebilde angeht, äied 3
so massenhaft vertreten waren, dass sie niemals unter dem
Gesichtsfelde fehlten, so bestimmte mir mein verehrter
Lehrer Prof. Leydig dieselben sofort als Spermatophoren
eines Copepoden. °
Wenn hiermit auch sogleich bestimmt war, dass die
für eneystirte Embryonen einer Nematede gehaltenen Ge j
bilde das männliche Geschleehtsproduet von Temora velox
Lilj. seien, so unternahm ich dennoch die weitere Unter-
suchung, einestheils weil wir keine ee Beschreibung -
der Spermatophoren eines „marinen“ Copepoden haben,
anderentheils weil sich an der von mir untersuchten Sper- °
matophore bisher noch nicht bekannte Eigentkümlichkeite
vorfanden. "
‚Bevor ich zur Beschreibung dieses Gebildes übergeh
möchte ich noch einen kleinen historischen Ueberblick
geben über die interessante Entwickelung unserer Kennt-
niss dieses merkwürdigen männlichen Zengungsproduetes.
O.F. Müller (1) verdanken wir nicht nur die erste
genauere Beschreibung der Copepoden, sondern auch die)
erste bildliche Darstellung und Erwähnung unserer zu be- >
sprechenden Gebilde. In seinem Werke (1) beschreibt er”
nämlich auf Seite 105 eine Species Oyclops lacinulatus, 7
welche er so benannte, weil „basi caudae hujus animaleuli i
subtus propendent ent. quatuor huie speciei propriae; ”
'sunt organa elongata, pellueida, pedicellata; horum duo
ad medium materia opaca, duo alio pellucido corpusculo
eylindrico repleta sunt.‘“ — Ueber den Zweck dieser „organa“ N
ist er sich völlig im Unklaren. en
Nicht viel besser ergeht es Jurine in der Deutung
der Spermatophoren in seiner „Histoire des Monocles‘‘ (2).
Er erkannte zwar, dass: „le eyclops lacinulatus Müller.
n’est qu’une femelle Or (du cyelops castor), qui se
‚prösente avec des appendices si singulieres a la base de}
la queue, qu’on peut facilement &tre induit en erreur si
on ne les observe pas bien attentivement“ (p. 50). Dennoch }
Veber die Nahrung der Wr vulgaris etc. 175
Euer‘ ne er (p. 70), dass: „ces pretendus organes ap-
' partenaient & la elasse nombreuse des animaleules aqua-
tiques, et que la base sur laquelle ils etaient implantes
‚etait une espece de mousse dont le corps des monoeles
"est souvent garni.“
y Entschieden zu berichtigen ist es, wenn Claus!)
‚diesem Thatbestand gegenüber behauptet: „Mit richtigem
Takte erkannte Jurine die als Laciniae bezeichneten An-
änge der Weibchen als Samenschläuche.“
- Gebührt doch einzig und allein v. Siebold (3) das
Verdienst, in seiner Beschreibung des Begattungsgeschäftes
des 'Cyelops castor ein Licht über diese wunderlichen
aeiniae aufgesteckt und sie in ihrem Wesen erkannt zu
"haben. Während er das Ankleben der Spermatophoren
an die ‚weibliche Genitalöffnung seitens des Männchens nur
| ei Cyelops eastor beobachtete, kannte er doch, ebenso wie
‚auch Jurine?) die Spermatophoren von Cyclops minutus
Müll. (Canthocamptus staphylinus Jur. bei Claus.)
Dieselben Gebilde wurden dann weiter untersucht von
scher (18), Zenker (8), Claus (9 und 10) und Leydig
), und von den 3 letzten Forschern namentlich die Ent-
ickelungsgeschichte derselben aufgeklärt.
Während diese Arbeiten sich nur auf die Süsswasser-
opepoden beziehen, geschieht, soweit mir die Literatur
kannt geworden ist, nur bei Claus (10), Liljeborg (4)
‚ ganz neuerdings bei Möbius (17) (von Euchaeta
inata Möb.) der Spermatophoren mariner Copepoden Er-
nung; jedoch nur nebenbei und ohne genaue Abbildung
Beschreibung bei stärkerer Vergrösserung.
Die oshören von Temora velox, die ich unter-
ıchte, hatten die gewöhnliche kan are Gestalt mit
was BE mpeten Wänden.
Diese Flasche verschmälert sich nun in einen Kurzen
der in seinem mehr oder weniger kolbig aufgetrie-
n ı Ende die Be meer Mündung des Innenraumes
176 | Weber:
der Spermatophore hat (Fig. 2 und 6). Dort‘ wo die kolben-
förmige Anschwellung des Endstückes des Halses ihren An-
fang nimmt, befindet sich ein eigenthümliches Anhangs-
gebilde.
Ein kappenartiges Organ umgreift nämlich mit 2
gebogenen Platten, die dort, wo sie zusammenstossen, eine
sichelförmige Kante bilden, das Endstück des Halses, wie
in Fig. Le ziemlich von der Seite und in Fig. 2e mehr
en face dargestellt ist.
Das ganze Gebilde zieht sich in eine lange scharfe
Spitze aus und scheint aus demselben Material zu bestehen, |
wie die Wandung der Spermatophoren. — Ueber seine Func-
tion muss ich mich, da ich leider niemals eine Spermato-
phore dem Weibchen anhängen sah, jeder sicheren Deutung
enthalten. — Die Vermuthung, das es zur Befestigung an
dem weiblichen Körper dienen möge, ist von vornherein
dadurch abgeschnitten, dass der schlauchartig ausgezogene
Klebestoff (Fig. 1a) nach den Beobar Siebold’s
(3) dies besorgt. |
Am nächsten läge noch die Von dass ver- |
mittelst dieser Kappe dem Männchen, welches gerade bei
Temora velox Lilj. unter seinen Verwandten am wenigsten
günstig bezüglich der Greiffüsse ausgestattet ist, das Fest-
halten und Ankleben der Spermatophore erleichtert sei. |
Im Uebrigen stimmten die Samenschläuche mit denen °
überein, die uns Siebold beschrieb. 3
Ich bekam natürlich nur solche zu Gesicht, die sich
bereits ihres Klebestoffes und ihrer Spermatozoen entleert
hatten, und darauf bezieht sich auch Fig. 1, welche in a
den lang ausgezogenen Schlauch, gebildet vom ausgetretenen
Klebestoff von gelbgrünlicher Farbe darstellt. Derselbe ist
von einem scharfeontourirten Canal, durch den die Sper-
matozoen schlüpften, durchzogen; leider sah ich niemals
die Anhäufungen der Spermatozoen am Ende des Canals,
wie sie Siebold abbildet (3. tab. II, Fig. 44c‘). Wohl
traf ich dieselben einzeln oder zu mehreren angehäuft, als
sparsame Ueberreste der Wand der Spermatophoren an- |
liegend (Fig. 1d), wodurch es mir möglich wurde, selbige |
in ihrem dermaligen Zustande theils weniger (Fig. 5a),
Ueber die Nahrung der Alausa vulgaris ste. 177
theils, durch Aufquellung, mehr verändert (Fig. 5b) dar-
zustellen. Im letzteren Falle näherten sie sich mehr der
Kugelform und liessen alsdann einen deutlichen Kern mit
- oder ohne Kernkern erkennen.
Im Uebrigen war der Samenschlauch in stärkerem
oder geringerem Maasse von dem gröber und feiner granu-
lirten Austreibestoff erfüllt (Fig. 1e). Da ich diese und
hnliche kleine Differenzen auf die abnormalen Verhält-
nisse und die eigenthümliche Aufbewahrungsart der Sperma-
jphoren, die mir zur Untersuchung vorlagen, schieben
muss, so will ich sie lieber nicht erwähnen, hoffe jedoch
manches hier Mitgetheilte durch spätere Untersuchung an
der Meeresküste aufhellen und feststellen zu können.
Eesteht,
. Temora velox Lijeborg. ist der Nordsee-Fauna bei-
2 en und zwar auch dem Küstentheile derselben.
3. Die Eier, welche Bariurth Ascaris zuschrieb, ge-
nur au on . I der Hauptsache
- Verzeichniss der benutzten Literatur.
M üller: Entomostraea seu insecta testacea etc. Lipsiae 1785. |
ouis Jurine: Histoire des Monocles, qui se trouvent aux
auikons de Geneve. Gene ve et Paris 1820.
v. en Nature. KENKIT. Jahre. 1.Bd, | 12
178
an
3
18.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Weber: Ueber die Nahrung der Alausa vulgaris ete. 3
W. Liljeborg: De Crustaceis ex ordinibus tribus: Cladocera, 4
Ostracoda et Copepoda, in Scania occurrentibus. Lund 1853. %
Roussel de Vauz&me: Ann. des sc. nat. 2 ser. Zool. T. I. %
1834. p. 333. | |
Goodsir: Edinb. New Phil. Journ. XXXV. 1843,
Günther: Die Fische des Neckars. Stuttgart 1853.
Zenker: Ueber die Cyclopiden des süssen Wassers. Arch. f.
Natg. 1854. |
Claus: Zur Anatomie und Entwickelungsgeschiehte der Cope- 7
poden. Arch. f. Nat. 1858. a ij
Claus: Die frei lebenden Copepoden. Leipzig 1863,
. Fr. Leydig: Bemerkungen über den Bau der Cyclopiden. Arch. F
f. Nat. 1859. MR
Fr. Leydig: Naturgeschichte der Daphniden. "Tübingen 1860. 7
C. Claus: Grundzüge der Zoologie. Marburg 1872.
C. Claus: Die Copepoden-Fauna von Nizza. Schriften d. Gesell. 7
2. Beförd. d. gesammt. Nat. zu Marburg 1866. #
D. Barfurth: Ueber Nahrung uud Lebensweise der Salme,
Forellen und Maifische. Arch. f. Nat. 1874.
. F. Noll: Zoolog. Garten. Jahrgg. XVI, No. 4. — 1875, p. 158.
K. Möbius: „IX Copepoda und Cladocera“ in: Jahresber. d.
Commis. z. wissensch. Untersuch. d. deutschen Meere in Kiel
f. d. Jahre 1872 u. 1873. Berlin 1875. 4
Fischer: Beiträge z. Kenntn. d.in d. Umgegend von St. Peters-
burg sich findend. Cyelopiden. Bull. d.1. soc. imp.d. naturalistes 7
d. Moscou 1853. No. 1. 3
Rrklärung der Abbildungen auf Tafel VIL
1. Eine Spermatophore bei circa 550-facher Vergrösserung; ”
a Schlauch, gebildet aus dem ausgetretenen Klebestoff, 7
durchzogen vom Canal b; c kappenartiges Gebilde ziemlich |
von der Seite; d der Wand anhaftende Spermatozoen; e der |
Austreibestoft. \
2. Endstück der Spermatophore mit dem kolbig verdickten
Ende und der Kappe ce ziemlich en face, |
3. ö5tes Beinpaar des Männchen von Temora velox Lilj.
4. 5tes Beinpaar des Weibchen von Temora velox Lilj.
5. Spermatozoen desselben Thieres, a weniger, b vollständig
aufgequollen. (Vergrösserung °°/,.) j
6. Optischer Durchschnitt des Eindstückes des Halses der)
Spermatophore, um die halbkreisförmige Mündung des Innen- 1
raumes zu zeigen,
a
% Eine Bemerkung über ein Räderthier aus
‚der Familie der Asplanchneen.
Von
Dr. Kramer in Schleusingen.
Hierzu Fig. 1— 4 auf Tafel VII.
" "in Räderthier aus der Familie der Asplanehneen und
e nuthlich Zur Gattung Asplanchna Gosse selbst gehörig,
dt mir durch einen glücklichen Zufall einen Einblick in
wisse Theile seines Leibes, welche gewöhnlich der Be-
ehtung entzogen bleiben. Das Behche erscheint mir
ssant genug, um es in einer kurzen Notiz mitzu-
n. Es betrifft vornehmlich die Verhältnisse des Schlund-
daneben aber auch noch einiger anderer Theile des
180 Kramer:
Als dieses eintrat, stellte es sich heraus, dass die
Mundöffnung nicht central gestellt, sondern stark nach der. 4
einen Seite zu gerückt ist; die ganze Wandung des diesen
Vorabschnitt des Mundes bildenden Theils zeigte sich mit %
einem äusserst feinen, maschenförmige Lücken lassenden
Netzwerk überzogen, welches offenbar durch die, diesen °
äusserst beweglichen Leibesabsehnitt beherrschenden Muskein %
gebildet wird (Fig. 2, Tafel VIID. In der Wandung des
kleineren, durch die durchlaufende Speiseröhre abgegrenzten, '
Abschnitts sind die beiden Schlundzähne eingelassen, welche
von der schmalen Seite her angesehen wie in Fig. 2,n, %
von der flachen dagegen wie in Fig. 3 erscheinen. Sie
dienen, da sie mit dem gezähnten und zugespitzten haken- FF
förmigen Ende meistens nach innen, dem Magen zugewendet
sind, wohl nicht zum Ergreifen und auch weniger zum °
Zerkauen der Nahrung, als vielmehr zum Herunterstopfen,
wobei sie die Nahrungspartikel wohl festhalten werden. ’
In der Wandung des grösseren, durch die Speiseröhre ab-
getheilten, Abschnitts ündet sich ein zartes, mit einem feinen 4 k
Fühlhaar versehenes, Stielchen. Ich werde wohl nicht irre #
gehen, wenn ich dieses tief im Innern des Schlundes sitzende, ”
hier durch Ausstülpung siehtbar gewordene Organ als ein
Schlundfühlorgan anspreche (Fig. 2, f). Ganz in der Nähe 9
der Schlundzähne sah ich ebenfalls noch ein feines birn- 7
förmig gestaltetes Organ, welches möglicherweise ein an
dieser Stelle ebenfalls zweckmässig genug angebrachtes
Tastorgan vorstellen könnte, da eine feine Ausmündung
in den Schlund beobachtet wurde, und das Innere des Or- ”
gans keinen drüsenartigen Charakter zeigte (Fig. 3, a). °
Vom Schlundkopf zieht sich die allmählich breiter werdende
Speiseröhre (Fig. 1,a) nach dem traubenförmig gestalteten
Magen hin, welcher, von feinen Fädchen vielleicht muscnlöser
Natur gestützt, frei in die Leibeshöhle hineinragt. In der 4
Mitte der Speiseröhrenlänge haften, äusserlich befestigt,
zwei runde mit feinen Pünktchen gezierte Bläschen b ohne
jede Spur eines sichtbaren Ausführungsganges. Ihre Stellung
gestattet, sie für zwei wohl entwickelte Speicheldrüsen zu
halten. Die frei in den Innenraum des. Leibes hinein- 7
hängende Magentraube ce ist stets in einer äusserst leb-
fi Eine Bemerk. üb. ein Räderthier a. d. Familie d. Asplanchneen. 181
i haften, vielleicht durch jene Stützfäden veranlassten Schleu-
derbewegung begriffen, an welcher je nach dem Grade
ihrer Befestigung auch die übrigen im Innenraum vorhan-
denen Organe theilnehmen. Diese bilden ein zusammen-
hängendes System, welches in der Hauptfigur nur von der
Seite, in der Figur 4 dagegen von oben sichtbar ist. Der
N unterste, jedenfalls einen Eierstock repräsentirende, blasen-
- förmige Theil d ist dick mit Eiern gefüllt gewesen — deren
Grösse 0,02 mm. bei 0,004 mın. Kerngrösse betrug —, und
hänst durch einen breiteren Kanal k, welcher vorn eine Er-
weiterung p zeigt, mit einer umfangreichen Blase 5 zu-
sammen. An p heften sich zwei Fäden, welche sich nach
‘ der Leibeswandung hinziehen und sich dort neben einer
feinen Oeffnung in dieser Wandung, die aber doch deutlich
" za bemerken ist, anheften. Diese Fäden sind in sehr
heftiger Bewegung begriffen. Von der andern Seite her
‚treten in jene Blase g zwei Kanäle ein, welche in ihrem
Miitelstück h bedeutend erweitert erscheinen und hier
je einen feinen Seitenkanal aufnehmen, welcher, blasig er-
weitert an einer feinen Porenöffnung der Leibeswandung
beginnend und immer enger werdend nach h sich hin-
erstreckt.
Die nach vorn sich hinziehende Verlängerung von h
‚entgeht schliesslich dem Auge, scheint sich aber nach der
Mundöffnung hin zu wenden. Es besitzt also dieser ganze
"Organkomplex. dessen Deutung ich nicht unternehmen kann,
drei Oeffnungen nach aussen, die dentlich beobachtet d
sind. Die Oeffnung e in centraler Stellung und die beiden
Oefinungen i seitlich nach vorn zu. Bei so feinen Objekten
wie das vorliegende, — das ganze Thierchen hat 0,5 mm.
nn — muss es wohl besonders erwähnt werden, dass
"die Pünktchen bei v an der Spitze der kleinen blasigen
Mu Auftreibungen i wirklich für Oeffnungen durften gehalten
werden und die Gründe dafür sind folgende: Erstens waren
die Kölbehen i mit der Spitze v an der ÄAussenwand an-
. geheftet, was durch vielfaches Hin- und Herrollen des Ob-
jekts sehr bald zur Evidenz erhoben wurde, dann aber
onnte auch durch anhaltende Beobachtung der Spitze v
j
ee
1862 Kramer: Eine Bemerkung über ein Räderthier A
Central-Stelle bei dunklem Randringe ausfindig gemacht
werden, so dass das Vorhandensein von seitlichen Oefi- ‘
nungen v durchaus unzweifelhaft erscheint. |
An der Innenseite der Leibeswandung fand sich |
schliesslich ein spärliches System glatter Muskelfasern m, |
von welchen nach dem Innern zahlreiche Stützfäden an die
Organe, namentlich an den Eierstock ausliefen.
EBERLE
Die Familie der Bdelliden I.
Ven
Dr. Kramer in Schleusingen.
Hierzu Fig. 5—8 auf Tafel VI.
Zur Familie der Bdelliden rechnet ©. L. Koch die
ünf Gattungen Bdella, Ammonia, Seirus, Eupalus, Cheyletus.
n diesen fünf sind drei bereits von älterem Datum. Bdella
"nämlich und Cheyletus wurde von Latreille, Seirus von
"Hermann in das System eingeführt. Die beiden noch
übrigen Gattungen hat Koch neu aufgestellt.
Die Schnabelmilben sind ihrer Körperform nach sehr
harf von allen andern Milben unterschieden, jedoch gilt
auch hier vorsichtig zu sein und nicht allein nach der
enhin betrachteten äusseren Körperform zu urtheilen, da
äusserliche Uebereinstimmung der Schnabelbildung
i gänzlich verschiedener Ausbildung der für die Systematik
" Milben so wichtigen Mundtheile möglich ist. Es kann
laher nicht ausreichen, wenn man, wie es vor Koch auch
| on Dug&s gethan hat, ech oder hauptsächlich auf
schnabelförmige Kopffigur hinweist, um eine Charak-
Se
als solche die folgende: „Taster fühlerförmig, Man-
krallenförmig oder scheerenförmig, der Schnabel eine
Br el; der Körper länglich, ei Augen
stik: der Bdelliden zu entwerfen. Bei Duges finden
184 - ‚Kramer:
Rüssel, freien an den Seiten des Kopfes eingelenkten be- °
weglichen Tastern.“ 4
Diese ganz unbestimmten Kennzeichen, die Koch von 4
seinen Bdelliden verlangte, haben es verschuldet, dass er
die Gattung Cheyletus, zu welcher er mehrere Arten, und 4
darunter eine höchst interessante, auffand, ebenfalls zu dieser
Familie stellte. Es wird sich aus den nachfolgenden ein-
sehenden Vergleichungen herausstellen, dass sie in der 4
That sehr von den eigentlichen Bdelliden, deren Typus
doch immer die Gattung Bdella abgeben muss, verschieden 7
ist. Duges besass ein zu geringes Beobachtungsmaterial, 7
um durch seine Charakteristik zu Irrthimern veranlasst zu
werden. Da er die Mundtheile der Milben kaum einer 7
Untersuchung unterwartf, hätte es auch ihm begegnen können, °
die Gattung Cheyletus nach der allgemeinen Aehnlichkeit j
der äusseren Erscheinung unter die Bdelliden zu setzen, °
. wenn er die von seinen Vorgängern gegebenen Zeichnungen
ınd Beschreibungen hätte beachten wollen. N
Um für das Nachfolgende einen sichern Anhalt zu %
bekommen, beschreibe ich an der Hand sorgfältiger Zeich-
nungen die besonders an dieser Stelle in Betracht kommen-
den Eigenthümlichkeiten der allerwärts in Menge vorkom-
menden Bdella longicornis, welche als die typische Milbe
für die ganze Familie der Bdelliden gelten mag.
Der im Allgemeinen als Schnabel bezeichnete vordere 4 |
Leibesabschnitt trägt die Kiefertaster und sämmtliche eigent-
lichen Mundtheile, die bei unserer Milbe eine bemerkens- 7
werth gestreckte Gestalt besitzen. Doch ist diese Dehnung
nicht das Auffallendste, sondern die ganze Formation der i
Mundorgane, welche eine besondere Beachtung verdient. Wir
haben hier nämlich — und das ist das einzige mir bis jetzt
bekannt gewordene Beispiel — ein vollkommenes saugen- ”
des Mundorgan vor uns. Allerdings könnte man es von ©
anderem Gesichtspunkt aus auch als stechendes ansehen, ”
jedoch, wie sich herausstellen wird, in völlig anderer Weise, 7
als man es z. B. bei Tetranychus oder Cheyletus findet. 7
Ich werde der Reibe nach die Mundglieder besprechen
und ihre Bedeutung zu ergründen versuchen. Weit nach ©
hinten gerückt, auf der oberen Fläche des Schnabels ein- # |
Die Familie der Bdelliden. 185
gelenkt, sitzen die Kieferfühler (Fig. 5, Tafel VIIIa), zu
vergleichen mit den Scheerentastern der Gamasiden, den
; mie endigenden Kieferfühlern der aremilben,
- Trombidien ete. Sie sind zweigliedrig. Das Basalglied ist
‚ breit schwertförmig, nach vorn sich verjüngend, flach, am
“ vorderen Ende in eine scharfe, deutlich abgeseizte S Spitze
auslaufend. Auf der Fläche stehen Haare, nach den Arten
in verschiedener Anzahl, Das zweite Glied ist kurz, krallen-
} förmig und derart eingeienkt, dass es mit jenem spitzen
- Dorn am vorderen Ende des ersten Gliedes eine Art Scheere
N. bildet, so jedoch, dass nur das zweite Glied gegen jenen
4 Dorn hin beweglich ist. Die Bewegung geschieht, wie mir
n schien, in einer Horizontalebene, nicht wie bei der Mehr-
zahl der mit ähnlichen Gliedern bewaffneten Milben in einer
Vertieal-Ebene. Von diesen breiten, allen Beobachtern so-
gleich in die Augen fallenden Kieferfühlern wird die eigent-
theiles. vollständig von oben her bedeckt. Um daher die
von ihnen dem Anbliek entzogenen Organe zu studiren,
uss man den Rüssel pressen, oder, was noch besser, die
aster vorsichtig mit der Nadel en Alsdann zeigt
orn in ‚eine auch auf der Unterseite dureh einen Längs-
inschnitt in zwei mens Hälften a an ihren Vor-
sehlossene Röhre darstellt. An der Stelle, wo die Halb-
e sich nach oben Ai. et, aaa sich zwei an
"liche Schnabelspitze des kopfähnlichen vorderen Leihen |
ich eine nach oben hin geötinete Halbröhre b, weiche
zer
186 Kramer:
Hälften des vorderen Anhangs nach vorn etwas heraus.
Dabei schliessen sich die Lappen des Anhangs derart um
das vordere Ende der Saugröhre herum, dass diese zum
Theil auch von oben bedeckt erscheint. Um alle Verhält-
nisse besser zu zeigen, habe ich in Fig. 5 die Saugröhre 1
seitlich aus der Halbröhre herausgestreckt dargestellt., Es
ist keine Lage, die der Natur widerspräche, vielmehr war
das erste von mir verfertigte Präparat genau der Figur °
entsprechend. Die Halbröhre selbst spreche ich als die
Unterlippe an, welche bei unserer Milbe also eine ganz
besondere Entwicklung bekommen hat. Ist dem aber so, 7
so liegt es nahe, den Unterlippenanhang e für eine An-
deutung der Lippentaster zu halten, zumal sich eine deut-
liche Abschnürung an der Stelle zeigt, wo die Halbröhre ®
in diesen Anhang übergeht; auch scheint der mittlere Ein-
schnitt auf der Unterfläche diese Ansicht zu unterstützen. ”
Die Saugröhre ist sicherlich nichts anderes, als die in dieser
Milbengruppe besonders verlängerte vordere Speiseröhren-
öffnung und würde mit der Zunge bei den Gamasiden am
besten verglichen werden können. Was endlich die flügel- 5
förmigen Anhänge d betrifft, so scheint die Versuchung
nahezuliegen, sie blos für eine Outieularbildung zu halten, °
damit auch bei Bdella die Normalzahl von Mundwerkzeugen
sich fände: Kiefernfühler, Zunge, Unterlippe. Um dieses °
Schematismus willen kann ich vorläufig auch der genannten ”
Versuchung noch nicht widerstehen, bis ausreichendere Be- 4
obachtungen einen Zweck dieser Anhänge ins Auge springen 4
lassen: 4
So ergiebt sich also nach dem eben Balchriebeinn “
eine ganz klare und sehr eigenthümliche Anordnung der
Mundorgane bei der Gattung Bdella, deutlich unterschieden ©
von der jeder andern Familie der bisher untersuchten ”
Milben. An dem beweglichen und durch eine sehr deut- 7
lich ringsumlaufende Absehnürungslinie vom Rumpfe ge- )
en ee ee ine des Leibes finden j
orenannten Kiefertaster befestigt. Sie scheinen seitlich “
eingelenkt zu sein, eine genauere Untersuchung lehrt aber, j I
und zwar hier bei den Bdelliden ganz besonders deutlich, dass} 7 |
Die Familie der Bdelliden. 187
‚sie eigentlich zur Unterseite des Kopfes gehörige Anhänge
sind. Sie nehmen bei Bdella unmittelbar von der unteren
Kopflläche ihren Ursprung, derart, dass das nur wenig ge-
"streekte ersie Glied von oben her betrachtet fast völlig
Mr
unsichtbar ist. Bemerkenswerth ist die durchaus fühler-
y artige Ausbildung dieser Kopfgliedmassen. Sie sind fünf-
gliedrig, und zwar ist das erste Glied, wie bereits gesagt,
"sehr kurz, das zweite lang; gestreckt, An dritte und vierte
wieder kürzer, oft recht kurz, und das fünfte wieder von
ziemlich ansehnlicher Länge. Am letzten Gliede finden
"sich zwei lange Endborsten. Sämmtliche Glieder zeigen
% u
eine zierliche AANSelUnD, a ‚aureh‘ sehr a Beben
en verwachsen sind. Man trifft diese Hüftglieder
i nen es ‚Indem die Hüften un
aiiensen. Die Platten a kurz und schmal
und lassen die ganze Bauchfläche völlig frei. Sechs freie,
er Länge nach recht verschiedene Glieder bilden jeden
Fuss, das erste Fussglied zunächst der Hüftplatte ist kurz,
as zweite recht gestreckt, das dritte und vierte wieder
z, das fünfte länger, das sechste ungefähr von der Länge
des zweiten Gliedes. Dieses mit etwas gefiederten Dornen
Br versehene A trägt vom an einem a
188 Kramer:
man müsste denn annehmen, dass sich durch die Borsten-
haare ganz exorbitant feine Drüsengänge öffneten. F
Von den weiteren inneren und äusseren anatomischen
Einzelnheiten sehe ich vorläufig ab, da der Aufsatz haupt-
sächlich die Klarlegung der Mundwerkzeuge bezweckt, und
will nur noch eines sehr eigenthümlichen Fühlorgans am
vorderen Schnabelende Erwähnung thun. Bei Anwendung
einer hinreichend starken Vergrösserung bemerkt man an ;
dem bereits mehrfach erwähnten Anhange zur Unterlippe ®
eine Reihe von vier Haaren, welche an der Seiten- und
Unterfläche der Unterlippenröhre eingelenkt sind, und zwar ®
genau in der Scheidungslinie zwischen Unterlippe und An-
hang. Die Haare unterscheiden sich von den gewöhnlichen ®
Haaren durch den zapfenförmigen Vorsprung, auf welchem 5
sie stehen. Es sind dadurch gewissermassen zweigliedrige
Haare geworden, und scheinen durch diese Vorrichtung
grössere Beweglichkeit bekommen zu haben. Meine Ver-
muthung, hier Fühlhaare vor mir zu haben, beruht ausser ®
auf der eigenthümlichen Einlenkungsstelle derselben auch
auf dieser so ganz eigenthümlichen Art und Weise derä |
Einlenkung. =
Um iR Verhältniss der Gattung Cheyletus zu des E
typischen Gattung Bdella zu beurtheilen, lege ich eine ge-
‚nauere Beschreibung der schönen von Koch bereits ge- ©
sehenen und seit der Zeit, wie es scheint, nicht wieder be-
obachteten Art Cheyletus venustissimus Koch vor. Der
Name, den Koch wählte, ist sehr passend. Das Thierchen |
ist in. jeder Beziehung äusserst zierlich und anziehend und ©
zeigt die charakteristischen Eigenthümlichkeiten der Gattung 5
Cheyletus in deutlich ausgesprochener Weise. BE,
Ich beginne mit den Kiefertastern. Man beobachtet
hier sehr deutlich auf der Unterseite des Thierchens zwei W
mit der Haut verwachsene Chitinplatten, welche sich eng 5
aneinander schliessen, und jederseits am äusseren Bande
die Kiefertaster tragen. Diese Platten, unter denen man ©
die Ober- oder Unterkiefer selber vermuthet hat, berühren
also in dem Genus Cheyletus einander direkt und zeigen
ringsum deutliche, mit verdiekten Randleisten umgebene
Ränder. Die Kiefertaster sind fünfgliedrig, und zeigen die
Die Familie der Bdelliden. 189
h für unser Genus so sehr ausgezeichnete Gestalt und Ent-
. wieklung der Haarborsten und Dornen. Wesentlich schlanker
‚ist aber bei dieser Art die ganze Anlage, als wie bei Chey-
letus eruditus, welcher in allen Verhältnissen ein robustes
N und plumpes Thier ist. Das erste Kiefertaster-Glied ist
ganz kurz; das zweite dagegen sehr ansehnlich, aufgeblasen
und Bekeimmnt: Das dritte Glied ist kurz nd erscheint
mehr ais ein schmaler Ring. Das vierte Glied ist an der
eienscite in einen ungeheueren säbelförmigen Haken-
fortsatz ausgezogen, an dessen Basis das fünfte kleinste
Glied eingelenkt ist. Auch dieses fünfte Glied trägt einen
‚sehr ansehnlichen gekriimmten Hakenfortsatz, mit welchem
n zweiter etwas kürzerer und dünnerer parallel verläuft,
während ein gradlinig verlaufendes und mit kammförmig
gestellten Fiedern verschenes Haar gerade nach vorn ge-
richtet ist. Die näheren Einzelheiten können nur aus einer
Figur in grossem Maasstabe entnommen werden, welche der
Raumersparniss wegen aber unterdrückt werden muss. Diese
Kiefertaster sind wie es scheint wirkliche Greiforgane, und
erden von dem im Marsch begriffenen Thiere stets ge-
brauchsbereit nach vorn gerichtet getragen. Vor den oben
erwähnten, die Taster tragenden Platten zieht sich ein Ein-
hnikt in der ehitinisirten Körperhaut rings um den hier
on zugespitzten vorderen Körperabschnitt. Der Ein-
nitt ist deutlich an den Seitenlinien des Körpers zu
ennen, indem die Chitinhaut nicht in einer continuir-
lichen Linie von vorn nach hinten verläuft, sondern an
ser Stelle eine vollständige Unterbrechung durch einen
icht erkennbaren Einschnitt erfährt, Fig. 7, a. Auf der
ren Körperfläche befinden sich die a nneon in
sem Einsehnitt oder wenigstens unmittelbar daneben.
ihm zieht sieh auf derselben oberen Körperseite nach
hin eine dachförmige Fläche, welche bei Cheyletus
tus fehlt und in zwei stumpfe seitliche Zipfel ausgezogen
, Fig. 6, b, wodurch der kopfförmige Vordertheil,
ızen betrachtet, einen an den Seitenwänden abgestuft
enden Anblick gewährt. Unter diesem dachförmigen
tehmen die stiletförmigen Kieferfühler Fig. 7, e
prung, und ‚zugleich mit ihnen ein ae
190 Kramer:
vorn mit einer kleinen knopfartigen Verdiekung versehenes
Chitinstück d, welches genau in einen dreieckigen oberen
Ausschnitt der an der Unterfiäche des kopfähnlichen Vor-
sprungs, dieht vor den Tasterplatten, eingefügten halb-
röhrenförmigen Unterlippe Fig. 6, u. Fig. 8 hineinpasst.
Diese Unterlippe zeigt nach hinten zu einen deutlich °
durch eine verdickte Leiste gebildeten Rand und scheint
eine sehr dicke Wandung zu besitzen, so dass die Höhlung
der von der Unterlippe gebildeten Röhre nur wenig ge-
räumig ist. j
Der äussere Seitenrand ist hier ebenfalls abweichend
von Cheyletus eruditus nicht gradlinig, sondern an der ®
Einsenkungsstelle des vorderen Haarborstenpaares deutlich
eingebuchtet, und ebenso zum zweiten Male in der Höhe
des zweiten hinteren Haarborstenpaares. Es ist mir so er-
schienen, als wäre die Verbindung der von mir als Unter-
lippe gedeuteten Partie mit dem Rumpfe eine schr lockere,
so dass eine Beweglichkeit der Unterlippe wahrscheinlich
erschien. Jedenfalls ist die dreieckige Platte, welche die
obere Oefinung der, eine Halbröhre darstellenden, Unter-
lippe schliesst, nur lose mit der hinteren Partie jener Röhre
verwachsen, im Gegensatz zu Cheyletus eruditus, wo eine’
ähnliche Bildung von mir beobachtet und beschrieben
wurde, wo aber alles viel inniger mit einander verschmolzen
ist. Die beigegebene Zeichnung der Mundtheile von Chey-" |
letus venustissimus Fig. 6, 7 und 8 zeigt übrigens im
Einzelnen eine so grosse Uchersinatienn mit demselben |
Organ des Cheyletus eruditus, dass ich den einzigen er-
wähnenswerthen Unterschied bis jetzt noch auf einen Mangel ©
an Genauigkeit der Beobachtung zurückführe. Bei Chey-
letus eruditus beschrieb ich nämlich unter jenem dreieckigen,
einer Oberlippe ähnlichen Deckzipfel noch einen zweiten
ebenfalls dreieckigen, aber mehr weichhäutigen Zipfel, den
ich bei Cheyletus venustissimus noch nicht direkt zu be-5
obachten Gelegenheit gehabt habe, doch vermuthe ich ihn W
auch bei dieser Art, da ich an dem beobachteten dreieckigen ©
Zipfel sehr deutlich einen doppelten Contour der Randlinien
bemerkte, welcher nicht auf eine etwa vorhandene besonders
entwickelte Chitinhaut gedeutet werden konnte. ;
a?
a _ Die Familie der Bäelliden, 191
A Die Füsse besitzen analog den Füssen von Bdella
völlig fest mit der Leibeshaut verwachsene Hüftglieder,
auch sind immer je zwei von ihnen zu einer an eng
- mit einander verbunden.
Die Füsse selbst finde ich nach den sorgfältigsten
" Beobachtungen nur aus fünf freien Gliedern zusammenge-
setzt. Man könnte ja allerdings meinen, dass das kleine,
- durch eine kaum merkliche Einschnürung von dem letzten
Ü deutlich erkennbaren Gliede abgetrennte vordere Endstück
desselben noch den Anspruch auf ein vollständiges Glied
erheben müsste, zumal da die Analogie mit Bdella sechs
Y gesonderte Fussglieder verlangte. Indess vermochte ich
mit ‚guten Mitteln der Vergrösserung, die ich sorgfältig in
Anwendung brachte (Hartnack, Immersion 9), nicht nur
"nieht eine Gelenkspur aufzufinden, sondern die Hautcon-
touren verliefen ungestört von dem letzten ganz deutlich
" wahrnehmbaren Gelenk über den in Rede stehenden Ort
‚ bis zur Einlenkungsstelle der Krallen.
‚Am ersten Fusspaar sind bei dieser Art der Gattung
Cheyletus ungemein gestreckte Glieder entwickelt, so dass
os die andern Füsse wohl me das Doppelte au Länge
E itung kein anderes Resultat zu En Ba ist
ieses erste Fusspaar auch nicht mehr zum Gehen geeignet
nd trägt daher nur ganz verkümmerte Krallen und ein
öchst dünnes schwer zu verfolgendes Vorderende.
Zwischen den Krallen sind auch bei Cheyletus Haft-
-Jappen eingelassen, welche an ihrer unteren Fläche lange,
den Drüsenhaaren der Pflanzen ähnliche Haare tragen.
Diese Haare sind nicht übermässig dicht gestellt, so dass
man sie bequem zählen kann.
- In einem Punkte weicht unser Ch. venustissimus nicht
unwesentlich von Ch. eruditus ab, das sind die Augen.
Cheyletus eruditus ist, soweit die Beobachtungen bis jetzt
sichen, völlig augenlos, um so überraschender muss die
'höne und wirklich verhältnissmässig vollkommene Ent-
cklung dieser Sinneswerkzeuge bei der andern bekannten
Art dieser merkwürdigen Gattung sein. Es ist aber im
"Gegensatz zu Bdella jederseits nur ein einziges Auge zu
192 Kramer:
bemerken, auch sind besondere Linsenkörper, wie sie z.B.
bei Hydrarachniden deutlich erkannt werden können, nicht
vorhanden, sondern die Leibeshaut hebt sich wie eine schön-
sewölbte Halbkugel an der betreffenden Stelle über die
benachbarten Partien heraus. ’
Nach dem bisher Besprochenen muss, wenn die beiden °
Gattungen Bdella und Cheyletus genau mit einander ver-
glichen werden, der Unterschied in Betreff der Mundwerk- %
zeuge sehr auffallen, und wenn auch die verschiedene An-
zahl der Fussglieder völlig bei Seite gelassen wird, ist es $
unmöglich, Milben wie Cheyletus mit so ausgezeichnet ge- #
bildeten Kiefertastern und völlig ausgebildeten Stech-Mund- =
werkzeugen in eine Gruppe zusammenzuschliessen mit
Milben, deren Kiefertaster sehr einfach gebildet sind, und %
deren Mundwerkzeuge so vollkommene Saugorgane dar- °
stellen wie bei Bdella. Allerdings findet sich in der An-
ordnung der Athmungsorgane und auch dieser und jener
anderen Organgruppe auch wieder manches Debereinstim- 7
mende, indess empfiehlt es sich doch zunächst, da über ©
die Abhängigkeits- und wirklichen Verwandtschaftsverhält-
nisse dieser der Beobachtung ihrer Lebensweise viel Sehwie- ”
rigkeit entgegensetzenden Thiergruppe wenig bekannt ist, %
um der klaren Fassung der Familienbegriffe willen, die
Cheyletiden entschieden von den Bdelliden zu trennen. |
Während so die Gattung Cheyletus aus der Familie %
der Bdelliden ausscheiden muss, wird die Gaitung Seirus 7
trotz manchen nicht unerheblichen Abweichungen gewiss
zu derselben gezogen werden dürfen. i
Die Füsse, deren Fussglieder vollständig ebenso an- %
geordnet sind, wie bei Bdella und Cheyletus, sind nicht @
gleichmässig aussebilde, Die beiden vorderen Paare zeigen °
nur fünf freie und deutlich sichtbare Glieder, während die ®
beiden hinteren Paare sieben solche Glieder besitzen. An
diesen hinteren Fusspaaren ist das letzte Glied sehr kurz,
aber deutlich dadurch kenntlich, dass es in einem Winkel”
gegen das lange sechste Glied gestellt ist. Sollte nun in”
Wirklichkeit auch an den beiden vorderen Paaren ein eben-
solches kleines, die Krallen an seinem Ende tragendes
Glied vorhanden sein, so würde damit die Zahl der Glieder #
Die Familie der Büalliden. 193
hier doch immer erst auf sechs steigen. Indess glaube ich
mit der grössten Deutlichkeit gesehen zu haben, dass an
den Füssen des ersten Paares ein solches kleines Endglied
nicht vorhanden ist, und dass an den Füssen des zweiten
Paares ebenfalls ein solches Glied völlig fehlt. Dagegen
bemerkt man an den langgestreckten und starken zweiten
Gliedern dieser Fusspaare (von den Hüften aus gerechnet)
auf der Unterseite im vorderen Drittel eine feine Querlinie,
welche wohl als die Andeutung eines verwachsenen oder
erst zukünftigen Gelenkes angesehen werden kann. Es
tritt also hier die Frage an den Beobachter heran, zu con-
‚statiren, ob mit zunehmendem Alter bei Seirus oder den
‚Milben überhaupt sich die Anzahi der freien Glieder an
den Füssen ändert. Wichtig würde ein Resultat in dieser
"Angelegenheit deshalb sein, weil alsdann die jedenfalls sehr
auffällige Verschiedenheit der Fussgliederzahl an Vorder-
und Hinterfüssen als eine nur temporäre Erscheinung keine
so besondere Aufmerksamkeit verdienen würde. Diese Frage
‚jetzt schon zu entscheiden oder auch nur ihre Entscheidung
vorzubereiten, bin ich wegen Mangels an Beobachtungs-
| material vorläufig: ausser Stande. Die Krallen der Füsse
‚sind gebildet wie bei Bdella, ein Haftlappen scheint völlig
‚zu fehlen.
_ Merkwürdig und von Bdella sehr abweichend sind
die Kiefertaster gebildet. Ihre fünf Glieder spitzen sich
‚immer mehr zu, bis das fünfte und letzte in eine ganz feine
doppelt alien Spitze ausläuft. Der eine Theil dieser
Doppelspitze stellt einen leicht gekrümmten Haken dar, der
weite Theil sieht durchaus einer kurzen feinen Endborste
hnlich. Das dritte Glied trägt an seinem innern Vorder-
'rande, das fünfte Glied in der Mitte seiner innern Fläche
je einen starken geraden Dorn. Die Hautschieht dieser
Kiefertaster zeigt keine Spur jener feinen Querringelung,
‚wie sie bei Bdella so schön und regelmässig entwickelt ist.
Minder charakteristisch sind die Kieferfühler gebildet.
Jedoch fällt sogleich auf, dass sie einen zweigliedrigen
gsum besitzen, während er bei Bdella nur eingliedrig ist.
An das kurze erste Glied setzt sich in gleicher Breite das
langgestreckte zweite Glied an, welches nach vorn zu sich
“ ‚Archiv f. Naturg, XXXXII. Jahrg. 1. Bd. 13
194 | Kramer:
bedeutend verengt und am seinem vorderen Ende ausser
einem dornartigen kurzen Fortsatz noch ein kleines stark
hakenförmig gekrümmtes drittes Kieferfühlerglied trägt. °
Dieses Glied bildet mit dem Dornfortsatz des zweiten
keine Zange, sondern ist mit seiner Spitze von diesem 7
Gliede abgewendet, so dass es in ähnlicher Weise bewegt
und vermuthlich auch gebraucht wird, wie die hakenförmigen
Glieder an den Kieferfühlern der Trombidien und ir #
rachniden. 4 N
Die eigentliche Mundbildung jet vollständig keit jener
bei Bdella beschriebenen in Uebereinstimmung. Die un- |
gemein verlängerte Unterlippe, mit dem am vorderen Ende |
sehr deutlichen, durch eine Einsehnürung abgegränzten An-
hang; im Innern des durch diese verlängerte Unterlippe ®
gebildeten Halbkanals die deutliche, hier vielleicht nieht so
dehnbare und gestreckte Saugröhre; alles wie bei Bdella. 5
Wird also ausser der jedenfalls sehr weitgehenden
Aehnlichkeit in der äusseren Leibesgestalt auf die Bildung %
der Mundtheile ein grösseres Gewicht gelegt, als auf die 7
übrigen Organe, um zunächst die einzelnen an sich immer ®
noch charakteristisch genug geformten Milbengestalten in i
Familien zu ordnen, so wird man nach dem eben Aus-
einandergesetzten nicht anstehen können, Seirus unter die
Bdelliden einzureihen. 4
Es bleiben noch übrig die beiden Gattungen Ammonia \
und Eupalus, beide von Koch aufgestellt. Unter jede ge- %
hören drei Arten. Vergleicht man zunächst die Abbildungen )
bildungen ächter Bdella-Arten, so ist ein wirklich in die
Augen springender Unterschied gar nicht ausfindig zu’
machen — selbstverständlich lasse ich die Färbung, die
übrigens fast durchgehends roth ist, ganz ausser Acht —.”
Koch hat Bdella-Arten mit und nr lange Suhnlterborstei ’
abgebildet, ebenso mit breiterem und auch mit spitzerem ”
Sehnabel, ganz wie es bei den Bildern der Ammonia-Arten °
sich findet. Und diese Unbestimmtheit der Abbildungen 9
wird durch die gegebene Charakteristik nicht gehoben, 4
vielmehr noch dadurch gesteigert, dass jede positive An-
gabe mit einer dieselbe fast völlig aufhebenden Ein-
Die Familie der Bdelliden. 195
schränkung vorgetragen wird. Der Vorder- und Hinterleib
soll bei Bdella „ziemlich deutlich“, bei Ammonia „nicht
deutlich“ unterschieden sein, eine Angabe, die wohl noch
die bestimmteste von allen angeführten ist. Der Rüssel ist
- bei Bdella „lang und pfriemenförmig*, bei Ammonia „kurz“,
doch lehrt die Abbildung von Ammonia leueocephala, dass
"dieser „kurze“ Rüssel relativ ebenso lang ist wie der
„lange“ von Bdella egregia, amarantina ete., also lässt auch
diese Unterschiedsangabe keine wirkliche Unterscheidung
"zu. So folgt denn aus dem Gesagten für mich, dass ich
die Gattung Ammonia Koch nicht beibehalten kann, sondern
mit Bdella vereinigen muss.
\ Etwas anders steht es mit der andern Gattung Eipales |
Die von Koch hierzu gerechneten Thiere zeigen nach den
ausgeführten Sikdunsen allerdings insofern ein eigen-
thümliches Gepräge, als die Rüssel sehr spitz und verhält-
nissmässig dünn sind und die kurzen aus ziemlich gleich
langen Gliedern gebildeten Kiefertaster nicht eingeknickt
getragen werden; auch ist eine Trennung des Vorder- und
| Hinterleibes durch eine Querlinie nicht angedeutet. Die
von Koch ausgeführte Charakteristik bringt die oben an-
BE rebene Eigenschaft des Rüssels auch zum Ausdruck. Da-
mit ist aber auch alles Bestimmte vollständig erschöpft.
Es scheint als hätte Koch die Gattung näher an Seirus
als an Bdella heranserückt, dafür spricht auch die Be-
_ schreibung der Fühler, deren letztes Glied er für nadel-
fürmig hielt. Ich bin nun allerdings der Meinung, dass
bei so kleinen Thieren, wie die Mitglieder der Gattung
Eupalus sein müssen, von Koch durch blosse Lupenbe-
"trachtung über die Form der Fühlerglieder wenig ausge-
" macht werden konnte. Wenn er daher sogar noch Fühl-
"borsten am Ende des letzten Tastergliedes beobachtete, so
ist es für mich fast evident, dass das letzte Tasterglied
bei Eupalus durchaus nicht anders gestaltet sein kann, als
_ dasselbe Glied bei Bdella, dass namentlich eine Arlnlieh.
keit mit dem a ohlenden, Gliede bei Seirus auch nicht
im Entferntesten vorliegt. Was die nadelförmige Form des
Brikecis betrifft, so vergleiche man die Abbildungen von Bdella
truneatula mit der vonEupalus eroceus, und es wird dieRüssel-
Fu
196 Kramer: Die Familie der Bdelliden.
form sich als eine völlig identische herausstellen. Esbleibtso- °
nach nur noch die besondere Gestalt und Haltungsweise der
Kiefertaster im Ganzen übrig. Dagiebt es nun jedenfalls ächte |
Bdella-Arten, welcherecht kleine, kaum gekniekteKiefertaster
tragen, so dass sie recht gut unter der Form von Eupalus- 7
Kiefertastern dargestellt werden könnten, und es fällt somit
das letzte Unterscheidungsmerkmal ausser dem Mangel
einer Trennungslinie zwischen Vorderleib und Hinterleib.
Ob man aber darauf hin eine Gattung gründen darf? Es %
kommi dabei in Betracht, dass Koch bei kleinen Milben
diese Linie nicht immer gesehen hat, wo sie wirklich vor- ®
handen ist, wie z. B. bei Raphignathus ruber. Nehme ich ®
daher alles über Eupalus Gesagte zusammen, so fällt jeder ®
Grund fort, unter einer so völlig unbestimmt charakieri- ®
sirten Gattung Thiere aufzuführen, und es muss das Ge- ®
rathenste sein auch diese Gattung vorläufig eingehen zu
lassen. 2
So wird denn der Bestand der Familie der Bdelliden '
wieder auf die beiden alten Gattungen Bdella und Seirus %
zu beschränken sein, so lange, bis genügendes Beobachtungs-
material gesammelt und gehörig gemustert werden wird. |
Ob aus dem Ergebniss dieser weiteren Untersuchungen sich
die Nothwendigkeit herausstellen wird, diese alten Gattungen
zu zerlegen oder neue hinzuzufügen, wird ein späterer Ar-
tikel zeigen. In diesem werde ich die Verwandtschafts- '
verhältnisse der von Koch gebildeten Familie der Eupo- }
diden, welche mit den Bdelliden vielfache Beziehungen '
haben, zu entwickeln versuchen. i
Ueber Dendreptus,
ein neues Milbengeschlecht.
| Von
Dr. Kramer in Schleusingen.
Hierzu Figur 9—11 auf Tafel VIL.
In einem früheren Artikel habe ich die Segmentirung
_ einer merkwürdigen, in Gallauswüchsen von Prunus Padus,
Corylus Avellana und sonst vorkommenden Milbe erwähnt
_ und kurz beschrieben. Ich war damals noch der Meinung,
‚dass diese Milbe mit Phytoptus in näherem genetischen
Zusammenhange stünde. Ein Blick jedoch in die sorg-
fältige und erschöpfende Abhandlung von H. Landois
v (Sieb. u. Köll. Z. f. w. Z. Bd. XIV) über eine auf‘ dem
Weinstock schmarotzende Phytoptus-Art liess sofort er-
kennen, dass dieser Zusammenhang nicht vorhanden ist.
i Landois verfolgt den ganzen Entwicklungsgang jenes
_ Phytoptus und bildet die erwachsenen Milben mit ihren
- verkümmer ten hinteren Beinpaaren ab, welche den bisherigen
_ Beobachtern entgangen waren, weshalb man die kleinen
langgestreckten Milben mit ihren vier sichtbaren Füssen
nur für Larven hielt.
N Meine Gründe, von einer Benennung jener adein
Milbe noch vorläufig abzusehen, fallen demnach fort und so
mag sie denn künftig unter dem Gattungsnamen Dendroptus
in das System mit aufgenommen werden.
= 8ie ist jedenfalls schon einmal gesehen worden, denn
198 Kramer:
ich lese in einer sich ganz speciell mit den durch Milben
erzeugten Gallen befassenden Abhandlung von Dr. Thomas
1869, dass Kirchner im Lotos 1863 p. 85 die aus Gallen °
von Prunus padus gezogenen Milben wesentlich von Phy- ’
toptus, oder wie er sie nennt, von Bursifex pruni und
tiliae (Amerling) unterschieden fand. Fr. Thomas will
diesem keinen Glauben beimessen;; er findet es mit seinen
Untersuchungsergebnissen im Widerspruch, nach denen
auch die auf Prunus Padus vorkommende Art von Gall- °
milben unzweifelhaft zu Phytoptus gehört, da sie dieser °
Milbengatiung sehr ähnlich sehe. Wie richtig Kirchner °
gesehen, beweisen die nachfolgenden Blätter. Es herrscht
zwischen den beiden Gattungen Phytoptus und Dendroptus
auch nicht die geringste Aehnlichkeit, welche auch nur den °
Versuch einer Vergleichung aufkommen liesse, namentlich
was die Extremitäten und die Leibeshaut betrifft, ebenso ”
auch, soweit ich sie bei den der Beobachtung wegen ihrer
ausserordentlichen Kleinheit grosse Schwierigkeit bietenden
Phytoptus habe vergleichen können, in Betreff der Mund- °
theile. Bisher habe ich von diesem neuen Geschlecht °
nur zwei Arten auffinden können, merkwürdigerweise in
sehr verschiedenen Localitäten. Während sich nämlich die 5
eine auf Pflanzen, da aber nicht nur in Gallen, sondern z.B.
auch in dem dichten Filz, der sich in der Umgebung der
Oeffnungen von Erlenmilbengallen findet, oder frei auf der
Fläche der Blätter aufhält, trifft man die andere Art in
dem Abfall von Speckkäferlarvenfrass, also in Resten thie-."
rischen Ursprungs. Die erste Art werde ich nach dem ersten |
‚Beobachter, wenn er auch nicht das Mindeste von der Ge- ®
stalt des Thierchens - mittheilte, Dendroptus Kirehneri -
nennen, während die andere ee Robinii genannt
oe mag. Ei
Diese zweite Art entgeht fast mehr nöeh, als jene in
den unscheinbaren Milbengallen auf Pflaumenbaumblättern, |
wegen ihrer ausserordentlichen Kleinheit dem suchenden ZI
Beobachter. Ihre Gasammtlänge überschreitet kaum den’
vierten Theil eines Millimeters. Dass bei so geringer Di
raension vielerlei anatomische Einzelheiten unerledigt bleiben
müssen, ist fast a a ee es wird daher die Charak-
SE
N K a Ueber Dendroptus. 199
terisirung der kleinen Geschöpfe hanplsachlich durch die
"äussere Gestalt bewerkstelligt werden müssen, und dazu
"bietet die sehr eigenthümliche Leibesausbildung genügend
Material.
= Gattung Dendroptus nov. gen.
Leib in übereinandergreifende Ringe getheilt. Die
Füsse in zwei weit von einander getrennte nen ge-
“ordnet. Die Füsse des vierten Fusspaares bei dem einen
Geschlecht zweigliedrig, verkümmert, dünn, ohne Kralle, mit
zwei Endhaaren, bei dem andern Geschlecht viergliedrig,
"sehr aufgetrieben, das letzte Glied in Gestalt einer starken
"Hakenkralle. Tracheen vorhanden. Auf der Unterseite des
‚ersten Ringes seitlich ein Tastkölbehen bei dem Weibehen.
v 1. Art. Dendroptus Kirehneri nov. sp.
"Kopf breit. Die Füsse des vierten Fusspaares beim
Männchen mit stark verbreitertem zweiten Gliede, am dritten
Gliede ein sehr dicker gerader langer Dorn. Die Haitlappen
und Krallen an den vorderen Füssen sehr gross und deutlich.
2. Art. Dendroptus Robinii nov. sp.
Kopf spitzig. Beim Männchen die Füsse des vierten
"Fusspaares im zweiten Gliede nicht besonders nach innen
eitert. Am dritten Gliede nur ein sehr langes dünnes
aar. Die Haftlappen und Krallen an den vorderen Bussen
hr klein und undeutlich.
Beschreibung von Dendroptus Kirehneri.
Betrachtet man eine auf der Seite liegende Milbe, so
st sich deutlich der das ganze Thier bedeckende Rücken-
vu nn welcher den kopfartigen vorderen
een Ken dass jenes Dach nach vorn sogar
sit über die äusserste Kopispitze hintiberragt. Auch nach
' hinteren Ende zu überragt der Rückenpanzer den
ge ntlichen Leib etwas, was an Thieren, welche vor der
äufung ‚gestorben und vertrocknet sind, Bossnders denthieh
300 | Kramer: N ke or
ins Auge fällt. Wird eine iebende Milbe nur von oben oder
von unten angesehen, so entgeht diese für das Verständniss h
der Segmentirung wichtige Anordnung des Rückenpanzers
dem Auge völlig, da es nur, durch jene Kenntniss geleitet, 4
bei sehr aufmerksamer Beobachtung die feine vordere Grenz- 4
linie des Rückenpanzers als über dem I en schwe- 3
bend a wird. n
von dem Leibe etwas ne Die vordere Partie des
selben breitet sich auch noch seitlich nicht unerheblich aus
und bedeckt so die beiden vorderen Fusspaare wie ein ?
Dach. Weiter nach hinten zeigt sieh der Seitenrand der
Rückenplatten nach unten umgeschlagen, so dass hier ein
überstehendes Dach nicht beobachtet wird. Dass aber auch ”
hier der Seitenrand der Rückenplatten nieht mit den Leibes-
seiten fest verwachsen ist, tritt deutlich zu Tage, wenn |
man die Thierchen presst. In diesem Falle wird nämlich )
dieser freie Rand durch den Druck nach auswärts getrieben |
und aufgeklappt, so dass zwei seitliche Flügel von leichter, }
durchsichtiger Substanz an dem Thier vorhanden zu sein?
scheinen. 4
Der Rückenpanzer zeigt nun jene eigenthürliche und ’
höchst auffallende Theilung in übereinandergreifende Platten. 4
Auf der Unterseite des Thieres konnte ich dieselbe nicht be-
merken. Hier sieht man nur eine einzige zwischen den Fiissen
des zweiten und dritten Fusspaares durchziehende Theil- '
linie, wie sie bei unzähligen Milben immer wieder an der- |
selben Stelle vorkommt. Ans diesem Grunde, dass nämlich '
die Plattenabtheilung auf der Bauchseite fehlt, lässt sich”
die beschriebene Erscheinung auch nicht eiecallich mit der '
Segmentirung der Insekten oder anderer Arachniden ver- %
gleichen. Nur in der Mitte des Leibes nehmen die Platten
durch Umbiegung der Seitenränder einen halbringförmigen
Charakter an, dennoch aber muss man diese der vollkom-
menen Segmentirung des Leibes so nahekommende Glie-
derung des Rückenpanzers für ein sicheres Anzeichen an-
sehen, dass der Milbenkörper in der That aus einer Reihe‘
von Segmenten sich zusammensetzt. Vermuthete man doch‘
Ueber Dendroptus. 201
Trennungslinien des Rückenpanzers bei anderen Milben
Reste der durch weitgehende Verschmelzung fast verwischten
"Segmentirungslinien. Die Beobachtung der Rückensegmente
bei Dendroptus unterstützt mehr als jede andere Beobach-
tung, namentlich mehr als die der feinen Ringelung auf
dem langgestreekten Hinterleibe von Phytoptus, die Ansicht,
dass der richtige Platz der Milbe unter den gegliederten
Thieren ist.
Gehen wir nun auf die Einzelheiten der Rückenseg-
mente ein, 80 muss trotzdem, dass der Rückenpanzer sich
‚so weit über den Kopfanhang herüberschiebt, und dieser
daher in eine recht abhängige Stellung gerückt ist, der
betreffende Anhang Heinnach als vollständige Leibesab-
theilung gelten. Mit ihm zusammen zähle ich auf dem
Rücken 6 Abtheilungen. (Es ist diese Zahl mir mehrfach
# zweifelhaft geworden, indem ich manchmal nur 7 zu sehen
"glaubte, doch muss ich mich für die angegebene Zahl ent-
heiden.) Von den fünf Platten des Rückenschildes ist
die erste, zweite und dritte lang, alle drei zusammen be-
decken den Haupttheil des Leibes. Die zwei leizten werden
immer schmäler und schieben sich oft ganz übereinander.
Bei der Beschreibung vom Gesammtanblick des Rücken-
anzers wurde der dachförmigen Erweiterung der vorderen
icht von Chitinsubstanz und gestattet feinen Organen
nen Verlauf zwischen diesen, wie es z. B. mit den Tracheen
| ‚Fall ist. Man beobachtet nämlich am Seitenrand der
ordersten Theilplatte des Rückenpanzers, bei einer Ansicht
oben etwa über dem ersten Beinpaar, eine sehr scharf
e. mie Oefinung ne i1l,a. An Bine
- auf die keine Sn Der
tie Erwähnung gethan. Sie besteht aus einer doppelten
202 Kramer:
Tracheenfaden steigt erst, indem er sich zugleich nach der
Mittellinie des Thieres hinzieht, etwas nach oben, macht °
darauf eine halbkreisförmige Krümmung und begiebt sich ”
beinahe senkrecht nach unten auf die Bauchseite des Thieres,
indem er sich zugleich wieder nach dem Seitenrand hin- °
wendet. Einmal in der Bauehregion angekommen verbleibt
‘er hier auf seinem weiteren Wege nach hinten. Nach ®
mehreren Beobachtungen, die ich für vollständig halte, °
verzweigt er sich nicht, sondern wendet sich im hinteren %
Leibesabschnitt wieder nach vorn um, und endigt, indem
er ungefähr denselben Verlauf nach vorn nimmt, den er auf °
seinem Wege nach hinten eingehalten hatte, unweit der
Luftlöcher. Dieses Vorhandensein ausgebildeter Tracheen-
fäden trennt die Gattung Dendroptus von allen sonst nahe °
stehenden und zur früheren Gattung Acarus gehörigen 7
Milben, auch von Dermaleichus, dem sie durch gleich zu ”
erwähnende Fussbildung etwa angeschlossen werden möchte,
An der Unterseite des seitlich überragenden Randes der”
erwähnten ersten Rückenplatte findet sich etwas weiter nach
hinten, nahe den Hüften des ersten und zweiten Fusspaares
eingelenkt, ein kolbenförmiges Gebilde Fig. 11, b. Es’
hat der äusseren Gestalt nach viel Aehnlichkeit mit den
Schwingkölbehen der Fliegen. Der Stiel ist dünn und
kurz und der Kolben elliptisch und verhältnissmässig recht ”
gross. Was mag die Funktion dieses Organs sein? Um
als Auge gedeutet werden zu können, fehlt jedes Pigment
und auch die stärker brechende linsenfömige Partie, die
man sonst bei augenführenden Milben überall vorfindet. Es
mag demnach wohl eher ein Paar Tastkolben darstellen,
wenn sie auch nach unten gerichtet sind, und die seitliche”
Stellung hinter dem ersten Fusspaar, sowie ihre durch den h
überragenden Seitenrand der Rückenplatte gedeckte Lage
eine ausgiebige Benutzung zum Herumtasten nicht gerade s
befördern mag. B
Ausser den beiden eben erwähnten Gebilden, den
Tracheenöffnungen und den Tastkölbehen, finden sich ande i
den Theilplatien des Rückenschildes nur noch Borsten. Von
diesen bemerkte ich an der vordersten Theilplatte zwei
starke nach vorn vorragende, die ziemlich weit von ein-
Ueber Dendroptus. 203
ander entfernt stehen, ausserdem ein Paar nahe am hinteren
Rande und etwa fünf oder vier viel kürzere am Seitenrand.
‚Auf der zweiten Theilplatte finden sich zwei längere Dornen,
‚ebenso auf der dritten; auf der vierten Platte stehen vier,
auf der fünften am hinteren Rande vier.
Alle diese Verhältnisse, welche bis jetzt Erwähnung
gefunden haben, sind nur bei dem einen Geschlecht, dessen
Füsse des vierten Paares zu kleinen stabförmigen Anhängen
zurückgebildet erscheinen, deutlich siehtbar. Das andere,
‚nach meiner Vermuthung männliche Geschlecht, ist wegen -
(seiner gedrungenen und ungewöhnlichen Gestalt zur Er-
‚kennung der Theilplaiten des Rückenpanzers untauglich;
‚auch lassen die Tracheen sich kaum auffinden au das
Tastkölbehen scheint ganz zu fehlen.
” Ich gehe nun auf den Kopf’ und die Gliedmassen über.
‚Bereits erwähnt wurde im Anfang der Kopfanhang, welcher
‘bei beiden Geschlechtern vollkommen gleichartig gebaut
‘erscheint. Es ist ein hinten verbreiterter, vorn breit zu-
‚gespitzter, beweglicher kopfartiger Theil, an welchem vorn
‚die Mundorgane befestigt sind Fig. 11, e. Die ausser-
‘ordentliche Kleinheit des Thieres und damit auch dieser
Organe, hindert doch nicht, dieselben annähernd vollständig
‘zu übersehen. Ich muss a setzen annähernd, denn es
war mir nicht möglich die sogenannte Zunge, das innerste
‘von den bei den Milben vorkommenden Mundwerkzeugen
‚aufzufinden, Geht man von innen nach aussen, so besitzt
‚die Milbe zunächst zwei stachelförmige Kieferfühler, also
Organe, ‚wie man sie bei Cheyletus bemerkt. Sie ragen
bei nicht wenigen unter das Mikroskop gebrachten Milben
iserer Art aus einer vorn zugespitzten, nach hinten sich
hneller verbreiternden Mittelpartie des vorderen Kopfrandes
heraus Fig. 11, d. Diese zugespitzte Mittelpartie werde
‘ieh nach meinen bisherigen Benennungen als Unterlippe
leuten müssen. Zu beiden Seiten derselben bemerkt man
204 Kramer:
der daran angedeutet. Diese Taster, Fig. 11, e, sind die
Kiefertaster. Es finden sich also auch bei dieser winzigen °
Milbe Kiefertaster, Kieferfühler und Unterlippe. Da die
Zunge dieht über der Unterlippe liegen muss, entging sie
bei Kleinheit des Objekts der Beobachtung. R
Ausser den wirklichen Mundwerkzeugen trägt der
Kopfanhang unten noch zwei kurze Borsten, deren Spitzen
man bei Anwendung starker Vergrösserungen in der Nähe °
der Kiefertaster über den Seitenrand hinausragen sieht.
Das nächste Interesse nach den Mundwerkzeugen
nehmen die Füsse in Anspruch. Sie zeigen in den beiden °
Geschlechtern zum Theil sehr auffallende Verschiedenheiten.
Ich beschreibe zuerst die Verhältnisse bei den Männchen,
Fig. 9. Die Vorderfüsse besitzen fünf freie Glieder. Die”
zu ihnen gehörigen Epimeren bestehen dem Anscheine nach ©
gerade wie bei den zu Tyroglyphus und verwandten Gat- ©
tungen gehörigen Milben aus einfachen in die Körper- 5
haut eingelagerten Chitinstäben. Die zu den Füssen des
ersten Fusspaares gehörenden treffen in der Mittellinie 7
zusammen und bilden dort eine gemeinsame, ziemlich
weit nach hinten verlaufende Leiste, welche auch noch ©
das eine Paar der zu den Füssen des zweiten Paares °
gehörenden Epimeralstäbe aufnimmt. So erscheint im
der Mitte der Brust eine nach vorn dreifach getheilte
Mittelleiste eingebettet, deren Zinken bis zu den ersten
freien Gliedern der Füsse des ersten und zweiten Paares
reichen. Die Füsse der hinteren Paare besitzen vollstän-
dige und sehr umfangreiche Epimeral-Platten. Diese sind
langgestreckt, sehr deutlich umrandet und nehmen, da sie h.
sich alle vier mit ihren Längsseiten eng aneinanderlegen,
die hintere Bauchfläche vollständig ein. Die Epimeral-
platten der Füsse des dritten Paares sind an ihrem hinteren “
Ende etwas abgestutzt und daher kürzer als die des vierten ”
Fusspaares. Diese sind vermuthlich desshalb so besonders
ausgedehnt, weil sich nur an so breiten und langen Platten ©)
die für die sehr ausgiebige Beweglichkeit und kräftige
Benutzung der Hinterfüsse nöthige Musculatur ansetzen
kann. Die Füsse des ersten Paares verdünnen sich von
ihrem zweiten Gliede an nach vorn wenig, das fünfte Glied ”
N
All
Vu |
N Ueber Dendroptus. | 205
-endigt mit einer breiten Spitze, an welcher vorn an einem
' Anhangsgliede, welches wegen seiner Beweglichkeit wohl
eigentlich. den Werth eines vollständigen Fussgliedes in
" Anspruch nehmen sollte, der sehr breite Haftlappen ange-
R bracht ist. Die Kralle erschien mir in den allermeisten
a ällen. völlig einfach; sie ist gross und stark gekrümmt,
1 eine eingehendere Beobachtung bei einigen besonders gün-
© stigen Fussstellungen lässt jedoch auch hier eine Doppel-
kralle erkennen. Unter den Borsten und Anhängen am
intten Gliede dieser Füsse wäre ausser einem besonders
verlängerten und einigen weniger langen Haaren noch ein
kurzer stabförmiger Dorn zu erwähnen, welcher, ziemlich
am hinteren Rande der Glieder u vielleicht noch
‚eine besondere Bedeutung hat. Die Füsse des zweiten und
dritten Paares sind im Allgemeinen denen des ersten Paares
nlich gebaut, nur ist das fünfte Glied mehr zugespitzt.
r Haftlappen ist grösser und besitzt eine sehr deutlich
ihrnehmbare zweilappige Gestalt. Diese Füsse tragen je
‚ei ebenso deutlich bemerkbare Krallen an dem Endgliede.
1 e Füsse des dritten Paares werden beim Gehen fast senk-
recht gegen die Längsrichtung des Körpers seitlich abge-
eckt. Die stabförmigen kurzen Dornen finden sich auch
fünften Gliede der Füsse dieser beiden Paare.
Die Füsse des vierten Paares haben im Gegensatz zu
en der drei anderen Paare eine ganz enorme Entwick-
bekommen, auch war es mir trotz aller aufgewendeten
merksamkeit. nur möglich vier Glieder daran zu ent-
en. Das erste breit und kurz, das zweite, welches
glich die absonderliche Gestalt der Füsse bedingt,
@ und in der Mitte nach innen zu flügelartig erweitert.
einer Fläche ist ein starker gerader Dorn eingelenkt.
itte Glied ist verhältnissmässig kurz und schmal,
ber einen sehr ansehnlichen, an der Basis sehr dicken
äftigen geraden Dorn, welcher weit nach hinten über-
‚ Das vierte Glied endlich, in Form eines sehr kräf-
n Hakens, entbehrt völlig des Haftlappens und der
. Das ganze Fusspaar wird nie zum Gehen benutzt, viel-
ir senkrecht in die Höhe gestreckt getragen. Auch kann
i% egentlich eier dass das Thier, als wollte es
206 Kramer:
kopfstehen, nur auf die beiden vorderen Paare sich stützt
und nun mit den Füssen des vierten Paares weit ach
vorn sich überbiegt. Dabei machen diese Füsse kräftige
Greifbewegungen. Durch die so überaus colossale Ent- Bi
wicklung der Epimeralplatten und ersten Fussglieder an
diesem letzten Fusspaar ist der ganze Hinterleib der Milbe i
nach oben gedrückt, so dass er bei seitlicher Ansicht wie
ein Höcker aufrecht steht und die Afteröffnung nebst Ge
schlechtsöffnung also auf dem Rücken zu liegen kommen.
Nach Abbildungen von _C. L. Koch besitzen Mitglieder A
der Gattung Dermaleichus eine ähnliche Ausbildung der }
hinteren Füsse, es sind das aber nicht die Füsse des
vierten, sondern de des dritten Paares. e.
Bei dem andern Geschlecht ist in Bezug auf die Füsse i
der beiden vorderen Paare, sowohl was die Epimeralleisten
und die Anzahl und Pildune der Fussglieder betrifft, kein
Unterschied zu erwähnen. Die schmalere Form des ganzen
Thieres bedingt nur eine schmalere und langgestrecktere
Form der auf der Brust vorhandenen Leistenfigur. Um so
verschiedener ist der Anblick, den die hintere Bauchfläche A
bietet, Fig. 10. Die Epimeralplatten sind nur durch zer-
streut stehende Leisten eben noch angedeutet. Diese Leisten
bilden in der Mitte zwischen den Füssen eine dreizinkige
Figur, deren Zinken nach hinten und nach der Seite zu
gewendet sind. Die Füsse des dritten Paares besitzen nur .
vier freie Glieder, es scheint aber als müsste man das
längliche, völlig unbewegliche und daher wohl auch einer
Epimeralplatte ähnliche Feld a noch mit zu den von den
Epimeralplatten zu unterscheidenden Fussgliedern rechnen.
Am vorderen abgerundeten Ende dieses Feldes findet sich
nämlich ein kurzer leistenartiger Chitinstab, wie ihn die
Vorderfüsse der Milbe auch zur Stütze Enbopl Dieser Stal 3.
kann als Rest einer Epimeralplatte angesehen werden und
dann ist die Ansicht gerechtfertigt, dass das bei den ande
Füssen freie erste Fussglied hier mit der Leibeshaut un-
beweglich verwachsen ist. Das erste freie Glied ist sehr °
klein. Die beiden folgenden lang und auch recht breit,
übrigens, wie es scheint, mit einem wenig gebrauchten Ge-
lenk zwischen sich. Das letzte Glied ist lang und schmal,
Ueber Dendroptus. 207
und trägt wie auch die Endglieder der Füsse des zweiten
Paares einen breiten quadratischen Haftlappen und zwei
Krallen. Beim Gehen wird das Fusspaar sehr gespreizt nach
rechts und links getragen und bewegt.
Die Füsse des vierten Paares sind im Gegensatz zum
männlichen Geschlecht ganz verkümmert, sehr dünn und
krallenlos. Zwei stabförmige Glieder, von denen das erste
das längste ist, bilden sie. Am Eude des zweiten Gliedes
findet sich ein Paar lange Haarborsten, von denen die eine
wohl doppelt so lang ist als die andere. Dieses Fusspaar
wird, wie man bei seitlicher Betrachtung des Thieres wohl
noch bemerkt, bewegt als würde es zum Laufen benutzt,
da aber weder Kralle noch Haftlappen daran zur Ausbildung
gekommen ist, so kann es höchstens zum Stützen oder Vor-
wärtsstossen dienen. Auffallend muss es dabei erscheinen,
dass gerade am vorderen Ende, also dem, welches sich in
_ fortwährender Berührung mit der harten Unterlage, auf
welcher das Thier sich bewegt, befindet, ein Paar so langer
Haare sich entwickelt hat.
Hinter den Einlenkungsstellen der Füsse dieser beiden
hinteren Paare dehrt sich nun noch völlig im Gegensatz
zu dem andern Geschlecht der Hinterleib weithin aus, doch
beobachtet man auch hier bei seitlicher Betrachtung die
Tendenz des Aufwärtsbiegens. Es ist nämlich die untere
- Fläche des Hinterleibes ziemlich steil nach oben gerichtet,
während die hintere Rückenfläche fast ohne jede Senkung
nach dem hinteren Leibesende zustrebt. Der After befindet
sich auf der unteren Leibesfläche.
| Von den inneren Organen ist ausser dem schon be-
schriebenen Tracheensystem nur die unbestimmte Andeutung
des Magens zur Beobachtung gekommen, welcher zwei seit-
liche, nach vorn gestreckte Seitentaschen zu besitzen scheint.
- Im hinteren Theil der Leibeshöhle bemerkt man stets einen
i Haufen Körner, welche bei durchgehendem Lichte fast
. schwarz eracheinen und vielleicht den Inhalt der bei Milben
so weit verbreiteten Rückendrüse darstellen.
Ein kurzes Wort mag noch über die Larven unserer
Milbe angefügt werden, was die früher erwähnten Mit-
theilungen etwas vervollständigen kann. Sie kommt der
208 Kramer: Ueber Dendroptus, SEHEN E:
äusseren Leibesgestalt nach vollkommen mit dem Weibchen
überein, nur erschienen mir die Füsse dieker; die Seg-
zuweisen, auch scheint das Tracheensystem sowie das Tast- °
kölbehen noch nicht entwickelt, dagegen ist sie durch
ein Paar schr deutlicher Krallen am vorderen Fusspaar °
ausgezeichnet. E
Yon den Häufungen, denen unsere Milbe ar ist, ;
konnte ich nur zwei constatiren, nämlich die aus dem Larven 4
stadium führende, und wenigstens eine, welche das bereits
achtbeinige Thier zu überstehen hat. Die Gliedmassen der ”
eine Häutung durchmachenden Milbe ziehen sich, wie es
bei Milben gewöhnlich ist, aus ihrer Hülle nach innen, so”
dass die Füsse der in der alten Haut eingeschlossenen
Milbe dem Leibe eng anliegen und nicht in den Fusshüllen
der alten Haut stecken. E
| Die Hautdeeke und Schale der Gastropoden, nebst
einer Uebersicht der einheimischen Limaeinen.
Yon
Dr. F. Leydig in Bonn.
Hierzu Tafel IX—X VI.
Wenn man bedenkt, dass die Hautdecke der Schnecken
' bis zur Stunde den Untersuchern Schwierigkeiten bereitet,
wird man sich nicht wundern, dass die älteren Zergliederer
| wenig über den Bau dieses Organes zu sagen wissen.
So spricht z.B. Svammerdamm!) in der berühmten
anatomischen Darstellung der Weinbergschnecke wiederholt
‚von den „Drüsgen“ der Haut; doch bemerkt man leicht,
dass er damit im Allgemeinen die Hauterhebungen oder
| Wärzchen meint. Näher bezeichnet er die „drüsigen Hübeln“
des Mantelrandes, bei ihm Lippe. Und einmal giebt er
"auch eine Uebersicht über die Schichten der Haut, indem
i er sagt, es beständen die Säume des Leibes meistentheils
aus drei Häuten, aus der „drüsigen Haut, als der ersten
und obersten“, dann „dem drüsigen Häutgen als dem mitt-
leren“ und sllich „aus dem innersten glatten und schlüpf-
| ‚rigen Häutgen“.
I“ Auch Lister?) vermag blos anzugeben, dass die Run-
1) Bibel der Natur. Üebersetzung, Leipzig 1752.
2) Exereitatio anatomica, in qua de cochleis, maxime terre-
Im et limacibus agitur, Londini 1694.
Archiv f, Naturg. XXXXI. De 1. Ba. 14
210 Leydig:
zeln der Haut dazu bestimmt seien, den Schleim zu enthalten, °
welcher die Thiere gegen die Luft und die Feinde schütze. '
Die fleischige Beschaffenheit des Fusses ag die
beiden erwähnten Zootomen. | 1
Spätere Beobachter weisen auf die beträchtliche Dicke
der Haut hin und dass sie aus dicht gewebten Fasern be-
stehe, sowie reichliche Ablagerungen verschiedenen Pig- ”
mentes enthalic. Zu äusserst sei eine dünne Oberhaut- °
schicht vorhanden. Selbst Blainville'), obschon er dem °
Bau der Haut der Weichthiere mehrere Blätter widmet, ®
giebt kaum einige Andeutungen über das MISvOlD DEE |
Verhalten. i
Viel später erst ist es möglich geworden, eine be- °
stimmtere Einsicht in den Bau dieses Organsystems zu er- |
langen. Dass sich hierbei im Einzelnen jetzt noch ver-
schiedene Ansichten begegnen, z. B. ob eine besondere
Lederhaut vorhanden sei oder nicht, ob gewisse Drüsen
von der Oberhaut oder der Lederhaut her sich bilden, liegt i
im Gange solcher Untersuchungen. 1
Mein Wunsch wäre es, durch das Folgende Einiges
zur Aufklärung über streitige Punkte zu bringen und unsere "
Kenntnisse über die Zusammensetzung der Haut und ihre
Beziehung zum ganzen Thier zu fördern. B
Im zweiten Abschnitt der gegenwärtigen Abhandlung ?
werde ich eine zoologische Uebersicht der von mir bis jetzt
beobachteten Arten der Nacktschnecken vorlegen, die neben-
bei vielleicht Manchem als nicht unwillkommener Anhalt
bei weiteren Forschungen zu dienen vermag. 4
Erster Abschnitt: Haut und Schale.
I. Epithel.
1. Hautflimmerung. |
Die Gastropoden des Wassers und jene des Landes
verhalten sich bekanntlich recht verschieden bezüglich des ©
Vorkommens der Wimpern auf den Zellen der Oberhaut.”
i) De arnisntion des animaux Tom I. Parks 1822.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden ete. 211
Bei den ersteren wimpert die ganze Oberfläche des
ji Körpers und nur wenige Stellen scheinen wimpernlos zu
4 sein: So vermisste ich die Cilien seiner Zeit bei Paludina
vivipara auf den augentragenden Fortsätzen, welche am
- Grunde der Fühler stehen!;. Bei den Landschneeken hat
- die nieht wimpernde Hautfläche eine solche Ausdehnung
erreicht, dass die wimpernde ihr sehr nachsteht. Es hatte
" zwar ein Beobachter behauptet, auch bei Zimax und Helix
wimpere die ganze Haut; allein v. Siebold?} berichtigte
" dies dahin, dass bei den Landgastropoden nur die untere
Fläche der Sohle und bei Arion ausserdem noch deren
7 Seitenwände das füimmernde Epithel besitzen. Ich be-
stätigte bald darauf dies für die genannten Gattungen und
ausserdem noch für Bulimus radiatus und Carocolla lapi-
eida°). Auch Semper überzeugte sich bei seinen Studien
- über die Pulmonaten von diesem Verhalten 4)
| Uebrigens will es mir nach Untersuchungen an Limax
agrestis scheinen, als ob keineswegs die ganze Fläche der
- Sohle wimpere, sondern dass die mit kurzen Wimperhaaren
- besetzten Epithelzellen in bestimmter Vertheilung sich über
- die Sohle ausbreiten und dazwischen eilienlose Striche
\ liegen. Und andererseits ist zu erwähnen, dass die Be-
wimperung des Canales im Fusse, vorne an der Ausmün-
h dung zwischen den Mundlappen, sich noch eine Strecke
weit fortsetzt, so wie auch noch bei Limax marginatus Drap.,
\ Helix nemoralis, H. thymorum am Rande des Athemloches
eine aus echten kurzen Wimpern bestehende Zone um das-
Ä selbe herumzieht. Ja bei Limax variegatus Müll. erstreckt
| sich die Bewimperung am Schildrande weit nach vorn.
2. Beschaffenheit der Zelien.
i Es Erlen hervorsehohen zu meiden, dass bei den
| _ Landschnecken (Limaeinen z.B.) das Epithel im Verhältniss
i) Zeitschrift für wissensch. Zoologie. Bd. IH. S. 150.
2) Lehrbuch der vergleichenden Anatomie, 1848, S. 301.
8) a.a. ©. S. 150, Anmerkg. 1.
4) Zeitschrift für wissensch. Zoologie Bd. VII (Separataus-
be 8. en
212 Leydig:
zur Dieke der Lederhaut doch sehr dünn ist und nur aus |
einer einzigen Zellenlage besteht. 4
Das Epithel ist im frischen ae meist glashell .'
und ohne Pigment; so z. B. wohl über die ganze Haut 2
hin bei Limax marginatus Drap. Dann treten gelblich ge-
färbte Körner in den Zellen an gewissen Gegenden auf, °
z. B. bei grösseren Helieinen, oder die Zellen füllen sich
mit dunklem Pigment, z.B. dort wo die Bänder der Schale
entstehen sollen. Ein etwas selteneres Vorkommen ist es, °
dass die Zellen von einem blauen Pigment durchdrungen °
sind, was z. B. bei Limar variegatus Müll. geschieht. 4
Die Gestali der Zellen anbelangend, so sind sie im
Allgemeinen eylindrisch und, indem sie noch beisammen
liegen, nach unten sehr bestimmt streifig, was sich bei °
näherer Besichtigung dahin aufklärt, dass der Zellenleib in =
einen Büschel von Fasern sich auffranzt*), die wieder ge- °
theilt sein können. Bekanntlich wird diese vielfüssige '
Form auch bei anderen Epithelien niederer und höherer
Thiere beobachtet. 4
Ich habe schon an einem früheren Orte auf Wahr- °
nehmungen mich bezogen, welche errathen lassen, dass ge-
wöhnliche oder gesehlossene Epithelzellen zu geöffneten oder 7
Becherzellen werden können). Das Gleiche möchte auch
in der Oberhaut der Weichthiere der Fallsein. Aneinzelnen
Zeilen, von oben gesehen, lässt sieh deutlich eine Oeffnung °
erkennen, und solche Zeilen von der Seite gemustert,
zeigen ‚einen gekörnten Fuss, in welchem der Kern liegt
und im eigentlichen Körper der Zellen grenzt sich der nach °
aussen offene Secretraum ab: Davon verschieden ist ein,
obschon ähnliches Bild, welches Zellen deren Kern in 4
Kalilauge stark gequollen ist, geben, insofern der Kern
jetzt ein Secretbläschen vorspiegeln kann. Die grösseren
einzelligen Schleimdrüsen sind in die Lederhaut eingesenkt, E
weshalb ven ihnen nachher die Rede sein soll. 2
Am freien Rande der Zellen, an den wimpernden Haut- °
1) Vergl. Figur 40. | j a
2) Zur Kenntniss der Sinnesorgane der Schlangen. Archiv. £ E
mikrosk. Anatomie, Bd. 8, S. 340.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 213
flächen, besteht allgemein eine ceutieulare Schicht, doch
ist dieselbe meist so zart, von der Art eines feinen hellen
Saumes, dass sie zu fehlen scheint und erst durch Rea-
gentien, wie Weingeist oder Kalilauge, deutlicher gemacht
werden kann. Am stärksten ist die Cutieularschicht am
Lippenrand, wo sie als dicke gestreifte Lage über den
Zellen weg geht. Hier erscheint sie auch durchsetzt von
senkrechten Kanälen, aus denen an Präparaten, welche mit
Glycerin behandelt wurden, feine Stifteken mit knopf-
förmiger Anschwellung hervorragen !).
3. Hautkanäle.
Ich habe vor langer Zeit die Beobachtung gemacht
und veröffentlicht, dass bei Cyclas die Epithellage des
Kusses von feinen Kanälen durchsetzt sei, durch welche
‘ die Bluträume mit der Aussenwelt in Verbindung stehen.
Auch für die Anneliden?) habe ich das Vorkommen der
gleichen Verhältnisse angezeigt. Wenn ich damals die Be-
merkung beifügte, dass man es wohl mit einer allgemeiner
verbreiteten Erscheinung zu thun haben möge, so hat sich
solches bezüglich der Landgastropoden bestätigt.
Bei den verschiedensten Arten von Limazx, Helix und
andern Gattungen erblickt man bei achtsamer Prüfung des
'' frischen Epithels auf dessen Oberfläche zahlreiche Oef-
"nungen, theils von rundlicher, theils von zackiger Form
und dabei scharf gerandet; es sind die Enden von Durch-
gängen oder Intercellularräumen, welche senkrecht das Epi-
I thel durchziehen. Diese hier gemeinten Oeffnungen lassen
1% _ sich unschwer unterscheiden von den Mündungen der Schleim-
Ms drüsen, welche letzteren um vieles grösser sind.
| Zur Nachprüfung empfiehlt es sich, den Fussrand eines
Thieres (etwa von Helix nemoralis) zu wählen, das man
durch Einlegen in Wasser, ungefähr zwölf Stunden lang,
dem Erstickungstode nahe gebracht hat. Hier kommen die
1) Siehe Fig. 39.
2) Ueber Phreoryctes Menkeanus, Archiv f. mikrosk, Anat.
214 Leydig:
Interceliulargänge in der Seitenansicht sowohl,. als auch
ihre Oeffnungen auf der Oberfläche am besten zur Ansicht.
An wirklich todten Thieren, obschon noch so sehr durch 3
Wasser gequollen, ist bereits eine gewisse Trübung, welche
hinderlich ist zur Erkenntniss dieser feinen Verhältnisse, '
eingetreten. Chromhaltige Reagentien und Osmiumsäure °
leisten hier nichts, indem nach Anwendung derselben die
Epithelzellen etwas schrumpfen, so dass rings um sie Lücken °
entstehen, in denen die gedachten Poren untergegangen sind.
Das Vorhandensein besagter Intereellulargänge wird
von Ändern angezweifelt und noch zuletzt hat ein jüngerer °
Beobachter, v. Ihering, die Ansicht ausgesprochen, dass
ich bei Cyclas Falten für Intercellulargänge genommen ?
habe. Ich meine, dass meine bildliche Darstellung diesen °
Verdacht von vorne herein ausschliessen musste. Vor Kurzem
habe ich in der Abhandlung über die Hautdecke und die
Hautsinnesorgane der Urodeden') nochmals darauf hinge-
wiesen, dass der von mir erörterte Bau der Hautdecke bei #
Mollusken und Anneliden keineswegs für sich allein dastehe, °
sondern an Verhältnisse anschliesst, wie sie bei Wirbel-
tbieren an gleichen Hautlagen bekannt geworden sind. |
ich rechne hierher: 2
1) Die Intereellulargänge im Epithel des Batichtelle,) y
welche hei Wirbelthieren ins Innere der Lymphräume | |
führen. “
2) Einen Theil der Intercellularräume in der en 4
der Batrachier. i
3) Die eigenthümlichen Canäle, wie sie jüngst aus dem :
Epithel der Schleimhaut der Nase von Säugethieren 3
beschrieben wurden und sich von den Lymphräumen 4
her mit Injeetionsmasse füllen lassen. 2
Nur die Dunkelheit besteht noch für mich ın eich 4
Weise bei Mollusken, wie ich sie in letztgedaehter Arbeit ”
auch bezüglich der Batrachier nicht unerwähnt lassen konnte. A
Epidermis den Halsabschnitt kleiner flaschenförmiger Drüsen- E
zellen aufzunehmen hätten; bei den Mollusken kann der 7
!) Jahrbuch für Morphologie, Bd. II, 1876,
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 215
; Inhalt der sog. Kalk- und Farbdrüsen durch diese Inter-
cellulargänge nach Aussen gelangen. Es scheinen also auch
hier entweder zweierlei Intercellulargänge zu bestehen, oder
"sie sind von einerlei Art und nach Umständen kann durch
' jeden der Lückenräume die Substanz der Kalk- und Farb-
; drüsen durch das Epithel hindurch abfliessen.
H. Lederhant.
1. Allgemeines.
Die Dicke der Lederhaut scheint nach den einzelnen
Gruppen bestimmte Verschiedenheiten einzuhalten: soweit
meine Erfahrungen gehen, haben z. B. alle einheimischen
Arten der Gattung Arion!) eine dickere Hautbedeckung als
die Arten von Limax. Nur Limoxz marginatus Drap., welche
auch in anderen Dingen der Gattung Arion sich nähert,
hat ebenfalls eine derbe Haut.
Dann wechseit die Stärke des Coriums auch über den
Körper des Einzelthieres hin: Am Kopf und Hals ist die
Haut, welche bei Nacktschnecken vom unteren Rand des
2 vorspringenden Schildes beginnt, um vieles dünner und
ı zarter als jene des Schildes, Rückens und der Sohle.
i Die Oberfläche der Haut, mit Ausnahme der Sohle,
erhebt sich in papilläre und leistenartige Hervorragungen,
' welche in einander übergehen, und aueh jener die Mittel-
" linie des Rückens bei Limax auszeichnende Längskamm
zählt hierher; aber auch die feine Körnelung, welche selbst
' auf den Fiühlern nicht fehlt, ist von gleichem Wesen.
| Um noch auf einiges Andere hinzuweisen, so ist der
Schild bei Arion empiricorum, wie herkömmlich, Alk „körnig“
| zu bezeichnen; nimmt man es jedoch genauer, so erheben
sich eigentlich nur am hinteren Umfang rendliohe, für sich
hr bleibende Papillen, während sie auf der übrigen Fläche des
Sehildes zusammenfliessen, sich er schieben und
216 Leydig:
dadurch das Bild von Runzeln liefern. Am übrigen Rlickenl
zeigt die einzelne papillare Erhebung einen schärferen oder
schwächeren Längskamm ; nach den Seiten hin werden die )
Längswülste kürzer, und dort ruft, wenn die Haut sich in
zusammengezogenem Zustande befindet, der Papilarbesat
im Ganzen die Zeichnung eines Epithels hervor.
Bei Limax marginatus Drap. erscheint der Schild,
welcher in der Ruhe hinten etwas gebuchtet ist, fein runzelie 4
Die Längsleisten des Rückens sind von Stelle zu Stelle
seitlich eingesehnürt, und zerlegen sich gern wieder auf
ihrer Kante durch Längsvertiefung in zwei Hälften.
2. Das Grundgewebe.
Ba ‚ist auch hier das Grundgewebe der
Lederhaut, doch entstehen nirgends neben den weicheren |
Zügen jene derben Bindegewebslagen, welche in der Haut
der Wirbelthiere auftreten und gewissermassen den Stock
des Coriums erzeugen. 4
Das Bindegewebe als Ganzes ist ER 3
angeordnet, und weil von zahlreichen Räumen durchbrochen, °
hat es wohl dadurch Veranlassung gegeben, dass andere
Beobachter die Haut unserer Thiere als „zellig“ bezeichnen.
Das Baikenwerk selbst enthält allerdings Gruppen wirk- ”
licher Zellen mit Kern — Bindesubstanzzellen —, welche
nach aussen Intercellularsubstanz abgeschieden haben. Da
wo es sich um Herstellung von Begrenzungsflächen handelt, ”
ziehen sich unter dem Cutieularsaum die Kerne mit um- 7
gebendem Protoplasma als Zellenterritorien (Matrix) hin.
Im Balkenwerk selbst sind nicht selten die Bindesubstanz-
‚zellen zu Netzen vereinigt. Gegen die Oberfläche der Leder-
haut zu gestaltet sich das Maschenwerk immer feiner, um
zuletzt mit einem homogenen häufigen Grenzsaum abzu- 5
schliessen '). a
Bei Sewökulicher Untersuchung scheint es, als ob- diese
Grenze der Lederhaut gegen das dickere Epithel hin eine”
einfache glatte Fläche sei. An Hautstellen aber, welche in
a #
1) Vergl. insbesondere Fig. 25 und Fig. 26.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 217
schwacher Lösung von doppeltchromsaurem Kali macerirt
wurden, lässt sich da und dort wahrnehmen, z. B. besonders
"sicher an den Mundlappen, dass Leisten auf der Oberfläche
zugegen sind und sich netzartig verbinden. Im optischen
Sehnitt nehmen sie sich auch als niedrige papillenartige
. Erbebungen aus‘).
8. Blutgefässe und Bluträume.
Das Bindegewebe der Lederhaut steht in näherer Be-
‘ziehung zu den Blutgefässen. Die Zahl der arteriellen Ge-
fässe im Corium ist gering, mir wenigstens gelang es ver-
hältnissmässig nur selten 2), in den angefertigten Schnitten.
"kleineren Arterien zu begegnen, welche alsdann innerhalb
‚der Balken des bindegewebigen Schwammwerkes verliefen.
"Auch die noch mit besonderer Wand versehenen Oapillar-
"gefässe, und überdies hin und wieder mit Biutkügelchen
noch angefüllt, kommen nicht allzu häufig zu Gesicht, sind
"dann aber, wenn wir sie bis an ihr Ende zu verfolgen ver-
j mögen, sehr lehrreieh, indem sie uns einen Einblick in die
Br und Weise gestatten, wie sich histologisch Blutgefässe
zu Bluträumen umbilden.
"Wir sehen nämlich, dass die Wand des Blutgefässes
2 En von rundlichen Oeffnungen durchbrochen zu werden,
‚und die Oeffnungen führen in die Maschenräume des Binde-
gewebes. Nach und nach wiederholen sich die Oefinungen
‚so rasch hintereinander und werden dabei so gross, dass
die Wand des Gefässes nur in schmalen Streifen übrig
bleibt, ‘welehe dann mit dem Balkenwerk der Bindesubstanz
s geworden ist, wodurch nothwendig die Lichtung des
fässes mit den Räumen des A Bindegewebes
entallt).:
2 Fig. 41, b.
v 2) stelle Gefässe sind jedoch an anderen Körperstellen auch
:i Helicinen häufiger anzutreffen, als es wohl früher den Anschein
ehabt hat. Bei Hehx ihymorum z. B. sieht man rechts und links
der oberen Portion des Gehirns im Neurilemm hübsche Bäumchen
Bm.
218 Leydig:
Die Biuträume oder Venen sind begrenzt von einem
homogenen Saum, unter dem Kerne liegend !), theilweise noch
umgeben von etwas feinkörnigem Protoplasma. Beide, °
homogene Haut und,Kerne mit Zellsubstanz dahinter, ver-
halten sich zu einander wie etwa an der äusseren Haut der
Arthropoden die Matrix zum Panzer, an den Tracheen die ”
sogen. Peritonealhülle zur Intima, am Neurilemm und #
Sarkolemm die homogenen Lagen zu den zelligen Elementen °
darunter, allwo eben überall die homogenen Lagen als Ab- ©
scheidangsproduete zu gelten haben. Und wie bei Arthro- ”
poden diese zelligen Ausbreitungen der Hautdecke, der °
Tracheen, zusammenhängen mit den Zellsträngen und Netzen °
des Fettkörpers, so gehen stellenweis auch hier in der Haut
der Weichthiere die „Matrixzellen“ in jene Form des Binde-
gewebes über, welches ich das „zellig-blasige“ seiner Zeit ”
genaunt habe. “
Durchschneiden wir einen in Weingeist gehärteten F
Arion empiricorum nach der Quere, so erscheinen in der
Haut die Lichtungen einer Anzahl nach der Länge ver- 7
laufender Blutgefässe: wenn wir von unten nach oben gehen
ein Gefäss rechts und links in der Fusssohle neben der
Längsdrüse, dann weiter nach aussen in der Seitenwand,
zugleich mit einem grösseren noch etwa drei kleinere i
Längsgefässe. Alle diese sind nicht arterieller, sondern ”
venöser Natur, und münden nach vorne, gegen den Schild
zu, in die Leibeshöble. 4
"Andere venöse Gefässe heben sich sehr deutlich z. B.
an Limax marginatus Drap. am Kopf, Hals und Seite ober j
flächlich vom frischen Thier ab als helle pigmentlose Streifen, 7
die sehon durch die Art ihrer Zeiehnung sich als Blut-
bahnen ankündigen?2). Auch auf dem Nacken von Limax”
cinereo-niger verlaufen zwei Längsgefässe nahe beisammen |
in der Mittellinie, welehe Blutbahnen aus den Fühlern und
der Seite vom Kopf und Hals aufnehmen und so lange)
gut zu verfolgen sind, als das schwärzliche Pigment die
Umgebung färbt. ;
1) Fig. 26, d; Fig. 10, a, b, e.
2) in Figur 13 ist ein Theil des Verlaufes dieser obertäche
licheren venösen Bahnen versinnlicht.
e
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 219
Histologisch verhalten sich diese Gefässe nicht anders,
wie die Bluträume im Schwammgewebe; sie sind begrenzt
© von einer homogenen Bindesubstanz oder Cutieulargewebe,
"hinter welchem die Kerne liegen; und auf gleiche Weise
geschieht die Abgrenzung der Lederhaut im Ganzen gegen
die Leibeshöhle hin. Letztere stellt ja selber einen
_ weiten venösen Blutraum dar und ist somit im Grossen und
zusammenfassend das, was die venösen Längsräume und
| die kleinen Maschenräume im Einzelnen und in dichter
“ Ausbreitung durch die Lederhaut sind.
= © An Thieren von Limax marginatus Drap. „ welche in
\ Kali bichrom. getödtet waren, einige Tage in dieser Flüssig-
keit lagen und alsdann in ie gesetzt wurden, liess
‚sich die gegen die Leibeshöhle gerichtete Grenzschicht der
- Lederhaut, riehtiger des Hautmuskelschlauches, welche sonst
innig mit teren verbunden ist, als eine besondere Mem-
'bran, Serosa, abziehen und Ausgebr eitet für sich untersuchen.
f uch jetzt zeigt sie sich zusammengesetzt 1) aus einer homo-
en Haut oder Intima, 2) aus einer körnigen Lage mit
ernen dahinter (Matrix), 3) aus Geflechten von Muskel-
fasern. Endlich zeigt sich die frei ausgebreitete Fläche
von kleineren und grösseren Löchern durchbrochen, den
Mündungsstellen der aus der Lederhaut führenden und | in
len Leibesraum mündenden Bluträume ?).
4. Muskeln.
220 Leydig:
Museulatur zur Haut schon einigermassen an die Wirbel-
thiere, insofern die Hautdecke durch mächtige Entwickelung
der eutieularen Abscheidungen eine gewisse Selbständigkeit
annimmt und die Museulatur des Stammes unter ihr liegt, 9
nur von Stelle zu Stelle an die Segmente und inneren Vor- °
sprünge des Panzers sich ansetzend. |
Bei den Weichthieren ist noch wie bei den meisten ®
anderen Wirbellosen die Hautdeeke nicht selbständig, son- 4
dern in unzertrennlichster Weise mit der Musculatur ver- 5
webt, und dieser Umstand bedingt auch die so bedeutende 1
Dicke der Lederhaut. | 7
Die Muskeln der Leibeswand halten zwei Haupt-
richtungen ein: nach aussen oder oben liegen die Ring- ©
muskeln, nach einwärts oder unten die Längszüge, beidemal
wegen der Menge der Bluträume in Gruppen oder Bündel‘ 4 \
aufgelöst. Quersehnitte durch kleinere weniger pigmentirte
Arten wie z.B. von Limax arborum Bouch. geben hierüber | E:
gute Ansichten. Im übrigen sind die Muskelfasern noch in
mannichfaltigster Weise verflochten und bilden einen enten
Theil des Schwammwerkes, so dass dessen Balken oftmals |
nur einen dünnen bindegewebigen Saum besitzen dr im #
Uebrigen rein muskulös sind. 3
Es erstrecken sich die Muskelzüge durch die ganze "
Hautdecke, also auch nach oben um die nachher zu er-
örternden herum, bis unmittelbar unter den homo- 3
genen häutigen Ceurasnım. dem das Epithel aufsitzt. Da
die äussere Lage ringförmig verläuft, so können noch in.
ganz feinen Schnitten die Muskeln Bogenlinien erzeugen.
Die Muskelelemente werden nach oben hin, gegen die Grenze |
der Lederhaut, schmaler. - "
u
5. Schleimdrüsen.
denke ich derselben auch bezüglich des Ancylus ?):; „Ganz
1) a. a. ©. Separatabdruck 8. 7.
2) Histologie, S. 107.
.
; «Ace Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 991
kleine. Individuen, welche man unverletzt auf den Rücken
gelegt hat, lassen ringsum am Mantelsaum sehr deutlich
_ retortenförmige Drüsen erkennen.“ |
h Gegenwärtig habe ich sie bei verschiedenen Pulmo-
' naten vergleichend geprüft und möchte zunächst gegenüber
von Semper, welcher „das Lumen der Drüsen mit sehr
grossen Zellen angefiillt* sein lässt, bemerken, dass es sich
in unserem Falle nicht um mehrzellige, sondern unzweifel-
hat zur um einzellige Drüsen handelt.
N Was ihre Verbreitung angeht, so sind sie bei den
eissehnecken ) allgemeiner über die Körperhaut ausge-
"streut, als bei den Gehäusesehneeken; denn sie fehlen bei
- den letzteren in den von der Schale bedeekten Stellen. Doch
auch bei Nacktschnecken giebt es Gegenden, wo sie mangeln:
so z. B. fehlen sie an der ganzen Strecke des „Halses“,
welche unter dem frei und dachartig vorspringenden Rande
des Schildes verborgen liegt (Timax einereus List.); in der
Haut des Kopfes schienen sie mir z. B. bei Limax meargi-
natus Drap. zu Ds jedoch bei Limax cinereus zeigten
sie sich- auch in der Haut der Fühler, wenngleich aller-
‚dings hier von nur geringer Grösse.
- Ihr Umfang ist überhaupt ein sehr verschiedener:
meist von Form kleiner gestielter Beutelehen, werden sie
n andermal zu grossen, sich in die Tiefe der Lederhaut
1) Dass ähnliche oder gleiche Drüsen auch bei Nacktschnecken
s Meeres sehr verbreitet sind, ersieht man aus dem Werke:
ıper: Reisen im Archipel der Philippinen. II, Theil. 2, Band
lacologische Untersuchungen von Rud. Bergh). Meist sind
die Drüsen nur im Umrisse gezeichnet, von Beutel-, Hauben-
nd Schlauchform; aber im Heft IX auf Taf. XXXVIH, Fig. 19 er-
:inen aus Bornella calcarata die Drüsen in histologischer Aus-
rung sehr schön dargestellt, und zeigen ganz die gleiche Son-
ng, wie ich sie bei unsern Nacktschnecken beobachte. Ob nicht
h bei den Mollusken des Meeres die so abweichenden und nachher
erörternden „Kalk- und Farbdrüsen‘“ vorhanden sind, getraue ich
ir leider aus den Angaben im gedachten Prachtwerke nicht zu be-
men. Immerhin bedünkt mich, alsob die „kalkweissen Drüsenlager“,
222 \ Leydig: tum a a u.
erstreckenden Säcken!). Im Mantelrand von Helix nemo- -
ralis z. B. sah ich einzelne von soleher Grösse, dass sie
für’s freie Auge als graue Punkte durehschimmerten. Die
letzteren waren aufs Dichteste erfüllt mit den noch zu be-
sprechenden speeifischen Körperchen. {
Der feinere Bau der Drüsen hat manches Beachtens- °
werthe. Man unterscheidet eine homogene Grenzhaut oder
Tunica propria, welche an fertigen Thieren zwar von dem |
bindegewebigen Faserwerk ‚der Lederhaut geliefert zu sein ;
scheint. An Embryonen jedoch, bei welehen gedachte Drüsen °
bald auftreten, gewinnt man die Ueberzeugung, dass die 7
Haut gleich einer Zellenmembran ist, abgeschieden als Cu-
tieula von dem Zellenleib. Das Protoplasma stellt sich
entweder gleichmässig heil, oder in anderen Fällen fein
granulär dar; oder man bemerkt in den ganz grossen Säcken
eine Zerlegung in eine breite helle Randzone, welche zu-
nächst unter der Tunica propria sich hinzieht und in eine”
körnige, die Hauptinasse vorstellende Mitte?). An der hellen
Randzone glaube ich eine feine radiäre Streifung wahrzu-
nehmen, ähnlich wie an der Zona radiata des Eierstocks-"
eies etwa der Reptilien®). h
1) Man vergleiche z. B. Figur 44 und Figur 45. i “
2) Man vergleiche Fig. 28, Fig. 30, Fig. 43, Fig. 44, Fig. 45,
3) Ich habe vor Kurzem auf ähnliche von mir und Andern
beobachtete Sonderungen des Protoplasma als einer allgemeineren /
Erscheinung hingedeutet. Den eigenen Beobachtungen könnte jetzt
noch die weitere angefügt werden, dass an ganz jungen Eierstocks-
eiern von Rana oxyrrhinus, weiche zuerst mit Chromsäure, alsdann
mit Glycerin behandelt worden waren, das Protopiasma oder der
Dotter durch die Lagerung der Körnchen ein gewisses zart radiäres
Streifensystem darbot. In übersichtlicher Zusammenfassung lassen
sich meine Wahrnehmungen folgendermassen aufzählen: 4
A. Concentrisch geschichtete oder schalige Sonderung,
des Protoplasma: A
Ganglienkugeln bei Inseeten und Anneliden. (Vom E
Bau d. thier. Körpers, 1864, S. u ‘
B. Streifige Sonderung:
1. Längsstreifige: E
Epithelzellen in den Malpighi’schen Gefässen ab In-
secten (Allgsm. Bedeekgen. d. Amphibien, 1876, $. 110);
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden eic. 223
Häufig erscheint als Inhalt der Drüse eine Masse
eigenartiger Gebilde, welche Semper!) zuerst beob-
“ achtet und unterschieden hat. Es seien kleine, blasse,
spindelförmige oder länglich runde, mitunter einem Schleif-
stein ähnliche Körper. Der Entdecker war, indem er ihrer
im Hautschleim ansichtig wurde, anfangs geneigt, sie für
Fische Bildungen zu halten. Aber die weitere Unter-
| suchung klärte auf, dass die Körperchen in den Schleim-
. drüsen der Cutis „als wahre Kerne“ wieder aufzufinden
- seien. Die Annahme, dass die Körper die Kerne seien,
. erklärt sich daraus, a Semper die Drüse mit grossen
, Zellen angefüllt sein lässt. |
Ich habe diese speeifischen Elemente bei den ver-
schiedensten Arten der Gattung Arion, Limax und Helix
als Inhalt der Schleimdrüsen kennen gelernt?), und sie
NR
i I Der
Epidermiszellen von Hyla arborea. (Organe d, sechsten
Sinnes, Nov. act. acad. Leop. Carol. Vol. XXXIV, 1868).
2. Querstreifige:
Epithelzellen der Oberlippendrüse der Schlangen (Kopf-
drüsen der einheimischen Ophidier, 1873); Daumen-
drüse der Batrachier (Bau d. Zehen bei Batrachiern,
1876); Drüsen in den Mundlappen der Schnecken.
. (Gegenwärtige Abhandlg.)
8. Radiärstreifige:
a. durch die ganze Zelle:
junge Eierstockseier von Rana oxyrrkinus (siehe
oben).
b. durch die Rindenschicht der Zelle:
Eierstockseier der Reptilien (Die in Deutschland
. lebenden Arten d. Saurier, 1872); Hautdrüsen der
Raupen (Farben d. Hautdecke etc. bei Insecten,
1876); Hautdrüsen der Schnecken, (Gegenwärtige-
Abhandlg.)
C. Netzartige Sonderung des Protoplasma:
/ Zellenkerne von Triton (Vom Bau d. thier. Körpers,
1864, S. 14), Schleimzellen von Anguis fragilis (Sinnes-
organe d. Schlangen, 1872), Blutkörperchen von Triton,
Epithelzellen der Kloakendrüse von Triton. (en
z Bedeckgen. d. Amphibien, 1876.)
in
Beet Fig. 28, Fig. 31, Fig. 33, ‚Fig. 43, Fig. 45, c.
224 Leydig:
mögen bei fernerer Prüfung und sehr stark vergrössert
auch nach den Arten Verschiedenheiten darbieten. So finde
ich bereits, dass sie bei Limax agrestis L. kleiner sind, als
bei Limax marginatus Drap., und in Limax variegatus Müll.
nicht blos kleiner, als bei den eben genannten Thieren, ’
sondern auch länglicher. Ja bei Embryen dieser Nackt-
schneeke, mit noch grosser Schwanzblase, allwo die Drüsen 3 |
sich schon sehr deutlich in der Haut abheben, nahmen
sie sich mehr wie helle Stiftehen oder Stäbchen aus. Wenn
ich an Limax marginatus Drap. sie sehr stark vergrössere,
so gewahre ich an ihnen bei Syst. 10 Hartnack einisen |
aber immerhin sehr blasse Schichtungslinien, während sie
bei Syst. 8 wie rein homogen sich ausnehmen. i
Ueber die Entstehung der eigenartigen Körperchen 4
habe ich noch keine Kenntniss. Es verdient aber bemerkt ”
zu werden, dass bei den Arten von Zimax häufig die Drüsen °
anstatt der Spitzweckehen, wenn wir sie so nennen wollen, °
mit einer hellen, homogenen, das Licht stark brechenden °
Substanz gefüllt waren. Wenn in grösserer Menge vor- 5
handen, steht diese Masse in Gestalt eines kurzen Pfropfes
aus der Drüsenmündung hervor. Bei Betrachtung der ”
frischen Haut von der Fläche, befeuchtet mit dem Blute
des Thieres, macht sie sich in Form von hellen Flecken, 4
welche scharf umschrieben und glänzend zwischen den
Epithelzellen sich abheben, sehr bemerklich!). Dieses Bild
gewährte z. B. die Haut von Limax cinereus und Limax
voriegatus. Bei Zusatz von Essigsäure quillt die Substanz
auf und die Oeffnung der Drüsen zwischen den Epithel- °
zellen erscheint jetzt viel grösser. Auch bei Helix thymorum MM
ist der Inhalt der Drüsen eine helle Substanz, die nach
hinten kuglig, nach vorne fadig sich auszieht und in dieser ©
Form aus der Oeffaung der Drüse zwischen den Epithel-
zellen hervorsteht. Ich meine zarte spiralige Linien an dem ®
Innenkörper wahrzunehmen °). “=
Es würde sich lohnen, alle die einheimischen Schnecken- 4 |
gattungen und Arten auf den inhalt der Drüsen zu durch- I
i) Figur 32, a.
2) Figur 30, a
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden ete. .'225
mustern. Denn z.B. bei Hyalina eellaria, allwo sich schon
in der Haut des Rückens für die Lupe und selbst für’s
freie Auge aus dem dunklen bläulich schimmernden Haut-
pigmente die Schleimdrüsen sehr scharf abheben, zeigen sie
sich unter dem Mikroskop durch ihren Inhalt als höchst scharf
gerandete, ovale, helle Körper. Und dieser Inhalt erscheint
entweder als reine homogene Masse, oder er zerlegt sich
in eylindrisch gekrümmte Züge und nach Einwirkung von
Reagentien, etwa von chromsaurer Kali, nimmt sich die
Masse aus wie ein langer Nesselfaden, oder ein zu einem
-_ Knäuel zusammengeschobener Byssusfaden. — Auch die
vorhin erwähnten feinen spiraligen Linien an der hellen
Inhaltsmasse der Drüsen mögen wohl auf eine fadige Son-
derung hindeuten.
Im Grunde der Drüsenbeutelchen liegt ein grösserer
rundlicher Kern, umgeben von feinkörniger Zeilsubstanz,
welche sich, wandständig und dabei dünner werdend, nach
‚vorne ausdehnt, also gewissermassen die Becherform hat.
' Sie begrenzt den Raum, in welchem die spindelförmigen
‚ Körper, die helle stark lichtbrechende Substanz und ihre
- Abänderungen sich als Abscheidungsproduete zeigen.
F Endlich lässt sich oftmals — ich sah es bei mehreren
Arten von Helix — wahrnehn nen, dass an das blinde Ende
der einzelligen Drüse sich der Sireilen einer blasskörnigen
r Substanz ansetzt, der wohl nichts anderes als ein Nerv
‚sein kann!).
- Es wurde bereits erwähnt, dass die Schleimdrüsen an
einem und demselben Thier und auch an der gieichen Haut-
elle von sehr verschiedener Grösse sein können. Jetzt
wäre zu berichten, dass sie da und dort in grösseren Gruppen
beisammen stehen, so z. B. am Mantelrand bei Helix,
ulimus und anderen Arten.
Auch die sogenannte Schwanzdrüse der Nackt-
hnecken gehört hierher. Sie ist kein eigenthümliches
rgan, bewahrt auch keine Selbständigkeit gegenüber den
1) Fig. 29. Ich habe diese Thatsache schon anderwärts ge-
meldet und durch eine Abbildung veranschaulicht. (Archiv f. mikrosk,
Anat. Bd. XII, Taf. XXI, Fig. 6.
Archiv 1. Naturg. XXXXIL. Jahrg. 1. Bd. 15
TEN;
236 Leydig:
Schleimdrüsen der Umgebung, sondern ist nur eine An-
häufung sehr entwickelter Drüsen der gleichen Beschaffen- ;
heit. Bei Limax marginatus Drap. sind sogar die Drüsen-
säcke der Schwanzspitze nicht grösser und zahlreicher, als
sonst am Rücken. Bei den Arten von Arion hingegen
nimmt ihre Grösse und Zahl an der Schwanzspitze zu.
Das Secret fliesst in eine dreieckige Furche der Oberfläche °
des Schwanzes, gewissermassen in einen Sammelraum, zu-
sammen. Aus Beobachtungen, welche ich über die Ent-
wiekelung der Nacktschnecken anstellte, will es mir scheinen,
als ob die Entstehung der dreieckigen Grube, in welche °
sich später das Secret sammelt, mit der Zurückbildung
und dem endlichen Sehwund der Schwanzblase in Be-
ziehung stehe. Ei
Nach dem Voranstebenden zeigen die Schleimdrüsen
mancherlei wichtige Verschiedenheiten in dem, was sie
bervorbringen und in ihrer Beziehung zu Nerven. Man
darf deshalb wohl annehmen, dass sie an der Bildung des 4
Hautschleimes in verschiedener Weise sich betheiligen, E
ähnlich wie der „Speichel“ bei Säugern und Reptilien aus
wirklichen Speicheldrüsen und aus Schleimdrüsen herstammt,
oder wie die Säckchen in der Haut der Batrachier nicht das
gleiche Secret liefern, oder endlich wie die Spinndrüsen der )
Araneen unter sich nicht von gleicher Art sind. Sonach 7
möchten auseinanderzubalten sein: e
1. Jene Drüsen, welche die spindelförmigen Körperchen
erzeugen. -
2. Die Drüsen, deren Inneres eine hell glänzende. |
Rindensubsianz darbietet nebst körniger Mitte. “
3. Solche, welche den Byssusfäden ähnliche Massen. |
erzeugen. 4
4. Endlich diejenigen, welche den Nervenendigungen ; |
aufsitzen. m
Die mehrfach erwähnten „schleifsteinähnlichen Kör- E
perchen“ sind wohl mit den stabförmigen Gebilden,
wie sie bei zahlreichen Anneliden in Hautdrüsen bereitet
werden, in Eine Gruppe von Elementen zusammenzustellen. |
)
: "Die Hautdeoke und Schale der Gastropoden ete. 227
Jeber diese „corpuseules bacillaires“ der Ringelwürmer
ergleiche man besonders die Angaben von Claparede,
relcher sie von verschiedenen Gattungen abbildet!), und
" woraus man ersieht, dass sie ebenfalls Verschiedenheiten
n Grösse und Form rach den einzelnen Gattungen und
sten an sich haben. Auch die Nesselkapseln der
Zoophyten halte ich für verwandte Körper; ja man könnte
sich beinahe geneigt fühlen, manche Formen jener Elemente,
‚welche ich aus den Hantdräsen der Batrachier Bo ehrichen
"habe, hier anzureihen. Jedenfalls bilden auch sie einen
Theil des Hautschleimes. |
Mit mehr Sicherheit als im Hinblick auf die Batrachier
ergleiche ich die zusammengerollten Fäden in manchen
dieser Drüsen den Fäden des von einer Drüse gelieierten
yssus Bei den Muscheln. Selbst an een
us. m frischen Schleim heben sie sich zwar an ab,
ingegen nach Einwirkung von Weingeist treten sie deutlich
s helle homogene Fäden hervor, vielfach zusammengerollt
n Ele in a andling n ‚einem en ei
\ Bedenkt man, dass nach Mittheilung Anderer?) die
en Thiere von Limax sich an einem Schleimfaden von
| zu bedeutender Höhe a eine
228 | Leydig:
Fäden in den Schleimsäcken von Myxine glutinosa ver-
wandt sind, diese „Schleimsäcke“ aber in die Reihe jener
Organe gehören, welche man als Sinneswerkzeuge zu deuten '
befugt ist, so werden wir unwillkürlich an jene Drüsen-
formen !) in der Haut verschiedener anderer Wirbellosen
erinnert, welche durch ihr Aufsitzen an Nervenenden neben °
der Seeretion auch irgend eine Empfindung vermitteln.
Und dass die „Schleimdrüsen“ der Gastropoden theilweise ”
sich mit Nervenenden verbinden, wurde ausdrücklich er-
wähnt. E
Die Frage, sollen die einzelligen Schleimdrüsen der 3
Oberhaut zugerechnet und als Umbildung von Epithel- )
zellen angesehen werden, oder gehören sie der Le der
haut, auch ihrem Ursprunge nach an, wird in sehr ver-
schiedener Weise beantwortet. + 4
Boll?) betrachtet sie als Becherzellen des Epithels,
welehe sich äusserst vergrössert haben, so dass der Zellen-
kö:per seinen Platz in der Tiefe der bindegewebigen 7
Cutis zu nehmen habe. Flemming?) hingegen spricht”
sich sehr entschieden dahin aus, dass die Drüse eine Zeile
des Bindegewebes sei, „die durch Metamorphose ihres Leibes
die Massen von Schleim produeirt“, Nach dem, was mich
die Untersuchung der fertigen Thiere und des Embryo (vom
Iimax variegatus) gelehrt hat, muss ich die Ansicht, dass
die Drüsen umgebildete, vergrösserte und nach einwärts
gewachsene Epithelzellen sind, für-die richtigere halten.
Fine gute Darstellung des feineren Baues der Fuss )
drüse hat Semper gegeben. Ich habe namentlich an
Arion empiricorum wich durch Querschnitte zu unterrichten |
1) Vergl. m. Abbandlung: Organe des sechsten Sinnes. ee
2) Beiträge zur vergl. Histologie des MO Ar ei
f. mikr, Anat. 1869.
3) Untersuchungen über SRIEDPERIE UN der Mollnsken. Arck h
f. mikr. Anat. 1870. AR.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 229
gesucht, wobei man sieht, dass in den hinteren Partien des
Fusses die Drüsenmasse dieker wird und die Drüsenbälge
j den Canal, in den sie münden, stärker umgreifen. Nach
vorne zu springt nur von unten her das Drüsenlager in
den weiten Gang vor und die Bewimperung des letzteren
beschränkt sich auf die Fläche, allwo die Rinzeldrüsen aus-
h münden. Die Rückenwand des Canales ist ohne Flimmern )).
| Wir werden sehen, dass in den Mundlappen Drüsen
verborgen sind von gleichem Bau, wie jene des Flusses
und sie lassen sich als Ergänzungsstücke der Fussdrüse
- ansprechen, wie denn auch das Flimmerepithel des Fuss-
canales, der hier erweitert ausmündet, sich erst gegen die
undlappen hin verliert. |
Die Fussdrüse gehört zu den Organen, welche früh
schon sich ausbilden. An Embryen von Limex variegatus
mit grosser Schwanzblase erstreckt sie sich bereits deutlich
nach der Länge des Fusses hin.
a 6. Farb- und Kalkdrüsen.
‘Die an sich graue Lederhaut eines Arion empiricorum
Yeiet unter dem Epithel eine über den ganzen Körper sich
eckende- rothgelbe Pigmentzone, Das Grau kommt be-
sonders auf Rechnung der in die Lederhaut eingewebten
useulatur des Stammes. Nach unten, also gegen die
eibeshöhle zu, erstreckt sieh wieder eine weissliche, durch
Kalk bedingte Zone über den Körper hin und fehlt nur
m Kopf. Längsschnitte durch das in Weingeist erhärtete
ganze Thier geben über gedachte Vertheilung der Schichten
Bere: en Aufschluss.
y Schon früher war in einigen Schriften tadelnd bemerkt wor-
den, dass ich die Fussdrüse für den Sitz des Geruchsinnes erklärt
3 te, und vor Kurzem wird dasselbe zweimal in der Abhandlung
Simroth’s: Dis Sinneswerkzeuge der einheimischen Weichthiere,
ischrift f. wiss. Zoologie, 26. Bd. ebenfalls vorgebracht. Es darf
ahe r wohl die Bemerkung am Platze sein, dass ich auf die Ehre
ieser Deutung der Fussdrüze gar keinen Anspruch habe, da der
merikanische Zoologe Leidy es gewesen ist, nicht ich, der die an-
ei ır6e Ansicht ausgesprochen hat. (Annals of natur. hist. vol. 20.)
230 hey ee
Wo ist nun das rothbraune Pigment von Arion em- 4
piricorum enthalten? Es liegt in Zellen, welche dem Ge-
webe zwischen den Schleimdrüsen angehören. In der
Zellen wie scharf abgegrenzte Pigmentflecke aus, von rund-
lich eckiger Form. Blickt man auf den umgeschlagenen °
Hautrand, so geht ein feiner pigmenterfüllter Halstheil
durch das Epithel hindurch. Man hat anscheinend das °
Bild einer einzelligen Drüse. Grössere Farbdrüsen zeigen °
sich aber entschieden mehrzellig, indem die „Drüse“ buchtig
sich ausbreitet und jede Ausweitung abermals einen Zellen- °
bezirk vorstellt. “
Bei Limaz variegatus, dessen frische Haut etwas wachs-
ähnlich Durchschimmerndes an sich hat, lassen sich die
Farbdrüsen!) verhältnissmässig leicht untersuchen. Das 9
eigenthimliche Graugelb, welches, wenn mehrere „Drüsen“ '
sich decken, zu einem Hochgelb gesteigert erscheint, ist
ein diffuses Pigment und liegt in Netzen, welehe aus Balken
oder Strängen von Zellen bestehen. Nach einwärts stehen
sie in Zusammenhang mit dem Balkenwerk der Lederhaut,
nach aussen gehen feine Gänge durch das Epithel hindurch.
Der gleiche Zusammenhang mit den Zügen des
schwammigen Bindegewebes besteht bei den „Kalk-7
drüsen“, wie.denn die letzteren von den Farbdrüsen im °
Wesentlichen nicht verschieden sind. Schon mit auffallen-
dem Licht lässt sich an Hautstücken von Arion empiricorum "
deutlich bestimmen, dass die gelbrothen Farbdrüsen in die
weissen Kalkdrüsen übergehen. Beide können, nach dem
Umfang, in welchem die Zellen mit gefärbtem oder unge-
_ färbtem Kalk gefüllt sind, das Bild einer einzelligen oder
mehrzelligen Drüse geben. R.
Diese Verhältnisse wurden mir zuerst völlig klar an
Limex merginotus Drap. Schnitte durch die ganze Hau
belehren, dass eine Menge Kalk abgesetzt ist, und dass da-
von das Grau der Grundfarbe herrührt?). Von innen nach
auswärts treffen wir zuerst auf eine helle, weniger kalk-
1) Figur 31, e.
2) Figur 27.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 231
reiche Muskelzone, dann folgt eine Mittelschicht, welche
von kalkerfüllten Netzen aufs Dichteste ok ist!);
endlich am Rücken und zwar in den Leisten sind die Kalk-
- drüsen am zahlreichsten. Am Fusse, vom Seitenrand gegen
r die Mitte hin, verdünnen sie dich allmählich oder sind
\ wenigstens so spärlich geworden, dass man nur einzelnen
\ noch begegnet, während die Schleimdrüsen in unveränderter
Menge über die ganze Fussscheibe weggehen?). In den
" „Kalkdrüsen“ ist der Kalk feinkörnig und hat einen leicht
Bo nrciten Farbenton, in den Kalknetzen der Mittelzone
B ist der Kalk ungefärbt Bon grobkörniger Beschaffenheit.
" Schon an dieken Schnitten wird wahrscheinlich, dass
- ein unmittelbarer Zusammenhang der Kalkdrüsen mit den
v. Kalknetzen vorhanden sei, besonders deutlich an Thieren,
welche in Weingeist Bettler wurden, wodurch die Drüsen
stark gegen das Epithel streben, das hintere Ende aber
"nicht bestimmt gegen die nee sich abgrenzen will.
ms dasselbe lässt sich an feinen Schnitten und an Zer-
> an
in. in ls der Kalk bereits iokorniger
‚geworden ist; an der Drüse, welche gern die Form eines
nglichen gebuchteten Säckchens hat, erscheint die Um-
.. 1) Bei den Arten von Limas, z. B. L. agrestis, L. cinereo-
ch weniger als bei Arion, ZDimax marginatus Drap. nähert sich
r bekanntlich in Vieiem der Gattung Arion.
232 Leydie: : 4
den Zügen des Hautmuskelschlauches einmal überzeugt, so
versteht man auch die Bilder, welche der Mantelrand der
Gattung Helix darbietet. Bei H. nemoralis z.B. erscheinen die °
Kalkdrüsen an genanntem Orte von der Fläche gesehen als °
unregelmässig eckige, strahlige Körper, auch wohl von Netz-
form, die einen gross, die andern klein, wieder andere ganz °
gross. Das netzartige Aussehen rührt nicht bloss davon
her, dass sich die buchtig ausgezogenen „Einzeldrüsen“ ®
übereinander wegschieben und decken, sondern es beruht |
auf wirklicher Verbindung mit den netzartig angeordneten
Bindegewebszellen. Die Kalkdrüse besteht aus einer An-
zahl von Bindesubstanzzellen, die mit Kalkkörperchen ge- ”
füllt sind und sich nach aussen durch Intercellularräume y
des Epithels öffnen.
Wenn die Kalkdrüsen weniger dicht stehen, so z. B
am Rande des Fusses (Helix ihymorum), so nähert nich 4
ihre Form mehr jener von echten Drüsensäcken, indem die
‘ mit feinkörnigem Kalk erfüllten Zellen sich nach verschie- °
denen Seiten stark vorwölben und überdies die Verbindung
mit dem Zellennetz verdeckt sein kann. Aber man fertige
gute Präparate an und es kommt zum Vorschein, dass doch .
seitwärts von dem scheinbar geschlossenen Drüsensäckchen
ein F'ortsatz abgeht, der von heller Beschaffenheit, jetzt
sich vielleicht theilt, und mit dem einen Ausläufer unmittel-
bar übergeht in das lockere, eine Schleimdrüse um- ”
gebende Bindegewebe, und mit dem andern abwärts in das
Zellennetz zwischen den Muskelzügen sich verliert. %
Bei den Helieinen (H. nemoralis) ist der Rand des
Fusses, dann insbesondere der wulstige Mantelrand von 4
vielen „Kalkdrüsen“ durchzogen und ich glaube auch bei
den Limaeinen noch den Rest dieses stark drüsigen Gürtels ”
am Mantelrand wahrzunehmen. Man sieht nämlich z. B.
an Limax carınatus Leach (L. marginatus Drap.) um das 7
Athernloch !) herum einen weisslichen Ring, der von einer
massigeren Entwickelung der Kalkdrüsen an dieser Stelle °
1) In der Schrift von Goldfuss (Mollusken der Rheinprovinz) h:
wird das Athemlcch irrigerweise immer Athemhöble genannt, während. ”
ea doch nur die Oeffnung der Lunge nach aussen ist.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden ete. 233
" herrührt. Auch bei Limax agrestis und Limax ceinereus
lässt sich das Gleiche wahrnehmen. Die von Kalk er-
füllten Zellstränge sind dergestalt sackig ausgeweitet, dass
"auch sie dem Bilde echter Drüsen nahe kommen.
| ‚Das kalkführende Zellennetz zwischen der Haut-
" museulatur entspricht nach meiner Auffassung dem Fett-
"körper der Arthropoden. Und wie dort zumeist Fett in
die Zellen abgelagert ist, auch in der Weise, dass drüsen-
ähnliche Figuren entstehen, wie denn Dufour z.B. vor langen
" Jahren aus dem Fettkörper der Caraben drüsenartige Beutel
beschrieben hat, so erzeugen hier bei den Weichthieren
"mit Kalk erfüllte Partien des Zellennetzes die drüsenähn-
liehen Abgrenzungen. Die groben Körner in den Netzen
"zwischen den Muskeln sind in den „Kalkdrüsen“ zu weiterer
Verwendung so fein gepulvert, dass die Kalkmoleküle in
den frisch und ohne Druck untersuchten Zeilen die leh-
hafteste Moleeularbewegung sehen lassen. Wo der Kalk
"nieht mehr nach aussen abgesetzt werden soll, wie an Ge-
"häuseschnecken unterhalb de. Schale, mangeln auch die
änge durchs Epithel; aber die mit Kalk erfüllten Zeilen-
ränge des Bindegewebes bestehen fort. Um von Letzterem
sich zu überzeugen, prüfe man vergleichend von kleineren
Schnecken, z.B. Helix ihymorum, den Mantelrand und jenen
heil der Haut, welcher die hintersten Leberwindungen,
i Wirbel des Gehäuses, umschliesst. Dort finden sich
Kalkdrüsen“, hier die entsprechenden kalkig erfüllten und
sackartig ls öisi&benen Zellenbalken, hingegen fehlen die
änge für den Durchtritt des Kalkes durch das Epithel.
Weiterhin lehrt auch -die Untersuchung des echten
max cinereus List, dass die „Kalkdrüsen‘ schon im
chen Zustande nirgends in der Haut vom Aussehen der
rüisen sind ; sie stellen sich vielmehr als kalkerfüllte Binde-
stanzzellen dar, welche die Schleimdrüsen umgeben.
h hat der Kalk hier keine grobkörnige Beschaffenheit;
Verlängerung nach oben durch die Epithelzellen ist
eht wahrnehmbar. Selbst nach Anwendung von Kalilauge,
rch bei anderen Arten der Kalk lebhaft zwischen den
elzellen vordringt und nach aussen quillt, kann man
N etwas von solchen Gängen erblicken.
234 | Leydig:
Dass „PFarbdrüsen“ und „Kalkdrüsen“ von gleicher |
Natur sind, lässt sich an Limax variegatus Müll. noch be- 4
stimmter bekräftigen, indem dort die „Kalkdrüsen“ nicht
mit Kalk, sondern nur mit diffusem gelben Pigment er-
füllt sind. 3
Eine Eigenthümlichkeit, welcher ich öfter unse
wurde, bestand darin, dass der Inhalt sowohl der Farb- | j
wie Kalkdrüsen wie zerklüftet sich ausnahm und damit an
ein gefurchtes Ei erinnern konnte. |
Nachdem wir die den Hautschleim absondernden Or-
gane kennen gelernt, mag es passend erscheinen, auf die
Zusammensetzung dieser Masse selbst einen Blick zu werfen.
Der Hautschleim ist nicht von gleicher Beschaffen- °
heit bei allen Arten, sondern zeigt Abänderungen, welche °
in den Eigenthümliehkeiten des Baues der Haut begründet
sind, wie ich sie im Obigen dargelegt. r
80 ist bei dem echten Limax einereus List. das frische
Hantseeret wasserhell, und die wenigen weisslichen Streifen,
welche darin hinziehen, rühren von. den aus den Schleim-
drüsen abgegangenen Katpeschen und etlichen Epithelzellen,
sowie einer Spur von Kalk her. Auch bei Limax variegatus”
Müll. hat der Schleim etwas selır helles und verhältniss-
mässig flüssiges, und man wolle sich hierzu erinnern, dass“
die „Kalkdrüsen“ in gewissem Sinne bei dieser Art zu?
reinen „Pigmentdrüsen“ geworden sind. Das gelbe Pigment”
tritt erst aus und mischt sich dem Schleim bei, wenn dan
Thier recht unsanft behandelt wird. E
Ganz anders verhält sich Limax marginatus Drap, 3
Eine weisse, zähe, fast firnissartige Materie wird vom Thiere’
abgeschieden. Die weisse Farbe derselben hängt zusammen
mit der starken Entwickelung der „Kalkdrüsen“, welche. ;
zahlreiche Kalkmoleküle dem Schleim beimischen, weshalb"
auch zugesetzte Essigsäure viele Luftblasen entwickelt.
Das firnissartige Wesen ist bedingt durch die oben he-
sprochenen, den Byssustäden der Muscheln ähnlichen Go-
bilde. Indem man das Thier im Augenblick der Abson-
derung des Schleimes näher betrachtet, zeigt sich, dass vom
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden ete. 235
Schild. weissliches und mehr flüssiges Secret abfliesst, hin-
gegen das zähe firnissartige von den Seiten des Leibes und
der Bauchfläche geliefert wird.
Im Schleime von Arion empiricorum sind auch noch
" Kalkmolekule beigemischt, welche von gelbem oder bräun-
"lichem Farbstoff durehdrungen, wie Ru uunm. sich
ausnehmen.
| Endlich bildensehr alleemein die „schleifsteinähnlichen“
- Körperchen einen Bestandtheil des frischen Hautsecretes.
Anmerkung 1. Die bedeutsame Thatsache, dass bei den
" Pulmonaten die Bindesubstanzzellen der Haut nicht bloss Kalk auf-
nehmen, sondern denselben in molekularer Auflösung auch nach
| ‚aussen wie ein Seeret absetzen, bringt mir die Käfergattung Dytiscus
und eine von jedem Entomologen beobachtete Erscheinung in die
' Erinnerung. Genannter Wasserkäfer lässt wie zur Vertheidigung
aus der Vorderbrust eine milchige übelriechende Flüssigkeit hervor-
- quellen und ich habe früher mehr als einmal nach Drüsen gesucht,
" welche als Bereitungsstätte angesehen werden könnten. Doch immer
vergeblich: ich sah nur die von mir näher beschriebenen einzelligen
Hautdrüsen, und diese sind es schwerlich, welche die milchige Flüs-
‚Sigkeit bereiten. Sollten nicht — und der nächste Beobachter wird
Hi "jetzt vielleicht Antwort zu geben vermögen — auch dort Abschnitte
"des Fettkörpers, dem physiologischen Sinne nach, zu Drüsen werden
' können?
Anmerkung 2. Nach meiner Ansicht lässt sich die milch-
farbige Feuchtigkeit aus der Haut der Batrachier mit dem Hautschleim
der Gastropoden nicht nur, sondern auch mit dem Nesselsaft der
Zoophyten schon auf morphologische Gründe hin zusammenstellen,
Und die letztgenannte Thiergruppe anbelangend, so kann das physio-
| gische Verhalten zu Gunsten dieser Auffassung ebenfalls herange-
ogen werden, was hier nebenbei bemerkt sein mag, indem ich zu-
‚gleich auf die Versuche zurückweise, welche Spallanzani!) ange-
eilt hat. Der Saft der Qualle reizt die empfindlicheren Theile der
aut in. unangenehmer Art: auf der Spitze der Zunge erregt er
e Empfindung eines brennenden Stechens, das über einen Tag anhielt;
Tröpfehen dieser Flüssigkeit zufällig auf das Auge gefallen, ver-
cht eine noch weit schmerzhaftere Empfindung; selbst in der
hen Hand blieb immer einige Empfindung davon, wenn die Thiere
la ge Betrachtet worden waren. — lch habe anderwärts an die Be
236 Leydig:
exotischer Batrachier im Dunkeln phosphorescire. Auch am Nessel-
saft der Zoophyten kommt dasselbe vor, aber wieder nur beschränkt
auf gewisse Arten. Spallanzani erzählt, dass er auf seinen natur- .
historischen Reisen Gelegenheit gehabt habe, viele lebende Medusen
zu beobachten, im ligurischen und adriatischen Meer, im Archipelagus b;
und in dem thracischen Bosphorus; er habe aber nicht eine einzige
bemerkt, welche des Nachts geleuchtet hätte. Blos in der Meer-
enge von Messina kamen ihm phosphoreseirende Medusen zu Gesicht
und, indem er der Sache näher nachgeht, gewinnt er die Ueber- 7
zeugung, dass das Leuchten seinen Sitz in der dicklichen und etwas
klebrigen Feuchtigkeit habe, womit der Grund der Scheibe und °
namentlich die Fühlerfäden benetzt seien. Wenn Spallanzani den
Hautsaft der Batrachier in ähnlich gründlicher Weise untersueht
hätte, wie er es mit jenem der Medusen gethan, so hätte er gewiss
Vergleichungslinien zwischen den beiden Stoffen gezogen; aber aus
der Weise wie er über den „stinkenden Schweiss“ der Salamander
ın der Vorrede zu seiner Uebersetzung von Bonnet’s Werk über ?
die Natur?) redet, erhält man den Eindruck, dass seine Erfahrungen °
und Kenntnisse über den Hautsaft der Batrachier, dazumal wenigstens,
noch sehr gering waren, weshalb er allerdings zu Versuchen auf-
fordert und Vorschläge nach dieser Richtung macht.
' Der Gedanke, die scharfrandigen Körperchen im Hautsoorei
der Batrachier mit der ätzenden giftigen Wirkung dieses Stoffes be-
traut sein zu lassen, ähnlich wie ein Zusammenhang zwischen den
Nesseleapseln der Zoophyten und der brennenden Beschaffenheit ihres 4
Hautschleimes ausser Zweifel steht, könnte auch eine Unterstützung
in den Mittheilungen Bugnions?) über die Haut des Proteus finden,
In den Hautdrüsen des genannten Amphibiums fehlen nämlich die
Körperchen durchaus und vom Hautschleim meldet der genannte Be-
obachter: „n’a aucune propriöt& toxigue, en peut en ımouiller la :
langue et la conjonctive, sans ressentir la moindre irritation. ” 2
7. Pigmentzellen.
Das dunkle oder se a warze SE erscheint der- |
1772, vor mir.
2) Rech. sur les organes sensitifs, qui se trouvent dans Ve id
derme du Protee et de l’Axolotl. Bulletin N. 70 de la Soeciete
vaudoise des sciences naturelles. E
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 237
‚und zwar nach Beobachtungen am lebenden Thier!), von
beweglichen Farbzellen oder Chromatophoren haben. Es
können sich pigmenterfüllte Zellen von den äusseren Lagen
der Haut nach einwärts erstrecken, wie denn z. B. bei
Limax arborum Bouch. die Begrenzung des Leibesraumes
'schwärzlich gefärbt ist. Ausser dem dunklen Pigment,
"welches zu oberst liegt, kann noch ein bräunliches zu-
gegen sein, welches dem metallisch glänzenden der Ba-
trachier zu entsprechen scheint: ich sehe es z. B. in der
‘vom lebenden Limazx agrestis genommenen Haut des Schil-
des; sehr verbreitet findet man es auch bei Zimax margi-
.natus Drap. |
a Die Anhäufungen der dunklen Pigmentzellen bilden
gewisse Zeichnungen. Bei ZLimax cereus 2. B., nachdem
‚die von den „Farbdrüsen“ abgeschiedene wachsgelbe Schicht
‚abgestreift ist, erscheinen am Schild deutlich drei dunkle
Längslinien, wovon die seitlichen sich auch über den Rücken
hin fortsetzen. Sehr zugenommen hat die Menge der Farb-
‚zellen bei Limax cinereus, noch mehr bei Limax einereo-
‚niger, allwo es deshalb, bei Betrachtung der Haut von oben,
. die Oeffnungen der Schleimdri üsen dicht umgiebt. An Arion
'empiricorum teblt hingegen das dunkle Pigment in den
helirothen Thieren (A. rufus) nahezu völlig; noch am ehesten
rhält es sich in der Haut des Kopfes?). Gar manche der
u yı Ich habe darüber vor Kurzem berichtet. Farben d. Haut-
'deeke u. Nerven d. Drüsen bei Inseeten. Archiv f. mikrosk. Anat.
‚876, Bd. XU.
2) Das Beharren des dunklen Piykienten am Kopfe oder wenig-
ns im Musculus retractor der Fühler ist bemerkenswerth und
höngt wohl mit dem Bedürfniss des Auges für die Lichtempfindung
"zusammen. Es ist der Zurückzieher des oberen Fühlers oder Augen-
gers nicht selten ganz dunkel pigmentirt, bei sonstigem farblosen
1 er, z. B. in Helix. fruticum. (Nebenbei gesagt wird dieser
le, durch die Haut der Fühler schimmernde Streifen von Con-
Bene ne. Der wirkliche Augennerv ist von diesem
len. Muskel umschlossen und wird erst an Präparaten, nicht am
238 . Leydig:
an inklön Pigment den Albinos erde Anleiersene
kanı das dunkle Pigment bei derselben Species so zu- i
nehmen, dass das ganze Thier, selbst die Sohle, überdunkelt >
ist. Es hängt dieser Wechsel, wie es a zu einem
gewissen Grade mit den Oertlichkeiten des Vorkommens
zusammen, wovon unten gelegentlich der Aufzählung der
Arten Einiges beizubringen sein wird. Auch bei Arion
hortensis sind die Chromatophoren sehr zahlreich, so dass
sie eine zusammenhängende Schicht bilden. Bei Limazx
einereno-niger kann die sattdunkle Färbung abermals in
das Gegentheil umschlagen, denn ich habe ganz pigment
freie, also wie weisse Exemplare kennen gelernt.
Vergleichen wir bezüglich der Grösse die Chromato-
phoren der Wirbelthiere mit den beweglichen Farbzellen
der Limaeinen, so erscheinen letztere um vieles kleiner.
Fürs freie Auge zwar glaubt man etwa an Limax margi
natus Drap. riesige Chromatophoren zu erblicken, aber be
mikroskopischer Prüfung lösen sie sich als Gruppen klein
Farbzellen auf, welche sich zwischen die Drüsen und ih
Oeffnungen erstrecken.
Noch verdient das Blau des Lima ERSNEHUER Mal
eine Erwähnung. Ich hatte früher’) angegeben, dass kein
eigentlich blauer Farbstoff zugegen sei, sondern genannte
Farbe werde dadurch erzeugt, dass das dunkle Pigment im
Innern, namentlich am Museulus retraetor, durch das „trübe
Mittel“ der grauen Lederhaut durchschimmert. Diese Er-
klärung bleibt in der Hauptsache und ganz besonders :
die bezeichnete Stelle zwar bestehen, aber ich habe. mie
später bei erneuerten Untersuchungen überzeugt, dass den:
doch die Pigmentkörner an sich einen wirklich blauen To
haben, der zwar ins Dunkeiviolette und selbst ins f
Schwarze übergehen kann, und sogar das Kugenscli
besitzt noch einen Stich ins Bläuliche.
Muskel das Pigment fehlt, so z. B. bei Heli pulchella, wo alsd
die Augenpunkte mit dem Choroidealpigment besonders lebhaft >
dem sonst hellen Thier abstechen.
1) Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde
Würtemberg 1871, S. 223 Anmerkung.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 239
Der-Beachtung ist auch werth, dass sich gerne mit
© weissem unbebändertem Gehäus eine durch dunkle Pigment-
"zellen stark schwarz gefärbte Hautdecke verbindet. Ich
verweise z. B. auf Helix thymorum, wo an Thieren der
ürzburger'!) Gegend nicht nur Fühler, Rücken und Mantel-
" saum dunkel sind, sondern für das Mikroskop sich die
‚Chromatophoren über die ganze Haut weg erstrecken, aus-
‚genommen die Sohle, deren Rand übrigens auch noch pig-
tirt ist. Aehnlich verhält sich Helix ericeiorum. Recht
kel pigmentirt. Auch Helix arbustorum möchte ich er-
Die schwäbischen und fränkischen Exemplare
. in der Haut meist sehr stark dunkel gefärbt, m.
ie Helix nam der Tübinger Gegend ist viel weniger pig-
Ärt. — Von unseren drei Xerophilen hat H. ericetorum Müll.
lange gekrümmte Liebespfeile; die Basis derselben finde ich
mach oben werden sie vierkantig. Helix thymorum Alt. hat
einzigen, langen und dünnen Liebespfeil, dessen Oberfläche
twas rauher Beschaffenheit ist. Helix costulata Ziegl. besitzt
“* gabe der Autoren zwei kurze Liebespfeile. In Thieren von
Waldhäuser Höhe bei Tübingen liess sich — es war Ende.
— nichts von den Liebespfeilen entdecken. Ich habe
nderwärts bemerkt, dass auch die Schale in Grösse, Aus-
240 Leydig:
und Helieinen jederseits ein rückwärts gerichteter Haut- °
zipfel, der an der todten Schnecke‘) beinahe wie ein ‘
nach hinten gewandtes Fühlerpaar sich ausnimmt. Beim
lebenden Thier, wie man besonders dann gut sieht, wenn |
die Schnecke unter Wasser am Glase heraufkriecht, sind
sie in Leistenform gegeneinander gerichtet, stehen vor dem 7
Vorderrand des Fusses und befinden sich in fortwährend
tastender Bewegung. | |
Die nähere Untersuchung lässt bald bemerken, dass |
man es mit Verhältnissen im Bau zu thun hat, welche nicht
der ganzen Oberfläche des Thieres gemeinsam sind, sondern
nur auf den Enden der Fühler wiederkehren, mit. Binzu-
treten einer neuen Bildung. |
An Limax arborum Bouch., wo ich zuerst mich zu |
belehren suchte, ergab sich, dass im Innern der Lappen,
abgesehen von einzelnen Bluteapillaren, ein weisslicher °
Ballen liege, vom Aussehen einer Drüse. Bei Limax
cinereo-niger überzeugte ich mich alsdann, dass die dick- 7
liche weissliche Substanz wirklich eine Drüse sei und zwar 7
von der gleichen Beschaffenheit, welche die Drüsen im
Kanal des Fusses darbieten. Sie besteht aus länglichen
Schläuchen mit sackigen Auftreibungen, gefüllt mit Zellen, ?
und ohne eigentliche Lichtung. Die Schläuche gruppiren °
sich zu Lappen mit gemeinsamem Ausführungsgang, und ”
indem eine Anzahl solcher Lappen sich wieder vereinigt, '
gehen etwa drei bis vier Drüsengänge aus dem einzelnen 7
Mundlappen heraus. Die Drüsen sind umstriekt von der”
mit der Haut verwebten Museulatur. 7
An den Zellen der Drüsenschläuche gewahrte ich da
und dort eine sehr feine Querstrichelung, von der mir '
nieht klar wurde, ob sie der Membran oder der Zellsub-
stanz angehört ?), |
Man wird sich aber nicht lange mit dem Gegenstand |
beschäftigen, ohne zu gewahren, dass ein starker Nerv
dem einzelnen Mundlappen gewidmet ist. Er zweigt sich’
von dem unteren Fühlernerven ab und endet, ähnlich wie?
1) Figur 35, d.
2) Figur 15, a,
a, a Y
' Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 241
a r Fühlernery selber, mit einem grösseren Ganglion. Kleine
. Thiere, wie z. B. Helix thymorum, werden zur übersicht-
‚lichen Darstellung des Ganglions natürlich besser gebraucht
als grosse Arten.
- Mit Rücksicht auf den feineren Bau meine ich gesehen
ben, dass die Nervenfäsern, welche theils einzeln, theils
Bündeln und Geflechten verlaufen, zunächst übergehen
1 grosse birnförmige en ), die wie wahre
erminalzellen sich ausnehmen. Allein es folgen noch
einere, welche verästigt sind und deren Ausläufer auch
wohl feine Varicositäten an sich haben?). Diese strahligen
Ganglienkugeln scheinen durch ihre Fortsätze nun a
seits mit den erwähnten grossen birnförmigen Ganglien-
kugeln sich zu verbinden und anderseits geben fadige Ver-
förmige Ganglienzellen erklärt werden können, gegen das
Epithel zu?).
- Der untere freie Theil der Mundlappen‘) hebt sich
den pigmentirten Arten (z. B. Limax einereo-niger) durch
einen ganz feinen RE trägt, während .
re. ‚Ende in Fortsätze BABgPItDREt ist. anne ie
%
iv . KRKKIL. Een 1. Ba. 16
242 Leydig:
Gebilde frei aus der Lederhaut heraus‘). Man kann sich
alsdann überzeugen, dass sie eigentlich von platter Gestalt 4
sind und nur in der Profilansicht rein fadig sich ausnebmen. ° |
Das freie Ende ist scharf und quer abgesetzt. Ausdrücklich %
ist jedoch zu erwähnen, dass die fadigen Elemente zwar ”
in besonderer Menge an gedachter Stelle der Mundlappen 7
zugegen sind, doch keineswegs hier ausschliesslich; denn 7
ich sah sie auch sonst noch da und dort an der Haut, 7
z. B. auf der Fussfläche von Helix nemoralis, und sie ®
mögen dort mit den oben erwähnten Ganglien in der Haut °
in derselben Beziehung stehen, wie hier am Mundlappen. 7
Hierfür sprieht auch, dass ich diese Ganglien am vorderen 4
Ende?) immer nur verletzt sah, wie abgerissen von einem 5
Endtheil. Gedachte Fäden sind zuerst von Flemming?) *
bemerkt und für „Endkölbehen der Nerven“ erklärt wor- ”
den. Ich habe in der von Figur 38 umschlossenen Linear- ?
zeichnung meine Beobachtungen zu dem Schema zusammen- 7
gefasst, unter welchem ich mir den Zusammenhang der 7
Elemente denke. |
Was die Deutung der Mundlappen als Ganzes betrifft, 4
so stehen sie, physiologisch genommen, mit den Palpen. j
der Inseeten a gleicher Linie, eine Ansicht, welche durch f |
Betrachtung des lebenden und Eaenden Thieres unmittelbar 3
gewonnen wird. { |
Morphologisch hat man, wenn ich die ARE recht
verstehe, die Mundlappen für Theile ansehen wollen, welche ®
den Segellappen, Velum, der andern Gastropoden ent-
sprechen. Diese Auffassung bedarf für den, welcher auch ©
nur einigermassen den Bau der betreffenden Bildung kennt, #
keiner Widerlegung; überdies hat v. Ihering in neuester®
Zeit ein rudimentäres Velum an den Embryonen der a |
pulmonaten beschrieben ®). 3
Ich halte die Mundilappen auch im morphologischen |
Sinne für eine Art drittes Fühlerpaar. E
1) Figur 4.2.
2) Figur 48.
3) 2.2.0. 1
4) Ueber d. Enimickelungapesshichie von Hehe. Jenaische |
Zeitschrift, Bd. IX, 1875. | 2
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden ete. , 243
Beilage.
‚Die verästigten Zellen im Epithel und der
Lederhaut.
e Be leende Ben ey har und
durch. im Stande zu sein glaube, die Sache noch von
ner andern Seite her zu beleuchten.
Verästigte Zellen ‘ohne Pigment kommen in gewissen
| Epithelien unter und zwischen den aeyöhnleien
‚Formen der Zellen vor.
In dem Lehrbuche der a 1), dort wo das En
si sie deutlich im Holzschritt, und zwar aus der
“N E. von Lacerta agihis und Triion sgneus. In der Er-
NM a k. Akad. d. Winsertirh. deli. g- 1370, sat Weitere
ı üb. d. Structur d. DPI CnBen DENE bei Wirbelthieren, eben-
ee
244 | Leydig:
ähnlich sehen, doch ohne nachweisbaren Kern“, von Andern #
erwähnt worden. Ich rechne dieselben in die Gruppe der #
hier gemeinten Zellen. | 4
Vor Kurzem hat Wiedersheim in einer reighhaltigen °
Arbeit über die Kopfdrüsen der geschwänzten Amphibien?) °
ein ähnliches Lager verzweigter Zellen aus den Drüsen als %
ein „subepitheliales ne) ‚angezeigt und im Ein- 7
zelnen dargelegt. | |
2. Die verästigten Zellen können pigmenthaltig sein.
Bereits in der Arbeit über Piscicola?), als man #
noch allgemein und ausschliesslich die Epidermis aus rund- &
lichen, eylindrischen und abgeplatteten Zellen bestehen #
liess, machte ich auf die Gegenwart von verzweigten 2 4
mentzellen in der Oberhaut aufmerksam. “
Später fand ich die gleichen Bildungen in der Epi- %
dermis der Fische, Amphibien und Reptilien. 4
Die Verwandtschaft oder vielmehr Gleichheit dieser %
verzweigten Pigmentzellen mit den nieht pigmentirten ver- °
ästelten Zellen in den untersten Lagen der Epithelien war %
mir schon dazumal klar geworden, und bei der Wichtigkeit #
der Sache bin ich deshalb sowohl in der vergleichenden #
Histologie®), als auch in dem Buche: Vom Bau des thieri- ©
schen Körpers?) immer wieder darauf zurückgekommen, 5
zuletzt noch einmal und in weiterer Ausführung in der |
Arbeit über Organe eines sechsten Sinnes®). Von Anfang |
an habe ich auch bezüglich der Methode, um sich die nicht- $
pigmentirten Elemente zur Ansicht zu bringen, hervorgehoben,
dass Behandlung mit Chromsäure hierzu erforderlich sei.
3. Die verästigten Pigmentzellen der Epithelien sind
contractile Zellen oder Chromatophoren.
Von Belang war fernerhin die Wahrnehmung, dass 7
die ästigen Pigmentzellen beweglicher Natur seien. An 4 |
1) Zeitschrift f. wiss. Zoologie, 1876 (Bd. XXVH).
2) Zeitschrift f, wiss. Zoologie, 1849 (Bd. D.
5) Seite 97,
4) Seite 52.
5) Nov. act. acad. Leop. Carol. Vol. XXXIV, p. 23.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 245
" lebenden Larven von Triton und Salamandra konnte man
sich verhältnissmässig leicht überzeugen, dass die dunkeln,
[# mit ihren Ausläufern weit zwischen die gewöhnlichen Epi-
IR dermiszellen sich verbreitenden Pigmentfiguren unter Um-
Ei 'ständen auf einen völlig strahlenlosen rundlichen Kiumpen
hi sich zusammenziehen !). Bei den verschiedensten Amphibien
und Reptilien lässt sich dieselbe Beobachtung wiederholen.
I Dass auch bei Säugethieren die gleichen zelligen Ele-
_ mente vorkommen, ergiebt sich aus späteren Mittheilungen,
welche Andre ?) nr den Bau des Epithels der Schafzunge
% veröffentlicht haben. Auch dort finden sich in den tiefen
| Schichten des Epithels „zahlreiche schwarze grobkörnige
" Pigmentzellen mit langen Ausläufern.“ Die auf Schnitten
'sich darstellenden kleinen Fäden und Haufen von Pigment-
körnehen zwischen den tiefsten Epithelzellen werden richtig
uf abgelöste Zellenfortsätze gedeutet, indem eine Con-
traetilität der farblosen Grundsubstanz der verästelten Zellen
die Ursache zu dieser Lostrennung gegeben haben möge.
a“ ge8 5
M Wie es längst von mir geschehen ist, sehe ich auch
jetzt noch die pigmentlosen verzweigten Zellen — das sub-
ak Zellennetz — und die verzweigten Pigmentzellen
E Chromatophoren. — für durchaus zusammengehörig an,
"halte sie für Eins und Dasselbe. Meine Gründe sind: die
gleiche Art des Vorkommens und die gleiche morpholsgische
Beschaffenheit. Beide haben ihren Sitz in den untern Lagen
der Oberhaut und beide sind hüllenlose „Zellen“ oder
allen von Protoplasma, weshalb ich mit gutem Bedacht
von Anfang an beziiglich der pigmenthaltigen von „Pigment-
figuren“ und nicht von „Pigmentzellen“ sprach. Das Ein-
ebettetsein von Pigmentkörnern in die Zellsubstanz kann
wenig einen wesentlichen Unterschied bedingen, als bei
| übrigen Epithelzellen, die ja auch namentlich bei Am-
ibien und Reptilien pigmenthaltig oder pigmentfrei sein
onen, ohne sonst verschieden zu sein, und selbst indivi-
il darnach abändern.
1) Archiv f. Naturgesch. 1867, S. 174; Nov. act. acad. Leop.
ol. Vol. XXXIV, p. 23.
2) Archiv f. mikrosk. Anatomie, Bd. IV, 1868, 5. 159.
246 Leydig:
Am lebenden Thier wird die Fähigkeit des Prote-
plasma der pigmentirten Zellen sich in Fäden auszuziehen
und alsdann wieder auf den früheren klumpigen Zustand ®
zurückzukehren, erst durch die ins Protoplasma eingebette-
ten Pigmentkörner wahrnehmbar und desshalb ist es er-- ®
laubt anzunehmen, dass die nicht pigmenthaltigen ebenfalls *
contractil sein werden. Es wird schwer halten am frischen
Epithel die Bewegungen auch dieser Zellen unmittelbar zu °
beobachten, da man ja überhaupt zur Kenntniss der in “
Rede stehenden verzweigten Zellenformen nur durch An- %
wendung von Reagentien gelangt. a
4. Die Chromatophoren im Epithel sind im Bau und
Leben nicht verschieden von Gen Chromatophoren
in der Lederhaut.
Die morphologischen und physiologischen Verhältnisse S
der Chromatophoren der Lederhaut sind von mir früher
sowohl als auch in der Gegenwart untersucht worden. Es
hatte sich ergeben, dass die beweglichen Farbzellen hüllen-
lose einen Kern umschliessende Ballen von Protoplasma
seien, welche in dem unter dem Namen „Bindegewebs- |
körper“ bekannten Lückensystem ihre Lage haben. Und
schon im Jahre 1857 machte ich daher den Vergleich, dass
in den Räumen der Bindesubstanz sich die Chromatophoren
ähnlich den Körpern der Amöben und Rhizopoden bewegen,
mit dem ausdrücklichen Zusatz, dass die helle Grundsub-
stanz es sei, welche in Fäden ausliesse und sich wieder 4
zusammenkugle. 3 |
Es weichen also diese pigmentertüllten verästigten @
Zellen der Lederhaut in nichts von jenen des Epithels ab, I
und während letztere zwischen die gewöhnlichen Epithel-
zellen ihre Fortsätze ausschieken, treiben erstere die gleichen I
Ausläufer in die Lücken und Spalträume der Bindesubstanz.
Und auch die pigmentlosen verästigten Zellen des S
Epithels haben ihr Gegenüber in der Lederhaut. Als ein 5
Solches sehe ich die membranlosen feinkörnigen Zellen an, ©
welche einstweilen aus den Bindegewebslücken der Hornhaut”
bekannt geworden sind und wahrscheinlich auch noch im”
Corium der allgemeinen Hautdecke nachzuweisen sein
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 247
werden. An den Hornhantzellen ist die Contractilität be-
obachtet worden, so dass ihre Zugehörigkeit zu den Chro-
matophoren auch von dieser Seite nicht in Zweifel gezogen
|“ werden kann.
5. Die Chromatophoren stehen mit Nervenausläufern in
| Verbindung.
"0 Was zunächst die in Betracht kommenden Elemente
der: Lederhaut anbelangt, so habe ich in der Schrift über
die Bidechsen !) eine Beobachtung mitgetheilt. Eine Zaceria
agılıs war in verdünnter Salpetersäure längere Zeit er-
> weicht worden, so dass sich die äussere Haut wie von
Auch in der Hautdecke der Schlangen konnte ich
äter diesen Zusammenhang der Uhromatophoren mit
Und was die „Chromatophoren ohne Pigment“ anbe-
ngt wie man die zelligen Elemente von blasskörnigem
\usschen nennen a welche he in Se ae ni
Entasern zu bostähen: a. a in
mungen von mir auf dieses Verhältniss hin?).
‚Die andre Gruppe verzweigter Zellen, welche dem
AR Er act. acad. Leop. Carol. Vol, XXXIV.
a
"4 A
Pre
248 Leydig:
sich nach den Mittheilungen Andrer ebenfalls mit Nerven- #
ausläufern in Verbindung. So wird solches beriehtet über
die Schleimhaut der Nasenhöhle!) und auch Wiedersheim
nimmt bezüglich der Intermaxillardrüse der Batrachia anura ®
dieses Verhalten an. Sollten die „Nervenendigungen“, ©
welche v. Mojisisovics?) aus der Epidermis der Säuge- ®
thiere vor Kurzem beschrieben hat, nicht ebenfalls mit den 4
hier gemeinten verzweigten Zellen zusammenfallen, deren
Verbindung mit Nerven dann anch in der Epidermis un- °
zweifelhaft wäre.
6. Die eontractilen zelligen Elemente in der Epidermis
und der Lederhaut lassen sich als Neuromuskel-
zellen bezeichnen.
Aus voranstehender Zusammenstellung geht hervor,
dass in den Lücken und Spalträumen des Bindegewebes
so gut wie zwischen den Zellen des Epithels hüllenlose °
Zeilen vorkommen, welche sich auszeichnen einmal dureh ihre
Zusammenhang mit Nerven, sodann durch das Vermögen
sich zusammenzuzieben und in Ausläufer sich zu verlängern. °
Die pigmentfreien sind bisher beschrieben worden
als subepitheliale Zellen oder als subepitheliale Ganglien-
kugeln; jene welche Pigment in ihrem Protoplasma ent-
halten, hiessen Chromatophoren.
Das Zusammenfliessen von Nervensubstanz in da
contractile Protoplasma erinnert an die den Leib der Pro
tozoen zusammensetzende Materie, welche ebenfalls sensibe
und centractil zugleich ist. Es empfiehlt sich desshal
vielleicht und im Anschluss an Verhältuisse wie sie a
Zoophyten bekannt geworden sind, den Ausdruck „Neure
m. für die besprochene Bildung zu gebrauchen
1) Sieke die oben genannten Arbeiten aus den Sützungsber
d. Wiener Akademie. |
2) Sitzb. d. k. Akad. d. Wiss. zu Wien, 1875. \ \
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden ete. 249
ıYy. Die EKalkschale der Limaecinen.
Die Gattung Arion besitzt bekanntlich anstatt eines
Kalkschälehens nur einen Haufen von Kalksteinchen.
ß Letztere unterscheiden sich nieht nur dureh ihre viel be-
" deutendere Grösse von den Kalkstückehen, welche die
"Zellenbalken der Lederhaut erfüllen, sondern auch in der
4
orm und Beschaffenheit der Oberfläche, Die Kalkcon-
ıkuglig und von ganz glatter, glänzender Oberfläche, die
3
En shreren zusammengewachsen, stellen auch wohl eckige
Platten dar; ihre Oberfläche zeigt wegen der Zusammen-
un: des Steines aus kleinsten Theilchen, ein mattes
Nesen. Die ganze Masse wiederholt in gewissem Sinne die
\ Otolithen im Grossen und wie diese erscheinen sie auch
"zusammengehalten von einer blassen, feinkörnigen Substanz.
Der Gattung Zimax kommt ein Kalkschäichen
1, das mark den einzelnen Ar ten Unterschiede in der
Bei Limas agrestis 1) hat es Kr die Gestalt eines
jachen Schildehens mit nach unten und seitwärts ge-
immtem Wirbel und nähert sich, wenn der Umriss zu-
eich einfach oval ist, etwa der Schale von Ancylus, öfters
r, wenn besonders gross und entwickelt, hat es einen
seitigen Umriss, wovon die eine Seite gerade, die an-
" Baebapen ieh der nrderzand Anzarundet ” dieser
n er ern vorragt. Die Linien, ee unter a
mmung die Haut durchsetzen, sind Fur chen mit Faltungs-
w len ®), vielleicht dadurch entstanden, dass das Schälchen
in eingeschlossenem Raum entsteht und damit den Zu-
j ammenziehungen des Leibes unterworfen ist. In und auf
remente in den Netzen zwischen der Hautmuseulatur sind
"Kalksteinchen im Sehild sind oval, spitzweckig, gern zu
ER RE FRE IREFSTEE HEINE
250 | Leydie:
dieser organischen Grundlage ist der Kalk abgesetzt und
zwar in doppelter Weise. Einmal in Form von kuglig-
schaligen Massen !), welehe besonders gegen den Umfang !
der Schale sich ausbilden und den Kalkeonerementen des
Arion entsprechen, zweitens beginnt in der Nähe des
Wirbels eine Kalkplatte?), welche mit strahliger Zerlegune
etwa wie ein Gefässbaum gegen die Peripherie vorschreitet, 7
und aus krystallinischen Plättchen besteht, die sich zu.
grösseren Tafeln zusammenlegen und wie ein Mauerwerk
aneinanderschliessen, mit feinsten Lücken dazwischen. Schon
die ersten oder Fesie Kalkablagerungen scheinen vont
krystallinischer Art zu sein (Rhomboeder) und nur zu ;
grösseren Formen heranzuwachsen. Der Grad der Ver-’
kalkung wechselt, selbst ganz abgesehen von dem Alter
des Thieres, und deshalb erscheint das Schildchen bald
heller ind Bald’ weikser. MW
Ein sehr auffallendes Wesen bietet das Kalkschälchend
von Limaz marginatus Müll. (£. arborum Bouch.) dar?°). s
ist ein dieker Stein oder Porcellanklümpchen von kurz)
kegeliger Form, nach oben gewölbt, nach unten nur am
der Basis Unneselmähkte vertieft; sonst ausgefüllt, die Seiten-
ränder wellig, ausserdem mit bonceriaa he und radiärer
Streifung. An dem in Weingeist getödteten Thier erzeug t
das Schälchen, welches diesen Namen kaum mehr verdient,
einen starken Buckel an der hinteren Partie des Schildes.
Diese dicke Beschaffenheit der Schale, wodurch
sich Limax marginatus Müll. von allen übrigen einhei-
mischen Arten auszeichnet, ist entstanden durch massiges
An- und Debereinanderlagern der rhomboedrischen Kalk
plättchen. Letztere nehmen sich bei goringer Verbru e |
ünd durchgehendem Licht wie mit äusserst feinen Strichel.
chen durchzogen aus; stark vergrössert?) erscheint das
einzelne Plättchen aus dicht zusammenliegenden’
1) Fig. 1, ec; Fig. 3, b. |
3) Fig. 1, b; Fig. 9.
3) Vergl. Fig. 5 u. Fig. 6.
4) Fig. 7.
5) Fig. 8.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden ete. 251
We teilinischen Theilchen gebildet. — Der Cuticula können
"sich noch die schaligen Kalkkugeln auflagern. Von den
Faltungslinien sind jene, welche die Hauptlinien schneiden,
besonders zahlreich, so dass die Zeichnung eine gitterige wird.
5 Wie bei ne agrestis und auch bei den noch fol-
' genden Arten, machen sich individuelle Unterschiede gel-
tend, indem das Schälchen bald etwas dicker oder dünner
"ist, höher oder niedriger, mit wechselndem Umriss. Bei
Jüngeren Thieren steht noch ein ziemlich breiter Cutieular-
er vor, der bei älteren fast ganz geschwunden ist.
Ein Schälehen über Nacht in stärkere Essigsäure Ber
hatte sieh unter lebhafter Gasentwickelung derart gelöst,
"dass ich von dem Häutchen keinen Rest mehr aufzufinden
vermochte.
Auch an Limax cinereo-niger lässt sich, bei gleicher
Grösse der Thiere, ein gewisses Schwanken in der Menge
des abgesetzten Kalkes bemerken. Bei manchen ist die
ovale Schale verhältnissmässig dünn, hat Schichtungsstreifen,
ist ungleich weissfleckig und nach unten schüsselig ausge-
‚höhblt; am Wirbel, dessen Rand etwas übergreift, verdickt.
Das Schälchen rer Thiere ist in der Nähe des Wirbels
von abgesetztem Kalk ausgefüllt und daher an D dieser Partie
bedeutend dicker.
Das ungefähr dreiseitige, ausgehöhlte Schälchen !) von
imax eimetus Müll. (Z. cereus Held) ist in der Form dem
on Limax agrestis sehr ähnlich, dabei von zarter Be-
'sehaffenheit. Der Cuticularsaum steht breit hervor, die
ndzone ist glatt, ohne die Faltenlinien, welche über den
rigen Theil weggehen?). Die Verkalkung ist gering, die
Ikplatten schieben sich zum Theil buchtig in einander
d sehen, da die elementaren Plättchen inniger ineinander-
wachsen sind, heller aus. Auf der Cutieula lagern die
aligen Kalkkugeln und verschmelzen da und dort zu
ammenhängender Lage von gelblichem Aussehen bei
eg belt, Sie können keine reinen Kalkeon-
N Fig. 14.
2) Vergl. auch Fig. 4, b.
BI.
252 Leydig:
gegriffen werden: sie erscheinen alsdann wie vom Rande ®
her angefressen oder spiessig, als ob eine Substanz sich ©
löste und eine andere zurückbliebe. Auch die gelbliche
Farbe deutet auf eine Verschiedenheit hin, denn die Kalk-
platten sind rein weiss. — Wegen der dinnkalkigen Be-
schaffenheit der Schale heben sich die Faltungs-Linien über °
das ganze Gebilde hin gut ab; die Hauptlinien verlaufen ©
vom Wirbel strahlig zum Rand und die anderen querhogig, ©
wobei jedoch die Einzellinie nie eine zusammenhängende ®
oder fortlaufende, sondern eine immer wieder unterbrochene ®
ist. Die Dünne der Schale lässt auch zu, dass man beim ©
Betrachten derselben von unten die erwähnten Linien gut 3
durchschimmern sieht. 7
Das von Gestalt beinahe regelmässig ovale Schälchen
des Limax carinatus Leach (L. marginatus Drap.)') wölbt ”
sich ziemlich stark, der Wirbel steht aber seitwärts (wie ©
bei Ancylus). An jungen Thieren ist die Wirbeigegend ”
unten noch völlig ausgehöhlt, mit dachigem Vorsprung, °
später erscheint der Raum mit Kalk ausgefüllt. Diese Kalk-
lagen bestehen wieder aus mikroskopisch kleinen, krystal-
linischen Plättchen, so dass es sich nur um Wiederholung # |
der makroskopischen Bilder handelt. Die Art der Ver- ”
theilung der Kalklagen über das Schälehen hin ist bei ©
jedem Individuum etwas anders und selbst sehr stark ver- °
schieden; die ästigen Züge?) sind immer dunkelrandige
Kalkgebilde: für das freie Auge ist bei grösseren Thieren
en een bemerkbar, aber unter dem zen E
nimmt man doch Spuren davon wahr?).
Wie ist der Raum zu deuten, in welchem das Schäl-
chen gebildet wird und seine Lage behält? 2
Diese Frage habe ich mir bis jetzt nicht mit Bichen |
heit zu beantworten gewusst. Nehmen wir z. B. einen 7
grossen Limax cinereo-niger vor, so zeigt sich nach Ein- °
1) Fig. 11, Fig. 12.
2) Fig. 11, b. ;
3) Fig. 11, a.
‚Die Hautdecke und Schale der Gastropoden ete. 253
ee es „nacht era ausfüllt. Dort. wo es dem Endet
f ufsitzt, zieht ein leichter, nach hinten mehr entwiekeiter
lz en zur Abbe des Randes des Schälchens;
Yet inerer Schnitt, dass I Quer- N Schr ee
rorbanden seien, wovon die Durchschnitte der Einzelfasern
{ see ein eigentliches Epithel an der inneren Fläche.
" Nachdem das Schälchen abgehoben, schimmert dureh
u Boden des Raumes eine schwammige Partie, welche
em über die Aue sich a En
ln aikich an chen 2
| Fig Ganzes mich an die „rosettenförmigen Organe“
zug hätten, aber es ist mir bei der Untersuchungs-
‚ welehe ich dazumal?) nur in Anwendung bringen
Ba ‚Zergliederung des frischen Thieres und Anwen-
: gewöhnlichen Reagentien — unmöglich gewesen,
ins Klare ZU kommen. Mau müsste nothwendig
en Fig. 16. |
"Während der Ferien auf dem Lande.
254 Leydig:
erhalten zu können. Es hat mir geschienen, als ob die mit
Flimmern umsiellten Oeffnungen in den Raum, welcher das
Schälchen birgt, minden, letzterer selber aber eine Aus-
stüälpung oder Tasche 3 Leibesraumes wäre. #
Ausser bei Limaz einereo-niger Wolf, sah ich das x
stäbehenartige Epithel auch bei Limax arborum Bouch.,
L. marginatus Drap., L. cereus Held, während Ko mir bei
Arion noch nicht aufgestossen ist. =
Mitunter hatte ich auch den Eindruck, als ob diel Y
bekannten grossen Nierenzellen mit den Harnsäure - Con- M
crementen gar nicht das eigentliche Epithel der Niere seien,
sondern eher Bindesubstanzzellen, und dass die stähche |
artigen Lagen das wirkliche Epithel vorstellten. Wenn | E
auch diese Auffassung gewiss unrichtig ist und die grossen,
runden Zellen mit den Conerementen, wie bisher als das
eigentliche Epithel zu gelten haben, so glaube ich doch an
der Niere (von Limaz einereo-niger) noch gewisse Sonde- "
rungen wahrzunehmen. Man unterscheidet eine äussere’ &
Partie, deren Epithel Harnconeremente hat und eine innere“
sehr faltige, ohne Harneoneremente; erstere umgiebt die letz- |
tere, welche nach einwärts und oe liegt, wie schalenartig. 3
Da Limaz einctus Müll. zu den kleineren und beson-
ders zarten Arten gehört, so habe ich durch Herausschneiden
von Herz und Niere zusammen versucht, mir weitere Ein-
blieke in die fraglichen Verhältnisse zu schaffen, und ob-
schon’ ich abermals nicht zum Abschluss kam, so sei doeh.
das Gesehene erwähnt, indem ich vermuthe, dass man da-
durch auf die rechte Bahn gelangen könne. Es zeigte sich”
nämlich, dass die Substanz der rundlich platten Niere e
Schwänmgebilde sei, welches innerhalb eines Blutraumes’
liegt, dessen ee von einer Haut gebildet wird,
welche mit dem Pericardium gleiche Structur hat. Nach’
einwärts trägt diese Haut das stäbehenartige Epithel, abe iu
keineswegs als vollständige Ueberkleidung, vielmehr ber
schränkt es sich auf die Gegend, welche der Vorkammer
des Herzens zunächst liegt, und es schien einen Weg an-
zudeuten, welcher aus dem Raum um die Niere in den,
Herzbeutel führt. F:
"die Hautdecke und Schale der ne ae etc. 255
Bi lien wir nach dieser Alschweituie zurück zur
EB - Schale selber, indem wir nach der Entstehungsweise
" fragen. Man möchte in Anbetracht, dass im fertigen Zu-
v stande eine feine homogen-häutige Grundlage vorhanden
" ist, welcher die Kalkgebilde auf- und eingelagert sind, da-
N für halten, dass auch zuerst das homogene Häutchen sich
|" unterscheiden lasse und dann der Kalk folge, was sich mir
> jedoch nicht bestätigt hat.
|: Denn am Embryen von Limaz var vegatus‘), deren
| Ri heknhidimg begonnen hatte, war dies mit dem Auftreten
" der Kalkmasse geschehen, welche in der Form von etwa
1 einem Dutzend grösserer und kleinerer Kalkstücke inner-
halb eines hellen Raumes des Mantels lag. In einem wei-
teren Stadium hatte die Zahl der Kalkstücke so zugenommen,
dass sie als eine weissglitzernde Masse aus dem weichen
- graugallertigen Körper hervorschimmerte. Bei noch älteren
- Embryen erschienen die Kalkstücke bereits zu einem Schäl-
‚chen zusammengeflossen, aber auch jetzt war noch’ nichts
von der häutigen Grundlage sichtbar; somit muss sich die-
selbe erst später ausbilden. Die Kalkablagerung nimmt
"sich an derartigen noch ganz durchsichtigen Thieren aus,
ie eine zum Schutze der Lungenhöhle bestimmte feste
ecke.
v Die äussere Schale einheimischer Gastropoden.
| Nach. geeigneter Behandlune erweist sich die Schale
ammengesetzt:
3 ) Der in Deutschland seltene Limax variegatus Müll. hatte
Mitte Oktober eine Anzahl Eier gelegt, welche rein kuglig waren,
irchscheinend, mit einem Stich ins Gelbliche bei Beleuchtung von
‚en. Die Eihülle ohne Spur von Kalkablagerung; um die etwas
be Eischale zog eine weichere eiweissartige Hülle, die mit fadiger
ängerung von einem Ki zum andern ging, so dass ein perlschnur-
ger Laich entstand. Das Bierstocksei (Dotter) war recht winzig
genüber dem Eiweiss innerhalb des Chorions und Ente als
FERNE
nachdem sie einige Tage in stärkerer Essigsäure gelegen,
übrige Schalensubstanz, in diesem Zustande mikroskopisch
256 Leydig: 8
1) aus einer homogenen Cutieula;
9) aus der Kalkschicht; |
3) aus einer homogenen blättrigen Substanz. ;
Es bleiben von der Schale, z.B. eines Bulimus radiatus,
die jetzt horngelbe Cuticula zuriick und ebenso die homogen- #
lamellöse Substanz, letztere von ganz farblosem, hellem Aus-
sehen. Die Kaiklage ist geschwunden. Selbstverständlich #
sind sowohl die Cuticula im engeren Sinne, als auch die ;
eutieulare Schicht nach einwärts, kalkhaltig gewesen. |
War die Schale von genannter Schnecke bloss über ”
Nacht starker Essigsäure ausgesetzt gewesen, so ist das %
glänzende Aussehen verloren gegangen, die Farbe in ein ©
Kreideweiss umgewandelt und die ganze Schale ist brüchig
geworden. Die Cutieula lässt sich deutlich abheben; die
untersucht, besteht aus Zügen von spiessigen Kalktheilen,
die unter sich von Stelle zu Stelle zusammenfliessend, ©
Zwischenräume übrig lassen. Das auf solche Weise ent-
stehende Netz, im Längsdurchmesser mit spiraligem Zuge,
ist dunkel und zeigt feinste Kalknadeln; die Zwischen- ”
substanz ist hell und besteht aus grösseren, senkrecht ge-
stellten Kalkkrystallen. 4
Der theilweise rein krystallinische Bau der Schale
der Schneeken ist schon in früherer Zeit an Bruchstücken 4
und 'Schliffen grösserer Arten erkannt und beschrieben ©
worden; ich habe vielleicht zuerst darauf hingewiesen, dass |
man an den durehschimmernden und frisch untersuchten #
Schalen unserer Lymnäen, oder auch von Bullaea, die ")
krystallinischen Zeichnungen, wenn auch etwas ver ec 4
bereits zu sehen vermöge. 4
Es lag ausserhalb meines Planes, die Verhältnisse in ©
Weiterem zu verfolgen, obgleich sich für die einzelnen Arten
manches Besondere schon aus der Ferne zeigt. Bei Helix
thymorum 2. B., wo sich zwei krystallinische Kal \
eo gesellt sich hierzu nach Aussen noch eine Kalk- N
3
das intensive Weiss verleiht. Mein Augenmerk ging zumeist ©
auf eine feinere Seulptur, die wohl allen unseren ein- ©
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 257
heimischen Gastropoden zukommen mag, bisher aber kaum
beachtet wurde.
Bekanntlich erhebt sich die Oberfläche der Schale
der verschiedensten Schnecken in mancherlei Leisten,
Punkte, Höcker und Stacheln, schon für's freie Auge oder
die Lupe deutlich; die Sprache des Systems unterscheidet
sie als Rippen, Linien, Furchen, Gitter ete. und findet in
diesen Sculpturen wichtige Merkmale zur Feststellung der
Arten. Bei Anwendung stärkerer Vergrösserung lässt sich
aber selbst an Arten, welche ganz glatt erscheinen, eine
Seulptur nachweisen, in andern Fällen ausser der für die
" Lupe erreichbaren noch eine feinere Reliefbildung. Es
seien hierzu folgende Beispiele vorgelegt.
\ Die Schale von HAyalına cvellaria Müll. hat doch für's
dreie Auge ein ganz glattes, glänzendes Aussehen. Da sie
sehr durehscheinend ist, so lassen sich im frischen Zu-
stande leicht eine feinstreifige Schräglage der krystallini-
| schen Schicht unterscheiden und darunter eine grob-kry-
stallinische, in der Quere des Gewindes verlaufende innerste
Sehicht. Dazu komnit nun zu äusserst als Reliefbildung
ein feines, blasses, schon von Anderen erwähntes Streifen-
system, welches nach der Länge des Gewindes zieht,
ausserdem aber auch noch eine eigenthümliche, auf den
r ersten Blick nicht gleich verständliche und, wie es scheint,
noch von Niemanden erwähnte Seulptur an der Innenfläche.
- Man bemerkt bei der Betrachtung der Schale von aussen
— eigenthümliche kurze Streifen, überzeugt sich aber bei
schärierem Zusehen, dass sie nicht der Aussenfläche ange-
hören, sondern net Innenfläche und von kleinen, abge-
stutzten Vorsprüngen herrühren.
Hi Manche Beschreiber der Helix personata Lam. geden-
ken „unendlich feiner Höckerchen“ auf der Oberfläche der
Schale. Unter starker Vergrösserung erscheinen sie als
wellenförmig angeordnete Leistehen, die theils einzeln,
"theils verbunden sich schuppenartig erheben. Sie gehören
‚an Uebereinstimmung AN den BER BAEn nareh, u Hull
“ Kalklage dur ns n.
Die hornbraune Cutieula der Helir obvoluta Müll. er-
‘ Archiv für Naturg. XXXXU. Jahrg. 1. Bd. 17
258 Leydig:
hebt sich ausser den Haaren ebenfalls in dreieckige Leist-
chen, die von der Fläche gesehen denen von Helix per-
sonata ähnlich sind, also wie Schüppehen sich ausnehmen
oder bei seitlicher Ansicht wie kurze Härchen!).
Die merkwürdigste Sculptur unter den Pulmonaten
unseres Landes besitzt Helix incarnata Müll. Das frische
Gehäuse sieht bekanntlich wie bereift aus, matt und glanz-
los und die Ursache hiervon sind „winzige Schüppchen.“
Ich habe von der Form dieser Gebilde eine Abbildung’)
bei stärkerer Vergrösserung gegeben, als es bisher z. B.
von Moquin-Tandon geschehen ist und es ist hierbei
zugleich ersichtlich, dass sich zwischen den „Sehüppchen‘“
feine Leistehen hinziehen. Gewissermassen entsprechend
dieser äusseren stark hervortretenden Seulptur ist auch die
Innenfläche der Schale nicht rein glatt, sondern, wie ge-
hörige Vergrösserung darthut, von einem feinen Runzel-
und Höckerwesen überzogen).
. Auch das Gehäuse von Helix strigella. Drap. muss
etwas Verwandtes auf seiner Oberfläche besitzen. Für ge-
wöhnlich nimmt sich die Schale „wenig glänzend“ aus,
weil ein sehr feines zusammenhängendes Leistensystem
über die Oberfläche hinzieht. Ich habe aber an ganz frisch
aufgenommenen Thieren bemerkt, dass die Schale wie. be-
duftet aussah. Doch muss der Ueberzug sehr leicht zer-
störbar sein, denn solche Exemplare, zu. mehreren in einer
Büchse mit Moos getragen, haben in Bälde den Duft ein-
gebüsst. Auch Rossmässler*t) spricht von einer „Be-
1) Der pergamentartige Deckel, den diese Schnecke auch in
der guten Jahreszeit, bei trockener Witterung leicht bildet, besteht
ähnlich den hinfälligen Deckelbildungen andrer Arten aus bomo-
gener organischer Grundsubstanz mit eingemengten kleinen Kalk-
theilchen, welche dem Ganzen die weisse Farbe verleihen.
2) Figur 2a. '
3) Bei dieser Schnecke, frisch in die Lösung von doppelchrom-
saurem Kali geworien, nahmen die Kalkkörper der Hzut eine pur-
purrothe Farbe an. Da nun die gleichen Gebilde bei den Arten von
Limax, Arion und sonst von Helix farblos bleiben, so würde dies
vielleicht aufeine Besonderheit der chemischen Beschaffenheit hindeuten.
. 4) lconographie der Land- und Süsswassermollusken, Heft I,
SH02.R
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden cte. 259
haarung“, die aber sehr flüchtig und überaus leicht ver-
gänglich sei. Die Härchen seien kurz und zurückgekrümmt
und so leicht abzureiben, dass nur die wenigsten Exem-
plare noch theilweise behaart gefunden werden.
Die nächstverwandte Hebx fruticum besitzt ebenfalls
leicht zerstörbare, zusammengeflossene Schüppehen, welche
beim ersten Anblick als blosse Streifen sich darstellen.
Aehnliche äusserst feine schuppenartige Erhöhungen
und von ebenfalls leicht abwischbarer Beschaffenheit finden
sich auch bei Helix hispida Müll. Ihre Hauptrichtung geht
in der Länge der Spirale, wobei da und dort etwas wirbel-
artige Abbiegungen vorkommen. Die Sehüppehen sind
auch nieht alle von gleicher Gestalt, sondern die einen
bald länger, bald kürzer. Die Haare stehen in Schräg-
linien und sind nicht reine Cutieularbildungen, sondern
Fortsetzung der eigentlichen Schalensubstanz (Kalkschicht),
von welch letzterer die Streifung der Haare herrührt.
'Zu: den Pulmonaten unserer Fauna mit stark ent-
wiekelter Sculptur gehört bekanntlich Helix Tapieida L.
Mit der Lupe sieht man eine „Körnelung“, deren Punkte
in Reihen stehen.. Unter dem Mikroskop löst sich die
" Körmelung in -ein System von hohen Falten auf, die ge-
[. _ krümmt und gebuchtet verlaufend, an Gebirgszüge erinnern
- können; sie mögen als Umbildungen der gewöhnlichen
Leistehen zu betrachten sein.
| Bei Helix nemoralis L. kommt ebenfalls ausser den
beiden gröberen Quer- und Längswülsten, die sich zum
- Theil so treffen, dass eine annähernd gitterige Bildung ent-
steht, unter dem Mikroskop noch ein System von feinen
- Längsleisten zum Vorschein. (Auch für eine Steinheil’sche
_ Lupe bei schräger Beleuchtung schon erkennbar.) Die
- längsziehenden Leistehen schieben sich zum Theil ziek-
zacklinig in einander, etwa wie die Sehnenstreifen in der
Beitenmuseulatur der Fische. Aui der Umschlagslameile der
Lippe ist noch eine besondere höckerig zackige, in unregel-
_ mässigen Querlinien stehende Seulptur zugegen.
Auch bei Helix pomatia L. ist ausser den von den
Conchyliologen erwähnten ‚feinen Spirallinien“, welche
unter dem Mikroskop sich als deutliche Leisten ausnehmen,
Be a
noch in den un eine äusserst bein. punktirt-
netzförmige Reliefbildung zugegen. |
Die Schale unsrer Xerophilen scheint manches Eigen-
artige an sich zu haben.
Zwischen den stark hervortretenden Querrippen trifft =
man bei entsprechender Vergrösserung nicht nur auf eine °
feine Körnelung oder Punktirung, sondern noch auf feine
rundliche Lüken, welche wie Poren sieh ausnehmen. Wo
die Schale weiss ist, finden sich Massen spiessiger Kalk-
theile, welche an die von Bulimus radiatus erinnern, und %
die Schale ist durchsechimmernd und hornbraun dort, wo
die bei durchgehendem Licht dunklen aus Kalknadeln ge-
bildeten Lagen fehlen. — Am Spindelsaum von Helix eri-
cetorum erstreckt sich eine höckerige Seulptur weit nach #
innen.
Das Gehäuse von Achatina acicula Müll. wird als 4
„ganz glatt“ beschrieben. Unter dem Mikroskop erscheint
1) die grobe Querstreifung (Zuwachsstreifen, Rippenbildung),
2) eine feine Längsstreifung (Spirallinien) nicht in ein-
fachen Linien verlaufend, sondern in feinem Ziekzack.
3) Am Spindelsaum tritt wieder eine Höckerbildung auf.
Die ebenfalls sehr glatt erscheinende Schale von
Clausilia laminata Mont. besitzt doch auch Relieflinien in
Form von schmalen Leistehen, welche einzeln verlaufen
oder zusammenfliessen.
Bei Clausihia similis Charp. erblickt man zwischen
den Rippen zahlreiche feine, doch etwas verschieden grosse
Löcher; auf den Rippen selber vermehrt sich ihre Zahl, °
sie werden grösser, fliessen auch wohl zusammen. Die
Räume scheinen lufthaltig werden zu können und in
diesem Zustande die bekannten weissen Fleekcehen hervor-- =
zurufen. |
Suceinea Pfeifferi Rossm. besitzi ausser den groben
für's freie Auge unterscheidbaren Querlinien noch mikros-
kopisch feine (bei Syst. 7. Hartnack) erkennbare Spiral-
oder Längslinien. !
Auch Physa fontinalis L. zeigt ausser den groben 4
Streifen noch eine feine blasse, kurz querstreifige oder
gitterige Zeichnung; dann an der Umschlagslamelle des °
2 N *
Ye EN
N Te,
I {
An y
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 261
Spindelrandes eine auffällige, scharfe gezacktrandige Schräg-
seulptur !). i
Noch sei auf Paludina vivipara Müll. als ein letztes
Beispiel hingewiesen, wie zusammengesetzt die Seulptur
des Gehäuses sich gestalten kann. Ich beziehe mich auf
die aus dem Uterus genommenen jungen Thiere. Man
unterscheidet zunächst die Längsleisten, welche leicht bogig
und weit auseinanderstehend verlaufen und einen zackigen
freien Rand haben, zwischen je zwei ausgeprägten Leisten
zieht noch die Spur eines dritten solchen Leistehens. Die
Zacken des freien Randes der Leisten erheben sich in
kurze Dornen oder in haarähnliche Bildungen von ver-
sehiedener Länge, oder in dreiseitige Blattgebilde, weiche
ebenfalls wie Haare sich ausnehmen können, aber nicht
eigentlich spitz, sondern quer abgestutzt aufhören. Weiter-
hin bemerkt man noch zarte Quererhebungen, die, indem
sie sich an bestimmten Stellen verdicken, die gröberen
Ringwülste erzeugen. Bei starker Vergrösserung ist er-
sichtlich, dass jede der zarten Querleisten schon aufs zar-
teste gekerbt ist. Ueber die haarähnlichen Blattgebilde
geht die Querseulptur als feines Streifensystem weg. Die
„Haare“ stehen in drei Linien, mit der Spirale verlaufend;
sie sind am längsten nach der Mündung der Schale hin
und verkürzen sich allmählich gegen den Gipfei?).
1) Figur 23. -
2) In meiner Darstellung des anatomischen Baues der Palu-
dina viwipara (Zeitschrift f. wiss. Zool. 1850) sagte ich bezüglich
des Kiefers, welcher rechis und links im Munde liegt, dass derselbe
aus „verhornten Zellen“ sich bilde. Von meinem gegenwärtigen
Collegen Geh.-Rath Troschel ist Dies angezweifelt worden; ich sehe
indessen bei der Nachprüfung, dass meine Angabe vollkommen
richtig ist. Die Kiefer bestehen nicht aus homogenen cutieularen
Schichten, sondern in ihrer ganzen Substanz, durch und durch ans
I „verhornten Zellen“ Letztere sind scharf berandet und tiet-
braun. Ueber diese verhornten oder chitinisirten Zellen weg
we geht eins zarte Cutieula, die sich leicht abheben lässt. Es sind
somit die Kiefer dieser Schnecke wie in ihrer seitlichen Lage,
se auch im Bau verschieden von dem Kiefer der Helieinen und
- Limaeinen. Weiter nach hinten, rechts und links von der Zunge
262 N "Leydig:
Das Gehäuse der Kammkiemer entsteht als eine Ab-
scheidung des Hautepithels, in welcher Beziehung
ich meine vor 26 Jahren an Paludina gemachten Beob-
achtungen wörtlich anzuführen mir erlaube: „Am hinteren
'Leibesende wird der abgerundete Theil des Embryo von
einer Hachen muldenförmigen, concentrisch gestreiften, homo-
senen Substanz überzogen, welche in dieser Weise die |
Sehale in ihrem ersten Auftreten darstellt. Sie ist anfangs #
sehr zart, ganz farblos und nicht leicht zu erkennen, nach
und nach aber nimmt sie einen Stich ins Gelbliche an. %
Rücksichtlich ihrer Genese erscheint die Schale nur als
einfache Ausscheidung aus der Haut des Embryo, dessen
Zellen unter der Schalenanlage eine PolyEnn un Gestalt
angenommen haben.“ |
Das Schälchen der Limaeinen 'hat eine andere Ent-
stehung, denn es bildet sich in einer Spalte des Mantels
und was zuerst auftritt, sind krystallinische Kalkplättchen.
Ich wäre daher beinahe abgeneigt, die äussere Schale der 7
Gastropoden und die innere Schale der Limacinen ohne 7
weiteres zusammenzustellen, lägen nicht die Beobachtun- °
gen Gegenbaur’s!) über die Entwickelung von Olausila I
vor, aus denen hervorgeht, dass auch bei diesem Weichthier
die Bildung der Sehale im Innern der Rückenplatte erfolgt "
‘und erst nach und nach durch Schwund und Zerreissen
der Umhüllung zu einer äusseren Schale wird. j
Gegenüber dieser grossen Verschiedenheit in der %
ersten Anlage des Gehäuses einer Kiemenschnecke (Palu- '
dina) und einer Lungenschneeke (Olausilia) würde es °
‚sich wohl der Mühe lohnen die Entwiekelung sämmtlicher °
liegt ein Knorpelstück, im frischen Zustande von rosenrother
Farbe und wie es scheint von Manchen als „Kiefer‘‘ genommen. —
Bei dieser Gelegenheit mag erwähnt sein, dass schon in dem alten ”
Werk: Hoocke, Micrographia, London 1667, observ. of the Teeth “
of a Snail, Schem. XXV. pag. 181 der Kiefer einer Schnecke in sehr “
vergrössertem Massstabe abgebildet ist, und zwar in sorgfältig aus-
geführtem Kupferstich.
1) Beiträge zur an der Landpulmonaten.
Inauguraiabhandlung 1852.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden ete. 263
zu unserer Fauna gehörigen Arten zu verfolgen, um sich
diese Verhältnisse klarer machen zu können.
Recht beachtenswerth ist mir auch geworden, dass bei
allen untersuchten Arten, deren Schale sich durch Seulptur
der Oberfläche auszeichnet, die Embryonaischale, welche
als Spitze des Gehäuses bleibt, obne Seulptur ist, somit
von glatter Beschaffenheit, und dadurch oftmals in einen
seharfen Gegensatz zur übrigen Schale tritt. Ich nenne
2. B’ Olausihia similis, Pupa frumentum, Heliz nemoralis,
Helix rotundata. |
Erwähnung verdient es vielleicht auch, dass, wozu oben
- Beispiele namhaft gemacht wurden, die Umsehlagslamelle
- der Schale und auch die übrige Innenfläche eine höckerig-
zahnige Sculptur besitzen kann, welche im allgemeineren
- Sinne:an die höckerige Bildung der bedeckten Hautstellen
bei Sehlangen erinnert. In beiden Fällen möchte man
daran denken, dass der bedeckte oder freie Zustand, in
weichem sich die Oberfläche befindet, auf die Bildung der
Reliefform einwirkt. |
i Bei Wirbelthieren vermochte ich an gewissen Sculp-
turen der Cutieula eine Art Vorzeichnung in der Oberfläche
der Epidermiszellen nachzuweisen, hier bei Weichthieren
” ist es mir bis jetzt nicht gelungen, an den Zellen des
, Mantels eine solehe Beziehung zwischen dem Mutterboden
w und der Form der Sceulptur wahrzunehmen. Und ich er-
wähne, dass selbst bei Helix incarnata unter der doch so
auffälligen Reliefbildung der Schale nur Epithelzellen von
gewöhnlicher Art liegen; auch die Drüsenzellen mangeln,
und die Pigmentliecken und Streifen gehören der Lederhaut
an, ebenso die Kalkablagerungen, welche lebhaft weisse
Flecken hervorrulen. Am Mantelrand befindet sich wohl
‘ die Hauptbildungsstätte für die Vergrösserung der Sehale,
was auch dadurch ausgedrückt wird, dass die Epithelzellen
- dieser Körpergegend dort, wo Bänder entstehen sollen, das
bräunliche Pigment ausschliesslich enthalten. So z.B. an
Helix nemoralıs.
Semper hat bereits die Ansicht ausgesprochen, dass
die „Kalkdrüsen“ keinen erheblichen Antheil an der Bil-
dung der Schale haben, sondern dass durch die Epithel-
264 Leydig:
zellen eine kalkhaltige Flüssigkeit sehwitze, welche zur
Bildung der Kalkschicht der Schale. diene. Ich stimme
dieser Auffassung zu und nehme selbst, wie oben ange- j
deutet, die mit Pigment erfüllten Epithelzellen für die Er-
zeugung der Flecken und Bänder der Schale in Anspruch, a
während Semper die „Farbdrüsen“ hierbei betheiligt sein
lässt. Es wurde oben gezeigt, dass „Kalkdrüsen“ und °
„Farbdrüsen‘ von einerlei Natur seien und dass es zu den °
Leistungen von beiden gehört, farblose und gefärbte Kalk- °
'theilchen dem Schleim beizumischen; die ersteren mögen 7
auch wohl den Kalk für den Winterdeckel liefern. 4
Zweiter Abschnitt: Die einheimischen Limacinen.
Vor mehreren Jahren habe ich eine Uebersicht der ”
von mir bis jetzt in Süddeutschland beobachteten Nackt-
schneeken veröffentlicht!). Indem ich gegenwärtig mit
einer ähnlichen Zusammenstellung hervorzutreten mir er-
laube, habe ich den Zweck, sowohl Nachträge zu den °
'trüheren Mittheilungen zu liefern, insbesondere bezüglich
des Verbreitungsbezirks, als auch um Gelegenheit zu finden,
eine neue Art aufstellen und begründen zu können. 4
Vielleicht geschieht auch durch den Hinweis auf
leichter. in die Augen fallende Merkmale denjenigen jüngern
Fachgenossen ein Gefallen, welche dieser noch viel zu
wenig untersuchten Thiergruppe ihre Aufmerksamkeit zu-
zuwenden zwar Lust tragen, sich aber dabei durch Nieht-
kenntniss der Arten einigermassen behindert fühlen.
1) Beiträge und Bemerkungen zur Würtembergischen Fauna,
mit theilweisem Hinblick auf andere deutsche Gegenden. Jahreshefte ei
des Vereins für vaterländische Naturkunde in Würtemberg, 1871.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 265
Gattung: Arion, Fer.
Schild gekörnt; Athemloch vor der Mitte
desSchildes, Rücken nach Amlen nicht gekielt,
am Schwanze eine dreieckige Schleimgrube,
Sohle nicht in Felder N
1. Art: Arion empiricorum, Fer.
Grösste Art, bis 5 Zoll lang, schwarz oder rothgelb,
ohne Längsbinden. |
Die von mir gesammelten Thiere lassen sich nach der
_ Farbe folgendermassen zusammenstellen: |
1) Rückenseite ist einfarbig gelbroth und die Sohle
farblos (grau);
2) es dunkelt die Rückenseite ins Braune;
3) Der Rücken ist schwärzlich bis schwarz, der Fuss-
rand bleibt lebhaft roth, der Bauch hell. Solche ge-
wissermassen dreifarbige Thiere nehmen sich on
schön aus.
4) Das Schwarz des Rückens überdunkelt auch den
" rothen Fussrand bis zu dem Grade, dass nicht mehr die
mindeste Spur davon zugegen ist und endlich auch die
Sohle ganz dunkel sich überzieht.
l Schon in der angezogenen früheren Arbeit fand eb
zu berichtigen, dass dieses allbekannte und häufige Thier,
' welches gewissen Angaben zufolge der Gegend um Rothen-
\ burg an der Tauber fehlen sollte, auch diesem Landstrich
| keineswegs mangelt und jetzt habe ich das Gleiche bezüg-
lich der Gegend um Kissingen zu bemerken. In der
| ‚Schritt Balling’s über die Heilquellen und Bäder Kis-
‚singen’s!), welche nebenbei die naturgeschiehtlichen Ver-
‚hältnisse bespricht, erscheinen auch die Weichthiere (nach
"Mittheilungen von Duft in Rudolstadt) aufgezäblt und von
Nacktschnecken genannt: „Limax sylvaticus, hortensis,
‚agrestis und maximus.“ Wahrscheinlich steekt unter „Limax
1) Es liegt mir die „Sechste Auflage 1865* vor.
266 Leydig:
mazimus“ zugleich mit dem Limaz cinereo-niger Wolf unsere
Art. Als ich mich im Herbst 1872 einige Wochen an ge- ®
nanntem Ort aufhielt, traf ich bald in einer feuchten Schlucht
des Berges westlich von der Saline auf den Arion empiri-
corum, wovon der eine schwarzbraun mit rothem Saum war,
zwei andere dunkelbraun, ein dritter — es war der grösste °
— ganz schwarz und zwar nicht bloss am Rücken, sondern
auch an der Sohle; nur das Gelb des Fussrandes hob sich
noch spurweise ab. Weiterhin sah ich das Thier auch im F
Wald zunächst der Klosterruine Aura und bald auch an °
den verschiedensten. Stellen, in den Wäldern längs der ”
Saale hin, meist von hellgraubrauner, ins Kaffeebraun E
gehender Rückenfarbe, rothgelbem Rand und heller Sohle. _
Kein einziges Exemplar war von hellrother Farbe (A.
rufus). 3
Auch in der übrigen Rhön, so auf dem Kreuzberg, °
am Ebersberg, auf der Eube, Milseburg, habe ich das Thier
gesammelt. Hierbei machte ich fortwährend die Beob-
achtung, dass bei den an sehr feuchten Stellen lebenden
Thieren das Kaffeebraun ins völlig Schwarze überging, und
es färbte sich nicht bloss der röthliche Fussrand, sondern °
selbst die sonst helle Sohle mehr oder weniger dunkel. °
Dies musste wohl allmählich erworben sein, denn die
jüngeren Thiere, obschon der Rücken schon ganz schwarz
sich gefärbt hatte, besassen doch noch den lebhaft rothen °
Fussrand und die belle Sohle. Exemplare dieser Färbung °
nehmen sich, da überdies der orangegelbe Leibessaum regel- E
mässig von dünklen Querstrichen durchsetzt ist, sehr zier- A
lich aus. i
Es wurde schen oben des Zusammenhanges, welcher“ Re
zwischen dunkler Hautfarbe und Feuchtigkeit des Aufent-
haltsortes zu bestehen scheint und wie ich solehen auch‘ 7
bei Amphibien und Reptilien beobachtet, gedacht. Gerade |
auf gegenwärtigen Arion halte ich mein Augenmerk in
dieser Beziehung seit Längerem gerichtet. Undso fand sich, 4
dass bei Würzburg an der Nordseite des Dürr bachthales,. “
an sehr feuchter Stelle, ebenso an Waldgräben des Höch-
berger Weihers, alle Thiere dunkel kaffeebraun bis schwarz
waren, dabei der sonst rothe Saum überbräunt und die
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 267
Bauchseite ganz, dunkel'). In der nächsten Umgebung von
Tübingen ist unsere Schnecke rothgelb an den trockneren
Halden z. B. des Spitzberges?); der Rücken bräunt sich
Be ar nr EHE
1) Das Braunroth scheint übrigens für den Arion empiricorum
im Mainthal die vorherrschende Farbe zu sein; bis Karlstadt z. B.
zeigte die Art immer dieses Aussehen.
> 2) Der „Spitzberg“ bei Tübingen, ein von Westen nach Osten
" ziehender Keuperhöhenzug, ist dem Naturfreund nicht blos lieb wegen
I der vielen schönen und interessanten landschaftlichen Bilder, sondern
gerade für den Conchyliologen bietet er einen Reichthum von Weich-
thieren, sowohl in Rücksicht der Arten als auch der Individuen dar,
kleinen Nachtrag zu den früheren faunistischen Mittheilungen anzu-
"merken gestatte. Die südlichen Abdachungen des genannten Berges
1“ mögen schon zur Zeit, als Leonhard Fuchs, der Anatom und
Y . Botaniker, in T. lebte und wirkte (von 1535 bis 1565), den Weinbau
" überwiesen gewesen sein, aber die nördlichen Gehänge sind wahr-
"scheinlich damals grössentheils noch Wald gewesen, worauf nicht
blos jetzt das Vorkommen mancher Pflanzenart deutet, sondern auch
"werschiedene der dort lebenden Mollusken. Man findet: Arion em-
1% , A. u und A Lima g a nov. SP.
' ia H. vote, HH. klein, Ft. Pre =. en Ciokartel
‚similis, O1. laminata, Achatina lubrica, einen Zonites, Suceinea oblonga.
Bezüglich der letztgenannten Schnecke, welche bekanntlich in der
Diluvialzeit in grösster Menge lebte, während sie jetzt keineswegs
zu den häufigen Thieren gehört, musste ich seiner Zeit gestehen,
ass ich von dieser Schnecke bei Tübingen noch keine Spur angetroffen;
um so bemerkenswerther ist es daher, dass ich in dem regnerischen
April 1874 auf dem so oft von mir begangenen Rücken des Spitz-
rges, gerade auf der Höhe zwischen Ammer- und Neckarthal, also
hr weit vom Wasser weg, unter Steinen, alte und jüngere Thiere
efunden habe. Sie scheinen demnach lange Zeit in der Erde zu
leben, wovon auch wahrscheinlich der Kothüberzug — nicht Ex-
remente, sondern angeheftete Erde —, den auch diese Exem-
are. an sich hatten, hindeutet. (Im Sommer des gleichen Jahres
mmelte ich Suceinea oblonga auch an der Nordseite der Weilerburg
feuchtliegenden Rindenstücken.) Zu Beobachtungen über die
nsweise der Schnecken bot der Spitzberg ebenfalls gute Gelegen-
it dar und ich erwäkne, dass noch tief im Spätherbst, bis in die
268 | Leydig:
hingegen stark an Thieren, welche in den feuchteren [
Schluchten z. B. des Viehweidberges und Oesterberges leben.
Im ersten Frühjahr, bei noch sehr feuchter Beschaffenheit
des Bodens und der Luft, erschienen an den Plätzen, wo
später nur rothgelbe Exemplare gesehen wurden, alle die
zahlreich herumkriechenden Thiere, älte und junge, von °
dunkelbrauner Farbe, mit rother Einfassung, und selbst die ;
letztere konnte überschwärzt sein. Solches beobachtete ich
namentlich in dem kühlen, regenreichen Mai 1873, nnd im °
Juni bei fortherrschender Kühle und starken Regengüssen
waren alle Thiere in dem jetzt äusserst durchnässten
Walde des Spitzberges tieischwarz. Man muss hierbei °
fortwährend unwillkürlich an jene Käferarten denken, welche °
in den höheren regenreichen Alpen ihre bunten Färbungen °
in einfaches Schwarz umsetzen. 3
Im waldigen Schönbuch !) bei Tübingen wollte es mir |
Mitte des Winters hinein unter Steinhaufen nicht wenige der ge-
nannten Arten als sehr wetterfeste Thiere sich auswiesen. So traf
ich z. B. bei ..schon theilweiser Schneelaudschaft in der Mitte No- ’
vembers 1872 Limax gracilis, L. agrestis, junge Arion hortensis,
Helix hispida, H.rotundata, Pupa muscorum, Olausila similis, ferner '
ganz junge Thiere von F. pomatia, endlich Vitrima. Noch am #
31. Dechr. 1872, bei + 4° RB. Nachm. waren verschiedene Arten zu‘
finden, und selbst am 5. Jan. 1873, bei + 5° Nachm. lebte noch ”
Limax agrestis, Arion tenellus, Helix hispida und Pupa muscorum, '
sowie Vitrina unter den Steinen. Die letzteren scheinen die Kälte ”
am meisten vertragen zu können, wie mir denn auch Herr Clessin,
der genaue Kenner vaterländischer Conchylien zwei lebende, im
' Januar 1872 in schneeigem Walde bei Dinkelscherben gesammelte
Daudebardia zuzusenden die Freundlichkeit hatte. | f'
1) Als einen weiteren Nachtrag zu den Mittheilungen über
die Fauna des Schönbuchs erlaube ich mir eine Bemerkung über
den Carabus irregularis Fabr. anzuschliessen. Es wurde seiner Zeit 4
gemeldet, dass der kürzlich verstorbene beste Kenner der Coleop- ”
teren Würtembergs, J. v. Steudel, Director des Gerichtshofes in
Rottweil, vor vielen Jahren ein einziges Exemplar dort aufgefunden
hat. Da Heer (Urwelt der Schweiz, Zürich 1865) diesen Käfer zu@
jenen alpinen oder hochnordischen Thieren rechnet, welche, wenn.
sie jetzt noch auf Hügeln oder Niederungen vorkommen, als „Bemi- }
niscenzen an die ferne Gletscherzeit‘‘ zu betrachten seien, so haben e
Steudel und ich auf unseren viele Jahre lang fortgesetzten Streife-
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden ete. 269
N weniger gelingen, die hellgelbrothen, dann die sattgelb-
" rothen bis tiefbraunen Thiere auf bestimmte Oertlichkeiten
"zu vertheilen, obsehon es auch hier öfters schien, als ob
die feuchtesten Plätze die dunkleren Thiere beherbergten.
"Die braunen sind übrigens in genanntem Bezirk in der
" Mehrzahl vorhanden.
| Hingegen habe ich auf der wasserarmen Rauhen
Alb oder dem schwäbischen Jura, dieser felsigen, zer-
klüfteten, manchmal lebhaft in Rorm und Farbe an den
Apennin erinnernden Landesplaite, an den vielen von mir
- besuchten Stellen, wo meist in M z der Arion empiricorum
‚zur Beobachtung Em) allgemein den „Arton rufus“ gesehen,
und zwar vom schönsten Rothgelb, und nur von der Glemser
"Wiese habe ich mir angemerkt, dass dort die jüngeren
Thiere ins Braune gingen). Auf mehreren Exeursionen in
‚ reien durch den Schönbuch immer, jedoch lieh: uns nach dem,
"in den Alpen häufigen. in den übrigen deutschen Gebirgsgegenden
wohl überall seltenen Käfer umgeschaut. Da besuche ich im aller-
“ersten Frühjahr, Mitte März 1874, von Neuem die alten Plätze und
treffe am rechten Ufer des Goldersbaches, wo zu gleicher Zeit Leu-
h ‚eojum veruum in schönster Blüthe stand, in einem vermodernden
Erlenstrunke den Carabus irregularıs in beiden Geschlechtern. (Ich
habe sie der Tübinger Sammlung einverleibt.) Dieses zeitige Vor-
kommen des Käfers, in einem Monate, dessen Temperatur und Lufi-
sschaffenheit doch stark an das Alpenklima erinnert, spricht sehr
für die Heer’sche Auflassung. Meine früheren Excursionen, in
r den an sich feuchten und kühlen Schönbuch, waren immer in eine
spätere Zeit gefallen.
ir R - 1) Auch die Gattung Arion scheint, wenn es sich gerade bietet,
"Fleischkost nicht ganz zu verschmähen. lch beubachtete im Walde
Teck (rauhe Alb), wie mehrere 4. empiricorum aufs eifrigste
feuchten Gewölle, das ein Raul Lvogel ausgeworfen, nagten; ebenso
“ieh wiederholt, wie dieselbe Art ein zertretenes Thier von Helix
natia anfrass. Eine solche Verbindung von Pflanzen- und Fleisch-
t kommt auch sonst wohl bei niederen Thieren vor. So haben
on Andere, z. B. Goldfuss in seiner Inauguralabhandlung über
autwerkzeuge der Heuschrecken, angegeben, dass Locusza viri-
sima fleischfressend sei, was ich nach einer Beobachtung im Freien
ätigen kann. Ich traf in der Dolde von Valeriana officinalis die
nnte Laubheuschrecke damit beschäftigt, den grossen Perlmutter-
| (Argynmis paphia) aufzuspeisen, wobei man sich die Frage
270 Leydig:
die Umgegend des schon dem Schwarzwald nahen Rott-
weils sah ich nur die schwarze Form, die höchstens noch
Spuren des rothgelben Randes an a hatte. 1
Hier am Niederrhein, wo ich jetzt in den Um-
gebungen von Bonn diese Beobachtungen fortsetze, finde
ich wieder an feuchten Plätzen, wie in der Nähe der
Teiche, dann an den buschigen Uferrändern der Sieg die
kaffeebraune Form, dann aber in den Berggegenden, wie
im Siebengebirge, in den Bergen um Auel im Aggerthal
neben bräunlichen Thieren den „A. rufus“ von einem mir
neuen Farbenton, vom reinsten Feuerroth (Kopf und Fühler 4
allein sind schwärzlich), dabei von sehr bedeutender Grösse.
Das brennend Roth hat seinen Sitz in den leistenartigen
Papillen der Haut und zwar da, wo ihre Fläche zur völlig
freien wird, dazwischen bleibt die Haut schwach graugelb.
Zur weiteren Unterstützung meiner Ansicht über das
Dunkelwerden der Schnecken will ich auch anführen, dass \
an gleichen Oertlichkeiten auch andere Schnecken an dieser
Veränderung theilnehmen. Ich konnte es doch unmöglich
als einen Zufall ansehen, dass z. B. in äusserst feuchten Par-
tien des Bachbettes vom Goldersbach im Sehönbuch (bei
Tübingen) nicht nur Arion empiricorum sich braun und
schwärzlich färbt, sondern auch die an sich gern dunkeln
Tbiere von Helix arbustorum, Suecinea Pfeifferi, Helıx 1
circinata alldort ihre Schwärze ganz entschieden steigern.
An Thieren, welche. man in einer Lösung von doppel- h
chromsaurem Kali getödtet hat, und in Folge dessen sehr ”
schlaf! geworden sind, lässt sich deutlich sehen, dass der
Schild nicht bloss nach vorne den freien, weit dachig vor-.
springenden Rand hat, sondern dass er auch hinten und
seitlich, also rings herum von. der übrigen gefärbten und
Bansileren Haut abgelöst ist, und so eine pigmentlose Furche
zwischen beiden bleibt. i
vorlegen durfte, ob die Heuschrecke den Schmetterling selber erfasst,
als er an der Blume saugte, oder ob sie nicht vielmehr die Beutel
einem Thomisus abgejagt, und vielleieht diesen selbst vorher ver-
zehrt hatte. Andrerseits ist es bekanntlich nichts Seltenes, dass die
Arten von Necrophorus, auch Silpha thoracica, also echte Aaskäfer,
faulende Schwämme zu ihrer Nahrung wählen.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden ete. 271
2. Art: Arion subfuseus, Drap.
| Mittelgross, Grundfarbe gelbroth oder bräunlich,
' seltener grau; mit einem helleren oder dunkleren Seiten-
streifen längs des Schildes und Rückens; mitunter noch
auf dem Schilde mit einem halbkreisfürmigen, erloschenen
Fleck.
| Diese Art, welche in den Alpen sehr häufig ist, habe
> ich bei Tübingen ausser an den schon anderwärts ge-
I nannten Orten auch auf dem Spitzberge unter Steingerölle,
ı im Mai bei sehr feuchter und doch milder Temperatur be-
| hi obachtet; ferner ebenfalls im Mai 1873 längs eines Wasser-
h eh im Walde -vor Kresbach, später im Schönbuch.
' Das Thier kommt auch vor in Uhr ien aben, bei Wart-
hausen, wie ich nach Zusendungen des um die Kenntniss
‚der Es dieses Landstriches sehr verdienten F'rhrn.
E N. König- -Warthausen anzugeben a Endlich fand
| Eich ein einziges Exemplar im April 1873 im Walde am
- Höchberger Weiher bei Würzburg, und in der Rhön
- (Milseburg, Stellberg) drei Stück. Am Niederrhein habe
ich bis jetzt ebenfalls drei Exemplare gesammelt und zwar
im Gebiete des Siebengebirges (Umgegend der Löwenburg,
Sommer 1875 und Fuss vom Drachenfels, April 1876).
an sieht, dass die Individuenzahl nicht _gross ist und
elbst ‚bei nl ging immer auf viele Exemplare von
ion empiricorum erst ein Exemplar von Arion subfuscus.
Durch die späteren Funde hat sich herausgestellt,
ass es nach der Farbe zwei Formen unserer Schnecke
sebe und zwar:
1) eine mit roth- oder gelbbrauner Grundfarbe, welche
} verhältnissmässig häufigere ist.
2) eine mit grauer Grundfarbe; bei dieser können die
nst schwärzlichen Seitenbinden ech als lichte Zeich-
ung sich abheben; die beiden hellen Binden treffen über
er Schwanzdrüse im Bogen zusammen. Der Leibessaum
öfters ganz schwach gelblieh.
272 Leydig:
3. Art: Arion hortensis, Fer.
Eine der kleineren Arten, Grundfarbe des Rückens
entweder vom Gelblichen bis ins Dunkelolivenbraune, eine: %
schwärzliche Seitenbinde, Fussrand und Fuss- ®
sohle gelblich; oder Grundfarbe ein lichteres oder
“dunkleres Grau und dann Mangel des Gelb an dem a
weisslichen Fussrand.
Ein in Deutschland weit verbreitetes Thier und an
vielen Stellen sehr häufig. Ich habe es beobachtet im
Tauberthal (Rothenburg), Neckarthal (auch bei Heidelberg), 4
Mainthal (Würzburg), Rhöngebirge (Kissingen, an der Saale |
hin), Milseburg, Kreuzberg (z. B. unter Holzstücken im %
Garten des Klosters), Ebersberg; allerorts im Rhöngebirge %
vou sehr lichter Farbe und das Gelb des Fussrandes kaum
zugegen. Siebengebirge: bei der Löwenburg gesammelte 5
Exemplare von schönster blaugrauer Färbung.
Auch an dieser Art habe ich wiederholt beobachtet,
dass an sehr feuchten Oertlichkeiten, wo Arion empiricorum
ins Dunkle gefärbt erscheint, unser Thier ebenfalls von @
sehr dunkler bis zu fast schwarzer Farbe sich BeIEHe. Dann %
ist. auch das Gelb des Fussrandes satter.
Die ganz jungen Thierchen fand ich eh: vn
sehr lichter Farbe, fast ohne Zeichnung, oder die erst einige #
Linien langen Schneekehen hatten schon ganz die Zeichnung %
der Alten. Es wird angegeben, dass Arion hortensis eine ®
„unvollkommene“ Kalkschale habe. Insoweit ich dies unter- %
sucht, sehe ich Kalkstückchen von verschiedenster Grösse #
und die einzelnen von ähnlich schichtig-streifigem Wesen, 5
wie es die Kalkplatten bei Limax sind, und in der That
treten sie zu etwas grösseren Massen zusammen, als die IR
Kalkkörner es bei Arion empiricorum thun. 4
4. Art: Arion tenellus, Müll.
In der mehrfach angezogenen früheren Arbeit a 4
der Arion tenellus als eine wirkliche Art behandelt. Ich 3
habe unterdessen das Thier oftmals und an verschiedenen
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 273
Orten beobachtet und glaube jetzt annehmen zu müssen,
dass es nur Jugendzustände von Arion empiricorum ge-
| wesen sind, welche man unrichtigerweise zum Range einer
. Species hoben hat.
Die ganz jungen Thiere von Arion empwricorum, von
etwa 1 Cm. Länge, wie ich deren schon Anfangs April an
Baumstümpfen, dann wieder gegen den Herbst hin sammelte,
waren entweder ganz farblos, oder sie zeigten einen gelb-
_ lichen Anflug, wieder andere ‚hatten ein eigenthümliches
| Blassgrün. Letztgenannte Farbe kann sich steigern und
" dann bieten die Thiere ein sehr auffallendes Aussehen dar.
" So traf ich im September 1874 im Rhöngebirge (Waldberg
’ Era Thal zwischen Milseburg und Stellberg) unter Steinen
1 den „Arion tenellus“, dessen Rücken ganz eigenartig span-
‚grün gefärbt war, der Seitenrand blassgelb, Kopf und Fühler
4 schwarz. Es waren im Ganzen vier Stück und alle grösser
als die bei Tübingen beobachteten Exemplare.
18 Einige anatomische Nachforschungen haben mich auch
- belehrt, dass die Zwitterdrüse erst in der Anlage vorhanden
ist und noch nichts von Eiern oder Samenelementen her-
x vorbringen kann, also in einem jugendlichen Zustand sich
I; { befindet, =
Gattung: Limaxz, L. Fer.
® Schild mit Ringfalten; ÄAthemloch hinter
| - der Mitte des Sehildes; Rücken nach hinten ge-
Brscı. Sohle in drei Felder geschieden.
1. Art: Limax earinatus, Leach.
L. marginatus. Drap. — Amalia marginata, Mogq.-Tand.
8Sehild gekörnt; der Kiel erstreckt sich nach der
© ganzen Länge des Rückens; Oberseite rothgrau
" (blass fleischfarben), mit schwarzen Pünktchen und Strichel-
‚chen; zu beiden Seiten des Schildes ein grösserer sch wärz-
lieher Strich; Kiel blassgelb, Sohle gelblich weiss.
> Verknüpft in gewissem Sinn Arion mit Limax, daher
"Archiv f. Nature. XXXXIL. Jahrg. 1. Ba. 18
274 Leydig:
Mogqguin-T andou eine besondere Gattung, Be daraus @
gemacht hat!). 3
Seit meinen früheren Mittheilungen über diese ‚rehöne
Schnecke, die unter allen Nacktschnecken durch ihre feine,
man möchte sagen vornehme Färbung auffällt“, habe ich ®
das Thier in der Umgebung Würzburgs, wo es zuerst n ®
Deutschland beobachtet wurde?), wiederholt aufgesucht.
So traf ich es zahlreich Mitte April 1873 in der Umgebung
des Schenkenschlosses, auf der Käsburg, im Guttenberger ®
Walde, bei Zell am Main, meist unter Steinen, einmal auch 4 |
frei kriechend auf feuchtem Moos, besonders in den Mulden
der Dedungen oberhalb der Weinberge. Die Färbung dieser |
frei kriechenden Thiere war etwas matter, der röthliche
oder Fleischton sehr gering, das Grau vorherrschend, der %
Fuss dagegen ziemlich gelblich. Auch bei Rothenburg an
der Tauber kam mir im gleichen Jahre das T'hier wieder- 4 |
holt zu Gesicht. ;
Da ich früher mit Anderen auf das eigenthümlich ägel |
und stockige Wesen dieser Nacktschnecke hingewiesen, 7
so möchte ich bemerken, dass ich ausser dem vorhin er- °
wähnten Fall noch Mitte Oktober, als die Wärme Mittags ”
nicht mehr als + 10° R. betrug, die T’hiere Abends an- “
traf, auf sehr durehnässtem Grase am Fusse von Mauern, ”
wo sie munter und so zahlreich hinkrochen, dass in kür- 4
zester Zeit über ein Dutzend zu sammeln waren. Sie er- 3
schienen sehr lang ausgezogen und schmächtig. “
Dass sich bei dieser Art ein Farbenwechsel, bedingt
durch Chromatophoren wahrnehmen lasse, ist ander- |
wärts von mir mitgetheilt worden. Und ieh finde noch die ©
Beobachtung beizufügen, dass schon im Freien an kalten |
Oktobertagen mir die Verfärbung der Thiere ins Dunkle
auffiel, gerade so wie es bei Fröschen und Kröten unter
gleichen aan eintritt. Ei
Unter zahlreichen Nacktschnecken, welche Baron ©
König-Warthausen inOberschwaben gesammelt und an |
mich geschickt hatte, tauchte niemals gegenwärtige Art
1) Siehe Fig. 19, Fig. 20, Fig. 21.
2) Vergl. meine Bemerkungen z. Würtemb. Fauna, a. a. 0.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden ete. 275
auf. Auch im Rhöngebirge, wo ich fortwährend danach
pähte, hat sich keine Spur gezeigt.
inschein, als ob unsere Speeies mit der Gattung Arion im
Mangel der die Sohle theilenden Felder übereinstimme.
Allein Querschnitte durch das ganze, in Weingeist getödtete
"hier lassen gut erkennen, dass auch hier durch Einfaltung
er Haut an gleichen Stellen wie bei Limas zwei Längs-
irchen entstehen, durch welche die Sohle dreifelderig
vird. Und selbst bei Arion empiricorum sehe ich eine un-
verkennbare Andeutung der dreifelderigen Beschaffenheit.
Wenn daher der Systematiker sagi: Arion, Sohle nicht ge-
feldert, Limax, Sohle gefeldert, so ist dies zwar etwas
zubehalten.
dr der Form eines Organsystemes, uaR für a
Inser Thier dem Genus a mehr ui der Dee a
Ich meine den Nervenschlundring oder das Gehirn.
e Commissuren desselben Ss Br doch 80, a sie
der Stiel nie ae liess ao zur oberen De
Grösse der Otolithen ging vom
Die Betrachtung des lebenden L. carinatus giebt den
ertrieben, aber als Mittel zur Determinirung immerhin.
276 | Leydig:
Der schwarze Seitenstrich am Schild fällt mit der
Grenzlinie des Kalkschälchens zusammen oder begleitet
den Saum desselben eine Strecke weit; bei gewissen Be- °
wegungen hebt sich auch die vordere Grenze des Schälchens °
nach aussen stark ab, was von Anderen als „quere Ein- 7
selnürung“ bezeichnet wird, selbstverständlich aber nur '
etwas Kommendes und Verschwindendes ist !). — Bei recht
jungen Thieren ist der Seitenstrich des Schildes noch zu- 7
sammengesetzt aus isolirten dunkeln Flecken. |
2. Art: Limax gracilis, nov. spec.
Schild gekörnt; der Kiel erstreckt sich nach der
ganzen Länge des Rückens; Oberseite schwärzlich
bis Schwarz; Schild ohne den Seitenstrieh; Kiel”
schmutzig gelb, Sohle schwärzlich gran. ’
Unter diesem Namen stelle ich als neue Art jene 7
Nacktschnecke auf, welche ich früher?) für eine Abände- ”
rung der vorausgegangenen Art genommen habe, aber da- °
bei doch bemerken musste, dass sie in Grösse und Farbe °
stark vom gewöhnlichen Limaz carinatus abweiche. Es
ist ferner dasselbe Thier, welches anhangsweise zu der
nachgelassenen Schrift eines Conchyliologen?) aufgeführt er- ”
scheint. 4
Ich habe unterdessen diese Nacktschnecke*) in einer
ziemlichen Anzahl von Exemplaren gesammelt und mich
überzeugt, dass es eine gute Species sei. Das Thier ist‘
um vieles kleiner, als der nächstverwandte ZL. carinatus, in E
‘ dahin kriechendem Zustande gegen 1!1/;—2 Zoll lang, aber
alsdann von äusserster Schlankheit. Die Oberseite geht °
vom schmutzigen Ockergelb (genauer graugelb mit schwärz- 4
lichen Strieheln) ins ganz Dunkle, fast Schwarze über, an
1) Vergl. Fig. 21. e
2) Beiträge zur würtemb. Fauna, Jahreshefts des Vereius Sr
Naturkunde in Würtemberg 1871. 8. 218. _ i
3) Lehmann, Die lebenden Schnecken und Muscheln der Um-
gegend Stettins aeg Pommerns, Cassel 1873. a:
4) Figur 22.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc, 277
die grossen Seitenflecken, welche bei L. carinatus vor-
handen sind, entstehen. Der Kiel, über den ganzen Rücken
"gehend, ist gelblich. Der nechlem ist zähe, wie bei
-E. carinatus und hat einen Stich ins Gelbliche.
Das Schälchen ist länglich, sehr schmal und so
" gewissermassen im Einklange zur Tracht des Körpers.
"(Jenes von L. carinatus ist breiter, ovaler.) Der braune
iefer zeigt in der Mitte einen wenig vorspringenden,
stumpfen Zahn. Der freie Rand des Zahnes sowie des
Kiefers überhaupt erscheint unregelmässig kleinbuchtig.
Mi Am Kiefer des nächstverwandten 2. carinatus stellt der
"Zahn eine so schwache Wölbung vor, dass man sie fast
übersehen könnte, wenn man nicht an dieser Stelle den
Z Zahn suchen würde.)
| Ich habe gegenwärtiges Thier, welches, je öfter man
RN zu Gesicht bekommt, um so bestimmter den Ein-
uck einer besonderen von Zimaz carinatus verschiedenen
Art macht, auch ohne dass man Kiefer und Schale unter-
‚sucht hätte, bisher nur in der feuchten Kühle des Spät-
1erbstes. und Frühlings angetroffen, und zwar entweder
hend an der Unterseite sehr feucht liegender Steine, oder
jechend auf äusserst durchnässten Wegen. Der Haupt-
a fundort ist für mich die Umgebung des Schloss- und Spitz-
berges, sowie des Steinberges bei Tübingen gewesen.
iufig ist die Schnecke keineswegs; ich habe im Laufe
N rerer Jahrg nur gegen 20 Stück gesammelt, darunter
infang April 1874, an einem sehr dumpf-feuchten Tag, am
teinberg fünf Sttick auf einmal, welehe unter einem Steine
isammensassen und wieder im April eines anderen Jahres
2. R
)]
FE plare tand EN auch a botanischen Garten in
zburg, das eine Mitte Oktober 1872 und das andere
1; chs ach, welehe auf sehr feuchtem nem dahin-
278. | Leydig:
demnach Fimax carinatus in seinem trägen Wesen dem h
Arion näher steht, wird Limax gracihis den andern Arten. 3
von Limax ähnlicher 4
3. Art: Limax einereo-niger, Wolt.
Diese und die nachfoigende Art sind unsere grössten °
Nacktsehneeken; Schild ungefleckt; die Seitenfelder der 4
Bauchfläche ea erh das Mittelfeld weiss. “4
Zu den Farbenabänderungen, welche ich am mehrfach F
erwähnten Orte namhaft machte, verdient jetzt noch gestellt
zu werden eine weisse Form (Albinismus), wie ich ein 7
solches Exemplar im Mai 1873 durch Herrn v. Biberstein
aus Weil im Schönbuch eingeschickt erhielt. Es war ein”
prächtig grosses Thier und rein weiss, oben wie unten. ?
Nachdem ich es einige Zeit lebend gehalten, wurde es der
Tübinger Sammlung einverleibt. u
Zu den Fundorten, allwo ich die Schnecke sammelte,
habe ich noch zu stellen. Brixlegg im Innthal (alle °
Thiere mit ganz dunklem Rücken); Staffelstein bei Bam- |
berg; Kissingen: auf der Bodenlaube!), Wald bei der
Ruine Aura (Rückenseite schwarz mit Ausnahme des Kiels).
Auch alle Exemplare, welche ich im Herbst 1873 im |
Tauberthal antrat, zeigten einen ganz schwarzen Rücken,
Im Rhöngebirge sammelte ich da Thier häufig, so an.
der Milseburg, auch hier waren fast alle von ganz schwarzem "
Rücken; am Stellberg und am Wadberg traf ich auf }
schwärzlich graue mit weissem Kamm, dabei von sehr
stattlicher Grösse. Unsere Art fehlt auch nieht unter dem”
von Baron König-Warthausen in Oberschwaben
gesammelten Landsehneeken. Hier am Niederrhein b
Bonn, dann bei Auel im Aggerthal habe ich sie ebenfalls ”
ee so dass sie eben wohl als eine der verbreitet-
sten Naektschnecken in Deutschland angesehen werden darf j
1) Unser Thier wird nicht erwähnt in dem oben angezogene
Verzeichniss über die Mollusken dieser Gegend. Da sie aber wegen
ihrer Grösse nicht übersehen werden kann, ist sie wahrseheinlich ”
sammt dem Arion empiricorum unter »Limax maximus« zu ver: .
muthen. |
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 279
4 Art: Limax einereus, List.
Schild gefleckt, Sohle einfach weiss; Rücken
mit schwarzen Streifen oder Fleckenreihen. |
iR In der Grösse mit dem Limax cinereo-niger wetteifernd
7 ist sie sonst eine von diesem durchaus verschiedene Art
und keineswegs so allgemein verbreitet, wie erstere; ja in
Süddeutschland ist sie in vielen Gegenden selten oder lebt
wenigstens sehr versteckt.
| Ueber das mir dazumal bekannt gewordene Vor-
kommen in Würtemberg habe ich in u „Beiträgen“
ittheilungen gegeben; später im Juli 1872 erhielt ich
auch mehrere Stücke aus der ns von Weinsberg.
"Mainthal an: im Höchbergertbal bei Würzburg!) fand
ich im October 1873 an einem Regentage ein sehr grosses
Exemplar (Schild mit etwa vier Reihen von Flecken, die
vordern bogig zusammenhängend; über den Rücken hin
zwei Reihen schwarzer Flecken, Sohle einfarbig weiss).
Es gelang mir übrigens nicht, trotz mphktägigen Nach-
uchens ein zweites Thier zu ad
Für dieGegend um Bonn hat bereits Goldfuss des
max cinereus als „häufig“ bezeichnet. Mir war es im
er und Herbst 1875 nicht a die Art zu finden
lern durch ihre Menge lästig würde. Später sammelte
‚selbst zu wiederholten Malen diesen echten Jrmax cine-
erner, wie ich jetzt angeben kann, gehört das Thier dem
EN
280 Leydig:
reus, und zwar bereits im Januar bei Regenwetter und + 3°R. 2
in Gärten der stadt, weiterkin im Frühling am Fusse des 7
Drachenfels, dann bei Poppelsdorf, zum Theil sehr grosse,
lebhaft gefärbte und gefleckte Exemplare, was Alles zur E
Bekräftigungder Gold fuss’schen Angabe bemerkt seinmag. °
In den „Beiträgen zur Württembergischen Fauna“ %
habe ich gelegentlich Heynemanns Aufsatz. über die ”
älteste Figur des Limax cinereus List. auf ein ebenfalls °
sehr altes Werk hingewiesen, welches nach einer Andeu-
tung im „Naturforscher“ einen Zimax masimus vorgestellt
enthalte. Ich konnte damals noch keine Einsieht von dem ”
Werke!) nehmer, später bekam ich es zu Gesicht und der 4
Spannung, mit welcher ich die Platte aufschlug, folgte Ent-
| täuschung: denn die auf Limax maximus von dem Bericht-
erstatter im Naturforscher bezogene Figur kann unmöglich 1
einen Limax bedeuten, sondern passt am ehesten noch auf ”
eine sehr grosse, vielleicht exotische Insectenlarve. Und
so behauptet die Lister’sche Abbildung ihren Platz als die °
älteste Figur. "
5. Art: Limax variegatus, Müll.
Gehört zwar zu den grossen Arten, erreicht jedoch 2
nicht die Länge von Zimax cinereus (die stärksten von mir 7
beobachteten hatten 4 Zoll Länge). Ä 4
Grundfarbe des Schildes und Rückens ein Gauzeian h
darauf schwärzliche fast ins Grünliche spielende Flecken- 4
bildung, auch der Schild gef leckt, der Kie] bleibt hell, ®
die Sohle gleichmässig weisslich. Am kriechenden Thiere 7
Nacken und Fühler schön bläulich. E
| Limex voriegatus ist mehr als ein Glied der südlichen R
Fauna zu betrachten und scheint in Deutschland eine noch
geringere Verbreitung zu haben als Limax cinereus. Das iM
Thier wurde gefunden im Rheinthal bei Karlsruhe, im
Mainthal bei Frankfurt und Würzburg, dann bei Kassel, 4
bei Berlin und Königsberg (vorausgesetzt, dass bei den /
1} Muscarum Scarabeorum Vermiumque varie figure et forınae E
omnes primo ad vivum coloribus depietae et ex collectione Arun-
delian a Wenceslao Hollar aqua forti aeri insculptae. Antwerpiae
anno 1646. f 2
Die Hautdecke und Schale der un etc. 281
R: sn habe ich die Art Hoch ie en
| Das Vorkommen bei Würzburg nebst den näheren
Umständen wurde von mir!) angezeigt und bis jetzt ist
die dort erwähnte Oertlichkeit immer noch die einzige
Fundstelle: für mich geblieben. Im October 1873 konnte
man abermals Exemplare erbeuten, nachdem sich die
© ersten Herbstregen eingestellt hatten, wahr end des Sommers
war die Schnecke völlig aussehchen. Die Grundfarbe
war wieder ein Gelblich, genauer ein Graugelb?’), am
Schild Rücken und Kiel satter als am Kopf und den
Seiten, darauf graue Fleckenbildung, am Schild netz-
_ förmig, am Rücken mehr zusammenhängend, obere Fühler
deutlich, die unteren nur spurweise bläulich. Sie frassen
in der Gefangenschaft gern angefeuchtetes Schwarzbrod,
wobei sich alsdann die Exeremente in so regelmässig
ovale gleichgrosse Ballen formten, dass sie beisammen-
liegend wie Eierhaufen sich ausnahmen.
Die Thiere legten im October die bereits oben er
_ wähnten wirklichen Eier, in welchen gegen Ende Der
die jungen Schneekchen fast zum Auskriechenfertig waren.
etztere hatten bereits die Färbung der Alten, nur die
Iben und bläulichen Farbtöne waren noch blass und zart;
der Schild stärker gefärbt als der übrige Rücken, am
reisten her. Asa den a elche
STEH u mar
Feiche an den jüngern _ Stadien gemacht urdleg ie
acht.
Die helle anche Schwanzblase erscheint nach
nten wie getheilt. An Schneckchen, welche dem Ans-
iechen nahe sind, ist der Rest der Schwanzblase noch
Form eines kleinen beuteligen Anhanges vorhanden.
In der Haut des Schildes tritt das Pigment und auch
K; 5) In den »Beiträgen zur württemb. Fauna« S. 222.
2) Andere Beobachter sprechen von einem »Hochgelb«, was
war am Rücken die gelbe Grundfarbe in Inseln hab Warten
; zahlreicher sind die gelben Stellen am Schild.
P
”
282 @eydig:
der Kalk am ehesten und za lreichsten auf. Die Furchungs- Be
linien und Höcker « "’°", erscheinen schon sehr früh. ?
Auch das Nervensystem zeigt sich bald und die untere B
Hirnpartie hat einen beträchtlichen Umfang. R
Die Linse des Auges mit körniger Mitte und heller 4
Rinde, nach Kalilauge sich lösend und völlig verschwindend,
ist birnförmig ausgezogen, auch ein Theil fast abgeschnürt %
und ich sah auch letzteren als kleines Stück zur Seite des °
grösseren liegen. Die zellige Retina ist sehr diek und ”
und das wenige roth-violette Pigment nach einwärts vor 4
der Retina liegend, zog sich gegen die Tiefe der Retina
in Streifen aus. .
Die Hörblase ist anfänglich ohne Otolithen und von
birnförmiger Gestalt. Die „Urniere“ liegt mit dem Haupt- °
theil ihrer Schlinge zuerst in der Wölbung, ihr Ausführungs-
sang im Stiel des Dottersackes. Die Secretbläschen der ’
Nierenzellen, die‘sehr grossen Concremente einschliessend, °
sind ebenfalls umfänglich und buchtig. Im Gang werden °
die Conceremente kleiner, so wie sie etwa in der späteren
Niere sind. In den zum Ausschlüpfen fast reifen Thier-
chen ist die Urniere noch vorhanden und mit dem Dotter-
sacke ins Innere getreten. a
6. Art: Limax montanus, Leyd.
Rücken mattgrau oder graubraun mit verwasche-
nen dunklenFleeken und auch über den Schild gehen
Wolken mit verflossenen Rändern. Sohle gleiohmnen
weiss.
Ich habe in der mehrfach angezogenen Schrift dc
Art aufgestellt nach Thieren, welche ich bis dahin bloss
aus den Bergen von Südtirol (Razzes, Seiseralp) kennen
gelernt hatte. Die Schnecke besitzt im Aura el
Zustand nahezu, doch nicht ganz die Länge und Dicke von
L. cinereo-niger, ungefähr 9—10 Cm. Sie unterscheidet hä
sich auch sonst von der letzteren Art auf den ersten Blick h)
durch die unpigmentirte Sohle, die ganz vom Aussehen ist,
wie bei Z. cinereus. Von eben genannter Species trennt
den L. montanus aber wieder die Farbe des Rückens, denn
die verwaschenen duukleren Stellen am Sehild können 7
Be " “ °
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 283
ieh entfernt mit der Fleekenbildung am Schild des Z.
einereus List. verglichen werden. Bei jüngeren Thieren,
die etwa erst 6-7 Cm. Länge haben, spielt die graue
1 - Grundfarbe des Rückens mehr ins Fleischfarbene, am Man-
14 tel sind die wolkigen Flecken schärfer und zur Seite des
Rückens macht sich, wenn auch schwach, eine Längsbinde
‚bemerklich. Das fleckige der Jugendfarbe tritt somit in
” - späterer Zeit bis auf schwache Spuren zurück.
Gegenwärtige Art kommt aber auch an der nörd-
“ lichen Seite der Alpen vor, so z. B. in der Ramsau bei
Berchtesgaden, dann auf der Insel Herrenchiemsee und
' jetzt möchte noch besonders mitzutheilen sein, dass sich
die Sehneeke auch in andern deutschen Gegenden vorfindet.
Ich beobachtete das Thier bei Tübingen, wo ich im
" Oetober 1872 zuerst auf dasselbe aufmerksam wurde und
später namentlich im bergig-waldigen Schönbuch antraf
_ doch nicht häufig: in der Zeit von mehreren Jahren habe
ieh bloss 9 Stück gesammelt. Die Farbe war oben bräun-
- lich grau mit je einer breiten verloschenen dunkleren Binde
; neben der liehten Kammlinie (die dunklere Färbung liegt
mur in den Rändern der Hautleistchen); zur Seite noch
eine schwächere, ebenfalls verloschene Binde; Bauch hell,
Dann im Herbst 1873 begegnete mir die Art auch im
Er eehiree Rn 3 Stück unter
ur rein Se Nur einmal im Walde der an
er Milseburg, als nach einem Gewitterregen die Schnecken-
elt aus ihren Schlupfwinkeln zahlreich hervorkam, griff
ich einen L. montanus auf, der beinahe die Länge des
mlichkeiten darbot: Schild grau gesprenkelt, der übrige
ken fast weiss, nur zwischen den Hautwarzen schwach-
284 Leydig:
7. Art: Limax marginatus, Müll.
L. arborum, Bouch. L. sylvaticus, Drap. Ei
Eine der kleineren Arten. Im frischen unbehelligten
Zustande von durchscheinendem prallen Aussehen,
welches durch aufgenommenes Wasser bedingt ist, Farbe
bald einfach blassgrau, bald mit schwarzen Tupfen, welche #
in Längsreihen gestellt sein können. Sohle einfarbig
weissgrau. 2
Ein weit verbreitetes Thier; denn ausser den von mir
schon seiner Zeit erwähnten Gegenden, allwo ich es vor
dem Jahre 1870 gesammelt, könnte jetzt noch namhaft ge- |
macht werden: der Eingang zum Ultenthal in Südtirol, ”
ferner die Gegend um Kissingen, die Milseburg und Stell-
berg im Rhöngebirge (eine ganze Anzahl auf einmal unter
Holzstiicken). Das Tauberthal habe ich schon früher ge-
nannt; im Herbst 1873 traf ich unseren Zimax auch im ”
Münsterthal, welches bei Creglingen ausmündet. Im Main- °
thal bei Würzburg sah ich mich bisher vergeblich nach
gegenwärtiger Art um, aber ich gehe schwerlich fehl, wenn
ich dies Vermissen für zufällig halte. Be
Das Schälchen scheint nach den Gegenden, in 7
denen das Thier lebt — vorausgesetzt, dass die Bestimmung
immer die richtige war — eine sehr verschiedene Ent-
wickelung zu zeigen. Für die. nassauischen Exemplare s.
wird angegeben: „Die innere Schale ist ein Plättchen or-
ganischen Gewebes, in welches nur hin und wieder Kalk E
eingelagert ist“. Für die des Niederrheines: „Das Schild °
ist durchscheinend, etwas gebogen und von nicht charak-
teristischer Gestalt.“ Ich hatte hingegen oben nach Thieren,
‚die ich aus Gegenden des Muschelkalkes untersuchte, mit-
zutheilen, dass die Schale merkwürdig diek und kalkig #%
seit). Selbst an ganz jungen Thierchen, von 4 Linien °
Länge, wie ich sie im Monat October vorfand, war das Bi
Schälchen, obschon jetzt nach unten noch völlig ausgehöhlt,
doch bereits merklich dicker, als jenes von gleich grossen
Individuen des Limax agrestis. 4
1) Figur 5, Figur 6.
N
. Die intdlcke und Schale der Gastropoden etc. 285
En | K den Fühlerknöpfen solcher jungen durchschei-
© nenden Thiere lässt sich bequem sehen, dass die Wölbung
\N des Ganglions nach unten gerichtet und abgeschnürt ist,
das Auge aber nach oben und aussen seinen Platz hat.
Die Füllung der Kalknetze in der Haut besteht aus
kleinen Körnern.
8. Art: Limax agrestis, L.
3 Zu den kleineren Arten gehörig. Farbe vom
Weisslichen, selbst Kreideweissen durchs Gelblichgraue
und Dunkelfleckige bis ins Dunkelbräunliche; Sohle
einfarbig grau.
Die „gemeine Ackerschnecke* ist in der That die
verbreitetste von allen und ich selber habe sie bis jetzt
| ‚nirgends in den Gegenden, wo ich mich nach Limacinen
i umsah, vermisst; auch dann nicht, wenn keine andern Arten
sich entdecken lassen wollten. Es hängt diese allgemeine
Verbreitung wohl mit einer grossen Lebenszähigkeit zu-
sammen, denn ich wurde des Thieres noch unter Umstän-
‚den ansichtig, welche höchst ungünstig für das Leben der
wasserbedürftigen Schnecken sein mussten; so z. B. bei
‚anhaltender, brennender Sonnenhitze auf hun sich deh-
nenden, höchst ausgetrockneten Sandfeidern, unter ebenso
oeken liegenden Feldsteinen, während alles thierische
eben ringsherum erloschen schien.
Eine Beziehung der Farbenverschiedenheiten auf die
Oertlichkeiten nachzuweisen gelingt nicht, denn man trifft
I an einem und demselben Platz ganz einfarbig helle, dann
-dunkelfleckige und bis fast schwarze. — Das gelbliche
gment ist, wie die mikroskopische Untersuchung lehrt,
eilweise ein diffuses.
- Die Schnecke lebt häufig gesellschaftlich, in ganzen
aufen zusammen, was jedoch vielleicht ein allgemeiner Zug
isrer Thiergruppe ist. Denn es ist mir noch bei meh-
'eren Arten aufgefallen, dass sie, mit ihres Gleichen in
ngenschaft gehalten, gerne dicht neben einander Platz
men, obschon der Behälter Ueberfluss an Raum bot.
€ Te bi vi 5
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236 Leydig:
9. Art: Limax cinetus, Müll.
L. cereus, Held.
Eine der kleineren Arten von zierlicher Traeht,
Rücken von durehscheinender wachsgelber Farbe. Sohle ;
einfarbig grau. N
In alpinen Gegenden, wie ich anderwärts mittheilte,
besonders zahlreich, scheint sich ihr Vorkommen aber Te \
auch sonst weit über Deutschland auszudehnen. Nieht nur
habe ich sie schon früher bei Tübingen‘) und Würz- i
burg aufgefunden, sondern später auch im waldreichen
Münsterthal bei Creglingen, bei Rothenburg an der
Tauber (Wald des Wachsenberges, die Thiere waren ohne ’
das reine schöne Wachsgelb, Se braungelb); dann
bei Kissingen an der Nordseite der Berge abwärts von
der Saale (ein Exemplar, dessen Wachsgelb ebenfalls nicht ”
so rein war, als an jenen des Hochgebirges); im Rhön-
gebirge, und zwar vier Stück an der Nordseite des
Kreuzberges unter feucht liegenden Steinen, wovon zwei
Thiere sehr gross und so lebhaft gefärbt waren, wie Hi
alpinen; ferner am Ahbhang der Pferdskuppe a Stück, “
nicht rein wachsgelb, sondern mit einer verwaschenen 7
dunkleren Seitenbinde, welche über den Schild und Rücken 5
. nach hinten zog); auch sammelte ich an der Milseburg zwei
Stück, beide von ausgeprägter Farbe, im Thiergarten am Wad- °
berg fünf Exemplare, davon zwei an Schwämmen, drei
unter Baumrinde. Man sieht, dass das Rhöngebirge wohl ”
wegen des rauhen feuchten Klimas die Entwickeiung des
' Thieres begünstigt. Endlich sei noch erwähnt, dass auch
aus Oberschwaben Baron König-Warthausen mir |
den in Rede stehenden Limax zugesendeti hat. a
Hier am Niederrhein habe ich die Art noch nicht H
angetroffen, möchte jedoch in einem Zimaz, den Goldfu ss).
1) Zu dem damals genannten Spitzberg und Schönbuch kommt
jetzt noch die Alb, wo ich im Juli 1873 in dem Walde hinter dem”
Mädchenfels ein Exemplar fand, das kaum gelblich war, sondern 7 |
nur grau durchscheinend mit leisestem Anflug von dem Wachng oA
2) a. a. O. Seite 67.
#
N |.
| Die Hautdecke und Schale der. lt eic. 287
aus einer Schlucht des > dei Bonn beschreibt,
aber nicht benennt, da er über das Thhier unsicher ge-
b. blieben, gegenwärtige Art vermuthen. Was genannter
"Sehriftsteller bezüglich der Gestalt, Farbe und Tracht auf-
\ wehrt, passt alles gut auf den Zimax einctus.
a
10. Art: Limax brunneus, Drap.
Die kleins te der einheimischen Mk schnecken
Fühler sehr kurz; der Schild verhältnissmässig eur
"als bei allen Enderen Arten unsres Landes, weit nach
hinten liegend, nieht wie sonst gewissermassen im Nacken,
‚daher das Schwanzstück des Thieres kaum länger als das
"Halsstück. Farbe oben und unten ziemlich gleichmässig
‚achwärzlich, oder tief katfebraun.
Ich habe bereits über diese Art Einiges in den „Bei-
trägen“ mitgetheilt. Das von Goldfuss herausgegebene
Be reiehaiee über die Auen der a a
egsenden Holzstücke am Rande des kleinen Teiches zu-
j | des Tüsses ne ae ‚m a diese
ekrümmt, das Ganze von sehr hellem Aussehen. Der
iefer erschien stark gebogen, der Zahn besass eine, wenn
nmer vorhanden, charakteristische mittlere Einkerbung
238
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Leydie:
Erklärung der Abbildungen auf Tafel IX—XVL
10.
Tafel IX.
Schälchen von Zimax agrestis L., gering vergrössert, von F:
oben.
a Organische Grundlage,
b Kalkplatte von baumartiger Form und krystallinischem }
Gefüge,
c Kalkconeremente von schaliger Form.
Schälchen von Limax agrestis L., gering vergrössert, von
unten Bezeichnung wie in Fig. 1.
Stück von der organischen Grundlage (Outicula) mit mehren 1
der schaligen Kalkconcremente:
a Furchen und Furchungswälle der Cuticula.
b Kalkeoncremente.
Ein Stück Schale von Limax einctus Müll.
a Furchen der Cuticula,
b krystallinische Kalktafeln.
Das Schälchen im eu und gering vergrössert sehe 4
man Fig. 14.
Tafel X.
Schälichen von Limax ent Müll. von oben und ge- 1
ring vergrössert,
Schälchen von. Limax ie Müll. von unten und
seitwärts, gering vergrössert.
_ Ein Theil der Kalkplatten der Schale von Limax inargi-
natus Müll, mässig vergrössert. Das krystallinische Gefüge 7
erscheint 4 feine Strichelung.
Einige der Platten der vorigen Figur stark vergrössert, 4
Der krystallinische Bau ist jetzt deutlich.
Von der Schale des Limax agrestis L. eine gleiche Partie 4
und ebenfalls stark vergrössert.
Ein Stück der Haut, welche den Leibesraum auskleidet in a
abgezogenem Zustande von Zimax carinatus Leach. mäseig 4
vergrössert.
a die homogene Grenzschicht oder Cuticula,
b die zellige, in gewissem Sinne epitheliale Lage oder Matrix”
darunter, an der Umschlagsstelle.
ce Kerne der Zellenbezirke über die Fläche weg,
d Muskeln,
e Oefinungen, welche in die Bluträume führen.
g
Fig. 13.
ig: 11.
"Fig. 12.
Fig. 14.
‚Eig. 15.
‚Fig. 16.
Fig. 17.
Fig. 2.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden ete. 289
Tafel XI.
Schälchen von Limax carinatus Leach, gering vergrössert,
von oben.
a häutiger Rand,
b ästige Züge dunkelrandiger Kalkgebilde,
e Wirbel des Schälchens.
Schälchen von ZLimax carınatus Leach, von unten.
a die krystallinischen Kalklagen.
. Vordertheil des ganzen Thieres von Limax carınatus Leach,
um die Vertheilung der Blutbahnen in der Haut zu zeigen.
| Tafel XI.
Schälchen von Limax earinatus Müll.
a Cutieularsaum,
b die Kalkplatten,
Einige Drüsenbälge aus den Mundlappen von Limaz cinereo-
miger Wolf.
a Eigenthümliche Querstrichelung an der Zelle.
Oefinungen, durch welche die Niere mit dem Herzbeutel (?)
in Verbindung steht.
a die polsterartigen Hervorragungen mit dem Büschel
grosser Wimpern.
Das freie Ende eines der grossen Fühler, um die Lage der
Theile zu zeigen, gering vergrössert.
a die Wölbung des Ganglions,
b Ringwulst,
e Auge.
. Limax brunneus. Drap., mit der Lupe vergrössert.
. Limax cearinatus Leach in natürlicher Grösse, nach einem
todten Thier.
. Limax carinatus Leach, in natürlicher Grösse und ruhen-
dem Zustande.
. Limax carinatus Leach, in eingezogenem Zustande, zeigt
die „quere Einschnürung des Schildes.‘“ Das Pigment der
_ Seite ist weggelassen.
Limasx gracilis Leyd. nach dem Leben und in natürlicher
Grösse.
Tafel XII.
Seulptur der Schale von Physa fontinalis an der Umschlags-
lamelle des Spindelrandes.
. Seulptur der Schale von Helix incarnata bei stärkerer Ver-
grösserung.
ii Archiv 1. Naturg, XXXXIT. Jahrg. 1. Ba. 19
290
Fig. 23.
Fig. 26.
Fig. 27.
Fig. 28.
Fig. 29,
Fig. 30.
Fig. 31.
Fig. 32.
Leydig:
Von einem senkrechten Schnitte durch die Hautdecke von
Arion empiricorum Fer., das obere Ende.
a Epithel,
b Schleimdrüsen,
e „Kalkdrüsen“,
d Muskeln,
e schwammiges Bindegewebe der Lederhaut,
f Biutgefäss, von zahlreichen Löchern durchbrochen. |
Von einem senkrechten Schnitt durch die Hautdecke von °
Arion emypiricorum Fer., das untere Ende.
a Längsmuskeln,
b Quer- und Schrägmuskeln,
e zellige Partie des Bindegewebes,
d grösserer venöser Blutraum im Querschnitt,
e Grenze nach dem Leibesraum hin.
Tafel XIV.
Schnitt durch die ganze Hautdecke eines im Weingeist ge-
tödteten Thieres von Limax carinatus Leach, gering ver- U
grössert. |
& Chromatophorer in der Lederhaut,
b Schleimdrüsen,
ce „Kalkdrüsen“,
d die kalkführenden Zellennetze, 4
Aus dem vorigen Schnitt ein Theil bei starker NOrgrOm Ur 4
a Epithel,
b Chromatophoren,
c Schleimdrüsen,
d „Kalkdrüsen‘“,
e Kalkführende Zellennetze.
Schleimdrüse, an welche sich ein Nerv (a) ansetzt. ;
Schleimdrüse, deren Secret einem aufgerollten Byssusfaden 4
(a) ähnelt, von Helix thymorum. A
Schnitt durch die Haut des Rückens von a. varie- E
gatus Müll. |
a Epithel,
b Chromatophoren der Lederhaut. 4
e „Farb- oder Kalkdrüsen“, in die Kalknetze sich fort- | 4
setzend,
d Schleimdrüsen. 4
Freie Fläche des Epithels der Haut im frischen Zustande 7
von Limazx cinereus List. }
a die Oeffnungen der Schleimdrüsen, erfüllt mit einem Se-
cretionspfropf. =
b Intercellulargänge.
. Fig.
. Fig.
Fig.
ig. 38,
Fig.
Fig.
"Fig.
. 33.
34.
35.
36.
ST,
39.
40.
41.
Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. 291
Optischer Flächenschnitt durch den oberen Theil der Leder-
haut von demselben Thier.
a Schleimdrüsen,
b Kalkdrüsen.
Chromatophoren aus der Haut von Arion empiricorum Fer.
im zusammengezogenen und ausgestreckten Zustande.
Tafel XV.
Limax carinatus Leach, durch Erstickung getödtet, Kopf-
stück, von unten, Lupenvergrösserung.
a zum Theil vorgestülpte Mundmasse, mit Sichtbarwerden
des Kiefers,
b grosse Fühler,
c kleine Fühler,
d Mundlappen, in diesem Zustande wie ein drittes Fühlerpaar
sich ausnehmend.
Kopfstück von Limax cinereo-miger Wolf, Lupenvergrösse-
rung, Mundmasse ganz eingezogen.
a Mundöffnung,
b grosse Fühler,
c kleine Fühler,
d Mundlappen.
Kopfende von Limax agrestis L. im lebenden Zustande und
so kriechend, dass er dem Beschauer die Bauchseite zu-
kehrt; mit der Lupe vergrössert.
a die Mundlappen in tastender Haltung.
Nervenganglion aus den Mundlappen von Helix thymorum Alt.
a Ganglion der Mundiappen,
b Ganglion des unteren Fühlers.
Die eingeschlossene Linearzeichnung versinnlicht das
‚Schema, unter dem ich mir den Zusammenhang der nervösen
Elemente vorstelle.
Vom Lippensaum des Limax ceinereo-niger Wolf.
a Epithel,
b Cuticula, durchsetzt von Fäden mit geknöpftem Ende.
Epithelzeilen der Haut in isolirtem Zustande von Limax
carinatus Leach, um ihre vielfüssige Beschaffenheit zu zeigen.
Vom Epithel entblösster freier Rand der Haut von Helix
nemoralis.
a Fadige Bildungen, welche zwischen die Epithelzeilen von
der Lederhaut her eindringen,
b Leisten der freien Fläche, am Rande als Zacken er-
scheinend.
Fig.
ig. 44.
Fig.
Fig.
Leydig: Die Hautdecke und Schale der Custeäpelen ete.
43.
45.
. 46.
+47,
48.
‚42. Aus dem Hautschleime von Limax earinatus Leach.
a spindelförmige Körperchen,
b Byssusfäden.
Tafel XVI.
Schnitt durch den Mantelsaum von Helix nemoralis, starke I
Vergrösserung. 1
a Epithel,
b Schleimdrüsen,
ce „Kalkdrüsen“, |
d Zellennetz, welches mit den „Kalkdrüsen“ in Verbin- °
dung steht. '
Aus der Haut von Arion empiricorum Fer. Starke Ver-
grösserung.
a Epithel,
b „Kalk- und Farbdrüsen‘‘,
'e Schleimdrüse, deren a eine BER Rand-
zone besitzt.
Eine einzelne Schleimdrüse.
a Zeilsubstanz,
b Kern,
ce spindelförmige Inhaltskörperchen. '
Gruppe terminaler Ganglienkugeln aus den Mundlappen von
Limaz einereo-niger Wolf.
Vom freien Rande der Mundlappen der ., Nackt- E
schnecke. j
a Epithelzellen,
b fadig ansgezogene zellige Elemente, welche zwischen die E |
Epithelzellen dringen und in Verbindung stehen mit
ce tiefer gelagerten mehrstrahligen Zellen. 4
Ein Hautnerv von Arion empiricorum, der in ein Ganglion
ausgeht. ;
°s
Anatomisches und Histiolegisches über Gibocellum,
| a eine neue Arachnide.
Von
Anton Stecker in Prag.
Hierzu Tafel XVII—-XX.
| Einleitung. Gibocellum, eine neue, das vorige
Jahr im böhmischen Riesengebirge von mir gesammelte
' und schon anderswo!) vorläufig kurz beschriebene Arach-
"nidengatiung, gehört in die Ordnung der Cyphophthal-
" miden. Die Cyphophthalmiden, welche zuerst im Jahre 1868
' von Dr. G. Joseph in den Krainer Grotten entdeckt und
' damals nur durch die Gattung Cyphophthalmus Jos.
' vertreten, und als eine Familie beschrieben wurden, ge-
langten mit der Zeit zu einem weit grösseren Areale und
haben so verschiedene Repräsentanten gefunden, dass ich
mich, nachdem ich die Gibocellumgattung entdeckte, ge-
nöthigt sah, die Joseph’sche Familie der Cyphophthal-
' miden zu einer selbstständigen Ordnung zu erheben und
' im Arachnidensysteme in die unmittelbare Nähe einerseits
' derPhalangiden, anderseits der Chernetiden zu stellen.
1) Ant. Stecker, Ueber eine neue Arachnidengattung aus der
Abtheilung der Arthrogastren, Sitzungsb. der kön. böhm. Gesellsch.
\-d. Wissensch. 1875, 6. Heft. id. On a new genus of Arachnida of
the Section Arthrogastra, Ann. and Mag. of Nat. Hist. 1876, Ser. IV,
"Vol. XVII, p. 230 fi.
294 Stecker:
Die Unterschiede, welche mich dazu gebracht haben,
die Cyphophthalmidenordaung in zwei Familien zu theilen,
beziehen sich hauptsächlich auf äussere Körperorganisation
dieser Thiere, nämlich auf die verschiedene Zahl und Stellung °
der Augen (bei den Cyphophthalminen zwei, bei den Gibo- °
cellinen vier Augen), auf die Zahl der Tracheenorifieia
(zwei bei den Cyphophthalminen, vier bei den Giboeellinen)
und auf das Vorhandensein (Gibocellinae) oder Niehtvor-
handensein (Cyphophthalminae) der Spinnorgane. Ob den ©
Cyphophthalminen die Spinnwerkzeuge in der That fehlen,
oder nicht, darüber bin ich nicht zu einer festen Ueber- ®@
zeugung gekommen, da die sonderbare Lage der Spinn- °
warzen am zweiten Hinterleibshalbringe bei den Gibo- °
cellinen, jener der Chernetiden ziemlich entsprechend, mög-
licherweise die Ursache sein könnte, warum sie dort (bei
den Cyphophtlalminen) gänzlich übersehen wurden. —
Innere Organisation könnte da nicht zurBetrachtung kommen,
da uns die anatomischen Verhältnisse der Cyphophthalminen |
bis auf einige, obwohl lückenhafte, Bemerkungen über Cyph-
ophthalmus') völlig unbekannt sind. Dadurch ist uns nun s
theilweise auch die Möglichkeit genommen, auf die Ver-
wandtschaft sowohl der zwei Familien miteinander, als °
auch der ganzen Cyphophthalmidenordnung einerseits zu ©
der Ordnung der Phalangiden, anderseits zu jener der ©
Chernetiden richtig schliessen zu können; und so muss ich 5
nun bereits schon jetzt bemerken, dass überall, wo wir °
aus den anatomischen Verhältnissen einige Conelusionen
auf die Verwandtschaft der Cyphophthalmiden mit anderen °
Ordnungen ziehen werden, nur die Anatomie der Gibocellinen 5
zur Betrachtung kommt, und jene der Cyphophthalminen,
als eine dieser analoge, berücksichtigt wird. |
Zwar hat sich Dr. Joseph vorbehalten ?), über einige ' |
)) Dr. @. Joseph, Cyphophthalmus duricorius, eine neue
Arachnidengattung aus einer neuen Familie der Arthrogastrenord-
nung, Berliner entom. Zeitschrift 1868, XII. Jahrg., S. 241—250,
T. I, F. 1—12. — id. Nachtrag zur Beschreibung von Cyphophthal- °
mus duricorius, Berl. ent. Zeitschr. XII. Jahrg., S. 269-272, T.L,
F. 13—17. 2
2) Joseph, I. c. p. 271.
Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 295
“anatomische Details von Cyphophthalmus, von welcher
Gattung ihm ein reiches Material zur Verfügung steht, zu
‚berichten; es ist aber, soweit uns bekannt, seit dem J. 1868
bisher gar nichts über diesen Gegenstand publieirt_worden.
Die Kenntniss der inneren Anatomie, die Beschaffenheit
und Lage der einzelnen Organe bei den Cyphophthalminen
‚ist aber um so mehr wünschenswerth, als schon die Unter-
suchungen, welche ich an den mir zur Disposition stehen-
den zwölf Exemplaren von Gibocellum sudeticum anstellte,
welche mir aber nur theilweise die Einsicht in den inneren
Körperbau dieser Thiere erlaubten, sehr interessante Re-
'sultate lieferten. Ich habe daraus die Ueberzeugung ge-
wonnen, dass die Gibocellinen, obwohl sie dem äusseren
Körperhabitus nach in die Nähe der Phalangiden gestellt
werden müssen, in der inneren Anatomie sich von ihnen
doch wesentlich unterscheiden, und sehr an jene der Scheeren-
spinnen (Chernetidae) erinnern. Eingeweide- und Respira-
-tions-Organe, und theilweise auch das Nervensystem sind
ganz anders, als bei den Phalangiden, gestaltet. Ueber die
Cireulationsorgane und die Fortpflanzungswerkzeuge habe
ich leider, des spärlichen Materials wegen, nichts Wesent-
liches erforschen können, so dass unsere Kenntniss über
diese höchst wichtige Partie der Cyphophthalmidenanatomie
noch mangelhaft bleibt. |
Die Ordnung zerfällt nun in zwei von einander weseni-
‚lich verschiedene Familien, deren Haupivertreter einerseits
die Gattung Cyphophthalmus (also Familie der Cyph-
‘ophthalminen), anderseits die Gattung Gibocellum
(Familie der Gibocellinen) ist. Die Familie der Cyph-
ophthalminen enthält bis jetzt eine Gattung (Cyphoph-
'thalmus Jos.) mit drei Arten: ©. duricorius Jos. (von
Dr. Joseph in der Lu&ger Grotte in Krain entdeckt),
C. corsieus Sim. (von H. E. Simon auf Corsiea ge-
'sammelt)!) und ©. cimieiformis Camb. (dem H. Rev.
-0.P. Cambridge von H. 6. H. Thwaites aus Ceylon
Ki 1) Annales de la Societe entomologigue de France 1872, p. 240,
pl. 12, f. 20.
he
296 “ Stecker: DE
zugesandt)?). Die Familie der Gibocellinen ist durch
die Gattung Gibocellum?) (Art: sudeticum, von mir
im böhmischen Riesengebirge entdeckt) vertreten. Auch °
die von Westwood beschriebene. Gattung Stylocellus?) °
(Art: 8. sumatranus Westw.), deren nähere Beschreibung
uns leider fehlt, gehört in eine dieser zwei Familien‘).
I.
Aeussere Anatomie.
1. Hautskelet. Wie bei den Phalangiden, so '
unterscheiden wir auch bei Gihocellum einen zwar voll-
ständig. mit dem Hinterleibe verwachsenen, aber doch von
ihm durch eine tiefe Querfurche deutlich getrennten Kopf- °
brustschild (Taf. XVII, Fig. 1). Derselbe ist beinahe andert- °
halb Mal so lang wie der Hinterleib, ist vorne mässig aus-
gebuchtet, und trägt auf seiner Oberfläche beiderseits an
den Seitenrändern zwei, zur Plaeirung der Augen dienende,
chitinöse Kegelhöckerchen. Eine Erhabenheit, welche bei- °
derseits zwischen den Augenhöckerchen ihren Anfang nimmt,
und sich sodann in einer hufeisenförmigen Linie bis un-
gefähr in die Mitte des Cephalothorax fortsetzt, wo sie
allmählich ganz verschwindet, scheint diesen Körperabsehnitt
in zwei Hauptabtheilungen: zu theilen, welche, wie ich be- °
reits schon anderswo bemerkte’), den zwei durch die huf-
1) Rev. ©. P. Cambridge M.A, On three new and curious .
Forms of Arachnida. The Annals and Magazine of natural history |
Vol. XVI, 1875, p. 383—389, pl. XIU. (Fig. 3.)
2) Stecker, l. c. p. 16. (F. 1.) |
3) Westwood, Thesaurus Entomologieus Oxoniensis, 1874, ©
p. 200, pl. 37, Fig. 7 4
4) Die drei apa Namen Cyphophthalmus, Stylocellus und °
Gibocellum sind eigentlich Synonyma, welche sich auf die charakte- ® |
ristische Eigenschaft dieser Spinnen, die Augen auf Kegelhöckerchen
zu tragen, beziehen. (Gibocellum = gibbus, Höcker, und ocellum Ei
feigentlich ocellus], Aeuglein.)
5) A. Stecker, .c.p. 5.
. Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 297
eisenförmige Cephalothoraxfurche von Cyphophthalmus !)
entstandenen Abtheilungen, oder den durch die sogenannte
- procurva der Chernetiden und anderen Arachniden gebildeten
- Theilen, ziemlich entsprechen. Die Erhabenheit bei Gibo-
eelium ist also nur als eine Varietät der Querfurchen zu
deuten, und scheint mir bei den Arachniden zur Andeutung
. der zwei grossen, in dem Namen „Kopfbrustschild“
enthaltenen Körpertheilen zu dienen. Solche Querfurchen
findet man schon bei den Crustaceen, besonders bei
höheren Ordnungen (Krebse), welche aber nicht mit der
proeurva der Arachniden zu homologisiren sind, da auch
_ der Cephalothorax zu einer ganz anderen Ausbildung da
gelangt, und seiner Ausdehnung nach, nach Gerstaecker?)
eher als Cephalogaster (Decapoda) zu bezeichnen ist.
Die erhabene Querleiste am Cephalothorax von Gibocellum,
eine bei den Arachniden sehr spärlich vorkommende Bildung,
kann daher einerseits als Abgrenzung des Kopfes, ander-
seits der Thoracalpartie aufgefasst werden. Gegen eine
‚solche Sonderung könnte bei unserem Thiere der Umstand
"sprechen, dass die Erhabenheit zwischen den Augen ent-
"springt, dass also ein Auge dem Kopfe, das andere aber
dem. Brusttheile zukommen müsste; da muss ich nun noch
bemerken, dass die Erhabenheit zwar zwischen beiden
"Augen ihren Anfang zu nehmen scheint, sich aber schon
‚auf der Bauchseite befindet, wo sie leicht nach hinten um-
biegt, und dann wieder auf der Rückenseite am Hinter-
"rande des hinteren Augenhöckerchens wahrnehmbar wird.
Debrigens muss ich auch bemerken, dass solehe Sonderung
des Kopfbrusischildes in zwei von einander getrennte Theile
meist nur ideell wahrnehmbar ist, dass ich hier also keinen
"Kopf und keine Brust als de faeto unterscheiden will.
Die in den Seitenrändern des Cephalothorax schief
aufsteigenden Kegelhöckerchen sind zwei an der Zahl bei
den Cyphophthalminen, vier bei den Gibocellinen, und
‚sind meist so gestellt, dass das vordere Paar ungefähr am
7.1) 6. Joseph, I; c..p. 242, |
es 2) Dr. A. Gerstaecker, Arthropoda, in Bronn’s Klassen und
| Ordnungen des Thierreiches, p. 334.
u
298 Stecker:
"Ende des vorderen Drittheiles des Kopfbrustschildes, also
zwischen den Hypopodien des ersten und des zweiten
Kiefertasterpaares, das hintere Paar aber ungefähr in der
Mitte der Chephalothoraxseitenränder, zwischen dem zweiten
Kiefertasterpaare und dem erten Beinpaare zum Vorschein
kommt. Die Kegelhöckerchen sind von derselben histio-
logischen Zusammensetzung, wie der Kopfbrustschild selbst,
sind aber von einer meist festeren Construction, indem sie
als Schützer der in ihnen verlaufenden Optica fungiren.
Ihr Durchmesser ist in der Mitte am geringsten, von wo
an die Höckerchen sich zu erweitern beginnen, und an ihrer
Spitze ein zusammengesetztes, mit einer einfachen Cornea
versehenes grosses Auge tragen’). Sie sind mit gewöhn-
1) Die sonderbare Stellung der Cyphophthalmidenaugen hat
Dr. Joseph, als im Zusammenhange mit den Lebensverhältnissen
von Cyphophtkalmus stehend, aufgefasst, indem er ın seiner Mittheilung
vom 10. November 1875 (Sitzungsberichte der naturw. Section
der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur)
„Ueber das Zusammentreffen von theilweisem und gänzlichem Licht- 5
mangel mit Lageveränderung, Verkleinerung, Verkrümmung, Ver-
mehrung der Zahl, Verlust und Ersatz der Sehorgane“, folgender-
massen schreibt: „Das am wenigsten bedeutende Resultat des theil- E)
weisen Lichtmangels, wie er den Räumen der Grotten eigenthümlich
ist, in welchen es bei höchstem Stande der Sonne nicht ganz finster
ist, sondern mehrere Stunden des Tages eine Art von Dämmerung
herrscht, giebt sich in Lageveränderungen der Sehorgane kund. Die | |
dürftige Lichtmenge gelangt nicht von oben, sondern von der Seite
in die Grotte, während die Decke stets nächtliches Dunkel birgt,
und nicht das mindeste Licht ausstrahlt. Diesem Umstande ange-
passt, sehen wir die Augen, bei dem von mir vor 8 Jahren entdeckten, ®
zu den Spinnen mit gegliedertem Hinterleibe gehörenden, Cyph-
ophthalmus benannten, sonderbaren Wesen, nicht wie bei seinen ober-
weltlichen Verwandten (Phalangium, Trogulus) mitten auf der “
Oberfläche der Kopfbrust befindlich, sondern auf der Spitze von
Kegelhöckern zur Seite der Kopfbrust angebracht. Das Thier hat
damit die Fähigkeit erlangt seitlich zu sehen und ebenso behend
seitlich als rückwärts sich zu bewegen.“ Obwohl unser neues Thier
(Gibocellum) nur unter Steinen, an schattigen mässig feuchten 7
Orten, deren Boden mit modernden Blättern bedeckt war, gesammelt E
wurde, so findet man bei ihm auch an Kegelhöckerchen sitzende 7)
Augen, ja sogar deren zwei Paare; es lässt sich nun sehr schwierig 7
° . Anatomisches und Histologisches über Gibocellum. 299
lichen Haaren spärlich beseizt und haben auf der Spitze
“einen Kranz von langen Borsten. (Taf. XVII, Fig. 3.)
Ungefähr an der Stelle, wo die Kieferfühler unter
‘dem Vorderrande des Kopfbrustschildes hervortreten, beob-
‚achten wir am Cephalothorax beiderseits einen ziemlich
grossen, schwarzen Fleck, weleher sich bei näherer Unter-
suchung als eine den Ausführungsgängen der zwei, bei
" Phalangiden erst von Krohn richtig aufgefassten, Cephalo-
"thoraxdrüsen dienende Oeffnung darstellt (Taf. XVIIL, Fig.
-1,n.) Die Oeffinungen sind rundlich, und können ihrer Lage
“wegen leicht übersehen- werden, was vielleicht auch die
Ursache sein mag, warum sie bei den Cyphophthalminen
bisher nicht beobachtet wurden. Eine detaillirte Beschrei-
bung der histiologischen Zusammensetzung der Krohn’-
schen Cephalothoraxdrtisen bei den Gibocellinen wird
unten folgen. | n
| Der Kopfbrustschild ist mässig gewölbt und mit
gewöhnlichen Haaren spärlich besetzt. Das dem Cephalo-
thorax test verwachsene, jedoch von ihm durch eine tiefe
"Rinne abgesetzte Abdomen ist deutlich in acht Segmente
getheilt, welche ihrer Structur nach, nicht wie bei Cyph-
ophthalmus, panzerartig sind, sondern eine netzartige, jener
der grösseren Zahl von Arachniden entsprechende Cuti-
enlabildung darstellen. Die unteren Abdominalhalbringe ent-
sprechen ziemlich den oberen, und sind auf ihren Hinter-
ändern mit je einer Reihe von gefiederten Borstchen
der Umstand erklären, und in einen Zusammenhang mit der Lebens-
weise von Oyphophthalmus bringen ; doch ist es sicher genug, dass
auch Gibocellum anderen Verhältnissen in seinem Leben unterliegt,
als in welchen wir es. gefunden haben, — es ist schon auffallend
genug, dass es noch nie beobachtet wurde. Doch geht aus beiden
‚hervor dass sowohl Cyphophthalmus wie auch Gibocellum kein
echtes Gröttenthier ist, bei welchem die optica (siehe Blothrus,
Anophthalmus, Adelops, Amancops, ÄAnurophorus, Pro-
teus ete.) meist bis auf Null reducirt, ja sogar manchmal durch ein
anderes, an der Stelle, wo bei den verwandten Gattungen die Augen
angebracht sind, sich befindendes Sinnesorgan (meist Tasthaar oder
Taststäbchen) vertreten werden,
300 ' Stecker:
versehen.» Die schon von Treviranus!) beobachteten,
von demselben aber falsch als Stigmata aufgefassten In-
sertionsstellen der Abdominalmuskeln zeigen auch hier,
gleich den anderen Opilionen und Chernetiden, zwei
Reihen von narbigen Vertiefungen, deren je zwei einem ©
Halbringe zukommen. Von der Bauchseite gesehen (Taf. XVII,
Fig. 2) erscheint der erste Hinterleibsring dreieckig, und
trägt in seiner Mitte eine elliptische, länglich gestellte Oeff-
nung, welche die Geschlechtsöffnung darstellt. Es besteht °
also ein Unterschied zwischen den Cyphophthalminen und
Gibocellinen, da bei jenen die Geschlechtsöffnung zwischen °
dem Hinterrande des Kopfbrustschildes und dem Vorder-
rande des ersten Abdominalringes "liegt. — Am zweiten
Hinterleibsringe befinden sich bei den Gibocellinen die
Spinnwarzen, vier an der Zahl, in einer Reihe gestellt, und °
so klein, dass sie sehr leicht übersehen werden können.
Eine Oeffnung zwischen dem zweiten und dritten Hinter-
leibsringe scheint mir der von mir bei Scheerenspinnen be-
obachteten Spinnöffnung zu entsprechen, Dieselbe ist ver-
hältnissmässig gross, und zeigt die von den Warzen in den
Hinterleib verlaufenden Spinndrüsen (glandulae). Bei’
Scheerenspinnen dient diese Oeffnung zugleich einerseits
zur Ausmündung der Kittdrüsen, anderseits zum Dnrchlasse
der widderhornartigen, männlichen Ueberträger. Nebstdem
befinden sich an den Seitenrändern des zweiten und des
dritten Hinterleibssegmentes die Orifieia der Tracheen, ICE
zwei auf jedem dieser zwei unteren Halbringe, welche einer-
seits die Tracheenstämme in den Kopfbrustschild aussen-
den,. anderseits den für das Abdomen bestimmten Tracheen-
büscheln — ein analoges Gebilde der sog. Tracheenlungen
der echten Spinnen — den Ursprung geben. Am letzten
Hinterleibssegmente befindet sich eine, mit einer chitinösen
Klappe versehene und rings dicht mit langen, gewöhnlichen
Borsten und feinen Haaren besetzte Afteröffnung. — Was’
die auf der unteren Seite des Abdomen in Reihen (je eine
auf einem jeden Halbringe) yerkopn nen ‚geierlerkai
| 1) Treviranus, 6. R. Vermischte Schriften anatomischen und 7
physiologischen Inhalts 1816—17, Bd. I, pag. 15. k
' Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 801
"Borsten anbelangt, sind sie den, bei den Scheerenspinnen
von mir beobachteten und anderswo schon!) abgebildeten
Borsten ähnlich, sind von ihnen aber insofern verschieden,
dass der Augenrand, sowohl der umgekehrt kegelförmigen
Basis, als auch des zweiten, der Basis aufsitzenden Theiles,
weder gekerbt noch gezackt erscheint, sondern stark ge-
fiedert ist, weshalb ich also die Borstehen als „gefiedert“
bezeichne. Sie sind sehr beweglich und die sich in sie
_fortsetzende chitinogene Matrix scheint nicht bis zum Aussen-
"rande des oberen Borstehentheiles zu verlaufen. Die Rücken-
‚seite von Abdomen ist nur mit spärlichen, gewöhnlichen
Haaren besetzt.
” 2. Histiologısche Zusammensetzung
‚des Integumentes. Die Körperhaut von Gibocellum
ist weich und nachgiebig und unterscheidet sich wesentlich
von der bei Cyphophthalmus, Chernetiden, Scorpionen und
anderen Arthrogastr enordnungen vorkommenden panzer-
‚artigen Körperhülle; sie ist eher der weichen Körperhaut
‚der echten Spinnen oder der Scheerenspinnenordnungen
“Chthonius und Obisium vergleichbar, obwohl es auch ’bei
' Gibocellum manche Stellen gibt, wo das Integument zu einer
‚Art von panzerartiger Hülle wird. Bei Cyphophthalmus
‚ist der ganze Körper mit einem Chitinpanzer umgeben und
jekommt allmählich, wie Dr. Joseph bemerkt, „eine Aehn-
ichkeit mit dem Rückenpanzer der Schildkröten“. Auch
ind bei den Cyphophthalminen die sonst weichen und
ähen Cutieularablagerungen der Zwischenräume der ein-
nen Hinterleibsringe so 'stark durch die ausgeschiedene
mmmasse chitinisirt, dass der T’hierkörper keiner Aus-
nung mehr fähig wird. Ganz anders gestaltet ist die
tieularschichte von Gibocellum; wie bereits bemerkt, ist
dieselbe nachgiebig; die in den Cuticularlamellen zerstreuten
Ch itinkörnchen, welche ich bei den Chernetiden abbildete
(Ueber neue indische Chernetiden, Taf. I, Fig. 5 und 6),
, i) Ant. Stecker, Ueber neue indische Chernetiden, Sitzungs-
richte der kais. Akademie in Wien Bd. LXXI, 1. Abth., Dee.-Heft.
ähre. 1875, pag. 5, Taf. II, Fig. 5, e und Fig. 6, c.
302 Sisckan:
Cyphophthalmus unterliegt, sind sehr spärlich und da nur
bei Anwendung von sehr starken Vergrösserungen wahr-
nehmbar. Manche Stelle ist natürlich zwar mehr chi-
tinisirt (z. B. die Kegelhöcker, die hufeisenförmige Er-
habenheit von Cephalothorax, auch bildet die Matrix
einen chitinösen Ring um jede der zwei Üeffnungen,
welche zur Mündung der Krohn’schen Drüsen dienen),
aber auch da ist jedoch die Chitinisirung nicht zu sol-
chem Grade gestiegen, wie bei CUyphophthalmus. Der
Kopfbrustschild ist nun auch nicht wie bei Cyphophthalmus
granulirt und mit Kolbenborstehen besetzt, sondern netz-
artig, feinnarbig. Der Körperhautdurchschnitt, geführt durch
die Stelle, wo sie chitinisirt erscheint, zeigt unter der
eigentlichen Cutieularschichte eine ziemlich dieke Schicht
vonHypodermis, welche schwach gelblich pigmentirt ist;
die Pigmentirung gelangt nur an manchen Stellen zu einer
solehen Intensität, dass sie eine Trennung der continuir-
lichen Protoplasmaschichten hervorbringt; an den, nächst
den Krohn’schen Drüsen liegenden Stellen wechselt das
gelbliche Pigment mit einem mehr ins Rothe übergehenden
ab, wodurch die Chitinogenmembran eine ausgezeichnet
feine Structur zeigt, indem da bunt neben einander gelbe
und rothe, zellenartige Felder zum Vorschein kommen; das
Ganze trägt eine Aehnlichkeit mit dem Sehachbrete, wo
das eine Feld roth, das andere aber gelb, die Abgrenzungs-
linien aber mit einer Mischung des Rothen und Gelben an-
gestrichen sind. Bei Behandlung mit Essigsäure scheint
die Matrix aus Zeilen zusammengesetzt zu sein, so dass |
man im ersten Augenblicke sie dafür auch halten würde.
Doch bei Untersuchung mit starken Vergrösserungen nimmt
das Ansehen eines regelmässigen Epithels, wie nach
Gegenbaur’s guter Bemerkung!) der Schulbegriff die
Matrix sich darstellen lässt, immer mehr und mehr ab, und |
wir kommen allmählich zu der Ueberzeugung, dass die
Protoplasmamasse, ähnlich, wie bei Saltieus, ausgrösseren |
Kernen, an welche sich kleinere Körnehen lagern, zusammen- |
1) Carl Gegenbaur, Grundzüge der vergleichenden Anatomie,
2. Auflage, 1870, S. 356.
Anatomisches und Histiologisches über Gibacellum. 303
gesetzt ist!). Auf jenen Stellen, wo die Chitinlage zu einer
"grösseren Entwicklung gelangt, sind auch die, für die Chitin-
| schicht der Arthropoden so charakteristischen Porencanäle
f vorhanden ; derselben lassen sich zweierlei unterscheiden:
die grösseren münden unverästelt auf der Oberfläche
I und sind auf ihrer inneren Fläche mit einer feinen Schicht
von Hypodermis gepflastert; die kleineren, wie bei den
Phalangiden vielfach verästelt, steigen nicht bis zur Ober-
fläche, auch enthalten sie keine Matrixfortsätze; ob sie eine
Flüssigkeit führen, kann ich nicht mit Bes stimmt heit sagen.
Ich habe bei un von Reagentien auch die feineren
B Porencanäle mit etwaiger Art von Matrix gepflastert ge-
sehen, aber es scheint mir dies ein Gebilde der wirkenden
Reagenz zu sein. Auch kann ich nicht mit Leydig?)
‚übereinstimmen, wenn er die grösseren Porencanäle überall
als in die Basis der Haare ausmündend angiebt. Bei Gibo-
- eellum ist dem nicht so; die Porencanäle münden frei in
die Luft, und scheinen mir in etwaigem Zusammenhange
mit den im Cephalothorax von Gibocellum dicht verästelten
Traeheen zu sein. — Mit Carmin behandelt, färben sich an
IR an Dünnsehnitten hie ‚grösseren Poreneanäle intensiv
i Ehen und sich schwarz ausnehmen;; Pr aber die Se
bräunlich (wie bei Epeira) gefärbt sind, so bieten solche
mit Carminlösung behandelte Gutieuladurchnitte prachtvolle
mikroskopische Präparate dar. Die unter der eigentlichen
und Haeckel?) genau untersuchte Bindegewebsschichte
habe ich nur stellenweise beobachtet; indessen lässt sich
aber vermuthen, dass sie überall vorkommt, jedoch im Ver-
gleiche zur Cutienlarschicht, wie zur Matrix.sehr schwach
entwickelt ist. Dieselbe ist hier olivenbraun, und enthält
zahlreiche Nerven- und Gefäss-(Tracheen)Endigungen. |
1) Leydig, Fr. Zum feineren Bau der Arthropoden, Müller’s
'chiv für Anatomie und Physiologie 1855, S. 376—480.
2) F. Leydig. l. ce. 8. 383.
8) Haeckel, E. Ueber die Gewebe des Fiusskrebses, Müller’s
chiv für Anatomie und Physiologie 1857, 8. 469 ff. Taf. XViIIu. XIX,
304 Stecker:
Das Integument des Abdomen anlangend, will ich nur
bemerken, dass auch da dieselbe Zusammensetzung vor-
kommt, wie eben bei der Cephalothoraxhülle beschrieben.
Wir unterscheiden nämlich eine Cutieularschicht, deren La-
mellen der chitinösen Körner frei sind, eine Chitinogen-
membran und eine sehr schwach entwickelte Bindegewebs-
schicht. Die Matrix ist nirgends pigmentirt, nur die obere,
eigentliche Cutieularschicht zeigt, wie bei Salticus aeneus
oder Chthonius trombidioides, eine flaschengrüne
Pigmentirung. Eine schon von Leydig am Bauche von
Phalangium opilio beobachtete, in Essigsäure unver-
änderliche Punktmasse, die für das freie Auge weiss aus-
sieht, habe ich nicht bemerkt. Das noch bemerkenswerihe
Gebilde der Hinterleibseuticula sind die, bereits beschrie-
benen, gefiederten Borsten. Das Chitin ist nur um die
Geschlechtsöffnung, dann um die Orifieia der Tracheen,
wo es bei dem hinteren Stigmenpaare die siebartig durch-
brochene Klappe ausbildet, und um die Afteröffnung, wo
es ebenfalls eine Platte ausbildet, mächtiger angehäuft.
Auch ein jedes Spinnwärzchen ist mit einem Chitinringe
umgeben. Was mir aber einer besonderen Erwähnung
werth erscheint, sind die schuppenartigen Bedeckungen der
einzelnen Körperanhängsel, besonders der drei Beinpaare.
Nicht die Oberfläche des Cephalothorax, wie bei Phalangium,
sondern nur die Extremitäten sind bei Gibocellum zierlich
getäfelt, zuweilen das Ansehen von Zellen besitzend. Diese
sonderbaren Structurverhältnisse sind schon von Valentin?),
Siebold?) und Anderen beobachtet und beschrieben wor-
den, jedoch ohne einer näheren richtigen Auffassung dieser
Ornamentik. Erst Leydig?) scheint uns dieses Gebilde
richtig aufgefasst zu haben, indem er diese Zeichnungen
als ein Analogon der zierlichen Linien in der Handfläche
und Fusssohle des Menschen anführt, und als in der Haut-
structur liegend bezeichnet. Auch stimmen wir mit Leydig
1) Valentin, Repertorium für Anatomie und Physiologie 1836,
Ba. 1.
2} Siebold, Vergleichende Anatomie, p. 520.
3) Leydig, Fr., l. c. 8. 383 £.
Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 305
überein, wenn er das gesammte Integument der. Arthro-
" poden mit Bindegewebe verglichen hat, wo der Inhalt der
Porencanäle und die Kernbildung der Matrix die Zeilen,
die Faserschichten dagegen die Intercellularsubstanz vor-
stellen sollen. — Was zunächst die Secretionsfähigkeit der
Gibocellumhypodermis anbetrifft, so habe ich auf eine ganz
einfache Art versucht, mich von derselben zu überzeugen.
Ich habe die Cutieularschicht von der Matrix abgetragen,
und dieselbe etwa 24 Stunden unter einem Uhrgläschen in
freier Luft liegen lassen. In der eben erwähnten Zeit,
also in derselben, wo nach C. Schmidt!) bei den Scor-
pionen, Coleopteren und Anderen schon eine beträchtliche,
aus spindelförmigen Zellen zusammengesetzte Chitinschicht
abgesondert wurde, ergeht die Chitinogenmembran von
Giboeellum einen sehr beschränkten Seeretionsprozess, in-
dem die Chitinscebicht bisher, nur aus einer sehr dünnen
(ungefähr '/;n der Matrix) Hülle von noch gar nicht aus-
gesprochen spindeltörmigen Zellen zusammengesetzt, besteht.
Die Zellen sind meist elliptisch, es kommen mitunter aber
auch einzelne, an spindelförmige erinnernde Zellen vor.
" Erst in 48 Stunden gelangt die Zellenschicht zu ihrer
"vorigen Ausbildung, wo ihre Dieke ungefähr ?/; der unter
ihr liegenden Matrix erreicht, und sichtlich „durch eine Ab-
I sonderung der Bindegewebsschicht“ bräunlich gefärbt wird.
” 3. Gliedmassen. Bei Gibocellum unterscheiden
wir, wie bei allen Opilionen, ein Paar scheerenförmiger
eieferfühler, zwei Kiefertasterpaare (das erste Paar faden-
förmig, das zweite beinförmig) und drei Beinpaare.
er Die stark entwickelten Kieferfühler treten miteinander
fast parallel unter dem Kopfbrustschilde hervor. Ihr Scheeren-
gliedstamm ist länglich-eiförmig, unten auf seiner Ober-
fläche dicht behaart. Die Scheerenfinger (Taf. XVII, Fig. 4)
sind, ähnlich den Palpenscheerengliedfingern der seorpion-
Brizen Arthrogastren, gebaut (also Scheerenkiefer), und
mit langen, beweglichen, stäbehenförmigen Borstehen be-
setzt. Bei näherer Untersuchung erscheinen die Borsten
'1)C.Schmidt, Zur vergleichenden Physiologie der wirbellosen
Thiere; eine physiol. Untersuchung; Braunschweig, Vieweg 1845.
. Archiv f. Nature. XXXXII. Jahrg. 1. Bd. 30
306 | Stecker;
als ein homologes Gebilde der zuerst von Leydig!) ent-
deckten Riechstäbchen der Arthropoden. Solche Riechstäb-
chen habe ich schon bei den Chernetiden entdeckt, wo
man auf dem Scheerengliedstamme der Kieferfühler je ein |
kleines Höckerchen antrifit, aus welchem die, entweder 7
kammartig aufgereihten (wie bei Astacus) oder büschel-
förmige Gruppen bildenden (wie bei Pagurus) Rieehor-
sane ihren Ursprung nehmen?). Was die Kieferfühler an-
belangt, hält man sie bisher, entweder nach Latreille?°)
morphologisch für umgebildete Inseetenantennen, oder nach
Erichsont®) für ein homologes Gebilde der Mandibeln der
Krebse und Insecten; unserer Anschauung nach müssen die
Kieferfühler als umgebildete Insektenantennen aufgefasst
werden, jedoch mit der Bemerkung, dass die den Insekten-
antennen zukommende Tastfunktion von den Kieferfüblern
auf das erste Kiefertasterpaar übertragen ist, Sie selbst
aber als Träger der Riechorgane, zugleich mit einer Man-
dibelnfunetion (zum Verkleinern und Zerdrücken der aus-
zusaugenden Nahrung dienend) in zweiter Reihe, aufgefasst
werden müssen. Dass wir da, die Scheerenkiefer betrach-
tend, mit umgebildeten Inseetenantennen zu thun haben,
darüber kann man meiner Ansicht nach nicht streiten; die
ihnen zukommenden Nerven (Analogon der nervi anten-
narum der Insekten), das Vorkommen von eomplicirten
(siehe die Partie iiber die Sinnesorgane) Geruchsorganen,
können uns nicht lange im Zweifel lassen. Entsprechen
aber die Kieferfühler einem der beiden Antennenpaare der
1) Leydig, Fr., Ueber Geruchs- und Gehörorgane der Krebse |
und Insecten, Müller’s Archiv f. Anat. und Phys. 1860, S. 265 ft.
2) Siehe „Ueber neue ind. Chernetiden“ 1. c. p. 3—4 u. p. 95)
Taf. II, Fig. 3—4, 7—11.
3) Latreille, P. A., Observations nouvelles sur l’organisation
exterieure et general des animaux articules et & pieds articules, et
application des ces connaisances & la nomenclature des principales
parties des mömes animaux, M&moires du mus. d’hist. nat, VIH, 1822,
p. 169 ff. |
4) Erichson, W. F., Ueber zoologische Charaktere der In-)
seeten, Arachniden und Orustaceen (Entomographien, 5. 1-28).
Berlin 1840. |
: Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 307
I Crustaceen, dann ist es wahrscheinlich das erste Paar,
und nicht, wie Zenker?) und Andere angeben, das zweite,
‚welches eine Homologie mit den Kieferfühlern hat. Die
Stellung der Riechstäbehen bei den Crustaceen beinahe
überall am ersten Antennenpaare stimmt damit überein.
I Das erste Kiefertasterpaar (Taf. XVII, Fig. 5) mit
- dieht stehenden Tastborstehen besetzt, kann nun als ein
; ausschliesslich dem T’astsinne vorstehendes Organ bezeichnet
werden; schon die sonderbare Innervirung (siehe das Ner-
vensystem von Gibocellum), kann uns überzeugen, dass
diesem Organe eine sehr wichtige Function zngetheilt ist.
Bisher ist mir aber nicht gelungen, auch auf diesem Or-
1 gane irgend ein Riechstäbchen, wie sie Erichson?) auf
den Inseetenantennen nachgewiesen hat, zu finden. Veber
die Construction der Tastborstchen siehe die „innere Ana-
tomie“ (Sinnesorgane) von Giboeellum. Bezüglich des
' äusseren Baues des ersten Kieiertasterpaares will ich nur
bemerken, dass wir bei Gibocellum fünf Glieder unter-
"scheiden können, während bei Cyphophthalmus deren sechs
Morkommen; dien lässt sich so erklären, dass bei Gibo-
eellum das zweite Glied mit dem dritten gänzlich ver-
| schmolzen ist, so dass dann das vierte Glied von Cyphopb-
- thalmus dem dritten von Gibocellum entspricht. Dasselbe
' ist hier stark verdickt und schaufelförmig erweitert, dort
aber fadenförmig. Das letzte Glied trägt bei Gibocellum
N eine spitze Kralle und ein dickes, stumpfes Häckchen.
_ Die Palpen bei'm Männchen, sowohl bei’m Weibchen gleich
gebildet. |
| Das zweite ekget ist beinförmig, und lassen
‚sich, sowohl an demselben, als auch an den drei Beinpaaren
n sechs Glieder (Hüfte, Schenkelring, Schenkel, Kniestück,
| _ Unterschenkel und Lauf) unterscheiden. Die Hüften sind
| Awar mit den Bruststücken fest verwachsen, sind aber doch
1) Zenker, W., Kritik der Erichson’schen Gliedmassentheorie,
iegmann’s Archiv f. Naturg. XX, 1854, p. 118 ft.
2) Erichson, W.F., Dissertatio de fabrica et usu antennarum
sectis. (Gratulationsschrift zu Klug’s 5üjährigem Doctorjubiläum.)
erolini, Unger 1847.
308 Stecker:
von denselben durch eine ziemlich tiefe Einsehnürung ge-
trennt. Bei Cyphophthalmus sind die Coxae mit den Hypo- °
podien gänzlich verschmolzen gegangen, in ihren Umrissen #
aber doch sichtbar. Wahrscheinlich haben wir da mit °
einer Rückbildung der Hüften, aber nicht mit etwaigen ”
„Ceoxalfortsätzen oder Hypopodien“ zu thun. Was die ein-
zelnen Glieder anbetrifft, entsprechen sie ziemlich jenen
von Cyphophthalmus; Schenkel, Unterschenkel und Tarsus 4
sind keulenförmig verdickt. Das Krallenglied ist stark be °
haart, aut der Sohle polsterförmig verdickt, und mit dem 7
ersten Tarsalgliede fest verwachsen (Taf. XVII, Fig. 6). Jedes
Krallenglied ist mit einer einfachen, mässig gebogenen, #
spitzen Kralle versehen. Von den Phalangiden- und Cherne- 3
tidenbeinen sind die Beine der Cyphophthalmiden einer-
seits durch den zweigliederigen Tarsus (bei den Phalan- #
siden Tarsus vielgliedrig, bei den Chernetiden das Krallen-
glied verkümmert), anderseits durch die Zahl der Fussklauen ®
(bei den Phalangiden sind die beiden hinteren, bei den Cher-
netiden aber alle Beinpaare mit zwei mächtigen, manchmal #
sonderbar gestalteten Krallen, bei letzteren auch mit einem 9
umgekehrt kegelförmigen Hafter!) versehen) unterschieden. 7
Ueber die Beschaffenheit der Mundwerkzeuge”
kann ich, wie bereits schon einmal bemerkt ?), nichts Sicheres
angeben. Das spärliche Material, über welches ich verfügte,
erlaubte mir nicht die Mundtheile zu zergliedern, da ich ®@
hauptsächlich zu einem klaren Begriff über die innere
Anatomie zu gelangen strebte, und darum durch gewalt-”
sames Auseinanderziehen der Mundtheile die Lage des)
Nervensystemes, der Verdauungs- und Respirationswerk- u
zeuge nicht verstümmeln wolite. So kann ich nun nur über @
Folgendes berichten: „Die von Dr. Joseph bei Cyph- |
ophthalmus beschriebenen Maxillarpyramiden und die mit |
ihnen verwachsenen hackenförmig gekriimmten Fortsätze
scheinen bei Gibocellum nicht vorhanden zu sein. Auch”
das zweite Unterkieferpaar ist nicht wie bei Cypho-
1) Siehe „Ueber neue ind. Chernetiden“, Taf. 1, Fig. 9, a, b;
Taf. II, Fig. 6. 2
2) „Ueber eine neue Arachnidengattung“, 1. e, pag. 8.
“ Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 309
phthalmus gebildet, wo die Hypopodien nach oben in einen
scharfen Fortsatz ausgehen, und so an dem Festhalten der
Beute sich betheiligen, sondern stösst gleich den Chernetiden
_ und Scorpionen in der Mittellinie des Körpers zusammen
- und rückt nicht, wie gewöhnlich bei den Arachniden, weiter
zur Seite d.h. nach aussen. Wie bei den Araneinen tritt
auch bei Gibocellum eine unpaare Kinnplatte hinzu, welche
sich zwischen die Kaustücke des ersten Unterkieferpaares
” einschiebt, und so eine untere Mundklappe bildet.“ Die
Mundwerkzeuge von Cyphophthalmus, wie sie Dr. Joseph
(l. e. S. 244—245) beschrieben hat, liessen mich in manchem
Zweifel, so dass ich bisher keinen klaren Begriff über die
_ Lage und Funktion der Maxillarpyramiden und der er-
-wähnten hackenförmig gekrümmten Fortsätze besitze; was
die Mundwerkzeuge von Gibocellum anbelangt, scheinen
mir dieselben von den betreffenden Organen bei Cyph-
ophthalmus, sowie auch von den so trefflich von Tulk')
beschriebenen Mundorganen von Phalangium opilio,
unterschieden zu sein; am meisten würden sie den von
Menge?) beschriebenen Mundwerkzeugen der-Chernetiden
entsprechen.
®»
Il.
Innere Anatomie.
1. Muskelsystem. Die Muskulatur von Gibo-
_ cellum hat grosse Aehnlichkeit mit der von Tulk (l. e.
8 043-244) bei den Phalangiden und der von Menge
(l.e.p. 11) bei den Chernetiden beschriebenen. Die stärkste
Anhäufung von Muskeln findet sich im Thorax, wo zuerst
Ba
B: 1) Tulk, Alf., Esq., Upon the anatomy of Phalangium opilio,
2 The Annals and Magazine of natural history 1843, Vol. XII, T.II—V.
(Mundwerkzeuge: S. 155—162, T.IIL)
77,2) Menge, A,, Ueber die Scheerenspinnen (Chernetidae),
Neueste Schriften der naturf. Gesellschaft zu Danzig, 1855, V, 2.
Mundwerkzeuge: 8.-12—13, T. I.)
310 Stecker:
die quergestreiften Muskelbündel, welche sich an die chi-
tinöse Platte des Thoracalganglions anheften, erwähnt wer- %
den müssen. Dieselben zerfallen in zwei grössere Partien, ®
wovon eine der linken, die andere aber der reehten Hälfte
der Thoracalplatte zukommt, und dieselbe unterstützt. Die
Muskelfasern sind quergestreift und von einer rosaröthlichen #
Farbe (Taf. XVII, Fig. 1, m; Fig. 2, n); sie heften sich ®
beiderseits in eirca fünf bis sechs grossen Bündeln auf die ®
untere Wand der Skeletplatte, und wurden schon längst
von Treviranus?), Tulk und Leydig?) beobachtet, und %
von Letzterem auch abgebildet?). Nebst diesen Muskeln,
deren noch einmal zu gedenken wir Gelegenheit haben #
‘werden, nehmen auf der Bauchseite der Gephalothoraxhöhle j |
die Kiefertaster- und Beinmuskeln ihren Ursprung. Wie 4
bei den Phalangiden und manchen Chernetiden sind auch ©
bei Gibocellum diese zu den Funetionen der räumlichen 7
Bewegung bestimmten Muskeln von bedeutendem Umfange, 7
und bilden bei Weitem den wichtigsten Theil dieser Classe ®
von Organen. Sie bestehen aus zahlreichen starken Bündeln 7F
und entspringen an der Innenseite der unbeweglichen Hüften,
um sich dann wieder auf der inneren Wand des Sehenkel- |
ringes anzuheften, und dann nach dem Schenkel vorwärts
zu streichen. Die einzelnen Querstreifen an den Muskel- ”
fasern sind ungemein deutlich und scharf markirt; die Ele- 7
mentarfasern sind von bedeutender Stärke. Sie erinnern '
sehr an die von mir abgebildeten *) quergestreiften Muskel- i a
fasern von Ohthoniusbeinen, bei welcher Scheerenspinnen- 7
art die Museulatur zur ungemeinen Ausbildung gelangt.
An Canadabalsampräparaten treien die unter der feinen 7
Körperhaut der Gliedmassen liegenden Längsmuskeln scharf
hervor, und bieten so, mit der von mir schon erwähnten
zierlichen Outieulabildung dieser Körpertheile, sehr hübsche @
1) Treviranus, Vermischte Schriften Bd I, 1816. M
2) Leydig, Fr., Ueber das Nervensystem der Afterspinne,
Archiv f. Anat. und Physiologie 1862, S. 196 #. 4
3) Leydig, Fr., Tafeln zur en Anatomie, Tübingen ]
1864, T. XIH, Fig. 2, i.
4) „Ueber neue ind. Chernetiden“, Taf. III, Fig. 5.
: Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 31l
" Objeete dar. — Bezüglich der Anheftung der Muskeln möchte
ich beifügen, dass die Muskeln aus vielen Punkien an der
"inneren Wand der Hypopodien und Hüften entspringen
"und; dann in eine starke Sehne übergehen, welche sich
dann wieder nicht an einen Punkt der Haut ansetzt, son-
dern sich im Trochanter vielfach theilt, und auf vielen
benachbarten Punkten des Skelets befestigt. Laut Weis-
mann!) ist auch hier „dasselbe Prineip zur Anwendung
gekommen, welches wir in der Technik der Kettenbrücken
"anwenden, wo das Drahiseil, welches die Brücke trägt,
nicht als Ganzes in den Felsen eingelassen wird, sondern es
wird aufgelöst, ein jeder der es zusammensetzenden Drähte
einzeln in den Felsen vernietet.“ In beiden Fällen ist die
Wirkung die gleiche: der Zug wird auf eine grössere Fläche
ertheilt, und wie dort (bei Leptodora) bei der geringen
estigkeit des Hautskeletes, so mag dies auch bei der un-
‚emein feinen Körperhülle von Gibocellum wohl sehr nöthig
ein. ‘Auch bei Gibocellum passirt ein Theil der Muskel-
ündel die Gelenkfalten, ohne sich auf deren innerer Wand
u befestigen; derselbe löst sich erst im Tarsus in mehrere,
ziemlich starke Bündel auf, welche sich da an die Körper-
aut anknüpfen. Nicht minder entwickelte Muskelbündel
teten auch in die Kieferfühler hinein, und zwar eine Partie
ler musculi elevatores und eine andere der musculi
depresseores, die letzteren selbstverständlich viel stärker
Ba. die ersten. |
Die Museculatur des Hinterleibes bietet eine sehr sonder-
re Einriehtung dar. Man bemerkt da höchst zierliche
Hautmuskeln, welche in parallelen, von einander getrennien,
A ängliehen Bändchen von der Mitte eines Ringes zum hin-
ETSIE
nen quergestreiften Hautmuskeln sieht man feine Längs-
‚streifen, welche, wie schon Menge (l. c. p. 11) gut bemerkt,
yon den schnigen heilen der Muskeln Kerala, Die
312 Stecker:
doch von demselben falsch als Stigmata aufgefassten In-
sertionsstellen der Abdominalmuskeln zeigen auf der Rücken-
seite des Thieres zwei Reihen von narbigen Vertiefungen,
von denen je zwei auf einen jeden Ring kommen. Dies
sind die stielförmigen, durch den Leib quer verlaufenden
Muskeln, welche sich in vier Reihen auch auf der Bauch-
seite anheften. Die longitudinalen Abdominalmuskelbündel
stimmen mit der von Tulk (l. e. p. 154—155) als corium
bezeichneten Outieularschicht überein, welches Gebilde sich
nun als nichts anderes, als ein Netz von zierlich gebauten °
Muskeln erweist. Auch erkennt man ohne Schwierigkeit °
an der Tunica muscularis des Magens und des Dünndarmes 5
ein Stratum von querverlaufenden Muskelfasern, welche den
erwähnten Organen einen zierlich quergestreiften Anschein 5
geben. 4
Der übrigen Muskeln, die zur Ver mittlung einer ‚nos 8
Funktion bestimmt sind, werden wir bei Gelegenheit der 5
Organe gedenken, zu denen sie gehören.
2. Nervensystem. Rücksichtlich des Nerven-. | I
systems besitzen die Gibocellinen sehr viel Aehnlichkeit TE
mit dem der Phalangier. Wir unterscheiden nämlich auch
hier, wie dort, ein ganglion supra- und ein ganglion %
Snfräoeehyhagenm (Taf. XVII, Fig. 1, a, b; Fig. 2, a,b). %
Das Ganglion supraoesophageum, oder die dem Gehirne a
entsprechende Masse liegt auch hier vor dem Oesophagus, 7
indem derselbe, nachdem er über das Thoracalganglion hin- "#
gestrichen, sich schräg niederwärts biegt, um die Mund- 5
organe zu erreichen. Das Gehirn stellt eine konische Masse 7
vor, welche deutlich, wie bei den Galeoden !) und Araneinen, 4 |
paarig erscheint, und die Nerven für die Augen, dann die ©
Nerven für die Kieferfühler abschickt — ein Unterschied, ”
wodurch sich das Ganglion supraoesophageum von Gibo- \
cellum von jenem des Phalangium opilio?) unterscheidet,
indem bei dem letztgenannten die Kieferfühlernerven ihren
Urprung (Leydig°) aus dem Thoraealganglion nehmen. 7
Bei den Galeoden, Phryniden, Araneinen und Chernetiden f
1) Blanchard, E., Sur Gai6odes, Ann. sc. nat. III, VIIL, S. 227 ff. °
2: Tulk, ie p 324, TS, Bıe, 91. a
3) Le a Fr., Tafeln zu vergl. Anatomie 1864, T. le, Fig. 2.
AÄnatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 315
entspringen die Nervenstränge für die Kieferfühler aus dem
sanglion supraoesophageum, wodurch ihre Homologie mit
_ den nervi antennarum der Inseeten, und zugleich die Homo-
logie der Kieferfühler mit den Antennen der Crustaceen
_ und der Inseeten angedeutet wird. Bei Phalangium ent-
B sendet das Gehirn nur ein Paar von Augennerven; zwar
haben Treviranus, Tulk und Leydig zwei Paare der-
- selben beobachtet und abgebildet; wie wir aber schon er-
Bwalinten, sind von allen diesen Forschern die oben am
Cephalothorax befindlichen Oeffnungen der Krohn’schen
- Cephalothoraxdrüsen fälschlich für Nebenaugen genommen
‚worden: daher auch die zwei Nervenpaare. Bei Gibocellum
| unterscheiden wir zwei Paare von nervi optici (Taf. XVII,
Fig. 1, eı &, Fig 2, eı e), welche an den Seiten des Ge-
hirns füken me nehmen, und zwar so,’dass die zwei
linken und die zwei rechten Nervenstämme, am Anfange
| nicht getheilt, erst nach einer Zeit deutlich in zwei Stränge
sich theilen und in die Kegelhöckerchen verlaufen, wo sie
sich allmählich erweitern; der hintere Opticus verläuft in
iner nach hinten gebogenen Linie. Aus dem öberen Theile
es Ganglion supraoesophageum entspringen die zwei Nerven-
tämme, welche in die Kieferfühler hineintreten (Taf. XVIIL,
ig. 1, ce, Fig. 2, ce). Sie gehen, einander fast parallel, in
en Scheerenkieferstamm, wo sie sich in zahlreiche Büschel
u fasern beginnen; einige dieser Endbüschel senden dann
usserst feine Nervenfäden in die an den Scheerenkiefer-
fingern plaeirten Riechstäbehen. Solche Nervenfaserung
abe ich schon bei den Chernetiden beobachtet, wo auch
aus dem Ganglion supraoesophageum ein Nervenpaar in die
icheerenkiefer hereintritt, und in zahlreichen Ganglien-
nschwellungen, mittelst äusserst feiner Nervenfäden, in den
viechstäbehenkamm verlaufend, die Geruchsorgane mit dem
Nervencentrum verbindet.
"Das Gehirn hat meist eine gelbliche Farbe; nur bei
wei oder drei Exemplaren habe ich einen schwach violetten
Aug wahrgenommen. Diese violette Pigmentirung des
eurilemms entspricht ziemlich den von Leydig!) beob-
1) Leydig, Fr., Vom Bau des thierischen Körpers, Handbuch
' vergleichenden Anatomie, Tübingen 1864, 8. 218.
314 Stecker:
achteten violetten, zerstreuten Pigmenthaufen in dem Neu- ° |
rilemm von Scolopendra forficata. Bei näherer Prüfung
erwiesen sich als Ursache der violetten Färbung sehr kleine, ®
einfache Körnchen, welche zerstreut in der äusseren Neuri- ®
lemmschieht lagen. Leydig führt solche Gehirnfärbungen
bei vielen Arthropoden auf; besonders eine gelbe Pigmen- ®
tirung findet in allen mögliehen Nuancen statt.
Das Ganglion infraoesophageum hat meist eine strahlige 5
Gestalt. Im Grunde genommen stellt das Bauchmark eine #
rundliche, gelbliche Masse von ziemlicher Grösse und Ent- ®
wiekelung vor. Die aus dem Thoracalganglion entspringen-
den Nervenstämme geben ihm aber eine strahlige Gestalt, |
wie solche Form des Bauchmarkes am meisten bei den { I
Araneinen ausgeprägt ist. Das Thoracalganglion ist durch Ef
sehr kurze Commissuren mit dem Gehirne in Verbindung; FI
fast scheint uns, als communieirten die Hinterränder des
Gehirnes in ihrer ganzen Fläche mit dem Vorderrande des ZI
Ganglion infraoesofageum. Nur eine sehr kleine elliptische
Oeffnung bleibt übrig, welehe zum Durchlasse des Oeso-
phagus (Taf. XVII, Fig. 1, 1, Fig. 2, 0) dient. Das
Thoracalganglion ist meist von einer blassgelblichen Farbe, =
blasser als die Farbe des oberen Ganglions; nur bei jenen FH
Exemplaren, bei welchen das Gehirn violett pigmentirt
wurde, traf ich auch eine violette Färbung des Thoracal-
ganglions, welche aber nur stellenweise zur grösseren In- 7
tensität gelangte, so dass es meist eine gräuliche Färbung 5
zeigte. Auf anderen Thoracalganglien habe ich an manchen
Stellen orangegelbe Fleckchen beobachtet, habe aber nicht
wahrnehmen können, welches die Ursache der Pigmentirung ST |
sein mag. Ich glaube dies Gebilde mit den von Haeckel!) 5
in dem Neurilemm der sympathischen Geflechte von Homola #9
Cuvieri beobachteten, vielgestaltigen weissen, gelben, oran- ©
genfarbigen und purpurrotben Flecken vergleichen zu können.
Bei Behandlung mit doppelt ehromsaurer Kalilösung ist aber”
die orangegelbe Pigmentirung völlig geschwunden; möglicher-"
weise könnte daher diese Färbung mit der vonLeydig?)
1) Haeckel, E, a. a. O. S. 520.
2) Leydig, Vom Bau des th. Körp., S8. 218.
© Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. ° 315
ii
n
bei Timarcha und Melo&ö beobachteten röthlichgelben
Färbung verglichen werden. Bei Timarcha ist die Fär-
bung diffuser Art und rührt von dem Farbstoffe des stark
röthlichgelben Blutes her; es kann daher’auch bei Gibo-
eellum das Aufteten der orangegelben Fleckchen von dem
Blute herrühren, oder auf irgend einen pathologischen (?)
- Stand des Thieres hinweisen.
| Das Thoraealganglion ist von festerer Textur als das
g Gehirnganglion, und lässt zunächst, wie bei Phalangium
_opilio!) eine den centralen Kern dei Ganglions bildende
Punktsubstanz unterscheiden. Auf deren Aussenseite be-
findet sich eine zellige Schicht, aus welcher die Nerven-
s fibrillen ihren Ursprung a Endlich folgt auf der
$ äusseren Seite eine zellenartige Rinde des Ganglions (Neu-
rilemm), welche die erwähnten Pigmente in sich trägt.
\ Das Ganglion infraoesophageum ist, wie schon bemerkt,
_ von einer strahligen Gestalt, ist aber in der Mitie ein wenig
zusammengedrückt. Dasselbe schickt die Nerven für die
3wei Kiefertasterpaare und die drei Beinpaare ab. Nebst-
dem verläuft ein Paar von grossen Nervenstämmen in den
- Hinterleib; ein anderes Paar stellt die Eingeweidenerven dar.
Mi Auf der Bauchseite des 0, befindet
2) Leydig, Fr., Ueber das Nervensystem der Afterspinne.
- 2) Treviranus, Verm, Schriften anat. und phys. Inh. 1816,
en, I. Er bemerkt daseibst, „dass zwischen den aus den Seiten-
theilen des Gehirns entspringenden Nerven viele Muskelfasern liegen,
"welche eine deutliche Verbindung mit dem Gehirn haben. Dieses
‚Organ hat also eine Eigenheit, die bei den übrigen Insecten noch
micht bemerkt ist, das Vermögen willkürlich bewegt zu werden.“
| 3) Auch Tulk schreibt (]l. e. p. 325), dass das Auffallendste
am Ganglion infraoesophageum von Phalangium opilio die Gegenwart
von quergestreiften Muskeln ist, die sich strahlig mit kurzen Sehnen
die Seiten des Thoracalgauglion anheften. Er sagt: The most
triking peculiarity, connected with the nervous system of the Pha-
ingia is the presence of several large transversely striated muscular
Faseiculi which radiate from the sides of the thoracie ganglion, where
316 Stecker:
von beiden aber als zum Bauchmarke gehörig bezeichnet
und so zu sagen einen Theil desselben bildend, aufgefasst
wurde. Tulk beschreibt daher die Form des Thoraeal-
ganglion falsch, und hat es auch falsch (I. e. Taf. V. Fig.
31) abgebildet, indem er die H-förmige Platte für die Ab-
grenzung des Thoracalganglion hielt. Erst Leydig er-
kannte, dass auf der unteren Seite des Ganglion infraoeso-
phageum eine chitinöse Skeletplatte sich vorfindet und hat
die Form der Platte auch riebtig abgebildet. Eine ähn-
liche Platte ist auch bei Gibocellum nachweisbar, jedoch
weicht sie in ihrer Form von jeder der Phalangiden ab,
indem sie eine Form des Cyrillicas (N) annimmt; auch °
ist sie mit zahlreichen Biegungen versehen, und ähnlicher- 8
weise mit vielen Muskelbiündeln, welche sich auf den nach °
aussen gerichteten Rändern anheften, unterstützt. Die
Skeletplatte scheint zur Stützung des bei den Opilioneen un-
gewöhnlich ausgebildeten Thoracalganglion zu dienen. Dies
Gebilde steht ganz einzeln da, und unseres Wissens ist es
noch nirgendwo bei den Arthropoden beobachtet worden, °
obwohl es zahlreiche Fälle gibt, wo die Ganglien zur un- °
mittelbaren Anheftung von Muskeln dienen. Solche Mus-
eulatur des Gehirns ist am besten bei Dytiscus margi-
nalis von Leydig beobachtet; eine Muskulatur des Bauch-
markes wurde auch von vielen andern Beobachtern (Blan-
chard, Newport (1834), R.Wagner (1834), Leuckart
(1847), Dufour (1852), Gegenbanur (1857), Leydig (1864) °
u. A.) wahrgenommen, jedoch selbstverständlich von den-
selben im ersten Moment vielfach erklärt. 3
Wie schon bemerkt worden, schickt das Ganglion
infraoesophageum erstens die Nerven in das erste Kiefer-
tasterpaar ab (Taf. XVII. Fig. 1, d, Fig. 2, d). Was aber
an dieser Stelle erwähnt werden muss, ist die besondere
Beschaffenheit des Verlaufes der Nervenstämme für diese‘
they are attached by short tendons. Their arrangement is such,
that, according as either one or the other set of fibres act, they
will draw the nervous mass either forwards or backwards, horizon-"
tally, or in the vertical direction. I am not aware that this volun-
tary power of ern the nervous centres exists in any of the
other Articulata.‘‘
‘ Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 317
Körperanhängsel Dieselben entspringen nämlich oben,
dicht unter der Oesophagusöffnung, von der unteren Seite
des Ganglion infraoesophageum und ziehen sich dann
"in einer Bogenlinie, welehe unter der Gehirnportion
ertinft, in die bezeichneten Gliedmaassen. Ich habe
zuerst den besonderen Verlauf dieser Nervenstämme über-
sehen, und so glaubte ich auch, dass diese Nerven bei Gibo-
eellum ihren Ursprung ish aus dem oberen Gan-
- glion nehmen, was mir wohl doch immer sehr fraglich blieb.
Erst nach wiederholten Prüfungen erwies sich, dass diese
Elervenstämme an der unteren Seite des Ganglion infra-
ns oesophageum entspringen, dann ziemlich dieht nebeneinan-
‚der ‚eine Zeit lang in der unteren Höhle des Kopfbrust-
schildes verlaufen, um endlich zwischen den museuli ele-
vatores und depressores der Kieferfühler zum Vorscheine
zu kommen und in das ihnen zugehörige Kiefertasterpaar
inzutreten. Auch diese Nervenstämme bilden in den Glied-
aassen zahlreiche, kleine Ganglienanschwellungen, welche
äusserst feine Nervenfasern in die Taststäbchen absenden.
\usser den. Nerven des zweiten Kiefertasterpaares (Taf.
(VII, Fig. 1.f, Fig. 2 £,) und der je drei Nervenstämme,
ür die drei Beinpaare bestimmt, (Taf. XVIIL Fig. 1 g,
Fig.2 81, 82, £5) haben wir noch zwei grosse Nervenstämme,
welche in den Hinterleib a NEE engmmmelL (Taf.
opt brustschildes und des Elinterleibes (Taf XVII, Fig. 2i)
egt. Dies Paar habe ich auf der von Leydig gezeich-
eten Abbildung des Phalangiumnervensystemes nicht be-
achtet; dasselbe scheint mir ein Analogon der drei von
auchganglionkette, zu sein. Es findet hier also eine Re-
rung. der Bauchganglien statt, welche bei den Scorpionen
1) Newport G. On the structure, relations and development
the nervous and circulatory Systems, and on the existence of a
mplete circulation of the blood in vessels, in Myriapoda and ma-
urous Arachnida, Philos. Transact. 1843, p. 243 seq.
318 m: Stecker:
entwickelt sind. Aehnliche Redueirung von Bauchganglien
findet auch bei Chthonius (eine Gattung der Chernetiden, '
welche ich am meisten durchforscht hatte) statt!). Wir
unterscheiden auch hier ein Gehirnganglion, dann ein durch
zwei ziemlich lange Comissuren mit demselben verbundenes
Ganglion infraoesophageum, dann zwei dem zweiten bis
sechsten. Ganglion der Scorpione entsprechende, elliptische °
Ganglien, und endlich noch ein am siebenten Hinterleibs- 4
ringe befindliches Ganglion, welches den zwei letzten Gan-
glien der Scor pione zu entsprechen scheint. Eine Verzwei- ;
sung der Nerven in den’ einzelnen Hinterleibsringen, wie
bei den Galeoden, findet bei Gibocellum nicht statt. Aus
dem ersten birnförmigen Ganglienpaare- entspringen dann
zwei grosse von einander ziemlich entfernte Stämme, welche
in den Hinterleib verlaufend, am vierten bis fünften Ser 4
mente wieder zu zwei birnförmigen Ganglien anschwellen, ”
und dann, vielfach sich verästelnd, ein zusammengesetztes
' Netzwerk bilden. Die zwei Hinterleibsstämme sind schon
vom Anfange an getheilt.: | ’
Nebst dem unterscheiden wir noch zwei grössere '
Nervenstämme, welche ebenfalls aus dem Thoraealganglion
ihren Ursprung nehmen und den von Tulk und Leydig
bei Phalangium opilio als Eingeweidenerven bezeichneten j
Nervenstränge (Leydig, 1. e. Taf. VIH, Fig. 2) zu ent-
sprechen scheinen (Taf. XVII, Fig. 1 h, Fig. 2 k). Sie‘
sind ebenfalls mit birnförmigen Ganglien versehen (Taf. '
XVII, Fig. 2 1). Ob sie zum Gebiete sympathischer oder °
| ae Nerven gerechnet werden sollen, weiss ich?
nieht anzugeben. A
Was die histiologische Zusammensetzung der Ben “
marksganglien anbelangt, so sind die Grundzüge ihres
Baues so, dass wir da eine netzförmig gestrickte Substanz
in grösserer Anhäufung finden, welche in zwei Hälften ge-
theilt ist, und, durch Quercommissuren verbunden, den Kern
-
1) Eine ausführliche Monographie über die anatomischen Ver- 3
hältnisse der Chernetiden » Anatomische Studien an Chernetiden« liegt
zum Drucke bereit. Dieselbe enthält viele Abbildungen aus der inneren
' Anatomie dieser Thiergruppe, und ich glaube, dass es mir möglich
wird, sie noch im Laufe des künftigen Jahres veröffentlichen zu können.
Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 319
bildet. Diese Punktsubstanz enthält zahlreiche Tracheen-
endigungen, welche stellenweise ganze Büschel bilden und
jedes Ganglion gänzlich umspinnen, als ob sie, wie Leydig
‚gut bemerkt‘), „gestielte Beeren zu umspinnen hätten“.
Auf die äussere Seite folgt dann eine Schicht von kleinen
Ganglienkugein, welche zu grösseren, besonderen Partien
sich zusammenhalten. Auch kommen in den birnförmigen
Ganglien vorne kleine Gruppen von grösseren Ganglien-
kugeln vor, wie solche Gangliennester von Leydig an den
eigentlichen Abdominalganglien bei Käfern, Heuschrecken,
Libellen und anderen Inseeten?) häufig beobachtet wurden.
Auch die Ganglia supra- und infra-oesophagea sind mit Tra-
cheenstämmen versehen (Taf. XVIII, Fig. 2 pı, pe), welche in
‚die Ganglien eintretend, sich daselbst vielfach verästeln, so
i dass der Brustkasten manchmal von den feinsten Tracheen-
ME immen sanz durchzogen wird. Die feinste Endausbrei-
tung der Tracheen enthält der aus der Punktsubstanz be-
‚stehende Kern der zwei Hauptganglien, weicher bei der
oberen Hirnportion, ähnlich wie bei Glomeris margi-
ata, hell wird, die Rinde aber als dunkle Einfassung
uftritt. In den Bauchmarksganglien findet das Umgekehrte
tatt: die aus den Ganglienkugeln zusammengesetzte Rinde
Yimmt sich hell, der moleculäre Kern aber dunkel aus.
8. Sinnesorgane. Unter den Sinnesorganen wollen
"wir zuerst die Sehorgane erwähnen. Wie schon bemerkt,
unterscheiden wir bei Gibocellum vier auf schief auf-
igenden Kegelhöckerchen plaeirte Augen, zu welchen
us dem Gehirne zwei Paare von Sehnerven führen, deren
@ zwei beiderseits aus einer gemeinschaftlichen Stelle
bi optiei) entspringen, sieh aber nach einer Zeit ihres
"Verlaufes in zwei theilen (Taf. XVII, Fig..1eı e). Das
Auge selbst hat eine nahezu kugelige Gestalt; die den
gen erden, in ei Kegelhücken Hi Fe
1) Leydig, Fr. Handbuch der vergl. Anatomie, pag. 228.
ns Fr. Tafeln z. vergl. Anatomie, z. B. Taf. IX. Fig. 1
320 \ Stecker:
(Leydig!)sind und dadie Nervenenden für sich mit Pigment
umhüllt — also eine Art von Chorioidea — so dass dadurch
das Auge an seinem hinteren Abschnitt ein zierliches, ©
radiärstreifiges Aussehen erhält. Die Iris ist als eine deut- %
liche den vorderen Abschnitt des Auges umfassende schwärz- ®
liche Pigmentzone entwickelt. Was die Cornea anbelangt,
ist sie nach aussen, wie nach innen gewölbt. 3
Als ein dem Geruchsorgane dienender Apparat müssen ©
die auf den Scheerenkieferfingern gestellten vier bis fünf
ziemlich langen stäbehenartigen Borsten bezeichnet werden. 7
Dieseiben sind, wie ich schon erwähnte, ein Analogon der ©
kammartig aufgereihten Riechorgane der Chernetiden oder
der Macruren (Astacidae, Paguridae ete, übr. s. ©
S. 306). Die in die Kieferfühler eintretenden Nerven 7
können mit den bei Crustaceen entwickelten Nerven der”
vorderen Antennen, oder wie Leydig sie bezeichnet, der‘
Tastantennen, verglichen werden. Die bei Gibocellum vor-
kommenden an den Scheerenkieferfingern gestellten Stäb-
chen als einen dem Geruchssinne vorstehenden Apparat =
zu betrachten, bin ich geneigt nicht nur wegen der Homo-'
logie derselben mit den Riechstäbehen der Chernetiden und
Anderen, sondern hauptsächlich wegen der ähnlichen Zu-
sammensetzung derselben mit jenen der Phyllopoden;
und dass man die bei den Crustaceen auf dem vorderen
Antennenpaar vorkommenden Stäbchen. als Riechstäbehen
betrachten muss, das hat schon Weismann (l. ce. p. 18)
dargelegt. Der in die Kieferfühler eintretende Nerv dar ö
sodann als ein „Riechnerv“ bezeichnet werden. Derselbe
bildet im Stamme der Kieferfühler, wie bereits bemerkt,
zahlreiche Ganglienanschwellungen, welche äusserst feine #
Nervenfäden zur Hypodermis abschicken um an den Riech-
faden zu treten. Die von Leydig, Claus und Weis-
mann beobachtete zweite Ganglienzelle habe ich nicht be-
obachten können, obschon dieseibe auch bei Gibocellum
vorkommen mag. Was die Riechstäbehen anbetrifft, so
sind sie bei Gibocellum von ziemlich bedeutender Längen-
1) Leydig, Fr. Ueber das Nervensyst. d. Aftersp. 1. c. p. 198, 4
— Auch siehe dessen »Das Auge der Gliederthiere, neue Unter-
suchungen zur Kenntniss dieses Organs«. Tübingen, Laupp, 1864.
iksıninches und Histiologisches über Gibocellum. 321
ausdehmung, und stellen eylindrische, zarte und hlase
Berenkt sind, oben aber öintach einer An einem
länglichen Knöpfehen versehen erscheinen. Die von Weis-
mann!) beobachteten und abgebildeten Chitinkapseln,
"welche sich an der Stelle, wo ein Riechfaden von der
Chitinhaut abgeht, Menden diabe ich nicht beobachtet,
wohl aber habe ich auch bei Gibocellum eine doppelte en
tour der Riechstäbchen gesehen. Bei Osmiumpräparaten
hr kleine Körnchen, deren nähere Beschaffenheit zu er-
forschen mir nicht gelungen ist. Ich habe auch die Längen-
verhältnisse der Riechstäbchen bei verschiedenen Geschiech.
tern in Betracht &ezogen und habe die Riechstäbehen des
ännchens weit länger geschen, als jene des Weibehens,
aber nicht überzeugt, ob eine solche Unterscheidung
Pe. sei, ar nicht, da mir doch nur ein sehr spär-
en 8 al eo; weiche vielfach als Ger a Be
(den, erinnert. Vielleicht findet da eine Analogie statt (?).
Die dem Tastsinne vorstehenden Tastborstchen, welche
ersten Kiefertasterpaare sich vorfinden, und stellenweise
Bun. Gruppen I ‚sind, in eine nn Zu-
ısserst feine en in sie hinein. Berielich ihrer
onstruction will ich nur bemerken, dass sie ähnlich wie
e von re), Claus?) Hacekel‘) Weismann?°)
a) ann a. a. O. p. 19, Taf. XXXIV, Fig. 7. Chk.
2) Teydig, Er, Naturgeschichte der Daphniden, Tübingen 1860,
8) Olsas. (Bi Die freilebenden Copepoden, Leipzig 1863. p. 52.
‚4) Haeckel, E. Beiträge zur Kenntniss der Corycäiden, Jenaer
rw. Zeitschr. J. 1864, B, I
) Weismann, A, Die Metamorphose der Corethra plumieornis.
für Naturg. XXXXIT. Jahrg, 1, Bd. 2
färbte sich der innere Cylinder schwach violett, und zeigte
322 Stecker:
und Anderen bei den Copepoden und Phyliopodeni
beobachteten und beschriebenen Taststäbehen des zweiten %
Antennenpaares gebildet sind. Ich muss noch einmal be- #
me’ zen, dass sie nirgendwo an anderen Körperstellen von | l
Gibocellum vorkommen, sondern immer nur auf das erste '
Kiefertasterpaar beschränkt bleiben. Aehnlich gebaute | 3
Taststäbchen kommen überall bei den Arthropoden vor; #
ich habe sie am besten beiden Chernetiden untersucht, ? |
wo sie an den Fingern des Palpenscheerengliedes in Holchom ’ |
Weise gestellt sind, wie die Riechstäbchen an den Kiefer- #
fühlerfingern von Gibocellum. Bei Chernetidentaststäbchen $
habe ich ein analoges Gebilde der von Leydig!) bei’
Daphnia sima und von Claus?) bei Branchipus be-%
obachteten, ausserhalb des Hautpanzers frei an den Tast- \
borsten liegenden, Chitinröhre gefunden. Bei Gibocellum.
habe ich ähnliche, nach Weismann?) möglicherweise zum
Schützen der Nerven vor Zerrungen dienende Röhrchen’
nicht gesehen, sind aber möglicherweise auch daselbst vor- |
handen. j
4. Verdauungsor gane. Wie ich oben schon bei
merkte, habe ich die Mundwerkzeuge nicht näher ne
sucht; wir wenden uns daher gleich zu dem eigentlichen
Darmkanal. Vom Munde steigt senkrecht nach oben der?
Schlund (Pharynx), biegt dann etwa in halber Kopfbrust- :
schildhuöhe im rechten Winkel nach hinten um, und geht
dabei zugleich in die Speiseröhre, den Geha: (Taf,
IX, Fig. 1a) über. Diese ist sehr entwickelt, und besitzt 5
eine ziemlich bedeutende Länge. Nach. der Umbiegung 2
streicht sie über das Thoracalganglion, und ohne eine
kropfartige, mit dem Kropfe der Phalangiden (Tulk, Le
Taf. IV, Fig. 15 d) oder dem ungemein ausgebildeten)
4 3
Ein weiterer Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der Insecten,
Zeitschrift für wiss. Zoologie, Bd, XVI, J. 1866, S. 67. An
1) Leydig, F., Nat. der Daphniden. “
2) Claus, ©. Zur Kenntniss des Baues und der Entwickelung
von Branchipvs stagnalis und Apus caneriformis. Abh. d. königl
Gesellsch. der Wiss. in Göttingen, 1873. Taf. IV, Fig. 11.
3) Weismann, Leptodora ]l. ce. S. 19.
ER Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 323
Kropfe der Insecten zu vergleichende Anschwellung zu
den, erweitert sie sich gleich zu dem eigentlichen Magen.
Jie Speiseröhre besteht aus einer zarten Haut, und ihr
jau ist insofern sehr eigenthümlich, als ihre Wan;'uug
keine Zellenlage besitzt, und nur aus feiner Intima und da-
rüberliegenden, sehr regelmässig und parallel angeordneten
Längsmuskelbändern besteht. Letztere sind breit, querge-
streift, und lassen bei Essigsäurezusatz über sich noch ein
ines, wahrscheinlich bindegewebiges (corpus adiposum?)
utchen erkennen. Die Ringmuskelschieht fehlt hier.
Was den Magen und den mit ihm verbundenen
: endarm) anbetrifit, so zieht sich derselbe wie bei den
hryniden, Chernetiden und Scorpioniden als
e einfache Röhre durch den ganzen Hinterleib, ohne in
on u. A., sich auszudehnen, oder irgend einige lem Coeca-
tem des Phalangiummagens ir leianliate Auswüchse zu
ilden. Der Magendarm stellt also einen geräumigen,
gestreckten Schlauch dar, welcher sich von der Ein-
dung der Speiseröhre, wo er am dicksten wird, allmäh-
nach abwärts mehr und mehr verjüngt, bis er bei der
" Einmündungsstelle der Vasa Malpighii zu seiner grössten
e gelangt. Wie bei den Hemipteren ist auch hier der
»n mit vielen unregelmässigen Ausbuchtungen ver sehen;
eisten lässt sich der Nahrungskanal von Gibocellum
em der Chernetiden vergleichen, wo wir ebenfalls
it unregelmässigen Ausbuchtungen versehene Röhre
| den, welche an der Einmündungsstelle der Malpighi’-
n Gefässe am engsten wird, und zugleich von dem
selig erweiterten Mastdarme sich absetzt. Dem kugel-
en Rectum der en entspricht bei Gibocellum
i
(Tat, "1x. Die, Le). = Mittelderm ist eh
ve Ha älite mit einer ee yanehen, Bu so
324 | Stecker:
lichen Erweiterung fähig, und im höchsten Grade der |
Füllung werden die Ausbuchtungen ausgeglichen. Die #
Ausbuchtungen am Magen sind also als eine Homologie #
der Blindsäcke anderer Spinnen zu bezeiehnen, welches Ge- #
bilde auch hauptsächlich nur dazu dient eine grössere U
Magenfläche zu vermitteln. Betrachten wir bei Phalangium a
die Coeeca, 31 an der Zahl nach Rahmdorf, 30 nach “
Tulk, besonders den Querdurchsehnitt, wie ihn Tulk (l.e. |
Tat. IV, Fig. 19) abbildete, und vergleichen wir denselben ' 4
mit einem Q@uerdurchschnitte des Hinterleibes von Gibo-
cellum, so ergibt sich gleich eine Homologie zwischen der | J
von Tulk mit 5 bezeichneten Magenhöhle und dem eigent; # a
lichen Magen von Gibocellum. Beide sind ihrer Zusammen-
setzung nach ähnlich gebildet, und zieht man die mögliche %
Ausdehnung des Magenvolums bei Gibocellum in Betracht, )
so scheint, dass der dadurch gewonnene Volum von Gibo- SE
eellum der durch die Coeca At und CC gebildeten Magen-
ausdehnung bei Phalangium nicht viel nachsteht. Es ist”
hier (bei Gibocellum) eine Reducirung der Coeca der Pha- WE
langiden auf eine grosser Volumausdehnung fähige Magen- 7 |
röhre, welche sehon bei Chelifer nicht mehr zu solch’
einer al Entwiekelung gelangt, wie bei Gihocellum.
Dort stellt der Magen nur einen einfachen engen Schlauch /
dar, welcher sich zwar stark erweitern kann, aber im Ver-' R
eiche mit der Ausdehnung, deren der Magen von Gibo-
cellum oder der mit 30 Coeca versehene Magen von Phalan-
gium fähig ist, doch als sehr winzig bezeichnet werden muss.
Der sa Bau des Magendarmes entsprichi
dem von L. Landois am Magen der Bettwanze beobach-
teten !), indem wir da auch eine Membrana propria unter- #
scheiden, und auf deren Aussenseite eine gleich wahrnehm- I
bare aus auergestreiften Muskelfasern bestehende Museularis, 1 |
auf der Innenseite aber eine Schichte von Verdauungs-%
zellen. An der Tunica museularis lässt sich aber noch
ein Stratum von querverlaufenden Muskelfasern erkennen, #
1) Dr. Leon. Landois,' ee. der Bettwanze mit Berück“ |
sichtigung verwandter Hemipterengeschlechter, Zeit. für wiss. Zookı |
1868, B. XVII. 8. 206 ff. Taf. XI u. X. R
me. ı4
- Anatomisches und Histiolopisches über Gibocellum. 325
so dass dadurch das ganze Organ einen zierlichen, quer-
estreiften Anschein bekommt. Die unter den querver-
aufenden Muskelfasern gelagerten Längsmuskeln sind breit,
andartig und so nebeneinander angeordnet, dass die ein-
einen Bänder nicht aneinanderstossen, sondern durch
ziemlich schmale Zwischenräume getrennt bleiben. Die
Innenseite des Magendarms ist überall auf der ganzen Ober-
fläche mit Verdauungszellen versehen. Die Zellen sind
sehr gross, unregelmässig und kernhaltig. Ihre Grösse be-
trägst 0,03 Mm. Der Kern stellt ein klares Bläschen dar,
dd En vervielfacht werden. Solche Zellen wurden auch
ı Weismann auf der Innenseite des Magendarmes der
ptodora hyalina beobachtet; auch habe ich sie bei
en Chernetiden wahrgenommen. Schon Menge!) führt
olehe kugelförmige Zellen an, indem er den ganzen Darm-
1 ‚anal der Uhernetiden als „mit kleineren und grösseren
figelehen erfüllt“ bezeichnet. Die von Menge als Seiten-
pen des Magens bezeichneten Erweiterungen sind nicht
lleieht mit irgend etwaigen Blindsäcken zu vergleichen,
dern den Ausbuchtungen anı Magen von _Gibocellum
eichzustellen ; auch sie sind nach Menge mit einer Schicht
grösseren und kleineren Zellen gepflastert. Ob nicht
von Tulk im Magen von Phalangium beobachtete
warze ovale Masse ein den Secretionszellen von Gibo-
en Gebilde. ‚sei? Er nor der
n n gerade bis zum After fort. Wie schon Ben ist
: von derselben histiologischen Zusammensetzung nn der
326 Stecker:
Gefässe und besitzt eine sehr erweiterungsfähige Intima. Die %
Anlagerung seiner Muscularis gleicht völlig der des Magen- ®
darmes, hingegen fehlen da die Verdauungszellen. Irgend #
einige dilatatores recti habe ich aber nicht beobachtet. Der #
Mastdarm mündet am letzten unteren ei 1
durch eine schliessbare Afterspalte nach aussen.
Unter. den Anhangsorganen des Darmkanals muss ich |
zuerst der zwei eiförmigen Speicheldrüsen erwähnen. Die-
selben sind an die oberen Seitenausbuchtungen des Magens
mit Faserzügen zu beiden Seiten befestigt, und erinnern
ihrer Lage, Form und Struciurverhältnisse nach an die®
zwei kleinen, kugelförmigen Speicheldrüsen, welche bei den #
Hemipteren von L. Dufour!) und L. Landois?)
(Cimex, Capsus) beschrieben und abgebildet wurden.
Das Drüsenpaar ist schr klein; die Länge der Drüse be-S#
trägt 0,095—0,105 Mm. und die grösste Breite eirca 0,070--
0,0980 Mm. Die Drüse ist mit zwei Faserzügen auf der
Aussenseite der oberen Magenausbuchtung befestigt; an“
dem oberen Ende der Drüse befindet sich ein sehr langer ®@
Ausführungsgang. Die Mündung des Ausführungsganges’
habe ich leider nicht beobachtet; möglicherweise mündet
derselbe in den langen Ge ein; das Secret würde I
dann zur Betäubung der Beute | Was den histio-
logischen Bau anbelangt, so unterscheiden wir eine struc-" |
turlose Propria; auf der Innenfläche befindet sich dann
eine Schicht von länglich-eiförmigen, oder eliptischen Se
eretionszellen, die mit einem deutlichen Kerne versehen #
sind. Der ee scheint mir eine chitinisirte (2)
Intima zu besitzen, indem ich an ihm bei auffallendem”S
Lichte, gleich dem Ausführungsgange der blasenförmigen®
Speicheldrüse von Pulex°), einen perlmutterartigen Glanz®
1) Leon Dufour, Recherches anatomiques ex physiologiques sur |
les Hömipteres. M&moir. pres. div. sav. & V’academie royale de
science de institut de France, 1883, Taf. IV. p. 129 seq.
2) L. Landois, 1. c. p. 216.
3) L. Landois, Anatomie des Hundeflohes mit Bertioksichtigumi
verwandter Arten und Geschlechter. Nov. Act. Acad. caes. Leon
Carol. Nat. curies 1866, p. 27; Taf. III, Fig. 8.
"SB, Anatomisches und Ristiologisches über Gibocellum. 327
ı! ‚ahrnehmen konnte. Die Zellen habe ich nicht gut unter-
| uchen können.
Bezüglich der Anhängsei des Mitteldarmes muss ich be-
on dass ‚ich zwei i Paar von en unbachıe
Mitieldarmes, Welche Function diesen Anhängsein
Be Mich es ) bei en ann oder von Newp or ni
ae Ha: die von mir hei den Ohernetiden beob-
ab in Mitteldarm un inserirenden Leberaus-
‘m ist. |
Was zunächst die a anbelangt, so Rs insbe
zu beiden Seiten des Din und int berdk
| \ mehrere Lappen getheilt. ‚Die Farbe der Leber
“ | die ebenfalls als Leberorgane kulleisen sollen. Die
en mag, oder ob dieselben vielleicht ein Analogon.
Be
328 Ä 1 Stecker:
\
zahlreichen Berta, welche in der Leber RENTE, sind j
können also nach Menge und nach Kittary!) als Harn-
organe betrachtet werden.
Als Anhangsorgane des Enddarmes sind die bei Gibo- }
cellum sonderbar entwickelten Malpighi’schen Gefässe zu
bezeichnen. Dieselben münden fast an der Grenze des’
Dünn- und Diekdarmes, sind zwei an der Zahl, und unter-°
scheiden sich von der Vasa Malpighii anderer Arachniden
durch ihre sonderbare Verästelung. »ie verzweigen sich |
nämlich fast in der Mitte ihres Verlaufes in zahlreiche,
enge Röhrchen, welche sich wieder nach einer Zeit in.
grössere und grössere verbinden, und endlich wieder als
einfache schleifenförmige Canäle zum Vorscheine kommen. i
Die Maiphighi’schen Röhren sind ungemein lang und laufen”
in vielen Windurgen durch die Leber. Die Malpighi’-,
schen Gefässe von Gibocellum erinnern ihrer Form nach
am meisten an jene der echten Spiunen, wo die Röhren‘
sich auch vielfach verästeln, aber nicht wieder zu einem?
Canale verbinden, um wieder als einfache Röhren. noch”
einmal die Leber zu passiren. Die Vasa Malpighii von.
Gibocellum geben sich leicht durch ihre bräunliche Fär-
bung zu erkennen. Nach ihrer Structur bestehen-sie aus’
einer structurlosen Propria und auf der Innenfläche der.
selben aus einer Lage von Secretionszellen.
5. Exeretionsorgane. Nächst den Malpighi’ sche
Gefässen sind die Spinnorgane von Gibocellum einer be
sonderen Erwähnung werth. Ich habe diese Partie der:
inneren Anatomie möglichst gründlich untersucht, da mir
das Nichtvorhandensein (?) der Spinnwerkzeuge bei den.
Cyphophthalminen und die besondere Lage dieser Organe,
am zweiten Hinterleibssegmente bei Gibocellum, von jener‘
der Araneinen weit verschieden, jedoch der der Cherne-
tiden ziemlich entsprechend, diese Organe sehr interessant
machte. — Die Spinnwarzen von Gibocellum sind, wie
schon oben (8. 300) bereits bemerkt wurde, sehr klein,
vier an der Zahl und an dem zweiten, unteren Hinterleibs,
1) Kittary, Anatomische Untersuchungen von Galeodes, Bull,
de la societe imp. des Naturalists de Moscou, 1848.
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segmente i in einer Bogenlinie so gestellt, dass je ein Paar
auf je eine Hälfte (linke und rechte) des Hinterleibes
kommt (Taf. XX, Fig, 1a). Ihre Lage unterscheidet sich
| somit einerseits von jener der echten Spinnen, wo die
| Spinnwarzen am Ende des Hinterleibes (bei Epeira z.B.
unterhalb des Afters) vorkommen, und wo deren gewöhn-
lich drei Paare sind (nur bei Mygale unterscheiden wir
wei Paare), anderseits aber von der der Chernetiden, wo
einer am ersten Hinterleibsringe sich befindenden Oeffnung
Per Paare aufzählen lassen. Die Spinnwarzen gleichen
ihrem äusseren Baue nach einem stumpfen Höckerchen
Taf. A SE 2 ad 3), und tragen 2 ihrer Pu
x, Fig. 2 b, ce). Solcher aka kommen zwei
grosse auf der äusseren, und je eine auf der inneren Spinn-
E* vor. Ferner unterscheiden wir auf einer jeden
h Re zu eolch einer Grösse wie di äussere.
ie Zahl der kleinen Spinnspulen kann . nicht angeben;
ich Blackwall') kommen derselben gegen 1000 bei
1 ‚eira vor. — Wenn wir nur die ungemein kleinen Spinn-
arzen. ‚von Gibocellum in Betrachtung nehmen, dagegen
| e v. die grosse Zahl der Drüsen uns vorstellen, so erkennen
r erst die Wahrheit der Worte, mit han Meckel2)
Kapitel „vom Spinnapparate“ beginnt: „Man geräth
der anatomischen Untersuchung des Baues des Spinn-
ats in Staunen. Er ist in der That die u
este und wunderbarste Maschine, die die Natur zu den
n lerischen Zwecken eines Thieres nur Machen, konnte!”
\ es rohir f. Anat. und Physiol., an 1846, S. 1-74,
ar (der Spinnapparat, Arachnidium, p. 50—56, f. 38—49).
ieselben, wie ich bei Chthonius nachgewiesen hatte, in’
seilförmig nebeneinander gestellt sind, und wo sich deren
330 KM Stecker:
warzen zu beobachten sind, gehören zu drei re
Spinndrüsen und zwar zu den beerenförmigen oder birn- ©
förmigen Drüsen (gleudulae aciniformes seu pyriformes), |
den schlauchförmigen oder cylindrischen Drüsen (slandulae )
eylindrieae seu tubuliformis) und den bauchigen Drüsen )
(el. ampullaceae). Bei den echten Spinnen unterscheiden
wir der Drüsen fünf verschiedene Arten, und zwar nebst ®
den drei genannten noch die baumförmigen (gl. aggregatae) |
und die knolligen (gl. tuberosae) Drüsen, welche alle in
verschiedenen Combinationen an den malen vor- 7
kommen. Bei Gibocellum bestehen Combinationen von je 1
zwei und drei solcher Spinndrüsen und zwar finden sich
auf der äusseren Spinnwarze eine bauchige, eine schlauch- |
förmige und eine grosse Zahl von kleinen birnförmigen i
Drüschen. Den einzelnen Drüsen entspricht eine gleiche F
Zahl von Spinnspulen an den Warzen, und wir unterschei-
den sonach auf der äusseren Spinnwarze zwei grosse,
Spulen, deren eine (Taf. XX. Fig.2b) der schlauchförmigen,
eine andere (e) der bauchigen Drüse, die anderen Spinn-
spulen aber, welche mit a Derotelinen, sind, den birnförmi-"
gen Drüsen im. Auf der inneren Spinnwarze kömmt A
nur eine grosse Spinnspule, der schlauchfömigen Drüse,
und eine Anzahl von Spinnspulen, den birnförmigen ange-. [
hörig, vor (Taf. XX, Fig. 3). In Beziehung auf die Be-
schaffenheit der einzelnen Spinnspulen und der ihnen zu-
gehörenden Spinndrüsen will ich Folgendes bemerken:
Die Spinuspulen der birnförmigen Drüsen sind walzen-
förmig, ziemlich lang, auf ihrem oberen Ende einen ange-
schwollenen Ring bildend; auf dem Ring sitzt ein ver-
jüngtes, der Ansatzröhre einer gewöhnlichen Injectionsspitze
ähnliches Endstück (das eigentliche Spinnröhrchen). Die
Spinnspule hat nicht immer eine und dieselbe Länge,
manchmal ist sie länger, ein anderes Mal wieder kürzer,
als das ihr aufsitzende Spinnröhrehen, welches sich eben-
falls verschiedenartig verhält, d. h. manchmal überragt es
die Spinnspule, manchmal ist es aber um die Hälfte kürzer,
Das Spinnröhrehen zeigt auf der äussersten Spitze
eine kleine rundliche Oeffnung, welche die Mündung des
eigentlichen leitenden Schlauches (des Ausmündungsgangı
y h Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 331
der atsey vorstellt. Der Ausmündungsgang ist bei
den beerenförmigen Drüsen von Gibocellum knollig; wir
i unterscheiden eine ganze Reihe von Erweiterungen. Bei
Behandlung mit Ueberosmiumsäure wird die Form des
Ausführungsganges und sein Verlauf deutlich. Die zu den
"birnförmigen Drüsen gehörigen Spinnspulen kommen bei
"den Arachniden am häufigsten vor. Wie schon bemerkt,
' hat Blackwall deren 1000 bei Epeira aufgezählt; Te-
genaria hat gegen 400 und Segestria gegen 100 solcher
Spinnröhrchen. Nach Oeffinger!) soll die Zahl derselben
Bi: einem gewissen Abhängiskeitsverhältnisse zu dem Alter
und den Häutungen des Thieres stehen. Die Ausführungs-
"gänse der einzelnen birnförmigen Drüsen sind so dicht
nebeneinander gelest, und in so mannichfachen Windun-
‚gen durcheinander geschlungen, dass sie zusammen einen
vi iemlich dicken Büschel bilden. Erst in den Spinnwärz-
ar beginnen sich dieselben zu theilen, und kommen am
EN arzenfusse zum een, um sich dam ee
Sea en sieht man die rien Dusch mit
einer Art von epithelartiger Zellenlage gepflastert. Die
hellen sind dieht nebeneinander, haben eine ziemlich ellip-
sche Form und sind mit einem, manchmal auch mehreren
ernchen versehen. Diese Spinndrüsen wurden schon von
Treviranus?) beobachtet, ihre Function aber als Spinn-
ai von well n 2. 0.), Brandt und en
en en An Be Stelle will ich Auch GN
1) Herm. Oeffinger, der feinere Bau der Spinnorgane von
‚peira. Max Schultze’s Archiv für mikrosk. Anatomie, Bd. II (1866),
Heft, 5..1—-12 mit Taf. 1. ;
2) Treviranus, Vermischte Schriften, LNcHD. 1, BD. tl.
3) Brandt und Ratzeburg im Med. Zool. Bd. II, = 88-—-89 und
ouv. Ann. des Sciences nat. Taf. XII, S. 184 ff.
er
f
Ri
332 Bean
dass die von Menge!) als beerenförmige Spinndrüsen be-
zeichneten Drüsen nach meiner Untersuchung nicht als ein
zum Spinnen dienendes Organ, sondern als eine Art von
Kittdrüsen zu bezeichnen sind, da dieselben nur bei den ©
Männchen vorkommen, und ihre Mündung mit der Mündung 7
der trachealförmigen männlichen Ueberträger zusammen ©
fällt. Auch‘ haben sich dieselben bei Anwendung von Os- ©
miumreagenz nirgends violett gefärbt, was desto mehr | |
meine Ansicht unterstützt. se
Die zweite Art von Spinndrüsen sind die schiechi
förmigen Drüsen (gland. tubuliformes) (Taf. XX, Fig. 3b).
Derselben kommen vier bei Gibocellum vor, and zwar auf
eine jede Warze je eine Drüse. Diese Drüsen wurden 5
zuerst von Meckel (a. a. O.) beschrieben. Sie sind sehr ©
lang, vielfach gewunden und münden auf einer jeden Spinn- )
warze mittelst einer grossen, einem abgestumpften Kegel”
ähnlichen Spule, auf deren Absatz das Spinnröhrehen steht.
Das Lumen dieser Spinnspulen setzt sich einfach in dag
des Spinnröhrchens fort. Wir unterscheiden eine Tunica
intima; dann eine Lage von Zellen, welche polygonal und
mit ovalen Körnchen versehen sind. Bei Behandlung mit
einer schwachen Lösung von Osmiumsäure bekommt die
Drüse eine prachtvolle, namentlich gegen die Ausmündungs- °
stelle ausgeprägte, dunkelblaue Färbung. Der Ausführungs- |
gang bildet oben, noch bevor er die Ausmündungsöffnungg
passirt, eine bauchige Ansckwellung. 3
Den schlauchförmigen Drüsen schliessen sich eng die
bauchförmigen an, und ihrer kommt auf einer jeden äussere 15
Spinnwarzejeeinevor, (Taf. XX, Fig.1). Siesind den schlauel
förmigen ähnlich gebaut und sollen nach Oeffinger
nichts anderes als etwaige Modulationen derselben sein,
Ihre Spule stellt einen breiteren, aber niedrigeren abge-
stumpften Kegel dar, als derienee der schlauchförmigen
Drüsen ist. Auch bildet der Ausführungsgang oben zwei’
Anschwellungen. Sie färben sich, mit Ueberosmiumsäure 4
behandelt, schön dunkelviolett. Die Zellen der bauchigen
Drüsen von Gibocellum bieten aber eine Abänderung von
1) Menge, Chernetiden I. c. 8. 14—15. Pt
ER.
y Ar bei Gibocellum sind die einzelnen Spinnwarzen
5 Muskeln versehen, welche zur etwaigen Annähe-
- der Warzen dienen mögen. Es ist auch möglich,
de durch den Hinterleib an Men ae Mus-
der Comprimirung des Leibes besitzen, und so die Aus-
scheidung der Spinnmaterie bewirken.
a ve ie von Bann) a und Krohn?) bei Ber Kom
ii en entdecken, ” mir eier nicht Bere Es ist
lieh, dass dieselben eine Art von en, secer-
aneinen- ähnliche Substanz ist. Vielleicht ist da auch
logon mit den von mir bei den En als
i nierie ähnelt, und von Menge N
e auch als ein solches bezeichnet wurde.
al ch wollen. wir hier noch einige Bemerkungen
Krohn’schen Cephalothoraxdrüsen an-
en. Wie bereits bekannt, öffnen sich auch bei Gibo-
N auf ‚dem Rücken des Kopfbrustschildes zwei Drüsen-
:he, welche als Ausführungsgänge der Krohn’schen
n Adern Phalangiden aufgefasst werden müssen. Die
| von Gibocellum sind von einer ähnlichen histio-
hen Construction, wie jene der Phalangiden. Wie
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334 ae EM
schon bemerkt, wurden die Oeffaungen der Ausführungs-
gänge dieser Drüsen zwar schon von Treviranus (a.a.0.)
beobachtet, von demselben aber als Nebenaugen aufgefasst; ®
ähnlicher Ansicht waren auch Meade!) Tulk (a. a. 0.
p- 395) und Leydig?). Latreilie bezeichnete die Oeffnun-
gen als Stigmata. Erst Krohn?) hatte die Oeffnungen #
richtig aufgefasst, indem er sie als Ausführungs-Oeffnungen
‘zweier dicht unter dem Koptbrustschilde nebeneinander ?
liegenden Drüsensäcke deutete. Ich bezeichne also diese
Drüsen der vielen bei den Arachniden vorkommenden i
anderen Drüsen wegen, immer als „Krohn ’sche er E
lothoraxdrüsen.“ |
Dieselben bestehen bei Gibocellum aus einer Membrana ‚ |
propria, auf weiche dann ein aus secernirenden Zellen zu- |
sammengesetztes Epithel, von einer die Höhle der Drüsen?
umgrenzenden Intima umsponnen, folgt. Was zunächst die,
Zellenschicht anbetrifft, so liegen die elliptischen Zellen dient
nebeneinander, und zeigen neben der feinkörnigen Substanz
auch vacuolartige Hohlräume, ähnlich wie die der Phalan-
giden. Die von mir bei Phalangium untersuchten Zellen
zeigten deutlich, dass die von Krohn beobachteten, manch-
mal vielfach gewundenen Kanälchen, von den vacuolartigen |
Hohlräumen der Zellen abgehen a in den Hohlraum des. '
Sackes einmünden. Krohn vergleicht diese Drüsen mit. |
den von Leydig) im Rüssel einiger Dipteren (Musca
vomitoria, Tabanus bovinus) anzutreffenden Speichel-
drüsen. Bei Gibocellum sind die aus den N n
Hohlräumen abgehenden Excretionskanälehen stark ve
knäult, ähnlich wie bei Phalangium parietale und}
Cerastoma cornutum. Die zwischen der Zellenschicht
% |
1) Meade, Monograph of the British species of Phalangidae;
The Annals and Megazine of nat. history, Ser. II. on XV. 1855,
p-.395. 2
2) Leydig, Zum feineren Bau der Arthropoden 1. e. S. 433. Di
3) Dr. H. Krohn, Ueber die Anwesenheit zweier Drüsensäck: e
im Oephalothorax der Phalangiden, Wiegmanns Arch. f. Naturg. 1807, af
B. XXXI, S. 79 ff.
4) Taydlip. Fr. Zur Anatomie der Inseeten, Müller’s Archie B
An. u. Phys. 1859, p. 69 #., Taf. H, Fig 19 u. Taf. III. Fig. ‘ 6.
ru und | Bistiologische über Cibocellum. 335
die Merbung ziegelroth oder bräunlich, bei Di i lio histrix
und Leio ao ro ‚aD dum sind nach Kro N n wi Drüsen
| logon der Krohn’schen Drüsen ?
Es fragt sich, ob nicht eine Analogie zwischen den
Krohn’ schen Drüsen und den bei manchen Crustaseen
beobachteten Schalendrüsen sei? Die Schalendrüsen sind
hyalina und von Claus?) an Daphnien beobachtet
worden. Weismann will in den Schalendrüsen eine Ana-
logie mit den Nieren der Wirbelthiere sehen, obwohl er
dieselben könnten vielleicht ein morphologisches Aegui-
| valent der Segmentalorgane der Anneliden sein, also eine
[ tespiratorische Bedeutung haben, annehmen will. Die Zu-
sammensetzung der zwei Drüsen stimmt auffallend mitein-
"ander. Auch die Lage hat Vieles gemeinschaftliche. Bei
eptodora ist nämlich „der hinterste Abschnitt der Drüse
‚wischen den beiden Blättern der Schale plaeirt, der grösste
eil liegt aber schon in der Leibeshöhle selbst und zwar
a
1) Weismann, Lieptodora hyalina, 1. c. S. 37—49,
ologie, 1875 Taf. XXV.
8) Grundzüge der Zoologie III. Aufl. 1875, 2. Lieferung, $. 493:
nz allgemein beobachtet man in der als Schale zu bezeichnenden
utduplicatur der Phyliopoden ein geschlängeltes unter dem Namen
eb trest des Wassergefässsystems der Würmer darstellt, und stets
| ‚sine besondere Oeffnung aUSmIUndeh ii
| ‚eydig eine Art ee kelieieen) an; te ein N
bisher am meisten von Weismann!) an Leptodora
auch die von Leydig und Claus?) angeführte Ansicht,
0a Claus C, Die Schalendrüse der Daphnien, Zeitschr. f. wiss,
er Schalendrüse bekanntes Exeretionsorgan, welches vielleicht einen
er ve
ee
EAN RER
Er
‚den Nieren analogen Organen zu thun hat; denselben eine
EN
336 ji Stecker:
und mit seinem vorderen Ende bis in den Kopf hineinreicht.
Die Drüse ist paarig vorhanden, und liegt unmittelbar unter
der Haut des Rückens.“ Aehnliche Lage besitzen auch
die Krohn’schen Drüsen der Opilionsen. Auch sie sind
paarig vorhanden, liegen in der Leibeshöhle dicht unter‘
dem Kopfbrustschilde, und münden in dem Kopfabschnitte ®
aus. Ihre histiologische Struetur stimmt mit der Struetur ©
der Schalendrüse von Leptodora, bis auf das Nichtvor- ©
handensein der Intima bei der letztgenannten, gänzlich”
überein. Weismann hat zwar die Intima nicht gesehen, |
es ist aber doch möglich, dass sie vorhanden sei, und erst ©
bei Anwendung von richtigen Reagenzen zum Vorscheine
kommt. Die Zellenschicht, die ihr überlagerte Propria ©
stimmt mit den betreffenden Schichten von Phalangium,
Gibocellum und A. gänzlich überein. Die von Weis-
mann (l. ce. S. 40) als Canäle (Röhrchen, Weismann) F
der Zellenschicht aufgefassten Stäbehen stimmen mit den
von den vacuolartigen Hohlräumen der Zellenschicht der’
Krohn’schen Drüsen abgehenden Kanälchen, besonders mit’
den vielfach gewundenen Canälen von Giboeellum, Leio-
bunum oder Opilio gänzlich überein. Können die Va-
cuolen und blasentürmigen Gebilde von Leptodora hya- }
lina nicht mit den vacuolartigen Hohlräumen der Zellen
der Epithelschicht als analog betrachtet werden ? Zwar.
ist bei Leptodora keine Pigmentschicht vorhanden, aber
wir haben’ bereits bemerkt, dass auch die Drüse von
bunum pigmentlos ist. jr
Etwas Sicheres über die Function sowohl der Schalen
drüsen der Phyliopoden, als auch der Krohm’schen Cepha-
lothoraxdrüsen — deren Function uns bei Vorhandensein
von so compliceirten Vasa Malpighii ebenfalls wohl sehr
fraglich bleibt — kann ich hier nicht angeben, bin aber
der Meinung, dass man da nach Weismann mit etwaigen
respiratorische Bedeutung zuzusprechen, bin ieh nicht sehr
geneigt, und so müssen wir eine nähere Funetionsandeu-
tung so lange aufgeben, bis die von Weismann
glücklich begonnenen, interessanten Untersuehungen über
die Function dieses Organes bei Leptodora hyalina
N Anatomisches und IHistiologisches über Gibocellum. 337
it nenen een ed werden, a bis es an uns
deutung zu betrachten. Eine Abbildung der Krohn’schen
ephalothoraxdrüsen werde ich in einer anderen Arbeit
fern.
6. unusedr! gane. Von der Bauchseite betrachtet,
ist Gibocellum am zweiten und dritien Hinterleibsringe,.
den spitzen Seitenwinkeln derselben, je ein Paar von
Tracheenöffnungen, welche, wie bereits bernerkctl durch eine
chitinöse Klappe verschlossen sind. Die chitinösen Klappen
des hinteren Stigmenpaares, d. i. der am dritten unteren
Ainterleibsringe liegenden Orificia sind siebartig durch-
ochen (Taf. XX, Fig. 5 a), wie sich solche siebartig
durehbrochene Stigmenplatten auch bei den Lamellieornier-
larven vorfinden, nur mit dem Unterschiede, dass sie bei
esen nur an der Peripherie der Stigmenklappe, bei Gibo-
sellum, so wie auch bei manchen Chernetiden (Cheiri-
dium museorum) auf der ganzen Fläche der Klappe
| siebartig durchbrochen erscheinen. Soleher Tracheenoritieia
indet sich bei Cyphophthalmus, nach Dr. Joseph
m e. 5. 246) nur ein in den spitzen Seitenwinkeln des er-
Abdomimalhalbringes mündendes Paar.
Aus dem vorderen Stigmenpaare laufen zwei mächtige
acheenstämme in den Kopfbrustschild und zwar con-
Sirend, schräg durch den Hinterleib, so dass sie sich
va unter den Hypopodien des letzten Beinpaares ver-
bi den, dann als ein Stamm den Kopfbrustschild seiner
länge nach durchlaufen und endlich ungefähr unter dem
sten Unterkieferpaar sich in eine grössere Zahl von
jeren Stämmen on in ae Kieferfühler und das
iv für "Nature. KSKRIT, Jahrg. 1.Bd. 29
338 : > Stecker:
springen ziemlich starke Tracheenäste aus dem Hauptstamme, %
welche die Propria der Krohn’schen Drüsen, dann die zwei %
Nervencentren (Ganglion supra- und infra-oesophageum) um-
spinnen. Auch treten aus dem Hauptstamme zwei. kleinere °
Aeste heraus, welche die ersten birnförmigen Ganglien 7
durchziehen sollen. Aus den zwei ungefähr hufeisenförmig )
gebogenen Stämmen der Cephalothoraxtracheen entspringen ”
zahlreiche, kleinere Luftröhrehen, die in den Hinterleib %
verlaufen, sich dort verzweigen und die dort liegenden, ®
inneren Organe umspinnen. Solche von den oberen Stämmen %
ihren Ursprung nehmenden, und in den Hinterleib treten- ®
den Luitröhren habe ich auch bei manchen Chernetiden ®
wahrgenommen; auch Menge hat sie beobachtet und ab- @
gebildet (Menge, l.c. Taf. II, Fig. 7 u. 16); so auch Tulk? |
(l.e. Taf. V, 33. at.) bei Phalangium. Das zweite, hintere, ®
am dritten Hinterleibssegmente mündende Stigmenpaar ent- ©
sendet, Tracheenröhrchen zweiter Art (ohne Spiralfäden) @
in den Hinterleib; die Röhrehen treten ganz einfach hinein, ®
ohne sich zu verästeln, oder ohne irgend einen Tracheen- ©
stamm zu bilden, sie treten in der Form von einfachen $
Tracheenbüscheln auf; einige der Röhrchen treten auf die®
Rückenseite des Abdomen, während andere die Bauchseite
passiren, und nach einer Zeit ihres Verlaufes verschwinden. I
Solehe Tracheenbüschel sind ‘auch bei den Chernetiden %
(Chthonius, Obisium) vorhanden; auch finden sie. bei’ |
manchen Araneinen, wie Segestria, Dysdera, Argy-
ronmeta statt. Sie können als ein analoges Gebilde der
von Leucekart!) richtig aufgefassten sogenannten „Tra-
cheenlungen“ bezeichnet werden, oder können auch auf die
unverästelten Tracheen der Juliden zurückgeführt werden.
Sie zeigen keine Spiralfäden, und sind beiderseits in der
Zahl von zwölf (bei Argyroneta nach Grube?) zwanzig)
Röhrchen vorhanden. Einem jeden Röhrchen entspricht
1) Rud. Leuckart, Ueber die Morphologie und die Verwandt
schaftsverhältnisse der wirbellosen Thiere, Braunschweig 1848. $. 11%
— id. Ueber den Bau und die Bedeutung der sog. Lungen bei den
Arachniden, Zeitschr. f. wiss. Zoologie, 1. B. J.. 1849, 3. 249 KH,
2) Mülier’s Archiv 1842, 8. 300.
* Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 339
eine Oeffnung auf der siebartig durchbrochenen Schliess-
- klappe. Die von Siebold') entdeckten, platten, aus einer
" Querspalte der Spinnwarzen ihren on nehmenden
“ Traeheen sind bei Gibocellum nieht vorkanden. Auch in den
- einzelnen Körperanhängseln verästeln sich vielfach die
Tracheenäste, wie ich in der Abbildung auf der Taf.
XVII, Fig. 3 a, deutlich machte.
R Bei der ne der Respirationsorgane von
- Gibocellum mit jenen der Phalangiden?) sehen wir gleich,
in wie fern hier eine Analogie herrscht; wie dort, so haben
"wir auch hier einen starken Tracheenstamm, der in den
" Kopfbrustschild führt, sich dort vielfach verästelt, mit an-
"deren Worten: dort Aeste des ersten und des zweiten
Grades abschickt. Nur fehlen bei Phalangium die Tra-
eheenbüschel des Hinterleibes, anstatt dessen senden aber
“dort die Hauptstämme beiderseits eine Menge von Röhr-
ehen in das Abdomen hinein, denen also dieselbe Function
zukommen muss, wie den Tracheenbüscheln von Gibocellum.
— Die Zusammensetzung der Tracheen stimmt mit jener
"aller Arachniden (siehe Leuckart 1. e. 8. 247 und 248)
I überein.
Ich habe auf der Taf. XX, Fig. 4 eine schematische
erstellung des Atlmungsapparates von Gibocellum ent-
| worfen, aus welchem ersichtlich sein dürfte, wie stark die
@Fanetion der Respiration bei unserem Tbierchen entwickelt
® ist. Schon Tulk (l. e. S. 330) bemerkt — und wir wollen
"seine Worte wiederholen — von dem, bei weitem nicht so
_ entwiekelten Respirationssysteme von Phalangium: „Die
Be lireete Beziehung, welche zwischen der Entwickelung der
| Respirationsfunctionen und der Lebhaftigkeit eines Thieres
"besteht, lässt sich bei der Afterspinne deutlich erkennen.
Die langen Beine verlangen unstreitig eine ausserordent-
liehe Kraft zu ihrer Bewegung und um den Körper ge-
hörig im Gleiehgewichte zu halten, so dass, wie biller
nserer alten Naturforscher bemerkt°), wenn der mensch-
1) Siebold, Vergl. Anat. 1. e. 8. 535.
2) ef. Tulk, 1. c. 8. 327—330, Pl. V. Fig. 33.
3) Hooke’s Micrographia 1665, Obs. 47 „on the Shepherd-Spider.“
346 u Stecker:
liche Körper auf diese Weise gestützt wäre, der Mensch
hundert und fünfzigmal stärker sein miisste, als er es ist,
_ wenn er nicht mit der Brust auf den Boden fallen sollte.
Demnach begreift man den Zweck der bedeutenden Stärke
und Verzweigung der Tracheen, sowie, weshalb dieselben
hauptsächlich in dem Cephalothorax vertheilt sind, an
weichem die Locomotionsorgane und deren kräftige Mus- °
kein sitzen, während nur wenige Röhrchen nach dem Ab- °
domen gehen, dessen unvollkommen entwickelte Segmente
wenig Beweglichkeit besitzen. In dieser letztern Beziehung
bieten die Insecten wirklich einen auffallenden Gegensatz
zu den Phalangia dar“!).
Was sollen wir dann von unserem : T'hiere sagen, wo |
die Luftröhren zu einer Entwiekelung gelangen, wie kaum '
bei anderen Thieren? Wir können nur auf etwaige, ge-
wisse, jedoch bisher fragliche Verhältnisse seines Lebens °
schliessen, Verhältnisse, welche nach meiner Ansicht weit °
von jenen sich unterscheiden, in welchen uns durch einen
Zufall das Tier zu ehtärlk on gelungen ist. |
7. Gescehlechtsorgane. Von den Geschlechtsor- F
ganen habe ich sehr wenig beobachten können, so dass ich
nur über Folgendes berichten kann. — Die Form der Ge-
1) „That direct relation which exists between the development ’
of the.respiratory functions and the activity of an animal may by
well illustrated in the case of the harvest-spider now before us.
„Ihese long leavers““ observes one of our old philosophers (Hookei
„as I may so call them, of the legs, having not the adventage of a°
long end on the other side of the hypomochlion or centers on
which the parts of the legs move, must necessarily reguire a vast
strength to move them, and keep the body ballanced and suspended,
in so much, that if we should suppose a man’s body suspended by °
such a contrivance, an hundred and fifty times the strength of a
man would not keep the body from falling on the breast.“ Hence’
is understood the reason for the large size and dilated character of
the tracheal vessels, their prineipal distribution within the cepha-
lothorax, whereunto the locomotive organs and their powerful mus-
cles are attached, while two or three tubes alone supply with air’
the abdomen, in the imperfectly constructed segments of which, little,
if any, mobility can exist. In this latter respect insects offer indeed
a striking contrast to the Phalangia.“
en
* Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 341
N schlechtsöfinung ist gewöhnlich länglich oval (Taf. XX,
Fig. 1 ce), und befindet sich in dem ersten Hinterleibsringe.
Beim Männchen ragt aus dieser Oeffnung eine ziemlich
lange mit der von Dr. Joseph (l.c. S. 270) bei Cyphoph-
thalmus beschriebenen, oder der von Tulk (a. a. O. S. 250)
bei Phalangium beobachteten vergleichbare Ruthe her-
vor. Der Penis ist sehr lang, kann aber in den Leib
zurückgezogen werden, so dass er dann durch die Bauch-
ringe hindurchschimmert. Derselbe ist in einer Scheide
eingeschlossen und besteht aus zwei deutlichen Portionen:
einem Körper und einer Eichel), die eine lederartige Tex-
tur darbieten. Seiner Länge nach kann der Penis von
Gibocellum mit den zwei widderhornartig gekrümmten
männlichen Ueberträgern der Chernetiden verglichen werden,
deren Bau (s. Menge 1. c. Taf. II, Fig. 12 und 14) dem
der Luftröhrenstämme ähnlich scheint. In der oberen
Wand der Scheide des Gibocellum-Penis mündet keine se-
eernirende Drüse, die der von Lubboek (a. a. O.) beob-
achteten, jedoch schon früher von Tulk?) gesehenen von
- demselben aber als Hoden bezeichneten, verglichen werden
"könnte. Der Duetus ejaculatorius, welcher den Penis nach
seiner ganzen Länge durchsetzt, mündet in die Basis der
- Eichel.
Der Ovipositor des Weibchens ist ein ebenfalls langes
Organ), welches wie bei Phalangiı um opilio oben eine
| Furche darbietet, wie der Penis in eine Scheide einge-
schlossen ist Be unter der Hautbedeckung liegt, durch
"welche man das Organ von aussen als eine schwarze Linie
“wahrnimmt, und so gleich das Weibchen von dem Männ-
_ ehen unterscheiden kann.
We Von den von mir gesammelten Gibocellumexemplaren
erwiesen sich neun als Männchen, drei als Weibchen.
1) Siehe Abbildung des Penis von Phalangium in Tulks Ab-
handlung 1. c. Taf. IV, Fig. 21—25.
8 2) Tulk ]. c. S. 250: „The organs of generation of the male
E Phalangium Opilio Gone of a penis inelosed within a sheath,
“ a vas deferens, and certain excretory glands, the analogues of
342 ie aleelnen
LIE.
Classification.
Was die Stellung der Gibocellinen im natürlichen
Systeme anbelangt, so habe ich bereits schon vielmals Ge- ’
legenheit gehabt zu zeigen, und habe es auch schon in der °
Einleitung angeführt, dass dieselben unstreitig in die von °
Dr. Joseph entdeckte Cyphophthalmidenfamilie, welche
ich zu einer selbständigen Ordnung erhoben, gehören. ”
Die Cyphophthalmiden sind dann einerseits in die un-
mittelbare Nähe der Phalangiden, anderseits der Cherne-
tiden zu stellen, da sie sowohl mit den ersteren, als auch ®
mit den letztgenannten sehr viele charakteristische Merk-"
male gemeinschaftlich haben, wie ich dies in dieser Ab-
handlung nachzuweisen suchte. 4
Es sind sodann die Arthrogastren, die dritte Ab-
theilung der Autarachneen!) der Verwandtschaft nach
folgendermassen zu theilen: |
il. Arthrogastra.
1. Solifugae.
a. Galeodeae.
2: Opilione.a.
b. Phalangidae.
c. Cyphophthalmidae.
3. Didactyla.
. Chernetidae.
5 ee N
en Scorpionidae (höchst organisirte Ordnung).
Endlich will ich noch einmal die von mir bereits
2
1) Da wir die Pantopoda, Tardigrada und Linguatulina zu dem
Pseudarachnsen zählen, so ergibt sich als erste Abtheilung der Au-
tarachneen die Abtheilung der Acarinen, als zweite die Abth. der
Araneinen; dritte Abtheilung bilden dann die Arthrogastren.
Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 343
sehon verößfentliehte Diagnose ?) der Gi bocellumordnung
- hier beifügen:
E. ihocellum gen. nov. Cephalothor ax triangu-
laris, supra convexus umbone semicireulari in-
signis, qui ex apice retro posito paulatim ortus
etantrorsum divergens, intra gibbos oculigeros
"ininferioremthoracis superfieciem transit. Hyp o-
"podia omnia parum convexa, coxis inconcusse
"adhaerentibus, anticorum pedum oblonga, an-
gustissima, alterorum clavata, tertiorum prope
pernaeformia, posticorum maxima, incerassata,
"eyathiformia. Stigmata quatuor in angulis se-
eundi et tertii arcus abdominalis lateralibus
conspicua. Glandulae aranenariae ad basin ab-
- dominis apparent.
(Kopfbrustschild dreieckig, oben mit einer hufeisen-
fürmigen Erhabenheit versehen, welche hinten allmählich be-
_ ginnend, divergirend nach vorn, zwischen den Kegelhöcker-
chen der Augen zur Unterseite des Thorax sich begiebt.
Die Bruststücke aller Gliedmassen ein wenig gewölbt, mit
fest verwachsenen Hüften; die Hypopodia des zweiten
_ Kiefertasterpaares jencheh, die des ersten Beinpaares
keulenförmig, die des zweiten ungefähr schinkenförmig, die
h ‚des dritten Beinpaares verdickt, becherförmig. Vier Tra-
- eheenorifieia, in den spitzen non des zweiten und
| dritten unteren Hinterleibshalbringes. Spinndrüsen am
zweiten Hinterleibssegmente.)
"Die Art diagnosticire ich wie folgt:
“ Gibocellum sudeticumsp.nov.Oblongo-ovalis;
cephalothorax rufescens, singulis pilis rigidis
Be seine, antennis chelatis, testaceis, EuNeRtilne
Bi; entibus, 'paululo longioribus, Sn
iypopodiapalporumsecuriformia; pedes flaves-
‚entes, trochanteribus conspieuis, femoribus tibiis-
eclavatis, tarsis parum incerassatis; pedes maxil-
Be 1) Siehe meine Abhandlung ‚Ueber eine neue Arachniden-
gattung‘‘ 1. c. S. 16.
trifft, als sehr unvollkommen bezeichnet werden "muss.
344 “ Stecker:
lareslongissimi;abdomen viride brunneum, super- }
ficie inferiore setis plumosis obsitum; long. Coriez |
2,5 Mm.
(Länglich-eiförmig; Kopfbrustschild rothbraun, mit ge- \
wöhnlichen Haaren spärlich besetzt; Kieferfühler röthlich, °
behaart, fast so lang als der Kopfbrusiseh id das erste i
Kiefertasterpaar dünn, fadenförmig, etwas länger als der °
Kopfbrustschild, behaart; die Bruststücke der Palpen beil- °
förınig,; die Beine gelblich mit deutlichem Schenkelringe; ”
Schenkel und Unterschenkel keulenförmig, die Läufe ein ”
wenig verdickt; das zweite Kiefertasterpaar am längsten,
Hinterleib grünlichbraun, auf. seiner unteren Seite mit ge- °
fiederten Borstehen versehen; Körperlänge 2,5 Mm.). 3
Endlich sei mir noch erlaubt eine kurze Bemerkung”
über die Ausführung der beigelegten vier Tafeln anknüpfen
zu dürfen, Nicht für den Zootomen und Mikroskopiker von’
Erfahrung, wohl aber für den Anfänger finde ich nöthig‘
zu bemerken, dass nicht das erste beliebige Präparat alle”
in den Ai en dargestellten, anatomischen Verhältnisse Ü
zeigt; „es sind dort die Ergebnisse oftmaligen Zergliederns,
dann aber allerdings nach der Natur eingetragen‘ (Leydig).
Wie ich aber vielmals erwähnen konnte, verfügte ich über‘
ein so spärliches Material, dass diese Abhandlung in Man-
chem lückenhaft bleibt, und insbesondere, was die Kennt-
niss der Kreislaufsorgane und To be-
Ich habe mich aber doch entschlossen, diese ee
Kapitel aus meinen Untersuchungen, die ich an dem mir)
zur Disposition stehenden Gibocellumexemplare an.
stellte, in die Welt zu schicken, da sie schon Jetzt mehreres
Unerwartete und Auffallende Enhalen das mir wohl deı '
Veröffentlichung werth erscheint. |
‘ Anatomisches und Histiologisches über Gibocellum. 345
Erklärung der Abbildungen auf Tafel XVI—XX.
Tafel XVIL
1. Giboecellum sudelicum nov. gen. et sp. von der De
a natürl, Grösse, b vergrössert.' Ä
2. Dasselbe von der Bauchseite gesehen (vergrössert), a Mund.
öffnung.
‚3. Auf einem Kegelhöckerchen plaeirtes Auge von Grbocellum
(mässig vergrössert).
4. 'Scheerenglied der Kieferfühler von Gibocellum (vergr.).
a Riechstäbchen. :
.5. Ein Stück des ersten Kiefertasterpaares (vergrössert).
6. Tarsal- und Tibialglied des zweiten Beinpaares (vergrössert)-
Tafel XVIIL-
1. Kopfbrustschild von Gibocellum sudetieum theilweise ze-
‚öffnet, um die Lage des Nervensystems und der Verdauungs-
'organe anschaulich zu machen (mässig vergrössert).
a Obere Gehirnpartie (Ganglion supraoesophageum).
b Thoracalganglion (Ganglion infraoesopkageum).
c Nerven für die Kieferfühler.
d Nerven für das erste Kiefertasterpaar.
eı, &, nervi optici.
f Nerven für das zweite Kiefertasterpaar.
g Nerven für die drei Beinpaare.
h Nerven für die Eingeweide.
i die zwei grossen Hinterleibsnervenstämme.
k Chitinisirte Platte unterhalb des Brustkootens,.
l Magen.
m Muskeln, welche sich an die Chitinplatte ansetzen.
n Oeffnungen der Krohn’schen Cephalothoraxdrüsen.
Nervensystem von Gibocellum sudeticum (mässig starke Ver-
. grösserung).
a Gehirnganglion (Gangl. eupraoesophageum),
b Thoracalganglion.
€, d, e,, &, f wie Figur 1.
g, Nerven für das erste Beinpaar.
£5 Nerven für das zweite Beinpaar.
£&; Nerven für das dritte Beinpaar.
h Die zwei grossen Hinterleibsuervenstämme.
i birnförmige Ganglien.
346 Stecker: Anatomisches und Histiolozisches über Gibocellum.
Fig. 3.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 4.
Hıw...8,
'a die kleinen, den beerenförmigen Drüsen zugehörigen
Schematische Darstellung des Athmungsapparates von en
‚Die siebartig durehbrochene Chitinplatte (a) des hinte, rel
k Nerven für die Eingeweide.
l an ihnen birnförmige Ganglien.
m Chitinisirte Platte unterhalb des Bauchmarkes.
n Muskeln, welche sich an die Platte ansetzen. j
o Die kleine dem Osophagus zum Durchlass dienende
Oeffnung. 7
Pı Tracheen für die obere Gehirnportion.
p; Tracheen für das Bauchmark. E
Ein Beinstück (vergrössert), um die Tracheen und die Ner-
vatur zu zeigen. a Tracheen, b Nerven.
Tafel XIX.
Verdauungswerkzeuge von Gibocellum sudeticum (mässig. 2
vergrössert).
a Oesophagus.
b Magen.
e Mitteldarm. 2
d Durch eine Eirschnürung abgesetzter Theil des Mi
darmes. 3
e Enddarm (rectum).
f Vasa Malpighii.
g Verästelung der Malpighi’schen Gefässe.
h die zwei kleinen Speicheidrüsen.
k Einmündungen der Leber in den Darm (?).
Taf. XX.
Hinterleib von Gibocellum sudeticum geöffnet, um die Lage
der Spinnwerkzeuge deutlich zu machen. e.
a Spinnwarzen am zweiten, unteren en 3
b die Spinndrüsen. h
c die Geschlechtsöffnung.
Die äussere, linke Spinnwarze (stark vergrössert).
Spulen.
b die Spulen der schlauchförmigen Drüsen.
e die Spulen der bauchigen Drüsen. h
Spinndrüsen der inneren Warze: a beerenförmige, b sch
förmige Drüsen. a
bocellum sudeticum (mässige Vergrösserung).
a Tracheenstämme der vorderen Stigmen,
b Tracheenbüschel des hinteren Stigmenpaares.
Orificium; b die Tracheenbüschel.
‚Ueber die Embryologie von Salpa.
Von
Dr. W. K. Brooks
übersetzt aus Proceedings of the Boston Society of Natural History
Yol. XVII. p. 193).
f Die Embryologie der verschiedenen Formen von Tuni-
caten wird gegenwärtig von so vielen und thätigen Ar-
a untersucht, dass ein en) welcher die Ver-
nötlitken Abbildungen in gestellt sind) in die Ge-
r kommt, dass sie nieht mehr neu sind. Der folgende
geschichte ist daher als ein Vorläufer der ausführlicheren
schreibung anzusehen, die jetzt ausgearbeitet wird.
Zu der Zeit, wenn die Salpenkette sich von dem
tper der einzelnen Form ablöst, hat jedes Individuum
" Kette ein Ei, welches in einer Kapsel von Epithelial-
len eingehüllt und in dem Sinussystem des Zooiden an
er Neuralseite, zwischen dem Magen und der Atrialöff-
ng mittels eines Gubernaculum aufgehängt ist, durch
lches es an der Wand des Kiemensackes befestigt ist.
Das Ei zeigt keine Spur einer Dotterhaut; der Dotter
esteht aus durchsichtigem Protoplasma ohne Granula, und
Keimbläschen ‘enthält keinen Fleck, sondern erscheint
ogen.
an a
+ Be En er e en
>,
348 Brooks:
Die Befruchtung findet durch die Action der Samen-
fäden statt, welche von den Zooiden anderer erwachsener
Ketten in das Wasser ausgestossen, in die Kiemensäcke
der unreifen mit Eiern versehenen Zooiden eingesogen ©
werden und in das Innere des Gubernaculum dringen. \
Nach der Befruchtung verschwindet das Keimbläschen;
das Gubernaculum wird unregelmässig angeschwollen und
verkürzt, zieht so das Ei in den Brutsack, der durch eine
Involution des Kiemensackes der Amme gebildet wird.
Das Ei, ernährt durch das umspülende Blut, nimmt rapide
an Grösse zu, und geht einen totalen Furchungsprocess ein,
als dessen Resultat zwei Partien gebildet werden, ein
fein segmentirter Keimdotter und ein weniger vollständig
segmentirter Nahrungsdotter. 3
Der letztere wird von dem ersteren durch einen In-°
vaginationsprocess eingehüllt, und bildet eine wahre Gastrula
oder invaginirte Planula, deren Oefinung, die Rusconische 7’
Oeffnung, persistirt und die Oeffnung der Placenta bildet.
Der Emhryo wächst schnell weiter, und theilt sich‘
durch eine Einschnürung in zwei Abtheilungen. Die dem’
Anheftungspunkt an den Brutsack zunächst gelegene Ab-
theilung bildet den eigentlichen Embryo, und die andere
Abtheilung den Theil der Placenta, welcher in Communi-
cation mit dem Sinussystem des Foetus sein soll. 2
In dieser Abtheilung befindet sich eine becherförmige‘
Höhle, ein Theil der ursprünglichen Rusconischen Höhle, ”
welche in directer Communication mit dem Sinussystem
der Amme steht und so die zweite oder innere Kammer
der Placenta bildet. Diese theilt sich bald in eine grosse
Anzahl unregelmässiger eommunieirender Lacunen, welehe
durch das Wachsthum einer Structur hervorgebracht wer-
den, die einem Stumpf mit seinen Wurzeln gleicht, und”
die direct aus dem Blut der Amme durch Anhäufung und)
Fusion der Blutkörperchen gebildet zu werden scheint.
Die weitere Entwickelung des Foetus, der das Junge
der einfachen Salpe ist, ist wesentlich wie sie von Sars,
Krohn, Vogt, Huxley, Leuckart und Anderen beschrieben
ist, und ich kann Weniges hierüber dem Bekannten hinzu-
fügen. a
Ueber die Embryologie von Salpa. 349
‚Von dem Atrium von Salpa wurde vorausgesetzt, dass
der seitlichen Abtheilungen entbehre, welche bei den.
eisten Tunieaten an den Seiten des Kiemensackes liegen
und seitliche Atria genannt werden; aber in einem frühen
"Stadium scheinen sie ebenso gut wie das mittlere Atrium
gegenwärtig zu sein, aber die Höhlungen der seitlichen
Atria werden niemals mit der des Kiemensackes durch die
Bildung von Kiemenspalten verbunden; und in einer sehr
frühen Entwickelungsperiode vereinigen sich die Wände
des seitlichen Atriums, so die Höhlung verwischend, und.
ben Veranlassung zu einer breiten Gewebsschicht an
der Seite des Körpers zwischen dem Kiemensack und
7 sogenannten Muskelhaut, der äusseren Haut Huxleys)).
Reihen und Querspalten treten bald in diesen Schichten
auf, welche so getheilt werden, dass sie die Muskelbänder
den, welch letztere nachher an der inneren Oberfläche
ler äusseren Haut vereinigt werden.
Die Seiten des Mittelatriums verringern sich an zwei
unkten, einem an jeder Seite, mit der hinteren Oberfläche
Ss Kiemensackes und da die Atrial- und Branchialhäute
rischen diesen Vereinigungsregionen frei von einander
sind, bildet sieh ein mittlerer longitudinaler Sinus, der
( e Kieme deill) oder Hypophar yngealband ist. Die cen-
Die frühesten Stadien der Bildung der Atrialkammer
nicht beobachtet worden, aber es wurde keine An-
tung gesehen, dass sie wie bei den meisten Tunicaten
eh Tubular-Invaginationen der äusseren Wand des Em-
o gebildet worden sei.
Die Höhlung des Oesophagus ist eine Kerlängeruns |
‚der des Branchialsackes und zwar in direeter Communi-
on mit dieser an dem Munde, als sie zuerst beobachtet
de. Der Magen ist als ein Diverticulum von der Seite
-Oesophagus gebildet, und die Höhlungen beider waren
1) Die äussere Haut darf nicht mit der Cellulose-Schale Hux-
’s erwechselt werden, die sie bedeckt.
550 Brooks:
in allen beobachteten Perioden vereinigt, aber die Höhlung
des Darmes entsteht unabhängig und ist anfänglich an i
beiden Enden geschlossen; die Trennung zwischen ihm
und dem Magen verschwindet zuerst; die am After- oder ®
Atrialende bleibt etwas länger. | -
Die wenigen Thatsachen, welche ich dem über die’
Entwickelung der Salpenkette Bekannten habe hinzufügen
können, beziehen sich grösstentheils auf die frühesten $
Stadien der Entwickelung von dem, was immer als die’
seschleehtliche Generation betrachtet worden ist, und scheint
darzuthun, dass die einfache Salpe das Weibchen ist und)
die Salpenkette einfach das Männchen, welches nicht er-
zeugt, sondern einfach dazu dient das Ei zu befruchten
und zu ernähren, so dass wir keinen Generationswechsel
haben, sondern eine sehr bemerkenswerthe Differenz in der
Form und Entstehungsweise der beiden Geschlechter.
Das Rohr oder der Keimstock, welcher die Kette
bilden soll, erscheint zuerst als ein Vorsprung oder Diver-
tieulum von der äusseren oder Muskelhaut der einfachen
Salpe, gerade dem Herzen gegenüber; dieser Vorsprung‘
verlängert sich schnell und hat bald die Form eines langen!
am distalen Ende geschlossenen Rohres, welches in den
Mantel hervorragt und deren Höhle im direetem Zusammen-
hange mit der Höhlung des Sinussystemes (der Körperhöhle)
der Einfakeh Salpe steht, so dass das Blut der letztere
eintritt, und frei darin eireulirt. ie
Ein zweites Rohr mit sehr dicken Wänden und eine B
sehr engen Höhlung wächst nun aus dem Pericardium her-
vor, durchsetzt den Sinus und durehdringt die Höhlung
des äusseren Rohres bis fast zu seiner Spitze oder ihrem
blinden Ende, wird bald flach und seine Ränder verwachsen
mit den Wänden des änsseren Rohres, das so in zwei
Kammern getheilt wird, die mit Ausnahme der Spitze ganz
von einander getrennt sind. Das Blut tritt nun am Grunde
in eine dieser Kammern ein und wird nach dem blinden
Ende getrieben, wo es um die Scheidewand herumgeht
und durch die andere Kammer zu dem Sinus des Mutter-
thieres zurückkehrt. Es braucht daher nicht bemerkt zi
werden, dass wenn die Cireulation des Mutterthieres sie
umkehrt, die des Keimstockes auch ändert. 4
Ueber die Embryologie vu... walpa. 351
Durch die Bildung der oben beschriebenen Scheide-
and wird das Rohr der Länge nach in Hälften getheilt
ind jede Hälite ist bestimmt in die Reihe der Zooiden an
"einer Seite der Kette umgewandelt zu werden. Die äussere
Wand des Rohres, die als aus der Muskelhaut des Mutter-
hieres hervorgegangen nachgewiesen ist, wird zu der Mus-
kelhaut der Zooiden; die Kammern, welehe mit dem Sinus-
"system des Mutterthieres unsern bilden die
"Körperhöhlen oder Sinussystem der Zooiden und das Cen-
tralrohr, welches eine Verlängerung des Pericardiums des
_ Mutterthieres ist, bildet die Nervendigestions-Kiemenorgane
der Zooiden der Kette. Es ist wahrscheinlich, dass die
"Höhlung des inneren Rohres seitliche Divertieula hervor-
‚bringt, welche die Höhlungen der u Serge und
des Kiemensackes der Jungen bilden, aber dieser Punki
konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden, auch konnte
kein Zusammenhang zwischen der Höhlung des inneren
Rohres und einer der Höhlungen des Mutterthieres entdeckt
Bevor das Rohr in die Organe der Zooiden wirklich
differenzirt wird, bevor irgendwelche Anzeigen vorhanden
sind, dass das Rohr der Kette den Ursprung geben soll,
erden zwei neue Organe gebildet, eines in jeder Sinus-
ammer des Keimstocks. Diese neuen Organe sind lang
kenlenförmige Protoplasmamassen, die anfänglich nicht an
as Rohr angeheftet sind, sondern frei in den Kammern
egen und die aus keinem präexistirenden Theile der ein-
nen Salpe hervorgegangen, sondern direet aus dem Blute
ildet zu sein scheinen. Mit dem Wachsthum des Rohres
längern sie sich und bald sieht man längs einer jeden
eine Reihe Keimbläschen sich erstrecken; sie sind ie
Ovarien. ‚Zu der Zeit, wo die Einschrürungen, welche die
ten Andeutungen der Zooiden sind, an der äusseren
Yand des Rohres erscheinen, sieht man, dass jedes Ovarium
einer einzelnen Reihe von Eiern bestehen soll, die an
hl den Einschnürungen gleich sind, welehe die Zahl der
tigen Zooiden anzeigen; und wenn diese letzteren ent-
elt und ihre Sinussysteme von der gemeinschaftlichen
löhlung des Rohres getrennt sind, dann theilt sich die
352 | | ‚, Brooks’
Kette der Eier, so dass ein einzelnes Ei in das Sinussystem E
jedes Zooiden eintritt und daselbst durch ein Gubernaeulum |
aufgehängt wird, mittels dessen es, wie bereits beschrieben,
an der Wand des Kiemensackes befestigt wird. R
Sobald die Kettensalpe bei der Geburt immer ein |
unbefruchtetes, organisch mit ihrem Körper verbundenes |
Ei enthält, und sobald dieses Ei und der daraus ent-
stehende Embryo durch das Blut der Kettensalpe mittels 7
einer Placenta ernährt wird, und sobald keine Geschlechts-
organe in dem Körper der einfachen Salpe beobachtet sind,
scheint es sehr vernünftig die Meinung zu acceptiren, dass ”
die einfache Salpe ungeschlechtlich, die Kettensalpe die 7
hermaphroditische geschlechtliche Generation sei, und dass ”
die Entwickelungsgeschichte der Gattung ein wirkliches 1
Beispiel von Generationsweehsel darstellt. Wenn wir da-
gegen rückwärts die Geschichte eines der Zooiden, welche 7
eine Kette zusammensetzen, verfolgt haben, und finden, 1
dass das Ei in allen Stadien des Wachsthums vorhanden, 7
und genau von derselben Grösse und demselben Ansehen 7
ist, wie zur Zeit seiner Befruchtung; wenn wir finden, dass
ein Organ nach dem andern verschwindet, bis wir zuletzt”
nur eine schwache Spur einer Einschnürung haben, welche an
der Wand des Keimstockes die Lage des künftigen Zooids )
andeutet, dann scheint der Schluss unleugbar zu sein, dass j
das Thier, welches bisher noch nicht existirt, nicht die”
Mutter des Eies sein kann, welches bereits vollständig
ausgebildet ist. -
Die Lebensgeschichte der Salpe mag also im Umriss i
folgendermassen bezeichnet werden: Die einfache Salpe
ist das Weibehen, und produeirt eine Kette von Männchen ı
durch Knospung, und legt ein Ei in den Körper eines 1
jeden derselben vor der Geburt. Diese Eier werden be-
fruchtet, wenn die Zooiden der Kette noch sehr klein und?
geschlechtlich unreif sind, und entwickeln sich zu Weibchen,
welehe auf dieselbe Weise anderen Männchen den Ursprung
gehen. |
Nachdem der Fötus aus dem Körper des Männchens”
ausgetreten ist, erlangt das letztere seine volle Grösse, wird}
geschlechtlich reif und entleert seine Samenflüssigkeit in ‘
Ueber die Embryologie von Salpa. oe
das Wasser, um zu den Eiern anderer unreifer Ketten Zu-
£ sang zu gewinnen.
Die Thatsache, dass die Befruchtung nicht, wie man
erwarten sollte, in dem Körper der vereinzelten, a
"in dem der Kettensalpe geschieht, ist kein Einwand gege
diese Auffassung, denn die Zahl der Thiere, bei denen die
Eier im Körper des Weibehens befruchtet werden, ist sehr
klein, und wenigstens bei einer Gattung, Hippocampus,
| Wyörden die Eier in eine besondere Bruttasche im a
Wehen aufgenommen, und dort befruchtet.
| Wir finden auch die Analogie für die besondere That-
ai dass die Eier immer Weibehen entwickeln, während
“die Männchen durch Knospung entstehen. Die befruch-
teten Eier der Bienen bringen immer Weibchen herver,
ährend die Männchen durch die jungfräulichen Bienen
ntwickelt werden, was recht eigentlich, wie MeCrady er-
mittelt hat, als ein Prozess innerer Knospung zu betrachten
Bist; und wir können nicht unterlassen auf den sehr auf-
fallenden Parallelismus zwischen dem Fortpflanzungsprozess
der Salpen und Bienen auimerksam zu machen.
Die Befruchtung der Eier in den Körpern der Zo-
Boden, die durch Knospung von dem Körper desjenigen,
dessen Ovarium die Eier hervorbrachte, produeirt sind, ist
nicht ungewöhnlich bei den Teniaidn. Die Zoeiden der
meisten Tunicaten sind hermaphroditisch und entwickeln
Eier. aus ihrem eigenen Ovarium, aber, wenigstens bei
Pyrosoma, Perophora, Didemnium und Amauricium ist das
i, welehes die Befruchtung und Entwickelung in dem
örper des Zooids erfährt, nicht aus dem eigenen Ovarium,
ondern von dem der vorhergehenden Generation, und die
a ier, welehe im Körper der zweiten Generation erzeugt
_ werden, ‚müssen in die Körper der Zooiden der dritten
Generation übergehen, bevor sie befruchtet werden können.
"Der wesentliche Unterschied zwischen diesem Vorgange
und dem bei Salpa besteht darin, dass bei Salpa die Ge-
schlechter getrennt sind, und Be da die Kettensalpe
0 um hat, die Knospung bei dr zweiten Generation
fhört; während bei den übrigen Tunicaten, da die Zo-
n FE maphroditisch sind, der Prozess ins Unendliehe
gehen kann.
chiy £, Naturg. XXXXII. Jahre. 1. Ba. 93
354 Brooks: Ueber die Embryologie von Salpa.
Die Geschichte von Salpa ist von besonderem Inter-
esse, da sie viel Licht auf die Art und Weise wirft, wie
Trennung der Geschlechter in Formen hervorgebracht sein
mag, welche ursprünglich hermaphroditisch waren, und es
ist auch interessant zu bemerken, dass das Elaeoblast,
dessen Eniwickelungsgeschichte zeigt, dass es das Homo-
logon im Weibehen von dem Hoden des Männchens ist,
‘an der Fortpflanzung Theil nimmt, obgleieh es alle Merk-
male eines Geschlechtsorgans verloren hat, ‚und einfach
eine Ergänzung der Nahrung ist.
Wir können nicht unterlassen, auf die Beziehung
zwischen der Art, in welcher die männliche Salpe hervor-
gebracht wird, und den zahlreichen Fällen durch die ver-
schiedenen Gruppen des Thierreichs, in denen das Männ-
chen gewissermassen sich parasitisch oder supplemental
zu den Weibchen verhält, hinzuweisen.
Die Cirripedien, Arachniden und Argonauta können
als bekannte Beispiele des Vorkommens einer solchen Be-
ziehung zwischen den Geschlechtern dienen.
Diese interessanten theoretischen Punkte werden hier
einfach erwähnt, ihre ausführliche Erörterung wird für
einen anderen Ort aufgespart.
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