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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
IN VERBINDUNG MIT MEHREREN GELEHRTEN
HERAUSGEGEBEN
n^' AR. FR. Aua. mriBamANN,
AUSSEROBD. PROFESSOR AN DER FRIEDRICH -WILHELMS -UNIVERSITÄT
ZU BERLIN.
FÜNFTER JAHRGANG.
Zweiter Band.
BERICHT ÜBER DIE LEISTUNGEN IM GEBIETE DER NATUR-
GESCHICHTE WÄHREND DES JAHRES 1838.
BERLIN 1839.
IN DER NICOLAI'SCHEN BUCHHANDLUNG.
4
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite.
I. Bericht über die Arbeiten in der physiologischen
Botanik von Dr. F. J. F. Mayen 1
üeber Ernährungs- und Wachsthums - Erscheinungen bei
den Pflanzen S. 1. Ursprung des Stickstoffs in den Pflan-
zen 2. Pflanzen durch Luft und reines Wasser ernährte.
Respiration keimender Bohnen 7. Stickstoffgehalt ver-
schiedener vegetabilischer Nahrungsstoffe 7. Analysen des
Klebers und des Pflanzeneyweifsstoffes 8. Analysen des
Inulin's und der Moosstärke 10. Aphorismen zur Anato-
mie und Physiologie der Pflanzen 11. Entstehung der
Zellen der Pflanzen 13. Vorkommen von Spiralfasern in
den Hüllen der Saamen 17. Bildimg des Spiralgefäfses
aus einem Amylum -Kügelchen 19. Umwandlung der se-
cundären Ablagerungen an den Zelienwänden in Amylum
20. Bemerkungen über den vegetabilischen Faserstoff u.
sein Verhältnifs zum Stärkemehl 22. Chemische Zusam-
mensetzung der Pflanzengewebe 23. Holzige Concretionen
in den Birnen 24. Entstehung der Baströhren 26. Fort-
pflauzungs-Erscheinungen bei den Gewächsen 26. Bildung
des Eychens und Entstehung des Embryo's bei den Pha-
nerogamen 27. Bastardzeugung 33. Frucht- u. Saamen-
bau bei Santalum 3-3. Entwickelung des Embryo's bei
den Gattungen Loranthus und Viscum 34. Endlicher's
Theorie über die Pflanzenzeugung 35. Bau der Saamen
und des Embryo's der Pflanzen 38. Anatomie und Physi-
ologie der Blüthe des Ceretis grandiflorus 40. Umhüllung
des Stigma's bei den Scaevolaceen und Goodeniaceen 41.
Saamenbildung am Bingelkraut (Mercurialis anyiua) ohne
Befruchtung 42. Entwickelung der bandförmigen Knollen
<ler Orchideen 43. Lemna arrht%a 4.3. Saamenthierchen
der Ciyptogamen 45 — 51. Bau der Fructifications-Orga
ne bei den Hymenomyceten 51 — 55. Oeltröpfchen in den
Fortpflanzungskörpern der Pilze 55. Untersuchungen der
Hefe 56. EJectrische Strömungen während des Gährungs-
rungsprozesses 59. Turpin's allgemeine Betrachtungen
über die Organisation u. die Physiologie der Pflanzen 60.
Organisation u. Fortpflanzung der Caulerpien 61. Rothe
Färbung des Seewassers in den Salinen 61. Oscillatoria
labyrinthiformis 61. Laubwechsel der Laminaria digi-
tata u. s. w. 62. Organographie und Physiologie der Al-
gen 63. 4phani%Qtnemn incttrvunif eine neue Conferve 64.
IV
Metamorphose der Algen 65. Ehrenberg's Prachtwerk
über die Infusorien 63. Ueber Bewegung der Säfte und
Transpiration der Pflanzen 71. Steigen des Nahrungssaf-
tes in den Pflanzen 71. Saftbewegung dei der Chura 72.
Beobachtungen über die Rotationsströmungen in den Zel-
len der Pflanzen 74 — 77. Circulation im Eychen der
Feige 78. Einflufs des Lichtes auf die Transpiration der
Pflanzen 79. Ueber Farbenbildung, Wärme- und Licht-
Entwickelung 80. Blattgrün 80. Farbestoff in den Blät-
tern von Pölygonum tinctorüim 82. Farbenveränderung
der Blüthen des Hibiscus mutabilis 82. Ueber die Erhö-
hung der Temperatur an den Blüthen der Colocasia odora
83. Ueber das Leuchten der Pflanzen 86. Ueber Abson-
derung verschiedener Stoffe 86. Giftige Wirkung des
Manschinellbaumes 86. Krystalle auf den Drüsenköpfchen
der Altropa frutescens 87. Vorkommen des Tabaschir^s
und dessen nähere Eigenschaften 87. Perldrüsen 87. Ab-
sonderung der Wurzelspitzen 88. Ueber Irritabilität und
Sensibilität der Gewächse 89. Wirkung der Gifte auf die
Reizbarkeit der Blätter an der Sinnpflanze 89. Reizbar-
keit des Säulchens von Stylidium 91. Zur Anatomie der
Gewächse 94, Classification der Elementar- Organe der
Pflanzen 94. Vergleichende Phytotomie vor- und jetzt-
weltlicher Pflanzenstämme 96. Lepidodendra 98. Wur-
zeln der Pflanzen 100. Anwachsen von neuen Theilen in
den Pflanzen 100. Harmonie des organes vegetaux etc.
102. Fehlen der Baströhren in den Wurzeln und am
Stengel einiger Gewächse 102. Parasitismus der Tilland-
sien 102. Markröhre u. deren Querwände in dem Stamme
der Cecropia palmata 103. Hautdrüsen der Pflanzen und
deren Spaltöffnungen 104. Luftröhren-Haare bei Yillarsia
nymphaeoides etc. 106. Drüsen, welche das Wasser in
den Schläuchen der Nepenthes destillatoria absondern 108.
Biforinen 110. SpJiagnum -ZeWen und ihre Poren 110.
Poröse Zellen bei Sphagnufii, Dicranutn und Octoblepha-
rum 111. Struktur der Kapselwände bei Pellia epiph^lla
113. Bau der vegetabilischen Zellenmembran 114. Ueber
Pflanzenkrankheiten 117. Krankheiten u. krankhafte Mifs-
bildungen der Gewächse etc. Mutterkorn 118. Schädli-
cher Einflufs der Sabine auf den Birnbaum 120. Wirkung
des Frostes auf die Kartoffeln 121. Gefrieren der Pflan-
zen 122. Entstehung der Bleichsucht als Folge von Spät-
frösten 122. Zur Morphologie 122. Morphologische Deu-
tung der Galtung Caulteria Humb. 122. Entwickeiungs-
gesohichte der Blüthentheile bei den Leguminosen 123.
Stellung der Blätter 124. Laubknospen 125. Präfoliation
der Cycadeen 126. Entsjehung der Knollen der Corydalis
Cava und C. solida 127. Metamorphose des Stengels und
der Blätter einiger Euphorbien 127. Trifolium anomalum
129. Blüthen- und Fruchtbau A&x Cruciferen 130. Ueber
Cistaceen 131. Morphologie der Wasser -absondernden
Schläuche 131. Trichterförmige Anwüchse auf den Blät-
tern der Brassica oleracea 132. Mifsbildungen an Car-
damine pratensis 133. Verschiedenes Wachsthum der
Blätter 133. Zur Pflanzen -Geographie 134. Entstehung
der verschiedenen Pflanzen-Formen auf der Erdfläche 1-34.
Bodenkunde oder die Lehre vom Boden etc. 135. Boden-
Seite.
Stetigkeit der Pflanzen 136. Einflufs der Erden auf den
Vegetations-Prozefs 137. Einflufs des Clima's anf die Be-
grenzung der natürlichen Familien 138. Ueber die geo-
graphische Verbreitung der Gentiniieen 141. Geographi-
sche Verbreitung der europäischen Euphorbien 142. Ge-
ographie der Niederlausitz 142. Ceobachtungen über Su-
matra 143. Vergleichung der Flora der Preufs. lUiein-
Provinz mtt der Flora von Nord-Niederland 1 14. Gren-
zen der Getreide-Arten in Finnland 14.'j. Abyssinien in
Bezug auf die Physiognomik der Landschaft 146. Vege-
tation des Berges Ventoux 147. Floren der Vorwelt 149.
Phytogeographisrhe Gegenstände 150. Geographische Ver-
theilung der Palmen 152.
II. Bericht über die Leistungen im Gebiete der Hel-
minthologie von Dr. C. Th. v. Siebold 153
Nematoidea 151. Acanthocephala 159, Trematoda 160.
Cestoidea 165. Cystica 167.
IIL Bericht über die Leistungen imGebiete der Zoolo-
gie während des Jahres 1838 von Dr, Erichson,
Dr. F. H. Troschel, Fr. Stein und dem Heraus-
geber 170
Allgemeines vom Herausgeber 170. Reisewerko und
Faunen 175. Entwicklungsgeschichte niederer Thiere 180.
Meeresleuchten 183. Begriff von Art 184.
I, Infiisoria bearbeitet vom Herausgeber 178
Räderthiere 193. Polythalamia s. RJiizopoda 194.
IL Poli/pi \on Demselben 198
Änthoxoa 198. Bryoxoa 199
III. Acalephae vom Herausgeber 200
IV. Echinodermata vom Herausgeber 200
V. Mollusca bearbeitet von Dr. Troschel 201
A. Cephalopoda 208. B. Pteropoda 211. C. Heteropoda
Lam. 215. D. Gasteropoda 216. a. Pulmonata 21(5. b.
Ctenohi-anchia 225. c. Gymnohranchia 230. d. Aspido-
branchia 231. e. Cydohranchia 231. f. Cirrohranclda 232.
E. Branchiopoda 232. F. Conchifera 232.
VI — VIII. Annulata, Crustacea, Aracluiidae bear-
beitet von F. Stein 241
VI. Annulata 242.
VII. Crustacea 247, Faunen, geographische Verbrei-
tung, Respiration 2.53. Parasita 254. Entomostraca 256.
Poecilopoda 260. Decapoda 264. Amphipoda 267. Iso-
poda 270.
VIII. AracJinidae Til. Acarina 272. Scorpmiina 211 .
Aranina 277. Myriapoda 278.
IX. Insecta bearbeitet von Dr. Erichson 282
Allgemeines: Generatio aequivoca 282. Gehör 284. All-
gemeine Schriften 285. Coleoptera 309. Orthoptera 346.
VI
Seile.
Neuroptera 346. Hytnenoptera 351. Lepidoptera 360.
Diptera 371. Hemiptera 374. Farasita 375.
X. Pisces bearbeitet Dr. Troschel 378
Allgemeines — Acanthopterygü dTiS. Malacopterygii Wd.
Lophobranchii — Pectognathi — Plagiostomi 384.
XL — XTII. Amphibia, Aves, Mammalia bearbeitet vom
Herausgeber 390
XI. Amphihia — Batrachiu, Serpentes 390. 5«Mn392.
Chehnii 394.
XII. Aves 39.1. Allgemeines. \. Natatores 398. 2. Gral-
lae 399. 3. Cursores 400. 4. Rasores s. Gallinacei 400.
5. bisessores 401. (a. Canori 402. b. Syndactyli 405.
c. Zygodactyli 405. d. Snspetisi s. Trochilidae ibid. e.
Hiantes.^ 6. Raptatores 406,
XIII. Mammalia 408. Allgemeines 408. 1. Cetacea
410. 2. Pachydermata 413. 3. Ruminantia 414. 4. Mo-
notremata 417. 5. Marsupialia 417. 6. Glires 419. 7.
Carnivora. A. Insectivora 420. B. Pinnipedia 421. C.
Carnivora 422. 8. Chiroptera 427. Qtiadrumajia 427.
ßericlitig luij^^eii im Jahresberichte.
Seite 191 Zeile 11 v. u. st. fast Alles lies: die Function fast
aller Organe.
266 u. 267 in der Anmerkung lies überall Kieferfüfse st.
Maxillen.
267 Z. 12. V. u. lies Decapoden st. Garneelen.
272 st, 111. Arachnidae lies: Vlll. Arachnidae.
Jahresbericht über die ResuUate der Arbeiten im Felde
der physiologischen Botanik von dem Jahre 1838
von
J. M e y e n.
HiS ist erfreulich zu sehen, dafs auch im vergangenen Jahre
die Anzahl der Arbeiten im Felde der Pflanzen -Physiologie
abermals zugenommen, und dafs die Wissenschaft in dieser
Zeit überaus wichtige Fortschritte gemacht hat.
Bei der Bearbeitung des vorliegenden Berichtes bin ich im All-
gemeinen den Grundsätzen treu geblieben, welche mich bei
den früheren leiteten, doch ward dieselbe durch das gleich-
zeitige Erscheinen der Fortsetzungen zweier Lehrbücher der
Pflanzen -Physiologie sehr erschwert; es erschien nämlich von
Herrn Tre vir an US Physiologie der Gewächse der zweite
Theil*) und von meinem Neuen System der Pflanzen-
Physiologie der zweite und dritte Theil**), wodurch ich
bei den verschiedensten Gegenständen nur zu oft gezwungen
ward, auf meine eigene Bearbeitung aufmerksam zu machen.
Nachdem nun aber meine Schrift über die Pflanzen -Physiolo-
gie erschienen ist, werden die künftigen Berichte wegen je-
") Bonn 1838. Mit 3 Tafeln.
**) II. Berlin 1838. Mit 3 Kupfertafeln und mehreren Holzschnit-
ten, und III. Berlin 1839. Mit 6 Kupfertafeln in Quart.
V. Jahrg. 2. Band. 1
2
nes Uebelstanfles zu verbessern sein, und ich werde suchen
dieselben ferner in der Art zu bearbeiten, dafs sie gleichsam
als vollständige Nachträge zu meiner Pflanzen -Physiologie be-
nutzt werden können.
Am 1. April 1839.
Ueber Ernährungs- und Wachsthums - Erscheinungen
bei den Pflanzen.
Herr Boussingault*) hat sich die Entscheidung der Frage
über den Ursprung des Stickstofles in den Pflanzen vorgesetzt ; er
selbst giebt an, dafs sich die Physiologen überzeugt hätten, dafs
die Pflanzen den Stickstoff nicht aus der Atmosphäre aufnehmen,
er meint jedoch, man sehe nicht ein, wie der Boden, wenn er
nur stickstofffreie Substanzen aufnimmt, zu einer solchen
Fruchtbarkeit komme, wie es doch wirklich der Fall sei, wenn
man denselben mit sogenannten verbessernden Pflanzen be-
baut, und man müsse deshalb annehmen, dafs die Pflanzen
auch Stickstoff aus der Luft aufnehmen. Um diese letztere
Annahme zu erweisen, stellte Herr B. eine Reihe von Versu-
chen an; er verglich darin die Zusammensetzung des Saamens
mit der chemischen Zusammensetzung mehr oder weniger aus-
gewachsener Pflanzen, welche sich, wie es hierbei ange-
nommen wurde, auf Kosten der Luft und des Wassers ent-
wickelt hatten. Die gleichmäfsige Ausführung solcher Analysen
ist leider mit sehr grofsen Schwierigkeiten verbunden, welche
Herr B. als ein geschickter Chemiker so gut als möglich zu
beseitigen suchte, die Hauptschwierigkeit liegt in der gleichmä-
fsigen Austrocknung der zur Analyse bestimmten Substanzen.
*) Recherches chimiques sur la Vegetation, entreprises dans le but
d.' examiner, si leg plantes prennent de l'Azote aj,' atmospliere. -^An~
7ial. de Chimie et de Physique XVII. 1838. pag. 5 — 54. Im Aus-
zuge: Compt. rend. d. 22. Jmi. 1838 und ausgezogen von dort in den
Annal. de scienc. nat, d 1838 //. pag. 247.
C. II. 0. N.
2,405GramKleesaamen enthalten: 1,222 0,144 0,866 0,173
und gaben nach dem Keimen
2,241 Gram, welche enthielten . 1,154 0,141 0,767 0.179
Differenz = — 0,068—0,003—0,099+0,006.
In einem andern Versuche waren die keimenden Pflänz-
chen bis zur Entwickelung ihrer Cotyledonen gekommen :
C. ff. 0. N.
2,074GramKleesaamen enthalten: 1,057 0,124 0,747 0,149
und gaben nach dem Keimen
1,727 Gram , welche enthielten: 0,817 0,104 0,656 0,150
Differenz = — 0,237-0,020—0,091+0,001.
Nach diesen Analysen hatte also der Saamen während
des Keimens bedeutend an Gewicht verloren und zwar au
Kohlenstoff und an Wasser, während die Verschiedenheit in
dem Gehalte des Stickstoffes zu unbedeutend ist, um daraus
Schlüsse zu ziehen. Aehnliche Analysen wurden mit Waizen-
körnern angestellt und gaben ganz ähnliche Resultate. Die
Bildung der Essigsäure bei dem Keimen des Saamens wurde
ebenfalls beobachtet.
Hierauf liefs Herr Boussingault sowohl Klee als Waizen
in einem Kieselsande wachsen, welcher vorher einer Rothgliih-
hitze ausgesetzt worden war, und begofs sie mit destillirtem
"Wasser. Bei der ersten Analyse wurden Kleepflanzen ange-
wendet, welche zwei Monate alt waren (September und Oc-
tober).
C. ff. 0. N.
l,532GramKleesaamen enthalten: 0,778 0,092 0,552 0,110
und sie gaben eine
1,649 Gr. schw. Ernte, welche enth. 1,278 0,146 0,982 0,120
Diflerenz = + 0,500+0,054+0,430+0,010.
Bei der zweiten Analyse wandte er drei Monate alten
Klee an.
4*
C. H. 0. N.
l,586GramKleesaamen enthalten: 0,806 0,095 0,571 0,114
und gaben eine
4,106 Gr. scluv. Ernte, welche enth. 2,082 0,271 1,597 0,156
Differenz = +1,276+0,176+1,026+0,042.
Diese Analysen zeigen also, dafs der Gehalt des Stick-
stoffes im Klee um so gröfser wurde, ja länger die Vegetation
dauerte, und damit man nicht etwa den Einwurf machen könne,
dafs dieser Zuwachs an Substanz dem hinzugetretenen Staube
zuzuschreiben sei, so wurden Klee- und Waizenpflanzen in
einem Apparate gezogen, worin sie gegen allen Staub gesichert
waren. Die erste Analyse geschah mit zweimonatlichem Wal-
zen und ergab:
C. H. 0. N,
1,244 Gram Waizen enthalten: 0,580 0,072 0,549 0,043
und sie gaben
1,819 Gr. Ernte, welche enthielt: 0,901 0,116 0,762 0,040
Differenz = +0,321+0,044+0,213+0,003.
Die zweite Analyse geschah mit dreimonatlichem Waizen
und ergab:
a IL 0. N.
1,644 Gram Waizen enthält : 0,767 0,095 0,725 0,057
welche eine Erndte von
3,022 Gram gaben, die enthielt: 0,456 0,173 1,333 0,060
Differenz = +0,689+0,073+0,608+0,003.
Der Waizen wuchs also hier unter ähnlichen Verhältnissen
wie der Klee, doch nur der Klee zeigte eine Zunahme an
Stickstoffgehalt.
Demnach ginge aus diesen Untersuchungen hervor, dafs
M'ährend des Keimens die Saamen keinen Stickstoff aufnehmen,
aber auch keinen verlieren, während sie bedeutenden Verlust
an Kohlenstoff und Wasser erleiden; in den späteren Perio-
den des Wachsthums nehmen die Pflanzen nicht nur an Koh-
lenstoff und Wasser zu, sondern der Klee nahm auch an Stick-
stoff zu, was am Waizen nicht beobachtet wurde.
Bei allen diesen Untersuchungen ist Herr Boussingault
5
von der Voraussetzung ausgegangen, dafs eine Pflanze ganz
allein auf Kosten des Wassers und der Atmosphäre wachsen
und selbst zu einer ziemlich vollkommenen Entwickelung ge-
langen kann; er liefs die Pflanzen in ausgeglühtem Sande wach-
sen und begofs sie mit destillirtem Wasser, inid sowohl diese,
sowie auch noch mehrere ähnliche Beobachtungen anderer Ge-
lehrten scheinen jene Ansicht zu bestätigen. Es ist indessen
des Referenten Pflicht, auch auf die Gegenbemerkungen auf-
merksam zu machen, nach welchen die Pflanzen, wenn sie
blofs dem Wasser und der Atmosphäre ausgesetzt werden,
nicht länger wachsen, als die in ihrem Saamen abgelagerte
Reservenahrung dazu ausreicht. Ref. verweist deshalb auf
seine eigenen mit aller Genauigkeit angestellten Versuche, die
in der Pflanzen -Physiologie (II. pag. 130 u. s. w.) neben den
Beobachtungen von Herrn Jablonsky u. A. m. aufgeführt
sind, ja er macht darauf aufmerksam, dafs es fast unmöglich
auszuführen ist, dafs die Würzelchen keimender Pflanzen
nichts Anders, als reines Wasser erhalten, denn keimen die
Saamen in reinem Wasser, so erzeugen sich sogleich an der
Oberfläche der Würzelchen eine Menge von Infusorien, diese
sterben wieder ab uud der daraus entstehende, offenbar Stick-
stoff-haltige Schleim geht in die Pflanzen hinein. Die Bildung
der Infusorien konnte Ref. unter solchen Verhältnissen gar
nicht unterdrücken, ja in anderen Fällen, wo er Kürbis -Saa-
men in weifsem vollkommen gereinigten Marmor wachsen
liefs, der sich in einem Elumenzwiebelglase befand^ zeigten
sich an den Spitzen der 4 bis 5 Zoll herabgestiegenen Wur-
zeln, die unter aller Vorsicht nur mit destillirtem Wasser be-
gossen waren, ein grüner Anflug, dessen Auftreten und all-
mählige Verbreitung nach Oben man sehr leicht verfolgen
konnte. Bei solchen Beobachtungen glaube an das alte „o/n/te
vivum ex ovo'' wer da will! Der grüne Anflug wurde durch
eine Protococcus-Art dargestellt und diese Pflänzchen wach-
sen in einem Schleime, welcher wiederum von den Wurzeln,
ganz nach dem Grade seiner Lösung aufgenommen wird. Wie
überaus wenig organische Substanz übrigens nöthig ist, um
kleine Pflänzchen bei kümmerlichem Wachsthum zu erhalten,
das geht schon aus den Beobachtungen hervor, dafs Pflanzen
in gewöhnlichen käuflichen Schwefelblumen wachsen, die in
vollkommen gereinigten Schwefelblumen nicht weiter wachsen,
als die Reservenahrung in den Saamen dazu ausreicht.
In der Sitzung der Akademie zu Paris vom 19. Novem-
ber ist eine zweite Arbeit des Herrn Boussingault*) publicirt
worden, worin die Annahme, dafs die Pflanzen ihren Stickstoff
aus der Luft aufnehmen, von Neuem bestätigt wird. H. Bous-
singault liefs Erbsen in ausgeglühtem Sande wachsen und gab
ihnen nichts als Wasser und Luft, und dennoch kamen sie
zur Bliithe und gaben vollkommen reifen Saamen. Diese An-
gabe, welche bekanntlich schon von verschiedenen Seiten her
durch ähnliche genaue Versuche bestritten worden ist, wurde
auch durch Herrn Colin**) bestätigt; derselbe hat Erbsen,
Bohnen, eine gemeine Zwiebel und eine Pflanze von Polygo-
nujti tinciorium mit reinem Wasser und Luft ernährt und sah,
dafs diese Gewächse zur Bliithe kamen und reife Früchte
brachten.
Bei den Versuchen des Herrn Boussingault gewannen
1,072 Gr. gesäete Erbsen, während einer Vegetation von 99
Tagen 3,369 Gr. an organischer Materie. Die Pflanzen ent-
hielten mehr als das Doppelte an Stickstoff, welchen die Saa-
men enthielten; die geernteten Saamen enthielten jedoch we-
niger davon als der gesäete. Die organische Substanz, um
welche sich das Gewicht der Erbsenpflanzen vergröfsert hatte,
enthielt im Ueberflufs iWasserstoffgas. Junge Kleepflanzen
(0,884 Gram an Gewicht) wurden in reinen Sand gepflanzt
imd gaben nach 63tägigem Wachsthume 2,264 Gr. , sie hatten
also in dieser Zeit aus der Luft und dem Wasser das Drei-
fache an Nahrungsstoff^ eingenommen und fast das Doppelte an
Stickstoff.
Hafer -Pflänzchen wurden dagegen in reinem Wasser ge-
zogen , sie vermehrten ebenfalls ihren Gehalt an Nahrnngsstoff,
zeigten aber keine Zunahme an Stickstoff, und gaben also
dasselbe Resultat, welches H. B. schon früher bei der Beob-
achtung des W^aizens erhalten hatte.
*) Rccherches chimiques sur la Vegetation , entreprises datis le btit
d' ^xaminer st le plantes prennent de l'axote a l' atmosphäre. —
ComiH. rend. d. 1838 //. pag. 882.
**) Cowpt. rend. d. 1838. //. pag. 979.
Eine der wichtigsten Thatsachen, welche aus des Herrn
De Saussure's schönen Uutersuchungen über die Respiration
der Pflanzen hervorging, war die: dafs bei dem Keimungsacte
der Saamen das Wasser nicht zersetzt w6rde, aber ganz
neuerlichst haben die Herren Edwards und Colin*) einige
Beobachtungen bekannt gemacht, aus welchen sie glauben fol-
gern zu können, dafs jenes Saussuresche Resultat unrichtig
sei. Man legte 40 Bohnen (feves de marais) in einen gro-
fsen Ballon der 3 bis 4 Litre Wasser fasste und beobachtete
die Gasentwickelung jener Bohnen. Die Gasentwickelung ging
anfangs langsam, später aber so bedeutend vor sich, dafs man
darauf besonders aufmerksam wurde. Das Wasser enthielt
vor dem Versuche 7,5 Centilitres Luft und nach dem Versu-
che von 5 Tagen Dauer zeigte es 55,5 Centilitres, und diese
Luft bestand aus 48 Centilitres Kohlensäure, 2,5 Millilitr.
Sauerstoff und 6,5 Centil. Stickstoff (?): Da nun aber die Luft,
welche vor dem Versuche im Wasser enthalten war, nicht so
viel Sauerstoffgas enthielt, als zur Bildung einer so grofsen
Menge von Kohlensäure nöthig ist, so schliefsen die Herren
Edwards und Colin, dafs hierbei das Wasser zersetzt sein
müsse, und dafs das dabei freiwerdende Wasserstoffgas sogleich
von der ganzen Oberfläche der Saamen resorbirt werde, indem
eine Entwickelung von Wasserstoffgas nicht beobachtet wird.
Dem geneigten Leser möchte aber diese Erklärung nicht
ganz befriedigend erscheinen, denn es ist ganz unbegreiflich,
dafs die Saamen jene ungeheure Menge von • Wasserstoffgas
vollkommen absorbiren sollen, welche bei der Zersetzung einer
so grofsen Menge von Wasser frei wird, als nöthig war um
den Sauerstoff zur Kohlensäure zu liefern.
Herrn Boussingault**) verdanken wir auch sehr interes-
sante Untersuchungen über den Stickstoffgehalt verschiedener
JSahrungsstoffe für Thiere und Pflanzen, er glaubt von dem
Satze ausgehen zu können, dafs die Futterarten um so nahr-
*) Sur la Respiration des plant es — Compt. rendu d. 1838, //.
pag. 922.
**) Recherclies sur la Quantite d'Axote contenue dans les Four-
rages, et sur lears Equivaletis. — Ann. de Chimie et de Physique
1838. T. LXVII. pag. 408 - 421.
8
liafter sind, je beträchtlicher die darin enthaltene Menge an
Stickstoff ist. HerrBoussingault fand, dafs die Kartoffeln wäh-
rend ihrer Aufbewahrung im Winter Stickstoff verlieren und
dafs also auch ihr Ernährungsvermögen dadurch abnimmt, doch
bekanntlich vermindert sich auch der Amylum-Gehalt der Kar-
toffeln in dieser Zeit (S. Ref. Pfl. Physiolog. IL pag. 277)
und dieses mufs dabei also auch in Anschlag gebracht wer-
den. Frische, nicht ausgetrocknete Kartoffeln enthielten 0,0037
Stickstoff, während 10 Monate alte Kartoffeln nur noch 0,0028
davon enthielten, Herr Boussingault giebt hierauf eine Ueber-
sicht des Stickstoffgehaltes einer grofsen Menge von Substan-
zen an, welche für Thiere und Menschen zur Ernährung an-
gewendet werden, wovon ich hier aber nur einige der wich-
tigsten aufführen kann.
Subst. bei 1000 getr. Stickstoffgeh. Subst. bei 100" getr. Stickstoffgeh.
In einer andern Abhandlung des Herrn Boussingault*), wel-
che mir bei der Bearbeitung des vorigen Jahresberichtes ent-
gangen ist, finden wir die genauesten Analysen des Klebers
und des Pflanzeneysveifsstoffes aus dem Waizen, welche in
des Refer. Physiologie der Pflanzen (IL pag. 288 und 289)
noch fehlen. Reiner Kleber, der durch Behandlung des rohen
Klebers mit Essigsäure und Fällung durch kohlensaures Am-
moniak erhalten war, enthielt:
C. IL N. 0.
0,520 0,070 0,198.10,221. Das Pflanzeneyweis
dagegen enthielt: 0,527 0,069 0,184 0,230.
*)> Meni. sur la quantite de Glutin cont. dans les Farines d. plus,
espec. d. Frommens cultives dans le meme sol. — Ann. de Chim. et
de Phis. 1837. T. LXV. pag. 301.
Die Resultate dieser Analysen sind ganz besonders merk-
würdig, indem die erhaltenen Unterschiede so äufserst gering
sind, dafs man die Zusammensetzung des Klebers und des
Pflanzeneyvveisstoffes als vollkommen gleich ansehen kann.
Auch die andern assimilirten Nahrungsstoffe der Pflanzen
sind im verlaufenen Jahre in phytochemischer Hinsicht vielfach
untersucht. Referent (Physiologie etc. II. pag. 283) zeigte von
Neuem, dafs das Inulin nur im gelösten Zustande in dem Zel-
lensafte der Pflanzen vorkomme, dafs es sich aber durch Ge-
frieren dieser Pflanzentheile in Form von Kiigelchen ausscheide,
welche den Amylum - Kiigelchen sehr ähnlicli erscheinen und
dann auch im Wasser nur sehr schwer löslich sind. In den
Georginen-Knollen ist das Inulin fast nur in den äufsern Zel-
lenschichten enthalten. Diefses äufserst reine, durch Gefrieren
ausgeschiedene Inulin zeigte noch eine Analyse, welche Herr
Mitscherlich ausführte: 43,72 C, 6,20 H. und 50,08 0.
Herr G. J. Mulder*) hat dagegen in einer Abhandlung
über Inulin und Moosslärke folgende hiervon sehr abweichende
Elementar -Analysen der genannten Stoffe gegeben: Das Inu-
lin wurde durch Auskochen aus den Wurzeln \on Leoiitodon
Taraxacwn, und der Inula gewonnen, war demnach vielleicht
nicht so rein , als das den Ref. durch Gefrieren ausgeschiedene
Inulin. Es enthielten:
Inulin von Inulin von und Moosstärke
Taraxacwn Inula
C. 44,75 45,04 44,71 und 45,15
H. 6,20 6,28 6,26 - 6,30
O. 49,05 48,68 49,03 - 4.5,55.
Die grünliche Färbung, welche eine Abkochung des isländischen
Mooses mit Jodine zeigt, erklärt H. Mulder durch eine Mi-
schung des blaugefärbten Amylum und der gelbgefärbten Moos-
stärke, welche Stoffe in der Pflanze neben einander vorkom-
men. Ausführlicher wurde hierüber im vorigen Jahresberichte
pag. 67 gehandelt, auch sehe man hiezu des Ref. Pflanz. Phy-
siologie (11. pag. 285 u. s. w.)
*) Bulletin des sdetices physiques cn Neerlanda 1838. pog, 40
42 und Nat. en Scheck Archief. 1837 No. 4.
10 »•
lieber Amylum haben wir durch Herrn Payen*) eine sehr
umfangreiche Arbeit mit 6 Tafeln Abbildungen erhalten, wel-
che zum Theil das schon Bekannte zusammenstellt, zum Theil
aber auch viele neue Beobachtungen enthielt, welche die ver-
schiedenen Formen der Amylumkiigelchen verschiedener Pflan-
zen nachweisen. Der erste Abschnitt handelt von der Gröfse»
den äüfsern Formen, den physischen Eigenschaften der Amy-
lum-Kiigelchen u. s. w. ; eine Tafel giebt die Gröfse der Amy-
lumkiigelchen von sehr vorschiedenen Pflanzen in Tausend-
theile eines Millimeters an , woraus ich einige Beobachtungen
hervorheben möchte: Von allen Pflanzen, welche H. P. unter-
suchte, hatte die Rohan- Kartoffel die gröfsten Amylum- Kiigel-
chen, denn sie maafsen 185 Tausendtheile eines Millimeters;
die aus dem Rhizom der Mmanta arundinacea nur 140,
die gewöhnlichen Kartoffeln eben so viel, die der Oxalis cre-
nata 100, der Bataten 45, des Mays 30, des Stengels von
Cactus pruvianus 30, des Cactus hrasiliensis 30, des Cac-
Xus flagelliforinis 15, des Cactus monstnwsus 6, des Saa-
Dien von Chenopodium Quinoa sogar nur 2 Tausendtheile
eines Millimeters. Wie sehr verschieden jedoch die Gröfse
der Amylum- Kiigelchen bei einer und derselben Pflanze ist,
das ist schon mehrmals in den frühem Jahresberichten mitge-
theilt worden, und wir haben auch schon kennen gelernt,
dafs die Amylum -Körner einiger Farm und Palmen zu den
gröfsten gehören. Herr Payen giebt ferner specielle Beschrei-
bung der Form der Amylum-Kiigelchen aus einer Menge von
Pflanzen, wozu die Abbildungen auf beiliegenden Kupfertafelu
gehören. Der zweite Abschnitt handelt von der Anatomie der
Amylum-Kiigelchen und ist mit einer sehr wenig vollständigen
historischeu Nachweisung über die Untersuchungen dieses Ge-
genstandes begleitet. Auch dieser Gegenstand ist sehr um-
ständlich behandelt; die Entstehung der Russe, die Abblätter-
ung der verschiedenen Schichten der Amylum-Körner u. s. w.,
alles dieses wird in mehreren Fällen speciell nachgewiesen.
Dem Verfasser gelang es, diese Abblättcrung der Schichten
*) Sur l'Amidon, considere sotts le ■points de vue anatomique , chi-
viique et physiologique. — Ann. des scicnc. nat. d. 1838. //. pag- 5
— 32, 65 — 116, 161 — 192 und 227.
11
an dem Amylum-Korn von Canna discolor am deutlichsten zu
verfolgen. Ein dritter Abschnitt handelt von den chemischen
Eigenschaften der Stärke, und dieser ist besonders umfang-
reich ; die Abtheilung über die Reaction der Diastase auf das
Amylum ist uns in phystochemischer Hinsicht ganz besonders
interessant, aber dem Wesentlichen nach schon früher bekannt
geworden. Zuletzt wird das Amylum auch in physiologischer
Hinsicht betrachtet; es ist dieses ebenfalls eine umfangreiche
Arbeit und besonders beachtenswerth für diejenigen, denen
die früheren Arbeiten in dieser Hinsicht weniger genau bekannt
sind. Literatur ist eigentlich nirgends angegeben und dem
Referenten scheint es, dafs wir über viele sehr wesentliche
Punkte dieses Abschnittes in Deutschland schon etwas weiter
gekonniien sind.
Herr Ung er*) hat sein physiologisches Glaubensbekenntuifs
in Form von Aphorismen bekannt gemacht, welche zugleich
als Leitfaden für den mündlichen Vortrag dienen sollen. Der
Inhalt dieser Schrift ist kurz uud bündig und hie und da mit
neuen Ansichten versehen, welche an diesem Orte angezeigt
werden sollen. Als Grundlage aller concreten Bildungen im
Pflanzenkörper wird ein gleichförmiger bildungsfähiger Schleim
angenommen, welcher bei vielen niedern Pflanzen die Haupt-
masse ihres Körpers ausmachen soll; ja in einigen derselben,
als bei den Nostochineen ist diese Masse besonders überwie-
gend, und erst mit dem Erscheinen der Pflanzengefäfse tritt
A\QS,QT Muciis matricalis in den Hintergrund. In jeder Pflanze
und auf jeder Entwickelungsstufe derselben ist es dieser Sclileim,
welcher der Bildung von Zellgewebe und Gefäfsen voraus-
geht u. s. w., und die Bildung der Zellen geht aus dem pri-
mitiven Schleime in der Art vor sich, dafs in demselben an
bestimmten Punkten ein eigenthürnlicher chemisch -organischer
Prozefs eingeleitet wird, wodurch der Zellinhalt (^Nucleus)
gebildet wird, der sich in dem Maafse vermehrt, als sich der
umgebende Schleim vermindert und an Consistenz zunimmt.
Ja bei den XJlvaceen, glaubt Herr Unger, wären die Zellen
nichts als blofse Aushöhlungen. Der Zelleninhalt ruft bei
*) Aphorismen zur Anatomie nnd Physiologie der Pflanzen. Wien
1838. *
12
seinem Anwachsen eine stärkere Condensation der ihn umge-
benden homogenen Schleimmasse hervor und so entsteht eine
Zellenmembran, welche aber von dem Schleime noch nicht
unterscheidbar ist u. s. w. Endlich trete erst Scheidung der
Membran von der umgebenden Schleimmasse ein und es zeige
sich dann, dafs es keinen Intercellularsaft, sondern einen bild-
samen Interzellularstoff gebe. Auch alle secundäre Zellenbil-
dung; werde durch Interzellularstoff vermittelt, und zwar durch
Bildung von Zwischenwänden oder von vollständigen Zellen
in andern. Bei rascher Entwickelung des Pflanzenkörpers
werde dann die Interzellularsubstanz verzehrt und es treten
dann die leeren Räume dazwischen auf, welche Luft führen.
Ref. führt diese Ansichten des Herrn Ung er über die Bildung
des Zellgewebes im Zusammenhange an, ist aber in mehreren
Punkten sehr verschiedener Meinung über diesen Gegenstand
und hat auch seine Einwürfe schon in früheren Jahren mitge-
theilt, besonders in Bezug auf die Wichtigkeit und das We--
sentliche der sogenannten Interzellularsubstanz. Referent glaubt
für mehrere Fälle sehr bestimmt erwiesen zu haben, dafs die
sogenannte Intercellularsubstanz von den Zellen selbst gebilde* •
wird, und damit ist denn auch für eben dieselben Fälle ganz
bestimmt erwiesen, dafs die Zellen nicht aus solcher Inter-
cellularsubstanz gebildet werden können. Es scheint, dafs man
bei diesen Betrachtungen nur zu oft die Bildungen von ver-
schiedener Bedeutung zusammengestellt hat.
In den Gefäfsen, meint Herr Unger, scheint die Bildung
der Spiralfasern die Saftführende Tliätigkeit zu vermindern
und endlich blofs auf einzelne Perioden zu beschränken.
Am Schlüsse der Schrift stellt Herr Unger ein allgemei-
nes System der Pflanzen auf, welches auf die Art der Vege-
tation und auf die anatomische Structur gegründet ist' er theilt
die Gewächse ein in:
1) Thallophyia, auch achsenlose Pflanzen, wozu die Fami-
lien der Algae, Lichenes, Fungi und Miisci gehören.
2) Cormopliyta , auch Achsenflanzen. Diefe grofse Abthei-
lung zerfällt in die:
a) udcrohiya, (Pflanzen, deren Stamm durch Gipfclansatz
%^ fortwächst) wozu gehören die Rhizaniheac, Filices,
13
Lycopodiaceae , Stigmarieae und Cycadeae, und
Hydropeltideae.
b) ^mphihvya (Pflanzen, deren Stamm durch An
satz neuer Gefäfsbündel an der Periplierie an-
Dicke zunimmt), wozu die Monocotyhdones ge-
hören.
c) Acramph'ibrya (Pflanzen, deren Gefäfsbündel sich
nicht nur allein nach oben fortsetzen, sondern zu-
gleich nach Aufsen vervielfältigen), wozu die Fami-
lien der Coniferae und Calamiteae, der Piperinae
und der Dicotyledones gehören!
Herr Schieiden*) hat in einer reichhaltigen und vortreff-
lichen Arbeit die Frage über die Entstehung der Zellen der
Pflanzen zu beantworten gesucht. Da sich in den Zellen des
jungen Embryo und des neu entstandenen Albumen's das
constante (Nach Ref. Beobachtungen ist es wohl nicht con-
stant.) Vorhandensein eines Kernes beobachten läfst, so ver-
muthete Hr. S ch leiden, dafs diefer Zellenkern in einer nähe-
ren Beziehung zur Entstehung der Zellen stehe und nannte
ihn defshalb Cytoblastus {Khxog ßXaoTog). Die Form des-
selben variirt zwischen dem ovalen und kreisrunden, sowie
er von der Linsenform zur völligen Kugel überzugehen scheint.
Die Gröfse variirt von 0,0022 P. Z. im Durchmesser bis z.
0,00009 P. Z.; es sei jedoch, sagt der Verf. sehr richtig, auf
diese Messungen im Ganzen wenig zu geben. Herr Schieiden
giebt hierauf eine speciellere Beschreibung über die Struetur
des Cytoblast; er glaubt, dafs den früheren Beobachtern die-
ses Gegenstandes ein kleiner scharf begrenzter Körper ent-
gangen ist, der in oder auf der Substanz des Cytoblast's ein-
gesenkt ist und, nach dem Schatten zu urtheilen, ein dicker
Ring oder ein dickwandiges hohles Kügelchen darzustellen
scheint. Bei noch kleineren Cytoblasten erscheint er als ein
scharf umschriebener Fleck, auch wohl ausnahmsweise zwei
dergleichen. Aus den wasserhellen Flüssigkeiten, welche in
den jungen Elementarorganen der Pflanzen auftreten, bilden
sich gekörnte Substanzen, welche man für Gummi halten kann.
*) Beiträge zur Phytogenesis — Müllers Archiv für Anatomie mid
Physiologie etc. 1838 pag. 137. — Mit zwei Kupfertafeln,
14
Die Körnchen, sagt Hr. Schi, bestehen nur als schwarze Pünkt-
chen; doch unter den Mikroskopen von Ploesslil, Pistor und
Amici sah Ref. dieselben bei gehöriger Einstellung in den Fo-
cus, ziemlich vollständig durchsichtig, und zuweilen sah er
dieselben, besonders im Enibryosacke mit lebhafter Molekular-
bewegung begabt. Jenen Stoff, der in den Pflanzen auch spä-
ter neben der Stärke so häufig vorkommt, wie z. B. in den
Orchisknollen, und unter dem Namen des Pflanzenschleimes
oder flüssigen Gummi's bekannt ist, nennt Herr Seh leiden
Pflanzengallerte, und diese sei es, die sich durch neue chemi-
sche Umänderungen in die wirkliche Zellenmembran ver-
wandelt. Herr Schi eid en scheint also sehr entschieden sagen
zu wollen, dafs sich die Zellenmembran unmittelbar aus Gum-
mi bildet, indessen Ref. glaubt, dafs man desto sicherer geht,
wenn die Substanz, woraus sich die Membranen bilden, nur
als gummiartig bezeichnet wird. Man findet nur zu allgemein
das Auftreten des Zuckers neben dem Gummi in den jüngsten
Pflanzentheilen, besonders im Embryosacke, und bei vielen
Pilzen wird es sehr wahrscheinlich, dafs auch fettes Oel bei
der Bildung der Zellen unmittelbar Antheil nimmt.
Die Bildung der Cytoblasten geschieht nun nach H. Schlei-
dens Beobachtungen aus dem Gummi; es trübt sich die homo-
gene Masse, es zeigen sich einzelne scharf begränzte Körn-
chen und dann treten granulöse Coagulationen um diese her-
um auf, wodurch der Cytoblast dargestellt wird. Auf dem
ausgebildeten Cytoblast soll sich ein feines, durchsichtiges
Bläschen erheben, und dieses sei die junge Zelle, welche an-
fangs ein flaches Kugelsegmenj; darstellt. AUmälig dehnt sich
aber das Bläschen mehr aus und es wird consistenter, wobei
aber der Cytoblast stets einen Theil der Wand bilden soll.
Nach und nach wächst nun die ganze Zelle über den Rand
des Cytoblastes hinaus und wird rasch so grofs, dafs der
letztere nur als ein kleiner in einer der Seitenwände einge-
schlossener Körper erscheint. Erst nach der Resorption des
Zellenkern's findet die Bildung secundärer Membranen statt.
Hierauf werden verschiedene Fälle aufgeführt, wo der Cyto-
blast den ganzen Lebensprozefs der Zellen durchmacht, es ist
aber Hrn. S ch 1 e i d e n entgangen , wie die Bildung von Amylum-
Kügelchen und selbst der grüngefärbten Zellensaftkügelchen aus
15
der Substanz des Zellenkernes geschieht und wie hiermit die
Resortpion desselben erfolgt; die Resorption des Zellenkerns
geschieht aber auch in vielen Fällen ohne Kiigelchenbildung, son-
dern es entsteht das flüssige Gummi, woraus dann neue Mem-
branen gebildet werden. (Ref.) Mit Unrecht sucht Herr Schieiden
eine nähere Beziehung zwischen dem Cytoblast und den fei-
nen Saftströmen darzustellen , welche so häufig in den Zellen
der Pflanzen vorkommen ; die Gründe , welche den Beweis da-
gegen führen, hat Ref^ (Pflanzen -Physiologie II. pag. 244)
aufgeführt, und wie er glaubt, so zeigt schon die beständige
Veränderung in der Richtung der Strömungen bei gleichblei-
bendem Kerne, dafs zwischen diesem und den nicht gleichblei-
benden Strömungen kein abhängiges V^erhältnifs stattfinden kann
u. s. w. „Aus dem Vorstehenden, sagt Herr Schieiden, geht
hervor, dafs der Cytoblast nie frei im Innern der Zelle lie-
gen kann, sondern immer in die Zellenwand eingeschlossen
ist und zwar so, dafs die Wandung der Zelle sich in zwei
Laminas spaltet, von denen die eine nach aufsen, die andere
nach innen über den Cytoblasten weggeht. Die an der Innern
Seite ist aber gewöhnlich die zartere und meist nur gallert-
artige, wird auch mit dem Cytoblast zugleich resorbirt." Ref.
hat diese Stelle wörtlich mitgetheilt, indem ihm dieselbe un-
deutlich ist; auch hat derselbe nie etwas ähnliches beobachten
können.
Hierauf sucht Herr Schieiden auf scharfsinnige Weise seine
Ansicht über die Bildung der Zellen mit den Beobachtungen
des Referenten in Einklang zu bringen, nach welchem die Mem-
bran der Zeilen aus spiralförmig gewundenen und neben ein-
ander liegenden Fibern besteht. Dergleichen Fälle waren längst
bekannt, w^o die Spiralfasern im Innern von Zellen auftreten,
und da deutete Referent dieselben als die secundären Abla-
gerungen, er machte jedoch auch auf andere Fälle aufmerksam»
w^o es schien, dafs die ursprünglich zarte Zellenmembran, ohne
alle Verdickungen, ebenfalls ihre Zusammensetzung aus spi-
ralförmig' gewundenen Fibern zeigt. Herr Schieiden meint
hiezu, dafs aber auch in solchen Fällen die gesunde Analogie
das Dasein einer solchen ursprünglich einfachen Membran (die
nämlich nicht aus Fasern zusammengesetzt ist!) anzunehmen
erfordere. Allerdings lassen sich in den Zellen der pergament
16
artigen Schicht der Luftwurzeln der Orchideen n. s. w., wie
es Ref. selbst beobachtet hat, um die Spiralfaserschichten noch
gleichmäfsige Membranen beobachten, aber dafs auch diese
eine spiralföruiige Zusammensetzung zeigen, geht aus den
neueren Beobachtungen hervor (Pflanzen -Physiologie II. pag.
54). nach welchen sich diese ganzen Zellenwände mitunter in
spiralförmige Bänder zertheilen. Auch habe ich neuerlichst an
den prosenchymatischen Zellen von Pinus sylvestris die Beob-
tung gemacht, dafs sich ihre ganzen Wände zuweilen bei hohem
Alter in Form des spiralförmigen Bandes auflösen, woraus sie
zusammengesetzt sind, und hierbei läuft dann die Spalte
gerade über den kleinen Tüpfel, was wohl vollständig zu be-
stätigen scheint, dafs auch die ursprüngliche Membran dieser
Holzzellen die spirale Structur zeigt, und eben so schön ist
dieses offenbar an den feineu Luftwurzelliaaren der Oncidien
u. s.w. zu sehen , welche in das spiralförmige Band zerfallen,
woraus sie gebildet waren; will man auch an diesen noch
eine äufsere ursprüngliche Membran annehmen, so thut man
wohl Unrecht, denn mau kann ja beobachten, dafs schon um
die Zeit, wenn diese Haare auswachsen, in den ursprünglichen
Epidermiszellen keine Ablagerung von Kügelchen u. s. w. statt-
findet, aus deren colliquescirten Masse doch gewöhnlich erst
die secundären Ablagerungen zu geschehen pflegen. Sehr
richtig sagt Herr Schieiden, dafs man in der jungen Zellen-
membran noch nichts von jenen spiralen Fibern sieht, welche
die alten Membranen zeigen; Ref. hat defshalb aus seinen Be-
obachtungen den Schlufs gezogen, dafs die Ablagerung und
Aneinandersetzung der Moleküle bei der Bildung der Mem-
branen und Fasern der Pflanzensubstanz stets nach spiralför-
mig verlaufenden Linien erfolge. Bei der Bildung der In-
crustationen auf der Oberfläche der Charen kann man ver-
folgen, wie sich die Kalkkrystalle so genau neben einander
legen, dafs sie ganz gleichmäfsige Platten bilden und die Zer-
stückelung dieser zeigt wiederum sogleich, dafs dieselben aus
jenen einzelnen Crystallen zusammengesetzt waren! „Es dringt
sich, sagt Herr Schleider, unwillkührlich der Gedanke auf,
dafs die spirale Bildung Folge einer spiralen Flüssigkeit -Be-
wegung an den Zellenwänden zwischen diesen und der centra-
len Gallerte (worunter hier der Zellensaft mit seinem Inhalte
17
verstanden wird!) ist. Auch hat Horkel einmal wirklich die
Fortbewegung kleiner Kiigelclien zwischen den Wandungen
der sich bildenden Fiber bei Ilydrocharis beobachtet." Da
diese letztere Angabe sehr leicht Beifall finden möchte, so
versichert Referent, dafs es sich mit der Bildung der Spiral-
faser in den Epidermiszellen der Saamen von Hydrocharis
ganz anders verhält. Herr Horkel theilte obige Ansicht schon
im Jahre 1829 mit ; Ref. beobachtete aber söhon zu eben der-
selben Zeit, dafs die Spirale, welche der Saftstrom in jenen
Zellen beschreibt, eine ganz andere ist, als die ziemlich dicht
gewundene Spirale der Fasern daselbst, demnach die Bildung
dieser Fasern nicht von der Richtung des Saftstromes abhängig
sein kann.
Hierauf macht Herr S ch 1 e i d e n eine Menge von Beobach-
tungen über das Vorkommen von Spiralfasern in den Umhül-
lungen vieler Saamen bekannt, er sagt dabei, dafs Referent
diefen Gegenstand in seiner Physiologie etwas stiefväterlich be-
handelt hätte, was derselbe auch anerkennen mufs, doch ge-
schah dieses blofs, weil Herr Horkel diese Sachen, die er fast
sämmtlich schon 1829 kannte und dem Referenten mittheilte,
selbst publiciren wollte.*) Nach diesen Horkelschen Beobach-
tungen und den Zusätzen von Herrn Schieiden finden sich
Spiralfaser-Zellen in der Epidermis desSaamens der Polemonia-
ceen, (bei Collomia liniaris zuerst durch Lindley publicirt),
als bei Collomia, Gilia, Ipomopsis, Polemonium, Cantua,
CoJdasia und vielleicht in der ganzen Familie mit Ausnahme
von Phlox, an welches Genus sich Leptosiphon anschliefst.'
Ferner bei der Saamenepidermis von Momordica elaterium,
und eine mehr netzartige Faserbildubg sah Herr Seh. bei Li-
naria vulgaris, Dafür a Stramonium, bei Salvien und vie-
len andern Lahiafen. Im Parenchym der Saamenintegumente
sah sie Horkel hei Cassyta und hei Punica, indessen Referent,
der diesen Gegenstand in Gesellschaft des Herrn Horkel be-
obachtete, kann das Vorkommen der Spiralfaserzelle in den
Saamenintegumente von Punica nicht bestätigen; es sind hier
keine solche Bildungen, welche mit den schönen Spiralfaser-
Zellen heiCassyta zu vergleichen wären, sondern nur Andeu-
*) S. Meyen's Phytotomie 183a pag. 235.
V. Jahrg. 2. Band.
18 •
tuugen von spiraler Struktur in der zarten und einfachen Zel-
lenmembran, wie sie Referent wohl an hundert verschiedenen
Pflanzen beobachtet hat.
Das verschiedenartige Auftreten der Fasern leitet Herr
Schieiden hauptsächlich von der Zeit ihrer Entstehung ab,
sie liegt frei in der Zelle, wenn sie sich sehr spät bildet, oder
sie tritt mit der Zellenmenibran verwachsen auf, wenn ihre
Entstehung zu einer Zeit geschieht, in welcher die Zellenmen-
bran noch sehr weich ist und sich daher mit den gallertarti-
gen Fasern zusammen leimen kann. Es ist gewifs ganz rich-
tig, dafs Herr Schieiden diese Spiral faserzellen auf den Saa-
men u. s. w. mit den übrigen Spiralfaserzellen und den ähn-
lichen Spiralröhren der Pflanzen in Hinsicht der Struktur wie
in ihrer Bildung vergleicht, aber er hebt nicht genug das höchst
Eigenthümliche hervor, dafs jene Spiralfaserzellen auf den
Saamen mit mehr oder weniger viel Gummi gefüllt sind und
dafs es gerade diese Gummimasse ist, welche durch ihre Hy-
groscoj)icität die Zellenwände zerreifst und die Saamen mit
einem Schleimüberzuge versieht, der von besonderem Nutzen
sein mufs.
Auch Herr Eudes-Deslongchamps*) hat einige Mit-
theilungen über den Schleimiiberzug gemacht, welcher sich an
den Saamen einiger Labiaten zeigt, sobald sie befeuchtet wer-
den; dieselben enthalten aber nichts Neues, sondern schon
Gaertner war über diesen Gegenstand viel weiter gekom-
men, und in neueren Zeiten haben Engländer, Franzosen und
Deutsche denselben schärfer beobachtet und sind zu dem Re-
sultate gekommen, dafs dieser Schleimüberzug sehr häufig mit
Spiralfaserbildungen begleitet ist.
Herr Morren**) vergleicht die Schleuderer der Junge?'-
mannien mit den Spiralfaserzellen auf den Saamen der Col-
lojnien und Salvien; er hat diese letzteren Bildungen in allen
Zuständen beobachtet und will bemerkt haben, dafs das Spi-
ralgefäfs vorher ein Amylum -Kügelchen ist. Er
habe nämlich nachgewiesen, dafs die Amylumkörper im Milch-
safte der Euphorbien ein eigenes Leben führen, dafs sie ent-
*) L'Institut de 1838 Nr. 226. pag. 134.
*Ö JBxUktin de l'Academie de Bruxelks V. Nr. 6.
19
stehen, wachsen, sich zu verschiedenen T'ormen entwickeln
u. s. w., daher erscheine ihm das Araylum nicht etwa als eine
träge Materie, sondern als ein sehr complicirtes Organ. Da
sich nun Hr. Morren ebenfalls überzeugt hat, dafs die klei-
nen Kiigelchen in den Kapseln der Jungennannien aus Amy-
lum bestehen, so glaubt er, dafs auch die Schleuderer aus
Amyluin- Kiigelchen hervorgehen, und dafs die übrigen Amy-
lumkügelchen durch Absorption einer Säure in Zucker umge-
wandelt werden, welcher dann den Sporen u. s. w. zur Er-
nährung dient.
lieber diese Bildungen haben wir indessen gegenwärtig
schon viel bestimmtere Beobachtungen, ich führe nur die vor-
trefflichen Mittheilungen des Herrn Nees von Esenbeck*)
und meine eigene an, welche im dritten Tlieile der Pflanzen-
physiologie (pag. 391) zusammengestellt sind.
Herr Seh leiden kommt hierauf wieder zurück auf seine
Ansicht über die Bildung der Zellen durch Cytoblasten; er
glaubt, dafs die Vorgänge bei der Zellenbildung aus der was-
serhellen Solution oft völlig unsichtbar sind, und als Beispiel
führt er die Keimung der Marchantien - Sporen an. Diese
Sporen wie die der Laubmoose u. s. w. enthalten ganz ge-
wöhnlich eine Anzahl von mehr oder weniger grofsen Kügel-
chen, die darin wie gewöhnliche Zellensaftkügelchen zerstreut
liegen und ofi"enbar als Reservenahrung gelten. Diese Kügel-
chen hält aber Herr Schieiden für Cytoblasten, deren aber
nur wenige, meistens nur 2 bis 4 zur Bildung der Zellen ver-
braucht würden, wärend sich die andern mit Clorophyll über-
ziehen. Indessen die Entwickelung der MarcJiajiüen - Sporen
ist doch eine ganz andere, als Herr Seh leiden darzustellen
gesucht hat, er hat dieselben ofi'enbar nicht lange genug beob-
achtet, denn die Schleimblasen, welche er im Innern der kei-
menden Sporen für die Zellenanfänge zu halten scheint, wer-
den daselbst niemals zu Zellen. Es finden sich aber überhaupt
in diesen, wie in so vielen anderen Sporen keine Bildungen,
welche man mit den Zellenkernen im ausgebildeten Zellenge-
webe der Pflanzen vergleichen könnte, ja nicht einmal die re-
gelmäfsig gestellten Kerne in den Sporen der Helvellen sind
*) Naturgeschichte der Lebermoose etc. Breslau 1838. IV. pag. 193.
2 *
20
als Kerne anzusehen, welche auf die Bildung der neuen Zel-
len bei den keimenden Sporen Einflufs haben ; gewöhnlich wer-
den sie zwar bei der Keimung aufgelöst, aber mitunter blei-
ben sie auch unverändert zurück, wärend sich die Keim-
schläuche schon zu bedeutender Länge ausgebildet haben. Da
aber auch bei dem Wachsthura der Fadenpilze und der Con-
ferven ii. s. w. die Bildung der neuen Zellen so überaus häufig
ohne irgend eine Spur von Cytoblast vor sich geht, so hätte
schon dadurch Herr Schieiden veranlafst werden können
anzunehmen, dafs seine Ansicht über die Bildung der Zellen
durch Cy toblasten wenigstens nicht allgemein anwendbar ist;
und dieses gilt nicht nur für die Zellenbildung bei den Gry-
ptogameu sondern auch für unendlich viele Fälle bei den hö-
heren Pflanzen.
In der zweiten Hälfte der Abhandlung spricht Herr Schiei-
den über das Wachsen der Pflanze im Allgemeinen; auch er
unterscheidet hiebei drei wesentlich verschiedene Vorgänge,
nämlich 1) die Vermehrung der Zellen, 2) die Ausdehnung
und Entwickelung der gebildeten Zellen und 3) die Verdickung
der ausgewachsenen Zellenwände. Herr Seh leiden setzt böi
den ersten Vorgange, nämlich bei der Vermehrung der Zellen
voraus, dafs nur die eine Bildungsweise, nämlich die Bildung
neuer Zellen im innern der alten erwiesen sei, eine Aiuiähme
welche jedoch nicht so richtig ist, als Herr Seh leiden zu
zeigen sucht. Die Darstellung des folgenden über die Entwicke-
lung und Bedeutung der verschiedenen Haupttheile der Pflanze
würde zu viel Raum erfordern, da es sich hier hauptsächlich
um Ansichten handelt, und diese gerade nicht durch neue That-
sachen erwiesen werden, sondern deren Begründung erst von
der kommenden Zeit zu erwarten steht.
Herr Seh leiden*) machte ferner die interessante Beob-
achtung, dafs einige der secundären Ablagerungen an den
Wänden der Elementarorgane verschiedener Gewächse durch
Kochen in Aetzkalilauge zu einer Substanz umgewandelt wer-
den, welche sich durch Jodine blau färbt, und also wahrschein-
lich mehr oder weniger aus Amylum besteht. Es zeigte sich
*) Einige Bemerkungen über die sogenannte Holzfaser der Che-
miker — Wiegmaun's Archiv etc. 1838. I. pag. 59 — 64.
21
hiebei auch sehr deutlich, Wafs die Spiralfasern ebenfalls aus
mehreren Schichten bestehen, wie es durch Herrn Mo hl und
den Referenten früher gelehrt wurde, dafs nämlich dieselben
wenigstens einen primitiven Strang und eine scheidenartige Ura-
kleidung von geringerer Dichtigkeit* zeigen. Herr Schi, be-
zeichnet jenen Strang als primitive Ablagerung, die Scheide
als secundäre und fand, dafs die erstere durch Kochen in
Aetzkalilauge zu Stärkenielil umgewandelt werden könne, wä-
rend die secundäre Bihhuig hiebei in einen noch nicht be-
kannten Stoff verändert werde, welcher durch Jodine orange-
gelb gefärbt wurde. Die ursprüngliche Zellenmembran, worin
jene Spiralfasern u. s, w. vorkamen, wurde scheinbar nicht'
verändert. Verschiedene dickwandige Zellen von verschiede-
nen Gewächsen, welche in Aetzkalilauge gekocht wurden, zeig-
ten eine ähnliche Umwandelung ihrer inneren Scliichten in eine,
mehr oder weniger Amyluni-reiclie Substanz, ja bei einigen
Bäumen zeigten die Zellen des jüngsten Holzringes nach jener
Behandlung und der Berührung mit Jodine ebenfalls eine hell-
blaue Färbung. Schliefslich deutet Herr Schi, als Resultat sei-
ner Untersuchungen an, dafs die Pflanzensubstanz (Holzfaser,
vegetabilischer Faserstoff) aus H chemisch verschiedenen Stof-
fen bestehe und diese wären: 1) die ursprüngliche Zellenmem-
bran, 2) die primären Ablagerungen auf denselben und 3) die
secundären Ablagerungen. Ref. kann diesen Ansichten nicht
beistimmen, aber ehe man hierüber entscheiden will, mufs mau
sich über den Gegenstand von welchem die Rede ist , näher
bestimmen. Es ist zu bekannt, dafs sich Holzfaser und Bast-
faser physisch sehr bedeutend unterscheiden und dennoch ha-
ben sie eine ähnliche Struktur aufzuweisen; ähnliche Verschie-
denheiten zeigt die Membran der Parenchym-Zellen, und selbst
die Spirälfaser zeigt sich bald verholzt, bald weich, ja selbst
in verschiedenen Jahreszeiten zeigen viele Pflanzen hierin grofse
Verschiedenheiten, demnach kann man immer nur über die
Zusammensetzung dieser Substanzen für den speciellen Fall
sprechen.
Referent hat im 2ten Theile seiner Pflanzen- Physiologie
überall zu zeigen gesucht, dafs zwischen den assimilirten Nah-
rungsstoffen der Pflanzen, als zwischen dem Zucker, Gummi,
Amylum, Inulin, der Zellenmembran, und der Spiralfaser Öie
22
innigste Yerwandschaft herrscht; er hat die Verwaudschaft der-
selben mit der Humussäure, und den löslichen organischen
Stoffen der Dammerde angedeutet und es ebenfalls speciell er-
wiesen, dafs fast alle jene Substanzen auf chemischem Wege
in einander umgevvandelt werden können. Alle jene Substan-
zen geben Zucker und geben Humussäure, und die L'niwande-
lung des Amylum's in Gummi, Zucker u. s. w. ist zu bekannt,
als dafs davon hier noch die Rede sein kann. Die Bildung
des Amylum's aus Gummi hat Ref. selbst beobachtet und im
vorigen Jahresberichte (pag. 150) so wie im 3ten Theile der
Physiologie (pag. 335) näher beschrieben; auch beobachtete
er, dafs Tannenholz, welches in Aetzkali behufs der Bereitung
der Humussäure geglüht war, an einigen Stellen und auf ei-
nige Zeit durch Jodine blaugefärbt wurde, doch gelang der
Versuch nur sehr selten.
In einer andern Abhandlung, welche Herr Schieiden*)
bald nach dem Erscheinen jener vorhergehenden Arbeit in
Wiegmann's Archiv herausgab, finden wir genauere Nachwei-
sung über die Methode der Umwaudelung der Pflanzenmem-
bran in Amylum. Man lasse zu diesem Zwecke die dünnen
Schnitte mit dem 2 — 8 fachen Gewichte trocknen Kali's und
einer gleichen Menge Wasser heftig auskochen; hierauf sättige
man das Kali mit Schwefelsäure, und alsdann wird das unzer-
störte Holz durch Jodine blau, bis ins tiefste schwarzblau ge-
färbt zurückbleiben. Ganz genaue Regeln über die Verhält-
nisse der dabei anzuwendenden Substanzen lassen sich noch
nicht geben. Wurden diese blaugefärbten Holzzellen zerrieben
und in Wasser gekocht, so enthielt die abfiltrirte Flüssigkeit
kein Amylum, ja bei längerem Kochen verloren die Zellen
die Eigenschaft durch Jodine blau gefärbt zu werden , reagir-
ten aber wieder blau, wenn sie nochmals mit Kali gekocht
wurden. Endlich fand Herr Schieiden, dafs man die Zel-
lenmembran auch durch Einwirkung der Schwefelsäure in
Stärke umwandeln könne; wenn man nämlich, sagt derselbe,
ungefähr 3 Theile concentrirte Schwefelsäure mit 1 Th. Was-
*) Einige Bemerkungen über den vegetabilischen Faserstoff und
sein Verhältnifs zum Stärkemehl — Poggendorffs Annalen der Phy-
sik 1838. Bd. I. pag. 391 - 398.
23
ser in der Kälte etwa eine halbe Minute auf irgend ein Pflan-
zengewebe einwirken läfst, dann Jod zusetzt ufid das Ganze
genau durch einander mengt, so erhält mau ebenfalls eine
kleine Menge durch Jod gefärbten Kleister.
Braconnot's Entdeckung der Umwandelung der Pflan-
zenfaser in Gummi und in Zucker, vermittelst der Schwefel-
säure, wäre nun nach Herrn Schleiden's Ansicht dahin zu
deuten, dafs diese Umwandelung eine secundäre war, dafs
nämlich die Pflanzenfaser dabei zuerst in Amylum umgeändert
wurde. Wie allgemein richtig diese Angaben sind, davon
möge sich Jedermann selbst überzeugen, denn die Versuche
sind leicht nachzumachen; wie verwandt übrigens die Zellen-
membran der Pflanzen und das Amylum sind, und wie leicht
sich die Substanz derselben in der Art umändert, dafs sie ge-
gen Jodine bald blau und bald gelbbraun reagirt, das geht
auch aus meinen Beobachtungen an den Flechten hervor
(Pflanzen- Physiologie 11. pag. 286.), welche in ihrer ganzen
Substanz durch Jodine bald braun, bald blau gefärbt werden,
ja verschiedene Exemplare von einer und derselben Art von
Flechten und von einem und demselben Baume genommen,
zeigten sich hierin sogar verschieden,
Herr Payen*) hat kürzlich ein Memoire in der Aka-
demie zu Paris vorgetragen, worin er eine Menge von Ele-
mentar-Analysen verschiedener vegetabilischer Substanzen be-
kannt gemacht, von denen mehrere von den schon vorhandenen
sehr bedeutend abweichen; die Resultate welche aus dieser
Arbeit gezogen wurden, sind im Allgemeinen folgende: Den
verschiedenen Hölzern kommt eine verschiedene Zusammen-
setzung zu, welche sich in den verschiedeneu Proportionen
zweier Stoffe zeigt, und es geschehe eine Fixation des Was-
serstoffes durch die Vegetation!
Von Herrn Turpin**) erhielten wir eine sehr weitläuf-
*) Mem. sur la composition du tissu propre des plantes et du
ligmiix — Conipte rendu de 1838 //. pag. 1052.
*♦) Mem. sur la difference qu'offrent les tissus cellulaires de la
Pomme et de la Poire; sur la formation des concretmts ligneuses de
la derniere, celle des noyaux et du bois, comparees aux concretims
calcaires nui se trouvent sous le manteau des Arions et h l'ossifica-
24
<ige Abhandlong über die Verschiedenheit des Zellengewebes
in den Aepfeln und den Birnen, und die Bildung der holzigen
Concretionen in den Letztern, welche verschiedene neue An-
sichten über das Wachsthum der Pflanzensubstanz enthält.
Die sogenannten steinigen Concretionen, welche die Sub-
stanz vieler schlechter Birnsorten aufzuweisen hat, wurden
schon von Du Hamel sehr ausführlich in Hinsicht ihres Auf-
tretens untersucht und Ref. zeigte später (1836) dafs diese
Concretionen in mehr oder weniger grofsen Anhäufungen dick-
wandiger Parenchym-Zellen bestehen, *) welche nicht nur ihre
Zusammensetzung aus Schichten, sondern auch überaus aus-
gebildete Tüpfelkanäle zeigen.
Des Ref. Untersuchungen und Abbildungen über diesen
Gegenstand nicht kennend giebt Hr. Turpin eine Beschrei-
bung über den Bau dieser verhärteten Massen, worin man
schwerlich unsere einfache Darstellung desselben wiedererken-
nen wird. Jene dem Auge als einfache Steine erscheinenden
Massen bestehen, wie Hr. T. sagt, aus einer sehr verschiede-
nen Anzahl von krystallinischen, zu mehr oder weniger regel-
mäfsigen Kugeln zusammengeballten, opacken oder halbdurch.
sichtigen Körpern, welche in der Mitte von einem punkt- oder
scheibenförmigen Nabel bezeichnet sind, von dem aus sich viele
kleine Runzeln radial verbreiten. Nach unsern Beobachtun-
gen sind diese krystallinischen Körper nichts weiter, als die
verdickten Zellen; der angebliche Nabel ist die in demselben
zurückgebliebene und durchscheinende Höhle der Zellen, und
die radial verlaufenden Runzelu sind die Tüpfelkanäle welche
von der Höhle nach dem Umfange verlaufen und sich öfters
durch Verästelung daselbst vermehren.
In dem Fleische der Quitten und der Mispel fand Herr
Turpin ähnliche verhärtete Massen und über die Entstehung
dieser harten Zellenmassen giebt er eine ganz eigene Erklä-
rung. Im Anfange wären die Zellen noch mit Globuline ge-
füllt, später treten mehrere derselben zusammen, verstopfen
und füllen sich mit einem unverdaulichen Stoffe, welcher sich
tion des animaux en general. — Compte rendu. 1838. 1. j>ag. 711 —
737 — Ausführliche Mittheilung dieser Arbeit in Froriep's Notizen
von 1838. August etc.
*) S. den vorigen Jahresbericht pag. 39—40.
25
als Moleküle unrogelmäfsig niederschlägt, wodurch dann die
Zellen opak werden und ihre Härte erhalten; den Stoff, wel-
cher diese Eigenschaft besitzt, nennt Herr Turpin Sclerogene,
da er die Ursache ist, welche durch die lacrustation die Ver-
härtung des Gewebes bewirkt. Diese Erklärung über die Ent-
stehung der Verhärtungen ist indessen nicht richtig, und die
irrige Auffassung dieser Erscheinung hängt damit zusammen,
dafs Hr. T. die Struktur dieser erhärteten Zellen nicht völlig
erkannt hat. Die Substanz welche die Innern Sclnchten der
verdickten Zellenmembran bildet, ist überall gleichmäfsig in
Form feiner Platten abgelagert, welche nur durch die Tüpfel-
kanäle durchbrochen werden, und sie geht hervor theils aus
den, in den jungen Zellen abgelagerten assimilirten Nahrungs-
stoffen, theils aus neuen Stoffen der Art, welche von der Um-
gebung zugeleitet werden. Diese inneren Schichten der Zel-
-lenwände können aber nicht mit einem eigenen Namen belegt
werden, welcher zu der Annahme verleiten könnte, als be-
ständen sie aus einer ganz fremdartigen Substanz; es hat sich
im Gegentheile durch die Beobachtungen des Herrn Sclei-
den (S. pag. 21) gezeigt, dafs man die secundären Lamellen
der Zellenmembran durch Kochen in Aetzkali u. s. w. in Amy-
lum umwandeln kann.
Herr Turpin bezeichnet mit dem Namen Sclerogene alle
dem Organismus fremden Stoffe, welche sich aus ihrer Lösung
den Innern Wänden der Elementarorgane der Gewebe anle-
gen; es sind dieses nach seiner Ansicht unassimilirte Stoffe,
was aber doch, wie Ref. vorher gezeigt hat, auf die neuen
Schichten in der erhärteten Substanz der Birne ganz und gar
nicht anwendbcir i^t, und somit hoffen wir, dafs die Annahme
einer solchen Sclerogene keinen Beifall finden wird.
Die Ursache warum sich auch unter der Epidermis der-
gleichen Bildungen erzeugen und dadurch eine Art von steini-
ger Hülle bilden, liegt, wie Hr. T. sagt darin, dafs die Sclero-
gene daselbst unmittelbar absorbirt und angehäuft wird. In
dieser Art wird das Vorkommen und die Natur der harten
Zellenmassen iu den Birnen und Quitten noch immer ausführ-
licher betrachtet, doch findet Ref. in der ferneren Arbeit wei-
ter nichts, was uns nicht schon anderweitig bekannt geworden
wäre oder überhaupt besondere Aufmerksamkeit verdiente. Uu-
26
ter den Resultaten, welche am Schlüsse der Abhandlung auf-
geführt werden, findet sich auch der Satz, dafs die Sclerogene
eine Substanz ist, welche der Organisation des Pflanzenzellge-
webes eben so fremd ist, als die Harnsteine, der kohlensaure
und phosphorsaure Kalk es den thierischen Körper sind. —
Auch Herr Treviranus*) spricht ganz neuerlichst von
jenen verdickten Zellen aus dem Gewebe der Birne; er führt
an was Malpighi, Grew und Du Hamel iider diesen Ge-
genstand gesagt haben, übergeht aber, wie gewöhnlich, meine
Beobachtungen (1836) und kommt endlich zu dem Schlüsse,
dafs es allem Anscheine nach drüsige Organe wären, denn
man bemei-ke, dafs der Theil des Kelches, welchem in der
Blüthezeit Staubfäden und Blumenblätter angeheftet sind, bei
der Fruchtbildung gleichfalls eine steinige Beschafi"enhcit an-
nehme. „Ihre absondernde Thätigkeit und ihre endliche Ver-
stopfung aber hat unstreitig Bezug auf das stärkere Hervor-
treten des Zuckers, denn man wird sie in gröfserer Menge in
solchen Birnen gewahr, welche sich durch Süssigkeit auszeich-
nen, und sie fehlen zunächst um das Kerngehäuse, wo das
Fleisch weniger süfs."! Nachdem wir über den fraglichen Ge-
genstand die hinreichendste anatomische Untersuchung erhalten
haben, welche überall den physiologischen Betrachtungen zum
Grunde gelegt werden müssen, wird es nicht mehr nöthig sein,
jene Ansichten des Herrn Treviranus zu widerlegen; auch
ist es ziemlich bekannt, dafs gerade jene schlechten, soge-
nannten Kochbirnen, welche oft sehr wenig süfs sind, am reich-
sten mit jene steinigen Körpern versehen sind.
Referent**) machte in Gesellschaft des Herrn Professor
Mitscherlich die Beobachtimg, dafs die Flachsfasern, so wie
alte Leinen, wenn sie in Salzsäure gekocht wurden, mehr oder
weniger plötzlich in sehr kleine glänzende Theilchen zerfielen,
welche sich wie feine nadeiförmige Krystalle bald zu Boden
setzten ; diese Theilchen sind ziemlich von regelmäfsiger Länge
und durch ein Zerfallen der Flachsfasern gebildet. Eine ähn-
liche vielfache Zertheiluna: der Fasern in kleinen Theilchen
*) Physiolog. d. Gewächse II, pag. 489.
**) üeber die Bildung der faserförmigen Zellen (Faser-Zellen) und
Baströbren der Pflanzen. — Wiegmann's Archiv. 1838. I. pag. 297.
27
zeigte ein feines ungeleimtes Papier, welches durch anhalten-
des Kochen zu einer gleichmäfsigen Masse aufgelöst war.
Die spätere Untersuchung der Entwickelung der Knospen zeigte,
dafs diejenige Zellenschicht, welche sich zu Baströhren und
Holzfasern ausbildet und sich als eine ungefärbte Zone, un-
mittelbar über dem Markhiigel bis zumt Keime der Knospe
hinzieht, aus zarten Parenchym- Zellen besteht, welche mit
ihren Grundflächen genau über einander stehen, mit die-
Sen obliteriren und sich durch Resorption der Querwände in
längere Röhren umwandeln. Jene kleinen Stückchen, in
welche die Flachsfaser durch Kochen in Salzsäure zerfällt, be-
trachten wir nun als die einzelnen Parenchym-Zellen, aus welchen
die ursprüngliche Baströhre gebildet wurde u. s. w. Seitdem
hat Ref. schon mehrmals an den Baströhren der Ceropegien
beobachten können, dafs man ihre Zusammensetzung aus klei-
nen Theilen auch im frischen Zustande hie und da wahrneh-
men kann.
Fortpflanzung's -Erscheinungen bei den Gewächsen.
Eine andere reichhaltige Arbeit des Herrn Schieiden*)
wird unsere Aufmerksamkeit länger beschäftigen. Sie enthält
Beobachtungen mit erläuternden Abbildungen, welche jener
Abhandlung zum Grunde liegen, die derselbe 1837 in diesem
Archive bekannt machte und worüber schon im vorigen Jahres-
berichte (pag. 142) die Rede war. Herr Sohleiden schickt
eine historische Uebersicht der Leistungen derjenigen Botani-
ker voran, welche die Lehre von der Fortpflanzung der Ge-
wächse bearbeitet haben; er stellt Herr C. L. Treviranus
als denjenigen Botaniker dar, welchem wir die mächtigen Fort-
schritte der letzten 20 Jahre verdanken, und kommt zuletzt
auf die ausgezeichneten Leistungen des Herrn Professor Hor-
kel, dessen besondere Unterstützung er sich zu erfreuen hatte.
In Bezug auf diesen unermüdlichen Beobachter, den auch Re-
ferent zu seinen verehrten Lehrern zählt, heifst es daselbst:
„Durch SOjähriges unermüdetes Studium, durch tiefes Eindrin-
*) Ueber Bildung des Eichens und Entstehung des Embryo's bei
den Phanerogamen. Mit 6 Steindrucktafeln — Nova Acta Acad. C.
L. C. Nat, Cur. Vol. XIX P. 1. pag. .31—58.
28
gen in den Geist aller älteren und neueren Arbeiten, durch
gründliche, oft wiederholte eigne Untersuchungen, die sich über
den gröfsten Theil der Familien ausbreiteten, besonders aber
die schwierigem, in ihrem Bau abnormen oder unbequem klei-
nen Bildungen in. allen Einzelheiten verfolgt und aufgeklärt
hatten, war von diesem lange nicht genug bekannten und ver-
ehrten Manne in dieser Lehre so vorgearbeitet worden, dafs
nur noch ein kleiner Schritt zu thun war, den selbst ein wan-
kendes Kind hätte machen können, und auch dabei unterstützte
mich sein Rath u. s. w." Da aber Herr Horkel wie es all-
gemein bekannt ist, aus dem grofsen Schatze seines Wissens
nur sehr wenig dem gelehrten Publikum niitgetheilt hat, so
mufs es die Wissenschaft als ein besonderes Glück ansehen,
dafs derselbe in Herrn Seh leiden, seinem jSeflfen, einen so
talentvollen Schüler gefunden hat, durch den er viele seiner -
schönsten Entdeckungen verbreiten lassen konnte.
Hierauf giebt Herr Schieiden eine kurze dogmatische
Darstellung der Lehre von der Eybildung und der Befruch-
tung, woraus ich einige der wichtigsten Paragraphen hervor-
7Aiheben habe. Es wird gelehrt, dafs der Nucleus des Eychens
als eine warzenförmige Excrescenz der Placenta erscheint und
mit einer oberhautähnlichen Schicht etwas verschiedener Zel-
len, der Membrana nuclei R. Br. bekleidet ist; hierin stim-
men so ziemlich alle Angaben überein. Bei den Orchideen
meint Herr Seh. ist schon in dieser Periode der Embryosack
vorhanden, worin Ref. nicht beistimmrn kann, denn nach den
von ihm mitgetheilten Beobachtungen (Physiologie III. pag. 299 -^
Tab. XIII. fig. 36.) haben die Orchideen gar keinen Embryo-
sack, sondern der, schon im ersten Auftreten hohle JSiicleus
wird zur zarten Membran absorbirt, welche die Stelle des Em-
bryosackes vertritt und später ganz verschwindet. Im 2ten
Paragraphen macht Hr. Schi, auf die Wichtigkeit des Nucleus
aufmerksam, weil alle übrigen Theile des Eychens fehlen kön-
nen, nur er selbst ist immer vorhanden; es wird aber hinzu-
gefügt, dafs er unbedingt wesentlich sei, denn eine seiner Zel-
len entwickelt sich zum Embryosack. Dieser letzteren Angabe
kann Referent nicht so allgemein beistimmen, wie sie ausge-
sprochen ist, denn nach seinen Untersuchungen giebt es eine
Menge von Pflanzen, welche gar keinen Embryosack als be-
besonderes Organ entwickeln; in andern Fällen dagegen, wie
z. B. bei der Bildung des Embryosackes aus der Spitze des
Ni/deus bei FhaseöJus u. A. m., ist jene Angabe aller-
dings ganz richtig, wozu auch Ref. auf Tab. XV seiner Phy-
siologie mehrere Darstellungen gegeben hat.
Als wesentlich verschieden von dem Ovulum campylotro-
pum wird das Ov. camptot ropum dargestellt, wo nämlich das
Ovulum, zwar gleichseitig ent\vickelt, aber in der Mitte gebo-
gen uiid rtiit den entsprechenden Seiten verwachsen ist, wie
z. B. bei Pofamogeton.
Die Angabe, daft dfer Inhalt der Pollenköruer aus Stärke,
Schleim oder Gummi besteht, kurz nur Bildungsstoff für Zel-
lengewebe enthalte, wird hier wiederholt und somit werden
alle die mühsamen Beobachtungen, welche über die spermati-
scheft Kügelchen und die sogenannten Samenthierchen der
Pflanzen angestellt sind, als unbeachtet zur Seite geschoben.
Referent würde auf diesen Gegenstand nicht wieder zurück-
kommen, da er schon in den frühereu Jahresberichten mehr-
mals gegen dergleichen Angaben seine eigenen Beobachtungen
aufgestellt hat, welche gegenwärtig im 3ten Theile der Ph^^-
siologie (pag. 191) noch ausführlicher mitgetheilt sind, aber
Herr Schieiden hat schon kn Anfange des Jahres einige Be-
naerkungen über den Inhalt des Pollenkomes*) bekannt ge-
macht, welche nur gär zu leicht Beifall finden hiöchten. „Es
will mich übrigens bedünken, sagt Herr Schieiden daselbst,
als hätten die gründlieh chemisch-mikroskopischen Untersuchun-
gen von Fritzsche über den Pollen (Petersburg 1S37) den
angeblichen Saamenthierchen so ziemlich das Garaus gemacht,
u. s. w." Ref. hat aber schon im vorigen Jahresbericht ge-
zeigt, dafs jene Untersuchungen nicht so gründlich sind, und
er hält seine eigenen Angaben über diesen Gegenstand noch
immer für richtiger. Herr Schieiden meint, dafs die als
Saamenthierchen der Oenothereji beschriebene Körperchen
„Stärke sind und Stärke bleiben," indessen gegen diese so be-
stimmten Angaben führt Ref. nur an, dafs Herr Seh leiden
wohl Amylum Körner vor sich gehabt haben mag, dafs aber
diejenigen Körper, an welchen die Herrn Brongniart und
») S. Wiegmaim's Archiv f. 1838. I. pag. 49—51.
30
Robert Brown, so wie Ref. selbst zu häufig wiederholten
Malen ihre Bewegung, so wie ihre Krümmungen beobachtet
haben, nicht aus Amylum bestanden, sondern aus einer durch
Jodine sich bräunlich färbenden Substanz, und dafs die Bewe-
gungen derselben aufhörten, sobald sie mit Alkohol in Berüh-
rung traten. Herr Schieiden giebt auch eine Erklärung, wie
sich die Beobachter jener Erscheinung, nämlich des Krüm-
mens der Saamenthierchen der Oenotheren haben täuschen
können, doch dieselbe ist schon an und für sich ungenügend,
und dann überhaupt ganz zurückzuweisen. Ich finde die Er-
scheinung bei allen Onagreen *), sie ist aber gerade nicht
alle Tage zu sehen.
Da nun bei dieser Streitfrage immer Beobachtungen ge-
gen Beobachtungen aufgeführt worden sind, so müssen andere
Beobachter (Physiologen, aber nicht Chemiker) auftreten und
den Streit entscheiden. Ich berufe mich zuerst auf Herrn
Mohl's' Untersuchungen dieses Gegenstandes, der in dieser
Hinsicht mit meinen früheren Angaben gänzlich übereinstimmt.**)
So eben ist auch eine Arbeit des Herrn Unger***) erschie-
nen, worin derselbe ebenfalls vor der unbedingten Annahme
der Hypothese des Herrn Schieiden über den vorliegenden
Gegenstand warnt. Aber noch weit mehr möchten für die
Saamenthierchen der Phanerogamen die neuern Beobachtungen
über die Saamenthierchen der Moose und der Charen spre-
chen, worüber bald nachher die Rede sein wird.
Ganz neuerlichst hat auch Herr Payen in seiner grofsen
Arbeit über die Stärke f) von den Amylum- Körnern gespro-
chen, welche er in der Fovilla einiger Pflanzen beobachtete,
besonders in den Pollenkörnern von Najas major und Rup-
pia maritima, was auch Niemand bestreiten wird, der diese
Beobachtungen wiederholt, aber diese Amjlum-Kügelchen sind
nicht die spermatischen Körper, die man in Hinsicht ihrer Be-
deutung mit den Saamenthierchen der Thiere verglichen hat.
In einen andern Paragraph spricht Herr Schieiden über
*) S. Physiologie etc. III. pag. 195.
**) S. den Isten Jahresbericht. 1835. I. pag. 155.
*♦*) Nova Acta Acad, C. L. C. Totn. XVIII. P. //. p. 793.
f ) S. Ann. des sct'ens nat. 1838 //. pag. 209,
31
die höchst untergeordnete Bedeutung, welche die Formen der
äufsern Hüllen der Pollenkörner zeigen.
Das leitende Zellengewebe bekleidet, von der Placenta
aus, die innere Wand des Ovarium's und des Stylus -Kanals
u, s. w. und geht stets in die Papillen des Stigmas über, worin
Ref. nicht ganz beistimmt. Mitunter ist nämlich der Stylus-
kanal durch eine papillenreiche Epidermis ausgekleidet, welche
sich erst ablöst und der Ausdehung der mukösen Röhren Platz
macht. Bei dem Wachsthume des Ptlanzenschlauches gibt viel-
leicht das leitende Zellengewebe den Nahrungsstoff in seinem
schleimigen Secret.
In Bezug auf den Befruchtungs-Process selbst werden
eben dieselben Angaben gemacht, welche wir schon im vori-
gen Jahresberichte speciell aufgeführt haben; es ist mit diesen
Angaben die Ansicht verbunden, dafs der Pollenschlauch den
Embryosack vor sich her schiebt, denselben einstülpt und dafs
die Spitze das Pollenschlauches zum Embryo wird, woraus
Herr Schieiden schon früher gefolgert hat, dafs die Antheren
die Keime enthalten und dafs also gar kein Befruchtungs-Pro-
cefs statt findet.
Schon im vorigen Jahresberichte habe ich diese An-
sicht von der Befruchtung der Pflanzen als eine irrthümliche
darzustellen gesucht, und im dritten Theile meiner Physiologie
ist dieses ausführlicher geschehen und durch die nöthigen Ab-
bildungen erläutert worden.
Später hat Herr M. Wydler zu Bern*) ein Schreiben
an die Academie der Wissenschaften zu Paris gerichtet, worin
er ganz dieselben Ansichten über das Geschlecht der Pflanzen
ausspricht, welche Herr Seh leiden aufgestellt hat, doch zeigt
derselbe überall, dafs seine Ansichten auf eigene Beobachtun-
gen beruhen. Sehr richtig bemerkt hiebei Herr Wydler, dafs
die Kerne in den jungen Zellen nicht immer von der Quali-
tät der Cytoblastes sind, sondern von verschiedener Natur und
verschiedener Bestimmung. 'Als dieses Schreiben des Herrn
Wydeler in der Academie zu Paris durch Herrn Aug. de
Saint -Hilaire vorgetragen worden war, nahm Herr v. Mi r-
♦) Compte renäu. C. 29. Oct. 1838. //. pa^. 757.
32
bei das Wort und äufserte dafs mehrere der Schlüsse, welche
Herr Schieiden in Bezug auf diesen Gegenstand aufgestellt
hat, gewagt zu sein scheinen. Herr v. Mirbel trug zugleich
eine Note vor, worin bemerkt ward, dafs bei gewissen Arten
der Utriculus, welcheu man nach Schleidens Ansicht für
den Anfang des Embryo's hält, schon zu einer Zeit vorkoannt,
wenn der Pollenschlauch noch gar nicht herabsteigen konnte.
Ref. bedauert, dafs Herr v. Mirbel diesen Gegenstand nicht
ausführlicher beschrieben und abgebildet mitgetheilt hat, denn
es kommt hier sehr darauf an, was Hr. v. M. unter Utriculus,
der so früh vorhanden sein soll verstellt. Meiner Ansicht nach
ist dieser Utriculus wohl nur ein Auswuchs der Spitze des
Embryosackes, den Ref. z. B. bei der Schneidebohne (JPhaseo-
lus vulgaj'is) von mehreren Linien Länge sah. (S. den vori-
gen Jahresbericht pag. 147). Auch Herr Brongnia'rt sprach
sich bei jener Gelegenheit dahin aus, dafs es ihm sehr zwei-
felhaft erscheine, dafs das Ende des Pollenschlauches der An-
fang des Embryo's sei.
Die erläuternden Abbildungen, welche jener Abhandlung
des Herrn Schi ei den beigefügt sind, enthalten reiches Mate-
rial für Physiologen und Systematiker, was sich aber nicht
leicht im Auszuge wiedergeben liefse; es werden durch jene
Abbildungen die Bildung 4es Eychen's, des Embryo's und der
Frucht mehr oder Aveniger vollständig von folgenden Pflanzen
angedeutet und erklärt: Seeale cereale, Zea altissima, Val-
lisneria spiralis, Aponogeton distachyon, Canna Sellowii,
Orchis palustris, Orchis latifolia, Phormium tenax, Cha-
tnaedorea Schiedeana, Caladiuin piiinatißdum , Peperomia
maculosa, Euphorbia pallida, Linum ßavescens , Daphne
Mezereum, Pimelea drupacea, Hippuris vulgaris, Centau-
rea scahiosa, Carduus iiutans, Hippochoeris radicata, Sca~
hiosa suaveolens, Passiflora Ludonii, Passiflora princeps,
Phytolacca decandra, Nerium Oleander, Stapelia Astevias,
Stapelia deflexa, Cynanchum nigrum, Oenothera crassipes
imd graridiflora, Convolvulus tricolor, Podostemon cera-
tophyllum. Sanguinaria canadensis, Berheris vulgaris,
Tropaeolum ma]us, Chymocarpus pentaphyllus , Bouwar-
dia coccinea, Limnanthes Douglasii, Ilelianthemum denti-
33
cvlatum, H. lasiocarpwn , Pedicularis palustris, Veronica
Chainaedrys, V. serpyllifolia und Lathraea squamaria.
^ Es wurde schon im vorigen Jahresberichte die Bemerkung
gemacht, dafs die Bastardzeugung der Pflanzen den unbestreit-
barsten Beweis für die Geschlechtsverschiedenheit derselben
gebe, und dafs also die Thatsachen, worauf Herr Schieiden
seine Theorie gestützt hat, ganz anders zu deuten seien. Der
Pollenschlauch giebt seine Membran bei der Bildung des Em-
Lryo's als materielles Substrat, aus Avelchen eine Bildung im
Innern des Nucleus des Eicften's erfolgt, die sich theilweise
zum Embryo gestaltet.
Für die Bastardzeugung bei den Pflanzen haben wir im
vergangenen Jahre eine überaus wiclitige Arbeit von Herrn
Gaertner*) erhalten, die jedoch bis jetzt (März 1839) noch
nicht im Buchhandel erschienen ist; Herr Treviranus hat
Gelegenheit gehabt einen besondern Abdruck jeuer Arbeit zu
benutzen, aus welcher er die hauptsächlichsten Resultate im
zweiten Theile seiner Physiologie der Gewächse aufgenonmien
hat, die Ref. in seiner Pflanzenphysiologie ebenfalls benutzt
hat. Zur Mittheilung im Jahresberichte möchten sich jene
Angaben wohl noch nicht eigenen, daher Ref. noch wartet bis
das Werk publicirt wird, was um so nöthiger ist, indem schon
mehrere Anzeigen von einer deutschen und viel vollständige-
ren Ausgabe desselben ergangen sind, deren Erscheinen wir
täglich entgegen sehen.
Eine interessante Arbeit des Herrn William Griff i th**)
zu Madras über den Frucht- und Saamenbau von Santalum
alhuin ist am 5ten Apr. 1836 in der L in n eischen Gesell-
schaft zu London vorgelesen, aber erst Ende vorigen Jahres pu-
blicirt worden; für den vorliegenden Bericht interessirt uns
aus jener Arbeit hauptsächlich die Art der Befruchtung. Schon
durch Hrn. Brongniart sind wir früher auf den merkwürdi-
gen Saamenbau der Santalaceen aufmerksam gemacht, und die
Gattung Santalwn scheint sich hierin noch mehr auszuzeich-
nen als Thesium. Leider sind so>\ohl die Beschreibung, als
*) Oven de Voorttehng van Basfard — Planten. — Natwirk.
Verh. V. de Holland. Maatsch. d. Wetensch. te Harleni. XXIV. 1838.
**) Ort the Ouulian of Santalum album. — The Transaclions of
the Linnean Society of London Vol. XVIil. Pr. I. London 1838.
V. Julirs;. 2. Band. 'A
34
aiicli die vieloii, auf drei Quarttafcln mitgetheilten Abbildungen
des Herrn Griffith über die Befrucbtungsart der Santalinn-
Eychen nicbt vollkoniiTien ausreichend; doch wenn sich Refe-
rent niclit täuscht, so möchte sich dieser Gegenstand nach den
vorliegenden Abbildungen auf folgende Weise deuten lassen:
Die Eychen bei Santahnn sind nackt, d. h. sie bestehen aus
dem blofsen Nucleus und sind zur Seite der Basis der freien
centralen Placenta befestigt. Aus dem Innern dieses freien
Nucleus wächst der Embryosack als ein einfacher Schlauch
weit hinaus und nach einer Umbiegung nach Oben lagert sich
derselbe zur Seite der Placenta, so dafs die Spitze des
Schlauches nicht fern der Spitze der Placenta zu liegen
kommt. An der Spitze dieses ganz frei stehenden Schlauches,
den Ref. für den Embryosack halten mufs, geht die Befruch-
tung vor sich, ähnlich wie bei Phaseolus, und Herr Griffith
giebt auch eine Abbildung (fig. 7) wo ein rundes kugelförmi-
ges Bläschen in der Spitze des Schlauches (Embryosacks) be-
findlich ist, und noch unmittelbar im Zusammenhange mit dem
Pollenschlauche steht, er spricht jedoch nirgends in der Art,
woraus man schliefsen könnte, derselbe habe die Wichtigkeit
dieser Beobachtung, und den ganzen Zusammenhang dieser Er-
scheinung erkannt. Auf den mitgetheilten Abbildungen finden
sich jedoch noch mehrere Darstellungen, welche wir noch nicht
zu deuten im Stande sind. Hr. Gr. beobachtete an den Mole-
külen im Embryosacke eine oscillirende Molekularbewegung,
eine Erscheinung, Avelche Ref. auch bei mehreren andern Pflan-
zen beobachtet hat.
In einer andern Arbeit hat Herr Griffith*) die Ent-
wickelung des Embryo's bei den Gattungen Lorantlius und
Viscum näher verfolgt, und das Keimen und Einwurzeln der
Saamen von Loranthus sehr speciell beobachtet. Der Em-
bryo von Loranthus ist an einem ausgezeichnet starken Trä-
ger (Cellular, lax funiculus.^ befestigt und er entsteht, wie
bei andern Pflanzen, eigentlich aus dem untersten Theile des
Trägers. Auch bei Loranthus, wie bei Viscum ward die un-
*) Notes on the development of the ovula of Loranthus and Vis-
cum, und on the Mode of Parasitism of these two Genera. — Trans-
uct. of the Linn. Soc. XVIII. P. I. p. 71. Read June 21 st. 1836.
35
gleichmäfsige Entvvickelung der Cotyledonen des Embryo be-
obachtet, was aber auch bei sehr vielen andern Pflanzen vor-
kommt. Herr Griffith beobachtete das Keimen der Saamon
mehrerer Loi'anthus-Arten , und eine der Abbildungen (fig. 6
Tab. 7) giebt uns die interessante Darstellung von dem Ein-
flüsse, welchen das Würzelchen des Parasiten auf die Rinde
der Mutterpflanze ausübt, ganz ähnlich wie es schon bei V^is-
cwn beobachtet worden ist. Wärend sich nämlich der cau-
diculiis des Embryo bei dem Keime verlängert und die Coty-
ledonen im Albumen noch zurückbleiben, bildet die Spitze der
Radicula eine scheibenförmige Anschwellung und hiemit zu
gleicher Zeit entsteht eine Anschwellung der Rinde der Mut-
terpflanze, wo dieselbe von dem Würzelchen des Parasiten be-
rührt wird. Auch Hr. Gr. beobachtete, dafs der Loranthus
mitunter grofse Partien der Bäume zerstören könne, welche
damit bedeckt werden, dafs jedoch kleinere Individuen auf
gröfsere Pflanzen ganz ohne allen Einflufs seien.
Auch Herr Endlicher*) hat versucht, die ehrwürdigen
Ansichten über die alten Lehren von der Geschlechtsverschie-
denheit der 'Pflanzen umzustofsen. Er giebt zuerst eine Dar-
stellung über dlQ Form, Entstehung und Bedeutung des vege-
tabilischen Eychen's, welche durch ideale Abbildungen erläu-
tert wird, und kommt darauf zurück, dafs der vegetabilische
Keim (Embryo) nicht als das Produkt der Metamorphose an-
gesehen werden darf, sondern dafs die Lage desselben im In-
nern der Keimhüllen zu der Annahme zwinge, dafs derselbe
von Aufsen hineingelangt sei, und hier seine weitere Ausbil-
dung und Vollendung erhalte. Bei den Cryptogamen mit dop-
pelten Fructifications-Werkzeugen vergleicht Herr Endlicher
das Sporangium der Wesenheit seiner Function nach mit dem
tliierischen Eierstocke, die Spore mit dem thierischem Ey, und
das Antheridium mit dem Hoden der Thiere. Bei den Phane-
rogamen entleert sich der Staubb-eutel wärend der Blüthezeit
seines Inhaltes, und das Pollenkorn wird auf die Narbe ge-
bracht, auf welcher es eine dem Keimungsprocesse der Spore
analoge Veränderung seiner Gestalt eingeht und allmälich in
das Gewebe des Grifl'els eindringt, bis es endlich durch die
') Grundzüge einer neuen Theorie der Pflanzenzeugung Wien 1838.
3*
36
Mikropyle in die Höhle der Keimhiille eindringt nnd daselbst
zum Embryo wird. Hieraus meint nun Herr Endlicher
ginge ganz deutlich hervor, dafs man den einzelnen Geschlechts-
organen der Cryptogamen und Phanerogamen ganz andere
Functionen zugestehen müsse, als es bisher geschehen sei.
Bei den Cryptogamen, meint der Verfasser, falle der ganze
Apparat des Pistilles mit den Keimhiillen und der Narbe weg
und es trete ein abgesondertes männliches Organ auf; bei den
Phanerogamen sei dieses aber offenbar in den Drüsen der Narbe
zu suchen, deren eigenthündiches Secret das Pollenkorn erregt,
so dafs es dadurch fähig gemacht wird in das Gewebe des Pi-
stilles und in die Keimhüllen einzudringen. Ja künftige Un-
tersuchungen sollen es entscheiden, ob nicht vielleicht auch
dem leitenden Zellengewebe eine befruchtende Thätigkeit zu-
komme. Herr Endlicher gesteht also den GefäfspHanzen
eine geschlechtliche Zeugung zu, er findet nur die Annahme,
dafs man den Antheren der Phanerogamen eine männliche Fun-
ction zuschreibt, rein willkürlich, indem die Thätigkeit dersel-
ben bei der Befruchtung gar keine Analogie mit irgend einer
Verrichtung der männlichen Gesclilechtstheile bei den Thie-
ren zeigt.
Diese neue Ansicht über die Zeugung bei den Pflanzen
soll schon hie und da mit grofsem Beifalle aufgenommen sein,
und obgleich dieselbe anfangs höchst paradox erscheint, so ist
sie dennoch schwieriger zu beseitigen, als die ihr vorangegan-
gene des Herrn Schi ei den; dem Referenten erscheint je-
doch diese Ansicht als höchst willkürlich, indem sie gegen alle
Analogie ist. Die gleichmäfsige oder ähnliche Bildung, welche
zwischen dem Pollen der Phanerogamen und der Sporenbildung
einiger Cryptogamen herrscht, darf man nicht von so ho-
hem Werthe anschlagen, indem wir sehen, dafs die Sporen-
bildung selbst bei verschiedenen Gattungen einer und dersel-
ben Cryptogamen-Familie so überaus verschieden ist; wir mö-
gen nur an die Sporenbildung bei den Marchantien, den Jun-
germannien und den Laubmoosen denken, worauf Referent
(Physiologie etc. HI.) aufmerksam gemacht hat, aber noch viel
ausgezeichneter ist diese Verschiedenheit bei den Pilzen. Hr.
Endlicher hat uns über seine Ansicht, nach welcher die Be-
fruchtung der Cryptogamen erfolgt, in UngeAvifsheit gelassen,
37
und liier wissen wir gegenwärtig sehr bestimmt, dafs ein ähn-
licher Akt, wie jener, der bei der Pollenschlanchbildung durch
die Narbenfeuchtigkeit beobachtet wird, nicht vorkommen kann,
denn bei den Laub- und Lebermoosen, bei den Charen, bei
den Farm und selbst bei den Algen, wenn hier wirklich eine
Befruchtung stattfindet, wie sie Ref. angedeutet hat, ge-
schieht die Befruchtung tiberall vor dem Auftreten der
Sporen.
Bei den Phanerogamen soll man nach der neuen Theorie
des Herrn Endlicher die Narbe als das männliche Ge-
schlechtsorgan ansehen, und das Secret der Narbe als die, auf
das Pollenkorn befruchtend einwirkende Substanz deuten.
Welche Gründe hat man denn für diese Ansicht aufzuweisen?
Ref. kennt keine von Erheblichkeit, und in der vorliegenden
Schrift sind sie nicht angegeben. Es sind etwa 11 Jahre ver-
flossen, dafs Ref. die Ansicht aufstellte, dafs die Pollenschlauch-
bilduDg nur in der stigmatischen Feuchtigkeit vor sich gehe,
dafs die Pollenkörner dagegen sehr bald aufspringen, wenn
sie in gewöhnlichem Wasser liegen; von verschiedenen Seiten
her suchte man damals meine Beobachtung zu entkräften, und
sie ist nicht nur noch heutigen Tages ziemlich ganz richtig,
sondern Herr Endlicher geht noch weiter und erkennt hierin
den wahren Befruchtungsakt. Mir erscheint gegenwärtig die
stigmatische Feuchtigkeit als eine Substanz, welche mitunter
die Befestigung der aufliegenden Pollenkörner bewirkt, welche
ferner wegen ihre Consistenz nur in geringer Menge von je-
nen eingesaugt wird, so dafs dadurch die allmäliche Ausdeh-
nung der innern Membran der Polleukörner möglich wird,
denn geschieht diese Ausdehnung sehr plötzlich, so zerreifst
die Membran und der Inhalt derselben kajm nicht bis zum
Eychen geführt werden. Daher wird es erklärlich, dafs aus-
gebildete Pollenkörner auch in dem Zuckersafte der Nektarien
u. s. w. zu einiger Schlauchbildung gelangen, in reinem Was-
ser werden jedoch die Schläuche nur selten die Länge einer
halben Linie erreichen, und bei den meisten Pflanzen kommt
es unter diesen Verhältnissen zu keiner Schlauchbilduug. Das
schleimige Sekret im Innern des Styluskanals, oder zwischen
den Zellen des leitenden Gewebes kann ofi'enbar nur von
ziemlich ähnlicher Function sein wie die Narbenfeuchtigkeit;
38
es giebt dem eindringenden Pollenschlauche Feuchtigkeit und
nahrhafte Substanz, so dafs nur dadurch die Entstehung über-
aus langer Pollenschläuche möglich Avird, wie wir sie in mau^
chen Fällen kennen. So lange der Pollenschlauch durch die
Narbe und den Styluskanal durchgeht, so lange ist an der
spermatischen Substanz in seinem Innern wenig oder gar keine
Veränderung zu bemerken, wohl aber tritt eine bedeutende
Veränderung ein, wenn sich die Spitze desselben dem Embryo-
sacke nähert oder dessen Stellvertreter. Es läfst sich von die-
ser Seite nichts Positives gegen die Ansicht des Herrn End-
licher einwenden, aber unsere älteren Ansichten über diesen
Gegenstand sind viel übereinstimmender mit dem Befruchtungs-
akte der Thiere. Etwas anders mufs es sich bei den Pflan-
zen darstellen , da ihnen der penis fehlt und ein, in gewisser
Hinsicht mit dem penis zu vergleichendes Organ (der Pollen-
schlauch) erst jedesmal gebildet werden mufs, wenn die Be-
fruchtung in der Tiefe des Eierstockes ausgeführt werden soll,
u, s. w. Ist es denn aber schon erwiesen, dafs die Narben
aller Phanerogamen eine Substanz absondern, welche die Be-
fruchtung nach Herrn Endlich er 's Ansicht ausführen kann?
Ref. glaubt, dafs dieses nicht der Fall ist; die eigenthiimlich
gestaltete Narbe, welche die Gattung Urtica zeigt, wurde von
ihm sehr häufig um die Zeit beobachtet, wenn die Befruchtung
des Eychens vor sich geht, und selbst bei sehr starken Ver-
gröfserungen fand er auf derselben keine Spur einer Abson-
derung. Wie verschieden würde sich der Befruchtungs-Procefs
nach dieser Ansicht in solchen Fällen verhalten, wo der Sty-
luskanal 6, 8 und 10 Zoll lang ist, wärend bei andern Ge-
wächsen der Styluskanal gänzlich fehlt und selbst hier die Ab-
sonderung auf der Narbe fast unbemerkbar ist.
Es ist bekannt, dafs Herr Treviranus schon vor 20
Jahren und darüber tüchtige Untersuchungen über Aen Bau
der Saamen und des Erabryo's der Pflanzen publicirt hat, ja
Herr Schieiden nennt ihn ein Meteor, welches sich glänzend
durch die Nacht jener Zeit erhob, aber vergebens suchen wir
in seiner neuesten Schrift*) nach entscheidendem Urtheil über
die verschiedenen wichtigsten Gegenstände, welche gegenwär-
*) Physiologie d. Gewächse. IT.
39
tig die Lehre von der Entwickelung der Pflanzensaamen zur
Entscheidung vorlegt. Selbst bei der Bildung der Eyhiillen
werden die verschiedenen Ansicliten uurj neben einandergestellt
welche man über diesen Gegenstand vorgetragen hat, und doch
ist die Entscheidung hierüber gegenwärtig so überaus leicht,
was man schon an den Abbildungen sehen wird, welche Ref.
hierüber im dritten Theile seiner Physiologie mitgetheilt hat.
Herr Treviranus (1. c. pag. 508) spricht noch von der In-
nern Eyhaut, deren Hasis gemeinlich der von der äufsern ent-
gegengesetzt sein soll; auch bestreitet er das Verschwinden
der innern Haut wärend des Reifens des Saamens und dennoch
ist dieses selbst bei einigen Orchideen überaus schön zu se-
hen. Das Perispeijn oder der Eyweifskörper soll nach H. T.
niemals fehlen, ja selbst in denjenigen Fällen, wo er bei dem
reifen Saamen zu fehlen scheint, soll er nur zu einem dün-
nen Häutchen umgeändert sein, indessen Ref. führt nur die
Criiciferen und Orcliideen an, bei welchen er auch nicht eine
Spur von Eyweifskörper zu keiner Zeit der Saamen -Ausbil-
dung wahrgenommen hat, und die Eychen sind hier so durch-
sichtig, dafs hier dem Beobachter bei guten Instrumenten nichts
entgehen kann.
Der Eyweifskörper, meint Herr Treviranus, wäre nur sel-
ten einfach, sondern in der Mehrzahl der Fälle doppelt und mau
könne also von einem äufsern und einem innern Eyweifskörper
sprechen. Indessen hierin dürfte man wohl nicht folgen, denn un-
ter äufserem Eyweifskörper versteht Herr Treviranus
die zellige Masse, welche so häufig die innere Substanz des
Eykern's bildet; nur bei wenigen Gattungen und Familien, am
bekanntesten bei den Nyniphaeen, bildet sich das innere
Zellengewebe des Eykern s so bedeutend und so ganz eigen-
thümlich aus, dafs man genöthigt ist dasselbe mit einem eige-
nen Namen zu belegen, und seiner Aehnlichkeit wegen mit
dem Eyweifskörper, nannte ich es den äufseren Eyweifskörper.
Sehr häufig spricht Herr Treviranus von der Saa-
menbildung der Leguminosen, seine Darstellungen stimmen
aber sehr weni°; mit denen überein, welche Herr Schlei-
den und Ref. in ihren Arbeiten mitgetheilt haben. Der fa-
denförmige, oft stark gekrümmte Anhang, welchen so häu-
fig der Embryosack verschiedener Pflanzen zeigt, soll sich
40
mit dem aufsern Verispenn verbinden imd mit Unrecht wird
angegeben, dafs Hr. Mir bei diesen Anhang mit suspenseur
bezeichnet, denn hierunter versteht derselbe den zelligen Fa-
den, an dessen Ende die Bildung des Erabryo's erfolgt. Bei
den Leguminosen, -svie so deutlich bei Pliaseolus u. s. w.
ist der Anhang des Embryosackes allerdings in der Spitze des
Nucleus befestigt, hier aber ist auch die Bildung des Embryo-
sackes eine entgegengesetzte, wie es Ref. ausführlich nachge-
wiesen hat.
Der merkwürdige Strang, welchen die Saamen der Gat-
tung Tropaeolum- zeigen, soll im Grunde der Fruchthöhle
entspringen und in das Eyloch eindringen, indessen sowohl
Hrn. Schleiden's als Ref. Beobachtungen haben erwiesen,
dafs dieser Faden an welchem der Embryo hängt, aus der Mi-
hropyle hervorwächst, auch habe ich noch mehrere Fortsätze
desselben bemerkt. (Pflanzen-Physiologie III. pag. 331)
Herr Morren*) hat verschiedene interessante Beobach-
tungen an den Blüthen des Cereus giandiflorus gemacht.
Er glaubt angeben zu können, dafs die Befruchtung des Ey-
chens bei dieser Pflanze erst mehrere Wochen nach erfolgter
Bestäubung der Narbe geschehe, wie es auch bei der Vanilla
stattfinden solle. Er beobachtete ein Exemplar des Cactus
grand/ßorus mit 40 Blüthen, zählte die Staubfäden der ein-
zelnen Elüthe und fand deren Anzahl zu 500, wonach jene
ganze Pflanze 20,000 Staubfäden producirte. Ebenso fand
Hr. Morren ungefähr 500 Pollenkörner in jeder Anthere, so
dafs eine einzelne Blume deren an 250,000 Stück enthielt und
die 40 Blumen auf der ganzen Pflanze sogar 10,000000. In
der Anthere einer verwelkten Blume fanden sich noch 300
Pollenkörner, so dafs an 150000 Pollenkörner ganz nutzlos in
einer einzelnen Blüthe zurückgeblieben waren und also vielleicht
nur 100000 zur Befruchtung der 30000 Eychen verwendet
wurden, welche in dem Ovaiio der Blume befindlich sein sol-
len. Diese Zählungen des Herrn Morren stimmen mit des
Referenten Beobachtungen an Cactus und O/'CÄw- artigen Ge-
*) Oöservations sur l'anatomie et la physiologle de la ßexir
du Cereus grandiflorus. — Bulletin de lAcad. de Bruxelles. V.
Nr. 6.
41
wachsen ganz überein, bei denen man im Ovaria stets die dop-
pelte und dreifache Zahl von Pollenschläuchen im Verhältnisse
der Eychenzahl antrifft.
In den Härchen des Stigma's sah Herr Morren eben-
falls die Rotationsströmung und er glaubt dafs dieselbe auf
die Befruchtung Einflufs habe. Besondere Aufmerksamkeit
wurde dem Gerüche der Blume gewidmet; Hr. Morren fand
dafs die Deckblätter und die Blumenblätter (hierunter werden
wohl die inneren Kelchblätter verstanden!) wohlriechend sind;
die inneren Kelchblätter riechen nach Heliotrop und die
äufsern nach Vanilla. Der Geruch dieser Blume ist perio-
disch und vergebens sucht die Anatomie über die Ursache des-
selben Aufschlufs zu geben.
Referent*) gab eine Reihe von Beobachtungen und An-
sichten über die Entstehung der Pflanzengerüche, über welchen
Gegenstand noch so überaus wenig gearbeitet ist.
lieber die Umhüllungen des Stigma's bei den Scaevola-
ceen und Goodeniaceen hat Herr Korthals**) neue Beob-
achtungen mitgetheilt. Herr Robert Brown hatte schon die
Frage gestellt, ob die eigenthümliche Bedeckung, welche das
Stigma der genannten Pflanzen zeigt, eine Fortsetzung des Endes
des Stylus ist, oder ob es ein eigenthümliches Organ ist, welches
mit dem driisenartigen Discus zu vergleichen ist, der das
Ovarium in andern Familien umgiebt. Herr Lindley hielt
dagegen jenes Organ mit den Sammelhaaren der Campanula-
ccen übereinstimmend, Herr K orthals untersuchte die Blü-
the bei Scaevola in verscliiedenen Entwickelungsstufen und
fand die Entwickelung der Blüthenhüllen übereinstimmend mit
anderen Fällen; der grofse Kelchlappen, welcher nach der
Eröffnung der Blume der Spalte gegenüber zu stehen kommt,
ist noch ganz den andern gleich. Die Blumenkrone zeigt sich
ebenfalls regelmäfsig und erst bei weiterer Entwickelung wird
die Spalte allmälich deutlicher. In den frühesten Zuständen
zeigte sich der Stylus kurz und zusammengedrückt, und mit
einem Rändchen am Umfange umgeben. Später vergröfsert
*) Pflanzen -Physiologie IL pag. 493—505.
**) Over het otnhulsel van het Stigma der Scacvolaceae en Goodc-
niaceae. — Tydschrift voor Nat. Gesch. etc. IV. pag. 370.
42
sich der Rand des Stigma, und in Blumenknospen von 9 Li-
nien Länge hat sich der Rand schon über das Stigma ent-
wickelt und bedeckt es wie eine becherförmige Hülle, welche
auf der Oberfläche mit kleinen Härchen bedeckt wird. Bei
Blumenknospen von 25 Linien Länge empfängt jener Becher
den Pollen und schliefst sich wenn er damit gefüllt ist, indem
sich die Cilien zusammenlegen und das Stigma die Form wie
im gewöhnlichen jungen Zustande erhält. Endlich öflfnet sich
die Blumenkrone und in dem mit Pollen gefüllten Becher sieht
man, dafs sich das Stigma allmälich vergröfsert, wobei der
Pollen abnimmt Lis das Stigma über den vertrockneten Becher
wie ein kleiner abgebissener Fächer {ivaayerije) emporragt.
Herr Korthals machte diese Beohaclitungen in Indien
und wiederholte dieselben zu Leyden an Goodenia ovata und
Leschenaultia. Bei letzterer Gattung zweifelte er zuerst, weil
im geschlossenen und gefüllten Becher kaum eine Spur von
Stigma zu sehen war, aber hier nahm auch der Pollen im
Becher nicht ab und es erfolgte keine Befruchtung.
Es geht nun aus jenen Beobachtungen hervor, dafs der
Becher eine Fortsetzung von äufseren Theilen des Stylus ist,
wärend die Haare, welche den Rand des Becher's umsehen
oder auf seiner äufseren Seite zerstreut sind, aus dem Gewebe
dieser verlängerten Zellen gebildet iverden.
Herr Ramisch hat bei der Versammlung der Naturfor-
scher zu Prag im Jahre 1837 eine Abhandlung: Beobach-
tlingen über die Saamenbildung ohne Befruchtung
am Bingelkraut vertheilt, welche dem Referenten leider
nicht zugekommen ist; in dem Berichte über jene Versamm-
lung, welche in der Flora oder botanischen Zeitung (1838 \\.
pag. 406) erschienen ist, finden sich jedoch folgende Mitthei-
lungen über diesen Gegenstand: Herr Ramisch hat an Mer-
curiaJis annua keine Zwitterblume beobachtet (Schkuhr hat
dieselben jedoch beobachtet!), er sah nur männliche Blüthen
auf der weiblichen Pflanze vorkommen, dieselben wurden je-
doch sogleich entfernt und konnten also keinen Einflufs auf
die Befruchtung äufsern. Und dennoch sah Herr Ramisch
die Saamen auf der weiblichen Pflanze ohne vorhergegangene
Befruchtung (d. h. Herr Ramisch hatte dieselbe wenigstens
nicht wahrgenommen. Ref.) reifen, ja sie keimten und pflanzen
43
sich durch nielirere Generationen hindurch fort. Hieraus
schliefst der Verfasser, dafs nun auch im Pflanzenreich ein
Analogon für die berühmte Fortpflanzung der Blattläuse auf-
gefunden sei.
Gegen so positive Beol)achtungen, wie sie hier angegeben
sind, läfst sich iillerdings nichts erwiedcrn, wenn man nicht
die Ursache eines dabei vielleicht vorgekommenen Irrthuraes
aufgefunden hat, indessen nach den vorliegenden Beobachtun-
gen über den Befruchtuugsprocefs der Pflanzen wäre wenig-
stens die Vermuthung erlaubt, dafs denn doch auf irgend eine
Weise die Befruchtung jener Blüthen vor sich gegangen sein
möchte.
Eine Reihe von Abbildungen über das Keimen der Mar-
silea (Fabri), welches von den Herren Dunal und Fahre
zuerst beobachtet wurde, ist im vergangenen Jahre im 9teu
Bde. der Ann. des scienc. natiir. (pag. 381 PI. 13) publicirt
worden, wozu die Beschreibung der Abbildungen mitgege-
ben ist.
Herr Morren*) hat eine Note über die Entwickelung
der bandförmigen Knollen der Orchideen publicirt, welche
als ein kleiner Zusatz zu einer früheren Arbeit des Verfassers
über eben denselben Gegenstand anzusehen ist.
Herr I. F. Hoff mann**) bat es durch Beobachtungen
erwiesen, dafs Lemna arrhiza eine constante Art ist; er be-
obachtete die Pflanze 2 Jahre lang frei von aller fremdartiger
Beimischung und sah, dafs niemals Individuen producirt Avur-
den, welche einer andern Art ähnlich waren. Ebenso wurden
die andern gewöhnlichen Ld/n/i« - Arten jahrelang beobachtet
und niemals zeigte sich etwas, das mit Lemna arrhiza zu
vergleichen war. . Auch Mittelformen sind nicht beobachtet
worden.
Die vom Verfasser beobachtete individuelle Fortpflanzung
der Lemna arrhiza, von ihm Keimen -Entwickelung genannt
*) Note sur le Developpement des Tubercules didyme - Ballet, de
l'Acad. de Bruxelles V. Nr. 2.
**) Is Lemna arrhiza Auct. eene standvastige, onderscheidene soert,
dan wel een ontwikkelüigsvorm van eenfge andere van hetzelfde
geslacht? — Tydschrift v. Naturl. Geschiedenis en Physlol. IV.
pag. 282—333.
44
(besser Knospen- EntvvickeluDg), stimmt im Allgemeinen mit
derjenigen der Gattung Lemna iiberein, ist aber im Speciel-
len auffallend verschieden. Bei Lemna polyrrhiza , ininor
und gihha geht die Entwickelung der Knospen (Verästelung)
ohne bestimmte Regel vor sich, indem die Zahl der vereinig-
ten (obwohl nur lose) Individuen sehr variirt. Bei L. po-
lyrrhiza fand der Verfasser in ruhigen Gewässern bis 19 In-
dividuen (oder Aeste) mit einander verbunden. Bei hemna
irisulca ist die Zahl gänzlich unbeschränkt. Die regelmäfsige
Form, durch welche sich Lemna trisulca von den übrigen
Lemna- Arien so höchst auffallend unterscheidet, hat Ref.*)
dadurch erklärt, dafs bei Lemna trisulca stets zu beiden Sei-
ten der Achse die Knospenentwickelung gleichmäfsig erfolgt,
wärend sie bei andern Ziemna- Arten (und so fand es Herr
Hoffmann auch bei L. arrhiza) fast immer nur eine Knospe
zur Seite entwickelt. Höchst selten beobachtete Herr Hoff-
mann die Entwickelung zweier Knospen bei Lemna arrhiza,
wie er sie in Fig. 6. pl. 1. seiner Arbeit dargestellt hat. Bei
regelmäfsiger Entwickelung der Aeste, wie bei Lemna tri'
sulca, wird also die Zahl derselben in geometrischer Progres-
sion zunehmen. Der Verfasser beobachtete in einem Falle,
dafs die 2 Blättchen eines Exemplares durch Algen, Infusorien
u. s. w. so fest mit einander verbunden waren, dafs sie sich
nicht trennen konnten und glaubt hieraus erklären zu können,
wefshalb man diese Pflanzen bald in einzelnen, bald in gepaar-
ten Blättchen findet. Im Spätherbst entwickelt sich bei Lemna
arrhiza die Winterknospe, welche, so wie die von Lemna
polyrrhiza, in Farbe und Struktur von den übrigen verschie-
den ist und unter Wasser überwintert. Der Verfasser hat
zwar Aehnliches nicht bei Lemna minor und L. gihha beob-
achtet, doch hat es Ref. auch an ersterer Art gesehen.
Der Verfasser glaubte bei den gepaarten völlig entwickel- '
ten Individuen eine Vereinigung zwischen den beiden folgen-
den Knospen beobachtet zu haben, indessen spätere Untersu-
chungen, deren Resultate er dem Ref. im December 1838
mündlich mittheilte und später publiciren wird, nöthigten ihn
diese Ansicht aufzugeben. Die Knospe, welche sich aus einer
*) Pflanzen -Physiologie III. pag. 52,
45
Spalte der Mutterpflanze entwickelt, ist mit dieser mittelst ei-
nes Stieles vereinigt, von welchem sie sich bei der nachherigen
Trennung mit einer Narbe ablöst.
Die Bliithe sah Herr Ho|^mann bei Lemna arrhiza
nicht, er hält es aber für wahrscheinlich, dafs sie nur bei ein-
fachen Blättchen vorkomme. Von Wurzeln wurde niemals
die geringste Spur beobachtet.
Bei den Einwendungen, welche man im vergangenen Jahre
gegen die Saamenthierchen der Pflanzen gemacht hat, ist es
um so erfreulicher, dafs sich die Beobachtungen über diesen
Gegenstand in eben derselben Zeit in solcher Weise vermehrt
haben, dafs die Zweifler wohl endlich verstummen werden.
Herr Unger und Referent haben, unabhängig von einander,
in verschiedenen Abhandlungen ihre Beobachtungen über die
Saamenthierchen der niedern Pflanzen bekannt gemacht. Herr
Unger*) beklagt sich zuerst, dafs seine Entdeckung der ge-
schwänzten Saamenthierchen bei der Gattung Sphagnum, wor-
über in unsern ersten Jahresbericht (1835) referirt wurde, so
lange Zeit hindurch unbeachtet geblieben ist, und mit Recht
wird diese Vernachlässigung eines so wichtigen Gegenstandes
dem Mangel guter Mikroskope zugeschrieben. Ja Schmidel
und F. Nees von Esenbeck, welche die Saamenthierchen
der Moose entdeckt haben, konnten aus eben demselben Grunde
nicht wahrnehmen, dafs sie geschwänzt sind. Die Saamenthier-
chen in Sphagmnn bestanden nach Unger' s früherer Beob-
achtung aus einem dicken Rumpfe und einem dünnen faden-
förmigen Schwänze; da aber die Bewegung derselben mit dem
fadenförmigen Schwänze voran geschieht, so sieht er densel-
ben für einen Rüssel an, welcher mit demjenigen der Infuso-
rien zu vergleichen sei. An dem Körper der Saamenthierchen
nahm Herr Unger keine active Bewegung wahr, unterschied
aber an dem ganzen Saamenthierchen die locomotorischen Be-
wegungen von den rotirenden. Die einfachste Bewegung
geschieht in der Richtung der Spirale, und ist der Rüssel noch
zusammengezogen, so ist die Bewegung eine einfach rotirende.
*) Neuere Beobachtungen über die Moosanthere und ihre Saa-
menthierchen — Nova Acta Acad. \C. L. C. Vol. XVJII. P. IL pag.
687. — 704. Jan. 1839. erschienen.
46
Bei flen Ortsveränderungen der Saamenthierchen , welche in
*der Richtung der Spirale erfolgen, zählte Herr Uuger 1 bis
3 Umdrehungen oder besser Umwälzungen des Rumpfs in der
Secunde, und sowohl bei der Ortsbewegung, als bei der ein-
fach rotirenden Bewegung sah er die Spitze des Riii^els in
einer beständig zitternden Bewegung. Aufser diesen gewöhn-
lichen Bewegungen kommen zuweilen noch andere vor, die
durch Zufälligkeiten bedingt zu sein scheinen und dieses sind
die schnellenden Bewegungen, welche man dann bemerkt, wenn
sie sich von den in den Weg kommenden Hindernissen zu be-
freien suchen. Auch in dem spiralförmig gewundenen Rüssel
sah Hr. Unger keine Ausstreckung oder Krümmung, sondern
der Rüssel zeigte sich stets in seiner Steifheit, doch sah er
die Rüssel nicht selten von ihren Körpern getrennt und dann
immer mehr oder weniger erschlafft, sie zeigten aber durch-
aus keine Bewegung.
Hierauf kommt Herr Unger zu der Frage über die Stel-
lung dieser Saamenthierchen in der Reihe der thierischen Ge-
schöpfe. In den Befruchtungs-Schläuchen (Antheren der neue-
ren Autoren) der übrigen Moose, sowie bei denen der Leber-
moose hatte er die Saamenthierchen noch nicht beobachtet und
glaubt, dafs von einer Analogie jener Körper mit den Anthe-
ren phanerogamischer Gewächse nicht die Rede sein könne,
sondern die Aehnlichkeit mit den Pollenblasen liege viel näher,
denn so wie diese eine zellulöse und eine innere homogene
Haut besitzen, so auch die Befruchtungsschläuche der Moose.
Nach Referents Beobachtungen sind diese Vergleiche unstatt-
haft, denn die Struktur der Moosantheren und die der Pollen-
bläschen ist ganz überaus verschieden, wie es Ref. im dritten
Theile der Pflanzen -Physiologie nachgewiesen hat. Ref. hat
es vollständig verfolgen können, dafs sowohl die Antheren als
die Pistille der Moose aus einzelnen Zellen hervorgebildet
werden (aus diesen Zellen bilden sich zuweilen die Brutkör-
ner der Moose, welche als abortirte Blüthen der Fruchtbil-
dungen anzusehen sind!), dafs sie also im Anfange von glei-
cher Entwickelungsweise sind und die Form von mehr oder
weniger cylindrischen oder eyförmigen Schläuchen annehmen.
Bei den Pistillen öffnet sich die Spitze dieser, aus einer ein-
fachen Zellenschicht bestehenden Scidäuche zur Narbe, und in
47
der Basis bildet sich der Fruclitknoten , bei den Antlieren da-
gegen füllt sich die Hohle mit fov'dla und das Vorhandensein
einer inneren zarten Haut, welche Herr Unger bei den An-
theren von Sphagnuin beobachtet haben will, möchte Ref. sehr
in Zweifel stellen, obgleich er selbst beobachtet hat, dafs die
Spitze der Anthere, vielleicht der meisten Laubmoose, aus ei-
ner einfachen Membran besteht. Bei den Marchaniien glaubt
Herr Unger die Anthere nur für einen Theil einer vielkam-
merigen Anthere ansehen zu können, wofür er die ganze
männliche Blüthe deutet. Ja die Aehnliclikeit in der Struktur
dieser Anthere soll mit den Antheren der Rofßcsia in die
Augen springend sein, was Ref. jedoch nicht bestätigen möchte.
Herr Unger sucht nun zu zeigen, dafs die Saamenthicr-
chen der Moosantheren mit den Saamenthierchen der Thiere
zusammenzustellen sind, obgleich die Classification derselben
zweifelhaft bleibt, weil die Steifheit des Rüssels und die Art
der Bewegung so sehr verschieden ist. Als Gründe für diese
Zusammenstellung der Saamenthierchen werden auch die über-
einstimmenden Gröfsenverhältnisse zwischen den Saamenthier-
chen der Moose und denen der Thiere angeführt und es wird
auf ein Gesetz hingedeutet, „dafs, je unvollkommener der Or-
ganismus, um so ausgebildeter die Saamenthierchen," welches
jedoch wegen der vielen Ausnahmen wohl kein Naturge-
setz sein möchte. (Ref.)
Später hat Herr Unger*) auch in den Antheren der ge-
wöhnlichen Laubmoose die Saamenthierchen beobachtet, als bei
Polytrichum juniperinwn, commune , uniigerinn luid alpe-
stre: so wie bei Fiinaria hygrometrica, Bryum. cuspidatum
und Br. pjinctatum; und endlich fand er sie auch bei Mar-
chantia polymorpha vmd Grimaldia liemisphaerica , doch
gelang es ihm nicht die Saamenthierchen «der Jungermannien
*) Weitere Beobachtungen über die Saamenthierchen der Pflan-
zen. — Acta Acad. C. L. C. nat. cur. V. XVIII. P. II pag: 787 —
796. Der Inhalt dieser Abhandlung ist bei der Versammlung der
Naturforscher zu Prag vorgetragen , und im vergangenen Jahre auch
in der Flora oder botanischen Zeitung von 1838. II. pag. 393 — 400
mitgetheilt, kam mir aber erst lange nach dem Drucke desjenigen
Abschnittes meiner Pflanzenphysiologie zu Gesicht, in -welchem die
Saamenthierchen der niedern Pflanzen abgehandelt werden. CKef.)
48
aufzufinden. Bei Polytrichum commune fanden sich die Saa-
menthierchen in kleinen hexaedrisohen Zellen mit abgerunde-
ten Kanten. Meistentheils erschienen die Saamenthierchen in
den Zellen unbeweglich, andere zeigten dagegen eine zitternde
Bewegung in dem dünnen Fortsatze des Rüssels, wärend andere
sich auch absatzweise um ihre Achse drehten. Den Durch-
messer des feinen Rüssels inafs Hr. Unger zu 0,004"; nur
wenige Saamenthierchen wurden frei, d. h. aufserhalb der Zel-
len beobachtet und diese zeigten nur eine zitternde oscillirende
Bewegung des Rüssels. Auch bei den Saamenthierchen der
Marchanüa polymorplia sah Hr. Unger dafs sich der Rüs-
sel in einer äufserst schnellen zitternden Bewegung befand.
Referents Beobachtungen über die Saamenthierchen der
niedern Pflanzen sind ebenfalls sehr zahlreich und derselbe ist
in verschiedenen Punkten weiter gekommen als Herr Unger.
Das Auftreten der Saamenthierchen bei den Gattungen Hy-
pTium, Mnium und Bartramia beobachtete Ref. im Sommer
von 1837, worüber schon im vorigen Jahresberichte (pag. 94)
Mittheilungen gemacht wurden ; hierauf folgten Beobachtungen*)
über die Saamenthierchen der Marchantia polymorpha, dann
wurden einige allgemeine Mittheilungen über die Saamenthier-
chen der Laub- und Lebermoose, wie der Characeen im Aug.
des vergangenen Sommers an die Akademie der Wissenschaf-
ten zu Paris**) gemacht, und im Zusammenhange ward der
Gegenstand im dritten Theile der Pflanzen -Physiologie (pag.
205 — 226) mitgetheilt, wo er durch eine Menge von Abbil-
dungen erläutert ist. Ref. hat an jenem Orte zuerst eine hi-
storische Darstellung und die Beobachtungen über die Saamen-
thierchen der niedern Pflanzen gegeben, woraus hervorgeht,
dafs Herr. G. W. Bischoff die geschwänzten Saamenthier-
chen zuerst und zwar bei Chara hispida beobachtet hat, und
Herr J. C. Varley sah diese Thierchen von Chara syiicarpa
schon im Jahre 1834 ziemlich eben so deutlich, als wir sie
gegenwärtig mit den besten Instrumenten sehen können; er
beobachtete schon eine undulirende Bewegung an dem feinen
*) S. Ueber vegetabilische Spermatozoen — W'iegmann's Archiv
etc. 1838. 2te.s Heft pag. 212.
*0 Compt. rendu d. 1838. //.
49
fadenförmigen Ende. Die neuen Beobachtungen des Herrn U n-
ger iiSer die Saanienthiercljen der Moose konnten noch nicht
benutzt werden, indem sie erst später erschienen.
Die hauptsächlichsten Resultate meiner Beobachtungen über
den vorliegenden Gegenstand möchten folgende sein: Die Laub-
und Lebermoose so wie die Chaven haben in ihren Antheren
ähnliche Saamenthierchen wie die Thiere, doch treten diesel-
ben bei den genannten Pflanzen stets einzeln, jedes Thierchen
für sich iu einer besonderen Zelle auf, ja bei den Chareii lie-
gen diese Zellchen, worin und woraus sich die Saamenthier-
chen bilden, noch in den gröfseren Zellchen der Pollenfäden,
und hier nehmen die Saamenthierchen nach ihrer vollkomme-
nen Ausbildung einen weit gröfsern Umfang ein, als ihre Mut-
terzelle gestattete. Diese Zellchen, worin sich die Saamen-
thierchen einzeln bilden, sind bei verschiedenen Gattungen der
genannten Familien bald mehr bald weniger fest und membra-
uös, mitunter aber, wie z. B. bei Bartramia, bei SpJiagnunt,
bei Trichosfylium Coi'd. sind sie so weich, dafs man sie
füglich Schleimzellen oder Schleimhüllen nennen könnte; hier
löst sich meistens die Schleimhülle im umgebenden Wasser
und die Saamenthierchen werden dadurch frei. In den Fällen
wo die Zellchen fester sind, da werden dieselben durch die
Einsaugung von Wasser und hauptsächlich durch die lebhaften
Bewegungen der spiralförmig zusammengewundenen Saamen-
thierchen zerrissen und bleiben, in dem Wagner ungelöst zu-
rück, wenn die Saamenthierchen schon längst hervorgetreten
sind. Diese Saamenthierchenhaltenden Zellchen sind bald sphä-
risch, meistens linsenförmig, bald eckig, was sich hauptsächlich
nach ihrer Aueiuanderfügung in der Höhle der Anthere rich-
tet; bei den ersteren Formen findet sich noch immer eine mehr
oder weniger grofse Menge von Schleim, welche zwischen den
Zellen liegt, und nach dessen Auflösung die Zellen erst aus-
einander treten. In Hinsicht der Form und der Länge unter-
scheiden sich die Saamenthierchen der verschiedenen Gruppen
der Moose und Cliaren ganz ebenso wie bei den verschiede-
nen Thierklassen ; im Allgemeinen kann man sagen, dafs sie
aus einem dickeren und einem dünneren, äufserst feinen Ende
bestehen, und bei den meisten sieht man den allmäligen lieber-
V. Jahrg. 2. Band. ^
50
gang rtcs dickeren Endes in das dünnere, ganz besonders schön
böi" den Charcn und Junge rjnajinien, ja seihst hei SpJiagnum
ist es zu sehen, und Herrn Unger's Zeichnung dieser Thier-
chen, in welcher das Rumpfende wie ein besonderer, für sich
bestehender Körper dargestellt ist, kann ich nicht bestätigen.
Die gewöhnlichsten Bewegungen dieser Saamenthierchen ge-
schehen in der Richtung der Spirale ; hiebei ist nur das feine
fadenförmige Ende thätig und das dicke Körperende wird pas-
siv mit umhergewälzt, und da sich die Saamenthierchen fast
immer mit jenem feinen Ende voraus bewegen, so kann
man dasselbe besser Rüssel als Schwänzende nennen. Bei
gehöriger Aufknerksamkeit sieht man an dem Rüssel aller jener
Saamenthierchen eine undulirende Bewegung, aber vorzüglich
sind es gewisse Punkte, welche sich in ihrer Lage verändern
und eine starke, oscillitende Bewegung zeigen, so dafs man
selbst an Cilien deiiken möchte, obgleich unsere Instrumente
dieselben nicht zeigen. In meinem Buche habe ich den Ge-
genstand genauer beschrieben und kann darauf verweisen; die
Saamenthierchen der Charen sind so überaus grofs, dafs sich
an ihnen hieiHiber noch am meisten beobachten läfst, und diese
sind es auch, welche sich mitunter fast ganz gerade ausstrek-
ken, so dafs wenigstens die spiralförmigen Windungen dersel-
ben verschwinden, was ich auch bei den Saamenthierchen der
Marchantien gesehen habe. Die auffallenden Bewegungen
des langen Rüssels bei den Saamenthierchen der Charen, deren
Dimension ich in der Spitze zn 20V0V Linie gemessen habe,
wärend das dicke Körperende t^Vö Linie Breite zeigte, diese
Bewegungen sieht man erst dann recht deutlich, wenn die
Schnelligkeit in der Bewegung sich mindert, und sich die Thier-
chen dem Absterben nähern; dann schlängelt sich endlich der
Rüssel hin und her, wobei man zuerst seine ganze Länge zu sehen
bekommt, wärend das Körperende schon unbeweglich da liegt.
In jeder CÄarf?/i-Anthere sind 4 bis 6000 Stück Saamenthier-
chen enthalten. Die Saamenthierchen des Pflänzchens, wel-
ches in meinem Buche als Aneura pinguls bezeichnet ist,
zeigen schon viel Eigenthümliches in ihrer Form, wie es die
Abbildungen auf der 12. Tafel fig. 39 und 40 zeigen; es scheint
mir aber gegenwärtig, dafs dieses Pflänzchen, dessen Frucht-
bildung ich im Winter verfolgen konnte, nicht yf neu ra pingnis
51
ist, sondern eine neue Art der merkwürdigen Corda'schen
Gattung Trichostyliwn bildet*).
Eine grofse Reihe von Arbeiten haben wir über das Frncht-
lager der höheren Pilze im vergangenen Jahre erhalten. Herr
J. H. Leveille**) hat seine Untersuchungen schon am
12. März 1837 in der philomatischen Gesellschaft zu Paris
vorgetragen; sie erschienen im Dec. Heft der Annales Acs
Scienc. nat., welches aber erst in der Mitte des Sommers
vorigen Jahres zu uns kam. Herr Leveille hat sich schon
seit 12 Jahren mit diesen Untersuchungen beschäftigt und viele
seiner Beobachtungen schon dem verstorbenen Person vor-
getragen. Wenn man die Oberfläche der Lamellen von Aga-
ricus micaceus auf Querschnitten untersucht, so findet man
zwei verschiedene Arten von Organen daselbst; die einen sind
mehr hervorstehende Bläschen, durchsichtig und von länglicher
Form, wärend die andern kleine Wärzchen darstellen, die in
Spitzen auslaufen, wovon jede derselben eine Spore trägt.
Die ersteren Organe, die Paraphysen der Deutschen, werden
Cystides genannt und die andern Basides. Die Cystides
sind von einfachen Membranen gebildet aber zuweilen auf der
Oberfläche genetzt; ihr Vorkommen ist nicht constant, so zei-
gen e\i\\^&Agarici diese Organe nur auf den Rändern der La-
mellen. Ihre Form wird beschrieben und als sehr verschieden dar-
gestellt. Sie sind gewöhnlich ungegliedert; in seltenen Fällen aber
auch gegliedert, und nicht selten sielit man die Sporn auf ihrer
Oberfläche liegen. Die Basides sind 4sporig, 2sporig oder
Isporig, je nachdem sie 4, 2 und nur einen Sporn tragen; bei
AgaTicus vellereiis wurde von H. L. ein Fall von gänzlichem
*) Dieses interessante Lebermoos, welches ich T?ic/iosti/li'umarc-
iiarium nennen möchte, fand ich auf dem Sande nahe dem Ostsee-
strande bei Swinemünde in Gesellschaft von Diplolaena Blytii vnr.
contorta. Es hatte im August bis zum October Antheren und junge
Fruchtkapseln, deren sich noch im November mehrere neue ausbilde-
ten. Herr C o r d a hat für Trichostylium affine freie Antheren ange-
geben und auch ganz kurze Stielchen abgebildet, worauf sie befestigt
waren; bei meiner Art waren die Antheren in der obern Blattsubstanz
eingesenkt, kamen aber später hervor, so dafs sie wie kleine Sandkör-
ner daselbst umherlagen; ich sah 12 — 15 Antheren in einem einzelnen
Blattlappen.
**) Recherehes sur l'Hymenium des Champignons.
4 *
52
Abortement clor Sporen und Sporenträger beobachtet. Bei
Lactißiius acris sind die Sporenträger gegliedert dargestellt,
und bpi Agaricus riiühis hat Hr. Montagne auch geglie-
derte Sporen beobachtet, was aber nach Leveille nicht con
stallt ist, ja auch länglich und sphärisch kommen sie bei einem
und demselben Pilze vor. Die Sporn sind bei einigen Arten
glatt, bei auflern verrukös, bei andern tuberkulös. Vier Kup-
fertafeln mit sehr schönen Zeichnungen begleiten diese Ab-
handlungen.
Herr Berkeley*) hat ebenfalls eine sehr interessante
Arbeit über denselben Gegenstand geliefert, und dabei eine
nmsterhafte historische Darstellung der älteren Beobachtungen
über denselben vorangeschickt. Die BasiJes des Herrn Le-
veille nennt Hr. B. Sporopliores und die Cystides bezeich-
net er mit dem Namen der Utricles. Auch Herr B. sah, dafs
die Saamen bei der Gattung Agaricus regelmäfsig zu 4 auf-
treten; bei Ag. flexuosus fand er jedoch nur 2 Sporen oder
Saamen auf jedem Saamenträger. Der Inhalt der Sporenträ-
ger ward bei der Reife der Sporen ganz entschieden gekörnt,
und die Länge der Sporenträger ist auf einem und demselben
Individuum nicht immer gleich. Auch bei Boletus kommen
regelmäfsig 4 Sporen auf jedem Sporenträger vor, doch bei
andern Gattungen ist die Zahl derselben bei verschiedenen
Arten mitunter sehr verschieden; Ciavaria cristaia Pers.
hatte 2 oder auch 3 Sporen, Ciavaria crispata 3 oder 4;
Clav, vernicularis nur 2 und Ciavaria viscosa sogar nur
einen Saamen. Bei Cantharellus ciharius sind 6 Sporen,
wovon 4 gewöhnlich wie bei Agaricus gestellt sind und 2 andere
noch jenen 4 zur Seite u. s. w. Zwei Kupfertafeln begleiten
die Abhandlung; die Abbildungen sind richtig, aber nicht so
elegant als in der vorigen Arbeit des Herrn Leveille. Der
übrige Theil dieser Abhandlung ist von systematischem Interesse.
Herr Klotzsch hat in Albert Dietrich's Flora des
Königreichs Preufsen (6. Band. Berlin 1838) eine Reihe von
höheren Pilzen beschrieben und abgebildet, wozu überall specielle
*) Ott the Frtictification of the Pileaie und Clavate Tribes of
Hymenomycetous Fiingi. — Ann. qfnatur. hist. etc. London 1838 ji.
82-101.
53
Analysen des Ilymenimn's gegeben sind. Die Sporen tragen-
den Organe ^verdcn Sporenschlänche und die Paraphysen
(putrides Berc. und cysüdes Lev.) Pilzantheren genannt.
Bei der Beschreibung dos ylgaricus dclh/uescens Bull.
(Tab. 385) sagt Herr Klotzsch: „Was die Anthere betrifft,
so entwickelt sie sich mit den ersten Sporen zugleich und scheint
inderThat einen Befruchtungsakt auszuüben; sie springt nicht
auf (^venigstens habe ich es nie beobachten können); auch
geht ihr jene thätige Bewegung ab, wie sie an den Moos- und
Farrnantheren zu sehen ist; sehr häufig findet man bei nähe-
rer Untersuchung des Fruchtlagers der Hymenomycelcii ab-
gefallene Sporen an den Antheren klebend, welche abgenom-
men sämmtlich keimen, aber nur durch Transsudation befruch-
tet werden können, Folgerungen, die sich mir dadurch auf-
drangen, dafs Antheren, an welchen Sporen anklebten, an inne-
rem Gehalte verloren hatten, eingeschrumpft und unförmig er-
schienen, ohne dafs nur das geringste Zerreifsen des Anthcren-
sackes bemerkbar wurde; ferner dadurch, dafs von den frei-
willig abgefallenen Sporen der ersten Entwickelung nur wenige,
von denen der spätem Entwickelung aber nur in seltenen Fäl-
len und dann nur einzelne keimten."
Endlich hat auch Herr Ph ob us*) eine Reihe von Beobach-
tungen über die Fructificationsorgane der höheren Pilze bekannt
gemacht. Er unterscheidet an den Sporenträgern des Hyuie-
uiinns den Träger und die Stiele, worauf die Sporen unmit-
telbar sitzen und den Träger, mit den Stielen, deren Zahl bei
^igaricus 4 ist, nennt Hr. Ph. eine Te trade. An den Spo-
ren bemerkte er sehr oft in der einen Seite, ungefcilir in der
iMitte der Höhe des Keimkernes einen scharf begrenzten blafs-
rothen Fleck. „Zwischen den Tetraden zerstreut, in beträcht-
lich geringerer Zahl, finden sich bei vielen ^garicus-Artcn
(bei manchen, wie es scheint nur inconstant) noch andere,
mehr oder weniger in die Länge ausgedehnte, fast iuimer die
Tetraden überragende, übrigens verschieden gestaltete Jlervor-
ragungen „Nebenkörper, Paraphysen". welche man in sehr vie-
len Fällen nur für abnorm veränderte Träger zu halten hat."
*) Deutschland'skryptogamische Giftgewächse in Abbiltluiigon und
Eeschreibm)gen. Berlin 183S.
54
Auch in diesem Werke sind bei der Beschreibung der einzel-
nen Arten die Analysen des Hymeniums gegeben, worin man
die Form der Sporenträger und der Antheren-artigen Organe
dargestellt findet.
Schon aus diesen 4 verschiedenen Arbeiten geht die grofse
Meinungsverschiedenheit hervor, welche man über die Fun-
ction der Paraphysen hegt. Dafs die Paraphysen bei den Hut-
pilzen als befruchtende Organe anzusehen wären, das ist schon
eine Vermuthung aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahr-
hunderts, aber Buillard hat diese Ansicht wohl zuerst mit
Bestimmtheit und zwar in Folge genauerer Untersuchungen
vorgetragen. Auch Ref. hat diesem Gegenstand in der letzte-
ren Zeit seine Aufmerksamkeit gewidmet und seine Ansichten
über denselben in der Pflanzen-Physiologie (HI. pag. 465) be-
kannt gemacht; er hält jene Körper für Organe, welche eine
befruchtende Substanz enthalten, aber Beobachtungen zeigten
ihm, dafs sie einmal nur sehr sparsam auftreten, ja gar nicht
selten an ausgebildeten Pilzen, welche mit Tausenden ui^d
Tausenden von Saamen bedeckt sind: gänzlich fehlen. In vie-
len Fällen sieht man nur zu deutlich, dafs diese Körper aus
den abortirten Saameuträgern] hervorgewachsen sind, ja in
anderen schien es, dafs diese Saamenträger selbst nach dem
Abfallen der Saamen zu einer besonderen Gröfse anschwellen,
und dann ebenfalls als solche Autheren-artige Organe erschei-
nen; in beiden Fällen zeigen sie dann auf ihrer Spitze die
Stielchen, auf welche sonst die Saamen befestigt waren. Ich
bin also mit Herrn Phöbus zu einer und derselben Ansicht
gekommen, dafs die Antheren-artigen Organe für abnorm ver-
änderte Saamenträger zu halten sind, ich habe aber auch ver-
folgen können, dafs sich diese Organe unmittelbar aus den
cylindrischen Zellen des Fruchtlagers heranbilden, und dafs
diese eben dieselbe Gröfse und Länge erreichen, wie die
anderen. Es zeigt sich aber auch, dafs der Inhalt dieser aufser-
ordentlich entwickelten Gebilde, ganz von derselben Art ist
wie derjenige, welcher die kleinen, zurückbleibenden Zellen des
Fruchtlagers füllt; nur in Hinsicht der Menge findet hierin
Verschiedenheit statt. Ich sah bei ^garicus lacieiis und Co-
prinus, dafs die grofsen, sogenannten Antheren unter Wasser
aufplatzten und ihren Inhalt ausgössen, und die Moleküle,
welche in diesen Organen enthalten, sind von ziemlich regel-
inäfsiger Form und zeigen eine lebliafte Molekiilarbewegiing,
doch keine geschwänzte Saamenthierchen. Pirekte Befriich-
tungsversuche können hier nicht stattfinden, demnach läfst sich
die Funktion jener Organe nicht mit Bestiiiuntheit anweisen.
Glaubt man, dafs lüer eine wirkliche Befruchtung der Sporen
stattfindet, so kann diese nur nach Art der Befruchtung der
Fisch- und Amphibien-Eier erfolgen, denn die Sporen bilden
sich häufig schon viel früher aus, als die Füllung des Sporen-
trägers mit jener opaken und gekörnten Substanz stattfindet,
was ich ganz bestimmt beobachtet habe. Und eben so sah ich
die Sporen unsers gewöhnliclien Champignon's keimen, obgleich
ich keine besonders ausgebildete Antheren-artige Organe an
dem Hute der l*flanze, von welchem ich die Sj^oren nahm,
auffinden konnte.
Einige Mittheilungen über die angeblichen Antheren der
CopTinus-Arten hat auch ganz neuerlichst Herr Unger*)
gemacht; derselbe sali, dafs sie nichts weiter, als die gröfsten,
auch dem unbewafltneten Auge erkennbaren Schläuche des IJy-
ineiiium's waren; die Membran derselben war sehr dünn und
zart. Der Inhalt der reifen, iu's Gelbliche spielenden Anthere
war wässerig-schleiauger Natur, aber ohne Beimengung von
Körnern oder andern Körperchen. Ref. fand dagegen in dem
schleimigen Inhalte dieser Körper von verschiedenen ylgar'icus-
Arten, so Avie auch bei ^garicus Coprinus Kügelchen, welche
lebhafte Bewegungen zeigten. Herr Unger vergleicht diese
angeblichen Antheren der Pilze mit den Paraphysen, und jeden-
falls dürften sie weniger mit den Antheridien verglichen wer-
den. Das käme nun aber wohl auf eins hinaus, denn Herr
Unger lehrte an einem andern Orte (I.e. pag. 698), dafs sich
zwischen den Paraphysen der Moose und den Antheren der-
selben, Uebergäuge nachweisen lassen.
Herr Ascherson**) hat in einer kleinen Abhandlung
die Ansicht des Herrn Cor da bestätigt, dafs die Kügelchen
in den Sporen vieler Pilze, welche man mitunter fälschlich
*) Acta Acad. C. L. C. Vol. XVIII. P. IL p. 792.
**) Ueber die Oeltröpfeu, die in den Fortpflanzungskörpern der
Pilze enthalten sind- — PoggendorPs Annal. d. Physik. XLIV. p. 639.
56
auch Sporisien genannt hat, nicht anderes als Tröpfchen eines
fetten Oeles sind. Herr Corda nennt diese Bildungen schon
seit vielen Jahren nicht anders als Oeltröpfchen, und da wir
bei den Sporen der Moose und der Charen fettes Oel in noch
gröfsoren Tropfen gefunden haben, so ist das Auftreten des
Oeles in den Sporen der Pilze eine analoge Erscheinung. Ref.
glaubt jedoch, dafs man sicherer geht, wenn man sagt, dafs jene
Kiigelchen in den Sporen der Pilze aus einer öl- oder fett-
artigen Substanz bestehen, und diese Substanz findet Ref. auch
in den Zellenmembranen vieler Pilze wieder, deren Zellen-
gewebe sich fettartig verhält, ohne dafs man die Fettkörper in
den Zellen desselben sehen kann. Herr Ascherson sah diese
Körper bei ihrer Entstehung, obgleich noch unmerklich klein,
dennoch immer an ihren bestimmten Stellen auftreten, und in
anderen Fällen entstanden sie durch Verschmelzung einer gan-
zen Gruppe kleiner Kiigelchen. Da nun die Pilze sehr ein-
fach organisirt sind, so glaubt Herr Ascherson, dafs das-
jenige, was sie enthalten, zu den unentbehrlichsten Bedingung
gen jeder Organisation gehört, und man könne defshalb aus
der angegebenen Thatsache wohl wichtige, allgemeine Folge-
rungen ziehen. Schliefslich spricht Hr. Asch, noch die Hypo-
these aus, dafs die Existenz zweier heterogener Flüssigkeiten
ein nothwendiges Requesit der Zellenbildung zu sein scheine,
eine Hypothese, welche er später ausführlicher entwickeln Avird.
Herr T. A. Quevenne*) hat eine sehr ausführliche Ar-
beit über mikroskopische und chemische Untersuchungen der
Hefe, nebst Versuchen über die Weingährung geliefert. Schon
im vorigen Jahresberichte wurde dieser Gegenstand sehr ausführ-
lich behandelt und die mikroskopisclien Beobachtungen der Herrn
Cogniard-Latour und Schwann, so wie des Referenten
Zusätze haben denselben in physiologischer Hinsicht schon
viel weiter gebracht, als wir ihn in dieser Arbeit des Herrn
Quevenne finden, ja derselbe ist noch nicht einmal vollkom-
men überzeugt, dafs die sogenannten Kügelchen des Fermen-
tes wirkliche Pflanzchen sind. Die vorliegende Arbeit ist aber
in anderer Hinsicht überaus schätzensvverth, und besonders
interessant sind die vielen Versuche über das Verhalten dieser
*) Journal d. Fhartnac. Juin 1838. pag. 265.
57
Gähriingspflänzchen in verschiedenen Substanzen, durch welche
die Gährung bald befördert bald unterdrückt wird.
Herr Quevenne reinigte das Bicrforment durch mehr-
faches Auswaschen mit Wasser und überzeugte sich alsdann,
dafs gerade der gleichartige weifse Brei, welcher nach 3 bis
4fachem Waschen übrig blieb (und dieser besteht ganz und
gar aus den Gahrungs-Pilzchen Ref.), die Gährung erregende
Eigenschaft in einem hohen Grade besitzt. Das abgelaufene
Wasser, welches den Extractivstoff enthielt, zeigte sich in die-
ser Hinsicht nur von schwacher Wirkung. Wir haben im
vorigen Jahresberichte kennen gelernt, dafs die Gährung stets
mit der Erzeugung und dem W^achsthume der kleinen Gährungs-
oder Zucker-Pilze begleitet ist; Herr Quevenne fand bei
seinen Versuchen, dafs Terpentinöl, Blausäure, Sublimat, essig-
saures Kupferoxyd u. s. w. die Gährung verhindern, und die-
ses sind denn auch sämmtlich Substanzen, welche als heftige
Gifte gegen Pflanzen wirken, dagegen zeigen Morphin und
Strychnin keinen schädlichen Einflufs auf den Gährungs-Pro-
zefs, so dafs man daraus schliefsen könnte, dafs die Gährung
durch alle diejenigen Substanzen unterdrückt wird, welche auf
die Gährungs-Pilze als Gifte wirken.
Der Einflufs des Gährungs-Pilzes auf die Zersetzung des
Zuckers wird sehr richtig, als ganz verschieden von der Wir-
kung dargestellt, welche die katalitischen Körper auf einander
zeigen, aber Herr Quevenne scheint gefunden zu haben,
dafs die Anwesenheit gewisser freier, organischer Säuren bei
der Entwickelung der Gährung nöthig ist, und dafs Alkalien
diese Wirkung hemmen.
Am 23. Juli hat Herr Turpin*) von der Akademie der
Wissenschaften zu Paris einen Bericht über eine neue Abhand-
lung des Herrn Cogniard-Latour: Beobachtungen und Ver-
suche über die Ursache und Wirkung der weinigen Gährung
vorgetragen, worin wir die Angabe finden, dafs die Vermeh-
rung der Zucker- oder Gährungs-Pilze nicht nur durch Erzeu-
gung von Knospen vor sich geht, sondern dafs sicli diese ein-
fachen Pflänzchen bei ihrer Einwirkung auf die Bierwürze zu-
sammenziehen, kleiner werden und dabei Brutköruclien seheu
0 Cornjjt. rend. 1838. //.
58
lassen, welche sich wieder durch Knospen vermehren, sobald
sie die Gröfse der Mutterpflanze erreicht haben. Diese letztere
Angabe möchte aber doch, wie Ref. glaubt, noch Bestätigung
verdienen, er selbst hat das Pflänzchen vielfach beobachtet und
in fig. 22. Tab. X. seiner Physiologie etc. (III. pag, 465) ab-
gebildet und beschrieben, aber immer nur das sprossende
Wachsen derselben gesehen. Dergleichen einfache Pflänzchen
vermehren sich allerdings ganz gewöhnlich gerade durch Spo-
ren, die im Inneren ihrer Schläuche entstehen, dann ist aber
mit der Bildung dieser Sporen oder Brutköruer zugleich der
Untergang der Zelle bedingt, worin jene gebildet ^>^urden; ein
Zusammenziehen und Kleinerwerden derselben ist aber behufs
solcher Fortpflanzung noch nicht beobachtet. Der Ursprung
der Kohlensäure, welche sich bei der Gährung entwickelt, lei-
tet auch Herr Cogniard-Latour von der Vegetation des
Gährungspilzes ab.
Endlich hat auch Herr Turpin*) eine besondere Arbeit
über die Natur des Fermentes geliefert, welche aber in ihren
Resultaten jenen Mittheilungen nachstehen möchten, die Refe-
rent schon im vorigen Jahresberichte gegeben hat. Es finden
sich keine neuen Beobachtungen in dieser Arbeit des Herrn
Turpin über den genannten Gegenstand, wohl aber mehrere
sehr irrthümliche Annahmen, gegen welche es Pflicht i^t zu
warnen. Alle Hefen, sagt Hr. Turpin, bestehen aus organi-
schen Geweben, von welchen sie sich isoliren und zwar in
Form von Kugel chen, welche oft im Augenblicke der Tren-
nung selbst dem Mikroskope unsichtbar sind. Eben so irrthiim-
lich ist die Angabe, dafs es durch mikroskopische Beobach-
tungen nachzuweisen sei, dafs die kleinen Kügelchen der Stärke
des Eyweifskörpers der Gerste u. s. w. der Ursprung der Bier-
hefe und aller der Vegetation ist, welche darin vorkomuit
und durch Herrn Turpin mit Mvcodenna cevevisiae bezeich-
net wird. Diese Angaben beruhen auf Herrn Tu rpin's Lieb-
lingsansicht von den Globuline, welche aber schon längst als
grundlos nachgewiesen ist, aber von ihrem Urheber noch iuimer
sehr wohlgefällig vorgetragen wird.
*) Sur la cause et les effets de la fermentation alcoloique et
aceteuse. — L'Institut de 1830. 23. Aout 1838. — Compt. rendus sec.
semestre pag, 369 — 402.
59
Herr Turpin glaubt auch gesehen zu haben, dafs sowohl
einzelne, wie auch ein ganzer Theil des aus perlschnurförmig
aneinander gereihten Kiigelchen bestehenden Stieles, einen
Theil, oder auch sämnitliche innere Kiigelchen in Gestalt einer
Rakete ausstiefsen.
Referent kann es nur bedauern, dafs er das Unglück hat
Herrn Turpin fast bei jeder Gelegenheit widersprechen zu
müssen; die Schuld liegt nur an Herrn Turpin, der in sei-
nen Beobachtungen nicht nur sehr ungenau ist, sondern sich
auch stets bestrebt zu lehren, ohne die Erfahrungen seiner
Vorgänger zu erlernen, oder die Lehren seiner Zeitgenossen
zu achten. Es finden freilich viele Naturforscher, dafs die
Beobachtung neuer Thatsachen viel leichter ist, als die Erler-
nung der schon beschriebenen; letzteres ist aber unbedingt
nothwendig.
In Folge dieser pomphaften Arbeit des Herrn Turpin,
welche von den grofsartigsten Zeichnungen begleitet gewesen
sein soll, ist denn auch so eben eine andere neue Theorie
über den Gährungsprozefs aufgestellt, welche ganz unterhaltend
zu lesen ist.*) Hiernach sind es Infusorien, welche mit Heifs-
hunger den Zucker verschlucken, und dafür Weingeist durch
den Darmkanal und Kohlensäure durch die Urinblase entleeren.
Wenn der Zucker verbraucht ist, so fressen sich die Thiere
gegenseitig auf und alles wird verdauet bis auf die Eyer,
welche unverändert wieder abgehen.
Der Verfasser dieser Satyre hat mit dem letzteren Satze
sehr gut zu zeigen gewufst, dafs die Gährungspilze keineswegs
die Ursache der Gährung sein können, denn sie sind gerade
in sehr grofser Anzahl vorhanden, wenn die Gährung in einer
solchen Flüssigkeit aufhört.
Herr James Blake**) hat sehr interessante Versuche
über electrische Strömungen angestellt, welche wärend des
Gähr- und Vegetations-Frozesses erzeugt werden; der Gegen-
stand erscheint dem Ref. von grofser Wichtigkeit und die
*) S. Das enträthselte Geheimnifs der geistigen Gährung in den
Annalen der Phamacie von Köhler und Lieb ig. Jan. 1839.
**) On the Electrical Currents yroduced di/räig the Processes oj
Fermentation. — London and Edinö. Phil. Mag. 1838 /. p. 559.
60
fernere Beobaclitung desselben ist der nächsten Zeit recht sehr
zu empfehlen. Der Verfasser dieser Abhandlung fand, dafs
sich die Hefe in einem electronegativen Zustande befindet, und
die umgebende Flüssigkeit in einem positiv electrischen, wenn
die Hefe mit Zucker in Berührung tritt und in Letzterem die Er-
scheinungen der Gährung hervorruft. Galvanisclie Ströme,
welche durch gährende Flüssigkeiten geleitet wurden, beför-
derten stets die Gährung. Herr Blake beobachtete auch, dafs
sich wärend des Vegetationsprozesses ebenfalls electrische Stö-
mungen erzeugen, und zwar sah er die Oberfläche eijies Blat-
tes positiv electrisch und das umgebende Medium negativ elec-
trisch. Die An- oder Abwesenheit des Lichtes hatte auf die
Richtung der Strömung keinen Einflufs, aber bei Tage war
mehr Electricität in Bewegung gesetzt.
Schon in meinem ersten Berichte vom Jahre 1834 habe
ich eine Arbeit des Herrn Turpin angezeigt, worin derselbe
seine Lieblingsansichten über die ideale Struktur der Pflanzen
und der allereinfachsten Pflänzchen mitgetheilt hatte, gegen-
wärtig ist diese Arbeit vollständig erschienen*) und mit einer
prachtvollen Abbildung über die Entstehung des Cantharellus
Dutrochetii Tuvp. begleitet, welche ebenfalls schon 1834 aber
durch Herrn Dutrochet vorgetragen wurde. Diese Darstel-
lung über das Hervortreten der Fruchtträger jenes Pilzes aus
den feinsten Zweigen des Thallus ist überaus gut, die Analyse
über das Gewebe desselben, so| wie die Struktur der Fru-
ctificationsorgane sind jedoch ganz irrthümlich aufgefafst, und
-nur aus diesem Grunde konnte die Entstehung dieses Pilzes
zur Bestätigung der Lieblingsansichten des Herrn Turpin
beiuitzt werden.
Herr Ad. Brongniart**) hat der Akademie zu Paris
einen Bericht über ein Memoire des Herrn Montagne ab-
*) Observations gener ales sttr l'orgam'sation et la physiologte des
vegetuHX, coiisideres comme de grandes associations de vegetaux plus
simples, covfervdides, et simplement agglutines. — Mem. de l'Academ.
Roy (de des sciences de ['Institut de France. Tome XIV. Paris 1838.
pug. 10.5 — 154.
*'■) Rapport sur un Mem. de M. le docteur Montagne, sur l'orga-
nisation et le mode de reproduction des Caulerpees et en parliculier
da CaiUerpa Webbiana. ~ Compt. rend. d, 183bi /. pag, 2t)9.
61
gestattet, worin dieser die Organisation und die Fortpflanzung
der Caulerpien beschreibt; die Arbeit wird in den Memoires
des Savans Etrangers erscheinen. Die Sporen dieser Algen
entwiclieln sich wie bei den Ulvaceen im Allgemeinen, und
nach ihrem Hervortreten aus den Zellen zeigen "Sie ebenfalls
eine freie Bewegung, bis sie sich wieder vergröfsern. —
Später ist diese Abhandlung des Hr. Montagne in den An^
nales de* Scienc. natuv.*) erschienen; sie enthält aufser der
Betrachtung der Caulerpien in systematischer Hinsicht, nocb
einen ausführlicheren Abschnitt über die Fructification dieser
Gattung, worin einiges Allgemeine über die Bewegung der
Sporen dieser Pflanzenfamilie mitgetheilt wird.
Herr F. Dunal**) beobachtete die Ursache der rothen
Färbung, welche das Seewasser des Mittelländischen Meeres
in den Reservoirs der Salinen jener Gegenden so häufig zeigt ;
er fand aufser der grofsen Anzahl an kleinen Thieren, welche
zu dieser Färbung beitragen, auch mehrere kleine Algen und
zwar einen Protococcus, den er salmus nennt und auch einen
Ilaemafococcus, welchen er ebenfalls saliiius nennt. Herr
Dunal glaubt jedoch, dafs der Protococcus nur ein junger
Haematococcus ist. Es ist nur zu bedauern, dafs diesen Mit-
theilungen keine Abbildungen beigegeben sind, denn sicherlich
gehen nun diese beiden augezeigten Algen als neue in die
systematischen Handbücher über, was sie aber wohl schwer-
lich sein möchten.
Herr Unger***) hat ein Wesen, welches, wie er selbst
sagt, ohne Zweifel die bekannte und vielfältig beschriebene
Oscillatoria labyrinthiformis Agdh. ist, als SpiriUum Os-
cillatoria beschrieben und abgebildet, und erklärt dasselbe,
■wie die Oscillatorien überhaupt, für Thiere. Er fand die
Oscillatorie spiralförmig gevv'unden, bald rechts, bald links
gewunden; die Ortsbegung ward sowohl durch die Spiraldre-
hung der Faser selbst, als durch wellenförmige Bewegungen
des ganzen Fadens bewerkstelliget. Je nachdem das Thier
*) Mars 1S38 pag. 129 — 150.
**) Ann. des sc/ens nat. 1838 /. pog-. 172.
*♦♦) Ueber Oscillatoria labyrinthiformis Jgdh. — Acta Acad. C.
L. C. nat. cur. Vol. Will. P. IL pdg, 705. Tab. Uli f. 3.
62
vorwärts oder rückwärt». kriechen will, dreht sich die Faser
von links nach rechts, oder von rechts nach links, wobei zu-
gleich durch die seitliche wellenförmige Bewegung nachgehol-
fen wird. Je länger das Individuum um so schneller die Be-
wegungen. Kleinere Stücke von \ Linie Länge haben keine
Spiral bewegung mehr und schwanken nur nach Art der andern
Oscillatorien hin und her.
Referent hat Beobachtungen über die Fortpflanzung der
Oscillatorien bekannt gemacht (Pflanzen-Physiologie III. p. 443),
aus welchem er schliefst, dafs die Oscillatorien zu den Pflan-
zen gehören; ausführlich sind auch die Bewegungen dieser Ge-
wächse von ihm erörtert (1. c. III. pag. 563) und er vermochte
nicht den Kopf derselben zu erkennen, von welchem andere
Botaniker so Vieles gesprochen haben. Auch Herr Ehren-
berg hat sich noch in der letzten Z^jit dafür ausgesprochen,
dafs die Oscillatorien zu den Pflanzen gehören.
Die spiralförmige Drehung, welche Herr Unger an der
Oscillatoria lahyrinthi/orinis yjfgdh. beobachtete, kommt die-
ser Pflanze nicht allein zu, ich habe dieselbe ebenfalls an be-
kannten Arten beobachtet und fand, dafs es eine ähnliche Er-
scheinung ist, wie die spiralförmige Windung der Spirogyren.
Ref. sah auch die spiralförmig gewundene Oscillatorie ruhen,
doch wenn sich eine solche bewegt, so mufs sie wohl dem
Laufe der Spirale folgen. Demnach berechtigt diese spiralför-
mige Drehung keinesweges zur Aufstellung einer neuen Art,
noch weniger aber zur Ueberführung\ der Oscillatorien zur
Gattung Spirillum.
Mad. Griff iths*) hat der Linne'schen Gesellschaft zu
London die Beobachtungen mittheilen lassen, dafs sich das
Laub der Laminaria digitata regeiierirt; sie konnte zwar
nicht mit Bestimmtheit angeben, ob diese Regeneration alljähr-
lich geschieht, sie glaubt es aber, weil diese Pflanzen im Juni
und Juli so äufserst frisch dastehen und dagegen im April und
Mai eine überaus grofse Menge dieses Fucus ausgeworfen
wird. Bei Laminaria bulhosa und L. saccharia soll es sich
ebenso verhalten.
*) S. Froriep's Notizen ete. V. Bd, 1838 pag. 346.
63
In Herrn Giuseppe Meneghini's*) Arbeit über die
Algen sehen wir eine Vorarbeit zu einer systematischen Auf-
stellung der Gattungen dieser Familie; die grofsen Schwierig-
keiten, welche dieser Gegenstand aufzuweisen hat, sind Jedem
bekannt, der sich mit der Beobachtung der Algen beschäftigt
hat. Es nnifs hier freilich viel zerstückelt werden, was auch
Herr Meneghini gethan hat, um zum Ziele zu kommen, aber
Herrn Agar dh's Anordnung der Algen-Gattungen möchte den-
noch viel zweckmäfsiger sein als diese neue. Da die Anord-
nungen der Algen ganz und gar auf die Struktur dieser Ge-
wächse begründet sein mufs, so glaube ich dieselbe in vorlie-
gendem Bericht hineinziehen zu dürfen. In dem Conspectus
genej'um sind die Gattungen nach folgenden Gruppen aufge-
führt: Protococcoideae, N ostochmcac, Hydrureae, Rivula-
cieae, Batracliospennae, Lepfowiteae, Oscillarieae, Lyng-
hyeae, Cadmeae, Oonfervae, Lemanieae, Hydrodictyeae,
Ceramieae, Corall'meae, Zygnemeae, Desmidieae, Sipho-
neae, Caulerpeae, Ulveae, Florideae, Thawnasieae, Spon-
giocarpeae, Furcillarieae, Chordarieae, Sporochnoideae,
Dictyoteae, Laminarieae, Lichineae und Fucoideae. Die
Stellung der Zygnemeae entfernt von den Conferven, so wie
der Desmidieae hinter den Ceramieen u. s. w. wird sogleich
auffallen, aber bei der Anordnung der Gattungen zu Gruppen
sind mitunter noch auff'allendere Zusammenstellungen zu finden,
wie z. B. Bidlwchaete Ag. zu den Ceramien. Die Desmidieae
hat Herr Menighini, wie fast alle andere Botaniker, eben-r
falls zu den Pflanzen gestellt, wärend zu gleicher Zeit alle
dahin gehörigen Gattungen durch Herrn Ehrenberg als In-
fusorien beschrieben sind.
Herr Morren**) gab die Beschreibung der Entwicke-
lung einer Conferve, welche er nicht nur als eine neue Art
erkennt, sondern selbst eine neue Gattung darauf gründet, die
*) Cenni Sulla organografia e fisiologia ^elle Alghe. Padova
1836. 4/0.
**) Kecherch.es physiologiques sur les Hydrophytes de la Belgique.
Premier Memoire: Eist, d'un genre 7iouveau de la tribu des Coiifer-
rees, nomme Aphanixoineme. Mem. lu a L'Acad. roy. de scienc. de
Bnixelles le 2 Dec. 1837. Brnxelles 1838. \to.
64
er Aphanizomenon nennt und die dahin gehörige Art mit
dem Beinamen incurvwn belegt. Es ist hier nicht der Ort,
die Gründe zu beleuchten, welche Herr Morreu berechtigten
diese Pflanze als neu zu beschreiben und darauf eine eigene
Gattung zu gründen, sondern Ref. macht nur auf die physiolo-
gischen Beobachtungen aufoierksam, welche Hr. M. bei jener
Pflanze angestellt hat. Leider sind die Beobachtungen mit zu
geringen Vergröfserungen angestellt, so dafs selbst die Abbil-
dungen noch nicht ausreichend sind. HerrMorren beobach-
tete an der genannten Conferve, dafs sich die Fäden dersel-
ben in grofsen Massen vereinigt entwickeln, so dafs sie förm-
lich zusammengeklebt erscheinen und er glaubt, dafs dieses
die Folge der Wirkung einer attractiven Kraft sei, welche
nichts andres, als Electricität zu sein scheine, indem alle hete-
rogenen Gebilde ibei der Berührung Electricität entwickeln.
Herr Mo r reu sah bei dieser Conferve, was man auch schon
früher beobachtet hat, dafs sich die Glieder der Fäden von
einander trennen und sich bewegen, und diese Bewegung hält
er für die Wirkung einer positiven Electricität.
Herr Biasotetto*) hat bei der Versammlung der Na-
turforscher zu Prag einen Vortrag über die Metamorphose der
Algen gehalten; er will beobachtet haben, dafs sich die Reste
kleiner Algen z. B. von Sporochnus, Calothrix, Exillaria tvun-
cata Grev. und FructuUa Momeate Kütz. mit destillirtem
Wasser übergössen und monatelang einer Temperatur von
12 — 15 " R. ausgesetzt, in Substanzen umwandelten, in wel-
chen er eine Tetraspora {plivacea genannt), die Palmella
hotryoides und auf den Boden des Glases auch noch ver-
schiedene Fructulien beobachtete. Aehnliche Versuche wur-
den mit Bryopsis plumosa angestellt; das Glas wurde eben-
falls der Sonne zugekehrt und nach einem Jahre zeigten sich
grüne Flecke, welche slus Palmella hotryoides und FructuUa
hyalina bestanden. Den Rückstand eines Abgusses von Sphae-
rococcuss confervoides stellte Hr. Bias ölet to im Februar in
ein Glas mit 2 Unzen destillirtem Wasser und gofs 4 Tropfen
Silberglättessig hinzu; es bildeten sich hierauf kleine Wolken
und im Anfange des Mai's fand er Hygrocrocis moniliformis
*) Flora 183S. II. pag. 409.
65
s V
darin. Bei einem andern Versuche wurde Brunnenwasser ge-
nommen, worauf sich in demselben mehrere übereinander
gelagerte Wolkenschichten bildeten, in welchen Herr B.
später verschiedenartige Algen entstehen sah, welche er zwar
etwas beschreibt, dieselben aber nicht bestimmt; Abbildungen
derselben wären freilich am wiinschenswerth«sten gewesen.
Hr. Reichenbach hat an eben demselben Orte über die
Wichtigkeit dieser Beobachtung gesprochen; es gehe aus der-
selben hervor, dafs die Formbildung abhängig erscheine von
den chemischen Verhältnissen des Wassers, in welchem sie
sich befinden. Herr Biasoletto habe bewiesen, wie die Glie-
der nach dem verschiedenen chemischen Fluidum in den ver-
schiedenen Gestalten erschienen sind.
Die" wahren Freunde der Wissenschaft werden gewifs
nicht verkennen, dafs Hr. Reichenbach hier wie überall die
ihm vorliegenden Thatsachen geistreich auffafst und zusammen-
stellt, aber diese, soeben angegebenen Thatsachen scheinen dem
Referenten zu so wichtigem Schlüsse (obgleich er demselben
sehr hold ist) nicht genügend. Wir haben schon durch R.
Treviranus und unlängst auch durch Hrn. Dutrochet Be-
obachtungen erhalten, aus welchen erwiesen werden sollte,
dafs physische Kräfte und chemische Verhältnisse die Formen
der niedern Pflanzen bestimmen könnten; ich habe jedoch die
Dutrochetschen Versuche in dieser Hinsicht sehr häufig
wiederholt und konnte dieselben nicht bestätigen. Dergleichen
Beobachtungen müssen überaus häufig wiederholt werden und
müssen stets gleiche Resultate geben, wenn man so wichtige
Schlüsse daraus ziehen will.
Herr Ehrenberg*) hat in seinem grofsen Prachtwerke
über die Infusionsthierchen abermals eine sehr grofse Menge
von Geschöpfen beschrieben und abgebildet, welche die Bota-
niker zu den Pflanzen zählen. Diese Abbildungen kommen
allen Naturforschern höchst erwünscht, denn bei den voll-
kommenen Pflanzen sind heutigen Tages die treuesten Abbil-
dungen unumgänglich nöthig, aber bei den niedern, mikrosko-
*) Die Infusionsthierchen als vollkommene Organismen. Ein Blick
in das tiefere organische Leben der Natur. Nebst einem Atlas von
64 colorirten Kupfertafeln, gezeichnet vom Verfasser. Leipz. 1838. foJ.
V. Jahrg. 2. Band. r»
66
pischen (»'escliöpfen ist es noch viel wichtiger, dafs sie alle
in Abbildungen vorliegen. Dem Systematiker ist es gleich,
ob dergleichen Geschöpfe als Thiere oder als Pflanzen abge-
bildet werden, denn sie bleiben defswegen immer was sie
sind, und es erscheinen denn auch beständig noch gegenwärtig,
wie seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, mehr oder
weniger gründliche Schriften, in welchen ein und dieselben
Geschöpfe von dem .Einen zu den Thieren, von dem Anderen
zu den Pflanzen gezogen werden. Es war schon einmal in
diesen Jahresberichten (S. d. Jahresbericht von 1834 und den
von 1836) über den fraglichen Gegenstand die Rede, aber seit
jener Zeit haben sich, durch die Verbesserung der Mikroskope,
die Beobachtungen über denselben sowohl für als gegen in
hohem Grade vermehrt, daher Referent denselben nochmals,
wenn auch in aller möglichen Kürze berühren mufs, denn bei
denjenigen einfachen Geschöpfen, welchen man nicht sogleich
ansehen kann, ob sie zu den Thieren oder zu den Pflanzen
gehören, bei denen ist es der Physiologen Aufgabe, ihre Na-
tur näher zu erforschen. In dem genannten Werke hat Herr
Ehren her g nicht nur systematische Beschreibung der frag-
lichen Thiere oder Pflanzen gegeben, sondern überall finden
sich seine eigenen Beobachtungen, sowie auch diejenigen sei-
ner Vorgänger über die Natur derselben sehr ausführlich zu-
sammengestellt, doch sind immer die erkannten Thatsachen
in der Ansicht gedeutet, als wären jene Geschöpfe wirkliche
Thiere; aber eben dieselben Thatsachen erhalten eine ganz
andere Bedeutung, wenn man von der Ansicht ausgeht, dafs
jene Geschöpfe Pflanzen sind. Es fragt sich nun, welche An-
sicht die richtige ist, und ob die eine oder die andere po-
sitiv zu erweisen ist. Ref. schlägt zur Beantwortung dieser
Fragen den kürzesten Weg ein, indem er dergleichen Gat-
tungen aufführt, w^elche nach seinen Ansichten ganz entschie-
den zu den Pflanzen gehören, und, um es auch zu erweisen,
die Deutung der Thatsachen widerlegt, welche Herr Ehren-
berg für seine Ansicht aufgestellt hat. Doch möge man diese
Mittheilungen nicht unrichtig deuten, sie sind durchaus harm-
loser Natur und das Resultat vieljähriger Beobachtung jener
Geschöpfe, welche sowohl durch ihre Structur wie durch ihre
ganze Bildungsgeschichte sich den Pflanzen zureihen. Diese
67
Sache ist aber noch deishalb von hoher Wichtigkeit, weil jene
niedern Pflanzen sehr bestimmt erweisen, dafs es auch un-
vollkommene Organismen giebt, d. h. dafs es Geschöpfe giebt,
welche so einfach gebaut sind, dafs ihnen alle die besonderen
Organe abgehen, welche den höhern Thieren zukommen, und
dennoch ernähren sie sicli, sie leben und pflanzen sich fort.
Solche einfache Geschöpfe sind es aber auch nur, sowohl un-
ter den Thieren', wie unter den Pflanzen, welche auch ohne
Eyer und ohne Säamen, durch sogenannte generatio oiigi-
naria entstehen können. Die Bildung der Zellen bei Pflan-
zen und Thieren, wie wir sie gegenwärtig kennen gelernt
haben, führt uns endlich zur unmittelbaren Beobachtung über
die Vorgänge, welche bei der generatio originaria stattfin-
den, und die nächste Zeit möchte sich wiederum an diesen
nberatis wichtigen Gegenstand machen. Die Bildung der
Schimmel aus der »Stärke u. s. w. ist in dieser Hinsicht am
vortheilhaftesten zu beobachten.
Das erste Pflänzchen, welches wir in Herrn Ehrenberg's
Werke beschrieben und abgebildet finden, ist Goniwn (?)
franc/uilli/Tn Ehr. Ref. entdeckte dasselbe 1828, er theilte
eine Abbildung davon mit und nannte es später Merismo-
pedia punctata. Herr Ehrenberg selbst hat nichts Thieri-
sches an diesem Pflänzchen beobachtet, welches zu den Ulva-
ceen gehört, und sich durch die beständige regelmäfsige Selbst-
theilung, welche ich im 3ten Bande der Pflanzen- Physiologie
(p. 441) näher beschrieben habe, so höchst auffallend aus-
zeichnet.
Ebenso entschieden gehören die Closterien zu den Pflan-
zen, aber Hr. Ehrenberg führt folgende Gründe an, aus
\Velchen sie zu den Tliieren gezählt werden sollen: 1) Die
Closterien haben freiwillige Bewegung, 2) sie haben an den
Spitzen Oeffnuugen, 3) sie haben fortdauernd bewegte, sogar
hervorragende, beständige Organe dicht hinter den Oefl'nun-
gen und 4) sie haben quere Selbsttheilung. Aber alle Pflan-
zen, sagt Hr. Ehr., Avelche freiwillige Bewegungen, offene
Mündungen, Füfse und Selbsttheilung haben, die könne man
zu den Thieren zählen, auch ohne sie essen zu sehen. Die-
sen letztern Schlufs wird gewifs jeder Botaniker als richtig
anerkennen, aber die drei Vordersätze, worauf der Schlufs
5*
68
gebanet ist, sind wohl als nicht richtig zu erweisen, wie es
Referent (Pflanzen-Physiologie III, p. 442, 448 u. 449) gethaii
hat. Für die entgegengesetzte Ansicht, dafs die Closterien
Pflanzen sind, kommen nun noch folgende wichtigste Beobach-
tungen: Die Structur der Closterien ist gänzlich die der Con-t
ferven\ ihre Saamenbildiing und die Entwickelung dieser
Saamen ist gänzlich die der Conferven. Auch das Auftreten
des Amylum^s im Innern der Closterien, womit sie mitunter
fast ganz gefüllt sind, ist ein schlagender Beweis, dafs- die
Closterien wirkliche Pflanzen sind. Sie haben keine Füfse;
was Hr. Ehr. dafür ansah, sind selbstbewegliche Moleküle,
welche bei Closterium Trahecula zu 5 — 600 und darüber
vorkommen und einen Kanal im ganzen Verlaufe des Pflänz-
chens dicht erfüllen. Ihre Function ist schwer zu deuten;
sie kommen aber auch bei sehr vielen Cofiferven vor und
vielleicht sind sie mit den Saamenthierchen der Pflanzen zu
vergleichen.
Zu der grofsen Familie der Bacillarien hat Hr. Ehren-
berg 35 bis 36 Gattungen gebracht, welche man aber wohl
zweckmäfsiger in zwei besondere Familien theilen kann, näm-
lich in die Familie der wirklichen Bacillarien und in die
Familie der Desmidieae, diese letztere ist auch schon von
Hrn. Meneghini in der vorher aufgeführten Schrift festge-
stellt; sie, umfafst wirkliche Algen, über deren Natur kein
Zweifel sein darf, dagegen die Bacillarien noch immer, ganz
nach der Ansicht des Autor's, bald zu den Algen, bald zu den
Infusorien gestellt werden können; diese Letztern hat Herr Me-
neghini in seinem Algensystem gar nicht aufgeführt und hält sie
also wahrscheinlich ebenfalls für Thiere. Zu den wirklichen Al-
gen gehören folgende Gattungen von Ehrenberg's Bacilla-
rien: Desmidium Ag., Staurastrum Meyen, Pentasterias
Ehrejib.f Sphaerastrwn Meyen, Xanthidiwn Ehrenh., Sce-
nedesmus Meyen, Odoniella Ag. und Pediastrum Meyen
(Micrasterias -Ag.^ und Euastrwn Ehrenh. Bei allen die-
sen Gattungen ist bisher nichts beobachtet worden, was als
Beweis für die thierische Natur dieser Bildungen sprechen
könnte. Wirkliche Bewegungen aus innerer Ursache sah ich
nur bei Sphaerastrum, und die geringen Bewegungen, wel-
che man bei einigen Gattungen bemerkt haben will, sind wohl
«9
von der Art, wie die BcAvegungen der Covferven, welche
bald in der Tiefe des Wassers, hald auf der Oberfläche des-
selben vegetiren; diese Erhebung aus der Tiefe ist aber mei-
stens mit sichtbarer Gasentwickelung verbunden. Die Ver-
mehrung durch Selbsttheilung kommt allen diesen Gattungen
zu; Hr. Ehrenberg sieht diese Selbsttheilung als den wich-
tigsten und entscheidendsten Character für die thierische Natur
der Geschöpfe an, doch Ref. liat in seiner Pflanzen-Physiologie
(III. pag. 440 etc.) auf das Entschiedenste nachgewiesen, dafs
die Selbsttheilung sehr allgemein, sowohl bei niederu, als bei
den Elementarorganen der höchsten Pflanzen auftritt. Die
kleinen Bläschen mit lebhafter Molekularbewegung, welche in
der niedlichen Gattung Euastritm auftreten, sind ganz iden-
tisch mit jenen bei den Clostciien und den Conferven (S.
meine Pflanzen-Physiologie III. pag. 449) und ich sehe über-
haupt nicht recht ein, wefshalb nicht Closterium. neben Eua-
stnnn gestellt wird. Die grünen Körner, welche im Innern
der Zellen der meisten Besmidieen auftreten, sind ganz ähn-
lich den grünen Körnern in den Confej'ven-ZeWen; Hr. Eh-
re nberg möchte sie als Eyer deuten, doch ich habe mitun-
ter ihre Entwickelung zu Sporen beobachtet, und bei mehre-
ren Gattungen habe ich (deutlich gesehen, dafs sie mitunter
yfmylum-h&hi^ werden, ja zuweilen sogar ganz aus Amylum
bestehen.
Die zweite Section der BaciUavien des Herrn Ehren-
berg umfafst die eigentlichen BaciUavien, sie wird daselbst
mit dem Namen der Naviculacea belegt; hierher gehören die
unzähligen Formen, welche neuerlichst durch ihr Vorkommen
im fossilen Zustande so grofses Interesse erregt haben; von
ihnen glaubt Hr. Ehrenberg und sehr viele andere Natur-
forscher mit aller Bestimmtheit annehmen zu können, dafs sie
ganz entschieden zu den Thieren gehören. Die Gründe, wel-
che für diese Annahme aufgeführt werden, sind indessen eigent-
lich noch immer so schwach, dafs es, vorläufig wenigstens,
noch immer zweifelhaft bleibt, ob die Bacillarien wirkliche
Thiere sind. Die Bewegungen der Bacillarien sind indessen
mitunter so überaus frei, dafs sie ganz thierisch erscheinen,
sie sind aber noch lange nicht so frei und lebhaft, wie die
Bewegungen der Algensporen und der Saamenthierchen, welche
70
doch Pflanzen oder Pflanzen theile sind. Die Bewegung, möchte
also kein sehr beweisender Grund sein, dafs die BacillaT-ien
zu den Thieren gehören. Die gewöhnlichste Fortpflanzung
der Bacillarien geschieht durch Selbsttheilung, welche aber
auch den Zellen der höhern Pflanzen eigen ist; nur überaus
selten geschieht die Vermehrung durch Sporen oder Eyer.
Bei den Navicidis hat Ref. gesehen, dafs die Kieselhüllen sich
theilten und dadurch der eine der zwei kugelförmigen Kör-
per frei wurde, welche im Innern ejithalten waren; ihre
Ausdehnung zu neuen Individuen hat Ref. jedoch nicht un-
mittelbar gesehen. Form, Struktur und überhaupt der Habi-
tus der Bacillarien ist ofi'enbar von der Art, dafs man sie
zu den Pflanzen zählen möchte, dagegen spricht aber eine
Erscheinung, welche von sehr hohem Interesse ist; man sieht
nämlich bei manchen Naviculis (Hr. Ehrenberg hat es bei
JSavicula viridis beschrieben und abgebildet), dafs kleine Mo-
leküle, z. B. die Moleküle des Indigo's und des Carmin's in
dergleichen Lösungen, welche sich der Oberfläche jener Kör-
perchen nähern, dafs diese Moleküle sogleich in Bewegung
gesetzt werden und oft mit grofser Schnelligkeit zyr Seite
des Körperchens hinlaufen, mitunter auch wieder nach entge-
gengesetzter Richtung u. s. w. Diese merkwürdige Erscheinung
liefse sich vielleicht durch überaus feine Gilien erklären, wel-
che auf der Oberfläche jener Geschöpfe vorkommen, und dann
vielleicht auch sogar die Bewegung derselben verursachen.
Mit unsern gegenwärtigen Instrumenten kann man von diesen
Cilien noch nichts wahrnehmen, wohl aber sieht man bei sehr
starker Vergröfserung eine Art von durchsichtiger schmaler
Zone, welche den Körper der Bacillarien rund herum ein-
fafst. Endlich hat Hr. Ehrenberg noch eine Beobachtung
bekannt gemacht, nach welcher über die thierische Natur der
Bacillarien gar kein Zweifel übrig sein soll; dieselben neh-
men nämlich zuweilen Farbestoffe auf, welche die Bläschen
füllen sollen, die Hr. Ehrenberg für den Magen dieser Ge-
schöpfe deutet. Diese letztere Angabe wäre allerdings sehr
schlagend, die Sache scheint sich jedoch etwas anders zu ver-
halten. Erstens konnte Ref. sowohl hier bei den JSavicuUs,
wie überhaupt bei den Infusorien nichts ivon jenen Magen-
säcken sehen, auch konnte er niemals an lebenden und sich
71
bewegenden Badllarien sehen, dafs die Farbestoffe, wie
z. B. die Indigonioleiciile von einem der Enden aufgenommen
und nach der Mitte geführt ^vurden, wo die Magensiicke lie-
gen sollen, wärend bei den Infusorien solche Beobachtungen
sehr leicht sind. Wohl aber sieht man gar nicht selten, be-
sonders bei den grofsen lebenden Naviculis, <lafs sich die
Kügelclien von den angewendeten Farbestoffen auf die Mitte
der breiten Seitenflächen legen, wodurch es erscheint, als wä-
ren die Farbestoffe im Inneren der Badllarien; wenn man
aber Glasplatten darüber liegen hat und diese Glasplatten
gehörig bewegt, so kann man die Farbestoffkügelchcn wieder
entfernen.
Der geneigte Leser wird hiermit sehen, dafs noch viele
Beobachtungen zu machen sind, bis wir mit aller Bestimmt-
heit sagen können, dafs die Badllarien wirkliche Thiere sind ;
wie aber Pflanzen und Thiere an einander grenzen, das sehen
wir bei den Saamenthierchen der niedern Pflanzen und den
Saamenthierchen der Thiere.
Ueber Bewegung der Säfte \mi Transpiration.
Herr Fr. Kützing*) hatte seine Ansichten über das
Steigen der Nahrungssäfte in den Pflanzen schon im Jahre
1837 niedergeschrieben; dieselben konnten aber erst im ver-
gangenen Jahre zur Publikation kommen. Hr. K. meint, dafs
das Saftsteigen vorzüglich nur da stattfindet, wo die Spiral-
röhreu jung und abrollbar und die Bastfasern noch nicht ver-
wachsen sind, oder dafs nur durch die Spiralröhreu und Bast-
fasern im jugendlichen Alter das Aufsteigen des Nahruugssaf-
tes veranlafst wird. Diese Voraussetzungen sind aber wohl
nicht richtig, denn fast in jedem physiologischen Lehrbuche
wird man finden, dafs der Saft auch in den Elementarorganen
des alten Holzes eben so bedeutend steigt, als in den Jüngern
Schichten u. s. w. , doch wir gehen zur Erklärung dieses Saft-
steigens nach des Verfassers Ansichten über.
Die langen in Spitzen sicli endigenden Baströhren wären
mit zugespitzten Metalldrähten zu vergleichen, und die Spiral-
») .Ueber das Steigen des Nahrungssaftes in den Pflanzen. —
Linnaea v. 1838. pag. 23 — 37.
72
röhren mit electromagnetischen Spiraldrähten, und Spiralröhren
und Bastfasern wären für die in den Pflanzen thätige Lebens-
kraft dasselbe, was die Metalldrähte für electromagnetische
Strömungen sind. Es könne uns gar nicht mehr befremden,
meint Hr. K., wenn man das Steigen des Saftes auf ähnliche
Weise erklärt, wie das Steigen des \V assers in den Wasser-
hosen, denn diese bewiesen es, dafs auch ungeheure Wasser-
massen durch grofse Massen von Electricität emporgehoben
würden (!). Ferner kommt in dieser Abhandlung noch die
Angabe vor, dafs wegen der soliden Substanz der Bastfasern
und des Geschlossens.eius derselben an beiden Enden, der Saft
nicht innerhalb derselben strömen könne, sondern er ströme
aufserhalb in den Zwischenräumen, zwischen den Baströhren
und den Spiralröhren!
Herr Donne*) hat bei der Beobachtung der Rotations-
strömung in den Schläuchen der Chara hispida eine Erschei-
nung bemerkt, welche allen frühern Bearbeitern dieses Gegen-
standes entgangen ist. Wurden die Schläuche der genannten
Chara von ihrer äufseren Haut befreit und zwischen Glas-
platten etwas gequetscht, so lösten sich die grünen Kugel eben,
welche die innere Fläche dieser Schläuche bekleiden, ganz
wie gewöhnlich , und einige der" gelösten Kügelchen zeigten
eine Bewegung, Avelche unabhängig von der Rotationströmung
war. Hieraus schliefst Herr Donne, dafs die kleinen grünen
Körperchen mit einer eigenen Kraft begabt sind, durch welche
sie bewegt werden, wenn sie frei sind, welche aber auch auf
die Flüssigkeit reagirt, wenn sie festsitzen. Es wird hiermit
wiederum in den Kügelchen der grünen Bekleidung die Ur-
sache der ganzen Rotationsströmung gesucht, und Hr. Donne
glaubt in denselben grofse Aehnlichkeit mit dem Vorkommen
der Cilien auf den Schleimhäuten der Thiere wahrzunehmen.
Schon an verschiedenen Orten hat Referent zu zeigen
gesucht, dafs die grünen Kügelchen auf der inneren Fläche
der Schläuche nicht als die Ursache der Rotationsströmung an-
zusehen sind, denn dieselben kommt auch in denjenigen Cha-
ren und anderen Pflanzen vor, wo keine Spur von solchem
♦) Note sur la circulation de Chara. Cowpte rendu d. 1838. I.
pag. 497.
73
4
oder einem äluiHcheii Ueberzuge vorhanden ist; ja sie kommt
noch in solchen Fällen vor, wo sich im Innern jener grünen
Kiigelchen so grofse ^mj/w/n-Körner gebildet haben, dafs die
grüne Substanz dabei gänzlich verdrängt ist ii. s. \v.
Später wurde von . den Herren Brongniart und Du-
trocliet ein Rapport über ein Memoire des Herrn Donne
in Bezug auf verscliiedene Erscheinungen der Saftbewegung,
bei der Cham Iiispida, vor der Akademie zu Paris*) publi-
cirt, worin jene Beobaditungen über die eigene Bewegung
der grünen Kügelchen, welche auf der inneren Fläche der
CÄ«ren-Schläuche sitzen, nicht nur bestätigt wurden, sondern
noch bestimmter beschrieben. Diese Bewegung kommt jenen
Kügelchen jedoch nicht immer zu und die Herren Commis-
saire der Akademie haben an denselben ebenso vergebens nach
Cilien gesucht, wie ihre Vorgänger. Sie beobacliteten ein
Stückchen eines jener grünen rosenkranzförmigen Schnüre,
welches aus 5 Kügelchen bestand und sich zu einem vollkom-
menen Kreise zusammenkrümmte; dieser Kreis stellte sich zu-
fällig in eine Gegend, wo keine Rotationsströmung war und
zeigte nun daselbst eine beständige Bewegung um seine eigene
Achse, woraus man auf die Selbstständigkeit dieser Bewegung
schlofs.
In Bezug auf die Beobachtung des Herrn Donne, dafs
die grünen Kügelchen, welche die innere Fläche der Charen-
Schläuche bekleiden, mitunter eine eigene Bewegung zeigen,
hat Hr. Dut röchet**) die Priorität reclamirt, indem er schon
früher beobachtet hat, dafs sich die Reihen von grünen Kü-
gelchen zuweilen wie Muskelfasern im Zickzack krümmen u.
s.w.; die ausführliche Beschreibung jener Beobachtungen wäre
auch wärend 'dieser Zeit in den Annales des scienc. d'hist.
natur. erschienen.
Referent (Physiologie II. pag.233.241) beobachtete bei ver-
schiedenen Pflanzen, dafs sich aus der allgemeinen Strömung
im Inneren der einzelnen Zellen, mehr oder wehiger viele
Zellensaftkügelchen und etwas feingeköruter Schleim ab-
trennen und eine eigene strömende oder ro^irende Bewegung
*) T"". Compte rendu d. 1838. I. pag. 605.
^*) Compte rendu d. 1838. I. pag. 523.
74
annehmen können; es sind dieses Erscheinungen, welche in
gewisser Hinsicht mit den im Vorhergehenden angeführten zu-
sammen zu hängen scheinen. Derselbe hat dieses Capitel von
der Strömung des Saftes im Innern der Zellen mit besonderer
Vorliebe bearbeitet und darin eine Reihe von neuen Beobach-
tungen und Berichtigungen publicirt, welche sicherlich bewei-
sen, dafs diese Erscheinung bei verschiedenen Pflanzen so sehr
verschiedenartig auftritt, dafs die Auffassung der nächsten Ur-
sache, welche dieselbe hervorruft, gar sehr erschwert wird,
und dafs dieselbe wenigstens keineswegs in der Art erklärt
werden kann, wie wir sie bei den Charen und andern Pflan-
zen bisher gelehrt haben. Ref. mufs jedoch auf seine Schrift
selbst verweisen, indem das Referat über diesen Gegenstand
zu grofsen Raum einnehmen möchte.
Gegen Referents Darstellung der Beobachtungen über die
Saftbewegungen im Innern der Zellen ist Hr. C. H. Schultz
aufgetreten; das Organ, welches ihm hierzu zu Diensten steht,
bilden hauptsächlich die Jahrbücher für wissenschaftli-
che Kritik (August 1838), worin er seine Ansichten in
Form einer Recension meines Buches auseinandergesetzt hat.
Herr Schultz hat sich schon seit längerer Zeit der sehr ir-
rigen Annahme hingegeben, dafs die Rotationsströmungen in
den Zellen nur den Zellenpflanzen zukommen, dafs in den hö-
heren Pflanzen dagegen nur jener Kreislauf stattfinde, welchen
er mit dem Namen Cyclose bezeichnet hat. Ref. hat dagegen
nachgewiesen, dafs bei allen höhern Pflanzen, wenigstens in
einzelnen Theilen derselben, dergleichen Bewegungen in den
Zellen vorkommen, welche mit der Rotationsströmung der Cha-
ren, V^allisnerien u. s. w. mehr oder weniger vollkommen
verwandt, ja mitunter in jeder Hinsicht gleichbedeutend sind.
Herr Schultz dagegen, welcher ähnliche Bewegungen mit
vorgefafsten Ansichten und weniger guten Instrumenten gese-
hen hat, glaubt hierin seine Cyclose zu erkennen, und die fei-
nen Strömungen, welche Ref. in seiner Pflanzen-Physiologie
vielfach und ganz naturgetreu (so viel es mit seinem geringen
Zeichenvermögen anging) abgebildet hat, hält Herr Schultz
für eine Art von Lebeussaftgefäfsen, für sogenannte vasa la-
ticis contractu, von welchen sich Ref. bislier noch niemals
eine Vorstellung machen konnte. Diese Gefäfse, sagt Herr
75
Schultz, durchziehen und umgeben die verschiedenen Or-
gane, besonders die Zellen um die Sekretionsorgaue, wie ein
feines Spinngewebenetz, und' sind bei manchen Pflanzen, z. B.
bei den Caladium- und ^/7/7n-Arten, selbst nach der Macera-
tion noch darzustellen (!). In dieser Art geht es weiter fort,
so dafs Herr Schultz fast auf jeder Zeile zeigt, , dafs er in
der Kenntnifs dieses Gegenstandes zurück ist, obgleich es sicher-
lich nicht so schwer ist, diese Beobachtungen zu wiederholen.
Solche Lehren gehören nur freilich nicht zu den Fort-
schritten der Wissenschaft, von welchem hier in diesem Be-
richte hauptsächlich die Rede sein soll; Referent mufste sie
jedoch, so unlieb es ihm auch ist, berühren, indem sie gegen
die Fortschritte gerichtet sind, welche die Wissenschaft in
diesem Felde gemacht hat. In jener ganzen Recension er-
kennt Ref. überhaupt nichts weiter, als einen Versuch, durch wel-
chen Herr Schultz seine alten irrthümlichen Ansichten we-
nigstens doch noch so lange erhalten will, bis sie publicirt
werden; um die Sache handelt es sich eigentlich hiebei gar
nicht mehr.
Später ging Herr Schultz nach Paris und hielt in der
Akademie daselbst einen Vortrag unter dem Titel: Nouvelles
observations sur la circulation dans les plcnites*), welcher
beinahe nichts weiter als die wörtliche Uebersetzung obiger
Recension aus den Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik
enthielt, ja wie es die Zeitungen mitgetheilt haben, so hat Hr.
Schultz dieselbe Geschichte auch an die Versammlung der
Naturforscher und Aerzte zu Freiburg geschickt, kurz er hat
diese Angelegenheit als eine Lebensfrage für seine Lehre be-
trachtet. Endlich hat Hr. Schultz auch in der allgemeinen
botanischen Zeitung vom 7. Sept. 1838 einen Artikel unter
dem Titel: Berichtigung eines Irrthums in Betreff
der Säftecyclose in den Haaren heterorganischer
Pflanzen einrücken lassen, welcher im Allgemeinen ganz
dieselben Angaben enthält und nur einige Punkte etwas spe-
cieller erörtert. Referents Darstellungen der Bewegungen im
Zellensafte der Tradescantlen-llaare werden für unrichtig er-
klärt, indem diese Haare aus doppelten Zellen wänden zusam-
*) Campte rendu d. 10. Sept. 1838.
76 .
mengesetzt seien, wie es in England gelehrt sein soll. Diese
Angaben stimmen indefs nicht mit meinen Beobachtungen;
nach diesen verhalten sich die Haare der Tradescantien ganz
ebenso wie ähnliche gegliederte Haare der Dicotyledonen,
und da ich aucli die Bildungsgeschichte jener Tradescantien-
Haare fast ganz vollständig habe verfolgen können, so glaube
icli hierüber richtigere Angaben mittheilen zu können, als es
einst Herr Slak. that. Diese Bildung der gegliederten Tra-
descantieji-Hsiare geschieht ebenso, wie in den meisten andern
Fällen; es bildet sich zuerst ein kurzes ungegliedertes Här-
chen durch Auswachsung der Epidermis -Zelle, hierauf bilden
sich die Schleimblasen innerhalb jener Röhre; diese dehnen
sich aus und legen sich nebeneinander, worauf ihre Quer-
M'ände mit einander verwachsen und ihre Seitenwände mit
der noch ganz weichen Membran des ursprünglichen Schlauchs
verschmelzen. Diese Verschmelzung ist so vollkommen, dafs
nur noch selten in den Winkeln der Gliederung einige Spu-
ren der ursprünglichen Membran zurückbleiben; auf den Sei-
tenwänden der einzelnen Glieder wird sie wohl vollkommen
resorbirt, was man auch in andern, aber ähnlichen Fällen, mit
aller Gewifsheit behaupten kann. Auch hat Ref. schon Strö-
mungen in diesen Zellen innerhalb des Schlauchs gesehen, noch
ehe dieselben mit der umschliefsenden Membran verwachsen
waren. Beobachtet man zur heifsen Sommerzeit die Strömun-
gen in den Zellen verschiedener Theile der Tradescantien,
so wird man wohl sicherlich zu der Einsicht kommen, dafs
die vielfach zertheilten Strömungen in den Haarzellen der
Staubfäden und der einfachem Rotationsströmung, welche in
den langgestreckten Zellen, dicht neben den Spiralröhren des
Blüthenschafts dieser Pflanze vorkommen, durch eine grofse
Reihe von Mittelformen ineinander übergehen; ja mitunter
sieht man im letztern Falle Strömungen, welche mit einigen
Fällen der Rotationsströmung in den Zellen der ValUsnerien
vollkommen übereinstimmen. Diese meine sorgfältigen
Beobachtungen, welche man auch an den Nesseln täglich wie-
derholen kann, sind es, welche Herr Schultz als Irrthümer
bezeichnet, worüber denn das Urtheil von wirklichen Sachver-
ständigen entscheiden möge.
Aus den Haaren der Campanula rapunculoides oder ,
77
C. Trachelium, sagt Ilr. Schultz, sieht man den Milchsaft
beim Durchschneiden wie aus allen andern Theilen ausfliclscn,
und das Mikroskop zeige, dafs darin die Milch ganz ähnlich
circulire, wie in allen andern Theilen, mir seien die Strom-
kanäle unendlich fein, sie bildeten aber anastomosirende Strom-
netze, welche mit den Stronnietzen des Inneren der Pflanze
zusammenhängen. Das Irrige dieser Angaben möchte Referent
durch folgende Thatsachen zu erweisen suchen: Einmal weil
man jene Angaben nicht durch Anschauung des Gegenstandes
mit vorzüglich guten Instrumenten sehen kann; es wäre die-
ses allerdings schon ein wichtiger Grund dagegen, aber, selbst
wenn man nicht im Besitze so guter Instrumente ist, und
wenn man sich auch noch nicht die gehörige Fertigkeit zu
solchen Beobachtungen erworben hat, so wird man doch se-
hen können, dafs jene Bewegungen in bestimmten Zellen ohne
alle Veränderung fortbestehen können, wenn man auch die,
unmittelbar daneben liegenden Zellen zerstört; dieses läfst sich
besonders leicht an den Haaren der Tradescanüen-^iüxxhiMQix
anstellen. Ferner hat sich Ref. in letzter Zeit von der Rich-
tigkeit der Beobachtung des Herrn Unger überzeugt,
(S. d. vorigen Jahresbericht, pag. 35.) dafs die Milchge-
f ä fs e w i r k 1 i c h e b e n f a 1 1 s a u s d e n g e w ö h n 1 i c h e n P a r e n-
chym-Zellen entstehen, indem diese zuerst den Milchsaft
in ihrem Innern bilden, dann mit ihren Grundflächen obliteriren
und diese zuletzt resorbiren, wodurch eine offene Communi-
cation entsteht und die Bewegung des Saftes in diesen neu
entstandenen Röhren vor sich gehen kann. Es bilden sich
also hiernach die Milchgefäfse, wie die Baströhren
und wie die Spiralröhren aus einfachen Paren-
chym- Zellen, daher können jene ihren Ursprung nicht aus
den Stromkanälen nehmen, welche im Zellensafte der Pflanzen
beobachtet werden. Nennt nun aber Hr. Schultz den mil-
chigten Saft in den Haaren einiger Pflanzen einen Milchsaft,
so ist dieses nur für eine individuelle Ansicht zu halten; die
übrigen Physiologen verstelteu unter Milchsaft denjenigen Saft,
welcher in den Milchsaftsgefäfsen enthalten ist.
Herr Morren*) untersuchte die Früchte der Feigen In
*) Notice sur la circulation ohservee dans l'ovule, la ßeur et le
78
Hinsicht der Milchsaftsgefäfre und theilte seine Beobachtungen
der Brüsseler Akademie mit. Er bemerkt zuerst, dafs schon
Spiegel jene Gefäfse kannte und sie Venen nannte, (schon
Theophrast nannte sie so. Ref.), doch habe dieser es schon
für nöthig erachtet, dafs der darin enthaltene Saft einen eige-
nen Namen führe und er nannte ihn defshalb oTiQog, id est
succwn, und dieses solle Herrn Link auf die Idee gebracht
haben, die Benennung vasa opophora aufzustellen, womit
Hr. Morren gegenwärtig die bekannten Milchsaftsgefäfse be-
legt. Hr. Morren machte feine Schnitte aus dem Frucht-
boden der Feige und sah darin eine grofse Anzahl von Milch-
saftgefäfsen mit eigenen durchsichtigen Membranen und mit
anastomosirenden Aesten und Zweigen worin der Milchsaft
mit seinen vielen Kügelchen circulirte (d. h. Hr. M, sah das
blofse Auslaufen des Milchsaftes aus den durchschnittenen Ge-
fäfsen, was er auch auf einer Abbildung sehr schön dargestellt
hat. Ref.), was sogar noch stattfand an Feigen, die seit 5 bis
6 Tagen abgenommen waren. Diese Beobachtung wird hier
für sehr wichtig erklärt, weil man daraus schliefsen könne,
dafs die Ursache der Circulation in einem Theile der Pflanze
fortbestehen könne, wärend der andere schon in Putrification
übergegangen ist. Ja Hr. Morren sah, dafs man die Circu-
lation durch blofsen Druck wieder herstellen könne, wenn sie
in den Gefäfsen schon aufgehört habe, woraus dann wohl, wie
Ref. glaubt, sehr bestimmt erwiesen wird, dafs die Erscheinung,
welche Herr Morren beobachtete, noch keinen Beweis für
die Circulation in den unverletzten Gefäfsen darbietet.
Herr Morren sah, dafs die Milchsaftsgefäfse, wenn sie
in den Blüthenapparat eindringen, sehr sinuös und göwunden
werden, dafs Stränge derselben durch die Nabelschnur nach
dem Eychen verlaufen und sich daselbst in der Eyhülle der
testa seminis verästeln und verbreiten, so dafs also hiermit
die Verbreitung dieser Gefäfse bis in die Eyhüllen verfolgt ist.
Ich mufs gestehen, dafs ich mich bis jetzt noch nicht von der
Richtigkeit dieser Angabe habe überzeugen können, obgleich ich
schon an einer grofsen Menge von Eychen die Hülle mit aller Sorg-
phoratithe du Fignier, — Bullet, de l'Academie de Bruxelhs TV.
Aro. 12.
79
falt getrennt nnd selbst von ilirer ersten Entstehung au beob-
achtet Imbe. Ref.
Zu dieser Mittheilung des Hrn. Alorren hat Hr. Prof.
C. H. Schultz zu Berlin in den Jahrbücliern für wissen-
schaftliche Kritik*) eine Recension geschrieben, welche be-
deutend umfangreicher ist, als die recensirte Abhandlung, und
abermals seine Ansichten über Cyclose und Rotationsströmung
in den Pflanzen enthält. Herr Morren belegt nämlich ganz
richtig die Bewegung des Milchsafts mit dem Namen der Cir-
culation , nennt aber die Rotationsströmung in den Zellen die
Cyclose, was natürlich nicht angenommen werden kann, da
wir einmal schon eine herrschende Benennung für jene Er-
scheinung besitzen, und da ferner Herr C. H. Schultz das
Wort Cyclose als Bezeichnung für die Circulatiou des Milch-
saftes einführen wollte; das Alles hat Letzterer an angegebe-
nem Orte wieder auseinander gesetzt und noch die Angabe
hinzugefügt, dafs er selbst in den Häärchen der Narben junger
Feigenfrüchte die Cyclose gesehen habe.
Von Hrn. Miquel**) sind eine Reihe von Versuchen
angestellt worden um den Einflufs näher kennen zu lernen,
welchen das Licht auf die Transpiration der Pflanzen ausübt.
Es wurden 40 Versuche mit abgeschnittenen Aesten und Blät-
tern angestellt; bei jedem Versuche wurden zwei, so viel wie
möglich gleichgrofse Aeste oder Blätter, in Anwendung gesetzt,
sie erhielten gleichviel Wasser, aber der eine Pflanzentheil
ward in ein helles Zimmer gesetzt, welches gegen die direkten
Sonnenstrahlen geschützt war, so dats der Versuch also im
Schatten angestellt wurde, wärend der andere Pflanzeritheil
in einem ganz dunklen Schranke befindlich war. Es wurde
nun beobachtet, wie viel von dem dargereichten Wasser in
gleichen Zeiträumen von den angewendeten Pflanzen -Aesten
u. s. w. im gewöhnlichen Schattenlichte, und wie viel davon
im Dunkeln eingesaugt wurde. Das Resultat dieser Versuche
ist in Form emer grofsen Tabelle aufuotirt und Hr. Miquel
*) Berlin 1838. Nro. 108.
*♦) Quelques experiences pour determiner Vinfluence de la Lu-
miere sur l'exhalation aquense de feuiUes et sur la snction pax les
tip;es des plantes. — Miquel, Mulder et Wenckebach Bulletin de sc
en Nurlande. 1838. pag. 99.
80
selbst zieht folgende Schlüsse rlaraas: Von den 40 angewen-
deten verschiedenen Pflanzen saugten 1) 4 Pflanzen im voll-
kommenen Dunkel mehr Wasser ein, als im Schattenlichte,
wenn auch die Differenz nicht so grofs war. 2) Andere 3
Pflanzen saugten im Finstern wie im Schatten ganz gleich viel
Wasser ein, aber in den übrigen 31 Fällen saugten die Pflan-
zen im Schattenlichte immer mehr ein, als im Dunkeln. Als
bemerkenswerth hebt es Hr. Miguel noch hervor, dafs die
Blätter im Dunkeln meistens sehr lange frisch blieben und er
selbst macht darauf aufmerksam, dafs der Feuchtigkeitszustand
der Atmosphäre von grofsem Einflüsse auf die Transpiration
der Pflanzen sein müsse.
Bei dem Allen legt Herr Miguel den Resultaten seiner
Versuche vielleicht zu hohen Werth bei, wenigstens möchten
sie durch meine eigenen, gleichzeitig angestellten Beobachtun-
gen (Pflanzen-Physiologie. II. pag. 72 etc.) etwas berichtigt wer-
den. Das Resultat meiner Beobachtungen ist: Dafs die Ein-
saugung des Wassers durch abgeschnittene Aeste und Blatter
ganz von der Transpiration abhängig ist, wobei natürlich die
Wirkung der Endosmose zuerst abgezogen werden mufs. Die
Transpiration der Pflanzen richtet sich aber hauptsächlich nach
dem Feuchtigkeitszustande der Atmosphäre und nach den
Strukturverhältnissen der transpirirenden Flächen. Pflanzen-
theile von verschiedener Struktur werden, bei gleicher Atmo-
sphäre, verschiedene Mengen von Wasser transpiriren, bei glei-
chen Pflanzentheilen wird indessen die Transpiration unter
gleichen Verhältnissen ziemlich ganz gleich sein.
Ueber Farbenbildung, Wärme- und Lichtentwickelung.
Herrn v. Berzelius*) verdankt die Pflanzen-Physiologie
auch in diesem Jahre eine sehr wiclttige Entdeckung; alle die
friiheren Angaben über die INatur des Blattgrüns sind unge-
gründet, denn es ist eine eigenthümliche Substanz, die den
Einflufs der Säuren und Alkalien verträgt, ohne zersetzt zu
werden, und durch den Einflufs des Lichtes, des Chlors und
*) Untersuchung des Blattgrüns {ChloroplujUs). Aus d. Schwedi-
schen übersetzt In den Annalea der Pharmacie von Wöhler und Lie-
big. XXVIL pag. 396.
81
des Sauerstoffs zerstört wird. Das Blattgrün wäre also hie-
iiacli eine Substanz, welche sich ähnlicli verhält wie Indigo.
Alkohol ist das beste Lösungsmittel des Blattgrüns aus fri-
sclien zerquetschten Blättern, und die Lösung desselben in
Alkohol wird durch Wasser allmälich niedergeschlagen; nach
dem Trocknen bildet es eine mehr blaue als grüne Substanz.
Das reiue Blattgrün wird durch concentrirte Schwefelsäure
mit prächtig grüner Farbe aufgelöst; bei der Lösung in Salz-
säure hinterbleibt gewöhnlich eine geringere Portion ungelöst,
diese ist von blafsgelber Farbe und fettiger Substanz, und
wird als Blattgelb (XaiithoplijU) angesehen, welches dem
Blattgrün hartnäckig anhängt. Das feuchte Blattgrün gelit auch
Verbindungen mit kaustischen und kohlensauren Alkalien ein.
Das Blattgrün getrockneter Blätter hat nicht mehr die
schöne grüne Farbe des frischen Blattgrüns, auch geben gCr
trocknete Blätter eine weit geringere Masse desselben. Herr
V. Berzelius hält das getrocknete Blattgrün für eine Modi-
fication des Blattgrüns, indem es sich bei seiner Lösung in
Salzsäure, woraus es durch Wasser nicht gefällt wird, etwas
verschieden von dem frischen Blattgrün verhält.
Herr v. Berzelius vermuthet, durch einige Erscheinun-
gen geleitet, dafs das Blattgrün durch den Einflufs des Sonnen-
lichtes in Blattgelb verwandelt werde, und dafs daher im Herbste
die Biälter gelb werden, weil kein neues Blattgrün in densel-
ben gebildet wird. Eine Reihe von Beobachtungen schienen
ferner zu zeigen, dafs das Blattgrün ähnlich wie Indigo und
Lackmus reducirt und durch Oxydation wieder gebildet wer-
den konnte, was aber noch ferneren Beobachtungen genauer
zu bestimmen verblieben ist.
Wir haben es recht sehr zu bedauern, dafs der grofse
Chemiker nicht zugleich eine Elementar -Analyse des Blatt-
grüns geben konnte, denn die chemisclie Zusammensetzung die-
ses Stoffes ist der Pflanzen -Physiologie gegenwärtig gajiz be-
sonders wichtig, indem die mikroskopischen Beobachtungen
gezeigt haben, dafs das Amylum so häufig als Träger des
Chlorophylls dient, und dafs in anderen Fällen wiederum
mitten in grüngefärbten schleimigen Massen, oder selbst in
grüngefärbten Zellensaftkügelchen, welche eine gummiartige,
V. Jalirg. 2. Band. g
82
zum Theil noch unbekannte Beschaffenheit zeigen, ebenfalls
Ainylwn auftritt.
Die Benutzung des Polygonum tinctorium, welches in mehr-
fachen Varietäten in China kultivirt wird, hat schon seit einiger
Zeit die Aufmerksamkeit derLandwirthe Frankreichs in Anspruch
genommen, indem diese Pflanze einen vortrefflicheu Indigo liefert**.
Es war schon früher bekannt, dafs der blaue Farbestoff nur in'
dem Pareuchymfr der Blätter jener Pflanze vorkommt, und Herr
Turpin*) stellte neue Beobachtungen an, um über das Auf-
treten dieses Stoffs genauere Nachweisung zu geben. Das Re-
sultat dieser Untersuchungen ist, dafs es die grünen Zellen-
saftkügelchen sind, die zuerst die Blätter grün färben, dann
aber durch Verminderung der Vegetationskraft oder durch
gänzliches Aufhören der Lebensthätigkeit eine blaue Färbung
annehmen, ja mitunter waren die gröfseren dieser Kügelchen
schon in den Zellen des frischen Blattes etwas bläulich ge-
worden. Kurz Herr Turpin fand das Auftreten des Indigos
in Polygoninn tinctorium ganz ähnlich, wie es sich damiti <«
bei andern Indigo -Pflanzen verhält, und nach dem, was wir/
im Vorhergehenden über die Natur des Blattgrüns kennen ge-
lernt haben, können wir gegenwärtig wohl den Schlufs ziehen,
dafs der Indigo ein eigenthümlich umgeändertes Blattgrün ist,
worüber uns später die vergleichenden Analysen dieser beiden
Substanzen Aufschlufs geben werden.
Herr P. W. Korthals*) hat seine Aufmerksamkeit wäh-
rend eines Aufenthalts in Ost -Indien auf die merkwürdige
Farbenveränderung gerichtet, welche die Blüthe des Hihiscus
miitabilis zeigt. Die rothe Farbe der Blüthe zeigte sich auch
bei regnigtem Wetter, nur nicht so intensiv. Die Blüthen
wurden mit weifsen und mit schwarzen Papiertüten umgeben,
aber auch unter diesen zeigte sich die rothe Farbe. Herr
Korthals kam endlich zu dem Schlüsse, dafs die Verände-
*) Etudes microscopiques sur le gisement de la mattere-' bleue
dans les feuilles du Polygonum tinctorium, et sur la gründe quan-
tite de cristaux que contient le tissu cellulaire de toutes les partiet^
de cette plante. — Compt. rendus 1838. //. pag. 806 — 819. — Im
Auszuge im L'Institut de 1838. pag. 403.
**) Note sur la coloration de la fleur de L'Hibiscus mutabilis.
Ajin. des sq'enc. natur. Part, botan. 1838. I. pag. 63.
83
rung der Farbe der Bliithen dieser Pflanze mehr von der Ener-
gie der Vegetation der Pflanze abhänge, als von änfsern Ur-
sachen. Die Einwirkung des Sauerstoffgases der Luft scheine
in jenen Bliithen die Entstehung des rothen Farbestoffes zu
veranlassen, wofür ein Versuch angeführt wird, der aber nichts
mehr beweist, als dafs diese Biüthen, wie alle anderen, das
Sauerstoffgas der umgebenden Luft resorbiren (indem sie Koh-
lensäure dafür aushauchen!). Seit der schönen Beobachtung
von Don Tiamon de la Sagra (S. d. Darstellung desselben
in des Ref. Pflanzen -Physiologie 1838 U. pag. 448) wissen
wir ganz bestimmt, dafs eine gewisse kräftige Vegetation er-
forderlich ist, um die weifse Farbe dieser Blüthen in die rothe
umzuwandeln, denn wenn die Temperatur der umgebenden
Luft nicht über 19» Cels. steigt, so geht diese Umwandlung
der Farbe nicht Vor sich.
Obgleich die Beobachtungen über die Entwickelung einer
hohen Temperatur, welche in den Blüthenkolben der Aroi-
deen stattfindet, schon so überaus häufig angestellt sind, so
hat dennoch Herr Raspail die ganze Erscheinung wieder in
Zweifel gestellt ; derselbe sucht die erhöhte Temperatur des
Blüthenkolbens durch die Ausstrahlung der Wärme von der
umgebenden Spatha abzuleiten, wärend man in Deutschland
schon längst die Beobachtung gemacht hat, dafs auch abgeschnit-
tene Kolbenstücke eine höhere Temperatur entwickeln. Die Hrn.
V. B e e^k und Bergsma*) unternahmen es durch neue und höchst
sorgfältig angestellte Beobachtungen jene ungegründeten Einwürfe
zu widerlegen, und es ist ihnen nicht nur dieses vollkommen ge-
glückt, sondern sie haben auch beinahe den höchsten Wärme-
grad Währgenommen, welchen man hierbei beobachtet hat.
Sie benutzten hierzu eine sehr kräftige Pflanze der Colocasia
odora , >velche schon im vorangegangenen Sommer 3 Blüthen-
kolben entwickelt hatte und am 3. Sept. 1838 einen vier-
ten Kolben zur Blüthe brachte. Um die Temperatur -Erhöhung in
diesem Blüthenkolben mit gröfster Genauigkeit angeben zu kön-
nen, wurden dergleichen thermo-electrische Nadeln in Anwen-
*) Observations thermo-electriques mr l'elevatmi de temperature
des fleurs de Colocasia odora. Avec une planche lithographiee. Ut-
recht 1838.
6*
84
«Inng: gesetzt, wie sie sich fUe Herren Becquerel mid Bre-
chet zur Bestimmung der relativen Wärme des arteriellen
und venösen Blutes bedient hatten. Die Nadeln waren mit
einem Galvanometer durch Conductoren von Kupferdraht in
Verbindung gesetzt und die Pflanze gegen alle directe Sonnen-
strahlen geschützt.
Die Beobachtungen am 4. und 5. September wurden von
des Morgens früh bis spät Abends angestellt, und an beiden
Tagen zeigte sich das Maximum der Temperatur des Blüthen-
kolbens zwischen 2 und 3^ Uhr Nachmittags:
Am 9. Sept. 7 U. M. Temper. d. Luft. Temper. d.Büthenkolbens.
17 78" C. 21 ,50" C.
12 - - 20, '84« C. 28*47 C.
1 - - 21,11» C. 32,11 C.
3 - - 21,11» C. 35,49 C.
8i - - 20,28" C. 23, (>6 C.
Am 5. Sept. 3^ - N. 20 , 98 " C. 42 , 98» C.:
Api ersten Tage zeigte also der Elüthenkclben eine Tem-
peratur, welche diejenige der umgebenden Luft um 14,38"
C. übertraf, und am 2. Tage war sie sogar um 22" höher,
als die Temperatur der umgebenden Luft!
In der historischen Darstellung dieses Gegenstandes, wel-
che Referent im zweiten Theile der Pflanzen-Physiologie (pag.
186 etc.) gegeben hat, findet man die Extreme der Wärme
angegeben, welche verschiedene Beobachter an den Blüthenkol-
ben der Aroideen walirgenommen haben; bei Arum cordifo-
liinn wurde in den Blüthenkolben eine Wärmeentwickelung
von mehr als 25 " R. beobachtet !
Herr Treviranus, der sich früher von der Wärmezu-
nahme, welche die Blüthenkolben Aet Aroideen zeigen!, nicht
überzeugen konnte, bestreitet auch noch gegenwärtig die Wär-
me-Entwickelung in den Pflanzen überhaupt. Wenn man die
dafür sprechenden Thatsachen von der Wirkung des Lebens
der Pflanzen ableitet, so, sagt der Verf., komme alles darauf
an, was man unter Leben verstehe. Offenbar könnten belebte
Körper mit unbelebten Verbindungen eingehen, welche unter
die Gesetze der Affinität fallen; er gesteht aber selbst ein, dafs
man vielleicht aus einem höheren Gesichtspunkte richtiger die
Erscheinung als Wirkung des Lebens betrachte. Dieselben
85
Veränderungen, welche Zucker und Stärke im Innern der
Pflanzen zeigen, gehen mit iluien aucli aufserhalb der Pflan-
zen vor, und defshalb wären sie zu betrachten als Verbin-
dungen des Belebten und Unbelebten. Ein solches Raisonne-
ment hat indessen wohl nur scheinbar etwas für sich, denn
wir haben es kejuien gelernt, dafs der Wärineontwickeluug
in den Pflanzen und derjenigen in den Thieren eine und die-
selbe Ursciche zum Grunde liegt, und defslialb wird gelehrt,
dafs die Wärme -Entwickelung in deu' Pflanzen und die Wär-
me- Entwickelimg in den Thieren gleichbedeutende Erschei-
nungen sind. Der Chemismus liegt beiden zum Grunde, was
aber Herr Treviranus von den Verbindungen des Belebten
und Unbelebten spricht, das hat die Chemie Jioch nicht gelehrt.
Man hat eine unendliche Zahl von Beobachtungen über die
Temperatur im Innern dos Ilolzkörpers bekannt gemacht, um
durch diese eine selbstständige Wärmeentwickelung in den
Holzkörpern der Pflanzen zu erweisen oder zu widerlegen,
aber Referent (Phys. II. pag. 178) hat zu zeigen gesucht, dafs
man hiezu keinen schlechteren Pflanzentheil habe wählen kön-
nen, als den Holzkörper im Winter; daher denn auch das
Resultat scheinbar negativ ausgefallen ist. Man unteitlriicke
die Transpiration, durch welche eine so grofse Menge der
entwickelten Wärme unbemerkbar wird, und dann kann man
die Wärmeentwickelung selbst an den zartesten Blättern der
Pflanzen beobachten!
Die Wärmeentwickelung an den Bliithenkolben von Aroi-
deen hat Hr. Treviranus nun auch seit 1832 beobachtet, und er
wird die Ergebnisse dieser Beobachtungen später noch im De-
tail bekannt machen; gegenwärtig*) stellt er aber das Resultat
auf, das jene Wärme äufsereii und nicht inneren Ursprungs
ist. Herr Treviranus glaubt, dafs diese Erscheinung bei
Aroideen noch zu isolirt steht, als dafs man darüber mit Si-
cherheit sprechen könne; die Wärmeentwickelung hierselbst
wäre vielleicht mit derjenigen bei der Malzbildung, bei der
Gährung und Fäulnifs in eine Klasse zu stellen. Aber es
scheint, dafs auch hier, wieder aus Conscquenz für vorgefafste
Ansichten, selbst die ausgezeichnetsten Beobachtungen iiber-
*) Physiologie der Gew. II. pag, 693.
86
sehen worden sind, denn es haben die Beobachtungen gelehrt,
dafs diese Wärmeentwickelung ganz im Verhältnisse zu dem
Verbrennungsprozesse steht !
Referent hat ausfiilu'Jich zu beweisen gesucht, dafs das
Leuchten der Pflanzen, welches nun schon in so überaus vie-
len Fällen beobachtet ist, aus eben derselben Ursache zu er-
klären ist, wie die Wärmeentwickelung in denselben, dafs
nämlich auch hier ein Verbrennungsprozefs des Kohlenstoffes
in Folge eines sehr gesteigerten Lebensprozesses stattfindet.
Hr. T reviranus*) dagegen erklärt noch immer das Leuchten,
welches an sehr verschiedenen Pflanzen und besonders an gel-
ben und orangegelben Blumen beobachtet ist, für optische Täu-
schung. Das Auge nämlich sei an das Grau, womit die mei-
sten Gegenstände bei eintretender Dunkelheit erscheinen, ge-
wöhnt, und werde es dann von der Lebhaftigkeit der gelben
Farbe getrofi'en, so bilde es diesen Gegensatz dergestalt in
sich aus, dafs das Hellere wie ein Leuchten gegen das Dunk-
lere erscheint. Durch solche Erklärung werden denn also
die Beobachtungen vieler, selbst sehr ausgezeichneter Män-
ner beseitigt! Doch man lese nur die näheren Umstände, wel-
che bei der Entdeckung jener Erscheinung durch Linne's
berühmte Tochter zur Sprache kamen, und man wird sehr
bald das Irrige jener Erklärung einsehen. Das Leuchten der
Rhizomorphen wird nun wohl Niemand mehr in Zweifel zu
stellen suchen, aber von dem merkwürdigen Phosphoresciren
des Milchsaftes einiger Gewächse, welches so grofse Beach-
tung verdient, sagt Herr T reviranus ganz kurz, dafs diese
Beobachtungen noch zu unvollständig wären, um entschieden
dafür gelten zu können. Das ist freilich eine leichte Manier,
die Beobachtungen und Ansichten anderer Naturforscher grund-
los zu verdächtigen.
üeber Absonderung verschiedener Stoffe.
Durch Hrn. Schoraburgk **) haben wir mehrere interes-
sante Nachrichten über die giftige Wirkung des Manschinell-
baumes erhalten. Es ist, wie bekannt, eine milchende Pflanze,
*) Physiologie der Gewächse II. pag. 68 — 71.
**) üeber die giftige Wirkung des Manschiuellbaumes. Linnaea.
1838. pag. 248. 4 '
87
und die unreifen Früclite scheinen am schärfsten zu wirken.
Der Saft erregt heftiges Brennen, Blasen und Geschwulst,
wenn er auf die menschliche Haut gebracht wird, ja selbst
der Regen und der Thau, welcher von dc|i Blättern dieses
Baumes herabträufelt, zeigt jene schädliche AVirkung, was
durch Beispiele erwiesen wird. Aber dennoch soll dieser Milch-
saft nicht auf jeden Menschen gleich wirksam seyn ; so konnte
Herr Seh. den fliefseiiden Milchsaft in die Haut einreiben,
ohne eine schädliche Wirkung desselben wahrzunehmen ; das
Essen einer halben Frucht dieses Baumes brachte jedoch sehr
heftige Wirkungen hervor. Ueberall wo sich die Manschineli-
bäume einmal ausgebleitet haben, da soll der Boden kahl und
graslos sein, so dafs es scheint, als wenn auch die Ausdün-
stung des Baumes schädlich sei, was denn auch in der That
sehr wahrscheinlich erscheint.
HerrMorren*) hat die Beobachtung gemacht, dafs sich
die Driisenköpfcheu auf den Haaren der Atiopa frutescens
zuweilen mit einer grofsen Menge nadelförnnger Krystalle be-
decken, aber mit Unrecht glaubt er^ dafs man bisher die Kry-
stalle immer nur innerhalb der Zellen beobachtet habe.
Ueber das Vorkommen des Tabaschir's hat Referent*) aus-
führlicher gehandelt und die Beobachtungen von Turner und
Brewster über eben denselben Gegenstand zusammen ge-
stellt. Das Tnhaschir besteht gröfstentheils aus einem Kiesel-
erdehydrat, doch bald ist es mehr, bald weniger Kali haltig,
ja in manchen Fällen enthält es etwas Kalk. Auch Herr Ma-
caire***) hat neuerlichst Gelegenheit gehabt, Tahaschir zu
untersuchen und fand es als ein fast reines Kieselerdehydrat,
das vielleicht mit einer Spur von Kali vermischt war. Herr
Macaire hat die specifische Schwere dieser Substanz beob.-
achtet; dieselbe beträgt, wenn die Luft mit Wasser ausgetrie-
ben ist = 1,920 und nach dem Rothglühen = 2,080.
Schon früher gab Referent die Beschreibung über den
Bau und das Auftreten der Perldrüsen, welche von ihm auf
*) Sur l'existence des raphides ou cristanx de matteres inorga-
niques en dehors des vegetaux — Bullet, de l'Acad. de Bruxelles V.
No. 4. . . ,.
**) Physiologie II. p. 541— 574.
*♦*) Bibl. universelle Juin 1838 pag. 405.
88
Begonien, Ceaopien und einigen andern Gewächsen aufge-
funden worden waren (S. Pflanzen -Physiologie II. pag. 476),
doch das Auffinden dieser Drüsen auf dem Weinstocke führte
zu nochmaliger Beobachtung dieses Gegenstandes mit den neue-
ren Mikroskopen. Das Auftreten dieser Körper auf dem Wein-
stocke ist durchaus nicht allgemein, häufiger kommen sie noch
an künstlich getriebenen Stöcken zum Vorschein; sie sitzen
meistens auf der unteren Blattfläche und auf der Oberfläche
des Stengels junger Triebe, und hinterlassen auf letztern nach
dem Vertrocknen nicht nur schwarze Flecke, wodurch der
Stengel oft sehr stark punktirt erscheint, sondern es tritt je-
desmal, wo ein solches Drüschen safs, eine kleine warzen-
förmige Erhölujng hervor, welche anfangs der Drüse als Un-
terlage diente, sich aber auch noch nach dem Vertrocknen
jener oft sehr bedeutend vergröfsert, so dafs die Oberfläche
der jungen Stengel zuweilen ganz warzig erscheint. Im All-
gemeinen haben die Perldrüsen am Weinstocke ganz dieselbe
Struktur wie die bei den Begonien, sie sind aber noch durch
eine kleinmaschige Zellenschicht, gleichsam durch eine Epider-
mis, welche ich mitunter sogar mit den Hautdrüsen ui^.d ihren
Spaltöfi"nungen sah, überzogen. In den grofsen wasserhelleu
Zellen, welclie das Innere dieser Perldrüsen bilden, sieht man
stets die grofsen Tröpfchen einer ölartigen Substanz, und au-»
fserdem noch eine Spur von einem Zellenkern und mitunter
auch noch feine Saftströme u. s. w.
Ueber die Absonderung der Wurzelspitzen ist eine Inau-
gural- Dissertation von Herrn E. Walser*) unter dem De-
kanat des Herrn Mo hl erschienen, welche aber dem Refe-
renten unbekannt geblieben ist. Herr Treviranus (Physiol.
d. Gewächse U. 119) handelt über diesen Gegenstand sehr
umsichtig, und stellt mit allem Rechte die Versuche von Ma-
caire in Zweifel, worauf man leider schon wieder neue Hy-
pothesen gebaut hat.
Ueber Irritabilität und Sensibilität der Gewächse.
Herr Miquel**) hat eine R^ihe von Beobachtungen an-
*) Untersuchung über die Wurzel- Ausscheidung. Tübing. 1838.8.
**) Proeve/i over de prikl-elbaarheid der hladen van Miinosa jni-
dica. — Tijdschrift loor imt. Geicfiidd. en rinjuiol V. pag. 35— GO.
89
gestellt uiri die Wirkung der Gifte, besonders der narkotische»
auf die Reizbarkeit der Blätter an der Sinnpüanze zu effor-
sclien, und er selbst hat einen vollständij^en Auszug dieser
Arbeit im ersten Hefte dieser Zeitschrift einrücken lassen.
Die Resultate dieser Beobachtungen bekämpfen die sinnreiche
Theorie, welche Herr ^Dassen über die Ursache der Bewe-
gung der reizbaren Bliittcr gegeben hat^ eine Theorie, welche
auch Ref. *), doch auf einem anderen Wege beseitigt zu ha-
ben glaubt. Sehr gut bemerkt Herr Miquel, dafs die be-
kannten Experimente, welche Du t röchet an den Gelenkau-
schwellungen der Sinnpflanze ausführte, nur zum Scheine für
die von Letzterem gegebene Theorie dieser Bewegungen spre-
chen, und Ref. hat an angeführtem Orte sogar gezeigt, dafs
diese Dutro che t 'sehen Experimente keineswegs so richtig
sind, als man es ziemlich allgemein annimmt, denn er wieder-
holte dieselben an kräftigen Pflanzen und überzeugte sich und
andere Naturforscher, dafs dergleichen Blätter, welchen man
oben oder unten die Gelenkanschwellung abgeschnitten hatte,
sich später wieder nach wie vor bewegten. Hiedurch wird
denn jedes Raisonnement für die Hypothesen von Dutrochet
und Dassen unnöthig, denn die Thatsachen, worauf sie ge-
gründet wurden, sind nur dem Scheine nach richtig.
Herr Miquel wiederholte das Link' sehe Experiment,
wodurch eigentlich schon seit Jahren die Dutrochet' sehe
Hypothese beseitigt wurde; er machte einen Girkelschnitt in
die obere Seite des Gelenkes eines Blattes der Sinopflanze;
das Blatt .senkte sich und die Blättchen schlössen sich ob-
gleich die obere Zellenschicht durchschnitten war, durch wel-
che die Senkung nach jenen Hypothesen ausgeführt Nvird. Nach
10 Minuten erhob sich wieder das Blatt zu einem rechten
Winkel mit dem Stengel, kam also nicht hölier, Avas doch nach
jenen Hypothesen stattfinden soll. Hätte Herr Miquel diese
und ähnliche Experimente nocli häufiger angestellt, so würde
er ebenfalls gefunden haben, dafs die hierauf bezüglichen Du-
tro che t'schen Angaben nicht richtig, oder wie sicli der Ver-
fasser selbst ausdrückt, nur zum Scheine richtig sind.
Herr Miquel durchschnitt die Geleukanscinvellung mit
♦) Pflanzen. Phj'siologie 111. pag. 538.
90
einer Lanzette der Länge nach, aber in horizontaler Richtung,
so dafs die Comraunication zwischen dem oberen und dem
unteren Theile des Gelenkes aufhörte; das Blatt senkte sich,
verlor seine Reizbarkeit und die Blättchen blieben beweglich.
Nachdem nun Herr Miquel gezeigt hat, dafs die Bewegungen
der reizbaren Blätter nicht durch di^ Expansion des Zellen-
gewebes zu erklären ist, stellt er die Meinung auf, dafs der
Begriff der Contractilität weit besser zu den Eigenschaften des
Pflanzengewebes pafst, und dafs diese in den Gelenkzellen der
Mimosen nur in einem erhöheten und modificirten Maafse vor-
handen ist. Aus den Experimenten mit den Giften ergab sich,
dafs diese Contractilität durch narkotische Stoffe ausgelöscht
wird, das Leben dabei jedoch noch fortbestehen kann, und
später kehrt auch die Reizbarkeit wieder zurück. Andere Gifte
zerstören Contractilität und das Leben der Pflanze.
Mit Unrecht kämpft dagegen Herr Miquel gegen die An-
nahme, dafs der Holzkörper es ist, welcher die Reize bei der
Sinnpflanze fortleitet. Sowohl Herr Dutrochet als Herr
Dassen haben Beobachtungen angestellt, welche dafür spre-
chen; Letzterer brannte das blofsgelegte und ausgeprefste Holz
eines Stengels der Sinnpflanze und sah hierauf, wie es auch'
schon lange vorher beobachtet war, die Zusammenziehung der
Blättchen erfolgen. Herr Miquel glaubt diese Erscheinung
dadurch erklären zu können, dafs er annimmt, es sei diese
Contraction nur in Folge der durch den Holzkörper geleiteten
"Wärme verursacht. Die im Holze enthaltene Feuchtigkeit
werde durch die Wärme nach Oben getrieben, was den Reiz
auf die Blätter ausübt. Ref. ist dagegen überzeugt, dafs es
Herrn Miquel nur an der gehörigen Menge kräftiger Sinn-
pflanzen gefehlt habe, um sich selbst durch eigene Versuche
der Art von dem Ungrunde seiner Ansicht zu überzeugen;
denn er selbst hat ähnliche Beobachtungen in grofser Anzahl
angestellt und dieselben ausführlidi in dem dritten Theile sei-
ner Pflanzen- Physiologie beschrieben. Diese Versuche so wie
mehrere andere, noch entscheidendere beweisen auf das Be-
stimmteste, dafs der Holzkörper es ist, der die Reize in der
Sinnpflanze weiter fortleitet. Brennt man an einer kräftigen
Pflanze während der heifsen Sommertage die letzten Fiederblätt-
chen, so pflanzt sich der Reiz sehr bald über das ganze Blatt
91
hinaus, und dieses senkt den Blattstiel ganz ebenso, als wenn
man das letzte ßlattpaar abgeschnitten hätte; hat mau aber
zugleich die Spitze des Blattstieles mit angebrannt, so pflanzt
sich der Reiz sehr bald weiter fort, und nachdem das vorlezte
Blatt herabgesunken und die Fiederblättchen sich sämmtlich
zusammengelegt haben, zeigt sich die Contraction auch an den
zunächst stehenden Blättern des Stammes. In den meisten
Fällen beobachtete Ref., dafs sich die Contractionen zuerst
an denjenigen Blättchen zeigten, welche unterhalb des vor-
letzten Blattes standen, und wenn sich diese der Reihenfolge
nach gesenkt hatten, dann bewegten sich auch alle die Blät^
ter, welche über dem verletzten standen, und dann endlich
erstreckte sich die Fortpflanzung der Reize auf die Blätter
der Aeste, welche sich ebenfalls der Reihe nach senkten und
ihre Fiederblättchen zusammenlegten. Die Zeit, in welcher
die Contraction sämmtlicher Blätter in Folge solcher Reize
erfolgt, ist nach dem Grado der Reizbarkeit der Pflanze ganz
verschieden, aber selbst im glücklichsten Falle vergehen bei
grofsen Pflanzen 4 bis 5 Minuten; ist aber die umgebende
Temperatur nicht hoch genug, so vergeht fast eine ganze
Viertelstunde. Dieser contrahirte Zustand in Folge des Bren-
nens der Blättchen dauert verhältnifsmäfsig sehr lange, denn
die Blättchen öfihen sich erst nach 4, 6 und selbst erst nach
8 Stunden, woraus man schon auf den heftigen Grad der Ein-
wirkung schliefsen kann, welche diese Reizung veranlafst hat.
Kann man solche Erscheinungen wohl durch Herrn Mi-
queTs Ansicht erklären? Ref. glaubt, dafr dieses nicht der
Fall ist.
Herr Morren*) hat eine sehr ausführliche Arbeit über
die Reizbarkeit des Säulchen's von Stylidium gr amini folium.
gegeben. In derselben wird der Gegenstand zuerst historisch
beleuchtet, wobei dann der Reizbarkeit gedacht wird, welche
den Staubfäden, der Blumenkrone, dem Stigma u. s. w. vie-
ler anderen Pflanzen zukonunt, die aber sämmtlich noch im-
mer nicht in anatomischer Hinsicht genau untersucht wären.
*) Recherches sur le fiiouvemetit et l'anatomie de Stt/lidittm gra-
minifolium. — Mem. Itt ä l'Academ. royale des sciences de Bruxelles
le 2 Dec. 1837. Bruxelles 1838. 4.
92
An dem Säulchen von Stylidium graminifol'mm ist nach
Herrn Morren's Beobachtungen jeder Theil beweglich, aufser
ganz tief an der Basis; die Bewegung besteht in einem Ge-
raderichten desselben, welches in seiner gewöhnlichen Stel-
lung zuriickgebogen ist; im Knospenzustande zeigt sich jene
Reizbarkeit noch nicht. Die Bewegung erfolgt nur nach Ein-
wirkung äufserer Reize, doch an sehr heifsen Tagen, beson-
ders zur Mittagszeit sah Hr. Morren öfters, dafs sich das
Säulchen aus freien Stücken aufrichtete und auch immer wie-
der zu seiner vorigen Stellung zurückkehrte *). Wenn das
Säulchen in seine ursprüngliche Lage zncückgekehrt ist, so
mufs man 12 .bis 15 Minuten warten, bis es sich wieder auf-
richtet. Wenn sich die Stellung des Säulchens aus freien
Stücken verändert, so geschieht die Bewegung sehr regelmä-
fsig und etwa in einer halben Minute ist die Bewegung aus-
geführt, wärend sie in Folge äufserer Reize augenblicklichst
erfolgt. Zwischen diesen aufsteigenden und absteigenden Be-
wegungen des Säulchens unterscheidet Hr. Morren die cata-
leptischcn Bewegungen, welche das Säulchen nicht perpendi-
culär sondern schief stellen, bald nach rechts, bald nach links
11. s. w., doch diese Bewegungen sind das mechanisclie Resul-
tat hervorgerufen nämlich durch die Stellung der übrigen
Orgaue.
Das Säulchen an Stylidium ist nicht ganz cylindrisch
sondern etwas abgeplattet; es zeigt in der Mitte Zellgewebe,
ferner zwei Gefäfsbündel, welche auf den abgepla,tteten Seiten
liegen, und eine Epidermis **). Auf der hintern Fläche (d. i.
*) Diese Beobarhtinig ist von hohem Interesse, denn sie zeigt,
■wie ich es ebenfalls bei der Mimosa jnidica beobachtet habe (S.
Pflanzen -Physiologie III. pag. 525), dafs Bewegungen einzelner Pflan-
zentlieile, welche gewöhnlich nur in Folge äufserer Reize eintreten,
dafs diese, bei sehr kräftig vegetirenden Pflanzen, auch scheinbar
aus freien Stücken erfolgen können. Bei der Minwaa jnulica war
die hohe Wärme der äufsere Reiz!
**) Herr Morren nennt hier diesen Theil: derme imd -will den-
selben von der wirklichen Epidermis unterscheiden, worunter er die
Cuticula versteht, welche aber nicht durch Henslow und Brongniart
entdeckt ist, sondern schon von Ludwig beschrieben und mit dem-
selben Namen belegt wurde. Indessen neue Benennungen sind nur
einzuführen, wo die alten nichts taugen, was aber hier nicht der
Fall ist.
93
die convexe Seite des gekriiminten Saiilchens ! ) besteht die
Dennis aus einem abgeplatteten Zellengewebe. Ganz an der
Basis siebt man ein pinenehymatoeses Gewebe, welches durch-
sichtig und ohne Kiigelchenbildung ist. Etwas höher hinauf
werden die Zellen der Dermis etwas Breiter und kürzer und
bilden ein regulaires Ovenchyme, worin die Zellen eiförmig
und elliptisch sind. An der bewegiiclien Krümmung ändert
sich abermals das Zellengewebe der Dermis und wird zu
Merejichyjne: höher hinauf werden die Zellen länger und
stellen das Prismenchymc dar. In dieser angeblichen Struk-
tur der Epidermis sieht Hr. Morren ein Mittel, durch wel-
ches die Bewegung der Säule erleichtert wird. Auf der vor-
dem Fläche der Säule seien die Zellen sehr klein und eine
jede dieser eiförmigen Zellen zeige in ihrer Mitte eine kleine
konische Erhöhung, wodurch dieses Gewebe eine Modification
des Conenchymes werde, d. i. Zellengewebe, dessen Zellen
kegelförmig sind. Die beiden Gefäfsbiindel in der Säule be-
stehen ausi Pleiaenchym, welches nach Aufsen gestellt ist und
aus Spiralgefäfsen, welche das Innere einnelimen, die Zellge-
webemasse aber, welche diese Gefäfsbiindel einschliefst, bildet
das Cylindrenchyme.
Die vielen neuen Benennungen der Elementarorgane, wel-
che im Vorhergehenden angeführt sind, werden den geneigten
Leser etwas befremden; Ilerrr Morren selbst sagt in Hin-
sieht dieser in einer Anmerkung, dafs er alle diese Benennun-
gen auf die Form der Zellen gründe, und hiernach habe er
2.5 Klassen von Zellgewebe aufgestellt, deren nähere Characte-
ristik er nächstens in einer speciellen Arbeit geben wird.
Endlich hat Herr Morren noch an dem Bogen (^äVarc)
der Krümmung der Säule eine Zellenmasse beobachtet, wel-
che sehr reich mit ^m jZf/m - Kügelchen gefüllt ist; diese
Zellenmasse nimmt die obere Partie der beweglichen Krüm-
mung ein, und da er es an keiner andern Stelle wiederfand,
so glaubt derselbe den Schlufs ziehen zu dürfen, dals die
Stärke bei den Pflanzen die Ursache einer freien
Bewegung sein könne. Die beiden Gefäfsbiindel darf man
nicht als die Organe ansehen, welche die Krümmung des Säul-
chen's bewirken, sie liegen an den beiden abgeplatteten Rän-
dern, und nachdem Herr Morren dieselben durchschnitten
94
hatte, ging die Krümmung ebenfalls vor sich. Es wurden
mehrere Säulchen abgerissen und auch diese zeigten ihre Be-
wegungen, und zwar fast ebenso schnell wie sonst. Die Epi-
dermis des Säulchen's konnte ebenfalls rund herum durch-
schnitten werden und die Krümmung fand dennoch statt, kurz
es zeigte sich, dafs in dem innern Cylindrenchym das Organ
der Bewegung liege, worin die Stärke befindlich ist, und dafs
diese Bewegungen in Wasser, in der Luft, in Alkohol und in
lod- Tinktur ausgeführt werden.
Die Reizbarkeit der Säule wurde durch Herrn. Morren
nicht nur an Stylidiwn gvaminifolium , sondern auch an St.
coT'ymhosum und adnatuin beobachtet.
Herr Bory de Saint- Vincent *) macht darauf auf-
merksam, dafs die Maisilea, welche gegenwärtig unter dem
Namen der Marsilea Fabrii in Frankreich bekannt ist (die
aber offenbar' einer neuen Gattung zugehört), die nächtliche
Stellung der Blätter zeigt, welche man mit dem Namen des
Schlafes der Pflanzen belegt. Bei der gewöhnlichen Marsilea
ist dieses ebenfalls zu sehen. Ref.
Zur Anatomie der Gewächse.
Herr Morren **) hat in einer andern Abhandlung über
das Gefrieren der Pflanzenorgane die neue Classification der
Elementarorgane gegeben, von welcher schon vorher die Rede
war, er theilt dieselben ein in:
I. Zellengewebe oder Parenchyme, welches folgende ver-
schiedene Arten aufzuweisen habe:
1) Merenchyme, ein Zellgewebe mit sphärischen Zellen.
2) Conenchyme, ein Zellgewebe dessen Zellen konisch
sind, wie z.B. die Wärzchen auf den Zellen der Epi-
dermis und selbst die kleinen Haare vieler Pflanzen.
3) Ovejichyme, Zellengewebe mit eiförmigen Zellen.
4) Atractenchyme , Zellengewebe mit spindelförmigen
Zellen.
5) Cylindrenchyme ,' Zellengewebe mit cylindrischen
Zellen.
*) Comptes rendus de 1838 //. pa^. 12.
**) Bullet, de l'Academie Royale de Bruxelles V. Nr. 3.
95
6) Colpenchyme , Zellengewebe mit gekrümmten sinuö-
seil Zellen. (Die gesehlängelten Epidermis - Zellen
werden hiezu gezählt. Ref.)
7) Cladenchyme f Zellengewebe mit verästelten Zellen.
(Die iinregelmäfsigeu Zellen im lockern Diachym der
Blätter werden hiezu gezählt. Ref.)
8) Prismenchyme, Zellengewebe mit prismatischen Zellen.
II. Stärkeartiges Gewebe (iissu feculoide) oder F^renchyme
(von uEQag, terme). Wenn Ref. recht versteht, so wird
hiemit wirklich die Stärke bezeichnet, welche bekanntlich
im Innern anderer Elementarorgane auftritt.
III. Faserzelliges Gewebe oder Inenchyme. Hiemit werden
die Spiralfaser -Zellen der andern Autoren bezeichnet.
IV. Gefäfsartiges Gewebe. Angienchyme, Hiezu gehören fol-
gende Arten:
1) Pleiwenchyme, es wird durch die Saftfasern gebildet.
2) Trachenchyme, Gewebe, welches von Spiralgefäfsen
gebildet wird.
3) TracJienchyme modifie, aus modificirten Spiralgefä-
fsen gebildet.
4) Cinenchyme. .Wird von den Milchsaftgefäfsen dar-
gestellt.
V. Einige andere Organe, als:
1) Die Spaltöffnungen (die stomates).
• 2) Die Biforines des Herrn Turpin.
3) Die Raphides und die Organe welche sie enthalten.
4) Die Lücken (^Des lacunes).
Dieses ist die neue Eintheilung der Elemeutarorgane der
Pflanzen nach Herrn Morren, und bei der anatomischen Be-
schreibung der Pflanzen bedient sich derselbe dieser neuen
Benennungen. Referent ist zwar nicht der Meinung, dafs un-
sere gegenwärtige Eintheilung der Elementarorgane der Pflan-
zen unverbesserlich ist, wohl aber scheint es sehr bestimmt,
dafs diese neue Classification keine Verbesserung ist. Allen
Classificationen mufs ein durchgreifendes Princip zum Grunde
liegen, was wir aber bei dieser neuen gänzlich vermissen; es
ist ferner die Bedeutung des Wortes xy/^^a ganz übersehen
worden, welches man unmöglich zur Aufstellung von Begrif-
fen, wie Cinenchyme f Conenchyme , Ferenchyme u. s. w.
J)6
gebrau elien kann, ja ganz abgesehen «lavon, dafs die alten
Beneiinimgen Parejichym , Prosenchym, Vleurenchym und
Merenchym nacli ganz andern Grundsätzen aufgestellt sind.
Alte Namen mufs man immer ehren, und am wenigsten darf
man sich derselben bedienen,- wenn man ihnen andere Begriffe
vniterschieben will. Für Merenchyme soll Sphaerenchyme
viel gründlicher sein, indessen Ref. bildete das Wort Meren-
chyme aus i-tlQOS u. s. w. und wollte damit andeuten, dafs
sich die Theile, welche das /<;,«« bilden, nur theilweise be-
rühren, und das gescliieht nur bei sphärischen Zellen. (Hayne
sprach von PerencJiym und nicht \^n MerencJiym.!). Dage-
gen bedient sich JHr. Morren des llayne'schen AVortes Per-
enchym für sein tissu ficuloide u. s. w. — Das Zellenge-
webe, dessen Zellen Spiralfasern enthalten, nennt Hr. Mor-
ren Ineuchyme, obgleich die Anatomie gelehrt hat, dafs alle
verschiedene Arten von Zellen bald mit,' bald ohne deutliche
Spiralfasern im Linern auftreten können, und dafs sie den-
noch dabei immer bleiben was sie sind.
Der Graf Kaspar Sternberg*) hat die Fortsetzung
seiner Flora der Vorwelt publiciren lassen; die Bestimmung,
Beschreibung, Systematik und Anordnung der darin enthalte-
nen Pflanzen war Herrn Presl übertragen, und die anatomi-
schen und organographischen Beobachtungen sind mit Hülfe
des Herrn Cor da ausgeführt, der dazu eine grofse Menge
ausgezeichnet schöner Abbildungen gegeben hat. Als Anhang
zu diesem geognostisch - botanisclien Werke • finden wir eine
70 Folioseiten starke Arbeit des Herrn Corda, welche den
Titel; Skizzen zur vergleichenden Phytotomie vor-
und jetztweltlicher Pflanzenstämnie führt. In dem
ersten Abschnitte der Skizzen kommt Herr Corda zu folgen-
den Schlüssen: „Die Elementarorgane vorweltlicher Pflanzen
sind gleich denen der gegenwärtigen Pflanzenwelt gewachsen,
was sich im Kleinen wie im Gröfsen nachweisen läfst, woran
aber) auch wohl Niemand gezweifelt liat.
. Au den cylindrischen Stämmen der Jetztwelt ist die Ter-
minal f. Richtung des Wachsthumes überwiegend thätig, aber
*) Versuch einer geognostisch -botanisirhen Darstelhmg der Flora
der Vorwelt. 7tes und 8tes Heft mit 45 Knpfortafehi. Prag 1838. Fol.
97
auch die Vorwelt zeige solche cylindrische Stämme, wie Eqiii-
setites, Calamites und viele Cycaditen. Den Knollstamm
der gegenwärtigen Cycadeen findet man auch bei urweltlichen.
Nachdem wir die Histologie vorweltlicher Pflanzen, sagt Herr
Cor da, und die Couiparativ- Anatomie ihrer einzelnen Sy-
steme skizzirt haben, können wir leicht zu der Betrachtung
und Vergleichung .einzelner Formen -Gruppen vor- und jetzt-
weltlicher Stämme übergehen. Hierauf folgt dann der zweite
Abschnitt unter dem Titel: Comparative phy totomische
Skizzen.
Der Holzkörper aller holzbildenden Pflanzen, heifst es da-
selbst, erscheint in drei Hauptformen, welche durch unzählbare
Abänderungen vielfach mit einander verbunden sind. Die For-
men sind:
1) Der isolirte Gefäfsbiindel, den wir in der Achse der
Lycopodien vereinzelt, in den Stämmen der monocotyledona-
ren Pflanzen gesellig, in den Rhizomen der krautartigen Far-
ren und den Stengeln der Dicotyledonen kreisförmig geord-
net erblicken.
2) Der bandförmige Gefäfs- (besser Holz-) Bündel, wel-
cher in den Stämmen der baumartigen Farrn erscheint, und
3) Der ringbildende Holzkörper, dessen einfache Ringe
uns in Bamhusa, Ariindo, jungen Cycadeen und in den ein-
jährigen Aesten aller unserer Bäume, so wie auch in den
Stengeln vieler ausdauernder oder einjähriger Kräuter sicht-
bar sind.
Der einfache und zentrale Holzbündel der Lycopodien
ist nach Herrn Corda gleichsam aus mehreren verschmolzen,
und diese Verschmelzung ist nur eine seitliche, mitbin unvoll-
kommene, indem man in denselben keine eigentliche Achse
findet, um welche die einzelnen Gefäfse u. s. w. geordnet sind.
Ueberall sucht Hr. Corda die grofse Aehnlichkeit nachzuwei-
sen, welche zwischen der Anordnung der Holzbündel bei Di-
cotyledonen und den Farrn herrscht, das Hauptsächlichste
aber, wodurch sich die Struktur des Holzkörpers in diesen
beiden Pflanzengruppen unterscheidet, das wird gcinz übersehen.
Sehr speciell verbreiten sich diese comparativen phyto-
tomischen Betrachtungen über die Farrnstämme, und diesel-
ben sind denn auch allen Geognosten, welche sich mit diesem
V. Jahrg. 2. Band. <J
98
Gegenstände beschäftigen, sehr vai empfehlen: die anffallend
abweichenden Formen von Farrnstämmen, welche Ref. an ver-
schiedenen Orten beschrieben niid in den Schriften der Tey-
1 er' sehen Gesellschaft zu Uarlem (Bd. XXII. 1S3G) abgebil-
det hat, welche ganz besonders zu berücksichtigen sein möch-
ten, sind von Herrn Gorda übergangen, und gerade darunter
befinden sich einige, welche man schwerlich für Farrnstäninie
halten würde, wenn sie versteinert gefunden wären.
In dem Anhange zu Sternberg's Flora der Vorwelt
hat Herr Cor da auch einen Naclitrag gegeben (pag. XLVII
— LXXI. ), worin er sehr ausführlich gegen Hrn. Ad. Bron-
gniart's Ansicht handelt, nach welcher die Lepidodtmdron-
Arten zu den Lycopodiaceen zu bringen wären, was der-
selbe schon im 13ten und 14ten Hefte seiner Eist, des Vdget.
fossiles ausgesprochen hat. Herr Cor da hat dagegen die
Lepidodendra und Lycopodiolithen mit den Crassulaceen
und vorzüglich mit Sempervivwn verglichen, auf dessen merk-
würdige Rindenforniation schon durch Lukis *) aufmerksam
gemacht wurde. Am Schlüsse dieser sehr ausführlichen und
sehr ruhig geführten Widerlegung der Brongniart'schen
Ansicht sagt Herr Corda: „Wir versuchten den Bau der
Lepidodendra zu erklären, wie auch die Bedeutung der Le-
pidostroln zu erörtern, und fanden, dafs erstere im Habitus
und äufseren organographischen, so wie inneren anatomisch-
histologischen Baue den Crassulaceen der Jetztwelt weit
mehr als andern Familien verwandt sind, und sich innerhalb
und äufserlich strenge von den Lycopodiaceen sondern. Fer-
ner haben wir die Lepidosfrohi gesichtet tmd ihren analogen
Bau mit den männlichen Blüthen der Coniferen nachgewiesen,
früher auch schon gezeigt, dafs es für kritische Naturforscher
unerwiesen ist, dafs die Lepidosfrohi die Früchte der als
Lepidodendra bezeichneten vorweltlichen Bäume sind, und
durch die Nachweisung des dicotylen Baues der Lepidoden-
dra, und durch die hier gegebene Deutung der Lepidosfrohi
dargethan, dafs in der Schwarzkohlen -Formation aufser den
Cycadeen und Coniferen auch noch andere dicotyle Pflan-
zenreste vorkommen."
*) S. unsern Iten Jahresbericht (Berlin 1835) pag. 173.
9.9
Schon vor dem Erscheinoii flieser Arbeit des Ilrn, Corda
hat Hr. Ad. IJrongniart *) den fraglichen Gegenstand von
Neuem untersucht und seine Ansicht, dafs die Lepidodendra
zu den Lycopodiaccen gehören, auf eine sehr scharfsinnige
Weise darzuthnn gesucht; er hat diese Verwandtschaft niciit
nur durch Verglcicliung der äufseren Formen erkannt, son-
dern die innere Struktur dieser fossilen Stämme spreche eben-
f:ills dafür. Hier werden also Thatsachen gegen Tliatsachen
aufgeführt, denn Herr Corda führt ebenfalls die Struktur der
Lepidodeiidra -Stämme als Beweis an, dafs dieselben zu den
Crassulaceea gehören. Herr Brongniart hat seine An-
gaben noch nicht durch -Abbildungen erwiesen, welche wir
aber hoffentlich bald erhalten werden, und die Abliildungen,
welche Herr Corda in Sternberg's Flora zur Erweisung
seiner Ansicht gegeben hat, nämlich auf Tab. LXVI. Fig. 10
— 14., sind wohl keineswegs von der Art, dafs dadurch die
von ihm und Andern ausgesprochene Ansicht erwiesen würde.
Herr Brongniart zeigt, dafs nur in sehr seltenen F'äl-
len wahre Dichotomie entsteht, ja die dichotomische Form
des Stanuues der Phanerogamen sei nur ein zufälliger Charak-
ter, indem dieselbe durch zufällige Entwickelnug der Seiten-
äste entsteht; es giebt aber eine Pilanzengruppe, bei der die
dichotomische Verzweigung des Stammes das Normale ist, und
dazu gehören, sagt Hr. Br., die Farrn, die Lycopodien und
auch die Marsiliaceen, indem hier die Bildung von Seiten-
ästen nicht stattfindet. Die Verästelung ist hier nur eine ter-
minale Bifurcation, wobei allerdings oftmals der eine Ast zu-
rückbleibt, so dafs dadurch in der Folge ein s<;heinbarer Sei-
tenast entsteht. Hieraus folgt aber auch schon, dafs selbst
die Fructification nicht achselständig sein kaiui, sondern auf
dem Blatte befestigt sein mufs, eine Angabe, welche auch
schon durch Hrn. Mohl's Untersuchung bei der Deutung des
Sporanghnn's der Lycopodien**) erwiesen wurde. Da nun
die Lepidodendra alle diese Charactere zeigen (denn den Le-
pidostrohus hat Hr. Br. an den Enden der Zweige wahrer
*^ Recherches sur les Lepidodendron et sur les uffinites de ces
arlres fossiles^ precedees d'iin exanien des jjrincipaux cur acter es des
Li/copodiacees. {Extra/t.) Compt, tendu 1838 //. pag. 872 — 879.
/*) S. den vorigen Jahresbericht pag. 141.
7*
100
LepiJodendra befestigt gefunden und sie defslialb für die
Früchte dieser Gewächse erklärt), so liegt der Schluft sehr
nahe, dafs sie zu den hycopodiacecn zu stellen sind. Herr
Br. hat ein Bruchstück jenes schon von Witham abgebilde-
ten Lepidodendron- Astes untersucht und gefunden, dafs der-
selbe eine analoge Struktur mit den Lycopodiaceen zeigt,
nur in Hinsicht der Gröfse sind sie sehr verschieden.
Ilr. Link hat einige Bemerkungen über die Wur-
zeln der Pflanzen*) publicirt, welche Nachträge zu Ilrn.
Ohlert's (S. den vorjährigen Bericht.) Abhandlung über eben
denselben Gegenstand enthalten; auch Hr. Link beobachtete
es dafs die Wurzelzasern niciit an der eigentlichen Spitze
wachsen, sondern etwas über der Spitze, vvozu genauere Be-
schreibung des Vorganges gegeben wird. Dafs die Spiralröh-
ren in den Wurzelzasern die hauptsächlichsten' Organe sind,
durch welche die aufgenommene Flüssigkeit mit Schnelligkeit
davono-eführt wird, das wird von Neuem mit den treffendsten
Gründen erwiesen. Schliefslich spricht es Herr Link mit Be-
stimmtheit aus, dafs die Blattknospen, auch wenn sie aus der
Wurzel kommen, immer aus dem Marke derselben entsprin-
gen, und dafs da, wo die Wurzel kein Mark hat, auch keine
Blattknospe entsteht. Die Wurzelzasern dagegen entstehen
immer aus dem Holzkörper und niemals aus dem Marke der
Wurzeln.
An einem andern Orte**) hat Hr. Link eine sehr geist-
reiche Abhandlung: Ueber das Anwachsen von Theiien
in den Pflanzen gegeben. Es gehört, sagt der Verfasser
daselbst, zu den Hauptkennzeichen der Pflanzen, dafs sich
ihre Theile nach und nach entwickeln, dafs die frühern den
später nachkommenden nicht ganz weichen, sondern wenig-
stens in Spuren zurückbleiben, so dafs die Pflanze ihre Ge-
schichte in ihrer Gestalt trägt. Doch die Pflanze besteht auch
aus thierlschen Theiien, welche auf den rein vegetabilischen
wachsen. Der Stamm und die Wurzel sind rein vegetabilisch;
sie wachsen durch Ansetzen neuer Grundtheile an den Enden,
*) Linnaea von 1838 pag. 260 — 264.
*♦) S. Schriften der Königl. Akademie der Wissenschaften zu Ber-
lin von dem Jahre 1836. Berlin 1838.
101
die blattartigen Tlieile liingegen und somit aucli Bliithe un«l
Frucht sind thicrischer Natur, sie wachsen durch Entwickc-
lung nach allen Seiten; von jenen ist in der Jugend nur der
Anfang vorhanden, von diesen nur der Umrifs. Die Pflanze>
sagt Herr Link sehr scharfsinnig, eilt mit Bliithe und Frucht
dem thierischen Leben zu, die Bliithe trennt sich und lebt
als Polyp ein besonderes Leben.
Auch Herr Link spricht für die Annahme, dafs alle Ge-
fafse der Pflanzen aus Zellen entstehen, aber, sagt derselbe,
man würde sich indessen sehr irren, wenn man glauben wollte,
dafs die Zellen an bestimmten Orten in Gefäfse übergehen
und so die niannichfaltigen Theile bilden, welche nach und
nach sich entwickeln, denn die neuen Theile, die Gefäfsbündel,
entstehen zwischen den alten Theilen, zwischen den Zellen
des Zellgewebes, woraus der ganze Theil in seiner frühen
Jugend bestand. Nicht nur ein Anwachsen neuer Gefäfse in
dem erweiterten und ausgedehnten Zellgewebe wird zur Ge-
staltung der Theile gefordert, sondern es ist auch eine Sonde-
ruug des Innern Gewebes hiebei nöthig, ganz besonders bei
<lenjenigen Theilen, welclie die thierischen genaiuit wurden.
Zur Erläuterung des Gesagten bezieht sich Herr Link auf
verschiedene seiner anatomisch- botanischen Abbildungen, von
welchen im vergangenen Jahre das dritte Heft*) erschienen
und hicmit das giinze geschlossen ist. Dieses letzte Heft ent-
luilt Darstellungen zur Anatomie der Blüthe und der Frucht-
theile, welche sich durch die Gröfse ihres Umfanges, wie
durch saubere Ausfiilu-ung und durch die Wahl der niitgetheil-
ten Gegenstände el)en so auszeichnen wie die früheren in den
beiden erstem Heften. Besonders zu beachten sind die Dar-
stellungen über den Verlauf der Gefäfsbündel in der Corolla
einiger Syngenesisten auf Tab.XVIlI., als der Gneraria nivea
und Leontodon Taraxacum. Ferner enthalten die folgenden
Tafeln eine Reihe von Darstellungen über die Form wnd
Struktur des Griff'elkanales bei verschiedenen Gewächsen, über
die Bildung der Pollenschläuche und deren Verlauf im Griffel-
*) Iconcs anatomico - hutanicuc ad illitstrnttdfi elementa philosO'
phiae botankue Hern: Frid. Linkii. Fascicnlus HI. r. tab. lithograph
VIII fol. ßcrol. Ib38.
i02
kaiial. Tab. XXI. Fig. 1. giebt Herr Link eine Darstellung
der Sanimelhaare auf der äufsern Fläche de,s Griffels von
Campainda Medium vor der Befruchtung; es sind lange und
grofse ungegliederte Ilaare, deren Basis tief in die Substanz
des GrifTels eindringt nach initen aber geschlossen ist. Die
muköson Röhren itu Innern des Styluskanales zur Zeit der
Befruchtung sind ebenfalls vortrefflich dargestellt; es sind früher
gewöhnlich langgestreckte Parenchynizellen, welche sich dann
durch Schleimahsondernng von einander trennen und dadurch
den Durchgang der Pollenschläuche so wie deren Ernährung
möglich machen.
Von Herrn v. Tristan ist der Akademie zu Paris ein
sehr umfangreiches Manuscript, betitelt: Harmonie des or-
ganes vegetaux etudies pTincipalement dans Vensemhle
d'une meme plante eingereicht worden, worüber die Herren
v.Jussieu, Richard undv. Mirbel einen Bericht*) erstattet
haben. Da aber zu hoffen ist, dafs diese Arbeit im Druck
erscheinen wird, und Ref. auch in verschiedenen, hier zur
Sprache gekommenen Sätzen mit dem Urtheile der Herrn Be-
richterstatter gfrade nicht ganz übereinstinunt, so wollen wir
den Bericht darüber lieber noch zurückhalten.
Herr Decaisne**) hat der Akademie zu Paris einige
Beobachtungen mitgethcilt, nach welchen die Wurzeln mehrerer
jyicof.yledonen keine Spur von Bastfibern zeigen, was auch
sogar bei dt^ni Stengel der Fall sein kann, wie es Phytolacca
beweise. Bei den Aristolochien und den Menispermeen ist
der Bast auf einfache Fasern reducirt, ja bei Coccidus lauvi-
folius u. s. w. finde er sich nicht im Umfange des Stengels,
sondern nahe dem Centrinn und zwischen der ersten und
zweiten Holzschicht, u. s. w.
Herr M i q u el ***) erhielt eine blühende Tillandsia, welche
auf den abgestorbenen Aesten von Achras Sapota befestigt
war, von Paramaiho überschickt; er untersuchte die Art jener
Befestigung, bestätigte das Factum, daCs die Tdlandsien zu
*) S. Compte rendu de 1838. /. png. 133.
**) Note siir la stnicture des meines che% certains vegetaux
Dicotyledoiies. — Compt. read, de 1838. /. jmg. 33ä.
*♦♦) Stir le parasitisme du Tillandsia alvaefolia Hook — Bul-.
letin des scieiic. plu/s. et na.t. cn ISeerlfinde, 1838. pag. 86.
103
den falschen ParasUeu gehören, und gieht AbbiKlungen der ge-
nannten Pflanze um iiire Befestigung zu zeigen.
An eben demselben Orte hat Herr ISl iquel *) seine Heob-
achtun^en über die Markröhre und deren Querwände an dem
Stamme der Cecropia putinala bekannt gemacht; er hatte die '
seltene Gelegenheit einen abgestorbenen Stannn jener Pflanze
zu untersuchen und fand die Markröhre desselben hohl aber
mit harten Querwänden versehen, welche aus einem weifsen,
harten, brechlichen und sehr dichten Zellengewebe gebildet
wurden. Diese (Querwände waren nicht überall in gleichen
Entfernuno-en «bestellt; an dem luitern Ende des Stanunes wa-
ren die Entfernungen zwischen den (Querwänden im Marke
bedeutend länger, cds am obern Ende, woraus Herr M iquel
auf die Schnelligkeit zurückschliefst, mit welcher dieser Baum
in seinen verschiedenen Lebensperioden wuchs.
Herr Miquel fand bei der Cecropia, dafs überall, wo
im Innern des Stanunes eine Markscheidewand vorkommt, dafs
da auf der äufsern Fläche der Rinde die Narben der Knospen-
schuppen zu seilen sind. Dieser Gegenstand wurde schon im
voriocn J:duhiindert durch Medicus beobachtet und sehr
luisführlich beschrieben, und auch Referent (Pflanzen-Physiologie.
111. pag. 14—21.) hat hierüber verschiedene neue.Beobachtungen
publicirt.
Herr Miquel fand das Mark der Cecropia aus zwei
weifsen Schichten gebildet, die trocken, hart und brüchig
und nur wenig mit einander verbunden waren. In dem
obern Theile des Stanunes waren die Cylinder des Markes,
woraus <lie ganze Markmasse jener Pflanze zusanunengesetzt
ist, leicht von einander zu trennen. Die Höhlen dieser Mark-
glieder waren mit einer trockenen, zelligen, braunen und sehr
dünnen Masse ausgekleidet, welche sehr altes Mark zu sein
schien.
Herr Schieiden**) hat auf der festen Oberhaut der
Saamen vieler Cö/»irt- Arten Hautdrüsen mit Spaltöffnungen
beobachtet und meint, dafs diese Saamen vielleicht gar nicht
♦) Ohervations nur le caniil meduUaire et les dinphragmes du
tronc de Cecropia palwata L. sitivie de coiw'deratioiis generales sur
les diaplinig?/ies wednilaires. I. c. pag. 29 — 31.
♦♦) ßotaWheNotimi.- Wiegmaun's Archiv 1838. pag. 19-66
104
keimen würden, wenn sie nicht mit diesen Organen versehen
wären um dem Durchgange der Feuchtigkeit zu dienen. Ref.
hat diese Organe aucli auf der äufsern Haut der Saamen von
Liiliaceen beobachtet, welche bekanntlich nicht so schwer
keimen !
An einer andern Stelle spricht Herr Seh leiden gegen
die Benennung: Hautdrüsen, womit verscliiedene Botaniker
die Spaltöffnungen in der Epidermis der Pflanzen belegt haben
und meint, dafs hiezu gar kein Grund vorhanden sei. In-
dessen die Botaniker, welche die Benennung: Hautdrüsen für
die Spaltöffnungen beibehalten haben, möchten dennoch nicht
so grundlos gehandelt haben, denn sie haben diese Benennung
nur als eine alte herkömmliche beibehalten, und man kann
den jungen; Naturforschern nicht genug den Rath ertheilen, alte
Namen zu ehren, selbst wenn sie bei einer strengen Prüfung
den Gesetzen der Logik oder der Grammatik unterliegen.
Herr Schieiden nennt diese Organe mit vielen andern Bo-
tanikern Spaltöffnungen, weil die Oeffnung nach aofsen hiebei
das einzig Wesentliche sei, und ihn treffen alle die Angaben,
welche man schon zu verschiedenen Zeiten gemacht hat um
zu zeigen, dafs diese Benennung noch unvollständiger ist, als
die andere, gegen welche Herr Seh leiden spricht. Die
Spaltöffnung, d. i. die spaltartige Oeffnung, welche in der
Epidermis der Phanerogamen auftritt, wird durch eigenthüm-
lich gestaltete Zellen gebildet, und diese Bildung hat man
Hautdrüsen genannt, welche zwischen ihren Zellen die Spalt-
öffnung zeigen; der Apparat und die durch die Struktur des
Apparates gebildete Oeffnung müssen offenbar besondere Be-
nennungen erhalten. (Ref.)
Herr Schieiden sucht ferner zu zeigen, dafs die An-
gaben vieler Botaniker, nach welchen man die Hautdrüsen in
gewissen Fällen als wirkliche absondernde Drüsen habe fun-
giren sehen, eben so unlogisch wären als jene Benennung der-
selben. Vergebens hat Herr Schi ei den nach Thatsachen
geforscht, wodurch man auch nur wahrscheinlich machen
könnte, dafs die Secretion der Stoffe, welche zuweilen auf
den Spaltöffnungen abgelagert sind, mehr von den Ausdün-
stungen der Drüsenzellen, als von denen der anderen Parenchym-
Zelien herrühren. Da dieses nun aber mehreren anderen Beob-
105
achtern gelungen ist, sowohl sich als auch Andere davon zu
überzeugen, dafs bei vielen Pflanzen eine wirkliche Secretion
oder Excretion der Hautdrüsen -Zellen stattfinden nuifs, so
brauchen wir Herrn Schleiden's negative Beobachtung noch
nicht als erweisend anzusehen. Die Anhäufung des Harzes in
den Gruben der Epidermis, welche zu den Hautdrüsen der
Coniferen-BVcitter führen, erklärt Herr Schieiden dadurch,
dafs das flüclitige Terpentinöl ans den Harzgängen des Blattes
in Dunstform anstritt, den Intcrcellulargängen folgend in die
Athemhöhlen gelangt, und sich von hier vermittelst der Spalt-
öffnungen verflüchtigt, wobei es eine gewisse Quantität Harz
absetzt. Obgleich diese Erklärung dem Urheber derselben sehr
natürlich erscheint, so ist sie doch sicherlich nicht richtig,
indem man bei jenen Co7iiferen-B]'ättevn durchaus gar keine
Ablagerung eines ähnlichen Harzes in den Athemhöhlen findet,
welche unmittelbar unter den Hautdrüsen gelagert sind, und
da ferner ähnliche Ablagerungen von Excreten auch auf den
Blättern der Aloe Gewächse ganz gewöhnlich zu beobachten
sind, wo doch von dem flüchtigen Stofi"e, welcher hier hätte
durchdringen können, eigentlich nichts vorhanden ist u. s. w.
Mehrere Beispiele der Art, welche für die Absonderung der
Hautdrüsen auf verschiedenen Pflanzen sprechen, haben die
Hrn. Link, Unger und Ref. (Pflanzen-Physiologie I. pag.284.)
aufgeführt.
Ebendaselbst giebt Herr Schieiden seine Beobachtungen
über die Bildung der Hautdrüsen mit ihren Spaltöffnungen;
um die Zeit nämlich, wenn die äufsere Zellenschicht, welche
künftig die Epidermis bildet, schon aufgehört hat neue Zellen
in ihrem Innern zu bilden, dann zerfallen einzelne Zellen noch
einmal in zwei Zellen, und diese sind es dann, welche nach
Resorbtion der Mutterzelle die Spaltöffnung bilden.
Später hat Herr Mohl*) eine specielle Beschreibung
über die Bildung der Hautdrüsen mit ihren Spaltöffnungen
gegeben; er wählte die Blätter der Hyacinthe zu diesen Beob-
achtungen, in deren unterem Ende zwischen den gewöhnlichen
Epidermis-Zellen noch kleinere viereckige Zellen vorkommen,
*) Ueber die Ejitwickclung der Spaltöffnungen. INlit einer Tafel
— Lämuea V. 1838. Heft V. pag. 514-548.
106
deren Querdurchmesser etwas gröfser als der Längendurcli-
messer ist und diese Zellen sind es, welche sich zu den Haut-
drüsen umgestalten. Man trifft in diesen Zellen, wenn sie
etwas weiter ausgebildet sind, den körnigen Inhalt zu einer
kugligen Masse zusannnengeballt, und zugleich bildet sich in
der Mitte der Zelle eine Längsscheidewand. Nun, sagt Herr
Mohl, beginnt diese Scheidewand doppelt zu werden, und
die beiden Blätter treten in der Mitte auseinander, wodurch
die Spaltöffnung gegeben ist. Die Entstehung der Spaltöff-
nungen auf dem Laube der Marchaiitien beobachtete Herr
Mohl in derselben Art, wie sie von Herrn v. Mirbel für
die Spaltöffnungen auf den Blüthenstielen jener Pflanzen ange
geben ist; nämlich 3 bis 5 Zellen von keilförmiger Gestalt
treten allmählig aus ihrer gegenseitigen Verbindung und bilden
die Oeffnung zwischen sich.
Referents Beobachtungen über diesen Gegenstand stimmen
mit den obigen Angaben nicht vollkommen überein; die An-
gabe des Herrn Schieiden ist hypothetisch, denn man kann
nur die Bildung von Längenscheidewänden in denjenigen Epi-
dermis-Zellen beobachten, welche zu Hautdrüsen werden,
aber diese ist durch Selbsttheilung der Zelle zu erklären, und
nicht durch Bildung von Zellen in einer Mutterzelle, welche
später resorbirt wird. Herr Mohl glaubt, es bilde sich zuerst
nur eine Längsscheidewand, welche dann erst beginnt doppelt
zu werden, doch mir erschien es öfters sehr deutlich, dafs
sich gleich anfangs durch Einfaltung und fernere Ausdehnung
dieser feinen Falte zwei Scheidewände bilden, die dann in
der Mitte auseinandertreten und die Spalte bilden. In an-
deren Fällen, z. B. bei der Selbsttheilung der Muttersporen
von PelUa epiphylla ist dieser V^orgaug sehr deutlich zu sehen.
Herr Hoffmann*) hat die Entdeckung gemacht, dafs
Villarsia nymphaeoides ähnliche Luftröhrenhaare zeigt, wie
die Nymphaeen. In Gesellschaft des Herrn Griesebach
untersuclite er LiinnantJiemum Forhcsiamtm Giiseh., JVlgJt-
iianum und lacwiosum und aucli bei diesen Pflanzen fanden
sich ähnliche Haare, deren Form durch mehrere Abbildiwigen
*) lieobachtung der Luftr»jhrenhaare bei Limnanthemum Gm.
und Villarsia Kent. von Dr. Grisebach und Dr. II offmann. —
Linnaea von 1838.
107
dargestellt ist. Diese Organe unterscheiden sich jedoch von
jenen der Nyinp/iacen noch dadurch, dafs sie nicht getüpfelt
(Herr v. S chleclitendalil, der so gern auf die Druckfehler
in andern Schriften aufmerksam macht, hat gedoppelt statt ge-
tüpfelt drucken lassen!) sind; Ref. hat aber schon früher der-
gleichen Fälle beobachtet, wo auch bei den JSyin/jJiaeeji ein-
zelne dieser Haare vorkamen. (S. Physolog. I. p. 312). End-
lich fanden die genannten Herren auch bei Tillarsia ovatu
und V. Crista ^alU ähnliche Haare, welche jedoch gegliedert
waren. Die Abbildung, welche hiezu gegeben ist, läfst bedeu-
tende Zweifel zurück, ob diese gegliederten Haare wirklich
zwischen den Zellen der Lufthöhlen -Scheidewand befestigt ge-
wesen sind, oder ob sie einen andern Ursprung haben, was
jedoch bei Untersuchung frischer Exemplare bald zu entschei-
den seyn würde; ja es scheint mir sehr bestimmt, dafs hier
eine Täuschung stattgefunden hat.
Von Hrn. C. H. Schultz*) haben wir, (wie es mehrere
Zeitschriften sagen) eine sehr wichtige Arbeit erhalten; derselbe
hat die Entdeckung gemacht, dafs die Drüsen auf der inne-
ren Fläche der iVepen/Äc^- Schläuche nicht etwa blofs aus
Zellengewebe bestehen, sondern dafs ein Bündel von Lebens-
saft-Gefäfsen in jede dieser Drüsen hineingeht, sich in dem
Innern derselben vertheilt und den nöthigen Stoff zur Secre-
tion des Wassers hergiebt. Herr Schultz hat auch gefun-
den (eine ganz neue Entdeckung?), dafs eine jede dieser Drü-
sen mit einem kleinen Dache versehen ist, so dafs das Was-
ser, welclies in den höher gelegenen Drüsen abgesondert wird,
darüber abfliefsen kann, ohne die untern Drüsen zu befeuchten.
Man sieht aus diesen Angaben, von welcher hohen Wich-
tigkeit die Lebenssaftgefäfse sind; hier sondern sie Wasser
ab, bei den sensitiven Gewächsen sind sie die Organe der Ir-
ritabilität und in andern Fällen haben sie noch wichtigere
Funktionen auszuführen! (Ref.)
Herr S c h. hat auch die Schläuche der Sarracenien beobi
achtet, (wo bekanntlich eine ähnliche Wasserabsondernngstattfin-
*) Observations sur le glandes., qui secretent de l'eau dans les.
utricules appendlculaircs de fcullles du ISepevthes destillatoria, E^/r,
d'uii Lettre. Cornpt. rend. d. 1838. //. pag. 621.
108
det, obgleich daselbst keine Drüsen vorkommen, sondern lange
Haare, welclie die Function jener Drüsen ersetzen sollen) und
drückt mit Recht seine Verwunderung aus, dafs auch hier eine
solche Wasserabsonderung stattfinden kann, obgleich daselbst
keine Drüsen mit Lebenssaftgefäfsen vorkommen.
Ref. hat über diesen Gegenstand etwas früher und aus-
führlicher*) gehandelt und Hrn. S c hui tz's Angaben scheinen
nur gegen diese Mittheiluugen gerichtet zu seyn. Ref. beob-
achtete die Entwickelung jener Drüsen auf den Nepenthes-
Scliläuchen und beschrieb die Entstehung der dachartigen Be-
kleidung derselben, was auch durch Abbildungen nachgewiesen
wurde; er zeigte ferner, dafs es sehr unwahrscheinlich ist,
dafs jene Drüsen das Wasser absondern sollen, und gab eine
andere Ansicht über den Ursprung jenes Wassers in den Nc-
penthes - Schläuchen. Nach seinen Beobachtungen bestehen
jene linsenförmig zusammengedrückten Drüsen aus einem klein-
maschigen Zellengewebe, welches im ausgebildeten Zustande
der Drüse von bräunlicher Farbe ist. In den jungen, noch
ungeöffneten Schläuchen sind diese kleinen Drüsen von grü-
ner Farbe und die Zellchen derselben sind noch sehr saftig,
aber gerade während dieser Zeit findet in den Schläuchen
noch keine Wasserabsonderung statt. Da Herr Schultz^
wie im Vorhergehenden angegeben wurde, mit aller Bestimmt-
heit von einer ganz andern Structur spricht, welche den Drü-
sen jener Schläuche zukommt, so habe ich den Gegenstand
von Neuem und mit etwas besseren Instrumenten untersucht,
habe aber nur bestätigt gefunden, dafs Herr Schultz sehr
unrichtig beobachtet hat. Ich habe auf den gelungensten
Scluiitten ganz vollständig die Anzahl der Zellenschichten zäli-
len können, woraus die ganze Drüse besteht. Die äufserste
Zellenschicht zeigt etwas gröfsere Zellen als die darunter lie-
genden ; am kleinsten sind die der sechsten und siebenten Zel-
lenlage, welche gewöhnlich die unterste Lage dieser Drüsen
bilden und sich durch eine, etwas gelbliche Färbung von den
darunter liegenden Zellen sehr deutlich unterscheiden. Erst
1 bis 2, oder selbst 3 Zellenschichten tiefer, kommt man auf
die Spiralröhren, welche unter der Basis der Drüsen ,vor-
*) Pflanzen -Physiologie II. 1838 pag. 513 und iiber die Secre-
tionsorgane etc. 1836. pag. lö Tab. V. etc.
109
iiberlanfon, aber nicht zu ciciiselbon verlaufen. V^on sogo-
nanntcu Lebenssaftgefäfsen, welche in die Drüsen eintreten
sollen, kann ich, selbst mit dem besten Willen, auch keine
Spur auffinden.' Diejenigen Drüsen, welche ganz tief in dem
Grunde des Schlauolies vorkommen, sind ganz besonders grofs
und in Hinsicht ihrer Structur noch leichter zu untersuchen.
Ich habe den Gegenstand bei kleinen und bei sehr grolsen
Schläuchen oftmals beobachtet.
So ist auch die Hypothese, welche Herr Schultz über
den Nutzen der dachartigen Bedeckung der Drüsen aufgestellt
hat, sicherlich sehr irrig und zeigt von der Flüchtigkeit, mit
welcher derselbe einige Schläuche untersucht hat, blofs um
Gelegeidieit aufzufinden, des Ref. Beobachtungen zu verdäch-
tigen. Es zeigt sich, dafs diejenigen Drüsen in den Nepen-
//i<?* - Schläuchen , welche gerade auf der Fläche des Grundes
sitzen, wo, unter natürlichen Verhältnissen fast immer Was-
ser vorkommt, dafs diese Drüsen meistens ganz und gar ohne
solche Bedeckung von Seiten der Epidermis dastehen; ja wo-
zu soll eine solche Schutzwehr sein, wenn gerade der gröfste
Theil dieser Drüsen unter natürlichen Verhältnissen immer
ganz und gar unter dem Wasser befindlich ist.
Herr de Vriese*) hat in der von ihm und Herrn van
derHoeven herausgegebenen reichhaltigen Zeitschrift eine
Mittheilung von Turpin's Memoiren über die sogenannten
Biforincn gegeben, worüber Ref. schon im vorletzten Jahres-
berichte seine Meinung ausgesprochen hat. Herr de Vriese
hat die Beobachtungen ebenfalls wiederholt, hat ebenfalls das
Aufspringen der Krystalle führenden Zellen gesehen und fin-
det darin ebenfalls nichts Wunderbares; er hat keinen darm-
kanalartigen Schlauch gesehen, durch dessen Contraction
die Krystalle herausgetrieben werden sollten, und bemerkt
überhaupt, dafs diese Gegenstände keinesweges so regelmäfsig
geformt u. s. w. auftreten, als sie durcli H. Turpi*n abgebil-
det worden sind. In einer Nachschrift vermuthet der Verf.
ob die Bifovinen vielleicht nicht zu allen Jahreszeiten vorkom-
men, worauf Ref. folgende Bemerkungen hinzufügt:
*) De Bijorines van Turpin, eene nieuwe ontdekhitig in de Kry-
staUographie van het plantenrijk. — Tijdschrift voor Naturl. Ge-
schied. 671 Phijsiol. IV, 384 — 405.
110
Die Krystalle- führenden Zellen in den flattern einiger
Aroideen, welclie Herr Turpin mit einem besonderen Na-
men belegen zu müssen glaubte, indem die gleichbedeutenden
Zellen in andern Theilen dieser Pflanzen durch Einsaugung
von Wasser nicht aufspringen, diese Zellen kommen allerdings
zu allen Jahreszeiten vor, sie sind aber niclit in jedem Aller
zum Aufspringen an den Enden geschickt, am besten eignen
sie sich hiezu gleich nach vollendeter Ausbildung des Blattes.
Herr M orren*) beobachtete, dafs das Austreten der Na-
deln auf jenen Zellen auch nach dem Gefrieren derselben
stattfinde. Es wird also , wie Ref. es schon früher gezeigt
hat, wohl Niemand hierin eine Lebenserscheinung suchen wollen.
Herr Treviranus**) hat das Herausfahren der Nadeln
am Blattparenchym von Bulbine frutesccns wahrgenommen und
der Grund dieses Phänomens schien lediglich in dem mecha-
nischen Eindringen des Wassers in die mit Crystallen und Luft
gefüllten Zellen zu liegen, wobei die Luft absorbirt und die
Nadeln ausgetrieben wurden. Dem Ref. scheint diese Angabe
nicht recht richtig und er wünscht, dafs sich auch andere Beob-
achter davon überzeugen mögen. In den sogenannnten B'rfo-
rines findet sich keine Luft, sondern Gummi!
Durch sehr geistreiche Combinationen ist es Herrn Rö-
per, Professor in Rostock,***) gelungen, zu beweisen, dafs
die Spiralfaserzellen (Herr Röper nennt dieselben Faserzellen,
mit welchem Namen schon 8 Jahre früher die Bastfasern be-
zeichnet worden sind) in den Blättern der von ihm beobach-
teten i5jöÄ«g77Mm- Individuen mit groften Oefi'nungcn versehen
sind; ja er machte die merkwürdige Entdeckung, dafs selbst
Räderthierchen in solche mit grofsen Oefi'nungen versehene
Zellen hinein und wieder herauskriechen konnten. Mit dem
Hintertheile steckte ein solches Thier noch einen Augenblick
in seiner vorigen Wohnung, während der Vorderleib, wie es
Herr Röper sah, schon von einer andern Zelle Besitz ge-
nommen hatte. Herr Röper Avollte mit seinen Beobachtungen
nur die Natur der Poren ausgewachsener Zellen ermitteln, hat
•) Bullet, de l' Acad. de Bruxelles II. No. 3. p. 15.
**) Physiologie der Gewächse II. p. 739.
***) Die Sph agnujii -ZeWan und ihre Poren. — Flora von 1838.
II. p. 17-23.
111
aber nur gesehen, dafs fliese Poren grofse Löcher waren: lei-
der kam er mit denselben eigentlich etwas zu spät, denn als
er seine Beobachtungen publidJrte, hatte schon Referent (ge-
gen welchen dieselben geriolitot waren) selbst die Entstehiuig
jener Löcher beobachtet und die Erklärung publicirt, wodiircl»
der Streit über den fraglichen Gegenstand entstanden war.
Hier bei Berlin giebt es noch einige Fäden von Sphogmim-
Pflan/en, deren ausgebildete Blätter keine Löcher haben; auch
hat Ref. von diesen Pflanzen, welche er untersuchte, bereits
im Januar 1838 einige Proben an Hrn. Mo hl iiberschickt.
Man vergleiche hiezu die Mittheihingen über diesen Gegen-
stand im vorigen Jahresbericht (pag. 48). Schliefslich äufserst
Herr Röper noch die Vernmthung, dafs die eigenthümliche
Verbindung der Spiralfaser- Zelle mit den die grünen Kügel-
chen haltenden Zellen (Chlorophyll -7.el\en nennt PL R. die-
selben!) sowie das Durchlöchertsein der ersteren, wohl den
Zweck haben könne, die Athmungsorgane auf ähnliche Weise
vor zu kräftiger Lufteinwirkung zu schützen, wie es bei den
vollkommneren Pflanzen die Epidermis mit ihren Spaltöffnungen
thut. Ref. möchte glauben, dafs der Zweck der Epidermis
bei den vollkommneren Pflanzen denn doch wohl ein an-
derer sei.
Herr Mo hl hat die Dissertation: Anatomische Un-
tersuchungen über die porösen Zellen von Sp h a g-
ninn, worüber schon im vorigen Jahresberichte gesprochen
wurde, nochmals in der Regensburger botanischen Zeitung ab-
drucken lassen und einen Nachtrag: Uebcr den Bau der
Blätter von Dicranum glaucinn und Octohlepha-
rujn alhidujn (S. Flora oder botanische Zeitung vom 28.
Juni 1838) hinzufügt. Hr. Mo hl beobachtete in den Blättern
der beiden genannten Lebermoose ähnliche Bildungen Avie die
der Sphagniiin-Ji\'&.iiQ\\ Die Blätter \ow Dicranum und Oc-
fohlephannn albidum bestehen aus mehreren übereinander-
liegenden Zellenschichten aber ohne alle Intcrcellulargänge;
die Zellen sind, wie es Ref. bei Sphagninn entdeckt hat,
von doppelter Art, die einen sind gröfser, ohne alle Kügel-
chen- Bildung und bilden die äuferen Zellenlagen der Blätter;
die andern sind schmaler, liegen zwischen den andern Zellen-
schichten und enthalten grüne Zellensaft - Kügelchen (welche
112
Herr Molil noch immer wenig passend CJiloropJiyll- Körner
nennt). Die gröfsern nach aufsen liegenden Zellen zeigen
auf ihren Wänden gewöhnlich^ grofse Locher, wie die auf
den SpJiagiiuin -Blättern vorkommenden, welche wohi nicht
so leicht Jemand übersehen würde, wenn 'sie gerade auf den
vorliegenden Pflanzen vorhanden sind. Die Spiralfaser -Bil-
dungen, welche jene durchlöcherten Zellen der Sphagiium-
Pflanzen zeigen, konnte Herr Mo hl an den genannten beiden
Laubmoosen nicht beobachten. Sehr richtig fügt Herr Mohl
hinzu, dafs jene Oeffnungen in den Zellen der Moose, wie er
glaube, nicht von Anfang an vorlianden sind, inid Referent
(Physiologie H. pag. 52 bis 54 und Jahresbericht von 1837
pag. 48) hat sowohl die Entstehung derselben, welche wahr-
scheinlich in Folge äufserer Verhältnisse bedingt ist, beobach-
tet, als auch nachgewiesen, dafs ganze Moore mit solchen
SpJiagiiuvi-Väanzen bedeckt sein können, welche niemals jene
Löcher in den Spiralfaser-Zellen der Blätter aufzuweisen haben.^
Am Schlüsse jenes Nachtrages machte Herr Mohl die Bemer-
kung , dafs er auch bei einigen andern Pflanzen - Arten po-
röse Zellen aufgefunden habe, worüber er an einem andern
Orte Mittheilungen machen wolle. Hiezu konnte Ref. gleich-
falls einige Beiträge liefern, denn mit unsern neuen Mikro-
skopen kommt man über solche Gegenstände bald ins Reine.
Den ausgezeichnetsten Fall der Art habe ich in dem Holze
alter Stämme von ylleifis fiagrans beobachtet, wo die Po-
ren mitunter eben so grofs sind, wie es in den Parenchym-
Zellen der Blattstiele der Cycadeen die verdünnten Stellen sind,
welche hier aber, wenigstens ist es mir nie vorgekommen, niemals
durchbrechen und also nicht wirkliche Poren bilden was jedoch
bei yiletris der Fall ist. In den vertikal gestellten Diachym -Zel-
len der Cycadeen -B\ü.tter, worin mehr oder weniger deutlich
Spiralfascr- Bildungen und die daraus hervorgehenden netzför-
migen Bildungen auftreten, sind dagegen Oefi'nungen und Zer-
reifsungen der ursprünglichen Zellenmembran ganz gewöhnlich,
und diese entstehen daselbst theils durch Resorbtion, theils
durch zu starke Ausdehnung der zarten ursprünglichen Mem-
bran. Besonders bemerkenswerth sind die Spalten, welche
die Membran der verholzten Zellen zeigen, wie ich sie gegen-
wärtig bei unsern gewöhnlichen Laubhölzern und auch bei Co-
113
niferen gefunden habe, ja selbst an einem Stücke Braunkohle
konnte ich denselben sehr scliön sehen, sie verhalten sich ganz
ähnlicli, wie jene Spalten, welche ich in den Zellen des per-
ganientartigen Deberzuges einiger Orchideen beobachtet habe.
(S. Ptianzen- Physiologie II. pag. 54.)
Herrn Morren's*) Beobachtungen haben bestätigt, dafo
aucli in den Kapselwänden der Jungermamiien Spiralfaserzel-
len vorkommen; er untersuchte die Pellia epiphylla und ilim
fiel ebenfalls die grofse. Aehnlichkeit auf, welche zwischen
den Sporen der Jüngermannien und den Pollenkörnern der
höheren Pflanzen stattfinden soll. Ref. hat dagegen gefunden,
dafs diese Aehnlichkeit dennoch nur scheinbar ist, die ur-
sprüngliche Entstehung dieser Gebilde ist sehr wesentlich ver-
schieden (Pflanzen -Physiologie III. pag. 393 Tab. III. Fig. 3.5
bis 37) und ferner sind die reifen Sporen der Pellia epipJiyUa
nicht mehr einfache Zellen, sondern sie sind fast immer
aus mehreren, mehr oder weniger regelmäfsig ge-
stallten Zellen zusammengesetzt, was Herr Morren noch
nicht erkannt hat. Da die Kapselwände der Pellia epiphylla
und wohl aller Jiingennaunien (Ref.) aus zwei Zellenschich-
ten bestehen, und diese Schichten etwas verschieden in der
Struktur sind, so vergleicht Herr Morren dieselben mit dem
sogenannten Exothecium und Endothecium der Antheren, ob-
gleich diese eigenen Benennungen für die Jimgennannicn-
Kapseln noch unstatthafter sein möchten, als bei den Anthe-
ren, wo das Exothecium gar nichts weiter ist, als die einfa-
che Epidermis, welche sehr häufig noch mit Spaltöfi"nungen
versehen ist. Hierauf giebt Herr Morren eine Beschreibung
und Abbildung der äufsern Zellenschicht (dem sogenannten Exo-
theciwn) der Jimgennannien-Ka\)se\, die aber nicht richtig
ist; er sagt, dafs diese Zellen kleinere und gröfsere Kügel-
chen hätten, die ersteren wären in den Zellen, die gröfseren
dagegen, welche eyförmiger sind, zu 2 und 2 gestellt und be-
fänden sich zwisclien denselben. Indessen was Herr Morren
hier als gröfsere Kügelchen angesehen und abgebildet hat, das
sind die Enden von den unvollständig ausgebildeten Ring- und
*) Recherches anatpmiques s,ur l'orgatnsatmi des Jungermanni-
dees. — Bullet, de l'Acad. de Bruxelles V. Ao. 6.
V. Jahrg. 2. Band. g
114
Spiralfaseni, welche in den Zellen der äufsern Schicht nicht
über die vordere Wand verlaufen, sondern nur an beiden Sei-
tenvvänden hinauflaufen.
Herr Mohl*) hat in einer besonderen Abhandlung seine
Ansichten über den Bau der vegetabilischen Zelleninembran
vorgetragen; die Aufführung dieser Arbeit hätte am besten
schon pag. 17. dieses Berichtes stattgefunden, doch jener Theil
desselben war schon gedruckt, als Herrn Mohl's Abhandlung
hieselbst ankam. Der gröfste Theil dieser Arbeit ist mit Wie-
derholung derjenigen Angaben gefüllt, welche Referent in sei-
ner Pflanzen -Physiologie zur Feststellung der Ansicht aufge-
führt hat, dafs das vegetabilische Leben in spiraler Richtung
wirkt, wofür schon in Hunderten und Tausenden von Fällen
die Zusapimensetzung der Zellenniembran aus Spiralfasern
spricht u. s. w. Herr Mohl hat meine Angabe theils zu be-
richtigen, theils anders zu deuten gesucht und mit Unrecht
schreibt er es sich selbst zu, zuerst auf die Struktur der Zel-
lenmembran aufmerksam gemacht zu haben. Der Inhalt der
Arbeit kann nur von denjenigen Naturforschern richtig aufge-
fafst werden, welche mit den Beobachtungen über den frag-
lichen Gegenstand sehr vertraut bekannt sind. Nachdem Herr
Mohl glaubt nachgewiesen zuhaben, dafs sich Faser und Mem-
bran nur durch ihre Gröfse und durch die Form unterscheiden,
unter der sie auftreten, sagt er am Schlüsse: „es befolge der
Bildungsprozefs der einfachen (besonders der secundären) Zel-
lenmembran die Regel, dafs die organische Substanz sich' nicht
vollkommen gleichförmig ablagere, sondern sich an einzelnen
Stellen in gröfserer, an anderen in geringerer Menge, und,
wenn diese ungleichförmige Ablagerung an einzelnen Stellen
in gröfserem Maafse stattfinde, zwischen den Ablagerungen
entweder in der Richtung einer Spirale, oder (besonders bei
kürzeren Zellen) in der Richtung der Fäden eines Netzes vor
sich gehe."
*) Ueber den Bau der vegetabilischen Zellenmembran. — Flora
vom 14. Febr. 1839. — Diese Abhandlung ist ursprünglich als Inau-
gural - Dissertation des Hrn. A. F. Härlin im Sept. 1837 zu Tübingen
erschienen, kam mir aber als solche nicht zur Ansicht; in der vor-
liegenden Form kann sie jedoch erst im vorigen Jahre geschrieben
sein. (Ref.)
115
Die im Allgemeinen spiralförmige oder netzförmige Form
der Fasern und Streifen der Zellenmembran beweist, dafs die
bildende Kraft bei der Production der Zellen in der Richtung
einer Spirale thätig ist*); einen weiteren Beweis liefert hiefiir
der schon oben berührte Umstand, dafs auch bei Zellen, welche
glatte und scheinbar homogene Wandungen besitzen, wenn sie
zerrissen werden, der Rifs vorzugsweise leicht in der Rich-
tung einer Spirale erfolgt."
Also auch hier mufs Herr Mo hl des Referenten Bcob*
achtung bestätigen, von der schon pag. 16 dieses Berichtes
die Rede war, er meint aber ganz am Schlüsse seiner Abhand-
lung, dafs man zur Erklärung jener Erscheinungen genöthigt
sei anzunehmen, dafs der Zellenmembran eine bestimmte innere
Struktur zukomme, welche ebenso wenig, als der Blätter-
durchgaug eines Krystalls an und für sich sichtbar ist, sondern
nur in der leichteren Theilbarkeit nach einer Richtung sich
ausspricht, kurz die Membran sei nicht faserig, sondern sie
besitze nur eine bestimmte, auf eine innere Struktur
und besondere Anlagerung der Moleküle hinwei-
sende Theilbarkeit. ,
Dieses ist nun also die Hypothese, welche Herr Mo hl
über die Struktur der Zellenmembran gegen die Ansichten des
Referenten aufstellt, dem es aber, besonders gegenwärtig, sehr
leicht zu sein scheint die Mohl'sche Hypothese zu wider-
legen. Zuerst verweise ich auf dasjenige, was ich gleich im
Anfange dieses Berichtes pag. 17 u. s. w. mitgetheilt habe,
um darzuthun, dafs es nicht nur die secundären Schichten
der Zellenmembran, sondern dafs es auch die ursprüngliche
Schlauchschicht zeigt, dafs die bildende Tliätigkeit bei ihrer
Darstellung in spiraler Richtung wirksam war. Der fragliche
Gegenstand hat übrigens seit jener Zeit, dafs Herr Mo hl die
genannte Dissertation schrieb, eine ganz andere Richtung er-
halten; darüber, dafs es in so überaus vielen Fällen sichtbar
ist, dafs die secundären Schichten der Zellenmembran aus
spiralförmig gewundenen Fasern bestehen , welche bald weit-
läufig, bald sehr dicht gewunden verlaufen, darüber darf gar
*) Dieses ist es aber eben, was Referent zuerst zu ersveisen ge-
sucht hat!!
8*
116
kein Zweifel mehr bestehen, denn die Bildung dieser Spiral-
fasern der secundären Membranschichten ist in einigen Fällen
nicht nur von mir, sondern auch von Herrn Nees v. Esen-
beck, Schieiden und Morren beobachtet worden, tind es
ist gegenwärtig nichts leichter zu zeigen, als dafs die spiralför-
migen, sogenannten partiellen Ablagerungen auf der inneren
Fläche der Zellenmembran, wie sie Herr Mohl lehrt, nichts
weiter sind als wirkliche Spiralfasern, welche sich auch in
keinem einzigen wesentlichen Punkte von den Spiralfasern
unterscheiden, welche die wirklichen Spiralgefäfse darstellen;
die Spiralfaser- Zellen, welche so häufig auf den Saamen der
Pflanzen vorkommen, beweisen es zu bestimmt, so viel auch
Herr Mohl dagegen schreibt. Endlich habe ich noch auf eine
Angabe des Herrn Mohl in Retreff der Zellenwände von
Stelis gracilis zu antworten; ich habe angegeben, dafs die
Wände der meisten Zellen dieser Pflanze aus Spiralfasern
bestehen, die man schon an den normalen Zellen deutlich er-
kennen kann, die aber noch deutlicher erscheinen, wenn man
jene Wände mit einiger Gewalt auseinanderzieht. Herr Mohl
sagt in der angeführten Arbeit , er habe gesehen , dafs auch
diese, aus Spiralröhren bestehenden Wände nocli mit einer
ursprünglichen Membranschicht umschlossen wären. Ich kann
diese Schicht an den blühenden Exemplaren jener Pflanze nicht
sehen, und habe den Gegenstand auch schon vielen andern
Botanikern gezeigt, welche die umschliefsende Haut in diesem
Falle ebenfalls nicht sehen konnten. Seitdem habe ich beob-
achtet, dafs die ganze Gattung L/jop«m nach Lindley, wo2u
auch meine Stelis gracilis gehört, jene Struktur zeigt, und ein
grofses Exemplar von Lipparis compressa zeigt jene Struktur
der Zellenwände bewunderungswürdi^schön, aber, wenigstens
an den trockenen Exemplaren, kann ich die ursprüngliche
Zellenmembran-Schicht nicht wahrnehmen. Jene Schicht mag
übrigens sein oder, wie es die Analogie mit den übrigen tropi-
schen Orchideen geben möchte, nur in der frühesten Jugend
auftreten (was durch Beobachtung junger Pflanzen zu ent-
scheiden ist), so bleibt deimoch die von mir aufgestellte An-
sicht über die Aeufserung der Thätigkeit, welche die Zellen-
membrau bildet, gegen Herrn Mohl's Hypothese gesichert,
denn gerade solche Fasern, welche secundäre Membranschichten
117
bilden, entstehen" nrspriinglich nud nicht erst durch Zerfallen.
Die Analogie, welche Herr Mo hl von dem Zerfallen der
Krystalle zu Hülfe ruft, scheint nach meiner Ansiciit ebenfalls
zum Nachtheil seiner Hypothese zu dienen, denn, so weif ich
in dieser Hinsicht mit Beobachtungen gekommen bin, so
scheint es mir, dafs der Krystall in kleinere, bestimmt ge-
formte Theilchen zerfällt, weil er aus diesen zusammengesetzt
wurde.
Ueber Pflanzen - Krankheiten.
Herr Wiegmann sen. gab schon im Jahre 1834 in
C. Sprengel's Land- und Forstwissenschaftlicher Zeitschrift
sehr ausführliche Abhandlungen über die Krankheiten der Ge-
wächse heraus, welche in unserem ersten Jahresberichte (Berlin
1835) angezeigt wurden. Da diese Arbeit, wie der Verfasser
sagt, mehr Beifall erhalten Imt, als er es je vermuthen konnte,
so hat er dieselbe für sich allein drucken lassen, und ist hiezu
noch von mehreren Seiten her aufgefordert worden *). In
dieser neuen Ausgabe finden sich einige wenige Zusätze und
Abänderungen der erstem Abhandlung, und da diese Schrift,
wie es auf dem Titel steht, für Landsvirthe, Gärtner u. s. w.
bestimmt ist, so scheint der Verfasser es für unwesentlich
gehalten zu haben, dafs sie im Niveau der Wissenschaft ge-
schrieben zu sein brauche, ein Fehler, welchen noch so häutig
die populären Schriften aufzuweisen haben.
Die Beobachtungen der Herren Bassi imd Balsamo-
Crivelli über die Ursache der Krankheit der Seidenraupen,
welche man mit dem Namen: Calcino, Mascardine^ Inkrusti-
rung u.'s. w. (S. unseren Jahresbericht von 1836. pag. 107) be-
zeichnet, haben zu verschiedenen neuen Arbeiten über diesen Ge-
genstand Veranlassung gegeben, welche der Akademie zu Paris
eingereicht worden sind; darunter befinden sich die Arbeiten
der Herrn Audouin und Montagne, welche in dem He-
cueil des Savans etrangers erscheinen werden, so wie das
*) S. die Krankheiten und krankhaften Mifsbildungen der Ge-
wächse mit Angabe der Ursachen und der Heilung oder Verhütung
derselben, so wie über einige den Gewächsen schädliche Thiere und
deren Vertilgung. Ein Handbuch für Landwirthe, Gärtner, Garten-
liebhaber und Forstmänner. Mit einer Kupfertafel. Braunschweig 1839.
118
Werk von Herrn Lomeni über die Mittel, welche man zur
Beseitigung jener Krankheit vorgeschlagen hat. Die Akademie
hatte eine Commission zur Berichterstattung über diese Schrif-
ten ernannt, und die Commission hat über dieselben einen
interessanten Bericht erstattet *). Es ist auffallend, dafs man
sich nie der ähnlichen Erscheinung bei den Fliegen erinnert,
worüber doch in Deutschland mehrere Arbeiten erschienen sind.
In der Beschreibung kryptogamischer Giftgewächse Deutsch-
lands **) hat Herr Phoebus eine sehr ausführliche Arbeit
über das Mutterkorn mitgetheilt, worin er das Mutterkorn
für ein krankhaft verändertes Roggenkorn erklärt. Er unter-
scheidet an dem Mutterkorn das eigentliche Korn und dessen
Mützchen und spricht sich dahin aus, dafs ein starker Saft-
andrang die Entstehung des Mutterkorns wenigstens begünstige,
wenn nicht veranlasse, weil es in grofser Menge in nassen
und warmen Sommern, so wie auf fettem, nassen Boden, nie-
drigen oder erst kürzlich urbar gemachten Aeckern (!) sich
bildet. Die röthlich-weifse Masse des Mutterkornes entspricht
ganz unzweideutig, wie Herr Phoebus sagt, dem Eyweifs
des Kornes, und er hält es daher für ein alienirtes Eyweifs.
Der Keim scheint gar nicht ausgebildet zu sein. Die violette
Rinde des Mutterkornes dürfte man nicht als degenerirte äufsere
Saamenhaut ansprechen u. s. w. „Im Mützchen dürfen wir
wohl die degenerirte und nach Oben geschobene Fruchthaut
nebst den Ueberresten einiger anderen, mehr äufseren Fructi-
ficationstheile , verkettet durch die violett -weifsliche Masse,
anerkennen; und diese Masse ist ofiFenbar ein neues Gebilde,
entstanden aus dem Safte, welcher den Anfang der Mutter-
korn-Krankheit bezeichnet." Leveille hat schon nachgewiesen,
dafs dieses Mützchen des Mutterkornes aus einem Pilze be-
steht, welchen er Sphacelia segetum nannte; mit Unrecht glaubt
*) Rapport stir divers travaux entrepris au sujet de la maladie
des vers a soie, conntie vulgairement sous le nom de Mascardine,
— Compte rendu de 1838. /. pag. 86 — 102.
"*) Abbildungen und Beschreibung der in Deutschland wild wach-
senden und in Gärten im Freien ausdauernden Giftgewächse nach
natürlichen Familien erläutert. Zweite Abtheilung, Kryptogamen.
Berlin 1838. pag. 97 — 110,
119
Herr Phoebus aiiiieluiieii zu können, dafs Leveille hierin
unrichtig beobachtet hat.
Einige Monate vor dem Erscheinen des obigen AVerkes
publicirte auch Referent*) in einer kurzen Mittheilung das
Resultat seiner Beobachtungen über die Natur des Mutter-
kornes, welches er für eine, durch Entwickelung von Ento-
jyhyten herbeigeführte Degeneration des Saamenkornes erklärt,
und dafs dieser entartete Körper theils in seinem Innern, theils
auf seiner Oberfläche mit zahllosen Wucherungen jener Ento-
phyten bekleidet ist, welche die Gattung Sphacelia darstellen.
Die Bildung des Mutterkornes ninnnt gleich nacli der Befrucli-
tung und mit dem ersten Auftreten des Eyweifskörpers seinen
Anfang; anstatt der grofsen Zellen mit ^niylum-K\\gelcl\en,
welche den Ey weifskörper des Roggens bilden, entstehen kleine
Zellen, welche sich vielfach vermehren und vergröfsern, so
dafs das erkrankte Saamenkorn zu dem grofsen Körper auf-
schwillt, welchen wir unter dem Namen des Mutterkornes
kennen. Bald darauf erfolgt die Zerstörung derEyhüllen wie
des Pericarpiuins und diese beginnt von Unten, Die aus den
Zellen hervorwachsenden Entophyteii zerstören die einzelnen
Zellenwände oder trennen die Zellen des Pericarpiunis auf
ganzen Strecken. Die violette Oberfläche des Mutterkornes
ist ganz mit kleinen, gegliederten und kurz verästelten pilz-
artigen Fäden bekleidet, welche dann durch Abschnürung in
ellipsoidische sppren- ähnliche Körper zerfallen. Diese Ento-
phyten wachsen nur von Unten nach Oben, indem die neu-
gebildeten Sporen sich wieder ausdehnen und aus diesen neuen
Pflanzen wieder neue Sporen hervorgehen. Die Masse dieser
Pilze bildet jenes speckartige Mützchen, von welchem in der
Abhandlung des Herrn Phoebus die Rede war; diese Pflänz-
chen sind gröfstentheils ganz in Sporen zerfallen, die nur
noch durch eine gallertartige Masse zusammengehalten werden.
Eine Ansteckung oder Fortpflanzung dieser Krankheit durch
Sporen oder Saamen kann sicherlich nicht stattfinden, indem
man die Entwickelung jener Pflänzchen, welche die Krankheit
*) Einige Mittheilungen über das Mutterkorn. — J. Müller 's
Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin. 1838.
pag. 357.
120
darstellen, aus dem Inneren der Zellen verfolgen kann, wohl
aber kann sich die Krankheit durch Mittheilung der durch
dieselben verderbten Stoffe fortpflanzen, welche im gelösten
Zustande durch die Wurzeln aufgenommen werden.
Es ist bekannt, dafs man in England sehr allgemein der
Ansicht ist, dafs der Getreidebrand auf solchen Feldern am
häufigsten vorkommt, in deren. Nähe die Berberitze wächst,
wärend man in Deutschland einen solchen schädlichen Einflufs
des genannten Strauches noch nicht beobachtet hat. Herr
Eudes-Deslongchamps *) macht gegenwärtig die Beob-
achtung bekannt, dafs er einen ähnlichen schädlichen Einflufs
beobachtet habe, welchen die Sabine {Jimiperus Sahina) auf
die Blätter des Birnbaumes verursachen sollen. Die Erschei-
nungen, M'elche Herr Eudes-Deslongchamps dafür angiebt,
lassen sich sicherlich wohl noch auf andere Art erklären. (Ref.)
Der strenge Winter von |||| hat die Aufmerksamkeit
der Chemiker wie der Landwirthe wiederholentlich auf die
Kartofi'eln gerichtet, theils um die schädliche Einwirkung, welche
der Frost auf die Kartofi'eln ausübt zu beseitigen, theils um
die Aufbewahrung der Kartofi'eln durch zweckmäfsige Vorrich-
tungen zu sichern, HerrPayen**) überreichte der Akademie
der Wissenschaften zu Paris ein Memoire, worin er sagt, dafs
die gefrorenen Kartofi'eln nach demAufthauen kaum den vier-
ten Theil an Stärke geben, den sie sonst enthalten, aber den-
noch enthalten die gefrorenen Kartoflfeln eben so viel trockene
Substanz, als die gesunden, und zwar ebenso viel lösliche
Materie und eben so viel Stärke wie es in gesunden Kartoffeln
gefunden wird. Demnach ist also die geringere Menge von
Stärke, welche die gefrorenen Kartoffeln geben, offenbar der
Methode der Zubereitung zuzuschreiben, und Herr Payen
erklärt es dadurch, dafs die Zellen der Kartoffelsubstanz, welche
durch die Wirkung des Frostes von einander getrennt werden,
der Einwirkung der Zähne der Reibe entweichen und daher
unzerstückelt bleiben und ihr Amylinn zurückbehalten:
Zu gleicher Zeit hat sich auch Herr J. Gir ardin***) mit
*) L'histitut de 1838. pag. 134.
*») L' Institut de 1838. A'o. 225. -pag. 96.
***) Journal de Pharm. Juin 1838. pag. 240.
121
dem Gefrieren der K^irtoffeln beschäftigt und den Gegenstand
noch genauer erforscht. Die Kartofifcln enthielten gefroren
oder ungefroren 27,87 trockene Substanz und 72,13 Wasser,
und das Mehl der gefrorenen Kartoffeln hatte alle Eigenschaf-
ten des Mehles von gesunden Kartoffeln, ja es konnte, selbst
in feinen Backwerken niclit unterschieden werden. Ja durch
genaue Versuche will Herr Girardin in gefrorenen Kartoffeln
genau ebenso 'viel Stärke, Faserstoff, Eyweifs, Zucker, Salze
und Wasser gefunden haben wie in gesunden Kartoffeln. Nun
weifs aber Jedermann, dafs gefrorene Kartoffeln suis schmek-
ken und man wird also fragen, woher der süfse Geschmack,
wenn durch die Wirkung des Frostes keine Zuckerbildung
erfolgt? Herr Girardin glaubt die Verschiedenheit des Ge-
schmackes, welchen die Kartoffeln vor und nach dem Gefrieren
zeigen, durch die veränderte gegenseitige Anordnung ihrer
Bestandtheile erklären zu können!
Indessen schon vor langer Zeit hat Einhof (S, Hermb-
städt's Archiv für Agricultur Chemie I.) nachgewiesen, dafs
die durch den Frost süfsge wordenen Kartoffeln die nämliche
Quantität an Stärke, Eyweifs und Fasern zeigen, ganz wie
die gesunden, und es scheine daher, dafs sich der Zucker aus
dem Schleime bilde (Ref.)
Auch Herr Pouch et hat sich mit Beobachtungen über
eben denselben Gegenstand beschäftigt, deren Resultate dem
obigen Memoire von Herrn Girardin angehängt sind; auch
diese Beobachtungen bestätigen es, dafs die gefrorenen Kar-
toffeln ihre Stärke im unveränderten Zustande enthalten. Herr
Pouch et tritt aber mit Unrecht gegen Herrn Payen auf,
welcher es bestätigte, was in Deutschland schon lange bekannt
war, dafs sich die Zellen durch den Frost trennen und eine
sphärische Gestalt annehmen. Herr Pouch et glaubt ein Zer-
reifsen der Zellen durch die Wirkung des Frostes beobachtet
zu haben, was Ref. in Folge genauer Beobachtungen nicht
bestätigen kann; sondern die Zellenmembran verliert durch
die Wirkung des Gefrierens ihre Festigkeit; sie wird weich,
scheint an Volumen zuzunehmen, aber, obgleich nun der Zellen-
saft allmälig durch diese Zellonmembran durchsickert, so kann
man dennoch keine Oeffnuugen in derselben wahrnehmen.
Läfst man dergleichen Kartoffeln längere Zeit liegen, so fangen
122
sie an zu faulen und nun lösen sich die erweichten Zellen-
menibranen allmälig auf. Ref.
HerrMorren*) hat im Winter 1838 bei der anhaltenden
Kälte eine Reihe von Versuchen über das Gefrieren der Pflan-
zen angestellt, um die Wirkung des Gefrierens auf die Elementar-
organe und auf deren Inhalt kennen zu lernen. Auch er be-
stätigte die Resultate früherer Beobachtungen, dafs nämlich
die Elementarorgane durch das Gefrieren von einander ge-
trennt werden, dafs sie aber nicht zerreifsen. Bei dem Ge-
frieren verhalte sich jedes Organ gleich einem Gefäfse, worin
die Flüssigkeit gefriert, dessen Wände aber dabei nicht zer-
platzen, weil sie ausdehnbar sind. Nur die Zellen der Epi-
dermis sind durch Gefrieren nicht zu trennen. (Ref. glückte
es auch die Zellen der Epidermis bei Orchideen durch langes
Liegen und durch Kochen in Terpenthiuöl von einander zu
trennen).
Herr Jäger**) machte an oinemLupinus, den er früh in's
Land setzte, die Bemerkung, dafs sich ein Bleichsüchtigwerden
nach Spätfrösten zeigte, und diejenigen Zweige, welche Blü-
then trieben, zeigten verschiedene Blätter, woraus er auf eine
Rückwirkung der Blüthe auf die Pflanze schlofs.
Zur Morphologie.
Herr G. Walpers, ein junger Studirender zu Greifs wald,
hat einen Versuch einer morphologischen Deutung der Blüthe
der Gattung Coultej'ia Humh' gegeben***); er geht darin von
den Lehren aus, dafs wie die Corolla dem Lichtprozesse an-
gehört und ihr stetes, nur durch Kelcheinwirkung oft gehin-
dertes Streben es ist, sich diesem zu erschliefsen, so ist der
Kelch ein ideales Symbol der Finsternifs, und sein stetes Be-
streben, sich den Einwirkungen des Lichtes zu entziehen,
characterisirt deutlich genug sein Wesen und seine Bestimmung,
u. s. w. Bei der Gattung Coulieria wird nun aber der fünf-
lappige Kelch seinem Character untreu, übt corollinische
Function aus und erhält eben dadurch auch corollinische Ge-
*) Observations anatomiques sur la congelation des organes da
?getaux. — Bullet, de l'Academie de Bruxelles. V. No. 3.
'♦) Flora von 1838. II. pag. 423.
**♦) Flora oder botanische Zeitung. 1838. Januar.
123
stalt und Form; es metamorphosirt nämlich der der Carina
opponirende Kelchlappen räumlich und zeitlich in eine Carina.
Nach weiterer Auseinandersetzung über diesen Gegenstand
kommt Herr "Walpers zu der Ansicht, dafs der Kelch wohl
fähig sei, sich in der Schmetterlingsblume zu Carina und
Flügeln zu metamorphosiren , doch sei er real und ideal
unvermögend sich bis zur Bildung eines Vexillurris aufzu-
schwingen, denn die Carina ist in der Schmetterlingskrone das
Symbol der Verschlossenheit und der Finsternifs, und daher
dem Kelchgebilde am nächsten verwandt.
In der Blüthe der CouÜeria, sagt Herr Walpers zum
Sclilusse, findet sich der in der ganzen Legiiminoseji-F amilie
sichtbare Kampf widerstreitender Potenzen, nebst dem end-
lichen Sieg der einen durch Vernichtung der andern real dar-
gestellt, und sie bezeichnet in der gesammten Metamorphosen-
reihe der Leguminosen den Punkt, von wo an die Kelch-
bildung einen nur untergeordneten Einflufs auszuüben im
Stande ist, weshalb man Coulteria für die den Anfang der
höher entwickelten Leguminosen-Reihe machende Gattung zu
halten habe.
DieHerrenSchleiden und Vogel*) haben dagegen müh-
same Beobachtungen über die Entwickelung der Leguminosen-
Blüthe bekannt gemacht, aus welchen sie folgende Resultate
ziehen :
1) Die Blüthen der Leguminosen sind bei ihrem Entstehen
vollkommen regelmäfsig.
2) Die später verwachsenen Theile entstehen als freie Spitzen,
wachsen auch frei aus und verwachsen noch später.
3) Alle Blüthentheile sind bei ihrem ersten Auftreten grüne
Blätter.
4) Auch im frühesten Zustande zeigt sich bei den Leguminosen
nur ein Carpellblatt, das nach der Achse zu offen ist.
5) Die Antheren bilden sich aus Blättchen, indem das innere
Zellgewebe zum Theil in Pollen verwandelt wird, und die
Fächer zu beiden Seiten des Blattrandes entstehen, der
später in die aufspringende lima sich umwandelt.
*) Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der BUithentheile bei
den Leguminosen. — Acta Acad. C. L. C. nat. cur. Vol. XIX. F. 1.
pag. 61—84. Mit 3 Steindrucktafeln.
124
6) Die Eycben bilden sich bei den Leguminosen abwech-
selnd am obern Rande des Ovarium, und bestehen aus
dem Nucleiis und gewöhnlich aus zwei lutegumenten,
. selten aus einem Intcgumentinn siniplex.
7) Die Eychen der Papilionaceen sind theilläuiig (hemitropä)
d. h. krummläufig mit einer Raphe.
S) Der Embryo entsteht aus dem Pollenschlauch an dem
MicropjZe- Ende des Embryosackes und wächst entweder
von hier nach der Chalaza zu, oder, indem er von dem
cellulös gewordenen Pollenschlauch bis zur Mitte des
Enibryosackes geschoben wird, zugleich nach der Chalaza
und der Miaopyle hin.
9) Die Saamenhäute werden bei den Leguminosen nur von
einem Integument gebildet, das aber stets in mehrere
Schichten sich ausbildet.
10) Eine Endopleura tumida existirt nicht bei den Legumi-
nosen', was dafür gehalten worden, ist Alhumen und
zwSiV Endosperma.
Die Verfasser haben die Entdeckung gemacht, dafs die
Eychen der Gattung Liipinus nur mit einem einfachen Inte-
gumente versehen sind, wärend die Eychen der übrigen Le-
guminosen stets doppelte Eyhäute besitzen.
Die französischen Arbeiten der Herren Bravais über
die kruuimlinie Blattstellung und über die Blüthenstände, welche
wir im vorigen Jahresberichte angezeigt haben, sind durch
Herrn W. G. Walpers in das Deutsche übertragen worden
und als eine besondere Schrift: lieber die geometrische
Anordnung der Blätter und der Blüthenstände.
Breslau 1839. erschienen; dieselbe ist noch mit einem zwei-
fachen Anhange versehen: Berichte über die Arbeiten
der Herrn Schimper und Braun über den nämlichen
Gegenstand vonCh.Martins und A. Bravais und Beob-
achtungen über die Auflösung der paarigen Blatt-
stellung in die spirale von Dutrochet. Die ganze
Schrift ist mit 9 Steindrucktafeln versehen und durch ein Vor-
wort von Nees von Esenbeck eingeführt; wir erhalten
darin das Wichtigste zusammengestellt, was überhaupt in neue-
ster Zeit von französischen Botanikern über diesen Gegenstand
gearbeitet worden ist, und es kann nun nicht fehlen, dafs diesQ
125
Arbeiten von den Deutschen noch mehr gelesen und gehörig
gewürdigt werden.
Herr Ainiö Henry hat einen zweiten Beitrag zur Kennt-
nifs der Laubknospea *) geliefert, worin dieser Gegenstand
mit gröfster Genauigkeit bei den Coniferen abgehandelt ist.
Die Bildungsweise des Blattes, meint der Verfasser, ist iii der
Familie der Coniferen der bei den andern Holzpflanzen beob-
achteten gleich; ein Gefäfsbiindel der Markscheide trete aus dem
Stamme hervor und bilde den Mittelnerv des sich erzeugenden
Blattes. Die Artikulationsfläche, in welcher sich die Blätter
von den Blattstielen trennen, fand der Verfasser bei den Co-
niferen ebenfalls durch eine brauugefärbte Demarkationslinie
vorgezeichuet. Die Gattungen Belis, ^Iraucaria und Ahies
zeigen in der Riditung ihrer Blätter eben dieselbe Regel, wie
die Laubhölzer, dafs sie. nämlich die obere Fläche dem Hiiiuiiel
zuwenden, aber die den Zweig in einer Spirale ümgcb^nulen
Blätter können diese Richtung nur durch Drehung des Blatt-
stieles bewirken. Ein Theil der Blätter macht diese Drehung
nach^ links, die andere nach rechts, so dafs dadurch eine
scheinbare zweizeilige Stellung derselben hervortritt. In Hin-
sicht der Blattstellung macht Herr Henry sehr mit Recht auf
die grofse Mannigfaltigkeit aufmerksam, welche verschiedene
Abtheiluugen, verschiedene Arten, ja selbst ein und da?solbe
Individuum zeigt. Die am häufigsten gefundenen Divergenzen
der Blätter bei den Coniferen sind folgende: Bei Pinus be-
steht die Spirale der Deckblättchen der Knospen aus 8 12
Blättchen in |- oder | Divergenz. Die Stellung der Blätter
•j^? und ebenso bei Picea, Larix u. s. w. doch sowohl in
den Knospenschuppen, als auch in den Bliithen treten höhere
Divergenzzahlen auf. Bei den Cupressus- Arten ist die Stel-
lung der Blätter (^) |. Bei Taxodium ist die Spiralstellung
schwankend von ~ bis jj, und Verfasser glaubt hierin ein
Streben zu (~) ^ Wirtelstellung zu erkennen. Bei Thuja
Stellung der Blätter^ (J) und bei Thuja cupressoides rückt
diese W'irtelstellung zur Spirale auseinander, welche ^ — ^
zeigt. Bei Callitris (J) \, und bei Call rhomhoidea (^) ~.
*) ^'ova Acta Acad. C.L. C Nut. Cur. Vol. XIX. V. I. pag.Sl—iU.
Mit drei Steindrucktafeln.
126
Bei Juniperus ist die Stellung bei verschiedenen Arten -|
oder Q) \ wirtelständig, aber sogar an demselben Baume und
demselben Zweige wechselt sie häufig von ~ mit \ ab. Bei
j4raucaria chilensis ~, bei Agathis Dammara f (?) und
bei Belis lanceolata f j.
Im Inneren eines Nadelblattes glaubt Herr Henry eine
der Mark- Holz- und Rindensubstanz analoge Bildung wahr-
genommen zu haben, und, sagt derselbe, wie sich a\\c\\ die
Ansicht über diese Theile feststellen wird, auf jeden Fall müs-
sen wir das ganze in den Winkeln der ächten Blattbase sich
entwickelnde Gebilde mit Richard und Link als eine über-
eilte, um ein Jahr zu früh entwickelte Knospe ansehen u. s. w.
ja Quer- und Längenschnitte zeigen sogar ein Ansetzen meh-
rerer Holzringe. Die Zweignatur zeigt sich noch deutlicher,
wenn die Terminalknospe zerstört ist; dann flachen sich die
einzelnen Nadeln der Nadelzweige ab, treten auseinander und
geben Raum für die sich bildende Knospe. Herr Henry giebt
hierauf speciellere Beobachtungen über die Entwickelung der
Knospen bei den verschiedenen Gattungen der Coni/^ren,
welche durch die getreuesten Abbildungen erläutert werden.
In der Schlufsbemerkung giebt der Verfasser endlich noch
seine Beobachtungen und Ansichten über die Blüthenknospen
der Coniferen; er betrachtet den Blüthenstand der Coniferen
als einen raetamorphosirten Laubzweig und das einzelne An-
therenblatt für ein metamorphosirtes Laubblatt (Nadelblatt
soll es wohl heifsen!) Bei der weiblichen Blüthe soll aber
das Laubblatt immer mehr zurücktreten, je kräftiger sich das
in seinem Winkel stehende Fruchtblatt entwickelt ; ja der Ver-
fasser möchte in dem weiblichen Blüthenzweige eine Meta-
morphose der Axillarknospe in Fruchtblatt und Eychen an-
nehmen. Ref. kann obiger Ansicht nicht beistimmen, denn
er hatte Gelegenheit die Bildung von Pollen in dem Inneren
des Fruchtblattes von L«n.r- Zäpfchen zu beobachten.
Herr Miquel*) hat die Präfoliation der Cycadeen ge-
*) üeber die Präfoliation der Cycadeen, — Flora von 1838. II.
pag. 499. Im Auszuge, französisch, in Mulder, Miquel et Win-
chelbach's Bulletin des scienc. ■phys. et natur, en Neerlande 1838.
pag. 129.
127
naiier beobachtet und gefunden, dafs nicht allen eine circinale
Präfoliation zukommt. Bei der Gattung Encephalartos hcJnn.
besteht die schwellende Knospe aus einem Kreise kurzer Hlätt-
chen die aufrecht stehen und mit ihren Spitzen convergiren.
Die Rhachides sind durchaus gerade und die Blättchen liegen
zu den Seiten dachziegelförmig übereinander; sie convergiren
nach vorne und liegen mit ihrer Innern Fläche genau gegen
einander an. Die Rhachis dehne sich an der sich entwickeln-
den Knospe durch Extension am ohern Ende aus, und die
Blättchen wachsen in allen Richtungen zumal in die Länge.
Bei der Gattung Zamia Lehm, ist die Rhachis in der Knospe
aufgerollt, dagegen sind die Blättchen wie bei Encephalartos.
Die Gattung Zamia hat dagegen eine ächte circinale Knos-
pung, wo nämlich che Rhachiden und die Blättchen aufge-
rollt sind.
Herr Miquel beobachtete bei Encephalartos horridus
ähnliche Knospen wie sie bei Cycas vorkommen; er sagt sie
scheinen sich sehr bald vom Stamme zu trennen und bilden
dann mehrere Fufs lange ästige Wurzeln. Diese Knospe wird
von Herrn Miquel als eine Zwiebel betrachtet; sie bildet erst
nach mehreren Jahren ein eigentliches Blatt, und Herr Miquel
möchte die Cycadeen-Tvo\\% auch eher den Zweigen als
den Blättern zuzählen.
Herr Maly zu Grätz *) beobachtete die Entstehung der
Knollen der Corydalis cava und Corydalis solida; bei letz-
terer Art bildet sich die neue Knolle immer im Mittelpunkt
der alten, wobei die alte Knolle schwammig wird und ver-
schwindet durch Absterben. Bei Corydalis cava bildet sich
dagegen die neue Knolle peripherisch nach aufsen, wärend
die innere alte Knolle abstirbt und dadurch eine Höhle in der
neuen Knolle zuriickläfst.
Herr Miquel**) hat in einer sehr interessanten Abhand-
lung die Metamorphose (wie sich der Autor ausdrückt) des
Stengels und der Blätter einiger Euphorbien näher erörtert
um die auffallende Aehnlichkeit, welche zwischen ihnen und
*) Flora von 1838. 11, pag. 728.
**) Observatio de caulium et foUortim in qiiibusdam Etiphorbüs
metamorphosi, — Flora von 1838. II. pag. 649—656.
128
den CactuS'Gewächsen herrscht zu prüfen. Man theilt gegen-
wärtig die Eupliorhien in Eiip?iorhiae aphyllae und foUosae,
und diese sind entweder strauchirtig oder krautartig, gestachelt
oder ungcstachelt. Die Blätter bei den Blätter- tragenden JSm-
pJwrhieji sind meistens sitzend, zuweilen sind sie auf einer
Anschwellung einsitzend und diese wird in manchen Fällen z. B.
hei Euphoj'hia nerci/oUa, Clava und ellipüca Lam. zu einem,
ausge'Seichneten Blattkissen, welches mit einem scheibenförmig
erweiterten Blattstiele zu vergleichen ist. Diesen Blättern
kommen auch Stipulae zu, z. B. der Euphorbia uncinata,
welche neben ihrer Basis zwei lanzettförmige Schuppen zeigen.
Die eigenthiimliche Entwickelung und Anamorphose, welche
der Stengel der Euphorbien zuweilen zeigt, leitet Herr Mi-
quel sehr sinnreich von der Metamorphose der Blattstielschei-
ben ab, denen offenbar eine blattartige Natur zukomme, ja
in den Fällen, wo die Blätter schnell abfallen, da bekleiden
sie den ganzen Stengel und Vertretern dabei die Function der
Blätter. Wo sie in der Jugend klein sind , da schwellen sie
oft nach dem Abfallen der Blätter sehr stark an und mit flie-
ser Vergröfserung schwillt der Stengel an nnd geht die mon-
strösen Formen ein, welche derselbe gar nicht selten zeigt;
wozu bei verschiedenen Formen nähere Nachweisung, gege-
ben wird.
Bei einigen Arten gehen die Aeste in einfache oder in
verästelte Dornen über (d. h. durch Metamorphose), wie z.B.
bei Euphorbia heptagona, inammillaris etc. Bald sind diese
Dornen wenig zahlreich, bald sehr zahlreich uud in Längs-
reihen gestellt, und die Knospen wachsen dann in der Aolisel
der Blattscheiden in Form von Dornen hervor, so dafs Herr
Miquel den Satz aufstellt, dafs diese Dornen nichts weiter,
als erhärtete blattlose Aeste Avären.
Wenn man nun aber diese metamorphosirten Stengel der
Euphorbien mit dem der Cacteen vergleicht, worüber Herr
Zuccarini im vergangenen Jahre (S. den vorigen Jahres-
bericht pag. 127) eine so schöne Arbeit lieferte, so wird man
nach Herrn Miquel folgende Verschiedenheiten in der Ent-
wickelung wahrnehmen: 1) die Stengel der Euphorbien
schwellen durch Verwachsung der appendikulären Theile.
Bei den Cacteen bildeten die abortirten feinen Aeste die Ma-
129
millen, wie bei den Mamillarieriy oder sie sind verwachsen
und bilden die Rippen der Melocacten, Echinocacten und
Cereen. Auch in Hinsicht der Anamorphose, welche die
Stengel der Melocacten durch Anschwellung der Markmasse
zeigen, findet sich zwischen Cactcen und Euphoihien grofse
Aehnlichkeit, denn bei Euphorbia glohosa findet sich eben-
falls jene Anamorphose wie bei den Melocacten.
2) Die Dornen, welche auf den Rippen der Euphorbien
bei den Blattnarben vorkommen, sind stipular; diejenigen aber,
welche zwischen den Blattkissen hervorkommen, sind durch
Metamorphose der Seitenäste, meistens der Bliithenäste ent-
standen. Bei den Cacteen dagegen sind die Dornen als Bracteen
der Knospen zu betrachten, welche auf den Spitzen der abor-
tirten Aeste sitzen.
Herr Walpers*) hat in einer andern Abhandlung seine
Ansichten über das bekannte Trifolium anomalum mitgetheilt;
er sagt, dafs eine genauere Betrachtung dieser interessanten
Pflanze im lebenden Zustande lehre, dafs sie nur eine durch-
greifende Verwachsung zweier Individuen des Trifolium re-
pens ist. Er fragt, ob die Verwachsung Grund für die schwarze
Blattfärbung bei dieser Pflanze sei und ob es vielleicht in der
Pflanzenwelt noch mehr Beispiele einer so durchgreifenden,
durch Aussaat constant gewordenen Verwachsung zweier Indi-
viduen derselben Art gebe, wodurch anscheinend eine neue
Art hervorgebracht wird. Die Gründe für diese interessante
Ansicht sind folgende: In dem bandartig verbreiteten krie-
chenden Stengel zeigte Herr Walpers zwei (freilich setzt er
hinzu) etwas undeutliche Markröhren. (Ref. kann darin nur
eine, der Form des Stengels entsprechende Markröhre sehen).
In den Blattstielen sehe man die bandartige Verwachsung
zweier Stiele so deutlich, dafs die aufgestellte Vermuthung
zur völligen Gewifsheit erhoben werde! In der Regel zeigt
jenes Trifolium nur 5 Btätter, und diese zeigen alle Farben
zwischen orangeroth und schwarz und da nun, sagt Herr
Walpers, eine Färbung der Blätter durch Oeldrüsen bewirkt
wird, welche unter der Epidermis liegen, so stelle ich mir
*) Einige Bemerkungen über Trifolium anomalum Sehrk. —
Flora von 1838. II. pag. 657,
V. Jahrg. 2 Band. Q
130
vor, dafs die Masse des fehlenden sechsten Blättchens gleich-
falls zur Production solcher Oeldrüscn in den 5 übrigen ver-
wendet werde.
Wenn Herr Walpers diesen Gegenstand später mit ana-
tomischer Genauigkeit untersuchen möchte, so würde er wohl
finden, dafs die von ihm hierüber aufgestellten Ansichten gänz-
lich unhaltbar sind.
Herr Bernhardi*) beobachtete die Lunaria rediviva und
Octadcnia lyhica R. Br. mit drei- und vierklappigen Früchten,
worin die Scheidewände nicht vermifst wurden, was ihn zu der An-
sicht brachte, dafs die Frucht der Ci'UQiferen nicht ursprüng-
lich eine 4-klappige Kapsel ohne Scheidewände darstellt. In
Folge verschiedener Beobachtungen meint Herr Bernhardi,
lasse es sich nicht behaupten, dafs die Scheidewände der Scha-
len der CrucJfei^en sich blofs auf Kosten zweier unvollkom-
men entwickelter Klappen bilden, indem man in der völlig
ausgebildeten Frucht aufser vier Klappen auch Scheidewände
findet. Vielleicht wäre die Scheidewand mit mehr Grund durch
V^erschmelzung und theilweise Verkümmerung zweier Klappen
und einer vierflügeligen Scheidewand der 4-fächerigen Frucht,
oder durch gänzliche Verkümmerung zweier Klappen und zweier
Flügel der Scheidewand hervorgegangen. Gegen die Ansicht,
nach welcher die Scheidewand als ein dissepimentum spuiium
durch Erweiterung der Placenten entstanden gedacht wird,
führt Hr. B. an, dafs die Achse der Scheidewand nicht selten
der Länge nach von einem Nerven durchzogen wird.
In Bezug auf die Zahl und Stellung der Staubfäden sucht
Herr Bernhardi zu zeigen, man dürfe annehmen, dafs der
Bau einer vollkommenen Kreuzblüthe auf 8 längere paarweise
zusammenstehende Staubfäden, eine innere Reihe bildend, und
auf eine unter ihnen stehende, äufsere Reihe von vier kürzern
Staubfäden berechnet sei. Die Drüsen, welche so häufig in
diesen Blüthen zwischen den Staubfäden vorkommen, werden
für verkümmerte Staubfäden gehalten u. s. w. und es wird
sehr wahrscheinlich gemacht, dafs die Crucrferen eine unver-
kennbare Anlage zur Polvandria zeigen.
*)'Ueber den Blüthen- und Fnichtbau der Crvdferen. — Flora
von 1838. I. pag. j?9 etr
131
Herr Bernhardi*) theilte ferner seine Ansichten über
den Kelch der Cisiaceen mit, welclie eben so gediegen sind,
wie Alles, was wir von diesem ausgezeichneten Beobachter
erhalten haben. Man pflegt den Kelch der Cistaceen aus
5 Blättern zusammen zu setzen, wovon zwei eine äufsere Reihe
und die drei übrigen eine zweite innere Reihe bilden. Die
zwei äufsern Blätter stehen in abwechselnder Stellung mit zweien
dieser innern Blätter am Grunde derselben, fehlen aber bei
nicht wenigen Arten; zuweilen fehlt nur ein Blatt und es ent-
steht dadurch ein vierblättriger Kelch. Es werden noch meh-
rere Abweichungen aufgeführt und dann der Satz aufgestellt,
dafs jene fünf blättrigen Kelche blofs dadurch entstehen, dafs
eines der inneren Kelchblätter mit einem äufsern Kelchblatte
verwächst. Niemals sehen hier die äufsern Blätter den innern
vollkommen gleich ; die äufsern gleichen mehr den wahren Blät-
tern und die kleinen den Stipeln. Hierauf zeigt nun Herr
Bernhardi, dafs man die äufsern Kelchblätter d^Qv Cistaceen
nicht für Kelchblätter, sondern für Hüllblätter zu nehmen hat,
und diese hätten ihren Ursprung den wahren Blättern und
nicht den Stipeln zu verdanken.
Herr Morren*) hat die Wasser-absondernden Schläuche
in morphologischer Hinsicht betrachtet, welche die Gattungen
Nepenthes, Sarracenia, Cephalofiis, Marcgj'avia und No-
rantca aufzuweisen haben. Er führt zuerst die Meinung der
berühmtesten Botaniker über diesen Gegenstand auf und stellt
dann seine Ansicht dar, nach Avelcher ein solcher Schlauch das
eigentliche Blatt sein soll, wärend das blattartige Organ, wor-
an der Schlauch befestigt ist, nichts weiter als ein geflügelter
Blattstiel ist. In den beiden Flügeln, welche an dem Schlauche
an Nepenthes herablaufen, seien ganz deutlich die beiden Rän-
der des zur Urne verwachsenen Blattes zu erkennen. Die
äufsere Seite der Urne sei die untere Blattfläche, und die innere
stelle die obere Blattfläche dar.
Herr J. H. Molkenboer*) hat an den Blättern einer
•;'«& ?f;.'v
*) Einige Bemerkungen über Cistaceen. — Flora von 1838 II. p. 665,
'^) Morphologie des ascides. — Bulletin de l'Academie de BnixeL
les. V. Nr. 7.
*) Jets aang-aande de Brassica oleracea costata nepeidhiformis
9*
132
Brassica oleracca i Botrytis L. eben dieselbe Monstrosität
wahrgenommen, welche schon Boiinet in seinem Buche über
den Nutzen der Blätter (IV. Abh.) beschrieben und abgebildet
(Tab. XXV.) hat. Bon not sah aus der oberen Seite des
Hauptnerven des Blattes einen Stiel hervorgehen, auf welqhem.
ein sehr eigenthümlicher Straufs stand, dessen Blätter mehr
oder weniger vollkommen tüten- oder trichterförmig gestaltet
waren. Ja die Hauptnerveri dieser tütenförmigen Blätter zeig-
ten wiederum kleinere Tüten u. s. w. Herr Molkeuboer
beobachtete das Vorkommen dieser interessanten Mifsbildungen
stets auf den Nerven der oberen Blattfläche, ebenso wie schon
früher Herr DeCandolie; er vermuthet daher, dafs sich
Bonnet geirrt habe, indem er davon spricht, dafs die Bildung
auf der oberu Blattfläche vor sich gehe und die Abbildung es
zeige, dafs es die untere Blattfläche war. Indessen hiebei hat
sichvvohl Hr. Molke nboer geirrt, denn ich sehe an der mir
vorliegenden Abbildung dieses Gegenstandes in Bonn et 's
Schrift ganz deutlich, dafs eben dasselbe abgebildet ist, was
man im Texte beschrieben findet. Der Stengel mit dem Straufse
jener trichterförmigen Blätter ging aus dem Hauptnerven von
der oberen Fläche des Blattes aus, und der kleine Trichter
bei n zeigt wiederum ganz deutlich, dafs er aus der untern
Fläche hervorgetreten ist. Demnach kommt diese Bildung also
auf beiden Blattflächen vor und nicht nur auf der oberen, wie
der Verfassör vermuthet. Später sah Herr Molkenboer diese
und ähnliche Monstrositäten auch auf den Blättern anderer
Kohl-Varietäten, von welchen eine der ausgezeichnetsten abge-
bildet gegeben wird. Die Entstehung dieser monströsen Bil-
dungen suQbt der Verfasser dadurch zu erklären, dafs er an-
nimmt, dafs die Gefäfsbüudel des Stieles, welcher aus dem
Häuptnerven hervorwächst, dafs sich diese wie die Rippen in
einem Schirme strahlenförmig auseinander begeben und durch
Zellengevvebe mit einander verbunden sind, kurz dafs alle diese,
so wie ^ie weniger vollkommenen trichterförmigen Monstrosi-
täten, nur durch strahlenförmige Zertheilung der Nervenbündel
entstehen. Der geneigte Leser wird sich jedoch sehr bald
Dec. — Tijdschrift v. ISatuurl. Geschied, en Thys. V. 1., 2. St.
pag. 114.
133
überzeugen, dafs dieses keine Erklärung der Erscheinung ist,
sondern nur eine Beschreibung über den Verlauf der Gefäfs-
bnndel in jenen monströsen Bildungen.
Herr C. A, Meyer*) hat an 100 Individuen der Carda-
inine pratensis und wohl an 1000 proliferirenden Blumen die
Umwandolung des Fruclitknotcns in Blumenknospen beobadi-
tet, und diese Umwandolung geschah immer nach einem und
demselben Typus. Der Inhalt der Abhandlung enthält die spe-
cielle Beschreibung dieser Mifsbildungen, welche aber nicht
gut eines Auszuges fällig ist. Dagegen hat später **) Herr
Trautvetter einige Bemerkungen zu den von Hr. Meyer
beschriebenen Mifsbildungen hinzugefügt; es scheine ihm nicht,
dafs die inßorescenüa comosa, welche bei Cardamine pra-
tensis bisweilen vorkommt, dadurch zu erklären sei, dafs sich
die Blüthen in Blätter verwandeln. Farsetia clypeata beweise,
dafs auch die Blütlien der Cruciferen axilläre Organe seien,
und dafs an der Basis ihrer Blüthenstielchen die Fähigkeit ist,
eine Bractee zu bilden, denn sie kommen mit und auch ohne
Bractee vor. Es scheint, dafs die Bractee meistens auf Kosten
der Blüthen fehlschlägt, sie könne sich aber vielleicht aus-
bilden, wenn die Entwickelung der Blüthen gehindert ist, und
auf diese Weise scheine sich ihm dann die inßorescentia
comosa zu erklären.
Herr Ad. Steinheil***) hat in einem sehr interessanten
Memoire das verschiedenartige Wachsthum der Blätter der
Pflanzen auseinander gesetzt; dasselbe zerfällt in drei Abschnitte.
In dem ersten Abschnitte handelt Hr. St. von der Entwicke-
lung der Blätter im Allgemeinen; dieselbe ist von doppelter
Art und beide Erscheinungen seien sehr genau zu unterschei-
den; 1) Die Bildung der Blätter durch Zertheilung (dedou-
hlement^ und 2) die Ausdehnung nach allen Richtungen hin.
Die erstere Erscheinung könne man nennen die eigenthüm-
liche (propre^ Ausdehnung des Zellgewebes, die andere dagegen
*) Mifsbildungen, beobachtet an Cardamine pratensis. — Bul-
letin scient. de Saint Petershourg. IV. pag. 375 — 379.
*♦) Ebendaselbst V. pag. 116.
***) ObservatioHs sitr le modc d'accroissement desfeuilles. — Ann.
des scienc. natur. 1837. IL pag. 257 --304.
134
wird durch die besondere Ausdehnung oder Verlängerung- jeder
einzelnen Theilchen ausgeführt.
Der zweite Abschnitt handelt über das Wachsthum der
Blätter von Oben nach Unten; er zerfällt wiederum in 2 Sec-
tionen, wovon die erstere diejenigen Beobachtungen enthält,
welche jene Annahme ganz bestimmt erweisen; und zwar findet
dieses bei den einfachen Blättern statt. Die zweite Section
führt diejenigen Beobachtungen auf, welche jenem Gesetze zu
widersprechen scheinen, und dieses zeigt sich bei den zusam-
mengesetzten Blättern. Eine sehr grofse Reihe von speciellen
Messungen hat Herr St. ausgeführt und in seinem Memoire mit-
getheilt, die sich jedoch an diesem Orte nicht in nöthiger Kürze
wiedergeben lassen. Der dritte Abschnitt handelt über die
Bildung der Lappen und der kleinen Blättchen der Blätter,
und hier kommt Herr St ein heil zu dem Resultate, dafs die
gelappten Blätter zusammengesetzte Blätter sind, deren kleine
Blättchen mit einander verschmolzen sind, als gerade zu der
entgegengesetzten Ansicht, welche bisher ziemlich allgemein
herrschend war. Herr Stein heil verspricht diese interessan-
ten Beobachtungen zu vermehren.
Zur Pflanzen-Geographie.
Herr Voigt*) zu Jena hat sehr interessante Betrachtun-
gen über die Ursachen angestellt, durch welche die verschie-
denen Formen der Pflanzen, wie sie sich über den Erdball in
den Hauptfamilien ausprägen, hervorgerufen werden, denn die-
ser Gegenstand ist zugleich eine Aufsuchung der inneren Ursa-
chen geographischer Pflanzen-Verbreitung. Herr Voigt glaubt,
dafs der eigentliche letzte Grund und die Ursache, dafs sich
die feste Oberfläche unserer Erde erst mit Vegetation über-
zogen hat, in der lebendigen Kraft des Erdballs liege. Die
productive Kraft dieser Erdseele ist es, welche, in tausend-
fachen Radien nach aufsen strebend, den letzten immateriellen
Grund dieser Vegetationsformen ausmacht. Jedes Thier pro-
ducirt mittelst seines Lebensprozesses über seine Oberfläche hin-
aus, wie z. B. die Haare, Federn u. s. w. und alles dieses
geschieht immer von innen heraus, vielleicht aus dem Blute
•^i Flora oder botanische Zeitung. 1838 IL pap, 617- u. 8. w.
135
selbst und wird nur diircli den Eiiiflufs des Liclites, der Luft,
der Wärme, Feuchtigkeit und auch anderer Elemente bedingt.
Da wir nun keine Beweise haben, dafs die Vegetation, die
unsern Erdball bedeckt, durch einen Gärtner erst in den Boden
liini'ingepflanzt oder gesäet ist, was bleibt dann, sagt Herr
Voigt, der Vernunft anders übrig, als den ersten Grund ihrer
Entstehung von innen heraus anzunehmen? Weder der gemeine
Boden, nocli die andern Elemente geben uns den hinlänglichen
Grund der Mannigfaltigkeit der Vegetation auf einem Gebiete;
der Grund mufs im Rcichthum des tnnern liegen, die lebendige
Seele des Planeten mufs es sein, welche diese verschiedenen
Arten möglich macht. Die Natur producire nach dem Ver-
hältnisse einer organischen Polarität, etwa wie die Farbenbil-
der eines Prisma sich darstellen, so dafs z. B. ein Gras als
Gegensatz auch einen RanunJicl fordere u. s. w. Das erste
Hervortreiben der Vegetation scheine in wiederholten Akten
stattgefunden zu haben, denn auch noch jetzt succcdiren sicli
ja die Pflanzen.
Von Herrn Carl Sprengel*) dem früheren Professor der
Landwirthschaftslehre zu Braunschvveig, gegenwärtig zu Stettin,
liaben wir eine sehr umfangreiche Arbeit über die Bodenkunde
erhalten, welche zwar grüfstentheils von einem practischen In-
halte ist, aber auch mehrere die Pflanzenphysiologie sehr in-
teressirende Mittheilungen enthält. Herr Sprengel nieint,
dafs der chemische Einflufs des Bodens ohne Zweifel schon
viel dazu beiträgt, dafs aus den Arten Unterarten, Abarten,
Abweichungen und Spielarten entstehen, so dafs man dreist
behaupten könne, viele unserer neuen Pflanzen seien nichts
weiter, als durch die Bodenbestandtheile hervorgerufene Modi-
ficationen anderer, sclion früher bekannter Species. Die Lu-
zula glahiaia des Kalkbodens sei nur die Luziila spaJicea
des Thonbodens u. s. w. Dergleichen Ansichten sind sehr an-
sprechend und auch Referent ist zum Theil derselben Meinung,
*) Die Bodenkunde oder die Lehre vom Boden, nebst einer voll-
ständigen Anleitung ziu: chemischen Analyse der Ackererden und den
Resultaten von 170 chemisch untersuchten Bodenarten u. s. w. Ein
Handbuch .für Landwirthe, Forstmänner, Gärtner, Boniteure und Thei-
lungskomniissäre. Leipzig 1837.^
136
doch ehe dieselben in die systematischen Wissenscliaften ein-
greifen dürfen, müssen sie durch eine lange Reilie von Ver-
suchen ermittelt werden!
Herr Sprengel richtet die Aufmerksamkeit der Land-
wirthe besonders auf die wildwachsenden Pflanzen, welche auf
verschiedenen Landarten vorkommen und sucht zu zeigen, dafs
die wildwachsenden Pflanzen in einem innigen Zusammenhange
mit den chemischen Bestandtheilen des Erdreiches stehen; es
könne aber hierauf keine genaue Classification der Bodenarten
begründet werden, indem oft schon durch die geringste Menge
dieses oder jenes Stofi"es die Ansiedelung solcher Pflanzen
möglich wird, welche wir sonst auf einem ganz andern Boden
finden. So bringt der Sandboden wohl auch Pflanzen hervor,
welche sonst auf Thonboden oder auf Kalkboden wachsen,
wenn jener nur etwas Thon oder Kalk enthält. — Wir kön-
nen, sagt Herr Spr., daher wohl aus den vorkommenden wild-
wachsenden Pflanzen schliefsen, welche Körper der Boden ent-
hält, aber die Menge derselben läfst sich hieraus nicht ermit-
teln, und als Schlufs heifst es: Die Verschiedenheit der Vege-
tation hat ihren Grund mehr in der Beschafi'enheit des Bodens,
als dafs sie abhängig wäre von den physischen Eigenschaften
desselben. Weil nun aber in den verschiedenen Bodenarten
meistens gewisse Bestandtheile vorherrschen und hiervon die
Vegetation bedingt wird, so ist dieses der Grund, weshalb eine
jede Bodenart ganz eigenthümliche Pflanzenarten hervorbringt.
Herr Sprengel hat ferner bei der speciellen Betrach-
tung aller der einzelnen Bodenarten, diejenigen Pflanzen in
grofser Menge aufgeführt, welche denselben mehr oder weniger
bestimmt zukommen; diese Pflanzen- Verzeichnisse sind noch
nie so vollständig gegeben.
Herr Schieiden*) hat die Bemerkung gemacht, dafs
Euphoj'hia Cyparissias, welche man als kalkstete Pflanze auf-
führt, sowohl auf den Sandheiden um Berlin, wie auf den Kalk-
bergen von Rüdersdorff in der Nähe von Berlin in grofser
Menge vorkommt, wärend diese Pflanze auf dem Muschelkalk
in der Umgebung von Göttingen fehlt, aber sogleich wieder
*) üeber Bodenstetigkeit der Pflanzen. — Wiegmann's Archiv
1838. I. pag. 49.
137
auftritt, wenn mau bei Witzenhausen den bunten Sandstein
betritt. Die Pflanze soll defshalb bald kalkstet bald sandstet
sein; Ref. glaubt jedoch, dafs sie nur kalkstct sei, d. h. dafs
sie einen kalkhaltigen Boden liebt. Der Sand um Berlin ist
sehr kalkhaltig! Wefshalb Eiiphorhia Cyparissias auf detu
Muschelkalk bei Göttingen nicht vorkommt, ist wiederum eine
andere Frage und die Statistik der Gewächse hat es uns ge-
lehrt, dafs die Vertheilung der Gewächse weder vom Clioia
noch vom Boden abhängig ist, wenn gleich deren Einflufs so
häufig augenscheinlich ist. Auch Herr Treviranus*) spricht
sich in Folge seiner Beobachtungen dahin aus, dafs nicht die
geognostische Beschaffenheit der Gebirge, sondern die physi-
sche, so wie die Beschaffenheit der ihre Oberfläche bedecken-
den, mehr oder minder furchtbaren Erdkruste alleinige Ursache
der Verschiedenheit sei, welche man in dem Auftreten der
Pflanzen beobachtet. Ref. hat hierüber schon früher und noch
neuerlichst (Pflanzen-Physiologie. II. pag. 127) etwas ausführli-
cher gehandelt und ist im Wesentlichen mit den Ansicliten der
Herren Sprengel und Treviranuit übereinstimmend.
Herr J. Pelletier**) lieferte eine Arbeit über den Ein-
flufs, welchen die Erden auf den Vegetationsprozefs ausüben;
er meint, dafs eine gewisse Coraplication in der Zusammen-
setzung des Bodens im Allgemeinen eine Bedingung der Frucht-
barkeit ist. Die Erde, welche durch allmälige Zersetzung des
Granites entsteht, soll im Allgemeinen sehr vortrefflich sein,
wärend die Erde, welche aus der Zersetzung einfacher Gesteine
herrührt, Dünger verlangt und nur wenigen Arten von Pflan-
zen zuträglich sei. Aus diesen und einigen ähnlichen Angaben
zieht Hr. Pelletier den Schlufs, dafs eine Erde um so frucht-
barer ist, je complicirter ihre Zusammensetzung ist. Als Er-
klärung dieser, durch genaue Versuche noch nicht festgestellten
Ansicht, nimmt Hr. Pelletier an, dafs sich in solchen zusam-
mengesetzten Erden electrische Säulen bilden, durch deren
Entladungen die Erde belebt Avird. Die electrische Flüssig-
keit wird dann einen Reiz auf die Oeffnungen der Wurzel-
fasern ausüben, wodurch die Organe zur Absorption der Nah-
*) Physiolog. d. Gewächse II. pag. 717.
*") Journ. de Pharmacie. Mai 1838.
438
rong angeregt werden und dann selbst als Leiter dienen kön-
nen, welche die Eiectricität der Pflanze zuführen. Herr Pel-
letier legt diese Ansicht auch der Erklärung über die Wir-
kung der Salze auf die Vegetation zum Grunde; qr meint,
dafs der Reiz, welchen die Salze auf die Pflanzen ausüben
dadurch erklärt werde, dafs das Leitungsvermögen für die Eiec-
tricität schon durch eine kleine Menge von Salz, welche dem
Wasser beigemischt ist, erhöht wird. Wenn diese Ansichten
richtig wären, so liefse es sich, wie Ref. glaubt, noch schwe-
rer erklären, wefshalb gewisse Pflanzen äufserst viel Salz be-
dürfen um kräftig zu wachsen, wärend andere dagegen unter
gleichen Verhältnissen ganz und gar nicht gedeihen.
Die übrigen Gegenstände, besonders die gegenseitigen
allmäligen Zersetzungen, welche die Kiesel-, Kalk-, Thou- und
Eisenmassen der Erde eingehen, sind schon früher von ver-
schiedenen Schriftstellern erörtert worden.
Herr Mohl hat im Mai 183S eine Inaugural-Dissertation:
Ueber den Einflufs des Bodens auf die Vertheilung
der Alpenpflanzen jJJ'übingen 1838) publicirt, welche dem
Ref. noch nicht zugekommen ist.
Herr Grisebach*) hat eine geistreiche Arbeit über den
Einflufs des Clima's auf die Begränzung der natürlichen Flo-
ren geliefert, welche aber nur u^enig zum Auszuge pafst, da-
her sich Referent beschränken mufs, die Hauptergebnisse
derselben aufzuführen, welche der Verfasser selbst am
Schlüsse seiner Arbeit zusammengestellt hat. Als solche
werden aufgeführt: Die Vegetation der Erde zerfällt in scharf
begrenzte natürliche Floren, die gemeinsame botanische und
climatische Charactere haben. Die Floren zerfallen in 2 Haupt-
klassen, je nachdem sie eine dauernde oder eine durch Win-
terschlaf unterbrochene Vegetation haben. Floren mit dauern-
der Vegetation finden sich nur in der Nähe des Aequators.
Der Winterschlaf der Floren hängt entweder von Trocken-
heit oder von gesunkener Temperatur ab und hiedurch unter-
scheiden sich die tropischen von den extratropischen Floren.
Das Clima einer tropischen Flora mit dauernder Vegetation
*) Ueber den Einflufs d^s Clima's auf die Begränz^mig der natür-
lichen Floren. — Linuaea von 1838. pag. 159 — 201.
139
wird durch die mittlere Jahrestemperatur gemosson. Das Clinia
einer Passatflora wird durch die mittlere Temperatur der Vege-
tationszeit gemessen. Andere climatischo Momente haben auf
die Grenzbestinmiung der natürlichen Floren keinen nachweis-
baren Einfluls, Die mittlere Temperatur der V'egetationszeit
ist im ganzen Gebiete der mitteleuropäischen Flora identisch,
ebenso diejenige Ordinate der Jahrescurve, die den Endpunk-
ten des Winterschlafes entspricht. Die Endpunkte des Win-
terschlafes treten mit dem Aufsteigen des Friihlingssaftes und
der herbstlichen ßlattentfärbung ein. Ob die climatischen Ge-
setze der mittel- europäischen Flora für alle extratropischen
Floren Gültigkeit haben, kann aus Mangel an Beobachtungen
über die Dauer der Vegetationszeit noch nicht nachgewiesen
werden; eben so wenig ob es eine climatologische Diagnostik
sämmtlicher Floren gebe. Und endlich, die Nordweslküste von
Europa gehört zum Gebiete der mittel-europäischen Flora und
man kann in Europa nur drei Floren unterscheiden: die Flora
mediterranea, europnea media und alpina.
Herr Grisebach hat in dieser Arbeit eine Reihe von
Ansichten aufgestellt, welchen viele Botaniker, aber besonders
die Reisenden nicht leicht beistimmen möchten, indessen Dis-
eussionen über dergleichen Gegenstände können nur sehr weit-
läuftig ausgeführt werden, wozu an diesem Orte nicht der l'latz
ist, daher sich Ref. nur auf die Aufführung jener Ansichten
beschränkt hat.
Eine Gruppe von Pflanzen, die einen abgeschlossenen,
physiognomischen Character trägt, wie eine Wiese, ein Wald
u. s. w. nennt Hr. G. eine pflanzengeographische Formation.
Da eine jede Flora eine gewisse Anzahl vorherrschender
Familien zeigt, so schlägt Hr. G. vor, hiezu diejenigen Fa-
milien zu rechnen, welche über 4 Procente der ganzen phane-
rogamischen Vegetation enthalten, und nur von diesen gelte
das Gesetz, dafs die Summe der Arten einer jeden derselben,
dividirt in die Summe aller Phanerogamen gleiche (Quotienten
an jedem Orte innerhalb derselben natürlichen Floren giebt.
Einen sehr ungerechten Vorwurf macht der Verfasser dem
Referenten, indem dieser in seiner Pflanzengeographie eine
gewisse Gleichförmigkeit der Pflanzenformen in ganzen Zonen
ausgesprochen habe, was aber doch nicht der Fall ist, denn
140
Referent hat nur von dieser Gleichförmigkeit gesprochen, wo
sie wirklich vorhanden ist, und die Ungleichförmigkeit der
Vegetation für die verschiedenen Längen-Grade stets sehr be-
stimmt hervorgehoben.
Durch den Einflufs der herrschenden Winde auf den Feuch-
tigkeitszustand der Atmosphäre würden nach Hr. G. Ansicht
die Passatwinde die Tropenländer in 5 scharf gesonderte Zo-
nen theilen, von denen 2 ohne Feuchtigkeit und ohne Vege-
tation wären: eine Aequatorialzone mit einer Wassercirculatiou
von gröfster Geschwindigkeit u. s. w., zwei Passatzonen, durch
ihre perennirenden Polarwinde zu ewiger Trockenheit und Ste-
rilität bestimmt und zwei Zonen der Polargrenzen der Passate,
welche nie ohne Niederschläge sind, aber doch durch den untern
Passat u. s. w. hierin zuweilen gestört werden.
Der Verfasser hat sich gleich im Anfange der Abhand-
lung für das Vorhandensein bestimmt begrenzter Floren aus-
gesprochen und versucht diese B'loren auch climatologisch zu
characterisiren ; er glaubt, das wichtige Gesetz nachweisen zu
können, dafs an allen Punkten der mittel-europäischen Flora,
die mittlere Temperatur des Zeitraums der vegetirenden kraut-
artigen Axe (bestimmter vom Aufsteigen des Friihlings^ftes
in den Bäumen bis zum Abfallen ihrer Blätter) =13^ C. ist,
und so solle sich für jede natürliche Flora eine solche con-
stante Temperatur angeben lassen. Um den obigen Satz zu
erweisen, hat Herr Grisebach eine Tabelle entworfen, welche
14 verschiedene Orte aus seiner mittel-europäischen Flora auf-
führt und für diese Orte die Blüthezeit von Primula elatior
angiebt, welche zugleich das Aufsteigen des Frühlingssaftes
angeben soll. In andern Rubriken ist der Abfall der Blätter,
die Temperatur um diese Zeit, die Vegetatiousdauer, die mitt-
lere Temperatur wärend der Vegetationszeit, und das Tem-
peratur-Maximum aufgeführt. Die mittlere Temperatur der
Vegetationszeit, die Fhytoisotherme, ist durch das arith-
metische Mittel aus dem Temperatur-Maximum und der Tem-
peratur der beiden Endpunkte bestimmt.
Dafs diese mittleren Temperaturen der Vegetationszeit weit
genauere Bestimmungen für die Abhängigkeit der Vegetation
voa der Temperatur angeben, als andere dazu angewendete
14t
Methoden, das haben auch schon andere Bearbeiter der Pflanzen-
Geographie gelehrt.
In einem reichhaltigen Werke, welches die Gentianeen
in systematischer und phytogeographischer Hinsicht abhandelt,
hat Herr Grisebach*) sehr ausführlich über das Vaterland
dieser Gewächse gesprochen, und dabei zugleich eine Characte-
ristik der verschiedenen Floren in statistischer Hinsicht gege-
ben , in welche die Pflanzendecke auf der Oberfläche der Erde
zerfallen soll.
Viele dieser Floren, welche ganz scharf begrenzt sein
sollen, fallen mit den pflanzengeographischen Reichen zusam-
men, welche einst Herr Schouw aufstellte; so spricht Herr
Grisebach von einer Flora Penmsulariiin Indiae orienta-
lis, einer Flora Polynesiae, einer Flora Oceanica u. s. w.
doch ich bin fest überzeugt, dafs derselbe diese Begrenzungen
der genannten Floren aufheben würde, sobald er diese Ge-
genden auch nur an einzelnen Punkten erblickt hätte.
Herr Grisebach hat 343 Arten von Gentianeen in seiner
Monographie aufgeführt; sie sind fast über den ganzen Erdkreis
verbreitet; in den Tropen wachsen davon 210 Arten und aufser-
halb derselben 133 Arten, wovon 45 der südlichen Hemisphäre
aufserhalb der Tropen zukommen. Unter diesen tropischen
Gentianeen hat Herr Grisebach aber auch alle diejenigen
aufgeführt, welche bis zu den gröfsten Höhen der tropischen
Gebirge vorkommen. In der alten Welt konnnen 175 Arten
und in der ffeuen 180 vor, wärend 12 Arten beiden gemein-
schaftlich zukommen. Die Anden -Flora zeigt 51 Arten, die
Himalaj'ah 41, Hiudostan30, das tropische Brasilien 46 u. s.w.
In Deutschland und in der alpinen Schweiz zeigen die Gen-
tianeen den gröfsten Quotienten, wo sie fast den SOsten Theil
der Vegetation darstellen; in andern planen Gegenden verhält
sich derselbe = j^ — 2T0 ^^^ ^^ alpinen Gegenden = j^
— -g-^ö der ganzen Artenzahl. Nur wenige Arten haben ein
ausgebreitetes Vaterland, MenyantJies trifoliata kommt in der
ganzen nördlichen temperirten Hemisphäre vor, und Gentiana
verna hat eine ausgedehnte Höhenverbreitnng. Gentiana
*) Genera et species Gentianeanim adjectis observationilus qui-
busdam phytogeographicis. Shittg. et Tübing. 1839.
442
prostrafa kommt in den verschiedensten Gegenden der Erde
vor; Gentiana purpwea findet sich auf den Alpen der Schweiz
und auf Kamtschatka. Schwentia pciennis findet sich eben-
falls in sehr verschiedenen Gegenden der nördlichen Hemisphäre
wieder.
Den tropischen Gegenden sind die Lisyantheae und Hip-
pieae eigen, sie steigen daselbst auch nicht auf die Berge.
Die Chloreen zeigen in der nördlichen Hemisphäre ihre gröfste
Anhäufung, die Chironien nur in der südlichen Hemisphäre,
die Menyanthideen xmd Erythraeen sind dagegen über den
ganzen Erdkreis gleichmäfsig verbreitet. In der neuen Welt
sind überhaupt die Lisyantheen und Si^'erfieen, in der alten
Welt dagegen die Swertieen und Erythraeaceen vor-
lierrschend.
Herr Brunn er in Bern *) hat vortrefi'liche Bemerkungen
zu den europäischen EupJwrbien publicirt; er führt 40 gute
Arten dieser Gattung auf, von welchen Eupliorhia helioscopia,
plafyphyjla, palustris, exigna, faJcata, sylvafica, nicaeen-
sis, gracilis und vielleicht von salicifolia mehr oder weniger
ganz Europa an. Dem mehr nördlich von den Alpen gelege-
nen mittlem Europa, so wie Südrufsland und dem Kaukasus
gehören an: Ei/pJwrhia didcis, Esula, Cyparissias, sylvafica,
virgata M- B-, procera, saxatilis, aspera M. B. condylo-
carpa und undulafa, dagegen mehr dem südlichen und west-
lichen, als nordöstlichen Europa eigen und wohl gröfstentheils
zur Flora mediterranea gehörend sind 21 Arten aufgeführt,
also mehr als das Doppelte der nordöstlichen Arten. Auch
treten hier schon 2 holzartige Euphorhien auf, nämlich Eu~
phorhia spinosa und Euphorhia dendroides, so dafs diese
Flora schon dadurch der nordafrikanischen ähnlicher wird.
Herr Raben hör st **) hat die Flora der Niederlausitz
in phytostatistischer Hinsicht berechnet und die erhaltenen Ver-
hältnifszahlen für die verschiedenen Familien mit denen eini-
ger anderen Floren eben derselben Zone verglichen. Es sind
*) Einiges übet geographische Verbreitung der europäischen
Euphorbien. — Flora von 1838. I. pag. 65 etc.
**) Beitrag zur Pflanzen-Geographie der Niederlausitz , mit Rück-
sicht auf benachbarte imd andere Provinzen. — Flora von 1838. II,
pag. 608.
143
bishoi* in der Nie«lerlansltz 2739 Arten von Pflanzen aufge-
funden, worunter 1129PI)anerogamen (mit 118 Kulturpflanzen,
also nur 1011 wildwachsende vorkonunen. Diese Phaneroga-
nien zeigen 241 Monocotylcdonen und 770 Dicotyledoncn,
so dafs sich jene zu diesen gleich 1 ; 3,19 vorhalten. Da-
gegen verhalten sich die Monocotyledonen zur gesammten
phaneroganien Flor gleich 1 '. 4,19. Die folgende Tabelle
giebt die Verhältnisse an, welche die vorzüglichsten Familien
in jener Flora der Niederlausitz zeigen:
Nach der V^ergleichung der Verhältnifszahlen mit denjeni-
gen der Floren benachbarter Länder kommt Herr Raben hörst
zu dem Resultate, dafs sich die Flora der Niederlausitz in
statistischer Hinsicht besonders durch die Familien der Cype-
roideen, der Lahiaten und der Caryophylleen characterisirt.
Nach der Ansicht derjenigen Botaniker, welche da glau-
ben, dafs man die Vegetation eines Landes am besten durch
solche Zahlenverhältnisse characterisirt, miifste die Vegetation
der Niederlausitz grofse Aehnlichkeit mit jener des südlichen
Europa zeigen, wo man das Reich der Lahiaten und Ca-
ryophylleen aufgestellt hat. Aber sie mögen hingehen und
sich vom Gegentheile überzeugen! (Ref)
Die Herrn K orthals und Müller*) haben im Nov. 1836
*) Berfgten over Sumatra, etc. te Amsterdam 1837. Entnommen
aus V. Froriep's Notizen. V. Bd. 1838. pag. 244 etc.
144
<len Morapi auf Sumatra bestiegen und daselbst die Grenze
des Reisbaues bis zu 3400 rhein. Fufs beobachtet. Erst einige
Hundert Fufs niedriger hörte die Cocospalme auf, dagegen
wurde daselbst das Bambusrohr und die Arengpalme bW^q-
meiner; der Kaffee steht daselbst sehr üppig. Die eigentliche
Baumgrenze ward hier schon bei 7000 Fufs beobachtet, doch
scheint diese geringe Höhe nur durch die Localität des Bodens
bedingt zu sein. (Ref.) Im Uebrigeu ergiebt es sich aus
den Angaben, dafs die Vegetation daselbst mit jener auf den
Gebirgen Java's sehr übereinstimmend ist.
Herr De la Fort*) hat ein Verzeichnifs von Pflanzen
mitgetheilt, welche in der Umgegend von Laon vorkommen
und sich nicht um Paris vorfinden; ferner ein Verzeichnifs
derjenigen , welche bei Paris und bei Laon vorkommen und
dagegen in der Umgegend von Vervins und Rocroy fehlen,
so wie ein Verzeichnifs derjenigen Pflanzen, welche bei Ver-
vins und Rocroy vorkommen und sowohl bei Paris als Laon
fehlen.
Herr Miquel**) hat eine Vergleichung der Floren der
Preufs. Rhein- Provinz mit der Flora von Nord- Niederland in
statistischer Hinsicht gegeben. Für die Rhein-Provinz wird
die Schrift von Wirtgen***) zum Grunde gelegt und für
Nord -Holland die eigenen Arbeiten über diese Flora. Hier-
nach enthalten die Rhein- Provinz 1480 Phanerogamen und
Nord-Holland 1210; dort sind 1146 Dicotyledonen und 334
Monocotyledonen, wärend hier 9{)d Dicotyledonen und 305
Monocotyledonen aufgefunden sind. Demnach verhalten sich
die Monocotyledonen zu der Gesammtflora in der Rhein-Pro-
vinz wie 1 I 4,4 und in Nord-Holland wie 1;3,9, demnach
ist das Verhältnifs der Monocotyledonen in Holland gröfser
als am Rhein, was denn auch durch den vielen feuchten Bo-
den, welcher daselbst vorkommt sehr wohl erklärlich ist.
*) Notes sur la Vegetation des environs de Laon, — Vervins et
Rocroy, comparee a celle des environs de Paris. — An7i. des scienc.
nat. 1838. Part, botan. I. jiag, 375.
**) De Noord-NederlandscTie Vegetatie in have hoof dtrelcken
vergelehen met die der pruissische Rijn-Provincie. — Tijdschrift v.
Natuui-l. Gesch. en Phys. IV. 271.
***) S. den vorigen Jahresbericht pag. 176.
145
Folgende Tabelle giebt die statistischen Verhältnisse der haupt-
sächlichsten Familien beider genannten Länder; es enthalten:
Rhein-Provinz, Nord-Holland.
Zahl der Verhältnifs Zahl der Verhältnifs
Arten. der Arten
zur Gesamratflora.
12,9
18
17
59
36
30,8
18,5
25,9
18,7
21,7
24,3
74,3
10
87,0
67,3
21,1
18,7
78
98,7
46,4
Herr H. Besser*) hat einige interessante Mittheilmigen
über die Grenzen der Getreide -Arten in Finnland gemacht
Das Land ist überall dicht mit Birken und Nadelhölzern be-
deckt; die angebauten Stellen daselbst sind selten. Die ge-
wöhnliche Getreideart daselbst ist im Süden der Roggen und
im Norden überall die Gerste. Der Weizen gedeiht daselbst
unter 61 "^ N. Breite ; der Hafer erreicht an der Küste den
64'' Grad; der Roggen beinahe 60** der Breite, und die
Gerste soll noch einen Grad über den Polarkreis hinausgehen.
*) Berghaus Aniialen derErd-, Völker- und Staatenkunde 1838.
pag. 557. Entnommen aus der St. Petersb. Zeitung. No. 209. 1838.
V Jahrg 2. Band. -j Q
446
Man gewinnt daselbst im Dnrchschnitte das fünfte Kom von
der Gerste und vom Roggen das 8te Korh, doch sind Miss-
ärnten nicht selten.
Von Herrn Rüppell, dem berühmten Reisenden *) haben
wir einige wiclitige Mittheiluugen über die Verbreitung der
Vegetation in dem abyssinischen Hochlande erhalten. Der
Ostabhang der abyssinischen Grenzgebirge ist nur in der nie-
dern Region mit lichtem Gesträuche bedeckt, und besitzt nur
in den feuchten Thalschluchten hochstämmige Baumgruppen.
In gröfserer Höhe findet man diehtsteliende kolossale Kron-
leuchter-Euphorbieu und aloeartige Pflanzen; ihnen folgt dor-
niges, ranUiges Gesträuch und auf der Höhe selbst (etwa
9000'. Ref.) steht eine Art von lichten Walde von grofsen
Juniperus -Bäumen mit XJsneen bekleidet. An der Siidwest-
grenze der Provinzen Tigne und Agame, in einem ebenen
Terrain von etwa 5000 Fufs Höhe über dem Meere, finden
sich einige Niederungen mit Wiesengrund; grofse Menge zwie-
belartiger Gewächse und einige Adansonien wie auch ko-
lossale Sykomor-Feigenbäume characterisiren die Gegend. In
der Provinz Simen erhebt sich ein imposantes Gebirge, wovon
einer der höchsten Gipfel beinahe die Grenze der ewigen
Schneeregion erreicht, d. h. 13,600 franz. Puls. Bis 6000' ist
die Vegetation daselbst nichts als mageres Strauchwerk. Bei
12000' verschwinden die Gesträucher gänzlich und eine üppige ^
Alpenvegetation, reick an Klee- Arten beginnt; eine sonder-
bare Loheliacee mit einem mannshohen hohlen Stengel und
einer Aloekrone, giebt der Gegend einen fremdartigen Cha-
racter. An dem westlichen Abfalle der Schneeregion des Bua-
Hal Berges geht der Anbau der Gerste bis zu 10000 Fufs
hinauf.
Von Herrn Martins**) haben wir eine interessante phy-
togeographische Beschreibung des Berges Ventoux erhalten;
derselbe liegt in 44" 40' Breite und 2** 56' östlich von Paris^
12 Lieues in nordöstlicher Richtung von Avignon, er beherrscht
*) S. Bemenkungeu über Abyssinien in Bezug auf die Physiognomik
der Landschaft. Aus dem Phönix in Berghaus Annalen der Erd-,
Völker- und Staatskunde. 1835. pag. 421.
**) Essai sur la topograj)hie botanique dti Mont Ventoux en Pro-
vence. — Ann. des Scienc. natnr, 1838. — // pag: 129 et pag. 228.
147
(las fruclitbare Thal, welches das Departement von V^aucluse
bildet. Sieben Monate hindurch ist die Spitze des Berges mit
Schnee bedeckt, sie ragt aber nocli niclit in die ewige Schnee-
region liinein , welche daselbst wohl 950 Metr. höher liegt.
Avignon liegt 20 Metr. über dem Niveau des Meeres und die
Spitze des Ventoux ragt 1911 Metr. darüber hinaus. Nach
den mitgetheilten Beobachtungen zeigt die Temperatur auf
der Spitze des Ventoux, im Vergleich zu derjenigen von Avignon,
innerhhlb der Sommermonate eine DifTerenz von 14,3" C. und
wärend der ^\ intermonate eine Differenz von 10,15". Auch
«lie übrigen physikalischen Verhältnisse werden mit vieler
Sachkenntnils speciell erörtert.
Die Vegetation des Berges Ventoux wird durch Herrn
Martins nach dem Vorherrschen characteristischer Pflanzen
in folgende Regionen getheilt. Auf dem südlichen Abhänge
stellen sich 6 Regionen dar:
1) Die Region von Pinus aJepensis. Dieser Baum, welcher
die Wälder in Syrien und an den Ufern des Mittelländi-
schen Meeres bildet, erhebt sich bis zu der Höhe von
303 bis 430 Metr. ; die übrigen characteristischen Pflanzen
daselbst sind ebenfalls die der Flora der Ufer des Mittel-
ländischen Meeres.
2) Die Region des Quercus Hex.; sie reicht hinauf bis
480 und 540 Metr.
3) Die Region des Thymus vulgaris und des Lavendel's;
sie reicht hinauf bis zu 1150 Metr. und ist von Bäumen
entblöfst.
4) Die Region der Buchen, welche von 1133 bis 1660 Metr.
hinaufsteigen.
5) Die Region des Vimis uncinaia, von 1650 bis 1810
Metr. 1480 Metr. ist die untere Grenze dieses Baumes.
6) Die alpine Region; von 1810 bis zu 19JlMetr. sich er-
streckend.
Auf der nördlichen Seite fehlt die Region von Pinus aJepensis,
Maulbeerbäume, Weinreben u. s. w. fassen daselbst die Basis
des Berges ein, worauf die Region der Stechpalme (Quercus
Hex.) folgt, welche sich bis zu 618 Metr. Höhe erhebt. Die
zweite Region ist die der Nufsbäume, welche bis 617 und
797 Metr. emporsteigt; zwischen 797 und 910 Metr. ist der
148
Boden mit Lavendel und Thymus bekleidet, al)er keine baum-
artige Vegetation characterisirt diese Zone. Hierauf folgt die
Region der Buchen; sie herrscht zwischen 310 bis 1376 Metr.
In der vierten Region sind Pinus uncinata und ylhies excclsa
cliaracteristisch, die sich" bis über 1720 Metr. erheben, und in
der fünften Region findet die alpine Vegetation statt. Bei
allen diesen einzelnen Regionen sind die hauptsächlichsten
kraut- und strauchartigen Pflanzen angegeben, so dafs man
ein vollständiges Bild von der Vegetation jenes Berges erhält,
was aber sicherlich nicht der Fall sein würde, wenn wir eine
phytostatische Uebersicht der daselbst gefundenen Pflanzen er-
halten hätte. Am Schlüsse der Abhandlung findet sich ein
Verzeichnifs der phanerogamen Pflanzen des Berges Ventpux
nach natürlichen Familien geordnet, und aufserdem giebt lieh'
Martins noch specielle Angaben über die Vegetations- Ver-
schiedenheit, welche sich auf der nördlichen und auf der süd-
lichen Seite jenes Berges zeigt. Auf der nördlichen Seite des
Berges fehlt die Region des Pinus alepensis, weil der Fufs
des Berges daselbst nur 30 Metr. über der oberen Grenze
jenes Baumes liegt. Die untere Grenze von SaUueja inan-
tara, Nepeta graveolens und des Lavendel's ist auf der nörd-
lichen Seite viel niedriger als auf der südlichen, und die obere
Grenze des Quei^cus Hex ist daselbst mehr erhöht. Die un-
tere Grenze der nördlichen Pflanzen, als des Wachholder-
strauches, der Buche und des Pimis uncinata ist im Mittel
an 222 Metr. niedriger als auf der entgegengesetzten südlichen
Seite. Dagegen steigen alle Pflanzen mit ihren oberen Gren-
zen auf der Südseite höher hinauf als auf der Nordseite des
Berges; die Difi"erenz beträgt für einige Pflanzen, welche spe-
ciell angeführt werden, 245 — 246 Metr,
Bei der Vergleichung der Grenzen für die vertikale Ver-
breitung einiger Gewächse des Berges Ventoux mit deren
Grenzen in der horizontalen Verbreitung gebraucht Herr Mar-
tins sehr passend, den Ausdruck „des Lignes isopJiytes"
dessen man sich ebenso bedienen kann wie der isothermen
Linien.
In der Einleitung, welche Graf Sternberg zu den letz-
ten Lieferungen (7. und 8. 1838) seiner Flora der Vorwoit
gegeben hat, lehrt derselbe, dafs die Entwickelung des Pflanzen-
lebens auf der Erdkruste mit grofser Wahrscheinlichkeit in
folgender Art stattgefunden habe:
1) Dafs die erste Vegetationsperiode schon sehr frühe begon-
nen habe, weil ein Theil davon schon in der Bildung des
Thonschiefers ihr Grab gefunden hat.
21) Dafs diese Vegetation zwar einfach, aber grofsartig war;
dafs sie ^us Pflanzen bestand, deren viele gegenwärtig
149
nicht lc])cn(l wiedergefunden werden, deren Analogien
oder Faniilionvorwandte dermal nur yi dem heilsen Erd-
giirtel oder zwisclien den Tropen wohnen.
3) Dafs diese Pflanzen, eine bisher einzige Ausnahme abgerech-
net, in der nachfolgenden zweiten Flora mir selten der
Gattung nach, vielleicht gar nicht der Art nach, wieder
vorkommen, dalier die erste Flora, in so weit sie bekannt
ist, über die ganze Erdkruste verbreitet und übereinstimmend
war, von der zweiten Flora jedoch scharf abgeschnitten ist.
4) Dafs die zweite Flora durch alle nachfolgenden Forma-
tionen zwar öfter gestört, doch nirgends scharf abge-
schnitten ist, sondern unbemerkt in die dritte Flora über-
geht, welche nur botanisch durch die Veränderung der
Zalilenverhältnisse der akotylen und monocotylen Pflanzen
gegen die dicotylen, und ihr mehr europäisches Ansehen
geschieden werden kann.
5) Dafs sowohl in der zweiten als dritten Vegetationsperiode
der Parallelismus der Formation nicht mit jenem der Vege-
tation zusammenfällt, wodurch die blofs in aufsteigender
Reiiie entworfenen Floren nicht hinreichen um ein allge-
meines Bild der Vegetation einer Zeitperiode darzustellen;
dafs man sich daher wird bequemen müssen, die Floren
der Formationen nach geogra])bischer Verbreitung einzeln
zusanniienzustellen, und es einem künftigen Linnee für
die Vorwelt zu überlassen ist, aus diesen einzelnen Ar-
beiten ein Ganzes zusammen zu bauen ii. s. w.
Die mineralischen Kohlen stehen in einem direkten Ver-
hältnisse zu den ehemals vorhandenen Floren und zu der
Dauer der Vegetationsperioden. Man denke sich, sagt Graf
Sternberg, einen Urwald zu einer Zeit, wo es weder Men-
schen noch pflanzenfressende Thiere gegeben hat, und lasse
diesen in einem warmen und feuchten Klima durch eine un-
bestimmt lange Zeit fortvegetiren *), alle Abfälle von Aesten,
Blättern, Saamen, Früchten und vermodernden Stänunen dem
Boden wiedergeben, und so sich mehrere Pflanzengenerationeii
übereinander aufbauen, so wird eine Masse von Modererde
aus der Rinde, dem Holze, den Früchten, Saamen, Blättern
und der sämmtlichen Vegetation kleinerer Pflanzen bestehend
geliefert werden, und auf dieser die noch lebende Vegetation
vorhanden sein, so dafs man sehr grofse Räume damit wird
ausfüllen können. Denken wir nun eine Erdrevolution hijizu,
wo ein Orkan die lebende Vegetation niederstürzt, und eine
mit Sand und Schlamm geschwängerte Wasserbedeckung darauf
*) Herr NÖggerath hat in einem Baume der Braunkohl? 793
concentriöche Jahresringe gezählt.
150
folgt, so haben wir das getreue Bild, wie dermal die oberen
Ablagerungen der Steinkohlen wirklich gefunden werden, wo
nämlich auf dem Dache der festen Schlammmasse sowohl nieder-
liegende, als aufrechtstehende Bäume und Pflanzennabdriicke
in Menge aufgehäuft gefunden werden u. s. w.
Die zweite Flora scheint auf kleinere Räume und kürzere
Vegetationsperioden beschränkt gewesen zu sein; die baum-
artigen Farrn, die Lepidodendra, die Stigmarien waren ver-
schollen; Eqiiisefaceen, Calamiien, Zamiien, Conifereu,
kleine Farrn und Gräser, Tangen und wenige dikotyledonische
Pflanzen traten an ihre Stelle und bildeten unter sich ver-
schiedene Floren, welche, indem sie sich immer erneuerten
oder fortsetzten, theilweise in verschiedenen Revolutionen
untergegangen sind.
Erst in der dritten Flora erhalten wir wieder die Ueber-
zeugung von einer in einer längern Zeitperiode ausgebreiteten
Vegetation, die aus eigenthiimlichen Landpflauzen bestand und
sich als Nadel- und Laubhölzer verschiedener Arten darbieten,
von denen man zuweilen ganze Stämme mit wohlerhaltener
Holztextur antrifft.
Herr Beilschmied*) hat über einige phytogeographi-
sche Gegenstände gehandelt, welche theils als Ergänzung zu
Watson's Bemerkungen über die geographische Verbreitung
der Gewächse Grofsbritannien's dienen sollen. Im ersten Ab-
schnitte ist über die sogenannte Bodenstetigkeit der Pflanzen
die Rede, welche auch "in unsern Jahresberichten schon so
oft zur Sprache kam. Herr Beilschmied führt eine Reihe
von Beobachtungen der Herren Heer, Wirtgen und Sauter
an, welche sehr bestimmt gegen eine grofse Menge von spe-
ciellen Beobachtungen sprechen, auf welche Herr Unger
seine Ansichten über die Bodenstetigkeit der Gewächse aus-
sprach. Herr Unger fand in dem nordöstlichen Tyrol 112
sogenannte kalkstete Phancrogamen, doch eine so grofse
Menge von diesen Gewächsen wurde von den Herren Heer
und Wirtgen meistens auf Schiefer gefunden, dafs nur noch
41 als kalkstet zurückbleiben, welche Herr Beilschmied
auch speciell aufführt. So gehen auch von 31 schiefersteteu
Pflanzen des Herrn Unger J5 ab u. s. w. Hiernach werden,
wie Referent glaubt, die eifrigen Vertheidiger jener Lehre von
der Abhängigkeit der Pflanzen von ihrem Boden in geognosti-
scher Hinsicht wohl einsehen, dafs die Herren Schouw, De
Candolle, Referent, Treviranus u. s. w., welche sich da-
gegen ausgesprochen haben, ebenfalls auf das Vorkommen der
Gewächse, in Bezug auf ihre Bodenabhängigkeit in verschie-
0 Flora oder botanische Zeitung. 1838. II. pag. 537 etc.
151
V I
denen Ländern und auf verschiedenen Gebirgen umgesehen
haben; Letzteres scheint dem Ref. hiebei am wichtigsten zu
sein, und jeder Reisende, der ohne vorgefafste Meinung ver-
schiedene gebirgigte Länder in dieser Hinsicht besucht, wird
sich hievon sehr bald überzeugen können.
Ein zweiter Abschnitt handelt von den Pflanzen- Verhält-
nissen in verschiedenen Gebirgshöhen. Herr Beilschmied
hat die Listen der Pflanzennamen berechnet, welche Herr
Heer für die einzelnen Regionen eines Theils der Schweizer
Alpen im Jahre 1836 uiitgetheilt hat: die dabei erhaltenen
Verhältnifszahlen sind mit den Floren Deutschlands. Holland^,
Dänemark's, Schweden, Labrador, Lappland u. s. w. verglichen
und in Form zweier grofser Tabellen niitgetheilt, deren An-
fertigung gewifs viel Arbeit gekostet haben mag und wofür
die Wissenschaft Herrn Beils chmied sehr verpflichtet ist.
Aus diesen Tabellen ersieht man, dafs das relative Zunehmen
oder Abnehmen der Pflanzen einzelner Familien beim Aufstei-
gen auf die Gebirge ebenso eine gewisse Regelmäfsigkeit zeigt,
wie gegen die Pole hin. Das Zu- oder Abnehmen geschieht
nur bei einigen Familien, z. B. der alpinen, in stärkeren
Schritten u. s. w.
Referent hat dergleichen Berechnungen für die verschie-
denen Regionen eines Gebirges zuerst in seiner Pflanzen-
Geographie mitgetheilt: damals gab es noch fast gar kein
brauchbares Material hiezu. Nur De Candolle's Angaben
über die Höhenausbreitung der Gebirgs- Pflanzen Frankreichs
konnte Referent benutzen, und diese gaben mitunter Resultate,
welche nur als unvollkommen gelten konnten. Ich sprach
aber schon damals die Vermuthung aus, dafs sich die Gleich
heit der Quotienten für die einzelnen Familien mit denjenigen,
in den entsprechenden Zonen noch deutlicher zeigen würde,
wenn das Material vervollständigt würde. Dieser Fall ist jetzt
eingetreten, meine Vermuthung, welche aus der Anschauung
der Natur geschöpft war, ist bestätigt, wenn auch Herr Beil-
schmied meine Arbeit absichtlich übergeht oder dieselbe
verkleinert; was gegen die Resultate derselben zu sagen ist, be-
sonders wegen des unvollkommenen Material's, das habe ich selbst
schon einige Jahre früher gesagt. Die Heer'schen Pflanzen-
Verzeichnisse für die verschiedenen Regionen im Canton Glarus
sind zwar sehr schätzenswerth, sie würden es aber noch weit
mehr sein, wenn bei jeder Pflanze der höchste und der nie-
drigste Standpunkt angegeben wäre, an welchem man dieselb
beobachtet hat; dann erst könnten die statistischen Berechnungq|je
für die verschiedenen Regionen richtig ausgeführt werden.
Indessen auch die, schon gegenwärtig erhaltenen Resultate be-
stätigen es, dafs die Vegetation m den verschiedenen Zonen
152
<ler Ebono nicht nur in physiognomischer , sondern auch in
statistischer Hinsiclit mit der Vegetation in den entsprechenden
Regionen der Gebirge zu vergleichen isf.
Herr v. Martins*) hat eine umfangreiche Arbeit über
die geographische Vertheilung der Palmen gegeben, welche er
in 5 Gruppen eintheilt, nämlich in: Arecinae, Lepidocaryinae,
Borassinae, Coryphinae und Coccinae. Die Vertheilung
der bisher bekannt gewordenen Palmen ist hiernach folgende:
In der alten Welt. In der neuen Welt. Zusammen.
Arecinae 53 45 97
Lepidocaryinae 60 7 67
Borassinae 11 24 35
Coryphinae 33 24 57
Coccinae 2 • 99 101
Summa 159 199 357
Von diesen 357 Palmen enthalten: Europal, Neuholland 6,
Neuseeland 1, ocehnische Inseln 2, Afrika 13, Asien 132 und
Amerika 198.
Herr v. Martins giebt hierauf eine Eintheilung der Ve-
getation Amerika's nach seiner individuellen Ansicht in 14
besondere Floren reiche, welche er alsdann einzeln schil-
dert und besonders auf den Antheil aufmerksam macht, wel-
chen die Palmen bei der Darstellung derselben zeigen. Diese
Reiche sind: 1) Das canadische Reich; 2) das nordwestliche
Reich; 3) das von Florida und dem Missisippi Gebiete; 4) das
des aufsertropischen Mexico's; 5) das Florreich der Antillen;
6) das mexikanische innerhalb des Wendekreises; 7) das von
Neu -Granada; 8) das von Peru; 9) das von Bolivien; 10) das
vom Orinoco- und Amazonas -Gebiete; 11) das vom südlichen
Brasilien; 12) das von dem extratropischen Südamerika dies-
seits der Andes; 13) das von Chile und 14) das von Patago-
nien, den Magellans Ländern nebst den Maluinen. In dem
8ten Hefte des grofsen Werkes über die Palme, welches so-
ebenerschienen ist, findet man mehrere graphische Darstellungen,
welche Herr v. Martins über die Verbreitung der Palmen ge-
geben hat, so wie auch die Bezeichnung der Haupt-Florenreiche
nach den vorgetragenen Ansichten.
'^) Ueber die geographischen Verhältnisse der Palmen mit beson-
derer Berücksichtigung derHaupt-Florenreiche. — Münchener gelehrte
^Anzeigen von 1838. VI. pag. 627 etc.
Bericht über die Leistungen
* im
Gebiete der Helminthologie
während
des Jahres 1838
X von
Dr. C. Th. V. S i e b 0 1 d.
JJevor ich über die im Jahre 1838 gelieferten helminthologi-
schen Arbeiten berichte, sind zwei Werke zu erwähnen, welche
im Jahre 1837 erschienen sind, mir aber bei Abfassung des
vorjährigen Berichts dem Inhalte nach noch nicht bekannt
waren. Das erste Werk, welches indessen keines Auszugs
fähig ist, verdient die Beachtung der Helminthologen im hohen
Grade, ich meine nämlich den von Owen gelieferten Artikel
„Entozoa^^ in der vonTodd herausgegebenen Encyclopaedie ').
Owen theilt hier die Helminthen in drei Klassen, die erProtel-
mintha, Sterehnintha und Coelelmintha benennt; die beiden
letzten Klassen entsprechen Cuvier's T^ers intesthiaux pa-
renchymateaux und cavitaires, dalier wir auch die Planarien
mit abgehandelt finden. Die Protelminthen theilt Owen in
die beiden Tiibus Cercaiiadae und Vibrionidae, zu ersteren
werden die Spermatozoa (ohne Augen und Mund), und die
Cercariae (mit Augen und Mund) gerechnet. Der zweite
Tribus umfafst die Vibrionen: Anguillula, Bactrium, Spiril-
lum und Vibrio nebst der Trichina spiralis. Die Helmin-
then des Menschen werden genau beschrieben und durch in
den Text eingedruckte recht gute Holzschnitte dargestellt.
1) The cydopäedia of anatomy and physiology. London 1837.
j)ag. 111—144. (Ist einzeln zu haben.)
V. Jahrg. 2. B.l. 11
134
Hierauf folgt eine sehr fleissige Zusammenstellung desjenigen,
was über die Anatomie der Helminthen bisher bekannt gewor-
den ist; auch dieser Theil der Abhandlung ist mit schönen
Holzschnitten (Copien aus älteren helminthologischen Schriften)
ausgestattet.
Das zweite Werk ist weniger zu rühmen. Zu der von
Grundler besorgten französischen Uebersetzung des bekannten
Brems er 'sehen VWerkes ist nämlich ein neuer Atlas mit Be-
merkungen von Lebion d herausgegeben worden'^), welcher,
statt der früheren XII Steindruck -Tafeln, jetzt XV solcher
Tafeln enthält. Die oft sehr undeutlichen Figuren stehen nicht
wie früher auf schwarzem, sondern auf weifsem Grunde; neu
hinzugekommen sind die Abbildungen von Acephalocysten, von
einer grofsen Traubenmole, von Trichina spiral/s, Prodicoeliu
ditrema aus dem Darme einer Python- Schlange, von Cate-
nula lenrnae, Ligida simplicissima und unisericdis, ferner
von Spermatozoen des Menschen (sehr undeutlich) und von
Tvicho- Monas vaginae (ebenfalls sehr undeutlich); diesen
neu hinzugekommenen Abbildungen so \\ie zu Fdaria nwdi-
nensis und Gordius {Fdaria) hat Le blond Bemerkungen
beigefügt, welche gröfstentheils aus früheren helminthologischen
Abhandlungen entnommen sind.
Neviatoidea.
Eine kurze, aber interessante Abhandlung über Fdaria
medinensis hat uns Birkmeyer geliefert, welcher 1836 Ge-
legenheit gehabt hatte, auf einer Reise nach Batavia unter 80
von Ober -Guinea mit an Bord genommenen Negern 16 Indi-
viduen an jenen Würmern leiden zu sehen ^). Bei einem
Neger kam aus einer Geschwulst am Scrotum der Wurm von
selbst ohne Schmerzen hervor, das Geschwür, welches er hin-
terliefs, heilte erst nach sechs Wochen. Die beiden von
2) Tratte zoologique et physiologique siir les vers intestinaux
de Vhonime , par M. Bremser. JS'oitvel Atlas uvec im texte explt-
catif renfermant des observations inedites, -pur Charles hello nd.
Paris 1837.
3) De Filaria medinensi commentatio propriis ohservatio7tibus
illustrata. Anctore Joh. Matth. Birhmeyr.r. Cum tabula aenen.
Onoldi 1S38.
155
Birkmeyer mitgebrachten Guinea -Würmer sind von Rudolph
Wagner beschrieben worden "•).
Es sind zwei weibliche Individuen, das eine ist 26 Zoll lanf;-,
in der Mitte des Leibes 1 Liii. dick, am Vorderende etwas vor-
schmälert. Um den Mund herum bemerkte Wa gn er vier kleine
härtlichc Papillen, das Schwanzende lief in einen dünnen stark
fjekrümmten Haken aus. Das andere Indivi/iuuni war an seinem
Vorderenrle geborsten, und mit zarten Querlinien versehen. In
beiden Würmern konnte Wagner weder einen After noch
eine Geschlechtsöffnung auffinden. Durch den ganzen Leib hin-
durch erstreckte sich eine milchweifse Röhre, welche Wagner
für das üvarium hielt, da er an vielen Einschnitten, welche
er an verschiedenen Stellen des Wurm -Körpers anbrachte, sehr
zarte Fäden, vielleicht die Jirut des Wurms, aus "Jenem Organe
hervorziehen konnte. Leider waren die beiden Würmer zu
schlecht erhalten, um genauer untersucht Averden zu können.
Es stimmt die Beobachtung Wagner's mit der von Jacobson
vor einigen Jahren gemachten Mittheilung (Frori ep's Notizen.
B. 40. pag. 57-), dai's bei Eröffnung einer durch den Gulnea-
W^urm verursachten Geschwulst eine ungeheure Menge kleiner
fadenförmiger Würmer hervordrangen, in sofern überein, wenn
man annimmt, dafs die Fiiaria inecünensis ein lebendig gebären-
der Rundwurm ist.
Interessant ist der von Guyot erzählte Fall ^), dafs in
Amerika der Medina-Wurm, welcher bekanntlich in jenem
W^elttheile nur an aus Afrika eingeführten Negern beobachtet
wird, sich bei einem Europäer entwickelte, der ebenso wenig
je in Asien oder Afrika gewesen war, wohl aber in einem
Hause wohnte, in welchem unlängst mehrere Transporto von
Guinea frisch herübergebrachter und vom Medina-Wurm ge-
plagter Sclaven einquartirt gewesen waren.
Morren machte über die feinere Struktur der ^scaris
liimbricoides folgende Mittheilungen ").
Der Oesophagus besteht aus Querfibern, deren eine jede
aus einer in einer Scheide steckenden granulirten Masse zusam-
mengesetzt ist; diese granullrte Masse hat die Neigung, Quer-
falten zu bilden. Der Magen oder die zweite Abtheilung des
Verdauungskanals zeigt Querfalten, Avelche unter sich anastomo-
siren. Morren spricht zugleich von einer Längs -Rhaphe, an
welcher die Querfalten endigen, und schreibt eine solche Rhaplie
auch dem Oesophagus zu. Ref. kann sich mit dieser Angabe
4) Ebendaselbst pag. 16.
5) Froriep's neue Notizen. B. VIII. 1838. pag. 231.
6) Annales des sciences naturelles. T. IX. 1838. pag. 314. Re-
marques iur l'anatomie de l'Ascaride lombricoide. Par M.Ch.Morren.
11*
456
nicht recht verständigen, denn der Oesophagus des Spulwurms
besitzt eigentlich drei solcher Rhaphen, wenn man es so nen-
nen will, indem der Oesophagus dieses Wurms, so wie der
der meisten übrigen Nematoideen, aus drei von Querfibern zusam-
mengesetzten Längsbalken besteht, welche unter sich durch drei
Nähte so verbuntJen sind, dafs sie eine längliche dreikantige
Höhle einschllefsen; die drei Flächen, welche die drei Längs-
balken zur Bildung dieser Höhle darbieten, zeigen in ihrer Mitte
bei A. lumhricotdes der Länge nach eine Erhabenheit, wodurch
die Höhle ganz jene Gestalt gewinnt, welche Cloquet {Ana-
tomie des vers intestinnujc. PI. II. Fig. 4.) abgebildet hat. Die
innere Fläche des Oesophagus fand ich bei den Nematoi<leen
immer mit einer festen glatten Haut, wahrscheinlich der Fort-
setzung der Epidermis ausgekleidet. Die Wände des Magens
bestehen nachMorren aus einem Netze kreisförmiger kernloser
Zellen, während das Epilhelium desselben von ovalen oder koni-
schen Bläschen gebildet wird, in welchen eine grofse Menge
gelber nachMenschenkoth riechender Kügelchen enthalten ist. Der
Dickdarm, das erweiterte Ende des Verdauungskanals, weicht
wenig von der eben beschriebenen Bildung ab. Als Leber und
Gefälssystem werden von Morren die beiden weifslichen Bänder,
welche sich am Leibe des Wurmes herabziehen, und die beiden
ihnen aufliegenden sehr dickwandigen Längsgefäfse betrachtet.
Jedes welfsliche Band sah derselbe aus einer zahllosen Menge
dicht aneinander gedrängter Bläschen bestehen. Die birnförmi-
gen Bläschen, welche mit ihrem Stiele zwischen den Muskeln
der Cutis befestigt sind, erklärt Morren für den Respirations-
Apparat, Avelche Ansicht vor mehreren Jahren schon Bojanus
ausgesprochen hat {Isis. 1821. pag. 187.) Ob die beiden seit-
lichen Längsfäden wirklich Nerven sind, stellt Morren noch in
Frage. Das von ihm über den Geschlechtsapparat der Weibchen
Gesagte trägt wenig zur Vermehrung unserer Kenntnisse bei;
die noch unentwickelten, an dem einen Ende zugespitzten am
anderen Ende verbreiterten und mehrmals eingekerbten Eier
sind ihm räthselhafte Körper geblieben.
Miram macht von neuem auf gewisse krankhafte Zufälle
aufmerksam ''), welche die anatomische Untersuchung der
jiscaris megalocephala Cloqu. bereits zweimal an ihm her-
vorgebracht habe, wobei Niesen, Anschwellen der Thränen-
karunkeln, starke Thränensekretion , heftiges Jucken und Auf-
schwellen der Finger konstant waren.
Hamm er Schmidt in Wien macht uns mit verschiedenen
neuen Helminthen der Insekten bekannt ^), ohne jedoch eine
7) Froriep's neue Notizen. B, VI. 1838. pag. 108.
8) Isis, 1838. pag. 351. Helminthologische Beiträge von Dr.
Hammerschmidt. Taf. IV. (Mit Anmerkungen von Leu ckart.)
157
Charakteristik der von ihm als neu aufgestellten Gattungen zu
geben.
Ref. kann mehrere derselben durchaus nicht als Helminthen
anerkennen, da H amnierschmid t die unversehrten wurmför-
nu'gen Spermatozoen-Bündel mehrerer Insekten für Ncmaloideen
genommen hat. Aus der Galtung Oa-yinis hat *1I. 10 neue Ar-
ten in Insekten aufgefunden, von denen 4 Arten, O. Leucknrti
aus dem Blinddarm der Melolontha npriliann^ O. gracilis aus
dem Blinddarm von Bleloloniha FuJIo-haryen, O. depressA aus
dem CoccujH der Larven von (Jetonia mnrmorata und O. Diesingi
aus dem Dünndarm der Blaita orienicüis beschrieben und abge-
bildet werden. FUarlna vitrea im Dünndarm des Trlchiiis hemi-
ptertis und ^nguillina monilis im Dünndarm des ^plioduis con-
spurcatus von H. entdeckt, scheinen zu den einfacher organi-
sirlen JNematoideen zu gehören. Wenn H. behauptet '), dafs
bei den Insekten die gröfsten Spermatozoen zu finden wären,
und sich dabei auf die Schmetterlinge beruft, in deren Samen-
gefäfsen er Spermatozoen von ^ bis | Wien. Lin. Lange ange-
ü'olfen habe, so hat derselbe sich täuschen lassen, denn alle die
von ihm beschriebenen und abgebildeten als zu den Uroideen
Czerm. gehörigen Spermatozoen, n'^mlich] Pngiura aus den Sa-
niengefäfsen von Cleonis glauca^ Spinilura Nociuae pueJlne, Ti-
nene peUionellne und PapUionis Rhamni-, sowie Cincinnura Omasn
leucophlluilini sind nichts anders als unversehrte Spermatozoen-
Bündel, wie ich einen solchen in Müller's Archiv (1836.
Tab. III. Fig. 16.) aus dem Papilio Napi abgebildet habe.
Die zu Vibrio und Anginllula gehörigen Thierchen zählt
Ehrenberg mit Recht zu den Faden wiirmern *'"), ihr Wie-
deraufleben nach dem Tode erklärt derselbe für eine Fabel ' ^),
und schreibt ihnen, wie vielen Infusorien eine amphibische
Lebensart zu, aus der sich die übrigen Erscheinungen einer
AViederauferstehoug erklären lassen ''^).
Vom Ref. wurden zwei geschlechtslose Nematoideen be-
schrieben ^^), von denen die eine Art bisher als Filaria pis~
9) Ebendas. pag. 358.
10) Ehrenberg: Die Infusionsthierchen als vollkommene Or-
ganismen. 1838. pag. 82.
11) Ebendas. pag. 494."
12) Dafs die unter den Augen des Beobachters lebendig werdenden
Räderthiere und Fadenwürmer u. s. w. gestorben seien, hat wohl
in Wahrheit kein Naturforscher neuerer Zeit geglaubt, sondern man
verglich ihien Zustand sehr richtig einem, durch den Mangel der äufse-
ren Lebensbedingungen herbeigefühi-ten Scheintode. Herausgeber.
13) NViegmann's Archiv. 1838. I. pag. 302. Vierter helmiu-
thologischer Beitrag.
158
dum Rud. bekanut gewesen ist und die andere vielleicht zu
dem neuen Genus Trichina gehört. Creplin stellte in Be-
zug auf diese geschlechtslosen Nematoideen den Satz auf ^''),
dafs die in einem geschlossenen Balge wohnenden Rundwürmer
niemals 'Geschlechts-Organe befiifsen.
Ammon bildet eine Filciria ocidi ab *^); dieselbe rührt
von dem rechten Auge eines 61jährigen Mannes her, welchem
Ammon einen äufserlich mehr pulpösen, innerlich aber mit
einem harten Kerne versehenen Staar ausgezogen hatte. Die
vergröfserte Abbildung (Fig. 23.) dieses Wurms ist übrigens
nicht sehr schön.
lieber Würmer, welche sich unter der Conjunctiva des
menschlichen Augapfels aufhielten, bericlitet G u y o t zwei Fälle ^ ^),
welche den älteren vonBajon (Froriep's neue Not. B.IVIII,
pag. 229. undMongin (Gescheidt: die Entozoen des Auges
pag.3.) gemachten Beobachtungen an die Seite zu stellen sind;
leider erhalten wir über die eigentliche Beschaffenheit der
Würmer selbst ebenso unvollkouunene Nachricht wie früher.
Herr Biet, ein Arzt und Gutsbesitzer auf Martinique traf
bei einer Negerin von Guinea zwei kleine ^Viirmcr an, die sich
mit vieler Behendigkeit zwischen der Conjunctlca und Sclerotien
bewegten und von ihm mittelst eines In die Conjunct'wa gemach-
ten Einschnittes ausgezogen wurden; einer dieser Würmer ist
17 rhi. Lin. lang, fadenförmig, bräunlich und an dem einen
Ende spitzig, am anderen dagegen mit einer schwarzen Warze
verseben. Man weifs wirklieb nicht, was man aus diesem Wurme
machen soll, gehört er wirklich zu den Helminthen, so möchte
er vielleicht mit der Filaria lacvymalis Giirlt., dem Thränen-
fadcnwurni des Pferdes und liindes verwandt sein, auf der an-
deren Seite läfst wiederum die an dem einen Ende des Leibes
befindliche schwarze Warze (Kopf oder Stigma?) an eine Di-
pteren-Larve denken. Der zweite Fall ist von Guyot selbst zu
Mompox am Magdalenonlbisse in Ncugranada beobachtet worden;
dort sab er bei einer 25 — 30 Jahre alten Negerin, welche schon
erwachsen von Afrika herübergekommen war, zwischen Con-
junctiva und Sclcroiica des einen Auges einen Wurm umber-
kriecben imd eine kitzelnde Empfindung verursachen.
14) Ebendas. p.aa:. 373. Holminthologische Bemerkung.
15) Amnion: Klinische Darstellungen der Krankheiten des
menschlichen Auges. Mit 23 iUum. Tafeln. Berlin 1838. Fig. 22. 23.
16) Froriep'.s neue Notizen. B. Vlll. pag. 229. Ueber Würmer,
welche sich miter der, den vorderen Theil des menschlichen Auges
bedeckenden, Schleimhaut aufhalten.
159
Bei Cucullanus elcgaiis befinden sich nach Creplin's
Beobachtung- ' ') zwischen dein Schlünde und der Körperbedeckung
vier ansehnliche lange bandartige Säckchen, welche derselbe
für Ex'cretions-Organe ansehen möchte.
Mies eher entdeckte bei Pferden auf der Schleimhaut
des Blind- und Mastdarmes kleine Erhabenheiten, in welchen
kleine Nematoideen verborgen steckten ^®).
Verf. erklärt diese 2=i Lin. langen Thierchen für die Em-
bryonen der kleinen Vai-ielät von Slroitgy7iis arinaius, und spricht
dabei die Ansicht, ans, dafs die gröfsercn nnd kleineren Palli-
sadenwiirmer, Avelche sich im Darnikana'Ie der Pferde vorfinden,
nicht blofsc Varietäten sondern wirklich zwei verschiedene Arten
seien. Diese beiden Arten sind dnrcb ISI e h i i s undGurlt schon
seit einigen Jahren in Deutschland als Si. urmaüis Rud. und St.
ietracanihus Mehl, bekannt. Miese her schliefst auf die Art-
Verschiedenheiten dieser Ilclmiulhcn deshalb, weil er einmal in
der Darmschleimhaut eines Pferdes einen blasenartigen Behälter
gesehen habe, der einen 4i LIn. langen rothen Wurm, wahr-
scheinlich einen Embryo der grofsen Varietät des Su annfitus,
enthalten habe.
Berthold hat versucht ^ ^), eine Anatomie des Goidius
aquaiicus zu geben und zeigen wollen, dafs dieses räthsel-
hafte Thier ein Zwitter sei luid in mancher Beziehung den
fadenförmigen Eingeweidewürmern, namentlich den eigent-
lichen Filarien sehr nahe stehe. Meine Untersuchungen stim-
men mit diesen Angaben durchaus nicht iiberein""), i<'b habe
vielmehr bei diesem Wurme immer ein getrenntes C'cschlecht
angetroffen, und niemals eine Verwandtschaft desselben mit
den Nematoideen herausfinden können.
A c a 71 t h o c e p h a l a.
Crepliii hat wiederum eine sehr tüchtige Arbeit iiher
die Gattung Echinorrhynchus geliefert ^^), in der wir mit
17) Allgemeine Encyclopädie für Wissenschaften und Künste von
Er seh und Grub er. Th. 30. 1838. pag. 386.J
18) Ännalcs des sciences naturelles. Totn. X. 1838. pag. 191.
19) Göttingsche gelehrte Anzeigen. 122. 123. Stück. August 1838.
pag. 1289.
20) Wie gm an n's Archiv. 1838. I. pag. 302.
21) Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, von
Ersoh und Grub er. Th. 30. 1838. pag. 373 — 393. Echinor-
rhynchus.
160
vieler Umsicht die an den Kratzern angestellten älteren Beob-
achtungen zusammengestellt und viele neue Bemerkungen hin-
zugefügt finden.
So hat Verf. beobachtet, dafs die Stacheln, welche den
Leib des E. strumosus reihenweise bedecken, von ihrer Basis
ab, mit Ausnahme der Spitze, hohl sind; die Längsmuskeln setzen
sich bei E. Proteus und polyncanthus in den Rüssel fort. Die
Rüsselhaken bestehen aus zwei Substanzen, einer äufserea
(Rindensubstanz) und einer inneren, und sind aufserdem hohL
Das Hervorstrecken des Rüssels soll nach Creplin bei E. an-
gusiatus, Proteus, hnerucn und glohulosus durch die Längsmus-
keln (eoctensores) geschehen, als deren Antagonist ein starkes
cylindrisches Muskelbündel (ßeccor) betrachtet wird, welches in
der Spitze des Rüssels befestigt ist und gerade herabgehend sich
am Boden des Rüsselsacks anheftet. Bei Beschreibung des Er-
nährungsapparates folgt Creplin im Aligemeinen Mehlis An-
gaben. Der Mund wird in der Spitze des Rüssels, in der Mitte
einer kleineu Papille angenommen, vom Munde aus soll die
Speiseröhre den cylindrischen ßexor durchlaufen. Vom unteren
Ende des Rüsselsackes gehen zwei freie Darmröhren ab, welche
sich nach kurzem Verlaufe an die innere Leibeswand ansetzen
und mit den beiden grofsen Seltenkanälen des Leibes in Ver-
bindung treten; ein After fehlt. Die beiden grofsen Selten-
kanäle kommuniciren mit einem über den ganzen Körper ver-
breiteten Gefäfsnetze. Die beiden sogenannten Lemnisci werden
von Creplin für Excretlons- Organe erklärt, welche nach
Mehlis Beobachtung an der Basis des Rüssels nach aufsen
münden. Ich kann mich mit obiger Darstellung des Ernährungs-
Systems nicht ganz einverstanden erklären, und behalte mir vor,
bei einer anderen Gelegenheit meine an den Echinorrhynchen ge-
machten Beobachtungen, welche mit Creplin's Angaben in
mancherlei Widersprüchen stehen, zu veröffentlichen.
Drummond machte jNotizen über irländische Helminthen
bekannt, welche, aus einer Inhalts -Anzeige zu schliefsen ^ ^),
über Echinorrh. acus nichts neues enthalten.
T 7 6 in a t o d a.
Mies eher hat Gelegenheit gehabt, das interessante Mo-
nostomum Faha Brems, zu beobachten ^^). Da derselbe
Schmalz tahulae anatomiam entozoorum illiistrantes
nicht vergleichen konnte, sp mufste er es unentschieden lassen,
\
22) Aitn. des sciences nat. Tom. X jßag. 128. Notices of Irish
Entozoa {Magasitie of natural /nsfory, Nr. 22. 23. 1838.^
23) Beschreibiuig und Untersuchung des Monostoma bijugum von
Mies eher. Basel. 1838. Mit einer Steindruck-Tafel.
161
ob sein Monost. hijugmn mit dem von Sömmering zuerst
entdeckten und von Seh malz abgebildeten und beschriebenen
M. Faha identisch wäre; bei Vergleichung beider Arbeiten
mit Zuziehung der neuerdings von Creplin gelieferten Ana-
tomie des 31. Faha (S. dieses Archiv. 1S39. I. pag. 1.) geht
deutlich hervor, dafs Mi esc her eben diesen AVurm vor sich
geiiabt hat, daher der Name M. hijagum dem älteren von
Bremser ertheilten Namen weichen muls.
Die Wohnungen dieses W^urms sind häunge Bälge, welche
unmittelbar unter der äulseren Haut von Finken liegen und diese
letztere kugelförmig auftreiben. Mieseber kennt das Vorkom-
men dieses Schmarotzers bereits achtmal, einmal bei FringUla
Spinus, einmal bei F. canariensis und sechsmal bei F. domestica.
Fast alle diese Vögel waren junge Thiere und die Sperlinge
stammten sämmtllch aus der Stadt Basel. Der gewöhnliche Sitz
der Bälge war die Bauchbedeckung vor dem After und die
Rückenhaut unmittelbar über dem Steilse; an der erhabensten
Stelle der Hervorragung befindet sieb ohne Ausnahme bei allen
eine kleine mit einer vertrockneten Materie angefüllte Oeffnung,
welche in die Höhle des Balges führt. In jedem Balge, aus
Avelchem beim Aufschneiden etwas klare Flüssigkeit hervorquoll,
fand MIescher Immer zwei li bis 2 Lin. lange Monostomen,
welche die Gestalt eines KugelsegmenLs besalsen. In der Mitte
des vorderen Endes dieser Würmer befindet sich die Mund-
öffnung, ihr gegenüber ist auf einer kleinen Hervorragung das
fornmen cniidale zu erkennen. Den Charakter dieses Monostomiim
gieht MIescher auf folgende Weise an: ^^corpus depressinii
^,mol1e obovatum, fere hemisphnericuin., viargiiie iniegerrimo rotun-
y^daio. Collum nnlluin. In tnedio mnrgine anieriore porus an-
^^ticiis ovalis. Caiida e medio marghie posteriore prominens
fyViinima^ Jorninine cnudali instrucia.^^ Es kommt diese Charak-
teristik mit der von Creplln gegebenen (a. a. O. pag. 8.)
vollkommen nbereln. Die beiden \Vürmer liegen in den Bälgen
Immer mit Ihren flachen Bauchselten aneinander und haben ihr
fornmen cnudalc nach der äufsereii Oeffnung des Balges hinge-
richtet, wobei das Schwanzende hau! des einen, bald des anderen
^Vurraes in die genannte Oeffnung hineinragt; ohne Zweifel
schien die vertrocknete Materie, welche die Oeffnung der Bälge
verstopfte, der Auswurfstoff der Parasiten zu sein. MIescher
weicht In der Deutung der Inneren Organe dieses Monostomiim
vonSchmalz ab, stimmt dagegen mit Creplin ziemlich über-
ein. Schmalz hat nämlich, wie Creplin mit Recht bemerkt,
das ganze Thier umgekehrt betrachtet und den Exkretionsporus
für den Mund angesehen. Der Mundnapf ist mit einem Schlund-
kopfe verseben, welcher zu einem weiten zweischenkligen
Blinddarm führt. Dieser Darm, welcher von Schmalz als die
Hoden betrachtet wurde, Ist stets mit einer schöngelben Flüs-
sigkeit angefüllt. Das foramen caudale ist die Mündung eines
162
einfachen birnförmigen' Exkretlons-Organes, dessen Iriibwelises
körnerlialtigcs Contentum von dem Tliiere ruckweise hcrvorge-
prefst wurde. Schmalz bezeichnete den unteren Theil dieses
Organs als Oesophagus. Mies eher konnte aufserdem noch die
Spur eines besonderen Gefälssystems erkennen, welches jedoch
wegen Mangel eines Mikroskops nicht genauer verfolgt werden
konnte. Die Eierstocke liegen als mehrere durch kleine Kanäle
nnler sich verbundene weifse Traubenbiischel zu beiden Seiten
der Kückenfläche des AVurmes, beide Eierstöcke werden durch
einen gröfseren Quergang vereinigt, aus dessen Mitte derEier-
Iciter entspringt.^pieser Eierleiter windet sich in mannigfalti-
gen Verschlingungen din'ch den Rücken theil des Wurmes, und
erweitert sich zuletzt zu einem weiten Schlauche (iiterus). An
der Bauchlläche des Thieres, in der Mitte unter dem Munde
befindet sich die Ausmündiuig (vtilun) des Uterus, von einem
niedrigen Vvulste umgeben. Eierstöcke, Eierstocksgang und
Anfang des Eierlellers enthalten eine milchweifse körnige
Substanz,; im weiteren Verlaufe des Eierleiters nehmen die Kör-
ner oder vielmehr Eier an Grölse etwas zu und färben sieh
nach und nach schwarzbraun. Mi es eher erklärt ein gelapptes
drüsiges Organ, welches unter der Rückenfläche des Thieres
liegt, für den Hoden, mit diesem gelappten Organe hängt eine
rundliche Blase zusammen, welche die vesiculu seminalis sein
soll. Ein kurzes vns clefcrans tritt aus dieser Blase hervor und
mündet, nachdem es in einen hulbus penis übergegangen ist,
neben der vulva nach aulsen. Diese männlichen Geschlechts-
Organe sind in sofern von MI es eher nicht ganz richtig
erkannt woi-'den, als derselbe zwei blafsgelbe blasenförmige
Körper, welche zwischen den Schlingen des Eierleiters ver-
sleckt liegen, zwar zu den männlichen Geschlechts- Organen
rechnet, ihnen aber nicht die Funktion der Hoden beilegt, was
(]replin gewifs mit Recht thut, der zu gleicher Zeit das vor-
bin erwähnte gelappte Organ als Saamenblase anspricht. Ob
die weiblichen und männlichen Geschlechtstheile in einem in-
neren Zusammenhange mit einander stehen, läfst Mi es eher
nnbeslimmt. Die beiden aneinanderliegenden Thiere wurden
fast immer in der Copulatlon, zuweilen sogar in gegenseitiger
Begattung angetroffen. Die Höhlen, in welchen diese Helmin-
then gefunden wurden, schienen Einsenkungen der äufseren
Haut zu sein, vielleicht die Federbälge des Vogels, in welche
die Schmarotzer als Junge hineingeratlien waren, noch ehe sich
die Federn entwickelt hatten.
Doyere niaclite über das Am fov amen c au Jede ausmün-
dende Exkretionsorgan der Distoinen einige Mittheiluugen von
'geringem Interesse und behauptet zugleich^*): dafs die Disto-
men als Hermaphroditen nicht, wie Viele glaubten, sich gegen-
i^eitig befruchteten, sondern dafs jedes Individuum sich isolirfc
'2A) L'Institut, 1838. pag. 398. Observations nur Ics Distomes.
163
befruchten könne; Doyere hat sich übrigens nicht ausgespro-
chen, wie er zu dieser Ansicht gekommen, deren Richtigkeit
Ref. bereits vor ein Paar Jahren nachgewiesen hat.
Durcli Creplin, welcher Axine Bcloncs Abildg. frisch
untersucht hat, lernen wir diesen Schmarotzer etwas genauer ken-
nen **), zu gleicher Zeit sehen wir mehrere Irrthiimer aufge-
klärt, welche Die sing bei Besclireibung von Weingeistexem-
plaren dieses Thieres (S. Annal. des, \yiener Museums der
Naturgesch. B. I. Abth. II.) begangen hat.
Die beldert von Diesing aufgestellten, /Ze/crftCrt«//««« pcda-
ins und sagiUafus benannten Arten erklärt Creplin aus densel-
ben Gründen, wie es Kef. bereits gethan (S. dieses Archiv
1837- II- pag- 262.), für eine und dieselbe Art, indem die Ver-
schiedenheit in der äuljcrn Gestalt nur durch Einwirkung des
Weingeistes hervorgebracht sei. Creplin schlägt mit Beibehal-
tung des älteren Namens als die Species- Bezeichnung Axine
plalyura vor. Derselbe erkannte z^A isclien den Haftorganen des
Schwanzes von Dipiozoon parndoorum und denen, welche das
Schwanzende der ^jf:/«e wie ein Saum unigeben, eine sehr grofse
Aehnllchkeit. Diese einzelnen Haftorgane der Ajri'ne, welche
von Diesing ganz unrichtig beschrieben und abgebildet Avurden,
bestehen aus zwei Klappen, v^ eiche von mehreren hornartigea
Bögen und einer diese verbindenden Membran gebildet werden.
Die Klappen sind nach aulsen convcx •imd nach innen concav,
und können sich nach Art der Muschelschalen öffnen und schlies-
sen. Creplin zählte 50 — 70 solcher Haftorgane an einem In-
dividuum. Am stumpfen Kopfende der A.rine entstehen durch
eine Ausrandting zv.ei Erhabenheilen, welche mit hornartigen
körnerförmigen körperchen besetzt sind. Zwischen beiden Er-
habenheiten befindet sich die Mundöffnung, von welcher der
Nahrungskanal gerade herabsteigt, der sich späterhin gabelförmig
theilt. Unter und hinter dem Munde liegen die beiden grofsen
von hornartigen PlaLten unterstützten Haftnäpfe. Die beiden
am Halse des Thieres befindlichen Seitenkanäle mit den vier
drüsenartigen Körpern, 'welche Diesing fälschlich für zwei
Speiseröhren und vier Magen angesehen hat, sind Creplin noch
räthselhaft geblieben ; die Beschreibung der Geschlechtsorgane
der Aa-ine, welche Crepl-in übrigens für einen Zwitter erklärt,
hat sich derselbe vorbehalten, da sie sehr wunderbar zusammen-
gesetzt erschienen und eine noch genauere Untersuchung ver-
langten.
Heber Gyrodactyliis Nordin. giebt derselbe fleifsige Hel-
niinthologe einige Notizen. ^^)
25) Froriep's neue Notizen, Bd. VII. 1838. pag. 83. Axine Be-
Ionen A hi Idg a r dii.
26) Ebenda pag. 84.
164
Gyrodactyhis elegans sitzt mit der Schwanzscheibe an der
Haut der Stichlinge fest und übt mit seinem prall gerundeten
Leibe die mannigfaltigsten Bewegungen schnell und kräftig aus.
Sehr auffallend ist es, dafs dieses Thier nach Creplin's Zeug-
nifs sich, wie die Naiden, durch Theiiung fortpflanzt. Creplin
fand diesen Schmarotzer an den Flossen und dem Körper des
Gasterosteus aculeaiiis^ während Nordmann denselben nur im
Kiemenschtelme des (Jyprinus Bvnmn und Carpio angetroffen.
Ref. sah diese artige Thierchen ebenfalls nur auf den Flossen
des Gast, acideatus, auf welchen sie sich blutegelartig herum-
bewegten.
Nordmann's Darstellung der beiden vorderen Haftnäpfe
iies Diplozoon pavadox.nn berichtigt Creplin dahin ^'), dafs
auch sie mit einer hornartigen Einfassung versehen und von
starken, wahrscheinlich muskulösen Streifen durchzogen sind.
Derselbe fand das Diplozoon nicht blofs an den Kiemen von
Gypriniis Brama, sondern auch von C. Balerus, Jeses, ru-
iilus und Vniiba.
Delle Chiaje bestätigt das Vorkommen des Hexathy-
ridiuin venarwn Treutl. im Blute des Menschen durch zwei
Fälle, in welchen von Phthisikern durch Bluthusten mehrere
dieser Thiere ausgeworfen wurden^®).
Wir erfahren leider nichts näheres über die äufsere und
innere Organisation dieses zweifelhaften Wurmes, sondern müssen
uns mit folgender von Delle Chiaje aufgestellten kurzen Cha-
rakteristik dieses von ihm mit Polysioma sanguineum bezeichne-
ten Helminthen begnügen: corpus ieretiusculum vcl depressum^
port sc'jc anüci ^ veniralis et posticus solitarii ; hnhitnt in venoso
sysiemata /lominis et praeseriim in ejusdem pulmonali pnrenchyniate.
Ein Blstoma oculi huinani ist von Amnion abgebildet
worden.'^") Von Milne Edwards wird behauptet,'") dafs
bei einem Helminthen (^Cercbratule margine BL), welcher in
der Struktur mit Flanaria Aehnlichkeit hat, der ernährende
Saft eine sehr intensive rothe Farbe darbietet ^^).
27) Ebenda pag. 87 und 89.
28) Fr icke und Oppenheim's Zeitschrift für die gesammte
Medizin. B. VII. 1838. pag. 99 und Froriep's neue Notizen B. IV.
d838. pag. 245. Ueber das Vorkommen des PoJy Stoma in dem Blute
des Menschen.
29) a. a. O. Fig. 24. 25.
30) Froriep's neue Notizen. B. VIII. 1838. pag. 130.
31) Ich finde diese Schraarotzergattung in Cuvier's regne ani-
vial, T. III. 1830. pag. 260. nur mit wenigen Worten, ohne .Angabe
des Wohnorts erwähnt.
165
Garner giebt eine sehr ungenügende Beschreibung eines
Sclimarotzers von Anodonta ' ^), aus welcher hervorgeht, dafs
derselbe den Bucephahis polymorphus vor sich gehabt habe.
Ehrenberg spricht von neuem die Ansicht aus: dafs die
Spermatozocn zu den Saugwürmern zu verweisen seien, weil
sie mit wahren Ccrcarien der Saugwiirmer in Form, Bewe-
gung und selbst in den erreichbaren Spuren der Struktur
grofse Aehnlichkeit hätten. ^^ 3) Djegg Ansicht fufst auf einem
Irrthunie, denn eine den Cerc«/76Vi ähnliche Sauggrube, welche
E h re n b erg biebei leitete, » *) besitzen die menschlichen Sper-
matazoen in der That nicht.
Cestoidea.
Platner hat über die gefäfsartigen Längen- und Quer-
kanäle der Tacnia soliiim Beobachtungen angestellt,^*) aus
denen es sich ergiebt, dafs jeder Querkanal an seinem Ein-
gange zwei dünnhäutige halbmondförmige Klappen besitzt
welche einander an der inneren Seite des Längenkanals
gegenüber stehen, die eine am oberen, die andere am unteren
Ende des Eingangs; aufserdera befinden sich an der inneren
Wand des Längskanals in jedem Gliede wenigstens sechs halb-
mondförmige schmälere Vorsprünge, und ähnliche Vorsprünge
wurden von Platner auch in den Querkauälen bemerkt.
Derselbe sah deutlich, wie nach einer Quecksilber-Einspritzuno-
dieser Kanäle die Wiederentleerung durch die erwähnten klei-
nen Vorsprünge zwischen zwei Queröffnungen gehindert, und
gröfsere Quecksilberkügelchen in ihnen aufgehalten wurden.
Platner hält die am Eingange der Querkanäle befindlichen
Klappen für einen Apparat, durch welchen', auch wenn der
Darmkanal nur zum Theil angefüllt ist, immer ein Theil der
Flüssigkeit bestimmt werden mufs, den Weg in den Querkanal
einzuschlagen. Ref. fragt: ob nicht diese von Platner be-
schriebene Einrichtung der Ernährungskanäle bei den CestoU
32) Isis. 1838. pag. 830.
33) Ehrenberg: die Infusionsthierchen als vollkommene Orga-
nismen. 1838. pag. 36.
34) Ebenda pag. 468. '
35) Müll er 's Archiv. 1838. pag. 572. Beobachtung am Darm-
kanal der Taenia solium.
16G
deen denjenigen einzelnen Gliedern, die sieh vom ganzen
Tliiere abgelöst haben und längere Zeit munter fortleben, be-
sonders zu Statten kömmt, indem dadurch nicht allein eine
gleichmäfsige Vertheilung des Ernährungssaftes vermittelt, son-
dern auch ein Abflufs desselben aus den abgelösten Stellen
verhindert werden kann?
Duj ardin bestätigt an den Embryonen der Taeijia Fiin-
gillarum ßlicoUis, cucumerina und serrata das Vorhanden-
sein von sechs Häkchen, ' ®) eine in Deutschland seit einigen
Jahren schon bekannte Thatsache (S. dieses Archiv. 1835. I.
pag. 83). Derselbe spricht seine Zweifel darüber aus, ''') dafs
die vier Saugnäpfe der Taenien in ihrem Grunde wirklich die
Mündungen der Längskanäle enthalten sollten. Ich mufs in
diese Zweifel mit einstimmen, da ich mich bis jetzt von einem
solchen Baue des Trte;»'e/i- Kopfes, wie ihn auch Platner
neuerdings von Taenia solimn beschreibt, ^^) nicht überzeu-
gen konnte.
Die Eier der Taenia serrata sah Dujardin mit einer
sehr festen Schale versehen;^") die einzelnen Glieder dieser
Taenia lösten sich mit Leichtigkeit los und krochen auf feuch-
ten Körpern, mit einer Geschwindigkeit von mehreren Zollen
in der Minute fort, wobei sie einen langen Streifen von Eiern
liinterliefsen, was so lange geschah, bis sie sich aller Eier ent-
ledigt hatten, worauf sie dann starben. Dujardin hatte solche
abgelöste Glieder mehrere Tage hindurch unter feuchten Glok-
ken lebendig erhalten können. Die Eier traten aus den so-
genannten Lemniscen hervor, was ich bezweifeln möchte, da
ich aus diesen bei den Cestoideen immer nur die haarigen
Spermatoto en hervortreten und die Eier dagegen neben der
Basis des hervorgestreckten penis herausschlüpfen sah; sicher-
lich ist bei den Cestoideen wie bei den Trematoden die Mün-
dung der Scheide und des penis von einander getrennt.
Nach einer kurzen Anzeige*") sind von Drummond
Z^) U Institut. 'i%2S. pag. 249. oder Fror iep 's neue Notizen
B. VII. 1838. pag. 289. Ueber die Gattung Taeiüa.
37) Ebenda.
38) a. a. O, pag. 572.
39) a. a. O.
40) Atinales d. sc. nat. T. X. pag: 128.
167
Beobachtungen über Tetrarhynchus grossus Rud., >velcher
im Rectum eines Lachses gefunden wurde, über Tetiarhyn-
chiis solidus, eine neue im Mesenterium eines anderen
Lachses entdeckte Species und über Bothriocephalus pitn-
cfatus angestellt worden.
Cystica.
Zwei Fälle, in welchem ein Cysiicer'cus cellulosae unter
der Bindehaut des menschlichen Auges beobachtet wurde,
sind von E s 1 1 i n ■* ^) und vom Ref. * -) bekannt gemacht worden.
In dem einen Falle entfernte Estlin den Sclimarolzer, wel-
cher am inneren Augenwinkel eines sechsjährigen Mädchens eine
erbsgrolse blasenartige, von keiner Entzündung begleitete Ge-
schwulst auf der Scleroilca bildete, durch einen Messerschnitt in
die Bindehaut; in dem anderen Falle zog Di-. Baum in üanzig
das Thier aus einer Geschwulst hervor, welche sich auf dem
rechten bulbus ocuU eines 23jährigen Mädcliens ebenfalls am
inneren Augenwinkel befand und durch einen Scheerenschnitt
geöffnet v urde. Ref. sprach seine Zweifei über eine neue Spe-
cies von (7)'s//cercw« aus, welche Schott (S. die Kontroverse über
die Nerven des Nabelstranges und seiner Gefäfse. 1836- Anhang.)
in einem aus der vorderen Augenkaramer eines Mädchens her-
vorgezogenen Cysticercus ceUulosae erkennen will. ^ "*)
Baum hat den Cysticercus cellulosae bei den im Danzi-
ger Stadtlazarethe verstorbenen Menschen nicht selten ange-
troffen*'*) und zwar in den verschiedenartigsten Organen, in
den Muskeln, in der Substanz des Herzens, der Leber und
des Gehirns. Knox dagegen erklärt diesen Blasenwurm in
Schottland für eine Seltenheit. * ^) In der Nähe des Ilakeu-
kranzes hat Knox bei Cyst. cellulosae runde oder ovale
Körper gesehen, die er (mit dem gröfsten Unrechte) für junge
Cysticercen hielt, und deshalb sich geneigt erklärt, den Haken-
kranz den Generations-Organen beizuzählen.*^)
41) Froriep's neue Notizen. B. VIII. 1838. pag. 256.
42) Medizinische Zeitung. 1838. pag. 81. Ein Cysticercus cellu-
losae am menschlichen Auge.
43) Ebenda. Auch Leuckart hält denselben Wurm nach genauer
Ansicht für einen kleinen verkümmert gebliebenen Cyst. cellulosae
(S. Tschudi: die Blasenwürmer. 1837. pag. 57.).
44) Mediz Zeitung. 1838. pag. 81.
45) L' Institut. 1838. pag. 375.,
46) Ebenda.
168
Nach einer Bemerkung von Leblond ist der Coenurus
cerehralis auch im Rückenkanale eines wilden Kaninchens
gefunden worden.*')
Auch über Echinococcus hat Creplin die wichtigsten
bekannten Thatsachen zusammengestellt.*^) Ref. theilt ganz
seine Ansicht, wenn er die Blase, in welcher die Echinococ-
CHÄ-Thierchen sich ausbilden, als Urblase betrachtet', und es
tadelt, dafs solche Urblasen, in welchen nicht immer Thiercheu
existiren, unter dem Namen Acephalocysiis als etwas ver-
schiedenartiges betrachtet werden.
Hammerschmidt beschreibt mehrere zu der Gattung
Gregarina gehörige Schmarotzer von Insekten,*^) aus wel-
chen derselbe gewifs mit Unrecht vier neue Gattungen bildet.
Ein Hauptversehcn hat H. dadurch begangen, dafs derselbe
die paarweise an einander klebenden Gregarinen für ein einzi-
ges Individuum gebalten hat. Die Gregarinen zerfallen nämlich
in zwei Abtbeilungen; die zur ersten Abtheilung gehörigen Arten
hängen sich nie aneinander und auf diese pafst also eigentlich
nicht der G^enf/s-Name Gregarina^ die zur zweiten Abtheilung
zu zählenden Arten dagegen hängen sich sehr häufig paarweise
aneinander. Zu dieser zweiten Abtheilung gehören Hammer-
schmidt's Clepsidrina polymorpJia aus dem Darm des Tenebrio
tnolkor, C'Ieps. conoidea aus dem Darme der Forjiciila auricula-
rin, Cleps. ovata aus dem Dünndarme (Uv Amara cuprea unA Cleps.
ienuis aus der Larve von AUecida Morio. Clepsidrina conoidea
ist überdies nichts anderes als die von LeonDufour (S.Ann.
d. sc. nat. T. Vll. 1837. pag. 12.) schon beschriebene Grega-
rina ovata. Zur ersten Abtheilung der Gregarinen müssen Ha m-
merschmidt's Rhizinia ohlongata aus dem Dünndarme des
Opairnm sabuhsufn und Pyjcinia rubecula aus dem Darme von
Derniesies vulpinus gerechnet werden, denn offenbar sind diese
Schmarotzer mit der von mir (S. meine Beiträge zur Naturge-
schichte der wirbellosen Thiere. 1839. Tab. HI. Fig. 51. 53. und
55.) beschriebenen Gregarina caudaia und oligacantha vervvandt
und ebenso unvollständig, mit fehlendem Kopfende abgebildet,
wie LeonDufour's Gregarina soror und hyalocephala ( S. Ann.
d. sc. nat. a. a. 0. PI. VII. Fig. 7- und 8-). Rliiz.inia curvata
aus der Larve von Ceionia aurata und Bullulina Tipidae aus der
Larve der Tipula pectinicornis scheinen der zweiten Abtheilung
der Gregarinen anzugehören, sie haben sich nicht paarweise an-
47) Atlas, a. a. O. pag. 15.
48) Encyclopädie von Er seh und Grube. Th.30. 1838. pag. 368
bis 371.
49) Isis 1838. pag. 355.
1C9
einander gehängt; solche einzelne Indivifhien erkennt man aucli
in den Figuren p. q. s. t. ii. v. w. der Clepsulrina polymorpha
und den Figuren d. e. f. Cleps. conoiden, von denen Hammer-
schmidt einige für noch unausgebildete Thiere hält. Bei meh-
reren Clepsidi'inen ist Hammerschmidt ein Fleck in dem 2ten
und 4ten abgeschnürten Theile des Leibes aufgefallen, es sind dies
die von mir (a. a. O. pag. 57.) erwähnten Bläschen, welche eine
jede der beiden aneinander klebenden Gregnrincn In ihrem Hinter-
Icibe verborgen haben. Die träge \\'urmförmigen Bewegungen
des Leibes, und die unter Wasser schnell erfolgende Anschwel-
lung desselben, was ich bei allen Gregarinen beobachtete, machen
diese Schmarotzer den EcJiinorrhynchen ähnlich.
Als Helminthologisches ist noch Folgendes zu erwähnen:
1. In dem von Gurlt angefertigten Kataloge des zootomi-
schen Museums der Königl. Thierarzneischule zu Berlin^") Aver-
den in 222 Nummern die in diesem Institute aufbewahrten Ein-
geweidewürmer aufgeführt, unter denen sich mancherlei Inter-
essantes befindet, z. B. Filaria eriicarttm aus einer wurmstichigen
Birne, Nr. 6. F. Locuslae aus der Bauchhöhle der ^Vanderheu-
schrecke , Nr. 24. Splroptera {sp. dub.) aus der Harnblase von
IMus Rntius, Nr. 111. jiscaris (sp. dub.) aus dem Darm der
Maulwurfsgrille, Nr. 130. Monost07num caryophyllinutn aus dem
Darme einer Ente, Nr. 1.31. M. (sp. dub.) aus der Bauchhöhle
der Laceria ngilis etc. Auferdem verdient aus diesem Kataloge
noch angeführt ztl werden*'): das Gehirn mit vielen Finnen
(Cysticercus celhiJosae) an der Spinnen webenhaut, von einem
Mopse, Avelcher am ganzen Körper unendlich viele Finnen hatte,
und tjungenstücke mit Echinococcus veterinorum von einer Ziege.
2. Curling: lectures an the eniozoa or internal pnrasiies of
iJie hufnan body^-). Man findet hier dieselben Holzschnitte
wieder, welcher sich Owen in der oben erwähnten Encyclopädie
bedient hat.
3. Diesing machte bei der Versammlung der Naturforscher
zu Prag auf mehrere neue Gattungen brasilianischer Helminthen
aus der Ordnung der Nematoideen und Trematoden aufmerk-
sam "), von welchen ich, da derselbe seitdem eine sehr inter-
essante Abhandlung darüber in den Annalen des Wiener Mu-
seums hat abdrucken lassen, im nächsten Berichte Ausführlicheres
angeben werde.
50) Magazin für die gesammte Thierheilkunde. 4. Jahrg. 1838.
pag. 224.
51) Ebenda, pag. 196. Nr. 236. und pag. 203, Nr. 405.
52) London Medical Gaxette. 1837 — 38.
53) Isis. 1838. pag. 595.
V. Jahrg. 3. Bd, 12
Bericht über die Leistungen im Gebiete
der Zoologie
während des Jahres 1838
von
Dr. Erichsoll, Dr. F. H. Troschel, Fr. Stein
und dem Herausgeber.
Fast scheint es, als ob das Jahr 1838 in Reichthum an zoolo-
gischen Productionen seine Vorgänger überbieten wollte, und
es würde mir um so weniger möglich gewe^n sein, über die
grofse Masse der in dessen Laufe erschienenen Arbeiten einen
eiiiigermafsen genügenden Bericht zu erstatten, wenn mich
nicht die Herrn Troschel und F. Stein, der erstere durch
Uebernahme der Mollusken und Fische, der letztere durch
Bearbeitung der Würmer, Arachniden und Crustaceen gütigst
unterstützt hätten, während Hr. Dr. Erich so n sich, wie frü-
her, der speciellen Bearbeitung der Entomologie unterzog.
Mit Bedauern mufs ich auch diesmal bevorworten , dafs eine
längere Entfernung von Berlin während der günstigen Jahres-
zeit es mir nicht gestattete, die speciellen zoologischen Arbei-
ten in den Säälen der hiesigen Sammlung vorzunehmen, wo-
durch mir bei mangelnder Vergleichung ein kritisches Ein-
gehen in die neu begründeten Genera und Arten unmöglich
wurde. Für die Amphibien werde ich schon im nächsten Jahr-
gange in nachträglichen Aufsätzen kritische Bemerkungen zu
den neueren herpetologischen Arbeiten von 1837 und 1838
liefern, und hoffe, soweit es meine Gesundheit und Mufse
gestattet, auch in Bezug auf die Leistungen in den übrigen
Klassen später noch Manches nachzuholen. Ich kann dabei
171
den Wunsch nicht unterdrücken, dafs auch die Leser des
Archivs ihre kritischen Bemerkungen über neu aufgestellte
Arten, von denen gewifs viele mit längst bekannten zusammen-
fallen, dieser Zeitschrift zum allgemeinen Besten nicht vorent-
halten mögen, welchen Wunsch ich bereits vor mehreren Jah-
ren in dem Prospectus zu dieser Zeitschrift und in Bezug auf
die neuen Conchylien-Arten, in der Vorrede zn Th. Miiller's
Synopsis novariiin specierum — aber bisher vergeblich —
aussprach. — Ueberhaupt hat es fast den Anschein, als ob in
unserm Vaterlande der periodischen Literatur die rege Theil-
nahme fehlte, durch welche dieser erst der wahre Nutzen er-
wächst. Kaum ist in England eine neue Beobachtung oder
Entdeckung durch die Zeitschriften bekannt geworden, so wird
sie auch alsbald durch beistimmende oder beschränkende Mit-
theilungen Anderer bestätigt, erweitert, berichtigt. Man schämt
sich nicht der Anfragen, wo man selbst nicht im Stande ist,
eine Beobachtung weiter zu verfolgen und harrt der Antwort sel-
ten vergeblich. Freilich steht es auch dort und hier mit der
Naturgeschichte anders. Bei uns unterliegt sie noch einem
gewissen Zunftgeiste, der sich, wie die Titelsucht, mit den
Haarbeuteln und Zöpfen noch nicht völlig verloren hat. Die
Wissenschaft gilt noch Manchen unsrer Landsleute als ein aus-
schliefsliches Besitzthum der Gelehrtenzunft, in welcher das
Recht mitzusprechen erst durch das sogenannte Triennmm
academicum oder die oft erkaufte Doctorwürde erworben
wird. Man unterscheidet mit einer gewissen Vornehmheit
Naturforscher und Sammler oder Dilettanten, ohne zu beden-
ken, dafs die ersteren, als die Zunftmäfsigen, sehr oft nicht in
der Natur forschen, weil es ihnen an Zeit, Lust und Gelegen-
heit zu beobachten fehlt, die letztern aber oft genug inter-
essante Beobachtungen machen, welche für die Wissenschaft
nicht selten verloren gehen, weil die Beobachter sich nicht für
berufen halten, sie mitzutheilen und auch oft durch das hoch-
müthige Wesen der Zünftigen zurückgeschreckt werden. Belege
für diesen Kastengeist liefern sogar die Versammlungen der
deutschen Naturforscher. *) Anders ist es in England, wo solch
ein Unterschied der Kasten wegfällt.
1) So erzählt uns Oken, Isis 1837. S. 323 von der Versammlung
12*
172
Ich will hiermit keinesweges behaupten, dafs allein diesem
Umstände die grofse Regsamkeit zuzuschreiben sei, welche uns
in der neueren zoologischen Literatur Englands so überraschend
entgegentritt. Vielmehr wird diese allerdings theilweise durch
die unermefsliche Menge zoologischer Gegenstände, welche
diesem Inselreiche lebend und todt tagtäglich sein Weltverkehr
zuführt, erweckt und genährt. Ich gebe auch gern zu, dafs
einzelnen jener Arbeiten die nöthige Gediegenheit abgeht, dafs
besonders von England aus das Heer barbarischer Namen,
welche trotz allem Widerstreben immer mehr die Wissenschaft
überschwemmen, auf eine Schrecken erregende Weise ver-
gröfsert wird, dafs endlich sehr viele bisher unbekannte Thier-
formen uns von dort aus nur in flüchtig hingeworfenen Diagno-
sen bekannt werden, weil die Heschreiber, denen es oft nur
an jener kläglichen Verewigung ihres %Jamens liegen mag,
nicht zu wissen scheinen, dafs das Endziel . alles Unterschei-
dens der Arten die geographische Verbreitung der Thierarten
ist und dafs diese Hauptaufgabe der speciellen Zoologie nur
dadurch erreicht werden kann, dafs neben der nur die leich-
tere Uebersicht vermittelnden Diagnose, welche oft durch
neue Entdeckungen verändert oder umgestofsen wird, eine
präcise, doch auf die gesammte Gestalt eingehende Beschrei-
bung gegeben werden mufs, damit jeder spätere Bearbeiter,
welcher das vom Autor beschriebene Thier nicht in natura
zu vergleichen Gelegenheit hat, doch im Stande ist, zu ent-
scheiden, ob er es mit derselben Art oder einem klimatischen
Repräsentanten derselben zu thun hat. Aber man glaube nur
nicht etwa, dafs diese Nachtheile aus dem Fehlen unseres
der Naturforscher zu Jena sehr naiv: Unter den Beiwohnenden wurde
der Unterschied zwischen eigentlichen Mitgliedern, welche ein Buch
geschrieben haben und daher stimmfähig sind, zwischen den andern,
•welche Beitritt haben und mitsprechen können, und endlich zwischen
den Zuhörern streng beobachtet; in die zweite Klasse haben sich je-
doch manche eingeschlichen (stci), welche billig in der dritten Klasse
hätten bleiben sollen. Im Verzeichnifs werden wir daher nur dieje-
nigen aufführen, welche Vorträge gehalten haben, oder in den betref-
fenden Fächern Schriftsteller oder Doctores Medicinae sind. Wer
etwa dabei vergessen wird, soll es daher nicht übel nehmen. Diese
Maafsregel scheint uns im Wohl der Gesellschaft begründet zu sein.
173
Zunftgeistes entsprängen. Darf man sich über barbarische
Nomenklatur und leichtfertige Charakteristik der Arten wun-
dern, wenn wir in England Zoologen vom Fache mit schlech-
tem Beispiele vorangehen sehen, oder wenn Mitglieder der
franz. Akademie in der Namenbildung gleiche Blöfsen geben?
Und fehlt es etwa bei uns an schwachen Arbeiten der Zünf-
tigen, oder hat je einer der sogenannten Fachgelehrten ein
Werk geliefert, welches sich an Gediegenheit und Fülle der
Beobachtung mit Naumann 's Naturgeschichte der deutschen
Vögel vergleichen liefse ? Dafür finden wir ihn denn auch nach
gtiter deutscher Sitte im 9. Bande mit dem Professor-Titel beehrt,
als ob ihn nicht sein Verdienst schon längst über ein so tri-
viales Prädikat erhoben hätte. An Naturforschern im eigent-
lichsten Sinne des Worts, welche wie Naumann ganz in der
Natur leben, ist Deutschland arm, während England deren Viele
besitzt. Daher denn auch das Interesse am Studium der vater-
ländischen Thierwelt, welches sich dort in immer gröfserem
Kreise verbreitet. Während bei uns eine Menge aus- und
abgeschriebener Lehrbücher erscheinen, welche auf Verbreitung
der Naturgeschichte im Volke berechnet, den gutmüthigen Ab-
nehmer über alle mögliche Thiere der Erde belehren, die er
meist nie im Leben zu sehen bekommt, dagegen ihn oft über
die ihn zunächst umgebende Thierwelt ohne den nöthigen Au^
schlufs lassen, wird in England das schon von Pennant
imd Fleming geweckte Interesse für die britische Fauna
durch höchst zweckmäfsige Handbücher genährt und belebt.
Ich meine die jüngst bei Van Voorst in London erschiene-
nen, mit den trefflichsten Holzschnitten im Texte gezierten
Werke') vonW. Yarrell über die britischen Fische und Vö-
gel, von Th. Bell über die britischen Säugethiere, Amphibien
und Crustaceeu, dann die damit rivalisirenden Bände der Na-^
2) A History of British Fishes 2 Bd. in 8 mit 400 Holzschnitten,
zu welchen 1839 noch ein Supplementband erschien. — A History
of British Birds hy IF'. Yarrell seit 1838 heftweise, noch unvollen-
det— A History of British Quadrupeds hy Thom.BelL— A History of
British Rephiles hy Th. Bell seit 1838 und 1839 vollendet, f Bd.
in 8. — Tiie History of British Crustacea von Bell, zu welcher J. O.
Westwood die Zeichnungen liefern wird, bisher nur angekündigt.
174
turalisCs Library mit colorirten Stahlstichen,^) ferner die
History of ihe British Zoophytes hy G. Johns ton. Edin-
burgh. 1838 1 V^ol. gr. 8. Dann reihen sich nun noch Local-
faunen, wie die Cornish Fauna, heing a Compendium of
ihe JSatural History of ihe County, hy Jonathan Couch
Part. 1. Truro 1838. 8., welche sich über die Vertebraten,
Crustaceen (HpArten) und Radiaten (23 Arten) von Corn-
wall verbreitet und noch einen zweiten Band hoffen läfst, ferner
die Malacologia Monenishy E. Forbes u. s. w. an. Rechnen
wir hierzu die zahlreichen Abhandlungen über die in Grofs-
britanien einheimischen Arten einzelner Thierfarailien, und die
Thierverzeichnisse einzelner Grafschaften, welche in den Jour-
nalen erscheinen, so haben wir das vollständigste Bild von
dem lebhaften Interesse, welches man dort dem Studium der
heimischen Fauna widmet, während wir von Deutschland nicht
ein Gleiches zu rühmen haben.
Bei dieser Gelegenheit läfst sich noch schicklich ein Hand-
buch der allgemeinen Zoologie von Prof. Rymer Jones er-
wähnen, *) welches ebenfalls bei John Van Voorst in London
seit September 1838 heftvveise erscheint und bestimnit ist, die
Kenntnifs der inneren Organisation und der Zweckmäfsigkeit
des Gesammtbaues der einzelnen Thierklassen für die ihnen
bestimmte Lebensweise im srröfserem Kreise zu verbreiten.
Die ebenfalls dem Texte beigedruckten Holzschnitte übertref-
fen in Schärfe und Schönheit der Darstellung sogar der anato-
mischen Gegenstände alle ähnlichen Versuche dieser Art und
beschämen darin selbst viele unserer Kupferstiche. Aus dem
Texte wird der Zoolog vom Fache eben niclits Neues lernen,
wohl aber wird er einer fast völligen Unkenntnifs der ein-
schlagenden deutschen Literatur ungern begegnen , selbst da,
wo diese über die Resultate der fremden Literatur hinausging.
Besonders ausgezeichnet ist das Jahr 1838 durch das Zu-
3) Hieher der 6. Bd. der Mammalia : British Quadnrpeds hy W.
Mac Gillivray. Edinburgh 1838. 8. — The Birds of Great Britain and
Ireland hy W, Jardine. Edinburgh 1838 n7id 39 2 Vol. in 8. u. s. w.
4) A General Outline of the Animal Kingdom by Thomas Rymer
Jones, F. Z. S.j Professor of comparative Anatomy in Kings College.
London seit 1838 heftweise in 8.
175
sammenerscheinen mehreref durch Inhalt und Ausstattung
gleich ausgezeichneter Reisewerke.
In Deutschland begann die Herausgabe der Reise des
Fürsten Maximilian von Wied-Neuwied durch Nord-
Amerika. Coblenz bei Hölscher in 4to. Neben den anziehen-
den Naturschilderungen, welche dem Texte eingewebt sind,
enthalten c\uch die am Schlüsse jedes Kapitels angehängten
Anmerkungen mannigfache Belehnuig für den Zoologen. Die
herrlichen Abbildungen vonliodmer nach der Natur gezeich-
net, betrefiFen gröfstentheils ethnographische und landschaftliche
Gegenstände ; überhaupt wird dieses Werk gerade durch die
höchst vollendeten Portraits indianischer Urbewohner eine
reiche Quelle für die Ethnographie Nordamerikas werden.
Die Reise, deren Ziel die Roclcy Mountains waren, wurde
vom Fürsten von Neuwied im Sommer 1832 angetreten.. Sie
führte von Boston durch die Aileghany-Geblrge und blauen Berge
nach den Gegenden des Ohio und Wabasch, wo überwintert
wurde. Im April 1833 trafen die Reisenden in St. Louis ein,
und setzten, unterstützt durch die amerikanischen Pelzhandel-
Corapagnle, deren Factoreien und Forts eine Verbindung bis
zu den Rocky Mountains bilden, ihre Reise längs dem Missouri
bis zum Fort Machenzie fort, wo die Kriege der Indianerstämme
jedes ^^ eitere Vordringen unmöglich machten. Man zog sich
im September nach den Dörfern der Mandars und Mönnitarrls
zurück und verlebte hier den Winter. Mit dem Beginne des
Frühlings trat der Fürst den langen Rückweg den Missouri hin-
ab an und kehrte nach einem kurzen Besuche der Seen Erle
und Ontarlo im July 1834 nach Europa zurück. Leider ver-
unglückte auf der Rückreise ein grofser Thell der naturhistori-
schen Sammlungen, und darunter manches Neue. — Einige zoolo-
gische Notizen aus dem Reisebericht sind weiter miten am be-
treffenden Orte angegeben.
In England erschien prachtvoll ausgestattet der zoolo-
gische Theil der Reise des Schiffes Beagle: Zoology of
the Voyage of H. M. S. Beagle under the Command
of Capt. Fitzroy, during the yecirs 1832 — 1836, edited and
siiper'mtended hy Charles Darwin Esq., deren ersten Theil,
Fossil Mammalia hy Richard Owen, wir bereits im vori-
gen Berichte erwähnten. Die noch lebenden Säugethiere bear-
beitet Hr. Waterhouse, die Vögel Darwin undGould, die
Reptilien Hr. Bell, die Fische Hr. Jenyns.
Es erschienen von Pari I. Fossil Mammalia hy Richard
Owen Heft 1 und 2. Ersteres enthält die Beschreibung von
Toxodon und Macrnuchenia., letzteres den Schlufs der Beschrei-
17Ö
bung fler letzteren auf demUebergange zu den Kameelen stehenden
Pacnvdermengattiing, ferner die Beschreibung eines Schädelfrag-
mentes von Glossotherium, eines neuen Geschlechts der Edentalen
und Nachricht von einem verstümmelten Unterkiefer und Zäh-
nen einer Megatherien- Gattung Mylodon. Die herrlichen
Abbildungen übertreffen alle frühere Darstellungen ähnlicher
Art. — Die Recent Mairiynalin by George Waterhouse
bilden den zweiten Theil (Part II.). Wie dem ersten Theile
eineSchilderung der geologischen Verhältnisse der Südspilze Ame-
rikas vorangeht, so dem zweiten eine geographische Einleitung von
Darwin über die wichtigsten Localitäten,in denen die Thiere ge-
sammelt wurden. Beschrieben und abgebildet werden von Fleder-
mäusen : Desmodits Dorbignyi^ Phytiosioma Grnyi, P, perspicUlntum,
J^espevtil'to Ch!loensis,Dysopes nnsutus; (ernerCnirs nntarciiais >S/iaiv.
V. C Magellnnicus Grny^ C. fulvipes Marl., C.^znrae., Felis JTagun-
Tondi Dcsvi.y F. pnjevos Desm.^ GaJictls vittnia Bell^ Lutra chilensis
Benn., Li.platcnsis n. sp. und De/phinus Fitzroyl n. sp. folgen im
zweiten Hefte, v\elches aufserdem Nachrichten über das Guanaco
und den Cervus campestvis giebt und auf 6 Ta{"eln die Abbil-
dungen von neun Mäusen enthält; das 3- Heft ist ganz den
Mäusen gewidmet. Mus tnnurus (Ja Pinta) 31. Jacobine (GaJ?n-
pngos), M. insularis (Ins. Ascension) Bl. inusculus von Cap
Vert., den Falklandsinseln und Maldonado) M. longicaudattis
(Chile) DI. elegnns (Ba/iia) 31. bimaci/hciiis (Maldonado) 31. gra-
cilipes (Bahia), Bl.ßnvescens (Maldonado), 31. vtageltanicus (Port
Famine.) Von dem dritten ornithologischen Theile, zu welchen
Herr und Mad. Gould die schönen Abbildungen anfertigten,
erschienen zwei Hefte, welche die auf der Expedition gesam-
melten Raubvögel enthalten. Von diesen Avurden bereits Im
Laufe des Jahrgangs Bd. 1. S. .374 Diagnosen mitgetheilt. Von
Darwin ist eine Schilderung der Sitten und geographischen
Verbreitung der beobachteten Arten gegeben; unter andern eine
.sehr gerühmte Naturgeschichte des Condor. — Die prachtvolle
Ausstattung des ganzen Werks, Avelcher seihst in England das
höchste Lob gezollt wird, erklärt sich thellweise aus einem Zu-
schufs von 1000 Pf. Sterling, welchen die Königl. Schatzkam-
mer zur Herausgabe des Werkes bewilligte.
Eine noch bedeutendere königliche Unterstützung wurde auch
dem höchst wichtigen zoologischen Reisebericht von Dr. An-
drew Smith zu Theil, dessen Publikation ebenfalls heftweise
im Jahre 1838 begonnen, (lllit straf Jons of the Zoology of
South Afvica ; consisting chicßy of figuves und descrip-
tions of the ohjects of Natural liistory coUected during
an exped'ttion into the Interior of South Africa in the
years 1834, 1835 and iS^jG, ßfted out by the Cape of Good
Hope Association for exploring Central- Africa hy An-
drew Smiih, 31. D. Surgeon to the Forces and Director
of the Expedition. London 1838. 4.
Die capsche Gesellschaft zur Erforschung von Cenlralafrlka
177
hesclilofs bekanntlich tlic Ausrüstung einer Expedition nach dem
Norden der Cap -Kolonie und wählte den Dr. SuiitU einen
dort stationirten Militairarzt zum Leiter derselben. Die Expe-
dition, aus .34 Personen bestehend, drang bis zum 2,3" 28' südl.
Breite vor und kehrte nach neunzehn-monatlicher Abwesenheit
mit einer grofsen, überaus werlhvollen Sammlung zurück. Mit
Ausnahme der Inseclen, deren Bearbeitung Macleay übernom-
men, wird Dr. Smith die übrigen Thierklassen selbst bearbeiten. —
Das erste lieft enthält Abbildungen und Besclireibuugen von
Rhinoccros KciiJon, Rfiin. bicornis, Falco scmitorquaius Stniih^
Chizncrvhis concolor Smith, Picrocies guUuralis und Otts rußcrisia
Svi, von Amphibien Sternotherus siniiniiis Smith (zwischen dem
24 und 25" in grofser Menge), T aranus alhigtitaris Daud.^
4 — 5 F. lang, (innerhalb der Gränzen der Capcolonie selten, hält
er sich in abschüssigen Felsgegenden, oder steinigen Hügeln, in
deren Spalten und Klüften er Schutz sucht und dann an deren
rauher Oberfläche sich so fest mit seinen Krallen anklammern
kann, dafs es für einen Menschen unmöglich ist, ihn loszureifsen.
Verf. sah, dafs zwei Menschen nöthig waren, um ein Individuum
aus einer solchen Lage mittelst einer vor den Hinterbeinen an-
gelegten Schlinge loszureifsen, wobei sich die Spitzen der Kral-
len abgebrochen zeigten. Das Thier lebt von Fröschen, Krab-
ben und kleinen Säugethieren). Von Schlangen Bucephalus viri-
dis Svi., von Haifischen Echinorrhimis obcsus Sm.
Die folgenden drei Hefte enthalten von Säugethieren Erl~
ixaceus frontalis Smith, Herpesies hndius Smith, Sciurus Cepapi
Sm., Mippopotamus amphibius, Manis TemininckH — von Vögeln;
^ccipiter polyzonoides, Prioiiops Tnlacoma, Cvnteropus Jardinii
Sm., Euplcctes Iahet Sm., Phiietnerus lepidus Sm., Vidua axilla-
ris Sm., Merops Bullockioidcs Sm. (der wahrscheinlich dem
JHerops Bullochii, nicht aber, wie man aus dem Namen
schliefsen sollte, Herrn Bullock ähnlich ist) PierocJes variega-
ius, Francolinus Swainsonii Smith, Francolinus nataJensis Sm.y
Francol. pileatus Sm., Franc, siibiorquatiis Sm., Hemipodius 1e-
purana Sm,, — von Reptilien: Echidna incrassnta Sm., Lycodon
capensis Sm. — Das dritte Heft ist allein den Insecten und Cru-
staceen gewidmet. Es enthält zwei Abhandlungen, die eine über
die Cetonien Südafrika's, die andere über die kurzschwänzigen
Dekapoden, welche Dr. Smith mitbrachte. Leider ist, mir dies
wichtige ^Verk bis jetzt nur vom Hörensagen, nicht aus eigener
Ansicht bekannt.
In Frankreich begann die Puhlication eines wichtigen
Prachtwerkes über die Insel Cuba.
Hisioria fisica, politica y natural de la Isla de
Cuba, publicada con aprobacion de su BJagestad Catolica y baj'o
la proteccion de la intendencia de la Habaiiapor D. Ra7non de la
Sagra, botanico honorario de S. M. Liirecior del jardin de la
Habana, etc. Paris en la libraria de Arthis Bertrand. 1838 fol. ^)
5) Es scheint von diesem Werke auch eine französische Aus^
gäbe in 8. mit Abbildungen in Fol. zu geben, unter dem Titel;
178
Der erste Band wird eine geographisch-statistische Beschrei-
bung der Insel, die folgenden Bände werden diejNaturgeschichte
derselben abhandeln. Die Statistik, die physische Geographie und
die Naturgeschichte der Säugethlere wird Hr. Ranion de la Sa-
gra selbst bearbfiten, die Bearbeitung der Vögel, Mollusken,
Echinoderinen und Polypen hat Hf. Ale. d'Orbigny, die der
Reptilien C octeau, die der Fische Bibron, die der Cruslaceen,
Arachniden und Insecten Hr. Lefebvre übernommen. Die bis
jetzt erschienenen Lieferungen enthalten Abbildungen von Säu-
gethieren, Vögeln und Amphibien. Der beikonimende beschrei-
bende Text ist sehr ausführlich und gründlich; die Abbildungen
meisterhaft in Auffassung und Ausführung, besonders gilt dies
für die der Amphibien, welche alle Ansprüche der heutigen Wis-
senschaft auf das vollkommenste befriedigen.
V. Bär 's interessante Schilderung des thierischeu Lebens
auf Novaja Zemlja {Bullet, sc. d. V^cad de St. Petersb.
Tom. in. 22) wurde im ersten Bande des 5. Jahrgangs die-
ser Zeitschrift abgedruckt.
Eben so enthielten diese Blätter (Jahrgg. IV. Bd. 1. S. 97)
wichtige Bemerkungen über das kaspische Meer von E. Eich-
wald, in welchen derselbe die Fauna dieses Meeres als eine
selbstständige, von der des schwarzen Meeres verschiedene
nachweist. Von grofsem Interessfe ist die Fauna dieses Bin-
nenmeeres dadurch, dafs sie sich als ein Gemisch von Siifs-
wasser- und Meeresbewohnern kund giebt. Auch die im kas-
pischen Meere vorkommenden Amphibien sind nicht marine
Arten, sondern theils solche, welche wie die Kielnattern {Tro-
pidonotus) die Süfswasserseen und Sümpfe von Zeit zu Zeit,
wahrscheinlich der Frösche wegen, besuchen, theils sie wie die
Emyden zum längern Aufenthalte wählen. Auch Emys cas-
pica ist wie ihre Gattungsverwandten eine Süfswasserschild-
kröte, sie lebt in den weniger tiefen Gewässern Griechenlands;
auch in Dalmatien findet sie sich nur in der Nähe des Meeres. Ihr
Fehlen im schwarzen und mittelländischen Meere ist demnach we-
niger befremdend, als es ihr Vorkommen in denselben sein würde.
Histoire j)hysique, poUtique et natureUe de l'Jxle de Cuba par Mr. Ra-
violi de la Sagra, directeur du jardhi hotanique de la Hatmne, MM.
Aleide d'Orbigny, Cocteau, Bibron, A. Lefebvre, F. E. Gtierin-Mene-
ville, Martin-St. Auge, Moiitagiie; et M. Sabin Berthelot pour latra-
duction de Histoire physique et politique. Sie ist n)ir nur aus An-
zeigen bekannt, und sonach hätte man es nicht zu bedauern, dafs ein
so wichtiges Werk in spanischer Sprache erschienen sei.
179
Die Schilderung der Fauna von Tenasserim, welche Dr.
Helfer in dem Journal of the Asiatic Society o/Bengal.
(Calcutta 1838. P. II. p. 855.) mittheilt, betrifft nur Süugethiere
und Vögel, und ist überdies nur flüchtig hingeworfen und durch
Felder entstellt, so dafs wir sie nur als einen V^orlaufer einer
gediegeneren Arbeit ansehen dürfen. Vorlüufig müssen wir
das Vorkonnnen von Phyllostomen und einem kleinen Bra-
dypus in Tenasserim als durch flüchtige Bestimmung oder
einen Gedächtnifsfehler herbeigefülirt, in Zweifel ziehen, so
auch scheint des Verf. Vermuthung wenig begründet, wenn
er in einer Menschenrace , welche die gegen die Halbinsel
Malacca sich hinabziehenden Gebirge bewohnen soll, einen
gigantischen Orang vermuthet.
Nach dem Verf. ist Tenasserim ein Zwischenglied zwischeo
HIadostan, Indo-China und Malacca, welches Arten besitzt, die
jedem dieser drei Erdstriche elgenthümlich sind, so jedoch, dafs
die Zahl der Formen, welche es mit Bengalen und anderen
Theilen Hindostans gemein hat, verhältnifsmäf^Ig geringer, ist.
Die Provinzen Amherst und Ye besitzen manche Arten, die den
östlich vom Burhamputur gelegenen Gegenden angehören, und
selbst einige von Butan und Nepal, die südlichen Provinzen be-
sitzen dagegen viele Arten, welche bisher ausschliefslich im ma-
la) ischen Archipelagiis gefunden sind, so z. B. findet sich Hy-
lobates syndnctylus und Semnop. mniirus in den südl. Provinzen,
ersterer bis zum 15" n. B. Die Quadrumanen zeigen sonst bei
geringer Mannigfaltigkeit enge Begränzung der Arten. Ursus
JMalayanus bewohnt die Gebirgsgegenden bis zum 1.3". Von
Hunden findet sich keine Art, aber Katzen, Viverren, und ein
Herpestes. Der Königstiger ist zahlreich, kräftig und grofs, scheint
aber feiger als in Bengalen; man fürchtet ihn wenig und hat
kein Beispiel, dafs er bei Tage einen Menschen angegriffen.
Elephanten streifen in Hcerden von 10 — .30 Individuen in den
Urwäldern von dem bengalischen Meerbusen bis zur chinesi-
schen See umher, steigen während der Monsun in die Ebenen
hinab und kehren während der Hitze in die Gebirge zurück.
Schweine sind gemein, und das Babirussa nicht selten. Drei
Rhinoceros-Arten treffen in Tenasserim zusammen. Rh. indicus
findet sich in- den nördlichen, Ilh. soiiclai'cus in den süiüicheii
Provinzen, Rh. siimairensis vom 17° — 10" Br. Der Tapirus
3Inlayaniis reicht bis hinauf zum 11 ^ .37', — indem er in der
Provinz INIergui vorkommt. Von ^Viederkäucrn zeigte sich keine
einzige Antilope, dagegen sind Hirsche und Binder in Arten
zahlreich. Von ersteren giebt es: C. Uippelnphus., TVallichii^
Arisloielh, Aocis, Mimljcui und noch 2 andere Arten, von letzte-
rer findet sich der Büffel, der Arni, und der Hausochs (wahr-
scheinlich der Gayal gemeint) wild, der grofse J5. Gaurus ist
180
selten, aber der Bison Guodus sehr gemein, aufserdeni findet
sich ein kleines Rind, von den Burmesen Fhain genannt, von wel-
chem Verf. nur die Fährte sah. — Von Vögeln sammelte Verf.
250 Arten, in 600 Exemplaren. In dieser Ihlerklasse zeigt sich
noch mehr die innige Beziehung der südlichen Provinzen zudem
Sunda-Ärchipel, denn über 60 Arten, vvciche als Bewohner der
südlichen Hemisphäre, aus Sumatra, Java bekannt sind, finden
sich in Tenasserim. Unter den Hühnervögeln führt Verf. den
Phnsianus Gallvs (ob Gnllus Banhiva Temm.!) auf. Er soll in
den Jungles vorhanden sein: die Eingebornen sollen die Jungen
desselben häufig aufziehen, indem sie Eier aus den Wäldern
dem Hausgeflügel unterlegen.
Von Graham Dal y eil erhielten wir einige sehr wich-
tige Beiträge zur Fortpflanzungs- und Entwicklungsgeschichte
der niederen Thiere, der Actinien und Ascidieu, durch welche
ähnliche frühere Beobachtungen von Sars eine erfreuliche
Bestätigung erhalten, eine erfreuliche sage ich, weil ihre
Richtigkeit von deutschen Naturforschern ohne hinreichenden
Grund bezweifelt ist. Sars ist ein sorgfältiger Beobachter,
der trotz seiner Abgeschiedenheit von der gelehrten Welt bei
seinen Untersuchungen sehr wohl weifs, worauf es ankommt,
und wenn er diese nicht immer bis auf die Spitze führen
konnte, so lag dies nur daran, dafs er sich bisher nur eines
älteren englischen Mikroskops bei seinen Beobachtungen be-
dienen konnte.
Sars machte uns früher mil einer durch Queertheilung proli-
ferircnden Actinie {Actima prolißca S.) bekannt, vgl. Jahrgg. H, 2.
S. 189). Halyell lehrt uns dagegen eine andere Actinie ken-
nen, welche durch Ausläufer (Siolones) aus der Basis proliferirt
lind zwar auf eine Weise, welche, bei Zoanthus, wo sie sich
in der dadurch entstehenden Familiengruppe bleibend erhall,
den generischen Character ausmacht. Jcmies. new Edinb. phil.
Journ. Vol. X.X.VI. p. 152. Was also bei Zoanthus zum blei-
henden generischen Charakter wird, ist hier nur ein vorüber-^
gehender Act der Fortpflanzung, Avodurch der innige Zusam-
menhang der Zoanthen und Actinien erwiesen wird. Andrer-
seits würde Ehrenbergs Definition der Actinien: corpore ovi-
paro s. vivipnro, raro genwiipnro , nunquam sponie dividuo hier-
durch, wie durch Sars Beobachtung eine Beschränkung erleiden.
— Grab. Dalyell's yici. ßava ist gelblich oder orange, von
etwa 1" Durchmesser, mit einer Reihe weifser LängsHnien am
ganzen Körper hinunter und .3 Kreisen langer dünner Tentakeln
auf der Mundscheibe; die Basis dehnt sich rings um den Körper
in einen dünnen Rand aus, mit dem sie festsitzt. Vor der Fort-
pflanzung zeigt dieser auffallende Unregelmäfsigkeiten, tiefe Ein-
schnitte, und gröfsere Ausbreitung eniiger seiner Ecken. In
481
kurzer Zeit trennen sich rohe nnregelmäfslge Thelle von unbe-
stimmter Gestalt vom Umkreise los, bald unter der Gestalt eines
soliden Prisma, bald unter der eines langen Ovals, dann scheint
sich der Rand auf einen engeren Umkreis zusammenzuziehen,
während das sich abtrennende Fragment an seinem Platze bleibt
oder fortrückt. Ein verbindendes Ligament erscheint zwischen
beiden (also ähnlich den sogen. Stolonen der Zoanthen), wel-
ches allmählig dünner wird, bis eine vollständige Trennnng ein-
tritt. Noch ist der Sprölsling eine formlose Masse, bald folgt
die Entwicklung der Tentakeln und die Form wird symmetrisch.
Durch Abtrennung vieler solcher Fragmente während derFortptlan-
zungszeit vom Mutterkörper wird dieser so vollständig verstümmelt,
dals es schwer hält, in ihm dasselbe Thier wieder zu erkennen. Die
Ausläufer (die verbindenden Ligamente, wie sie Verf. nennt)
haben 2 — 9'" .Länge, adhäriren nicht mit ihrer Unterseite, son-
dern schwanken (tvaves) bei den Bewegungen des ^Vassers.
Die andern Beobachtungen betreffen die Entwicklungsge-
schichte der zusammengesetzten und einfachen Ascidien. Von
ersteren wissen wir bereits durch Sars, dals die Jungen des
Boiryllus gleich Kaulpadden in Gestalt geschwänzter Thierchen,
das Ei verlassen (vgl. Jahrgg. II. 2. S. 209) Dieselbe Beobach-
tung wird nicht nur von D aly el l für Kplidium verrucosufti a. a. O.
p. 15t5 bestätigt, sondern auch auf die einfachen Ascidien erwei-
tert. Auch hier sehen die Jungen beim Ausschlüpfen wie Kaul-
padden aus, schwimmen mit grofser Lebendigkeit hauptsächlich
durch Bewegungen des Schwanzes umher. Verf. vergleicht sie
in diesem Stadium einer Stecknadel und nennt sie deshalb spi-
nulae. Nach grofser Lebendigkeit bleiben diese Nadelchen in
vertikaler Stellung, fast im Zustande der Ruhe, den Kopf am
Grunde des Gefäfses festheftend. Dann breitet sich die Vor-
derseite (front) des Knopfes aus, eckige Vorsprünge gehen aus
demselben hervor, und die Anheftung mittelst mehrerer dersel-
ben beginnt. Das Thier scheint sich dann in convulsivischeu
Bewegungen zu erschöpfen um wieder frei zu werden, wobei
die Bewegungen des Schwanzes so schnell sind, dafs das Auge
seine Gestalt kaum zu unterscheiden vermag. Endlich hört die
Bewegung auf. In wenigen Tagen nimmt ein dunkler Kern die
Stelle des Knopfes der Spinula ein, der Schwanz ist verschwun-
den. Eine durchsichtige Masse hat sich rings um die Vorder-
seite (front) ergossen, gegen deren Umkreis 26 — 28 Hache
Wurzeln (radicles) vom Kerne als ihrem Centrum ausgehend
sich verbreiten. Inzwischen consolidirt sich der Kern , 2 War-
zen mit vierseitigen Oeffnungen erheben sich von seiner Ober-
seite; die Wurzelchen unten werden unsichtbar; die durchsich-
tige Masse bildet eine häutige umhüllende Basis und so zeigt
sich das Wesen als eine junge Ascidie, welche Verf. vorläufig
u4. Papilla nennt. Sie soll von pfirsichblüth- od. carminrother
Farbe sein, und das Junge in 3 Monaten dieselbe Farbe erhal-
ten. Dieselben Entwicklungsstadien von ,der einer scheibenför-
migen Ausbreitung an, bis zur Gestalt der erwachsenen sah ich
in allen Mittelzuständen an der Cynthki rusiica der norwegischen
182
Küste, besonders häufig auf den Schalen des grofsen Mylthis
tnodiolus^ so dal's mir darüber, dafs Jene kreisförmigen hell- oder
fleischroth gefärbten Flecke junge Ascidien in einem früheren
Entwicklungstadium seien, kein Zweifel bleiben konnte.
In Beobachtung der Entwicklungsgeschichte der zusammen-
gesetzten Ascidien an ^plidlum verrucosiim waiDalyell glück-
licher als Sars, sofern er sie längere Zeit verfolgen konnte.
Er erkannte übrigens die kaulpadtlenähnllchen Wesen, seine
sog. Spinulae^ wie vor ihm Sars bereits in den gelblichen Eiern;
der Knopf oder Körper derselben im Centrum Avar vom Schwänze
umgeben. Er sah sie ausgeschlüpft mit grofser Lebendigkeit umher
schwimmen ; nur hörte dieBewegung bei ihnen früher auf, Avährend
sie bei den Embryonen jener einfachen Ascidie oft 10 — 12Tage
dauerte. Mit dem Kopfende abwärts und den Schwanz aufwärts
kehrend, wurden die Spinulae fast stationär, eckige Vorsprünge
gingen bald von der Vorderseite des Knopfes aus und bewirk-
ten Anheftungen an der \Vand des GePäfses. Die Anstrengun-
gen sich frei zu machen waren nur schwach. Der aufwärts
gerichtete Schv/anz verschwand und ein centraler gelblicher
Kern, der sich bald grünlich färbte, blieb. Inzwischen gingen
vom Umkreise des Kerns etwa 8 Wurzelchen aus, welche sich
umgeben und begränzt von einer dünnen durchsichtigen Masse
(offenbar sind hier Fortsätze der äufseren gemeinsamen Hülle
gemeint) am Glase ausbreiteten. In 8 Tagen hatten sich zwei
Oeffnungen mit rundlichen Lippen oben in der Höhle des Nti-
cleus geöffnet und durch eine derselben konnte man die Pul-
sation eines grofsen inneren Gefässes deutlich wahrnehmen, so
wie den Lauf von dunkeln Atomen, welche sich mit der cir-
culirenden Flüssigkeit durch zahlreiche Kanäle in entferntem
Theilen verbreiteten. Im AVasser treibende Partikelchen wur-
den eingeschluckt un.d kleine Ballen (Koth) entleert. Die Wür-
zelchen statt zu verschwinden, breiteten sich in ein ovales
unterhalb' befestigtes Blatt aus, wo der Kern mit ihnen durch
einen verdünnten Kanal verbunden ist, in welchem Verf., wenn
das Junge einen Monat alt ist, deutlich eine Circulation zwi-
schen dem Nucleus und den bmter werdenden Wurzelchen
wahrgenommen haben will. Der Kern bleibt leicht am Leben
und scheint doppelt zu werden und eine kleine Ascidie entsprofst
aus jeder der beiden. So sah Dalyell 5 oder 6 von einem
Individuum in lOVVochen ihren Ursprung nehmen. Es scheint
hiernach, dafs einige der zusammengesetzten Ascidien wirk-
lich nur von einem Individuum durch Knospentreiben ge-
bildet \verden, während bei andern, wie z. B. bei Botryllus nach
Sars der Grund zum regulären Systeme durch Polyembryonie
der Eier gelegt wird, so dafs dann das ausschlüpfende anschei-
nend einfache kaulpaddenähnliche Wesen nicht ein Indivi-
duum, sondern eine imter gemeinsamer Hülle vereinte Gruppe
von mehreren (ein System in Savigny's Sinne) ist. Der Um-
stand, dafs Savigny eine ähnliche Polyembryonie in den Eiern
von Pyrosotna und Boirylius beobachtete, setzt wohl die R.ich-
tigkeit von Sars Beobachtung aiifser Zweifel!
183
lieber das Meeresl'euchten wurden der französischen
Akademie Mittheilungon von Dunal (lustit, p. 43) und Ro-
bert (Instit. p. 123) und von den Naturforschern, welche der
Expedition der Bonite beiwohnten, gemacht.
Die des ersteren enthalten die Bemerkung, dafs das Meeres-
leuchten (von den Fischern des Languedoc ardent genannt)
an der Siidküste Frankreichs sich zuweilen in solcher Stärke
zeige, dafs es die Fischerei unmöglich mache, weil dann die Fische
die hell erleuchteten Netze mieden. Es hat zu allen Jahres-
zeiten, aber nur an einzelnen Tagen statt. An den Tagen,
•wo das Meeresleuchten beobachtet wird, sind einige Stellen in
den Lagunen davon frei, an diesen soll es denn an Fischen feh-
len; die Fischer nennen sie kalt {froids)^ Avährcnd andere,
welche die Fischer warm (chauds) nennen, hell erleuchtet uncl
an Fischen sehr reich sind. ^Vahrscheinlich A^erden die Fische
durch reichliche Nahrung dorthin gezogen, vielleicht durch andere
Thiere, Krustaceen, kleine Fische, denen eben jene Leuchthiere
zur Nahrung dienen (vgl. Jahrgg. IV. 2. S. 3l3.)- — J^ie Na-
turforscher der Bonite stimmen in ihren Angaben ganz mit der
jetzt wohl allgemein geltenden Ansicht, dafs das Meeresleuchten
nur durch Thiere veranlafst werde, iiberein, Aufser kleinen
Crustaceen, unter denen namentlich ein zwelschaliges Entonio-
strakon die Leuchtfähigkeit im hohen (irade besafs, Cephalopo-
den und Biphoren, Medusen, erwähnen sie sehr kleiner, gelb-
licher Körper, welche in einzelnen Stellen wie Staub auf der
Oberfläche schwammen; wahrscheinlich iVoc^?7Mc«e. Die, welche
sie an den Sandwichsinsein nnd in der Strafse von Malacca an-
trafen, schienen verschieden, die ersteren waren kugllch, durch-
sichtig mit einem gelblichen Punkte in der Mitte; die andern
ganz gelblich, etwas oval, mit einer Einbucht in der Mitte,
welche sie nierenförmig erscheinen llefsen. Das Leuchten glau-
ben sie bei allen (?) beobachteten Thieren, einem wahrschein-
lich von ihnen secernirten Stoffe zuschreiben zu müssen, Avobei nur
die ^Velse wie er nach aufsen hervorgebracht werde, ver-
schieden sei. Die kleinen Crustaceen verbreiten (^emettent) den
Leuchtstoff, wenn sie irgend beunruhigt werden, in Gestalt
phosphorescirender Strahlen, die das Thier mit einer Lichtatmo-
sphäre umgeben, unter welcher es verschwindet. Bei den Ce-
pbalopoden und einigen Pteropoden scheint das Leuchten mehr
passiver Art zu sein. Ein phosphorescirender Stoff, der in ihrem
Nucleus oder in anderen Körpertheilen verbreitet ist, glänzt
beständig und einförmig so lange das Thier lebt, und erllschi
mit seinem Tode. Bei den gelblichen Körperchen zeigte sich
das Leuchten auch einförmig {dune mnniere uniforme), nahm
aber bei Anwendung von Beagentlen anfangs im Glänze zu,
worauf es erlosch. Der Leuchtstoff, welchen man gleich nach
seiner Emission an den W^änden des die Thiere enthaltenden
Gefälses sammelte, war gelblich, etwas schmierig (legerement
visqueuse') und im Wasser sehr löslich; er machte dies leuchten,
in dem Augenblicke, wo er in dasselbe ergossen wurde (Instit.
184
p. 150.) Pvobert's Mltthellung von einem an der Siidküste
Norwegens beobachteten Meeresleuchten ist ohne alles Interesse.
Die naturhistorischen BegrifiFe von Gattung, Art und Ab-
art hat A. F. Spring in einer besondern Schrift erörtert,
(lieber die naturhistorischen Begriffe von Gattung, Art und
Abart und über die Ursachen der Abartungeu in den organi-
schen Reichen. Eine Preisschrift von Dr. A. .Fr. Spring.
Leipzig 1838. 8.)
Eine ausführliche Kritik liegt aufser der Sphäre dieses Be-
richts; denn man müfste ein eben so starkes Büchlein schreiben,
wenn man den Verf. Schritt vor Schritt im Gange seiner Unter-
suchung folgen, lind diese in ihren Einzelheiten kritisch beleuch-
ten wollte. Es möge also hier mit einigen Bemerkungen der
Standpunkt des Ver^. angegeben werden. Zunächst dringt sich
dem Zoologen die Bemerkung auf, dafs Verf. die Untersuchung,
welche natürlicher Weise vom allgemeinen Standpunkte geführt
werden mufste, mehr auf den Boden der Botanik, als auf den
der Zoologie verpflanzt hat. Im Ganzen hat er sich mit philo-
sophischem Sinne an die Erörterung der Frage gemacht und
diese zum Theil mit richtigem Takte geführt, wenn er auch sehr
oft, wo das Bichtige Ihm vorschwebt, nicht zur völligen Klar-
heit hindurchgedrungen Ist. Das so oft wiederholte Geschwätz,
dafs In der Natur nur die Art das Feste sei, finden wir beim
Verf. nicht Avleder. „Nur die Individuen existlren realiter", die
Art Ist ebensogut Abstractum, wie das Genus, die Familie, die
Ordnung u. s. w. Verfasser geht demnach in seiner Untersu-
chung vom Individuum aus. Es ist dies allerdings der empi-
rische VV'^eg, den die Empirie einzuschlagen hat, um zu ermit-
teln, welche Individuen eine Art bilden, und welches deren
wesentliche, d. h. das Wesen der Art begründende Eigenschaf-
ten sind. Um aber den Begriff der Art zu finden, niufs man
vom höchsten Begriffe ausgehen, dessen weitest^ Emanation der
Artbegriff ist. Dieses Ist aber die Idee, welche sich In der Na-
tur verkörpert hat, mithin ist die Art die Idee der Natur in
ihrer gröfsten Besonderung, die Thierart z. B. die Idee des
Thiers In seiner gröfsten Besonderung. Die in der Natur ver-
körperte Idee Ist das Ewige, Unvergängliche in Ihr, sie Ist eben
das Princip der Einheit, welches Verfasser im Eingange seiner
Untersuchung erwähnt, fälschlich aber §.2. als das zweite Prin-
cip, neben dem Drange zur Besonderung, als dem ersten
setzt, da doch die Idee das primuni movens ist. Ueberhaupt
wird der Standpunkt ganz verrückt, wenn man hier zwei Prln-
ciplen sieht. Es Ist nur Eins, denn die Mannigfaltigkeit ist
eben auch nur die Idee, aber in ihrer Verkörperung, im Aufser-
einander. Das Allgemeine mufs, um real zu werden, sich be-
sondern, wobei aber das Besondere immer das Allgemeine bleibt,
weil sich die Idee mit der ganzen Fülle ihres Wesens dem Be-
sondern mittheilt. Jedes einzelne Insect z. B. ist nicht nur
dies Insect, sondern hat auch in sich die Idee der Art, der
Gattung der Familie, der Ordnung, zu denen es gehört, es ist
Insect und endlich Thier in der ganzen Fülle dieser Begriffe. *)
Mit diesem ganzen Reichlhuin der Bestimmungen geht nun auch
das Wesen der Uridee ganz auf das Besondre über. Dalier hat
dieldee oder dasUrhild der Art wie ihr Urquell die Tendenz
sich weiter zu unterscheiden, wodurch eben die individuelle Ver-
schiedenheit der Individuen bedingt wird u. s. w. Wie fertier
die Idee der Natur ewig und unveränderlich ist, so mufs sie
es auch in ihrer gröfsten IJesonderung als Idee oder Urbild der Art
sein. Als wesentlicher Begriff der Art ergiebt sich demnach
die Bestän di gkeit des ihr z u Grün de liegende n Urbilds
im weitesten Sinne des Worts, so dafs nicht blofs die Gestalt
des Thiers, sondern die Totalität seiner Existenz, seiner Sitten,
Kunstproducte u. s. w. beim Artbegriffe in Betracht kommen-
Verf. gelangt freilich zu ähnlichen Ansichten über den Begriff
der Art, der von ihm §. 45 als „das stetige Fortleben eines und
desselben Grundgedankens (Typus) durch Zeit und I\auni," und
§.108 als „der Typus und das Verharren desselben beim Wech-
sel äufserer Einflüsse" ausgesprochen wird; aber das, was der
Artbegriff mit der Natur seines Urquells überkommen bat, als
die Tendenz zur individuellen Besonderung, ferner die Affinitat
zu anderen Arten, die Unveränderlichkert des Typus u. dgl.,
alles dieses, welches hier nicht weiter erörtert werden kann, bleibt,
wenn man vom Individuum ausgeht, unberücksichtigt, oder doch
unbegründet. Sehr richtig schliefst Verf. die Paarung vom Bcr
griffe der Art aus,giebt aber den einzig entscheidenden Grund riicl^t
an, den nämlich, dafs diePaarung als Artkriterium keine allgemeine
Gültigkeit hat, denn was nicht auf alle Thiere und Pflanzen
Anwendung findet, kann nicht allgemeines Kriterium der Art
sein. Weniger genügt Verf. in dem, was er über Varietäten
festsetzt. Er unterscheidet Abarten (yarietaies) §.63 als einen
Verein solcher Naturkörper, welche zu einer Art gehören, sich
aber innerhalb derselben in unwesentlichen Merkmalen aus-
zeichnen; und Ausartungen (degeneraiiones), §-68, als Ab-
weichungen vom Artbegriffe, die nicht mehr von selbst durch
fortgesetzte Zeugungen in die Art zurückkehren können, dem-
6) Hieraus ergiebt sich denn auch das Unrichtige in folgendem
Ausspruche des Verf. (§.27): „Das Wesen aller Individualisirung be-
ruht in der Sonderung, in dem allen Naturkörpern gemein-
samen Streben sich vom Allgemeinen loszureifsen und für sich als
Besonderes zu sein." Das Besondere kann sich gar nicht vom All-
gemeinen losreifsen , denn das Besondere bleibt ja immer das Allge-
meine, nur behaftet mit einem Unterschiede, durch welchen es eben
das Besondre ist. Daher denn auch in frühen Stadien der Entwick-
lungsgeschichte die Quasi-Identität verschiedener stammverwandter
d. h. nach gleichem Grundtypus gebildeter Thiere, weil sie vor dem
Auftreten der unterscheidenden Eigenschaften zuerst nur das Allge-
meine, später das Besondere, zuletzt erst das Einzelne (Individuum) sind.
V. Jahrg. 2. Bd. 13
1S6
nach aufser dem Artbegriffe sind und somit eine neue Art bil-
den. Er sieht solche Ausartungen in den meisten unserer Haus-
thiere; rechnet aber weiter unten §. 85 die Schaf- und Hunde-
rassen unter die erblichen Varietäten oder Abarten, va-
rieintes hereäitarine ^ welche er dadurch definirt, dafs sie sich
durch Zeugung, so lange sie in gleichen Verhältnissen bleiben,
als solche fortpflanzen, wogegen er S pielarten {varietata soU-
iarine s. sporadicae) diejenigen nennt, welche sich nur einzeln
finden und in ihren Eigenthümllchkeiten nicht forterben. Zu
den erblichen Varietäten werden dann auch die sogenannten
klimatischen Varietäten gerechnet. Dafs diese Begriffe
nicht scharf genug gefafst sind, ergiebt sich bei näherer Prü-
fung; denn in der Spielart liegt auch die Möglichkeit erblich,
folglich Abart zu werden, und die Abart kann zur Spielart
werden, wenn die sie bedingenden äufseren Einflüsse weg-
fallen. Was endlich die sogenannten Ausartungen betrifft,
so steht die Annahme einer Ausartung, wie sie Verfasser
definirt, mit der Beständigkeit des Typus, als dem eigent-
lichen W^esen des Artbegriffes im direckten Widerspruche; dafs
die Natur keine Ausartungen will, zeigt sie selbst darin, dafs sie
Bastarde auf den Typus einer der Erzeuger zurückführt. Auch
scheint es mir sehr mlfsllch von unseren Hausthieren zu be-
haupten, dafs sie durch Ausartung entstanden seien, da wir nicht
•wissen, ob ihre Vertschiedenheit nicht theilweis eben so gut eine
ursprüngliche, wenn auch durch die Kultur mehr oder weniger
veränderte ist. Wie lange hat nicht der Anerochs selbst ein-
sichtigen Zoologen als der Stamm unseres Rindviehs gegolten?
Wie lange hat man nicht unsere wilde Katze fälschh'ch als
Stammmutter der Hauskatze angesehen? Noch mehr Prüfung ist
aber bei den sogenannten klimatischen Varietäten zu empfehlen,
für welche neuerlich sehr viele ganz gut unterschiedene Arten
ausgegeben sind, weil man dabei gewöhnlich nur allein solche
Eigenschaften im Auge behielt, welche möglicher Weise
durch klimatische Einflüsse herbeigeführt sein konnten, andere
plastische aber unberücksichtigt liels. So läfst sich freilich, um
eins von vielen Beispielen hervorzuheben, die Färbung des
Canis melanogasier Bonnp. allenfalls als klimatische Abartung
auf die des gemeinen Fuchses zurückführen, aber sein Schädel
gleicht nach Nathusius mündlicher Mittheilung mehr dem des
Polarfuchses und läfst also die Selbstständigkeit der Art nicht
bezweifeln. Man vergesse nicht, dafs der Artbegriff nicht in
einem Merkmale, sondern in Verflechtung einer Summe von
Eigenschaften beruht, von denen an den Individuen einige mehr
hervorgehoben, andere mehr verwischt werden, ja sogar nicht
selten eine oder die andere ganz fehlen können. Dies letztere
aber ist nicht immer, wie Verf. (S. 81 Anm.) meint, ein Fehler
unserer Artdefinition, sondern es geht dies durch die ganze
Natur, durch Arten, Genera, Ordnungen, Klassen und liegt eben
im Wesen der sich in der Natur manifestirenden Idee, welche
freilich die Unterschiede am Allgemeinen setzt, aber sie einzeln
oft am Besonderen schmälert und aufhebt, ja selbst mit denen
178
andrer verwandten Gruppen austauscht, wodurch eben die ab-
weichenden oder Uebergangsglleder entstehen, welche dem nur
trennenden Systematiker in Klassen, Ordnungen und Gattungen
so anstöfsig werden. Dieselben Momente, welche die Mannig-
faltigkeit der Natur im Grofsen und Ganzen bedingen, wirken
nun auch innerhalb der Art zu deren weiterer DKTerenzIrung,
und bieten sich uns als die verschiedenartigen Varietäten dar, woi-
über ich an einem andern Orte ausführlicher zu handeln gedenke.
Auch Fl Dürens hat seine Bemerkungen über die Charak-
tere, vi^elche in der Zoologie die Art uud Gattung begründen
sollen, niitgetheilt. {Ann. d. Sc. nat. IX. p. 302). Sie be-
handeln den Gegenstand nur oberflächlich und die festgestellten
Charactere finden eigentlich schon im Vorhergehenden ihre
Widerlegung.
Indem Verf. die Zeugung (Gettemthn) als die Macht er-
kennt, welche unaufhörlich zum primitiven Typus der Art zu-
rückführe, sieht er das Kriterium der Art in p e rp etulr lieh er
Fruchtbarkeit der Nachkommen und das Kriterium der Gat-
tung in der Unfruchtbarkeit oder der nur auf wenige
Generationen beschränkten Fruchtbarkeit der Erzeug-
ten; d. h. Individuen beiderlei Geschlechts, welche zu einer
Art gehören, sollen fruchtbare Nachkommen zeugen, Individuen
eines Gemis dagegen sollen wohl mit einander zeugen, aber
ihre Nachkommen sollen entweder sogleich oder nach einigen
Generationen, die von Individuen verschiedener Genera^und Ord-
nungen Erzeugten sollen unbedingt unfruchtbar sein. Schon
oben ist bemerkt, dafs die Zeugung durch Zusammenwirken
zweier Individuen nicht in die Charakteristik der Art gezogen
werden darf, weil sie nicht allen Thieren zukommt; dann aoer
ist uns über die Fruchtbarkeit der Bastarde von Thieren ver-
schiedener Arten und verschiedener Genera so wenig bekannt,
dafs das Kriterium, auch abgesehen von der Schwierigkeit sei-
ner Anwendung, selbst In den oberen Thlerklassen ein sehr
schwach begründetes wäre, denn Bastarde, von einer Rehgeis
und einem Schafbocke gezeugt, erwiesen sich fruchtbar, wogegen
die Maulthlere meist unfruchtbar sind. Wie sich andere Bastarde
von Thieren verschiedener Genera und Familien verhalten, wie
z. B. vom Nonnentaucher {Mergus albellus) und der Schellente,
vom Birkhuhn und Fasan u. s. w. wissen wir nicht.
Schliefsllch mufs hier noch auf zwei historische Excnrse auf-
merkam gemacht werden, welche E hren berg In seinem grofsen
Infusorien-Werke gegeben hat, nämlich: Geschichte der Sper-
matozoenkunde (S. 465) und über das Wiederaufleben jahrelang
vertrockneter Thlere (S. 492).
I. I n f u s o r i a.
Ehrenbergs grofses Werk über die Infusorien erschien
vortrefflich ausgestattet bei Leopold Vofs in Leipzig. E»
13*
188
ist wohl das erste und einzige Beispiel, dafs ein deut-
scher Buchhändler ohne Unterstützung aus Staatsmitteln ein
so grofsartiges Unternehmen gewagt und so . glänzend ausge-
führt hat; um so mehr ist zu wünschen, dafs der Absatz des
nothwendig kostbaren Werkes den Erwartungen des Verlegers
entsprechen möge, welcher durch dasselbe nicht nur seine
schon rühmlichst bekannte Handlung mit neuem Glänze um-
geben, sondern auch das zoologische Publikum sich zum gröfs-
ten Danke verpflichtet hat. Man hätte glauben sollen, dafs
durch das Erscheinen dieses so lange ersehnten Werkes die
Stimmen der Gegner beschwichtigt werden würden; allein gerade
umgekehrt ist gleich nach dessen Erscheinen der Widerspruch
noch mehr rege geworden. In England ist Prof. Rym er-
Jones, in Frankreich und Deutschland sind Ehrenbergs
alte Gegner Duj ardin und Meyen aufgetreten. Die Oppo-
sition betriflFt vorzüglich den Ernährungsapparat, indessen
stimmen die Gegner weder in den Beobachtungen, noch in
deren Deutung unter sich völlig überein. Doch wenden wir
uns zunächst zu Ehrenbergs grofsem Werke:
Die Infusionsthierchen als vollkommene Organismen,
ein Blick in das tiefere organische Leben der Natur von Dr. Chri-
stian Gottfried Ehrenberg, nebst einem Atlas von 64 colo-
rirten Kupfertafeln, gezeichnet vom Verf. Leipzig bei L. Vofs
1838. gr. Fol. (142 Bogen).
Es ist unmöglich über den reichen Inhalt dieses wichtigen
Werkes auf wenigen Seiten erschöpfend zu berichten, noch
alles Neue hervorzuheben, Ref. sieht sich daher genöthigt, nur
Einzelnes aus der grofsen Masse hervorzuheben. Wie Ehren-
bergs frühere Schriften über Infusorien, so behandelt auch
dieses W^erk beide früher unter dem gemeinsamen Namen der
Aufgufsthierchen oder Infusorien begriffenen Thierklassen, die
Magen thierchen (Polygastrica Ehrb.) und die Räderthier-
chen. Die erstem bildeten bei Abfassung des Werkes 553 Ar-
ten in 123 Gattungen und 22 Familien, von denen 11 panzerlos
und eben so viel gepanzert sind. Nach dem Artenrelchthum
verhalten sich die Familien wie folgt; die Bacillarien mit
168 Arten iu .35 Galtungen, die Monadinen 41 Arten in 9, die
T rachelinen .38 Arten in 8, die, Vorticellinen 35 in 8, die
Enchelien 36 in 10, die Colpodeen 27, die Astasieen
24 in 6, die Volvocinen 18 iu 10, die Peridinäen und
Oxytrichinen jede 17 in 4 und 5, die Cryptomonadinen
und Clostcrinen jede 16 Arten in 6 und 1 Gattung, die Vi-
brionen 14 Arten in 5 Gattungen, die Eupl oten 12 in 4, die
Ophrydinen 11 in 4, die Arccllinen 10 in 3, die Cyc li-
dinen 6 in 3 Gattungen, die Colepinen 5 Arten in 1 Gat-
189
iu'ngf die Amöbeen 4 in 1, die Dlnöbryinen undOphryo-
ce reinen jede 3 Arten in 2 und 1 Gattung, die Aspidis einen
2 Arten in 1 Gattung. Die ßacillarien bilden mithin allein mehr
als 1, und mit den IMonadinen, Trachelinen und Vorticellinen
zusammen die Hälfte der Klasse. Die systematische Anordnung
der Familien in Ordnungen ist dieselbe geblieben, wie früher.
" — Durch ihren Aufenthalt ist merkwürdig iV/o/irt* punctum Ehrb.
(wahrscheinlich Mi. punctum Müll.) in stark gerbestoffhaltigeni
Lohwasser. Bei einigen Magenthiercben hat threnberg Mus-
keln erkannt, so hei JStentor als trübe Längsstreifen oder Spira-
len auf denen die Wimpern stehen ; im Stiele der Scbnellvor-
tieellen und im Leibe der OpercuJa)*ia sind sie noch klarer. Lia
Gefäfssystem ist noch bei keiner Form deutlich geworden. Ner-
venganglien, als Unterlage der Augen sind bei Euglene und Am-
blyophis beobachtet. Der peltschenförmige Rüssel der Monaden,
welcher durch seine schnelle Schwingungen leicht für mehr-
fache Wimpern gehalten wird und allen Monaden eigen zu sein
scheint, wird auch von E. für ein Bewegungsorgan erklärt, wel-
ches zugleich die Function eines Wirbel- oder Fangorgans und
Tastorgans versieht. Der Mund wurde von E. zuweilen an der
Basis des fadenförmigen Rüssels als helle Stelle erkannt. Die
fcüne, spindelförmige Monas iingens hat inmier zwei solcher
ädcn und bildet deshalb und weil sie ein schön rothes Auge
besitzt und sich oft zu rollenden Kugeln zusammenhängt, eine
eigene Gattung Glenomorum. Die angegebenen Eigenschaften
unterscheiden sie auch von der inzwischen durch Dujardia
unterschiedenen Gattung Dlselmis (Jahrg^. IV. 2. S. 319) Zwei
wasserhelle Schwanzmonaden Bodo (B. intestinalis E. oblong,
.fast konisch und B.ranarutn eiförmig, vorn spitz) leben para-
tsitlsch mit Bursarien im Schleime des Dickdarms der Kröten und
•Fi-üsche. "Von Bursarien (Bursaria) beobachtete E.: B. Ento-
zoon, Nucleus., B. cordi/'orniis ^ intestinalis und B. ranarum
im Darmschlcime der Frösche und Kröten, aufserdera noch ?^»-
brio Bacillus und eine kleine Anguillula. (S. 331)- Die Familie
der f^olvocinen ist vielfach weiter aufgeklärt. Chlamidomonas
pulvisculus (Monas pulv.) hat nach Ehrenbergs neueren Unter-
suchungen nicht einen, sondern zwei Rüssel oder fadenförmige
Bewegungsorgane; auch die einzelnen Thiere von V^olvoac und Go-
nium haben deren zwei. Die einzelnen Thiere des gemeinsamen
tafelförmigen Monadenstocks von Goniutn pectorale sind wie die
von T^olvox durch 3 — 6 bandartige Röhren verbunden; an der
Basis des doppelten Rüssels liefs sieb die Mundöffnung, ferner
im Innern des Körpers eine contractile Blase und ein drüsiges
Organ erkennen. Jedes Einzelthlerchen ist innerhalb des ge-
meinsamen Sacks von einem Mantel umschlossen, den es perio-
disch verlassen und reproduciren kann; dasselbe gilt auch von
J^olvojc. Für die nähere Kenntnifs der Ylbrioniden ist dadurch
elu Schritt vorwärts gethan, dafs die dahin gehörigen Gat-
tung Bacterium, Vibrio^ Spirilluin, deren fadenförmige Körper
als Elnzelthlere gelten, vielmehr als kettenartige, gegliederte
Monadenstöcke erkannt sind, welche durch quere unvollkommene
180
Selbsttheilung bewegte Gliederfäden bilden. Daraus erklärt sich
denn anch, dafs bei der überaus grofsen Kleinheit der Einzel-
thiere deren innere Organisation für unsere jetzigen Mikroskope
unerreichbar ist. Bei Bacterium triloculare wurde indessen ein
wirbelnder Rüssel am vordersten Ende beobachtet. Die Clo-
sterien werden, wie früher, unter den Infusorien abgehandelt,
aber als besondere Familie Closierina. Als Gründe für ihre
Animaiität werden angeführt, die freiwillige, schon von Corti
beobachtete Bewegung, die zuerst von Ehrenberg beobachte-
ten beiden Oeffnungen an den Spitzen, die fortdauernd beweg-
ten, wenig hervorragenden Organe in Form konischer Papillen
hinter den Oeffnungen und die queere Selbsttheilung. Mittlere
Oeffnungen der spindelförmigen Hülle, welche Corda anglebt,
konnte E. nirgend bestätigen. Aufnahme von Farbestoff wurde
nie beobachtet. In der Knospenbildung durch Copulatlon zweier
Individuen, ähnlich wie bei den Conjugaten und bei Syzygites
unter den Pilzen sieht E. keinen nothwendig pflanzlichen Cha-
racter (S. 89.). Die langsam bewegten, runden Körperchen,
welche man innen nahe den beiden Enden mit einem einiger-
nialsen guten Mikroskope wahrnimmt, hält Ehrenberg für die
Basaltheile der oben erwähnten konischen Papillen, Bei Ch
iurgidum sah E. entfernter von den Enden, aufser jenen
normalen beweglichen Organen, ganze Haufen und auch ein-
zelne bewegte wimmelnde monadenartige Körperchen (S. Taf. VI.
f" 7, l.)? bleibt aber ungewifs, ob es ausgekommene Brut gewe-
sen. — Die Gattungen der Aenderllnge scheinen sämmtllch ein
rüsselförmiges Bewegungsorgan zu besitzen, hei Chlorogonium E.
{^stnsia euchlora E.) Ist es doppelt. Auch die Familie der
Dinobryinen (Epipyjcis , Dinobryon) scheint, wenn man aus
E's Beobachtung an Dinobryon Sertularia schllefsen darf, ein
solches fadenförmiges Bewegungsorgan zu besitzen. Es sind
von einer büchsenartigen Hülle (Panzer) umschlossene Astasiäen,
'deren Hiille bei jDmoiiyo« durch Knospen freischwimmende sertula-
rienähnliche Bäumchen bildet. Ungemein reichhaltig ist die Bear-
beitung der Bacillarien, deren Organisation durch die Licht-
brechung des Panzers schwer zu ermitteln Ist. Nur bei A^«-
vicula ist ein schneckenfufsartiges unzerthelltes Bewegungs-
organ beobachtet. Der schon früher bei Peridinium erkannte
fadenförmige Rüssel ist bei den übrigen Gattungen dieser Fa-
milie, bis auf Cliaeiotyphla erkannt. Bei allen Vorticellen findet
sich dagegen ein Wimperkranz um den Mund, welcher stets mit
dem After in derselben seitlichen Grube sich findet. Ueberhaupt
scheint es fast aus Eh renberg s Beobachtungen hervorzugehen,
dafs (wahrscheinlich oder ausschllefsllch) das Wirbelorgan der
Anentera ein eInfacher,doppelter, selten mehrfacher fadenförmi-
fer Rüssel, das der Enterodelen dagegen ein Wimperkranz ist. Bei
er Mehrzahl der Vorticellen-Gattungen hat Verf. den Verlauf des
Darmes sich klar machen können. Bei keiner Gattung finden
sich Augenpunkte; auch sämmtlichen 10 Gattungen der Walzen-
thIerchen(/?nc/ie?/a£Är.) fehlen sie. In dieser und den folgenden Fa-
milien derEnterodelen ist derErnährungsapparatam vollständigsten
191
vom Verf. erkannt worden. Zur Beobachtung des Verlaufs des
Darmkanals werden empfohlen (S.362.) grofse Exemplare von
(jJülodon cucuUulus^ Tracheiiiis Ovum^ Eptstylis plicatilis^ Vor-
licella cJdorosttgma^ V, convaUaria^ OpercuJaria articulata^ Sty-
lonychia Myiilus. Bei diesen hat Verf. den Kanal so deutlich
gesehet), dafs er ihn zeichnen konnte. Durch allmähliges Fort-
rücken der Speisen konnte er ihn sich deutlich machen bei En-
cJielys Pupa^ Leucophrys pniuia, Op/irydium versntile, Parame-
rium jdurelia. Bei letzterer sah er den ganzen Verlauf des
Darmes einmal direkt.
Prof. Rymer Jones, welcher in der British Association
18-'i8 gegen die Darmbildung, wie sie Ehrenherg schildert^
auftrat, bemerkte, dals er nie Spuren von einem Darmkanj^l ge-
sehen, dagegen ein kreisförmiges Drehen der Magenblasen in
der Körperhöhle beobachtet habe, welches sich mit der Dar-
stellung Ehrenbergs, dafs die Magen einem Darm anhingen,
nicht vertrüge. Ehrenberg entgegnet darauf {Ann. of rfat.
Hist. II. ju. 121.), dafs dies Phänomen bereits von Focke er-
wähnt und auch von ihm selbst oft bec^achtet sei; es dehne
sich zuweilen der Darmkanal auf Kosten der anhängenden Ma-
gensäcke so weit aus, dafs er die ganze Körperhöhle ausfülle,
wo dann die verschluckten Stoffe, die Magensäcken sehr ähnlich
sehen, im ganzen Körper zu circuliren scheinen. (Vgl. Meyen
in MüUer's Archiv 1839. S. 74.) ,.
Dujardin's Einwürfe sind dieselben, welche bereits in
diesem Archiv Jahrgang II. 2. S. 181. besprochen wurden. Das
Uebrige seines langen polemischen Aufsatzes in den Ann. d. Sc.
nnt. X. S. 230 fg. läfst sich im Kurzen darauf reduciren , dafs
die Funktion aller von E. gedeuteten Organe ganz unerwie-
sen sei, wenn auch die Anwesenheit derselben z. B. der con-
tractilen Blasen, der drüsigen Organe, der rothen Augenpunkte,
selbst des früher in Abrede gestellten Schlundapparats von Pro-
rodon elc. zugestanden wird. Du j ardin verlangt z. B. Nach-
weis eines Zusammenhanges der drüsigen Organe (Hoden nach
Ehrenberg) mit den contractilen (Ejaculations-) Blasen, ver-
langt Nachwels von Spermatozoen im Conlentum der letzleren,
directe Beobachtung des Ausschlüpfens der. von E. als Eier ge-
deuteten Körnermasse u. s. w. Verlangt raan eine so strenge
Beweisführung hier, wie sie allerdings die Zootomie und Phy-
siologie in den übrigen Klassen fordert, so mufs freilich dem Geg-
ner zugegeben werden, dafs fast Alles bis jetzt nur hypothe-
tisch ist und eine hohe der menschlichen einigermafsen ver-
gleichbare Organisation bei den Infusorien bisher nur vorausgesetzt,
nicht aber erwiesen wurde. — Bory's Gatt. Anihophysis (Mül-
ler's Volvojc vegetans), welche Ehrenberg in seinem grofse-
ren Werke S. 285. fraglich zu Episiylis in die Familie der Vor-
ticellen stellt, weil es ihm unentschieden blieb, ob das Wirbel-
organ der einzelnen Thlerchen ein einfacher Rüssel oder ein
Wimperkranz sei, hat Dujardln (Ann. d. Sc. nat. X. S. 13)
näher aufgeklärt, so dafs sich die Gattung nun an Uvella und
die Monaden anreiht, wie es Ehrenherg für den Fall, dafs
192
ein einfacher Faden vorhanden w'ärev vorausbestlmmt halte.
Diese baumförm.igen Monadenstöcke' sind in der Seine sehr
häufig; der Stainpi, dessen Aeste dicholomisch verzweigt sind,
ist überall von fast gleicher Dicke, an der Basis bräunlich und
fester, an den Enden der Zweige durchsichtiger, farblos und
weicher nnd trägt hier beerenartig die durchsichtigen, birnför-
migen mit einem peitschenförmigen J'aden versehenen Monaden,
deren Sekret die Aestchen zu sein scheinen, so dafs eine Thei-
lung des Häufchens auch eine Theilung des Stammes bedingte.
Zuweilen sieht man auch die Bäumchen der Monadenhäufchern
beraubt und letztere sich wie üvellen durch Schwingungen
ihrer Fäden im Wasser imiher drehen; zuweilen auch isoliren
sich die einzelnen Thierchen und schwimmen mit einiger Form-
Veränderung mittelst Schvt'ingungen ihrer Fäden umher. Du-
jär'din beschreibt noch eine neue Monadengattung HexnrnUa^
welche vorn vier peitschenförmige Fäden und hinten deren
zwei hat, von denen jeder auf der Spitze eines spitzen Fortsatzes
steht.
Analog den ^n/ÄopÄyie« scheinen sich die Gatt. ^ct«e/« und
Dendrosoma Ehrh. zuv6rhalten; erstere trenntE.von denBacilla-
rien wnd bildet aus beiden eine eigene Familie ^ci«e/?W (S. 316).
Dendrqsöma radtans bildet ästige, unten dickere, vielköpfige, fest-
sitzende Stämme, deren jedes Köpfchen einer Actinophrys
gleicht; sie scheinen keine besondere Analöffnung zu haben.
Besonders wichtig und interessant sind die zahlreichen
Exkurse über allgemeine Erscheinungen in der Infusorien-
welt, welche Ehrenberg theils der systematischen Aufzäh-
lung am passenden Orte eingeschaltet, theils aui Ende deis
Werkes angehängt hat. Sie enthalten nicht allein die' Re-
sultate seiner eignen Forschungen, sondern auch eine mit
grofser Belesenheit und Sorgfalt zusammengestellte geschicht-
liche Uebersicht der Leistungen seiner Vorgänger. Beson-
ders hervorzuheben sind die Excurse: über die grüne und
rothe Färbung der Gewässer (S. 120"), über die Aufgüsse
(S. 520), über den Einflufs der Kälte, Hitze, des Lichts, der
Electricität, des öalvanismus und Magnetismus auf die Infu-
sorien am Schlüsse des Werkes.
Hinsichtlich der Aufgüsse hat sich' Verf. durch zahlreiche
Versuche überzeugt, dafs man es nicht in seiner Gewalt hat,
durch gewisse lufusionen gewisse Formen zu erzeugen, dafs die
Infusorien in den Aufgüssen nicht die Wirkung, sondern die
Begleiter der Auflösung und Gährung organischer Substanzen
sind, die den in den Aufgüssen zufällig befindlichen Thierchen
reichliche Nahrung bieten. Nur in die der Luft zugänglichen
Infusionen kommen Infusorien. Dafs aus einem einzigen Ei oder
lebenden Thierchen, welches sich zufällig in dem Aufgusse be-
fand oder hineingerietb , auf dem gewöhnlichen Wege durch
193
Efer und Selbsltheilüng in wenig Tagen und Stunden Millionen
entstehen können, hat Verf. schon früher hc'i Parmneci um Aure-
iia, Hydntina senta und Stylonychia Mytilus durch direcle Ver-
suche nachgewiesen. Nur 40 Arten von Infusorien zeigen sich
allen Infusionen am leichtesten zugänglich und Averden S. 526
namentlich aufgeführt. Einige davon vermehren sich vorzugs-
weise mehr in animalischen Aufgüssen; einige vorzugsweise im
Seewasser. Das Häutchen auf den Aufgüssen ist keinesweges
von der Bedeutung, die man ihm neuerlich zugeschrieben. Es
ist zuweilen schillernd, mineralisch, weit häufiger organisch. Es
besteht in den meisten Fällen aus Infusorien- Cadavern, die sich
durch Gasentwicklung an der Oberfläche anhäufen und darunter
auch noch lebende, zuweilen auch aus zerflossenen Infusorien,
Schimmelkeimen, sog. Hygrocrocis-KX^tn und ist dann fasrig
und körnig, oft aus PenicÜlmn glaucum] zuweilen gleicht es einer
zarten farblosen Gallerte, ist dann ein Alge (JPalmeUa, infitsio-
nutn). Das Verhalten der Infusorien zur Kälte fand E. ähnlich
wie Spallanzani. Fast alle gewöhnlichen Formen traf er Win-
ters lebend unter dem Eise an. Eingefrorene Infusorien Avaren
beim Aufthauen todt, oft auch zerflossen. Die gestielten Vor-
ticellen zeigten sich vom Stiele abgelöst. Wenn E. in Uhrglä-
sern Infusorien einfrieren liels, und klaresEis an einem kalten Orte
beobachtete, sah er einzelne Thierchen, welche nicht gefroren
zu sein schienen, in sehr kleinen Bläschen des Eises eingeschlos-
sen, woraus er auf eine eigene Wärme derselben schliefsen zu
können glaubt. Licht im Allgemeinen, Tageshelle und Sonnen-
blicke scheinen der Vermehrung der Infusorien günstig, anhal-
tendes Sonnenlicht meist schädlich. Monas lerrno und Gallio-
•tiel/a femtginea finden sich in Freiberger Gruben in 1106 F.
Teufe. Electrischen Strömen erlagen die Infusorien theils so-
gleich, theils sehr bald. Wo bei Anwendung des Galvanismus
Wasserzersetzung statt fand, waren die im Strome zwischen den
Drähten befindlichen Thierchen wie vom Blitz getroffen, zu-
sammengezogen und meist gleich todt. In Versuchen mit einem
magneto-electrischen Apparate zeigte sich ohne Wasserzersetzung
keine sichtbare Einwirkung, aber mit Beginn dieser waren die
in die magnetische Linie kommenden Räderthierchen plötzlich
todt, zuweilen auch nur betäubt.
Räderthiere.
Von Räderthierchen, die wir hier nur folgen lassen, weil
rtian sie früher unter den Infusorien begriff, werden von Ehren-
berg 169 Arten in 55 Gattungen und 8 Familien beschrieben.
Systematik und Schilderung der Organisation ist im W^esent-
lichen dieselbe geblieben, wie in des Verf. früheren Abhand-
lungen. Auch gegen die Räderthiere wendet sich Dujardin's
Kritik, (a. a. O.S. 185.)
Er findet die Benennung der Klasse nicht bezeichnend, weil
194
nicht alle dahin gehörige Thiere ein wahres R'aderorgan be-
sitzen, so Ftosculariay Chaetonoius u. A., so wie eine neue Gat-
tung ^Iberiia Duj--, welche bei der inneren Organisation der
Räderthlere nur ein ganz rudimentäres Räderorgan aufzuweisen
hat. Verf. schlägt mit Miln e-E d wards und Peltier den Na-
men Systolidae vor, um die allerdings characteristischen ge-
waltsamen Contractionen zu bezeichnen, in denen sie den Vor-
der- und Hintertheil oder nur den ersteren unter den Mlltellheil
des Körpers einziehen; die Augenpunkte will er nicht als Augen
gelten lassen, auch sollen sie nicht physiologische Bedeutung
genug haben, um als generische Unterschiede zu dienen; Hirn-
ganglien, Nerven, Blutgefäfse erscheinen ihm problematisch; die
inneren Kiemen, denen analoge Fllmmerorgane Verfasser auch
bei jLIbertia fand, werden zugegeben, nur nicht, dafs das Was-
ser durch die spornartige Verlängerung, welche E. früher als
Penis,, später als Athemröhre deutete, von aulsen zu ihnen ge-
lange, denn man bemerke an ihr kein Aus- und Einströmen des
Wassers; wahrscheinlicher hält es D., dafs die contractile Blase,
welche E. als Saamenblase deutet, diese Function habe; Samen-
blase könne sie deshalb nicht sein, weil zur Befruchtung der
wenigen Eier, welche ein Räderthier zu legen hätte, so zahllose
Contractionen und Ejaculationen unmöglich nöthig sein könnten.
Hie ^Ibertia vermiculus Aand Dujardin in der Bauchhöhle von
Ltitnbn'cus und im Darme von Limacc. Sie ist wurmförmig, nackt,
vorn wie abgestutzt, hinten verdünnt mit stumpf konischem
Schwanzende, hat 2 Kiefer; am Vorderende tritt zuweilen eine
kappenförmige rundliche wie die Mundgegend mit Wimpern
besetzte Ausbreitung vor. Nach Dujardin ist Miln e -E d wards
geneigt, die Räderthiere mit den Helminthen und Annulaten in
eine Ahtheilung der Gliederthlere zu stellen ; eine Ansicht, welche
Ref. öfter in dieser Zeitschrift ausgesprochen und bereits 1832 in
seinem Handbuche befolgt hat. Bei Annahme dieser Ansicht
erscheint dem Verf. die Gattung ^Ibertia als ein Mittelglied
zwischen den Rotatorien oder Systoüden und den Nematoideen;
andrerseits sieht er im Tnrdigrade {Arciiscon Sehr.) ein Zwi-
schenglied zwischen den Räderlhieren und den Annulaten mit
Kiefern, und verwirft dessen Stellung bei den Krustaceen, welche
Ansicht sich an die von mir Jahrg. HI, Bd.l. S. 200 ausgesprochene
nahe anschliefst. Das von Dujardin beschriebene Bären-
thierchen ist dasselbe, welches Schulze als Macrobioius be-
schrieb. Auch giebt ihm Dujardin 4 Krallen, so dafs die von
Ehrenberg beschriebene dreikrallige Art doch specifisch ver-
schieden sein mufs. Der Schlundzahnapparat ist nach Dujar-
dins Reschreibung ziemlich complicirt.
Polythalamia s. Rhizopoda.
Ehrenberg hat die wichtige Entdeckung gemacht, dafs
wahrscheinlich sämmtliche europäische Kreidefelsen zum grofsen
Theil aus mikroskopischen, dem blofseii Auge unsichtbaren Po-
lythalamien (Foraminiferen) bestehen, deren Zahl so grofs ist,
195
dafs oft weit über eine Million auf jeden Kubikzoll Kreide
kommen, indem ihre Gröfse zwischen ^V '^is -:^~ Linie fällt.
(Bericht der k. preiifs, Akademie. 1838 p. 194).
In der Kreide des nördlichen Europa's sind die den kristallini»
schen analogen Theile der Masse nach den organischen Ueber-
resten zuweilen gleich oder etwas mehr; allein in der südeuro-
päischen Kreide sind dieselben Organismen und deren Fragmente
bei weitem überwiegend; so dafs diese, wie es scheint aus-
schliefslich aus wohl erhaltenen Polythalamlen besieht. Die süd-
und nordeuropäischen Kreidegebirge enthalten viele ganz gleich-
artige Kalkthierchen. Die früher für Tertiärgebdde gehal-
tenen kreideariigen Umgebungen des Mittelmeers gehören den
Organismen nach zur Kreideformation. Aufser den Polythalamien
linden sich auch Kieselinfusorien. Höchst wichtig ist nun des
Verf. Hinweisung, dafs sich In den nordeuropäischen Kreidelagern
Feuersteine in vielen sehr rcgelmälsigen horizontalen Schichten,
in den südeuropäischen dagegen wenig oder gar keine Feuer-
steine, wohl aber Mergel aus Kieselinfusorien, mit Kreideschich-
ten abwechselnd, finden, so dafs allerdings die Annahme sehr
wohl begründet scheint, dafs die Feuersteinlager aus Umbildung
jener Mergelschichten entstanden sind. An die Stelle des vom
Verf. früher hervorgehobenen Mangels an Kieselinfusorien zur
Bildung der Feuersteine ist nun ein grofserReichthum derselben
getreten, denn er beobachtete bisher 40 Arten von Kieselinfusorien.
Bei der Beobachtung wurde zur Verstärkung der Durchsichtig-
keit Bnlsavium canadense auf dünn vertheilte trockne Kreide
angewandt. — Hinsichtlich des Thieres der Polythalamlen konnte
Verf. derzeit nur nach seinen früher am Nautilus orbiculus
Forsk. des rothen Meeres gemachten Beobachtungen schllefsen,
bei welchen er an lebenden Thieren 6 — 8 Tentakeln gesehen
hatte, weshalb er geneigt ist, die Polythalamien als frei beweg-
liche gepanzerte Eryozpen anzusehen, die sich zu den Flusiris
wie Fungin zu den Asträen verhielten. Der erwähnte Nautilus
(^Soviles orbiculus Ehr.) erwies sich bei Anwendung von Ter-
pentin als ein scheibenartiger Polypenstock von 2 — 300 Thler-
chen, deren Zellenöffnung dendritische Kalkthellchen des Kör-
pers bei dessen Contraction so verschliefsen, dafs sie ganz
unsichtbar wird. Später (1839) hat Ehrenberg andere Poly-
thalamien, mit schwachen Säuren behandelt, und deren Bewoh-
ner'als viellappige Thierleiber erkannt, so dafs seine Beschreibung
in dieser Hinsicht der früher von Dujardln gegebenen nahe
kommt. Gleichwohl bleibt E hrenb erg bei seiner früheren An-
sicht, dafs diese Thiere den ßryozoen zuzuzählen seien. Ich
mufs leider gestehen, dafs selbst Ehrenbergs ausführliche zu
Endel839 erschienene Abhandlung: Die Bildung der europäi-
schen, libyschen und arabischen Kreidefelsen und
des Kreidemergels aus mikroskopischen Organismen,
Berlin fol., in welcher eine Systematik der Bryozoen mit Ein-
schlufs der Polythalamien gegeben wird, mich von der Richtig-
keit der systematischen Stellung der Polythalamien bei den
196
Bryozoen nicht ganz überzeugt hat. Es scheint mir vielmehr,
als würde durch diese Vereinigung dem sonst so scharf begränzten
Typus der Bryozoen geschadet. Ueberdies stehen noch die
Beobachtungen Duj ardin 's über die seltsamen fadenförmig-
astigen Be^'^'egungsorgane dieser Thierchen im Wege. Wir
müssen sie doch wohl so lange gelten lassen, bis sie durch wie-
derholte Beobachtung lebender Thiere derselben Gattungen
als irrthümlich befunden worden sind, um so mehr, als Dujar-
din sie Monate lang beobachten und Jedem In Paris, der sich
dafür interessirte, vorzeigen konnte. Ich bin andrerseits weit
davon entfernt in Ehrenbergs Beobachtung der Thiere des
Soriies orbiculus den geringsten Zweifel zu setzen, und bin auch
überzeugt, dafs dies Bryozoen gewesen sind; allein diese viel-
reih igen Polypenstöcke der Polythalamien, wie sie
Ehrenberg nennt und auf Taf. III. abbildet, scheinen mir
anderer Natur zu sein, als die einfachen und zusammengesetzten
Polythalamien, von welchen uns Ehrenberg auf der ersten und
zweiten Tafel seiner neuesten Schrift so schöne Darstellungen
gegeben hat. Beide letztern zeigen durchaus denselben Typus,
dessen Avesentliehe Eigenschaft diekettenartig aneinander hängen-
den Körperlappen sind, welche sich nach einander mit stets
wachsender Gröfse aus dem ursprünglich einfachen Thierleibe
entwickelt haben, weshalb auchDujardin in seiner ersten Mit-
tkellung 1835 den Namen SyTtiplectomera für die Polythalamien
vorschlug. Dieser Character fehlt aber Ehrenbergs Sonics
orbiculus^ welches diesem sorgfaltigen Beobachter auch kei-
nesweges entgangen ist, denn er sagt (S. 53): ,,Es giebt nämlich
Polythalamien, welche bei Ihrer Corallenstockbildung durch Knos-
pen sich verhalten, wie Sertularinen oder wie Hydern, d.h. wo
die Knospen sich allmälig individuell ganz abschliefsen, so dafs
das Miitterthler ohne Schaden des Jungen absterben kann, doch
sondern sich nie diese freiwillig ganz ab, dahin gehören die
Asterodiscinen und Soritinen.'' — Ich finde eben darin den Beweis,
dafs sie keine wahre Polythalamien, sondern Polypen sind, und
möchte sie in der Stockbildung den Flüstern und Escharen ver-
gleichen. Sind Dujardln's Beobachtungen über die Bewe-
gungsorgane der lebenden Thiere richtig, woran man kaum
zweifeln darf, da sich von Paris aus keine widerlegende Stimme
hat hören lassen, so möchte Ich eher Dujardin beistimmen,
\venn er sie wegen der freien Ortsbewegung und derjVeränder-
lichkeit der Bewegungsorgane den Avechselfüfsigen Infusorien zu-
gesellt haben will. Selbst die vielleibigen Polythalamien, deren
Gehäuse nach Ehr enberg's wichtiger Entdeckung eine gemein-
same Hülle für mehrere unter einander zusammenhängende Thier-
leiber Ist, dürften In den zusammenhängenden Paiizer-Pseudo-
poden, den Baclllarien, Ihre Analoga finden, nur mit dem Unter-
schiede, dafs die Familien form bei diesen durch Selbsttheilung,
bei jenen aber durch Knospenbildung entstanden und durch
stetes Fortwachsen der Mutterthlere auffallend modificirt Ist.
Das einzig W^Iderstrebende wäre die Kalkschale; da wir aber
unter den Bryozoen die verwandtesten Formen mit kalkigen oder
197
hornigen |Zellen finden, warum sollte es nicht auch neben kiesel-
panzrigen Pseudopoden kalkpanzrige Wechselfüfser (Rhizopo-
den, Polythalamien) geben kcuinen. Ich spreche hier, wie ge-
sagt, nur meine Ansiebt aus, die ich als eine subjective zu be-
trachten, aber einer geneigten Prüfung zu unterwerfen bitte.
Wiederholte Beobachtung lebender Tbiere von wahren Poly-
thalamien wird über ihre systematische Stellung entscheiden.
IL P o l y p t
Wie die natürliche Stellung der Polythalamien noch
schwankend bleibt, so wird auch die der Spongien und
Spongillen von neuem problematisch durch Dujardins
neuere Beobachtungen, nach welchen er geneigt ist, den Spon-
gillen eine thierische Natur zu vindiciren. (Instit. p. 157 und 202.
^nn. d. Sc. nat. Tom. X. p. 5. mit Abbild.)
Reifst man von einer Spongie Fragmente der schleimigen
Substanz ab, so zeigen sich diese nach Dujardin anfangs unbe-
weglich unter dem Mikroskope, aber bei passender Beleuchtung
sieht man an den Rändern rundliche durchsichtige Vorsprünge,
welche ihre Gestalt in j,edem Augenblicke durch Expansion und
Contraction verändern. Zuweilen sollen sich sogar kleine Frag-
mente von T«ö — ^5ö Millimeter langsam am Glase kriechend
durch jene Fortsätze fortbewegen. D. will dieses Phänomen
bei Spongia panicea^ Cliona celaia und Spongilla seit 1835
beobachtet haben. Auch sah er an den Rändern abgerissener
Lappen der Spongilla Fäden von aufserordentlicher Zartheit
hervortreten, und mit lebhaft undulirender Bewegung schwingen,
so dafs sie an kleineren isolirten Massen eine Ortsbewegung, ver-
schieden von der oben beschriebenen, veranlafsten. D. betrach-
tet die Bewegung dieser schwingenden Fäden, von deren An-
wesenheit er die Herren Milne-Edwards und Turpin über-
zeugen konnte, als die Hauptursache der von Grant u. A.
beobachteten Wasserströmungen. Gegen die hierdurch angeregte
Ansicht von der animalischen Natur der Spongillen würde die
Beobachtung von J. Hogg sprechen, dafs die Spongilla ihre
grüne Farbe allein durch den Einflufs des Lichtes erhalte, und
w enn sie diesem entzogen wird, verliere. {Amt. Nnt. Hist. II.
JJ. 370). Früher {Ann. N. H. I. p. 418) hatte derselbe Natur-
forscher Beobachtungen über die Entwicklung der linsenförmi-
gen Körper (Sporangien? Eier?) angestellt, welche sich in den
Zellen luid Poren der Spongilla finden. Sechs setzten sich bald
an den Boden eines mit Wasser gefüllten Gefäfses fest und er-
schienen in etwa drei Wochen mit einer weifslichen wolligen
Substanz bedeckt, welche Hogg für den Anfang des Schwam-
mes hält. Es kann aber auch der Anfang einer Schimmelbildung
gewesen ^ein. Vgl. über die Bildung dieser eiähnlichen Körper
Meyen in Müllers Archiv 1839. p. 83- — Johnston erklärt
sich in seinen Brit. Zooph. für die pflanzliche Natur der Spon-
gillen, setzt aber Grant's Cliona, die bekanntlich auch Kie-
198
selnadeln enthält, unter die Bryozoen {Ascidoidea) neben Haloda-
ctylus(^AlcyonidiumL,atnour). Nach Gran ts Beobachtungen zeigt
Cliona wirklich in den Wasserströmungen, der Contractilität der
•warzenförmigen Hervorragungen, den Kieselnadeln u. s. w. manche
Uebereinstimmung mit den Spongillen; [allein Grant sah bei
dieser Gattung unter sehr günstiger Beleuchtung und
nur zweimal, wirkliche mit etwa 8 Fühlern begabte Polypen
von aufserordentlicher Feinheit, am Rande der Papillaröffnungen
aus- und eintreten. Sollten spätere Beobachtungen auch an den
Spongillen wahre Polypen nachweisen, so möchte allerdings ihr
Platz neben Cliona sein.
Aus Peyssonel's berühmter Abhandlung, welche zuerst
die thierische Natur der Polypen bewies, hat Flourens in
den Ann. d. Sc. nat. IX. S. 334 i^. einen Auszug gegeben.
Ueber den Reichthum der brittischen Polypenfauna gewährt
G. Johnston's History of the hritish Zoophytes. Edin-
burgh 1838 gr. 8. eine gute Uebersicht.
Die zahlreichen Abbildungen theils in Holzschnitten dem
Texte eingedruckt, theils auf 44 Tafeln dem Werke angehängt,
sind meist blofse Umrisse. Das System, des Verf. ist bereits im
vorigen Berichte (Bd. 2. S. 322.) besprochen.
In einem sehr interessanten Aufsatze (sur la nature des
■polypiers /4nn. d. Sc. nat. X. p. 321 fg.) erörtert Milne-
Edwards seine schon öfter angedeutete Ansicht, dafs der
hornarttge oder kalkige Polypenstock nicht ein todtes Sekret
und ohne organischen Zusammenhang mit den Polypen, son-
dern ein integrirender, organisirter und lebendiger Theil der
Haut derselben ist, ein organisches Gewebe, in dessen Substanz
sich mehr oder weniger Hörn- oder Kalksubstanz ablagert
und dessen Ernährung durch Intussusception geschieht.
A n t h o z o a.
Ehrenberg hat von neuem unsere Kenntnifs der Arm-
polypen durch die überraschende Entdeckung muthmafslicher
männlicher Organe vervollständigt. (Mittheilungen aus den Ver-
handlungen der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Ber-
lin. Jahr 1838. S. 14.)
Er überzeugte sich auch, dafs die stachlige Oberfläche
der durch einen Rifs der Oberhaut hervortretenden Eier durch
Erhärten und Zusammenschrumpfen einer zelligen Gallertschicht
daselbst gebildet wird, deren Substanz im Wasser unlöslich ist.
Als männliche Sexualorgane deutet E. die periodische Knollen-
bildung am vordem Körpertheile der Armpolypen, in deren
Innern er bewegliche geschwänzte Körpercnen, Spermatozoen
i99
aus der Abtheilung der Cephalozoen, Leobachtele. Die Hyrlcm
hätten demnach aufserhafb am Körper sich entwickelnde, pe-
riodisch erscheinende Sexiialorgane beiderlei Art, die männlichen
mehr nach vorn, die weiblichen mehr nach hinten. Es f;;iebt
scheinbar rein männliche Hydern und scheinbar rein weibliche,
auch solche wo gleichzeitig beide Organe entwickelt sind; die
Anlage Ist also offenbar hermaphroditisch.
Johnston 1. c. S. 227 erklärt Brandts G<?ne7« der Acti-
nien, welche auf die Zahl der Fiihlerkränze gegründet sind,
für durchaus verwerflich, weil die Jungen aller Arten nur einen
einfachen Fiihlerkranz haben, und erst später deren 2 — 3 be-
kommen. Vgl. meinen Einwurf d. Archiv. II, 2. S. 189.
Milne-Edwards (Inst. 294) fand bei Untersuchung der
Polypen des Corallium und der Gatt. Cornularia eine grofse
Uebereinstitumung in ihrer Organisation mit denen der Alcyonien.
Die einzelnen Polypen des CornUium setzten sich nicht weit
in der gemeinsamen Masse fort, sondern hören fast sogleich auf,
wie sie in dieselbe eintreten. Der gemeinsame Polypenstock ist
von einem sehr complicirten Gefäfsnetze durchzogen, durch wel-
ches die Individuen in Zusammenhang stehen und welches auch
der Sitz der Kalkabsonderung zu sein scheint. Die seit Cavo-
lini nicht wieder beobachtete Cornularia weicht nur in der Be-
schaffenheit des reproductiven Theils der Haut von den Lobula-
rien ab; sonach sind Ehr enb ergs Zweifel, ob sie nicht zu den
Bryozoen gehöre, beseitigt. Ich stellte sie in meinem Hand-
buche neben Tubipora und möchte diese Stellung auch jetzt noch
gut heifsen. Sie ist auch an der Küste von Sussex gefunden
(Johnsi. Br. Zooph. p. 192). Johnston äufsert hier die Ver-
muthung, dafs Laomedea dumosa Blninv. (Campanularia dumosa
JFlem.) nur der hornige Zellentheil einer Cornularia sei.
B T' y o z o a.
Milne-Edwards setzte seine vortrefflichen Arbeiten über
die Bryozoen fort. Sie betreffen die Tubuliporinen (Ann. d.
Sc. nat. IX. p. 194 und im Resume Instif. p. 138) und die
Gatt. Salicornaria {Instit, S. 154).
Bei letzterer ist die Beschaffenheit sowohl der ^Veichtheile,
wie der Zellen ganz so, wie bei den Escharen. Die Verschie-
denheit betrifft vorzüglihh die Struktur des Opercuhim und die
Bildung der Hautfeheide, und berechtigt zu generischer Tren-
nung. Die Gattungen Glauconomn Goldf. vnd J'^incularia Defr.
müssen aber nach des Verf. Ansicht mit Salicornaria vereinigt
werden. — Zu der Familie der Tubuliporinen gehören aufser
Tubulipora wegen gleicher Structur der Thiere: Berenice, il/e-
senteripora., Idmonea, Hornera^ Crisia, Crisidia, Alecto, wahr-
scheinlich auch Diastopora^ Spiropora, Pherusa, Frondipora^ Fa-
200
sciculana. Die Gattungs-Verschiedenheiten hängen lediglich von
der Weise ab, in welcher die Knospen entspringen, und die jun-
gen Polypen unter einander zum gemeinsamen Polypenstocke
verschmelzen.
Auch Gervais setzte seine Untersuchungen der Bryozoen
des süfsen Wassers fort. (Instit. S. 398.)
Die Eier der Crlstatellen werden, bevor sie völlig reif sind
in den gemeinsamen Stock entleert, wo sie zuweilen auskommen.
Die weniger vorgerückten haben weder den deutlichen Wulst noch
die Stacheln, sondern sind kreisrunde Scheiben. Aiifserdem stellt
Verf. zwei neue Crewer« mit trichterförmiger nicht hufeisenförmig
eingebogener Fühlerkrone auf: FredericiUa und Paludicella.
Bei ersterer tritt der Polyp, dessen 20 Fühler an der Basis durch
zarte Haut verbunden (pa/tnes) sind, aus dem Ende der Zellen her-
vor, heiPaludicella dagegen seitlich nahe unter dem weiteren
Ende der spindelförmigen Zellen, welche Ende an Ende gestellt
trichotomische Reihen bilden. Ob die FredericiUa mit Blumen-
bachs Tubuinria suliann identisch ist, wie Verf. meint, mufs
wohl noch unentschieden bleiben, denn Blumenb ach's Diagnose
^^crista infundibuliformi, ad basin ciliata'^ findet darauf xelne
völlige Anwendung, wohl aber erkennt man in der FredericiUa
Fleming's Pluniatella gelatinosa (Brit. yinim. 55.3) wie-
der. Die Paludicella ist allerdings Alcyonella ariiculata Ehrb.^
wie Verf. verrauthet.
111. Acalephae.
lieber Quallen erschien nur eine, aber eine sehr gedie-
gene Schrift von J. F. Brandt:
Ausführliche Beschreibung der von C. H. Mertens auf sei-
ner Weltumseglung beobachteten Schirmquallen, nebst allge-
meinen Bemerkungen über die Schirmquallen überhaupt. Mit
34 lithographirten meist colorlrten Tafeln. Aus den Metn. de
TAcad. Imp. d. sc. de St. Petersbourg besonders abgedruckt.
Leipzig bei Vofs 4. Verf. schickt den Beschreibungen der von
Mertens und Posteis schön gezeichneten Schirmquallen eine
höchst fleifsige Zusammenstellung alles dessen voraus, was über
die Anatomie und die Lebenserscheinungen der Schirmquallen
bis dahin bekannt war; auch eine Uebersicht ihrer geographi-
schen Verbreitung ist gegeben. Da die Abhandlung als beson-
drer Abdruck käuflich ist, und ihrer Natur nach keinen Auszug ge-
stattet, kann Ref. nur den Zoologen ihre Benutzung angelegent-
lichst empfehlen.
ly. Echinodermata.
Agassiz begann seine gehaltvollen Monographies d'Echi-
nodermes vivans et fossiles. Neuchatel 1838 mit der Mono-
graphie derSalenien. Der Raum erlaubt für jetzt nur die vor-
läufige Anzeige.
V. M o l l^h'^üh \i.
Bearbeitet von
Dr. F. H. Troschel.
Auch in dem verflossenen Jahre hat die Klasse der Mollus-
ken viele Bearbeiter gefunden, deren Arbeiten, . theils als selbst-
ständige Werke, theils in den verschiedenen Journalen zer-
streut, manche interessante Aufschlüsse über noch minder be-
kannte Thiere der in Rede stehenden Klasse geben, oder neue
bisher noch nicht beschriebene Formen in die Wissenschaft
einführen.
Von Werken, die sich über die ganze Klasse verbreiten,
wollen wir zunächst eines ausgedehnten Aufsatzes von Isaac
Lea erwähnen {Description qf New Freshwater and Land
Shells in den Transactions of the ^meru an phüosophical
Society held at Philadelphia, for promoting useful know-
ledge Vol. VI. new series Part. I. Articlei). Viele recht
schöne illuminirte Abbildungen in Steindruck sind beigegeben
und machen durch die grofse Anzahl neuer (nur amerikani-
scher) Arten, die sich oft durch seltsame Bildung auszeichnen,
uhd vorzugsweise der Familie der Flufsmuscheln angehören,
den Aufsatz doppelt interessant. Da derselbe ohne Zweifel
bis jetzt noch in den Händen weniger Conchyliologen ist, so
werden wir die sämmtlichen Diagnosen der neuen Arten unten
passenden Orts vollständig mittheilen.
Von E. A. Rofsmäfsler's Iconographie der Land- und
Süfswasser- Mollusken erschien, als Fortsetzung, des zweiten
Bandes erstes und zweites Heft. Die Abbildungen, welche der
Verf. wie früher, selbst auf Stein gezeichnet hat, zeichnen sich
V. Jahrg. 2. Bd. 14
202
durch Natnrtreue und Nettigkeit in der Ausführung aus. Die
Genauigkeit und Gründlichkeit in Scheidung und Begrenzung
der Arten, und die Bekanntmachung vieler Arten, deren Na-
men bisher fast nur in Catalogen gelesen wurden, machen das
Werk unentbehrlich. Die neuen Arten, deren Namen wir hier
zuerst lesen, sollen unten aufgeführt werden.
Helix pulchella und H. costata Müll, will Verf. als
Varietäten in eine Art vereinigen. Helix insiabilis Ziegl.y
arenosa Ziegl., dejecia Cr. ei J. betrachtet er als Varietäten
von H. ericetorum Müll. — Clausilia grossa, ungulala^
granaiina und lud da Ziegl. werden als Varietäten zu Cl.
bidens Drap, gezogen ; ebenso Cl. atienuata und mucida
Ziegl. zu Cl plicaiula Drap.^ Cl. rugosa, obiusa, dubia
sec. V. Charp.^ pusillä Ziegl. werden in eine Art unter dem
Draparnaudschen Namen Cl. rugosa vereinigt. —
Kiener's prächtiges Werk (Species gener al et Icono-
graphie des coquilles Vivantes etc.) nahm seinen guten Fort-
gang. Es sind jetzt im Ganzen 46 Lieferungen erschienen,
von denen (nach des Referenten Vermuthung, da auf den Um-
schlagen keine Jahreszahlen stehen), auf das Jahr 1838 die
27. bis 34. Lieferung incl. kommen. Das Werk ist von zu
grofser Wichtigkeit, als dafs es Conchyliologen entbehren soll-
ten. Aus diesem Gesichtspunkte haben wir in den früheren
Berichten keine specielleren Mittheilungen aus demselben ge-
macht. Da der Preis des Werkes jedoch mit der Zahl der
Lieferungen bereits ein ziemlich bedeutender geworden ist, so
glauben wir, es werde vielen unserer Leser nicht unwillkom-
men sein, wenn wir die Diagnosen der neuen Arten unten
aufführen. In den erwähnten Lieferungen enthält der Text
Monographien der Gattungen Terebra, Struthiolaria, Delphi-
nula, Rotella, Solarium, Scalaria, und in der 34. Lieferung
den Anfang zu der Gattung Mitra, die dann noch durch viele
spätere Lieferungen fortläuft. Die Abbildungen entsprechen
nicht dem Text, alle gehören zu den Gattungen Mitra und
F'oluta.
Unter dem Titel: Verzeichnifs der Conchylien, welche sich
in der Sammlung von Hermann Eduard Anton befinden,
herausgegeben von dem Besitzer, Halle b. Eduard Anton 1839
erschien in der Mitte des Jahres 1838 ein Buch, das schon
bei seiner Geburt sich um ein Jahr jünger machte. Die Ar-
beit ist rein conchyliologisch gehalten und Verf. versucht
203
aus der Verwandtschaft der Schalenfonn eine natürliche Reihe
zu schaffen. Dafs dieser Versuch nicht gelingen konnte, ist
sehr begreiflich, und es scheint darin, dafs Verf. blofs die
Schalen berücksichtigt ein Rückschritt zu liegen, den man bei
der zunehmenden Kenntnifs der Mollusken, aus der man er-
fährt, wie scheinbar sehr verwandte Schalen doch Thiere von
selir verschiedenen Entwicklungsstufen umschliefsen, kaum hätte
erwarten sollen. Die meisten Andeutungen des Verf. über
Verwandtschaften sind nuc so beiläufig eingestreut, und unbe-
gründet, wie sie sind, legen sie nur die individuelle Ansicht
des Verf. dar. Die Gattungen werden möglichst zusammen-
gezogen, jedoch so, dafs in ihnen wieder Untergattungen, die
meist den L am arck sehen entsprechen unterschieden werden,
wodurch also nicht eben viel geändert ist. Viele neue Arten
werden beschrieben, und die meisten Genera werden auf diese
Weise vermehrt. Mit Einschlufs der fossilen, die meist aus
dem Pariser Grobkalk herstammen, finden sich über 300 neue
Arten. Bei dieser Menge von Neulingen kömmt man sehr
leicht auf die Vermuthung, es möchten wohl alte Dinge wie-
der umgetauft zum Vorscheine kommen, indessen das ist ge-
wifs nur im Einzelnen, wie es sich wohl nicht vermeiden läfst,
der Fall. Verf. hat sehr gute literarische Hülfsmittel, und das
Verzeichnifs beweist, dafs er sie gut zu benutzen verstanden
hat. So viel es sich thun liefs, hat Ref. die Beschreibungen
mit der Sammlung des Berliner Zool. Museums verglichen,
aber kaum einen Fall gefunden, der die obige Vermuthung
rechtfertigte. Mit Sicherheit kann man jedoch dies nur ent-
scheiden, wenn man die Originalexemplare selbst zur Verglei-
chung in Händen hat. Wegen dieser neu aufgestellten Arten,
so wie wegen der vielen Berichtigungen von Synonymen ist
das vorliegende Werk für die Conchyliologen von grofser
Wichtigkeit und zum ferneren Bestimmen unentbehrlich. Auch
sind die Diagnosen, welche deutsch abgefafst sind, recht aus-
führlich, wie es scheint genau, und werden zum Bestimmen
meist vollkommen ausreichen. Der Fundort ist leider nur
selten angegeben, und das ist es, was man stark vermifst.
W^ir können unmöglich alle Diagnosen, wegen der grofsen
Menge, ganz abdrucken lassen, halten es jedoch für unsere
Pflicht sie unten alle (d. h. die der Jetztwelt) namentlich auf-
14*
204
zuführen, und ihnen die wichtigsten Kennzeichen beizufügen,
um wenigstens auf ihr Dasein aufmerksam zu machen.
Von d'Orbigny's T^oyage dans VAmerique meridio-
nale enthalten die 4 im Laufe des Jahrs 1838 erschieneneu
Lieferungen (Livr. 35 — 38) keinen Text zu den Mollusken,
wohl aber einige Abbildungen nämlich Tab. 49, 50, 51, 55,
56, 57, auf denen neue Arten der Gattungen u4mpidlaria.
Trochus, Monodonta, Turbo, Natica, Neritina, Tornatella,
Siphonaria, Sigaretus enthalten sind, eben so schön ausge-
führt, wie wir es an den früheren Lieferungen gewohnt waren.
Hoffentlich werden wir im nächsten Jahre mehr zu berichten
Gelegenheit haben.
Ueber die Entwicklung, Gröfse und Struktur der Schalen
(ßhells) finden wir einen kleinen Aufsatz im Athenaeum.
No. 538. Febr. 17. 1838. von Gray, in welchem die Bildung
der Gehäuse recht gut auseinandergesetzt wird, ohne dafs
wir darin etwas besonders Neues erführen.
Zu der geographischen Verbreitung der Mollusken erhiel-
ten wir mehrere Beiträge:
Von Interesse scheint ein Büchelchen zu sein, das Ref.
leider nicht gesehen hat: Malacologia Monensis : a Catalogue
of the Mollusca inhabiting the Isle ofMan and the neigJi-
houriug Sea. By Edwai'd Forhes Edin. 1S38. 12. pp. 63.
mit drei Tafeln.
Dasselbe gilt vom: Catalogo sistemaiico delle conchiglie
terrestri e ßuviatili osservate ncl territorio di Monfalcone
dell Ahate Leonardo Brumati. Gorizia 1838 mit lith.
Abb. und Malacologia terrestre et fluviatile della Proiincia
Gomasca di Carlo Porro. Milano 1838. 8. mit 2 Tafeln.
Ueber die Land- und Süfswassermollusken des westlichen
Ilimalaya finden wir einen Aufsatz von T. Hut ton und W.
H. Benson (Journal of the Asiatic Society of Bengal
Vol. VII. part. I. p. 211), in welchem mehrere neue Land-
schnecken beschrieben werden, wovon die Fortsetzung ver-
sprochen wird. Die Diagnosen der neuen Arten, welche sämmt-
lich von Benson sind, werden unten mitgetheitt. Die Schnek-
ken der Niederungen machen in dem Maafse, wie die Tem-
peratur kälter wird solchen Formen Platz, welche den Euro-
päischen mehr ähnlich sind. Wenn gleich einige Arten der
205
Ebenen sich bis auf die Berge verbreiten, so giebt es doch
eine wolilbezeichnete Linie der Erhebung, welche die grofee
Zahl nicht überschreitet. Wenngleich z, B. Nanina vesi-
ciila in allen Erhebungen bis zu 10500 Fufs gefunden wird,
so erheben andere Arten, die in den Ebenen mit dei^selbe»
genieinscliaftlich leben, sich nie über ein Drittel dieser Höhe.
Zu diesen gehören Nanina vitrinoldes Desh. und Suc-
cinca crassiusciila Bens., welche um Suhathu in einer
IIölic von 3000' in Gesellschaft mit solchen Arten vorkommen,
die nur deii Bergen angehören, wie llelicarion cassida Iluit. und
Pupa pulchella. So ergiebt sich also eine Grenzlinie zwischen
den Arten der Berge und denen der Niederungen.
Eine Aufzählung der Land- und Süfswassermollusken von
Algier und Bougia in der Provinz Constantine giebt Edward
Korbes (Jardinc etc. ^iiiuds of nat. hist. II. p. 250). Es
werden 45 Arten aufgezähU, von denen 3 der Gattung Liinax,
21 der Gattung Helix, 5 der Gattung Bulimus, 4 der Gattung
Achatina angehören; die übrigen sind Arten der Gattungeri
Succinca, Pupa, Cyclosloma, Faludina, Ancylus, Physa,
Planorhis, Melanopsis und Pisldium. Von den früher (1836)
von iMichaud als bei Algier vorkommend bezeichneten Mol-
lusken finden sich einige nicht dort,- sondern vielmehr in der
Nähe von Marocco, wo die Fauna einen verschiedenen Cha-
rakter annimmt und sicli tlieils an die der Canarischen Inseln^
theils an die von Spanien annähert. Die der Fauna von Algier
und Constantine nicht angehörigen Schnecken sind: Helix ca-r
riosnla, snluta, alahastriles, Hicroglyplncida (alle neu von
Michaud), vermicidata, Carthusiana, alhella, zaphirina,
conspiircata; Bulimus radiaiiis; Cyclostoma ToUzianum
Mich, und Jevrugineum Mich. Die Meisten der hier aufge-
führten Arten finden sich auch im südlichen Europa. Die
neuen Arten sind abgebildet und mit Diagnosen versehen,
welche wir unten mittlieilcn werden.
h\ Aen Bulletins scientißques de Moscou U. p. 151 — 173
erhielten wir von Eduard Eichwald {Faunae Capsiimaris
priinitiae) die Aufzählung und genaue Beschreibung der im
Kaspisclien Meere lebenden Mollusken. Falls das vom Verf.
gegebene Verzeichnifs vollständig ist, so haben das Kaspische
Meer und die in dasselbe einströmenden Flüsse eine sehr
206
dürftige Molluskenfaiina, denn mit Finschlufs vieler fossilen
finden wir nur gegen 40 Arten aufgezeichnet. Die noch leben-
den gehören den Gattungen Paludina, Rissoa, Neritina, Cy-
rena, Anodonta, Unio, Dreissena (Tichogonia Rossm.},
Mytilus, Venus, Ca/JiMm, und einigen WQvmn Didacna, Mo-
nodacna und Adacna an. Die neuen fossilen Arten aufzu-
führen gestattet der Raum nicht, es liegt auch nicht im Plane
dieses Berichtes. Die neuen Gattungen und Arten, welche
noch jetzt lebend gefunden werden, sollen unten charakterisirt
werden,
Joshua Alder giebt ein Verzeichnifs der Mollusken
Englands. (Jardine, Selhy and Johnston Mag. of Zooh
and Bot. Vol. IL p. 101). Es besteht aus 100 Land- und
Siifswasserschnecken und 21 Muscheln. Unter ersteren gehören
35 Arten der Gattung Ilelix, 8 der Gattung Vertigo, 13 der
Gattung PlanOT'his, 9 der Gattung Limnaeus an. Im Ganzen
stimmt hiei-'nach die Molluskenfauna Englands so ziemlich mit
denen des westlichen Festlandes von Europa iiberein, und es
scheint, als wenn nur sehr wenige Formen England eigen-
thümlich wären. Die in den Catalog aufgenommenen Bemer-
kungen beziehen sich nur auf die Namen, und die Vereinigung
oder Trennung der Arten. Letzteres ist jedoch nie mit Grün-
den unterstützt, und daher nur als eine Meinung des Verf.
anzusehen.
In demselben Journal p 471 findet sich ein kleines Ver-
zeichniss von 25 Arten britischer Land- und Süfswasserschnek-
ken, welche Daniel Cooper im Sommer 1837 zu Mickleham,
nahe bei Box Hill, Surrey gesammelt hat, und wodurch eben er-
wähntes Verzeichnifs des Herrn Alder noch um Helix nitens;
Clausilia parvula? und Vertigo Juniperi vermehrt wird.
Es fragt sich nur, ob die Bestimmungen richtig sind.
Als Bereicherung der Fauna Preufsens giebt Dr. C. Th.
v. Siebold in Danzig (Preufs. Provinzial-Blätter Bd. XIX.
p. 54) ein Verzeichnifs von 15 Molluskenarten, welche in
Kleeberg's Molluscorum Borussicorum Synopsis. Regio-
mont. 1828. noch nicht aufgeführt sind, so dafs gegenwärtig
87 Arten Preufsischer Mollusken in 27 Gattungen bekannt sind.
A. Müller beschrieb (dies Archiv 1838 I. p. 209) einige
bei Kiel gefundene Laudschnecken. Durch die eine Ilelix
207
scarhurgensis Turton wird die Fauna Deutschlands be-
reichert, ebenso durch die zweite Vertigo plicata, die
Verf. für neu hielt, die jedoch offenbar mit V. Venclzii
Charp. identisch ist (Vergl. dies Arcliiv 1838. II. p. 278.)
Auch möchte es hier der Ort sein, anzuführen, dafs
E. Moore angiebt {Loud. Mag. n. s. II. p. 206) der Teredo
7tavalis, den man als aus Indien eingeschleppt betrachtet, und
von dem Osler im Jahr 1826 behauptet hat, er könne nicht
mehr als zur britischen Fauna gehörig betrachtet werden, das
Klima müsse ihm wohl nicht zugesagt haben, sei im Hafen von
Plymouth vorhanden, und habe sogar Zerstörungen angerichtet.
Die auffallend schnelle Verbreitung des Myfilus poly-
inorphus (Tichogooia Ro/srn., Dreissena Vanhen.) über fast
ganz Europa hat die Aufmerksamkeit mehrerer Zoologen auf
sich gezogen. A. F. A. Wiegmanii spricht (dies Archiv
1838. I. p. 342) seine Meinung dahin aus, dafs sie in der Mark aus
den östlichen Theilen Europa's durch Schiflffahrt, und namentlich
durch Holzflöfsen, an denen die Thiere mit ihrem Byssjis be-
festigt sind, eingeschleppt worden sei.
Van Beneden stimmt dieser Ansicht (ebenda p. 376)
bei, und fügt die Vermuthung hinzu, dafs der in dem Bassin
von Antwerpen vorkommende Mytilus cochleatus KicAx (Dr.
qfricana Vanhen) westafrikanischen Ursprungs, und auf ähn-
liche Weise von dort nach Europa geschleppt worden sei.
Ueber denselben Gegenstand macht Strickland Beobach-
tungen in Grofsbritanien bekannt (^Loud. Mag. ji. s. JZ. p. 361).
Erst seit 1837 findet sich Myt. polymorphus Gm. im Avon
bei Evesham, und zwar in grofser Menge. Ebenso im Kanal
zwischen Warwick und Birmingham, und in den Kanälen bei
Wednesbury in Staffordshire; überall jedoch nur in schiflFbarem
Wasser, was die Einschleppung beweist. Nur an einem Orte bei
Leamington ist die Muschel in nicht schiffbarem Wasser gefun-
den, das jedoch mit schiffbarem in unmittelbarer Verbindung
steht. Verf. fügt noch hinzu, dafs erwachsene Exemplare, die
von ihrem natürlichen Wohnort abgerissen waren, einen neuen
Byssus secernirten, und sich wieder anhefteten. Junge Indi-
viduen kriechen wie Schnecken umher, indem sie den Fufs
nach dem Vorderende der Schale richten, und durch abwech-
selnde Expansion und Contraction desselben die Schale nach-
208
schleppen. Nach einigen Wochen setzen sie sich ebenfalls fest.
Endlich will Verf. auch bemerkt haben, dafs diese Thiere für
Lichteindrücke empfänglich sind.
A. Cephalopoda.
Von Richard Owen erschien in deii Transactions of
ihe zoological Society of London P^ol. IL Part. 2. p. 103
ein Aufsatz über Cephalopoden mit einer Kupfertafel. Ve-
scriptions of some new and rare Cephalopoda. Die Thiere
erhielt Verf. von George Bennett, der sie auf seiner Reise
nach Australien gesammelt hatte. Der Aufsatz beginnt mit
einer sehr genauen Beschreibung von Cranchia scahra LeacTi;
hierauf folgt die ausführliche Beschreibung zweier neuen Arten
Loligo laticeps und Octopus semipalmatiis. — Der Bewoh-
ner der Argonauta Maus Solander war Ocythoe Cranchii
Leach, welche nebst den Eiern beschrieben wird. Dafs die
Thiere, welche die verschiedenen Species von Argonauta
bewohnen, ebenfalls specifisch von einander verschieden sind,
sieht Verf. als ein Argument für den Nichtparasitismus dieser
Thiere an; auch weist er nach, dafs die inneren Organe eine
Annäherung an die zehnarmigen Cephalopoden andeuten. —
Es findet sich nun noch die Beschreibung des Kopfs und eini-
ger Eingeweide eines O/ijc/jofÄeMfw- ähnlichen Cephalopoden
von Port Jackson, und Verf. setzt schliefslich nach einer
Uebersiclit der verschiedenen Eintheilungen der Cephalopoden
seine eigenen Ansichten darüber auseinander, denen er folgen-
des Schema hinzufügt:
Classis Ordines Tribus
Octopoda
Dibranchiata
-1
Familiae
{Nuda
Testacea
'TetUhidae
Decapoda
, Tetrabranchiata.
Genera.
iEledo7ie
l Octopus
{Argonauta
[Bellerophoii etc.
{.Loh'gopsis
[ Cranchia
fSepiola
\ Rossi'a
b-{ Onychoteuthts
! Loligo
"■Sepioteuthis
I Sepiadae . Sepia
Belemnitidae , Bdcmniles etc.
^SpiruUdae . Spirula
{
209
Die neuen Arten sind:
JLoltgo laiiceps Owen dunkel rolhbraun 'gefleckt, Kopf
breiter als der Körper, Arme ungefähr von Länge des Körpers,
die Stiele der Saugnäpfe angeschwollen, Länge mit den
Arm£n l^V".
Octopus setnipalmaius Owen bauchig, etwas nach hinten
verschmälert; Augen sehr vorstehend, fast gestielt; von den acht
Armen ist das Rückenpaar das längste; das Jßauchpaar ist länger
als das ihm zunächst stehende: nur die 4 oberen Arme sind durch
eine Membran bis auf i Länge der Arme verbunden, die Mem-
bran zwischen den andern Armen ist sehr kurz, zwischen dem
untern Paar fehlt sie ganz. Länge mit den Armen 1.}".
Die Abhandlung von Rang (JDocumens poiir scrvir ä
Thist. nat. des Cephalopodes crypiodibranches), welche ob-
gleich schon im Jahre 1837 erschienen {Giierin Mag. 1837.
Cl, 7^J) im vorigen Jahresberichte nur zum Theil besj^rochen
wurde, ist zu wichtig, als dafs sie ganz übergangen werden
könnte. Das, was über die y^rgonauta ylrgo gesagt ist,
haben wir bereits angedeutet. Die Gattung Octopus wird in
vier Gruppen getheilt: 1) Grofse segeiförmige Häute vereini-
gen die obern Arme unter sich: O.vel^fev, violaceus, velatus
nov. sp. 2) Kleinere Haute, die zusammen eine Art Trichter
vor dem Kopfe bilden, a. die Häute ungleich, einen schiefen
Trichter bildend : 0. Quoyaims, tetracivrhus, aranea, macro-
pus Risso (ist ahgehildet), ßlamcnfosus; l. Häute gleich und
einen geraden Trichter bildend: O.Monteddeo, appendiada-
tus, hreviteiitaculaius , fontanianus, vulgaris, moschatus
(ist abgebildet) cirrhosus, Cuvieri, ciliatus, lunulatus, gra-
nosus, tuberculatus, horridus, aculeatus, tehuelchus. 3) Ganz
ohne Häute: 0. hyaliiius nov. sp., venustus nov. sp., catenu-
latus, atlanticus, Eylais, hrevipes, microstomus, 4) Mantel
auf jeder Seite fliigelförmig: 0. cordifoTinis Q, et Gr., mem-
hranaceus Q. et G. Die ueuen Arten lassen sich kurz etwa
so charakterisisen :
Octopus velatus die obern 4 Arme viel länger als die
untern 4, die 4 längern sind durch sehr entwickelte Häute ver-
bunden, deren jede einen Einschnitt hat. Saugnäpfe alternirend
in 2 Reihen. Oberhalb blau, unterhalb blafs; Arme und Häute
braun, überall fein roth punctirt. Länge des Sacks 5i cent.,
des längsten Arms 16 cent. Mitlelmeer. — O. hyalinus Kör-
per sackförmig, vorn breiter als hinten, wo er abgerundet ist;
Arme fast von Länge des Körpers, ohne Häute an ihrem Grunde,
durchsichtig,aufihrerEndhälfte rosenfarbig, die oberen etwaslänger
210
als die unteren. Saugnäpfe alternirend, genähert. Durchscheinend
wells, mit einem grolsen Fleck, den die Eingeweide bilden;
roth geileckt. Länge 2 cent. 5 mill. Atlantischer Ocean. —
O.vemisiusKörper oval, sackförmig, Kopf kurz, Arme ziemlich
kurz, verschieden an Länge, Saugnäpfe klein und wenig sicht-
bar. Weifs, durchscheinend, Querreihen von Flecken auf der
Rückenseite des Kopfes. Länge 2 cent. Goree.
Zu andern Cephalopoden-Ga.iiungen werden dann noch
folgende neue Arten beschrieben;
Cranchia perlucida fast gallertartige durchscheinend,
oval, hinten spitz; der Sack ist um den ganzen Körper offen;
acht sitzende Arme und zwei gestielte längere, erstere mit zwei
llelhen Saugnäpfen, letztere haben die Saugnäpfe auf der Innern
Seite der Verdickungen ohne Ordnung. Hinten auf dem Riik-
ken finden sich 2 durchsichtige, abgerundete Häute; die Einge-
weide bilden eine birnförmige Masse. Weifs mit rothbraunea
kleinen Flecken. Die rudimentäre Schale Ist sehr klein, häutig,
durchsichtig, von rothbrauner Farbe, und von Gestalt einer
Degenklinge. Occan equatorial. — Sepiola Rondeletii Leach.
ist abgebildet. — Loligo viirea spindelförmig, hinten sehr
spitz, Kopf rundlich, Augen nach vorn; die sitzenden Arme kurz
mit zwei Reihen alternirender Saugnäpfe, die gestielten Arme
spitz, ohne Anschwellung mit einer länglichen Gruppe kleiner
Saugnäpfe, Seltenmembranen dreieckig, hinten. Weifs rosig
])unctirt. Länge 2 — 3". Africanische Küste. — Die Eier des
Ociopus vulgaris werden beschrieben und abgebildet. — Scpio-
ieuihis hiangulata die obern sitzenden Arme die kürzesten,
die gestielten Arme nicht so lang wie der Körper, am Ende
wenig angeschwollen mit kleinen Saugnäpfen; Trichter kegel-
förmig, Seltenlappen hinten breit, braun mit dunklern Punkten.
Schalenrudiment federförmig. Länge 5 — 8". Martinique. —
Sepia elegans d'Orb. ist beschrieben und abgebildet, — Se-
pia hierredda oval, vorn und oben mit stark vorspringendem
AVinkel, Kopf breit, kurz; Seltenlappen sehr lang, nach hinten
vorstehend und einen tiefen Einschnitt zwischen sich lassend.
Braun und gelb marmorirt, an jeder Seite des Rückens eine
Reihe von6vveIfsen Flecken. Schalenrudiment verlängert, hin-
ten mit starker Spitze. Länge 8 — 10". Goree. — Sepia or-
vaia etwas verlängert, die Seitenlappen erreichen vorn nicht
die Oeffnung des Sacks, stehn hinten vor und lassen einen tie-
fen Einschnitt zwischen sich. Braun, schwärzlich gewölkt; hin-
ten in der Mitte ein goldgelber weifsumkränzter Fleck; jeder-
seits eine Reihe wellser Flecke. Schalenstück mit einer Mittel-
Iclste, hinter der ein herzförmiger, goldgelber Fleck liegt. Goree.
In den Bulletins de VAcademie royale de Bruxelles
ioinc V. no. 7 findet sich eine Monographie der Gattung
Sepiola (^Note sur les Mülacozoaires du genre Sepiole)
von P. Gervais und P. J. Vanbenedeu. Leider fehlen
211
in dieser Arbeit alle Diagnosen, welche man doch wohl in
einer Monographie erwarten sollte. Die Verf. beschreiben als
hierhergehörig S. palpehrosa (Rossia poJp. Owen), S. lineo-
lata Q. et G., S. stenodactyla Grani, S. Rondeleti Leach
(^Sepia sepiola L., Loligo sepiola Lam.), S. vulgaris Grant,
und fügen diesen zwei neue Arten hinzu:
S. Dcsvigniana blau mit kupferfarbigem Schiller und einigen
schwarzen Punkten; die Knorpelplatte ist vorn breiler, dünn' und
durchscheinend; zwei Reihen Saugnäpfe. Länge mit den Ten-
takeln 18'". Mittelmeer. — S. subulnta Eydouoc MS. blafsrosig,
mit weinrothen Punkten; zwei Reihen alternirender kurzgestiel-
ter Saugnäpfe. Der Rückenknochen ist knorplig. Länge 8".
Lucon.
Eine höchst merkwürdige Cephalopoden-Form von Ja-
cobshavn in Grönland beschreibt Es ehr ich t {Nova acta etc.
1838) als neues Genus unter dem Namen Cirroteuthis
Müll er i mit folgendem Charakter: Octopus suctorüs mini-
jnis unam seriem. in quovis hvachio formantibus; hrachiis
cirratis et cum niemhrana natatoria vel cum plicis ejus
pendulinis usque ad apicem fere connatis; alis natatoriis
duabus transversalihus , vertehrae cartilagineae corporis
insert'is. Suctoriis singulorum hrachiorum 30, cirris 32.
Länge des Körpers 3|", der Arme 4^".
B. Pteropoda.
Zu dieser Ordnung erhielten wir zwei sehr interessante
anatomische Arbeiten, die für die Naturgescbiclite dieser
Thiere von grofser Wichtigkeit sind.
Die erstere (Anatomische Untersuchungen über die CUonc
horealis von D. F. Es ch rieht. Kopenhagen 1S38. 4.) er-
schien als besondere Schrift und enthält eine ausführliche
Anatoiiiie des Thiers nebst drei Steindrucktafeln. — Die
Rauhigheit der Haut, so wie die rothe Farbe derselben, rührt
von einer Menge Säckchen her, die mit einem rothen öligen
Pigmente gefüllt sind, und mit ihren spitzen Ausführungsgän-
gen aus der Haut hervorstehen. Die Muskelfasern der Haut
verlaufen vorzugsweise in die Quere, auch hat die Haut ihre
eigenen Nerven. Die Flossen, welche Cuvier für Kiemen
hielt, sind nur Bewegungsorgane , und das was Cuvier für
Gefäfse in ihnen ansah, weist Eschricht als Muskelbündel
nach, die regelmäfsig sich kreuzend, von dem Mitteltheil des
212
Flossengeriistes schräg theils nach vorn, theils nacli hinten
verlaufen. Der grofse Gefäfsstamm, den Cuvier Kiemenvene
nennt, steht nicht ir.it der Vorkammer, sondern mit der Spitze
der Herzkammer in Verbindung. Der Schlundring besteht aus
8 grofsen und 2 kleinen Knoten. Von ersteren liegen die
beiden vordem über, die beiden hintern unter dem Schlünde;
von den vier mittlem liegen 2 jederseits dicht über einander,
und die untern von ihnen sind durch einen Querast mit ein-
ander verbunden, so dafs das Ganze einen doppelten Ring bil-
det An jeder Seite der vordem Knoten liegt noch ein klei-
nes Ganglion. Die vordem Knoten senden die Nerven zum
Kopfe und den Augen, die seitlichen zu den Flossen, die hin-
tern zum Hinterleibe. Die Augen liegen in der Tiefe der
Nackengrube, sie haben die Gestalt eines Cylinders, in dem
vom die Linse liegt. Was man früher für Augen hielt, sind
wohl die nicht vollkommen eingezogenen Fühler gewesen.
Die papiUae carneae Pallas, welche sich vorn am Kopf be-
finden, stülpen sich ein wie Schneckenhörner und sind daher
wahre Füiiler. Die Kopfkegel itentacula carnosa Pallas),
hält Verf. aus der Analogie mit den Cephalopoden und mit
Pneumodermon für Ansaugungsorgane. In den Mundtheilen
findet sich zwar im Allgemeinen einige Analogie mit den
Gasteropoden, im Einzelnen jedoch weichen dieselben sehr ab,
und zwar noch weit mehr als die der Cephalopoden. Ein Schlund-
kopf ist vochanden, und trägt jederseits vorn zwei Bündel
karamartig gestellter Zähne, die Verf. Seitenzähne nennt, und
die jedenfalls die Stelle der Kiefer vertreten. Alle diese Zähne
sind vorn an einem muskulösen Cylinder befestigt, der wieder-
um in einem muskulösen hohlen Cylinder steckt. Die Zunge
beschreibt Verf. als einen Muskel, der sich vorn in 2 Spitzen
theilt; jeder dieser Spitzen sei nun mit einfachen spitzen nach
hinten gekrümmten Zähnen, welche in 20 Längs- und 20 Quer-
reihen geordnet seien, bedeckt. Der Analogie nacli ist es Ref.
sehr wahrscheinlich, dafs diese Beschreibung nicht ganz genau
ist. Die beiden Muskelspitzen werden wohl nach unten mit
einander verbunden und so eine Rinne bildend, von einer
Membran, die die Zahubewafl'nung trägt, überzogen sein. Man
wird in dieser Vermuthung noch bestärkt durch die Angabe
des Verf., dafs es ihm gelungen sei, die ganze Parthie, welche
213
an einei Zungenspitze sitzt als eine ziisammenMlngonde Platte
loszutrennen. Die Leber nmgiebt den ?vlagen vollständig als
ein dünner Ueberzug und es münden in dieselbe aus dem Ma-
gen viele kleine Blindsäcke, ähnlich wie es Cuvier hei Pneu-
modcrmon Peroiiii beschrieben hat. In der Leber findet sich
viel Gel, woraus Verf. vermuthet, dies möge den Stoff zu der
enormen Oelbildung bei den Walliischen, denen diese Thiere
bekanntlich zum grofsen Theil als Nahrung dienen , liefern.
Auch ist Verf. der Meinung, man könne das Oel vielleicht,
namentlich bei der bereits sich einstellenden Abnahme der
Walltische, aus der Clione unmittelbar gewinnen, da sie in so
ungeheuren Mengen das Nordmeer erfüllt. Was die Geschlechts-
theile -betrifft, so bestehen sie aus einem Eierstock, dessen
Ausführungsgang sich in eine Blase verdickt und an den gro-
fsen Hoden anlegt, von dem ein gemeinsamer Ausführungs-
gang abgeht. Alle diese Theile liegen im Hinterleibe nahe
der Leber, den Hoden hat Cuvier ganz übersehen. Das Or-
gan, welches Cuvier als Hoden beschrieb, liegt im Kopfe,
und ist von den ebengenannten Geschlechtstheilen getrennt;
Verf. hält diese Organe für die Ruthe, In der Deutung der
Functionen des Halskragens und des Halszipfels ist Verf. zu
keiner Entscheidung gekommen» Für ein Anheftungsorgan ist
er nicht geneigt sie zu halten, dagegen vermuthet er eher, es
seien die Kiemen oder sie stehen zu den Geschlechtstheilen in
irgfind einer Beziehung. Die Analogie zu dem entsprechenden
Organe hei Pneumodevmon violaceum, wie es Vanbeneden
beschreibt, und wovon gleich die Rede sein wird, scheint ihm
jedoch die Functionen eines Anheftungsorganes zuzusprechen.
Das Herz besteht aus einer Herzkammer und einer Vorkam-
mer, die stark von einander abgeschnürt und mittelst eines
dünnen Stieles verbunden sind. Aus der Spitze der Herzkam-
mer, die nach dem Kopfe zu liegt, entspringt ein starkes Ge-
fäfs, das Verf. für die Aorta erklärt. Endlich erwähnt Verf.
noch aulser den drei Hinterleibshöhlen eines grofsen Sackes,
den er als Harnsack ansieht, was jedoch noch einer genauem
Untersuchung bedarf.
Interessant ist es , dafs wir gleichzeitig die Anatomie
eines sehr nahe verwandten Thieres erhielten {Recherches
anatomiques sitr le Pnewnodcrmon violaceum d'Orh. par
214
P, J. Vanbeneden, Bulletin de V Acad. d. sc. de Bruxelles
mars 1838; M ü 11 er's Archiv für Anatomie etc. 1838. p. 296;
Ann. d. sc. nat. IX. Zool. p. 191.)
Aufser den 8 schon Cuvier bei Pn. Peronii bekannten
Nervenknoten des Schlundringes beschreibt Verf. zwei Fäden,
die von dem ersten Ganglienpaare entspringend sich am Grunde
des Schlundes in ein Ganglien vereinigen, das er als zum sym-
pathischen System gehörig ansieht. Den Anhang unten am
Halse hält er für den verkümmerten Fufs der Gasteropoden.
Das Organ ist analog dem Halskragen und Halszipfel bei Clione
und hat offenbar dieselben Functionen. Die flössen bestehn
wie bei Clione aus schräg sich kreuzenden Muskelbiindeln.
Die Mundtheile werden auch beschrieben, jedoch würde eine
gröfsere Ausführlichkeit sehr dankenswerth gewesen sein. Von
Kiefern wird nichts erwähnt, sie sind doch gewifs vorhanden.
Von der Zunge wird gesagt, sie sei wie bei den Schnecken
mit einer hornigen Haut in Vförmiger Lage überzogen, die
mit vielen nach hinten gekrümmten jederseits in 4 Reihen ste-
henden Zähnen besetzt sei. Nach hinten gehn von der Mund-
höhle zwei cylindrische Blindsäcke, die hinten durch einige
Fäden verbunden sind, ab, und schliefsen einen Tubus ein,
der wie die Zunge mit Zähnen besetzt ist. Dafs sich die
Zungenmembran in einen Cylinder nach hinten fortsetzt, ist
bei den Mollusken etwas ganz Gewöhnliches, dafs hier zwei
dergleichen vorhanden sind, wie auch schon Cuvier angiebt,
ist ein ganz besonderer Fall, und scheint auf eine Theilung
der Zungenmembran zu deuten. Der Zusammenhang der Cy-
linder mit der Zunge geht aus der Abbildung nicht hervor,
ist auch nicht recht zu begreifen, da die Aeste der letztern
nach vorn gerichtet sind. Das hätte Verf. wohl leicht näher
erörtern können. Das Herz verhält sich wie bei Clione, die
Aorta entspringt aus der vordem Spitze. Ueber das Organ,
was Cuvier für Kiemen hielt, so wie über manches Andere,
finden wir noch keine Aufklärung.
Es scheint angemessen, hier eine im vorigen Jahresberichte
übergangene Notiz nachzuholen, welche W. H. Benson über
die von ihm früher {Journal of the Asiat Soc. of Bengal.
Vol. IV. p. 176) aufgestellte Gattung Balantium in dem
ebengenamiten Journal Vol. VI. 1837 p. 150. bekannt machte.
215
Verf. giebt an, dafs bereits in London Quartcrly JouT-nal
of Science, wo sein Balantium recurvum (^Cleodora
Balanüum Ter.) Fol XV. no. 107. Pf. VlI. abgebildet ist,
der anonyme Uebersetzer in einer Note p. 220 die Gattung
Balantium aufgestellt hat, was ihm frülier entgangen war.
Das ist eine sehr anzuerkennende Rechtlichkeit der Gesinnung,
die fremdes geistiges Eigenthum selbst eines Unbekannten ehrt.
Aufserdem wird eine neue Art beschrieben.
Balantium bicarinaiufn Bens, lesta compressa, suhirian-
gulart, /lasltj'ormi ^ j^acicbus utrisque Iransverse sulcaiis, superiori
Iriradiata, radiis conveocis, approorijnalis^ ad viarginem superiorem
provecium itndulas Ires formaniibus ; fade inferiore media con~
vexa, abbreviata, marginibus lateralibus laevibus unistdcalis^ snb-
bicarinatis. Long, 0/65" l(it. 0/5". Hab. in Oceano Indico
australiy non procul ab insulis .Amsterdam et Saudi Pauli dictis.
C. Heteropoda Lam.
Eydoux und Souleyet haben bei Firola Per. (Pte~
roirachea Forsk), Ca rinaria Laju. und Atlanta Les.^
sowie bei einigen andern Mollusken ein eigenthiiraliches Organ
hinter den Augen beobachtet, dicht hinter dem Kopfganglion.
Es zeigte sich als ein runder, durchsichtiger Punkt, der mit
dem Hirnganglion durch einen Faden in Verbindung stand.
Die Verf. halten dasselbe für Gehörsorgan (Institut 1838. p. 376)*
W. H. Kenson spricht die Vermuthung aus, die fossile
Gattung Bellerophon Montfort gehöre nicht zu den Ce~
phalopoden, sondern mit seiner Gattung Oxygyrus und
Atlanta zu den Nucleohranchous Gasteropoda.
Die Art, wie die genabelten Arten von Bellerophon auf-
gewunden sind, der scharfe Kiel einiger Arten, die Bucht,
welche diesen Kiel in der Apertur auskerbt, seien Charaktere,
welche die Verwandtschaft der beiden Gattungen {Bellerophon
und Oxygyrus) bezeichnen; während die Verlängerung der
Lippen über den Nabel, und die kalkige Struktur von Belle-
rophon hinreichend seien, sie von Oxygyrus generisch zu
unterscheiden, bei welcher Gattung die Verlängerungen der
Lippen fehlen, und die Schale fast horniger Natur ist. (JSotc
on the Genera Oxygyrus and Bellerphon. Journ. of the
Asiat. Soc. of Bengal Vol. VI. 1837. p. 316.)
216
D. Gasteropoda.
Die durch die Beobachtungen über die Reproduction der
Schale der Argonauia argo bekannte Madame Jeannette
Power stellte auch Reproductionsversuche an Seeschnecken
an (Loud. Mag. n, s. IL p. 63). Sie benutzte dazu Käfige
von verschiedener Gröfse, welche sie bei Messina ins Meer
tauchte, um den Schnecken soviel vv'ie möglich ihre Freiheit
zu ersetzen. Sie gab ihnen angemessene Nahrung und nach
Bedürfniss schlammigen Boden oder Wasserpflanzen. In 20 Ta-
gen war ein abgeschnittener Fühler und ein ausgebrochenes
Stück Schale von Trilonium nodiferum ergänzt. Am 6. Sep-
tember schnitt sie 10 Exeiiplaren von Murex irunculus die
Köpfe ab, und rifs ihnen die Deckel ab. Am 10. Oktober
fand sie 8 von ihnen am Leben, von denen 6 ihre Deckel
reproducirt hatten, und 4 ihre Köpfe und Fühler. Einem Co-
nus schnitt sie am 11. September den Sipho und die Fühler
ab, weiche am 8. Oktober vollständig reproducirt waren.
Aehnliche Versuche machte sie aufserdem an Tritonium nodi-
ferum und Fusus lignanus mit demselben Erfolge.
Pouch et theilte der Academie zu Paris Beobachtungen
über die Entwicklung des Embryo bei Limnaeus ovalis mit.
Derselbe wird eine ausführliche Arbeit über die Entwicklungs-
geschichte der Limnäaceen liefern, bis zu deren Erscheinen
auch wir eine genauere Mittheilung aufschieben {Institut 1838
p. 222; Anncdes d. sc. nat. X. Zool. p. 63).
Ueber die Entwicklungsgeschichte des L imax griseus
findet sich eine Abhandlung von P. J. Vanbeneden und
Ch. Windismann (^Bulletin de VAcad.d.sc. de Bruxelles
mai 1838; Annales d. sc. nat. IX. Zool. p. 366.)
a. Pulmonata.
J. E. Gray führt als eine Merkwürdigkeit an, dafs Arion
ater Sand gefressen, und denselben zu der Form seines ge-
wöhnlichen Kothes zusammengeballt wieder von sich gegeben
habe. Dies ist jedoch etwas ganz gewöhnliches, was man
bei den Land- und Süfswasserschnecken täglich beobachten kann.
Zwei Arten von Limax werden durch E. Forbesl. c.
aufgeführt, ohne dafs Jlinen speclfische Namen gegeben wären.
Bei dej' einen sind Kopf und Fühler röthlicligrau, der Rücken
mit 2 dunkeln parallelen Streifen, Schild gelbgrau mit 2 dunkeln
2i1
L'ängsrelhen, die nicht mit denen des Körpers zusammenhangen^
Länge 1'/'. — Die andere liat einen grauen, scharf gekielten
Kücken; Füliler dunkel; Schild bräunlich weils mit grauen Flek-
ken. Länge i". Beide bei Bougia,
Von Lamarck's Histoire naturelle des animaiix sans
vertebres ist der achte Band der von Deshayes besorgten
zweiten Auflage erschienen, welcher die Land- und Süfswasser-
schnecken enthält. Das Buch wird für den Conchyliologen
besonders dadurch wichtig und unentbehrlich, dafs die von
Lamarck übersehenen und viele der späterhin beschriebenen
Arten hinzugefügt sind. Es wird daher die Bestimmung der
Conchylien sehr erleichtert. In den von Deshayes hinzuge-
fügten Bemerkungen thut sich das Bestreben kund, nicht nur
neuerlich vorgeschlagene Gattungen nicht anzuerkennen, son-
dern sogar die von Lamarck vorgeschlagenen zusammen zu
ziehen. ^ In der grofsen an Arten der mannigfaltigsten Form
so sehr reichen Gattung i?eZ/'.r L., an welcher schon viele Zoolo-
gen ihren Scharfsinn geprüft haben, um eine geschickte und
natürliche Eintheilung zu machen, nimmt derselbe nur drei
Gruppen an, welche sich aufser der Schalenbildung noch in
Verschiedenheiten der Geschlechtsorgane als natürliche dar-
stellen sollen. Die erste ist die Gattung Helix in Verbin-
dung mit Caro colla, bei der auf beiden Seiten des gemein-
samen Geschlechtsganges die eigenthiimlichen Organe {vesicu-
les muliifides Cuv.} vorhanden sind;^) die zweite bildet die
Vereinigung von Bulimus und ^chatina, denen die ge-
nannten Organe fehlen, und zwischen denen sich freilich in
einigen Arten ein allniähliger Uebergang findet. Zur dritten
gehören Pupa, Vertigo und Clausilia. Besonders fällt
die Vereinigung dieser letzten Gattungen in eine auf, die nicht
einmal auf genaueren anatomischen Gründen beruht, da doch
die Gattung Clausilia sich so natürlich durch das Vorhan-
densein des sogenannten Clausiliums begrenzt. Offenbar kom-
men durch diese Zusammenziehung der Gattungen viele der
verschiedensten Formen zusammen, und es steht zu erwarten,
dafs mit fortschreitender Kenntnifs dieser interessanten Thier-
gruppe sich auch anatomische Gründe darlegen werden, welche
1) In der Gattung Helix finden sich auch an diesen Organen
mannigfache Verschiedenheiten, davon jedoch ein andermal. Ref.
V. JahrE-. 2, Bd. 15
218
nicht mir die Annahme der Lama rck sehen, sondern so^ar
die Aufstellung noch mehrerer andern Gattungen, wie sie zum
Theil schon von neuern Zoologen vorgeschlagen sind, noth-
wendig machen werden. — Im Allgemeinen mufs noch hinzu-
gefügt werden, dafs Verf. eine Menge neuerer Entdeckungen
auch in Beziehung auf die Thiere dem La marckschen Werke
einverleibt hat. Viele Arten, welche von Lamarck verkannt
waren, zählt er den Generibus zu, zu denen sie gehören.
Zahlreiche Citate aus der altern und neuern Literatin- sind
den meisten Arten hinzugefügt, und mit grofser Sorgfalt wer-
den oft den Arten audere als von Lamarck angewendete
Namen beigelegt, indem der Herausgeber den Autoren ihr
Prioritätsrecht bewahrt. Jedenfalls ist das Buch jedem, der
sich mit der Naturgeschichte der Mollusken beschäftigt, unent-
behrlich.
Auch H. Beck hat eine Eintheilung der grofsen Gattung
Helix im weitern Sinne geliefert (7/i^ea: Molluscorum prae-
sentis aevi musei principis augustissimi Chrisiiani Frederici
auctoie IL Beck. Fasciculus primus. liafniae 1838.) Hier-
in finden wir auf 100 Folio-Seiten eine grofse Anzahl von
Landlungenschnecken aufgezählt, von denen viele Arten als
neu bezeichnet sind. Da das Ganze jedoch rein als Katalog
gehalten ist und aufser den wichtigsten Synonymen, dem Citate
der besten Abbildungen und dem Vaterlande auch nicht eine
Silbe zur Bezeichnung hinzugefügt ist, weder zu den Arten,
noch Gattungen, noch Zünften (Tjibus), so hält es sehr schwer
sich in des Verf. Ansichten einzuarbeiten, selbst wenn man
eine reichhaltige und gutbestimmte Sammlung vor sich hat.
Ref. ist es nicht gelungen sich eine Einsicht in das System
des Verf. zu verschaffen, was ihm vielleicht besser geglückt
wäre, und ihm unbedingt weniger Arbeit gekostet hätte, wenn
Verf. sich der Mühe unterzogen hätte, dem Werke einen Schlüs-
sel zum Systeme beizugeben. Die neuen Gattungen, so wie
namentlich die neuen Arten können nicht als publicirt ange-
sehen werden, da bei dem gänzlichen Mangel an Diagnosen
unmöglich Jemand wissen kann, was Verf. meint. Derselbe
darf daher auch keine Prioritäts-Ansprüche erheben, bevor er
nicht das conchyliogische Publicum mit näheren Mittheilun-
gen über seine neuen Arten und EintheUungsgründe erfreut
219
hat. Dies wäre um so vviiiisclienswertlier, als die Scliönlicit
der Saintnlung' des Prinzen Friedrich und der Name des Ver-
fassers etwas Vorzügliches erwarten liefsen.
In Anton's bereits oben angeführtem Conchylienverzeich-
nifs finden sich ebenfalls einige neue Ansichten über die Ein-
tlieilung der Gattung Helix. Verf. nimmt nur die bekannten
Gathmgen Succinea, J^itrina, Ilelix, Bulimus,Clau-
silia an. Zur Gattung Vitrina zählt er aufser den bereits
früher dahin gerechneten Arten noch Ilelix ci Irina und
laevipes Müll., welche letztere Art er für identisch mit
//. spadicea Gm., IL holteniaiia Climn. und //. hya-
Lina Far. hält. Diese Synonymie ist nun schon gewagt, und
läfst sich gewifs nicht halten, aber die Lostrennung dieser
Arten von Ilelix und ihr Anreihen an Vitrina läfst sich
gar nicht verantworten. Zuweilen kann man überhaupt die
Ansichten des Verf. nicht recht begreifen. So z. B. stellt er
Helix holteniana p. 50. wieder zu ^mpullaria, nach-
dem er sie kurz zuvor der Gattung Vitrina zugesellt hatte.
Von den beiden so nahe verwandten Arten MoricancT s , die
man kaum als verschiedene Arten gelten lassen kann, nämlich
Bul. velutino-hispidus und heterotrichus setzt er
die erstere zur Gattung Helix, letztere zu Bulimiis. Die
Gattungen Drepanostoina und ^nostoma werden, ebenfalls
unhaltbar, vereuiigt. Es ist eigentlich nicht der Zweck dieses
Berichts/ dergleichen Fehler zu corrigiren, ich führe diese Bei-
spiele nur als Thatsachen dafür an, dafs man sich hüten mufs,
den Meinungen des Verf , die übrigens nie durch Gründe unter-
stützt sind, unbedingten Glauben beizumessen. — Die Gattung
Helix zerfällt in die Untergattungen Helix (Ilelicogena,
Helicella, Helicodontci) , Drepanostoma, Carocolla^
Die Gattung Bulimus in Partula. Bulimus, Acha-
tina; die Gattung Clausilia in Clausilia, Str'ohilus,
V ertigo, Pupa. Alle diese Untergattungen zerfallen wie-
der in theils natürliche, theils unnatürliche Gruppen; nament-
lich sind diese Gruppen bei der Gattung Helix oft von der
Art, dafs Verf. einzelne Arten ebensogut in eine andere Gruppe
hätte stellen können. Daran sind die Uebergängc Schuld, und
darum hat der Verf. den Nagel immer noch nicht auf den
Kopf getroffen. Eine durchgreifende, d. h. wirklich natur-
15*
220
gemäfse Eintheilung dieser schwierigen Abtheilung wird auch
erst dann möglich sein, wenn man bis in die Details die Thiere
anatomisch untersucht haben, und dann die anatomischen Ver-
schiedenheiten mit Schalenverschiedenheiten in Uebereinstim-
mung gebracht haben wird.
Zur Gattung Succinea bemerkt Deshayes 1. c, dafs
wichtige anatomische Unterschiede sie von Helix entfernen.
Den Succineen fehlen die sogenannten Vesicules multißdes
ganz; ebenso der Liebespfeil und dessen Behälter; das fas
deferens verbindet sich nicht mit dem Oviduct.
Ueber iS*. ampÄi&ia Dr///). und ihre Varietäten giebt Da-
niel Cooper Bemerkungen (Low Jo/j5 Mag. n. s. IL p. 476).
Er unterscheidet mit Draparnaud drei Varietäten, auf
welche er die Arten einiger englischen Schriftsteller reducirt.
Nach ihm gehören S. oblonga Turion und S. gracilis Alder
hierher.
Neue Gattungen und Arten:
Succinea apertaLea 1. c. t. subrotunda, tenui, flavescente,
laevi; spira brevissima; anfractibus binis, ultimo grandissinio;
apertura latlsslma. Diam 0/4" long. 0/5". Columbia River. —
Helicarion cassi da Hutton 1. c. t. ovato-depressa, pal-
lide Cornea, radiatim striolata, junioris epidermide sericea, aetatp
nitore orbata, anfractibus ventricosioribus; apertura patula, ro-
tundato-ovata; spira convexa, apice exsertiuscula, minime obtu-
satay anfractibus 5 velociter crescentibus. Lat. 14'". Von lihar
bis Simla.
Nanina m ontlc ola Hutt. 1. c. t, subdiscoldea, pallld^ vel
saturate brunnea, epidermide radiatim et concentric^ rugülosa,
spira depresso-conoidea, apice obtusata; peripheria ikiinime an-
gulata, suturis leviter Impressis, apertura transversa, lunata, labro
Costa interna submarglnali albida munito. Diam. 1,75". Mahassu,
Hatlu und Liti bis zu einer Höhe von 14000'. — N. splen-
dens Hutt. t. discoidea, purpureo-brunnea, polita, leviter con-
centrice et radiatim striata, strüs radialis remotis, illis confertis-
sime dispositis; spira vlx elevata; anfractibus septem (apice
omisso) arcte convolutis; apertura lunata, labro strJga incrassata
interna distante munito. Diam. 0,65". Mahassu, Fagu und Hattu
bis auf 10656' Erhebung. — N. vesicula Bens. t. tenui depres-
siuscula, pallide Cornea, translucente, polita, supra conoidea; apice
acuminata; infra tumidiuscula, aperturae longitudine latitudinem
aeqnante; labro subrecto ad axem spectante. Diam 0,6". An fr. 6-
Himalaya. — N. fragil is Hutt. t. tenui, fragili, vitrea, olivacea,
conico-discoidea ; spira subexserta, apice obtuso; anfr. 5 supra
convexis, subtus subplanatis; apertura obliqua, rotundatb-ovata,
peritremate acuto. Diam. 0,35". Kirmalliah, 5 Meilen von
Neemuch.
221
Von Helix 13 neue Arten bei Anlon I, c. Ferner: He-
iLv consiantina Forbes testa subglobosa , imj>crforata, alb;«,
riifofasoiata, fauce alba, labro expanso, niargine rcllexo, columella
gibba. Bougia. — H. roseoiincta Forbes orbiculato-coiivexa,
dcpressiuscula, pallide Cornea, pelliicida, perforata, pllosa , pills
per serles longiludiiialiter dispositis; apertiira subrotunda, bibro
interne niarginato, rosco-tincto, peristoniate simpllci, apice glabro,
papillato. Lat \'" alt. ■y\". Algier et ßougia. — H. War-
diana Leu 1. c. testa orbiculato -convexa, luiibilicata, inferne
depressa, nitida, Cornea, diapbana, anfractibus senis, longitudina-
iiter slriatis, slrils confertis, spira obtusa, labro aciito, intus spis-
sata Ohio. Diani. 0,4" long. 0/3". — H. Mitchelliana Leo,
t. superne obtuso conica, infernc inllata, longiludinaliter et sub-
tiliter striata, cornea, diapbana, imperforala; anfractibus quinis
apertura subrotundata; labro rellexo'; columella laevi. Übio.
Diam. 0,7. long. 0,4". — //. T^ancouvercnsis Lea t. plano-
convexa, inferne planulata, nitida, longitudinallter striata, cornea,
late umbilicaia, anfractibus quinis, rotundatis; apertura subrotun-
data, labro inferne subreHexo, superne depresso; columella brevi,.
callosa. Oregon. JDiam. 1,1" long. 0,5". — H. N uttalliana Lea
t. obtuso-conica, subtus planulata, umbilicata, longitudinaliler
minute striata, superne lutea, Inferne tenebroso-fusca, prope ca-
rinam fasciata ; anfractibus septcnis, apertura subrotundata, Intus,
fasciata; labro subrcllcxo; columella laevi. Oregon. Diam. 1,3";
long. 0,8". — H- €olumbiana t. obtuso-convexa, inferne sub-
rotundata, nitida, longitudinallter striata, cornea, diapbana, um-
bilicata; anfractibus senis, subrotundatis, apertura subrotundata;
Libro albo etreHexo, Inferne subcalloso; columella laevi. Oregon.
Diam. 0/7- long. 0/4" verwandt m\i li.lJiyroideus Say. — H.tna-
gniflca t. obtuso-conica, subcarinata, longitudinaliler striata,,
fasciis flammeis rubris albisque picta, subtus seriebus pluribus.
punctorum rufescentinm ornata, late umbilicata; anfractibus
quinis, superne planulatis, inferne subconvexis; apertura trans-
versa; labro sinuoso, rcflexo; columella laevi. New Granada,
Diam. 2/7", long. 1, 2". Verwandt mit //. ^eZ/js serpentis. Der
Name ist schon von Ferussac vergeben. — H. Californien-
sis Lea t. globosa, Imperforata, granosa, fusca, unifasciata; an-
fractibus quinis; apertura subrotundata; labro reflexo; columella
laevi. Ober-Californien. Diam. 0,7", long. 0,6". — H. Town-
sendiana Lea t. obtuso-conica, longitudinallter striata, rugosa,
fusca, umbilicata, anfractibus quinis; apertura subrotundata; labro,
reflexo; columella laevi. Wablamat. D. 1", long. 1,6". — H.Nich-
liniana Lea t. snbglobosa, tenuiuscula, albida, longitudinallter
striata, nubila, perforata, unifasciata; anfractibus quinis; apertura
rotundata; labro subreHexo; columella laevi. Ober-Californien.
Diam. 0,9" long. 0,7". — H. Oregonensis Lea t. subcarinata,.
tenui, laevi, rufofusca, ad carinam bifasciata, superne subconvexa,
inferne subinflata. Wablamat. Diam. 0/6", l#ng. 0/4". — H. liu-
viilis HtiU, 1. c. t. parvula , convexo-depressa, cornea, late et
profunde mnbilicata, anfr. 5 rotundatis, ultimo, subangulato, pen-
ultimo aperturam circularem vix interrumpente; peritremale
222
acuto, DJam. 0/125". Verwandt mit H. rupestris Drap, nur etwas
gföfspr i<r,A (Jer Naüel mehr offen. Simla. — H.orbiculaHutt.
X. orbiciilato-convexa, fiiscescente, epidermide scabra, anfr. 6 con-
vexiusculis; peripheria subangulata , umbilico profimdo latiusculo;
peritremate subrotundato, acuto. DIam. 0,4". Simla und Mahassu.
— H. fastiginta Hutt. t. parvub, albido-cornea, miiuitissime
granulata, pyramidata, subtus plano-convexa, anfr. 7 convexiu-
sciilis, ultimo acute angidato, suturis leviter impressis, umbilico
evanescente, apertura latiore quam longa; apice obtuso. Axis 0,16",
Simla. — H. bulhtla Hiät.i. parvula, glabra, translucente, sub-
trochiformi, conoldea; anfr. 5 convexis, ultimo rotundato; sutu-
ris impressis; umbilico angustato; apertura latiore ; labro simplici.
DIam. 0,15". Simla. — H. nana Hult. t. parvula, convexo-co-
noidea, pallide fuscescente; anfr. 6 autTarcte convolutis, ultimo
rotundato; apertura latiore, labro simplici; umbilico eva-
nldo; apice valde obtuso. DIam. 0,1". Verwandt mit H. fulva
Drap, aber mit engern Windungen. Simla. — H. planiuscula
Hutt. t. parvula, deprcssa, fusca, polita; anfr. 5, ultiml periphe-
ria rotundata; apertura transversa. DIam. 0,1". Verwandt mit
H, crystallina^ aber dunkler und mit AvenIger plattem Apex. Simla.
Polygyva Dorfeuilliana Lea t. superne obtuso -conica,
inferne subinflata, nitida, cornea, longitudinallter siriata, late
umbillcata; anfractibus senis; apertura lunata, tridentata. Ohio.
DIam. 0,3", long. 0,2". — P. Troostiana Lea t. superne
subplanulata. Inferne subinflata, cornea, longiludinaliter striata,
late umbillcata; anfractibus senis; apertura lunata, tridentata.
Tennessee. Diam. 0,4", long. 0,2".
In Guerins Mag. de Zool. 1838. Cl V. pl. 110 eMll
berichtigt Deshayes die Synonymie \onIIelix QCarocolla)
lahyrinthus mit den verwandten Formen. Drei Arten
werden unterschieden: H. labyrinthus Chemn., H. plicata
Born, H. hifurcata Desh., welche letztere die von Ferussac
llist. d. Moll. pl. 54 B. fig. 1 unter dem Namen H. plicata
abgebildete ist.
An diese Gruppe sich anschliefsend beschreibt Petit
(ib. pl. 113) eine neue Art:
C uncigera testa orbicularl, acutissime carlnata, supra
convexa, Infra convexo-planulata, imiblllcata, alba, fascils fuscis
cincta, anfractibus sex, apertura subquadrangularl, obllquissime
depressa, fauce prope columellam plica transversa ornata , labro
externe unidentato, intus unciforml dente armato, margine albo
reflexo. Alt. 9 mill. Lat, 27 mill. Panama. — C. Hydiana Lea
1. c. testa orbiculata, utrinque convexa, subfusca, minute granu-
lata, late umbillcata, anfractibus quinis, apertura subtriangulata,
plicis quatcrnis inaequalibus coarctata, marglnibus convexis, re-
llexls, subrufis. Porto Cabello. DIam. 1,9", Long. 0, 9". Eben-
falls A^erwandt mit C. labyrinthus Lam. — C. (Helix) Oithiana
Forbes testa orbiculato-depressa, alba, lougltudlnallter striata,
223
profunde umbillcata, anfractibus quinquc, ultimo carinato, an-
gulalo, apertura, pcrlslomate subrcrlexo, columella reflexa. Lat. 1"
Alt. i". JBoiigia. — C. (Helijc) barbitia v. Charp. in litt, bei
Rolsinäfsler testa aperte umbilicata, lenticularis, carinata, cornea,
arctispira, subtiiissiiiie cosliilata, apertura dcpressa, angusta, lunalo-
trisinuata, perisloniate flexuoso, replicato, albilabiato, bidenticu-
lato. Alt.'i'"', I>o"g. 5'", anfr. 6. Portugal. Endlich <7. G«e-
rini und caUosn bei Anton 1. c.
Von Biilimus finden sich bei demselben 6 neue Ar-
ten, aul'serdem: B. Terverii Dupotet (MSS) bei Forbes
l. c. verbindet B. acutus mit B. obscurus und viontanus in
der Form, hornfarbig mit wejlsen unregelmäfsigen Längs-
streifen. — B. lade US Lea t. ovato conica, imperforata,
nitida, lactea, tenul, subdiaphana, minutissime transversim striata,
inferne brunneo- viftata ; anfractibus senis; apertura subparva;
labro acuto. Columbia. Diam. 0,4", long. 0,7". — B. Pealiatius
Lea l. ovato-conica, imperforata, laevi, nitida, cinerea, subcrassa;
llamnndis purpurcis longitudlnalibus picta; anfractibus senis;
apertura palula, purpurea; labro acuto, reflexo. Columbia. D. 0,4",
long, 1,1,'. — B. Colonibianus Lea. t. elongato-turrita, per-
forata, nitida, alba, tenul, minutissime transversim striata; apice
aurea; anfractibus septenis; apertura subparva, labro acuto. Co-
lumbia. Diam. 0,5", long. 1/2". — B. corneus Lea t. ovato-
conica, umbilicata, cornea, tenul, pelluclda; anfractibus septenis;
apertura parva; labro acuto. Columbia. D. 0,3", 1- 0,7". Der
Name ist schon von Deshayes vergeben. — B. glandifor-
viis /yc« t. ovata, rugosa, subinflata, imperforata, subcrassa, gra-
nosa, rufo-fusca, albo-maculata; anfractibus quaternis, ultimo
magno; apertura purpurea, ovata, submagua; labro reflexo, colu-
mella laevi. Neu Granada. Diam. 0,7", long. 1,,3". — B. par-
vus Lea t. conica, imperforata, carinata, lactea; apIce rufo; an-
fractibus senis, planulatls; apertura ovata; labro acuto; columella
laevi, subangulata. Carthagena S. A. Diam. 0,3", long. 0,5". —
B, virgo Lea t. conico-acuta, perforata, nitida, diaphana, lon-
gltudlnaliter striata; anfractibus septenis, convexluscuhs ; apertura
ovata; labro acuto; columella angulata. Carthagena S. A. D. 0,3",
long. 0,9^'. — B. Gibbonius Lea t. ovata, ventricosa, perfo-
rata, subcrassa, granosa, tenebroso-fusca, atro-maculata; anfracti-
bus quinis, ultimo magr.o; apertura purpurea, magna, obllqua;
labro reflexo, columella albida. Neu Granada. Diam. 2,4. long, ,3,5.
— B. gracilis Lea t. subfusiformi, nitida, subperforata, albida,
trivlttata, longitudinaliter striata; anfractibus planulatls; apertura
ovata; labro reflexo; columella laevi, purpurea. Carthagena S. A.
Diam. 0,6", long, 1,4". — -B, maculaius Lea t. conico-acuta,
imperforata, nitida, alba, rufomaculata, apice nigro; anfractibus
septenis, subplanulatls; apertura ovata, labro acuto, columella
suuangulata. Carthagena S. A. Diam. 0,3". Long. 0,9". — ■
Aus der Gattung ylchatina wurden beschrieben von An-
ton 1. c. ^. hyalina, minuta, splendida. Ferner: ^. niti-
dissima Forbes 1. c. testa cyllndracea, pellucida, laevissima, ni-
tidissima, corneo-lutescente, apertura oblonga, anfractibus quinis,
224
ultimo majore, apice obtuso. Long. l". Verwandt mit yi. folli-
cuhis. Algier. — ^4. (Btilimus) decoraia Lea t. substriata,
imperforata, nitida, ciocea, trifasciata ; anfractibus senis, con-
vexiusculis; apertura ovata, canaliculata; labro subreflexo, colu-
niella arcnata. Carlhagena S. A. Diam. 0/5". Long. 1,2". —
Mehrere Arten der Galtung Strohihis s. bei Anton.
Megaspira nov. gen. Lea l. c. Testa clavata; aper-
iiira subovata, inferne rotundata ; marginihus reßexis, su-
■perne disjimci'is\ columella pluriplicata, hast integra, non
cffusa. Hierher:
IVl. Ruschenhergiana Lea t. cylindraceo-turrita, valde
striata, subfusca, maculis longitndinalibus rufo-fiiscis ornata, apice
consolidata, anfractibus tribus et viginti, subplanulatis, spira ad
apicem obtusiuscula ; columella quadruplicata, labro reflexo. Bra-
silia? Diam. 0,5". Long. 2,-5".
Ferner gehören hierher; Pupa curia und turrita ^nton
und Clausiiia T ettelb achi ana Rossm. 1. c.
PJiysa aurea Z>ert t. sinistrorsa, subinflata, aurea, pellucida,
spira breviuscula, anfractibus quaternis, labro marginato, aper-
tura subinflata. Virginia. Diam. 0,-3". Long. 0,5".
Planorhis Metidgensis Forhes 1. c. testa albido-cornea,
IJellucida, irregulariter striata, supra profunde umbilicata , subtus
plana, anfractibus tribus, apertura rotundato-lunata, obliqua, sub-
fiatula. Lat. {-" Metidja. — PI. lens Lea t. parva, lenticulari,
ato-umbilicata, ad peripheriam carinata, pellucida', cornea, an-
fractibus ternis, apertura magna. Ohio. D. 0/15". Long. 0,05".
Aufserdem mehrere neue Arten bei Anton.
Livinaetis solidus Lea t. elevato-conica, solida, laevl,
Cornea, spira subturrita, anfractibus quinis, columella rellexa,
apertura subovata. Wahlamat. Diam. 0,25", long. 0/4". — L. api-
cinus Lea t. obtuso-conica, subsolida, laevi, cornea, spira bre-
viuscula, anfractibus quaternis, columella reflexa; apertura sub-
ovata. ^Vahlamat. Diam. 0,3". Long. 0,4". —
Ferner Auricula rcticulata und u4, (^Conovtilus) tri-
plicata bei Anton.
Aus der fossilen Auricula ringens nebst einigen andern
Arten, unter denen auch eine, IMarginella mniculata Me-
nard, lebend im Mittelmeer vorkommt, machte Deshay es I.e.
eine neue Gattung unter dem Namen Ringicula mit fol-
gendem Charakter: Thier unbekannt. Schale klein, oval, kug-
lig, mit kurzer Spira, an der Basis etwas ausgeschnitten.
Apertur parallel der Längsaxe, schmal, schwielig; die Colu-
mella kurz, gebogen, mit zwei oder drei fast gleichen Falten
und einem Zahn gegen den hintern Winkel der Apertur»
Labrum sehr dick, nach aufsen umgeschlagen, ohne Zähne.
Einen kleinen Beitrag zum Kenntnifs der Gattung Sca-
225
rohiis in concliyliologisclier Beziehung gab Referent (dies
Archiv 1838. I. p. 202). Eine neue Art S.trigojius ist be-
sclirieben und nebst i5'c\ imhrijim und plicatus abgebildet.
Sc. labrosus und fusiformisMhe., die damals als zweifelhaft hier-
hergestellt wurden, gehören in der That nicht hierher, sondern
zu deji* Gruppe von BuVunus, welche sich durch die starken
Zähne in der Apertur auszeichnet, und die auch bereits unter
dem Namen Odontosioma als besondere Gattung aufgestellt ist.
Cy closioma maciil atuin Leu t. subtiirrita, transversim
striata, carinata, maculata, diaphana, iniibilicata , anfraclibus
qiiiuis, spira subbrevi, ultimo anfractu niedio cariiia cincto, labro
margine albo, rellexo. Manila. U. 0;1". Long. 0,,5". — C. Po-
jniyanum Lea t. obtiiso-convexa, albida, pelliicida, longitudina-
litcr striata, late unibilicata, unifasciala, anfractibus quaternis,
apice aciiminato, labro acuto, operculo subcrasso. Neu Granada.
Diani. 0,8". Long. 0/5", und 5 neue Arten bei Anton I. c. und
eine neue Heiicinaj H. villosa.
Die Charaktere in der Schale der vom Ref. aufgestellten
Gattung Steganotoma hält Deshayes 1. c. nicht für wich-
tig genug, um dieselbe von Cyclosfoma zu trennen. Ref.
kann diese Meinung jetzt nicht bestimmt widerlegen, indessen
ist er der Ueberzeugung, dafs die Kenntnifs des Thiers die
Gültigkeit der Gattung darlegen werde.
h. Ctenohr ancJiia (^Pectinihr ancJies Ciiv.}.
Zu dieser Unterordnung gehörig finden wir eine grofse
Menge neuer Arten und auch einige neue Gattungen aufgestellt.
yimpulhtv! n pulcJieJia ^iiioti. — ^. PeuUana Lea t.
subglobosa, laevi, solida, iniperforata, lutea, fasciata; spira acuta,
anfractibiis quinis, apertura siibovata, fasciata. Diam 1,1", Long.
1,3". (Columbia.
Pnludlna Dupotetiafia Forhes 1. c. testa minima ovale-
conoidea , ventricosa, perforata, fusca , anfractibus quinis te-
retlbus, apertura ovato -rotunda, spira obtusa. Long. jg".
Lat. Y^". Algler. — P. variabilis Eichuald 1. c. testa ob-
longo- elongata, laevlsslma, nitida, spira paruni producta, ob-
tusuiscula, apertura ovalis, acuta, margine columcllari umblH-
cum ex toto fere contegente. Long. 2" , Lat. i'". Ostlum Vol-
gae. — P. pusilla Eichw. testa minima, quinto anfractu ven-
trlcoso, e pcnnltlmo celerlus Increscente, viventi animali ex toto
nigra, ac sine hoc tenuissima, pelluclda, umbilico paullulum con-
spicuo a perlstomate non angulato parum contecto. Long. 1|"',
Lat. 4"'. In llttore Derbendensl inter fucos, etiam in Ponte
prope Odessam. — Von Anton: P. brunnea^conica', letzterer
Isame ist bereits vom Ref. vergeben; vergl. dies Axchiv IIL
226
I. p. 173. — P. incarmnin. Die Beschreibung pafst ziemlich zu
einer durch v. Besser von Manila mitgebrachten Art, die jerloch
nur Varietät von Pfd. multicarlnata zu sein scheint. — P. hyalina
u4nion P.hynlinnLea t. obtuso-conica,carinata,pellucida,infra
couiplanata, anfractibus quaternis, suturis valde impressis, apertura
late rotundata. Ohio. Diani. 0,2", Long. 0,2". Dieser Name
hat vor dem Anton'schen die Priorität. — P. pallicla Leu t.
ventricosa, tenni, pallida, laevi, suturis impressis, anfractibus qua-
ternis, convexis, apertura subrolunda. Ohio. Diam. 0,3", Long.
0,4". — P. sifiistrorsa Lea t. sinistrorsa, ventricosa- conoidea,
tenebroso- Cornea, striata, late umbilicata, suturis impressis, an-
fractibus quinis valde convexis, apertura subrotundata, intus pur-
purascente. India occid, Diam. 1,1"', Long. 1, 3". Ist es nicht
eine Ampullaria? — P. virens Loa testa obliqua, crassa, sub-
granosa, viridi, anfractibus subinflatis, apertura ovata. Wahla-
mat. Diam. 0,2", Long. 0,4". — P- nuclea Lea t. obtuse tur-
rita, Cornea, laevi, suturis impressis, anfractibus quinis, apertura
alba, ovata. Wahlamat, Diam. 0,2", Long. 0,4". — P. NicJc-
liana Len t. turrita, viridi, laevi, apice obtuso , anfractibus
quaternis, convexis, apertura ovata. Virginia. Diam. 0,1", Long.
0,15". Verwandt mit P. viridis Lntn.., lebt mit Physa aurea
in warmen Quellen. — P. Nuttalliana Lea t. subglobosa,
Cornea, laevi, suturis subimpressis, anfractibus quaternis, aper-
tura alba, subrotunda. Wahlamat. Diam. 0,.3", Long. 0,4".
liissoa caspia Eichivald I.e. testa turrita, elongata, acuta,
anfractibus spirae sensim increscentibus, ultimo reliquis majore,
apertura lato-ovali, acuta. Long. 5i"'. Rarissime in mari ca-
spio. — Ferner /J. setnicostulala und distans, JEuliina du-
bia und incerta von Anton.
Aus Bulimus ferehellus Lam. macht Deshayes 1. c.
eine Gattung, da sie im Salzwasser lebt und nennt sie Bo-
11 ein a. Er zieht hierher einige von Sovverby aufgestellte
Arten der Gattung Eulima {E. splendidula, mannorata, in-
terrupta, imhricata, irunned). Der Charakter dieser Gat-
tung, welche zwischen Bulimus und Pyramidella in der Mitte
stehensoll, wird folgendennafsen angegeben: Thier unbekannt.
Schale thurmförmig, glatt, glänzend, mit sehr spitzem und seit-
lich gebogenem Apex; Axe in ihrer ganzen Länge durchbohrt;
Apertur klein, vollständig, winklig an den Enden; Columella
einfach, ohne Falten ; Labrum einfach, fast parallel der Längsaxe.
Hierher (?) Bonellia ohtusa jLnton 1. c. Ferner mehrere
Arten der Gattung Blelania von demselben. — Melania in-
flaia Lea X. conicA^ inflata , tenebroso -Cornea, apice obtuso,
anfractibus quinis subconvexis, columella notata, labro valde
expanso. Alleghany- Gebirge. Diam. 0,4", Long. 0,6". —
M.. plicata Lea t. subturrita, plicata, castanea, tuberculata,
fasciata, suturis impressis, apertura ovata. Bctigalen? Diam 0,8",
227
Long. 2". — M. Troosiiana Leu t. elevata, fusca, multlstriata,
apice acnto, anfracllbus decem, supra carinatis, apertura ovata.
Ten. Diam. 0,5", Long. 1,2". — JM- plicifera Lea t. acuto-
tiirrita, suLcrassa, tenebrosa, spira pliciiera, apice Iruncato, an-
fracllbus convexiusculis, ultimo siiperne laevi, inferne striato,
apertura alba. Wablaniat. Dinm. 0,4", Long. 1,1".
Nerila planospira ^ N. snlcaia Anton.
N eritinalilurata EichwaläX. c. Icsta exigua, tenul^sima, ova-
lis, elevata, alboflavescens, liturata, lineis nigris ilcxuosis, angu-
latis, passini se invicem decussantibus; apertura seuiilunata, co-
luinella plana, subiuipressa. Minima. Inter fucos littoris Derben-
deiisis. —
Ferner bei Ante n: Nntica nivea,fectn^ striata] Jan-
ihina alba, rosea; Stoinaieila nigra.
Scalaria Pallasii Kiener (Pallas. Sp. zool. 10. t. 3.
Fig. 5. 6.) testa conica, turriculata, umbilicata, albida; anfracti-»
bus disjunctis, longitudinaliter confertissime costatis. Long. 17"'.
— Sc. costulaia Kiener testa tenui, elongata, turriculata, um-
bilicata, ad basin diLtata, alba; anfractibus convexis, disjunctis,
tenuissime costatis. Long. 11'". — Sc. Georgettina Kiener
testa elongata, turriculata, angusta, apice acuta, lactea; anfracti-
bus convexissimis, contiguis, laevibus; costis longiludinalibus an-
gustis, aequalibus. Long. i". Ocean. Atlant. — Sc. Hum-
pJireysii Kiener testa minima, elongata, turriculata, albida; an-
fractibus convexiusculis; costis longitudinalibus obüquiusculis.
Long. S"'. Carolina. — Sc. crenulata Kiener (Lister pl. 588.
Fig. 58.) testa elongata, turriculata, albida; anfractibus convexis
contabulatis, subcanaliculatis, superne crenulalis; ultimo hasi ca-
rinato. Long. ±". Sicilia = T^//rÄo crenatus JJ ood. — Sc. pla-
ni Costa Kiener testa elongata, turriculata, rubescente aut gri-
sea, apice acuta; anfractibus convexiusculis, continuis, costis lon-
gitudinalibus planulatis, distantibus; interslitiis transversim stria-
tis. Long. 22"'. — Sc. striata Kiener tosta parva, turriculata,
elongata, apice acuta, lactea; anfractibus convexissimis, transver-
sim tenuissime striatis; longitudinaliter costatis; suturis excavatis;
varicibus sparsis; apertura ovata, oh\on^jx= Turbo 3Iartinis /^^ ood,'
Delphimtla sphaerula Kiener 1. c. (Seba, Mus. .3, t.
59, flg. 1 — 2) testa subdiscoidea, apice obtusa, albida, vel ro-
seo-argentea; sulcis transversis, granulatis, peripheria spinis !on-
gis radiata; inferne striis lamellosis. Long. 1^", Lat. 2". Marc
Indicum. — D. radiata Kiener testa minima pyramidata, ro-
sea, superne flammulis roseo-fuscis maculata; anfractibus trans-
versim granulatis, ad medium carinatis, ultimo bicarlnato, den-
ticulato. Long. 4"', Lat. 5"'. Mare Indicum. — J). australis
Kiener testa parva, ovato-rotundata, depressa, albida; spira su-
perne planata; anfractibus transversim costulatis, tenuissime lon-
gitudinaliter striatis; apertura margine rellexo. Long. 4"', Lat.
7"'. Nova HoUandia. — D. Peronii Kiener testa ovato-rotun-
data, parva, subglobosa, punctulata, albida; anfractibus longitu-
dinaliter plicatis , transversim granulöse striatis; ultimo nodu-
lose bicariuato; apertura margine reflexo. Long. T" ^ Lat. 5"'.
228
Nova HoUandia. — D. canccllaia Kiener testa parva, rolun-
data, tenui, grlseo-albida; spira compressa; anfiaclibiis longrtu-
dinaliter costatls, transversim striatis; ultimo tricarinato, siih-
spinoso; umbilico dllatato. Long. 3'", Lat. 5'". Marc Indicum
und D. laevigaia ^nioii 1. c. , von letzLerem ferner mehrere
Arten der Gattung Phasinnella.
Solarium cingulutn Kiener testa suborbiculalo - subconica,
apice acuta, laevigata, alba, fascia fulva radiata cincta; anfraclu
ultimo ad medium carinato; umbilico minimo, crenulato. Lat.
11'", Alt. 6'". Marc Indicum. — S. Che7Hniizii Kiener (Chemu.
pl. 173. Fig. 1706. 1707.) testa orbicularia, superne planulata,
fulva, transversim sulcata, longltudinaliter tenuissime striata, sub-
rugosa; umbilico magno, canaliculato; apertura rotundata. Lat.
7"'. Alt. .3"'. Mare Indicum.
Die Gattung Lif forma wird von Anton, welcher mehrere
neue Arten beschreibt, 1. c. in die Familie Cyclosiomacea ge-
setzt. Wie will Verf. das vertheidigen?
Unter dem Namen Tvochiscus ]S ovrisii beschreibt
G. W. Sowerby (^London' s Mag. of JSat. hist. Vol. IL
new sevies p. 96.) eine neue Schneckengattung, der eine
Stellung zwischen Trochus und Rotella angewiesen wird.
Der Fundort der Art ist unbekannt. Der Gattungscharakter
wird folgendermafsen angegeben: Testa suborhiciilaris , de-
]}ressiu6Cula, crassa, umhillcata, intus jnargaT'itacea, spira
hred, conica, ohtusa; apertura subtrigonali, postice suh-
acuminata, angulis rotundatis-, lahio coluinellari incras-
sato , antice ohsolete unituherculato ; umbilico majusdulo,
pro/undo.
Margiiiella Kieneriana Petit (^Guerin Mag. ä. Zool. C1.
V. pl- 'J12.) testa pai-va, pyriformi, fulva, macuüs albis trans-
versis per quatuor series dispositis ornata; spira brevissima, ex-
sertiuscula; labro crasso, vix inttis crenulato, plicis columella
octonis. Alt. 13 niill. Lat. 8 mill. Senegal, Inseln des grünen
Vorgebirges, Antillen. — Anton stellt eine M. cyprueoides,
eine Oliva callosa und T^oluia nana auf.
Vo'luta Norrisii Gray (^Jardinc udnnals I. ja. 411.) grau-
lich weifs, fein schwarz geileckt, mit breiten schwarzen wel-
ligen Längsstreifen und drei Binden mit blassern Flecken und
Strichen; letzte Windung fast winklig, Mündung glänzend orange,
mit einem weilsen Lippenrande. Verwandt mit V. nervosa.
Viele Arten von Mitra und Co/w^nÄe//« beschreibt An ton
1. c. Miira Bovei Kiener testa elongata, turriculala, alba, varie
violacea; fasciis transversis fulvo-maculatis; anfraclibus dlsfan-
ter striatis, superne crenatis; apertura angusta, intus violacea;
labro dextro crenato. Long. 2". Lat. 3'". Mare rubrum.
Nassa vi treffe Gray {Jardine Annais I. p. 2S.) ihurmför-
niig, durchscheinend, gestreift, knotige Variccs auf den Win-
229
dnngen, und ein braunes Band nahe der Basis, Labrum verdickt,
weils, vorn mit einem braunen Fleck. Axe 5'". Sierra Leone.
D ejtioulia Gray nov. gen. {Jardine Annais 1. p. 29.)
Schale eiförmig, fast kugelig, bedeckt mit einer wolligen Epi-
dermis: Spira kurz, conisch, Apex warzenförmig; Windungen
gedrückt, Mündung eiförmig, Innenlippe verdickt, hinten mit
einer Rinne, Aufsenlippe eingedrückt, nach aufsen verdickt,
ohne Varex, innen stark gefaltet; Sipho kurz, stark ge-
krünunt. Verf. stellt diese Gattung zwischen JSassa und Do-
lium und zieht hierher Buccinum retusum Lam., nebst den
fossilen Buccinum \Pupa und B. glahratum. Aufserdem
stellt er noch eine neue Art auf.
D. pulcJirn bellroth, mit brauner Epidermis, schwach quer-
gestreift, Aufsenlippe weifs, Innenlippe glatt, Spira kurz, Naht
tief. Axe 10'". Sierra Leone.
Terehra Petiiii Kiener 1. c. testa turrita, subulata, fusra
aut cinerea, plicis longitudinalibus rugosis, transvcrsim striis dl-
stantibus; anfractlbus prope suturas cingulis vel tuberculis; co-
lumclla basi distorta. Long. 2". New York.
Viele «neue Arten der Gattungen Buccinxim ^ Purpuray
Sir07nbiis s. bei Anton 1. c.
Apo j'rliais Sen egalen sis Gray (^Atinals Nat. Hisf.
etc. I. p. 27.) Schale regelmäfsig quergestreift, die obern Win-
dungen mit einer, die letzte mit zwei Reihen Knoten, vor de-
nen noch eine Reihe viel kleinerer Höcker; Aufsenlippe mit
zwei spitz vorstehenden Lappen. Axe 13'". Sierra Leone.
Viele neue Arten von Fusus beschrieb Anton a. a. O.
Zwei andre Gray: F. elegans Gray {Annais Nat. Hisi. I. jk
27.) spindelförmig, weifs, 9 Windungen, mit ziemlich entfernten,
erhabenen, braunen Streifen und regelmäfslgen Falten, Kanal
etwas kürzer als die Spira; Spindel mit einigen ilachen Falten,
(also Fasciolaria?), Labrum crenullrt. Axe 2". Sierra Leone.
— F. niveus Gray (ibid. p. 28-) oval spindelförmig, eng ge-
furcht, Windungen mit einer Reihe nach den Nähten sich nei-
gender Knoten, Spindel glatt, etwas verdickt. Axe 15'". Sierra
Leone. Drei Arten von Fasciotaria: F sulcaia, rnagna, üiher-
culaia finden wir bei Anton, desgleichen viele Arten von Pleu-
rotoma. Eine Art dieser letzteren Gattung beschrieb Gray
{Ann. of Nat. Hist. I. p. 29.) P ienuis hellbraun, durchsich-
tig, mit einem breiten glatten, concaven Bande an der Naht,
Sipho spitz. Axe 2". Sierra Leone.
In die Nähe \on Pleurotoma stellt Gray {Ann als Nat.
Hist. I. 7^.28) eine neue Gattung Dz-iZZia: Schale thurmför-
mig; Mündung oval, linear; Inneurand verdickt, Aufsenraud
umgeschlagen, hinten verdickt, mit einem tiefen dick gerande-
230
teil Einschnitt hinten, und einem kleinen Einschnitt vorn, dicht
vor dem kurzen etwas gekrümmten Sinus. Dazu rechnet er
folgende 4 Arten:
Dr. umhillcaia Schale weifs, gestreift, mit einer Reihe
zusammengedrückter Höcker, genabelt, Labrum scharf, Mündung
röthlich weifs. Axe 15'". Sierra Leone. — Dr. clathraia dun-
kelbraun, quergestreift und längsgefaltet, wenig durchbohrt, La-
bruni hinten stark verdickt; Sipho kurz. Axe 1,8'". — Dr. bi-
color schwarz, quergestreift, mit einer Reihe eckiger J^löcker.
über welche ein gelbes Band geht, Mündung schieferfarbig.
Axe 4"'. — Dr. suturalis gelblich weifs, quergestreift, mit einer
Furche nahe der Naht, Labrum hinten verdickt, Sipho ziemlich
lang, kaum gekrümmt.
Tttrbinella spinosa Gray (jinnah N. H. I. jt>. 28) spin-
delförmig, weifs, mit glatter brauner Epidermis, 7 Windungen,
die obere mit einer Reihe conischer Höcker, die letzte gestreift
und mit einer Reihe conischer Spitzen, Spindel mit 3 sehr fla-
chen Falten. Axe 15'". Sierra Leone.
Cancellaria decussaia Nyst. (Bulletins de V^cndem. de
ßruxelles 1838 p. 115) t. ovato-oblonga, utrinque attenuata, strüs
creberrimis decussata, anfractibus convexis, columella tripllcata.
*
c. Gymnohranchia {Nudibranches Cuv.")
Eine schöne Abhandlung über schottische Nacktkiemer
erhielten wir von G." Johns ton (Jardine Annais of nat.
hist. 1. p. 44 und 114). Sie ist von zwei Kupfertafeln beglei-
tet. Besonders wird sie wichtig durch die Berichtigung der
Synonyme, wodurch viele Arten der verschiedenen Schrift-
steller zusammengezogen werden. Die Arten sind mit Diagno-
sen und meist mit Beschreibungen versehen. Zwei Familien
werden unterschieden: üoridae und Tritoniadae. Zur ersten
gehört die Gattung Doris, von der folgende Arten bei Schott-
land vorkommen: D. tuherculata Cuv. (incl. D. Argo
aut., D. Argus Stark, D. Pseudo-argus Rapp), 1). ohve-
lata Müll., D. hilamellata L. (D.fusca Müll, D. ver-
rucosa aut.') D. laevis L., D. pilosa Lam (D. tomentosa
Cuv?), D. nodosa Mont., D. nigricans Flem. (D. pi-
losa?)-, D. B arvicensis (D. electrina Pen.?, D. hilamel-
lata Turt?). — Zur zweiten Familie gehören mehrere Gat-
tungen: 1) Tritonia Cuv. mit T. Hojnhergii Cuv. (D.
frondosa Müll.), T. arborescens Cuv. {Doris cervina
Turt? Tr. cervina Bosc.?). 2) Melibea Rang mit M.pi n-
natifida {Tritonia pinn. Cuv., Doris pinn. Moni.), M. co-
231
r Oll ata (Tritonia coronata Lam.). 3) Eolidia Cu<;. mit
E. p ap illosa (l)oYis vermigeva Tiirt.. Eolis Curieri Sfaj'k),
E. Cuvierii ^Eolis Cuvicrii Law.), E. rufihranchialis
Johnst. {E. Emhletoni Johnst., Doris pedata Mont.?
Dojis auiiculata Müll.'), E.puvpurascens Fleiti., E.plu-
mosa Flnn. E. despecta Johnst. und 4) eine nene Gat-
tung Triopa Johnst. Thier limaxföruiig, oluie gesonderten
Kopf; Mund ohne Fiililer; 2 kurze Tentakeln auf dem Rücken;
Kiemen in Gestalt kurzer unregelmäfsig seitwärts und hinten
vertheilter Fühler, nicht zurückziehbar, einfach, Fufs oval oder
linienförmig, eben. Hierher gehören: T. claviger (Doris
clavigcra Müll., Tergipes pulcher Johnst.) T. nothns
schwarz, gelblich und roth gefleckt (Doris quadrilineala Müll?)
In der Malacologia Monensis von Edward Forbes,
welche Referenten leider nicht zn Händen gekommen ist, über
die jedoch in Jardine etc. ^nnals of nat. hist. I. p. 320
sich einige Nachricht findet, scheint auf die Gymnohranchien
besondere Rücksicht genommen zu sein. Wir führen in Er-
mangelung genauerer Details das an, was 1. c. Hierhergehöri-
ges gesagt ist: Doris Flemingii, wie D. nigricans Flem. hier
genannt wird, sei nichts anders wie D. pilosa. Melibaea fra-
gilis Foi'hes sei M. coronata {Tritonia coronata Lam.),
Ein neues Genus wird aufgestellt, unter dem Namen: Fu-
hr an chus corpore ovato, convexiusculo; telitaculis qua-
tuoj', oculis nullis; dorso hranchiis ovatis instructo.
E. tricolor corpore albo-carneo ; branchüs pyriformi-ovatls
tricoloribus. Long. \". Lat. \".
Diese Gattung wird irrthümlich zur Familie Glaucea ge-
stellt, sie soll mit zu einer abweichenden Gruppe, Triopa
gehören. •
d. Aspidohranchia (Scutihranchcs Cuv.)
Aus dieser Unterordnung findet sich nur eine neue Art
bei Anton: Fissurella hrunnea.
e. Cyclohranchia Cuv.
J. E. Gray giebt (Jardine Annais etc. I. p. 482) an,
dafs die Patellen nicht, wie man es allgemein annimmt,
Zwitter seien. Er behauptet sie im Herbste durch einen Längs-
schnitt, den er rechts am Fufse machte, unterschieden zuhaben.
232
Bei den Männchen quillt ein weifser, milchiger, eiweifsartiger
Saft heraus; bei den Weibchen eine grolse Menge runder Eier,
die in einer durchsichtigen Flüssigkeit schwimmen. Den wirk-
lichen Fötuszustand zu beobachten, ist dem Verf. noch nicht
geglückt.
Derselbe sagt ebenda, die Patella pellucida, von der
man gewöhnlich angiebt, sie lebe an dem Stamm und dem
Laube des Fucus digitatus, finde sich vielmehr am häufigsten
in zolltiefen Löchern, welche sie sich an der Unterseite der
Wurzel dieser Pflanze ausgefressen habe. Er fügt hinzu, diese
Thatsache habe schon Le Gent il in den Memoires deVAca-
demie von 1788 beschrieben.
Neue Arten von Pntella bei Anton.
f. Cirrohranchia Blainv.
Dentalium cinerascens Anton verwandt mit magnistna-
tum DesJi.^ A\e Furchen aber minder scharf, am breiten Ende
fast verschwindend, rauchgrau. ßr. i.{"'. L. 1'". Adrlatisches
Meer.
E. Brachiopoda Cuv.
Aufser vielen fossilen Arten der Gattung Terebratula
beschreibt Anton auch eine lebende neue:
T. distans oval, Wirbel lang, abstehend, Oeffnung grofs,
dichotomirend längsgestreift, graubraun. L. \b"'- Br. 11'". H. 7'"-
jF. ConchiferdL Lam.
In den Transactions of the zoological Society of Lon-
don II. part. 2. 1838 und daraus Isis 1838, p. 820 erhielten
wir von Robert Garne r einen Aufsatz über die Anatomie der
Conchiferen (JLamellibranchiata BlainvJ), der durch drei Ta-
feln mit Abbildungen erläutert wird. Ein Auszug von dieser
Arbeit läfst sich in der Kürze 'nicht füglich geben, wir ver-
weisen daher auf das Original selbst, oder auf die sehr voll-
ständige Mittheilung in der Isis.
lieber ein räthselhaftes Organ einiger Bivalven macht
C. T. V. Siebold (Müllers Archiv 1838. p. 49) Mittheilun-
gen. Es liegen zwei rundliche glashelle Körper frei in einem
Behälter, jederseits neben dem im Fufse befindlichen Gan-
glion centrale bei einigen Bivalven, namentlich Cyclas,
Unio, yinodonta, Mja, TelUna, Cardiiim. Den mit Byssus
versehenen Muscheln scheinen diese räthselhaften Organe zu
233
felilen. V'erf. scheint nicht'abgeneigt, sie für augenartige Organe
zu halten und hoflft, es werden an grofsen Muscheln angestellte
Untersuchungen nähere Aufschlüsse über die Bedeutung der-
selben geben.
Neue Gattungen und Arten:
Osirea imputaiay Pecteii iricnrinatus ^ ejrcnvatus, Area ro-
sirata bei Anlon.
Sehr reich an neuen Arten aus der Familie der Najaden
ist der bereits oben erwähnte Aufsatz von Isaac Lea. Verf.
bestätigt durch ^vielfache neue Beobachtungen, dafs die Unionen
und Anodonten getrennten Geschlechts, und dafs danach die
Schalen verschieden seien. Die Weibchen sind nach hinten
zu, wo die Oviducte liegen, dicker und mehr abgerundet. —
Bei einigen Anodonten, A. undidata Say und A. Ferussa-
ciana Lea fand Verf. eine eigenthiiniliche Organisation der
Oviducte. Es liegen nämlich Schläuche der Quere nach eng
aneinander, nach Art der Bienenzellen, so dafs die sechseckigen
Enden einerseits nach dem Magen, andrerseits nach dem Mantel
gerichtet sind. In jedem dieser Schläuche befinden sich bis zwölf
Eier, deren jedes ein vollkommenes lebendes Muschel thier, in
einer mitbräunlicher Epidermis versehenen Schale enthält, — Verf.
erwähnt, dafs Margarilana margariti/era (Unio margaritifer
Lcnn.,) welche in Europas Flüssen geinein ist, nicht nur in den
Flüssen Amerika's vorkomme, welche sich in den atlantischen
Ocean ergiefsen, sondern dafs sie auch in dem Columbia River
gefunden sei, der sich in den stillen Ocean ergiefst. Also ein
sehr verbreitetes Vorkon)men. — Lea theilt die Familie der
Najaden folgenderraafsen ein: I. Gen. Margarita 1. Subg.
Unio mit einem Schloss- und Seitenzahn; 2. Subg. Mar-
garitana mit einem Schlofszahn; 3. Subg. Dipsas mit
einem linearen Zahn unter dem Rückenrande; 4. Subg. Ano-
donta ohne Zähne. II. Gen. Fiatiris 1 Subg. Iridina
mit gezähntem Rückenrande; 2. '^xxh^. Sp utha mit ungczähm-
tem Rückenrande.
Unio hengalensis t. elliptica, transversa, aequilaterall; in-
flata; valvulis tenulssimis; natibus minute undulatls; denfibiis car-
dinalibiis tenuibus et laminatis; lateralibus sublongis linearibus-
que, margarita purpurea. DIam. 0/8", long. 1, .3'', lat. 2/ '2".
Bengalen. — U. venusius t. elliptica, transversa, subcompressa,
lutea, inaequilaterali; valvulis subtenulbus, natibus vix prominen-
tibus; dentibus cardinalibus parvis, lateralibus subcurvis; marga-
V. Jahrg. 2. Bd. \Q
234
rita alba et iridescente. Diatn. 5, long. lat. 1,7". Missouri. —
V. T^ aughanianus t. obovata, transversa, subinflata, postice
subemarg-Inata, inaequilaterali; valvuiis tenuibus; natibiis vlx pro-
minentlbus; dentibus cardinalibus parvis erectisqiic; lateralibiis
rectis; margarita salmonis colore tincta. Dlam. 0,7, long, 1,2,
Idt. 2". Sawneys Creek, bei Camden. = U. carolinensis Ravenel.
U. pulcher t. elliptica, transversa, subcompressa, inaequilaterali;
valvuiis subcrassis; natibus irregulariter undulatls; epidermide
lutea, radiis tenebroso-viridibus; dentibus cardinalibus erectis;
lateralibus prope eorum fines majoribus; margarita colore caryo-
phylli tincta. Diam. 0,8, long. 1,-3, lat. 2,1" bei Nasliville, Te'un.
— IT. ohscurus t. elliptica, tranversa, inaequilaterali, subinflata,
valvuiis subcrassis; natibus irregulariter undulatis; dentibus car-
dinalibus elevatis; lateralibus prope eorum fines majoribus; mar-
garita alba et purpnrea. Diam. 0,8, long. 1,1, lat. 2". bei Nasb-
ville, Tenn. — IT. Fisherianus testa obliquo- transversa,
compressa, valde inaequilaterali; valvuiis tenuibus; natibus com-
pressis; dentibus cardmalibus lamelliformibus, lateralibus longis^
subcurvisque, margarita purpurea. Diam. 0,6, long. 1,1, lat. 2,7".
Quellen des ehester River. — U.jejumis testa suboblonga, valde
transversa, compressa, inaequilaterali; valvuiis subtenuibus; nati-
bus compressis; dentibus cardinalibus parvis; lateralibus longis
rectisqne; margarita vel purpurea vel alba. Diam. 0,5, long. 1,2,
lat. 2,5". Roanoke; auch bei Camden. — U. arctiov t. angulato-
eliptlca, valde transversa, compressa; valvuiis subtenuibus; nati-
bus compressis et undulatis; dentibus cardinalibus parvis; latera-
libus longis; margarita alba et salmonis colore tincta. Diam. 0,7,
long .1,1, lat. 2,3", Ohio. — U. iurgidus t. subrotunda, inflata,
tuberculata, subaequilaterali; valvuiis crassis; natibus elevatis; den-
tibus cardinalibus grandibus comprcssisque; lateralibus brevibus
subrectisque; margarita alba et iridescente. Diam. 1", long. 1,.3,
lat. 1,6- Neu Orleans. — U. coccineus t. subtriangulari, obiiqua
et subcompressa; valvuiis antice crassioribus; natibus subelevatis
retusisque; dentibus cardinalibus crassis; lateralibus crassis et sub-
curvis; margarita coccinea. Diam. 1,7, long. 2, lat. 2;2". Ohio.
— U. soll du s t. obiiqua, inflataque, valvuiis crassissimis; natibus
elevatis retusisque; epidermide rufo-viridi; dentibus cardinalibus
crassis ; lateralibus obliquis brevibusque ; margarita alba. Diam. 1,1,
long. 1,7, lat. 1,8". Ohio. — U. Hydianus t. elliptica, trans-
versa, radiata, valde inaequilaterali, subinflata, valvuiis subcrassis;
dentibus cardinalibus elevatis, lateralibus longis, a cardinalibus
separatis, margarita alba et iridescente. Diam. 1,1, long. 1,4,
lat. 2,5". Louisiana. — U. interruptus testa ellipfica, com-
pressa, transversa, inaequilaterali; valvuiis subcrassis; radiis
interruptis; natibus compressis ; dentibus cardinalibus parvis; late-
ralibus longis subcurvisque; margarita alba. Diam. 0,9- long. 1,.5,
lat. 2,6". Harpeth River, Tenn. — U. lainellatus t. subovata,
transversa, subinflata, nitida; valvuiis tenuissimis; natibus vix pro-
mlnulis, undulatis; dentibus cardinalibus longis, tenuibus et lami-
natis; lateralibus longis, tenuibus subrectisque, margarita coerulea.
Diam. 1, long. 1,5, lat. 2,6" Bengalen. — U. pumilus t. sub-
235
triangulär!, inaequllaterali, postice subbi'angulata, valvulis snb-
teniiiDus; natibus promimilis; epldennide lenebroso-ftisca; denti-
bus cardinalibiis grandibus; lateralibus brevibus rectisqiie; mar-
garita alba. Diain. 0,5, long. 0,S, lat. 1/1". Nord -Carolina. —
U. tarnpicoensi s t. ovata, inilata, transversa, snbcarinata inae-
quilalerall; valvulis crassis; natibus subprominulis; epidermide
nigricante; dentibns cardinalibiis niagnis; lateralibus longis, sub-
reclis niagnisque ; nuirgarila alba et iridesoento, raro rosea,
Diam. 1,7, long. 2,8, lat. 4,3". Mexico. — U. Ctimhcrlanflia-
1IUS t. clliptica , transversa, inaequilaterali; valvulis tenuibus;
natibus prominulis, epidermide lutea,' radiata; dentibus cardinali-
bus parvis, lateralibus longis rectisque; margarita alba et irides-
cente. JJiam. 0,5, long. 0,8, lat. 1,5". (^umberland Pviver, Ten.
— L. s intus testa ovala, transversa, compressa, inae(]uilaterali,
postice subangulata, valvulis subcrassis; natibus prominulis; epi-
dermide iuteola, radiata; dentibus cardinalibus parvis; lateralibus
longis crassisque; margarita alba et Iridescente. Diam. 0,6, long. 1,
lat. ],7". Cumberland River, Ten. — U. Ronnohensis t. sub-
oblonga, transversa, inaequilaterali, postice biangulata, compressa,
valvulis crassis; natibus prominulis; epidermide tenebroso-fusca ;
dentibus cardinalibus parvis; lateralibus longissimls subcurvisque;
margarita alba. Diam. 1/2, long. 2,2, lat. 4,7. Nord -Carolina. —
U. notatus t. elliptica, compressa, transversa, inaequilaterali,
postice subbiangulata; valvulis tenuibus; natibus subprominulis;
epidermide rufo-fusca, vittata; dentibus cardinalibus parvis; late-
ralibus longis subcurvisque; margarita salmonis colore tincta et
iridescente. Diam. 0,6, long. 1, lat. 1,8". Cumberland River. —
U. Jayanus t. angusto-elliplica, transversa, valde inaequilaterali,
postice subangulata, valvulis tenuibus; natibus prominulis; epider-
mide fusca; dentibus cardinalibus compressis; lateralibus longis
rectisque; margarita purpurea. Diam. 0,8, long. 1,2, lat. 2,5. Flo-
rida. — U. hopeionensis t. suboblonga, transversa, inaequila-
terali, compressa, postice biangulata, ad latus planulata; valvulis
subcrassis; natibus prominulis, ad apices undulatis; epidermide
tenebroso-fusca; dentibus cardinalibus parvis; lateralibus longis
curvisque; margarita purpurea et iridescente. Diam. 0,9, long. 1,7»
lat. 3,4". Hopeton beiDarien. — IJ. lugtibris t. elliptica, trans-
versa, subinflata, inaequilaterali, postice biangulata; valvulis sub-
crassis; natibus prominulis; epidermide nigricante; dentibus car-
dinalibus compressis; lateralibus sublongis subcurvisque; marga-
rita purpurea. Diam. 0,9, long. 1,3, lat. 2,5". Hopeton bei Darien.
— U. Barnesianus t. subtriangulari, compressa, inaequilate-
rali; valvulis crassis; natibus prominulis; dentibus cardinalibus
f»arvis; lateralibus subrectis; margarita alba et iridescente. D. 0,6,
ong. 1, lat. 1,4". Cumberland River, Ten. — B. /^ieglcrianus
t. elliptica, transversa, inaequilaterali, glabra, valvulis subcrassis,nati-
bus subprominulis, undulatis, epidermide lutea, radiata, dentibus carri-
dinalibus parvis, lateralibus parvis subreclisque ; margarita purpui'ea
et iridescente. D. 0,4,1.1, lat. 1,6". Cumberland River U.crepe-
rus t. subelliptica, transversisslma, valde inaequilaterali, valvulis
subcrassis; natibus prominulis, undulatis; epidermide viridi; dentibus
16*
236
cardinallbus parvls; laterallbus vlx cernendis; margarita alba.
D. 1, long. 1,4, lat. 2,7"- Ten. — U. glnher t. elliptica, trans-
versa, compressa, glabra, inaequilaterali; valvuHs tenuibus; natibus
subproniinulls, undulatis; epldermide lutea, rarliata; dentibiis car-
dinallbus parvis, elevatis ; laterallbus longJs; margarita alba. D.0,5,
long. 0,8, lat. 0,5". Holston River. Ten. — U. gibber t. trian-
gulata, compressa, inaequilaterali, postIce subblangulata; valvulis
subcrassis; natibus prominulis; epidermide tenebroso-fusca, den-
tibus cardinalibus parvis; lateralibus declivibus, margarita salmo-
nis colore tincta. Diam. 0,7, long. 1, lat. 1,8. Carryfork River.
Ten. — U. T^anuxemensis t. elKptica, compressa, transversa,
inaequilaterali; valvulis crassis; natibus subprominulis; epidermide
tenebroso-fusca; dentibus cardinalibus magnis; lateralibus longis
subcurvisque; margarita salmonis colore tincta et iridescente,
Diam. 0,7, long. 1,2, lat. 1,9". Cumberland River. Ten. — U. car-
honarius t. subtriangulata, tumida, transversa, inaequilaterali,
subemarginata; valvulis crassis; natibus subprominulis; epider-
mide nigra; dentibus cardinalibus grandiusculis; lateralibus parvis
subcurvisque; margarita purpurea et iridescente. D. 1,1, long. 1,4,
lat. 2,4". Mexico. — U. folliculatus t. angusto-elliptica, trans-
Ycrsissima, valde inaequilatera, postice subbiangulata; antice ro-
tundata; ad latera planulata; valvulis subtenuibus; natibus vix
prominulis; epidermide tenebroso fusca; dentibus cardinalibus
parvis; lateralibus longis subcurvisque; margarita purpurea et
iridescente. Diam. 0,5, long. 0,8, lat. 2,4". Savannah River. —
U. inedellinus t. elliptica, transversa, subcompressa inaequilate-
rali; valvulis subtenuibus; natibus subprominulis; epidermide lu-
teola, radiata; dentibus cardinalibus parvis ; lateralibus longis sub-
curvisque; margarita alba et iridescente. Diam. 0,7, long. 1,3,
lat. 2,3". River Medellin, bei Vera Cruz. — U. Lecontianus
t. elliptica transversa, inaequilaterali, subinflata; valvulis crassis;
dentibus cardinalibus parvis; lateralibus longis, a cardinalibus
separatis; margarita «almonis colore tincta. Diam. 1,2, long. 1,7,
lat. 2/8". Georgia U. Muhlfeldianus t. elliptica, subcom-
pressa, transversa, inaequilaterali; valvulis subcrassis; natibus sub-
prominulis, x:ndulatis; epidermide luteola radiata, dentibus cardi-
nalibus subparvis erectisque; lateralibus longis rectisque; marga-
rita alba et iridescente. Diam. 0,8, long. 1,3, lat. 2,3". Cumber-
land River. Ten. — U. spinosus t. spinosa, subtriangulari, in-
flata, inaequilaterali, postice acuto-angulata; valvulis subcrassibus;
clivo umbonali carinato; natibus vix prominentibus: epidermide
atro-fusca, glabra; dentibus cardinalibus deorsum inclinantibus;
lateralibus subgrandibus subcurvisque; margarita purpurea. D. 1,2,
long. 1,8, lat. 3,3. Altamaha, Hopeton, beiDarien, Geo. — U.pli-
ciferus t. elliptica, inaequilaterali, subinflata, postice undulata;
valvulis antice crassioribus ; natibus prominulis; epidermide atro-
viridi; dentibus cardinalibus submagnis; lateralibus rectis; marga-
rita purpurea. Diam. 0,8, long. 1,2, lat. 2,1". Mexico. — U. Tap-
paniauus t. obovata, subinflata, inaequilaterali, postice dilatata;
valvulis tenuibus; natibus subprominentibus undulatisque; epider-
mide fulvo-fusca; dentibus cardinalibus compressis curvisque; la-
237
teralibus tenuibiis; maigarita subsalmonia. Ist U. viridis Conrad;
der Name ist sclioii von Hafinesque vergeben. Diani. 0/7»
long. 1,1, lat. 2". Juniala, bei Hollidaysburg. — U. f^raniferus
t. nodulosa, subrotunda, inllata, [>onderosa ; valvulis crassibusj
iialibus valde proniisienlibus, epidennide atro-fnsca; dentibus car-
dinalibus grandibus; lateralibus brevibns subreclisque; marganita
rolore cacao. Diani. 1,4, long. 1,9, lat. 1,9". Ohio. — U. splen-
didus t. elliplica, valde inllata; valvulis snbcrasslbus; natibus
proniinentibus; epidermide valde radiata; dentibus cardinalibus
subconipressis ; jateralibus reniotis lamellatisque; margarita splen-
dida roseaque. Diam. 1,4, long. 1,7, lat. 2,8"- Altamalia River, bei
Darien, Geo. — U. D orj'cuillianus t. subtrlangulari, inflata,
tuberculata, inaequilaterali; valvulis percrassis; natibus magnis
elevalisque, dentibus cardinalibus magnis erectisque; lateralibus
brevibus curvisque; margarita alba. Diam. 2,2, long. 2,6. lat. 2,9".
Ohio. — U. dis cus t. elliptica, valde compressa^, inaequilaterali;
valvulis crassis; natibus prominenlibus; dentibus cardinalibus ma-
gnis; lateralibus longis, a cardinalibus separatis; margarita pur-
purea et iridescente. Diam. 1,4, long. 3,3, lat. 5,2". I-ndia. —
(J. contradens t. obovata, subinflata, inaequilaterali; valvulis
tenuibus, natibus subprominentibus undulatisque; epidermide su-b-
vlrldl; dentibus cardinalibus lineatis, dupliclbus in valvulam dex-
iram, lateralibus tenuibus subcurvisque; margarita alba et irides-
cente. Diam. 0,7, long. 1,1, lat. 1,9". Fundort unbekannt. —
li. Menkianus t. elliptica, subcompressa, Inaequilaterali, valvu-
lis subtenuibus; natibus subprominentibus undulatisque; epider-
mide iulva et multiradiata; dentibus cardinalibus parvis erectis-
que; lateralibus longis, subrectisque; margarita alba et iridescente..
Diam. 0,9, long. 1,5, lat. 2,5'. Harpeth River, Ten. — U.Ran-
gianus t. obliqua, subcompressa, valde inaequilaterali; valvulis
subcrassis; natibus proniinentibus; dentibus cardinalibus parvibus;*
lateralibus longis rcctisque, margarita alba. Diam. 0,8, long. 1,2,
lat. 1,8". Ohio. — U. dotabraeformis t. elliptica, inflata, In-
aequilaterali; valvulis crassis; natibus inflatis promlnentibusque,
epidermide laevi; dentibus cardinalibus sublamellatis; lateralibus
longis lamellatisque; margarita alba et iridescente. D. 2,1, long. .3,
lat. 4,5". Georgia. — U. Novi-Eboraci t. elliptica subcom-
pressa, inaequilaterali; -valvulis subcrassis;. natibus subprominenti-
bus, ad apices undulatls; epidermide Uiteola, radiata; dentibus
cardinalibus magnis erectisque; lateralibus longis rectisque; mar-
garita alba et Iridescente. Diam. 0,7, long. 1,1^ lat.. 2,2". New
York. — U. Claibornensis t. elliptica, sublnllata, inaequilate-
rali; valvulis crassis; natibus subprominentibus; epidermide luteola,
laevi; dentibus cardinalibus parvis, lateralibus longis lamellatis-
que; margarita alba et Iridescente. Diam. 0,6, long. 1, lat, 1,7-
Alabama River. — U. Broivnianus t. trigona, inflata, valde
inaequilaterali, alata; valvulis crassis; natibus proniinentibus;
epidermide striata; dentibus cardinalibus subgrandlbus; lateralibus
longis; margarita alba. D. 1, long. 1, lat, 2", Amazonenstrom. —
V. Katliarinae t. obovata, Inaequilaterali, subcompressa; val-
vulis subcrassis; natibus promlnnlis ; dentibus cardinalibus magnis,
238
laleralibus subrectls; margarita alba. Lake superior. Sämmt-
liche Arten von Lea. — U. Mülhri Rossm. — V-Jongedcnta-
ins jfint. l. c. — U. antiqunius ^ni. l. c. — U. rugosus yini. l. c.
Der Name ist bereits von Menke vergeben.
Mnrgaritnna Holsionin t. siibarcnata, subinflata, trans-
versa, valde inaequilaterali; ad latus planiilata, valviilis snbte-
nuibus, naiibus subprominulis, undiilalis; epidermide fusca; denti-
bus cardinalibus magnis ; margarita alba et iridescente. Holston
River. Diam. 0,8", long. 1/2", lat. 2,4". — M. deltoiden t.
triangulata, compressa, inaequilaterali; valvulis tenuibus; natibus
prominentlbus, ad apices undulatis; epidermide lutea, radiata;
dentibus cardinalibus erectis; margarita alba et iridescente. Ohio.
Diam. 0,6", long. 0,.9", lat. 1, 4".— M. fahuln t. suboblonga,
transversa, inaequilaterali, ad basin emarginata, ad latus planulata,
A'alvulis subcrassis; natibus prominulis ; epidermide subviridi; den-
tibus cardinalibus parvis erectisque; margarita salmonis colore
tInctJV. Cumberland River, Ten. I). 0,4", long. 0,5", lat. 0,8". —
IM. nrcula t. plicata triangulari, valde inflata; valvulis tenulssi-
mls; clivo uniboniali carinato; natibus valde prominentibus ; epi-
dermide atro-viridi , radiata; dentibus laminatis, irregularibus;
margarita coerulea. Altamaha, Liberty County, Geo. Diam. 1,6,
long. 1,7, lat. 2,2". Sämmtlich von Lea,
jlnodonin gignnten t. ovata, inflata, anticd latissima, po-
sticc angulata, inajpqnllaterali, valvulis crassis, natibus prominen-
tibus, margarita alba. Diam. .3,.3", long. 4,8", lat. 7,8". Port Glb-
son. — ^. ovata t. ovata, subcompressa, transversa, inaequila-
terali, valvulis subtenulbns, natibus prominulis, margarita alba.
Diam. 1,5", long. 2,2", lat. 4". Ohio. — ^. cylindracea t. cy-
llndracea, inflata, valde transversa, inaequilaterali; valvulis tenui-
bus; natibus subprominulis; epidermide tenebroso-fusca, radiata;
margarita coerulea. River Medellln, bei Vera Cruz. Diam. 0,9",
long. 1,.3", lat. 2,.3". — ^. sahnoni a t. elllptica, transversa,
inflata, valde inaequilaterali; valvulis tenuibus; natibus prominu-
lis; epidermide tenebroso-fusca; margarita colore salmonis tincta,
inferne coerulea. Ohio. Diam. 1,1", long. 1,4", lat. 2,7". —
.^. Jfardiana t. elllptica, transversa, subinflata, inaequilaterali;
cllvo umbonlali rotundato; valvulis tenuibus; natibus prominen-
tibus, ad apices undulatis; epidermide virldi, radiata; margarita
subcoerulea. Ohio. Diam. 1,2", long. 1,7", lat. 3". — yi. Buchn-
nensis t. transversa, inflata, inaequilaterali, inferne emarginata,
ad latus planulata; cllvo umbonall elevato; valvulis tenuibus;
natibus prominulis; apicibus undulatis; epidermide subviridi, mar-
garita alba. Ohio. Diam. 1,1". long. 1,.3", lat. 3". — A- decorn
t. elllptica, inaequilaterali, valde inflata, valvulis tenuibus; natibus
prominulis, ad apices undulatis; epidermide glabra, una vittata ;
margarita alba, salmonis colore tincta. Ohio. D. J,8", long. 2,5",
lat. 3,9". — ^. NuHaliana t. alata, elllptica, compressa, glabra,
inaequilaterali; valvulis tenuibus connatisque; natibus compressis,
ad apices undulatis; epidermide pollla ; margarita alba. Wahlamat,
bei seinem Zusammenflufs mit dem Columbia River. Diam. 0,7",
long. 1,5", lat. 2,3". — ^. TF^ahlamaiensis t. alata, triangu-
239
lari, subinflata, inaequilaterali; valvulis tcnuibus connatlsque;
natibus subcompressis, ad apices undulatis; epidermide subfulgida,
iiiargarita alba. Wahlainat, bei seinem Zusaniinenllufs mit dem
Columbia River. Diam. 0,8", lon^. 1,8", lat. 2,5". — A.pavonia
l. elliptica, inflata, valde radiata, inaequilaterali; valvulis tenuibus,
natibus prominulis, ad apices undulatis; epidermide glabra; mar-
gita coeurulea. Ohio. D. 1,1", long. 1,5", lat. 3". — A.New-
ioniensis i. elliptica, inflata, inaequilaterali; valvulis crassis;
natibus subprominentibus, ad apices undulatis; epidermide fulgida;
margarita alba. Philadelphia. Diam. 2,1, long. 2,3. lat. 4,6". —
A. Oreg onensis t. subalata, elliptica, subinflata, inaequilaterali;
valvulis tenuibus; natibus vix prominentibus, ad apices undulatis;
epidermide subfulgida striataque; margarita alba. Wahlamat, bei
seinem Zuflammenilufs mit dem Columbia River. D. 1", long. 1,8",
lat. .3,2". — A. eocilis t. lata, valde compressa, inaequilaterali,
valvulis tenuibus; natibus vix prominulis; epidermide glabra;
margarita coerulea et iridescente. — ? Diam. 0,8", long. 1,6",
lat. 3, 4". — A. Pepininmts t. trapezio similis, inaequilaterali,
transversa; valvulis tenuibus: natibus prominentibus; cllvo um-
bonali subelevato; epidermide striata; margarita alba. Ohio (Lake
Pej)in). D. 0,7", long, 1,2", lat. 2". — A. angulaia t. obovata,
subinflata, valde inaequilaterali; valvulis subtenuibus, natibus sub-
prominulis; cllvo unibonali carinato; epidermide luteola, subra-
«liata; margarita alba. Lev\'is's River. Diam. 0,8", long. 1,1".
lat. 2,4". — A. stibcyJindracea t. elliptica, inflata, subcylin-
dracea, valde inaequilaterali; valvulis tenuibus; natibus subpro-
minentibus undulatlsque; epidermide fusca ; margarita subcoerulea
et iridescente. New York. Diam. 0,8", long. 1,1", lat. 2,2".
Sämmtllch von Lea. — A. conrciata Anton. Mexico. A.
smaragdina Anton. Nordamerica.
Iridina coelestis Lea t. latissima, subcyllndracea, laevis-
slma, valde inaequilaterali: valvulis tenuibus; natibus prominulis;
epidermide polita, lenebrosa; margarita coerulea et iridescente.
Africa. Diam. 0,7", long. 1,1", lat. 3,4". — I. solid a Anton..
Ueber die Verwandtschaft der Gattung Galathea Law.
enthält das Journ. of the Asiatic Soc. of Bengal. Vol.
Fll. p. 420 einen kleinen Aufsatz von W. H. Benson.
Derselbe will die in Rede stehende Gattung von der Fa-
milie Conchae Latn. trennen, und sie dagegen an die Familie
Donacidae (Donajc ^ Capsa etc.) annähern. Dazu bewegen ihn
die Lage des Ligaments an der Lunula und die Lage der Man-
telröhren an der entgegengesetzten Seite. Auch in der Bildung
der Zähne will er eine Verwandtschaft mit Donajc und Capsa
sehen. Beiläufig bezweifelt er das Vorkommen der Galathea
auf Ceylon.
Eine durch Mr. Stutchbury in Neu -Holland Port Jack-
son entdeckte Trigonia hält J. E. Gray für verschieden von
Lamarcks Tr. margarltacea. Er nennt sie
Trigonia Lamarckii Schale ziemlich bauchig, fest, mit
20— '26 schmalen knotigen strahligen Rippen, auf der hintern
240
Seite gedrängt. Die Innenseite variirt zwischen wclfs, lachs-
farbig, gelb, oder purpiirbroncefarbig. Auch die JugendzustUnde
sind sehr verschieden.
C'arcliutn laeve Gray {Jardhie Annais I. p. 28) eiförmig-
herzförmig, bauchig, hellbraun, rothgefleckt, glatt, mit .30 — 31
sehr undeutlichen Rippen, Area glatt, eiförmig lancettlich. Ver-
wandt mit C. taevigatuiii aber bauchiger. Sierra Leone.
Be'iEic/iwald finden wir 1. c. drei neue Bivalven- Gat-
tungen aus dem Kaspischen Meere aufgestellt, deren Arten
meist schon früher von demselben in seiner Zoologia specia-
lis beschrieben und den Gattungen Cardium, Corhula und
Glycymeris zugezählt waren.
Didacna Eichtv. Testa inaequilateralis, verticc carinato-
acuto; dentes cardinales duo , approxlmatl, profundam foveam
includentes, laterales nulll. Die Gattung ist verwandt mit Car~
dhivi^ hat jedoch keine Seitenlamellen. D, irigonoides Eichw.
(Cardium irigonoides Fall.) testa trigona, altero latere abbre-
vlato-angusto, altero elongato- carinato, vertice trigono. Lat.
20"'- Long. J5'". — !)• crassa Eichw, (Cardium Eichivaldi
Kryn.) testa plana, transversa, dilatata, subcostata, 25 circiter
CGstls utplurimum detritls, remotis, vertice producto postice
subcarlnato. Lat. 2'". Long. IS'". — Monodacna Eichw.
testa transversa subtenul, concava, longltudlnalller subtiliterque
costata, dente cardlnls simplici, exiguo, distincto, lateralibus nul-
lls, elongata lamella passim postice accessoria, testa antice sub-
hians. — 31. caspia Eichw. (Corbu/a caspia Eichw, zooL\spec.)
testa ovato-cordata, subtlllssime longitudlnaliter striata, niargine
denticulata, vertice producto ampliore; plerumque rubicunda.
Lat, 10'". Long. 74^'". — M. poniica Eichw. testa ovato-trans-
versa multo tenuior costata, latioribus costis longitudinalibus, ver-
tice niulto minus producto, exiguo, piano. Lat. 15"'- Long.
1". In ostio Tyrae versus Pontum Euxinum. — uddacna
Eichw. testa planlor, transversa, longitudlnaliter plicata aut striata ;
cardo edentulus aut callus dentis loco, foveola adjecta laminaque
post callum elongata, incrassata, llgamentnm externum flgens;
haec testae pars producta et hians. — A. coloraia Eichiv.
(Glycymeris color. Eichw. Zool. spec.) t. costata, costis compla-
natis, in extrema parte hiante latissimls 15 — 16, vertice piano
pauUo productiore. Lat. 141"'. Long. i". — A. laeviuscuVa
Eichw. (Gtyc. laev. Zool. spec. ^ testa dilatata, irregularls, tenuls,
fragllis, obtuso-pllcata, ulrlnque hlans, vertice exiguo paullulum
conspicuo. Lat. 1.Q'". Long. Ifj'". — A. plicata Eicliw. (Hy-
panis pl. Fand. G/yc. pl. Zool. spec) testa ovato- transversa,
plicata, costis numerosis, arguto-scabi'idls. Lat.9'". Long. .3t'".
— A. viirea Eichtv. (Glyc. vitr. Zool. spec,., Amphidesma caspia
Kryn.) testa laevls, tenuisslma, pelluclda, striis costlsve vixdum
conspicuis, vertice in medio marglne cardinali paullo promlnulo,
utraque parte extrema hiante. Lat. 9"'. Long. 7'". — Fisi-
dium Lumstenianuin Forbes 1. c. testa ovata, oblique trigona,
241
tumlda, inaequilatera, Iransverslm striata, natibus prominenllbus,
roseo- corneis. Lat. ^". Long. , ". Metidja. — Cyrene sul-
cata ^ni. l. c. — Sangiiinolaria dichotojtia ^nt. — Tel-
lina planissima Ani. — T. splendida Ant. — Mactra
Sauliana Gray (^Jardhie Annals /. 29) verlängert eiförmig,
zusammengedrückt, dünn, durchsichtig, blafs mit weilshchen
Strahlen und dunklern Kandstrichen, bedeckt mit einer hellbrau-
nen Epidermis. China. — ISl. eoccisa Anton (Schizodcsma
Gray). — Cytherea ligula Anton. — Pullastra intus-
punctata Anton. — Triqiietva triradiaia Anton. — Cor-
bitla Brugieri. — Peiricola tenuis. Sämmllich von An ton.
Quoy giübt die Anatomie des Thiers \'on Panopea nach
einem Individunm, das LayrJe aus dem Golf von Benin mit-
gebracht hatte.
Das Thier ist sehr ähnlich der Mya; der Hauptunterschied
besteht darin, dafs der After binter dem hintern Schliefsmuskel
liegt. Die Piöhren sind ihrer ganzen Länge nach vereinigt, und
sind von bedeutender Gröfse; der Rand des Manteleindrucks
zeigt eine perlmutterartige, muskulöse Schnur und hinten einen
platten Muskel von derselben Beschaffenheit, wie bei 3Iya. (Aus
den Annales francnises d'anaioime 1838 No. 4 in den Ann. d.
sc. nat. IX. Zool. p. 379.)
Annulatcty Crustacea, Arachnidae
bearbeitet von
Friedrich Stein.
Von allgemeinen Schriften, welche die drei genannten
Klassen der Gliederthiere betreffen, ist nur ein, aber auch be-
deutendes Werk erschienen, nämlich der fünfte Band der
zweiten von G. P. Deshayes nnd H. Milne Edwards
veranstalteten Ausgabe der Histoire naturelle des ani~>
vxaux Sans vertehres par J. P. A. de Lamarcli.
TomeV. Arachnides, Crustaces, Annelides, Cir-
ripedes. 8. Paris 1838.
Die Herausgabe dieses Bandes bat Milne Edwards be-
sorgt, und Berichtigungen und Ergänzungen, auch seine von
Lamarck öfter abweichenden Meinungen in Noten beigefügt.
Diese sind bereits aus frühern IMittheilungen desselben Verfas-
sers bekannt genug, als dafs wir speciell auf sie einzugehen
brauchten. Nur auf eine Bemerkung von M. Edwards in der
2i2
Einleitnng zu den Arachniden S. 4. in Bezug auf die Einlhcl-
lung in Lungen- und Tracheen- Arachniden erlauben wir uns
um so mehr aufmerksam zu machen, als darin nun auch ein-
mal von einem französischen Forscher die Unzulänglichkeit der
Dichotomien nach einzelnen Merkmalen anerkannt wird, gegen
die sich schon Aristoteles erklärte, die aber leider bei den mei-
sten französischen und englischen Systematikern und auch unter
uns so beliebt geworden sind, dafs man zu glauben versucht
■wird, ein System der Zoologie beruhe nur auf Dichotomien.
Sie mögen allerdings für das subjective Erkennen recht nützlich
seyn, insofern das Bestimmen der Arten sehr erleichtert wird,
allein die Erkenntnlfs der Arten ist nicht der einzige Zweck der
Zoologie ond ihr System hat eine ganz andere Aufgabe, als nur
ein Katalog sämmtlicher Thierspecies zu seyn.
Aufserdeni möchte hier noch ein Bilderwerk zu erwäh-
nen seyn, dafs zwei von den Klassen, die wir zum Gegen-
stande haben, sehr ausführlich behandelt, nämlich: Deutsch-
lands Krustaceen, Myriapoden und Arachniden.
Ein Beitrag zur deutschen Fauna von C. L. Koch.
Herausgegeben von Dr. Herrich-Schaeffer. Regens-
burg bei Pustet.
Bis Ende 1838 sind davon 22 Hefte ganz in der Weise der
bekannten Insectenfauna von Panzer, zu der es nur einen in-
tegrlrenden Theil bildet, oder aus der es vielmehr nur ein Ab-
druck ist, erschienen. Dr. Herrich-Schaeffer, der Fort-
setzer der Panzerschen Fauna übertrug die JJearbeitung der
Spinnen dem Kreis forstrath Koch, der auch die Fortsetzung
des Hahnschen Arachnidenwerks übernommen hat und beide
haben nun die Uebereinkunft getroffen, dafs in der Fauna nichts
aufgenommen werden soll, was bereits in dem Hahnschen
Werke schon dargestellt ist, da man nicht welfs, wie lange die
Theilnahme des Publikums aushalten wird. Daher enthält die
Fortsetzung der Panzerschen Fauna und gegenwärtiger Abdruck
daraus meistens Milben, die des Hahnschen Werkes hingegen
blofs eigentliche Spinnen, Scorplone und Phalanglen.
VI. yf ji n u l a t a.
Unsere sehr ungenügende und sich oft widersprechende
Kenntnifs von dem innern Bau der meisten Gattungen der
Annulaten sind durch Dr. Ad. Ed. Grube's schöne Abhand-
lung: Zur Anatomie und Physiologie der Kiemenwiir-
nier. 4. Mit zwei K upf er tafeln. Königsberg bei Born-
träger durch vielfältige Untersuchungen lebendiger Thiere
am Mittelmeer, um ein Bedeutendes gefördert worden.
Sehr ausführlich ist die Anatomie von Arenicola piscatorum^
Hunice Harassii und Aphrodite hysirix> kürzer werden Tere-
243
helht mvJihelosa Grub, (eine neue Art, die in vieler Hinsicht mit
1^. Bledu^sa Snv. übereinstimmt, sich aber durch grülsere An-
zahl der ßorstenbündel, durch eine geringere Menge Körper-
riiige und durch ihre Kleinheit von jener vorzüglich unterschei-
det), Snhella unispira^ Cirraluhis JLnmarchn^ Ottuplus lubicofa
und Pofynoe sguatrmla abgehandelt. Da Verf. am Schlüsse sei-
ner Arbelt die Resultate übersichtlirh zusammengestellt, so wer-
den die Ilauptgcsichtspunkte aus dieser Uebersicht uns über die
KnldeckuMgen und l^)erichtigungen , die wir ihm verdanken, am
besten belehren. „Fassen wir das Cbaracteristische der beschrie-
benen Jtnniilaten zusammen (heilst es S. 63) i so wird es nicht
genügen, wie bisher geschehen, sie unter zwei Ordnungen zu
bringen, mag man dieselben nun als Dorsibrnnches und Tubi-
coliis mit Cuvier, oder als Neretdene und Serpuleae mit Sa-
vigny annehmen. Ich werde die verwandten Gattungen zu-
sammenstellen, ihren Bau mit wenigen Worten angeben und so
hieraus eine andere Eintheilung dieser Thiere ableiten." — Dies
geschieht S. 63 - 66, und ich entlehne daraus das Folgende als
das Wichtigste:
Arenicola. Terebella. — Ohne Kopf, Augen und An-
tennen, Körper vorn dicker, als hinten, in ungleiche Ringel zer-
fallend, Haut glanzlos, jederseits zwei Reihen aus Borsten und Häk-
chen bestehender Bewegungswerkzeuge, die weiter hinten entwe-
der fehlen (^Arenicola) oder sich nur mit einer Reihe fortsetzen
(Terebelln). Darmkanal höchst einfach, bei Arenicola mit vor-
stülpbarem Rüssel, Kiemen '-ontractil, nur über einen Theil des
Körpers verbreitet, Gefäfssystem sehr zusammengesetzt, aber
ein Hauptrücken- und ein Hauptbauchgeläfs, ein Theil des Darm-
blutes Hiefst in eigene, sich contrahirende Behälter und von da
zu den Kiemen. Blut dunkelroth. Nervenstrang aus zwei eng
ACrbundenen Strängen zusammengesetzt. Nachdem die Ovarien
gerissen, fallen die Eier in die Bauchhöhle, wo, aber nur im
vordem Theile des Leibes, paarweise die befruchtenden Organe
liegen. Leben in Sandröhren von thierischem Schleim. (Hier-
her auch Amphitrhe Ciiv.)
Sabella. Serpuln. — Ohne gesonderten Kopf und Au-
gen, Vordertheil des Körpers mit fleischigem Kragen. Haut
nicht irisirend, aber schön gefärbt. Beide Arten Bewegungs-
organe verbreiten sich über den ganzen Körper und kreuzen
sich einmal in ihrer Lage. Der ganze Leib durch Dissepimente
in Kammern getheilt. Der Darmkanal ist in eine enge Spirale
gewunden. Die Athmungsorgane sind zwei gleiche oder un-
gleiche Kiemenbüschel am vordersten Theil des Körpers, ihre
Strahlen können zusammengerollt werden ; zu jedem gehört ein
Cirrus. Die hauptsächlichsten Stämme des Gefäfssystemes sind
zwei seitliche im Zickzack laufende Gefäfse, deren Zweige mit
denen eines Rückengefäfses zu anastomosiren scheinen. Blut
grün. Die beiden Stränge des Bauchmarks sind nur auf der
Gränze je zweier Segmente vereinigt. Geschlechtsapparat wie
vorhin. Leben in freistehenden, lederartigen {Sabella) oder
kalkigen Röhren (Serpula). (Bei Cirraiutus, der in gewisser Art
244
den Uebergang von den Sahellen zu den Nei'eiäen bildet, ist
der Darm Spiral gewunden, das Blut rotb, und die Respirations-
organe nicht an der Spitze des Körpers befindlich.)
Eunice. Onuphis. — Kopf mit Augen und Antennen,
Haut schön gefärbt, opalisirend. Nur eine Reihe Borstenbüschel,
welche aber in eine obere und untere Hälfte zerfallen; mit
Cirren versehen. Die Dissepimenle schwächer als bei den Sa-
Lellen. Pharynx etwas vorstülpbar, mit zahlreichen Kiefern,
Magen vom Darm unterschieden, Darm gerade, dickwandig, mit
buchtigen Erweiterungen. Die nicht contractilen Kiemenbü-
schel in der ganzen Länge des Körpers verbreitet. Zwei ne-
ben einander liegende Rückengefälse, ein Hauptbaucligefäfs, des-
sen zu den Kiemen gehende Aeste an ihrer Basis eine (pulsi-
rende) Anschwellung zeigen. BUit roth. Aus dem Hirnganglion ent-
springen hinterwärts Nerven fürden Darmkanal, seitwärtsdiebeiden
Schenkel des Schlundrings, welche, ehe sie sich am Banchstrang
vereinen, durch ein Paar Fäden — Brücke — verbunden wer-
den. Mit Ausnahme der vordersten Körperringe hat jeder sein
üvarium und befruchtendes Organ auf beiden Seiten. Leben
in Schwämmen oder Sandröhren oder hornigen Cylindern (Onu-
phis) von kleinen Seethieren. (Nach Rathke's Untersuchun-
gen würde sich hier Lycoris anschlielsen.)
Pleione. Unterscheidet sich Yon Eu7iice und Lycoris durch
das Gefäfssystem : neben dem Rückengefäfs laufen noch zwei
mit ihm verbundene Seitenstämme, welche das Blut aus den
Kiemen empfangen, unter dem Darm ein doppeltes Haupt-
Bauchgefäls. Kiemen sind contractile Büschel. Neben dem
Bauchmark laufen noch zwei seitliche mit ihm durch Querzweige
in Verbindung stehende Nervenstränge. Bewegungsorgane be-
stehen jederseits aus zwei Reihen Haarbüschel.
Aphrodite. Polyno'e. — Deutlicher Kopf mit Augen
und Antennen. Breite Würmer mit beschuppter Rückenseite.
Haut nicht schillernd, bei einigen oben {Aphrodite) mit Haar-
gewebe bedeckt. Bei Aphrodite zwei, bei Polyno'e eine Reihe
jßewegungsorgane. Im Innern Dissepimente. Pharynx vorstülp-
bar, oft mit Kiefern und hornigen Blättern. Magen knorpelig,
sehr vom übrigen Darm, in den eine doppelte Reihe viellappi-
ger Blindsäcke mündet, verschieden. Kiemen scheinen oft zu
fehlen. Nur ein Rücken- und Bauchgefäfs, Blut blafsroth. Das
Bauchmark bildet in jedem Segment drei Ganglien. Sic schei-
nen getrennten Geschlechts zu seyn und leben frei auf dem
Meeresboden.
„Hieraus schliefst Verf., dafsPZe?one, Lycoris^ Eunice^ Onu-
phis am ersten unter eine grölsere Abtheilung zusammengefalst
vxerden könnten, für welche der Name Nereidcae bleiben darf,
dals ebenso Snhe/Ia und Serpula sich eng an einander schlielsen
— Serpuleae — Cirratiäus macht einen Uebergang von jenen
zu diesen; aber Arenicola^ '^TerebeUn , Amphitrite würden wohl
eben so nothwendig aus den Serpuleae Sav. als Aphrodite und
Polyno'e aus den Nereideae ausscheiden."
^45
Üeber den Kreislauf des Bluts der Anneliden finden sich
höchst meisterhafte Untersuchungen von Milne Edwards in
den Ann. des natiir. Tome X. p. 193—221. Das Wesent-
liche dieser Abhandlung, die der französischen Acadeniie über-
geben worden war, wurde schon in Auszügen im Jahre 1837
im Institut bekannt gemacht und daraus ist es bereits in den
Jahresbericht von 1837 (vergl. dieses Archivs IV. Jahrgang.
Band II. p. 341 — 42) aufgenommen worden.
Charpentier theilte Beobachtungen über die Fortpflan-
zung der Blutegel mit (^Insf. p. 261), welche von den frühe-
ren Erfahrungen in Hinsicht auf die Bildung der Cocons ab-
weichen.
30 — 40 Tage nach der Begallnng werden rlie Cocons ge-
legt. Während dieser Zeit schwillt die Umgegend der Ge-
schlechtstheile, wird hart und gelblich, was bis zur Bildung des
Cocons zunimmt, nach dieser nimmt die Haut ihre gewöhnliche
Farbe und Beschaffenheit wieder an. Die Cocons legen sie in
den Rasen der Ufer, zuweilen gesellig in Maulwurf- und Rat-
tengängen, ab. Vor der Bildung des Cocons wird eine schlei-
mige Substanz, wie geschlagenes Eiweifs, von den Geschlechts-
theilen bereitet, welche sich zum Theil in das die Kapsel um-
febende schwammige Gewebe umwandelt. A\ährend dieses
organgs richtet der Egel den Kopf stets gegen die Geschlechts-
theile. Darauf soll sieb nach Verf. die aus Mucus und Eiweifs
bestehende Kapsel bilden. Ebenfalls von den Geschlechtsthei-
len im flüssigen Zustande abgesondert soll die erste Portion
durch Infiltration sich ringsum in dem Schaume in einer Dicke
von etwa zwei Linien verbreiten und das schwammige Gewebe
um die Kapsel bilden, dann soll dieselbe Masse zur Bildung der
Kapsel dienen', welche den ganzen angeschwollenen und gelb-
lich gewordenen Theil des Körpers einnimmt. Ist jenes Ge-
webe und die Kapsel gebildet und der Cocon fertig, so soll
die Gallerte, welche die noch unsichtbaren Keime enthält, vom
Egel hineingelegt werden, worauf dieser sich durch Contractio-
nen des Cocons entledigt. Man sieht, dafs Verf. den Hergang
in der Coconbildung, wie man ihn bisher und wohl physiolo-
gisch richtig annahm, geradezu umkehrt. 30 — 40 Tage nach
der Bildung des Cocons, also etwa 70 Tage nach der Begat-
tung schlüpfen die Jungen aus.
Dujardin hat der Pariser Aeademie der Wis-
senschaften Beobachtungen über vier neue Arten
von Meeranneliden überreicht. (^l'Inst. p. 316.)
Die erste Art wird von ihm Chlor aemn üdwarsii ge-
nannt; sie zeichnet sich aus durch ihr grünes Blut und die son-
derbaren Appendicularorgane oder Drüsen, womit sie bedeckt
ist und die eine Schleimhülle absondern, die zweimal so diclo
246
ist als ihr Körper. — Die beiden folgenden Arten müssen nach
Verf. ein eigenes Genus unter dem Namen S ahellina bilden,
weil sie nur eine einzige Art von Tentakeln, welche mit vibri-
renden Wimpern versehen sind, haben. Aufserdem zeichnen
sie sich durch die Gegenwart schwarzer Punkte aus, die man
für Augen nehmen kann. — Die letzte Art ist eine iV«?*, welche
hinten mit Athencirren, wie Nais digitata oder coeca, versehen
ist, aber mit viel mehr schwarzen Punkten, die man eben so
gut, wie bei Sabella und Sabellina für Augen halten kann. —
Eine ausführliche Monographie über die englischen Arten
der Ariciden liefert Dr. G. Johns ton im Mag. of Zool.
and Bot. Vol. II. p. 63 — 74 nebst Abbildungen.
Von den 4 Gattungen, die diese Familie nach Mi Ine Ed-
wards und Audouin ausmachen, hat England nur zwei elgen-
fhümllche Ai*ten von einer derselben, die drei andern brittischea
Arten bilden zwei wirklich von den übrigen verschiedene Gat-
tungen, ein abermaliger Beweis, dals alle aberranten Thier-
gruppen nicht nur verhältnifsmäfsig artenarm, sondern dafs diese
Arten auch so verschieden gebildet sind, dals ihnen viel-
mehr der Gattungs- als der Artencharacter zukommt. Verf.
theilt sämmtliche Gattungen in zwei Gruppen, von denen die
erste solche Thiere, deren Füfse nach einem doppelten Typus
gebaut sind (yiricia und Leucodore Jo/insi.), die zweite solche,
deren Füfse alle gleichartig sind (Nerine Johnst. u4onia^ Ophe-
lia, Cirratulus) begreifen.
Die neue Gattung Leucodore zeichnet sich aus durch den
wurmförmigen Körper, den konischen Kopf, den einfachen kie-
ferlosen Mund, die vier Augen, durch die zwei am Hinterkopfe
eingelenkten, breiten, langen, borstenförmigen und gewimper-
ten Antennen, durch die vier ersten, mit warzenförmigen, bor-
stentragenden Fufspaaren versehenen Segmente; das fünfte ist
mit Klammern und die folgenden sind mit eben solchen Fülseu,
als die vier ersten Segmente und aufserdem mit auf den Rücken
zurückgebogenen Kiemencirren versehvin; das Aftersegment
glockenförmig mit concaver Afteröffnung.
L. ciliaius J ohnsi. In Spalten schieferartiger Klippen.
Nerine Johnst. Körper wurmförmig, fast viereckig; Kopf
klein, deutlich; Mund fast unten, mit einem sehr kurzen zahn-
losen Rüssel; Augen klein; zwei auf dem Hinterkopf befestigte,
lange, breite, zugespitzte Antennen; Kiemen bilden eine unun-
terbrochene Reihe kurzer, wimperiger, zugespitzter Fäden längs
i'eder Seite, beugen sich auf den Rücken und sind mit einem
^appen an ihrer Basis versehen; Fülse alle gleich entwickelt,
zweiästig, jeder Zweig aus einem zusammengedrehten Lappen
und einem kurzen, mit einfachen Borsten bewaffneten Stiel be-
stehend; After sternförmig.
N. vulgaris Johnst. (Früher als Spio vulgaris von John-
ston im zool. Journal beschrieben.) — P. coniocephala (eben-
dort als Spio viridis beschrieben). — Die beiden andern britti-
schen Arten gehören zur Gattung Cirratulus^ nämlich C. Me-
247
dusa JohnsU (C. fuscescens und C. ßavescens Johnsi. In Jnme-
sons Edinburgh Philosoph. Journal)' und das von Montagu
unter dem Namen Terebeila ientaculaia in den Ltinnaean Trans-
aciions beschriebene Thier.
VIL C r u s t a c e a.
Eine Reihe der sorgfältigsten und gründlichsten Arbeiten
verdanken wir Henr. Kroeye'r, der nicht nur die Resultate
seiner V'orgänger einer strengen Kritik unterwarf, sondern
selbst durch zahlreiche neue Beobachtungen und Entdeckun-
gen die Naturgeschichte dieser Thierklasse um ein Bedeu-
tendes förderte. Seine Bearbeitungen einzelner Abtheilungen
werden ihres Orts erwähnt werden: hier ist nur auf eine Ue-
bersicht der grönländischen Krustaceen aufmerksam zu ma-
chen, die sich am Ende der weiter unten zu besprechenden
Schrift: Groenlands Amfipoder S. 84 — 98 {0 versigt
af de groenlandske Kraehsdyr, ledsaget af no-
gle zoologisk - geo graphiske Bemaerkninger)
findet.
Fabricius führt In der Fauna groenl. 38 Krustaceen auf.
Aber zwei von diesen Arten (^Cancer gammarus und Cancer
j4rc1us) sind blofs nach den Angaben der Grönländer und zwei
andere (^Cancer norwegicus und Pycnogonum littorale) nur nach
dunklen Erinnerungen aufgenonimen. Da nun diese vier Arten
später nicht wieder in Grönland bemerkt wurden, so gehören
sie auch Avahrscheinlich nicht in die Fauna dieses Landes und
man kann nach Fabricius Angaben also nur 34 Arten an-
führen. Aus Autopsie kennt Verf. 58 grönländische Kru-
staceen; aulserJem 5 aus Fabricius Beschreibungen, näm-
lich: Oniscus arenarius, atroemianus, aselluSy Cyclops brevicornis
und Lernaea radiata. Aufserdem haben aber die englischen Po-
larexpeditionen in den benachbarten Gewässern noch fünf Ar-
ten kennen gelehrt, welche, so viel Verf. weifs, noch nicht an
der grönländischen Küste beobachtet wurden, sich aber, aller
Wahrscheinlichkeit nach, bei näheren Forschungen gewifs hier
auch noch finden werden, so dafs sie wohl zu den Krustaceen
des Polarmeeres zu zählen sind; nämlich: Amphithoc Edwarsii
Sab., A. crisiaia Owen, Hyperia Cyaneae Sab., Idotea Enioinon
Sab. und Arciurus tubercidaius. So erhält man 68 boreale Kru-
staceen, nämlich:
Vom Verf. unter- Mit Zurechnung Mit Zurechnung
suchte. vonSfabricischen von SArten der
Arten. engl. Reisenden.
Parasiia 11 12 12
Eutomostraca 4 5 5
248
Vom Verf. unter- Mit Zurechnung Mit Zurechnung
suchte. vonSfabricischen von 5 Arten der
58 63 68
Glebt man nun die Anzahl der bekannten Krustaceen auf
1500 Arten an, so verhält sich also die Zahl der borCalen Kru-
staceen zu der aller, wie 1 : 22.
Ueberblickt man sämmtliche, aus den grönländischen Ge-
wässern aufgeführten Arten, so findet man hier alle Hauptgrup-
pen mit Ausnahme der ganz tropischen Xiphosuren und der Sto-'
matopoden, die wohl in die gemäfsigte Zone eintreten, aber
schon an den dänischen Küsten vermilst werden.
Die Abtheilung der Decapoden macht i der sämmtiichen
grönländischen Frustaceen aus, die der Amphipoden über ^] sie
sind also mehr als noch einmal so zahlreich, als die der Deca-
poden und machen überhaupt i aller bekannten Amphipoden
aus. Hieraus scheint zu folgen, dafs die Decapoden, die in sehr
verschiedenen Gestaltungen die südlichen Meere erfüllen, nach
Norden mehr und mehr verschwinden und hier gewissermafsen
durch die Amphipoden ersetzt werden. Von diesen ist die Ab-
theilung der Gammarinen die artenreichste und in ihr wieder
die Saltatorien, besonders die Gattung ^mphlt/ioe, die in dem
Polarmeere allein halb so viele Arten, als in allen übrigen Mee-
ren zusammen oder 3 von allen bekannten Arten aufzuweisen
hat. Bemerkenswerth ist bei den Gattungen ^m/;/t///joe und Gam-
marus noch, dafs die äulseren Integumente bei den nordischen
Arten vorherrschend scharf und kantig, mit spitzigen Dornen
versehen sind, Avelche Verhältnisse sich in dem Grade steigern,
als man weiter nach Norden kommt. — Die Isopoden machen
nur T der arctischen Krustaceen aus. Die Lämodipoden werden
in Grönland nur durch zwei und die Branchiopoden gar nur
durch eine Art repräsentirt, welche durch die zahllose Masse
der Individuen gleichsam den Mangel der Arten ersetzt. Die
Entomastraceen sind zu wenig untersucht, um ihr Verhältnifs
zu den übrigen Arten richtig angeben zu können. Die Pycno-
goniden machen ^V der grönländischen Krustaceen aus und kom-
men in nicht unbedeutenden Massen vor. Die Schmarotzer-
krebse nehmen wieder einen bedeutenden Platz in der grön-
ländischen Fauna ein, da sie über | der Arten der ganzen Klasse
ausmachen. Schließlich vermuthet Verf. noch, dals die Schma-
rotzerki'ebse, die in der kalten und einem grofsen Theil der
gemälsigten Zone so sehr überwiegen, hier dieselbe Stelle ein-
nehmen, wie die Cymothoen in den südlicheren Meeren. Noch
249
ist aber zu bemerken, dafs Verf. die Cirrlpedien niclit berüclc-
sichtigt hat. Alle vom Verf. aiifgestellteii Gattungen und Ar-
ten, so wie die gelegenlliclieii Bemerkungen, zu denen ilin die
Aufzählung der einzelnen Arten vcranlaiste, werden weiter un-
ten in Betracht kommen. —
Die hier gegchene Uebersicht der geographischen Verbrei-
tung der grünliiiidischen Knistareen theilt derselbe Verf. in
einer neuen, lateinischen Bearbeitung mit Bezug auf die im
Hauptwerke von ihm ansfiihrlichcr beschriebenen Arten in sei-
ner Naiurh. TiilssJiv. (S. 249 — '261) als Conspecius C'r«-
staceorum Groenlanäl ae mit.
Einen andern sehr wichtigen Beitrag zur Kenntnifs der
geographischen Verbreitung der Krustaceen, be-
sonders der Dekapoden liefert Milne Edwards in
den Ann. des scienc. natin\ X. p. 129 — 174.
In Europa unterscheidet Verf. drei eigenthümliche Krebs-
fauneu, nämlich die der scandinavischen tasten, der celtischen
Meere und des mittelländischen Meeres; in Africa die Küsten
vom Senegal, (wovon vielleicht noch als besondere Fauna die
der canarischen Inseln zu trennen), der Gewässer um Isle de
France; ferner die indischen Meere, das Meer von Japan, die
australasische Region, die Gallopagos- Inseln, die Küsten von
Chili und Patagonien, die Caraiblsche, Pensylvanische und Po-
lar-Begion. Vou diesen 13 Regionen wird die scandinavische,
welche die Küsten von Norwegen umfafst, vorzüglich characte-
rislrt durch L!i/iocIes arct'ica^ Hyas arcmea und Nep/irops; auch
mufs diese Region für das ursprüngliche Vaterland des Hum-
mers, der hier stets in zahllosen Massen gefangen wird, ange-
sehen werden. Die celtische Pxegion, welche die Küsten des
Kanals und die Westküsten von Frankreich und England be-
greift und sich bis zur Meerenge von Gibraltar und bis Island
zu erstrecken scheint, ist viel reicher. An den Küsten der Bre-
tagne, dem Mittelpuncte dieser Region, findet man häufiger als
sonst wo Cancer pngurus^ Carcltius maenas, welche auch in den
beiden andern europäischen Regionen vorkommen, ferner die
meisten Arten aus der Gattung Portunus, Maia sguinado^ Pisa
ietrodon., mehrere InacJms^ Xantho ßoridus, Pagurits bcrnhardus.
Palinurus iocustu^ Palaeinon squilla; doch finden sich alle diese
Arten auch im mittelländischen Meere. Characteristisch sind
Hyas coarctaia, PoJybius HenslowU ^ Pandalus annulicovnis ., Eu-
rynome aspera und jldxanas nitesccns. Auch das eigentliche Va-
terland von Cancer, Carciniis und Porliinus scheint diese Re-
gion zu seyn. Die Region des miltelländischen Meeres hat mei-
stens dieselben Decapoilen Avie die vorhergehende, zeichnet sich
aber durch einige eigenthümliche vVrteu aus
Die Krebslauna der canarischen Inseln unterscheidet sich
sehr von den vorliergehcnden drei Regionen und man findet
hier ein eigenthümllches Gemisch von europäischen, afrikani-
schen und amerikanischen Krustaceen. Nur zwei Arten schei-
V. Jaliig. 2. Btl. 17
250
nen flieser Region ausschliefslich anzugehören, und sie Ist also
mehr als eine neutrale, als eigenthümliche Region zu betrachten.
Die Krustaceen der Küsten vom Senegal un<l Congo sind nur
sehr unvollkommen bekannt, aber die von dort hergebrachten
Arten sind sehr ausgezeichnet. Die fünfte Region erstreckt sich
vom Cap bis zum rothen Meer und ist besonders um Ile de France
näher durchforscht. Man findet hier Arten, die auch im rothen und
bis zum indischen Meere vorkommen. Die Krebsfauna von Indien
erstreckt sich vom rothen Meere bis Neu-Guinea. Sie ist die ar-
tenreichste und besonders ausgezeichnet durch die Gatt, ügerla^
ßoclen, Birgtis. Die Krustaceen des japanischen Meeres werden
erst jetzt durch die Arbeiten der Reisenden v. Siebold und
V. Hörn näher bekannt und so viel sich jetzt schon daraus ab-
nehmen läfst, hat diese Region mit der Indischen Vieles gemein,
aber auch mehrere eigenthümliche Formen. Vielleicht wird
auch das Meer von Kamtschatka eine besondere Krebsfauna haben,
wie die Berichte von Krusenstern anzudeuten scheinen und
merkwürdiger Weise trifft man hier wieder Formen an, die in
der scandinavischen Fauna vorkommen. So ist z. B. der Li-
ihodes der norwegischen Küsten von dem im Meere von Kamt-
schatka kaum zu unterscheiden. Ebenso wird Crangon horealis
an den Küsten von Grönland und Spitzbergen hier durch eine
wenig oder nicht verschiedene Art repräsentirt. Die Küsten von
Neuseeland xnid des nicht tropischen Theils von Neuholland
scheinen eine ganz besondere Krebsfauna zu haben, die charac-
terisirt wird durch Formen wie Naoria serpulifera, Psetidocar-
cinus gigas, Xaniho incisus, PoHunus integrif'rons und Thniafitita
eryihrodnciyln.
Von der Westküste Nordamerikas wissen wir nichts , wir
kennen nur die Bewohner der Küsten von Peru und Columbina.
Nach den von Cuming auf den Inseln Gnllopagos angestellten
Sammlungen, scheint dieser Theil des grofsen Oceans seine
besondre Fauna zu haben. Die Küsten von Chili und Pata-
gonien scheinen sich nahe an die vorige Fauna anzuschliefsen.
Die caraibische Region, deren Mittelpunct die Antillen aus-
machen und die sich bis Brasilien und Carolina erstreckt, ist
characterisirt durch mehrere besondere Arten von MitJirax^
Grapsus und Lupa^ durch Carpillus corallinus^ Pagurus granU'
latus u. s. w.
Der nördliche Theil der Küsten der vereinigten Staaten oder
die pensylvanische Region bieten einige um die Antillen ursprüng-
lich einheimische Arten dar, Lupa dicantha^ Sesarina cinerea, '
Gelasimus vocans. Höchst elgenthümlich ist die Krebsfauna der
Region, die sich von Neufoundland bis Spitzbergen, Grönland
und die Baffinsbay erstreckt. Die kurzschwänzigen Krebse ver-
lieren sich fast ganz und sie werden nur durch einige lang-
schwänzige Arten, und die sehr charakteristischen Arten der Ab-
theilung der Amphipoden ersetzt. Auch zeigen sich einige Arten
aus dem weniger borealen Amerika und der scandinavischen
Region.
Wir sehen hieraus schon, dafs die meisten Krebse im Meere
251
auch auf bestimmte Grenzen angewiesen sind und man kennt
bis jetzt keine einzige Art, die ganz allgemein in allen Gewäs-
sern vorkäme. Meistens sir.d es sehr gute Schwimmer, die eine
sehr weite Verbreitung haben, wie z. B. die Gattungen Phyllo^
soma und ErichtJms^ die in beiden Ozeanen vorkommen. Nau-
liiograpsiis miniiiius scheint seinem Baue nach nicht zu langen
und anhaltenden Bex-v egungcn geschickt zu sein, dessenungeach-
tet kommt er fast in allen Thcilen der Welt vor. Zu dieser
ausgedehnten Verbreitung scheint seine Lebensart Veranlassung
gegeben zu haben. Dieser kleine Krebs hat nämlich die Gewohn-
heit sich an Meerschildkrüten anzuklammern, die ihn dann weit
mit fortführen, auch sieht man ihn nicht selten auf Pflanzen,
die die Strömungen mit fortreifsen, mitten im Ocean schwim-
men und wahrscheinlich ist es dasselbe Thier, das sich dem Co-
lumbus IS Tage vor der Entdeckung der neuen Welt zeigte.
Je leichter die Konmiunikation zwischen verschiedenen Regionen,
desto mehr haben sie Arten mit einander gemein. Auch findet
sich eine Art, die in Aveiten Entfernungen zugleich vorkommt,
fast immer in den dazwischen liegenden Meeren. Ausnahms-
welse findet sich Nephrops norwegicus weder im Kanal noch an
den Küsten des atlantischen Meeres und tritt aber wieder im
adriatischen Meere häufig genug auf. Grapsus fnessor im rothen
Meere gemein, findet sich an der nördlichen Küste von Africa
und den canariscehn Inseln, aber nicht am Cap oder in den
Gewässern von Isle de France. Die Formen werden viel man-
nichfaltlger, je mehr man sich dem Aequator nähert. Die Küsten
von Norwegen z. B. sind reich an Individuen, doch arm an
Arten. Kaum bringt man ein Itlandel Decapoden zusammen,
während im Kanal die Anzahl derselben schon um das Fünf-
fache, im Mittelländischen Meere gar um das Siebenfache zu-
nimmt. Ein ganz gleiches Verhältnifs findet in der südlichen
Hemisphäre, so wie auch in der neuen Welt statt. Noch deut-
licher zeigt sich der EInflufs der Temperatur, wenn man Ge-
genden der alten und neuen Welt, die unter gleichen Breiten-
graden liegen, vergleicht. Die Küsten von Grönland und Nor-
wegen liegen fast unter denselben Parallelen, bekanntlich aber
ist die mittlere Temperatur beider nicht dieselbe. So wie nun
Grönland kälter ist, als Norwegen, in demselben Verhältnifs sind
die Küsten des erstem Landes auch ärmer an Arten, als die des
zweiten. Ferner ergiebt sich aus der Verglelchung der Krebse
der heifsen und kalten Regionen, dafs fast alle Typen, die wir
in den polaren Meeren bemerken, auch in den tropischen wie-
der gefunden werden und dafs hier eine grofse Anzahl besonde-
rer Formen den allgemeinen Typus, der dort nur durch eine
oder wenige Arten repräscntirt wurde, darstellen.
Ferner sollen nach Verf. die Krebse der heifsen Gegenden
eine höhere Entwicklung, als die der kältern zeigen. . Da sich
aber hiergegen Manches einwenden liefse, so stelle ich statt des
vom Verf. aufgestellten Gesetzes lieber die einfachen Zahlen-
verhältnisse hierher:
17*
252
Brachyuren. Anomuren. Makrurcn.
Scandinavlsche Region
Celtische —
Mittelliindlsche —
Indische —
Australische —
Ostafiicanische —
Baffuisbay
Küsten von Grönland
Küsten der vereinigten Staaten
Caraibische Kegion
Chilische —
Interessant ist hierbei die Bemerkung, dafs die Flufskrebsc
der temperirten und kalten Gegenden zu den Makruren, die
der tropischen zu den Brachyuren gehören. Endlich macht sich
in der geographischen Verbreitung der Krustaceen eine merk-
v\'ürdige UeDerelnstimmung in der Temperatur der verschiedenen
Krebsfaunen und bestimmt vorherrschenden Formen bemerklich.
Obgleich z.B. die Krebse der Antillen und der indischen Meere ganz
verschiedene Artenaufzuweisen haben, so findetdoch zwischen ihnen
eine so grofse Analogie statt, dafs beide einen ganz bestimmten,
ihnen elgenthümllchen Character zeigen, der sie leicht von den
Arten der kältern Regionen Ihrer zugehörigen Continente unter-
scheidet. Beide Regionen sind nämlich von der Gattung Ocy-
pode bewohnt, die sich auch in den Gewässern am Senegal wie-
der findet, aber sonst weder an den europäischen Küsten noch In
den gcmäfsigten Gegenden von Asien und Amerika vorkommt;
ferner von der Gatt. Gelasimus ^ die sich In allen warmen Län-
dern bis etwa zum 35 Breitengrade findet; von Grapsits und
Sesnrma, die auch nur in der heifsen Zone zahlreich sind und
nicht weit nachNorden vorkommen; von der Gatt. Z/?/j7«, welche
nach Norden zu nur noch Im mittelländischen Meere angelrof-
feg wird u. s. w.
Auch die Krustaceen der temperirten Gegenden haben ein,
ihnen eigenthümliches Gepräge. Hierher gehört z. B. die Gatt.
^siacus, wovon ^. ßnviatilis den Norden der alten Welt be-
wohnt, während in der neuen Welt^. Barionii in Nordamerika
seine ^Stelle vertritt un«l ^. capensis Ihn am Cap, eine vierte'
verschiedene Art In Chili und eine fünfte in Neuholland ersetzt.
Plalycarcimis wird In der indischen Region und den Antillen
nicht bemerkt, findet sich aber in beiden Hemisphären, da, wo
ein dem unsrigen ähnliches Klima herrscht, wie an den Küsten
der vereinigten Staaten und Chili. Hier, wie In Europa, be-
merkt man verschiedene Arten der so ausgezeichneten Gattung
Callianassn^ wovon man bisher In den Gewässern warmer Ge-
genden noch keine Spur bemerkt hat. Aielecyclus und Hyas
sind ebenfalls nur in Europa und Chili, Poriunus nur In Europa
anzutreffen.
Eine kleine Notiz, die für die geographische Zoologie nicht
uninteressant Ist, liefert Staatsrath E. Elchwald in seinem
Primitiis Faunae C'usjjü inaris (JBull. cj. naiur, de Bio-
' 253
COM. j 838 No. IL p. 117 — 150). Im kaspischcn Meere kom-
men niiiiilicli aurrallend wenig Kriistaceen vor und sie dienen
zum l>e\veise, dais Iriilier das kaspische Meer niclit mit dem
schwarzen Meei'e zusaujinejjeliangen habe. Denn während das
schwarze Meer Ueberlliils an einer Menge Arten aus den Gat-
tungen! Palaemon, Cnrcinits^ Cancer, Pugurus, Orchestia^ udm-
jyJiiwoe^ Ijigia, Sphaeroma und andern hat, finden sich im kas-
pischcn Meere nur Stenosoma pu^i/him Eicluv. (mit St. lineare
Licach sehr verwandt) üaminarus caspius, Crnngon Iricusjüs^
die schon Pallas erwähnt, Astacus lepiodaciylus JEsc/tsch. und
Ast. caspius^ wovon weiter unten.
In anatomischer und physiologischer Hinsicht sehr interes-
sant ist die Arbeit von Milne Edwards über den Mecha-
nismus der Respiration der Krustaceen, die er der Pa-
riser Akademie eingereicht l)at und wovon sich ein Auszug im
Instit. p. 329 — 30 befindet. Bei der Beschaffenheit der Ath-
muugsorgane der elgen'Jichen Krebse ist ein besondrer Mecha-
nismus nölhig, um immer gleichviel Wasser herbei zu schaffen.
Da die Athmungsorgane in besonderen Ilölilen liegen, die mit
dem umgebenden Medium durch eine Oeffnung communiciren,
so mufs nothwendig ein Mechanismus vorhanden sein, um das
Wasser immer schnell zu wechseln. Einen solchen weifst M. E.
in gegenwärtiger Abliandlung nach. In dem ersten Theile der-
selben w erden die Höhlen und ihre beiden Oeffnungen beschrie-
ben; sodann folgt der physiologische Tiieil. Es fragt sich zu-
erst, ob das ^Yasser in die Kiemenkamniern eindringen und von
«lort beliebig durch die beiden Oeffnungen berauslliefsen kann;
sodann, ob die Flüssigkeit gezwungen Ist, einen bestimmten
Weg zu nehmen und in diesem Falle, welches der Nutzen der
Oeffnungen und welches die Richtung des Stroms sei.' Was
die erste Frage betrifft, so dringt durch die Oeffnung, welche
an der Basis der Füfse liegt, das Sur Respiration nöthlge Was-
ser in die Kiemenhöhle und durch einen Kanal, der an jeder
Seite des Mundes Hegt, fliefst das Wasser, nachdem es die Kie-
men bespült, wieder ab. Dals die hier statt findende Bewegung
nicht, wie C u vi er glaubt, durch die appeiidices J/abel/iJ'ormes
veranlafst wird, kann man schon daraus schlielsen, dafs dieser
Apparat lange nicht allen Dekapoden zukommt. Die eigentliche
Ursache liegt vielmehr Im zweiten Kieferpaare dieser Thiere
und besteht In einer ovalen, hornigen Lamelle, welche in dem
Kanäle gelegen und so eingelenkt ist, dafs sie im Zustande der
Ktdie den Kanal verschliefst, wenn sie sich aber bewegt, das
AYasser von hinten nach vorn treibt, was stets, so lange das
Thier lebt, mit der grölsten Heftigkeit geschieht. Während also
durch die oscIUatorischen Bewegungen der Lamelle immer ein
Theil des in den Kiemenhöhlen enthaltenen Wassers durch die
Mundöffnung nach Anisen geworfen wird, erhalten die Kiemen-
höhlen durch die beiden Oeffnungen immer neuen Zuflufs.
In systematischer Hinsicht endlich haben wir noch eines
neuen Klasslficationsversuches der Krustaceen von Duvcrnoy
kurz zu erwähnen, welche dieser der Pariser Akademie mittheilte.
254
Einen Auszug daraus haben die Berichterstatter im Institut
p. 304 mitgetheilt. Es wird aber dieses neue System eben so wenig
Beifall finden, wie alle ähnlichen, die zu ihrem Principe nur
immer einen einzigen Character, nicht die Totalitat des ganzen
thierischen Organismus haben.
Parasit a.
Henrik Kröyer, der uns schon im vorigen Jahre im
zweiten, dritten, fünften und sechsten Hefte des ersten Bandes
der von ihm redigirten Naturhistorisk Tidsskrift (Kop-
penhagen bei Reitzel) mit seiner Kritik und genauen Beschrei-
bung der dänischen Schmarotzerkrebse beschenkte, setzt diese
Verdienstvolle Arbeit (Om Snyltekrehsene, isaer med
Hensyn til den danske Fauna^ auch in dem ersten
und zweiten Hefte des zweiten Bandes dieser Zeitschrift in
derselben Weise fort.
Das erste Heft (S. 8 — 53) beginnt mit der Beschreibung
der noch übrigen Arten der Gatt. (Jatigus, C. pectoralis^ C. Siti-
rionis Kr., C Salmoms Kr. und C. dinphanus IMasl Von den
beiden vom Verfasser als neu aufgeführten Arten zeichnet sich
Calig. Slurionis. Kr. von allen andern vom Verf. untersuch-
ten Arten durch einen Perlenmutterglanz aus und der Habitus
ist durch den umgekehrt herzföruiigen langgestreckten Genital-
ring, den langen Schwanz und überhaupt durch die langgestreckte,
schlanke Form characterisirt. Sie wurde nur einmal in grofser
Anzahl auf einem Störe, jedoch nur weibliche Exemplare gefun-
den. Cal. Salmonis. Kr, ist durch die dunkle, fast schwarz-
blaue Farbe ebenfalls von deji übrigen Arten leicht zu unter-
scheiden. Sie ist im Sommer ziemlich häufig auf Lachsen an-
zutreffen. Von Cal. diaphanas Mas"^ hatte Verf. nur ein
Exemplar aus dem nördlichen Kattegat, wahrscheinlich von einem
Fluntler und hielt dies lange für eine eigene Art, die er unter
dem Namen Cal. caudatus beschrieb. VVenn sie aber gleich
durch die ganz abweichende Form des Cephalothorax und das
sehr verschiedene Verhältnifs zwischen Cephalothorax und Ge-
nitalrjng von Cal. diaphanus ganz verschieden zu sein scheint,
so stimmt sie doch in den übrigen viel wesentlichern Verhält-
nissen, die Verf. in der Diagnose von C. diapJiantts fem. im
ersten Bande anführt mit dieser überein, so dals sie wohl als
Männchen derselben angesehen werden mufs. Die 6 vom Verf.
in diesem und dem vorigen Hefte beschriebenen Arten lassen
sich durch folgende Uebersicht leicht bestimmen:
r iunult's praedit/; J hrevis: C. cttrtus
cauda { jn'odvcta: C. diafiliamis.
%i , ,. 7 ^.^ ^.{brevis-, ibis hipartita; C. Sturionis.
^Jlmnihs destituu}^f,^rca \simpäct vice partita.- C. Salmoms.
'sL-n^^^^'^^'^^" Y ^jirodtictu-Xhrachns apice incisis: C. Htppog/ossi.
i\oram.;J ca«öö^y-^^,^^ [brachüs simplicibus: C. pcctoralis.
^
V . 255
Verf. läfst nun die iibrig^en Gattungen der Caliginen folgen,
zuerst (Jhalimus Scovtbri Burm. Diese Gattung ward von
Burraeister nach einem einzigen Exemplar aufgestellt; und da
Yerf. ziemlich viel Indlviilaen dieser Art auf verschiedenen Fi-
schen beobachtete, so verbessert er bei dieser Gelegenheit mehr-
fache Irrthiimer Burmeisters. So ist die Stellung und Be-
schaffenheit der Atigen wie bei den Caligusarten, während Bur-
meister den rundlichen, durchschimmernden Fleck hinter dem
Anheftungsapparat, der sich hier bei allen Caligusarten findet,
für Vugen gehalten hat. Die Taster bestehen nur aus einem
Stück, während sie Burm eister dreigliedrig abbildet; der Rüs-
sel ist kurz und breit, nicht langgestreckt nnd zugespitzt; der
innere, nicht der äufsere Ast, womit das erste Fulspaar endigt,
ist der längste, wodurch das folgende Fufspaar in Burm eisters
Abbildung eine unnatürliche Stellung erhielt, und so noch meh-
rere andere unbedeutendere Abweichungen.
Verf. fügt hier die Beschreibung einer neuen Art, die eben-
falls zu der Gattung ChaUmus Burm., wofern man diese an-
erkennt, gehören würde, doch ist diese Art nicht benannt wor-
den; sie lebt im nördlichen Kattegat. Verf. weifst aber selbst
nach, dafs die von Burmeister für seine Gattung Cluilhnus
aufgestellten Kennzeichen zu keiner neuen Gattung berechtigen
oder dafs diese doch mindestens ganz anders characterlsirt wer-
den mülste. Ferner werden noch l^rehiiis cavdalus Kr.^
Pattdnrus hicolor Leach und Dinetnaiura ferox Kr.
ausführlich beschrieben. Erstere neue (laltung und Art wurde
im nördlichsten Kattegat auf Squalus gnlens gefunden und ob-
gleich sie im ganzen Habitus grofse Aehnlichkeit mit der Gatt.
CaligJts hat, so berechtigt doch die Form des dritten, fünften
nnd sechsten Fulspaars und die Trennung des Bings, der das
fünfte Fufspaar trägt, vom Cephalothorax, vollkommen zur Be-
gründung einer neuen Gattung. \on Dinetnaiura feroac hatte
Verf. nur ein Exemplar, wahrscheinlich aus dem Mittelmeer; es
gehört zu den gröfsten Schmarotzerkrebsen, da es 15'" '•''og 'st.
Ueber die ganze Abtheilung der Faniilie der Caliginen er-
halten wir folgendes Schema:
^. Oculi in adultis nulli.
a) pedtivi paria quinque. Gattungen: Anihosoma,
Dichilestitim.
b) pedtivi paria sex. Gatt.: Netnesis, LacmarguSy
Cecrops, Dinetnaiura und Pattdarus.
B. Oculi duo ptirpurei, minuiissitni^va/de approxi-
viaii in superficie cephalothoracis dorsali (su-
jira rosiruin fertne). Trebius und C'aligits.
Im zweiten Hefte (S. 131 — 157) wird die.^e Abhandlung
über die Schmarotzerkrebse beschlossen , indem Verf. noch ge-
naue Beschreibungen von C'hondracanihus iiodostts, C/iond. Trig~
lue Ciiv. Achiheres Percnrutn Nordtn. Nicoifioe Asiaci, Dichele-
siiutn Sturionis, ClaveJla Scnri. Kr. Chondracanihus Solene. Kr.
Anchorella steUaia Kr. liefert; die drei letzt genannten Arten
werden hier zum erstenmal beschrieben. — Vlavella Scari
256
Kr. von einem unbestimmten Scnrtis der dänisch -westindischen
Inseln. Länge 3'", grüfste Breite 1'", Eiersack länger als der
Körper etwa 5"'- Langgestreckt, schmal, fast linienfürmig, doch
so, dafs der vorderslc Tlieil, oder der Cephalolhorax wenig
schmäler, als der übrige Körper ist. Die lireite übertrifft die
Höhe nur wenig. Sehr cliaractcristisch ist die dedtiicbe Zusam-
mensetzung des Leibes aus 7 Ringen und dats sowohl lAücken-
als Bauchseite einige, in drei Längsreihen gestellte Knoten zei-
gen. — C/iondracanihu'a Soleae. Kr. Länge L\"', Cephalo-
thorax gewölbt, fast kreisrund, der ganze Vorderrand desselben,
von den langen und plumpen, keulenförmigen Fühlern einge-
nommen, der elliptische Rand, welcher well hinter dem zweiten
Fühlerpaare steht, ist an seinem Rand mit kleinen Saugzacken
besetzt. Dicht hiuler dem Rande ein Paar kleine, z^'^ eigliedrige
Taster, deren vorderes Glied ebenfalls mit Saugzacken besetzt.
Mit den Tastern sind nahe an ihrer tinlenkung ein Paar Fülse
verwachsen. Am liinterrande des Cephalothorax zwei cylindrische
Fulsstummel; der lange, glatte Hinterleib besteht aus 5 unglei-
Ringeln, von denen der letzte sehr klein und schmal ist. ^ncho-
rella stellata Kr. auf Gadiis JMerhicctus entdeckt. Länge 2"'.
Sehr nahe mit j4.nchorella uncinnta verwandt, von der sie
sich aber durch den Mangel der Verlängerung, welche bei jener
Art aus dem Unterrande des Hinterleibes hervortritt, unter-
scheidet.
Aufser den in diesen beiden und den früheren Heften auf-
geführten 32 Schmarotzerkrebsen, kennt Verf. noch drei andere,
die aber noch näherer Untersuchung bedürfen. Schliefslich be-
stätigt Verf. noch Nordmann's Angabe über die Männchen
der Lernäen. —
Entoviosiiuica.
Die brit tischen Entomostraceen haben einen eifri-
gen Bearbeiter an W. Baird gefunden. Seine schon in der
ersten Nummer des Mag. of Zool. and Bot. beginnenden
Abhandlungen setzen sich noch im ersten Theile der ylmi.
of N at. Hist. fort und sind durch viele Abbildungen er-
läutert.
Bis jetzt sind die Gattungen CycJops., Cyprh, Cythere und
Daphnia in anatomischer und zoologischer Hinsicht vollendet.
Verf. hat bei jeder Gattung die Literatur bis zu den frühesten
Zeiten zurückgefidirt, so dafs man seiiie Arbeit mehr als eine
gedrängte Darstellung alles bisher auf diesem Felde Entdeckten
und Bekanntgemachten , als selbst für neue Erweiterungen an-
zusehen hat. Da übrigens Verf. die frühem Beobachtungen
meistens wiederholt und bestätigt, manchmal auch widerlegt hat,
so sind diese Abhandlungen immerhin dankenswerth, z\imal wir
dadurch auch nw't der brittischen Fauna näher bekannt werden.
Nach einer allgemeinen historischen Einleitung (Blagazine of
257
Zool. and Botait. ^'o?. i. />. 35 — 41) folgt dieNaliirgescliIrlite
der Gatt. Cyclops (Fol I. /j. 307 — 33). 13ie allgomciiic SchiU
dcning enthält niclils Neues. Die im sülsen Wasser l^^ng-
laiids vorkommenden Arten sind die drei gewrilinüciisVen Arten.
Die drei andern im Meere vorkommenden sind vielleiclit alle
jieu lind Knj^land eigen'.liümlicli, nämliili: C. chelij'ev Mi'd-
Ic.v (V) mit kurzen Antennen, geschnabcllcm Kopfe, sclieeren-
förmigen Händen, zwcilappigcin Scliwanze und zwei Borsten
von der Länge des Körpers und mit einem einzigen Eiersacke.
Früher v,om Verf. als verschieden von C. chelifcr Müll, ange-
sehen und C. Jolinston! genannt, stimmt jedoch in den ^^esent-
lichen Merkmalen mit jenem iiherein. C Stromii Tiaird. mit
kurzen Antennen, geschnabeltem Kopfe, krallcntragenden Hän-
den,, zweilappigem Schwänze, der mit zwei kurzen Borsten ver-
liehen ist nnd mit einem einzigen änfsern Eiersackc. An den
Ufern von Cockbnrnspath , Berwickhay. C. f'urcaius Baird.
Mit gabiigen Antennen, kurz geschnabeltem Kopfe, krallcntra-
genden lländcn nnd mit einem groiscn äufsern Ovarlum.
Berwickhav. —
Die dritte Abhandlung (Mag. of Zooh and Bot. T'ol.l.
^.514 — 2G) beginnt die Naturgeschichte der Galtiing C'yjyris.
Der Bau dieser Thiere ist mit Berücksichtigung der Arbeiten
von Müller, Ramdohr und Jurine fast ganz nach Stran'fs
beschrieben. — Bekanntlich ^Aolite Ledermüller diese Thtre
in der Begattung beobachtet haben, was nach ihm kiunem Na-
turforscher wieder (glückte, allein Verf. hat häufig zwei Individuen
in derselben Lage, A^ie sie Ledermnller abbildet, zusammen-
hängend getroffen, ohne dafs es im Geringsten den Anschein
gehabt hätte, als wären sie in der Begattung begriffen. — Aus
der Forlsetzung dieser Monographie im zweiten Bande des
Magazine of Zool. and Bot. {p. 132 — 44) erhellt, dafs Eng-
land 16 Arten dieser Gattung aufzuweisen hat, wovon aber
schon die Hälfte auf dieses Land allein kommen, vom Verf. ent-
deckt und zum grofsen Theil schon früherinden Transactions
of i/ie Berivichshire Natur. Club abgebildet und beschrieben
wurden. Nur zwei von den neuen Arten kommen hier zum
erstenmale vor, nämlich: Cypris gibhosa Baird. Schaale
eiförmig-rund, nierenförnilg, hökerig, Rand derselben rings-
herum mit kurzen, feinen Haaren besetzt. C. clavaia Baird.
mit oblonger, keulenförmiger, glatter Schale. Ist nahe mit
C. crassa Müll, verwandt. Die übrigen acht bekannten Arten
kommen, aufser der seltenen Cypris fusca Strauss aus der Um-
gebung von London auch sonst überall voi". Auch eine fossile
Cypriit hat Verf. in den Kalksteinbrüchen von Burdiehouse ent-
deckt, die aber noch näherer Untersuchung bedarf.
Die Gattung CytJiere, die diesen Aufsatz beschliefst, ist
neuerlich mehrfach angefochten worden, und in der That schei-
nen ihre Rechte auch nur (larauf zu beruhen, dafs ihre Mitglle--
der nur in Meereswasser vorkommen. Zwar sucht auch Verf.
sie zu rechtfertigen, indefs sind doch die Unterschiede, die sich
nach seinen Angaben auf die kleinere und dunklere Schaale und
258
auf die fünfgl i edrigen Antennen, von denen die drei letzten
Glieder an der ßasis mit 1 — 2 kurzen Borsten und das letzte
an seiner Spitze mit 3 — 4 ziemlich langen Haaren besetzt sind,
reduciren lassen, als generische Kennzeichen viel zu geringfügig
und ich sehe überhaupt gar keinen Grund, der ihrer Vereinigung
mit der Gattung Cypris entgegenstände. — Den Innern Bau
bat auch Verf. nicht untersucht. Nach ihm kriechen sie nur in
den Zweigen der Seetange und Conferven herum, ohne je zu
schwimmen; wenigstens taumelten sie stets gleich zu Boden,
wenn er sie in ein Gefäfs mit Wasser that. Hier halten sie
sich nur sehr kurze Zeit, da das Wasser bald faulig wird. Die
sieben in England vorkommenden Arten sind bis auf Cyih.
ßnvida Müll, neu und zum Thell in den obenerwähnten Trnn-
snctions beschrieben. Hier werden zum erstenmale aufgeführt:
€yih. alho-maculaia Baird. Schale oblong, ausgebuchtet
und mit einer weifsgefleckten Kalkkruste über;fcogen. C. alba
Baird mit welfser, durchscheinender, eiförmiger Schaale. C.
nurantia Baird. mit nierenförmiger, glatter, orangefarbiger
Schaale. C. nigrescens Baird. mit glatter, fast schwarzer,
auT hintern Ende zugespitzter Schaale. — Uebrigens werden die
Unterschiede der Arten nach dem Bau und der Farbe der
Schaaie, so ganz ohne Berücksichtigung des Thieres, für die
Folge in der Systematik dieser Thiere von sehr untergeordnetem
Wcrthe sein, da schon jetzt die einzelnen Arten in den A'er-
schledenen Perioden ihres Lebens hiernach schwer zu bestim-
men sind.
Die Monographie der Gatt. Daphnia beginnt Mag. p. 400
bis 412 und wird dann in den ^nn. of Nai. Hisi. Vol. I.
p. 245 — 256 beendigt. Die anatomischen Verhältnisse sind eine
gute Zusammenstellung des schon Bekannten. Ueber die Le-
hensari, nanientüch über die Fortpflanzung dieser merkwürdigen
Thiere finden sich manche interessante Beobachtungen, die zur
Bestätigung früherer dienen werden. Verf. fand, dafs die aus
dem Sattel entsprossenen Jungen durch die einmalige Befruch-
tung der Mutter fruchtbar werden, und dafs ihre Jungen wieder
Eier legen, ohne mit einem Männchen zusammen zu kommen.
Er verfolgte ferner die auf einander folgenden Generationen
bei den auf gewöhnliche Weise gebornen Daphnien bis zur
vierten, bei den aus den Satteleiern erzeugten bis zur dritten
und fand durch wiederholte Versuche, dafs die mit Satteln ver-
sehenen D.iphnleu, bald nachdem sie dieselben abgeworfen, Eier
hatten und aus diesem ohne Begattung Junge bekamen, die
ebenfalls wieder ohne vorhergegangene Befruchtung Mutter
wurden. Nach Straus hören die Daphnien bei Annäherung des
Winters auf zu zeugen und ihre Haut zu wechseln und sterben
mit Eintritt des Frostes. Dagegen fand sie Verf. schaarenweise
sich häutend und mit Jungen bis spät In den December], wo es
längst geschneit und gefroren hatte. Im Winter braucht aber
die Entwicklung der Eier, statt 3 — 4, wenigstens 8 Tage.
Es werden aufserdem noch vier Arten charakterisirt, von
259
denen nur D. cornuta Jur. aus der Umgebung von London
eine seltenere Erscheinung sein dürfte.
Um die Arten der Gatt. Cj;?»«»'* bat sieb In Deut sc b-
I a n d K o c b ein n o c b g r ü f s e r e s Verdienst erworben
(Deutschlands Myrlapoden, Krustaceen und Arachni-
den von Dr. Heinrich Schäffer) als der brittlscbe Be-
arbeiter derselben um seine Fauna. Auch hier wer-
den die Arten b 1 o f s nach der Bildung und Färbung
der ä u l's e r n S c b a a I e , ohne Rücksicht auf d e n B a u des
umschlossenen T b i e r e s bestimmt.
Cypris luinria K. bobnenförmlg, sehr gbinzend, blafs
ocherfarbig, gegen die Mitte mit grolsem Rostflecken. — C. bi pli-
cata K. gelblich, nach vorn convexcr, nach hinten stumpf, etwas
raub, In den Seiten zwei Querfalten. — C. cotnpressa K. nach.
hinten convexer, Rücken eben, sehr glänzend, Körper schimmert
gelblich durch die wellse Scliaale, neben dem Auge eine ocher-
farblge Binde. — C. Jucidn K. bobnenförmlg, nackt, glatt,
glänzend, ocherfarbig, mit zwei dunklern Flecken. — C. galbi-
nea K. nach hinten sehr verdünnt, gelb, mit zwei braunen
Rückenflecken. — C. gibberula K. ungemein klein, wie die
vorige gestaltet, meist Ins Grüne ziehend, mit zwei schwarzen
Rückenflecken. — C serena K. klein, ocherfarbig, vordere und
Bückenwand, so wie eine schmale Querlinie braun. — Alle diese
Arten sind aus bairischen Wassergräben. *)
Eben so hat die Gattung Cyclops für die deutsche Fauna
durch die Untersuchungen desselben Forschers bedeutenden Zu-
wachs erhalten. Das 21. Heft von „Deutschlands Krust.,
Myriap. und Arach" enthält davon folgende neue Arten:
Cyclops pictusK. fast wasserhell, Rückenfläche mit zwei, nach
aufsen verästelten grünen Längsstreifen, Aftergabcl lang. Aus
der DoUcJu. — C, pulchellus K. rüthlich, mit nach aufsen ver-
zweigter rostrotber, nach Innen gelblicher Rückenbinde. Aus
kleinen Weihern. — C. agilis K. blafs, mit spindolförniigem,
gelben Rürkenfleck und einem dergleichen kleineren auf dem
hintern Theile des Leibes; Gabel mit zwei sehr langen Borsten.
In ^Vassergräben. — C. vulgaris K. gelblich, ein Längsslrel-
fen auf dem Rücken und ein dergleichen kleinerer auf dem Hin-
leibe, orangefarbig. In Wassergräben. — C. obsoleius K,
durchsichtig, farblos, mit rostfarbigem Längsstreifen auf dem
Rücken. In kleinen Weibern. — C'. annulicornis K. welfs-
lich, mit ocherfarbiger Rückenbinde, zwei Segmente der Anten-
nen und drei des Körpers, am Rande schwarz, Gabel kurz. In
"Wassergräben. — C. bistriaius K. (Monocl. quadricornis De~
geer.) vorn fast ocherfarbig, hinterer Tbeil des Rückens bläulich,
Rückenbinde rolh, schwarzgesäumt; die kurze Gabel mit langen
*) Auch in frühern Heften, die vor dem Jahre 1838 seit 1833 er-
schienen, sind noch einige neue Arten aufgeführt, der Mangel an Raum
gebietet aber, nm- auf die im vergangenen Jahre erschienenen 6 Hefte
(Heft 17 — 22) Rücksicht zu nehmen.
2(iO
Borsten versehen. — C signaitis K. welfslich, Ilinterrand des
Kopfes schwarz, ebenso ein viereckiger Fleck am Vorderrande
des Bruststücks und zwei Längsslreifen auf dem Rücken. Gabel-
borsten lang. — C. pJiaieratus K. gelblich, mit 3 Längsstrei-
fen auf dem Rücken, (einem mittlem blutrothen und zwei seit-
lichen blauen). — C. lucidulus K. blafs ocherfarblg, erstes
und drittes Körpersegment weiis, Rückenbinde und Schwanz-
segmente Orangeroth.
Zwei neue Entomostraceen sind im Anhange zu
seinen ^^Groenlands Amfipoder'''' von H. Kroyer auf-
gestellt worden, nämlich p. 82 ein sehr merkwürdiges Ge-
schöpf Calanus hyperboreus K. Von allen bekannten Kru-
staceen scheint sich dieses Thier am meisten Cyclo])s /ongicornis
Müll, zu nähern. Da Leach jenen C. longicornis als nur mit
zwei Fühlern versehen zum Typus einer neuen Gattung Calanus
erhob, welche freilich von Latreille nicht anerkannt wurde,
so brachte Verf. seine Entdeckung, die sich eben hierdurch aus-
zeichnet und sonst auch C longicornis sehr nahe steht, zu dieser
Galtung, die also nun wohl angenommen werden wird. Kopf-
stück und der fünfgliedrige Leib bilden einen langgestreckten
llalbzylinder, an das letzte Hinterleibsglied schliefst sich ein
dünner, langgestreckter, fünfgliedriger Schwanz, an dessen Ende
sich zwei Borslenbüschel belinden. Jeder Körperring ist mit ein
Paar Schwimmfülsen versehen. Kopf ist von den Körpersegmen-
ten wenig unterschieden. Nur ein Paar Fühler vorhanden,
welche stark gebaut und wenigstens so lang als der ganze Kör-
per sind, die letzten Glieder haben vier merkwürdige federartige
Borstenfortsätze. Das Kopfstück hat an seiner Unterseite noch
3 Paar fufsartige Organe, die wahrscheinlich Mundtheile sind.
Länge 4'".
Ferner führt Verf. p. 91 ohne genauere Beschreibung eine
neue grönländische Daphnia auf, nämlich Daphuia reciis-
pina Kr, ist wahrscheinlich Z). pulex Fabr. und deutlich von
Müllers Art dieses Namens unterschieden, dessen D.longispina
sie näher kommt, aber auch von dieser leicht durch die nicht
gekrümmte spina zu unterscheiden ist.
Auch scheint der von Grönland kommende Lynceus la-
mellatus von der dänischen Art gleichen Namens verschieden
zu. sein.
Poecilopoda.
Um diese Abtheilung hat sieh Prof. van der Hoeven
durch eine Reihe sorgfältiger Untersuchungen in zoologischer,
wie zootomischer Hinsicht ein bleibendes Verdienst erworben,
und seine Resultate werden, wenn gleich noch vielfach liicken-
liaft, doch auf lange Zeit als Coinmentar für die Naturge-
schichte dieser Tlüergruppe dienen. Ein hierher gehöriger
Aufsatz über die Gattung Limulus findet sich iu No. 17 des
261
Algemcne Kunst-en Leiterhode und zwei dergleichen
(^JSotice sur le genre L'nnulus et les especes qui -y apper-
tient. — Note additionelle ä larticlc sur le Limulus) in
demBulletin des sciences physiqjies et naturelles
en Neerlande redige par F. A. W. Mic/uel, G. d.
Mulder et V. Wenckehacli 1838; doch standen mir
diese beiden Zeitschriften nicht zu Gebote. Das Allgemeine
daraus hat aber Verf. selbst im vierten Hefte des vier-
ten Jahrganges dieses Archivs S. 334 — 336 mitgetheilt.
Aber alle diese Notizen sind ihrem Inhalte nach vollständig in der
grofsen prachtvollen Monographie, die Verf. bald darauf her-
ausgab, enthalten. Sie führt den Titel: Rech er dies sur
l'histoire naturelle et l'anatomie des Limules
par J. van der Hoeven. ^vec 7 planches. Leyde
chez Luchtmanns 1838. Fol.
Zur Ergreifung der Nahrungsmittel dient hauptsächlich das
erste sehr kleine, nur zweigliedrige Fufspaar. Der unter Ihnen
gelegene trichterförmige Älund setzt sich in den Oesophagus
fort, der horizontal in gerader Linie nach dem^Vorderrande des
Cephalothorax geht und sich hier fast unter einem rechten Win-
kel nach oben als Magen wendet. Dieser Ist seitlich zusam-
mengedrückt, dickhäutig, auf der Innern Fläche mit 15 Längs-
reihen von Tuberkeln, die durch tiefe Furchen getrennt sind,
versehen und stülpt sich kcgeirörmlg In den auf ihn folgenden
Darm ein. In der Mitte dieser Verlängerung, die noch 6 — 7 Fal-
ten zeigt, befindet sich Avt Pförtner. Im vordem Thelle des
Darms sieht man noch mehrere kreisförmig stehende Papillen,
worauf einige zirkeiförmige Falten folgen, während der übrige
Thell des Darms Längsfalten zeigt. Nachdem der Darm vom
Magen In gerader Richtung durch den Körper verlaufen Ist,
verengert er sich bei seiner Ausmündung vor dem Schwanzstücke
in ein kurzes recUnn. Auf dem vordem Theile des Darms, da
wo auf der Innern Seite die Querfalten liegen, münden auf jeder
Seite zAvei Stämme, die aus der Vereinigung einer Menge Bllnd-
gefäfse, die sich auf dem Darme verzweigen, entstanden. — Das
Herz ist ein langes, hinten und vorn kegelförmig zugespitztes
unten plattes, auf der Rückenseite kantiges Rückengefäfs, das
mit ziemlich dicken Wänden versehen ist und In der Mitte des
Cephalothorax beginnt. Auf jeder Seite desselben befinden sich
7 Oeffnungen, mit elastischen, festen Rändern und zwei halb-
mondförmigen Klappen und dicht unter Ihnen entspringen 7 Cac-
fäfse. Der vordere Theil des Herzens verengert sich schnell
und die Wände werden hier viel dünner. Von hier nehmen
drei arterielle Stämme Ihren Ursprung, nämlich ein ziemlich
breiter, mit dünnen Wänden versehener auf jeder Seite, der
sich nach unten und vorwärts krümmt und ein anderer iu der
262
Mitte gelegener, der die Fortsetzung des eigentlichen Herzens
bildet und von ihm durch eine Klappe getrennt wird. Dieser
theilt sich zuletzt gahelförmlg und diese Verzweigungen wenden
sich nach aulsen, gegen die bellen des Cephalothorax und jeder
von ihnen iheilt sich nach einander in zwei Aeste, die sich in
den Zeugungsorganen zu verlieren scheinen. Zwei andere hreite
Gefälse entspringen gegen das zweite Paar der Herzensöffnun-
gen und begeben sich nach vorn. Aus dem hintern Theile des
Herzens nimmt noch ein Gefäfs seinen Ursprung, das sich in
mehrere Aeste mit blinden Spitzen verzweigt. — Die fünf letzten
Bauchfüfse tragen an Ihrer Innern Fläche die Kiemen, die aus
vielen Lamellen bestehen, welche mit ihrer Basis fest gewach-
sen sine]. Jede Kieme hat etwa 1.30 solcher Bl'attchen, die unter
dem Mikroskope Anastomosen von Gefäfsen und in der Mitte
einen dunklern, ovalen Raum zeigen. Diesen umglebt ein deut-
liches Gefäfs, von dem aus sich viele Gefäfse verästeln, während
ein anderes Gefäfs den ganzen Rand der Lamelle beherrscht. —
Die Geschlechtsorgane liegen an der obern Fläche des ersten
Paares der Bauchfüfse und sind doppelt. Beim Männchen unter-
scheidet man auf jeder Seite einen kegelförmigen Tuberkel, der
an seinem Ende mit einem Querspalte versehen und am Grunde
mit einer Hautfalte umgeben ist. Dieser Kegel ist selbst nur
eine Production der Haut, in dem der cylindrische, schief her-
vortretende Penis mit seiner zweilappigen Eichel liegt. Von
den Innern Geschlehtsorganen ist dem Verf. nichts bekannt.
Die Vulva wird von zwei, neben einander liegenden Lippen mit
abgerundeten Rändern gebildet. Nach Innen setzt sie sich in
den ziemlich weiten Elerlelter fort, der nach vorn und aufsen
geht und Im Cephalothorax sich in zwei Stämme theilt, die sich
später wieder verästeln und das Ovarlum ausmachen. Wenn das
Weibchen fruchtbar ist, so scheint der ganze Cephalothorax
mit Eiern angefüllt. — Die Hauptmasse des Nervensystems bil-
det einen länglichen Ring, der den Mund umglebt. Die Seiten
desselben werden noch durch drei querlaufende Nervenzweige
verbunden. Die vordere Seite des Rings wird aus zwei koni-
schen, dicht neben einander liegenden Anschwellungen (Gehlrn-
gangllen) gebildet. Von der Bauchseite gesehen, zeigt der Ner-
venring 6 ziemlich dicke Nervenpaare für die Füfse, die mit
Ausnahme des ersten, dünnern noch von einem accessorlscben
Nerven begleitet werden und sämmtlich an den Seiten des Ner-
venringes entspringen. Von der Rückenseite gesehen, läuft von
den Gehirnganglien ein sehr dünner Nerv und vier andere von
den Seiten desselben gegen den Vorderr^nd. — Der beträcht-
lichste ist der nerv, opticus, der einen weiten, bogenförmigen
Umweg, indem er zuerst nach oben geht, zum Auge macht. Am
Nervenringe entspi'Ingen aufserdem noch einige feinere Nerven
für die Muskeln der Füfse und endlich am Hinterrand 4 stärkere
Nervenpaare, zwischen denen sich der, aus zwei eng mit ein-
ander verbundenen Bündeln bestehende Nervenstrang durch den
übrigen Körper erstreckt. Dieser theilt sich in der Folge In
zwei Stränge, die sich zuletzt wieder nähern und beide eine
263
längliche Anschwellung bilden, von der Nerven zu den benach-
barten Theilen und dem Schwanzstiele abgegeben werden. Im
Leibe gehen von dem Nervenstrang noch mehrere zum Theil
starke Nerven zu den Muskeln des Körpers. Auch ein nei'v. re-
currens s. sympathicus mit einer Anschwellung ist zu bemerken.
— Hinter der Cornea der facettirten Augen zeigen sich Kegel,
welche mit ihrer Basis auf den Facetten der comea aufliegen
und deren Spitzen mit einem schwarzen Pigment umgeben sind,
hinter welchem sich die Verästelungen des nerv, opticus^ die
durch die durchlöcherte Hinterwand des Auges eintreten, ver-
breiten. Einfache Augen sind nur zwei vorhanden; hinter der
Cornea derselben liegt ein weifser, sphäroidischer Körper, auf
dessen hinterer Seite schief der nerv, opticus eindringt. — Zur
Insertion der Muskeln dient besonders eine sehnige Platte im
Cephalothorax (das siernuvi cartilngineujc von Straus-Durk-
heim) von länglich viereckiger Gestalt, nach vorn mit zwei
zylindrischen Fortsätzen, an denen sich- ein Muskel festsetzt,
der, wenn er mit einem andern, stärkern, langen Muskel zusam-
men wirkt, die Brustplatte in die Höhe hebt. Die Füfse müssen
diesen Bewegungen des Sternum, mit welchem sie durch meh-
rere Muskeln zsuammenhängen, folgen. Ein langer Muskel, der
am Hintertheile des sierman entspringt und sich in den Leib
fortsetzt, beugt diesen abwärts. Ein andrer Anheftungspunct
für Muskeln ist eine hornige Lamelle am Hinterrande des Ce-
phalothorax, wo sich Muskeln inseriren, die das sternum rück-
wärts ziehen. Dieser Lamelle an Gestalt und Lage ähnliche
finden sich 6 andere an jeder Innern Seite des Leibes, an wel-
cher sich die Sehnen des Beugemuskels des Leibes anheften;
so wie auch nach aufsen hin ein runder Muskel von ihnen sei-
nen Ursprung nimmt, der die Bauchfüfse hebt. Ein grofses
Muskelpaar zieht den Leib gegen den Cephalothorax in die Höhe.
Aufserdem werden im Leibe von Längsmuskeln 5 Parthien, eine
mittlere und zwei seitliche, gebildet: sind die seitlichen allein
thätig, so wird der Schwanzstiel nach einer Seite gezogen, sind
sie alle thätig, so heben sie ihn gegen den Rücken. Z\'i ei Beuge-
muskeln desselben heften sich an seinem mittlem Höker. Im
Cephalothorax liegen für die Bewegung der fünf letzten Fufs-
paare desselben 5 kurze und dicke Mukelpaare, die Anzieher der
Füfse zu sein scheinen, während 5 ähnliche, von diesen bedeckte
Paare die entgegengesetzte Funktion ausüben. Die übrigen
kleinem Muskeln sind von geringerem Interesse.
Was nun den zoologischen Theil anbetrifft, so bringt Verf.
die ihm bekannten vier Arten in folgendes Schema :
.4) Pedes cephalothoracis omnes utroque in sejcu didaciyli. —
Limulus rotundicauda. JLntr.
B) Pedes secundi paris in maribus monodactyli , rcliqui di-
dactylt, in foeminis otnnes didaciyli. — Limulus poly-
phe?nus. Latr.
C) Pedes secundi et iertii paris in maribus monodactyli, reli-
qui didaciyli, in foeminis omnes didactyli. — Li, Moluc-
canus Latr. — L. longispina. v. d. Hoev.
264
Die Arten der Gatt. Limulus halten sich nach v. SIeboId
auf dem Sande der Meeresküsten auf und werden zur Zeit der
Ebbe vom Meer von den Ufern mit fortc[eri,ssen. Zur Bewegung
auf dem Sande dient ihnen der Hinterleibstiel. Im Meere lie-
ben sie seichte Stellen und heben hier ihren Stiel senkrecht aus
dem AVasser empor. Ihre Begattung auf dem Uferrande findet
in der hcifsesten Jahreszeit statt, alle A\ eibchen sind dann voll
Eier und nach einigen Monaten trifft man hier auch die Jungen,
Der Limulus aus Japan, an dem das Gesagte beobachtet
wurde, lebt von Mollusken, gestorbenen Fischen, die am Ufer
liegen und vielleicht auch von Seetangen. Sie haben ein zähes
Leben und können lange aufser dem Wasser zubringen, nur
sind sie gegen die Sonnenstrahlen sehr empfindlich und um sich
gegen sie zu schützen, vergraben sie sich im Sande. Die Ver-
breitung sämmtlicher Arten ist zwischen 40" nördlicher Br. —
10" südlicher Br.
In einem besonderen Anhange beschreibt Verf. noch die
fossilen Ueberreste von 6 andern Arten, meistens nach Mitthei-
luugen des Grafen Münster, die sich in der obern Juraforma-
tion und dem lithographischen Kalkschiefer fanden. —
In einer Sitzung der philomatischen Gesellschaft zu Paris
theilt Milne Edwards Untersuchungen über die Entwick-
lung der Gatt. Limulus mit (l'Listitut p. 397). Er hatte
Gelegenheit Eier, die dem Ausschlüpfen nahe waren, zu unter-
suchen und fand, dafs bei den Embryonen der Cephalotho-
rax schon ganz so, wie bei den erwachsenen Thieren organi-
sirt ist, während der Leibtheil nur erst drei Paar Anhängsel
trägt und sich sehr in seiner Gestalt von dem Leibe der er-
wachsenen Thiere unterscheidet. Der so sehr characteristische
Schwanz endlich fehlt den Jungen noch ganz.
Decapoda.
E. Eichwald beschreibt in seinen Primitiae Faunae
Caspii maris {Bulletin des iiatur. de Moscou
No. 2 p. 149 — 150) eine neue, unserem Flufskrebse und dem
^T't. leptodactylus Eschw. sehr verwandte Art.
y4stacus caspius Eichtv. Länge 4" .3'", Thorax 9j'" breit
imd b'" lang, sehr glatt, mit eingedrückten Puncten, und mit
einem einzelnen, kleinen Dorn versehen; Kopf 7V" breit und
11'" lang, von der Spitze des Schnabels bis zum ersten Dorn
\\"\ von hier bis zum zweiten 3'", der ganze Rand daselbst
mit Spitzen versehen. Die seitlichen Theile der Leibsegmente
viel schmaler uud nach der Spitze zu viel schärfer, als bei Asi.
fluviaiilis. Scheeren wie hei Ast /luviaiiiis. Die mittlere Schwanz-
265
bmelle oben quadratisch, 4'" breit und 2'"' ^^ng^» unten über
2'" und in der Mitte 2^" breit, so dafs sie also verhältnifsniärsig
viel länger ist, als bei Ast. lepiodactylus und A. ßuviatilis. —
Die Unterschiede dieser Art von A. fiuvinlUis sind so fein, dal's
sie sich bei näheren und mehrfachen Vergleichungen wahrschein-
lich nicht wird halten können. — Aufserdem beschreibt Verf.
noch eine interessante Varietät von A. lepiodactylus Eschsch.
aus dem caspischen Meere.
Aus den vielen Bemerkungen, die Henr. Kroyer
gelegentlich bei Aufzählung der einzelnen Arten
der grönländischen Fauna, sowohl in seinen„6rroe«-
lands Amfipoder"' als in seiner „N aturhistoi'isk
Tidsskrift" m3ic\\i,Qr\i\e\ir\er\w'\v folgende wichtigere;
Cancer phalangiu7n Fahr. (Cancer Opilio Fabr.) pafst
in keine der bisher aufgestellten Gattungen und mufs daher als
Typus einer neuen Chionoeceies Kr. angesehen werden, die
zur Abtheilung Macropodia^ in die Nähe von Inachus zu slellea
sein wird, mit folgenden Characteren: ,.Cephalolhorax plattge-
drückt, fast dreieckig, ebenso breit als lang, mit breiter Stirn
und sehr kurzem, zwellheillgem, horizontalem Schnabel. Das
zweite Fufspaaj; mehr als doppelt solang, als der Cephalothorax;
das dritte Fulspaar fast eben so lang als das zweite, das erste kür-
zer, aber immer noch länger als der Cephalothorax, mit zuge-
spitzten, sichelförmigen Scheeren, das zweite, dritte und
vierte Fufspaar zusammengedrückt, das fünfte fast zylin-
derförmig. Das dritte Glied der äufsern Kieferfüfse fast qua-
dratisch, eben so lang als breit, das vierte Glied an den Innern
Winkel des dritten geheftet; Augen dick und zurückziehbar, das
bewegliche Endglied der äufseren Antennen sehr kurz. Der
Hinterleib hat sechs Ringe. — Pagurtis pubescens Kr. ist
den englischen Reisenden und auch Fabriclus entgangen, wie-
wohl er an mehrern Punkten der grönländischen Küsten nicht
seilen scheint. Von Pagurus Bernhardus M. Edw. unterscheidet
er sich durch die, mit gelben Haaren dicht besetzten Füfse und
Rückenfläche des Cephalothorax und durch die starke gezäh-
nelte Leiste der rechten Hand, welche sich von der Basis des
Zeigefingers bis zur äufsern Leiste der Handwurzel erstreckt. —
Crangon septemcarinatus Sah. (Sahinea septemcarinaia.
Owen.) Verf. zieht diese von Owen aufgestellte Gattung wie-
der ein, da die Charactere derselben gröfsentheils auch der Gatt.
Crangon zukommen, andere zu unbedeutend zur Begründung
einer neuen Gattung sind und einer endlich ganz unrichtig ist.
Der in .,.,Groenlands Amfipoder^^ fraglich als Pandalus
narwal aufgeführte Krebs wird in dem Consp.Crust. Groenl.zu
einer neuen Art P.borealis Kr. erhoben, die sich \on P. annu-
Itcornis durch schlanken, mehr zusammengedrückten Körperbau,
durch den wenig gekrümmten Schnabel, durch 16 — 17 auf dem
Cephalothorax, m der Linie von der Mitte desselben bis zum
Schnabel stehende Zähne, durch den kürzern Augenstiel, das
V. Jahrg. 2. Bd. 18
266
dickere Auge, durch zwei Dornen auf dem Rücken des dritten^
Ringes und durch einen dergleichen auf dem Hinterrande des
vierten, und durch den sechsLen Ring, der viel länger als der
übrige Leib ist, unterscheidet. Mysis oculaUi F. ist deutlich
von M. ßcjrvosa der dänischen Meere unterschieden und Ross
glebt fälschlich letztere als grönländisch an.
Capt. Ducane, welcher bereits in der brittischen
Versammlung von 1837 seine ßeobachtungen über die Meta-
morphose der Garneelen (Palaemon variahilis und Crangon
vulgaris) tuitgetheilt hatte, giebt in den ^nn. qf Nat. Hist.
Fol IL p. 178 und Taf. VI. und VII. ziemlich rohe Abbil-
dungen und eine dürftige Beschreibung der verschiedenen von
ihm beobachteten Entwicklungstadien jener Thiere.
Beim Ausschlüpfen aus dem El hatten die Jungen von Pa-
laemon nach der gegebenen Skizze beide Fühlerpaare, 5 Fufs-
paare, von denen die bei<len ersten doppelte Schvs'immfüfse,
keine Afterfüfse, keine Schwanzanhänge, einen Stirnfortsatz ohne
Zahn; nach den ersten Häuten sollen die Augen gestielt er-
scheinen, 5 Paar Schwlmnifüfse und 5 Paar Gangfiifse und ru-
dimentäre Afterfüfse, aber noch keine Schwanzanhänge vorhan-
den sein, der Stirnfortsatz hat einen Zahn bekommen; nach der
folgenden Häutung soll am Stirnfortsatz ein zweiter Zahn hin-
zutreten, die Afterfüfse sollen mehr entwickelt sein, und die
Schwanzanhänge sich bereits vorfinden, im folgenden Stadium
3 Zähne am Stirnfortsatze, 6 Paar Schwimmfülse, die wahren
Füfse wie bei Erwachsenen, die Afterfüfse noch mehr entwickelt,
Schwanzfacher mit seinen Anhängen wie beim erwachsenen
Krebse, dem er durch die folgende Häutung ganz gleich Averden
soll. Bis dahin waren ihre Bewegungen nur rückgängig, so wie
sie aber der Schwinimfüfse ledig waren und die Afterfüfse
gehörig entwickelt und haarig gefranzt waren, hörte die rück-
gängige Bewegung auf. Aehnlich waren die Larven von Cran-
gon vulgaris beim ersten Auschlüpfen, hatten aber beim Aus-
schlüpfen nur .3 Paar Schwimmfülse, zeigten eine drehende Be-
wegung und erlitten innerhalb 7 Tagen, wo sie starben, keine
Veränderung.
Anm. des Herausgebers. Wenn gleich die ziemlich rohen
Beobachtungen des brittischen Seemannes bei mir nicht grofses Zu-
trauen auf ihre Richtigkeit erwecken konnten, so schien mir doch
durch Rathkes Schilderungen früherer Embryonenzustände (Zur
Morphologie S. 181.) die Möglichkeit einer Metamorphose nicht unbe-
dingt ausgeschlossen. Namentlich fand ich darin, dafs den von R. unter-
suchten fast reifen Embryonen noch die Afterbeine fehlten, während der
Fächer des Schwanzes früher als diese entwickelt war; ferner darin,
dafs das hintere Maxillen- und die beiden vorderen Fufspaare zwei
ästig, also schwinunfufsähnlich, die drei hmtersten Paare einfach
267
A m p 7i i j) o d a.
Ueber die gröiiländisclicn Arten dieser Ahtlieilung der
Knistaceen erhielten wir eine ans fii lirliche Monographie in der
bereits mehrfach erwähnten trefflichen Sclirift: „GroenlruiSs
Amfipodcj', heskrevne af Henrik Kröyer. Kopen-
hagen 1834. 4. mit 4 K])ft.
Yeif. nimmt die Amphipoden in der Begränzung von IMilne
Edwards, auf dessen Abhandlung in den Anncäes des sciences
naturcUes Tom. XX. überhaupt seine Arbeit gegründet ist. Die
vielen hier beschriebenen neuen Arten waren, wenn sie sich im
königlichen Museum befanden, meistens schon vom Prof. Rein-
hardt benannt und Verf. hat dann dessen Namen beibehalten.
1) Lysiannssa T^ahlii Rhrdt. mit kurzen, fast gleich
langen Fühlern, die | der ganzen Länge ausmachen; Augen'ver-
längert nierenförmig. Länge 4 — 5"'. 2) Lys. Ingena R. An-
tennen kurz, die untern imi ^ länger als die obern und \ der
ganzen Länge einnehmend, Augen keulenförmig. Länge 12"'-
3) Lys. appendiculosa Kr. Antennen länger, die untern um
die Hälfte länger als die obern, nnd halb so grofs als die ganze
Länge. Die Glieder der Geifsel allerFühler mit einem Anhäng-
sel. Augen keulenförmig. Länge 1,3'". — Diese 3 Arten glaubt
Verf. zu einer neuen Gattung Anonycc vereinigen zu müssen,
wenn man nicht Milne-Edwards Charakteristik der Gattung
Lysiannssa sehr bedeutend abändern wolle: denn offenbar müfste
doch die monströse Dicke des Wurzelgliedes der obern Fühler
waren u. s. w. eine Möglichkeit beide Beobachtungen in Einklang zu
bringen- Ich sanWte demnach das Heft der Annais sogleich an Hr. R.
und bat ihn die Sache einer Prüfung zu unterwerfen. Sie führte an
unreifen Embryonen im Ei nur zu dem Resultate, dafs Du Cane
sich in der Schilderung des Schwanzes geirrt haben müsse; doch ver-
sprach R. die Untersuchung im Sommer an der norwegischen Küste
von neuem vorzunehmen. Nach mündlichen mir in diesem Herbste
gemachten Mittheilungen ergaben diese, dafs allerdings eine Art Me-
tamorphose bei den Garneelen statt findet, deren genauere Beschrei-
bung wir von Rathke bald zu erwarten haben. Inzwischen liefen
auch Philip pi's Beobachtungen über die Metamorphose der Pagu-
ron ein. (S. Jahrgang VI. Bd. 1.) Es ergiebt sich also, dafs auch
unter d»n Dekapoden die Entwicklungsgeschichte Verschiedenheiten
zeigt und man bisher irrig die der Astacinen zu sehr generalisirt hat.
Zum Verständnisse der Beschreibung von Du Cane diene noch fol-
gendes: Schwimmfüfse nennt er den äufseren Ast der Fufspaare und
der hinteren Maxillen. der sich bei einigen Garneelengattungen lebens-
länglich an den Beinen, wenn auch mehr oder weniger rudimentär
als Paljius ßageUiformis erhält (S. mein Handb. S. 251. Anm.); dies
giebt mit Zuzählung des Palpus der Maxillen 6 Paar Schwimmfüfse.
18*
268
tind der Mangel der Klauen und sonstige eigenthümliche Bau
des zweiten Fufspaares, indem es einen Scinvimmorgane gleiche,
auch eine verschiedene Lebensart bedingen. Die Gattung ist
kenntlich an dem sehr dicken, eiförmigen \Vurzelgliede der obern
Fühler, während das der untern viel schlanker und zylindrisch
ist, an den grofsen Augen, an dem kürzeren mit einer kleinen Klaue
versehenem ersten Ful'spaare, an dem ziemlich verlängerten zwei-
ten Fufspaare, das sehr schlank und ohne Klane, dafür aber am
Ende des fünften Gliedes mit vielen dichten Borsten versehen
ist. — 4) Gam7narus Sahini Leach. Verf. macht bei dieser
Art eine Bemerkung, die auch für andere Amphlpoden gilt und
namentlich bei Aufstellung neuer Arten In dieser Abthelliing
sehr zu beherzigen ist, dals man nämlich bei den Jungen keine
Spur des Kamms und der Formen, die sich auf dem Rücken der
erwachsenen Thiere zeigen, wahrnimmt, dafs die Zahl der An-
tennenglieder in der Jugend viel geringer, als im erwachseneji
Zustande sei, dafs ferner zu dieser Zeit die Antennen und Füfse
dicker und mit längeren Borsten versehen seien, dafs endlich
sogar die Form der Augen verschieden, der Kopf gröfser sei etc.
— 5) Gr. loricatus Sab. — 6) Cr. pinguis Kr. Augen nieren-
förmlg, die untern Antennen um i länger als die obern, Rücken
glatt, die Hände des ersten und zweiten Fufspaares klein, fast
Hnienförmig und mit einer kleinen Klaue versehen, ein einziges,
lamellenförmiges, hinten etwas dreiiappiges und mit zwei sehr
kleinen Borsten versehenes Schwanzanhängsel. Länge S^'".
6) Cr. lociisia Moniagn ist höchst wahrscheinlich der Fabri-
cische Oniscus puleoc und stimmt ganz genau mit den an den
dänischen Küsten vorkommenden Lidlviduen, so wie auch mit
denen an Spitzbergen überein, wiewohl die aus den nördlichen
Meeren viel gröfser werden. Auch vermuthet Verf., dafs diese
Art mit Cancer nugaoc und Gamin, nugajc der^ngllschen Rei-
senden, der nach ihren Berichten im Polarmeere sehr häufig
vorkommen soll, identisch Ist. 7) udmpfiilhoe carinata R.
mit geschnabelter Stirn, Schnabel horizontal, abgestumpft, mit-
tellang; Antennen gleich grofs; Augen klein, länglich elliptisch;
Körper sehr zusammengedrückt; Rücken mit einer Leiste, Aveiter
hinten gezähnt, die Klauen des 5 — 7 Fufspaars nach aufsen und
rückwärts gebogen; ein hinten tief eingeschnittenes, mit zwei
kleinen Dornen versehenes Schwanzanhängsel. Länge \\". S)^m~
phiihoe /lystrioc. Verf. weifst hier nach, wie wenig Owen
berechtigt sei, daraus eine nene Gattung: udcanthosoma zu bil-
den; denn nicht ein einziger von Owens Gattungs-Characteren
könne als solche gelten, ja einige nicht einmal als Artkennzei-
chen. Eben so wenig wird Owens andere neue Gattung
^canihonotus anerkannt, sondern wieder mit JLmfhiilioe ver-
einigt. 9) Am. serra (Oniscus serrnUis Fabr.) Verf. glaubt
Fabricius Benennung nicht beibehalten zu dürfen, weil Say
eine andere, sehr verschiedene Art der Gatt, udmphiihoe eben-
falls serrata nannte und dieser Name auch von Milne-E dwards
angenommen ist. 10) A. panopla Kr. vom südlichen Grön-
land; besonders durch die Entwicklung der vier ersten Fufspaare
269
ausgezeichnet. Stirn geschnäbelt, Schnabel ziemlich lang, senk-
recht, zugespitzt, pyramidenförmig; die obern Antennen wenig
länger, Augen grofs, balbkugelförmlg, erstes und zweites Fuls-
paar, kräftig, mit grol'ser Hand und Sporn am vierten Gliede,
Körper eckig, dreileislig; die vier vordem Epimeren von unge-
wölnilichcr Gröfse gleichsam ein Scliild bildend; ein hinten
abgerundetes Scbwaiizanhängsel. Länge 5'"- 11) -4- bicuspis
R. Kopf unbe^^aflnet, obere Antennen sebr lang und viel län-
ger als die untern, Augen roth, elliptisch, die beidea ersten
Fufspaare mltgrofser, ziemlich kräftiger Hand ; Körper fast cylln-
drlsch, statt der Kiele nur mit einem kleinen spitzen Zahn ver-
sehen, Länge ,y". 12) A. inermis R. (Oniscus cicnda Fahr.'i)
Stirn geschnäbelt, Schnabel sehr klein, zusammengedrückt, zu-
gespitzt, horizontal, versteckt; Antennen lang, obere kurz.;
Augen roth, nierenförmig; Hände linienförmig, mit sehr
kleiner Kralle; Körper verlängert, zusammen gedrückt, zwei
verlängerte und zugespitzte Schwanzanhängsel. Länge \". —
1.3) A. cremt lata Rhrdt. {Oniscus abyssinus Fabr.'i) Stirn und
Schnabel wie vorhin, Antennen sehr lang, fast von gleicher
Länge, Augen wie vorhin, drittes und viertes Fufspaar, so wie
1 — 3 und H falsches Fufspaar, mit gefiederten Borsten, Körper-
form wie vorhin, desgleichen auch die Schwanzanhängsel. 5'" I^^S*
14) A. Ineviuscula Kr. Kopf unbewaffnet, Antennen gleich
lang, i der ganzen Länge betragend; letztes Glied der obern
Fühlerwurzei mit einem spitzigen Fortsatz, Augen grofs nieren-
förmig, Hände kräftig, ein verlängertes abgerundetes Schwanz-
anhängsel. Länge 4"- 15) Ischyrocerus anguipes Kr. Wenn
auch in der meisten Beziehung diese neue Gattung zu den Sal-
tatorien gehört, so nähert sie sich doch auch wieder den Gresso-
rlen, wefshalb sie Verf. zu den springenden Garamarinen gesellt,
indem sie ein Mittelglied zwischen diesen und den schreitenden
bilden wird. Sie zeichnet sich aus durch die mit grofs en
Palpen versehenen Mandibeln und die fufsförmigen An-
tennen; der Basllartheil der Fühler viel länger als die Geilsel,
welche nur aus sehr wenigen Gliedern besteht, die obern t übler
mit einer kurzen eingliedrIgenNebengeifsel,das ersleFufspaar klein,
aber kräftig mit einer Hand verseben, das zweite Fufspaar am
■gröfsten, bei erwachsenen Thieren mit einer ganz unförmigen
Hand bewaffnet. Länge der einzigen Art 8'". 16) Meioecus
Medusarum Kr. (Onis. Bledusarum Fabr.) Diese Art palst
nicht In die Gatt. Hyperia, wenn man nicht M.Edwards Gat-
tungscharacter wesentlich verändern will, überdies scheint die
Form des ersten Fulspaares merkwürdig genug, um hierauf die
neue Gatt. Metoec us zu gründen. Das erste und zweite Fufs-
paar viel kürzer als die übrigen, aber kräftig und mit schee-
renförmlger Hand. Das vierte dreieckige- Stück dieser Fülse,
welches die Hand ausmacht, hat an seinem unleren Rande den
zweigliedrigen Daumen und Finger. Das erste Glied des Dau-
mens Ist grofs und konisch, das zweite hingegen Ist eine kleine
Kralle, der Finger ist kegelförmig, wenig kürz^cr als der Dau-
men und der Inuenrand Delder Finger gezähnt. Im Uebrlgen
270
stimmt diese neue Gatt, mit Hyperia überein. 17) Themisio
arciica Kr. (Th. (raudichmidii Ross). Dafs diese Art nicht mit
Th. Graudichaudii GueHn identisch ist, glaubt Verf. mit gutem
Grunde behaupten zu können, dagegen flillt sie wahrscheinlich
mit Th. Gatidichaudii Ross zusammen. 18) Th. cmssicornis Kr.
Obere Antennen zweigliedrig, sehr kurz, gerade, stark, Wurzelglied
zylindrisch, Endglied konisch mit mehrern langen Borsten am
Unterrande versehen; untere Antennen dreigliedrig. Länge 4'".
19) Lestrigonus eaculans Kr. Wurzeltlieil der obern Fühler
sehr kurz, dreigliedrig, Geilse viermal so lang, vielgliedrig,
untere Antennen wenig länger, die beiden ersten Fufspaare ohne
Hände. Länge 3^'". 20) Hyperia ohlivia Kr. von Gestalt
H. Latreillii ähnlich. Obere jVntennen sehr kurz, borstig und
kräftig, unten schlank, Geifsel dreimal so lang als der Basilarlheil,
zweites Fufspaar schmächtig, Hinterrand des dritten und vierten
Gliedes stielförmig verlängert, Kralle ungekrümmt, Fufspaare
allmählig an Länge zunehmend, —
1 s o p o d a.
Im ersten Anhange zu seinem Werke: „Gr^oen-
lands ^mfipoder^^ beschreibt H. Kroyer drei neue
Isopoden.
1) Praniza Reinhardt Kr. Länge ohngefdhr 2'", Farbe
gelblich. Am nächsten scheint sie der Prn.uz.a innculnta JVest-
wood, von welcher sie sich unterscheidet durch das Verhältnifs
des Basilartheiles der äufsern Fiihler zu dem innern, durch den
Thorax, der hier nur aus 4 Stücken besteht, etc. — 2) Jaera
nivalis Kr. (^Oniscus viariniis Fabr.?) hat im Habitus einige
Aehnlichkeit mit einer Idoiea, ist langgestreckt oval, fast linien-
förmig, mit ziemlich gewölbtem, längs der Mittellinie dachförmig
erhabenem Rücken. Farbe bräunlich, Länge etwa 2"' und die
gröfste Breite, die der dritte und vierte Körperring zeigt, ohn-
gefähr ^"'. — Mehrere Umstände in Fabrieius Beschreibung
führen zu der Vermuthung, dafs dies sein Oniscus marinus sei,
nur pafst nicht, dafs er ihm zwei Fühler beilegt. Die Art mufs
zu den Aselloten Latr. als ein Glied, das zu der Gattung Jaera
JLeach überführt, gestellt wurden. Nur weil die Beschreibun-
gen dieser Gattung von Leach, Desmarest und Latreille
so höchst unvollständig sind, mufs es Verf. unentschieden lassen,
ob seine Art nicht elier eine neue Gattung ausmachen darf.
Ein wichtiger Umstand, der dafür zu sprechen scheint, ist, dafs
die Kiemen nur von einer grofsen Platte, anstatt von zwei klei-
nern, nebeneinander liegenden Platten bedeckt werden. — 3) Bo-
pyrus hippolytes Kr. Männchen und AVelbchen entdeckte
Yerf. auf Hippolyte polaris. Weibchen auf dem Rücken schön
orange, gegen den Konf und Hinterleib heller gelblich und mit
einem dunkeln Streif längs der Mittellinie der 7 Körperringe
(natürlich der darunter liegende, durchschimmernde Darmkanal),
Bauch weifsgelb , nur die Brustfläche hellbräunlich oder violett.
Länge 2"". Breite 1'"'. Männchen weifslich, Länge 1'" oder
271
unbedeutend mehr, viermal so lang als hrelt, die Gestalt also
laiij^gostreckt, sciuual, fast linieiifünui^, Rücken Avenig gewölbt.
^scl lus g r oenl (i n d i c u s 1\ r. ( G roe n'J. A vifi poder A n hang
!>• 90) ist Oiiisci/a aijiiniiciis Fabr. und vom Asellus vulgaris nicht
recht zu unterscheiden und \ erf. führt diese Art mir fraglich
als verschieden an, da es ihm ziemlich unwahrscheinlich vor-
kommt, dai's Kuropa und Grönland dieselbe Art in ihren sülsen
Gewässern haben sollte.
Dr. Moore berichtet in Londons Magazine N. S. II
p. 206 — 10 dafs der furchtbare Feind der Hafen Limnoriä
terebrans auch iui Hafen von Plyaionth allgemein verbreitet
sei, zugleich sucht er die Frage zu lösen, ob dieses Thier ein-
heimisch oder eingeführt sei. Aus seinen Untersuchungen folgt,
dafs dieses Thier schon lange an den englischen Küsten
existirte und dafs, wenn es überhaupt als eingeführt betrachtet
wird, es doch jetzt in England völlig einheimisch geworden ist.
Durch Kochs eifrige Forschungen sind für die deutsche
Fauna auch hier eine neue Anzahl neuer Arten entdeckt wor-
den (Deutschlands Krustaceen, Myriapoden und Arachniden.
Heft 22.)
Porcclh'o nodulosa Koch knotig, rauh, schwarzbraun,
auf beiden Seiten eine Reihe gelber Flecke, Schwanzgahel
kurz, letztes Glied lanzettförmig. 6 — 6«'" Mit P. scaber
sehr verwandt; in Berggegenden, unter Steinen an der Do-
nau, liea rosen Koch. Körper ziemlich gleich breit, ge-
wölbt, fein geriefelt, ohne Glanz, die Ringe an den Hinter
randswinkeln scharf zugespitzt, Schwanz etwas verschmälert,
Schwanzgabel ziemlich lang, die zwei Schwanzräden kaum so
lang als das Wurzelglied der Gabel. Durchaus mennigrolh.
Länge 1'/". Unter Holzstücken und Steinen selten. — liea
t'ipnria Koch, livaun , gelbmarmorirt, der dritte und vierte
Leibring gelb, Länge '!'". An Teichen unter Steinen, bei Re-
gensburg häufig. — Ligia tnelanocephaia K. Körper bräun-
lichgelb, mit breiter dunkler Rückenbinde und einer dergleichen
schmälern seitlichen. L. 2 — 3'". Unter Moos, In Wäldern bei
■Regensburg nicht selten. — Oniscus yossor Koch. Ziemlich
gewölbt und glanzlos, rauh, braun, auf beiden Seiten des Rük-
"tens mit einer Reihe weifslicher Flecken. Die drei letzten Lclb-
segmente mit zwei gelben' Flecken. .3^"'. Im Regensburgßr
Stadtgraben selten. — O. minuius mit 0. asellus verwandt,
gelblich mit schwarz vermischt und 5 schwarzen Flecken. Hin-
terleib schwarz, mit fünf Reihen gelber Flecke. 3"'- Selten im
Stadtgraben zu Regensburg.
Milne-Edwards theilt (^Instit. p. 391) die Beschreibung
einer neuen Gattung mit: Anchyliira M. Edw. sehr ver-
wandt mit Cymothoe, aber durch die Verwandlungen, denen
272
sie unterworfen ist, sehr ausgezeichnet. Im erwachsenen Zu-
stande ist der Leib von einem einzigen Stücke gebildet, wel-
ches unten 6 Anhängsel trägt, während in der Jugend dieser
Theil des Körpers durch 6 deutlich getrennte und bewegliche
Ruige gebildet wird.
III. -Arachnidae,
In der gewohnten Weise wurde das bekannte Werk von
C. L. Koch: Die Arachniden, getreu nach der Natur abgebil-
det und beschrieben. Nürnberg bei Zeh. fortgesetzt und es er^
schien davon das dritte, vierte und fünfte Heft des fünften Bandes.
A c a r i n a.
Ein Schätzenswerther Commentar für die Milben, der
wenigstens in Hinsicht der Anzahl der aufgeführten Arten die
gröfsten Ansprüche auf Vollständigkeit macht, ist Koch's
Deutschlands Krustaceen, Myriapoden und Arach-
niden, ein Bilderwerk, das, wenn man die im Verhältnift
geringe Anzahl von dargestellten Spinnen, Krustaceen und
Myriapoden abrechnet, eigentlich nur eine Sonographie der
deutschen Milben zu nennen ist.
=«f„^r-t f "^*'ri^ A»-*^" «'"d leider ohne allen Zusammenhang
fhl?. f • '• TA '^•JL;"%estelIten neuen Gattungen nicht einmal
charaeter.s.rt.*) Was sich aus dem nur oberflächlich beschrei-
Ak1-|T ^^^*^,.«"^1 ^en, nur die Gestaltumrisse darstellenden
Abbildungen die gar kerne Zergliederung einzelner Theile geben,
entnehmen iafst, will ich, so gut es geht, mittheilen. ^ '
.Prrir"'- q'u ^^''^'" sch^ln^n in drei grofse Gruppen tm
Tnf !n Vassertuber^'"''^'^' '" '''' ^"' '^^ Lande^ebende
1) Die Ächmarotzermilben. Sämmtllcbe hierher ee-
hörige Arten schmarotzen auf Thieren oder leben doch wenV
stens in faulenden animalischen und vegetabilischen Substanzel,
wie Käse Obst etc. Hiervon beschreibt Verf. nur 15 Arten
wovon aber 13 neu sind. Heft 5: Sarcoptes palutnbinus £
Aut der Ringeltaube. Sarcopt. musculinus K. Auf der
ilausmaus. Acarus piumiger K.yvelis, mit mehreren gefieder-
ten Borsten bedeckt. Lnclaps agUis! ^ Ueh 4: Pieropius
acumtnatus K. Auf resperlilio nociula, Uropoda opacaK.
*) Scfiade, dafs mehrere der von Koch in Anwendung gebrachten
mmen theils m andern Klassen verbraucht, theils bereits vorhan
denen zu ähnlich sind, so: Scyphius {Scyphicus bei den Fischen)
Smans (bei den Fischen), Celaeno (Chiropteren), Tiphys (Typhish^i
Isopoden) SpiQ (Annulaten). Herausgeber. -r ^ v ^y * ut?i
273
Hellochergelb. Auf LUTiohtus forficaius. Dermanyssus ntus-
culi K. vorn weiTs, hinten purpurroth. Gatnasus monachius
K. Gelblich, hinten mit schwarzem Flecke; das zweite Fulspaar
ungemein dick, ungestaltet, am Innenrande mit hogigen Fortsätzen.
2) Landmilben. Sie bilden den Kern und die eigentliche
Mitte der ganzen Milbenabtheilung und sind als der Typus der-
selben zu betrachten; auch scheinen sie an Zahl der Arten die
reichste Gruppe auszumachen. Koch hat in den bis Ende 1838
erschienenen Heften 215 Arten abgebildet, w ovon allein 194 Ar-
ten (!) neu sind. Sie gehören zu folgenden Gattungen: BdeUa,
Scirus, Oribnln^ Noiaspis, CheyleUis^ Trombidiutn. ErythraeuSy
Smaridium, Rhyttcholophus, Teiranychus, RJinphignaihus^ die schoa
von frühern Schriftstellern aufgestellt wurden und deren Typus
daher als bekannt vorausgesetzt werden mufs und zu folgenden
neuen: Eupodes eine sehr artenreiche Gattung, wovon Verf.
allein 28 Arten abbildet. Die beiden Vorderbeine länger und
gewöhnlich die beiden Hinterbeine dicker als die übrigen Fufs-
paare; ein mehr oder weniger deutlich gesondertes Bruststück,
worauf die gröfste Breite des Leibes, die sich dann sogleich
nach hinten stetig verschmälert, folgt. Am Ende des Hinterlei-
bes einige, in Büschel zusammengestellte borstige Haare. E.hie-
inalis Heft 19 in Gärten, Wiesen und Wäldern gemein. Hier-
her auch Trombidium mncropus Herrn. — Scyphius^ eine der
vorigen ganz ähnliche Gattung, wovon Verf. 12 Arten darstellt.
Sie unterscheidet sich nur durch die gleich grofsen Füfse, den
deutlich gesonderten Cephalothorax und den etwas mehr in die
Länge gezogenen Leib. — S. dinphanus (Heft 18) in der Erde
der Blumentöpfe. — Linopodes, wovon 12 Arten bis jetzt
dargestellt sind; Körpergestalt ähnlich wie bei Trombidiutn, ohne
deutlich gesondertes Bruststück; durch die sehr grofsen, über
noch einmal so langen Beine, als der Körper leicht kenntlich.
L. ripnrius K. Häufig an den Ufern der Weiher. (Heft 18-)
— Penihaleus Körpergestalt wie bei den Gatt. Eupodes und
ScyphhiSy nur kürzer und viel breiter, so dafs eine rautenförmige
Gestalt entsteht. Taster kurz und die Füfse von gewöhnlicher
Länge. Es sind 11 Arten abgebildet. Hierher gehört auch
Trom. bipustulatum Herrn. — P. virellus unter Moos. — Stig-
inneus Körper ähnlich wie bei Trombidium., aber mehr oval,
Beine kurz und dünn. Es sind 5 Arten dargestellt. St. criten^
ius K. (Heft 4). — Bryobia Körper länglich oval, die drei
letzten Fufspaare kürzer als der Körper, das erste wenigstens
um I länger. 4 Arten sind abgebildet. — JLctineda Körper
vorn schmäler, hinten sehr breit und gerade abgestutzt, so dafs
der ganze Körper, wenn man den Kopf nicht sieht, viereckig
erscheint, Beine plump und dick, 7 Artep. Hierher gehört auch
Tromb. cornigerum Herm. — Smaris Körper nach vorn vier-
eckig, nach hinten mehr abgerundet, Füfse nach dem Ende zu
etwas dicker werdend. Nur eine Art. S. impressa K. (H. 15.)
Tydeus., eine zahlreiche Gattung, wovon schon 13 Arten ab-
gebildet sind. Ich kann sie nach den blofsen Abbildungen nicht
näher von den sehr verwandten Eupodes und Scyphius untec^
274
scheiden. T. suhtiUs iC., crucmiusK. (Heft 20.) In Waldungen
unter Steinen häufig. (Heft 20). — Cali^onus. Thorax nicht
immer deutlich gesondert, Körper länglich oval, Hinterleib oft
in eine kurze Spitze auslaufend. 7 Arten. C. cernsinus K.
(Heft 20). — Eupaliis croceits K. Körper längllclirund, Ce-
fhalothorax deutlich und ziemlich grofs, Körper orangerolh,
Ulse gelb. Unter Moos in der Oberpfalz. E. minutissimus K.
Mit der Gatt. Scirus sehr verwandt. (Heft 20). — Sejus Kör-
per eiförmig, hinten aber abgestutzt, bei S. logntus K. zwei
grofse und zwei kleinere Anhängsel. S. teslaceus K. mit einem
kleinen Höker am Hinterrande. (Heft 4.) — Zercon^ nach einem
ähnlichen Typus gebaut. Z. triangitlaris K. lausfarbig, etwas
durchsichtig. Unter Moos In Waldungen (Heft 4.) — Noihrtts.
Eine höchst abentheuerllche Form, Cephalothorax dreieckig, Leib
viereckig, mit verschiedenen Fortsätzen, auf welchen sich ein-
zelne dicke Borsten befinden. N. echinatus K. (Heft 2). — Pc-
lops. Hinterleib fast kreisrund, mit einzelnen kurzen Borsten
und mehreren Kolbenzapfen am Grunde des Cephalothorax. An
den Seiten des Körpers iliigelförmlge Auswüchse (Heft 2.) —
Zeies. Die fliigeUörmigen Fortsätze noch mehr ausgebildet,
Kolbenborsten ebenfalls wie vorhin, also sollte keine neue Gat-
tung aus den drei Arten gemacht sein. Z. dorsaJis (Heft 2). —
Tp/iis oesirinus K. fast kreisrund, ungemein glänzend, men-
migroth. In feuchten Wiefsen häufig. (Heft 2.) — Hoplophora.
Cephalothorax gewölbt und vom Leibe abgeschnürt, letztere bei
H, siricula K. mit keulenförmigen Borsten, bei ü. decumnna K.
mit einzelnen Härchen. — Oppia. Leib länglich oval, mit deut-
lichem Bruststück, Fülse bei O. glnucina K. sehr lang und mit
kolbigem Endgliede, bei O. miens K. kürzer, aber noch länger
oder Vv»enigstens eben so laug als der Körper. (Heft 3.) — C'e-
pheus. Cephalothorax mit einzelnen Kolbenborsten und hervor-
stehenden Seitenecken, Leib eiförmig gerundet. C minuUts K
schwarzbraun, Hinterleib an seiner Wurzel gelb. In feuchten
Vertiefungen. — Cnrahodes^ der vorigen . Gatt, sehr ähnlich,
C. coviaceus K. In Moos. (Heft .3). — (Jclaeno. Körper eiför-
mig, nach vorn sehr zugespitzt, bei C. spinosa K. hinten nilt
iO langen Dornfortsätzen, bei C. plicata K. nur mit zweien. In
Waldungen. (Heft 3) — • Hypochihonius. Vorder- und Hin-
.terlelb zusammen einen wellenartigen Kegel bildend, nämlich
iam Hinterrande fünf abgerundete Ecken oder beiderseits zwei
runde Ausschnitte. H. riifulus K. (Heft 3). — Mii-rcin. Elför-
iiiig, Cephalothorax mit zwei Kolbenborsten, Leib fast viereckig.
IM. irimaculata K. — Eretuaeus. Cephalothorax abgeschnürt,
mit zwei Kolbenborsten, Leib fast rund. E. hepiiücus K. (H. 3.)
3) Wassermilben. Koch hat bis jetzt J5 Gattungen mit
167 Arten unterschieden. Von diesen können wir die, Gatt. ^/rt.r,
^rrenurusy Hydrachna^ Liinnochares, Eylais, deren Typus hin-
länglich bekannt ist, übergehen. Zur nähern Betrachtung blei-
ben dann noch folgende Gattungen:
Nesaea. Körper regelmäfsig oval, mit ziemlich langen Bei-
nen, das dritte und letzte Glied des hintern Fuispaares der
275
Männchen sichelförmig gestaltet. Hierher z. B. HyäracJi. noäaia
Müll., H. longicornis M. und Hyd. fuscala Herrn. Verf. hat
bis jetzt ,32 Arten geliefert. — Liinncsia. Körper kugelrund
o<ler auch etwas oval, Beine kurz iinrl schwach, 4 Augen. Hier-
her z. B. Hydrach. maculata vnr. b. MüU. Verf. stellt 18 Arten
dar. — Tiphys. Diese, so wie auch schon die vorhergehenden
Gattungen, die früher alle unter Hydrachita zusaniniengefafst
wurden, sind schwer auseinander zu hallen, wofern sie nicht
vielleicht in den Mundlheilen Abweichungen darbieten, deren
Analyse aber auf den Tafeln nicht gegeben: daher kann ich diese
neuen Gattungen weder verwerfen, noch rechtlertigen , so viel
ist gewils, dai's sie zusammen den wahren Typus der Wasser-
milhen ausmachen. T. decornitis K. — Hygrohaies. Körper
rund oder oval, Fiilse mit einzelnen kurzen Borsten, an dem
hintern Fulspaare zuweilen auch einzelne längere Borstenbündel.
Bis jetzt 7 Arten bekannt. — Mari ca. Hierher z. B. Hydra-
chna muscidus Müll. — H. ovalis M. — Verf. giebt 7 Arten.
Körper hochgewölbt, stark zusammengedrückt, länglich oval,
Füise und Taster kurz, erstere mit hintereinander stehenden Bor-
stenbüscheln. — Hydrochoretites. Beine und Taster meistens
sehr lang, mit einzeln stehenden Schwimmborsten und sehr
wenigen Borstenbüscheln. 5 Arten. — Hydr odroma. Körper
rund von bedeutender Gröfse, Füfse im Verhältnifs zum Körper
dünne und kurz, mit vielen langen Schwimmborsten, besonders
an den beiden letzten Fufspaaren. 5 Arten, worunter auch
Hydrach. timbrata Müll. — Äp?'©. Körper rund, mit vorstehen-
den Ecken und Ausbuchtungen am Hinterrande; mit ungemein
langen Füfsen und Tastern. 2 Arten. (Heft 5-) — Thyas ve-
nu sin Koch einzige Art dieser Gattung, mit grofsem läuglich-
rnndem Körper, Beine von mittlerer Länge, ohne Schwimmbor-
ßten, nur mit ganz kurzen Härchen.
Ausführliche Mittheilungen über die niedrfgsten Gattun-
gen der Schniarotzerniilben, die uns besonders mit der Lebens-
art dieser so wenig untersuchten Thiere bekannt machen, ver-
danken wir den, besonders aus ärztlichem Interesse angestell-
ten Forschungen des Prof. E. Hering {Nov. Act. Fhysico-
Medica Acad. Leop. Carol.N. C. XVUL2. p. 573 — 624.)
Den Hauptgegenstand dieser Arbeit bildet die Gattung Ä«»«-
copies, während in einem Anhange einige neue Genera und
Arten der Gatt. ^c«rMS beschrieben werden. — Den Gattungs-
character von Snrcoptes bestimmt Verf. folgendermafsen: Kopf
einziehbar, Rüssel zweiklappig, zwei oder vier fadenförmige Pal-
pen, keine Augen. Körper rundlich, schildartig. Acht Lauffüfse,
die vier vordem am Bande des Körpers entspringend, mit Heft-
scheiben; die vier hintern mit oder ohne Heftscheiben ; meist in
langen Borsten endigend, entweder am P»ande oder vom Bauch
entspringend. In Hautkrankheiten warmblütiger Thiere. Arten;
a) S am mt liehe Füfse vom Rande des Körpers ent-
springend. S. equi. Das dritte Fufspaar mit je zwei langen
276
Borsten und einer Ileftschelbe versehen, das vierte Paar in je
zwei kurze Haare endigend. S. ovis. Das dritte Fulspaar mit
je zwei langen Borsten, ohne Heftscheihe, das vierte Fulspaar
mit einer liorste und einer Heftscheibe. S. cynoiis. Beide
hintere Fufspaare je mit zwei Borsten, ohne Hettscheiben.
b) D i e Vorderfüfse am Rande des Körpers, die
Hinterfüfse unten am Bauch entspringend. S. fiotninis.
Die hintern Füfse in eine Borste, ohne Het'lschelbe, endigend;
Hinterleib mit vier Borsten. S. rupicaprac. Die hinlern Füfse
in eine Borste, ohne Heflscheibe, endigend; Hinterleib fast unbe-
haart. S. cati. Das dritte Fufspaar mit einer langen Borste;
das vierte Paar mit einer Heftscheibe versehen. S. hippopo-
dos. Alle 8 Füfse mit langgestielten Heftscheiben, ohne Bor-
sten; Hinterleib mit 8 gefiederten Borsten. S. nidulnns dem
S. hominis sehr ähnlich, aber durch einen gelben, fast den gan-
zen Bücken einnehmeden Fleck und etwas längere Füfse von
ihm verschieden, übrigens nicht genau besehrieben.
Die ausgekommenen Jungen des S. cqui besitzen nur drei
Fufspaare und nach 8 — 10 Tagen wächst erst das fehlende nach
(vgl. Jahrg. 1. 2. S. .349). Eine weibliche Milbe des S. ovis auf
ein gesundes Schaaf gesetzt, ist Im Stande die Symptome der
Krätze hervor zu bringen. Sie können auch von dem Schaafe
entfernt mehrere Tage und ^Vochen leben, wenn nur ein mäfsi-
ger Grad von Feuchtigkeit und Kälte voi banden ist. S. cyno-
iis lebt in den Ohrgeschwüren und eiternden Stellen der Hunde.
Verf. beschreibt noch j4carus siro L. genau; von der sich
die Milbe süfser Früchte jLcar. passulnruni durch die geglie-
derten Tasten, die sehr langen obern Palpen und die ebentalls
weit längern Borsten am Hinterleibe unterscheidet. Auiserdem
stellt Verf. noch zwei neue Gattungen auf, nämlich 1) Glycy-
phagus. Mund wie bei yäcarus, neben demselben zwei dicht
anliegende, kurze, geeliederle Taster; keine Kinne zwischen dem
Brust- und Bauchstück; acht Füfse mit langgestielten Saugschei-
ben. G. prunorum Hering auf getrockneten, mit Zucker be-
schlagenen Zwetschgen, 2) Melichares. Im ganzen Habitus
von allen bekannten verschieden. Kopf zylindrisch, einziehbar,
Rüssel 2;weiklapplg, mit spitziger, erectiler Zunge, zwei fufsähn-
liche gegliederte Taster neben dem Rüssel. M. agilis Hering
auf alten Datteln, Felgen und Zwetschgen. Sie läuft sehr
schnell; mit den Tastern, so wie mit dem ersten und zweiten
Fufspaare schafft das Thier seine Nahrung an den Mund; mit
den Hinterfüfsen putzt es sich, wie die Stubenfliege.
Uebor ^rgas Pevsicus theilt Traill einige Benierkuogen
mit (V Institut p. 28(i).
In einigen Thellen von Persien herrscht der Glaube, dafs
das Thier nicht blofs durch seinen BIfs das Fiber verursache,
sondern sogar den Tod. Zwei Districte dieses Reiches haben
es besonders häufig und man versichert dort, dafs wenn man
unter freiem Himmel schlafen wolle, man sieb dem gewis-
sen Tode aussetze. Die verderblichen Wirkungen haben uns
277
Ker-Porter, Morier unci andere Reisende berichtet; und zu
der Zeit, wo der General White Gesandter am persischen
Hofe war, liefs ihn der Schach durch einen Boten warnen,
wegen der Menge dieser Milben seine Zelte aufserhalb der Stadt
aufzuschlagen und darin zu übernachten. — Hiergegen bemerkt
Dr. Bell, dafs er nie den Tod in Folge des Bisses dieses Thie-
res habe eintreren sehen, aber er habe viele Individuen gekannt,
die sehr schwer darnach erkrankt seien. — Hope endlich macht
auf eine ähnliche Art von St. Domingo aufmerksam, welche die
Pferde in die Ohren beifst und bisweilen den Tod verursacht.
S c o !• p i o n i n a.
Im dritten Hefte des fünften Bandes von C. L. Koch 's
Arachniden werden folgende zwei neue Arten abgebildet und
beschrieben:
yändroctonus Priamus K. Java. — And. Margarelon,
Vaterland unbekannt. —
Im vierten Hefte desselben Bandes: Androcionus halius.
Portugal. — A. clytoneus K. Africa. —
Im fünften Hefte desaelben Bandes: And. Iros K. (Scor-
pio ausiraiis L.?) Südafrika. — a4.nd. Pandarus K. (Scor. Hot-
tenieUa Fabr.?) Sierra Leone.
.A j^ a n i n a.
In C. L. Koch's Arachniden werden folgende neue Arten
beschrieben. Bd. V. Heft. 37.
JMiranda porraca. Brasilien. — M. piciilis. Griechen-
land. — M, venatrijc. Brasilien. — Epeira fuliginea. Bra-
silien. — hp. B\ohemica. Karlsbad. — Ep. lutea. Baiern. — .
Band V. Heft 4 enthält folgende neue Arten: Dysdefa
ruhicunda. Deutschland. — D. crocata. Morea. — I). pun^
ciaia. Karlsbad. — Scytodes iigrina. Griechenland. — Scyi.
erythro cepJiala, Nauplia.
Band V. Heft 5 giebt folgende neue Arten: Spliasus gen^
iilis. Morea. — S. pallidus. Westindien. — Lycosa La-
ireillit. Südrufsland. — L. vultuosä. Vaterland unbekannt. —
Li. hellenica. Griechenland. — L.amyl acea. Regensburg, —
IL. ocylina. Algier. — L. rtihiginosa. Oberitallen. — L. fa-
meliaca. Morea.
lieber die durch ihre Acclimatisirung in Toscana merk-
würdige und ihres Bisses wegen gefiirchtete Aranca gut-
tata Rossi (Latrodectes guttat. Walcken.) giebt H. Lani-
b o 1 1 e in den Bull, de VAcad. d. Se. de Biuxelles. T. 1T\
p. 48S nähern Aufschlufs. —
Im Jahre 1786 sähe man diese Spinne auf den Feldern von
Volterra in zahllosen Schaaren und Niemand konnte sich in der
278
ganzen Gegend erinnern, diese durch ihr schönes Aussehen so
sehr in die Augen fallenden Thiere je gesehen zu haben; auch
waren sie nirgends von einem Naturforscher früher beachtet und
beschrieben v/orden. Da nun aber die Erndte des Jahres 1782
so schkchl ausgefallen war, dafs man eine grofse Menge Cerealien
aus Africa und Sicilien einführen nuifite, so ist es wohl höchst
wahrscheinlich, dafs ihre Gespinnste und Eier von dort her mit
herübergekommen und sich so ansiedelten. In Italien leben sie
auf offenen Feldern, auf Plätzen, die der Sonne ausgesetzt sind,
im Winter aber halten sie sich auf der Mittagseite alter Ge-
mäuer und unter Steinen auf. In Voltera, das auf einem fast
konischen Hügel gebaut ist, kommen sie nur auf dem südlichen
und westlichen Abhänge, nie auf dem nördlichen oder östlichen
vor und dies, scheint für ihren Ursprung aus Africa zu sprechen.
Sie sind furchtsam und scheinen keine Gewebe, sondern nur
unregelmäfsige Fäden zu spinnen; auch greifen sie nur Thiere
an, die keine heftige Bewegungen machen. — Was ihren Gift-
apparat betrifft, so besteht er aus zwei Giftdrüsen, welche in
der Brusthöhle liegen und fast birnförmig sind. Sie bestehen
aus einem fibrösen, weilslichen äufseren Theil, und aus einem
dunkeln, körnigen, innern, sind fast dreimal so lang als die
Mandibeln, und verscbmälern sich nach vorn in einen dünnen
Ausführungsgang, welcher sich in den Mandibeln fortsetzt und
vorn an der Spitze am convexen Theile des Hakens durch eine
kleine Spalte ausmündet. Vergleicht man diesen Giftapparat mit
dem bei Epeirn, so ist letzterer viel weniger entwickelt. Auch
ist der Innenrand der Kiefer bei Lairodectes nur mit Haaren,
aber nicht mit Zähnen, wie bei Epeira besetzt. —
M y r i a p o d a.
Eine Menge neuer Myriapoden finden sich von Koch [in
den von Dr. Herrich -Schäffer herausgeg. Deutschi. Krust.
Myriap. und Arachn. abgebildet und beschrieben.
Scolopendra Itallca K. (S. morsitans Lair. Genr. er.
et ins. I. 78, 2.) Ocherfarbig, glänzend, gleichbreit, das erste
Glied der HInterfüfse eben, an der innern Seite mit 4, an den
Spitzen schwarzen Zähnen, die folgenden Glieder zylindrisch,
Antennen li)gliedrlg. Jenseits der Alpen, besonders bei Triest.
Aufserdem hat Europa nach Verf. noch zwei Arten; Sc. graeca
K. Ochergelb, vier sehr kurze Zähnchen an der Innenseite der
Schleppbeine, ganz schwarz, Fühler mit 20 — 21 Gliedern.
Länge .3" 4"'. Griechenland. Sc. clavipes K. Ochergelb, spin-
delförmig, viele Zähnchen unten und an den Seiten des ersten
Gliedes der Schleppbeine, das vierte Glied kolbenförmig. 17 Glie-
der an den Ffiblern. Länge 1" 8'" nähert sich Cryptops Savig-
ityi LeacJi. Griechenland. Die beiden ersten Arten stehen mit
der ostindischen Äc. »wo»'«//««* in naher Verwandtschaft. Sc. ger-
manica (Cryptops horterisis Lcach)] dafs diese Gattung einge-
zogen wurde, ist wohl zu billigen, wefshalb aber der specifische
279
Name f^eändert Ist, sehe ich nicht ein. Die leidige Namenum-
tauferei macht die ohnehin hier schon herrschende bedeutende
Verwirrung nur noch gröfser.
lieft 3 liefert neue Arten aus der Gattung Geo~
p'IiiJus, nämlich; Gf. linearis K. llnienfürmig, blafs ocher-
gelb, Kopf hinten und Hals dunkler, Ilinterfürse zart mit sehr
kurzen Gliedern, mit 75 Beinen jederseils. In Gürten. — G.fer^
rugineusK.. verlängert spindelförmig, mit dunkler Rückenlinie,
IMandlbeln länger als der Kopf. 45 — 47 Paar Füfse. In \Yal-
dungen unter Steinen. — Gr. crassipes K. verlängert spindel-
förmig, ocherfarbig, Hinterfiifse sehr dick. In Gärten. — Ferner
Heft 9: G. hrcvicornis K. fast linionförmig, sehr lang, ocher-
farbig, Seite des Kopfes dunkler, dazwischen eine schwarze, kurze
Linie, Antennen kurz. Triest, 79 Beine. In Gärten tief in der
Erde. — G. netnorensis K, schmal, nach vorn allmälig schmäch-
tiger, ochergelb, nach den 12 ersten Ringen weilslich, hinteres
Fufspaar mit kurzen Gliedern. Beiderseits 39 Beine. In Feld-
hölzern gemein. —
Geophiliis horiensis K. Gegen das Ende des Körpers
allmählig schmäler, mit langen Fühlern, rostrotheni Kopfe und
zwei Längsflecken auf demselben, Körper und Füfse gelb. 55 Fufs-
paare. 20'" h^ng- I'^ fl^f oberen Schichte der Gartenerde. — •
G. subiilis K. spindelförmig, hinteres Fufspaar zart; orange-
farbig, mit zwei genäherten, rostrothen Rückenlinien und einer
dergleichen verloschenen seitlichen und gelben Füfsen und An-
tennen. 11 — 12'" 40 Fufspaare. Unter Moos in Wäldern.
Diese Gattung, die nun um eine so grofse Anzahl Arten
reicher geworden ist, wird auch einer um so schärfern Kritik
bedürfen. Findet auch hier, wie ich nachzuweisen hoffe, die
bei den Julinen gewöhnliche Metamorphose statt, so werden
manche Art wieder eingehen. Auch vermuthe ich, dafs die
Thiere mit dickern Hinterfüfsen jedesmal das andere Geschlecht
zu den, mit dünnern Füfsen begabten Arten bilden werden,
wofür ich zu seiner Zeit Thatsachen, die sich auf genaue Be-
rücksichtigung der anatomischen Verhältnisse stützen, beizu-
bringen denke. Hier niufs ich mich, da ich schon zu viel Raum
für meinen Jahresbericht in Anspruch genommen habe, mich auf
blofs^ Versicherungen beschränken.
Gatt. Jtilus Heft 22: Julus foetidus K. braun. In den
Seiten heller, die einzelnen Segmente tief gefurcht, Ränder mit
Wimpern versehen, unten am Segmente ein langer Stachel.
(Diese ausgezeichnete Art findet sich auch bei uns häufig in
Gärten.) Jul. bilineatus K. Schwarz, mit zwei ocherfarbigen
Rückenlinien. 18 — 20'". Auf Gesträuchen. (Ist auch bei uns
gemein und durch die ansehnliche Grölse von J. snbuiosus leicht
zu unterscheiden.) J. fnsciaius K. Rostfarbig, mit dunkler
Rückenlinie und dergleichen schwächern seitlichen. 15'" und
gröfser. Unter Steinen. (Bei uns selten, meistens unter abge-
fallenem Laube.) J. unilineuttis K. schwärzlich, mit röthli-
eher Rückenlinie 12 — 1.3'". In Baiern ziemlich selten. (Bei uns
böchsl gemein.) J. albipes K. schwarz, zylindrisch, dicht ge-
280
furcht, mit weiTsen langen Füfsen. 15 — 20'" und 48 — 52 Leib-
ringe. Unter Steinen m Wäldern ziemlich selten. — J. pun-
ciattis K. zart weifsh'chbraun, auf beiden Seiten eine Reihe
schwarzerPuncte, auf dem Rücken braune Bogenstreifen. 7'" Leib-
ringe 56. Auf feuchten Waldwiesen ziemlich selten. (Leach
hat schon einen J. puncintus beschrieben! Uebrlgen scheint
dieses dasselbe Thier, wie die von Koch beschriebene Art zu
sein.) — J. similis K. bräunlich, mit kurzer Schwanzspitze,
brauner Rückenlinie und einer Reihe schwarzer Flecken in den
Seiten. 1'" 41 Ringe. In sumpfigen Wiesen selten. — J. fer-
rugineus K. Die Ränder der Segmente gewimpert, rostbraun,
in den Seilen eine Reihe brauner Flecke. 4 — 5'" .36 — 40 Seg-
mente. (Ist wahrscheinlich ein Junges einer bekannten Art.)
In feuchten Waldwiesen.
Von der Gattung Glomeris werden Heft 4 zwei neue
Arten beschrieben, nämlich: Gl. nobilis K. Rostroth, mit
schwarzen Pünktchen überstäubt, gelbgerandeten Segmenten.
Jenseits der Alpen, — Gl. Iransalpina K. Rostroth, jedes
Segment an der Basis schwarz gerandet, der Afterring zur Hälfte
schwarz. Kleiner als Gl. nobilis^ sonst aber verwandt. Ver-
muthllch die Vorberge der südlichen Alpen.
Uebrigens beziehe ich mich hinsichtlich der ganzen Ab-
theilung der Myriapoden auf die, von mir im Jahresbericht von
1837 (vergleiche dieses Archiv, Jahrg. 1838 Heft VI. 346.) aus-
gesprochenen Grundsätze.
IX. Insecten*
Biearbeitet von
W. E r i c h s o n.
Wenn bei der grofsen Ausdehnung, zu welcher das Gebiet
der Entomologie nachgerade angewachsen ist, die meisten En-
tomologen ihr Interesse und ihre Forschungen auf einzelne
Theile desselben beschränken, so ist begreiflicher Weise Nichts
mehr geeignet, den Fortschritt der Wissenschaft nach allen
Richtungen hin zu fördern, als gerade dieser Umstand, der es
möglich macht, eine volle Kraft und ein ungetheiltes Streben
einem einzigen auserwählteu Zweige der Wissenschaft zuzu-
wenden. Aus demselben Grunde wird aber auch die Aufgabe
für einen Einzelnen immer schwieriger, das Ganze der Lei-
stungen, so wie es hier geschieht, zusammenzustellen, und
wo möglich durch ergänzende und berichtigende Bemerkun-
gen der Zusammenstellung noch ein weiteres Interesse zu ge-
ben, so dafs Ref. wohl auch für den gegenwärtigen Bericht
auf die Nachsicht des Lesers rechnen darf, wenn demselben hier
und da Lücken und Mängel aufstofsen sollten.
Was die entomologischen Zeitschriften betrifft, so ist es
für Deutschland von grofser Bedeutung, dafs Herr Ger mar
dem ungetheilten Wunsche aller deutschen Entomologen nach-
gebend, die Redaction einer Zeitschrift für Entomologie
übernommen hat, ein Unternehmen, welchem der nah und
fern mit Recht gleich hoch gefeierte Name des Herausgebers
verbürgt, dafs es der Wissenschaft reiche Früchte eintragen
wird. Von den Annaleu der entomologischen Gesellschaft zu
Paris ist zur Zeit nur das erste Heft des Jahrganges 1838 in
V. Jahrg. 2. Bd. 19
282
Berlin eingegangen. Von Silbermanns Revue Entomologiqiie
ist bisher noch Nichts von demselben Jahre in unsere Gegend
gelangt, und es ist daher bis auf eine darin enthaltene gröfsere
Abhandlung des Herrn Che vrolat, die Ref. der freundschaft-
lichen Mittheilung des Verf. verdankt, eben so wenig möglich
gewesen, den Inhalt dieser Zeitschrift zu benutzen, als es im
vorigen Jahre mit dem Jahrgange 1837 der Fall war. Von
den Bulletins der Kaiserl. Soc. der Naturf. zu Moskau sind
vier Hefte erschienen, von denen besonders die ersten beiden
beachtenswerthe entomologische Beiträge enthalten. Die Eng-
lischen entomologischen Zeitschriften, die Transactions of the
Entomogical Society of London und das Entomogical Ma-
gazine liegen vollständig vor, und von letzterem hält Ref. es
für seine Pflicht, auch über den Inhalt des Jahrganges 1837
den Bericht nachzuholen, der im vorigen Jahre leider ausfal-
len mufste. Aufserdem sind noch einige Werke in diesen Be-
richt mit eingeführt worden, die eigentlich schon die Jahres-
zahl 1837 auf dem Titel führen, jetzt aber erst hier bekannt
geworden sind, und zu wichtig erscheinen, um ganz übergan-
gen zu werden.
Im Entomological Magazme (JV. p. 365) ist Herr B — n
aufgetreten, um sich der von Herrn Burmeister in seinem
Handbuche der Entomologie entschieden ausgesprochenen An-
sicht des Vorkommens einer genej'atio aequivoca bei
Insecten entgegen zustellen. Der ungenannte Verf. hat mit
vielen Gründen die Unhaltbarkeit dieser Meinung dargethan,
dabei aber die Darstellung derselben durch Herrn Burmei-
ster wenig berücksichtigt, aus welcher am Ersten hervorgeht,
wie wenig sie eigentlich noch einer Widerlegung bedarf. Die
einzigen Insecten, denen von Herrn Burmeister eine gene-
ratio aequivoca zugesprochen wird, sind die Läuse und hier
ist auch nur von Menschen lausen die Rede, deren Ueber-
handnehraen bei einzelnen Kranken zuerst auf die fragliche
Ansicht geführt zu haben scheint. Wenn nun das häufigere
Vorkommen der Läuse bei Kindern ebenfalls der generatio
aequivoca Schuld gegeben wird, und Herr B u r m e i s t e r Beide,
Kinder und Kranke, durch die ihnen gemeinschaftlich zu-
kommende grofse Neigung ihrer Secrete (eigentlich Excrete)
zur Zersetzung als dazu gleich disponirt zusammenstellt, ist
283
ein hierin liegender mehrfacher Widerspruch nicht leicht zu
übersehen, indem theils, wenn auch die Pathologie in eini-
gen Krankheiten eine Neigung zur Zersetzung der Säfte
annimmt, und die Excretionen sie auch in solchen unverkenn-
bar haben, dem kindlichen Alter gerade das Entgegengesetzte,
ein erhöhter Bildungstrieb von Seiten der Physiologie allge-
mein zugeschrieben wird, theils da, wo Keime neuer Wesen
gebildet werden sollen, gerade die entgegengesetzte Tendenz
als die zur Zersetzung oder zur Auflösung in die elementa-
ren Stoffe vorausgesetzt werden müfste. Die Theorie des
Herrn ßurmeister ist auch der der Helminthologen gerade
entgegengesetzt, welche, indem sie das besonders häufige Vor-
kommen der Eingeweidewürmer im kindlichen Alter einei
durch die in dieser Lebensperiode überwiegende plastische
Thätigkeit begünstigten spontanen Erzeugung zuschreibt, hierin
wenigstens auf eine physiologische Thatsache gegründet ist.
Nimmt nun Herr Burnieister die Entstehung der Läuse
durch generatio aequiioca deswegen als nothwendig an, weil
sie den entsprechenden Arachniden, den Milben der Krätze
und Räude, gleichfalls zukomme, so haben zwar neuere Er-
fahrungen immer walirsclieinlicher gemacht, dafs auch hier die
Milben nicht sowohl Product als Ursache der Krankheit sind,
indessen liegt doch auch wieder ein Widerspruch in der Art,
wie Herr ßurmeister die Entstehung der Läuse und Milben
zusammenstellt, indem er annimmt, dafs dieselben Kräfte un-
ter der Haut Milben, auf der Haut Läuse erzeugen, gleich-
wolil die Zersetzung des abgelagerten Schweifses als die Ent-
stehung der Keime von Läusen bedingend aufstellt, während
die Lymphe der Krätzpustel nur so lange Milben produciren
soll, als sie unzersetzt ist. Die allgemeine Erfahrung spricht
nur dafür, dafs Kinder zu ihren Kopfläusen und Erwachsene
zu andern Läusesorten nur durch unmittelbare Mittheilung ge-
langen, und wenn in einzelnen Fällen bei Kranken dies Un-
geziefer in ungewöhnlicher Menge erscheint, so ist das Erste,
was man anzunehmen hat, dafs es gerade in Krankheiten dem
Kranken selbst unbemerkt sich zahllos vermehren konnte, be-
sonders da, wo die Umgebung es am Wenigsten argwöhnen
durfte. Die Existenz einer besonderen Speoies auf Siechen
bedarf noch sehr der Bestättigung. Bei den Läusen hat es am
19*
284
Wenigsten Noth, ihr Enstehen aus naturgemafs gelegten Eiern
zu erklären. Bei den Entozoen reichen zwar unsere jetzigen
Kenntnisse nicht hin, nachzuweisen, wie die Eier derselben
immer dahin geführt werden, wo die Würmer sich im thieri-
schen Körper entwickeln, es ist aber die Frage, ob deswegen die
generatio aequivoca es sein mufs,die die Würmer hervorbringt;
wenigstens ist bei vielen Insecten, namentlich bei manchen
Parasiten, und vollends bei Parasiten in Parasiten, die Erklä-
rung um Nichts leichter, wie ihre Eier so gelegt werden kön-
nen, dafs die Larven an die Stellen zu gelangen vermögen,
wo wir sie finden, und doch hat bei diesen noch Niemand ilir
Entstehen aus naturgemafs gelegten Eiern in Zweifel gezogen.
Dafs in den Antennen das Gehörorgan der Insecten
zu suchen sei, ist sowohl die Meinung vieler Entomologen
einer früheren Zeit gewesen, als auch gegenwärtig die Ansicht
der meisten Physiologen, und in diesem Sinne soll sich auch
Herr Newport, der im Gebiete der Physiologie der Insecten
schon mehrere umfangreiche, wichtige Untersuchungen ausge-
führt hat, in einem sehr ausführlichen Vortrage in der ento-
mologischen Gesellschaft zu London ausgesprochen haben.
Eine entgegengesetzte Meinung hat Herr New man sich herbei
gelassen, im Magazine of Natural histoiy zu entwickeln.
Seine Gründe stützen sich vorzüglich auf die Verschiedenheit
des Baues der Antennen von dem äufseren Ohr der höheren
Thiere, wo die Entwickelung desselben mit dem Bedürfnifs
eines Gehörsinns im geraden Verhältnifs stehe, während bei
den Insecten nicht allein oft eine grofse Ausbildung des frag-
lichen Organs sich fände, wo ein vorzüglich verstärktes Geliör
ohne Beziehung zur Lebensweise des damit ausgerüsteten Thie-
res erschiene, sondern auch bei der Unmöglichkeit, dafs die
vollkommen soliden Antennen den Schall aufnehmen, und
in eine — auch nicht vorhandene — Gehörhöhle leiten, die
Möglichkeit, dafs die Antennen die Vermittler des Gehörsinns
seien, Gesetze der Acustik voraussetze, welche heut zu Tage
den Philosophen noch ganz fremd seien. Es liegt aber sehr
nahe, dafs, wenn ein Organ vorhanden ist, welches die Schwin-
gungen der Luft, in denen der Schall beruht, unmittelbar zu
empfinden, und die dadurch empfangenen Eindrücke geraden
Weges dem Gehirn mitzutheilen im Stande ist, der ganze den
285
Schall auffangende und leitende Apparat von Ohrmuschel, Ge-
hörgang und selbst Paukenfell wegfallen mufs. Dafs die An-
tennen, so verschieden sie auch gebildet sein mögen, von den
langen borstenförmigen Antennen derLocusten an, bis zu den
kurzen Antennen der Cicaden und Fliegen, wo durch die oft
gefiederte Borste eine feine Empfänglichkeit für die Einflüsse des
Schalls gegeben sein mufs, überall die Fäh igkeit besitzen, die
Schwingungen der Luft, welche den Schall ausmachen, zu
empfinden, ist eine ebenso interessante als fruchtbare Betrach-
tung, und wenn wir dies Organ oft in sehr hohem Grade ent-
wickelt sehen, müssen wir wohl annehmen, dafs hier Manches
gehört werden kann, wovon wir keinen Begriff haben. — Herr
New man will die Antennen lieber als Träger des Gefühls-
sinnes betrachtet wissen, eine Ansicht, die diesen Organen in
der deutschen Sprache längst den Namen Fühlhörner oder
Fühler gegeben, und welche auch die Beobachtung hinrei-
chend begründet hatj es fragt sich aber, ob dies Vermögen
das andere, welches denn doch in seinem Wesen so sehr ver-
schieden nicht ist, ausschliefst?
In derselben Zeitschrift tritt Herr Clarke gegen Herrn
Newman auf, und weiset durch Beobachtungen die Em-
pfänglichkeit der Fühler gegen Einflüsse d«s Schalles nach,
die Herr Newman ihnen abläugnet, geht aber offenbar zu
weit, wenn er an der Basis der Fühler einen zusammenge-
setzten Apparat aus Labyrinth, Paukenfell, innerem und äufse-
rem Gehörgange annimmt, die durch eine im Geleukkopfe des
ersten Fühlergliedes enthaltene Oeffuung, (welche keine andere
ist, als die, durch welche Nerven und Tracheen in den Füh-
ler eindringen) als äufsere Gehörsöffnung dem Schalle zugäng-
lich wären, wobei er in derselben Voraussetzung als Herr
Newman befangen, die Antennen als dem äufseren Ohr der
Säugethiere (auricula) analog anspricht.
Unter den die Entomologie im Allgemeinen betreffenden
Arbeiten ist zunächst Herrn Laeordaire's Jntroductiou
ä V Entomologie zu nennen, von welcher jetzt dem 1834
erschienenen ersten Baude der zweite gefolgt ist. Es bildet dieses
Werk einen Theil der Nouvelles Suites ä Biiffon. Der erste
Theil enthält eine Schilderung des Insects nach seinen ver-
schiedenen Lebenszustäuden und nach seinem äufseren Bau.
286
der zweite behandelt zuerst den inneren Bau, und zwar zunächst
die Wege der Ernährung, den Darmkanal mit seinen Anhängen,
die Speichel-, Gallen- und Harngefäfse, die Organe des Kreis-
laufs, die Respirationsorgane, den Fettkörper, die Absonderun-
gen, — und zwar Seide, Wachs, Ausschwitzung (als Ueberzug
des Körpers bei Lixus, Eurychora u. s. w.), Lack, Gift, Säu-
ren, besondere Flüssigkeiten, Gerüche, Phosphorescenz, — all-
gemeine Betrachtungen über Ernährung. Das nächste Capitel
handelt von den Functionen des Empfindungslebens und schil-
dert zunächst den Bau des Nervensystems, dann die Sinnes-
organe, das Muskelsystem, das folgende Cap. die Fortpflanzung
mit ihren Organen, und das Verhältnifs der Geschlechter, das
darauf folgende den Instinct und die geistigen Fähigkeiten,
das nächste die Geographie der Insecten und das letzte giebt
einen kurzen Abrifs der Geschichte der Entomologie.
Was die Behandlung des Stoffes betrifft, scheint Herr
Lacordaire sich bei diesem zweiten Theil noch mehr als
beim ersten in seine Materie hereingearbeitet zu haben. Alles
Anatomische ist nur nach den schon vorhandenen Quellen,
indefs mit grofser Umsicht und Belescnheit zusammengestellt,
in den physiologischen Schilderungen hat der Verf. Gelegen-
heit, seine auf seinen ausgedehnten Reisen gesammelten Er-
fahrungen zu Hülfe zu nehmen, wobei er indefs die in den
verschiedensten älteren und neueren Werken niedergelegten
Erfahrungen, Beobachtungen und Ansichten nicht unbenutzt
läfst. Ueberhaupt ist dies Werk in diesem Felde das beste,
welches wir zur Zeit besitzen. Vor dem von Kirby und
Spence hat es den Vortheil der Benutzung alles seitdem der
Wissenschaft zugetrageneu Materials voraus, und vor dem ähn-
lichen Werke des Herrn Burmeister zeichnet es sich darin
vortheilhaft aus, dafs die Kirby-Spence'sche Introduction
mehr berücksichtigt als benutzt ist, und da, wo bessere, gründ-
lichere Arbeiten vorhanden waren (z. B. über die Zusammen-
setzung des Thorax) diese zum Grunde gelegt wurden. Uebri-
gens geht Herr Lacordaire überall auf die ursprünglichen
Quellen zurück, und auch Herrn Burmeisters Handbuch
wird von ihm angeführt, wenn er in demselben eine neue
Beobachtung oder eine selbstständige Ansicht findet. Dem
Capitel über die Geographie der Insecten ist eine besondere
287
Ausführliclikeit gewidmet, die um so mehr Dank verdient, als
dieser Tlieil der Wissenschaft bisher noch sehr zurückgesetzt
war. Herr L. erläutert zuerst den Einflufs äufserer Umstände
auf das Vorkommen der Insecten, namentlich den der Nah-
rung, der Temperatur, des Lichtes, des Bodens, anderer Or-
ganismen, die Wanderungen, dann die Standörter (Statio) und
die Zeit der Erscheinung der vollkommenen Insecten, und
endlich die geographische Verbreitung sowohl in Bezug auf
die absolute und relative Zahl der vorhandenen Insecten, als
auch in Rücksicht auf die Eintheilung der Läudermassen in
entomologische Regionen. Solcher Regionen nimmt Herr La-
cordaire nicht weniger als 40 an, es möchte ^ber natürli-
cher sein, dieselben m«hr zu verschmelzen und z. B. die lu-
dische Fauna mit der von Südchina, ebenso die von Europa
und Sibirien als je einen, in mehrere Gliederungen theilbaren
Körper zu betrachten, und andere, z. B. die von Japan, als
aus zweien (der Europäischen und Indischen) combinirt an-
zunehmen. Ebenso erscheinen die Faunen von Südamerica
östlich der Anden und Westindien nur als Glieder eines Kör-
pers, einen zweiten bildet die Fauna Südamerica's westlich
von den Anden, einen dritten Nordamerica, und die Stelle,
wo alle drei über einander greifen, ist in Mexico. Madagas-
kar, von Herrn Lacordaire als eigene Region betrachtet,
ist dadurch merkwürdig, dafs nicht immer der Character der
Fauna aus der geographischen Lage beurtheilt werden kann;
denn offenbar stammverwandt mit Mittel -Africa (Guinea) ent-
hält es manche Elemente aus der Südamericanischen Fauna,
wie selbst aus der Identität einzelner Species hervorgeht.
Wenn die Ausführlichkeit, mit welcher Herr L. in den Arti-
kel über die geographische Verbreitueg der Insecten eingegan-
gen ist, durchaus im Interesse der Wissenschaft war, darf es
nicht als nachtheilig auffallen, wenn dasselbe auf Kosten der
Geschichte der Entomologie geschehen ist, wo Herr Lacor-
daire sich fast auf eine Aufzählung und Beurtheiluug der
hauptsächlichsten Systeme beschränkt, wobei der Verf. um
so unbefangener verfalireu kann, als er kein eigenes Sy-
stem zu vertreten hat. Sein Urtheil ist auch bei aller
Kürze überall sehr treffend, und wenn sich dabei noch eine
wohl begründete Pietät gegen seinen] grofsen Lehrer La-
288
treille erkennen läfst, scheint diese fast nur in dem Tadel
durch, den Herr Lacordaire über die hochfahrende Beiirthei-
lung, ausspricht, die der damals am Rande des Grabes stehende,
hochverdiente Mann von Herrn Burmeister erfahren hat,
und auch dies geschieht, nachdem er nachgewiesen, dafs dem von
Herrn Burmeister aufgestellten Systeme keine einzige neue
Idee zum Grunde liege, und auch in der von ihm gebrauchten
Combination der Ideen Anderer keineswegs ein Fortschritt der
Wissenschaft gegeben sei, auf eine höchst gelinde Weise.
Ein sehr wichtiges Werk für die Entomologie ist ferner
in der Introduction to the modern Classification
of Insßcts, founded an the natural habits and corre-
sponding Organisation of the differeni f amilies von Herrn
J. O. Westwood erschienen. Der Verf. ist uns längst durch
seine zahlreichen Arbeiten, die keine Ordnung der Insecten
unberührt liefsen, als ein scharfsichtiger Systematiker und als
ein ungewöhnlich genauer Beobachter bekannt, der die Wis-
senschaft überall, wo er sich zeigte, zu bereichern niclit ver-
fehlte. In dem vorliegenden umfassenden Werke finden wir
ihn darauf verzichtend, seine eigenen Beobachtungen darzu-
legen, sich streng auf das in der Wissenschaft schon bereit
gelegte Material beschränken, doch in demselben Maafse, wie
er sich in dem ganzen weiten Gebiete überall gleich belesen,
und mit den neueren nicht nur, sondern auch mit den älteren
Auetoren vertraut erweiset, wie er mit liebenswürdiger Be-
scheidenheit dem Leser alle Auetoren, deren Ansichten und
Beobachtungen er benutzt, selbst vorführt, in demselben Maafse
zeugt doch jede Seite durch die getroffene Auswahl und An-
ordnung für den kritischen Scharfblick und feinen Tact des
Verf., so dafs man mit eben so viel Belehrung als Behagen
das Buch liest, welches auch Niemand entbehren kann, der
das Bedürfnifs eines Ueberblicks über den heutigen Zustand
der Wissenschaft hat. Dabei hat der Verf. noch ein Verdienst:
er lehrt uns mit besonderer Vorliebe nicht sowohl die syste-
matischen Charactere, für welche er bei jeder gröfseren
oder kleineren Abtheilung auf die darauf bezüglichen Werke
verweiset, als er die die Lebensweise und" namentlich die
früheren Zustände betreffenden JNotizen behandelt. Leider
ist die Kenntnifs der früheren Stände bisher in den meisten
289
Zweigen der Entomologie noch sehr zurückgeblieben, und wenn
es trotz dem Interesse, welches die Schwierigkeiten der auf
die Erforschung derselben gerichteten Untersuchungen zu be-
gleiten pflegt, scheinen möchte, dafs die grofse Mehrzahl der
Entomologen mit den Mitteln, die Sammlungen zu ordnen
und zu bestimmen, befriedigt wäre, hat die lange Vernach-
läfsigung der früheren Stände doch hauptsächlich darin ihren
Grund und ihre Entschuldigung, dafs das Bedürfnifs, vor-
her die möglichst genaue Kenntnifs der letzten Stände zum
Grunde zu legen, gefühlt werden mufste, und wird dann
um so mehr gerechtfertigt erscheinen, wenn nach einer Reihe
von Decennien, nach dem Gange, welche die Wissenschaft
gegenwärtig nimmt, zu urtheilen, die gröfste Anzahl der bis-
her über die früheren Zustände der Insecten vorhandenen Be-
obachtungen ungenügend und zum Theil ganz unbrauchbar
erscheinen werden, wobei indefs die heutigen gewissenhaften
Beobachter keine geringere Ansprüche auf den Dank derMit-
und INachwelt haben, als Herr West wo od, dem wir gegen-
wärtig eine lange vermifste Zusammenstellung und Ueber-
sicht dessen, was dem W^esentlichen nach bisher in diesem
Zweige geleistet worden ist, zu danken haben.
Nach einer Einleitung, die in möglicher Kürze die Structnr
der Insecten im Allgemeinen ins Licht setzt, geht der Verf.
die verschiedenen Systeme der Entomologie durch, mit sorglicher
Auswahl für die verschiedenen Systeme nur die bedeutenderen
Vorfechter aufzuführen, für das auf Verwandlung gegründete
Swammerdam und Lamark, wobei auch Newrnan nicht
wohl zu übergeben Avar, wenn das Unpractische seiner Methode
recht ans Licht gestellt werden sollte, für das auf die Flügel-
bildung gegründete Linn e undDegeer, für das aufdleMund-
thelle gegründete Fabricius, für das eclectlsche, das alle drei
Methoden vereinigt, Latrellle und Mac Leay, von dessen
letzteren Systeme sich das des Verf. selbstnur wenig unterscheidet,
obgleich durch verbindende Zwischen -Ordnungen, der Sire-
psiptera zwischen Hytnetiopiera und Cohopiera^ Acr Eupleoco-
ptera (Ohrwürmer) zwischen Coleopiera und Oriliopiera , der
Thysanura (Thrips) zwischen Orilwptcra und Neiiroptevu, der
Homalopiera(Hippobossn) und ^phanipie 7' n{¥['6Ue) zwischen
Diptera und lieieropiera, die pracllsche Klarheit sehr getrübt
wird, die den EIntheilungen des Verf. sonst Im hohen Grade
eigen zu sein pflegt. Obgleich Herr Westwood in seiner
eigenen Anordnung die Hymenopteren an die Spitze stellt, be-
ginnt er doch, um nicht gegen die zeilige Mode zu verslofsen,
mit den Coleopteren, welche er nach den Fufsgliedern in 4
290
Hauptabtheilungen bringt, Pentninera^Heieromera,Pseutlo-
ieiraniera und Pseudotri7nei'n, die letzten beiden den La-
treille'schen Teirnmeren und Trtmeren entsprecliend, welchen,
nachdem die JLyiop/mgen^ zum Theil wirkliche Tetramererty
von den ersteren ausgeschlossen sind, bekanntlich noch ein
fünftes oder viertes Fufsglied zukommt, daher Herr Westwood
einem von Herrn Burmeister gegebenen Vorschlage, der die-
selben Abtheilungen als Cryptoteiratnera und Crypioirhna'a be-
zeichnet, folgend, die Namen passend änderte, denn so wie
wenigstens Herr Westwood diese beiden Abtheilungen auf-
gestellt hat, kommt ihnen eine gemeinschaftliche Bildung der
Fufsglieder zu. Allein die Abtheilung der Peniameren enthält
so viele Tri-, Tetra- u. s. w. vieren^ dal's sich nur wenige der
bisher aufgestellten Unterabtheilungen ganz rein von Abwei-
chungen erhalten, und es wiederholt sich selbst die Form der
pseudo- tetra- und trimerlschen Fülse in derselben, so dafs nur
die Abtheilung der Heieromeren rein und scharf begränzt da-
stände, wären nicht die Cryptophngen^ von denen die Männchen
durchaus den Heieromeren angehören, während die W^eibchen
sich nicht von den Penintneren entfernen.
Die Pentavieren theilt Herr \'V^estwood vorläufig in zwei
Abtheilungen, von denen die erste Mac Leay's Chilopodo-
fnorphen, die zweite seinen C/iilogtiaihoinorphen entspre-
chen würde. Erstere zerfallen In zwei weitere Abthelhingen, Ade-
xmd Rypophagetty die ersteren derselben auf bekannte Weise in
die Land- und W asser -Adephagen, letztere in die Philydrida
(nicht Phiihydrida zu schreiben), Necrophngen und Brache-
lyira^ die vorletzten durch die Familien der Dermesien, einen
grofsen Theil der Latrellleschen Xylophagen^ die letztere durch
die Pselaphen ausgedehnt. Die Chilognathomorphen theilt
Herr Westwood In drei Abtheilungen: Clavtcornen (Byrrhen
imd Hisieren)y Lamellicornen und Serricornen.
In der Anordnung der Heieromeren nimmt HerrW^est-
wood den umgekehrten Gang als Latrellle, indem er mit den
Pimclicn schliefst. Die Pseudoieirameren zerfallen in die
drei bekannten Familien der Rüsselkäfer, denen die Borken-
käfer nicht unpassend angeschlossen sind, Bockkäfer und Blatt-
käfer, die Pseudoirimeren in die EroiyJiden^ welche
gröfstenthells ti^tnlWch Pseudoieirameren sind, Endomychiden
luid (Joccincllen.
Eine zweite Ordnung bilden die Ohrwürmer, welche Herr
W^estwood Eupleocopiera nennt, eine dritte die Ortho-
ptera mit den Familien der Blatten^ Maniiden, Phas7nen, Ache-
iett^ GryVen und Locusten.
Herr Newman hat im Enfomological Magazine (JV.
/j. 234) das früher in derselben Zeitschrift entwickelte sieben-
theilige System der Insecten vertheidigt und theilweise weiter
ausgeführt. Er geht davon aus: 1) dafs sich alle natürliche
Gruppen in sieben kleinere Gruppen theilen lassen (auf dem
291
Papiere gewifs); 2) dafs von diesen sieben kleineren Gruppen
eine vollkommner ist als alle anderen; 3) dafs jede der sechs
untergeoi-dneten Gruppen Formen enthält, welche sich gleich-
mäfsig genauer an die vollkommenere anschliefsen, wenn auch
wohl jede in einem anderen Merkmal, und 4) dafs man, um
diese Annäherungen zu berücksichtigen, die vollkommenste
Gruppe in die Mitte stellen und die übrigen sechs um sie
herum ordnen mufs. Dafs die Natur zwischen den Abtheilun-
gen, welche sie macht, zu vielfache Beziehungen läfst, dafs
wir diese nicht besser übersehen sollten, wenn wir die Ab-
theilungen auf der Fläche ausbreiten, als wenn wir sie in ge-
rader Linie verfolgen, ist längst anerkannt, und was die
Annahme des Herrn Newman betrifft, dafs die Gruppe, die
ihre Beziehung zu allen übrigen habe, gerade die vollkom-
menste sei, läfst es sich der Theorie nach als eben so begrün-
det aufstellen, dafs die übrigen, die mehr selbstständige Ent-
wickelung haben, als die voUkommneren und höheren zu be-
trachten sind. Herr Newman stellt die Neuroptera in die
Mitte und entwickelt mit vieler Schärfe die Annäherungen,
die die übrigen Ordnungen gegen dieselbe machen. Er hat
diese Ordnung in demselben Umfange alsLatreille angenom-
men, theilt sie aber in 7 Familien, indem er die Latreille-
schen Planipemies in 4 Familien, Termiten, Peilen, Pa-
norpen und Hernerohien auflöst, die mit den übrigen La-
treilleschen, den Libellen, Ephemeren und Phryganeen gleichen
Werth hätten, worin ihm übrigens schon Herr Pictet voran-
gegangen ist. Wenn er aber bei der Vergleichung dieser ein-
zelnen Familien auf die Verhältnisse der einzelnen Thorax-
ringe Werth legt und z, B. den Gegensatz von Pej'la und
Ephemer a hervorhebt, indem hier der Prothorax und Meta-
thorax fast ganz zurücktreten, dort überwiegend entwickelt
sind, sollte ein philosophischer Auetor, als welcher Hr. New-
man hier auftritt, billiger Weise nicht bei der äufsern Form
stehen bleiben, die durch das Verhältuifs der Extremitäten
bedingt wird, von denen die Entwickelung der Muskeln in den
verschiedenen Theilen des Thorax abhängig ist, diese wieder
von dem Gebrauch der Theile, denen die Muskeln angehören,
daher hei den Ephemeren der Mesothorax sich entwickelt, vveil
diese Thiere mit den Vorderflügeln fliegen, bei den Perlen
292
zurückbleibt, weil bei ihnen dieselben Flügel hauptsächlich
nur Deckflügel sind.
Ferner zeigt HerrNewman, dafs sein System alle übri-
gen, das auf die Flügel, auf die Mundtheile und die Verwand-
lung gegründete, in sich vereinige; überhaupt ist seine Anord-
nung im Sechseck, mit den Neuropteren in der Mitte, wenn
man diese letzteren trotz des verschiedenen Typus in der
Metamorphose und dem verschiedenen Bau der Mundtheile
im Latreilleschen Sinne als eine Ordnung annehmen will, sehr
sinnreich, schwebt aber zu sehr im Allgemeinen, um irgend
einen practischen Nutzen abzuwerfen.
Ein anderer gleichfalls nur skizzenhafter Versuch, die
Ordnungen derlnsecten zu bestimmen, ist vom Ref. gemacht,
und in den Mittheilungen aus den Verhandlungen naturfor-
schender Freunde zu Berlin, so wie in Germars Zeitschrift
für die Entomologie bei Gelegenheit einer kleinen Abhandlung
über Maniispa (s. u.) das Wesentliche desselben mitgetheilt
worden. Es war ursprünglich nur daran gelegen, einen durch-
greifenden von der Flügelbildung unabhängigen Unterschied
zwischen den Orthopteren und Neuropteren zu ermitteln.
Die Untersuchung des Mundes der verschiedenen Formen bei-
der Ordnungen wies auch einen sehr bestimmten und ausge-
zeichneten Typus nach, in welchem alle Neuropteren mit
nnvoilkommener Verwandlung mit den bisherigen Orthopte-
ren übereinstimmen, und Ref. glaubte um so mehr Veranlas-
sung zu haben, beide zu vereinigen, als sich bei der zweiten
Lisectenordnung, die dieselbe Form der Verwandlung hat, den
Jlemipteren, eine ähnliche Differenz in der Flügelbildung zeigt,
so dafs die bisherigen Orthopteren den Heteropteren, die
bisherigen Neuropteren mit unvoUkommner Verwandlung den
Homopteren gegenüberstehen; es läfst sich auch, wenn man
eine Parallele zwischen beiden Ordnungen zieht, überall eine
entsprechende Flügelbildung in beiden nachweisen. Es bilden
dadurch die beiden Ordnungen mit unvollkommener Verwand-
lung einen Gegensatz zu denen mit vollkommener Verwand-
lung, indem bei diesen die Flügelbildung bei einem bestimm-
ten Typus bleibt, bei jenen die verschiedenen Typen stufen-
weise durchläuft. Die Familien, welche nach dieser Ansicht
von den Neuropteren entfernt, und den Orthopteren ange-
293
reiht werden, und die sich in der Helm- (galea) förmigen
äufseren Maxillarlade und der vierlappigen Unterlippe, mit
eingelenkten äufseren Lappen mit den Orthopferen über-
einstimmend zeigen, sind Termes, Perla, Psocus, Lihellula,
und ihrer ganzen Naturgeschichte nach auch Ephemera. Die-
selbe Bildung des Mundes findet sich auch bei Lepisma, das
bei näherer Betrachtung eine grofse Annäherung an Blatta
zeigt. Die Ordnung der Ncuropteren ist auf die drei Fami-
lien Ilemerohien, Panorpen und Phryganeen beschränkt
worden, für welche ein gemeinschaftlicher Ordnungscharacter
schwerer zu ermitteln ist, weil sie in vielen Puncten sich
bald an diese, bald an jene Ordnung anschliefsen. Dafs die
Bildun°- der Flügel auch für die Insecten mit vollkonnnener
Verwandlung nur ein Merkmal zweiten Ranges sei, ist vom
Ref. ebendaselbst nachgewiesen und zugleich angedeutet, dafs
auch hier die wesentlichen Charactere im Bau des Mundes
und namentlich in den Verhältnissen der einzelnen Theile des
Mundes zu einander liegen, welche seit Fabricius von kei-
nem Systematiker benutzt sind, obgleich uns durch Savigny
eine tiefere Einsicht in dieselben eröffnet worden ist, und die
auch dann nicht als rein künstliche Kennzeichen angesehen
werden können, wenn man davon ausgeht, dafs die Charactere
durch die Abtheilungen, nicht aber die Abtheilungen durch die
Charactere bedingt werden.
Herr Hope hat in einem in der Brittischen Gelehrten-
Versammlung zu Newcastle gehaltenen Vortrage sich über die
gegenwärtig gebräuchliche Klassification der Insecten ausge-
sprochen, und besonders 4 Puncte aufgestellt, deren Beherzi-
gung von Wichtigkeit ist: 1) wirft er den modernen Entomo-
logen vor, dafs sie nur Merkmale, die in der äufseren Orga-
nisation liegen, berücksichtigen, und wer möchte hier niclit
beistimmen, wenn von solchen Kennzeichen die Rede ist, die
nur im Habitus begründet sind? — 2) bemerkt er, dafs wenn
die innere Structur zu Hülfe genommen wäre, der Bau des
Darmkanal eine Hauptrolle spiele, welcher, wie er, obgleich
gegen die allgemeine Ansicht und doch nach Umständen nicht
ohne Grund, hinzufügt, dazu nicht geeignet wäre, indem seine
Structur von Lebensweise und Nahrung des Thieres bedingt
werde, — 3) Sieht er nicht mit Unrecht darin einen Mangel,
294
dafs man nicht von einem einzigen Princip bei der Classification
ausgehe, und oft Kennzeichen für dieselbe in Anwendung bringe,
welche im Grunde unwesentlich und untergeordnet wären. —
4) Spricht er seine Meinung dahin aus, dafs es nur ein ge-
naues Studium des Nervensystems wäre, welches auf ein na-
türlicheres System als die heutigen leiten würde. Was bis
jetzt über das Nervensystem der Insecten allgemeiner bekannt
ist, eignet sich allerdings nicht dazu, diese Ansicht zu bestät-
tigen, und namentlich scheint die Vertheilung der Ganglien,
worin sich noch am Ersten bei verschiedenen Insecten Ver-
schiedenheiten wahrnehmen lassen, mit den systematischen
Verschiedenheiten in eben so wenig Beziehung zu stehen, als
mit der äufseren Structur selbst, so dafs das von Herrn Bur-
meister aufgestellte Gesetz, wonach die einzelnen Ganglien
um so bestimmter sich absonderten, je bestimmter die Gliede-
rungen des Körpers gehalten wären, und in dem Grade mit
einander verschmölzen, in welchem die Segmente, denen sie
angehören, mit einander verwachsen, so scheinbar es theore-
tisch auch sein mag, practisch doch sich so wenig bewährt,
dafs ein kleiner Kreis von Erfahrungen schon hinreicht, mehr
Ausnahmen gefunden zu haben, als Fälle wo es zutrifft. Un-
ter diesen Umständen würde es in mehr als einer Hinsicht
von grofser Wichtigkeit sein, wenn Herr Hope die Thatsa-
chen, auf welche sich jene Aufstellung gründet, veröffentli-
chen, und damit denen, welche diese interessanten Forschun-
gen weiter verfolgen möchten, für diesen Zweck eine Anlei-
tung geben wollte.
In Bezug auf die geographische Verbreitung der
Insecten hat Herr Walker im Magaz, of Nat. Hist. eine
Idee ausgesprochen, die darin beruht, dafs er das Atlantische
Meer und den stillen Ocean mit dem Indischen Meere als
zwei grofse Bassins betrachtet, an deren entgegengesetzten
Küsten entsprechende Formen von Insecten sich fänden. Dafs
eine Analogie zwischen den Insecten des südwestlichen Ame-
rica mit denen von Indien bestehe, läfst sich aber nicht
wohl annehmen, und wenn der Verf. auf eine Uebereinstim-
mung derer der [Philippinen imd Chile's hinweist, so weifs
Ref. nicht, welche Lisecten der Verf. dabei im Sinne gehabt.
Zwischen den gegenüberliegenden Küsten des Atlantischen
295
Moores ist oine Analogie in der Insectenfanna zwar um so we-
niger zu verkennen, je mehr man siel» dem Polarkreise nähert;
doch ist sie nicht auf die Küsten beschränkt, sondern breitet
sich über die ganzen Erdiheile aus. Wenn der Verf. sich auf
die üebereinstinmiung der Fauna zu beiden Seiten des Mittel-
ländischen Meeres bezieht, so finden sich hier andere Verhält-
nisse: diese Uebereinstiminung der Faunen der gegenüberlie-
genden Ufer findet bei allen schmalen, eingeschlossenen Mee-
ren statt, welche vielleiclit erst nach der Erzeugung der jetzt
noch an ihren Ufern lebenden Insecten entstanden sind.
Von Herrn Germar's Fauna Insectorum Euro-
pae ist das 20ste Heft erschienen. Es enthält folgende Arten:
Carabus Kircheri aus Tirol, vieHcicht nur kleinere Ab-
art des C depressiis Bon. Hydroporus bicructaius Kunze.,
einerlei mii H. Eschevi jdube. H. thermalis^ Trickodcs fla-
vicornis aus Sicilien, wohl nicht wesentlich von T. jimmlos
abweichend, Hyhalus Dorcas (Copris Dorcas F.) ebenfalls
aus Sicilien, Ceionia iincia, neue Art, ebendaher, Phryga-
nophilus ruficollis Sahlb.., Melandrya rtificolUs F.., als
eigene Gattung bisher nur durch habituelle Merkmale begrün-
det. Die Aehnlichkeit mit Canthnris mul's wohl auffallend sein,
denn Fa bricius beschreibt diesen Käfer auch unter dieser Gat-
tung als Canth. analis. u4deacius scrobipennis Schönh..,
Elythrodon bispimts Sc/iön/i,, .Apaic sittunta F., ylpaie
elongaia Payh.., ytpaie subsiriata Payk., Endomychus
ihoracicus Koll. aus Ungarn, Deciicus albifrons (JLocusUi
albifrons F.), Oedipoda insubricn C'liarp. , Oedipoda 7ni-
niata Chnrp.., Oedipoda lineaiaPanz., Oedipoda elegans
C'/iarp.^ Gotnphocerus biguitatus C'harp.] von den vier letz-
ten Arten beide Geschlechter. Eupelicc producta und E.
spaihulaia, 2 neue, bei Erlangen einheimische Arten.
Von der Fortsetzung der Panzerschen Insectenfauna durch
Herrn Herrich-Schäffer ist das 147 — 158. Heft erschienen.
Herr Zetterstädt hat dielnsectenfaunavonLappland
unter dem Titel: Insecta Lapponica heavheitet, und bereits den
gröfsten Theil derselben in die Hände des Publicums gegeben. Es
ist somit für die Fauna des entlegensten und vielleicht am Wenig-
sten zugänglichen Theils von Europa (England wohl ausgenom-
men) mehr geschehen, als für die Faunen selbst solcher Länder
des Continents, in denen eine reiche Zahl von Entomologen hei-
misch ist. Freilich ist auch keine Fauna leichter zu übersehen
als gerade die von Lappland, wo das Vorkommen einer minder rei-
chen Zahl von Insecten sich auf ein Paar Monate des Jahres
296
beschränkt. Aufser manchen elgenthümlichen, arctischen In-
secten, die jedoch theils ostwärts, z. B. auf dem Ural und wei-
ter in Sibirien, selbst in Kamtschatka, theils im mittleren Eu-
ropa auf der Höhe der Gebirge wieder vorkommen, sind die
meisten Insecten seiner Fauna theils weiter in Norwegen und
Schweden, theils über einen gröfseren Theil von Europa ver-
breitet, und hat der Verf. auch nicht Gelegenheit gehabt, die
Verbreitung der von ihm aufgeführten Insecten weiter als über
Scandinavien zu verfolgen, so hat er sich darin ein grofses
Verdienst erworben, dafs er theils das Vorkommen der Lapp-
ländischen Insecten nach den Fundörtern, theils die Verbrei-
tung derselben über den übrigen Theil Scandinaviens bestän-
dig genau bemerkt. Für die Coleoptera fand Herr Zetter-
städt eine bedeutende Vorarbeit in Gyllenhals Iiisecta
Suecica, für die Orthoptera in semen eigenen OrtJioptera
Siieciae, für die Hemipteia und Diptera in den Fallenschen
Dissertationen; indefs fehlt es in allen dreien dennoch nicht
an neuen Arten, namentlich in den letzteren Ordnungen.
In der der Hemiptera kommt unter den Heieropieris eine neue
Gattung Ophihalmocoris vor, welche mit Lnbops diopsis Burm.
einerlei ist, doch den schon früher von Fallen gegebenen Art-
namen Sahlbergii behalten mufs. Unter den Hoviopteris führt
Herr Z. mehrere neue Gattungen ein, welche indefs von Ger-
mar zum Theil anders bestimmt sind, und von denen Cerco-
pis mit AphropJiora Germ.^ Pholeiaeramt Acocephalus Germ.j
Cicada z. Th. mit TeUigonia^ Euacanilius Germ.^ Jassus mit
Byihoscopus Germ, im Wesentlichen übereinkommen. Unter
den Hymenopieren ist nur eine neue Gattung unter den Bra~
coniden aufgestellt, die indefs mit Coelinius Nees zusammen-
fällt. Zahlreicher sind die neuen Gattungen und Arten unter
de^i Dipteren^ eine Ordnung, deren zahlreiches Vorkommen in
Lappland wohl zu erwarten war. Als neue Gattungen sind an-
zuführen Anihalia^ Hormopeza^ II eaphila unter den Hybo-
iineii^ TF^iedemannia., Microcera unter den Empiden^ iVe-
phrocerus unter den Pipunculinen ^ Coprina (Xyiota pipiens
M-dg.^ weshalb der Gattungsname SyrUta Macg. nicht beibehal-
ten, ist nicht bemerkt) unter den Syiphen, Lepiopteryoc un-
ter den Hippoboscen , Micra unter den Rhizomyziden , Lepl-
cpa unter den Museiden., Ectinocera unter den Scaiomyzi^
den., Homalocephala unter den Ortaliden., Colobaea (Opo-
myza bifascielhi Fall. Meig.) unter den Opomyziden, Macro-
cnira unter den Agrojnyziden ., Psilocoiiopa, Pachyneura,
Dicranoia, Tryciphona (Limnobia Immaculata Meig.) unter
den Tipuliden^ Corynocera unter den MycetophiUnen. Von
Lepidopteren liegt noch die erstere Hälfte bis zur Mitte der
297
Spanner vor; auch hier hat Herr Zetterstedt in allen Abthei-
lungen neue Arten entdeckt, unter den Tagsclimettcrh'ngen 2,
unter den Spinnern 3, unter den Eulen sind nicht weniger als
25 neue nordische Arten beschrieben.
Von der sowohl in Hinsicht der eleganten Ausführung als
auch der sorgfältigen und genauen Darstellung selten erreichten
Brittish Entomology von Herrn Curtis ist der 15.
Band vollendet worden.
Er enthält an Coleopleren Phyto sus spinifer Rud<l, eine
neue Gattung der ^/eoc/i«r//ie/»- Gruppe, die durch ihre Ana-
logie mit OjcyieUnen sehr merkwürdig ist, Trachys tninuta,
Elaier aterrivius^ Lampyris tiociiluca, Nitidula colon^
Triplaac aenea, Typliaea fuviata, Derviesies Inrda-
rius, Anihicus iibialis^ eine neue, dem A. humilis ähnliche
Art mit erweiterten Hinterschienen, Otiorhynchus inaurus,
OrcJiestes TV altoni,, dem O. pratensis ähnlich; an Orthopte-
ren Libellula rubicunda L.^ Ephemera cognata Curt.\ an
Neuroptcren Panorjya germanica^ Molaniia angustata\
an Hytnenopteren Tenthredo cingulata, Cynips nervosa
(neu), B e t hy I u s yui V i c orni s, Crabro subpunctntus-^ anLe-
pidopteren von Spinnern Sinuropus Fagi, Closiera ana-
choreta, von Eulen Lithomia Solidagini s, von Spannern
Siona dcnlbaia, Hybernia defoliaria, Eubolia cervi-
naria, von Wicklern Teras eaccavana Haw., JZeiraphera
Hastiana, von Schaben Acrolepia betulella Curt.^ Por-
rectaria (typ. Tinea anniipennella Hübn.) albicosla Haw.,
Ederessa (typ. Tinea pruniella Z/.), semiiestacella Curt.,
von Geistchen Aluciia hexadaciyla; an Dipteren Rhngio
Heyshavii Curt., Leptis diadema^ Myops fttlvipes,
Phasia speciosa Curt., Trigonomeiojytis frontalis {Te-
ianocera frontal. Meig.), Heteroneura albimana, an Hemi-
pteren Teiyra fuliginosa, Aelia acinninata, Harpo-
cera Burmeisteri Curt., eine neue, Capsus ähnliche Gattung,
v\o beim Männchen das zweite Fühlerglied etwas erweitert ist,
Capsus hirtus Curt., Bliris tritt ci Curt., Prostemma gut-
iula, Hydroessa pygfnaea, Nepa cinerea, Ledra au~
riia, Coccus Aceris F.
Herr Haliday beschreibt in den Annals of Natural
History eine Anzahl von Insecten, welche in Curtis Guide
aufgeführt sind.
Von Coleopteren ist nur Calathus nubigena beschrie-
ben, und vom Omaseus ietricus bemerkt, dafs er des Ref.
Pterosiich. gracilis sei, der doch länger schon durch De-
jean bekannt ist. Die beschriebenen Hymenopteren sind zahl-
reicher, beschränken sich aber auf die Familie der Ichtientnonen,
für Avelche auch einige neue Untergattungen errichtet werden:
Jielictes au( Crypt.impurator und eryihrostoma Grav., Clepticus
nahe verwandtmit Plectiscus, Acro d aciylavQxiPolysphincta. Fer-
V. Jahrg. 2, Bd. 20
298
ner ist eine Reihe von Dipteren aus sehr verschiedenen Gattun-
gen und von Hetnipteren ein Paar Blattläuse beschrieben. Es
ist aber die Frage, ob man alle diese Arten durch die kurzen
diagnosen- artigen Beschreibungen für hinreichend characterisirt
annehmen kann. Bei der unendlichen Menge von ähnlichen Ar-
ten, die es überall giebt, Ist es namentlich bei den Ichneumonen
ganz unmöglich, aus einer kurzen Diagnose eine Art mit der
geringsten Sicherheit zu bestimmen, zumal, vcenn wie hier, blos
die Farbe In Betrachtung gezogen Ist, welche oft ohne Grän-
zen abändert. Es wäre wohl nicht zu viel, wenn die Auetoren
beim Abfassen der Beschreibungen darauf Rücksicht nehmen,
dafs ein Anderer die Art darnach erkennen soll.
Der vierte Band von Richardsons Fauna Boreali-
yimericana ist den Insecten gewidmet, und von Herrn
Kirby bearbeitet worden, welcher damit ein umfassendes,
vielfach belehrendes Werk zu Tage gefördert hat. Die Fauna
von Nordamerica hat einen überwiegend Europäischen Cha-
racter, und je weiter nach Norden, um so mehr: in demsel-
ben Maafse, als sich die der Europäischen Fauna fremden,
America eigenthümlichen Formen (als CantJion, Phanaeus,
Gymnetis) verlieren. Diese Uebereinstimmung zeigt sich
theils in dem Vorkommen analoger Arten (als der verschie-
denen Necrophoren, und unter den Hirschkäfern des Luca-
nus cervus und elaphus, Tarandus tenehrioides und piceus
F., Platycerus carahoides F. und Quercus Kii.'), theils dehnt
sie sich häufig auf Identität der Species aus, und zwar in ver-
schiedenen Familien und Ordnungen in verschiedenem Grade,
nirgends aber fast in höherem, als bei den Dipteren. Aus die-
sem Gesichtspuncte betrachtet bietet die Fauna von Nord-
america ein ganz besonderes Interesse dar, erfordert aber auch
ein ganz vorzüglich aufmerksames und umsichtiges specielles
Studium, um auf der einen Seite die Identität der Nordame-
ricanischen Arten mit den Europäischen nachzuweisen, auf der
anderen die oft feinen und doch beständigen und bestimmten
specifischen Unterschiede analoger Arten nicht unbeachtet zu
lassen.
Herr Kirby beschreibt in dem genannten Werke die von
Herrn Richardson auf seiner von New -York nordwärts bis
zum 49. Gr. n. B. unternommenen Reise gesammelten Inse-
cten, 447 Arten im Ganzen, davon 249 Coleoptera, 3 Or-
thoptera, 2 JSeuroptera, 2 Trichoptera, 32 Hymenopiej-a,
29.9
11 llemiptera, 32 Lep}dopt(?ra, 14 Dtpfera, 1 Ilomalople-
rwn und 1 udphaniptcrwn.
Es ist nur ein Theii der hier beschriebenen Insecten, der
mit denen, die wir aus den Vereinigten Staaten kennen, über-
einkommt, der gröfsere Theil ist neu und fehlt auch noch in
den Europäisclien Sammlungen, namentlich denen des Conti-
nents. Die häufige Uebereinstimmung der Nordamericanischen
Insecten mit den Europäischen konnte einem so erfahrenen
Entomologen als Herrn Kirby am Wenigsten entgehen, und
es scheint dem Ref. von ganz besonderem Interesse zu sein,
die Arten, bei welchen Herr Kirby dieselbe bemerkt, hier
namhaft zu machen. Es sind nämlich Flatynus (^Anchome-
niis) angusticollis, Omascus Orinomum Steph. (eine Engli-
sche, dem Pterost. ohlongopunciatus verwandte Art), nigrita,
Curtonotus (^Amard) convexiusciilits, Amara vulgaris (viel-
leicht gilt dasselbe von A. inaequalis Kivh,, falls nämlich
dieselbe mit A. spreia De/', übereinkommen sollte, welche
wirklich auch in Nordamerica zu finden ist), Peryphus (Lopha)
inaculafus, Bemhidiiim. impressum, JSotiophilus aquaticus,
lialiplus impressus, llydi^oporus nigrolineatus Seh. Gyll.,
Gyrinus aeneits (wohl Abänderung von G. marinus), minu-
tus, Paedei'us riparius, Philonthus politus (Siaph. aeneus
Grav.\ fulvipes (Herr Kirby ist nicht sicher, ob der sei-
nige auch wirklich der Europäische sei, indefs pafst seine Be-
schreibung hinreichend genau, und Ref. hat auch in Herrn
Chevrolats Sammlung ein Nordamericanisches Exemplar die-
ser Art getroffen), Oiceopioma lapponicinn , Peltis ierru-
ginea, Niüdida dbscura, ossium (^Steph., wohl nur kleinere
Abart der vorigen), discoidea, Atomaria atra, Attagenus
pellio, Dermesies lardarius^ Byrrhus varius, Hydrobius
fuscipes, marginellus, melanocephalus , Trox arenariuSy
Elater fulvipes, Buprestis umhellatarum, appendiculata,
Callidium striatum, Leptura 6-maculata, Cis micans, Le-
pyrus Colon, Eumolpus vitis, Chrysoinela rußves, Phae-
don Adonidis, Raphani, Polygoni, Phyllodecta Vitellinae,
Galleruca Sagittariae, Coccinella 13-punctata, Upis ce-
ramhoides, Tenebrio molitor, Xylita huprestoides (JDircaea
discolor), JSecrohius violaceus, Telephorus ater, Agrion
puella (?), Perla hicaudata, Cinibex femorata, Trichiosoma
20*
300
lucorum, Sirex hhonatus Step7i.*\ iuvencus, Foenus iaailä'
tor, Cryptus viduatorius , Formica fusca, T^cspa vulgaris,
Halictus ruhicundus , Andrena varicms, Megachile mari-
tima, Bombus Derhamellus , Reduviolus inscriptus (s. u.),
Gerris rufoscufellata, lacustris, Corixa striata, Colias Edusa,
Argynnis Freya, Vanessa Antiopa, Atalanta, Cynthia
Cardui, Plasia gamma, Jota, Bomhylius maior, Chrysops
sepulchralis, Scaeva Ribesii, Hippohosca equina. Ein höchst
merkwürdiges Factum ist das Vorkommen des Carahus
V ietinghovii in Nordamerica. Herr Kirby ist öfter ge-
neigt, einen Asiatischen Character in Arten zu erkennen, die
auf dem westlichen, Asien zugekehrten Abhänge des Felsen-
Gebirges sich finden, und man würde leicht auf die Vermu-
thung gerathen, dafs durch Sibirien das gleichzeitige Vorkom-
men dieses prachtvollen Käfers in Rufsland und Nordamerica
vermittelt würde, wenn nicht die Thatsache dagegen wäre,
dafs er in Rufsland nur in einer geringereu Strecke des Ural-
gebirges sich findet, und in ganz Sibirien, so viel bis jetzt be-
kanntgeworden, am Wenigsten im östlichen, auf dem Altai, u. s.w.
nicht zu Hause ist. Ziemlich dasselbe findet oflFenbar bei Ta-
chypieris Drummondi (s. u.) statt. Auf ein ähnliches Ver-
halten zweier Boinbus-hviQn hat ferner Ref. im zweiten Jahr-
gange dieses Archivs (p. 287) aufmerksam gemacht, so dafs
das Factum des gleichzeitigen Vorkommens eines und dessel-
ben Insects an Stellen, die fast unter entgegengesetzter geo-
graphischer Länge liegen, nicht ganz isolirt dasteht.
In systematischer Beziehung ist das vorliegende Werk wich-
tig, nicht allein dadurch, dafs Herr Kirby öfter seine Ansich-
ten über Eintheilung der Insecten zu Tage zu bringen Gele-
genheit findet, und manchen Wink für die weitere Unterschef-
dung von Familien und Gruppen giebt, sondern auch durch
Aufstellung zahlreicher neuer Gattungen uud Untergattungen.
Als solche sind aufzuführen: Gatt. Serocoda, die Herr K. ne-
ben Cymindis stellt, welcl)e aber (die hiesige Sammlung besitzt
einen ganz ähnlichen, vielleicht nicht einmal specifisch von Kir-
by's S. hembidioides verschiedenen, nur kleineren Käfer aus Me-
xico) eher zu den Anchomenen zu rechnen sein möchte, und am
*) Herr Kirby äufsert die sehr annehmbare Vermuthung, dafs
die von Herrn Stephens bei London gefangenen Exemplare dieser
Holzwespe mit Brennholz aus Nordamerica gekommen sindj die Exem-
plare des hiesigen Musewns sind aus Labrador.
301
Wenigsten vom Auch. {Agonum) 4- punctaius als Gattung zu
trennen ist, wenn er auch durcli etwas flachere Körperform und
vor der Spitze stärker ausgerandete Flügeldecken abweiclit —
Chrysostigma, Unlergatt. von Cnlosoma^ die Arten mit gol-
denen Grübchen auf den Flügeldecken, bei denen aufserdem das
letzte Glied der Maxillartaster kürzer ist als das vorletzte, ent-
haltend: C.cnlichim und ein neues. — G&ii. Stereocerus. Die
Yorderfülsc beim Männchen Avie bei Pterosiichus erweitert, der
Zahn im Kinn aber klein und ungelheilt: 1 A.: St. simih's. —
Gatt. Isopleurus, worauf Herr K. eine eigene Familie Iso-
phuridne gründet, durch die Vorderfüfse der Männchen mit 3
erweiterten Gliedern sich den Pterostichen anreihend, im Habi-
tus einer ZImmermannschen CeJia nicht unähnlich, aber theils
durch den sehr kleinen Zahn in der Ausrandung des Kinnes,
theils durch das Verhältnifs der letzten Glieder der Maxillar-
taster, an denen das letzte Glied nicht länger, sondern kürzer
ist als das vorletzte, verschieden: lA.: I. nitidus. — Eudi^omus,
Uatergatt. von Pcri/p/iiis, mit fast viereckigem Halsschilde, und
doppelten Eindruck auf jeder Seite der Basis desselben: 1 A.:
E. nitidus Gatt. Tachyta^ von Tachys durch kürzere, mehr
schnurförmige Fühler unterschieden: 1 A. T. picipes. Eine
zweite würde wohl Bemb. inornnium Dej. Sny sein, Herr Ki rb y
scheidet die Bembidien in zwei Familien: Pei'i/phidae, mit unvoll-
ständigen, Bembididae mit vollständigen Streifen auf den Flügel-
decken; es gl cht unter beiden eine grofse Menge verschiedener,
z. Th. sehr abweichender Formen, es fehlt bis jetzt aber an Merk-
malen, welche geeignet wären, dieselben als Gattungen zu be-
gründen, wenn wir uns mit den schwankenden Kennzeichen, die
der Unirifs des Halsschildes und der Flügeldecken und die Sculptur
darbieten, nicht zufrieden geben wollen. — Gatt. Opistius (I.A.
O. Richardsonii) mit Ehiphrus verwandt, doch von anderer
Form, fast an Tetragonoderus erinnernd. Die Unterschiede von
Elaphrus sind rein habituell: das Halsschild ist kürzer, und
hinten nicht herzförmig verengt, die Flügeldecken sind breiter,
an den Seiten gerundet, flach, und die Augenflecken stehen in
4 Längsreihen. Alle wesentlichen Charactere scheinen m\l Ela-
phrus übereinzustimmen. — Leionatus, Untergalt. von Dy-
iisaiSy bestimmt, diejenigen Arten aufzunehmen, bei denen die
Weibchen auf der Oberseite so glatt wie die Männchen sind,
wobei freilich nicht darauf gerechnet ist, dafs es bei einzelnen
Arten beide Formen von Weibchen giebt. — GM. Cyclinus
aus der Familie der Gyrinen, bei deren Unterscheidung von
Dineuies sich Hr. K. zu sehr an die von M. Leay gegebene Be-
schreibung gehalten hat, welche bekanntlich durch schlechte Be-
schaffenheit des untersuchten Exemplars oder auf andere Weise
verunglückt ist, so dafs von den von Hrn. K, hervorgehobenen
Unterschieden, gestutzte Fühler und gewimperte Lefze auch dem
ächten Dineutes zukommen, und die relative Länge der Vorder-
beine allein übrig bleibt, die aber bei der ganzen Reihe von
Arten in den leisesten Abstufungen zu- und abnimmt. — Sca-
phium, neue Gattung aus der Familie der Scaphidien^ mit der
302
Fühlerbildung von Catops mid Anhoiomn, von Körperform läng-
licher als Scaphidium: 1. A. ScapJiiutn cnslanipes. — Gatt. Cam-
piorhina aus der Familie der Sertciäeti, von Serien dadurch,
dafs die Maxillen 4 Zähne statt 6, die Fühler 10 Glieder haben,
unterschieden; 1 A. : C. atricapilla. — Gatt. Diplotaxis^ Ty-
pus einer eigenen Familie, Diplotnxidae ^ die von den eigentli-
chen MelolonlJien darin verschieden zu sein scheint, dafs durch
eine feine Querlinie auf der Unterlippe eine Trennung von
Kinn und Zunge angedeutet ist. Die Gattung besteht aus Ar-
ten (z. B. Melol. moesia Kn. Genn.), welche sich auf Nordame-
rlca und Mexico zu beschränken scheinen, und welche von De-
jean mit den Africanischen Äc/j/^on^c/ie/t vereinigt sind, von de-
nen sie auch in der Bildung der Klauen dadurch abweichen, dafs
der kleinere Zahn am Grunde derselben fehlt. — Rhizotro-
gus betrachtet Hr. Kirby als wesentlich \ on AmpJiimalla (Mel.
sohiitialis) verschieden, allein er nimmt auch nicht M. aestiva,
sondern Mel. fervens als Typus derselben an, so dafs diese Gat-
tung bei ihm mit udmphionycJia Dej. zusammenfällt. — Gatt.
Dichelonycha., aus der Familie der Macrodadylidae ^ wozu
Mel. linearis Schönh. als Typus genannt ist, in welche auch of-
fenbar Mel. elongaia F. gehört. Hr. Kirby beschreibt drei Ar-
ten, von denen aber die eine, D. virescens, welche sich auch
über einen Theil der Vereinigten Staaten verbreitet, Mel. Jiexa-
gona Germ. ist. — Von Trichius stellt Hr. Kirby zwei Un-
tergatt, auf: Trichina {Tr. piger F.)., von Trichius (fasciaUis)
hauptsächlich durch schlankere Taster abweichend ; von den drei
beschriebenen Arten ist Tr. assimilis identisch mit Trichius af-
finis der Goryschen Monographie; Tr. roiundicollis mit Tr.
Drummond Gory, und Tr. viridans Weibchen des Tr. assimilis.
Dieser ist Abänderung von Tr. viridulus und lunulatus F., Tr.
rotundicollis (Dru7nmond Gory) von Tr. piger F.\ beide Arten
(d. h. piger und viridulus) scheinen sich sowohl in der Puncti-
rung als in der Behaarung zu unterscheiden, auch ist T. piger
immer etwas gröfser; beide sind sonst in Zeichnung und Fär-
bung ähnlich, ändern auch auf ähnliche Weise ab, bei beiden
Arten haben auch die W^eibchen eine schwache Längsrinne auf
dem Halsschilde. — Die zweite Untergatt. Gymnodus ist von
Kirby schon vor längerer Zeit im Zool. Journ. in Vorschlag
gebracht; aber auch schon in der Encyclopedie von Le-
pelletier und Serville unter dem Namen Osmoderma auf-
gestellt, welchen die neueren Französischen Auetoren j'hr
erhalten haben. Von den beiden beschriebenen Arten Ist
die erste, G. rugosus, eine neue, welche In Gorys Monographie
nicht vorkommt , die andere G. foveaius unverkennbar Tr.
scaher Fall. Beauv. — Der als eigentlicher Trichius aufgeführte
Tr. Bigsbii K. ist schon lange vor Kirby von Knoch unter
dem Namen Tr. tnaculosus beschrieben und abgebildet. Un-
ter den Elateren und Bupresieti hat Hr. Kirby mehrere
Gattungen errichtet, welche indefs in der neueren Zeit schon
an anderen Orten unter anderen Namen aufgestellt sind: Pe-
deies (ein Name, welcher auch nicht füglich hätte erhalten wer-
303
den können) Ist identisch mit AtJious Esch.^ indefs ist es Hr.
Kirby, welcher zuerst auf die Läppchen aufmerksam macht,
welche auf der Unterseite des zweiten und dritten Fufsglle-
des befindlich, bisher aber selbst von Eschscholz und La-
treille nicht bemerkt worden sind; sie sind kleiner als z. B. bei
Dicrepidius ^ und bei kleinen Arien auch sehr leicht zu überse-
hen, bei grofsen, als A. rufus^ dagegen leicht zu entdecken. —
Eine hierher gehörige Untergatt. Asaphes (bei den Diplole-
jnden schon gebrauchter Name) scheint sich hauptsächlich durch
breitere Körperform und minder vortretende Stirn zu unter-
scheiden. — Gatt. Periineces Diltwyn entspricht Cratonychus
Dej. (Melauotus Esch.) — Als eigentliche Elaleren betrachtet
Hr. K. die leuchtenden. Aphodisius ist eine Untergatt, der-
selben, auf einer dem europäischen E. impressus analogen Art
gegründet. — Von Bupresiiden entspricht die Gattung ^nopZi,s
Äncylocheira Esch,^ Stenuris Dicercn Esch. (St. divnricata Say
ist nach Dejean sogar identisch mit B. acuminnia F.), Odon-
iomus entspricht Chrysobothrys Esch., Tachypteris Antha-
acia Esch., Ojcypteris Melanophila Esch. — Tachypteris
Drumjiiondi Kirby, auf dem ersten Anblick der Melanophila
decnstigma ähnlieh, ist von Bupr. discopunctata Fald. aus der Mon-
golei wohl nicht verschieden. — Grnphisurus, Untergatt, von
Acanlhocinus aus der Familie der Lamien (Cerambyciden nach
Kirby) mit Aedilis verwandt, aber durch die Gestalt des er-
sten Fühlergliedes und längere Legeröhre unterschieden, den
Ceramb. fasciatus Degeer zum Typus habend. — Merium, Un-
lergatt. von Callidium, die Arten mit stark keulförmigen Schen-
keln {Call, vnriabile) umfassend. — Tetropium, ebenfalls Un-
tergatt, von Callidiuin, mit vollständig in zwei Theile getrenn-
ten Augen, wohin Call, luridum (mit nulicum und triste E.) und
C. fuscum F. zu rechnen. — Als Apate stellt Hr. Kirby eine
Gattung der Borkenkäfer (Scolytidae) mit solidem Fühlerknopfe
und durch eine tiefe Ausbuchtung fast vollständig getheilten Au-
gen auf, von welchen die einen (genuinen) mit den sonstigen
Characteren der Gruppe der Bostrichen {Fab.) der Gatt. Xy-
loterus des Ref. entsprechen, und wovon die eine der beiden
beschriebenen Arten, A. bivitiata, von dem Europäischen X.
lincaius (Bostr. litt. Gyll.) nicht verschieden zu sein scheint —
die anderen, Untergatt. Eepisomus Kirby, die analoge Form
in der Gruppe der Hylesinen, von der Gatt. jPo/y^rrtp/iws des
Ref. nicht verschieden sind: auch hier scheinen die beiden ersten,
A. riißpennis K. , mit zwei kleinen Höckern auf der Stirn als
Weibchen, und A.nigriceps mit einem einzigen kleinen Höcker
als Männchen mit \in%e.rem P.puhescens selbst der Art nach über-
einzustimmen.— Unter Rüsselkäfern stellt Hr. Kirby 4 neue
Gattungen auf, von denen die beiden ersten Macrops, mit
Sitona und Phyllobius, Lepidophorus mit Barynotus vergli-
chen, dem Ref. zur Zeit unermittelt geblieben sind, die dritte
P achyrhynchns Schönherri (der Gattungsname Ist doch
schon lange, und in derselben Familie vergeben) der schon von
Forster beschriebene Curculio Noveboraceusis und von
304
Herbst, unter dem Namen RhynchUes Cuvculionotäes vor-
trefflich abgebildete Typus der Gatt. lihycerus Schönh. ist,
die vierte Apotomus (damit ist dieser Name zum dritten
Mal in dieser Ordnung und zum zweiten Ma! in dieser Fami-
lie angebracht) ist auf den yluelabus ovatus F. gegründet, wel-
cher gegenwärtig bei Schönherr bekanntlich die Gatt. Pie-
rocohts bildet. — In die Gatt. Eumolpus führt Hr. K. zwei
Untergatt, ein: j4.doocus (E. vitis) mit ungerandetem und En^
doacus (£. ignitus) mit gerandelem Halsschilde. — Als Unter-
gatt, von Chrysomela ist Phytodecta (Cfir. rußpes) mit ge-
zahnten Schienen aufgeführt, als Gatt, gesondert Phaeaon
(Chr. Adonidis Haplinni, Polygont mit kleinerem, konischem letz-
ten Tastergllede, lind Phyllodecia(^Chr. f^iiellinne) wo das zweite
und dritte Fülilerglied von gleicher Länge sind. — Als Unter-
gattung von Haliica ist Orchestris aufgeführt, als deren
Typus H. nemorntn angegeben ist: die beschriebenen Arten ge-
hören aber zu einer anderen natürlichen Abtheilung, die der
Gatt. Disonycha Dej. entspricht. — Anopliiis (Hisp, blco-
lor Ol.) ist Untergatt, von Hispn, wo der Körper ohne Dorne»,
das dritte Glied der Fühler nicht viel länger als das zweite ist.
— Das Vorkommen einer Pimelia in der neuen Welt wäre
unerhört, und die von Say als solche beschriebenen Heterome-
ren sind unbezweifelt anderen Gattungen zuzurechnen. Herr
Kirby führt ebenfalls eine Pitnelia (alternnta) auf, in wel-
cher aber die treffliche Abbildung ein Pedinus -i^ri'iges Thier^
wahrscheinlich aus der Gatt. Opairinus Dcj.^ leicht erkennen
läfst. — udrrhenoplia ist Untergatt, von Diaperis, Neomida
Ziegl. entsprechend. — Meracantha Canadensis^ neue
Gatt, aus der Familie der Helopier^ mit u4cnnthopus verwandt
(Helops liihophilus Knoch.). — yirtliromacra donacioideSj
von Kirby der Körperform gemäfs zu den Sienocliiaden gerech-
net , natürlicher aber zu den Lngrien gehörend. (^Lngria aenea
Knoch.) — Von Telephoren stellt Hr. K. zwei neue Untergatt,
auf: JMaliliasus mit schlankerem Endglied der Maxlllartaster,
kleine Arten enthaltend, welche leicht zu Podnbrus Esch. ge-
hören könnten, es ist aber der Beschaffenheit der Klauen nicht
Erwähnung geschehen, und Brachynotus^ mit kurzem Hals-
schilrle.
Unter den Hymenopteren kommt eine neue Ichneumo-
nen-Gattung vor, welche Hr. Kirby in die Nähe von ^caeni-
ies gestellt wissen will, und wegen des versteckten Legestachels
Crypiocentrum (iineolatufn) nennt. ^Väre die Art nicht ab-
gebildet worden, würde man wohl nicht darauf verfallen sein,
dafs es sich um eine männliche Pimpla der Untergatt.
Rhyssa handelt.
Aus der Ordnung der Hemipieren stellt Hr. K. drei neue
Untergatt, der Reduvien auf: Reduviolus., identisch mit Na~
J/ä, die beschriebene Art, R. ifiscripius auch nicht verschledea
von einer, welche im nördlichen Europa häufig ist,- Chiro-
lepies {Zdus fcmoratus F.) und Nabicula., letztere beide mit
Fangarmen.
305
In der OrJniing der Lepiäopiera kommt eine neue Gat-
tung Cienucha (JLatreiüiana) , Typus einer eigenen Familie,
vor, die indefs zu den Spinnern zu gehören scheint, obgleich die
Taster länger als der Kopf angegeben sind.
Unter Aen Dipteren ist ArtTiria {annlis) als Untergatt, von
Asphles getrennt, weil die Fühler nicht 8, sondern 9 Glieder
haben ; bei Asjyistes Berolinensis Ist Indefs die Zahl der Fühler-
glieder verschieden, nämlich 8, 9 und 11.
Hr. Guerin hat in seinem Magasin de Zoologie In-
secten, welche auf der Reise der Favorite gesammelt worden
sind, beschrieben. Die meisten sind von Chile und Peru, und
durchweg neu; es kommen aber auch Arten vom Schwanen-
flufs in Neuholland und aus Ostindien vor.
Collyris Chevrolatii von Java Ist vielleicht nicht ver-
schieden von C. npiera jF. , nur dafs das Expl. der Lundschea
Sammlung von schv\arzer Grundfarbe Ist; aulserdem hat es die-
selbe Gröfse und dieselbe stark runzlich punctirte Mitte der
Flügeldecketi. Feronia Eydouxii aus Peru, bildet eine ei-
gene durch gestreckte schmale Körperform bemerkbare Unter-
gatt. Creobius Guer. — Cnemacanihus Desmarestii Guer.
von Cordova, welcher mit dem Cn. ohscurus Brülle von dem
Typus der Gattung (C«. gihbosus Grijjf.) darin abweicht, dafs
die Vorderschienen an der Spitze In einen langen Zahn verlän-
gert sind, daher für sie Hr. Guerin eine Untergatt. Cne-
vialobus errichtet. — Cnemacanihus parallelus vonLima,
mit dem Cn. gibbosus In der Gestalt der Vorderschienen über-
einstimmend.— Feronia (Triratrwiatus) Chaudoiri von Lima,
nach der Abbildung eher für einen P«r«»ieci/Ä zu halten. — Fe-
von. (Platysma) erraiica von Chile, der F. cordicollis I)ej.
verwandt. — ^ Stigmodera coniuncta Chevr» aus Chile, eine
^emina, der ^. viliaia Gary nahe verwandt. — 11 Elaleren
der Gattungen Semioius^ yilaus (?), Dicrepidius, Aeolus, Cardio-
jjlwrus, Oopftorus^ yidrastiis^ alle aus Peru. — Tylocerus airi-
cornis Lap. von Manila, die XanthcsHa ierminalis desDejean-
schen Catalogs. — Dasyies cyaneus aus Chile. — Epicli-
nes Gayi ebendaher, der Gattung nach von Calendyma Dej.
nicht verschieden. — Crypiorhopalum 4- punciatum und
Cleryi^ beide aus Peru (die erste Art kommt auch in Brasilien
vor) als Gattung yon udnihrenus kaum hinreichend unterschieden,
— Psammotrupes dentifrons, das Eucranium. arachnoides
Lacord. aus Tucuman, gleichzeitig von Hrn. Westwood (s.
unten) als Anomiopsis beschrieben. — Geoirupes lateri-
dens aus Chile, eine dem G. dispar. verwandte Art. — Athy-
reus recticornis, Bolbocerus Reichet und J'roniali& vom
Schwanenfluss. — Orycioinorphus (eine von Hrn. G. in Du-
perrey's Reisewerk näher bestimmte Gattung, die sich am
INäohsten an Cyclocephala anschliefst), variegatus uv\d tnaculi~
collis aus Peru. — Callicnemis eximius von Coromandel,
eher ein Orycies^ es ist nämlich Dionysius F. — Ruiela^ es ist
306
iricolor aus Peru, — Aulacopalpus viridis von Lima, —
Aplosiernus opalimis aus Neuliolland, mit Anoplogna-
tJnts verwandt, aber ohne Brustbeinspitze. — Brachysiernus
fulvipes aus Peru, — Schizognnthus prasinus aus Neuliol-
land.— Meloloniha (Oplosiernus) C'h{nen\sis, unserer ilf.
vulgaris sonst ganz analog, nur mit langer Brustbeinspitze. —
Eupholus Tiirpinieri, aus Neuguinea. — Sieropierus mo-
lorchoides aus Chile, — Mispa pulcJidla von Rio Janeiro, —
GaJIeruca smaragdinipennis (s. u.) von den Philippinen, — Choe-
radodis lobata Serv., eine merkvv ürdige ife?rt«/?5, unbekannten
Vaterlandes. — Pygi dicrana picta, von Madras — Phasvia
ohscurum von Brasilien, — Acanihodis ululina, muthmafs-
llch aus Ostindien — C'icnda snccata F. aus Neuholland. — Zu-
letzt hat Hr. Gucrin noch eine Uebersicht über die der C.
sanguinolenta F. verwandten Arten gegeben, davon er 9 aufführt,
unter welchen eine, C. crocea aus Bengalen, neu, eine zweite
als neu aufgestellte (C. Germari Gujer.) schwerlich von C,
incarnata Germ, zu unterscheiden ist.
Hr. New man hat im fünften Bande des Entomologial
Magazine (ßntomological ISotes, p. 168 und 382) eine grofse
Anzahl neuer Gattungen und Arten aus verschiedenen Gegen-
den, gröfstentheils jedoch aus Nordamerica, ohne alle Ord-
nung beschrieben.
Ceionia nuviisma^ unbekannten Vaterlandes, C. stillata
aus Ostindien, — C. fictilis aus Java — Trichius delioides
aus Mexico, Tr. histriga aus Nordamerica (vielleicht eine Abart
des Tr. lunulaius mit glänzend schwarzer Grundfarbe Euio-
wa iinciihttus^ eine Caraben-Gattung aus der Gruppe der Äca-
riien, mit Clivina verglichen, schwarz, mit grünen Seiten der Flü-
geldecken, aus Neuholland. — Tricheops ephippiger, neue
Cerafnbycinen-Gattung, ebendaher Uracanihus (?) biviita^
ebendaher, PacJiyura (?) inonilis^ Anihrihus-form .^ ebenda-
her.— Barynoius ierricola und mercurialis aus England.
PieronarcySy neue Gattung der Perlites, von Perla durch
seine Grölse und durch genetzte Flügel unterschieden: Pt. re-
galis aus Canada, Pt. biloba aus den Vereinigten Staaten, Pt.
Proteus gleichfalls aus Nordamerica. — Perla abnorviis aus
Nordamerica, Perla xanthenes unbekannten Vaterlandes, —
Jsogenes frontalis., Kirby's Perla bicaudata. — JMan-
toida nitida aus Parä, (eine Blaniisfortn mit ganz häutigen
Oherflügeln, wie sie Hr. Perty schon zu den Neuropteren rech-
nete.) — Merope tuber aus den Vereinigten Staaten, im schna-
lielfürn'Igeu Maule nnV Panorpa., in den breiten genetzten Flügeln
mit Hemerobius übereinkommend. (Die Mundtheile sind nicht
untersucht, daher auch aus der Beschreibung nicht zu entnehmen,
wohin gehörig.) — Ithone fusca unbekannten Vaterlandes, zwi-
schen Cbauliodes und Sialis in der Mitte siebend — Dimer a~
spis, Zweiflüglcrgattung aus der Familie des Chrysotoccites^ Mero-
don ähnlich, mit hinten verlängertem und ausgerandctem Schildchen:
307
D.Podagra, aus den Vereinigten Staaten. — Myolepta lu-
ieola (Xylota lateralis Dleig.) wegen des im Gegensalz von Xylota
kurzen und breiten Hinterleibes von dieser Gattung abgeson-
dert. — Penihe, Käfergatlung aus der Familie der Ilelopierj
P. ohliquala {Helops obliquatus F.) mit rotbem Scliildchen und
abgekürztem sechsten FiUilergliede, und eine zweite Art mit
schwarzem Schildcben und nicht verkürztem Fühlergliede: P.
funerea (welche Uelops pimelia F. und das Weibchen der ersten Art
ist.) — Aus der Familie der Pyrochrocn: Schizotus, neue Gat-
tung, wozu der Verf. Pyrocliroa ßabellata F. und punciicollis
Say rechnet, und eine dritte Nordamerlcaniscbe Art Seh. ccrvi-
calis beschreibt; Pogonocerus concolor aus Nordamerica; Pedi-
lus fitlvipes., rufithoraoc, iinus, guiiula, lugubris, alle
aus Nordamerica. — Aus der Familie der Mordellen Myodes
siylopidcs aus Nordamerica. — Etnmessa (kann neben Etnesa
wohl nicht gut bestehen) connectens mit Hypuhis und Me-
Zant/ry« verglichen ; das zweite Glied der Maxillartaster lang,
das dritte etwas lang, das vierte lang dreieckig. — Hypultis
Simulator — CepJialoon lepiuroides ., neue Gattung, viel-
leicht aus derselben Gruppe. — Macrarthria linearis, (von
Fabricius zu Dircaea, — es ist seine D. tnurina, — von De-
jean zu Sieropes gezählt.) — Ischnomera carinala — Syn-
chroa punctata, mit Serropalptis verwandt, — Boliiopha-
gus Silp/ioides und letraopes'^ — Hydnocera serrata
(eine Form von Clerus mit kurzen, knopfförmigen Fühlern, De-
je^nns P/iyllobaeni/s) — Opilus c«s/rtneMÄ (vermuthlich genauer
besehen ein Tillns.) — Aus der Familie der Lampyrites JDi-
grapha mit gesägten Fühlern: Lycus serratus F. und D. ty-
pica^ discrepafis, dorsalis, divisa; Caenia mit wedei-
förmigen Fühlern: C. scapularis\ Celeies mit gekämmten
Fühlern, Lycus marginalis F.; Eros mit einfachen Fühlern:
Lycus humer aJis F. und E. praefectus, lictor, alatus, ohlitus;
Polyclasi s ovata, mit doppelt gekämmten Fühlern, anschei-
nend eine Ptilodaclyta, was sich leicht ergeben hätte, wenn von
den Füfsen ein \Vort gesagt wäre.) Alle bisherigen sind aus
Nordamerica — Rhipicera Proserpina (ein Sandalus) aus dem
Staate Illinois. — Onychodon Orchesides, neue Elateren-
Gattung mit Lappen an den Füfsen und gezahnten Klauen, aus
Canada — Dicheros Cuvera, eine Cetonia aus Ostindien. —
jlnisoplia orieniis eben daher. — yinomala marginalis
von China. — Necrophorus hicoloti aus Nordamerika. — Iri-
chrous (Cychrus viduus Dej.), wegen der abweichenden Mund-
bildung von Cychrus getrennt, wobei jedoch nicht weiter als
von der mit 2 Zähnchen bewaffneten Mandibel die Rede ist. —
Feronia Poecilus atrata; mit zwei Puncten auf den Flügel-
decken (es ist vermutblich der Zwischenraum zvviscben dem zwei-
ten und dritten Streif gemeint): Sieropus — orbata, spo-
liata, — mit 4 Punkten auf den Flügeldecken: Platysma? —
coracina, monedula, lacrymosa, vioerens, ptcipes, — mit Q Pun-
cten auf den Flügeldecken: Omaseus — relicta, — ohne Punkte
auf den Flügeldecken: — infecior, rosiraia, alle aus Nordame-
308
rica. — Broscus hasalis ans Mexico (es ist nicht wahrschein-
lich, dals ein Käfer dieser Gatt, in Mexico vorkommt, und die
Beschreibung des Hrn. N. palst auf Cep/mJoies politus Dej.) —
u4.inphasia falvicollis aus Nordamerica, eine neue Caraben-
gattung, die mit Marpalus und Masoretis verglichen wird, vielleicht
ein Stenoloplms ist, mit Sicherheit aber nicht leicht ermittelt
werden zu können scheint. — Phyniattycera, eine Endomy-
cÄe»- Gattung, ähnlich Lycoperdinn, aber von anderer Gestalt
der Fühler, indem die drei letzten Glieder eine dicke Keule bil-
den, Ph. pulchella aus Nordamerica. — Endomyclius per-
pulcher ebendaher, Languria gracilis gleichfalls da-
her. — Hispa Xerene, Philetnon, Baucis — Donacia
cincticornis^ catarrhnciae, rugifrons , Orsodacne co-
siaia^ ruficollis, inconstans, alle aus Nordamerica. — En-
cyclops pallipes^ neue Z/e^/wren-Gattung, ebendaher. — Pter-
acaniha, Cerambyciden-GaiUuno;^ Loplionoceriis ähnlich, aber
ohne Bart auf den Fühlern: Pt.Jfisciain aus Brasilien — Obrium
rtibruni, Callidium antennatum^ cylindrides, aus Nord-
america, CJytus humeraJis^ehendsiher, Cl. jdpelles^ ausMexico. —
Saperda viita und miles aus Ostindien, cretata aus Nord-
america. Criodion (.') piciipes aus Brasilien. — ■ Spheco-
tnorpha chalybea, mit JMolorchus und Sienopterus ver-
wandt, aus Brasilien. — C oll apieryjc aus Mexico, (Cnocepkahnn
punctaUmt I)ej.) — Hectarthrum curtipes, vom Gambia, (Cu-
cuius gigds F., s. unten.) — Passandra Columbtis, aus Bra-
silien.— Bruchomorpha oculaia, kleine Cicadengattung mit
abgekürzten Flügeln, (ob noch Puppe?) aus Nordamerica. —
Stilhopieryjc costnlis^ aus Neuholland, Myrineleonen - Gat^
tung, durch geknöpfte Fühler näher mit ^scalnphus verwandt,
doch sind die Fühler nur doppelt so lang als der Kopf. — Dre~
panopieryay binoculus aus Neuholland, — Chrysopa in-
jecta von Malabar — Chloroperla bifrons aus Schottland.
Nemtira puiaia ebendaher — Manttspa Cor« von Malabar.
Wie die notizenförmige Mittheilung des Ganzen für den
Leser sehr unbequem ist, so ist auch aus den gegebenen Be-
schreibungen oft wenig Rath zu holen. Bei den neu aufgestell-
ten fehlt eine gründliche Verglelchung mit den verwandten, oft
ist sogar die Familie, in vv'elche sie gehören, nicht festgestellt, bei
den Arten, die oft nur mit Diagnosen bezeichnet sind, kommt
man zuweilen mit der Terminologie des Verf. in Verlegenheit.
Wenn einige Engländer auch nach einer neuen Mode z. B.
die Vorderschienen Proiibiae, die Mittelbeine Mesopedes^ die
Hinlerschenkel metafemora , und die Hinterflügel metaJae nen-
iienl, so weifs man, was damit gemeint ist, und der gesunde
Sinn, der früher oder später die Oberhand behält, wird diese
abgeschmackten Benennungen bald genug verbannen — wenn es
aber von einem Insekt heilst ,^gluber , pihsus''\ wenn bei einem
andern die Flügeldecken llnienförmig und zugleich in der Breite
ausgedehnt sein sollen, kann man unmöglich Avissen, woran man
mit solchen Beschreibungen ist. Was oben bei Gelegenheit der
von Hru. Kali da y beschriebenen Englischen Insekten bemerkt
309
ist, findet auch hier seine volle Anwendung. Mit den Aufstel-
lungen neuer Arten und Gattungen, ohne genügende Be-
schreibung, wird nur der Unrath in der Wissenschaft vermehrt.
Hr. Gaerin theilt in seiner Revue Zool. die Zeichnun-
gen von verschiedenen Insekten der Vorwelt mit, die sich im
Bernstein finden, welche in Sicilien am Seeufer nahe an Flufs-
mündungen in einer Tertiärforniation vorkommen, und von
Ilrn, Prof. Maravigna zu Catana mitgetheilt sind.
Besonders kenntlich sind ein Plaiypus^ mehrere Ameisen,
von denen zwei zu einer noch jetzt in America, Africa und
Asien verbreiteten, von Hrn. Klug mit den Namen Leptalea
belegten Gattung (wohin jF. gracilis, ienuis und fUiformis F.
zu rechnen sind) gehören, (ßg. 9 und 10) ein Ceraiopogon,
(von Hrn. G. vsohl aus Versehen Dasypogon genannt {Jig. 15)
Mehrere kleine Mückenartige Zweiflügler sind zu verstümmelt,
um mit völliger Sicherheit bestimmt zu werden.
Eine gleichfalls im Bernstein eingeschlossene Termiten-
larve ist von Hrn. Ouchakoff im Bull. d. l. Soc. Jmp.
Nat. de Moscou beschrieben und abgebildet worden.
Coleoptera.
Unter dem Titel Fauna Coleopterormn Heloe-
iica hat Hr. Heer angefangen, eine Uebersicht über die Käfer-
Faune der Schweiz zu geben, welche dadurch von beson-
derem Interesse wird, dafs die Verbreitung der Arten haupt-
sächlich berücksichtigt, und was in diesem Lande wesentlich ist,
die Höhe, in welcher sie vorkommen, immer besonders sorg-
fältig bemerkt worden ist. Die Arten selbst sind nur durch
Diagnosen bezeichnet, bei neuen Arten, die auch häufig vor-
kommen, hat der Verf. auf seine 1837 erschienenen Käfer
der Schweiz, sich bezogen. Das vorliegende erste Heft
enthält die ganze Familie der Carahen und den Anfang der
Dytiscen; in der ersteren Familie hat die Schweiz eine der
reichsten Faunen in Europa aufzuweisen.
In seinen Beiträgen zur Naturgeschichte des Unterdonau-
kreises in Bayern (Isis 1838. He/t IV.) berührt Hr. Waltl
auch die Käferfauna dieses Districts, und führt die seltneren
der von ihm beobachteten Arten namentlich auf. 20 A. sind
als neu beschrieben:
Paederus filu7n (Sutiius filiformis Latr.) , Oxytelus asphal-
ünus {Plaiysthetus nodift'ons)^ Anthophagus vilhsus (blofse V.
310
von Lesteva punctata. Aleochara (Falagria) ruficoWs (Fol. iJio-
racica Curt.)^ Aleochara iachyporoides (Placusn inßma des Ref.)
Elaler TVeherx (E. clnereus Hbt. Archiv, ein Cardiophorus), Can-
iharis discoidea Alvr. vctr. tiotaia W^altl ^ Canthnris nigricepSy
Malthinus carbonaritis, laetus unA fuscus , Nitidtda subtilis (der
N. aenea verwandt) N. discolor (wohl Cerctts Samhuci MärJcel)
Cryptophagus riifus, parallelopipedus ., e^rcistis, globosus, Pti-
lium thoracicum^ -flavxcorne, Sphaerius acaroides^ieine neue Gatt., die
noch einer genauem Darstellung sehr bedarf. Byrrhus seiosus,
Limnichus versicolor, (identisch mit L. riparius De}-)
Die Insectenfauna von Andalusien wird vom Hrn. Ram-
bur, dem verdienstvollen Reisenden in Corsica und Süd-Spa-
nien {Faune Eniomologique de V Andalousie par. M. P.
Ramhur, Paris, Artus Bertrard.^ in der Art bearbeitet,
dafs die bekannten Arten nur genannt, die andern ausführ-
licher beschrieben und z. Th. auch abgebildet werden, bei al-
len aber die Zeit der Erscheinung und die Art des Vorkom-
mens bemerkt, und wo es nöthig ist, Berichtigungen der Syn-
onymie beigebracht werden.
Die beiden ersten Hefte enthalten die Familie der Caraben,
mit gegen 50 neuen Arten, und 2 neuen Gattungen, SingiliSf
mit Lebla aufs Nächste verwandt, auf 2 neue A., und Hispa-
lis^ auf Acupaljjus Mauritanicus Dej. gegründet. Auf die Un-
terschiede der letztgenannten Gatt, von den übrigen Dejean-
schen Acupnlpen hatte Ref. schon aufmerksam gemacht und
Ambly stomus als Gattungsnamen in Vorschlag gebracht. {Kxif.
d. Mark Br. p. 59,)
Dann ist noch der Anfang mit der Beschreibung der Ord-
nung der Der;Hrtj!;/er« (Ohrwürmer) gemacht worden, in welcher
ebenfalls mehrere neue A. vorkommen.
Aus der Insectenfauna von Sardinien hat Hr. Gene
in den Memoiren der Academie der Wissenschaften zu Turin
zwei Abhandlungen niedergelegt, die theils durch das Interesse,
welches die Fauna dieser Insel an sich schon hat, theils durch
die gediegene Bearbeitung für die Entomologie von gro-
fser Bedeutung sind, die beide die Beschreibung neuer
oder weiÄger bekannter Arten von Coleopteren zum Zweck
haben, und welche hier um so mehr zusammengefafst werden
müssen, als die letztere sich öfter auf die frühere bezieht.
Dargestellt sind Cicindela saphyrina^ eine der C.
campestiis verwandte Art, zu welcher C. nigrita Dej. als Abän-
derung zu gehören scheint; C. imperialis Dahl^ welche auch
schon von Hrn. Klug (Jahrb. p. 26-) als eigene Art betrach-
tet worden ist; C. nenioralis Ol., welche Hr. Gene für ver-
schieden von der Nordafrikanischen C litioraJis F., der C. Bar-
311
iheleinyi Vup.^ halt; C. SnräoaDej.^ als deren Abänderung der
Verf. C. circuinßexa Dfj. nacliwelst. Beide sind auch, wenn
man eine grofse Reihe von Kxentjjlaren vergleicht, gewils nicht
von C. ßexiiosa F. verschieden, Avie auch der Unterschied zwi-
schen C'. nemoralis und litioralis nicht durchgreifend zu sein
scheint, wenn man eine Menge Individuen aus den verschieden-
sten Gegenden neben einandersleht. C y mi n d! s M ar 7n o ra e ^ Le-
bianigricol lis^ der Li.crujc minor ähnllclr"; I)i'07nius Siiirmii ;
Carnbus Genei Dej.^ nicht wesentlich von Korsischen C. Rain-
huri Dej. verschieden; Nebria Genei DeJ,; N oiiophilus mar-
ginaius,, Omop/iron variegatum Ol., C'hlaenius auricol-
li s Dalli, Feronia (Poec.) splendens., ^gelaea fulua,
eine neue mit Siomis verwandte Gattung, welche aber auch
in einigen Beziehungen an Spliodrus erinnert; udnisodacly-
lus virensy Stenolophus abdominalis., Trocltahis meri-
dionalis , der Cybisier Af'ricanus Lap..^ aber wohl kaum vom
Ostindischen D. laleralis F. verschieden. Emus ?nargitialis,
^C7naeodera Pr unne ri^ B up resiis ( Ch alc op h o r a)si ig vi a -
tica Schönli., bisher nur als in Orient zu Hause bekannt, aber
auch in Algler vorkommend). B. (Cyplionoia) Sibirien^
wohl eher der Coecolus gravidus Gory, der ebenfalls auch
in Algier vorkommt; udnthaxia sculellaris^ Jl. Ferulaey
Trachys refleaca^ eine ausgezeichnete Art mit erweiterten
nnd aufgebogenen Schultern; Fiat. {C ardiopJiorus) argio-
lus., ulcerosus , Eleonorae ; Cebrio strictus^ Cantliaris
praecox., Genei Dej.., inculia, cliloroiica; Dasyies
protensus, cinctus., f'lavescens , iviperialis; Scydmae-
nus Kunzii^ N ecropliorus funeretis, Der?nestes iltora-
cicus, doch nicht derDejeansche, aber D. hirticoUis F.., den F. aus
Nordafrica beschreibt, Hoffniannsegg aber auch in Portugal
auffand, ^ttagenus fallajc, bei welchem dem scharfsichtigen
Verf. doch die besondere Bildung der Fühler entgangen ist, in
welcher der Käfer sich zunächst an Globicornis anschliefst. u4.
maritimus., Hisier pustulosus, eine ausgezeichnete, dem
H. 4:- macidaius verwandte Art. Heterocerus liamij'er , na-
71US, Elopliortis allerna7ts, der Heloph. ciTtereus {Hydroph.
c/«ere«Ä Marsh.) Oniiicellus C07ici7i7tus , denRef. Indels nicht
vom 0.prtZ//^e* jP. zu unterscheiden im Standeist, Trox cinbrum.,
Geotrupes Hiostius^ dem G, Moinus F. analog, G. ge7ni-
naius, Elapliocera ohscura^ eine neue ausgezeichnete Gat-
tung, die vorzüglich in der Bildung der Oberlippe, Mandibeln
und Maxlllen von den eigentlichen Melolonthen abweicht, und
sich nahe an Pachypus (C'oelodera Dej.) anschliefst, auch darin,
dafs die ^Veibchen wenigstens ohne Unterflügel sind, und welche
sich über alle drei Halbinsel- Gebiete Südeuropas verbreitet; in-
defs kommen nicht alle Arten mit der hier beschriebenen in
dem Besitz des stachelförmigen Fortsatzes des dritten Fühler-
gliedes überein; Coelodera (^Pachypus) excavata: es kom-
men eigentlich .3 Arten auf Sardinien vor, von der einen,
mittleren an Grölse, sind beide Geschlechter abgebildet. Tri-
chius zoiiatus Cfer/«, J'asciolaius Gen.] Cetonia Sardoa.,
312
Carthaml, Dorcus Muslmon, eine dem parallelopi^us ähn-
liche, durch die grofse Verschiedenheit der beiden Geschlechter
bemerkenswerthe Art. Tentyria rugosa^ pygmaea^ Asida
Solierii glacialisy rustica^ Combae ; PJiilaoc ntvaliSf
Cheirodes Sardous, Helops Genei Dej.y Anthicus tny-
labrinuSy Meloe Sardous^ Bruchus meleagrinus^ wohl
nicht mehr als Abänderung des B. longicornis III.^ Rhynchi'
ies Ilicis, Erirhinus atomarius^ Stenopterus decoriiSy
^dimonia Surdoa, Chrysomela Stachydis, Spartophila
lineaia, Labidosiomis cenirofnaculaln, Smaragdina
Ferulae. Die letzten, nur durch Dejeans Catalog bekannten
Gattungen bedürfen eigentlich wohl einer wissenschaftlichen Be-
gründung, ehe man sie ohne Bezug auf die altern Gattungen,
von denen sie abgezweigt sind, anführt.,
Ueber die Türkische Insectenfauna sind uns in dem Ca-
talogue cC Insectes entre Constantinople et le Balkan
(aus den Mem. de VAcad. Imp. des scienc. de St Peters-
iourg VI. Ser. t. V. besonders abgedruckt) von Hrn. Me-
netries, und den im sechsten Hefte der /iw von 1838 enthal-
tenenBeiträgen zur Kenntniss der Coleopteren der Tür-
kei von Hrn.Waltl wichtige und interessante Mittheilungen ge-
macht worden, die wir mit um so gröfseren Danke aufzunehmen
haben, als wir, wie Hr. Wal tl bemerkt, „es kaum erleben wer-
den, eine Fauna der Türkei von einem Türken herausgegeben
zu sehen."
Die in der ersten Schrift aufgeführten Insecten sind vom
Dr. WIedemann, nach Hrn. Menetries Angabe zwar In
dem Landstriche von Constantinopel bis zum Balkan gesammelt,
doch mufs Ref. bemerken, dafs wir besonders die Interessante-
sten Arten keinesweges In die Europäische Fauna aufnehmen
dürfen, da sie gröistenthells aus Kleinasien, und selbst aus dem
Innern desselben herstammen. Es sind Im Ganzen 237 Arten
Käfer aufgeführt, die neuen genau beschrieben und zum Thell
auch abgebildet, von denen Indefs Carabus Tf^iedemanni
dem Ref. von unseren Ex. des C. montivagus^ trotz der Gegen-
bemerkungen des Verf. nicht hinreichend verschieden erscheint,
Carabus acuminaius ganz Identisch mit dem C, Graecus
Dej. und Carabus Bonplandi zu gleicher Zeit In Gue-
rln's Magas. d. ZooJ. unter dem Namen C. Spinolae abgebildet
ist. Ferner ist Harpalus ewc/t/orus nicht verschieden vom//,
meialUcus Dej. und Akis terricola einerlei mit der italie-
nischen A. triUneata Hbt.
Hr. VS^altl beschreibt 140 Arten, alle aber aus der Euro-
älschen Türkei, gröfstentheils In Rumelien durch ein Paar Samm-
er des rühmlich bekannten Hrn. Frivaldski zu Pesth, zum Thell
auch in der Nähe von Constantinopel durch einen Sohn des In-
sektenhändler Kindermann in Ofen eingesandt. Es sind auch
i
313
nur flie neuen Arten, deren unter den ^mphlcovien und
Dorcadien besonders zahlreiche und schüne vorkommen, be-
schrieben; bei den geringen lilterärischen Hiilfsmiüeln indefs,
die Herrn W. zu Gebote standen, hat dies aucli öfter schon
beschriebene ^. getroffen, wie auch in der Angal)e der Perso-
nen, von denen die aufgeführten Arten benannt sind, zahlreiche
Verwechselungen vorkommen. Auch haben die Bemerkungen,
die hin und wieder über weitere Verbreitung der Thiere ge-
macht werden, öfter wenig Grund. Bei einigen Arten, die Hr.
Dr. Helfer auch aus Smyrna sandte, und die Ref. im Namen
seines Freundes benannte, (z. B. bei Dendarus stygius und La-
rinus hirius Melf.) bemerkt Hr. W. ein gleichzeitiges Vorkom-
men in Sicilien, weil Helfer einmal Sicilien bereiste und Si-
ciJische Insekten verbeitete. Mit den von Hrn. Menetries
beschriebenen Arten treffen die von Hrn. AV. beschriebenen
selten zusammen, doch ist Rhizotrogus FrivaJdskii Men,
hier Tinrichtig als Rh. ienebriodes Pall. aufgeführt, und Ce-
phalostenus orbicollis Menetr. unter dem Dejean'schen
Namen C. clcgans beschrieben. Ferner ist Ditomus atrocoe-'
ruleus der D.cyaneus Ol.., D. viegacephalus ein Carierus
(^C.J'usdcornis. Kh), Procerus tnuricus der Pr. Oh'vieri Dej.,
Jjuprestis variolaris die luJodis Laireillei Dej-, j4.mp}ii-
covia psilotrichius nur Abänderung von ^. vulpes., Ceto-
nia airocoevulea Abänderung von C, viridis, C adspersa
die C. ienebrionis Gory., Mänetr., ^kis deplanta die A. La-
trcillei SoL, Phylax carhonarius der Phylaa: puncttäatus
Dej., Dorcadion Graecum Dej. das D. cruoc Scfiönh., und
Clythra Valeriana Friv. die in der Caukasischen Reise
beschriebene Ct. Valerianae Bleneir.
Herr T. Victor hat in Bull. d. l. Soc. Imp. des Naf.
de Moscou einige neue Käfer des Kaukasus und der trans-
kaukasischen Provinzen beschrieben und abgebildet. Zwei
sind Typen neuer Gattungen.
Die eine Agaricophilu s enthält aufser dem im Caucasus
gefundenen ^. refiexus einige kleine Käfer der Europäischen
Fauna, die bisher zweifelhaft zu Triioma gerechnet wurden,
als T". pilosa Panz. und T. pilifera Blii/l., die andere Cholo-
vocera (richtiger CJioluocera geschrieben) ist auf einen kleinen
trimerischen Käfer gegründet, der auch in Sicilien und Sardi-
nien vorkommt, sich durch ein breites dreieckiges Endglied der
Fühler auszeichnet, von glänzend dunkelgelber Farbe und da-
her Ch. lestacea benannt ist. Die neuen Arten bekannter
Gattungen sind Lvperus duhius aus den Steppen des Kau-
casus, tialiica conducta aus Armenien, nicht verschieden von
der Europäischen Plecirascelis Schüppelii Dej., Cassida Ha-
liiziae, eigentlich HahJizliae zu schreiben, der türkischen C.
seraphina Menetr. ähnlich. Toocotus viirabiUs nicht weit
von Tiffliss gefangen, Rhagiutn rufipes aus Armenien und
vom Caucasus, JJorcadiiivi nitidum aus Armenien, Oorc.
V. Jahrg. 2. Bd. 21
314
dimldiaUim eben daher, Prionus serricollis in Georgien
und Daghestan, auch Lei Aslerabad in Gliilan aufgefunden.
Die entomologischen Lieferungen des D'Orbigny sehen
Reisewerks sind von Hrn. Brülle weitergeführt worden, und
sind die Caraben beendet, die Familien der Dytiscen und
Gyrinen vollständig bearbeitet, und die der Hydrophilen an-
gefangen.
Es fehlen in dem vom Ref. benutzten Ex. dieses Werkes
leider der 2te und 3te Textbogen , wodurch eine Lücke im
Bericht veranlafst wird. Es müssen diese Bogen den Schlufs
der Truncatipennen enthalten, aus denen eine (Jymindis und ein
Brachinus, dann die Feroniden, aus denen die Abbihhingen von
Baripus rivalis, einem neuen Pogonus ^ einem Plaiynus , von
Feronia unisiriata l)ej., und 5 neuen A. derselben Gattung auf
den Tafeln sich finden, ferner den Anfang der C'hlaenien, von
denen ein Oodes und ein Chlaenius abgebildet sind. Dann fol-
gen 2 Arten Brachygnathus (Eurysotna DeJ.), unter denen
ein neuer, und ein neues Peleciutn aus Chiquitos. In der fol-
genden Gruppe der Harpalen hat Hr. Brülle die in Südame-
rica zahlreichen Arten der Dejeanschen Gattung Harpahis^ bei
denen die Unterseite der erweiterten Fufsglieder beim Männchen
mit dichtem gleichmäfsigem Filz überzogen ist, mit j4nisodaciy-
lus vereinigt, und glaubt auch die Notibia nebnoides Perty in
einer hierher gehörigen Art zu erkennen. Beschrieben sind 3
neue A. derselben, und als zu Äyj?o/iV/»/s gehörig, ein neuer dem
n. speciosus JDeJ. verwandter HnrpnJus und ein Acupalpus ; von
Scantiden^ zwei Scarites^ drei Clivina., zwei Camplodonius ; von
eigentlichen Caraben ein Calosoma aus Patagonien unter dem
schon von Klug vergebenen Namen C. imbricaium ; von Bern-
bidien zwei Chilesische Trechus^ eine -EJg«, fünf Bembidicn,
eins unter dem schon von De je an gebrauchten Namen B. la-
ücolle. Von Dytiscen sind neu zwei Cybister, ein Hydniicus,
drei Colymbetes (von denen zwei als Meladema aufgeführt sind)
ein Copelatus, ein Hydrocanihus (hier als Noierus betrachtet)
und zwei Hydroporus. Gyrinen sind vier beschrieben, zwei
echte Gyrinus und zwei Gyretes. Von Hydrophilus ent-
hält der letzte Bogen noch neun Arten, von denen drei zur
Untergattung Hydrous , zwei zu Hydrophilus^ die übrigen zu
Tropislernus gerechnet werden, unter denen der letzte, H.lim-
baiuSf schwerlich vom H. lateralis zu unterscheiden sein möchte.
Auf der noch vorliegenden 5len Tafel sind abgebildet zwei
Nitidulae von der in Südamerika verbreltelea Strotigyhis- arti-
gen Form, ein Necrophorus, die einzige bisher bekannte,
in Südamerika vorkommende Art, zwei Silpha, drei Staphy-
linus, von denen der erste, St. auricomus^ der St. Chrysis Grav.,
der zweite, St. interruptus, der St. cyanicollis L,ap., der dritte
St. chrysoptertis wahrscheinlich der St. nobilis Nordm. ist; fer-
ner ein angebliches Lathrobium ., vermuthlich ein schlecht ab-
315
gebildeter PinopJiihis^ xmA eine Stercuh'a^ die walirscheinlich
auch im Unirils und Colorlt verfehlt ist.
Einen Beitrag zur Käfer -Fauna von Cuba hat Herr
Guerin in seiner Revue Zool. (p. 279.) durch die Beschrei-
bung einer Anzahl von Arten geliefert, welche Hr. Lanier
im Innern der genannten Insel gesammelt hat, und die durch
seine beigefügten Bemerkungen über ihr Vorkommen ein be-
sonderes Interesse erhalten.
Es sind Hylchares Lanieri Guer.f paarweise unter der
Rinde der Tric/iiiia Spondioides in grofser Anzahl gefunden;
ßupr. ( Chrysestes) Lanieri , deren Larve unter der Rinde
einer Palme, der Oreodoaca regia^ lebt, Nosoderma ecJiina-
ium unter der Rinde, Stenochia amethystina^ auf trocke-
nen Zweigen verschiedener Sträucher; Phyionomus (?) Cu-
bae an den Zweigen eines stachligen Baumes Gamaquen; So-
Icnopiera cinnamipennis^ häufig im Juni und Juli In der
Mittagssonne auf Myroxylon hyinenaefolia fliegend, in deren
hartem Holze die Larve lebt. Solenoptera y'ulvipes, an den-
selben Stellen auf verschiedenen Blüthen, seltener (ob beide
vielleicht Abänderungen de* Prion. Jineatus F. sind?); Calli-
chrovta columbina, häufig auf gefälltem Holze einer Art
yicliras^ In welchem die Larve lebt. Er hat einen durchdrin-
genden Rosengeruch; Eriphus ditnidiatipennis, im Mai
und Juni auf den Blüthen verschiedener Schlingpflanzen; Ebu~
ria Lanieri^ im hellsesten Mittage auf den Blüthen einer
schlingenden Mimose gefangen, beide anscheinend Identisch
mit E. venusia JDeJ); Eburia subangulaia und dimidiaia
C/ievr , beide mit einander häufig auf den Blüthen schlingender
Mimosen, und auch wohl nur Geschlechtsverschiedenheiten.
^inphionycha venusia, selten im Mai auf den Blüthen schlin-
gender Mimosen, ^7nj)hionycha dimidiaia, mit der vorigen
(deren Abänderung sie Ist). Elaphidion Poeyi, selten auf
gefällten Stämmen, Odonlocera brachypiera Chevr., im
Juni, auf den Blüthen des Jucaro, die Larve Im Holze der
^ndina inermis ; Lema marginata und posiica , beide auf
Blättern und Blüthen des Calebassenbaums; Chrysomela (Leu-
cocera) Poeyi Chevr., im Mal und April hinter dem Grunde
des Blattstiels einer Palme, wo sie nicht leicht zu finden Isl,
auch unter der Rinde einer Guazuma; Chrysotnela (Leu-
cocera) apicicornis t'hevr., unter der Rinde des Guaban
und unter Cryptogamen,
Einige Käfer-Arten aus Guyana sind in Guerin's Revue
Zool. (p. 23.) von Hrn. Demay bekannt gemacht worden.
Brachintis melanopierus scheint nur Abart des T>. ae-
giiifiocti alis (cotnplanaius F.) zu sein. Es sind aber die Be-
schreibungen zu kurz und zu wenig genau, so dals wir abwarten
müssen, durch Hrn. Gucrin In demRelsewei'kedes Hrn.D ebauve
die hier flüchtig characterisirten Arten näher kennen zu lernen.
21 *
316
Herr Hope hat ein zweites Bändchen seines Coleo-
pterisV s Manual herausgegeben, und in demselben die
von Linne und Fabricius aufgeführten Carahen, J)i-
tiscen und Hydrophilen erläutert. Wir finden in
diesem Buche reiche Belehrung in vieler Hinsicht, und na-
mentlich haben wir dem thätigen Verf. die Aufklärung über die
von Fabricius aus Banks' Sammlung beschriebenen Arten
sehr zu danken. Von den von Fabricius aus der Lund-
Sehestedtschen und seiner eigenen Sammlung beschriebenen
Arten sind noch viele zweifelhaft geblieben, wie wir auch
die Berücksichtigung der von Illiger in seinem Magazin
mitgetheilten Bemerkungen über Fabricius Systema Eleu-
theratoriim, und der darauf bezüglichen Aufsätze von Me-
gerle und Zenker vermissen. Neben der Kritik der Arten
hat Hr. Hope uns auch eine Uebersicht über die neueren
Gattungen nach Gruppen (families) gegeben, die zuweilen
auf sehr natürlichen Zusammenstellungen beruhen. Diese,
nicht im systematischen Zusammenhange, sondern so wie die
Gelegenheit sie zur Sprache brachte, sind der Reihe nach
folgende
MegacepJialidae (3 Gatt.) Elaphridae (6 G.) Cicinäeliäne
(16 G.) Collyridae (5 G.) Carabidac (6 G.) ^ndtiadae (5 G.)
JSehriadae (5 G.) Bemhidiidae (1"2 G.) Drotniidae (4 G.) Cy- '
chridae (5 G.) Tludiadae (ziemlich die D e j e a n sehe 6f. Feronia^ 15
G.) Dolichidae (4 G.) ^f^on'idac (7 G.) Spliodridae (4 G.)
Chlacniadae (6 G.) Cyvdndidae (7 (j.) Pairobidne (.3 G.) Pe-
ryphidae (4 G.) ßroscidae (.3 G.) Ditotnidae (6 G.) Ucinidae
(7 G.) Harpatidae (16 G.) Lebiadac (9 G.) ^tnaridae (11 G.)
Zahrldae (5 G.) Acinopidae (11 G.) Sieno/ophidae (10 G.)
Panagaeidae (11 G.) Scariiidae (11 G.) IJrypiidae (9 G.)
Brnchimdae (4 (t.) Agr'idae (2 G.) Odacandiidae (11 G.)
Periccdlidae (10 G.) Cyclosomidae (.3 G.) Ozaenidae (9 G.)
Heieromorpludae (4 G.) Mononidae (4 G.) Helluomdae (7 G.)
Pogonidae (5 G.) Trigonotoiiiidae (10 G.) ferner HydrophiJoi-
dea (12 G.) D^-iicidae (16 G.) Haliplidae (11 G.) Gyrinoidea
(6 G.) Helophoridae (7 G.) Parnidea (3 G.) LivinUdae (3 G.)
Sphaeridüdae (4 G.) Anisoiomidae (10 G.)
Wenn auch einzelne Gattungen unter verschiedenen Grup-
pen doppelt aufgeführt sind, ist doch schon aus der grofsen
Zahl derselben zu entnehmen, dafs der Verf. nicht nur alle
bisher in Vorschlag gebrachten benutzt, sondern auch noch
manche neue Trennung vorgenommen hat, letztere indessen
fast nur durch habituelle Kennzeichen begründet, die erst ihren
Werlh haben, wenn ihre Uebereinstinimung mit den wesentli-
chen systematischen Charakteren nachgewiesen ist.
317
Auf den Tafeln sind mehrere bisher unvollständig bekannte
oder ausgezeichnete neue Arten abgebildet, auf dem Titelkiipfer
die im vor. Jahresberichte erwähnte Mnniicora laiipennis JVa-
ierhatise. Auf den übrigen Tafeln begegnen wir zunächst der
so lange zweifelliaft gebliebenen Ciclndela grossa jF. , weder
eine BJcgacep/iain^ noch eine. Droviica, sondern mehr eine echte
C!chicle/a, der dritten Familie Dejeans sowohl in der cyllndii-
schen Körperform, als dem mäfsig verdickten zweiten Glledc
der Lippentaster sich anschlielsend, von Hrn. Hope zu einer
eigenen Gattung ^picroessa erhoben. Eine zweite, als flü-
gellos angegebene hier abgebildete C?emf?e/<?«- Gattung ist Eu-
r^morpha., eine merkwürdige, sehr breite Form, zu der indefs
C. concotor Dej. den Uebergang macht, und die in den Mund-
iheilen, selbst im Umrifs der Lefze mit den eigentlichsten Ci-
cindeten (z. 1). C. campesiris) übereinstimmt. Ferner lernen wir
in dem (Jarab, siriatulus F. einen ganz nahen Verwandten
der Feronia corimJiia Dej. kennen, und fmden eine sehr genaue
Abbildung des Ci/ckrus reßexus jF. , eines Panagaeus^ der von
Fabricius zuerst aus Banks' Sammlung beschrieben, ohne
Zweifel nicht im Coromandel sondern im tropischen Africa ein-
heimisch, von der von Fab. später aus Lunds Sammlung un-
ter demselben Namen beschriebenen Ostindischen Art sehr ver-
schieden ist. Eine sehr wertlivolle Zugabe hat uns Hr. Hope
durch die Abbildung der von Mac Leay in den Annulosa
Javanica nur beschriebenen Carabengaltungen mit allen Details
dargereicht, welche ohne diese Hülfe wenigstens auf dem Con-
tlnent wohl schwerlich ihren Oedipus gefunden haben würden.
Es sind Diroius suhiridescans, Gnathnphamis vulner!pennis, Hyph-
arpax lateralis, Dloryche iosta, HypJiaerion reßexus und Coe-
losiomus picipes, der zweite offenbar der Harpahis suhcoslatus
Dej. , der dritte eine merkwürdige HarpaUnen-F orm mit ver-
dickten, unten gezähnten Hinterschenkeln und krummen Schle-
men an denselben Beinen, der vierte der Dejeansche Platyme-
iopus Thunbergi., der letzte eine vielleicht selbstständige Gat-
tung, von Dejean mit Feronia (Argutor) vere'migt, (F. A.
aniiqua Dej.) wovon sie aber durch ungethellten Zahn im Kinn
abweicht, hiedurch sich mehr an Drimosioma annähert, mit
welcher sie vielleicht durch Uebergänge von der gestreckten
Form der Mandibeln zu der gewöhnlichen verbunden wird.
Cicindela hybrida L. war bekanntlich vonHrn. Stephens
auf die C. viaritivia Gyll. gedeutet worden, und Hr. Brülle
war ihm hierin gefolgt, Ref. hatte jedoch in meinen Käfern der
Mark B. Bedenken getragen, sich dieser Bestimmung anzu-
schliefsen. Herrn Westwood verdanken wir jetzt die sichere
Auskunft aus der Linneischen Sammlung, dafs die dort von
Linne's eigener Hand bezettelte C. hybrida keine andere sei,
als die so lange dafür gegolten, und verschieden von der, die (Mag.
of. Nat, Hisu) Stephens und Brülle als solche angenommen.
Eine Reihe von Arten der Gattung Carahus, theils aus
der Europäischen Türkei, theils aus Klein- Asien, ist von den
318
Herren v. Cristoforis und Jan in GuärirUs Magasin de
Zoologie beschrieben worden.
C. moestus^ dem C. Hungarkus verwandt; C. aethiops,
dessen Unterschiede vom C. Graecus Dej. dem Ref. nicht ein-
leuchten wollen. C. Chevrolati und C assimilis (einen
eigentlichen Carahus hat Duftschmidt schon unter diesem
Namen beschrieben) beide mit tiefen Gruben auf den Flügel-
decken, wie C. perforatusy aber von der schlanken Gestalt des
C. violaceus, unter einander sehr ähnlich und wohl kaum hin-
reichend unterschieden. C. Wiedmanni^ kleiner als die vori-
gen mit ähnlicher aber schwächerer Sculptur. C. saphirinus,
schlanker wie 6". violaceus ^ mit ,3 Reihen Grübchen auf jeder
Flügeldecke. C. Mariettii, mit dem C. Loschnikovii Gebt ver-
glichen. C. Spinolae, um die Hälfte gröfser als C. glahra-
ius^ oben dunkel bronzegrün, glänzend, von Hrn. Menetries
gleichzeitig unter dem Namen C. Bonplandi beschrieben.
Einige Arten der Gattungen Carahus und Calo-
soma, welche Hr. Darwin auf seiner Reise gesammelt
hatte, sind von Hrn. Hope in den Transactions of the Ent.
Society beschrieben worden.
Die Carahi sind C. suturalis F. vom Feuerland, C.
Kalvidtae von den Cordilleras von Valvidia, wohl der ächte
C Ghilensis Esch.^ C. Chiloensis^ kleiner als vorige, so wie
C insularis und C. Darwinii von Chlloe. Calosoma Pa-
iagoniense aus dem Patagonenlande, C. Galapageium^ von
den Galopagos-Inseln, C. Helenae von St. Helena.
Eine dritte Art der in den früheren Jahresberichten schon
erwähnten Gattung Catapiesis ist von Hrn. Chevrolat un-
ter dem Namen C. Colutnhica in i^ueriiis Revue Zool. (p.286.)
beschrieben worden. Die Flügeldecken haben bei ihr 10 ein-
fache, verloschene, an der Spitze deutlichere Streifen, von
denen die 6 innern zu zwei genähert sind. Das Vaterland ist
Columbien.
Herr Guerin {Revue Zool. p. 74.) findet den von La-
treille in der Ausrandung der Vorderschienen angegebenen
Unterschied zwischen Enceladus und Siagona nicht aus-
reichend, indem die Ausrandnng bei Enceladus auch vorhan-
den sei, nur weniger hoch hinaufreiche. Bei Enceladus
sind indefs die Schienen sehr ähnlich wie bei einem ächten
Carabus gebildet, wo von der Unterseite gesehen, eine Aus-
randung deutlich bemerkbar ist. Bei ächten Siagonen ist
die Ausrandung eben so beschaffen als z. B. bei einem Har-
palus, wenn sie auch eigentlich nicht so hoch hinaufgeht.
Dafs von dieser Bildung bei grofsen Siagonen Uebergänge
zu der von Enceladus vorkommen, wie Hr. Guerin
319
behauptet, kann Ref. nicht bestätigen. In der Mitte zwichen
Enceladus und Siagona stellt indeft der Scarites laeviga-
tus F., den LatreiUe und Dejean zu Enceladus, Hr.
G u e r i n zu iS'ia^ona rechnen, und zwar beide Theilc mit glei-
chem Rechte. Die Vorderschienen sind ganz die eines Enceladus,
die Lippentaster mit ihrem stark erweiterten Endgliede, so
wie die Fiilder, an denen das erste Glied nicht, wie bei En-
celadus, von der Länge des zweiten ist, wie bei Siagona.
Mit Unrecht werden noch Melaenua und Coscinia als
verwandte Gattungen betrachtet; sie schliefsen sich aufs
Nächste an Ditomus.
Von Siagona führt Hr. Guerin hier 16 Arten auf, unter
denen drei neue vom Senegal, S. Goryi., der S. laevigaia ganz
nahe verwandt, S. mandibularis und Buguetii. Unnatür-
lich sind die Arten in geflügelte und ungeflügelte eingetheilt;
das Vorhandensein oder Fehlen der Flügel ist hier so wenig
wesentlich, dafs beide Falle bei derselben Art vorkommen, wie
denn die gefliigelte S. brunnipes Dej. von der ungeflügelten
S. fuscipes Bon. wirklich nicht verschieden ist.*)
Herr Baron Chaudoir (Bull. d. l. Soc. Imp. des JSat.
de Moscou.) hat es unternommen, die grofse Gattung Fero-
nia Dej. in mehrere aufzulösen. Es hat immer etwas Un-
bequemes, wenn sich mehrere hundert Arten in einer Gattung
beisammen finden; indefs konnte Graf Dejean, als er bei
der Bearbeitung seiner Species general einsah, dafs die von
ihm in seinem ersten Catalog aufgenommenen Gattungen Poeci^
lus u. s. w. in allen wesentlichen Characteren übereinstimmten,
nichts mehr thun, wie jene vorläufig angenommenen Gattungen
als gleichsam natürliche Unterabtheilungen festzuhalten. Wenn
man in solchen Fällen einmal Spaltungen vorzunehmen an-
fängt, läfst sich selten bestimmen, wie weit sie sich erstrecken
werden. Die von Hrn. Baron Chaudoir bereits errichteten
Gattungen belaufen sich auf nicht weniger als 42, deren Cha-
ractere, wie sie in der mitgetheilten Tabelle angegeben sind,
gröfstentheils von den Verhältnifsen der Glieder der Fühler
Taster und Füfse entnommen, wohl im Allgemeinen sehr
subtil sind, was freilich ziemlich einerlei wäre, wenn sie nur
*) Aehnliche Fälle kommen Öfter vor, selbst bei eigentlichen
Carabts. Das hiesige Museum besitzt vom Carabus granulatus L.
ein Päärchen mit vollkommen ausgebildeten Unterflügeln.
320
beständig wären, mit anderen Unterschieden übereinkämen,
und so natürliche Trennungen bedingten; es scheint aber
nicht, dafs nicht häufig sehr nahe verwandte Arten in ver-
schiedenen Gattungen ihr Unterkommen fänden. Auch führt
der Verf. noch eine lange Reihe zum Theil sehr bekannter
und gewöhnlicher Arten auf, die noch in keine der 42 Gat-
tungen passen. Indefs^ enthält der Versuch des Verf. viel
Dankenswerthes, selbst wenn man davon abgeht, eine einzige
der Gattungen anzunehmen, indem er auf mehrere feinere
Merkmale aufmerksam macht, die für die Gruppirung der
Arten nicht ohne Bedeutung bleiben werden, und es ist auch
noch nicht zu verreden, dafs nicht bei fortgesetzten Unter-
suchungen sich eine oder die andere natürliche Gattung ab-
sondern wird. Auf die Wahl der Gattungsnamen wäre dann
wohl etwas mehr Sorgfalt zu verwenden, indem von den ge-
genwärtigen einige bereits in andern Familien vergeben, an-
dere zu wenig von bereits vorhandenen .verschieden sind,
noch andere, wie viele mit Hülfe von Pseudo- hervorge-
brachte, gegen die Gesetze einer guten Namengebung zu sehr
verstofsen. — Aufserdem hat Herr Baron Chaudoir drei
Gattungen derselben Abtheilung sehr ausführlich beschrieben,
nämlich ScapJiiodactylus, auf Fer. nioesta Dej. und J7.
funesta und opaca Chaud., alle aus Mexico, Chalco-
chrous, auf F. Sterop. lenis Hl. Dej. und Cyclotra-
cJielus, auf F. Sterop. ienehricosa Dej. gegründet.
Die Wasserkäfer haben eine besonders gründliche und
umfassende Monographie in den Species general des Hydro-
canthares et Gyriniens von Dr. Ch. Aube erhalten, die
als Fortsetzung der Deje an sehen Spec. gSn. des Coleopte-
res sich anschliefst, und demgemäfs ganz in derselben Weise
behandelt worden ist. Nur Hinsichts der Beschreibungen ist
der Verf. von seinem berühmten Vorgänger darin abgewichen,
dafs sie weniger vergleichend sind. Es gehört ein feiner Tact
dazu, hierin das Zuviel und Zuwenig zu vermeiden. Die
Deje an sehen sind öfter wohl zu sehr comparativ, dieAube-
schen sind es aber in der ersten Hälfte des Werkes im Gan-
zen zu wenig; die ausführlichsten und genausten Beschrei-
bungen geben mit vieler Mühe des Lesers oft nicht ohne
Zweifel, was ein passender Vergleich augenblicklich klar
321
macht; aufserdem sind sie ein Prüfstein des Auetors für die
Selbstständigkeit der von ihm aufgestellten Arten. Hr. Aube
würde z.B. den Neuholländischen Colyinbetes auslralis nicht
neben dem Europäischen C. conspersiis beschrieben haben,
hätte er versucht, die Unterschiede beider hervorzuheben, da
durchaus keine da sind. Bei den später beschriebenen Gat-
tungen, namentlich den llydropoven, finden wir jede Art,
welche sich nicht von selbst schon hinreichend unterscheidet,
stets mit denen verglichen, denen sie zunächst steht. Die Be-
schreibungen selbst sind musterhaft.
Nach dem Vorgange des Ref. betrachtet Herr A. die Dy-
liscen und die Gyrlnen als zwei neben einander stehende, aber
scharf geschiedene natürliche Familien. Die erstere thellt er
in 3 Gruppen, Hatiplides mit schildförmig erweiterten Hin-
terhüften, Dytiscides mit 5, Hydroporides mit 4 Gliedern
an den vorderen Füfsen. Die erste Gruppe enthält nur die
Gatt. Haliplus mit 20, und Cnemidotus mit 3 Arten. Die
Di/tiscides zerfallen nacb der Anwesenheit oder Abwesenheit des
Schiidchen in zwei Abtheilungen, in der ersten ist zunächst
Paelohius (unrichtig statt Pelobius geschrieben) wegen sei-
ner schlanken Hinterbeine abgesondert, die bei den folgenden
mehr oder weniger zusammengedrückt sind, hier folgen Cy-
hister mit 36 A., Dyiiscus mit 17 A., wobei freilich die glat-
ten und die gefurchten Weibchen immer als speclfisch verschie-
den betrachtet sind; Eunecles 1 A. (Vergl. d. vorigjährigen
Jahresbericht) jlcilius 17. A. von denen jedoch die 13 letzte-
ren besser unter Hydaücus ständen, und von H, ^ustriacus
nicht getrennt werden können, Colyvibetes 39 A.; Ilyhius
11 A,; Agahus 60 A. ,■ Copelatus 17 A. mit gestreiften
Flügeldecken enthaltend, womit aber nacb den wesentlichen
Kennzeichen, die Ref. für diese Gattung aufstellte, imd die auch
von Hrn. A. anerkannt sind, mehrere A. mit glatten Flügel-
decken sich vereinigen, welche hier unter Agahus stehen, na-
mentlich ji. Peruvianus, iO-noiatus, It-guüati/s^ submaculaius.
Malus 1 A., Cojjtoiomus 1 A., Anisovieva 1 A. Ver-
steckt ist das Schildchen bei Noierus, 3 A., HydrocaniJius
7 A. , Suphis 2 A,, Laccophilus 22 A. Unter den Hy-
droporides ist eine Gatt, mit deutlichen Schildchen: Celina^
auf 3 Americanische A. gegründet, eine zweite neue Gattung
f^ttielhis, auf den Hydroporus iarsatu^ LxiiJorte errichtet, un-
terscheidet sich durch zugespitzte Fühler und die langgestreck-
ten ,3 eisten Fufsglleder an den vorderen Beinen von Hyph-
ydrus, 11 A. und Hydroporus^ 122 A.
Die Familie der G yrinen ist in 7 Gattungen zerlegt, {En-
hydrus (Gr. siäcaUis TVied.^ mit 3 A., Gyrinus, 45 A., P«-
irus, 1 A. aus Java, Oreciochitus 14 A. , Gyretes 8 A.,
Porrorhynchus 1 A., Dineutes 21 A.,) welche nicht so
natürlich nach der Anwesenheit oder Abwesenheit des Schild-
322
chen in zwei Abtheilungcn gebracht sind, als sie es nach der
Lildiing; des lefzten Hinlerleihscgments sein würden, wo Gy-
rintis^ Unhydrus (richtiger Enydrus geschrieben, da h im
Griechischen kein Buchstab ist), JJineuies und Porrorhyii-
chus (erstere beide mit deutlichem, letztere beide mit versteck-
tem Schildchen) die eine, Patrus, Oreciochilus mit deutli-
chen, Gyretes mit verstecktem Schildchen, die andere Ab-
iheilung ausmachen würden. Die Anwesenheit einer äufseren
Maxillarlade in dieser Familie ist vom Verf. nicht erkannt wor-
den, sie hat in der That auch nur bei Gyrinus Statt (S.
Sturm, Deutschi. Ins., 10 B., T. 226, Fig. H.), bei allen übri-
gen Gattungen fehlt dieser Theil ganz.
In der Iconographie et histoirc naturelle des
Coleopteres d' Europe hat Hr. Aube die Darstellung
der Hydro cantharen zu Ende geführt.
Von der Gattung Hydroporus sind nicht weniger als 93
Europäische x\.rten abgebildet, unter diesen eine beträchtliche
Anzahl neuer: H. marginicollis^ aus der Schweiz, vermulh-
lich nur Abart des ü. depressiis; H. Sansii aus Spanien,
dem H. depressus nahe verwandt; M. affinis aus Sardinien,
fenestraius aus SIcilien (auch unter demselben Namen von
Germar abgebildet), luctuosus aus dem südlichen Frankreich
und variegatus aus Armenien, alle 4 einander verwandt; ca-
rinaius aus Spanien, durch einen hohen Kiel auf den Flügel-
gecken ausgezeichnet; fusciiarsis aus Sardinien, vom Verf.
mit H. Judensls verglichen, aber wohl eher Abänderung des
H. griseosirlatus ; H. Cerisyi, dem H. griseosiriaius ver^'^andt,
im südlichen Europa einheimisch; H. Schönherri aus Lapp-
land und H. parallelus vom Caucasus, beide dem H, paral-
lelogvainmus sehr nahe; H. avihlguus aus Frankreich, wohl
einerlei mit H. piceus St., der beim H. puhescens GyJl. citirt
ist, mit welchem aber eher H. inelanocephedus St. übereinkommt;
H. Ii7nbatus und analis aus Sardinien, vermuthllch nur Ab-
arten des H. liiurtäus, welchem auch H. obsoletus aus Spa-
nien, Victor vom Bodensee, castaneus aus Belgien, piceus
aus Frankreich und England, und incerius aus dem südlichen
Europa nahe kommen, von denen M. victor sich besonders
durch seine sehr flachgedrückte Gestalt auszeichnet, casta-
neus aber wohl nur Weibchen von //. mcmnonius ist; gla-
hriusculus aus Lappland, dem H. melunocephnlus ähnlich;
meridionalis , Genei, 6-gutiatus, varius, fasciatus, rtt-
fulus, formosus, Escheriy südeuropäische, theils dem H.
jftavipesy theils dem H. lepidus verwandte A. H. Goudotii,
dem ü. unistriaiiis sehr ähnlich, von Tanger und auch von SI-
cilien, H. piifnilus, eine ebenfalls dahingehörige aber weniger
nahe verwandte Europäifche Art; M.pallens aus Lappland. Zu
bemerken ist noch, dafs H. Davisii Curt. nicht verschieden
vom H. borealis Gyll.y dafs H. frater der wahre D. assimi-
lis Payh. ist, daher der von Gyll. als solcher beschriebene
einen anderen Namen erhalten mufs, wozu sich der von Mül-
323
ler vorgeschlagene H. rolunäattis eignen möchte; dafs H.
siriolftj mit welchem Hr. A. den H.viUula des Ref. vereinigt,
sich vom letzteren beständig durch geringere Gröfse, mehr ein-
zelne und feinere Punktirung zu unterscheiden scheint. Von
Gyrinus führt der Verf. 14 A. auf, von denen Gr. nataior
der Cr. mergus ^hr.^ wahrscheinlich eben so wenig der G. na-
taior von LInnc als der von Fabricius ist; Cr. caspius gewifs
eine kleine Abänderung des H. htcolor; G. aeneus vermuth-
lich Abänderung des Cf. mannus; G. variahilis, vom Verf. selbst
in den Spec. gen. mit dem Cr. urinator vereinigt. G. striatus
kann nicht wohl der Fabricische sein, der nach der von
Fabr. bemerkten Färbung der Unterseite zum folgenden Cf.
sirigosus (limbaUis Sol.) gehören mufs. Orectochilus hat die
eine bekannte Art. Von rein exotischen Formen sind, wie frü-
her, einzelne Arten als Gattungstypen dargestellt.
Herr Matthews hat im Entomogical Magazine (V. p.
188.) mehrere neue Gattungen und Arten von Brachelytren
beschrieben.
Deinopsis fuscatus ist die Gymnusa laiicollis des
Ref., auch nach der Darstellung des Verf. in den gezähnten
Mandibeln und in der Bildung der Maxillen mit Gymnusa
hrevicollis übereinstimmend, doch scheint Hr. Matthews
in der Darstellung der Unterlippe dadurch, dals dieselbe nicht
mehr in ihrer Integrität war, wodurch die borstenförmigen
Lippentaster sowohl als die borstenförmigen Lappen der Zunge
der Beobachtung entgangen sind, eben so sehr getäuscht zu
sein, als in der 3gliedriger Maxillartaster und .Sgliedriger Füfse.
Die zweite, neue, ebenfalls den Aieocharen angeliörige Gattung
Centroglossa fällt mit der G. Myllaena des Ref. zusam-
men, auch ist die Darstellung derselben durch Hrn. Matth.
nur darin verfehlt, dafs er die borstenförmigen Lippentaster
für Thelle der Zunge hielt. Von den sechs unter dieser Gat-
tung aufgeführten Arten sind die drei ersten, bei denen das
Halsschild breiter als die Flügeldecken ist, unzweifelhaft die-
selben 3 Arten, die Ref. als Myllaenen beschrieben hat; die
übrigen 3, bei denen das Halsschild nur von der Breite der
Flügeldecken ist, gehören schwerlich mit Recht in diese Gattung,
imd möchten vielleicht, wenn man dem angegebenen Habitus
folgen darf, unter Oacypoda zu suchen sein. Aufserdem be-
schreibt Hr. M. noch fünf Arten anderer Gattungen, von
denen Blegachronus elegans und Mycetoporus brevicor-
nis zweifelhaft, Tachyporus formostis der T. riifus, Cy-
pha biguUaia der Hypocyptus discoideus des Ref. und Ojcv-
ielus biarcuatus der Phioeonaeus caelaius (Oxyl. cael.
Grav.) sind.
Herr Westwood beschreibt im Magaz. of Zool. and
Botany (p. 129.) in einem Aufsatze, der eine Zusammenstel-
lung der unter dem Wasser lebenden Insekten enthält, einen
Käfer aus der Familie der Staphylinen, der am Seeufer 200 Fufs
unter der Fluthgränzc des Wassers lebt, und der zur Fluth-
324
zeit 4 Stunden unter Wasser bleibt. Er rechnet den durch
die Kürze senier Flügeldecken ausgezeichneten Käfer zu den
Onialinen^ er gehört indels zn denen^ die Ref. von denselben
entfernt und mit den OccyteJinen vereinigt hat, wo er in der
Reihe mit dem Ovialiuvi rugosum (Siaph. stnaiiilus F.) 7nnndi-
hulare^ aeneum Gyll. und ^nihaphagus dichrou^ (rrnv. eine
eigenthümliche Gattung bildet, welche Hr. Westwood IMi-
cralyinina benennt. Die Art (TU. Johnsionis JVesiw.) ist
indels schon unverkennbar von Gyllenhal und Zetterstedt
als Omalium hrevipenne beschrieben worden.
Ref. hat in Germar's Zeitschrift für die Entomologie
eine Notiz über das Vorkommen der Neben äugen bei den
Staphylinen gegeben und gezeigt, dafs sie nur bei den Oma-
lien zu finden sind und zwar 2 an der Zahl bei den Gatt.
ylnthophagus und OmaJium Grav.^ mit Ausschlufs der Arten
die auch anderer Abweichungen halber theils den Oocytelcn sich
anschliefsen, theils In eine eigene kleine Gruppe Proteinini zu-
sammengestellt sind. Unter letzteren kommt jedoch ein Insect
vor, die Silpha clypeata IMiill.^ mit einem einzigen Nebenauge.
Ref. hat sie in seinen Käfern Brandenburgs als Art der Galt.
Megarihrus aufgeführt, die später gemachte Untersuchung des
Mundes hat jedoch gezeigt, dafs sie eine eigene Gattung bilden
mufs, für welche der Dejean'sche Name Phlocobiiivi erhalten
werden kann.
Die durch den Reichlhum der darin entlialtenen Arten
höchst wichtige, in der Historie naturelle et Iconographie
des Insectes Coleopteres enthaltene Monographie der Bu~
presten der Herren De La p orte und Gory ist ununterbro-
chen fortgesetzt und ihrer Vollendung näher geführt worden.
Den Schlufs der dritten Untergattung von Bupresüs, Psi-
Joptera, bildet eine grofse Reihe von Arten von der Insel Ma-
dagascar, welche so höchst ausgezeichnet sie auch in Formen und
wie sehr sie auch zum Theil im Seitenrande erweitert sind, doch
nicht nur In Ihren Charakteren von den übrigen eigentlichen Bu-
presien nicht abweichen, sondern auch in Ihren Köi'pernmrifsen, so
wenig die ßwpres/e« aller anderen Weltgegenden eine Annäherung
an die eigenthümlichen Madagascarischen Bildungen erkennen
lassen, nicht so scharf bcgränzt sich zeigen, dafs nicht znhl-
reiclie Mittelformen selbst zu den abweichendsten und auffal-
lendsten Gestalten einen ganz allmäligen Uebergang bilden
sollten. Es Ist daher die Verbindung der grüfstentheils sehr an
die Cassiden-¥ orm erinnernden Madagascarischen Buprestcn mit
den schmalen, keilförmigen Psilopieren nicht so unnatürlich, als
es beim ersten Anblick mancher Arten erscheinen möchte.
Uebrigens Ist Madagascar sehr reich an solchen Formen. Die
Verf. stellen nicht weniger als 46 A. dieser Abtheilung auf, von
welchen die B. aureo-pilosa sich von der ursprünglichen
Guerln'schen B. aureo - piloaa , (Gaudotii Kl.) untcrscneidet,
dagegen ist B. quadrispilota nur Abänderung von B. «u-
325
ropicia^ B. cuprco-signala nicht unterschieden von B.so-
lea KL, B. sjyarsnia Abänderunfj; von B. cupreo-noinla ^ und
B. iuteo-signaia die Polyboihrj/s Qfovcolaia Spin, und B,
Kltigii die Poli/botJirys ancora Spin, (welclie beide im Jahres-
bei'itlit von 1837 erwähnt worden sind).
Die vierte Untergattung Latipalpis (Sol.) enthält 23 Ar-
ten, grülstentheils aus Africa und Ostindien, unter denen Z?.
livibalis schwerlich in Brasilien, wahrsclieinlich im tropischen
Africa zu Hause, die Senegalsche B. Galamensis von der
Nidjischen B. caiemilata Kl. wohl kaum verschieden ist, und
B. coerulca Ol. nichts als Abänderung von B. fasluosa zu
sein scheint. Die folgende Untergattung Hippoinelas ent-
hält nur eine A. , B. Meccicana. Sie weicht von den eigentli-
chen Bupresten etwas ab. Dagegen kommt die sechste Unter-
gatt, üicerca (Escfi.) wieder vielfach mit denselben überein.
Es sind aufser einigen Capensern gröfstentheils Nordamerica-
nische und Europäische Arten, unter den letztern findet sich
eine kleine Verwirrung in der Bestimmung einiger nahe ver-
wandter Arten, indem die im Norden verbreitete B. aenea L.
als B, Fagi Meg. aufgeführt ist, die B. aenea der Verf. aber
die dem Süden von Europa angehörende B. Carniolica F. ist.
Auch scheint die B. asperatfi des Verf. nicht hinreichend von
der B. ohscura verschieden zu sein. B. Dufotirii ist Ecü-
nogonia Btiquciii Spin,
Die siebente Untergatt. Haiecia hat die B. hlanda F.
zum Typus. Eine zweite sehr ähnliche etwas kleinere Art
nennen die Verf. B. niodesia F., da aber Fabricius sich auf
Banks' Sammlung bezieht, aus w^elcher Olivier den Käfer
abbildete, ist kein Grund anzunehmen, dafs Fabricius' Käfer
ein anderer als der Oli vi ersehe sei. Es stehen in dieser Un-
tergattung acht Sudamericanische Arten, die aber nicht alle inj
Habitus zusammenstlnunen.
Die achte Untergalt. Casialia entspricht Lampra Meg.,
die sich auch wohl als Crattung festhalten iälst. B. Solieri
ist eine neue A. die mit B. ruiilans F. in der Färbung ganz
übereinkommt, aber in der Gestalt abweicht. B. g entilis, an-
geblich aus Ostindien, scheint garnicht von B. fesiiva ver-
schieden zu sein.
Auch die neunte Untergatt. Blelahasis, aus 11 kleinem
NeuhoUändischen Arten bestehend, kommt weniger mit den ei-
gentlichen Biqrresten überein, als sie eine zunächst an u^patura
sich anschlielsende selbstständige Gatt, bilden möchte. Eben so
ist die zehnte Untergatt. .Äncylocheira Esch. hinreichend als
eigene Gatt, characterisirt; nur ist die erste Art, B. Bagda-
densis nichts weniger als eine jlncylochelra ., sondern eine
CJialcophora, wenigstens von Bupr. siigmaiica Schönh. unzer-
trennlich. Auf B. punclaia folgen vier A., B. 6-noiaia aus
Nordamerica, B. marginic ollis vom Senegal, B. discoidca
aus iNeuhoUand, B. Muiira Ol. von Domingo, welche alle
nur geringe Abänderungen der B. punctata zu sein scheinen,
so dafs die Vaterlandsbezeichnungen wohl auf Inthümern be-
326
ruhen. Ein ähnliches Verhältnifs scheint zwischen den folgen-
/den drei A., B, ruhromaculaia aus Cayenne, B. nurantio-
picia aus Neuholland, B. iQ-notata ebendaher, und der B.
flavomaculaia F. stattzuhaben: auch ist B. maculaia F,
(strigosa Gbl.) nicht füglich als Art von der letztgenannten
abzusondern. Ebenso ist die angeblich Brasilische B. magica
gewifs nichts als eine Abänderung der B. S-guttaia, und die
angeblich Ostindische B. geomeirica steht unbedenklich wie-
der in der nämlichen Beziehung zu B. ßavomaculata. B. a u-
rulenta, angeblich aus Nordamerica, scheint die seltene Nord-
europäische B. splendid a Fayli^ preiiosa Hbt. zu sein, deren
keine Erwähnung geschehen ist, und die CItate B. aurulenia
OL, Salisburensis Hbt. gehören zur folgenden B. decora F.
B. Bosci der Verl. ist B. apricans Hbt.
Die eilfte Untergatt, entspricht der Gatt. Eurythyrea
Setw., aus welcher nur drei A., B. inicans, B. austriaca F.
und B. scutellaris Ol. aufgeführt sind, die letzte ist als Süd-
americanisch angegeben, es ist aber viel wahrscheinlicher, dafs sie
Ostindisch ist. Die zwölfte Untergatt. Pelecopselaphus (Sol.)
enthält drei verschiedene Formen, die sieb am Ende als eben
so viele Gatt, charakterlsiren llefsen: 1, Bupr. angularis
Seh., 2. B. gymnopleura Perty (iinpressicollis Sol.) und
B. iripunctaia F., .3. B. modesta Ol, welche die Verf. in
der oben besprochenen Veraussetzuug, dafs die Fabricische
eine andere sei, B. superba benannt haben. Die dreizehnte
Untergatt., Diana, besteht aus drei neuen Brasilischen Arten,
welche ganz das 'Ansehen von Chrysobothys haben. Die vier-
zehnte und letzte Untergatt. Cinyra, ist auf einige besonders
schlanke americanische Formen gegründet, denen noch B. cor-
rusca F., welche die Verf. wenig passend zu Ckrysodema ge-
rechnet haben, und B. multipunctaia Ol., mit welcher B.
albo-notaia der Verf. als kleinere Abänderung vereinigt wer-
den mufs, und welche die Verf. beide unter ^ncylocheira auf-
geführt haben, angehören.
Es Ist schwer, für eine Menge von JBi/preÄ/e»- Gattungen
leichte und sichere Charaktere aufzufinden, und es ist wohl
nöthig eine Anzahl der von Eschscholtz u. a. aufgestellten
und von Dejean angenommenen Gattungen zu vereinigen, in-
defs scheinen die Verf. hierin doch etwas zu weit gegangen zu
sein, und namentlich möchten die Untergatt. i. (Euchroma),
2. {Chalcophora), 5- {Hippoinelas), 8. (Casta/ia), 9- (Melobasis),
10- {^ncylocheira), 11. (Buprestls Sol. besser Eurythyrea Serv.)
und 14. (Cinyra) füglich ausgeschlossen und als eigene Gattun-
gen betrachtet werden können. Die Untergatt. 7. (Haiecia)
und 12. (Pelecopselaphus) sind aus verschiedenen Elementen zu-
sammengesetzt und ihrem Inhalte nach noch näher zu prüfen.
Es folgt nun noch eine Reihe von Gattungen der Gruppe der
eigentlichen Bupresten, von verschiedenem Werthe, und alle
von geringem Umfange. Capnodis Esch. erscheint als eine
der natürlichsten, stimmt aber doch im Wesentlichen mit den
eigentlichen Bupresten überein, und llefse sich füglich als eine
327
natürlich begiänzte Familie in diespr Galtung betrachten. Die
Verf. führen 10 Arten auf, von denen aber C. aerea nur eine
geringe Abänderung der C lenebrionis ist, C. Lefebvrei von
bmyrna, und C. anihracina aus Persien nicht von B. car-
bonaria Kl. verschieden sind, die C Mannerheiviii die
C. porosa A7., die als C porosa Kl. dargestellte A. aber wie-
der einerlei mit C. carbonnria ist. Mit Capnodis nahe verwandt,
und gleichfalls als Unterabtheilun^- der Gattung Buprestis zu
betrachten ist Coeculus (^Cyphonota Dej.) Die fünf Arten
mögen auf drei reducirt werden können, denn C. gravi-
dus und C Buquetil scheinen durchaus nicht verschieden
zu sein, und C JEuphraticus ist sicher nur eine Abänderung
des C. Sibiriens mit mehr Erzfarbe und verloschenen weifsen
Binden. P<oä?' 7«« schliefst sich eigentlich sehr nahe znAgrilus;
die Verf. führen vier Arteu auf, von den zwei Ostindische dem
Ref. unbekannt sind, eine Chilesische, Pt. planata^ mit den
Typus der Gatt, B. 9-inaculata F. nicht die geringste Be-
ziehung hat, vielmehr den Typus einer eigenen, mit Siigmodera
näher verwandten Gattung bildet. Nascio (Bup. veiusia Boisd.),
jdcherusia (Cbildrenii) und Astraeus (jflavopictus) ^ Buba-
sies (sphenoida) sind 4 Gattungen, jede eine Art enthaltend,
alle NeuhoHändisch.
Bulis ist ?n}( Bupr. biviUala F. gegründet, der noch
eine zweite, ebenfalls Capensische Art beigefügt ist, die sich
von der ersteren nur durch die Färbung zu unterscheiden scheint.
jlcantha ist offenbar von Pristopicra Dej. nicht verschieden,
deren Typus Bup. blanda F, die Verf. unter Bupr. Haiecia
aufgeführt haben, auch ist die eine A. , ^c. J oiisselini be-
reits als Prisiiptera iridea von M annerh ejim beschrieben; die
zweite A. ist Bup. S-punciaia F. aus Cayenne. .Apatura ist
einerlei mit Phaetiops 3Ieg. und BlelanophilaEsch. Z4.. Druin-
viondi aus Caüformien und ji. disco-punciata aus der Mon-
golischen Steppe scheinen nicht unterschieden zu sein, welches
auch durch die genauere Kirbysche Beschreibung der ersteren,
Avelche wenigstens auf die dem Ref. allein vorliegende jl. di~
scopunclaia palst, bestättigt wird; auch sind die beiden Nordame-
ricanischen A. octospilota und croceosignata unbedenklich als
Abänderungen einer Art anzunehmen, welche gewöhnlicher mit
so kleinen Flecken, wie die letztere (Pbaenops subguiiaia Dej.)
vorzukommen pflegt. — Aurigena der Verf. ist mit Perotis
Meg. identisch, ist aber nicht gut anders, als Unterabtheilung
von Buprestis zu betrachten. Den zwei bekannten Arten B.
Ingubris und iarsaia sind zwei neue aus dem Orient zu-
gefügt.
Die Gruppe der yägriliies charakterisiren die Verf. durch
gezähnte Klauen, gleichwohl sind diese bei den ersten drei
Gattungen, welche in diese Abtheilung gestellt sind, vollkom-
men einfach. Es sind diese auch zunächst mit Siigmodera ver-
wandt, und aufserdem steht Castalia {B . bimncidnia L. — un-
ter welchem Namen aber mehrere A. ver\^ echselt zu sein schei-
nen) in sehr enger Beziehung zu Bulis. Poecilonoia enthäli
328
6 A., von denen P. Inticollis eine geringe Abänderung der
B. icstacea F., P. ornaiicollis wahrscheinlich Männchen der
P. auh'ca, diese mit Hyperantlia Menetriesü Mannerh. einer-
lei ist, und P. speculifera nach ihren älteren Benennungen
Langsdorfii Kl. oder cardinalis Don. helfsen müfste. Zemina
ist eine neue Gatt, welche auch in Ihrer Färbung sich eng an
Siigmodera anreiht, und die In Ihrer Verbreitung auf das süd-
liche Ende von Südamcrica beschränkt Ist, und sich gleichweit
auf der Westseite nach Chile, auf der Ostseite nach den südli-
chen Provinzen Brasiliens verbreitet. (Irrthümllch ist bei der
in Chile einheimischen Z. cupricollis Ostindien als Vaterland
angegeben.) — Von den beiden übrigen Gatt. \ot Agrilus&ic^t
Sienogasier, (B. linearis L. — die zweite A. Su badins ist
St. nuhilus Mannerh.) mit Recht in dieser Abtheilung, Eury-
hla (clialcodes aus Neuholland) ist dem Ref. nicht bekannt, der
Gattungsname gehört aber schon einer Schmetterlingsgattung.
Ein anderer wichtiger Beitrag zur speciellen Kenntnifs
der Bupresten ist die Centurie de Buprestides, welche
Hr. Chevrolat in Silbermann's Revue Entomologique
beschrieben hat, und eine Menge neuer Arten bekannt macht,
wobei nur bedauert werden mufs, dafs die Publication wäh-
rend des Erscheinens der Gor y sehen Monographie stattge-
funden, wodurch wenigstens eine Anzahl von Arten von bei-
den Auetoren unter verschiedenen Namen in die Welt ge-
bracht worden sind.
Sternocera brainina von Coromandel, wie St. Chrysis, nur
unten an den Selten punctirt, vielleicht nicht wesentlich unter-
schieden von St. basalis Gory. — St. Orissa Buq. vom Cap,
der St. interrupta verwandt: Hr. Lichtenstein hatte sie auch
schon am Cap. entdeckt, sie ist aber bisher noch unbeschrieben
geblieben. — Julodis 8 A., von denen J. Esau unbedenklich
für J. hirtiveniris Lap. zu halten, J. albopilosa sicher nichts
Anderes als ein gut erhaltenes Ex. der J. Onopordi mit langer
abstehender Behaarung, und J. lucidicollis geringe Abände-
rung der J. iotnentosa ist. Unter dem Namen J. peregrina
unterscheidet Hr. Chevr. die Bup. Andreae F. Kl. \on der
gleichnamigen O llvi ersehen, Indessen ist die Fabricische
gewifs dieselbe, da beide aus gleicher Quelle, nämlich der Bosc-
schen Sammlung schöpften. Findet es sich, dafs die vou Hrn.
Klug dafür angenommene Art von dieser verschieden Ist, mit der
sienach der Olivler sehen Abbildungin der Körperform sehr über-
einkommt, obgleich sie ihr an Gröfse nicht unbedeutend nach-
steht, so wäre es wohl der Mühe werth, dafs die ächte
Ollviersche und Fabricische B. Andreae., wie sie In Bosc-
Sammiung vorhanden, noch einmal genau dargestellt würde.
Die von den Herren Lap orte und Gory dafür gebildete Art,
läfst sich um so weniger dafür halten, als sie nicht nur eine
ganz andere Körperform hat, sondern auch von OH vier selbst für
329
eine eigene Art, die er unter dem Namen B. siäcaia sandte, er-
kannt wurde. — Acmaeoäera bifossa ist vielleicht eine
Abänderung der A. adspersa .F., A. ovis gewifs die A. cylin-
ärica der Gory-Laporteschen Monographie, aber nicht die ß.
cylinclrica F., -welche nach Fabricius eigener Bestimmung die
B. Januginosa Seh. ist, welche Hr. Chevr. fragweise bei A.
oms anführt. -^ — Siigmodera coniuncta ist eine Zcfnina^ der
^. bivittaia Lop. Gory sehr nahe verwandt. — Siigmodera?
Gayi ist die Plosima plamda Lap. Goiy. — Polycesia Ka-
rakera ist sicher die Bup. dcpressa £/., jjorcaia F. — P. Tho-
tnac ist P. depressa Lap. Gory^ — jP. Cubae eine eigene
neue Art, Die vom Verf. als die wahre /J.jjo/r«/« i^. beschrie-
bene 4te Art dieser Gattung von St. Domingo ist dem Ref. un-
bekannt. ChalcopJiora primaria von Madagascar ist Biip.
4:-foveolata Lap. Gory. — Chalcophora confluens vom Cap
ist Bup. plicata Lap. Gory, mehr dem äufseren Ansehen nacti
als in den systematischen Charakteren mit ChalcopJiora verwandt.
— Lampetis fasiigiaia., vom Senegal, ist, wie bei der sehr
gelungenen Beschreibung nicht zu bezweifeln ist, Bup. Gala-
mensis Lap. Gory., Laiipalpis Galamensis Sol. — Psilo-
picra humerosa eben so unverkennbar Bup. Pardalis Lap^
Gory, Psilopiera? pleurites ohne allen Zweifel B. alboinar-
ginata Hbt., Dicerca scobina die Bup. pugionaia Germ, und
Lap. Gory, Parotis coeca die Bup. marginipennis Dej. Blan-
nerh. und B. oculicollis Lap. Gory. — Ferner scheint Poly-
hoihrys G arnoiii nur eine Abänderung der B. solea Kl. zu
sein; P. Schönherri ist B. quadrispilota Lap. Gory., P. ro-
tundipennis schwerlich eine Andere als B. Blattoides Guer.
und Polyboihrys (?) erosa die B. alata Lap. Gory. Ancy-
locheira (?) villosiventris ist eine neue Form von l?«</)res/e«,
die wohl näher mit Pristiptera als mit Ancylocheira ver\'sandt
ist, an Pristiptera sich jedoch auch nur annähert. Anthaocia
chlorocephala und splendida sind beide nur Abänderungen
einer Art, beide auch schon früher von Thunberg, die erste
als Biqj. coerulea, die zweite als B. marginaia beschrieben. —
Die Gattung Bactylozodes, welche Hr. Chevr. im Folgenden
aufstellt, ist identisch mit Zemina Lap. Gory und höchst wahr-
scheinlich auch mit Lasiodera Def.; die beiden hier beschriebe-
nen Arten aus Patagonien, Z>. aliernans und ietrazonus
finden sich gleichfalls in der Lap.-Goryschen Monographie, die
erste als 2/. pudihunda , die andere als Z, Brullei. — Hyper-
antha trigonalis ist offenbar ganz die Hyp. Blenetriesii
IMannerh. und die folgende //. /riwo/rt/« scheint nur Abänderung
derselben zu sein. — Diphucrania Reichet ist wohl nichts
Anderes als ein etwas abgeriebenes Männchen der D. Jissiceps
(Bup.ßssiccps Kirb]/). — Die neue Gatt. Discoderes will Hr.
Chevr. Avegen einfacher Klauen von den Agriien entfernt wis-
sen: es sind die Klauen aber keineswegs einfach, sondern haben
an der Wurzel einen starken Zahn; es ist dies Thierchen auch
durchaus nicht von den Agriien abzusondern, welche in syste-
matischer Hinsicht überhaupt noch einer sehr sorgfältigen l\evi-
V. Jahrg. 2, Bd. 22
330
sion bedürfen, um durch scharfe und sichere Eintheilung der-
selben das schwierige Studium der Arten möglichst zu erleichtern.
Die Art, auf welche Hr. Chevr. die Gatt. Discoderes gründet,
ist ^gril. Salzmanni SoL (^Buqueiii Dej.) Es Ist dieselbe
auch von Hrn. Klug in Erman's Reisewerk unter dem iVamea
ßup. niveosignata beschrieben. — Stenogasier diffusa ist
St. nuhila Dej. Mannerh, ; der Stenog. murina Blannerh. welche
Hr. Chevr. fragweise citirt, ist die folgende St. furc'wenlris
als Synonym unterzuordnen. — Agrilus Robertii ist in der
hiesigen Sammluug A. pratensis benannt, und auch in Ratze -
burgs Forstinsekten unter diesem Namen aufgeführt. Gory
bildet denselben mit Unrecht als Bup. linearis F. ab. Rae~
boscelis purpurea ist eine neue Form aus Brasilien, mit ver-
längerten Beinen und gekrümmten, unten mit einem Haken
bewaffneten Schienen (aber nur beim Männchen). — Goni-
ophihalma mitraia, aus Madagaskar, ist unbedenklich ein
Äphanisiicus. — In einem Anhange beschreibt Hr. Silbe rma na
noch .3 Bupresien, Stigmodera Thoreyi., (Jynira carinata
aus Südbrasilien und Belionoia punctata aus Madagascar.
Letztere Ist Bei. canaliculaia (Bup. can. F.)
Aufserdem hat Hr. Chevrolat drei neue Bupresien Im
Guer. Revue Zool. (p. 55.) kurz beschrieben, nämlich B. (Co-
nognatha) Thoreyi von Porto- Allegro In Brasilien, der B,
Sellowii Kl. ähnlich, von den verwandten Arten aber, wie es
scheint, dadurch abweichend, dafs eine Binde auf der Wurzel
der Flügeldecken liegt; J5. (Cyphosoma) Lnwsoniae Chevr.,
von Hrn. Wagner aii£ Lawsonia inermis gefunden, einerlei mit
Coeculus gramdus Gory, und B. (Agrilus) Capreae^ bei Paris
auf Salix Caprea häufig.
Ein neuer Prachtkäfer ist unter dem Namen Buprestis
Daleni von Hrn. Van der Höven Im vierten Bande der
Tijdschrift voor natuurlijke Gesc/iiedenis en Physiologie beschrie-
ben und abgebildet. Er gehört In so fern zur Gattung Cato-
ccantha Dej., als die Unterseite des Hinterleibes gelb ist, hat auch
ganz die Form und Verhältnisse der Bup. bicolor F., aber nur
die Gröfse der B. vitiaia, ist grün, mit einem kleinen Augenar-
tigen gelben Fleck auf jeder Flügeldecke etwas unter der Mitte.
Er ist von der Ostküste Javas und gehört wohl zu den selten-
sten Arten.
Hr. Guerln stellt in seiner Revue Zool. (p. 14.) eine neue
Art von Lissomus aus Cajenne unter dem Namen L. bist-
gnaius Reiche auf, welche aber schon früher von La p orte
in Silbermann's Revue üniomol. IIL p. 179 unter dem Na-
men Li. bifloccosus beschrieben worden ist.
Hr. Germar hat in seiner Zeitschrift für die Entomolo-
gie eine genaue Auseinandersetzung den Elateren mit ge-
lappten Fufsgliedern gewidmet, welche der Verf. mit Recht
nicht als eine natürliche sondern als eine künstliche Gruppe
betrachtet.
331
Durch nach vorn vortretende Hinlerbnist zeichnen sich
Eticampius Chevr. (ciisptclnius Chevr. aus Mexico) und Se-
miotus aus; bei den übrigen sind die Klauen nur bei der letz-
ten Gattung Synapius Esch. kammförmig gezahnt, sonst sind
sie einfach. Die vier ersten Glieder sind gelappt bei Tetra-
lobus und Hypodesis Lair. (H. sericca Lalr. aus Mexico mit
11-gliedrigen gesägten Fühlern.), das vierte alloiu bei Blono-
crepiditisxinA Diiiia\ das dritte bei Poinachilius Esch. Bei
den übrigen Galtungen haben das zweite und dritte Fufsglied
die häutigen Anhänge, und unter diesen Gattungen ist das zweite
Fühlerglied allein kleiner als die folgenden bei Hemicrepidius
(H. T/totnasi aus Nordamerica, mit 12-gliedrigen Fühlern),
Dicrepidius (Z). peciinicortüs Esch. und ramicornis Fall.
Beauv. , mit 11-glIedrigen, beim Männchen kammförmigen Füh-
lern) uud Dipropii s (^Uicrepid. laticollis Esch, und El. pcjcus
und brasilianus Germ., mit weit vorragender Stirn.). — Das
zweite und dritte Glied der Fühler sind kleiner als die folgen-
den bei Heieropus {El. crocipes., imd H. picipes Genn., beide
aus Brasilien, mit an den Illnterfülsen ungelapptem zweiten
Gliede) und ^iractodes (ein von Gravenhorst schon be-
nutzter Name) mit gelapptem zweiten und dritten Gliede aa
allen Füfsen, auf drei neue Arten aus Brasilien gegründet.
Hr. Saxesen unterscheidet einen neuen, auf dem Harze
vorkommenden E/nier unter dem Namen E. Heyeri vom E.
aeruginosus. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in den t" üh-
lern: beim Männchen des E. aeruginosus sind die Strahlen nur
so lang als das Glied, an dem sie sitzen, beim E. Heyeri
doppelt so lang; beim Weibchen des E. aeruginosus sind die
Zähne der gesägten Fühler stumpf, bei dem des E. Heyeri spitz.
In der Färbung stimmen beide überein. Die neue Art findet
sich im Frühling auf dem eben aufgebrochenen Laube verschie-
dener Laubbäume in den Thälern des Oberharzes.
Von der Gattung Phyllocerus führt Guerin im seiner
Revue Zool. (p. 12.) zwei Arten auf: Ph.ßavipennis, das Männ-
chen, mit gelben, und Ph. Spinolae das ^Veibchen mit schwar-
zen Flügeldecken. Beide gehören unstreitig derselben Art an,
trotz der Verschiedenheit der Farbe, in der das Weibchen mehr
als das Männchen abändert. Als Vaterland ist bei beiden Dal-
matien angegeben, indefs stammen alle in den letzten Jahren
verbreiteten Exemplare aus Sicilien. Wenn Hr. G. Latreille
das Verdienst zuschreibt, dieser ausgezeichneten Gattung zu-
erst in seinen Schriften Erwähnung gethan zu haben, so ist von
ihm übersehen worden, dafs der in dem alten D ej eanschen
Katalog unter dem Namen Phyllocerus ßavipenms aufgeführte
Käfer schon im lOten Bande der Encyclopedie von Le pelle-
tier und Serville beschrieben ist, freilich, namentlich in Hin-
sicht der besonders characteristischen Fühler, in der Art, dafs
erst durch die in seiner Iconographie von Guerin gegebene Zeich-
nung eines Fühlers die Zweifel an der Identität mit dem Sici-
lischen Käfer gehoben sind.
22 *
332
Eine neiio, mit Ptilodactyla znnächst verwandte Gattung,
Cülohodera, hat Hr. Klug in diesem Archiv (IV. p. 38.)
genau bestimmt: sie weicht von Ptilodactyla durch einfaclie
Klauen und beilförmiges Endglied der Taster ab, und ist
auf Madagasear einheimisch. 5 Arten sind aufgeführt.
Ueber die Cantharis lateralis L. hat Ref. In Ger-
mars Zeltschrift für die Entomologie (p. 367) die Vermulhung
zu begründen gesucht, dafs dieselbe eine Abänderung der C.
alpina PayTc. sei, mit welcher auch C. ruhens F. synonym ist.
Das 13te Bändchen der schönen Insecten- Fauna
Deutschland's von Hern. Sturm enthält die Gattungen
Scydmaenus, Necrophorus, Necrodes, Silpha^
NecropJiilus, Agyrtes.
Von Scydmaenus sind 21 A. beschrieben und abgebildet,
darunter zwei neue, Sc.Motschoulsliii^ dem Sc. €lcniicortiis
verwajidt, von Hrn. Schmidt in Laibach entdeckt, und Sc.ob~
longus aus Oestrelcb, dem Sc. clongaüdus sich anschllefsend,
aber viel gröfser und Im Verhältnils länglicher. Von Necro-
phorus sieht man mit Vergnügen einige nahe verwandte Arten
sehr sorgfällig und treu abgebildet. Ueber die Gatt. Necrodes
hat Ref. seine Meinung in seiner Märkischen Fauna ausge-
sprochen.
Hr. Rousseau zeigt in Guer. Revue Zool. (p. 78), dafs die
Geschlechtsverschiedeuheit hei Uermesies In Gimmporiis bestehe,
den das Männchen auf der Bauchseite des dritten und vierten
Hinterleibs-Ringes habe, der von einem Büschel erectller Haare
umgeben sei, und aufserdem noch einen kleinen erectilen Kör-
per enthalte, den er später zu erläutern verspricht. Ref. hat diese
Auszeichnung des Männchen bisher für Nichts als einen kleinen
pinselförmigen Haarbüschel gehalten, imd kann sich auch jetzt
nicht (freilich nicht an frischen Ex.) überzeugen, dafs es mehr,
und namentlich nicht, dafs der vertiefte Punkt, in welchem der
Büschel steht, durchgängig sei, um auf die Bezeichnung porus
Anspruch zu machen. Es kommen übrigens auch Arten vor,
wo nur ein solcher Punkt und Büschel, und zwar auf dem vier-
ten Hinterleibssegment sich findet, wie D. vulpinus und der
verwandte D. lupinus, und wenn vom D. dimidiaius in
einer beträchtlichen Anzahl von Individuen dem Ref. nicht
blos Weibchen vorgekommen sind , so entbehrt das Männchen
dieser Art der in Rede stehenden Auszeichnung ganz.
Ueber die bisher zweifelhafte Gattung Globicomis Lair.
hat uns Hr. Guerin in seiner Revue Zool. (p. 135) Aufschlufs
gegeben. Latreille citirt bekanntlich den Dermesies ni-
gripes F. als Typus der Gattung, und bezieht sich auf seine
Genera., wo derselbe als M.rtif'iiarsc die dritte, der Fühlcr-
blldung halber abgesonderte Familie der Gattung Megaioma
bildet. D. nigripes weicht aber in der Form der Fühlcrkeule
nicht von AtUtgenus ab. Hr. Guertn zeigt nun, dafs der von
333
Latrcille in den Genera gemeinte Käfer ein ganz anderer
sei, der sehr selten Jjci Paris vorkommt, und erst kürzlich von
Hrn. Ciievrolat wieder aiifgefunden ist. Eine zweite Art die-
ser Gattung aber, Ol. fulvipcs Guer., findet sich häufig in den
aus Brasilien sowohl als auch aus Westindien kommenden In-
sektenkästen, und IJr. G. vermulhet, dafs sie in der von ^igaue
gemachten Auslage der Kästen lebt.
llr. Hope hat im Eiiiomological Magazine (V. p. 312)
die Olivi ersehen Lamdliconien auf eine ähnliehe Weise
wie die Fabricischen gemustert, und zwar zunächst die
ersten Nummern bis Trox incl. der Revisioji unterworfen.
Es kommen auch zwei neue Gattungen in Vorschlag: Dicho-
toinius für Scar. Boreus, und Uolocephalus für Scar.
Eridanus Ol.
Ilr. Brülle hat die Bemerkung gemacht (JTnstltut p. 15.)
dal's bei den Blätterhörnern die Vorderfiifse, welche in einigen
Galtungen bekanntlich beständig fehlen , in andern nur den
Männchen mangeln , bei den Weibchen aber vorhanden sind,
wenn gleich nur rudimentär, doch vollständig gegliedert. Dies
ist bei Phanacus der Fall, und Hr. Graf Dejean, der die Be-
obachtung des Hrn. Brülle weiter verfolgt hat, bemerkt in
den Annah ä. 1. Soc. Eni, de France VII. p. YIII. , dafs dieser
Umstand am Sichersten auf das richtige Erkennen der Geschlech-
ter in dieser Gattung leite, wo bei manchen Arten (PA. lan-
cijrr, ensifer u. s. w.) auch die Weibchen mit Kopfhürnern
versehen sind, bei andern kleinere Männchen, bei denen gleich-
zeitig das Kopfhorn nicht ausgebildet ist und das Halsschild in
seiner Entwickelung zurückbleibt, öfter das Ansehen von W eib-
chen haben.
Hr. Brülle stellt (a. a. O.) die Galtung Oniiis den Pha~
■iincen in dieser Rücksicht gegenüber, allein hier ist das Vor-
kommen der Vorderfiifse bei den Weibchen nicht so allgemein.
Bei der gröfseren Zahl der Arten fehlen sie beiden Geschlech-
leru, und es sind nur O. Loplius und Clinias mit ihren zahlrei-
chen Abarten, ferner Apelles., scabrosus, der eigentliche Pallasisclie
JMoeris und O. sulcicollis DeJ., wo die Weibchen damit versehen
sind. Sie sind auch nicht verkümmert, wie bei den Phatmeen,
wo man sie selbst bei den grölsten Arten mühsam mit der Lupe
aufsucht.
In den Schriften der Liun eischen Gesellschaft zu Lon-
don hat Hr. West wo od ein Paar neuer, zur Gruppe der
ylteuehen gehörige Gattungen beschrieben und durch so
schöne und genaue Abbildungen, wie wir sie von seiner
Hand gewohnt sind, erläutert.
Beide welchen durch zwei bewegliche Enddornen an den Mil-
lelschicnen \oi\AteucJms ab. So beständig nämlich bei der ganzen
Eamiiic der CopWafe» die Hiuterschicnen nur einen Enddorn ha-
334
ben, so wenig scheint bei den JLteucken das Vorhandensein eines
einzigen Enddorns auch an den Mittelschienen wesenth'ch zu
sein, so dafs die eine der hier aufgestellten Gattungen Sceli-
ages aufser den Dornen der Mittelschienen so wohl in allen
übrigen Charakteren als auch im Habitus sich auf's Nächste an
ufäfeuchus anschliefst. Es ist aber nicht allein das Hinzukommen
des zweiten Enddorns, welcher SceJiages von jiteuchus unter-
scheidet, auch der andere, innere, ist wesentlich anders gebil-
det, kurz und breit gedrückt, während er bei Ateuchus spitz,
säbelförmig gebogen und kräftig ist, bei manchen Arten seihst
länger als der neben ihm eingelenkte Fufs. Die von Herrn
Westwood dargestellte Art, Sc. Jopas^ ist vom iuap ; eine
zweite vermuthet er, wahrscheinlich mit vielem Grund, in dem
yiieuclius ^damastor Encycl.
Die zweite Gattung ^nomiopsts ist auf eine Form ge-
gründet, die der südwestlichen Seite des Südamerikanischen
Festlandes eigenthümlich zu sein scheint, die zwar in ihren
Körperverhältnissen viel Uebereinstimmendes mit jtteuchus, aber
auch wieder viel Besonderes hat. Namentlirh zeichnet sie
sich aus durch klauenlose Füfse an den hinteren Beinen (an den
Vorderbeinen fehlen sie ganz wie bei ^teiichus). Hr. West-
wood beschreibt in zwei Abtheilungen, die er auf die Form
des Kopfes, die Oberfläche des Halsschildes und die Gestalt der
Vorderschienen gründet, zwei Arten, von denen die erste, ^4.
Dioscoi'ides, das Eucranium arachnodes Lacordaire des D e j e a n-
schen Catalogs ist, die zweite, ^. sterquUmus^ vom Verf., nach-
dem er mehrere der ersteren ähnliche Arten in Hrn. Darwin's
Sammlung gesehen, in einer Nachschrift zu einer eigenen Gat-
tung Glyphiderus erhoben wird, die indels schwerlich hin-
reichende Charactere besitzt, da die in Kopfbildung und den
Eindrücken des Halsschildes liegenden Merkmale kaum mehr als
Artunterschiede bedeuten, die Vorderschienen aber nur abge-
nutzt sind, ein Umstand der bei Mistkäfern und besonders auch
in dieser Gattung, welche vielleicht vorzugsweise in einem har-
ten Boden gräbt, häufig vorkommt, und der im vorliegenden
Falle selbst die Form des Kopfes in nicht geringem Grade ver-
ändert zu haben scheint.
Hr. New man beschreibt in dem Eni. Magazine (IV.
p. 255.) zwei Arten Scarahaei.
Die erste, Propomacrus Arbaces benannt, isf weder der
Gattung noch der Art nach neu, denn der Käfer ist schon von
Pallas in seinen Icones unter dem Namen Sc. hiniucronattis
abgebildet, und stimmt in allen Gattungskennzeichen mit dem
Scar. longimanus F. überein, für den Kirby schon die Gat-
tung Eucheirus errichtet hatte, die zwar in keine der von La-
treille und MacLeay aufgestellten Gruppen der LameJlicor-
nen pafst, schwerlich aber nach den kürzlich von Hrn. Klug
in's Licht gesetzten Eigenthümlichkelten seines Körperbaues und
seiner Mtindthelle irgend wo mit geringerem Rechte als unter
den Dynastiden stehen würde. Das Vaterland dieses E. himu-
335
cronatus ist nicht, wie Hr. N. vermuthet, SÜdamerlca, sondern
Ambolna. Die zweite an dem oben erwähnten Orte beschrie-
bene Art ist Scarahaeus Croesus von Jamaica, der der bil-
dung der Vorderschienen nach ein Männchen, gleichwohl un-
gehörnt ist.
Aus Madaeasrar hat Hr. Klug in diesem Archiv (IV. p.70.)
eine sowohl an Aphodius als an Ae^ialla nahe gränzende neue
Form bekannt gemacht, welche im Habitus auf den ersten An-
blick einem Opatrum gleicht, und wegen der sehr characteri-
stischcn Rinne auf der Vorderseite der Vorderschienen zur Auf-
nahme der Tarsen Aulono cnemis genannt worden ist. Z.wei
Arten sind aufgeführt worden.
Hr. Graf Mannerheim beschreibt im Bulletin der Kaiserl.
Gesellsch. der Naturf. zu Moskau unter dem Namen Eupyga
BesJiii einen ausgezeichneten Käfer der Familie der Lamellt-
cornen von den Comorischen Inseln, der allerdings neue Art,
doch als Gattung mit der von Sudan stammenden PÄaeno7«eris
via'rniftca Hope zusammenkommt. In der systematischen
SteÜuns der Gattung stimmen beide Auetoren nicht überein.
Zu den BleHiopIiHen, wohin Hr. Graf Mannerheim sie rech-
nen möchte, kann sie der hornigen Oberlippe und Mandibeln
halber nicht gehören, von den MeMonthiden, unter denen Hr.
Hope Ihr ihre Stelle anweiset, weicht sie durch ein längliches
Kinn und besonders durch die Richtung der Oberlippe ab. In
beiden Stücken stimmt sie mit den Rutellden uberein, denen sie
sich nur durch gleiche Klauen und mehr Me/oZonMe/t- artige
INIandlboln etwas entfremdet.
Eine Anzahl neuer Arten der Gattung Popillia Ist von
Hrn. Mewman im Magazine of Nat. Hisiory (p. 336.) bekannt
ocmacht worden, die aber durch die blofsen Diagnosen wohl
nicht alle leicht sich erkennen lassen möchten, und von denen
die letzten Arten (17—21.) aus Mexico mit den Ostindischen
und Afrikanischen schwerlich völlig richtig zusammenstehen, und
Avenn man davon abgeht, in dem ihnen zukommenden Fortsatz
des Siernum etwas Wesentliches zu erblicken, vielleicht natur-
gemäfs mit Anomala vereinigt werden können.
Ebendaselbst (p. .392.) beschreibt Hr. Newman noch eine
neue Art von Popillia {sandyx) aus Sumatra.
Hr. ^Vaterhouse hat im Magazine of Natural Hisiory
eine schöne Abbildung und ausführliche Beschreibung des bis-
her noch nicht entdeckten Männchen der auch seit Drury nicht
wieder aufgefundenen Cetonia iorguata gegeben. Es zeigt
sich, dafs diese CcionJa denen sich anschliefst, die von Gory
und Percheron nicht ganz natürlich mit Goliaihus verei-
nl'-t sind, und in Betracht der innen gezähnten Vorderschienen
an PolypIie7nus und micans, wegen der in der Mitte einfach
rrezähuten HInterschieuen jedoch zunächst an die erst genannte
(ßJecynorhina Hope) gehört. Das Vaterland ist gleichfalls das
tropische Africa. (Die Sierra Leona.)
336
Hr. Westwood hat im fünften Bande des Eiitomologh-
cal Magazine interessante Beiträge zur Kenntnifs der Luca-
nen mitgetheüt.
Zunächst beschreibt er zwei neue Gattungen, Xiphodon-
tus (welcher Name des vorhandenen Xiphodon halber vielleicht
besser vermieden wäre), das Männchen durch aufsteigende Man-
dibeln ausgezeichnet, eine A. A. Antilope vom Cap enthal-
tend (der Corypiius Cajyensis des De jeanschen Catalogs);
Cerathognathus^ die Mandibeln des Männchen auswärts mit
einem Zahn in der Mitte, aufserdem besonders durch verhaltnils-
mäfsig lange Blätter an den Fühlern bemerkbar, auf eine kleine
Art, C.niger von Van Diemensland, gegründet. Alsdann giebt
er Mongraphien von Figulus und Nigidius. Von Figulus
zählt \\v. VVestw. 9 Arten auf, indefs ist F. ehenus von Ma-
dagaskar gewifs nicht verschieden von der zweiten Art. F. Ni-
grita JVestw. (Ovis Dej.) vom Senegal, und wahrscheinlich die
dritte, jF. sublaevis, Luc. sublaevis Pall. Beauv. auch nichts als
eine Abänderung, wo der eine Rückenstreif undeutlich gewor-
den ist. Die neunte Art, Luc. punciattls F. ist Weibchen
des L. lunaius F.y und gehört nicht in diese Gattung. Von Ni-
gidius führt Hr. Westw. 7 Arten auf, unter denen jedoch
der siebente, der aus Dejean's Catalog aufgeführte N. forci^
patus Esch. mit dem vom Verf. beschriebenen iV. laiicoUis von
Manila einerlei ist. Den N. aüriculatus Guer. hat Hr. Westw,
von dem unterschieden, den Hr. Klug als solchen in Ermans
Reise abbilden Hefs, es scheinen aber auch von den Pariser
Entomologen, von denen die Senegalschen Exemplare ausgin-
gen, beide Arten verwechselt zu sein, denn Hr. W^. bemerkt,
dafs Hr. Hope den Guerlnschen als Fig. vervex DeJ- erhielt,
während der hiesigen Sammlung der andere, von Hrn. Westw.
N. integer genannte, unter demselben Namen ebendaher mlt-
getheilt wurde. Bei dem N. Bubalus, der seit Swederus
nicht wieder zum Vorschein gekommen ist, bemerkt der Verf.
dafs Swederus in seiner Beschreibung das Unten und Oben
des Kopfes umkehrt. Zuletzt beschreibt Hr. Westw. noch
zwei Arten von Dorcus, nähmlich I). cancroides (Lucanus
cancr. F.) nach der Banks sehen Sammlung, und eine verwandte
neue, D. ohtmatus von Van Diemansland.
Eine neue Art von Chiasognatlius Ist von Lebas in
Columblen entdeckt und von Hrn. Guerin Ch. FeisiJia-
tnelii genannt worden. Sie scheint in der Färbung der Art
von Chiloe zu gleichen, die Mandibeln, länger als Kopf und
Halsschild sind grade, an der Spitze gebogen, dreieckig (ob
dreikantig? doch steht iriangulaires) , inwendig fein gezähnelt.
Der Kopf hat an seinen Vorderecken einen starken nach aufsen
vorspringenden Zahn. Das Weibchen ist kleiner, und hat kurze
Mandibeln. Es sind nur 3 Ex. gefunden worden. (Guer. Revue
Zool p. 288.)
Eine nahe verwandte Gattung, die ebenfalls im Innern
337
von Columbien einheimisch ist, ist von Dejean ursprünglich
Ortho gnathus genannt worden, da indefs schon dieser
Name von Schönherr vergeben worden ist, hat Hr. Buquct
denselben sehr passend in Spheno gnathus umgeändert.
Die einzige Art, Sph. prionoides, Ist rothbraun mit nie-
talllschem Glänze, besonders auf dem Kopfe und Halsschilde
Die Mandibeln sind beim Männchen dreimal länger als der
Kopf, stark, kegelförmig, an der Spitze hackig einwärts gebo-
gen. Innen gezähnt, beim Weibchen sehr kurz. (Guer. Revue
Zool. p. 304.)
Von einer neuen AResima^ A. sirophiuvt Fisch, vom Cau-
casus, die Im Blagas. d. Zool. dargestellt werden soll, thellt
Hr. Guer In In seiner Revue Zool. (p. 316.) vorläufig die Dia-
gnose mit. Sie scheint durch die gestielten Tuberkeln der
neben der Nath liegenden Reihe sehr ausgezeichnet zu sein.
Hr. So Her hat seine Abhandlungen über Collapteridcn
fortgesetzt, und im ersten Hefte des siebenten Bandes der
Annales de la Societe Entomologique de France die Gruppe
der Tageniten behandelt.
Sie Ist die erste Gruppe der Phaneroglossen., wo nämlich das
Kinn nicht mehr die ganze untere Mundöffnung bedeckt, und auch
die Zunge frei wird. Er theilt die Gruppe In zwei Abthellun-
gen. Indem er die, w^o sich der Kopf nicht bis an die Augen
in das Halsschild einsetzt, die Gattungen Microielus, Ta-
getiia, Psamvieiicus von den Uebilgen absondert. Blicro-
ielus Ist eine neue Gattung, die sich eng an T^^e«/« anschliefst,
M'ovon sie sich aulser der Form des Kinnes durch Adclostoma-
artlgen Habitus unterscheidet. Bei den übrigen 5 Gattungen Ist
das letzte Fülilerglled entweder an der Spitze gerade abge-
schnitten bei AminopJiorus Guer. mit dreieckig- erweiterten
und Leptynoderes mit kantigen Vorderschienen, oder unre-
gelmäfslg eiförmig und zugespitzt bei Scotobius., von welchem
Hr. Soller Gonogenius mit an den Seilen wirklich erweiter-
tem Kinn, und etwas verlängertem zweiten Gllede der Maxil-
lartaster, und Diasioleus mit gesenktem Kopfe und flügelför-
mlg erweitertem Seltenrande des Halsschildes trennt. Sind die
Unterschiede zwischen Gonogenius und Scoiobius schon sehr fein,
so gründen sich die\on Diasioleus durchaus auf nichts als die
Gestalt des Halsschildes, welche mittelbar auch die Richtung
des Kopfes bedingt, und nicht von der Bedeutung zu sein
scheint, eine naturgemäfse generlsche Trennung zu begründen.
Die beiden ersten Gattungen sind auf das Gebiet des Mittel-
ländischen Meeres beschränkt, die übrigen auf den Westen Süd-
americas, bis auf einige Arten \on Scoiobius, welche sich über
den südlichen Thell von Brasilien und In Buenos Ayres ver-
Lrelten. Microielus enthält eine Art, M. Asiatictis Sah
die sich über einen grülsercn Theil des Orient auszubreiten
scheint. Unter Ta genta zählt Hr. SoI. 21., gröfslcnlhcib
338
neue Arten auf. Psammeticus enthält nur den P^-. cosiattts
Guer.j ^mmophorus 4 A., alle aus Peru. Lepiynoderus
1 A., den Scotobius vnricosus Genn., Gonogenius 1 A., Scoto-
bius vulgaris Guer., Scoiohius 12 A., Diasioleus den aus
Guerln's Darstellung bekannten Scoiohitis coUaris Guer.
Die Larve der Blaps moriisag a ist in den Transactions
of ilie Entomol. Society von Hrn. Patterson bekannt gemacht
worden. Sie wurde auf dem Erdflur eines Hauses gefunden.
Aus der Abbildung und der von Hrn. Haliday entworfenen
Beschreibung geht hervor, dafs sie in der allgemeinen Körper-
form mit den cylindrischen drathförmigen Larven der meisten
übrigen Heteromeren (z. B. der Tenebriorten) übereinkommt,
sich durch dreieckig erweiterte Vorderschenkel auszeichnet, und
am Ende oben mit einer aufgebogenen, in zwei Häkchen aus-
laufenden Spitze, unten mit einem fleischigen zweiklauigen Nach-
schieber versehen ist.
Hr. Güerin bemerkt in seinem Mag. de Zool. cl. IX. p.
203-, dafs die Gattungen DoZ/cÄof^erMS und Nycieropus Kl.y
von welchen die eine zu den Blapiden, die andere zu den Te-
nebrionen gestellt sei, abgesehen vom Mangel und Vorhandensein
der Flügel, unter sich zu Avenig wesentlich verschieden sein,
«m als zwei natürlich geschiedene Gattungen angesehen zu wer-
den, zumal da beide Formen unter einander unter der Rinde
eines und desselben Baumes vorkämen. Der letztere Umstand
könnte nur dann etwas gelten, wenn es darauf ankäme, nachzu-
weisen, dafs beide nur eine Art ausmachen, wovon nicht die
Rede sein kann, da von beiden beide Geschlechter vorhanden
sind. Was die Uebereinstimmung in den Mundtheilen betrifft,
so finden sich bei allen verwandten Thieren nur geringe Ab-
weichungen zwischen den versch. Gatt., welche auch hier
nicht ganz fehlen, und die Abweichungen im Habitus scheinen
bedeutend genug zwischen beiden zu sein, zumal wenn man
berücksichtigt, dafs die zweite Gatt, noch mehrere ganz ähn-
liche Arten aufzuweisen hat. Die Analogie zwischen beiden
Thieren fällt beim ersten Anblick in die Augen, und ist Hrn.
Klug auch keineswegs entgangen.
Eine neue Oedemera, O. Blossevtllei, bei Aix in Savoyen
an den Ufern des Bourget-See gefunden, beschreibt Hr. Güe-
rin in seiner Revue Zool. (p. 39.) Sie würde zur Dejean-
schen Gattung Asclera gehören.
Die Herren Imhoff und Labrara haben angefangen, die
Gattungen der Rüsselkäfer durch Beschreibungen und Abbil-
dungen zu erläutern. (Die Gattungen der Rüsselkäfer erläu-
tert durch bildliche Darstellung einzelner Arten von Dav.
Labram, nach Anleitung und mit Beschreibungen von Dr.
Imhoff.)
Die vorliegende zweite und dritte Lieferung enthalten 8
Gatt, der Antlirihcn., nämlich Sienocerus Schönh. {futvitarsis),
Ncviotrichus Dej. (indistinctus ., neue A. aus Cajeune), Me-
339
conemus^ neue Gatt. (luhercuJatus, neueA. aus Mexico), Aco-
VYnus Schönh. {suldrosiris), Mecocerus Schönh. (gazelia),
Xenocerus (Saperdoides var. — oder eher eigene A.), Pty~
choderes Schönh. {elongaitis) ^ Phloeotragus Schönh. (/leros),
ferner Claeoderes Seh. (radidh'ostns), Vlocerus Seh. (tetraurus
n.A. vonBuenes-Ayres), Episus Seh. {aculeatus n. A. vom Cap),
Cylas Lntr. (Uircipennis Seh. und angustaius Dej.), Oxyrhyn-
chus Seh. (^discors), Bruchus (hiieieornis u. Caryoborus nueleo-
rum), Spermophagus Seh. (cisielinus und Cardui), Urodon
Seh, (suiuralls).
Hr. Wal ton hat im Entomological Magazine (V. p. 1.
264.) einige Bemerkungen über die Rüsselkäfer- Gattungen
Sitona, Polydrusus, Phyllohius und Apion be-
kannt gemacht, in welchen er auf eine sehr verständige Weise
die Zahl der Arten, welche seine Landsleute oft ohne hinrei-
chenden Grund aufgestellt liaben, reducirt, und besonders
auf die sexuellen Unterschiede aufmerksam macht.
Namentlich sind unter den jiplonen bei einer grofsen Reihe
von Arten die Geschlechtsverschiedenheiten angegeben worden
und nach denselben manche Arten mit einander verbundeu
andere, welche man bisher für Abänderungen gehalten, al,
A. Ervi und Laihyri Kirby , werden durch die sorgfältigen Be-
obachtungen des Verf. auf's Neue unterschieden.
Hr. Chevrolat hat in Guerln's Revue Zool. (p. 56.)
einen Cyphus consularis von Bahia beschrieben, der sich
vom (j. Varnhagemi hauptsächlich durch den Mangel der gro-
fsen schwarzen Seitenflecke des Halsschildes und der 4 oder 5
kleinen Flecke auf der Beule der Flügeldecken unterscheiden soll.
Als neu ist von Hrn. Guerin (Revue Zool. p. 107.)
eine Borkenkäfergattung beschrieben, die ihrer bemerkbaren
Fühlerbildung wegen Piezorhopalus genant ist, welche
indefs mit der im zweiten Jahrgange dieses Archivs (1836)
vom Ref. aufgestellten Gattung Amphicranus übereinkommt.
Selbst die Species, P. nitidulus G., könnte leicht dieselbe
sein, da der einzige Unterschied darin zu bestehen scheint,
dafs das Ind. des Hrn. Guerin als ganz schwarz beschrieben
ist, während bei unserem A. thoracicus Kopf und Halsschild
dunkelroth sind.
Die im vor. Jahresberichte erwähnte Gattung Tessero-
cerus Saunders ist von Hrn. Spinola Damicerus be-
nannt, die Bekanntmachung jedoch durch Hrn. Guerin zu-
fällig verschoben worden, so dafs beide Publicationeu nicht
zusammengefallen sind.
340
Hr. Guerin glebt in seiner Reviie Zool. (p. 101.) eine
Ucbersicht über diese Gattung, deren 5 von ihm besciuiebene
Arten sich indefs auf .3 reduciren, indem T. hihavtaius das
"Weibchen des T. insignis Saund. (Damicerus agilis Spin.)
inid T. affinis das Weibchen des T. retusus ist. Die erste
A. ist bekanntlich aus Brasilien, die zweite Ist aus Mexico, und
die dritte T. inermis (ein Männchen) aus Cajenne. (Das hie-
sige Museum besitzt aufser der ersten A. eine zweite weit klei-
nere aus Brasilien und eine dritte aus Coluniblen.) Der haupt-
sächlichste Unterschied von Plalypus scheint In der Bildung des
ersten Fühlergliedes zu bestehen-, es Ist bei Plalypus kurz
und elliptisch, hier länger, llnienförmig und gebogen, mit über
die EInlenkung des zweiten Gliedes, wenn auch häufig nur in
sehr geringem Grade, wegragender Spitze. Die in A(it Endl-
gung der Flügeldecken gegebenen Geschlechtsunterschlede sind
mit denen von Ptatypus ganz analog.
Hr. Kunze hat in Germar's Zeitschrift für die Entomo-
logie (p. 383.) einen Nachtrag zu der im vorigjährigen Be-
richte angezeigten Aub eschen Monographie der Gattung
Monotoma gegeben, in welchem er 5 Europäische Arten-
beschreibt. Zugleich bemerkt er dafs der Fiihlerknopf aus drei
Gliedern zusammengesetzt sei, welche aber innig mit einander
verschmolzen sind. Ref. kann noch hinzufügen, dafs die Fiifse
auch nicht, wie Aube sie abbildet, 4-, sondern 3-gliedrig sind,
wodurch, wie im Bau des Mundes, sich diese Gattung sehr
genau an Latridius anschliefst
Hr. Ne wman hat in den Annais ofNat. History (p.388.);
eine Uebersicht über die Arten von P assandra gegeben,
welche er in die drei Gattungen PassüTidra Dalm., llecf-
arthrum Newm. und Catogeniis Westw. theilt, welche
sich aber kaum mit Fug unterscheiden lassen, und welche der
Verf., wie er selbst bemerkt, auch nur geschieden läfst, weil
sie einmal unterschieden sind.
Unter Passandra linden wir drei Arten aufgeführt, P.
sexstriata Dalm.^ P. Coiumbus Newm. und P. fasciaia GriJ^.^ un-
ter Hectarthrum 9 A., von denen Indefs H, curiipes Newm.
mit der zweiten A. H. gigcis^ Cuciiius gigas F. einerlei Ist, und
wenn man Irgend eine Unterscheidung der unter diesen drei
Gattungen aufgeführten Arten gelten lassen will, jedenfalls zu
der als Passandra bezeichneten Abtheilung gehören muls. Die
für Meciai^Jirum angegebenen Charactere passen nur vollkom-
men auf eine Art, die Hr. Ncwn. hier als H. hrevifosstmi be-
schreibt, die aber ohne Zweifel (]or Cucuius heros F. isl, den der
Verf. auch noch als H.heros aufführt. Die übrigen sind JLtri-
geminuvi, H.bislriatuvt, {Passand. bisiriataL<ip.)heidc aus Ostindien
341
und der lofzlgcnannton Art nahe verwandt, H. gemeTllpctrum
vom Senegal, und H. semifmcum ^ viclleiclit oinerici mit der
letzten, U. rujlpcnnc^ Cucuiits ru/qiennis F. Cntos^cnus, iden-
tisch mit Isonolus Pcr/i/, yinisoceri/s Tlope nnd Isoceriis lUig.
(letztere Rcnenniing- durch ein irrthümliches Cilat allgemein
milsverstanden) enthidt die Arten C. carlnnU4s vom Cap. , C.
casianeiis^ Isoti. casi. Pcrtij, C rufiis JVesiw. ; die beiden letzten
scheinen nach den Angaben des Yerf. einerlei zu sein, sind
dann aber auf eine noch unbenannte Brasilische Art zu beziehen
und sowohl vom Isonolus casi eine iis Periy als vom Nordamerikani-
schen Cucuius rtifus F. verschieden, zu welchem letzteren der
als letzte Art beschriebene C. punciicolUs als Synonym zu
rechnen ist.
Eine Monographie der Gattung Rhysodes ist von Hrn.
Newman im Magazine of Nat. History (p. 663.) gegeben
worden, welche 8 Arten umfafst.
Die erste, Rh. sir nhus ans Java, ist neu, die zweite, Rh.
araius aus Nordamerika ist der eigentliche Rh. exaraius der
hiesigen Sammlung, der bisher von den Auetoren mit der Eu-
ropäischen Art verwechselt, und auch von West wo od als
solche abgebildet worden; die dritte, Rh. eocaraius Dalvi.
(Europaeus DeJ.) ist von Fabrlcius schon in der Mantissa
unverkennbar als Cucuius sulcaius beschrieben, wie Illiger
(Mag. III. p. 174.) es richtig erkannt hat, welchen aber Schön-
nerr merkwürdiger \'V eise zum Dendrophagus crenains zieht,
denn die FiUder dieses letzten Käfers (des Dr. crenalus)
hreves^ inonUiformes za nennen, ist doch gewifs mehr als
man Fabricius zutrauen darf. 4. Rh. liraius aus Brasilien.
5. Der von Guerin in der Iconographie abgebildete Rh. co~
Status eben daher. 6- Rh. sculptilis aus Nordamerika, sich
nahe anschliefsend an 'i.'Rh. (xuildingii^ CUmdhwi Guüdingü
Kii'by^ welcher hier vielleicht nicht mit Unrecht in dieser Gat-
tung luitergebracht ist, obgleich manche feinere Charaktere für
die Ansicht des Hrn. Westwood sprechen, ihn als Rhysodes
zwar nächst verwandte aber doch verschiedene Galtung anzuse-
hen. Endlich 8., Rh. monilis., Ips7noniIis Ol., den Hr. New-
man, vermuthllch von einer von Gyllenhal geäufserten Muth-
mafsung geleitet, wohl mit zu grofser Zuversicht zu dieser
Gattung zieht, und welcher eher ein Colydiiim^ dem C. hidcn-
iatum verwandt, zu sein scheint.
Ein neuer Paiissus aus Pegu, eine Tagereise von Ran-
goon, auf einem Palmstamme gefunden, ist von Hrn. Guerin
in der Revue Zool. (p. 20.) unter dem Namen P. Jousselin ii
beschrieben worden.
Er gehört zu der Abtheilung des P. microcephahis L. (tho-
racc quasi hipariito)., gleicht in der Gestalt der Fühler mehr
dem P. HardwicJiii JVesiw. Hr. Chevrolat bemerkt an der-
selben Stelle, dafs der Käfer, den er bei seiner Darstellung des
342
P. comuius (Guer. Magas. cl. IX. pl. 49.) für das Männchen
desselben gehalten, ihm bei wiederholter Untersuchung als neue
Art erschiene, und beschreibt ihn unter dem Namen P. curvi-
cornis (vom Senegal).
Ferner sind von Hrn. Saunders in den Traiisactions
der Entomologischen Gesellschaft z.u London zwei Arten die-
ser Familie beschrieben, nämlich der Paussus Fichtelii Don.
aus Bengalen, und ein neuer Platyrhopalus, dem ausge-
zeichneten Monographen der «kleinen merkwürdigen Familie zu
Ehren PI. Westwoodii genannt, in Ostindien einheimisch.
Hr. West wo od selbst hat am nämlichen Orte einen sehr
bedeutenden Nachtrag zu seiner Monographie gegeben.
Von Paussus beschreibt er zunächst vier neue Arten aus
dem südlichen Africa, trägt die genaue, nach einem im hiesi-
gen Museum enthaltenen Exemplar gemachte Beschreibung des
P. ruber Thunb. nach, und führt zuletzt noch die an anderen
Orten beschriebenen P. curvicornis Chevr.^ Jousselini Guer,
bifasciaitis Koll. und Ttircicus Friv. auf. Yon Platyrho-
palus wird PI. Mellei aus Malabar, In Guerln's Iconographle
abgebildet, charakterisirt, und eine neue Art aus Ostindien, PI.
angustus, ausführlich beschrieben. Dann schaltet Hr. AVest-
woo d eine neue Gattung Lebioderus ein, die mit Plalyr/wpnJus
in der verhältnifsmäfsigen Kürze des Endgliedes der Lippentas-
ter, und dem grofsen, an der Spitze nach innen ausgezogenen
zweiten Gliede der Maxillartaster übereinkommt, in der Bildung
der Fühler aber sehr abweicht, und hierin sich näher an Peii~
iaplaiarihrus anschliefst, aufserdem die Eigenthümüchkeit wirk-
lich vicrgliedriger Füfse hat. Die einzige bekannte Art, L,
Goryi, ist in Java einheimisch. Von Cerapierus beschreibt
Hr. W. endlich eine Art, die er hier von dem von Donovan
abgebildeten C IMac Leayi nicht zu trennen wagt.
In dem Mniomological Magazine kommt Hr. West-
wood auf die Gattung Cerapierus zurück, namentlich auf
Veranlassung der von Mac Leay unternommenen Theilung in
zwei Untergattungen: Cerapierus in Asien und Africa, jar-
ihropierus in Neuholland einheimisch. Erstere, den C, laiipes,
Horifieldü^ Snnihii, letztere den ächten Blac Leati und den von
W. zuletzt für denselben gehaltenen enthaltend. Hr. West-
w^ood zeigt, dals sich Mac Leay's Untergattungen nur auf
oberflächliche Betrachtung der Körperform gründen, und dafs,
wenn sie angenommen werden sollen, auch C. Smiihii und C.
Mac. Leaii JVesiw. eigene Untergattungen bilden müfsten, und
unternimmt es auch selbst dieselben aufzustellen. Dadurch
erhält die Gattung Cerapierus folgende Gestalt: Untergatt. 1.
Cerapierus: laiipes Swed. und Horsßeldii T^esiw. 2. OrtJio-
pierus JVesiw. Cer. Sviiihn Mac L. 3. ^rthropierus Mac. L»
Cer. Mac Leayi Don. 4. Phymatopterus TFestw. Cer. Mac
Leayi Tf^esiw. Aufser dem Verhältnifs des Kopfes und Hals-
343
scliildes und der Form des letzteren, weichen diese Unterj^at-
luiigen darin von einander ab, dals bei den beiden ersten die
Flügeldecken so lang als der Leib, bei Arthroptcrus etwas kür-
zer als der Hinterleib sind, bei P/iymaloptcrus am Aulsenrande
vor der Spitze eine Beule haben, dals die Schienen an der
Spitze innen bei Ceraplerus keinen, bei Orthopients einen, bei
u4riJiroj)ierus und Phymatopterus zwei Dornen haben, dals der
äulsere Winkel der Spitze bei Phymatopterus abgerundet, bei
Arth'opieriis scharf ausgezogen ist.
Von der in seiner Monographie auf den Pauftsus crnciaii/s
gegründeten Gattung Trochoideus bemerkt Hr. Westwood
in seiner erstgenanten in den Transaciions of ihe Eni. Soc.
enthaltenen Abhandlung mit grofsem Rechte, dals sie eigenlliih
zu den Endotnychen gehöre, und weist dies auch durch die Ab-
bildung der Mundtheile einer zweiten Art nach, die aut" Mada-
gascar einheimisch ist, und die er unter dem Namen Tr. Dal-
inani beschreibt. Eine drite Art von Isle de France, Tt\
Uesjardinii ist von Hrn. Guerin in seiner Revue 2^ooJ.^.2'i.
beschrieben, und diese Beschreibung auch von Hrn. Westw.
wiedergegeben.
Zuletzt berührt Hr. West wo od noch die Gattung il/c-
gadeuierus, die er in seiner Monographie auf den Pnussns ßa-
vicorms F. gegründet hatte, und bemerkt ihre nahe Verwand-
schafl mit TSlalachius ^ zeigt, dals ihr 10-gliedrige Fühler zwar
mit dem if/. li-maciilntus gemein, dafs aber in Verbindinig
mit der wunderlichen Bildung des, zweiten Fühlergliedes 4-glie-
drige Vorderfüfse bei 5-gliedrigen hinteren Fülsen, ganz ausge-
zeichnete Charaktere wären, und dafs namentlich von letzterem
ihm kein ähnlicher Fall bekannt sei.*) Er beschreibt hier eine
zweite Art der Gattung, M. Maivorthi^ unbekannten Vaterlandes,
die aber ohne Zweifel mit dem von Say beschriebenen IMalachius
viitatus einerlei ist, und mit dem ]\I. 4:-inacidatuSj F. dessen
Männchen der Paussus rußcortiis F. ist, ferner dem IM. hipun-
ctaius Say (a-anlhosiojna üej.)^ iricolor Say, nigriceps Say, ferner
den noch unbeschriebenen M. hisirio Esch. und 31. Lebasii Dej.
und noch mehreren unbenannten Arten zu einer kleinen Gruppe
gehört, bei denen die Fühler bei beiden Creschlechtern anschei-
nend 10-gliedrig, beim Weibchen einfach, beim Männchen die
beiden anscheinend ersten Glieder erweitert und namentlich das
zweite wunderlich gestaltet, beim Weibchen die Vorderfüfse 5-,
beim Männchen 4-gliedrig sind, welche Nordamerika, Mexico
und dem nächstgelegenen Theile von Südamerika eigenthümlich
zu sein scheinen, mit denen Ostindische Arten, deren Reprä-
sentant Paussus ßavicoimis F. ist, in der Bildung der Fühler
ganz übereinkommen, xinA nur darin abweichen, dafs beim
Männchen die Zahl der Glieder an den Vorderfüfsen nicht ver-
ringert ist.
Eine Monographie der Gattung Anacolus hat Hr. Me-
netries im Bull, der Academie der Wissenschaften zu St.
*) Vergl. des Ref. Gen. et spec. Staphyl. p. 6.
344
Petersburg gegeben, welche 8 Arten dieser interressanten Gat-
tung umfafst:
Nämlich aufser den beiden in der Encyclopedie beschriebe-
nen, ji. liigvhris und sangnineus^ dem von Perty abge-
gebildeten ^.praeustus^ dem von Gory in Guer. Mag. Zool.
dargestellten ^. A-inactilatus (4:-punctaius Grijf.)^ eben so
viel neue: ^. himaculalus, lividus^ nigricollis^ und 4-
noiatus Menetr. (Die hiesige Sammlung enthält 10 Arten.)
Hr. Dupont hat seine 1836 im Guerinschen Ma gasin
de Zoologie begonnene Monographie des Trachyde-
rides in dem gegenwärtigen Jahrgange derselben Zeitschrift
vollendet.
Diese zweite Abtheilung enthält den Schlufs der Gattung
Trachydeves (51 A,), die Gatt. Xylocharis (4 A.), An-
cviosiernus Diip. (^ Cer. scutellaris Ol. mit dem A. ßavicornis
JDej. wohl mit Unrecht als Abänderung verbunden ist.), Oocy-
merus (16 A.), Sienaspis (2 A.), Crioprosopus (2 A.),
Sphenoihecus (4 A.). — Die ganze Abhandlung ist auch be-
sonders in den Buchhandel gegeben.
Zwei neue Arten der Gattung Phaedinus, beide aus dem
Englischen Guyana, sind von Hrn. Guer in in seiner Revue
Zool. (p. 287-) vorläufig durch ihre Diagnosen bekannt gemacht.
Der eine Ph. Dehauvei ist dunkelkastanienbraun, mit zwei
gelben Binden auf den Flügeldecken, der andere, PJu lanio ist
blutroth mit schwarzer Mitte der Flügeldecken.
Ebendas. (p. 253.) beschreibt Hr. Buquet eine neue Ce-
rambycinen- Gattung Äegoidus., welche viel Aehnliches mit
DcsmocerusDej. hat, sich durch das Fehlen der Einschnürung
des letzten Fühlergliedcs, und die an der Spitze nicht stachli-
gen übrigen Fühlerglieder unterscheidet, und welche neben
t)orcacerus ihre Stelle finden würde. Die einzige Art aus Peru,
j4. Periiviamis ., hat die Grüfse des Uorcac. harhaitis, und ist
rostroth mit helleren Flügeldeken.
Hr. Chevrolat stellt in Sllbermann's Revue JEniomo-
logigue eine neue dem Blolorchus abhreviatus verwandte Art,
Molorchus Ulmi^ auf, welche bei Paris vorkommt, und sich
namentlich durch die dichte, seidenartige, goldgelbe Behaarung
des Kopfes, Halsschildes und der Flügeldecken auszeichnet.
Einen neuen Gattungsverwandten der Saperda clnvicornis F.
und hicincia Ol. beschrieb Hr. Chevrolat in Guerin's Revue
Zool. (p. 288.) unter dem Namen Polyzonus Blanillarutti
aus Manila. Er ist blau, auf den Flügeldecken mit zwei gelben
Binden, von denen die zweite an der Nath sich im Winkel erweitert.
Hr. Desjardins theilt im Magazine of Nat. Hislory
(p. 468.) eine Monographie der Gattung Leptoceva De/', mit.
Aufser dem Typus der Gattung, Ceramhyx scripius jP.,
der häufig auf der Insel Mauritius ist, und dessen Larve in Eleo-
dendron Orientale lebt, beschreibt er noch zwei neue Arten von
345
Bourbon, Li. Mezierei und ßeaumoniii und die Li. gra-
phica Boisd. aus Neuholland. Die fünfte erwähnte Art L.hi-
lineaia der Guerinschen Iconographie gehört wohl nicht mit
Recht in diese Galtung.
In der Revue Zool. (p. 255.) theilt Hr. Buquet vorläufig
die Diagnosen zweier im Innern Brasiliens einheimischer La-
viien mit, welche zur Gattung Phacellus Dej. gehören. Aus-
führlichere Bcschreihung und Abbildung der beiden A. sind in
Guerin's BIngas. d. Zool. zu erwarten, wo schon eine A. die-
ser Gattung unter dem Namen ^canihocinus Boryi darge-
stellt sich findet.
Eineneue Galler uca, G. {Aplosonyx) smaragdi-
pennis aus Manila, röthlicb gelb, mit grünen, sehr blanken
Flügeldecken, ist von Hrn. Chevrolat in Guerin's Revue
Zool. (p. 288.) ausführlicher beschrieben worden.
Ref. hat in Germar's Zeitschrift für die Entomologie
(p. 369.) die Bemerkung gemacbt, dafs der Byrrhus con~
color Sturm, welcher bei den Englischen Entomologen die
Gattung Oomorphus bildet, eine den Lamprosomen ent-
sprechende Form der eigentlichsten Chiysoinelen, und voii
den Byrrhen zu denselben zu versetzen sei.
Eine Anzahl neuholländischer von Hrn. Darwin gesam-
melter Halticae ist von Hrn. Waterhouse in den Trön*-
actions der entomologischen Gesellschaft zu London beschrieben
worden.
Bei den zehn ersten Arten ist kein Vergleich mit Europäi-
schen Arcen angestellt worden, vielleicht sind viele auch nicht
mit solchen zusammenzustellen, zumal bei einigen bemerkt ist,
dafs sie den Habitus vom Psylliodes haben, welche Form wohl
am Meisten mit Plecirascelis {Halt. arideUa) übereinkommt, aber
doch auch wesentlich von ihr abweicht, und Neuholland eigen-
thümlich zu sein scheint. Eine eilfte Art rechnet Hr. S. zu
Dlacronema Mag. (d. h. Psylliodes Latr. EL. Altitarses Illig.)y
die sich aufser der Einlenkung der Hinterfüfse noch durch zehn-
gliedrige Fühler auszeichnet. Ebenso auffallend ist das Vor-
kommen von Dibolia (H. Crj/piocejjhalae Illig.) in Neuholland,
von denen fünf Arten beschrieben worden, deren characteristi-
sche Püchtung des Kopfes und äul'sen mit einem Zahn bewaff-
nete Schienen dem Verf. nicht entgangen sind, bei denen er
aber leider nicht bemerkt hat. ob sie auch in der Eigenthüm-
lichkeit des gabelförmigen Enddorns der Hinterschienen mit den
unsrigen übereinstimmen.
Ein Ungenannter hat in den Transactions der Entomolo-
gischen Gesellschaft zu London einige Beobachtungen über
V. Jalirg. Bd. 2. 23
346
das Erscheinen der Erdflöhe (Haltica oleracea und nemoruni),
die den Tiirnips- Feldern so uachtheilig werden, niedergelegt.
Aus den Versuchen, die er deshalb, anstellte geht hervor,
dafs Pflanzen, die in Töpfe gesäet waren und im Gewächshause
standen, weniger befallen wurden als solche, die im Lande stan-
den, und dafs solche, wo die Töpfe, mit Gaze bedeckt waren,
garnicht angegangen wurden. Der Verf. schliefst hieraus, dafs,
was von Manchen geleugnet werde, allerdings die Käferchen
sich in der Umgebung der Felder auf wilden Pflanzen aufhal-
ten müfsten, und ihre Eier erst auf die aufgehenden Turnlps-
pflanzen legten. Als Mittel gegen das Uebel empfiehlt er flei-
isige Bewälserung, indem dadurch die Pflanzen an Kraft ge-
Avönnen, und den Frafs der Erdflöhe zu überwinden in den
Stand gesetzt würden.
Ctenistes palpalis \vurde von Hrn. Cremiere bei
Loudun aufgefunden, und die Gevvifsheit erlangt, dafs Ct,
Dejeanii Enc. das Männchen dieser Art ist. (fiuer. Re-
vue Zool. p. 55.)
Orthoptera.
Hr. Burmeister hat in der Fortsetzung seines Iland-
bnches der Entomologie, und zwar in der ersten Hälfte
der zweiten Abtheilung des zweiten Bandes, die gewöhnlich
als Orthoptera angenommenen lusecten in derselben Weise
wie in der ersten Abtheilung desselben Bandes die Hemiptera
bearbeitet.
Der Verf. verbindet mit dieser Ordnung zunächst die Blasen-
füfse (Thrips), die sog. belfsenden Läuse {Mallophagen) , die
Thysanuren und Lepismen. Bei der ersten Familie Ist die Be-
arbeitung von Haliday wiedergegeben; für die zweite sind
die Handschriften vonNitzsch benutzt worden. In der Bear-
beitung der eigentlichen Orthoptera im La treille' sehen Sinne
ist der Verf. von den A'on Serville für die EInthellungen in
Familien und Gattungen aufgestellten Prinzipien wenig abgewi-
chen, und wenn die Familien hier so natürlich begränzt sind,
dafs über ihren Werth und Umfang selten Zweifel entstehen
können, sind gerade diejenigen Abtheilungen, welche mau ge-
genwärtig als Gattungen aufzufassen pflegt, um so weniger
leicht auseinander zu setzen, nicht der Schwierigkeit der Un-
tersuchung halber, sondern weil man bald einsieht, dafs die
sich zunächst darbietenden und bisher benutzten Unterschiede
von untergeordneter Wichtigkeit sind. Was die specielle Be-
handlung betrifft, so hat der Verf. hier die Hülfe entbehren
müssen, die ihm einst bei der Bearbeitung der Heinipieren die
in diesem Thelle geordnete und von alter Zeit her sorgsam
bestimmte Sammlung des hiesigen Museum leistete. Es kommt
347
in der vorliegenden Ablhelliing daher häufig vor, dafs die bei-
den Geschlechter einer Art, und auch noch wohl Farben -Ab-
änderungen derselben als verschiedene Arten aufgefülirt sind,
auch finden sich in den Bestimmungen selbst bekannterer Arten
manche Irrthümer, wie sich auch in den Vaterlaudsbezeichnun-
gen häufig Verwechselungen eingeschlichen haben. Auch in
anderen Angaben wäre öfter etwas mehr Kritik Noth gewesen.
So hat sich in der, p. 538. aus einem Briefe des llrn. Zim-
mermann abgedruckten Geschichte der Mantts Cnvo^'tna^ wo-
nach dieselbe so gar Frösche und Eidechsen, dreimal so lang
als das Thier selbst, verschlungen hätte, dieser Freund offen-
bar ein Späfschen mit dem Verf. gemacht, und schwerlich hat
der achtbare Urheber desselben nuithmafsen können, dafs dem
Publicum diese Mystification treuherzig mitgetheilt werden würde.
Die bekannten sowohl als auch die zahlreichen neuen Ar-
ten sind immer nur durch kurze Diagnosen*) bezeichnet, welche
selbst zum Theil wenig zutreffen, und künftigen Bearbeitern
dieser Familie viel Kreuz verursachen werden , wenn sie diesel-
ben nicht ganz übersehen wollen. Bekanntmachungen von Ar-
ten in dieser ^Veise sind zwar sehr bequem, aber auch, wo nicht
nachtheilig, wenigstens eben so nutzlos, denn wenn dadurch eine
Art kenntlich gemacht sein soll, erfüllen sie ihren Zweck nicht,
und steht man davon ab, sind sie ganz zwecklos. Ausführlicher
ist der Verf. in den Beschreibungen der Familien zu Werke
gegangen, und wenn seine Darstellung hier mitunter der Vor-
wurf zu grofser Breite treffen könnte, hat er doch überall eine
vollständige Schilderung des äufseren, und soviel derselbe be-
kannt geworden, des inneren Baues gegeben, imd überall die
Htterärlschen Hülfsmittel in der möglichsten Vollständigkeit be-
nutzt.
Hr. V. Charpentier hat in Germar's Zeitschrift fiirdie
Entomologie (p. 371.) Beiträge zur Synonymik einiger Ortho-
pteren geliefert, in welchen dieser vorzügliche Kenner dersel-
ben die Bestimmungen der Empusa hyalina, hidens, tri-
color, Mantis sinuata, Locusta elongata, Bra-
dyporus dasypus, Gryllus elephas, rtiiles, sphin-
giformis, ferner die der in Schaff er's Iconen und bei
*) Der Verf. hat angefangen, die Diagnosen zu Gunsten der
Ausländer lateinisch zu geben, e^ ist aber die Frage, ob sie Aus-
ländern ohne Kenntnifs des Deutschen durchweg verständlich sein
werden. Unsere westlichen Nachbareu bieten uns in ihren naturhisto-
rischen Abhandlungen auch nicht selten ein Latein an, welches man
nur dann entziffert, wenn man es in die INIuttersprache des Verf.
wörtlich zurück übersetzt, und welches man den zum Theil sonst
sehr schätzbaren Auetoren selbst, weil sie nicht Gelehrte von Fach
sind, unsern nachsieht.
23*
348
Rösel vorkommenden Libellen erläutert. An Forficula
minor hat er die Beobachtung gemacht, dafs sie ihre Zange
gebraucht, um beim Auffliegen die Flügel zu entfalten.
Hr. Ritter hat im achten Theil seiner Erdkunde eine
eigene Abhandlung der Heuschreckenplage der Länder
der alten Welt, nach ihrer geographischen Ver-
breitung, gewidmet.
Indem es unmöglich ist, mit wenigen Worten die Resultate
der Untersuchungen des beridmiten Verf. darzulegen, mufs Ref.
sich darauf beschränken, seinerseits einige Bemerkungen über
die Verbreitung der einzelnen als Wanderheuschrecken
bekannt gewordener Arten hinzuzufügen. Merkwürdiger Weise
scheint (xryllus migratorius L. hier am Wenigsten in Be-
tracht zu kommen. Erfindet sich zwar in einem grofsen Theiie von
Europa, scheint aber nicht welter als bis zur Türkei vorzukommen.
Im Orient und Africa weit verbreitet Ist dagegen eine Art, Gr.
cinerascens F.^ die auch im südlichen und mittleren Europa
häufiger als Gr. migratorius ist, im Norden (Schweden) aber
fehlt. Die Schwedischen Auetoren kennen Ihn daher garnleht,
bei uns wird er mit dem Gr. migratorius verwechselt. (Herr
V. Charpentier hat ihn als Abänderung mit denselben ver-
bunden, Hr. Burmeister hat ihn selbst als den eigentlichen
migratorius aufgestellt.) In diesem ist seiner Verbreitung nach
eher eine Wanderheuschrecke zu vermuthen. Eine diltte ent-
schiedene W^anderheuschrecke ist Gryllus iataricus F. der
sich über das westliche Asien, einen grofsen Theil Africas, und
über Süd-Europa, so weit dasselbe dem mittelländischen Meere
abhängig ist, verbreitet. Dem Gr. migratorius und cine-
rascens sowohl, als dem Gr. tatarictis ähnliche Arten kom-
men mehrere im Orient und In Africa vor, welche vielleicht
auch zum Theil Wanderungen unternehmen. Eben so Ist eher
zu vermuthen, dafs die Zugheuschrecken Ostindiens und Chinas
uns vielleicht zum Theil schon bekannte, den oben genannten
ähnliche, als dafs es dieselben Arten sind.
lieber Tridactylus variegatus hat Herr Leon
Du f cur seine höchst interressanten Untersuchungen in den
uinnal. des scißnc. naf. (IL Ser. IX. p. 321.) mitgetheilt.
Die Gattung ist von Latrellle, und nach ihm von allen
Entomologen, die über sie gehandelt haben, zu dem Heimchen
gerechnet worden, und namentlich beständig neben die Maul-
wurfsgrylle gestellt; es geht aber aus der inneren Structur her-
vor, die ganz die der Acrydien ist, und wesentlich von der
der Helmchen abweicht, dals ihre Stelle neben Tettix {Acrydi-
um F.) sein würde. Die Aehnlichkelt im Körperbau mit einer
Maulwurfsgrylle ist nur durch die Bestimmung des Thieres zum
Graben bedingt. Es hält sich dasselbe an sandigen Ufern auf,
wo es vorzüglich mit Hülfe der Mittelbeine sich bewegt, und die
Hinterbeine nur dann in Gebrauch nimmt, wenn es seine mit
349
iinglaiibllclier Kraft ausgeführten Sprünge unternimmt. Im
Sande gräbt es tiefe Gänge. Woraus seine Nahrung in dem
Wahlen Sande besteht, ist norh zweifelhaft. Hr. Foudras hatte
zwar aufgestellt, dafs es Sand verschlucke, Hr. L. Duf. glaubt
aber, dafs Hr. F. dadurch getäuscht worden sei, dafs er gesehen,
wie es die Mandibeln beim Graben zu Hülfe nehme, ohne zu
bemerken, wie durch eine eigene Vorrichtung von Borsten das
Eindringen der Sandkörner in den Mund verhindert werde.
Auch hat Hr. L. Duf. nie eine Spur von Sand im Nahrungska-
iial angetroffen. Die Thiere leben in grofsen Gesellschaften
zusammen, indefs hat Hr. L. Duf. nur einmal ein Individuum
mit ausgebildeten Flügeln, die er als Elgenthümlichkeit des
Männchen bchachlet, angetroffen; es ist aber leicht möglich,
dafs hier ein ähnliches Verhältnifs, wie bei manchen Hemipiereti
(z. B. Vcli(i) stattfindet, wo nur bei einigen Ind., und in spar-
samen Fällen, die Flügel zur Entwickelung gelangen.
Hr. Beyer de Fonscolombe hat in den Annal. d. l.
Soc. Eilt, de France seine Monographie der Libellen der
Umgegend von Aix festgesetzt.
Es ist diesmal die Gattung JLeschna beschrieben worden,
lind zwar von der Abtheilung mit zusammenstofsenden Augen
8 A., unter denen eine neue: ^. Irene; von denen mit ge-
trennten Augen (d.h. Pctalura Leach) nur eine, A.forcipata,
Von der letzteren Abtheiliing hat Hr. Guerin in seinem
Mag. Zool. Gl. IX. p. 201. eine neue Art Pctalura Se-
lysii ans der Pariser Gegend abgebildet, und zugleich die
characteristischen Theile der nahe verwandten P.ßavipes und
jingiilcnlata dargestellt.
Bekanntlich hängt bei den Libellen in der Begattung
das AV eibchen nicht mit dem Iliuterleibsende des Männchen,
sondern mit der Tasche am Grunde des Hinterleibes zusam-
men, ein Umstand der lange räthselhaft gewesen ist, weil
man bei anatomischer Untersuchung die Samen -Ausführungs-
gänge auf die gewöhnliche Weise bis zum Ilinterleibsende
verlaufen sieht. Hr. v. Siebold hat dies Räthsel gelöst: es
wird nämlich der Same von den Männchen in die Tasche am
Grunde des Hinterleibes ausgeleert und hieraus vom Weib-
chen aufgenommen. (Dieses Archiv IV. p. 375.)
N e u r o p t e r a.
In dem 1838 erschienenen Bande der Abhandlungen der
Acadeniie der Wissenschaften zu Berlin ist der Versuch
einer systematischen Feststellung der Insecten-
350
Familie Panorpatae und Auseinandersetzung ihrer
Gattungen und Arten von Hrn. Klug entlialten.
Der Verf. weist nach, »Jafs der von Latreille in der
schnabelförmigen Gestalt des Mundes aufgestellte Character der
Panorpatae durch die Zerlegung des Mundes nicht als durch-
greifend bestättigt werde, dals vielmehr ungegliederte äufsere
Maxillarlade, das Ausbleiben der ligula^ und zweigliedrige La-
bialtaster die wesentlichen Merkmale dieser Familie ausmachen,
aus welcher trotz der ähnlichen äufseren Gestalt des Mundes
Nemopiera^ welche sich durch vorhandene ligiiia, dreigliedrige
Lippentaster und zweigliedrige äulsere Maxillarlade als zu der
Familie der Hemerobien gehörend ausweist, entfernt werden
müs.se. Die Verwachsung der Mundtheile an ihrer Basis, wo-
rauf der Fabricische Ordnungsname Synistata hindeutet, trifft
zwar bei den Panorpen meistentheils ein , indefs giebt es eine,
in Neuholland einheimische, bisher unbekannte Form, Chori-
s/«, bei welcher die Mundtheile alle bis auf den Grund ge-
trennt sind, welche aber sonst in den oben bemerkten Eigen-
thiimlichkeiten nicht nur ungezwungen zu den Panorpen zu
zählen, sondern auch in den Verhältnlfsen und Formen der
einzelnen Theile der Gattung Panorpa selbst sehr ähnlich ist.
Von Nemopiera beschreibt Hr. Klug 13 Arten, und in der
Familie der Panorpen von Bitiacus 11, der neuen Gattung
Chorisia 1, von Panorjya 7, von Boreus 1 Art,
Der Ref. hat die in der hiesigen Sammlung befindli-
chen Arten der Gattung Mantisp a in Germar's Zeit-
schrift fiir die Entomologie besclirieben, und mit 4, ihm nur
durch Beschreibungen bekannten, im Ganzen 24 Arten auf-
gezählt.
So sehr die übrigen alle unter sich übereinkommen, so
sehr weicht eine, deshalb mit dem Namen M. notha bezeich-
nete, von den übrigen ab, und dürfte wohl mehr als blolse
Unterabtheilung der Gattung sein, mit der sie lieber verbun-
den worden ist, weil die Untersuchung, die das Verfolgen aller
Differenzen nothwendig gemacht hätte, bei dem einzigen Ex-
emplar eines so zarten Thieres nicht zu wagen Avar. Unter
mehreren Mantispen, die seitdem der Sammlung zugekommen
sind, befindet sich eine, die auf ähnliche Weise, wie diese M.
notha von der typischen Form abweicht. Eine neue Maniispa
ist von Hrn. Guerin (Mag. Zool Cl. IX. pl.WL) abg.bildet.
Sie gehört zu den grölseren Arten und hat manches Achnliche
mit M. varia. X\ä Vaterland ist Aegypten angegeben. Die
unter dem Namen M. chalybea beschriebene Art ist nach Hrn.
Burmeister's Bemerkung schon in Duperrcy's Heise von
Guerin abgebildet uud M. grandis genannt worden; die un-
ter diesem Namen vom Ref. aufgestellte Art ist also anders {de-
ciimana) zu benennen.
351
lieber die früheren Zustände der Neuropteren hat Hr.
Stein in diesem Archive Nachricht gegeben, welche die Gat-
tungen Raphidia, Panorpa und Osmylus betrifft.
Die VerwandlungsgeschJchte von Raphidia ist zwar neuer-
lich von mehreren Seiten bekannt gemacht worden, doch bei
der grolsen Genauigkeit, mit welcher Hr. St. so wohl die
Larve und Puppe beschreibt, von vielem Interesse; die Mitthei-
lungen über Panorpa beziehen sich zwar nur auf die Nymphe,
welche Hr. St. in der Erde an einer EUernwurzel antraf, doch
sind sie um so wichtiger, als wir über alle früheren Stände
nichts hatten, als eine sehr wenig befriedigende Notiz, die
von Hrn. Marquard im 22sten Bande der Annales des Sciences
NaUircUes niedergelegt worden ist. Von Osmylus endlich hat
St. nur die Nymphenhaut unter dem frisch ausgeschlüpften In-
secte gefunden, und seine Vermuthungen in Betreff der Lebens-
art der Larve, scheinen bei der nahen Verwandschaft des Thie-
res mit Hemerohius etwas gewagt zu sein.
Die Verwandlung des Ameisenlöwen hat Hr. Westwood
im Magazine of JSat Uistory (p. 601.) aus eigener An-
schauung geschildert. Wenn auch gerade keine neue That-
sachen von ihm entdeckt sind, ist die Darstellung aus der
Feder dieses Entomologen doch immer von Interesse.
H y in e n o p t e 7' a.
Die fufslosen Hymeno pteren-Larven werden in
den Transact. qf tJie Ent. Soc. von Hrn. West wo od einer
Untersuchung unterworfen.
Der Verf. bemerkt, dafs von Latreille, und auf dessen Au-
ctorität von Kirby und Spence, und auch einmal von Mac Leay
angenommen wäre, dafs das vierte und fünfte Segment der In-
sectenlarven, welche bei denen, die Afterfüfse haben, fufslos
sind, bei der Metamorphose in die Flügeltragenden Ringe des
Tliorax umgewandelt, und gewifsermafsen auf die Beinetragen-
den heraufgeschoben würden, dafs aber von Audouin, durch
Verfolgen der Metamorphose und Vergleich der Segmenten-
Zahl der Larve und des vollkommenen Insects nachgewiesen
sei, dafs der Thorax des letzteren nur aus den drei ersten,
auf den Kopf folgenden Segmenten der Larve gebildet würde,
dafs, da alle Larven überhaupt aus 13 Ringen beständen, neun
derselben zur Bildung des Hinterleibes beim vollkommenen In-
sect verwandt würden, und auch öfter alle ausgebildet sich fän-
den. Nun aber haben die fufslosen Hymenopteren-Larven sehr
deutlich 14 Leibesringe, und sogar noch einen löten, der aber
weniger deutlich abgesetzt ist. Hrn. Shuckard's Vermuthung,
dafs es nur die Männchen seien, die dies eine Segment über
352
die gewöhnliche Zahl hätten, da bei ihnen im vollkommenen
Zustande der Hinterleib ein Segment mehr als beim Weibchen
babe, weist Hr. Westwood durch seine Beobachtung, dafs
auch bei weiblichen Larven 14 Segmente zu zählen seien, zu-
rück. Hr. Ratzebnrg hat in seiner, im 16ten Bande der
Schriften der Leopoldinischen Academle enthaltenen Abhand-
lung über diesen Gegenstand die Sache dadurch in's Reine zu
bringen gesucht, dafs er die beiden ersten Segmente der Larve
als zum Kopfe gehörig betrachtete. Hr. W. bemerkt aber,
dafs, wenn auch der zweite Leibesring bei den Larven ohne
Stigmen ist, darin kein Grund läge, ihn nicht für ein Thorax-
segment zu halten, indem auch in anderen Fällen (es ist ia
der That sehr gewöhnlich) einzelne Thoraxringe bei Larven
keine Luftlöcher haben, und zeigt durch seine eigene Beobach-
tungen, dafs Hr. Ratzeburg in seiner Wahrnehmung, die ihn
zu der obigen Annahme veranlafste, nämlich dafs die Augen
des vollkommenen Insects bei der Larve durch den zweiten Lel-
besrlng durchschimmerten, dadurch irre geleitet sei, dafs er die
Larven ganz kurz vor der Verwandlung untersuchte, wo schon
unter der Larvenhaut der Körper anfange sich zu verkürzen,
und der Kopf der Nymphe sich schon in das zweite Segment
der Larvenhaut gröfsenthells zurückgezogen habe.
Hr. Westwood bemerkt über Gynandromorp bische
(Hr. W. gebraucht diesen Ausdruck nach Hrn. Lacordaires
Vorschlag, der die Bezeichnung zwitterlich [hermaphroditisch]
auf den naturgemäfsen Zustand beschränkt wissen -will) My-
menopteren, dafs davon bisher bckant geworden: Ten,"
ihredo angulaia durch Hrn. Curtis, Scolia Qinaculata
durch Hrn. v. Romand, Ichneumon cociensorius-hicta-
toriit'S durch Hrn. Wesmael, yinthophora retiisa durch
Hrn. Smith und Shuckard, Cimbeoc Griffini tmd ^4/»-
drena fulvescens durch den letzteren. (Magaz. of. Nat.
Histo)y p. 393.)
Hr, Kennedy theilt in dem London and Edinburgh
Philosophical Magazine, Ser. 111. n. 71. p. 14. Beobacli-
tungen über die Lebensweise einiger tlymenopteren mit,
welche er in altem Pfahlwerk nistend fand.
Trypoocylon figulus sah er Spinnen eintragen. Das
Männchen hielt während der Abwesenheit des Weibchen Wache
im Gange. In dem zweizeiligen Neste von Stigtnus iroglo-
dytes fand er eine grofse Menge kleiner Insecten , die Ihm die
Larven von IT/ir/ps zu sein schienen. Dioäonius gracilis und
corniger tragen als Nahrung für die Larve Blattläuse ein, eben-
so Pemphredon luguhris^ unicolor und Psen airaium.
Odynerits quadratus füllte seine Zellen mit kleinen grünen
Raupen aus; in dem Nest von O. hidens fand Hr. K. eine
Puppe in der äufscrsten Zelle, und zwei Larven, aufserdem die
Ueberblelbsel von Insecten -Larven und ein kleines, vollkom-
men entwickeltes Dipiertmi. (Leider ist nicht gesagt, von weU
353
eher Gattung). Chelosioinn florlsomne macht 9 — 10 Zel-
len, an deren. Spitze in der Mitte das Ei liegt.
Ueher das Vorkommen einiger Blattwespen auf dem
Harze finden sich einige interessante von Hrn Saxesen ge-
machte Bemerkungen in der Isis (1838. Hft. IX,) mitgetheilt.
Auf Lärchen fressen daselbst Neinatus Erichsonn und Larids,
von ersterem die aschgraue unten weifse Raupe klumpweise an
den Trieben, von letzterem die grüne Raupe mehr zerstreut
auf den Zweigen. N. parvus ^ auf Rothtannen sehr häufig, N.
scutellaris selten auf demselben Baume, Lyda suff'usa auf Ro-
sen, L. stramineipes wahrscheinlich auch. Tenthr. viridis^ ßavi-
corniSj aira, und andere ähnliche Arten sind räuberisch, ver-
zehren Fliegen, Mücken, Neinalus - Arten , fressen aber auch
Blumen.
In einigen Bemerkungen, welche Hr. Newman im Enio-
viogical Magazine (IV. p. 258.) zu der Familie der Tenihre-
den macht, beschreibt er eine neue Gattung Euura^ die
iVe/«fl/ert enthaltend, bei denen drei Kubitalzellen dadurch entstanden
sind, dafs der Nerv zwischen der zweiten und dritten ausgefallen
ist, die zweite also überwiegend grofs ist, und beide rücklaufen-
den Nerven aufnimmt; bei denen zugleich beim Weibchen die
Legeröhre etwas vorragt, und neben derselben zwei starke
divergirende Borsten sich zeigen. Es sind dieses die kleinen
iVe?7i«/e«, die hauptsächlich in PHanzengallen leben, die Hr. H ar-
tig aus dem Grunde auch mit dem Sectionsnamen C/y/j/oca/n^MS
bezeichnet hatte. Von den beiden beschriebenen Arten ist E,
gallae vermuthlich identisch mit N. mucronatus Hartig, und
E. cynips mit N.medullarius liartig. Aufserdem beschreibt
Hr. Newman als neue Arten: PristopJiora cincta^ Nema-
ius iihialis^ Fenusa JantJie^ ohne Zweifel Tenthredo lepida
Kl.y Emphyt. Mai'pipJwrus lepidus Hartig ^ und Fenusa par-
viceps, Seiandria pallida, durch blafsgrüne Färbung ausge-
zeichnet, und Seiandria versicolor, in welcher die Ten^/ire-
da albida Kl.^ das Männchen der T. melanocepJiala leicht zu
erkennen ist.
Ueber die in Kiefervvaldungen besonders vorkommenden,
auf die auf Kiefern fressenden Raupen und Tenthredenlarven
angewiesenen parasitischen Ilymenopteren hat Hr. Hart ig
im zweiten Hefte seiner Jahresberichte über Forstwissenschaft
und forstliche Naturkunde bei Gelegenheit eines in der Nähe
von Berlin beobachteten Raupenfrafses eine sehr dankens-
werthe Uebersicht gegeben.
Eine grofse Zahl der Arten ist neu, zum Theil wohl aus
dem Grunde, weil weder Gravenhorst noch Nees von
Esenbeck in Kiefernforsten die von ihnen bearbeiteten Fami-
lien zu beobachten die Gelegenheit hatten. Diese neuen Arten
sind in Anmerkungen in wenigen Worten characterisirt, da der
354
geschätzte Verf. sich die ausführlichere Beschreibung für den
zweiten Band seiner Aderflüglcr vorgesetzt hat. Eine neue
Untergattung von Pintpla: Scamhus wird hier eingeführt,
deren Männchen durch aiisgehissene Vorderschenkel und ge-
strecktere mittlere Hinterleibssegmente, deren W^eibchen sich
durch mehr cylindr sehen Hinterleib, nicht aufgeworfenen Hin-
terrand der einzelnen Segmente, und längeren Stachel von
Pintpla abweichen. Eine von Gravenhorst beschriebene Art
ist Ephialtes inanis.
Hr. Schiödte hat Hrn. Guerin die Monographien der
Dänischen Arten dreier neuen icÄnei/7/ionen-Gattuiigen zur Be-
kanntmachung im Mag. d. Zool. übergeben, avovou derselbe in
der Revue Zool. (p. 139.) eine vorläufige Millheilung macht:
1. IMegastylus ^ fünf noch unbeschriebene Arten enthaltend.
2. Polyblasius Harlig,, die Arten von TryjjJion Gr. enthal-
tend, deren Weibchen zahlreiche Eier unter dem Bauche tra-
gen, und die aufserdem noch durch gekämmte Klauen ausge-
zeichnet werden, sechs Arten, unter denen Tr. pingiiis und
varUarsis Grav. — 3. Cylloceria^ von Phytodietus Grav.
abgesondert, drei Arten, unter denen der Verf. den Ph.niger
lind caligatiis Gr. vermulhct.
Hr. Haliday hat fortgefahren im Entomogical Maga-
zine (IV. p. 203.) die englischen Braconiden genauer durch-
zugehen.
Die Gattung Opius Wesm. theilt er in zwei Unterabthei-
lungen : die erste gleichnamige hat viergliedrige Lippentaster,
linienförmigen Legestachel, und die zweite Cubitalzelle länger
als breit: sie enthält 48 Arten, die nach dem Ursprünge des
Cubitalnerven, der Einmündung des rücklaufenden Nerven, dem
geschlossenen oder aufgesperrten Maule, der Sculptur des Mit-
telrückens und der Brustsseiten in zahlreiche Unlerablheilungen
gebracht werden. Die zweite Untergattung Gnapiodon mit
dreigliedrigen Lippentastern, sehr kurzem pfriemförmigen Le-
gestachel und kurzer Cubitalzelle, enthält eine einzige Art, Bra-
con puvülio Nees. — Ferner beschreibt er ebendas. (V. p. 212.)
61 Arten der Gattung ^lysia^ davon er eine, yi. aptera
Nees V. E. als besondere Untergattung Chasviodon absondert,
die übrigen mit vieler Genauigkeit nach Verschiedenheit der
Fühlerbildung, der Sculptur des Hinterleibes, des Flügelgeäders
u. s. w. in 2 Haupt- und 16 Unterabtheilungen sondert.
Hr. West wo od hat eine sehr sorgfaltig ausgearbeitete
Monographie von Leucospis in Germar's Zeitschrift für
die Entomologie veröffentlicht, die nicht weniger als 36 Arten
dieser merkwürdigen Gattung aufzählt, von denen 34 genuine
Arten geographisch so vertheilt sind, dafs 15 Arten dem süd-
lichen Euro|>a (2 davon der Krim), 2 der Berberei, 4 Aegy-
pten, Abessynien und Arabien, 3 Vorderindien, 2 dem Cap der
355
guten Hoflfnung, 3 Nordamerica, 1 Mexico, 1 Chile angeliöitn ;
von dreien ist das Vaterland nicht juit Sicherheit bekannt.
Die beiden letzten Arten bilden eben so viele Untergattungen,
und weichen von den eigentlichen Leucospen sowohl durch
schwächer verdickte Hinterschenkcl als in der Gestalt ab, in
welcher die eine wegen ihrer metallischen Färbung Metal-
lopsis (L. M. Cayennensis) genannt, an Chrysis erinnert,
während die andere Folistomorpha (ßl. P. Surinamen-
sis) den üebergang zu Chalcis zu vermitteln scheint.
Die Fortsetzung der Monographie der Ch aleiden von
Hrn. Walker {Entomol Magazine IV. p. 349. 439. V. p.
35. 102.) umfafst die Familien der Cleonymiden und
Encyj'tiden.
Die erstere enthält die Gattungen Cleonymus Latr. mit
3 A., Noianisus 1 A., IMacroneura 1 A., Merosienus
1 A., Cea 1 A., Prosopon (wäre wohl in Rücksicht auf P/'os-
opis zu vermeiden gewesen) 1 A. , Stenocera 1 A. , Calo-
sier 2A., Eupelmus Dalm. 3 A., von denen die beiden ersten
E. urozotius mit vollständigen Flügeln und E. Degecri mit Flü-
gelrudimenten vielleicht nicht specifisch verschieden sind. Eri-
cydiiiis^ 2 A., von denen eine Eficyrius strigosus Nees ist. Bei
den 4 letzteren Gattungen sind die Mittelbeine Sprungbeine.
Die Familie der Encyrtid en enthält nur die Gattung Encyr-
iiiSj von welcher 89 Arten beschrieben sind.
Auch in den Annales of Nat. Hisiory hat Hr. Walker
einen Theil seiner Bearbeitung Brittischer Chalciden nieder-
legt, und daselbst (Vol. I. p. 307, 381, 449 und Vol. II. p. 198.
35U.) 44 Arten der Gattung Cirrospilus JVestw, beschrieben.
Es gehört diese Gattung zu den Diplolepen mit 4 Fufsgliedern
und wenigen Fühlergliedern.
Hr. W e st w o o d t\\e.i\i'im Eniomological Magazine (IN . p.435.)
die Beschreibung von zwei neuen (Gattungen der Familie der
Chalciden mit, welche beide sich durch verdickte Flügelrippe
auszeichnen. Bei der ersten, Plaiynocheilus Erichsonii
JVestiv.^ die am Nächsten mit Cleonymus verwandt ist, ist die
Flügelrippe am stärksten verdickt und aufgetrieben, doch reicht
die Verdickung nur von der Wurzel bis zur Mitte des Vorder-
randes, wo der kleine einwärts laufende Nerv abgeht. Die
zweite Gattung, Pleuropachus^ ist auf den Entedon costalis
Dalm.^ ElacJiistiis costalis Nees^ gegründet, und ist aufser der,
der ganzen Länge nach verdickten Rippe der Vorderflügel, und
der in der Mitte verdickten Rippe der Hinterflügel dadurch sehr
merkwürdig, dafs sie im Bau des Thorax xmd der Miltelbeine
mit Encyrtus übereinstimmt, während sie mit der geringeren
Zahl der Fühlerglieder und den viergliedrigen Fülsen den Eu-
lopJiiden angehört, gleichsam als ob sie die Wiederholung der
356
springenden Encyrten -Form In dieser Familie wäre. Die In
Holz geschnittenen Abbildungen der beiden Gattungen sind
verwechselt.
Die Gruppe der Dryinen ist von Hrn. Walker in
dem Entomologie al Magazine (IV. p. 411.) monographisch
bearbeitet worden.
Er characterlsirt sie durch gelappte Hinterflügel. Die erste
Abtheilung mit breiterem Kopfe und bei beiden Geschlechtern
10-gliedrigen Fühlern, enthält die Gattungen Dicondyhts^
Dryinus^ ^p1ieloj)uSy Laheo. Dicondylus ist der Ljung-
sche GonaiopuSy und dieser Name muls den Vorzug behal-
ten, wenn die Trennung von Drylnus sich rechtfertigen läfst,
wenn es sich bestättigt, dafs die Maxillartaster hier 6, dort nur
5 Glieder haben. Unter der einen aufgeführten Art, D. pe-
desiris scheinen mehrere ähnliche verwechselt zu sein, Dry-
inus enthält 23 Arten, indefs scheinen auch hier öfter mehrere
Arten unter einer verwechselt zu sein, und sind die Arten auch
nicht leicht mit genügender Sicherheit nach den Beschreibungen
zu erkennen, indem die vielfach veränderliche Färbung beson-
ders berücksichtigt, die Sculptur, die vorzüglich sowohl auf
dem Kopfe als dem Hinterrücken characteristisch ist, bis auf
einige ungenügende Andeutungen ganz übergangen ist. Aehn-
llch verhält es sich bei yäphelojjus^ wo der Verf. zwar mit
Fvecht den u^ph. airaius Dahn. als Männchen zum ^4. vielnleucus
zieht, wo aber unter den zahlreich aufgeführten Varietäten
ohne Zweifel mehrere Arten enthalten sind, wie denn auch die
die J^ar. ß. des ^. melaleucus bei Dalman eine selbstständige
Art Ist. Die Galtung Labeo bildet der von West wo od In
Loudo n's Magazin beschriebene jinicon'i ejccisus, von den vor-
hergehenden durch 3-gliedrige Lippentaster abweichend. Die
zweite Abtheilung der Gruppe, wo der Kopf fast so lang als
breit, die Gliederzahl der Fühler beim Männchen 10, beim
Weibchen 1.3 ist, und wo Flügelzellen vorhanden sind, bildet
die Gattung Emholemus Wesiw.^ die auch der Specics (E.
Ruddii TVesiw.) nach mit dem Polyptanus Sickcrshutinnus Nees
zusammenfällt. Die dritte Abtheilung, wo der Kopf länger als
breit ist, die Fühler aus mehr als 10 Gliedern bestehen, und
die Flügel im Mittelfelde ohne Zellen sind, bildet die Gattung
Epyris JFesiw.^ deren einzige Art, E. niger, sehr einem BetJiy-
ius gleicht. Als Anhang findet sich noch diese Gattung be-
schrieben, von der die eine Art D.J'uscicornis Latr. In England
vorkommt.
In London haben seit mehreren Jahren Ameisen auf eine
höchst lästige Weise sich in Häusern bemerkbar gemacht, und
es hat viele Sorge veranlafst, ihnen durch wirksame Mittel zu
begegnen.
Hr. Shuckard hat sich Im Mag. of Nai. liisiory (p.626.)
der Bestimmung der Specics unterzogen und gefunden, dafs
357
sie mit fler im Freien vorkommenden Myrpiica umfnscmta wohl
clnlf;e Aehnllchkeit habe, aber doch sehr verschieden sei, er
beschreibt sie also unter dem Namen Mr/rmica domestica
als neue Art, von derer die Vermuthung ausspricht, dals sie wohl
frenulen, vielleicht Westindischen Ursprungs sein möge. Ks ist
nach der von ihm gegebenen kurzen Beschreibung kein Zwei-
fel, dafs dies die Forviica omnivora L. ist, welche wohl
über ganz America verbreitet ist, und über welche allenibalbeii
dasselbe geklagt Avird, was schon Linne von ihr in Erfahrung
gebracht und in ihren Namen gelegt hat. Ob sie aber ursprüng-
lich in America einheimisch Ist, Ist eine andere Frage. Herr
Ehrenberg traf sie auch In Aegypten, und bezeichnet sie als
Verwüsterin: sie Ist es auch vielleicht, deren schlimmer Ruf in's
hohe Alterthum hinaufreicht. Auch aus Kasan schickte sie Hr.
Eversmann mit der Bemerkung, dafs sie dort eine Plage der
Stadt sei. In Linne's Diagnose mufs man, wie aus der weite-
teren Beschreibung erhellt, corpore 7mtnitissimo statt abdomhie
minutisshno lesen. — Eine zweite Myrinica beschreibt Herr
Shuckard unter dem Namen iU. ierm?*M«Z?s, die in Chelsea in
einem Treibhause gefunden wurde imd sicher auch exotischen
Ursprungs Ist. Der angedeuteten Bildung des Hinterleibes nach
scheint sie zu einer kleinen Abtheilung zu gehören, welche
Fonn. yiegyptiaca^ j4ntignensis und acuta F. zu Repräsentanten
zählt, und welche wohl einmal zu einer eigenen Gattung erho-
ben werden wird, für welche ein aufwärts gelenkender Hinter-
leib characterlstlsch Ist.
Das Männchen des im 4. Bande der Annalen der Pariser En-
tomologischen Gesellschaft von Hrrt.von Roman d beschriebenen
Epomidiopieron Julii, einer zu den Äco/Ze/i gehörigen, durch
luigewöhnlich grofse, dem Mesothorax selbst an Breite kaum
nachgebende Flügelschuppen vorzüglich ausgezeichneten Gattung
ist von demselben Verf. in den Traiisactions of tlie Fntomologi-
cal Society beschrieben worden. In der allgemeinen Körper-
form verhält es sich zum "V\'^elbchen ziemlich eben so wie die
beiden Geschlechter der Scolien, erinnert aber in dem bei bei-
den Geschlechtern nicht übereinstimmenden Flügelgeäder mehr
an Tipfiien - artige Gattungen, namentlich an Biyzinc^ eine
Verschiedenheit, die sich hier u. a. auf die Anzahl der Cu-
bltalzellen ausdehnt, indem beim Männchen der Nerv zwischen
der ersten und zweiten erlischt.
Hr. Guerin beschreibt in seiner Revue Zool. (p. 56.) 11
Arten einer Gattung Plesia.
Diese sind aber schon von Latreille als Weibchen von
Myzine erkannt worden. (Gen. Crust. ei Ins. IV. p. 112.) Es
ist auffallend, dafs wir von den Arten der alten Welt kein den
Männchen entsprechendes Weibchen kennen, überhaupt kein
W^eibchen, auiser dem einen unten zu erwähnenden Capenser.
Auch von der einheimischen M. cylindrica hat Ref. vergebens
das Weibchen zu entdecken versucht. Ein bemerkenswerther
Unterschied der Americanischen Arten von denen der alten
358
Welt besteht darin, dafs bei jenen der zweite riicklaufende
Nerv auf den zweiten Cubital-Quernerven, bei diesen auf die
Mitte der dritten Cubitalzelle trifft, doch kann dieser Unter-
schied unmöglich hinreichen, die Americaner als Gattung zu
trennen; sollten sich aber bei näherer Vergleichnng noch an-
dere durchgreifende Merkmale finden, die eine Trennung er-
fordern und rechtfertigen, würde für diese der Namen Myzine
zu erhalten sein, und der der alten Welt angehörigen Abthei-
lung konnte füglich der Name iilis verbleiben.
Was die eilf von Hrn. Guerin beschriebenen Arten der
Jur in eschen Gattung Plesia betrifft, so ist 1. PI. epJiip-
pium nicht in Nordamerica sondern in Westindien, % PI. ab-
dominalis unbekannten Vaterlandes, am Vorgebirge der guten
Hoffnung einheimisch, 5. PI- nigripes ist Tiphia obsciira F.
und 4. Pi. vicina scheint nur Abänderung derselben Art zu
sein, und danach das hier bei beiden als unbekannt angegebene
Vaterland als Nordamerica zu bestimmen. Von den folgenden
ist n. '7. PI. analis aus Mexico dem Ref. nicht bekannt, dagegen
sind n. 6. PI. flavipes., n. 8- PI- tnaculata, n. 9. P/. Ko-
rn an dii und n. 10. PI. serena Varietäten der in der Zeich-
nung etwas abändernden Tiphia macidata F., denen bekanntlich
auch noch T. namea F. anzureihen ist; bei der letzten Art n.
11. T. haeinorrJioidalis ist wieder irrthümlich Nordamerica
als Vaterland angegeben, wahrscheinlich aus Verwechslung mit
dem der PI. serena^ wo statt dessen St. Thomas steht- Was die
zu diesen Weibchen gehörenden Männchen betrifft, so ist das der
T. maculata Elis cingulaia F., und das der T. haemorrhoi-
dalis Elis Q-cincta F.
Eine Myzine von Algier, IM. Rousselii, beschreibt Hr.
Guerin ebendaselbst (p. 103.). Sie zeichnet sich vorzüglich
durch rothe Hinterleibsspitze aus.
Unter dem Namen Mesotrichia torrida ist in den
Transact. of ihe Ent. Loc. p. 117. d. 11. f. T. von Herrn
Westwood eine männliche Biene aus dem westlichen tro-
pischen Africa als Typus einer neuen Gattung dargestellt
worden.
Der Verf. betrachtet sie als natürliches Bindeglied zwi-
schen Xylocopa und Anthophora. W\\. Anthophora hat dies
Thier aber nichts weiter gemein, als die Haarlocken an den
Mittelfüfsen , die die Männchen einiger Arten dieser Gattung
baben, in jedem anderen Betrachte ist es eine eigentliche Xylo-
copa und steht der X. trepida F. zunächst, deren Männchen
fast ganz dieselben Locken an den Mittelbeinen zeigt. Bei an-
deren Arten haben die Männchen andere Auszeichnungen an
den Beinen, welche nur als Elgenthümllchkelt der Art betrach-
tet werden können, nicht aber auf Gattungsunterschiede hinzu-
weisen scheinen. Man könnte in Versuchung kommen, das von
Hrn. Westwood beschriebene Thier für ein Männchen von
X. nigtiia zu halten, Hr. West ermann aber erhielt mit der
359
letzteren immer eine fjolbe Xylocopa , welche er als das muth-
malsliche Männchen (lern hiesigen Museum mit dem Weibchen
mitlheiite.
Eine Monographie der Dänischen Hummeln ist von den
Herren Drewsen und Schiödte in Kröyer's Natiirhisto-
risk Tidskrift gegeben worden, die von den Verf. nach den
neueren Ansichten in die zwei Gattungen Boinbus und Psi-
ihyrus getheilt sind, obgleich die PsUliyrus-A. sich nur durch
die Lebensweise und den dadurch bedingten Bau der Hinter-
schienen von den ächten Bombus unterscheiden, weshalb die
Ansicht von Illiger, sie als parasitisshe Arten mit den Ne-
sterbauenden Hummeln in eine Gattung zu vereinigen, in einer
tieferen Auffassung der Naturgeschichte begründet erscheint,
als die, welche nach jedem Anlafs hascht, um Gattungen, denen
am Ende doch ein wesentlicher Unterschied zum Grunde lie-
gen sollte, zu errichten. Auf jeden Fall verhalten sich diese
sogenannten Psithyrus ganz anders zu Bomhus, als z>. B.
Coelioxys zu Anthopliora , oder Symmorpha zu Megilla.
Die Arten sind von den sorgTältigen Verfassern mit vieler
Kritik gesichtet. Boinbus enthät 17 Arten: bei einigen dersel-
ben möchte Ref. sich noch einige Bemerkungen erlauben.
B. Mniorum JF. , der von den Verf. als eigene Art be-
trachtet wird, scheint als Abänderung zum B. sylvarmn zu
gehören: Körperverhältnisse und die Form der Behaarung Ist
dieselbe, abweichend nur die Färbung, Indem auf dem Rücken
des Mittelleibes die Haare schwarz, an den Selten der Brust
und am Grunde des Hinterleibes mehr gelb werden; ähnliche
Abänderungen kommen auch bei B. inuscorum vor, und sind
von Panzer als Bombus sohiiiialis vorgestellt. Ebenfalls Ab-
art des B. syluarum ist nach der Meinung des Ref. eine Hum-
mel die von Illiger als B. ochropygns aufgeführt ist, wo bis
aufröthlich greise Haare auf der Stirn und ähnliche gegen das
Hinterleibsende die ganze Behaarung schwarz ist, und welche
die Verf. vielleicht als eine Abänderung des B. Soro'ensis be-
trachtet haben. Unter diesem Namen scheinen In zahlreichen
Abarten hier viele verschiedene Hummeln zusammengestellt zu
sein. Der eigentliche B. Soro'etisis F.^ zu dem B. neuter P.
als sog. Arbeiter gehört, und w^elche auch von den Verf. als
Stamm der Art betrachtet sind, Ist Abänderung des B. ierre-
siris, wo die gelben Binden ganz geschwunden sind, welche als
Abänderung durch allmälige Uebergänge sich nachweisen läfst,
die auch von den Verf. als Abänderung des B. Soroensis
erwähnt sind. Aehnllche Abänderungen kommen aber auch
vom B. horlorum vor, und diese sind von Kirby als B. Soro-
ensis beschrieben worden. B. Burellanvs Kirby (S//Ivaru?n F.)
der liier als Abänderung zum B. Soro'ensis gezogen ist, vei'-
360
fllent wohl als eigene, dem B. prntorum nahe verwandte Art,
von welcher hier alle Geschlechter bekannt sind, angesehen zu
werden. — Mit ß. Rajellus ist mit Recht ß. JDerhamellus
verbunden, doch müssen sie wohl als Abänderungen, da von
beiden alle Geschlechter sich finden, betrachtet werden. — ß.
Subierraneus: Uebergänge wo die Behaarung heller braun
ist, zeigen, dafs ß, Latreilliellus nicht specifisch verschieden
ist, auch kommen hier die Weibchen lebhafter gefärbt vor,
nämlich 'ähnlich wie ß.ierrestris, nur sind statt der gelben Binde
auf dem Hinterleibe die einzelnen Ringe desselben bräunlich-
gelb gefranzt; das Hiuterleibsende ist gewöhnlich rein weifs,
öfter nimmt aber auch hier die Behaarung eine dunklere Fär-
bung an. — Von PsiiJiyrus sind 5 Arten beschrieben, indefs
ist Ps. Rossiellus Abänderung des Männchen von Ps. catn-
pestris mit mehr gelber Behaarung. — Ps. aesiivalis^ sollte
billig den älteren Kirbyschen Namen vestalis behalten, und
der damit von den Yerf. verbundene ^p. Barhutelht Kirby
(^Ap. saliuum Panz. Bomb, saliuum Dahlb.) ist sicher eine selbst-
ständige Art. — Von Ps. Francisanus ist das Weibchen von
Hrn. Klug unter dem ^Axntn B . viajcillosus in Germar's Reise
nach Dalmatien beschrieben. Das Männchen des Ps. rupesiris
ist von den Verf. sehr richtig erkannt worden, indefs nicht be-
merkt, dafs es unter dem Namen ßonihus fruicioi'tim Panz,
schon bekannt war.
Heber die Honigbiene in Kaschmir sind im Entomo-
logical Magazine (V. p. 199.) einige Nachrichten gegeben.
Es hält dort jeder Landwirth Bienenstöcke, und zwar so
angelegt, dafs cylindrische Oeffnungen für sie in den Wänden
des Hauses gelassen werden. Die innere Oeffnung wird mit
einem thönernen Deckel verdeckt, die äufsere mit einer ähnli-
chen Platte verschlossen, die in der Mitte ein rundes Flugloch
hat. Das Innere dieser Maueröffnung ist mit Mörtel überzogen
der mit Reisspreu oder Distelflaumen bekleidet wird. Die Biene
selbst ist kleiner als die Europäische, und bereitet einen Honig
von reinem Geschmack, und an Duft ähnlich dem von Nar-
bonne. Dieselbe Biene findet sich auch in einem Theil des
Pendschab, dagegen kommt auf den südlicheren Gebirgen eine
Biene vor, gröfser und auch in zahlreicheren Stöcken als un-
sere, deren Honig aber öfter giftige Eigenschaften hat.
L e p i d 0 p t e r a.
Als Fortsetzungen fortlaufender Arbeiten in dieser Ord-
nung sind anzuzeigen:
Fischer von Rösslerstamm, Abbildungen zur Be-
richtigung und Ergänzung der Schmetterlingskunde, besonders
der Microlepidoptera , als Supplement zu Treitschk. und
Hübner Europ. Schmetterl. Hft. 9. u. 10.
361
Frey er, Neue Beiträge zur Schmetterlingskunde, mit
Abbildungen nach der Natur, Ilft. 38 — 44.
Unter der Ueberschrift Lepidopterologische Bei-
träge hat Hr. Speier in Arolsen in der Isis (1838. Hft, IV.)
sehr gründliche Bemerkungen über die Fühler und Neben-
augen der Schmetterlinge niedergelegt.
Im Allgemeinen hat der Verf. darin nur zu sehr Recht, dafs
die feineren systematischen Kennzeichen der Schmetterlinge von
den Lepidopterologen zu wenig beachtet werden, und dafs na-
menllicli von Trcitschke eine Menge von Gattungen lediglich
auf habituelle Merkmale gegründet sind. Die Betrachtung der
Fühler, die Hr. Sp. durch alle ibm zu Gebote stehende Arten
durchführt, hat zwar vorläufig keine Resultate gegeben, indefs
ist es nicht leicht zu bezweifeln, dafs bei fortgesetztem und aus-
gedehntem Studium dieselben früher oder später vielleicht feine,
aber sichere Charactere für die Systematik dieser Ordnung ab-
geben werden; jeden Falls sind auch diese mit Genauigkeit an-
gestellten Beobachtungen als Berichtigungen und Ergänzungen
zu Ochsenheimer's und Treischke's umfassenden Werke
von vielem Werthe.
Von gröfserem Interesse schon sind die Beobachtungen des
Verf. über die Nebenaugen der Schmetterlinge, deren, wenn
sie vorkommen, zwei vorhanden sind. Bei den Papilionen feh-
len sie überall, eben so bei den eigentlichen Sphingen^ vorhan-
den sind sie dagegen bei den Zygaeneti und Sesien. Bei den
Spinnern fehlen sie Im Allgemeinen, mit Ausnahme jedoch von
JSuprepiuy welche aber durch Vermittelung von Glaucopis
sich so nahe an die Zygaenen anschliefst, dals eine Trennung
von jener Gattung kaum möglich erscheint. Ferner fehlen sie
bei Psyche^ welche aber auch nicht natürlich unter den Spin-
nern und mit jddele in naher Berührung steht, und bei Or~
gyia Coryli, die auch im Habitus mehr einer Eule gleicht.
Bei diesen kommen mit wenigen Ausnahmen die Nebenaugen
vor. Plaiypleryoc hat sie nicht, Brephos Parihenias nicht, Upi^
sema coeruteocejihala vielleicht nicht. Die Spanner haben keine
Nebenaugen, nur bei Ennomos ßexiiJaria sind sie deutlich.
Bei den Zünslern kommen sie wohl Im Allgemeinen vor, nur
bei Pyralis plnguinalis , Hercyna palliolalis und sirigulalis will
Hr. Sp. sie mit Bestimmtheit nicht gefunden haben. Eben so
allgemein kommen sie bei den W^Icklern vor, wo sie oft aber
sehr klein und undeutlich sind. Bei Halias Quercana fehlen sie,
während sie der ähnlichen H. prasina zukommen. Bei Hete-
rogetiea fehlen sie auch, sind aber auch nicht zu erwarten,
da diese Gattung Im Grunde zu den Spinnern gehört. Den
Schaben scheinen die Nebenaugen gröfstenthells zu fehlen, und
wo sie vorbanden sind, bei Tinea pelliondla^ Chilo Aquilellus^
Phycis udchinella, carnella^ Rhinosia ßssella^ jidela jlnder schell a<^
sind sie immer sehr klein. Aludia hat sie nicht, Orneodes he~
xadactylus besitzt kleine Nebenaugen. Die OceJlen bei den
V. Jahrg. Bd. 2. 24
362
Schmetterlingen sind zwar fast überhaupt unberücksichtigt ge-
blieben, und bisher wohl nur von Hrn. Klug nicht übersehen
■worden, der In einer 1831 In der Academie zu Berlin vorge-
tragenen Abhandlung über die Nebenaugen der Insecten ihre
Verbreitung bei den Schmetterlingen Im Allgemeinen auf die-
selbe Weise als Hr. Sp. dargestellt hat.
Hr. Bowerbank hat die Schuppen der Schmetterlings-
flügel microscopisch untersucht.
Er hat gefunden, dafs dieselben aus drei Platten bestehen,
und dafs die äufere Platte die Längs- und Querrippen enthalte,
und dafs in diesen Rippen die Gefäfse verlaufen. Der Durch-
messer der L'angsrippe einer Flügelschuppe von einem Papiiio
beträgt whV- (^«^- ^"S- ^- ?• 300.)
lieber das durch die chemische Constitution des
Fettkörpers bedingte Oeligwerden der Schmetter-
linge hat Hr. Döbner in Germar's Zeitschrift für die En-
tomologie die Resultate seiner Untersuchungen niedergelegt.
Diesen zufolge besteht der Fettkörper der Schmetterlinge
in ihren verschiedenen Lebensstadien aus geronnenem Elwcifs,
(Faserstoff)! flüfsigem Eiweifs und einem thierischen fetten Oele.
Der Chylus der Schmetterlinge, der hauptsächlich zur Bildung
der Samenmasse und der Eier benutzt wird, ist in chemischer
Hinsicht mit dem Fettkörper identisch. Beim Trocknen der
Schmetterlingskörper erhärtet das Eiweifs allmälig, das fette
Oel durchdringt den Körper, und wird, wie es mit der atmo-
sphärischen Luft in Berührung kommt, sehr leicht ranzig. Vl<tl-
leicht, dafs die Verschiedenheit der Nahrung der Raupe noch
auf die chemische Beschaffenheit des Oeles einen Einflufs hat^
Hr. D. ist wenigstens geneigt, dieses zu vermuthen, da bekann-
termafsen alle im Rohre lebenden Schmetterlinge eine ganz be-
sondere Neigung zum Oeligv/erden haben. Uebrigens läfst sich
das von Hrn. D. über die Schmetterlinge. Bemerkte auf die
ganze Klasse der Insecten ausdehnen, namentlich auch über die
Käfer, von denen einige Abtheilungen diesem Uebelstande noch
mehr als die Schmetterlinge unterworfen zu sein scheinen.
Die geographische Verbreitung der Seiden-
zucht in Asien, namentlich die Seidencultur in
Ghilan und Masenderan, den Handel mit der j-ohen
Seide von da nach Europa, die Einführung der
Seide und Seidenzucht aus China (Serica) von dem
Osten nach Westen bis Ghilan hat Hr. Ritter im 8ten
Bande seiner Erdkunde ausführlich erörtert, und mit dem
weiten Umfange und der Tiefe seiner geographischen und
historischen Kenntnifs über die ursprüngliche Heimath und
die weitere Verbreitung der Seidenraupe, so wie über den
363
Einflufs, den die Cultur derselben auf die einzelnen Völker
wie auf den 'Welthandel hatte, ein neues helles Licht ver-
breitet.
Die Verwendung der Seide zu gewebten Stoffen ist in In-
dien und China uralt , indefs scheint doch die Kultur des Born-
hyoc Mori für diesen Zweck von China und zwar vom Norden
Chlna's ausgegangen zu sein. Die Chinesischen Annalen geben
das Jahr 2600 V. Chr. an, wo zuerst auf kaiserlichen Befehl
der Seidenbau eingeführt wurde, welcher seit 2286 v. Chr. da-
durch national gemacht wurde, dafs dem Volke eine Natural-
Abgabe in Seide auferlegt ward. Die damals weniger cultivlr-
ten Bewohner des Südens fanden es bequemer, wilde Seiden-
gespinste einzusammeln und abzuliefern, deren Seide stärker als
die Zuchtseide war, und vielleicht von der Sat. Atlas herrührte.
Der Süden Chinas ist seinem naturhistorischen Character gemäfs
viel näher mit Indien verwandt, als mit dem Norden Chinas,
daher wir wohl erwarten können, dieselben Seidenraupen wie
in Indien, namentlich in Hinterindien dort anzutreffen, und viel-
leicht hat sich die ursprüngliche Indische Seidengewinnung auf
die heute noch vorhandene Verarbeitung der wilden Gespinnste
vom Sal. PapJüa u. s. w. beschränkt. Die Sanskrit Nachrichten
deuten nur das Vorhandensein der Seidenweberei an, nicht
aber die Art, wie die Seide gewonnen wird. Durch die Be-
nutzung der wilden Gespinnste erklärt es sich, weshalb sich
von Indien wie vom südlichen China aus, trotz ihrem lebhafte-
ren Verkehre mit dem Westen, die Seidenzucht nicht weiter
verbreiten konnte, wie der dem nördlicheren China angehö-
rende, gezähmte Seidenwurm, Bombyx Mon^ mit dem Maul-
beerbaum überall hin mit Leichtigkeit fortgepflanzt werden
konnte, und wie er auch vortrefflich in gemäfsigten Kllmaten ge-
deiht, wie es das nördliche China hat. Welchen Werth die Chine-
sische Regierung auf den Besitz der Seidenzucht legte, geht aus
dem Verbot der Ausführung derselben hervor, und es dauerte
lange, bis diese Cultur weiter in den Werten Asiens fortschrltt;
nach Tübet führte im siebenten Jahrhundert v. Chr. eine dort-
hin vermählte Chinesische Prinzessin den Seidenwurm als einen
Theil ihrer Mitgift ein, nach Khotan brachte eine ebenfalls dort-
hin vermählte Chinesische Kaisertochter schon zwei Jahrhun-
derte früher heimlich Eier der Seidenraupen und Samen des
Maulbeerbaums mit. In Khotan ist noch jetzt die Seidenzucht
von Wichtigkeit. Von da aus ging ohne Zweifel die Verbrei-
tung westwärts, denn es fand sich bald auf der ganzen Handels-
stralse In dieser Richtung überall reichliche Seidenzucht. Nir-
gend ist die Seidenzucht besser gediehen als in Ghilan, der
nördlichen, am südlichen Ufer des Kaspischen Meeres gelegenen
Persischen Provinz, wo der Maulbeerbaum so gedeiht, und sich
so ausgebreitet hat, dafs fast das ganze Land von seinen Wäl-
dern bedeckt Ist, wo auch die Seidenzucht eine Hauptbeschäf-
tigung des ganzen Volkes ist, wo aber doch die Seidenraupe ein-
geführt worden sein mufs, weil nirgend von wilden Gespinnsten
24*
364
in diesen Wäldern die Rede ist. Ghilan bringt seines feuchten
Klimas halber besonders schöne Seide hervor, denn in feuchter
Atmosphäre liefert der Seidenwurm eine feinere und weichere
Seide. Der Seidenhandel Ghilan's ist hauptsächlich in den Hän-
den Armenischer Handelsleute. Die beste Seide geht nach dem
inneren Perslen, viele üuch nach der Türkei; die Russischen
Händler können höchstens zu den mittleren Sorten gelangen.
Bekanntlich war die Seide schon bei den Römern ein sehr ge-
suchter Handelsartikel, der ihnen, wie aus den Untersuchungen
des Hrn. Ritter erhellt, auf zwei Wegen zukam: erstlich über
Indien — denn die Chinesen selbst führten ihre Waaren bis nach
Zeilon aus — und durch das Persisch-Arabische Meer; zweitens
auf einem nördlichen Landwege, der die Parther zu Vermitt-
lern dieses Handels machte, welche auch eifersüchsig, sich den
Transit zu erhalten, die Römer von dem unmittelbaren Verkehr
mit den Chinesen, die damals weit nach Westen ihre Herr-
schaft ausgedehnt hatten, und bis zum Kaspischen Meere hin
ihren EinHufs gellend machten, abzusperren bemüht waren.
Die den Römern unbekannte Nation der Seren, von denen sie
die Seide Serie a empfingen, sind eigentlich die Chinesen,
obgleich wohl die Völker Mittelasiens, welche diesen Ver-
kehr vermittelten, nicht von ihnen unterschieden wurden, da-
her auch die Characterlstik, welche Plinlus von den Seren
glebt, nur auf einen germanischen Volksstamm pafst. Die Ety-
mologie leitet den Ursprung der Seide unwiderlegbar auf die
Chinesen zurück. Sse^ Ssu oder Ssö helfst im Chinesischen
Seide, da aber die Manderlnensprache das r nicht ausspricht,
die Seide aber noch heute Im Koreanischen Sir helfst, Ist es
wahrscheinlich, dafs sie auch in der alten Chinesischen Sprache
Ser hiefs, wo dann dieser iVame unverändert mit dem Product
nach dem Abendlande kam (a^qg) und die Nation, die es lie-
ferte, mit diesem Namen (Ser es) belegt wurde. Wenn die
Naturgeschichte der Alten die Seren die Seide von den Bäu-
men kämmen läfst, bezieht sich dies ohne Frage auf die andere
Art der Seidengewinnung durch Einsammeln wilder Gespinnste,
welche Im dem Abendlande wohl bekannt wurde, während
die eigentliche Seidenzucht vermuthlich von den Chinesen eben
so geheim gehalten wurde, als die Ausfuhr der zahmen Sei-
denraupe verboten war.
Ueber die in Indien einheimischen Seidenwürmer hat
Hr. Helfer im 6ten Bande des Journal qf the Asiutic So-
ciety of Bengal Nachricht gegeben.
Er führt 11 Spinnerarten auf, von welchen Seide gewon-
nen wird: 1, Bombyoc Mori^ in Indien wahrscheinlich mit dem
M[aulbeerbaum eingeführt. — 2, Der wilde Seidenwurm der In-
nern Provinzen, ein Schmetterling nicht gröfser als Bomb.
Mori, noch unbekannt, vielleicht mehrere Arten, da die
daher stammende Seide sehr verschieden ausfällt. — 3, Der
Jorce-Seidenwurm, Bomhycc religiosae Helf.^ von Assam
vom Capt. Jenkins eingesandt, wo sie Joree und Deomooga
365
hellst, nicht eben gröfscr als 13. tnorl, nach der vom Capt. J.
gemachten Zeichnung das Männchen mit kurzen, «las Weihcheii
mit (zuPänigi') verkrüppelten FUigehi; die Seide wenigstens
eben so fein und gliinzend als die des gemeinen Seidenwurm,
und dabei sehr weich. Dieser Seidenwurm könnte für Indien
von grofscr Wichtigkeit werden, da seine Einführung bei der
allgemeinen Verbreitung seiner Futterpllanze, der Ficus reli'^io-
sa nirgends Schwierigkeit hat. — 4, Satuvnia Silhctica Uelf.
aus den Cassia -Bergen von Silhet und Dacca, wo von seinem
Cocon die Seide abgesponnen wird, ohne Zweifel nichts anderes
als die bekannte S. ylilas^ die sich von südlichem China wie
über den grülseren Thell der Indischen Inseln, eben so über
das Festland von Ilinterindien veibreiten wird. — 5, Fin noch
grölserer Schmetterling, von Hr. Grant in Chirra Punjee be-
obachtet (vielleicht auch eine S. Atlas^ die in der Grülse etwas
abändert.) — 6, Der T'M^seÄ-Seidenwurm, Satuvnia Prt|^/ii«,
sehr häufig in Bengalen , wo man ihn indefs noch nicht zieht,
sondern in den Walddickigtcn die Gespinnste zu Millionen sam-
melt. In andern Districten, als in Jangypur, hält man die Rau-
pen bei den Häusern auf Terviinalia alata^ sonst nähren sie
sich auch von Bombajc hepta^hylhmi luid im wilden Zustande
vorzüglich von JZizyphusjuJuba. Die Seide ist schlechter als die
von JD. Mon, aus dem Grunde auch wohl der Versuch unter-
blieben, ihre Zucht zu verbreiten. — 7, Eine Saiui-nia^
mit geschwänzten Ilinterflügcln, wovon Hr. Helfer sich bis-
her nur Flügel verschaffen konnte (ob Saturnia Sele/ic?). —
8- S. yässatnensis Hcif., fast von der Gröfse der S. Paphia,
aber ohne Fenster auf den Flügeln, statt dessen ein beschupp-
ter Augenfleck, das Weibchen mit breiteren Fühlern, (ähnlich
wie bei S. C ecropia). In Assam. — 9, Ph al ae7ia\^C ynthi a
Drury^ Avird in einem grofsen Theile von Hindostan in Häu-
sern und gezähmt gehalten, und mit dem Laube des Ricinus
communis gefüttert. Man hat die Seide von seinem Cocon noch
nicht abgehaspelt, sondern die Eingebornen spinnen sie ab wie
Baumwolle, sie liefert ein Gewebe von solcher Dauerhaftigkeit,
dals das Leben einer Person nicht hinreicht, ein Kleid daraus
aufzutragen, so dafs solches voa Mutter auf Tochter vererbt.
Hr. Helfer vermuthet, dafs diese Seide sich besonders eignen
möge, um mit Baumwolle zu Stoffen verwebt zu werden. —
10, Saiurnial irifenesiraia^ vom Capt. Jenkins in Assam
entdeckt, (auch in Java nicht selten), das Weibchen durch
3 kleine, in einer Reihe stehende Fensterflecke ausgezeichnet,
(vermuthlich Boinh. perspicua Fabr. aber gewifs nicht die
Linn e'ische). Das Gespinnst ist von einem festen, gelben, weiten
Netze umgeben. — 11, Ein noch unbekannter Schmetterling,
von welchem Hr. Creighton auf Malda bemerkt, dafs seine
Seide mit der der S. Cynthia zusammen von dem dortigen Volke
versponnen werde.
In derselben Zeitschrift, unmittelbar vor dem Helfcr'schen
Aufsatze, hat der politische Agent in Assam, Capt. Jenkins,
einen Bericht des Hrn. llugon über die Seiden würmer dieses
366
Landes mitgelhellt. Nach demselben ist die Maulbecrraiipe mit
dem Maulbeerbaum in Assam wahrscheinlich von Bengalen aus
eingefürt, vermuthlich gleichzeitig mit oder im Gefolge der
Hindureligion. Eine eigene Kaste, die Jugl's*, beschäftigt sich
mit der Zucht derselben, die ganz in derselben Weise wie in
Bengalen betrieben wird. Die Assamesen haben ein Vorurtheil
gegen dieselbe, nicht aber gegen die übrigen Seidenwiirmer,
ein Zeichen, dafs jene dort nicht einheimisch ist.
Eine zweite Art, die, wie die Maulbeerraupe, in eigenen
Häusern gezogen wird, ist die Eria (Sat. Cynthia). Sie wird
hauptsächlich mit den Blättern des Ricinus cotnmunis gefüttert,
läfst sich aber auch mit den Maulbeerblättern und dem Laube
verschiedener Bäume nähren, und man kann 7 Generationen im
Jahre annehmen, im Sommer geht indefs die Entwickelung
rascher vor sich als im Winter, auch ist der Ertrag an Seide
im Sommer reichlicher und besser. Die Raupe ist, wenn sie aus
dem Ei kommt, über j Zoll lang und fast ganz schwarz, wenn
sie wächst, orange, mit sechs schwarzen Flecken auf jedem
Ringe, Kopf und Füfse sind schwarz, werden aber nach dei*
zweiten Häutung orange, dann wird der Körper nach und nach
lichter, weifslich oder grünlich, und die schwarzen Flecke
schwinden allmälig, nach der letzten Häutung ist die Raupe
entweder weifs oder dunkel grün. Ausgewachsen ist sie 3^ Zoll
lang. Die grünen Raupen spinnen weifse, die weifsen
Raupen rothe Seide.**) Ein dritter Seidenwurm in Assam ist
die Mooga (Sat. Assnjtiensis Helf.)^ die auf verschiedenen
Bäumen (u. a. Tetranthera diglotiica, macrophylla., Laurus ohtusi-
folia) lebt, und nach der verschiedenen Nahrung Seide von
verschiedenem W^erthe liefert. Auch ist die Seide, welche in
den Monaten October, November, Januar und Februar gewon-
nen wird, reichlicher und besser. Dieser Schmetterling hat fünf
Generationen im Jahr, so dafs 60 — 70 Tage auf jede einzelne
fallen. Die Raupen gedeihen besser im Freien, müssen aber
sorgfältig bewacht werden, da ihnen aufser von Schlupfwespen,
bei Tage von Krähen und anderen Vögeln, bei Nacht von Rat-
ten, Eulen u. s, w. sehr nachgestellt ist. Der Gewinn der Seide
ist für Assam von Wichtigkeit, weil sie zu den Exporten des
Landes gehört, die ^W«- Seide wird nur im Lande verbraucht.
^— Als eine Abart erwähnt Hr. Hugon des Kontkuri- Mooga,
die sich nicht zähmen läfst, nach der Nahrung der Raupe
*) Nach Hamilton sind die Jugi's eingewanderte Baumwollen-
weber, während die eingebornen Assamesen sich allgemein mit der
Seidenweberei beschäftigen. Vermuthlich ist die neuere Auskunft die
richtigere.
**) Aus dem Verhältnifs der grünen Farbe zur rothen, möchte
man schliefsen, dafs nur der Einflufs des Lichtes die Verschiedenheit
der Farbe der Seide bedinge, Ist dies der Fall, werden auch die
weifsen Raupen weifse Seide liefern, wenn man sie grünem Lichte
aussetzt.
b
367
von Zix.i/phis jujtiha und Bomhax hepinpfiylhim zu schllefsen,
Sal. Paphia. Auch der Sat. irifencsirata §;eschieht unter
dem Namen haumpottenee Erwälinung, als einer in Assam
liänfigen Raupe, deren Gespinnst sich zwar auch zur Seidenge-
winnung eigene, aber wenig benutzt werde. Die Seide davon
liat auch nach Hrn. Prinsep's Bemerkung vvenig Werth, wäh-
rend die der Mooga der der besten Chinesischen Gewebe
eichkommt.
Ueber einen Raupenfrafs im Königlichen Charlottenburger
Forste unfern Berlin, während des Soumiers 1837., giebt
Ilr. llartig im 2ten Hefte seiner Jahresberichte über
die Fortschritte der Forstwissenschaft und forst-
lichen Naturkunde sehr dankenswerthe Nachrichten, die
um so weniger übergangen werden dürfen, als der Verf.
sich hier auf dem Felde entomologischer Beobachtung befin-
det, in welchem er soviel Treffliches geleistet, und welche er
auch hier mit vieler Umsicht auf die Feinde der betreffenden
Raupen ausdehnt.
Gasiropacha Pini. Mitte Juli waren die überwinterten
Raupen grölstentheils eingesponuen, ein grofser Theil dersel-
ben war aber durch Microgasteren zu Grunde gegangen, wo-
bei Hr. Hartig wohl sehr richtig bemerkt, dafs beim Sam-
meln der Raupen durch Anprallen diese durchschnittlich von
200 Microgasteren bewohnten Raupen am Leichtesten herabfallen,
und auf diese Weise durch Vertilgung ihrer Todfeinde der
Vermehrung der schädlichen Raupe schlecht entgegen gewirkt
würde. August war die Haupt- Schwärmzeit der Schmetter-
linoe, und schon zu Anfang derselben fanden sich die ersten
Eier, die aber auch schon von parasitischen Hymenopteren be-
Avohnt wurden, in dem Umfange, dafs im vorliegenden Falle
sich durchschnittlich jedes dritte Ei angestochen zeigte. Die
hier vorkommenden Arten waren: Teleas phalaenarum
Nees.^ 4 — 12, Encyrius embryophagus n. sp. nur 4 — 6 In-
dividuen zusammen in demselben Ei, und Chrysolampus so-
liiarius^ zu einem Individuum in einem Ei. Auf diese Weise
überstieg die Zahl der Parasiten die Zahl der eingesammelten
Eier, aus denen sie gezogen waren um mehr als das Doppelte,
wobei allerdings ungewiß bleibt und überhaupt schwerlich zu
ermitteln ist, ob nicht eine der genannten Arten Parasit vom
Parasiten war. Die jungen Raupen haben ihre Feinde an den
"Wanzen, von denen 8 Arten namhaft gemacht werden, die die
Raupe mit dem Rüssel aufspiefsen und während «ie sie aussau-
gen, in der Luft schwebend halten. Einen anderen Feind der
Kieferraupe hatte der Verf. Gelegenheit bei diesem Frafse, 'der
in den November hinein währte, zu beobachten, nämlich den
Frosch, Rana iemporariu, der dem Futter nachgehend auf die
Kiefern stieg. Die Zahl der in diesem Frafse beobachteten
Schlupfwespen beläuft sich auf 18, von denen aber 5, nämlich:
368
1 HemtieJes, 3 PezomacTius und 1 Pieromalus Parasiten der bei-
den besonders thätiVen Microgasteren waren. Die neuen Ar-
ten derselben sind kurz beschrieben. Auch von parasitischen
Dipteren kamen mehrere Arten vor, namentlich aus den Gat-
tungen Musen und Sarcophaga. — Liparis Blonacha kam
an manchen Stellen in grofser Menge vor, doch bemerkte Hr. H.
dafs die gröfsere Zahl der Weiber dünnleibig war, und nur am
Grunde des Hinterleibes ausgebildete Eier trug. Von Parasi-
ten zeigten sich bei Ihr: Pimpln varicornis unA Tnchinnbhrmculnin^
und In den Eiern Teleas phnlnennriim. — Noctua (Trnchen)
piniperdn war meist von Tnchmen, besonders T. fern^ ange-
gestochen. Yon Ichneumonen kamen vorzüglich Bnnchus com-
pressus und Ophion rntniduJus vor. In den Raupen ferner Peri-
litus unicolor, in welchem Hemiteles monozofiius parasitisch lebt.
^ — Von Spannern fanden sich 8 Arten, doch In geringer Menge.
' G. pininria lieferte aufser verschiedenen Ichneumonen meh-
rere Tnchinen. Aus einem Tönnchen derselben kam ein neuer
Mesochorus zum Vorschein. In den Raupen der (i. fulvata
lebt u. a. Encyrtus iruncatellus Dnlm. gesellig zu .30 bis 40 Ind.
und verpuppt sich In der Raupenhaut. — Von Wicklern war
besonders Torlricc picenna häufig, weniger T. Buoliana.
Unter zahlreiclien Ichneumonen, die in denselben vorkommen,
wurden besonders Pnchymerus vulneraior, Cremnsius interruptor
und Campoplex alhidus \\3ini\^ gezogen. — Beim Sphinx Pi-
nasiri fand Hr. Hartig seine frühere Beobachtung bestättigt,
nämlich dafs die Verwandlung desselben nicht an bestimmte Pe-
rioden gebunden sei: er sah gleichzeitig den Schmetterling, er-
wachsene und halb erwachsene Raupen. Gezogen wurden dar-
aus: Ichneumon pisorius, Trogus luiorius, Anomnlon Pinnsiri
und Klugii, Tnchina erythrostoma.
Hr. Boje hat in Kröyer's NaturUstorik Tidskrift
einen Nachtrag zu seiner] früher in derselben gegebenen
Aufzählung der Dänischen Schmetterlinge geliefert.
Die kritische Bestimmung der von Reaumur beobach-
teten Lepidopteren hatte die Redaction der Isis als Preis-
frage aufgestellt, eine Frage, die um so mehr Schwierigkeiten
den Lepidopterologen bietet, als Reaumur auf Zeichnung
und Färbung wenig Rücksicht genommen hat, sorgfältiger
aber die Formen hervorhebt, und auch diese nur in den
schwarzen Abbildungen darstellt. Es sind indefs .weder Be-
schreibungen noch Zeichnungen immer so genau, dafs mit
Sicherheit selbst das Genus mancher Reaumur'schen Arten
wird bestimmt werden können , bis seine Landsleute seine Be-
obachtungen wieder aufnehmen, die wir in Deutschland nicht
immer Gelegenheit haben zu wiederholen. Das neunte Heft
der Isis 1838., macht zwei Abhandlungen über den vorge-
369
schriebenen Gegenstand bekannt, die erste von Hrn. Zeller,
die zweite von dem bekannten Lepidopterologcn Hrn. Frey er.
Die erste, welche auch den Preis erhalten, ist in einom wahr-
haft wissenschaftlichen Sinne abgefafst und, enthält eine»
Schatz von kritischen Bemerkungen, sowohl über die Chara-
ctere als über die Lebensweise der betreffenden Schmetterlinge,
in einem solchen Umfange, dafs wenn dieser Auetor hätte
seine Beobachtungen in derselben Localität anstellen können,
noch manche zweifelhafte Art aufgeklärt worden wäre. Die
zweite Abhandlung über denselben Gegenstand von Hrn.
Frey er ist melir ein blofses Register über die Reaumur-
schen Abbildungen, welches auch die häufig vorkommenden
sogenannten Microlepidopiera öfter als Hr. Zell er unbeur-
theilt, und den dritten Band, in welchem nur solche Schmet-
terlinge vorkommen, ganz unberücksichtigt läfst. In der Be-
stimmung kommen beide Auetoren nicht immer übereiu.
Gegenwärtig ist von der Isis-Redaction ein Preis auf
die Bestimmung der übrigen von Reaumur beobachteten In-
secten nach beliebigen Abtheilungen ausgesetzt. Es ist übri-
gens von Vallot im Jahre X. der Republik der Versuch
einer Concordance systcmatique des Memoires de ^Reau-
viur gemacht worden.
Ein neuer Europäischer Ritter, Papilio Hospiion,, ist von
Hrn. Gene in den Schriften der Academie der Wissenschaften
zu Turin beschrieben worden. Er ist dem P. Machaon ver-
wandt, weicht aber durch schmälere gelbe Binde der Vorderflü-
gel, einen einfachen Mondfleck im Afterwinkcl der Hinterflügel
und vorzüglich durch die Raupe, ab, welche auf hellgrünem
Grunde unterbrochene schwarze Längsstreifen und vier rothe
Puncte auf jedem Segment hat. Sie ist in Sardinien auf Fe-
rula vulgaris im Juni und Anfangs Juli häufig.
Hr. van der Hoeven hat im 4ten Bande der TijdscJirifi
voor naturlijJie Geschiedenis cn Physiologie zwei sehr ausgezeich-
nete und seltene Schmetterlinge beschrieben und abgebildet.
Der eine, ein Ritter, Papilio Payeni^ von Boisduval zwar
schon beschrieben, aber noch nicht abgebildet, ist von Java,
und zeichnet sich besonders durch sichelförmigen spitzigen
Vorderwinkel der Vorderflügel aus; der zweite, Colias V er~
liuelli ist von China, und ebenfalls weniger durch seine Fär-
bung als durch seinen Flügelschnitt bemerkbar.
Die Beschreibung der Verwandlungs-Geschiclile der Apa~
iura Iris, von der Hand des trefflichen Pallas, die Herr
Westwood unter den Papieren des verstorbenen Drury
370
gefiinrien, ist In den Transaciions of the Eniomol. Society ab-
gedruckt.
Hr. Gray hat in den Transactions of ilie Eni. Society eine
Ueberslcht über die Arten der Gattung Castnia gegeben, und
mit vieler Kritik die an verschiedenen Orten beschriebenen Arten
ziisamniengestellt und auf einander zurückgeführt. Er hat 29 A.,
von denen indels C. Euphrosyiie Perty von der vorherge-
henden C. Evalihe nicbt verschieden ist, C. Brecourt Enc.
ebenfalls, Avie der Verf. auch die Verrnuthung ausspricht, mit
C. Ardalus Dahn. übereinkommt. Auch möchte mit C. Pha-
Jaris F. wohl C. Mygdon Dahn. zu vereinigen sein. Von
den übrigen 26 A. sind 3 neu, davon 2, C\ Zerynthia und
Dalmanii, aus Brasilien, die dritte, C. Eudesmia aus Chile.
Die dem Verf. nur dem Citat nach bekannte, in Thon's Ar-
chiv beschriebene C. Kirsienii ist ein Männchen von C.Fons~
coloinbei. — Hr. Gray ist geneigt 5 Abtheilungen in der Gat-
tung anzunehmen, die er nach der Länge und Bekleidung der
Taster und dem Flügelschnitt characterlsirt, und welche die C
Cyparissias (mit Juiciis, Evnlihe, FonscoJotnhei) ^ C ^rdahts
(und Pafaiinus)^ C. Hiibneri^ C Cochrus (mit Unus und
^craeoides) und C. Nicon (nebst Thais) zu Repräsentanten
haben.
In dem Journal of the jisiaiic Society of Bengal (VII. p.
787.) ist die Rede von einer Neu-Seeländischen Raupe, die sich
zur Verwandlung an einen Faden von vegetabilischer Substanz
mit dem Kopfe aufhinge. Hr. Evans erklärt diese Erscheinung
so, dafs die Raupe einen kleinen Zweig oder Stengel von einem
Baxmie oder wahrscheinlicher von einer Schlingpflanze abbeifst,
das Ende der Länge nach in verschiedenen Richtungen spaltet,
und dann den Kopf in diese Spalten einklemmt, der dann un-
vorzüglich von gummi- artigen Ausschwitzungen umgeben und
fest mit dem Stengel verbunden wird.
In Betreff des vom Todtenkopfschwärmer hervorgebrachten
Tons bestättigt Hr. Nordmann, dafs ein Stimmorgan im
Kopfe, wie es von Passerini beschrieben worden, nicht vor-
handen sondern dafs dasselbe an der ^Vurzel des Hinterleibes
gelegen ist, und In einer trommelartig ausgespannten Membran
besteht, so wie es von den Herren Lorey und Goureau ge-
funden worden ist. Hr. Nord mann scheint indefs der Ansicht
zu sein, dafs verstärkte Respiration der Grund der Schwingungen
dieser Membran sei, \vährend dieselbe sich wohl nicht anders
als mit der erhöhten Muskelaktion, die die eigentliche Ursache
derselben ist, verbunden annehmen lässt. Hr. N. legt auch
grofsen Werlh auf das Vorhandensein grofser Luftbehälter im
Grunde des Hinterleibes, unmittelbar unter der ausgespannten
Membran. Natürlich ist das Befinden des elastischen Fluiduin
nothwendig, damit die Membran tönende Schwingungen mache,
dieselben grofsen Luftzellen sind aber bei allen Hymenopteren,
Lepidopteren und Dipteren an derselben Stelle vorhanden.
IJr. Gut' nee hat in den jinnal. de la Socicte Entomologig.
de France fernere Beiträge zur systematischen Eintheilung der
^ 371
Nociuen gegeben. Es sind hier ausführlich erläutert die Grup-
pen der Amphipyrides^ welche die Gattungen Mania (ty-
ptca und maurn)^ Amphipyra (specinivi)., Syntoviopus (cin-
namomca)^ PJiilophyra {pyratnydca , perßua, effusa^ ilvida,
ietra^ Iragopogwis) enthält, und die der MiseUdes mit den
Gatt. V alert a (oJenginn), Miselia {orbiculosn^ Oocyacaniliae^
himnculain) ^ (Jhariplem (cuha, aprilina, gem7nea, serpentina).
Ilr. Duponchel hat in den Annal. d.i. Soc. Eni. d. France
die Familie der Tineen einer systematischen Behandlung unter-
worfen, bei welcher er die Verschiedenheit der Taster und
Flügel vorzüglich, aufserdem noch die Fühler, Beine und den
sonstigen Körperhau berücksichtigt, nach welchen Characteren
er 32 Gattungen unterscheidet, die sich zwar gröfstentheils
schon in den Werken vonTreischke und Stephens benannt
finden, von denen, da sie noch einer gründlichen durchgreifen-
den Characteristik entbehrten, Hr. Duponchel eigentlich nur
den Namen entlehnt hat. Die Ypomeneuieu und Phycis sind von
den Schaben ausgeschlossen. Es ist diese Ucbersicht der Gat-
tungen der Tineen aus dem noch nicht erschienenen letzten
(Uten) Bande der Hisi. nai. d. Lepidopt. de France entlehnt.
D i p t e r a.
Hr. M ei gen hat uns noch mit einem siebenten Theil
seiner systematischen Beschreibung der bekannten
Europäischen zweiflügeligen Insecten beschenkt,
einem Supplementbande, in welchem nicht nur eine grofse
Anzahl neuer Arten, gröfstentheils jedoch aus der Bearbei-
tung dieser Ordnung in den Suites ä Buffon von Mar-
quard entlehnt, sondern auch eine nicht unbeträchtliche An-
zahl neuer Gattungen eingeführt ist, die sich zwar auch gröfs-
tentheils in dem genannten Werke finden, die aber von Hrn.
M eigen nach eigener Prüfung festgestellt sind. ^
Es wäre fast zu wünschen gewesen, der Verf« hätte sein
herrliches Werk nicht mit den Marquard'schen Arten ver-
unreinigt, die theils mit sehr geringer Kritik aufgestellt, theils
so flüchtig characterisirt sind, dafs der Leser über dieselben
keine Aufklärung gewinnt. Es hat mit diesem Bande Hr.
Meigen sein Werk geschlossen, ein mühsameres und mit gröfse-
rer Beharrlichkeit durchgeführtes, zu gleicher Zeit gediegene-
res und erfolgreicheres hat die entomologische Literatur kaum
aufzuweisen.
Hr. Macquard hat unter dem Titel: Dipteres exo-
tiques nouveaux et peu connus, (Sto. c. ßg. Paris
■ 372
Höret. 1838. — Extrait des Mem. d. l. soc. roy. des sci-
ences de Lille^ angefangen, Nachträge zu seiner Bear-
beitung dieser Ordnung für die Siiites ä Buffon zu ge-
ben, in denen er die exotischen Arten, die er in dem eben-
genannten Werke des ihm zugemessenen beschränkten Raums
wegen nicht berühren konnte, bekannt zu machen. Es reicht
das erste Heft des ersten Bandes (ein zweites ist 1839 er-
schienen) bis zu den Stratomyien, ist aber mit grofser Vor-
sicht zu benutzen, vorzüglich weil eine Menge längst bekann-
ter Arten mit irrthümlichen Vaterlandsbezeichnungen als neu
l)eschrieben ist. Auch hat der Verf. eine grofse Zahl neuer
Gattungen aufgestellt; diese bedürfen ebenfalls alle noch sehr
einer sorgfältigen Kritik, welche überhaupt in diesem Werke
einen wahren Augiasstall finden wird.
Ueber die parasitischen Zweiflügler des Waldes
liat Hr. Hartig im zweiten Jahresberichte über Forstwissen-
schaft und forstliche Naturkunde seine bisherigen Beobachtun-
gen niedergelegt.
Es ist bekannt, dafs die Tachinen parasitisch in Raupen
leben, und ein anderweitiges Vorkommen von Tachinen-
Larven Ist bisher noch nicht beobachtet. Hr. H. führt 29 Arten
derselben auf, die grüfstenlhells von ihm selbst gezogen sind.
Sehr beacbtenswertli ist, was Hr. H. über die verschiedene
Welse, wie die Tachinen die von Ihnen bewohnten Larven
verlassen, bemerkt. Ln ersten Fall frifst die Filegenlarve sich
aus dem Raupenkörper heraus. Im zweiten verwellt sie darin
bis nach der Verpuppung der Raupe und bohrt sich dann durch,
im dritten, (bei Biattwespen) geht sie in die Larvenruhe inner-
halb des Cocons ein, und übersteht in dieser Lage oft noch
den Winter; in allen drei Fällen geht sie zur Verwandlung in
die Erde. Ln vierten Falle verpuppt sie sich in der Schmetter-
lingspuppe oder im Cocon der ßlattwespen. Tachina simulansj
inclusa und ianitrix verpuppen sich innerhalb des Cocons von
Lophyi'en, welche, wenn sie Larven der beiden ersten Arten
beherbergen, unter der ersten dünnen Grundlage des Gespinnstes
eine greise Oeffnung freilassen, aus welcher dann die entwik-
kelte Tachina hervorkriecht; wenn sie aber die der T. ianitrix
nähren, machen sie den Cocon überall gleich derb, belfsen aber
zuletzt einen runden Deckel ab, der mit wenigen Fäden in
seiner Lage erhalten und leicht abgesprengt wird. — Von Go-
ni(i wurde eine A. ( G. capitata) aus JSoc. praecox und valli-
gera erhalten. — Von Blusca wurde M. siahtilans^ und eine
neueA., M. parasitica, aus Bomb. Pini, erstere in sehr gro-
sser Menge gezogen. In den Maden derselben lebte parasitisch
Pterotnaius inuscarum. Von Anihomyia kam eine neue A. ^d.
373
Pini, von Sarcophnga 2 A., S. nlhiceps und eine neue, >S'.
5-viHaift^ in demsciljcn Spinner vor. \on Lciicopsis wurde
die Larve von einii^cn Arien, ii. a. L. griseo/a M. im Früh-
jahr zwisclien den noch nicht entfalteten Kiefcrna(hdn von
Blattläusen sich nährend beohachtet. Von Phora unnulaia
inid scini flava Ichen die Larven in den Raupen der Sphinx
Pinastri^ die von Phora nigra in denen von tiomhyx Pini.
Hr, Boje hat in Kröyer's Natarhisioiisk. Tidshrtft
sehr interessante Beiträge zur Entwickelungsgeschichte mehre-
rer Zweiflügler gemacht.
Merkwürdig ist das Vorkommen der grünen Larve der
Limnohi a disiinciissima auf den Blättern der Siellaria
nemoru7ii^ an deren Stengeln sich die Nymphen mit dem Hin-
tertheile schmetterlingsartig anheften. Cecydo7nia scuie?hiia
leht im Innern der Rohrstengel. Vollucella plumata und
Lovihylans zog Hr. ß. aus einem Neste des Bojuhtis lapi-
darius, und vermuthet, dafs beide nur Abänderungen sind,
die erste die Eier in dies Nest eingetragen habe, die andere
auf B. terresiris und ähnliche angewiesen sei. Tachina viri-
dis fand Hr. B. in grofser Menge als Schmarotzer der Nociua
j4irne^ wobei er auf das Problem aufmerksam macht, dafs die
Fliege schon im April und Mai schwärmt, die Raupe aber, auf
welche sie die Eier ablegen mufs, bis zum Junius unter der
Erde bleibt. Tachina pacta lebt in Carahus violaceiis, cla-
ihrattis und cancellnius ^ in ihr wieder eine Schlupfwespe der
Gattung Phygadeon. Die Larve der Trypeta cognata minirt
in den Blättern der Klette (^rctitwi Linppa). Puppen von
Plaiycejihala uvihracnlata fand Hr. B. in einem Stengel
des Arundo phragmiiis. JMusca siabulans entwickelte sich in
abgestandenen Raupen, Cordylura apicalis zog Hr. B. aus
den Raupen der Nociua phragmitidis ^ und entdeckte die Älade
der PhytQviyz.a affinis im J'ruchlboden des Chrysanthemum
inodorum.
Hr. Wahlberg hat in den Schriften der Königl. Acad.
der Wissensch. zu Stockholm einen Beitrag zur Kenntnifs
Schwedischer Dipteren gegeben.
Es sind dort folgende zum Theil neue Arten mit grofser
Genauigkeit beschrieben: Ceroplaius sesioides n. A. aus
Birkenschwämmen gezogen; Tahamis glaucopis Meig., The-
reua exiviia Bleig.] Anthrax hotteniottalehtinl^ociucn-
raupen; die Puppe, der einer kleinen TagschmetterlingA-ptippe ähn-
lich, istausführlich beschrieben. — Lapnria aira, P.,Dolicho-
pus retnipes, n. A., Xyloia crassipes, n. A. , Milesia
saliuuvi jF. , jinihomyia Hyoscyavii Meig;., deren Larve
als Minirmade in den Blättern des schwarzen Bilsenkrautes lebt;
Psairopiera^ n. G. aus der Fam. der Ortalidcn, 4 n. A. ent-
haltend, Drosophila albo-guiiata ^ n. A.
374
Hr. Dune an hat im Magazine qf Zoolog y and Botany
fortgefahren die Brittischen Dipteren zu beschreiben.
Es sind diesmal die Familien Bomhylidae mit den Gat-
tungen Phthiria und Ploas, Conopidae, allein aus Conops be-
stehend, Blyopidae, nur mit Myopa^ an die Reihe gekommen.
Neue Arten sind nicht darunter enthalten.
Ueber die weiblichen Geschlechtsorgane der T achinen
hat Hr. v. Siebold im zweiten Hefte des vierten Jahrganges
dieses Archivs höchst interessante und reichhaltige Beobach-
tungen bekannt gemacht, durch welche er mehrfache Irrthii-
mer, welche über diese Organe verbreitet sind, berichtigt, und
namentlich zeigt, dafs das, was man vom Lebendig- gebären
der Sarcophaga carnaiia gesagt habe, auf Tachinen zu be-
ziehen sei.
Hemiptera.
Von Hrn. Herrich Seh äffe r's „Die wanzenartigen In-
secten, getreu nach der Natur abgebildet und beschrieben,"
sind das 2 — 5te Heft des vierten Bandes erschienen.
Hr. Ger mar hat seine Zeitschrift für die Entomologie
mit einer monographischen Bearbeitung der Schildwanzen
eröflfnet, welche unter der Hand ihres berühmten Verf. sich
in klassischer Gediegenheit gestaltet hat, und den Wunsch
sehr rege macht, die übrigen Familien der Hemipteren auf
gleiche Art bearbeitet zu sehen.
Den Character der gegenwärtigen Abtheilung setzt Hr. G.
in die Gröfse des Schildchen, welche allerdings auch der we-
sentlichste und auffallendste ist, und fast überall wenigstens
eine abweichende Bildung der Oberflügel bedingt. Indefs kom-
men den meisten Schildwanzen noch andere Eigenthümlichkei-
ten zu, und wenn Graphosoma lineatum allen übrigen
Verhältnissen, selbst der Bildung der Oberilügel nach, nur als
ein Citnex mit ungewöhnlich vergröfsertem Schildchen erscheint,
■wenn Stiretrus Lap. mit Aplomus Spin, in der nächsten
Verwandschaft steht, wie Hr. Burmeister sehr richtig erkannt
hat, obgleich er in ihrer Vereinigung unter eine Gattung viel-
leicht zu weit gegangen ist, so giebt es auf der anderen Seite
wieder solche Formen, die von der geringen Ausdehnung des
Schildchen abgesehen, in übrigen Verhältnifsen ganz mit den
eigentlichen Schildwanzen übereinkommen, wie Aelia (d. h.
A. acuviinaia, die Fabricius selbst als Typus der Gattung
bezeichnet hat.). Hr. Germar beginnt die Reihe der scharf
unterschiedenen Gattungen mit Stiretrus und Discocera, dann
folgen solche .mit schildförmigem Kopfe und flachen Wangen:
375
Chlaenocorts, T7ii/reocorts, Oorynolus, OclontosccUs.,
Hie übrigen mit auf der Unterseite gewölbtem Kopfe zerf;illen
in solche mit wenigen Adern in der Fiiigelmeinbran : Arcio-
coris {Ursocoris Halm. Tct.fiiliginosa F.) (Jyptocoris, Gra~
phosoina^ Trigonosoma^ Alphocoris (neue auf zwei Ar-
ten vom Senegal gegründete Gattung), und folgende mit ge-
stielten Augen P /lim oder a (Podops gaJguh'nus Hnhn.^ Pod.
nodkoWs Biinn.) Podops, Derojtlon., und solche mit viei-
strahliger Flügelmembran: Psacasia {T. pcdcmoninun, Uihcvcu-
lala F.), Tetyra (T. viaiira F.)^ Sphaerocoris^ Pach yco-
ris^ Pcltophora^ Callidea.i (JalUphara (ntnc niii T.dhpar,
iiobilis F. U.S.W, gegründete Gattung), Coeloglossa (T, lyn-
cea unA fiircifera -f.), Scuiellcra,, ^ugocoris.
Hr. Westwood macht im Magazine of Naiiual Hi-
slory auf eine Anomalie in der Fliigelbildung bei der Gattung
Copfosojna aufmerksam.
Anstatt nämlich sonst bei den Hemipierts heteropieris die
Halbdecken iingefaltet, die Unterflügel aber quergefaltet sind,
finden sich hier die Unterflügel nur kurz, die Halbdecken aber,
w-elche um die Fortbewegung des breiten, stark verkürzten
Körpers möglich zu machen, sehr verlängert und mitteist einer
Querfaltung unter das Schildchen geschlagen. Von den Herren
Burmeister und Germar wird die Gattung Coptosoma als
ein Theil der Gattung Thyreocoris betrachtet, da aber die-
ser Name mit dem S chrank'schen Begriff desselben nicht
übereinstimme, will Hr. W. lieber den L aporte'schen erhalten
wissen; auch die Lap orte'sche Gattung PlaiycephalawWl er
aufrecht erhalten sehen, freilich unter einem anderen Namen
Plaiaspis (PInii/cephala heifst bekanntlich eine Diplerengat-
tung), depen Unterschiede aber nicht, wie Hr. Lap orte sie
aufstellt, in der Endigung des Schildchen, sondern in der Ge-
stalt des letzten Hinterleibsringes und den Verhältnissen der
Fufsglieder liegen. — Was übrigens die obige Anomalie be-
trifft, so bemerkt schon Hr. Burmeister in seinem Hand-
buche bei den Gattungen Chlaenocoris und Thyreocoris als eine
Eigenthümlichkeit derselben, dafs die Haut zurückgeschla-
gen ist. Dies ist nun ^vohl nicht eigentlich der Fall, denn durch
die Gelenkfalte, welche sich zv\ischen dem hornigen und häutf-
gen Theile des Flügels befindet, wird es nur möglich gemacht,
dafs die Oberflügel sich im Bogen unter das Schildchen legen,
so dafs das Ende des rechten Oberflügels auf die linke Seite
des Körpers zu liegen kommt, das des linken auf die rechte.
Es Ist die Gelenkfalte auf derselben Stelle aber bei dem gröfs-
ten Theil der Fabrlci'schen Teiyren vorhanden, und dient bei
den Meisten auf eine ähnliche Weise; häufig faltet sich auch
die Membran selbst noch einmal der Länge nach, wie bei Cal-
lidea u. a., andere Male Ist wohl eine solche Gelenkfalte in
der Anlage vorhanden, die Oberflügel sind aber nicht fo lang,
dafs es nöthig wäre, dafs sie sich falten, wie bei T<?/yr«, Odon-
ioscelisj in noch anderen Fällen sind die Oberflügel zwar länger
376
als der Körper, aber die Gelenkfalte am Grunde der Fliigel-
membran fehlt, wie bei Trigonosoma und einigen Arten von
GrapJiosoma (albotineatum u.a.); bei Graphosoma lineatum end-
lich fehlt die Gelenkfalte ganz, und auch die Membran faltet
sich nicht.
Hr. Burmeister hat in den Transact. of the Enc. Soc.
eine Monographie seiner Gattung My o coris gegeben.
Es gehört diese Gattung zu den Reäuvien, deren Klauen
an der Basis gezähnt sind, und ist dadurch besonders bemerk-
bar, dafs die Deckllügel häutig sind. Auch sind die Füfse fast
2-gliedrIg, indem das erste Glied derselben ganz in die Schiene
zurückgezogen ist, ein Umstand, dessen der Verf. nicht erwähnt,
und mit dem die gegebene Abbildung des vergröfserten Fufses
nicht übereinstimmt. Es Averden 10 A. der Gattung beschrieben, 6
mit 4 Dornen auf demKopfe, 4 mit unbewehrtem Kopfe. Nach der
Färbung werden die Arten, die mit Ausnahme der ersten auf den
Sunda-Inseln einheimischen, alle Südamericaniscb sind, w^eiter
in Unterabtheilungen geschieden, bei der einen die Hr. B. durch
ein schwarzes Pronoium von den übrigen absondert, bemerkt
Hr. Westwood, dafs sein Ex. einen grofsen gelben Fleck
auf demselben habe, und Ref. kann berichtigen, dafs derselbe
auch bei allen Ex. des hiesigen Museum's nicht leicht zu über-
sehen ist. Dafs das hiesige Museum seiner Arbelt zum Grunde
gelegen, ist von Hrn. Burmeister nicht angedeutet worden,
es ist aber die Angabe der Sammlung, in welcher sich die Ty-
pen beschriebener Arten befinden, in der Wissenschaft von
Wichtigkeit.
Ueber den inneren Bau der Cicaden hat Hr. Doyere
eine wichtige Berichtigung der Leon-Dufourscben Darstel-
stellung niitgetheilt.
Es ist nämlicb das Zurücklaufen des Darmkanals in die Ma-
genförmige Erweiterung nur scheinbar, indem er, so weit er
nicht sichtbar ist, zwischen den Magenhäuten fortläuft, so dafs
der Verlauf des Darmkanals bei diesen Thieren dadurch am be-
sten versinnlicht werden kann, wenn man sich vorstellt, es
durchbohrte beim Menschen das Colon iransversum die äufsere
Haut des Magens, verliefe unter dieser, zwischen ihr und den
inneren, eine Strecke, und träte am entgegengesetzten Ende
des Magens wieder zwischen den Magenhäuten hervor, um sei-
nen natürlichen Lauf weiter zu verfolgen. Die Insertion der
Gallengefäfse, die Hr. Leon Dufour als In dem Magen statt-
findend darstellt, bleibt weiteren Untersuchungen zu ermitteln
vorbehalten. (jL' Instiiui. p. 389.)
Hr. Germar hat in seiner Zeitschrift für die Entomolo-
gie drei neue Gattungen der Cicadinen aufgestellt.
Die erste, Clasiopiera mit Penihhnia verwandt, doch
durch zwei- dornige Hinterschienen mehr an ^phrophora er-
innernd, von der sie sich durch an der Spitze gewölbte und
375
überelnandcrgeschlagene Deckflügel und kürzeren Scheitel un-
terscheidet, enthält 7 Arten, von denen zwei aus Nordamerica,
die übrigen aus Brasilien. Die zweite, Xevophloea^ gleich-
falls aus der Abtiiellung der Cicadellina^ zwischen Gypona und
Ledra in der Mitte stehend, auf eine neue Art aus ßrasilien
gegründet. Die dritte, Phylloscelis, aus der Familie der
Fulgorinen, miV Issits und auch m'ii Euryhvachys verwandt, ohne
Flügel, mit blallfürmig erweiterten Vordorsthenkeln, zwei von
Zimmermann aus Pensylvanien eingesandte Arten enthaltend.
Hr. Biirmeistcr hat in seinen „Genera InsectOTum"
fortgefahren, einzelne Gattungen der Cicaden darzustellen.
Die zweite Lieferung enthält die Gattungen: Selenoce-
phahis, Coelidia, JEupcIiJC, Jassiis, die dritte: Ulopa^
Dorydium, Cephaielus, Ledra., die vierte: Gypona und
Xerophloea.
Parasit a.
In der vierten Lieferung des eben angeführten Werkes
theilt Hr. Burmeister noch des verst. Nitzsch Handzeich-
nungen der menschlichen Läuse, Phthirius und Pedicu-
lus mit allen Details mit. Die Abbildung der Mundtheile
entspricht durchaus der von Nitzsch im dritten Bande von
Germar's Magazin gegebenen Beschreibung. Es ist die Be-
obachtung derselben aber eben so mangelhaft geblieben, wie
die von Swammerdam: die Widerhaken am sogenannten Rüs-
sel existiren gar nicht, dagegen ein Paar sehr entwickelter
viergliedriger Taster; auch haben die Läuse sehr deutliche
Mandibeln, so dafs Ref. den Ungelehrten, welche der Mei-
nung sind, dafs die Läuse beifsen, den Gelehrten gegenüber
um so mehr Recht geben mufs, als die Läuse der Struktur
ihres Mundes nach gar nicht stechen können. Dafs eine Stel-
lung der Pediculinen in der Ordnung der Hemiptera, welche
Nitzsch in Vorschlag gebracht, und Hr. Burmeister natur-
philosophisch als noth wendig nachgewiesen hatte, unmöglich
sei, ergiebt sich aus diesen Andeutungen von selbst.
V. .lahrj^, 2, Bd. 25
X. P i s c e s.
Bearbeitet
von Dr. F. H. Troschel.
Von der Iconografia della fauna italica di Carlo Lu-
ciano Bonaparte f principe di Musignano erscliienen
Lief. 22. und 23.
Die erstere derselben enthält Leuciscus Fucine, aJhus
(^Cypr. albo ^rlecVi) und cavedanns (Cavedanus ^hlrov.^ ^ypf-
capito Scopoli); — die andere IMora verdona (^Gadus moro
Risso, Mora medherranea Risso) und Strinsia iinca Raßn.
Von Riippell's: Neue Wirbelthiere zu der Fauna von
Abyssinien gehörig etc., erschien eine Doppellieferung n. 12.,
welche 12 Tafeln mit Fischabbildungen und den Schlufs des
Textes über Fische enthält.
Die meisten der hier abgehandelten Fische gehören der
Ordnung der Acandiopierygier an. Ueberall sind Diagnosen ge-
geben, welche die Bestimmungen sehr erleichtern. In den
meisten Fällen spricht Verf. die Vermuthung aus, es könne
seine Art mit einer Cuvier'schen identisch sein , und setzt dann
dieselbe als fragliches Synonym liinzu. Diese beziehen sich
immer auf solche Arten, die wir hier im Königl. Zool. Museum
durch Herrn Prof. Ehrenberg aus dem rothen Meere besitzen,
uud die man als Originalexemplare für die Cuvler-Valenciennes-
schen Beschreibungen ansehen kann. Ref. wird im Folgenden
die Resultate einer möglichst genauen Vergleichung der Rüp-
pelschen Arten mit den Ehrenbergschen Exemplaren mittheilen.
Bei solchen Arten, die nicht durch Cuvier publlcirt wurden,
bleibt natürlich Hrn. Rüppell die Priorität.
Von Scandinaviens Fiskar, malade e/ter lefvande
Exemplar och ritade pä sten af JYilh. von Wiight med
377
Icxtaf B. Fr. Fries och C. u. Ehström. Stockholm 1838.
4to erschienen 4 und 5.
Heft 4 enthält Cyprinus Grislagine Art., C. rutUus £>., C.
eryilirop/itluihuHS Z-. , Gaclus mimttus L. (Gaefus iuscus Nihs\
G. merhingus Z>. , G. neglcjimts L., G. poUachius L,., Raniceps
nigev (Juv. ei Nihs {Raniceps irifiircatus Yarrell); so wie die
vortrefflichen Abbildungen der drei letztem und die von C'alU^
onymus Lyra L. Männchen und ^^ eibclicn, und Call. viacutaUis
Männdien, — Heft 5. enthält Call i onymus Lyra L. (C. clracu-
ins Müll, und C ttracimciihis Nilss. et 131. sind die Weibclien
dazu). Call, viactilatiis Rajin., CenironoUts Gunellus L., Clinus
maculaius Fries. Abgebildet sind Cenironotus gunellus Z/. , Cli~
tius maculaius Fries ^ Cyprinus Ballerus L., Pleuronecies Linian-
doides Bl.., Myocine gluiinosa., Scomher scotnbrus (Männchen) L.y
Squnlus cornubicus (Weibchen), und eine Tafel mit mancherlei
Fischergeräthschaften.
Auch einige die Anatomie der Fische behandelnde Arbei-
ten verdanken wir dem Jahre 1838.
Nach John Dalrymple (Loud. Mag. II. p. 36.) soll sich
an der Krystallinse beim Schellfisch, Hecht, \Veifsfisch, Ma-
krele und anderen Fischen ein birnförmiger Körper befinden,
den Verf. für einen Muskel anspricht, und den er für ein Mit-
tel hält die Krystallinse zu bewegen, um dadurch das Auge
fähig zu machen, abwechselnd nahe und ferne Gegenstände
wahrzunehmen.
Ueber die Schwimmblase finden wir eine Abhandlung in
MüUer's Archiv für Anat. etc. 1838. p. 413 — 446 von Hein-
rich Rathke. (Zur Anatomie der Fische, dritte Abtheilung.)
Als Anhang zu der eben angeführten Abhandlung thellt
Verf. eine mei-Kwürdlge Abweichung des Kiemenbaues bei Le~
padogasier biciliaius von den übrigen Fischen mit.
Ueber das Nervensystem des Petromyzon von Schlemm u.
d' Alton, Auszug aus der ungedruckten, von der Academie der
Wissenschaften zu Paris im Jahre 1830 gekrönten Preisschrift,
über das Nervensystem der Fische. (Müllers Archiv für Anat.
etc. 1838. p. 262—273.)
Breschet: Recherch.es anatomiques et physiologiques sur Vor'
gane de Vouie des poissons Paris. 1838- 4. avec 17. planches gra-
vees ist mir nicht zu Händen gekommen.
Auch einige Notizen finden sich, die für die geogra-
phische Verbreitung der Fische von Interesse sind.
William Thompson glebt ein Verzeichnifs mit vielen
Bemerkungen von solchen Fischen, die für die Fauna von Ir-
land neu sind. {On Fisches new io Ireland. jinnals of nai. hisi.
I. p. 348—359. und II. p. 14—28. und II. p. 266.)
In den Preufsischen Provinzialblättern , öand XIX, p. 547.»
wird von Dr. H. Rathke Cottus Gobio als in Preufsen vor-
kommend bezeichnet.
25*
378
Einige Fische des CaspJschen Meers liat E. Eicliwald in
diesem Arhiv IV. I. p. 97- Lesclirieben, desgl. Bulletin des sci-
ences nat. de Moscoii. 1S3S. p. 125.
Die Gattung ßenihophilus ist gleichzeitig von Nord-
niann unter dem Namen Hexncanihus aufgestellt. Bullet, sci-
entif. de St. Petersh. III. p. 332. Doch finden sich einige Dif-
ferenzen in der Angabe der Strahlen in der Kiemenhaut und
einzelner Flossen.
Ueber eine Sendung von Fischen aus Van Diemensland
finden wir Bemerkungen von J. E. Gray. {Annais ofnai. hist.)
I. I. Heckel beschreibt mit gröfster Genauigkeit „Fische
aus Caschniir, gesammelt und herausgegeben von Carl Frei-
herrn V. Hügel. Wien 1838."
Alle in diesem Werkchen aufgeführten Fische sind aus dem
Flusse Tschilum, dem Hydaspes der Alten, und sämmtlich
neu. Die Forellen welche sonst die hochliegenden Gewässer
bewohnen, werden hier von Cyprbien ersetzt, jene fehlen ganz.
Die meisten Arten gehören in eine neue Gattung Schizotitoraac
(s. imten) ; die übrigen gehören den Gattungen Bnrbus Cuv.y
Liobeobarbus B'üpp.^ T^avicorJünus Rüpp.^ Cobitis Agass. und
Silurus Cuv. an. Die Abbildungen sind in Kupfer gestochen,
und aulser den ganzen Fischen finden sich Detailzeichnungen,
einzelne Schuppen, Unteransichten des Kopfes u. s. av.
1. Acanthopterygii.
Sehr interessant sind v. Nordmann's Angaben über den
Nestbau dreier Gobien. (^BuU.scient.dePetersh.ToTn.\U.S.329.')
Es findet dies nicht allein im Meere, sondern auch in reis-
senden Gebirgsflüfsen statt. In einem Bache befand sich ein
solches Nest an einer der Strömung weniger ausgesetzten Stelle,
In einer etwa armtiefen Höhle unter einem mit Moos bewach-
senen Vorsprung. Die ganze Höhle und besonders der Hinter-
grund war mit Reisig, kleinen Zweigen, abgefallenen Blättern
und Gras ausgepflastert. Aus dem Eingange der Höhle guckte
ein Fisch mit halbem Körper heraus, zog sich aber sogleich
zurück; beim Ausgraben der Höhle zeigte sich ein backofenför-
miges, dicht zusammenhängendes Nest, im Hintergrunde den
Laich mit kleinen schon lebenden Embryonen beherbergend.
Bei Rüppell finden wir 1. c. aus dieser Abtheilung fol-
gende neue Gattungen und Arten:
Apogon annularis hält Verf. für verschieden von A.
rex midtorum. — A.novemstriaius, — A. bifasciaius steht
als A. fasciatus Ehrbg.^ den jedoch Cuv. und Val. nicht auffüh-
ren, Im Berliner Königl. Zool. Museo. — A. enneastigma Ist,
wie sich aus Vergleichung der Ivüppelschen Beschreibung mit
dem Im Museo vorhandenen Exemplare ergiebt, Identisch mit
A. heptasiigma Ehrbg. — A. punctulaius^ vielleicht A. va-
379
ricgatus'i — A. coccineus, ob diese Art m'il A. aipreus Ehrh§:
idcnlisch ist, lälst sich nicht entschciileti, da unter diesem Na-
men kein Exemplar im Museo vorhanden ist.
Serranus micronoiatus liiipjy» —
Dincojye mclanura. — D. eryihrinn. — D.coeruleo-
Itneata vielleicht Mesoprion ginnque/incatiim Cuv. Vnl. —
Holocentrus spinifev Riipp. (non Cuv., Scinena spint-
fera Forsk.) ist nicht H. ho Cuv. Val. ^ wie Verf. für möglich
häit. —
Sphyrnena affinis sehr verwandt mit Sph. jcllo. — Sph.
Agam. — Sph. flavlcauda ist wohl nicht Sph. obitisala Cuv.
I^al., wie Verf. vermuthet, und von der das Berliner JMuseum
Originalexemplare besitzt, steht aber daselbst als Sph. viucrole-
pis Fhvbg. —
Plalyccphalus ieniaculaius ist nicht PI longiceps
Ehrhg: —
Scorpacna harhaia, ob dies Sc. cirrhosa Cuv. Val. sei,
kann ich nicht entscheiden, da wir keine Originalexemplore be-
sitzen. — Sc, auriia ist die im Museum stehende, mit Sc. va-
ricgnta H. et E. bezeichnete, von Ehrenberg mitgebrachle Art,
die ich für Sc. eryihvaea Cuv. Val. halte. — Sc. chilioprisia
ist, wae es auch der Verf. vermuthet, Sc. ruhro-punctala Ehrbg.
Pierois cincia steht im Museum als Pi. gaiiina Ehvb^.
In der Familie der Sparoiden bildet Rüppell eine neue
Gattung, welche sich im Zahnbau von C/rjysopÄWs unterscheidet:
Sphaevodoii nov. Gen. Opercula et praeopercula lepi-
<lola; dentes in utraque maxilla antice 4 conici validi, post quos
permulti dentes criniformes setacei; maxillarum latera unica serie
dentium gradatim robustiorum , corona sphaeroidea; niargine
antico maxillarum serrato. Pinnae veluti generis Leihrinus; at-
tamen spinae dorsalis in utroque latere aequales. Die einzige
Art ist Sciaena grandoculis ForsJc., (Chiysophris grandoculis
Cuv. 7''«7.)
Pagrus longifilis Cuv. Val, will Verf. mit P. spinifer
vereinigen. ,
Der Zweifel RüppeU's, oh stmLieihi'inus RaviaTc m\\. L.
BhvenbcrgU Cuv. Val. identisch sei, läfst sich aucli hier in Ber-
lin nicht entscheiden, da im Zool. Museo sich kein L. Ehven-
bergii findet; eben so Avenig ist unter den vielen von Ehrenberg
mitgebrachten Leihrinus ein Exemplar, das zu dem L. Ramak
Rüpp. pafste. — L. latifrons ist h. variegaius Ehrbg. — -L,
mahscna Cuv. Val., L. bungus Ehrbg. und L. mahsenai-
des Ehrbg. will Rüppell zu einer Art vereinigen; die Exempl.
des Berl. Museum unterscheiden sich jedoch speciüsch, diese
Vereinigung ist also nicht zu bestätigen. —
Prisiipotna nageb. — P. punctulaiU7H.
Diagramma punclaium und D. cinerascens bilden
nacb Rüppell nur eine Art. — D. flavomaculaUim Ehrbg.
ist der Jugendzustand von D. faetela^ wie vollständige lieber-
gängc beweisen sollen. — D. alboviUatum. — ü. crasst-
spinum. —
3S0
Pontacenirus hiocellaius ist P. InJtneaius Ehrh^. im
Jugendzustaiide, wie Exemplare des Berl. INIuseums beweisen.
Dascyllus cyanuriis, dafs dies derselbe Fisch sei, wie
Rüppell vermuthet, den Cuv. und Val. als Pomncenirus tjirldis
Ehrbg. aufführen, ist kaum anzunehmen. Ein sehr verstümmel-
ter Fisch, der jedoch noch deutlich als D. cynnurus Riippel zu
erkennen ist, steht im Museum als Pom. chrysurus Ehrbg. Cuv.
und Val. erwähnen seiner nicht.
Ein neues, mit Pomncenirus verwandtes Genus, stellt Rüp-
pell auf unter dem Namen: Pristotis. Dentes in utraque
maxilla uniseriati, basi cestriformes, apice acuminati, operculum
bispinosum, praeoperculum margine serrato, suboperculum inte-
grum, linea lateralis sub diraidio postico pinnae dorsalis termi-
nata. Pr. cyanosiigma ist die einzige Art.
Blennius semifasciaius.
Salartas fuscus. — S. nigroviUatus. — S. unicolor,
Gobius ciirinus verwandt mit G. coryphaenula unäquin-
que-sirigulus Cuv. Val.^ vielleicht identisch.
Chironectes cnudimaculaius. —
Apistes Tasmanensis Gray. (^Annals of nai. hist. I. p.
111.) im trocknen Zustande bleifarbig, schuppig. Suborbital- u.
Praeopercularstachel sehr lang, mitten in der Rückenflosse ein
breiter schwarzer Fleck, Gaumenzäbne sammetartig; Van Die-
mensland.
I. E. Gray beschreibt {Annais of nai. lmt\.^.^\% Tab.X.)
eine neue Art der Gattung Tetrapturus., vom Vorgebirge der
guten Hoffnung. T. Herschelii Gray ^ Oberkiefer verlän-
gert, die Haut mit knochigen Stacheln bewaffnet.
William Thompson giebt einige Beiträge zur Kenntnifs
der Irländisclien Arten der Gattung Crenilabrus Cuv. (Jar~
dine, Selby and Johnston Mag. II. 442.). Cr. iinca und
Cr. Cornubicus auf. werden als identisch angesehen. Cr.
rupestris {hutjaniis rupestris Bl.) wird beschrieben. Zwei
neue Species Cr. microstoma, Couch Ms. und Cr. jnulti-
dentatus Thomps. sind abgebildet und beschrieben.
Derselbe beschreibt (Loud. Mag. n. h. IL p. 214.) ein gro-
fses Exemplar von Cepola rubescens, das nach einem heftigen
Sturm an der Küste von Ayrshire gefunden wurde. Das Exem-
plar weicht sowohl von C. rubescens als von C. taenia Bl. etwas
ab, und hat theils die Kennzeichen der einen, theils die der
anderen Art, was für die Vereinigung beider, wie es (luv. und
Val. in ihrer Hist. des Poissons Avollen, zu sprechen scheint.
2. Malacopterygii.
Ein Fall welcher vielleicht einiges Licht über die Fort-
pflauzung des Aales geben könnte, wenn die Beobachtung nicht
38^
zu ungeuau wäre, wird von Eudes-Deslongcliamps mitgetheilt.
Die Magd des Doctor Blot fiuid einen Aal angefüllt mit Rog-
gen, der dem Froschlaich sehr älmlich war. Leider ist es
zweifelhaft, ob diese Eier sich frei innerhalb der Bauchhöhle
befunden haben. Letzteres wird durch Rathke's Untersuchun-
gen (s. dies Arch. l\\ 1. S. 299.) wahrscheinlich.
Eine neue in die Nähe von Muraena gehörige Gattung
beschreibt Rüppell 1. c. unter dem Namen Uropterygius.
Corpus sitbryllndrlcum, conipressum, elongatum, alepldotum,
apertura branchiarum parva, lateralis, nares tentaculatae; e pin-
iiis sola piiina caiidalis adest, minuta, scibrotundata ; riclus niag-
nus, utraque maxilla dentibus acutiusculis duplici serie ordioatis.
Palatus denle unlco uncinato. Eine Art U, concolor.
Ferner; Bli/raena bilhieaia Rüpp. 1. c. — Echeneis
vitiaia Rüjpp. 1. c. mit 24 Lamellen in der Kopfscheibe.
Eine neue Eintheilung der Familie der Karpfen finden
wir von L Mc. Clelland. {Ohservations on six new species
of Cypriiiidae , with an outline of a new Classification of
thefamily. Journ. of the Asiat. 6'oc. VIL 2. p. 94L) Eine
Vergleichung der vom Verf. nur kurz charakterisirten Gattun^
gen mit den von Agassiz aufgestellten, hält besonders deshalb
sehr schwer, weil beide Verfasser verschiedene Eintheilungs •
gründe benutzen. Die 6 neuen Arten, sämmtlich aus den
Flüssen Ostindiens, sind abgebildet,
Verf. tbeilt die Famih'e in ,3 Unterfamilien: 1, Paeonomine,
pflanzenfressend, Mund wenig gespalten, horizontal oder ab-
wärts gerichtet, Darmkanal lang. Hierher die Gattungen (Jir-
rhinus mit dem Subgenus Labeo, Barbus mit dem Subgenus
Oreinus I. Bl, (Mund vertical, Unterkiefer kürzer als der
Oberkiefer, Suborbitalknochen verborgen.). Diese Gattung
stimmt ganz mit der von Heckel aufgestellten Gattung Schizo-
ihorax überein, bis auf den Hauptcharakler, der in der Pan-
zerspalte neben dem After Hegt. Sollte Verf. dies Kennzeichen
übersehen haben, so wären beide Gattungen zu vereinigen, und
die Art neben ScJi. nasus Heck, zu stellen. Vergl. unten p. 383-
Cyprinus^ Gobio, G onorhynchus. % Snrcoborinac [\eUc\\.-
fressend, Mund Avelt gespalten, aufwärts gerichtet, an der Sym-
physe des Unterkiefers ein mehr oder minder deutlicher knochi-
ger Vorsprung, der als Greifzahn dient; Darmkanal lang.
Hierher Systomiis I. Bl. Zwischenkiefer protractil, Rücken-
und Afterflosse kurz, erstere über den Bauchflossen, Schuppen
breit, Abramis? Cuv. , Perilampus 1. Bl. (Rückenflosse
über der längeren Afterflosse, die Spitzen der Kiefer bis zur
Rückcnlinie erhoben, alles dies ist in der Abbildung nicht der
Fall), Leuciscus, Opsarius I. Bl. (Mund weit gespalten,
382
Rückenflosse schmal, ohne Stacheln und hinter der Mitte, Af-
terflosse lang, der sehr kurze Darm verläuft grade vom Magen
zum After. 3, Apalopierinae. Körper verlängert, cyllndrisch,
in Schleim gehüllt; Darm kurz. Hierher stellt Verf. einige neue
Gattungen, die mit der von Agassiz aus dieser Familie verbann-
ten Galtung PoecUia verwandt sind, und aufserdem als Anhang
die Gattung Cobiiis L. nebst einer mit dieser verwandten neuen.
yiplochcihis l. M., Kopf flach, die Augen an seinen Rändern,
Mund breit, aufwärts gerichtet, eine Reihe kleiner Zähne längs
den Kieferrändern, Schwanzflosse ganz, Platycara I. M.
Kopf flach, die Augen auf der oberen Fläche, Flossen dick und
opac, Brustflosse breit, Afterflosse klein, Schwanzflosse gega-
belt, Mund ohne Zähne, abwärts gerichtet; Darm etwas llinger
als der Körper. P stlorhynchus I. M. Schnauze verlängert,
platt, Augen v^^elt hinten am Rande des Kopfes, Mund klein u.
zum Saugen, ohne Bartfäden, Operculum klein, Schwanzflosse
gabelig, Rückenflosse über den Bauchflossen. Die Gattung
Schisiura endlich unterscheidet sich von Cobkis vornehmlich
durch die gabllge Schwanzflosse; die Arten sind grün mit
Querbinden. Die Schwimmblase ist zweilappig, während sie
bei Colitis s. sir. einfach oval ist.
Als neu werden hierauf vom Verf. folgende, sämmtHch bei
SImla in den Gebirgsfliissen des Himalaya gefundene Arten
beschrieben und abgebildet: Barbus Chielynoides, Kopf
zum Körper wie l:2j, Suborbllalknochen unter dicken Hüllen
versteckt, plötzlich verschmälert unter der Rücken- und über
der Afterflosse. .3-3 Schuppen längs der Seitenlinie, jede mit
einem schwarzen Fleck an der Spitze. D. 3-|-7. P. 16. V\ 9. A-l.
^. IS. — Oreinus maculaius^ Kopf zum Körper wie 1:3^»
Rücken mit unregelmäfsigen Flecken , der dritte Rückenstrahl
hinten gesägt. D. 3-f-S. P. 18. F^. 10. ^ 5- C. 19. Darmkanal
viermal so lang wie der Körper. L. 7". — Perilampus elin-
gulnius, Kopf und der vordere Körper hoch, Schnauze rund,
46 Schuppen an der Seitenlinie, Vorsprung an der Spitze des
Unterkiefers sehr klein, ein schwarzer Punkt an der Spitze je-
der Schuppe, n. 9. P. 1.3. F". 9. A. 10. C 19. Darmkanal von
Länge des Körpers. L.'Z". Auffallend ist die aufserordentllche
Kleinheit der Zunge, welche bei den anderen Arien dieser
Gattung sehr entwickelt Ist. — Platycara nasuia {Balitora
Gray) Schnauze plötzlich niedergedrückt zwizchen den Augen,
mit einer breiten Grube zwischen den Nasenlöchern, etwa .34
Schuppen längs der Seitenlinie. Z>. 10. P. 16. V.9. A,Q. C. 15.
Li-Q"' — Schistnra montana, Höhe zur Länge wie 1:8.
Sechs Bartfäden und ein Suborbitaldorn unter jedem Auge,
eine schwarze Binde an der Basis der Schwanzflosse, und etwa
12 Querbinden am Körper, eine Reihe schwarzer Punkte auf
der Rückenflosse, und eine auf der Schwanzflosse. />. 8. P. 10.
^-8. A. 6. C. 18. Z/. 2V'. -^-^ Schisiura rtijyecula, etwa 14
breite Binden an jcder"SeIte, und 3 auf der Schwanz- und Rük-
kenflossc, ohne Suborbitaldorn, 6 Bartfäden, Brust- und Bauch-
flosseu lanzettlich. D. 8. P. 10. V. 8. A. 1. C. 16. L. %",
383
Eine neue Gattung der Cyprinoiden wird von He ekel
1. c. aufgestellt.
ScJiizoihorax. Cirrlii quatuor, iino utrlnque in angulo
orls, (luobus in niedio ossis inlennaxillaris; pinna (lorsalis ana-
lisque brevis, illa radio osseo postice serrato; squamne niinimae;
Processus culatious utrlnque nietagasfricus, squaniis niajoribus in-
structiis, anuni niaxiniatnque parteni baseos pinnae analis inclu-
dens, et formani quodamniodo vaginne fissae rcpracsentans. —
Zu flieser Gattung werden 9 Arten beschrieben, die in 3 Ab-
theüungon gebracht werden. A. Lippen mit gescliärftem Rande,
Unterb'pj>e mit einer knorpligen glatten Haut überzogen, ganz-
randig: S. plagiostoimis^ siminlus. L. Lippen mit geschärftem
llande, -weich, Unterlippe ohne Knorpelhaut, mit unterbroche-
nem I\ande: S. cin'vij'roiis, longipinnis, niger, nnst/s. C. Lippen
dick, abgestutzt: S. Hiigclii, micropogon., plnnij'rons, esocinus,
Anfseidem beschreibt Heckel ebenda: Barbus c/iplochilus,
Laheobarbus macrolcpis^ T^avicorhimis diphsiomus^ Cobitis viar-
morata, viitaia, Silurus Latnghur.
\. Shaw theilt Versuche über die Entwickelung des Laichs
der Salmen mit. (The Edlnhurg new phil. Journal hy
Prof. Jameson. XXIV. p. 165. — Isis 1838. p. 381, —
Jard'ine y4nnals L p. 75. u. 398.)
In eigenen "SVasserbehätern, deren Boden mit reinem Kies
ausgelegt war, llefs Verf. am 4. Januar 1837. ein Paar Salmen
laichen, indem er dem Weibchen den Laich ausdrückte, und den
Samen des Mannchen drüber spritzte. Nach 50 Tagen zeigte
sich der Embryo im Ei, nach 114 Tagen krochen die Jungen
aus. Verf. hält den Parr für einen jungen Sahn, und behaup-
tet dieselben blieben 2 Jahre lang im Flusse, ohne ins Meer zu
ziehen.
Richard Parnell beschreibt (Aimals of naf. hist. I. p.
161.) zwei Coregoniis-Arien aus dem Loch-Lomond im west-
lichen Schottland, deren einen, C. inicrocepJialus, er für
neu, den anderen, C. Lacepedei, für Coregene Clupeoide
Lacep. hält.
W. B. Clarke giebt QLoud. Mag. n. s. Vol. II. p. 22.)
eine mit Holzschnittabbildung begleitete Beschreibung einer
Scopelus- Art, von der brittischen Küste, die er für identisch
mit Sc. Huviholdtii Tarr. hält. Yarrell spricht in eiuem
Briefe an den Herausgeber des genannten Journals (ib. p. 25.)
die Vermuthung aus, dafs der von Clarke mit den von Low
und Nilfson beschriebenen eine \o\\Femiant^s Argcuüna sphy-
raena verschiedene Art sei. Clarke's Fisch ist kleiner, die Sei-
tenlinie verläuft in der Mitte, wendet sich aber vorn nach dem
384
oberen Winkel des Kiemendeekels. Die Afterflosse hat 20
Strahlen, wogegen Yarrell in seinem Werke über brittische
Fische für Sc. Huinboldtii nur 15 angiebt
3. LopJiohranchii.
Auch aus dieser Ordnung finden wir bei Rüppell I, c.
einige neue Arten:
Hlppocampus fuscus. — Syngnathus spicifcr. — S,
hrevirosiris. — S. flavofasciaius. — •
Eine systematische Arbelt über die sca'ndinavischen und
englischen Arten der Gattung SyngnaiJms erhielten wir von B.
Fr. Fries (dies Archiv IV. 1. p. 236.). Derselbe theilte seine
Beobachtungen über die Metamorphose hei Syiignnthus lumbrici-
formts mit (ebenda p. 251.).
4. Pectognathi.
Zur Gattung Ostracion werden von I. E. Gray (^Annals
of nat. hist. I. p. 110.) drei neue Arten: 0. ornatus, ßavi-
gaster und Uneatus beschrieben, die sich zunächst an O.
auritus Shaw, reihen, und mit ihm und einer chinesischen
Art 0. Reevesli (früher von Gray als 0. auritus in der
Indian Zoology beschrieben) die Untergattung Aracana
bilden.
5. Plagiostomi.
Von I. Müller und I. Henle erschien die erste Liefe-
rung der früher angekündigten Monographie : Systematische
Beschreibung der Plagiostomen. Berlin 1838. Dieselbe
enthält aufser einer Uebersicht der Literatur die Familie der
ScylUen und den Anfang der Carcharien. Die Characteri-
stik der Gattungen der Plagiostomen ist schon früher an meh-
reren Orten QLoud. Mag. new series II. p. 33. u. 88.; Jii-
siitut 1838. p. 63., und namentlich auch in diesem Archive
1837. L p. 349. und 1838. I. p. 83.) mitgetheilt worden, wir
können sie also hier füglich ganz übergehen.
Die Gattung Scylliu7n enthält 11 Arten: -Sc. Edivardsii
Cuv., Sc. piciuni M. et H. vom Cap., Sc. maciilaitivi Gr.
et Hardw., Sc. canlcula Ctiv. (Squalus cnudus L.), Sc. Bür-
geri M. et H. aus Japan, Sc. bivium Stniih, Sc. cniulus
Cuv. (Sq. stellaris L.), Sc. capense Smilh^ Sc. africanuni
385
Cuv. (Sq. africanus JL., Sq. vUtaius Shaw) ^ Sc. pantherimim
Smith, Sc. variegatuvi Smith, die Gattung Prisiiurus Bo-
nnp. enthüll nur Pr. jneJnnostomus Bonnp (Sq. prionurus
Otto, ScyU. Artcdi Risso, Sq. annnlntus Nilss,). HcviiscyU
liuin M. et H. mit 2 Arten: H. ocelJatinn M. et H. (Sq.
occUatus 6rwi.), H. mal ai antun M. ei H. (Scy//ium mahtianinn
Lesson). <Jhi loscylliiivi M. et H. mit 4 Arten: Ch. plagi-
ostnn (ScyJliinnplagiosumBcnneit.), t'h. punctatum (Sc.punc-
iatitm K. et H.), i'h. griscum aus Java (Im Text fälschlich
Japan), Ch. iuberculatiim (Sqtiaius iiihercti latus Bl. Sehn.).
Crossorhinus M. et H. mit einer Art Cr. harbatus (Squalus
harbatus L. Cju., Sq. bavbatiis et lobattts Bl. Sehn.). Gingly-
vio Stoma M. et H. mit 2 Arten: 6r. concolor (Ncbrius con-
color Riippcll), G, cirratutn (Sq. cirrhatus L. Gm., Sq.pnnc-
laiiis Bl. Sehn.). Stegosioma DJ. et H. mit einer krtSt.
fasciaium (Sq. ligrinus et longicaudus L. Gm., Sq. fasciatus
Bl. Sehn., Scyllium heptagonum Riippell.). — Die Familie der
Carcharien beginnt mit der ersten Art der Gattung Scoliodon
M. eiH. S. laticaudus BL ei H. aus Indien. Abgebildet sind:
Scyllium Edwardsii, Bürgert, Chiloscyllium punctatum., griseutn,
Crossorhinus barbatus, Ginglymosioma concolor und die untere
Kopfansicht von Stegostoma fasciatum, Scyllium catulus, africa-
nutn, viaculaium, canicula, Prisiiurus melanostomus.
Von Cestradon PhilippiCiiv. (SqnalusFMippi Schneid.)
glaubt I. E. Gray (Annais of nat. hist. I. S. 109.), dafs ihn
weder Cuvier noch Müller und Henle gesehen haben, daher
beschreibt er ihn:
Schnauze kurz, Nasenlöcher breit, Deckel subspiral, Vor-
derzähne klcHU, kegelförmig, zusammengedrückt, lanzettförmig,
Augenbraunen erhaben, streifenartig. Zwei Riickenllossen, jede
vorn mit einem Dorn, eine Afterflosse, Schwanzflosse zweilap-
pig. Vordere Rückenflosse über der Mitte des Raums zwischen
den breiten Brust- und Bauchflossen, die zweite über der Mitte
des Raums zwischen Bauch- und Afterflosse. Fünf Kiemen-
löcher, die drei hintern über der Basis der Brustflossen.^ Haut
rauh, grau, mit zwei dunkeln Linien an jeder Seite des
Schwanzes. Vau Diemensland.
Von Jon athan Couch erhielten wir (Loud. Mag.) die Ab-
bildung in Holzschnitt und die Beschreibung einer Rochenart, der
Verf. keinen Trivialnamen beilegt, um Verwirrung zu vermeiden,
falls sie schon von einem ihm unzugänglichen Schriftsteller
beschrieben sein sollte. Von englischen Schriftstellern wird
sie nicht erwähnt. Der englische Name ist Sand/ Ray.
Die Schnauze dieses Rochen ist etwas vorstehend, Mund
6 Zoll von der Schnauzenspitze entfernt. Zähne klein, spitz,
in nicht sehr dichten Reihen. Körperform rundlich. Schwanz
verhältnifsmäfsig kurz und nach hinten zugespitzt. Auf dem
386
«lunkelbraunen Rücken finden sich 8 bis 10 Augenflecke von
Grölse einer Erbse und hellgelb in der Mitte, von denen einer
an der rechten Seite einer links entspricht. Länge 3' 8"i
Breite 2' 4V".
Schliefslich erwähne ich noch zweier Instrumente, welche
Hecke! als Anhang zu seinen Fischen von Caschniir be-
schreibt, und die zur mathematischen Bestimmung des Fisch-
Profils, so wie der Lage und verhältnifsmäfsigen Gröfse aller
Aufsentheile der Fische dienen sollen. Ersteres ist ein drei-
schenkliger Zirkel zur Bestimmung der Achsenpunkte; das
zweite ein ziemlich complicirter Goniometer, verbunden mit
einer Theilungsschiene.
XL A m j) h i b i a.
iJelTs Jlisiory of the hritish Repfiles. London 8., im
Jahre 1838 begonnen und im Jahre 1839 beendigt, giebt in
einem dünnen Octavbande mit vortrefflichen Holzschnitten die
Beschreibung der Britischen Reptilien, welche mit denen des
nördlichen Deutschlands im Ganzen übereinkommen.
ISur zwei neue Arten finden sich, eine Rann scotica
inid ein neuer Triton. Erstere steht der in Grofsbritanien feh-
lenden R. esciilenta nahe. Der Triton wurde irrig von Bi-
bron als Tr. marmoratus bestimmt (Proc. Z. S. 183S. p. 23.);
Bell hat ihn aber später richtig als eine neue Art Tr.Bibronii
unterschieden.
Leider sehe ich mich noch immer aufser Stande über
SclilegeTs Beschreibung der japanischen Saurer, Ophidier
und Batrachier in der Fauna japonica zu berichten, da diese
Lieferungen noch immer der hiesigen Königl. Bibliothek nicht
zugegangen, und sonach mir nicht zu Gesichte gekommen sind.
Eine vortreffliche Lebersicht über die Reptilien- Fauna
der Insel Cuba erhielten wir nach Ranion de la Sagra's
389
Sammlungen und Angaben von Dr. Tli. Cocteau. (Tiamon
de la Sagra Ilislorta naliiral de Ja Isla Cula. Zool.^ Lei-
der wurde dieser tüchtige Ilerpetolog noch während des
Druckes der letzten Bogen der Wissenschaft durch den Tod
entrissen.
Es finden sich aiifCuba allerdings mehrere Reptih'cn-Arten,
welclie den andern Antillen ausschlielslicli angeiiörcn, wie Einys
decussata Bell.^ Anolis equestris Merc, Sphacriodactyhis spitUdov
und cinereus C'iiv.^ Oymnodnciylus ailtigidaris Dum. Dibv., Am-
Xilihhaena coeca C'iiv. Andere Arten hat es mit den Antillea
und dem Conlinenle von Amerika gemein, so Anolis cnrolincn-
sis. Andere finden sicli auf den Antillen und dem Conlinente
von Südamerika, wie Crocod'dus acutus, Hemidnciyhis Blahma
Cuv.\ andere kommen auf Cuba und dem Continente von Nord-
amerika vor, Avährend sie auf den übrigen Antillen fehlen, so
Emys rugosa Sc/i.y Cychtra HarJam, Crocodilus vlwtnhlf'er u. s. w.
Mehrere sehr interessante Formen seheinen der Insel eigenthiuu-
llch zu sein; so die Saurer: C/iamaeleoIis Feritnndina, AcantJio-
lis Loysinna, ßipIogJossus de la Sngrae. Glücklich Ist Cuba,
dafs die gefährlichen Giftschlangen der Gattungen Crotcdus und
Trigonocepludus dort gänzlich fehlen. — Während der kalten
Jahreszelt vom October bis Februar wenn die mittlere Tempe-
ratur 22 — 24" C und das JMInImum -|- 7 ° beträgt, frische und
schneidende Nordostwinde wehen, die Atmosphäre sehr trocken
und die Vegetation minder kräftig Ist, verfallen die Schlangen
{Boa, Cohiber) in Schlaf und Frösche und Kröten verbergen
sich In der Erde. Von Chelonlern finden sich zwei Flufsschdd-
kröten Emys deciissaia luid E. rugosa, von Seeschildkröten:
Ch. caunna, inidas (virgaia) und Ch. itnhricala. Der Gewinn
des Schildpatts von letzterer Ist bedeutend. Aufser dem, dafs
in Habana 25 Fabriken von Schildpatt-Kämmen bestehen, wer-
den noch von kleinen Häfen die rohen Schalen in grofser
Menge ausgeführt; so von Nuevitas jährlich nicht weniger als
2000 Pfund, in Puerto Principe 1000 — löOO Pfund, im Jahre
1830 sogar .3633 Pfund, zu 8 — 10 Piaster. — Die Annahme,
dafs die beiden auf Cuba vorkommenden Krokodile Crocodilus
acutus und rliomhifer nicht ursprünglich einheimisch, sondern
durch die Aequatorial- Strömung vom Festlande hinübergekom-
men seien, scheint mir eben so unwahrscheinlich, wäe unerweis-
lich zu sein. Die auf Cuba vorkommenden Eidechsen gehören
den Gattungen Ameiva (Ameiva Auberi), den dickzüngigen
Baumagamen Holotropis, {H.microlopJius), Cychira (CHarlani)
luid Anolis (Anolis equestris JMerr., A. vermictdatus , A. caroli-
nensis, A. de la Sagrae, A. lucius.) an, zu welcher letzteren
auch Chamaeleolis Fernandina und Acantholis Luisiana Coct,
gehören, die nur durch die Beschuppung von den übrigen Anolis
abweichen; und Geckonen Memidactylus mabuia Cuv., Sphaerio-
dactylus spuiator und cinereus und Gyimiodaclylus atbigtdaris
und von Scinken Diploglosstis de la Sagrae Cod.
390
1. Batrachia.
Von Tschudi haben wir eine vorzügliche systematische
Arbeit über diese Ordnung erhalten. (J\Iem. de la Soc. d*
Hist. naf. de Neuchatel. Tom. II.) Leider nötliigt mich
die Beschränktheit des Raums eine ausführliche Analyse der-
selben den folgenden Stücken dieser Zeitschrift aufzusparen.
Dr. T. Cantor hat in dem Journ. of the Asiat. Soc.
of Beiigal. VI. 2. S. 538. Tab. 31. Abbildung und Beschrei-
bung der Schädelfragmente eines fossilen Batrachiers gegeben,
welche in der Ebene Nahun (^Nahun ßeld) von Sandstein
umschlofsen gefunden sind.
Die Länge des ganzen Schädels scheint etwa 10 Zoll be-
tragen zu haben, so dals er also einem gigantischen Batrachier
angehört haben mufs. Zur Entscheidung über seine systema-
tische Stellung scheint aber das Fragment nicht auszureichen,
wenn sich an diesem nicht mehr erkennen läfst, als an der ver-
ätzten Lithographie. Yerf. hält ihn zu den ungeschwänzten
Batrachiern gehörig.
In des Fürsten Max v. Wied Reise Bd. 1. finden wir Be-
schreibungen von Menopoma, Menohrnnchus lateralis (S. 141.),
von Hi/la iriseriaia S. 249. und H. Crucifer.
Th.Bischoff setzt es aufser Zweifel, dafs das von N i t z s c h
als Penis gedeutete Organ der Cöcilien nichts anderes als die
vorgestülpte Harn- oder Abdominalblase ist. Müller Archiv.
1838. S 353.
2. S e r p e n t e s.
a, Giftschlangen. (Venenosi.^
Dem Fürsten v. Neuwied (Reise S. 75.) wurde die Wurzel
von Prenanthes ruhicunda als ein vorzügliches Mittel gegen den
Schlangenbifs gerühmt von einem alten Dutod, der eine Menge
glücklicher Kuren, die er mit dieser Wurzel gemacht haben wollte,
erzählte. Man kocht sie mit Milch und nimmt 2 Efsiöffel davon
ein. Die Geschwulst soll schon vergehen , wenn man nur die
Wurzel kauet.
Dr. Cantor welcher sich lange Zeit Im Ganges-Delta auf-
hielt, berichtet, dafs sämmtliche Wasserschlangen im höch-
sten Grade giftig sind, obgleich die Eingeborenen Indiens
sie oft für harmlos halten. Ein brittischer Offizier, von einer
Seeschlange gebissen, starb eine Stunde nach dem Bisse. Das-
selbe Resultat gaben auch stets des Verf. an Thieren angestellte
Versuche. Proc. Z. S. S. 80.
Dr. Cantor fand, dafs das frische Gift seiner Gattung
Hamadryas^ ferner das von Cophias viridis, J^ipera eleganSf
391
Naia tripuelians, Bungarus nvnvlaris und B. coeruleus eine durch-
sichtige geschmacklose Flüssigkeit, m Consisteiiz einer dünnen
Auflösung von Gummi arabicum Im Wasser gleichend, das
Lackmuspapier schwach röthete, länger aufbewahrt, reaglrte es
stärker, hatte dann aber an Stärke bedeutend verloren. Auch
das frische Gift der Wasserschlangen machte das Lackmuspapier
reih. Proc. Z. Ä^.,p. 75.
Derselbe stellt a. a. O., S. 73., ein neues Genus B.a-
inadryas auf.
Die vom Verf. angegebenen Charactere genügen Indessen
nicht zu einer generischen Trennung. Einfache Zähne hinter
dem Giftzahne finden sich bekanntlich auch bei Naia^^ so dafs
dieser Charakter, auf welchen Verf. so grofses Gewicht legt,
nicht unterscheidend ist. Eben so wenig gilt die untere Be-
kleidung des Schwanzes, welche thells aus einfachen, theils aus
getheilten, paarigen Schildchen besteht. Bei der Angabe der
Kopfschilder, deren Verf. 15 anglebt, sind wahrscheinlich die
oberen Temporalschilder einbegriffen; alles Andere passt auf
Naja, aufser die nares In duorum scutorum confinio ^ indessen
erscheint auch das einfache Nasenschlld der Naia bei einer min-
der genauen Ansicht leicht doppelt. Die Dlagncse der Art JÖ.
ophiophagus. H, superne olivaceo- viridis, siriis sagiüalihus
nigris cinctus, aldomine glauco, nigro marmorato. Sc. abd. 215
— 245. Scuia subcaud, 1-3 — -32, scuiella subc. 63 — 71, scheint
sie als neue Art der Gattung Naia zu rechtfertigen. Ihr Name
in Bengalen Ist: ^^Sunhs- CJioar.'-'- Sie frifst Schlangen. Verf.
fand bei einem secirten Ex. auch einen Monitor. Beim Angriff
ihrer Beute benimmt sie sich wie die Brillenschlange, zischt,
bläht den Nacken auf, erhebt sich und schiefst auf ihren Raub.
Sie soll eine Länge von 12 F. erreichen.
Neue Arten:
Andrew Smith beschreibt in Londons Mag. N. S. IL S. 92.
zwei Arten der Gattung Naia und eine Vipera, sämmtllch aus
Südafrica. — Eine neue Viper vom Euphrat, V. etiphratica
wurde von Martin aufgestellt. Pr. Z. S. p. 82.
h, Innocui (Giftlose.)
T. Hutton macht in dem Journ. As. Soc. of Bengal
VL2. S. 528 interessante Mittheilungen üher Python tigris.
Verf. spricht mit Bestimmtheit aus, dafs seine Schlin-
ger tranken. Erst betasteten sie den Napf ringsum mit der
Zunge, streckten diese dann mehrmals über den Rand, bis sie
das Wasser berührte, erhoben dann sogleich den Kopf, tauch-
ten vorwärts gleitend die Nase in das Wasser und tranken in
langen Zügen. — Auch Dr. Cantor hat in Bengalen gefunden,
dafs die g'röfsere Anzahl der indischen Schlangen trinken und
sehr begierig nach Wasser sind. Die Baumschlangen allein
nimmt er aus. (Pr. Z. S. p. 74.) Die Schlinger {Python) schei-
nen nächtliche Thiere zu sein, denn sie liegen am Tage aufge-
392
wickelt und bewegen sich umher in der Abendkühle gegen
Einbruch der Nacht. Um Mitte Novembers werden sie auch in
Indien träge und verschmähen das Fressen bis Anfang April,
gewöhnlich zusammengewickelt liegend, eine Windung über
der anderen und den Kopf über allen. Während dieser Perlode
lassen sie sich wohl zum Bclisen aufreizen, machen aber nie
den Versuch eine Windung um ihren Störer zu machen. Vom
April an nehmen sie von selbst Nahrung, gewöhnlich alle 14
Tage. Wenn sie zuerst ihre Beute sehen, züngeln sie und
bereiten sich zum tödtllchen Sprunge vor, den sie mit lautem
Zischen ausführen, und dabei ihre Beute immer möglichst beim
Kopfe zu haschen und mit Windungen zu umschlingen suchen.
Das Umschlingen ist das Werk eines Augenblicks. Bei kleinen
Thieren, Ratten, Tauben u. s. w. unterlassen sie es, haschen
sie in einem einzigen Bisse und umwinden sie höchstens mit
dem Halse. Ein Monitor lebte 3 Stunden umschlungen von
einem Python, während Kaninchen keine 10 Minuten leben.
Ein Ausflufs von Speichel aus dem Munde findet beim Ver-
schlingen durchaus nicht statt. Einer grolsen Katze konnte ein
Pytlion nichts anhaben.
Dr. Clark e's Bemerkungen über die Ringelnatter {Loud.
Mag. N. S. IL 479.) beschreiben das Klettern und Springen,
genauer, als es von seinen Vorgängern geschehen.
Das erstere findet nur in Bäumen, die reich an Zweigen
sind, statt. Die Schlange gleitet entweder von Ast zu Ast in
Zickzackwindungen oder dreht sich in einer Spirale um einen
Zweig, indem sie über den Axillen seiner Aeste hinschlüpft. — -
Zum Sprunge legt sie sich in eine Spirale, in welche ihr Vor-
derthell die Mitte bildet, und dehnt sich dann plötzlich in Ge-
stalt einer Sprungfeder aus. Besonders macht sie dies, wenn
sie bei heifsem VVetter am Ufer des Wassers liegt, Kopf und
Hals vom Centrum zur Peripherie über die Windungen erhoben.
Neue Arten:
Coluber Chesneii, Coronella modesta vom Euphrat, Coluher
Cantori aus Indien, Herpetodryas punctifer aus Antigua stellte
Martin Proc. Z, S. S. 81 auf (daraus in den Anncds of Nai.
Hisior. IIL p.201.)
3. S a u r i.
Neue Genera und Arten:
Dr. Andrew Smith beschrieb mehrere südafrikanische
Saurer in Loud. Mag. N. S. II. S. 30 flg. — nämlich 9 Artea
der Galtung Cordyliis, die er in 3 Untergattungen Cordylus^
Hemicordylus und Pseudocordylus zusammenstellt, ferner 9 süd-
africanlsche Arten der Gattung Lacerta ;md eine Art der Gat-
tung jLlgyra. ib. S. 92.
E. Gray gab in den Annais of Nai. Hisi. I. 274. u. 388-,
II. 287. u. 331. eine Ueb ersieht der spaltzüngigen Saurer mit
393
kurzen Bezeichnungen neuer Gattungen und Arten. Ich werde
gelegenth'ch auf beide Arbeiten zurückkommen. Ein von Mar-
tin Proc. Z. S. p. 69. Ann. of Nat. Hist. III. S. 68. neu auf-
gestellter Varan (f^aranus Cuniingii) von Mindanao scheint von
duyltr's TMoniior 7nnrmoratuSy deiiMeyen auf Manila fand
und ich in dessen Beiträgen beschrieb, nicht verschieden.
Martin sprach über 3 Chamäleonten von Fernando Po,
Ch. iricornis s. Ch. Oivenii Gray, Ch. crisiaius Siutch-
biiry und eine neue Art Ch. Bibroni. Mari. Proc. Z. S.
p. 63- Das Exemplar des Ch. crisiaius von Fernando Po zeigte
sich von dem von Stutchbury beschriebenen, welches vom
Gaboon Fl. stammt, in einzelnen Stücken verschieden; Verf.
meint, dafs diese Verschiedenheit mehr auf Rechnung des Al-
ters oder Geschlechts zu stellen sei.
R. Owen (Pltilos. Magaz. 1838. JmZ.) glaubt in der
Verschiebung der Schwanzwirbel, welche man stets bei den
Ichthyosauren-Resten antrifft, auf das Vorhandensein einer grofsen
vom Hautsysteme gebildeten Ruderfiosse schliefsen zu können,
welche, sei es durch ihr eigenes Gewicht, oder weil sie eine
breite Fläche den Wellen darbot, bei Zersetzung der Liga-
mente jene Verschiebung bewirkte.
Er vermuthet auch, dafs die Flosse nicht horizontal, sondern
eher vertikal gewesen, denn die Schwauzwirbel der Ichthyo-
sauren zeigten keine Spur von abgeplatteter Form und bei
ihrem kurzen steifen Halse sei ihnen zur schnellen Seitenbewe-
gung des Kopfes ein vertikaler Schwanz durchaus erforderlich
gewesen. (Die piscivoren Delphine führen indessen auch die
geschicktesten und schnellsten Bewegungen aus. Ref.)
Beschreibung des Plesiosaurus macrocephalus Conyh. von
demselben Verf. Ann. of Nat. Htsi. II. S. 64.
Von S. Müller erhielten wir interessante Mittheilungen
über die indischen Krokodile und die Beschreibung einer
neuen Art von Borneo Croc. Schlegelii, deren Schädel
abgebildet ist. (^TijdscJirift voor naturlijke geschied. V.
S. 61. fg.)
Die Art steht in vieler Hinsicht zwischen den eigentlichen
Krokodilen und den Gavialen in der Mitte, ersetzt letztere auf
den Sunda- Inseln. Die Malayen nennen sie sehr bezeichnend:
Boeja sapiei, (Kneifzangen -Krokodil, wegen der langen
schmalen Kiefer.) Der Hirntheil des Schädels ist weniger breit
als der des Ganges-Gavials; aber länger, also mehr wie bei den
eigentlichen Krokodilen, der Kiefertheil ist stärker, an seiner
Basis vor den Augen nicht plötzlich verschmälert, wie beim
Gavial, sondern vom Schädeltheile ab mehr geradlinig zulau-
fend; die Stellung der 4 vorderen Zähne wie beim Gavial, alle
anderen Zähne stehen nicht nur in einer perpendikulären Rich-
tung hinter einander, sondern sind auch weniger gebogen und
V. Jahrg. 2, Bd. 26
394
nicht so scharfspitzig, und dazu viel ungleicher; der neunte im
Oberkiefer wie bei den Krokodilen der gröfste. Die Nasenan-
schwellung des alten Gavial fehlt. In der Oberkinnlade jeder-
seits 20, im Unterkiefer 19 Zähne. Auf dem Halse 2 Reihen
Schilde, die vier vordersten die gröfsten. Auf dem Rücken bil-
den sie 6 Längsreihen, die Schildchen jeder äufseren die klein-
sten, schief, langslreckig; die anderen mehr vierseitig, die der
beiden mittleren Reihen sogar breiter als lang. Alle Schilde
der Oberseite haben starke Kiele. Die beiden Zackenkämme sei-
nes Schwanzes stofsen etwa auf dessen Mitte zusammen. Im
Nacken jederseits 6 — 9 kleine stark erhabene Schuppen, in 2 — 3
Längsreihen. Charakteristisch sind die ziemlich grofsen, lang-
streckig vierseitigen Schilder an Kehle und Bauchseite, vor
den Vorderbeinen bilden sie einen breiten Kragen. Die Farbe
gelblich braun, zuweilen ins Olivenbraune fallend, oben mit
vielen braunschwarzen Flecken, an dem Schwänze 7 — 8 dunkele
Binden. — Häufig in dem Binnenlande von Borneo in ruhigen
Gewässern, Graben, selten in schnellfliefsenden Strömen; nährt
sich von Fischen, Monitoren, ^Vasservögeln, Affen u. s. w.
Den Menschen ist er weniger gefährlich als der Cr. biporcntus.
Sein Nest mit 28 Eiern war ein etwas platter kegelförmiger
Haufen Erde mit modernden Blättern und Holzstückchen, 10
Schritt vom Ufer, 2^- Fufs hoch, i?iiten ungefähr 4 Fufs breit.
Eine Höhle von 12 Zoll Durchmesser enthielt die etwa 1 Fufs
hoch mit grünem Moder überdeckten Eier.
4. Chelonii.
Lieut. T. Hut ton gab eine Naturgeschichte der indischen
Testudo geometrica, (Joitrn. qf the Asiat. Soc. of Bengal\
welche sich in Indien in den Hügeln von Meywar und der
Umgegend in hohen grasigen Janglas {janglas^ findet.
Bei Annäherung der kalten Jahreszeit suchen sie geschützte
Plätze, drücken sich mit ihrer Schale in hohe Grasbüschel und
verfallen in eine lethargische Unthätigkelt, bis zum Beginn der
heifsen Jahreszeit um Mitte Aprils, in welcher sie sich während
der Tageshitze verbergen nnd gegen Sonnenuntergang nach
Nahrung ausgehen. Dann gehen sie auch gern in's Wasser.
In milden Wintern gehen sie auch in den Mittagsstunden ihrer
Nahrung nach. Sie trinken W^asser in grofser Menge. In der
Regenzeit sind sie am lebendigsten, dann ist auch ihre Begat-
tungszeit, die vom Ende Juni bis Mitte Octobers dauert. Oft
besteigen zwei bis drei Männchen hinter einander ein Weib-
chen. Die Copula dauert 10 — 15 Minuten, wobei das Männ-
chen ein Grunzen hören läfst. Schon gegen Mitte Novembers
fangen die W^eibchen an Löcher zum Eierlegen zu graben.
Die Jungen der Etnys serpenllna^ welche mit vollem Rechte
wegen ihrer ßeifsigkeit den Namen snapping-iurtle führt, sah
der Fürst v. Neuwied schon um sich beifsen als sie eben die
395
Eischale verlassen hatten. (Reise I. S. 55.) Beschreibung einer
Emys, E. elegans ib. S. 213.
Derselbe erlauchte Reisende giebt S. 140- die Beschreibung
des Trionyx ocelhäus Say ^ den er mit Recht, weil der Name
vergeben, in annulifer umtauft, und weist diese Art als ver-
schieden von den beiden andern Arten Nordamerikas nach.
XII. Aves.
In der geographical and comparative lisf qf the hirds of
Europa and North Amejica des Fürsten von Musignano,
Gh. Lucian Bonaparte, erhielten wir eine vortreflfliche Zu-
sammenstellung der Faunen beider Continente. (London 1838.)
In zwei gegenüberstehenden Columnen werden die sich
gegenseitig ersetzenden Formen einander gegenübergestellt; die
beiden Erdtheilen gemeinsamen Arten sind in beiden Columnen
aufgeführt. AVo ersetzende Formen auf dem anderen Conti-
nente fehlen, ist dies durch eine Lücke auf dessen Columne
bemerklich gemacht. Viele Vögel Nordamerikas welche man
bisher für specie identisch mit den europ, hielt, finden wir als
verschiedene Arten aufgeführt; wobei wir nur leider die Angabe
der unterscheidenden Charaktere sehr ungern vermissen; so den
Faho lagopus Wih. als Bnüietes Sancti - Johannis , den BtUeo
vulgaris Nordamerlca's als B. Swainsonii^ den Fatco peregrinus
Wih. als F. ariaium Bon. , den F. cyaneus als Strigiceps uli-
ginosus, SU'icc Otus JVih. als Otiis americanus ., Sirioc Teng-
tnahni Richards, als Nyctale Richardsonii , Striae flavimea als
Sirioc praiincola Bon., Certhia familiaris TVUs. als C, aviericana^
j4.rdea riyciicoraoc TVih. als Nyciicoraoc dinericana, Scolopaoc
GalUnago Wih. als Gallinago Wihoni., Anas ferina Wih.
als Aiihya eryirocepluüa , Anas fidigula Wih. als Fiäigula ru-
Jiiorgiies y A. ciangula Wih. ala Clangula atnericana, die Sula
Bassnna Nordamerlca's als S. americana. — HaJiäeios albicilla u.
H. WasJiingionii werden einander als Repräsentanten gegenüber-
gestellt, H. leucocephaJus als beiden Faunen gemeinsam aufge-
führt,- doch ist letzterer in Europa gewifs nur ein sehr zufalH-
,ger Fremdling; dagegen scheint mir der F. Washingioni Aud.
mit dem F. ossifragus Nilss. identisch, und würde dann der
borealen Zone beider Continente gemeinsam sein. In Europa
kommen nach dem Verf. 508-, in Nordamerica 471 Arten vor;
Europa besitzt 403 Arten, welche sich nicht in Nordamerica
finden, und Nordamerica 371 Arten, die in Europa fehlen. Nach
der Zusamraensteilung beschränkt sich die wirkliche Identität
26*
396
der Arten fast nur auf die Vögel des höheren Nordens beider
Continente, sie ist daher am häufigsten bei den Wasservögeln.
Bei den Tagraubvögeln nur AquUa chrt/säeios , denn Falco is-
landicus, den Verf. als beiden Faunen geminsam aufführt, ist nach
Hancock vom grönländischen verschieden (s. unten); von Eulen:
Striae funerea Laih.^ StrixnycleaL., Str. brachyoius, Str.nebulosnL.
Die Differenz sprichtsich am stärksten aus bei den eigentlichen Sing-
vögeln, indem nicht allein nur wenige und zwar körnerfressende
Arten des höheren Nordens beiden Continenten gemein sind, wie
Fringilla horealis Savi und F. linaria L. , Plectrophanes calca-
ratus und nivalis, Corythus enucleator und Loxia Jeucoptera Gm.^
sondern indem auch oft einander entsprechende Arten und selbst
generische Gruppen gänzlich fehlen. Unter den Hühnern be-
schränkt sich die Identität nur auf 3 Schneehühner: Lagopus
albuSy Li. viulus und L. rupestris ^ während Europa Lagopus
scoticus und L. brachydaciylus Temin., und Nordamerica die
L. leucurus Sw. als eigenthümlich besitzt. Unter den Wad-
vögeln sind beiden Continenten gemeinsam : Strepsilas inierpresy
Tringa maritima Br.^ Tr. Canuius £/., T. rufescens Vieill..,
Pelidna subarquata Cuv., P. cinclus, P. Schinzii, P. pectoralis
Bon., CaUdris arenaria., Tringa macularia^ Tr. Bartramia Wils.,
Phalaropus hyperboreus Laih.
Von Audubon's Ornithological Biography or an
account qf the Birds of the United States of America
erschien der 4te Band. London et Edinb. in gr. 8.
Audubon weicht hinsichtlich der Identität in einigen Punk-
ten vom Prinzen v. Musignano ab; so Ist nach ihm die Sula
bassana beiden Erdhälften eigen, ebenso Circus cyaneus und
Hirundo riparia, über welche letztere der Prinz zweifelhaft hieb.
Der IL Band von I. Gould's Birds of Australia er-
schien. London. 1838. fol.
Er enthält Abbildungen von Chaeiura macropiera Swains.
( Hirundo caudacuia Laih. ? ) , Dacelo cervina Gould. , Pachyce-
phala pectoralis Vig. Horsf. (Muscicapa pectoralis Laih.) (Verf.
hält Pachycephala striata t^ig. für das Männchen oder ein jun-
ges Weibchen), Pitta Vigorsii (der P. brachyura ähnlich und
von Vigors und Hoi'sf. für dieselbe genommen); Amadina casta-
notis Goidd., Nestor hypopolius Gould. (Psittac. Nestor Laih.),
Platycerciis haetnatogaster ., Myzomela nigra, Apteryx ausiralis,
Aegialiiis Monachus Gould. (^Charadrius Monaclius Geoffr. T^agl.)
Kurze Beschreibungen vieler neuer Vögelarten gab S wain-
son im Anhange zu seinen Animals of Menageries. Lon-
don 8.
I. Gould's Tcones avium or figures and descriptions
of new and interesting hirds from various parts of the
Glohe. Part. 1. London 1837. fol. enthält:
397
Eurylaemus Dalhusiue^ Todlus muhicolor, Janihocincla phoe-
nicea Indien,- CaUiope pecloralis, Micrura sgtmmaia beide vom
Himalaya; Paracfoarornis ßavirostris; PterogJossus Gouldii Nat-
terer Brasilien; Nutnida vulturina Hardw. Westafrica, Orthyx
phtmifern^ Cursoriits rufus. Der zweite Theil erschien 1838
und ist ausschliefslich der Tagschläferfamilie gewidmet; ich kenne
ihn, wie den ersten noch nicht aus eigener Ansicht.
Für die Europäische Fauna sind hier noch folgende Ab-
handlungen anzuführen, welche die Fauna einzelner Gegenden
zum Gegenstande haben.
Nowicki zur Fauna Preufsens. Pr. Provinz. Bl. Bd. 20- S.
273. — W. Th omp so n über die Vögel Irlands. UeberdieRaub-
vögel Blagaz. of Zool. and Botan II. p. 42. u. 170- Ueber die
Singvögel Annah of nai. Hist. I. S. 13, 156, 181 und II. S.427.
P. I. Selby über die Fauna von Twizel Mag. Zool. and Bo-
tan.II. p. 387 T. C. Eyton über die Fauna von Shropshire
und North Wales Ann. of Nat. Hist. I. S. 293. u. II. S. 52. —
W, C. Hewitson ornithologische Bemerkungen über Norwe-
gen. Mag. of Zool. and Bot. II. S. 309.
Der 9te Band von Naumann's vortrefflicher Naturge-
schichte der Vögel Deutschlands wurde beendigt.
Er enthält den Schlufs der Wadvögel (Ardea, Ciconia^
Platalea, Grus, Phoenicopterus, Glareola^ Rallus, Crex, Galli-
nula) und den Anfang der Schwimmvögel {Fulica, Colj/mbus.)
Der Pfarrer Büttner bemerkt, dafs in Kurland die An-
kunft der Zugvögel sich mehr nach dem Kalender, als nach
der herrschenden Witterung richte.
Corvus frugilegus erscheint am 3. März , die Nachtigall am
4 Mai. Obwohl die Erde mit hohem Schnee bedeckt, die Flüsse
mit fester Eisrinde überzogen waren, langten dennoch Staare,
Tauben, Lerchen den 12. März an, die Bachstelzen den 30. März,
die Störche den 2. April. Am 12. April lag noch 2 Fufs hoch
Schnee und die Zugvögel waren wieder völlig verschwunden.
(Isis 1838.)
Von langer Ledensdauer bei Vögeln erzählt Weifsen-
born {Loud. Mag. N. S. II. S. 110.) zwei Beispiele.
Ein grauer Papagei wurde von zwei Besitzern 73 Jahre
hindurch gehalten; befand sich aber in vollständigem Marasmus.
Gesichtssinn und Gedächtnifs hatten ihn verlassen, letzteres fing
schon im 60sten Jahre an schwach zu werden; er lernte nichts
Neues inid vermengte die gelernten Phrasen oft in lächerlicher
Weise. Bis zum 60sten Jahre mauserte er regelmäfslg einmal
jährlich; die rothen Federn in seinem Schwänze wurden zuletzt
mit gelben vertauscht. — Eine Nachtigall wurde von verschiede-
nen Besitzern über 30 Jahre bis zu ihrem Tode in einem Käfig
gehalten. Noch in den späteren Lebensjahren sang sie.
398
1. Natatores.
A Monograph on the Anatidae or Duck Trihe by
T. C. Eyton Esq. London 1838. 4to., mir noch nicht aus
eigener Ansicht bekannt.
Das Skelett und die Luftröhre einer Art aus jeder der
Zünfte und Genera sind abgebildet, von jedem Genus ist
Schnabel und Fufs der typischen Art in Holzschnitt dargestellt.
Der specielle Thell beschreibt 125 Arten, von denen 6 von
Gould schön abgebildet sind.
F. Naumann beschrieb in diesem Archiv Bd. L S. .361- einen
zweiten deutschen Singschwan, den er für Cygnus islanäicus
BreJim. erkannte; aber zweifelhaft blieb, ob er auch mit C.
Bewickii Yarr, identisch sei. Ref. suchte in einem Zusätze diese
Zweifel zu entkräften, und sandte um in der Sache ganz auf's
Reine zu kommen, einen Abdruck der Abhandlung aa Hrn.
Yarr eil. Dieser antwortete: Mr. Brehtns islandicus is
iJie same as my C. Bcwickii. Your ßgures cire correct re-
presentaiions of the head and hreastbones of ilie C ferus and
the new C Bewichii.'"'' Auch Baillon (llnstil. p. 420.) fand
bei drei Exemplaren des C, Bewickii Yarr. die Aushöhlung des
Brustbeins und den Verlauf der Luftröhre nicht so, wie sie
Yarrell beschreibt, dagegen traf er unter 50 Individuen des
C musicus (^nas cygnus L.) bei zwei, und zwar weiblichen
Individuen die Höhle des Brustbeins ganz so, wie sie Y. von
C. Bewickii angiebt; bei einigen andern war die Beschaffenheit
des Brustbeins wenigstens ähnlich. Bei jenen beiden Exempla-
ren blieb aber das Ende der Höhle leer, indem die Luftröhre
nicht ganz hinabreichte, auch behielt die Luftröhre wie bei den
vom Verf. untersuchten Ex. des C. Bewickii in ihrem Verlaufe
durchaus eine vertikale Richtung bei. Verf. vermuthet nun,
dafs die von Yarrell beschriebene Verlängerung und Richtung
der Luftröhre bei C. Bewickii nur zur Begattungszeit Statt habe,
so wie bei PlataJea alsdann die Luftröhre eine merkliche Krüm-
mung zeige, ja er geht so weit anzunehmen, dafs sie dann die
beiden Platten des Brustbeins von einander dränge (!!) Aus
Ya*rrell's, von mir a. a. O. S. .367. mitgethellten Beobachtungen,
ergiebt sich, dafs die Veränderung in der Höhle des Brustbeins
und in der Länge und Beugung der Luftröhre vom Alter ab-
hängig ist, und dies ist glaublicher, wenn auch individuelle
Verschiedenheit dabei hinzutreten mag. Als unterscheidender
Charakter des C Bewickii verliert die Höhlung des Brustbeins
nach Baillon's Beobachtungen allerdings jede Bedeutung, da-
gegen will B. in den Bronchien, welche zweimal kürzer als bei
C. musicus und von anderer Gestalt sein sollen, eine anatomi-
sche Verschiedenheit beider gefunden haben. Er hält übrigens
den C. Bewickii auch für eine gut unterschiedene Art und
glaubt, dafs sie mehr amerikanisch als europäisch sei, dagegen
führt sie Ch. B onaparte in der oben erwähnten Liste nicht in
der Columne der amerikanischen Vögel auf, sondern nur unter
399
den europäischen und stellt ihr als Repräsentanten den C.Buc-
c^nator Richards, gegenüber, während er dem Cygnns mtm-
eis den TamerJnus Sharpless auf der pordamerikan.schen
Seite entgegensetzt. Blainville hat bei M.tthe.lung der
Ba lon'chln^iVotiz ein Verzelchnlls der Cygnus-Arten gegeben,
fn rekhem er bemerkt, dafs Galmard e.n hx. des C. mus^cus
ton Is and mitgebracht habe. Dies mufs Ref vorlaufig den
kritischen Reme^kungcn entgegenstellen, welche Prof. Reu.hardt
gegen Naumann's Unterschiede In Krovcr s Naturlust. I^dsinß-
Irf 2 Hft 5. 1839. S. 527. mitgetheilt hat, denn es wird da-
du;ch zweifelhaft, ob die dem KönIgl. Museum m Kopenhagen
eingesandt n Singschwan -Skelette sämmt.ch dem C.Bemckn
S oder Cislandicus Br. angehören. Ferner sagt Blainvdle,
dafs die englischen Vogelhändler den Cygnus hnmuiahhs Yarr
rs Jahre. ?V I. S.371) polar swan nennen, also nicht pohsh
ä«n wie Hr. Y. angab und daraus folgerte, dafs diese Art
der OstTee angehöre. Ch. Bonaparte glebt von dieser Art das
nördU he E.,rfpa als Vaterland an, freilich sehr unbestimmt
""Thalassidroma (Procellaria) Wilsoni wurde bei Pol-
perro In Cornwall auf einem Felde todt gefunden; Jon. Couch
Sat eine Verglelchung dieser amerikanischen Art null.pelagtca
eine yergt; ^ ^ jj ^.^ Derselbe hat eine neue
lli:^'rta^:jSS^scl.JL (Fauna f Corn.aU^y.S
21 o^N H II 381 ) Sie hat das Gefieder der Hernigs-
M "; Ich m;hr glänzend, ist etwa 4 Zoll länger und uber-
?rim jene in Flügefwelte um. 9 Zoll D- Schnabel ist gedrun-
gen und viel blasser; die Beine Iivid fleischfarbig.
2. G r a l l a e.
Hornschuch und Schilling entwickelten die Verscliie-
denbeit von Lbnosa Meyeri und L. rufa Briß^ und be-
schreiben die verschiedenen Kleider der ersteren. Dies Archiv
■ W. Thompson glebt einen «mständllchen Bericht ü^er
das Briten der Scolopax rusilcula U m Irland. Ann.ofNat
wL TI S S37 - Hodgson hat In dem Journ. of he Asiat,
Hrsi. 11. b. o61. f^^^^b ^ f ..^gj. j„ diesem Ar-
fhl^ (fll^rs' Il8.)\rwähntefs4neofen Nepals genauer be-
schrieben Nur nennt er dort die GalUnago heierura: G
bt avu und die andere Art mit 14-16 gleichge formten
Schwanzfedern G. uniclavus. Letztere ist ^o^^l ""«• ""«^f^
Sc^aUnaT Die Waldschnepfe Nepals hat das Ansehen der
euJ^sZt, soll aber kleiner s'ein, was indefs aus den Maafsen
nicht hervorgeht.
Dr. John Hancock (Loud. Magaz>. 11.490.) gab Nach-
richten über Psophia crepitans.
sl macht ihr Nest i„\lem Dickicht der Wälder, legt zwe.
helUs^hSge Eier, klei»er als die des Huhns; (nach Ander»
400
bekanntlich 10 — 16) beide Eltern beaufsichligen die ausge-
schlüpften Jungen, und das Männchen schützt das brütende
Weibchen. Nur das Männchen läfst den bekannten ßauchred-
ner-Ton hören, nur bei ihm hat die Luftröhre die eigenthüm-
liche Struktur, dafs sie unter der Haut am Unterleibe bis einen
Zoll weit vom After hinabsteigt, darauf eine Duplicatur macht
und so in die Brusthöhle gelangt. In dieser Einrichtung will
Verf. die Ursache jenes seltsamen Tones finden.
3. C u r s o r e s. Laufvögel.
Auch das Jahr 1838 hat unsere Kenntnifs von Apieryx
vervollständigt.
Gould, der eine schöne Abbildung in seinen Birds of
Ausiralia glebt, stellt die Gattung zu den Straufsvögeln und
vergleicht sie besonders mit Rhea. Wie bei dieser fehlt die
accessorlsche Plumula den Federn, während sonst die Struktur der
Federn mehr mit denen des Kasuars übereinstimmt. Nach Aussage
eines Neuseeländers soll es dort noch eine zweite Art mit kür-
zerem und dickerem Schnabel geben. — Von besonderer Wich-
tigkeit sind ferner Owen's anatom. Untersuchungen, welche
bereits in diesem Archiv V. Bd. 1. mitgetheilt wurden.
4. R a s o r e s s. G allin acei. Hühner.
Eine merkwürdige» Fasanenform aus Tibet beschrieb B.
H. Hodgson (Journ. of the Asiat. Soc. of BengalVW. 2.
S. 863., abgebildet Taf. 46. im Umrisse.)
Verf. ist unschlüssig, ob er sie mit Phasianus vereinigen oder
eine eigene Gattung, Crossopiilon, daraus bilden soll, weil
er nur den Balg des Vogels sah, und über die Stellung der
Schwanzfedern in Ungewifshelt blieb. Der stufige Schwanz
besteht aus 18 sehr breiten Federn, erschien am Balge breit
convex, ohne Spur der Compression und Krümmung, welche
er bei den Hühnern hat. Die mittleren Schwanzfedern sind
nicht übermäfsig verlängert. Der Schnabel kürzer als der Kopf,
sehr stark, an der Basis nackt, dem des Lophophorus ähnlich,
die Ränder des Oberschnabels scharf und gezähnelt. (Der Ab-
bildung nach gegen den Mundwinkel zu serrato-deniaia). Kopf
und Hals befiedert. Wangen von der Nase zum Hinterhaupt
nackt, roth, warzig. Die Federn des Scheitels kurz, sammet-
artig, dicht, aufrecht, mit ihren zerrissenen rechtwinkligen
(^Square) Spitzen etwas gegen die Stirn gekrümmt. Flügel wie
gewöhnlich. Tarsen nackt, vorn und hinten gescblldet, mit
S^orn. Seltenzehen gleich lang, Mittelzehe lang, Hinterzehe
wie gewöhnlich. (Die Abbildung zeigt keine Bindehäute zwi-
schen den Zehen; die Beschreibung sagt darüber nichts.) Das
Gefieder sehr locker, glanzlos, ganz zerschlissen, so dafs es an
401
das der Struthioniden erinnert. Farbe der Art, Cr, ihihetanum,
bläulich weil'sgrau; blasser, gelblich an der Unterseite; Scheitel
schwarz, sammetartig; Flügel- und Schwanzfedern schwarz,
mehr oder minder blauschimmernd, FiUse, Wangen blauroth,
-Schnabel ochergelb, Iris braun. Länge an 40 Zoll, wovon der
Schwanz 19—20 Zoll mifst.
Von I. Geoffroy St. Hilaire eine neue Hühnergattung,
Mesites, von Madagaskar,
Sie erinnert durch ihren Flügelbau an Penelope^ durch
Schnabel und Nasenlöcher an Heliornis , durch die Fufsbildung
an die Tauben, besonders die Hühnertauben. Verf. glaubt, dafs
sie eine neue, neben die Tauben zu stellende Familie bilden
müsse. Schnabel fast von Länge des Kopfs, fast gerade, zu-
sammengedrückt, Oberkiefer ohne hakige Spitze oder Aus-
schnitt mit stumpfem Ende, Wachshaut reicht bis zur Hälfte
der Schnabellänge, unter ihrem vorderen Ende, nahe und pa-
rallel den Tomien die linearen Nasenlöcher; Unterkiefer macht
an der Vereinigung seiner Aeste einen Winkel. Beine befie-
dert, eine kurze Strecke über dem Hackengelenk nackt und
schuppig; Tarsen mittelmäfsig, geschildet; Fülse 4 zehig, Zehen
ohne Bindehaut, nur nahe an ihrem Ursprünge eingefafst (bordes).
Mittelzehe die längste, Innenzehe etwas länger als die äufsere,
diese mit der mittleren, aber nur in sehr geringer Länge ver-
bunden (uni)] Hinterzehe fast so lang wie die Innenzehe, • Nä-
gel klein, zusammengedrückt, sehr wenig gekrümmt. Schwanz
aus 12 langen sehr breiten Federn, von denen die äufseren
etwas kürzer sind; lange Schwanzdeckfedern; Flügel kurz, kaum
über die Schwanzwurzel hinausreichend , sehr stumpf, 5te und
6te Schwinge die längsten. Gefieder weich, locker. M.va-
riegatß. Auf der Oberseite rostfarbig wie dürres Laub ; Bauch
rostroth mit schwarzen Strichen, Brust hellgelb mit schwarzen
elliptischen queergestellten Flecken; Gurgel weifs. Seitlich an
Kopf und Hals über dem Auge weg ein hellgelber Streif, tiefer
eine nackte Stelle vor und hinter dem Auge, darunter eine un-
regelmäfsige gelbe Binde, durch einen schwarzen Fleck von
der Gurgel getrennt. Gröfse 0'",297. {Ann. d. Sc. nat. IX.
S. 188. fg.
Die von Fr. Naumann als in der Türkei vorkommend er-
wähnte Columbn risoria (s. Arch. III. 1. S. 106.) findet sich
nach V. Nordmann auch im südlichen Rufsland. Bull.scieniif.
d. St. Petersh. III. 327.
5. Insessores. Hocker.
Aus einer Reihe von Aufsätzen von Edw. Blyth
über die Systematik der Insessoren {Loud. Mag. N. S. II.
S. 257. 314. 351. 420. 589.) ersieht man mit Vergnügen,
dafs eine natürliche Systematik dieser Vögel, wie sie, haupt-
402
sächlieli durch Nitzsch anatomische Forschungen hervorgeru-
fen, bei uns festeren Fufs zu fassen scheint, nun auch in
England auftaucht. Schwerlich wird sie aber den dort belieb-
ten quinären Scheraaten so leicht den Hals brechen.
Verf. welcher wirklich die Vorarbeiten von Nitzsch inicht
fekannt zu haben scheint, ist theils durch Benutzung des Wer-
es von L'Herminier über das Brustbein der Vögel, theils durch
eigene anatomische Untersuchungen fast zu denselben Resultaten
gelangt, wie lange zuvor bei unslSiitzsch. — Dieselben Vögel trennt
er wie dieser als des Singmuskelapparats beraubt von den Sängern
ab, und nennt sie Insessores heierogenei oder Strepiiores, die er
denn wieder in viele Familien zertheilt und diese in 3 Unter-
abtheil. Syndactyli^ Zygodaciyli und Heterodadyli zusammenfasst.
Zu den ersteren zieht er die Buceriden, Epopiden, Meropiden,
Halcyoniden, Todiden, Galbuliden, Prioniten; zu den Zygo-
dactylen die Rhamphastiden , Musophagen mit Einschlufs von
Colins , die Bucconiden, Piciden, Tamatiaden , CJuculiden; zu
den Heterodacty len die Trogoniden, welche aber wohl trotz
ihrer abweichenden Fufsbildung, auf die man erst jetzt (!) in
England aufmerksam geworden, zu der vorigen Abtheilung ge-
hören, die Caprimulgiden, Cypseliden, Trochlllden. Verf. fand
sehr entwickelte Bllnddärnae bei Todus, Gnlbula, Trogon, Scy-
ihrops; gar keine bei Picumnus und Trochilus. Menura und
sogar Meg-apodius^ welchen letzteren Nitzsch bei den Hühnern
läfst, werden vom Verf. als drosselähnliche Singvögel angesehen.
Pipra, Rupicola, Calyptomene , Eurylahnus reiht auch er unter
die ächten Sänger.
Die Synopsis avium ab udlcide d' Orhigny in itinere per
Americam merid. colleciaruin von A. de Lafresnaye in Guerin's
Magas. de Zool. für 1838- behandelt die Sturniden , Corviden,
Certhiaden, nebst Xenops, ^nabates, AlnumbinSy Uppucerthitty
die Nectarinlen, Trochlllden und Syndactylen.
a. C an ort Eigentliche Singvögel oder Sperlings-
vögel. (JPassereaux)
TJie natural arrangement and relaiions of ilie family of
Fly Catchers or Muscicapidae by Tf^ill. Swainson. Edinburgh
1838. 8- bildet den 10- Band der Ornithology in Jardine's me
Naturalists Library. Immer wird als Typus der zahlreichen
Genera nur eine Art beschrieben und abgebildet; mithin hat
das Buch nur insofern Nutzen, als man durch dasselbe des Verf.
zahlreiche generische Trennungen am leichtesten kennen ler-
nen kann.
Für den Winterschlaf der Schwalben haben sich in
Frankreich wiederum einige Stimmen erhoben. Qlnsüt.Tp.lbl.
165. u. 310.)
In der Mitte des Winters 1837-, schreibt Hr. Dutrochet der
Akademie als Augenzeuge, w^urden 2 Schwalben im Winter-
403
schlafe in einer Mauervertiefung im Innern eines Gebäudes ge-
funden; unter den Händen derer, welche sie fanden, lebten sie
bald auf und flogen davon. Der berühmte Larrey fügt (p.l65.)
hinzu, dafs er gegen Ende des Winters 1797. aus Italien heim-
kehrend, im Thale Maurienne in einer tiefen Höhle eines Thi-
rondeltiere benannten Berges eine grofse Menge Schwalben,
wie ein Bienenschwarm aufgehängt, gefunden habe. Der Berg,
in welchem jene Höhle ist, hat seinen Namen daher, weil
er bei Anfang der Winter mit Schwalben bedeckt ist. —
Povley will in Deutschland drei Schwalben in einer Eis-
masse eingeschlossen gefunden haben (!?)> zwei starben als
man sie daraus zu befreien versuchte, eine kam ins Leben und
lebte einige Stunden.
Viele neue Genera wurden aufgestellt:
Zwei aus Madagaskar von Isid. Geoffroy St. Hilalre:
Philepiiia und Oriolia. Die vorläufigen Beschreibungen in
den Ann. d. Sc. nnt. 9. S, 187. und 188-, und Instit. p. 128.
lassen die Unterschiede und Beziehungen nicht gehörig her-
vortreten. — Mehrere Genera indischer Vögel von Hodgson
im Journ. of ihe jisiatic. Soc. of Bengal. so P aludicoia ib.
Vol. VL P. L p. 103., Yuliina ib S. 230., Tesia ib. S. 101.,
Larvivora ^ über welche ich gelegentlich ausführlichere Mit-
theilungen machen werde. — Sykes bildet aus AJauda Caian-
dra ein besonderes Genus: JLondra Proc. Z. S. p. 114. Zwei
Genera der Coerebiden (Nectarinlen) von de Lafresnayes Sy-
nopsis Aviu7n etc. in Guerln's Blagas. d. Zool. 1838. CY. IL
Serrirosirutn: Coerebae affine, maxilla valde sinuosa, basi
parum depressa , postice ascendente, apiceque tandem uncinato-
curvata, conicis, ante uncum duobus aut tribus dentibus obliquis,
mandibula per totam longitudlnem sur^um curvata maxilla bre-
viore, ut in Genere Xenopis III. mit 2 Arten S. carbonariutn
und siitoides aus Bollvia und Conirosirum Lafresn. rostro
rectisslmo, conico, compresso,- pedibus, alls, morlbusque melli-
voris illis (Coerebae et Serrirostro^. ) affine, generlsque Dacnis
aeque vicinum. C. cinereum in Bolivia und Peru.
Bemerkungen über einzelne Arten:
Fürst Max z. Wied (Reise I. S. 140.) hält wie der Prinz
v. Musignano die amerikanische Krähe ( Corvus corone Tf^ils.
C. americamis udud.) für speclfisch verschieden von der europäi-
schen. Die Gröfse beider sei ziemlich gleich, auch alle übrigen
Verhältnifse übereinstimmend, selbst die Zahl der Schilder auf
Tarsen und Zehen; nur scheine der Schnabel der amerikanischen
kürzer und schlanker; auch fehlen ihr die zugespitzten Federn
an der Vorderseite des Halses, statt deren sie fein zerschlis-
sene gleich denen des Rückens hat. Auch die Stimme ist ab-
weichend.
De la Fresnayes vindicirt sich gegen Swainson die
Priorität seiner Entdeckung v. 1833., dafs jimpelis carnifecc
eine Pipra sei. In Deutschland wissen wir dies aber durch
Wagler seit 1830- (Isis 1830. S. 938)
404
SUia syriaca Ehrh. kommt nach dem Pr. v. Musignano
auch In Dalmatlen vor, ist S. Neumayeri. Michah. Sie ist
Faun. ital. 22 neben S. europaea abgebildet.
V. Nord mann erweiterte unsere Kenntnifs von der Ro-
senamsel, durch eine vortreffliche Schilderung der Anatomie
und Lebensverhältnifse dieses Vogels. Bullet, scientif. de Petersh.
V. p. 1. fg. s. Jahrg. VI. ßd. j. dieses Archivs.
Von Eydoux und Gervais erhielten wir anatomische Be-
merkungen über Phytoioma in Guer. Magas. d. Zool. II. pl. 86.
Sie hat das Brustbein der Finken; trotz ihrer rein vegetabili-
schen Nahrung einen kurzen weiten Darm, von gleichem Durch-
messer, so dafs Dünn- und Dickdarm nicht zu unterscheiden
sind, zwei kleine Coeca nicht fern von der Kloake, einen star-
ken Muskelmagen, einen wenig abgesetzten Vormagen, keinen
Kropf, eine harte, wenig fleischige Zunge.
Neue Arten:
Zu den 6 von de la Fresnayes in Guer. Magas.de Zool.
(1837-) aufgeführten dickschnäbllgen Tangara-Arten (Rhampho-
celus) fügte Ch. Bonaparte eine neue Art Rh. icteronolus
hinzu: Nigerrimus, dorso postico uropygioque flavissimis. Ame-
ric. merid. — Eine achte Art, jRä. Luctani , hat dann La
Fresnayes selbst (Guer. Rev. Zool. p. 54.) aufgestellt. Aehn-
lich dem jR. dimidiatus^ auf dem Kopfe bis zum Nacken
dunkel purpur-granatfarbig; Körper schön sammetschwarz, Bürzel,
Schwanzdeckfedern, Vorderhals und Brust schön scharlachroth;
Seiten und Bauch etwas mehr ziegelroth; auf der Mitte des
Bauchs ein schwarzer Längsstreif.
Orpheus longirosiris de la Fresn. dem nordamerikani-
schen O. rufus ähnlich, unterscheidet sich durch einen merk-
lich längeren Schnabel, eine mattbraune Oberseite, schmälere
Queerbinden auf dem Flügel und kleinere Terminalflecken. —
bewohnt Mexico und Californien. {Revue Zool. p. 55.)
V. Gould Piilotis ornaia (Swan-River) und flav ig ula
(Vandimensland und Neu Süd-Wales). Proc. Z. S. p. 24.
Von La Fresnayes in der Synopsis ^vium etc. in Guer.
Mag. 18'38. Cassicus airovirens Lafr. Bolivia; C. yara-
cares eben daher; C. chrysonoius eben daher; Icterus
vtaxillaris von den westl. Anden; /. brevirostris Corrien-
tes; Garrulus viridi-cyaneus. Dendrocolopies atriros-
tris Bolivia; ^nabates sguamiger, guituratus^ rußcaudatuSy
certhioides^ guituralis, unirufus. A n u m bius striaticoUis, striaticeps ;
Uppucerihia dumetorum Jsid. Geoff'r., Jj. andicola, V. rupestris
(Opetiorhynchus rupestris v. Kittl.), U. moniana (Op. ruficaudus
Meyen)^ U. vulgaris, U. nigro-fumosa. Neue Vögel von Car-
thagena und Mexiko von Lafresnayes und d'Orbigny: Guerin
Rev. Zool. p. 164. Embernagra albinucha^ Pipra pareolides, Sy-
nallaxis Candei. — - Piiylus airopurpuraius und atroolivaceus d.
la Fresn. beide aus Mexico, ib. p. 224.
Uebersicht der Arten der Gattung Tschitraea Less.
(Muscicapa auf.) von Lesson in Guer. Rev. Zoolog, ^ov. p. 276.
^ 405
die Arten: Muscicapa paradisi L.; M. Caslanea Kühl. etc. be-
greifend.
h. ^Syndactyli.
Drei ächte Todus- Arten unterscheidet Lesson. ^nn.
des Sc. natur. IX. p. 116.
T. viridis Broivn. Jam. mit gczähnelten Schnabelrändern;
auf Martinique, Jamaika, St. Domingo. — T. meocicanus
Less. auf dem Festlande, in Mexiko besonders zu Tampico und
T. porioricensis Less. von Portoriko, beide ohne Zähnelung
der Tornien, so dafs dieser Charakter, welchen Delafresnayes und
früher auch Referent als generischen für Todus angab, nun
zum specifischen wird.
Merops aegypiius kommt nach Ch. Bonaparte zuweilen
auch in Italien vor (bei Genua) und M. apiasier zeigte sich im
südwestlichen Schottland. (Loud. Mag, II. p. 18.)
Dacelo rufulus de la Fresn.^ von Madagaskar, in Guer.
Rev. Zool. p. 224. — Brachypteracias squainigera id. ib.
c. Zygodactyli s. Seansores.
Hodgson beschrieb mehrere Spechte Nepals. Jomti. of
ihe Asiat. Soc. of Bengal Vof. VI. P. I. p. 104. und stellte p.
107- eine neue Gattung Vivia auf, welche aber von Picumnus
nicht verschieden ist. Die Art V. nipalensis steht dem P. inno-
minatus Burion. Arch. II. S. 270. mindestens sehr nahe.
Von Bourgot St. Hilaire Collection des Perroquets er-
schienen Livr. XII — XXIV.
d. Suspensi III. Trochilidae rec
Mehrere neue Kolibri-Arten von d'Oibigny Magas. de
Zool. Cl. II. p. 26. und Lesson Guer. Rev. Zool. p. 314.
d. Hiantes.
Vom Guacharo, den Haute ssier auf Trinidad fand, sind
nun auch Eier und Nest nach Europa gekommen und wurden
der franz. Akademie v. Bory St. Vincent vorgezeigt, (l' In-
stit. p. 326.)
Zu Trinidad bewohnt er die Höhlen des die Nordküste be-
gränzenden Gebirgszuges , welcher eine Fortsetzung der Ge-
birge von Cumana ist, wo Hr. v. Humboldt den Guacharo ent-
deckte. Die Höhlen der steilen Berge liegen aber hier unmit-
telbar am Meere, und man kann nur während der stillen Tage
des Aprils und Mais ohne Gefahr herankommen. Die Alten sind
auffallend mager im Vergleich zu den feisten Jungen im Dunenkleide.
Den Angstruf der Alten, z. B. wenn man sie dem directen Lichte
aussetzt, vergleicht H., dem Schreien eines ergriffenen Huhns. In
Ruhe undDunkeiheit gelassen, verhielten sie sich ganz still ; belästigte
406
sie aber das anbrechende Tageslicht, so llefsen sie häufig ihr
croc, croe, croc hören. Ihre Nahrung suchen sie nach Sonnen-
untergang, oft sehr fern; sie besteht im Samen des Mataca
Grisgris und der Balains; nach H. wird nur das Pericarpium
derselben beim Durchgange durch den Darmkanal verdauet, die
Körner selbst liegen in unglaublicher Menge in und unter den
Löchern, wo sie nisten. Sie brüten zweimal (?) im März und
April, legen jedesmal 2 — 3 Eier, grofs wie Taubeneier, welfs,
gelblich gesprenkelt. Das Nest ist von seltsamer Textur, bildet
einen halbelllptlschen Karuiefs (cornicfie) oder Kuchen , ähnlich
einem wenig ausgehölten Weihkessel oder einigen Formen des
grofsen Pilzes, aus welchen man Feuerschwamm macht. Da-
mit die Brut nicht herausfalle, bedeckt es ein Randwulst von
Dunen. Offenbar ist es ein Product des Kauens und der Ver-
dauung der Vögel, welches sie durch den Schnabel von sich
geben und mit den Füfsen kneten.
6. R a p t a t o r e s. Raubvögel.
a, Nachtraubvögel.
Nach Portlock ahmt Ouis hracJiyoius im nördlichen Irland
die Sitten der Striae cunicularia nach. An der Landspitze von
MaglUigan, an der Mündung von Lough-Foyle in's Meer, finden
sich zahlreiche Sandhügel, in welchen Kaninchen bauen. Dort
erscheint die Sumpfohreule regelmäfslg im Herbste, man sieht
sie dann am Eingange der Baue, in deren Tiefe sie sich, wenn
sie beunruhigt werden , zurückziehen. (Insiii. p. 359.)
h. Tagraubvögel.
John Hancock hat die specifische Verschiedenheit des
isländischen Jagdfalken vom grönländischen nachgewiesen,
(^Ann. of Nat. Hist. II. 241.) was vor ihm Brehm und Be-
nicke bereits versuchten.
Beide Arten haben in der Jugend ein graues Kleid imd
blaue Füfse, beim isländischen werden letztere später hochgelb,
•während der Grundton des Gefieders grau bleibt, beim grön-
ländischen, der welfs wird, bevor die Füfse gelb werden, er-
halten diese nie die glänzende Farbe des vorigen, sondern be-
halten ein blasses livldes Gelb. Die oberen Deckfedern sind
beim grönländischen welfs, mit pfeilförmlgen dunkeln Flecken,
beim isländischen grau mit hellen Flecken und Bändern. JP.
islandicus: altes Männchen 1 F. 9", Flügellänge 3 F. 10";
altes Weibchen 1 F. 11", Flügelbreite 4 F. 2". — F. grön-
landicus: altes Männchen 1 F. 9"; altes Weibchen 1 F. 11",
Flügelbreite 3 F. 10". Die Flügel bei F. islandicus etwas
länger, reichen bis etwa 1^" vom Schwanzende, bei F. grön-
landicus bis etwa 2" von dessen Ende. Beim jungen grön-
landicus bilden die hellen Binden beider Fahnen auf den beiden
407
niitleren Schwanzfedern am Schafte zusaminenslofsend vollständige
Queerbinden; beim jungen islandicus stofsen sie nicht zusam-
men, sondern alterniren. Der grönländische Falk kommt Win-
ters auch nach Island; ein dort geschossenes weifses Exemplar
stimmte mit den grönländischen vollständig überein; im Früh-
ling sollen die Wallfischfänger bei Grönland nur weifse Falken
sehen, gegen das Ende des Jahres graue, nämlich junge Vögel,
die dann vor ihrer Ankunft im nächsten Frühlinge bereits das
weifse Kleid erhalten haben.
Ueber die Sitten des Falco cinerascens schrieb Barbier
Montault in Guerin's Rev. Zool. p. 121.
Nach Townsend stürzte sich ein altes Weibchen von
Halin'etos {Falco) albicUla bei Ipswich in die See hinab und
kam nicht wieder hervor. Schiffer zogen den Vogel ohne
Schwierigkeit heraus, der aber nach wenigen Minuten starb.
Man vermulhete, dafs er nach einem Fische gestofsen habe, und
aufser Stande gewesen sei, empor zu kommen, wahrscheinlich
in Folge von Apoplexie oder Asphyxie; denn dafs in solchen
Fällen ein grolser Fisch den Seeadler hinabziehe, ist mir un-
wahrcheinlich. (Lowe?. Mag. N. S. II. 292.)
F. leucocephalus nistet nach Richard Langtry so
früh im Jahre, dafs dieser schon Mitte Januars ein Nest dessel-
ben am Fish River (Mobile Ray), in einer gigantischen Fichte
sah. Am 6- Februar fand sich "bereits ein mit Dunen und ein-
zelnen Federn bedecktes Junge. Das Nest war flach aus Rei-
sig, enthielt Fisch-Köpfe und Gräten, und zwei Köpfe des
grauen Pelikans.
Lieutenant Hutton suchte zu beweisen, dafs der indi-
sche Bartgeier vom europäischen specifisch verschieden sei.
iJoiirn. of tlie Asiat. Soc. of Bengal. VII. p. 1.)
Seine Beschreibung beweist indessen das Gegentheil, näm-
lich die bereits von Jameson und Hodgson ausgesprochene Iden-
tität. Der schwarze Ringkragen, welcher beim indischen den
Unterhals gegen die Brust atgränzen soll, findet sich auch beim
europäischen durch Flecke angedeutet, mag aber bei jenem mehr
ausgeprägt sein. Auch alle übrigen vom Verf. _ angegebenen
Unterschiede, besitzt auch der unsrige ; dagegen ist der afrika-
sche Bartgeier, dessen specifische Verschiedenheit zuerst Brehm
an den Exemplaren des hiesigen Museums entdeckte, wo sie
denn traditionell bewahrt wurde (suum cuique!), eine sehr gut
unterschiedene Art.
Lieutenant Hutton beschreibt ferner im Journ. of the
Asiatic. Soc. of Bengal VI. P. I. S. 112. Nest und Nest-
kleid des Vultur h engalensis, sowie die bei dessen
Entvvickelung statt habenden Vorgänge.
Der Vuliur bengalensis fliegt, frifst und brütet gesellig.
Verf. fand 4 Nester in einem grofsen Banyanenbaume, in
jedem ein ganz Aveifses Ei. Zwei Bäume in der Nähe hatten
408
jeder 3 — 4 Nester. Den V. pondtcerianus sieht man gewöhn-
lich nur einzeln oder paar weis. Beim Auffinden ihrer Beute
werden die Geier nach H. sowohl durch das Gesicht, wie durch
den Geruch geleitet; durch letzteren entdecken sie das bereits
in Fäulnifs gegangene Aas, durch ersteren die frisch gefallene
Beute; wo beide in Verbindung wirken, hält Verf. den Geruch
für ein mehr sekundäres Hiilfsmlttel. Als er einen in Packlei-
nen genähten Hund in einen Banyanen-Baum gehängt hatte,
safsen am vierten Tage an 20 Geier auf dem Baume gerade
über dem sehr stinkenden Aase, andere schwebten in weiten
Kreisen über dem Baume.
Im ähnlichen Sinne spricht sich auch der Fürst Max z.
Wied (Beise I. S. 200.) über C«//i«r/es ^«r« Nordamerikas für
den Gesichtsinn aus, stellt aber nicht in x\brede, dafs in ge-
ringerer Entfernung der Geruch scharf sein möge. Den Cathar-
ies (iura Nordamerikas, welcher östlich von den Alleghani nicht
vorkommt (S. 159.) hält übrigens Se. Durchlaucht (S. 162.) von
dem brasilianischen verschieden und schlägt für ersteren den
Namen: C septenirionalis vor. Die Iris ist nicht, wie bei jenem
schön hochroth, sondern dunkel graubraun, das Auge mit einem
hochrothen Binge umgeben, Wachshaut schön lackroth , Vor-
dertheil des Kopfes, Augenkreis, Ohrgegend roth, vierte
Schwungfeder die längste, die Schäfte der Schwungfedern
nicht weifs, sondern braun. Sämmtlich Unterschiede vom süd-
amerikanischen, sonst gleichen sich Form und Färbung des
Körpers sehr. Die mitgetheilten Maafsen zeigen, mit denen
jener Art verglichen, ebenfalls Verschiedenheit. Er geht im
Sommer westlich bis zu den ßocky Mountains und nach Bichard-
son nördlich bis zum Saskatschawan. Den grauköpfigen Cathar-
iesatrattts, den Audubon häufiger nennt, sah der Fürst auf seiner
ganzen Beise nicht.
B. Schomburgk bestätigt in einer interessanten Schilde-
rung der Sitten des Geierkönigs {Annal. of Nat. Hist. II. 52.)
als Augenzeuge die Angaben älterer Schriftsteller, dafs die Aas-
vägel (Cnthartes) ein Aas nicht berühren, bevor nicht der Gei-
erkönig sich gesättigt hat. Wenn Verf. aber die W^eibchen
schwarz (richtiger graubaun) gefärbt nennt, so hat er wohl
junge Vögel für alte Weibchen angesehen.
Xni. Mammalia.
A emminck gab (Tij'dschrift voor naturlijke Geschied. W.
p. 273.) eine Uebersicht der Säugethier-Fauua von Japan
(JSippon).
Es scheint viel ärmer an Säugethieren als e Sunda -In-
seln, selbst ärmer noch als der nicht so ausgedehnte Archipel
409
flcr Molukken. Von Quadrumanen, die man bei seiner geogra-
phischen Lage kaum erwarten sollte, findet sich eine dem eu-
ropäischen Repräsentanten, dem Inuus ecaudaius^ höchst ähn-
liche Art, der Inuus speciosus. Ehen so findet man noch 2
neue Arten der fruglvoren Chiropteren, da diese sonst auf die
Tropenzone der alten Welt beschränkt sind, aber sie sind
mit einem reicheren Wollpelze bekleidet. Die iusectivoren
Flughänder stimmen, wenn auch als Arten neu, sehr mit denen
der alten Welt überein. In den unmittelbar zu Japan gehö-
renden Inseln hat man nur die Hauskatze gefunden, während
man in China initer gleicher Breite verschiedene Arten in t'eld
und Gebirgen antrifft; aber in Corea findet sich ein gestreifter
Königstiger und die FeJis irbis, so dafs der Königstiger von
den Sunda-Inseln , als dem Mittelpunkte seiner geographischen
Verbreitung; über das ganze Festland von Indien bis zu dem
Altai ausgeoreitet, aber in den kälteren Klimaten mit einem rei-
cheren Pelze bekleidet ist. Reich an Arten sind die Gattungen
der Bären und Hunde. Von ersteren findet man in einer so
geringen Ausdehnung zwei verschiedene Arten, eine schwarze,
ü. libeianus und eine der Insel Jeso cigenthümliche furchtbare
Art von ungeheurer Grölse, wahrscheinlich der U. ferojc des
westlichen Nordamerikas. Der Wolf scheint specifisch verschie-
den, so wie der C imbllus Nordamerikas wesenllicli verschie-
den ist. Er hat einen kürzeren Schwanz, ist niedriger auf den
Beinen und hat eine viel stumpfere Schnauze als der europäische.
Verf. nennt ihn C. hodophilax. Die beiden Füchse, von
denen die Eilande wimmeln, sind, C.vulpes^ kaum in der Farbe
vom europäischen verschieden, und der C. fulvus von Nord-
amerika. Der wilde Hund gleicht in Gestalt und auch mehr
oder weniger in Farbe dem C. dingo Australiens, scheint eine
cigenthümliche Art C Nippon zu bilden. Die auffallendste
Form ist der C. viverrinus , in jeder Hinsicht geformt wie der
chinesiche C procyonoides. Beide kleinen Hunde, deren Som-
mer- und Winterkleid verschieden Ist, zeigen auch Im Gebifs
eine kleine Anomalie, daher Verf. daraus eine eigene Gattung
Nyctereutes bilden will, welche die amerikanische Gattung Pro-
cyon ersetzen und den Indischen Viverren sehr nahe stehen soll.
Die Otter ist von der Lulrn vulgaris nicht specifisch unter-
schieden. Auch von den Rauthieren der Gattungen: MeleSy
JMusiela und Puiorius findet sich eine kleine Zahl Stellvertreter,
ferner zwei neue Sorices, eine neue Talpa und ein kleiner Grä-
ber, welcher zwischen beiden letztgenannten Gattungen In der
Mitte steht, IJrotrichus ialpoides Temm. Von Nagethleren ein
grofser Pieromys.^ P. leucogenys, u. eine viel kleinere Art P. «to-
moga. Man trifft ferner Repräsentanten des Hasen und Kanin-
chen, und der Gatt. IMus und Sciuriis. Mus decutnanus hat
sich überall auf den Inseln verbreitet, so auch der Indische -S^orea:
myosurus. Ob eine Mants, deren Panzer man zu Hausgeräthen
benutzt, wirklich einheimisch und dann einziger Repräsentant
der Zahnlosen ist, bleibt ungewifs. Eine kleine neue Art Sus,
eine kleine Hirschart, kleiner noch als der Axis, und eine mlt-
V. Jahrg. 2, Bd. 27
410
telgrofse Antilope mit grobem langem und gekräuseltem Haar,
im Gehörn der sumatrensischen j4niil. camhtan und der nord-
amerikauischen A- lanigera ähnlich, beide Bewohner der hohen
Gebirge, sind mit den beiden Hasen die Jagdthlere der sonst
hauptsächlich vom Fischfänge lebenden Japanesen. Grofse Pa-
chydermen fehlen. Die Seethiere sind die, welche den hohen
Breiten des nordamerikanischen Meeres eigen sind.
Von Frederic Cuvier's Hisioire natur. des Mammiferes
erschienen 1837 die 69ste und 70te Lieferung, wahrscheinlich
die letzten des Werkes, da der Tod den berühmten Verf. im
Jahre 1838 hinraffte.
Neue Classificationsversuche der Säugethier-Ordnungen von
Ch. L. Bonaparte und Isid. Geoffroy St. Hllaire in Guerin's
Revue Zool. Sept. 1838- p. 208. fg. und Lesson ib. p. 312.
1. C e t a c e a.
a. Carnivora. »
Zur Familie der Delphine erhielten wir einige Beiträge.
Der Fürst Max zu Wied beschreibt in seiner Reise (Bd. I.
S. 25.) die Färbung eines Delphinus delphis.
VVaterhouse beschrieb einen D. Fiizroyi, dem £), super-
ciliosus verwandt, von Darwin bei Patagonien beobachtet. —
{Proc. Z. S. p. 23. Annais of Nat. Hist. II. 229.)
W. Thompson vertheidigte die neuerlich wieder von
Jardine und Bell bezweifelte Identität von Hunter's Delphinus
hideniaius, Hyperoodon Honßoriensis Baussards und Dolens
BoUle-Head-Whale. (Loud, Mag: Nat. Soc. II. p. 221.) Da-
le's Exemplar hält er für ein Männchen, während die von Hun-
ter und Baussard beschriebenen Weibchen seien, daraus erkläre
sich bei ersterem die grölsere Dicke in der Schultergegend.
Ein bei Hüll gestrandetes Individuum zeigte die beiden starken
Zähne am Ende des Unterkiefers erst beim Skelet ren, nach Ent-
fernung- des Zahnfleisches, welches sie zuvor ganz verdeckte.
Maafse und Beschreibung des Skelets sind a. a. O. angegeben.
Thomas Whright gab eine umständliche Beschreibung
des Delphinus Tursio. Loud. Mag. N. S. II. 609. Verf. be-
zweifelt die Identität desselben mit D. Iruncatus Montag.^ und
macht einige Berichtigungen zu Hunters gewöhnlich copirter
Abbildung. Die Rückenflosse soll in dieser der Schnauze näher
sein als dem Schwänze, während sie In der Natur um 6 Zoll
dem Schwänze näher stehe als der Schnauze, eben so ständen
die Brustflossen dem Mundwinkel sehr nahe und sehr tief unten,
während sie in der Abbildung In beträchtlicher Entfernung dar-
festellt sind; auch das Auge stehe darin etwas zu hoch und
le Convexität der Stirn sei nicht hinreichend ausgedrückt.
h. Herhivora.
Bedeutende Fortschritte machte die Naturgeschichte der
herbivoren Cetaceen.
411
A. V. Humbold thellle In diesem Archiv Bd. I. S. 1 flg.
die vor 40 Jahren am Orinoko entworfene Beschreibung und
Abbildung des südamerikanischen ManatI mit, wodurch beson-
ders die innere Organisation und die seltsame KInrichtnng der
Mundhöhle, welche wir nur unvollständig aus Oexmelin's An-
deutungen kannten, eine nähere Aufklärung erhielt. Andrerseits
wirft dies auch einiges Licht auf die sogenannten Zähne des
Borkeiithiers {Rhyiina Stel/erl I/Ig:), welche, wie Ich glaube,
wahrscheinlich den polslerförmigen Erhabenheiten des Manati
entsprechen, demnach nicht wahre Zähne sind, sondern In die
Kategorie der Hautknochen gehören. Dies ergiebt sich aus Stel-
lers NVorten: „Mastucationem absolvunt ■ — nou dentibus, sed
duobus ossibus validis, candidis, seu dentiumlntegrls massis, quarum
una palato, altera maxillae Inferlorl Infixa et hulc apposita est."
Ref. machte in einem Zusätze zu der erwähnten Abhand-
lung darauf aufmerksam, dafs die von F. Cuvler unter dem Na-
men Mnnaius ainericanus gegebene Copie der Home'schen Ab-
bildung keinesweges den südamerikanischen ManatI darstellt, dessen
Skelet G. Cuvier beschrieb und abbildete, sondern wahrschein-
lich den M. lattrostris Marl., mit welchem wenigstens Schädel-
bildung und Vaterland des Home'schen Thieres nahe überein-
kommt. Hr. R. Owen schrieb mir in Bezug auf die von mir
aufgezeigten Unterschiede der von G. Cuvler und E. Home
abgebildeten Manatiskelete , dafs das letztere allerdings in der
Schädelbildung dem M. scnegntensis ähnlich sei, dals Home
aber die Wirbelzahl unrichtig angegeben habe, indem sich 6 Hals-
wirbel, 17 Rückenwirbel und 27 Schwanzwirbel, Im Ganzen
50 Wirbel vorfinden, dafs die Phalangenzahl des kleinen Fin-
gers unvollständig sei, der zweite aber wie die andern 3 Pha-
langen besitze, der Daumen jedoch wirklich eine Phalanx
trage. Ist nun der ölangcl derselben nicht ein Defect des von
Cuvier abgebildeten Skelets, wogegen Indessen die grlffelför-
mige Form des Mittelhandsknochens spricht, so dürfte die An-
wesenheit der Daumenphalanx am Home'schen Skelet ein Cha-
rakter sein, wodurch es sich nicht nur von dem südamerikani-
schen ManatI, sondern auch vom Dugong unterscheiden würde«
R. Owen gab Beiträge zur Anatomie des Dugongs nach
Untersuchung mehrerer Exemplare. (Proc. Z. S. S. 28. und
Annnls of N. H. II. S. 300. Hg.)- ^^rf. spricht sich bei die-
ser Gelegenheit dahin aus, dals die herbivoren Cetaceen nicht
wohl mit den Carnivoren In einer Ordnung verbunden blei-
ben könnten, eine Ansicht, die Ref. vollkommen theilt; denn
offenbar setzt sich In den Meersäugethieren derselbe Gegensatz
fort, der sich unter den Landthieren in den Raub- imd Huf-
thieren geltend macht. Dort wird der Uebergang durch das
Wallross und die Robben vermittelt, hier fehlen der Jeizwelt
die Bindeglieder, welche wahrscheinlich im Dinotlieriuvi u. ver-
wandten Formen gegeben waren. — Hinsichtlich des Gebisses
bemerkt Verf , dafs die bleibenden Stofszähne der Weibchen
im Wachsthume zurück und von dem Zahnlleisch bedeckt blei-
ben; sie sind in der Basis solide, während in dieser bei den
27*
412
Männchen eine tiefe konische Höhle die Persistenz des Bulbus u,
ihr forcdauerndes Wachsthum anzeigt. Dafs die Stofsz'ahne zum
Losrelfsen der Tange dienten, bezweifelt Verf., da sie nur bei
den Männchen ein wenig hervorragten. Es scheinen sich im
Ganzen 20 Backenzähne , -| jederseits zu entwickeln. Die ersten
fallen aus, bevor der letzte hervorgebrochen, noch vor den
Wechsel-Stofszdhnen. Letztere kommen in beiden Geschlechtern
vor, zuweilen neben den bleibenden. Nur einmal bei einem
8 Fufs langen Thiere fanden sich 2 Vorderzähne im Unterkiefer,
kleiner und mehr gebogen, als die oberen Wechsel-Stofszähne.
Auch die übrigen 6 zahnlosen Alveolen waren im abwärts ge-
bogenen Yordertheil des Unterkiefers vorhanden, in den ande-
ren frischen Köpfen enthielten sie ligamentöse Fortsätze der
schwieligen Bedeckung, der sie zur Befestigung zu dienen
scheinen.
V. Bär hat in dem Bull. Scienl. de St. Pelersh. Tom. III.
Nr. 23. und später in einer ausführlichen Abhandlung (Mem. de
TAcadem. de St. Petersh. VI. Ser. Part. II. Tom. V. 1839.), die
gänzliche Vertilgung der nordischen Seekuh nachgewiesen.
Das letzte Individuum wurde im Jahre 1768 getödtet, also
27 Jahre später, als man die erste wissenschaftliche Nachricht
von der Existenz dieses Thieres erhalten hatte. Auch darf man
nicht glauben, dafs es sich mehr nach dem Norden zurückge-
zogen habe. Die russischen Niederlassungen reichen jetzt bis
zum Norton -Sund, nahe der Berings -Str. , hinauf. Nirgend
aber hörte man etwas von der Seekuh. Sie findet sich eben so
wenig bei den kurillschen Inseln. Ihr Vaterland beschränkte
sich nur auf die Berings- und Kupferinsel; wenn Steller
noch die amerikanische Küste angiebt, so geschieht es nur, weil
er sie mit dem Manati identisch hielt. Nie lebte sie bei Kam-
schatka. In Ihrem beschränkten Vaterlande mufste sie leicht
durch d'.e Abenteurer ausgerottet werden, welche angelockt durch
Steller's Schilderungen vom Reichthum an Seeottern und See-
kühen in Menge dorthin kamen.
Eine Mittheiking von Ed. Eichwald über die Dlnotherien
und ihnen verwandten Thieren Rufslands (Bullet, scient. de V
Acad. de St. Petersb. IV. Nro. 89. p. 257.) enthält die Beschrei-
bung von einem Schädelfragmente, Wirbelbeinen, Rippenfrag-
menten und Fingerknochen eines zur Familie der Manaten ge-
hörigen Thieres aus der jüngeren Tertiärformation der Krym.
Verf. macht hiebe» einerseits darauf aufmerksam , dafs sich der-
gleichen Cetaceenknochen auch bei Eppelsheim in grofser Menge
neben Dinoiherium finden und vielleicht wohl diesem selbst ge-
hört hätten; andererseits findet er es wahrscheinlich, dafs die
von Rathke als Fufsknochen des Elephanten beschriebenen Reste
wegen der an ihnen sitzenden versteinerten Balanen und die
von demselben erwähnten Wirbel wegen ihrer grofsen Härte
demselben Thiere der Krym zugehörten, vielleicht auch die
Hälfte einer Tibia, die wohl vielmehr Unterarmknocheu sei.
413
2. P a c h y d e r m a t a.
I. McClelland hat in dem Journ. of ihe Asiat. Soc.
of Bengal\lI.2.S.i038. Notizen zu Heacaproiodon gegeben,
welche Galtung Dr. Falconer und Capt. Cautley in den Siwa-
lik Lagerstätten entdeckt und In dem ersten Theil des 19 Vol.
der Asiat. Research, beschrieben haben. Leider befindet sich
dieser Band noch nicht in der hiesigen König!. Bibliothek und
ich niufs mich also hier nur auf Mc Clella nd's Bemerkun-
gen beschränken. Die Gattung Heccaproiodon stand dem
Hippopotamus sehr nahe; hatte -f Vorderzähne von gleich star-
ker Entwickelung, während beim Flufspferde deren bekanntlich
■| vorhanden sind. Auch die Backenzähne sind der Zahl nach
nicht gleich, denn Heocaprotodon hat y.y. Hippopoiainus ^.\.
Falconer und Cautley haben gemeint, dafs Hejcaprotodon die
Gattung Hippopoiaftius in Indien ersetzt habe. Eins der von
McClelland abgebildeten Fragmente, ein Unterkiefer (Fig. 3.)
welchen Verf. auf Heac. dissimilis F. C. bezieht, zeigt aber nur
4 Vorderzähne, von denen die beiden mittleren, wie bei Hippo-
potamus stärker entwickelt waren.*) Ueberhaupt zeigen die
Arten mit 6 Vorderzähnen in der Stellung der unteren eine auf-
fallende Verschiedenheit, während diese bei H. sivaJensis F. C.
in einer fast geraden Linie stehen und parallel der Längsaxe
des Unterkiefers gerade nach vorn gerichtet sind, so dafs sie
wie die Zacken einer Harke (eines Rechens) neben einander
stehen, bilden an einem vom Verf. dargestellten Unterkiefer nur
die vier mitleren Vorderzähne eine gerade Linie, der äufsere
jederseits steht etwas weiter nach vorn, innen vor dem Eck-
zahn. Verf. sieht hierin mit Recht eine specifische Verschie-
denheit und nennt die Art wegen der ungeraden Stellung der
unteren Vorderzähne H. anisipertis (ccnao? und negag). Auch
die Richtung der Zähne müfste der Abbildung nach sehr ver-
schieden gewesen sein, mehr aufrecht suherecti ., auch ist die
Symphyse des Unterkiefers beider verschieden, indem sich hierin
Ji. anisoperus zu sivaiensis ziemlich so verhält wie Hip-
popotamtts amijhihius zu H. fossilis. Eine dritte in der Stel-
lung und Richtung der Vorderzähne mit H. sivaiensis über-
einstimmende Art unterscheidet Verf. als //. megagnaihus^
durch die wie bei H. anisoperus fast parallele Stellung der
Backenzahnreihen, während diese bei H. sivaiensis eine ge-
schweifte, ihre Convexität nach innen kehrende Linie bilden.
Eine vierte Art nennt er H. plaiyr/iyncIiuSf verschieden von si-
vaiensis ^^in tJie ßaiiened fonn oj ihe jaw.'-'-
Sus harbatus Muller (Tijdschriji voor naiurlijjie Gesch.
V. S. 149.) eine neue Art der Insel Borneo, von den dortigen
Europäern wegen ihrer besonders von fern auffallenden hellen
Färbung ivitie varhen genannt, hat einen sehr langen, über den
*) Auch scheint mir dieser Unterkiefer wie hei Hippopotamus
nur 6. 6. Backenzähne gehabt zu haben, gehörte also sicherlich
einem Hippopotamus an.
414
Augen etwas hohl eingedrückten , vorn ziemlich schmalen Kopf,
das dünne Borstenkleid läfst die gelblich braune Haut fast über-
all durchscheinen; lange ^ meist rückwärts gerichtete Borsten an
den Seiten des Kopfs, besonders längs dem Unterkiefer bilden
eine Art Backenbart; Vorder- und Hinterkopf mit kurzen,
schwarzen und gelben Borsten, lange dicbtstehende ochergelbe
am Hinterhalse, an den Seiten und am Bauche tlieilweise schwarz.
Vor jedem Auge ein Büschel gelber Borsten, und nahe über
dem Mundwinkel ein Büschel kurzer braunspitziger. Ohren
sparsam behaart; Schwanzquaste, Schnauze, Vorderfüfse und
Unterschenkel schwarz. Körpcrlänge 4', davon der Kopf 1' 4";
Schwanz 11" lang.
Bemerkungen über das Wildschwein gab Pred. Löffler
in den preufs. Provinz. Blättern. Bd. 19. S. 71.
Nach den Resten eines kleinen vorweltlichen Pachydermen
stellten Laizer und de Parieu die Gattung Oploiheriinn
auf. Ann, sc. nat. X. p. 335. Tab. 9- Sie hatte, wie AnopJo-
iheriunty oben 7, unten aber 6 Backenzähne, •§• Vorderzähne u.
•j-.y Eckzahn; der Eckzahn des Oberkiefers war mehr entwickelt
als bei Anoploiherimn, ragte über die Backzähne hinaus; beson-
ders lang sind die beiden mittleren Vorderzähne des Zwischen-
kiefers. Die Zähne schliefsen dicht an einander, die beiden
vorderen Lückenzähne des Oberkiefers sind seitlich zusammen-
gedrückt, der dritte hat eine dreieckige, der erste Backenzahn
eine länglich -quere Gestalt, die drei hinteren Backenzähne
sind fast viereckig. Im Unterkiefer hat der letzte Backenzahn
einen überzähligen Anhang, wie bei Anoploiherium , die beiden
übrigen bestehen aus zwei hintereinander stehenden dreiseitigen
Prismen, die Lückenzähne entsprechen den oberen. Die Stirn
ist gewölbt; die Nasenknochen zeigen eine vertiefte Furche auf
ihrer Mitte; aus ihrer Gestalt ergiebt sich, dafs das Thier kei-
nen Rüssel hatte. Zwei Arten scheinen existirt zu haben.
3. R u m i n a n t i a.
V. Bär vertheidigte die frühere Existenz zweier Stiere (d.
Arch. V. Bd.L S.62.), Weissenborn (Loiid. Mag. N. S. 2.
p. 239.) spricht für die entgegengesetzte Ansicht, zieht auch die
von V. Bär vermuthete Identität des kaukasischen Zubr mit dem
olnischen in Zweifel. Auch Rathke (preufs. Provinz. Bl. 19-
id. S. 543.) führt dagegen eine mündliche Aeufserung des Dr.
Koch an, welcher im Kaukasus w^ährend seines zweijährigen
Aufenthalts mehrere von diesen Thieren gesehen habe und sie
von den europäischen Avesentllch verschieden erkläre. Inswi-
schen erhielt v. Nord mann vom LIeut. Lissowski, welcher In
V\'"Ilna studirt hatte und den Zubr sehr gut kannte, die Ver-
sicherung, dafs der kaukasische von dem polnischen nicht ver-
schieden sei. (Bullet, sc. d. Petersh. III. 305.). Der dunkle
Rückenstreif des kaukasischen Zubr, an welchem Weissen-
born Anstofs nimmt, findet sich wirklich auch beim polnischen
im Winterkleide (s. Pusch d. Arch. Jahrg. VI. 1. S. 62. Anm.),
und die Kürze der Hufen kann allerdings wie v. Bär meinte,
&
415
durcli das Leben in Gebirgsgegenden herbeigeführt sein; denn
wirklich besucht der Auer oder Zubr diese in Kaukasien, was
Hr. W, bezweifelt, aber aus v.Nordniann's Angaben hinreichend
erwiesen ist. Nach ISordmann bewohnt er, im awhasischen
uddotnpe genannt, ein Gebiet von 200Werste, vom Kuban bis
zur Quelle des Psib. Am Kuban hält er sich das ganze Jahr
über in den sumpfigen Gegenden; aber im Lande der Abaze-
chen zieht er Sonniiers in die Gebirge, von denen er im Herbste
und Winter in die Thäler hinabgeht. — Nach Angabe der Aw-
hasen soll man im Distrikte Zaadan noch einen anderen Wie-
derkäuer von der Gröfse einer Kuh und von dunkler Farbe an-
treffen. Die Vornehmen der kaukasischen Völkerschaften be-
dienen sich der mit Silber verzierten Auerhörner als Trink-
gefdfse.
Dr. George Evans gab (Joiirn. of ihe Asiat. Soc, of
Bengal VI, 1. p. 223. Taf. XVI.) die Abbildung und Beschrei-
bung eines Ocnsenschädels, den er für den des Gaur (ß. Gau-
rus) hält. Er soll der Schädel eines alten Bullen sein, zeichnet
sich durch eine sehr breite, tief concave Stirn aus, welche
zwischen den Hörnern breiter ist als zwischen den Augenhöhlen-
rändern. Von der starken Ilinterhauptlelste und den Seiten
des Stirnbeins entspringen starke und dicke sanft zurückgebo-
gene, ihre Spitzen dem Gesicht zukehrende Hörner. Die Au-
genhöhlenränder ragen, ähnlich wie beim Auer stark hervor.
Wie bei diesem gränzt der Zwischenkiefer nicht an das Nasen-
bein, sondern ist weit davon entfernt; jene verbinden sich nur
mit dem Oberkiefer, sind breit und erscheinen im Profil leicht
gekrümmt {well arcJied). i/änge des Kopfes von der Nasen-
spitze zur Hinterhauptleiste 1 F. 1L.3". Breite der Hinterhaupts-
leiste zwischen der Wurzel der Hörner 10/5", zwischen den
Augenhöhlenrändern 10,0", am schmälsten Theile der Stirn 8/5".
Hinterhauptsfläche vom Foraftten magnum zuv crisia 9/0"- Höhe
des Oberkiefers vom Alveolarrande bis zur Verbindung mit den
Nasenbeinen 5/7". Breite der Nasenhöhle 3,7", Höhe dersel-
ben 3,5". Länge des Horns nach der Krümmung 2 F. 0,3".
Umfang desselben an der Wurzel 1 F. 4,2".
I. T. Pearson sieht in diesem Schädel vielmehr den eines
Gayal.
Hodgson dagegen (ibid. VL 1. S. 499- u. Bd. 2. S. 745.)
erkennt in Ewans Abbildung den Gauri Gau, von welchem
er sich mit grofser Mühe und Kosten Exemplare beiderlei
Geschlechts verschafft hat. Der Schädel beider Geschlechter
zeichnet sich nach ihm durch bedeutende Gröfse und durch
eine breite, lange und flache Stirn, der Rumpf durch die über-
mäfsige Länge der Dornfortsätze der Rückenwirbel aus, die sich
schon beim Fötus bemerklich machen soll. Nach der auf Taf.
XXXIX. des 2. Bd. gegebenen Abbildung des Rumpfskelets zu
urtheilen, haben die Dornfortsätze ziemlich dieselbe Länge, wie
beim europ. Auer, nur sind sie kräftiger, ungleich breiter, der
bedeutenden Schwere des Kopfes angemessen. Offenbar bildet
diese Art ein Mittelglied^ zwischen der Wisent- und Rinder-
416
gruppe. Hodgson will eine eigene Untergattung Bibos (!)
daraus bilden, um dadurch einerseits einen Ochsen von unge-
•wöhnllcher Gröfse, andrerseits die Mittelbildung zwischen JB/son
und Bos anzudeuten. Verf. nennt die Art erst B. subhema-
chalus, später ändert er diesen Namen in B. cavifronsy
weil die Art verschiedene von einander entfernte Theile Indiens
zu bewohnen scheine. (S. den Auszug im Jahrg. YI. Bd. 1.
dies Archivs.)
Durieu llefs ein corsisches Moufflon-Welbchen von einem
Merinoslähr bespringen. Der Avelbliche Bastard war dem Vater
ahnlicher, hatte bereits weifses Wollhaar, und zeugte mit einem
Mufflonstähr ein mehr dem Mufflon ähnliches, roströthliches
Junges mit einzelnen Wollstellen besonders am Halse; dieses
wieder gekreuzt mit einem Merinoschafe zeugte ein Weibchen,
welches ganz die Charaktere und den Wollvliefs der Mutter
hatte. Bei allen Bastarden waren die Beine und Bauchseite
nackt ohne Haar oder Wolle. Alle Versuche die Mufflons mit
dem Ziegenbocke zu paaren, blieben fruchtlos. (Insih. p. 338.)
Drei neue Antilopen wurden aufgestellt: 1, Antilope
Ogilbyi, von Waterhouse nach einem Felle von Fernando
Po, an dem sowohl Kopf wie Beine fehlen (!), Proc. Z. Soc.
61. , dennoch meint Hr. W. dafs seine Art der A. scripta ver-
wandt und von deren Gröfse gewesen sei, und glebt eine Di-
agnose. 2. A. Zebra, von I. E. Gray {Ann. of Nat. Hist.l.
p. 27.): Rücken hell rehfarben (jfulvtisjawn) mit breiten glän-
zenden Qneerstrelfen; Unterseite blafsrothgelb, Schenkel aufsen
graubraun, unten dunkler. Sierra Leone. — 3, Eine neue, der
A. equina ähnliche Art, Aegoceros niger von W. C. Har-
ris Proc. Z. S. p. 1., lebt in Südafrika zwischen 24 — 26° Br.
und 28 — 30" ö. L., 1^^" südlich vom Wendekreise des Stein-
bocks In kleinen Heerden (von etwa 11 Stück), ist selten; das
alte Männchen 4' 6" hoch, fast 9 F. lang, schwarz hie und da
in's Castanienbraune fallend, ein schmutzig welfser Streif über
dem Auge längs der Nase zur Schnauze, halbe Wange, Kinn
imd Kehle welfs. An der Stelle der fehlenden Thränensacks
ein Haarpinsel, schwarze Pinsel an der Spitze der innen weifsen
Ohren, eine reichliche schwarze Mähne bis zur Mitte des
Rückens. Hörner schlank, platt, sehr bald rückwärts gebogen,
erst divergirend, dann parallel, drei Viertel geringelt, kleiner
beim kleineren, mehr kastanienbraunen Weibchen.
Fragmente vom Sivatheinum, Im Besitze des Obersten Colviu
(abgebildet im Joum. of tfie Asiat. Soc. of Bengal VI. 1. Taf.
VIII. u. IX.) bestätigen Falkoners Vermuthung, dafs dies Thier
•wirklich 4-hörnig war und dafs an der Hinterhauptleiste das
hintere Paar Hörner stand. Colviu bemerkt hierbei, dafs Capt.
Cautley ein grolses flaches (flat) Hörn, wahrscheinlich dem
Sivaikerium gehörig, gefunden habe. Das andere Fragment der
linken Unterkieferhälfte zeigt 4Backenzähne, die soweit sich aus
der ziemlich rohen, von keiner Beschreibung begleiteten Litho-
graphie schliefsen läfst, mit denen der gehörnten Wiederkäuer
übereinstimmen. Eine Cople der Abbildungen s. im Instit. S.39-
417
Eine vorlreffliche Anatomie der Giraffe erhielten wir von
Richard Owen. Proc. Z. S. p. 6., 20., 47-
Capt. Cautley hat in den Siwalik- Hügeln einen Halswir-
bel gefunden, von dem er vermuthet, dafs er einer Giraffe an-
gehört habe, (Journ. qf ihe Asiat. Soc. of Bengal. VH. 2. 1838.
S. 658.) Die Vergleichung mit dem der lebenden Giraffe,
welche Verf. so wenig wie Ref. anstellen konnte, mufs über
die Zulässigkeit dieser Annahme entscheiden. —
A. Campell giebt Journ. of ihe Asiat. Soc. of Bengal YI..
P. I. p. 118. fg. anatomische Bemerkungen bei Zergliederung
eines männlichen Moschusthiers. Die NIpalesen machen einen
Unterschied zwischen dem transhimalaischen und dem, welches
an der Schneegränze des diesseitigen Abfalls wohnt. Verf.
konnte zwischen beiden keinen erheblichen Unterschied finden.
Der Moschussack des tibetanischen sei mit kurzem dichten Haar
besetzt, während er bei dem des Cachar mit sehr langen Haa-
ren bedeckt sei, und loser vom Unterleibe herabhänge. Der
Moschus beider schien dem Verf., wenn er unverfälscht ist, sehr
gleich zu sein, der des tibetanischen sei nur deshalb von höhe-
rem Werthe, weil er weniger häufig mit fremden Stoffen ver-
fälscht sei, als der im Cachar gewonnene.
4. M o n o t r e m a t a.
Von dem Gehirn der EcJiidna erhielten wir von Eydoux
und Laurent Beschreibung und Abbildung. Gu^r. Magas.
Zool. 1S38. Ch I. pl. 30. Das Corpus callostmi fehlt; statt der
Vierhügel findet sich wie beim Schnabelthier nur ein Paar
Anschwellungen, indem das hintere Paar fehlt; die Windungen
der Hemisphären sind sehr ausgeprägt.
5. M a r s u p i a l i a.
Die überaus reichhaltige Abhandlung von Rieh. Owen
über das Skelet der Beutelthiere gestattet leider hier keinen
Auszug. Ich verweise deshalb auf die Abhandlung selbst. Proc.
Z. S. p. 120. oder Ann. of Nat. Hist. HI. p. 467. Eben so
kann die Abhandlung von Eydoux und Laurent über die
Marsuplal- Knochen (Guer. Mag. d. Zool. 1838. Cl L) hier
nur genannt werden.
Üeber die fossilen Beutelthiere von Stoneßeld, DidelpMs
Prevosiii und D. Bucklandii sind Zweifel erhoben von Blain-
ville, welcher in diesen Resten vielmehr einen Saurer erken-
nen will (Instit. p. 274.) und von Agafsiz, welcher sich die
Priorität dieser Ansicht vindicirte (ib. p. 292.). Für die Cu-
vler'sche Ansicht, dafs es Beutelthiere sind, erhoben sich mit
überzeugenden Gründen Valenciennes, welcher aus diesem
Thiere die Gattung Thylacotherium bildet, (ibid. Nr. 246.)
imd darauf hinweist, dafs die Unterkieferäste nur aus einem
Stücke gebildet sind, Dumeril, welcher auf die Anwesenheit
eines convexen Condylus am Unterkiefer aufmerksam machte,
(Nr. 248. S. 313.)und besonders Richard Owen (Proc. of ihe
418
Geo?. Soc. 1838. Nov. 21. ^nn. Nat. Htst. 3. 61. und Proc.
Zool. Soc. ]). 132.), der nicht nur die Angaben beider letztge-
nannten Naturforscher bestätigt, sondern auch auf die doppel-
ten Wurzeln der Backenziilme, deren zwiefache Beschaffenheit
und auf den Winkel des Unterkiefers aufmerksam macht, wel-
cher, was für alle jetzt lebenden Beutelthiere charakteristisch
sei, verlängert und wie ein Fortsatz einwärts gebogen war.
In der Zahl der unteren Schneidezähne, 8, und in der Stru-
ctur der Backenzähne nähern sich diese insectivoren Beutelthiere
der Gattung Didelphys, die grofse Zahl der Backenzähne, 8,
an welcher man Anstols nahm, findet sich bei Myrvtecohius
noch übertroffen, wo unten 9 höckrige Backenzähne jederseits
vorhanden sind.
Gegen die Beutelthiernatur dieser letzteren Gattung (Arch.
III. 2. S. 16'4.)i ^'^^^ welcher wir durch Waterhouse Trans-
act. of ilie Zool. Soc. II. eine berichtigte Beschreibung und
treffliche Abbildung erhielten, ist P. Gervais aufgetreten, der
darin eine Insectivoren -Gattung erkennen will (Itistk. S. 32.3.
Guer. Reu. Zool. Octob. S. 241.); der gründlichste Kenner der
Beutelthier-Osteologie, Rieh. Owen, findet inzwischen (Proc.
Z.S. f. ±32.) am Schädel (]es Myrmecobius die charakteristischen
Eigenschaften der Beutelthiere. Die früher gegebene Gebifs-
formel berichtigt W. so : Vorderz. |-, Eckz. j.-\. Lückenz. ^.^.
Backenz. -1.^. (Backenzähne sind aber -y.|^. da).
An Peratneles reiht sich eine neue von Ogilby nach
einer Zeichnung von Mitchell aufgestellte Gattung Chaeropus
(Proc. Z. S. S. 25.) von Neu -Süd -Wallis, ganz schwanzlos,
mit zweizehigen schweinsähnlichen Vorderfüfsen, an denen
eine kleine Anschwellung über der Basis der ersten Phalanx
vermuthen läfst, dafs noch zv\ei kleine Zehen dahinter sind.
Das Thier hat die Gröfse, den Pelz und die Farbe eines klei-
nen Kaninchen und lange falst nackte Ohren, die Hiuterfüfse
von Perameles.
Gray unterschied einen neuen Perameles, P. Gunnii,
dem P. nasuius nahe, aber durch einen sehr kurzen, weifsen
Schwanz und undeutliche breite weifse Binden über den Hüf-
ten verschieden, Proc. Z. S. p. 1.
Ogilby beschrieb 7 Hypsipryf/mus- Arten aus der Samm-
lung der zool. Gesellschaft. Proc. Z. S. S. 62. udnnah o/'Nat.
Hisi. II. S. 47.3. In wie weit die nur leichthin characterisirten
Arten mit Gray's Bettongien (S. Arch. V. I. S. 193.) identisch
sind, darüber müssen wir von Hrn. Gray näheren Aufschlufs
erwarten.
Waterhouse unterscheidet nach dem Gebisse ,3 Gruppen
der Gattung Petaurns. Proc. Zool. Nov. 1-3. Ann. of Nat.
Mist. III. p. 47. Bei Petaurns s. sir. (P. teguanoides) finden
sich -f Vorderz., -^.^ Eckz., ^.\ Lückenz., ^.^ Backenz, Die
Eckzähne sind sehr klein, auch der erste obere Lückenzahn.
Bei Belidens (P. sciurens, ßaviventer u. P. hreviceps) 4 Vor-
derz., ^.^ Eckz., j.^ Lückenz., \.^ Eckzähne ziemlich ent-
wickelt, — und Aerob ata Desm. (P. pygmaeus) -^ Vorderz.»
419
-j.^ Eckz., ^.j Lückcnz., ^.-5 Backz. Eckzähne selir entwickelt,
lang und spitzig. Die Gruppen zeigen überdies im Scliädelbau
Verschiedenheit.
F. Cuvier bildete aus Dasyttrus ursmtis eine eigene Gat-
tung SarcophiluSi, weil die Backenzähne von gleiclier Zahl
wie bei Dnsytirus dieselbe Modification, wie bei Thylacinus
zeigen d. h. zu wahren schneidenden Fleischzälinen, ähnlich
denen der Carnivoren umgebildet seien. Manimif. Vwi\ 70., wo
eine Abbildung und Beschreibung des Thiers gegeben wird.
6. G l i r e s.
T. C. Eyton zählt Im Mag. of Zool. and. Bot. IL S. 283-
die anatomischen Verschiedenheiten zwischen Lepus hihernici4S
und L. iimidus auf. Den ersteren zeichnet bedeutendere Grölse,
gröfsere Länge der Seitenfortsätze der Lendenwirbel, gröfsere
Breite der scapnla und Rippen, gröfsere Länge des iiumerus
im Vergleich zur «7««, die kaum länger als beim L. iimidus ist
und bedeutendere Gröfse des Schädels und des Zwischenkiefers
aus. Rippen- und Wirbel-Zahl ist bei beiden gleich, nur hat
der irische 1.3, der gemeine Hase 16 Schwanzwirbel. DerDarm-
kanal ist länger bei dem irischen, dafür aber der Blinddarm
kürzer. Länge des Darmkanals beim irischen 18 F. 6", beim
gemeinen 14 F. 1". Länge des Blinddarms beim irischen 1 F.
7", beim gemeinen 2 F. Auch die Maafse der Knochen sind
vergleichend zusammengestellt. — Nach W.Thompson (^Ann.
ttf Nat. Hist. II. 71.) kennt man in Irland schon seit längerer
Zeit die Verschiedenheit beider Haasen. Der irische hat nicht
nur kürzere Ohren und einen küi'zeren Schwanz, sondern der
letztere ist auf der Oberseite nicht schwarz, sondern welfs, an
der Basis der Haare graulich. Seine Lebensweise soll im Gan-
zen mit der des L. iitnidus übereinkommen. — C. I. M. Bach-
mann hat in dem Jotirn. of ilie Acad. of Philadelphia Tont.
VII. 1837. p- 194. u. 282. über die Hasen der vereinigten Staa-
ten von Nordamerika und von Canada geschrieben. Mir ist
diese Abhandlung bis jetzt noch nicht zugänglich gewesen.
Bachmann handelte (Proc. Zf. S. p. 85. ^nn. Nat. Hist.
III. p. 275.) von den nordamerikanischen Eichhörnchen. Unter
den 17 Arten welche er unterscheidet sind 6 neu: Sc. Teccia-
nus, S. subauratus f S. u4udnbo7ii, S. fuligi nosus, S.
Richardsonii und S. laniiginosus Bach. — Neue Arten
beschrieben ferner Muller von Borneo: Sc. ephippiuin und Sc.
eorilis Tijdschr. voor natitrlijhe Geschied. V. S. 146. — Wa-
terhouse Proc. Z. S. 1838- p. 19- Sc. suhlineatiis, unbe-
kannten Vaterlands.
Eine Anatomie des Coelogeitys siihniger von Martin finden
wir Proc. Z. S. p. 52. Ann. of Nai. Hist. IL .380-
Fürst Max v. Wied (Reise S. 62.) glaubt, dafs Arciomys
MonaoCy Enipeira und pruinosus nur eine Art bilden. Obgleich
das Groundhog oder Woodchuck der Amerikaner gewöhnlich
eine rothbraune Unterseite besitze, so fehle doch diese Farbe
zuweilen gänzlich; ältere Thiere seien an den Oberlheilen
420
mehr weifs, grau gemischt, jüngere mehr rolhbraunllch. Stirn
und Vorderkopf bei allen schwarzbraun. In Indiana scheinen sie
Anfang März aus dem Winterschlafe wieder zum Vorschein zu
kommen, (S. 202.)
Bemerkungen über ^rvicola pratensis Baill. yi.riparia
Jenyns gab Selby Mag. of Zool. and Bot. II. p. 92.
F. Cuvier's ausführliche Abhandlung über die Springmäuse
(^Dtpus u. Meriones), schon früher in diesem Archiv Jahrgg. III.
2. p. 170. nach ihrem Hauptinhalte angezeigt, ist in den Trans-
aci. of' the Zcol. Soc. II. 2. S. j49. erschienen. — Eine neue
Art (jr. Cuvieri aus Indien beschrieb Waterhouse Proc. Z. S.
S. 56.
Von Isidore Geoffroy St. Hilaire erschien ein Aus-
zug aus einer ausführlichen Abhandlung über die Stachelrat-
ten. {Ann. d. Sc. nnt. Tom. X. p. 122.) Er weiset Lichten-
steins Ausspruch, dafs die Stachelratten das Gebifs von IVlus
hätten, als irrig zurück, nimmt neben EcJiimys noch die Gatt.
Nelomys Jourd. ( s. Arch. IV. 2. p. 389.) an, bemerkt aber,
dafs die Gröfse der Ohren und die Behaarung oder Nacktheit
des Schwanzes keine generische Charaktere geben, wohl aber
die mehr complicirten Backenzähne und kürzeren Tarsen von
Nelomys; Ecliimys verhalte sich. zu. Nelomys wie dieGerbillen
zu den Ratten (Mus). Zu Echimys gehören: 1, E. seiosus
Geoffr. 2, E. cayennensis Geoffv. 3, E. spinosus Geojfr. 4»
E. hisptdus Geofff. 5, E. albispinus n. sp. Brasilien. 6,
E. myositrus L,icfücnst. {Mus leptosotna und M. cinnamomeua
Lichtcnst. Loncheres longicaudaius Rengg.) — Zu Nelomys:
1, E. crisintus Geoffi'. 2, Loncheres paleacea lll. 3, N. Blnin-
villet Jourd. 4, E. didelphokles Gcoffr. 5, N. armatus {Mus
Jiispidus Lichtenst.). 6, N. semwUtosus n. sp. Neu-Granada. —
Echimys dactylinus Geoffr. bildet ein eigenes Genus: Dac-
iylomys, ohne Stacheln, Schwanz lang, nur an der Basis be-
haart, sonst nackt, Vorderf. 4 -zehig, die beiden Mittelzehen
sehr lang; Hinterf. 5 -zehig, die Nägel der 3 IMittelzehen zu-
sammengedrückt und verlängert. Backenzähne durch eine Furche
in zwei durch einen Einschnitt wieder halbgetheilte Hälften
geschieden. (Bekanntlich bildete F. Cuvier gerade das Gebifs
von E. dactylinus Geoffr. als Typus von Echimys in den Denis
des Mamviif. ab. Ref.) Baihycrgus damariensis JVater-
home und Graphiurus elegans eiusd. von der südl. West-
küste Afrika's. Proc. Z, S. 5.
7. Carnivora.
A. Insectivora.
Ein Auszug einer umfassenderen Abhandlung über die In-
sectlvoreu von Hrn. v. Blainville erschien Ann. d. Sc. nat. 10.
S. 119. Verf. will sie als eine eigene Ordnung betrachtet vyis-
sen., die zwischen den Chiropteren und Edentaten in der Mitte
stehen soll; ihre Systematik soll mit den anomalsten Formen,
421
den Erdgräbern, beginnen und durch Sorex zu den normalen,
Erinaceus übergehen. Ref. ist entschieden andrer Ansicht und
hat diese bereits Jahrgg. 4. I. S. 259- angedeutet, er sieht in
den lusectivorcn ein Zwischenglied zwischen l\aub- und Nage-
thieren, in welchem das Gebil's der Raubthierc zu dem Nage-
thiergebisse umgewandelt wird, zugleich aber die einzelnen
Familien der Nager durch analoge Formen wiederholt werden.
Martin characterisirt ein igelartiges Thier von Madagas-
kar (?) als neue Gattung Lchinops. Proc. Z. S. p. 17. Ann.
of Naf. Hist. II. S. 153.: Corpus superne spinis densis tec-
tum; rostrum brevlusculum. Rhinarium aures, caudaque ut in
Erinaceo; Dentes primores 4i superlorum duobus intermediis
longissimis, discretis, cylindraceis, antrorsum versis, proximis
minoribus. Canini ^.^. Molares ~.~ utrinsecus Imo supra et
trlbus infra spuriis, reliquis ultimo supra excepto, tricuspidatis
angustis, transverslm positis; ultimo supra angustissimo ; niolari-
bus infra inter se fere aequalibus, ultimo minore. Pedes 5-dac-
tyli, ambulatorii; halluce breviore; unguibus parvulis, compres-
sis; planlis denudalis. Die ausführliche Beschreibung der Art
E. Telfairii ist a. a. O. nachzusehen. Die Deutung des Ge-
bisses scheint mir nicht richtig zu sein.
Ueber Macroscelides Rozeii (Wagner Insiit. p. .306. und d.
Arch. 18.39. Bd I. S. 79.). — Zwei neue Arten, M. Alex an-
dri und D/l. melanotis und ChrysochJoris Damariensis
von Waterhouse. Prnc Z. S. lieber europ. Spitzmäuse er-
schien eine gründliche Arbeit von II. Nathusius d. Arch. IV.
I. S. 19. — Duvernoy hat seine von Nathusius gerügten
Irrthümer nun in einem Supplement berichtigt, kann sich aber
doch nicht entschliefsen seine der Priorität gänzlich ermangelnde
Gruppennamen aufzugeben; ja er geht so weit, seine Gruppe
Amphisorex nun ELydrosorex zu nennen und umgekehrt. ( ! !)
Der Sorex Hermanni wird beibehalten als erste Art von
Hyclrosorex ohne weitere Erläuterung. —
Bachmann gab eine Monographie der nordamerikanischen
Spitzmäuse. (Journ. of' ihe Acad, of N. S. ofPhilodelphiaTom.
VII. Rev. Zool. Nov. 290.)- Ueber das Winterlager des Igels.
Löffler. Pr.Provinz. Bl. 19. S.
Der Maulwurf von Silhet und Assam, welcher der asiat.
Gesellschaft in Calculfa in Weingeist zukam, soll dem euro-
päischen in fast allen Stücken gleichen. Journ. of ihe Asiat.
Soc. of BengaL VII. 2. S. QQ^.
B. Pinnipedia.
Eine Systematik derselben gab S, Nilsson: Kon. TfelensJc,
Ahad. Handling. for «>' 1837. Stockholm 1838-
Ref. schlich über das Gebifs des Wallrofses. D. Arch. IV.
I. p. 11.3.
Aus einer interessanten Abhandlung von R. Hamilton
über die für den Handel so wichtige Pelzrobbe (four-seal) der
Südsee lernen wir, dafs das Thier eine Otaria ist, Avelche
Verf als mit PJioca falclandica Penn, identisch nachweist. Eine
422
Abbildung des Thiers ist gegeben. Ann. qf. Nai. Hist. IL
p, 81. und 478.
C. Carnivora.
Pxef. theilte Betrachtungen über das Gebifs der Raubthlere
mit, hauptsächlich um die Aufmerksamkeit auf das Milchzahn-
gebifs derselben zu lenken, weil sich darauf nicht nur die Mo-
dificalionen, welche das Gebifs in den abweichenden Formen
erleidet, am leichtesten zurückführen und erklären lassen, son-
dern auch weil sie von Wichtigkeit für die Begränzung der
natürlichen Familien sein müssen, indem, wie überhaupt in der
Entwickelungsgeschichte des Thierindividuums, die Identität
(Familienähnlichkeit) das Ursprüngliche ist, der Unterschied,
da» Besondere, auf welchem die Gattungsverschiedenheiten be-
ruhen, erst im bleibenden Gebisse heraustritt. Besonders deut-
lich zeigt sich dieses im Wechsel-Gebisse des Wallrosses, und
noch deutlicher unter den Saurern bei Podinema (Atneiva) Te-
guiocin^ welche in frühester Jugend die angewachsenen drei-
zackigen Zähne der typischen Ameiven, im Alter eingewachsene
abgerundet konische Zähne hat. — In jenem Aufsatze wies auch
Ref, nach, dafs Hyaena zur Familie der Hunde, Bleies zu
der Marderfamilie gehöre, und dafs letzterer -^.^ Lückenzähne
(nicht |^.|^) habe, von denen aber der erste obere Lückenzahn früh
ausfällt, daher ist es mir auch verdächtig, dafs der erste untere
Lückenzahn dem nordamerikanischen Dachse nach Waterhouse
fehlen soll. Proc. Z. S. Nov. Ann. N. H. 4. p. 52. Er zeigt
sowohl im Schädel als im Gebifs Verschiedenheiten, die an der
speclfischen Differenz beider Dachse nicht mehr zweifeln lassen;
die des Gebisses sind indefsen nicht der Art, dafs sie zu einer
generischen Trennung, wie Verf. will, berechtigen könnten. Spe-
ciflsche Modlficationen zeigt das Gebifs der meisten, wenn nicht
aller Raubthierarten; und Ref. ist überzeugt, dafs man in einem
Museum, wo die Schädel nicht in den Fellen stecken bleiben,
ziemlich alle Arten nach dem Gebisse würde characterisiren
können.
Von H. Lichten stein erhielten wir eine gelehrte Mo-
nographie' der Gattung Mephiiis. (Berlin 1838- 4to.) Verf.
trennt sie in zwei Abtheilungen Thiosmus und Mephiiis.
Erstere entspricht der Gattung Marpuiius Gray^ indem sie
die amerikanischen Arten mit breiter, ganz nackter Sohle, rüs-
selartig verlängerter Nase, und naribus anticis etinferis begreift,
während in der anderen die amerikanischen Arten mit halb-
nackter oder behaarter Sohle, einem rhinario proininulo u. naribus
lateralibtis mit den Stinkthleren der alten VVelt, den sogenann-
ten ZorlUen, vereinigt werden. Ref. glaubt in seinem oben er-
wöhnten Aufsatze über dafs Gebifs der Raubthlere S. 278. fg.
bewiesen zu haben, dafs letztere, von denen es mehrere Arten
zu geben scheint (s. S. 267. Anm.), ihres Gebisses wegen eine
besondere Gattung bilden müssen, die sich zu Piitorius einer-
seits und zu Mephiiis andrerseits gerade so verhält wie Heli-
ciis Gray (Melogale Geoffr,) zu Musiela und Meles. Ref. schlug
423
dort den Namen Rhabcfoiiale vor, lialle aber dabei übersehen,
dafs Kaup scbon 1S35 ( Thierrekli I»d. I. S. 352.) die Zorillen
als eigene Gattung /c/ow^jc getrennt liat. Nacb Licbtenstein
sollen die T/uos7nus-Ar\ea -^.-^ Liickenzäline liaben, allein diese
anomale Zahl statt -f-l. wird dadurch verdächtig, dafs auch
bei dem analogen Dachse der erste obere Liickenzahn früh aus-
fällt, und die enge Stellung der Lückenzähne bei Thiostnus ein
ähnliches besorgen lälst. Noch finden wir die interessante Be-
merkung, dafs (las Thier, welches Buffon als Zorille beschrieb,
nicht die afrikanische Art war, sondern eine amerikanische,
welche F. Deppe neuerlich in Neu-Californien wieder fand.
Der Fürst M. v. Neuwied erklärt (Reise S. 57.) die Anga-
ben über den Gestank der Slinkthicre etwas übertrieben. Un^er
europ. Iltis stehe in dieser unangenehmen Eigenschaft gegen
jene öfter nicht gar weit zurück. Die Hunde scheuen aas
Slinkthier deshalb keinesweges, sondern beilsen es todt, mid
sind zuweilen ein wenig parfümirt. Die Zeichnung dieser Thiere
fand der Fürst ziemlich constant u. regelmäfsig. (S. 173- u. 211.)
In Pensylvanien, Indiana, Illinois und am iMissouri traf der Fürst
M. mesomelas^ am oberen Missisippi kommt Mcph. CJwiga Tieci.
Lic/itst. vor.
Eine vergleichende Zusammenstellung der Körpermaafse von
Luira canadensis und L. etiropaea erhielten wir vom Fürsten
Max zu Wied. Reise S. 211. Erstere kommt am Missisippi,
Missuri, Wabasch und ihren Zuflüssen vor. Auch die den Nor-
den bewohnende Otter schien den Fellen nach von ihr nicht
verschieden. — Ueber die Altersverschiedenheit des Schädels
der Liitra vulg. vergl. Nathusius dies Archiv IV, I. p. 130. —
Luira poettsis Ogilby. Proc. Z. S. S. 60.
Nach dem Fürsten M. v. Wied, der wie der Pr. v. Musig-
nano an der Existenz der M. lutrocephala Hnrh zweifelt, hat
der Mink besonders zur Paarungszeit den Geruch des Iltisses,
welcher von der starkriechenden Absonderung der beiden gel-
ben Afterdrüsen herrührt. (S. 213.) Sie tragen in ihre Höh-
len, welche im hohen Ufer unter alten Baum wurzeln gemacht
waren, eine Menge Muscheln ein; der gemeine ölann schreibt
dies fälschlich der Bisamratte zu. (S. 198.)
Ch. Bonaparte, Prinz v. Musignano, welcher die Gattung
Musiela L. in 4 Gattungen: Zorilla, Marder {Maries), Iltisse
(Puiorius) Tind Wiesel {Musiela) zerfällt, führt aus der letzte-
ren Abtheüung 7 Arten auf: 1, M. ertninea L. Europa. 2, M.
Cicogiianii JBonap. Nordamerika. .3, BI. hoccamela Bonap.
Sardinien. 4, M. vulgaris L. Europa. 5, M. Richardsonii
Bonap. {M. enninea Richards. F. Bor. Am.) Nordamerika. 6,
M. longicauda Bonap. {M. erininea Richards. Faun. Bor. Avt.)
Nordamerika und 7, M. frenaia LAchienst. Mexico. (Loud.
Mag. N. S. 2. p. 38.)
Folgendes die Diagnosen nach der Iconograßa della Fauna
iialica. Heft 22.
1, Musiela vulgaris: rufo-cinnamomea (cinnamomeo-
424
rufa).subtus alba; cauda valde breviori tertio corporis, aplce
concolori.
2, M. hoccamela: castaneo- cinerea, subtus lateribusque
abrupte alba; cauda dimidlo corporis parum breviori, apice vix
intensiori.
3, M. erminea: rufo-cinnamomea (cinnaniomeo-rufa),
subtus flavo-albida (byeme tota alba): cauda diraidio corporis
valde longiori, apice late nigro.
4, M. Cicognanii: rufo-cinnamomea, subtus ilavo-albida
cauda corporis dimidio subbreviori, apice nigricante.
Blusiela vulgaris findet sich im mittleren und südlichen Ita-
lien, in den sardinischen Staaten auch M. ennhiea; die Bocca-
mela auf Sardinien; sie ist wahrscheinlich die Ictis des Aristote-
les, liebt wie diese den Honig, was Cetti bestätigt. — Das
Hermelin findet sich nach Hodgson auch am Himalaya und
wird dort Winters weifs. Journ. ^s. Soc. VI. % S. 564.
Putorius subJiemachalanus Hodgson: 11^ — 12" laiig
bis zur Schwanzwurzel, Schwanz 5^", G\" mit dem Endhaar.
Einfarbig hellbraun, dunkler längs der Rückenlinie. Nase, Ober-
lippe, Vorderkopf un*! zwei Zoll des Schwänzendes schwarz-
braun, der Rand der Oberlippe und die ganze Unterlippe
■weifsgrau. Zuweilen findet sich ein weifser Längsstreif auf dem
Vordertheile des Halses und einige unstete weifse Flecken an
den Seiten, wie es scheint bei jüngeren Thieren. Füfse dunk-
ler als der Körper oder dunkelbraun. Schnurrborsten dunkel.
Pelz dicht, glänzend, weich. Schwanz spitz endend. Am Hi-
malaya. ibid.
Hodgson hat zwei schon früher von ihm aufgeführte Plan-
tigraden Nepals näher beschrieben. Journ. of iJie .Asiat. Soc.
of ßengal. Vi. 2. S. 56*0- — Der eine Gtilo nipalensis
Hodg. ist oberhalb glänzend braun, Unterseite, eine Rücken-
linie von der Mitte des Kopfes bis fast zu den Hüften, ein
schiefes Queerband von den Augenbraunen zu der Mitte der
Wangen und das letzte Drittel des Schwanzes glänzend oran-
gegelb; ein kleiner dunkler Fleck hinter dem Mundwinkel (gape)
auf jeder Wange, Vorderfüfse innerhalb abgeblasst bis zum
Carpus und häufig über den Fingern, hintere nur zu dem
Hacken. Vier Zitzen in einem Parallelogram gestellt, zwei
in der Weichen- und 2 in der Bauchgegend. Bei jungen Thie-
ren und im Winterkleide bei Erwachsenen ist die dunkle Ober-
seite erdig grau-braun, und die blasse Unterseite greis -grau
(canescens), auch fehlt der dunkle Schnurrbart (moustache). Aus
dem anderen, früher vom Verf. Gulo JJrva genannt, bildet er
eine eigene Gattung, welche nach ihm im Habitus zwischen
Herpeies und Gulo m der Mitte stehen soll. Das Gebifs wie
bei Herpestes, Schnauze verlängert spitzig (sharpened), beweg-
lich. Hände und Füfse breit, mit grofsen Bindehäuten. Hand
und Sohle nackt; Hinterfüfse halbweges vom Hacken behaart,
(cZrtrf half-way frotn ihe os calcis)^ Krallen an Vorder- u. Hin-
terfüfsen fast gleich, wie bei Gulo u. Herpesics. An jeder Seite
des Afters eine runde hohle, glatt ausgekleidete Drüse, welche
425
eine stintend wässrige Flüssigkeit absondert, die das Thier mit
Kraft ausspritzt. Der Afterapparat soll dem von Myäaus und
Ursitaxus (Ratelus) sehr ähnlich sein. Sonst keine subsidiären
Drüsen, 6 Zitzen fern von einander am Bauche, bei Herpesies
und GuJo vier. Magen häutig, ohne fundus. Ein kurzes
stumpfes Coecmn von gleichem Durchmesser mit dem dicken
Darm. Augenhöhlen unvollständig. Nahrung besteht in Crus-
taceen und Fröschen ; lebt in Höhlen in der unteren und mit-
leren Region von Nepal. Aus den Charakteren geht hervor,
dafs dies Genus zur Viverrenfamilie gehört und namentlich der
Gattung Galidia I. Geoffr. ähnlich, wenn nicht mit ihr iden-
tisch Ist. Die Art XJ. cancrivora Hodgs. bat die Farbe des
Jakais, ist gelbroth (ocher) grau {ftdvotis iron grey) dunkler in's
Braune fallend an der Unterseite des Halses und Rumpfes.
Beine schwarzbraun. Ein weifser Streif jederseits am Halse
vom Ohr zur Schulter. Rand der Überlippe und die ganze Un-
terlippe greisgrau. Endhälfte des Schwanzes fuchsrötnlich (ru-
fous) gelb. Pelz aus zweierlei Haaren sehr dick, das Contur-
haar vierfacb geringelt mit Gelbroth (fulvous) und schwarz,
das Wollhaar dunkel an der Basis, nach oben rothgelb (ful-
vous). Länge zur Schwanzwurzel i' 6", Kopf 4", Schwanz-
rübe 11" mit dem Schwanzbüschel gemessen 1' 11" u. s, w.
Nach Hodgs on (Journ, Af. Soc. qf Bengal YI. 2. S.S63-)
findet sich bei den Nipalensischen Herpestes-Arten eine Anhäu-
fung kleiner Drüsen, welche den After gegen den Schwanz zu
(t/ic cnudal margin) ringförmig umgicbt und eine dicke elgen-
thümliche moschusartige Substanz absondert, welche langsam
'in wurmförmigen Fäden durch zahllose kleine Oeffnungen ab-
gesondert wird. — Die Art des Tieflandes (Nyula Hodgs.)
hat an jeder Seite des Mastdarms zwei gröfsere und hohle Drü-
sen, anscheinend von ähnlicher Beschaftenhelt, wie die der an-
deren, aber verschieden durcb die etwas dünne Secretlon,
die Hohlheit der Drüsen und dadurch dafs jede mit einer
gröfseren fühlbaren Oeffnung versehen Ist. Urva hat nur die
seitlichen Drüsen, ein wässriges, schrecklich stinkendes, und auf
grofse Entfernung projectiles Sekret. Letzteres wird bewirkt
durch Ringmuskeln, welche den Hals des Ausführungsganges
umgeben, welcher schief abwärts und auswärts gerichtet ist.
Dr. Campbell hat ebendas. S. 565. eine anatomische Beschrei-
bung des Drüsenapparars gegeben.
Dr. S. Müller beschrieb (Tijdschrift voor nniurlijhe Gesch.
V. S. 110-) eiue angeblich neue tiattung Potnniojjliilus von
Borneo, welche nach seiner Meinung zwischen Paradoocitrus u.
Luira die Mitte halten soll; richtiger aber sagt man wohl, dafs
sie sich zur Viverren- Familie verhalte, wie die Ottern zu der
Marderfamille, Avomit denn auch zugleich die Umwandelung des
Gebilses zur Omnivorenbildung sich in schönster Analogie her-
ausstellt. — Der Blampalon, wie das Thier bei den Malayen
heilst, hält sieb, wie die Ottern, In der Nähe des Wassers auf,
taucht unter, nährt sich besonders von Fischen, Krabben, Mäu-
sen, Vögeln, soll aber auch Früchte lieben und danach Bäume
V. Jahrg. 2. Bd. 28
426
besteip;en. In dem P. harbaius erkennt man nun sogleich
Gray's Cynogale Benneiiii von Sumatra, und ßlainville's
Lamictis (f^iverra carcharias udnn. sc. nat. VIII. 279.) wenn
gleich Hr. MüUer's Beschreibung der wahren Backenzähne,
wohl nur weil sie etwas abgenutzt waren, einigen Zweifel er-
wecken könnte. Der obere Fleischzahn soll nämlich nach ihm
vier, die beiden hinteren Backenzähne drei Höcker (knohbelt-
jes), die beiden wahren Backenzähne des Unterkiefers 5 kleine
Höcker und einige körnige Unebenheiten haben. Sonst giebt
Verf. dieselbe Zahl Backenzähne -j.^. an, wovon ^ — f Lücken-
zähne. Die Lückenzähne der Oberkinnlade sind mit der Spitze
etwas rückwärts gebogen, die des Unterkiefers dagegen etwas
nach vorn, was auch Blainville hervorhob. — Die Beine sind
kurz, kräftig, ob vorn und hinten 5 Zehen vorhanden und ob
sie durch halbe Bindehaut geheftet, ob die Sohlen fast bis zum
Hacken kahl sind, wie Gray von seiner Cynogale angiebt, er-
wähnt Verf. nicht. Der Schwanz Ist ziemlich kurz , dicht be-
haart, der Kopf Ist etwas abgeplattet; der Pelz dicht, aus
Wollhaar und längerem Borstenhaar, falb gelblich braun, welche
I'arbe auch die Borstenhaare am Grunde haben, dann aber
gelblich welfs sind mit schwarzer Spitze, Oberlippe und Kinn
weifs, die Schnurrhaare (an 5" lang) steif, gelblich weifs.
Ohren kurz, gerundet; alles wie bei Cynogale Benneiiii Gr.
Somit haben wir also wieder drei Namen für ein noch neues
Genus. NacU Verf. finden sich aufser dem gewaltigen Schnurr-
barte, welcher dem Thiere ein sehr seltsames Ansehen geben
soll, hinter und über Ihm kürzere braune Borsten und zwei
Bündel langer, weifsllcher Borsten zieren die Wangen und
8 — 9 hellfarbige stehen unter dem Kinn, Länge des Körpers
1' 11" t Schwanz 7", Kopf o''- — Eine neue Viverre von der
Ostküste Borneo's, T^, Bojei, beschreibt deiselbe Naturfor-
scher Ib. S. 145.
W"eIssenborn hat über die seit 18.3-3 in Sachsen-EIse-
nach und Würtemberg beobachtete Wasserscheu bei Füchsen in
Loudon's Magaz. N. S. 2. S. 226. Mittheilungen gemacht. —
Sie waren dreister als sonst, und bissen Hunde, welche von
der Hundswuth befallen wurden. Die Exemplare welche in
Sachsen-Eisenach geschossen wurden, waren sämmtlich Männ-
chen. — Ucber die in Würtemberg beobachteten Fälle schrieb
der Herzog Heinrich von W^ürtemberg in Behlen's Allgem.
Forst- und Jagdzeitung von 1837. Atich hier zeigten sie sich
kühner, bissen ein Kind, Hunde und Pferde. Das Kind und die
gebissenen Hunde wurden von Tollwuth befallen. Sie waren
äulserst mager, bei einigen hatte der Pelz eine elgenthümliche
Farbe. Bei den Sectionen fand man die Leber und Eingeweide
von tief gelber Farbe. Milz, Pankreas, der Plexus solaris und
der nervus sytnpaihicus zeigten sich sehr entzündet.
Einen Beweis für Ueberlegung und Mitleid eines Jagdhun-
des erzählt der Pred. Bütiner Isis 1838. .368- Eine Hündinn
war im Geburtsacte gestorben, auch die Jungen waren bis auf
einen umgekommen, den jener Jagdhund an einem Winlermor-
gen zu dem Förster trug.
427
A. Campbell giebt Journ. of ihe Asiat. Soc. of Bengal
YI. P, 1. S. 120- die genauen Maalse eines erwachsenen Wab
(Ailurus fulgens Cuv.).
8. C h i r o p t e r a.
Temminck's Monographien von Tnp/iozous , Emballonura^
JJrocrypIiis und D'icl'diirus (in der Tijdschrift voar nnturlijke
Geschied. \ .) und von Vesperlitio ii. Nyclicejtis in den Monogra-
phics de 31ainmulogic 11. Tom. S Lior.', desgleicben I. E. Gray's
Uebersithl der Fledermaus -Galturigen JMug. of Zool. and Bo-
iany II. 483. können wegen Mangel an Raum hier nur ange-
führt werden.
9. Q u a d r u m a n a.
a. P rosimii.
Bei einem lebenden Oiolicnus^ O. Gar,nettii Ogilby^
(einfarbig dunkelbraun ober- u. unterhalb, mit grofsen schwar-
zen, fast runden Ohren, langem, cylindriscbem, wolligem
Schwänze, gröfser als O. senegnlcnsis und von Grölse eines
kleinen Lemur), beobachtete O. eine partielle Entgegenselzbar-
keit des Zeigefingers der Vorderhände, so dafs sich deren Fin-
ger mit Daumen und Zeigefingpr einerseits und den .3 übrigen
Fingern andrerseits in 2 IlaHten theilen, wie beim Koala. Der
vordere Zeigefinger, beim Potto sogar auf einen Höcker redu-
cirt, soll nach O. bei den Nyoticeben, Microceben, Chirogaleen
und Tarsiern schwach und kraftlos sein, und dieselbe Tendenz
zur Entgegenselzbarkeit verrathen, weshalb sie eine dem Koala
und Pseudochiren unter den Beutelthleren entsprechende Fami-
lie bilden. Proc. Z. S. p. 6-
Sehr Interessante Mlttheilinigen über die Sitten des Mal-
mag, Tarsius Spectrum^ verdanken wir Cuming. Proc. Z. S,
p. 67. Er lebt unter den Baumwurzeln, besonders unter dem
grofsen Bambus. Eidechsen zieht er allem Andern vor; sehr
bungrig friist er Heuschrecken u. dergleichen, glebt den leben-
«len den Vorzug; ist reinlich, berührt nie angefressenes Fut-
ter, trinkt nicht zweimal von demselben Wasser, welches er
wie eine Katze sehr langsam leckt; schreit selten, schrillend,
nur einmal; frifst verbältiiifsmiifslg viel; springt fast 2 F. weit;
schläft viel bei Tage; wird leicht zahm, leckt Hände und Ge-
sicht seines Pflegers und läfst sich gern schmeicheln; scheuet
das Licht, sucht stets die dunkelste Stelle; hockt auf den Hin-
terbeinen bei dem Fraise, hält diesen mit den Vorderbänden;
Männchen und Weibchen sieht man gewöhnlich zusammen; ist
sebr selten auf der Insel Bobol, findet sich in den Wäldern
von Jagna und Mindanado; Unratb ähnlich dem des Hundes;
wirft nur einmal jährlich ein Junges, dies wird mit offenen
Augen geboren und kriecht schon am zweiten Tage im Käfig
umher.
428
h. Simiae. /
Eine gehaltreiclie Schrift von Dr. E. Burdach: Beitrag
zur Anatomie des Affen. Künigsherg 1838- 8. hat <lie Myoljo-
gie der Affen zum Gegenstande.
Martin (Proc. Z. S. p. 117.) entdeckte, dafs der hintere
untere Backenzahn der Mangabey- Affen (^Cercop. nelhiops und
fuliginosus) fünf Höcker besitze. Ref. hat hierauf schon 1832.
im Anhange 7ai seinem Handb. S. 604. aufmerksam gemacht, und
seitdem in seinen Vorlesungen immer, wie Verf. e hier vorschlägt,
die Mangabey als Zwischenglied zwischen JMacactis und C'erco-
piihecus betrachtet und darauf den Namen Cercocehus Geoffr.
beschränkt.
Falconer und Cautley fanden und beschrieben (Journ.
of ilie Asiat. Soc. of Bengal VI. 1. S. 355.) Fragmente vom Un-
terkiefer fossiler Quadrumanen aus den Siwalik;- Hügeln. Die
Arten waren kleiner als die von Baker und Durand beschrie-
bene. Das eine Fragment hat sehr abgeschliffene Backenzähne
und schein'; einem Semnopithcais anzugehören, der gröfser als
S. entellus war. Das andere hat sehr vollständige Backenzähne
und weist sich durch diese als einen Makaken (im Text steht
fälschlich Phhccus) aus, der die Grölse des S. entellus hatte.
Will. Martin gab in Loudon's Magnz. N. S. II. S. -321.
u. 434. eine Monographie der Gattung Semnopiihecus. — Verf.
führt 16, sämmtlich bereits früher beschriebene Arten auf, von
denen jedoch einzelne nicht Stich halten dürften. Den S. leu-
coprymnus Otto u. S. Nestor Bennett bezieht er anf Cercopithe-
cus latibnvhaius Geoffr.; S. citcullutus Isid. Geojfr. auf Shnta
Johnii Fisch.
Drei neue, nur auf Borneo einheimische Arten derselben
Gattung S. frontatus , rvhicundus ^ xmd chrysomelas finrien wir
von Dr. S.Mull er (^Tydschrift voornaturl. Gesch. Y. S. 136- fg.)
beschrieben.
Nene Arten der Gattung Colohus wurden von Water-
house (Proc. Zool. /Soc. *p. 57- 58-) und Van Beneden (Bull,
de r Acad. de BruoceTl. Tom. V.) aufgestellt. Die des ersteren
sind von der Insel Fernando Po. C. P ennanti. C. snpra ni-
grescens, ad lalera fulvescenti-rufus, subtus flavescens, cauda
fusco- nigricante; genis albls. Long. corp. 27" caud. 29" und
C. Satanas CJ. niger, vellere longissinio, Long. corp. 31",
caud. .36". Beide sind wieder nach Fellen mit defecten Extre-
mitäten aufgestellt!! — Cveriis J^an Ben. besitzt nicht einmal
das Daumenrudiment der anderen Arten, die Färbung an Kopf,
Kücken und Scbwanzwurzel ist bräunlich olivenfarbig, Schwanz
grau, Unterseite schmutzig grau. — Von der Anwesenheit der
deutlichen und geräumigen Backentaschen bei C. ftiliginosus^
S. Jahrgg. II. 2. S. 275-, konnte sich Martin a. a. O. S. 322-
an den von Ogilby untersuchten Exemplaren nicht mit Sicher-
heit überzeugen.
Gedruckt bei den Gebr. U n g Cf.