ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
IN VERBINDUNG MIT MEHREREN GELEHRTEN
HERAUSGEGEBEN
TON
D>^. AR. FR. AUO. 17VIEGMÄNN,
AUSSERORD. PROFESSOR AN DER FRIEDRICH- WILHELMS - UNlVERmÄl
ZU BERLIN.
SECHSTER JAHRGANG.
Zweiter Band.
BERICHT I BER DIE LEISTUNGEN IM GEBIETE DER NATUR
GESCHICHTE WÄHREND DES JAHRES 1839.
BERLIN 1840. i^iliäuam
IN DER NICOLAI'SCHEN BUCHHÄNbLÜNQ^^
Inhalt des zweiten Band
es.
Seite.
Jahresbericht über die Resultate der Arbeiten im Felde der phy-
siologischen Botanik von dem Jahre 1839, von J. Meyen . . 1
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Helminthologie wäh-
rend des Jahres 1839. Von Dr. C. Th. von Siebold . . . 185
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mollusken
während des Jahres 1839. Von Dr. F. H. Troschel .... 198
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Entomologie während
des Jahres 1839. Von W. Erichson 217
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Annulaten,
Crustaceen und Arachniden. Von Friedrich Stein 325
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Ichthyologie während
des Jahres 1839. Von Dr. F. H. Troschel 353
Jahresbericht über die Resultate der Arbeiten im
Felde der physiologischen Botanik von dem
Jahre 1839*
Von
J. M e y e n.
Ueber Ernahrungs- und Wachsthums-Erscheinuilgen
bei den Pflanzen.
Herr Lampadius*) hat neue Versuche über die
Vegetation des Weizens in verschiedenen Boden-
arten und über den Erdgehalt der in diesen Boden-
arten erzogenen Weizenpflanzen angestellt, aus wel-
chen er zu dem Resultate kommt, dafs sich der Erdgehalt
der in verschiedenen (kiesel-, thon-, kalk- und talkreichen)
Bodenarten erzeugten Weizenpflanzen dennoch gleich verhält,
und dafs derselbe nicht mechanisch durch die Wurzeln dem
Boden entnommen, sondern durch die Vegetationskraft mittelst
der Wurzeln gewählt und in den Pflanzen zur Bildung ihrer
Theile in verschiedenen Verbindungen abgelagert werde. Die
Thatsachen, woraus diese Folgerungen gezogen wurden, sind:
Es wurde ein Stück Ackerfläche in 5 Beete getheilt, jedes
= 20 OFufs. Jedes Beet erhielt zuerst 5 Pfd. Dünger (ge-
mengt aus Kuh- und Pferdemist), und dann wurde auf das
erste Beet 5 Pfd. feines Quarzmehl, eben so viel Thonerde auf
das zweite, eben so viel Kreidenpulver auf das dritte und
5 Pfd. kohlensaure Magnesia auf das 4te Beet gestreut, wäh-
rend das 5te zur Vergleichung keinen mineralischen Dünger
erhielt. Ein jedes dieser Beete wurde mit 2 Par. C. Zoll Wei-
zen besäet, welche etwa 675 Körner enthielten. Die Vegeta-
tion zeigte sich im folgenden Sommer am kräftigsten auf dem
*) Erdmann's und Marchand's Journal für praktische Che-
mie. Bd. XVIII. pag. 257—269.
Wicgm. Archiv. VI. Jahrg. 2. Band. 1
mit Thonerde bestreuten Boden, und der Ertrag an Woizen-
körnern war dem Gevviclife nacli auf den 5 Beeten: 24 l'nz.
2 Drachm.; 28 Unz. 6 Dr.; 26 Lnz. 2 Dr.; 21 Ünz. 4 Dr..
und 20 Unz. Nach der Einascliernng zeigte es sich, dafs die
Körner, welche auf den 5 vorher genannten, verschiedenen
Bodenarten wnchsen, fast ganz gleiche Mengen anorganisclie
Stoffe enthielten, und eben so zeigte es sich auch bei dem
Einäschern der Achrcnhiilsen, des Strolis und der Wurzeln
jener, auf verscliiedenen Bodenarten gezogenen \Veizeni)flan-
zen, und zugleich zeigte es sich, dafs die Wurzeln und die
Aehrenhülsen am reichsten an nicht organischen Stoffen waren.
Die ganzen Pflanzen enthielten 3,7 bis 4,08 p. C. des Gewichts
an anorganischen Stoffen. Die quantitative Untersuchung der
erhaltenen Aschen zeigte sowohl für den Gehalt an Kiesel-
erde, als an Kalkerde, Thonerde und Talkerde, dafs derselbe
in allen, auf den verschiedenen Bodenarten erzogenen Pflan-
zen fast ganz gleich war.
Die Schlüsse, welche Herr Lampadius aus den obigen
Analysen gezogen hat, scheinen allerdings ganz klar vorzulie-
gen, indessen Ref. erlaubt sich eine Bemerkung hinzuzufügen,
dafs nämlich die Resultate ganz anderer Art gewesen wären,
wenn Herr Lampadius statt der Kreide, Kiesel u. s. w. an-
dere, leicht lösliche Salze zur Düngung gewählt hatte, und
dafs die obigen Versuche einen viel gröfseren Werth erhalten
hätten, wenn Hr. L. vorher die Analyse des Bodens mit dem
angewendeten Dünger gegeben hätte, und so glaubt denn Ref.,
dafs die Frage, ob die Wurzeln diese oder andere Stoffe zu
wählen vermögen, durch diese, sonst sehr interessante Arbeit
des Herrn Lampadius ganz und gar nicht beantwortet ist.
Herr Boussingault*) hat seine chemischen Untersuchun-
gen über die Vegetation weiter fortgesetzt, und hat diesmal
die Theorie der Erschöpfung des Bodens und das Studium
der Wechselwirthschaft zum Gegenstand gewählt. In den Ar-
beiten des Herrn Boussingault, welche im vergangenen
Jahresbericht aufgeführt wurden, ward gezeigt, dafs die Pflan-
*) De la discussion de la valeur relative des assolemcns par
Tanalyse elementaire. — Ann. des scienc, natur, Part botauiq. 1839.
T. XI. pag. 31-38.
zen 2u ihrer Ernährung einen gewissen Theil aus der Luft
aufnehmen, und in dem vorliegenden Memoire sucht Herr
Boussingault zu zeigen, dafs die ergiebigste Wechselwirth-
schaft diejenige ist, bei welcher die gröfste Menge von Ele-
mentarstoffen aus der Atmosphäre aufgenommen wird. Es ist
nun gar sehr wichtig, ganz genau diese Quantität kennen zu
lernen, welche aus der Luft aufgenommen wird, um so ver-
gleichungsweise den Werth der verschiedenen Kulturmethoden
beurtheilen zu können. Auf einem Landgute, dessen Boden-
erzeugnisse Herr Boussingault genau kennen gelernt hatte,
fand sich, dafs der Dünger, welcher auf einer Hectare Boden
verbraucht w^ard, 2793 Kilogr. Kohlenstoff enthielt. Die Ernte
auf diesem Stück Land enthielt dagegen 8383 Kilogr. Kohlen-
stoff, und hieraus schliefst Herr Boussingault, dafs der Koh-
lenstoff, der den Pflanzen aus der Luft zugeführt sei, wenig-
stens 5400 Kilogr. betrage. Die angegebene Düngermasse für
eine Hectare enthielt 157 Kilogr. Stickstoff, die Ernte dagegen
251 Kilogr. von dieser Substanz, und daher müsse die Atmo-
sphäre die übrigen 94 Kilogr. Stickstoff geliefert haben. In
einer andern sehr ergiebigen Wechselwirthschaft, die aber we-
gen des Klima's verlassen war, betrug die Menge der aus der
Atmosphäre aufgenommenen Stoffe noch viel mehr. Die Ernte
enthielt 7600 Kilogr. mehr Kohlenstoff und 160 Kilogr. mehr
Stickstoff, als der angewendete Dünger; bei der dreijährigen
Wechselwirthschaft mit gedüngter Brache betrug die Menge
des aus der Luft aufgenommenen Kohlenstoffs nur 4358 Kilogr.
und die Sticktoffmenge nur 17 Kilogr. Nach den Untersuchun-
gen des Herrn Boussingault nehmen die Erdäpfel (Helianth.
tuberosus) von unsern gewöhnlichen Kulturpflanzen am mei-
sten aus der Luft auf, und daher seien sie es, welche bei der
geringsten Menge von Dünger dennoch die gröfste Menge von
Nahrungsstoff liefern. Herr Boussingault hat hierauf in einer
Tabelle die chemische Zusammensetzung der verschiedenen ge-
ernteten Produkte zusammengestellt; wir erhalten darin die
Elementar-Analysen von Weizen, Roggen, Hafer, W^eizenstroh,
Roggenstroh, Haferstroh, Kartoffeln, Runkelrüben, Steckrüben,
Erdäpfeln, gelben Erbsen, Erbsenstroh, rothem Klee, Erdäpfel-
stengeln und von Dünger. Zu den Resultaten, welche auf die-
ser Tabelle verzeichnet sind, macht Herr Boussingault selbst
1^
die Bemerkung, dafs die meisten jener Nahrungsstoffe bei
dem versclüedensten Geschmackc dennoch fast ganz gleiche
elementare Zusammensetzung zeigen. Die Zusammensetzung
dieser Körper könnte auch nicht durch Kohle und Wasser er-
klärt werden, denn fast immer fand sich ein geringer ücber-
schufs an Wasserstoflfgas, und es folgt hieraus also, dafs wäh-
reud der Vegetation das Wasser zersetzt werde, wie es auch
die Herren Edwards und Colin (s. d. vorigen Jahresbericht
pag. 7) erwiesen haben sollen.
Herr Dumas hat am 14. Januar 1839 im Namen der
Kommission einen sehr vortheilhaften Bericht über die obige
Arbeit des Herrn Boussingault an die Akademie erstattet.
Herr Unger*) hat in einer Abhandlung: Die Antritz-
Quelle bei Grätz in Bezug auf ihre Vegetation,
welche gröfstentheils rein physikalischen Inhalts ist, eine Menge
von Beobachtungen mitgetheilt, aus welchen er zu dem Schlüsse
gelangt: dafs die freie, in Quellen vorkommende Kohlensäure
keinen Einflufs auf Förderung der Vegetation ausübt, dafs sie
aber demungeachtet das Vorkommen gewisser Pflanzen zu be-
dingen scheint, und in dieser Hinsicht den, die Qualität der
Vegetation bestimmenden Einflüssen an die Seite zu stellen ist.
Herr Nietn er**), Hofgärtner in Schönhausen bei Ber-
lin, hat seine Ansichten über die Nothwendigkeit des W'ech-
selns der Pflanzen zur Erlangung günstigerer Resultate bei der
Kultur derselben auseinandergesetzt. Die Theorie, sagt der-
selbe, ist im Allgemeinen die, dafs die Saugwurzeln als die
einzigen Nahrung einsaugenden Organe des unterirdischen Thei-
les der Pflanzen, gewisse Stofi"e absondern, die für ihre Nach-
kommen derselben Art verderblich, für andere Gattungen da-
gegen, wenn deren M^achsthum auch nicht gerade immer be-
günstigend, doch auch nicht schädlich sind. Diese Theorie
flndet sich allerdings in den berühmtesten und gangbarsten
botanischen Werken aufgeführt, indessen in mehreren der
neuesten physiologischen Schriften ist es umständlich genug
*) Linnaea von 1839 pag. 339—356.
**) Kurzer Umrifs der Rotation oder des Wechsels der Pflanzen.
Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den
Preufs. Staaten. XIV. 1839, pag. 158— 1C2.
nachgewiesen, dafs jene Theorie nichts weiter, als eine reine
Hypothese ist, denn die bekannten Versuche, worauf sie ge-
stützt sind, sind hinreichend als unrichtig erwiesen worden,
daher denn auch Ref. den Ansichten nicht beistimmen kann,
nach welchen der vortheilhafte Einflufs des Wechsels der Pflan-
zen auf deren Ertrag von Herrn Nietner erklärt wird. Die
verschiedenen Gründe, welche Herr Nietner für die Richtig-
keit obiger Theorie anführt, lassen sich sämmtlich auch noch
auf anderem Wege erklären, besonders das üppige Wachsen
des Roggens nach Sjährigem Kleebau, wobei der Boden kei-
nes Düngers bedarf. Hier hat man, wie Ref. glaubt, nicht
nöthig, eine den Roggenpflanzen wohlthuende Aussonderung
der Kleewurzeln anzunehmen, die überdies ganz und gar nicht
erwiesen ist, sondern in den Wurzeln und den Stoppeln des
Klees hat man die vortreffliche Gründüngung zu suchen. Fer-
ner führt Herr Nietner an, dafs Mohrrüben, weifse Rüben
oder andere knollenartige Gewächse einen bitteren und unan-
genehmen Geschmack annehmen und kaum geniefsbar sind,
wenn sie auf einem Boden gebaut werden, der im vorherge-
gangenen Jahre Taback trug. Ref. erklärt dieses durch die
grofse Masse der Substanz der Tabackpflanzen, welche stets
auf einem solchen Felde zurückbleibt; diese Massen, reich an
Alkaloiden und an noch unvollkommen zersetztem Extraktiv-
stoffe, gehen mehr oder weniger viel in die dem Taback zu-
nächst folgenden Pflanzen über.
Endlich hat man auch in Frankreich erkannt, dafs die Re-
sultate der Versuche von Macaire über die Excretionen der
Wurzelspitzen der Pflanzen, worauf man so wichtige Theorien
gestützt hat, wohl nicht richtig sein können. Herr Henry
Braconnot*) zu Nancy hat gegen die Schlüsse geschrieben,
welche Macaire aus seinen Versuchen zog. Hr. Br. pflanzte
ein grofses Exemplar von Nerium grandiflorum in einen Topf,
der unten ganz ohne Oeffnung war, und Uefs ihn hierin drei
Jahre wachsen; die Pflanze blühte aHjährlich ganz präclitig,
und als dann die Erde untersucht wurde, um die Wurzel-
excretion des Nerium's kennen zu lernen, fand siel) darin
"*) Kecherclics sur rinfluence des plantes sur Ic sol. — Ann, de
Chimie et de Physique. Septembre 1839. pag. 27—40.
6
eigentlich nichts weiter, als die gewöhnlichen Salze, aber nichts
von jener giftigen Schärfe, welche dem Nerium angehört,
Eben so wurden die Wurzelexcretionen an Carduus arvensis,
Inula Helenium, Scabiosa arvensis, von mehreren Euphorbien und
Cichoraceen untersucht, aber ohne genügende Resultate zu erhal-
ten. Hierauf wurden einige der Macaire'schen Versuche selbst
wiederholt; statt der Chondrilla muralis wurde der gemeine
Lattich genommen und mit seinen Wurzeln in reines Wasser
gesetzt. Der Erfolg dieses Versuches war mit jenem von Hrn,
Macaire übereinstimmend, nämlich es zeigte sich eine Por-
tion des Milchsaftes in dem Wasser, doch Herr Braconnot
erklärt das Hineinkommen desselben ganz richtig durch das
Zerreifsen der feinsten Wurzeltheilchen. Einige Pflanzen von
Euphorbia Peplus, welche in reinem Wasser wuchsen, gaben
diesem fast gar keinen Beigeschmack, und es blieb auch un-
gefärbt; ferner wurde die lösliche Substanz der Erden unter-
sucht, in welchen Euphorbia Brioni, Asclepias incarnata und
Papaver somniferum gewachsen waren, aber die Ergebnisse
waren den Macaire'schen Schlüssen nicht günstig. Endlich
ward auch Macaire 's Versuch von Mercurialis annua wie-
derholt; die eine Hälfte der Wurzeln dieser Pflanze ward in
eine schwache Lösung von essigsaurem Blei gestellt, und die
andere in reines W^asser; das W^asser erhielt später von dem
Bleisalze, welches den Wurzeln des andern Gefäfses niitge-
theilt war. Diese Ausscheidung erklärt indessen Herr Bra-
connot als eine blofse Folge der Capillar-Attraction der Wur-
zeln, eine Erklärung, der Ref. nicht beistimmen kann; übri-
gens ist es hierbei auch gar nicht nöthig, eine solche herbei^
zurufen, denn wir können die Erscheinung viel einfacher er-
klären, ohne zu Macaire's Ansicht unsere Zuflucht zu neh-
men, nach welcher den Pflanzen das Vermögen zukommen
sollte, die schädlichen Stofi"e durch die Wurzeln wieder aus-
zuscheiden.
Schon im vorigen Jahresberichte wurden (pag. 23) Herrn
Payen's Untersuchungen über die chemische Zusannnensez-
zung der Holzsubstanz angezeigt, sie wurden aber mit den
spätem Zusätzen erst im Anfange des vorigen Jahres publicirt*).
*) S. Ann. des scieuc. naturelles. 1839. Part.botan. 1. pag.2l— 3L
Herr Dumas hat im Namen der Akademie einen Bericht über
diese Arbeit abgestattet*), welcher überaus günstig lautet, in-
dessen viele der darin mitgetheilten Entdeckungen waren schon
früher in Deutschland u. s. w. publicirt, was auch schon im
vorigen Jahresberichte (pag. 20 u. s. w.) auseinandergesetzt
ist. Die neueren Mikroskope haben nämlich schon seit meh-
reren Jahren nachgewiesen, dafs die ursprüngliche Schicht der
Zellenmembran eine andere physische BeschaflFenheit zeigt,
als die secundären Schichten derselben, ja durch Hrn. Seh lei-
de n's Beobachtungen wurde auch die chemische Verschie-
denheit in diesen Theilen nachgewiesen, und dieses hat Herr
Payen in seineu neuen Untersuchungen bestätigt und noch
weiter ausgeführt. Die erste Reihe von Elementar- Analysen
wurde mit ganz zartem Zellengewebe vorgenommen, welches
als entsprechend den ursprünglichen Schichten der Holzzellen
angesehen ward; es wurden hierzu benutzt: die Eychen von
Helianthus annuus, die Eychen von der Mandel, Gurkensaft,
das zarte Zellengewebe der Gurke, Hollundermark, Mark der
Aeschynomene paludosa, Baumwolle und Wurzelschwämnichen
(es werden hierunter wahrscheinlich die Wurzelspitzchen ver-
standen, denn Wurzelschwämmchen giebt es nicht, was Ref.
schon lange nachgewiesen hat!). Alle diese Analysen zeigen
nun, dafs man in diesen Substanzen den Wasserstoff und den
Sauerstoff in dem Verhältnisse wie im Wasser annehmen könne,
und dafs sie mit Amylum isomer sind, denn die kleinen Ab-
weichungen können sehr wohl als Fehler der Analyse betrach-
tet werden. Zu diesen Analysen, sie mögen sonst ganz voll-
kommen richtig sein, mufs jedoch Ref. die Bemerkung hinzu-
fügen, dafs sie keinesweges die chemische Zusammensetzung
der ursprünglichen Zellenmembran mit Genauigkeit angeben
können, denn sowohl in den Zellchen der jüngsten Eychen,
wie in den Zellen der Gurken, des Hollundermarkes und
hauptsächlich in den Wurzelspitzen, ja sogar in den Fasern
der Baumwolle sind noch eine grofse Menge von organischen
Substanzen enthalten, welche man nicht so leicht entfernen
kann, ohne das zarte Zellengewebe selbst gänzlich zu zerstö-
*) Ann. des scienc. nat. 1839. Part. bot. L pag. 28 — 31 und über-
setzt in Erdmann's und Marchand's Journal der prakt. Chemie.
1839. I. Bd. pag. 436.
8
reu, und diese Substanzen machen das Resultat der Analyse
der Membran unsicher, indessen kann man annehmen, dafs
der bei weitem gröfste Theil dieser Substanzen ebenfalls eine
isomere Zusammensetzung mitAmylum zeigt. Ferner wurden
verschiedene Holzarten analysirt, um den Unterschied in der
Zusammensetzung mit den ursprünglichen Schichten der Zel-
lenmembran zu zeigen. Es enthalten:
Eichenholz. Buchenholz. Zitterespenholz.
Aus diesen Analysen geht nun allerdings hervor, dafs in
der Substanz des Holzes aufser der Kohle und dem Wasser
auch noch freies Wasserstoffgas enthalten sein müsse, indessen
auch hier ist die Bemerkung hinzuzufügen, dafs es fast un-
möglich ist, die Membran der Holzzellen von dem Inhalte
derselben zu trennen, und das Mikroskop zeigt sehr wohl,
dafs verschiedene, vielleicht harzige Stoffe im Innern jener
Zellen enthalten sind.
In einer Note, welche am 24. December 1838 der Aka-
demie eingereicht wurde, giebt Herr Payen an, dafs er die
inkrustirende Substanz der Holzzellen durch Salpetersäure aus
den ursprünglichen Zellen herausgezogen habe; das Holz von
Eichen und Buchen wurde hierzu erst fein geraspelt. Die in-
krustirende Substanz (worunter nämlich die inneren Schichten
der Zellenmembran verstanden werden!) löste sich in Salpe-
tersäure auf und wurde von dem zurückbleibenden ursprüng-
lichen Zellengewebe getrennt, welches nach nochmaliger Rei-
nigung getrocknet und dann analysirt wurde: es gab eine Zu-
sammensetzung von: 43,85 Carbon., 5,86 Hydrog. und 50,28
Oxyg., während die oben aufgeführten Analysen von ganz an-
derem Resultate sind. Hiernach müfsten also die secundären
Schichten der Zellenmembran eine so auffallend abweichende
Zusammensetzung zeigen, dafs die obigen Resultate hervorge-
hoii könnten, indessen dieses ist gerade sehr unwahrscheinlich,
ilciin im vorigen Jahresberichte wurde umständlich gezeigt,
dafs sich gerade diese secundären Schichten durch Kochen mit
9
Alkali U.S.W, in eine Amylum- artige Substanz umwandeln
lassen; übrigens hätte bei jenen Analysen vorher das Mikroskop
in Anwendung gesetzt werden müssen, doch erhalten wir keine
Nachricht über die Resultate dieser Beobachtungen.
In der Sitzung der Pariser Akademie vom 14. Januar
wurde von Herrn Payen*) ein „Memoire sur les applications
theoretiques et pratiques des proprietes du tissu elementaire des
vegetaux" gelesen, dessen Inhalt von manchem Interesse ist,
uns hier aber zu weit in das Gebiet der Chemie hinein-
führen würde.
Am 4. Februar 1839 wurden von Herrn Payen wieder
einige neue Untersuchungen bekannt gemacht; er gab die Zu-
sammensetzung der sogenannten incrustirenden Materie des
Holzes an, als C.^^H.^'^0.*^ , während die Formel für das
ursprüngliche Zellengewebe C.^^H.^oo.^^ ^^^^ C.^^H.^'O.^
H-H.^O. ist.
In der Sitzung der Pariser Akademie vom 30. Juli ward
eine neue Abhandlung des Herrn Payen **) „über das Gewebe
der Pflanzen und die incrustirende Substanz des Holzes" ge-
lesen, aus welcher der Verfasser einen Auszug zur Publication
gegeben hat. Herr Payen bemerkt, dafs er der Akademie
schon früher die Resultate seiner Untersuchungen mitgetheilt
hat, nach welchen alle jungen Pflanzentheile eine gute Portion
von Stickstoff -haltigen Substanzen aufzuweisen haben, dafs
ferner die eigene Substanz der Membranen in verschiedenen
Pflanzen eine gleiche Zusammensetzung zeigt, und dafs in den,
durch das Alter holzig gewordenen Theilen zwei chemisch
verschiedene Substanzen vorkommen, nämlich die ursprüngliche
Membran und die harten Incrustationen. Manche Gewebe,
bemerkt aber selbst Herr Payen, erhalten einen grofsen Grad
von Härte,' ohne bedeutende Massen der incrustirenden Materie
zu enthalten. (Ebenso kann man Beispiele anführen, dafs
manche Zellen mit ganz verdickten Wänden gar keine Härte
aufzuweisen haben, und dafs hieraus also hervorgeht, dafs die
Härte der Pflanzensubstanz nicht nur in der Verdickung der
Zellenwände, sondern in der chemischen Veränderung dieser
') Compt. rend. d. 14 Janv. 1839, pag. 59.
0 Compt. rend. d. 20 Juill. 1839, pag. 149.
10
Schichten der Zellenmembran zu suchen ist. Ref.) Die neuesten
Analysen und mikroskopischen Untersuchungen haben Herrn
Payen zu der Ansicht gebracht, dafs das Holz aus nicht
weniger als vier verschiedenen Substanzen bestehe, näudich
aus den ursprünglichen Zellenmembranen und aus der Sclero-
gene, welche wiederum aus drei besonderen Substanzen be-
stehen soll; die eine dieser Substanzen ist unlöslich in Wasser,
Alkohol und Aether, die andere ist in Alkohol löslich und die
dritte ist in Aether, Alkohol und in Wasser löslich. Die ele-
mentare Zusammensetzung dieser vier Substanzen in aufge-
führter Reihe ist folgende:
Carbone 44,8 — 48 — 62,8 — 68,53
Hydrogene 6,2 — 6 — 5,9 — 7,04
Oxygene 49 — 46 — 31,3 — 24,43.
Durch Einwirkung der concentrirten Schwefelsäure wurden
die ursprünglichen Membranen der Zellen in Dextrine und
Zucker umgewandelt, und aufgelöst und somit die Sclerogene ,
frei dargestellt.
Endlich hat Herr Payen *) noch eine Abhandlung über
die verschiedenen Aggregationszustände der Pflanzen- Gewebe
publicirt. Die Substanz, welche die Pflanzen-Membranen bildet,
zeige sich im reinen Zustande, aber geringer aggregirt in der
Stärke. Herr P. untersuchte die Membranen verschiedener
niederer Pflanzen, welche sich durch ihre physischen und
chemischen Eigenschaften jener Substanz wieder anschliefsen;
er kommt zuerst zur Betrachtung über das Auftreten der
Stärke in den Flechten, und kommt dabei zu eben denselben
Resultaten, welche schon in den früheren Jahresberichten mit-
getheilt wurden, dafs sich nämlich die Zellenmembranen der
Flechten durch Jodine bläuen und dafs diess es sind, welche
sich bei diesen Pflanzen in Gallerte auflösen. Hiebei macht
auch Herr P. die Bemerkung, dafs er die Spiralfasern der
iMusa analysirt und ihre Zusammensetzung gleich denjenigen
der übrigen Zellenmembranen gefunden habe**). Ferner ana-
*) Mein. s. 1. etats differents d'agregation du tissu des vegctaux. —
Compt. rcnd. d. 26 Aoüt 1839, pag. 296.
**) luno Eloiiu'titar Analyse der Spiralfasern von Mtisn paradisinra
haben Herr Mit sc herlich mid Referent im Jahre 1838 ausgeliihrt
11
lysirte <Ier Verfasser die gereinigten Membranen der Sporen-
trao-enden Fäden der Rivularlen und fand dieselben ebenso
zusammengesetzt wie Stärke, Ebenso wurde das Gewebe des
Champignons nach vorhergegangener sorgfältiger Reinigung
einer Analyse unterworfen und als isomere Substanz mit den
Membranen der andern Pflanzen befunden, desgleichen auch
die Zellenmembran der Chara. Schliefslich maclit Hr. Payen
nochmals darauf aufmerksam, dafs die vegetabilische Zellen-
membran nur eine ternare Verbindung ist, während die vier-
fachen organischen Verbindungen den thierischen Membranen
angehören, und wenngleich manche Pflanzentheile reich an
Stickstoff sind, so finde sich diese Substanz doch nur in dem
Inhalte der Zellen.
Auch hat Herr Payen*) seine Ansichten über die Er-
nährung der Pflanzen bekannt gemacht. Das Cambium stelle
sich zuerst als eine granulöse und contractile Substanz dar;
seine Zusammensetzung ist Stickstoff- haltig. Diese Substanz
entwickelt sich allmählig und bald ist sie eingeschlossen in
Zellen, deren Wände nur aus Kohle und den Bestandtheilen
des Wassers bestehen. In der Folge bildet sich eine Substanz,
welche reich an Kohle ist und dreimal mehr Wasserstoff ent-
hält, als sich verhältnifsmäfsig im Wasser befindet. Hieraus
solle sich ebenfalls die Nothwendigkeit eines Ueberschusses an
Wasserstoffgas in der Vegetation darthun lassen. Jene so
stark hydrogenesirte Materie soll dickflüssig sein u. s. w.
Von Herrn C.Sprengel**), dem ökonomischen Schrift-
steller, haben wir ein Werk über denDü-nger erhalten, welches
(S. Meyen's Pflanzen-Physiologie II. Berlin 1838. Pag. 551.), die aber
ein ganz anderes Resultat gab; übrigens zeigt die mikroskopische
Untersuchung, dafs die Spiralfasern in ihrem Auftreten mit den se-
cundären Zellenmembranen zn vergleichen sind und daher müfsten sie
eine Zusammensetzung wie die Sclerogene des Herrn Payen haben,
wenn überhaupt die, scheinbar so sehr genauen Analysen des Letztern
über diesen Gegenstand volles Vertrauen verdienen. Ref.
^) Memoire sur la nutrition des plantes. Comptes rendus du
21 Oet, pag. 509.
**) Die Lehre vom Dünger, oder Beschreibung aller bei der Land-
wirthschaft gebräuchlicher vegetabilischer, animalischer und minera-
lischer Düngermaterialien, nebst Erklärung ihrer Wirkungsart. Leii)zig
1839. 8. XIII und 456 Seiten.
12
nicht nur von hohem praktischen Werthe ist, sondern auch
lieiträge für unsere Wissenschaft enthält. In einer ausführ-
lichen Einleitung erhalten wir zuerst eine Ansicht von der
Theorie, welche den Verfasser bei der Bearbeitung dieses
Werkes leitete. Unter Düuger versteht derselbe alles das,
was zu den Nahrungsmitteln der Gewächse, oder zu ihrer
chemischen Constitution gehört. Herr Spr. führt nun aufser
Sauerstoff, Kohlenstoff, W^asserstoff und Stickstoff noch 11 an-
organische Substanzen auf, als Kalk, Talk, Natron, Kali,
Alaunerde, Kieselerde, Eisen, Mangan, Chlor, Phosphorsäure
und Schwefelsäure, welche ebenfalls als Düngungsmittel zu be-
trachten wären, weil man sie mehr oder weniger in allen
Pflanzen vorfindet; und in der That, sagt der Verfasser, sie
gehören auch zu den Düngungsmitteln, denn überfährt man
einen Bruch- oder Moorboden mit Quarzsand, so sehen wir,
dafs die Pflanzen, besonders die Gräser, danach augenblicklich
besser wachsen! Die Düngermaterialien werden in solche
unterschieden, welche die Pflanzen nur ernähren und kräftigen
(Gyps, Kochsalz, Eisenvitriol u. s. w.) und in solche, welche
nicht blofs ernähren, sondern auch lösend auf mehrere Boden-
bestandtheile wirken, welche dadurch in den Pflanzen ange-
messene Nahrungsmittel umgewandelt werden; hiezu wird Mist,
Mergel, Asche u. s. w. gerechnet. Die allgemein verbreitete
Ansicht, nach welcher Mineralien, als Gyps, Salpeter, Eisen-
vitriol u. s. w. als Reizmittel auf das Wachsthum der Pflanzen
wirken, hält^Herr Spr. für durchaus irrig; zum Beweise führt er
an, dafs der völlig abgefaulte Rindviehharn nur noch aus so-
genannten mineralischen Substanzen besteht, die in 90 bis 92
pCt. Wasser gelöst sind, und dennoch ist diese Substanz ein
ganz vortreffliches Düngungsmittel. Auch die Düngung mit
Salpeter führt Herr Spr. zum Beweise auf, dafs mineralische
Substanzen als wahre Düngungsmittel zu betrachten sind, von
welchen oftmals nur sehr kleine Quantitäten nöthig sind, um
das Wachsthum der Pflanzen aufserordentlich zu befördern.
Herr Sprengel hat hier zwei Beispiele aufgeführt, welche
allerdings sehr schlagend zu sein scheinen, er hat aber dabei
vergessen aufzuführen, dafs das kohlensaure Ammonium des
Uindviehharns eine Substanz ist, welche in dem Innern der
Pflanze ganzlich zerlegt wird, und dafs die Elemente desselben
13
gera^le zu den hauptsächlichsten Bestandtheilen, oder vielmehr
zu den vorzüglichsten Nahriingsstoffen der Pflanze gehören;
somit wird das hauptsächlichste Argument, welches Herr Spr.
stets für seine neue Ansicht aufführt, beseitigt. Was nun aber
die Düngung mit Salpeter betrifft, so scheint es dem Referen-
ten, dafs wir uns über die Erklärung desselben noch gänzlich
im Dunkeln befinden, und dafs diese wenigstens noch nicht
als Beweis für Herrn Spr.'s Ansicht angewendet werden darf.
Wir wissen zwar schon, dafs auch Salpeter in den Pflanzen
enthalten sein kann, aber wir wissen noch nicht, wie viel von
dem aus der Erde aufgenommenen Salpeter zersetzt wird und
wie viel davon unzersetzt zurückbleibt; die Säure des zer-
setzten Salpeters wird aber höchst wahrscheinlich wiederum
ebenso in die Elementarbestandtheile zersetzt, wie bei dem
Ammonium, und somit ist es denn auch ganz erklärlich, dafs
der Salpeter, in gehöriger Quantität dem Boden beigemengt,
so überaus vortheilhaft wurkt.
Herr Sprengel glaubt die Ansicht der berühmtesten
Chemiker, nach welchen die meisten Pflanzensubstanzen nur
Kohlenstoflf, Wasserstoff und Sauerstoff zu ihrer Bildung be-
dürfen, und dafs aufser diesen der Stickstoff blofs für eine
gewisse Klasse von Körpern nöthig sei, für sehr irrig halten
zu können, denn er glaubt annehmen zu können, dafs Kleber,
Legumin u. s. w. neben den Elementarbestandtheilen noch Kalk-
erde, Phosphorsäure, Schwefel u. s. w. enthalten, und diese
können in der Pflanze nicht auftreten, wenn man sie denselben
nicht mittheilt. Ebenso glaubt Herr Spr. als ganz unbestreit-
bar behaupten zu können, dafs die Holzfaser als das Skelett
der Pflanzen zu betrachten sei und dafs dieses aus Kieselerde,
Kalkerde, Alaunerde, Eisen, Mangan, Kohlenstoff, Wasserstoff,
Sauerstoff u. s. w. zusammengesetzt sei; die Ansicht der Che-
miker, nach welcher sie nur aus den letztern der genannten
Stoffe besteht, ist nach seiner Meinung durchaus irrig, denn,
sagt derselbe, wird die möglichst reine Faser verbrannt, so
erhält man immer einen geringen Rückstand an Asche, der
aus den genannten Erden besteht. Es ist zu bedauern, dafs
sich Herr Spr. nicht deutlicher über dasjenige ausspricht, was
er unter Faser versteht; die Pflanzenanatomie lehrt die un-
endlich grofse Verschiedenheit in den physischen Verhältnissen
14
der Zellenmembran, welche die Zelle bildet, und wer die Ent-
stehung der Ablagerungen neuer Membranen mit dem Mikro-
skope gehörig verfolgt hat, dem wird es auch wohl klar wer-
den, dafs sich alle jene anorganischen Stoffe, oder ein grolser
Theil derselben, die sich im gelösten Zustande in dem Safte
befanden, aus welchem die Bildung der Membranen hervor-
ging, dafs sich diese Stoffe entweder in der Substanz der er-
härteten Membran, oder in sehr feine Lagen selbst zwischen
den aufeinander abgelagerten Membranschichten befinden müssen.
Hier werden sich wahrscheinlich alle die anorganischen Sub-
stanzen in kleinerer oder gröfserer Menge befinden, welche
zufällig in den Pflanzensaft hineinkommen. Selbst die geringe
Quantität Asche, welche in der Stärke vorgefunden wird, kann
nur auf diese Weise erklärt werden. Vielleicht befindet sich
also gerade Herr Spr. im Irrthume, wenn er das Auftreten
der genannten Erden in der Zellenmembran mit der Ablage-
rung der phosphorsauren Kalkerde in den Knochen der Thiere
vergleicht, und Referent hat auch schon in den früheren Jah-
resberichten auf die unbesiegbaren Schwierigkeiten aufmerksam
gemacht, welche dem Experimentator bei dem vollständigen
Reinigen der Zellen in den Weg treten.
Herr Sprengel hält zwar den eigentlichen Mist noch am
ersten für das Universal -Düngungsmittel, sagt aber, dafs der-
selbe zuweilen doch nicht genügt, weil er zu wenig minera-
lische Körper besitzt. Nach der Ansicht des Herrn Spr. fehlten
also in solchen Fällen den Pflanzen die wirklichen minerali-
schen Ernährungsmittel, während diese Erscheinung von Andern
bekanntlich ganz anders erklärt wird. Auch Herr Spr. spricht
sich sehr bestimmt darüber aus, dafs der Boden nur dann gute
Ernten hervorbringt, wenn derselbe mit den dazu nöthigen
Stoffen versehen ist; derselbe wird um so besser werden,
wenn man ihm alles dasjenige läfst, was er hervorbrachte,
denn er wird dabei nicht nur durch die hervorgebrachten
Pflanzenmassen gedüngt, sondern auch durch die Atmosphä-
rilien, die als Staub, der im Regenwasser gelöst ist, sich ihm
beimischen.
Nach der Einleitung handelt der Autor in einem grof^en
Abschnitte von dem äufsern und innern Bau der Gewächse,
oder den Orgajien, wodurch sie ihre Lebensfunctionen ver-
richten und sich ernähren, doch diesen Abschnitt kann Refe-
rent nur als ganz ungenügend bezeichnen, was freilich auf
den praktisclien Werth des ganzen Buches ohne weitern Eiu-
flufs ist; es wäre aber allerdings besser, wenn auch dieser
Theil dem gegenwärtigen Zustande der Wissenschaft entsprechen
möchte, denn die Pflanzen-Physiologie hat in den letzten zehn
Jahren einen solchen Aufschwung genommen, dafs man die-
selbe auch in solcher Art darstellen könnte, dafs sie selbst
dem praktischen Oekonomen interessant und sehr belehrend
erscheinen würde. Herr Spr. hat diesen Abschnitt hauptsäch-
lich nach den älteren (1827 und 1830) De C and olle 'sehen
Schriften dargestellt und lehrt nun von Gegenständen, welche
Herr De Candolle selbst sicherlich schon längst als unrichtig
erkannt haben wird, z. B; die Lehre von den Wurzelschwämm-
chen, das Steigen der Säfte in den Intercellulargängen, die
Ausscheidung der Wurzelspitzen, wodurch sich die Pflanzen
die Nahrung sogar erst zubereiten, andere tödten sollen u. s. w.
Die neueren Versuche (s. den vorigen Jahresbericht pag. 2),
welche man über die Quelle des Stickstoffs in den Pflanzen
angestellt hat, werden von Herrn Spr. als ganz erweisend an-
gesehen, und mit allem Rechte macht er hier darauf aufmerk-
sam, dafs man über die Ernährung der Pflanzen nicht ins
Reine kommen kann, wenn man nicht beständig die Chemie
zu Hülfe nimmt. Herr Spr. machte die Beobachtung, dafs
Pflanzen, die auf einem Boden wuchsen, der viel Kochsalz
enthielt, auch viel Chlor aufser dem Sauerstoffe ausdunsteten,
was dem Referenten mit beweist, dafs auch wohl die salpeter-
sauren Salze in den Pflanzen zersetzt werden und dafs auf
diese W^eise die düngende Eigenschaft von dergleichen Substan-
zen, ganz wie es oben mitgetheilt wurde, zu erklären ist.
Zu den verschiedenen Functionen der Blätter wird nach
Hrn. Spr. auch die gezählt, dafs sie aus den übrigen Pflanzen-
theilen, besonders aus den Zweigen, Aesten und Stämmen der
Bäume das Uebermaafs der feuerfesten Stoffe entfernen, wes-
halb sie oft 10 Mal so viel dieser Körper enthalten, als jene
Theile; indessen diese Erscheinung erklärt die neuere Pflan-
zen-Physiologie auf ganz andere Weise, auch giebt es eine
sehr grofse Anzahl von Pflanzen, wo gerade die Rinde des
Stammes am meisten Mineralien enthält.
16
In einem andern Abschnitte sucht Herr Sprengel zu
erweisen, dafs stets eine Menge von Mineralien zum Wachs-
thum der Pflanzen erforderlich sind; die Physiologen bezwei-
feln diese Ansicht auch keineswegs, aber sie erklären sich
diese Erscheinung ganz anders. Blumenzwiebeln, die im Wasser
getrieben werden, sollen sich nach Herrn Spr. nur deshalb
niemals zwei Jahre hinter einander erhalten, weil sie gleich
beim ersten Male so sehr an Mineralien erschöpft werden,
dafs ihnen beim zweiten Treiben die nöthige Menge der Mi-
neralkörper fehlt. Die Physiologen haben diose sehr bekannte
Erscheinung bisher ganz anders erklärt, und hätte Herr Spr.
solche abgetriebenen Zwiebeln mikroskopisch genau untersucht,
so würde er in ihnen den grofsen Verlust an Stärke und
Schleim und dagegen die gröfsere Menge von Crystallen >vahr-
genommen haben. Ja das Wachsen mancher Pflanzen, die in
freier Luft hängen, z. B. der Aeridien, des Sediim Telephium
u. s. w. soll nach Herrn Spr.'s Ansicht ebenfalls durch Mi-
neralien bewirkt werden, welche sich als Staub auf die Blätter
ablagern, zum Theil in der Stubenfeuchtigkeit mittelst der
Kohlensäure gelöst und dann von den Blättern eingesaugt
werden. Hier ist es aber wohl nicht schwer, zu sehen, wie
Herr Spr. Alles anwendet, um seine Hypothese, welche das
ganze, sonst so werthvolie Buch durchdringt, überall zu ver-
theidigen, ja selbst in solchen Fällen, wo es gar nicht nöthig
war, wie z. B. in dem letztern; denn wir wissen es schon
ganz bestimmt, dafs solche Pflanzen, die in freier Luft oder
in destillirtem Wasser wachsen, ihre Reservenahrung aufzeh-
ren, welche oftmals sehr bedeutend ist.
Ebenso halten wir es nicht nur für eine ganz unerwie-
sene Hypothese, was Herr Spr. über die Bildung der organi-
schen Körper der Pflanzen sagt, sondern wir glauben sogar,
dafs man nach dem gegenwärtigen Zustande der Phytochemie
solche Ansichten gar nicht mehr aufstellen darf, üie Pflanzen
sollen nämlich auh den unorganischen Stofi'en, welche sie aus
dem Boden und der atmosphärischen Luft erhalten, unter Bei-
hülfe des Lichtes, der Wärme, der Electricitat und des Was-
sers auf eine uns ewig unbegreifliche Weise ihre organischen
Körper bilden. Solche allgemeine Lehren, als: die Pflanzen
organisiren die anorganischen Stofi"c und die Thicrc beleben
17
die orgauisirten vegetabilischen Stoffe, sind zwar sehr an-
sprechend, sind aber, wie Ref. glaubt, ganz unerwiesen.
Die Pflanzen- Physiologie lehrt, dafs die Pflanzen alle Sub-
stanzen aufnehmen, welche ihnen in einem gehörig gelösten
Zustande dargeboten werden und wirken diese Substanzen als
Gifte, so sterben die Pflanzen ab; Herr Spr. lehrt aber in
dieser Hinsicht folgende, ganz unerwiesene Ansichten: Mine-
ralien, wie Blei, Arsenik, Kupfer, Selen u. s. w. sind ohne
Ausnahme allen Gewächsen schädlich, sie schaden indefs dem
einen mehr, dem andern weniger, was dadurch zu erklären sei,
dafs dieses Gewächs mehr als jenes das Vermögen hat, die
nicht zu seiner chemischen Constitution gehörigen Stofi'e ent-
weder zurückzuweisen, oder, wenn es dieselben schon aufge-
nommen hat, gleich wieder auszuscheiden, und diese Ausschei-
dung geschieht nun nicht allein mittelst der Wurzeln, sondern
auch durch die Blätter, und letztere sterben dabei theilweise,
gewöhnlich an den Spitzen, oder auch ganz ab. Herr Spr.
führt ein Beispiel an, um das Letztere besonders deutlich zu
erweisen ; wenn man nämlich Haferpflanzen von 1 Fufs Höhe
mit einer geringen Quantität einer Lösung von Blei- oder
Kupfer-Salz begiefst, so sterben zwar mehrere Blätter ab, aber
die Pflanzen bleiben leben. Diese Thatsache ist allerdings ganz
richtig, aber wir müssen dieselbe ganz anders erklären. Wird
den Pflanzen nur eine sehr geringe Quantität eines Giftes im
gelösten Zustande dargeboten, und gehört dieses Gift nicht zu
den allerstärksten, wie z. B. Blausäure, so wird dasselbe,
wie alle übrigen gelösten Stofi'e, mit dem Wasser durch den
Stengel nach den Blättern geführt, wo der Verdauungs-Prozefs
stattfindet; hier häufen sich nun diese Gifte an und tödten,
aber die ganze Pflanze stirbt deshalb noch nicht ab, weil die
Menge zu gering ist, um die grofse Anzahl von Zellen mit
ihrem Safte zu vergiften.
Der praktische Theil des vorliegenden Werkes beginnt
eigentlich mit pag. 80, und dieser handelt auf das Umständ-
lichste von allen den verschiedenen Substanzen, welche man
zur Düngung des Bodens anempfohlen hat, und zwar mit sol-
cher Ausführlichkeit, wie es sich der Landmann nur wünschen
kann; hunderte und hunderte von Analysen dieser Düngungs-
materialien begleiten die Lehren, welche Herr Sprengel über
Wiegm. Archiv. VI. Jabr^, 5. ßand, 2
18
ilio Anwendung derselben vorträgt. Es ist hier natürlich nicht
der Ort, nm specielle Nach Weisung itber die Leistungen zu
geben, welche sich in diesen rein praktischen Abschnitten des
Werkes befinden, wir wollen nur Erfahrungen und Theorieen
hierselbst aufführen, welche Hr. Spr. zur Erklärung der Wir-
kung dieser oder jener Diingerart mittheilt, indem dieses zu
genau mit der Lehre von der Ernährung der Pflanzen im Zu-
sammenhange steht.
Es ergiebt sich aus allen Beobachtungen, dafs die Futter-
raaterialien im Körper der Thiere mit düngenden Stoffen nicht
bereichert, sondern vielmehr erschöpft werden, weil ja die näh-
renden Substanzen von den Thieren ausgezogen und zurück-
behalten werden; wenn wir aber dennoch zuweilen sehen, dafs
die thierischen Exkremente, welche aus einer gewissen Menge
von Futter entstehen, kräftiger düngen, als die Futtermateria-
lien selbst, so ist dies entweder zu erklären durch die Menge
von mineralischen Stoffen, welche den Exkrementen beigemengt
sind, oder man täuscht sich, indem der Dünger zwar gleich
anfangs kräftig wirkt, aber nicht lange nachhält, während jene
Futterstoffe im Anfange schwach, aber später nachhaltend dün-
gen. Der Dünger der Thiere wird aber immer um so schlech-
ter sein, je schlechter das Futter der Thiere ist, und je bes-
ser es vom gesunden Thiere verdauet und also auch ausge-
saugt ist. Ueberall macht Hr. Sprengel bei den thierischen
Düngungsmitteln auf die Entwickelung des kohlensauren Am-
moniums aufmerksam, welches eine so überaus nährende Sub-
stanz in den Pflanzen ist, und dafs es bei der Behandlung des
Düngers ganz darauf ankommt, jenes Ammonium zu binden,
was durch Sättigung in Wasser, oder noch viel besser durch
Verbindung mit Humussäure gelingt, die in der Damn>erde in
hinreichender Menge enthalten ist. Bei der berühmten Dün-
gung durch Knochen, welche in England mit so grofsem Er-
folge betrieben wird, sagt Hr. Spr., er habe sich überzeugt,
dafs hier nichts weiter als die Knochenerde, also der phos-
phorsaure Kalk, das Düngungsmittel sei, un«l dafs dieses Mit-
tel nur in solchem Boden anschlägt, der arm daran ist, was
in Mecklenburg und im nördlichen Deutschland überhaupt noch
nicht der Fall sein soll , weshalb man hier auch keinen
solchen auffallenden Erfolg von der Knochendüngung wahrge-
19
nommen liat. Der englische Boden soll dagegen durch den
oft wiederkehrenden Anbau des Weizens so sehr von jener
pliosphorsaiiren Kalkerde erschöpft sein, dafs daher die Dün-
gung mit derselben von so grofsem Erfolge ist. Wir haben
gleich im Anfange die Ansicht des Hrn. Spr. über die Wir-
kung der Mineralien als wahre Diingimgsmittel auf die Pflan-
zen vorgetragen, und nach jener Ansicht wird dann die Wir-
kung der verschiedenen mineralischen Düngungsmittel, als des
Kalkes, des Mergels, des Gyps u. s. w. erklärt; fehlen dem
Boden diese Stoffe, oder sind sie nicht in gehöriger Menge
darin enthalten, so mufs man demselben die fehlenden Mine-
ralien zulegen, und um dieses zu wissen, ist es natürlich
durchaus nöthig, dafs man vorher den Boden einer chemischen
Untersucliung unterwirft. Will man mit Mergel düngen, so
mufs vorher der Boden und der Mergel untersucht sein, denn
der Mergel ist sehr verschiedenartig, und es pafst denn auch
nicht jeder Mergel für jeden Boden.
Von Hrn. P ab st*) haben wir ein anderes, ebenfalls sehr
wichtiges ökonomisches Werk erhalten, welches den landwirth-
schaftlichen Pflanzenbau behandelt, aber rein praktisch abge-
fafst ist. Wer irgend Nachweisung über die Kultur der öko-
nomischen Gewächse zu haben wünscht, welche in unserem
Vaterlande Gegenstand des Anbaues sein können, der wird in
diesem Werke genügende Auskunft finden.
Hr. V. Mirbel**) hat eine sehr interressante Arbeit über
den Bildungssaft in der Wurzel der Dattelpalme geliefert,
welchen er allgemein mit dem Namen Cambium bezeichnet.
Das Cambium, sagt derselbe, lagert sich in Schichten in den
Stämmen und Zweigen der Mono- und Dicotyledonen; theils
lagert es sich in den grofsen Zwischenräumen ab, welche
zwischen den Schläuchen überbleiben, theils in den Höhlen der
Zellen und Röhren selbst. V^on ihm geht alle Organisation
*) Lehrbuch der Landwirthschaft. Zweiten Bandes Iste Abthei-
lung. Specielle Productionslehre. Darmstadt 1839.
**) Nouvelles notes sur le Cambium, extraites d'un travail sur la
racine du dattier. — Compt. rend. de 29 avril 1839. — Annales des
scienc. natur. Part. bot. 1839. I. pag. 321. PI. 11 — 15. — Mit noch
grölseren Abbildungen auch in den Archives du Museum d'hist, nat.
Tom. I. pag. 30.=» — 335.
2*
20
aus und der Hauptzweck dieser Abhandlung ist, durch eine
Reihe von Beobachtungen den Uebergang des Cambiums aus
dem gestaltlosen Zustande in den des zusammenhängenden
Zellengevvebes und der isolirten, selbstständigen Schläuclie zu
verfolgen. Das Ziel dieser Beobachtungen ist kein geringeres
als das tiefste Studium der Bildung aller Gewebe, aus welchen
die verschiedenen vegetativen Organe bestehen.
Bei Untersuchung der Wurzel der Dattelpalme bemerkt
man auf Querschnitten in aller nur wiinschenswerthen Reinheit
Haufen von Cambium mit warzenartiger Oberfläche — so
wenigstens schien es. Sicherlich geht das Erscheinen der
Warzen (mamelons) des Cambiums dem der Zellen voran; oft
bemerkt man auf Schnitten von einem bestimmten, sehr jungen
Alter im Innern jeder Warze einen dunkeln Punkt, als un-
zweideutige Zeichen der Bildung einer Zellenhöhle; ein gröfserer
grauer Fleck liefs auf Vergröfserung der Zelle schliefsen.
Hier war auch nichts warzenförmiges zu sehen und die unzer-
theilten Scheidewände, welche die anstofsenden Zellen be-
grenzten, waren um so weniger verdickt, als die Höhlen an
Ausbreitung gewonnen hatten. Häufige Vergleichnng zeigte,
dafs diese Metamorphose ohne Substanzvermelirung vor sich
ging. Nicht lange verharren die Zellen in diesem Zustande;
ihre Wände dehnen sich aus, bedecken sich mit warzenartigen
Erhöhungen, die sich in Form eines Schachbrettes lagern und
obgleich consistenter als anfangs, doch noch viele Feuchtigkeit
enthalten. Kurz nachher bilden sich diese Zellen, welche bis
dahin keine bestimmte Form hatten, zu mehr oder minder
regelmäfsigen Sechsecken (auf Querschnitten!), ihre Wände
dehnen sich aus, verdiinnen sich, trocknen aus und verstärken
sich ; die warzenförmigen Erhöhungen schwinden und an ihrer
Stelle treten horizontale, parallele feine und dichtgedrängte
Linien, die leichten Streifen gleichen. Es ist bereits vor 30
Jahren, sagt Hr. v. Mirbel, dafs ich diese Streifen beob-
achtet habe. Auf Längenschnitten erschienen diese Linien
vertikal und niemals kreuzten sie sich in einem rechten Winkel.
Vor einigen Jahren beschrieb Hr. v. M. einen analogen Fall,
den die Milchsaft führenden Gefäfse, (es sind dieses die Bast-
röhren, und neben diesen kommt noch ein anderes ganz für
sich bestehendes Gefäfssystem bei den uipocyneen vor, welches
21
dem System der Milchsaftgefäfse entspricht! Ref.) von Neriunt
Oleander darboten, indessen hier schien ihiB die Ursache der
Abweichung klar. Sehr feine und sehr kurze Wärzchen, in
Form eines Schachbrettes gelagert, geben, je nach dem Ge-
sichtspunkte, horizontale oder vertikale oder selbst diagonale
Linien. An andern Gefäfsen konnte Hr. v.M. diese Wärzchen
nicl t sehen, ist aber, so lange nicht eine bessere Erklärung
gegeben wird, geneigt zu glauben, dafs diese horizontalen, ver-
tikalen und diagonalen Linien der Zellen, der kurzen und
langen Schläuche, wie der Gefäfse, durch eine Menge schach-
brettartig gelagerter, nicht wahrnehmbarer Papillen entstehen.
(Diese bessere Erklärung obiger Erscheinungen glaubt Ref.
seit mehreren Jahren gegeben zu haben.)
Von den hohlen Warzen bis zu den Zellen mit dünnen,
trocknen und gestreiften Wänden, bildet die vegetabilische
Substanz nur ein und dasselbe, durchaus zusammenhängende
Gewebe von Zellen, dessen Inhalt sich mit dem Fortschreiten
der Vegetation modificirt. Die zwei organischen Zustände,
deren einen LIr. v. M. als den des zusammenhängenden Zell-
gewebes, deren andern er als Anhäufung getrennter oder blofs
durch Juxtaposition verbundener Schläuche bezeichnet, be-
stimmen zwei genau zu unterscheidende Perioden der Schlauch-
bildiing.
Die Wurzel der Dattelpalme zeigt drei scharf geschiedene
organische Regionen, eine peripherische, - eine mittlere und
eine centrale. In der schon genannten frühern Vegetations-
periofle liegt zwischen der peripherischen und der mittlem
eine Lage Gambium, und ebenso eine zwischen der mittlem
und centralen; aufserdem befinden sich noch in jeder Region
einige besondere Heerde zur Scblauchbildung.
Die den äufsern schädlichen Einflüssen ausgesetzte peri-
pherische Region müfste bald verschwinden, wenn nicht von
der anliegenden Schicht Cambium neue Schläuche nachfolgten-
diese Hülfe ist um so nöthiger, als jene besondern Bildungs^
heerde in dieser Region beinahe gänzlich fehlen und im Falle-
des Mangels der Cambiunilage dieser Wurzeltheil auf 2 oder
3, oft zerrissene oder des Lebens beraubte Zellenlamellen re-
duzirt wird. Die mittlere Region zeigt in ihrer Mitte die
ältesten Schläuche; je jünger sie sind, um so näher liegen sie
22
dem Cambium der äufsern oder der iiinern Lage. Möchte es
auch im ersten Augenblicke scheinen, dafs die beiden Ströme,
gegen einander arbeitend, nothvvendig in einander übergehen
und zerschmelzen müssen, so zeigt doch eine genauere Beob-
achtung, dafs nur eine centrifugale, unwiderstehbare und ein-
zige Bewegung auf derselben Bahn die Lagen von Cambium
und alle Schläuche mit sich fortzieht. Hier, wo die aus dem
Cambium gebildeten Schläuche so sehr überwiegen, hier zeigt
sich eine Menge besonderer kleinerer Ablagerungen dieser
Substanz, die eine sehr verschiedene Bestimmung haben; die
einen füllen die Schläuche, die andern die Zwischenräume der
Intercellulargänge. Das Cambium im Innern der Zellen ist
nur dann deutlich, wenn es die Gestalt eines schleimigen
Zellengewebes angenommen hat; oft verschwindet es gleich
nach seinem Erscheinen und läfst keine Spur seiner eplieme-
ren Erscheinung zurück. Ein andermal trennen sich diese
Zellen in körnige Sphäroulen, die auch nur von kurzer Dauer
sind und wieder ein andermal wächst eine der Zellen allein
an und scheint bestimmt den Schlauch, der sie enthält, zu
verdoppeln, aber plötzlich aufgehalten in ihrer EntwickeluHg
sinkt sie ein und vermengt sich mit dem Cambium zu einer
gestaltlosen, rostfarbigen Masse, die sich einige Zeit erhält
und dann auch vorschwindet.
Nicht minder reichhaltig ist das Cambium in den Inter-
cellulargängen ; entweder zertheilt es sich hier und dort in
kleine Häufchen, oder es bildet lange Fäden. Im erstem Falle
geht die organisirende Substanz so schnell in den schlauch-
artigen Zustand über, dafs es oft unmöglich ist ihre Verän-
derungen bis dahin zu verfolgen. Die neuen Schläuche unter-
scheiden sich leicht von den alten; sie sind kleiner und ihre
Wandung erscheint als eine sulzige, zarte Lamelle. Im wei-
tern Verlaufe werden auch sie stärker, gröfser, drängen sich
zwischen die andern und verschmelzen mit ihnen. Im zweiten
Falle dagegen, wenn das Cambium in Gestalt langer Fäden
die Intercellulargänge durchzieht, sind die Veränderungen bei-
nahe der ganzen Reihe nach sehr deutlich zu verfolgen. Auf
ein warzenförmiges Cambium folgen: Schleimiges Zellenge-
webe ; Zellengewebe, dessen Wände mit Papillen bedeckt sind ;
Zellengewebe mit trocknen, dünnen und fein gestreiften Wänden;
23
ein Gewebe von langen, genau begränzten Schläuchen, die
aber unter sich zusammenhängen; neue Schläuche schachteln
sich in diesen ein, welche dadurch 2, 3, 4, 5 und mehrfach
werden, endlich vermitteln Oeffmingen in den Querwänden
die Communication der Sclilauchliöhlen.
Die äufsere Lage Catubium besteht nur kurze Zeit und
ist in Wurzeln, welche nur einige Consistenz haben, nicht
mehr zu finden. Zwischen den benachbarten Schläuchen der
ersten und zweiten Region entstehen liier und dort neue, die
durch ihre Vermehrung sich verbinden und die mittlere Re-
gion scheidenartig einschliefsen. Sie sind röhrenförmig, cy-
lindrisch, mit ihren Enden genau auf einander passend. Aus
einfachen werden sie zu zusammengesetzten durch Hinzutreten
neuer Schläuche, die sich im Innern bildeten, und die durch
Oeffnungen mit einander communiciren.
Die centrale Region der Wurzel erhält ihre Schläuche
von der Innern Lage des Cambiums, wie denn diese auch die
nach Innen liegenden Tlieile der mittlem Region versorgt.
Auch hier liegen die ältesten in der Mitte, sind aber cylin-
drisch; hängen blofs leicht durch Berührungspunkte zusammen
und befinden sich noch in voller Vegetation. Indessen auch
sie gehen bald in den zusammengesetzten Zustand über. Die
jüngsten nach Aufsen liegenden Schläuche sind, so zu sagen,
nur zelliges Cambium; in diesem Alter ist die mittlere Region
nof'h genau von der centralen zu unterscheiden. Später aber
bildet sich zwischen beiden eine Lamelle von der Dicke einer
einzelnen Zellenschicht und ihre Schläuche zeigen eine be-
stimmte Form, bald quadratisch, bald die des Paralellogramms;
sie sind gleich grofs und eng mit einander in concentrischer
Reihe verbunden, während die Schläuche der mittlem Region
gar keine bestimmte Gestalt zeigen. Später füllen sich die
Schläuche dieses Gürtels mit Cambium, welches sich bald zu
unregelmäfsigem, verschiedenartigem Zellgewebe umgestaltet^
Immer im Kreise geordnet nehmen sie an Gröfse zu, und jede
einzelne entwickelt sich in Form eines Halbkreises, dessen
Diameter sich auf die mittlere Region stützt. Im Mittelpunkte
jeder dieser Halbkreise befindet sich eine kleine Zelle, analog dem
gröfsern Schlauche. Von ihrer aufsern Fläche gehen in Strahlen
nach Verschiedenen Richtungen vertikale Scheidewände, welche
24
sich auf der Innenseite des gröfsem Schlauches befestigen.
Die Metamorphose geht plötzlich und für die angestrengteste
Beobachtung unverfolgbar von Statten.
Die Vermehrung durch Einschachteliing in den Schläuchen
der centralen Region beginnt in geringer Entfernung vom Cen-
trum und wird bis zu jenem Gürtel hin immer bedeutender.
Dieses Phänomen, eines der sonderbarsten der ganzen vege-
tabilischen Organerzeugung, geht in jeder ScMauchhöhle vor
sich, durch nach und nach erfolgende Ablagerung von Cam-
bium, welche an sich nur von kurzer Existenz sind, vor dem
Verschwinden aber eine kleine Anzahl von Schläuchen erzeu-
gen, die oft bestimmt sind, Jahrhunderte zu leben. Kleine,
mittlere und grofse Gefäfse durchziehen die centrale Region
der Länge nach; die grofsen liegen nach dem Centrum, die
kleinen nach der Peripherie; aber alle sind polyedrische Röh-
ren, deren Wände, mit transversalen Spalten durchbohrt, we-
nigstens so erscheinend, mehr oder minder kleinen Leitern
gleichen; daher der Name: Treppengefäfse. In einer Note
fügt noch Hr. v.M. hinzu: Er erkenne in den Wurzeln der
Dattelpalme, dafs das, w^as als Oeffnung erscheint, sehr wahr-
scheinlich in vielen Fällen nur in einer merklichen Verdiin-
nun"- der Wände besteht; indessen nicht weit ist es von der
Verdünnung einer Membran bis zu einer Oefifnung, und jede
Oeffnung in einem Schlauche beginnt mit einer Verdünnung *).
*) Die kleinen Poren, welche auf den Wanden der gewöhnlichen
Zellen der Pflanzen so häufig vorkommen, haben in ihrer Deutung
viel zu leiden gehabt. Moldenhawer d. A. und Hr. v. Mirbel,
welche sie zuerst anführen, hielten dieselben für kleine Löcher, und
Letzterer schien das Vorkommen solcher kleinen Löcher ganz allge-
mein auf den Zellenmembranen anzunehmen. Die Deutschen be-
mühten sich hierauf ziemlich allgemein das Vorkommen dieser kleinen
Löcher zu bestreiten, erkannten indessen später ihren Irrthum und
hielten diese Bildungen mitunter ebenfalls für wirkliche Löcher der
Zellcnmembran; selbst Herr Mo hl beschrieb sie als solche. Erst
später werden jene kleinen Poren als verdünnte Stellen der Zellen-
membran erkannt, und durch Anwendung der bessern Instrumente
konnte man sich hiervon sehr wohl überzeugen. Diese Verschieden-
heit in den Ansichten über jene Gebilde gingen indessen nur aus der
Unvollkommenheit der Instrumente hervor, gegenwärtig aber können
wir mit unsern Instrumenten überall mit Bestimmtheit angeben, ob
25
Zwischen den Gefafslamellen befinden sich dichte Massen
von Schläuchen, die ebenfalls bis zum Gürtel hinreichen; auch
diese trennen sich und ein neues Zellengevvebe, dessen Wände
jiiit Papillen bedeckt sind, drängt sich dazwischen hinein. Es
dehnt sich in Gestalt einer unregelruäfsigen Lamelle aus inid
nimmt, wie die zusammengesetzten Gefäfse, seine Richtung
gegen das Centrum. Hr. v. M. bestreitet hier mit Recht die
Ansicht der Pliysiologen, welche diese Zellen für sogenannte
Milchsaftgefäfse halten, und sieht in ihnen nur verlängerte
Zellen, die einen, dem Milchsafte ähnlichen Saft enthalten, wohl
aber will er die stufenweise Metamorphose der Schläuche in
kleine, mittlere und grofse Treppengänge beobachtet haben.
Jede neue Lamelle, die sich verlängert, theilt die Schlauch-
masse in der Mitte von der hier ausgegangenen. Während
dessen bildet sich in jeder Hälfte ein neues Lager von Cam-
bium, welches sich bald zu einer Zellenlamelle und diese hin-
wieder zu einer Gefäfslamelle un)gestaltet. Diese Bildungen
gehen so lange fort, als noch Cambium erzeugt wird; auch
liegt darin der Grund, warum die Zellenlamellen den Gefäfs-
irgeridwo wirkliche Löcher oder ob blofse verdünnte Stellen vorhanden
sind , und nun müssen wir unsere Ansichten in dieser Hinsicht auch
etwas modifiziren. Die kleinen Poren treten allerdings ziemlich allge-
mein als blofse verdünnte Stellen auf, aber man kann sich überzeugen,
dafs diese verdünnten Stellen selbst in den Membranen der Parenchym-
Zellen der krautartigsten, saftreichsten Pflanzen sehr oft im Alter der
Pflanze als wirkliche Locher auftreten, indem alsdann die ursprüng-
liche Zellenmembran, welche die verdünnte Stelle schlofs, resorbirt ist;
besonders schön sieht man es im Herbste, w^enn die krautartieen
Pflanzen durch den ersten Frost getödtet werden. Selbst in den Mem-
branen der Parenchym- Zellen der Tradescantien fand ich um diese
Zeit die schönsten Löcher, während sie im Sommer auch noch nicht
einmal verdünnte Stellen zeigen. Und ganz ebenso verhält es sich
mit den grofsen verdünnten Stellen an den Wänden der Parenchym-
Zellen der Ci/cadcen-'QYAiieY und Blattstiele; bei den Farrn, den
Palmen, kurz überall, wo in einer frühern Zeit wirklich nur ver-
dünnte Stellen sind, da kann später die Poren auftreten, aber man
wird sich auch sehr bald überzeugen, dafs im Innern solcher durch-
löcherten Zellen weder kreisende Bewegungen der Saftmassen, noch
neue Bildungen auftreten. Hiernach könnten dann ailerdines die Tüpfel
der Zellenmembranen wieder zu ihrem alten Namen kommen, wenn
dadurch wirklich etwas verbessert würde.
26
lamellen in jedem Alter der Wurzel entsprechen. Wie oben
bei den Schläuchen angegeben wurde, so geht hier die Meta-
morphose der Gefäfse aus einfachen in zusammengesetzte durch
Einschnchtelnng auf eben dieselbe Weise von Statten.
Referent liat den Inhalt dieser ausgezeichneten Arbeit fast ganz
ohne weitere Bemerkungen mitgethcilt, er setzt indessen scliliefs-
lich noch hinzu, dafs er keinesweges den Resultaten derselben
so ganz allgemein beistimmen kann, denn gar viole der darin
mitgetheilten Beobachtiinijen hat derselbe, bei der eigenen Un-
tersuchung der jungen Wurzeln der Dattelpalme, ganz anders
aufgefafst, deren Auseinandersetzung an diesem Orte aber nicht
auszuführen ist.
Die Zeichnungen, welche dieser Abhandlung beigegeben
sind, gehören wohl zu den prachtvollsten und richtigsten,
welche in diesem Felde geliefert sind; vorzüglich gut sind sie
bei dem Abdrucke in den Ann. d. scienc. nat., weniger gut
in den Archives du Mus. ausgeführt.
Referent *) bestätigte durch neue Beobaclitungen, das sich
die Rinde der Bäume nicht reproducire; er hatte in einer Reihe
von Fällen entrindete Aeste und jinige Stämmchen mit Glas-
röhren iil)erzogen, welche luftdicjit anschlössen, so dafs auf
diese Weise der nachtheilige Einflufs aufgehoben war, welchen
die Verdunstung und die daraus hervorgehende Vertrocknung
der Wundfläche verursacht. Die Substanz, welche sich auf
dem entrindeten Holze unter gewissen Umstäuflen erzeugt, und
für Rinde gehalten worden ist, besteht aus einem blofsen lok-
l<eren parenchymatischen Gewebe und bildet sich aus einem
gununiartigen Safte, webdier von den an der Oberfläche des
entrindeten Holzkörpers mündenden MarkstrahleKzellen ausge-
schieden wird. Dieser Saft tritt in Form kleiner wasserheller
Tröpfchen hervor, welche sich, gegen Verdunstung geschützt,
zu einem sehr zarten und ebenfalls ungefärbten Zellengewebe
umgestalten, das sich bald mehr, bald weniger vergröfsert, je
nachdem nu'hr oder weniger Bildungsstoff aus den Markstrah-
lenzellen nachfliefst; zuweilen wird eine Fläche von einem
Quadratzoll und darüber von diesem riadenartigen Zellenge-
♦) S. die Berichte über die Sitzung des Vereins zur Beförderung
des Gartenbaues in den Preufs. Staaten vom 27. October 1839.
27
webe bedeckt, welches von einem einzelnen Punkte ausgeht,
und tritt diese Bildung an mehreren, nahe gelegenen Punkten
zu gleicher Zeit auf, so stofsen die Massen endlich aneinan-
der, schmelzen zusammen und bedecken die ganze entrindete
Holzmasse auf grofse Strecken. Dieses neue Gewebe ist aber
keine Rinde und erzeugt auch kein neues Holz, daher es auch
bei vollkommen, rund um den Stamm eines Baumes ausgeführ-
ter Entrindung das endliche Absterben desselben nicht verhin-
dern kann, dagegen bei theilweise entstandenen Entrindungen
die Herbeiführung einer solchen rindenartigen Bekleidung sehr
zu empfehlen ist. Referent zeigte einige Hölzer vor, an wel-
chen man wiederum sehen konnte, dafs sich die neue Holz-
schicht mit ihren Markstrahlen u. s. w. nur auf derinncTn Fläche
der Rinde bildet, indem die, schon vor der Holzbildung von dem
Holzkörper abgezogene Rinde eine solche neue Holzschicht er-
zeugt hatte; an einigen Stellen hatte sich sogar zwischen dieser
neugebildeten Holzschicht imd der Oberfläche des Holzkörpers
eine Masse jenes rindenartigen Zellengewebes gebildet.
Aufserdem machte Referent noch darauf aufmerksam, dafs
ihm bei diesen Beobachtungen unter 8 Fällen 3 mal die sehr
dicken Glasröhren zersprangen, welche über die entrindeten
Holzflächen befestigt waren, und zwar wurden die Glasröhren
plötzlich in kleine Stücken zerschmettert, was durch Entwicke-
lung von AVasserdämpfen wohl nicht zu erklären sein möchte.
Hr. Dr. Becks*) gab eine Abhandlung: lieber einige
Wachsthums-Erscheinungen baumartiger dikotyle-
donischer Pflanzen, worin er die Entstehung der erhabe-
nen Zeichen und Figuren erklärt, welche man zuweilen auf
der Oberfläche der Baumstämme findet, wenn der Holzkörper
derselben in früheren Zeiten mit dergleichen versehen wurde,
wie dieses z. B. bei dem Zeichnen der zum Verkauf bestimm-
ten Bäume in den Forsten der Fall ist.
Hr. C. van Hall**) hat in der Akademie der Wissen-
schaften zu Amsterdam eine Reihe von Beobachtungen über
die Zunahme der Bäume in die Dicke vorgetragen, aus wel-
*) Linnaea von 1839. pag. 544 — 548.
**) Waarnemingen over de Toeneming der Boomen in Dikte. —
Tijdschrift voor Natuurl Geschied, en Phys. 1839. VI. pag. 207—221-
28
chen sehr deutlich hervorgeht, welche Bäume langsamer und
welche schneller in die Dicke wachsen, und wie sich diese
Verdickung des Stammes in verschiedenen Alterziiständen, in
verschiedenen Jahren und selbst in den verscliiederien Mona-
ten verhält. Ein Eichenstamm, der 1826 140 Millinietres im
Umfange hatte, nahm in 10 Jahren alljäliriich im Mittel 37
Miiiim. an Umfang zu; eine Eiche von 555 Miiiim. Umfang
nahm in 10 Jahren 307 Miiiim. zu, also im Mittel alljährlich
SOj^ö"^^^^^''"' ^"^^ ^^^^ andere von 1792 Miiiim. Umfang all-
jährlich im Mittel nur 12| Miiiim. Eine Ulme von 170 Miiiim.
Umfang zeigte fährlich im Mittel Söy^- Miiiim. Zunahme; eine
andere von 190 Miiiim. jährlich im Mittel 32^ und eine von
1155 Miiiim. Umfang jährlich im Mittel 20f Miiiim. Zunahme
im Umfange. Eine Esche von 123 Miiiim. Umfang nahm in
40 Jahren um 296, also jährlich um 29f Miiiim. zu, und eine
von 435 alljährlich im Mittel um 26—0"' Eine AVeide (Salix
alba) von 191 Miiiim. Umfang nahm dag'^gen im Mittel jähr-
lich um 471 Miiiim. zu und fast ganz eben so viel eine andere
von 1130 Miiiim. Umfang. Die Kanadische Pappel (Pop, mo-
niljferä) bei 620 Miiiim. Umfang nahm sogar jährlich im Mit-
tel 81 Miiiim. zu, und eine von 1645 Millim. Umfang sogar
91 Y Miiiim. Birken und Ahorn vergrofserten dagegen, selbst
in jungen Stämmen ihren Umfang im Mittel alljährlich nur um
10 — 12 Mrllim. Auch an Piniis Ahies , Tilia europaea,
Jui^lans regia und Aesculus Ilippocasianum wurden ähn-
liche Messungen vorgenommen. Ferner wurden 7 verschie-
denartige Bäume 5 Jahre lang während des Sommerhalbenjah-
res monatlich in Hinsicht der Zunahme ihrer Dicke gemessen,
und diese Messungen sind ganz besonders erfolgreich in ihren
Resultaten geworden. Einmal ergiebt sich aus denselben, dafs
die Vergröfserung des Umfangs in den 5 Jahren der Beol)ach-
tung nicht gleich stark war, und dafs hierin weder eine regel-
mäfsige Zunahme, noch eine regelmäfsige Abnahme mit zuneh-
mendem Alter zu bemerken war. Ja auch in den verschiede-
nen Monaten der verschiedenen Jahre zeigte sich die Zunahme
des Umfangs so sehr verschieden, was offenbar von der AVit-
terung wird abzuleiten sein. Nur eine von den mitgetheil-
ten Tabellen wollen wir hier aufführen, um die obigen An-
gaben zu bestätigen. Ein Stamm von Ulmus campestris
29
mafs im Frühjahr 1834 265 Millim., und dieser nahm zu in
Millimetres :
Herr van Hall macht darauf aufmerksam, dafs durch diese
Beobachtungen zugleich eine von Agardh ausgesprochene An-
sicht, dafs die Bäume in dem ersten Theile des Sommers in
die Länge und in dem andern Theile in die Breite wachsen,
als ganz ungegriindet erwiesen wird, und dafs seine Beob-
achtungen auch zugleich ergeben, dafs sich der Umfang der
Stämme in den 6 Wintermonaten nicht verändert.
Referent *) gab specielle Nachweisung über die Entwicke-
lung der Struktur der Blätter von Ficus elastica und machte
auf verschiedene hierbei und bei ähnlichen Pflanzen wahrnehm-
bare Erscheinungen aufmerksam. Er zeigte die Entwickelung
der Hautdrüsen mit ihren Spaltöffnungen und fand, dafs das
ganze Respirationssystem, nämlich die Intercellulargänge mit
den erweiterten, mehr oder weniger regelmäfsigen Lufthöhlen
und den Athemhöhlen in der Substanz des Blattes, erst mit
dem Auftreten der Spaltöffnungen zur Entwickelung kommt,
und dafs mit der Ausbildung dieser ein Absterben der drüsen-
artigen Härchen stattfindet, welche die ganze Oberfläche der
jungen Blätter von Ficus elastica in ihrer Jugend zeigen.
Alle diese Gegenstände sind durch eine Reihe von Abbildun-
gen speciell erläutert. Die grofsen Krystallmassen, welche
man in einzelnen grofsen Zellen, meistens nur unter der Epi-
dermis der oberen Blattfläche von Ficus elastica findet, bil-
den sich höchst eigenthümlich auf der Oberfläche eines gummi-
artigen und keulenförmig gestalteten Körpers, welcher sich in
der Spitze des Epidermalendes jener grofsen Zellen entwik-
kelt und nach der Tiefe der Zellen hinabwächst. Diese Kör-
*) S. Meyen's Beiträge zur Bildungsgeschichte verschiedener
Pflanzentheile. In Müll er 's Archiv für Anatomie u, Physiologie etc.
1839. pag. 255. Mit 3 Quarttafeln,
30
per, welche Referent zur näheren Bezeichnung Gummikeu-
len genannt hat, zeigen bei verschiedenen Ficus-Avten oft sehr
verschiedene Gestalten und sind von sehr verschiedener Gröfse;
bald kommen sie bei einigen Fia^s- Arten ni^r unter der obe-
ren Blattfläche vor, bei andern dagegen zuweilen auch auf der
untern Blattfläche, ja bei einigen Arten treten sie fast aus-
schliefsüch nur auf der untern Blattfläche auf. Die mitgetheil-
ten Abbildungen geben über die Form, Entwickelung und über
das Auftreten dieser eigenthiinilichen Gebilde die genaueste
Nachweisung. Bei der Gattung Ficus zeigen die meisten Ar-
ten sehr feste und glänzende Blätter, und die Epidermis der-
selben ist alsdann meistens aus mehreren Sciiichten von Zel-
len zusammengesetzt; sie alle entwickeln sich jedoch ans der
einzelnen äufseren Zellenschicht, welche das Blatt um die Zeit
umkleidet, wenn die Bildung der Hautdrüsen mit den Spalt-
öffnungen beginnt; bei der einen Art geschieht nur eine ein-
fache Theilung dieser Zellen, bei andern Arten wiederholt sich
diese Theilung sog»r mehrmals, aber man sieht sehr bald, dafs
alle diese Schichten zusammengehören und gemeinschaftlich
die eigentliche Epidermis bilden, wefshalb Ref. für solche Fälle
den Namen Ep ider maisch ich t in Vorschlag bringt. So ist
es denn nun auch erklärlich, dafs die Epidermalschicht auf den
Blättern einiger 1^/cw^-Arten nur aus zwei Zellenschichten be-
steht, ja dafs die der untern Blattfläche, wie z.B. bei Ficus
hengalensis , F. pisiformis u. s. w. sogar nUr eine einzelne
Zellenschicht aufzuweisen hat. Wir sehen hierbei wiederum,
dafs der Typus der Bildung bei allen Arten einer Gattung der-
selbe ist, und dafs die Modifikation, welche verschiedene
Arten in ihrem Baue zeigen, nur durch mehr oder weniger
voro-eschrittene Ausbildung zu erklären sind ; eben dasselbe
sieht man auch in Hinsicht des Auftretens der Haare und Drii-
senhaare auf den Blättern der F/c7Y.y-Arten, bei einigen bleiben
sie für die ganze Lebensdauer, bei andern dagegen fallen sie
mehr oder weniger früh ab.
An eben demselben Orte gab Referent eine Reihe von
Beispielen, um zu zeigen, wie bei verschiedenen Pflanzen und
in verschiedenen Pflanzentheilen ganz verschiedenartige Zellen-
bildungen vor sich gehen können. Die Zellenbildung bei der
Entstehung der Sporen aus der Mutterspore wird später spe-
31
ciell aufgeführt werden und ebenso werden wir später von
der Bildung der grofsen Zellen durch Entstehung der Quer-
wände im Erabryosacke von Viscuin album sprechen, aber
anfser diesen Beobachtungen führt Referent in angeführter
Abhandlung noch folgende Fälle auf: Bei der Entstehung
der beiden Zellen der Hautdrüsen geht die Bildung einer
Längenscheidewand mitten durch den mukösen Kern, wel-
chen man in der Mitte der Mutterzelle der künftigen Haut-
drüse findet und erst nach der Entstehung der beiden Zellen
bildet sich in der Mitte einer jeden derselben ein Zellenkern.
Bei der Bildung der Hautdrüsen auf den jungen Blättern von
Ficus elasüca beobachtete Referent die strahlenförmige Anord-
nung der der Mutterzelle der künftigen Hautdrüse zunächst
gelegenen Zellen und verdeutlichte dieses durch Abbildungen;
auch die ganzen ferneren Veränderungen bis zur vollständi-
gen Ausbildung der Hautdrüse mit ihrer Spaltöffnung, die dazu
gehörige Grube u. s. w. ward beobachtet und durch Abbildun-
gen nachgewiesen.
An den keulenförmigen und drüsenartigen Härchen, mit
welchen die jungen Blätter von Ficus elasüca bekleidet sind,
sah Referent der Entstehung der Zellen durch Bildung von
Querwänden erst ein Zerfallen der Körnermassen im Innern
vorhergehen; er sah aber auch in einigen Fällen, dafs die
Querwände mitten durch solche Kernmassen gingen, und dafs
sich zuweilen auch Zellen im Innern des Härchens ohne vor-
handene Kernmassen bildeten. In den Schläuchen von Mucor
Mucedo sah Referent ähnliche spiralförmige Bildungen, wie
bei den Spirogyren, doch sind sie bei Mucor ganz ungefärbt
und äufserst zart, auch nicht immer vorhanden. Zuweilen
trennen sich einzelne Massen dieser Spiralen Ablagerungen
von den Wänden und bilden eine Schleimblase, welche an-
fangs noch lose in der Höhle de« Schlauches liegt, sich aber
später ausdehnt, mit der Wand des Schlauches zusammenklebt
und zum Tbeil wohl die Resorption derselben veranlafst, so
dafs endlich die neue Zelle als eine ganz gesonderte Zelle die
angrenzenden Enden des Schlauches verbindet.
Ferner wurden Beobachtungen über die Entwickelung des
Ceramium diapJianum gegeben und mit Abbildungen erklärt,
welche in mancher Hinsicht von einigem Interesse sein möch-
32
ten, sich aber im Auszüge nicht wohl mittheilen lassen. End-
lich wurde die auffallende Vermehrung durch stete regelmäs-
sig eintretende Theilung der kleinen Alge speciell erörtert,
welche Referent mit dem Namen Merismopedia punctata be-
legt hat, ein Pflänzchen, welches Herr Ehrenberg ebenfalls
irrthümlich zu den Thieren gebracht hat. Die regelmäfsige
Stellung der kleinen ellipsoidischen grünen Zellchen dieser
Pflanzen zu 4 und 4 fällt dem Beobachter sogleich in die
Augen, und die Vermehrung dieser geschieht wieder durch
regelmäfsiges Zerfallen derselben, welches man an verschiede-
nen Individuen sehr bald in allen Zuständen wahrnehmen kann.
Die neuen Zellchen stellen sich aber abermals immer wieder
zu 4 und 4 und sind stets mit einer zarten Schleimmasse ein-
gehüllt.
In der botanischen Gesellschaft zu London hat Hr. Da-
niel Cooper*) eine Mittheilung über die Versuche gemacht,
welche er anstellte, um zu erfahren, ob gefärbte Flüssigkeiten
in die Pflanzen übergehen, wenn diese damit begossen wer-
den; die Versuche wurden angestellt, ohne dafs der Autor
wufste, was in dieser Hinsicht schon früher publicirt ist. Es
wurden drei Töpfe mit grofseii Bohnen genommen, zwei wa-
ren mit Gartenerde und einer mit gewöhnlichem Sande ge-
füllt, und alle wurden mit gleicher Quantität Flüssigkeit be-
gossen, aber das Wasser, welches zu dem mit Sand gefüllten
Topfe gebraucht wurde, war sehr stark mit Färberröthe ge-
färbt. Das Resultat w^ar, dafs die gefärbte Flüssigkeit in die
Pflanzen nicht hineinging, und dafs die Pflanzen durch das
Begiefsen mit derselben auch weiter nicht verändert wurden.
Den einen von den beiden mit Erde gefüllten Töpfen hatte
Hr. ,Cooper in einen dunkeln Raum gestellt; er brachte end-
lich die erwachsene Pflanze an das Licht und sah, dafs die
Blätter zuerst schlaff wurden und endlich abstarben, eben das-
selbe fand sich auch an dem andern Topfe, dessen Pflanzen
im Freien aufgewachsen waren; sie wurden in den dunkeln
Raum gestellt und hier starben sie endlich auch ab.
Zugleich theilte Hr. Cooper noch die Beobachtung eines
*) S. Proceedings of the Botanirnl Society of London etc. With.
plates. London 1839. pag. 3.
33
Hrn. Wilkinson mit, nach welcher eine Kartoffel zufällig in
einen 12 oder mehrere Fufs tiefen Brunnen gefallen war und
aus diesem hervorwuchs, um zum Lichte zu gelangen. Nach
andern Beobachtungen ist die Länge der Kartoffelstengel in
einem dunklen Keller schon zu 20 Fufs gefunden, bei welcher
die Spitze desselben endlich zur Fensteröffnung gelangt war.
Zur Kenntnifs der Generations-Erscheinungen
bei den Gewächsen.
1) Bei den Phanerogamen.
Von Herrn Wydler's*) Untersuchung über die Bildung
des Embryo's bei der Gattung Scrofularia konnte Referent im
vorigen Jahresbericht nur einen sehr unvollständigen Bericht
abstatten, indem bis dahin die Abhandlung desselben noch
nicht bekannt geworden war. Hr. W. stellte seine Beobach-
tungen an Sc, nodosa, aquatica, hetonicaefolia , peregrina
et vernalis an; er giebt zuerst die Beobachtungen über die
Entwickelung der placenta und der Eychen auf derselben,
welche übereinstimmend sind mit den hierüber schon herr-
schenden Ansichten. Bis zur Entwickelung des Integuments
ist das Eychen gerade, später erst krümmt es sich. Bei Sc.
hetonicaefolia sah Hr. W., dafs sich der Nucleus in seiner
Längenachse aushöhlte, als derselbe noch aus dem Integument
hervorragte, und die Höhle umkleidete sich dann mit einer
Membran, welche den Embryosack darstellte; er konnte es
abei nicht entscheiden, ob diese Membran eine neue Produ-
ction war, eben so wenig, als die Frage, ob jene Nucleus-Höhle
bis zur Spitze verlaufe, einigemal zeigte es sich wenigstens
sehr bestiüunt, dafs die Spitze des Nucleus verschlossen war.
Die Mittheilungen über die Entwickelung des Stigma's der
Scrophuiarineen sind ebenfalls sehr klar und genau; von dem
leitenden Zellengewebe des Stylus heifst es, dafs dasselbe
nichts anderes wäre, als die innere und modificirte Epidermis
des eingerollten Fruchtblattes. Die Befruchtung sah Hr. W.
ebenfalls durch Pollenschläuche erfolgen, welche in die Mikro-
pyle hineinstiegen; er sah ebenfalls 2 und selbst bis 4 Pollen-
*) Recherches sur la formation de l'ovule et de Tembryon des
Scrofulaires. — Bibliotheque universelle de Geneve. Oct. 1838.
Wiegm. Archiv. VI. Jahrg. 2. Band. 3
34
schlauche gleichzeitig eintreten und erklärt die vorkommende
Pluralität der Embryonen daselbst ebenfalls ganz richtig durch
jene Pollenschläuche, macht aber auch noch die Bemerkung,
dafs bei 4 jungen Embryonen nur der eine zur Entvvickelung
gelangte. Bei der Betrachtung des Befruchtungsaktes zeigt
sich Hr. W. als ein Anhänger der neuen Theorie über den-
selben; er gesteht aber ein, dafs es ihm nicht gelungen ist,
das Verhalten zu beobachten, welches der Pollenschlauch zeigt,
wenn er in das Innere des Eychens eintritt; hierauf kommt
es aber einzig und allein an. Es schien Hrn. W. , dafs der
Erabryosack an seiner Spitze offen ist und durch einen gera-
den Kanal mit der Mikropyle communicire, denn er habe
mehr als einmal gesehen, dafs der Pollenschlauch in den Em-
bryosack hineingehe, ohne dafs dieser eine Einstülpung zeigt.
In der Saamenhaut wurde das Auftreten der Spiralfasern im
Innern der Zellen ebenfalls beobachtet; im jüngeren Zustande
enthielten diese Zellen Amylum-Kügelchen, welche verschwan-
den gegen die Zeit des Reifens, dagegen traf man alsdann hie
und da ein Oeltröpfchen und später bildeten sich die Fasern
auf der innern Zellenwand.
Aus den mitgetheilten Beobachtungen zieht Hr. Wydler
eine Reihe von Schlüssen, denen Referent nicht nur nicht bei-
stimmen kann, sondern mehrere sehr wichtige Thatsachen ent-
gegnen kann. Was die Hypothese betrifft, dafs es bei den
Pflanzen keine Duplicität des Geschlechts gebe, und dafs die
Anthere mit dem Ovario zu vergleichen sei, so haben wir
hierüber schon in dem vorigen Jahresberichte und an andern
Orten umständlich dagegen gesprochen, und Hrn. W.'s Beob-
achtungen über die Veränderungen, welche der Pollenschlauch
gleich nach seinem Eindringen in den Nucleus erfährt, sind
ganz unvollständig, so dafs aus diesen wenigstens nichts zu
erweisen ist. Hr. W. hat den Träger des Embryo's noch nicht
von dem Pollenschlauche unterscheiden können, er spricht von
der Zellenbildung in diesem, hat aber darunter den Embryo-
träger verstanden.
Alles was Referent in seiner Pflanzen-Physiologie (ThI.III.)
gegen die neue Theorie des Hrn. Schieiden über den Be-
fruchtungsakt gesagt hat, das gilt auch gegen die Annahme
des Hrn. Wydler, und er kann deshalb auf den vorigen Jah-
35
resbericht u. s. w. verweisen. Seitdem sind auch die Her-
ren von Mirbei und Spach*) gegen die neue Lehre des
Herrn Schi ei den aufgetreten; sie haben Beobachtungen über
die Entvvickelung des Embryo's bei Zea Mays angestellt und
haben die dabei erhaltenen Resultate bei vielen andern Grä-
sern, als bei Euchlaena mexicana, Coix Laciyma, Tripsa-
cum hennaphrodituin , Sorghum vulgare u. s. w. bestätigt
gefunden. Die Herren von Mirbei und Spach beobachteten
am Mays die vollständige Entwickelung des Eychens und des
Ovariums und geben hierzu umständliche Beschreibung mit
den nöthigsten Abbildungen begleitet; sie sahen die Bildung
der Höhle für das Auftreten des Embryo's im Innern der
Spitze des Nucleus an, und nennen den darin auftretenden
Schleim ein amorphes Cambium. Endlich schwindet die Durch-
sichtigkeit dieses Schleimes und es zeigt sich in der Nucleus-
Höhle ein verhältnifsmäfsig grofser Schlauch, ziemlich eyför-
mig und durchsichtig; dieser Schlauch erhielt den Namen:
l'utricule primordiale; er ist an seinem obern Ende (Chalaza-
Ende) mit einer schlanken Verlängerung versehen, an welcher
kleine Zellchen in Form einer zusammengedrängten Traube
befestigt sind; an dem untern Ende dagegen endet derselbe
in einen fadenförmi2:en tubulösen Anhans", welcher sich in das
Endostomium erstreckt und mit dem Träger des Embryos an-
derer Pflanzen verglichen wird. Es wird gezeigt, dafs dieser
Primordial- oder Urschlauch nicht durch eine Niederdriickung
des Embryosackes entstanden sein kann, denn die Gramineen
hätten überhaupt gar keinen Embryosack. Bald nach dem
Auftreten des Urschlau ches sahen die Herren von Mirbei
und Spach, dafs sich in dem Innern desselben ein „camhium
glohulo - cellulaire^'' darstellte, welches nämlich aus Kügelchen
besteht, in welchen jedesmal eine kleine Centralhöhle vor-
kommt. Dieses Cambium bildet sich endlich zu einer Masse
von Zellengewebe aus, welches die Höhle des ürschlauches
und dessen Träger erfüllt, welcher dabei sich vergröfsert und
sehr verlängert. Dieser mit Zellengewebe gefüllte Urschlauch
*) Notes pour servir a l'histoire de l'embryogenie vegetale. —
Compt. rend. des Seances de l'Acad. des sciences de 18 mars 1839.
Eben dieselbe Abhandlung, nur mit den Abbildungen begleitet, ist
auch in den Ann. des scienc. d'hist. nat, 1839. I, enthalten.
3*
36
ist nun der junge Embryo, was, wie die Herren sa^^en, weiter
von Niemandem bezweifelt werden wird; das obere Ende des-
selben verdickt sich, breitet sich aus wie eine Lanze mit stum-
pfer Spitze und wird zur Lamelle des Cotyledons (Hypoblaste
Richard), während das imtere Ende noch einige Zeit hindurch
einen schlaffen Faden, den früheren Träger, zeigt. Die ge-
nannten Herren haben sich schon seit längerer Zeit davon
überzeugt, dafs die Bildung des ürschlauchs vor der Einwir-
kung des Pollens erfolgt, und dafs derselbe ein, ganz für sich
bestehender Schlauch ist, der im Nucleus entsteht und nicht
etwa in den Nucleus hineinsteigt, das haben ihre Beobachtun-
gen vollständig nachgewiesen; Hr. Schi ei den hätte aber offen-
bar diesen Urschlauch für das Ende des Pollenschlauches an-
gesehen, welcher in den Nucleus eingedrungen sein sollte.
Die Traube kleiner eyförmiger Zellchen, welche den Urschlauch
am oberen Ende umkränzt, hat Herr Schieiden überselien,
und die Herren von Mirbel und Spach erklären diese Zell-
chen für abortirte Urschläuche.
Die Resultate dieser hierselbst in aller Kürze mitgotheil-
ten Beobachtungen liegen zu klar vor Augen, als dafs eine
ausführliche Erörterung hierüber weiter nöthig wäre. Nach
diesen Beobachtungen geschieht die Befruchtung bei dem Mays
und den andern Gräsern weder nach der alten noch nach der
neuen Theorie; die Beobachtungen sprechen aber ganz beson-
ders gegen die neue Ansicht, denn der Schlauch, welcher zum
Embryo umgestaltet wird, kommt nicht von Aufsen in den
Nucleus hinein, sondern er bildet sich im Innern desselben
weit vor der Action des Pollens. Wie nun aber hier die
Befruchtung erfolgt, das gestehen die genannten Herren selbst
ein, nicht zu wissen. Diese interessanten Entdeckungen der
Herren von Mirbel und Spach waren zu abweichend von
unseren bisherigen Beobachtungen, als dafs sich Referent nicht
von der Richtigkeit derselben hätte überzeugen müssen. Ref.
untersuchte die weiblichen Blüthen des sogenannten Riesen-
mays und fand die obigen Entdeckungen nicht nur bestätigt,
sondern er war auch so glücklich, noch einige neue Beobach-
tungen hinzuzufügen*). Referent sah die Spitze (das Mikro-
*) S. Meyen, Noch einige Worte über den Befruchtungsakt und
37
pyl-Ende!) des Urschlauchs stets vollkommen gesclilossen und
nie in Verbindung mit einem Pollenschlauche; der Ursclilauch
selbst vvard, wie es schien, zum Embryo, und aus der Traube
von eyförmigen Zellcheu an dem unteren Ende (dem Chalaza-
Ende!) des Urschlauches entsteht das Schildchen, welches in
Form eines sich zusammenfaltenden Blattes mehr oder weni-
ger über den ganzen Embryo hinwächst; aus der kleinen un-
teren Spalte dieses Schildchens ragt dann noch lange das Ra-
dikularende des Embryos hervor und zeigt den halb abgestor-
benen aber grofsen Strang von Zellen, welcher den Träger
bildete und aus der Spitze des Urschlauchs entstand. Ich
habe mehrmals ganz unverletzt den kleinen Embryo aus dem
noch unvollkommen ausgebildeten Schildchen herauspräpariren
können.
Später hat Herr von Mir bei*) seine Entdeckung des
Primordialschlauches, aus welchem sich unmittelbar der Embryo
bilden sollte, als einen Irrthum anerkannt; er hatte sich über-
zeugt, dafs dieser Schlauch der wirkliche Embryosack ist, in
welchem sich der Embryo und der Eyvveifskörper bildet, wo-
nach denn auch der Irrthum zu berichtigen ist, in welchen
Referent in diesem Punkte gefallen ist, indem er jenen Beob-
achtungen mehr traute, als seinen eigenen und früher ange-
stellten.
Herr Unger**) hat in einer Abhandlung über die Fort-
pflanzungsorgane von Riccia glauca die Frage über
das Geschlecht der phanerogamen Pflanzen, wie sie neuerlichst
erörtert worden ist, mit einigen wenigen, aber allerdings sehr
beachtenswerthen Worten berührt. Seine Untersuchungen über
die Narbe sind nichts weniger als günstig für die Theorie des
Herrn Endlicher, nach welcher die Narbenfeuchtigkeit die
befruchtende Substanz sein soll, und eben so äufsert er sich
darüber, dafs für die Ansicht des Herrn Seh leiden, nach
weicher der Embryosack die Befruchtung ausführt, eben so
die Polyembryonie bei den höheren Pflanzen. Mit 2 Steintafeln m
Quart. Berlin 1840. pag. 21.
*) Rectification d'une erreur commise dans los „Notes pour ser-
vir a l'histoire de Terabryogenie vegetale." — Ainial. des scienc. nat.
Avril 1839. Part. bot. I. pag. 381.
*'^) Linnaea von 1839 pag. 15—17.
38
wenig Gründe vorhanden sind. Indessen gieht Herr Unger
dieser Frage eine ganz andere Wendung, und, wie er glaubt,
eine der Natur des Gegenstandes viel zusagendere. „Was
könnte man, sagt derselbe, wohl gegen die Behauptung, dafs
die Pollenkörner, sobald sie auf die Narbe kommen, schon
befruchtet seien. Erhebliches einwenden? Spricht nicht die
Analogie dafür, dafs schon ihre Bildung ein Werk der Be-
fruchtung ist. Somit wäre denn eher in den Antheren oder
diesen zunächst gelegenen Orten das männliche Geschlecht der
Pflanzen zu suchen u. s. w."
Herr Bernhardi*) hat neue Bedenklichkeiten gegen die
herrschend gewordene Ansicht erhoben, dafs die Bildung des
Saamens bei den phanerogamen Pflanzen einzig und allein nur
durch die geschlechtliche Vereinigung stattfinde; er führt von
Neuem Beobachtungen auf, welche gegen die ältere wie ge-
gen die neuere Ansicht über die Befruchtung der Pflanzen
sprechen. Die Anhänger der älteren Ansicht nennt Hr. Bern-
hardi die Animalculisten und die der neueren Ansicht, welche
im Gehalte des Pollen's einzig und allein den Keim zur künf-
tigen Pflanze suchen, die Pollinisten. Gegen die Lehren der
Pollinisten werden die Beobachtungen Gärtner's angeführt,
dafs manche saamentragende Bastarde bei fortgesetzter Aus-
saat wieder in die mütterliche Gestalt zurückgehen, denn die-
ses läfst sich, wie es auch schon von früheren Schriftstellern
geschehen ist, wohl nicht anders erklären, als durch die An-
nahme, dafs die Mutter in diesem Falle mehr zur Bildung des
Embryo's beigetragen habe, als der Vater. Den Pollinisten
bleibe hierbei kaum eine andere Ausflucht übrig, als zu fra-
gen, ob es mit diesen Beobachtungen denn auch seine voll-
kommene Richtigkeit habe. Der wichtigste Theil der Abhand-
lung des Herrn Bernhardi handelt indessen von den Beob-
achtungen, nach welchen unter gewissen Umständen sich in
den Ovarien mancher Pflanzen vollkommen keimfäliige Saa-
men bilden, ohne dafs eine Bestäubung vorhergegangen ist, hier
wäre also die Mutter allein zur Bildunü: der Saamon lünrei-
chend; es werden die vielen hierüber angestellten Wahrneh-
*) Uebcr Bildung von Saamen oline vorhergep;angcnc Befruchtung.
Otto's mul üiotrich's Alleem. Gartenzeitung. 1839. No. 41 u. 42.
39
iiiungen verschiedener Botaniker aufgeführt, ja, um die Mög-
lichkeit derselben gleich von vorn herein nicht bezweifeln zu
dürfen, werden mehrere Angaben aufgeführt, nach welchen
selbst bei Thieren, als bei Insekten, vom Salamander u. s. w,
ebenfalls Junge zur Welt gebracht wurden, ohne dafs vorher
ein Befruchtungsakt stattgefunden hätte. Die vielen Versuche,
welche man mit der Hanfpflanze angestellt hat, werden sehr
umständlich erörtert, und die Resultate derjenigen beschrie-
ben, welche Herr Bernhardi selbst unter Beachtung aller
möglichen Vorsichts-Maafsregeln mit eben derselben Pflanze
angestellt hat. Im April 1811 säete Hr. B. 30 Saamenkörner
und erhielt 21 Pflanzen, 9 männliche und 12 weibliche. Von
2 stehengebliebenen weiblichen Pflanzen wurden 28 Saamen
erhalten, welche 1812 ausgesäet 20 Pflanzen (10 männl. und
10 weibl.) gaben. Von diesen stehengebliebenen weiblichen
Pflanzen sammelte er 20 Körner, die 1813 gesäet 15 Pflanzen
(8 männl. und 7 weibl.) gaben. Hiervon wurden 30 Saamen
gesammelt und diese gaben 1814 nur 19 Pflanzen (12 männl.
und 7 weibl.), von welchen 32 Saamen abgenommen und 1815
nur 21 Pflanzen (16 männl. und 5 weibl.) gewonnen wurden.
Von diesen liefs man nur 2 weibliche Pflanzen stehen, erhielt
von ihnen 25 Saamen, welche 1816 ausgesäet 15 männliche
und 2 weibliche Pflanzen gaben. Hr. B. hat bei diesen Ver-
suchen die männlichen Pflanzen sehr früh ausgerottet, und
zwar zu einer Zeit, als sie noch ganz unentwickelte Antheren
hatten; es blieben auch immer nur 2 w- eibliche Pflanzen ste-
hen, damit um so leichter nachgesehen werden konnte, ob
sich auch nicht einzelne männliche Blüthen zwischen den
weiblichen entwickelt hatten. Das auffallende Resultat dieser
Beobachtungen ist also die Bildung reifer Saamen ohne Be-
fruchtung, indem man diese nicht wahrgenommen hat, und
ebenfalls sehr bemerkenswerth ist es, dafs sich bei wiederhol-
ter Aussaat die Zahl der männlichen Pflanzen im Verhältnisse
zu den weiblichen regelmäfsig vermehrte ; die Kultur der Pflan-
zen geschah auf einem ziemlich mageren Boden. Was nun
das erstere Resultat betrifft, so glaubt Referent noch keines-
vveges, dafs es durch diese neu beschriebenen Beobachtungen
des Herrn Bernhardi erwiesen ist, dafs sich bei der Hanf-
pflanze oder überhaupt bei phanerogamen Pflanzen Saamen
40
ohne Befruchtung bilden können, kurz er glaubt, dafs man hier
fragen könne, ob es sich denn mit diesen Erfahrungen voll-
kommen richtig verhalte. Indessen Beobachtungen von so
glaubwürdigen Männern wie Herr Beruh ardi darf man nicht
ohne gehörige Gründe zur Seite schieben, und es wird daher
das Rathsamste sein, dafs man im kommenden Sommer diese
Versuche in gehöriger Anzahl wiederholt und dabei auf Alles
achtet, was uns heutigen Tages die Wissenschaft über die Vor-
gänge bei dem Befruchtungsakte lehrt. Referent selbst hat die
Bildung des PoUen^'s bei andern Pflanzen an so ungewöhnlichen
Orten beobachtet, dafs man ähnliche Vorgänge auch wohl bei
der Hanfpflanze vermuthen könnte.
Herr J. Smith*) machte der Linnaean Society eine Mit-
theilung von einer neuen Pflanze aus Neu-Holland, welche seit
1829 durch Cunningham nach England gesendet war, da-
selbst im Garten zu Kew alljährlich geblüht und reife Früchte
getragen hat, obgleich die Blüthen alle weiblich waren; es
wurden keine Spuren von pollentragenden Organen an diesen
Blumen wahrgenommen. Die Pflanze bildet eine neue Gattung
der Euphorbiaceen.
Auch Referent hat sich veranlafst gesehen, eine kleine
Broschüre**) zu publiciren, worin nochmals die plastischen
Erscheinungen erörtert sind, welche er bei der wirklichen Be-
fruchtung, nämlich bei der Vereinigung des Pollenschlauches
mit dem Embryosacke oder bei dem Eintritte des Pollenschlau-
ch€S in die Nucleushöhle beobachtet hat. Der gröfste Theil
dieser Beobachtungen ist schon im 3ten Theile der Pflanzen-
Physiologie des Referenten publicirt, hier aber sind alle jene,
darauf bezüglichen Thatsachen nochmals zusammengestellt und
zwar klarer als früher, indem die Erscheinung selbst durch
wiederholt fortgesetzte Beobachtungen dem Referenten gleicli-
falls deutlicher vor Augen trat. Ein hochgeachteter Physio-
loge hat die Aeufserung gemacht, es ginge aus meinen Beob-
achtungen hervor, als entstämle der Embryo durch das Hin-
*) Annais of natur. histor. or Magaz. Sept. 1839. pag. 68.
**) S. Meyen, Noch einige Worte über den Befnichtungsakt und
die Polyembryonie bei den höhereu Pflanzen. Mit 2 Steintafeln in
Quart. Berlin 1840.
41
einspritzen der Fovilla, oder der befruchtenden Substanz des
Pollenschlauches in den Embryosack, doch ich habe eine solche
Ansicht über den Befruchtungsakt der Pflanzen niemals ge-
habt, und in vorliegender Broschüre ist die Deutung der ge-
machten Beobachtungen bündiger dargestellt. Bei einigen Ar-
ten von Mesemhryanthemum hat Referent die Vereinigung
des Pollenschlauches mit dem Embryosacke viel genauer be-
obachten können als früher, besonders die merkwürdige seit-
liche Verbindung der Spitze des Pollfeschlauches mit der Seite
der Spitze des Embryosackes bei Mesembryanthemwn pome-
ridianwn, worüber die beigegebenen Zeichnungen die nöthige
Nachweisung geben. In Folge dieser Vereinigung, worin hier
der Befruchtungsakt besteht, bildet sich erst in der Spitze des
Embryosackes, gerade unter jener Vereinigungsstelle, ein Bläs-
ehen, das sogenannte Keimbläschen, aus welchem nun erst der
Träger mit dem Embryobläschen hervorgeht, was näher be-
schrieben und durch Abbildungen nachgewiesen wird. Referent
sah noch niemals einen gröfseren Embryosack, als bei diesem
Mesemhjyantheiniim, wo das Eychen halb gekrümmt ist und
durch eine Krümmung der Nabelschnur wiederum umgedreht
wird. Bei dem M. Unguaeforme findet die Vereinigung des
Pollenschlauches mit dem Embryosacke gerade an der Spitze
statt, und nachdem sich das Keimbläschen gebildet, schwillt
das Ende des Pollenschlauches sehr bedeutend blasenförmig an
und bleibt sehr lange Zeit wohlerhalten zurück, während bei
ganz ähnlichen Arten der Pollenschlauch gleich nach der Be-
fruchtung vergeht u. s. w.
Von Herrn Decaisne*) wurde eine interessante Arbeit
über die Entwickelung und den Bau der Blüthen von Viscum
albinn der Akademie der Wissenschaften zu Paris vorgelegt,
und die Herren v. Mirbel, v. Jussieu und Ad. Brongniart
haben als Berichterstatter die Resultate aus derselben bekannt
gemacht, von welcher wir hier nur die wesentlichsten und die
neueren hervorheben können:
Die Zellen der Anthereu und der Kelchlappen, mit wel-
*) Developpement du polIcn dans le Gui; changements quo pre-
sentent ses ovules et ceux du Thesium. — Compt. rend. de 1839.
11 Fevrier. pag. 201.
42
clien jene bei dem Viscum verschmolzen sind, zeigen in der
Form keinen Unterschied, die letzteren sind jedoch mit einer
grünen Substanz gefüllt, während die ersteren ungefärbt auf-
treten. Fünf Monate vor dem Aufblühen erscheint das Zel-
lengewebe der Antheren fast gleichmäfsig und theilt sich in
kleine Höhlen, deren Wände grün gefärbt sind. Diese Höhlen
vergröfsern sich und ihr zelliger Inhalt verschwindet, um an-
dern Zellen von sehr grofsem Umfange Platz zu machen,
welche „les utricules pÄiiniques" genannt werden (Es sind
dieses die unter dem Namen der Mutterzellen bekannten Bil-
dungen. Ref.), und 1 oder 2 Nuclei untermischt mit zahllosen
Kügelchen von aufserordentlicher Feinheit; jene Nuclei wären
die ersten Entwürfe der Pollenkörner. Später werden diese
„utricules" verdickt, opak und zeigen concentrische mehr oder
weniger regelmäfsige Schichten in ihrem Umfange, und endlich
sind in in jedem Schlauche (Mutterzelle! Ref.) vier gelbliche
Nuclei eingeschlossen, welche mehr oder weniger abgerundet
sind und im Mittelpunkte eine hellere Stelle zeigen. Hierauf
legt sich die Substanz, welche die „utricules polliniques" ver-
dickte, zwischen jene 4 Nuclei, w^elche darin eingeschlossen
waren, und bildet nach ihrer Form eben so viele besondere
Höhlen (Dieses ist die Bildung der Specialmutterzellen. Ref.),
und endlich verscliwindet auch diese Substanz und die Pollen-
körner liegen frei in der Höhle der Anthere. In diesem aus-
gebildeten Zustande zeigen sie alsbald kleine Papillen auf ih-
rer Oberfläche, und nachdem der Kern verschwunden ist, wel-
chen sie früher enthielten, zeigen sie auch noch eine innere
Meml>ran. Die Antheren von Viscuin zeigen keine solche
netzförmige Zellen, wie man sie bei vielen anderen Pflan-
zen sieht.
Das Ovarium ist, eben so wie die Antheren, seit dem Er-
scheinen der Blüthen mit dem Kelche verwachsen, und es be-
steht aus einer grünen und gleichmäfsigen Zellenmasse, worin 1
keine Höhle zu unterscheiden ist. Einige Zeit vor dem Auf-
blühen sieht man zwei kleine Lücken, welche sich im Umfange
des Ovariums und in der Mitte des Zellcngewebes bilden.
Nach der Befruchtung vergröfsern sich diese Höhlen, und in-
dem sie sich wieder vereinigen, stellen sie die Höhle des En-
docarpiums dar. Zu Paris blüht der Mistel im März oder
43
April, und das Eychen zeigt sich zu Ende Mai oder im An-
fange des Juni. Um diese Zeit zeigt es sich als ein pulpöses
"Wärzchen, welches auf der Basis des Endocarp's befestigt ist;
es ist sehr gewöhnlich durch zwei sehr feine Fädchen beglei-
tet, welche die Rudimente zweier abortirter Ovula sind. Da
keine Eyhüllen beobachtet wurden, so kommt Ilr. Decaisne
zu dem Schlüsse, dafs hier das Eychen im einfachsten Zustande
befindlich ist und in einem blofsen Nucleus besteht, indessen
es geht nur zu deutlich aus den Mittheilungen des Herrn Be-
richterstatters hervor, dafs hier der Embryosack mit dem
darin enthaltenen Eyweifskörper und dem Embryo für das
nackte Eychen oder den blofsen Nucleus angesehen worden
ist, wonach denn die folgenden Sätze zu berichtigen sind, denn
die Beweise hierzu wird man in der später aufgeführten Ar-
beit des Referenten auseinandergesetzt finden. Wenn die Saa-
men des Misteis, heifst es weiter in jenem Berichte, mehr als
einen Embryo enthalten, so ist dieses Phänomen durch die
Entwickelung oder durch Verv\Mchsung zweier Eychen zu er-
klären, von welchen aber gewöhnlich das eine abortirt u. s. w.
Die grüne gefäfshaltige Hülle, welche der reife Saanien zeigt,
macht einen Theil der Frucht aus und ist, wie Hr. Decaisne
glaubt, das Endocarpe. Die späteren Mittheilungen des Refe-
renten werden aber beweisen, dafs die letzteren Angaben nicht
richtig sind.
Hr. Schieiden *) gab Beiträge zur Kenntnifs der Blüthe
der Loranthaceen und besonders des Viscmn alhum; er
macht darauf aufmerksam, dafs jene Blüthe wohl die einfachste
Form ist, in welcher die Blume vorkommen kann; denn sie
besteht aus' zwei in einen Kreis zusammengedrängten Blatt-
paaren, die in der männlichen Blüthe in Antheren umgewandelt
sind, dagegen bei der weiblichen eine kelchartige Beschaffen-
heit haben. In der Mitte dieser sitzt der gerade stehende,
nackte Nucleus und der Embryosack soll sich im Marke des
Stengels (pedunculus) bilden. Die Pollenkörner treten un-
mittelbar auf die Spitze des Nucleus, kommen zu mehreren
in denselben hinein und Lüden so die Polyembryonie. Die
j uuiduiscuü i>iuiiz,un. — lii Wiegmann's Archiv etc. v. 1839,
I. 211 — 214.
44
Beere hält Hr. Sohl, endlich für den saftig gewordenen Pedun-
culus, dessen Gewebe in das härtere der scheinbaren Saamenhaut
übergehen soll. Die regelmäfsige Form der Anthere von Viscum
pflegt ebenfalls zweifächerig und vierzellig zu sein, doch ist
jede Zelle durch Querwände noch in kleinere Fächer einge-
theilt und der Monstrositäten wegen kommen selten ganz
regelmäfsige Antheren vor. Bei Viscum verticillatum besteht
die Aehre aus 3 Paar Bracteen und das obere Paar hat nur
eine Blüthe, die anderen je drei, welche später einen Verti-
cillus spurius bilden, während die Terminalblume fehlt. Bei
LorantJius ist die Spitze des ebenfalls nackten Nucleus so
lang ausgezogen, dafs sie die Form eines Stylus nachahmt.
Hr. Sohl, schliefst endlich mit der Bemerkung, dafs die ho-
ranthaceen in einer parasitischen Form den Uebergang von
den Coniferen zu den höher entwickelten Familien vermitteln.
Endlich hat auch Referent *) seine Beobachtungen über
die Bildung des Saamens bei Viscum album bekannt gemacht.
Die Polyembryonie, w^elche mr^n in den jungen Früchten dieser
Pflanze so häufig beobachtet, ist auf das Auftreten mehrerer
Embryosäcke neben einander begründet, von welchen jedoch
fast immer nur der eine mit dem darin enthaltenen Embryo
zur Entwickelung gelangt, während die übrigen abortiren; und
Referent konnte nichts beobachten, was die Angabe des Herrn
Decaisne bestätigt hätte, dafs nämlich der Embryo bei dieser
Pflanze durch ein Verwachsen von mehreren, nämlich von 2,
zuweilen auch von 3 einzelnen Embryonen gebildet w-erde.
Es ist gar nicht selten, dafs mehrere Embryosäcke in einem
und demselben Nucleus befruchtet werden, aber dennoch kommt
6—8 Wochen nach erfolgter Befruchtung gewöhnlich nur der
eine derselben zur vollkommenen Entwickelung, und demnach
könne man auch nicht die Verdoppelung und Verdreifachung
des Wurzelendes des Embryo von Viscum album durch ein
Verwachsensein aus melirereu Embryonen erklären.
Die weibliche Bliithe von Viscum bietet einen höchst
einfachen Bau dar; sie besteht aus einem einzelnen, flaschen-
förmig gestalteten Nucleus, der unmittelbar von einem kelch-
*) Meyon. Noch einige Worte über den Befruchtungsakt mid
die Polyenibryonie bei den höheren Pflanzen. Berlin 1039. pag. 39 — 50.
45
artigen Gebilde umschlossen wird, aus welchem sich später
die vveifse, fleischige und klebrige Masse bildet, welche un-
mittelbar den Saamen einschliefst und also die Fruchthiille dar-
stellt. Auf diesem Kelche sitzen die Blättchen, vvelclie man für
die Blumenblätter halten kann; bei der männlichen Bliithe sind
sie es, welche zu Antheren umgestaltet werden. Der Nucleus
sitzt bei Viscum, stets auf der Spitze der Haupt- oder der
Nebenachse; die Spitze desselben empfängt den Pollen und
vertritt demnach zugleich die Stelle der Mikropyle, aber in
der Basis des Nucleus bildet sich der Embryosack, welcher
von Unten nach Oben in die Höhle hineinwächst, die sich im
Nucleus gebildet hat; daher entwickelt sich der Embryosack
nicht in der Spitze des Stengels, wie es Hr. Schieiden vor-
hin angegeben hat, sondern wie gewöhnlich im Innern des
Nucleus. Die Ausführung der Befrachtung durch Pollen-
schläuche konnte Referent bei Viscinn niemals sehen, aber
gleich nach erfolgter Befruchtung theilt sich der Embryosack
durch eine Anzahl von Querwänden in grofse Zellen, in welchen
sich dann später, von Oben nach Unten herabsteigend, der
Eiweifskörper bildet. Der Embryo aber bleibt fast 4 bis 5
Wochen lang auf der ersten Stufe seiner Entwickelung als
Embryobläschen in der obersten grofsen Zelle des Embryosackes
zurück, und dann erst, wenn sich fast alle Zellen des Em-
bryosackes mit Eyweifskörper gebildet haben, wächst er mit
grofser Schnelligkeit und durchbricht dann alle die Querwände
des Embryosackes von Oben bis Unten, u. s. w. Eine Reihe
von Abbildungen sind über diesen Gegenstand der kleinen Schrift
beigegeben, und werden die nöthige Erläuterung geben.
Gegen Ende des Jahres war Referent so glücklich eine
Mistelstaude zu finden, welche fast in jedem ihrer zahlreichen
Saamen zwei Embryonen enthielt, die auch sehr leicht an den
feuchten Fensterrahmen keimten. Es zeigten sich stets so viel
Würzelchen, als ausgebildete Embryonen im Saamen waren,
und die Embryonen waren meistens mit ihren Cotyledonar-
Enden mehr oder weniger fest verwachsen, doch fand niemals
ein wirkliches Verwachsen und Verschmelzen statt. Die auf-
fallende Stellung, welche die Embryonen im Mistel -Saamen
zeigen, wenn nämlich mehrere darin enthalten sind, erklärt
sich durch das Verwachsen der Eyweifskörper und deren eigen-
46
tlüimliclior Form. Jeder Embryo im Mistel-Saamcn bildet sich
in der Achse seines eigenen Ey weifskörpers , der am obern,
d. h. dem Mikropyl-Ende 10 und 15 Mal breiter wird, als am
untern, wodurch dann, sobald diese mit ihren nebeneinander
liegenden Rändern verwachsen, die Achsen derselben in ihrem
obern Verlaufe in einen Winkel von 40 — 60 Graden aus-
einander treten.
Zugleich hat Referent auf die wesentlichen Verschieden-
heiten aufmerksam gemacht, unter welchen sich die Poly-
embryonie bei den Pflanzen darstellt.
Hr. Horkel *) hat in der Akademie der Wissenschaften
zu Berlin eine Abhandlung über die Polyembryonie der Coiü-
feren gelesen; seine eigenen Untersuchungen über diesen Gegen-
stand stimmten mit denjenigen von Rob. Brown vollkommen
überein; schon 1819 hatte er die in der Spitze des Albumens
vorkommenden mehrfachen kleinen Höhlen bei Abies excelsa
bemerkt, und auch schon vor längerer Zeit in einem Pinus
CeDihra -Saamen neben dem Embryo noch zwei verkümmerte
Rudimente wahrgenommen. Bei Ahies excelsa hatte Hr. H.
die Rudimente der Ovula bis zu derjenigen Gestalt kennen ge-
lernt, in welcher sie Rob. Brown funiciili genannt habe;
sie lagen in der Mitte der grofsen Höhlen des Albumens pa-
rallel neben einander; sie waren gewöhnlich zu drei, seltener
zu vier vorkommend, hei Pinus echinata habe Hr. Seh leiden
aber auch sechs Rudimente gefunden. Bei Taxus haccata
sah Hr. H. nie weniger als zwei Rudimente, gewöhnlich aber
drei, doch kommt hier zuweilen nur eine Höhle in der Spitze
des Albumens vor. Bei den Ciipressineen fand Hr. H. dage-
gen immer nur eine in der Achse des Albumens sich befindende
Höhle für die Bildung des Embryo's, in welche aber constant
2 — 4 Pollenschläuche hineingingen; die Polyembryonie dieser
Pflanzen reihe sich daher an diejenige von Citrus, doch sei
sie nicht so zufällig, sondern sie gehöre zum Wesen derselben.
Hr. Decaisne**) hat uns interessante Untersuchungen
über die Struktur und die Befruchtung der Eycheu von Thesium
*) Berichte über die Verhandlungen der Akatleniic der Wissen-
schaften zu Berlin. A. d. Jahre 1839. pag. 92.
**) De l'ovulc du Thesium — Compt. rend. d. 1839. No. 6. p. 203.
47
'■»•egeben, welche die Deutung rechtfertigen, die Referent (s. d.
vorigen Jahresbericht pag. 33) über Griffith's Darstellungen
des Saamenbaues von Santalum cdhiim gab. Kurze Zeit
nach erfolgter Befruchtung sieht man aus einem der Eychen
jener Pflanze einen Schlauch hervortreten, welcher sich auf-
richtet und sich mit einem andern, sehr feinen Schlauche in
Verbindung setzt, der von Oben herab in die Höhle des Ovu-
lums hineinsteigt. Nach erfolgter Vereinigung schwillt dieser
Schlauch an, nimmt die Gestalt einer Blase an, welche sich
in dem untern Theile mit Zellen füllt. Dieser Schlauch ist
der Embryosack, in dessen Spitze sich der Embryo in Form
eines kleinen abgerundeten Bläschens bildet, und das Auffal-
lende hiebei ist, dafs derselbe ganz nackt, also aufserhalb des
Nucleus liegt (Wir haben früher schon nachgewiesen, dafs
dieses ebenfalls bei Leguminosen vorkommt, wo jedoch der
Embryosack alsdann noch von den Eyhüllen umschlossen ist.
Ref.) und dafs dann der Saamen ebenfalls ganz nackt, nur
von der feinen Haut des Embryosackes umschlossen, auftritt.
Während dieser Bildung des Embryo's bemerkt man, dafs sich
ein einfacher Schlauch darstellt, der unten gefingert (digite)
und an der Spitze angeschwollen ist; diesen Schlauch durch-
bohrt das Säulcheu, in dessen Mitte er eingeschlossen ist, gegen
den Insertionspunkt des befruchteten Eychens, «nd legt sich
durch sein angeschwollenes Ende in Form einer Retorte über
eine der Spitzen des Embryosackes des naheliegenden Embryo's.
Hr. Decaisne hält diesen eigenthümlichen Schlauch für ein
Ernährungsgefäfs, welches zugleich die Chalaza ersetzt und
Referent glaubt (er hat den C^egenstand jedoch noch nicht
selbst untersucht), dafs dieser Schlauch entweder unmittelbar
aus dem Ende des Pollenschlauches entstanden ist, wie bei
Mesemhryanthemiim linguaeforme, oder als eine eigenthüm-
liche Bildung des Trägers des Embryos zu deuten ist, etwa
wie bei CeratophyUwn u. s. w.
Hr. Emil Kratzmann*) hat in seiner Inaugural-Disser-
tation die Lehre vom Saamen der Pflanzen abgehandelt und
obgleich derselbe in der Vorrede zu dieser Schrift die Be-
*) Die Lehre vom Saamen der Pflanzen. Mit 4 lithographirtcn
Tafeln. Pra? 1839. 8. 98 Seiten.
48
merkiing macht, dafs er nur gesammelt habe und keinen An-
spruch auf Originalität mache, nur den Wunsch hege, dafs das
Gesammelte dem geneigten Leser in einer zweckmäfsigen Form
erscheine, so kann doch Referent nicht unterlassen, diese
höchst fleifsige und gewifs ziemlich vollständige Arbeit allen
Denjenigen zu empfehlen, welchen die gröfsein botanischen
Werke nicht zugänglich sind, oder diesen Gegenstand lieber
in einer kurzen und gedrängten Darstellung kennen lernen
wollen. Die Sclirift zerfällt in 5 Abschnitte und diese han-
deln: Vom Präformations-Stadium des Saamens, von der Zeu-
gung oder der Saamenbildung, von der Evolution des Saamens
(d.i. der Zeitigung oder dem Reifen desselben), ferner von der
Saamenreife und der Struktur des reifen Saamens, und endlich
von den Erscheinungen, unter welchen das Keimen der Saa-
men erfolgt.
Ueber die monocotyledonischen Embryonen hat Herr
Adrian de Jussieu*) eine sehr interessante Arbeit publi-
cirt; nach einer geschichtlichen Einleitung giebt derselbe die
Charaktere der monocotyledonischen Embryonen im Allge-
meinen an und geht dann zur Aufzählung der Eigenthiimlich-
keiten über, welche die Embryonen der verschiedenen Gat-
tungen zeigen. Die gewöhnlichste Form des Embryo's der
Monocotyledonen ist die des Cylinders mit abgerundeten Enden,
oder des mehr oder weniger langgestreckten Ellipsoides. Bald
ist das Cotyledonarende breiter, bald und zwar noch öfters,
ist es das Radicularende, welches verdickt auftritt. Sehr oft
bleibt das kleine stumpfe Pünktchen an dem Radicularende,
an welchem der Träger endet, zurück, aber stets ragt es am
Embryo vor dessen Reife hervor. Durch die Lage des Wür-
zelchens wird die des Knöspchcns bestimmt werden, welche
durch einen kleinen Vorsprung auf einer Seite des Umfanges
zum Vorschein kommt; dieser Vorsprung zeigt sich in der Co-
tyledonarspalte. In sehr seltenen Fällen ist diese Spalte ihrer
ganzen Länge nach geöJÖfnet, und die Seiten derselben lassen
das erste Blättchen der Knospe ihrer ganzen Länge nach sicht-
'^) Sur les Embryons monocotyledones. Lu a FAcadomie des
Sciences dans sa seance du 1 Jiiillet 1839. — Ann. des scienc. natur.
Part. bot. 1839. I. pag. 311 — 361.
49
bar werden, wie es bei Ouvirandra der Fall ist. In andern
Fällen berühren sich die Ränder der Spalten in der Mitte und
entfernen sich nach Oben und nach Unten; hier kommt ent-
weder die Spitze des Knöspchens aus einer der Oeffnungen
und zwar aus der oberen hervor, wie bei Aponogeton dista-
chys etc., oder wie bei Sparganhnn ramoswn, Commelina
tuber osaw. s.w., wo man keine Spur davon sieht. In den mei-
sten Fällen berühren sich die Lappen der Spalten in ihrer gan-
zen Länge und die Spalte zeigt sich alsdann nur in Form
einer Linie, welche bald gerade herabläuft, bald gekrümmt ist»
die Querschnitte des Embryo's an dieser Stelle ausgeführt, zei-
gen dann das Verhältnifs der Ränder der Spalten zu einander.
Alle diese Fälle, wie auch die folgenden, werden durch eine
Reihe von schönen Abbildungen verdeutlicht. Das Knöspchen
zeigt sich in Form eines kleinen Wärzchens im Grunde einer
kreisrunden, ovalen oder einer rautenförmigen Einfassung; bei
Amaryllis carnea sind die Ränder der Spalte nur oben aus-
einanderstehend, während sie in ihrer ganzen übrigen Länge
verwachsen erscheinen. Endlich erscheint die Spalte auch ho-
rizontal (J^eratrum z. B.), und wenn sich die Ränder dersel-
ben darüber hinaus verlängern, so erhält man das Ansehen
einer getheilten oder selbst einer einfachen Ligula, je nach-
dem die Verschmelzung der inneren Ränder vollkommen oder
nicht vollkommen stattfindet. Bei Rojania hastata und Tam-
nus commujüs bleiben die inneren Ränder unabhängig und
frei zurück. Endlich, sagt Herr v. Jussieu, kann die Tren-
nung in der Continuität am Cotyledonarende des Embryo's bis
auf einen blofsen Punkt herabgehen, wie bei den Gramineen
und Cyperaceen sehr häufig, oder auch dieser Punkt kann sich
der Beobachtung ganz entziehen, indessen alle diese Modifica-
tionen sind nur verschiedene Grade einer und derselben Or-
ganisation. Da aus der Stellung der Spalte auf die Lage des
Knöspchens zu schliefsen ist, so wird man bei jedem Embryo
sehr bald die Verhältnisse erkennen, in welchen das Cotyle-
donarende zu dem Radikularende steht; sehr oft ist ersteres
bedeutend gröfser als letzteres.
Hierauf geht Herr v. Jussieu an die Untersuchung der
Hypothese von Lindley, nach welcher der monocotyledoni-
sche Embryo als ein dicotyledonischer zu betrachten wäre,
Wiegm. Archiv. VI. Jahrg. 2. Band. 4
50
an welchem der eine Cotyledon verschwunden ist, während
sich der andere um die Plumula gewunden hat und mit sei-
nen Rändern verwachsen ist. Zur Bekämpfung dieser Hypo-
these wird der Weg der Beobachtung vorgeschlagen; eine
Menge von interessanten Beobachtungen werden aufgeführt,
und Herr v. Jussieu kommt zu dem Resultate, dafs der mo-
nocotyledonische Embryo in Hinsicht seines Cotyledonarthei-
les ganz vollständig einer Knospe zu vergleichen ist. Schliefs-
lich werden die abweichenden Formen betrachtet, welche die
Embryonen einer Menge von Monocotyledonen zeigen, und der
Verfasser kommt zu dem Schlüsse, dafs das Stämmchen bei
gewissen monocotyledonischen Embryonen einen seitlichen und
unproportionirten Auswuchs annimmt, welcher demselben bis
auf einen gewissen Punkt das Ansehen eines Cotyledons giebt,
und dieser Auswuchs versieht dann auch die Function des Co-
tyledons, besonders in dem Falle, wo der wahre Cotyledon
unvollkommen und auf den Zustand einer blofsen Scheide zu-
rückgeführt ist.
Bei dem grofsen Eifer, mit welchem gegenwärtig die Bil-
dung der jungen Pflanzensaamen beobachtet wird, ist es zu
erwarten, dafs auch dieser, von Herrn v. J u s s i e u mit so vie-
len Erfahrungen bearbeitete Gegenstand in der nächsten Zeit
seine vollständige Lösung finden wird ; es ist freilich eine Rie_
senarbeit, die Bildungsgeschichte aller der liier genannten mo-
nocotyledonischen Embryone entsprechend vollständig zu ge-
ben, besonders da es scheint, dafs die Bildung des sogenann-
ten Cotyledons bei verschiedenen Familien sehr verschieden
auftritt. Man vergleiche hierüber, was ich über die Bildung
dieses Körpers bei Mays beobachtet zu haben glaube.
In der botanischen Gesellschaft zu Edinburgh*) hat Herr
Giraud eine Abhandlung über die Struktur und die Function
des Pollens gelesen, aus welcher hervorgeht, dafs derselbe zu
ganz ähölichen Resultaten gelangt ist, als in den neueren Wer-
ken der Deutschen über diesen Gegenstand publicirt sind. Bei
Crocus vernus sah Herr Giraud drei Pollenhäute nnd auf
der Oberfläche der Pollenköruer von Folemonium coeruleum
fand er kleine opake Körner, welche eine eigenthümliche Be-
') S. Annais of Natural histor. April 1S39 pag. 127.
51
vvegung zeigten, sobald sie in Wasser befindlich waren. Die
Furchen, welche auf gewissen sphärischen und ellipsoidischen
Pollenkörnern vorkommen, scheinen dem Herrn Giraud nicht
in blofsen Spalten in der äufseren Membran zu bestehen. Die
chemischen Untersuchungen des Pollens ergaben das Vorkom-
men von Kali in dem Pollen von Antirrhinum majus, sowie
nadeiförmige Krystalle von phosphorsaurem Kalke u. s. w. Bei
der Bildung der Pollenschläuche fand Herr Giraud ebenfalls,
dafs Wärme dieselbe befördere.
Im Botanical Register*) findet sich eine Mittheilung über
das Vorkommen der Stärke auf der Oberfläche der Pollen-
körner von Polernonium coeruleum^ deren Bildung von den
Mutterzellen abgeleitet wird. (Ein solches Vorkommen von
Stärke -Kii gelchen kann nur, wenn es wirklich der Fall gewe-
sen ist, denn regelmäfsig findet es nicht statt, als eine Aus-
nahme von der Regel und überdies als etwas ganz Unwesent-
liches angesehen werden. Ref.)
Herr A. Braun**) hat bei der Versammlung der Natur-
forscher in Freiburg seine Beobachtungen über die Ordnung
im Aufspringen der Antheren vorgelegt; er wies nach, dafs
die Ordnungsfolge im Aufspringen der Antheren nur in sehr
wenigen Fällen mit der genetischen Succession der Staubblät-
ter übereinstimme, ihr zuweilen sogar entgegenlaufe, in den
meisten Fällen aber, wo eine wirkliche Succession stattfindet,
in gar keiner Beziehung zur Genesis stehe. Aus der grofsen
Menge von speciellen Beobachtungen leitet Herr Braun fol-
gende Fälle ab, in welchen sich die Ordnungsfolge in dem
Aufspringen der Antheren zeigt:
I. Gleichzeitiges Aufspringen sämmtlicher Antheren. H.
Cyklenvveise-successives Aufspringen, und zwar entweder in
centripetaler oder in centrifugaler Folge. III. Gliederweise-
successives Aufspringen; es findet statt: 1) in spiraliger Suc-
cession, und zwar: a. centripetal oder progressiv, b. centri-
fugal oder regressiv, c. von der mittlem Region aus vor- und
rückschreitend zugleich, und d. in einer bestimmten Spiral-
folge u. s. w., oder das Aufspringen findet statt in nicht spi-
*) 1839. pag. 52.
**) Flora von 1839. pag. 302.
52
raliger Succession. Hier schreitet es entweder regclmäfsig von
einer Seite der Blüthe zur andern oder 2) in einer scheinbar
unregelmäfsigen, aber doch konstanten Succession fort.
Durch eine Mittheilung in Herrn Mussehl's Praktischem
Wochenblatte des Neuesten und Wissenswürdigsten für Land-
wirthschaft etc. 1839. No. 41. wurde Referent auf einen Auf-
satz in Herrn Riecke's Wochenblatt*) über Doppelveredlung
von Obstbäumen aufmerksam gemacht. Man versteht hierun-
ter die Veredlung von Stämmen oder Aesten, welche schon
aus Edelreisern hervorgegangen sind, wodurch die Vorzüglich-
keit der Früchte sehr gesteigert werden soll. Treff z, ein
alter Praktiker, soll schon im Taschenbuch für Natur- und
Gartenfreunde von 1803 mehrere Beispiele von solcher Dop-
pelveredlung mitgetheilt haben, woraus sich ergab, dafs Aepfel-
bäume, die zweimal veredelt waren, sich vor andern von glei-
cher Sorte durch Vortreflflichkeit der Früchte auffallend aus-
zeichneten. Johannis- und Stachelbeeren lieferten schon nach
der ersten, noch mehr aber nach der dritten und vierten Ver-
edlung ganz ausgezeichnete Früchte. Noch in die Augen fal-
lender seien die Wirkungen einer solchen Veredlung bei der
Aprikose und Quitte; die Aprikose nämlich, die ein trocknes
Fleisch hat, wurde auf den Stamm einer grünen Reineclaude,
die Quitte, die roh ganz ungeniefsbar ist, auf die vortreffliche
Herbstbergamottebirne gesetzt. Von der Aprikose erzählt
Treffz, sei der Zweig vortrefflich angewachsen und habe sei-
nes übermäfsigen Triebes wegen erst im 5ten Jahre Früchte
gebracht aber eine Frucht, welche so saftig w^ie die der Reine-
claude, von röthlicherem Gelb und von weit delikaterem Ge-
schmacke war. Nicht minder günstig sei der Erfolg bei der
Quitte gewesen, indem diese im 3ten Jahre Früchte gebracht
habe, welche schon zu Anfang September reif geworden seien,
und bei denen das Fleisch schon in dieser ersten Doppelver-
edlung weit zarter und frei von steinigten Theilen gewesen sei.
Referent bringt diesen Gegenstand hierselbst zur Sprache
und hofft, dafs theils neue Versuche über denselben angestellt
würden, theils schon gemachte Erfahrungen zur allgemeinen
Kenntnifs kämen. Die mitgetheilten Beobachtungen sprechen
0 1838. No. 35.
53
aber nicht nur für die Nützlichkeit der Doppel Veredlung, son-
dern sie scheinen zu beweisen, dafs die Natur des Edelreises
durch das Subjekt verändert werden könne, denn man pfropfte
schlechte Obstsorten auf bessere (was sonst gerade nicht der
Fall ist!) und erhielt sogleich bessere Früchte.
2) Bei den Cryptogamen.
HerrUnger*) hat eine interessante Abhandlung über den
Bau und die Function der Fructificationsorgane von Riccia
glauca mitgetheilt, welche sehr zeitgeiiiäfs ist; er giebt zuerst
einige Nachweisungen über die anatomische Struktur der laub-
«irtigen Substanz, wobei gezeigt wird, wie das Fehlen der
Spaltöffnungen bei diesen niedern Lebermoosen durch die lok-
kere Aneinanderreihung der oberflächlich gelagerten Zellen
gleichsam ersetzt wird. (Bei Riccia crystallina ist dieses
Durchbrochensein der oberen Zellenmasse des Laubes ganz
besonders interessant. Ref.) Es folgt hierauf die Beschreibung
der Beobachtungen über die Entwickelung der beiden verschie-
denartigen Fructificationsorgane, doch sind die ersten Stufen
des Auftretens derselben nicht beobachtet, weil, wie es Herr
Unger selbst sagt, der passendste Zeitpunkt hiezu schon vor-
über war. Die sporentragenden Organe (welche man. Pistille
nennt. Ref.) treten immer in einer gröfseren Lufthöhle auf und
sollen durch das Zusammentreten einer Gruppe von parenchy-
matischen Zellen entstehen, die bei ihrer Vermehrung und
Vergröfserung in ihrer Mitte eine Höhle bilden, die nur nach
aufwärts eine Oeffuung zeigte.. Dieses flaschenförmige Organ
verlängert alsdann seinen Hals, bis es die Oberfläche des Thal-
lus erreicht, und nun tritt auch die Erweiterung des unteren
Theiles des Sporangiums (wird gebildet durch das Ovarium
des Pistills. Ref.) ein. Der Inhalt des Sporangiums stellte sich
Hrn. Unger zuerst als eine homogene, ungefärbte, mehr flüs-
sige Materie und als Körnersubstanz dar; diese sammelt sich
mehr nach dem Mittelpunkte und erscheint dann als Inhalt
jenes Zellengewebes, aus welchem die Mutterzellen der Spo-
ren entstehen. Es zeigte sich auch, dafs durchgängig an der
*) Anatomische Untersuchung der Fortpflanzungstheile von Ric-
cia giaifca. — Linnaea \on 1839. pag. 1—17.
54
Peripherie eine Schicht der Zellen in ihrem Innern keine Spo-
ren erzeuge (also auch hier eine ähnliche Zellenhiille, wie bei
der Bildung der Pollenmassen in den Antheren der Phanero-
gamen. Ref.). Bei dem Baue der Sporen bestätigt auch Herr
Unger, dafs die aufsere braune Haut derselben nicht aus Zel-
len zusammengesetzt ist, sondern nur eine netzförmige Abla-
gerung von Zellsubstanz zeigt.
Die andern Organe der Fortpflanzung, die Antheren der
Autoren, fand Herr Unger nicht in so grofser Anzahl und
sehr zerstreut und einzeln stehend. Sie sollen in einem re-
gelmäfsigen Auseinanderweichen der Parenchymzellen des Thal-
lus bestehen; auch hier bildet sich der Inhalt zu einer körnig-
schleimigen Substanz, der in Zellenform von aufserordentlicher
Kleinheit auftritt, ähnlich wie in den Antheren der Moose.
Folgende Ergebnisse zieht Herr Unger aus seinen Beobach-
tungen: 1) Dafs die ursprüngliche Entwickelung jener beiden
Fortpflanzungsorgane bei Riccia glauca gleichzeitig stattflndet
und sie daher eine nähere Beziehung zu einander zu haben
scheinen; 2) dafs beide Organe Höhlen aus Zellengewebe ge-
bildet darstellen, welche mit verlängerten Oefi'nungen versehen
sind, und dafs daher eine materielle Mittheilung des Inhalts
derselben nicht unwahrscheinlich ist; 3) dafs die Function des
halsförmigen Ausfiihrungsganges des Sporangiums nur auf die
früheste Zeit seiner Entwickelung beschränkt ist u. s. w., und
dafs endlich die Uebertragung des Inhalts der Antheren in die
Sporangen eine Bedingung der Sporenbildung ist.
Herr Mohl*) hat neue und sehr ergebnifsreiche Beob-
achtungen über die Entwickelung der Sporen der Lebermoose
bekannt gemacht; er w^ählte zu diesen Untersuchungen ^n^/io-
ceros laevis, wo die jungen Muttersporen sehr wenig Kiigel-
chen enthalten und daher die Vorgänge der Bildung deutlicher
beobachten lassen. Die jüngsten Mutterzellen, welche Hr. M.
fand, stellten wasserhelle, zum Theil kugliche Zellen dar, in
welchen man einen Zellenkern, ähnlich dem in den Zellen der
Phanerogamen, wahrnehmen konnte. Hierauf bildet sich eine
schleimige Masse um die Scheibe des Zellenkerns, und diese
*) Ucber die Entwickelung der Sporen von Anthoceroa laevis. —
Linnaea von 1839. pag. 273—290.
OD
Überzieht endlich mehr als die Hälfte des ganzen Kerns; e»
treten die grünen Körnchen deutlicher hervor und die Masse
trennt sich in zwei neben einander liegende Abtheilungen. An
den Rändern geht diese grüne Masse in eine farblose, schlei-
mige, aber feinkörnige Masse über, welche gröfsere oder klei-
nere Maschen bildet; sehr gut vergleicht Hr. M. diese Sub-
stanz mit den Blasen des Schaumes. Nachdem sich jene, in
zwei Hälften zerfallene grüne Masse allmälich vergröfsert hat,
dheilt sich jede dieser Hälften abermals in zwei Theile, und
so sind vier neben einander liegende grüne Kerne gebildet
(Körnerzellen von Hrn. M. genannt), wobei der eigentliche
Zellenkern keinen Antheil nahm, sondern noch gesondert da-
neben liegt. Zu gleicher Zeit verdickt sich die Wand der
Mutterzelle uad nimmt die bekannte gallertartige Substanz an,
und nun erfolgt die Theilung ihrer Höhle. Es entstehen Li-
nien auf der inneren Fläche der Mutterzelle, welche sehr rich-
tig als hervorsprossende Leisten gedeutet werden, die später
zwischen je zwei Körnermassen bis gegen die Mitte der Zelle
zuwachsen und sich daselbst vereinigen. Von dem Nucleus
der Mutterzelle ist nach geschehener Theilung keine Spur vor-
handen. Kurze Zeit nach der Theilung der Mutterzelle be-
ginnt die Bildung der Sporenhaut; nämlich in jeder der vier
vorhin entstandenen Abtheilungen und die Körnermasse liegt
im Innern einer jeden dieser neu entstehenden Zellen und ist
durch Schleimfäden im Umfange der Sporenhaut befestigt. Die
übrigen Beobachtungen stimmen mit den Ergebnissen früherer
überein und sind bekannt. Eine Reihe von schönen Abbildun-
gen geben die vollständigsten Anschauungen von den mitge-
theilten Beobachtungen.
Herr Mo hl geht hierauf zur Vergleichung seiner Ansicht
über die Bildung der Sporen mit derjenigen des Herrn von
Mir bei über. Nach der Ansicht des Letzteren ist die Bildung
der Sporen hauptsächlich von der Mutterzelle abhängig, indem
nämlich der Inhalt durch die vorspringenden Scheidewände der
Mutterzelle mechanisch in vier Parthien getrennt wird. Nach
Herrn Mohl's früherer Ansicht sollte die Entwickelung von
4 Sporen in einer Mutterzelle blofs auf der organischen Ver-
änderung ihres Inhaltes beruhen, aber die neuen Beobachtun-
gen bei Anthoceros scheinen die Wahrheit in die Mitte zu
56
stellen, denn die Bildung der Scheidewände ist erst eine Folge
der Entwickelung des Inhaltes der Mutterzelle. Endlich sucht
Herr INI oh 1 zu zeigen, dafs kein grofser Werth darauf zu le-
gen ist, ob die vier Abtheilungen der Mutterzelle verbunden
bleiben oder nicht, und dafs man diesen Vorgang nicht als
unterscheidendes Merkmal der Mutterzellen der Sporen und
der Pollenkörner betrachten dürfe. Bei Anthoceros laevis
konnte Hr. M. dieses Zerfallen nicht sehen, bei uiiith. punc-
tatus glaubt er es gesehen zu haben, und ebenso entschieden
bei Jwigermanjiia epiphylla^ dagegen bei Riccia glauca
wieder nicht.
Referent*) publicirte die Resultate neuerer Beobachtun-
gen über die Bildung der Sporen von Aneuva pinguis, welche
als Nachträge zu seinen Beobachtungen über denselben Ge-
genstand anzusehen sind, die in dem dritten Bande seiner Phy-
siologie der Pflanzen (Berlin 1839) mitgetheilt wurden. Im
frühesten Zustande der Frucht fanden sich nur sehr zarte
längliche Zellen, die mit einem Schleime eingebettet waren;
diese Zellen vergröfserten sich und kamen unmittelbar dicht
neben einander zu liegen, worauf es sich etwas später zeigte,
dafs aus diesen, anfangs ganz gleichgeformten Zellen, sowohl
die Schleuderer, als die Sporen sich bildeten; die eine wird zum
Schleuderer und die andere geht eine Reihe von Veränderun-
gen ein, bis aus derselben die Sporen hervorgehen. Die Zel-
len, aus welchen durch Theilung jedesmal 4 Sporen hervor^
gehen, nennt Ref. die Muttersporen, und solcher Muttersporen
entstehen 3^ 4 und selbst 5 in jeder ursprünglichen Schlauch-
zelle, während die daneben liegende, später zum Schleuderer
werdende Zelle ganz unverändert mit ihrem gekörnten Inhalte
liegen bleibt, bis die Sporen fast ganz ausgebildet sind. So-
bald die Mutterspore gebildet ist, zeigt sich in ihrem Um-
fange die Bildung einer gallertartigen Membran, welche man
die Mutterzelle nennt, die Ref. mit dem Namen der Bildungs-
hiille bezeichnet. Etwas später sah Ref. 2, 3 und selbst 4
Muttersporen, mit ihren Bildungshiillcn umschlossen, der Reihe
nach mit einander verwachsen und die Stelle der ursprüng-
*) Beiträge zur BihUingsgeschichte verschiedener Pflanzcntheilc.
Müller's Archiv für Anatomie und Physiologie von 1839. pag. 273,
57
liehen Schlauchzellen einnehmen, er konnte es aber, wegen
Mangel an Material, noch nicht zur Entscheidung bringen, ob
diese Bildungshiillen vielleicht aus den einzelnen Gliedern her-
vorgegangen waren, in welche die ursprüngliche Schlauchzelle
vielleicht durch Quertheilung zerfallen kann, oder ob, was sich
in einigen Fällen deutlich zu zeigen schien, die Muttersporen
mit ihren Bildungshiillen innerhalb der ursprünglichen Schlauch-
zelle auftreten und alsdann die Wand dieser resorbirt wird.
Die Abbildungen, welche Referent beigegeben hat, werden die-
ses am besten verdeutlichen. Mitunter wandelt sich nur ein
Theil der ursprünglichen Schlauchzelle in Muttersporen u. s.w.
um und der übrige bleibt unentwickelt in einer der Mutter-
zellen seines eigenen Schlauches befestigt zurück, wodurch
dann die Stiele erklärt werden, welche man zuweilen ganz
deutlich an einzelnen Mutterzellen wahrnehmen kann; mit der
ferneren Resorbtion der Mutterzelle verschwinden sie ebenfalls.
Bei vielen Früchten der Aneura pinguis konnte Ref. um die
Zeit, wenn die Theilung der Muttersporen durch Einschnürung
der Wände begonnen, noch das Auftreten einer zweiten Bil-
dungshülle (es war nicht etwa die innere Fläche der äufseren
Bildungshülle!) wahrnehmen, aber keine von beiden hatte bei
dem Zertheilen der Muttersporen Antheil, wie es die Abbil-
dungen zeigen werden. Indessen in diesem letztverflossenen
Winter habe ich an andern Individuen der Ancura jjinguis
(es war die grofse Torfform!) die Theilung der Mutter-
sporen stets mit Antheil ihrer Bildungshülle wahrgenommen;
indem nämlich die gallertartige Hülle in die entstehenden Ein-
faltungen der Membranen der Muttersporen mit hineinwuchs,
aber sich niemals vollkommen zertheilte, wie es zuweilen bei
Pellia epiphylla erscheint, meistentheils aber ebenfalls nicht
vorkonmit. Ob hier bei der ^neura der Zertheilung der Mut-
terspore in 4 besondere Sporen die Bildung von Kernmassen
vorangeht, das läfst sich gegenwärtig noch nicht beobachten,
indem diese Zellen ganz mit grüner Masse gefüllt sind, welche
dergleichen Vorgänge verdunkeln kann; bei Pellia epiphylla,
Sphagnum palustre u. s. w. habe ich es ebenfalls nicht wahr-
nehmen können. Gleich nach dem Entstehen der Sporen durch
die Theilung zeigte auch jede einzelne Spore eine Special-Bil-
dungshülle, ganz ebenso, wie es die Pollenkörner zeigen. Spä-
58
ter werden erst die gemeinscliaftlichen Bilduiigsluilleu und za-
letzt auch die Special -Bildungshiillen resorbirt und dann lie*
gen die Sporen einzeln zvvisclien den langen Schlauchzellen,
welche sich in dieser letztern Zeit zu Schleuderer umgewan-
delt haben.*)
Auch im vergangenen Jahre hat Herr Klotzsch**) eine
Reihe von Pilzen beschrieben und mit vortrefflichen Abbildun-
gen erläutert; wir erhalten in dieser Arbeit (zu Tab. 473) eine
Eintheilung der Hymenomyceten nach den neueren Beobach-
tungen über den Bau ihres Fruchtlagers. Die Hymenomyce-
ten zerfallen hiernach in zwei grofse Abtheilungen: In Exo-
sporae, mit freien, gestielten Sporen, und in Entosporae, mit
eingeschlossenen ungestielten Sporen. Die erstere Abtheilung
zerfällt in die Tetrasporidei, wo sich ungekriimmte Sporen
frei entwickeln, je zu vier und nur ausnahmsweise zu zwei,
drei oder sechs, und in die Monosporidei, wo sich längliche
und gekrümmte Sporen stets einzeln auf pfriemförniigen Spo-
renträgern entwickeln ; zu dieser letztern Abtheilung gehört
die Gattung Exidia und von Exidia plicata Kl. erhalten wir auf
Tab. 475 hiezu die Nachweisung. Interessant sind die Nach-
weisungen, dafs mehrere tuberartige Pilze, als die Gattungen:
Gautieria Vittad., IJydnangium TVallr. und Ilymenangiinn
Kl, {Tuher alhuin Bull.) zu den wahren Hymenomyceten ge-
hören und zwar zu den Exosporen; das Hymenium bekleidet
bei diesen Pilzen die Fläche der Höhlen, welche im Innern
ihrer fleischigen Substanz vorkommen. Bei der Beschreibung
der MorcJiclla esculenta nennt Herr Klotsch die Paraphy-
sen der Autoren: Antheren, und bei Sphaerosoma {fusces-
cens) KL sagt er, dafs Antheren, wenn sie bei Octosporidien
vorkommen, immer über die Schlauchhautfläche hinaus ragen,
*) In dieser oben angeführten Abhandlung ist das Pflänzchen, an
welchem die Beobachtungen gemacht wurden, Tricliostylium arena-
riiini genannt, aber ich habe mich jetzt davon überzeugt, was ich in
meinem vorigen Jahresberichte vermuthete, dafs die Corda'sche
Gattung Tricliostylium mit Aneura zusammenfällt, indem das Säul-
chen, vs elches bei Tricliostylium vorkommt, gerade den Aneuren an-
gehört. Ref.
**) Alb. Di et rieh's Flora des Königreichs Prcufsen. VII. Ber-
lin 1831). Von Tab. 457—476.
59
und daher zählt er die Paraphysen von Spliaerosoma fusces-
cens (Tab. 464) nicht zu den Antheren, weil dieselben nicht
über die Oberfläche hinausragen. Hierbei möchte Ref. an die
schon von Hrn. Carus geahnete Andeutung einer Geschlechts-
Differenz bei seinem interessanten Fyronema Marianmn er-
innern, wo die gelbe Färbung der ganzen Schimmelfläche ge-
rade von dem Inhalte dieser Paraphysen oder Antheren- ähn-
lichen Organe abgeleitet wird.
Herr Redmann Coxe*) hat der LinUaean Society seine
„Observations on some Fungi or Agarici, which by deli-
quescence form an inky fluid, drying into a bister-coloured
mass, capable of being used as a water-colour for drawings^
and of avery indestructible nature by means of commun agen-
cies" übersendet.
Herr Morren**) hat Beobachtungen über die Struktur
und Färbung des Agaricus epixylon De C. mitgetheilt. In
Bezug auf die Färbung sagt derselbe, dafs die färbenden Sub-
stanzen in den Pilzen ganz anders gebildet sind, als bei an-
deren Pflanzen; hier bei dem genannten Agaricus wird die
blaue Färbung des Huts durch einige wenige sphärische Kügel-
chen bewirkt, welche in den Schläuchen des Gewebes enthal-
ten sind. Diese Kiigelchen erhalten durch Jodine keine Ver-
änderung. Iii den tiefer liegenden Zellenschichten sind die
Kügelchen weniger zahlreich, und in den Schläuchen des weis-
sen Fleisches der Champignons sind sie gar nicht vorhanden.
Das Gewebe des genannten Pilzes soll aus lauter anastomo-
sirenden Gefäfsen bestehen, die zuweilen knotenförmige An-
schwellungen haben, gewöhnlich gabelförmig, seltener aber auch
dreifach verästelt sind. Diese Gefäfse sind längliche, cylindri-
sche und anastomosirende Röhren; sie enthalten eine Flüssig-
keit und Kügelchen und sind hie und da mit Querwänden ver-
sehen. Die Röhren sind von aufserordentlicher Länge und
bilden durch ihren Verlauf ein filziges Gewebe, daher können
sie nicht mehr zum Parenchym gezählt werden; sie stehen den
Milchsaft -führenden Gefäfsen zunächst und bilden ein wahres
*) Annais of natural bist. June 1839. pag. 258.
**) Notice sur l'histologie de rAgaricus epixylon. — Bulletin de
l'Academie Royale de Bruxelles. VI. No. 1.
60
Gefäfsgewebe. Ja man könnte dieses Pilzgewebe mit dem
Systeme der Milchsaft-führenden Gefäfse zusammenstellen (für
welche Herr Morren die Benennung Cinenchyme (xlrrjOLg)
gebildet hat), aber da es sich von diesem durch das Fehlen
der Circulation und hauptsächlich durch die filzartige Verflech-
tung unterscheidet, so belegt es Herr Morren mit einem be-
sondern Namen und nennt es Daedalenchyme, um damit zu-
gleich das Wesentlichste desselben zu bezeichnen.
Referent kann die Ansichten des Herrn Morren über
die Natur des Pilzgewebes nicht theilon; er hält dasselbe für
Zellengewebe und hat es früher (Phytotomie, 1830, pag. 138)
als eine eigene Form des sogenannten unregelmäfsigen Zellen-
gewebes mit dem Namen: Filzgewebe belegt. Diese Zellen
sind zwar häufig sehr lang und verästelt, aber die Querwände,
welche diese verästelten Röhren zu Zellen machen, sind gar
nicht zu verkennen. Uebrigens findet man bei den Pilzen noch
viele andere und oft sehr regelmäfsige Formen von Zellenge-
webe. An den Sporen des ^gariciis epixylon beobachtete
Herr Morren eine spontane Bewegung sobald sie sich in
Wasser befanden. (Diese Bewegung ist aber auch schon frü-
her beobachtet worden und man sah sie sogar an trockenen
Pilzsporen. Ref.)
In den früheren Jahresberichten haben wir schon mehr-
mals der Pilzbildungen gedacht, welche in den letzteren Jah-
ren unter dem Namen der Gährungspilze so grofses Aufsehen
erregt haben; Referent selbst hat es öfters zu zeigen versucht,
dafs es sehr unwahrscheinlich ist, dafs jene Pflänzchen die Ur-
sache der Gährungserscheinungen seien, wenngleich sie auch
stets in gährenden Flüssigkeiten zu finden sind; dafs es aber
wirkliche Pflänzchen sind, das wurde durch die Beobachtung
über das Wachsthum derselben, wenigstens wie es dem Refe-
renten erscheint, vollständig erwiesen. Indessen hat ganz
neuerlich Herr Liebig*) in einer Abhandlung über die Er-
scheinungen der Gährung u., s. w, auch jene Angaben über
'') Ueber die Erscheinungen der Gährung, Fäulnifs und Verwesung
und ihre Ursachen. — S. die Annalen der Pharmacie 1839 — und
Erdmann's und Marchand's Journal für praktische Chemie. ISter
Band. 1839. pag. 159.
61
die vegetabilische Natur der im Fennente enthaltenen Bildnn-
"•en für Täuschung erklärt, und stellt dagegen die Ansicht auf,
dafs sich der Pflanzenleim und das Eyweifs, die sich bei der
Gährung des Bieres und der Pflanzensäfte im veränderten Zu-
stande abscheiden, in der Form von Kiigelchen zeigen, die ent-
weder frei umherschwimmen oder mit einander zusammenhän-
gen, und diese Kiigelchen sollen also die Naturforscher für
die Infusionsthierchen oder für die Gährungspilze angesehen
haben. Ja die Ansicht, sagt Herr Lieb ig, dafs es Thiere
oder Pflanzen sind, widerlegt sich von selbst, denn in reinem
Zuckerwasser verschwinden bei seiner Gährung die sogenanten
Saamen mit den Pflanzen, die Gährung findet statt, ohne dafs
man eine Entwickelung oder Reproduction der Saamen, Pflan-
zen oder Thiere bemerkt, welche als die Ursache des chemi-
schen Processes von den Naturforschern angesehen wird.
Es ist dem Referenten unbekannt, auf wessen Beobach-
tungen Herr Lieb ig diese letzteren Angaben stützt; wahr-
scheinlich sind es seine eigenen, die aber hierin ofi'enbar den
richtigeren der Vorgänger weichen müssen.
Herr Balsamo Crivelli*) hat neue Mittheilungen über
den Ursprung und die Entwickelung der Botrytis Bassiana
und einer anderen schmarotzenden Art von Schimmel bekannt
gemacht, ein Gegenstand, über dea bereits in unserm Berichte
von 1836 (Berlin 1837. pag. 107) die Rede war. Hr. Cri-
velli fand jedesmal, dafs die Bläschen, woraus die Fettmas-
sen bestehen, in Botrytis übergehen können, und er über-
zeugte sich, dafs Herrn Audouin's angebliche corps vesicu-
les oder Keimkörner nichts als schwimmende Fettkiigelchen
seien. An einer erkrankten Raupe wurde ein Einschnitt in
die Seite gemacht, und der ausfliefsende Saft zeigte die angeb-
lichen Audou in 'sehen Keimkörner, die gewifs nichts anderes
wären als Fettkügelchen, einzelne Fäden trieben, die im Gegen-
theile sehr zahlreich und allenthalben aus einem Bröcklein
Fett hervorwuchsen, welches beobachtet wurde. Am folgen-
den Morgen war das Innere der Raupe mit Ascophora mu-
cedo bekleidet. Die Sporen von Ascophora brachte Herr
*) Mitgetheilt vom Freih. v. Cesati in der Limiaea von 1839.
pag. 118-123.
62
Crivelli in den Körper von 4 Puppen und 3 Tage darauf
liefsen sich die Körner ihrer Fettmassen voll von treibenden
Fäden sehen. Schliefslich bleibt Hr. C. bei seiner Ansicht,
dafs in dem Fette des Seidenwurmes solche Veränderungen
vorgehen können, dafs dessen Bestandtheile zu selbstständiger
Hervorbringung des Schimmels geschickt werden, welcher so-
dann die Krankheit auch auf gesunde Raupen fortpflanzt.
Herr Turpin*) giebt Nachricht über die Ursache, wefs-
halb geschmolzene und wieder erkaltete Butter so schwer schim-
melt; die Abhandlung ist sehr lang, indem eine Menge von
Fällen aufgeführt sind, wo man Schimmelbildung entstehen sah,
ohne annehmen zu dürfen, dafs die Saamen dazu aus der Luft
herabgeregnet wären, und ebenso umständlich ist die mikro
skopische Struktur der Butter vor und nach dem Schmelzen
und Wiedererhärten auseinandergesetzt. Wir heben indessen
an diesem Orte nur folgende, uns näher interessirende Punkte
hervor. Die Schimmel, welche in der gewöhnlichen Butter
aus den darin enthaltenen Milchkügelchen hervorgehen, kön-
nen in der geschmolzenen Butter nicht entstehen, indem die
Milchkügelchen derselben mit dem Butteröle überzogen sind.
Herr Turpin macht die Bemerkung, dafs die Erklärung der
Entstehung der Schimmel auf der Oberfläche der organischen
Materie durch einen immerwährenden Regen von Saamen al-
ler Arten von Schimmel heutigen Tages nur noch lächerlich
erscheinen kann, indessen sei die Erklärung der Entstehung
der Schimmel durch generatio spontanea gar sehr einzuschrän-
ken oder vielmehr genauer zu bezeichnen. Die Natur erzeugt
den Schimmel auf doppelte Weise, einmal unmittelbar aus der
Globuline der organischen Materie, nachdem diese aufgehörl
haben, dem Leben eines organischen Körpers unterthänig zu
sein, und zweitens entstehen die Schimmel durch Sporen,
welche sie selbst erzeugen.
Herr Hanover*) hat „Beobachtungen einer conta-
*) Sur le singulier caractere physique et misroscopique qiie prend
subitement le beurre foiidu et refroidi, et sur la grande difficulte
qu'eprouve le beurre, dans toutes sortes d'etats, a so nioisir ou ä
produirc des vegotations mucedinees. — Conipt. rendus d. 9Decemb.
pag. 748—762.
**) S. Müllcr's Archiv für Anatomie etc. 1839. Heft 5.
63
giösen (^onfervenbildiing auf dem Wassersalaman-
der" gemacht; er sah nämlich die Entstehung einer Confer-
venbildung auf einem anatomirten Exemplare von Triton pun-
ctatus unter Wasser. Gleiche Wucherungen zeigten sich auf
einem todten Salamander, auf einer todten Fliege und auf den
Schnittflächen mehrerer Verwundungen, welche an den leben-
den Salamandern gemacht waren; ja bisweilen zeigte sich die
Confervenbildung auch ohne Verletzung, z. B. an den Zehen,
wobei die angegriffenen Zehen verloren gingen.
(Die Pflanze, welche hier von Herrn Hanover in ihrem
Auftreten beobachtet wurde, ist die Achlya proli/era ^.y.E.,
und wenn Herrn Carus Abbildungen dieses Pilzes, wie Hr. H.
sagt, zu den von ihm beobachteten Pflanzen nicht passen, so
werden es vielleicht die meinigen, welche ich zu Göthe's
Mittheilungen aus der Pflanzenwelt (S. Nova Acta Acad. C.L.
C. Tom. XV. P. II. pag. 374 etc. Tab. I. XXIX.) und an an-
deren Orten gegeben habe; denn ich habe diesen Pilz unter
ähnlichen Verhältnissen auf Fliegen, Spinnen, Regenwürmern,
Planarien, todten Fröscheh und selbst auf faulendem Viscuin
alhum, also auch auf Pflanzen, beobachtet, und habe an einem
andern Orte (Wiegmann's Archiv etc. 1835. H. pag. 354)
gezeigt, dafs der kleine Pilz, welcher sich zur Herbstzeit auf
dem Leibe der gewöhnlichen Stubenfliege bildet, Sporen trägt,
welche keimen und im Wasser zur Achlya prolifera heran-
wachsen. Auch die Saaraenbildung und das Keimen der Achlya-
Sporen ist beobachtet und auf angeführter Tafel, wie in mei-
ner Pflanzen -Physiologie (IH. Berlin 1839. Tab. X. Fig. 18
und 19.) dargestellt. Ref.)
Herr Hanover inoculirte jenes Gewächs auf den Rücken
eines gesunden Thieres und sah, dafs die Conferven nach Ver-
lauf von 16 Stunden hervorgewachsen waren, später aber mit
der Häutung abfielen. Diese Versuche wurden häufig wieder-
holt, zeigten aber immer, dafs die Entwickelung jener Pflanzen
dem Thiere nicht schädlich war. Aufserdem machte Hr. H.
noch die Bemerkung, dafs die Inoculation jener Conferven im
unreifen Zustande rascher vor sich geht als im reifen.
Da sich Referent mit diesem Gegenstande schon vielfach
beschäftigt hat, so sei es ihm erlaubt, seine Beobachtungen
über denselben ganz vorurtheilsfrei abzugeben. Die Inocula-
64
tion des Pilzes, welche Herr Ilanover vorgenommen hat, ist
nichts weiter, als eine" gewöhnliche Fortpflanzung; die reifen
Pflänzchen gaben Sporen, aus welchen die jungen Pflänzchen
hervorwuchsen, und die sogenannten unreifen Conferven bil-
deten ihre einzelnen Fäden weiter aus, was sowohl die Gat-
tung Achlya unter den Wasserpilzen, als die Gattung Vau-
cheiia unter den Conferven zeigt. Dieses blofse Wachsen der
Pilzfäden auf der schleimigen Oberfläche der Tritonen kann
diesen von keinem Nachtheile sein, sie wachsen wie der Schim-
mel aus ausgestreuten Sporen. Indessen ebenso, wie die nie-
deren Schimmel nicht nur aus Sporen entstehen, sondern noch
auf eine andere, uns noch unbekannte Weise, ebenso verhält
es sich mit der Achlya prolifera und den Isarien; es sind
Schimmel, welche sich als Produkt eines krankhaften Zustan-
des der Thiere entwickeln; die Krankheit ist eine sehr tief
liegende, denn gewöhnlich sterben die Thiere daran. Sind nun
aber diese Schimmel gebildet, so vermehren sie sich auch durch
Sporen. Dergleichen Krankheiten sind übrigens wahrschein-
lich gar nicht selten, nur für das Thier mehr oder weniger
von Bedeutung; so habe ich kürzlich eine Krankheit bei den
Vibrionen beobachtet, aus deren Körper sich ein sehr nied-
licher, aber aufserst kleiner mikroskopischer Schimmel entwik-
kelte, an welchem sie durchaus starben; die Thiere winden sich
hin und her und bestreben sich das krankhafte Produkt abzu-
streifen, aber vergebens ; sie werden endlich ruhig und sterben.
In den grofsen und prachtvollen Werken, welche Herr
Corda im vergangenen Jahre über die Pilze herausgegeben
hat, finden wir gleichfalls einige Beobachtungen, welche für
die Physiologie dieser Gewächse von Interesse sind. Bei Ge-
legenheit der Beschreibung eines Schimmels, den Hr. Corda*)
Gonatohotrys simplex nennt, sagt derselbe, dafs wir in den
niedern Pflanzenreihen oft Gestalten erscheinen sehen, welche
gleichsam eine niedere Form anderer höher entwickelter dar-
stellen, und er habe schon bei der Versammlung der Natur-
forscher zu Prag (1837) auf eine bedeutende Zahl solcher, oft
paralelle Reihen bildender Typen aufmerksam gemacht, imd
♦) Prachtflora der europäischen Schimmelbildungcn, Mit XXV
kolorirten Tafeln. Leipzig und Dresden. 1839. Fol. pag. 9.
65
zu zeigen gesucht, dafs man bei den niedern Pilzen iiberliaupt
gleichsam mathematische Combinationen darstellen kann, wenn
man den einzelnen Organen des Schimmels oder Pilzes Zei-
chen subsrituirt, und dafs die aus der Combinirung dieser Zei-
chen als Organen vverthe hervorgehenden Glieder der Combi-
nationsreihe jedesmal einer jener Formengruppen entsprechen,
welche wir bisher als Gattungstypen zu betrachten gewohnt
sind. Hr. Corda verspricht uns später diese Reihen in einem
besonderen Werke historisch, theoretisch und praktisch zu er-
läutern, und hoflft, dafs die Schimmel der Tropen gewifs noch
sehr zahlreiche Formengruppen liefern werden, welche die
noch fehlenden Typen ausfüllen werden. Herr Corda hat in
diesem Prachtwerke auch eine Tafel mit Abbildungen von Sy-
zygites inegalocarpus gegeben und derselben eine ausführ-
liche Beschreibung der Fruchtbildung beigefügt, die hier be-
kanntlich unter den Erscheinungen der Copulation stattfindet;
er beobachtete, dafs die beiden birnförmigen AVärzchen, aus
welchen die Frucht hervorgeht, sich nicht nur berühren, son-
dern mit einander ganz genau verwachsen, so dafs sich der
Inhalt beider vereinigen kann, nachdem die Scheidewände re-
sorbirt sind. Nach erfolgter Vereinigung jener beiden Aest-
chen erfolgt die Fruchtbildung, indem sich in der Mitte dieser
zusammengewachsenen Aestchen eine oder zwei Zellen bilden,
wodurch das Sporangiolum dargestellt wird, welches im reifen
Zustande mit grofsen eckigen Warzen besetzt ist. Dieses
Sporangiolum enthält einen Brei, der aus Oeltröpfchen, un-
mefsbaren Molekülen und aus 2 bis 5 Sporen besteht. Oft
sind die sonst fruchtbildenden Aestchen gar nicht zur Vereini-
gung gelangt, und dann entwickelt eines derselben oder auch
beide an ihrer Spitze ein fast kugliches Sporangiolum. Auch
Herr Corda sah das Sporangium dieses merkwürdigen Pilzes
nie abfallen oder sich öffnen, und auch die Aussaat der Spo-
ren mifslang. Schliefslich macht Herr Corda noch die Be-
merkung, dafs das Copuliren der Fruchtästchen mit dem Con-
jugiren der Conferven verglichen worden ist, dafs aber dieser
Vergleich bei kritischer Untersuchung beider Phänomene sehr
hinkend erscheine. Referent gehört gleichfalls zu denjenigen
Botanikern, welche die Copulation bei Syzygites mit der Con-
jugation der Conferven in Vergleich gestellt hat, und nachdem
V^iegm. Archiv. Tl. Jahrg. 2. Band. g
()6
er alle die verschiedenen Arten der Copiilation sorgfaltig beob-
achtet hat, welche Conferven und Closterien darbieten, kommt
es ihm ganz unbegreiflich vor, wie man noch eine solche
Aeufserung wie die so eben angeführte des Hrn. C. machen
kann; sie ist offenbar nur dadurch entstanden, dafs Hr. C.
die Copulations- Erscheinungen bei den Algen nicht mit eben
so vielem Fleifse beobachtet hat, wie die Schimmelbildungen,
denn besonders bei den Closterien zeigt sich die Copulation
unter ganz ähnlichen Erscheinungen, und Ref. sah auch bei
Spirogyren, dafs die durch Copulation hervorgehende gewöhn-
liche Spore wieder als Sporangiolum auftrat und kleinere Spo-
ren enthielt u. s. w.
Wichtiger ist für uns der Inhalt des dritten Bandes der
Abbildungen der Pilze und Schwämme, welche Herr Corda*)
gleichfalls im laufenden Jahre publicirt hat; wir erhalten darin
unter Andern neue Untersuchungen über die Gattung Aeci-
dlinn, w^elche in der That bisher noch immer nicht genau ge-
nug bekannt ist. Herr Corda bringt ylecidiuni, seines Peri-
diums wegen, zu den wahren Balgpilzen ; er saete die Sporen
von u4ecidiwn Tussilaginis auf sehr feucht gehaltene oder
unter Wasser getauchte Blätter des Huflattigs, und sah es oft
gelingen, dafs dieselben keimten, wobei sie an ihrer Sporen-
haut durch Dehnung eine Warze entwickelten, welche zu einem
Zellfaden ward, der nach allen Polen hin Faserzellen aussende,
wie es die Sporen aller Pilze thun. Nach und nach bil-
dete sich aus diesen hervorgetretenen Faserzellen ein Faser-
geflecht, ähnlich wie es die Pilze, Algen und Moossporen
thun; es sollen dieses wahre Keimfäden sein, und Hr. Corda
sagt, er habe gesehen, dafs sie durch die Stomatien (Spalt-
öffnungen nämlich !) der Oberhaut in das Parenchym des Blat-
tes eindrangen und sich daselbst zu verzweigen anfingen. Bo-
taniker, welche mit diesen Gegenständen vertraut sind,
werden die Wichtigkeit dieser Mittheilung sogleich erkennen;
es ist bisher die Fortpflanzung der Blattpilze noch nicht be-
obachtet worden, dagegen sind eine Menge Hypothesen erfun-
den, welche dieselbe erklären sollten; diese alle stürzten nun
*) Icones fungorum hucusque cognitoriun. Tom. III. Pragao 1839.
c. Tab. IX. Fol.
67
zusammen, wenn Herrn Corda's Angabe, dafs die Keimfäden
der Aecidien- Sporen durch die Spaltöffnungen in das Paren-
chym des Blattes hineindringen, die richtige ist. Herr Corda
sah ferner, dafs das Aecidium-Häufclien mit seinem zelligen
Träger seitlich einem Gefäfsbiindel des Blattes aufsitzt u. s. w.
Grofse Abbildungen geben Ansichten von der Struktur dieses
Blattpilzes nach den Beobachtungen und Ansichten des Herrn
Corda.
Die gröfsere Hälfte dieses Bandes handelt von den Hy-
menomyceten, zu welchen Herr Corda gegenwärtig nicht nur
die Helvellaceen, Pezizen und Tremellinen gebracht hat, son-
dern auch die Tubercularinen, Coryneaceen u. s. w., indessen
nach den neueren Beobachtungen über das Auftreten der Spo-
ren ist es durchaus nöthig, dafs die Octosporideen von den
wahren Hymenomyceten mit freien Sporen u. s. w. getrennt
werden. Es wäre aber wohl wiinschenswerth, dafs ein ande-
rer Name dieser Familie von Pilzen gegeben würde, denn die
Sporangien der grofsen Sphaerien sind ebenfalls mit 8 Sporen
gefüllt, und auch ihr Auftreten hat grofse Aehnlichkeit mit
demjenigen der Sporangien der Pezizen u. s. w. Bei den Pe-
zizen erhalten wir eine Beschreibung von der Bildung der
Sporen, aus welcher eigentlich hervorgeht, dafs sich die Spo-
renhaut rund um die Oeltröpfchen bilden soll, welche in den
Sporen- Schläuchen neben gröfseren und kleineren Körnchen
auftreten. Wir erhalten hiermit also wieder eine neue Theo-
rie über die Bildung von Zellen, als welche sich die Sporen
dieser Pilze darstellen.
Sehr ausführlich handelt Herr Corda über den Bau des
Fruchtlagers der wahren Hymenomyceten, und er sucht zu
zeigen, dafs ihm die Ehre der ersten genaueren Beobachtung
dieses Gegenstandes zukomme, denn er habe bereits im Win-
tei 1833 — 1834 der Akademie der Wissenschaften zu Berlin
eine Abhandlung über den „Bau der Sporen cryptogamischer
Pflanzen" mit vielen Abbildungen begleitet übergeben, wo die
freien, zu vier gestellten Sporen, die Antheridien, die Sporen-
haut, der Sporenkern und die Oeltröpfchen abgebildet und be-
schrieben waren. Die Mehrzahl der Mitglieder der Akademie
habe diese Arbeit sehr wohlwollend aufgenommen, aber der
gröfste Mikroskopiker Deutschlands erklärte diese Beobachtun-
5*
68
gert für unwahr; die Sporen, frei und zu vier gestellt, waren
falsch, die Antheridien (und theihveise auch die Basidien) wa-
ren nach seinen Beobachtungen Insekteneier! u. s. w. Schon
in den Jahresberichten von dem Jahre 1838 (pag. 51 — 55) und
von 1836 (pag. 167) hat Referent eine geschichtliche Ueber-
sicht der Beobachtungen geben müssen, welche über den frag-
lichen Gegenstand publicirt worden sind, und Herrn Corda's
Entdeckungen hierüber zeigte er an als niedergelegt in dem
Aufsatze der Flora oder botanischen Zeitung von 1833; nach
den obigen Mittheilungen des Herrn Cor da hätte derselbe je-
doch bald nach dem Schreiben jener Abhandlung eine neue
Arbeit veröffentlicht (nämlich im Winter 18^1 der Akademie
zu Berlin vorgelegt), welche ihm allerdings die gerechtesten
Ansprüche auf die Bestätigung und Erweiterung der Beobach-
tungen Micheli's giebt, und wenn jene Angaben von einem
Mitgliede der genannten Akademie bestätigt werden können,
so sind Herrn Corda's Beobachtungen auch denen von Herrn
Leveille voranzusetzen; Letzterer behauptet freilich gleich-
falls, seine Beobachtungen schon vor 10 Jahren an Persoon
und Andere mitgetheilt zu haben. Bei der Beschreibuug des
Fruchtlagers wird auf die drei gewöhnlich vorkommenden
Schichten desselben aufmerksam gemacht und eine ausfülirliche
Beschreibung der Milchsaft- oder Lebenssaft -Gefäfse gegeben,
welche bei den Milchern und den Täublingen der Agaricini
vorkommen; eine prachtvolle Abbildung dieser Gefäfse mit dem
ganzen Hymenio des ^garicus foetens giebt die beste Nach-
weisung darüber. Bei ^garicus foetens , beschreibt Herr
Cor da, findet man zwischen den Zellen der beiden verschie-
denartigen Zellsysteme (die Schlauchschicht nändich und die
Schicht von sphärischen Zellen) noch ein drittes System ein-
gelagert, welches beide vielfach durch webt, und aus vollstän-
digen, unter einander mannigfach verzweigten und conununici-
renden halben engen Röhren besteht, welche eigene Wände
haben und einen milchartigen, bald durchsichtigen, weifsen,
körnigen Saft führen, der sich langsam nach den verschiede-
nen Richtungen dieser Röhren zu bewegen scheint. Hr. Cor da
selbst glaubt mit Recht sagen zu können, dafs er dieses Ge-
fäfssystem bei den Pilzen zuerst deutlich und gut dargestellt,
beschrieben und abgebildet habe, denn die Abbildung, welche
69
Herr Schultz rus ^garicus delidosus gegeben hat, sei sehr
coiifus und der Natur völlig unähnlich. Diese Milchsaft- Ge-
fiifse durchlaufen alle Organe und Gewebe des Agaiicus foe-
tens; sie sind fast gleichmäfsig vertheilt, nur die Blätter und
die äufsere Rindenschicht des Strunkes scheinen deren mehr
zu haben. Die Röhren sind hell, fast stets gleich dick, mei-
stens geschlängelt und vielfach verästelt, und oft lagern sich
die Zellen des grofszelligen Parenchyms strahlig um das Milch-
saftgefäfs und umgeben es eine Strecke weit mit einer walzi-
gen Zellenschicht. Wo sich diese Gefäfse der Oberfläche des
Blattes nähern , da senden sie eigene lange blindendigende
Aeste ab, welche mit ihren kegelförmigen Spitzen die äufserste
Schicht des Blattes und Hymeniums bilden. Sehr umständlich
wird hierauf der Bau und die Bildung der eigentlichen Fructi-
ficationsorgane mitgetheilt; die weiblichen werden nach Le-
veille Basidien genannt, sie bestehen aus dem Körper, den
Sporenträgern QSterigmata von Hrn. C. benannt, eine Benen-
nung, welche aber schon anderweitig mehrmals im Gebrauche ist,
Ref.), dem Inhalte und den Sporen. Die Bildung wird in eben
derselben Art angegeben, wie wir es im vorigen Jahresberichte
pag. 54 mitgetheilt haben. „Jeder Sporenträger, sagt aber Hr.
Corda, entwickelt stets nur eine Spore auf einmal und meh-
rere hinter- oder nach einander, gerade so wie es die End-
spitzen der Fadenträger der Hyphomycetes thun." Ob diese
Angabe auf wirklichen Beobachtungen beruht, wird nicht beson-
ders bemerkt, und Referent glaubt mit Recht daran zweifeln
zu können, dafs sich die Sporenbildung an der Spitze der
Sporenträger nach dem Abfallen der Sporen wiederholt. Die
Sporen bestehen nach Herrn Corda aus einer Sporenhaut,
einem Kern und aus Oeltröpfchen, und wo die Sporen termi-
nal gebildet werden, da besitzen sie ein konisches, stumpfes
oder spitziges durchbrochenes Wärzchen, und diese Oeffnung
hat derselbe schon früher „Hylus, Fensterchen, Nabel" ge-
nannt. Sporen mit seitlichem Hylus sollen künftig Sporae
pleiirotropae und solche mit axenständigem Hylus Sporae
trepanotropae heifsen, und Herr Corda wird es an einem
andern Orte genauer würdigen, in welcher Beziehung ein or-
thotropes Ovulum zu einer trepanotropen Spore steht u. s. w.
Die Oeltröpfchen in den Sporen sind nach Herrn Corda's
70
eigener Analyse eine V^erbindung eines fetten überwiegenden
lind eines scharfen geschmackerregenden ätherisclien Oeles.
Herr Cor da weist ferner nach, dafs er die Antheridien der
Fleischpilze schon 1833 ganz bestimmt für Antheren erklärt
hat, und Referent zeigte im vorigen Jahresberichte, dafs diese
Körper zuerst von Buillard als befruchtende Organe ange-
sehen worden sind; aber selir mit Unrecht sagt Herr Cor da,
dafs Referent diese Gebilde für Paraphysen erklärt, denn die-
ser Vergleich ist demselben niemals eingefallen. Wir haben
dagegen mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dafs es sehr
auffallend ist, dafs die sogenannten Antheren, wenn sie wirk-
lich die Befruchtung der Sporen auszufidiren haben, nicht viel
häufiger, ja warum nicht ganz konstant auftreten, und hierauf
antwortet Herr Cor da, dafs es bei den Cryptogamen noch
ganze Familien gebe, wo bisher nur Sporen u. s. w. gefunden
sind. Indessen gegen diese Einwendung liefse sich wohl er-
wiedern, dafs sie auf die Pilze nicht recht pafst, denn wir
wissen es doch gegenwärtig, dafs bei solchen Familien, wo
man die männlichen Organe aufgefunden hat, diese da-
selbst bei allen Gattungen und bei allen Arten vorkommen,
wenn man darnach sucht; bei den Pilzen dagegen, und neh-
men wir auch nur die Hut- und Flcischpilze in Betracht,
kommen jene Organe nicht einmal in zwei sehr ähnlichen Ar-
ten regelmäfsig vor.
Herr Cor da vergleicht ferner diese Pilz -Antheren mit
den einzelnen Pollenkörnern der höheren Pflanzen und nicht
mit den Antheren, eine Ansicht, welche aber wahrscheinlich
auch die meisten der Botaniker getheilt haben, die über die-
sen Gegenstand schrieben; er nennt sie Pollinarien, eine Be-
nennung, welche jedoch schon in ganz anderer Bedeutung ge-
braucht wird. Sehr beachtenswerth und ferneren Untersuchun-
gen zu empfehlen ist die Angabe des Herrn Corda, dafs bei
den Boleten während der Entwickelung der Antheren noch
keine Spur von den Basidien und der Sporenbildung zu sehen
sei, und dafs sich diese erst dann entwickeln, wenn die Anthe-
ren grofsentheils entwickelt sind. (Bei Agcuiciis und Foly-
poriis hat Rcforent auf diesen Gegenstand schon früher seine
Aufmerksamkeit gerichtet, hat aber nichts beo])achtet, was zu
dieser Annahme veranlassen könnte, und bei Boletus - Avieii
71
sah er nicht selten, dafs die Anthcren gerade bei giinz alten,
absterbenden Individuen vollkommen ausgebildet waren.) Die
Paraphysen der Ascomycetes, bemerkt Hr. C. sehr richtig, sind
mit diesen Antheren der Fleischpilze nicht in Vergleich zu
stellen. Den Inhalt der Antheren schildert Hr. C. als eine kon-
sistente Gallerte, die bald Moleküle, bald keine deutlich sicht-
baren festen Bestandtheile enthält; er wird stets durch die
Spitze des Zellsacks in Tropfengestalt entleert und überzieht
dann dessen Aufsenfläche mit einer oft schwach gefärbten
Schleimschicht, wodurch es veranlafst wird, dafs die Sporen
daran hängen bleiben; ob aber diese Flüssigkeit, gesteht Herr
Corda, irgend eine Art von Föcundation auf die Sporen aus-
übe, das kann nicht entschieden werden. Eine grofse Menge
von vortrefflichen Zeichnungen, allein 3 Folio -Tafeln füllend,
gebe die besten Erläuterungen zu den obigen Mittheilungen
über den Bau des Hymeniums u. s. w.
Herr Berkeley*) hat die Struktur der Fnictifications-
orgaue bei den Trichogastren und Phalloideen näher unter-
sucht und gefunden, dafs auch diese Gruppen zu den wahren
Hymenomyceten gehören. Wenn man eine junge Pflanze von
einem Lycoperdon durchschneidet, so findet man, dafs die in-
nere fleischige Masse nach allen Richtungen hin mit kleinen,
länglichen und netzförmig verzweigten und communicirenden
Höhlen durchzogen ist, und die ganze Fläche dieser Höhlen ist
mit einem Hymenio überzogen, welches ähnlich denen von
ylgaricus und Boletus gebaut ist, aber keine Spur von jenen
Organen zeigt, welche als Antheren betrachtet werden. Die
Gattungen Geastrum, Sclejodenna, Batarrea, Tulosloma
u. s. w. haben vielleicht, wie Herr Berkeley vermuthet, eine
ganz ähnliche Struktur. Bei Phallus nuifs man sehr junge In-
dividuen untersuchen, um das Hymenium zu finden, es zeigt
sich daselbst ebenso wie bei Lycoperdon, nur scheinen die
Basiden sämmtlich sporentragend zu sein. Konmien mehr als
4 Sporen auf einer Baside vor, so sitzen die hinzukommen-
den etwas seitlich. Sowohl hier wie bei Lycoperdon fallen
*) On the Fructification of Lycoperdon, Phallus and their aliied
Genera. — Annais of Natural History or Magaz. of Zoolog. Bot. and
Geology. November 1839. pag. 155.
72
die Casidien später zusammen und sind dann nicht mehr zu
finden. Eine Tafel mit einfachen aber deutlichen Abbildun-
gen giebt nähere Nachweisung zu diesen angeführten Beob-
achtungen.
Schon in unserem vorletzten Jahresberichte *) gaben wir
einige Nachricht von einer Abhandlung des Herrn Leveille,
welche derselbe im Jahre 1837 in der philomatischen Gesell-
schaft zu Paris vorgetragen hatte; die Abhandlung, wie es
scheint etwas verändert, ist gegenwärtig publicirt **), doch
leider ohne Abbildungen, welche ganz besonders nöthtg
wären, um die Ansichten des Herrn Leveille gänzlich zu
erweisen. Herr Leveille bekämpft zuerst die Ansicht des
Herrn Turpin über die Entstehung der Uredines aus erkrank-
ten Globulinen, worunter dieser bekanntlich alle Zellensaft-
kiigelchen der Pflanzen versteht, mögen sie von noch so ver-
schiedener chemischer Zusammensetzung sein. Auch die Mei-
nung des Herrn Unger, nach welcher die Uredines als Pro-
dukte einer krankhaften Affection der Respirationsorgane an-
zusehen wären, wird als unrichtig bezeichnet, denn nach den
Beobachtungen des Verfassers sollen alle Uredines wirkliche
Pilze sein, zu welchen sie von Persoon gestellt wurden.
Wenn man, sagt Hr. L., diese Bildungen in einem sehr jun-
gen Zustande beobachtet, so wird man unter der entfärbten
Oberh-Rit sehr feine ungefärbte und verästelte Fäden beobach-
ten, welche mit einander gleichsam verfilzt sind. Wenn sich
ein Uredo bildet, so zeigt sich im Mittelpunkte dieses Gewe-
bes ein Knöpfchen von fleischiger Textur, so dafs es mit Scle-
rotium u, s. w. zu vergleichen sei. Die eine Fläche des Knöpf-
chens sitzt auf dem Parenchym des Blattes, die andere dage-
gen ist in Berührung mit der Epidermis und mit gestielten
oder (selten) mit sitzenden Sporen bedeckt. Wenn der Pilz
wächst, wird die Epidermis ausgedehnt, sie reifst und nun kom-
men die Sporen auf die Oberfläche. Die Aecidien, obgleich
von einer complicirteren Struktur, haben eine ähnliche Ent-
wickelung, welche Hr. L. bei den Euphorbien beschreibt; es
*) Berlin 1838. pag. 162—163.
"*) S. KtM-herches sur le developpemcnt de Uredinees. — Annal.
des scicuc. naturelles. Tome XI. Part. bot. pag. 5 — 16.
73
ist hier das eigene Peridiiim, welches diese Gattung so sehr
auszeichnet von Uredo, so dafs die Zusammenziclumg dersel-
ben unter dem Namen Caeoma nicht gebilligt wird. Herr L.
macht darauf aufmerksam, dafs Herr Fries die Verschieden-
heit zwischen den Gattungen Aecidium und Uredo ziemlich
richtig aufgefafst hat.
Man hält zwar, sagt Hr. L., die Bläschen der Uredines
für wirkliche Sporen, indessen die dafür sprechenden Beob-
achtungen sind noch sehr selten; Herr Prevost sei der Erste
gewesen, welcher gesehen hat, dafs aus den Sporen von Uredo
caries De C, wQfin sie der Feuchtigkeit ausgesetzt werden, ein
byssusartiges Gewebe entsteht, und Herr De Candolle habe
dieselbe Beobachtung gemacht. (Sollte man nun auch wirk-
lich das Hervortreten von Keirafäden an den Bläschen des
Schniierbrandes beobachtet haben, was mir bisher noch nicht
geglückt ist, so zeigen doch meine eigenen Beobachtungen
über die Entstehung des Schmierbrandes bei dem Mays (s. d.
vorletzten Jahresbericht, Berlin 1838, .pag. 162), dafs derselbe
als eine krankhafte Bildung im Innern der Zellen auftritt, und
also wahre Entophyten darstellt. Ref.). Hr. Leveille spricht
ebenfalls über die Entstehung des Schmierbrandes bei dem
Mays und sagt von demselben, dafs er ebenfalls durch ver-
ästelte Fäden entstehe, welche kurz und gegliedert sind, von
welchen sich dann die bräunlichen Sporen ablösen u. s. w.
(Hat Hr. Lev. diese Beobachtungen ebenfalls schon 1837 vor-
getragen?)
Schliefslich folgt eine Eintheilung der Uredineen in drei
kleinere Familien, nämlich in: 1) Aecidineen mit den Gattun-
gen Roestelia Reh., Aecidium Pers., Feridermium Lk, und
Endopliyllum Lev. 2) Uredineen mit den Gattungen Fhras;-
midiinn Lk.., Fuccinea Fers., Uredo Fers., Fodisoma Lk.
u. s. w., und 3) Ustilagineen mit den Gattungen Ustilago Lk.,
Sporisorium Ehr. u. s. w.
Herr William Valentine*) hat der Linuaean Society
seine Beobachtungen über die Struktur und die Entwickelung
der Reproductionsorgane der Filularia glohulifera übersen-
det, welche sehr viel Interessantes enthalten; wir müssen wün-
*) Aiinals of natural histor. etc. June 1839. pag. 280.
74
sehen, dafs dieselben recht bald, mit den nöthigen Abbildun-
gen begleitet, publicirt werden möchten.
Herr Alexander Braun*) hat der Versammlung der
Naturforscher zu Freiburg seine Beobachtungen über die na-
türliche Aussaat der Sporen von Marsilea quadiifolia be-
kannt gemacht. Die Frucht der Marsilea hält er für einen
Theil des Blattes selbst, an dessen Stiel sie sitzt. Die Berip-
pung dieses Fruchtblattes sei gefiedert und an den Seitenrip-
pen bilden sich die Placenten, welche die Sporangien tragen,
die von zweierlei Art sind, und jeder Sorus ist mit einem
geschlossenen Indusium bedeckt u. s. w. Die Fruchtbildung
der Marsilea wäre hiernach mit derjenigen der Farrn über-
einstimmend, und diese trügen mit Einschlufs der Equiseten
und Lycopodien ihre Sporangien auf den Blättern, worin sie
von den Moosen wesentlich verschieden sind.
Herr A. Braun**) hat ferner seine Ansichten über das
Wachsthum der Ophioglossen, insbesondere über den zelligen
Körper, aus welchem die Blätter bei dieser Gattung hervor-
gehen, mitgetheilt. Dieser Zellkörper umhülle das Bildungs-
centrum, und innerhalb desselben bilden sich die Blätter in
regelmäfsig spiralförmiger Succession bis zu ihrer Entfaltung,
welche bei Oph. vulgatinn im 4ten Jahre eintritt. Die Aehre
von Ophioglossum ist axillär. Botrychiuin hat den umhül-
lenden Zellkörper nicht, dagegen sind die Blätter selbst um-
scheidet.
In dem Berichte von 1837 (Berlin 1838, pag. 95) wurdt;
die Beobachtung des Herrn Martens zu Löwen aufgeführt,
nach welcher auch bei den Farrn Bastardformen vorkommen
sollen; der neue Bastard, den Hr. M. beobachtet hatte, wurde
sogleich von Bory de St. Vincent als Gymnograimna
Martensii benannt und sollte zwischen G. calomelanos luid
G. chrysophylla mitten inne stehen. Herr J. Riley***) zu
Nottingljam hat aber gegenwärtig gegen jeneAnnahme von der
Entstehinig der Farrnbastarde sehr trefiend geantwortet, wenn-
*) Flora oder allgcnieinc botanische Zeitung von 1839. pag. 297.
**) Ebendaselbst pag. 301.
***) Kcply to M. Martens Paper on the Ilybridity of Ferns. —
Proceedings of the Botanical Society of London. Ib39, pag. 60.
75
«bleich es demselben noch ganz unbekannt ist, dafs manche
Naturforscher mit aller ßestiiiinitheit glauben, dafs die Anthe-
ren der Farrn nachgewiesen sind, ein Gegenstand, über den
wir in dem Jahresberichte von 1836 pag. 104 gesprochen ha-
ben. Herr Riley hält jenen angeblichen Bastard für Gym-
nogvamma siiJpJunea Desv. und giebt einige allerdings nicht
hinreichende Gründe an, um die Bastardzeugung bei den Farm
als ganz unwahrscheinlich darzustellen.
Herr George Dickie*) hat einige Mittheilungen über
das Vorkommen der Stärke in den verschiedensten Pflanzen
bekannt gemacht; hauptsächlich richtete er sein Augenmerk auf
das Vorkommen der Stärke in den Flechten; doch war es ihm
unbekannt, dafs über diesen Gegenstand schon mehrere auf-
klärende Beobachtungen bekannt gemacht sind. Herr Dickie
geht von der Annahme aus, dafs alle Theile der Flechten, die
sich durch die Jodine blau färben, für Stärke anzusehen sind,
und er fand, dafs sich selbst die Sporangien (thecae der Auto-
ren) blau färben; er vergleicht hierauf sogar das Sporangium
mit den sich darin bildenden Sporen mit der Struktur der
Amylum-Kügelchen, geht aber von Herrn Raspaii's Beschrei-
bung dieser aus, welche unrichtig ist.
Herr G. Körb er**) hat eine sehr umständliche Betrach-
tung der grünen Lagerzellen der Flechten zum Gegenstande
seiner Inaugural-Dissertation gewählt; es sind dieses die eigen-
thümlichen Zellen, welche von Waliroth mit dem Namen
der Gonidia, Brutzellen, und von Meyer mit dem Namen der
Lagerkeime oder Keimkörner belegt wurden. Der Verfasser
hat die vielfachen Angaben, welche sich über diesen Gegen-
stand in den Werken der beiden so eben genannten Licheno-
logen befinden, in gedrängter Kürze klar und deutlich wieder-
gegeben; dieselben mit einiger Kritik begleitet und hie und da
seine eigenen Ansichten daneben gestellt, welche aus eigener
Anschauung der Natur hervorgingen. Die Gonidien oder grü-
nen Lagerzellen werden in drei verschiedenen Stadien betrach-
tet: 1) als Gonidia synthetica in statu primario s. piimi-
*) Remarks on the Reproductive Organs of the Lichens. — An-
nais of natural histor. etc. Mai 1839. pag. 165.
'^'^) De Gonidiis Lichenum. Diss. inaug. Berolini 1839.
76
ilvOj d. i. wenn sie sich noch im Thallus in ihrer natürlichen
Lage befinden; 2) als Gonidia synthctica in statu secunda-
rio, d. i. wenn dieselben schon über die Oberfläche des Thal-
lus hinansgetreten sind und die Soredien bilden, deren Auf-
treten bei den verschiedenen Flechtengattungen erörtert wird.
Endlich 3) werden die Gonidia als Reproductions-Organe be-
trachtet. Was Wallroth und Meyer über diesen Gegen-
stand beobachtet haben, wird mit allem Rechte als noch nicht
genügend dargestellt, und dann führt der Verfasser seine eige-
nen Versuche auf, welclie er mühsam anstellte, um das Kei-
men oder die Entwickelung der Gonidien zu beobachten, welche
aber alle ohne Erfolg blieben. Hofi'entlich wird Hr. Körb er
die Beobachtungen über diesen interessanten Gegenstand fort-
setzen, über den mit Hülfe der verbesserten Mikroskope ge-
wifs sehr viel Neues zu finden ist.
Herr Wiliam Valentine*) hat in einer Mittheilung an
die Linnaean Society seine Beobachtungen über die Entwicke-
lung der Fructificationsorgane der Moose bekannt gemacht,
welche aber nur das bereits Bekannte über diesen Gegenstand
bestätigen. Kr. V. macht auch auf die Analogie aufmerksam,
welche zwischen den Moossporen und den Pollenkörnern der
höheren Pflanzen herrscht.
Herr Dr. Stiebel**) hat eine Abhandlung über die Oscil-
latorien geschrieben, welche voller Entdeckungen ist. Die
Oscillatorien sind nach den Beobachtungen desselben nicht nur
Thiere, sondern es sind Thiere, welche vollkommen fonnirte
Köpfe haben; sie haben eine Mundöfi'nung, und wenn das Ly-
sogonium, welches Hr. St. beschreibt und abgebildet hat, auf
dem Rücken liegt, so sperrt es den Mund auf, dafs derselbe
eine dreieckige Form annimmt. Aus dieser Mundöfi'nung kommt
ein Rüssel, der sich im Wasser rasch hin und her bewegt, so
dafs ein Wirbel entsteht; er besitzt sogar Muskeln, welche
von den Seitenbändern des Thieres kommen. An den Enden,
*) Supplementary Observations on the Development of the Theca,
and on the Sexes of Mosses. — Annais of natural histor. Aug. 1839.
pag. 456.
''*) Ue))cr den Bau und das Le1)en der grünen Oscillatoric {L//-
sogommn taeniodes Stiebcl). — Museum Senkenbcrgianum. III, litt. l.
Frankfurt a. M. I83i). pag. 79—90. Mit einer Tafel.
77
meistens nur an dem einen, bei jungen Thieren auch wolil an
Ix.'iden, zeigen sich giinz eigenthiiniliche Tentakeln oder Füh-
ler welclie rudernde Bewegungen machen; zur Unterstützung
des Rüssels und überhaupt zu bestimmten Zwecken nehmen
sie verschiedene Formen an, ja sie zeigen sogar einen Nerv.
Diese Tentakeln scheinen eigene Organe zu sein, denn bei an-
idern Organen kommen sie an den Seiten wie Polypenarme
I hervor. In dem mit dem Kopfende zusammenhängenden Giiede
ist eine Art Magen, mit schwarzen Ilaken, die vielleicht Kau-
werkzeuge sind, und der Schlauch des Magens setzt sich als
(Darm weiter fort. Das Thier scheint sich besonders von klei-
inen schwarzen Monaden zu nähren. Aufserdem hat das Thier
sowohl vorn wie hinten in den Enden herauskommende leuch-
tende Kügelchen mit einem schwarzen Pünktchen; es sind die-
ses die Augen, die wie Schneckenaugen herumgedreht werden
iund selbst einen Nervenfaden zeigen. Wollte man behaupten,
jdafs das Lysogonium ein doppeltes Haupt habe, so, sagt Hr.
St., müsse er bemerken, dafs er keinen doppelten Rüssel be-
obachtet habe. Die Fortpflanzung geschehe auf verschiedene
Weise; zuweilen wird das erste Glied gleichsam ausgespieen
11. s. w. Einiges, als die Beschreibung der Muskeln, welche
zu den Augen und Fühlern gehen, und das Nervensystem hat
Hr. St. noch zurückbehalten, gedenkt aber damit wieder zu
kommen.
Referent hat die Schrift mehrmals gelesen , kann aber
nicht entscheiden, ob sie Satyre oder Ernst enthält; das Er-
stere ist ihm wahrscheinlicher, denn mit einem so schönen
Instrumente als Hr. St. besitzt, kann man die obigen Beob-
achtungen nicht machen, wenn man sich schon vorher im Se-
hen geübt hat. Man könnte auch glauben, dafs Herrn S t le-
be l's Lysogonium ein neues merkw^ürdiges Thier sei, welches
nur irrthümlich mit den Oscillatorien zusammengestellt ist, in-
dessen wer die Struktur und die Fortpflanzung der gröfseren
Oscillatorien kennt, dem wird es klar werden, dafs wir hier
doch nur mit einer Oscillatorie zu thun haben, deren Struk-
tur aber von Herrn Stieb el ganz verkannt ist; nicht einmal
die feinen Ringe hat derselbe gesehen, welche zwischen den
aneinanderliegenden Sporen, gleichsam wie sogenannte Inter-
cellularsubstanz, auftreten und sich, beim Heraustreten der
78
Sporen, entweder frei von diesen ablösen, oder an den 7ai-
rückbleibenden haften. Diese Ringe sind es aber eben, welche
Herrn Stiebel am meisten verleitet haben; selbst die Augen
sind bei Lichte aus diesen Ringen entstanden u. s. w. Was
andere Naturforscher für den Kopf der Oscillatorien angege-
ben haben, das hat Herr Stiebel gar nicht gesehen, denn bei
Lysogonium, welches Oscillatoria limosa zu sein scheint, ist
etwas der Art nicht vorhanden.
Schon in unserem Berichte vom Jahre 1835 haben wir
der Gattung Chionyphe gedacht, welche Herr Thienemann
im körnigen Schnee beobachtet hatte; gegenwärtig haben wir
die ausführliche Beschreibung dieser interessanten Pflanzen*)
erhalten, welche wohl ganz entschieden zu den Algen zu brin-
gen sind, aber doch wohl verschiedenen Gattungen angehören.
Es werden drei Arten beschrieben, nämlich Chionyphe ini~
cans, nitens und densa, und von Chionyphe nitens die ganze
Entwickelungsgeschichte mitgetheilt. Die Entwickelung dieses
Pflänzchens ist ganz ähnlich denjenigen anderer zergliederter
Conferven; Hr. Th. bemerkte zuerst auf dem Schnee einfache,
sphärische Bläschen, die sich in die Länge ausdehnten und
durch Querwände in zwei Hälften tlieilten, nachdem in ihrem
Innern eine lebhafte Bewegung von vorher luisichtbaren Atom-
chen stattgefunden hatte. Die beiden Hälften des getheilten
Bläschens dehnten sich noch weiter aus, und bei neu eintre-
tender Atombewegung gingen abermalige Theilungen vor sicli,
doch im ferneren Verlaufe theilte sich immer nur noch die
Endzelle jeder Seite, während sich die mittleren nur noch aus-
dehnen u. s. w. Zuletzt entsteht in den Endzellen wieder leb-
hafte Atombewegung; die Atome vergröfsern sich und erschei-
nen als Bläschen, mit denen die Endzelle anschwillt und bei
der Reife die Gestalt eines mit Kugelkeimen gefüllten Köpf-
chens erlangt. Referent hat die Angaben des Hrn. Thiene-
mann vollständig mitgetheilt, doch setzt derselbe die Bemer-
kung hinzu, dafs sowohl die Bildung der Querwände unter
der angeführten Atombewegung, so wie auch die Bildung der
*) Ueher ein neues Geschlecht von Schneepflanzen, Ckionyphc^
Schnecgewebc. Mit einer Steindrucktafel. — Nov. Act. Acad. C. L,
C. Vol. XIX. P. 1. pag. 20-26.
79
Sporen durch Vergröfsornng der Atomchcn in den Endzeilen
mit den bisherigen Beobachtungen dieser Gegenstände nicht
übereinstimmt, also wohl der nochmaligen Wiederholung der
Beobachtung zu empfehlen ist.
Herr Morren*) hat ebenfalls Gelegenheit gehabt, Infu-
sorien im Innern der Schläuclie von Vaucheria clavata zu
beobachten; es war Roti/er vulgaris, und er glaubt defshalb,
dafs die tliierischen Gebilde, welche Herr Unger in jener
Pflanze gesehen hat, ebenfalls demselben Raderthierchen ange-
hören möchten. Referent macht hierbei die Bemerkung, dafs
Vau eher zuerst wirkliche Thiere im Innern der Vauche-
ria beobachtet hat, und zwar gehörten sie dem Cyclops Lu-
pula Müll, an, und im Jahre 1834 hat auch Herr Wimmer
zu Breslau **) lebende Infusorien in Vaucherien beobach-
tet, die nach der gegebenen kurzen Beschreibung den Ra-
derthierchen anzugehören schienen; ja auch die Eyer dieses
Thieres wurden daneben beobachtet. W^ie nun aber diese
Thierchen in das Innere der Vaucherien gekommen sind, das
ist noch von keinem Beobachter nachgewiesen, ja Herr Mor-
ren glaubt behaupten zu können, dafs die von ihm beobach-
teten Vaucherien keine Spur von Verletzungen besafsen, durch
welche das Raderthierchen hatte hineintreten können. Herr
Mo r ren beobachtete die lebhafte Bewegung des Rotifer im
Innern der Schläuche; er sah, wie es den Wänden entlang
verlief und die grüne Masse fortschob u. s. w. ; er sah das
Eyerlegen und die Vermehrung der Raderthierchen, und es
schien ihm, dafs dieselben dann in die Schläuche der Vauche-
rie hinabstiegen und sich in der neuen Masse aufhielten, wo
sie als parasitische Körper die Entwickelung jener seitlichen
Auswdichse der Vaucherien veranlassen, ganz wie die Gallen
u. s. w. durch Insektenstiche entstehen. Eines Tages öffnete
Herr Morren einen Vaucherien- Schlauch und liefs das Ra-
derthierchen heraus, aber er sah, wie es sich bemühte, wieder
in seinen alten Kerker zurückzukehren.
*) De l'existence des Infusoires dans les plantes. — Bullet, de
TAcad. Royale de Bruxelles. VI. No. 4.
**) S. miseren ersten Jahresbericht inWiegmann^s Archiv. Ber-
lin 1835. pag. 211.
80
Herr Wimmer*) hat über den obigen Gegenstand, so
wie über die Sporen -Entvvickelung der Vauclieria clavata
seine Beobachtungen fortgesetzt und wird dieselben nächstens
in einer besonderen Schrift vollständig beschreiben.
Von Herrn Cor da ist dem Referenten im vergangenen
Jahre eine Schrift: „Observations sur les Euastrees et les
Cosmariees" zugekommen, welclie in ähnlichem Formate wie
die früheren Mittheilungen erschienen ist, die dem Carlsbader
Almanach beigefügt sind; sie ist 32 Seiten stark und hat 6
Tafeln Abbildungen. Der gröfste Theil dieser Arbeit ist mit
heftigen Erwiderungen gegen die Angriffe gefüllt, welche Herr
Ehrenberg in dem grofsen Infusorienbuche sehr zahlreich
gegen Herrn Corda gemacht hat**). Herr Cor da ist in
jeder Hinsicht über die Weise unzufrieden, in welcher seine
systematischen Arbeiten, sowohl seine genauen Beobachtungen,
wie auch seine (wie er sie selbst nennt) genauen Abbildungen
von Hrn. Ehrenberg einregistrirt sind, und versucht zu zei-
gen, dafs sich Hr. Ehrenberg dabei die gröfste Willkühr habe
zu Schulden kommen lassen. Schliefslich erhalten wir auf den
letzten 9 Seiten eine Uebersicht der Gattungen, welche Herr
Corda zu seiner Familie der Euastreen und Cosmarieen ge-
macht hat, und alle die Botaniker, welche sich mit Beobach-
tung dieser Gegenstände beschäftigt haben, werden sich wun-
dern über die nicht kleine Zahl derselben.
lieber Wärmeentwickelung in den Pflanzen.
Eine schöne Reihe von Untersuchungen über die Wärme-
entwickelung in den Pflanzen haben wir in dem vorliegenden
Jahresbericht aufzuführen. Die Herren G. Vroük und W.
*) S. Jahresbericht der schlesischen Gesellschaft für vaterlän-
dische Kultur. Breslau 1839. pag. 123.
'''') Referent mufs jedoch noch hinzufügen, dafs diese Corda'-
schcn Euastreen und Cosmarieen nicht Infusionsthierchen sind, wofür
sie auch von Herrn Ehrenberg ausgegeben sind, sondern einfache
Algen, wie er es an verschiedenen Stellen seüier neuesten Schriften
für alle diejenigen Naturforscher vollständig erwiesen hat, m eiche mit
der Struktur der Algen bekannt sind. Herr Corda hielt diese Ge-
schöpfe bis zum Winter 1833 ebenfalls noch für Pflanzen.
I
81
II. de Vriese*) haben ihre früheren Beobachtungen über die
Wärmeentwickclung in den Kolben von Colocasia odora
fortgesetzt und die neuen zwar schon gegen Ende des Jahres
1838 publicirt, doch konnten wir dieselben im vorigen Berichte
nicht mehr aufnehmen, indem uns die Zeitschrift viel zu spat
zugekommen ist. Die genannten Beobachter drücken ihre Ver-
wunderung über die Erklärung aus, welche Hr. Raspail über
die Wärmeentwickelung in den Blüthenkolben der Aroideen
gegeben hat, setzen aber hinzu, dafs ihre neuen Beobachtun-
gen nicht zur Widerlegung der Ansichten von Raspail an-
gestellt wurden, denn diese scheinen eigentlich keiner Wider-
legung zu bedürfen. Die ersten Beobachtungen wurden an
dem Spadix von ylrmn italicum angestellt; sie geschahen im
Freien und es wurde keine Temperaturerhöhung wahrgenom-
men; im Innern einer Orangerie zeigte jedoch eine andere
Blüthe sehr bald eine bedeutende W^ärme, und auch bei ab-
gesperrtem Lichtzugange und nach Entfernung der Blumen-
scheide wurde, wie leicht zu erwarten war, ebenfalls die Tem-
peraturzunahme wahrgenommen. Ferner wurden Beobachtun-
gen an den Blütlienkolben der Colocasia odora unter ähn-
lichen Verhältnissen, sowohl bei abgeschnittenem Spadix, als
nach blofser Umschlagung desselben angestellt; das Maximum
des Unterschiedes in der Temperatur zwischen der Luft und
im Innern des Kolbens betrug 19^^ Fahr.
Aufserdem wurden interessante Beobachtungen über das
Verhalten der Blüthenkolben der Colocasia in verschiedenen
Gasarten angestellt, zu welchem Zwecke ein sehr guter Appa-
rat verfertigt wurde, der ausführlich beschrieben und abgebil-
det worden ist. Da sich gerade zwei Blüthenkolben jener
Pflanze von gleicher Stärke zu eben derselben Zeit entwickelt
hatten, so wurde die Temperaturerhöhung an dem einen be-
obachtet, den man in der gewöhnlichen Atmosphäre liefs, wäh-
rend der andere im Innern des Instruments und umgeben mit
*) Nadere proefnemingen over de verhoogde temperatuur van den
Spadix eener Colocasia odora (Caladium odorum), gedaan in den
Hortus botanicus te Amsterdam. — Tijdschrift voor Natuurl. Geschie-
den, en Physiol. V. 3. pag. 190—230. Deutsch mitgetheilt in Wieg-
mann's Archiv von 1839. pag. 135 etc. Mit einer Abbildung.
W'iegm. Archiv. VI. Jahrg. 2. Band. g
82
Sauerstoffgas beobachtet wurde. Das Sauerstoffgas zeigte eine
rasche Wirkung auf die Bliithe, denn schon eine halbe Stunde
nach der Einsperrung zeigte sie 4^ höhere Temperatur als
der andere, in gewöhnlicher Atmosphäre stehende Kolben. Von
Zeit zu Zeit raufste frisches Oxygen zugelassen werden; das
Gas war durch Wasser abgesperrt und dieses resorbirte den
gröfsten Theil der durch die Verbrennung des Kolbens ent-
standenen Kohlensäure. Ein anderer Blüthenkolben wurde in
Stickstoffgas gebracht, und obgleich derselbe beim Einbringen
einige Grade (Fahr.) mehr zeigte, so verschwanden diese spä-
ter ebenfalls, und es wurde in dieser Gasart durchaus gar
keine Temperaturerhöhung beobachtet, auch wurde kein Stick-
stoffgas, wenigstens nicht in wahrnehmbarer Menge, von den
Blumen eingesogen. Der Unterschied, welchen der Blüthen-
kolben im Sauerstoffgas und im Stickstoffgas zeigte, war über-
aus auffallend; in ersterem zeigte sich eine üppige Entwicke-
lung, natürliche Farbe und sehr hohe Temperatur, im Stick-
stoffgas dagegen ein Aufhören aller Lebensthätigkeit, selbst
Verlust der Farbe und Störung in der Wärmeerzeugung.
Aufserdem hat Herr de Vriese die Beobachtungen eines
Herrn C. Hasskarl*) mitgetheilt, welche dieser auf Java
selbst, an den Blüthenkolben der Colocasia odora angestellt
hat; derselbe fand 22° Fahr, als höchsten Temperaturunter-
schied zwischen der Temperatur des Koibens und derjenigen
der Atmosphäre, und zwar des Morgens früh um 8 Uhr, und
schon am andern Morgen zeigten sich nur 10° F. Tempera-
turverschiedenheit.
Herr Dutrochet**) beobachtete die Wärmeentwickelung
in einem Spadix von Arum maculatum durch ein thermo-
elektrisches Instrument, wie es sich die Herren van Beck
und Bergsma (s. den vorigen Jahresbericht pag. 83) bedient
haben; er fand die höchste Temperatur gerade zu der Zeit,
als sich die Spatha öffnete, und diese übertraf die Tempera-
tur der umgebenden Luft um 11 bis 12° C. In einer anderen
*) KortBerigt van eenige Waarnemingen aaiigaande dererhoogde
Wärmte der Aroideen gedaan op Java. — Tijdschrift etc. V. 3. pag.
230-233.
**) Comptes rendu.s de 6. Mai ia39. pag. 695. M
83
Note vom 41. Mai*) zeigt Herr Dutrochet die Beobachtung
an, dafs sich in allen Theilen des Spadix von Arum macu-
latum die Temperatur während der Nacht vermindert und bei
Tage wieder zunimmt; in der Frühe erreicht sie das Maximum
und nimmt dann allmälich wieder ab, um in der folgenden
Nacht gänzlich zu verschwinden.
In der Sitzung der Pariser Akademie vom 10. Juni**)
wurden Herrn Dutrochet's Untersuchungen über die eigene
Temperatur der Pflanzen vorgetragen; derselbe hatte bereits
am 1. Juli 1838 der Akademie ein versiegeltes Schreiben über
diesen Gegenstand überreicht, welches erbrochen und vorge-
tragen wurde. Es heifst darin: „Die Pflanzen haben eine
eigene Wärme, aber diese würde gänzlich absorbirt durch die
Verdunstung des Saftes, durch die Aushauchung des Sauer-
stoffs während des Tages und durch die Aushauchung der Koh-
lensäure des Nachts. In der Natur scheint es vielmehr, dafs
die Pflanzen das Vermögen haben, gleichsam Kälte zu erzeu-
gen, indem sie fast immer eine niedere Temperatur als die-
jenige der umgebenden Luft haben. Wenn man aber die Aus-
dunstung der Pflanze aufhebt, so wird es leicht sein, die eigene
Temperatur derselben wahrzunehmen, zu deren Messung sich
Herr Dutrochet eines thermo-elektrischen Apparats bediente.
ZurVergleichung wurden die Experimente mit todten und mit
lebenden Pflanzentheilen angestellt; die erstere nahmen die Tem-
peratur der Luft an, die lebenden nahmen aber eben dieselbe
Temperatur und auch noch diejeuige an, welche bei dem
Wachsthume der Pflanze durch die Verdunstung unterdrückt
wurde, und diese schätzt Herr Dutrochet auf ~ Grad Cels.
im Maximum, oft ist sie nur \, ja selbst — oder ■— Grad.
Die eigene W'ärme der jungen Zweige und der Blätter ver-
schwindet während der Nacht oder überhaupt im Dunkeln, und
sie erscheint wieder bei hinreichend fortgesetztem Einflüsse des
Lichts. Je höher die äufsere Temperatur sich erhebt, je mehr
vergröfsert sich auch die eigene Temperatur der Pflanzen.
Ein anderer Theil der eigenen Wärme der Pflanzen, welcher
*) S. Comptes rendas etc. de 13. Mai 1839. pag. 741.
**) Experiences faites sur la temperature desvegetaux avec l'ap-
pareil thermo - electrique ; 25. Juin 1838. V. Comptes rendus etc. c(e
10. Juin 1839. pag. 907-911.
6*
84
durch die Gasification des Sauerstoffs absorbirt wird, kann
nicht einmal geschätzt werden.
Die obigen Mittheilungen hat Herr Dutrochet wahr-
scheinlich defshalb der Akademie zur Verwahrung übergeben,
um sich die Priorität der Entdeckung zu sichern, indessen die
Beweise, dafs den Pflanzen eine eigene Wärme als Resultat
ihrer Lebensthätigkeit zukommt, sind in Deutschland schon
lange publicirt, und Referent hat im 2ten Theile seiner Phy-
siologie der Pflanzen, welche im Anfange des Jahres 1838 er-
schien (pag. 1§4 etc.), erwiesen, dafs nicht nur die keimen-
den Saamen, nicht nur die beisammenliegenden frischen Früchte
der Areca Catechu die Entwickelung ihrer eigenen Wärme zei-
gen, sondern dafs sich diese auch in den Kräutern und in den
Blättern überhaupt zeige; einzelne zeigen, der Verdun-
stung wegen, keine erhöhte Temperatur, um so hö-
here dagegen in grofsen Massen. Man glaube aber
nicht, dafs Referent diesen Satz als eine blofse Ansicht hinge-
schrieben hat, denn derselbe hat sich von der Richtigkeit des-
selben mit dem Thermometer in der Hand überzeugt; er be-
obachtete mehrmals frisch abgeschnittenes Gras und frische
Spinatblätter. Zugleich zeigte aber auch Referent, dafs alle
die Botaniker, welche die W'ärme der Pflanzen beweisen oder
bestreiten wollten, sich bei ihren Beobachtungen keines schlech-
teren Pflanzentheils bedienen konnten, als gerade des Holzkör-
pers. Uebrigens wären die geringen Wärmegrade, welche Hr.
Dutrochet als die der eigenen Wärme der Pflanzen auf-
führt, wohl noch immer nicht hinreichend, um diese zu er-
weisen, denn Referent hat in seinem ersten Jahresberichte
(s. Wieg man n's Archiv von 1835. I. pag. 185. Uebers. in
den Ann. des scienc. natur. 1836.) einige Beobachtungen an-
gegeben, nach welchen schlechte Wärmeleiter, als das Holz
der Stühle und Tische in seinem Zimmer, ebenfalls 2° R. mehr
Temperatur zeigten, als die Luft u. s. w.
Eine Note, welche Herr Dutrochet am 6. Juni 1839
dem obigen Briefe beigefügt hat, bericlitet, dafs seine neueren
Beobachtungen die früheren bestätigen. In dem Stengel von
Euphorbia lathyris sah er sogar die eigene Wärme bis auf
^° C. steigen, aber nur so lange, als sich derselbe im grünen
Znstande befand. Ebenso fand er die Wärme in den Wur-
85
zeln, den Früchten und selbst in den Embryonen. Gänzliche
Abwesenheit des Lichtes hebt das tägliche Steigen und Fallen
der Temperatur gänzlich auf, aber es geschieht nicht immer
am ersten Tage ; Hr. D. sah den Wechsel der Temperatur bei
Tag und bei Nacht sogar noch am zweiten Tage des Versuches.
Herr Becquerel*) machte in Bezug auf die angeführ-
ten Beobachtungen des Herrn Dutrochet einige Bemerkun-
gen bekannt, aus welchen hervorgeht, dafs er schon vor zwei
Jahren den thermo- elektrischen Apparat zur Bestimmung der
eigenen Wärme der Pflanzen angewandt hat. Die Beobach-
tungen wurden in Gesellschaft des Herrn von Mirbel im
botanischen Garten angestellt und zwar an Zweigen einer Akazie;
die Beobachtung an lebenden und an todten Zweigen gab sogleich
die auffallende Differenz in dem Grade der eigenen inneren
Wärme. Im folgenden Jahre wollte Herr Dutrochet ähnliche
Beobachtungen anstellen und erhielt den Rath und die Erfah-
rungen des Herrn Becquerel zur Benutzung. In der Siz-
zung der Pariser Akademie vom 1. Juli antwortete Herr Du-
trochet**) auf die Angaben des Herrn Becquerel und
suchte dabei zu zeigen, dafs sich aus dessen Beobachtungen
noch keinesweges mit Bestimmtheit die eigene Wärme der
Pflanzen erweisen lasse.
Die Herren van Beck und Bergsma***) haben in
Folge der Beobachtungen von Dutrochet ein Schreiben an
die Pariser Akademie gerichtet, worin sie ihre neuen Beob-
achtungen über die Temperatur der Pflanzen niedergelegt ha-
ben, welche ganz klar beweisen, dafs die Ausdunstung der
Pflanzen es ist, welche so oft, ja fast allgemein die Messung
der eigenen Temperatur derselben verhindert. Die genannten
Herren wählten im Januar 1839 eine Hyacinthe zum Gegen-
stande ihrer Beobachtungen, welche auf einem Blumenglase
wuchs. Das Glas wurde in ein anderes Gefäfs gebracht, wel-
ches mit einem Wasser von höherer Temperatur gefüllt war,
um auf diese Weise durch höhere Wärme den Lebensprocefs
in den Wurzeln der Hyacinthe mehr anzufachen. Nachdem
*) Observations sur les moyens ä employer pour evaluer la tem-
perature des vegetaux. — Comptes rendus etc. de 17. Juin. pag. 939.
"**) Comptes rendus etc. de 1. Juillet. pag. 47.
***) Comptes rendus etc. de 2, Sept 1839. pag. 328.
86
dieses geschehen, wurden die Nadeln des thermo- elektrischen
Apparates in die oberflächlichen Theile des Bliithenschaftes ge-
steckt, und statt einer erhöhten Temperatur wurde gerade ein
Sinken derselben beobachtet; sie zeigte nämlich 17,5^ C, wäh-
rend die des Wassers 28,5 betrug. Der Versuch wurde mehr-
mals mit gleichem Erfolge wiederholt, so wie auch mit dem
Blattstiel einer Entelea arhorescens R. Br. Die Erschei-
nung wird nun ebenfalls durch die starke Verdunstung er-
klärt, welche sich in Folge des erhöhten Lebensprocesses ein-
stellte, der durch die Einwirkung des warmen Wassers statt-
fand. Wurden ähnliche Nadeln eines solchen Instrumentes bis
in die Mitte des Bliithenschafts der Hyacinthe eingebracht, so
zeigte sich die Temperatur im Innern fast um 1" C. höher als
die der umgebenden Luft.
Alle diese Abhandlungen der Herren Dutrochet, Bec-
querel und der Herren van Beck und Bergsma finden
sich auch im August -Heft der Annales des sciences naturelles
etc.*) mitgetheilt.
Am 21. November theilte Herr Dutrochet**) der Aka-
demie wiederum neue Beobachtungen mit, welche er im ver-
gangenen Sommer über die eigene Wärme der Pflanzen ange-
stellt hatte; er stellte ganz allgemein den Satz auf, dafs die
Pflanzen eine eigene Wärme besitzen, welche besonders in den
grünen Theilen derselben ihren Sitz hat. Diese eigene Wärme
der Pflanzen zeige eine tägliche Periodicität, sie erreiche ihr
Maximum in den Mittagsstunden und ihr Minimum während
der Nacht. Herr Dutrochet theilt die speciellen Beobach-
tungen an verschiedenen Pflanzen mit, aus welchen sich der
tägliche Gang der Wärme derselben erkennen läfst, als an
Euphorbia lathyris L., welche eine sehr lebhafte Wärme
zeigte, die aber des Nachts gänzlich verschwand, während sie
bei andern Pflanzen wenigstens in geringem Grade zurück-
bleibt. Die Stunde, in welcher die Pflanzen das Maximum der
Wärme zeigen, ist stets für jede bestimmte Pflanze dieselbe,
sie ist aber bei verschiedenen Pflanzen verschieden; so zeigte
*) XII. Part. bot. pag. 77—90.
**) Recherches faites avec l'appareil thermo -electrique sur la
chaleur vitale des vegetaux. — Compt. rend. etc. de 18. Nov. pag. 613.
87
dieses Rosa canina um 10^ Milium Porrum um ll^ Bor-
rago officinalis um Mittag, Euphorhia Lathyris um l^ ^am-
lucus nigra um 2*» und Asparagus offic. und Lactuca sa-
iiva um 3K Die stärkste Wärme zeigen die Pflanzen in der
Nähe der Hauptknospen, und bei den Holzpflanzen zeigt sie
sich oft nur in den grünen Spitzen. Andere Versuche bestä-
tigten wieder die Angabe, dafs sich die eigene Wärme an sol-
chen Pflanzen verliere, welche im Dunklen wachsen, dagegen
zeigten Versuche an verschiedenen Pilzen, dafs auch diese eine
tägliche Periodicität in der Wärme-Entwickelung zeigten; Bo-
letus aeneus zeigte eine Wärme von \^ C.
Endlich hat Herr Dutrochet*) noch eine kleine Note
über die eigene Wärme im Spadix von Arum maculatum
während der Bliithe bekannt gemacht. Der Spadix zeigte am
ersten Tage der Bliithe die höchste Wärme, und durch den
Einflufs dieser geschehe das schnelle OefiFnen der Spatha; am
2ten Tage war das Maximum nicht so hoch und es hatte sei-
nen Sitz hauptsächlich in den männlichen Blüthen, wodurch
zugleich die Ausstreuung des Pollens erfolgte. Was übrigens
das Arum maculatum in dieser Hinsicht im Grofsen zeigt,
das zeigen auch die jungen Zweige aller andern Pflanzen.
lieber die Gerüche der Pflanzen.
Die Akademie der Wissenschaften zu Brüssel hatte für
das Jahr 1838 eine Preisfrage über die Entstehung der Ge-
rüche der Blumen u. s. w. aufgestellt, welche, da sie unbe-
antwortet blieb, für das Jahr 1839 wiederholt wurde. Herr
Auguste Trinchinetti de Monza, vormals Professor an
der Universität zu Pavia, hat zur Beantwortung jener Preis-
frage ein Memoire eingereicht, welches mit der silbernen Me-
daille gekrönt wurde, und Herr Morren**) hat im Namen
der Akademie über diese Arbeit einen umständlichen Bericht
erstattet, aus welchem wnr die wichtigsten Mittheilungen ent-
*) Comptes rendus de 16. Dec. pag. 781.
**) Rapport sur le Memoire de Mr. Aug. Trinchinetti de Monza
intitule: „De Odoribus floriim observationes et experimenta proble-
matis resolutioni accomodata quod realis academ. scient. litter. que
BnixeUensis propos. p. a. MDCCCXXXVIU." Bruxelles 1839. - Extr.
du tom VI. No. 5. des Bullet, de rAcadem. royale de Bruxelles.
88
nehmen. Die Arbeit zerfällt in zwei Abtheilungen, die erstere
handelt von den Gerüchen der Blumen im Allgemeinen; der
Verfasser spricht von der Verschiedenheit, welche die Gerüche
der Blumen von denjenigen der andern Pflanzentheile zeigen,
von den Organen der Blumen, welche die Gerüche aushauchen
oder denen sie entströmen, von denen, worin sie bereitet wer-
den, über die chemische Beschafifenheit dieser Substanzen, über
die Art der Verdunstung und endlich über die Function der
Gerüche. In der zweiten Abtheilung handelt der Verfasser
von den Gerüchen in Hinsicht ihrer Intensität, in Hinsicht ih-
rer Menge in verschiedenen Zeiten des Alters der Blumen, in
Hinsicht der Stunden, in welchen sie sich zeigen, er giebt
zugleich das Mittel an, um sie zu erforschen und spricht haupt-
sächlich über die intermittirenden Gerüche.
Man findet, sagt Herr Trinchinetti, in allen Pflanzen-
theilen irgend einen Geruch, der von harzigen oder kampher-
artigen Substanzen erzeugt wird, wie bei den Laurineen, La-
biaten, Umbelliferen und den Hesperideen, dagegen seien die
Gerüche der Blumen die Folge einer besonderen Function,
durch welche eine einfache Verdunstung der secernirten Sub-
stanzen erfolgt. (Sowohl diese wie die meisten übrigen An-
gaben, welche schon durch die bereits vorhandenen Beobach-
tungen widerlegt werden, hat Herr Morren als Berichterstat-
ter in besondern Anmerkungen als unrichtig nachgewiesen.)
Im Allgemeinen sei in der Corolla der vorherrschende Sitz
des Geruchs und hier wieder an der obern Oberfläche; sei
ein einfaches Porigonium vorhanden, so komme der Geruch
von der Innern Oberfläche desselben. Die Filamente zeigen
einen Geruch wie die Corolla, die Antheren dagegen den sper-
matischen, aber nur selten seien die weiblichen Zeugungstheile
mit Geruch versehen, was jedoch bei dem Safran der Fall ist.
Die Organe, welche die riechenden Stofi"e von sich ge-
ben, sind nach dem Verfasser stets Drüsen, welche den Be-
obachtungen der Physiologen oft entgangen sein sollen, indes-
sen Herr Morren macht die Bemerkung, dafs derselbe auch
solche Bildungen mit dem Namen der Drüsen belegt habe,
welche hierauf keine Ansprüche machen können, so werden
z. B. auch die harzigen Kugeln für Drüsen angesehen, welche
Referent zuerst in den Blumenblättern der Magnolia s^randi-
89
flora entdeckt hat, ja sogar die PapiJleii auf den Blumenblät-
tern hält Herr Trinchinetti für Organe, worin die riechen-
den Stoffe secernirt werden. In Bezug auf die chemische
Theorie über die Bildung der Gerüche hat der Verfasser nur
die vonFourcroy und vouCouerbe auseinandergesetzt und
die Art der Exhalation der riechenden Stoffe erklärt derselbe
durch eine blofse Evaporation durch organische und unorga-
nische (?) Poren, welche auf der Epidermis der inneren oder
oberen Fläche der Blüthenorgane stattfindet. Ist diese obere
Fläche mit Wachs überzogen, so soll der Geruch schwächer
werden, ist dagegen die untere Fläche der Blumenorgane da-
mit bekleidet, so soll der Geruch derselbe bleiben, und Tur-
gescenz befördere die Aushauchung.
Die Frage, zu welchem Zwecke die Blumen riechen, be-
antwortet Herr Trinchinetti mit Folgendem: Es könne
sein, dafs die Pflanzengerüche zu einer Quelle von Annehm-
lichkeiten für den Menschen bestimmt wären, und dabei zeig-
ten die Gerüche demselben ihre Heilkräfte. Indessen die Na-
tur habe mehr als einen Zweck mit den Gerüchen erreichen
wollen, und so seien sie auch ganz sicherlich geschaffen, um
den geschlechtlichen Verrichtungen der Blüthe zu dienen, denn
Herr Trinchinetti glaubt auch, dafs die Geschlechtsorgane
durch einen Saft ernährt werden, der in den Blumenblättern
zubereitet wird. Die riechenden Ausströmungen der Blumen
üben unter Anderem auch einen physischen Einflufs auf die
Geschlechtsorgane, indem sie die Spannung der Wasserdämpfe
vermindern, welche so überaus schädlich auf den Pollen wir-
ken, indem dieser dadurch zerplatzt und die Befruchtung nicht
mehr ausge-führt werden kann. Die BUithen seien mit einer
riechenden Atmosphäre uwgeben, welche die Geschlechtsorgane
gegen die Einwirkung des Wasserdampfes schütze; daherkommt
es, dafs Blüthen, in weJchen die Geschlechtsorgane sehr ver-
schlossen sind, auch wenig riechen, dagegen andere Blumen
gerade in den feuchtesten Tagestunden und des Nachts stark
riechen.
In dem zweiten Theile der Abhandlung betrachtet Herr
Trinchinetti die Gerüche im Besondern; er sagt, dafs Blu-
men, welche erst am Ende ihres Lebens riechen, wie z. B.
Asperula odoiata, diesen Geruch durch den Anfang der Zer-
90
Setzung erzeugen, dafs dieser aber nicht mehr die Folge einer
Lebenserscheinung sei; ja es gebe Blumen, welche zerquetscht
einen andern Geruch aushauchen als im vollkommenen Zu-
stande, wie z.B. Allium moschatum, Samhucus Ebulus u. s.w.
Blumen, die nur des Morgens, am Abende und des Nachts
riechen, verlieren ihren Geruch während des Tages dadurch,
dafs die vereinte Einwirkung des Lichts und der Wärme das
riechende Princip vertheilt, indessen Herr Morren erwiedert
hierauf, dafs solche Blumen auch dann nicht bei Tage riechen,
wenn man sie an einem feuchten und dunklen Orte aufbe-
wahrt. Endlich kommt der Verfasser zur Beantwortung der
Frage über die Ursache der intermittirenden Gerüche; die Blu-
men, welche diese Erscheinung zeigen, öffnen und schliefsen
sich entweder zu bestimmten Stunden, oder sie bleiben stets
geöffnet, und der Geruch allein ist hier intermittirend; hier-
nach wird die Untersuchung der vorgesetzten Frage in zwei
Abschnitten behandelt, in dem erstem wird die Erscheinung
mit der Ursache des Oeffnens und des Schliefsens der Blume
in Verbindung gebracht, und in dem andern wird eine beson-
dere physiologische Bedingung zur Erzeugung des Phänomens
angenommen. In dem erstem Falle zeigen sich die Blumen
bei Tage geschlossen und des Nachts geöffnet und wohlrie-
chend, oder die Blumen sind des Nachts geschlossen und öff-
nen sich und riechen bei Tage. In der zweiten Abtheilung
werden diejenigen Blumen aufgeführt, welche stets geöffnet
sind, aber einen intermittirendea Geruch besitzen; hier wer-
den wiederum zwei Verschiedenheiten wahrgenommen, denn
entweder riechen diese Blumen nur bei Tage oder es zeigt
sich ihr Geruch des Nachts. Bei Cestrum diurnum ist der
Geruch des Nachts viel schwächer. Die Coronilla glnuca
riecht nur bei Tage, und Cacalia septentrionalis soll ihren
Geruch verlieren, wenn man sie mit einem Sonnenschirm be-
deckt. Hierauf werden die bekannten Pflanzen aufgeführt,
welche nur des Nachts ihren ausgezeichneten Geruch zeigen.
Pelargonium triste beginnt gegen 5 Uhr Nachmittags zu rie-
chen; des Nachts wird der Geruch stärker bis gegen 5 Uhr
Morgens, worauf er sich vermindert und gegen 7 Uhr ganz
aufhört. Die Oberflächen dieser riechenden Blumenblätter sol-
len des Abends glänzende Körperchen zeigen (mit Saft ge-
91
füllte Zellen), welche bei Tage nicht vorhanden sein sollen.
Wurden die Pflanzen den ganzen Tag hindurch im Finstern
o-ehalten, so trat der Geruch erst später als gewöhnlich ein
und war auch viel schwächer. Auch feuchte Luft während
des Tages brachte keinen Geruch an diesen Blumen hervor,
dagegen zeigte Cestrum, nocturnwn im Finstern und in einer
feuchten Atmosphäre einen schwachen Geruch.
Ueber Farbenbildung der Pflanzen.
Herr Eisner*) hat darauf aufmerksam gemacht, dafs er
bereits im Jahre 1832 in einer Abhandlung im Schweigger-
Seidel'schen Jahrbuch der Chemie (LXV. pag. 165-175) die
Identität des rothen Farbestoffs in den Bliithen der Irideen,
Labiaten, Rosaceen, Ranunculaceen , Geraniaceen, Cannaceen,
Malvaceen, Leguminosen, Papaveraceen, Myrtaceen u. s. w.
nachgewiesen hat, und dafs der rothe Farbestoff in den Bra-
cteen von Melampyrum arvejise, in den Blättern von Caladium
Mcolor, in den Früchten von Prunus Cerasus, Ribes ruhrmrij
Sorbus aucuparia demselben ebenfalls gleich sei, ja dafs sich
dessen Identität noch auf den rothen Farbestoff erstrecke,
welcher im Herbste die Blätter röthet.
Von Herrn Morren**) haben wir ebenfalls anatomisch-
physiologische Untersuchungen über das Auftreten des Indigo
im Polygonum tinctorium erhalten; die Arbeit war schon
vor dem Erscheinen der ähnlichen von Hi'n. Turpin, welche
im vorigen Jahresbericht angezeigt wurde, der Akademie zu
Brüssel vorgelesen und ist also als gleichzeitig mit jener zu
betrachten. Die Ansichten der Herren Turpin und Morren
weichen über die Entstehung des Indigo von einander ab. Er-
sterer fand diese Substanz in den durch Chlorophyll grün ge-
färbt-en Zellensaftkügelchen, dagegen glaubt Herr Morren,
dafs der Indigo im Intercellularsafte (worunter der gewöhn-
*) (7eber den rothen Farbestoff in den Blüthen und dessen Iden-
tität mit dem rothen Farbestoff in anderen Pflanzenorganen. — Pog-
gendorffs Annalen der Physik und Chemie. 17r Bd. 1839. pag. 483.
'*'*) Memoire sur la formation de l'indigo dans les feuilles du Po-
lygonum tinctorium, ou Renouee tinctoriale; lu a l'acad. royale des
scienc. de Bruxelles, le 1. Dec. 1838. — Mem. de l'Acad. royale des
scienc. et belles-lettres de Bruxelles. Tome XII.
92
liehe Zellensaft verstanden wird) entstehe. Referent kann aus
seinen eigenen Beobachtungen mit Bestimmtheit mittlieilen, dafs
sich der blaue Farbestoff im Polygoiium tinctorium aus den
vorher grün gefärbten Zellensaftkiigelchen bildet; man kann
sich hiervon unter dem Mikroskope überzeugen. Ob aber
auch in dem ungefärbten Zellensafte jener Pflanze eine Sub-
stanz gelöst ist, welche sich in Indigo umwandeln kann (wie
es aus Herrn Morren's Angaben hervorzugehen scheint), dar-
über hat Referent keine entscheidende Beobachtungen gemacht,
und gegenwärtig ist hierzu nicht die Zeit. Ma» müfste den
ausgeprefsten Zellensaft der Blätter vollständig filtriren und
ihn dann auf Indigo-Bildung behandeln, wobei es sich sogleich
entscheiden wird.
Der Indigo bildet sich in allen Theilen des Polygonums,
doch vorzüglich in den Blättern; hier findet man ihn sowohl
in dem Parenchym als in den Blattnerven, und nur das „tissu
fibro-vasculaire" zeige davon keine Spur.
Herr Morren macht auf die regelmäfsige Stellung der
Adventivwurzeln dieser Pflanze aufmerksam, welche, wie so
häufig bei der Gattung Polygonum, aus den Knoten hervor-
treten.
Herr Hünefeld*) hat wiederum einige Mittheilungen über
seine anhaltenden Untersuchungen der Pflanzenfarben bekannt
gemacht; auch er hat gefunden, dafs in den Farben der ver-
schiedenen Pflanzentheile: Wurzeln, Blätter, Blüthen, Früch-
ten, hinsichtlich ihres Stofflichen nicht die Gleichheit und Aehn-
lichkeit sich zeigt, wie man es aus den sinnfälligen Eigenschaf-
ten vermuthen möchte und Einige es ausgesprochen haben.
Nur sehr wenige Farbenveränderungen in den Pflanzen kom-
men allein durch die Wirkung sauerer oder basischer Stoffe
zu Stande. Ferner hat Herr Hünefeld eine grofse Reihe von
Versuchen bekannt gemacht, welche er über das Verhalten der
Pflanzenfarben zu verschiedenen Flüssigkeiten, besonders zu
Aether und Terpentinöl und zu einigen anderen Stoffen ange-
stellt hat, wobei manche sehr auffallende Resultate zum Vor- '
schein gekommen sind; die Folgerungen, welche Herr Hüne-
*) Beiträge zur Chemie der Pflanzenfarben. — Erdmann's und
Marchan d's Journal für prakt. Chemie. 1839. Ir Bd. pag. 65—80.
93
ie\d selbst daraus gezogen hat und uns hier interessiren, sind:
Die Pigmente der nicht gelben oder rothgelben Blüthen sind
wohl alle extraktiver Natur. Der Aether ist ein wichtiges
Mittel zur Vorbereitung der chemischen Untersuchung der
Blüthenpigmente und anderer Bestandtheile der Pflanzen. Das
Verschiedenfarbige einer Bliithe, eines Blattes besteht wohl
sehr häufig darin, dafs ein Pigment über oder in das andere
geschoben ist (hierüber geben die neueren phytotomischen
Schriften eine vollständigere Nachweisung, Red.). Die Haupt-
veränderung der Blüthenfarben beim Verwelken, Absterben
u. s. w. scheint darin zu liegen, dafs nur bei unterdrückten
Vegetationen die Aufnahme von Kohlenstoff aufhört, die Ab-
sorption von atmosphärischem Sauerstoff dagegen herrschend
wird, indem die leicht oxydablen Extraktivstoffe und Gerbstoffe
in oxydirte Extraktivstoffe, in Gallussäure und in immer mehr
der Humussäure genäherte Stoffe übergehen, welche durch Ab-
gabe von Sauerstoff zerstörend auf die Pigmente wirkt.
Herr Hünefeld*) hat ferner eine Reihe von Versuchen
angestellt, um zu erfahren, ob die Bildung gewisser Pflanzen-
farben von einem Eisengehalte der Pflanze abhängig ist. Es
; wurden Blüthen von den verschiedensten Farben in Mengen
j von einer bis zu zwei Unzen eingeäschert. Einige dieser Blu-
j men zeigten einen merklichen Gehalt an Eisen und Mangan,
! andere blofs Eisen und die Blüthen von Samhucus nigra
i zeigten Spuren von Kupfer, welches darin auch schon früher
aufgefunden war. Die Zweige und Blätter eben desselben
Samhucus nigra sollen kein Kupfer, dagegen einen reichen
Eisengehalt gezeigt haben. Spuren von Mangan wurden über-
I all gefunden, wenn hinreickende Mengen eingeäschert wurden.
Da diese Metalle, sagt Herr Hünefeld, auch in den weifsen
i Blüthen sich finden, und ihr Vorkommen, ihre Quantitäten in
i keinem Verhältnisse stehen mit den Blüthenfarben, so scheint
die Ansicht Meifsner's unbegründet. Es dürfte vielleicht kein
einziges Vegetabil sein, welches nicht Eisen enthielte, und viel-
leicht wäre der Eisengehalt im thierischen Körper ganz allein
hiervon abzuleiten.
*) üeber den Eisengehalt der Blumen in Bezug auf ihre Farben.
Erdmann's und Marchand's Journal für praktische Chemie. 1839.
Ir Band, pag 84—87.
94
Zur Anatomie der Gewächse.
Herr Decaisne*) hat eine kleine Mittheilung über die
Struktur des Holzes des Misteis publicirt, er konnte die Angabe
des Hrn. Dutrochet nicht bestätigen, nach welcher der Holz-
körper in der Gliederung zwischen den beiden Internodien
fehlen und nur durch eine zellige Markschicht vereinigt sein
sollen, so dafs eigentlich die Internodien hiernach durch die
blofse Rinde zusammenhängen sollen. Nach Hrn. Decaisne's
Beobachtungen stehen dagegen gerade die Rindengefäfse der
verschiedenen Internodien bei dem Mistel nicht in Verbindung,
und gerade hierauf sei die Gliederung bei dieser Pflanze be-
gründet, aber nicht auf die Trennung der Holzbündel. Das i
Mistelholz zeigte keine Gefäfse (werden nämlich einfache Spi- '
ralröhren hierunter verstanden, Ref.), und nur am Marke sah
man Ringröhren; auch die Nerven der Blätter zeigten keine 1
abrollbare Spiralröhren. Die Zahl der Holzbündel ist in den
jungen Aesten re^gelmäfsig 8, selten sind 7 oder 9, und jedes
ist nach Innen und nach Aufsen mit einem Bündel von Bast- |
Zellen umstehen. I
1
Herr Dutrochet**) reklamirte gegen die Angaben des '!
Herrn Decaisne und suchte der Pariser Akademie unmittel-
bar zu zeigen, dafs seine früheren Angaben ganz richtig sind^
Herr Morren***) hatte schon im Jahre 1838 einige phy-
siologische Beobachtungen an einer neuen, von ihm Malaxis
Parthoni genannten Pflanze bekannt gemacht, welche dem
Referenten aber erst neuerlichst zur Ansicht gekommen sind.
Herr Morren deutet darauf hin, dafs in den Blättern jener
Malaxis Parthoni, wie in den Blüthen der Calanthe vera-
trifolia, in den Blättern von Mercurialis perennis u. s. w.
ein Farbestoff, ähnlich dem Indigo, enthalten sein müsse. Das
Vorkommen des wahren Indigo's bei den Orchideen ist aber
schon vor einer Reihe von Jahren durch Herr Marquart in
Bonn entdeckt worden. Die Luftwurzeln, v\'elche die Pflanze
*) De la structure ligneuse du Gui. — Comptes rendus de 1839.
No. 6. pag. 204.
**) Comptes rendus de 18. Fevr. pag. 215.
***) Notice sur une nouvelle cspece de Malaxis, suivie de quel-
ques Observation» d'anatomie et de pliysiologie vegetales. — Bullet,
de l'Acad. de scienc. de Bruxelles. V. No. 8.
J
95
zeigte, die Herr Morren untersuchte, waren mit sehr vielen
kleinen Wurzelhärchen bekleidet, die aus einzelnen durchsich-
tigen Zellen bestanden, deren Wände sehr fein waren und im
Innern eine Rotationsströmung zeigten. (Das allgemeine Vor-
kommen der Rotationsströmungen in den Wurzelhärchen der
Phanerogamen hat Referent bereits nachgewiesen.) Hr. Mor-
ren beobachtete, dafs in einzelnen jener Wurzelhärchen die
Kiigelchen sich in Masse anhäufen, so dafs sie eine Art von
Querwand bilden, durch welche die Rotationsströmung aufge-
hoben wird; ja er glaubt, dafs dieses gleichsam der Anfang
der Bildung der Querwände sei, welche bei Conferven u. s. w.
zur Vermehrung der Zellen auftreten. Dieser Hypothese kann
Referent nicht beistimmen, denn jene Querwände bilden sich
auf eine andere Weise, und die Entstehung einer Art von
Scheidewand, wodurch die Rotationsströmung im Innern eines
Schlauches in zwei Theile getheilt wird, ist eine ganz zufäl-
lige und recht selten vorkommende Erscheinung; Referent
selbst beobachtete sie an den Charen im Jahre 1825 (Linnaea
von 1827 pag. 66) und sah, dafs dadurch zwei Rotationsströ-
mungen entstanden, welche so lange anhielten, bis das Hinder-
nifs wieder fortgerissen ward. Herr Morren beobachtete bei
dieser neuen Malaxis in den Anschwellungen der Basis des
Schaftes ebenfalls Spiralfaserzellen von mannigfachen Formen.
Herr Morren*) hat eine interessante Abhandlung über
das scheibenförmige Mark der Pflanzen bekannt gemacht, wel-
ches schon von Grew in Juglans regia, von Herrn v. Mir-
bel in Nyssa aquatica und Phytolacea decandra, so wie
von Herrn De Candolle in Jasminum officinale gefunden
war. Herr Morren findet es sehr wahrscheinlich, dafs dieser
Bau des Markes noch in vielen anderen Pflanzen vorkommen
wird, er selbst fand es in Pflanzen aus den Familien der San-
talaceen, Juglandeen, Phytolacceen, Jasmineen und Begonia-
ceen; er macht aber darauf aufmerksam, dafs in einer und
derselben Gattung einige Species diesen Bau zeigen, andere
dagegen nicht. Die Abbildungen, welche dieser Abhandlung
des Herrn Morren beigegeben sind, wurden von Begonia
*) On the discoid piths of plants. — Annais of natural history.
Oct. 1839. pag. 73-88.
96
argyrostigma, Juglans regia, Jasminiim friiticans und
Phytolacca decandra gemacht; das Mark zeigt bei diesen,
wie noch bei vielen andern Pflanzen in der frühsten Zeit des
Triebes eine gleichmäfsige Zellenmasse, in welcher endlich
mehr oder weniger viele, horizontal liegende Spalten auftre-
ten, die in gröfster Ordnung eine über der andern stehen, sich
allmälich vergröfsern, und endlich nur noch durch membran-
artige Querwände von einander getrennt sind. Hr. De Can-
dolle hatte geglaubt, dafs diese Höhlen im Marke durch ein
Zerreifsen des Zellengewebes in Folge der Ausdehnung durch
das Wachsthiun des Triebes entstehen, indessen Hr. Morren
zeigt, dafs sie durch ein ganz regelmäfsiges Auseinandertreten
der Zellen entstehen, also mit den Luftgängen der Pflanzen zu
vergleichen sind.
Herr Patrick Keith*) stellte Beobachtungen über das
Mark der Pflanzen an, um sich über folgende zwei Fragen zu
belehren: 1) Kommt das Mark auch in irgend einem Theile
der Wurzel vor? und 2) Wird das Mark, wenn es einmal
seine Ausbildung erlangt hat, in seinen Dimensionen noch fer-
nerhin verändert? In Hinsicht der ersten Frage zeigten ihm
die Beobachtungen der Wurzel an jungen Pflanzen von Acer
Pseudoplatanus , Fagus sylvatica und Corylus ^vellana,
dafs die Hauptwurzel ebenfalls mit Mark versehen ist. Die
zweite Frage beantwortet Hr. Keith durch die Untersuchung
eines dreijährigen Eschen-Stammes, der fast 9 Fufs hoch war.
Der oberste Schufs oder der letzte Trieb war | Zoll im Durch-
messer und hatte eine Markmasse von \ Zoll an der dicksten
Stelle im Durchmesser. Der mittlere Schöfsling war -^^^ Zoll
dick und hatte eine Markmasse von \ Zoll im Durchmesser,
und der älteste oder unterste Spröfsling hatte ^ Zoll im Durch-
messer und das Mark war yV ^^11 dick. Auch fand sich die
Markmasse in einem und demselben Schöfsling nicht überall
von gleichem Durchmesser, sondern dieselbe ward von Oben
nach Unten zu immer schmäler und schmäler.
Zu den schönen anatomisch-botanischen Abbildungen, welche
in den vorhergegangenen Jahren durch Herrn Link publicirt
*) Of thePith of Plauts. — Annais of natural history. April 18.^9
pag. 77.
97
wurden, liaben wir ein neues Heft*) gleichsam als Fortsetzung
erhalten, worin abermals eine grofse Menge der verschieden-
sten Gegenstände nach einer vortrefflichen Auswahl dargestellt
sind. Auch in diesem Hefte sieht man die Fortschritte, welche
Herr C. F. Schmidt, der Zeichner und Lithograph dieser
grofsen Arbeit, in der Ausführung gemacht hat; besonders ein-
zelne Tafeln dieses Heftes, als z. B. Tab. VHL, möchten zu
den gelungensten Arbeiten dieser Art zu zählen sein. Die
meisten Abbildungen des vorliegenden neuen Heftes geben uns
Nachweisung über die Struktur der Wurzeln der Pflanzen und
I über die Verschiedenheit, welche sich hierin zwischen Wurzel
i und Stengel zeigt. Auf Tab. VHI. findet sich die Anatomie
der Stacheln und Dornen, wozu bis jetzt noch fast gar keine
Abbildungen vorhanden waren.
Von Herrn K orthals**) sind einige Mittheilungen über
die Struktur der drüsentragenden Haare von Drosera publi-
cirt, mit welchen des Referenten Beobachtungen nicht überein-
stimmen. Diese Haare sollen nach Herrn K orthals aus Fi-
bern oder langgestreckten Zellen bestehen, welche von einer
kaum entwickelten Epidermis eingehüllt und auf dem Ende ein
[kleines rothes Kügelchen tragen, welches im Alter abfällt, aber
ebenfalls von der Epidermis überzogen wird. Die Fibern des
Haares verlängern sich bis in die Höhle des Köpfchens, zei-
gen aber noch vor ihrem Eintreten eine leichte Erweiterung.
In dem Innern dieser Höhle bilden die Fibern einen kleinen
eyförmig hervorragenden Körper und rund um diese Säule
findet man eine Menge kleiner rother eckiger Körperchen u. s.w.
Da Referent in seiner Schrift über die Secretionsorgane
der Pflanzen (1836. pag. 49. Tab. VI. Fig. 15.) eine anato-
mische Beschreibung und Abbildung dieser drüsentragenden
Haare von Drosera gegeben hat, welche von der so eben mit-
getheilten so gänzlich abweichend ist, so wird es nöthig, den
Gegenstand näher zu erörtern; doch ehe ich die Angaben des
*) Ausgewählte anatomisch -botanische Abbildungen. Lateinisch
und Deutsch. Erstes Heft mit 8 lithographirten Tafeln in gr. Folio.
Berlin 1839.
**) Remarques sur les poils du Drosera. — Bulletin des Scienc.
physiq. et natur. en Neerlande redige parMiquel, Mulder etWencke-
bach. Annee 1839. Rotterdam, pag. 49.
Wiegm. Archiv. VI, Jahrg. 2. Band. 7
98
Herrn Korthals zu deuten versuche, mufs ich erklären, dafs
ich nicht weifs, was in der Beschreibuns^ desselben unter Epi- M
dermis verstanden wird, es ist dieses leider eine Folge der
Umänderung und angeblichen Verbesserung alter bekannter
Benennungen. In der genannten Schrift hat Referent nachge-
wiesen, dafs die driisentragenden Haare der Gattung Drosera
sehr complicirt gebaut sind; das Härchen selbst zeigt sogar in
seiner Mitte eine einfache Spiralröhre, welche bis tief in das
Drüsenköpfchen hineingeht, doch von einer Höhle ist im In-
nern des Drüsenköpfchens keine Spur vorhanden. Die Haare,
welche hier den Stiel der Drüse bilden, sind nicht, wie in den
meisten andern Fällen, blofse Auswüchse der obern Wände
der Epidermiszellen, sondern es sind wahre Auswüchse der
Blattsubstanz und treten schon sehr früh auf, daher kann man
allerdings ganz mit Recht sagen, dafs das ganze Haar mit dem
Drüsenköpfchen mit der Epidermis bekleidet ist. Besonders
in ganz jungen Organen dieser Art sieht man, dafs das spä-
tere, so ausgezeichnete Drüsenköpfchen nichts weiter als das
sich verdickende Ende des zusammengesetzten Haares ist, und
Stiel und Köpfchen werden dann noch von einer gleichmäfsig
geformten Epidermis bekleidet. Später dehnt sich der Stiel
(das ist das Härchen!) sehr lang aus, und dabei erhalten
sämmtliche Zellen desselben eine langgestreckte Form und die
äufserste Zellenschicht zeigt keine Verschiedenheit von der
darunterliegenden. Am Drüsenköpfchen aber verhält es sich
ganz anders; die Epidermis bleibt kleinzellig, ist meistens im-
mer mit rothgefärbtem Safte gefüllt und stellt dadurch die
rothen eckigen Körper dar, von welchen Herr Korthals
spricht. Dicht unter dieser kleinzelligen Epidermis sieht man
mit guten Mikroskopen 10 bis 12 langgestreckte und ziemlich
grofse säulenförmige Zellen, welche die Achse des Drüsen-
köpfchens bilden, im ganz ausgebildeten Zustande sogar oft-
mals noch sehr deutlich Spiralfasern in ihrem Innern zeigen
und mitten zwischen sich die S])iralröhre des Stieles verlau-
fen lassen. Selbst auf Querschnitten ist nichts von einer
Höhle am Drüsenköpfchen zu finden, und dafs diese auch wohl
nicht vorhanden ist, möchte man an denjenigen Drüsen noch
deutlicher sehen, welche an dem Rande der Blätter von Dro-
sera rolimdi/oUa vorkommen. Diese Drüsenhaare sind näm-
99
lieh (doch weifs ich nicht, ob bei andern Drosera-Artcn ähn-
lich gestaltete vorkommen) viel gröfser als die andern; der
Stiel derselben ist an seinem Ende löffelartig ausgebreitet und
seitlich auf diesem Löffel sitzt das drüsige Organ, welches der
Absonderung vorsteht. Eigentliiimlich ist den drüsentragenden
Haaren der Droser^a- Arten, und hierin stimmen sie ebenfalls
mit denselben Organen bei Nepenthes iiberein, dafs auf den
Stielen hie und da kleine einfache Driischen sitzen, welche
aus zwei neben einander gelagerten blasigen Zellen bestehen;
sie sind mit griinge färbten Zellensaftkiigelchen gefüllt, während
die übrigen Zellen des Stieles meistens einen rothgefärbten
Zellensaft enthalten. Es ist als wenn diese Drüschen in Stelle
der beiden halbmondförmigen Zellen der Hautdrüsen auftreten;
mitunter sieht man aber auch wirkliche einzelnstehende Haut-
drüsen mit Spaltöffnungen; bei NepentJies sind diese Neben-
organe allerdmgs noch anders gestaltet.
Referent*) hatte Gelegenheit, ein Paar abgetragene Stämme
von Musa paradisiaca zu erhalten, deren Blüthenschäfte, wie
er es schon auf den Sandwichs-Inseln bemerkt hatte, so über-
aus reich an abrollbaren Spiralfasern sind. Es wurden aus
den Blüthenschäften jener Stämme die Spiralfasern mit aller
Sorgfalt ausgezupft, was sich dadurch am besten ausführen
läfst, dafs man den Schaft ganz langsam in kurze Enden zer-
bricht, die Bruchenden auf etwa 1 bis 1^ Zoll Länge ausein-
anderzieht und dann die ausgezogenen Spiralfasern mit einer
hölzernen Zange fortnimmt und sie sogleich in Wasser taucht,
damit sie zuerst von dem anhängenden Schleime und dann von
der Gerbsäure befreit werden, durch welche sie sonst an der
Luft sogleich eine braune Farbe erhalten. Die Wolle, welche
man auf diese Weise aus den Spiralfasern erhält, gleicht der
feinsten Schaafwolle und übertrifft diese noch an W^eifse, wie
durch feinere und regelmäfsigere Kräuselung der einzelnen Fä-
den. Die Quantität, welche aus den beiden Stämmen erhalten
wurde, war so bedeutend, dafs ein Künstler es unternehmen
wollte, von derselben einen Handschuh zu fabriciren, daher
es in tropischen Gegenden, wo alljährlich Tausende von Pi-
*) S. Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues
in den Preufs. Staaten. XIV. 2tes Heft. Berlin 1839. pag. 187.
7 *
100
sangstämmen Wofs bei einzelnen Ortschaften nach dem Friicht-
tragcn umgehauen werden, gar nicht schwer sein kann, solche
grofse Massen dieses Materials zu erlangen, als zur Verferti-
gung von kostharen Zeugen nöthig wäre, ja Tücher von Spi-
ralfasern der Pisangpflanze bereitet, könnten noch nicht so
theuer sein als die persischen Tücher.
Die Herren P. Sa vi und G. B. Amici*) haben einige
Mittheilungen über die Struktur der SpaltöfTnuujen der Pflan-
zen bekannt gemacht. Die Veranlassung zu diesen Unter-
suchungen wurde durch die Beobachtungen des Herrn von
Cesati über die Spaltöffnungen der ylmhrosinla Bassü ge-
geben**), welche von den Herren Savi und Amici nicht
bestätigt werden konnten. Herr von Cesati glaubte an den
Hautdrüsen mit deren Spaltöffnungen bei Amhrosinia Bass'd
eine ganz besondere Struktur wahrgenommen zu haben; er
spricht von einem drüsigen Stoffe, woraus der äufsere Rand
der Spaltöffnung bestehen soll, der dabei die Wandungen der
vier einschliefsenden Zellen auseinander gedrängt hat. Die
wirkliche Spalte sei einzig für die Ausdünstung bestimmt, wäh-
rend von den zwei drüsigen Wülsten oder Kreisen der eine
stets für die Ausscheidung des Kohlenstoffes, der andere stets
für jene des Sauerstoffes geeignet ist u. s. w. u. s. w. Herr
Savi untersuchte die Amhrosinia in Hinsicht ihrer Spaltöff-
nungen und fand dieselbe der Struktur der übrigen Pflanzen
ähnlicher, was durch Abbildungen verdeutlicht wird ; die Spalt-
öffnungen werden gewöhnlich durch zwei halbmondförmige
Zellen gebildet, aber sie seien noch durch eine zweite Cuticula
überzogen, welche gleichfalls eine Längenspalte zeige; selbst
*) Osservazioni d. Dott. P. Savi sulla struttura ed csistenza
degli Storni in alcune plante scritte in forme di lettera al Pr. Cav.
G. B. Amici. — Mem. della R. ACcad. delle Scienze di Torino. Se-
rie II. Tom. II. pag. 49.
*'') Leider hat Referent in seinem Berichte von i837 die neuen
Ansiclitcn, welche Herr v. Cesati über die Struktur und die Fun-
ction der Spaltöffnungen aufgestellt hat, übersehen, indem sich die dar-
auf bezügliche Stelle bei der Beschreibung der Abbildungen befindet,
welche seiner Abhandlung über die Gattung Ambrosinia (S. Linnaea
von 1837 pag. 281 — 300.) beigegeben sind, und dann bei einer Recen-
sion in der Biblioteca italiana Tom 87. pag. 389. mitgetheilt ist.
101
auf der Abbildiiiig eines Qiiersclinittes mitten durch eine solche
Spaltöffnung wird diese Cuticula mit ihrem Langenrifs darge-
stellt. Auch Herr Amici hat in seiner Antwort an Herrn
Sa vi obige Angabe über die Struktur der Spaltöffnung am
y4mhrosmia-B]a.tto bestätigt und selbst in Abbildung darge-
stellt. Schliefslich beweist Herr Amici, dafs ihm die Priori-
tät der Entdeckung der Spaltöffnungen in der Tiefe der gros-
sen Gruben auf der untern Fläche der Blätter von JSerhnri
zukomme, indem er diese Entdeckung in einem Schreiben vom
August 1830 an Herrn v. Mirbel mitgetheilt habe, und die-
ses Schreiben von Herrn Brongniart zwar benutzt, wenn-
gleich jene Beobachtung verneint worden ist. (Das Vorkom-
men der Spaltöffnungen in jenen mit feinen Haaren ausgeklei-
deten Gruben auf den iVd/v«?/!- Blättern ward zuerst durch
Herrn Krocker jun. zu Breslau in seiner Dissertation: De
epidermide plantarum 1833 publicirt. Ref.)
Herr Morren*) hat verschiedene Hedjchimn- Ar tan in
anatomischer Hinsicht untersucht und verschiedene, dabei vor-
gekommene Beobachtungen beschrieben und mit Abbildungen
begleitet. Wir erhalten einige Nachweisung über das Verhal-
ten der Zellen und ihren Inhalt in jungen und in alten Blät-
tern, so wie über das Vorkommen der Krystalle in diesen
verschiedenen Alterszuständen der HedycJiiujn- Arten; auch
werden verschiedene Formen von Krystallen aufgeführt, welche
in diesen Pflanzen beobachtet wurden. An den Wänden der
Lufthöhlen fand Herr Morren eigenthümliche Zellen, welche
gewöhnlich mit grüngefärbten Zellensaft- Kügelchen versehen
sind, sehr verschiedene Formen zeigen, aber sehr oft die von
Hörnern und Haken, mitunter symmetrisch, nntunter unsymme-
trisch; sie sollen mit den sternförmigen Haaren der Nymphaeen
zn vergleichen sein, worin Referent aber nicht beistimmen
kann, denn diese Zellen sind nichts weiter als mehr oder we-
niger regelmäfsig geformte sternförmige Zellen, wie sie bei
den Scitamineen ganz gewöhnlich vorkommen. Herr Mor-
ren glaubt ferner gefunden zu haben, dafs die Verdunstung
zur Bildung der Krystalle in den Pflanzen nichts beiträgt, in-
*) Obscrvations sur l'anatomie des Hedychimn. — Bulletins de
l'Academie Koyalc de Bruxelles. T. VI. No. 2.
102
dem gerade in den peripherischen Theilen der Pflanzen und
in den trockenen die Krystalle nicht auftreten. Die übrigen
Mittheiluugen bestätigen mir, was man schon früher theils bei
Iledychiujn, theils bei andern ähnlichen Pflanzen beobach-
tet hat.
Eine ähnliche Arbeit hat Herr Morren*) auch von der
Gattung Musa geliefert; sie enthält die Bildung des sternför-
migen Zellengewebes speciell beschrieben und einige Mitthei-
lungen über die nadclförmigen Krystalle in den Musen und
andern Pflanzen. Die Beobachtungen über die Bildung des
sternförmigen Zellengewebes bestätigen die früheren Angaben
des Referenten, dafs sich diese Zellen aus gewöhnlichen Pa-
renchymzellen bilden. Herr Morren sah in manchen Zellen
der Musa ebenfalls Molekular-Bewegungen, und nachdem er
einzelne Theile der Pflanze in verschiedenen Entwickelungs-
zuständen beobachtet hatte, kam er zu dem Resultate, dafs die
Substanzen im Innern der sternförmigen Zellen in folgender
Reihenfolge auftreten: Zuerst erscheinen selbstbewegliche
Schleim- und Stärkekügelchen, dann unbewegliches Chlorophyll
(soll heifsen: durch Chlorophyll gefärbte Kügelchen, Ref.), und
hierauf freie Kügelchen und Krystalle. Alle diese Materien
bilden sich nach und nach. Bei der Betrachtung der Krystalle,
welche in den parenchymatischen Zellen der Musa so über-
aus häufig vorkommen, macht Herr Morren die Bemerkung,
dafs die Krystalle-fiihrenden Zellen, welche Herr Turpin mit
dem Namen der Biforines belegte, auch jedenfalls einen be-
sonderen Namen verdienten, und dafs sie in Caladium, rugo-
sum, wo sie nur eine Oefi'nung zeigen, mit dem Namen Uni-
forine belegt werden müssen, ja es wäre auch aus eben den-
selben Gründen nöthig, dafs man die übrigen Zellen, welche
nadeiförmige Krystalle führen und ohne Mundöfi'nungen sind,
mit besonderem Namen belege, und er schlägt defshalb den
Namen Clestines (von üIeloq) vor.
Referent hat schon in den früheren Jahresberichten ge-
zeigt, dafs keine gehörigen Gründe vorhanden sind, um die
Krystall- führenden Zellen mit besonderen Namen zu belegen,
*) Obscrvations sur Tanatomic des Musa. — Bullet, de TAcad.
lloyale de Biuxelles. T. VI. No. 3.
103
wie es Herr Tiirpin that, aber diesen neuesten Benennun-
gen: Üniforine und Clestines, kann er noch viel weniger Bei-
fall schenken, denn wenn man z. B. die Caladien in Hinsicht
der Krystall-fiilirenden Zellen untersucht, so wird man in ver-
schiedenen Theilen eine und dieselbe Art von Zellen bald als
sogenannte Clestines, bald als Uniforines und bald als Bifori-
nes finden, und die letztern erscheinen im jungem Zustande
stets als einfache Zellchen; die verschiedenen Namen würden
nur zu leicht zu der Ansicht führen, als hätten wir hier we-
sentliche Verschiedenheiten damit zu bezeichnen. Das OeflFnen
der sogenannten Biforines ist aber eine rein physikalische Er-
scheinung, was schon im vorigen Jahresberichte (pag. 110)
nachgewiesen wurde. Herr Morren maclit noch darauf auf-
merksam, dafs er auch in den Krystall- führenden Zellen, den
sogenannten Clestines der Musa eine gummiartige Masse be-
obachtet habe, eine Erscheinung, welche Referent ebenfalls noch
bei andern Gewächsen bemerkte. Eine kleine Octavtafel be-
gleitet die kurze Abhandlung und zeigt besonders eine gute
Darstellung von sternförmigen Zellen, die dicht mit Krystallen
gefüllt sind.
Herr S. F. Hoffmann*) hat seine Beobachtungen über
die Luftröhrenhaare fortgesetzt; er fand diese Gebilde bei al-
len ihm vorgekommenen Limnantheminn- Arten, aber unge-
tüpfelt, und er überzeugte sich, dafs dieselben bei Villorsia
nicht vorkommen. Unter den Nymphaeen zeigte auch die Gat-
tung Euiyale {ferox) solche getüpfelte Haare, wie sie in den
Lufthöhlen der verschiedenen Organe der Gattungen Nym-
phaea und Nupliar vorkommen.
Ueber ebendenselben Gegenstand handelt Hr. Ho ff mann
auch in dem letzten Hefte der Tijdschrift von v. d. Hoeven
und de Vriese für 1839 pag. 269— 27L An ebendemselben
Orte (pag. 257—269) giebt Herr Hoff mann auch die Resul-
tate seiner neuen Untersuchungen über die Selbstständigkeit
von Lemna arrhlza als besondere Species, so wie anatomisch-
physiologische Beobachtungen über die Knospenbildung bei den
Lßzn/za- Arten; diese Mittheilungen sind jedoch nur als Vor-
*) Nachtrag zu der Beobachtung der LuftrÖhrenhaare bei Litn-
nanthejpum Ginelin und Villarsia V. — Linnaea Xlll. pag. 291—296.
104
lauf er einer gröfsern Arbeit zu betrachten, welche Hr. Hoff-
mann diesem Archiv zum Drucke übergeben hat, und soeben
im Isten Hefte für 1840 erschienen ist, daher wir das Referat
erst im nächsten Berichte geben können.
Hr. Hoffmann*) untersuchte frische Blattstiele von iV<?- fl
liaribium luteum und N. spcclosum, deren Luftgänge Quer-
wände von sternförmigem Zellengewebe besitzen, aber keine
solche Härchen wie bei den Nymphaeen enthalten. Dage-
gen fand Herr Hoffmann, dafs die Wände der Lufthöhlen
dieser Pflanzen mit Krystalldrusen bedeckt waren, die bei ih-
rer Vergröfserung die Membranen der umschliefsendon Zellen
zerreifsen und auf diese Weise, wie bei Pontederia cor data
und bei MyriopJiyllum u.s. w. frei in die Lufthöhlen hineinragen.
Herr Schieiden**) hat in einer Abhandlung über die
Spiralbildungen in den Pflanzenzellen die Resultate früherer
und eigener Beobachtungen zusammengefafst. Seine Ansichten
über die Metamorphose der Spiralröhren sind gewifs gröfsten-
theils sehr richtig; er sagt: „Die auf die primäre, struktur-
lose Zellenmembran abgelagerten Verdickungsschichten haben
in ihrem ersten Auftreten überall eine auf verschiedene W^eise
mehr oder minder deutlich zu machende Anordnung und ein
spiraliges Band (oder Fiber) zur Grundlage, und aus dieser
Grundform entwickeln sich auf verschiedene W'eise alle die
mannigfaltigen Configurationen der sogenannten Gefafs- und
Zellenwände, aber ohne dafs die eine als eine Uebergangsstufe i
für die andere angesehen werden darf." Hierauf giebt Herr
Seh. eine Uebersicht der Erscheinungen, welche sich bei dem
Wachsthume und der Metamorphose der Pflanzenzellen zeigen.
In der ersten Periode wachsen die, die Zellen bildenden ein-
fachen Membranen in ihrer ganzen Substanz durch wahre In-
tussusception; ob aber auch später diese Art des Wachsthums
fortbesteht, haben die Beobachtungen des Hrn. Schi, noch
nicht feststellen können, obgleich sie in gewissen Fällen nicht
zu läugnen sei. Nun erfolgen aber die Ablagerungen neuer
*) Tijdschrift etc. 1839. pag. 271 — 274.
*■') Bemerkungen über Spiralbildungcn in den Pflanzenzellen. —
Flora oder allg. botanische Zeitung von 1839. pag. 321—334. und pag.
337—344.
105
Schichten auf der inneren Fläche allenthalben in der Form
eines oder mehrerer spiralförmig ganz dicht gewundener Bän-
der, und Hr. Schi, glaubt aus einigen noch unvollständigen
Beobachtungen schliefsen zu können, dafs ursprünglich inuiier
wenigstens zwei solcher Bänder vorkommen, welche dem auf-
und dem absteigenden Strome des schleimigen Bildungsstoffes
entsprechen. Aus diesen secundären Ablagerungen gehen nun
nach Hrn. Schl.'s Ansicht alle die mannigfaltigen Bildungen
der Zellen und Gefäfswände nach dem verschiedenen Einflüsse
folgender Momente hervor:
1) Entweder hat die Zelle zur Zeit, wenn die secundären
Ablagerungen beginnen, schon ihre völlige Ausdehnung erreicht
oder nicht, und hierauf scheine die Entstehung der Spiralge-
fäfse und die der porösen Gebilde zu beruhen. Es werden
nun die verschiedenen Fälle aufgeführt, welche hier bei der
Bildung der Spiralfasern stattfinden können, und hiervon die
Entstehung der verschiedenen Formen von einfachen und me-
tamorphosirten Spiralröhren abgeleitet, indessen hier werden
viele Sätze aufgestellt, welche theils den vorhandenen Beob-
achtungen widersprechen, theils der Polemik ein weites Feld
eröffnen. *)
2) Ein zwar hier nur flüchtig zu erwähnendes Moment
sei die Form der Zellen in den verschiedenen Mittelstufen in
Verbindung mit einer wirklichen Durchlöcherung der primä-
ren Membrane durch Resorbtion.
3) Wichtiger ist aber ein anderes Moment. Gewöhnlich
treten nämlich mehrere spiralige Ablagerungen auf, und hier
ist es die Regel, dafs sich die folgenden Ablagerungen ganz
nach der ersten richten; indessen es seien einige Ausnahmen
bekannt, dafs nämlich, nachdem die erste spiralige Ablagerung
durch Ausdehnung der Zelle verändert, sich eine neue Schicht
auf der ganzen Innern Fläche auflegt und hier die poröse
*) Herr Schieiden bedient sich gegenwärtig wieder der altern
Benennungen der verschiedenen Metamorphosenstufen der SpiralrÖh-
ren; er gebraucht die Ausdrücke Porus und poröse Bildungen, weil
dieselben die besseren älteren Autoritäten für sich haben; einige Sei-
ten früher bedient er sich jedoch für die Spiralgefäfse der neuen Be-
nennung: Spiroiden, von Herrn Link, obgleich die ältere Benennung
wohl alle Autoritäten für sich hatte. Ref
106
Form annimmt. Die verschiedenen Metamorphosen, welche
die Spiralröhren in den Holzbiindeln der Monocotyledonen
meistens so höchst ausgezeichnet zeigen, erklärt der Verfasser
eigentlich durch die verschiedene Ausdehnung der verschiede-
nen einzelnen Elementarorgane dieser Holzbündel. Die weit-
läuftig gewundenen Ringgefäfse sollen sich zuerst gebildet ha-
ben und zwar als Spiralgefafse; bei der Ausdehnung des In-
ternodium schreite die Ausbildung nach Aufsen fort und da-
her die äufseren Spiral röhren nur defshalb so eng gewunden
bleiben, weil die Ausdehnung der Zellen in die Länge schon
beinahe vollendet war, als sich die Spiralen Ablagerungen
zeigten!
Herr Schi ei den kommt hierauf auf die Erklärung der
Entstehung der Ringröhren, worüber schon so sehr viel ge-
schrieben und gestritten ist; er glaubt beobachtet zu haben,
dafs die Ringgefäfse gerade aus solchen Zellen bestehen, in
welchen sich am frühesten eine spiralige Ablagerung bildete.
An den Darstellungen aus der Knospe von Campelia Zanno-
nia Rieh, sucht nun Hr. Schi, die Entstehung der Ringröh-
ren zu erklären; sie gehen aus Spiralgefäfsen hervor, von
welchen fast ganz regelmäfsig zwei ganze Windungen der
Spiralfaser zu einem geschlossenen Ringe verwachsen, wäh-
rend das verbindende Ende der Spiralfaser durch Resorption
der Zelle angefressen und gänzlich resorbirt wird; oft sehe
man in einem und demselben Gefäfse alle Uebergangsstufen,
aber an noch älteren Gefäfsen ist die verbindende ^yindung
schon völlig aufgelöst! Dieses ist die neue Hypothese, welche
Herr Schieiden über die Entstehung der Ringröhren aufge-
stellt hat; Referent hat sie öfters durchgelesen, ist aber nicht
im Stande, sich darnach eine Vorstellung zu machen, wie aus
spiralförmig verlaufenden Windungen Ringe entstehen können,
wenn sich nicht die freigewordenen (abgerissenen oder abge-
fressenen oder abresorbirten) Enden der einzelnen Windungen
der früheren Spiralfaser mit einander verbinden. Bei den po-
rösen Zellen der Coniferen glaubt Herr Schieiden gesehen
zu hal)en, wie bei Piiiiis sylvestris stets die Zellen des Cam-
bium selbst in den spätesten Jahresringen vor Bildung der Po-
ren durch zarte schwarze Linien in schmale spiralige Bänder
getheilt sind, und diese verschwinden erst bei der Porenbil-
107
iduno", es verstellt sich, setzt Hr. Schi, hinzu, bei völliger Ho-
mogeiieität der primären Zellenwand. (Ref. erlaubt sich die
Frage, wie sich Hr. Schi, von dieser Ilomogeneität dieser Zel-
lenwand überzeugt hat. Ref. machte früher die Thatsache be-
kannt, dafs bei altem Coniferen-Holze nicht so selten ein wirk-
j liches Zerspalten der ganzen Wände der Zellenmembran, stets
im Verlaufe der Vereinigung der Spiralen Bänder, woraus
die Wände zusammengesetzt sind, stattfindet, und dafs diese,
oft sehr grofse Spalten stets durch die Poren oder die Tüpfel
durchgehen.)
Die netzförmigen Zeichnungen auf den Bastzellen der Apo-
cyneen u. s. w. will Hr. Schi, von dem Aufeinanderliegen
zweier höchst zarter Schichten ableiten, die aus entgegenge-
setzt gewundenen Spiralen gebildet seien, und schliefslich
kommt er zu Bemerkungen über die Richtung der Spiralwin-
dungen. Herr Schieiden hat sich vorläufig folgende Regel
abstrahirt: „Bei allen sich gleichzeitig entwickelnden spiraligen
Bildungen sind diejenigen, die in der Richtung des Radius un-
mittelbar aneinander liegen, homodrom, die in der Richtung
der Parallelen der Peripherie unmittelbar aneinanderliegenden
aber heterodrom." Als Ausnahme werden die Ring- und Spi-
ralfasern führenden Zellen bei den Cactusgewächsen aufgeführt,
aber zur Bestätigung des ersteren Satzes die vom Referenten
zuerst beobachtete allgemeine Kreuzung der Porenspalten bei
den benachbarten Zellen angegeben.
Herr Mohl*) hat einige der Ansichten des Hrn. Schiei-
den, worin er mit demselben nicht übereinstimmt, in einer be-
sondern Abhandlung zu beseitigen gesucht, besonders geht es
gegen die, wüe Hr. M. sagt, bis zur neuesten Zeit verbreitete,
aber durchaus grundlose Hypothese, dafs die Ringgefäfse aus
Spiralgefäfsen entstehen, so wie gegen die neue Schleiden-
sche Ansicht über diesen Gegenstand; er schickt die Bemer-
kung voraus, dafs er, nachdem auch Hr. Schi, eine neue Theo-
rie über die Entwickelung der Spiralgefäfse aufgestellt hat, bei
seinen früheren Angaben über ihre Entstehung verharre. Herr
Mo hl giebt zuerst einige Nachweisungen über den Bau der
*) Ueber den Bau der Ringgefäfse. Mit einer Steintafel. — Flora
von 1839. pag. 673—685, 689—705.
108
Spiralfasor und Ringfaser im ausgebildeten Zustande, um da-
durch einige Punkte klarer herauszustellen, welche von Herrn
Schi, bei den Beobachtungen über die Bildung der llingröh-
ren unrichtig gedeutet sind; er beschreibt die Linien und Fur-
chen näher, welche die breiten Spiralfasern der Commelinen
gar nicht selten zeigen. In einigen Fällen durchdringen die
Linien und Furchen die ganze Dicke der Faser, so dafs diese
stellenweise in zwei oder mehrere neben einander laufende
Fasern zerfällt, und diese Fasern laufen entweder parallel oder
sie vereinigen sich wieder auf kürzeren oder längeren Strek-
ken, oder auch die eine dieser Fasern verläuft in einer stei-
leren spiraligen Richtung bis in die nächst höhere Windung
der Faser und verschmilzt mit dieser. Ja es zeigen sich hier
im Kleinen fast alle die verschiedenen Modiflcationen der Bil- ;
düng, welche wir an den secundären Schlauchschichten finden.
Hierauf ist die Rede von der Richtung der Windung de^^
Spiralfaser; er habe schon früher angegeben, dafs die Spiral-
gefäfse in den meisten Fällen rechts gewunden sind, und könne
weder Hrn. Schi, noch den andern Phytotomen beistimmen,
welche annehmen, dafs die Spiralgefäfse bald rechts, bald links
gewunden seien. Links gewundene Spiralgefäfse [finde er nur
so selten, dafs sie nur als Ausnahme von der Regel zu be-
trachten sind. In einem Gefäfsschlauche beim Kürbis sah Hr.
Mo hl ebenfalls, dafs die durch Ringe von einander geschiede-
nen Abtheilungen der Spiralfaser in entgegengesetzter Rich-
tung gewunden verliefen u. s. w.
Herr Schieiden demonstrirte seine neue Ansicht über
die Entstehung der Ringröhren hauptsächlich an den jungen
Trieben der Campelia, Hr. Mohl fand hierzu aber die Wur-
zeln der Commelina tuherosa vortheilhafter und giebt nach
dieser Pflanze vortreffliche Abbildungen. Es werden alle die
beobachteten Modiflcationen näher beschrieben, unter welchen
die Ringe in den ausgebildeten Gefäfsschläuchen jeuer Pflanze
vorkommen, sowie ihr Zusammenhang mit der Spiralfaser er-
örtert. Nach der Ansicht des Referenten hatte Hr. Sohl, ganz
richtig angegeben, dafs die Theilungslinie in den breiten Spi-
ralfasern der Connnclinen davon licrrühre, dafs je zwei Win-
dungen der Spiralfaser mit einander verwachsen: dieses sollte
dann wohl nichts weiter sagen, als dafs jene Faser aus zwei
109
parallel und flicht neben einander verlaufenden Fasern besteht,
lindessen Herr Mohl macht dagegen Einwendungen, die mir
nicht ganz klar sind.
Herr Mohl fand, wie andere Beobachter, dafs die Ringe
in den Ringröhren gröfstentheils ohne Zusammenhang überein-
ander stehen, dafs aber die Verbindungsfasern der Ringe, wenn
solche vorhanden sind, in keinem bestimmten Verhältnisse zur
Breite der Ringfaser stehen. (Dieses findet sich aber haupt-
sächlich nur bei den breiten und zusammengesetzten Spiral-
fasern der Commelinen! Ref.)
Bei der Bildung der Ringröhren in dem Stamme der
Commelina tuherosa glaubt Herr Mohl mit Bestimmtheit be-
obachtet zu haben, dafs diesel!fen bei ihrem Auftreten nicht
durchaus spiralförmig verliefen, sondern wie bei den erwach-
senen Gefäfsen theils vollständige, isolirte Ringe von verschie-
jdener Breite, theils Ringe, zwischen welchen Spiralfasern ver-
lliefen, bildeten, so dafs mit Ausnahme der geringen Dicke der
iFasern und der geringeren Entfernung der Ringe von einan-
Ider kein wesentlicher Unterschied von den ausgebildeten Ge-
fäfsen zu finden war. Noch besser war diese Bildung Schritt
für Schritt in den Wurzeln der Commelina zu verfolgen, und
Hr. Mohl zieht aus diesen Beobachtungen abermals den Schlufs,
dafs Ringgefäfse, Spiralgefäfse und selbst netzförmige Gefäfse
drei verschiedene, aufs nächste mit einander verwandte und
vielfach in einander übergehende Formen sind, dafs sie aber
nicht als zeitliche Metamorphosenstufen desselben Gefäfsschlau-
ches betrachtet werden dürfen.
lieber diese Umwandlung der Spiralfasern in Ringfasern
ist in den früheren Jahresberichten schon oft die Rede gewe-
sen, und hofi'entlich wird dieser Gegenstand nun wohl bald er-
ledigt sein; alles was Hr. Mohl gegen die neue Schleiden-
sclie Theorie über die Entstehung der Ringröhren angeführt
hat, kann ich, wenn es irgend nöthig wäre, sowohl durch frü-
here, wie durch neue Beobachtungen vollkommen bestätigen,
und dafs auch noch Niemand das Zerreifsen der Spiralfasern
wirklich gesehen hat, das habe ich schon öfters mitgetheilt,
dafs aber die netzförmigen Spiralröhren in ihrer Entstehung
aus ausgebildeten Ringröhren zu beobachten sind, das glaube
ich versichern zu können; Impatiens Balsamine und der Blü-
110
thenschaft von Musa zeigten es mir am deutlichsten. In den
Zellen der äufseren Schicht der Kapsel der Lebermoose, wo
fast immer nur Ringe auftreten, und diese sogar unterbrochen
sind, indem sie sich nicht über die äufsere Wand der Zelle
hinziehen, da kann man es ebenfalls wirklich verfolgen, dafs
diese Ringe ursprünglich sind und nicht etwa durch Resorb-
tion einzelner Enden aus Spiralfasern entstehen. Eine Abbil-
dung dieser Bildungen aus der Kapsel von Aneura pinguis
habe ich zu der Abhandlung in Herrn Müll er 's Archiv etc.
1839. Tab. XIII. Fig. 47. gegeben ; man sieht an derselben
zugleich vollkommene Ringe in einer der beiliegenden Zellen.
Herr Decaisne*) hat der Akademie zu Paris eine Ab-
handlung über die Struktur d^r Runkelrübe vorgelegt, worüber
Hr. Brongniart Bericht erstattet hat, aus welchem wir Fol-
p:endes als das Wesentlichste hervorheben. Herr Decaisne
beobachtete die Entwickelung der Runkelrübe von der Kei-
mung des Saamens bis zum ausgebildeten Zustande; er sah,
dafs die Runkelrübe gleichsam aus zwei t^artien von verschie-
denem Ursprünge bestehe; der obere Theil aus dem vergrös-
serten Strünkchen und der untere aus dem wirklichen Wür-
zelchen des Embryo's. Auf den Durchschnitten der W^urzel
erkennt man die Scheidung dieser beiden Theile durch das
Auftreten des Markes, welches sich in Form eines Kegels bis;
an den Ursprung der Wurzel fortsetzt, während es in der wah-«
ren Wurzel fehlt. Rund um das Mark finden sich wahre Spw
ralröhren, dagegen nur netzförmige in der wahren WurzelJ
Die Gefäfsbündel stehen in regelmäfsigen Kreisen und die Zahl^'
dieser vermehrt sich nach Aufsen ; sie sind überdies nach Aus-<
sen mit feinen und langgestreckten Zellen umgeben, welche)
dem Holzgewebe der festen Pflanzen entsprechen. Es finden!
sich in der Runkelrübe drei verschiedene Gewebe: 1) Das
Parenchym, welches in der gewöhnlichen Runkelrübe unge-
färbt, in andern mit einem rothen oder mit einem gelben Safte
gefüllt ist; 2) die netzförmigen Spiralröliren, und endlich 3)
langgestrecktes Zellengewebe, welches sehr fein und durchsich-
*) Rapport fait a l'Academie d. scienc. seance du 14. Janv. 1839.
par M. Ad. Brongniart, sur iin Memoire de INI. J. Decaisne, intitule:
Reclicrches sur Porganisation anatomique de la Betterave. — Ami. d.
scienc. natur. See. Serie. T. XI. pag. 49.
111
tig ist und die Spiralröhren begleitet und zwar sich immer
mehr nach Aufsen gelagert findet. Dieses Gewebe entspricht
sowohl durch seine Stellung als durch die Milchsaftgefäfse,
welche es einschliefst, sowohl dem Holzgewebe als dem Baste
der Rinde. Dafs das Parenchym der Runkelrüben wenig oder
gar keinen Zucker enthält, ist schon allgemein bekannt,
schon der Geschmack kann es unterscheiden, dafs die zellig-
gefäfsartigen Partien der Rübe siifser sind. Herrn RaspaiFs
Hypothese, dafs der Zucker in den Spiralröhren der Runkel-
rübe vorkomme, wird durch Herrn Decaisne's Untersuchun-
gen, wie es sich auch schon von selbst verstand, gänzlich be-
seitigt, und er kommt zu dem Resultat, dafs sich der Zucker
hauptsächlich in dem feinen Zellengewebe bildet, welches die
Spiralröhren begleitet. Der obere Theil der Wurzel, w^elcher
über der Erde hervorsteht, hat die geringste Menge an Zuk-
ker, aber er zeigt oft eine grofse Menge von Krystallen, wel-
che auch in den Blättern dieser Pflanzen ganz gewöhnlich vor-
kommen.
Herrn Decaisne's schöne Arbeit über die Lardizabaleen
welche wir bereits im vorletzten Jahresberichte (Berlin 1838.
pag. 21.) anzeigen konnten, ist gegenwärtig erschienen*). Hr.
Dec. geht auf die anatomische Untersuchung des Stammes der
Menispermeen und der Aristolochien näher ein, um hierbei
zu zeigen, dafs man sich bei der Anordnung der natürlichen
Familien gar nicht auf die Struktur der Pflanzen verlassen
darf. So sind die porösen Röhren der Coniferen und der Cy-
cadeen in Gnetum und in Tasmannia gefunden u. s. w.; er
zeigt ferner, dafs sich Herr Lindley sehr geirrt hat, als er
die anatomische Struktur der Menispermeen und der Aristolo-
chien für übereinstimmend erklärte, und dafs das Fehlen der
Jahresringe an den von ihm beobachteten Stämmen denselben
verleitete, die Menispermeen gleichsam als in der Mitte stehend
zwischen Monocotyledonen und Dicotyledonen zu betrachten.
HerrDecaisne beschreibt hierauf den Bau des Holzes von
Aristolochia labiosa, von Ar. Sypho und Aristolochia Cle-
*) S. Mem. s. la famille des Lardizabalees precede de remarques
sur l'anatomie comparee de quelques tiges de vegetaux Dicotyledones.
— Archives du Museum d'hist. nat. Tome I. Paris 1839. etc. pag. 143.
112
viatitis; Letztere verhält sich in ihrer Struktur des Stengels
ganz so wie Erstere. Von den Menispermeen wurdeii näher
untersucht und beschrieben Menispennum canadense und
Cocculus laur/foliiis, und aus diesen Untersuchungen folgende
Schlüsse gezogen: 1) Dafs sich die Menispermeen verschie-
den von den übrigen Dicotyledonen entwickeln; die Jahres-
ringe sind nicht vorhanden; jedes Ilolzbiindel bleibt einfach,
und der Bast, einmal gebildet, vergröfsert sich nicht sichtlich.
2) Dafs das einzelne Plolzbiindel der Menispermeen nicht mit
jenen der Monocotyledonen verglichen werden kann, wie es
Herr Lindley annimmt, denn sie vergröfsern sich alljährlich
und sind regelmäfsig um das Mark gestellt, auch hat der Bast
keinen Antheil bei ihrer Bildung. 3) Einige Pflanzen, wie z.B.
Cocculus laurifolius und Cisscnnpelos Pareira haben eine
sehr abweichende Struktur, und hier beschreibt Hr. Decaisne
die Struktur des Stammes von Cocculus laurifolius, die ganz
übereinstimmend ist mit jener von Cissampelos , welche Ref.
im ersten Bande seiner Pflanzen-Physiologie pag,374. beschrie-
ben hat. Herr Decaisne hat zur Vergleichung dieser Struk-
tur mit derjenigen der Aristolochien eine Tafel mit sehr in-
struktiven Abbildungen gegeben. Bei Cocculus laurifolius
fand sich, ebenso wie bei den Dicotyledonen, nur in den er-
sten Holzwegen und dicht am Marke eine Schiclit von abroll-
baren Spirrlröhren. Und endlich 4) erklärt Herr Decaisne,
dafs die Aristolochien ihrer Struktur wegen nicht so streng
den Menispermeen angereiht werden dürfen; ihre Holzbündel
theilen sich nach der Rinde zu, und der Bast, in der Jugend
einen Kreis bildend, theilt sich später in zwei fast gleiche
Theile, und diese theilen sich wiederum immer mehr und mehr,
je gröfser der Durchmesser des Astes wird, aber diese Bast-
bündel stehen immer im Verhältnifs zu der Zahl der durch
Theilung entstandenen Holzbündel.
Hr. Schi cid en hat „Botanische Notizen" publicirt, worin
verschiedene Gegenstände aus dem Gebiete der Anatomie und
Physiologie abgehandelt werden; sie sind im ersten Bande die-
ses Archivs enthalten*), und ich verweise den geehrten Leser
auf die eigene Ansicht derselben.
*) pag. 211 etc. Mit Tab. VII. u. VIII.
413
Beobachtungen über das Auftreten verschiedener
assimilirter und secernirter Substanzen in
den Pflanzen.
Herr Morren*) hat eine kleine Abhandlung über das
Auftreten von fetten und von flüchtigen Oelen in dem Zellen-
geu'ebe verschiedener Pflanzen gegeben, worin auf mehrere
neue Thatsachen aufmerksam gemacht wird. Zuerst giebt der
Verfasser eine Uebersicht der Resultate der Beobachtungen über
diesen Gegenstand nach des Referenten Schriften, und führt
hierbei an, dafs die fetten oder fixen Oele nur innerhalb der
Zellen gebildet würden, während die ätherischen Oele in be-
sondern, mehr complicirten Organen, als in Drüsen, in Oel-
gängen u. s. ^v. auftreten. Hiernach, meint Herr Morren,
würde man glauben können, dafs die ätherischen Oele, ihrer
vielen Eigenthümlichkeiten wegen, als mehr ausgearbeitete er-
scheinen und defshalb auch besondere Organe zu ihrer Dar-
stellung bedürften, während die einfachen fetten Oele in ge-
wöhnlichen einfachen Zellen gebildet würden. Indessen diese
Angaben sind nicht vollständig, denn in des Referenten Pflan-
zen-Physiologie (II. pag. 493.) heifst es ausdrücklich: „Die
Secretion dieser Oele (der flüchtigen nämlich!) geschieht ent-
weder in besonderen Drüsen, sowohl in einfachen, als in zu-
sammengesetzten; in gröfserer Menge wird es jedoch in den
inneren Drüsen abgesondert. Am Allgemeinsten wird je-
doch das flüchtige Oel in den gewöhnlichen Zellen
einzelner Pflanzentheile abgesondert, wo es bald
mehr, bald weniger deutlich in Form von kleinen
Oeltröpfchen im Zellensafte auftritt, oder selbst
als gröfsere Oelmassen sichtbar wird. Dieses findet
fast immer in den Blumenblättern statt, und nur in sehr selte-
nen Fällen wird dieses Oel durch innnere Drüsen daselbst ab-
gesondert etc." Herr Morren sah das Auftreten von Tröpf-
chen eines ätherischen Oeles in den Zellen der Epidermis der
Staubfäden von Sparmamiia qfricana, wo es zuerst gelb und
später schön roth gefärbt ist, und während der Bildung dieses
Oeles sollen die Wände verdickt werden. Auch in den Zel-
^ *) Observations sur la formation des huiles dans les plantes.
Bullet, de rAcademie Royale de Bruxelles. Tom. VI. No. 6.
Wiegm. Archiv. VI. Jahrg. 2. Band. g
114
leii der Epidermis der oberen Blattfläche von Ophrys ovaia
fand Herr Morren ein ätherisches Oel, jedoch scheint das-
selbe mir um die Zeit der Blüthe dieser Pflanze aufzutreten.
(Auch bei einer andern Orchidee, nämlich bei PleiirothalUs
ruscifolia haben wir in den Zellen der oberen Epidermis der
Blätter ein Oel beobachtet, welches einige Aehnlichkeit mit
einem fetten Oele hat. Ref.), denn später fand es Herr Mor-
ren nicht mehr, und defshalb sagt er, dafs es diese Beobach-
tungen aufser Zweifel stelle, dafs das ätherische Oel in den
Zellen gebildet und einige Zeit darin aufbewahrt werde, bis
es eingesaugt wird, um die Cuticula (le derme) zu schmieren, (
oder mit Fett zu tränken, damit sie von dem Regen nicht be- t
feuchtet wird. Bisher habe man immer angenommen, dafs die
bläuliche und wachsartige Substanz, welche auf den Pflaumen
u. s. w. vorkommt, diesem Geschäfte vorsteht, indessen jetzt
fange er an zu glauben, dafs es das ätherische Oel sei, wel-
ches in den Epidermis-Zellen gebildet wird und dann aus den-
selben hervortritt. In den Epidermis-Zellen der Blätter von
Colchicum autumnale fand Herr Morren im Frühjahr eben-
falls ein Oel, welches sich im Wasser nicht bewegte, wie es
die Oele von den beiden vorhin angeführten Pflanzen zeigten,
und daher schien es ein fettes Oel zu sein; auch von diesem |
glaubt Hr. M., dafs es durch die Zellenwände nach der Cuti-
cula durchschwitze und das Blatt gegen den Regen schütze.
In den ölhaltenden Saamen von Liniun austriaciim, Papaver
spectahilis und Brassica campestris oleracea schien es Hrn.
Morren, dafs das Oel zwischen den Zellen vorkomme, und |
dafs in den Zellen selbst nichts davon enthalten wäre. End-
lich führt Herr Morren die grofsen gestielten Drüsen von
Passiflora foctida an, welche ein ätherisches Oel auf der
Oberfläche absondern. Dieser Fall ist indessen gar nicht sel-
ten und mehr oder weniger fast bei allen solchen ge-
stielten zusammengesetzten Drüsen zu finden, und ganz ebeni
so bei den einfachen Drüschen auf der Oberfläche von Me-
lissa ofjicinalis vom Referenten beobachtet und beschrieben. ;
Hr. Morren*) hat in einer kleinen Abhandlung die Ver-
*) Experiencos et observations sur la Gomme des Cycadces. —
Bullet, de rAcademie lloyale de Bruxelles. VI. No. 8.
115
hältnisse erörtert, unter welchen das Gummi in den Behältern
der Blattstiele der Cycadeen vorkommt; er macht darauf auf-
merksam, dafs iwenn man die Wedel dieser Pflanze in der
Art abschneidet, dafs von den Blattstielen mehr oder weaiger
lange Stumpfe am Stamme sitzen bleiben, dafs dann das Gummi
aus den Oefi'nungen der Gummigänge auf der Schnittfläche her-
vortritt, und es gehe hieraus hervor, dafs das Gummi aus dem
Stamme in die Wedel hinaufsteige, aber nicht, wie es die Phy-
siologen bisher behauptet hätten (??), dafs das Gummi aus
den Blättern in den Stamm hinabsteige. Sind die Stumpfe der
Blattstiele nur 2 oder 3 Zoll lang, so tritt das Gummi in Form
eines wurmförmigen Körpers von bedeutender Länge hervor,
von 2 bis über 4 Centimetres beobachtete sie Herr Morren;
ja es wurden sehr verschiedene Versuche angestellt, und im-
mer sah man, dafs das Gummi aus den durchschnitteneu
Gummibehältern von Unten nach Oben, aber niemals von Oben
nach Unten ausflofs. Referent hat mehrere dieser Versuche
wiederholt und sie allerdings bestätigt gefunden, aber er stellte
auch einige andere an, welche die Erscheinung vielleicht zu
erklären im Stande sind. Wurden nämlich recht kräftige We-
del in 6 — 8 Zoll lange Stücke geschnitten, und wurden diese
Enden umgekehrt in Wasser gestellt, so zeigte sich bei meh-
reren gleichfalls das Hervortreten des Gummi's aus den Oeff-
nungen der Behälter, hier aber stieg es von Oben nach Unten,
und es scheint mir, als liefse es sich dadurch erklären, dafs
man eine Einsaugung des Wassers annimmt, durch welches
das Gummi in dem Gummikanal sich ausdehnt und die Gummi-
masse zu den oberen Oefi'nungen heraustreibt. Kommt das
Gummi aus den Stumpfen der Blattstiele hervor, welche an
dem Stamme sitzen bleiben, so kann man annehmen, dafs fort-
während eine Menge von dem hinzuströmenden wässerigen
Nahrungstoffe des Stammes in die Gummimasse eingesaugt
wird, diese dadurch anschwillt und endlich zu den Oefi'nungen
heraustritt; aber eine 'wirkliche Bewegung der Gummimasse
innerhalb der Behältey anzunehmen, dazu scheinen dem Ref.
die vorhandenen Thatsachen noch nicht zureichend zu sein.
Herr Morren nimmt nun an, dafs dieses Gummi durch
eine Umwandlung des Amylums im Innern des Stammes ge-
bildet werde und von hier aus in den Wedel eintrete. Wenn
8*
116
diese letztere Annahme dem Referenten auch noch nicht be-
gründet zu sein scheint, so kann er doch selbst eine Beob-
achtung anführen, nach welcher eine sehr grofse Menge von
Gummi im Innern des Markes eines Stammes von Encephal-
artos Frißderici Guilelmi auftrat. Es hatte sich im Innern
des Markgewebes eine Höhle gebildet, in 'welche das in Gummi
umgewandelte Amylum aus den angrenzenden Zellen hinein-
flofs und sich hier zu einer sehr bedeutenden Menge anhäufte,
welche die Höhle allmälich immer mehr und mehr vergröfserte.
Herr Morren giebt ferner speciellere Mittheilung über
die Lage der Gummigänge in den Wedeln der Cycas revo-
luta; sie treten im Umfange und im Centrum auf und zwar
in ziemlich grofser Anzahl und sind mit Leichtigkeit auf jedem
Querschnitte des Blattstiels unter dem einfachen Mikroskope
zu beobachten. In den Blättchen selbst treten die Gummi-
gänge nur zu beiden Seiten des Blattnerven auf. Herr Mor-
ren sah auch die Verästelung eines Gummiganges an dem
Blattstiele und giebt davon eine gute Darstellung; die Ver-
ästelung dieser Gänge in der Rinde des Stammes war schon
früher bekannt. Auch werden die früheren Angaben über die
Entstehung der Gummibehälter und über den Bau der diesel-
ben bildenden Wände bestätigt. Endlich hat noch Herr De
Coninck einige chemische Untersuchungen mit dem Gummi
der Blätter \on Cycas revoluta angestellt, jedoch hat er hiezu
kein vollkommen reines Gummi in Anwendung setzen kön-
nen; die eingeäscherten Blätter enthielten 4,9.^ p. C. anorga-
nische Substanz, gröfstentheils aus kohlensaurer Kalkerde be-
stehend, welche wahrscheinlich aus oxalsaurem Kalke entstan-
den war; aufserdem war freie Oxalsäure in den Blättchen.
Herr Hünefeld*) hat mit besonderem Fleifse das Vor-
kommen von Amylum in den Blüthen der Fjflanzen nachzu-
weisen versucht; er fand jene Substanz zuerst in den Blüthen
von Calendula ofßcinalis, wo sie auch schon von andern
Chemikern nachgewiesen war. Hierauf giebt Herr Hünefeld
noch 30 andere Pflanzen an, in deren Blüthen er die Stärke
*) Ueber den Amylongehalt vieler Blüthen. — Erdmann 's mid
Marchand*» Journal für praktische Chemie etc. 1839. Ister Band,
pag. 87-90.
117
mehr oder weniger deutlich vorfand, ob aber, setzt derselbe
hinzu, das Blüthenamylon immer ein jodbläuendes sei, das
lasse er noch unentschieden; in der Calendula -Blüthe ist es
ein solches, in den übrigen Blüthen war die Reaction mehr
dunkelgrün als blau. Es war Herrn Hünefeld gleichwohl
sehr wahrscheinlich, dafs nur das Gelb der Blüthe die Reaction
grün erscheinen läfst, er hat aber auch diesen sehr wesent-
lichen Punkt unentschieden gelassen, obgleich ein gutes Mi-
kroskop hierüber sogleich entscheiden kann. Ueberhaupt wi-
derspricht sich Herr Hünefeld in seinen Angaben, denn Kü-
gelchen, die in den Blüthen vorkommen und sich durch Jodine
nicht blau färben, können wir auch nicht für Amylum anse-
hen. Die Stärke wird durch die Jodine immer blau gefärbt,
selbst die Moosstärke; und selbst wenn diese durch Jodine
bräunlich gefärbt wird, so ist es modific4rte Stärke. Hr. H.
führt Tropaeolum mafus als einige der wenigen Pflanzen auf,
welche auch im Stengel Amylum führen, indessen dieses ist
eine ziemlich ganz allgemein vorkommende Erscheinung. Ab-
kochungen der Blüthen von Calendula, Tropaeolum, Helian-
thus u. s. w. zeigten Hrn. H. keine Spur von Amylum, was
die mikroskopische Untersuchung solcher abgekochter Theile
sehr bald erklärt; die Stärke schwillt in den Zellen zwar an,
aber sie geht nicht durch die Zellenwände hindurch.
Herr P. Savi*) zu Pisa hat Beobachtungen über die phy-
sikalische Erscheinung bekannt gemacht, welche man an den
Blättern von Schimis Molle wahrnimmt, wenn sie auf Wasser
geworfen werden, um damit zu beweisen, dafs Hrn. De Can-
dolle's Ansicht über diesen Gegenstand (s. dessen Phys. veg^t.
I. pag. 38.) unrichtig ist. Wirft man Stückchen von den grü-
nen Organen des Schinus oder einer andern Terebintacee, sagt
Herr Sa vi, auf die Oberfläche des Wassers, so sieht man,
dafs sich diese rasch und gleichsam ruckweise eine bestimmte
Zeit lang und auf einer kurzen Strecke ununterbrochen in
einer, mit der ihrer Bruchfläche entgegengesetzten Richtung
bewegen, und hiermit gleichzeitig betrachtet man neben der
Bruchfläche aufeinanderfolgende Ausdehnungen einer Flüssig-
*) Memorie Valdarnesi per cura del Dott. J. Corinaldi. Pisa
1839. pag. 42-48.
118
keit, die sicli auf der Oberfläche des Wassers in sehr zarteh
kreisförmig iridescirendeii Ringen erweitert und alle die kleinen
aisf ihrer Oberfläche schwimmenden Körperchen fortschleudert.
Herr De Candolle glaubte, dafs das stofs weise Hervortreten
des flüchtigen Oeles aus den Blättern jener Pflanze nur durch
irgend eine Zusammenziehung der, diesen Saft enthaltenden
Zellen bedingt werden könne, indessen Herr Sa vi behauptet
sehr richtig, dafs der entleerte eigene Saft (es ist ein flüssiges
Harz! Ref,) bei Schmus nicht in Zellen, sondern in Gefäfsen
vorkomme. Unter Gefäfsen hat Hr. Sa vi hierselbst die Harz-
gänge verstanden, welche Referent bei Schmus und bei an-
dern Terebintaceen ziemlich ganz ähnlich, sowohl in ihrer
Struktur wie in ihrem Verlaufe mit den Harzgängen der Co-
niferen findet. Es sind lange Kanäle, die sowohl in den ßlätt-
chen wie in der Rinde der Blattstiele und des Stengels der
Länge nach verlaufen und hie und da sogar Aeste abgeben;
sie sind, besonders in der Rinde, von so grofsem Lumen, dafs
das Herausfliefsen des noch flüssigen Harzes aus denselben eine
ganz natürliche Erscheinung ist.
Betrachtet man, sagt Hr. Sa vi, einen zarten Schnitt von
der Rindenlage des Schmus, so zeigen sich darin die eigenen
Gefäfse als zarte unbestimmt verlängerte Röhren mit vollstän-
digen dicken und sehr durchsichtigen Wänden (nämlich eine
ganze Schicht von Zellen! Ref.), die, wenn sie beim Durch-
schneiden den Saft, den sie sonst enthielten und absonderten,
nicht schon entleert haben, noch enthalten, der dann in Ge-
stalt von runden Tröpfchen von verschiedener Gröfse, aber
dicht an einander gedrängt, langsam nach den Seiten hin aus-
fliefst, wo das Gefäfs zerrissen ist und von wo aus die Ent-
leerung erfolgt. Aus dieser Beobachtung kann man nun den
Schlufs ziehen: 1) Dafs wenn die Erscheinung ein« Folge der
Contractilität der Gewebe wäre, so könnte man dieselbe nicht
den Wänden der Zellen zuschreiben, da der entleerte Saft
nicht in Zellen, sondern in Gefäfsen (Harzgängen Ref.) enthal-
ten ist. 2) Dafs nicht die Reaction gegen die Kraft, mit wel-
cher die Flüssigkeit aus der Schnittfläche der Blätter hervo/-
strömt, der Grund ihrer schnellen und unterbrochenen Be-
wegung ist, denn die Entleerung geschieht sehr langsam und
einförmig, 3) Dafs auch die Fasern der Rindenlage beim
119
ScJiinus aus eigenen Gefäfsen bestehe ; eine Tliatsaclie, tlie zur
Bestätigung der Mirbe Ischen Behauptung dienen kann, dafs
der Bast der Pflanzen aus eigenen Gefäfsen und Parenchynieu
besteht. (Obige Angabe des Herrn Sa vi kann Referent nicht
bestätigen.) 4) Dafs der Saft der eigenen Gefäfse bei Sclii-
nus mit Wasser vermischt ist (was Referent ebenfalls nicht
bestätigen kann), und dadurch verhindert wird, dafs sich die darin
etwa bildenden Tröpfchen zu einer einzigen zusammenhängen-
den Masse vereinigen. Aus dieser Thatsache könnte man auch
noch den Schlufs ziehen, dafs die Säfte, welche sich innerhalb
der eigenen Gefäfse von einander trennen, von zweierlei Be-
schaffenheit sind, oder auch, dafs der eigene Saft in Folge sei-
I ner Einwirkung auf die Pflaaze sich theilweise in einen viel
flüssigeren und durchsichtigen Saft verwandelt, der ganz das
Ansehen der Lymphe hat. 5) Endlich, dafs die Gefäfswände
, vermittelst ihrer Elasticität auf den Saft, den sie enthalten,
. drücken und ihn auf dieselbe Weise nach der Oeffnung hin-
treiben, wie eine Blase oder ein Darm, die iibermäfsig mit
Wasser ausgedehnt sind, dieses sogleich ausströmen lassen,
wenn eine ihrer Wände verletzt ist.
Die zweite, oben angeführte Erscheinung, fährt Hr. Savi
fort, nimmt man leicht wahr, wenn man auf die Oberfläche
des Wassers eine kleine Menge des Harzsaftes von Schmus
\ bringt; sobald dieses geschehen ist, sieht mau auch sogleich,
dafs sich der Saft mit sehr grofser Schnelligkeit in eine dünne
Scheibe ausbreitet; wirft man nun unmittelbar auf diese Scheibe
kleine Stückchen von trocknen Blättern irgend einer Pflanze,
so wird man sehen, dafs diese von heftigen Stöfsen umherge-
' trieben werden und sich ruckweise von der Stelle, auf die sie
gefallen waren, entfernen u. s. w. Diese Eigenschaft, sich aus-
zudehnen, wie es das flüssige Harz von Schmus zeigt, kommt
nicht nur dem eigenen Safte von dieser Pflanze zu, sondern
den sämmtlichen Terebintaceen, Euphorbiaceen, Urticeen, Ascle-
piadeen, so wie auch nach Carradori den fixen und ätheri-
schen Oelen zu. Letzterer schreibt diese Eigenschaft der ge-
nannten Flüssigkeiten der Attractionskraft zu, welche das Was-
ser auf sie ausübt, und wodurch jeder auf seiner Oberfläche
befindliche Tropfen gezwungen wird, sich so weit auszudeh-
nen, als es die Cohäsionskraft der Flüssigkeit gestattet. Herr
120
Savi spricht über diesen letzteren Punkt noch sehr ausfuhr-
lich, doch reicht schon das Mitgetheilte vollständig aus, um
zu beweisen, dafs jene Erscheinung von Bewegung, welche die
Schmus -Bl'Aitchen auf dem Wasser zeigen, nicht durch An-
nahme einer Contractilität des Zellengewebes zu erklären ist.
Schliefslich setzt Referent noch die Bemerkung hinzu, dafs sich
jene Bewoguiig an den grünen Theilchen von Schmus Molle
nicht immer zeigt, wenn dieselben auf Wasser geworfen wer-
den, sondern immer nur, wenn sich die Pflanzen in üppiger
Vegetation befinden.
Herr Lindley*) hat in der Linnaean Society eine Ab-
handlung über die Anatomie der Wurzeln der Ophrydeen vor-
gelesen, worin er zeigt, dafs der Salep, welcher aus den Wur-
zeln einiger Ophrydeen bereitet wird, nicht hauptsächlich in
Stärke besteht, wie dieses von den Schriftstellern der gegen-
wärtigen Zeit allgemein behauptet sein soll (?), sondern dafs I
der Salep aus einer bassorinartigen Substanz zusammengesetzt
sei. Nachdem Hr. Lindley die Meinungen der neuesten Auto-
ren angeführt hatte, gab er das Resultat seiner eigenen mi-
kroskopischen Untersuchungen, aus welchen es liervorzugehen
scheint, dafs die Wurzelknollen der Ophrydeen ganz allgemein
lange knorpelartige Nieren einer schleimigen Substanz enthal-
ten, welche durch Jodine nicht gefärbt wird, und aufserdem
einige Stärkekügelchen, welche in dem Parenchym vorkom-
men, das die Nieren umgiebt. Die W^urzelknollen mancher
Ophrydeen Siid-Afrika's zeigen im getrockneten Zustande das
Ansehen eines Sackes, der mit Kieselsteinen gefüllt ist, oder
als wenn sich die EjDidermis über den harten Körper zusam-
mengezogen hat. Eine frische Wurzel von Satynum palli-
diujn quer durchschnitten hat das obige Ansehen erklärt; mit
dem saftigen Parenchym sind die harten Nieren, durchsichtig
wie Wasser, untermischt, und sie sind 20mal so lang als dio
ihnen angrenzenden Zellen. Diese Nieren sind leicht zu tren-
nen und erscheinen hart wie Hörn; auf den Schnittflächen er-
scheinen si« vollständig homogen; in kaltem Wasser löst sich
*) A Note lipon the Anatoiny of the Roots of Ophrydeae. —
The London and Edinburgh Philosophical Magazine and Journal of
Scienc. Vol. XIV. London. 1839. pag. 462.
121
kaum eine Spur von denselben, doch in heifsem werden sie
aufgequollen und theil weise zu einer durchsichtigen Gallerte
umgewandelt. Wässerige Jodine- Lösung hat keine sichtbare
Einwirkung auf diese Nieren in ihrem natürlichen Zustande.
Als Herr Lindley einige Schnitte von Salep verlcohlte, fand
er, dafs die scheinbar homogenen Nieren zusammengesetzt wa-
ren aus äufserst kleinen Zellen, mit einer Substanz gefüllt, die
dasselbe Brechungs-Vermögen zeigte als sie selbst. Endlich
erklärte Hr. Lindley, dafs der Irrthum, als bestände der Sa-
lep hauptsächlich aus Stärke, durch die Art der Bereitung her-
beigeführt ist. Die Wurzelknollen der Orchideen werden zu-
erst abgebrüht und dann getrocknet; durch dieses Abbrühen
würde aber die Stärke gelöst, welche die Nieren umgiebt, und
beim Trocknen schlage sie sich auf der Oberfläche derselben
nieder, daher denn erklärlich wird, dafs diese Nieren durch
Jodine gebläut werden.
Herrn Lindley 's Angaben über die Struktur der Orchi-
deen-Knollen, aus welchen Salep bereitet wird, haben so viel
Eigenthümliches, dafs sich Referent veranlafst sah, diesen Ge-
genstand gleichfalls nochmals zu untersuchen. Die Unter-
suchung zweier Arten von Salep-Wurzeln, so wie die verglei-
chenden Beobachtungen an einer frischen Knolle von Orchis
militcuis zeigten jedoch sehr bald, dafs in der Struktur der
Orchideen-Knollen durchaus nichts Abweichendes von der all-
gemeinen Regel vorkommt. Jene harten, hornartigen Nieren,
■welche Herr Lindley in den Salep-Wurzeln fand, sind nichts
weiter als die erhärteten Massen von Traganth- Gummi, wel-
ches die einzelnen Zellen füllt, die hier oftmals sehr grofs
sind; schon Hr. v. Berzelius brachte den Salepschleim zum
Traganth-Gummi, und bei den verschiedenen Orchideen scheint
sich diese Substanz nur in der Verhärtung verschieden zu ver-
halten. Ueberall in den Zellen der Orchideen -Knollen sieht
man das Vorkommen des Zellenkernes, und rund um diesen
Zellenkern bildet sich eine dickflüssige schleimige Masse, so
wie eine mehr oder weniger grofse Anzahl von kleinen und
ziemlich runden Kügelchen, welche sich ganz gewöhnlich durch
Jodine gelbbräunlich, zuweilen aber auch bläulich färben. So-
wohl die Masse jenes dicken Schleimes, wie die der Kügel-
chen, nimmt später im Innern der Zelle immer mehr und
122
mehr zu, und in denjenigen Orchideen -Knollen, welche zu
Salep mit Vortheil gebraucht werden können, kommt dieser
Inhalt der einzelnen, oft sehr grofsen Zellen selbst bis zu einer
gallertartigen Erhärtung, und beim Trocknen der Wurzeln wird
die Substanz sogar so hart wie llorn, so dafs sie für besondere
Nieren erkannt wurde. Ich habe Schnitte aus getrockneten
Salep-Wurzeln vor mir, welche in dem erhärteten Pflanzen-
schleime ihrer einzelnen grofsen Zellen dennoch eine grofse
Menge Stärke enthalten, denn die Substanz wird bei der Be-
rührung mit Jodine -Tinktur schön violett gefärbt und zwar
durch und durch, so dafs Herrn Lindley's Erklärung über
diesen Punkt nicht übereinstimmt. In den vor mir liegenden
Salep-Wurzeln sind sämmtliche Zellen mit Ballen von Tra-
ganth- Gummi gefüllt, einige sind oben 10 und 15mal gröfser
als die angrenzenden, aber Zellen, die blofs Amylum-Kügel-
chen enthalten, finden sich darin gar nicht; unter vielen Schnit-
ten wird man aber einzelne grofse Gummi-Nieren finden, in
welchen man noch ganz deutlich die Kügelchen, ähnlich wie
Stärke-Kügelchen, erkennt, welche sich im Innern des Gummi's
rund um den ehemaligen Zellenkern bildeten. Besonders be-
merkenswerth ist aber in den Salep-Wurzeln, dafs die meisten
Wände der grofsen gummihaltigen Zellen wie aus kleineren
Zellchen zu bestehen scheinen, wodurch diese zarten Mem-
branen mitunter ein sehr niedliches Ansehen erhalten; eine ge-
nauere Untersuchung zeigt aber, dafs dieses scheinbare Zellen-
netz nur in oberflächlichen Ablagerungen besteht, ganz so wie
die zellenartige Bildung auf der Oberfläche einiger Pollenkör-
ner. Selbst in sehr jungen Orchideen -Knollen findet man
schon Spuren dieser Bildungen auf den inneren Wänden
der Membranen der grofsen Parenchymzellen, welche reich
an Gummi sind.
Herr E. Meyer*) hat in der physikalisch -ökonomischen
Gesellschaft zu Königsberg am 18. September 1839 eine Ab-
handlung über das Amylum gelesen, worin er besonders das
Vorkommen und die Struktur der Amylum -Kügelchen nach
den darüber vorhandenen Beobachtungen näher erörtert und
über ihren Nutzen spricht; mit Unrecht hält derselbe es aber
*) S. V. Froriop's Neue Notizen etc. No. 253 u. 254. Nov. 1831).
123
für noch nicht ganz entschieden ausgemacht, dafs sich die
Schichten der Stärke -Kiigelchen von Aufsen ablagern, denn
die Bildungsgeschichte der Kiigelchen, die wir ebenfalls schon
kennen, lehrt dieses ganz bestiaimt. Interessant ist die Mit-
theilung des Herrn Meyer, dafs im Sommer 1838, wegen der
iibermäfsigen Feuchtigkeit in jener Gegend, die sonst sehr sel-
tene Mifsbildung häufiger und stärker vorkam, dafs sich
nämlich an den Luftstengeln der Kartoffel -Pflanzen ebenfalls
Knollen bildeten; über ganze Felder soll sich diese Mifsbildung
erstreckt haben, und Hr. M. sah Exemplare, welche bis zum
Gipfel hinauf mit knollenartig angeschwollenen Zweigen und
zum Theil mit wirklichen Knollen besetzt waren. Die An-
gabe, dafs die Kartoffeln die gröfsten Stärke -Körner besitzen,
welche man bis jetzt kennt, ist wohl nur ein Schreibfehler,
aber auffallend ist die, dafs das Mark der Pflanzen niemals
Amylum enthalte, so wie die, dafs Palmen und Cycadeen-
Stämme niemals Mark besitzen, wefshalb man denn auch den
Sago nicht aus dem Marke solcher Pflanzen bereiten könne.
Herr Fr. Tornabene Casinese*) schrieb eine Abhand-
lung über die krystallinische Feuchtigkeit in den Saamenblät-
tern ; derselbe will nämlich beobachtet haben, dafs sich auf der
Oberfläche der Saamenblätter in gewissen Stunden des Tages
wie auch um Mittagszeit diUrchsichtige, silberglänzende Flüs-
sigkeiten vorfinden, welche er die Krystallfeuchtigkeit nennt;
die Tröpfchen dieser Flüssigkeit auf den Saamenblättern sind
bald so klein, dafs sie sich nur dem Mikroskope darstellen,
bald aber auch dem blofsen Auge. Diese glänzenden Punkte
seien aber nicht zu verwechseln mit jenen von De Saussure
beschriebenen, noch mit den Drüsen der andern Autoren u.s.w'.,
sondern die krystallinische Feuchtigkeit sei eine Flüssigkeit,
die zerstreut auf allen Saamenblättern vorkommt, wie jene auf
vielen Mesembryanthemum -Arten und besonders auf 31. cry-
stallinum. Die Spiralröhren seien nach Hrn. Casinese dazu
bestimmt, eine Flüssigkeit herabsteigen zu lassen, welche in
Folge der belebenden Einwirkung des Lichts durch die Spalt-
*) Suir araore cristallino nelle foglie seminali delle piante. —
Memoria sopra alcuni fatti di anatomia e fisiologia vegetale. Catania
1838. 4to. pag. 3—21.
124
Öffnungen von den Blättern angezogen wird. So seien die
Spiralröhren Respirationsorgane und bei der in den Blättern
stattfindenden Verblendung der Säfte dieser lierabfiihrenden und
andern zuführenden Gefäfse finde ein chemischer Prozefs statt,
d. h. es macht sich der oxygenirte Theil oder das Oxygen los
und erscheint auf der aufsitzenden durchsiclitigen silbernen
Epidermis, und dieses ist die Krystallfeuchtigkeit! Herr Ca-
sinese spricht noch Mehreres über die Krystallfeuchtigkeit,
so wie über die Function der verschiedenen Elementarorgane
der Pflanzen; indessen das Ganze zeigt, dafs derselbe die Pflan-
zenanatomie höchstens aus einigen alten und zwar schlechten
Büchern zu studiren angefangen hat; die Schriften des Herrn
Turpin haben denselben unter den neueren am meisten in-
teressirt, ihn nennt er den Unsterblichen!
Herr Fr. Goebel*) zu Dorpat hat sehr schätzenswerthe
chemische Untersuchungen der vorzüglichsten Halophyten der
Kaspischen Steppe auf ihren Kali- und Natron- Gehalt gege-
ben; dieselben wurden unternommen theils i>m zu erfahren, |
ob der Gehalt an Kali und Natron bei den Halophyten in ver-
schiedenen Zeiten ihres Wachsthums verschieden sei, theils
um die Frage zur Entscheidung zu bringen, ob die Pflanzen
im Stande sind, das eine Alkali in ein anderes zu verwandeln.
Referent hält diese Untersuchungen für überaus wichtig, denn
schon lange haben die Physiologen den Wunsch ausgespro-
chen, dafs jene Annahme von der Umwandlung der Alkalien
durch die Vegetation durch die genauesten Versuche näher
beleuchtet werden möchte. Folgende Hauptergebnisse hat Herr
Goebel aus seinen Untersuchungen selbst gezogen:
Die jungen Pflanzen liefern zwar eine weit gröfsere Aus-
beute an roher Soda als die alten ausgewachsenen, aber die
in der rohen Soda enthaltenen, in Wasser löslichen Körper
differiren in quantitativer Beziehung nur unbedeutend von ein-
ander. In qualitativer Hinsicht scheint bei Ilalimo cnernis cras- ^
sifolia im Verlaufe des Wachsthums, mit zunehmendem Alter,
ein Theil des Chlornatriums in kohlensaures und schwefeisau-
*) Reise in die Steppen des südlichen Rufslands, unternommen
\on Dr. Fr. Goebel in Begleitung der Herren Dr. C. Claus und A.
Bergmann. Dorpat 1838. 4to. Zweiter Theil. pag. 108—138.
125
res Natron sich zu verwandeln, wie ein Blick auf die Ana-
lyse darthut. Bei Salsola clavifolia entliält die junge Pflanze
gar kein Chlornatrium, dagegen aber in bedeutender Menge
■' Chlorkalium, während sich in den alten Pflanzen wieder we-
^ niger Chlorkalium, aber dafür auch eine dem verschwundenen
^ Chlorkalium ziemlich entsprechende INleuge Chlornatrium zeigt.
• Der kohlensaure Natrongehalt ist in den alten und jungen
t Pflanzen ziemlich gleich. Auch bei Salsola hrachiata enthal-
'j ten die jungen Pflanzen weniger Chlornatrium als die alten,
■j] während der Gehalt an kohlensaurem Natron nur wenig difi'e-
rirt. Herr Goebel glaubt, dafs es auf eins herauskomme, ob
man junge oder alte Pflanzen zur Sodafabrication verwendet,
da die aus beiden Qualitäten erhaltene Soda einen fast gleich
grofsen Gehalt an kohlensaurem Natron besitzt. Man könnte
also zu jeder Zeit, da, wo und wie eben Zeit und Umstände
es gestatten, die Pflanzen einäschern, und die Quantität und
der innere Werth der rohen Soda würde sich nicht erheblich
verändern.
Die Analysen von Halimocnemis crassifolia (im jungen
und im alten Zustande), von Salsola clavifolia (im jungen
und im alten Zustande) und von Salsola hrachiata (im jun-
gen und im alten Zustande) zeigen: „Dafs der Natrongehalt
in allen fast ganz gleich geblieben ist. Der Kaligehalt ist aber
durchweg in den jungen Pflanzen gröfser als in den alten und
bei Salsola clavifolia besonders auffallend, so dafs man aller-
dings zu dem Glauben Veranlassung nehmen könnte, es werde
im Verlaufe des Vegetationsprocesses das Kali in
Natron übergeführt, oder sonst wie aus diesen
Pflanzen beseitigt." Es wäre eine grofsartige Entdek-
kung, wenn sich die Annahme richtig verhielte, aber Referent
erlaubt sich eine Frage hinzuzufügen, welche er in der Reise-
beschreibung nicht beantwortet findet: Waren denn die alten
Exemplare der drei oben genannten Halophyten, welche Herr
Goebel nicht eigenhändig gesammelt, genau von eben densel-
ben Standorten, wo Hr. G. in demselben Sommer die jungen
Pflanzen pflückte? Wahrscheinlich war dieses nicht der Fall,
und da alle diese Salze von den Pflanzen aus dem Boden auf-
genommen werden, so wird die Verschiedenheit des Bodens
auch die Verschiedenheit in den Resultaten der Analysen er-
12G
klären können. Bis auf weitere Entscheidung wäre es also
wohl rathsam, wenn wir jene Umwandlung der Alkalien durch
die Vegetation noch nicht als erwiesen ansehen wollten.
„Wenden wir uns, sagt Herr Goebel, nun noch zu den
übrigen analysirten Salzpflanzen, so ergiebt sich, dafs auch
bei diesen im Durchschnitt der Kaligehalt in den jungen Pflan-
zen gröfser ist als in den alten, und somit obige Meinung be-
stätigt wird. Den Rang der Haloj^hyten zur Sodafabrication
giebt Herr Goebel folgendermafsen an: 1) Sahola clavifolia
(42 p. C. in trockenen jungen Pflanzen), 2) Halimocnemum
caspiwn (22,9 p. C. in jungen Pflanzen), 3) Salsola Kali
(25 p. C. in jungen Pflanzen), 4) Kochia sedoides (9,16 p. C.
in alten Pflanzen), 5) Salsola hrachiata (33 p. C. in jungen l
Pflanzen), 6) Ilal'nnocnemis crassifoUa (30 p. C. in jungen
Pflanzen), 7) Tamarix laxa (33,6 p. C. in jungen Pflanzen),
8) Aahasis apJiylla (19 p. C. in jungen Pflanzen) u. s. w.
Ueber Bewegung der Säfte in den Pflanzen.
Die schon oftmals angekündigte Preisschrift des Herrn
C. H. Schultz*) ist endlich im vergangenen Jahre erschie-
nen; sie ist ohne alle Rücksicht auf die schon vorhandene Li-
teratur über diesen Gegenstand gefertigt, so dafs wohl viele i
Naturforscher, denen die Literatur der Pflanzen -Physiologie
nicht genau bekannt ist, durch die angebliche Neuheit der mit-
getheilten vielen Beobachtungen getäuscht werden möchten.
Freilich wäre es der Arbeit gar sehr yortheilhaft gewesen,
wenn sie gleich nach ihrer Vollendung gedruckt wäre, aber
jetzt, nachdem seit jener Zeit die feinere Anatomie so grofse
Fortschritte gemacht hat und seitdem die Bildungsgeschichte
fast aller Elementarorgane der Pflanzen ziemlich vollständig
bekainit geworden ist; jetzt vermissen wir in dieser Preis-
schrift sehr schmerzlich alle diese wahrhaften Bereicherungen
unserer Wissenschaft, dagegen aber ist die Zahl der wirklichen
fehlerhaften Beobachtungen (die sich auf den mitgothcilten Ab- .
bildungen sogleich nachweisen lassen) so sehr grofs, dafs Ref.
*) Sur la circulation et sur les vaisseaux laticiferes daiis les
plantes. Avec 23 plaiiches. Extr. des Mem. de TAcad. des sciences,
Tome VII. des savants etrangers. Paris 1839. 104 S. 4to.
127
mit Aufführen derselben ganze Seiten füllen könnte. Herr
Schultz hat nämlich alle Gefafse, welche abgebildet wurden,
zuerst mit besonderer Vorsicht durch Maceration ans den Pflan-
zen geschieden, und da konnte es donn auch nicht felden, dafs
sich die Zahl der Fehler in den Abbildungen noch mehr ver-
gröfserte*), ja viele von diesen Abbildungen sind nur als Sche-
mata zu betrachten, aber nicht als naturgetreue Darstellungen
auszugeben.
Der eigentliche Zweck dieser Preisschrift ist: die Nach-
weisung eines eigenthiimlichen Gefäfssystenis in den Pflanzen,
in welchem die Circulation eines eigenthiimlichen Saftes statt-
findet, welcher unter dem Namen des Milchsaftes bekannt ist;
Herr Schultz will diese Circulation mit einem besonderen
Namen, Cyclose, bezeichnen, doch wahrscheinlich wird Jeder-
mann, der sich mit diesem Gegenstande genauer bekannt macht,
dieses ganz unnöthig finden. Es wird den verehrten Lesern
dieses Berichtes bekannt sein, dafs über das Vorhandensein
dieser Circulation des Milchsaftes in den Pflanzen sehr viel
geschrieben und gestritten ist, und dafs dieser Gegenstand auch
in den früheren Jahresberichten mehrmals zur Sprache kam;
es sind aber leider wohl nur wenige Botaniker, welche die
Beobachtungen über diesen Gegenstand ohne Vorurtheile an-
sahen, und, wie ich glaube, so bin ich, der Referent, es ganz
allein, der neben Herrn Schultz das Vorhandensein einer Cir-
culation des Milchsafts stets zu beweisen gesucht hat. Ich
habe in verschiedenen Schriften umständlich erzählt, wie man
es anzustellen hat, um sich mit einem guten Mikroskope von
der Bewegung des Milchsaftes in ganz unverletzten Pflanzen
zu überzeugen, aber einige ältere Botaniker, die da ganz rich-
tig einsahen, dafs die Schul tz'sche Darstellung über die Cir-
culation des Milchsaftes nicht ganz richtig war, wollten
jene Bewegung einmal gar nicht sehen, ja es ging der Wider-
wille derselben gegen diese neue Lehre so weit, dafs sie da-
vonliefen und tagelang verschwanden, wenn man es ihnen zei-
gen wollte.
*) Die Tafeln sind mit: „Schultz del." unterzeichnet, was aber
wohl nur durch einen Irrthum geschehen sein mag, denn Referent
erkennt darin die Arbeiten des bekannten Pflanzen - Malers C. F.
Schmidt, und zwar aus dessen frühester Zeit.
128
Herr Schultz hat nun in dieser Schrift ebenfalls Alles
gethan, um zu beweisen, dafs sich der Milchsaft in seinem
eigenen Gefafssysteme ähnlich bewegt, wie das Blut bei den
Thieren in dem sogenannten Gapillargefäfssysteme, und er hat
eine Menge von Abbildungen aus verschiedenen Pflanzen ge-
liefert, welche die Anastomosen dieser Milchsaftgefäfse in ver-
schiedenen Pflanzen erweisen. Bei dem Allen liest man in
der botanischen Zeitung zu Regensburg von 1839, pag. 277,
dafs sich bei der Versammlung der Naturforscher zu Frei-
burg ein Gespräch über diesen Gegenstand erhoben hat, wo-
bei viele Botaniker, als die Herren Treviranus, v. Mar.
tius u. s. w. erklärten, dafs sie die Bewegung des Milchsaf-
tes nur in verletzten Pflanzentheilen wahrgenommen haben.
Ja man fragte den daselbst gegenwärtigen Herrn de Saint-
Hilaire, ob denn wirklich die Mitglieder des französischen
Instituts von der Richtigkeit der Schultz'schen Beobachtun-
gen überzeugt wären, und erhielt von demselben zur Antwort:
„Man habe dortseits vor der Hand blofs die Abhandlung des
Herrn Schultz übersetzt, sei aber noch zu keinem Urtheile
gelangt."
Hiermit stehen denn allerdings viele der Angaben sehr
im Widerspruch, welche Herr Schultz ganz neuerlichst in
einer Darstellung der Resultate seiner Preisschrift selbst publi-
cirt hat*), worin er unter Andern sehr bescheiden sagt: „Wir
begnügen uns auch nur den Anfang gemacht und die Grund-
züge einer unabweislichen Richtung der Wissenschaft angedeu-
tet zu haben, zu deren weiteren Ausbildung die von der fran-
zösischen Akademie der Wissenschaften ertheilte Anerkennung
nicht minder als die nunmehrige Herausgabe des Memoirs das
ihrige beitragen werden."
Zwei Gegenstände sind es hauptsächlich, welche, wenig-
stens nach meinen eigenen Beobachtungen in jener Preisschrift
des Herrn Schultz sehr unrichtig dargestellt sind; nämlich
die angeblichen drei Entwickelungsstufen der Milchsaftgefäfse,
der Contrahirten (vasa laticis contracta), der ausgedehnten
(vasa laticis expansa) und der gegliederten (vasa laticis arti-
culata); und ferner die Zusammenstellung der verschiedenarti-
*) S.Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik. Jan. 1840. No. 17 u. 18.
129
gen Gebilde unter dem gemeinschaftlichen Namen der Milch-
saft- oder Lebenssaftgefäfse.
Die Contrahirten Lebenssaftgefäfse sollen den jüngsten Zu-
stand der Gefäfse bilden und in ihnen soll die Lebensthätigkeit am
gröfstensein; sie besäfsen, heifst es, die Eigenschaft sich auszu-
dehnen und zusammenzuziehen, ja dies ginge sogar so weit,
dafs selbst ihr Lumen gänzlich schwinde (!). Bei den ausge-
dehnten Milchsaftgefäfsen sei die Expansion überwiegend, aber
noch immer die Fähigkeit vorhanden, sich zu contrahiren. Im
spätem Alter entwickele sich jedoch durch die absatzweise
contrahirten Stellen die Gliederung der Milchsaftgefäfse, und
hier wären die contrahirten und expandirten Stellen perma-
nent geworden. Diese ganze Darstellung der Entwickelungs-
stufen der Milchsaftgefäfse erklärt Referent, in Folge seiner
vielen Beobachtungen über diesen Gegenstand, für gänzlich
uugegründet; die Milchsaftgefäfse können sich weder expandiren
noch contrahiren, und dafs die vorkommende Gliederung bei
Milchsaftgefäfsen nicht durch Contraction entstanden sein kann,
das geht schon aus jeder einzelnen Beobachtung solcher über
einander liegenden und mit Milchsaft gefüllten Zellen hervor.
Ja diese ganze Darstellung war so fremdartig, dafs Referent
selbst mehrere Jahre hindurch gar nicht wufste, was Herr
Schultz unteL' seinen contrahirten Milchsaftgefäfsen verstand,
bis dieser die merkwürdige Abhandlung publicirte, von welcher
im vorigen Jahresberichte pag. 74. Mittheilung gemacht wurde.
Hierin zeigte es sich, dafs die feinen Schleimströme, welche in
den Zellen der Pflanzen, der Pilze wie der Phanerogamen, so
allgemein vorkommen und mit der Rotationsströmung in den
Zellen der Charen, Vallisnerienu.s.w. zusammenzustellen sind,
als contrahirte Milchsaftgefäfse von Herrn Schultz bezeich-
net wurden. Diese Abhandlung findet sich unter dem Titel:
„Nouvelles observations sur la circulation dans les plantes'*
als Anhang zur Preisschrift abermals abgedruckt, und im Bo-
tanical Register von 1839 pag. 48 — 51. befindet sich ein Aus-
zug dieser wichtigen Arbeit des Herrn Schultz unter der
Aufschrift: „Circulation of the Blood in Plauts." Der Verfas-
ser dieser Mittheilimg hat sich nicht genannt, wahrscheinlich
weil er selbst wohl einsah, dafs er in dieser Sache ganz und
Wiegm. Archiv. VI. Jahrg. 2. Band. g
130
gar kein Urtheil fällen kann, ja schon durch die I Jeherschrift
zeigte er, dafs ihm hierüher die nöthigen Kenntnisse fehlen.
Der zweite Gegenstand in dieser Preissclirift, dem ich
gleichfalls nicht beistimmen kann, betrifft das Zusammenwerfen
der verschiedenartigsten Gebilde unter dem Namen der Milchsaft-
gefäfse. Herr Schultz glaubt gefunden zu haben, dafs die
Rinde so wie das Holz ein eigenes Gefafssystem enthält, wel-
ches den Centralpunkt aller Entwickelungen bildet. In den
Holzbündeln der Monocotyledonen hält Herr Schultz die
weichen, mit einer gummiartigen Flüssigkeit gefüllten, langge-
streckten Zellen, welche Hr. Mohl vasa proprui nannte, eben-
falls für Milchsaftgefäfse, während es so leicht ist, selbst bei
ganz krautartigen Pflanzen der Art neben den Holzbündeln die
wirklichen Milchsaftgefäfse zu finden, welche mit diesen im
Innern der Holzbündel gar keine Aehnlichkeit haben. Bei den
Farrnkräutern hat Hr. Seh. sogar die kleinen mit Stärke ge-
füllten Zellchen für Milchsaftgefäfse angesehen, welche unmit-
telbar die Spiralröhrenbündel umschliefsen und sich zunächst
auf der inneren Fläche der Baströhren auflagern u. s. w.
Ebenso wenig hat Herr Schultz die Eigenthümlichkeit
der Milchsaftgefäfse der Euphorbien aufgefafst, welche, wie
Referent es schon lange gezeigt hat, die Struktur der Bast-
röhren der Apocyneen und Asclepiadeen haben und auch in
der Stelle der Baströhren liegen (welche den Euphorbien feli-
len) und dennoch den wirklichen Milchsaft führen, während
die Baströhren der Apocyneen, die sich nicht verästeln, nur
wenig Milchsaft führen; dagegen ist hier noch ein wirkliches
Gefafssystem etwas aufserhalb der Bastschicht gelagert, dessen
Stämme schöne Anastomosen zeigen, aber einen nur wenig
trüben Milchsaft führen.
Zur Morphologie.
Die Herren L. und A. Bravais*), von deren gelehrten
Arbeiten über die Stellung der Blätter und die symmetrische
Anordnung der Blüthenstände wir bereits im vorletzten Jah-
*) Sur la disposition generale des feuilles rectiseriees. Congres
scientifiqiie de France, sixieme session. Auch enthalten in den Ann.
des scienc. natur. 1839. Part. bot. II. pag. 1.
131
resberichte (pag.117 — 127) ein gedrängtes Resume mitgetheilt,
haben in einem neuen Memoire über die Stellung der gerad-
reihigen Blätter ihre früheren Ansichten über die Stellung der
Blätter im Allgemeinen näher entwickelt, theils neue Gesetze
über das Vorkommen der verschiedenen Systeme der gerad-
reihigen Blätter, ihre Verbindung unter einander und mit de-
nen der krummreihigen Systeme aufgestellt und ausführlicher
erörtert. Auch von dieser an Stoff und Inhalt so überaus rei-
chen Abliandlung können wir, hier nur die Hauptresultate mit-
theilen.
Aus ihren Untersuchungen geht hervor, dafs der gröfste
Theil der alternirenden Blätter nicht in vertikalen, übereinan-
derstehenden Reihen geordnet ist, sondern dafs die Blätter an
ihrem Anheftungspunkte vereinzelt bleiben, indem niemals eins
der folgenden gerade über dem ersten zu stÄien kommt; hier-
durch entsteht das spiralförmige Ansehen derselben und aus
diesem Grunde hat man ihnen den Namen der krummreihigen
gegeben. Diese Eigenschaft ist die nothwendige Folge des ir-
rationalen Winkels, der sie gestattet, dieselbe vertikale Linie
zweimal zu berühren. Im Gegensatze zu ihnen werden gerad-
reihige Blätter diejenigen genannt, die übereinander gestellt
sind und deren ganzes System entweder aus einer constanten
Anzahl alternirender Blätter oder aus reihenweise übereinan-
der gestellter und sich durchkreuzender Blattwirtel zusammen-
gesetzt ist. Dazu gehören die zwei- und dreireihigen Blätter,
der Quincunx, die entgegengesetzten, die gedreiten, gevierten
und endlich die wirteiförmigen Blätter. Die Zahl der bekann-
ten gerad reihigen Systeme ist sehr grofs; sie alle im Einzel-
nen zu verfolgen, würde eine unendliche Aufgabe sein, die
Herren Bravais haben sich begnügt, ihre allgemeinsten Ge-
setze aufzustellen und zu zeigen, wie sie auf einmal folgen
und wie sich ihre Organisation durch die Elementarbegriffe der
Geometrie erklären läfst. So wie durch Verbmdungen eines
einzelnen Systems, nämlich des gewöhnlichen, krummreihige
Verschiedenheiten in der Organisation hervorgebracht werden,
so entsteht durch die Vereinigung mehrerer Systeme auf einer
und derselben Pflanze eine unendliche Vermannigfaltigung von
Formen und Strukturen. So geht das krummreihige System
entweder voran oder folgt dem gröfsten Theile der andern
9*
132
Systeme. In den Cactus- Gewächsen gelit es z. B. dem zwei-
und dreireihigen Systeme, so wie dem Quinciinx voran; im Tul-
penbaume folgt es dagegen dem Quincunx u. s. w. Um alle
diese Systeme von einander zu unterscheiden, mufs man zu-
erst die Anzahl der über einander gestellten Blätter oder die
Zahl der vertikalen Reihen, aus welchen der Stengel zusam-
mengesetzt ist, zusammenrechnen. So bestehen z.B. die zwei-
reihigen, dreireihigen und gedreiten Stengel aus 2, 3 und 6
vertikalen Reihen oder aus einer Zusammenhäufung von 2, 3
und 6 Blättern; man mufs aber nicht glauben, dafs eine ge-
gebene Anzahl von Vertikalreihen nur eine einzige Stellung
der Blätter darbieten kann. Dieses findet wohl b^ den zwei-
und dreireihigen Stengeln statt, denen nur eine einzige Art
von Divergenz eigen ist, aber bei dem Systeme mit vier Ver-
tikalreihen sind schon zwei Arten von Blattstellungen möglich,
nämlich die eine und zwar die gewöhnliche, die Kreuzung, und
die andere, die dadurch entsteht, dafs man eine Spirallinie nach
einer Richtung und drei nach einer andern zieht*). Die Be-
obachtung hat die Herren Br. zur Aufstellung folgender sehr
wichtiger und zugleich höchst einfacher Gesetze geführt, dafs
zwischen zwei auf einander folgenden Systemen niemals eine
Lücke oder ein Zwischenraum stattfindet; sondern dafs das
eine unmittelbar da anfängt, wo das andere aufhört. Man
kann die geradreihigen Systeme nach drei Methoden ordnen,
die am Ende dieses Berichts mitgetheilt werden; die Herreu
Br. haben sie nach der Natur ihrer Divergenzen von einander
unterschieden. Alle diese sind veränderliche Brüche der Pe-
ripherie, die stets zu ihrem Nenner die Zahl der Vertikalrei-
hen des Stengels haben. Der Zähler, der sich weniger ver-
ändert, stellt die Zahl der Umläufe dar, welche eine oder meh-
rere Grundwendel machen müssen, um wieder gerade über de)i
Ausgangspunkt zu gelangen. Die Herren Schimper und
Braun haben schon früher die Bedeutung dieses Bruches, der
die Divergenz bestimmt, gekannt; der Werth desselben, der
für ein krummreihiges System nur ein annähernder ist, ist für
*) Unter der einen Spirale ist nämlich die Grundwendel (Spire
generatricc) und unter den drei andern die secundären Spirallinien
zu verstehen.
133
die geradreihigen ein ganz genauer. Alle die Spiralsysteme,
die zur Divergenz ihrer Blätter die Brüche der Peripherie rj»
h h i "• '^^ ^- liaben, so wie alle die verbundenen Systeme
des zweireihigen (distique) mit der Divergenz j, ^, j, ~ rech-
nen die Herren Br. zu der von ihnen aufgestellten ersten
Reihe. Die zweite Reihe umfafst alle Pflanzen mit einer ein-
zigen Grundwendel, deren Divergenzen ^, |, f, ^ u. s. w.
sind, oder solche Pflanzen, die eine ungerade Zahl von Verti-
kalreihen haben. Im ersten Kapitel werden die Gesetze der
Systeme der ersten Reihe erörtert, oder die Systeme mit der
Divergenz ~, -| u. s. w. und ihren Verbindungen. §. 1. die-
ses Kapitels handelt von den zweireihigen Blättern (feuilles
distiques), worunter diejenigen alternirenden Blätter verstan-
den werden, die in zwei einander gegenüberstehenden Reihen
gestellt, genau um 180^ von einander entfernt sind. Selten
ist diese Stellung bei den Blumen. Dieses zweireihige System
geht bisweilen auf derselben Axe in ein von ihm verschiede-
nes System über, wie z. B. in das dreireihige System und
umgekehrt, oder auch in den Quincunx. Der Uebergang von
dem zweireihigen Systeme zum krummreihigen und umgekehrt
soll häTifig in der Natur vorkommen, z. B. an dem Rhizom
der Convallaria inajalis , Menyanthes trifoliata u. s. w.,
dann ist das letzte zweireihige Blatt d^r Ausgangspunkt einer
Spirale von 137^°. Auch der Uebergang von dem zweireihi-
gen System zum gedreiten (terne) ist nicht selten, wie z. B.
an den zweireihigen Blüthen mehrerer Magnolien. Einen Ueber-
gang vom zweireihigen Systeme zum gekreuzten oder gevier-
ten (quaterne) zeigte ein viereckiger Stengel desCactus; auch
wurde an einigen Blüthen von Iris lutescens u. s. w. etwas
Aehnliches beobachtet. Die Aroideen zeigen den Uebergang
des zweireihigen Systems zu noch viel zusammengesetzteren,
deren Beobachtung aber sehr schwierig ist. In allen diesen
Fällen, wo das zweireihige System in ein anderes übergeht,
ist immer das letzte Blatt des ersteren der Ausgangspunkt für
die Divergenzen des darauf folgenden und umgekehrt im ent-
gegengesetzten Falle.
§. 2. handelt von dem System der dreireihigen Blätter
(feuilles tristiques), deren Divergenzwinkel 120^ oder ein Drit-
tel des Stengelumfangs beträgt; es ist öfter bei den Monoco-
J34
tyledoneii als bei andern Familien zu finden. Der Üebergang
in andere Systeme findet sehr einfach statt, indem auch hier
das letzte Blatt das erste des folgenden wird. Hat dieses
System nur eine einzige Grundwendel, so ist sie mit der drei-
reihigen Spirale gleichläufig.
§. 3. handelt von den verbundenen Systemen des zwei-
reihigen. Die Herren Schimper und Braun betrachten die
ßlattwirtel als abgeplattete Spiralen oder als Ringe mit einer
kreisförmigen Spirale, die unter einander mittelst einer ver-
schiedenen Divergenz, die sie Prosenthese nennen, verbunden
sind. Nach ihnen hat der wirtelförmige Stengel nur eine ein-
zelne Spirallinie, die aber zwischen den Blättern der auf ein-
ander folgenden Ringe einen verschiedenen Winkel zeigt. Sie
unterscheiden drei Arten von Prosenthese, die metagogische,
epagogische und prosapogogische. Diese Art, die Symmetrie
der wirteiförmig gestellten Organe aufzufassen, scheint den
Herren Verfassern der Einfachheit der Natur nicht zu entspre-
chen, indem sie eine Menge von Winkeln und Blattentfernun-
gen in die Wissenschaft einführt, die ofi'enbar nur secundär
und untergeordnet sind. Die Herren B r. sind von einfacheren
Principien ausgegangen, welche die in gleichen Abständen von
einander gestellten Blätter mit einander verbinden. Sie haben
statt einer einzigen mehrfache oder mit einander verbundene
Spirallinien angenommen, auch sind sie durch zahlreiche Un-
tersuchungen zu dem Resultate gekommen, dafs zwischen zwei
verschiedenen Systemen keine mittleren Divergenzen stattfin-
den, sondern dafs das eine unmittelbar auf das andere folgt,
jedes mit seiner eigenen Divergenz ohne Lücken oder Zwi-
schenglied. Schon bei den Pflanzen des gewöhnlichen krumm-
reihigen Systems haben wir das Vorhandensein vielfacher
Systeme kennen gelernt, bei den geradreihigen kommen ihnen
folgende wichtige geometrische Eigenschaften zu. Zuerst zei-
gen sie in den Verbindungen des zweireihigen Systemos eine
gleiche Anzahl von rechts und links gewundenen S[)irallinien.
Alle Anheftungspunkte kann man unmöglich auf eine einzige
Spirallinie mit gleich weit abstehenden Divergenzen zurückfüh-
ren, sondern man findet 2, 3, 4, 5 ähnliche Grundwendel, die
von derselben Höhe des Stengels ausgehen; die Divergenz
einer jeden von ihnen ist nur |, -J, \ u. s. w. geringer als die
J35
des Gruudsystems, deren verbundenes System sie bildet. Ohne
Ausscliliefsung der ungleichen Divergenzen ist es unmöglich,
die Symmetrie der Blätter systematisch zu ordnen. Aus dem
zweireihigen Systeme selbst werden die gekreuzten, gedrei-
fen und gevierten Blattstellungen abgeleitet. Die Herren Br.
suchen eine andere Erklärung von der Stellung der Blätter
in abwechselnden und sich durchkreuzenden Wirtein zu ge-
ben, als die bisherige der Botaniker gewesen ist; durch Bil-
dung von gez weiten, gedreiten, gevierten Systemen mit dem
modificirten zweitheiligen Systeme suchen sie die Symmetrie
der wirteiförmigen Blätter darzustellen. Man denke sich au
drei Punkten eines blattlosen Stengels A,B,C Blätter in einer
zweireihigen Ordnung gestellt. (Siehe Tab. 1. Fig. 1.) Ein
zweites zweireihiges System in derselben Vertikalebene, aber
dem erstem entgegengesetzt, befinde sich in a, b, c. Um von
dem Blatte A zu B und vom Blatte B zu C zu gelangen, ziehe
man zwei Spirallinien, von denen die eine nach rechts, die
andere nach links gewunden ist; ebenso verbinde man die Blät-
ter a, b, c mit einander. Dadurch wird der Stengel von vier
Spirallinien umzogen, von denen sich immer je zwei und zwei
mit einander schneiden werden; zuerst in A, B, C, a, b, c, dann
in den neuen Punkten A', a', B', b'. Stellt man vier neue Blät-
ter in diese Durchschnittspunkte, so werden die Linien, welche
A' und a', B' und b' mit einander verbinden, die zwischen A
und a, B und b, und C und c gezogenen, wenn man sie auf
dieselbe Ebene bezieht, in einem rechten Winkel schneiden.
Dadurch entsteht ein Stengel mit entgegengesetzten Blättern,
wie es z. B. bei den Labiaten der Fall ist. Die Spirallinien,
welche die Blätter eines und desselben Systemes mit einander
verbinden, sind so gegen einander gestellt, dafs sich in jedem
ihrer Durchschnitt'-piuikte ein Blatt befindet, und in dieser
Anordnung sind keine Lücken vorhanden. In einem Stengel
mit gekreuzten Blättern lassen sich diese sämmtlich durch
zwei nach rechts oder links gezogene Spirallinien umfassen.
Da diese Zahl zwei zum gemeinschaftlichen Divisor hat, so
müssen noth wendig zwei Grund wendel vorhanden sein, und
wir haben es daher mit einem gezweiten Systeme (systeme
bijugue) zu thun, das einfache System aber, von dem es her-
geleitet werden mufs, ist das zweireihige. In der That sind
136
auch die Divergenzen eines gezweiten Systemes zweimal ge-
ringer, als die des einfachen Systemes; der Winkelabstand von
A nach a' ist offenbar ein rechter Winkel. Also wird das
einfache System, von dem diese Anordnung herrührt, zu sei-
ner Divergenz zweimal einen rechten Winkel haben oder 180^,
d. i. also die Divergenz des zweireihigen Systemes. Aus ähn-
lichen Gründen ist das gedreite System (s. terne) als das Re-
sultat eines dreijochigen (trijug^ue) zweireihigen Systemes zu
betrachten, denn sämmtliche Blätter lassen sich mittelst dreier
nach rechts und links gezogenen Spirallinien umfassen. Un
möglich kann man sich eine einzige Spirallinie mit gleich weit
abstehenden Divergenzen denken, die alle Blätter umfassen
würde. In jeder schräg gezogenen Spirallinie ist die Diver-
genz offenbar 60**. Diese Zahl ist genau der dritte Theil der
Divergenz zweier zweireihigen Blätter. Aber die Divergenz
eines dreijochigen Systemes ist dreimal geringer, als die des
Grundsystemes, von dem es abgeleitet wird, und mithin lassen
sich die gedreiten Stengel sehr gut durch die Gesetze des
dreijochigen Systemes der zweireihigen Ordnung erklären.
Nach denselben Principien läfst sich die Stellung der Blätter,
die zu 4 und 4, 5 und 5, 6 und 6 u. s. w. alterniren, erklä-
ren, und man kann daher im Allgemeinen sagen: Unter den
geradreihigen Systemen sind alle diejenigen, welche aus Blatt-
wirteln bestehen, die je 2 zu 2, 3 zu 3, 4 zu 4 u. s. w. ge-
stellt sind, Systeme mit 2, 3, 4 u. s. mehreren Grundwendeln
oder Modificationen des verbundenen zweireihigen Systemes.
Dasselbe läfst sich von allen nur möglichen Verbindungen der
anderen geradreihigen, in der Natur vorkommenden Systemen
behaupten.
In §. 4. werden die gegenüberstehenden oder gekreuzten
Blätter abgehandelt; dieses System ist das einfachste von den
Verbindungen des zweireihigen Systems und findet sich in der
Natur an den Stengeln, Blüthen, Kelchen oder andern blatt-
artigen Theilen vieler Gewächse, die dann einzeln aufgeführt
werden, als bei Berberideen, Thymeleen, Euphorbiaceen, Aspa-
ragineen u. s. w.
In §. 5. werden die üebergänge der Kreuzung zu einem
verschiedenen Systeme und umgekehrt abgehandelt. Wir ha-
ben es hier mit zwei Grundwendeln zu thun; die zwei letzten
:
137
gegeniiberstehenden Blätter werden daher mit dem folgenden
Systeme dieselbe Divergenz bilden, welche die Blätter dieses
letztern unter einander haben, so oft 4, 6, 8 vielfache Spiral-
linien vorhanden sind. Ein einziges der beiden gegenüberste-
henden Blätter wird dem folgenden Systeme gemeinschaftlich
sein, wenn es aus einer unpaaren Zahl (1, 3, 6) von Grund»
wendein gebildet wird. Bei den Uebergängen der Kreuzung
zu einem doppelten Systeme und umgekehrt ist der häufigste
Fall der, dafs ein gekreuzter Stengel oder Kelch zu dem ge-
vierten Systeme (ordre quaternaire) übergeht, wie es z. B.
bei den jungen Stengeln von Juniperus lycea, Cupressus
thuvoides, den Blumenblättern von Nymphaea alba u. s. w.
der Fall ist. Der Uebergang des gevierten Systemes zur Kreu-
zung findet auf entgegengesetzte "Weise statt; ein Beispiel hier-
von bietet die Blume von Tormentilla erecta dar. Auch der
Uebergang zu einem dreifachen, vierfachen Systeme u. s. w.
^vird in der Natur beobachtet, besonders in den Blumenblät-
tern und Staubfäden der Papaveraceen.
Sehr häufig ist der Uebergang zu dem krummreihigen
Systeme sowohl an Blüthen als an Stengeln; so endigen sich
einige viereckige Stengel des Cactus speciosissimus mit krumm-
reihigen Blüthen. In diesem Falle so wie in allen andern ähn-
lichen ist eines der beiden letzten Blätter der Ausgangspunkt
der nach rechts oder links gedrehten Spirallinie der Blumen-
blätter. Auch der Quincunx geht mitunter in die Kreuzung
über, wie dieses bei Cactus speciosissimus der Fall ist.
Die Einpflanzung (implantation) der gekreuzten Zweige
in die Achsel eines Blattes ist eine andere Art von Ueber-
gang des Systemes des Mutterstammes zu dem der Kreuzung
durch eine verschiedene Axe. Das Mutterblatt ist für diese
Knospe dasselbe, was das äufserste Blatt der Grundwendel
eines untern Systems ist; daher müssen die zwei ersten ein-
ander gegenüberstehenden Blätter in der Quere zu stehen kom-
men, das eine zur Rechten, das andere zur Linken, wie es
auch in der Natur beobachtet wird. Aus dem Systeme der
Kreuzung gehen auch andere Systeme hervor; so entstehen
oft aus der Achsel entgegengesetzter Blätter krummreihige
Zweige, das Mutterblatt ist immer der Ausgangspunkt der er-
sten Divergenz des Spiralsystemes oder alternirt mit zwei
138
Blättern des ersten Wirteis, wenn die Stellung in auf einan-
der folgenden Blattwirteln stattfindet. Bei dem Entstehen die-
ses krummreihigen Systemes sind indessen die Winkel der acht
ersten Blätter nicht immer genau diejenigen, welche sie der
Theorie nach sein sollten, doch darüber hinaus sind die Di-
vergenzen regelmäfsig und der Theorie der krummen Reihen
entsprechend.
§. 6. handelt von dem gedreiten Systeme (s. terne) oder
dem mit sechs V*ertikalreihen ; auch hier bei diesem Systeme,
.das. an den Stengeln nicht häufig vorkommt, dagegen dem
gröfsten Theile der Monocotyledonen-Bliithen eigen ist, gelten
dieselben Regeln der Verbindung mit andern Systemen der
geraden oder krummen Reihen, wie diese bei dem zwei- und
dreireihigen und dem gekreuzten Systeme bereits mitgetheilt
worden ist. Dieselben V^erbindungen und Uebergänge zu an-
dern Systemen kommen auch bei den Systemen mit 8, 10 und
12 Vertikalreihen vor. Die Herren Bravais handeln in die-
sem Paragraphen diese Systeme und ihre Verbindungen mit
einander sehr ausführlich ab und zeigen wie dieselben an den
Kelch- und Blumenblättern, Staubfäden, Carpellen und andern
blattartigen Theilen vieler Gewächse aus den verschiedenen
Pflanzen-Fanulien vorkommen.
Das zweite Kapitel ist zunächst der Untersuchung der
zweiten Reihe oder der Systeme mit den Divergenzen -5-, y,
yj TT "• ^^' ^^'' gewidmet. Alle geradreihigen Blätter sind nicht
in Wirtein gestellt; eine gewisse Zahl derselben befolgt eine
abwechselnde Stellung und wird von einer einzigen Grund-
wendel umfafst. Der häufigste Fall ist der, dafs die Spiral-
linie zweimal um den Stengel herumläuft, ehe sie ^^ieder un-
mittelbar über dem Blatte zu stehen kommt, das ihr zum Aus-
gangspunkte gedient hat. Man sieht leicht ein, dafs, voraus-
gesetzt sämmtliche Blätter stehen gleichweit von einander ent-
fernt, der Winkel, der je zwei von iluien trennt, gleich sein
wird zweimal dem Umfange des Stengels, dividirt durcli die
Anzahl der Blätter, d. h. mit andern Worten, die Divergenz
<ler Spirallinien wird ein Bruch des Stengelumfangs sein, der
2 zu seiniMu Zähler und die Zahl der vertikalen Bhütreihen
zu seinem Nenner hat. Schon die Herren Seh im per und
Braun haben die vollständige Analyse der Divergenz dieser
139
Systeme gegeben. Die Beobachtung hat gezeigt, dafs bei allen
eine ungerade Zahl von vertikalen Reihen, wenigstens von 5,
7, 9, 11 u. s. w. vorhanden ist. Sobald eine Reihe auf einer
Achse verschwindet und eine neue zu den früheren hinzutritt,
wird das System wirtelständig und ist aus mehreren Grund-
wendeln zusammengesetzt. Wird aus der geraden Zahl der
Vertikalreihen eine ungerade, so tritt das alternirende System
mit einer Spirale wieder hervor. Eine andere allgemeine Eigen-
schaft dieses Systemes ist, dafs die Zahl der am sichtbarsten
nach rechts gewundenen Spiralen nur um eine Einheit von der
Zahl der links gewundenen Spiralen derselben Achse verschie-
den ist. So sind in dem Falle von fünf Vertikalreihen die
Anzahl der Spirallinien 2 und 3. Die Richtung der Grund-
wendel kommt immer derjenigen der vorherrschenden Anzahl
zu. Die Summe der nach links gewundenen Spirallinien ist
gleich der Anzahl der vertikalen Reihen; sind also von drei
Punkten zwei bekannt, so läfst sich der dritte leicht daraus
herleiten.
Das Hauptsystem, welches zu dieser Reihe gehört, ist das
des Quincunx. In §. 1. wird von den im Quincunx stehen-
den Blättern gehandelt; seit C. Bonnet versteht man darun-
ter solche, von denen das sechste Blatt wieder genau über
dem ersten zu stehen kommt, nachdem ihre Spirallinie zwei-
mal den Umfang des Stengels umkreist hat. Die meisten Blät-
ter, von denen man früher geglaubt hat, dafs sie in Quincunx
stehen, gehören in der That zu dem System der krummen
Reihen; sie kommen aber wirklich vor bei: Gramineen, eini-
gen Cyperaceen, Verbenaceen, Rosaceen, Myrtaceen, Urticeen
u. s. w. Die Regeln, welche diese in Quincunx gestellten Blät-
ter bei ihren Uebergängen zu andern Systemen befolgen, sind
genau dieselben, welche bei den frühern Systemen der ersten
Reihe aufgeführt wurden. In §. 2. wird von den Blättern mit
7, 9, 11, 13 und mehreren Vertikalreihen, so wie von den
Methoden, alle nur möglichen Spiralsysteme zu ordnen, ge-
handelt. Diese Systeme mit 7, 9 und mehreren Vertikalreihen
kommen in der Natur um so seltener vor, je gröfser die An-
zahl der Vertikalreihen wird. Die Divergenzen, welche zum
Zähler die Zahl 3, 4, 5 haben, sind so selten, dafs sie von
den Herren Bravais gar nicht abgehandelt werden, und sie
140
nur eines Falles von einer Divergenz ^3 bei einem Echino-
cactus eyriesii erwähnen.
Um die Entdeckung neuer geradreihiger Systeme zu er-
leichtern, haben die Herren Verfasser am Schlüsse dieses Pa-
ragraphen drei Methoden einer allgemeinen Classification für
alle nur möglichen Systeme gegeben. Die erste Methode, de-
ren sich die Herren Br. bei den geradreihigen Systemen be-
dient haben, ist auf die Verschiedenheit der Divergenzen der
Grundwendel gegründet. Die zweite Methode beruht auf der
Verschiedenheit in der Anzahl der vertikalen Reihen, und die
dritte Methode betrachtet auf eine mehr spezielle Weise die
Natur der Spirallinien und ihre Beziehungen zu einander,
wenn man rücklaufende Reihen aus ihnen bildet. Nach der
ersten Methode lassen sich mehrere Reihen von Divergenzwin-
keln bilden; der erste umfafst alle diejenigen Divergenzen, die
1 zum Zähler und zum Nenner die Zahl der Vertikalreihen
derBlätter haben, wie dieses in allen nur mögliehen Modificationen
der geradreihigen Systeme der Fall ist. Sie ist aus den Brü-
chen des Stengelumfanges \, \, \, 3, \ u. s. w. zusammenge-
setzt. Die Hauptspirallinien, welche man in diesem Systeme
beobachtet, sind eine nach rechts oder links gewundene Grund-
wendel und eine oder mehrere links oder rechts gewundene
secundäre Spirallinien, deren Zahlen den Nennern der Diver-
genz gleich sind, von denen man die Einheit abzieht. Jede
einzelne Divergenz kann sich ins Unendliche verbinden, oder
zweijochig, dreijochig u. s. w. werden. Die zweite Reihe von
Divergenzen wird aus allen Brüchen des Stengelumfcinges zu-
sammengesetzt, die 2 zum Zähler und zum Nenner die Rei-
henfolge aller nur möglichen ungeraden Zahlen von 5 an ge-
rechnet haben; also |, y, |, jy, 3^3 u. s.w. Die entsprechende
Zahl von Vertikalreihen wird natürlich durch den Nenner be-
zeichnet. Als entsprechende Reihe der nach rechts und links
gewundenen Spirallinien werden wir hier die Zahlen 2 und 3,
3 und 4, 4 und 5 u. s. w. haben, während es in der ersten
Reihe die Zahlen 1 und 1, 1 und 2, 1 und 3 u. s. w. sind.
Die dritte Reihe von Divergenzen wird alle die Systeme
mit den Divergenzen 4» f. tö» Aj iV» TT "• ^- ^^'- umfassen;
die entsprechenden Zahlen ihrer Spirallinien werden 2 und 3,
3 und 5, 3 und 7 u. s. w. sein. Die vierte Reihe wird die
14t
Divergenzen ~, jj, t\, -^ "• ^- ^^'' u'^nfasson und die entspre-
obenden Zahlen ihrer Spirallinien werden 2 und 7, 3 und 8
II. s. w. sein. Die folgenden Reihen kann man leicht nach
denselben Grundsätzen bilden, und in allen Reihen kann man
jede Divergenz bis ins Unendliche verbinden.
Nach der zweiten Methode werden alle Systeme nach der
natürlichen Aufeinanderfolge der Zahl der Vertikalreihen, die
s bis in das Unendliche gehen können, geordnet. Dann unter-
j sucht man, wie viel Arten von Systemen (ein jedes mit einer
I' eigenen Divergenz und mit einer oder mehreren Grundwen-
deln) in einer gegebenen Anzahl von Vertikalreihen möglich
sind. So habe man für zwei Vertikalreihen von Blättern nur
ein einziges System: das zweireihige; für drei auch nur ein
System: das dreireihige. Für vier: zwei Systeme, ein alterni-
rendes mit der Divergenz \ und ein wirteiförmiges mit der
Kreuzung oder dem zweijochigen oder zweireihigen. Für sechs
Vertikalreihen haben wir drei Systeme u. s. w.
Die dritte Methode dient, so wie die beiden vorigen, nur
für die Classificirung der geradreihigen Systeme; zur Bestim-
mung der krummreihigen Systeme oder der mit irrationalen
Divergenzen. Hier können wir wieder eine unendliche Zahl
von Reihen bilden, je nachdem der irrationelle Divergenzvvin-
kel für eine jede Reihe ein verschiedener ist. Wie diese ver-
schiedenen Winkel gefunden werden, wie überhaupt von den
krummreihigen Systemen, davon handeln die zwei früheren Ab-
handlungen der Herren Bravais.
Im Schlufsparagraphen 3 geben die Herren Bravais das
Resume ihrer Abhandlungen, aus dem wir Folgendes entnehmen:
1) Die verschiedenen Systeme von alternirenden oder wir-
teiförmigen Blättern mit einer einzigen oder mit mehreren Spi-
rallinien kommen sowohl in den symmetrisch geordneten Or-
ganen der Phanerogamen als auch der Cryptogamen vor.
2) Nach der Verschiedenheit des Divergeuzvvinkels zweier
auf einander folgender Blätter, ob derselbe ein rationaler oder
irrationaler ist, werden zwei Hauptsysteme, das geradreihige
imd das krummreihige gebildet.
3) Der gröfste Theil der Systeme mit 4, 6, 8, 10 Verti-
kalreihen sind Verbindungen des zweireihigen Systemes und
aus mehreren Grundwendeln gebildet.
142
4) Der gröfste Theil der Systeme mit 5, 7, 9, 11 Verti-
kalreihen sind alternirende Systeme von einer Grundvvendel;
ihre Divergenz ist J, ~, f, ~j des Stengelumfanges.
5) Zwischen zwei auf einander folgenden Systemen be-
stimmt das untere die Stellung des oberen. Es giebt weder
Prosenthesen, noch Uebergangswinkel , noch Lücken^ wie
Schimper und Braun annehmen.
6) Ist in den Systemen mit mehreren Grundwendeln der!
Ausgangspunkt einer derselben bestimmt, so ist es auch die
Stellung des ganzen Systemes.
7) Das letzte Blatt des untern Systems ist der Ausgangs-
punkt der ersten Divergenz des obern Systems, wenn die bei-
den auf einander folgenden alternirend sind, oder wenn das
obere System allein wirteiförmig ist.
8) Folgt aber auf ein wirteiförmiges System ein alterni-
rendes, so ist eins von den Blättern des letzten Wirteis der
Ausgangspunkt der einzigen Grundwendel des zweiten Systemes.
9) Folgen mehrere Systeme mit mehrfachen Spirallinien
auf einander, so ist ein einziges von den Blättern des letzten
Wirteis der Ausgangspunkt einer Grundwendel des zweiten,
Systemes, wenn die Zahlen der Blätter der zwei auf einander
folgenden Wirtel Primzahlen unter einander sind. Haben diese
Zahlen aber 2, 3, 4 zu ihrem gemeinsamen Divisor, so wer-
den 2, 3, 4 Blätter des untern Wirteis der Ausgangspunkt eben
so vieler Grundwendel, die zu dem oberen Systeme gehören,
10) In gewissen Fällen scheint es so, als wenn die Blät-
ter des obern wirteiförmigen Systemes so gestellt wären, dafs
sie den untern vorangingen.
11) Zu welchem Systeme auch immerhin ein Ast, der in
der Achsel eines Blattes entstanden ist, gehören mag, so ist
dieses letztere immer der Ausgangspunkt der ersten Divergenz
der Grundwendel des Astes, oder wenn mehrere vorhanden
sind, von einer derselben. Aus diesen Hauptsätzen ergiebt
sich also, dafs es die Geometrie ist, welche uns die Erklärung
für sämmtliche bekannte Systeme der Blattstellung giebt.
Die Herren F. L. Fischer und C. A. Meyer*) haben
*) Bulletin scicutifique de l'^Xcademie des scienc, de St. Peters-
bourg. VI. pag. 199—2^3.
143
,, Einige Bemerkungen über die Bliitlien der Ludolfia glau-
cescens^^ mitgetheilt. Die Aeliren dieser so selten blühenden
Bambusart seien gleichsam verwandelte Blattzvveige mit stark
entwickelten Blattscheiden und unterdrückter Entwickelung der
Blattlamelle. Bisweilen sei der Uebergang deutlich zu sehen.
Die untersten Blümchen der Aehre waren leer und ihre sehr
interessante Struktur wird ausführlich beschrieben. Die ein-
zeln getrennten Carpellarblätter derselben waren völlig mit
Amylimi gefüllt, aber ohne alle Höhlung; erst wenn zwei oder
drei Carpellarblätter mit einander verwachsen, um ein Ova-
rium zu bilden, erst dann erkennt man in der Achse dieses
Organes ganz deutlich eine Höhlung, welche der Höhlung ana-
log ist, die im normalen Grasovarium zur Aufnahme des Em-
bryo's bestimmt ist. Es müsse wohl überhaupt das Ovarium
eines Grassaamcns für eiu Achsengebilde gehalten werden,
welches erst bei der weitem Entwickelung des Fruchtknotens
mehr seitwärts geschoben wird. Will man aber diese Ansicht
nicht theilen, so scheint wenigstens so viel gewifs zu sein,
dafs das einzelne Carpellarblatt eines Grases zur Aufnahme
eines Embryo's nicht geschickt ist, sondern dafs die Embryo-
nalhöhle bei den Gräsern erst durch das Zusammenwachsen
mehrerer Carpellarblätter gebildet wird, und dafs überhaupt
bei den Gräsern kein Fehlschlagen zweier Fruchtknoten, oder
auch nur zweier Fächer des Fruchtknotens angenommen wer-
den könne. Die Herren Fischer und Meyer glauben, dafs
die Lodicularschuppen die Gestalt der Carpellarblätter mehr
oder weniger vollkommen annehmen können, und dafs biswei-
len einige Mittelformen auftreten, welche den Uebergang von
diesen zu jenen bilden.
Herr Thilo Ir misch*) hat die Beschreibung und Ab-
bildung einer merkwürdigen Mifsbildung von der Blüthe von
Hordeum hymalayense trifurcatum h. Monsp. gegeben,
welche, wie mehrjährige Aussaaten schliefsen lassen, fast con-
stant geworden und auch bereits durch Herrn von Schlech-
tendal beschrieben ist.
Herr Weinmann**) beobachtete interessante Mifsbildun-
*) Linnaea von 1839. pag. 124—128.
**) Linnaea von 1839. pag. 382.
144
gen an Nicotiana angusilfoUa. Mehrere Kelche waren iin-
regeltaäfsig eingeschnitten, manche auf einer Seite völlig auf-
geschlitzt; die Blumenkronen waren 3 — 5 Mal bis unten ge-
spalten, so dafs sie genau die Nelkenform hatten. Die Rän-
der derselben waren mannigfaltig gestaltet, auch trichterförmig
in einander gedreht. Herr von Sc blechten dal hat ähnliche
Mifsbildungen auch an ISicoliana Tcibacwn und N. glauca
beobachtet.
Herr von Schlechtendal*) führt die Fälle von einem
bandförmigen Stengel auf, welche ihm vorgekommen sind; er
sah denselben bei Carlina vulgaris, ^pargia autumnalis,
Pinus sylvestris, Samhucus nigra , Cytisus Lahurnum und
bei einer Echeveria aus Mexico.
Herr Walpers**) hat in einer Abhandlung: „Zur Erklä-
rung der unregelmäfsigen Form der Schmetterlingsbliithe", eine
neue Theorie über die Entstehung der auffallend unregelmäs-
sigen Form der Schmetterlingsblüthen mitgetheilt, welche auf
aufmerksame und gut oombinirte Beobachtungen gegründet ist.
Man müsse die Hülsenfrucht der Leguminosen als das Einzel-
carpell einer, ihrer Anlage nach Scarpelligen Frucht betrach-
ten ; die Gattung Affonsea zeigt wirklich 5 Pistille, und diese
stehen in einem Cyclus mit ihrem Placentarrande nach Innen
gerichtet. Aber auch bei dieser Gattung abortiren gewöhnlich
vier Ovarien, und so komme auch hier nur die einzelne excentri-
sche Frucht zur Ausbildung, wie sie bei den übrigen Legumi-
nosen fast immer Regel ist. Auch die opponirende Stellung
der Hülsen in Blüthen mit mehreren Ovarien, wie sie der Ver-
fasser bei Caesalpinia digyna W. fand, scheint dafür zu spre-
chen. Der doppelte Staubfadenkreis, der wenigstens in der
jungen Blüthenknospe zu beobachten ist, erklärt die Alterna-
tive der Blumenblätter und der Pistille, oder wie es gewöhn-
lich der Fall ist, die Stellung des einen Ovariums zwischen
den beiden Carinalblättern. Durch den Druck, welchen das
Ovarium auf einen Theil derBlüthe ausübt, wird dann eigent-
lich die Entstehung der unregelmäfsigen Form derselben er-
klärlich; bei Jonesia Roxh. sei der Druck so bedeutend, dafs
*) Linnaca von 1839. paff. 384.
**) Liimaea voi 1839. pag. 437—448.
145
die Blumenblätter erstlich ganz unterdrückt werden, und dafs
ferner das Ovarium an der untern Nath mit dem Perianthiuni
verwächst. Auch die 1 — 3blättrigen Blumen einiger Cäsalpi-
nieen liefsen sich hierdurch vielleicht erklären.
Ferner werden die verschiedenen Modificationen näher
erörtert, welche das Verwachsen der Staubfäden bei den Pa-
pilionaceen zeigt, und schliefslich der Bau der Cäsalpinieen
und der Mimoseen-Bliithen zur Bestätigung der obigen Ansicht
über die Entstehung der unregelmäfsigen Form der Legumino-
sen-Bliithe umständlich auseinandergesetzt. Eine Tafel mit drei
schematischen Darstellungen des Baues der Schmetterlingsbliithe
ist der Abhandlung beigegeben.
Ueber die tiitenförmigen Bildungen auf den Blättern der
Pflanzen, welche schon im vorigen Jahresberichte (pag. 132.)
durch Molkenboer's Arbeit zur Sprache kamen, haben wir
durch Hrn. C.Mulde r*) eine sehr ausführliche Arbeit erhalten,
worin die Beobachtungen über diesen Gegenstand zusammen-
gestellt sind. Unter den sehr vielen neuen Beobachtungen be-
finden sich die eines Hrn. de Grient Dreux, der diese niedliche
Bildung an dem Mittelblatte von Trifolium repens mit allen
ihren Uebergangsstufen aufgefunden hat, wozu die beigefügten
Abbildungen sehr instructiv sind. Derselbe sah eine ähnliche
Bildung an einem der beiden Endblättchen eines Blattes von
Acacia Lophanta, und andere dergleichen fand Herr Mul-
der an den Blättern von Lonicera coerulea, Symphoricar-
pos racemosa und Staphylaea pinnata, wo sie aus den Mit-
telnerven der Blätter hervorgingen. An Lactuca sativa scheint
Wurffbein zuerst ein gestieltes kelchförmiges Blatt beschrie-
ben und abgebildet zu haben.
Die mannigfachen Bildungen der Art, welche die Kohl-
blätter darbieten, werden umständlich erörtert und die Beob-
achtungen der Herren Dreux, van Hall zu Groningen und
Molkenboer mit einander verglichen und systematisch ge-
ordnet für die verschiedenen Varietäten der Brassica olera-
cea; Herr Dreux hat eine grofse Tafel mit Abbildungen von
dergleichen Miisbildungen der Blätter der Brassica oleracea
*) Kruidkundige Aanteekeningen. — Tijdschrift voor Natuurlijke
Geschied, en Physiolog. 1839. VI. pag. 106—150. Hierbij PI. V en VI.
Wiegm. Archiv, VI. Jahrg. 2. Band. 10
146
geliefert, welche hier speciell erklärt werden. Es würde hier
aber zu weit führen, wollten wir auf die Beschreibung der
beobachteten Fälle näher eingehen.
Schliefslich kommt Herr Mulder zur näheren Betrach-
tung dessen, was man bisher aus den ]5eobachtungen von der-
gleichen Mifsbildungen abgeleitet hat; es werden hierbei zuerst
die Meinungen von Bonnet, Jäger, De CandoUe, Van
Hall, Molkenboer und Bischoff aufgeführt und dann
folgen seine eigenen. Die ol)igen Mifsbildungen sind stets an
Pflanzen zu finden, welche in einem sehr fruchtbaren Boden
wachsen, und sowohl durch diesen wie durch günstige Luft-
beschaffenheit zur Hypertrophie geneigt werden. Diese Hy-
pertrophie kann aber auch örtlich auftreten, und dieses hat
andere Ursachen zum Grunde; vielleicht wäre es durch eine
Prädisposition zu erklären, und diese mufs natürlich bei jeder
Pflanzenart wiegen der Verschiedenheit ihres Baues verschie-
den sein. Jene tütenförmigen Auswüchse gehen hervor durch
eine Verlängerung der Mittelnerven und aus den Seitennerven
in der Fläche des Blattes, und wir sehen dabei alle die Eigen-
thümlichkeiten, welche mit der Blattbildung auftreten; bald sind
jene Erzeugnisse sitzend, bald gestielt; bald ist die Parenchym-
Production, bald die Gefäfs-Production vorherrschend. Kurz
der Verfasser glaubt, dafs wir hierbei mit einem error loci in
der Blattbüdung zu thun haben.
Herr v. Schlechtendal*) beobachtete ein tütenförmiges
Blättchen bei Amoipha fruticosa; nur ein einzelnes Blatt
zeigte diese Mifsbilduug. Alle Seitenblättchen waren verschwun-
den und nur am untern Ende durch Knötchen angedeutet; das
Endblättchen hatte die Form einer unten geschlossenen und
spitz zulaufenden, oben schräg abgestutzten Tüte.
Herr Valentin**) hat sehr ausführliche Beschreibungen
einiger Antholysen \on LysimacJiia Ephemeiiwi gegeben; die
Pflanze blühte im Jahre 1835 im botanischen Garten zu Bern
und zeigte neben Aesten mit durchaus normalen Blumen auch
solche, deren Blüthentheile mehr oder minder vollständig in
Blättern metamorphosirt waren. Nach der Beschreibung der
*) Linnaea von 1839. pag. 383.
**) Nova Acta Acad. C. L. C. Vol. XIX. Pars 1. pag. 223-236.
147
mannigfachen Antholysen, welche jene Blumen zeigten, sagt
Herr Valentin, dafs die Umwandlung der Kelche und Kro-
nenhlätter in gewöhnliche Blätter weiter keiner besonderen Er-
wähnung verdiene, wenn nicht die Deutung dieser so oft wie-
derkehrenden Thatsache eine scharfe Distinction der Begriffe
nothwendig machte. Mau nenne im AlJgemeinen diese Meta-
morphose eine rückgängige und habe auch in Bezug auf Kelch
und Kronenblätter vollkommen Recht; es wäre aber sehr ir-
rig, wenn man glaubte, dafs das Wesen dieser Metamorphose
eine reine Hemmungsbildung, ein Stehenbleiben auf einer frü-
heren Stufe der Entwickelung sei: als wenn sich das überall
im Umfange grüne Kelch- oder Kronenblättchen nur quantita-
tiv vergröfsert hätte. Dem ist aber durchaus nicht so, sagt
Herr Valentin, denn ist einmal durch einen abweichenden
Gang der Bildung die Norm für die Metamorphose gegeben,
so vervollkommnet sich auch intensiv die Ausbildung der ein-
zelnen Organe u. s. w.
Die weiblichen Genitalien hatten bei jenen Antholysen die
wesentlichste Veränderung erlitten; einige Blüthen zeigten in
jeder Beziehung eine vollendete Auflösung, so dafs statt des
Pistills fünf wahre Blättchen existirten, von denen jedes seinen
Mittelnerven hatte; wo nur vier Blättchen vorhanden waren,
hatte das eine zwei Zähnchen an der Spitze und im Innern
zwei Hauptnerveustämme u. s. w. Für die, ebenfalls kaum zu
bezweifelnde Ansicht, dafs die Eychen als Randproductionen
der Pistillarblätter zu betrachten seien, sagt Herr Valentin,
zeigen seine Antholysen zwar nicht unmittelbar, aber in sofern
mittelbar, als bei denjenigen Blüthen, in welchen das Pistill in
fünf getrennte lanzettförmige Blättchen aufgelöst war und in-
nerhalb dieser letzteren nur noch ein Blüthenkreis existirte,
diese mit den ersteren genau abwechselten, und um so mehr
den. benachbarten Rändern zweier neben einander stehenden
Pistillarblättchen gegenüber standen, je kleiner sie waren. Folgte
noch ein innerer Kreis, so th eilten sich zwei benachbarte Blätt-
chen gleichsam in die beiden Ränder der Pistillarblättchen.
Auch das Eychen zeigte sich in einem Falle als ein voll-
kommen blattartiges Gebilde mit einem deutlichen Exostomium,
mit Primine, Secundine und Nucleus, und es bedürfe keines
10*
148
ferneren Beweises mehr, dafs die Hüllen des Eychens Blät-
ter seien.
Herr Schouw*) hat zwei morphologische Abhandlungen:
Die Verwandlung der Pf lanzen theile und Die Cac-
tus-Pflanzen, publicirt; in der ersteren zeigt er, wie we-
nigstens die Haupttheiie der Pflanzen durch Mittelglieder in
einander übergehen, sich umgestalten und verwandeln, so dafs
ein Theil, welcher bei der mehr oberflächlichen Betrachtung
ein selbstständiger Haupttheil der Pflanzen zu sein schiene, von
einem höheren Standpunkt betrachtet, sich nur als eine Um-
bildung und Verwandlung eines anderen zeigt, welcher sehr
davon verschieden schien. Kurz es wird in dieser Abhandlung
die Metamorphosen -Lehre auf eine leicht verständliche Weise
vorgetragen und mit Abbildungen instructiver Fälle erklärt.
In der Abhandlung über die Cactus- Pflanzen wird die Meta-
morphosen-Lehre praktisch angewendet und dadurch der weite
Kreis von Veränderungen erklärt, welche die Grundform der
Cactus -Pflanzen aufzuweisen hat. Auf einer beiliegenden Ta-
fel sind alle Hauptformen der Cacteen dargestellt und gewifs
zeigt keine andere Familie solche Formverschiedenheiten.
Schon im vorigen Jahresberichte habe ich der Schrift des
Herrn Morren über die Schläuche von ISepenthes u. s. w.
Erwähnung gethan; Herr Morren hat später noch neue Be-
obachtungen über diesen Gegenstand in einer besonderen Ab-
handlung**) bekannt gemacht, welche dem Referenten erst im
vergangenen Jahre zukamen. Herr Morren sah nämlich auf
seiner Reise in England bei Herrn Hincks (dem Verfasser
einer Monographie der Oenotheren) einige mützenförmige
Schläuche, die sich aus den Blättern der gewöhnlichen Tulpe
und aus den Blättern von Polygonatinn midtifloriim gebildet
hatten, welche für die Morphologie von hohem Interesse wa-
ren, und giebt defshalb die Beschreibung derselben. Nach
Herrn Morren's Ansicht sind solche Schläuche als Variatio-
nen der Lamina des Blattes zu betrachten; ganz ähnlich wie
bei der Bildung der Carpelle krümmen sich die Blätter nach
*) Naturschilderungen, Eine Reihe allgennein fafslicher Vorlesun-
gen. Mit z^^ei Steindrurktafeln. Aus dem Dänischen. Kiel 1840 (39)
■'*) Nouvellcs remarques sur ]a Morphologie des Ascidies —
Bullet, de l'Acad. Royale de Bruxelles. V. No. 9 1838.
149
oben zusammen und verwachsen in ihren Rändern. Die Mils-
bildung, welche Herr Morren bei der Tulipa gesneriana
sah, war besonders merkwürdig ; das scheidenförmige Blatt war
seiner ganzen Länge nach an den Rändern zusammengewach-
sen, so dafs die Höhle ihres Schlauches ohne Communication
mit der äufseren Luft war, und zugleich wurde eine Blüthe
mit ihrem Schafte eingeschlossen. Der Schlauch öffnete sich
später, aber nicht etwa in der Linie der verwachsenen Rän-
der, sondern so, wie sich die Calyptra von der Mooskapsel
trennt, und nun wurde der Deckel durch die Blume empor-
gehoben. Bei Polygonatum multiflorum beobachtete Herr
Morren am unteren Theile des Schafts drei Schlauchbildun-
gen, und zwar die eine in der andern, und im Centrum der-
selben ging der Schaft durch, der sonst wie gewöhnlich seine
Blätter und Bliithen trug, aber die Schlauchbildung an dem
Polygonatum des Herrn Hincks war ganz besonders beach-
tenswerth, denn der Schlauch war aus zwei Blättern zusammenge-
setzt und diese waren hier vollkommen entgegengesetzt gestellt.
Herr Morren giebt hierauf eine Classification der Ascidien-
Bildung in morphologischer Hinsicht; die Ascidien sind hier-
nach einblättrig oder mehrblättrig, die erstem sind ent-
weder wie bei Sarracenia, oder wie bei Nepenthes, der oben
beschriebenen Tulpe u. s. w. Die mehrblättrigen Ascidien sind
bis jetzt zwar nur als zweiblättrig beobachtet, sie könnten aber
wahrscheinlich ebensowohl 3-, 4- und Sblättrig vorkommen.
Herr Jäger*) hat bei der Dattelpalme einen Blattzweig
innerhalb einer Spatha beobachtet, der aus einem verwandelten
Bliithenkolben hervorgegangen war. Bei Convallaria polygo-
natum beobachtete derselbe ebenfalls das Vorkommen von
Bliithen in einer Scheide, die durch zwei Blätter gebildet war.
In Oberschwaben sollen zuweilen die Bliithenrispen des Ha-
fers auf ganzen Feldern innerhalb der Blätter eingesperrt sein
(Stockhafer genannt); das Durchtreiben von Schafheerden, welche
die Blattspitzen abfressen, bewähre sich gegen diese eigene
Mifsbildung.
Herr Casinese **) hat eine Abhandlung über die Wur-
*) Flora oder allg. botanische Zeitung von 1839. I. pag. 292.
**) Sopra alcuni fatti di anatomia el fisiologia vegetale. Memo=
ria III. Catania 1838. pag. 26—41.
150
zel der Oxalis cernua und über die Fjildung der Zwiebeln im
Allgemeinen gescbrieben, welche jedoch nichts Neues für un-
sere Wissenschaft enthält.
Herr A. Braun*) hat bei der Versammlung der Natur-
forscher zu Freiburg Mittheilungen über die gesetzlichen Dre-
hungen im Pflanzenreiche gemacht, besonders über diejenigen,
welche an Blütheu und Früchten vorkommen, wodurch häufig
nicht nur Species, sondern selbst Gattungen und Familien
scharf begrenzt werden. Bei den Blumenblättern, wo diese
Drehung vor der Entfaltung unter dem Namen der Aestiva-
tio contorta bekannt ist, da ist sie entweder selbstständig
und alsdann beständig, oder die Drehung ist von der Blatt-
stellung abhängig und dann wechselnd. Bei der ersten Art
sehen wir constante Rechtsdrehung wie bei den Gentianeen
und Asclepiadeen, und constante Linksdrehung und Rechts-
drehung bei verschiedenen Gattungen der Apocyneen. Die
wechselnde Aest contorta ist charakteristisch für die Fami-
lien der Lineen, Oxalideen, Geraniaceen (zum Theil), Malva-
ceen u. s. w. Selten sind beide Arten der Drehung in einer
Familie, wi^h^i Uianthus, Saponaria u. s.w. constante Rechts-
drehung, während Lychnis und Silene dagegen die wechselnde
aufzuweisen haben. Dieselben Fälle seien bei den Drehungen der
Kelchblätter, Staubblätter und Fruchtblätter zu unterscheiden.
Herr Braun**) sprach ferner an demselben Orte über
die Wichtigkeit der genaueren Untersuchung der Stellung der
Fruchtblätter, indem dieses selbst zur speciellen Charakterisi-
rung der Gattungen und Familien anzuwenden sei. Herr
Schimper habe die Entdeckung gemacht und von Herrn
Braun sei sie bewährt gefunden, dafs die Pflanzen, wie fast
immer einen doppelten Staubfadenkreis, so auch gewöhnlich
zwei Kreise von Fruchtblättern bilden, von welchen bald der
eine, bald der andere, in seltneren Fällen aber auch beide zur
Ausbildung kommen. Beobachtungen au Gentianeen, Saxifra-
geen, Melastomaceen, Geranioideen und an Caryophylleen wer-
den speciell aufgeführt, um obige Angaben zu erweisen. Es
ist dieses ofi'enbar eine sehr zu beachtende Erscheinung und
'*') Flora oder allg. botanische Zeitung von Iboi). pag. 311.
**) Ebendaselbst pag. :3U.
151
schon von Herrn De Ca nd olle jun. bei den Campamilaceen
nachgewiesen, dafs bei gleicher Zahl der Fruchtblätter die Stel-
lung derselben bei verschiedenen Gattungen verschieden ist.
Herr Naudin*) beobachtete ein Pflänzchen von Dro-
sera intermedia, welches auf einem seiner Blätter zwei an-
dere kleine Drosera -J^üänzdien zeigte; er will die näheren
Erscheinungen, unter welchen dieses stattfand, specieller be-
schreiben. Unter dem einen der beiden kleinen Pflänzchen
zeigte das Blatt eine schwarze Farbe und war verletzt.
In Folge dieser Beobachtungen machte Herr Turpin**)
der Akademie zu Paris die Mittheilung, dafs die Blättchen von
Sisyinbrium nasturtiinn an ihrer Basis und oberhalb ihrer be-
sonderen Stiele zwei oder drei ungefärbte Wiirzelchen entwik-
keln und nachher auch in der Mitte der Wiirzelchen eine
kleine grüne und konische Knospe zeigen, aus welcher sich
die junge Pflanze bildet. Herr Dr. Picard-Jourdain von
Abbeville machte diese Beobachtung an den Sisymhrium-
Blättchen, deren gemeinschaftliche Stiele u. s. w. durch die
Larve eines Insektes abgefressen und in kleine Stücke zer-
schnitten waren.
Bald darauf las Herr Turpin***) in der Pariser Aka-
demie eine Abhandlung über die Erzeugung neuer Stengel aus
den Blättern, worin er eine Reihe von Beispielen der Art auf-
führte, die aber sämmtlich schon bekannt sind. Der grofsen
Menge von solchen Fällen wegen, werden sie in drei Klassen
gebracht, welche nach der besonderen Art der Entwickclung
der Knospen aufgestellt sind.
1) Embryonen (Hr. T. deutet bekanntlich die Knospen
als fixe Embryonen! Ref.), welche ganz natürlich und regel-
mäfsig auf den noch an der Mutterpflanze befestigten Blättern
vorkommen, ohne dafs vorher eine besondere Reizung stattge-
funden hat. Bryophyllum calycinwn wird zuerst angeführt
und hiermit die Blüchen-Entwickelung bei FhyllanthuSj ofi'en-
*) Note de M. A. de Saint -Ililairc siir ime echantilloii de Dro-
sera intermedia recueilli en Sologne par M. Naudin. — Compt. rend.
de 7. Oct. pag. 437.
**) Ebendaselbst pag. 438.
***) Note relative älaproduction de tiges nouvelles par leb feuil-
les. — Compt. rend. de 21. Oct pag. 491.
152
bar sehr irrig, zusammengestellt. Dann wird der Dulongia
acuminata K. gedacht und die Knospenbildung bei Carda-
mine, Drosera und auf den Wedeln der Farrn angeführt.
2) Embryonen durch Entvvickelung der Globuline im In-
nern der Zellen, welche ebenfalls im Stande sind die Species
fortzupflanzen. Hier werden die bekannten Beispiele von Knos-
penbildung an den Blättern von Eucomis regia, Fritillaria
imperialis, Ornithogalwn thyrsoides und Malaxis paludosa
angeführt, doch es ist bei uns schon zu bekannt, dafs die
Hypothesen des Herrn Turpin über die Zellensaftkiigelchen,
welche er Globuline nennt, ganz grundlos sind, und dafs es
daher hier nicht weiter nöthig ist, über diesen Gegenstand zu
sprechen.
3) Embryonen, welche am Rande vernarbter Wunden
wulstartig entstehen, entweder an der Basis des Blattstiels
eines von der Mutterpflanze abgelösten Blattes, oder eines
Theiles des Blattes, welche man wie Schnittlinge behandelt
hat. Es ist bekannt, dafs man schon bei sehr vielen Päanzen
die Bildung von Knospen an den Blättern beobachtet hat ; aus-
führlicher handelt hierüber Referent (Pflanzen-Physiologie etc.
Berlml839. HI. pag. 49.); auch die Bildung der Brutzwiebeln
an den Zwiebelschuppen der Hyacinthe, wovon Plerr Turpin
spricht, ist daselbst näher mitgetheilt; diese Zwiebelchen hän-
gen nämlich immer mit den Holzbündeln zusammen.
Schliefslich stellt Herr Turpin den, sonst sehr beach-
tenswerthen Satz auf, dafs jedes appendiculaire Pflanzenorgan
das Vorhandensein eines Stengels voraussetzt, denn es ist
nichts weiter als eine seitliche Ausbreitung desselben, eine Mei-
nung, welche aber ebenfalls auch schon früher geäufsert ist.
Einen interessanten Fall über die Entstehung einer Varie-
tät des Weinstocks erzählt uns Herr Weinmann*) in Paw-
lowsk. Es war ein Weinstock aus Saamen gezogen, der jähr-
lich 3 — 4 Zoll lange Trauben trug, die dicht mit kleinen, gelb-
licli-grünen Beeren besetzt waren; im Frühlinge 1837 wurde
dieser Stock mit einem Aufgusse von Kuhkoth, Hornspähnen,
halbgekochtem Roggen und ein wenig Alaun begossen; er trieb
hierauf sehr kräftig und brachte gröfsere und tief dunkelblau
^) Linnaea von 1839. papr. 395.
153
gefärbte Beeren; die aber ihren früheren angenehmen Geschmack
verloren hatten.
Mittheilungen über Pflanzen-Krankheiten.
Herr Morren*) macht auf das Vorkommen einer Krank-
heit an den Blättern von Hedychium flavum aufmerksam,
welche in einem Absterben des Diachyms besteht. Mitten un-
ter den gesunden Blättern, welche an der Spitze der Pflanze
sitzen, zeigt sich das jüngste, noch eingeschlossene Blatt bräun-
lich gefärbt, feucht, wächst nicht mehr und stirbt ab. Die
Krankheit entsteht aus einer innern Ursache, indem Hr. Mor-
ren sich überzeugte, dafs die Epidermis noch ganz unverletzt
war, als sich das zwischenliegende Zellengewebe schon ganz
krank zeigte. Die Stärke, welche sonst in solchen Zellen auf-
tritt, ist in den erkrankten in einen Schleim umgewandelt und
man findet auch keine Krystalle darin.
Herr Fee**) hat bei der Versammlung der Naturforscher
zu Freiburg die Ergebnisse seiner Untersuchungen über den Bau
und die Entwickelung des Mutterkorns vorgetragen. Das Mut-
terkorn sei eine krankhafte Ausartung, enthalte keine Thecae,
noch Sporen, sondern mifsbildete Stärkemehlkörner, und sein
Aeufseres werde vom Pericarpium der Karyopse gebildet, des-
sen Zellgewebe sphacelös geworden. Referent darf wohl kaum
hinzusetzen, dafs diese Ergebnisse mit denen der übrigen Be-
obachter nicht übereinstimmen.
Herr Th. R. Spiering***) hat in seiner Inaugural-Dis-
sertation die Beobachtungen und Ansichten des Herrn F. Kör-
ber über die Entstehung des sogenannten Mutterkornes be-
kannt gemacht. Hiernach soll das Mutterkorn eine Pseudo-
organisation des Gerhiens enthalten, ähnlich den Polypen, den
Balggeschwülsten in dem thierischen Organismus. Es scheine
zwar das Mutterkorn ein neues Erzeugnifs des verletzten oder
verderbten Germens, doch so, dafs es weder ein Pilz ist, noch
aus kleineren Pilzen zusammengesetzt wird, noch für den Auf-
enthalt von Insekten angesehen werden kann; ja aus denVer-
*) Obs. s. Tanat. d. Hedychium. — Bullet, de TAcad. de Bruxel-
les. T. 6. No. 2.
**) Flora oder allg. botanische Zeitung von 1839- pag. 293.
***) De Seeali cornuto. Diss. inaug. Berolini 1839. pag. 21.
1&4
änderuiigen, welche dieser BiJdung vorangehen, scheine es,
dafs man dieselbe niclit ohne Grund mit den fungösen Aus-
wüchsen der Geschwüre zusammenstellen könne. Die Krank-
heit ensteht nach der Ansicht des Herrn Körber um
die Zeit, wenn der Saame schon etwas weiter, als bis zur
Hälfte der Ausbildung gekommen ist luid sclion Amylum ent-
hält; um diese Zeit werde er durch die Witterung, wenn Feuch-
tigkeit mit Sommerhitze wechselt, so afficirt, dafs das Amylum
in Gummi und Zucker verändert und tropfenweis ausgeschwitzt
wird. Durch diese Veränderung wird aber die Substanz des
Saamens ausgedehnt, die Saamenhiillen reifsen und Fäulnifs
tritt hinzu u. s. w. Es werden die Beobachtungen des Herrn
Körb er ausführlich mitgetheilt; derselbe habe gesehen (was
auch schon von andern Beobachtern publicirt ist), dafs die
Krankheit mit der Exsudation eines Tröpfchens Zuckersaft be-
ginnt, und dafs durch diese sowohl die Erweichung der vege-
tabilischen Stoffe als auch die Degeneration hervorgerufen zu
werden scheine.
Herr J. Queckett*) hatte Gelegenheit, die Bildung des
Mutterkorns in mehreren Gräsern, besonders bei Elymus sa-
hulosus zu beobachten, und theilte seine Wahrnehmungen der
Linnaean Society mit. Das junge Korn zeigte in den Fällen,
wo sich später das Mutterkorn bildete, schon vor der Ent-
faltung der Blüthe ein schimmliges Ansehen, indem unzäh-
lige kleine Fäden und winzige Körperchen dasselbe mit einem
Ueberzuge vollständig umkleideten. Nachdem sich dieser Zu-
stand entwickelt hat, geht auch die Bildung des eigentlicheji
Mutterkorns rasch vor sich und Herr Queckett überzeugte
sich, dafs dasselbe nicht ein selbstständiger Pilz sein kann,
sondern als ein erkranktes Korn anzusehen ist. Der Verfas-
ser hat ferner den kleinen Pilz, welcher die Erkrankung des
Korns veranlafste und sich auch später an dein Mutterkorne
zeigte, mehrfach beobachtet und will das Keimen desselben
gesehen haben, ja sogar das Wachsen desselben auf andern
Pflanzentheil en; daher er glaubt, dafs diese Fäden und Spoii
*) Obsorvaiions on the Anatoiiiital aiitl Physioloj^iral Natuio «»i
Ergot in certaiu Grasscs. — Aiuials of natural histor. ctc Main ii
tb3i). paff. 51.
155
dien nicht zu dem Mutterkorne gehören. Diesen aus Fäden
und Sporidien bestehenden Pilz hält Herr Queck ett noch für
ganz neu und giebt ihm den Namen; Ergotaefea, und der auf
dem Mutterkorn des Roggens wachsende Pilz soll Erg. ahor-
tans heifsen.
In dem vorigen Jahresberichte (pag. 118.) wird man den
Namen finden, welcher jenen angeblich neuen Pilzen von Le-
veille und Nees v. Esenbeck gegeben ist, und man wird
daselbst finden, dafs Referent in dem Mutterkorn eine Desor-
ganisation, veranlafst durch Entophyten, erkannt hat, welche
sich als jene feinen Fäden mit ihren Sporen darstellen, die
Herr Queckett keimen und sich vermehren gesehen hat. Es
wäre aber dennoch möglich, dafs dieser kleine Pilz bei man-
chen Gräsern verschieden ist von demjenigen des Roggens,
denn Hr. Q. spricht von grünen Körnchen, welche in den Spo-
ren enthalten sind, welche aber Referent an Sphacelia sege-
tum nicht gesehen hat.
Herr Sperling*), Regierungsrath zu Magdeburg, hat eine
Mittheilung „üeber das Befallen der Feldfrüchte" gemacht,
welche sehr praktische Beobachtungen enthält, auf welche Re-
ferent hierselbst aufmerksam machen möchte. Es ist zu be-
dauern, dafs wir eigentlich nicht erfahren, welcher krank-
hafte Zustand von Herrn Sperling mit dem Namen des Be-
fallens belegt ist; derselbe sagt nur, dafs die Krankheit in
einem Stillstand der Vegetation der Pflanze besteht, der Saft
stocke und die Pflanze vertrockne, ohne sich vollständig aus-
zubilden. Das Stroh verliert die Festigkeit und erliält schwarze
Flecke, während die Saat fast ohne Mehl ist, ja die Aehre
bleibt ganz leer, wenn das Befallen gleich nach der Blüthezeit
eintritt, es thut aber den wenigsten Schaden, wenn es kurz
vor der Reife eintritt. Die Krankheit sei eine Folge der plötz-
lichen Abkühlung, bei hitziger Vegetation, komme am häufig-
sten in Gegenden vor, wo der Boden aus einer lockeren und
nicht tiefen Ackerkrume mit kaltem Untergrunde besteht, sel-
tener dagegen in magerem Boden, und hier werde sie dann
durch zu schnellen Wechsel der Witterung oder durch zu üp-
pigen Kulturzustand herbeigeführt. Gerade bei solchen Pflan-
*) 8 Magdeburger Zeituiip von 1839. 197s St.
156
zen, die durch zu starke Düngung überreizt sind, da schade
die Abwechselung der Temperatur am meisten. Nach Horde-
schiag, der am raschesten wirkenden Düngung, befallen die
Pflanzen am leichtesten, während Weizen nach Sommersaat,
einer zehrenden Vorfrucht, noch nie befallen ist, und Herr
Sperling macht die vortreffliche Bemerkung, dafs das Befal-
len gegenwärtig häufiger ist als sonst, weil der Düngungszu-
stand fast überall sehr vorgeschritten ist. Als Mittel gegen
das Befallen wird möglichst frühe Bestellung und nicht zu
starke Düngung anempfohlen.
Die Anwendung des Vitriols gegen den Weizenbrand ist
zwar schon ein sehr altes Mittel, aber neuerlichst sind wieder
sehr schlagende Beobachtungen für die erfolgreiche Wirksam-
keit desselben bekannt gemacht*); es wurden gleiche Massen
Saatweizen mit Salz und Kalk und auch mit Vitriol präparirt,
und in den nächsten beiden Jahren war der Brand bei dem
mit Vitriol präparirten Weizen gänzlich verschwunden.
Die Königl. Hofgärtner Herr Th. Nietner**) und Herr
G. A. Fintelmann***) haben Mittheilungen über die Krank-
heit gemacht, welche in den letzteren Jahren so verheerend auf
den Weinstock gewirkt hat. Hr. N i e t n e r gab die erste Beschrei-
bung dieser Krankheit, welche sich erst seit vier Jahren in
den Königl. Gärten bei Potsdam eingestellt und sich in den
letztern Jahren auch in vielen andern Gärten in und um Ber-
lin gezeigt hat. Die Krankheit zeige sich vom Mai bis Aus-
gang Juni, wenn die Triebe 1, 2, 3 oder mehrere Gelenke ge-
macht haben; es schrumpfen die Blattränder zusammen, wer-
den braun und blasig, die schwächeren Triebe schrumpfen
ebenfalls an den Spitzen ein und die Rinde bekommt läng-
liche, tief liegende braune Flecke; in dieser Art pflanzt sich
die Krankheit durch den gröfsten Theil des Saamens fort, ist
*) S. Mussehrs Praktisches Wochenblatt etc. Neubrandenburg
1839. pag. 729.
'^*) Bemerkungen über eine Krankheit am Weinstocke; Unter-
suchungen über ihre Ursachen und Frage, wie derselben am sicher-
sten entgegen 7ai wirken sei. — Allgemeine Gartenzeitung von Otto
und Dietrich. 1839. No. 30.
"**) Beiträge zur näheren Kenntnifs der Sclnvindpockeu-Krankheit
des Weinstocks. — Ebendaselbst No. 35.
157
jedoch bei vielen Individuen nur bis zum Juli im Steigen. Die
Pflanze leidet dabei recht sehr und treibt im folgenden Jahre
häufig Wasserholz. Hr. Nietner hält die Krankheit für spo-
radisch und epidemisch und glaubt, dafs die Ursache davon in
einer den Pflanzen fehlerhaften (nicht zusagenden) Luft- Con-
stitution zu suchen sei, namentlich in kalten, trockenen Ost-
und Zugwinden, und dann wäre Schutz das sicherste Mittel
gegen diese Krankheit. Die Krankheit pflanzt sich fort von
den Mutterstöcken auf die Ableger. Hr. Fintelmann macht
in seiner ausführlicheren Arbeit darauf aufmerksam, dafs es
wichtig sei, zu erfahren, ob diese Krankheit des Weinstockes
schon früher bekannt gewesen sei, oder ob man sie erst in
den letztern Jahren bemerkt habe, seitdem sie so verheerend
wirkt. Herr Fintelmann nennt diese Krankheit : Schwind-
pocke, und giebt eine sehr genaue Beschreibung der äufse-
ren Erscheinungen, unter welchen sich dieselbe darstellt. Die
Schwindpocke zeigt sich als eine, ursprünglich runde oder el-
liptische trockene Wunde, die Herr Fintelmann Narbe nen-
nen möchte; sie hat einen erhöhten angeschwollenen dunkler
gefärbten Rand, die innere Fläche ist ganz abgestorben und
liegt oft so tief, dafs man nicht selten in der Mitte derselben
die Bastgefäfse freiliegend und weifs gebleicht sieht. Die
Flecke auf den Blättern, welche diese Krankheit stets beglei-
ten, haben keinen erhabenen Rand, sind auf der Ober- und
Unterfläche des Blattes wenig vertieft und zwar durch das Ab-
sterben des Diachyms. Die Flecke sollen mit ihrem Mittel-
punkte stets auf einer Vene liegen, während die Narben auf
der Rinde der Stengel zwischen den langen Bastbündeln mehr
oder weniger genau gruppenweis gestellt sind. Zur Unterschei-
dung von den Schwindpocken-Narben nennt Hr. Fintelmann
jun. Flecke auf den Blättern: Brandflecke, da es ihm auch
scheint, dafs die Entstehung derselben verschieden ist; auch
er hat beobachtet, dafs sich diese Krankheit selten noch nach
Ende Juli weiter entwickelt. Die Entstehung der Narben auf
der Rinde der jungen Holztriebe wird in Folgendem geschil-
dert: Es bilden sich Warzen, die sich vergröfsern und einen
dunkler gefärbten, trüben Inhalt zeigen, in .welchem Zustande
sie sich zerquetschen lassen. Bei zu weit gehender Ausdeh-
nung des kranken Gebildes reifst die Epidermis der Anschwel-
158
lung in der Mitte und nun tritt die Hemmung in der ferne-
ren Entwickelung ein, Epidermis und darunter liegendes Zel-
lengewebe wird durch Brand zerstört und die schleimige Flüs-
sigkeit dieser Pocke soll schnell verschwinden. Herr Fin-
telmann vergleicht die Kranklieit mit einem Ausschlage, der
nicht jedes Individuum zu einer gleichen Unbehaglichkeit bringt,
und in so fern wird eine fehlerhafte Mischung der Säfte als
nächste Ursache angegeben, und diese könne kaum durch etwas
anderes als durch trockene Witterung entstehen, und zwar
durch eine mehrjährige Periode von Dürre.
Referent hat diese eigenthiimliche Krankheit des Wein-
stockes im verflossenen Jahre gleichfalls vielfach beobachtet,
hat die braunen Flecke vielfach mikroskopisch untersucht und
selbst Heilungsversuche angestellt, er ist jedoch in seinen Re-
sultaten noch nicht so weit gekommen, um die Untersuchun-
gen zu publiciren.
Ueber Irritabilität und Sensibilität der Pflanzen.
Herr J. B. Wetter*) hat in einer kleinen, aber sehr
durchdachten Schrift mit vieler Vorliebe des geistigen Lebens
der Pflanzen gedacht; er schreibt der Pflanzenwelt nicht nur
Irritabilität und Sensibilität, sondern auch den Instinkt zu und
bekräftigt seine Ansichten mit vortrefi"Iichen Beweisen. In
einer grofsen Anzahl von Pflanzen werden jene Aeufserungen
des Pflanzenlebens nicht mehr dem körperlichen Auge zugäng-
lich, wohl aber können sie mit dem Auge der Vernunft er-
kannt werden. Herr Wetter zeigt sehr gut, wie es nicht
absolut nöthig ist, dafs, wo Leben ist, auch überall und zu
jeder Zeit Lebensäufserungen deutlich in der Erscheinung her-
vortreten, so ist es auch durchaus nicht unbedingt nöthig, dafs
die belebten organischen Körper überhaupt, und die Pflanzen
insbesondere, sämmtlich und immer jene Vermögen, welche
sie als solche in sich tragen, auch in der Erscheinung deut-
lich offenbaren. Jene Lebensäufserungen treten actu nur in einer
Reihe von Pflanzen dämmernd auf, in einer andern dagegen
ganz entschieden, meistens aber doch so latent, d^^fs sie der
*) Abhandlungen und Untersuchungen aus dem Gebiete der Natur-
W'issonsciiaft, insbesondere der Biologie. Giefsen 1839. pag. 97 etc.
159
sinnlichen Beobachtung entgehen. Indessen das Mehr oder
Weniger in Rücksicht der Verbreitung, so wie der Intensität
und Mannigfaltigkeit in dieser Beziehung kann gar nichts ent-
scheiden, und weil wir daraus, dafs wir nur an einzelnen
nicht an mehreren Theilen eines organischen Wesens Erschei-
nungen der Sensibilität und Irritabilität gewahren, keineswegs
logisch zu schliefsen berechtigt sind, dafs dieses Wesen somit
der Sensibilität und Irritabilität gänzlich ermangle, ja nicht
einmal, dafs allen seinen übrigen Theilen diese Vermögen un-
bedingt abgehen, wie es sich denn ja auch ähnlich in dieser
Hinsicht bei manchen Thieren verhält.
Unter den einzelnen Thatsachen, welche Herr Wetter
zur Beweisführung des Daseins der Irritabilität, Sensibilität
und eines Instinktes der Pflanzen aufführt, möchten wohl meh-
rere nach dem heutigen Standpunkte der Beobachtung theils
gänzlich zu beseitigen sein, theils könnte man sie auf eine
andere Weise deuten, dagegen hat man in den letzteren Jah-
ren schon eine grofse Menge anderer Beobachtungen aufge-
führt, welche ebensowohl im Stande sind, jene Aeufserungen
des Pflanzenlebens zu erweisen.
Herr v. Martins lehrte vor einigen Jahren von Neuem
die Nothwendigkeit der Annahme einer Pflanzenseele, und Re-
ferent nannte es das psychische Princip, welclies der Pflanze
einwohnt und jene Aeufserungen von Instinkt und von Sensi-
bilität ausführt. Herr Wetter sucht dagegen zu zeigen, dafs
es einer Seele zur zweckmäfsigen Durchführung der im In-
stinkte sich darstellenden Idee des Lebens der Natur nicht be-
darf, ja es liefsen sich Thatsachen aufführen, welche da zei-
gen, wie fremd jegliche Spur von Urtheilskraft und wie ganz
entbehrlich die Gegenwart einer Seele instinktiven Verrichtun-
gen sei, womit Referent nicht einverstanden ist, ebensowenig
als mit der Annahme des Herrn Verfassers, dafs es Wahrneh-
mungen ohne Bewufstseiu gebe. Das Empfindinigsvermögen
wird für die höhere, das bewufstlose Wahrnehmungsvermögen
dagegen, wie es auch die Pflanzen offenbaren, für die niedere
Stufe der Sensibilität erklärt, und hiermit giebt Herr Wet-
ter selbst zu, dafs Beides Aeufserungen einer und derselben
Thätigkeit sind und sich nur dem Grade nach verschieden dar-
stellen, was aber unwesentlich ist.
160
Herr Morren*) hat eine sehr ausführliche Abhandlung
über die Bewegung des Stylus bei der Goldfussia anisophylla
bekannt gemacht, die mit zwei Quarttafeln Abbildungen über
den Bau der Bliithe jener Pflanze begleitet ist. Wenn sich
die Blüthe der Goldfussia anisophylla öffnet, so zeigt sich
das Ende des Stylus über die Staubfäden hinaus gekrümmt,
so dafs die Narbe nach dem Himmel gerichtet und der Rük-
ken nach den Staubfäden gekehrt ist. Wenn nun aber irgend
etwas den Stylus berülirt oder wenn man die Pflanze erschüt-
tert, so richtet sich das gekrümmte Ende des Stylus ganz ge-
rade empor, bald so gerade wie ein Pfeil, bald etwas gekrümmt
wie ein Flammberger; zuweilen zeigt der Stylus eine seitliche
Bewegung, nach Rechts oder nach Links, nach Vorn oder nach
Hinten. Ja der gereizte Stylus krümmt sich sogar in einem
Bogen nach der entgegengesetzten Seite, so dafs dann das
Stygma mit seiner Papille unmittelbar auf der Corolla liegt.
Diese Beweglichkeit des Stylus beginnt nicht früher als beim
Oeffnen der Antheren und dauert so lange, bis die Corolla
verblüht ist. Der Zweck dieser Bewegung ist offenbar die
Ausführung der Bestäubung; die Staubfäden mit ihren Anthe-
ren sind kürzer als der Stylus, und da die Blüthe noch mehr
als horizontal liegt, so fällt der Pollen aus den aufgesprunge-
nen Antheren auf die Haare, welche die innere Fläche der
Corolla bekleiden, und bei der Rückbiegung des Stylus kommt
das Stigma unmittelbar mit den Haaren der Corolla in Berüh-
rung und empfängt auf diese Weise den Pollen. Herr Mor-
ren sucht nun in dem Zellengewebe, welches die Bekleidung
der Narbe bildet, die Organe der Bewegung des Stylus nach-
zuweisen; es sind nämlich nicht nur Papillen, welche die
Narbe darstellen, sondern diese die Papillen bildenden Zellen
werden nach dem untern Theile der beweglichen Stylusspitze
immer länger und sind von cylindrischer Form, zuweilen selbst
25mal so lang als breit. Diese Zellen sind mit einem wasserhel-
len Safte gefüllt, in welchem eine zahllose Menge kleiner Kü- ,
gelchen enthalten ist. Diese Kügelchen werden durch Jodine
*) Recherches sur le mouvement et Panatomie du style du Gold-
fussia anisophylla. — Extr. d. tome XII. des Mem. de l'Acad. royale
des scienc. et belles-lettres de Bruxelles. Bruxelles 1839.
161
nicht blau gefärbt und sind also nicht aus Amylum bestehend,
welches Herr Morren bekanntlich bei seinen Untersuchungen
über die Bewegung des Stylus der Stylidien als das bewe-
gende Organ ansah. Schon im vorigen Jahresberichte machte
Referent auf die Unwahrscheinlichkeit dieser Ansicht aufmerk-
sam, und bei diesen Untersuchungen zeigt es sich ebenfalls ganz
klar, dafs die Ursache der Bewegung in etwas anderem zu
suchen sei, da hier keine Spur von Amylum vorkommt. Herr
Morren glaubt nun, dafs der Zellensaft jener Zellen der Narbe
mit seinen Kügelchen ganz aufserordentlich beweglich ist, und
überdiefs, dafs er reizbar (excitable) sei. Im normalen Zu-
stande des Pistills soll diese Flüssigkeit mit ihren Kügelchen
in den Papillen der Zellen der Narbe angehäuft sein, wodurch
diese turgesciren und den eingekrümmten Stylus verursachen.
Aber die Berührung des Stylus mit irgend einem Körper
mache ein Zurückfliefsen der Kügelchen nach dem andern
Ende der cylindrischen Zellen, welches durch die Ausdehn-
barkeit der Wände an Volumen zunimmt, während das obere
Ende sich verkleinert, und so gehe dadurch die Aufrollung
und Umrollung des Stylus vor sich. Der ganze Mechanismus
bei dieser Bewegung, meint Herr Morren, sei vollständig be-
kannt und zu erklären, es bleibe nur noch die Erklärung der
Reizbarkeit der Kügelchen im Innern der Narbenzellen übrig,
und diese sei eine Erscheinung, die nicht zu erklären ist. Herr
Morren hat auch eine Reihe von Versuchen über die Bewe-
gung des Stylus der Goldfussia anisopJiylla unter veränderten
äufseren Verhältnissen angestellt; er beobachtete die Bewegung
bei verschiedenen Graden von Wärme, bei der Einwirkung
heifser Wasserdämpfe u. s. w,, doch fehlt es hier an Raum,
um diese Beobachtungen näher angeben zu können.
Zu dieser, ihrem wesentlichsten Inhalte nach mitgetheil-
ten Abhandlung hat Herr Morren*) noch eine kleine Note
eingereicht, welche den Inhalt der gröfseren Abhandlung ganz
in Kurzem anzeigt.
In einer andern Abhandlung hat uns Herr Morren**)
*) Bullet, de l'Acad. royale de Bruxelles. T. VI. No. 2.
'''') Notes sur Texcitabilite et le mouvement des feuilles chez les
Oxalis. — Bullet, de l'Acad. royale de Bruxelles. VI. No. 7.
Wiegm. Archiv. VI. Jahrg. 2. Band. W
162
recht interessante Entdeckungen über die Reizbarkeit unserer
gewöhnlichen OxaUs-Arieii mitgetheilt. Herr J. de Brignoli
de Brunn hoff hat nämlich an Herrn Morren geschrieben,
dafs ein Paar seiner Schüler zu Modena die Entdeckung ge-
macht hätten, dafs auch Oxalis stricta reizbar sei, wenn man
etwas starke mechanische Reize darauf einwirken lasse, doch
seien die Bewegungen noch langsamer als bei Mimo^^ pigra.
Herr Morren beobachtete hierauf auch die beiden andern, in
Belgien wildwachsenden Oxalis-Arten, nämlich Ox. acetosella
und Ox. corniculata, und fand auch an diesen Pflanzen die
Reizbarkeit, welche sich in eben denselben Bewegungen zeigt,
die diese Pflanzen in dem sogenannten schlafenden Zustande
zeigen. Aufserdem zeigte sich diese Reizbarkeit noch bei Ox.
piirpurea, Ox. carnosa und bei Ox. Deppeij und zwar mei-
stens in noch höherem Grade als bei unsern einheimischen
Arten; Oxalis tovtuosa zeigte dagegen keine Reizbarkeit.
Hierauf giebt Herr Morren noch einige anatomische Nach-
weisung über diejenigen Theile, welche bei den Oxalis- kviQW.
den Bewegungen vorstehen; auch wird die Struktur dieser
Theile mit jenen von andern, als reizbar sehr bekannten Pflan-
zen verglichen.
Herr Fr. T. Gas in es e*) hat eine Abhandlung über die
Bewegung der Porlieria hygroTnetva bekannt gemacht; er
hat eine Reihe von Beobachtungen über das Oeffnen und
Schliefsen derselben unter Beachtung des Thermometers und
des Hygrometers angestellt, aus welchen sich das interessante
Resultat ergiebt, dafs sowohl das Oeß'nen als das Schliefsen
der Porlieria unter ähnlichen Wärme- und Feuchtigkeits-Ver-
hältnissen der Luft stets zu bestimmten Tagesstunden regel-
mäfsig stattfindet. Z. B. am 24. — 27. December herrschte eine
Temperatur von 10 — 11 Grad, und das Hygrometer zeigte
54 — 56 Grad. Die Folieria schlofs sich in diesen Tagen re-
gelmäfsig um 7 Uhr Nachmittags und fing schon um 2 Uhr
an sich zu schliefsen. Dagegen begann sie um 5 Uhr Vormit-
tags sich zu öfi'nen und um 9 Uhr war sie ganz offen. In
den folgenden drei Tagen des Decembers war die Tcmpera-
*) Sulla Motilita della Porlieria hygrometra. — Mem. sopra al-
cuni fussi di anatomia e fisiologia vegetale. Catania 1838. 4to.
163
tur 10 — 12 Grad und da^ Hygrometer zeigte 58 — 68 Grad.
Die Porlieria begann sich um 5 Uhr zu schliefsen und war
um 8 Uhr ganz geschlossen; dagegen begann sie sich um
9 Uhr Vormittags zu öffnen und war um 11 Uhr ganz ge-
öffnet.
Verschiedene botanisch-physiologische Arbeiten
von allgemeinerem Inhalte.
Von Herrn William B. Carpenter*) haben wir einen
Versuch einer allgemeinen vergleichenden Physiologie erhalten,
worin die ähnlichen Erscheinungen, wie sie die Anatomie und
Physiologie der Thiere und der Pflanzen lehren, neben einan-
der gestellt und mit einander verglichen sind. Ein solches
Werk ist offenbar ein riesenartiges Unternehmen, und Herr
Carpenter hat es verstanden, dasselbe mit großer Umsicht
und in gröfster Kürze auszuführen; er beabsichtigte mit die-
sem Werke den Studirenden der Medicin ein einleitendes Lehr-
buch für das Studium der Physiologie des Menschen zu geben,
und da war es denn auch gerade nicht nöthig, dafs der Ver-
fasser über alle Gegenstände, von welchen er in seinem Buche
handelt, eigene Untersuchungen aufzuweisen hat; wir w^erden
aber bemerken können, dafs die Physiologie der niederen
Thiere darin mit besonderer Vorliebe abgehandelt ist, wobei
die neuesten Untersuchungen des Auslandes gerade nicht im-
mer beachtet sind. Die Quellen, aus welchen der Verfasser
schöpfte, sind der Reihenfolge ,nach aufgeführt und gewöhn-
lich sehr passend benutzt, und neue und eigene Ansichten sind
nicht selten aus den altern Thatsachen hervorgegangen, doch
diese hier aufzuführen und andere, gegenwärtig schon als irr-
thümlich anerkannte Thatsachen zu widerlegen, das würde eine
zu grofse und für diesen Bericht nicht passende Arbeit wer-
den. Dergleichen Werke, wie das vorliegende, werden ganz
gewöhnlich in unsere Sprache übertragen, und wenn es auch
mit diesem der Fall sein sollte, so wäre es wünschenswerth,
*) Principles of General and Comparative Physiology, intended
as an Introduction to the study of human Physiology, and as a Guide
to the Philosophical pursuit of natural history. London 1839. 8vo.
Mit sechs prachtvoll ausgeführten Tafeln begleitet.
11*
164
dafs ein Sachverständiger die durch die Zeit nöthig geworde-
nen Anmerkungen und V^erbesserungen aufführte.
Von Herrn Link*) haben wir den zweiten Theil seiner
Propyläen der Naturkunde erhalten, worin sehr viele und über-
aus schwierige Gegenstände der Botanik mit gründlichster Um-
sicht abgehandelt sind. Der gelehrte Verfasser sucht durch
dieses Werk den Freund der Natur auf die Stufen heraufzu-
führen, wo er zu einer Uebersicht der Natur im Ganzen ge-
langen kann.
Bei Gelegenheit, wo von der Verschiedenheit und Man-
nichfaltigkeit in der Form der organischen Körper und beson-
ders der Pflanzen die Rede ist, läfst sich Herr Link auf
eine genauere Entwickelung der Gesetze der Mannichfaltigkeit
ein, denn die Beobachtung lehre es, dafs diese Verschieden-
heit oder Mannichfaltigkeit nach den verschiedenen Stufen der
Entwickelung zu unterscheiden sei. Es werden drei Gesetze
aufgestellt:
Erstes Gesetz. Indem ein Theil auf derselben Stufe der
Entwickelung mit geringen Verschiedenheiten sich zeigt, gehen
die andern Theile, alle oder einige, eine Reilie von verschie-
denen Entwickelungsstufen durch. Es werden eine Reihe von
Beispielen zur Beweisführung mitgetheilt, z. B. die gleichmäs-
sigc Ausbildung der Frucht bei den Leguminosen, neben der
mannigfach verschiedenen Bildung der Blätter der Legumino-
sen u. s. w.
Zweites Gesetz. Es giebt Bildungen, welche in geringen
Abänderungen gar oft mit einander verbunden in der Natur
vorkommen, es giebt andere, welche selten mit einander ver-
bunden sind, es giebt noch andere, welche gar nicht mit ein-
ander verbunden erscheinen. Ein Beispiel sehen wir an der
Frucht der Gräser mit ihrer eigenthümlichen , aus Klappen
gebildeten Blüthe und an den scheidenartigen, einfachen Blät-
tern gar oft vereinigt, und es ist wohl wahrscheinlich, dafs
alle diese Gestalten auf einer niedrigen Stufe der Ausbildung
stehen. Dagegen findet sich die Hülse der Leguminosen mit '
der Schmetterlingsblume und dem zusammengesetzten Blatte
sehr oft vereinigt, und so sind hier wold höhere Entwicke-
*) Propyläen dor Naiurfjoschirhte. II. Berlin 1839.
165
lungsstufen zusammengekommen. Ein scheidenförmiges Blatt,
als eine niedere Entvvickeliingsform , kommt selten mit einer
lippenförmigen Blume und wohl nie mit einer schmetterlings-
förmigen zusammen vor.
Drittes Gesetz. Bildungen, welche selten vorkommen, wei-
chen da, wo eine solche Verbindung stattfindet, von ihrer ge-
wöhnlichen Gestalt, — die sie nämlich in andern Fällen ha-
ben — oft gar sehr ab, und zwar so, dafs eine Hemmung in
der Entwickelung oder auch eine gröfsere Entwickeluug zu
erkennen ist. Die Lippenblume kommt an den Dikotyledonen
häufig, an den Labiaten mit gegenüberstehenden Blättern vor,
mit den Monocotyledonen, die fast immer wechselnde schei-
denartige Blätter haben, erscheint sie selten verbunden, und
wenn es der Fall ist, wie bei den Scitamineen, so erreicht sie
doch nie den Grad der Ausbildung. „Da wir nun sehen, sagt
Herr Link, dafs die organischen Körper sich auf verschiede-
nen Stufen der Entwickelung befinden, da wir sogar bemer-
ken, dafs dieses auch mit einzelnen Theilen der Fall ist, so
mögen wir behaupten, dafs sie überhaupt ein Bestreben zu
einer höheren Entwickelung und einer vollkommenen Gestalt
haben, aber zugleich, dafs Hindernisse vorhanden sind, die sie
von jener Vollkommenheit, wonach sie streben, mehr oder we-
niger zurückhalten und diese können das Ganze oder sie kön-
nen auch nur einzelne Theile trefi'en." Diese Betrachtungen
führen uns dann zu der Ansicht über die Würdigung der na-
türlichen Ordnungen, die sich nach dem zweiten Gesetze
darstellen, wo die Theile in wenig verschiedenen Formen mit
einander verbunden sind. Herr Link entwickelt die Gesetze,
nach welchen die natürlichen Ordnungen aufzustellen sind; der
Unterschied zwischen natürlicher und künstlicher Methode be-
ruhe darin, dafs in jener die Kennzeichen von mehreren ge-
nommen werden, in dieser dagegen von einem oder einigen
wenigen. Es sei ein vergebliches Bemühen, bestimmte Kenn-
zeichen für die natürlichen Ordnungen zu finden, und es bleibt
also nur die Unveränderlichkeit der Kennzeichen als das Haupt-
erfordernifs zur Unterscheidung der Abtheilungen des Systems
übrig. Die natürlichen Systeme haben nur etwas Natürliches
an sich, und es bleibt also weiter nichts übrig, als die Lücken
auszufüllen und das natürliche System mit dem künstlichen zu
166
verbinden, also die zwischen den wahren natürlichen Ordnun-
gen, die wir Familien nennen, vereinzelten Ordnungen und
Gattungen in künstliche Ordnungen zusammen zu fassen.
Auch Herr Link, ein so erfahrener Botaniker, giebt seine Er-
klärung ab, dafs die Eintheilung der Pflanzen in Monocotyle-
donen, Dicotyledonen und Acotyledonen die zweckmäfsigste
und beste ist, wir dürfen uns also wohl nicht schämen, dieser
alten Eintheilung anzuhängen, wenn auch gegenwärtig fast all-
jährlich 2 bis 3 sogenannte neue natürliche Systeme vorgetra-
gen werden, deren Verfasser mitunter ganz verächtlich auf die
Anhänger Jussieu's herabblicken, unter denen es aber auch
solche giebt, die auch noch nicht eine einzige neue Pflanze
beschrieben haben. Herr Link bringt folgende Abänderungen
des Jussieu'schen Systems in Vorschlag: Bei den iMonoco-
tyledonen \vären die Abtheilungen nach den Blättern in paral-
lelnervige und in auslaufend nervige trefi'ender, doch sei für
die folgenden Unterabtheilungen die Stellung der Staubfäden
allerdings wichtig. Die Blüthe besteht entweder aus einem
oder aus zwei Knoten; im letztern Falle ist sie epigyna. Der
Stamm, insofern er unter der Erde oder über der Erde fort-
läuft, giebt ferner ein vortrefl"liches Kennzeichen zur Unter-
scheidung der Ordnungen. Bei den Dicotyledonen werden
ebenfalls die Blätter als durchaus beständiges Kennzeichen an-
geführt; das scheidenartige Blatt, welches an der Basis mit
dem Hauptnerven den Stamm ganz umfafst, sei ein vortreff-
liches Kennzeichen und bezeichnet sehr gut die Klasse Vagi-
nales, welcheauf die Monocotyledonen folgt. Nach dieser Klasse
kann ein Theil der ^petalae Juss., an welche die Peiigoniatae,
gestellt werden, welche Gewächse umfassen, deren Kelch blu-
menblattartig ist, oder deren Kelch und Blume mit einander
verschmolzen sind, z. B. Asarinae, Laurinae etc. Aus den
Plantagineen konnte man die besondere Klasse Xerophytae
machen, weil die Blumen ohne Papillen sind, und hierauf folg-
ten dann die Monopetalae, wie sie Jussieu zusammengestellt
hat, auch die Syngcnesae im Gefolge derselben. Für die
Volypelulae hypogynae wären folgende Unterabtheilungen
anzubringen: CatastcnioiieSy wo die Staubfäden den Blumen-
blättern gegenüberstehen; Anuslemoiics^ wo sie damit wech-
seln, und Allostrmones, wo sie wegen ihrer Menge weder
167
gegeiiüberstelieii noch wechseln können. Hierauf folgen die
Apetalae, enthaltend die Leinnaeeae, Najades^ Ilippurideae
u. s. w. u. s. vv. Die letzte Klasse bilden die uämentaceae,
wohin die Juliferae, Coniferae und Casiiarineae gehören, die
%\JL den Equiseten der Acotyledonen übergehen sollen.
Von dem Lehrbuche der Botanik des Herrn G. W.
Bisch off*) ist im vergangenen Jahre auch der dritte und
letzte Band erschienen, der die früheren an Umfang weit über-
trifft; es werden hierin abgehandelt: 1) Die Pflanzenpa-
thologie, welche in zwei Abschnitte zerfällt; in dem ersten
werden die Mifsbildungen der Pflanzen und im zweiten die
eigentlichen Krankheiten betrachtet. 2) Die Pflanzengeo-
graphie. 3) Von der Entstehung der Pflanzen und den Ver-
änderungen, welche das Pflanzenreich im Laufe der Zeit er-
litten hat: Geschichte der Pflanzen. 4) Die allgemeine
Diagnostik der Pflanzen, oder die wissenschaftliche Be-
trachtung des Pflanzenreichs, insofern dieselbe die Unterschei-
dung der Gewächse von einander bezweckt. Der erste Ab-
schnitt bearbeitet die Systemkunde und der zweite die Phyto-
graphie. 5) Die Geschichte der Pflanzenkunde, oder
von der Entstehung der wissenschaftlichen Botanik und ihren
Fortschritten bis auf unsere Zeit.
Von Herrn Oken's Allgemeiner Naturgeschichte für alle
Stände ist im vergangenen Jahre der erste Band der Botanik
erschienen und wird mit dem zweiten Bande in dem laufen-
den Jahre vollendet werden. ^
Herr Albert Dietrich**) hat eine Abhandlung: Ueber
den Begriff von Art, Halbart, Abart, Spielart, Mifs-
bildung und Bastarde im P fl an -'.en reiche, gegeben,
worin dieser so höchst schwierige Gegenstand mit vielem
Glücke behandelt ist. Es ist zu bekannt, wie verschieden die
Ansichten der Botaniker in dieser Hinsicht sind, und wie weit
zuweilen das Unwesen bei der Bestimmung von Arten von
den praktischen Gärtnern gelrieben wird, als dafs man die
Behandlung dieses Gegenstandes nicht als zeitgemäfs bezeich-
*) Zweiten Bandes zweiter Theil. Allgemeine Botanik. Stuttgart
1839. 836 S.
**) S. die allgemeine Gartenzeitung von Otto und Dietrich.
1839. No. 33.
168
nen könnte. Herr Dietrich versteht unter Art (Species)
solche Individuen von Pflanzen, die in gewissen, von uns für
wesentlich gehaltenen Merkmalen vollkommen mit einander
übereinstimmen und diese Eigenschaft durch keinen zufälligen
äufsern Einflufs verändern, sondern bei fortgesetzter Aussaat
beibehalten. Bleibt es zweifelhaft, ob gewisse Pflanzenindivi-
duen als eigene Arten zu betrachten oder nur Formen einer
anderen Art sind, so pflegt man diese Halbarten (Subspe-
cies) zu nennen, doch sollte diese Benennung ganz gestrichen
werden. Unter Abart (Varietas) versteht man eine durch
veränderliche Merkmale von der Art unterschiedene Form, die
durch zufällige äufsere Einflüsse erzeugt wird. Spielart,
sagt Herr Dietrich, ist eigentlich von Abart nicht verschie-
den und haben wir auch dafür keine wissenschaftliche Benen-
nung. Wenn Pflanzen mit Blumen vorkommen, w-elche an-
ders gefärbt sind als gewöhnlich, so werden sie als Spielarten
bezeichnet. Mifsbildung (Monstrositas) ist eine solche Form,
wo einer oder mehrere Theiie eine solche veränderte Bildung
zeigen, dafs sie dadurch mehr oder weniger unfähig werden,
ihre Function zu verrichten oder diese wenigstens umgeändert
werden, was bei der Abart und Spielart nicht der Fall ist.
Bastardpflanzen nennt man jede Pflanzenform, die durch
gegenseitige Befruchtung zweier, zu verschiedenen Arten ge-
hörenden Pflanzenindividuen entstanden ist, und diese sind es,
welche von den Gärtnern am häufigsten mit den Varietäten
verwechselt werden.
Der Graf Gallesio*) hat einen Auszug seiner Theorie
von der vegetabilischen Reproduction publicirt, welche schon
1811 in seiner Schrift über Citrus mitgetheilt war; dieselbe
ist durch Erfahrungen und Beobachtungen verbessert und ver-
vollständigt, indessen ist es nicht möglich, in eine nähere Dar-
stellung seiner Ansichten einzugehen, indem sie theils zu aus-
führlich vorgetragen sind, theils auch von zu geringem Inter-
esse sind, da die Hauptsachen schon in der Schrift über die
Vegetation enthalten sind.
*) Gli Agriimi dei Girardini botanico-agrarii di Firenze distri-
buiti metodicamentc in un quadro sirottico, coi principii dclla nuova
tcoria della riproduzioue vegetalc. Firenze 1839. Fol. 13 6.
169
Von Herrn J. Lindley*) ist die dritte verbesserte und
vermehrte Ausgabe seiner Einleitung in die Botanik erschie-
nen; die gröfseren deutschen Arbeiten, welche nicht in das
Französische oder Englische übertragen, sind darin nicht be-
nutzt, wenngleich mitunter die Zeichnungen aus denselben co-
pirt worden sind, wobei sich manche Mifsverständnisse einge-
schlichen haben. Die neuere Französische und besonders die
Englische Literatur ist sehr fleifsig benutzt, jedoch fast immer
ohne eigene Kritik,
Zur Pflanzen-Geographie.
In dem literarischen Nachlasse von Friedrich Hoff-
mann, den Herr v. Dechen**) publicirt hat, finden wir so
manche treffliche Schilderungen der Flora Italiens.
Bei Vülterra sah Ho ff mann den Beginn der immergrü-
nen Wälder von Quercus Hex, und näher der Küste war
Erica arhorea der herrschende Waldbaum, den der Reisende
im März gerade in voller Blüthe fand. Das Unterholz bilde-
ten die JNIyrthe, u^rhutus Vnedo, Pistacia Lentiscus, Cistus
monspeliensis und salvifolius, zwischen welchen Smilax aspera
rankte. Ueber die Vegetation der Insel Elba erfahren wir,
dafs überall an ihrer Siidküste die Orangenpflanzungen gedei-
hen, und die Dattelpalme erreiche schon auf der Nordseite
eine ansehnliche Höhe, wo Cactus opuntia und Agave ame-
ricana wuchern. Der Rosmarin und Lavandiila stoechas
überziehen daselbst die dürren Kalkberge und in den immer-
grünen Gebüschen blühen Viburnum Tinus, Cy Usus- Arten j
Teucriiim fruücans u. s. w.
Der Besuch der Gran Sassa d'Italia vvar ebenfalls von in-
teressanten pflanzengeographischen Resultaten begleitet. Bei
4850' sah man die letzten Kornfelder und bei 5500 die letz-
ten Spuren der Baumvegetation, welche in Buchen- Gestrippe
bestand; weder Nadelhölzer noch Vaccinien fand man hier,
nur Arhutus TJva ursi. Bei 5500' zeigte sich Saxifraga
*) An Introduction to Botany. With Six Coppor-Plates and nu-
merous Wood-Engravings. Third Edition. London 1839.
**) Geognostische Beobachtungen, Gesammelt auf einer Reise
durch Italien und Sicilien in den Jahren 1830 — 1832. — Karsten u.
V. Dechen Archiv für Mineralogie etc. XIII. Berlin 1839.
170
^izoon inBliithe \xm\ Cerastiwn tomentosuin bildete schnee-
vveifse Rasenbüschel, unterbrochen durch Verhascuin longi-
folium und Euphorbia myrsinites (?). Bei 5900' beginnt die
wahre Alpen -Vegetation: Dryas octopetala, Gentiana acau-
lis, Campanulo graminifoUa, Sileiie acaulis, Aretia vita
liana u. s. w. Eine sehr unistäHdliche und höchst vortreffliche
Schilderung der Vegetation des Aetna ist das Vorzüglichste,
was wir in pflanzengeographischer Hinsicht in diesem Werke
Hoffmann's finden; diese Beobachtungen sind jedoch der
Hauptsache nach schon im Jahre 1832 durch Herrn Philippi,
einem Reisegefährten Hoffmann's, publicirt, worauf wir ver-
weisen müssen.
Herr Edraond Boissier*) unternahm im Frühjahr 1837
eine Reise nach Spanien, besonders um Granada in botani
scher Hinsicht zu untersuchen, deren Resultate er in einem
Kupferwerke vorlegt, worin einige allgemeine Nachrichten über
den Fortgang seiner Reise, aber hauptsächlich die systemati-
sche Beschreibung der von ihm gesammelten Pflanzen mitge-
theilt werden, worunter sich die prachtvollsten Sachen befuiden.
In dem Reisebericht des PriHzen Maximilian zu
Wied**) finden sich überaus viele Schilderungen der Vege-
tation der von ihm auf dieser Reise besuchten Gegenden, ja
für manche Gegenden sind grofse Verzeichnisse aller derjeni-
gen Pflanzen mitgetheilt, welche daselbst beobachtet worden
sind, indessen eignen sich diese zerstreuten Angnben nichl
wohl für diesen Bericht, daher sich Referent beschränkt, di<^
Botaniker darauf aufmerksam zu machen. In dem prachtvol-
len Atlasse, welcher die Reisebeschreibung begleitet, linden
sich einige Kupfertafeln, auf welchen der Charakter der Vege-
tation Nord-Amerikanischer Gegenden auf das Vortrefflichst«-
dargestellt ist.
In den schon früher (pag.148.) angeführten „Naturscliil-
derungen" liat Herr Schouw eine Reihe von Abhandhiugeu
gegeben, worin höchst interessante Gegenstände der Pflanzen-
*) Voyage botanique dans leMidi dcTEspagne pend.ranneeld37.
Paris 1«39, 1— 3r Bd. 4to.
**) Reise in das innere Nord-Amerika in den Jahren 1832—1831.
IVJit 48 Kupfern, 33 Vignetten, vielen Holzsclinitten und einer Charte.
Erster Band. Coblcnz 1839. 4to.
171
"•eographie auf eine sehr ansprechende Weise erörtert werden,
die sich aber leider nicht zur Mittheilung an diesem Orte
eignen ; auch sind diese Arbeiten mehr für das gröfsere Publi-
kum geschrieben, und Referent mufs defshalb auf das Lesen
der Schrift selbst verweisen. Die einzelnen Vorlesungen han-
deln über die Palmen, die Alpenpflanzen, über Gebirgswande-
rungen im Norden und Süden, über den Aetna, die Natur in
Nordafrika, die Natur in Südafrika, über die Natur auf den
Südsee -Inseln und über die charakteristischen Pflanzen ver-
schiedener Völker. Aufserdem sind Abhandlungen über einige
der wichtigsten Handelsgewächse in jenem Werke enthalten,
als über den Kaffeebau, über das Zuckerrohr, über die Wein-
rebe und über die Baumwollenpflanze; überall lebhafte Schil-
derung und Verbindung der wissenschaftlichen Resultate mit
dem praktischen Leben.
Im Asiatic Journal vom Februar 1838 *) findet sich «in
sehr interessanter Aufsatz von Hrn. Griffith über den Caout-
schouc-Baum des Landes Assam; dieser Baum ist Ficiis da-
stica, der in den dortigen Wäldern von einer solchen Gröfse
und Eigenthümlichkeit auftritt, dafs man es kaum vermuthen
wird, wenn man diese Pflanze aus unsern Gewächshäusern ken-
nen gelernt hat. An Höhe und Ausdehnung soll der Caout-
schouc-Baum alle Bäume des ungeheuren tropischen Waldes
übertreffen, in welchem er vorkommt, und man könne ihn an
seinem dichten und hohen Laubwerke schon von mehreren
Englischen Meilen Entfernung erkennen ; einer dieser Bäume
hatte einen Stamm von 74 Engl. Fufs Umfang und 120 Fufs
mit den Stützen. Die Höhe betrug 100 Fufs und der Baum
überschattete mit seinen Aesten einen Raum von 610 Fufs
Umkreis. Der Wald von Toras ist 30 Meilen (Engl.) lang
und 8 M. breit; er soll ungefähr 42,240 Caoutschouc- Bäume
enthalten. In den Gebirgen von Khasiya wächst er bis zu
4500 Fufs Höhe hinauf. Der Stanuii wie die Aeste dieses
Baumes fassen wieder Wurzel und diese haben Neigung un-
ter sich und auch mit dem Baume zu verwachsen; diejenigen,
welche in der Nähe des Stammes hervorkommen, dehnen sich
*) Uebersetzt in Wöhler's und Lieb ig's Annalen der Pharma-
cie. XXXI. pag. 347. Sept. 1839.
172
der Länge nach auf seiner Oberfläche aus; die übrigen stei-
gen gerade in die Erde hinein und bilden den Aesten eine
gewisse Art von Stützen. In der Nähe des Bodens nehmen
sie eine conische Gestalt an durch die Vertheilung der Wur-
zel. So entsteht eine Art von Netz um den Baum ; die Stüz-
zen vereinigen sich durch Adhäsion, bis sich ein fester Cylin-
der bildet, der den Baum wie in ein Futteral einschliefst;
dann kann der Stamm selbst absterben. Jeder Einschnitt in
den Baum wie auf die Stützen, wenn er nur bis zum Holze
geht, hat das Hervorkommen von Wurzeln sehr rasch zur
Folge. Den meisten Saft geben die Einschnitte in die halb
entblöfsten Wurzeln; sie werden quer geführt und zwar bis
auf das Holz; ein Loch unter der Wurzel mit einem Blatte
von Phrynimn capitatwn L. ausgelegt, dient zum Auffangen
des Saftes, der des Nachts schneller fliefsen soll. Die Menge
des Saftes, w^elche ein einzelner Baum enthält, schätzt man
auf 400 Pfund zu 16 Unzen. Herr Griff ith glaubt, dafs je-
der Einschnitt nur 40 Pfund giebt; nach 2 — 3 Tagen hört er-
auf zu laufen und nach 18 — 20 Tagen wird der Einschnitt
wiederholt. Hiernach kann man leicht berechnen, welche un-
geheure Massen von Caoutschouc blofs in dem Walde Taras
von Assam befuidlich sind.
Herr Tommasini*) hat das Ergebnifs seiner botanischen
Excursionen nach dem Berge Slavnik in der Nähe von Triest
beschrieben und auch einige allgemeine Schilderungen der Ve-
getation jenes Berges gegeben.
Herr Dr. Claus **) hat eine Abhandlung: „Ueber die
Flora und Fauna der Kaspischen Steppe", publicirt, welche .
uns eine sehr lebhafte Anschauung von der Physiognomie der I
Pflanzen- und Thierwelt jener Gegenden giebt. Im Sommer
ist die Hitze in jenen Gegenden sehr grofs, fast beständig zwi-
schen 20 — 30° R. und nur die kalten Ostwinde vermögen die
Ghitli zu mildern, welche bei Windstille unerträglich ist. Die
Winter sind streng, gewöhnlich eine Kälte von 20 — 30'* R.
*) Der Berg Slavnik im Küstenlande und seine botanischen Merk-
würdijrkciton, insonderlicit Pedicularis Friderici Augustiy beschrieben
von Tomniasini. — Linnaea von IH'39. pag. 49—78.
**) S. Goebel's Reise in die Steppen des südlichen Ilufslands.
Zweiter Theil pag. 216—246.
173
und grofser Wassermangel ist das Charakteristische der Step-
pen. Nur eine geringe Zahl von Pflanzenarten bekleidet stets
sparsam, theils in dichterem Gedränge den falben Boden, und
die meisten Steppenpflanzen überziehen sich mit einer haar-
reicheu grauen Hülle, welche sie gegen den Wechsel der Tem-
peratur schützen soll und die Feuchtigkeit der Luft einsaugt.
Daher die graue, schmutzige Farbe der Steppenvegetation, und
nur struppige Gräser, oft von Manneshöhe, scheinen hier den
Mangel der Wälder ersetzen zu wollen. Die im Frühlinge
plötzlich, gleichsam durch ein Wunder hervorgerufene Vege-
tation geht mit raschen Schritten vorwärts und hat in einigen
wenigen Wochen ihre verschiedenen Stadien durchlebt. Im
Anfange des Aprils, mit dem ersten warmen Tage, erscheinen
die ersten Ankömmlinge des Frühlings: Tulpen, Ornithogalen
und Irideen, und schon in der Mitte des Mai gleicht in trok-
kenen Jahren die Steppe einer öden Brandstätte, in der die
abgestorbenen Stengel saftreicher Pflanzen vom Winde im wir-
belnden Laufe durch die Wüste getrieben werden. Im August
beginnt ein neuer Frühling für die Salzpflanzen, welche bis
tief in den Spätherbst mit ihren Früchten zu Anfange des No-
vember die V^egetation beschliefsen. Herr Claus unterschei-
det die Vegetation der Steppe nach der Bodenverschiedenheit
in vier Regionen, nämlich in die Lehm-, Salz-, Sand- und
in die Gypsflötz-Region. Die Lehm -Region nimmt den
gröfsten Theil der Steppe ein, sie bildet die nördliche Hälfte
derselben. Die Artemisien bedecken diesen Boden fast aus-
schliefslich und nur einige andere Pflanzen, als: Achillea Ger-
heri und Pyrethrum millefoliatum. kommen dazwischen vor.
Die Pflanzen stehen hier meistens in dichten Büscheln. Viele
Zwiebelgewächse, Cruciferen und Boragineen, aber wenige
Umbelliferen, Labiaten und Gräser gehören dieser Region an.
Die Salzregion befindet sich im Innern der Lehmsteppe
hin und wieder zerstreut; es sind theils Salzseen von bedeu-
tender Ausdehnung, theils Salzpfützen, theils mit einem Salz-
anfluge bedeckte trockene Stellen, in deren Umgebung gröfs-
tentheils Salzpflanzen vegetiren. Das Ilalocnemwn stvohüa-
ceum scheint den Salzboden am meisten zu lieben; es macht
die nächste Umgebung der Salzseen und Salzpfützen; in spä-
terer Jahreszeit kommt wohl Salicornia herbacea vorherr-
174
sehend auf. Den Rand jener Salzgewässer nehmen neben oben-
genannten Pflanzen zunächst folgende Halophyten ein: Atri-
plcx verruciferum, Camforosma Ruthenicum, dann folgen
Salsola hrachiafa, clavi/olia, laricina, Halimocnemis hra-
cMata, cvassifolia und volvox, endlich Kochia prostrata
und K. sedoides, welche bis weit in die Lehm-Region hinein-
reichen. Diese Salz -Region ist noch unfreundlicher als die
Lehm -Region, denn Alles ist öde und leer und die Seen er-
scheinen im Sommer wie weite Schneeflächen; keine Blume,
kein üppiges Grün ist hier zu sehen.
Reicher ist dagegen die Region der Gypsflötze, welche den
kleinsten Theil der Steppe einnehmen; sie charakterisirt sich
durch gröfsere Mannigfaltigkeit. Die Sand -Region endlich,
welche einen bedeutenden Theil der Steppe einnimmt, erfreut
sich eines mehr feuchten Bodens, indem die darunter liegende
Thonschicht das Durchsickern des Wassers verhindert. Die
Pflanzen erreichen hier eine gröfsere Höhe und häufig sieht
man fast mannshohe Grasarten im kräftigen Wachsthum ganze
Hügelstrecken bekleiden. Gramineen und Cyperaceen sind hier
vorherrschend, und eine bedeutende Zahl von Allien und Le-
guminosen bilden die vorzüglichsten Bewohner dieser Steppen;
ja in den Thälern und Vertiefungen findet man Sträucher und
kleine Bäumchen von Populus alba, P. tremula, Salix trian-
dra und S.fusca u. s. w.
Herr Claus hat ferner einen sehr vollständigen Index
von allen den Pflanzen gegeben, welche in den Kaspischen
Steppen und den angrenzenden Regionen beobachtet worden
sind; der Index enthält 1011 phanerogame Pflanzen, von wel-
chen 483 der Steppe und 528 den angrenzenden Gegenden
(Grenz -Region genannt) angehören. Das Verhältnifs der Di-
cotyledonen zu den Monocotyledonen ist =5:1, und die
gröfste Aelmlichkeit hat diese Flor mit der Vegetation der
dem Altai und dem Kaukasus zunächst sich anschliefsenden
Ebene. Folgende Tabelle giebt die Vergleichung der haupt-
sächlichsten Steppenflor mit derjenigen des Altai, der Flor des
Kaukasus und der Flora Deutschlands:
175
Steppenflor mit ungefähr
500 Arten.
Die Flora
des Altai
mit
1700 Arten.
Die Flora
des Kaukasus
mit ungefähr
2000 Arten.
Die Flora
Deutschlands
mit
2816 Arten.
9
J^
9
_1_
2 1
l_
1 1
_!_
14
JL
7
_1_
3 3
i
3 6
_1_
38
_1_
40
1
6 4
JU
2 7
1_
1 2
_1_
4 7
_1_
1 6
1_
1 2
J_
8
_1_
2 3
1
2 6
1
2 0
1_
2 7
JL
2 1
1_
40
_1_
1 6
1
45
1
14
l_
1 1
X
8
1
48
1_
2 0
JL
20
1
1 8
_1_
2 7
JL
G 7
_1_
18
_1
5 4
JU
1 5
1
1 8
8
JL
30
l ,
28
1
2 6
_l_
23
JL
1 5
Chenopodeen
Cruciferen
Boragineen
Gramineen
Leguminosen
Synantheren
Ranunculaceen
Umbelliferen
Caryophyllaceen
Labiaten
Rosaceen
Unter den Steppenpflanzen finden sich 183 Arten, welche
auch in Deutschland vorkommen; die Rosaceen und Labiaten
sind dort und in Deutschland gröfstentheils gemeinschaftlich
u. s. w. Ferner sind folgende Familien in der Steppe und in
Deutschland mit gemeinschaftlichen Arten versehen: die Ra-
nunculaceen mit ß, die Umbelliferen mit 7, die Boragineen
mit 9, die Synantheren mit 25, die Cruciferen mit 19, die Le-
guminosen mit 8, die Chenopodeen mit 12 und die Coronarien
mit 3 gemeinschaftlichen Arten.
Die Flora des Kaukasus hat mit derjenigen der Step-
pen die gröfste Anzahl von Pflanzen gemeinschaftlich, nämlich
312 Arten.
Herr v. Baer*) hat eine Abhandlung über das Klima von
Sitcha nach Beobachtungen des Herrn v. Wrang ei geliefert
und dabei die Frage untersucht, welche Gegenstände des Land-
baues in diesen Gegenden gedeihen können, indem dieses für
das Gedeihen der Kolonie vom höchsten Interesse ist. Die
mittlere Temperatur von Neu -Archangelsk (57° 3' n. Br.),
*) Ueber das Klima von Sitcha und den Russischen Besitzungen
an der Nordwestküste von Amerika überhaupt, nebst einer Unter-
suchung der Frage, welche Gegenstände des Landbaues in diesen Ge-
genden gedeihen können. — Bulletin scientif. public par FAcad. Imp.
des scienc. de St. Petersbourg. T. V. No. 9. 10.
176
welche wir hier viel genauer als bisher erhalten, haben noch
ein besonderes Interesse, indem sie, verglichen mit denen von
Nain (in 57^ n. Br.) auf der Ostkiiste von Nord-Amerika, so-
gleich die Erklärung zu der grofsen Verschiedenheit geben,
welche die Vegetation von diesen beiden in gleicher Breite
liegenden Punkten des neuen Kontinents geben.
Neu-Arch. in 57" 3' Nain in circa 57"
Mittlere Temperatur n. Br. und i;35» 18' n.Br. und 6P_20'
des Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
October
November
December
des Winters. (Dec. — Febr.)
Frühlings (März — Mai)
Sommers (Juni — Aug.)
Herbstes (Sept — Nov.)
des ganzen Jalires 7,39 C. — 3,62 C.
Zu Neu- Archangelsk auf der Insel Sitcha herrscht ein
Kiistenklima, und das grofse Meer im Westen mit den mehr
vorherrschenden Westwinden in jener Gegend veranlafst die
hohe Wintertemperatur daselbst; es ist ein sehr feuchtes aber
nicht ungesundes Klima auf Sitcha, im Jahre 1828 konnte man
nur 66 Tage heiter nennen, ja in manchen Jahren sollen nur
40 heitere Tage vorkommen.
Aufser in der südlichen Ansiedlung Boss baut man in
Sitcha gar kein Korn, obgleich sich im Sommer daselbst Ko-
libri's sehen lassen; aber die Sommertemperatur von Sitcha
(13°,5 C.) ist genau die Sommertemperatur derjenigen Gegen-
den in Europa, wo der Roggen entweder gar nicht oder nur
in ganz besonderen Lokalitäten zur Reife kommt. Von der
177
Kultur der Gerste liefse sich dagegen, wie Herr v. Baer zeigt,
für Sitcha etwas erwarten, denn in Europa baut man dieselbe
auf dem Kontinente bei 8° C. Sommertemperatur und auf In-
seln bei 10^. Auf dem Kiistensaume bei Neu -Archangelsk
baut man jetzt einige Gemiisearten, unter welchen Kartoffeln
und Blumenkohl sehr gut gedeihen; aufserdem zieht man Erb-
sen, Möhren, Kohl und Rettig, und Herr v. Baer macht noch
den Vorsclilag, dafs man hier die Quinoa pflanzen sollte. Re-
ferent sah die Kultur der Quinoa in den Hochebenen von Süd-
Peru so häufig in viel rauheren Gegenden als der Sommer
in Sitcha darbietet, dafs er den Vorschlag des Herrn v. Baer
als einen für jene Kolonie sehr wichtigen erklären mufs. Die
mittlere Sommertemperatur, welche die (Juinoa bedarf, geht
sicherlich bis unter 10^ C, aber Referent fand den Anbau die-
ser Pflanze nur in Gegenden, wo die Luft sehr trocken ist
und wo Sonnenschein ganz gewöhnlich war. Die Saamen der
Quinoa würden den Bewohnern von Sitcha, welche sicherlich
noch nicht sehr verwöhnt sind, ein wohlschmeckendes und sehr
nahrhaftes Getreide darbieten, welches sich wegen des grofsen
Oelgehaltes noch vielfacher zubereiten läfst, als Roggen und
Gerste; ja auch die Blätter der Quinoa -Pflanzen würden für
jene Gegenden einen guten Spinat darbieten, der aber bei uns
niemals Beifall finden wird, weil wir schon mit sehr vielen
und besseren Sachen der Art versehen sind.
An eben demselben Orte hat Herr v. Struve*) einige
Mittheilungen über das Klima und die Vegetation von Okak
auf Labrador nach den Beobachtungen des Missionärs Herrn
C. B. Henn gemacht; die Stadt liegt nur 1 Grad nördlicher
als Nain und Neu-Archangelsk. Während zu Neu-Archangelsk
der Schnee in geringer Quantität fällt, ja zuweilen ganz fehlt,
ist die Schneemasse zu Okak ganz ungeheuer. Die interes-
santen Schilderungen der Witterung zu Okak beginnen mit
dem August 1837, welcher ohne Schneien verging. Der Sep-
tember fing mit starken Nachtfrösten an und am lOten war
neuer Schnee und Eis. Am 18ten nahm man die Kartoffeln
aus und von 580 Stück hatte man 3500 geärndtet, doch wach-
*) Witterungsbeobachtungen, angestellt auf der Küste Labrador
von dem Missionär C. B. Henn.
12
178
sen sie nicht alle Jahre vollkommen aus. Am 29sten wurde
das Gartengemiise eingeärndtet ; der Kohl hatte nur Blätter
und keine Köpfe, aber die weifse Rübe und anderes Wurzel-
gewächs waren so ziemlich gerathon. Der October verlief
ohne viel Schnee und der Schnee blieb noch nicht liegen. Im
November viel Schnee und 5 — 10 Grad Kälte; der December
begann mit 15 Grad Kälte und 15 — 27 Grad Kälte herrschte
mit wenig Unterbrechung bis zum Ende. Im Januar 1838
22 — 28 Grad Kälte und wenig Schnee, dagegen im Februar
viel Schnee bei 10—12 Grad Kälte. März 10—17 Grad und
in der letzten Hälfte 17 — 23 Grad Kälte, mit vielen Schnee-
und Stöbertagen. Im April mäfsige Kälte, 4 — 17 Grad; von
den Gärten war des vielen Schnees wegen keine Spur zu se-
hen. Am 23. April wurden die sogenannten Frühbeete aus-
gegraben und man hatte in 3 Fufs Entfernung eine 10 bis 12
Fufs hohe Schneeumgebung. Am 1. Mai lag der Schnee 12
bis 18 Fufs tief, wo man Kartoffeln stecken wollte; am 3. Mai
wurden einige Fenster Frühbeete mit Sämereien belegt, und
am 23. Mai, nachdem der gröfste Theil des Schnees fortgefah-
ren war, das Gärtchen so weit aufgethauet, dafs es mit Kar-
toffeln, gelben Rüben, Salat u. s. w. bestellt werden konnte.
Am 30sten wurde einiges mit Rüben, Zwiebeln, Petersilie und
rothen Rüben bepflanzt, die in der Stube gezogen waren; es
schneete noch sehr stark, aber der Schnee blieb nicht lange
liegen. In der ersten Hälfte des Juni wurden die Gemüse ge-
pflanzt, es fror aber alle Nächte und mitunter dickes Eis; am
18ten lag der Schnee noch auf dem Hofe 4 Fufs hoch, an an-
dern Stellen aber noch 10 — 12 Fufs, aber am 25sten waren
16j Gr. R. Wärme. Im Juli warmes Wetter, am 2ten sogar
22° R., aber es änderte sich bald, denn am 4ten war neues
Eis gefroren; am 22sten stand die Temperatur auf J° über ü
und es hatte stark gereift; die Kartoffeln, welche gerade blüh-
ten, wurden mit Stroh bedeckt. Am 26sten war der Schnee
rund herum verschwunden und einige Tage herrschte drückend
warmes und trockenes Wetter. Im August fing das nasse und
kalte Wetter wieder an und am 28. schneete es schon wieder.
Herr F. E. Leibold*), der sich drei Jalire lang am Cap
*) Einiges über das Vorgebirge der guten Hoffnung. — In der
allg. Gartenzeitung von Otto und Dietrich. d839. No. 44— 46.
179
der guten Hoffnung aufgehalten hat und daselbst theils als
Gärtner, theils als Reisender beschäftigt war, giebt einige Be-
obachtungen über das Klima, den Boden und die Vegetations-
Verhältnisse jener Gegenden. Die Vegetation auf den ober-
sten Punkten der Gebirge des Caps ist öde; aufser einigen
Scirpus, IsolepiSf Boletus und Flechten komme daselbst sel-
ten etwas anderes vor. Auf dem Plateau des Tafelberges,
etwa 30 Morgen grofs, findet man die Gattungen Elichiyswn,
Gnaplialium, Xeranthemum, Arctotis, Juncus, Isolepis, Scir-
pus u. s. w. Herr Leibolcl giebt hierauf ein sehr ausführ-
liches Verzeichnifs der Pflanzengattungen, welche auf den ver-
schiedenen Punkten des Felsengebirges vorkommen, das fast
eben so hoch als der Tafelberg ist. Die Protea- Arten, be-
sonders P7\ argentea, bilden grofse Wälder in der Nähe der
Capstadt, wo Bäume von 50 Fufs Höhe und am Fufs des
Stammes 12 Zoll im Durchmesser vorkommen; es ist dieser
Baum das Hauptbrennmaterial am Cap.
In den Gärten zunächst der Capstadt wachsen Limonen,
Citronen, Apfelsinen von der Gröfse nicht unbedeutender Lin-
denbäume; die Feigen tragen zweimal; ferner Psidium pyri-
ferum, Mespilus japonica, Castanea vesca, Juglans regiüy
Punica Granatum, Monis nigra, Pfirsich, Aprikosen und
Pflaumen, die hier ganz besonders gut gedeihen. Ferner Bir-
nen und Aepfel. Coffea arabica bringt Früchte und Miisa
ornata und paradisiaca gedeihen vortrefflich. Quitten sind
allgemein zu Hecken angepflanzt. Sorghum Caffrorum^ Ar-
duini Jacq. und deren Varietäten sind ein Haupt -Nahrungs-
mittel der Caffern und anderer Schwarzen. Die Getreidearten
werden fast alle im Herbste gesäet und kommen im Frühjahr
zur Reife.
Einige kurze Mittheilungen über die Vegetation am Cap
der guten Hoffnung und von van Diemeu's Land sind noch
von einer ungenannten Dame im Anhange zum Botanical Re-
gister (1839. pag. 52.) enthalten.
Von Herrn Eduard Otto*) haben wir eine Reihe von
Mittheilungen über dessen Reisen auf der Insel Cuba erhalten,
*) S. allg. Gartenzpitung etc. von Fr. Otto und Alb. Dietrich.
1839. No. 24-28 und 46.
12*
180
welche für den Pflanzengeographeii von vielem Interesse sind.
Gleich beim Eintritt in die Stadt Havanna wurde der Reisende
durch die prachtvolle Vegetation erfreut, weiche das Grabmal
des Columbus umgiebt, alle die Gewächse werden speciell
aufgeführt, welche sich daselbst vorfanden. Eine Schilderung
des botanischen Gartens von Havanna giebt uns eine wahre
Ansicht von dem Zustande dieser Anstalt. Die Beschreibung
der Vegetation des Pasco de Tacon und der nächsten Umge-
bung ist besonders interessant, denn hier hat man sich, wie
es scheint mit grofsem Geschmacke, sowohl der tropischen als
der aufsertropischen Vegetation zur Verzierung der Garten-
Anlagen bedient. Zuerst wurde die Kaffee -Plantage el Fun-
dador in der Nähe von Matanzas besucht. Die Ufer des Flus-
ses Camina waren reich mit Vegetation bedeckt ; auf den nack-
ten Felsen zur Seite stehen Agaven und Yuccen und die Bäume
waren mit Orchideen, Tillandsien, Guzmannia tricolor u. s.w.
bedeckt; eine Allee von Bamhusa arundinacea führte zum
Wohngebäude. Opuntia horrida und Cereus grandiflorus
waren die Cacteen dieser Gegend, aber alle Stämme waren
mit Bromeliaceen, Pothos und andern Aroideen überfüllt. Die
südliche Gegend von Cuba wurde während des Winters be-
sucht und die grofse Armuth der Vegetation während dieser
Zeit erregte das gröfste Erstaunen. In der Nähe von Trinidad
de Cuba fand Hr. Otto die Comocladia ilicifolia Swartz; aus
den Wunden in Folge des Abschneidens der Blüthen dersel-
ben flofs ein bräunlich grüner Saft, welcher die Hand befleckte
und einige Stunden später eine vergiftende Wirkung auf un-
sern Reisenden ausübte. Später hielt sich Herr Otto längere
Zeit in der Kaffee - Plantage Angerona (Distrikt Calajabas) im
Innern der Insel auf; bei den Schilderungen jener Gegend
gie])t er zugleich eine sehr ausführliche Nachweisung über die
Bestellung und Bewirthschaftung dieser Plantagen, wo an 80,000
Stämme gezogen und 3 — 4000 Ctr. Bohner Q:eärndtet werden.
Durch die Kaffee -Pflanzungen von St. Juan führte eine
Allee von Cocos -Palmen nach dem nahe gelegenen Walde, in
welchem Ficus, Kliizophora Mangle, Anoiia, Sida, Mimo-
sen und Bomhax sich befanden; alle Bäume waren verwebt
mit Passifloren und Convolvuhis. In einem Sumpfe fand sich
ein kostbarer Busch von Canncn, reich mit Blüthen bedeckt;
181
an den Stämmen der Wälder fand sich fast immer Epiden-
drinn cochleatum. Die einzelnen Quartiere in der Kaffee-
Plantage waren mit Ananas, Tradesccmiia discolor und Anim
esculentum eingefafst und zwischen den Kaffee -Sträuchern
standen Musa sapientum, paradisiaca und Oreodoxa regia.
Die Eingangswege zu den Wohnhäusern der Pflanzungen jener
Gegenden bestehen fast durchgängig aus Cocos nucifera und
Oreodoxa regia.
Von einem Herrn Descourtilz findet man im Anhange
zum Botanical Register*) eine briefliche Mittheilung über das
Auftreten der Orchideen in den Wäldern von Brasilien, welche
von vielem Interesse für die Pflanzengeographie wie für die
Gärtnerei sind, daher dieselbe auch in der Allgemeinen Gar-
tenzeitung der Herren Otto und Dietrich*) in der Ueber-
setzung vollständig wiedergegeben ist, worauf wir defshalb ver-
weisen können. Besondere Aufmerksamkeit verdient die fol-
gende Stelle: „Mitten unter luftigen Guirlanden von Aristo-
lochien, Bignonien, Winden und Passionsblumen leben die
Orchideen, von welchen jede einzelne Art ihre besondere
Pflanze zu suchen scheint. So z. B. meidet das Epi-
dendrum der Chinabäume in den Zweigen der Lecythis und
Couratari zu leben, ungeachtet der Saame dieser Schmarotzer
durch den Wind überall hingeweht wird. Andere Familien
wieder sind immer frei von Orchideen, wie z. B. Malvaceae,
die Isora- und Carolina-AviQW, so wie die der Palmen." Es
scheint dem Referenten, dafs noch keiner der Reisenden hier-
auf aufmerksam gemacht hat, und nach demjenigen zu urthei-
len, was er selbst in dieser Hinsicht zu sehen Gelegenheit
hatte, richtet sich das Vorkommen der Schmarotzer-Gewächse
auf den Rinden anderer Gewächse ganz nach der Leichtigkeit,
mit welcher sich die Rinde auflöst und in Dammerde verwan-
delt. Bäume mit harter und glatter Rinde, wie die Palme,
haben auch nur sehr selten Schmarotzer-Gewächse.
Auch Herr Gardner hat im Anhange zum Botanical Re-
gister***) eine kleine briefliche Mittheilung über das Klima
^) 1839. No. 3. pag. 21-23.
*^) 1839. pag. 118.
*^*) 1839. pag. 42.
182
bekannt gemacht, welches den Brasilianischen Orchideen zu-
kommt. An eben demselben Orte findet sich auch eine kurze'
Mittheiking mit der Aufschrift: Ilabits of Brazilian Parasites,
welche aus Walsh's Notices of Brazil., Vol. II., pag. 306. ent-
nommen ist.
Herr Wimmer*) hat einen interessanten Vortrag gehal-
ten über die Veränderungen, welche Pflanzen der Ebene in
den Gebirgen erleiden, worauf wir die systematischen Botani-
ker besonders aufmerksam machen möchten.
Herr v. Uechtritz**) hat der Bibliothek der schlesischen
Gesellschaft für vaterländische Kultur ein Manuscript: „An-
merkungen und Berichtigungen, die Europäische Vegetation
betrefi'end, zu Schouw's Europa etc." übergeben, worin haupt-
sächlich die kleinere und gröfsere ungarische Ebene und die
Waldvegetation von Spanien und Portugal geschildert ist.
Von Herrn Wenderoth***) sind Beiträge zu einer Cha-
rakteristik der Vegetation von Kurhessen publicirt, welche
viele einzelne Beobachtungen, betrefi'end die Vegetation jenes
Landes, enthalten, sich doch weniger zu allgemeinen Resulta-
ten und zur Mittheiiung an diesem Orte eignen. Der Ver-
fasser selbst betrachtet diese Arbeit als den allgemeinen
Theil einer speciellen Flora jenes Landes, welche Bestim-
mungen über das Gebiet, das sie einnimmt, den Boden, wor-
auf sie hervorsprofst, die klimatischen Verhältnisse, unter de-
nen sie steht, kurz das darauf bezügliche allgemeine Geo-To-
pologische nebst Zusammenstellung der Gewächse der Flora
nach verschiedenen charakteristischen Momenten, Relationen
u. s. w. enthält.
In dem vorletzten Jahresbericht!) wurde eine Abhand-
lung des Herrn Miquel über den Ursprung des Sargasso in
dem danach benannten Sargasso-Meere angeführt, welche ver-
*) Jahresbericht der schlesischen Gesellschaft für vaterländische
Kultur im Jahre 1838. Breslau 1839. pag. 127.
**) Ebendaselbst pag. 131.
''**) Versuch einer Charakteristik der Vegetation von Kurhosson.
Als Einleitung in die Flora dieses Landes. Nebst zwei Probebogen:
einen der Flora Hassica und einen der Flora Marburgensis. Mit drei
Abbildungen. Kassel 1839.
f ) Berlin 183ö. pag. 184.
I
J83
schierleno Angaben enthielt, Hie Referent bestreiten zu müssen
erlaubte, indem sie gerade gegen die von ihm selbst aufgestell-
ten Ansichten und gegen die von ihm gemachten Beobachtun-
gen gerichtet waren. Herr Miquel ist indessen sehr huzu-
frieden, dafs sich Referent durch das Raisonnement (welches
Herr Miquel in jener Abhandlung gegeben hat) nicht für be-
siegt erklärt und hat defshalb eine Erwiderung publiciren las-
sen*). Diese Erwiderung handelt eigentlich über zwei Punkte,
nämlich über den Ursprung des Sargasso's in dem Sargasso-
Meere und zweitens über die Benennung dieser Pflanze. Was
den Ursprung des Sargasso's in jenem Meere anbetrifft, glaubt
Herr Miquel ganz hinreichend erwiesen zu haben, dafs der-
selbe früher festgesessen und dann einmal losgerissen ist, und
dafs also die Meinung des Referenten**), dafs jener umher-
schwimmende Tang niemals festgesessen habe, widerlegt sei.
Referent hat jedoch die Thatsachen, worauf diese seine Mei-
nung gestützt ist, schon oft genug beschrieben, so dafs er nicht
erwartet hat, dafs irgend Jemand gegen dieselbe auftreten
werde, der niemals Gelegenheit gehabt hat, diesen Gegenstand
an Ort und Stelle zu untersuchen, sondern nur nach einzel-
nen abgerissenen Aesten urtheilt, welche ihm Freunde aus je-
nen Gegenden mitgebracht haben. Ich habe dagegen eine ganze
Menge junger, aber vollständiger Exemplare (bis zu 9 und 15
Zoll im Durchmesser) mitgebracht und dieselben sehr hochge-
stellten Gelehrten vorgezeigt, und wer dieselben bei mir ge-
sehen hat, der mufste auch meine Beobachtung, dafs diese
Exemplare niemals festgesessen haben, bestätigen u. s.w. Wenn
es aber Hrn. Miquel rechtsehr daran gelegen ist, die Schlüsse
als unrichtig nachzuweisen, welche ich aus meiner Beobach-
tung zog, so will ich ihm selbst den Weg zeigen, den er defs-
halb einzuschlagen hat, denn mir selbst liegt nur an der Er-
*) Nadere Toelichtirig omtrent den Aard en Oorsprong van het
Zee Kroos. — Van der Hoeven und de Vriese Tiidschrift voor
Natuurl. Geschieden, en Phys. V. pag. 321—331., mid Miquel, Re-
marques servant ä illustrer Thistoire et la nature du Sarg:asse de
rOccan. — Im Bullet, d. scienc. phys. et natur. en Neei-lande. 1839.
pag. 198-200.
*^) Ich habe leider schon zu oft über diesen Gegenstand geschrie-
ben, als dafs ich denselben nochmals ausführlich behandeln solUf Kef
1S4
forscluing der Wahrheit. Man mufs nämlich einzelne mehr
oder weniger grofse Aestchen des bekannten Sargassum na-
tans, oder auch anderer ähnlich gestalteten Tangen ablösen
und nun genau beobachten, ob das abgerissene Ende der Pflanze
weiter fortwächst und ganz ähnliche und gleich grofse Aeste
entwickelt wie jener, durch welchen die Pflanze vermehrt wurde,
denn in den von mir mitgebrachten Exemplaren des Sai^gas-
Silin naians verlaufen die Aeste, von einem Mittelpunkt aus-
gehend, radial nach der Peripherie. So lange nun aber diese
Beobachtungen nicht gemacht sind, so lange mufs ich bei mei-
ner altern Ansicht bleiben. Es versteht sich übrigens ganz von
selbst, dafs in der Nähe der westindischen Inseln, besonders
in der Nähe der Bahama-Strafse, eine grofse Menge von un-
serm Sargasso umherschwimmt, der früher wirklich festgeses-
sen hatte und dann auch noch die sogenannte Wurzel zeigen
wird, doch diese wirklich losgerissenen Pflanzen, welche
fast immer mit Früchten zu finden sind, darf man ja nicht
mit jenen in der wirklichen Sargasso-See verwechseln, welche
bis jetzt weder mit Wurzeln noch mit Früchten gefunden sind.
Der zweite Punkt, welcher in den Erwiderungen des Hrn.
Miquel auseinandergesetzt wird, betrifft die Benennung der
obigen Pflanze; Herr Miquel hat ihr den Namen Sargassmn
Colimibi gegeben, aber nach den Gebräuchen, welche die Na-
turforscher über die Benennung der Naturalien unter sich fest-,
gesetzt haben, mufs die Pflanze Sargassum natans heifsen,
wenn man auch später fand (was ich selbst, wie ich glaube,
nachgewiesen habe, Ref.), dafs das Sargassum natans auch
festsitzend vorkommt und mit Sargassum hacciferum iden-
tisch ist. Wie unendlich viele Pflanzen haben von ihren Ent-
deckern unrichtige Beinamen erhalten, weil man diese oder
jene Eigenschaft nur diesen Arten allein zukommend glaubte,
später aber das Gegentheil davon fand; der Beinamen konnte
aber defshalb nicht mehr geändert werden, und wo es geschah,
da wurde das Heer der Synonyme noch mehr vergröfsert. !
185
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Hel-
minthologie während des Jahres 1839.
Von
Dr. Carl Theodor v. Siebold.
Von Professor Mayer wurde eine neue Eintheilung der
Helminthen vorgeschlagen^), welche wir hier kurz anführen
wollen :
I. Nematelminthi (die Nematoidea und Acanthocephala Rud.
enthaltend),
II. Rhytelminthi, eine neue Ordnung mit einer einzigen Art,
III. Lobelminthi (die Trematoda Rud.) a. Cotylophori, b. Aco-
tylophorL
IV. Cestelmintki (jCestoidea Rud.) und
V. Cystelminthi (Cystoidea Rud.).
Die zweite Ordnung wird, wie wir nachher sehen werden,
gestrichen werden müssen, stellen wir dafür die Acanthocephala
als eigene Ordnung wieder her, welche sich einmal mit keiner
der übrigen Ordnungen vereinigen lassen, so haben wir wieder
die alte Eintheilung Rudolph!' s.
Bellingham gab eine recht gute allgemeine Uebersicht
aller derjenigen Resultate, welche aus den bisherigen Unter-
suchungen über Helminthen hervorgegangen sind^). He nie
macht darauf aufmerksam ^), dafs die Entowen in verschiedenen
1) Mayer: Analekten für vergleichende Anatomie. 2te Sammlung.
1839. pag. 70.
2) Bellingham: über die inneren Schmarotzerthiere, S. Fro-
riep's neue Notizen, nr. 231 und 232.
3) Henle: pathologische Untersuchungen, pag. 63. S. Froriep's
neue Notizen, nr. 270. pag. 86.
Wiegmann'.; Archiv. VI. Jalir^. 2. ߫i. 13
186
Lebensperioden ganz verschiedene Organisationen besitzen und
zu einer gewissen Zeit dazu bestimmt scheinen, aufserhalb des
Körpers zu leben, und wirklich auch freilebend angetroffen
werden, wobei er sich auf die neueren Untersuchungen der
Helminthologen bezieht.
Die Entozoen des Auges haben seit Nordmann 's schö-
nen Entdeckungen die Aufmerksamkeit der Augenärzte erregt,
so dafs wir jetzt in den neuen Handbüchern für Augenheil-
kunde diesem Gegenstande ein besonderes Kapitel gewidmet
finden *).
. Nematoidea.
Bellingham beschreibt eine neue Species von Äscaris
unter dem Namen A. alata^^, welche in einem fünfjährigen
Kinde angetroffen wurde.
Das Thier hatte eine Länge von 3^ Zoll und einen Quer-
durchmesser von 4 bis \ LIn., sein Vorderende Ist auf jeder
Seite mit einer halbdurchsicbtigen Membran versehen, die drei
die Mundöffnungen umgebenden Höcker sind klein aber deut-
lich, das Schwanzende ist konisch nnd besitzt einen kleinen
schwarzen Fleck.
Derselbe fand den Strongylus trachealis Nathus. schon bei
14 Tage alten Hühnern vor^), welche seit dem fünften Tage
ihres Lebens an den Symptomen des Hebels, the gapes ge-
nannt, gelitten hatten.
Di es in g machte fünf neue Gattungen von Rundwürmern
bekannt und bildete dieselben vortrefflich ab').
Sehr merkwürdig Ist die neue Gattung CJieiracantJius mit
den beiden Arten Ch. rohustus und gradlis, erstere aus dem Ma-
gen von Felis Catus fer. und Felis Concolor^ letztere aus dem
Darmkanale von Sudis GigSiS, Dieses Genus ist ausgezeichnet
4) Chelius: Handbuch für Augenheilkunde. 1839. Bd. IL pag. 523.
Macke nzie: a practical treatise on the diseases of the eye.
1840. pag. 908.
5) Bellingham: s. Froriep's neue Not. nr. 194. pag. 280.
6) Froriep's neue Not. nr. 187. pag. 175.
7) Die sing: neue Gattungen von Binnenwürmern nebst einem
Nachtrage zur Monographie der Amphistomen^ mit 5 Kupfertafeln.
S. die Annalcn des Wiener Museums der Naturgeschichte. Band II.
Abth. II. pag. 215.
187
durch einen fast runden, stark abgeschnürten Kopf und durch
die bandförmigen Stacheln, mit denen der vordere Tbell des
Körpers über und über besetzt ist. Diesing erkannte an die-
sen Nejnalofdecn ein unter der Muskelschicht verbreitetes Ge-
fäfsnetz, und vier längliche aus bandförmigen schiefgewundenen
Spiralfasern gebildete hohle Blindsäcke, welche vom Kopf neben
der Speiseröhre frei herabhängen; diese letzteren vN-erden von
Diesing nicht für Speichelorgane, sondern für den Lemniscen
der AcnntJiocephalen analoge Organe gehalten, und mit Jenen
von Tiedemann beschriebenen ovalen Bläschen verglichen,
welche bei ^en EcJunodermen mit dem Gefäfssvsteme für die Ten-
takeln, Haut und Füfschen in Verbindung stehen. Der Penis
ist einfach» Bei der anderen neuen Gattung, LecanocepJialus
spifiulosus, aus dem Mugen von Suciis Gigas^ ist die ganze Ober-
fläche des Leibes sehr enge geringelt und mit dicht an einander
gereihten Stacheln besetzt. Ancyracanthus jnnnalifidus^ aus dem
Dünndarm und Magen der Poclocnemis eocpausa und Tracaoca
JVagl.^ ist ausgezeichnet durch vier aufsen am Kopfe herabhän-
gende lanzetförmlge und gefiederte Stacheln. Die vier Tie-
demann'schen Bläschen sind auch hier vorhanden; der Penis
ist doppelt, der lange Magen ist stellenweise tief eingeschnürt.
Heierocheilus lunicatus bewohnt den Magen des IManatus eocun-
guis Nalt. und ist durch die eigenthümliche Bildung des Kopfes
merkwürdig; dieser besteht nämlich aus zwei gegenüberstehen-
den ungleich dreilappigen, vorn abgestutzten Lippen und aus
einer seitlich stehenden breiteren und etwas längeren dreilappi-
gen Lippe. Am Anfange des Darmkanals entspringt ein Blind-
darm, der gegen das Kopfende hin verläuft. Die Ruthe ist
doppelt vorbanden. Steplianurus deniatus lebt 'u\ Kapseln zwi-
schen den Häuten des Schmeres einer chinesischen Race von
Sus Scrofa dom.^ derselbe zeigt eine weit aufgesperrte, fast
kreisrunde Maulöffnung, deren Rand mit 6 Zähnen besetzt ist.
Das Schwanzende des Männchens erscheint gerade und ist von
5 lanzetförmigen Lappen umgeben, welche durch eine dünne
Membran mit einander verbunden sind. Das weibliche Schwanz-
ende biegt sich um und läuft in eine gerade schnabelartige
Spitze aus. Der Darmkanal besitzt gröfstentheils wellenförmige
Biegungen. Die Hoden sind doppelt vorhanden und entsprin-
gen als dicke, an beiden Enden verschmälerte Schläuche, die da-
zugehörige Ruthe ist nur einfach. Beide Eierstöcke stellen eben-
falls eine Schlauchform dar.
Curling hat einen neuen Parasiten aus der Harnblase
des Menschen unter dem Namen Dactylius aculeatus sehr um-
ständlich beschrieben ®). Die Beschreibung dieses Schmarotzers
8) Curling: on th^, Dactyluis aculeatus. Case ofa girl, who
voided fjom the Urethra a number of ento%ootic worms not hitherto
described. S. Medico-clürurgical transactions. Vol. 22. 1839. pag. 274.,
vergleiche Froriep's neue Notizen, nr. 267. (im Auszuge) und nr. 286.
(in der Uebersetzung).
13*
188
irnifs die Aufmerksamkeit der Helminthologen in einem hohen
Grade erregen, da wir mit einem Wurme bekannt gemacht
werden, der, als Helminthe betrachtet, von den übrigen bis
jetzt bekannten Helminthen durchaus abweicht, so dafs Ref.
das Einreihen desselben in die Ordnung der Nematoidee?i, wie
es Curling gethan hat, nicht als richtig anerkennen kann.
Curling beschreibt den Hals und Schwanz des Wurms
geringelt, wobei man sogleich an die bekannten Hautfalten denkt,
welche auf der Epidermis der meisten Nematoideen vorkommen,
betrachtet man aber die sehr stark vergrüfserte Abbildung (Flg. 2.
und 3.), so erkennt man keineswegs eine solche Ringelung der
Oberhaut, sondern es scheint vielmehr der ganze Leib an den
genannten Stellen, wie bei den Annulaten, geringelt zu sein.
Die Büschel von drei, vier bis fünf spitzigen Stacheln, welche
aus der Haut des Wurms hervorragen und in Längsreihen ange-
bracht sind, und durch einen elgentliümllchen Muskebpparat aus-
und eingezogen werden können, erinnern, wenn man die Abbil-
dung Fig. 4. betrachtet, augenblicklich an die l>ancli borsten von
Lumbricus ^ Nais und Chaeiogasier. Dafs die Stacheln bald vor-
wärts bald rückwärts oder gerade aus gerichtet sind, ebenso dafs
die Stachelbüschel In der Zahl der Stacheln varllren , dies alles
hat Dactyiius mit den NaicJe^i gemein. Uebrigens sind die
Stacbelbüschel des Daciylius sehr undeutlich In Fig. 4. 5. und .3.
abgebildet, so dafs man sie für einzelne drelzähnige Stacheln an-
sehen möchte, Avie solche bei gewissen Nematoideen von D iesln g
bereits beschrieben worden sind. Der Nahrungskanal des Da-
ciylius soll mit drei kleinen gewundenen Röhren am Munde an-
fangen und Ist wirklich so abgebildet (Flg. % d.), es scheint
dies ein Beobachtungsfehler zu sein. Die Bewegungen des Darm-
kanals sah Curling auiserordentlich schön; es sind solche Be-
wegungen bei keiner Ncmaioidee bis jetzt beobachtet worden,
sie finden aber bei allen Naiden In gleicher Lebhaftigkeit Statt.
Der ^nus wird als ivUablatiis charakterlsirt, auch bei den Naiden
glebt es Arten, deren After von Lacinien umgeben Ist, z.B. bei
Nais digiiata und furcaia IMidl.^ übrigens Ist in den von Cur-
ling gegebenen Abbildungen Fig. % und 3. nicht eine Spur
von diesem anus irilahialus zu erkennen. Das regelmäfsig pul-
sirende Gefäfs, welches bei Dactyiius vorkömmt und mit der
Dorsal-Arterie der Annulaten verglichen wird, Ist eine bei den
Nematoideen unerhörte Erscheinung und bringt diesen Wurm
den Naiden iloch näher. Curling spricht von männlichen und
weiblichen Individuen des Dactyiius, ohne dafs er näher nach-
weist, was ihn zu der Annahme dieser Geschlechtsverschiedenheit j
bewogen hat; er erwähnt weder der Eierkeime, welche uns so
leicht auf die Spur der v/eibllchen Geschlechtsorgane bringen,
noch sah er überhaupt die männlichen Geschlechtswerkzeuge,
sondern er schliefst das Vorhandensein von männlichen Thiercn
allein aus der geringeren Gröfse mehrerer Würmer, welche nach
Refer. Meinung eben so gut jüngere Thierc überhaupt sein
189
konnten. Wären es mlinnliclie Nematoiäeen gewesen, so hatte die
Ruthe, welche bei ^W^nNettintoideen eine hornige Beschaffenheit
zeigt, und sehr leicht in die Augen fällt, von Curling bemerkt
werden müssen. Was nun Curling als die weiblichen Ge-
schlechtsthelle beschreibt, das sind wahrscheinlich die vereinigten
männlichen und weiblichen Geschlechtsthelle gewesen. Die An-
schwellung und dicke Hautbedeckung am vorderen Ende des
Leibes, welche Curlin g an Dactylius beobachtet hat, entspricht
dem Sattel der Naiden. Curling erwähnt ferner zwei langer,
vielfach um den Darmkanal herumgewundener Uühren, und be-
trachtet dieselben als Oviducie\ dergleichen lange gewundene
Kühren kennt Ref. bei den Naiden freilich nicht, ob dieselben
aber wirklich Eierleiter sind, hat Curling nicht näher nachge-
wiesen. Bleibt es nun zweifelhaft, wohin der Daciylius aculea-
ius im Systeme gestellt werden müsse, so entstehen neue Zweifel
über den Fundort oder vielmehr den Wohnort des Thieres.
Eine Naide ist bis jetzt als Binnenwurm der höheren Thiere und
des Manschen noch nicht bekannt gewesen, (ein den Naiden
nahe stehendes Thier, C'haetogastev Lhtinaei BaeVj schmarotzt
bekanntlich auf unseren Süfswasserschnecken). Ist es aber wirk-
lich ausgemacht, dafs dieser Daciylius aculeaiiis aus der Harnblase
eines Mädchens ausgeleert worden ist? Curling erhielt den
Wurm aus der dritten Hand, seine Aussage kann uns also keine
ganz sichere Bürgschaft leisten. Wie viele Urinwürmer des
Menschen sind nicht schon beschrieben worden, von denen sich
nur wenige als wahre Helminthen haben erhalten können, wäh-
rend es sich bei den übrigen nach genauerer Untersuchung er-
wiesen hat, dafs sie nicht einmal mit dem Urin waren ausgeleert
worden. Möchten doch alle Helminthologen sich dieselbe Vor-
sicht, mit welcher Bremser das (JcvcosQma von Brera aufge-
nommen hatj zu eigen machen!
Valentin entdeckte in den Kapillargefafsen des Fufses
eines grünen Frosches junge Angidllulae intestinales ^ welche
zwischen den Blutkörperchen umherschvvammen und durch den
Blutstrom mit fortgerissen wurden ^). Ganz ähnliche Entozoen
hatte er in der Flüssigkeit angetroffen, welclie der plexus cho-
rioideus des vierten Ventrikels (vom grünen Frosche) umgab ^ °).
Raspail theilt sehr sonderbare Dinge über microskopische
Ascariden mit, welche aus dem Mastdärme hervorkriechen,
ihre Schwänze in die Epidermis einsenken und so Jucken und
Ausschläge veranlassen i auch sollen dieselben Thierchen bis in
das Innere der Sexualorgane schlüpfen und diese krankhaft
9) Valentin: de functionibiis nervorum cerebralium et nervi
sympathici. 1839. pag. 144.
10) Ebend. pag. 101.
190
aufreizen**). Derselbe möchte aufserdem noch einem Einge-
weidewurme das Anfressen {Caries) der Zähne aufbürden * ^).
T r e m a t 0 d a.
Creplin lieferte eine sehr gute Beschreibung des 3Io-
nostomum Faha^^^; wir finden hier Maul, Darm und das Ex-
cretionsorgan mit seinem Porus riclitig besclirieben nnd eben-
so die Geschlechtsorgane richtig gedeutet. Das Thier war in
den Hauttuberkeln an beiden Schenkeln und am unteren Rük-
kentheile von Sylvia Fitis angetroffen worden.
Durch Die sing sind die Trematoden um zwei neue Gat-
tungen vermehrt worden**).
u4spidocotylus wird von ihm eine Gattung genannt, welche
in der Gestalt dem Polystoinum nahe kömmt, aber auf dem
scheibenförmigen Leibesende mit äufserst zahlreichen Saugnäpfen
besetzt ist; die einzige hierhergehörige Art, ud. viutahilis wurde
im Darmkanale einer wahrscheinlich neuen Species von Caia^
pfiraclas gefunden. Die Länge des Wurms beträgt .3 Linien.
Die andere neue Gattung bildet Diesing aus dem bisher als
IMonosioinuin verrucosum bekannten Schmarotzer, welchen er jetzt
Noiocoiylus iriscriaVis nennt. Der Hauptcharakter dieses Genus
wird mit den W^orten acetahuJis sucioriis dorsalihus numerosis^
Serie tnplici longlUtdlnali besonders hervorgehoben. Aufser den
bereits gekannten Fundorten dieses Wurms werden noch Anas
PeneJope^ Anser alöifrons und Cygmis BewiJiü angeführt.
In einem Nachtrage lernen wir durch Diesing noch
sechs neue Arten von Ämpliistomum kennen * ^).
-4. Cornu aus dem Darmkanale von Caiap/iracius Vacu
Nait.^ A. asperum (acetahulo hasilari aspero) wurde von Nat-
ter er im ersten und zweiten Blinddarme des Tapirus america-
nus angetroffen. A. pyriformc wurde mit dem vorigen gleich-
zeitig in demselben Tapir aufgefunden. A. fabaceum kömmt
im lilinddarme des Manalus ejrunguis Nait. in grofser Menge
vor. A. grande variirt von 2 Lin. Länge bis zur Grölse eines
wiener Zolles, und findet sich ziemlich häufig im Magen und
11) Raspail: über die unmittelbare Ursache der meisten Fälle
von krankhafter Aufreizung der Sexualorgane. S. Froricp's neue No-
tizen, nr. 189. pag. 199.
12) Ebenda, nr. 192. pag. 256.
13) S. dieses Archiv. 1839. I. pag. 1. Taf. I.
14) S. Wiener Annalen. a. a. O. pag. 234.
15) Ebenda, pag. 235.
191
Darmkanale von 9 verschiedenen Arten südamerikanischer Schild-
kröten. A. etnarginaium zeigte sich im Darme der CalUihrix noc-
\ iivaga ISatt,
Cestoidea.
Lereboullet*^) erklärte die beiden Längsstreifen, welche
sich an beiden Seiten der Ligtila simplicissima herabziehen,
für zwei Nervenstränge.
Es ch rieht machte über den Bothriocephalus latus meh-
rere interessante Beobachtungen bekannt ^'^).
Von den in den Seltentheilen der Glieder dieses Band-
wurms befindlichen gelblichen Pünktchen, welche Esc bricht
Bauch- und Rückenkörner nennt, sind an den hinteren Gliedern
die Bauchkörner sehr erweitert und angefüllt, und münden durch
sehr viele und verzweigte Gänge in den Eierbehälter jedes Glie-
des ein. Zu den männlichen Geschlechtstheilen rechnet Esch-
rieht aufser der bekannten Ruthe noch die grofse, hinter der
grofsen männlichen Geschlechtsöffnung gelegene Ruthenblase,
in welche einige äufserst stark gewundene Gänge hineinmün-
den, nachdem sie in vielen Windungen an der Rückenfläche
des Eierbehälters hinaufgestiegen sind. Eschricht läfst es
zweifelhaft, ob diese gewundenen Gänge die Hoden sind, oder
ob andere grofse Drüsen, deren sich 400 in jedem Gliede befin-
den, dafür anzusprechen sind. Diese Drüsen machen die in-
nerste Schicht zwischen Bauch- und Rückenfläche aus. Die
grofse männliche Geschlechtsöffnung ist von einer Hautfalte um-
geben, welche E schriebt das preapuüum der Ruthe nennen
möchte, in der Umgegend dieser Falte liegen sehr viele Drüsen,
wahrscheinlich gJcmdulae mucosae pracputn. Als Ernährungsor-
gan liefscn sich 2 seitlich vom Kopfe durch alle Glieder schnur-
gerade verlaufende Stränge erkennen, eine innere Höhle ist an
ihnen jedoch nicht deutlich geworden. Muskelfasern waren
theils unter der Haut, thells etwas tiefer als Längs- und Quer-
fasern zu erkennen, von Nerven dagegen keine Spur.
Von demselben war auch der Bothriocephalus punctatus
aus Cottus Scorpius zu genaueren Beobachtungen gewählt
worden ^®).
Er fand diesen Bandwurm stets mit dem Kopfende, und
zwar mit der Spitze des Kopfes, nie mit den Seitengruben, an
der Schleimfläche der appendkes pyJoricae festsitzen, während
die Glieder des Wurms in den Darm herabhingen. Die Länge
der verschiedenen Individuen variirte zwischen 1^ Fufs und
I
16) L'institut. 1839. nr. 312. pag. 446.
17) Isis. 1839. pag. 344,
18) Ebenda.
192
^ bis -j Linie. Nach Escbricht*s Beobachtungen scheint es,
als sei das Leben dieser Thlere im Winter nur der Ernährung,
dem Wachsthume und der Vermehrung der Glieder gewidmet,
und als ginge erst am Schlufse des Winters, nachdem die Indi-
viduen ihre volle Länge erreicht, die Eierbiidung vor sich, so
dafs im angehenden Sommer die Eierbehälter strotzten und
sämmtllche Glieder abrlfsen und ausgestofsen wurden. Die
männlichen Geschlechtsöffnungen sollen sich an der einen Fläche,
die weiblichen hingegen an der anderen Seite vorfinden.
Mayer ^^) fand auf beiden Seiten der einzelnen Glieder
von Taenia denticulata ein ovales Organ (Kode), dieses mün-
dete mit einem Ausfiihrungsgauge in einen gekrümmten Kanal
(JJterus oder vagi?ui), welcher in die ovale Geschlechtsöffnung
ausläuft; aus dieser ragt der grofse gekrümmte und zuge-
spitzte Penis hervor.
Nach einer Beobachtung des Dr. Burdach ^^) in Senf-
tenberg, sollen einer Frau durch die Harnröhre zwei Enden
eines Bandwurms vou der Breite eines plattgedrückten groben
Zwirnfaden und von etwa Fingerslänge abgegangen sein, die
Glieder werden als J Zoll lang angegeben. Es ist zu be-
dauern, dafs diese Bandwurm-Fragmente keinem Helmintholo-
^en zur genaueren Untersuchung übergeben worden sind.
C y 5 t i c a.
Zwei Thierärzte, Schellhase und König, gaben Be-
merkungen über die Entstehung des Coenurus cerehraUs "^ ^'),
und sehen eine ganz besondere Veranlassung zur Erzeugung
des Drehwurms darin, wenn der Organismus der Lämmer durch
Aufenthalt iu dumpfigen Ställen und Mangel an Bewegung,
hauptsächlich aber durch schlechtes und karges Futter ge-
schwächt wird, und wenn hierauf plötzlich eine kräftige und
reichliche Fütterung eintritt. Der Thierarzt Barthelemy
bemerkte, dafs die Drehkrankheit auch beim Reh vorkömmt ^^).
19) Analekten^ II. pag. 70.
20) Medizinische Vereins* Zeitung. 1839. nr. 13. pag. 68.
21) Schellhase: Bemerkungen über die Drehkrankheit der
Schafe, »nd Kon ig: über die Drehkrankheit der Schafe. S. Gurlt
und Hertwig: Magazin für Thierheilkundc. 1839. pag. 281. und 1840.
pag. 1.
22) Froriep's neue Notizen, nr. 187. pag. 175.
193
Nivet beschreilit zwei Fälle von Cysticercus cellulosae
im Gehirne, welche einen Mann von 43 Jahren und einen
56 jährigen Mann betroffen hatten ^^); beide waren Trunken-
bolde und starben in Folge heftiger Delirien, letzterer hatte
seit vielen Jahren hin und wieder an epileptischen Anfällen
gelitten. Im ersten Falle waren 14, im zweiten Falle 9 Fin-
nen vorhanden. Die meisten Finnen fanden sich in der grauen
Substanz, einige zwischen den Hirnhäuten, nur eine in der
weifsen Substanz. Sie waren sämmtlich von einer zelligen
faserigen Cystis von verschiedener Dicke umgeben. Andere
krankhafte Veränderungen waren am Gehirne nicht bemerkt
worden. In dem zweiten Falle waren auch der linke Darm-
bein-Muskel, der Psoas und einige andere Muskeln der Bauch-
wandungen mit Finnen besetzt. Es wird noch besonders dar-
auf aufmerksam gemacht, dafs der letztere Patient ein Schweine-
schlächter war und wohl oft finniges Schweinefleisch genossen
haben mochte.
Einen interessanten Fall von Cysticercus cellulosae unter
der Co7ijunctiva eines Kindes theilt Dr. Höring in Ludwigs-
burg mit^'').
Ffn siebenjähriges Mädchen sticfs sich im Herbste 1837 an
der Kante einer Kufe und trug ein blaues Auge davon, welches
bald wieder verschwand. Erst im Juni 1838 bemerkten die
Eltern des Kindes, dafs das rechte untere Augenlid geschwollen
sei. Diese Anschwellung rührte von einer roth und flelschlcht
aussehenden Geschwulst her, welche von der Gröfse einer in
ihrem Längendurchmesser durchschnittenen Haselnufs war, auf
der Sclerotica fest aufsafs und bei gerader Stellung des Bulbus
von dem unteren Augenlide ganz bedeckt wurde. Die Con-
junciiva war da, wo sie die Geschwulst überzog, stark geröthet.
Das Uebel brachte weder Schmerz noch Stöhrungen des Sehens
hervor. Als nach fruchtlosen örtlichen Hellversuchen mittelst
Jodsalbe, Solutio lapid. infernal, und Cataplasmen ein Einstich
in die Geschwulst gemacht wurde, quoll ein vollständig ausge-
bildeter Cysticercus cellulosae hervor, die noch theilwelse beste-
hende Geschwulst verschwand In einigen Wochen unter dem
23) Schmidt's Jahrbücher. 1840. B. 26. pag. 171.
24) Medizin. Correspondenz -Blatt. Band IX. nr. 25. pag. 196.,
Froriep's neue Notizen. 1840. nr. 277. pag. 204., Ammon's Monats-
schrift für Medizin, Augenheilkunde und Chirurgie. 1839. Band II.
pag. 466.
194
Gebrauche eiuer Jodsalbc. Höring hält diesen Fall besonders
deshalb für ausgezeichnet, weil er ganz unzweifelhaft nach einer
äufseren Verlelzung entstanden ist.
Cruveilhier theilt zwei Fälle mit'^^), in welchen die
Milz mit Fc/iimcoccus hominis besetzt war; aus den beiden ge-
gebenen Abbildungen geht deutlich hervor, dafs im ersten
Falle (Fig. 1.) eine grofse Mutterblase viele kleinere enthielt,
von denen wiederum jede noch kleinere Muttcrblasen ein-
schlofs. Auf die kleinen Echinococcus-YJ6^{d\^\). ist nicht Rück-
sicht genommen worden, welche sich bei einer genaueren Un-
tersuchung zu erkennen gegeben hätten. In dem zweiten Falle
zeigte sich nicht allein die xMilz, sondern auch die Leber durch
Echinococccn entartet. Die Echinococcen der Milz waren be-
reits abgestorben und, wie dies dann gewöhnlich zu geschehen
pflegt, theils verknöchert, theils in eine weifse Schmiere ver-
wandelt. Dafs diese Schmiere von abgestorbenen Echinococcen
herrührte, hätte sich bestimmt erwiesen, wenn dieselbe mikro-
skopisch untersucht worden wäre, denn die einzelnen Häck-
chen der Hackenkränze bleiben, wenn die Echinococcus-YJö'^i-
chon bereits spurlos verschwunden sind, unversehrt in der
Schmiere zurück. So lange man sich in Frankreich des un-
zweckmäfsigen Namens Äccphalocijstis nicht entschlagen wird,
so lange wird man auch diese blasigen Gebilde unrichtig beur-
theilen. Einen höchst interessanten Fall behandelt Cruveil-
hier auf Planche VI. ^^•), in welchem sich bei einer Frau
höchst wahrscheinlich der Echinococcus in der Rückenmarks-
höhle, in der Gegend des ersten Lendenwirbels entwickelt
hatte, wobei sich das Uebel äufserlich wie eine unvollkommen
geheilte Spina hifida ausnahm.
Das Uebel war von den heftigsten Schmerzen, von Kon-
vulsionen und Paraplegie begleitet und führte zum Tode. Es
ist merkwürdig, dals diese Person die Entstehung ihrer Leiden
von der Zeit an herleitete, als sie einmal einen schweren Ge-
fenstand heben wollte und dabei plötzlich ein schmerzhaftes
rächen in der Lumbargegend empfand. Man fand nach dem
25) Cruveilhier: Anatomie fathologique du corj)shumain.i839.
35 ferne livraison. PI. I, Cystes acephalocijsies de la rate. S. auch
Froriep's neue Notizen, nr. 336. pag. 89.
26) Cruveilhier: a. a. O, S. auch Froriep's neue Not. nr. 335.
pag. 71.
195
Tode der Patientin hinten auf der Wirbelsäule eine ^rofse Mut-
terblase Hegen, welche zum Thell zwischen den Wirbelbelnen
In die Rückenmarkshöhle hineinragte, und welche thells abge-
storbene thells unversehrte kleine Mutterblasen enthielt. Es
Ilefs sich erkennen , dafs das Rückenmark von diesen Echinococ-
cus gedrückt worden war, wobei jedoch die Häute des Rücken-
marks unverletzt geblieben waren. Waren neben der gemachten
chemischen Analyse mikroskopische Untersuchungen dieses pa-
thologischen Erzeugnifses angestellt worden, so hätte man be-
stimmteren Aufschluls über die Natur desselben erhalten.
Eine interessante, wie es scheint, unleugbare Beobachtung
wurde von Schmith in t/ie Lancet (1838) bekannt gemacht,
eine Dame nämlich stirbt plötzlich, bei der Sektion fand sich
im rechten Ventrikel des Herzens eine grofse Hydatide, in der
acht oder zehn andere, welche in einer Flüssigkeit schwam-
men, enthalten waren-''); sollte man hiebei nicht an Echino-
coccus liominis denken? — In einem anderen Falle, welchen
der Kreisphysikus Gerlach in Czarnikau meldet ^^), sind
vermuthlich Ec/imococcen-Blasen durch den Stuhlgang von
einem 44 Jahre alten Juden entleert worden, auch hier sind
die abgegangenen Hjdatiden, wie sie schlechthin genannt wer-
den, nicht genauer untersucht worden.
Referent machte mehrere neue Arten von Gregarina be-
kannt ^^), eine Schmarotzer- Gattung, deren zahlreiche Arten
bis jetzt nur allein in dem Verdauungskanale der Insekten
angetroffen worden.
Es stellen die hierher gehörigen Schmarotzer kleine milcb-
welfse Körper von bald längerer bald kürzerer, ovaler Gestalt
dar, an der sich ein vom Körper abgeschnürtes Kopfende unter-
scheiden läfst. Sie bestehen aus einer sehr festen glatten und
überall geschlossenen Hülle, welche stark elastisch ist und eine
äufserst feinkörnige, mllchwelfse Masse einschliefst; zwischen
dieser Masse steckt ein klares Bläschen verborgen, welches wie-
derum andere kleinere Bläschen bald in gröfserer bald in gerin-
gerer Anzahl einschliefst. Sonst ist keine Organisation weiter
in dem Inneren dieser Gebilde wahrzunehmen. Eine selbststän-
dige Bewegung äufsert sich an ihnen nur selten, welche alsdann
in einer wurmförmlgen Zusammenziehung des Körpers besteht.
27) Froriep's neue Notizen, nr. 193. pag. 272.
28) Medizinische Vereins -Zeitung. 1839. nr. 15. pag. 77.
29) Siebold: Beiträge zur Naturgeschichte der wirbellosen
Thiere. S. neueste Schriften der naturforschenden Gesellschaft in
Danzig. Bd. III. Heft 2. 1839. pag. 56.
196
Ihre Gestalt ist nach dem Fundorte und der Bildungsstufe, auf
der man sie antrifft, sehr verschieden. Das Aneinanderreihen
von mehreren Individuen, welches Leon Dufour an den Gre-
garinen ganz besonders hervorhebt, bemerkt man nicht in allen
Arten, auch sah Ref. gewöhnlich nur zwei Individuen aneinan-
der kleben. Gregarina cniidata fand Ref. sehr häufig in dem
Darmkanale der Larve von Sc'inra nkidicollis.
Der Körper des Wurms Ist sehr In die Länge gestreckt und
besitzt an dem einen Ende seines Körpers zwei nahe an einan-
der liegende Einschnürungen, wodurch ein Kopf, Hals uud Leib
an dem Thiere unterschieden werden kann. Der Kopf ist rund-
lich und scheibenförmig abgestutzt. Am Rande der Scheibe be-
merkt man sehr viele Einkerbungen. Mit dieser Scheibe hängt
die Gregarina caudata an der inneren Fläche der Blinddärme
der Sciara-L^vve. fest, so dafs bei dem Lostrennen dieser Schma-
rotzer sehr häufig der Kopf losreifst und am Darme kleben bleibt.
Auiser den erwachsenen Gregarinen hingen zu gleicher Zeit
jüngere Individuen in verschiedenen Entwicklungsstufen an der
inneren Wand der erwähnten Blinddärme. Die Gregarina cau-
data hat nicht die Eigenschaft, sich untereinander zu verbinden,
•was die Gregarina oiigacantha aus dem Darmkanale von u4griott
forcipiäa CJiarp. eben so wenig thut. Die Gestalt der Greg,
oiigacantha erinnert an einen Echinorrhynchus ] ihr Kopf ist mit
etwa neun, nach rückwärts gerichteten Spitzen versehen, hinter
dem Kopfe befindet sich ein langer, dünner Hals, der sich zwei-
mal kugelförmig erweitert. Auch diese Gregarine sitzt am Darm
der Libellen mit ihrem Kopfe häufig so fest, dafs der letztere
leicht abreifst. Eine andere Gregarinen -Art kömmt im Darme
von Psocus 4- punciatns Fah, vor, welche sich gerne paarweise
aneinanderhängt, dasselbe beobachtete Ref. auch bei einer Gre-
garina im Darmkanale von JBlaita orienialis. Diese Art besitzt
eine ovale Gestalt mit abgeschnürtem Kopfende, und hängt sich
nie an den Darm der Schaben fest. Die anelnanderklebenden
Gregarinen haben gewöhnlich gleiche Gröfse, doch kommen in
dem Darmkanale der Schaben auch Gregarinen vor, an welchen
das hintere anklebende Individuum um vieles kleiner Ist, als das
vordere, ein umgekehrtes Verhältniis hat Ref. nie angetroffen,
einige Male beobachtete Ref. eine gröfsere Gregarina Blattarmn^
der zwei um vieles kleinere Individuen anklebten, und in einem
Falle sah Ref. sogar vier kleine Individuen von dem hinteren
Leibesende eines gröfseren Thieres herabhängen.
Nachträglich ist noch ein merkwürdiges Wurnnnagazin zu
erwähnen, welches der Thicrarzt Krause in Beigard be-
schreibt ^o).
Ein 2^ Jahr altes Pferd enthielt nämlich über 519 Indlvi-
30) Gurlt und Hertwig's Magazin für die gesammle ThierhciU
kunde, 1839. Heft 2. pag. 215.
197
inen von Ascavis megnlocepJiala^ 191 Stück Oxyris curvula,
214 Stück Sivougylus armatus var. major ^ C9 Stück Taetüa per-
foliaia^ mehrere lausende von Strongylus iciracanlJuis in seinem
Darmkanale, 2S7 Filaria papulosa in der Brust- und Baucliliöhle
und 6 Individuen von Cysticercus ßstularls auf dem Bauchfell-
überzuge der Leber.
Krohn erwähnt eines mit äufseren Flimraerorganen ver-
sehenen Entozoons ^ '), welches in den Venenanhängen der
Sepien in ungeheuerer Menge vorkommen und der Beschrei-
bung nach zu den infusorienartigen Schmarotzern gehört.
Professor Mayer hat einen 10 Fufs langen Eingeweide-
wurm unter dem Namen Rhytis paradoxa beschrieben ^ '^) und
abgebildet; die Charaktere des Wurms wurden von ihm in
folgender Weise festgesetzt: corpus suhrotunduin depressum,
molle, continuum {non articulatwi}) ^ rugosum, porosum^ elo?i~
gatum utrinque attenuatum. Dorso rugis inst meto, ah domine
glahro. Os simplex, nodidosum s. papillosum. A71US ßnalis.
Intestinum simplex, impervium. Genitalia 7iulla canspicua.
Dieser Eingeweidewurm soll nach Majer eine eigene Ord-
nung begründen, welche von ihm mit dem Namen Runzel-
würmer, Rliytoidea, Rhytelminthi bezeichnet wird.
Der ^Vurm ging einer im letzten Monate trächtigen Kuh
ab, er zeigte in der Mitte seines Leibes eine Breite von 5 — 6 Lin.,
eine Dicke von 2 — 1\ Lin., und war von grauschwarzer Farbe ;
Mayer konnte an dem dickeren Ende, dem Kopfende, eine Pa-
pille mit der Mundöffnung und an der Spitze des Schwänzen-
des eine feine Afteröffnung unterscheiden.
Es wird sich jedoch weder May er's neue Helminthen-Ord-
nung noch der Wurm selbst im Systeme erhalten können, da drei
als tüchtige Helminthologen bewährte Männer, Tschudi, Mie-
scher und Nordmann diese Rhytis paradoxa für eine pa-
thologisches Produkt erklären ^^). Sie haben dasselbe Gebilde
welches Majer beschrieben, einer genaueren Untersuchung
unterworfen und ihre Behauptung mit sehr triftigen Gründen
belegt.
Sie fanden bei dem Gebilde von allen Selten kleine, ganz
31) Froriep/s neue Notizeu. nr. 234. pag. 214.
32) Mayer: Beschreibung eines neuen Eingeweidewurmes. Siehe
dessen Analekten. 2te Sammlung. 1839. pag. 67.
33) Müll er 's Archiv. 1839. pag. 220.
198
unregelmäfsige Flocken frei herabhängen, ein wirklicher Darm-
kanal war gar nicht vorhanden. Der von Mayer dafür ange-
sprochene Thell zeigte kein Lumen, sondern bestand aus einer
Masse concentrischer Schichten, Kopf und After waren nicht zu
entdecken, und die mikroskopische Untersuchung des Gebildes
zeigte ein Gefüge, welches von demjenigen aller bekannten Ein-
geweidewürmer durchaus verschieden war.
Ref. fügt noch hinzu, dafs ihm vor einiger Zeit ein der
Rhytis paradoxa ähnliches Gebilde von einem Arzte als Band-
wurm zur näheren Untersuchung und Bestimuuuig übersendet
wurde. Es war dasselbe in einer Länge von mehreren Ellen
einer hysterischen Frau abgegangen, welche lange Zeit an
Stuhlverstopfung gelitten hatte. Die Farbe des Gebildes war
braungelb, die Conturen desselben unbestimmt, faserig, und auf
seinen Durchschnittsflächen erkannte ich ebenfalls mehrere
concentrische Schichten, weshalb ich es für nichts anderes als
für einen zähen Darmschleim- Streifen erklären konnte.
Bericht über die Leistiing-en in der Naturgescliiclite
der Mollusken während des Jahres 1839.
Von
Dr. F. H. Troschel.
Zuvörderst haben wir diesmal eines Werkes allgemeinen
Inhalts über Mollusken zu erwähnen, von dem bereits 7 Lie-
ferungen unter dem Titel: ,^Trait^ eltmentaire de Concliyliologie
avec Vapplication de cette science a la Geog7iosie pur G. P.
Deshayes" erschienen.
Im ersten Kapitel der Einleitung spricht sich Verf. dahin
aus, dafs diese Thierklasse unter den wirbellosen Thieren die
oberste Stufe einnehmen müsse und sucht dies namentlich durch
die Pilldiing dos Ncrvensystenjs zu erweisen. Das ganze System
der Thicre will Verf. in die Form eines Kegels bringen, dessen
Spitze die Infusorien einnehmen; von da sollen 2 Linien abge-
hen, in deren oberer zunächst die Polypen folgen, die sich ei-
199
nes Theils zu Jen Radialen, andern Thells zu <]ca\ Ascidlen ver-
zweigen. Aus den Ascidicn entspringen die Mollusken, jedoch
nach langem Zwichenraiim, der in der untern Linie durch die
Würmer ersetzt wird, die sich zu den x\nnnlaten und Insecten,
diese ^Yiede^ zu den Criistaceen und udracliniden verzweigen.
Diese Reihe der Gliederthiere verbindet sich mit den jMolIuskea,
wieder durch eine schräge Linie, auf der die Cirripedlcn stehn.
Auf der obern Linie folgenauf die Mollusken wieder nach einer wei-
ten Lücke die Vertehraten. — Jedenfalls lassen sich mindestens
ebenso viele Gründe dafür anführen^ dals die Mollusken minder ent-
wickelt sind als die Gliederthiere, wodurch sogleich dies ganze Ge-
bäude seinen Halt verliert. Dafür spricht auch die Stellung, welche
Verf. den Cirripedien giebt, die doch offenbar in ihrer Bildung
gehemmte Crustaceen sind. Gehemmte Ausbildung kann unmög-
lich zu einer höheren Stufe den Uebergang machen. — Nun
folgt ein ausführlicher Abschnitt über die Geschichte der Cow-
chyh'ologie^ p. 34 — 273 Der dritte Abschnitt enthält die ver-
gleichende Anatomie der Conchiferen und Bracliiopoden^ und ist
ganz besonders geeignet in das Studium der Naturgeschichte
der Mollusken einzuführen, zu welchem Zwecke es vorzugs-
weisse empfohlen werden mufs. — Von dem speciellen Theile
sind in den Lieferungen 4 — 7 bereits auch einige Bogen er-
scheinen, welche die F simiVien Tubicoles (^spergilhimy Chivagella,
Gastrochaena)^ Phol ndair es {Sepiaria ^ Teredo^ Teredina, P/ioIas)^^^
Solenacees (SoIefnya^SoIen, Solecurtus), und den Anfang der Gly-
cimerides enthalten. — Das Allgemeine über die Gattungen ist
mit grofser Sorgfalt gearbeitet, und enthält vollständig das, was
bisher über sie bekannt geworden ist. Durch die Rücksicht,
w^elche überall auf die Geognosie genommen ist, wird sich das
Werk eines um so gröfseren Publicums zu erfreuen haben. Die
colorirten Abbildungen sind sehr instructiv und sind eine Zierde
des Buches. Es wird aus 2 Bänden bestehen.
Von K i e n e r's Species gener al et Iconographie des coquilles
Vivantes etc. sind wieder viele Lieferungen 35 — 47 im Laufe
des Jahres 1839 erschienen. Sie entsprechen ganz den frühe-
ren Lieferungen in Anordnung und Ausführung, und enthalten
den Text für die Gattungen Mltra, Voluta und den Anfang
von Pleurotoma.
Von E. A. Rossmässler's Iconographie der Land- und
Süfswassermollusken ist ein Doppelheft IX. und X., des 2ten
Bandes IIL und IV. Heft, erschienen. Es enthält 6 Tafeln
HeliceSf 1 mit Clausilien, 1 mit Melania nnd Melanopsis, 1 mit
JPupa und andern, 1 mit Unionen. Viele Arten finden wir
,, *) Das Allgemeine über diese Familie findet man auch in den Än-
kales des sciences naturelles XI. p. 240 — 274 unter dem Titel: Me-
moire sur la famille des Pholadaires par M. G. P. Deshayes.
200
hier zuerst abgebildet und beschrieben; sie sind unten aufge-
führt, und werden bei der grofsen Genauigkeit des Verf. je-
dem Conchyliologen für Bestimmung seiner Sammlung will-
kommen sein.
In ,ythe Zoology of Captain Beeclmjs Voynge etc. Lon-
don 1839" befinden sich 12 Kupfer tafeln mit Conchylienabbil-
dungen, die in der Ausführung nichts zu wünschen übrig lassen.
Der Text dazu ist von J. E. Gray begonnen, und von G. B. S o-
werby vollendet. Von Interesse sind die vielen, wenn gleich
sehr kurzen Notizen von Gray über die Thiere vieler Gattun-
gen, und sie dürfen nicht übersehen werden. Viele neue Ar-
ten werden beschrieben, und es ist zu bedauern, dafs bei der
ziemlich kurzen Beschreibung, die nicht immer zu einer siche-
ren Bestimmung ausreichen dürfte, viele nicht abgebildet sind.
Wenngleich es sehr dankenswerth ist, dafs dagegen viele Ab-
bildungen solcher alten namentlich Lamarck^scher Arten ge-
geben sind, von denen bisher noch keine Abbildungen vorhanden
waren, so hätten doch die neuen Arten einer Abbildung fast
noch mehr bedurft, zumal, da wir durch Kiener's Species ge-
nerell bald dieselben zu erhalten hoffen dürfen, und da bei
Lamarck's kurzer Beschreibung wohl zuweilen eine falsche Be-
stimmung mit untergelaufen sein könnte. Aufserdem finden
sich sogar viele Arten auf den Tafeln, die bereits früher, na-
mentlich bei Soiverhfj abgebildet waren. Zuweilen werden Ar-
ten als synonym aufgeführt, die doch wohl verschieden sind,
um nur ein Beispiel anzuführen Monoceros crassüahrum und
glahratum Lam. Einige neu aufgestellte Gattungen, die nur Ab-
trennungen von alten sind, scheinen zwar nicht ganz zu verwer-
fen, sind jedoch nicht hinlänglich begründet. In der Fortsetzung
von Sowerby werden diejenigen abgebildeten Arten aufgezählt^
und resp. beschrieben, welche in dem Gray'schen Texte fehlen.
I. C. Jay Ä Catalogue of the schells, arranged according
to the Lamarclcs System ; together loith descriptions of 7ieio rare
species. Neiv-York 1839. 4. 10 planches. — Dieses Werk
ist mir leider nicht zu Händen gekommen. Eine kurze An-
zeige davon findet man in der Revue zoologique par la Societ^
cuvierienne 1839. p. 186. Zu jeder Art wird eine gute Ab-
bildung citirt, und neue oder interressante Arten sind auf 10
201
schwarzen Tafeln abgebildet. Verf. hat die Absicht alljährlich
eine neue dem Fortschritte seiner Sammlung und der Wissen-
schaft angemessene Ausgabe zu veranstalten.
Boucharfl-Chanlereaux: Catalogue des MoUusques ter-
restres et ßuviatiles du de'partement du Pas -de -Ccdais, Bou-
logne 1838, ist mir leider noch nicht zu Händen gekommen. Er
enthält nach einem Auszuge in den Annales des sciences not.
XI. p. 2J)5; Ohservatlons sur les moeurs des divers MoUusques
terrestres et ßuviatiles, ohserves dans le departement du Pas de Ca-
lais /?«r Bouchard-Chantereaux, interessante Schilderungen
über die Lebensweise dieser Thiere, begründet auf sorgfältigen Be-
obachtungen. Diese beziehen sich besonders auf die Begattung
und Fortpflanzung der Landschnecken. Eine Uebersetzung die-
ses Auszuges findet sich auch in Froriep's Neuen Notizen XIL
p. 113 und 131.
. Terver Catalogue des mollusques terr. et fluv. ohserves
da?is les possessions frangaises au nord de VAfrique. Paris et
Lyon 1839 mit 4 Tafeln ist mir nicht zu Händen gekommen.
Viele seiner neuen Arten finden sich auch bei Rossmlissler ab-
gebildet und beschrieben, worauf ich also hier verweisen kann,
da das letztgenannte Buch gewifs jedem Sammler zugänglich ist.
\. R. Roth machte die im Orient gesammelten Land- und
Siifswasserconchylien zum Gegenstand seiner Inaugnral- Dis-
sertation, Die neuen Arten sind kurz beschric^ben und auf 2
Steindrucktafeln abgebildet, {ßloüuscorum species, qims in iti-
nere per Orientein facto comites clariss. Schuherti Doctores
M. Erdl et I. B. Roth collegerunt. Becensuit Dr. I. B, Bot/t,
Monachii 1839. 4.)
Deshayes publicirt unter dem Titel: Noiwelles especes de
Mollusques, provenant des cotes de la Californie, du Mexique,
du Kamtchatka, et de la Nouvelle Zelande, die Diagnosen
mehrerer Mollusken in Guerins Bevue %oologique 1839. p. 356,
welche später mG\\^v\ns Magasin de Zoologie abgebildet und
genauer beschrieben werden sollen, um sich die Priorität zu
sichern. Natürlich können wir nicht diese Diognosen mitthei-
len, sondern werden uns bis zum ferneren Erscheinen damit
begnügen, unten die Namen aufzuführen.
üeber eine Muschelbank in der Irischen See stellt Edward
Wiegaiann's Archiv. VI, Jahrg. 2, Bd, 14
202
Forbes Betrachtiiogon an. An Bevvolincrn ans der Klasse der
Mollusken finden sich daselbst 27 Schnecken, 44 Muscheln^
9 Nudibranchien, 4 nackte Acephalen, also zusammen 84 Ar-
ten. {^Annals of nat. hist. IV. p. 217).
Zu den zoologischen Notizen von Philipp i (s. dies Ar-
chiv V. p. 113) machte I. E. Gray kritische Bemerkungen in
den Anmils of 7iat. hist. IV. No. 25. Januar 1840. Die Re-
sultate werden unten passenden Orts mitgetheilt.
Ueber Helix rosacea und lucana Müll., nebst Diagnosen
einiger neuen Conchylieft von Dr. Jonas in Hamburg (f. dies
Archiv V. \. p. 334.
Zwei seiner neuen Arten sind bereits abgebildet, Thracia
leiragona bei Blainville Cassis hicarinaia bei Kien er.
Viele neue sehr interessante Arten Cubani'scher Land-
und Süfswasserconchylien publicirte Pfeiffer dies Archiv V.
4. p. 346. Wir hoffen recht bald in einem ausführlicheren
Werke die Abbildungen und genaueren Beschreibungen derfel-
ben zu erhalten.
A. Krohn giebt einen neuen Beitrag zur Kenntnifs des
Schneckenauges (Mülle r's Archiv 1839 p. 332). Er beschreibt
den Bau des Auges der Pterofrachee?i und der Can'naria me-
diterranea, und weist nach, dafs auch die Nacktkiemer (^The-
tis und Doris), so wie Bulla lignayia und Bullaea apei^ta Au-
gen besitzen, die ihrer Lage nach von denen der übrigen
Schnecken sehr verschieden sind; sie sitzen nämlich unter der
allgemeinen Muskeldecke als mehr oder weniger gestielte ku-
gelförmige Gebilde auf der oberen Fläche des Kopfganglions
und erscheinen als kleine schwarze Punkte. Das Sehvermö_
gen dieser Thiere mufs also sehr gering sein.
Das Organ, dessen derselbe {ibid. p. 335) erwähnt, und
für Gehörsorgan anspricht, scheint dasselbe zu sein, auf wel-
ches bereits Eydoiix und Soiileyet bei denselben Thieren
aufmerksam gemacht, und es ebenfalls als Gehörsorgan betrach-
tet haben (Vergl. Institut 1838 p. 376. und dies Archiv 1839,
II. p. 215).
Von Laurent erhielten wir eine Tafel mit Abbildungen
nebst Erklärung von den neuerlich entdeckten Gehörsorga-
nen einiger Mollusken (vergl. dies Archiv 1839. II. p. 215).
203
Diese Organe sind hier von Carinaria^ Plnjlliroe, Atlanta,
Hyale, Cleodora, Creseis, Firokiy Limax agrestis und Helix eis-
persa erwähnt; auch bei den Bivalven kömmt ein Gehörs-
organ vor. (vergl. die Beobachtungen von v. Sie hold.) Es
ist also sehr weit verbreitet.
Log an beschreibt als merkwürdig, dafs eine ^c/mtina von
4 Zoll Länge (die Species wird niclit angegeben) auf den In-
seln Loßj 7 Grade vom Aequator und 4 Meilen von der
Afrikanischen Küste, mit den bekannten deckelartigen Gebil-
den sich versehen habe, indem er glaubte, nur die Kälte be-
wege bei uns die Landschneken gegen den Winter hin dazu.
Auch bei uns ist diese Bildung des Deckels keineswegs der
kalten Jahreszeit eigenthümlich, sie geschieht jedesmal dann,
wenn irgend ein Umstand, Trockenheit, Hunger, Kälte etc. das
Thier zu einem Zustande der Unthätigkeit zwingt. Die Ac/ia-
tina war ein nächtliches Thier, wie Verf. angiebt, also versah
sie sich bei Tage, vielleicht auch bei grofser Trockenheit mit
dem Deckel. Von einer Phasianella mit lederartigem Deckel
(also keiner Phasianella, sondern vermuihlich einer Littorina)
erzählt Verf. ferner, dafs die Exemplare, welche sich unter
dem Stande der Ebbe befanden, nur schwach an den Zweigen
oder Blättern des Mangelbaums, auf dem sie safsen, befestigt
waren, diejenigen aber, welche über dem Stande der Fluth wa-
ren, safsen mittelst eines Schleimes oder Gummi's sehr fest,
was er ebenfalls für eine Art ^Yinterschlaf hält. Es ist wahr-
scheinlich, dafs dieser Schleim an der Luft erhärtet, und so
die Thiere gegen feindliches Eindringen beschützt, bis das
Wasser beim" Steigen sie wieder erreicht, oder bis es ihnen ge-
fällt, ihren Ort wieder zu verlassen. (Edinbourgh new philoso-
phical Journal Vol. 28. p. 47),
L. A. Necke r spricht in einem kleinen Aufsatz „Ä'ote
sur la mdure miner alcgique des coquilles terrestres, ßuviatiles
et marines" die Vermuthung aus, dafs die meisten Conchylien
nicht aus Kalk sondern aus Arragonit bestehen, was er aus
optischen, wie aus crystallographischen Gründen schliefst
{Ännales des scie7ices not. 1839; Edinbourgh new philos. Journ^
Vol. 27. p. 160,- Froriep's Neue Noti%en XL p. 310).
Wilde fand am Uferrande zu T^r^x grofse Gefäfse, welche
14*
204
mit einer Breccie aus Sclmeckenschalcn, die man für Briicli-
stücke von Murex trunculus bestimmt hat, angefüllt Ovaren.
Derselbe glaubt darin den Beweis zu finden, dafs dies die
Schnecke war, aus der die Alten die Tyrische Farbe erhielten.
(Froriep's Neue Notizen XI. p. 8.)
A. C e p h a l 0 p 0 d a.
Ä. Krohn giebt eine Darstellung des wasserführenden
Systems bei den Cephalopoden. Hinter dem After ragen zwei
Röhren hervor, welche in eine grofse Zelle führen, in die das
Wasser eindringt, und die aufserdem mit anderen Zellen, welche
den Magen und die Kiemenherzen einhüllen, in Verbindung
stehen. Bei den Eledonen stehen auch die Zeugungsorgane mit
dem wasserführenden Systeme in Verbindung.
Derselbe macht auf das Vorkommen von Entozoen und
Crystallablagerungen in den schwamuiigen Venenanhängen ei-
niger Cephalopoden aufmerksam. Die Krystalle sind rhomboe-
drisch, haben eine rothe Farbe, und sind verinuthlich durch
Eisenoxyd gefärbter Kalkspath. Bei den Octopoden und Lo-
lißo vulgaris wurden sie vermifst. (Froriep's neue Notizen
XL p. 213).
lieber die sogenannten Needham'schen Körper bei den Ce-
phalopode?i erhielten wir die Bemerkungen dreier Beobachter:
Philipp! beschreibt die Samenmaschinen des Octopus
Aldrovandi Delle CJiiaje und bildet sie ab. Die Schläuche
enthielten einen unregelmäfsig aufgewundenen Faden und
die eigenthümliche Samenmaschine. Diese besteht aus ei-
nem Rüssel, einem kugelförmigen Kopf, einem Leib und einem
Schwanz, dessen angeschwollene Spitze in einer gallertartigen,
vorn abgerissenen Hülse steckt. Der ganze Körper zeigt eine
spiralförmig gewundene Reihe nach hinten gerichteter Zähn-
chen; im Schwanz haben sie das Ansehen eines spiralförmig
gewundenen Bandes. Den Inhalt dieses Körpers fand Verf
bei kleinern Exemplaren vollkommen durchsichtig, das gröfste
Körperchen enthielt dagegen eine milch weisse Flüssigkeit, die
Verf. für Samen anspricht. Er vermuthet, dafs der Samen durch
Aufsaugung an dem Ende des Rüssels in diese Körperchen
gelange, und dafs die ganzen Schläuche in die weiblichen Ge-
205
gchleclitstlieile gelangen, in denen sie dann durcli die rück-
wärts 'gekrümmten Häckchen festgehalten werden, bis sie in
der Nähe der Ovarien platzen. (Müller's Archiv 1839. p. 301-
tab. 15.)
A. Krohn beschreibt die Needham'schen Körper im Sa-
menbeutel der Sepia officinalis. Die Gestalt der Samenma-
schine scheint von der beim Octopus abzuweichen. Verf. un-
terscheidet vier Theile, die durch Abschnürungen getrennt sind-
Ein Bauchstück, einen Thorax, einen Kopf, der quer gerunzelt
ist, und den Befestigungsfaden. Das Vorhandensein von Sperma
wird ebenfalls nachgewiesen, jedoch nur in dem Schlauch vor
der Samenmaschine. Diese soll durchaus solide, homogen und
ohne Höhlungen sein, 'wie Querdurchschnitte beweisen sollen;
auch Stacheln werden geläugnet. (Foriep's Notizeii)
V. Siebold (Beiträge zur Naturgeschichte der wirbellosen
Thiere. Danzig 1839) handelt in einer kleinen Abhandlung;
Ueber die Samenschläuche des Loligo vulgaris ib. p. 51. voa
denselben Organen. Er vergleicht sie mit Samenschläuchen
des Cyclops Castor. — Alle drei Verfasser stimmen darin iiber-
ein, dafs man diese seltsamen Gebilde nicht für Entozoen, son-
dern als zum Geschlechtsapparat gehörige Organe halten müsse.
R. Owen nimmt bei Gelegenheit einer Vorzeigung von ei-
ner Sammlung durch Mad. Power eingesandter Argonauten
bei der Zoological society of London den vielbesprochenen Ge-
genstand wieder auf, und erklärt sich natürlich für den Nicht-
parasitismus des Thiers der Argonauta Argo, nachdem er
alle Gründe dafür nnd dagegen von Neuem beleuchtet hat.
Proc. Zool. Soc. 1839. p. 35, Froriep's neue Notizen
IX. 305.
P. Gervais und P. I. Vanbeneden beschreiben die in
ihrer früheren Monographie (vergl. dies Archiv V. 2. p. 210.)
erwähnte Species Delle Chiajes Sepiola macrosoma aus dem
Golf von Neapel nun nach eigener Ansicht. Sie ist verwandt
Diit Rossia palpebrosa Owen, jedoch feidt das obere Augenlid.
(^Bulletins de Vacademie de Bruxelles VI. 1, p. 38; Annais of
not. hist. III. p 357).
De Blainville liefert eine Tafel mit Abbildungen der
Details über das Thier von Spirula \m6. giebt dazu eine Er-
206
klärung, als eine Ergänzung seines früheren Aufsatzes in deiv
Annales frangaises et ^trangeres (.Vanatomie et de plnjsiologie
T. I. p. 369. 1837, in derselben Zeitsclirift T. III. p. 82. 1839.
B. G a s t e r 0 p 0 d d.
Neue Gattungen und Arten:
1. Puhnonata.
Limaoc arhorum B ou c h a r d - C h an t e r e a u x 1. c. — Succi-
nea arenaria, id.
HeJioc C alliaudi Desliayes iesla globosn, siihconoidea^
apice obtusa, luieo-fulva; ultimo anfvaclu Uuinsversim fusco-hi-
zonato j anj'racühus convexiuscuJis iiitimo basi convejco, iinper-
foraio; apertura magna.^ incumbenin, candidissima^ ovato-seviilunari •
columeUa plamäata, dilaiaUi\ viargine simplici, dilataio^ reßexo^
Diam, 58 viillim; alt. 50 mitlitn. Manila (Guerin Mag, d.
Zool. 1839. pl. 5.) — Die von CliemnitzIX. pl. 1.38. fig. 911.
912. als Helioc pomaiia contraria nicobarica abgebildete Art
giebt Deshayes nach einer Zeichnung des Originalexemplars
in Kopenhagen der Wissenschaft als H. nicobarica wieder:
H. testa sinistrorsa^ solida, globulosa, laevigaia, basi perforata,
castaneo-rufa ad periplieriani albo imizonata; spira brevi, obtusa]
anfractibus conveociusculis : ultimo subtus convexo; apertura setiii-
lu7iari, intus violascente., labro obtuso, albo^ basi caTloso (Guerin
Mag. de Zool. 1839. pl. 3.)- — -^- mandarina Gray Bee-
chey Voy. t. 34, f. 2; t 38. f. 3. kugüg, kastanienbraun, mit
einer schmalen weifscn Binde, Naht tief, Labrum umgeschlagen.
^" Loo~CJioo. — H. luhuana Sow. Beechey Voy. t. .35.
f. 4. flach, braun, mit einer dunklen Binde, Labrum umgeschla-
gen, roth, Nabel weit. Loo-Choo. — //. rosacea id. ib. t. .38-
I. 2. ziemlich flach, bräunlich mit dunkler Binde, gekielt, Nabel
eng, Labrum umgeschlagen 1''. Der Name ist bereits von O. F. Mül-
ler vergeben. — H. despecta Gray. ib. t. 38- f. 5. kuglig, hell-
braun, 42 Windungen, Naht tief, Apertur rundlich, Rand umge-
schlagen, Nabel klein. H. virgulata Sow. ib. t. 38. f. 9. etwas
flach, hellbraun mit kastanienbrauner Binde an dem schwachen Kiel,
5 Windungen, Mündung breit, Labrum umgeschlagen, weifs,
Nabel mittelmäfsig. — Von H. desertorum Forsk. unterscheidet
Roth I. c. mehrere Varietäten H. Forskalii Ehrbg.y H. ara-
hica Roth, H. Heviprichii Flirbg., H. Massel quistii Ehrbg.
— H. Ehrenbergii Roth, (Descr. de TEgypte Moll pl. IL f. 8.)
— H. Schuberti Roth t. globosa^ ventricosa., perforata^ fora-
mine leviler obtecto et rimam aequante , tenuis^ rufescens., ininii-
tissime lotigitudinaliter striata j apertura lunata, perisio/nate re-
ßexOy albo-labiato., marginibus approjcitnaris. Alt. 62 '", lat. 9'".
In sepulcris necropoleos dictac Cacamo (Curien.) — Jl. Erdelii
Roth unterscheidet sich yon H.ruderaia Stud. durch die Gröfsc,
den engeren Nabel, gedrücktere Apertur. Höhe 23% Br. 31'".
207
Kliocius. — H,granulaia Roth. t. anguste umbilicata, orbiculato-
globosa, luteo-vliulls, irregiilarlter plicata, Iota elegantissime
t^aaniilato-decussata, granulis oblongis, clcvatis; apertura alta, peri-
.stomate recto, acuto, sinipllci. Alt. 5'" Lat.{G"'. Cacanio. H.gyria
Roth verwandt mit H. contorta Rossm.^ aber die Spira ist ein-
gedrückt, keine Spin- von IJaaren oder einem Kiel. Höhe 83 '"
Breite Q'". Cacanio — H. Sinymensis Roth t. late umbilicata,
orbiculato-convexa, simpllciter carlnata, corneo-lutescenSj, siipra
suhtilissline decussata, sericina; anfractibus contabulatis, subtus
nitida, laevis, apertura oblique Innata; perlstomate recto, sim?
pllcl, acuto, remote albo-Iablato. Alt. 5— 7'", Lat. 1'2'". Smyrna.
H. cavica Roth t. late umbilicata, pauclsplra, depresso-orbicu-
lata, obtuse carinata, supra sericina, subtillssime decussata, sena-
tim granulata, striata, corneo-lutescens, subtus laevis, corneo-al-
bescens, luteo-radlata, apertura oblique lunato-ovata, perlsto-
mate acuto, recto. Intus calloso, potlus labiato, labium album
externe luteo- pellucens. Alt. Q'"^ lat. W". Cacamo. — End-
lich bei Rossmässler: tl. depressula Parreiss In llt. —
H. ocanthodon A^nion In lit. — U. onychina Rossjtt. —
H. consona Zgl. mus. — H. lanuginosa. — H. suhfna-
riiima. — H. figulina. Pnr. (Fer. t. 20. f. 3 H. ligata
T^ar. d.) — M. Dupoteiiana Terv, — H. Juilleti Terv. —
M. Diipetiihouarsi Desh. 1. c. Californlen. —
Bull mus inelo Sow. Beechey Voy. t. .38- f. 16. mit rotli-
braunen Längsstreifen, 5 Windungen, Mündung unten winklig,
Kand sehr schwach verdickt. 0, 9". Neu- Seeland.
Pupa affinis Rossin. — P. Rossinaessleri Schmidt,
— P. higranaia Rossm. — P. microtragus Parr, bei Ross-
m'assler. — Terver's T^eriigo Dupotetii 1. c, ist nach
Ross massier Pupa rupestris Phil, — P. Bergeri Roth.
t. rimata, subcylindrlca, obtusa, lutescenti-cornea, diaphana, seri-
cina, subtillter striata, apertura sinuosa, subovata, quinque-den-
tata, peristomate reflexo, candido, labiato. A\"'. Peloponnes. —
P, Septem deniaia Roth t. ovato-cylindrica, apice obtuso, ri-
mata, irregularlter striata, calcarea, apertura semlovata, coarctata,
septemdentata, peristomate late reflexo, labio crasso. 5'"- Sy-
rien. — P. Rhodia Roth, ist sehr ähnlich, wenn nicht iden-
tisch mit der im neusten Hefte von Rossm ä ssler abgebildeten
P. occulta Parr.; die Roth'sche ist von Rhodus, die Pxoss-
mä SS l ersehe angeblich von Sicillen. — P. umhilicus Roth.
t. aperte umbilicata, ovato-cylindrica, paucispira, cornea, subti-
llssime striata, apertura obliqua, subtriangulari, pariete apertu-
rali unllamellata, inferiore ultlmi anfractus parte acute angu-
lata, peristomate late reflexo, sublabiato. \\*" Insula Syra.
Clausilia pl u m hea Rossm. — Cl.hrunnea Ziegler. Mus,
— Cl. hicristaia Frivaldshy. — Cl. hi cur in ata Ziegl. —
Cl. galeata Parr. in litt. — Cl. f räudig er a Parr. In litt. —
Cl. fritillaria FrivaldsJcy. — Cl. macedonica FrivaldsJcy.
— Cl. oxysioma Rossm. — Cl. Frivaldshyana Rossm. — -
Cl. Parreysii Ziegl. Mus. — Cl. vib ex Rossm. — Cl. pl(t-
208
nilahris Rossm. — CJ. carissiina Zie^l. — C/, thessa-
lonica Frivaldshy. SäinmtUch bei Pvossmäsiler l. c. — (Jl.
Olivieri Roth. 1, c. t. fiisiformls, vlx riniala, gracills, coeruleo-
vel calcareo-albida, costulato-plicata, solida, nitida, frregulariter
fiisco-maculata, anfractlbus planulatls, mediis obsolete pHcatis,
duobus superioribus laevibus, nigris, ultimo rugoso, in basi cer-
vlcis carinato, apertura ovato-pyriformi, faiice fusca, peristoniate
continuo, vix soluto, reflexo, moJo fusco-lablato, modo subsim-
plici, plicis palatalibus duabus, lamellls parvis, spatio interlamel-
larl sinnoso, plica columellari inconspiciia. Oi"'- Rbodus. —
Cl. anatolica Rolh. t. non rimala, vable ventricosa, inflata,
albido-fusca, unicolor, tenuls, anfractlbus parum convexis, dense
capillaceo-costuiatis, ultimo rugoso, pllcato, basI gibbo, crlstato,
apertura subovata, in nonnullis fere trapezlali, perlstomate so-
luto, reflexo, producto, lamellls distinctis, superlore compressa,
acuta, inferiore crassa, transversa, in fundo bIpartIta, pllca pala-
tali una supera, longa, extus conspicua, plica columellari satls
longe proficiscente, plica lunari dlstlncta. 83'" In sepulcrls Ca-
camo.
Ueber die Gattung Azeca Leach läfst sieb Rofsm'afsler
aus und stellt die j4.z,cca JMntoni l^eacli {CocJdodotiia Ooodalii
JFer.) mit yichaiina (Bidifnus) luhrica in eine Gruppe, der er
eine neue Art udcJiatina dentiens aus Griechenland als vermitteln-
des Glied zugesellt. Diese Gruppe trennt derselbe jedoch nicht
von uächatina^ sondern lälst lieber die gezähnte udzeca 31atoni
fürs <?rste noch für eine udc/iatina gelten. Schade, dafs der so
sorgfältige Yerf. immer alle anatomische Untersuchungen un-
terlälst.
^chatinn Hohentvarti Rosstn. (zA'\'Ischen J'olliculus und
acicula stehend) bei Lalbacb in Kraln.
Carychimn spectabile Rossm. vom IMonte Nanos in Kraln,
und C spelaeuin Rossm. l. c. aus der Adelsberger Hohle In
Krain.
^iiricula pallida Sow. Beechey Voy. t. 38 f. 27 läng-
lich, farblos, längsgestreift, Splra kurz, 2 Talten vorn an der
Spindel. —
Melampns pallescens Sotv. Beechey Voy. t. 38 f. 28.
verkehrt eiförmig, glatt, Splra kurz, bestehend aus 7 — 8 Win-
dungen, Aiifsenlippe verdeckt mit 5—6 stumpfen Zähnen; Spin-
del mit .3—4 Falten.
Planorhis heliciformis Roth. t. late umblllcnta, pauci-
spira, anfractlbus utrinque convexis, minutim slrlato-costulatls,
corneo-fuscis; apertura ovata, ad axim obliqua, perlstomate slm-
plici, continuo, affixo. 4 Millim. In rivulo Gaulonitidls prope
Canneytram.
Reforont suchte (dies Archiv V. 1. p. 177.) durch aua-
tomische (•runde, iiauientlich durch Vergleichung der Muud-
thcile die Gültigkeit der Gattung Aynphijjeplea, als verschie-
den von Limnaeus, nachzuweisen.
209
Helicina fesiiva Soiv. Beechey ^oy. t. 38 f. 23. kiig-
lio-, braun, mit röthllchen Strichen, die zwei Binden bilden^ —
iT, goniostoma id. ib. f. 21. kiii^elig, dunkelbraun, mit werfsli-
ch'er Binde, frekielt. — H- glohosa id. ib. f. 22. kugeb'g mit
ausgezogener Splra, hellbraun. — II. oocyiropis id ib. f. 24.
niedrig, scharf gekielt, hellgelb. Mündung winklig. — H. so-
lidula id. ib. f. 26. gelb, stumpf gekielt, Windungen bauchig.
2- Ctenohranchia.
MeJanopsis Ferussaci Roth. 1. c. t. ovato -conica, gla-
bra, irregulariter et obsolete costata, vel striata in longitudinem,
fusco-castanea, anfractus septem, superiores plani, sutura nee de-
mersa nee ulla protuberantia insignis; apertura angusta, humilis,
fusco violacea, callo fusco, parvo, columellae pars media alba.
13''^ Smyrna. — M. Wagneri Roth. ib. hat sehr viel Aehn-
lichkeit mit IM, laevigata Lcun.
Liiorina fascinia Gray Beechey Voy. mit schiefen
braunen Querbinden; Spira kurz, Mündung hellbraun, Aussen-
lippe innen schwarz gefleckt durch die Enden der Binden, 1\".
Stille Ocean? — L. nodosa id ib. schwarz oder braun, vorn
weifs marmorirt; Spira kurz, eine Reihe rother oder weifser
Tuberkeln nahe an der Naht, eine ähnliche auf der Mitte der
letzten Windung. 5'^'. — L. unäulata id. ib. glatt, mit un-
regelm'afsigen breiten braunen Zickzacklinien, Aufsenlippe weifs,
braun gefleckt, Spindel und Schlund purpurfarbig. IV". — L-
•nigroiineata id. ib. (Chmn. V. t. 185. ßg. 1854. 1855.') —
Li. melanosioma id. ib. weifs-braun, gefleckt oder concentrisch
gebändert, der hintere Theil der Spindel schwarz. 11"'. —
Li. granularis id. ib. braun, mit 12 — 13 unregelmäfsigen ge-
perlten Linien. 7'''. — Zj. irochoides id. ib. schwarz, ge-
streift, zwei Reihen Knoten, vor der vordersten eine Reihe en-
ger Granula. 7"'. Zuweilen ist die Schale blau und die Kno-
ten weifs. — L. australis id. ib. kreiseiförmig, weifslich, mit
schwarzen Querbinden, die letzte Windung scharf gekielt, leicht
Avellig, vorn mit schwachen Knoten. Neu-Holland. — Li. im-
hricaia id. ib. kreiseiförmig, braun, breite Knoten an den Näh-
ten, zwischen den Knoten weifs. — L. marmorata Pfeiffer
s, dies Archiv Y. 81.
Naiica imperforaia Gray. Beechey Voy. t. 37- f. 1.
hellgelb, Nabel bedeckt, die Windungen oben mit welligen, con-
centrischen, braunen Linien. 1". Yorg. d. guten Hoffnung. —
iV. horealis ib. f. 2. kuglig, weifslich, Innenüppe etwas über
den Nabel gebogen. 4". Nordmeer. — N. suiuralis ib.
f. 4. hellbraun, schv/ach gestreift, in der Naht ein tiefer winkli-
ger Kanal. Innenlippe schwach über den engen Nabel gebogen.
I4". Nordamerika. — N. semisulcaia id. weifs, 6 — 7 enge
regelmäfsige Linien an der Naht, und einige um den Nabel. 6'"
N. depressa id. tab. 36. f. 2- weifs mit 5 Binden, kleiner, vier-
eckiger, kastanienbrauner Flecke. Nabel sehr breit, mit breiter
210
vorderer Rippe, i^"- — ^- qu (f'drifa sc i at a id. kastanienbraun mit
vier engen welfsen Binden, die liintere die breiteste. Schlund
purpurfarbig; weit genabelt, I2". — ^« Reclusiajia Desh.
1. c. Californien. — iV. janthostoma id. Kamtschatka. —
N. sanguinolenia id. — ? —
Eydoux und Souleyet theilen Beobachtungen über das
Thier der Litiopa Rang mit. Es hat hornige Kiefer? (pla-
ques Corneas), eine kammförmige Kieme. Das Ziehen von
Fäden wird bestätigt. Ein üeckel, den Rang läugnete, ist
vorlianden; er ist hornig, dünn, durchsichtig, und zeigt eine
Spur von Windung an einem Ende {Ann. f rang, et Strang, d'amit.
et de phi/siol. 1839).
Dclphinula Lajon^nirii Deshayes testa turbinata, glo-
bosa, spira conoidea, acuminata, anfractibus convexis, primis ad
suturam canaliculatis, transversim sulcatis^ biangulalis; ultimo an-
fractu maximo, tuberculis maximis, sublaciniatis, porrectis, bifa-
riam coronato, basi late profundeque umbilicato; umbilico mar-
ginato; apertura integerrima, circularl intus argentea. Long. 85;
diam. 80 millim. Nova Zelandia. (Guerin M«^-. de Zool, pl. 6.)
Turbo digitatus DesJu 1. c. Acapulco.
Conus Ximenes Gray. Beechey Voy. p. 119. röthlich-
weifs, rothbraun gefleckt, mit engen braun und weifsen Spiral-
binden, Spira concav, weifs mit einer Reihe Flecke an der
Naht, Mündung purpurfarbig. Panama.
Für die schwierige Gattung Ollva schlägt Gray in Bee_
chey's Voy. p. 130 zur Erleichterung der Bestimmung eine
Eintheilung vor. Alle haben vorn auf der letzten AYindung
einen Gürtel; einige haben einen zweiten Gürtel hinter diesem,
wie 0. titriculus etc.; den meisten jedoch fehlt dieser. Die
Meisten von ihnen haben eine ebene (?) Innenlippe, wie 0.
porphyricif Brasüiensis etc., einige jedoch haben daselbst zwei
Schwielen, wie 0. undatella Lam.
Zwei neue Arten: Oliva leiicozonins hellbraun, mit einer
weifsen Binde, diese und die Naht von Linien schwarzer Punkte
begleitet. tV". — O. semi striata., letzte Windung auf der hin lern
Hälfte eng gestreift; blaugrau mit weifser Binde, weifsem Gür-
tel. 9'". Eine gelbbraune Varietät. '
Marghiella pulchra Gray Beechey Voy. /. .36. /' 20.
Röthlichgelb, mit 2 breiten, purpurfarbigen Binden. 1''.
J^oluta turbinata^ Jusiformis, Sowerbyi (Sota. Genera^ cah. 29«)
bei Ki cn er.
Für die Gattung ßlltra schlägt Graj Beechey Voy.
p. 134. eine Eintheilung vor. Schlund glatt, mit vier Falten:
die eigeuÜichen Mitren thcils geÜeckt, theils einfarbig; mit
211
vielen Falieii und kurzer Spira: Cimohclix; bei andern ist die
Aufsenlippe innen verdickt; bei noch andern ist die Anfsen-
lippe gezähnt, wie hifasciata, ZiervogeUana. Die übrigen, für
die Verf. den Namen Vulpexula vorschlägt, haben einen tief
gefurchten Schlund. —
IM. sirlaia Gray ib. braun, regelinäfsig gestreift. Aufsenlippe
verdickt, hinten mit einem breiten Einschnitt. Stille Ocean.
M. cJiinensis id.., hellbraun, an der Basis einige Furchen,
Schlund braun 2'^ China. — Bei Kiener /. c. sind als neue
Arten abgebildet: 31. circula (Chemn. t. 4. pl 149. /. 1391.),
iessellatn (Martin, pl 110. f. 1733. 1734.) cancellaia, Duponiii,
columbcUiformis .f JVoldemarii., ziervogeliana {Chemn. 10- i. 149.
f. 1406.) intermedia .^ hybrida, fraga^ Deseiangsii, fusiformis^
iruncaUi^ niiens.
Cohtmhella 7narinornta Gray Beechey Voy. t. 36. f. 11.
Aveifs, gelb marmorirt, Apex röthllch, Mund weifs, Aufsenlippe
gezähnt. — C. uriizonnlis id. ib. p. 129- Dunkel chocoladen-
braun, mit einer weifsen Binde, Aufsenlippe einfach. 4^^'- Peru. —
Bullia nov. Gen. Gray Beechey Voy. Fufs sehr breit,
bei der Contraction zusammengefaltet; keine Augen, Fühler
lang, pfriemförmig, an der Seite des Kopfes, entfernt von ihrer
Basis. Deckel klein, dünn, etwas verdickt am Hinterrande; die
Schale thurmförmig mit weiter Mündung und breitem Kanal.
Verf. trennt diese Gattung von Buccinum ab, von denen die
Thiere allerdings abweichen, jedoch stehen sich die beiden Gat-
tungen, wie die Mundtheile beweisen, sehr nahe, ja, es mögen
sich auch wohl Uebergänge finden, die die Trennung verbieten.
Hierher werden gezogen: Succinum Cochlidiiim Chemn. ^ l^erebra
vittaia Lcun., Biicc. ?aevissimutn Lam.., Bucc. laeve Gmel.^ Bucc.
laevigatmn Mart., Bucc, achaiinujn Lam,, und folgende neue
Arten: B. armata, weifs mit 2 breiten, braunen Binden und
einer Reihe enger, conischer Höcker nahe der Naht. — B.poJita,
hellbraun, glatt, vorn am Kanal mit engen Spiralen Streifen. —
B. iurriia, blafs, welfsllch, sehr schwach concentrisch gestreift
B. 31auritiana, gelb, weitläufig Spiral gestreift, Naht tief einge-
drückt, etwas schwielig, Apex sehr spitz. Madagascar. — B. se-
miplicata., gelb, durchscheinend, längsgefaltet.
Buccinuin angtäosum Gray Beechey Voy., B. polaris
Gray ib. und Donavani Gray ib- scheinen nur Varietäten von
B. Glaciale Lam. zu sein,- die beiden erstem sind von Icy
Cape. — B. tenue Gray ib. hellbraun, sehr fein und eng Spi-
ral gestreift, und eng längsgefaltet. Icy Cape.
' Nassa aüenuala Gray Beechey Voy. kuglig oval, bauchig,
glatt, hellbraun, weifs marmorirt, die obern Windungen gefaltet,
die letzte vorn Spiral gestreift. Stille Meer.
Purpura squamulosa Gray Beechey Voy. oval , ziemlich
bauchig, hellbraun, eng Spiral gerippt und mit kurzen, dünnen,
concentrischen schuppenarligen Platten; genabelt. 1^". Stille
212
Meer. — P. albo-vinrginaia Desli. I. c. Neu Seeland. — P. emar-
ginnta id. Neu Seeland. — P. Freycineii id. Kamtschatka.
Monoceros grande Gray Beechey Yoy. braun, 5 — 6 flach
erhabene Reifen, die Reifen der Spindel zu 2 und 3 gestellt. 2-4".
Stille Meer. — M. punctatinn Gray ib. wells mit 3 gegliederten
Linien schwarz und weiiser Fleckej, Schlund purpurfarbig. 1^",
Stille Meer.
Engina nov. Gen. Gray, Schale spiral, Mund oval, linear,
aderig (yariced)., concav, vorn mit einer breiten, schiefen Falte;
Innenlippe ausgedehnt, geädert, Aufsenlippe innen verdickt und
gezähnt, hinten mit einer Furche. Achnelt einigen Ricinulae
und Purpurae. Auch diese Gattung scheint mir nach den Cha-
rakteren wenig begründet, jedoch kenne ich die Arten nicht aus
eigener Ansicht. Beide sind nicht abgebildet. H. zonnia dunkel-
braun mit einer centralen welfsen Binde, l'angsgefaltet, mit 4 — 5
knotigen Spiralrippen. Aufsenlippe 3 — 4 zähnig. 1^^'. Atlan-
tische Ocean. — E. elegans mit einer centralen Furche, und 2
(auf der letzten Windung 5 — 6) vordem Binden welfser Knöpf-
chen, schwach längsgefaltet, Schlund hellbraun. 34''.
Pollia nov. Gen. Gray Beechey Yoy. p. 111. „DerMund
bat viel Aehnllchkelt mit Trilonium^ aber dies hat viele T" arices.
Die Innenlippe (Spindel) hat gewöhnlich vorn einige Falten."
Dieser Gattungscharakter erglebt, wie wenig die Gattung be-
gründet ist, wenngleich man nicht leugnen kann, dafs der Habi-
tus der hierhergezogenen Arten sie als verwandt erscheinen läfst.
Yiellelcht lässt sich anatomisch die Haltbarkeit der Gattung er-
weisen, doch vorläufig scheint es mir, als sei sie nicht von Buc^
cinum zu trennen. Jedenfalls ist sie diesem viel näher verwandt
als Triionium^ was ich zufolge meiner anatomischen Untersu-
chungen behaupten kann. Yerf. zieht hierher Triton scnher
Jjrod. (ist abgebildet), Pollia irocJilea Favnnne t. Ql.f. -D., Buc-
cinmn melanosioma Sow. ; Bucc. iranqueharicum Sow. ; Triton un-
dosum Lafn.^ IMureoc pidcliellus Lam.^ Bucc. (Jainaelii Payr.^
JMurex cingulatus Lam.^ Fusus ariiculatus Lam.^ Purpura ja-
sciolaris Lam.y Bucc. igneum Grtnel.^Bucc.macuiosmnLani.., Bucc.
Sancii Mauritii Chemn.^ Bucc. disiortvm Gray, und 4 neue Arten :
P.s/?/rrt/?5weifs, braun gestrichelt, an der Naht eine tiefe Furche,
n^ItO— 12 Spiralen Rippen. ±\" P. iostoma dunkelbraun, schwach
längsgefaltet, letzte Windung fast winklig, hinten knotig, Schlund
purpurfarbig, gefurcht, Mund schwarz. 1^". Stille Ocean. — P.va-
riegata grün mit kurzen schwarzen Querlinien, Mündung wells.
1^^'. P, haemasioma dunkelbraun, blasser variirt, schwach
längsgefaltet, Mund blutroth. 1^". Eine Yarietät mit A"\eifsem
Munde. —
Triionium Chenmitzii Gray Beechey Yoy. p. IJO. Murex
argus J'^ar. (Jhemn. X. f. 1322. — T. canceUatuvi Gray ib.
hellgelb oder welfs, gegittert, fast knotig, Innenlippe vorn mit
4 — 5 engen Rippen. 1". — T. Foxii Gray ib. welfs, hellbraun
gefleckt, mit abwechselnden kleinen, glatten und breiteren, kno-
tigen Spiralrippen. Spindel vorn mit 3 schwachen Falten. Ij^'.
Stille Ocean. — T. vitrcum Gray ib. thurmförmig, weifs, durchi-j
213
scheinen J, concenirlsch gerunzelt, Varicc.^ hmellcnartl^, am
Rande crenulIiL 1\". - T. iencrum Gray ib. verwandt mit
T. mascuhsum aber dünner und cancellirt. —
Murex macropicrus Desh. 1. c. --
Ranella cZ«/Äm/« Gray Bee ch ey Voy. wcifs, eng gegittert,
ebenso die Varices, Kanal kurz. 4''. Atlantische Ocean.
Fusus Japonicus Gray Beechey Voy p. 115. spmdelfor-
ml^, mit 2 Kielen auf den Windungen, auf dem hintern zusam-
mengedrückte Dornen, Kanal von Länge 4^^ pP^^J ' "^\';:\-,f
schiefen spiralen Binden, klemen Stacheln in der Mitte, i^ ^oll.
Japan. — F. sulcalus Gray ib. Aveifs, längsgefaitel, quergelurcht,
Aufsenlippe crenullrt, Columella vorn mit 3 1 alten (also eine
Fasciolaria?) Kanal kurz. lZo\l- F. grandh weils mit abwech-
selnd breiten und schmalen Furchen, eine Reihe runder Hocker
hinten auf den Windungen, Kanal kurz. 5 Zo l - F canahcu^
latus, hlafsbraun, dunkelbraun gefleckt, Mund gel ül.ch, Innenlippe
vorn mit 4-5 schiefen Falten {aho Fasciolaria^.) Kanal kurz. 3^ .
China. — F. ^»V^« spindelförmig, weifs, Apex gelblich, hrngs-
eefaltet, quer gefurcht, Naht deutlich, Kanal lang. 5''- i-hma.
Verwandt mit F. Uticostaüis Desh. — F. angulatus oval, bniun-
llch, weifs, 5-6 Spirale Rippen auf den Windungen , Kanal
kurz. 2:V'. Nord -Meer. — F. ventricosus vervyandl mit r. >ö«-
hini, aber
bauchiger
gestreift. ^ luun. x-^w^u"^"^ ^^^^^.. - _ t r^
oval, weifs, mit vielen scharfen, erhabenen Lamellen. Icy tape.
Ist eigentlich ein Murejc, Gray stellt diese Art, sowie Mureoo
Ttuisrel/anicus zu Fusus. i i t
PyruJa versicolor Gray Beechey \oy. p. 114. verkehrt
conisch, Spiral gefurcht, roth, mit kurzen weifsen nnd schwar-
zen Querstriche?!. |''. Stille Meer. -; P- elongata G^av ib.
verwandt mit reiiculata, aber regelmäfsiger gegittert und schlan-
^^' Turhhiella SiokesH Gray Beechey Voy. p. 113. braun,
schwach Spiral gestreift, 2 Reihen conischer Höcker aut der letz-
ten Windung, vorn zwei höckerige Querbinden. 1^'^ Port
Praya. — T. crocea Gray Ib. grob längsgefaltet, weifs, braun
an jedem Ende, eine Binde brauner Flecke. 1^". — T.castanea
Gray ib. rothbraun, Windungen gefaltet, hinten fast knotig. 1^^'.
Stille Meer. — T. striata Gray Ib. dunkelbraun, Windungen
quergefaltet, Mündung tief gefurcht. 1". —
Pleurotoma sinistraJis Petit iesta sinisirorsa, fusiforim-iur-
Tita, crassiuscuJa, alhido-grisea, anfractibus octonis ; aiifraciu
uhimo strigis longitudinalHer undaiis ornato, ivansversiinque striaio ;
lahro acuio; superne late emarginato ., in inedio arcuaio] cauda
lata brevi. Ali. 19 millifn. lat, 7 7niUim. Senegal (Gtiei^in Mag. d.
Zool. pl. 1.) — P. coniformis Gray Beechey Voy. p. 119. spin-
delförmig, gelbgrau, Spira conisch, spitz, Windungen gltterfor-
mlg gefurcht, viereckige Tuberkeln bildend, hinten mit einer
breiten und tiefen spiralen Furche, vor der eine Reihe Höcker.
— P. elongata Gray Ib. thurmförmig, hellbraun, 14 Winduu-
214
gen, vier Kiele auf den Windungen, Kanal kurz, 3 Zoll grol's.
— P, I2thercti7ata Gray ib. spindelförmig, weifs, braungefleckt'
höckerig, mit einer Kintern Furche und einer spiralen Reihe
rundlicher Tuberkeln, Kanal lang. — P. Woodii (JFood. Catal,
of Shells, supp. pl. 5. Fig. 7.) und vanegaiimi bei Kien er 1. c,
3. P om at ohran c hi a.
Bulla alho-cincia v. d. Iloeven iesla ovaio-suhglohosa ienui
pallide bninnea, spira^ fasciis iribus et apertura nlbis ; spira re-
iusa. 1^''. China. {Tijdschrift voor NntuurlyJce Geschied en Phys.
VI. p. 245; Bidl. d. scienc. en JSeerlande 1839. p. 465).
4. Cyclohranchia,
Nach R. Wagner sind nicht 2}i\(t Cyclohranchia weiblichen
Geschlechts, wie man bisher glaubte, sondern sowohl Patella
wie Chiton sind getrennten Geschlechts. Die Männchen ha-
ben einen weifsen Hoden mit lebhaften Spermatozoen, ähnlich
denen der Muscheln. Dr. Er dl will ein Gleiches bei Halio-
tis gefunden haben. Proc. Zool. Soc. 1839. p. 117.
Pnlella nrgentala Sow. Beechey Voy. t. 39. f. 7. flach,
elliptisch, radial gerippt, aufsen dunkel gelbbraun, innen sllber-
welfs, Rand schwach gezähnt. Chili.— P. Mazailcmdica id. ib.
elliptisch, mit knotigen Rippen, grünlichgrau, aufsen mit schwar-
zen Flecken, das Centrum innen bald welfs, bald schwarz, Rand
unregelmäfsig gezähnt. 3". Mazatlan.
Loüia? palh'da Sow. Reechey Voy. t. 39. f. 1. ziemlich
erhaben, hell gelblich, strahlig gestreift, Apex wenig nach vorn
gewendet, innen weifs mit gelbem Rande. Küsten des stillen
Oceans. — L. costala id. ib. f. 2. oval, mit schwacherhabenem
vorderen Apex und 15 — 20 Rippen, die mehr oder weniger am
Rande vorstehen, hell mit dunklern, concentrischen unterbroche-
nen Binden. Stille Ocean? — L. vnviabiUs id. ib. f. .3. 4. 5.
Apex ~ näher dem Vorderrande als dem Hinterrande. Aeufserc
Fläche glatt bis zum Gerippten ; dunkel olivengrün, mit schwar-
zen Flecken in den Winkeln. Chili. —
PUeopsis Gnrnoii Phil, ist nach Gray Ann. nai. hist IV.
Nr. 25. seine Gadinia. Für diese Gattung sind synonym: Mou-
reihi Sow (nicht Gray), Clypeus S c a c c h i , Patella Phil, PI-
leojjsis Payr.
Siphonaria scntelhnn Desh. 1. c. Insel Chatam.
Chiton platymerus Sow. Beechey Voy. t. 41. f. H. kasta-
nienbraun, Ixand lederartig, Seitenfallen der breiten Schalen-
stücke strahlig gerippt, die mittleren Felder längsgestreift. —
Ch. undulatus I<1. ib. f. 12. Rand lederartig, wellig, Schalcnslückc
grünlich braun, hellbraun in der Mitte.
215
C. Brach i op o d a,
Terelraiula Zelandica und T, hniicularis Dcsh. 1. c. beide
von Neu -Seeland.
D. C 0 71 c h if er a.
In einer Notiz {Ohservations sur la structure de la co-
quille de Vhuitre commune) handelt Laurent über die mit
Wasser erfüllten Höhlungen der Austerschalen, und über einen
Eindruck in jeder Schale nahe dem Wirbel, den er als die
Spur von Dimyarität ansehn will. (^Annales fran^aises et etran-
geres d'anatomie et de Physiologie 1839. p. 53.).
Anonna inacroclihma Desh. 1. c. Kamtschatka.
Pecten puJcherrhnus Sow. Beechey Voy. t. 41. f. 1- %
fast glelchschalig, sehr flac^i, weifs, eine Schale mit 9, die an-
dere mit 10 Rippen, deren äufserste stark gezahnt sind, die an-
dern sind schuppig.
Area irapezla Desh. 1. c. Mexico.
JJnio arcuata Bouchard-Chantereaux 1. c.
Das Thier von Modiola discrepans beschreibt Gray An-
nais etc. II. p, 480.
Die Mantellappen sind frei, nur am Hinterrande verwachsen,
wo eine kurze Köhre hervortritt. Der Fufs ist ziemlich breit
und beweglich, am Ende mit einer kleinen Scheibe, unten ge-
kielt. Das Thier kriecht auch mit dem Fufs an der Oberfläche
des Wassers, die Schale abwärts gekehrt. Es kriecht auch an
glattem Glase und Porzellan in die Höhe.
IModlola cuheUus Desh. 1. c. Kamtschatka.
Cardiia crassa Sow. Beechey Voy. t. 42. f. 4. aufge-
schwollen, braun, mit 15 — 16 breiten Bippen, Vorderende sehr
kurz. Acapulco.
Cypricardia Dupen'eyi Desh. I. c. Callfornien.
Cardium Lnperousii Desh. und C. Culiforniense Desh. beide
aus Callfornien.
Teilina proxima Brown Ms. Beechey Voy. t. 44. f. 4.
flach, weifs, Vorderseite viel länger, abgerundet, hintere wink-
lig am Unterrande, ähnlich T. tenuis. Arctische Ocean.
Psammohia orhicularis Desh. (Solen orbicularis Tf^ood) iesta
ovato- orbiculari^ inaequilalerali^ ienui\ siihpellucida^ uiroquc laiere
hiafite^ depressa] cardine hidentaio, sinu pallii deßexo, profundo ;
epidermide luieo-virescente. Long, 25, Lat. 35 niillim. Sumatra.
(Guerln Mag. de Zool. pl. 7.)
Zur Pandori7ia corruscans Scacchi, welche Philippi
(dies Archiv V. 4. p. 122) beschreibt, bemerkt Gray 1. c, dafs
die Muschel Lyonsia striata Turton {Mya nitida Fabr., Anatina
216
truncata Lam.') sei, das ihr zukommende Kalkstiick sei einer
Gruppe von Gattungen eigentliiimlich , die eine besondere Fa-
milie bilden sollten; Anatina, Cochloäesma, Periploma Seh um.
Thracia, Lyonsia, 3Iyodora Gvslj , ChamostreaRoissy (^Clei-
dofkerus S in tchh.) Myoc/iama Stutchb. , und wahrscheinlich
Cardüia Desh. {Hemicyclotiosta Desh.).
(Juoy giebt Beschreibung und Abbildung des Thiers von
JLutraria compressa, das sich durch sehr lange, freie Röhren
und grofse Mundlappen auszeichnet; die Kiemenblätter sind
verwachsen; der Mantel ist offen; der Fufs ist fast beilförmig
gekielt. (Guerin Mag. de Zool pl. 4.)
Macira austrcdis Sow. Beechey Voy. t. 44. f. 6. drei-
eckig, glatt, welfs. IV'. Swan River. —
Venus neglecia Äow. Beechey Yoy. t. 41. f. 8. mit con-
centrischen Rippen, braunlich welis, mit wiRkllgen, dunklen
Flecken, verwandt mit cancellaia Lam. Küsten Amerika's.
Cydierea hiradiaia Sow. Beechey Voy. t. 41. f. 5. braun,
meist mit zwei danklern Strahlen, glatt; verwandt mit Cmacu-
Jata Lam. St. Blas, und Mazatlan. — C. aequilatera Desh. I. c.
Mexico.
Venerupis giganiea Desh. und V. Petlti Desh. beide aus
Californlen.
Pelricola Cordlei'l Desh. — P. arcuaia Desh. — P. cylin-
äracca Desh., sämmtllch aus Californlen.
Saocicava pho/adis Desh. Kamtschatka. — S.legumen Desh.
Californlen.
Clnronia Desh. 1. c. Nov. Gen. verwandt mit Erycina i^
ovnia, transversa^ suhaequiJaierali^ injiato-iurgida, laevigaia^ alba
sub epidennide viridi-Jttlescenic, umbonibus viinimis^ aciiiis, opposi-
iis. Kine Art. CA. Laperousü.
A. Valenciennes lieferte eine Monographie der Gat-
tung Panopaea (^Archives du Muschim d'histoire naturelle etc,
t. 1. p. 1.), in der er das Thier von P. autralis beschreibt
und aufserdem 14 Arten aufführt, von denen 10 fossil sind»
Das Thier hat Verf. wie schon früher Quoy, s. den vor.
Jahresbericht p. 241. sehr ähnlich mit Mya gefunden, auch
hat es grofse Verwandtschaft mit Glycimeris, so dafs die drei
Gattungen eine Familie bilden müssen. Die sogenannten La-
bialpalpen {palpes lahiaux) will Verf., als analog dem Geruchs-
organe der Fische, für diese Function bestimmt ansehn. Die
Röhren sind lang, verwachsen, Mantel geschlossen, vorn ab-
gestutzt mit einem Loche in der Mitte zum Durchtritt des
Fufses. Fufs kurz, zusammengedrückt.
217
Die 5 lebenden Arten sind: P. Aldrovanäi Lam., P. austraUs
Sow., P. Spengleri Val.^ (Mya Norvegica Speftg.)^ P. ahbreviaia
Val.^ iesta parva^ solida, suhplicaia^ Candida] valde ahbreviaia et
Jiiante sinu palliari lato et profundo. Patagonien ; P. zelandica
Qtioy,
Solen MicJiaudii Calllaud: testa tenul, transverse-oblonga,
striata, extremltatibus rotiindatis. Long. 58 millini. Lat. 13 mll-
lim. Sumatra. (Giierin Mag. de Zool. pl. 2.) — S, gladiolus
Sow. Beechey Voy. t. 43. f. 4. sebr verwandt mit S. siliqua,
mit ibr verwecbselt, aber dicker und der vordere Rand des Man-
teleindrucks etwas ausgebucbtet. America. — S. tnedius id. ib.
t. 44. f. 2. an beiden Enden abgerundet, Vorderseite ^ der gan-
zen Schale, vorne eine Kreuzleiste.
PJiolas Janellii DesJu und P. concameraia Desh.^ beide aus
Californien«
B. Tuni c at a,
Mi Ine Edwards giebt eine kurze Notiz über die Cir-
culation des Bluts bei den Pyrosomen, Das Herz liegt unter
der Eingevveidemasse, und verhält sich wie bei den jiscidien^
auch ändert die peristaltische Bewegung so ab, dafs dieselben
Gefäfse abwechselnd als Arterien und als Venen dienen. (^An-
nales des sciences naturelles XIL p. 375.)
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Ento-
mologie während des Jahres 1839.
Von
W. Erichson.
Die Entomologie ist im Verlaufe des Jahres 1839 durch
eine nicht unbedeutende Anzahl wichtiger Arbeiten gefördert
worden, und es verdient wohl einer Bemerkung, dafs die Zahl
der selbstständigen Werke imVerhältnifs zu den in verschiede-
nen Zeitschriften mitgetheilten Aufsätzen sich zu mehren scheint.
Unter den der Entomologie gewidmeten Zeitschriften hat
das Entomological Magazine zu erscheinen aufgehört, Silber-
manns Revue Entomologique scheint ebenfalls eine bedeu-
tende Unterbrechung erlitten zu haben, die Annales de la So-
Wiegmaan's Archiv. VI. Jahrg. 2, Bd. 15
218
ciete Entomologique de France erscheinen jetzt sehr unregelmäs-
sig, und werden noch unregelmässiger versandt*), \oi\Aq\\ Bul-
letins de la Societe des Natnralistes de Moshou, welche sonst
einen überwiegenden Reichthum entomologischer Arbeiten ent-
hielten, ist aus dem Jahre 1839 dem Ref. kein Heft zugegan-
gen, so dafs Germar's Zeitschrift für die Entomologie in
Deutschland und die Transactions of the Entomological Sociehj
qf London die einzigen rein entomologischen Zeitschriften sind,
welche ihren Gang ungestört fortgesetzt haben.
Von ganz besonderem litterärgeschichtlichen Interesse ist
die Uebersicht, welche Hr. Doubleday im Magazine of Nut.
History S. 139 von den zahlreichen und sehr zerstreuten en-
tomologischen Arbeiten des ebenso thätigen als talentvollen
Americaners Thomas Say gegeben hat.
Die wichtigen Untersuchungen, welche Hr. Newport über
die Function der Fühler angestellt, von denen im vor. Jahr-
gange die Rede gewesen, indem sie zu Gegenuntersuchungen
Veranlassung gegeben haben, sind bis jetzt noch nicht veröf-
Tentlicht worden. Ref. hat schon damals darauf hingewiesen,
dafs es einseitig zu sein scheine, die Antennen entweder rein
als Gehörorgane, oder rein als Gefühlsorgane anzuerkennen,
und die Ansicht geäufsert, dafs möglicher Weise beide Sinne
in diesen Theilen ihren Sitz haben möchten.
In den ^nncdes des sciences nattireUes finden sich nun die
Erfahrungen des Hrn. Lefebvre mitgetheilt, welche dafür zu
sprechen scheinen, dafs in den Antennen das Geruchsorgan
der Insecten zu suchen sei. Das erste Experiment machte
Hr. L. an einer Biene, welche an einem Stück Zucker sog.
Als Hr. L. ihr nämlich auf einige Linien Entfernung eine Na-
del entgegenhielt, welche in Aether getaucht war, ward die
Biene sehr unruhig, und bewegte die Fühler gegen die Nadel,
welches durchaus nicht geschah, wenn eine Nadel ohne Aether,
Zündhölzchen, u. drgl. hingehalten wurden. Nach einer Weile
tauchte Hr. L. die Nadel abermals in Aether und brachte sie wie-
der in die Nähe der Biene, aber diefsmal von hinten her,
*) Mehrere Hefte des Jahrganges 1838 hat Ref. nicht benutzen kön-
nen, weil sie in Deutschland und namentlich nach Berlin nicht ver-
breitet sind. Aus dem Jahre 1839 ist nur ein Doppelheft nach Ber-
lin gelangt.
219
und die Biene liefs sich nicht stören: er hrachte sie ganz in
die Nähe der Stigmen, selbst zwischen die Beine, und die Biene
zehrte ruhig fort. Sobald er aber bis an die Vorderbeine ge-
langte, fingen die Fühler wieder an, sich unruhig zu bewegen.
Aus diesem Versuche geht unverkennbar hervor, dafs man in
den Stigmen nicht den Sitz des Geruchssinnes zu suchen habe,
sondern dafs dieser vielmehr am Kopfe seine Stelle haben
müsse. Dafs die Fühler selbst das Geruchsorgan seien, davon
glaubt Hr. L. sich durch fortgesetzte Versuche an Wespen
überzeugt zu haben, indem mit Verletzung der Antennen auch
die Empfänglichkeit für Gerüche verloren ging, ja Hr. L. er-
hielt zuletzt das Resultat, dafs mit dem Verlust des letzten
Antennengliedes auch der Verlust der Geruchssinnes verbun-
den sei.
Unter den die gesammte Insectenkunde betreffenden Arbei-
ten ist zunächst der Fortsetzung der Werke der HH. W e s t vv o o d
und Burmeister zu erwähnen. Von ersterem {Introduction to
the »lodern Classification of Insects) liegen dem Ref. z. Zeit 5 Hefte
vor, welche von den Thysanuren, Neuropteren, Tricltopteren
und Hymenopteren handeln. Es ist diese Arbeit vorzugsweise
in der letztgenannten Ordnung so ausgezeichnet, dafs es sich
auf eine würdige Weise an die Introduction to Entomology der
HH. Kirby und Spence anschliefst, deren Folge zu sein der
Verf. sein Werk bestimmt hatte. Es ist in der That ein Com-
pendium, welches das Wesentliche unserer gegenwärtigen Kennt-
nifs mit Nachweifs der Quellen in conciser und doch interes-
santer Darstellung mittheilt. Systematische Auseinandersetzung
hat der Verf. auf die in England einheimischen Gattungen be-
schränkt, welche im Anhange, jedoch nur sehr oberflächlich
und kurz characterisirt sind. Dagegen sind die Charactere der
Familien, so wie die verschiedenen Verwandlungsstufen einzel-
ner oder mehrerer Mitglieder derselben durch in den Text
eingedruckte Holzschnitte erläutert.
Für die Ordnung der TJiysanuren ist die Eintheilung des
Hrn. Haliday zum Grunde gelegt. Die Neuropteren theilt
Hr. Westwo od in zwei Sectionen: Biomorphotica, (mit un-
vollkommener Verwandlung) mit den o F amilienTermiiidae^ Pso-
cidae, Perltdae^ JEphemaidae^ Liibellulidae, und Subnecromor-
photica^ (mit vollständiger Verwandlung) mit den 6 Familien
Myrmelionidae y ffemerobiidae, Skäidae^ Panoiyidae^ Raphidü-
15*
220
äae^ Maniispiäae, Dafs unter diesen letzten die übrigen Fami-
lien unter sich in viel näherer Verwandschaft stehen als mit den
in ihre Mitte gestellten Panorpen ist dem Verf. entgangen. Die
Ordnung der 'Trichoptera bildet eine einzige Familie PJiryga-
neidae, aber 7 Unterfamilien: Phrygancides ^ HydropsycJüdes^
LepiocerideSf Sericosiotnides , PsycJwmyides^ Rhyacopliilides^ J^y-
droptilides, mit nicht minder als 36 Galtungen. Die beachtens-
werthe EIntheilung der Hyvienopteren bis auf die Familien
ist folgende: Sect. I. Terebrantia: Subsect. I. Phyliphaga.
Trlb. I. Serrifera, fam. Tenthredinidae. Trlb. II. Terebel-
lifera^ fam. Ürocerldae. — Subsect. II. Trlb. I. Spiculifera:
fam. Cynipidae^ Evnnüdae^ Ichneumonidae^ Chalcididae, Pvoclo-
irupidae. Trlb. II. Tubulifera. fam. C/injsidtdae. — Sect. II.
^culeata^ Subsect. I. Insectivora fam. Crabromdae^ Larri-
dae, Bettibecidae, SpJiegidae^ ScolUdae^ MutilUdae^ Formicidae,
Eumenidae^ f^espidae, Suhsect. 11. IM ellivo 7' a^ iam. udndrenidaey
uäpidae. Die weitere EIntheilung der Hymenopteren in Unter-
familien u. s. w. ist sehr genau, überhaupt ist der diese interes-
sante Ordnung betreffende Thell des Werkes vorzüglich gelungen.
Von Hrn. Burmeister's Handbuch der Entomologie ist
die zweite Hälfte der zweiten Abtheilung des zweiten Bandes er-
schienen, welcher d\Q NeuropterenhsiiveiWes behandelt, beim
Verf. Theil der Kaukerfe, Gijmnognatha. Für die Verbindung
eines Theiles der Neuroptera Latr. mit den Orthopteren zu ei-
ner Ordnung hat sich auch Ref. ausgesprochen, aber nur für
die von solchen, weiche mit denselben in der eigenthiimlichen
Bildung des Mundes übereinkommen, die, wie später (^Ento-
mogr. I. S. 5.) gezeigt, in dem Vorkommen zweier Paare
von Laden an der Stelle der Zunge besteht, und dadurch
dafs die Form der Verwandlung mit der der Orthopteveii
übereinstimmt, wird diese Vereinigung auch physiologisch be-
gründet. Wenn Hr. Burmeister die Form der Verwandlung
nicht nach dem ruhenden oder thätigen Zustande der Puppe,
sondern nach dem Verhältnisse der Larve zum vollkommenen
Insect, insofern sie mit demselben übereinstimmend gebil-
det (homonom) oder nicht (heteronom) sei, und hiernach die
Neuropteren mit ruhender Puppe als Insecten mit unvollkonune-
ner Verwandlung betrachtet, so scheinen die Phryganeen ganz
aufser Betrachtung gebliehen zu sein, indem bei ihnen die ver_
schiedenen Lebenszustände so heteronom sind als möglich, und
selbst bei den Hemerobien^ Myrmeleonen u. s. w. wird man sich
bei näherer Betrachtung überzeugen, dafs die Mundtheile, die
Bewegungs- und Sinnesorgane keineswegs bei der Larve die-
221
selbe Grundform haben, als bei dem vollkommenen Insect, was
bei den Ins. mit wirklich unvollkommener Verwandlung über-
all der Fall ist, und dafs jene Larven unter den heteronomen
denen eines grofsen Theils der Käfer, z. B. der Caraben, Sil-
phen u. s. w. parallel stehen. Aus dem Grunde, dafs viele
sog. ruhende Puppen eine gewifse Beweglichkeit haben, abzu-
leiten, dafs zwischen der ruhenden Puppe und der beweglichen
keine scharfe Gränze sei, kann nur aus einer sehr oberflächlichen
Ansicht hervorgegangen sein, denn es liegt auf der Hand, dafs
die von Hrn. Burmeister (Handb. H. S. 402.) angeführten
Beispiele ruhender Puppen mit Bewegung (die von Holz- und
Rohrschmetterlingen und die von Mücken) sich auf eine ganz
andere Weise bewegen, als die von Heuschrecken und Wanzen,
nämlich nicht, wie diese, mittelst der ihnen von der Natur ver-
liehenen eigenen Bewegungsorgane, der Beine, sondern wurm-
artig durch Windungen das ganzen Körpers, so dafs zur
Zeit noch immer die vorhandene oder fehlende Puppenruhe
die sicherste und wesentlichste Erscheinung an den Insecten
mit vollkommener und unvollkommener Verwandlung ist.
Während Hr. Burmeister auf solche Weise an mehre-
ren Stellen seiner neueren Schriften die scharfe Gränze, durch
welche die Natur die Insecten mit vollkommener Verwandlung
von den übrigen scheidet, zu verwischen sich bemüht, bleibt
er doch in einem, auf einem Cartonblatte mitgetheiiten Ent-
würfe eines neuen Insectensystems dabei, die ganze Klasse ge-
rade nach der Form der Verwandlung in zwei grofse Abtheilun-
gen zu bringen, Hemimetahola^^ und Holometahola. Die
ersteren theilen sich in die Haustellata (JXhynchotd) und Man-
dihulata {Gymnognathct), die letzteren in Homoptera^ nämlich
Antliataipiptera)^ Piezata {Hymenoptera), Glossata {Lepidopterd),
und Heteroptera, T\'im[\GhMeutherata(^Coleopterd). Die drei
Ordnungen der Homoptera (^Antliata, Pie%ata und Glossata)
ist Hr. Burmeister geneigt in eine Ordnung zu verbinden,
*) Hr. Burmeister führt Aie Jmetabola Leach als synonym auf;
La ach aber verstand unter /, ametabolia (so schreibt er) solche,
welche wirklich keine Verwandlung zeigen, nämlich T/iysanura und An-
oplura, und begreift also die eigentliche Masse der HemimetabolaB urm.
unter seinen Metaboli a, wo er Metamorphosts incompleta und se^
micompleta (im Linn ei sehen Sinne genommen) unterscheidet.
222
welche der der Eleutherata gegenüber stände; der Meinung
des Hrn. B. indefs, dafs die numerischen Verhältnifse des In-
haltes der so gewonnenen Ordnungen seine Ansicht bestättig-
ten, indem die Antliaten, Glossaten und Pie%aten zusammenge-
nommen den Käfern an Artenzahl gleichständen, wird wohl
schwerlich Jemand beitreten, der die Natur nicht aus Büchern,
sondern aus eigener Beobachtung kennt.
In der vorliegenden letzten Abtheilung des zweiten Bandes
werden die Zünfte Corrodenlia^ Suhulicornia^ Plecto-
piera^ Trichopiera^ Planipennia abgehandelt. Die der
Corroäentia begreift die Termkina^ Ejnhidae, Comopierygidae
und Psocinu unter sich ; Coniopteryx (die Coniopterygidae) ist
aber von Hrn. M^estwood unter den Memerobien an eine viel
natürlichere Stelle gebracht worden. Die Suhiäicornen enthalten
die Ephemeren und Libellen^ die Plectoptera die einzige Familie
Semblodea, die Trichopleren die Phryganeen^ die Planipennia^ die
Stauden {Sialis, Chauliodes, Corydalis) die Panorpinen^ die Rha-
phidiodca (Rhaphidia und Mantispa) und Megaloptera, {Hemero-
hius und die verwandten Gattungen). — Rhaphidia und Mantispa^
wenn sie einmal von den übrigen Hetnerobien abgesondert wer-
den, müfsten auch wohl jede für sich eine besondere Farn,
bilden; die Panorpen entfernen sich durch den Mangel der
Zunge, die zweigliedrigen Lippentaster weit genug von den
Hemerohien^ um die Rechte einer eigenen Zunft in Anspruch zu
nehmen, die Sialidae treten in der Form des Mundes den He-
merobien wieder recht nahe, sie weichen aber in der Form der
Hinterflügel ab*), so dafs sie sich dadurch als eine eigene Gruppe
darstellen. Ob indefs (Jhauliodes und Corydalis in der Lebens-
weise der Larven mit Sialis übereinstimmen, ist noch ganz un-
gewlfs. Die Angaben des Hrn. IJurme ister über die Lebens-
weise derlnsecten scheinen zuweilen nicht ganz genau, z.B. möchte
es nicht leicht sein, seine Beobachtungen über die Phryganeen, dafs
dieselben sich am Liebsten auf Blumen aufhielten und Honig
sögen, zu Aviederholen. Das Bestreben des Verf., die Gat-
tungsnamen den Regeln griechischer Sprachbildung gemäfs her-
zustellen, verdient alle Anerkennung in einer Zeit, wo diese
fast allgemein mit Füfsen getreten werden, es scheint aber doch,
als ob er öfter zu weit ginge, wenn er z. B. IMyvmdeon in Myr-
fnecoJeon, zwar der ersten Regel, aber gewifs nicht dem Gei-
ste der griechischen Etymologie gemäfs verändert.
Einen Reichthum an entomologischen Artikeln enthält
das Dictionruiire universel d'hlstoire natvrelle, welches un-
ter der Leitung des Hrn. D'Orbigny in Paris erscheint, und
*) „Alae posticac in basi amplificatae, cum area postira instructae."
(Burm. Handb. II. S. 942).
223
bereits in 10 Lieferungen bis ani Ant/ia gelangt ist. Für das
Fach der Entomologie sind die H.H. Audouin, Blanchard,
Briille, Doyere, Dujardins, Diiponchel, Lucas und
Milne Edwards als Mitarbeiter in Thätigkeit. Es ist ein
solches Werk jetzt von besonderer Wichtigkeit, wo die ver-
schiedenen Zweige der Naturwissenschaften sich immer mehr
und mehr absondern, und es kaum möglich ist, sich den Ue-
berblick über das Ganze zu erhalten, welches sich besonders
in der jetzt so gewöhnlichen Benutzung eines und desselben Gat-
tungsnamen in verschiedenen Theilen der Naturgeschichte zeigt,
einem Uebelstande, dem nicht besser als durch das Erscheinen ei-
nes alphabetisch geordneten Nachweises der bisher benutzten
Namen entgegen gearbeitet werden kann. Dafs die imDejean-
schen Catalog aufgeführten Gattungsnamen in diesem Werke be-
rücksichtigt werden, ist allerdings geeignet, Mifsbilligung aus dem
Grunde zu finden, weil Gattungen nur durch Angabe der Cha-
ractere festgestellt werden, welche Begründung dem grÖfsten
Theile der Dejean'schen Gattungen abgeht, es wird aber be-
ständig darauf aufmerksam gemacht, dafs diese Gattungen noch
nicht characterisirt sind, und es ist nicht zu läugnen, dafs sie
als natürliche Gattungen, welche sie gröfstentheils sind, und
bereits allgemein im Gebrauch, von systematischen Schriftstel-
lern angenommen werden sollten, wenn nicht besondere Gründe
dagegen sind.
Dc^s 21. Heft von Hrn. G e r m a r's Fauna Insectorum Europae
enthält folgende, zum Theil für die Europäische Fauna höchst
interessante Arten:
1) Zuphitim unicolor^ neue A.^ wenn nicht einerlei mit
Z. Chevrolatii ^ was weniger aus Lap orte's mangelhafter Be-
schreibung, als aus dem Umstände hervorzugehen scheint, dafs
. Hr. Brülle (Hi<<i. nai, des Ins. IV. S. 177) auch Sicilien als
Vaterland des Z. Ch. anglebt, woher auch Hr. Germar sein Exem-
plar erhalten hatte; 2)FeroniaRenc1schmidiii, der F. Schüppelii
verwandt, aus Gallizien; 3. 4) Phijllocerus fulvipennis Dej,
beide Geschlechter aus Sicilien; 5) Ludius gutiafus Dej. aus
Steiermark; 6) Campylus horealis, El. bor. Payh.^ aus Lapp-
land und Finnland; 7) Cehrio tnelanocephalus Dej. aus Si-
cilien und Calabrien; 8) C, FabriciiLeach, ocanthomerus Hjfg.
aus Portugal und Südfrankreich ; 9) AUagenns poecilus aus
Sardinien; 10) Chlorophanus nohilis Dahl aus Ungarn;
11) Sciaphilus tu ngnidus aus Sachsen; 12) Otlorhynchus
divcs Dahl aus Ungarn; 13) O. cy?nophorus ebendaher;
224
i4')Acalles Rolletii Kunze aus Sicilien, gröfser als C/y-
ptorh. Lapathi; 15) Dorcadion divisum aus der Türkei;
16) -ö. Pyrenaeu7n DeJ. von den Pyrenäen und aus Catalo-
nien; 17) D. hilineatutn, aus Ungarn; 18) jD. (ihruptum,
aus Dalmatien, -wohl eher Abänderung von C. pedeslre^ als ei-
gene A.; 19) Trigonosoma Desfoniainiiy Fei. Desf. F, aus
Sicilien, 20)Pachycoris maculivenirisy ebendaher; 21)^äc«-
Inphus oitotnanus Kunze, (lncieits\ Brülle) aus der Türkei;
u4. iciericus Charp., der wahre barbarus Lin, nach Lefebvre,
aus Südeuropa; 23) Ceratine chalcites III., aus Portugal und
Sicilien; 24) Eucera vuficornis F., aus Südeuropa; 25) E.
dentaia KL, aus Deutschland (in der Mark im Sommer auf
blühenden Malven).
Die Fan z ersehe Insectenfauna Deutschlands ist von Hrn.
Herrich- Seh äffer thätig fortgesetzt worden. Die abgehan-
delten Gegenstände werden unten an den betreffenden Orten
näher angegeben werden.
Für die Insectenfauna Preufsens finden sich vielfa-
che Beiträge in den Preufsischen Provinzialblättern gegeben.
Hr. Schmidt (Regierungs-Rath in Stettin) hat Bemerkungen
über einige Käferarten Ost- und Westpreufsens gemacht, Hr. Ha-
gen die in Preufsen einheimischen Libellen verzeichnet, und
Hr. V. Siebold die bisher beobachteten Schmetterlinge, Raub-
wespen, Dipteren, AVanzen und Zirpen aufgeführt.
Ueber dielnsectenfaunaSchlesiens enthalten die Ar-
beiten der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur ei-
nige Notizen, namentlich von Hrn. Jänsch eine Aufzählung
der schlesischen Hister (19 A. mit Einschlufs des Sphaerites
glabratus!) und Buprestis (18 A.) und von Hrn. Schiling
ein Verzeichnifs der in Schlesien aufgefundenen Scheinbie-
nen {AndreTietae).
Die Insectenfauna von Lappland, Insecta Lapponica,
des Hrn. Zetterstedt ist durch das Erscheinen des sechsten
Heftes vollendet worden, welches den Rest der Lepidoptera
und die Neuroptera Latr. enthält. An neuen Arten fehlt es bei
den ersteren, wie sich erwarten lässt, nicht. Von Neuropteren
sind 119 Arten aufgeführt, darunter fast die Hälfte (51) als
neu erkannt, als Lappland eigenthümlich kommen 30 Arten vor.
Eine neue Gattung Sciodus findet sich errichtet, welche auf
Hemerohius folgt: es ist indefs dieselbe, deren Tvpus die
Phrygmiea alba F. ist, schon früher von Hrn. Cur tis unter dem
Namen Coniopteryx aufgestellt worden.
225
Die in der entomologischen Lilteratur in genauer und ele-
ganter Ausführung der Abbildungen unübertroffene und in jeder
Hinsicht vortreffliche British Entomology des Hrn. Cur-
tis ist mit dem 16ten Bande geschlossen worden.
Es enthält derselbe folgende Gattungen, durch die genann-
ten Arten repräsentirt: Haliplus ferruglneus (fulvus F.), Sta-
phylinus pubescens, Tachyporus littoreus, Silpha opaca,
Briichus ater Marsh., Anthribus albinus, Platyrhinus lati-
rostris, Baris analls, Trogosita mauritanica, Prionus coria-
rius, Aromia moscbata, Rbaglum inquisitor, Agrion rubel-
lum, Allantus flavipes Fourc. (dispar. KL), Ichneumon ama-
torius, Therion amictum (Ophion am. F.), Spalangia ni-
gra, Cleptes nltidula, Proctotrupes areolator, Formica
irufa, C er Opal es varlegatus, Yespa rufa, Apis melhfica, Ma-
icroglossa stellatarum, Notodonta Dromedarius, Drymonia
Kliiibn) Dodonea, Hypogymna (Hübn) monacha, Zeuzera
lAesculi, Plusia illustris, Venusia Cambrica Curt., Tortrix
I Galiana Curt., Chilo lanceolellus, Laverna ochraceella, Diur-
nea Novembris Haw., Eriocephala calthella L., Simulium
i fasciatum Curt, Psycho da 6-punctata Curt., Nemotelus ni-
igrinus, Baccha elongata, Syrphus lucorum, Eumerus litto-
j ralis Curt., Pipunculus pratorum, Lonchoptera flavicauda,
'Hvdrotaea clliata, Platyccphala planifrons, Tingis Oxya-
iicahthae Curt., Idiocerus maculipennis (Abänderung vom Mann-
chen des /. lituraius FaU.\ Thrips dispar.
Die Gattung Therion Curt. entspricht der Untergattung
Anomalen Gr.; Venusia ist eine neue, mit Zerynthia in naher
Verwandtschaft stehende Gattung von Spannern; Laverna ist
eine neue Gattung der Schaben, In welche nebst einigen ande-
; ren auch eine in unsern Wohnungen hinreichend bekannte Tuch-
motte Tinea sarcitellaL. gehört. Die Gattung Diurnea
Haw. entspricht der Lemmatophila Trelschk., und die Gattung
Eriocephala ist vom Verf. für die angeführte Art wegen der
besonderen Bildung der Mundtheile errichtet.
Hr. Selby hat in den Jnnals of Nat. History eine Liste
der auf dem Gute Twizell (England) beobachteten Käfer und
Schmetterlinge mitgetheilt.
Die Bearbeitung der Insectenfauna Andalusiens durch
Hrn. 'RsiVahuT (Faune Entomologique de VAndalusie) ist durch
das Erscheinen einer dritten Lieferung fortgesetzt worden. Es
enthält dieselbe Kupfertafeln mit den Abbildungen von Inse-
cten verschiedener Ordnungen {Coleoptera, Orthoptera, Neuro-
ptera, Lepidopterd), der Text beschäftigt sich ausschliefelich mit
den Orthoptera Latr,^ wo wir noch auf diese Arbeit zurück-
kommen werden.
Hr. Waterhouse hat in den Tr ansäet, of the Ent. Soc, of
226
London eine kleine Anzal»! von den Insecten beschrieben,
welche Hr. Darwin gesamiiiell hatte, und bei deren Auswahl
er besonders solche berücksichtigte, welche durch ihre Analogie
mit anderen Gruppen auffielen: Belus testaceus, an Lixus
erinnernd; heptosomus acuininatus Seh. (jCurc, acumi-
natus F.) mit J3rent/äde?i -, Allclidea (neue Gatt., welche
Hr. W. zu den Melyriden rechnet, aber unverkennbar ein klei-
ner Talus ist) Ctenostomoides mit Ctenostoma\ Allelopla-
sis Dariüinii, eine merkwürdige Form der Hemiptera homo-
ptera, deren systematische Stellung noch näher zu ermitteln ist,
höchst ausgezeichnet durch die Bildung der Vorderflügel, welche
sehr schmal, lang und ganz linienförmig sind, und durch den
Mangel der Hinterflügel; Ceplialelus mafginatus und
hrunneus; Thoracantha Latrcillii. Letzteres Insect,
auf dessen Analogie mit Mordelle7i Hr. W. hinweist, ist von
Bahia, die übrigen sind in Australien gesammelt.
C 0 l e 0 p t e r a.
Herr Sturm hat das 14te Bändchen seiner vortrefi^lichen
Fauna Deutschlands herausgegeben, welches die Gattungen
CatopSy Colo7i, Peltis, T/ujmaliis^ Ips und Strongylus
enthält. Aus den beiden ersten Gattungen sind eine Reihe
schwieriger Arten in meisterhaften Abbildungen dargestellt und
der Anzahl der bekannten Arten mehrere neue hinzugefügt
worden, nämlich Catops castanens And., aus mehreren Ge-
genden Deutschlands, C spadiceus Dald. aus Oesterreich,
C, hrunneus Knoch und C badius Meg., aus Oesterreich
und Colon affinis St. von Triest. Von der Gattung Ips
müssen die beiden abgebildeten Arten /. ^-notata F. und
/. allreviata Panz. ausgeschlossen werden, indem sie sich
aufser anderen Characteren durch eine deutliche Oberlippe von
den typischen Arten unterscheiden. Auch die Gattung Stro?i-
g?/lus, welche hier im Sinne der französischen Entomologen
aufgefafst ist, ist aus mehreren verschiedenartigen Elementen
zusammengesetzt, für deren Sichtung von den Engländern be-
reits melireres geschehen ist, und deren nähere Betrachtung
wir im ^nächsten Bändchen mit der weiteren Bearbeitung der
JVüidulen vielleicht entgegensehen dürfen.
Hr. Waltl hat fortgefahren, in der Isis neue Käferarten
aus der Fmgegend von Passau zu beschreiben.
w
227
Es sind (Isis 1839. S. 221.) folgende Arten beschrieben
„orden: HeteroceruspusiUus^ Eusirophus bifossuJaius, Ani-
ioiotna signaimn, Agathidium jmnciaium, Necydalis scutel-
'aris, Rhynchites nigrocyaneus^ Bagous echinatus, Sitona
maculipennis, Rhyncolus sculpturatus^ferrugineus^ Bostrichus
:arinatus , Cis punciiger, Fagi , Rhizoph ag u s coeruleus , (ist
Lyctus neneus Rieht.) Lathridhis njgriceps, Cucuius crassicor-
lis duplicatuSf Haiti ca pallidicortiis, obesa^ impressa^ Chryso-
mela noöilis. Phalacrus punctato-siriatiis, Scymnus dorsalis.
Von den Käfern der Mark Brandenburg des Ref.
ist die zweite Abtheilung des ersten Bandes erschienen, welche
die Familien der Staphylinen (mit Ausnahme der schon in der
ersten Abtheilung abgehandelten Aleocharen) und Histeren um-
fafst, und schliefslich noch einige Berichtungen und Nachträge
zur ersten Abtheilung beibringt.
Unter den letztern ist die Nehria livida aufgeführt, bei
welcher der Nebria lateralis gedacht worden ist und die Zwei-
fel erörtert worden sind, welche dafür und dawider sprechen,
sie als Abänderung mit der N. livida (Car, sabulosus) zu ver-
binden. Seitdem hat Ref von verschiedenen Selten her Mitthei-
lungen über diesen Gegenstand erhalten, welche thells der
einen, theils der anderen Meinung das Wort redeten, es ist aber
vom Hrn Grafen Mannerheim auf's Ueberzeugendste darge-
than worden, dafs iV. lateralis nur eine Abänderung der N. li-
vida sei, indem es theils bei anderen Insecten^an ähnlichen Ver-
hältnissen desVorkommens derVarietäten nicht fehle, theils auch Mit-
telstufen zwischen beiden Formen nicht immer ausblieben, welche
in Hummel's Essais Entomologiques N, IV. (1825)p. 7. bereits er-
wähnt seien. (Bull. d. VAcad. des Scienc. de. St. Petersb. VI. p. 24.)
Herr Heer hat von seiner im letztern Jahresberichte er-
wähnten Schweizerfauna {Fauna Coleopterorum Helvetica auct,
Osw. Heer, Turici, imp. Orellii, FuesUni et soc.) ein zweites
Heft erscheinen lassen, worin der gröfsere Theil der Df/fiscen,
die Gyrinen, die Stapltylinen und ein Theil der Pselaphen auf-
geführt werden. In der Bearbeitung der Staphylinen hat der
Verf. von der Vorarbeit des Ref. in den Käfern der Mark Bran-
denburg sich selten entfernt. Ref. kann nur bedauern, dafs
seine gröfsere Arbeit über diese Familie ohne Bezug auf
die vorliegende Schrift geblieben ist, indem die erste Hälfte je-
ner zum Verf. derselben gelangte, als diese bereits fertig war,
und er selbst das vorliegende Werkchen erhielt, als der Druck
der zweiten Hälfte, bis auf die Register vollendet vorlag. Es
ist daher eine Anzahl von Arten in beiden Werken unter ver-
228
schiedenen Namen beschrieben worden, welche auf einander
zurückzuführen, eines weiteren Studiums bedürfen wird.
^ Herr Heer betrachtet die Gattung Mlcropeplus als eine
eigene Famd,e, verbindet dagegen die übrigen Protdnini , die
Phloeoc/mrini so wie die Coj^ro/V»-///»- (Unterabtheilung der O^rv-
/eZ//»- beim Ivef.) mit der Familie der Omalmen, offenbar in Rücksicht
auf diel ufsghederzah!, welcher Ref., allen anderenRücksichten je-
mals, einen solchen Werlh nicht einräumen konnte. Denn offenbar
sind die Co7;;'o/?A?/;«e/i eine aberrante Abtheilung der Oorytelen de-
ren Verwandtschaft n.It den Omalinen durchaus nur scheinbar ist
Auch die Proteinini bilden sehr natürlich eine eigene den eigentli-
chen 0;;f«Z;/t(?« gleichwerlhc Gruppe, welche sich in manchen
Beziehungen und besonders auch durch die Einsetzung der Vor-
derhüften den Nitiduhn annähert. Die Kluft, welche Micro-
pephis von Proieinus zu trennen scheint, wird auf eine sehr au-
genscheinliche VVeise auf der einen Seite durch MegnrtJirus und
Phloeohnm (Stlp/ta clypeata Miill.\ auf der anderen durch Glv-
pioma ausgefüllt, welche die deutlich 11-gliedrigen Fühler der einen
und die .3-gliedrigen Fülse der andern hat. Von Micropeplus
in\xn Hr. Heer au^er dem M. povcatus den M. Staphylinoi-
des auf, der zwar Om. Siaphylinoicles Gyll (M. iesserula Ciirt.)
nicht aber JSiL Staple Marsh, ist, welche vermuthlich nur auf Gy I-
ienhals Auctorität citirt wird. Unter den eigentlichen Omali-
nen stellt der Verf. zunächst eine eigene Gattung Xylodro-
7nus für Om. depJanatiwi und piamun auf, welche mit mehreren
verwandten Arten weder durch die Fühler noch die Mundtheile
von den eigentlichen 0;/i«//e« sich unterscheiden lassen« da"-egen
verbindet er die Gattung Anihobium Leach mit Oma/iu?n
trotz der breiten Füsse, der grofsen Augen, der Lage der Ocel-
len zwischen den Augen, und der Gestalt der Zunge, in wel-
cher sehr verschiedene Arten beider, je nach ihrer Gattung, sich
übereinstimmend zeigen. Hierher rechnet Hr. Heer auch viel-
leicht vom Habitus verleitet, das OmaJ. cannliciilaUtm Bei
welches Ref. in Rücksicht auf die Bildung des Mundes und die
verlängerten ersten Fufsglieder zw LaiJirimaeum rechnen zu müs-
sen glaubte, und dessen Männchen Hr. Heer unter dem Namen
Om. dentipes beschreibt. Als eine andere Gattung Phloeono-
mwÄ sondert der Verf. mehrere Arten (O. monilicorne, inßatum,
lucidum, pusillum, minimuvi) von Omalium ab, welche sich durch
nach der Spitze hin zu einer Keule verdickte Fühler von Oma-
lium unterscheiden sollen: indefs stimmen die verschiedenen Ar-
ten dieser so wenig, wie die vieler anderer Gattungen der Sta-
phylinen in der Bildung der Fühler überein, und es möchte
schwer halten, selbst für die Gruppirung der Arten hinreichende
bcharfe in diesen Merkmalen zu finden: ebenso wenig können
diese Abtheilungen natürlich ausfallen, da die verwandtesten Arten
oft am wenigsten darin übereinstimmen, w ic hier auch Om. brun-
neum und lucidum, welche Gyllenhal nicht einmal als Arten
unterschied, in zwei verschiedenen Gattungen ihre Stelle finden.
In der Gattung Laihrimneuvi hat Hr. Heer sowohl die vom
229
Ref. beschriebenen Arten als aucli die Silplm melanocepJiala IIU
verkannt; diese nämlich ist ddiS L. atrocephahnn des Verf., kommt
indess in der Märkischen Fauna nicht vor; das L. airoccpha-
htm des Ref. {Oinal airocephalum GylL) vom Verf. fälschlich fiir
das L.fiisciihwi des Ref., so wie für die Si/phavie/nnocejyhala lll.
an"-enommen worden, ohne Rücksickt darauf, dafs Ref. über den
lUr^erschen Käfer schweigt, den er doch durchaus kennen mulste.
Eini; andere neue, auf eine neue von Hrn. Chevrier bei Genf
entdeckte Art gegründete Gattung Chevrieria ist d^m Ref. nicht
aus elf^ener Anschauung bekannt, doch ist zu vermuthen, dafs
sie mit^ Boreaphilus Sahlberg und Coryphiiwi Kirby übereinstim-
men wird, um so mehr, als ein grosser Theil der nordischen
Arten auf den Schwelzeralpen eine zweite Heimath findet. Mit
Acidota hat Verf. die Gattung Arpediuvi des Ref. verbun-
den, indefs läfst der Vergleich der Mundtheile diese Vereinigung
nicht zu, wie auch, wenn man die Charactere scharf auffafst, der
Habitus abweicht; mehrere neue Arten, welche Hr. Heer unter
Acidota beschreibt; sind dem Ref. nicht bekannt, die ^. alpina
scheint aber ein langgestrecktes Olophruin\ und zwar das
O. alpesire des Ref. zu sein. Unter dem von Dejean schon
angewandten Gattungsnamen Geobius trennt Hr. Heer den
A. plagiatus von Antliophagus , aufser dem Mangel der Haut-
läppchen an den Klauen aber^findet sich kein Merkmal, diese Tren-
nung zu rechtfertigen, während die völlige Ueberelnstlinmung
der xMundtheile die Vereinigung beider in eine Gattung voll-
kommen zu begründen scheint. Unter den Paederifien führt
der Verf. die Gattungsnamen Rüg Uns wieder ein, ohne die
Gründe zu entkrät'tlgen, welche den Ref. bewogen, dem älteren,
wohlbegründeten Latr eil le'schen Namen Stilicus wieder gel-
tend zu machen. Auch führt der Verf. mit Unrecht erweiterte
Vorderfüfse der Männchen unter den Gattungscharacteren auf:
solche kommen nur der ersten vom Verf. aufgeführten Art zu,
welche allerdings ganz den Habitus dieser Gattung hat, nichts
desto weniger ein Laihrohium (L. scahricoUe Dalä) Ist. Es lie-
fert diese Art ein Beispiel davon, wie trügerisch oft der Habi-
tus ist. RugUiis eociguus des Verf. gehört nicht in die fragliche
Gattung, sondern ist einerlei mit dem weiterhin unter dem
Namen Lai/irobium laevigatum aufgeführten Käferchen, aus wel-
chem Ref. später mit mehreren verwandten Arten die Gattung
Scopaeus bildete. Mk Stap/iylinus vereinigt Hr. Heer die
Ocypus des Ref., welche Vereinigung sich vielleicht auch recht-
fertigen liefse, doch schien dem Ref., die grofse Menge exotischer
Arten vor Augen, die Trennung beider Gattungen eines Thells
zweckmäfsig, andern Thells auch natürlich. Eben so wenig
kann sich Ref. mit der Verbindung der Quedius mit Philoni/ms,
jwelche Hr. Heer gleichfalls in Anwendung bringt, elnverslan-
len finden, denn die ersteren haben etwas so Eigenthümllches
n ihrem Aeufsern, dafs sie sich, als sie noch, wie bei G^llen-
,ial und Mann er heim, nur durch die Zahl der Puncte in den
Reihen des Halsschildes gesondert unter den PhüontJien stan-
den, schon mehr als die Uebrigen als eine besondere Ablhei-
l
230
lung sich bemerkbar machten, so dafs auch die neuen systema-
tisclien Arbeiten, sowohl der Engländer als auch der Franzosen
übereinstimmend sie von denselben entfernt halten. Velleiusj
"welches Hr. Heer als Gattung anerkennt, ist dagegen nur künst-
lich von Quedius getrennt. Unter den Tachyporen (der Verf.
nennt die 'Gruppe iTachmiden^ welchen Namen Ref. sehr absicht-
lich vermieden hat, um nicht mit der gleichnamigen Gruppe
unter den Dipteren (von TacJvna) in Collision zu kommen)
stellt Hr. Heer eine neue Gattung Lamprinus auf, welche
mit dem Tachyporns saginaiiis in der sj)indel förmigen Gestalt
der Fühler übereinstimmt, und durch 4-gliedrige Vorderfülse
unterschieden sein soll. Ref. hat sich indefs nicht davon über-
zeugen können, dafs an denselben weniger als 5 Glieder sich
vorfinden. Die Art, L, Lasserei, ist offenbar Panzer's Oory-
porus erythi'opierits , von Ref. mit diesem Artnamen unter der
Gattung Tuchyporus beschrieben. Unter den ydleocharen ist eine
neue Gattung Setniris mit einer Art S. fusca aufgestellt,
welche die Homalola rigidicornis des Ref. ist, und aufser dem
mehr als gewöhnlich verdickten dritten Tastergliede kein Merk-
mal darbietet, welches eine Entfernung aus dieser zahlreichen
und vielgestaltigen Gattung rechtfertigen könnte.
Unter den Dytiscen enthält namentlich die Gattung Hydro-
porus einige als neue aufgeführte, die Gyrinen und Pselaphen
zählen nur bekannte Arten.
An das eben besprochene Werk schliefst sich auf's Ge-
naueste eine andere Arbeit desselben Verfassers: Die Käfer
der Schweiz, mit besonderer Berücksichtigung ih-
rer geographischen Verbreitung; (ersten Theiles) zweite
Lieferung, im dritten Bande der neuen Denkschriften der all-
gemeinen Schweizerischen Gesellschaft für die gesammten Na-
turwissenschaften enthalten, und auch besonders abgedruckt.
Es enthält diese Lieferung die Familien der Gijrineii., Staphij-
linen, Psekqjhen, Clavigererij welche folgende verticale Ver-
breitung in der Schweiz haben:
In dem flachen und hügligen Lande von 300 — 2500^ Er-
hebung finden sich 8 Gyrinen^ 470 Stciphylinen, nämlich 2 3Ii-
cropepUden, 52 Omallden, 35 Oxyteliden, 45 Steniden, 35 Pae-
deriden, 112 StapliyUniden, 48 Tadiyporiden, 141 Aleochari-
den, und eigenthümliche Arten der MicropepUden 2, der Oma-
lide?i 31, der Oxytellden 22, der Ste7iidcn 32, der Paederi-
den 22, der Staphylimden 51, der Tacityporideii 25, der Aleo-
chariden 112, — 29 Pselaphen, 2 Clavigcr; in der montanen Re-
gion von 2500 — 4000' konunen vor: 1 Gyrimis, 196 Sfapliy-Jj^
lincn, und zwar 25 Omaliden (4 cigenthümlich) 13 Oxytdidcn
\
231
(1 eigenth.)? 17 Steniden (4 eigentli.), 13 Paederiden (1 ei-
genth.), 65 Staplujlbiiden (4 eigentli.), 21 Tachyporidcii (2 ei-
genth.), 42 Aleocliariden (H eigeuth.),- — in den Voralpen
von 4000 — 5500'' nur noch 99 Staphylinen, und zwar Oma-
liden 12 (1 eigenth.)» OxyteUden 11 (1 eigentli.), Steniden 4,
Paederiden 1 (eigentli.), Staphylinideti 48 (2 eigenth.), Tachypo-
riden 12, Aleochoriden 11 (2 eigenth.); — in der alpinen Re-
gion, von 5500 — 7000' ii. d» M. leben 77 StapJiylinen-kxiQw^
nämlich 17 OmaUden (5 eigenth.), 6 OxyteUden, 2 SteAiiden,
2 Paederiden (eigenth.), 29 Staphyliniden (6 eigenth.), 10 T«-
chyporiden (1 eigenth.) 11 Aleocliariden (6 eigenth.); in der
subnivalen Region von 7000 — 8500' ii. d» M. giebt es noch
7 Arten, nämlich 3 OmaUden, 1 Stenide (eigenth.), 1 Staphy-
Unide, 1 Tacliyporide , \ Äleocharide; — in der iiivalen Region
von 8.500 — 10,000' ii. d. M. findet sich nur noch eine Art,
eiti OmaUde, nämlich Geohius Kim%ei des Verf., welchen Ref.
als eine alpine Abart des Änthophagus plagiatus betrachtet.
— Es giebt nicht leicht ein Land, welches so interessante geo-
graphische Verhältnisse darbietet, als die Schweiz, indem sie
auf den verschiedenen Erhebungen die verschiedenen Klimate
Europa's vom warmem bis zum kältesten in sich vereinigt,
und es ist höchst verdienstlich, dafs die Schweizer Natur-
forscher diesen Verhältnissen ein so aufmerksames Studium
widmen.
Hr. Stephens hat unter dem Titel: A Manual of Bri-
tish Coleoptera or Beetles, containing a hdef description of all
the species of heetles hitherto ascertained to inhahit Great Bri~
tain and Ireland, together ivith a notice of their chief locali-
tias, times and places of appearances, London 1839, eine kurze
üebersicht der Englischen Insectenfauna herausgegeben, welche
sowohl die Gattungen als die Arten kurz characterisirt und ei-
gentlich ein Auszug aus seinem grösseren Werke, Illustra-
tians of British Entomology ist. Wenn das Werk auch nicht
dazu geeignet ist, um zweifelhafte Käfer darnach mit Sicherheit zu
bestimmen, so wird es doch nicht allein defshalb, weil es ei-
nen Ueberblick über die zwar interessante, aber im Vergleich
mit dem Festlande keineswegs reiche Britische Fauna gewährt,
sondern auch vorzüglich in der Hinsicht von Interesse sein,
232
weil es mit dem, was die Engländer namentlich in der Syste-
matik ihrer Fauna geleistet, bekannt macht, um so mehr, da
der Verf. im gegenwärtigen Werke alle continentalen Arbeiten
möglichst benutzt und citirt hat. Dafs auch am Eingange
jeder Familie die vom Verf. angenommenen und aufgestell-
ten Gattungen characterisirt sind, ist besonders dankens-
werth, weil man dadurch die Gründe der Absonderungen er-
fährt. Man wirft den Engländern auf dem Continent oft die
Sucht nach zu grofser Zersplitterung vor. Bei einer Betrach-
tung ohne Vorurtheil wird sich aber finden, dafs die Englän-
der meist die in der Natur begründeten Abtheilungen richtig
erkannt haben, wenn auch die Charactere, welche sie anwen-
den, häufig einer gröfseren Ausführung und schärferen Dar-
stellung bedürfen sollten.
Unter dem Titel Elements of British Entomology hat
Hr. Shuckard angefangen ein Werk herauszugeben, welches
in systematischer Folge die sämmtlichen Gattungen (genera)
in England vorkommender Insecten ausführlich beschreibt, mit
Angabe der britischen Arten und mit bildlicher Darstellung
einzelner Formen in jeder Familie mittelst eingedruckter Holz-
schnitte. In den letzten erkennt man fast überall deutsche
Muster, vorzugsweise aus Ratzebu rg's und Sturm's schö-
nen Werken. Zergliederungen sind nicht dargestellt, dagegen
wo möglich, die früheren Stände. Die Beschreibungen sind ge-
nau und sorgfältig, und für den Continent mufs dies Werk
eine angenehme Erscheinung in der Litteratur sein, da es uns
mit den Leistungen der Briten um Vieles vertrauter macht.
Der vorliegende erste Thell enthält eine Hälfte der Käfer.
Es befremdet, dafsder Verf. die EIntheilung in Pentamera etc. noch
aufnimmt, da sie von seinen Landsleiiten doch längst aufgegeben
ist, und wenn er bemerkt, dafs unter den Brac/ielytra öfter eine ge-
ringere Fufsgliederzahl vorkäme, so ist dies ebenso oft bei feiner
Ablhellung der Helocera der Fall, wo sich ebenfalls aufser der
gewölmllchen Zahl 5 die gen'ngere von 4 und 3 findet. Zur Zeit
ist ein Theil der Pc.niaviera abgehandelt, welche 4 Unterabthellun-
gcn bilden: \. ^dep haga, die Carabeu, Dyiiscen und Gyrhien'j
"2.. Brachclytra, die Siaphylinen und Psetaphen] Helocera Slus
STtibiis beslehend, nämlich, a. Clavicornesj aufser den Latreille-
schcn Ciauiconien noch den gröfsten Theil seiner Xyhphagen und
selbst einiger Ileteromcren {Anisotomen) enthaltend, b. Palpicornes,
c.Fructiconics(dlc Jüsta-en). 4. Petalocera{Lamelliconna Lair.).
233
Die 5teUnlerabth. 6cr Penlaftieren^ Prioceren^ ist In der Forlsefz.ijng
des Werkes zu erwarten. Am wenigsten ist dem Verf. die wcilerr
liintheilung der Clavicornen geglückt, welche in der That ein so
chaotisches Gemisch bildet, wie es fast nur der Zufall hervorbringen
konnte. Drei neue Gattungen sind hier aufgestellt, nämlich Cry-
piarcha {ndich. dem unter demStirnrande verdeckt Hegenden ersten
Fühlergiicde so genannt) für Nitid. sirigaia und itnpenalis JF.^ Pi-
iyophagus für Ipsferruginea F.^ und Pediacus für Cuaiius der-
7nesioides F.
Hr. Shuckard hat aiifserdem ein Werk herauszugeben
begonnen, welches unter dem Titel „British Coleoptera deli7iea-
ted; consisting qf figures of all the Genera qf British Beet-
les" die Vervollständigung der Elements of British Entomo
logy bezweckt. Die Gattungsrepräsentanten sind in Umrissen
dargestellt, welche den characteristischen Habitus sehr gut
ausdrücken sollen, und auf 6 Tafeln sind nahe an 50 Genera
abgebildet. Die Tafeln erscheinen nicht in systematischer
Folge, aber jedesmal 6 bilden eine Lieferung. (Ref. ist mit
diesem Werke nur durch die Anzeige desselben in den An-
nais of Nat. Hist. bekannt.)
Hr. Curtis hat in den Transact. of the Linnean Society
angefangen, die vom Capitain King auf seiner Reise an der
Südspitze von America gesammelten Coleoptera zu beschrei-
ben. Die vorliegende Abhandlung umfafst die Familien der
Carahen^ Dytiscen, Gyrinen, Staphylinen, Bupresten^ Elateren,
Cehrionen, Lamjjyren, Cleren.
In der ersten Familie sind 5 neue Gattungen aufgestellt:
CascelliuSy Harpaltnen-Gaitt., mit einfachen Mitteltarsen, Ge-
stalt wie von Eripus. C Kingii und Gravesii. Hr. Gue-
rin bemerkt Rev. Zool. p. 247, dafs seine Gattung Creohius die
nämliche sei, und C. Kingii Curt. ihr jedenfalls angehören müfste,
C. Grnvesii aber sich vielleicht als Gattung unterscheiden liefse, w^el-
cher dann der Name Cascellius verbliebe). — C ardiophthal-
mus, im Habitus an Cephalotes erinnernd, die Vorderschenkel
unten mit stumpfen Zähnen besetzt, die Füfse bei dem einzigen
Exemplar alle einfach. C. clivinoides von Port Famine. —
Odontoscelis ientyroides ist Cnemacanthus obscurus Stndle,
— Cylloscelis , Harpalinen-Gsiit.^ mit einem starken Zahn im
Kinn, mäfsig erweiterten Vorderfüfsen und krummen Hinter-
schienen. C. ellipticus von Gorrite. — IMetius^ zu den
Pierostichinen gehörend, ohne Zahn im Kinn, IM. Harpaloi-
des von Port St. Elena. — Unter den Cleriden ist als neue
Gattung aufgestellt Exops Bevani\ dasselbe Thier hat La-
porte unter den MelyHden als neue Gattung Polycaon Chi-
lensis beschrieben, richtiger hat aber Eschscholtz die syste-
Wiegmann's Archiv. V^I. Jahrg. 2, Bd, 10
234
matische Stellung desselben erkannt, der es Psoa Chile nsis
nannte, unter welchem Namen es vom Ref. in der Me jen'sclien
Reise beschrieben und abgebildet ist. Als Gattung ist es von
Psoa allerdings zu trennen, welcher der IName Polycaon als der
ältere verbleiben muls. — Neue Arten sind aufserdem in ziem-
licher Anzahl beschrieben. Ocypus sc ahrosus ist bereits in
den Gen. et Spec. Siapkyl, als Synonym des Siaph. fuscicornis
Germ, aufgeführt.
Neue Käfer von den Küsten der Magellhanischen Meer-
enge hat Hr. Guerin in seiner Revue Zool. S. 295 be-
schrieben:
Cicindela melaleuca Dej., Galerita Magellafilca^ Me-
iius splendidus f Cuscelius Gravesii^ Scarites Magella-
nicus, Carabus Reichei, Coprobius bicolor^ ^caniho-
cerus niiens, Hotnonyoc (neue Gattung, den Rutelen ange-
hörend, mit aufsen zweizahnigen Mandibeln, und gleichen, ein-
fachen Klauen an allen Füfsen) cupreus^ Brachysierniis vi-
cinus, dem Br. fulvipes Guer. aus Chile nahe verwandt, Seri-
coides (neue Gattung der MeJolonthen^ mit 9-gliedrigen Füh-
lern und S-blättriger Keule derselben, einfachen, gleichen, dün-
nen Klauen, von den Sericen durch eine dicke, vortretende,
ausgerandete Lefze sich sehr entfernend) Reichet (soll Blei.
glacialis F. ungemein nahe verwandt sein : auf diese hat Hr. Hop e
eine Gattung Macrosoma gegründet, doch ist seine Beschreibung
zu wenig bezeichnend, um daraus zu entnehmen, in wie weit
Hrn. Guerins Sericoides damit übereinstimmt, besonders da
weder von der Zahl der Blätter in der Fühlerkeule, noch von
der Gestalt der Klauen die Rede ist. Lisironya: (mit der vo-
rigen Gatt, nahe verwandt, doch von ihr, wie von allen Lcunel-
licotmen durch gesägte Klauen abweichend) nigriceps (der IM.
iestacea F. nahe verwandt, welche Hr. Hope als zu seiner Gat-
tung Macrosoma gehörend erwähnt). Dorcus femoralis^
Cylidrochinus (von Listroderus durch die Gestalt des Rüssels
und derFühler abweichend) /esse//a/ws, Listroderus fulvipes^
viitaius und griseus.
Einige Käfer aus Mexico hat Hr. P erbose in Guerin's
Retfue Zool. S. 261 — 64 beschrieben:
Calosoma splendidwm Dej., von Campeche_, (Dejean's
ExempU ist von St» Domingo, das hiesige Museum besitzt den-
selben Käfer auch von Cuba); Gymnetis viridi-cyanea ,
(die Farbe ist als blau mit grünlichem Schein beschrieben, die Fär-
bung der vier Exempl. der hiesigen Sammlung ist grün mit
kupfrigem Schein) Eleodes rugosa, Haliica (Oedio vy-
chis) lacia^ und Cryptocephalus Guerini ^ (welcher mit
Crypt. saponatus und (Jlyihr. hrunnea und bicolor F, zur Gattung
Monachus Dej. gehören würde).
Die HH. Ejdoiix und Souleyet haben in Guer. Rev.
I
235
Zool. S. 264 einige Käfer von Manila beschrieben, welche sie
auf ihrer Reise um die Welt entdeckt haben:
Brachimis Gironierii (Ist Br. Jumigaius Dej.) ] Ceionia
Guerini, Stenocerus tessellatus, EpisoviiLS lateralis
(ist Episom. lentus des Ref., In Meyen's Reise beschrieben).
PsoffteJes irroralus, Lagostonius circtclus (ist Caiachaenns
cinctellus Schönh.) , P achyrhy nchus Chevrolatii (ein Strich
auf der Stirn, eine Querlinie auf dem Halsschilde, eine Quer-
linie auf den Flügeldecken, so wie die Naht und der Rand dersel-
ben schön metallisch grün, dem P, sancius IlL, den Schön-
herr mit Unrecht beim P. moniUferus citirt, gewifs verwandt,
doch hat dieser noch eine grüne Längslinie hinter dem Quer-
streif auf dem Halsschllde^ und auf den Flügeldecken nicht die
Naht, sondern eine Längslinie auf der Mitte derselben goldgrün),
Calandra ochreata^ Chrysomela (Plagiodera) aerea^
CoccineUa (Epilachna) dvffims (eine Abänderung der C. 26-
jpunciata F.)
Sechs ausgezeichnete neue Ostindische Käfer hat Hr. Saun-
ders in den Tr ansäet, of the Eni. Soc. bekannt gemacht:
Melolontha himaculata (scheint M. stigma F. zu sein),
Jumnos Ruckeri^ eine prächtige Cetoiiie, mit aufsen zwei-
zähnigen, innen gezähnelteu Vorderschienen, Lucanus bico-
lor F.f Var. , Ceramhyx fo rmosus, (ein Purpuricenus)
Lajnia croceocincta, Saperda testacea, (man wird diese,
die von fast 1 Zoll Länge ist, und deren erstes, zweites und
viertes Fühlerglied von einem Haarbüschel umgeben sind, nicht
leicht mit der gleichnamigen Fabri einsehen verwechseln).
Die Beschreibung neuer oder weniger bekannter Arten
der Familie der Cicindelen des Pariser Museum ist von
den HH. Audouin und Brülle in den Aixhives du Museum
d^histoire naturelle, publiees par les Professeurs- Administra-
teurs de cet etahlissement , T. L livr. 2. mitgetheilt worden.
Es war nicht zu bezweifeln, dafs, wie zahlreich auch die Pu-
blicationen gerade in dieser Familie gewesen sind, und wie
sehr man sich von allen Seiten bemüht hat, die lichtvolle Dar-
stellung derselben durch den Grafen Dejean mit Beschreibun-
gen neuer Arten zu vervollständigen, ein mit so grofsen Hülfsmit-
teln versehenes Institut, wie das Pariser Museum nicht noch einen
wichtigen Beitrag zu unserer durch so viele Bemühungen schon
sehr ausgedehnten Kenntnifs der Familie liefern sollte. Die
Abhandlung war schon vor mehreren Jahren verfafst, da-
16*
236
her einige Arten imterdefs anderwärts publicirt worden sind.
Die aufgeführten Arten sind folgende:
IMeg acephala sepulchralis F. (abgebildet). Cicindela
DIv. I., mit oben gefurchten Füfsen (die Verf. fügen hinzu: der
Männchen; man bemerkt indefs die eingegrabene Längsllnle auch
belmWeibchen, wenn auch schwächer) 1. C. vivens^ aus Brasilien,
von C smnrngdula durch das Fehlen der welfsen Flecke auf den
Flügeldecken unterschieden; desgl. 2. C. seinicyanea^ eben-
daher, welche (Männchen) von der vorigen (Weibchen) haupt-
sächlich durch das Vorkommen eines rothen Fleckes auf der
Lefze unterschieden wird, der bei C. smaragdula auch beim
Männchen sich findet, beim W^elbchen nicht. Dejean glebt bei
C smaragdula auch nur einen welfsen Punct auf den Flügel-
decken an, der auch nicht selten fehlt. — .3. C. viirahilis Lap.
aus Madagascar, ist schon von Dejean als C. fulvipes sehr
kenntlich, aber mit irrthümllcher Vaterlandsbezeichnung beschrie-
ben. — 4. C. viridi-cyanea^ ebendaher. — 5- C. jldonis
Lap.^ ebendaher. — C. rufo-signata^ desgl. — 7. C. cya-
nea^ ebendas. — 8- C. colon KI., aus Ostindien (ist in
die Nähe von C 4:-guiiaia F. zu stellen). — DIv. IL Ohne ein-
gedrückte Längslinie auf den Füfsen: 9- C. frontalis, aus
Madagascar. — 10. C phtrinotaia, vom Senegal. — 11. C.
fninuta, aus Madagascar (der Name ist eigentlich nicht vacanl,
da eine Ciciftdela dieses Namens bei Fabricius und Olivier
vorkommt, welche ohne Zweifel von der C. pumila Dej. nicht
verschieden ist). — 12. C. auroviitaia, von Pondichery, der C.
^-punctata F. ungemein ähnlich. — 1.3. C. Asiatica, aus Me-
sopotamicÄ, von allen Verwandten durch den Mangel des
welfsen Fleckes an der Flügeldeckenspitze verschieden; — 14.
C ienuilineata, aus Mexico, von «1er C. fera Chevr., eben-
daher, hauptsächlich durch feinere Zeichnungen unterschieden. —
15. C. roseiventris Chevr., aus Mexico. — 16. C, Favergeri,
aus Columbien, 17. C angularis, vom Senegal. — 18. C. he-
ros F., Abbildung des typischen Exemplares aus Labllliar-
diere's Sammlung. — 19. C. trilunaris Kl., aus Madagascar.
20- C hamata, aus Mexico. — 21. 6\ Chiliensis, aus Chile,
der C. apiata sehr nahe verwandt. — 22. C. chloropus, aus
Bengalen. — 23. C. iremula, aus Ostindien, ist C. higemina
Kl., deren Vaterland bisher nicht bekannt war. — 24. C. ah-
breviaia Kl,, aus Madagascar. — 25. C. circumducta, eben-
daher, ist C. niadagascariensis Mannerh. und C. quadraiicollis
Chaudoir, aber schwerlich etwas Anderes als Abänderung der
vorigen, wo die welfsen Flecken sich so ausdehnen, dafs sie sich ,
am Bande vereinigen. — 26. C. curvaia Chcvr., aus Mexico. —
C albo guttata, aus Brasilien. — 28» C. T^asseletii (Jhcvr.,
aus Mexico.
Von Collyris sind C. ohscura Lap., von Java und folg.
neue A,: ^. postica von Java; C.ruficornis, von Bengalen;
C. flaviiarsis, von Java, beschrieben ; endlich Tricondyla
237
Chevrolaiii Lap, (pedesiris Kl.)^ von Java und Psilocera
elegans Brull.^ aus Madagascar, abgebildet.
Hr. Gory hat in Guer. Mag. de Zool, eine monographi-
sche Uebersicht über die Gatt. Anthia gegeben, welcher die
Abbildungen von 3 Arten beigegeben sind, welche die in der-
selben Zeitschrift erschienene Monographie des Hrn. Lequien
nicht enthält: von diesen möchte A. mar ginipennis schwer-
lich von A. cinctipemiis Dup. Leq. sich unterscheiden lassen,
A. costata ist sicher üejean's A. limbata, so dafs nur die
A. Calliaudii als wirklich besondere Art übrig bleibt.
Als neue Carcd)icinen sind folgende zu erwähnen:
ßrachinus Servillei ist als eine neue Art vom Senegal
von Hrn. Marc in Gruer, Revue Zool. S. .305. vorläufig durch
eine Diagnose characterisirt worden. — Drei neue Carahi aus Ga-
lizien (Spanien) beschreibt Hr. Gory ebendaselbst: Car. Ga~
licianus (p. 308.) ist schmal, auf dem Rücken der Flügeldecken
flach, jede derselben mit drei Längsrippen, dunkelblau, mit ro-
then Schenkeln (Hoffmannsegg hat ihn auch in Portugal gefun-
den), Car. errans, dem C. catenulatus sehr nahe verwandt,
doch weniger elliptisch, und auf den Flügeldecken mit schwäche-
rer Sculptur (gleichfalls von Hoffmannsegg aus Portugal mit-
gebracht), und Car. Deyrolei, mit dem C. arvensis leicht zu
verwechseln, doch das Halsschild länger, die Hinterecken des-
selben stärker ausgezogen und die Streifen auf den Flügel-
decken viel zarter.
Eucamptognathus Lafartei^ eine neue sehr ansehnlich^
und ausgezeichnete Art von Madagascar, ist von Hrn. Ghevro-
lat in Guerin's Revue Zool. S. 111. beschrieben. Er ist fast
doppelt so grofs als der bekanntere E. Cheurolatii Chaud,
Ein Bembidmm, von der Form, welche die Gatt. Ega Lap,
bildet, ist von Hrn. Chevrolat In Guer. Revue Zool. p. 308.
imter dem Namen Ega Sallei vorläufig bekannt gemacht. Es
ist aus der Gegend von Neu-Orleans.
In den Annal. d. l. Soc. Ent. de France, Vol. VHI. p. 67. hat
ein amateur zu Hrn. Aube's gediegenem Werke über die
Hydrocant hären seine reflexions crltiques mitgetheilt. Es ist
zu verwundern, dafs die Gesellschaft so winzigen und zum
Theil schlecht begründeten Kritteleien, wie diesen, unter ihren
durch so viele treffliche Arbeiten werthvollen Schriften eine
Stelle hat einräumen mögen.
Von dem ausführlicheren Werke des. Ref. über die Stapkij-
Unen {Genera et species Staphylinorum) ist 183^ die erste Hälfte
ausgegeben worden. Da dasselbe bereits vollständig vorliegt,
möge auch schon über das Ganze Bericht abgestattet wer-
238
den. Die Grundzüge der systematischen Eintheilung sind be-
reits in den „Käfern der Mark Brandenburg" angedeutet wor-
den, und bei der im Allgemeinen durchgreifenden Ueberein-
stimmung der exotischen Formen mit den einheimischen, sind
nicht allein die grösseren Abtheilungen, sondern selbst die
Gattungen durch die Mitberücksichtigung säramtlicher nicht
einheimischer Staphylinen wenig vermehrt worden. Die Fa-
milie hat von jeher wenig des Interesses der Liebhaber der
Entomologie sich zu erfreuen gehabt, daher wir in der speciellen
Kenntniss, namentlich soweit es die exotischen Arten betrifft,
erst die eigentliche Erndte erwarten müssen, wenn sich die
Aufmerksamkeit der Reisenden auf diese Familie verbreitet.
Bei uns sind die Staphylinen gerade noch einmal so zahlreich
an Arten, als die Caraben, und da sich, nach einigen sorgfäl-
tiger untersuchten Puncten fremder Welttheile zu urtheilen,
vielleicht überall ein ähnliches Verhältniss zwischen beiden
Familien finden möchte, wir aber mindestens 3000 Arten von
Caraben kennen, müfste nach diesem Verhältnifs, wenn man
auch in Anrechnung bringt, dafs die einzelnen Arten der Stci-
phylineM sich weiter zu verbreiten pflegen, als die der Carahen^
d. h. dafs an zwei verschiedenen Puncten noch meist diesel-
ben Arten der 8taphyline7i vorkommen, wenn die der Carahen
schon durch andere ersetzt sind, — sich doch die Zahl der
bekannten Staphylinen- kri^n auf 5000 belaufen, wenn die
Kenntnifs derselben mit der der Carahen auf gleicher Stufe
stände. Das ist aber nicht der Fall: es ist wenig mehr als
der vierte Theil dieser Zahl bekannt.
Der Gruppen (Tribus) sind 11, von denen zwei, die Pi-
nopJiüini und die Piesiini keine Mitglieder in der Markischen
Fauna zählen. Die zahlreiche Gruppe der Aleocharinen hat
sich in keine natürliche Unterabtheilungen bringen lassen: sie
enthält auch nur eine neue, auf einer Art aus Aladagascar ge-
gründete Gatt. Peliusa. Unter den Tachyporinen ist die frü-
here Gatt. Tachyporus in die beiden Gatt. Conurus Sleph. und
Tachyporus aufgelöst, von denen die erste die Arten mit seiden-
haarigem Ueberzuge, die andere die glatten begreift. Die wie-
derum sehr zahlreichen Staphylininen sind in drei Unterab-
iheil. {Subiribiis) gebracht: \.anl1iolimni^ St. Genidiii^ und Ojoy-
poi'inl, mit flcn zum Theil neuen Gatt. Plalyprosopus^ MoUsus,
Oiochus^ S/ercuh'a.^ ScylaUnus in der ersten, Jlaematodes, Cor-
dylaspis Scariphacus ^ Palaesirinus, Caranisies (dieser Name ist
von Hrn. Schönherr inzwischen vergeben und mit einem
239
neuen zu vertauschen), Belonuchus in der zweiten, Asirapaeus in
der dritten Unterabth. Die Paederinen enthalten die Gatt.
Dolicaon (AdcJohium Nordamann) Scimbaliuin (bisher mit Ache-
niuin vereinigt), Ophites^ Scopaeus (aus dem Paed, laevigatus Gyl.
Lathroh. Inevig. der Käfer der M. Brandenb., und mehreren ver-
wandten Arten gebildet), Echiaster^ welche in der Mark Brand,
nicht vorkommen. Die Gruppe der Pinophilinen ist aus den
Gatt. Pitiophilus Grav. Micr. Br., Taenodema Lap., Palaminus^
Oedichirus und Procirrus Laiv. zusammengesetzt. Die Stenini
bestehen aus den nämlichen 3 Gatt, als in den Käf. der M. Br.
Die Oocytelinen dagegen zerfallen wieder in 4 Unterabtheil.:
Megalopini (Gatt. JMegalops DeJ.)^ Osorini (Osorius und
HolotrocJius) ^ O. genuini (Bledius, Plalystethus , Oocytelus^
Phloeonaeus^ Apocellus , Trogophloeus) und Copropnilini
(Acrogftathus, CopropJnlus ^ Deleaster ^ JMicralymma^ Syniomiuin) ,
Die Piestini enthalten die Gatt. LepiocJürus^ Lispinus^ Piestus^
Prognatha^ Isofnalus , HypoieJus^ die Phloeocharini nur die
beiden Gatt. Olisthaerus und Phloeocharis , die Omalini keine
anderen, als die in den Käfern der M. Brandenb. schon aufge-
stellten Gatt., die Proteinini sind um zwei Gatt, vermehrt, indem
die Silpha clypeata Müll, in Folge der Untersuchung der Mund-
theile von IMegarthnis unter dem Gattungsnamen Phloeobium ab-
gesondert, und die Gatt. Glyptoma (Thoraocophorus Motsch.)
hinzugekommen ist. Die letzte enthält auch eine Europäische
Art, Gl. corticinuin (ThoraocopK cori. Motsch.), welche kürzlich
auch durch Hrn. Wellmer bei Berlin aufgefunden ist.
Hr. Streubel hat in der Isis (S. 126.) seine Ansichten
über die natürliche Stellung der Staphylinen entwickelt
und zugleich seine Betrachtungen über das System der Coleo-
pteren überhaupt ausgedehnt.
Hr. Gravenhorst hat in Germar's Zeitschrift für die
Entomologie (II. S. 210.) den Versuch gemacht, die Gattung
Staphylinus genauer einzutheilen. Die Gattung Staphylmus
ist so aufgefafst, wie sie in der Mon. Micr. aufgestellt ist,
mit Ausschlafs von Astrapaeus, dagegen mit Einschlufs von
Pinophüus. Die Gatt, wird je nach der Gestalt der Fühler,
der Gestalt und Punctirung des Halsschildes und der Beklei-
dung des Körpers in 11 Familien, diese wieder nach der Form
des Kopfes, der relativen Gröfse der Augen, und der Gestalt
der Beine in mehrere Linien und diese zuweilen wieder in
Unterlinien gebracht
Ref. hat sich in der Vorrede zu den Gen. et Spec. Stap/i.
schon über die bei dieser Gelegenheit entwickdten systemati-
schen Ansichten des hochgeschätzten Verf. dahin ausgespiu-
240
chen, flafs er, dem Resultate seiner Studien gemäfs, dieselben
durchaus nicht tlieilen könne.
Das Bupresten-Werk der Herren De Laporte undGory
(Jllstoire mit. et Iconograplde des Insectes Coleopteres) ist unun-
terbrochen fortgesetzt worden.
Die Gatt. Agrilus enthält 94 Arten, welche zum Thell
schwierig sich unterscheiden, gröfstcntheils kaum mit Sicherheit
sich ermitteln lassen, wenn keine andere Anleitung vorhanden
ist, als die, welche die höchst oberflächlichen mangelhaften Be-
schreibungen und die oft wenig genauen AbbiMungen geben.
Dies gilt namentlich von den Europäischen Arten. Zu bemer-
ken ist, AdLh Agr. Klugii., von Perty copirt, nichts ist, als ein
u4. ferrugineo-guttaius^ der zufällig unter Brasilische Insecten
gerathen ist, dafs A. prolongaius A.caudaius Mannerh. und B.
nmliispifiosa Kl. ist. Dafs A. chrysocephalus Bup. acuta F., dafs
ud.piielltis nicht aus Brasilien sondern aus Ostindien (nach Herbst
Sammlung) und jt. flavolineaius ebenfalls nicht aus Brasilien,
sondern aus Nordamerica, und zugleich B. hilineata Web. (Obs.
74. 5) ist. Mehr wagt Ref. in dieser Gatt, nicht zu berichtigen.
Pseudagrihis Lap., von Agrilus dadurch unterschieden,
dafs das erste Glied der Hinterfiifse nicht verlängert ist, enthält
eine Art, Ps. splendidus vom Senegal, welche vom Männchen
der Bup. SopJiorae F. nicht zu verschieden zu sein scheint. Letz-
lere, von Guinea, ist von den Verf. unter Agrihis abgebildet
worden.
jimorphosoina hat die 4 ersten Fufsglieder ebenfalls von
gleicher Länge, das erste aber ohne Haftläppchen, den Körper
etwas flach gedrückt, höckerig. Es gehören hierher 13 A., dar-
unter B. pctilcillala^ tuherculata ., htjdfopica Kl.^ bisplnosa., leuco-
gnsier TJ^ied.., exnsperata Seh.., comuta, rugosa Thunb. Die letzt-
genannte weicht durch einfache Klauen und hinten gerade abge-
stutztes Halsschild von den übrigen ab, schliefst sich durch letz-
teres Merkmal zwar an Actnaeodera ., entfernt sich aber durch
deutliches Schildchen wieder von dieser.
Eumerus (diesen Namen hat schon eine DIpterengaltung
imBesitz), mit gewölbtem Körper und stark verlängerten, den übri-
gen Gliedern zusammengenommen an Länge gleichem letzten
Fufsgliede, mit 5 Arten, unter denen B. chrjselyf.m Perty,
igfiara F, (welche zugleich B. cogitans Web.^ vuficolUs übt,
ist). E, longipes der Verf. scheint eine grüne Abänderung der
Raeboscelis j^^i'^purca Chevr. zu sein.
Choraebus von jigrilus durch gewölbten Körper unter-
schieden, ist, wie in diesem Werke die Stellung der Arten we-
niger von einer gründlichen Untersuchung derselben und stren-
ger IJtilerschelduiig der Gattungen, als vom Zufalle abzuhängen
scheint, aus Arten zusammengesetzt, welche zum Theil ihre
nächsten Vcrwan»llen initer AgrÜus haben, wie Bup. spinosa
F. und Jiastana Schreib, unter Choraebus, B. armata unlcv Agrl-
lus] ß. graminis unter Agrilus, B. amelhystina^ data, und die
241
zunächst verwandten Ch. cuprinus u. a. unter Choraehus stehen.
Von früher bekannten Arten sind hierher gerechnet: Bup, mu-
corea Kl.^ Salzmannt SoJ. {niueosignaia Kl.)y Agr. piunilatus Kl,,
Bup. chalcodes Jf^ied.^ Ruhi, nndala^ hifasciata, spinosa, elaia JF*.,
hastana Schreib.^ amethysüna Ol., aeneicollis J^ill. — Ch. ptirpu-
reus der Verf. Ist Agr. eplscopalis Dej. MannerJi.
Eine sechste Gruppe der Biipresten bilden die Anihaoct-
den^ als deren Character die Verf. zweizähnige Klauen auf-
führen. Diese kommen aber in der ganzen, sehr unnatürlich aus
den Anthaocien und Sphenopteven zusammengesetzten Abtheilung
gar nicht vor.
yinihaacia, durch die länglichen 2 ersten Fiifsglleder und
das hinten gerade abgeschnittene Halsschild characterisirt, bildet
eine so natürliche Gattung, dafs es schwer hält, Ihre Gränzen
zu verkennen, und es Ist unter den dem Ref. bekannten A. nur
die erste, welche aus dieser Gatt, zu verweisen Ist, nämlich A,
gigas der Verf., aus Mexico, und nicht, wie die Angabe lau-
tet, aus Ostindien, ist eine Chrysesies (Typ. Bup. angularis
Schönh.). Aufserdem ist zu bemerken, dah A, metalUca der
Verf. vom Cap die u4. contetnpta Dej. Mannerh. , dafs A, vimi-
nalis die A. scutellaris Gene., dafs A. parallela der Verf.
die Bup. Cichorei III. und wahrscheinlich auch die von 011 vier
— dafs A. croesa der Verf. durchaus nicht die iß. Croesus J^ilL,
welche auf der Unterseite bleifarbig sein soll, während diese
ausgezeichnet schöne Art einen rothgoldenen Hinterleib hat, —
dafs A. nitens keineswegs Bup. nitens F.., sondern B. nitida
Rossi^ — dafs A. dorsalis von derselben nicht verschieden,
und dafs A. azuresce ns auch nur Abänderung derselben —
dafs A. laeta bekanntlich Abänderung der A.niiidula, — dafs
j4.. aurata die A. binoiata Chevr. — und dafs A. viridis nur
Abänderung der vorhergehenden A. marginaia ist. Die Ab-
bildungen sind auch hier häufig wenig genau, und stimmen zu-
weilen nicht einmal zu den Beschreibungen, wie A. dorsalis
nach der Beschreibung breiter ist als A. nitens^ In der Abbil-
dung aber schmäler erscheint. A. azurescens, welche ganz ge-
wifs eine Farbenabänderung ist, hat in der Abbildung wieder
N einen von beiden ganz verschiedenen UmrIfs.
Buagora, kaum scharf genug von der folg. Gatt, unter-
schieden, enthält eine Reihe grölstenthells Capensischer Arten,
unter denen nur eine früher bekannte, die Bup. jiulve rulenta
Hbt. ist. Die erste Art, E. amorpha, aus Africa, Ist jedenfalls
dieser Gatt, fremd, und dasselbe scheint mit der letzten, E. pul-
chella^ aus Ostindien, der Fall zu sein. Dafs die dritte Art E.
Coniempia^ Anihaocia coniempia JMannerh. bestimmt ist, kann nur
auf einem Irrthum beruhen (S. o. Anih. metallica der Verf.).
Sphenoptera, eine In Hinsicht der Unterscheidung der
Arten wieder schwierige Gatt., In welcher die Verf. 62 A. auf-
führen. Zu bemerken möchte aber sein, dafs -S^Ä. antiqua der
Verfasser vermuthllch die Sph. liiigiosa Dej. — dafs dagegen
Sph. iridiventris der Verf. die antiqua III., dafs -SpÄ. Gebie-
rt der Verf. die fossulaia Gehl. — dafs Splu Bassii die geini-
242
nala lll., von welcher weder Sph. rauca noch Sph. shniUs der
Verf. verschieden sein möchten, — dafs/S'pÄ. corrugata der Verf.
richtiger nicht corrugata Kl. sondern ambigua desselb., — dafs
Sph. Karelini die Bup. oriclialcea Fall, ist, — dafs >S>pÄ. Sco-
viizii mit Taviarisci der Verf. einerlei zu sein scheint, wel-
che letztere die hiesige Sammlung von Olivler, unter dem Na-
men B. prasina, die Sph. udslaiica der Verf. aber als B Ta-
mnrlcis erhielt, von welcher letzteren auch die Sph. filij^ormis
der Verf, nicht verschieden zu sein den Anschein hat.
Craiomerus Sol. ist von ^nthaxia kaum anders als durch
die verdickten Schenkel der Männchen unterschieden. Die be-
kannte B. cyanicornis F. ist die einzige Art.
Sponsor, durch seine Gestalt von den Anthaocien abwei-
chend, eine angeblich Americanische Art, Sp. convexus ent-
haltend, dem Ref. unbekannt.
Cisseis besteht aus einer Reihe von 6 neuholländlschen
Arten, welche sich von jlnthaocia durch einen wenig flachge-
drückten Körper und tief ausgerandete Lefze entfernen.
Ein neuer Aplianisticus ist von Hrn. Guerin in der
Revue Zool. S. 139 beschrieben.
Er ist von u4. emarginaius und pusillus durch eine bedeu-
tend gestrecktere Gestalt unterschieden, im südlicheren Frank-
reich vom VIcomte de Lamote Barace entdeckt, dem zu Eh-
ren er -4. Lmnoiei benannt ist.
Hr. Guerin hat ebendas. S. 260 einige Nachricht über
die Eier und Larve der Sternocera Chrysis gegeben, welche
Hr. Delessert von seiner Reise aus Pondichery mitgebracht
hatte. Die Eier sind vollkonnnen elliptisch, 9 Millim. lang
und 6 Millim. breit, meist vveifs. Die jungen Larven, welche
aus ihnen ausgeschlüpft waren, und von denen sich noch ei-
nige in der Schachtel vorfanden, waren 11 Millim. lang, gelb-
lich, mit langen gelben Haaren bedeckt, der Kopf 3 mal so
breit als der Körper.
Hr. Mittre hat in Guerin's Revue Zool. folgende
interessante Erfahrungen aus der Naturgeschichte des Ce-
hrio gigas mitgethcilt, welche die früher (S. Jahres-
bericht von 1837) von Hrn. Graells am Cehrio xantho-
merus gemachten Beobachtungen bestättigen und erweitern.
Hr. Mittre fand den Cehrio gigas auf Feldern von Me-
dicago sativa, und zwar im September und auch im October,
das Männchen umherschwärmend, das Weibchen in der Erde,
so vollsändig versteckt, dafs es erst bei der Annäherung des
Männchen den Gang, in welchem es sitzt, eröffnet und das
Hiuterleibsonde hervorsteckt. Die Begattung geschieht nur
243
während eines Gewitters und dauert so lange als das Gewit-
ter selbst. Geht dasselbe rascli vorüber, so ist die Befruch-
tung nicht vollständig geworden, und die Begattung wird wie-
derholt, sobald der Regen von Neuem anfängt zu strömen.
Es scheinen übrigens die Männchen zahlreicher zu sein, als die
"Weibchen, wenigstens pflegen sich mehrere um ein einzelnes
Weibchen zu versammeln, und erst nach wülhenden Kämpfen
gelangt der Sieger zum Zwecke.
Die Familie der Melyriden hat Hr. Westwood in den
Trmisact. of the Ent. Soc. mit einer neuen Gattung Amau-
ronia bereichert, welche durch beilförmiges Endglied der
Maxillartaster von Dasytes, durch deutlich 5-gliedrige Füfse
von Pelecophora abweicht. Mit Aplolocnemus Steph. wo das End-
glied der Maxillartaster ebenfalls die beilfÖrmige Gestalt hat, hat
Hr. Westwood die neue Gattung nicht verglichen, sie scheint
aber davon durch die kurzen, und nicht freien Hautläppchen
zwischen den Klauen bestimmt genug unterschieden zu sein.
Die Art, A. suhaenea, von der Grösse der Cis nitida, ist
auf Corfu von Hrn. Templeton entdeckt.
Mastigus prolongatus^ eine neue A. aus Gallizieii,
dem M. palpalis verwandt, ist von Hrn. Gory in Guerin's
Mevue Zoologique p. 323 beschrieben.
Die Nymphe der Silpha {Necrodes) littoralis ist iiQ
dem Mag. of Not. Hist. S. 600 von Hrn. Buist beschrieben
und im Holzschnitt von unten und von oben, in letzterer An-
sicht mit schön ausgebreiteten Beinen, Fühlern u. s. w. dar-
gestellt worden.
Hr. Guerin beschreibt in der Revue Zool. S. 90. ein unge-
fliigeltes Ptilium unter dem Namen Pt. apterum (es isf.
zugleich im Dict. pittoresq. de \Vhist. nat. pl. 621. f. 5. abge^
bildet), welches bei Paris unter der feuchten Rinde alter Ei-
chen vorkommt. Es gehört unter die kleinsten Insecten und ist
das Pt. pallidum Dej., in Deutschland von Hrn. Waltl auch
unter der Benennung Omalium microscopicum verbreitet worden.
Ueber die Bedeutung des Emblems des Scarahaeus bei
den alten Aegyptern hat Hr. Hope seine Ansichten in den
Transact. of the Ent. Soc. milgetheüt. Er verwirft die gewöhn-
lichen Ansichten, nach welchen in demselben der Begrifl' der
244
Welt, der Fruchtbarkeit, der Sonne u. s. w. ausgedrückt wer-
den sollte, und stellt dagegen auf, dass er als Bild der Unsterb-
lichkeit gegolten hätte, indem er sich auf eine Stelle im Plutarch
stützt, nach welcher die Soldaten sämmtlich Ringe mit dem Bilde
eines Scarahaeus trugen, um ihnen, wie Hr. Hope es auslegt,
durch Erinnerung an die Fortdauer des Lebens die Todesfurcht
zu benehmen. Auch schiene es mit dieser Bedeutung in
Beziehung zu stehen, dafs man in den Mumien die Scarabaeen
zunächst dem Herzen und unter den Augenliedern findet.
Hr. Schmidt (Dr. in Stettin) hat eine Revision der
Deutschen Arten der Gattung ylphodius angestellt, welche
in Germars Zeitschrift enthalten ist. Der Verf. bemüht sich
in seiner gründlichen Arbeit besonders eine zweckmäfsige,
übersichtliche Eintheilung der weitläuftigen und schwierigen
Gattung zu geben, und die oft verwickelten Synonyme aus-
einander zu setzen. Er theilt die ganze Gattung, von wel-
cher die Arten, welche Dejean unter dem Namen Oxyo-
mtis zu einer eigenen Gattung erhoben, ausgeschlossen geblie-
ben sind; in 4 Gruppen, Plani {Ä.scrutator^, Ge7iuini, De-
pressi(^A. hinaus), und Glohosi(^A.elevatus), die zweite über-
wiegend zahlreichere nach den| deutlichen oder abgerundeten Hin-
terecken des Halsschihles, die erstere Abtheilung wieder nach der
Färbung und Behaarung der F'lügeldecken in mehrere Unterabthei-
lungen unterschieden. Wichtig ist die auf mehrfache Beobachtung
gegründete Erfahrung des Verf., dafs Aph. sphacdatics mit glatten
Flügeldecken das Männchen des Jp/i. prodo??ius mit behaarten Flü-
geldecken ist. Neue Arten sind mehrere aufgestellt und beschrie-
ben, namentlich in der Nähe des Ap/i. sordülus. DenJp/t. ru-
fus F. hat der Verf. mit 111 ig er als Synonym zu der von Sturm
unter diesem Namen abgebildeten Art gesetzt; es ist aber je-
ner seltene und wenig bekannte Käfer, der Fabricischen
Sammlung zu Folge gar kein eigentlicher ApJtodius, sondern
eine Argialia, welche auch der deutschen Fauna angeliört.
Hr. Klug las in der Academie der Wissenschaften zu Berlin
über die Stellung Aes Scarahaeus long imn?ius imSystem. Von
den Gcotrupcfi F. {Sca?^ahaeus hat?.'), wohin er bisher gezählt
wurde, entfernen ihn das im Verhältnifs zurührigen Körpermasse
kleine, unbewehrte Halsschild, das ebenfalls unbewehrtc, viereck-
245
ige, in derMitte vertiefte Kopfscluld, die senkrecht absteigende,
sehr deutlich vortretende Lefze, die verstecktliegenden, schuppen-
förmigen Mandibeln, die Gestalt des letzten Ilinterleibsringes
und die in der Mitte stark gezähnten Klauen. Viele dieser
Merkmale sind diesem Käfer mit den Mclolmithen gemein, die
schuppenförmigen Mandibeln lassen aber eine unmittelbare Ver-
einigung mit den blätterfressenden Maikäfern nicht zu. Ilr-
Klug ist daher geneigt, ihm eine Stelle in einer zwischen
Geotrupen und Melolonthen zu errichtenden eigenen Gruppe
seinenPlatz anzuweisen. Neuerlichst (Germars Zeitschrift II.
S. 363) hat Hr. Burmeister sich bemüht, nachzuweisen, dafs
der fragliche Käfer Mitglied der MeUtophüen, und zwar haupt-
sächlich in Rücksicht auf die Gestalt der Mandibeln sei, indefs
sprechen sowohl Habitus als auch die Bildung der Mundtheile
und der Füfse, vorzüglich aber die in beiden Geschlech-
tern stark gezähnten Klauen dagegen, und die bei allen Me-
Utophüen, selbst bei den Tnchien, wo sie nicht auf der Ober-
seite sichtbar werden, freien, bei diesem Käfer aber vom Schulter-
rande der Flügeldecken bedeckten Epimeren des Mesothorax
(Scapularstücke) entfernen ihn auf das Entschiedenste aus der
Gesellschaft der Cetonien. — Es scheint also die Ansicht
des Hrn. Klug die richtigere zu sein, die den Scar. longi-
manus als eine Miti^elform zwischen Mßlolonthe?! und Geotru-
pen betrachtet, welche jedoch den ersteren näher angehöre, und
die sich ähnlich zu verhalten scheint wie die Pachypoden, welche
Ref. (Entomograph. I. S. 23) ebenfalls als eine solche angespro-
chen hat. Aus der Form der Mundtheile, namentlich aus den
Haarpinseln an der Lefze und den Maxillen sollte man schlie-
fsen, dafs der Käfer mit den Lucamn und vielen Cetmiien
gleiche Nahrung hätte, nämlich dafs er den aus Bäumen ausfliefsen.
den Saft aufleckte, und dann wäre die Erklärung gegeben, wie sich
die zum Blätterkauen eingerichteten Mundtheile der eigentl. Me-
lolonthen in diese Form verändern. Es sind gewifs nicht, wie
man wohl öfter aufgestellt hat, äufsere Einflüfse, als Aufenthalt,
Nahrung u. s. w., welche die systematischen Abtheilungen bedin-
gen, sondern diese finden sich bei genauer Betrachtung unab-
hängig von jenen Einflüssen eingerichtet, und nur einzelne Or-
gane denselben gemäfs modificirt.
\^tvScarahae%is longimanus bildet die Gattung JEwcÄ ei-
246
rws*) Kirhy^ eine zweite Art ist der Scarahaeus himucro-
naius Pallas^ neuerlich von Hrn. Newman unter dem Namen
Projiomacriis Arhaces bekannt gemacht.
(Verhandl. d. Acad. d. Wissensch. z. Berlin a. d. J. 1839 S. 67.)
Hr. Guerin macht in seiner Revue Zoologique S. 170
darauf aufmerksam, dafs dem von Hrn. Hope beschriebenen
Hexodon ÄlV^zY häufig die erhabenen vier Flecke der Flügeldecken
fehlen und dasselbe auch in der Farbe der Beine variire. Es
ist auch die Frage, ob es von H, unicolor Ol. wesentlich ver-
schieden ist.
Hr. Hope theilt in dem Mag. of Nat, Hut. S. 17 seine
Bemerkungen über 6\.q OViv^qt sehen Melolonthe7i mit, vor-
züglich in Rücksicht auf die heutige Systematik derselben.
Hr. Hope theilt in den Proceedings of the Zool. Soc. of
London eine monographische Uebersicht über die Gattung Eu-
chloret Mac. L. mit, welche 26 Arten aufführt, von denen der
Verf. 20 aus eigner Untersuchung kennt, die übrigen, welche
er als zweifelhaft aufführt, wohl eher zu Änomaki gehören
möchten, wenn überhaupt ein Unterschied zwischen Euchlora
und Änomala stattfindet: Ref. wenigstens hat sich bisher noch
nicht davon überzeugen können. Die 23. Art, Euchl. irrorella^
hat einen starken nach vorn gerichteten Fortsatz der Mittel-
brust, und würde sich dadurch sowohl von den Euchloren als
von den Anomalen unterscheiden: es kommen indefs noch
mehrere, sowohl Ostindische als Amerikanische Arten vor,
welche eine ähnliche Auszeichnung in gröfserer oder geringe-
rer Ausbildung zeigen.
Im Mag. of Nat. Hist. (S. 365) giebt Hr. Newman Be-
schreibungen zweier neuen Arten von Popillia, P. varia und
gemma aus Assam, und stellt ebendaselbst eine neue Gattung
Paracusis auf, welche mit Popillia in der nächsten Verwandt-
schaft steht, sich indefs durch den Mangel des Bruststachels
und den Habitus unterscheidet, welcher wegen der starkge-
wölbten Flügeldecken dem einer Cocci?iella nahe kommt. P,
cyanipes ist ebenfalls in Assam einheimisch.
Hr. Doubl eday theilte im Mag. of Nat. Hist (S. 97)
*) Hr. Burmeister hat a. a. O. S. 372 diesen Namen richtiger
in Euchtrus abgeändert. Es ist jetzt ganz gewöhnlich, das Grichi-
sche ft nicht,wie es sein sollte, im Lateinischen in t oder c umgeän-
dert, sondern als ei gelassen zu finden.
247
interessante Bemerkungen über Amphlcoma vulpina Hen%
(Hr. D. hält sie mit Unrecht für unbeschrieben) mit, welche von
New Hampshire bis zum obern Mississippi, und über das Fel-
sengebirge bis an die Küsten des stillen Meeres, südlich bis
Westflorida hin, also im ganzen Gebiete der Vereinigten Staa-
ten vorkommt. Es ist dies die einzige bis jetzt bekannte Art
dieser Gattung, welche die bestimmten geographischen Gränzen
verläfst, welche ihre Gattungsgenossen haben.
Eine sehr wichtige Abhandlung über die Getonten Süd-
africa's, welche sich, systematisch betrachtet, wie sie es vom
Verf. ist, über die ganze Familie verbreitet, ist von Hrn. Mac
L e a y in den Illustrations of the Zoology of South- Africa des
Hrn. Andr. Smith,*) niedergelegt worden. Hr. Mac Leay
verfährt hier nach dem Grundsatz, dafs alle systematischen Ab-
theilungen sich in fünf Glieder auflösen, welche, das fünfte
sich dem ersten wieder anschliefsend, Kreise bilden. Es liegt
die sehr tiefe und nach der Ueberzeugung des Ref. in der Na-
tur als wahr begründete Einsicht zum Grunde, dafs alle natür-
lichen Abtheilungen ein in sich geschlossenes Ganze bilden,
und dafs zwar mehrfache Annäherungen und Berührungspuncte,
aber kein wirklicher Uebergang von Abtheilung zu Abtheilung, der
sich bei einer oberflächlicheren Erkenntnifs der systematischen
Verhältnisse der organischen Naturkörper so vielfach geltend
macht, stattfindet, es scheint aber auch.« als ob man mit der
Annahme einer bestimmten, überall wiederkehrenden Zahl von
Gliedern, in welche die Natur hineingepafst werden mufs, sei-
nen Untersuchungen einen solchen Zwang anlegt, dafs man sich
unmöglich in denselben frei bewegen kann.
Die Familie theilt Hr. M' L. in fünf Gatt: TricJiinus,
Cryptodinus^ Blacro minus ^ Gymneiinus^ Ceioninus,
bei den ersten drei haben die Larven die Mandibeln gegen die
Spitze hineinzähnig, bei den andern beiden mehrzähnig (ob auch bei
allen?!). Trichinus hat die Maxillarlade immer mit einem Haarpin-
sel, nie mit Zähnen besetzt, Crypiodinus immer mit Zähnen,
*) Die Lieferung, welche diese und dieweiteru. angeführte Abhandlung
des Hrn. M' Leay über Cerö/?fer«^ enthält, istzwar schon 1838 erschienen;
Ref. sah sich aber nicht im Stande, sie für den vorigen Bericht zu benutzen,
da das Smith sehe Werk in keiner Bibliothek Berlins sich vorfand. Ge-
genwärtig hat Ref durch die Gefälligkeit seines werthen Freundes, Hrn.
M. C. S omni er in Altona, Gelegenheit gehabt, jenes Werk näher kennen
zulernen, und glaubt es nicht übergehen zu dürfen, nachträglich dessel-
ben zu gedenken.
248
nie (?) mit einem Haarpinsel, Macroviinus gewöhnlich mit
beiden und weicht aulserdem durch vortretende Epimeren ab,
welche indefs bei den zu Cryjyioclifius gehörenden Formen
der Cetonien auch nicht ganz verdeckt sind. Gymnetinus und
Ceioninus unterscheiden sich so, dafs bei ersterem das Schild-
chen mehr oder weniger durch einen Fortsatz des lialsschildes
bedeckt wird.
Trichinus besteht aus 5 Untergattungen: Platygenia,
Campulipus, mit flachem Körper, erstere mit 2-, letztere mit
Szähnigen Vorderschienen, Trichius^ behaart oder beschuppt,
J^algus^ mit SchuppenHecken, Osinoderina^ gl^tt, die erste
meist mit 2-, die zweite mit viel-, die dritte mit Szähnigen
Vorderschienen.
iJampulipus umfafst SSectionen: 1) yägenii mit ganzem,
2) Siripsipheri mit getheiltem Kopfschilde, beide mit ganz
flachem Körper und im einen Geschlechte gekrümmten Mittel-
schienen; die folgenden mit gewölbterem Körper; 3) noch un-
bekannt, 4) My oder ml, 5) Z ehraei^ die letzte von der vor-
letzten durch einfaches Kopfschild unterschieden, ^genii (Gatt.
^genius G. P.) sind limbatus^ Horsßeldii U.A., Stripsypheri
Str. niger G, P., IMyoderini (Gatt. Myoderma Dej.) Strips,
sordidus G. P., Zebraei^ Strips. Zehra G. P,
Trichius enthält ebenfalls 5 Untergatt.: 1) Legiiimi,
oben und unten behaart, Europäer und Americaner, 2) Aleu-
rosticti unten behaart, ebenfalls Europäer und Nordamericaner,
3) Geovieirici, beschuppt, Americaner: diese 3 haben an der
Maxlllarlade einen kurzen, die folgenden einen langen Haarpin-
sel; 4) noch unbekannt, 5) '^Tetr Ophthalmia Augen fast ganz
getheilt, Africaner und Asiaten. In die letzte Section gehören
Tr. vittaius und suturaJis G. P.
Valgus und Osvioderrna sind nicht weiter eingethellt.
Von Valgus ist eine Art beschrieben^ V. Smithii, welche dem
V. hemiptertis so täuschend ähnlich ist, dafs sie sich nur dadurch
zu unterscheiden scheint, dafs der Hinterleib nur eine weifse
Binde und der schwarze Fleck auf jeder Seite des Halsschildes
einen weifsen Punct hat.
Crypiodinus ist zusammengesetzt aus der Untergattung:
Cremasiocheilus mit ovalem, Cycliditis mit dreieckigem,
ausgehöhltem Kinn, beide mit 2zähnlgen, Genuchus mit Szäh-
nigen Vorderschienen und dreieckigem flachen Kinn. (Jymo-
pliorus mit 10-, Cryptodus mit ÖgHedrlgen Fühlern, letzten
beide durch ebenes, halbkreisförmiges Kopfschild von den ersten
unterschieden. — Cremastocheilus ist auf den Cr. castaneae
und die ähnlichen Nordamericanischen Arten beschränkt, Cycli-
dius nimmt die Südamericanischen elovgatu^ Ol. und aocillaris
Dup., Cymophorus Cr. spinivenier G. P. und vielleicht auch
deren Brahma auf. — Von Genuchus sind 2 A. aufgeführt:
cruenius und als neu sanguinohfiius, (sicher hottentotta F.). Crem,
capcnsis Kl.., welchen Hr. M. Leay hier unterbringen möchte,
weicht hinreichend von allen ab, und ist auch schon darin unter
den Lainellicornen ganz anomal, dafs die Füfse entweder nach
249
den Arten oder nach den Geschlechtern 1 oder 5 Fufsglicder
haben. (Jryptoclus endh'ch, welches Hr. IM' i^cay früher zu
den Trogidcn gerechnet, bildet die abweichendste Form von al-
len, und es ist hauptsächlich die Bildung des Mundes, welche
mit den der übrigen Untergatt, in den Hauptsachen überein-
stimmt: er weicht von ihnen hauptsächlich darin ab, dais die
Fühler nur 9 Glieder haben und dafs weder Epimeren noch Hüften
seitlich sichtbar werden. Hr. Burmeister hat (Germar Zelt-
schr. S. 361) auf die Ueberelnstimmung dieses Käfers mit Phi~
leurus sowohl in der Körperform als in der Bildung der Beine
aufmerksam gemacht, und in der That kann man sich keine
früfsere Ueberelnstimmung denken, als in derStructur der Beine
*hileurus, in der des Körpers Yrionychus Dej.^ eine mit Phi-
leuriis nahe verwandte, den Scar, iuhercuUtlus PnU. Beauv. und
Geotr. planatus TVied. umfassende Gatt, mit Cryplodus haben.
Indefs ist die Bildung des Kopfes und der Mandibeln eine so
wesentlich andere, indem der Kopf bei allen Dynnsiiden sich zu-
spitzt und den Seltenrand der Mandibeln frei lälst, welche mit
der Spitze nach aufsen gerichtet und, wenn gezäh^, nach aussen,
nie innen gezähnt sind, wie es bei Crypiodus der Fall ist. Und
gerade in diesen Verhältnissen zeigen die verschiedenen gröfse-
ren Abtheilungen der Lnmellicornia so durchgreifende und we-
sentliche Charactere, dafs Ctnjptodus sich unter den Dynastiden,
an der Seite von Phihurus^ eben so fremd finden würde, als es
bei Acn Cetonieti der Fall ist, und man also nicht obne Bedenken
der Ansicht des Hrn. Burmeister beitreten könnte. Die stark-
gezahnten Maxillen sprechen zwar durchaus für Hrn. M'Leay's
Ansicht, indem die von Genuchus eine ganz entsprechende Bil-
dung haben. Der Enddorn am ersten Gliede der hintern Füfse,
welcher PJuleurus nebst seinen Verwandten vor den übrigen
Dynastiden auszeichnet, findet sich auch bei einigen Arten
von ^noplocheilus^ ebenso wie ihn Phileurus und Crypiodus ha-
ben. Die vom Schulterrande der Flügeldecken bedeckten Epime-
ren der Mittelbrust aber weisen Crypiodus auf eine bestimmte
Weise aus der Familie der Meliiophilen , wo jene Theile immer
unbedeckt bleiben.
Macromintis besteht aus den Untergatt.: Oploslomus^
wo das Kinn ähnlich wie bei der vorigen Abth. einen Fortsatz
auf der Unterseite hat, Anoplocheiltis mit schmalem, Diplo-
gnaiha mit breitem, einfachen, alle drei mit ungetheiitem,
Gnathocera und JMacroma mit ausgerandetem Kinn, erstere
mit, letztere ohne Haarpinsel auf der Aufsenseite der Maxillar-
lade. Oplostomus enthält den Crem, fuligineus G. P., jino-
plocheilus die Capensische Cef. tomeniosa G. P. und zwei neue
A. : ud. seiosus unA spiniiarsis ^ letzterer mit einem Dorn am Ende
des ersten Gliedes der hinteren Füfse (eine zweite Art mit der-
selben Auszeichnung befindet sich in der hiesigen Sammlung).
Diplognatha zeigt vorläufig folgende Sectionen: 1) Carbo-
nariae, mit einem stumpfen, 2) Porphyreae^ mit einem schar-
fen, .3) Gagatesiae mit zwei Zähnen am Ende der Maxlllarlade.
Die erste ist Asiatisch und hat die Cel. crucigera OL zum Ty-
Wiegmann's Archiv. VI. Jahrg. 2. ßd. 1 /
250
pus; in die zweite gehört C. carnifex F.^ in die dritte D. hchraca
und silncea, letztere der Mittclafricanrschen 1), gngaies zwar täu-
schend ähnlich, aber wohl unterschieden. — Gnaihocera
entspricht Aviphistoros äev Pariser Monographen, welche mit
Unrecht den für diese Form errichteten Kirby sehen Namen
auf eine andere übertragen haben. Unter M.acroma führt Hr.
M' Leay die IM. saileUata als von Hrn. Smith aus Südafrica
mitgebrachte an, die CapenÄische Art, welche die hiesige Samm-
lung besitzt, scheint aber von jener (Mittelafricanischen) spe-
cifisch unterschieden zu sein.
Gymneiinus enthält die Untergatt.: Philistina mit meh-
reren, Agcstrata mit einem einzigen, Lomaptera ohne hor-
nige Zähne an den Maxlllen, die erste mit gehörntem, die zweite
mit einfachem, die dritte mit gespaltenem Kopfschilde, Gy-
mneiis mit breitem, Macronota mit schmalem Halsschilde, er-
stere .3 gewöhnlich, letztere 2 selten mit parallelen Seiten der
Flügeldecken. Philisiina ist auf Gol. rhinophylhis Wied. er-
richtet.
Ceionimts ist aus folgenden Untergatt, zusammengesetzt:
Schizorhina mit ausgerandetem, Coryphe mit nicht ausgeran-
detem, Goliaihus mit beim Männchen gehörntem Kopfschilde,
die erste mit etwas, die zweite mit garnicht, die dritte mit tief
ausgerandetem, Ichnostoma mit vorn meist gerundetem, Ce-
tonia mit vorn meist ausgerandetem Kinn, die ersten 3 mit beim
Männchen aufsen meist ungezähnten, die letzten beiden mit aus-
sen gezähnten Vorderschienen.
Schizorhina thellt sich in folgende Sectionen: 1) Bru-
noniae mit langer, schmaler, flacher, 2) Philip siae mit lan-
ger, breiter, flacher, lanzettförmiger, 3) Integrae mit kurzer,
flacher, 4) Gyjtinopleurae mit langer, flacher, 5) Insulares
mit langer, schmaler, cyllndrischer Brustbeinspitze. Bei den er-
sten beiden sind die Flügeldecken an der Wurzel breiter, bei
den andern nicht, bei den beiden ersten und der letzten haben
die Flügeldecken an der Spitze einen Dorn, bei der dritten ist
das Kopfschild kaum ausgerandet. Typus der ersten ist V.
Brownii Kirb., der zweiten C. Philipsii Schreih., der dritten C.
frontalis Don.^ der vierten C, punciala Don., der fünften C.
cyanea Ol. Die letzte Section ist Madagascar und den Inseln
nahe Neuholland eigen.
Coryphe {Gnaihocera G. P.) zerfällt In folgende Sectio-
nen: 1) N ariciae und 2) Diceros, erstere nicht, letztere mit
halbkreisförmigem Halsschilde, beide mit cinzähniger, 3) Rhovi-
horhina mit ungezähnter Maxlllarlade, 4) Sch'uppeiliae mit
ungezähnter, 5) Chlorocalac mit gezähnter innerer Maxlllar-
lade, die vorletzte mit 3zähnigen, die letzte mit ungezähnten
Vorderschienen beim Männchen. Bei den ersteren 3 sind die
Vorderschienen gewöhnlich 2-, selten 3zähnig, das Kinn ausge-
randet, bei den letzteren beiden ist das Kinn nicht ausgerandet.
Jene sind oslindlsch, diese africanisch. — Die Nariciae sind
C. elegam F., MacLeayi Kirby^ prctiosa Esch., guttata Ol, Na-
rycius olivaccus Jhip. Diceros ist die gleichnamige Gattung von
251
G ory Pc} 'cÄ . , Rhomborhina ist Hnrdwichn Cr. P. , Sc h u ppel-
liae sind ßnvo-inacuJata^ iaenia Fall. Beauv. Herschein M' Leuy^
(tnenia G, P.) undumhonata Kl.^ deren Weibcben C. propinqua
6r. P. ist; Chlor ocala ist suturalis F.
Goliaihus ist von Hrn. M' Leay besonders ausführlich
beleuchtet. Die Sectionen sind hier: 1) Smithii mit innen ge-
zähnten, 2) Höpfnerii und 3) Giganiei mit innen glatten
Vorderschienen, erstere mit hinten gerade abgeschnittenem, letz-
tere mit hinten gelapptem Halsschilde ; 4) Inca mit versteckten,
5) Dicronocephali mit vortretenden Epimeren. Die Smi-
thii theilen sich wieder in folgende 5 Subsectionen, deren zwei
erste aussen 3zähnige, und deren drei letzte aussen ungezähnte
Vorderschienen haben: 1) Kopfschild beim Männchen mit einem
einfachen Hörn: G. iorquatus Dr.; 2) Kopfschild beim Männ-
chen mit 3 Hörnern, deren mittleres an der Spitze zweitheilig
ist: (Mecynorhina Hope) G. Polyphemus F.; 3) letztes Glied
der Vorderfüise mit einem Haarpinsel: (Dicronorhina Hope) tni-
cans F. und splenäens M' Leay; 4) leztes Fufsglied ohne Haar-
pinsel: Gr. GralUi Hup. Smithii ]\T Leay, n. A. aus Südafrica,
Daphnis Buq.\ 5) von allen durch innen ungezähnte Vorder-
schienen abweichend: C. maculala OL — Die Höpfnerii
enthalten nur den G.HöpfneriDcj., die Giganiei sind G.Dru-
rii TVesdw.y regius KL, giganteus Lam.^ Cacicus 01.^ princeps Ho-
pe. Inca ist die bekannte Gatt, der jBwc, welche ohne Zwei-
fel viel richtiger von den franz. Monographen zu den Trichien
gestellt ist. Dicronocephali sind G, tVallichii {G. JVellech
G. P.) und Narycius opalus Hup.
Die 5 Sectionen von Ichnosioma sind 1) CoeJo cepha-
lae mit gehörntem Kopfschilde und vorn gewölbtem Kinne,
2) Xiphoscelidea und 3) jircadeae mit ungehörntem Kopf-
schilde und vorn breiterem Kinne, das Halsschild bei diesen hin-
ten so breit, bei jenen schmäler als die Flügeldecken, 4) He-
ieroclytae, 5) Cuspidatae von den vorigen durch zugespitz-
tes Kinn, unter sich nur dem Geschlechte nach verschieden.
Coelocephali sind Hiplogn. concava und albo-punctaia Gory^
Xiphoscelidea ist eine neue Form vom Schwanenfluss in Au-
stralien, mit schmalem, rundem Halsschilde, langen, krummen
Hinterbeinen und in eine lange gekrümmte Spitze auslaufenden
Vorderschienen, jircadeae sind C. sanguinipes G. P. und C
comuia F. (Areas OL), Heteroclyia ist /. spaihulipes M' JL.
vom Cap, der C. cordaia F. zunächst verwandt, wie Hr. M'
Leay mit Recht vermuthet, wenn sie nicht wirklich dieselbe ist,
denn es sind diese Thiere unter sich so ähnlich, dafs über ihre Ver-
schiedenheit kaum etwas zu sagen ist, wenn man sie nicht in
JNatur vor sich hat. Sie sind die Weibchen der folg. Section
Cuspidatae, wohin C. cuspidaia F. und die derselben nahe,
verwandte /. pica 31' Leay^ I. albomarginata Gory (die C. al-
bomarginaia Hbt. ist einerlei mit C. cuspidaia F.) und einige
noch unbeschriebene A. der hiesigen Sammlung gehören.
Ceionia hat folgende 5 Sectionen aufzuweisen: 1) '^Pri-
choideae mit fast immer ganzem Kopfschilde, haarigen Flügel-
17*
252
tleckcn, drcizalinigcn Vorderschicnen und zwei Psciidonychlcn;
hierhin gcliörcn: 1) Capenscr (C. capensis F., puhesccns 01.^
hhphla Oh, albopicta (r. P., hirsula 3T Leay^ oculaia ]\T Lcay,
signaia F.y iigrhia OL^ hclla M' Leay.) 2) Europäer (sticlica
Lt. u. s. w. und C, funesia F. und vielaena TU' Leay vom Cap.)
3) Nordamericaner (C areata F.), viertes Glied unbekannt,
5) S ü d a m e r i c a n e r (C. lurida F.). — 2) 'Fyp icae mit ganzem
Kopfschilde, glatten Flügeldecken, einem einzigen Pseudonychion;
hierher A) Europäer: 1) schwarze (C. viorio)^ 2) goldgrüne
{fasluosa)^ 3) goldgrüne, welfsgefleckte (auraia).' B) Africaner:
4) grüne mit weilsen Zeichnungen (C. semipimctata F.^ chalca
Übt., aulica F., nyfnpha IST Lcay, fascicularis Lt.\ 5) gelb- und
schwarzgefleckte (6*. sinuata 01.^ jlavwentris G. P., leonina IM*
Leay (schwerlich von hnprcssa Goldf. verschieden), carmellia F.
hrachypinica Durch.). — 3) Gymnetidcac mit mehr oder weniger
gespaltenem Kopfschilde, glatten Flügeldecken, zwei Pseudony-
chien. Hieher die meisten Ceton. von Madagascar. — 4) Po-
Jybapheae^ ohne Pseudonychien, mit zweizähnigen Vorderschie-
nen. Hier sind erst 3 Formen bekannt: zwei africanische mit
an der Spitze gedornten Flügeldecken, die eine mit viereckigem
Kopfe und ausgerandetem Kopfschilde (C. sanguinolenia Ol.)., die
andere mit dreieckigem Kopfe und kaum ausgerandetem Kopf-
schilde (C. balteala Deg. und discoidea F.), die dritte, ohne Dorn
an der Flügeldeckenspitze ist Asiatisch (C. marginicoUis G.P.) —
5) Crefna stocke ilidene ohne Pseudonychien, mit oft 3zähnl-
fen Vorderschienen, sind Asien und Africa elgenthümlich. Die
siaten haben thells Flügeldecken mit einem Dorn an der Spi-
tze und entweder die Vorderschienen undeutlich (C. acmninata
F.) oder deutlich (C. albogultaia T^ig.) mit 3 Zähnen, thells Flü-
geldecken ohne Enddorn {C. hisirlo F.). Die Africaner haben
die Vorderschienen zwelzähnig, entweder die Flügeldecken gleich
breit und das Kopfschild quadratisch (C. mimismaüca, aerl/'era,
puma M.'' Leay., cinerascens F. aber nicht G. P.), oder die Flü-
geldecken nach hinten verjüngt, das Kopfschild lang, zugespitzt,
an der Spitze ausgerandet (6'. adspersa Web.., dysenierica M?
Leay, Jiacmorrhoklalis P., rußcollis Deg.., amei/iysllna iW' Leay
(Abänderung von haemorrhoidalis)., rubra Lfeg.)
Es ist keine Frage, dass die EInthellung des Hrn. M' Leay,
so wenig der Zwang zu verkennen ist, welchen das ihr aufgedrängte
Gesetz der Fünfgliederung auf sie gehabt hat, sehr durchdacht
ist, welches sich auch namentlich darin zeigt, <lals der immer
wiederholte bald mehr bald weniger augenfällige Parallelismus
der einzelnen Glieder fortwährend in's Licht gesetzt wird, so
dafs diesem Werke nie an dauernden EInfluss auf nachfolgende
syslaniatische Bearbeitungen dieser Familie verfehlen kann, wes-
halb Kef. es auch im Interesse seiner Leser hielt, die Resultate
der Untersuchungen des Hrn. M' Leay etwas genauer aus dem
bei uns noch wenig verbreiteten wichtigen Werke darzulegen.
Hr. Hope hat im Mag. of Nut. Hist. (S. 171) eine kriti-
253
sehe Uebersicht über die von Olivicr abgebildeten Cetonien
gegeben.
Hr. White beschreibt in dem Mag. of Nat, Hist, (S. 24)
zwei neue Arten der Familie der Cetonien-,
Die eine ist eine neue A. der Galt. PlaUjgcnin^ pechbraun,
mit rostbraunen FliigclJccken, vom Gambia, von Samouellc
PI. Mac Lcayi benannt worden; die andere gehört zu den Go-
UalJüden, welche M' Leay Smithsche {Smilhii) nennt; er un-
terscheidet sich mit Gol. Grallii Buq., Smilhii Mac Leay und
Cei. ^-maculata Ol. durch die Figur des Kinnes, das fast ein
gleichschenkliges Dreieck bildende Schildchen, das weit mehr
vorgezogene Kopfschild und den Mangel des Haarbüschels am
letzten Fufsgliede von Dicronorhina Hope (Gol. viicans), wes-
halb Hr. White für diese Form den Namen Eudicella vor-
schlägt. Die beschriebene Art, E. Morgani ist grün, mit erz-
grünen Halsschilde und Leinen,
Hr. Guerin macht in seiner Revue Zool p. 229. unter
dem Namen Goliathus Delessertii eine neue ausgezeich-
nete Cetonie bekannt, welche sich am Nächsten an diejenige
Form anschliefst, welche Hr. Hope mit dem Namen Rhom-
horhma belegt hat, jedoch durch 2zähnige Vorderschienen des
Männchen abweicht.
Der Käfer Ist graulichgrün, glasartig glänzend Hnd verschie-
dene Farben spielend, mit einem kleinen aufliegenden Hörn auf
dem Scheitel und einem grösseren, vorgestreckten an der Spitze
des Kopfschildes. Er ist von Hrn. Delessert auf den Höhen
der Nilgheries gefunden.
8phe7iognathus prionoides ist durch Hrn. Buquet
in Guerin's Magas. d. Zool. abgebildet und ausführlich be-
schrieben.
Hr. Westwood berichtet in den Transact of the Ent,
Society, in einer Südamericanischen Nufs — nach Hrn. Seils
(ebendaselbst) eines der Samen der Mammea Americana -^ einen
Käfer, Upis morio (den in Westindien inid dem Festlande Süd_
america's häufigen Zophohas morio Dej., Helops morio F.) ge-
funden zu haben, welcher eben im Begriff war sich durchzu-
fresseii und in der Nufs seine Verwandlung überstanden haben
mufste, da die Oeffnung nicht grofs genug war, um von
aufsen schon hineingekommen zu sein. Entweder also mufs sich
die Larve, als sie noch klein war, in die Nufs eingebohrt ha-
ben, oder das Ei war schon an die Frucht gelegt ; an Ort und
254
Stelle müfste sich dies leicht entscheiden lassen. Hr. West-
wood bemerkt, dafs nach Reaumur alle in Früchten leben-
den Insectenlarven die Frucht verlassen, um sich in der Erde
zu verwandeln, dafs aber, auch MonoJiyclms Pseudacori eine
Ausnalime hiervon mache, welcher in dem Samen der Iris-kx-
ten, in welcher die Larve lebt, sich vollständig verwandelt-
Es ist dies aber bekanntlich mit allen Bruchus, mit den Apio-
neu, vielleicht mit dem gröfsten Theile der in Früchten leben-
den Rüsselkäfer der FalL
Eine neue Art der Gatt. Sp heniscus , welche dem Sph,
unifasciatifs {Erotyliis unifasciatus F^y^xwdiWAi^ aber bedeutend
schmäler und auch in der Zeichnung der Flügeldecken ver-
schieden ist, ist unter dem Namen Sph. ferrum equinum
(wegen der Gestalt der vorderen gelben Binde) in Gu^r. Mag,
d. Zool. von Hrn. Van der Hoeven bekannt gemacht wor-
den. Sie ist aus Surinam (kommt auch in Brasilien vor).
Hr. Schönherr hat die erste Abtheilung des ersten Sup-
plementbandes seines grofsen Werkes über die Curculionen
herausgegeben, welcher, der früheren Anordnung folgend,
die ersten Gruppen bis zu den Brenthi(le?i umfafst, und die
Zahl der Arten um ein sehr Beträchtliches vermehrt, wenn es
sich auch nicht immer hat vermeiden lassen, dafs Abweichun-
gen einer und derselben Art und namentlich bei der Gattung
Bruchus auch die beiden Geschlechter als verschiedene Ar-
ten aufgeführt sind.
Die Gruppe der Anihriben hat einen namhaften Zuwachs an
Gattungen erhalten, welche weniger auf Kosten der früheren als
auf einige näher bekanntgewordene F ab ricische Arten oder mch-
renthells auf ganz neue Formen gegründet sind. Der kleinere Tbeil
der neuen Gatt, enthält Arten, welche schon Im Hauptwerke aufge-
führt sind, nänillch Phloepemon {A. acuiicornis F. früher un-
ter Xylinacles), Ischiiocerus {Anihrib, spiculosus)^ UicrosO'
9nu$ {^nthriO. verrucosus Ol.,) Piczocorymi s (Euparius dispar
Seh.). Unter den übrigen sind Dendropevion (ein von Perty
schon gebrauchter Name), Lagopezus und Pohjcorynus auf
die drei Fabricischen A. perJoUcornis, ienuicornis und com-
pressicornis gegründet, Shitor (von Sumatra), Tophodercs
(eine i\cihe z. Th. schon diirch Hrn. Klug bekannter A. von
Madagascar enthaltend), Eccioncrus (von Ncuholland), Meco-
iavsus und C aranisics (von Madagabcar) , Blabcrus und
Pnrab lops (aus Südafrica), Jbncdreuies (aus Frankreich, sind
auf neuen Arten errichtet. Endlich Ist noeh Choragus Shcp-
pardi Kirby unter der VI 11 ascheu Benennung Aliicopus
255
Oalcazzii beschrieben, Hrn. Scliönh. also cnigangen , dals
Galt, und Art schon im 12ten liande der Linn. Transaci. von
Hrn. Kirby meisterhaft dargestellt sind, wenn diesem auch das
Verhältnlss derselben zu den Rüsselkäfern undeutlich geblieben
war. Die jdUelabidensmA aufser vielen neuen A. mit einer neuen
Gatt. Euops, zwischen Auelabus und Rhynchiies, eine neuhoU
ländischc A. enthaltend, vermehrt. Die Hhinoinaceriden ha-
ben zwei neue Gatt. Eugnampius (Rhynch. coilaris und an-
gustaius) und Homalocerus (die früheren ßrasilischen Wüno-
tia) erhalten; natürlich ist diese Gruppe durchaus nicht zusam-
mengesetzt, namentlich stehen mehrere Gatt, derselben (Eu-
gnntnpluSf DiocJychyncJius, jiuleies) in der nächsten Verwandtschaft
mit Rhync/iiies, welches unter den Attelabiden seine Stelle hat,
und die Hauptgattung selbst ist aus zwei Arten zusanmiengesetzt
geblieben, welche generlsch durchaus verschieden sind, indem
Rh. attelaholdes von dem vom Rh. Jejyiuroides entnommenen Gat-
lüngscharacter auf eine solche W^eise abweicht, dafs er in der
Gatt. Diodychynchiis seine natürliche Stelle finden würde, selbst
wenn er nicht das Männchen des D. austriacus wäre. Die
A-iiioniden haben einen Zuwachs an den Gatt. Myrmacice-
lus Chevr. (Rhinolaccns Guer.) und Piez otrachelus erhal ten,
endlich ist zwischen diese und die Rhamphideii die Gruppe der
T nnaoniden eingeschoben worden, welche aus der Gatt. Cy-
bebtts {Cure, dimidicttus P. gehört Avohl ohne Zweifel zur erst-
beschriebenen Art, angenommen, dafs Olivler die langen gebro-
chenen Fühler nicht nach der Natur abgebildet hat) und T«-
naos zusammengesetzt ist.
Die Gattungen der Rüsselkäfer von den Hrn. Hrn-
Imhof und Labrum sind mit einem neuen (5ten *)), Hefte
vermehrt worden, welches folg. Gatt, der ^nthrihen darstellt:
Gymnognathus (ancora), Araeocerus {Coffeae)^ Phae-
*) Durch ein Versehen sind die beiden vorhergehenden Hefte im
vor. Jahresberichte statt des 3ten und 4ten als das 2te und 3te er-
wähnt worden. Die beiden erste Hefte, welche dem Ref. im vorigen
Jahre noch nicht zugekommen waren, enthalten Brentliiden und An-
tUariniden^ und zwar.- Eiitrachelus {Temminckii) , Belophorus
(militaris), Arrhen. Nemorhinus (duplicatns, indicatus^ jetzt Ra-
phicJiynchus lougimanus Seh.), Arrhenodes {dispar)^ Arrhen
Hormocerus {coronatus, jetzt Amor pkocerus cor. Seh.), Platymc-
rus {Germari) Antliarhinus {Zamiac), Arrhen, Traeheli%us
{pygmaeus, jetzt Cerobates j)ygm. Seh.), Ceoeephalus {retieulatus)
Ischnomerns {erythroderus, Teromaeerus erythrod. Seh.\ Brentli
Nemoeephalus (laevis, jetzt Teramoeerus lacv. Seh.)., Brenthus
{oulneratus., Anehorago, linei eoUis), Brenth. Isehyromerus madagaaca-
riensis, ist Brenthus nigritus Kl.y comprempcs Seh., Centrophorus com-
pressipcs Chevr.).
256
nithon Stirpsl. (costatus) und St. II. (alhosparsits neue A. aus Ca-
yennc), E u g o n us (subcyUncIricus)^ Drachytarsus (acabrosus),
Toj)hodcrus {fvcnalus und fiinebris., welche Hr. linliof mit
Unrecht für die beiden Geschlechter derselben Art hält: es sind
von beiden ^VeIbchen abgebildet), Xylinadcs (atncornis).
Die deutschen Rüsselkäfer hat Ilr. Ilerrich Schaf-
fe r im 172 — 173sten Hefte von Deutschlands Insecten
(Fortsetzung des Parfzerschen Werkes) zu bearbeiten an-
gefangen.
Von den Gatt. Bruchiis , Spcrmophagus^ Rhynchiies
und eines Theiles von u4pion sind synoptische Ucbersichten
der Arten gegeben und Bruchus elegnns^ e/ispav^ dccorus^ grise-
scens , 7narginellus^ oUvaceus, loti^ lentis., varipesy Spennophagus
Car(Ji.'i\ Urodon riißpes, Rhynchites hungaricus , politus., plani-
rostrhf aufscrdem von mehreren A. von Bruchus, Rhynchites und
j4pion Details oder Umrisse auf den Tafeln dargestellt.
Das 173ste Heft enthält synopt. Uebersichten der Arten von
Cleonus, Plinthus, Molyies und die Abbildungen von Cleonus
paltnntus, testatus ., einer eus., excoriatus , plicatus^ bicarinatus., con-
cinnus, roridus, Gronops lunatus, Minyops carinnius, Plin-
thus caliginosus^ Tischen, IMolytes Monachus, Hylobius pi-
neii, arcticus.
Eine Uebersicht der Brenthiden von Madagascar ist
von Hrn. Chevrolat in Gueriiis Revue Zool. S. 172. gege-
ben worden.
Hr. Chcvr. führt 21 A. auf, welche den Gatt. Arrhenodes.,
Rhyiicephalus, Ozodecerus, Temnolaimus., Brenthus., Ceocephalus,
und Aulacoderes angehören. — Rhyticephalus, auch von
Hrn. Schönherr im Supplement aufgenommen, ist eine ausge-
zeichnete Form, welche unter die grofsen Brenthiden gehört;
Hr. Chevrolat scheint aber mit Unrecht zwei Arlen_, Rh. brevi-
cornis und uulnconotus angenommen zu haben, von denen Hr.
Schönh. nur die erste kennt, und die andere nur nach indivi-
duellen Abweichungen unterschieden Ist. OzodoceruSj eine
Gattung, die Hr. Schönherr nicht gekannt hat, mit beim
Männchen an der Spitze des Rüssels eingesetzten, knotigen
Fühlern, hat 4 Arten, von denen die letzte, O. vielallicus.,
von Hrn. Schönherr mit gröiserem Rechte (Hr. Chevrolat
kennt nur das Weibchen) zu Brenthus gezählt ist.
Tevinolaiinus., von Ozodeccrus dadurch unterschieden,
dafs die Fülller beim Weibchen nicht in, sondern unter der Mitte
des JUissels eingelenkt, und die einzelnen Glieder eiförmig, die
drei letzten gröfsor sind; zugleich ist der Kopf an der Basis ab-
jTcschniirt, was beim Weibchen des Ozodeccrus nicht der Fall
ist. Männchen unbekannt. 1. A. T. aeneicollis. Der Brenthus
pugionntus Chcvr. ist keineswegs, wie Hr. Chevr. vermu-
thet, der von Latreille nbgeblldeltc Br. caudutus j die übri-
gen als nuilhnialsliche Brenthus aufgeführten A. sind wohl zu
257
Ceocephulus zu rechnen; namentlich ist /?n? Heichei CJievr. von
Hrn. Schönh. so betrachtet. Centrophorus ist bei Schönh.
eine Unterabth. ächter Brenlhus^ mit stark gezähnten Schenkeln,
unter denen Br, holosericeo-fascinins Schönh. mit Recht als IBr.
airaius KL, dagegen C. nign'ius KL, wie es scheint, aus Mifs-
verständnil's der lateinischen Diagnose als eine vom C. com-
p'ressipes Chevr., Brenih. cotnprcssip. Seh. verschied. A. aufge-
führt ist. udulacoderes (iviviolus) endlich ist seitdem auch von
Hrn. Schönherr, und zwar unter dem Namen Ischnomerus
linearis beschrieben.
Hr. Gory hat in derselben Zeitschrift (S. 328.) einen an-
geblich neuen Arrhenodes von Madagascar unter dem Namen
A. hipunctatus beschrieben,- derselbe ist aber nur eine Abände-
rung des A. anihracinus KL
Hr. Guerin stellt ebendas. (S. 171.) eine neue Gattung
Aprostoma auf, welche mit Calodromus in der Körperform,
der Einlenkung der Beine, nicht aber in der Form derselben»
namentlich in der Verlängerung der Hinterfüfse, übereinkommt.
Der Mund ist nicht vorgezogen, die Taster sind sichtbar, na-
mentlich fällt das beiiförmige Endglied in die Augen. Die A.
A. filum Guer. ist von Madagascar.
Hr. Guerin hat in seinem IMagas. de Zoologie zwei merk-
würdige Arten von Diorymerus abgebildet. Die eine, D.
Pradieri Guer., hat über dem Schildchen auf dem Hals-
schilde einen langen nach hinten gerichteten, an der Spitze
gabiig getheilten Fortsatz, die zweite, D. lanclfer GuSr. hat
auf der Mitte des Halsschildes einen starken, nach vorn gerich-
teten Zahn. Beide sind aus Brasilien.
Die Herren Gay und So Her haben in den Annales de
l. Soc. Ent. de France zwei Rüsselkäfer -Gattungen aus Chile,
Euhlepharus und Physothorus beschrieben, welche zwar
jenem Theile America's eigenthümlich, aber keineswegs neu sind.
Die erste hat nämlich Ref. im Meyen's Rcisewerke (auch
in den Leopoldin. Schriften, B. 16. Suppl.) unter dem Namen
^e^or/z?nws aufgestellt. Hr. Schönherr hat sie ziemlich gleich-
zeitig Lophotes benannt. Da die Verf. sie in die Abtheilung
der Entimiden stellen wollen, ist es nicht zu verwundern, dafs
ihnen das Auffinden im Schön herrschen Werke nicht glückter**
Es sind 4 A. beschrieben, zwei derselben sind bereits bekannt,
nämlich E. Roulett ist Lophotes nodipennis Hope (Transact,
of ihe Eni. Soc. of Lond, I. p. 15. pl. 1. f 5.) und E. Ger-
mari ist L. Eschscholzii Schönh, — Die andere Gatt, ist iden-
tisch mit Rhyephenes Schönh.; von den 4 beschriebenen Arten
ist nur eine bisher nicht neu gewesen, nämlich Ph. Boyeri,
welche einerlei mit Rh. (Jacicus Schönh. zu sein scheint.
Hr. Letzner trug in der Schles. Gesellschaft für vaterl.
258
Kultur seine Beobachtungen über den Bostrichus dactyli'
per da vor, welche in der Uebersicht der Arbeiten dieser Ge-
sellschaft mitgctheilt sind.
Käfer sowohl als Larven leben in den Kernen der Datteln
in grol'sen Gesellschaften zusammen, so dafs in einzelnen Ker-
nen an 100 Individ. in verschiedenen Entwickeliingszusländcn zu
finden waren. Auch die Larven, welche in einem Dattelkerne bei-
sammen waren, zeigten sich von so verschiedener Gröfse, dafs un-
möglich alle von einer Brut herrühren konnten. Die Larve ist
ausgewachsen gröiser und gestreckter als der Käfer, sonst im
Allgemeinen mit denen der übrigen Borkenkäfer übereinstim-
mend. Die Datteln werden dadurch, dafs die Bewohner des
Kerns das Fleisch mit ihrem Auswurf verunreinigen, wenn auch
nicht ungeniefsbar, doch unappetitlich und öfter unschmackhaft.
Tessero Cents insignis Saund. ist durch Hrn. Mar-
chese Spinola in Giier. Mag. de Zool. abgebildet und aus-
führlicher beschrieben worden. Es hat nur das Männchen vor-
gelegen, Hr. March. Spinola nimmt also mit Unrecht die
Verlängerung des ersten Fühlergliedes über die Einlenkung
des zweiten binaus als besonderes Merkmal der Gatt. an.
Unter die Gatt. Ceraptertis hat Hr. Mac Leay eine
sehr interessante Abhandlung in den Illustrations of the Zoo-
^^oV ^f South Africa mitgctheilt, auf Veranlassung einer Art
dieser Gatt., welche Hr. A n d. Smith in Südafrica entdeckt hat
Er thellt die Gattung in zwei Untergatt.: Cerayierus mit
kurzem Halsschilde, und breiten, an der Spitze abgerundeleii Flü-
geldecken, wohin die Arten C, lailpcs Swed., C. llorsßcldii (aus
Java), und C. Smithii M? Leay (aus Südafrica), und Arthvo-
j)terus^ mit längerem Halsschlldc, schmalen, an der Spitze ab-
gestutzten Flügeldecken, wohin Cerapi. Mac Leayi Don. Diese
oder eine ähnliche Art hat Hrn. M' Leay's Bruder in Neuholland
aufgefunden, und dabei die Beobachtung gemacht, dafs sie in Amei-
scnnestern lebt, und wie die DracJiincn bombardirt. Der be-
rühmte Verf. dieser Abhandlung ist gegenwärtig selbst auf einer
Reise in Ncuholland begriffen, und hofft in der O economic die-
ser merkwürdigen Thierc noch weitere Entdeckungen zu machen.
Hr. Westwood hat in Folge dieser Pubücation Ads Hrn. Mac
Leay tllc Gatt. Cempterus einer noch genaueren Prüfung unter-
worfen, worüber schon im vor. Jahresberichte (S. 312.) die Uedc
gewesen.
Unter dem Namen Monoiovia Blaivii beschreibt Hr.
Gucrin in der Revue Zool. (S. 111.) eine Art, welche bei
Chlnon In» si'uillrheren Frankreich gefunden worden ist, und
welche mit M. pidpcs und brcvicolUs zunächst verwandt ist, sich
aber vorzüglich durch die Hlnlcrwinkcl des Halsschildcs unter-
scheidet, welche eine bückcrfürmige Vorragung bilden, von M
259
meines aulserdcm noch dadurch abweicht, dals die Eindrücke aut
der Stirn fehlen.
Hr. Newman hat cils Nachtrag zu seiner im vor. Jahres-
berichte erwähnten Arbeit über Pas sandra in den Annais
of Nat, Hist. die Beschreibungen 3 neuer Arten jener Gruppe»
welche er in der Sammlung des Hrn. MeUy kennen lernte,
mitgetheilt.
Die erste ist eine 5tc Art der Gatt. CatagenuSy von Chiioe:
C. clecoratus-^ die zweite bildet eine neue Gatt. Omma, wel-
che im Habitus viel Aehnliches mit der flachen Tenebrionenforni
Plateia haben, und sich dadurch bemerklich machen soll, dafs
die Füfse ebenso deutlich 5-gliedrig sind als bei Rhysodes. Otn-
ma Stanley i aus Neuhollaud; die dritte Art ist eine neue Art
von Cupes^ C leucopkaeus, vom Vorgebirge der guten
Hoffnung.
Hr. Germar theilt in Guerins Revue Zool, (S. 329.)
eine JJebersicht über die Servill eschen Ceramhy einen -Gsii-
tungen, in welche die von ihm in den Ins. Spec. nov. aut mir'
nus cogn. beschriebenen Arten dieser Farn, gehören, mit.
Es gehören nämlich zu: tenoscelis n. 615, zu Mallodon
n. 616. 617, zu Pyrodes 618, zu Malncopiems n. 673. 678- 679,
zu jlnoplisus n. 665- 667, zu Criodion n. 675. 676, zu CJiryso-
prasus n. 662, zu Trichophorus n. 677, zu RacJudion n. 671, zu
OrtJiostojiia n. 659. 660. 561, zu Ehiphidion n. 674, zu Malloso-
ma n. 666, zu Listropiera n. 667, zu Enphus n. 689, zu Stenygra
n. 690, zu Rhopalophora n. 664, zu Ibidion n. 680, zu Oreodera
n. 620, zu Steirasioma n. 634, zu Uryoctenes n. 619, zu Acan-
ihoderes n. 621. 625, zu Anisopus n. 623, zu Aedilis n. 622, zu
Phoebe n. 654. 656, zu Hypsioma n. 6-iO, zu Hippopsis n. 651,
zu Spaihoptera n. 649. 650. 652, zu Callia n. 642. 613, zu Po~
gonocherus n. 631- 635- 6-36, zu DesniipJwra n. 641, zu Oncide-
res n. 637. 638. 6.39, zu Colobodiea n. 646. 647- 648, zu Aniso-
cerus {Tragoinorphus Dej.) n. 628, zu Leiopus n. 624- 629. 633, zu
Monoluwtmus n. 632, und verniuthlich zu Pteroplatus Dej, n. 668,
und zu Coccoderus Dej, n. 672 — 685. und 688,' sind durch ihr
kuglicbes Halsschild mit Clytus verwandt, scheinen sich aber auf
der anderen Seite näher an Enphus zu schlieisen, wenigstens das
erstere, welches durch verlängerte Hinterbeine vom folg. ab-
weicht. Mit Apoviecyna verwandt (vermutblich Talaepora Dej.)
ist n. 658. Aufserdem bemerkt Hr. G., dafs sein Prion. Pal-
lasii kleinere Abänderung von speciosus 01.^ Lam. scrupu-
losa einerlei mit Dryoctenes caliginosus Serv., Lam. dorsalis
mit Acdil. signatus Seru.^ Lam. fistulaior vielleicht mit rusii'
cator jP., Lam. saga und axillaris mit den gleichnamigen
von Dalman , Sap. leucospila mit Cnssandra Dalm. Sap. cir-
rata mit dasyccra Kl., Callichr. rufiventre vielleicht mit
Orihosi. abdominale Serv.^ Callichr. collare mit Rhopalophora
260
sangumtcollh Serv.^ Callid. htcoJor F., Calliä. sanguinicolle
vermiilhlrch mit C. ignicolle Say.^ Clyius seliger mit Stenoso-
7'us conspicuus Periy, Siemjgra iricolof Serv.^ Clyius asperi-
collis mit Cl. erythrocephalus F., dagegen Lissonoius gaga-
ilnus nicht mit Racliidion nigrha Serv.^ und Sienocorus lippus
nicht mit TricJiophorus /lavosignnius Seru. einerlei seien.
Hr. Mulsant hat sich vorgesetzt, die Naturgeschichte der
Käfer Frankreichs zu beschreiben, und zwar nach den natür-
lichen Familien, ohne Rücksicht auf eine systematische An-
ordnung derselben. So ist der Anfang mit den Longicornen
gemacht worden, welche 180 Arten in der ersten in Paris er-
schienenen {Histoire naturelle des Coleopteres de France par M.
E. Mulsant) Lieferung von 300 S. und 3 Tafeln abgehandelt sind.
(Dem Ref. ist dies Werk noch nicht zugegangen, daher er
diese Nachricht aus Guer.Rev. Zool. 1840. S. 51. entlehnt hat.)
Hr. Saage beschreibt in den Preufs. Provinzialblättern
eine Mifsbildung des Prionus coriarius, wo statt der
Flügeldecken ein Paar vollständiger, nach oben und hinten ge-
richteter Beine sich fand. Das Scutellum fehlte, das Halsschild
hatte nur zwei Dornen, alle übrigen Theile, auch die Unter-
flügel, waren normal gebildet. Bei Versuchen zum Fliegen
bewegte der Käfer die oberwärts gerichteten Beine mit den
Hautflügeln.
Hr. Gory theilt in den Annal. d. l. Soc. Ent. d. Fr. VIII ^
p. 124. eine Note monographique über die Gattung Macro-
dontia mit.
Es sind 4 Arten aufgeführt: 1) der allbekannte Prion, cer-
vicornis jP. , wohin auch Ceramh. cervinus L. Seh. — 2) iW.
Dejeanii^ eine neue ansehnliche A. aus CohimLien, von Le-
bas entdeckt. — 3) Prion, crenatus OL, i-spinosus Seh., Ma-
crod. Servillei Ann. /. 140. 2. — 4) M. flavipennis Chevr>
Ann. IL p. 65. pl. 3. f. 1.
Eine neue Cerambycmen-Gsittung ist von Hrn. JNIarchese
Spinola in Guer. Mag. de Zool. beschrieben und abgebildet
worden. Sie ist mit Ibidion zunächst verwandt, unterscheidet
sich aber durch das kürzere nicht keulförmige erste Fühler-
glied, die in einen herabhängenden Zahn erweiterten Wangen^
fadenförmige Taster, verstecktes Schildchen, nach hinten
verlängerte Flügeldecken und nicht keulförmig angeschwolle-
nen Sciienkol. Das Vaterland der einzigen Art C. Baiioni ist
nicht bekannt.
261
Phacellus Latreillci und Dcjeani^ ein Paar der zier-
lichsten und zugleich der seltensten Brasilischen Lamien, sind
in Guer, Mag. de Zool. von Hrn. Buquet abgebildet und aus-
führlicher beschrieben worden.
Zwei neue Lamien sind im Mag. o/Nat. Hlstory bekannt
gemacht worden, nämlich (S. 147.)
Laitiia Lucia^ 1^'Mang, mit dichtem Haarüberzuge, braun,
Halsschild mit drei gelben Flecken, Flügeldecken, Aufsenrand
und Umkreis des Schildchen braun, von Congo, durch Hrn.
Newman, und (S. 230.) Lcunia Boisduvalii, 2^" lang, vom
Schwanenflufs In Neuholland, durch Hrn. Hope, letztere, wel-
che auf pl. 2. des Mag\ abgebildet Ist, würde zur Gatt. Baio-
cera Dej. gehören, für welche Hr. Hope den Namen Laviia
erhalten wissen will.
Hr. Hope theilt in den AnrmU of Natural History
Beobachtungen über die Schildkäfer {fiassidci) mit, welche sich
theils auf die geographische Verbreitung dieser Gruppe bezie-
hen, wobei der alle übrige Welttheile unverhältnifsmäfsig über-
wiegende Arten -Reichthum Americas mit Recht besonders her-
vorgehoben wird, theils die Aufstellung neuer Gattungen be-
zweckt.
Was Letztere betrifft, so hat Hr. Hope die ausgezeichnet-
sten Formen der Cassiden ausgewählt, um darauf die Gatt. Mes^
oniphalia {Cass. Q-pustulata, lateralis etc. jP.)? Dolichotonia
(sirigaia H^g:)^ Selenis {C. perforaia F»), T'aur oma (C. bi-
cornis F.) ^ Desmonata (C plaiynoia Germ.), Batonota (C.
trunctala F.) zu gründen, welche ganz mit den Dejeanscheii
Cyrtonoia, IJiscoinorpJia^ ^cromis, ümocera, Polychalca und X>o-
rytioia übereinstimmen und vor diesen ihr Recht geltend machen,
da sie mit Characteren eingeführt worden sind. Aufser auf den
allgemeinen Körperhabitus und die Fühlerbildung hat Hr. Hope
vorzüglich auf die Mundtheile Rücksicht genommen. Ref. mufs
indefs bemerken, dafs bei einigen der Gattungen ein Thell be-
rücksichtigt worden, der nicht zu diesen Organen gehört. Es
ist nämlich bei allen Cassiden die Zunge klein und hornig, eng
mit der darüber fortgehenden Haut des Mundes verwachsen, so
dafs, wenn man die Unterlippe heraushebt, gewöhnlich ein Stück
dieser Haut hängen bleibt. Ein solches ist bei IMesomphalia,
Tauroma., Destnonoia und Batonota als Zunge angenommen wor-
den, bei Mesophalia und Batonota Ist sogar die eigentliche Zunge
verloren gegangen ; nur bei Selenis und Dolichotoma Ist es Hrn.
Hope geglückt, die Mundtheile In ihrer wirklichen Gestalt dar-
zustellen.
Im 164sten Hefte von Hrn. Herrlch-Schäffers „Deutsch-
lands Insecten,, finden sich ChrysotnelaSalviae, IMenthae, viiocta^
hicolor, Heerii jn Umrissen dargestellt, und Crypiocephalu^
Loreyi (Männchen) und scriplus Dej. abgebildet.
262
Ilr Letzner beschreibt in der Uebersicht der Arbeiten der
Schlesischen Gesellschaft f. vaterl. Kultur eine neue Clyihra^
welche der C cyanca zunächst steht, nur etwas schmächtiger ist,
namentlich schlankere FiUse hat, und in der Färbung darin von
ihr abweicht, dafs die Hinterbeine schwarz sind, daher sie Ch
diversipes benannt ist. Sie wurde an einer Stelle des Altvater
auf den BUlthen von Polyg. bisiorla in Anzahl und vielfach in
copula gefangen.
0 r t h 0 p t e r a.
Die Orfhoptera (im Latreill eschen Sinne) haben eine
sehr ausführliche, schätzbare Bearbeitung von dem gründlichen
Kenner dieser Ordnung, Hrn. Audinet-Serville in den
Suites ä Bu/fon erfahren {Histoire naturelle des Insectes. Or-
thopteres par M. Audinet-Serville.') Es liegt dieser Bearbei-
tung die im 22sten Bande der Amicdes des scienc. 7Uit. mitge-
theilte Revue methodique de Vordre des Orthopteres des Verf.,
natürlich mit erweitertem Material, zum Grunde, daher denn
auch die Zahl der Gattungen yermehrt worden ist, wenn auch
mitunter einzelne der früheren wieder eingegangen sind. Die Ar-
ten sind ausführlich und genau genug beschrieben, um sie mit
Sicherheit zu bestimmen, obschon für die Leichtigkeit des Auf-
findens nicht durch eine vorausgeschickte concisere Characteri-
stik derselben gesorgt worden ist.
Die Form der Forficularien enthalt 11 Gatt., von wel-
chen Ps alidophora der früheren Spongiphora entspricht, Lio-
hophora auf eine neue Javanische Art, (welcher unter jnehre-
ren sehr nahen Verwandten die F. iiiorio F. zur Seile steht),
Echinosoma^ 2Mi F. afra Fall. Beauv,, Sparatta auf eine
neue Brasilische A., Mecoviera auf eine neue A. von Cayenne,
gegründet ist. Chelidura der fridieren Arbeit ist jetzt mit For-
ficula vereinigt, und Psalis^ als auf einem irrthiindlchen Cha-
racter gegründet, ganz unterdrückt worden.
Die Blaiiariae sind zwar nur mit zwei Gatt, vermehrt
worden, nämlich Paratropes (Lycoides, neue A. aus Brasilien)
und Brachycola (Bl. ß-noKita Thunb. und zwei neue) letztere
der Gatt. liomietica Burni. entsprechend; doch ist die Einthel-
lung insofern wesentlich verändert, aU auf die Bildungsverhält-
nlssc des letzten Bauchsegments bei beiden (leschlechtcrn die
erste Rücksicht genonnnen ist, der sich die Anwesenheit oder
der Mangel eines Haftlappen zwischen, den Klauen und so die
übrigen Characterc unterordnen.
Die IManiiden besitzen hier drei Gattungen mehr als in
der früheren Arbeit, nämlich Theoclyics {M.unt. foliata IJchi.y
Munt, sphingkornis und subfoUnta Sioil.^ M. unduia F.j 31. c/do-
263
rophaen Blaiich.y M. lobipes Ol., vincropiera Stoll., durch die beim
Mannchen nur an einer Seite gekämmten oder gesägten Fühler
unterschieden), Toxodera (s. Jahresber. von 1838) und Ere-
tniaphila.
Die Phnmniäen sind von 8 auf 25 Gatt, vermehrt worden,
welche aber zum Thell von Gray errichtet und vom Verf. auf-
genommen sind, so dafs nur 6 vom Verf. selbst gegründet sind,
nämlich Pierinoxylus (^diffonnipes aus Südamerica) — ge-
flügelt, mit blattförmig erweiterten Vorderbeinen.
Monandr optera (inuncans von Jsle de France, Männchen
geflügelt, Weibchen ungeflügelt, Beine stachlig, das Männchen
Cyphocrania acanthomera Buvjn.) \ Necroscia, zierliche, auf den
Sunda- Inseln einheimische Arten, von den Südamerica eigen-
thümlichen Phasma nur durch mehrere feinere Charactere, na-
mentlich durch gestreckten Prothorax unterschieden; Pygirrhyn-
chus, ungeflügelte Weibchen, mit in Form eines Entenschna-
bels verlängerter Afterplatte; zwei A. aus Südamerica enthaltend,
Ceroys, ebenfalls flügelloses Weib , mit nicht verlängerter Af-
terplatte, auf Ciadomorph. perfoliniiis Gray gegründet, dem sich
eine zweite Brasilische A. anschliefst. Creoocylus mit kurzem
Prothorax und Blättern an den hinteren Beinen (Cr. corniger,
unbekannten Vaterlandes).
Die Grylliden {AcJieta F.) enthalten 15 Gatt., 4 mit gra-
benden Vorderbeinen: Grylloialpa, Cylindrodes., Tridaciy-
lus, Rhipipieryx ^ die übrigen mit einfachen Vorderbeinen,
unter diesen zunächst IMyrmecophila, dann folgende mit kür-
zeren plumperen Hinterbeinen: Schizodactylus, ßrachyiru-
pes (Gryll. megacephahis Lef.^^ Gryllus, Neinobius , {yäch.
sylvestris /**.), Yrigonidiuin^ eine neue merkwürdige kleine
Gatt., welche durch die Flügeldeckenartigen Oberflügel und vor-
züglich durch gekämmte Klauen (ein von Hrn. Serv. nicht be-
merktes Kennzeichen) sich auszeichnet. Platyblernma (Gryll,
umhraculatus L.) ; die Uebrigen haben längere schlankere Hin-
terschenkel: Oecanihus (hat gezähnte Klauen), Podoscirius
(crocinus von Madagascar), durch breites zweilappiges zweites
Glied der hintern Füfse ausgezeichnet; Plaiydactylus, Gryll.
Surinamensis Degeer, Ach. Brasiliensis F.; Phalangopsis.
Schizodaciylus hat 4| Fufsglieder, und gehört richtiger zu
der Mp;. Familie, obcrlelch der Habitus und die Bildung: derFlü-
gel ungemem an diese t amilie erinnern.
Bei den Locusiarien ist die Zahl der Gatt, von 27 (die
28ste, Phalangopsis, Ist den Grylliden überwiesen worden) auf
44 gebracht, und zwar sind die neuen Gatt. Prochilus Brüll.;
Anosiosloina Gray, Raphidophora, auf eine vollkommen
flügellose, in manchen Beziehungen den Acheten sich annähernde
Art, Rh. picea, aus Java gebildet; Leptoderes, durch den lan-
gen nach vorn verengten Prothorax ausgezeichnet, sonst den P/m-
neropteren ganz nahe stehend, wieder auf ein Javanisches Insect
gegründet, Ancylecha, eine ausgezeichnete Form der Phane-
ropteren mit breiten hakenförmigen Zähnen an den Schenkeln,
von der schön gefärbte Arten sowohl in der alten als der
264
neuen Welt vorkommen, liier aber nur eine Javan. A. beschrie-
ben ist. Durch scharfe Charactero scheint weder Lcpiodcres noch
Ancyleclia von Phcmcropicra sich trennen zu lassen, wie auch
P/ujllopiern^ indem es ganz allmällg dnrin übergeht, nicht mit
Unrecht von Hrn. ßruile mit Phancroplera verbunden ist ;
Gyinnocera ßrull] — Typophyllu7n (Gryll, Teiitg. erosa
Sioil)^ wegen des ungezahnten Prosternum von PterocTiroza ab-
gesondert; Thliboscelus (Loc. camellifolia F,)\ — Heirodeß
Fisch. (Loc. pupa F.., mit stachligem, und 2 neue A. aus Mlttel-
und Nordafrlca mit glattem Ilinterlelbe) ; — Aprion (2 neue
A. von Java)j mit Pseudophyllus verwandt, das letzte Glied der
Maxillartaster bildet eine lange, an der Spitze abgerundete, an
der Innenseite der ganzen Länge nach gefurchte Keule, die
Decken sind in der Mitte stark erweitert; — Barbitistes (den-
licauda, serricauda, Loc. punciatissiina Bosc, und B, pyrenaea),
mit gesägter Legeröhre, und beim Weibchen ganz verkümmer-
ten Decken, während bei Ephlppiger die Legeröhren glattrandlg
und die Decken beim Weibchen nicht weniger deutlich als beim
Männchen ausgebildet sind; — Pterolepis (Loc. Chabrieri C/iarp.,
apiera F., und 2 andere A.), nur durch die verkürzten Decken
und mangelnden Unterflügel, und sonst nicht wesentlich \on Deciicus
unterschieden; — Thyreonotus (2 neue A., eine vom Cap,
die andere aus Corsica, hat, wie Deciicus^ die beiden Anhänge
am ersten Gliede der Hinterfüfse , weicht aber durch das mit 2
Dornen besetzte Prosternum ab; — Phyllophora Thunb,
Brüll, (speciosa Thunb.); — Pseudorhynchus.f (3 A., davon
2 von Java), von Copiphora durch die nicht aufrechte, sondern
wie ein Vogelschnabel vorgestreckte Stirnspitze, von Conocepha-
lus durch unbewehrtes Prosternum unterschieden; — Orcheli-
7num (3 A., davon 2 aus Nordamerica), von Conocephalus durch
die kürzere Körperform und kurze Legerohre abweichend; —
Bieg alodon Brüll, (ensifer Brüll, aus Ostindien); — Aspi-
donoius Brüll, (spinosus Brüll, von Madagascar); — JLcri-
peza Guer, (reiiculaia Guer. aus Neuholland).
In der letzten Fam. Acridiies ist die Zahl der Gattungen
um 7 vermehrt worden, nämlich durch: l^eratodes Brüll,
(Gryll. tnoniicollis Gray schon vor langer Zeit von Herbst
abgebildet); — Dericorys (neue A. aus Syrien), mit kammför-
mlger vorderer Hälfte des Prothorax; — Chrotogonus (Om-
tneocecha lugubris Blanch.)^ von Ommeocecha durch fehlenden
Fortsatz des Prosternum unterschieden; — Eremobia (Gryll.
caiinaius und Cisü F.)y — Choroiypus mit sehr zusammen-
gedrücktem Körper, und wie bei Meinbracis blattartig erweiter-
tem Vorderrücken (eine neue A. aus Bengalen); — C/iori p/iyl-
lu?n (Sngrai von Cuba), von Telrioc nur durch den blattartig
erhabenen, und wie bei IMembracis erweiterten Prothorax, von
der vorigen Gatt., die dieser in der Form sehr gleichen nmfs,
durch fehlenden Ballen zwischen den Klauen verschieden; —
Amorphopus (neue A. aus Cayenne), niit sehr stark blattartig
erweiterten Vordcrschenkeln.
265
Hr. Burmeister hat in Germar's Zeitschrift das eben
besprochene Werk des Hrn. Serville mit seiner eigenen Ar-
*beit über denselben Gegenstand (s. vor. Jahresbericht S. 346.)
speciell verglichen, welches Unternehmen man gewifs allgemein
mit Dank aufnehmen wird. Es ist keine Frage, dafs einzelne
Parthien der Bearbeitung des Hrn. B. gelungener sind als die
des Hrn. Serville, im Ganzen scheint indefs der Letztere sich
vertrauter mit seinem Gegenstande gemacht zu haben. Arten
sind von Hrn. B. nach der gegebenen Uebersicht 22 mehr auf-
geführt, dagegen sind die des Hrn. Serville durch sorgfäl-
tige Beschreibungen kenntlich gemacht. Sehr weitläuftig spricht
sich Hr. Burmeister gegen die Vereinigung Aqt Dermaptera
(Ohrwürmer) mit den OrtJtopteren aus, in welcher Hr. S. den
Meistern Fabr. und Latr. gefolgt war, im Gegensatz mit Hrn. B.,
der die Dermaptera als eine den Orthopteren gleich werthige Abthei-
lung angesehen wissen will. Ref. kann sich nicht überzeugt fin-
den, dafs zwischen den Ohrwürmern und Blatten eine viel
gröfsere Kluft befindlich sei, als zwischen diesen und eigent-
lichen Heuschrecken, zumal der innere Bau, wie Hr. B. in
der Schilderung desselben nach den Untersuchungen von Pos-
selt und Leon Dufour (Handb. II. S. 747.) wiederholt be-
merkt, durchaus mit dem der übrigen Orthoptera übereinstimmt.
Ein grofser Theil der dem eigentlichen Gegenstande des Auf-
satzes vorangeschickten allgemeinen Bemerkungen sind gegen
die im ersten Bande von Germar's Zeitschrift dargelegten An-
sichten des Ref. über die Gränze zwischen den Ortliopteren und
Neuropteren gerichtet, obgleich Hr. B. mit einem eigenthümli-
chen Verfahren weder die betreffende Abhandlung noch deren
Verf. namhaft macht. Die Unhaltbarkeit der Ansichten des
Hrn. B. über denselben Puuct hat Ref. schon oben (S. 220.)
dargethan.
Die oben bereits erwähnte Faune Entomologique de VAn-
dalousie dos Hrn. Rambur enthält die Bearbeitung der Or-
thopteren Andalusiens.
Von Blauen fmden sich aufser der BI. orienlalts und yime-
7'icnna eine neue A., Bl. suhapiera, der Bl. JLapponica ähn-
lich. Von Maniiden finden sich Empusa pauperata^ Manlis
religiosa, oratoria^ Boeiica, hrevis, nana^ unter denen Boeiica und
nana als neu beschrieben, die erstere derselben indess rund um die
Wiegmann'a Archiv. VJ. Jahrg. 2, Bd. 18
266
Küsten des Mittelländischen Meeres, mit Einschlufs von Aegyplen
und auch im südlichen Rul'sland und Sibirien bis zum Irtysch
verbreitet, bereits von Pallas In dem 2ten Bande seiner Reise
als M. brachyptera beschrieben, seitdem aber freilich bis auf
Hrn. Rambur nirf^jend erwähnt ist. Aus der Fam. der Pha-
smen kommt nur ßaciUus Rossuis vor. Von jlcheten finden
sich Grylloinlpa vulgaris^ Xya variegaia, jlcJieia capensis , cam-
pesirisy do?nesiica^ u. fol^. neue A.: arvensis^ agricoht, Hisjycmica^
longicauda^ die letzte eine ungelliigelte Form, der eine zweite
noch unbeschriebene Sicilische Art zur Seite steht; Plaiijblem-
mus Lushanicus Serv.^ der allerdings auch In Portugal vorkommt,
mit dem Hr. Rambur auch den PL Ramburi Serv. zu verei-
nigen geneigt ist, da die Unterschiede In der Gestalt des Kopfes
nur durch gröTsere oder geringere Ausbildung derselben Grund-
form bedingt zu sein scheinen; 'Prigonidium Cicindeloides Serv.,
OecantJms Italicus. Von Liocustiden kommen vor Concepha-
lus inandibularis, PJiancropiera Ulüfolia^ ftdcaia, Odontura sjn-
niccmda, aspericauda^ beide neue A., Ephippiger udndalusiciis,
scabricollis^ usfulaius , ebenfalls alle 3 neue A._, Barbkisies Bae-
iica^ neue A., Bradyporus inermis^ vermuthllch nicht verschieden
von Barbkisies cucultaius Charp.^ gewifs zunächst mit Bradypo-
rus (und Onconoiiis) verwandt, wenn auch als Gatt, nicht ganz
vollkommen mit derselben übereinstimmend. Pierolepis spoliata^
neue A., Deciicus alhifrons^ griseiis; von Teirididejt, welche Hr.
Rambur als eigene Fam. absondert, findet sich eine neue A.,
Tetrijc tneridioncdis aufgeführt. Von Orylliden sind beschrie-
ben Acinipe^ neue Gatt., der zweiten Abthell, der Gatt. Porihe'
ilS Serv, entsprechend, mit 2 neuen A. Acinipe Hesperica und
monticola\ Truxalis unguiciäata Rcunb. , rosea Charp.^ Gryllus
(unter welcher Gatt. Hr. Ramb. nicht ohne Grund die Gatt.
jicrydium^ Oedipodciy Podisma, Callipiainu'} und GomphocerusServ.
\eTeimgi)^lineolaF.y pJornnsCbarp., Ikiorcdls, neue, dem vor. ver-
wandte A., Italicus JL., Giornae Koss.^ migratorius JL.^ aziirescens^
neue A., mit innen bläulichen Hinterflügeln und schwarzer den
Hinterrand nicht erreichender Binde derselben, cyanopierus
Charpl^ ihalassinus F.^ insuhncus Scop.^ crucigcrus^ neue Art,
welche wohl mit G. cruciatus Clliarp. übereinstimmen würde,
wenn sie nicht bedeutend kleiner wäre; eJegans Charp., hispani^
cus^ mit innen rosenrothen Unterflügeln ohne Binde, diibius,
neue A., welche in der Fühlerform sich an Pruxalis annähert;
bisignaius Cliarp.; lineaius Panz.j siigmaiicus^ neue, dem vorigen
verwandte A.; biguttulus L.
Unter dem Oreb der heil. Schrift, dem Ungeziefer, wel-
ches eine der sieben Plagen Aegyptens ausmachte, wollen meh-
rere Ausleger, namentlich auch Hr. Kirby in den Bn'dge-
water -treatises Blatten verstanden wissen. Hr. Hope weist
jedoch in den Tramact, of the Ent, Soc. das Unhaltbare die-
ser Annahme nach, indem er sich hauptsächlich auf die Se-
267
ptuaginta bezieht, wo oreb mit itwof^wia übersetzt sei, die
Blatten aber mit Hunden in gar keiner Beziehung ständen,
um zu dieser griechischen Bezeichnung Veranlassung zu ge-
ben. Er ist vielmehr der Ansicht, dals unter Oreb gewöhn-
liche Fliegen gemeint seien, welche von jeher eine Last in
Aegypten gewesen, und welche noch heute den Gegenstand
der Klage der Reisenden bilden; (warum übersetzt denn die
Septuaginta nicht oreb mit fiVLai?) Hr. Hope erinnert auch
an die Verehrung, welche die Fliegen bei den Philistern er-
warben, und welche die Anbetung eines eigenen Fliegen-
gottes Beelzebul veranlafste. (Es hatten aber auch die Grie-
chen, wie ihren Apollo Conopius, so ihren Zeus Apomyius,
und unsere Vorfahren selbst hiefsen den Teufel Fliegengott).
Hr. Fischer von Waldheim hat im jBuU. de Moscmi
einige Gattungen ungefliigelter Locusten einer neuen Prü-
fung unterworfen und folgende Eintheilung derselben aufge-
stellt:
I. Halsschild 3-theilig, a. glatt, Körper linienförmig: Saga
CJiarp., Teiiigopsis Fisch. (Serruia F. und viüaia Fisc7i.), h. Hals-
schild höckerig, hinten dornig, Körper dick: EpJiippiger Latr.
(vitis Serv.^ onos Charp,^ chictus, Camelus, ^ntilope^ Aranea Fisch.),
II. Halsschild zweitheilig: a. Metathorax*) am Rande dor-
nig: ß. Hinterleib konisch, glatt: Onconotus Fisch. (Licijc-
manni F.), ß. Hinterleib dick, obkonisch, dornig: Hetrodes
(pupa u. spitmJosa Fisch.), — b. Metathorax*), kurz, glatt, flach,
fast quadratisch: Olynthoscelis Fisch, (aptet'us F., denticcmda,
serricauda, autumnalis Charp.)., — c. Metathorax*) grofs, gekielt,
abgerundet, erhaben, schildförmig: Peliasies Fisch., drei neue
Arten. (P. venosus, specularis, hastatus).
III. Halsschild ungetheilt, undeutlich höckerig: Bradypo-
rus Charp., CalUmenus Serv. {dasypus CJharp. und resiricius Fisch.)
Es ist gewifs viel besser, wie Hr. Serville es gethan hat,
die ungeflügelten Locusten nicht von den geflügelten abzuson-
dern, da die Verkümmerung der Flügel ganz relativ ist, und
Gattungen vorkommrn, wo die Flügel alle Stufen der Ausbil-
dung zeigen. Unter diese gehört selbst von den hier abgehan-
delten Saga. Dasselbe ist der Fall mit Decitcus, deren letzte
Stufe mit der geringsten Ausbildung der Flügel PieroJepis Serv.
darstellt. L. aptera F., welche Hr. Fischer v. W. unter Olyn-
thoscelis aufführt, gehört hierher, die übrigen bei derselben Gat-
tung genannten Arten sind von Serville mit dem Charpentier-
*) Hr. Fischer v. W. versteht hierunter den hinteren Lappen
des Halsschildes {protJiorax^.
18*
268
sehen Gattungsnamen Barhkhtes von Ephippiger Lalr. abgeson-
dert. Dafs der Name Peltastes nicht mehr frei sei bemerkt
Hr. Guerin mit Recht {Revue Zool. S. 271, woher die No-
tiz über diese Abhandl. entnommen ist).
Hr. West wo od hat im Magcaine of Natural History
über die Gattung Hymenotus geschrieben, welche der Gat-
tung Choriphyllum Serv. entspricht, und solche Acrydien
{Tettix Latr^, enthält, bei denen der Prothorax auf eine ganz
ähnliche Weise wie bei Memlracis foUacea und ähnlichen Ar-
ten, blattförmig zusammengedrückt ist. Dafs diese Gattung na-
tu rgemäfs von Acrydiwn F. unterschieden sei, davon kann
Ref. sich nicht überzeugen, denn es liegen ihm einige Mit-
telformen vor, welche den Uebergang zu der gewöhnlichen |
Form vermitteln, und nichts ist mehr geeignet die Meinung
des Ref. zu unterstützen, als das Beispiel von Memh'acis, wo,
eine grossere Reihe von Arten vor Augen, man sich leicht
überzeugen kann, wie durch die leisesten Uebergänge die differen-
testen Gestalten mit einander im Zusammenhange stehen. Er-
scheint es erspriefsiich, die verschiedenen Formen als verschie-
dene Gattungen oder Untergattungen aufzufassen, wird dies in
solchen Fällen nur so lange möglich sein, als man nicht bei
einer reicheren Kenntnifs der Arten einen vollständigeren Ue-
berblick über das Ganze gewinnt. Als Gattung ist Hyinc-
not US bereits 1837 in den Proceedings of the Zool. Soc. von
Ilrn. Westwood aufgestellt worden, also zwei Jahre vor Hrn.
Serville.
Eine Aufzählung der Perliten, mit Hinzufügung einiger
neuen Arten, hat Hr. Newman in dem Magazine of Nat^
History S. 32 und 84 gegeben.
Er nimmt 6 Gattungen an: 1. Eusthenia JFcsi. mit sehr
breiten genetzten Flügeln, und nach Westwood mit hornigen
gezähnten Kiefern. Hierhin 2 Arten aus Van DIemcnsh'jnd, E,
Thalia neu, und E. spcctahilis, im Animal Kingd, abgebildet. —
2. Pieronarcys Newm., Flügel fast so stark genetzt wie bei
Libellen, drei Arten aus Nordamerika; Pt. reg(dis, biloba, Pro-
teus, — ,3. Perla^ die Flügel beim Männchen abgekürzt, beim
Weibchen vollkommen entwickelt, die Längsnerven gegen die
Spitze hin garnicht oder kaum durch Quernerven unterbrochen :
P. nbnormis^ durch mehrere Quernerven an der Spitze
des Flügels von den übrigen Arten abweichend, aus Nord- j
amerika, P. Lycorias^ aus Canada, P. Xanihenes, unbckann- |
ten Vaterlandes, P. bicauduta (Phrygan. bicaudaia L.), margi-
natu (Sembiis viarginata JP.), cephaioics Curi., Cymodoce {Sernbl.
269
hicauäaia JP.), curop'äisch, — 4. Isogenus Newm.^ Ftügel
glelchmäfsig bei beiden Geschlechtern entwickelt, von Perla
ausserdem durch schlankeren Bau und breitere Flügel unterschie-
den: 1. LIgea, unbekannten Vaterlandes, /. nuhecula Neivrti., aus
England, /. froniaUs Neivm. (Perla hicaudaia Kirby) aus Nord-
amerika, /. microcephala ^ (Pei'la inicr, Pict.) aus der Schweiz
und Frankreich, /. infuscaUis Newvi., aus Ostindien, /. Drynio,
aus Georgien, /. Clio, ebendaher. — 5- Chloperla Newtn..^
noch schlanker gebaut, Flügelnerven in geringer Anzahl in den
breiten Flügeln: €fil. JSph von Sierra Leona, Chi. grammatica
(Phryg. gr. Scop., Perl, mrescens Pict.), häufig in Europa, Chi.
Iransmarina.) aus Nordamerika, Chi. Clymene, aus Georgien,
Chh Ephyre, ebendaher; diese haben gewöhnlich 11 Nerven
im Vorderflügcl, die folgenden nur 9: Chi. Jlava^ (Perla flava
Fourc, Sembl. viridis F.) europäisch, Chi. apicaiis Newm. (pal-
lida Steph.)., desgleichen, Chi. Cydippe^ aus Georgien, Chi. bi-
frons Ncwm..f aus Schottland, Chi, nigra., (Perl, nigra Pict.) aus
der Schweiz, Chi. Opis., aus Neufundland. — 6. Leptoperla
Newjn. , Vorderflügel an der Spitze mit 6 parallelen Nerven,
welche von zahlreichen Quernerven durchschnitten werden, Füh-
ler, Schwanzborsten und Beine lang: Li. Beroe, von Van Die-
mensland. — Hr. Pictet beschäftigt sich gegenwärtig mit ei-
ner Monographie dieser Familie, welche unsere Kenntnifs derselben
wahrscheinlich auf eine sehr bedeutende Weise erweitern wird.
Hr. Selys de Longchamp beschreibt in den üull. d.
VAcad. Roy. des scienc. et des bell. lett. d. Bruxelles drei Eu-
ropäische Arten von Aeschna, welche die Untergattung Anci.c
Leach bilden.
Die eine ist die bereits bekannte jI. formosa Van, d. Lind:
(azurea Charp. imperaior Leach.), die beiden anderen sind neu:
die eine, ud, Parthenope, ward vom Verf. bei Neapel am
Avernersee entdeckt, die andere, ^. mediierranea, erhielt er
von Hrn. Barthelemy, mit der Angabe, dafs sie im >Sommer
an der Küste der Provence häufig sei, und von Südwinden her-
übergeführt zu werden schiene. — Auch In Guerins Revue
Zool. S. 333 ist e'niQ Mittheilung über denselben Gegenstand
gemacht.
N e u r 0 p t e 7' a.
Hr. Brants hat eine sehr sorgfältige anatomische Be-
schreibung der Patiorpa communis gegeben {Tijdschrift
voor Natuurlyhe Geschiedenis en PhysioL VI. S. 173, BulL d.
Scienc. physiq. et nat. en Neerlande 1839 S. 444).
Dies Insect ist dadurch besonders merkwürdig, dafs die
Speichelgefäfse beim Männchen, sechs an der Zahl, den Nah-
rungskanal fast ganz umwickeln, während sie beim Weibchen
auf ein Paar kaum bemerkbarer Bläschen reducirt sind: der
270
Ausführungsgaiig derselben öffnet sich nicht wie gewöhnlich in
den Oesophagus, sondern unter dem Pharynx, oberhalb der Un-
terlippe. Beim Vergleich mit Wespen fand Hr. B., dafs sie sich
dort ebenfalls an einer gleichen Stelle., oberhalb des Rüfsels,
ausmündeten. Beim Weibchen findet sich dagegen ein eigenes
Absonderungsorgan, welches auf der Unterseite gelegen ist, aus
einem Paar vielfach gewundener Gefäfse besteht, welche sich
mit einem gemeinschaftlichen Ausführungsgange, zwischen der
After- und Geschlechsöffnung ausmünden.
Hymenopter a.
Eine wichtige Arbeit über das Geäder des Vorder-
flügels der Hymenopteren: Tableau de Vaile snperieure
des Hymenopteres , hat Hr. de Romand herausgegeben. Es
sind auf einer Tafel die Vorderflügel der Mitglieder der ver-
schiedenen Abtheilungen abgebildet, und die Uebereinstimmung
sowohl als die Art der Abweichung durch eine gleichmäfsige
Ziffernbezeichnung der verschiedenen Zellen und Nerven auf
eine sehr einfache und übersichtliche Weise nachgewiesen.
Zugleich hat der Verf. auf einer Tabelle die verschiedenen Be-
nennungen der verschiedenen Nerven und Zellen durch die
verschiedenen Auetoren (Jurine, 1S07; Latreille, 1807;
Fallen, 1813; St. Fargeau, 1825; Kirby und Spence,
1826; Gravenhorst,1829; Dahlbom, 1831; Lacordaire,
1834; Shuckard, 1835; Wesmael, 1835; St. Fargeau,
1836; Hartig, 1837; de Romand, 1839) neben einander
gestellt. Hr. de Romand bemerkt mit Recht, dafs das Ge-
äder des Oberflügels in jeder Familie ein eigenes Gepräge habe,
dafs man aber leichter noch am Habitus die verschiedenen
Familien erkenne, dafs dann aber, wenn man mit dieser im
Reinen sei, das Auffinden der Gattung durch Hülfe des Flügel-
geäders keine weitere Schwierigkeit habe; es ist indefs nicht
ganz richtig, dafs bei einer und derselben Gattung die Zahl
der Radial- und Cubitalzellen ohne Ausnahme beständig sei:
so ist z. B. Tenthr, Alni in jedem anderen Betrachte ein äch-
ter Nematiis, nur dafs zwei Radialzellen vorhanden sind; so
kommen bei Scolla sehr beträchtliche Abweichungen im Ge-
äder vor; so giebt es Arten \on Euccra mit drei und mit vier
Cubitalzellen; so läfst sich hei Po ??ipiliis das Verschwinden der
dritten Gubitalzelle nach und nach durch allmälige Uebergängc
271
verfolgen; so sind endlich bei einigen Gattungen, z.B. den
Amerikanischen EHs iMij%ine) die Flügelgeäder nicht einmal
bei beiden Geschlechtern gleich. So yortreffliche Merkmale
die Vertheilung der Fliigelnerven und die Anzahl und das Ver-
hältnifs der Zellen im Allgemeinen auch darbietet, so sehr die
Beachtung derselben, vorzüglich nach einer solchen Anwei-
sung, wie Hr. de Rom and sie gegeben, das Studium der Hij-
menopteren auch erleichtert, so wenig kann Ref. dazu auffor-
dern, durch ausschliefsliche Berücksichtigung derselben sich
das Studium leicht zu machen. Und wie weit würde man bei
den Chalcidm mit der Unterscheidung nach dem Flügelgeäder
reichen? Jeder andere Körpertheil hat gleichen Anspruch darauf,
beachtet zu werden, und nur durch allseitige Prüfung aller
Charactere kann man nicht allein eine natürliche Einthei-
lung gewinnen, sondern auch zugleich den Zweck erreichen,
nicht allein den Kunstnamen, sondern auch die Kenntnifs des
Baues des vorliegenden Thieres als Frucht seines Studium zu
erlangen. Nirgend ist das Studium der Mundtheile wichtiger
als bei den Hymenopteren, nirgend sind die darin vorkommen-
den Unterschiede durchgreifender, und allen anderen Verhält-
niisen in höherem Grade übergeordnet. Man legt den Abwei^
chungen in den Mundtheilen häufig aus dem Grunde eine be-
sondere AVichtigkeit bei, weil durch sie Abweichungen in der
Lebensweise bedingt wären: aber diefs scheint im Ganzen
mehr auf einer leeren Annahme, als auf Thatsachen zu beru-
hen. Colletes und Andrena unterscheiden sich z. B. wesent-
lich in der Form der Zunge, welche bei der ersten ausge-
schnitten, bei der anderen zugespitzt ist: wo ist hier aber der
Unterschied in der Lebensweise? Man darf auch nicht erwar-
ten, dafs die systematischen Unterschiede überall mit Unter-
schieden in der Lebensweise in Verbindung stehen, und so gut
zwei Thiere verschiedener Gattungen eine gleiche Oeconomie
führen können, ebensowohl können Arten mit verschiedener
Lebensweise einer Gattung angehören, obgleich sie ihrer ver-
schiedenen Lebensweise nach gebaut sind, wie die Weibchen
nesterbauender Hummeln Schienkörbe haben, die der parasiti-
schen nicht. Mit der verschiedenen Oeconomie könnte auch
die Verschiedenheit im Flügelgeäder am Wenigsten in Verbindung
272
stehen. Dafs die Beobachtung des Fliigelgeäders leichter sei
als die der Mundtheile, ist keine Frage, doch ist letztere auch
so sclivvierig niclit, als dafs es mehr als Vorurtheil wäre, wel-
ches Viele vor deren Untersuchung zurückhält. Es wird sich
auch durch die vermeintliche Schwierigkeit nicht leicht Jemand
abschrecken lassen, der es ernstlich mit seinem Studium meint.
Aus der Familie Aev Tenthreden hat Hr. Herrich-Schäf-
fer im 164sten Hefte von Deutschlands Insecten fol-
gende 3 Arten dargestellt: Cryptocampus PopuUy Nema-
tus hypogastricus und Idstrio.
Ueber die Familie der Gallwespen hat Hr. Hart ig
in Germar's Zeitschrift sehr wichtige Mittheilungen gemacht.
Man hat bisher die Cynipsera als Phytophagen betrachtet, dies
ist aber nicht durchweg richtig, indem einzelne Mitglieder die-
ser Familie als Parasiten in den Gallen anderer, noch andere
nach Art der Schlupfwespen in Blattläusen und Zweifliigler-
larven leben. Sie schliessen sich daher nicht so eng an die
Blatt- und Holzwespen, sondern scheinen in näherer Ver-
wandtschaft zu den Proctotrupiern zu stehen. Auffallend ist
bei einem Theile der Gallenerzeugenden Cynipse der anschei-
nende Mangel von Männchen, selbst bei ganz gewöhnlichen Ar-
ten (z. B. Gyn. querem foUi). Ueber den Mechanismus des
Eierlegens hat Hr. Hart ig eine höchst wichtige Entdeckung
gemacht, welche es erklärt, wie durch die feine Legeröhre das
weit dickere Ei durchgehen könne. Das Ei hat nämlich einen
Stiel von verschiedener Länge mit einem verdickten Ende.
Durch Druck wird der Inhalt des Eies dupch den Stiel in diese
Verdickung getrieben, also geht das Ei leer durch die Lege-
röhre und darauf wird die Fliifsigkeit wieder durch den Stiel
in das Ei getrieben, sobald dies die Legeröhre durchgegangen
ist. Auf diese Weise ist es auch möglich, die Eier in das
Pilanzenparenchym mit der mindesten Verletzung desselben einzu-
bringen. Die Gallen sind bei jeder Art von Gallenerzeugenden
Gallwespen verschieden, selbst wenn sie an gleichen Stellen
entstehen, und bei einer und derselben Art gleich, selbst wenn
sie auf verschiedenen Pflanzenspecies erzeugt werden. Der
Substanz nach unterscheidet man Saft- und Mchlgallen. Er-
stero bestellen aus einem grofsfächrigcn, vom Safte strotzenden
273
Pareiichym, letztere aus einem ebenfalls grofszelligen, aber
mit Stärkemehl erfüllten Zellgewebe, welches äufserlich von
einer holzigen, aber nicht aus Holzfasern, sondern aus sehr
dickwandigen Zellen bestehenden Schicht umgeben ist. Im erste-
ren Falle nähren sich die Larven von dem Safte, im letztem
von dem Stärkemehl der Gallen. Ihrem Standorte nach zer-
fallen die Gallen in Blattgallen, aus Blattnerven, Kno-
spengallen, aus der Spitze der Triebe entspringend, zu wel-
chen letzteren aych die Gallen in den Rindenritzen alter
Bäume gehören, indem sie immer ein schlafendes Auge zur
Basis haben; Stengel- oder Holzgallen, die in einer An-
schwellung des Stengels bestehen, welche die eigentliche Galle
umfafst. Eine Fruchtgalle scheint bei Aulax lüioeados vorzu-
kommen. Die Gallen sind ferner ein- oder mehrfächrig
frei oder eingeschlossen. Die Larven gehen nach vollendetem
Wachsthum eine Larvenruhe ein, welche oft Monate, zuwei-
len mehrere Jahre dauert. In anderen Fällen findet eine lange
Eiruhe statt.
Aechte Gallwespen, Gallerzeuger, sind folgende Gatt.:
Cynips {calicis.^ folii, corücis u. a., zusammen 12 Arten,) mit
5-gliedrigen Max'illar- und 3-gliedrigen Labialtastern; Andri-
cus, (9 A.) mit 5-gliedrigen Maxillar- und 2-gliedrigen Labf-
altastern; Neuroferus^ (5 A.) mit 4-gliedrigen Maxillar- und
2-gliedrigen Labial tastern; Teras, (C. terminalis) Taster wie
bei Neuroterus, von der vorigen Gattung durch flaches Schild-
chen unterschieden; Apophyllus, (C. aptera) mit 5-gliedrigen
Maxillar- und .3-glIedrIgen Labialtastern, und undeutlichem
Schildchen; die bisherigen sind sämmtlich auf Eichen angewie-
sen und kommen darin überein, dafs die Fühler mit einer lan-
gen, aus den letzten 7 oder 8 Gliedern bestehenden Keule, en-
digen: bei den folgenden sind die Fühler borsten- oder faden-
förmig: RJiodites^ (C. Rosae L. und noch zwei A. auf Rosen)
mit 15-16-gliedrigen Fühlern, 4-gliedrigen Maxillar- und 2-glie-
drigen Lippentastern; Diastrophus, (eine A, auf Brombeeren)
mit 14-gliedrigen Fühlern, 5-gliedrIgen Maxillar- und 3-gliedri-
gen Lippentastern; Spathegaster ^ (eine Art vermuthlich in
Eichen) mit 15-16-gliedrigen Fühlern, 5-gliedrIgen Maxillar- und
3-gliedrigen Labialtastern; Trigonaspis , (eine A. auf Eichen)
von der Vorigen durch 2-gliedrige Lippentaster und glatten
Bücken des Thorax unterschieden. — - Die folgenden stimmen
mit den uneigentlichen Gallwespen darin überein, dafs die Ra-
dialzelle kurz und breit, die Areola nicht an der Basis sondern
in der Mitte sich findet. Ceropires^ (zwei A., deren eine auf
Eichen) mit keulförmigen beim Männchen 14-, beim Weibchen
13-gliedrigen, Aulax^ (so schriebe man v/ohl angemessener statt
274
u4yiax\ Gyn. Hieracii Bouche^ ßrandtii Haizeh.^ im Ganzen
acht A.) mit fadenförmif^cn, beim Männchen 15 — 16-, beim
Weibchen 13 — 14-gliedrigen Fühlern. Inquilinen nennt Hr,
H. sehr treffend solche Gallwespen, welche keine eigene Galle
machen, sondern ihre Eier in fremde Gallen legen, aus denen
die Inquilinen mit den Gallerzeugern zugleich hervorkommen:
wodurch das Problem gelöst wird, dafs so häufig in einer und der-
selben Galle zwei Arten ganz verschiedener Gallwespen erzeugt
werden. Die einzige hierhergehörige Gattung Synergus (mit
vierzehn neuen A.) unterscheidet sich von den beiden letzten
Gattungen der ächten Gallwespen dadurch, dafs die Lippen-
taster nicht 3- sondern 2-gliedrig, und nicht allein Gesicht und
Brustseiten, sondern auch der dicke Stiel des Hinterleibes dicht
und fein gestrichelt sind.
Von den nach Ichneumonen-Weife parasitischen Cyni-
psen schliefsen sich einige dadurch noch nahe an die Gallwespen,
dafs wie bei diesen das erste Hinterleibssegment das gröfste ist:
Xysius, (zehn A., darunter Cyn. eryihrocephala Jur.^ und noch
eine, welche in lilattläusen und einige, welche in Weidenzellen
von Netnatus parasitisch leben) mit ungestieltem Hinterleibe,
3-gliedrigen Maxillar- und 3-gliedrigen Labialtastern; Cotho-
naspis^ (vierzehn A.) mit kurzem, dickem, behaartem Stiel des
Hinterleibes, 5-gliedrigen Maxillar- und 2-gliedrigen Labialta-
slern; IMegajyelmus^ (eine A.) mit langem, glatten Hinterleibs-
stiel, 5-gliedrigen Maxillar-, 3-gliedrigen Labialtastern. — Bei
anderen (Figiiiden) ist das zweite Hinterleibssegment das
längste, bei allen sind die Maxillartaster 5-, die Lippentaster 3-
gliedrig. Bei den Einen ist die Hinterleibswurzel kahl und
unter diesen bei Fi^ites (drei A.) Kopf und Thorax mit erha-
benen Leisten, bei Psilogaster (drei A.) beide glatt. Bei den
Andern ist die Hinterleibswurzel von einem Pelzkragen umge-
ben, und zwar der Hinterleib selbst eiförmig bei Scyioctes
(zwei A. — der Gattungsname ist aber schon bei den Spinnen
vergeben) mit lederartig mattem, und Saroi/irus (drei A.) mit
glattem, blanken Rücken des Halsschildes, — der Hinterleib aber
messerförmig zusammengedrückt, he\ udviphiiectus (eine A.). —
Eine dritte Abtheilung der Parasiten bildet /6«/i«, wo die ein-
zelnen Segmente des mcsserförmigen Hinterleibes von gleicher
Länge sind.
Es ist Schade, dafs Hr. Hartig nicht die Arbeiten des Hrn.
Westwood über diese Familie (im Blag. of' Nai, Hist. und
Loucloti's udrboreiutn Driiannicuvi) gekannt hat, um es zu ver-
meiden, einige von diesem bereits gegründete Gattungen von
]Neu('m aufzustellen. Apophylliis ist lHorhiza I/^esUv., X.ysius
(welcher Name auch wegen der Meigen'schen Xysla Anstols
linden köinile) hl Allotria /J^estiv., Megapehnus ist schon von
Ha Im an Anncharis benannt, Saroihrus scheint mit JSu-
coila Tf^esiw. üboreinzusllmmen.
Was die Struclur der Mundthcile der Gallwespen betrifft,
so ist es nicht unbemerkt zu lassen, dafs Im letzten Gliede der
Lippentastcr cigenlhümlichc Anhänge bei manchen Gattungen,
275
und zwar bei ^pophyllus^ Diastrophus, TrigonaspiSf
Ceropires, ^ulax, Synergus vorkommen.
Hr. Wesmael beschreibt in den £ull. d. VAcad. des Sci-
enc. et des hell. lett. de Bruxelles einen zwitterlichen Ichneu-
mon, von dem Kopf und Fühler sich verhalten wie vom /.
fasciatorius Gr., Hinterleib wie vom /. quadrimaculatus Gr.
Es ist hier der zweite Fall, wo bei Ichneumonen diese Art
von Zwitterbildung vorkommt, es ist hier aber umgekehrt
wie bei dem von Hrn. W. früher beschriebenen {extensorius
mit (männlichen) Hinterleibe von luctatorius) indem hier der
Kopf männlich, der Hinterleib weiblich ist. Hr. W. berichtet
zugleich, dafs das von Graven hörst als Weibchen der /.
fasciatorius angenommene Insect eine Abänderung des /. pal-
liatorius Gr., und dafs das eigentliche Weibchen des I. fascia-
torius der /. quadrimaculatus sei
Hr. Schiödte hat in Guer. Mag. d. ZooL, die bereits
im vorigen Jahre nach dem in der Revue Zool. gegebenen Be-
richte angezeigten Monographie dreier Ichneumonen-Gattungen
erscheinen lassen, welche mit solcher Gründlichkeit ausgearbei-
tet sind, dafs durch sie das Studium der schwierigen Familie
wirklich erleichtert und zugänglicher gemacht wird.
Megasiylus ist eine auf fünf neuen A. gegründete Gat-
tung, welche im Habitus sehr viel Uebereinslimmendes mit Me-
soleptes hat, sich aber durch stark verdicktes erstes Fühler-
glied, queren Kopf und spathelförmigen Hinterleib unterschei-
det. Polyhlastus Hartig,, eine Form Gravenhorst'scher
Tryphonen mit gekämmten Klauen, und der Eigenthümlichkeit,
dafs die Weibchen ganze Eiertrauben unter dem Hinterleibe tragen,
den Tr. pinguis und varitarsus Gr. und vier neue A. enthaltend.
\Cylloceria., eine Form, welche zwischen Cryptus und Pimplay
namentlich Lassonoia in der Mitte steht, und sich dadurch aus-
zeichnet, dafs beim Männchen das dritte und vierte Fühlerglied
jzur Seite ausgebissen sind. Es gehören hierher Crypt. Phyio-
\dieius niger und caligaius Gr. und eine dritte neue A.
Hr. Walker hat in den AriTials of Natural History noch
mehrere Fortsetzungen seiner Arbeiten über die Ch aleiden
folgen lassen, welche die Beschreibungen neuer Arten enthal-
ten, nämlich dreifsig A. von Cirrospilus (No. 45 74.)
drei von Miscogaster, eine von Gastrancistrus, zwei
\onPteromalus, eine von Encyrtus, eine von Thysanus,
eine von Eulophus, drei von Entedon und noch zwei von
Cirrospilus.
^^.
276
4
Derselbe hat zugleich ein selbstständiges Werk unter dem
Titel Monog7'aphia Chalcidltum herausgegeben, welches,
wenn es das wäre, was der Titel verheifst, eine sehr ange-
nehme und werthvolle Erscheinung in der Litteratur sein
würde, wäre es auch weiter nichts, als eine Sammlung der in
verschiedenen Zeitschriften zerstreuten Abhandlungen des Verf«
über diese zahlreiche, schwierige und bisher noch wenig stu-
dirte Familie» Dies Werkchen aber, welches nur die Zahl der
einzelnen Beiträge einer vollständigen Monographie vermehrt,
scheint bestimmt zu sein, die in den Jahrgängen des Entomolo-
gical Magazine und in verschiedenen Heften der Amuds of
Nat, Historij enthaltenen Mittheilungen zu ergänzen.
Dieser Beitrag enthält die Beschreibungen von Arten der
zehn Gattungen Aphelinus Dahn. (13 A. in 9 Sectionen,
von denen die erste der Gattung Agonioneurus , die dritte der
Gatt. Coccophagus TFestw. entspricht.), Pteroptrioc^ (10 A. in
9 Sectionen^ von denen die erste der Gatt. Trichograinma TF^esL^
Callepiiles Haliday, die zweite der Gatt. Pieropirix Wesiw, ent-
spricht.), Enicdon^ (womit die Gatt, Derosienus und Smarag-
äites Jf^esiw. und Opliale Ualiday vereinigt sind: ohne weitere
Untereinthellung 1.35 A.), Eulophus, (ebenfalls nicht in Se-
ctionen getbeilt, 88 A., unter welchen die Typen der Gatt. Di-
cladocerus {TF^estwoodi) Sieph.^ Euplectrus {maculiveniris^ in wel-
cher der Verf. den Pteromnlus bicoJor Swed. erkennt), Hetni-
ptarsemis ( fuJvicoliis), Sienomesius (inaciäatus) JVesiw.^^ Cirro-
spiius (1 A.), PaciiylartJirus (2 A.), JMlscogaster (14 A.),
Ormocerus (7 A.)_, Gasirancistrus (1 A.), Pteroinalns
(95 A.), Sicnocera (2 A., von denen die zweite, St» Mrlchso-
nii^ Typus der Gatt. Platynocheilus JVesiiv. ist). Die 5 letzten
Gattungen sind schon im Eni. IMag. abgehandelt gewesen, von
Cirrospilus fmden sich In den Ann. of Nat. Hisi. schon 71 A.
beschrieben, so dafs hier nur die 4 ersten Gatt, vollständig vor-
liegen. Apheh'nus hat 5-glIedrIge Füfse und ist mit Encyrius
verwandt, die übrigen 3 haben 4-glIedrige Füfse. Eniedon und
Etäophus sind nach der Kürze und Länge des Cubltalnerven nn-
tersclileden. — In einem Anhange sind noch verschiedene Mach-
Irägc gegeben, namentlich eine Fortsetzung der in den Annais
of Nat, Ilist. enthaltenen Beschreibung der Arten der Gatltung
Cirrospilus^ welche diese von 71 auf eine Zahl von 158 bringt.
Ein zweites Vol. der Mo?iograpItia Chalciditum enthält
die Beschreibung derjenigen Arten dieser Familie, welche Hr.
Darwin auf seiner Reise um die Erde an verschiedenen
Puncten Amerikas, Neuhollands u. s. w. sammelte. Dafs es
auch in anderen Zonen als unseren, an diesen kleinen Ge-
schöpfen nicht fehlen würde, liefs sich voraussehen, und grö-
277
fsere Sammlungen werden aucli Gelegenheit gehabt haben, sich
mit solchen von verschiedenen Puncten der Erde zu bereichern:
was aber bei den exotischen Chalciditen, namentlich den klei-
neren Arten anffällt, ist ihre grofse Uebereinstimmung mit den
Europäischen Formen, indefs ist diese Uebereinstimmung keines-
wegs eine neue Erscheinung, sondern sie findet sich überall
bei den kleinen Insecten. Bei den Insecten von mittlerer
Gröfse ändert sich das Verhältnifs schon, daher die ächten
Chalets Amerika's, Afrika's u. s. w., ferner die Eucharis Süd-
amerika's eigenthümliche Formen aufzuweisen haben. Hrn,
Darwin's]Reise-Ausbeute bestättigt die eben gemachte Bemer-
kung, denn unter den in diesem Werke beschriebenen 175 Ar-
ten, welche mit sehr wenigen Ausnahmen neu sind, hat sich
keine einzige neue und der Europäischen Fauna fremde Form
und Gattung gefunden. Dafs sogar ein Paar Arten, welche
in Europa vorkommen, von Hrn. Darwin in Neuholland auf-
gefunden sind (^Eupelmus uro%onius Dalm. und Euloplms hico-
lor Swed.) darf nicht überraschen, Ref. wenigstens hat schon
öfter auf ähnliche Verhältnisse bei anderen Insecten, und noch
im vorigen Jahresbericlite auf die nämliche Verbreitung des
Colyinbetes pulverosus aufmerksam gemacht.
Die beschriebenen CJmlcidken sind: 1. aus Australien,
(Euryioma 6, Isosoma '2, IMegasiigmus 3, Cnllhnone 2, Pahiion 1,
Hockeria 1, Eucharis 9, Miscogasier 20, Pierotnalus j3, C'aloso-
ier 1, Eupehnus 1 (urozonius Dahn.), Encyrttts 8, Eniedon 2,
Eidophus 12, Cirrosjyilus 11 ^ Platygaster 5, Isosteitima 2, Teleno-
mus .3, Scelio 2 Arten) 2. von ßah|ia in Brasilien, in der
Regenzeit, Anfangs August gesammelt, (Eury^otna 2, Decaio7na
1 1, Callunone 2, Eucharis 2, Miscogasier 1, Gasirancisirusi, Pte-
^' ro?nalus S, Encyrtus i, Eniedon S) Eulophus 1, Cirrospilus 10,
Plaiygaster Qj Teletwimis 2 Jurten), 3. von Chiloe, (Decaioma i,
Pachylarihmis 1, Miscogasier 4, G asirancisirus i, Seladerma 1,
Pierotnalus 5, Eulophus 2, Cirrospilus 2, Plaiygasier 1, Dryinus
1 Art), 4. von der Karlsinsel unter den Galapagos, (Me-
rosienus und Eupehmis^ je 1 Art), 5- von Neu-Seeland,
(Pieromalus 2, Eupehnus^ 1 Art)^ 6. von der James-Insel
(ßpalatigia und Cirrospilus, je 1 Art), 7« von Sanct- Helena,
{Pieromalus und Cirrospilus^ je eine Art).
Ein Werkchen, ,,Ht/me?iopfera Britannica: Oxyura, au-
ctore Ä. H, Halidai/, Fase. /,, London, 8.'^ ist dem Ref. zur
Zeit nui: noch dem Titel nach bekannt geworden.
Hr. Westwood hat in den Tr ansäet, ofthe Ent, Society eine
278
sehr hübsche Monographie der Gatt. Scleroderma mitgetheilt,
welche Latreille unter den Mutillarien aufiführt, Hr. West-
wood aber mit Recht lieber den Oxyren zuzählen und Oma-
lus u. a. zur Seite stellen möchte.
Es ist bisher nur aus Latreille's Werken eine Art, Sei.
domesticus Kl.^ dem Namen nach bekannt gewesen, Hr. West-
wood beschreibt 16 A. , davon 7 aus Deutschland, 2 aus dem
südl. Frankreich, 4 aus Albanien imd Zante, 2 aus Nordamerika,
1 aus Mexico. Es finden sieb diese kleinen ungeflügelten Inse-
cten vorzugsweise in Häusern, wo sie auch Hr. Saunders in
Previsa (Albanien) beobachtete, wo sie sich durch ihre Stiche
bemerkbar machen. Sie schienen aber im Holze zu leben (ver-
muthlich parasitisch in anderen Holz-Insecten — sie mögen aber
auch selbst Gänge nagen, denn in Flaschen gesperrt, fressen
sie sich leicht durch den Korkstöpsel durch.) Aufserdem be-
schreibt Hr. West wo od noch zwei muthmafsllche geflügelte
Männchen dieser Gattung, eins aus dem südl. Frankreich, das
andere aus Deutschland*).
Eine systematische Aufstellung der Familie Chrysülidae
hat Hr. Klug in einem in der Academie der Wissenschaften
zu Berlin gehaltenen Vortrage versucht.
Zunächst trennt sich die Gatt. (Jleptes^ besonders durch
den unten wie oben gewölbten Hinterleib. Unter den übrigen
mit unten concavem lilnterlelbe zeichnet sich Parnopes aulser
den weit vorzustreckenden, llnlenförmlgen, inneren Mundthellen
durch ungleiche Zahl der Hinterleibssegmente aus. Eine neue
Gatt, ufänihracias (auf einer neuen Art vom Cap gegründet)
schliefst sich unmittelbar an Parnopes, mit der sie im Ver-
schwinden der Unterrands- und Discoldalzellen übereinstimmt
und durch die nicht verlängerten Mundtheile, den nur aus zwei
Segmenten zusammengesetzten Hinterleib, so wie von allen,
übrigen Chrysiden durch die nicht metallische Färbung des Kör-
Eers abweicht. Die Chrysiden mit drei Hinterleibssegmenten in
eiden Geschlechtern, theilen sich in längliche und runde. Die
*) Neuerlich hat Hr. Shuckard diese Geschlechtsbestimmungen
in Zweifel gezogen und aufgestellt, dafs die Scierodertnen die Weib-
chen zu Elis wären. Die Erfahrung widerspricht dem. Scleroderma
findet sich hier in Häusern in der Stadt, Elis {cylindrica) auf freiem
Felde, eine Stunde von Berlin. Auch spricht Hr. Shuckard von
Männchen zu Plesia^ welche den Weibchen gleichen und ganz ver_
schieden wären von Elis cylindrica: wir kennen hier solche Männ-
chen nicht, sondern können nur bestätigen, dafs die Plesicn Weib-
chen von Elis sind (S. Jahrcsber. für 1838: Plesia). Man darf aber
hiernach keinen Schlufs auf die Weibchen der Europäischen Arten
machen, denn diese sind nach der Untersuchung, welche Hr. Klug
hierüber neuerlich angestellt hat, generisch verschieden.
279
erstcren haben deutliche Untenands- und Discoidalzellen und ein-
fache Klauen: hierher die Gatt. Lepioglossa, mit sehr lang-
gestreckter, an der Spitze ausgerandcter, Pyrochloris, ebenfalls
mit verlängerter al) er an der Spitze abgerundeter Zunge. Diese beiden
neuen Gatt, sind auf gleichfalls neuen Capensischen Arten ge-
gründet. Dann folgen die bekannten Gatt. Euchroeus, Stil-
bum^ beide in den Mundtheilen kaum von einander verschieden,
und ChrysiSf In allen seinen zahlreichen, durch die Abweichun-
gen im l'liigelgeäder und der Bewaffnung des Hinterrückens
und der Hinterleibsspitze zu bestimmenden Abtheilungen durch
die kurze kegelförmige Zunge kenntlich. Auch Euchroeus zer-
fällt nach der Bewaffnung der Hinterleibsspitze in einige Un-
terabtheilungen. Die kugligen Chrysiden haben (meist) ge-
spaltene Klauen und verscliwindende Unterrands- und Discoidal-
zellen, und so sehr sie sich durch diese Charactere sowohl als
durch ihren Habitus von den übrigen absondern, so w^enig las-
sen sich äufsere Merkmale für die beiden nach dem Bau des
Mundes hier sehr scharf unterschiedenen Gatt. Elampus undJHc-
dychrum zur Zeit aufstellen. Erstere stimmt mit C'hrysis in
der kurzen kegelförmigen, die letztere mit Euchroeus und Siilbuin
in der verrängerten_, an der Spitze ausgerandeten Zunge überein»
(Bericht über die Verhandl. der K. Pr. Acad. d. Wisscnsch. zu
Berlin. A. d. J. 1839 S. 1.)
Eine Uebersicht der Belgischen Chrysiden hat Hr. Wes-
mael in den Eull. d. VÄcad. Roy. d. Sciens. et des hell, lettr,
de Bruxelles mitgetheilt, in welcher er die Verschiedenheit der
Klauen zur Unterscheidung der bekannten Gatt. Hedychrum,
Elamjms und Chrysis benutzt. Es ist in einem früheren
Jahresberichte (von 1836 p. 318.) darauf aufmerksam gemacht
worden, dafs Hedychrum und Elampus sich wesentlich in den
Mundtheilen unterscheiden, und es würde sehr wichtig sein,
ein Kennzeichen zu ermitteln, welches nebenher beide Gattun-
gen, bei aller ihrer äufseren Uebereinstimmung, scharf und
sicher unterschiede. Die Klauen geben aber leider ein sol-
ches iMerkmal nicht ab. Denn so allgemein sie auch bei
Chrysis einfach, so beständig sie bei Hedychrum an der Spitze
gespalten sind, so wenig sind sie bei Elampus überall gesägt;
bei der Mehrzahl sind sie es zwar, bei manchen Arten nur
an der Spitze, bei anderen aber sind sie entweder an der
Spitze oder in der Mitte deutlich gezähnt, bei EL roseus u. a.
haben sie einen sehr undeutlichen Zahn in der Mitte, zuwei-
len sind sie selbst ganz einfach, Die Zahl der vom Verf.
beobachteten Arten ist sehr beschränkt, die Arten von Ekfm-
pus und Hedychrum lassen sich, da sie nur durch sehr kurze
280
Diagnosen characterisirt sind, bei der grofson Zahl ähnlicher, oft
fein unterschiedener Arten nicht alle mit Sicherheit ermitteln.
Es ist indefs zu bemerken, dafs das Hechjchrufn fervi-
dtivi des Verf. nicht das Fabricischc, sondern, wie das gleich-
namige von Shuckard, das hier gemeine H. ruiilans Meg.,
dafs El. pusillus ebenfalls nicht das Fabricische, welches
einerlei mit dessen Chr. cienea, sondern El. hideniulus Lcpell. ist,
ferner dafs Cki'ysis succincta des Verf. die Chr. succinciula
Spin., dagegen dessen Chrys. Illigeri die Chr. succincta L. F.y
und endlich, dafs Chrysis aurichalcea des Verf. nicht die
gleichnamige von Le pelletier, sondern Chr. nitidula Kl, in
Germ. Pveise nach Dalm. ist.
Die Larve von Scolia hortorum lebt, nach Hrn. Pas-
se rini's Beobachtung, wie Hr. Marchese Spinola in Gu(^r.
Revtce Zoologique S. 334. mittheilt, parasitisch in den Larven
des Oryctes nasicornis. Sollte aber die Nashornkäferlarve nicht
durch einen Stich paralysirt und ebenso von der Scolienlarve
verzehrt werden, wie die Spliex es mit Raupen machen? in
welchem Falle man das Verhältnifs der Hymenopterenlarve
zur andern nicht parasitisch nennen kann.
Eine monographische üebersicht über die Gatt. Meria
hat Hr. Guerin in seiner Revue Zoologique p. 361. gegeben,
in welcher er 6 Arten aufführt.
M. tripunciaia^ (Tiphiu S-p. Rossi, Beihyl. Laireillei F.),
M. dl midi ata Spin., M. Klugii TVesiw.., IM. rufifrons
(Larra rußfrons F. , JMeria Spinolae Tf'estw.)^ und 2 neue A. :
iU. abdominalis vom Cap und IM. thoracica aus Arabien.
Die JMeria nitidula Kl. (JM. IMillefolii der Encycl.) ist mit
Unrecht mit M. iripunctata verbunden, von welcher sie sich aus-
ser der geringeren Gröfse und einfarbigem Mittelleibe durch ver-
schiedene Sculptur des Metathorax unterscheidet. Auch die JMe-
ria rufiventris Kl. ist Hr. G. geneigt mit JM. iripunctata zu
verbinden, diese aber steht in viel näherer Beziehung mit der
africanischen JM. rußfrons und ubdoininalis ., und ist sicher eine
eigene Art. Eine neunte Art, welche in verschiedenen Gegen-
den Deutschlands, Jedoch nirgends häufig, sich findet, und welche
Hrn. Guerin ganz unbekannt geblieben ist, ist bei Fabricius,
der Ansicht der Original -Exemplare zu Folge, zweimal aufge-
führt, nämlich dessen Bethylus glahratus und dorsalis, der
auch die ziemlich allen Arten zukommenden wellsen Seitenpuncte
des Hinterleibes nicht fehlen, obgleich Fabricius sie beide
Male unerwähnt gelassen hat.
Hr. Wesmael giebt in den Bulletins de V Academie Roy ale
des Sciences et des Beiles lettres de Bruxelles eine Aufzählun
.281
der Belgischen Arten der Galt. Gorytes, mit besonderer
Rücksicht anf die Van der Linden sehen und Lepelletier-
schen Arbeiten, welche Letztere in Bezug auf die die ersten be-
treffenden Citate mehrfache Berichtigung erfordert, welche der
Verf. um so sicherer zu geben vermochte, als er die V. d. Lin-
densche Sammlung benutzen konnte. Die Lepelletierschen
Gattungen HopUsm, Euspongus^ Lestlphorus, Psajnmoecius, Ar-
pactus und Gorytes verwirft der Verf. sämmtlich, Lestlphorus
allein, meint er, liefse sich in Rücksicht auf die abweichende
Bildung des ersten Hinterleibssegments möglicher Weise erhal-
ten, indefs zieht er es vor, diese Trennung nicht auszuführen,
und theilt die ganze Gattung in zwei Abtheilungen, nach der
Anwesenheit oder dem Mangel der Borsten an den Vorder-
füfsen; in der ersten vereinigen sich die Lepelletierschen Gat-
tungen, mit Ausschlufs von Gorytes, welches allein die zweite
Abth. bildet. Der Verf. führt 8 belgische Arten an, die 8te,
G. Belgiens, aus G. laevis var ß Van der Linden gebildet.
Eine werthvolie Arbeit über die Gatt. Grahro F, haben
wir von Hrn. Dahlbom erhalten, welcher ein gröfseres Werk:
Synopsis Hymenopterologiae Scandinavicae mit der Untersuchung
derselben, „Naturhistorisk Undersökning om ScandincwisJca Qull-
och Silfoer - MimsteMar^^ angefangen hat. Das Werk ist zwar
in Schwedischer Sprache geschrieben, doch da alles Systema-
tische, mit Einschlufs der Artbeschreibungen, zugleich in La-
teinischer Sprache wiedergegeben ist, ist dasselbe Jedem
zugänglich gemacht. Mehrere von Ahlgreeu auf Stein ge-
zeichnete Tafeln tragen wesentlich zur Erläuterung der Art-
unterschiede in dieser Gatt, bei, welche der Verf., zu umsich_
tig, um sich von dem Beispiele des Hrn. Lepelletier de
Saint Fargeau verleiten zu lassen, in ihrer Integrität er-
halten hat.
Hr. Dahlbom theilt die in der Schwedischen Fauna 28 Ar-
ten reiche Gatt. Cruhro auf folg. Weise ein: A) kleinere, mit
ungeflecktem Hinterleibe, a) solche, wo beim Weibchen die
obere Afterscbuppe flach gewölbt ist: I, mit einfachen Fühlern
und Beinen bei beiden Geschlechtern: I*, mit an der Basis aiis-
gerandeten, hinter der Aiisrandung mit einem Zahn bewaffneten
Mandlbeln: 1) C. annains v. d. Lind, (schwerlich der Van
der Lindensche, da dieser Autor nicht der ausgerandeten Man-
dlbeln erwähnt, dagegen eines Doms auf jeder Seite der Unter-
VViegmann's ArcLiv. VI. Jahr g. 2,Bd; 19
282
Seite des Kopfes, der der Dahlbom'schen Art fehlt); — II* mit
einfachen Mandibeln: 2) C." nenesccns (dies Ist ohne Zweifel
Pemph. albilahris F.) und 3) C. alhilabris (anders zu benen-
nen), — II. Fühlergeifsel beim Männchen unten gewimpert, die
Vorderfüfse und Vorderschienen erweitert: 4) C. palmipes^
5) C. scuiatus^ 6) C. T^an-der-L,indenii; — b) solche, bei
deren Weibchen die obere Afterschuppe wenigstens an der
Spitze eingedrückt, oder zu einer scharfen Rinne vertieft ist,
und zwar : I. mit schwachgestieltem HInterleibc und in beiden
Geschlechtern einfachen FiUilern und Beinen: 7) C carhona^
rius, (neue dem folgenden nahe verwandte A.); 8) C leu-
cosioma-, 9) C. c/wjc?ws^(neue A.); 10) C. annulus (neueA.);
— II. mit gestieltem Hinterleibe, bei beiden Geschlechtern keul-
förmlg verdickten Hinterschienen, und beim Männchen ausge-
randeten einzelnen Fühlergliedern: 11) C. iibinlis; 12) C,cla-
vipes (Sphejc clavipes Lin.^ Pemp/i}\ crassipes F.),
B. Gröfsere, mit gelbgeflecktem Hinterleibe : a) mit voll-
kommener und polirter herzförmiger Zelle des Ilinterrückens:
13) C. dimidiatus F.\ 14) C, subpunctaius Rossi; 15) C.
J^-maculatus F.\ — b) mit unvollkommener und runzliger
herzförmiger Zelle des Hinterrückens : I. mit flachgewölbter obe-
rer Afterschuppe beim Weibchen: I*, Vorderschienen beim Männ-
chen schüsseiförmig erweitert, entweder mit p friemen förmiger :
10) C. cribrarius; 17) C. patellaius^ oder einfacher Fühler-
geifsel: 18) C\ pterotus F. (C. clypentus jP., der auch hierhin
gehören würde, kommt nach dem Verf. schwerlich in Schweden
vor); — II* Fühler und Beine bei beiden Geschlechtern ein-
fach; 19) C. LiCipponicus Zeit.; 20) C. subtcrraneii^s Pnnz.
— II. mit rinnenförnilg ausgehöhlter Afterschuppe beim Weib-
chen, beim Männchen mit etwas gesägten Fühlern, indem ein-
zelne Glieder ausgerandet sind, entweder mit erweiterten ersten
Gliedern der Vorderfüfse beim Männchen: 21) C. vcocillatus
Panz.; 22) C. borcaJis Zeit.; 23) C. alnttilus (neue A.) —
oder mit ganz einfachen Füfsen bei beiden Geschlechtern:
24) C. vngus; 25) C. saocarius OyU.; 20) C cephalotes;
27) C. Shuckardi (neue A.); 28) C. fossorius,
Hr. Shuckard hat im Mag. of Nat. History (S. 458.)
über hängende Nester britischer Wespen geschrlobcn.
Ein solches ward in einem Sperlingsneste gefunden, ein ande-
res erhielt Hr. Sh., welches an dem Dache eines Sommerhau-
ses befestigt gewesen war. Die Wespe , welche in dem letz-
teren gefangen war, gehörte der F. Britannica Leack an. Eine
zweite Art, welche hängende aber gröfsere Nester bauet, ist
r. Ilohatica, von welcher, wie Hr. Sh. vcrnmthet, die erstere
auch nur eine Abart ist.
Hr. Herrich- Schäffer hat im 173sten Hefte seiner
Forlsetzung der Panzerschen „Insecten Deutschlands"
283
(He Arten von Pterocheilns und Odi/7ierus synoptisch
auseinander gesetzt, und gröistentheils auch genauer beschrie-
ben, und PterocJteilus tinnienSy coxalis, simpUcipes, Odijne-
rus ^-fasciatus, variegatus, nigripes^ Dcmtici, affinis abgebildet.
Die Gatt. Ptcrocheilus, so wie Hr. Klug sie unterschieden,
weicht von Ochjnevus in der Bildung der MundtbeIIc_, nament-
lich auch durch die langhaarigen Taster sehr merklich ab, es sind
(]eshalb auch alle Arten, welche wie O. spinipes^ dentipes, sim-
plidpes^ coxalis durch die beim Männchen aufgerollte Fühler-
splt/e sich zwar an Pterocheilns annähern, in der wesentlicheren
Mundbildung jedoch mit Odynerus übereinstimmen, dieser Gatt,
zu überweisen. Odynerus variegaius, ist eine durch das
ganz oder an den Seiten rothe erste liinterleibssegment sehr
ausgezeichnete Art, welche der Verf. bei Regensburg entdeckte,
und welche sich durch Oestreich und Ungarn bis nach Sibirien
hin verbreitet, wo Pallas sie schon auffand. Der vom Verf.
gegebene IName kann aber nicht bleiben, da J^espa vatiegata F.
ein Odynerus ist.
Hr. Leon Dufour (Memoire pour servir ä l'histoire de
Tindustrie et des nietamorphoses des Odyneres et description
de quelques nouveJles especes de ce genre d'insectes.) und Hr.
Audouin (Deuxieme lettre pour servir de materiaux a l'hi-
stoire des Insectes, contenant des observations sur ies moeurs
des Odyneres; adresse a M. Leon Dufour.) haben in den Ann.
d. sciens. nat. Beiträge zur Naturgeschichte der Gatt. Odyiierus
gegeben. Der erstere beobachtete bei Saint - Severs, im
Dep. der Landes^ an lehmigen, dem Mittage zugekehrten Ab-
hängen eine Art, welche in diesem Boden ihre Nester ganz in
der Art bauete, wie sie Reaumur an seiner Guepe soli-
taire beschrieben hat. Er sah die Mutterwespe mit den Man-
dibeln grüne Räupchen eintragen, und zwar immer von der-
selben Art, deren er in jeder Zelle 10 — 12 als Nahrung der
Larve fand. Diese verzehrte diesen Vorrath binnen- 14 Ta-
gen. Hr. L. Du f., in der Meinung, dieselbe Art, welche Reau-
mur beobachtete', vor sich zu haben, welche aber in syste-
matischen Werken noch unbeschrieben sei, beschreibt die
Wespe nach beiden Geschlechtern unter dem Namen Od.
Reaumuri, der er die Beschreibung zweier nahe verwandten
ebenfalls neuen Arten, 0. consohrinus und cognatus\i^\i\\%\
welche ebenfalls im südwestlichen Frankreich einheimisch,
ihm aber nur dem weiblichen Geschlecht nach bekannt gewor-
19*
284
den sind. Hr. Audouin bemerl<t, dafs die erste Art allerdings
roch unbenamit (sie findet sich auch in Deutschland, und zeich-
net sich mit wenigen andern dadurch aus, dafs die Mittelhüf-
ten sich in einen Dorn verlängern), indefs nicht die Reau-
mursche Giiepe solitaire sei. Als solche betrachtet er den
Od. spinipes {Vespa spinipes und ^-/asciata F.\ den er in der
Unigegend von Paris beobachtete, und mit dessen Lebensweise
Reaumur's Schilderung ganz genau stimmte. Diese Wespe
trug fufslose grüne Larven ein, welche sie von einem nahen
Luzernenfeldc holte, und welche sich als die Larven von P/iy-
tonomus variahilis Sclmih. auswiesen. Sie waren ausgewach-
sen, und schickten sich, wenn Hr. Audouin sie vom Blatte
nahm und auf die Erde legte, ungesäumt zur Verwandlung an.
Dagegen aus dem Neste des Odynerus genommen, blieben sie
unverändert fast ein Jahr lang, vernnithlich durch einen Stich
der Wespe paralysirt. Eine andere Art beobachtete Hr. *L.
Dufour, 0. ruhicola L. Du/., welche in trockenen Zwei-
gen von Brombeeren ihr Nest bereitete, und zwar, indem sie
vom Ende her in die Markhöhlen eindrang, und in dieser eine
Reihe vo;a Zellen aus Erde eine hinter die andere anlegte. In
jede Zelle wurden grüne Räupchen eingetragen. Wenn die
Larve diese verzehrt hatte, blieb sie bis zum nächsten Früh-
ling unverändert, wo sie die Larvenhaut ablegte, und dann
noch etwa eines Monats bedurfte, um ihre Verwandlung zu
vollenden. Es ist eine so lange Larvenruhe etwas sehr Allge-
meines unter den Hymenopteren. Hr. Audouin beobachtete
eine ähnliche Art, in welcher er den 0. cognatiis L. Duf. zu
erkennen glaubt, welche eine ganz ähnliche Oeconomie führt,
und sich '\\\ trocknen Stöcken einfand, welche Hr. Aud. hin-
steckte, um Hymenopteren anzuziehen. Um das Einfallen des
Regens ins Nest zu verhüten, wählte die erste solche Zweige,
welche eine schräge Richtung hatten, die zweite wufste dem
dadurch vorzubeugen, dafs sie ihrem Eingange eine Biegung gab.
Hr. Marchese Spinola {Guei\ Revue Zool. S. 305.) fand
ein Weibchen von Stelis aterrima, welches au zwei Füs-
sen fremde Körper trug, die einige zu Rathe gezogene Bo-
taniker und nach einer spateren Mittheilung (S. 334.) auch
Hr. Oken für Pollen tragende Antheren von Orchideen
285
erklärten. Hr. Spiuola schliefst daraus, dafs mao mit Un-
recht S teils, weil ihr die Mittel zum Einbringen des Blu-
menstaubes fehlen, für parasitisch gehalten habe, indem nach
dieser Beobachtung anzunehmen sei, dafs hier der Blumenstaub
mit dem Staubbeutel eingetragen würde, wo dann natürlich
ein besonderer Apparat zum Einsammeln des Blumenstaubes
überflüssig werde. Es kommen solche Fälle, wie der von
Hrn. Spinola mitgetheilte, bei verschiedenen Insecten, welche
auf Blumen verkehren, öfter vor, und es kann das Ankleben
der Antheren durchaus nur zufällig sein, indem es nicht allein
bei anderen Bienen, sondern auch bei Insecten anderer Ord-
nungen vorkommt, wo von einem Eintragen keine Rede sein
kann.
Auch in Deutschland hat Hr. v. Siebold die Aufmerk-
samkeit der Naturforscher auf diese Körper gelenkt, welche
Hr. v. Sc hl echten dal ebenfalls i\\x Antheren von Orchideen
erklärte (Froriep's N. Notizen, X. S. 83, 106. XI. S. 73.).
Hr. Her rieh- Seh äff er hat in dem 166sten Hefte der
von ihm fortgesetzten Panz ersehen „Deutschlands In-
secten" die von ihm in Germar's Zeitschrift beschriebenen
Nomaden (S. Jahresbericht v, 1838) abgebildet.
Ueber die Bienenzucht der Armenier in den Steppen am
Dniestr hat Hr. Kohl in Froriep's Notizen einige Nach-
richten gegeben. Die Bienenzucht an den Ffern des Dniestr
ist nicht unbedeutend, und fast ausschliefslich in den Händen
von Armeniern, welche nicht selten einen Bestand von 500 —
1000 Stöcken haben. Sobald der Schnee schmilzt und unmit-
telbar darauf die Blumen hervorsprossen, rücken die Bienen-
väter mit ihren Bienenstöcken in die Steppen, weiden einen
Distrikt derselben nach dem andern ab, und kehren im Som-
mer, sobald die Steppenvegetation aufhört, an die Flufsufer zu-
rück, wo die Vegetation bis zum Spätherbste ausdauert. Zum
Winter werden die Bienenstöcke entweder in die Erde gegra-
ben und mit Schilf bedeckt, oder es wird auf dem Erdboden
ein konischer Haufen gebildet, der mit Stroh gedeckt wird«
Rhipiptera.
Unsere Kenntnisse dieser wunderbaren kleinen insecten-
286
abtheihing sind durch die Forschungen zweier unserer ausge-
zeichnetsten Beobachter auf eine Weise erweitert worden,
welche zwar zeigt, dafs die ausdauerndsten Bemühungen dies
dunkle Feld nur nach und nach aufliellen werden, dafs aber
auch Aussicht vorhanden ist, dies Resultat gewinnen zu sehen.
Wir dürfen jetzt auf die wunderlichsten Verhältnisse gefafst sein.
Hr. V. Siebold beschreibt in seinen Beiträgen zur
Geschichte der wirbellosen Thiere eine neu entdeckte
Art der Gattung Xenos und deren Schmarotzer. Die Art,
X Sphecidarum^ lobt in ähnl. Weise, wie Ä'. Rossii u. Peckii
in Polisten, in Ammop/dla sahulosa und Miscus campestris bei
Danzig. Es steckt gewöhnlich ein, selten zwei oder noch meh-
rere Individuen in einer Grabwespe. Darin hat sich Hr. v.
Siebold in der vorliegenden Arbeit von der gewönlichen An-
sicht nicht entfernt, dafs er den vorragendeh hornigen Theil
für den Kopf anspricht. Ref. hat indefs durch Hrn. Lichten-
stein, welcher von einer Reise nach dem südlichen Frank-
reich Exemplare von Polistes gallica, welche mit Xenos besetzt
waren, in Weingeist mitbrachte, und die Güte hatte? sie ihm
zur Untersuchung zu übergeben, Gelegenheit gehallt, sich zu
überzeugen, dafs jener hornige Theil niclit der Kopf ist, son-
dern den Kopf und Thorax des vollkommenen Insects ent-
hält, daher auch das Vorhandensein eines Stigmenpaarcs an
diesem Theile keine Anomalie ist, Hr. v. Siebold ist in
seinen fortgesetzten Untersuchungen, auf deren Publication
wir sehr begierig sein dürfen, zu demselben Resultate gelangt,
welches ihm damals entgehen mufste, weil er die Nymphe nicht
in solchem Alter antraf, wo schon äufsere Theile des vollkom-
menen Insects ausgebildet sich zeigten. Im Inneren der
Larve, von welcher die Puppe sich nur dadurch unterschei-
det, dafs der hornige Theil etwas verkürzt ist und zwischen
den Hinterleibssegmenten der Wespe frei vorragt, fand Hr.
V. Siebold nur einen blinden Darmkanal, von vielen Tra-
cheen umwebt, Fettkörper, und im ganzen Körper zerstreut
kleine Eierartigo Körperchen. Auf dem Rücken bemerkte man
drei dunkle Pinicte hintereinander. Jeder dieser Puncte bc-
/.eichncte die Insertion eines hornigen Röhrchens, welches von
der Riickcnwandimp- frei in die Bauchhöhle hineinragt. Dit
287
ervvähiiteu Eierartigen Körperchen erwiesen sich als wirkliche
Eier, in welclien sich ein kleines Insect entwickelte, das spä-
ter die ganze Bauchhöhle bevölkerte. Es ist dasselbe? welches
Hr. V. Siebold hier als ein Schniarotzerthierchen betrachtet,
schieferblau von Farbe, -^ Lin. lang, flach, asselartig gegliedert,
mit 14 Segmenten. Das erste dieser Segmente ist der Kopf,
kaum mit Spuren von Fühlern und Mundtheilen, ohne Mund-
öflFnung, aber jederseits mit 5 Ocellen. Die drei folgenden
Segmente (Thorax) enthalten jeder ein Paar Beine, die vier
vordem statt des Tarsus mit einem bläschenartigen Polster, das
hinterste mit einem langen spitzen Fufsgliede mit einem schma-
len bjrnförmigen Bläschen. Das letzte Segment hat an seiner
Spitze ein Paar langer kräftiger Borsten, welche sich nach unten
umschlagen und mit denen das Thierchen nach Art der Podu-
ren sehr vehemente Sprünge ausführt. Im Innern ein Darm
mit einer blasig körnigen Masse, aber an beiden Enden blind;
zu beiden Seiten desselben Fetthaufen, im vorletzten Segment
zwei starke Muskelstränge, vvelche den Springborsten anzuge-
hören scheinen; aufserdem nichts zu bemerken; von Tracheen
keine Spur. — Diese Thierchen bewegen sich im Innern der
X?/^o^-Puppe, in welcher sie sich erzeugen, kriechen durch
die oben erwälmten Rölirchen hervor, und gelangen in einen
Kanal, welcher auf dem Rücken durch eine Falte der Puppen-
hülle gebildet und gelangen von hier selbst unter die hornige
Hülle des Vorderkörpers. So weit Hrn. v. Siebold's bisher
mitgetheilte Wahrnehmungen.
Ganz entsprechende Beobachtungen hat Hr. West wo od
in den Tr ansäet Ions of the Entomological Society S. 184.
{Notice of a minute Pcirasite inhahiting tJie Larva of Stylopi^
dae, and npon the Animal produced frmn the Eggs of Meloe)
bekannt gemacht. Er berichtet, dafs es ihm und Hrn. Picke-
ring geglückt sei, einen kleinen Schmarotzer der Stylops Lar-
ven aufzufinden, der nach einer mündlichen Mittheilung des
Hrn. V. Hey den auch von ihm schon einmal in einer todten Xe?io^-
Larve angetroffen sei; es ist dem sonst so ungemein belesenen
Hrn. W. aber entgangen, dafs dieser kleine Parasit bereits vor
30 Jahren von^Hrn. Klug auf Andren, ovina entdeckt und
im Magaz. der Gesellsch. Naturf. Fr. zu Berlin IV. S. 226.
beschrieben worden ist. Hr. West wo od schildert die Para-
288
siteii, welche er auch, wie Hr. Klug, auf^^erlich auf den Bie-
nen langsam umherkriechen und durch eine Querspalte des
sog. Kopfes der Stylops-i^u^Yie, aus- und eingehen sah, sehr ähn-
lich der des Hrn. v. Siebold, nur ist ihre Form gestreckter,
die Beine mit einem fleischigen Polster an der Spitze des
Klauengliedes statt der Klaue, die Vorderbeine beim Kriechen
fiihlerartig vorgestreckt; an der Spitze des Leibes ein Paar
stai'ker Borsten, welche aber nicht untergeschlagen werden, und
mit denen das ThiercJien nicht springt.
Es fragt sich nun, was ist von diesen Thierchen zu hal-
ten? Hr. West wo od äufsert in einer Anmerkung die Vermu-
thung, dafs die Weibchen von Stylops sich ähnlich wie die von
Psyche u. a. verhalten, und dafs diese sog. Schmarotzer die
Jungen sein möchten. In der That hat man an den geflügel-
ten Ins. von allen lÜapipteren noch nie eine Geschlechtsver-
schiedenheit wahrgenommen. Sollte sich das Weibchen in
seiner aus der Larvenhaut gebildeten Hülse umkehren ? oder
steckt es von Anfang an das hintere Körperende zwischen die
Hinterleibsringe der Wespe ? Diese Verhältnisse müssen zunächst
durch die Beobachtung aufgeklärt ^verden. Die kleinen Podu-
ren- artigen Thierchen könnten recht wolil der erste Zustand
der Larve sein, einzig dazu organisirt, ihren künftigen Wohn-
ort zu erreichen: daher die Haftfüfse, die Augen, der an beiden
Enden geschlossene Nahrungskanal. In folgenden Häutungen
würde das Thierchen weitere Veränderungen untergehen, und
mit Verlust der Bewegungsorgane und der Augen mehr zur
Aufnahme der Nahrung sich ausbilden, wenigstens mufs dann
der Mund sich öffnen. Sonst sind uns bei den eigentlichen
Insecten keine weiteren Fälle ähnlicher Umwandlungen wäh-
rend des Larvenstandes bekannt, bei den Cnistaceen fehlt es
aber nicht an entsprechenden Beispielen. Unter diesen Um-
ständen kann man nur mit den gespanntesten Erwartungen ent-
gegensehen, inwiefern die Beobachtung die eben angedeuteten,
vom Hrn. Westwood angeregten Vermuthungen bestättigcn,
oder die Muthmafsungen auf einen lieuen W\'g leiten werde.
Hr. West wo od mächt noch auf eine gewisse Ueberein-
stimnning jenes kleinen Bewohners der iS'/y/oy;^- puppen mit
den Larven \o\\ Mc/oe aufmerksam, welche ebenfalls im ersten
289
Lebensalter auf Bienen nmherkriechend sich finden. Er be-
zweifelt auch, dafs dies Insect (^Pcdlculus MelUtac Kirhy) wirk-
lich eine Larve von Meloe sei, und weist die grofse lieber-
einstimmung iai Bau des Mundes mit Läusen nach. Er kann
indefs selbst nicht läugnen, dafs aus den Eiern von Meloen
nur diese Thiere zum Vorschein kommen, und es existirt kein
einziger Grund, daran zu zweifeln, dafs dieselben Käferlarven
sind, es ist ja auch schon erwiesen, dafs die Larven verwandter
Gattungen Horla, Süaris, wirklich in Bienennestern parasitisch
leben. Als Gegengrund bemerkt Hr. Westwood, dafs diese
Bienenlarven auch Tenthreden und Dipteren ankriechen; allein
finden sie dort ihre Nahrung? und geht nicht in der Natur
Vieles zu Grunde, welches seine Bestimmung nicht erreicht?
L e p i d 0 p t e r a.
Auf die Grundsätze, welche der Systematik dieser Ord-
nung unterzulegen, bezieht sich eine in den Annal. d. l. Soc.
Ent. de jFV^/ic^ enthaltene Abhandlung des Hrn. Guenee, auf
welche hier aber nicht näher eingegangen werden kann, da
dieselbe eine Erwiederung auf einen Aufsatz des Hrn. Du-
ponchel über die Metliode einer guten Classification bei den
Schmetterlingen ist, welcher in einem der nicht nach Berhn
gelangten Hefte des Jahrganges 1838 jener Annalen enthalten
ist, und dessen Berücksichtigung daher im vorigen Berichte
ausfallen mufste.
Vortreffliche Bemerkungen über die systematische
Anordnung der Schmetterlinge, mit besonderer
Rücksicht auf das von Ochsenheimer und Treitsch-
ke aufgestellte System hat Hr. Speyer in der Isis (S,
9L) niedergelegt. Der Verf. erkennt sehr wohl den Vortheil,
den die genauere Kenntnifs der Metamorphose in dieser Ord-
nung dem Systematiker gewährt, er verkennt aber auch eben
so wenig, wie sehr die Schmetterlinge selbst im Darbieten sy-
stematischer Kennzeichen den Insecten aller anderen Ordnun-
gen nachstehen, indem der Körper in Schuppen und llaarea
verhüllt, die Flügelnerven gröfstentheiis bedeckt, die Mund-
theile verhältnifsmäfsig geringe und schwierigp Kennzeichen
darbieten, welche nur in den Verhältnissen der Tasterglieder
290
und der relativen Länge des Sauger (der Rollzunge) bestehen.
Dafs die Art die einzig natürliche Abtheilung in der Natur sei,
die Gattungen als solche in der Natur nicht vorhanden wä-
ren, wie der Verf. es ausspricht, kann Ref. demselben
nicht zugestehen, und hält sich überzeugt, dafs Ilr. Speyer
im weiteren Verfolg seiner sorgfaltigen und tieferen Untersu-
chungen nicht bei dieser aus einer oberflächlicheren Betrach-
tung der Natur gewonnenen Ansicht verharren könne. Es
könnte schwerlich Jemand läugnen, dafs die Ordnung der
Schmetterlinge eben so natürlich von den anderen Insectenord-
nungen geschieden sei, wie die ersten besten zwei Schmetter-
lingsarten, und was von den engsten und weitesten Abtheilun-
gen gilt, kann doch auch nicht anders als von allen zwischen-
liegenden gültig sein. Es wird freilich mehrere oder mindere
Schwierigkeiten haben, die natürlichen Gränzen sowohl als
Charactere der einzelnen Gattungen zu erkennen, doch um sie
zu erkennen, mufs die Kenntnifs der Gesammtheit oder wenig-
stens der Hauptmasse der Arten vorausgehen. Man darf sich,
um das Gebiet der Schmetterlinge im Sinne der Systematik zu
überblicken, nicht auf die Europäische Fauna beschränken, na-
mentlich unter den Tagschmettorlingen, und zum Theil auch
unter den Spinnern verlieren sich die Europäer so unter der
Masse des Ganzen, dafs sie fast nur als Repräsentanten ein-
zelner Formen erscheinen. Und wenn auch z, B. P. Machaon
bei uns die Gatt. Papilio repräsentirt, kann er 'mit seinen wenigen
und ihm sehr gleichförmigen Europ. Genossen ein Bild der gan-
zen, grofsen, vielgestaltigen Rittergattung geben? Es bedarf
aber zur richtigen Einsicht in die systematische Eintheilung
nicht allein eines Ueberblickes über eine möglichst grofse Zahl
von Arten, sondern auch einer sehr genauen Kenntnifs der
einzelnen Formen, und diese Kenntnifs ist durch die hier mit-
getheilten Resultate der sorgfältigen Untersuchungen des Verf.
durch manche beachtenswerthe Bemerkung vervollständigt
worden.
Melliaca iintersrheidet der Verf. vorzüglich durch das Ihr
manf^clude Spludicn der Fiiblcrkolbe \ctn ArgDnnis. Lycacna
zeichnet sieb im vüllkonmicueii Insect durch eine die Augen cln-
schllefscndc s( h.irfe, nus sr.hnccwcHsen Schiippfhon gcbildclc Li-
nie aus, die auch der Luchia nichl mangelt, ^vclchc streng gc-
291
nonimcn, da «las Miinnclien Piit/.pfolen hal, nicht lilerher, son-
dern zu Erijcina Lnir. gehört. Unter Pontia und Colins
glaubt der Verf. mit Ixecht weitere Trennungen angedeutet zu
linden, und er würde vermulhllch von den Gatt,, welche die
Briten sowohl als die Franzosen hier schon errichtet haben, be-
friedigt werden. Ucber Hesperia macht Hr. Speyer eine sehr
wichtige Bemerkung, nämlich, dafs der von Latreiüe aufge-
stellte Character, welcher in zwei Paar Dornen an den
Hin ter schien e n bestände, nicht durchgreifend sei. Die
Arten, welche eine Ausnahme machen, hat Hr. Sp. nicht nam-
haft gemacht, es sind aber //. Paniscus und Sylvius, denen
sich die Capensische Metis Cr.^ nicht aber, wie man leicht ver-
muthen könnte, unser Steropes anschlieist. Jene drei Arten
haben, wie die übrigen Tagschmetterlinge, nur ein Paar Dornen
an den Hinterschienen. Von Americanern stimmen hierin mit
ihnen iiberein die Gatt, Pelcus Swains.^ wohin Pap. Peleus Z/.,
Genuiius F. u. a. A. gehören, und eine andere diesen sehr nahe
stehende Form, welche sich durch eben so verlängerte aber
weniger zusammengedrückte Hinterfüise und weniger verkürzte
Hinterschienen unterscheidet, und welche die li. Neleus, Ta-
laus und J/esyc/iii/s /*\ zu Repräsentanten hat. Unter den Däm-
merungsfaltern hat der Verf. die genaue Verbindung nicht ver-
kannt, in denen die Zygaenen (durch Vermlttelung der exoti-
schen Glaucopls) mit Eujyrepia stehen: beide sondern sich durch
den Besitz von Nebenaugen sowohl von den Schwärmern als
von den Spinnern ab, und werden später eiamal vielleicht zu-
sammen eine eigene natürliche Familie bilden, welcher sich die
Sesien eng anschlielsen, die sich nach den Beobachtungen des
Verf. nicht alle durch das Vorhandensein eines Borstenbüschels
an der Fühlerspitze characterisiren lassen, indem derselbe z. B.
S. hylaeif'ormis fehlt. Die männlichen Fühler sind in dieser
Gatt, anfserdem nach den Arten verschieden gebildet. In diesen
Verschiedenheiten in einer so natürlichen Gatt, mehr als Art-
Unterschiede zu finden, ist der Verf. nicht geneigt, eben so we-
nig, wie in der Gatt. Notoclonta, wo selbst die eigenthümli-
che Tasterform der N. palpina sich namentlich bei der völligen
Uebereinstimmung der früheren Zustände mit denen der ande-
iren Arten nur als Arteigenthümlichkeit ansehen läfst. Litho-
sia unterscheidet sich, bei aller sonstigen Aehnlichkeit von Eu-
yii mitrxucKsicnt aut die v erscrneaenneit der naupeu. i'upp«
und die vorhandenen Nebenaugen, nicht nur aus der Gatt. Or-
gyia, sondern auch aus der Fam. der Spinner zu der der Eulen
mit dem alten Gattungsnamen Colocasia gebracht, dagegen
die übrigen Orgyicn mit lAparis vereinigt wissen. Gastro-
pacha zeichnet sich diu'ch den iMangcl der Flügelfeder aus, nur
Cr. processiotiea (und die verwandten Arten, vermuthlich alle mit
Processionsraupen) machen hiervon eine Ausnahme. Plaiypie-
ryac schliefst der Verf. mit grofsem Rechte von den Eulen aus
und den Spinnern an; wenn man Plaiypieryjc als einen üeber-
292
§ang zu den Spannern betrachtet, Ist es auch eher geeignet, die
pinner als die Eulen mit denselben zu verbinden, denn eine
natürliche ist die Reihe gar nicht, in welcher Spinner, Eulen,
Spanner, Zünsler aufeinander folgen, indem die Eulen mit den
Zünslern und selbst auch noch mit den Wicklern in viel nähe-
rer Verwandtschaft stehen als mit den Spannern, welche ihrer-
seits durch die meist fehlenden Nebenaugen, kleinen Taster, die
wenig ausgebildete Spiralzunge, die schwächeren Beine, ja bei
manchen Formen selbst durch die Fühlerbildung sich eng den
Spinnern anschllefsen. Der scheinbare Uebergang von den Eu-
len zu den Spinnern in der Raupenbildung (mittelst Plusia)
möchte um so weniger bedeuten, da jene Eulen selbst am we-
nigsten an die Spanner erinnern. Mit Recht macht der Verf.
auf die geringen Unterschiede aufmerksam, welche sich zwischen
der Mehrzahl der von Ochsenheimer und Treitschke er-
richteten Eulengattungen selbst in der Raupe finden, so dafs es
unmöglich wird , ihre Gränzen durch Charactere abzustecken,
und schlägt daher vor, solche, wie Aß;rostis^ Noclua, Raäenu,
Polia, Mafnestra, Afoniea^ Oriliosia, Xanihia^ Myihhnna u. s. w.
nur als Gruppen innerhalb einer grofsen Gatt. Noctua zu be-
trachten. Auch Bryophila und DipJithera, schlägt der Verf.
vor, zu vereinigen, bei j4.steropus Cassinia macht er auf einen
starken gekrümmten Dorn an den Vorderschienen aufmerksam,
der bei ud. nuheculosa ebenfalls vorhanden ist. udnthophila
betrachtet der Verf. als Zünsler.
Unter den Spannern sondert sich zuerst flexularia durch
den Besitz von Nebenaugen und andere Charactere von Enno-
mos ab, unter welcher Gattung aufserdem manches Verschiedenar-
tige enthalten ist; namentlich entfernt sich emarginaria durch
die Form der Raupe und die beim Männchen verkümmerten Hln-
terfüfse zu Iclaea. Geomeira Ist gleichfalls aus verschiedenen
Elementen gebildet, ^spilaies könnte z. Th. (purpuraria^ gil-
varia) mit Fidonia^ z. Th. (pahwiharia^ lincolata) zu Larenlia
und Ciäaria gezogen werden; mit Crocallis müfste man En-
nom. dentaria vereinigen; von Fidonia trennt der Verf. unter
dem^ Namen Chiinadia diejenigen Arten, deren Weiber unge-
fliigeltslnd {defoluiria^ progcimnaria^ cmrani'iaria^ aceraria, haia-
ria, leucophaenrla^ aesciilaria, rupicaparia, — für welche indefs
Stephens schon die Gatt, yänisoptcryx (leiicophaearia^ aescii-
lari(i), Lampetia {defoliaria)^ Cleora (haiularia) ^ und Chei~
muiobla (rupiciqjraria) errichtet hat). — ^ Die vom Verf. vor-
geschlagene Bildung einer eigenen Gatt, für hexnpteraUi und
se.ralata ist von Stephens ebenfalls schon vorgenommen (£rO-
hophora). — Andere (^chaiijiata, populala^ prunata) ha-
ben beim Männchen auf der Unterseite der Vorderflügel einen
starken ITaarbüschel. Idaca zeichnet sich dadurch aus, dafs
beim Männchen die Hinterfiifse mehr oder weniger verkümmert
sind, wovon Indels T^ibicaria eine Ausnahme macht, die zu-|
gleich durch gekämmte Fühler abweicht.
Derselbe liefert ebondas. (S. 89.) einige Nachträge /u
' 293
V
seinen im vor. Jahrgange enthaltenen Untersuchungen über die
Fühler der Schmetterlinge, und (S. 110.) Berichtigungen
und Zusätze zu den Schmetterlingen von Europa,
von Ochsenheimer und Treitschke, Bd. I — YJ. und
Siippl. Bd. 10. 1 — 2. Abth. Letztere beziehen sich hauptsäch-
lich auf Beobachtungen der, früheren Stände und der Le-
bensweise.
Hr. Zell er hat In der Isis (S. 448.) die im vor. Jahrg.
jener Zeitschrift enthaltene Bestimmung der Reaumurschen
Schmetterlinge durch Hrn. Frey er einer Beurtheilung unter-
worfen, und Hr. Freyer seinerseits (ebendas. S. 728.) sich
über Hrn. Zell er' s Bestimmungen ausgesprochen, durch wel-
che Erörterungen die Widersprüche, auf welche beide Ge-
lehrte ursprünglich in der Bestimmung der Reaumurschen
Schmetterlinge gekommen waren, fast gänzlich beseitigt sind.
Hr. Zell er hat auch die Dege ersehen Schmetterlinge
einer ähnlichen kritischen Bestimmung unterworfen, dabei aber
zugleich einen Reichthum seiner Erfahrungen sowohl über Na-
turgeschichte und frühere Stände der betreffenden Arten als
auch über systematische Verhältnisse niitgetheilt. Von der letz-
ten scheinen folgende vorzüglich der Beachtung werth zu sein:
Die G.itt. Hesperia OcJisenh. löst Hr. Zell er in die bei-
den Gatt. Thy viele und P amphila F, auf. Die erstere zeich-
net sich dadurch aus, dafs der Vorderrand der Yorderflügel beim
Männchen umgeschlagen ist, und enthält Malvanwi, Lavaierae,
tessellum, Tages, Scriorius^ Fritilliiin und Alveolus^ die zweite
hat jene Auszeichnung nicht. Hier unterscheidet der Yerf, 3 Ab-
theii. nach der Gestalt der Fühlerkeule, nämlich: A) Fühlerkeule
r.lngllch, ohne Spitzen, und zwar a) mit dünnem, vorgestrecktem
in den Haaren fast verborgenem EndglieJe der Taster, und am
Hinterwinkel abgerundeten Hinterflügcln: Sieropes. Paniscus]
b) mit dünnem, langem, aufgerichtetem Endgliedc der Taster
und wenig verlängertem Hinterwinkel der Hinterflügel: Linea,
udctaeoii] — B) Fühlerkeule länglich mit einer Spitze: — exo-
tische Arten mit aufgerichtetem langem Endgliede der Taster; —
C) Fühlerkolbe kurz eiförmig, mit einer Spitze, Endglied der
Taster ziemlich kurz: Syluanus, Comina. Die beiden Gatt., so
wie Hr. Zeller sie aufstellt, sind gewifs sehr natürlich getrennt,
indefs scheinen sie, namentlich Pamphila, einer weiteren genauen
Prüfung, vorzüglich in Betreff der exotischen Arten noch sehr
bedürftig zu sein, und es könnte leicht eintreffen, dafs bei wei-
terer Untersuchung sich die Zahl der Gattungen noch sehr ver-
mehrte. Yom P. paniscus ist oben bemerkt worden, dafs er,
der Zahl der Dornenpaare an den Hinterschienen gemäfs, nicht
294
mit Sieropes zusammenstimme. — Für Hipp. Deianira^
Hierciy IMaera^ Megaera^ Aegerin und M.eo7ie, welche
zwar in der blasenartigen Auftreiljung der Snbcoslal - und Me-
dianader an der ^Vurzel, dem starken Hervortreten der Subdor-
salader und In der Länge und Ausbildung der Putzpfoten mit
den meisten Hippavchien übereinstimmen, sich aber durch be-
haarte Augen absondern, bringt Hr. Z. den Schrankschen
Namen Dlaniola^ für Hipp. IJnvus^ PampJiilus, Iphis,
Hero, Oedipus ^ Arcania^ Satyvion und Lieander^ wozu
wahrscheinlich auch Lyllus^ Dprus und Corinna kommen,
und welche alle vor den übrigen llipparchien eine blasenartige
Erweiterung der Subdorsaladcr voraus haben, den Hübnerschen
Namen Coenonymplia als Gattungsnamen in Vorschlag, und
findet die Absonderung der H. Galaiea und verwandten Ar-
tan als eigene Gatt. Arge durch die aulserordentliche Kleinheit
und angedrückte Beschuppung der Putzpfoten gerechtfertigt.
Unter den übrigen Hippnrchien haben Ida^ Tithonius und Pasi-
pha'e die Auftreibung der Subcostal- und Medianader am stärk-
sten, sie scheinen aber In der Behaarung der Putzpfoten unter-
einander verschieden zu sein; diese sind bei Euryale und ]\Ie-
dea von gleicher Länge, Dünnheit und Unbehaartheit, wie bei
Ligea^ nach Degeers Ausdruck, nur durch ihre Kleinheit von
wahren Beinen unterschieden; bei IMedusa sind sie mit langen,
etwas spärlichen Haaren besetzt; in O chsenhe imer's Farn. A.
haben sie ein dicht- und langhaariges Endglied (weshalb De-
geer sie Zobelschwänze nennt), wovon indefs Briseis eine
Ausnahme macht, welche so ungemein kleine unbehaarte Vorder-
pfötchen, wie Galaiea hat. Die Schwärmer theilt Hr. Z. fol-
gender Weise ein: A. Hinterleib an den Seiten der hintersten
Kinge mit Haarbüscheln besetzt: 1) Hinterrand der Flügel ganz:
Sesia F. (Macroglossa O.); — 2) Hinterrand der Flügel
ausgenagt: (Macroglossa Oenoiherae); — B. Hinterleib ohne
solche Haarbüschel: 1) Rollrüssel wenig über Kopfeslänge (Hin-
terrand der Flügel ausgenagt); Laotlio'e F. (S/neriftthus Latr.
Ochsenh.); — 2) Rüssel von der Länge des Thorax (Hinterrand
der Flügel ganz): AcJierontia Lasp. 0,\ — 3) Rüssel wenig-
stens von der Länge des Hinterleibes: a) Fühler gegen die
Spitze hin keulförmlg verdickt: Dellephila Ochsenh.'^ — b) Füh-
ler fast fadenförmig, gegen die Spitze hin nicht verdickt:
Sphinoc Lt. — Am Schwierigsten sind die beiden letzten Gat-
tungen zu unterscheiden, die Form der Fühler eignet sich aber
zu diesem Zweck sehr gut. — Nyfnphula unterscheidet Hr. Z.
von Boiys durch aufsteigende Labialtaster mit glattem dornfor-
mlgem Endgliede, und sehr entwickelte, vorstehende, behaarte
Maxlllartaster, während bei Botys jene ausgestreckt, vorstehend,
mit oft niederwärts gerichtetem Endgliede, diese klein, dünn und
wenig bemerkbar sind. Nähere Mittheilungen über seine Unter-
suchungen über die Classification der Zünsler und Wickler ver-
spricht Hr. Z. in der Folge zu geben, weshalb Ref. die übrigen j
diese beiden Familien betreffenden systematischen ßemerkungenj
zur Zeit übergehen zu können glaubt. '
295
Hrn. Freypr's „Nene Reiträge znr Schmetterlingsknnde,
mit Abbildungen nach der Natur, " sind mit dem 45 — 50sten
Hefte fortgesetzt, >velche in rühmlich bekannter Art die Ab-
bildungen von folgenden Schmetterlingen, z. Th. in allen drei
Ständen und mit der Nahrungspflanze geben:
Papilio Mac/iaon, sehr kleine Abänderung, Melitaea Ar-
clidnna (Rhoclopensis)^ PartJiema^ Pijvoma (Abänderung von
Aih alia) , Ar gyn n i s Seienis, Frey «, Thore, L i m e n itis Lucilla^
Hipparchia Anihelea^ Hippolyte^ Auionoe^ Amaryllis, Hyper-
unihus Var., I-jyc acna Anicros^ Cyllarus^ Jtiesperia sericea^
Deilephila Esulae^ Zygaena Dorxjcnii^ Eujirepia persona^
purpurea, Hera, Hnrpyia MilJiauseri, Liparis monacJia J^ar.,
Orgyia dubia, Gastropacha solitaria, Bryophila recepiri-
ciilciy raptriciila, TripAacfia inieriecia^ Ha de na chioleucay
amica, rohoris, ilicis, Polia lincla, Apamea sirigUis^latruncula,
Yhyniira Balis, derasa, Ort/josia Saporiae, (Jucullia ar-
gentina, Ahrosiola Iriplasia, Asclepiadis, Urticae, Catocala
Neonyinpha, B oarmia -i'oboraria, secundaria, rhomboidaria, La-
rentia saiyrala, casiigala, ausieraia, pinipinellata , Idaea exal-
bataj decussata, dealbaia.
Nur über die IJeilephila Esulae möchte sich Ref. eine
Bemerkung erlauben, einen Schmetterling, der in sehr viele
Sammlungen verbreitet sein mag, und der, von einer Auctorltät,
wie Hrn. Freyer's, in die Wissenschaft eingeführt, sich ein
Bürgerrecht erwerben könnte. Ref. hat indefs gegründete Zwei-
fel ^^^^n die Aechtheit der Art, und fordert die Lepidoptero-
logen auf, ihre Ex. mit scharfer Vergrösserung zu prüfen. Die
Stück;e, welche dem hiesigen Museum, selbst von einer höchst
achtbaren Seite her, angeboten wurden, waren alle künstlich ge-
sclnvärzt; schon mit der Lupe zeigten sich die Schuppen nicht
rein, und unter dem Compositum sahen wir mehrere schwarze
Kügelchen an jedem einzelnen Schüppchen haften. Ein ähnli-
ches Beispiel von Händler- Betrug ist unter den Käfern der
Aptinus atraius,, der in allen Sammlungen paradirt, selbst von
Dejean als eigene Art beschrieben ist, aber in der That nichts
weiter als ein schwarz gebeizter oder gebrannter A, jnutila-
iiis ist.
Von Hrn. Fischer's, Edlen von Rösslerstamm,
„Abbildungen zur Berichtigung und Ergänzung der
Schmetterlingskunde, besonders der Microlepi-
dopterologie, als Supplement zu Treitschke's und
Hübner's europäischen Schmetterlingen mit erläu-
terndem Text," sind 5 Hefte (11 — 16) erschienen, welche
jfolgende z. Th. neue Arten enthalten:
Acidalia pusillaria, mit der Raupe, welche nur von
trockenen Pflanzen lebt und zuweilen selbst Herbarien angreiff,
296
Boiys ßavalis^ crocealis, auranihlh, tei^realis, Paedisca fruie^
iana^ mit der Kaiipe (auf lÜrkeii), iinviunclana, vionacJiana^ pro-
fundana^ disshnihina^ hepaiicann^ sim'dana^ scutulana, Brunnichia-
na, delitana^ Demarniana^ GraphoJitha Frcycriana^ Teras
caitdana m. d. Raupe, effruciana, Cochylis elongana^ Manniana^
Phycis ceraioneUa m. d. Raupe, Avelclie in den Früchten des
Johannisbrodbaunis lebt, Jiolosericclla^ obluseUa (von der vorigen
unterschieden), ruhvotibicUa^ Jueceiln, Pluiella Messingiella^
Lila populeUa m. d. Raupe, welche auf Pappeln und auf SahU
Avciden lebt, ohscurella, sciniineUa^ neue A., veloceUa^ airipUcella^
neue A> m. d. Raupe, welche auf den Blaltern der AtripJeoc 1a-
ciniaia frifst, ohsolctellay ebenfalls neue A. m. d. Raupe, welche
auf derselben Pflanze wie die vorige, aber in einem anderen
Theile, nämlich im Mark der Stengel lebt, ierrelhi, distinciella
Zell.^ letiliginoseUa^ Butalis (JJienopodlella^ restigcreUa^ trigiit-
iella^ uddele Degcerella m. d. Raupe, congruella^ associalelht, bi-
maadella, sielliferella, m. d. Raupe, welche von Lichenen sich
nährt, Oecophora epilobiella m. d. Raupe, Andcreggiella^ Crys-
seleniella^ Farlnaiclla, Ornioc balJoieUa m. d. Raupe, welche vom
Mark der Blätter der BaJloia nigra zehrt.
Ilr. Herrich- Schäffer hat in der Fortsetzung (Heft
163 — 6.) der Panzerschen „Deutschlands Insecten/' von
Schmetterlingen vorzugsweise die Spanner (Heft 165.) und
Fyralide7i (Heft 163) bearbeitet, u^id von beiden Familien
angefangen, synoptische Darstellungen zu geben.
Abgebildet sind von Pyridldem N ymph%ila saiurnalhy Hy-
pena acuminalis n. sp.^ Aglossa egregialls n. sp., Pyralis
carnecdiSf pectlnaHs n. sp., liicidafls, Hertninia modesialis^ Bo-
tys comparalis^ 7imneralis^ inierptmcialls^ asincdis^ inurinah's aus
der Krim, gilvaUs aus Dalmatien, Mypena? falsalis n. s^.^ Nyin-
phulal iaenicdis, undcd'is^ letztere 3 aus SIcillcn; — von Span-
nern: Lareniia cnlligraphaia n. sp., exoletata n. sp., aipreala
u. sp., vialvaia Rainb., obsohUda n. sp. , brevicukita Douzel aus
^iSicilien, absiersaia n. sp., capitata n. sp., lophaceaia, scitukiia
Ramb., ferraia n. sp., Fidonia Juscaia aus Lappland, Apochci-
via (n. ^.)^ Jlahellaria Heeg. aus Sicilien, Gnophos conspersa-
Tna, Boarviia liuidaria^ Idaea subnitäata, Crocullis extijna-
ria^ Sterrha (n. g.), inierpunctaria n. sp., aus Sicilien.
Hr. Frey er hat ein auf ein gröfseres Publicum berechnetes
Schmetterlingsvverk unternommen: „Die schädlichsten Schmet-
terlinge Deutschlands, für Forstmänner, Lehrer, Oeconomen,
Gartenbesitzer, mit 12 Kupfertafeln, enth. 137 nach der Natur
gefertigter vXbbildungen der Eier, Raupen, Gespinnste, Puj)pcn
und Schmetterlinge, sammt der Nahrungspflanze für jede Raupe."
Eine bemerkenswerthc Erscheinung in der Englischen Li-
297
teratur ist der Illustrafed Catalogue of Lcpidopferous Jnsects,
hy W. .Wood. Containing 1944 coloured ßgures. jLo^^.1839.
Das Werk enthält auf 54 Tafeln in Octavforniat die oben an-
gezeigte Anzahl von Abbildungen der Schmetterlinge der Bri-
tischen Fauna, welches natürlich nur dadurch zu erreichen war,
dafs alle gröfsereu Arten bis auf ein gewisses Maafs verklei-
nert sind. Bei ausgezeichneteren Schmetterlingen hat diese
Verjüngung, an welche wir in der Entomologie um so weniger
gewöhnt sind, als die meisten Gegenstände dieses Theils der
Naturkunde bei bildlicher Darstellung noch erst durch Ver-
gröfserung deutlich gemacht werden müssen, dem Zwecke, der
Erkennbarkeit, keinen Eintrag gethan, dagegen ist dies (nach
dem ürtheile des Hrn. Duponchel,, aus dessen Analyse in
Guer. Revue Zool. 1840. S. 115. Ref. mit diesem Werke be-
kannt gemacht ist) bei den schwieriger zu unterscheidenden
Schmetterlingen nicht der Fall, namentlich ist ein grofser Theil
der Eulen nicht zu entziffern, weil, was bei der gfofseii
Gleichmäfsigkeit in der Gestalt und Färbung nicht hätte un-
terlassen werden sollen, und was vorzüglich in einer Zusam-
menstellung wie dieser so wohl hätte geschehen können, die
specifischen Unterschiede nicht besonders hervorgehoben sind.
Dadurch ist denn freilich der Zweck des Unternehmens gröfs-
tentheils verfehlt worden, welcher darin bestand, Liebhabern
der Schmetterlingskunde ein Werk zu geben, welches auf ge-
drängtem Räume sie in den Stand setzte, alle vorkommenden
Schmetterlinge zu bestimmen. Der Text besteht aus einem
systematischen und einem alphabetischen Register, erste res
aufser dem systematischen und populären Namen der aufgeführ-
ten Arten das Citat der dazu gehörigen Abbildung, die Angabe
der Gattung nach Stephens, und des Aufenthaltes und der
Zeit des Erscheinens enthaltend.
Eine Anzahl neuer exotischer Schmetterlinge ist von Hrn.
Baron Feisthamel in Guer. Mag. de Zool. abgebildet wor-
den, nämlich: Papilio Archidamas ^oz'jc?. aus Chile, Pie-
vis Enarete Boisd. von den Molucken, Pieris Ega Boisd.
aus Neuholland, Callidryas Amphitrite Feisth. aus Chile,
deren Hr. Boisduval als einer localen Var. der Qall. Drya
>Yi egmann's Archiv. VI. Jahrg. 2. Bd 20
298
gedenkt, Satyrus Slnga Boisd. und Sat. Philerope Boiscl^
aus Neuholland, Sat. Montrolii Feisth. aus Chile, Hecate-
sia Thyridion aus Neuholland, Deilephila Eras Boisd.
ebendaher, Botnhyx socialis, cinnamomea^ affinis, de-
decora, Saturnia Laplacei Feisth. aus Chile, Lithosia
hihoria Cram. aus Neuholland, uwA Cramhus concinnalis
Feisth. aus Amboina.
Hr. Guerin selbst beschreibt ebendaselbst Saty?'us Co-
ctei. Proer is Melas aus Chile, Procris(J^ viridi-pul-
verulent a aus Neuholland, und Sphinx Ann ei aus Chile,
eine ausgezeichnete Deilephila, welche im Allgemeinen die Fär-
bung der D. Euphorhiae, fast die Gröfse der D. Vespertilio
hat, und mit D. Dahlii darin übereinstimmt, dafs der Thorax
ein Paar vveifse Längsbinden hat, die in der Abbildung nicl.i
angedeutet, in der Beschreibung aber nicht übergangen sind.
i-") i Hr. Kollar hat in den Annalen des Wiener Museums
der Naturgesch. Bd. H. Abth. 1. 7 neue Lcpidopteren Brasi-
liens beschrieben und abgebildet:
Nämlich einen Ritter, Papilio Stilhon] die übrigen sind Arten
der Gattung Castnia^ von welchen C. Sairapes, Greron und
Therapon neu, Hegemon fast gleichzeitig von Gray (Trans-
acl. Eni. Soc.) als C. Dalmatii^ V. actinophorus schon früher
von demselben (im An. Klngd.) sAs C. Acrneoides^ und C. Stern-
her gii bereits von Latrellle (Regne Anintal ed. Il.pl. 20.)
als (7. Hühneri bekannt gemacht sind.
Ein neuer Ritter, von der Insel (Pulo) Penang, dem
Entdecker zu Ehren Papilio Delessertii benannt, ist von
Hrn. Guerin in der Revue Zool. p. 233. beschrieben.
Er ist halbdurchsichtig welfs, schwarz gefleckt, in solcher
Art, dafs er an die Gatt. Idea erinnert.
Ein anderer neuer Ritter ist von Hrn. Lucas in den ^n?i.
d. l. Soc. Ent, d. France VIII. p. 91. pl. 8. f. 1. unter dem
Namen Papilio Duponchelii bekannt gemacht.
Er ist mit Pap. Grayi und Scamander verwandt, und In der
Prov. Entrc Rio« (zwischen Parana und Uruguay) zu Hause.
Von Pieris Napi und Rapaa sind von Hrn. Ve-
rhuell einige Abänderungen in der Tijdscliri/'t voor Natur-
lijke Geschicdenis en Physiologie VI. S. 204. beschrieben und
PI. 9. abgebildet.
Ueber Sphinx Cretica hat Hr. Bucrnion in den An-
299
7ial. d. l. Soc. Eilt, de France die Bemerkung gemacht, dafs
man bisher 2 Arten unter diesem Namen verwechselt habe.
Von der einen sei nämlich das Weibchen beschrieben und
abgebildet von Bolsdnval in den Annal. d. 1. Soc. Linneene
de Paris, an. 1827, p. 118. 119. pl. 6. f. 5.; Icon. historiq. des
Lepidopieres d^Europe nouv. ou peu conn. i. II. p. 20- 21-, und
von Duponchel Siippl. au tome III. p. 15- pl. \. f, 3. - — Die
zweite, welche Hr. Bugnion Spli. Boisduvalii benennt, ist
in den Ann. d. l. Soc. Linn. und in den Icon. als das Männ-
chen der Sp7i. Creiica abgebildet, und unterscheidet sich in der
Form der Vorderflügel, welche schmäler sind und einen Schnitt
haben, der sie mit Sph. Alecio, Aeson^ Thyelia^ Neoptoleimis u.
a. in eine Reihe bringt. — Ref. kann sich nicht überzeugen,
dafs die Griech. Exemplare von der Ostindischen Sph. Alecio ver-
schieden sind, obgleich in der hies. Samml. die beiden Ex. der letzten
darin übereinkommen, dafs die Spitze der Vorderflügel mehr
ausgezogen ist, was bei einem Stücke von Smyrna und einem
anderen von Tenedos übereinstimmend kaum der Fall ist. Bei
der sonstigen vollkommenen Uebereinstimmung der Exemplare
möchte dieser nur geringe Unterschied sehr wenig bedeuten.
Das Geschrei des Todtenkopfschwärmers ist der
Gegenstand einer genaueren Prüfung von Seiten des Hrn. Du-
ponchel gewesen {Annal. d. l. Soc. Ent. d. Fr. VIII. p. 19.)
an welcher von den achtbarsten Pariser Entomologen die HH.
Aube, Boisduval, Pierret, Rambur Theil nahmen. Es
zeigte sieb, dafs die Annahmen der früheren Auetoren über den
Sitz der Stimme sämmtlich irrig waren, auch die, welche den-
selben in der ausgespannten Membran unter den sich aufrich-
tenden Haarbüscheln an den Seiten des ersten Hinterleibsseg-
ments gesucht hatte, da das Thier den Ton hören lassen kann,
ohne den Haarbüschel aufzurichten, und den Haarbüschel auf-
richten, ohne den Ton vernehmen zu lassen; auch hat nur das
Männchen jenes Organ, und nach dem Zeugnifs von Passe-
rini und den Erfahrungen Dr. Rambur's geben beide Ge-
schlechter den Schrei von sich. Ein völliger Aufschlufs über
den Urfprung desselben hat sich nicht finden las'sen, Hr. Du-
ponchel glaubt jedoch Hrn. Goureau*) darin beistimmen
*) Die Abhandlung desselben, welche Hr. Duponchel anführt,
und in -svelcher die frühere Ansicht desselben aufgegeben ist, findet
sich im 3ten Hefte des siebenten Bandes derselben Annalen, über wel-
che nicht hat referirt werden können, da jenes Heft seinen Weg nach
Berlin nicht gefunden hat.
20*
300
zu müssen, dafs der Ton aus dem Thorax komme, jedoch nicht
darin, dafs die grofsen Stigmen des Prothorax damit in un-
mittelbarer Beziehung ständen, sondern dafs er aus dem Zu-
sammenreiben des Prothorax mit dem Mesothorax entstände,
welche Theile bei diesem Schmetterlinge nicht unbeweglich
mit einander verwachsen zu sein schienen.
lieber die Muscardine der Seitenraupe hat Hr. Johanys
(^Annal. d. sciens. Nat.") Versuche angestellt, welche dafür spre-
chen, dafs zum Schutz gegen das Contagium (die Sporen der
parasitischen Pflanze, deren Entwickelung diese verheerende
Krankheit bedingt) sich schwefelsaures Kupfer und salpeter-
saures Blei gleich wirksam zeigen, mit deren Lösungen die
Wände der Gemächer, in welchen sich die Raupen befinden,
und die Behälter derselben auszuwaschen seien.
Hr. Davis hat in Südaustralien (Col. Adelaide) eine Spin-
nerraupen-Art beobachtet, welche Processionen machte, die voll-
kommen mit denen unserer Europäischen Processionsraupen
übereinstimmen. Sie sollen auf Eucalyptus leben, und wenn
sie einen Baum kahl gefressen haben, zu einem andern proces-
sioniren {Mag. of Nat, Hist, S. 146.).
Eine neue Eule, Agrotis Desyllii ist von Hrn. Pier-
ret in den Anncil. d. l. Soc. Eni. de France S. 95. beschrie-
ben und pl, 8. f, 2. abgebildet.
Sie ist in der Normandie gefangen, und steht in naher Ver-
wandtschaft mit A. cursovm^ ripac und vcdli^era.
Der Versuch einer naturgemäfsen Eintheilung der
Schaben ist von Hrn. Zell er in der Isis (S. 167.) gemacht
worden, als der Anfang einer Reihe von Arbeiten über die
Classification der kleineren Schmetterlinge, deren Systematik
im grofsen Werke des Hrn. Treischke an zu grofsen Män-
geln leidet, als dafs es nicht ein allgemein gefühltes Bedürf-
nifs wäre, dafs ein Mann von Talent, Eifer und Sachkenntnifs
die Arbeit auf sich nähme, jene kleinen Geschöpfe einer stren-
geren systematischen Prüfung zu unterwerfen. Hr. Zcller
hat den Anfang mit der Abtheilung der Tine.^n gemacht,
welche einer solchen Revision um so mehr bedürftig war, aus
je verschiedenartigeren Elementen sie zusammengesetzt ist;
denn da sie bisher als diejenige Abth. betrachtet wurde, in
301
welche Alles gehörte, was sich nicht als Wickler, Zünsler u. s. w.
auswies, und man für die Farn, keinen einzigen positiven Cha-
racter hatte, konnten unnatürliche Zusammenstellungen nielit aus-
bleiben. Hr. Z. sieht sich demnach genöthigt, zunächst die
Abtheil, in zwei Farn. Cramhina und Tineacea aufzulösen,
von denen sich die erste durch ihre ausgedehnten Hinterflü-
gel, welche ziemlich einen Viertelkreis bilden, und durch ihre
entwickelteren Taster, die zweite durch ihre schmäleren, bald
eiförmigen, bald lanzettlichen, selbst linear-lanzettlichen Hinter-
flügel und die wenig ausgebildeten (namenlich oberen *)) Ta-
ster kenntlich machen.
Die Cramhiden theilt Hr. Zeller m zwei (iruppen, die
eigentlichen Crambinen und die Phycideen, Die erstem
haben deutliche, (durch ihre Behaarung) dreieckige, hervorstehende
Maxlllartastcr, welche bei den zweiten verkümmert, oder cy-
llndrlscV und kurz, jedenfalls nicht von aufseu sichtbar sind.
Zu den eigentlichen Cranihinen gehören die 4 Gattungen:
Chilo Zinch.^ mit sehr langen, geraden Labialpalpen, kurzem
Rüssel, sehr langen Beinen, gestrecktem Leibe, und ausgebreitet
über den Hinterwinkel der Vorderflügel hlnausrelchenden Hin-
terflügeln {Ch. Phragimicllus Mübn.^ uinplellus Hühn.^ gigantelJus
TV. V'erz.^ sordideMus ZincTi.^ forficcUus TJmnh,^ miccronelhis
Scop.^ — die letzteren vier, wegen der beim Weibchen kurzen
Fühler, wolligen Afters eine besondere Abth. Erioproctus Zell.
bildend), — S cirpophaga Tr., von Chilo durch kurze Pidpen
und sehr kurzen Rüssel unterschieden (Sc. alba Hübn.), — Cram-
J WS mit mäfsig langem Rüssel, gerade ausgestreckten Palpenhöchstens
von der Länge des Thorax, Beinen von gewöhnlicher Länge,
und ausgespannt den Hinterwinkel der Vorderflügel nicht errei-
chenden llintcrflügeln (58 A. In 5 Abth., von denen die erste
Cr. jjalpcllus TV. Vz.. u. s. w.) einen vor der Flügclspltze ein-
mal buchtig eingedrückten Hinterrand,' die zweite {Cr. alplncllus
H, u. s- w.) daselbst eine Ajisraudung, die dritte (Cr. hortuellus
u. a.) In der Mitte des Hinterrandes einen sehr selchten Ein-
druck, die vierte (Cr. falsellus TV. F^. u. s. w.), und die fünfte
*) Für diese oberen Taster schlägt Hr. Zell er statt des von
Zincken gebrauchten Ausdruckes Pseudopalpi die Benennung Pal-
puli vor. So treffend diese Bezeichnung auch für die Schmetterlinge
sein mag, möchte es doch "Vieles für sich haben, diese Theile eben
so zu nennen als bei den übrigen Insecten, nämlich Palpi maxillares-
Die von Fabricius gebrauchte Unterscheidung der Taster in obere
(MaxiUar-) und untere (Labial-) Taster scheint nicht so bezeich-
nend, als die, welche auf Thcil Bezug nimmt, dem die Taster ein-
gelenkt sind.
302
(Cr. helliis Hüh. u. a.) die Flügel ganzrandig, doch jene die Palpen
von der Länge des Thorax, diese nur von der des Kopfes ha-
Ijen); — Eudorca^ 'solche A. begreifend, welche in der Ruhe
ihre Flügel flach tragen, und an deren Palpen die Haare unter-
wärts einen Busch bilden , der so lang ist als das dritte Glied
(9 A., nämlich: quercella W. Vz,^ parella^ neue A. aus Süd-
deutschland, octonella, neue A. ebendaher, mercurella JL. , ambi-
gualis Tr.y perplexella Fisch, v. /?., duhitaUs H'übn.y Sndetica^
neue A. vom Riesengebirge, ochreuUs F.)
Die P hycideen (die früheren Gatt. Phycis und Gcdleina)
iheilt Hr. Zell er in die 7 Gatt.: Blyelois llilbn.^ mit in bei-
den Geschlechtern einfachen Fühlern, ohne Biegung und Schup-
penbart, dünnen cylinfkischen Maxillar-, und deutlichen, gebo-
genen oder geraden Lippentastern (21 A. In 4 Abth., nämlich:
1) mit kurzen aufgekrümmten Lippentastern, breiten Vorderflü-
geln ohne Querlinien: rosella Scop., cirrigerella Zinck., ci'ihrum
Jf. Vz.,\ — 2) mit aufgekrümmten Palpen und mit 2 Querli-
nien oder Binden im Vorderflügel: clirysorhoeeUa ZincJc.^ inter-
punctella Jiiihn,^ elutella Hübn.^ Ceratoniae, neue A. von Lal-
Lach, achaiinella Hilbn.^ composiiella Tr.y tercbrelln, adoenella^
vialvella Zinck^ legatella Mübn. ; — 3) {^crohasis Zell.) wie die
vor., aber beim Männchen mit einem Zahn am W urzelgliede der
Fühler; — consociella Hübn.^ tuinidella Zinck., oblusella Hübn.^
4) (Zophodia Hiibn.) mit ziemlich geraden Palpen, und zwei
Qucrlinlen oder Binden auf den Flügeln: convoluiella Hübn.^ g//-
veolelta Meizn.^ {lignellu, fielueticella, alpicolella F. R.) ; — Ane-
rastia mit einfachen Fühlern, ohne Schuppenbart, ohne Maxil-
lar- und mit geraden Labialpalpen (loiella Hiibn., punctella Tr.,
pudiccllu Genn., abluiella., neue A. aus Sicilien, vinetella Hübn.^
RipperteUa /joisd.)^ — Phycidea Zeih, mit einfachen Fühlern,
welche im männlichen Geschlechtc oberhalb des Wurzelgliedes
einen kleinen Ausschnitt haben, ohne selbst znrückgebogen zu
sein, kleinen cylindrischen Maxillar-, deutlich aufgekrümmten La-
Llalpalpen (iiebulella JV. /^-s. (?), nrmbella, neue A. aus Äicillen,
sinuella F.'); — EpiscJinia., mit deutlicher Biegung der männ-
lichen Fühler, ohne Schuppenbart an denselben, kleinen cylin-
drlschen Maxillar - und deutlichen Labialpalpen (13 A. in 4 Ab-
iheil., nämlich: 1) (^ncylosis Zell.)., mit ziendich kleinen ge-
krümmten Palpen und schmalen bandirten Vorderflügcln: ruii-
lella F. R., canella JV. Vz., d'dulella Hiibn.; — 2) Epischnia
IJiibn.), mit ziemlich langen aufsteigenden Palpen, deren End-
glied horizontal vorgestreckt Ist, und schmalen unbandirten Flü-
geln : prodromella Hiibn.., iliolella^ neue A. aus Sicilien; — 3) {Hy-
pocJiulcia Hiibn.)., mit Erzglanz und breiten Flügeln, mit langen
geraden Palpen: ahenella W. Vz.., rubiginellaTr.., melanella Tr.,
tlignclla Hiibn.., dccorella Hiibn.., (xerinavcUa Zinck.; — 4) {Ca-
lastia Hiibn.)., durch dünn(!, zusammengedrückte, aufgebogene
Palpen von der vor. unterschieden: {viarginca TF. Vz.., anriet'
Hella Hiibn.)\ — Ncphopteryoc Hiibn., mit deutlicher Jjiegung
der männlichen Fidder über dem Wurzelglledc, einem Schnp-
penbart in derselben, und mit kleinen cylindrischen Maxillar-,
303
deutlichen, meist f^ekrilmmten Labialpalpen (argyrella, rohorelln^
abietclla TV. T^z.^ rhenella Tr., iatühella Huhn u. s. w.) ; — Pemp e U a
Hbn.f mit Fülilern wie bei Nephopie>*ifJc, pinselartigen, in einer
Aushöhlung der Labialtaster liegenden Maxillartastern der Männ-
chen und kleinen cylindrischen, dem Obergesichte anliegenden
Maxillartastern der Weibchen: ZincheneUa Tr. (mit langen, dün-
nen, geraden Palpen, wefshalb Hr. Z. eine eigene Abth. Etiella
für diese eine A. gründet), carnella JL.^ ohductclla F. R., sorori-
ella F. H.^ ovnatella TV. T^z.., ndornnieUa Tr., serpylletorum^ n.
A., perßuella Zinck.^ adelphella.^ faecella Tisch., carhonm*iella F.
/fc. , obiusella ZincTc,^ palumhella TV. Vz.^ ulbariella F. R.) —
Gnlleria jP. , beim Weibchen mit langen vorgesteckten, beim
Männeben mit sehr kleinen der Stirn anliegenden Palpen mit
nacktem ausgehöhltem Kndgllede, bei beiden Geschlechtern mit
über das Obergesicht verlängerten und dann gerade abgeschnit-
tenen Stirnhaaren {meUonella und sociella JL. , foedella F. R.y
anelhi TV. Vz. Die beiden letzteren bilden die Gruppe Mc-
lissohlapies Zell.^ weil der aus Haaren gebildete Seitenzahn
des ersten Fühlergliedes, den die beiden ersten haben, hier auf
einen kleinen Höcker reducirt ist).
Die zweite Fam. der Tineaceen ist dem Verf. nicht ge-
lungen in Gruppen zu zerlegen, weniger weil sich der natür-
liche Zusammenhang der Gatt, nicht bemerkbar machte, als we-
gen der Schwierigkeit, für solche Gruppen durchgreifende Cha-
ractere aufzustellen. Die Gattungen in einer naturgemafs er-
scheinenden Ordnung sind folgende: 1. Coryptiluvi Zell..,
mit aufgekrümmten, auf der Unterseite steifhaarigen Tastern,
den gestreckten Hinterleib an Länge übertreffenden Fühlern,
gestreckten, abgerundeten, ziemlich kurzgefranzten Flügeln, die
sich dadurch auszeichnen, dafs die Hinterflügel eben so lebhaft
als die Vorderflügel gefärbt sind (C. Klugü, neue A. aus Java).
— 2- Eocapute Htihn., beim Männchen Kopf und kurze Taster
rauh, ohne Rüssel, Flügel mäfsig gefrauzt, die hinteren mit haar-
förmigen Schuppen, beim Weibchen die Vorderilügel kurz, die
HInterflügcl fast fehlend {Salicella Hübn.^ gelaiella Li.). — 3.
Cimahacche Hiibfi., das Männchen durch vorhandenes Rudi-
ment eines Rüssels und andere Palpen, das Weibchen durch voll-
kommenere Flügel von der vor. verschieden {Phryganella Hiibn.y
Fagella TV. J'^z.) — 1. Semioscopis Hbn., in beiden Geschlech-
tern mit ziemlich glattem Kopfe^ aufgekrümmten Palpen mit sehr
feinem Endgllede, kurzem Rüssel, vollkommenen, ziemlich lang-
gefranzten Flügeln, die in der Ruhe flach dachförmig, hinten
fast ganz flach über einander liegen {strigulnna TT^. Vz..^ avella-
nella Hhn., StelukeUneriana TV, Vz., anella Hbn.}. — 5. fn-
laeporla Hbti., durch die Vollkommenheit der Taster und die
gestreckten, beschuppten Flügel von Psyche., durch die Flügello-
sjgkeit des Weibchen von Tinea verschieden (Ps. politella O.
pseudobomhjcella Ilühn.y claihrella Tr., licheneUa L,) — 6". Ti-
nea, mit sehr wolligem Kopfe, kurzen rauhen Palpen, mit ei-
nem oder einigen Borstenhaaren auf der Oberseite der letzteren:
die erste Abthl. {Lampronia Sieph.) hat ziendich breite, abge-
304
rundete, eiförmige Hinterflügel (siäereltaMÜll,^ OefihnaHmella Tr.,
capUella L.y praelaiella^ rupella JV. Vx,.^\ bei der zweiten
{Incurvaria Haw.) sind sie gestreckt und stumpf (MascuhJla
Tf^. /^'z., Zinckenn Zell., ßavocosiella^ angusiicosiella F, /J.), bei
der dritten {Tinea) gestreckt und spitz (18 A., darunter tape-
ziella, graneUa., pelUonella L,)) die yicrte (Swaminerdatnia Hbn.)
kommt im Flügelbau mit der dritten übercin, hat aber keine
Borsten an den Palpen, und lebt als Raupe in weitläuftigcn Ge-
spinsten, während die anderen Sackträger sind: (cotnjjiella, cae-
siella, cerasiella Hübn.^ crntaegeUa L.). — 7. Ochsenhchne-
ria Hübn» (Phyges T'r.), mit sehr wolligem Kopfe, dessen Haare
gegen die Spitze breit und oben ausgerandet sind, mit kurzen
rauhen Palpen, beim Männchen auf einer Seite schuppig behaar-
ten, an der Spitze nackten, beim Weibchen gänzlich nackten,
feinen Fühlern, und mit langem, flachem Hinterleibe (tnurella
W. Vz.). — S. Micropteryoc Hühii.^ mit dicht wolligem
Kopfe, in dessen Haaren sich die langen, zusammengedrehten,
flaumhaarigen Palpen verstecken, den Körper kaum an Länge
übertreffenden Fühlern, mäfsig langgefranzten Flügeln, oval-lan-
zettförmigen Hinterflügeln (CaJihella £/., anmceJla Scop., nUio-
nellu F.^ ^näerschella Hübn.^ Sparmanella F,, fastuosella Zell.)
— 9. Nemaiopagon (NeniopJiora Hübn.)^ mit wolligem Kopfe,
langen, zusammengedrehten, flaumhaarigen Palpen, Fühlern, die
mehr als doppelt so lang als der Körper sind, zusammengedrückt
dachförmig gehaltenen Flügeln, länglich ovalen Hinterllügeln;
nicht bei Tage fliegend {Swamerdaviellus L,, ScJiwarziellus
Zcll.^ jnlulellus Hbn.^ pUelhis JV. Vz.^ meiaxclhts Zink.). — 10.
jidela T^atr.^ mit wolligem Kopfe, kurzen, haarigen, auf der
Unterseite bürstenförmigen Palpen, sehr langen Fühlern, in bei-
den Geschlechtern mit kleinen, weit von einander getrennten
Augen, und mit in der Ruhe flach dachartigen Flügeln; im Son-
nenschein schwärmend, gesellig (12 A. in 3 Untergatt.: nämlich
a. Cauchas Zell., Fühler (beim Männchen dick) kaum von dop-
pelter Körperlänge: //^w7e//« JV. Vz.^ confonneUa neue A., ru-
ffrontella Tr. — b. Eutyphia Hübn.^ Fühler beim Männchen
\iel länger als von doppelter Körperlänge, Augen klein, Körper
mit anliegender Behaarung: Frischella L., violella JV. J^z.^ SuU
zeriella {Sulzella Li.)., associaiella F. R., Degeerella L., congru-
ella F. jß., Ochsenheimerella Hbn. — c. Adela Latr.^ durch
grofse Augen und zottige Behaarung von der vor. unterschieden:
viridellu Scop., cuprella L.) — 11. Ne7natois Hübn., mit beim
Männchen ziemlich kahlem, beim Weibchen wolligem Kopfe, kur-
zen, auf der Unterseite bürstenförmig behaarten Palpen, den Kör-
per weit an Länge übertreffenden Fühlern, beim Männchen gro-
Isen, genäherten, beim W^eibchen kleinen, getrennten Augen (sca-
hioscUus Scop.., Laireillellus JP., SchiffermullcrcTlus JV. Vz., mo-
lellns Hb^n.) — 12. Euplocaimis Lnir., mit ganz wolligem
Kopfe, mit einem dichten llaarbusche überzogenem zweiten Pal-
pCMgllcde, aus dem das dünne Endglied aufsteigt, kleinem Rüs-
5cl, verhältnilsmälsig kurzgcfranzten Flügeln, mit 2 Untergatt.
a. Uuplucamus, mit elliptischen Ilintcrflügeln und beim Mann-
305
chen gekämmten Fühlern (FuessUnellus Sulz., auraniiellus Tr.)
— b, Scaräia Tr,^ mit länglich elliptischen Hinterflügeln und
beim Männchen gefranzten Fühlern {boieiellus F., chovagellus
W. Vz.), 13. Plutella Sehr., von der vor. durch mittel-
mäfsig langen Pvüfsel und meist einfache Fühler unterschieden:
mit 3 Abthcll., indem die Einen mäisig langgefranzte Hinterfl.
und entweder ganzrandige Vordcrfl. {Pluiella, 5. A., worunter
Xylostella und porreciellu L.) oder am Ilinterrande vor der
Spitze ausgebuchtete Vorderfl. {Harpipteryx Tr. , 15 A., wor-
unter Sequella, vhcUa CL, siluella, scabrella^ asperella L. u. s. w.)
die Anderen {Theristes Hbn., 1 A., cutirella Hbn.) langgefranzte
Hinterfl. und geschwänzte Vorderfl. haben. — 14- Aieliotuvi
Zell, mit wolligem Kopfe (beim Männchen), auf der unteren
Seite in einen Haarbnsch , in welchem das Endglied versteckt
liegt, verlängerten Palpen, fehlendem Rüssel, eiförmigen Hinter-
flügeln mit zugerundeter Spitze {HungarielUmi F.R,). ^ — Ypso-
lophus F., mit glattem Kopfhaar, Tastern wie bei Euploca-
mus, mittelmälsigem Rüssel, schmalen Vorder- und trapezoidi-
sclien Hinterflügeln, entweder mit etwas sichelförmiger (Sophro-
nia Hbn., 4 A.^ worunter chilonellus Tisch, humerellus JV. Vz.)
oder einfacher Spitze der V^orderfl., letztere mit lang (JT^so/opÄws
jP., 10 A. , u. a. marginellus, usiulellus F., iuniperellus L.) oder
sehr lang (Megacraspedus Zell., 2 A., worunter striatellus JV.
Vz.) gefranzten Hinterfl. — 16. Holoscolia Zell., mit glattem
Kopfe, Palpen wie bei Aieliotum, mittelmälsigem Rüssel, lang-
franzigen und an der Spitze sichelförmigen Flügeln {J'orßcella
Hbn.). — 17. Annrsia Zell., wie Ypsolophns, nur die Palpen
des Männchen wie bei Aieliotum, (.3 neue Europ. Ä.). — 18.
AchiniaHübn., mit auf dem Scheitel anliegendem, hinten etwas
wolligem Kopfhaar, langen oder ziemlich langen zusammenge-
drückten, auf der oberen und unteren Kante mit aufgerichteten Haa-
ren besetzten Palpen, mit kurzem, divergirenden Endgliede, mit-
telmäfsigem Rüssel, trapezischen Hinterfl.; mit 3 Untergatt.: a.
Pleuroia Hbn., mit mäfsig langen Franzen, lanzcttförm. Vorderfl.,
feinem Endgliede der Palpen (Pyropella TV. Vz., aristella L.^
rostrella Hbn., bicosiella L.) — b. Topeutis Hbn., mit breiten
Flügeln und ziemlich kurzen Franzen, Palpen von der Länge des
Hinterleibes mit etwas dickem Endgliede (Jbarbella F., crinella
Tisch., lahiosella Hbn.) — c. Anchinia Hbn., mit breiten Flügeln
und kurzen Franzen; Palpen kürzer als der Hinterleib, und
nach hinten etwas erweitert mit etwas dickem Endgl. {Daph-
nella, verrucella TV. Vz.). — 19. Harpella Sehr., mit glattem
Kopfe, langen, geraden, zusammengedrückten Palpen mit anlie-
genden Haaren und dünnem, kurzem, aufgerichtetem Endgliede,
mittelmässigem Rüssel, beim M. gefranzten, beim W. unbehaar-
ten Fühlern, längllcheirunden , mäfsig langgefranzten Hinterfl.
(jtroboscidella Sulz., Geojjfroyella F., bracieella Li.). — 20. Hy-
percallia Steph., von der vor. durch ganz kurzen Rüssel und
Irapezoidische Hinterfl. verschieden (Chrisiiernana L.). 21. Oe-
cophora Lair., mit glattem Kopfhaar, pfriemenf. Palpen meist
von geringer Länge, kaum dem Körper an Länge gleichen Füh-
30G
lern, länglich eiförmigen, meist spitzen Hinterfl.; bei den Einen
sind die Fühler in der Mitte verdickt (Dasyceva Steph. 1. A..*
OJiuiella F.) — bei den Zweiten sind die Palpen von der Länge
des Rückenschildes, am Ende sehr fein, die Flügel entweder
^iienilicli kurz (Oecophora 17. A., worunter minutella und Schaeffer-
ella L.) — oder gestreckt, die hinteren mit einer längliclien,
durchsichtigen Stelle an der Basis (Endrosis Hbn,^ 1. A,: lacte-
ella W, Vz.) bei den den Dritten sind die Palpen kurz und ein-
fach, der Kopf meist eingezogen, die Hinterfl. entweder lanzettf,
spitz, sehr lang gefranzt, (Scyi/iris Hbn. iß A., u. a. Knochei/a
/^. , Esperella, Inminella^ cuspidclla, inspersella^ chenopodieUa
Hbn.) oder ziemlich stumpf und weniger langfranzig (Prays
Hbn. — 4 A., worunter mouffetella L.) — 22. YpomeJivuta
Lntr,^ mit glattem Kopfhaar, cylindrischen kurzen Palpen, mit-
telmäfsigem Hüssel , ziemlich kurzfranzigen Hinterfl. mit einer
durchsiclitigen Grube an der Basis (ru/hniirellus Jf^. Vz»^ se-
della Tisch. ^ phtmbella W, Vx..^ padclla L. u. s. w.) — 23. Pse-
cadia Hbn. {Melnnoleuca Siejyh.), von der vor. G. durch die
fehlende Hinterllügel -Grube unterschieden, entweder mit pfrie-
menf. Palpen und dünnem Leibe (Psecadicij 5 A.; 6- punctcUa
Hbn.^ scalella Scop., echiella Jf^. Vz.^ funerella jP., 'iO-guüella
Hbn.) — oder mit zusammengedrückten, unten rauhen Palpen
und dickem Leibe (Eilmiia Hbn. mit 2 A.: ßavianella F. R. und
pyrausta Pall.). — 24. Haeviilis Tr, (^gonyopteryx Tr.) mit
glattem Kopfhaar, kleinen aufgekrümmten, borstenförmigen Pal-
pen, kleinem Rüssel, kurzfranzigen Flügeln, die vorderen mit
scharfem Vorderwinkel und fast eingedrücktem Hinterrande, die
hinteren länglich eiförmig (Sparganlella T/mnb.). — 25. Sie-
noma Zell.., mit glattem Kopfe, aufgebogenen, zusammengedrück-
ten Palpen aa enigstens von der Länge des Rückens, mit langem
i)friemenf. Endgl. , mittelmässig langem Rüssel, kurzgefranzten
'liigeln, die vorderen vor der Mitte breit, nach hinten ver*
sclimälert, die hinteren fast viertelkrelsähnllch (3 neue A. aus
America). — 25. Hepressaria Haw, (^T^olucra Lair.., Ilacmylis
Tr.) mit Kopfhaaren, Tastern wnd Rüssel, wie bei der vor., et-
was breiten, ziemlich langfranzlgen Flügeln, die vorderen nach
hinten beinahe erweitert, die HInterli. stumpf, länglich elfönnig,
mit iiachem, gerandetem Hlnterlelbe, und mit in der Ruhe ilach
und mit parallelen Vorderrändern gehaltenen Fl. Bei den ei-
nen yDeprcssarin., — 26 A. u. a. ^Islroemeviana JL.., Heraclcana
jOc'g.., applana F.) haben die Hinterfl. eine buchtige Ausrandung
am Schwanzwlukel, bei den andern nicht {J^olucra , — 4 A.,
worunter furvella Tr.) — 27. Carcina Hübn, (P/übaloccra
Steph.)., mit glattem Kopfhaar, dünneren und auf der Unterseite
weniger behaarten, sonst wie bei HncinifUs gestalteten Palpen,
kurzem Rüssel, dicken, den Körper an J.änge ühertr^'ffenden,
beim M. ungcfrnn/.lpn Fidilern, massig langgcfranzten Fl. und
Irapezoidlsrhen Hinterfl. {fagana W, Vz,.) — 2S. Gclechia
Hbn. (Uta Tr.) mit Kopfhaar, Palpen, Rüssel, Flügclhaltung
wie bei Deprcssaria., den Körper an Länge nicht erreichenden
Fühlern, länglichen Vorder]!., Irapezoidischcn Hinterfl. mit niälsig
307
langen oder langen Franzen, die Einen mit fein pfriemformlgem,
die Andern mit zusammengedrücktem, auf dem Rücken gebarte-
icm letzten Palpengllede: die ersten entweder die Ulnterfl. brei-
ter oder wenigstens ebenso breit als die Vorderll., und diese
theils das letzte Palpenglied länger (Noi/iris Hbn., 5 A., ii. a.
poimlella L.), theils kürzer (Gelec/iia Hbn.^ 48 A., z. li. cinerella,
leitcatella L.^ aleella, quadrella, litgubrella F.) als das vorletzte,
— oder die fllnterfi. schmäler als die VorderH. habend {Brach-
viia Hbn.y 26 A., z.B. Hennanella JP, ligiilella^ micella TV. Vz.)
— die zweiten en^tweder die HInterfl. breiter (Chelaria Haw.^
.2 A., unter denen conscriptella Hbn.) oder schmäler (Meizneria
ZinJi.^ j3 neue A.) als die VorderH. habend. — 2.9. Hoessler-
stamviia Zell.., mit glattem^ nur am Hinterkopfe rauhem Kopf-
haar, ziemlich kurzen, fast fadenförm., aufgekrümmten Palpen,
mlttelmäfslgem Rüssel, jjorstenförmlgen, dünnen Fühlern von der
Länge des llinterleibes, raäfsig langgefranzten Flügeln, die Einen
mit spitzen {grankelld u. caviosella Tr. u. 2 neue A.), die Andern
mit breiten uud stumpfen HInterfl. (Chrysitella Zell.., 1 A. Erjc-
lebeniella F.). — .30- Glyptipteryoc tibn.^ mit glattem Kopf-
haar, kurzen, etwas aufgekrümmten, spitzen, behaarten Palpen,
ziemlich breiten, ovalen, stumpfen HInterfl. mit kaum kenntli-
chem Hinterw. und mäfsig langen Franzen: bei Tage fliegend, ^
mit den Flügeln während des Sitzens vibrirend (loricaiella T.,
Liinneana Hbn.., variella F.). — 31. Aechmia Tr.., von der
vor. durch viel schmälere, lanzettf. HInterfl. und viel längere
Franzen unterschieden, im Betragen übereinstimmend (7 A., die
ersten 3, darunter Thrasonella, equitella Scop. mit, die übrigen
neuen ohne Augenfleck im Vorderfl.) 32- Argyrestia Hin..,
mit wolligem Kopfe, aber glatter Stirn, nicht langen, meist hän-
genden Palpen, mit verdicktem Ende des zweiten Gliedes, wel-
ches dem letzten an Länge ziemlich gleicht, kaum die Länge
des Körpers erreichenden Fühlern mit verlängertem, durch
Haare verdicktem ^Vurzelgliede, länglichen, langgefranzten Flü-
geln, lanzettf. HInterfl. mit stumpfem Schwanzwinkel j die äch-
ten mit dünnen, glatthaarigen Palpen, entweder bunt (pruniella
Lt., Goedartella L. u. s. w. — 14 A.) oder einfarbig (argentella
L. und .3 neue A.), die andern (Cedesiis Zell, mit zwei neuen
A.) mit ziemlich dicken, rauhhaarigen Palpen. — 33. Coleo-
p/iora Hbn. (Porrectaria Haw.) mit glattgestrichenem Kopfhaar,
festreckten Palpen, mit etwas dickem, auf der Unterseite oft
uschlg-behaartem vorletzten und spitzem letzten Gllede, bor-
stenförmigen Fühlern von Körperläuge, diese bei den Einen an
der untern Hälfte dicht behaart, entweder ohne (Haplopiilla
Hbn.., 2 A. , worunter JMayrella Hbn.) oder mit einem Haar-
busche auf dem Wurzel^llede {Euphia Hbn.., 2 A. , worunter
ornipennella Hbn.) — bei den Andern nackt, das Wurzelglicd
wieder entweder mit {Apista Hbn.., 11 A., u. a. vibicella Hbn..^
colutella, auricella F.) oder ohne Haarbuscli (Coleop/iora, 17 A.,
z. B. otidipennella ., coracipennella Hbn.). — .34. Gr acilaria
Haw. {Ornijc Farn. A. Tr.) mit glattem Kopfhaar, niittelmäfsi-
gen, dünnen, aufgekrümmten, glatthaarigen Labial- und ziemlich
SOS
langen, dünnen, spitzen Maxillarlastern, (Jen Körper an Länge
übertreffenden, feinen, an der Spitze gebogenen Fühlern, sehr
lang gefranzlen Flügeln, lanzettförm. Ilinterfl. (15 A., z.B. elon-
geiia JL., stiginaielia, syringclla F.). — 35. Corisciuin Zell.,
von der vor. dadurch unterschieden, dafs das vorletzte Palpen-
glied unten einen Ilaarbusch hat (.3 neue A.). — 36. Ornioc
Tr.^ von Gracilaria durch wolligen Kopf versch. (jneleagripen-
nella Mbn. u. 2 neue A.). — 37. Cosmopieryoc Hbn., von
Oracilarm durch undeutliche Maxillarpalpen und borstenför-
niige, sehr lang gefranzte Hintcrll. dibweiciiend (Zieglevelln HOn..,
pedella />. , lurdipennella Tr.y pinicolella Zell., neue A.). —
38. Elachisia Tr., mit glattem Kopfhaar, dünnen, aufgeboge-
nen, glattbehaarten Palpen, einfachen Fühlern unter Kürperlänge,
langfranzigen Flügeln, sehr schmalen Hinterfl. ; die Einen (C'hau-
lioäiis Tr.) mit gestreckten Vorderll., diese innen mit Schuppon-
zähnen {pontißcella., Illi^erella, iesiacella Hbn.), — die Andern
mit gestreckten YordeiHügeln ohne Schiippenzähne, entweder
mit rauhen (9 A., z.B. Epihbiella W. Vz.) oder glatten Vor-
derfl. (ßchreckensieima Hbn. 8 A., z. B. Lvnnaeella C7. , Roe-
sella £/.), — die dritten mit ziemlich kurzen Vorderfl., ohne
Schuppenzähne (Elachisia, 14 A., z. B. quadrella Hbn.). — .39.
Oposiega Zell., mit erweitertem und zur Aufnahme der Au-
gen ausgehöhltem Wurzelgliede der Fühler, glatt anliegendem
Kopfhaar (salaciella T. , aurilella, spariifolielln Hbn. u. 3 neue
A.) 40. Lyonelia Hbn., gleichfalls mit zum Augendcckel
gestaltetem ersten Fühlergliede, aber mit einem Haarschopf auf
dem Scheitel, entweder mit etwas kurzen, ungeschwänzten (Biic-
culairix Tisch.., 16 A., z. B. Hiibnerella Hbn.) oder gestreckten
und gcschxAänzten Vorderfl. (Lyonetia, 4 A, z.B. ClercJcella L.)
41. LithocoUetis Hbn., mit einfachen Fühlern, nur mit
verlängertem Wurzelgliede und mit rauhem Hinterkopfe (18 A.,
z. B. Raiella //., Elancardella, Schveberella, Kleemannclla F.). —
42. Tischeria Zeil., mit beim Männchen gekrümmten, beim
Weibchen nackten Fühlern, und bei beiden Geschl. mit einem
langen, aus Haaren gebildeten Seitenzahn des ersten Gliedes
(complanella Hbn.).
Hie vier letzten Gatt, werden gewöhnlich als Blattminircr
bezeichnet, obgleich theils nicht alle derselben, thcils auch an-
dere Schaben miniren. Sie zeichnen sich, aufscr ihrer Klein-
heit, durch langsamen, schweren Flug, langgefranzte, sclnnale
Hintcrll., grob und glänzend beschuppte Vorderll, kurze, hän-
gende Palpen u. s. w. aus. — Kine andere natürliche Gruppe
scheinen diejenigen als eigentl. Tineaceen zu bilden, welche als
Raupen in röiirigen Gehäusen leben, und als Sclnnetterlinge
sich durch rauhen Kopf und rauhe Palpen auszeichnen, nämlich
Tinea, Microptcryjc, Neniafopogon, Adcla, NcmaLois, Euploca-
mus und vielleicht auch Ochscnheiinevia: eine andere (irupne
sind die Exapalcivien , mit unvollkommen geflügelten. Weib-
chen, nändich: E.rapalc, Ciniabacche, Talaeporia; eine andere
die Oracilarien mit (iracilaria, Corisctmn^ Ornijc^ Cosmopteryx;
eine andere die Gatt. Colcophora] andere schwieriger zu bc-
309
gränzende die PluleUarten (Plutclla, Ypsolophns^ Holoscollay
yinnrsia, Aielioluvi^ Anchinia) und die Ypoineneutiden (Harpella,
Hypet'callia, Oecophora, Ypoineneuia^ Psecadia^ Stenoina, Haemy-
lis^ Depi'cssaria^ Carcina^ Gelechia, Roesslerstavimia und vielleicht
Semioscopis).
- D i p t e r a.
Von den Dipteres exotiques nouveaux ou peu connus (!es
Hrn Macquart, liegt das zweite Heft des ersten Bandes vor,
welches die Abtheilungen der Mydasiens, Asiliques, Hyho-
tides, Empides und Vesicideux enthält. Der Verf. hat Wie-
demann's Aufsereuropäische Zweiflügler mit allen den Arten
vermehrt, welche er in den Pariser Sammlungen, vorzüglich der
des dortigen Museum fand, zugleich die meisten der bisheri-
gen in eine gröfsere oder geringere Zahl von Gattungen
aufgelöst, welche aber um so mehr noch einer sorgfältigen
Prüfung bedürfen, als sie zum Theil nicht einmal nach vorlie-
genden Exemplaren, sondern nur nach den in Wiedemann's
Beschreibungen enthaltenen Angaben aufgestellt sind.
Die Mydasii entliaten die drei Gatt. JMydas (mit ge-
strecktem letzten Fühlergliede und geschlossener zweiter Untej-
randszelle — 2 neue A.); Rhopalia, mit gerundtem letzten
Fühlergliede und offener zweiter Unterrandszelle — 1 neue A.,
(^Rh. Olivieri^ aus Aepypten) und C epJialoc er ((^ (mit dünnem
vorgestecktem Rüssel — Myd. longiros,tvis Tß^d. und 2 neue A. vom
Cap). — Die jlsilici bilden 3 Gruppen: 1. Dasypogonitcs^
mit den 10 Gattungen: Ceraiurgus JVd.^ Diociria Mg.,
beide mit längeren Fühlern, die erste mit verlängertem Endgliede
derselben; Microstylumj mit kleinem Fühlergriffel und in die
erste eindringender zweiter Hinterrandszelle (Dasyp. venosus,
afer^ harbarossa, apicalis, dux^ u. 5 neue A.); Xipnocera, au-
Iser etwas verlängertem dritten Fühlergliede durch den mit; der
Spitze nach hinten gebogenen Rüssel von Dasyp. abweichend
(jD. limhaius F., humeralis JVd.., PercJieronii der Suit. ä Rh [F.
von Sumatra, und. 1 neue A. Jt. Reynaudi vom Cap); Dolicho-
des, durch langgestreckten Hinterleib von Dasyp. unterschieden
(eine neue A. aus Brasilien); Discocepliala mit sehr breitem,
flachem Kopfe {D. oculatus^ rujiilioraxTVd. u. 1 neue A.); Acne-
pha lum, gute, durch den Mangel d. Hautlappen zwischen den Klauen
deutlich unterschiedene Gatt. (D. andrenoides, quadraius^d. und
1 neue A. vonNaxos); Senohasis und Plesio?nma (jede mit 2
neuen A. aus Brasilien) zeichnen sich durch gestielten Hinterleib aus,
diese mit fast zusammenstofsenden, jene mit auseinanderstehen-
den Augen. — 2. Lap/iritae^ ebenfalls mit 10 Gatt.: Megn-
poda, ohne Knebelbart und mit langen Beinen (Laph. labiala
/**.); Hoplisiomerus^ (L. serripes) mit breiten, eiförmigen
und Lampria (L. aenea u. clavipes F.) mit dünnen Tastern,
310
beide mit stark verdickten Hinterschenkeln ; JLaphria (22n. A.),-
Hhopalogasier (JL. longicomis Tf^d.) mit sehr langen, Micro-
iomia (eine neue A, ans Osliadien), mit mäfsig langen Fühlern,
beide mit gestieltem Hinterleihe; Atomosia^ mit punctlrfem
Körper und auf den Flügeln die hinteren Quernerven in einer
Linie (£/. puella Jf^d, und 6 neue Amerik. A.); TLiaocenecera^
durch haariges drittes Fühlerglied ausgezeichnet (2 neue A. aus
Bengalen); Tapinocera^ mit sehr niedrig eingelenkten Füh-
lern (£/. hremcornis Wd.); P/ioneus, mit verlängerter Lege-
röhre vi^Ie bei udsilus (1 neue A. aus Brasilien). — 3. Asi^
licij mit 14 Gatt.: Craspedia.lmit breitem, flachgedrücktem
Körper (A. corianiis TFd. und noch eine A. aus Neuholland);
MalJophora Serv. (die hummelartig rauhen Asil.j 16 A.), mit
verlängertem, Trupanca {A, maculatus u, fasciatus F., 39 A.)
mit kurzem drillen Fühlergllede, beide mit 3 Unterrandzellen,
deren die folg. Galt, nur 2 haben: Eraoc^ mit slark vorragen-
dem Gesicht (A. helzcbul, lahidophorus , viriUs JVd.^ aesiucms L-.,
29 A.); Apoclea (2'neueA. aus Aegypten), mitflachem, Proci-
acantha {A. barbatus F.^ longus^ xaniliopteriis JVd. u. 7 neue
A.), mit vortretendem Gesicht, beide mit einem Kreise dlvergl-
render Spitzen am Ende der weiblichen Legeröhre; Lophono-
ius^ mit langem und dichtem Knebelbart, klelförmig behaartem
Rücken (^. suillus Wd, u. 10. A. meist vom Cap: hierhin auch
der Europäische A. cristaius Iloffg^\ Senoprosopus^ mit sehr
schmalem Gesicht (1 neue A. aus Bengalen); Lecania^ mit
langem, in einer kleinen Scheibe endigenden Fühlergriffel (2
neueA.); Ommatius^ mit gefiedertem Fiihlergriffel (3 neue A.);
Asilus (42 neueA.); Airactia, wegen der niciit vortretenden
Geschlechtstheile von As. abgesondert (A. psiloguster Wd.);
Dainalis (1 neue A.) und Gonypus (2 neue A.), die ersterc
mit, die letztere ohne Hautläppchen zwischen den Klauen, beide
durch offene Randzelle von den vorhergehenden abweichend. —
Von Hyboiiden ist nur eine A., H.. iJwvadcus Say. TVd.^ be-
schrieben. — Die Einpiden sind mit 2 neuen Gatt, berei-
chert: üriogasier, wegen der krummen Hinlerschienen und
des behaarten Jiauches von JEjnjyis ahgesondert (/i\ lan'wen-
iris JVd.^ und Aplomera durch verdickte Hinterschenkel und
kurze zweite Unterrandzelle von Hilara verschieden {A. Gayi
neue A. aus Chile). — Die Inf lata haben .3 neue Galt, er-
halten, nÄmVivh Mesophysa (welche aber eigentl. Fancjjs JLavt.
Lair, Ist, und vermulhlich sind die Ex., welche den Beschreibun-
gen von Lamarck undLatreiUe zum Grunde lagen, diesel-
ben, welche Hr. Macq. hier wieder als neue, mulhmafsllchc
Capenser beschreibt.) und Eriosovia (Aa'ocera cnlida Tf'd.^
welches Hr. Macq. wegen der Behaarung A^?, Körpers und der
Abweichungen Im Fliigelgeäder zu einer eigenen Galt, erhebt.);
Mesocera (rlle Capenslsclien Cyrius bei Wiedm., von denen
eine A. schon früher Im Anhmä Khtgd. als neue Galt. Psilodcra
abgebildet wurde). — Zum Schlufs Nachträge zum vor. und
auch zu diesem Hefte. — Mehrere der benutzten Gallungsnanien
können nicht bestehen, z. I>. Xij)hocera\ auch ist Trupanca als Syn-
onym von Trypcta sclir übel gewählt.
311
Hr. Perris besclireibt in den Annal. d. L Soc. Ent. de
Frcmce Vol. VIII. p. 47, einige neue Dipteren-Arten von Mont
de Marsan.
JMyceiophila Lycogalac, deren Larve in Lycogale vii-
niata lebt; Scaiophaga serotina^ deren Larve sich im Octo-
ber im Kubdünger findet, sich in der Erde verpuppt und im
Spätherbst auskommt; Helomyza gibba, an schattigen, feuch-
ten Stellen; Pelecocera lugubris, mit schwarzem, ungefleck-
tem Hinterleibe, selten, im Frühlinge auf Blumen ; Crlorhina
hornbiformis^ dem Bornbus muscorum gleichend, einmal auf
Blüthen des Faulbaums gefangen; Cyrtosia fiiarginata^ eine
neue Gatt, der Bombylier^ (Fühler dicht zusammenstehend, ohne
Endborste, Rüfsel horizontal, etwas länger als der Kopf, Taster
lang, 1-gliedrig, Flügel mit 4 hinteren Zellen, die zweite ge-
stielt.) nur I Linien lang, auf blühenden Gräsern an trockenen
sonnigen Stellen.
Hr. Leon Dufour hat die Metamorphosen mehrerer
Dipteren, welche als Larven in Pilzen leben, in den Anna-
les des sciences naturelles beschrieben und vorzüglich die Stru-
ctur der Larven genauer dargestellt. Es zerfallen dieselben in
zwei Abtlieilungen, solche mit und solche ohne Köpfe: die
ersteren gehören Tipularien, die anderen Museiden an. Die
ersteren haben 8 Stigmenpaare (1 auf dem Prothorax, die übri-
gen auf den 7 ersten Hinterleibssegmenten), einen geraden
Nahruugscanal von der Länge des Körpers, und weben ein
Cocon, innerhalb welches die Nymphe sich befindet. Die
Seide wird aus dem Munde gesponnen und in einem Abson-
derungsorgan bereitet, welches» den Speichelgefäfsen entspricht-
Die Larven sind bald mit {Macrocera\ bald ohne Fühler, bald
mit, bald ohne {Sciard) Ocellen. Die kopflosen Larven haben
nur 2 Paare von Stigmen, ein hinteres (auf dem Sten) und
ein vorderes (auf dem 2ten Segment), von welchen das er-
stere lediglich zum Ein-, das letztere zum Ausathmen, wie
theils die Verzweigung der Tracheen, theils das Athmen der
im Wasser lebenden Larven dieser Abtheilung wahrscheinlich
macht, zu dienen scheint, und von denen das vordere oft
röhrenförmig vortritt, und nicht selten sich getheilt oder zu-
sammengesetzt zeigt. Aufserdem haben sie einen gewunde-
nen Nahrungscanal von vier- oder 5-maliger Körperlänge, und
sie verwandeln sich in ihrer zu einem Tönnchen einschrum-
pfenden Larvenhaut. Hr. L. Dufour bestättigt es, dafs die
312
Zweifliiglerlarven, sie mögen der einen oder der andern Ab-
theilung angehören, sich niemals häuten. — Die beobachteten
Arten sind:
Macrocera hyhrida ^eig. im A^aricus sulphureus^ -^^2/*
ceiophila amabilis L. Duf. in Daedalea suaveolens, 31yce-
tkophila hilnris L. Diif. in Fisiulina hepatica (Hn L. Du-^
four bemerkt, dafs diese beiden A. sich von den übrigen der-
selben Gatt, durch Mangel der Nebenaugen unterscheiden, in-
defs siebt Ref. sie bei beiden, von denen die erste M. praeusta
Meig.y die zweite M* urcuata Meig. ist, ebenso deutlich wie bei
den übrigen Mycetophiien , so dafs Hr. L. Dufour sie nicht an
der richtigen Stelle (unmittelbar neben den Hauptaugen) ge-
sucht haben kann; die zweite A. (M. arcuata Meig.) wurde
von Hrn. Klug aus Agaricus deliciosus erzogen); My ceio-
phila modesta L. Duf.^ aus dem Agaricus roseo-ruher, einer
neuen, dem A, Palomei ähnlichen A. ; Mycelophila inermis
Lt. Duf. aus Boletus pinetoruvif einer neuen A. der Abth. Favo-
lus Fr.-, Sciaphila melanocephala kam mit Myceioph. hila-
ris aus demselben Pilse (Fisiulina hepatica)] — Sciara inge-
nua L. Duf. in verschiedenen Blätter- und Löchcrpllzen, Trüf-
feln u. s. w. Cordyla crassipalpis L. Duf.^ aus Boletus edu-
lis^ Agaricus Palomei, (Der Verf. berichtigt hier mehrere Gat-
tungskennzeichen von Cordyla^ unter welche das Vorhandensein
zweier Nebenaugen aufzunehmen ist. Die beiden von M ei gen
im Isten B. seiner Europ. Zweifl. Ins. aufgeführten A. sind ge-
nerisch verschieden, nämlich C. crftssicornis scheint eine eigent-
liche Mycethophila zu sein, und dann würde für C fusca der
Gattungsname Cordyla bleiben, als synonym dazu aber Pachy-
palpus jyiacq. zu stellen sein, von dessen P, ater das von Hrn. L.
Dufour beschriebene Insect schwerlich verschieden sein wird.)
— Zu der zweiten Abthelluug gehören: Aricia iesiacca
Macq. (Musca iesiacea F.)^ aus faulen Pilzen, Anthomyia vie-
lania L. I)uf. desgl., Blejyharipiera s er rata (Muse. serr. L.
F.) \i\ Fisiulina hepatica^ Sapromyza hlepharipieroides l)uf.
häufig in verschiedenen Blätter- und Löcherpilzen, Trüffeln.
Helomyza lineaia (Suillia lineaia Bob. Desv.) und Helo-
inyza penicillaia L. Duf., beide in Trüffeln. DrosophiPa
fasciaia Perris in Fisiulina hepatica., Drosophila macu-
laia L, Duf. im Boletus imbricatus^ JLijnosina lugubris L.
Duf, Phora pallipes Lair. in faulen Pilzen, letztere auch in
anderen faulen Stoffen, als Käse, todten Insectenlarven.
Derselbe ausgezeichnete Verf. hat gleichfalls in den A/i-
nales des sciences naturelles eine Monographie von Cerop la-
tus geliefert, davon er 5 Arten beschreibt, nämlich:
C iipuloides Bosc, dis2?ar. n. sp., Beaumuri Duf.., icsiaceus
Dahn.^ cavbonarius Bosc. Die .3 ersteren Arten hat llr. Du-
four selbst beobachtet, die dritte seit Keaumur zum ersten
Male wieder aufgefunden, die zweite in den Pyrenäen entdeckt,
313
wo die Larve und die Cocons auf Boletus ungulalus sich fanden.
Reaiimiir hat die Verwandliingsgeschlchte des C. Reaumuri be-
schrieben, welche man bisher für die des C iipuloides angenom-
men hat: hier Ist die des elgenth'clien C. iipuloides ausführlicher
dargestellt. Die Larven haben einen dünn -hornigen, dreilappi-
gen Kopf ohne Fühler, aber mit kleinen Augen auf den seitli-
chen Lappen, Im Munde zwei Kieferpaare und die zum Spinn-
werkzeuge umgestaltete Unterlippe. Aufser dem Kopfe sind
noch vier Segmente deutlich abgesetzt, die folgenden sind nicht
welter geschieden, es bilden sich aber nach dien darunter lie-
genden Muskelbündeln zahlreiche Querfalten, ähnlich wie bei
Egeln. Es lebten diese Larven nicht in der Substanz des Pil-
zes, sondern auf der unteren Seite des Hutes des Boletus ungu-
latus, und unermittelt ist geblieben, wovon sie sich nährten. Sie
wurden im Anfange des October gefunden, schlössen sich in der
Mitte desselben Monats in ein längliches, weifsllches, unregel-
mäfslg genetztes, mit einem zarten Deckel geschlossenes Ge-
spinnst ein, und in den ersten Tagen des November erschien
das vollkommene Insect. Hr. L. Dufour hat auch die Anato-
mie sowohl des vollkommenen Insects als der Larve gegeben.
Letztere ist dadurch vorzüglich merkwürdig, dafs die Stigmen
sich der Beobachtung entziehen, obschon sie nicht fehlen kön-
nen, da sich Tracheen wahrnehmen lassen. Auch weicht der
Darmkanal von dem der übrigen Pilzmücken darin ab, dafs er
gewunden und etwa 3mal so lang als der Körper ist.
Hr. Westwood beschreibt in den Transact. of the Ento-
mol. Society ein neues lusect aus der Familie der Bomhylier
(^Anthraciden), aus welchem er eine neue Gatt. Trichopsidea
bildet.
Diese lässt sich aber kaum von Nemcsirina hinreichend unter-
scheiden, wenn man erwägt, dafs in dieser Gattung der Saug-
rüssel bei den einzelnen Arten seiner Länge nach auPs Höchste
variirt, von mehrmaliger Körperlänge an, bis zu rudimentärer
Kürze, wie bei Hirtnoneura. Die hier beschriebene Neuhollän-
dische Art, Trichops. oestracea, steht in Hinsicht der Kürze
des Rüssels, an dem man nur eine dreieckige Ober- und eine
etwas mehr vortretende löffeiförmige Unterlippe bemerkt, mit
Hirmoneura fast auf gleicher Stufe, und es wird der Uebergang zu
dieser Form von den eigentlichen iVemes/riwe;! mit längerem Rüs-
sel durch eine ebenfalls Neuholländische Form, die Gatt. Tri-
chophthalma JVesiw. leicht vermittelt, so dafs, in solchem Falle
die Aufstellung von Gattungen bedenklich erscheinen mufs.
Hr. Leon Dufour theilt in den ÄnnaL d, l. Soc. Ent. d. Fr,
die Beobachtung mit, dafs das Weibchen des Syhistroma
Du/ourii Macq. ein wahrer Dolichopus sei, und begründet
darauf die Vermuthung, dafs die übrigen von Me igen beschriebe-
Wiegraann'a Archiv. VI. Jahrg.. 2 ßd. 21
314
nen Syiistrmnen sich als abnorme Z)ö//^//o^j-Männchen aus-
weisen würden.
Hr. Jenyns beschreibt in den Trcmsact. of the Entoinol,
Soc. einen Fall, wo von einem siebzigjährigen Geistlichen nach
mehrmonatlichem Unwohlsein grofse Massen von lebenden In-
sectenlarven mit dem Stuhl ausgeleert wurden. Die Larven
waren Zweiflügler-, und zwar Fliegenlarven, welche, wie die
von A7ithomyia canicularis (S. Bouche Naturgesch. d.
Ins. t. 6 f. 3) mit büschelförmigen Anhängen an den Seiten
besetzt waren, vermuthlich also, wenn nicht von eben dieser,
doch von einer verwandten Art.
Hr. Perris theilt in den Annal, d. l. Soc. Ent. d. Frmice
Vol. VIII. seine Beobachtungen über die Verwandlungsge-
schichte der Lonchaea parvicor7iis und Tei'emyia lati-
cornis mit, zweier Fliegen aus der Gruppe der hatixaniden,
welche Macquart als eine solche bezeichnet, wo über die
früheren Stände noch nichts bekannt sei.
Die Larve der erstgenannten Art lebt in den Stengeln der
Quecken (Triticum repens\ in einer Galle^ die ganz mit Schup-
pen bedeckt Ist. Diese Galle ist ein in Folge des Stiches der
Fliege verkümmerter Trieb, und die Schuppen sind die verküm-
merten Blätter. Die Larve hat Im Allgemeinen die Gestalt der
einer Stubenfliege, verpuppt sich In der Galle, und für ihr Aus-
schlüpfen ist dadurch gesorgt, dafs die Galle am Ende von In-
nen offen, von aufsen aber durch die zusammengelegten Schup-
pen geschlossen Ist. Die Metamorphose Ist an keine bestimmte
Jahreszeit gebunden, die Fliegen erscheinen den ganzen Som-
mer und es überwintern sowohl Larven als Puppen. — Tere-
niyia (laücornis) legt Ihre Eier In die Rinde verschiedener ab-
gestorbener und gefällter Bäume (Robinien, Pappeln, Ahorn).
Die Larve lebt im Baste, und zwar In solchen Schichten, welche
dem Holze zunächst liegen, von einer gewissen Feuchtigkeit und
etwas schleimig sind, welche Beschaffenheit sie auch nach Hrn.
Perris' Meinung erst durch die Einwirkung des Speichels der
Larve annehmen. Diese gleicht der der Lonchaea parmcornis^
ist nur etwas kleiner, bleibt in diesem Stadium 4 — 6 Monate,
verpuppt sich im November; Im Frühling kommt die Fliege aus,
und vom Ende Juni an zeigen sich die Larven der folgenden
Generation.
Ebendaselbst beschreibt Hr. Perris die Verwandlungsge-
schichte einer neuen A. der Gatt. Siphmiella Macq,
Er fand nämlich luide Septembers grüne, wurmstichige
Haselnüfse, aus welchen nach Verlauf von 20 Tagen Fliegen zum
315
Vorschein kamen. Bei Untersuchung der Nüsse fanden sich
noch Larven und Puppen. Die Larve lebt im Kern der Nüsse,
welcher sich um die Hälfte seines Umfangs verringert^ der Rest
mit den Excrementen der Larve angefüllt zeigt. Diese hat
ziemlich die Form der Stubenfliegenlarve, nur treten die vorde-
ren Stigmen in Gestalt kleiner, flacher, 6-zackiger Hörner vor.
Die Puppe ist gestreckter als die der Stubenfliege, und die Hör-
ner der Larve bleiben unmittelbar am vorderen Ende des Tönn-
chen stehen. Die Fliege, Siphonella nucis, ist 1 Linie lang,
schwarz, das Gesicht und das erste Glied der hinteren Füfse gelb.
Die Britischen Hijdromy%iden sind von Hrn. Haliday
in den Annais of Nat. Hist. bearbeitet worden.
Es ist die Gruppe hier fast im Sinne von Fallen angenom-
men worden, dot:h mit Entfernung von Hydromyza^ und ohne
Aufnahme von Ropcdomera. Gattungen sind nur vier anerkannt,
welche aber gröfstentheils in mehrere Untergattungen zer-
fallen: Ochthera, 1 A., Noiiphila^ 13 A. in 7 Untergatt.:
Noüphila^ UicJiaeta Meig.^ »Discotnyia IMeig.^ Trbnerina Macq.,
HygreUia Macq. und Hecamede Curt. (N. albicans Meig.), Hy-
drellia^ 15 A. in .3 Untergatt.: Hydrellia Desv. , u4rissa Curt.,
Glenanthe und Ephydra Fall,, .35 A. in 11 Untergatt.: Hydrina
Desv., Hyadina Curt. (Ep/i. guttata Meig.), ^ocysta, Pelina Curt.
(Epk. aenea Meig.), Napaea I)esv., Ilythea Ctirt. , Coenia Desv.,
Scatella Desv., Trichomyza Macq., Ephydra (riparia Fall,, sali'
narum Bouch.), Canace Curt.
Hr. Seils theilte in den Transact.of the Ent. Soc. über
den Sandfloh {Chigoe, Pulex penetrans) einige Erfahrungen mit,
welche er während seines Aufenthalts auf Jamaica gemacht
hatte. Weifse Personen werden selten vom Sandfloh angegriffen,
und die Negervveiber verstehen sich darauf, das Thierchen,
wenn es sich eingebohrt hat, zur rechten Zeit und geschickt
mit einer feinen Nadel herauszuholen, worauf ein Tropfen
Opiumtinctur in die Wunde geträufelt wird. Die Hauptsache
bei der Operation ist, dafs der sehr aufgetriebene Hinterleib
des trächtigen Flohes unversehrt herausgebracht wird. Die
Neger, welche mit nackten Füfsen umhergehen, sind den An-
griffen des Sandflohes viel mehr ausgesetzt. Auch Hunde und
Schweine bleiben nicht von ihnen verschont.
H e m i p t e r a.
Von Hrn. Herrich-Schäff er's „Wanzenartigen In-
secten" (Fortsetzung des H ahn' sehen Werkes) sind das
sechste Heft des vierten, und die drei ersten Hefte des fünften
Bandes erschienen.
21*
316
Diese Hefte einhalten hauptsächlich Abbildungen von Schild-
wanzen, welche Hr. Germar in seiner Zeitschrift (S. Jahresb.
für 1838) beschrieben hat, zugleich mit einer Kritik der Gattun-
gen, in welcher der Verf. hauptsächlich mehrere der von Hrn.
Germar aufgenommenen oder aufgestellten wieder unterdrückt,
und namentlich Psacasta und Sphaerocoris mit Pachycotns, Pelto-
phora und Calliphara mit CaTliclea vereinigt, ferner Graphoso-
ina ßavoUneaia und albolincata zu Trigonosoina , Pachycoris la-
nala zu jlrctocoris gezählt zu sehen wünscht. Wenn der Verf.
Canopus unter den Gattungen mit aufführt, möchte sich erin-
nern lassen, dafs nicht blos Hr. Lefebvre auf eine überzeu-
gende Weise dargethan hat, dafs die bekannten Arten nur Lar-
ven sind (auch die Ex. des hiesigen Museums sind nichts ande-
res), sondern dafs auch alle Eigenthümlichkeiten derselben, wel-
che Hr. Burmeister In seinem Handbuche hervorhebt, als feh-
lende Nebenaugen und geringere Gliederzahl an Fühlern und
Füfsen, allen Larven dieser Abtheilung zukommen.
Abgebildet sind folgende Arten: Coeloglossa lyncea, Pa-
chycoris aquila (n. A., aber sicher nichts als eine der mannig-
fachen Abänderungen der P. Fabricn), auliciis, incarnatus , pin-
guis, leucopierus^ obJiquus^ chrysorrhoeus ^ himinosus^ aioinarius^
irroratuSj conicus^ parvulus^ Sphaerocoris impluviatus^ iigrinus^
^-notatus^ Psacasta ({fra^ nigra, Podojjs bispinosus^ dubius^
Trigonosoma vario7osa, rufa (sicher Abänderungen derselben
Art), udrciocoris plagiatus^ iomenlosus, villosus (neue Art aus
Griechenland), lanatus, Odonioscelis niliduJoides^ unicolor^ la-
teralis, albipennis, Smidtii^ inaculipennis ^ basalis, signaiipennisy
Thyreo coris sphaerula^ atotnarius^ biifo^ i'Z-punctaius, pallipes,
deplanatus, (Jhlaenocoris impressus^ caesus^ Siireirus rugo-
sus, erythrocephalus, lythrodeSy 3-lineatus^ 10-guitaius, atricapillus^
Dianae. Aufserdem sind noch folgende Arten dargestellt: JLso-
pus sanguinipes F. aus iUihmen, ßoridanus L,.^ irivittaius (neue
A. aus Mittelamerica), vlceratus (neue A. aus Ostindien), Eury-
denia stolidum (neue A. aus der Türkei), Rhaphigaster tor-
quaiiis jP,, Cimex incisus (neue Art aus Brasilien), ßavicinctus
neue A. ebendaher), rufocinctus (neue A. wahrscheinlich aus Me-
xico), Aspongopus unicolor (neue A.), Syro?nasies fnndator
(aus Südeuropa, dem S. marginatus verwandt)', sulcicornis F.,
Gonocerus Juniperi Dahl^ (aus Dalmatien und Ungarn), Co-
reus aßinis (aus Portugal), Pachymerus fenestratus (neue A.
AUS Ungarn), Pineti (Portugal), nitidulus (Ungarn), coniracius
(n. A. aus Deutschland).
Ein Paar neuer Schildvvanzen, Graphosoma Wilso?ii
aus Persion, und Flataspis (J) coracina aus Java, hat Hr.
White \\\\ Mag. of Nat. Hist. S. 537. beschrieben.
Eine monographische Uebersicht über die Arten der Gat-
tung FhyllomorpJid hat Hr. Gueriii in seiner Revue Zoo/.
S. 230, gegeben.
317
Er zählt 4 A. auf, nämlich : Ph. laciniaia aus Südfraitk-
reich, Ph. Algirica aus Algier, Ph. paradoxa von Cap, und
Ph. Laireillei vom Senegal. Die beiden ersten Arten haben
einen gabiigen Fortsatz am Hinterrande des Halsschildes , wel-
cher den beiden letzteren A. fehlt. (Die hiesige Sammlung be-
sitzt noch zwei Europäische Arten (aus Italien und vom Balkan),
welche beide der ersten Abtheilung angehören).
Hr. Marchese Spinola hat in Gucr. Mag. eine neue
Gattung unter dem Namen Chetochirus beschrieben,
Sie wird vom Verf. zu den Aradken gerechnet, scheint in-
defs viel gröfsere Verwandtschaft mit Pachymerus zu haben, und
zeichnet sich durch ungewöhnlich stark verdickte, unten stark
gezähnte Vorderschenkel, und in diese einschlagende, innen eben-
falls gezähnte Schienen aus. Die Art, Ch. atrox ^ 7 Lin. lang,
schwarz, mit 2 gelben Flecken auf jeder Flügelmembran, ist in
Java einheimisch. Üeber dasselbe Insect spricht er sich auch in
Cruerin^s Revue Zoologique p. 332. aus. Ebendaselbst ist auch
Nachricht von einer neuen Gatt, der jiraditeny Phrico duSy
gegeben, welche sich durch das birnförmig aufgetriebene zweite,
und das f der ganzen Fühlerlänge betragende dritte Glied aus-
zeichnet, und deren einzige A., Phr, hysivix, am Vorgebirge der
guten Hoffnung einheimisch ist.
Die Gattung Äcantlda F. (jCimex Latr.) ist von Hrn. Je-
nyns {A7inals of Nat. Hist,) mit 3 neuen Arten bereichert
worden, welche zwar mit der Bettwanze die gröfste Aehnlich-
keit haben , sich aber in den Conturen des Körpers und vor-
züglich auch in den Verhältnissen der Fühlerglieder unter-
scheiden. Sie leben parasitisch auf warmblütigen Thieren, und
zwar Cimex columbarius Jen. auf Tauben, C. Hirundi-
nis J. in den Nestern von Rauchschwalben, und C. Pipistrelli
J. auf Fledermäusen {Vesp. Pipistrellus).
lieber Belostoma theilt Hr. Marchese Spinola folgende
interessante Bemerkungen in Gu&. Revue Zool. S. 112. mit.
Die Männchen haben (bei B. grcmde aus Brasilien) 2 Klauen
an den Vorderfüfsen, ändern in der Gröi'se mehr ab als die
Weibchen, und kleine Ind. derselben sind es, auf welche die
Gatt. Diplonycha Lap. gegründet Ist. Die Männchen haben,
gleich beiden Geschlechtern von Sphaerodema., die äufseren
Respirationsorgane des Hinterleibes eben so beschaffen als die
übrigen Rhyngotefi^ nämlich auf dem 2 — 6ten Bauchsegmente ein
vollständiges Luftloch, welches offenbar in die Tracheen führt.
Diese Luftlöcher sind mit einer seidenartigen Behaarung umge-
ben und z. Th. bedeckt, welche dazu bestimmt zu sein scheint,
Luft zurückzuhalten, wenn das Thler untertaucht. Beim Weib-
chen des B. grande sind die Stigmen der vorderen Ringe nicht
318
mehr deutlich, die des 6ten dagegen desto grölser, und In einen
grofsen Tracheenbogen führend, welcher dem Umrisse des Hin-
terleibes folgt. Die Anhänge des Hinterleibes nehmen bei den
Belosiomiten keinen Theil an der Respiration, sie bilden weder
eine Röhre noch eine Rinne, sind bei beiden Geschlechtern
gleichgebildet vorhanden, gehören dem Genital-Apparat an, ohne
eine Scheide desselben zu bilden.
Die Abth. der lulgor eilen ist von Hrn. Marchese Spi-
nola einer sorgfältigen Revision unterworfen worden, deren
Resultat eine neue systematische Eintheilung gewesen ist, wel-
che in Gtufr. Revue ZooL übersichtlich mitgetlieilt ist, während
die erste Hälfte der ausführlichen Bearbeitung in den Ä7mal.
d. l. Soc, Etit. d. Fr. enthalten ist. Der Reich fchum* der hier
angeführten und z. Th. sorgfältig beschriebenen Arten ist nicht
unbedeutend, nur ist zu bedauern, dafs der Verf. eine wich-
tige Abhandlung des Hrn. Germar in Thon's Archiv nicht ge-
kannt hat, woher es gekommen ist, dafs einige dort schon be-
schriebene Arten \vieder als neue publicirt sind. Die syste-
matische Eintheilung ist sehr sorgfältig, und verräth durchweg
die Hand eines Meisters.
^ Die FulgoreUe?i theilen sich zunächst In 2Fam.: Fulgo-
riten umi Issiten je nach dem sich die Stirnkiele auf das
Kopfschild unmittelbar fortsetzen oder nicht. Die Fulgoriien
zerfallen in folg. 4 Gruppen: °
A c^-f"fl^?''''£f'*; ^'r")^ Kopfvorragung, deren Seiten von
den Seitenflächen =*) des Kopfes eingenommen sind, und alle 4
flachen deutlich ausgeprägt, mit den Gattungen FuUora(F 1a-
iernaria auct. — d. h. die gewöhnliche Brasilische, aber nicht
die von der Merian und Rösel abgebildete Linneische aus Su-
J'^^"J.T '^^'l^''^^^^* Q^^ctlfera Germ.) und Casiresn), PJirictus
{t, diadema L.), Enchophora (F, recurvn Ol u. s. w.) Pyr-
ops (F. candelaria Z/., sermia, tenebrosa, obscuraiaF. u. s. w.).
2) Lystroiden: Ohne Kopfvorragung, oder weni^rstens,
wenn sich eine solche findet, die Selten derselben nicht durch
die Seitenflächen des Kopfes eingenommen, alle 4 Flächen des
Kopfes jedoch deutlich vorhanden, mitdenGatt.: Ayhaena Ouer
(äiscolor, mgroviaculata Guer., Lysira farinosa und aioinnria F
"^'^L^' Tc-, ^^' huemopiera Periy , welche Hr. Sp. unter dieser
Gatt, auffuhrt, gehört nicht hierher, sondern ist eine JE/icÄo»/;om,
bei welcher das Kopfhorn unmittelbar auf der Scheiteliläche
aufliegt;, hpiscius Guerini, (neue A. aus Brasilien, einer-
*) Der Verf. unterscheidet 4 Flächen am Kopfe: die Scheitelfläche
nach oben, die Sfirnlläche nach unten und vorn, und zwei Seiten-
flachen, von den Seiten her zwischen die ersteren beiden eingeschoben-
319
lei mit Fulg. plaiyrrhina JVesiw.), von der folg. Gatt, dadurch
unterschieden, dals das fünfte RUckensegment des Hinterleibes
wie ein Deckel über die folg. weggreift; Dilobura (au^ Aphaena
corticina Burm. gegründet, doch ist die vom Verf. dafür abge-
bildete Art eine verschiedene, wenn auch sehr nahe verwandte),
Omalocepfiala (Fulgora fesiiva und (Jercopis cincta jP.),
Lystra (lanaia L. und pulverulenla Enc, — zur letzteren ist
in der hiesigen Sammlung L. lanaia Fabricius', wenn man
auf dessen Diagnose Rücksicht nimmt, mit Recht citirt , auch ist
L. morio Burm., welche Hr. Sp. für eine abgeriebene L. lanaia
hält, mit Grund von Hrn. Klug unterschieden worden, indem
sie, aufser mehreren Differenzen in der Färbung, auch durch
das Flügelgeäder abweicht), Calyptoprocius, von der folg.
Gattung durch die Verlängerung des 5ten Rückensegments des
Hinterleibes (im einen Geschlechte) unterschieden (mit einfachen
Beinen: Fulg, elegans Enc, Lnjstr. luguhris Perfy u.s. w., mit
erweiterten Vorderbeinen: C. heieroscelis=tibkiUs Oerm.), Poio-
cera (perspicillaia u. s. w. — Lyst. ßavo-jnaculaia Perty^ welche
Hr. S p. hierher zählen zu können glaubt, ist ein Calyptoproctus).
3) Dictyophoriden: die vier Kopfflächen nicht alle aus-
geprägt, der Kopf mit einer Vorragung. Fünf Gatt.: Phleg-
matoptera, die Oberflügel mit unendlich vielfach verzweigten
und anastomosirenden Nerven bedeckt; eine ansehnliche neue A.
Pill. prasi na aus Cayenne; Dichoplera, die Vorderflügel mitten
mit einer Nerventheilung, innerhalb derselben keine Quernerven,
aulserhalb derselben gitterförmlg genetzt (Fulg. hyalinata F.))
Dictyophora Genn.: die Oberflügel an der Spitze mehr oder
weniger hoch hinauf, aber ohne bestimmte Begränzung mit git-
terförmlgen Zellen (Fulg. Europaea F. u. s. w.). Die Stirn-
fläche theilt sich bei diesen 3 Gatt, in 3 Felder, was bei den
folgenden nicht zu bemerken ist: Blonopsis, die Oberflügel
nicht übereinander schlagend, die Spitzenhälfte abgeschnitten
gegittert (M. iabida, neue A. aus Nordamerica), und Elydi"
ptera^ Oberflügel an der Spitze übereinander schlagend, ander
Spitze nicht gegittert (5 neue A., davon 3 aus Italien, 1 vom
Senegal, 1 aus Brasilien). *)
4) Cijc oiden'. Die Kopfflächen nicht alle ausgeprägt und
der Kopf ohne Vorragung: PJienax Gervi. (Fulg. variegaia
Enc), hier sind die Oberflügel genetzt, **) bei allen folgenden
Gatt, nicht. Bei den Einen bilden die Wangen mit der Stirn
fast einen rechten Winkel: Cladodipiera (Cl. tnacrophlhalma,
neue A. aus Brasilien, hat die Stirn ungefähr eben so lang als
breit, Achilius Kirhy (A. ßa7nvieus K. aus Neuholland, und^.
bicinctus, neue A. aus Südamerica) dieselbe viel länger als breit.
*) Hierher ist auch Phylloscelis Germ, (Zeitschrift I. p. 191.)
zu stellen.
**) Hierher ist noch Pterodictya Burm, (Tettigon. Ephemera
F.) zu stellen.
320
Ugyops Guev. (Percheronii Guer.), zeichnet sich durch unge-
wöhnlich lange Fühler aus. Cijcius Latr. und Plectoderes
(^Flaia collaris F.)^ weichen von jenen dadurch ab, dafs der
Kopf über das Halsschild geschoben werden kann, und Plectode-
res unterscheidet sich von Cixius dadurch, dafs die Flügel an
der Spitze übereinander greifen.*) ßei den Anderen bilden
die \Vangen mit der Stirn einen stampfen Winkel: Delphax
F. hat das zweite Fühlerglied länger als das erste, u4raeopus
(^Delphax crassicomis F.) mit einfachen, und j4.siraca Latr.
(^Delphax clavicoimis F.) mit erweiterten Vorderbeinen, haben
das erste Fühlerglied stark verlängert.
Die zweite Familie, die Issiten, theilen sich in 3 Cjruppen :
1) Isso'ldem Die Hintcrecken des Halsschildes stärker er-
haben als die Flügelschuppen. Die Einen haben die Vorder-
beine von gewöhnlicher Gestalt, nämlich Issus F.^ IMyctero^
dus (Iss. nasutus Herr.-Schdffer)^ durch eine Kopfvorragung,
und Omtnatidiotiis durch Anwesenheit von Ocelleu von der
erstgenannten Gattung unterschieden.**) Bei den Anderen
sind die Vorderbeine erweitert, nämlich bei Eurybrachys
Guer. (Lystra spinosa F. u. s. w.) die vier vorderen Beine
gleichmäfsig, bei Caliscelis Lapß*^) (Fulg. Bonellii JLatr.) nur
die Vorderbeine.
2) Dcrho'iden: die Hinterecken des Halsschildes stärker
erhaben als die Flügclschuppen, hintere Schienen unbewehrt:
Derbe F. mit kurzen, ^notia Kirhy^ mit längeren, die Wan-
gen überragenden, und Otiocerus Kirby (^Cobax Germ.) mit
eben solchen, nur noch jult eigenthümlichen Anhängen versehe-
nen Fühlern. |)
*) Hieher die durch die Stellung der Fühler sehr ausgezeich-
nete kleine Gatt. Bothriocera Burm., in welche auch Usus un-
datus F. gehört. — Hr. Burmeister giebt an, in der hiesigen
Samml. zwei A. aus Mexico gesehen zu haben, eine der gemeinten
ist aber von La Guayra.
*^) Hieher Colpoptera Bnr?n., durch Vorhandensein von Ocel-
len mid durch den eigenthümlichen Flügelschnitt von Issus ausge-
zeichnet.
***) Hr. Burmeister hat diese Gattung verkannt: sein Caloscelis
(stemtiiaUs aus Brasilien^ gehört zu den Cixoiden.
f) üeber Hynnis Burm. ist hier vielleicht einige Auskunft am
Orte. Die beschriebene H. rosea ist ein Otiocerus^ mit kürzeren
Fühlern und so kurzen Fiihleranhiingen, dafs dieselben nur bei ganz
genauer Betrachtung bemerkt werden. Die zweite, nur erwähnte A.,
hat zwar im Acufsern viele Aehnlichkeit mit der anderen, namentlich
sind auch die hinteren Schienen unbewehrt, es sind aber die Fühler
theils anders gebildet, theils dicht unter den Augen eingelenkt, und
die Seitenkiele der Stirn setzen sich unmittelbar auf das Kopfschild
321
3) Flaioiden: die Hinterecken des HalsschlMes weniger
als die Fliigelschuppen erhaben: Lophops {ServUlei, neue A.
aus Africa) hat das Mittelfeld der StirnHäche vortretend; Ela-
smoscelis (citnicoides von Cap, — eine zweite Art ist Ricania
laiipes Genn. von Guinea) hat alle Beine stark erweitert. Ri-
cania Genn. hat Stirn und Scheitel scharf getrennt, Flaia
F., längere, die Wangen überragende, Poeciloptera Lair.
kürzere Fühler. Bei ^canalonia {A. Servillei aus Nord-
anierica, — eine andere Art ist Flaia umhrnculaia F.) zeichnet
sich dadurch aus, dafs der Subradialnerv mit dem Radialnerven
vereinigt ist, dafs also das ganze mit Queradern bezeichnete
Feld am Vorderrande des Oberflügels fehlt, wodurch diese Gatt.,
bei aller Aehnlichkeit mit Poeciloptera sich leicht und natürlich
unterscheidet. Auch darin kommt diese Gatt, mit Poeciloptera
überein, dafs einige Arten (u. a. Flaia conica Say) eine mehr
oder weniger vortretende Scheitelspitze haben, andere nicht.
Eine andere wichtige Abhandlung über dieselbe Familie
von Hrn. Westwood (on the Family Fulgoridae) ist in den
Transactiotis of the Linnean Society (Vol. XVIII. p. II.) ent-
halten.
Dieselbe behandelt nur einen Theil der Familie ausführli-
cher, nämlich die Gatt. Fulgora im engeren Sinne, welche
bei Hrn. Westwood eine weit gröfsere Ausdehnung hat als
bei Hrn. Spinola, und namentlich die Gatt. Pyrops Sp. mit
umfafst. So führt Hr. W. 27, unter diesen eine nicht unbe-
trächtliche Anzahl neuer prächtiger Arten auf, welche grofsen-
theils in Hope's reicher Sammlung sich befinden: F, clavata
von Assam, Horsßeldii von Java, apicalis von Manila, decorata
von Java, oculata aus Ostindien, affinis von Nepal, cognata un-
bekannten Vaterlandes, dilaiaia vom Schwanenflufs in Neuhol-
land, nohilis von Malacca, platyrrhina aus Brasilien. Die letzte
ist einerlei mit Episcius Guerini Spin. (S. o.).
Hr. Guerin hat in seiner Revue Zool. noch einige aus-
gezeichnete Fulgoren (wahrscheinlich der Gatt. Pyrops
Spin.') bekannt gemacht, welche zu den Entdeckungen des Hrn.
Delessert gehören.
fort. Es gehört demnach diese Art zu den FuJgoriten, und bil-
det mit einer kleinen Reihe verwandter A. eine eigene merkwürdige
Gatt., welche in dieser Form den Derboiden entspricht. Schade, dafs
man ihr nicht den Namen Hynnis erhalten kann, da Hr. Burmei-
ster die Gattimgscharactere nur von der anderen A. entnommen hat.
Zu berichtigen ist noch Hrn. Burmeister's Angabe, dafs beide aus
dem südl. Theile von Nordamerica stammen, dahin, dafs dies nur von
der ersteren {rosea) gilt, für die zweite (nivea) in der Sammlung
Bahia als Vaterland bezeichnet ist.
322
F. Delessertii (der F, maculata Stoll. verwandt), von den
Höhen der Nilgherries, F. Rajah und F. suhoccllata^ beide
von der Halbinsel Malacca. Auch F, nobilis JV. ist von Hrn.
Del. auf der Malayischen Halbinsel aufgefunden worden, etwas
gröfser als das Ex. in der Hopeschen Sammlung, sonst aber
nicht verschieden.
Im 164sten Hefte von „Deutschlands Insecten" bildet Hr.
Herrich - Schaf fer aus der Familie der Springzirpen fol-
gende ab:
Jassus cornutus^ 6-notaluSj Preyssleri^ Byilioscopus jni-
crocephalus^ Yyphlocyba quercus^ nitiduln, alboalriellaf adsper-
sa, scutellaris, viridula^ cnienia, Teitigonia nigrolineaia, Jas-
sus Uneaius, Eupelix spaihulaia, Decken und Flügel der Gatt, j
Typhlocyha, Gesicht von Jassus A-noiaius^ und die Scheitel |
von Jassus - Arien. T
lieber die Cicada septendecim hat Hr. Potter eine
Menge interessanter Beobachtungen in einer kleinen Schrift: ij
„Notes on the Locusta Septentrionalis Americanae decemse- \
ptima, Baltimore 1839," mitgetheilt. \
Der Verf. ist der Meinung, dafs die Cicade der Alten die
Wanderheuschrecke gewesen^ die Zirpe aber von den Griechen
TeTZL^y von den Römern Locusta genannt sei, daher die Ver-
tauschung der Gattungsnamen. Die seiner Beobachtung zum
Grunde gelegte Art braucht 17 Jahre zur Entwickelung, wie
sich nicht allein daraus erglebt, dafs nur alle 17 Jahre eine Ge-»
neration zum Vorschein kommt, sondern sich auch daraus nach-
weisen läfst, dafs man in der Zwischenzeit die Larven von einer
enV5prechenden Gröfse findet. Es kommt aber zuweilen vor,
dafs auf einem und demselben District 2 verschiedene Genera-
tionen sich aufhalten, wodurch der Zwischenraum zwischen den
versch. Erscheinen der vollkommenen Insecten verkürzt wird,
jede einzelne Generation aber an die Perlode von 17 Jahren
gebunden ist. Das Eierlegen hat der Verf. genau beobachtet.
Das Weibchen sägt mit der Legröhre einen tiefen Spalt in die
Rinde, in welchen dann 10 — 12 Eier gelegt werden. Da zu der
Arbeit eine bedeutende Muskelkraft erforderlich ist, werden dün-
nere Zweige ausgesucht, welche mit den Beinen umklaftert wer-
den können, um dem Körper so viel Stütze als möglich zu ge-
ben. Diese Zweige verdorren nach dem Ausschlüpfen der Jun-
gen, daher bei der grofsen Anzahl, in welcher das Insect er-
scheint, bedeutender iSchaden in den Waldungew angerichtet
wird. Alle Bäume und Sträucher sind dem Anbohren des In-
sects ausgesetzt bis auf die Nadelhölzer, mit Ausnahme der wei-
fsen Zeder (Cupressus Thycides). Die Jungen schlüpfen nach
52 Tagen aus dem Ei, fallen ohne Weiteres zu Boden, dringen
neben der Wurzel in die Erde ein, wo sie, bis sie ausgewach-
sen sind, zubringen.
323
Hr. Doyere hat die im vorigen Jahresberichte nach der
vorläufigen Anzeige im Institut im Wesentlichen mitgetheilt^»
für die Anatomie höclist wichtige Berichtigung des von Hrn.
Leon Dufour dargestellten Verlaufes des Darmkanals der
Cicaden, wonach das Wiedereinmiinden des Darms in den Ma-
gen nur scheinbar ist, indem der erstere eine Strecke zwischen
den Magenwänden verläuft, in den Annales des scietices natu-
relles genauer beschrieben, und durch Abbildungen erläutert.
Er berichtigt ferner, dafs Gallengefäfse, deren nach Leon
Dufour vier vorhanden, die mit dem einen Ende frei sind,
und in den Chylusmagen selbst einmünden, nur zwei, wahrschein-
lich an den Enden nicht frei, sich fänden, und dafs ihre Einsen-
kungsstelle in den Darmkanal noch nicht ermittelt sei.
Hr. Leon Dufour bestättigt in derselben Zeitschrift die
Angabe des Hrn. Doyere über den Verlauf des Darmkanals, und
bemerkt, dafs die Natur so abnorme Bildungen nicht ohne Ueber-
gänge gestatte: so finde bei Asivuca clavicorms sich der Darm
an dem Magen nur angeheftet, so dafs die Verbindung der In-
tegrität des Darmkanals unbeschadet aufgehoben werden könne;
dagegen bestättigt er seine eigenen Angaben über die Zahl und
freie Endigung der Gallengefälse, welche er bei einer grofsen
Anzahl von Cicaden der verschiedensten Gattungen und aller
Abtheilungen der Familie seiner früheren Angabe übereinstim-
mend angetroffen habe.
Ueber die inneren Geschlechtswerkzeuge der viviparen
und Oviparen Blattläuse hat Hr. v. Siebold seine Untersu-
chungen in Froriep's N. Notizen (XÜ. S. 305.) mitgetheilt.
Die Untersuchungen wurden an jipJiis Lonicerae angestellt,
von welcher sich geflügelte Männchen, geflügelte lebendiggebä-
irende und ungeflügelte eierlegende Weibchen vorfanden. Die
Männchen zeigten sich mit den letzten oft in Begattung. Die
Männchen haben sechs zusammenstofsende dünnhäutige Hoden»
Die viviparen Weibchen haben 2 Ovarien, jedes aus 4 vielkam-
merlgen Eierstocksröhren zusammengesetzt, die Oviparen zwei Ova-
rien mit 8 Eierstocksröhren, deren jede aber nur 2kammerlg ist.
IAutserdem hat bei ihnen die Scheide einen birnförmigen An-
hang, recepiaculuvi seminis^ welcher nach der Begattung Sper-
matozoen enthält. Dies Organ fehlt den lebendiggebärenden
Weibchen. Hr. v. Siebold folgert mit Recht, dafs die Oviparen
und viviparen Weibchen der Blattläuse bestimmt unterschiedene
Formen,^ und dafs äufsere Umstände (Temperatur) nicht im
Stande seien, eine eierlegende Blattlaus zur lebendiggebärenden,
[und umgekehrt, zu machen.
Ueber das Gedeihen der Cochenille auf den Canarischen
llnseln hat Hr. Audouin in den Compt. rend. des seans, d.
324
VAcad. des Scienc, nach den von Ilrn, Berthelot ihm zuge-
stellten Thatsachen, einige Mittlieilungen gemacht.
Die ersten Cactuspflanzen mit Cochenille wurden 1827 ein-
geführt. Die Coccus vermehrten sich nicht nur, sondern lielsen
sich sogar den bereits acclimatislrten Cacius ßcus indica wohl ge-
fallen. Da jedoch die Einwohner für diesen neuen Industrie-
zweig keine Theilnahme gewannen, ging die künstliche Cultur
des Insects bereits 1829 wieder ein. Schon im nächsten Jahre
hatte sich die Cochenille freiwillig in solchem Grade vermehrt und
ausgebreitet, dafs sie die Cultur der Cactuspflanze, deren Früchte
das Hauptnahrungsmitlei der geringen Volksklasse ausmachen, auf
eine bedenkliche Weise gefährdete. Jetzt war man so vernünf-
tig, das Insect, statt es als schädlich zu vertilgen, zum Handels-
zweck zu benutzen, und welche Fortschritte seitdem der Coche-
nillehandel auf den Canar. Inseln gemacht, geht am Klarsten
daraus hervor, dafs von 1831 bis 1836 die Ausfuhr von 8 auf
6008^ Pfund Span, gestiegen ist. Schliefslich macht der Verf. j
auf leichte Möglichkeit der Einführung der Cochenille in Algier j
aufmerksam. \
Thysanoptera,
Hr. Leon Dufour hat in den Annales des sciences mi-
turelles einen ungeflügelten Thrips, den er für neu hält, unter
dem Namen Thr, aptera beschrieben.
Er zeichnet sich vorzüglich dadurch aus, dafs die Vorder-
schienen in einen Dorn verlängert sind, und dafs die Vorder-
füfse aus der bloisen häutigen Blase bestehen. Die Nymphe hat
die Fühler sehr undeutlich gegliedert und an den Kopf ange-
drückt, ein Factum^ welches schon bekannt ist. Sehr interessant
ist aber die Beobachtung, dafs bei der Nymphe Flügelscheiden
vorkommen, obgleich das vollkommene Insect ohne Spur von
Flügeln ist. Die Larven glichen der Nymphe, nur fehlten Ihnen
die Flügelscheiden; beide unterschieden sich vom vollkommenen
Insect durch blasse Farbe und breitere Gestalt.
325
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Annulaten, Crustaceen und Arachniden.
Von
Friedrich Stein.
A n n u l a t a,
iJujardins Beobachtungen über die Meeranneliden, die
er im veij-angenen Jalire der Pariser Academie vorlegte, und
die bereits im vorjährigen Jahresbericht nach den Auszügen
im Institut mitgetheilt wurden, finden sich nun auch ausführ-
lich in den Annales des Scienc. naturel. JLl, 287 — 294., wo
auch die Abbildungen von dreien dieser neuen Arten, nämlich
von Chiloi^aema Edwardsü, Sahellina hrachycera und Nais
picta gegeben wurden (Vergl. auch dieses Archivs V. Jahrgang,
Bd. II. S. 245.).
Ed. Forbes und J. Goodsir haben von ihrer Reise
nach den Orkaden und Schetlandsinseln eine grofse Menge
vonAnnulaten mitgebracht, die Johns ton zur Untersuchung
übergeben worden sind, der uns nun gewifs bald mit interes-
santen Neuigkeiten erfreuen wird. Besonders befinden sich
unter diesen Annulaten viele Planarien, unter denen sich
besonders eine schöne Planaria atomata Müll, auszeichnet.
Möchte es doch Johnston sich angelegen sein lassen, über
diese noch so dunkle Abtheilung der Planarien, von denen
er nun ein so reichliches Material vor sich hat, möglichst Licht
zu verbreiten (Vergl. Institut p. 353.).
Johns ton hat seine verdienstvollen Monographien über
Familien aus der Abtheilung der Annulaten in der bekann-
326
ten Weise fortgesetzt. Die Familie der Aphroditiden wird
A?i7ials of Nat. Histor. Vol. II. 424 — 41. abgehandelt.
England besitzt nur einige Arten aus dieser Familie, von
denen aber die Hälfte ihm eigenthümlich sind, nämlich Polynoe
ifnpar Johnsi., Pol. viridis Montag.^ Pholoe inornata Johnst. und
Sigalion boa Johnst. Aufserdem hat es noch Aphrodite aculeata
L., Pohjnoe squmnata L. und P. cirraia Miil. mit andern Kü-
sten gemein. Wirft man Apkrod. aculeata in süfses Wasser, so
stirbt sie bald, nachdem sie zuvor eine weifse, milchige Flüssig-
keit und dann im Todeskampfe eine reichliche Quantität schwärz-
lichgrünen, trüben Saftes abgesondert hat. Thut man ein Glei-
ches mit Polynoe cirrata^ so stirbt dies Thier augenblicklich und
die Deckplatten fallen ab, ja diese lösen sich schon los, wenn
man ein lebendiges Thier nur anfafst. — Die früher von John-
ston im Zoolog. Journal beschriebene Palmyra oceUata wird 1
hier zu einer neuen Gatt, erhoben, und auch der speclfische •
Name, man weifs nicht warum, verändert. Diese neue Gattung '■
Pholoe Johnst. zeichnet sich aus durch den schuppigen Körper, \
durch dem mit vier hornigen Kiefern versehenen Hüssel, die
ebene Mundöffnung, die fünf ungleichen, deutlichen Antennen,
die zwei breiten Palpen und die zwei Augen. Cirren sind .
nicht vorhanden oder rudimentär, die Deckplatten liegen über je '
zwei Fufspaaren. — Die übrigen von Johns ton aufgestellten
Arten sind von ihm schon früher anderwärts beschrieben, nur
Polynoe impar kommt hier zum erstenmal vor. Sie hat 14 Paar
dachziegelartig liegender, rauher Deckplatten, und ihre Tasteirren
sind mit kurzen, dornigen Fortsätzen bekleidet. Sie lebt unter
Steinen.
Die britischen Nereiden werden u4nnals of Nat. Hisi.
HL 289 — 95. abgehandelt. England hat davon nur 3 Arten,
N. pelagica £/., N. margariiacea Leach und N. bilineata. Hierbei
hat Johns ton eine interessante Bemerkung gemacht, die, wenn
sie sich bestättigen sollte, sehr Avichtig wäre und auf jeden Fall
alle Aufmerksamkeit verdient. Er fand nämlich im Anfange des
September unter Crustaceen eine junge Nereide, von etwa zwei
Linien Länge, die er blofs zu Nereis pelagica ziehen zu können
glaubt. Gehört sie wirklich zu dieser Art, und ist sie nicht ein
Junges einer andern, so mufs die gewöhnliche Ansicht, als kä-
men die Annulaten ganz so fertig gebildet aus dem Ei, wie
sie das ganze Leben hindurch erscheinen, verlassen werden, und
man müTste nun den Begriff der Metamorphose über sämmtllche
Gliederlhicre ausdehnen. Denn dafs die Metamorphose auch ein
durchgreifender Character ist, scheint sich doch nach den neue-
sten Beobachtungen, von denen auch weiter unten wieder eine I
neue vorkommen wird, immer mehr zu bestättigen. Die ganze
grofse Ablhellung der Gliederlhiere würde dann nur um so mehr
als ein für sich abgeschlossenes, selbstständiges Ganze dastehen,
wie ja auch die Wirbclthlere einen in sich geschlossenen Typus
darstellen.
Die Abbildung, die .lohnston von der angeblich jungen
327
Nereis pelagica giebt, unterscheidet sich in der That beträchtlich
genug von denausge wachsenen Thleren, und doch ist es nicht zu
verkennen, dals das abgebildete Thier eine sehr junge Form ist,
wofür überdies die Kleinheit derselben spricht. Die Tentakeln
und Fühlclrren mangeln, während der Kogf grofs undf wohlent-
wickelt ist. Dafür steht an der Gränze des Kopfes und des er-
sten Segments zu beiden Selten ein grofses keulenförmiges Or-
gan, vermittelst dessen dieses kleine Thier sich im Wasser zu
bewegen scheint. Es ist sehr lebhaft und schwimmt vortrefflich.
An der Basis der keulenförmigen Organe, zwischen ihnen und
dem Kopfe, sieht man eine Hervorragung, die Johnston für
die Keime der später erscheinenden Fühlclrren zu halten geneigt
ist. Etwas darunter beobachtet man Wimperorgane, durch de-
ren Bewegung ein Wasserstrom heftig längs den Seiten hinge-
trieben wird. Durch die Bewegung von anderen \Vimperorga-
nen am Schwänze werden ähnliche Ströme hervorgebracht, und
der ganze Prozefs erinnert sehr lebhaft an den Respirationspro-
zeis mancher Edriophthalmen. Die Augen stehen in einer gera-
den Linie und sind nicht undeutlicher, als an den erwachsenen
Thieren. Die Füsse sind vollkommen entwickelt, das Schwanz-
segment ist abgerundet, von dunkler Farbe und ringsum ge-
wimpert.
C r u s t a c e a.
In dem Mag. of Nat. Histonj (III, 284 — 94.) giebt Ed-
ward Moore ein Verzeichnifs sämmtlicher in Süd-
Devon vorkommender Malacostraca, das als ein
interessanter Beitrag zur britischen Crustaceen«
fauna angesehen werden kann. Es wird von jeder Spe-
cies genau und umständlich der Fundort und in welcher Samm-
lung sie sich gegenwärtig befinden, angegeben. Den Reichthum
jener Gegenden an Crustaceen kann man aus folgender
Uebersicht abnehmen ; Bisher wurden 121 Species aus der Ab-
theilung der Malacostraca beobachtet, davon sind 72 Arten
Decapoden, und zwar 36 langschwänzige und 36 kurz schwän-
zige Krebse, 1 Art aus der Abtheilung der Stomapoden, 21
Amphipoden, 4 Lämodipoden und 23 Isopoden.
In Capit, Beechey's Reisewerke (The Zoolog y of Captain
Beechei/s Voyage, Lojid. 1839) sind folgende Krebse von Hrn.
Owen beschrieben und grofsentheils prächtig abgebildet:
1) Brachyureti'. XantJio Eudora übt., von Oahu (Sand-
W'ichsinseln) , Gelasimus telescopicus^ neue A. ebendaher,
G. fninor, neue A. ebend., Ocypode Urvillii Guer., von den
niedrigen Ins^U im stiiiea Meefe, Grapsus Thuhuhar, neue
.328
A. von Oahu, Cnlappa iuherculnia F. ebendaher, Parihe-
nope punciailssiina^ nene A. von der Kalifornischen Küste.
2) Macruren: Pagurus Streblonyx Leach von Kamt-
schadka, P. splendescens neue A. ebendaher, P. aniculus F.
von der Weifssonntagslnsel, P. guttatus Ol. von Carysfort-In-
sel, P. peduncu latus Hht., P, picius von ,Oahu, Coenobita
Olivieri , Pag- clypeatus Ol, ebendaher, C. clypeata, Pag*
garia Jf^ Lieach war aut der Hohe von öt. rrancisco in gi
fsen Schaaren um's Schiff schwimmend während einer Windstille
bemerkt worden^ Pore ellana coccinea neue A. von den
niedrigen Inseln im stillen Meere, Crangon vulgaris F. von
Kalifornien, vom Europäischen sonst nicht verschieden, als dafs
die mittlere Lamelle des Schwanzes ein wenig schmäler und
stärker zugespitzt ist, C. Boreas F., C salebrosus neue A.
von den Küsten von Kamtschadka, C. lar neue A. aus der Arcli-
schen See, Hippolite aculeata (yilpheus aculeaius Sabine in
Parry's Reise) ebendaher, H. armaia, neue A., in Ueberflufs
an den Küsten von Kamstchadka, H, cornuta neue A., H. pal-
pator von Kalifornien, H. Layi und H. affinis ebendaher.
Siomapoden: Squilla ciliata Leach., neue A. von Oahu.
jlmpliipoden: Grammarus iyplops aus der Arctischen See.
Isopoden: Idotea Eniomon, Onisc. Entomon Pall. ein
Ind., 4'' lang, wurde bei Kamtschadka gefangen, J. bicuspi-
data^ neue A. aus der Arctischen See.
L 0 p /i y 7' 0 p 0 d a.
Dr. A. Philippi endeckte im November im Meerwasser
ein neues, merkwürdiges Entomostracon in der Begattung,
das er zu einem neuen Genus erhob und Hersllia apodi-
formis nannte. (Vergl. dieses Archivs V. Jahrg. I, 428 —
131.) Es ist theils mit Apus theils und besonders mit Cyclops
nahe verwandt.
An diese neue Gattung schliefst sich eine andere neue
Gattung, die derselbe Forscher entdeckte und am angeführten
Ort S. 131 -—132. unter dem Namen' Peltidium purpu-
reum beschrieb. Diese Gattung steht zwischen Hersilia und
Saphirina in der Mitte.
Ueber africanische Crustaceen aus der Abtheilung der
Lophyropodcn hat Audouin einige Bemerkungen in den
Annales de la Societe entoinologique de France 1837 mitge-
theilt. (Vergl. Institut 1839 S. 23.)
Die hierher geliörlgen Crustaceen wurden von Bravais
329
in Nordafrica gesammelt; sie sind ausgezeichnet durch die grofse
A.ehnlichkelt ihrer Schaalen mit denen gewisser Dlvalven. Die
Aehnllchkeit derselben ist noch gröfser als bei unsern bekannten
Gattungen Cijpris, (Jyihere, Lynceus^ indem man dort sogar die
Streifen sieht, die durch das Wachsthum der Scliaalen entstan-
den. Diese africanischen Formen müfsten daher eine neue Gat-
tung, die in die Reihe von Lynceiis zu stellen Ist, bilden; sie
wurden zu Arzcw bei Oran in einem kleinen Pfuhl von Berg-
wasser gefunden, in dem sich auch mehrere Formen der Gat-
tung Dyiiscus aufhielten. Audouin machte bei ihnen noch die
merkwürdige Entdeckung, dafs sie in männliche und weibliche
Geschlechter getrennt waren, während man bisher diese Thiere
für Zwitter gehalten hat.
Hr. von Siebold hat in seinen Beiträgen zur Naturge-
schichte der wirbellosen Thiere über das Begattungsge-
schäft des Cyclops Castor höchst interessante Mittheilun-
gen gemacht. Die Art der Begattung selbst gehört zu den
merkwürdigsten und bis jetzt unerhörtesten Erscheinungen in der
Thiervvelt. Die sehr spröden Weibchen nämlich werden von den
Männchen verfolgt, erhascht, umarmt, und während der Umar-
mung klebt das Männchen einen mit Samenfeuchtigkeit gefüllten
Schlauch an der Bauchseite des Schwanzes, dicht unter der vulva,
dem Weibchen an. Ein solcher Schlauch, der zu diesem
^weck in der männlichen Geschlechtsöffnung bereit gehalten
wird, enthält aufser den Spermazoen noch zwei andere Stoffe,
von denen der eine (Austreibungsstoff) durch den Einflufs des
Wassers sich ausdehnt, und den übrigen Inhalt des Schlauches
aus diesem hervortreibt, während der andere (Klebestoff) im
freien Wasser gerinnt und in seiner Mitte einen Kanal offen
läfst, durch den die Spermazoen nach der vulva hingeleitet
werden, wo sie auf eine noch unbekannte Weise unter das
operculum vulvae gelangen, und, wie es scheint, die später
aus der weiblichen Geschlechtsöffnung hervortretenden Eier be-
fruchten. Ein und dasselbe Weibchen wird in kurzen Zwi-
schenräumen mehrmals und von verschiedenen männlichen In-
dividuen mit Samenschläuchen beklebt. Ein und dasselbe
Männchen scheint mehr als einen Samenschlauch in seinen un-
paarigen Geschlechtsorganen erzeugen zu können.
Decapoda,
Capitain Du Cane, der schon im vorigen Jahresberichte
Wiegmann's Archiv. VI. Jahrg. 2. Bd. 22
330
S. 266 unsere Aufmerksamkeit durch seine Beobachtungen
über die Metamorphose der Krebse auf sich zog, hat kürzlich
neue Facta zur Entwickelungsgeschichte dieser Thiere an Carci-
nus viaenas beobaclitet, und dieselben in den Annais of
Nat, History II], 438 — 440. nebst Abbildungen niedergelegt.
Es erhellt hieraus, dafs nicht blofs bei den Macriiren, son-
dern auch bei den lirachyuren eine Metamorphose stallfinde.
Gegen Ende December erhielt Du Cane eine Menge Carcinus
Qnaenas mit Eiern, aus denen sich die jungen Krebse vom An-
fang März bis Ende April entwickelten. Die eben aus den Eiern
gekrochenen Jungen zeigten nur schwache Bewegungen ihrer
Glieder und Antennen, auch waren sie äufserst durchsichtig und
.schwer zu zeichnen. Gegen Finde April waren die meisten Eier
ausgekrochen, und die Jungen, die später aus den Eiern gekommen
waren, lagen dem Boden auf des Wassers^ während die früher ent-
wickelten auf der Oberfläche des Wassers schwammen, bereits In
einem zweiten Stadium der Entwickelung standen und schon eine
Hülle abgeworfen hatten. Nach dem Ausschlüpfen aus dem Ele
Hegt das Junge auf der Seite, und scheint nur schwacher Bewe-
gung vermittelst Ausstrecken und Zurückschlagen des Hinterlei-
bes fähig zu sein. Durch diese Bewegungen sondert sich bald
sein groTser Schwanz und damit entwickelt sich sein ganzer Leib.
Mit der gröfsten Anstrengung, der das Junge nur fähig ist,
schnellt es nun den Hinterleib unter den Thorax und wieder
zurück, um die Hüllen der Glledmaafsen zu zerreifsen. Bei die-
sem Häutungsprozefs sterben die Meisten in Folge der vergebli-
chen Anstrengungen. Bei denen aber, welche ilin üherstanden,
wurden nun auch die Antennen und das Bruststück frei, der
Dornfortsatz auf dem Bruststück, der in der ersten Periode an
demselben anlag und nach vorn gerichtet war, erhebt sich nun
und wendet sich nach hinten; ebenso richtet|slch der Stirnfortsatz,
der in der ersten Perlode unter dem Thorax lag, nach vorn, und
das kleine Thier schwimmt nun unbeholfen vermittelst seiner
Schwlmmfüfse, bald auf dem Rücken, bald auf der Bauchseite
liegend, aber immer ist der Hinterleib nach der Unterseite Aea
Thorax herumgeschlagen, so dafs er schon jetzt Immer dieselbe
Lage beibehält, die auch beim erwachsenen Thier bleibt. In
dieser zweiten Perlode kommen die Larven von Carcinn s mac-
?ins denen von Cancer pagurus, wie sie Thovipso7i in sei-
nem Zoological Resenvches abgebildet hat, sehr nahe; sie sind
aber zu dieser Zeit noch sehr von der Form verschieden, die
uns die völlig entwickelten Exemplare zeigen, so dafs sich ver-
muthen läfst, dafs zwischen diesem und dem oben beobachteten
Zustand noch mehrere Entwicklungsstufen dazwischen liegen, die
zu beobachten unserem britischen Forscher wicht vergönnt war,
da seine Larven sämmlllch nach 14 Tagen starben.
Es Ist sehr zu bedauern, dafs Du Cane, der so schöne
Gelegenheit hat^ über die Entwickelungsgeschlchle der Decapo-
den Aufschlufs zu geben, nie nähere Scliildcnuigen der einzel-
331
nen Organe liefert, sondern durch seine rohen Abbihlungen,
die nichts Aveiter als die nothdürftigsten Umrisse sind, woran
man weder Mundtheile, ja nicht einmal mit Ijestimmtheit die Zahl
der Fiifse etc. erkennen kann, und die noch dürffigeren Beschrei-
bungen, die blos Geschichtserzählungen, aber keine zoologischen
Beschreibungen sind, die Neugier anderer Forscher rege macht.
Er darf sich daher gar nicht wundern, dafs man seinen Beob-
achtungen bisher kein rechtes Zutrauen geschenckt hat. Gewifs
■würden es ihm alle Zoologen Dank wissen, wenn er uns recht
bald mit genauen Beschreibungen und Abhildungen aller einzel-
nen Theile während der verschiedenen Entwickelungsperioden
erfreute.
Die Untersuchinigeii von M. H. Milne Edwards über
den Mechanismus im Respirationsprozefs der Krebse, welche
er Ende 1838 der Academie der Wissenschaften vorlas, sind
schon im vorjährigen Jahresbericht S. 253 nach den Auszügen
der französischen Berichterstatter im Institut berücksichtigt wor-
den. Die Originalabhandlung mit den zugehörigen Abbildun-
gen findet sich nunmehr in den Annahs des Seien, natur, XL,
129 — 142.
Ein neuer Krebs, Astacus Madagascariensis aus Isle
de France wird von Milne Edwards im Institut p. 152 be-
schrieben.
Diese neue Art unterscheidet sich von den bekannten durch
seine Gröfse, durch die Bildung seines kurzen, sehr breiten,
stumpfen und messerförmigen Stirnfortsatzes, durch die Länge
und Dicke des an der Basis der äufsern Antennen befestigten
Anhängsels, durch die Dornen und Tuberkeln, womit Bruststück
und Leib seitlich besetzt sind, durch die Form der vordem
Fiifse und durch mehrere andere feinere Charactere.
Aufserdem l,ieferte Milne Edwards im Verein mitAu-
douin einige Beiträge zur geographischen Verbreitung der
Astacinen. Sie finden sich in den gemäfsigten Zonen beider
Hemisphären, während die Gattungen Palaemon und Thel-
\phusa unter den Tropen diese Formen zu ersetzen scheinen.
H. Rathke hat seine klassischen Untersuchungen über die
Metamorphose der Crustaceen noch durch Bemerkungen und
Beobachtungen über die Entwickeiung der Mysis vulgaris
vermehrt (vergl. dieses Archivs V. Jahrg. B. IL, 193 — 213).
Seine Resultate sind um so wichtiger und dankenswerther, als
darin die Mannichfaltigkeit der Erscheinungen auf allgemeine
Gesichtspuncte zurückgeführt ist.
22*
332
Eine neue Gattung langschwänziger Decapoden, die den
Uebergang von den Thalassincn zu den Astacinen bildet, wird
von Guerin-Meneville in der Reims %oolo^ique par la soc,
Cuvierienne 1839. No. 4. p. 208 aufgestellt.
Diese neue Gattung stammt aus Madagascar, sie soll in den ■
Flüssen dieser Insel sehr gemein seyn, und wie unsere Krebse
f espeist werden. Sie wird ^s^acoiaes CrweV. genannt. Schna-
el kurz, abgerundet, rinnenförmig ausgehöhlt. Die Basalglie-
der der äufseren Antennen viel länger als der Schnabel; ihr er-
stes Glied zeigt oben einen dicken, ausgeschweiften, querlau-
fenden Kiel, der sich vertikal erhebt und nach vorn zusammen--
läuft, um die kreisförmige Höhle, in der die Augen liegen, zu
schllefsen. Thorax grofs, oval, ein wenig abgeplattet, mit dem
fünften Segmente gegliedert;- dies scheint beweglich zu seyn. Die
äufseren Antennen, die Füfsc und der Schwanz sind in allen |
Puncten den entsprechenden Thellen von Astacus gleich. Eine '
einzige Art dieser Gattung: Astacoides Croudoiü, 6 — 7 Zoll lang
und 1^ breit. Grünbrauu, wie unsere Krebse, getrocknet rotb-
braun mit bräunlichgrünen Flecken.
Cerataspis monstrosus Gray, zu den Schizopoden,
{Nebaliadae) gehörig, findet sich abgebildet und beschrieben!
von Quoy in Guerin's Magasin de Zoologie 1839. Livrai-
son VL Crustac. pL 1.
L a e m 0 d t p o d a.
Auf die abweichende Form der Blutkörperchen und den
Blutlauf bei den Lämodipoden machte der Herausgeber dieses
Archivs (Jahrgang V., B. L, 111 — 112) aufmerksam.
A m p h i p 0 d a,
Dr. A. Philippi beschrieb in diesem Archiv (V. Jahrg.,]
B. I., 120 — 122) ein neues Amphipodengenus: Ghelura te-
r ehr ans, das schon in der Hinsicht besonderes Interesse \\\
Anspruch nimmt, als es das zweite Beispiel von Holzdurch^
bohrenden Crustaceen ist.
1 s 0 p 0 d a.
Edward Moore berichtet im Magaz. of Nat. Hist. Uly
p. 196 — 197 über die neuen Verheerungen durch Limno-
ria terebrans im Hafen von Plymouth und bringt ^\.q Re-
333
sultate seiner Prüfungen der angeblichen Sicherheitsniaafsregeln
gegen dieses so schädliche, kleine Thier vor.
Moore legte nämlich im Januar mehrere Stücke Hol? aus
dem Hafen von Plymouth zur Zeit der Ebbe am Meere nieder,
nämlich ein Stück von einer amerikanischen Diele, ein etwa
ebenso grofses Stück, welches zuvor in einer gesättigten Arse-
nikauflösung gelegen Iiatte, und zwei andere, welche mit einer
Cyanauflösung getränkt waren. Nachdem diese Stücke sieben
Monate unter Wasser gelegen hatten, wurden sie in Gegen-
wart mehrerer Personen herausgenommen, und man fand, dafs
sämmtliche Stücke von Limn. terebrans angegriffen waren, doch
nicht alle in der Ausdehnung als die Diele, die in keiner sol-
chen Auflösung gelegen hatte, alle Stücke aber enthielten le-
bendige Limnorien. Hieraus sieht man ganz deutlich, dafs zwar
die Zerstörung der übrigen Stücke durch das angewendete Ver-
fahren länger aufgehalten worden war, dafs sie aber doch für
die Dauer der Zerstörung nicht würden widerstanden haben.
Es scheint mithin höchst unwahrscheinlich, dafs die Anwendung
solcher giftigen Auflösungen gegen diese Thiere von dauerndem
Erfolg seyn sollte; vielmehr unterliegt es wohl keinem Zweifel,
dafs jene giftigen Auflösungen , sobald sie mit dem Wasser in
Berührung kommen, wieder abgespült werden, und dafs sich der
Niederschlag dieser Auflösungen in den Poren des Holzes durch
Berührung mit dem Wasser wieder auflöst. Kommen nun auch
die ersten Zerstörer durch das sich noch vorfindende Gift um,
w^enn sie ihre Wohnungen in dem Innern des Holzes aufschlagen
Avollen, so sind doch tausend andere dieser Thiere bereit, die
Stelle der todten wieder auszufüllen und den schon gewonne-
nen Boden zu behaupten, worin sie noch durch das beständige
Auswaschen des Wassers unterstützt werden.
Ueber die Structur der Respirationsorgane der Gat-
tung Oniscus und Tylos theilte Milne Edwards folgende
Beobachtungen der philomatischen Gesellschaft in Paris mit
(Institut 1839 p. 152).
Die Gattung Tylos^ deren nähere Kenntnifs man Savigny
verdankt, zeigt im Bau der plattenförmigen Afterfüfse des Lei-
bes eine merkwürdige Modification, die diesem berühmten Ana-
tomen entgangen ist. Eine jede der grofsen Querlamellen, durch
welche diese Organe begränzt werden, zeigt auf Ihrer unteren
Seite eine Reihe von 9 — 10 linlenförmigen Stigmaten, durch
die die Luft in eben so viel kleine Lungensäcke dringt. Diese
liegen In der Verdickung des Appendix und haben die Gestalt
länglicher, abgeplatteter Bläschen, deren Oberfläche überall von
einer Menge röhriger und ästiger Verlängerungen bedeckt ist,
welche in dem Nahrungssafte des Thieres schwimmen. Diese
bilden mithin ein Mittelglied zwischen den Lungensäcken der
Arachnideen und den Tracheen der Insecten. Bei Oniscus und
Porcellio zeigen die vorderen Lamellen der beiden ersten Afler-
334
fuXspaare an ihrem hinteren Rande einige unregelniäfslge Löcher,
die schon Latreille gekannt hat. und Milne Edwards hat
nun bewiesen, dafs die diesen Thieren zum Athmen nöthi^e Luft
durch diese Oeffnungen in ein baumförmig verästeltes Organ
dringt, das wie die Lungen der Gatt. Tylos in der Verdickung
des Appendix liegt. Milne Edwards sieht sich durch diese
Avichligen anatomischen Thatsachen zu dem Geständnisse genö-
thigt, dafs der Zoologe aus ihnen lernen könne, wie unnatür-
lich eine Klassification der Crustaceen sey, die auf den verschie-
denen Gestaltungen der Respirationsorgane beruhe. Mir schei-
nen aber diese Schlüsse zu voreilig zu seyn , denn mlkrosco-
pische Untersuchungen der Respirationsorgane der Isopoden, die
ich zu beobachten Gelegenheit hatte, nämlich der Galtungen
Oniscus und PorcelUo, haben mich belehrt, dafs die Respira-
tionsorgane der Isopoden, auch wenn sie Luft athmen, doch
ganz nach dem Princip der Kiemen der im Wasser lebenden
Isopoden gebaut sind. Ich werde auf diesen Gegenstand an
einem anderen Orte zu sprechen kommen und die Resultate
meiner Beobachtungen darlegen.
Aufserdem giebt Milne Edwards an demselben Orte
eine Beschreibung von zwei neuen Gattungen aus der Familie
der Sphäromiden.
Die eine, die er Cnssidina nennt, umfafst kleine Crusta-
ceen, welche in ihrem Umrisse unter den Mollusken der Gatt.
Paiella, unter den Inseclen der Gatt. Cassida ähnlich sind, und
sich von den anderen Sphäromiden dadurch unterscheiden, dafs
die äufsere Lamelle der letzten Leibesanhängsel fast rudimentär
ist. Die zweite, ^mphyphorea genannte Gattung ist aus-
gezeichnet durch den Bau ihrer inneren Antennen, deren Basi-
larglied sich gegen den Kopf in der Gestalt einer grofsen La-
melle verlängert und dem Thler das Ansehen einer antiken Vase
mit zwei Handhaben gewährt. (Vergl. Institut 1839 p. 152.)
Duvernoy und Lereboullet sind so glücklich gewe-
sen den Bau der Respirationsorgane der Isopoden an den Re-
präsentanten der meisten der verschiedenen von Latreille
gemachten Unterabtheilungen dieser Ordnung zu erforschen.
Die der Societd dliistoire natur. de Sb'ashourg durch Lere-
boullet vorgelegten Resultate finden sich im Institut 1839
p. 448.
Zum Theil widersprechen sie den von Milne Edwards
über die Gatt. Oniscus und l^ylos mitgethei4ten Beobachtungen
und da ich sie bisher auch mit meinen eigenen Untersuchungen
noch nicht habe ganz in Einklang bringen können, so bin ich
der Meinung, dafs sie wenigstens nicht unbedingt auf Treue
und Glauben angenommen werden können, sondern erst noch
der Bestätigung anderer Forscher bedürfen. Es mögen daher
33r>
ohne wehere Kritik vorläufig jene Resultate hier folgen. Uebrl-
gens sind auch In dieser Auhandlung philosophische Ansichten
ausgesprochen, zu denen ich mich nicht Immer verstehen kann.
Die Respirationsorgane sind beständig unter den letzten Kör-
perringeln gelegen und symmetrisch entweder paarweise oder
in doppelten Reihen angeordnet. Ihr Bau ist blasenartig oder
kanalförniig, d. h. der leere Raum der Blasen kann auch in Ka-
näle gelheilt seyn. Sie sind geschützt durch hornartige Lamel-
len von verschiedener Gestalt, je nach den verschiedenen Gat-
tungen und Arten und nach den Geschlechtsunterschieden. Die
blasenartigen Lamellen, Avelche sehr oft durch einen oder meh-
rere Deckel geschützt sind, und ar.f Ihrer Innern Flache eine
"Wasserhaut zurückhalten können, sind Organe der ^Vasseralhmung
oder Kiemen, welche nur schwache Modlücationen erfahren, um
das Thier zu befähigen, in feuchter Luft zu leben. Bei mehr
als hundert Asseln, Armadillen und Porcellien, welche von bei-
den Forschern lebend untersucht wurden, sahen sie immer, dafs
wenn sie Ihre Deckel oder Kiemenklappen etwas höher aufho-
ben, als sie die Thiere bei den Respirationsbewegungen zu öff-
nen pflegten, eine ziemliche Quantität von wässeriger Flüssig-
keit herabflofs. Diese Menge schien bei den Asseln bedeuten-
der, als in den beiden anderen Galtungen.
Die erste Familie der Isopoden nach Latrellle, die Gat-
tung Bopyrus umfassend, hat unter den Hinterleibssegmenten
fünf Paar von klemenarligen Lamellen, die beträchtlich von dem
ersten zum letzten an Gröfse abnehmen und sich nun unvoll-
kommen gegenseitig decken; ihre Ränder krümmen sich wieder
nach oben, um dadurch eine Rinne in ihrer Basis zu bilden.
Diese Lamellen haben -weder zwischen sich , noch hinter sich
Bläschen, sie sind mithin selbst Kiemenblasen, sey es nur zum
Theil oder in ihrer ganzen Ausdehnung. Aus dieser Beobach-
tung geht hervor, dafs man die Deckel oder Klappen_, wenn sie
deutlich von den Bläschen unterschieden sind, blos als Schutz-
organe, keineswegs als Alhmenwerkzeuge anzusehen hat.
Die zweite Familie der Isopoden, die Cymothoaden,
haben ebenfalls blasenartige Kiemen, die paarweise unter den
letzten Ilinterlelbssegmenten stehen, aber sie unterscheiden sich
von denen der dritten und sechsten Familie dadurch, dafs sie
nur einen Deckel mit ein oder zwei Lamellen für jede Reihe
von Bläschen haben. Indessen dieser Unterschied, der sich auf
die Anzahl der Deckel bezieht, ist nur scheinbar, die Klappen
sind in gewissen Fällen in blasenartige Lamellen umgewandelt;
dann vollführen sie wieder, ohne doch in allen Stücken den
Bau der letzteren zu haben, doch deren Functionen. Bei den
Cymothoaden, besonders bei Cytnoihoa oestrum, befinden sich
auf jeder Seite zehn sitzende, paarweis zusammengestellte La-
mellen, wovon die erste, die gröfser und consistentcr als.^dle
andern ist, alle bedeckt. Alle sind blasenartig, zwischen jedem
der fünf Paare bemerkt man auswärts einen sehr kleinen, rndl-
menlären Lappen. — Bei IcJiiliyophiJa ist die Einrichtung der
fünf Paare schon ersichtlicher; das erste Paar besteht aus einem
336
gewöhnlichen Deckel und einer sehr kleinen, unter diesem Deckel
verborgenen, und fast an derselben Stelle eingefügten Lamelle;
dann folgen die vier andern, als blasenartige Lamellen gebil-
deten Paare von homogenem Baue, die bedeckende Lamelle Ist
viel breiter als die bedeckte Bei Amlocra hhittata unterschei-
den sich die Deckel schon von Bläschen. Man findet, wie In
den beiden vorhergehenden Beispielen zwei Reihen von Lamel-
len, wovon jede aus fünf Paaren Lamellen besteht, die von kur-
zen Stielen getragen werden. Dals erste Paar hat einen, den
ganzen Apparat bedeckenden Deckel und eine durchsichtige, äu-
fserst zarte Lamelle, das zweite Paar besteht aus zwei, eben-
falls sehr zarten Lamellen, dann folgen drei häutige Deckel,
von denen ein jeder eine Blase bedeckt. Vor jedem Paare La-
mellen zeigen sich zwei häutige, sehr kleine Lappen. Wir ha-
ben hier eine Anordnung^ die die Mitte hält zwischen der der
Gatt. Cymolhoa und Rocinela. Denn man findet bei diesen Iso-
poden keine eigentliche Blase, sondern nur Lamellen, welche
deren Stelle vertreten können. Auf jeder Seite finden sich zehn
solcher Lamellen, die wie in den vorhergehenden Gattungen
paarweis angeordnet und von Stielen getragen sind. Das erste
Paar ist viel kleiner, als die andern. Diese Lamellen sind von
ungleicher Konsistenz: die untere Lamelle jedes Paares (die be-
deckende Lamelle) ist hornig, obgleich zart; die obere (die be-
deckte Lamelle) ist hingegen häutig, entweder jede zum Theil
(so beim ersten Paar), oder ganz und gar (so bei den vier an-
deren Paaren).
Aus der dritten Familie, den Sphäromiden, fanden
D. und L. In den Kiemen von Sphaeroma und In den decken-
den Lamellen mehrere merkwürdige Charactere. Die Unter-
lelbsgegend, welche die Kiemen umgiebt, bildet eine Höhlung,
welche an die der Gattung LiinuJus erinnert» In dieser Höh-
lung liegen zwei Reihen, wovon jede aus 5 Paar Lamellen ge-
bildet wird, die drei ersten davon haben unter sich grofse Aehn-
lichkclt und unterscheiden sich merklich von den zwei letzten.
Jedes von den drei ersten Paaren besteht nämlich aus zwei hor-
nigen Lamellen, wovon die äulsere, sehr gegen die Mittellinie
geneigte, die Gestalt eines Dreiecks hat, dessen Spitze nach vorn
und aufsen liegt, während die bedeckte Lamelle ein Dreieck
darsleUt, dessen Spitze nach hinten liegt; der freie Rand dieser
LameUen ist mit langen Haaren besetzt, welche sich in der Mit-
tellinie kreuzen; die bedeckte Lamelle, die zum zweiten Paar
gehört, trägt an ihrem Innern Rande ein langes Anhängsel in
Gestalt eines Stiels, welches an die, bei der Begattung thätigen
Anhängsel der Asseln (hinsichtlich seiner Gestalt, nicht hinsicht-
lich seiner Laqe) erinnert. Die eigentlichen Kiemen sind grofse
Blasen, zwei an der Zahl, auf jeder Seite, wovon jede durch
einen einfaclifn Deckel bedeckt ist, mit den» diese Blasen durch
ihren äulscicn und vorderen Rand in Verbindung stehen. Diese
blasenartigen, ellörnngen und plattgedrückten Taschen sind durch
tiefe Falten in neun oder zehn secundärc Taschen gethcilt, de-
ren Gestalt an den Apparat der Gattung 7^»//ov, wie er In dem
337
grofsen Werke über Egypten abgebildet ist, erinnert. Diese
secund'ären, engen und schiefen Taschen springen auf beiden
Seiten des Organs hervor. Untersucht man sie näher und trennt
sie vermittelst eines feinen Stiels von einander, so sieht man
deutlich, dafs sie mit einander communiciren und dafs sie durch
die Faltungen der gemeinsamen Haut gebildet sind, die wie
eine Art Krause stark gefaltet ist. Ein Band, welches ein Ge-
fäfs zu seyn scheint, beherrscht dieses ganze Organ und er-
hält diese doppelte Membran gefaltet, wie die zwei Stäbe eines
Vorhangs, wodurch dieser an beiden Enden flxirt ist. Nimmt
man dies Randgefäfs hinweg, so sieht man, wie alle Falten ver-
schwinden und die dadurch viel länger gewordene Blase nichts
weiter als die gewöhnlichen Blasen sind, die aus zwei einfa-
chen Membranen bestehen. Bei allen Exemplaren, die die bei-
den Verfasser untersuchten, fanden sie die Kiemensäckchen von
jener welfsen, körnigen Materie erfüllt, welche man In den ge-
wöhnlichen Blasen findet (coagullrtes Blut?); das Randgefäfs war
leer und durchsichtig. Die Deckel, welche diese Kiemen be-
decken, sind auf Ihrer obern Seite convex, um die Blase fester
umschlleisen zu können; der letzte ähnelt dem vorhergehenden;
nur hat sein freies, mehr abgerundetes Ende noch vier kleine
Höcker.
Ueber die vierte Familie der Isopoden, die Idotei-
den wurden keine Beobachtungen angestellt.
Die fünfte Familie, die Aselllnen, hat in der Orga-
nisation der Kiemen mehr Ueberelnstimmung mit den Isopoden
der zweiten Familie, als mit denen der dritten und sechsten.
Man findet nämlich bei der Gatt. Cyinothoa eine gewisse An-
zahl von Bläschen, die mit einem gewöhnlichen Deckel bedeckt
sind. Dieser grolse Deckel trägt ein kleines, verlängertes, an
seinem Innern Winkel befestigtes Bläschen; dann folgen auf je-
der Seite 4 gröfsere Blasen, die sich paarweis genähert sind;
indessen ist die blasenartige Gestalt der Lamellen, von denen
hier die Rede ist, nicht constant; an vielen Exemplaren ist die
äufsere Blase jedes Paares so abgeplattet, dafs man sie für eine
deckende Lamelle ansehen kann. In diesem Falle glebt es auf
jeder Seite drei Deckel, wovon jeder eine Blase schützt. Au-
fser diesem Apparat bemerkt man noch einen sehr ausgezeich-
neten, rudimentären; dieser besteht aus zwei kleinen hornigen
Lamellen mit gewimpertem Rande, die an der Mittellinie einan-
der genähert sind, und deren obere Fläche, die etwas concav
ist, ein Paar blasenartige Organe schützt, welche viereckig sind,
und wovon sich jedes in zwei Anhängseln endigt, davon das
eine, äufsere, hornig und gewimpert, das andere, innere, hin-
gegen abgerundet ist, und sich blasenförmig erhebt. Dies letz-
tere Stück stellt offenbar eine deckende Lamelle und eine Blase
in rudimentärem Zustande dar, wodurch wieder die Zahl fünf
herauskommt, die so constant in den Respirationsorganen der
Isopoden erscheint.
Bei der sechsten Familie der Isopoden, den eigent-
lichen Onisciden findet man sehr deutlich unterschiedene Bla-
338
sendeckel, sowohl %vas ihre Anzahl, als ihren Bau anbetrifft;
man sieht immer mehr wahre Deckel^ als blasenartige Kie-
menlamellen. — Bei Ligia ocennica giebt es auf jeder Seite
fünf hornartlge, Widerstand leistende, deckende Lamellen von
fast dreieckiger Gestalt, die einander regelmlifsig decken. Diese
Lamellen articullren mit dem Ende einer Kippe, die den untern
Thell der Schwanzsegmente bildet; sie bewegen sich nach Innen
und nach Aufsen wie eine zuschlagende Tlüir. Die zwei ersten
Lamellen bedecken die Blasen nicht, nur ihre Rippe stellt eine
membranartige Ausbreitung dar, die sich am zweiten Deckel
noch deutlicher ausspricht, als am ersten. Ein sehr kleiner Lap-
pen zeigt sich am äulsern Rande eines jeden dieser zwei ersten
Deckel. Die drei letzten deckenden Lamellen sind jederseits
mit einer sehr entwickelten Blase versehen, die dickhäutig und
netzartig ist. — Die deckenden Lamellen bei Omscus^ beson-
ders bei Onis. vwrmius^ haben einen sehr abgerundeten Rand^
ihre 'äufsere Hälfte verdünnt sich in eine hornige, durchsichtige
Membran, in der sich unregelmäfsige Striche zeigen, die sich
strahlenartig nach der Peripherie verbreiten. Es liegen auf je-
der Seite drei Bläschen, vsie bei der Gatt. Ligia, und sie unter-
scheiden sich hinsichtlich ihrer Structur in INIchts von den fol-
genden; es ist daher ein Irrthum, wenn man diesen ersten La-
mellen die weifsen, baumartig verzweigten Körper zuschreibt,
die man bei den Gattungen Porcellio und udvmadiUo antrifft.
(Die unter dem Namen Oniscus in der Beschreibung von Egyp-
ten abgebildeten Isopoden sind Porcelllonen, was man sclion
an ihren Antennen sehen kann, man vergleiche daher die ersten
unter dem Hinterleibe befindlichen Platten, die in diesem Werke
dargestellt sind und die die weifsen Körper zeigen, \A'Ovon welter
unten die Rede seyn wird.) ■ — In der Galtung Porcellio nähern
sich die fünf, auf jeder Seite wie bei Oniscus gelegenen, decken-
den Lamellen in ihrer Gestalt und ihrer Consistenz denen der
Galt. Ligia, unterscheiden sich aber sehr von den Platten der
Gatt. Oniscus. Die beiden ersten Paare bedecken die Bläschen
nicht, aber man sieht deutlich ein weifses, baumartig verzweig-
tes Organ von schwammiger Natur, das fast die zwei äufseren
Drittheile jeder Platte einnimmt, zwischen den beiden Blältchen,
die diese Bläschen bilden. Jene Organe, die nach ihreni äufse-
ren Rande sehr dick sind, verdünnen sich nach dem inneren
Theile der Platte zu und thellen sich dort in eine zahllose Menge
kleiner Aeste von grcfser Zartheit. Wenn man eine dieser Plat-
ten in die Höhe nimmt, so bemerkt man unmittelbar unter dem
runden Ausschnitt, den der hintere Rand bildet, eine quere,
lineare, einem Knopfloch ähnliche Spalte. Wenn man vermit-
telst eines feinen Griffels die Streifen, welcher einer die Rän-
der dieses Knopfloches bildet, trennt, so unterschei<let man eine
Oeffnung, die In eine Höhlung führt, in welcher der weifse
Körper liegt. r>ci einigen Exemplaren klaffte die>e Oeffnung,
bei den meisten blieben aber die Ränder derselben aneinander
gelegt. Duvernoy will diese Oellnungcn in Intervallen sich
öffnen und schliefsen gesehen Kaben (?).
339
Wenn man endlich die Platten leicht zusammendrückt, so
bewirkt man aus der genannten Oeffnung ein Herausströmen
von Flüssigkeit, in der man keine Spur von Kügelchen ent-
deckt. Auch der Rand derselben ist Avelfs und durchsichtig und
giebt denselben das Ansehen eines Gefäfses, von dem mehrere
kleine verästelte Stamme auslaufen, die sich bald in der schwam-
migen Masse des baumartig verzweiglcn Körpers verlieren. Un-
sere Forscher haben niemals, welche Vcrgröfserung sie auch
anwenden mochten, die Oeffnung oder linienförmlgen Stlgma-
ten, durch welche die "aufsere Luft in diese baumartig verzweig-
ten Organe dringen soll und wovon schon Latreille sprach,
bemerken können. (Vergl. hierzu oben Milne Edwards Be-
obachtung.)
Eine Bemerkung, w^elche die Ansicht unserer Forscher noch
unterstützt, ist die, dafs die Lamellen, welche die welfsen Kör-
per einschliefsen, keineswegs sich so sehr aneinanderlegen, als
die folgenden, und wenn man sie in die Höhe hebt, bemerkt
man zwischen ihnen nur eine kleine Menge Flüssigkeit, ja bis-
i weilen gai;jkeine. Aufserdem würde man nicht begreifen, wie
diese Organe zu einem Lviftathmen dienen könnten: eine Tasche
oder eine Luftröhre setzt einen Mechanismus voraus, durch wel-
chen diese Tasche oder diese Bohre abwechselnd ausgedehnt
und zusammengezogen v\^ürde. Wie könnte nun eine hornar-
tige Lamelle diese Function versehen, und wie könnten die in
dieser Lamelle befindlichen Löcher mit den Stigmaten der Li-
secten verglichen werden, die für ihren Zweck so vollkommen
organisirt sind? — In einer wahrscheinlich neuen Art von Por-
cellio (sie unterscheidet sich von den andern durch die sehr ge-
wölbte Form ihrer Segmente, durch ihr glattes Aeufsere und
besonders durch die Elgenthümllchkeit, dafs sie sich eben so
vollständig wie die Arten der Gatt, udnnadillo kugelförmig zu-
sammenrollen kann, wefshalb diese Art einstwellen PorcclUo ar-
madilloid^s genannt werden soll) fanden sie auf jeder Seite fünf
baumförmig verzweigte Körper (für jede Lamelle einen), die
von der ersten Platte bis zur letzten allmälig in ihrer Ausdeh-
nung abnahmen. Da sich diese Organe in jeder der deckenden
Platten vorfinden, so wird dadurch jeder Gedanke, dafs jene
jOrgane Geschlechtswerkzeuge seyn könnten, entfernt; der weifse
Körper zeigt überdies in beiden Geschlechtern nicht die ge-
ringste Verschiedenheit, und man findet ihn in den kleinsten As-
seln, von kaum einer Linie Länge, so gut, wie in den gröfsten.
In jener neuen Art, wie in allen anderen, bedeckt jedes der drei
letzten Lamellenpaare ein Paar Bläschen, die ganz denen der
Gatt. Oniscus ähnlich sind. — Die Gatt. Armndillo bietet kei-
nen wesentlichen Unterschied dar, die Deckel sind nur mehr
rechteckig und ihr hinterer, innerer Winkel ist weniger hervor-
springend. Aufserdem sind die welfsen, baumartig verzweigten
Körper in derselben Weise angeordnet.
Da die vorhergehenden Untersuchungen über die Gattung
Oniscus, Armadillo und PorcelUo an lebenden Thieren angestellt
wurden, so hatten D. und L. auch Gelegenheit den Respira-
340
tlonsmcchanismus uml die Blutcirculation in den Kiemen dieser
Thlere zu beobachten. Die Deckel jeder Reihe haben an ihrer
Einlenkung eine doppelte Bewegung: die eine entfernt sie von
der Mittellinie, und in demselben idoment bebt sich der hintere
Rand in die Höhe, um sie von einander zu trennen; dann er-
folgt eine anziehende Bewegung, durch welche sie sich wieder
der Mittellinie nähern. Diese Bewegungen sind sicher bestimmt,
um beständig auf drn Kiemenbläschen eine Wasserhaut zu er-
halten. — Bei der Gatt. Oniscits bemerkten sie die Blutcircula-
tion in der Dicke der Deckel, die Kügelchen bewegten sich mit
einer aufserorde^ntllchen Schnelligkeit, wie man am besten am
äu'fseren Rand des Deckels bemerkt; sie scheinen dort wie Ha-
gelkörner- nieder zu fallen. Diese Beobachtung stellt aufser
Zweifel, dafs es zwischen den Deckeln und der äufsern Luft
keine Communication giebt, und dafs diese nicht eindringen kann.
Aus allen diesen Beobachtungen ergeben sich folgende Re-
sultate: 1) Die Respirationsorgane der Isopoden sind nach ei-
nem gemeinschaftlichen, ziemlich einförmigen Plan eingerichtet,
sowohl was ihre Zahl, als was die Beschaffenheit ^er Stücke,
die dieselben zusammensetzen, anbetrifft. 2) Die Bläschen und
die deckenden Lamellen können sich gegenseitig vertreten.
3) Wenn die deckenden Lame'len fähig sind, in wahre Bläschen
umgewandelt zu werden, so giebt es beständig einen gemein-
schaftlichen, consistenteren Deckel, der den ganzen Apparat
schützt. ' 4) Bei gewissen Isopoden können die Bläschen , an-
statt einfach zu seyn, in einer gewissen Anzahl von secundären
Höhlungen getheilt erscheinen (Sphaeroma). 5) Bei den Land-
as5eln wird ebenso, wie bei den übrigen, Wasser geathmet; nur
die Deckel sind zahlreicher und consistenter, um beständig eine
Wasserhaut in Berührung mit den Bläschen zu erhalten. 6) Die
weifsen Körper von PorcelJio und Armadillo sind wahrschein-
lich Kiemen, sie communiciren mit der Aulsenwelt nicht durch
eine Reihe von Stigmaten. 7) Diese Organe fanden sich bei
Oniscus nicht; die strahlenartigen Streifen, welche die decken-
den Lamellen der letztern zeigen, sind vielleicht Rudimente davon.
Im 28. Hefte der von Koch herausgegebenen „Deutsch-
lands Crustaceen, Myriapoden und Arachniden," welches zu-
gleich das 178. Heft der Panzerschen Insectenfauna bildet,
werden 15 neue Arten der Gattung ArmadiUo und 7 neue
Arten der Gatt. Porcellio abgebildet und beschrieben.
ArmadiUo lanihmtus, Triest. — A. viedlus. Laibach. — A,
morhillostis. Dalmatien. — A. astriger. Dabnatlcu. — A. jm-
siulatus. Dalmatien. — yd. gutiatus. Dalmatien. — A. testudina-
ius, Triest. -^ A. luciuosus. Illyrlen. — A. distlncfus. Jenseits
der Alpen. — A. airatus. Unbekanntes Vaterland. — A. icnc-
hrostis Oberitalien. — A. convejrus. Südliches Deutschlan«!. —
A. trivialis. Deutschland. — A. piilc/iellus. BiUnnen. — A. ma-
culatus. Unbekanntes Vaterland. — Porcellio vielanocephnlus.
Deutschland. — P. iicmorcnsis. Obcrpfalz. — P. lugubris. Do-
341
npugegenden. — P. inlerrupUts. Unbekanntes Vaterland. — P.
ochraccus. Baiern. — P. varius. Unbekanntes Vaterland. — P.
poiiius, Böhmen.
u4. r a c h n i d a e.
Die beiden bekannten Werke von C. L. Koch haben die
ganze Abtheilung der Arachniden zum Gegenstande. Sie sind
schon früher ausführlicher besprochen worden, und wurden auch
im vergangenen Jahre in der gewöhnlichen Weise fortgesetzt.
Von der „Uebersicht des Arachnidensystems. Nürnberg,
Zeh. 183.9" erschien das zweite lieft. Das hier weiter ent-
wickelte System gestaltet sich auf folgende Weise:
IV. Ordnung. Pseuäoscorpiones. Die beiden Gatt.
Chelifer Greoff. und Ohisium 117.
V. Ordnung. Solpugae.
1. Farn. Graleodides.
1) Galeodes Oliv. 2) Rhaoc. K. (Solpuga melas TFalh.
und Solp. pJialangioides Jf^cdh.).
2. Farn. Trogulides. Die einzige Gatt. Trogulus Latr.
3. Fam. Sironides. Ebenfalls mit einer einzigen Gatt.
Siro Latr.
4. Fam. Gonyleptides, mit abgerückten Hinterbeinen,
verdickten Hüften derselben und mit stachelborstigen Tastern,
Alle Aufsereuropäer.
1) Eusarcus Perty. 2) Graphinotus, 4 Fufsgl. am er-
sten Beinpaare, 7 am dritten und vierten, 10 am zweiten. Au-
genhügel u. Hinterthorax einförmig. .3) Pristocnemis^ 8 Fufsgl.
am ersten Beinpaare, 15 am zweiten, 17 am dritten, 20 am vier-
ten, Augenbügel zweihöckerig, Hinterthorax eindornig, der Dorn
mit gespaltener Spitze. — 4) Ostracidiu^n Perty. — 5) Siy-
gnus Perty» — 6) Pachylus, 5 Fufsgl. am ersten Beinpaare,
6 am dritten und vierten, 7 am zweiten, Augenhügel eindornig,
Hinterthorax wehrlos. — 7) Gonyleptus Kirby, — 8) Anci-
sirotus^ 6 Fufsgl. am ersten Beinpaare, 7 am dritten und vier-
ten, 13 am zweiten, Augenhügel und Hinterthorax zweidornig.
— 9) Goniosoma Perty. — 10) Asarcus^ 8 Fufsgl. am ersten
Beinpaare, 16 am zweiten und vierten, 13 am dritten, Augen-
hügel mit einem Höcker, Hinterthorax mit zwei. — 11) Am-
pheres, 7 Fufsgl. am ersten Beinpaare, 15 am zweiten, 9 am
dritten, 19 am vierten; Augenhügel und Hinterthorax zweidor-
nig, die zwei Dornen des letztern unten genähert. — 12) Cae-
lopygusj 9 Fufsgl. am ersten Beinpaare, 17 am dritten, 22 —
24 am vierten. Auf dem Augenhügel und Hinterthorax zwei
sehr kleine Höckerchen. — 13) Arthrodes, 8 Fufsgl. am er-
sten Beinpaare, 17 am dritten. Auf dem Augenhügel zwei Höcker-
chen, auf dem Hinterthorax zwei Dörnchen. — 14) Lepio-
cnema, 6 Fufsgl. am ersten Beinpaare, 12 am zweiten und
342
vierten, 10 am dritten. Auf dem Augenhügel zwei sehr kleine
Höckerchen, Ilinterthorax wehrlos.
5. Fani. Cos?neticles^ mit abgerückten Hinterbeinen nnd
verdickten Hüften ders., breitgedrückten Tastern ohne Stachel-
borsten. Keine Europäer.
1) Cosvietas Periij, — 2) Flirten^ 7 Fufsgl. am ersten
Beinpaar, 15 am zweiten, 10 am dritten. Augenhügel wehr-
los, Hinterthorax mit zwei Dornen. — .j) Cynorta^ am ersten
Beinpaar die drei vordem Fufsgl. verdickt, 15 am zweiten, Au-
genhügel in der Mitte eingedrückt, Hinterthorax zweidornig. —
4) Poecijaeiria, 8 Fufsgl. am ersten Beinpaar, 14 am zwei-
ten, 10 am vierten. Aiigenhügel wehrlos, Hinterthorax zwei-
dornig. — 5) Gnidia, 6 Fulsgl. am ersten und dritten Bein-
paar, 10 am zweiten, 7 am vierten. Augenhügel mit zwei sehr
kleinen Höckerchen, Hinterthorax zweidornig. — 6) Disco-
sovia Perty.
6. Fam. Opilionides^ mit den übrigen angeschlossenen
Hinterbeinen. Weit verbreitet, aber noch nicht in Amerika
gefunden*).
1) Hoinalenoius. Die Fersen aller Beine eingliedrig; 10
Fufsgl. am ersten Beinpaar, 17 am zweiten, 7 am dritten, 10 am
vierten. — 2) Ischyropsalls. Die Fersen aller Beine einglie-
drig, 22 Fufsgl. am ersten Beinpaar, 38 am zweiten, 19 am drit-
ten, 21 am vierten. — 3) Egaenus. Die Fersen aller Beine
eingl., 19 — 20 Fufsgl. am ersten, dritten und vierten Beinpaare,
32 am zweiten. — 4) Z aclieus^ ,3 Fersengl. am ersten und
zweiten, 4 am dritten, 6 am vierten Beinpaar; 34 — 36 Fufsgl.
am ersten und dritten, 50 am zweiten, 43 — 45 am vierten Bein-
paar. — 5) Plaiyhunus (P/ialangiuui uncatinn, Herrn.) —
6) udcantholophus. Die Fersen aller Beine eingl., viele Fufsgl.
an allen Beinen. — 7) Platylophus. Die Fersen des ersten
und dritten Beinpaares mit zwei Gliedern, die des zweiten und
vierten mit 4 oder 5- Viele Fufsgl. — 8) Cerasioma, 3 Fer-
sengl. am ersten und dritten Beinpaare, 4 oder 5 am zweiten,
4- am vierten. Viele Fufsgl Q) Opilio, Herbst. — 10) Leio-
hunum. Die Fersen des ersten und dritten Beinpaares mit 4
Gliedern, die des zweiten mit 8, die des vierten mit 5. Die
Tarsen vielgliedrig. — 11) Acanthonotus. Die Fersen des er-
*) Diese Form der Phalangien scheint hauptsächlich der alten
Welt anzugehören, doch ist Europa vorzugsweise ihre Heimath, au-
fserdem finden sie sich in der gemäfsigten Zone Südafricas wieder.
America besitzt alle 3 von Hrn. Koch vortrefflich unterschiedene
Familien, nämlich Nordamerica hat mit Europa die OpUionen gemein,
Südamerica die Gonyleptiden eigenthümlich , und die Cosmatiden fin-
den sich über den ganzen Welttheil verbreitet. Aus dem tropischen
Africa, dem tropischen Asien und Neuholland, und überhaupt der
australischen Welt ist noch keine einzige Art von Phalangien bekannt
geworden. Erichson,
343
sten und drilten Beinpaares zweigliedrig, die des vierten 3gIIe-
drig. 25 Fulsglleder am ersten, dritten und vierten Beinpaare.
— 12) Nemastoma. Die Fersen des ersten Beinpaars vierglle-
drig, die des zweiten 10 — Jlglledrlg, die dQ.s dritten 4 — 5glle-
drig, die des vierten 7 — Sgliedrig. 20 Fufsgl. am ersten und
dritten Beinpaare, 25 am zweiten und vierten.
Von dem zweiten gröfseren Werke von C. L. Koch:
„Die Arachnidon, getreu nach der Natur abgebildet und be-
schrieben. Nürnberg, Zeh." erschien Band V, 6 Band VI,
1 — 3 und Band VII, 1 — 5. Die darin aufgeführten neuen
Arten sind weiter unten erwähnt.
ui c a 7' i n a.
Einige neue Acariden wurden von Leon Dufour ent-
deckt und in den An?iales des Scienc. natur. Tom. XI. p. 274
— 281 beschrieben und zudeich xiurch Abbildungen erläutert.
Es Averdcn fünf neue Arten beschrieben, von denen die eine
eine neue, eigene Gattung bildet und Trichodaciylus be-
nannt wird. Sie steht der Gattung Hypopus Duges am näch-
sten, zeichnet sich durch den gänzlichen Mangel der Palpen
aus. Der Schnabel fehlt fast ganz; ist sehr kurz und mit zwei
Borsten besetzt; der Körper Ist lederartig, die Füfse sind un-
gleich, die drei vordem Paare dick mit grofsen Klauen, das
hintere Paar dagegen ist sehr schlank und hat statt der Klauen
eine sehr lange Borste. Trichodacl. osiniae L. Duf. lebt auf
dem Bruststück von Osima hicornh und Osm. fronticorms.
Von den vier andern Arten gehören zwei zur Gatt. Tie-
ropiiis ^ die beiden andern zur Gatt. Hypopus. Pteroptus li-
ntosinae JL. D. lebt auf Limosina lugiibris^ und Ist eiförmig,
glatt, blafsröthllch, mit behaarten Füfsen, die an Ihren Enden
zwei Borsten tragen. Pi. sciarae L.D.^ auf dem Körper von
Scinra ingenun^ ist | Linie lang, eiförmig, blafsröthllch, behaart,
mit zwei Linien über den Körper; Füfse behaart, am Ende zwel-
borstlg. Hypopus feroniarum L. D. lebt auf dem Leibe
von Feronia jmrumpimciaia^ Ist \ L. lang, elliptisch, glatt, glän-
zend, blafs; Füfse sparsam behaart, die zwei hintern Fufspaare
sind viel schlanker und kürzer_, die Tarsenbläschen haben an
den beiden Vorderfufspaaren die Gestalt von Oliven, an den
I beiden hinlc'rn Fufspaaren sind sie pfrlemförmig. Hypopus sa-
\pro}uyzar7i?n L, D,, auf Sapromyza hlepharipteroides ^ t^ L.
lang, ist der vorigen Art sehr ähnlich, unterscheidet sich aber
durch noch gröfsere Kleinheit, mehr abgerundeten Körperbau,
kürzern Schnabel und durch die vier HInterfüfse, die statt der
iBläschen Borsten haben.
Durch diesen neuen Zuwachs wird der Character der Gatt.
Hypopus^ wie ihn Duges aufgestellt, etwas geändert. Leon
Dufour giebt Ihn jetzt so: Keine articulirten Palpen, Mund-
344
theile eiförmig, hervorragend, mit zwei steifen, langem Bor-
sten, Kör})er Heischig- lederartig, convex; Füfse kurz, Tarsen
an der Spitze blasenformig, nicht mit Klauen versehen.
Die Gattung Hypopus umfalst also sehr kleine Acarlden,
die auf Insecten gesellschaftlich schmarotzen, und hier dicht und
unbeweglich, fast wie angeklebt, bei einander liegen. Ihre Exi-
stenz scheint von einem gewissen Grad von Frische und Feuch-
tigkeit abzuhängen, da man sie auf solchen Insecten antrifft,
die unter solchen Verhältnissen leben.
Die gröfste Erweiterung hat die Kenntnifs der Milben
auch in diesem Jahre durch Koch 's unermüdlichen Fleifs er-
halten, der in dem schon im vorigen Jahresbericht ausführli-
cher besprochenen Werke: „Deutschlands Crustaceen, Myria-
poden und Arachniden," das wieder mit 8 Heften fortgesetzt
ist, nahe an 159 neue Arten von Milben abgebildet und^ be-
schrieben hat, welche den Gatt. Amonm, Bdella, Cheyletus,
Pteroptus, Dermanyssus, Laelops, Sejus^ Gamasus, Zercon, Iphis,
Notaspis, Nothrus, Dcmiaeus, Pelops, Oribates angehören *).
Diese 8 Hefte bilden auch die Hefte 167, 168, 169, 170, 171,
174, 175 und 178 der Panzerschen Insectenfauna.
P h a l a n g i n a.
In C. L. Koch 's Arachniden werden folgende Arten ab-
gebildet und beschrieben:
Eusarcus oxyacanthus. Brasilien. — Graphin oius or-
naius, Brasilien. — Ostraciderma decornium, Brasilien. — Pri-
siocnemus pustulatus. Brasilien. — Pachylus granulatus. Chili.
Stygnus triacnnthus. Südamerica. — Gonyleptes curvipes.
Brasilien. — 6r. bicuspidatus. Brasilien. — Ancistrotus bifur-
caius. Brasilien. — Jt. hexacanthus. Brasilien. — Goniosoma
dentipes. Brasilien. — G. grossuin, Brasilien. — Gr. venusUtm.
Brasilien. — Asarcus longipes. Brasilien. — Ainphcres ser-
ratus. Brasilien. — Caelopygus macracanthus. Brasilien. — C.
melanocephcäus. Brasilien. — ArtJirodes ocanthopygus. Brasilien.
Trogulus coriziformis. Unbekannt. — T. squmnatus. Dalma-
tlen. — T. squnlidus. Deutschland. — T. asperaius. Pfalz. —
Egaenus iibialis. Unbekannt. — Zachaeus mordax, Grie-
chenland.
*) Die Charactere der zum Thcil neuen Gattungen werden von
Hm. Koch im 3ten Hefte der systematischen Uebersicht des Arachni-
densystems bekannt gemacht werden.
Erichson.
345
Scorpionina.
Folgende Scorpione sind in C. L. Koch 's Arachniden ab-
gebildet und beschrieben:
^ndroctonus Pawopoews (Vaterland?). £wpew5 (C au casus?).
Aeneas (Nordafrica). Hecior (ebendaher). Eurialus (Frankr.).
Eurihchus (Vaterland?). Thersiies (desgl.). Ajax (Spanien).
A r a n i n a.
Die Luftschiff fahrt der Spinnen erklärt Hr. Ro-
se nheyn durch die electrischen Eigenschaften des Spinnen-
gewebes und der Spinne selbst, welche mehrere Experimente
nachiveisen. Geriebenes Siegellack stöfst die Fäden des Spin-
nengewebes ab, diese sind also negativ electrisch: das Auf-
steigen der Spinnen mit ihrem Gewebe würde also durch herr-
schende positive Electricität in den oberen Luftschichten eine
leichte Erklärung finden. (Preufs. Provinz. Blätter). Wie weite
Reisen die Spinnen auf diese Weise machen, ergiebt sich aus
einer Beobachtung Hrn. Darwins, welcher 60 Seemeilen vom
Lande entfernt Tausende von kleinen röthlichen Spinnen auf
'dem Schiffe ankommen sah. Jede Spinne fuhr auf einem ein-
zelnen Faden. (Froriep's Notizen XL p. 23). Auch die
Empfänglichkeit der Spinnen für Töne und namentlich für
Musik leitet Hr. Rosenheyn von ihren electrischen Eigen-
schaften ab (Preufs. Prov. Bl.).
Ueber die Spinnwarzen der Spinnen hat Hr. Black-'
wall in den Linn. Transact. XYllI. p. 219 sehr wichtige und
genaue Beobachtungen bekannt gemacht»
Es finden sich 4, 6 oder 8 Warzen paarweise hintereinander
gestellt, 1- oder mehrgliedrig, an der Spitze mit äufserst feinen,
gewöhnlich auf einer breiten Basis stehenden Papillen, welche
das Gespinnst absondern. Oeffnungen ohne vortretende Rän-
der, wie sie von Lyonet, Leuenhoek, Treviranus u. a»
beschrieben werden, konnte der Verf. bei der stärksten Vergrö-
Iserung nicht entdecken. Die Zahl der Papillen übersteigt nicht
leicht 1000, wie bei Epeira guadmia, bei Tegenaria 400, bei
Lycosa saccnia unter 300, bei Segestrla senoculaia kaum 100,
und bei kleinen Spinnen noch weniger. Die Gröfse der ein-
zelnen Papillen ist nicht immer gleich, selbst an einer und der-
selben Spinnwarze. Die relative Menge der Papillen an den
verschiedenen Paaren der Spinnwarzen ist verschieden bei den
verschiedenen Spinnen. Bei einigen Spinnen sind die beiden
W'iegmanu's Archiv. VI, Jahrg. 2, ßd. , 23
346
äafsersten Paare der Spinnwarzen 3-gliedrig, das 3te Glied haa-
rig; bei diesen sind von den neuesten Beobachtern (Savigny,
Treviranus, Audouin) die Papillen geläugnet und die Theile
als Analpalpen betrachtet worden: es sind jene aber in der That
(an der Innenseite des Gliedes) vorhanden, und nur deshalb
übersehen worden, weil sie zu haarförmigen Röhrchen verlän-
gert sind. Zwei und drei Paare von Spinnwarzen hat man bei
den Spinnen längst gekannt; ein viertes Paar entdeckte der Verf.
bei Cluhiona aivox, Drassus viriäisshnus und zwei anderen A.
von Drassus. Diese haben zugleich ein kammartiges Instrument
am Metatarsalgliede des Hinterbeins. Ein Spinnwarzen ähnlicher
Fortsatz kommt an der Basis des letzten Paares vor bei versch.
A. von Epeira, Teiragnaiha^ Liniphia u. a.; derselbe zeigt aber
keine Spinnwarzen, und es ist noch festzustellen, was er bedeutet.
Zwei neue Arten aus der Gatt. Gastracantha werden
von Guerin-Meneville in der Revue %oologique par la so-
ciete Cuvierienne etc. 1839. No. 4. p. 109 — 111 beschrieben.
Gastracantha gUjphica, Guer., mit dreieckigem plat-
ten Hinterleibe aus Madagascar. — Gr. Feisthamelii ausCayenne,
weicht von mehren Gastracanthen durch hochgewölbten Leib
und die Länge der Taster ab, weslialb Guerin eine eigene
Abth. unter dem Namen Hypognatha daraus bilden will.
M. A. Raikem, der längere Zeit practischer Art in Vol-
terra war, und hier oft die berüchtigte Spinne Theridio7i
marmignatta und die Wirkungen ihres Bisses zu beobach-
ten Gelegenheit hatte, Iheilt seine ausgedehnten Erfahrungen
mit besonderer Beziehinig auf die Arbeiten seiner Vorgänger
in den Annales des scienc. naturelles Tome XI. p. 1 — 27 mit.
Besonders veranlafsten ihn hierzu die neuesten anatomischen
Untersuchungen des Dr. Lambotte, die sich in den Bull, de
VAcad. des Seien, de Bruxelles niedergelegt finden, und von
denen bereits im vorigen Jahresberichte (S. 277 — 278) ge-
sprochen wurde» Aus allen diesen Untersuchungen und Be-
obachtungen ergiebt sich nun folgendes Resultat:
Theridion marmignatta (Latrodecies gutiaius TF^aTk.) ist
eine seit 1786 in Toscana sehr bekannt gewordene Spinne, die
sich besonders in der Nähe von Volterra auf der Mittagsseite
ungemein häufig zeigt. Dr. Marmocchi lieferte in demselben
Jahre die ersten genauen Untersuchungen, die damals in meh-
rern periodischen Zeitschriften veröffentlicht wurden. Die nähere
Kenntnifs der Giftdrüsen dieses Thieres verdankt man Hrn. Lam-
botte (vergl. Jahresbericht 1838 S. 277 — 278), sie sind viel
mehr entwickelt als bei den anderen Spinnen, die zu derselben
Familie gehören. Diese Organe sondern eine sehr schädliche
Flüssigkeit ab, die durch einen Ausführungskanal Iliefst, der die
347
Kiefer durchbohrt und am Ende eines beweglichen Hakens an
der Spitze der Kiefer mündet. Diese giftige Flüssigkeit wird
beim Bisse in einer kleinen Wunde zurückgelassen, wird hier
schnell absorbirt, dringt in den Blutkreislauf und äufscrt nun
ihren verderblichen Einfluis besonders auf das Muskel- und Ner-
vensystem. Die Krankheitssyniptome sind denen sehr ähnlich,
die der Bifs der Taranteln verursacht, zeigen sich besonders in
Abweichungen in den animalischen Funktionen und scheinen be-
deutender und gefährlicher als sie es wirklich sind. Gewöhn-
lich verlaufen sie in einem Zeitraum von 3 — 4 Tagen und ein
reichlicher Schweisausbruch führt das Ende der Krankheit her-
bei. Ob der Bifs einer einzigen Spinne für einen erwadisenen
Menschen tödtlich seyn könne, ist noch sehr in Zweifel zu zie-
hen. Die Wirkungen des Bisses an Kaninchen, Hunden, Tau-
ben und Vögeln überhaupt sind denen an Menschen sehr ähn-
lich und unterscheiden sich nur durch den Ausgang, der bei
Thieren tödtlich sein kann. Die männlichen Spinnen sind viel
seltner als die weiblichen und von diesen durch ihre Gestalt,
geringere Gröfse und einige andere eigenthümliche Kennzei-
chen unterschieden. Diese Thiere stürzen sich gewöhnlich nicht
auf ihre Beute, die in Insecten besteht, sondern sie umstricken
sie mit ihrem Gespinnste. In der Regel beifsen sie Menschen
nur, wenn sie durch irgend eine mechanische Ursache dazu ge-
reizt werden. Besonders sind sie im Sommer, im Monat Au-
gust zu fürchten. Zu anderen Zeiten, wenn sie lange Zeit ohne
Nahrung Jwaren, oder von ihren Wohnplätzen nach anderen Ge-
genden gebracht werden, sind die Folgen ihres Bisses wenig
oder gar nicht von Bedeutung.
Mac Leay hat aus seiner, an neuen exotischen Arach-
niden so reichen Sammlung fünf sehr merkwürdige Formen
ausgewählt und diese sehr umständlich in den Annais of Nat,
Bist Vol. II. 1 — 14 nebst Abbildung abgehandelt.
Die Folgerungen, welche M'Leay aus seinen Beobachtungen
macht, sind: dafs auch wahre Spinnen einen deutlichen Kopf
haben können, dafs sich wahre Spinnen mit articulirtem Thorax
und Hinterleib finden, dafs es Spinnen mit 2 Augen geben
könne, und dafs da, wo die gewöhnliche Zahl von 8 Augen
i vorkommt, diese doch noch auf besondere Weise gestellt sein
können, und endlich, dafs wenn gleich im Allgemeinen die La-
bialpalpen der Spinnen gleich Füfsen sind, auch andererseits
einige Species wahre Füfse gleich Palpen, und Labialpalpen ohne
I Klauen haben. Die aufgestellten Gattungen sind folgende:
1) Nops^ mit Dysdera nahe verwandt, sehr ausgezeichnet
dadurch, dafs nur zwei Augen vorhanden sind*). N. Guana^
bacoae, auf Cuba unter Steinen.
^) Es ist allerdings ein sehr merkwürdiges Factum, welches Hr.
Lucas in seinen, in denjniial, de laSocEnt. d. Fr. gemachten Be-
23*
348
2) Hypoplaiea, Untergatt, von Senelops: die Antennen
(Mandibeln) mit zwei Zähnen an der Innenseite des ersten Glie-
des, das Endglied der Maxillartaster sehr lang, mit einer Klaue,
Das letzte Fufspaar das längste. Im Habitus grofse Aehnlichkeit
mit yiriamus. H celer^ auf Cuba , in der Regenzeit mit gro-
fser Schnelligkeit auf gepflasterten Fulsböden hinschiefsend.
3) Deinopis^ eine durch die Stellung der Augen sehr merk-
würdige Gatt. , indem nur zwei Augen auf dem Rücken, die übri-
gen sechs auf der Vorderseite der Stirn stehen, von denen 2
eine enorme Gröfse und im Leben eine rothe Iris haben. Die
A., D. Lamia, lebt auf Cuba unter Steinen. Mac Leay be-
merkt, dafs sich auf der Unterseite des Cephalothorax die Spu-
ren ursprünglicher Gliederung angedeutet finden. Er rechnet die
Gatt, zu Koch's Wolfsspinnen*). 4) Myrinarachne, durch
abgesonderten Kopf und gestielten Hinterleib ausgezeichnet, zwi-
schen u4itus TP'alh. und Myrjnecimn Lair. in der Mitte stehend,
in der Stellung der Augen jenem näher sich anschliefsend, die
A., M. me/fmocep/jrt/a, ist in Bengalen zu Hause '^*). 5) Oihiops,
im Habitus mit Chersis Sav. oder Palpimnnus Duf' übereinstim-
mend, aber die verdickten Vorderbeine (Labialpalpen) sind
klauenlos, und die Stellung der Augen ist eine ganz andere:
bei Oihiops stehen sie nämlich in 2 Reihen, und die beiden mitt-
leren Augen der hinteren Reihe sind so sehr genähert, dafs sie
fast zusammenfliefsen. Oihiops Jf^alkenaeri lebt auf Cuba
in Wäldern unter Steinen.
In C. L. Koch's Arachniden werden folgende neue Ar-
ten beschrieben:
Cheiracanihium pelasgicum. Griechenland. — Clnhiona
cotnta. Oberpfalz und Franken. — CL puiris. Erlangen. — CL
incomta. Baiern. — Cl, pallens. Deutschland. — Drassus lu-
lescens, Griechenland. — Dr. seuerus. Griechenland. — Dr. bre-
vbnanus. Brasilien. — Dr. signifcr. Böhmen. — Dr. rufus.
merkungen zu Hrn. M* Leay 's Abhandlung nur der hohen Autorität
des Verfassers glauben will, Melches ich aber durchaus bestätigen
kann. Erichson.
*) Hr. Koch, der eine vielleicht verschiedene Art aus Colum-
bien in der hiesigen Sammlung untersuchte, vereinigt die Gatt, mit
Eresus zu einer eigenen Fam. Eresiden. Trotz des abweichenden
Habitus spricht die characteristische Stellung der Augen durchaus
für diese Ansicht. Erichson.
**) Die Verwandtschaft mit Myrmeclum ist nur scheinbar, dage-
gen steht die Spinne mit Vyropliorus Sund., mit der sie die horizon-
tal vorgestreckten Mandibeln gemein hat, in der nächsten Beziehung.
Von einem abgesonderten Kopfe möchte ich bei dieser und ähnlichen
Spinnen nicht reden, da der demselben entsprechende Theil doch im-
mer mit dem Thorax ein Stück ausmacht. Erichson,
349
Deutschland. — Dt\ ivogloäytes, Donaiigegendeii. — Dr. lenii-
ginosus. Griechenland. — Jiinnurobius ieiricus. Kärnlhen. —
u4. jnonianus. MIttelalpeu. — PyiJionissa occulia. Deutschland.
— P. lugubris. Morea. — P. eocornaia, Nauplia. — P. variana.
Franken. — P. iricolor. Deutschland. — MelanopJiora puftiila.
Donaugegenden. — DJ. violacea. Deutschland. — IM. argolien^
sis. Griechenland. — M, ßavhnana, Griechenland.
Myriapoda.
Ueber die Metamorphose de r Myriapoden finden
sich einige Bemerkungen von Gervais in den Annales de la
Societe entomologiqtie de France 1837. (Vergl. Institut 1839
p. 22).
Bei der Gattung Julus varllrt nach den verschiedenen Ent-
wlcUungsstufen nicht nur die Anzahl der Körperringel und der
Füfse, sondern dies erstreckt sich auch auf die Augen, die im
Verlauf der Entwickelung viel zahlreicher werden, was auf eine
regelmäfsige Weise statt findet. Bei der Gatt. Liihobius^ wo
die Anzahl der Körperringel ebenfalls variirt, hat Gervais auch
das Variiren in der Zahl der Augen beobachtet. Er fand ein
Individuum, welches nur sieben Fufspaare und auf jeder Seite
des Kopfes nur zwei Augen hatte. Gestützt auf diese Beobach-
tungen bemerkt Gervais, dafs der Lidiohius^ den Savigny in
seinem Werke über Egypten abgebildet hat, und der nur auf
jeder Seite des Kopfes vier Augen hat, wie die Scolopendern,
ein Exemplar sey, das auf einer etwas welter vorgerücktem Ent-
wlckelungsstufe stehe, als das von ihm 'beobachtete Exemplar,
aber keineswegs ein ausgewachsenes Thier sey, was auch noch
die Antennen bestätigen, welche in der Figur bei Savigny
nur 20 Glieder haben, während die erwachsenen Lithobien de-
ren mehr als dreifsig zeigen.
In einer andern Arbeit von Gervais, über die Dume-
ril und Milne Edwards Bericht erstatten (vergl. Institut
p. 377), werden mehrere neue, von ihm entdeckte Arten auf-
gestellt, von denen sich besonders die eine sehr auszeichnet,
und zu einer neuen Gattung Scolopendrella erhoben vrird.
Sie ist gleichsam eine Scolopendra en miniature, hat nur 10
Pesar Füfse und da jeder Ringel oben zwei kleine Dornen oder
gekrümmte Haken trägt, so nennt sie Gervais Scolopendrella
notacantha.
Im Bulletin scientif. pub. par VAcad. Imper. de St. Pe-
tersbourg Tom. VI. Nr. 24. 1839 giebt J. F. Brandt eine vor-
läufige Nachricht über seine Untersuchungen der Glomeri-
den, die nächstens in einer ausführlichen Monographie ver-^
öffentlicht werden sollen.
350
Da er nun auch lebende Exemplare untersucht hat, so ist
die in Müllers Archiv 1837 gelieferte Anatomie mehrfach be-
richtigt und vervollständigt worden. So entdeckte er an der
äufsern Seite der Antennen ein besonderes Organ, das vielleicht
als Gehörorgan angesehen werden kann. Das Rücki^ngefäfs
scheint mit dem der Insecten übereinzustimmen. Der schlei-
mige Saft, den die Glomerlden auf der Mitte des Rückens ab-
sondern, wird In kleinen welfsen, oblongen oder birnförmigen
Säckchen zubereitet, deren Ausführungsgänge auf der Mitte derRük-
kenselte zwischen den Segmenten münden. Die beiden Elerlei-
ter münden nicht am After, sondern zwischen zwei hornigen,
gekrümmten Schaalen, welche zwei kleine Röhren bilden, die
hinter dem Basalgliede des zweiten Fufspaars liegen. Der Ho-
den ist aus zwei Hälften zusammengesetzt, auch Ist eine herz-
förmige Prostata vorhanden; die Ausführungsgänge sind aber
noch nicht aufgefunden. Auch wurden die Anastomosen der
Zweige des Bauchmarks verfolgt, so wie die Verästelungen der
kleinen Zweige, die zu den Mundthellen gehören und ein be-
sonderer Plexus aufgefunden, der für den Nahrungskanal be-
stimmt ist.
Höchst interessante Beobachtungen über die L e b e n s w e i s e,
Nahrung und Verwandlung besonders der Chilognathen
sind von A. F. Waga in der Revue %oologique par la Societ,
Gtivier. puhl par M. JE. Guerin-Menevüle 1839. Nr. 3. p. 76
— 90 mitgetheilt.
Waga untersucht die polnischen Myriapoden und verspricht,
bald eine ausführliche Monographie derselben zu liefern. Die
Häutung der Julusarten beginnt am Kopfe, indem die alte Hülle
sich hinter dem Kopfe, zwischen den ersten Fufspaaren theilt,
welche Thellung sich dann ähnlich auf die folgenden Körper-
ringel ausdehnt. Wenn sich Craspedosotna häuten will, so bildet
dieses Thier zwischen zwei Blättern ein Gespinnst, das dem
Gewebe der eigentlichen Spinnen ganz analog ist, rollt sich in
diesem spirallg zusammen und übersteht darin die Verwandlung,
ähnlich wie die Raupen, die sich verpuppen wollen. Brandts
Beobachtungen über die Schleim absondernden Säckchen der
Glomerlden wurden auch von Waga gemacht, er nennt diese
Säckchen foramina repugnatoria, und sie werden, aufser an Ju-
lus, wo sie schon langst bekannt sind, auch bei Polydesinus und
Plaiyulus Gerv, nachgewiesen. Höchst wichtig Ist eine ähnliche
Beobachtung an einem Geophilus^ der sich um Warschau in ei-
ner ganz bestimmten Localität findet, und der die merkwürdige
Eigenschaft hat, aus den gedachten Oeffnungen der Säckchen
eine Flüssigkeit auszuspritzen, die in der FInsternifs leuchtet.
Offenbar ist das die wahre Scolopendra electrica jL. , und was
sonst von den Autoren als Scol. electrica aufgeführt Ist, sind ver-
schiedene Arten von GeophiluSy aber nicht die Scol. electrica L.
Diese Art zeichnet sich durch die allmällge Verengerung der ersten
Körperringel, wodurch gleichsam ein Hals gebildet wird, aus.
351
Die als Juhis unciger von Waga als neu aufgestellte Art
ist schon von C. L. Koch in seinen „Deutschlands Crustaceen,
Myriapoden und Arachniden" Heft22.5 unter dem Namen J.foe-
iidus abgebildet und beschrieben.
Nach Waga s Beobachtungen leben die meisten Chllogna-
then an faulenden Blättern, deren Parenchym sie verzehren, auch
an Früchten. Juhis foeüdus K. lebt von animalischen und ve-
getabilischen Substanzen. Polydesmus siigmatosus friist kleine
Schnecken, Blaniulus guUuInlus geht den gestorbenen Regen-
würmern nach, und Julus terresiris sucht sich kleine Käferlarven
zur Nahrung; Geophilus scheint, wie die Regenwürmer, vom blo-
Isen Humus zu leben.
Ueber die Entwickelung der Chllognathen sind wichtige
Thatsachen beigebracht, die das Bekannte berichtigen und er-
gänzen. Die Eier von Julus foeüdus K. haben die Gröfse von
Mohnkörnern und sind hellgelblich, sie spalten sich beim Aus-
kriechen des Embryo in zwei Hälften. Der Embryo ist milch-
welfs, ganz glatt, sehr weich, ohne alle Glledmaafsen und zeigt
keine Spur von Bewegung. Nach 4 — 5 Tagen hat das Junge
drei einfache Fufspaare und zwei SgHedrige Antennen, der Kopf
ist ge^en die Brust geneigt und zwischen dem letzten Fufspaare
und dem Ende des Körpers scheinen 3 Segmente angedeutet.
Das Thier zeigt auch jetzt nur sehr schwache Bewegungen.
Später nahm man 7 sehr deutliche Segmente wahr, die Anten-
nen und Füfse nahmen an Ausdehnung zu und der Kopf ent-
fernte sich mehr von der Brust. Einige Tage nachher zählte
man 8 deutliche Segmente ohne den Kopf, die an ihrem hintern
Rande wimperförmige Haare trugen, auch waren zwei doppelte
Fufspaare hinzugetreten. Die Augen waren jederselts durch ei-
nen schwarzen Punct angedeutet. Bis zu dieser Zeit verlassen
sie die Stelle, wo sie aus dem Ele krochen, nicht, jetzt sind
die Bewegungen kräftiger und schon ein langsames Kriechen
möglich. Jetzt zeigt das Junge SO Füfse, drei einfache Paare
imd 6 doppelte, das fünfte Segment zeigt einen dunklern Fleck,
die 6 folgenden ähnliche Puncte (das sind die Säckchen, die
durch die noch durchsichtige Haut hindurch scheinen), und der
ganze Leib besteht jetzt aus 18 Segmenten. Der Hinterrand
aller Segmente ist mit Haaren besetzt, besonders die letzten
Segmente, und die Fühler bestehen nun aus 7 Gliedern, auch
bemerkt man jetzt die ersten Rudimente des Hakens am After.
Die andere Entwickelungsgeschichte ist an Plaiyulus Audoui-
ninnus beobachtet. Waga hatte mehrere Individuen in einem
mit Erde und faulenden Blättern gefüllten Becher aufbewahrt,
und bemerkte bei einer spätem Untersuchung, dafs der spiralig
zusammengerollte Körper eines Weibchens mit frisch gelegten
Eierpaqueten umgeben v/ar. Diese entfernte er vom Leibe mit
einem feinen Griffel ; einige blieben aber noch dicht hinter dem
Kopfe angeheftet, daher hier wohl die Mündung der Eierleiter
liegt. Es waren etwa 50 Eier, die sich noch dreimal kleiner
als die von Julus foetidus zeigten, und sich eben so in zwei
Hälften spalten. Der Embryo hat das Ansehen der Saamen ver*
352
schiedener Leguminosen, ist wie der von Julufi ohne alle Glled-
maafsen und entwickelt auch bald die beiden Antennen und 6
Füfse; der Körper schien in dieser Epoche aus mehrern Segmen-
ten zu bestehen und hatte schon das Vermögen sich zusammen
zu kugeln; die Antennen zeigten 5 Glieder, die sich nach der
Spitze zu allmällg verdünnten; die Augen waren als zwei dicht
neben einanderstchende, schwarze, dreieckige Puncte angedeu-
tet. Das Thier bewegte bestandig seine Antennen hin und her,
konnte aber seine Füfse nicht recht gebrauchen, auf den Object-
tr'äger des Mikroscops gebracht, zeigte es das beständige Bestre-
ben, sich zusammenzukugeln. Ein viertes Fufspaar entwickelt
sich bald nachher, die Körpersegmente waren aber auch zu die-
ser Zeit noch nicht recht deutlich geschieden. Durch einen Zu-
fall gingen jetzt die Individuen zu Grunde und die fernere Be-
obachtung der Entw Ickelungsstufen war damit unmöglich gemacht.
Ich hätte in diesen Resultaten von Waga Manches zu be-
richtigen und Yieles zu ergänzen; da ich indessen mit meiner
gröfsern Arbelt über die Myriapoden bald Im Reinen zu seyn
hoffe, so dafs diese demnächst erscheinen kann, so enthalte ich
mich hier jeder fernem Bemerkung und verweise auf jene Ar-
beit, wo Alles, was bisher an den Myriapoden, besonders in
anatomischer und physiologischer Hinsicht beobachtet worden
ist, näher geprüft werden soll.
%
353
Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Ichthjologie während des Jahres 1839.
Von
Dr. F. H. Troschel.
Jjei dem steigenden Interesse, das die Zoologen an der
Ichthyologie nehmen, ist es nicht zu verwundern, dafs wir über
viele neue Erscheinungen aus dem Jahre 1839 zu berichten
haben.
Was zuerst die Fortsetzungen bereits früher begonnener
Werke betrifft, so haben wir vor allen Dingen des 13. und
14. Bandes der berühmten Histoire naturelle des poissons zu
erwähnen, die von Cuvier und Valenciennes begonnen,
von Letzterem nach Cuvier's Tode in demselben Geiste fortge-
setzt wurde. Band 13 enthält die Labroiden mit ununter-
brochener Seitenlinie, Band 14 diejenigen mit unterbrochener
Seitenlinie und die zweite grofse Abtheilung der Familie, bei
der die Zähne zu Knochenplatten mit den Kiefern verwach-
sen sind (ßcarusy Damit ist die Reihe der zu den Acantho-
pterygiern gehörenden Familie geschlossen, und es beginnt
noch in demselben Bande die Naturgeschichte der Malacopte-
regier mit den Siluroiden, derei^ Beschlufs jedoch noch dem
folgenden Bande vorbehalten ist. Es ist erfreulich zu sehen,
dafs die Fortsetzung dieses so wichtigen Werkes rasch vor-
wärts geht, und wir dürfen hoffen, dafs auch die folgenden
Bände in nicht zu weiten Zwischenräumen einander folgen
werden. Es sind in denselben neue Gattungen und nament-
lich viele neue Arten aufgestellt. Da jedoch das Werk zu
umfassend ist, als dafs alles darin enthaltene Neue sich in der
354
Kürze mittheilen liefse, und da es als die Grundlage einer
neuen Periode der Ichthyologie angesehen werden mufs, so
dafs kein Ichthyologe dasselbe entbehren kann, so enthalte ich
mich aller Auszüge und beschränke mich auf diese allgemeine
Anzeige.
Von der Iconografia della fauna italica cU Carlo Lu-
ciano Bonaparte, principe di Musignano, erschienen im Jahre 1839
die Lieferungen 24 — 26. Die 24. Lieferung enthält Leuci-
scus roseus L., Leuciscus Genei L., Leuciscus Heggeri Agafs.
und Carcharodon Lamia {ßqualus carcharias Risso, Carcha-
rias lamia Blai?iv. Carcharodon Schmithi Müll. Henle.). —
Die 25. Lieferung enthält Barbus ßuviatilis, eques, plehejus,
caninus nov. sp. (s. unten), Gobio venattis nov. sp, (s. unten),
Laeviraja oxyrhynchus {Raja oxyrhynchus L.), macrorhyn-
chus (^Raja oxyrhynchus Risso, Blainv?) — Die 26. Lieferung
enthält Astrodermus elegans Cuv. Val., Centrolophus , pompilus
Cuv., Schedophilus medusophagus Cocco, Oxyrrhina Spallan-
zanii (Jsurus Spallan%anii Rafin.), Odontaspls ferox Agafs.
{ßqualus f er ox Risso\ Raja falsavela Bo?iap. (Raja undulata
sive cinerea? Rondelet.^
Von einem neuen in Lieferungen erscheinenden Werk,
das sehr glänzend ausgestattet wird, ist die erste Lieferung
erschienen: Histoire naturelle des Poissons d'eau douce de
TEurope centrale par L. Agassi%. 1 Livr. 1839. Es enthält
die Salmonen: Sahno salar, fario, triitta, umhla, hu-
cho, lacustris, Thymallus vexillifer Agass.ißalmo Thy-
mallus L?). Auf 27 Tafeln sind die genannten Fische in den
verschiedenen Geschlechtern, Alterszuständen und Varietäten ab-
gebildet. Jeder Tafel ist ein erklärendes Textblatt in franzö-
sischer, deutscher und englischer Sprache beigegeben. Der
eigentliche Text soll erst mit der zweiten Lieferung ausgege-
ben werden, dio auch noch den Salmonen gewidmet sein wird.
In the Zoology of Captain Beechefs Voyage etc. London
1839" ist die Ichthyologie bearbeitet von G. T. Lay und E. T.
Ben nett. In einer Art Einleitung werden manche Bemer-
kungen aus dem Reisetagebuche über Fundort, Lebens-
weise u. s. w. einzelner Fische mitgetheilt, z. B. über das Flie-
gen des Exocoetus evolans L.; die Temperatur von Scomber
pelamys L., dessen Herz und Eingeweide 86% die Muskeln
355
des Rückens bis 88*^ zeigten bei einer Temperatur des Meer-
wassers von 82° ; eine Analyse der Luft in der Schwimmblase
eines neuen Tetrodon, welche 0,625 Theile Oxygen und 9,375
Theile Nitrogen enthielt, u. s. w. Dann folgt die Beschreibung
der beobachteten und eingesammelten Fische, unter denen
mehrere neue. Die meisten sind auf 9 sauber colorirten
Kupfertafeln abgebildet. Die Diagnosen der neuen sollen un-
ten mitgetheilt werden.
Von Richard Parnell ist noch aus den Memoirs of
the Wernericm natural historij society for the years 1831 — 37.
Vol, VII. Eclinhirgh. 1838 eine sehr ausführliche Abhandlung
über die Fische der Forth-Bay nachzutragen. Sie reicht
von S. 161 — 460. Alle Fische sind mit kurzen Diagnosen,
die wohl nur für die Localfauna ausreichen sollen, versehen:
ihnen folgt eine ausführlichere Beschreibung. Es finden sich
3 neue Arten, wovon unten. Am Schlufs folgt eine dichoto-
niische Analyse der vorkommenden Gattungen. Die Abhand-
lung ist von 27 Steindrucktafeln begleitet, auf welchen Arten
der Gattung Trigla (mit Details, darstellend die Schuppen der
Seitenlinie und des Dorsalrandes), Gasterosteus, Pagellus, Lam-
pris, Mugüj Gohius, Salmo (mit Details über die Zähne des
Vbmer), Clupea, Ham'ceps, Flatessa, Acipenser (Kopf), Raja^
Trygon, Motella abgebildet sind.
Suppleme?it to the Hlstcry of British Fishes. By Wil-
liam Yarrell. Illustrated hy Wood-cuts. London, Van
Voorst. 8i/o. 1839, ist mir leider noch nicht aus eigener An-
sicht bekannt geworden, ich mufs mich daher begnügen, einige
Notizen darüber aus der Anzeige in Äimals of nat. hist. IV,
p. 42. mitzutheilen. Vergl. auch London Mag, of nat, hist. III.
p. 364.
Ueber 30 Fischabbildungen sind beigegeben; die meisten
Arten sind neu für die Fauna. Verf. hält (JoucKs Serranus für
dentisch mit Polyprion cernuiim. Von Hetniramphus EuropaeuSj
ler vor einigen Jahren durch Couch entdeckt wurde, hält es
V"erf. für möglich, dafs er mit seinen ungleich entwickelten Kie-
fern der Jugendzustand von Betone vulgaris sei, und dafs über-
haupt alle Hemiramphi Jugendzustände dieser Gattung seier.
Osfnertis hehndicus und Flatessa elongala werden als neue Arten
aufgeführt.
Eine Aufzählung der zur Fauna von Shropshire und North
356
Wales gehörigen Fische von T. C. Eyton enthalten die An-
nals of not, hist, III , p. 24.
R. T. Lowe giebt ein Supplement zu der Synopsis der
Fische Madeira's in den Proc. zool. Soc, p. 76. seq. Daselbst
werden mehrere neue Gattungen und Arten beschrieben; siehe
unten.
Richardson las in der Zoological Society einen Aufsatz
über einige in Vandiemensland gesammelte Fische, indem
er Bemerkimgen über ^pistes marmoratus Cuv. Val., Sehastes
maculatus Cuv. Vol., Cheüodactylus carponemus Cuv, Val. mit-
theilt, und einige neue Genera und Arten beschreibt. {Annals
of nat. hist, IV. p. 450.; Proc. Zool. Soc. 1839. p. 95.
Von Arbeiten, die sich auf die Anatomie der Fische be-
ziehen, sind folgende aufzuführen:
Unter dem Titel Symholae ad anatofhiam piscium machte
H. Stannius in Rostock zwei Abhandlungen bekannt, deren
eine sehr ausführlich das Nervensystem des Störs (^Acipenser
Sturio) behandelt. In der andern macht Verf. auf kleine Kör-
perchen aufmerksam, welche er in der Nahe der Nieren der
meisten Fische fand. Sie erreichen bei einigen die Gröfse
einer Erbse, sind in beiden Geschlechtern vorhanden. In einer,
wie es scheint spätem Abhandlung (Müllers Archiv 1839
p. 97.) ist Verf. geneigt, sie für Nebennieren zu halten.
Eine Abhandlung von Duvernoy Du mecanisme de la
respiration dans les poissons. Premier Memoire hat aufser einer
historischen Einleitung besonders das Diaphragma hranchiale
der Fische, und die Muskeln desselben zum Gegenstande, in-
dem jdas des Stör zum Grunde gelegt wird. (^Annales des
sciences nat. XII. p. 65.)
Von R. Owen finden wir in den An?iales d. sciences ?iat,
XIL p. 209 eine Abhandlung: Recherches sur la structure et
la formation des dents des Squaloides, et application des faits
ohserves a une nouvelle theorie du developpement des dents.
Verf. weist nach, dafs die Organisation der Zahne der Squa-
loideUy so wie aller anderen Thiere, nicht durch Juxtaposi-
tion erklärt werden kann, sondern durch Ablagerung von
Kalksalzen in den Zellen oder Röhren des Bulbus, also durch
Intussusception. Derselbe meint, die Bildung der Zahnsub-
-stauz unterscheide sich von der der Knochen nur durch die
357
Richtung, bei ersteren finde die Ossification statt vom Umfange
nach dem Centrum, bei letzteren vom Centrum nach dem Um-
fange. Beim Zahne sei sie centripetal, beim Knochen cen-
trifugal.
Derselbe legt in einem spätem Auf satze ebendas. p. 347.
,fS2ir la structure microscopique et le developpement des dents
des Poissons Gymnodontes" dar, dafs die Entwickelung der Zähne
hier ganz ähnlich sei, nur dafs mehrere Bulbi sich übereinan-
der entwickeln, so dafs dadurch eine lamellenartige Bildung
hervorgebracht werde.
Aus Mandl's Aiiatomie microscopique Ire serie, Livr.^,
Paris. Bailiiere 1839 finden wir in den Annales d. sc. nat. XI.
p. 337. eine Abhandlung Recherches sur la structure intime
des ^cailles des Poissons abgedruckt.
Das erste Kapitel enthält das Historische, das zweite han-
delt von der Struktur der Schuppen, in dem Verf. eine innere
Ernährung, eine wahre Organisation mit verschiedenen Ent-
wickelungsstufen nachweist. Derselbe bezeichnet die fächerarti-
gen Linien als Kanäle, welche den ernährenden Stoff aus der
Haut dem Centrum der Entwickelung zuführen. Die dem Rande
der Schuppen parallelen Linien verdanken ihre Entstehung Zell-
chen, welche sich in der obern Schicht der Schuppe bilden;
sie werden lignes ceUulaires genannt. Die Körperchen (corpus-
cules) in den Schuppen, welche von länglicher Gestalt sind,
werden den Körperchen in den Knorpeln verglichen; sie liegen
in einem Gewebe neben den Zellenlinien über der untern Schicht
der Schuppen. Letztere besteht aus fibrösen Lamellen, deren
Fibern sich unter regelmäisigen Winkeln schneiden. Der Punkt
nach welchem alle Kanäle zulaufen, wird der Brennpunkt (jToi/er)
genannt; er ist gekörnt oder glatt, und hat verschiedene Gröfse.
Die Rauhigkeiten am Rande der Schuppen heifsen Zähne, und
sind Körper, welche mit einer Hülle umgeben sind, am Rande
sind sie am meisten entwickelt , am wenigsten in der Nähe des
Brennpunktes. In einem dritten Kapitel sucht Verf. darzuthun,
dafs die Structur der Schuppen einen w^Ichtigen Charakter für
die Classification liefere.
Bemerkenswert!! ist die Entdeckung, dafs Polynemus
sele Hamilton Fischleim enthält, was bei der GrÖfse und Häu-
figkeit dieser Fische in Indien für den Handel von Wichtigkeit
werden kann. {Cantor in den Proc. %ool. soc. 1839. p. 115.)
Acanthopterygii.
Neue Gattungen und Arten:
Serranus Rasor Richardson. 1. c. maxillis valde squa-
358
mosis, apicibus radiorum pectoraüum fasciculatis, corapressis, lan-
ceolatls; pinnis omnibus praeter ventrales sauamosis; radiis acu-
leatis pinnae dorsi subaequalibus; fascia oculum cingente coeru-
lea per Hneam lateralem producta. Br. 7- P. 13, V. 1. 5. D. 10. 21.
A.3. 9. C.15.
Ceniroprisiis Salar Richardson 1. c. operculo sub-
operculoqiie squamosis; interoperculo seminudo; praeoperculo
subdenticulato; pinnis dorsi anique in fossis receptis. B. 7. P. 16.
D. 9. 16. V. 1. 5. A. .3. 10. C. 17.
jiplodactylus arciidens Richards. I. c. dentibus oris
tricuspidatis, superioribus in serie octuplici, inferioribiis in serie
quintuplici dispositis; caecis pylori quatuor. B. 6. P. 9 et 6.
V«1.5. D. 16 — 1.17. A..3.8. C'ie.
Callanihias nov. gen. Lowe. Proc. zool. Soc. jp. 76. Kopf
schuppig, mit Ausnahme der kurzen Schnauze vor den Augen,
Zähne wie bei Anthias Bloch; Praeoperculum ganz, Opercu-
lutn mit zwei flachen angedrückten Dornen. Seitenlinie nahe
dem Rücken und am Ende der Rückenflosse aufhörend, sechs
Strahlen in der Kiemenhaut. C. paradiseus.
Polyne7nus approxivians Lay et Bennett. 1. c. griseus,
radiis pectoralibus liberis sex, pinnis dorsalibus subapproximatis.
San Blas. Hat keine Schwimmblase. —
Trigla vanessa Richards. 1. c. squamis aspersis medio-
crlbus; linea laterali aculeata; fossa dorsali ad finem usque pin-
nae posterioris armata, orbita ocuü edentata, pinna pectorali
ampla labeculis aculeis binis ornata, macula inter aculeum pin-
nae dorsi quintum et octavum nigra. Br. 7. P. 12 — III. V. 1. 5.
D.8.12. A. 12. C.13. — Die Meinung Parnells, dafs Trigla
Cuculus und Tr. Gurnardtis identisch seien, und ersterer
nur der Jugendzustand sei, bestätigt Thompson in Folge einer
Vergleichung vieler Exemplare. {Annais. of nat. hisi. 11. 413.).
Blepsias hilohus Cuv. J^al. wird durch Lay et Benn.
/. c. zur eigenen Gattung erhoben: Per opus Dentes velutini
apud maxillas, vomerem et ossa palatina. Radii membranae
branchiostegae sex. Pinna dorsalis unica, profunde biloba. Cor-
pus nudum, hispidum. Caput compressum.
Lairis n. gen. Rieh. l. c. Piscis acanthopterygius, mae-
noideus. Pinnae esquamosae, dorsi pinna unica, profunde emar-
ginata, in fossa decumbens, ventrales pinnae sub abdomine me-
dio positae. Radii pinnae pectoralis inferiores (novem) simpllces.
Praeoperculum denticulatum. Os modice protendens. Dentes in
oris ambitu tignoque vomeris positi villosi, in ossiculis pharyn-
geis parvi, subulati, conferti. Palatum linguaque laeves. Squa-
mae laeves. Eine Art L. Hecateia. Br. 6. P. 9 et 9. V. 1. 5.
D. 18. 36. A. 3. 27.
Chneiodon vinctus Lay ei Benn. l. c. flavus, fascia ocu-
lari brunnea, maculaque ad latus nigra coeruleo-marginatis; vit-
tis duabus obliquis, pinnam pectoralem antice cingentibus, coe-
rulescentibus. Byam IMarlin Island.
Thynnus obesus Lowe Proc. zool, Soc. 78. corpore ab-
359
brevlato, obeso, pinnis acutis, pectoralibiis ad fmem secundae
dorsalls attingentibus, oculls magnis.
Cyhiiim sara Lay et Benn. 1. c. elongatum, pInna dorsall
Eriore longissima, humill, radiis paucis anterioribus elevatis.
,00 (Jhoo.
Thyr Sites aliivelis Richards, l. c. radiis pinnae dorsi
aculeatls, corpus altltudliie aequanlibus, dentibus intermaxillae
iitriusque quatuordecini, in latere maxillae inferioris utroque duo-
decim. Br. 7. P. 14. V. 1. 6. D. 20— I. II. et VII. A. 1. 10. et YII.
C. 17.
jiphanopus nov. Gen* Lowe Proc. zool. soc. p. 79 wie ILe-
pidopus^ aber ohne Gaumenzähne; zwei fast gleiche Rücken-
flossen, vor der Afterflosse ein starker, scharfer Dorn. Keine
Spur von Bauchflossen. ^, carho,
Nemadaciylus n. gen. Rieh. Z. c. Operculum laeve, inerme*
Pinnae esquamosae, pinna dorsalls unica; radii pinnae pect, in-
feriores (sex) simplices, quorum unus productus. Costae bran-
chiostegae paucae (tres). Intermaxillarum pediculi breves. Den-
tes gracilllmi minuti in ambitu orls tantum positi. Fauces, pa-
latuni et lingua glabri. Squamae tenerae, laeves, infraque lineam
lateralem scomheroideae. Caeca pylorica pauca (tria). Eine
Art: N. concinnus. Br. 3. P. 9 et 6. V. 1. 5. D. 17. 28- A. 3. 15.
C. 15.
Clinus despicillatus Richards. I.e. verwandt mit C. per-
spicillatus Cuv. J^nl. aber mit breiterem Kopf und kleinern Augen,
und ohne die nuchal tnar^s, drei Querbindeu auf Brust und
Schwanzflosse.
Den von Thompson In den Proc. of Zool. Soc. of Lon-
don 1837. p. 61 als Gohius niger aufgeführten Fisch hält der-
selbe jetzt für verschieden, und nennt ihn Gohius Briianni-
cus. Die Zähne der äufsern Reihe sind nicht viel länger als
die andern, die Schuppen sind gröfser. D. 6 — 14. P. 18. V. 1.5.
A. 12. C. 15. {Ann(ds of nat. hist. II. 417.) — Gohius uni~
punctatus Parnell I.e. p.243. Rückenflossen entfernt, die vor-
deren Strahlen der zweiten länger als die folgenden, ein brei-
ter, schwarzer Fleck am Gipfel der Membran zwischen den
beiden letzten Strahlen der ersten Rückenflosse. D. 6 — 11. P. 16.
V. 10. A.n. C. 15. B. 5. — G. ephippiatus Lowe Proc» zool,
soc. 84. fuscus, maculatus et punctatus, capite nuchaque nudis,
hac sulcata, pinnarum pectoralium dorsaliumque radiis haud pro-
ductls, squamis magnis.
Eleotris longipinnis Lay ei Benn. l. c. pinna caudali
lanceolata*, pinnis dorsali analique postice elongato-acumlnatis.
Loo Choo.
Chironectes hicornis Lowe Proc. zool, soc. hispidus, se-
tis furcatis, nudus sexappendiculatus, pallide ruber, punctulls
fuscis conspurcatus, fronte super oculos bicornl, cornu anteriore
distincto, recurvo, posteriore gibboso-cristiformi, filamento in-
termedio inconspicuo, brachlis pectoralibus ventrallbusque exsertls.
Lahrus laiiclivius Richards, l, c. smaragdinus, fasclls
blnis lateralibus puniceis, purpureo-marginatls, postice in unum
360
coalescentlbus, inque pinna produclls, plnna dorsi basi viridi, in
medio late purpiirea, superne aurantiaca, piirpureo- guttata, inque
margine extremo coerulea; pinna ani basi auranliaca, dein pri-
mulaceo-Hava, utrinque coeruleo cincta, exinde purpurea, coeru-
leo-guttata, denique in extremo margine coerulea. P. 12. V. 1. 5.
D.9. 11. A.3. 10. C.14.
Thompson hält seinen 18.37 aufgestellten Crenilahrus
muliidentaius (vergl. dies Archiv V. II. 380) für identisch
mit Labrus pusillus Jenyns, (^Annals of nat. hist, II. p. 418.)
^cantholahrus imbricaius Lowe Proc, zooJ. soc. pinna
dorsali anallque basi squamosis, squamis subquaternis, bractearum
modo imbricatis, inter spinas assurgentibus, dorsalis parte spi-
nosa postice unimaculata, cauda utrinque bimaculata, squamis
magnis.
Julis bifer Lay et Beim. l. c. cauda rotundata, pinnae
dorsalis radiis duobus anterioribus filamento praelongo auctis,
corpore viridi, castaneo-tessellato, genis radiatlm brunneo-linea-
tis, pinnis saturate brunneis. Oahu. — J. poecila Id. ib. vi-
rescen*, purpureo subfasciatim vario, genis rubro-vittatis, pinnis
dorsali analique rubrls, rivulis, guttis strigisque flavo-virescenti-
bus conspersis, illa irisuper macula purpurascenti - nigra notata,
pinna caudali rotundata, subflava, rubro fasciatim lineata. Loo
Choo. — J. vielanura Lowe Proc. zool. soc. Die drei ersten
Strahlen der Rückenflosse verlängert, Schwanz und Schwanz-
flosse schwarz; verwandt mit J. speciosa Cuv. J^al,
Scarus? quinquefasciatus Lay et Benn. l. c. viridis,
dorsi utrinque vittls duabus, vittaque pinnae dorsalis, coccineis,
capite coccinco subradiatim fasciato, pinnae dorsalis radiis spi-
nosis breviorlbus. Loo Choo.
Ceniriscus gracilis Lowe Proc. zool. soc. sehr verwandt
mit C scolopax. L.
M a l a c 0 p t e r y g i i.
Alysia nov. gen. Lowe Proc. zool soc. Corpus subelonga-
tum, compressum, dorso postice ventreque splnoso-serratis. Ko-
strum brevissimum, ore rictuque magnis, hoc pone oculos di-
ducto. Dentes minuti, tenues, in maxllla inferiore, vomere et
palatlnis scobinati. Lingua postice lateribus subaculeolata. Squa-
mae magnae, haud deciduae, scabrae, sqamls llneae lateralis la-
tissimls, maximis, scutellatls, s. per totam longltudlnem loricato-
imbricatls. Pinnae ventrales sub apice plnnarum pectoralmm
sitae. Dorsales duae, prima inier ventrales et analem posita, se-
sunda ad finem analls, rudimentall. Pinna caudalis minima für- ,
cata. A. lorkata. Verwandt mit Aulopiis Cuv. Der Name ist j
schon bei den Insecten vergeben.
W. Thompson hält den in den Annais II. 266 und 421.
beschriebenen Corcgonus clupeoldes Nils? für identisch mit
Cor, Po II an. (Annais IV, 70.)
361
lieber die Familie Ster7ioptixinae finden wir von P. D.
Handyside einen interessanten Aufsatz in Eduiburgh Neio
Phüosophical Journal Vol. 21. p. ^2^. unter dem Titel: History
of the Sternoptixinae, a family of the osseous fishes and their
anatomical peculiarities; vvith a description of the Sternoptix
Celebes, a species not hitherto noticed. Illustrated by two
Engrawings.
Der Körper der In diese Familie gehörigen Fische ist zu-
sammengedrückt, fast kreisförmig Im Profil. Hinter der Rücken-
flosse Ist ein kleiner Höcker, das Rudiment der Fettflosse der
Salmoniden, während vor der Rückenflosse zwei scharfe Ränder
sich bilden. Zwischen Schultern und Beckenknochen ist eine
scharfe durchsichtige Leiste. Der Mund steigt schief von oben
herab. Die Zunge ist rudimentalr. Die Maxlllarzahne sind zahl-
reich und klein, und unterscheiden sich nach den Arten. Kie-
menstrahlen 5 — 9. Operculum weich, elastisch; Praeoperculura
fein gezähnt, am \YInkel mit einem Stachel; aufserdem finden
sich an der Schulter zwei Stacheln, deren einer In eine Spitze
in der Mitte zwischen Mund und Bauchflosse vorsteht; dicht vor
jeder Bauchflosse findet sich wieder ein Stachel, endlich ein un-
paarer vor der Rückenflosse, der vorn gezähnt Ist. Die Schwanz-
flosse Ist gabllg. Keine Schuppen auf dem Körper. — Hierher
gehören .3 Arten: S. Herinanni (diap/iana), S. Celebes nov. sp.,
und S. Olfersii^ deren letzte eine besondere Gattung bildet.
S. Celebes ist genau beschrieben.
Valenclennes stellte eine neue Gattung \on Cyprinoiden^
welche durch Pentland von den Anden mitgebracht waren,
auf: Keine Bartfäden, Mund vorstreckbar; 5 Strahlen in der
Membrana branchiostega. Rückenflosse klein, weit von der
Schwanzflosse zurücktretend, Schwanzflosse klein, abgestutzt.
Kieferzähne und Gaumenzähne kardenartig. Kiemendeckel fehlt.
Nur ein Eierstock. Institut. 1839- p. 118; Frorieps Notizen X.
p. 139.
Hemiramplius depauperatus Lay et Benn. /. c. pinna
dorsali anall subduplo longlore, pectorali angulum oris attln-
gente, maxilla superiore orbltae dimidlum longitudine superante.
Oahu. —
Alphonse Guichenot lieferte in Gicerins Mag. d. %ooL
pl.l. die Monographie einer kleinen Familie, welche mit den
Lepisosteidae des Prinzen Charles Bonaparte identisch
ist, der Verf. jedoch den Namen Osteosomes beilegt.
Sie Ist charakterlsirt durch den verlängerten Körper, der von
festen knochigen Schuppen In schrägen Ouerreihen bedeckt Ist;
der Kopf ist platt und mit grofsen festen Platten bedeckt; spitze
konische Zähne von verschiedener Länge sind In mehreren Rei-
hen vorhanden. Ihr wird Ihre Stelle im System hinter den
Clupeoiden angewiesen. Hierher werden nur zwei Gattungen
Wiegraaiin's Archiv. VI. Jahrg. 2. Bd. 24
362
gezogen: Lepisosieus Lacep. mit einer zusammenhängenden
Rückenflosse {L. Gavialis Lacep» und L. Spaitda Lacep.) und
Polypterus Geoffr. mit vielen getrennten Rückenflossen (P. bichir
Geoffr. und P. senegalus C). Die erste Galtung gehört dem
sülsen Wasser America's, die zweite Africa an. Die Abhand-
lung ist von einer Abbildung des Pohjpterus senegalus begleitet.
Durch Owen wurde in den Verhandlungen der Linne-
schen Gesellschaft in London und daraus in den Annales des
Sciences naturelles XL 371 eine neue Art der so höchst in-
teressanten von Fitzinger und Natterer zuerst aufgestell-
ten Gattung Lepidosiren beschrieben: L. annectens. Die
Art unterscheidet sich durch einen verhältnifsmdfsig längeren
Kopf, durch ihre rudimentairen Extremitäten, und durch ihre
geringere Gröfse. Sie kommt aus dem Gambiaflusse in Africa.
Verf. will durch seine Beschreibung diese Gattung als zu den
Fischen gehörig erweisen, nicht zu den Amphibien, als wel-
ches die andere Art L. paradoxa beschrieben war (vergl. dies
Archiv IV. 2. 361. )♦ Vor Allem wird die nur nach aufsen
geöffnete Nase als Argument für die Fischnatur angegeben;
aufserdem die grofsen runden Schuppen, welche die Haut be-
decken; die Schleimgänge des Kopfes und der Seitenlinie; die
weichen vielgliedrigen Strahlen, welche die rudimentairen Bauch-
und Brustflossen stützen; die knorplige, vorn mit dem gan-
zen Grunde des Occipitalknochens articulirte Wirbelsäule;
das Vorhandensein eines Präoperculums ; die Beweglichkeit der
Zwischenkiefer; die Abwesenheit der Lungen und der Milz,
die einfache Vorkammer des Herzens, die innere Lage der
Kiemen. Im System weist Verf. der Gattung eine Stelle bei
Polypterus und Lepidosteus an, indem sie theils einen Ueber-
gang zwischen den Malacoptenjgiern und den Knorpelfischen
und selbst zwischen den Fischen und Amphibien andeutet.
W. Thompson beschreibt einen im Strangfordsee in
Irland gefangenen kleinen Fisch, Aqw er mit Ciliata glauca
Couch in eine Gattung stellt, deren Namen er jedoch in Cou-
chia verwandelt, mit folgendem Gattungscharakter:
Körper verlängert, hinten zusammengedrückt; die erste
Rückenflosse \vle bei Moiella sehr niedrig, aus weichen, nicht
verbundenen Strahlen zusammengesetzt, Brust- nnd Baucbflosseu
liegen hoch, die '2te Rücken- und die Afterflosse lang, die Ab-
thellungen des Kiemendeckels äufserlich deutlich. Die neue Art
Keifst iJ, minor. Überkiefer länger, Baucbflossen lang (i — i
363
der Kopflänge) am Ende schwarz, die Seiten silberfarbig. Zu
dieser Gattung will Verf. auch den Gadus argenteolus Mon-
iagu als Couchia argenieola gestellt wissen: Oberkiefer länger,
5 Bartfäden, 4 am Ober-, 1 am Unterkiefer, Bauchflossen mittel-
mäfsig {^ — y der Kopflänge) und von weifslicher Farbe, Seiten
silberfarbig, (^nnah of nai. Just. II, 408.)
Lepidoleprus ausiralis Richards. /. c. squamis corporis
ordinibus plurimls aculeorum arcte incumbentium instructis; pinna
ani plus dupllci altitudine pinnam dorsi posteriorem superante.
Br. 6. P. 16. V. 1. 6. D. 2. 11 — 89. C. 1.
Rhoinhus cristaius Lowe Ptoc. zocl. soc, 88« verwandt
mit H. megaStoma Yarr.
W. Thompson führt die britischen Arten der Gattung
Monochirus auf 2 Arten zurück:
IMon. variegatus (^Variegated Sole vonDonovan, Yar-
r e 11 und S c o u l e r und Solea variegaia T h o m p s.) Brustflosse
etwa ^ Kopflänge, an der Seitenlinie etwa 85 Schuppen, Rücken-
und Afterflosse nicht mit der Schwanzflosse verbunden. JMon.
linguatuhis (Solea Lingula Jenyns^ Blon. miniiius ParneJl und
Solea Lingida Rond. vonThomps. in den ^nnuJs beschrieben.)
Brustflosse etwa \ der Kopflänge, an der Seitenlinie ungefähr
70 Schuppen, ein zufälliger schwarzer Streifen durch die Riicken-
und Afterflosse, diese Farbe nicht auf die verbindende Membran
ausgebreitet, {^nnals of nat. Just, II, 402.).
Lepadogaster cephalus Thompson, ein sehr kleiner
Cirrus vor jedem Auge; Rücken- und Afterflosse nicht mit der
Schwanzflosse zusammenhängend, Bauchscheibe klein. Südküste
von rland. AnnaJs of nai. liist. III. p. 34. — L- zebrinus
Lowe Proc. zool. soc. zwei Cirren an der Nase, Rücken- und
Afterflosse mit der Schwanzflosse zusammenhängend; schwarz-
braun mit schiefen Streifen an den Seiten, und Binden und
2 blaue Flecke auf dem Nacken. —
Thompson sieht den Gohius minuius Müll, und Cy~
clopterus fninutus Pallasi als Jugendzustand von Cycl. lum~
pus an. (yinnals of nat. hist. III. p. 38.).
EcJieneis pallida Lowe Proc. zool. soc. p. 89. mit 19 La-
mellen und mondförmiger Schwanzflosse. — E. jacohaea id. ib,
19 Lamellen, Schwanzflosse abgestutzt. — E. vittata id. ib.
24 Lamellen, Schwanzflosse abgestutzt. — E, brachypiera id.
ib. 16 Lamellen, Schwanzflosse abgestutzt.
De Joannis macht es wahrscheinlich, dafsderAal leben-
dig gebärend sei, in einer Abhandlung: Notice sur la partui^i-
tion et la generatmi des Anguilles. (^Revue Zoologique 1839.
p. 48). Er erzählt, ein Bauer habe einen Aal in eine Schüssel
gelegt, und als er zurückgekommen, habe er den Aal von etwa
200 kleinen Aalen umgeben gefunden, die 1-^^ — 2 Zoll lang
waren, dick wie Zwirnfäden und fast weifs. Von einem habe
364
der Bauer noch gesehen, wie er erst halb abgelegt gewesen
sei. Die Augen der jungen waren zwei deutliche schwarze
Punkte, üebrigens schildert Verf. den Erzähler als vollkom-
men glaubwürdig, und es wäre dies allerdings ein schlagender
Beweis.
Ophisurus semicinctus Lay ei Benn. l. c. maxilla supe-
rlore elongata, pinnis pectoralibus minimls, corpore maculis la-
tis brunneo-nigrls 21 fasciatim siibclncto. üahul*
Ophidium Stigma Lay et Benn. l. c. (imberbe?) palllde
brunneum, fasciis macullsque plurimls, macula magna purpurea
ad ortum pinnae dorsalls. Kotzebue Sund.
Pectognatki.
Teirodon captsiratus Lowe Proc. zool. soc. p.90* klein,
glatt, Bauch mit anliegenden Dornen, Rücken braun, die Seiten
gelblich mit zwei braunen Längsbinden, Kopf blau punctirt.
Batistes sesquilineatus Lay et Benn, l. c. olivaceo-vi-
rescens, lineis numerosis obliquis rubris, cauda, pectore, lineis-
que OS ambientibus supra-maxillari mentalique longa, coeruleis,
pinnis flavescentibus, cauda aculeata. Taiti»
Monacanthus spilosoma Lay et Benn, 1. c. corpore
postice caudaque hispidis, lineis genarum, corporisque maculis
parvis confertis seriatis, fuscis. Oahu.
Lop/iobranckii.
Mit Beziehung auf die Abhandlung von Fries über
Syngnatkus (s. dies Archiv IV. p. 342.) bemerkt Yarrell,
dafs sein S. aequoreus in der History of the British Fishes
Vol.II.p.SSö nicht, wie Fries meinte, das Weibchen, und
sein S. ophidion ib. p. 338. nicht das Männchen derselben Spe-
cies, sondern dafs dies verschiedene Species seien.
Er legt letzterem den Namen S. anguineus bei, wie ilm
zuerst Jenyns in seinem Catalogue qf British J^ertehraie yäni-
mals nannte {Annais of nat. hist. III. ^. Sl-)- — '^' perlaius
Lay et Benn. l. c. corpore heptagono, cauda quadrata, lateribus
infra albido-punctatis, pInna anali nulla. Loo Choo.
Bleut herohranchi.
Chimaera Colliei Lay et Benn. l. c. pInna dorsali prima
a secunda disjuncta, secunda per medium late emarglnata, ter-
tia caudae extremitatem appropinquante, anali pone pinnae dor-
salis tertiae inilium Inclpiente. Californien.
j4cipenser latirostris Parnell l. c. /. 29» Knochentuber-
kel in 5 Reihen, Schnauze stumpf. —
365
Plagiostom i.
Ueber die Nickhaiit und den Nickliautmuskel der Hai-
fische hat J. M ü 1 1 e r der Gesellschaft naturforschender Freunde
Beobachtungen und Zeichnungen mitgetheilt.
Mit einer Nickhaut sind unter den Haifischen die Familien
Cafchariae, Tf'iae noch nies, Galei^ ScylUodontes und JMusieli ver-
sehen. Alle übrigen Haifische haben keine Spur davon. Der
Nickhautmuskel liegt nicht^ wie bei den Vögeln und Amphibien,
auf dem Auge, sondern hinter der Augenhöhle und entspringt
von der Seite des Schädels. Meist ist nur ein Muskel vorhan-
den, wie bei den Galeen und MusteJen. Bei den Carcharias
hingegen, wo die Nickhaut am ausgebildetsten ist, ist ein zwei-
ter vorhanden, welcher die Function einer Rolle hat. Er bildet
eine in der Haut hinter dem Auge befestigte muskulöse Schleife,
durch welche der eigentliche Nickhautmuskel durchgeht. Bei
den Hammerfischen ist der Nickhautmuskel awfserordentlich lang.
Er entspringt mit einer langen, dünnen Sehne vom hintern
Rande des hammerförmigen Fortsatzes des Schädels, folgt diesem
und schlägt sich zuletzt bogenförmig unter dem Kopfknorpel
gegen die Nickhaut. Unter den Rochen hat keiner eine Nick-
haut. Bei den meisten Familien der Rochen ist auch das obere
Augenlid am Auge angewachsen, und bei den Familien der
Myllobaiiden und Cepkalopierae ist die Haut rundum mit dem
Auge verwachsen. (Froriep's Neue Notizen XH. p. 296'.)
J. Davy macht in einer Abhandlung „o?i the Male Or-
gans of some of the Cartüaginous Flshes" seine Beobachtun-
gen über die männlichen Geschlechtstheile von Torpedo
oculata und versicolor, Raja clavata und hatis, Scyl-
lium Edivardii bekannt. {Fhilos. Transact. of the Royal
Society of London, 1839. L p. 139.
lieber das Harnsystem des Squahis glaucus macht
Steenstra Toussaint in Java Mittheilungen. Zwei Nieren
, und eine Harnblase mit kurzer Harnröhre sind vorhanden.
I {Tijdschrift voor. Nat. Ges. en Phys, VIL 199; Bull, d, scienc,
en Neerlande 1839. p, 314.)
Carcharias falcipinnis Lowe Proc, zool. soc. p, 90.
(^att Squcdiis usiiis Dum.).
Zwischen Spinaac und Centrina Cuv. stellt Lowe (Proc.
zooJ. soc. ^.91.) ein neues Genus ^canthidittm, das mit Spi-
naoc die längliche Gestalt, mit Centrina die Bildung der Zähne
gemein hat. Die Bauchflossen weiter hinten als bei Spinax^
welter vorn als bei Centrina. Die zweite Rückenflosse ist grö-
fser als^ die erste. Dahin zieht Verf. als A. pusillum seine Cen-
trina nigra Mad. fish, und als A. calceus seine Centrina Salviani
Mad. fish, exch syn.
366
W. K. J. Wilson erzählt von einem grofsen Sägefisch,
der in der Bai von Paria gefangen wurde. Gegen hundert
Menschen brauchten lange Zeit, um ihn an den Tauen, die
man ihm um die Säge geworfen hatte, ans Land zu ziehen.
Er war 22 Fufs lang, 8 Fufs breit und wog 5 Tonnen. Im
Leibe fanden sich mehrere Eier, so grofs wie eine 18 pfundige
Kugel. Die Neger halten sie für Leckerbissen. {London Mag.
ofnat, hist. III. p. 519; Froriep's Neue Notizen XII. p. 243.)
Callorhynchus Smythii Lay et ßenn. 1. c. pinnis pecto-
ralibiis ventrales haiid attingentibus. La Conception.
Raja intermedia Parnell l. c. /. 40- obere Fläche glatt,
untere dunkelgraii, ein oder mehrere Dornen vor jedem Auge.
C y c l 0 s t 0 7)1 i.
Ueber den eigenthiimlichen Bau des Gehörorganes bei den
Cyclostomen^ mit Bemerkungen über die ungleiche Ausbildung
der Sinnesorgane bei den Myxinoiden, Fortsetzung der ver-
gleichenden Anatomie der Myxinoiden von J. Müller. Ge-
lesen in d. Sitzung d. phys. math. Klasse d. Acad. d. Wis-
sensch» am 25. April 1836. Abhandlungen der Königl. Acad.
d. Wissensch. zu Berlin. Aus d. Jahre 1837. Berlin 1839. — -
Vergleichende Anatomie der Myxinoiden von J.Müller. Ge-
lesen in d. Sitzung d. Acad. d. Wissensch. am 15. Febr. 1838.
Abhandlungen der Königl. Acad. d. Wissensch. aus d. Jahre
1838. Berlin 1839. p. 171.
In der Einleitung dazu zieht Verf. die früher aufgesleUtcn
Arten der Gattung Bdellostoma^ Bd. hexatrema mitöKie-
menlöchern auf jeder Seite, Bd. heterotrema mit 6 Kiemenlö-
chern auf der rechten, 7 auf der linken Seite, und Bd. hepta-
irema mit 7 Kiemenlöchern auf beiden Seiten in eine Art Bd.
Forsteri zAisammen. Gattungskennzeichen: 6 oder 7 getrennte
Kiemenöffnungen und Kiemengänge führen zu 6 oder 7 Kiemen,
welche durch ebensoviel innere Kiemengänge mit der Spelsc-
phag .
Kopfe. An der Seite des Mauls und der Nase 4 Tentacula auf
jeder Seite. Ein Gaumenzahn. Zungenzähne. Hierher also
nur eine Art: Bd. Forsteri mit 3 Varietäten: die Augen sind
vorhanden. Zungenzähne 11 — 12 in jeder der beiden Reihen
jeder Seite. Farbe grau -violett.
GedrucU bei den Gebr, IJiiger.