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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F, A. WIEGMANN.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN, PROF. von SIE-
BOLD IN ERLANGEN, DR. TROSCHEL IN BERLIN, PROF.
A. WAGNER IN MÜNCHEN UND PROF. RÜD. WAGMER
IN GÖTTINGEN,
HERAUSGEGEBEN
TON
Dr. W. f. ERICHSON.
SIEBENTER JAHRGANG,
Erster Band*
MIT ELF TAFELN.
^
BERLIN 1841.
IN DER NlCOLAl'SCHEN BUCHHANDLUNG.
Inhalt des ersten Bandes.
Zoologie. I
Seite
Die italienischen Spitznaäuse, nach den Angaben der Icono-
graphia della Fauna Italica di C. L. Bonaparte, Prin-
cipe di Canino e Musignano. Fase. XXIX. 1840. Im
'^»'' Auszuge mitgetheilt von A. Wagner 297
Entwurf einer systematischen Eintheilung und speciellen Be-
schreibung der Phoken. Von Nilsson. Aus dem Schwe-
dischen übersetzt von Dr. W. Peters 3iQ 3ÖU
Nachschrift zu vorstehender Abhandlung von J. Müller . . . 333
Beschreibung einer neuen Art von Bandikuts, Perameles myosu-
ros, nebst Bemerkungen über Perameles obesula. Von A.
Wagner 289
Gruppirung der Gattungen der Nager in natürlichen Familien,
nebst Beschreibung einiger neuer Gattungen und Arten. Von
demselben 111
Berichtigung einiger von Hrn. Duvernoy gemachten Bemerkun-
gen über meine Beschreibungen der Säugthiere in Dr. M.
Wagners „Reisen in der Regentschaft Algier". Von dem-
selben . 212
Briefliche Nachricht über einige sehr seltene Vögel, welche
nach der Herausgabe meines Verzeichnisses der Vögel Ga-
liziens entdeckt worden sind, als Beitrag zu demselben mit- \
getheilt von V. Siemuszowa-Pietruski 335
üeber die Seeschlange der Norweger. Von Heinr. Rathke . 278
Ueber die Fortpflanzungsweise des Aals. Briefliche Mittheilung
von F. C. H. Creplin 230
Ein Blick auf die Classification der wirbellosen Thiere. Vom
Herausgeber 1
Zur systematischen Kenntniss derlnsectenlarven. Erster Beitrag:
die Larven der Coleopteren. Vom Herausgeber 60
üeber das Eierlegen der Jgrion fordpula. Von Th.v. Siebold 205
üeber den Bau und die Lebensweise zweier an der Kiefer le-
bender Gallmücken-Larven. Vom Prof. J. Th. Ch. Ratze-
burg 233
üeber die Balanideen, Von W. v. Rapp, Prof. in Tübingen . 168
I
üeber das Gehörorgan der Mollusken. Von Prof.*C.Th.v.Sie-
bold in Erlangen 148
üeber die merkwürdige Bewegung der Farbenzellen (Chromato-
phoren) der Cephalopoden und eine muthmasslich neue Reihe
von Bewegungsphänomenen in der organischen Natur. Von
Rud. Wagner 35
Zoologische Bemerkungen. Fortsetzung. (Fossarus ein neues
Genus der kammkiemigen Mollusken; über das Genus Eu-
lima Risso; über das Genus Truncatella Risso; über
Tornatella; Onchidium nanum n. sp.; Euplocamus la-
amosus.) Von Dr. A. Philipp! 42
Beiträge zur Molluskenfauna Deutschlands, insbesondere der
Österreich. Staaten. Von Dr. Louis Pfeiffer in Kassel . !^^
Einige neue Land- und Süsswasserconchylien, beschrieben von
E. Ch. L. Grüner, {üm'o Delphinus^ BuUmus Menhety An-
• gosturensis.) 276
Bemerkungen über Linneische Conchylien- Arten, welche von spä-
tem Conchyliologen verkannt sind. Von Dr. A. Philippi.
{Lepas anserifera; Tellina lactea, pisiformis, divaricata;
Cardium virgineum; Mactra glabrata; Voluta rustica,
tringa, corniculata; Murex pusio, clathratus , corneus, li-
gnariuSj scriptus; Trochus lahio\ Turbo obtusatus, neritoi"
des; Nerita littoralis\ Helix amhiguai, Nerita glaucina.) . 258
Berichtigung von Berichtigungen. Von Dr. S.A. Philippi. {Pan~
dorina corruscans Scacchi, Paludinella Pfeif., Sigaretus u.
Lamellaria.) 339
Berichtigung das Genus Idalia Leuck. und das Genus £w/?/oc«-
7W?<J Phil, betreffend. Von Dr. F. S. Leuckart .... 345
üeber die Gattungen und Arten der Comatulen. Von J.Müller 139
üeber die Entwicklung der Medusa aurita und Cyanea ca-
pillata, von M. Sars 9
Üeber muthmassliche Nesselorgane der Medusen und das Vor-
kommen eigenthümlicher Gebilde bei wirbellosen Thieren,
welche eine neue Klasse von Bewegungsorganen zu consti-
tuiren scheinen. Von Rud. Wagner 38
Botanik.
Neue und weniger gekannte südamericanische Euphorbiaceen-
Gattungen. Von Dr. J. F. Klotzsch 175
Tuckermannia, eine neue nordamericanische Gattung aus
. der natürlichen Ordnung Empetreae. Von demselben . . . 248
Die Grotoneae der Flora von Nordamerica. Von demselben , 250
Die Gattung Trewia. Von demselben 355
Ein Blick auf die Classification der wirbellosen
Thiere.
Vom
zeitigen Herausgeber.
Uas erste Heft meiner „ Entomograplüen " habe ich mit einer
systematischen Revision derlnsecten, Arachniden und Crustaceea
der Neueren begonnen, welche zum Zweck hatte, diese drei
Classen nach zoologischen Characteren festzustellen, und deren
Resultat war, dafs ein allen dreien gemeinsamer Grundtypus
der Körperbildung nachgewiesen wurde, durch welche sie unter
sich aufs Engste verbunden erschienen. Damals lag es hur
im Zwecke, die drei genannten Classen als ein zusammenge-
höriges Ganze darzustellen, im Folgenden will ich versuchlen,
dasselbe durch den Vergleich mit den übrigen wirbellosen
Thieren noch weiter zu begründen, und den Zoologen meine
von den jetzt allgemein herrschenden sehr abweichenden An-
sichten über eine natürliche Eintheilung der wirbellosen Thiere
überhaupt zur weiteren Prüfung vorzulegen.
Man schliefst in neuerer Zeit fast allgemein die geglie-
derten Würmer den Insecten Linnens an, beide zusammen
als eine einzige Hauptabtheilung, Gliederthiere, betrachtend,
mag man nun dieselbe, wie Blainville u. A., über alle wir-
' bellosen Thiere mit einigermafsen symmetrischem Körperbau
ausdehnen, oder sie, wie Ehrenberg, mit tieferem Eindringen
in die innere Organisation, auf solche beschränken, wo die
Gliederung des Körpers durch das aus einer Ganglienreihe
mit strahlig auslaufenden Nervenfäden bestehende Nervensystem
als eine wahre bezeichnet wird. Es kommt aber darauf an,
ob Symmetrie und Gliederung des Körpers und die mit der
letzteren zusammenhängende Form des Nervensystems so viel
bedeuten, dafs nicht noch andere Rücksichten für den Syste-
Archiv f. Naturgesch. VH. Jahrg. 1. Band. 1
matiker geben sollte. Ich wenigstens bin mit der Zeit zu der
Ucberzeugung gelangt, dafs man zn dem Linneischen zurück-
zukehren, und der Natur gemäfs die wirbellosen Thiere in
zwei grofse Abtheilungen zu bringen habe, von denen die
eine den Linneischen Insecten, die andere den Linneischen
Würmern entspräche. Dies soll im Folgenden erwogen werden.
Der zuerst in die Augen fallende Unterschied zwischen
Beiden besteht darin, dafs die Einen ein bestimmtes System
von Bewegungsorganen haben, die Anderen nicht, und da
hierin kein Uebergang stattfindet, sondern die Linneischen
Insecten alle, wenigstens zu einer bestimmten Zeit ihres Le-
bens, damit versehen sind, | bei den Linneischen Würmern
aber nichts denselben Analoges vorkommt, ist dieser Unter-
schied ein beständiger und durchgreifender; und da willkür-
liche Bewegung eine der vorzüglichsten thierischen Eigen-
schaften ist, scheint er zugleich ein sehr wesentlicher zu
sein. Bei den Linneischen Würmern wird die Fortbewegung
des Körpers auf verschiedene Weise veranstaltet, wo es aber
nicht Wimperbewegung ist, wie bei den Infusorien und den
Jungen mancher Strahlthiere, spielt abwechselnde Ausdehnung
und Zusammenziehung des ganzen Körpers dabei die Haupt-
rolle. Die seitlichen Cirren und Borsten der Mehrzahl der
Anneliden sind für sich nicht im Stande, den Körper zu be- ,
wegen, sondern dienen höchstens dazu, dafs es demselben an 1
Stützpunkten nicht fehle, ebenso wie die Gastropoden nicht
mittelst der Bauchsohle, sondern auf derselben durch Exten-
sionen und Contractionen des ganzen Körpers vorwärts gleiten.
Die Arme der Cephalopoden, wie die der Polypen eigentlich
dazu bestimmt, den Raub zu ergreifen und zum Munde zu
fiihren, dienen nur gelegentlich dazu, den Körper vorwärts
zu schleppen. Auch die sogenannten Füfschen der Echinodermen
sind keine Gliedmaafsen, sondern gehören rein der Haut an.
Bei den Insecten dagegen bilden die Bewegungsorgane nicht
allein ein eigenes System von Gliedmaafsen, welches die ganze ;
Abtheilung zwar in verschiedenen Modificationen, aber in im-
mer gleichem Grundtypus besitzt, sondern welches auch einen
eigenthümlichen äufseren Scelettbau bedingt, und mit einer
weiteren Gliederung des Körpers in genauer Beziehung steht.
Man könnte nämlich annehmen, dafs an dem gegliederten Insect
tirspriingJich jedes Glied oder Segment ein Paar gegliederter
Beine habe, wie wir es zunäclist bei den Myriapoden, nament-
lich den Scolopendern finden, welclie anscheinend einen Ueber-
gang zu den Anneliden, und zwar zunächst zu den Nereiden
vermitteln. Indefs ist der Grundtypus der Insectenbildung ein
ganz anderer, und man sieht, wenn man die ganze Reihe dieser
grofsen Abtheilung mit Berücksichtigung der Entwickelungs-
geschichte überschaut, dafs mit dem Auftreten von Glied-
maafsen, welche die Function der Fortbewegung des Körpers
auf sich nehmen, noch andere Verhältnisse der Körpergliede-
rung verbunden sind, welche für die Organisation von durch-
greifender Bedeutung werden.
Es centralisiren sich nämlich die verschiedenen Le-
bensverrichtungen bei den Linneischen Insecten mehr oder
weniger auf bestimmte Abschnitte des Körpers. Zuerst
sondert sich der Theil, der die Organe der vegetativen
Functionen, nämlich die der Ernährung und Fortpflanzung
enthält, als Hinterleib von dem Vorderlöibe, welcher allein
animalen Verrichtungen vorsteht, indem er mit den Bewegungs-
werkzeugen und Sinnesorganen ausgerüstet ist. Am Weite-
sten und Bestimmtesten ist die Sonderung bei den Insecten
im engeren Sinne gediehen, wo aiich der Vorderleib noch
wieder in zwei Theile zerfällt, nämlich den Kopf mit den
Sinnesorganen, und den Thorax, auf den allein sich die Be-
wegungsorgane beschränken. Bei den Arachniden sind nur
Vorderleib und Hinterleib gesondert, aber auch hier besitzt
der erstere allein die Bewegungsorgane. Bei den Crustaceen
erhalten auch die Hinterleibssegmente jedes ein ähnliches Fufs-
paar, wie es die Segmente des Thorax haben, und dadurch
verliert der Thorax in dieser Classe seine ursprüngliche Be-
deutung, nm so mehr, als die ihm angehörenden Fafspaare,
wenn die des Hinterleibes die Fortbewegung des Körpers ent-
weder ganz oder vorzugsweise übernehmen, zugleich entweder
alle oder zum Theil (bei den eigentlichen Crustaceen) sich zu
Mundtheilen umgestalten.*) Indefs geht aus der Verwandlungs-
*) Wie dies bei den verschiedenen Abtheilungen geschehe, habe
ich in meiner oben angeführten Abhandlung entwickelt, worauf ich
mich hier beziehen mufs.
1*
4
geschichte verschieficner Decapoden hervor, däfs ihrer Körper-
bilduiig- kein anderer Typus, als der der Insecten zum Grunde
liege, indem in frühester Jugend noch keine anderen Beine,
als die des Thorax vorhanden sind, welche alsdann noch ihre
Functionen als Bewegungsorgane ausüben. So kommen die
Myriapoden (Julus) auch mit 3 Fufspaaren auf die Welt, und
zwar gerade mit denen, welche den 3 Fufspaaren der Insecten
entsprechen; auf ähnliche Weise findet es sich bei den Lernäen,
welche auch gröfstentheils mit 3 Fufspaaren aus dem Ei kom-
men, und an denen sich erst nach und nach der anfangs fufs-
lose und kaum bemerkbare Hinterleib überwiegend entwickelt.
Eine andere durchgreifende Eigenthümlichkeit der Insecten
im Linneischen Sinne ist der Besitz von drei Kieferpaaren
im Munde, welche, obgleich auf verschiedene Weise modificirt,
sich immer wiederfinden lassen. Etwas Entsprechendes giebt
es bei den Linneischen Würmern nirgend, denn weder die
Zahnplatten im Munde der Blutegel, noch die Ilaken im Schlünde
der Anneliden, selbst nicht einmal der eigenthümliche Zahn-
apparat im Schlünde der Räderthiere, lassen einen Vergleich
mit jenen drei Kieferpaaren der Insecten zu. Obgleich die
Kiefer der Insecten eigentlich den Beinen identisch sind, wie
es sich aus der Umwandlung derselben in Beine (wie bei den
Arachniden) und umgekehrt, aus der Umwandlung der Beine
in Kiefer (bei den eigentlichen Crustaceen) aaschaulich macht,
läfst sich die Annahme, dafs der Kopf der Insecten, wie der
Thorax, aus drei Segmenten zusammengesetzt sei, auf keine
Weise rechtfertigen. Das beständige Vorkommen der drei
Kieferpaare aber läfst vermuthen, dafs der Kopf, selbst wo er
scheinbar fehlt, indem er mit nächstfolgenden Körperabschnitten
verschmilzt, wie bei den Arachniden, Decapoden, Stomapoden
und Entomostraceen, doch ein wesentlicher Theil des Insecten-
körpers sei. Dasselbe geht aus der beständigen Anwesenheit
des Gehirns als Centralorgan des Nervensystems hervor, auch
da, wo äufserlich ein bestimmt abgegränzter Kopf fehlt.
Bei den Linneischen Würmern dagegen ist ein Kopf in
dem Sinne nicht vorhanden, wie ihn sämmtliche Wirbelthiere,
sämmtliche Insecten im engeren Sinne und ein grofser Theil der
Crustaceen, selbst die Myriapoden, bei denen doch die weitere
Gliederung in die gröfseren Körperabschnitte am Wenigsten
5
entwickelt erscheint, haben, und ich kann mich nicht überzeu-
gen, dafs Linne darin so Unrecht hatte, als es ihm von so
vielen ausgezeichneten Naturforschern gegeben wird, wenn er
den Würmern überhaupt den Besitz eines Kopfes abspricht.
Ein Kopf kann sich streng genommen nur durch den Gegen-
satz vom Rumpfe unterscheiden lassen. Dieser Gegensatz
findet aber bei allen Linneischen Würmern nicht statt, wo
der ganze Leib nichts als ein für sich lebendiges Abdomen ist,
wo selbst dann, wenn der Körper gegliedert ist, zwischen den
einzelnen Gliederabschnitten keine anderen Gegensätze obwal-
ten, als zuweilen in der Verästelung des Gefäfssystems, wo
endlich wohl mitunter das Vorderende durch die dort ange-
brachten Girren und die dort placirten Sinnesorgane (nament-
lich Augen) ausgezeichnet ist, dies aber nur, weil sich eben
da die MundÖflFnung befindet. So erscheint selbst bei den
Cephalopoden das vom Mantel nicht eingeschlossene Vorder-
ende des Körpers nicht als ein eigentlicher Kopf, und zwar
um so weniger, als sich dieser Theil zur Sohle gestaltet, auf
welcher die Thiere kriechen; noch weniger scheint derselbe
Theil bei den Pteropoden auf eine solche Bezeichnung Anspruch
machen zu können, da nicht einmal die Augen auf ihm befind-
lich sind. Bei den Anneliden macht sich zwar häufig das
erste Körpersegment namentlich durch die stärkeren Cirren,
welche es führt, bemerklich, indefs gehören die Cirren nicht
sowohl ihm, als der Mundöfi'nung an, und wie wenig ein Ge-
gensatz zwischen ihm und den folgenden Segmenten obwaltet,
sieht man am besten da, wo mehrere Augen vorhanden sind,
und nicht auf dem ersten Segment allein, sondern auch auf
mehreren der folgenden stehen. Was man endlich bei den
Cestoideen Kopf nennt, ist eigentlich ein ausgestülpter Schlund,
wie er in ähnlicher Art auch bei den Anneliden häufig vortritt,
und man braucht nur eine Nereide mit ausgestülptem Schlünde
mit einem Bandwurm zu vergleichen, um von der Identität
tler fraglichen Theile überführt zu werden. Noch gröfser wird
man die Uebereinstimmung finden, wenn man einen Sipunculus
oder Priapulus nimmt, wo der ausgestülpte Schlund zugleich
mit Hakenkränzen gekrönt ist. Es scheint mir auch nicht
ganz unmöglich, dafs die Taenien diesen Theil eben so gut
aus- und einstülpen können, wie die Nereiden und Sipunculus,
wenn er auch bei Bothriocephalus unbeweglich sein mag.
Wie die Würmer also überhaupt kopflos sind, so fehlt
ihnen auch ein Centralorgan des Nervensystems, ein Gehirn,
wie es die Linneischen Insecten in dem über dem Schlünde
gelegenen Ganglion allgemein besitzen,*) und welches hier
dem Kopfe seine eigentliche Bedeutung verleiht. Bei den
Anneliden hat das erste Ganglion (oder der Schlundring)
nicht dieselbe Bedeutung wie bei den Insecten, sondern
das Lebensprincip scheint mehr über die ganze Kette der
Ganglien verbreitet zu sein, woraus allein erklärlich ist, wie
Thiere dieser Abtheilung zersclmitten , fortleben und sich zu
ganzen Individuen ergänzen, sobald nur ein Theil der Gan-
glienkette in dem Stücke vorhanden ist. Bei den Insecten re-
produciren sich höchstens Gliedmaafsen. Am w^enigsten ist
das Lebensprincip bei den Polypen und Planarien centralisirt,
bei denen einzelne Stücke, in beliebigen Richtungen getrennt,
das ihnen inwohnende Leben bewahren und zu ganzen Thieren
werden. Am Ersten könnte noch eine Centralisation des Le-
bensprincips iji einzelnen Theilen bei den Molluscen stattfinden,
indefs fehlen hierüber zur Zeit noch bestimmte Erfahrungen.
Aus dem Vorhergehenden ergiebt sich aLso, dafs zwischen
den beiden Hauptabtheilungen der wirbellosen Thiere, welche
wir mit Linne Insecten und Würmer nennen, eine sichere
Unterscheidung, ja in manchen Stücken ein scharfer Gegensatz
stattfinde, in dem die Insecten durch den Besitz eines Systems
eigenthümlicher Bewegungsorgane, durch Sonderung der Kör-
permasse in verschiedene Portionen für die verschiedenen
Lebensfunctionen, und damit zusammenhängende Centralisirung
des Lebensprincips von der anderen Hauptabtheilung, den Wür-
mern sich unterscheiden, und durch die angeführten Momente
die Anlage einer höheren Gesammtorganisation erkennen lassen,
wenn dieselbe auch nicht überall in allen einzelnen Theilen
*) Wenn nämlich bei Insecten das Gehirn mit dem Kopfe vom
Rumpfe getrennt wird, hört zwar nicht die Bewegung überhaupt,
aber doch die willkürliche auf; ich wenigstens habe mich nie über-
zeugen können, dafs nach dem Verlust des Kopfes die noch nicht
unmittelbar aufhörenden Bewegungen einen dem Rumpfe inwohnenden
Willen verriethen.
zur Entwicklung gelangt. Die Natur ist zwar sichtlich bemüht,
die Schärfe ihrer Abschnitte abzustumpfen,- nichts desto weni-
ger sind aber die von ihr gezogenen Gränzen fest und besthnmt.
So giebt es weder Mittelformen noch einen unmittelbaren
Uebergang zwischen Insecten und Würmern*), eben so wenig
als es Zwischenstufen zwischen wirbellosen und Wirbel - Thie-
ren giebt.
Die weitere Eintheilung der Linneischen Insecten ist
hinreichend klar. Die erste Classe bilden die Insecten im
engeren Sinne, mit einer Trennung des Körpers in Kopf, Tho-
rax und Hinterleib, wo der Thorax allein Bewegungsorgane
besitzt, daher beständig sechs (oder 3 Paar) Beine und bei
der Mehrzahl noch Flügel, deren Vorkommen hier allein mög-
lich ist, weil hier allein ein sowohl vom Kopfe als vom Hin-
terleibe abgeschlossener Thorax existirt. Die zweite Classe,
die Arachniden, unterscheiden sich von den Insecten darin,
dafs der Kopf mit dem Thorax verschmilzt, daher der bestän-
dige Mangel der Fühler, und die Umwandlung des dritfen
Kieferpaares zu einem vierten Fufspaare, deshalb hier 8 Beine.
Bei beiden Classen ist der Hinterleib ohne Bewegungsorgane,
welche bei der dritten Classe, den Crustaceen auftreten.
Bei den eigentlichen Crustaceen liegt der Mund vor den Bei-
den, und die Fufspaare, welche dem Thorax angehören, wan-
deln sich entweder alle oder zum Theil zu Mundtheilen um;
bei den Entomostraceen findet ein unmittelbarer Ueber-
gang der Beine zu Mundtheilen nicht statt, aber der Mund
liegt hinter dem ersten Fufspaare.**)
. *) Man hat häufig den Peripatus als ein natürliches Bindeglied
zwischen Myriapoden und Anneliden aufgestellt, ich mufs aber geste-
hen, dafs ich an ihm nicht das Geringste finde, was er Ton einem
Insect an sich hätte.
**) Vielleicht ist das vollendetste System ein scheinbar künstliches,
indem es nämlich die Charactere von einem einzigen Tbeile ableitet.
Bei allen Linneischen Insecten bieten die Mundtheile eine hinreichende
Mannichfaltigkeit dar, um nach denselben allein die gröfseren Ab-
theilungen zu bestimmen. Alle haben nämlich ursprünglich drei Kie-
ferpaare. Bei den Insecten im engeren Sinne findet kein Uebergang
derselben zu den Beinen statt, es sind aber doch scheinbar nur zwei
Paare vorhanden, indem das dritte in der Unterlippe verwachsen ist.
Bei den Arachniden sind ebenfalls scheinbar nur 2 Paare vorhan-
IJei <l(Mi LiiiiH'isclKjJi VViiniuMii ist eiiu; scliaric weitert*
lüjith(;ilung woit Hchwicrij^er, indem die äiilsere Striictur wenig
bietet, und unsere Kenntnifs von der inneren Organisation noch
bedeutende Lücken bat. Die erste Classe bilden ob'nc Frage
die Molluscen, indem bei ihnen der innere 1 Jan, namentlich
die Zusanunensetzung der Nahrungswege die gröl'ste Vollkom-
menheit zeigt. ICine zweite Classe würden alle <licjenigen
Würmer zusammensetzen, die bei synunetrischem Körjxirbau
einen linearen Typus desselben zeigen, und welche, wie die
Molluscen, einen vollständigen Darmkanal mit Mund und After-
öffnung haben, also die Anneliden, Turbellarien, die Nematoi<leen
von den Helminthen, und die Räderthiere. Hier fmden sich
bei glcicliem Typus der Körperform auch mehrfache Annähe-
rungen an di(! Insecten, wie die namentlich bei den Nereiden
an die Myriapoden, und bei den Räderthieren au gewisse £n-
tomostraceen nicht wohl haben übersehen werden können.
Eine dritte Classe sind die Strahlthiere mit strahiig(Mu Typus
im Körperbau, gröfstentheils mit einer centralen Verdauungs-
höhle, meist auch mit centraler Mund/ifTnnng, welche bei den
frei sich .bewogenden nach unten, bei den festsitzenden nach
oben gerichtet ist. Bei den letzten Classen ist der Nahrungs-
weg gefäfiüArtig, nämlich, einfach zweiästig, bei den Helminthen
(mit Ausßchlufs der Nematoideen), baumartig verästelt bei den
Planarien; in eine Menge von einfachen Magen führend
bei den polygastrischen Infusorien.
Es wäre sehr zu wünschen, dafs wir über die Organisation
und die Naturgeschichte der Planarien eine eben so umfassende
und tief eindringende Bearbeitung erhielten, als sie Ehrenberg
über die Infusorien gegeben hat.
den, indem das dritte sich zum ersten Fufspaar umwandelt. Bei den
Crustacecn dagegen findet sich scheinbar eine gröfsere Zahl von
Kioferpaarcn, indem sich entweder das erste (selten die beiden ersten)
oder die 3 ersten Fufspaaro zu Kiefern gestalten. IJoi den Ento-
mostracoen sind 3 einfache Kieferpaare da, die in der Mundüff-
nung hinter dem ersten Fufspaare liegen.
lieber die Eiilwickeluiig der Medusa aiirita und
der Cjanea capillata.
Von
M. S a r s.
(Fortsetzung der Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der Mollusken
und Zoophyten.)
Hierzu Taf. I., II., III. und IV.
Vorwort.
Die folgende Abhandlung hat über ein halbes Jahr zum
Drucke fertig gelegen, da sie dazu bestimmt war, einem Auf-
satze über die Entwickelung der Seesterne zu folgen, deren
Studium mich in der letztern Zeit beschäftigt hat, und durch
welches ich in Stand gesetzt worden bin, viele Zusätze zu
dem früher von mir in diesem Archive (Jahrg. III. S. 404 fF.)
gelieferten kurzen Darstellung der Entwickelung dieser Thiere
zu geben. Aber da ich gerade dieser Tage des Hrn. Dr. v.
Siebold schöne Abhandlung über die ersten Entwickelungs-
Stadien der Medusa aurita (S. Dessen Beiträge zur Natur-
geschichte der wirbellosen Thiere; Danzig 1839) empfing, so
finde ich es unzweckmäfsig, die Beobachtungen länger zurück-
zuhalten, welche ich, ohne die von jenem wackern Naturfor-
scher über denselben Gegenstand angestellten Untersuchungen
zu kennen, gemacht habe, und das um so mehr, als ich noch
den Beweis meiner Behauptung (a. a. O. S. 406), dafs meine
Strdbila nur ein Jugendzustand der Medusa aurita sei, schul-
dig bin. Es ist mir eine wahre Freude, die Richtigkeit und
Genauigkeit der Siebold sehen Beobachtungen bestätigen zu
können. Die üebereinstimmung derselben mit den meinigeu
giebt mir Muth, meine Abhandlung, so wie sie zu seiner Zeit
niedergeschrieben, unverändert mit den in ihr ausgesprochenen
Ansichten zu veröffentlichen, welche ich ferner für richtig
halte ; und ich fürchte nun um so weniger die Zweifel, welche
10
von verschiedenen Naturforschern gegen die Richtigkeit meiner
früheren Beobachtungen ausgesprochen worden sind, als einige
der wichtigsten von diesen kürzlich durch Dalyell eine er-
freuliche Bestätigung erhalten haben. Die von mir zum Ge-
genstande von Untersuchungen gewählten Thiere sind schwer
zu beobachten; da, wo fast Alles neu ist, läuft man, wie kun-
dige Naturforscher wissen, leicht Gefahr, Mifsgriffe zu machen.
Ich selbst bin erst in der letztern Zeit mehr im Beobachten
geübt worden, habe auch bisher nur ein unvollkommenes JHi-
kroskop gehabt; — aber alles dessen ungeachtet hoffe ich
doch, es werde sich zeigen, dafs ich zum mindesten nicht
flüchtig beobachtet habe. —
In meiner i. J. 1835 erschienenen Schrift über einige
Seethiere an der Bergenschen Küste habe ich die äufserst merk-
würdige Entwicklung einer der Gattung Ephyra Eschscholtz
ähnlichen Akalephe, welche ich schon i. J. 1829 entdeckt und
Strohila octoradiata benannt hatte, umständlich beschrieben
und abgebildet. Später habe ich die Kenntnifs erlangt, dafs
die Strohila*^ nichts Anderes ist, als ein Jugendzustand der
Medusa aurita, welche Entdeckung ich in diesem Archive,
(a. a. O. S. 406) ankündigte. Nachher ist es mir, wie ich
glaube, geglückt, die ganze Entwickelung der Medusa aurita
und Cyanea capillata (welche beide in dieser Hinsicht die
gröfste Uebereinstinimung zeigen) vollständig vom Ei aus bis
geradeweges zum erwachsenen Zustande kennen zu lernen.
Man begreift leicht, dafs es nicht möglich ist, sehr lange ein
einzelnes Individuum dieser Thiere seine verschiedenen Ent-
wicklungsperioden hindurch zu beobachten, da es, will man
dasselbe in einem mit Seewasser gefüllten Gefäfse conserviren,
allemal sehr leidet urid in kürzerer oder längerer Zeit zu
Grunde geht, wegen des nothwendigen häufigen Wechsels des
Seawassers, des Mangels an hinlänglicher Nahrung und endlich
*) Ehrenberg hat in seinen „Akalephen des rothen Meeres,"
S. 52 , Anm. , ohne hinreichenden Grund meine Strobila als eine sich
quertheilende Lucernaria betrachtet, von deren Organisation jedoch
die ihrige ganz abweicht.
11
wegen des Schleims, welcher sich aus dem Seewasser immer
auf die Wände des Gefäfses oder andere Körper niederschlägt,
an welchen diese Thiere während ihres Entwicklungszustandes
festgeheftet sitzen. — Ich bin defshalb zur Kenntnifs der Ent-
wickelung nur durch viele zu verschiedenen Zeiten und an
einer Menge von Individuen in verschiedenen Eutwickelungs-
zuständen angestellte Untersuchungen gelangt. Die wichtigsten
derselben, aus einem Tagebuche gezogen, werde ich mir er-
laul^en, hier mitzutheilen ; man wird aus ihnen entnehmen kön-
nen, auf welche Weise ich zu den eben erwähnten und mehreren
Resultaten, welche unten angegeben werde« sollen, gelangt bin.
Ich setze hierbei voraus, dafs man meine früheren, in der oben
citirten Schrift bekannt gemachten Beobachtungen*) kenne.
Zuerst will ich beweisen, dafs die frei umherschwimmende
achtstrahlige Strohila nur ein Jugendzustand der gemeinen Me-
dusa aurita ist. Dies lehrte mich eine im Frühjahre 1837
angestellte Reihe von Untersuchungen.
1. Am 22. und 23. M^rz 1837 fand ich nämlich eine
Menge kleiner Acalephen in der See bei Florö, von denen
die meisten 3, einige auch 4'" im Durchm. hatten." Die erste-
ren (Fig. 49, 50.) glichen in Form und Organisation ganz den
kürzlich losgerissenen Strobilen: sie hatten, wie diese, eine
flache, während der Zusammenziehungen hemisphärische Scheibe,
deren Peripherie in 8 ziemlich lange, am Ende zweitheilige
Strahlen getheilt war, einen langen, viereckig oder röhrenför-
mig herabhangenden, ganzrandigen Mund an der Unterseite
und keine Tentakeln. Die 8 Randkörner waren schon ganz
entwickelt, mit einem braunrothen Pigmentpunkte, und safsen
an der Stelle, an welcher sich jeder Strahl in 2 längliche, am
Ende schmälere und zugerundete Lappen theilt. Der Magen
war von 4 Faltenkränzen umgeben, von denen man jedoch
nur die sogenannten Saugröhren oder die Tentakeln sieht.
*) Einen Auszug aus meinen Beobachtungen hierüber i. J. 18529.
Isis 1833, S. 224 Tab. 10. und einen Auszug meiner i. J. 1835 erschie-
nenen Schrift in Wie gm. Archiv, 1836, Jahresb. S. 197, wie auch in
der Isis 1837, S. 354.
12
welche verhältnifsniäfsig weit gröfser sind, als bei der erwach-
senen Meduse, und sich langsam und wurmförniig bewegen.
Die vom Magen nach der Peripherie der Scheibe laufenden
Canäle sind so vertheilt: zu jedem der 8 Randkörner geht
ein ziemlich weiter, und zu dem noch sehr schmalen Räume
zwischen den Strahlen ebenfalls ein, aber viel schmälerer,
Canal. Diese beiden Canäle anastomosiren mit einander mittels
einer zu jeder Seite aus der Mitte des zu den Randkörnern
laufenden Canales entspringenden Zweiges, welcher sich bogen-
förmig zum Ende des andern ungetheilten Canales begiebt.*)
Diese Akalephen waren empfindlicher, als es gewöhnlich der
Fall zu sein pflegt, denn bei starken Reizungen bogen sich
die Strahlen zusammen und einwärts gegen den Mund, so dafs
der Körper die Form einer Halbkugel annahm und sich einige
Zeit lang nicht wieder ausstreckte. —
2. Unter den eben erwähnten Akalephen fanden sich auch
einige Individuen (Fig. 51., 52.) unbedeutend gröfser (4'" im
Durchm.), aber von derselben Form und demselben Baue, nur
mit dem Unterschiede, dafs der Raum zwischen den Strahlen
etwas gröfser geworden und wie ein runder Lappen gestaltet
war, und dafs aus dem Ende des sich dort befindenden Ca-
nals^ welches mit den 2 seitlich sitzenden Seiten -Zweigen der
Randkorncanäle zusammenläuft, einige kleine ovale Blasen, 3
an der Zahl, von denen die mittlere die gröfste war, hervor-
zuwachsen begannen. — Ein noch etwas mehr entwickeltes
Individuum ist in meiner citirten Schrift S. 21 beschrieben und
Tab. 3., Fig. 7., s, t, i/, abgebildet. —
3. Zu derselben Zeit kamen unter den anderen nicht sel-
ten einige noch mehr entwickelte Akalephen derselben Art
(Fig. 53., 54, 55.) und von fast der doppelten Gröfse (^" im
*)'Diese Canäle sind, wie ich sehr vermuthe, von der eben los-
gerissenen Strobila in meiner Abbildung a. a. O. Tab. 3., Fig. 7., 1,
unrichtig angegeben worden. Wenigstens finde ich in den Original-
zeichnungen, dafs der Randkorncanal mir 2 Zweige jederseits hat,
von denen der äufsere nur die sehr kurze Fortsetzung an der Basis
des Randkorns ist; der innere geht vermuthlich (denn es ist in der
Figur undeutlich) zu dem im Zwischenräume der Strahlen laufenden
ungetheilten Canäle. Ich würdigte damals die Vertheilung dei' Canäle
nur einer flüchtigen Aufmerksamkeit.
13
Durchm.) vor, vvolclie hinsichtlich clor Entwickehing besonders
wichtige Aufschlüsse gahen. Die 8 Strahlen waren viel kleiner
geworden, indem die Zwischenräume zugenommen hatten; an
diesen letzteren bemerkte ich noch mehrere der kleinen ovalen
Blasen, nämlich 8 — 12 an jedem, von denen die mittelste im-
mer die gröfste war und die anderen zu beiden Seiten aus-
wärts stets kleiner blieben. Aber besonders interessant war
es, dafs die mittelste oder am meisten entwickelte dieser Bla-
sen sich in einen fadenförmigen, an der Basis dickeren und
am Ende zugespitzten Tentakel verlängert hatte, welcher schon
mit seinem Ende ein gutes Stück über den Rand der Scheibe
hinausragte (Fig. 54., 55.). Sie hatte, wie die anderen Blasen,
inwendig einen dunkleren, hellröthlichen Kern, welcher ihre
Höhlung ist. Dies ist die Entstehung der zahlreichen Rand-
tentakeln bei Medusa aurita. Erstlich wächst der mittelste
in jedem Strahlen-Zwischenräume hervor und zu dessen beiden
Seiten entwickeln sich allmälig mehre und mehre, wie man
im Folgenden sehen wird, indem der Raum zwischen den
Strahlen immer gröfser und die letzteren auf einen engeren
Raum beschränkt werden, bis diese Tentakeln zuletzt einen
zusammenhangenden Kreis rings um den Scheibenrand bilden.
Nicht weniger interessant ist das Hervorwachsen der
Mundtentakeln, welche sich nun erst zeigten. Bei den gröfs-
ten der erwähnten Akalephen war nämlich der noch röhren-
förmige, lange Mundrand, besonders in den Ecken, mit gegen
30 hervorwachsenden und ganz kurzen, zugespitzten Tentakeln
(Fig. 54.) besetzt; die an den 4 Ecken sitzenden waren die
gröfsten; weiterhin wurden sie immer kleiner, bis fast zu un-
bemerkbaren kleinen Höckern. Sie wachsen also von den
Mundecken aus, und allmälig immer mehre zu beiden Seiten
von diesen, längs des Mundrandes. — Die vom Magen abge-
henden Canäle hatten denselben Verlauf, wie es vorher an-
gegeben ward, nur waren sie viel schmäler geworden. Am
Faltenkranze hatte sich die Anzahl der Tentakeln bedeutend
vermehrt. Die obere Fläche der Scheibe ist mit einer zahl-
losen Menge blafsrother, sehr kleiner Höcker oder Papillen
(Saugwärzchen nach Ehrenberg) besetzt, welche schon bei
der eben losgerissenen Strobila bemerkt werden (a. a. O. S. 19)^
4) Am 5. April fand ich Exemplare von gegen |" Durchra.
14
(Fig. 56 — 60.). Die Strahlen waren noch kürzer, ihre Zwi-
schenräume gröfser und, jeder, mit 20 — 30 fadenförmigen
Randtentakeln besetzt, von denen der mittelste allezeit der
längste, und die zu äufserst an beiden Seiten stehenden noch
rudimentär oder nur wie ovale Höcker waren. — Die gegen
die Randkörner zulaufenden Canäle waren mit mehren neuen
Zweigen vermehrt, welche sich in der Gestalt dünner Röhren,
was besonders merkwürdig ist, vom Rande aus, neben den
Wurzeln der Tentakeln, da wo der Randcanal sich rings um
die Scheibe mehr und mehr entwickelt, hervorbilden und im-
mer mehr nach innen anwachsen, bis sie mitunter, nachdem
erst 2 und 2 sich vereinigt haben, zuletzt mit den beiden
Seitenzweigen des primitiven Canals anastomosiren (Fig. 57.).
Die vom Magen nach den Zwischenräumen der Strahlen lau-
fenden Canäle bleiben dagegen einfach, ohne Zweige. — Sol-
chergestalt sehen wir also nun die Vertheilung der Canäle
fertig und im Wesentlichen ganz so, wie sie sich bei der
erwachsenen Medusa aurita verhält. — Die Randkörner
(Fig. 60.), Augen nach Ehrenberg, sind, wie oben gesagt,
völlig entwickelt. Sie bes^tehen aus einer birnförmigen Blase,
welche mit dem dickeren Ende inmitten der beiden vom Ca-
näle ausgehenden, sehr kurzen Zweige oder Fortsätze befe-
stigt ist und übrigens an der Unterseite der Scheibe frei hervor-
ragt, von den beiden Strahlenlappen, welche etwas nach unten
oder zusammen gebogen sind, umgeben oder überwölbt. Inner-
halb dieser Blase liegt eine andere, von derselben Gestalt, in
welcher ein lebhaftes Circuliren kleiner Partikelchen bemerlct
wird; das äufsere Ende ist dunkel und körnig (hier bemerkt
man beim erwachseneren Thiere die bekannten Kalkkrystalle)
und oben auf ihm sieht man den runden, gelbrothen Pigmentfleck.
Mit dem Munde war nun eine merkwürdige Veränderung
vorgegangen. Er hatte sich nämlich (Fig. 58., 59.) am Ende
in 4 Theile getheilt, indem der Rand auf eine ziemlich lange
Strecke zwischen den Ecken eingeschnitten war, und diese
letzteren, wie 4 von den Seiten zusammengedrückte Arme, frei
hervorstanden. Dies ist die wahre Entstehung der 4, an der
Unterseite der Medusa aurita herabhangenden grofsen Arme.
Sie sind eigentlich dreikantig und haben 3 Ränder, nämlich
einen äufseren glatten, welcher der äufsere Längsrand der
15
frühem viereckigen Mnndröhre ist, und 2 nach innen gewen-
dete, welche ans dem eingeschnittenen Endrande gebildet wer-
den und mit den vorher erwähnten kleinen, in einer Längs-
reihe stehenden, konisch zugespitzten Mund- oder Armtentakeln
besetzt sind, die allmälig immer mehr an Zahl zunehmen.
(Fig. 59.)
5. Diese Arme werden nach und nach immer mehr getrennt,
bis sie endlich nur noch an ihrer Basis zusammenhangen,
übrigens aber frei sind und sonach von der früheren Mund-
röhre nichts weiter zu sehen ist; sie nehmen an Gröfse zu,
und an ihren beiden einwärts gerichteten Rändern wachsen
immer mehr Tentakeln hervor. Die Randtentakeln werden
auch immer zahlreicher und länger, und die Strahlen auf einen
noch kleineren Raum beschränkt. So waren die Individuen
beschaffen, welche ich vom 11. bis zum 20. April in Menge
um Florö fand, und welche 1" im Durchm. hatten (Fig. 61.,
61'.). Kurz, die junge Medusa aurita ist in allen wesentli-
chen Puncten ihrer Organisation völlig entwickelt und unter-
scheidet sich vom erwachsenen Thiere durch nichts, als ihre
geringere Gröfse. — Man sieht also, dafs die 4 Arme sich
früh sämmtlich gleichmäfsig und in gleichem Verhältnifs ent-
wickeln, nicht aber einer nach dem andern, wie O. Fr. Müller
glaubte und in der Zoologia danica von einem schon ziem-
lich grofsen Individuum abbildete, welches ohne Zweifel ent-
weder beschädigt, oder ein monströses war.
Schliefslich will ich nur hinzufügen, dafs man, wie ich
von der Strohila schon in meiner citirten Schrift, S. 20, be-
merkt habe, bei diesen Akalephen nicht selten Abweichungen
von der normalen achtstrahligen Form antrifft; so habe ich
z. B. Individuen mit 10 Strahlen gefunden, welche in üeber-
einstimmung hiermit 5 Faltenkränze, 5 Arme u. s. w. hatten,
ganz wie es auch Ehrenberg beobachtete (Akalephen, S. 22,
Tab. 2.); ferner, dafs die Entwicklung nicht bei allen Indivi-
duen gleichzeitig statt findet, da ich z. B. noch am 11. April
nicht wenige fand, welche in jeder Hinsicht auf derselben
Stufe standen, wie die zuerst am 22. März beobachteten (Fig.
49., 50.); auch habe ich früher (a. a. O. S. 21) im September
Individuen von -' Durchm. gefunden.
Aus den obigen Beobachtungen geht es von selbst hervor,
16
«lafs meine früher aufgestellte Gattung Strobila, als ein blofser
früherer Entwickelungszustanrl der Medusa aurita, aus dem
Systeme entfernt werden mufs, und ohne Zweifel ist dasselbe
auch der Fall mit der Eschscholtzschen Gattung EpJiyra,
welche wohl ebenfalls nichts, als das Junge einer oder der
andern Art von Medusa ist. vr^^
Bei Baster, in dessen Opuscula suhseciva, Tom. IL,
findet man, Tab. VII., Fig. 5. A. B., die Abbildung einer sehr
kleinen Akalejjhe, welche im Sommer an der Küste von Hol-
land häufig ist. Sie hat einen langen niederhangenden, röhren-
förmigen Mund, die 4 Faltenkränze, 8 Strahlen, welche in
der Figur eingebogen zu sein scheinen, kurz, sie ist vermuth-
lich ein Junges der Medusa aurita von der Gröfse und Ent-
wickelungsstufe, wie ich sie am Schlüsse des Märzmonates fand.
Dafs die Entwickelung der Cyanea capillata der der Me-
dusa aurita wesentlich gleichen müsse, habe ich alle Ursache
anzunehmen. Am 18. April 1837 fand ich nämlich in der See
bei Florö einige Akalephen dieser Art von fast ^" im Durchm.
(Fig. 62., 63.), deren grofse Aehnlichkeit mit den Jungen der
Medusa in die Augen sprang. So wie bei diesen, ist auch
dort die Peripherie der Scheibe in 8 ziemlich lange dreitheilige
Strahlen getheilt, nur sind die Strahlenlappen am Ende zuge-
spitzt. Auch der Mund ist ähnlich gebildet, lang, niederhangend,
viereckig oder röhrenförmig; das Ende oder der Rand war
vierfach eingeschnitten und zeigte somit den Anfang zu den
4 Armen, welche jedoch noch kurz, doppelt zusammengelegt
oder dreieckig, am Ende zugespitzt, ohne Tentakeln, waren
(Fig. 63., 64.). Die Randkörner sitzen an derselben Stelle
und sind eben so geformt, wie bei den Jungen der Medusa
aurita; so auch die 4 Faltenkränze, welche nur wenige und
grofse Tentakeln haben. Von den Magenanhängen sind die
herzförmigen nur noch wenig entwickelt, desto mehr dagegen
die länglichen, zu den Strahlen laufenden ; die Strahlen nehmen
nämlich die ganze Peripherie der Scheibe so ein, dafs ihre
Zwischenräume, welche später so bedeutend werden, jetzt sehr
beschränkt sind. Diese Räume zwischen jedem Paare Strahlen
zeigen schon jetzt die hervorwachsenden langen Tentakeln
17
(Fig. 64.), welche bekanntlich bei der erwachsenen Cyanea in
8 Bündel unter der Scheibe etwas innen vor deren Rand ge-
stellt sind. Diese Tentakeln, welche nun schon denselben
Platz, wie beim erwachsenen Thiere, einnehmen, wachsen hier
ganz so, wie bei den Jungen der Medusa hervor. Mitten auf
diesen Räumen sah ich nämlich einen an der Basis dickeren,
gegen das Ende dünneren, fadenförmigen, sehr langen Tentakel,
und zu jeder Seite von diesem einen kurzen, kegelförmig aus-
wachsenden Tentakel. Aufser diesen waren an der Wurzel
des grofsen Tentakels und an seiner äufsern Seite 2 kleine
runde Höcker und zu jeder Seite des kegelförmigen noch 3
andere runde, gegen den Rand gestellte, immer kleiner wer-
dende Höcker. Alle diese Höcker haben, so wie der grofse
Tentakel, inwendig einen braungelben, dunkleren Kern (Höh-
lung) und sind sämmtlich herauswachsende Tentakeln. Diese
wachsen also eben so, wie bei der Medusa, von der Mitte aus
und allmälig auswärts nach beiden Seiten. — Die langen
Tentakeln waren übrigens von verschiedener Gröfse an den
verschiedenen Räumen der Scheibe; die gröfsten waren aus-
gestreckt 2 — 3" lang, konnten sich aber auch aufserordentlich
zusammenziehen; sie waren von Farbe braungelb, die gröfsten
am Ende dunkelbraun (vermuthlich mit Brennen erregender
Feuchtigkeit gefüllt).
Aus dem Angeführten ersieht man die grofse Ueberein-
stimmung zwischen der Cyanea und der Medusa in der Ent-
wickelungsweise.
So weit war ich also in meiner Kenntnifs von der Ent-
wickelung der Akalephen vorgeschritten. Ich hatte, w^as ich
schon lange vermuthete, bewahrheitet, dafs die Strobila nur
ein Jugendzustand der Medusa ist; aus meinen vorigen Beob-
achtungen wufste ich, dafs die Strobila sich durch Querthei-
lung einer polypenartigen Larve, wenn ich mich dieses Wortes
bedienen darf, entwickelt. Jetzt galt es endlich, um die Ent-
wickelungsreihe vollständig darzulegen, den frühesten Zustand
und die Entwickelung vom Eie aus bis zu dem beobachteten
polypenartigen Larvenzustande kennen zu lernen.
Nach einigen Versuchen, welche vielleicht wegen der
Archiv f. Naturgcsch. VII. Jahrg. 1. Band. 2
18
unrechten Jahreszeit oder anderer Ursachen mifsgliickten, ist
es mir endlich in diesem Herbste zweimal zu verschiedenen
Zeiten geglückt, die erwünsclite Entwickelung zu sehen. Jeder
Naturforscher wird mit Leichtigkeit die Versuche wiederholen
können.
Ueber die Eier in den Eierstöcken der Medusa aurita
hat schon Ehrenberg in seinem Werke über die Akalephen,
S. 19, Tab. VII., einige Erläuterungen gegeben; doch stellt er
die Bestandtheile des Eies, die Vesicula Vurkinji und die
Macula oder richtiger Vesicula Wagneri, so auch die Thei-
lung oder Furchung des Dotters, nicht deutlich dar. Er hat
ebenfalls die eben ausgekommenen, Jungen, welche den Leu-
cophrys oder Bursarien gleichen und sich in so grofser Menge
in den 4 grofsen Armen ansammeln (welches schon O. Fr.
Müller beobachtete), beschrieben. „Aber," sagt er (a. a. O.
S. 20) „keiner hat noch eine Entwickelung dieser Formen zu
Medusen gesehen; wefshalb man schon (wie v. Baer) davon
geredet hat, dafs diese Körper wohl Parasiten sein könnten."
Ehrenberg sieht sie indessen für die Brut der Medusa an,
obgleich er unglücklich in den Versuchen war, die er anstellte,
um ihre Entwickelung zu verfolgen ; aber er ist, übereinstimmig
mit seinen bekannten Ansichten, geneigt, sie für eine sehr
kleine Form von Männchen, die weniger zahlreichen violetten
Formen in den Eierstöcken für Weibchen zu nehmen. Auch
V. Siebold will getrenntes Geschlecht bei Medusa aurita
beobachtet haben (Wiegm. Archiv, 1837, Bd. IL S. 275), aber
auf eine andere Weise, nämlich Geschlechtsdifferenzen in ver-
schif denen Individuen, so dafs dieselben Organe, welche bei
den Weibchen Eierstöcke, bei den Männchen Testikeln seien.
Ueber diese Beobachtung kann ich noch nichts sagen, da ich
keine Gelegenheit, sie zu prüfen, gehabt habe.*) Dagegen
mufs ich Ehrenberg's Hypothese mit Bestimmtheit verwer-
fen und Siebold beipflichten, wenn er (a. a. O. S.276) die
mit Cilien besetzten, ovalen, cylindrischen, braungelben Formen
für eine fernere Entwickelung der kugelförmigen, violetten Eier,
*) Spätere Anmerkung. Siebold hat jetzt in seinerSchrift:
„Beiträge zur Naturgesch. der wirbell. Thiere, S. 7 ff., diese seine
Behauptung gründlich bewiesen.
19
und jene für die erste Entwickelungsstufe der Akalephen erklärt.
Dafs dies sich wirklich so verhält, dafs diese mit Cilien besetz-
ten Formen weder kleine Männchen, noch weniger Parasiten
sind, sondern sich in Wahrheit zu Medusen entwickeln, freilich
durch viele und wunderbare Verwandlungen, von denen man
früher nicht die mindeste Ahnung gehabt hat, (da man a priori
hier die Entwickelung, wie bei so vielen anderen niederen
Thieren, für sehr einfach hielt, dem entgegengesetzt, was sie
so oft in der Wirklichkeit ist), das will ich nun aus Beobach-
tung erweisen.
Den ersten glücklichen Versuch stellte ich am 19. Septbr.
d. J. (1839) mit der in den Armen der Cyanea capillata
enthaltenen Brut an, w^elche sich zu der Zeit in zahlloser
Menge in denselben befand; aber da ein anderer, einige Wo-
chen später angestellter Versuch, obzwar ganz mit dem erste-
ren übereinstimmend, bestimmtere Resultate lieferte, so will
ich diesen lieber umständlicher mittheilen.
Ich fand nämlich am 12. October 1839 in der See bei
Florö 2 Individuen der Cyanea capillata ; das eine, von mitt-
lerer Gröfse (8 — 9"), hatte nur wenige Jungen in den Armen,
das andere, etwas kleinere (6"), mehre. Diese Jungen sind
dottergelb, sehr klein und, mit dem blofsen Auge angesehen,
von der Gröfse eines kleinen Sandkorns. Ich hatte diese
Thiere in Gefafsen voll Seewasser mit nach Hause genommen;
nach und nach verliefsen die meisten Jungen die Arme und
schwammen frei im Wasser herum. Ich fing eine Menge der-
selben in einem Glase auf. Durch das Mikroskop angesehen
zeigt sich ihre Form oval (Fig. 1., 3.), etwas zusammengedrückt
(Fig. 2.), mit einem dickeren und einem schmäleren Ende;
einige sind mehr langgestreckt oder nähern sich mehr der
Cylinderform (Fig. 4.). Der Körper ist überall mit vibrirenden
Cilien besetzt, mittels deren diese Jungen frei herum schwim-
men. Es findet bei ihnen keine Verschiedenheit an Rücken
und Bauch statt; denn sie drehen sich während des Schwim-
mens häufig um ihre Längsachse und zeigen somit bald die
breite (Fig. 1.), bald die schmale Seite (Fig. 2.); dagegen exi-
stirt ein Vorn und Hinten bestimmt, denn sie schwimmen stets,
wie schon v. Siebold bemerkte (a, a. O. S. 276), mit dem
dickeren Ende voran. An diesem letztern sieht man in der
2*
20
Mitte eine kleine runde Grube, welche v. Siebold für den
Mund hält.*) Aber dagegen streitet eine Beobachtung, die
ich unten anführen werde, und durch welche es wird wahr-
scheinlich gemacht werden, dafs die Jungen in diesem Zustande
gar keinen Mund haben, und dafs sie in dieser und mehren
Rücksichten sehr den eben ausgeschlüpften Jungen vieler Po-
lypen und insonderheit der Campanularia, wie Löwen in sei-
nem schönen Beitrage (K. Svensk Vetensk. Acad. Handl. för
ar 1835, S. 260 ff., von Creplin übersetzt in: Wie gm. Archiv,
J. 1837, S. 249 ff.) uns dieselben kennen gelehrt hat, gleichen.
Der Körper ist weich, besteht blofs aus einem sehr fein-
körnichten Gewebe und scheint inwendig eine grofse Höhle
von derselben Form, wie der der Körpercontouren, zu haben,
welche Höhle sowohl durch ihre gröfsere Dunkelheit, als auch
durch Drücken des Körpers unter dem Compressorium bemerkt
wird. Das Schwimmen, welches allein mittels des Schwingens
der Wimpern bewirkt wird, geschieht gleichmäfsig fortschrei-
tend und gleichsam gleitend, gewöhnlich nach gerader Richtung
und ziemlich ^lurtig.
So fuhren diese infusorienartigen Akalephenjungen an die-
sem und dem folgenden Tage fort, unter einander herumzu-
schwimmen. Bemerkenswerth war es, dafs sie sich gern in
der gröfsten Menge an der d^m Lichte zugewendeten Seite
des Glases ansammelten, ich mochte das Glas herumdrehen,
wie ich wollte. Dies scheint zu zeigen, dafs sie im Stande
seien, die Einwirkung des Lichts zu empfinden.
Wir haben somit den ersten oder infusorienartigen Ent-
wickelungszustand der Akalephe betrachtet; jetzt werden wir
sie sich verwandeln und in einen polypenartigen Zustand über-
gehen sehen. Am 14. October waren nämlich viele der Jungen
nach der Wasserfläche hinaufgezogen und hingen mit dem
einen Ende an dieser und mit dem andern in das Wasser
hinab. Einige hatten sich auch an die Wände des Glases ge-
setzt. Ich sah einige in der Nähe der Wasserfläche umher-
schwimmende allmälich ihrie Bewegungen schwächen und sicli
endlich mit dem Ende, welches beim Schwimmen das vordere
*) Spätere Anmerkung. Siebold hat nun in seiner letzteren
Schrift, S. 27, diesen Irrthum selbst berichtigt.
21
war, an die Wasserfläche liäiigen, während das frühere Hinter-
ende gerade in's Wasser hinab hing (Fig. 5., 6.). Bei den
an den Wänden des Glases festgehefteten Jungen safs eben-
falls das frühere Vorderende unbeweglich am Glase, und das
andere Ende stand horizontal und frei in das Wasser hinaus.
Einige unter dem Mikroskope sich bewegende Jungen sah
ich auch nach einiger Zeit sich sehr fest an dem Objectträger
anheften (so dafs sie nur mit Gewalt losgerissen werden konn-
ten), wobei das vorige Hinterende sich nun aufwärts richtete
(Fig. 7., 8.). Dasselbe thaten am folgenden Tage viele, welche
sich am Boden des Glases festsetzten. Kurz, die Jungen hef-
ten sich jetzt mit demjenigen Ende an, welches vorher das
vordere war; am andern Ende, welches nun noch zugerundet
ist (Fig. 7.), aber bald abgestutzt wird (Fig. 8.), öffnet sich
erst später der Mund des Thieres.
Beim Anheftungsact ist es die oben erwähnte kleine Grube
des vorherigen Vorderendes, welche wie eine Saugwarze wirkt,
indem sie zugleich einen zähen Schleim absondert, welcher
sich zu einer flachen, cirkelrunden Scheibe ausbreitet, durch
welche das Junge an dem fremden Körper festgewachsen
bleibt (denn es kann nicht mehr seinen Platz verändern); wenn
es aber an der Wasserfläche schwebt, so ist es auch jene
Grube, welche eine Luftblase auffängt, mittels deren es sich
schwebend erhält (Fig. 5., 6.).
Man kann, wenn man einige Augenblicke mit Ruhe das
Factum, welches ich eben erzählt habe, die Anheftung und
das Festwachsen dieser Akalephenjungen an fremden Körpern
betrachtet, nicht umhin, an die grofse Aehnlichkeit zu denken,
welche sich hier mit den Vorgängen bei den Campanularien-
jungen zeigt. Diese Uebereinstimmung wird noch augenfälliger
und merklicher, wenn man, wie ich gleich berichten werde,
sie zu Polypen auswachsen sieht.
Am 15. October nämlich bemerkte ich, dafs bedeutende
Veränderungen mit den am Tage vorher angehefteten Jungen
vorgefallen waren. Das freie Ende (das vorige Hinterende)
war jetzt das dickere geworden und gerade abgeschnitten, das
festgeheftete dagegen schmäler und allemal in die oben er-
wähnte Anheftungsscheibe ausgebreitet (Fig. 9. )• Am freien
Ende war jetzt bei den meisten schon die MundÖflFnung sichtbar
22
und zwar von einer Wulst uingebon (Fig. 10.). Der Mund
kann sich bedeutend erweitern und zusammenziehen; im er-
steren Zustande ist er kreisförmig oder viereckig (Fig. 10., 11.).
Endlich bemerkte ich bei vielen am freien Ende um den Mund
4 runde Höcker, welche hervorwachsende Arme oder Tenta-
keln sind (Fig. 11., 12., 13.). Bei einigen (Fig. 14,) waren
diese 4 Tentakeln schon länger und konisch zugespitzt; der
Körper war nach unten gegen die Anheftungsscheibe schmäler,
also becherförmig geworden. Ja, bei einem Paar Individuen,
welche die entwickeltsten von allen waren, hatten die Tenta-
keln sogar die halbe Körperlänge und waren dabei viel dünner,
als bei den anderen (Fig. 15.). Uebrigcns waren diese Jungen,
welche, wie man sieht, sich so schnell entwickeln und jetzt
völlige Polypen geworden waren, auch bedeutend an Gröfse
gewachsen; sie waren nun beinahe doppelt so grofs, wie 3
Tage früher; auch hatten sie fast ganz ihre gelbe Farbe ver-
loren und waren weifslich und etwas durchsichtig geworden.
Am 16. October waren die Tentakeln bei vielen von der
Länge des Körpers, am 17ten noch länger und sehr dünn,
fadenförmig. Zu derselben Zeit gab es viele, welche sich erst
kürzlich festgeheftet hatten und nicht wenige noch herum-
schwimmende, während Boden und Wände des Glases mit
mehren Hunderten festsitzender besetzt waren. Der Körper
war nunmehr bei den am meisten entwickelten nach unten
noch schmäler geworden und wie ein dünner Stiel, umgeben
von einer mit der Anheftungsscheibe zusammenhangenden cy-
lindrischen Schleimröhre (Fig. 16. , in dieser Figur sind die
Tentakeln nicht ganz ausgestreckt), welche zugleich mit der
Anheftungsscheibe von steiferer und knorplichterer Beschaffen-
heit ist, als das ganze übrige weichere und contractile Thier. —
Am 18ten fingen an einzelnen Individuen neue Tentakeln in
Gestalt von Höckern in den Zwischenräumen der 4 ursprüng-
lichen hervorzuwachsen. Vom 18. bis zum 22. October wurde
ich am Beobachten verhindert. Am 22ten hatten alle Indivi-
duen 8 Tentakeln, welche gegen 4mal so lang, wie der Durch-
messer des Körpers, und überaus dünn waren (Fig. 17 — 21.).
Der Körper ist nun, wie eben bemerkt, sehr contractu (eine
Eigenschaft, welche bei dem infusorienartigen Zustande nicht
bemerkt ward), weifslich und etwas durchsichtig geworden,
23
nur dafs die den Stiel unten umgebende Schleimröhre ganz
ungefärbt und wasserklar ist. Er hat ferner inwendig eine
grofse Höhle, wie die aufseren Körpercontouren gebildet, welche
sicli oben am breiten Ende des Körpers inmitten des Tentakel-
kranzcs mit einem nach dem Grade der Zusammenziehung
veränderlichen Munde öffnet. Dieser ist nämlich, wenn er
zusammengezogen, sehr klein und nur als eine kleine Vertie-
fung bemerkbar; erweitert er sich dagegen, so wird er cirkel-
rund (Fig. 18.), oder viereckig, oder länglich, indem sich sein
Rand mannichfaltig bewegt und biegt, und oft beinahe so weit
wird, wie der Körper selbst. Bei geschlossenem Munde ist
die obere Fläche des Körpers etwas convex. Am Rande die-
ser Fläche sitzen die Tentakeln in einer einzigen Reihe um
den Mund. Man bemerkt, auf welche Weise der Polyp einen
oder mehre seiner Tentakeln nach verschiedenen Richtungen
bewegt, sie zusammenzieht oder ausstreckt; rührt man sie an,
so ziehen sie sich schnell zusammen, werden kurz und dick,
bei starker Reizung nicht länger, als die Hälfte der Körper-
breite, indem sie sich einwärts gegen den Mund krümmen.
Auch der Körper zieht sich auf einen Reiz stark zusammen,
wird viel kürzer und dicker, fast kugel- oder birnförmig.
Betrachtet man die ausgestreckten Tentakeln mit einer Loupe,
so sieht man sie gleichsam gegliedert, da sie in kurzen gleichen
Zwischenräumen mit zahlreiclien runden Knötchen (vielleicht
Saugwarzen) besetzt sind (Fig. 23.).*) Werden diese Polypen
von ihrer Stelle mit Gewalt losgerissen, so waren es nur
einige wenige, welche sich wieder anzuheften vermochten, und
diese safsen dann auch bei weitem nicht so fest, als bei der
gewöhnlichen Anheftung; die meisten blieben los am Boden
des Glases liegen.
Am 23. October begannen bei einigen der gröfsten Indi-
viduen 1 — 2 sehr kleine Tentakeln zwischen den 8 früheren
hervorzuwachsen; am 24sten bei einem Paar anderer Individuen,
welche fast doppelt so grofs waren, wie die mit 8 Tentakeln
versehenen, 3 — 5 neue von sehr ungleicher Gröfse, also in
*) Spätere Anmerkung. Dies sind, nach v. Siebold, wel-
cher mit besseren Instrumenten beobachtete, als ich, glasklare Körper,
wie die an den Tentakeln der erwachsenen Meduse (a. a. O. S. 31).
24
Allem 13 Tentakeln (Fig. 24.). l^iese neuen Tentakeln wuch-
sen in den 3 — 4 folgenden Tagen stark; die 8 früheren waren
fast 5mal so lang, wie der Körperdurchmesser. Man sieht
also, dafs die Anzahl der Tentakeln allmälig mehr und mehr
mit dem Wachsthume zunimmt. Bei einem Theile der Indi-
viduen war der Körper mehr länglich oder nach unten in einen
längern Stiel ausgezogen (Fig. 22.), wogegen der untere, dünne,
fadenförmige Theil, welchen die. durchsichtige Schleimröhre
umgiebt, eben so grofs, wie vorher, war. Bei einigen zeigte
sich innen in der Körperhöhle schon der Anfang der 4 Längs-
wülste, deren weiter unten Erwähnung geschehen soll; diese
schienen oberhalb der Mundregion unter den 4 ursprünglichen
Tentakeln hervorzuspringen und sich gerade nach unten längs
der inneren Wand der Körperhöhle bis zur Basis hin zu
erstrecken.*)
In den folgenden 8 — 10 Tagen zeigten sich bei diesen
polypenartigen Akalephenjungen keine bemerkbaren Verände-
rungen mehr; sie wurden allmälich schwächer, zogen sich
stark zusammen und starben endlich.
So haben wir denn nun die polypenartige Form entstehen
sehen, welche ich i. J. 1835 beschrieben und abgebildet habe
(a. a. 0. S. 16, Tab. 3., Fig. a, 5, c,), und aus welcher sich
späterhin durch Quertheilung die Strobila entwickelt. Der
Kreis ist also geschlossen, die Entwickelungsreihe in den Haupt-
zügen vollständig.
Ich habe jedoch noch eine höchst merkwürdige, hierher
gehörende Thatsache vorzulegen. In dem beschriebenen fest-
sitzenden, polypenartigen Zustand nämlich, welchen wir mit
gutem Grunde einen Larvenzustand nennen können, pflanzt
sich die Akalephe schon fort, ehe die Quertheilung zur Stro-
bila statt findet, und zwar auf die Weise der Polypen durch
Knospen und sogenannte Stolonen.
Am 9. September 1836 fand ich nämlich auf einer Lami-
*) Spätere Anmerkung. Auch v. Siebold hat diese 4 Wülste
bemerkt (a. a. O. S. 31), so wie ebenfalls Wieg mann, s. die Anm.
weiter unten.
25
naria bei Florö eine Menge von Individuen, sämmtlich in dem
polypenartigen Larvenziistande. Ob sie der Medusa, oder der
Cyanca angehörten, konnte mit Sicherheit nicht ausgemittelt
werden. Sie waren verschieden an Gröfse und Entwickelung;
einige wie ein Sandkorn (^^ — -^q" im Durchm.), also wie die,
welche wir eben sich haben entwickeln sehen, und, so wie
diese, nur mit 8 Tentakeln (Fig. 25., 26.); andere von jV— tV
im Durchm. mit 10 — 12 Tentakeln (Fig. 27., 28.); wieder
andere von yV — i" mit gegen 30 Tentakeln (Fig. 29 —31.).
Die Anzahl der Tentakeln ist in Wahrheit sehr unbestimmt
und kaum bei 2 Individuen gleich; ich zählte so bei 4 ver-
schiedenen Individuen 19, 23, 24, 30, sämmtlich sehr dünne,
fadenförmige, am Ende zugespitzte.*)
Um den Mund, welcher sich im zusammengezogenen Zu-
stande wie eine Vertiefung zeigt, oder sich in 4 Falten zu-
sammenlegt (Fig. 31.), sieht man gegen den Rand zu, wo die
Tentakeln in einer kreisförmigen Reihe sitzen, 4 gleichsam
runde Löcher in gleichem Abstände von einander (Fig. 31. a.).
Diese anscheinenden Löcher sind jedoch nichts Anderes, als
die inwendig in der Höhle des Körpers sich befindenden 4
vorspringenden Wülste, von denen wir gleich sprechen wollen»
die durch die gemeinschaftliche Bedeckung hindurch scheinen.
Der Mund kann ungemein weit geöffnet werden, so dafs
er eben so weit, wie der Körper (Fig. 32.), und cirkelrund
wird. Man sieht dann, und noch besser, wenn man den Po-
lypen nach der Länge aufschneidet, dafs der Körper inwendig
ganz hohl und leer ist, mit der Ausnahme, dafs die 4 eben
erwähnten, hervorragenden convexrunden Wülste, in gleichem
Abstände von einander längs des Körpers innerer Wand vom
*) Bei dieser Gelegenheit mufs ich bemerken, dafs der Zeichner
in meiner citirten Schrift die Tentakeln in Fig. 7., «, ö, d, e, am Ende
dick gemacht hat, statt dafs sie dünn und zugespitzt sein sollten.
Spätere Anm.: Es zeigt sich nun, dafs die von Siebold (a. a. O.
S. 32) und mir beobachtete Vermehrung der Arme oder Tentakeln
nicht monströs, sondern normal ist. Dafs so wenige der im Gefäfs
eingeschlossenen und sonach grofsentheils ihrer natürlichen Nahrung
beraubten Individuen die Anzahl ihrer Tentakeln zu vermehren und
so ihre weiteren Verwandlungen zu verfolgen suchten, kann uns nicht
verwundern.
26
oberen Rande aus gerade zur Grundfläche hinablaufen (Fig. 32.,
33.). Diese Wülste scheinen nichts Anderes zu sein, als eine
Duplicatur der inneren Haut des Körpers. Ihre Bedeutung
ist mir unbekannt; vielleicht sind sie der Anfang der späteren
Theilung in Strahlen. Künftige genauere Untersuchungen
werden hierüber vielleicht näheren Aufschlufs geben.*)
Innerhalb der Körperhöhle fand ich häufig Monokeln und
kleine Flohkrebse (Amphipoden), einmal auch eine kleine Rissoa,
alle todt, also verzehrt oder ausgesogen.
Ab* das Merkwürdigste, was ich bei dieser Gelegenheit
beobachtete, war doch die oben erwähnte Fortpflanzung.
Diese geschieht:
a) Durch Knospen (Fig. 37., 41., 42.), welche an ver-
schiedenen Stellen des Körpers hervorwachsen, welcher überall
zu dieser Art von Production eingerichtet zu sein scheint.
Die erste Spur von Knospen ist ein kleiner runder Höcker,
welcher allmälig gröfser wird und sich mehr und mehr vom
Körper der Mutter durch einen dünnen, kurzen Stiel abschnürt;
am äufsern keulenförmigen Ende bildet sich eine kreisrunde
Oefi'nung, der Mund, und danach wachsen erst die Tentakeln
hervor, welche anfangs nur gering an Zahl (4, 6, 8,) und sehr
kurz sind, dann aber allmälig an Anzahl und Länge zunehmen.
Die Knospen oder neuen Polypen werden somit der Mutter
immer ähnlicher, fallen wahrscheinlich ab und setzen sich fest,
wenn sie zur Reife gelangt sind. Die gröfsten, welche ich
gesehen habe, überschritten nicht ^ — ^ der Gröfse der Mutter.
Ich fand bis an 3 solcher mehr oder weniger entwickelter
Knospen auf einmal am Körper der Mutter fest sitzend
(Fig. 42.).
b) Durch sogenannte Stolonen, welche sehr gewöhnlich
aus der Basis des Polypen wie ein dünner, cylindrischer Stiel
hervorschiefsen, welcher eine kurze Strecke weit an der La-
minaria hinkriecht und sich an dieser festheftet (Fig. 38., 39.,
40.)- An der oberen Fläche dieses Stolos wächst dann in
einiger Entfernung von der Mutter nach oben in senkrechter
*) Prof. Wiegmann in Berlin hat, nach einer brieflichen Mit-
theilung an mich, während seines Aufenthaltes an der norwegischen
Küste i. J. 1836, diese 4 Wülste auch bemerkt.
27
Richtung ein neuer Polyp hervor. Dieser zeigt sich zuerst
wie ein kleiner runder Höcker (Fig. 39. a. ), welcher etwas
breiter als der Stolo im Durchmesser ist; bald sieht man den
Mund sich öffnen (Fig. 38. a.) , und danach wachsen die Ten-
takeln hervor (Fig. 40. «., fe.). Alles wie bei den unmittelbar
aus dem Körper der Mutter hervorwachsenden Knospen. Ge-
wöhnlich sieht man nur einen solchen Stolo von der Mutter
ausgehen, und nur mit einem, selten mit 2 neuen hervorwach-
senden Polypen, noch seltener 2 Stolonen nach verschiedenen
Richtungen auslaufen ( Fig. 40. ). Bisweilen sieht man an den
noch am Körper der Mutter festsitzenden Knospen schon einen
frei herausstehenden Stolo hervorwachsen (Fig. 37., 42.). —
Nicht selten bemerkt man auch höher hinauf am Körper des
Polypen hervorwachsende Stolonen (Fig. 37., 34., 35., 36.),
welche bald ziemlich dick und konisch zugespitzt ( Fig. 37.,
34., 35.), so dafs es fast aussieht wie eine Theilung des Kör-
pers, bald dünn und fadenförmig sind (Fig. 36.). Diese Art
von Stolonen steht bisweilen frei vom Körper des Polypen
ab (Fig. 37., 34.), bisweilen heften sie sich mit ihrem äufseren
Ende in einiger Entfernung von der Mutter an die Laminaria,
eine Sertularia oder einen andern Körper (Fig. 35., 36.).*)
Diese Stolonen geben in Vereinigung mit den Knospen dem
Polypen ein höchst sonderbares, ungestaltes Ansehen.
S c h 1 u f s.
Die wichtigsten Ergebnisse, zu welchen das Studium der
Entwickelung der genannten Akalephen geführt hat, sind also
folgende:
1. Aus den kugelförmigen Eiern, in den Eierstöcken, an
welchen man die Vesicula Purhiuji und die Macula {Vesi-
cula^ Wagneri bemerkt, und deren Dotter die gewöhnliche
Theilung oder Furchung zeigt, schlüpfen die mit schwingenden
Wimpern besetzten ovalen oder oval-cylindrischen Jungen,
*) Spätere Anmerkung. Siebold hat auch solche Stolonen
bei den von ihm beobachteten polypenartigen Jungen der Medusa
aurita aus dem Körper hervorwachsen sehen (a. a. O. S. 33, Fig.
36., 37.). -^
28
aus, welche sich in den zu gleicher Zeit sicli entwickelnden
zahlreichen Behältern in den 4 Mundarmen ansammeln, in
welchen sie eine Zeit lang verbleiben.
2. Danach verlassen sie die Mutter, schwimmen, wie In-
fusorien, eine Zeitlang herum und haften sich endlich an einen
fremden Körper, an welchem sie mit ihrem einen Ende fest-
wachsen, während sich am anderen, freien, der Mund öffnet,
um welchen allmälich ein Kranz von Tentakeln hervorwächst.
3. In diesem polypenartigen Zustande, welchen wir mit
Fug einen Larvenzustand nennen, pflanzen sie sich schon fort,
und zwar auf die bei den Polypen gewöhnliche Weise durch
Knospen und sogenannte Stolonen. Die neuen Thiere, welche
hierdurch hervorkommen, gleichen der Larve ganz.
4. Endlich, nach Verlauf einer noch unbestimmten Zeit,
theilt sich die Larve freiwillig in eine Menge von Querstücken
(Fig. 43 — 46.), welche sämmtlich neue Thiere werden.*)
Diese (Fig. 47., 48.), welche der Larve nicht gleichen, sind
freie, umherschwimmende, scheibenförmige Gescliöpfe, deren
Peripherie in 8, am Ende zweitheilige, Strahlen getheilt ist,
und welche einen viereckig -röhrenförmigen, niederhangenden
Mund haben u. s. w. Allmälich, so wie sie heranwachsen,
werden die Strahlen kürzer, die Räume zwischen ihnen, an
welchen die Randtentakeln hervorzuwachsen beginnen, werden
gröfser, der Mund theilt sich und wird zu 4 Mundarmen;
kurz, diese Thiere werden völlig der ursprünglichen Mutter
(der Medusa oder der Cyanea) gleich.
Es ist demnach nicht die Larve oder das aus dem Ei ent-
wickelte Individuum, welches sich in eine vollkommene Aka-
lephe verwandelt, sondern es ist ihre durch Quertheilung ent-
standene Brut. Ich weifs unter den bekannten Thatsachen
mit keiner diese Entwickelungsart besser zu vergleichen, als
mit der der Salpen, obgleich diese vielfach von jener abweicht.
— Meine im vergangenen Herbste angestellten zahlreichen
*) Ich kann hier nicht unbemerkt lassen, wie selten es ist, die
Meduse in der See in ihrem Larvenzustande anzutreffen. Diese Sel-
tenheit liefs mich anfangs zweifeln, ob die eben erwähnten poljrpen-
artigen Jungen der so gemeinen Medusa aurita angehörten. Vielleicht
befestigen und entwickeln sich die infusorienartigen jungen Medusen
in der See eigentlich in gröfseren Tiefen. —
29
Beobachtungen (welche ich bei einer anderen Gelegenlieit mit-
theilen werde) über die Salpen haben mir nämlich den Beweis
geliefert, dafs Chamisso (welcher von mehren Naturforschern
so üble Worte über seine redlichen Beobachtungen hören
mufste, weil diese nicht in ihre Systeme pafsten) doch im
Wesentlichen ihre Entwickelung richtig beobachtet hat. Die
Salpen kommen darin mit den Akalephen überein, dafs bei
ihnen nicht die Larve, sondern deren Brut sich zu dem voll-
kommenen Thiere entwickelt; es ist nicht das Individuum, son-
dern es ist die Generation, welche sich metamorphosirt.
Zum Schlüsse kann ich endlich nicht umhin, zu bemerken,
dafs Graham Dalyell's Beobachtungen (The Edinb. Philos.
Journ., Bd. XXI. 1836), welche ich nur aus Wiegmann's
Jahresberichte (Dessen Archiv, J. 1837, Bd. IL) und Oken'ä
Isis (1838) kenne,*) zum Theil zur Bestätigung einiger mei-
ner Beobaclitungen dienen können. Seine Hydra Tuba scheint
die von mir beschriebene polypenartige Akalephenlarve zu
sein, an welcher er auch die Knospen beobachtete; ebenfalls
sah er die Quertheilung, durch welche die gestrahlten Akalephen
(Strobila) entstehen. Von diesen letzteren bildet er eine mit
11 und eine mit 8 Strahlen ab (Isis 1838, Tab. I., Fig. 3., 2.)
(ich fand 4 — 12, aber bei den meisten, also normal, 8 Strah-
len, a. a. O. S. 20); die viereckige Säule (Fig. 2. in der Isis),
von welcher Dalyell unrichtig angiebt, dafs sie sich auf der
convexen Seite hervorhebe,**) ist der herabhangende Mund,
an dessen Basis 4 Organe von ihm erwähnt werden (die Fal-
*) Die „ferneren Beobachtungen" von Dalyell über die Fortpfl.
d. Schott. Zoophyten stehen ganz übersetzt, wenn ich nicht irre,
in Froriep's Notizen Bd. L. Nr. 6., und die früheren desselben
Schriftstellers ebendas. Bd. XLII. Nr. 18., diese jedoch nur in kurzem
Auszuge. In der Isis, J. 1838, stehen beide Abhandlungen, die erstere
aus dem Edinb. Journ. Bd. XVII., die andere aus Bd. XXI. im Auszuge,
S. 18 — 54. Anm. d. Uebers.
**) Er hat vermuthlich seine Zeichnung entworfen^ als die kleine
Akalephe, nachdem sie eine Weile umhergeschwommen war, sich
langsam, gleichsam schwebend, zu Boden sinken liefs; dann freilich
wird die convexe Fläche concav, und umgekehrt.
30
tenkränze mit ihren Tentakeln). — Aber in der Erklärung
des Gesehenen weichen seine Ansichten von den meinigen ab.
„Im Februar und März," sagt er, „wird die Fläche oder Scheibe
einigcfr Hydren mit einer hangenden, biegsamen Verlängerung
von umgekehrter Kegelform besetzt" u. s. w., welche sich zu
20 — 30 Schichten entwickelt, die sich nach und nach losreifsen
und freie Akalephen werden. Aber woher diese Verlängerung
kommt, und in welcher Verbindung sie mit der Hydra steht
sagt er nicht; man möchte glauben, er schreibe dem Polypen
ein Lebendiggebären zu. Nach meinen Beobachtungen ist es
das Thier selbst, die polypenartige Larve, welche sich in regel-
mäfsige Querstücke, erst nach oben und allmälich mehr und
mehr nach unten, gegen die Basis zu, theilt. Wie die Ten-
takeln des Polypen verschwinden und, nachdem alle Querstücke
frei geworden sind, auch der untere Theil seines Stiels, habe
ich zwar noch nicht gesehen, vermuthe dies aber als wahr-
scheinlich. Dafs der Polyp, wie Dal y eil behauptet, nach
dem Verschwinden jener oben erwähnten Verlängerung sich
noch wieder ansetze, neue Tentakeln bekomme und wiederum
seine frühere Gestalt und Verrichtung annehme, widerstreitet
ganz meinen Wahrnehmungen (S. a. a. O. Tab. 3., Fig. 7. a — 7i.^
und scheint auf einer unrichtig aufgefafsten Beobachtung zu
beruhen. —
Erklärung deirFiguren.
Fig. 1—24. stellen die Entwickelung der Cy«n<?«
capillafa vor, so wie sie unter meinen Augen vom
12. bis zum 24. October 1839 vor sich gegangen ist.
Alle Figuren sind mehr oder minder vergröfsert.
Fig. 1 — 6. zeigen die Entwickelung der Cyanea
capillafa in ihrem ersten oder infusorienartigen
Zustande.
Fig. 1 — 4. sind einige Jungen, welche eben (am 12. und
13. October) die Mundarme der Mutter verlassen haben und
jetzt frei umherschwimmen (Fig. 1' zwei in nat. Gr.); Fig. 2.
von der schmalen, die 3 übrigen von der breiten Seite ange-
sehen. — Fig. 5. u. 6. sind 2 solche, welche (am 14. October)
31
sich nach der Wasserfläche hinauf begeben' und sich dort fest-
gesetzt haben; Fig5. halb von der Seite, halb von oben an-
gesehen, Fig. 6. ganz von oben. Man bemerkt bei beiden
deutlich am breiten Ende die runde Grube, welche sich nicht
so deutlich bei den vorigen Figuren zeigt.
Fig. 7 — 24. stellen diq Jungen der Cyanea capiU
lata in ihrem zweiten oder polypenartigen Entwicke-i
lungszustande dar.
Fig. 7., 8., zwei der eben genannten infusorienartigen Jun-
gen, welche (am 14. October) sich mit dem breiten Ende fest-
geheftet haben ; das andere freie Ende wird nun breiter, Fig. 8.,
während jenes, wie Fig. 9. u. 10. (vom 15. October) zeigen,
schmäler und an der Basis zu einer kleinen kreisrunden An-
heftungsscheibe verbreitert wird. Bei Fig. 10. hat sich am
freien Ende schon der Mund geöflfnet, von einer circulären
Wulst umgeben. — Fig. 11 — 13. (15. October) zeigen die 4
ursprünglichen hervorwachsenden Arme oder Tentakeln, wie
runde Höcker, Fig. 12. von der Seite angesehen, Fig. 11. u. 13.
von oben, in der Mitte den Mund. — Bei Fig. 14 — 16. (15.
u. 16. October) sieht man diese 4 Tentakeln sich allmälich
verlängern und fadenförmiger werden. Die Anheftungsscheibe
ist mit ihrer Schleimröhre deutlich. Zu bemerken ist, dafs die
Jungen während dieser Verwandlung ihre gelbe Farbe verlieren
und weifs und durchsichtiger werden. Bei Fig. 16. sind die
Tentakeln nicht ganz ausgestreckt. — Fig. 17 — 22. (22. Octbr.)
zeigen sämmtliche 8 Tentakeln, Fig. 17. von der Seite ange-
sehen, Fig. 18. von oben, beide mit zusammengezogenen Ten-
takeln, Fig. 19. ein etwas vergröfsertes Individuum mit ausge-
streckten Tentakeln, von oben, Fig. 20. dasselbe von der Seite,
Fig. 20' dasselbe in nat. Gr., Fig. 21. dasselbe stärker ver-
gröfsert, Fig. 22. ein Individuum, dessen üntertheil noch mehr
dünn und langgestreckt ist, mit zusammengezogenen Tentakeln.
— Fig. 23. ein Stück eines ausgestreckten Tentakels, noch
mehr vergröfsert, um die zahlreichen in Ringe gestellten klei-
nen Höcker zu zeigen. — Fig. 24. ein Individuum (24. Octbr.),
welches, aufser den 8, 5 ungleich grofse, hervorwachsende
Tentakeln zeigt, ein wenig vergröfsert.
Fig. 25* — 42. stellen den am 9. September 1836 von
mir beobachteten polypenartigen Entwickelungs-
32
zustand der Medusa aurita oder der Cyanea ca-
pillata dar. (Welcher dieser beiden derselbe angehörte,
konnte nicht mit Sicherheit ermittelt werden.)
Bei Fig. 29., 30., 31. und 40. sind die Tentakeln ausge-
streckt, bei allen anderen Figuren zusammengezogen.
Fig. 25. ein Individuum mit 8 Tentakeln in natürlicher
Gröfse, Fig. 26. dasselbe vergröfsert, von oben gesehen. —
Fig. 27. eins mit 10 Tentakeln in nat. Gr., Fig. 28. dasselbe
vergröfsert, von oben. — Fig. 29. eins mit 30 Tentakeln in
nat. Gr., von der Seite, Fig. 30. dasselbe von oben, Fig. 31.
dasselbe vergröfsert, von oben; man sieht in der Mitte den
Mund ziemlich zusammengezogen, und nahe am Rande die
durchscheinenden inneren 4 Wülste (a.). — Fig. 32. ein Indi-
viduum mit ofifenem Munde, welcher eben so weit, als der
Körper, ist; man sieht in seiner Höhle die 4 Wülste. Fig. 33.
dasselbe nach der Länge aufgeschnitten und ausgebreitet, um
die 4 Längswülste zu zeigen ; die Querstreifen entstehen durch
Zusammenziehung des Körpers.
Fig. 34 — 36. zeigen Stolonen, welche hoch oben am
Körper des Polypen herauswachsen; bei Fig. 35. heftet sich
das Ende des Stolo an die Laminaria, bei Fig. 36. an den
Stamm einer Sertularie. Fig. 37. zeigt einen solchen hervor-
wachsenden Stolo nebst einer Knospe, aus welcher letzteren
schon wieder ein Stolo ausschiefst.
Fig. 38 — 40. zeigen die aus der Basis des Polypen aus-
schiefsenden und längs der Laminaria hinkriechenden Stolonen,
aus welchen neue Polypen (^, a, a,) aufwachsen. Bei Fig. 39. a.
sieht man den ersten Anfang des jungen Polypen, wie einen
kleinen runden Höcker, bei Fig. 38. a. hat dieser Höcker sich
schon in einen kreisrunden Mund geöffnet, bei Fig. 40. a. be-
ginnen die Tentakeln, in der Gestalt runder Höcker, hervor-
zuwachsen, und in derselben Figur zeigt sich bei h. ein schon
deutlich entwickelter junger Polyp mit seinen fadenförmigen
Tentakeln.
Fig. 41. u. 42. zeigen die hervorwachsenden Knospen.'
Bei Fig. 41. sieht man 2 weniger vollkommene Knospen und
einen frei hervorstehenden Stolo ; bei Fig. 42. drei Knospen,
von denen 2 zu Polypen mit deren fadenförmigen Tentakeln
33
entwickelt sind; der eine von ilinen hat schon einen auswach-
senden Stolo, wie bei Fig. 37.
Fig. 43 — 48. sind aus meiner öfters citirtenSchrift,
Tab. 3., copirt und zeigen den Uebergang von dem
polypenartigen zu dem 3ten oder akalephenartigen
Zustande, so wie icli ihn im August 1830 beobach-
tet habe.
Fig. 43 ist die polypenartige Larve, vergröfsert (der Strich,
43', zeigt die natürliche Gröfse), wenn deren Körper von blei-
benden Querrunzeln umgeben wird, welche man in Fig. 44. in
8, am Ende zweitheilige Strahlen rundum ausgewachsen findet.
— Fig. 45. ist eine solche Larve in nat. Gr., deren Tentakeln
verschwunden sind, und deren Körper in' etwa 14 Querstücke
getheilt ist, welche sich nach und nach, von oben nach unten,
einzeln losreifsen. — Fig. 46. ist eine andere, vergröfserte,
welche nur 4 Querstiicke hat, von denen die 3 obersten im
Begriffe sind, sich loszureifsen. — Fig. 47. zeigt ein solches,
losgerissenes Querstück (freie Strobila), eine frei herumschwim-
mende Akalephe, von unten angesehen. Den viereckigen Mund
sieht man in der Mitte, um ihn herum scheinen die Tentakeln
der Faltenkränze durch die Haut; ferner sieht man die Ver-
theilung der vom Munde auslaufenden Canale, so wie meine
Originalzeichnung von 1830 sie zeigt, dann noch die 8 zwei-
theiligen Strahlen mit ihren Randkörnern. Die nat. Gr. giebt
der Strich, Fig. 47'. — Fig. 48. dasselbe im Profile; der lange,
röhrenförmige, herabhangende Mund zeigt sich unterwärts.
Fig. 49 — 61. zeigen, wie sich die eben losgeris-
sene junge Akalephe (Strobila) zur Medusa aurita
entwickelt, nach meinen im Frühjahre 1837 ange-
stellten Beobachtungen.
Fig. 49. ist ein solches herumschwimmendes Junge, wel-
ches ganz der Fig. 47. gleicht, in nat. Gr., von unten; Fig. 50.
dasselbe vergröfsert. Fig. 51. ein mehr entwickeltes Individuum,
a. von unten, h. im Profile, c. ebenso, aber zusammengezogen.
Fig. 52. ist ein Stück desselben vergröfsert, von unten; mau
sieht 3 Höcker am Rande zwischen den Strahlen hervorwachsen.
— Fig. 53. ein noch mehr entwickeltes Individuum in nat. Gr.;
Fig. 54. dasselbe vergröfsert, von unt-en. Die Strahlen sind
kürzer geworden, ihre Zwischenräume gröfser und am Rande
Archiv f. Nahirgescli. VII. Jahi^. 1. Band. 3
34
mit zahlreicheren Höckern besetzt, deren mittelster schon in
einen fadenförmigen Tentakel ausgewachsen ist; die Ecken
des Mundes zeigen die herauswachsenden Mundtentakeln. Fig. 55.
ist ein Stück von demselben, von unten gesehen, noch stärker
vergröfsert.
Fig. 56. ist ein noch weiter entwickeltes Individuum;
Fig. 57. ein Stück desselben vergröfsert: die Strahlen sind noch
kürzer geworden und auf einen noch kleineren Raum beschränkt,
die Randtentakeln noch zahlreicher; man bemerkt, wie neue
Canäle vom Randcanale aus nach innen wachsen und sich all-
mälich mit den primitiven Canälen vereinigen. — Fig. 58. der
Mund desselben von der Seite gesehen, vergröfsert; man sieht,
wie er anfängt, sich in 4 Lappen zu theilen, welche die 4
grofsen Mundarme werden; Fig. 59. einer dieser Lappen oder
werdenden Arme, welcher seine Tentakeln an den 2 inwendi-
gen Rändern sitzend zeigt. — Fig. 60. ein Randkorn , stark
vergröfsert, von oben. — Fig. 61. die völlig entwickelte Me-
dusa aurita, von der Seite angesehen, mit ihren 4 herabhan-
genden, vollkommenen gespalten Mundarmen und ihren zahl-
reichen, ausgestreckten Randtentakeln.
Fig. 62. zeigt ein Junges der Cyanea capillata,
von oben angesehen, in natürlicher Gröfse, Fig. 63. dasselbe
im Profile; Mund viereckig, etwas eingeschnitten oder vierlap-
pig, die Randtentakeln sehr lang niederhangend. Fig. 64. ein
Stück desselben vergröfsert, von unten gesehen. Man bemerkt
in der Mitte den am Ende vierlappigen Mund, um diesen die
Tentakeln der Faltenkränze , welche durchscheinen, ferner die
in Gestalt von Höckern hervorwachsenden Randtentakeln, von
denen der mittelste schon zu einem langen, fadenförmiigen
Tentakel entwickelt ist.
35
lieber die merkwürdige Bewegung der FarbeiiXelien
(Clironiatoplioren) der Ceplialopoden und eine mutli-
inalslicli neue Reilie von Bewegiingsphänomenen in
der organischen Natur.
Von
Rudolph Wagner.
Ich habe schon früher (Isis 1832, S. 159 und Liehrb. d.
vergl. Anat. S. 566) auf jenes merkwürdige Farbenspiel der
Tintenfische hingewiesen und die äufsere Erscheinung desselben
genau beschrieben; den damaligen Hilfsmitteln gemäfs (1832)
verfolgte ich das Phänomen auch mikroskopisch und kann auch
jetzt, nach neuen Beobachtungen, meine frühere Beschreibung
nur bestätigen. Lichtenstein hat seitdem (Wiegmann'g
Archiv 1836, S. 127) das Farbenspiel ebenfalls beobachtet,
meine Angaben jedoch nicht näher geprüft.
Ich habe im September 1839 in Nizza dieses Farbenspiel
bei Octopus, Loligo, Sepia, Sepiola von Neuem mikroskopisch
betrachtet, jedoch, durch andere Untersuchungen abgehalten,
nicht so weit verfolgt, wie es nach den gegenwärtigen Anfor-
derungen der Wissenschaft zu einem entscheidenden Urtheile
nothwendig ist. Aus diesem Grunde habe ich auch meine
neuen Beobachtungen bisher zurückgehalten, in der Hoffnung,
es möchte uns einer der vielen jetzt thätigen Zootomen und
Physiologen mit einer vollständigen Arbeit über diesen Ge-
genstand beschenken. Immer mehr überzeugt man sich, dafs
vereinzelte Beobachtungen, mit denen jetzt die Zeitschriften
überschwemint werden, ohne besonderen Nutzen für den wis-
senschaftlichen Fortschritt sind; nur durchgeführte, einen Ge-
genstand in allen Momenten seiner Erscheinung auffassende Un-
tersuchungen können Nutzen bringen. Mit dem Wunsche, dafs
die nachfolgenden Bemerkungen hierzu veranlassen möchten,
theile ich dieselben mit.
Die Chromatophoreu der Cephalopoden erscheinen merk-
3*
36
würdiger Weise als grofse, isolirte Pigmentzellen. Die Zellen-
wandungen zeigen eine Contractilität eigener Art, welche mit
Pulsationen muskulöser Blasen, wie z. B. der Lymphherzen
der Amphibien, verglichen werden können.
Der Zellencharakter der Chromatophoren ist auf den ersten
Blick deutlich, und es verhalten sich dieselben ganz wie die
Pigmentzellen in der Haut der Frösche und anderer Thiere;
ja sie haben öfter eine überraschende Aehnlichkeit mit den
sternförmigen und ramifizirten Pigmentzellen und deren Ent-
wickelung in den Froschlarven. Auch in der Lagerung, ihrem
Verhältnifs zur Oberhaut, zum Zellgewebe und den verschie-
denen Epithelien findet sich diese Analogie.
Wenn mich meine, nur flüchtig angestellten und nicht oft
genug wiederholten Untersuchungen nicht getäuscht haben, so
zeigt sich beim Octopus zuerst eine Oberhaut, aus einem kern-
haltigen Pflasterepithelium bestehend, wie bei den Fröschen.
Darunter liegt eine Schicht cylindrischer Körperchen, ganz
dem Cylinderepithelium, wie es sonst vorkommt, entsprechend.
Unter diesem liegen die Chromatophoren, als gelbe und rost-
farbene Pigmentzellen in einer doppelten Lage. Darunter folgt
eine Faserschicht, welche als lockeres Zellgewebe die Chro-
matophoren umgiebt und dieselben an die darunter liegenden
Muskeln heftet.
Um diese relative Lagerung zu sehen, mufs man senkrechte
Durchschnitte der Haut machen, wozu das Valentinsche Dop-
pelmesser die besten Dienste thut. Zur Beobachtung der wage-
rechten Ausbreitung der Flocken mufs man optomatische Oku-
lare anwenden, welche überhaupt zu sehr vielen mikroskopischen
Untersuchungen überaus nützlich sind.
Die Pigmentflocken selbst bestehen aus einer oberfläch-
licheren Lage; lauter rostfarbene Flocken, welche in ihrer
stärksten Contraction ganz schwarz werden, bei der Ausdeh-
nung an den Rändern zackenförmig auslaufen und dabei immer
schwächere, zuletzt blafsrostfarbene Tinten annehmen. Unter
diesen liegen als zweite Schicht die gelben Flocken, etwas
weniger beweglich, fast ganz ähnlich geformt; bei der Con-
traction rundlich, dunkelgelb, bei der Ausdehnung blasser
werdend.
Ich habe in meinem oben erwähnten Aufsatz in der Isis
37
von einer hellen, ziemlich kreisförinigen, in der Mitte oder
mehr gegen den Rand gelegenen Stelle innerhalb der Flocke
gesprochen, die ich damals mit einer pnpillenartigen Oeffnung
verglich, welche bei stärkerer Contraction verschwinde.
Diese runde, helle Stelle ist aber ein deutlicher heller
Kern, der sehr häufig ein Kernkörperchen enthält. Es zeigt
sich hier wieder eine überraschende Aehnlichkeit mit anderen
Pigmentzellen, z. ß. denen der Choroidea, und gerade hierdurch
werden die Chromatophoren als ächte Zellen qharakterisirt.
Wie die Erkenntnifs der Theorie stets die Beobachtungen
rectifizirt, ward mir hier überraschend deutlich, als ich meine
i. J. 1832 in Triest gemachten Skizzen verglich. Ueberall
hatte ich nucleus und nucleolus richtig eingezeichnet. Aber
von Sc hl ei den und Schwann war die richtige Deutung
unmöglich.
Das Räthselhafte des Phänomens besteht nun in der con-
tractilen Zellenwandung. Dafs in dieser der Grund der Be-
wegung liegt, ist keinem Zweifel unterworfen. Die darunter
liegende Muskelschicht ist ohne Einflufs darauf. Nerven dringen
nicht bis zu den Pigmentflocken. Ausgeschnittene isolirte
Hautstückchen zeigen unter dem Mikroskop bei frischen, lebens-
kräftigen Thieren die Contractionen noch 10 Minuten lang.
Es ist eine wunderbare Pulsation in hundert und hundert Zell-
chen, meist schon mit dem blofsen Auge wahrnehmbar. In
ihrer höchsten Ausdehnung sind die Zellchen oder Flocken
Y*5 bis 2V Linie grofs (bei Octopus); die gelben Flocken sah
ich bis zu -3^^ Linie, die rostfarbenen bis zu j^ Linie sich
contrahiren. In den Zwischenstufen liegen alle Tinten der
Grundfarbe vom Hellen bis zum Dunklen. Bei anderen Ce-
phalopoden, z.B.LoUgo, Sepiola, sind die Flocken beträcht-
lich gröfser.
Die schönsten Farben zeigen sich bei LöJigo; neben den
gelben und rostfarbenen Zellen, liegen prachtvoll karminroth
gefärbte mit deutlichen nucleis ; darüber ein Pflasterepithelium.
Hier kommen auch höchst merkwürdige, ganz sternförmige
Zellen,, wo aus einem Mittelpunkt hohle Aeste strahlenförmig
ausgehen, vor.
Die höchste Beachtung verdient in der Folge die nähere
Struktur der Zellenwand, welche hier und da eine eigenthüm-
38
liehe Zeichnung wahrnehmen lä»fst. Die Art und Weise, wie
die Pigmentmolekule hierzu sich verhalten, ist weiter zu er-
forschen.
Wenn mich nicht alles trügt, so führen diese Untersuchun-
gen zu einer neuen Reihe von Bewegungsphänomenen in der
organischen Natur; neben der Zellensaftrotation, der Flimmer-
bewegung, der Bewegung der Spermatozoen, erscheint hier
eine neue Classe von activen Bewegungen, welche mit der
Muskelbewegung nichts zu thun hat.
Wie bei den Cephalopoden, so vermuthe ich etwas Paral-
leles beim Chamäleon, das ich lebend nicht zu untersuchen
Gelegenheit hatte.
Die eben mitgetheilten fragmentaren Bemerkungen mögen
zugleich als Commentar zur bildlichen Darstellung des Baues
und der Lagerung der Chromatophoren der Cephalopoden die-
nen, welche ich auf der 29sten Tafel der Icones Zootomicae
zu geben versucht habe. Der Plan dieses Werkes, das binnen
einigen Monaten erscheinen wird, erlaubte nur eine einfache
Erklärung der Bezifferung der Figuren ohne Detailangabe.
lieber mutbmarsliehe Nesselorgane der Medusen
und das Vorkommen eigenthümlicher Gebilde bei
wirbellosen Thieren, welche eine neue Classe von
Bewegungsorganen zu constituiren seheinen.
Von
Rudolph Wagner.
Ob das bekannte Nesseln oder Brennen der Medusen in
einem ätzenden Safte oder einer mechanischen Verletzung sei-
nen Grund hat, ist bekanntlich noch nicht ausgemacht. Nach
meinen Untersuchungen bin ich nicht im Stande, diese Frage
der Entscheidung näher zu führen.
39
Jedenfalls ist der Grund des Nesseins in der änfseren
Ilautflüche der Medusen zu suclien. Die Haut aller Medusen
zeigt merkwürdige Organisationsverhältnisse.
Sehr schön und deutlich habe ich den Bau bei den Pela-
gien {Pelagia noctiluca auct.) erkannt.*) Die äufsere Haut
zeigt sich hier auf der convexen Scheibenfläche und dem änfse-
ren gewölbten Rand der Arme, dann der Randlappen schön
bräunlich, violett und röthlich gefleckt. Diese gefleckte Mem-
bran stöfst sich leicht los, besonders über dem gröfsten Theil
der convexen Fläche der Scheibe, und dann erscheint sogleich
die homogene gallertartige Substanz, welche die eigentliche
Körpermasse des Thieres bildet. Da wo die röthlichen Flecke
sitzen, sieht man, nach abgelöster Haut, rundlige Hügel oder
Höcker, wie Warzen.
Bei schwacher Vergröfserung erscheinen die rothen Flecke
als Anhäufungen von sehr kleinen rothen Pigmentkörnern, in
deren Umgebung der ganze Körper von einem Pflaster epithe-
lium überzogen ist, das aus gröfseren und kleineren Zellen
besteht, die deutliche Kerne enthalten. Es ist eine Oberhaut,
ganz analog der der Frösche und so vieler anderer Thiere.
Die Pigmenthäufchen sitzen vorzugsweise auf den erwähnten
gewölbten Höckern, welche über die Oberfläche emporragen
und eine Unterlage von Muskelfasern haben.
Zwischen den rothen PigffTBlrtfkörnern sieht man helle,
runde Kugeln oder Bläschen, aus denen häufig, bei etwas stär-
kerer Vergröfserung — denn diese ganze Organisation wird
nur durch das Mikroskop erkannt — feine Fäden hervorragen.
Die gröfsten dieser Kugeln zeigen sich als prall gefüllte Kap-
seln von ylö Linie Gröfse, in denen inwendig ein spiralig
eingerollter Faden liegt, welcher öfter von selbst, stets aber
nach einem leichten Druck heraustritt. Dieser Faden erscheint
dann wie ein peitschenförmiger Anhang der Kapsel und zeigt
eine sehr zierliche Zeichnung. Es ist schwer, sich einen Be-
griff von seiner Struktur zq machen; zuweilen sieht es aus,
als wenn er einen Kanal hätte. Man sieht bei geschlossener
Kapsel, wenn der Faden noch darinnen eingerollt liegt, da
wo sie sich öfl'net, einen Höcker, an dem der Faden beim
*) Nach Beobachtungen bei Nizza und Villafraiica im Herbste 1S39.
40
Ausstülpen wie an einem Stiel hängt; ausgestreckt ist der
sehr fein auslaufende Faden bis eine Linie lang.
Diese Haar- oder Fadenkapseln sitzen sehr lose an, fallen
leicht ab und schaben sich mit dem Schleim los, wenn sich
die Meduse häutet; sie finden sich, wie die Fäden selbst, in
dem sogenannten nesselnden Schleim der Medusen — welches
nichts als losgestofsenes Epithelium ist — in Menge, wie man
sich überzeugt, wenn man die Medusen lebend in Gefäfsen hält.
Schwerer lösen sich kleinere, längliche, hellere Kapselchen
von "3^0 ^^^ 4^0^ Linie Gröfse, von mehr länglicher Form,
welche zum Theil mit feineren, kürzeren Häärchen oder peit-
schenförmigen Anhängen besetzt sind. Man kann sich — ver-
gleicht man damit die Ersatzzähne der Krokodile, Haifische
und Giftschlangen, nicht erwehren, diese kleinen Kapselchen
für Ersatzbälge zu halten, wenn die gröfseren Organe verlo-
ren gehen.
Solche einzelne kleinere Organe stehen auch aufserhalb
der Flecken und gehen so bis an den inneren Rand der Arme
und auf die untere Fläche der Scheibe, wo sie aufhören.
Am Rande der Scheibe hängen, zwischen je zwei Rand-
lappen, abwechselnd mit den Randkörpern (Crystalldrüsen)
feine, lange cylindrische Fäden von violetter Farbe. Diese
sind mit Flimmerhaaren besetzt und zeigen darunter ein Cy-
linderepithelium , das auf den Muskelfasern aufsitzt; diese Fä-
den sind mit zahlreichen Parthien von kleinen Nesselkapseln
besetzt.
Es ist bekannt, dafs die leiseste Berührung einer Meduse
— wie wir (ich selbst und mehrere Zuhörer, die mich auf
der Reise begleiteten) dies beim Baden fanden ^ — ein empfind-
liches Brennen erregt. Dies erfolgt immer um so leichter
und stärker, je lebenskräftiger die Meduse ist. Die Medusen
nesseln nur an den Stellen, wo ihre Oberhaut erhalten ist.
Wir fanden niemals eine solche Empfindung entstehen, wenn
wir Stellen berührten, wo die Oberhaut, was selbst sehr häufig
bei lebenden Thieren geschieht, abgelöst war. Legt man ein
abgeschnittenes Stückchen der Meduse mit der Oberhautseite
auf eine blofse Hautstelle, oder schabt man etwas Oberhaut
ab und bringt es auf die Haut, so erfolgt nach einigen Secun-
den, bis zu einer Minute ein brennendes Gefühl; nach 5 Mi-
41
nuten entstand bei mir eine leichte Röthe und dann eine ein*-
facho, linsenförmige Erhebung, öfters deren 3—4 nebeneinander.
Freischwimmende Medusen wirken weit stärker bei der Be-
riihnnig und es bilden sich selbst Quaddeln, wie bei Essera
oder Urticaria. Der Schmerz verliert sich bald. Bei einem
von uns (Dr. Will) hielt derselbe einen halben Tag an und
nach 8 Tagen sah man noch Röthe auf der Stelle.
Die innere Körpersubstanz (sogenannte Gallertmasse der
Meduse) erregte niemals Nesseln, eben so wenig die innere
Fläche der Magenhöhle, oder die innere Fläche der Arme,
wo jene Pigmentflecken, Kapseln und Ilaare fehlen.
Auf den Hautstellen, an denen ich mich brennen liefs, fand
ich immer abgelöste Kapseln und Haare.
Bekanntlich nesseln nicht alle Medusen; diefs fand ich z.B.
nicht bei Cassiopea, und die mikroskopische Untersuchung
zeigte hier zugleich die Abwesenheit jener Kapseln und Haare
auf der ganzen Scheibenfläche,
Dagegen nesselte wieder eine Oceania (der cacuminata
verwandt), aber nur mit den Randfäden und in weit geringerem
Maafse, als die Pelogia, Die Untersuchung weist hier eben-
falls jene Kapseln, aber von länglicher Form, mit langen feineu
Fäden^nach. Doch waren diese Organe viel kleiner und fei-
ner; sie hatten eine überraschende Aehulichkeit mit jenen Ge-
bilden, welche ich früher (s. dieses Archiv. 1835. Bd. H. S. 215)
als Spermatozoen der Actinien beschrieb. Eine neue Unter-
suchung an Actinien, z. B. an Actinia cereus, überzeugte mich,
<^afs diese früher als Samenthierchen beschriebenen Gebilde
nichts anderes sind, als Nesselfäden der Medusen; sie stehen
dicht gedrängt um die Fühler oder Arme und an der äufseren
Oberfläche. Die Fäden treten aus länglichen Kapseln jnit jener
merkwürdigen Bewegung heraus, die ich früher a. a. O. be-
schrieben habe und die ich jetzt ganz so wiederfand.
Dieselben Organe, nur in anderer Form, kehren bei den
Polypen wieder, wo sie Ehrenberg und Dr. Er dl (einer
meiner Begleiter) bei den Hydren fanden; Er dl fand sie auch
bei Vcretillum.
Es ist w^ahrscheinlich, dafs das Nesseln eine mechanische
und chemische Bedingung hat; wie bei der Mehrzahl der so-
genannten Giftorgane finden wir einen in einer Blase oder
42
Kapsel sich sammelnden Saft und ein verletzendes Werkzeug.
So ist es auch bei vielen nesselnden Pflanzen, z. B. den Loasen,
wo die feinen, spitzen Haare einen Saft führen, dessen Circu-
lation man hier so schön beobachten kann.
Ausgedehntere Untersuchungen werden bei Verfolgung
dieser als Nesselorgane vorläufig bezeichneten Gebilde
noch vieles Merkwürdige in Bezug auf Vorkommen, Anordnung,
Struktur und Bewegung erkennen lassen und einen Reichthum
von Organisationsverhältnissen aufdecken.
Göttingen den 25. März 1841.
Zoologische Bemerkungen.
Von
Dr. A. P h i 1 i p p i.
Fortsetzung.
Hierzu Taf. V.
Fossarus, ein neues Genus der kammkiemigen
Mollusken.
Brocchi beschrieb in seiner classischen Conchiologia
fossile suhappennina p. 300 eine Nerita costaia, welche von
den Neueren in verschiedene Genera gesteckt ist. Nach einem
Citat von Bronn (Italiens Tertiärgebilde, p. 65. nr. 339) ist
Brocchi geneigt gewesen, diese Art zu dem Lamarckschen
Genus Stomatia zu stellen, Bronn selbst bringt sie a.a.O.
zu Delphinula, worin ich ihm in meiner Enume ratio mollu-
scorum Siciliae gefolgt bin. Sowerby gen. of shells, und
nach ihm Defrance*) und Baste rot**) nennen sie Für-
*) Diction. des sciences nat. vol. 51. p. 72.
**) Descript. geolog. du bassin tertiaire etd Mem. de la Soc.
d'hist. 7iat. de Paris. II. 1. p. 50.
43
pura; Marcel de Serrcs*) gar Sigaretus, Dieselbe (oder
jedenfalls eine ganz nah verwandte Art) kommt im Mittelmeer
vor, inid ist von Herrn Scacchi erst**) zu Turho, sodann***)
zu Rissoa, endlich von Herrn Maravignaf) zu Trochus
gerechnet worden. In meiner Enumeratio stellte ich die
Vermuthung auf, Adanson's Fossar sei wohl dasselbe Thier,
was ich jetzt vollkommen bestätigen kann; da nun Lamarck
liist. nat. VI. 2. p. 195 mit Bruguiere das Genus Natica
von Adanson genommen hat, Adanson aber unglücklicher-
weise unter Natica das Thier des Fo$sar beschreibt, jedoch
ohne es als Art aufzuführen, so hat Lamarck dieses Thier
als den Bewohner von Natica beschrieben, welche doch ein
ganz anderes Thier ist.
Es sind demnach nicht weniger als neun Gattungen, in
welche man den Fossar gebracht hat: Nenta, Stomatia,Del-
pJiinula, Purpura, Sigaretus, Turho, Rissoa, Trochus, Na-
*) Geognosie des terrcUns tertiaires, Paris 1829. 8. p. 127.
**) Osservaxioni %oologiche, NapoU 1833. 8. p. 24.
***) Catalogus conchyliorum Regni NeapoUtani. JSeap. 1836. p. 14.
f ) Memoires pour servir a l'histoire naturelle de la Steile, Paris
1838. 8. Dies merkwürdige Werkchen verdient ein paar Worte. Die
eine Abhandlung führt den Titel : Catalogue methodique des mollusques
qu'07i tr Olive en Sicile; es ist eine nackte Aufzählung von Namen,
höchstens mit Angabe von einem oder dem andern Synonym, allemal
ohne Bezeichnung des Fundortes, und betrachtet man sie näher, so
findet man, dafs es eine ohne alle Sachkenntnifs aus Scacchi 's
Catalogus und meiner Enumeratio zusammengestoppelte Liste ist,
was sich z.B. daraus ergiebt, dafs Maravigna ein und dieselbe
Art als 2 verschiedene Arten aufführt, wenn Scacchi und ich der-
selben zwei verschiedene Namen gegeben hatten. Das Lustigste ist
aber, dafs er behauptet, er liefse den Catalog unverändert ab-
drucken, wie er ihn 1836 verfafstj er habe zwar 1838 in Bologna
mein Werk gesehen, allein man müsse nicht glauben, es seien alle
darin aufgeführte Arten wirklich im Sicilischen Meer zu Hause, flüch-
tige Reisende (er hat mich recht gut in den Jahren 1830 bis 1832
persönlich in Catania gekannt) könnten darüber nicht urtheilen u. s. w.
Hätte er auch meine Vorrede gelesen, so würde er nicht so einfältig
gewesen sein, die von meinem Freund Schultz benannten und von
mir zuerst 1836 publicirten Arten Doris etc., die er erst 1838 kennen
lernte, mit abzuschreiben, und hätte er p. 255. nachgesehen, so würde
er nicht, wie es p. 111 bei mir heifst, Patella pellucida für Patella
Gussojii abgeschrieben haben. So werden bisweilen Bücher gemacht!
44
tica, Beweis, dafs er keiner angehört, und ich schlage jetzt
ein zehntes Genus dafür vor, welches ich Fossanis nenne.
Ich war nämlich bereits im December 1838 so glücklich,
das Thier in mehreren Exemplaren lebend zu beobachten,
wobei ich mich nicht nur überzeugte, dafs es identisch mit
dem Adansonschen Fo^^fltr sei, wie ich nach der blofsen Seh aale
schon in meiner Enumeratio vermuthet, sondern auch gleich
auf den Gedanken kam, es sei w^ahrscheinlich ein eigenthüm-
liches Genus, was ich indessen in Neapel aus Mangel an lit-
terärischen Hülfsmitteln nicht bestimmen konnte. Mein scharf-
sichtiger Freund Scacchi hatte das Thier bereits früher
beobachtet und genau in seinen Osservauoni zoologlche 1833
beschrieben, allein ebenfalls aus Mangel an Hülfsmitteln nicht
gewagt, es als neues Genus zu beschreiben, und daher zwei-
felhaft zu Tiüho und später zu Rissoa gesetzt.
Das Thier lebt im mittelländischen Meer wie an den
Küsten von Senegambien auf Klippen in der Nähe des Was-
serspiegels in den Vertiefungen des Gesteins. Die Beschrei-
bung, welche Adanson vom Thier, seinem Gehäuse und Deckel
giebt, ist so genau, so ausführlich und so vollkommen mit
meinen eigenen Beobachtungen übereinstimmend, dafs ich glaube
nichts besseres thun zu können, als sie in der üebersetzung
mitzuth eilen. Er sagt p. 173:
Die Schaale des Fossar hat kaum mehr als zwei oder
drittehalb Linien im Durchmesser; sie ist beinahe kugelig, sehr
dünn, ohne Epidermis, durchsichtig und etwas breiter als lang.
Die Windungen sind fünf an der Zahl, abgerundet, stark ge-
wölbt und wohl abgesetzt, aber so wenig proportionirt, dafs
die ersten gegen das Volumen der letzten fast verschwinden.
Sie sind alle von einer grofsen Zahl gedrängter Leistchen um-
geben, deren man etwa dreifsig auf der letzten und zwölf bis
fünfzehn auf der vorletzten zählt; die letztere hat aufser die-
sen Leistchen noch vier bis fünf grofse, sehr scharfe und schnei-
dende Querrippen, die bei einigen Individuen fehlen. Der
Gipfel ist spitz, sehr klein, ein bis zweimal länger als breit,
und ein bis zweimal kürzer, als die letzte Windung. Die
OefiFnung ist grofs, von der Gestalt des halben Mondes, nach
aufsen und rechts gerichtet. Der Rand der äufseren Lippe
ist schneidend, dünn, mit einigen Wellen bezeichnet, welche
45
den fünf erhabenen Rippen auf der äufseren Fläche der letzten
Windung entsprechen. Die linke Lippe ist platt, glatt \on
einer graden Linie gebildet und auf die vorletzte Windung
zurückgeschlagen, wo sie etwas unterhalb ihrer Mitte einen
grofsen Nabel läfst, der die Gestalt eines runden Loches hat
und zweimal kürzer als sie ist. Ich habe auf dem Gehäuse
keine andere Farbe als die weifse gesehen.
Der Kopf des Thieres ist klein, walzenförmig, um die
Hälfte länger als breit, an seinem Ende schwach ausgerandet,
von wo eine kleine auf der oberen Seite verlaufende Längs-
furche entspringt. An seinem Grunde auf seinen Seiten stehen
zwei dicke Fühler, welche zweimal so lang sind wie der
Kopf und spitz endigen. Ein jeder trägt an seinem Ursprung
auf der inneren Seite einen fleischigen, viereckigen Lappen*)
oder Behang, der so lang wie der halbe Kopf ist, und frei
auf demselben aufliegt. Die Augen sind zwei kleine schwarze
Punkte an der Wurzel der Fühler auf ihrer äufseren Seite
fast hinter ihnen. Am Ende des Kopfes sieht man unten eine
kleine Längsfurche, welche der Mund ist. Der Mantel be-
steht aus einer einfachen, sehr dünnen Haut, welche die innere
Wand der Schaale auskleidet. Der Fufs ist sehr klein, bei-
nahe rund, unten platt, oben gewölbt, und halb so lang als
das Gehäuse (wenn das Thier kriecht, wird er eben so lang).
Der Deckel ist etwas weniger grofs als die Oeffnung, und
hat wie diese die Gestalt des halben Mondes, er ist gelblich,
knorpelig (d. h. hornartig), sehr dünn, und oben mit mehreren
Streifen versehen, welche von einem gemeinschaftlichen Punkt
nahe beim unteren**) Winkel ausgehen. (Es ist mir nicht
möglich gewesen, deutlich zu sehen, ob der Deckel aus weni-
gen rasch zunehmenden Windungen bestehe, wie bei Natica,
oder gar keine Windungen habe, wie bei Purpura und Mu-
rex, doch wäre ich eher geneigt das letztere zu glauben.) —
Der ganze Körper des Thieres ist weifs, wie sein Gehäuse,
*) Ich finde diesen Lappen, welches der gewöhnliche Stirnlappen
der Trochus ~ kviQw ist, stets spitz, breit, sichelförmig, Adanson's
Abbildung T. 13- 1. L. zeigt ihn stumpf, abgerundet.
**) Adanson sagt oberen, allein er stellt bei seiner Betrachtung
die Schaale mit der Spitze nach unten.
46
es ist nichts schwarzes daran als die Augen. (Ich fand stets
einen bräunlichen Streifen von der Schnauze bis zu den Stirn-
lappen verlaufend.*)
Betrachten wir jetzt die Verschiedenheiten dieses Thieres
von den Gattungen, wohin man es bisher gerechnet hat.
JS^erita hat ein ungenabeltes Gehäuse, einen Deckel mit ei-
nem Fortsatz, dem Thiere fehlen die Stirnlappen, dagegen trägt
es die Augen auf langen stielartigen Höckern.
Stomatia hat ein ohrförmiges undurchbohrtes Gehäuse.
Das Thier ist mir unbekannt.
Delphinula hat eine runde Mundöffnung (D. trigonostoma
wird mit Recht zu Cancellaria gerechnet); das Thier trägt
wie Trochus und Nerita die Augen auf einem besonderen
Höcker, hat keine Stirnlappen, wohl aber die Seitenlappen
von Trochus.
Purpura hat eine mit einem Ausschnitt versehene Schaale ;
- das Thier hat keine Schnauze, keine Stirnlappen, einen Sipho
.etc., kurz es hat gar keine Aehnlichkeit mit dem Fossar.
Noch unglücklicher ist der Gedanke gewesen, ihn zu Sigare-
tus zu stellen. Sigaretus Cuvier = Coriocello Blainv.
ist ein Thier mit einer dünnen, durchsichtigen, inneren Schaale
ohne Nabel, wnA' Sigaretus Adanson = Cryptostoma
Blainv. hat ein Thier, welches sich wie
Natica durch die enorme Entwickelung seines Fufses
unterscheidet, der den gröfsten Theil der Schaale einhüllt, wenn
das Thier sich aus derselben heraus begiebt, anderer Unter-
schiede nicht zu gedenken.
Turho ist, wie jetzt die meisten Conchyliologen das Ge-
nus nehmen, in nichts von Trochus verschieden, wenn man
aber diesen Namen, wie 'ich es vorgeschlagen habe, den Arten
läfst, mit welchen Linne sein Genus Turho anfängt (T. ohtu-
satus, neritoides, litloreuSy muricatus^, welche er also wohl
als Typus betrachtet hat, mit Littorina identisch.**) In diesem
*) Delle Chiaje hat in seinen tabults ineditis. T. 80. Fig. 13.14.
das Thier ebenfalls abgebildet, aber nicht gut, die Stirnlappen sind
vergessen und der Deckel in Fig. 17. spiralförmig.
**) Adanson gebraucht bekanntlich Turbo und Trochus grade
umgekehrt wie Linne. Was dieser Turho nannte, ist bei Adanson
Trochus^ und Turbo ist bei Adonson, was Linne Trochus heifst.
47
Falle unterscheidet es sich vom Fossar durch das undurch-
bohrte Gehäuse und durcli die Stirnlappen des Thieres.
Trochus unterscheidet sich weit mehr durch die auf einem
besonderen Höcker sitzenden Augen, die Seitenlappen, die
seclis Seitenfaden, den vielspiraligen Deckel, und hat nur die
Stirnlappen gemein.
Rissoa unterscheidet sich endlich durch ein stets unge-
nabeltes Gehäuse von anderer Gestalt und anderer Mundöff-
nung, und was das Thier anbetrifft, durch den Mangel der
Kopflappen und den abgetheilten Fufs.
Hiernach erscheint, glaube ich, die Aufstellung eines neuen
Genus vollkommen gerechtfertigt. Ich nenne es Fossarus^
die Art F. Adansonü, und charakterisire es in der Kürze also:
Fossarus: testa subglobosa, umhilicata; apertura in-
tegra semirotunda ; labiwn edentulum, nunquam callosum;
umhilicus apertus; labrum acutum^ intus laevigatum; oper-
culum corneum, non spiratum, semirotujidum, simplex,
Animal: caput in proboscidem productum, Tenta-
cula filifo rmiüy acuminata, intus loho fr ontali instructa.
Oculi in hasi externa tentaculorum, non prominentia.
Fes mediocris utrinque rotundatus, Sipho nullus,
F, AdansonL
F. testa minuta, transversim striata et plerumque ein-
gulis transversis elevatis acutis aspera.
Fossar Adanson. p. 173 tab. 13. f. 1.
Turho costatus Scacchi Osservaz. Zooh p. 24.
Rissoa lucullana Scacchi Catal. Conchyl. p. 14.
Trochus Maravigna Memoires pour servir etc.
Delphinula costata (Bronn) Phil. Enum. Moll. Sicil.
p. 166.
Fossilis:
Nerita costata Brocchi Conch. foss. suh. p. 300. t. 1.
f. 11. ist 8'" hoch, die Gröfse ist in der Beschreibung nicht
angegeben.
Delphinula costata Bronn Italiens Tertiärgebilde p. 65.
Purpura costata Sowerhy gen. qf shells. Defrance
Biet sc. natur. vol. 51. p. 72. Basterot Memoire etc. p. 50.
Sigaretus costatus M. de Serres Geogn. des ter. tert.
p. 127 (nach Bronn).
Ueber das Genus Eiilima Misso,
Risso hat im Jahre 1826 in seiner histoire naturelle
des principales proäucüons de VEurope mdridiondle vol. 4.
p. 123 das Genus Eidima gebildet, für sehr ausgezeichnete
kleine thurmförmige oder pfriemenförmige Gehäuse, welche
immer höchst glänzend, mit ganz flachen sehr schrägen Win-
dungen, und einer einfachen ovalen, oben spitz auslaufenden
Mündung versehen sind. Die meisten Conchyliologen haben
aber die dahin gehörigen Arten zu Melania gezogen, bis
Sowerby dasselbe wieder aufnahm und in den Zoological
proceedings 1832 nicht weniger als 15 Arten beschrieb, die
später in den Conchological illustrations abgebildet sind.*)
Deshayes in der neuen Ausgabe von Lamarck's hist. etc.
vol. 8. p. 449 ist ihm hierin gefolgt, trennt aber die genabelten
Arten p. 286 unter dem Namen Bonellia, indem er Bulimus
terebellatus Lamk. als Typus nimmt. Aufser dem Nabel
finde ich keine wesentliche Verschiedenheit, und würde eine
solche Trennung nicht vornehmen, wenn sie nicht durch Ver-
schiedenheiten des Thieres gerechtfertigt wäre, in jedem Fall
kann aber Deshayes Namen Bonellia nicht angenommen
werden, da einmal ein Genus der fufslosen Holothurien bereits
so benannt worden ist, und zweitens Risso, dieser eifrige
Verfertiger neuer Namen, bereits 1826 in dem angeführten
Werk p. 218 für den Bulimus terehellatus das Genus Niso
aufgestellt hat, ohne freilich zu bemerken, dafs er jene Art
vbr sich hatte. Seine Beschreibung sowohl, wie seine Figur
Nr. 98., wenn gleich sie nur mittelmäfsig ist, erlauben darüber
keinen Zweifel.
Bereits bei meinem ersten Aufenthalte in Sicilien hatte
ich das Thier der einen Art, der Melania distorta Besh,
beobachtet, allein da dies grade ein höchst winziges Thierchen
ist, und ich nur eine ganz ordinäre Lupe besafs, so gelang
es mir nicht, seine Bildung deutlich zu erkennen. Im December
1838 fand ich abermals bei Neapel zwei lebende Individuen
*) Er nennt das Genus auf beiden Tafeln der Conch. ill. EuUna
aus Versehen.
*'') S. RoJando Acad. Turin vol. XXVI. — Cuvi'er Regne anim.
ed. II. vol. III. p. 243. I
49
derselben kleinen Art, die ich jedoch mit einem besseren In-
strument beobachten konnte. Ungeachtet icli sie mehrmals imd
anhaltend betrachtet habe, steckten sie doch nie den Kopf
vollständig zur Schaale heraus, sondern die Augenpunkte und
die Basis der Fühler blieben stets darin, konnten jedoch bei
der Durchsichtigkeit des Gehäuses leicht erkannt werden. Auch
die übrigen Arten scheinen dieselbe Eigenthümlichkeit zu be-
sitzen, wenigstens hat ein sehr genauer und aufmerksamer
Beobachter, mein Freund Scacchi, der mir seine sämtlichen
handschriftlichen Beobachtungen und Zeichnungen auf das Zu-
vorkommendste mitgetheilt hat, dieselbe Beobachtung bei einer
gröfseren Art gemacht. Der Kopf ist in keine Schnauze ver-
längert; die Fühler sind pfriemenförmig, und länger als der
dritte Theil des Gehäuses, am Grunde genähert, ja anscheinend
verwachsen, und tragen 2 kleine schwarze Augen aufsen an
ihrem Grunde, die nicht hervorstehen. Der ungemein beweg-
liche Fufs ist nach vorn sehr stark verlängert und abgestutzt,
hinten zugespitzt; wenn das Thier kriecht, ist er etwa halb
so lang wie das Gehäuse. Von Farbe ist das Thier bei bei-
den Arten weifslich, beinahe glashell, der eigentliche Körper
aber mit schön purpurrothen zusammenfliefsenden Flecken und
Punkten verziert, welche Färbung sich auch in den Grund der
Fühler hineinzieht. Der Deckel ist hornartig.
So mangelhaft auch diese Beobachtungen sind, indem es
namentlich uns beiden nicht gelang, die Gestalt des Kopfes,
den Mund etc. zu sehen und uns zu überzeugen, ob die Fühler
am Grunde genähert oder gar verwachsen sind, so geht doch
daraus das ganz bestinmite Resultat hervor, dafs sich Eulima
sehr wesentlich von Rissoa unterscheidet, welches eine sehr
deutliche verlängerte ausgerandete Schnauze hat. Von Phasia-
nella unterscheidet sich dies Genus noch mehr, denn PÄö^m-
nella ist dem Thier nach ein vollkommener Trochus mit
Schnauze, Stirnlappen, Seitenfäden etc. Die Süfswasser be-
wohnenden Melanien haben auch einen schnauzeuförmig ver-
längerten Kopf, und weichen dadurch ebenfalls sehr ab. Ueber-
haupt läfst sich wegen des Mangels der Schnauze und wegen
der genäherten Fühler das Genus Eulima in keine Gruppe
der pflanzenfressenden Kammkiemer unterbringen, sondern mufs
wahrscheinlich eine eigenthümliche Familie bilden, zu der, wie
Archiv f. Naturgesch. VH. Jahrg. 1. Band. 4
50
ich vermuthe, noch die eine oder andere Gruppe kleiner See-
schnecken kommen würde. Ein ganz anderes Thier hat Delle
Chiaje Tah. medit^r.l3. f. 10. u. 12. als Eulima sululata
abgebildet. Der Kopf ist ganz herausgestreckt. Die Fühler sind
durch eine Schnauze getrennt, kurz und knopfförmig. Die
Schaale ist GJ'" lang und beinahe 2'" breit. Eulima subiilata
ist es auf keinen Fall, allein was es sei, wage ich nicht zu
rathen.
Ich habe in meiner Enumeratio mehrere Arten mit Längs-
rippen und senkrechter Spindel beschrieben : M. rufa, Compa-
nellae, pallida, Scolaris, welche von Eulima durch die eben
angeführten Charaktere sehr abweichen, und schon damals die
Vermuthung geäufsert, s. p. 156, dafs sie wohl ein eigenes Ge-
nus bilden möchten. Bei Neapel kommt keine dieser Arten vor,
bei Palermo sind sie nicht selten, und als ich mich im Früh-
jahr vorigen Jahres daselbst befand, habe ich sehr eifrig dar-
nach getrachtet, die Thiere derselben zu beobachten, allein es
ist mir nicht gelungen, mir dieselben zu verschaffen. Dennoch
möchten die Verschiedenheiten des Gehäuses hinreichend sein,
die Aufstellung einer neuen Gattung zu rechtfertigen, die ich
PyrgiscuSj Thürmchen,*) nennen möchte, um die Aelmlichkeit
in der Gestalt mit Turritella zu bezeichnen. Die wesentlichen
Charaktere wären folgende:
Testa turrita. Anfr actus planiusculi, longitudinaliter
costati. Apertur a suho{>ata, integra, superne angulata,
peristomate disjuncto; columella perpendicularis; labrum
Simplex, superne sinuatum, axi parallelum.
Von Eulima verschieden durch die Rippen der Windungen,
die senkrechte grade Spindel, welche eine Verlängerung der
*) Risso hat {hist. nat. des princip. prod. de VEur. merid. IV.
p. 224) das Genus Turbonilla aufgestellt, welches nach den Charak-
teren ziemlich mit Pyrgiscus übereinstimmt, allein er rechnet dazu
auch den Turbo gradlis Brocchi, welcher nach Ferussac eine Py-
ramidella ist, so wie p. 394 nr. 1082. Fig. 63. die Turbonilla Hum-
holdti, eine entschiedene Tornatella. Er stellt auch das Genus zwi-
schen Nesciea {Buccinum d^Orbigny) und Rostellaria pes pelecani.
Ich habe daher, um Confusiou zu vermeiden, den Namen Turbonilla
nicht gebrauchen mögen.
51
Axe des Gehäuses ist, und mit der vorletzten Windung einen
bestimmten Winkel macht.
Von Rissoa unterschieden durch dieselbe "Beschaffenheit
der Mündung, die thurmförmige Gestalt.
Von Turritella, wohin einige fossile, wenn ich nicht sehr
irre, hierher gehörige, Arten von Risso gestellt sind, durch
dieselbe Beschaffenheit, der Mundöffnung und die nicht nach
hinten zurückweichende äufsere Lippe.
Von Scalaria, wohin Bronn jene fossilen Arten gebracht
hat, ebenfalls durch die eigenthümlich gestaltete Mundöffnung
und den getrennten Mundsaum leicht zu unterscheiden.
Eine andere Frage ist aber die, ob sich dies Genus Fyr-
giscus von Lea's Fasilhea unterscheidet. Diese Gattung ist
von Lea in dessen Contributions to Geology aufgestellt,
und mir nur durch den Auszug inLeonhard's undBronn's
Neuem Jahrbuche etc. 1835. p. 614 bekannt. Allein da darin
gesagt wird, die Oeffnung sei oben enger als bei Rissoa, und
da unter andern Melania Camhessedesii dahin gezogen wird,
so ist^es vermuthlich einerlei mit Eulima, was Andere, die
das citirte Werk von Lea nachsehen können, entscheiden
mögen. Lea erwähnt auch eines ähnlichen Genus Pyramidinn
Bronn Illustr. of the conchol. of Great Britain, welches
mir ganz unbekannt ist.
Aufser den oben erwähnten vier lebenden Arten gehören
hierher: Turho plicatulus Broc. p. 376. t. 7. f. 5. (Melania
Brocchii Bronn Italiens Tertiärgebilde p. 76, Nr. 408.) und
Turho lanceolatus Broc. p. 375, t. 7. f. 7. (Scalaria lance-
o/afa Bronn l. c. p. 66, Nr. 347.) Turritella l. Risso, hist.
nat. des princip, prod. de VEur. merid. IV. p. 109, Nr. 260.
Ueber das Genus Truncatella Risso,
Risso hat bekanntlich aus Draparnaud's Cyclostoma
truncatulum das Genus Truncatella gemacht. S. Tiist. nat.
des princip. prod. etc. IV. p. 124, worin ihm unter anderen
Conchyliologen Menke undDeshayes in der neuen Ausgabe
von Lamarck gefolgt sind. Andere Conchyliologen, die das
Thier für ein Wasserthier erkannten und Risso nicht folgen
mochten, haben es zu Paludina, wie Payraudeau, oder zu
4*
52
Rissoa, wie Michaud und ich selbstgestellt. GrafHochen-
wart aber hat meinen Freund Rofsmaessler verführt, die
Truncatella wieder für eine Land seh necke zu halten, in-
dem er demselben schrieb: S. Rofsm. Iconographie Heft V.
u. VI. p. 54, „nur einmal fand ich 3 Exemplare im Moose
am Abhänge eines Hügels mit ihrem schwarzen Bewohner,
daher ich selbe für eine Landschnecke halte." Es ist ein po-
sitiver Irrthum, dafs das Thier schwarz sei, auch kann man
es nicht zu den eigentlichen Landschnecken rechnen. Ich habe
es stets am Seestrande auf der Wasserlinie gefunden, wie Fos^
saruSf Siphonaria Garnoti, Auvicula etc., kann aber nicht
behaupten, dafs es durch Kiemen athme.
Lowe hat zuerst das Thier genau beschrieben, Zool. journ»
V. p. 209, und da die Beschreibung von Deshayes in der
neuen Ausgabe von Lamarck vol. 8. p. 363 sehr genau wie-
dergegeben ist, so will ich mich begnügen, zu bemerken, dafs
ich seine Beschreibung mit meinen eigenen Beobachtungen
vollkommen übereinstimmend gefunden habe. Wenn aber
Deshayes 1. c* p. 364 sagt: „Der Fufs setzt sich nicht als
Scheibe bis zum vorderen Theil des Körpers des Thieres fort,
er ist durch eine (Quer-) Furche in der Mitte in zwei getheilt,
und diese Bildung zwingt das Thier, wie Pedipes zu kriechen,
d. h. wie die unter dem Namen „Spannenmesser bekannten
Raupen," so glaube ich, dafs dieses auf einem Irrthum beruht.
Die Art des Kriechens liat ihre Richtigkeit, allein der „sehr
kurze eiförmige" Fufs ist nicht durch eine Furche in zwei
getheilt, sondern das Thier stützt sich im Kriechen auf
seine Schnauze. Dies ist allerdings sehr sonderbar, allein
ich glaube mich nicht getäuscht zu haben, indem ich nicht nur
die Thiere von Cyclostoma truncatulum, sondern auch von
Fidelis Theresa oder Paludina Desnoyersii und von Helix
Uttorina Delle Chiaje, welche diesem Genus angehören, be-
obachtet und ebenso befunden habe, und weil mein Freund
Scacchi, wie ich aus dessen mir gütig mitgetheiltem Manu-
script ersehen habe, es gleichfalls so gesehen hat.
Die Mittheilung der Beschreibung einiger anderer hierher
gehöriger Arten, wird demjenigen, der sich mit dem Studium
der Mollusken beschäftigt, um so angenehmer sein, als diese
Arten in der Gestalt des Gehäuses sehr abweichend sind.
53
Die eine Art ist von Delle Chiaje in seiner Memoric
SU la sloria e notomia dcgli animali senza vertehre dcl
Regno di Napoli vol. ill. p. 215, 225 beschrieben, und t. 49.
f. 36__38 abgebildet unter dem Naipen Ilellx littorina. Die
jjanze Beschreibung lautet: „testa minima succinca^ spirae
anfradubus giiatuor/^ Hiernach und nach der schlechten
Figur läfst sich die Art allerdings nicht erkennen, allein der
Fundort: das Ufer von Posilipo und die Citate von Scacchi
lassen keinen Zweifel über die Identität der Art. Delle
C h i a j e citirt noch Descript de VEgypte coq. t. III. f. 16. 18. 19.
Im März v. J. habe ich in Palermo etwa 50 Exemplare
davon bekommen und lebend beobachtet; sie sitzen in den
kleinen Vertiefungen der Klippen und Uferfelseu in der Nähe
des Wasserspiegels. Die Ilölie des Gehäuses beträgt f", die
Breite eben so viel, es ist daher ziemlich kugelförmig, oder
genauer flach kegelförmig. Die vier Windungen sind ziemlidi
gewölbt, und nehmen sehr rasch zu, der letzte ist sehr bauchig;
übrigens sind sie glatt, etwas glänzend und sehr blafs horn-
farbig. Die Mündung ist mindestens eben so lang, als das
Gewinde, eiförmig, oben etwas winklig. Der Mundsaum ist
zusammenhängend, die äufsere Lippe jedoch ganz einfach,
schneidend, schräg gegen die Axe des Gehäuses, die innere
Lippe ist sehr deutlich als zarte angewachsene Lamelle, und
bildet eine ganz feine Nabelspalte, so dafs man das Gehäuse
durchbohrt nennen kann. — Das Thier ist genau wie bei
Truncatella truncalula DesJi., so abweichend auch das Ge-
häuse erscheint, der Kopf weit vorgestreckt in eine zweilappige
Schnauze; die Fühler halb so lang wie der Kopf, stumpf,
tragen die nierenförmigen Augen auf der oberen Seite ihrer
Wurzel, und stehen unter einem ziemlich ofifenen Winkel ab.
Der Fufs ist sehr kurz, anderthalb oder höchstens zwei Mal
so lang wie breit, vorn abgestutzt mit abgerundeten Winkeln,
hinten ganz abgerundet. Die Farbe ist weifslich, mit einem
röthlichen Querstrich zwischen den Fühlern, und einem gelb-
lichen, wenig aufiallenden Längsstreifen.
Der Analogie nach rechne ich hierher ein noch kleineres ^yor^f
Schneckchen, Truncatella fusca, welches ich ebenfalls bei*'^'^/0'Z
Palermo in ganz -ungeheurer Menge einmal gefunden habe-^^^^^^
ohne jedoch das Thier beobachten zu können. Das Gehäuse
54
ist wenig über ^"' hoch und über ~" breit, dunkelbraun, ver-
längert kegelförmig, mit stumpfem Wirbel. Die Windungen
4 oder 4^, sind ziemlich stark gewölbt, die letzte nicht bauchig;
die Mundöflfnung ist rundlich- eiförmig und nimmt | der ganzen
Länge des Gehäuses ein. Die äufsere Lippe ist ebenfalls ein-
fach, aber fast senkrecht, die innere wenig deutlich; eine Na-
belspalte ist ebenfalls nicht deutlich. Vielleicht ist dieses Thier
aber auch eine Rissoa.
Am Merkwürdigsten ist aber eine vollkommen mikrosko-
pische Art, Truncatella atomus, welche ich im Juli v.J. zu-
fällig in Sorrent fand, als ich nach Cytherinen und anderen
kleinen Crustaceen suchte. Das Gehäuse hatte keine Viertel-
linie im Durchmesser und war vollkommen scheibenförmig, wie
von PlanorhiSf es bestand nur aus 3 Windungen, die sehr
rasch zunahmen und auf dem Rücken abgerundet waren. Ober-
und Unterseite schienen gleich concav. Die Mundöffnung war
beinahe kreisrund. Das Thier, dessen Bildung ich bei einer
secbzigmaligen Vergröfserung sehr genau erkannte, stimmte
auf das AUervollkommenste mit dem der Truncatella trun-
catula überein.
Wenn es schon nicht häufig vorkommt, in demselben Genus
thurmförmige, beinahe walzenförmige und kugelige Gehäuse
anzutreffen, so erscheint es doch wahrlich wunderbar, wenn
sich dazu auch noch eine scheibenförmige Art gesellt, und ich
wollte Anfangs mit Gewalt die letzte Art zum jugendlichen
Zustand einer andern machen, überzeugte mich aber bald, dafs
es- unmöglich war. — Der Name Truncatella ist daher sehr
unpassend für das Genus, wovon die Rede ist, indessen möchte
eine Veränderung des Namens bei der Unzahl bereits beste-
hender unnützer Namen keinen wahren Vortheil bringen.
Auch existirt bereits für Truncatella der Name CJioristoma
von De Cristoforis und Jan in ihrem Catalog dem Cyclo-
Stoma truncatulum beigelegt.
Was die Stellung im System anbetrifft, so ist Deshayes
geneigt, es ganz in die Nähe von Rissoa zu stellen, allein
wegen der sehr kurzen Fühler und namentlich der Stellung der
Augen auf der oberen Seite, kann ich eine so nahe Verwandt-
schaft nicht finden. Fühler und Augen eriiwiern an Auricula.
Deshayes meint, durch den Fufs sqi Truncatella mit Pedipes
55
Adans. verwandt, allein ich glaube, dafs die Bildung des
Fufses von Lowe nicht ganz richtig beschrieben ist. Uebri-
gens weicht Pedipes sehr durch die Fühler ab, welche nicht
an den Seiten, sondern auf der Mitte des Kopfes stehen, wie
bei Pyramidella, neben welchem Genus meiner Meinung nach
Pedipes stehen mufs.
lieber Tornatella,
Meines Wissens ist das Thier von Tornatella bisher noch
nicht bekannt gemacht. Tornatella fasciata ist im Mittelmeer
häufig genug, und im Frühjahr 1831 iand ich einst am Strand
bei Syracus ein »noch frisches Thier vom Meere ausgeworfen,
welches mir deutlich den Deckel zeigte. Ich gab es meinem
Freunde, dem Dr. A. W. F. Schultz, der sich damals sehr
eifrig mit der Anatomie der Mollusken beschäftigte. Bei mei-
nem letzten, beinahe zweijährigen Aufenthalt in Neapel ist es
mir aber nicht möglich gewesen, das Thier zu bekommen;
wohl aber ist dies Herrn Delle Chiaje und Herrn Scacchi
gelungen. Da die Abbildungen beider übereinstimmen, so trage
ich kein Bedenken, sie hier bekannt zu machen, nebst einigen
mündlichen, mir von Herrn Scacchi mitgetheilten Nachrichten.
Ich darf erwarten, dafs diese Mittheilung um so willkommener
sein wird, als. das Thier im System eine ganz andere, sehr
unerwartete Stellung bekommen mufs, nämlich ganz in die
Nähe son Bulla, DerFufs ist etwas länger iind fast um den
dritten Theil breiter als die Schaale; vorn ist er abgestutzt
mit hakenförmig umgebogenen Winkeln, nach hinten wird er
nicht schmaler, sondern ist kurz abgerundet. Vorn legen sich
über den Rücken der Schaale zwei Lappen, welche bis zur
halben Länge derselben reichen, nach hinten und aufsen spitz
endigen, in der Mitte zusammenstofsen, und ihre vorderen
Winkel jederseits in eine Spitze vorgezogen haben. Von dem
Fufse sind sie durch eine Querfurche geschieden, in deren
Mitte der Mund als Längspalte erscheint. Augen hat Herr
Scacchi nicht bemerkt, in der Figur von Delle Chiaje*)
*) Herr Delle Chiaje hat mir am Tage vor* meiner Abreise
aus Neapel den 23. Febr. d. J. 38 Kupfertafeln geschenkt, mit Nr. LXX.
56
aber sehe ich t. 77. f. 13. auf jedem der oberen Lappen einen
schwarzen Punkt, der offenbar das Auge ist. Diese beiden
Lappen sind offenbar die Fühler, ebenso blattartig ausgebreitet
wnd über die Schaale zurückgeschlagen, wie bei Bullae auch
die Lage der Augen ist ganz dieselbe. Zur Vergleichung habe
ich Bulla striata Brg. mit dem Thier daneben gezeichnet.
Man sieht daraus die grofse Uebereinstimmung zwischen beiden :
die Farbe des Thieres ist weifs.
Onchidium nanum n. sp.
0, corpore minimo, ovali, convexo, verrucoso, verrucis
sex ad marginem utringue-, supra nigresceute, subtus ver-
rucisque alhido.
Im April 1839 fand ich in Palermo fünf Individuen auf
einer Masse von Verinetus glomeratus herumkriechen; von
denen das gröfste 3'" lang und 1|"' breit war. Der Mantel ist
oval elliptisch, hinten etwas nach oben umgebogen, so dafs
man sehr gut die grolse zur Athemhöhle führende Oeffnung
sehen kann, ziemlich gewölbt, grünlich schwarz mit einzelnen
helleren Warzen besetzt, von denen am Rande jederseits sechs
stehen. Der Kopf ragt etwas über den Mantel hinaus und
hat zwei beinahe beilförmige Lappen, zwischen denen die
Mundöffnung ist. Die Fühler sind knopfförmig, wie bei IZe-
lix, aber kurz, so dafs sie nicht über die Kopflappen hervor-
ragen; sie tragen die kleinen schwarzen Augen auf dem Kopf
wie IleliXy und sind dunkelgrau, der Fufs ist nur wenig
kürzer als der Mantel, aber kaum halb so breit. Kopf, Fufs
und Unterseite des Mantels sind blafsgelblich. — After und
Oeffnung der Geschlechtstheile konnte ich nicht erkennen.
Cuvier erwähnt beiläufig Regne animal ed. 2. vol. IlL
p. 46 Note, eines Onchidium celticum von den Küsten der
bis CIX. bezeichnet, welche zum fünften Bande seiner Memorie ge-
hören. Er hat sich mündlich mehrmals geäufsert, er werde den Text
dazu nicht drucken lassen, weil er keine hinreiclienden incorraggi-
menti dazu erhalte. Auch sind diese Tafeln nicht käuflich. Es kann
daher Herr Delle Chiaje keine Prioritäts-Ansprüche machen, wenn
ein Anderer Thiere beschreibt, die er bereits dort abgebildet hat.
Ich werde aber gewissenhaft seine Figuren citiren.
I
57
Bretagne. Vielleicht ist es gegenwärtige Art; da er aber nichts
als den blofsen Namen und den Fundort angiebt, so läfst sich
nichts Bestimmtes darüber sagen.
Euplocamus laciniosus n, sp.
E. puniceiis, velo capitis distincto; cirris in margine
pallii numerosis hrevihus, anticis duohus elongatis, filifor-
mibus; cirris dorsalihus accessorüs; hranchiis 15 pinnatis.
Im Februar v. J. bekam ich in Neapel ein Exemplar,
wel(;hes sehr munter war. Es war, ausgestreckt, 9'" lang,
2^'" breit, 2'" hoch. Die Gestalt ist im Allgemeinen parallelo-
pipedisch und vierkantig. Die untere Fläche ist die gröfste
und wird von der Sohle des Fufses gebildet, welche am Rande
namentlich nach hinten etwas gekerbt ist, und abgerundet,
mit einer schwachen Ausrandung endigt. Die obere Fläche,
welche dem Mantel entspricht, ist in allen Dimensionen kleiner,
und vorn, wie an den Seiten, mit einem hervorstehenden Rand
umgeben; die Seiten sind ausgezackt und in kurze, fleischige
Fäden verlängert. Auf. dieser Fläche stehen vorn die beiden
langen cylindrischen Fühler, deren Stiel von der dreimal
so langen, wie bei Doris gefalteten Keule nicht abgesetzt ist;
hinten aber der After, von 15 ziemlich kurzen Kiemen
umgeben, welche einfach gefiedert sind, mit dichten, unter
einem rechten Winkel abgehenden Blättchen. Die Cirren
des Mantels verdienen eine genauere Beschreibung. Die ersten
beiden, am Vorderende stehend, sind länger noch als die Fühler
und fadenförmig ; die drei oder vier folgenden sind walzenför-
mig, aber nur den dritten Theil oder höchstens halb so lang,
die übrigen aber erscheinen platt am Grunde und können so
stark verkürzt werden, dafs sie nur als kurze, stumpfe Lappen
erscheinen, während das Thier sie auch häufig doppelt so lang
macht, als ich sie gezeichnet habe, in welchem Fall sie ganz
fadenförmig erscheinen. Die beiden letzten Cirren sitzen zur
Seite der Kiemen. Aufserdem finden wii* noch auf der Mittel-
linie vier kurze Cirren und jederseits einen unmittelbar vor
den Kiemen. Weder Kiemen noch Fühler können in eine
Grube eingezogen werden, wie dies bei Doris der Fall ist,
sondern erleiden nur eine Verkürzung. — Vor den Fühlern
58
liegt vorn ein kurzer, breiter Lappen, ein velum capitis j und
zwischen diesem und dem vorderen Rande des Fufses liegt
der Mund, von einem kreisrunden Wulst umgeben. Die
Oeffnung der Geschlechtstheile ist auf der rechten
Seite, etwas hinter dem Fühler.
Die Farbe ist ein schönes Scharlachroth, unter der Lupe
mit feinen hellgelben Puucten bestreut; der Rand des Kopf-
lappens, so wie des vorderen Theiles des Fufses ist weifs,
der hintere jRand des Fufses aber gelb gerandet. Die Cirren
sind mehr orangenroth mit weifsen Spitzen, was besonders an
den vorderen auffällt; die Kiemen und die Mitte der Fühler
blafsroth, dunkel punctirt. Die vier von mir beobachteten
Arten von Euplocamus, E. croceus, frondosus^ einiger und
laeiniosus zeigen einen allmäligen üebergang in der Gestalt
von Tritonia zu Doris oder Polyeera. Bei E, croeeus sind
die Cirren am Mantelrande ästig und stärker entwickelt, als
die Cirren oder Kiemen um den After; bei E. frondosus sind
sie zwar ebenfalls ästig, aber schon etwas schwächer entwickelt
als die Afterkiemen; bei E, eirriger sind beide fadenförmig,
die Afterkiemen aber noch gewimpert; bei E. laeiniosus end-
lich treten die Seitencirren, einfache, stark verkürzbare Fäden,
gegen die gefiederten Afterkiemen ganz zurück. Bei den bei-
den letzteren Arten endlich treten accessorische Rückencirren
auf, während bei Polyeera Cuv. diese Rücken- und Seiten-
cirren in blofse Höcker zusammengeschrumpft sind.
Ich habe auch Doris clavigera O. Fr. Müll, zu meinem
Genus Euploeamus gerechnet, weil auf dem Rücken vier
Kiemen an der Stelle stehen, wo man den After vermuthet.
Auch sagt O. Fr. Müller von ihnen: „a/i loeum ani deco-
rantes? quod analogia quidem fuhet; foraminulum vero
ne micropio quidem detegere potui." Da er aber überhaupt
keinen Anus gefunden hat, so war er allerdings der Analogie
nach auf dem Rücken bei den Kiemen zu suchen, und dann
war meine Vermuthung offenbar richtig.
Aus dem Jahresb'fericht von Troschel, s. d. Archiv. 1839.
p. 231, ersehe ich aber, dafs Johnston in J ardine Annais
of nat. hist. L aus Doris clavigera ein eigenes Genus Na-
mens Triopa gemacht hat. Wo der After sei, ist nicht ange-
geben von Troschel, vielleicht auch von Johnston nicht,
59
was ich nicht verificiren kann, es wäre aber wohl interessant,
nachzusehen, worum ich hiermit Herrn Troschel bitten will.
Sollte Johnston die Lage des Afters nicht angegeben haben,
so bleibt mir am Wahrscheinlichsten, dafs Triopa mit Euplo-
camus zusammenfällt.
Erklärung der Abbildungen, Taf. V.
Fig. 1. Fossarus Adansoniy 2^mal vergröfsert; y, der
Deckel ebenfalls vergröfsert.
Fig. 2. Eulima distorta Desh., 6mal vergröfsert.
Fig. 3. Eulima polita üesh, QRissoa ßoscii Payr,), nach
einer Zeichnung von Scacchi.
Fig. 4. Truncatella atomus n. sp., a. die Schaale von
oben, h, von der Seite, c. mit dem Thier, ß. der Deckel; bei
sechzigmaliger Vergröfserung gesehen. Fig. d. die natürliche
Gröfse.
Fig. 5. Truncatella f US ca n. ,yp.,/. vergröfsert, e. na-
türliche Gröfse.
Fig. 6. Truncatella truncatula Desh, mit dem Thiere^
vergröfsert.
Fig. 7. Truncatella littorina (^Helix) delle CJiiaje;
X. natürliche Gröfse derselben.
Fig. 8. Onchidium nanum n« sp., a, natürliche Gröfse.
Fig. 9. Euplocamus laciniosus n. sp., a. in natürlicher
Gröfse auf dem Rücken liegend; A, vergröfsert auf dem Bauche
kriechend.
Fig. 10. Tornatella fasciata Lamk. nach D e 1 1 e C h i a j e.
Fig. 11. Bulla striata Brg.
60
Zur sjsiemaiisclieii Kenntnirs der IiisccteiilarveiL
Vom
Herausgeber.
Erster Beitrag.
Die Larven der Coleopteren.
Die Beobachtung der Verwandlung beschäftigte die ältesten
Entomologen vorzugsweise, und die meisten Data, worauf sich
unsere heutige Kenntnifs derselben stützt, rühren aus jener äl-
teren Zeit her. Man hat mit Recht die Gesetzmäfsigkeit in der
Metamorphose der Insecten von jeher bewundert, mit Unrecht
aber, auch häufig diese auffallenden Erscheinungen als beson-
deres Eigenthum der Insecten angesehen. Ist doch die Meta-
morphose der Batrachier, welche man längst kennt, kaum
geringer, als die der Insecten! Und jetzt, wo sich ein spe-
cielles Interesse der Zoologen darauf richtet, ähnliche Erschei-
nungen, welche oft viel wunderbarer und zusammengesetzter
sind, als die Insecten sie darbieten, bei den sogenannten nie-
deren Thieren zu verfolgen, scheint es wohl der Mühe werth,
auch den Metamorphosen der Insecten ein vorzüglicheres Au-
genmerk zu gewähren und sie von einem neuen wissenschaft-
lichen Gesichtspunkte aus zu betrachten.
Ich habe lange das Bedürfnifs gefühlt, dafs es an einer
Zusammenstellung alles dessen fehle, was an Beobachtungen
der früheren Stände der Insecten bereits vorliegt. Nur aus ei-
ner solchen Zusammenstellung würde man übersehen können,
was bisher geleistet worden, was noch zu ergänzen ist, und
wo unser Wissen noch ganz fehlt. Diesem offenbaren Bedürf-
nifs ist indefs zur Zeit durch meinen trefflichen Freund J. O.
West wo od abgeholfen worden, welcher sich in seiner lehr-
reichen Introduction to the modern Classification of Insects
zur vorzüglichen Aufgabe gemacht hat, alle vorhandenen
Materialien zu benutzen^ um eine umfassende Uebersicht über
den Stand der gegenwärtigen Kenntnits der früheren Zustände
der Insecten zu geben. Es findet sich, dafs im Allgemeinen
61
man sich begnügt hat, die änCseren Formen der Larven zu
beschreiben und abzubilden, und dafs selbst da, wo man weiter
eingegangen ist, und einzelne wichtige Theile, namentlich die
Mundtheile, einer genaueren Untersuchung unterworfen hat,
wie dies z.B. von Bouche (Naturgeschichte der Insecten)
und Waterhouse (in den Transacf. qfthe Entom. Soc.) ge-
schehen ist, noch manches Wesentliche nachzuholen bleibt; so
dafs unter den bisherigen Auetoren, welche Insectenverwand-
lungen dargestellt haben, Prof. Ratzeburg in seinem grofsen
Werke über die Forstinsecten fast der Einzige ist, dessen Beob-
achtungen auch einer späteren Zeit genügen werden. Diese
gehen indefs glicht über die für die Forstverwaltung wichtigen
Insecten hinaus. Dr. De Haan hat zur Zeit nur seine werth-
vollen Untersuchungen über die Lamellicornenlarven publicirt.
West wo od hat sich, obgleich er vieles Eigene hinzuthat, mit
einer oberflächlichen Darstellung begnügt, so dafs eine umfas-
sende und genaue Betrachtung der Käferlarven noch fehlt.
Wenn ich eine solche mit dem geringen Material, welches ich
vor mir habe, zu unternehmen wage, mufs man dies mit meinen
Verhältnissen entschuldigt. Meine Obliegenheiten geben mir
zur Zeit die Freiheit nicht, auf dem Felde und im Walde zu
beobachten ; aufser Wenigem also, was ich von früher her fast
zufällig aufbewahrte, habe ich kaum etwas vor mir, als was
mir von einigen Freunden zugebracht ist; indefs hat Professor
Ratzeburg mich kräftig unterstützt, indem er nicht nur un-
sere, im Entstehen begriffene Sammlung von Insectenlarven
vielfach bereicherte, sondern auch Alles, was ich wünschte,
mir aus der an Metamorphosen besonders reichen Sammlung
des Neustadt- Eberswalder Forstinstituts zur Benutzung mit-
theilte. Es kann auch durchaus nicht die Rede davon sein,
hier etwas Erschöpfendes zu liefern, und ich habe bei der
Bekanntmachung dessen, was ich bisher bei der Untersuchung
der Larven gefunden habe, hauptsächlich nur den Zweck, An-
dere, welche in einer günstigeren Lage sind, für solche Beob-
achtungen zu interessiren, und durch diesen Versuch einer
systematischen Betrachtung auf die wesentlicheren Unterschiede
der verschiedenen Larven von einander aufmerksam zu machen.
Wenn es vor der Hand genügen mufs, die Larven der versbhie-
denen natürlichen Familien mit Sicherheit unterscheiden zu
62
können, mögen spätere Beobachtnngen es herausstellen, wel-
che generelle, und zuletzt auch welche specielle Unterschiede
an den Larven sich finden. Wie nämlich in der Schmetter-
lingskunde die Kenntnifs der früheren Stände mit den Fort-
schritten der Wissenschaft immer Schritt gehalten hat, so ist
zu erwarten, dafs bei anderen Ordnungen, wo die Beobachtun-
gen ungleich schwieriger sind, sich mit der Zeit das Mifsver-
hältnifs im Umfange der Kenntnifs der letzten und der früheren
Stände ausgleichen werde.
Es ist auch zu hoffen, dafs die Systematik der Insecten
durch eine genauere Kenntnifs der früheren Stände unendlich
gewinnen werde, man darf diese Hoffnungen aber nicht so hoch
stellen, dafs darin alles und das alleinige Heil der Systematik
beruhe, namentlich darf man nicht darauf rechnen, dafs eine
Eintheilung nach den Larven mit einer solchen nach den voll-
kommenen Insecten überall genau zusammenfallen werde. Man
sollte z. B. glauben, dafs die Bupresten und Elateren sehr
übereinstimmende Larven hätten: das ist bekanntlich nicht der
Fall. Man sollte ferner denken, dafs sich Melasis in der
Bildung der Larve näher an Elater als an Buprestis anschlie-
fsen werde: in That aber entfernt die Larve von Melasis sich
noch mehr von der der Elateren als die der Bupresten. Auf
der anderen Seite ist die Uebereinstimmung in den Larven der
Cerambycinen, namentlich der Lamien mit denen der Bupresten
ungemein grofs, wo doch die Uebereinstimmung der vollkom-
menen Insecten so gering als möglich ist. Dagegen scheint
es, als ob die Larven aller Mitglieder einer natürlichen Familie
auf eine oft überraschende Weise unter einander übereinstimmten.
Die Bildung der Larven einer systematischen Eintheilung
der Käfer überhaupt zum Grunde zu legen, ist nicht unver-
sucht geblieben, indefs ist der Erfolg nicht eben von der Art
gewesen, dieser Methode Eingang zu verschaffen, zumal sie
nicht aus einer umfassenden und tieferen Kenntnifs der Ent-
wickelungszustände hervorging.
Der eine Versuch ist von Prof. Burmeister in dessen Hand-
buch der Naturgeschichte, und theilt die Larven derColeopteren in
drei Hauptabtheilungen, nämlich ^podae, Micropodiae,
Macropodiae, Die Apodae begreifen hier nur die Rüssel-
und Borkenkäfer, die Micropodiae sämtliche Cerambycinen,
I
63
obgleich eine Hälfte derselben durchaus gar keine Beine hat,
und einen grofsen Theil der Latreille'schen Xylophagen, und
zwar von solchen, welche alle, so viel man sie kennt (und
die Larve der Trogosita caraboides kennt man schon- seit
langer Zeit), Macropodiae sind. Streng genommen würden
in der ersten Abtheilung aufser den Curculionen und Bostri-
chen noch die Bupresten, Melasis und die Lamien (mit Ein-
schlufs der Saperden), — in der zweiten die übrigen Ceram-
by einen und die Histeren, in der dritten alle übrigen Käfer
stehen. Mehr glaube ich gegen diese Eintheilung nicht zu
erinnern nÖthig zu haben, und sie würde hier auch schwerlich
erwähnt worden sein, wenn sich nicht schon Andere auf sie
gestützt hätten.
Eine andere, ältere, nicht ganz so inconsequente, aber
doch an Willkürlichkeiten nicht freie Eintheilung der Käfer-
larven ist die von Mac Leay, welche er in den Horae En~
tomologicae II. S. 422 zuerst vorgeschlagen, dann in den
Annulosa Javanica zum Theil weiter ausgeführt hat. Sie
gründet sich hauptsächlich auf den Vergleich mit den soge-
nannten Ins. ametaboliSy -daher die Namen der Abtheilungen:
Chilopodiformes, wo die Larven den jungen Chilopoden,
Chilo gnathiformes , wo sie in ihrer eingerollten Gestalt
den Chilognathen, ^nop/MTi/orm^*, wo sie Läusen {Ano-
plura Leach^, Thysanuriformes, wo sie Thysanuren,
endlich Vermiformes, wo sie ihrer Fufslosigkeit halber
mit Helminthen verglichen werden. Kirby und Spence
haben in ihrer Introduction to Entomology, gleichen Princi-
pien folgend, die Betrachtung (über alle Insectenordnungen
ausgedehnt und die Zahl der Abtheilungen bedeutend vermehrt,
ohne damit unnatürliche Zusammenstellungen zu vermeiden.
Der Vergleich mit verschiedenen Classen ungeflügelter wirbel-
loser Thiere, welcher von Mac Leay nicht ohne Geist ange-
stellt war, erscheint hier als leere Spielerei. — Der hauptsäch-
liche Fehler bei beiden, sowohl beiMac Leay, als bei Kirby
und Spence, liegt darin, dafs einzelne Formen als Typen
aufgestellt wurden, denen die übrigen angepafst werden mufs-
ten. Dadurch wird die ganze Eintheilung, wenn sie durchge-
führt werden soll, gezwungen. Es liegt auch nur eine ober-
flächlichere Betrachtung der Körperform zum Grunde.
64
Dafs die Verschiedenheiten der Larve auch nicht, wie es
von Mac Leay geschehen ist, zur Aufstellung gröfserer Grup-
pen, wenigstens bei den Käfern (bei den Hymenopteren und
Dipteren verhält es sich anders) geeignet sei, habe ich schon
oben bemerkt, und das nicht allein deshalb, weil die Verwandt-
schaften der Larven unter einander nicht in allen Fällen mit
den Verwandtschaften der vollkommenen Insecten auf gleicher
Stufe stehen, sondern auch deshalb, weil man von einer An-
zahl von verschiedenen Formen die Larven noch gar nicht
kennt, und diese also nach Gutdünken untergebracht werden
müfsten. Es würde vom Zufall abhängen, ob nicht eine ein-
zige Larve das schönste Gebäude des Systeraatikers über den
Haufen werfen würde.
Ist es auch nicht möglich, die Bildung der Larven der
systematischen Eintheilung zum Grunde zu legen, ist es
doch immer höchst wichtig, ja wesentlich nothwendig, dieselbe
zu berücksichtigen und die Kenntnifs der früheren Stände
bleibt, abgesehen davon, dafs sie ein integrirender Theil der
Naturgeschichte überhaupt ist, auch für die Systematik von
ungemeinem Vortheil, wäre es auch nur als ein Prüfstein einer
nach anderen Principien gewonnenen Eintheilung.
Es scheint nämlich, dafs jede natürliche Familie auch ihre,
besondere Form von Larven hat. Ich will versuchen, diese
im Folgenden, so weit sie mir bekannt geworden, und so weit
sie sich nach der Form der Larve feststellen läfst, für jede
einzelne Familie zu schildern, und überlasse es, da sie sich
zur Zeit grofsentheils nur auf Untersuchung einzelner oder
weniger Larvenarten aus jeder Familie gründen, künftigen aus-
gedehnteren Beobachtungen, diese Schilderungen zu vervoll-
ständigen und zu modificiren. Da ich den Anfang einer syste-
matischen Betrachtung der Larven mache, darf man nicht
erwarten, dafs ich etwas auch nur einigermaafsen Vollendetes
zu Tage bringe, zumal auf diesem Felde, wo noch eine grofse
Reihe von Generationen vollauf zu thun findet.
Zunächst noch eine Betrachtung der Käferlarven nach
ihren einzelnen Theilen im Allgemeinen.
Der Kopf ist gewöhnlich hornig, meist vorgestreckt, mehr
oder weniger flachgedrückt, zuweilen untergebogen; in an-
deren Fällen ist er mehr kuglich, wie ein Raupenkopf, mit
65
der gewölbten Fläche nach vorn gerichtet, den Mund unten
in der Nähe der Brust habend. Die Larven mit horizontal ge-
richtetem und flachem Kopfe haben den Mund an seinem Vor-
derende. Die mit Raupenköpfen (z. B. die der Lamellicornen,
Ptinen, Curculionen u. s. w.) sind vorzugsweise Pflanzenfres-
ser, nie vom Raube lebend.
Die Augen sind, wenn sie nicht ganz fehlen, einfach und
von verschiedener Zahl, nämlich von 1 bis 6 auf jeder Seite.
Sie stehen immer an den Seiten des Kopfes, gewöhnlich hinter
den Fühlern. Stirn-Ocellen kommen nicht vor.
Die Fühler fehlen sehr selten. Sie sind höchstens vier-
gliedrig (zuweilen vermehrt sich die Zahl durch eingeschobene
Zwischengelenke) und stehen gewöhnlich an den Seiten des
Kopfes unmittelbar über der Einlenkung der Mandibeln, selten
sind sie mehr nach der Stirnfläche hingerückt. Ihrer Foriri
nach sind sie bald fadenförmig, bald kegelförmig; im letzteren
Falle können die Glieder nur vorgestreckt und zurückgezogen
werden, im ersteren bewegen sie sich seitwärts nach allen
Richtungen, zuweilen mit Ausnahme des letzten Gliedes, wenn
dieses sehr klein, und wie eiije Warze oder Borste aus der
Spitze des vorletzten hervorsieht. Sehr bemerk^nswerth istj
dafs zuweilen das zweite oder dritte Glied einen kleinen ein-
gelenkten Fortsatz hat.'
Die Betrachtung des Mundes ist von der allerhöchsten
Wichtigkeit, weil die Beschaffenheit desselben nach der Nah^
rung der Larve eingerichtet ist. Bei vielen Larven findet ein
förmliches Kauen der Nahrung statt. Hier stehen die Mund-
theile alle in der Oeffnung des Mundes. Bei anderen Larven
kann die Nahrung nur durch Saugen aufgenommen werden:
in diesem Falle ist die Mundöffnnng klein, äufserlich nicht
einmal zu sehen, und die Mundtheile stehen, zum Theil selbst
in einiger Entfernung von derselben, frei am Kopfe. Bei Dy-
tiscus weifs man schon längst, dafs die Larven ihre Beute
mittelst der Mandibeln aussaugen, bei Aqu Staphylinen\i3\iQ
ich bereits auf eine ähnliche Einrichtung des Mundes aufmerk-
sam gemacht. Es ist diese Form des Mundes noch viel wei-
ter verbreitet, denn sie findet sich noch bei den Cicindelen, Ca-
raben, Hydrophilen, Histeren, Lampyren und Lycus, Es
leben diese Larven (ob die von Hister weifs ich nicht) vor-
Archiy f. Naturg«sch, VII, Jahrg. 1. Band. 5
66
zugsweise vom Raube; sie ist aber nicht ^en Raublarven ei-
genthümlich, denn Clerus, dessen Larve entschieden lebende
Insecten frifst, hat sie nicht.
Ein Kopf Schild findet sich häufig von der Stirn abge-
setzt, häufig aber auch nicht
Die Lefze ist entweder vorhanden, und in diesem Falle
bald vom Kopfschilde oder der Stirn abgesetzt, und beweglich,
bald mit der Stirn verwachsen, oder sie fehlt ganz, und in
diesem Falle bildet der Vorderrand der Stirn auch den vor-
deren Mundrand. Diefs findet namentlich bei allen denen
(S. o.) statt, wo die Mundöfi'nung so klein ist, dass die Nah-
rung nur durch Saugen aufgenommen werden kann : aber nicht
bei diesen allein.
Die Mandibeln sind immer hornig, nach der Verschie-
denheit der Nahrung verschieden gestaltet. Bei den vom Raube
Lebenden sind sie scharf, spitz, häufig ungezähnt, mehr oder
weniger lang und vorragend. Bei denen, welche ihre Nahrung
kauen, namentlich den Pflanzenfressern, sind sie kurz und derb,
mit den Schneiden oder Kauflächen aneinander passend.
Die Maxillen bestehen aus mehreren Theilen, und zwar
denselben, als beim vollkommenen Insect. Die Angel (cardö),
das Grundgelenk auf dem die Maxille sich bewegt, ist zuwei-
len überwiegend entwickelt, so dafs es (z. B. bei Hydrophilus)
den Haupttheil der ganzen Maxille ausmacht, und der Stamm
der Maxille nur als ein erstes Tasterglied erscheint. Die
Lade ist fast immer vorhanden, in der Regel aber nur eine.
Diese ist entweder mit der Maxille verwachsen, so dass sie
als eine unmittelbare Fortsetzung derselben erscheint, zuwei-
len, wie bei den Larven der Maikäfer und Atopa^ zum Kauen
und Zerkleinern der Speise hornig und gezähnt; oder sie ist
eingelenkt wie ein Taster, meist eingliedrig, zuweilen (u. a. bei
Carahen und Elateren) zweigliedig. Bei den Caraben ist die
zweite Lade durch einen kleinen Fortsatz des Maxillarkörpers
angedeutet. — Der Taster ist bald faden- bald kegelförmig,
wie der Fühler, m die Regel dreigliedrig. Bei Melasis fehlt
die ganze Maxille.
Die Unterlippe besteht, wie beim vollkommenen Insect,
aus dem Kinn (mentum), den Tastern mit ihren Stämmen und
der Zunge. Das Kinn ist häufig mit dem Kopfe mehr oder
er
weniger verwachsen, häufig fleischig, nie so weit entwickelt,
(lafs es die Taster oder auch ihre Stämme bedeckte. Diese
liegen also immer frei da, und sind in der Regel ganz oder
zum Theil mit einander verwachsen. Die Taster sind fast
immer zweigliedrig. Die Zunge fehlt nicht selten oder ist
rudimentär. Bei Buprestis und Melasis sind Kinn und Zunge,
vorhanden, die letzte sogar sehr entwickelt, bei den ersten sind
aber von den Tastern mit ihren Stämmen nur sehr geringe,
ungegliederte Rudimente vorhanden, bei den letzten fehlen
sie ganz.
Beine fehlen bei den Buprestetiy Melasis, den Curculio-
nen, Bostrischen und Lamien ganz, bei den übrigen finden
sich drei Paare, und zwar an den drei ersten Segmenten nach
dem Kopfe, an jedem ein Paar. Sie sind selten an den Seiten
selbst, gewöhnlich auf der Unterseite, hier aber immer seitlich
eingelenkt. Sie bestehen aus fünf Gelenken. Das erste ent-
spricht der Hüfte, ist zuweilen kurz, häufiger aber ziemlich
lang, und liegt gewohnlich dem Leibe in der Richtung nach
innen und hinten an, selten gerade nach innen. Es pflegt mit
dem der andern Seite so zusamhaenzutrefi'en, dafs ihre Spitzen-
im Winkel sich fast berühren. Das zweite Gelenk entspricht'
dem Trochanter. Es ist gewöhnlich kürzer als das folgende,
und wie beim vollkommenen Insect unbeweglich mit ihm ver-
bunden. Die beiden folgenden entsprechen dem Schenker und
der Schiene, sie bilden den Haupttheil des Beins. Das letzte,
dem Fufs entsprechende, besteht aus einem einzigen Gliede,
welches bei den jungen Larven von Meloe und Lytta drei,
bei den Larven der Cardben, Dytiscen und Gyrinen zwei,
bei allen übrigen nur eine Klaue hat, ja in den meisten Fällen
nur aus der Klaue besteht. Die drei Paare pflegen an Gröfse
und Gestalt einander gleich zu sein.
Der Körper besteht aufser dem Kopfe gewöhnlich aus
zwölf Segmenten, von denen die drei ersten dem Thorax, die
neun übrigen dem Hinterleibe des vollkommenen Insects ent-
sprechen. Die Hinterleibssegmente haben keine Aftörfiifse,
wodurch sich die Käferlarven von den Raupen der Schmetter-
linge und den meisten Afterraupen der Blattwespen leicht un-
terscheiden. Dagegen haben die meisten einen Nachschieber,
der in dem röhrenförmig vortretenden After besteht. Bei den
5*
68
Tenehrionen -hdxwQW treten statt des einzigen zwei fleischige
Nachschieber neben dem After hervor. Bei solchen Larven,
welche keinen Nachschieber habenj namentlich bei den Lamel-
licornen-Lsiryen und den meisten der Bupresten, tritt der After
in Gestalt eines eigenen dreizehnten Segments vor. Bei den Lar-
ven der Wasserkäfer (Dj^wcen und Hydrophilen) sind nur 11
Segmente, nämlich statt 9 nur 8 Hinterleibssegmente vorhanden,
vermuthlich aus einem gleich zu erörternden' Grunde. Das
erste Segment zeichnet sich häufig durch seine Consistenz,
Gröfse und Form aus; eben so das letzte, welches häufig derb
hornig ist, wenn die übrigen fleischig sind, ferner häufig ge-
hörnt, zuweilen (namentlich bei den Staphylinen, Histeren,
Silphen) mit zwei gegliederten Anhängen versehen ist, deren
Nutzen und Bestimmung uns vor der Hand noch nicht klar ist.
Stigmen finden sich gewöhnlich 9 Paare, das vorderste
entweder auf dem Prothorax-, oder in der Falte zwischen
Pro- und Mesothorax-, gewöhnlicher am vordem Theile des
Mesothoraxsegment. Die übrigen 8 an dön Seiten der 8 ersten
Hinterleibssegmente. Bei «den Dytiscen und Hydrophilen sind
nur 8 Paare in der gewöhnlichen Gestalt zu bemerken, dasv
neunte liegt am Ende des Körpers und ist äufserlich nicht;
sichtbar, indefs d»ch die Hauptmündung des Tracheenstammes;,
bildend. Diese Larven athmen, indem sie die Spitze des Hin-
terleibes an die Oberfläche des Wassers bringen. Wahrschein-
lich isjt das neunte Hinterleibssegment, welches keine Stigmen
fuhrt, deshalb bei diesen Larven nicht entwickelt, damit das
letzte Stigmenpaar an die Spitze des Körpers rücken könne.
Hinsichts der systematischen Reihe folge ich möglichst dem
System von Latreille, als dem allgemein bekannten und zur
Zeit noch fast ebenso allgemein gebräuchlichen. Es sind hier
gewöhnlich auch die natürlichen Familien ihrer Begränzung
nach mit grofser Einsicht gegründet.
Eine der natürlichsten und am Meisten in sich abgeschlos-
senen Abtheilungen ist die der Carnivoren, die aufser den
bei ihnen vorkommenden sechs Tastern, durch welche La^
treille sie characterisirt, sich im Käferzustande noch durch
manche andere Eigenthümlichkeiten auszeichnet, namentlich
69
dadurch, dafs bei ihnen am Prothorax die Epimera und Epi-
sterna sich finden, welche nicht nur allen anderen Coleopteren,
sondern sogar allen anderen Insecten mangeln. Auch als Lar-
ven haben sie ein Kennzeichen, welches sie von allen anderen
sehr leicht und sicher unterscheidet, nämlich die Füfse endigen
mit zwei Klauen, während die übrigen (die jungen Meloe-
larven machen eine scheinbare Ausnahme) nur eine einzige
Klaue haben, ja das ganze Tarsengelenk nur in dieser einen
Klaue zu bestehen scheint.
Es sind bisher 4 Typen von Larven in dieser Abtheilung
beobachtet worden, welche den Familien Cicindelen, Cardben,
Dytiscen und Gyrinen entsprechen.
Diese 4 Typen sind;
Cicindelen.
( Cicindela campestris. )
Kopf horizontal vorgestreckt oder rückwärts übergebogeu,
hornig, auf der Oberseite flaöh ausgehöhlt, auf der Unterseite
stark gewölbt.
Oc eilen 4 auf jeder Seite, 2 grofse runde nach oben, und
2 kleine, ebenfalls runde, nach unten und vorn. '
Fühler viergliedrig, fadenförmig.
Stirn nach vorn zwischen den Mandibeln vortretend, den
Mund von oben schliefsend, ohne abgesondertes Kopfschild.
Lefze nicht vorhanden.
Mandibeln frei vorragend, aufgekrümmt, sichelförmig ge-
bogen, spitz, am Grunde mit einem starken, scharfen Zahn.
Maxillen frei, mit sehr verlängerter, schräg nach aufsen
gerichteter Angel, ziemlich cylindrischem Stamme, dem aufsen
in der Mitte der Länge auf einem Absätze die viergliedrigen
Taster, an der Spitze das ungegliederte, am Ende mit einem
hakenförmigen Dorn bewaffnete Rudiment der Lade eingelenkt
ist. Von der zweiten Lade ist keine Spur vorhanden.
Unterlippe mit kleinem,^ mit dem Kopfe verwachsenem
Kinn, fast viereckiger, fleischiger, am Rande mit laugen Haaren
besetzter Zunge, fleischigen, von einander getrennten Taster-
stämmen und zweigliedrigen Tastern.
Beine mäfsig lang, an den Seiten des Körpers eingelenkt,
mit langen, cylindrischen, frei abstehenden Hüft-, kürzeren
70
Trochanter-, etwas längeren Schenkel-, kurzen, borstigen
Schien- und äufserst kurzen Fufsgelenken, diese mit 2 un-
gleichen Klauen versehen.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), das erste
(Prothorax) von den übrigen abgesetzt, von der Breite des
Kopfes, dem es sich enger anschliefst, oben hornig, die übrigen
fleischig, die des Meso- und Metathorax oben mit hornigem
Schilde, die übrigen mit kleinen Hornflecken, nur der letzte
wieder mit einem einzigen Hornflecke bedeckt; das siebente
auf dem Rücken aufgetrieben, mit einem Paar nach vorn ge-
richteter, horniger Häkchen. Der After röhrenförmig vortre-
tend, vermuthlich als Nachschieber dienend.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 auf den 8 ersten Hinterleibs-
segmenten, an den Seiten, etwas mehr nach oben als nach
unten, das neunte auf der Unterseite des Prothoraxsegments,
unmittelbar hinter einem fleischigen Vorsprunge, auf dem die
Hüften stehen, gelegen.
Bem. 1. Diese Larve weicht von den Larven der eigent-
lichen Caraben sehr wesentlich ab in der Zahl der Ocellen,
dem über die Einlenkung des Tasters hinaus verlängerten
Stamme der Maxillen, der ungegliederten Lade derselben, der
ausgebildeteren Zunge, und vorzüglich auch den frei vom
Körper abstehenden Hüften. Von einander getrennte Stämme
der Lippentaster sind den Cicindelen im Larvenzustande ebenso
als im Käferzustande eigenthümlich.
Bern. 2. Die Ocellen werden bei den Meisten unrichtig an-
gegeben. Latreille (Regn. An. Ed. IL IV. S. 356) z.B. giebt
auf jeder Seite zwei an, Westwood (Introduct. I. S. 50)
drei, nur Ratzeburg (Forstins. I. S. 25) giebt richtig vier
an und macht auf ihre verschiedene Gröfse aufmerksam.
Bem. 3. Die Mundtheile sind von Westwood (Introd.
S. 48 I. f. 6.) nicht ganz genau abgebildet, namentlich ist die
Zunge übersehen worden. Ratzeburg beschreibt die Maxillen ^
etwas anders als ich, hauptsächlich aus der Ursache, weil er
das verlängerte Angelgelenk als den Stamm der Maxille ge-
nommen hat, daher er den wirklichen Stamm nur als die
gemeinschaftliche Basis der Taster (äufserer und innerer) be-
trachten konnte. — Die Mundtheile sind übrigens nicht zum ,
71
Kauen eingerichtet, die Mundöffnung selbst ist auch so klein,
dafs man sie äufserlich nicht sieht, die Ernährung geschieht
daher wohl nicht anders, als durch Aussaugen des Raubes.
Bern. 4. Die Larven von Cicindela leben bekanntlich in
der Erde in Röhren, wo sie am Eingange vorübergehenden
Insecten auflauern. Die Häkchen auf dem siebenten Segment
dienen nach Westwood dazu, um den Körper in dem Gange
zu fixiren. Die Phryganenlarven mit röhrenförmigen Gehäusen
haben eine ähnliche Vorrichtung auf dem ersten Hinterleibs-
segmente.
Caraben.
Kopf horizontal vorgestreckt, hornig, auf der Oberseite
flach, auf der Unterseite flach gewölbt.
Ocellen 6 auf jeder Seite, dicht hinter der Einlenkung
des Fühlers, in zwei Reihen auf einer kleinen schwachgewölb-
ten Beule gestellt, von gleicher Gröfse, aber nicht von gleicher
Form, indem die einen rund, die anderen elliptisch sind.
Fühler viergliedrig, fadenförmig.
Stirn zwischen den Mandibeln vortretend und den Mund
von oben schliefsend, ohne abgesetztes Kopfschild.
Mandibeln vorragend, sichelförmig gebogen, spitz, am
Grunde mit einem starken, spitzen Zahn.
Maxillen frei, mit sehr kurzem Angelgelenk, grofsem
Stamme, mit langem, viergliedrigem Taster, eingelenkter, zwei-
gliedriger, tasterförmiger, äufserer und durch einen kleinen
zahnförmigen Vorsprung angedeuteter innerer Lade.
Unterlippe mit kleinem, mit dem Kopfe verwachsenem
Kinn, frei daliegenden, unter einander verwachsenen Taster-
stämmen, zweigliedrigen Tastern und durch einen kleinen,
hornigen Vorsprung angedeuteter Zunge.
Beine mäfsig kurz, mit langen, dem Körper anliegenden,
schräg nach innen und hinten gerichteten Hüft-, gleichlangen
Trachanter- und Schenkel-, kürzeren Schien- und Fufsgelen-
ken, die letzten jedes mit zwei gleichen Klauen.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), alle oben
mit hornigen Schilden bedeckt, die Hinterleibssegmente auf
der Bauchseite mit einer kleineren und dünneren, mitunter
mehrfach zertheilten Hornschiene, an jeder Seite durch zwei
72
hornige Längswülste geschützt; die letzte Rückenschiene mit
2 Hörnern von verschiedener Gestalt und Länge. Der After
tritt röhrenförmig vor und dient als Nachschieber.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 auf den 8 ersten Hinterleibs-
segmenten, zwischen dem Rande der Rückenschiene und^der
nächsten Hornschwiele, das neunte auf der Unterseite des Meso-
thorax-Ringes im Vorderwinkel gelegen.
Bem. 1. Die Carabenlarven haben alle eine grofse Ueber-
einstimmung unter einander,_und namentlich in den angeführten
Characteren kommen sie alle überein. Sie unterscheiden sich
von allen auf dem Lande lebenden Käferlarven durch die
zwei Klauen an den Füfsen. Am Bekanntesten ist durch
Rcaumur's Schilderung die Larve des Calosoma Syco-
phantaf von welcher Prof. Burmeister auch eine schöne
anatomische Darstellung in den Tr ansäet Eni. Soc. gegeben hat.
Die Larve des Calosoma inqiiisiior ist sehr wenig verschieden,
nur merklich kleiner. Sehr ähnlich derselben sind die Larven
der eigentlichen Carahi, von denen Prof. Ratzeburg die des
C. aurönitens (Forstins. L T. 1. f. 8. c), Prof. Heer die-
selbe und die des C. depressus und C. hortensis {Oh-
servat. Ent. T. 1. 2.) abbildet. Die Larve des Proörustes
coriaceus ist von Brülle in der Histoire nat. des Ins.
V. S. 95 beschrieben, und T. 4. f. 6. abgebildet. Sie unter-
scheidet sieh von den genannten dadurch, dafs sie auf der
Stirn neben jedem Augenhügel einen stark vorragenden Höcker
hat, während die Larven der eigentlichen Carabi (wenigstens
von C. aurönitens und depressus^ nach Heer's Abbildung
einen einzelnen Höcker auf dem vordersten Theile der Stirn
haben. Einen gleichen Höcker hat auch die Larve von Cy-
chrus rostratus .{Heer Obs. Ent. t. IL B.), welche von
denen der eigentlichen Carahi darin abweicht, dafs das letzte
Hinterleibssegment nicht eigentlich gehörnt, sondern stark -
4zähnig ist. Alle diese Larven haben ziemlich kleine Köpfe, |
wenigstens sind sie schmäler als der Körper, und ihre Farbe
ist bei Calosoma f Procrustes und Carahus schwarz, bei
Cychrus braun.
Die Larven der kleineren Caraben scheinen eine andere
Form 2^u haben, indem bei ihnen der Kopf gröfser, wenigstens
73
von der Breite des Körpers ist. Sie sind auch von hellerer
Farbe. Die Larve des Z ah rus gihhus hat Germar im ersten
Bande seines Magazins abgebildet; auch Zimmermann hat
sie in seiner Monographie der Carabiden genau beschrieben.
Dieser sehr genaue Beobachter bemerkt, dafs die Larven der
Harpalen, Omaren, Vterostichen{Foecilus) und Po-
gonus so übereinstimmend gebildet wären, dafs es schwer
hielte, positive Unterschiede an ihnen aufzufinden. Die Har-
palenlarven weichen nach ihm von den anderen durch unge-
rändeltes erstes Körpersegment und fehlende Schwielen der
Unterseite ab.
Noch mehr weicht in der Form die Larve des Omophron
limhatum ab. Sie ist nach Dösmarest (Sturni Deutsöhl.
Ins. VIL T. 184. und Brülle Hist nat. d. Ins. V. T.5» ha-
ben die Abbildung copirt) verhältnifsmäfsig kurz, nach hinten
kegelförmig zugespitzt. Der Kopf ist breit, zwischen den
Mandibeln ausgebuchtet; diese sind enorm grofs, nament-
lich breit. Sonst sind alle Theile im Wesentlichen so wie
bei den übrigen Carabenlarven gebildet, nur soll das letzte
Körpersegment statt zwei ungegliederter Fortsätze, in einem
einzigen 3mal gegliederten Faden endigen. Dafs die Fühler
ögliedrig angegeben sind,- ist wohl eine kleine Ungenauigkeit.
Nach Latreille {Regne animal. Ed. IL IV. S. 356)
stimmen die Larven von Ditomus (^Aristus hucephalus) mit
denen von Cicindela überein. Ob sich dies bestättigen sollte?
Aus der Abtheilung der T inline atipenn es ist meines
Wissens noch keine Larve entdeckt worden. Der treffliche
Westermann hat eine grofse Käferlarve^ als muthmafslich
der Anthia Q- guttata angehörend, an Latreille mitgetheilt
und diese Larve ist von Hrn. Lequien in seiner Monographie
von Anthia (Guer Magas. d. Zool.) als Larve von Anthia
abgebildet worden. Brülle (Hr>f. nat. des Ins. IV. t. 9.) und
Westwood (^Introd. I. S. 67. f. 8.) haben diese Abbildung
wiedergegeben, der letzte bezweifelt indefs die Richtigkeit der
Angabe, und hält die Larve für die eines Elater. Das ist
sie auch ganz entschieden, und zwar ohne Zweifel die des
Agrypnus fuscipes. (S. Westw\ Introd. l. S. 68 not.)
Bern. 2. Die Larven der gröfseren Caraben (Calosoina,
Carahus u. s. w.) sind entschiedene Carnivorcn, und zwar
74
nähren sie sich von Insecten, Regenwürmern und Schnecken.
Die Larven der Calosomen klettern auf die Bäume, um Raupen
aufzusuchen; die der eigentlichen Caraben scheinen mehr auf
dem Erdboden ilu-e Beute zu suchen. Die MundöflFnung ist
sehr klein, die Mundtheile sind weit von ihr abgerückt, so
dafs die Speise nicht gekaut, sondern nur durch Aufsaugen
aufgenommen werden kann, ein Umstand, den bei diesen schon
mehrfach und genau untersuchten Larven noch Niemand be-
merkt hat. Auf diese Weise ist das so sehr gerühmte Verfahren
der Sycophantalarve , von jeder Raupe nur einen Theil zu
verzehren, leicht erklärlich.
Die Larven der kleineren Caraben scheinen sich mehr von
vegetabilischer Kost zu nähren; von der Larve des Zahrus
gihhus ist dies entschieden, und mit Unrecht habe ich
früher (Käfer d. Mark Br. I, S. 78) Zweifel dagegen gehegt.
Vermuthlich führen auch die so ähnlichen Larven der Ama-
ren, Harpalen u. s. w. eine ähnliche Lebensweise. Das Auf-
fallendste hierbei ist aber, dafs der Mund hier eben so einge-
richtet ist, wie' bei den gröfseren Caraben, so dafs auch hier
nur Flüssiges aufgenommen werden kann.
Dytiscen. .
Kopf horizontal vorgestreckt, hornig, oben löehr flach ge-
wölbt, unten flach, an der Basis eingeschnürt.
Ocellen 6 auf jeder Seite, eine kleine Gruppe bildend,
welche in zwei Querreihen geordnet ist. Sie sind zwar von
ziemlich gleicher Gröfse, allein nur die äufsersten sind rund,,
die inneren elliptisch, die innersten sogar sehr länglich.
Fühler an den Seiten des Kopfes eingelenkt, dünn, faden-
förmig, viergliedrig, das letzte Glied klein, pfriemförmig. Die
drei ersten langen Glieder erhalten bei erwachsenen Larven
noch kurze Basalgelenke, wodurch die Zahl der Fühlerglieder,
wenn man jene eingeschobenen Gelenke als besondere Glieder
zählt, auf sieben steigt.
Stirn ohne abgesetztes Kopfschild, zwischen denMandibeln
vortretend, und den Mund von oben ganz bedeckend.
Lefze nicht vorhanden.
Mandibeln einfach, sichelförmig, spitz, eingeschlagen sich
über einander legend.
75
Maxillen ganz frei, in einiger Entfernung von der Unter-
lippe eingelenkt, mit äufserst kurzem Angelgelenk, cylindrischem
Stamme, der vollkommen einem Tastergliede gleicht und oben
an der Spitze mit einem kleinen, einfachen, hakenförmigen, ein-
gelenkten Rudiment einer Lade versehen ist. Die Taster sind
ebenfalls an der Spitze der Maxille eingelenkt, viergliedrig,
das erste Glied kurz, die übrigen lang, bei erwachsenen Larven
jedes (der drei letzten) mit einem kurzen Grundgelenk, daher
der Taster siebengliedrig erscheint.
Unterlippe bestehend aus einem sehr kjurzen fleischigen
Kinn und den hornigen, ganz mit einander zu einem quer-vier-
eckigen Körper verwachsenen Tasterstämmen. Von einer Zunge
keine Spur. Taster zweigliedrig, bei erwachsenen Individuen
jedes Glied mit einem kurzen Grundgelenk, daher viergliedrig
erscheinend.
Beine schlank, mit etwas dicken, langen, neben dem
Seitenrande eingelenkten, dem Körper anliegenden, schräg nach
hinten und innen gerichteten Hüft-, kurzen Trochanter-, län-
geren Schenkel-, ein wenig kürzeren Schien- und um die
Hälfte kürzeren Fufsgelenken, diese mit zwei Klauen.
Körpersegmente 11 (8 Hinterleibssegmente), alle oben
mit hornigen Schilden bedeckt; das erste (Prothorax) hat auch
unten vor den Vorderhüften ein kleines horniges Schild; das
letzte röhrenförmig gestaltete ist ganz hornig, und hat an der
Spitze ein Paar ungegliederte, eingelenkte Anhänge.
Stigmenpaare 9, nämlich 7 auf den 7 ersten Hinterleibs-
segmenten, und zwar im Seitenrande der Rückenschiene, das
achte auf der Unterseite des Mesothoraxsegment, im vorderen
Winkel desselben vor der Einlenkung der Hüften gelegen.
Das neunte Stigmenpaar befindet sich an der Spitze des achten
Segments unmittelbar neben der Afteröffnung.
Bem. 1. Die Larven der Dytiscen gleichen denen der
Caraben in manchen Stücken, namentlich auch darin, dafs die
Mundtheile nicht zum Kauen eingerichtet sind; sie unterschei-
den sich aber auch darin, dafs das Aussaugen der Nahrung
auf ähnliche Weise, wie bei den Larven der Myrmeleonen
mittelst der Mandibeln geschieht, indem diese unter der Spitze
eine spaltförmige Oeffnung haben. Sie weichen ferner darin
76
ab, dafs die Mandibeln ungezähnt, die Laden der Maxillen ein-
fach und ungegliedert sind, und die Unterlippe keine Spur
von der Zunge zeigt. Dazu die Füfse, welche mit Schwimm-
haaren besetzt sind, die eingelenkten Anhänge am After, und
das Fehlen des zwölften Körpersegments.
Bern. 2. Die Fühler und Taster aller 4 Paare haben hier
die Eigenthiimlichkeit, welche ich an keiner anderen Käferlarve
bemerkt habe, dafs sich bei erwachseneren Individuen am
Grunde der gröfseren Glieder kleinere eingeschoben finden.
Man hat diese bisher als eigene Glieder betrachtet, ich glaube
aber, dafs es richtiger ist, sie nicht als Glieder mitzuzählen,
sondern sie nur als dem darauf folgenden Gliede angehörende
Grundgelenke anzusehen. In meiner kleinen Schrift Genera
Dyticeorum habe ich sie auch immer als besondere Glieder
gerechnet, daher die hohen Angaben der Gliederzahl an den
Fühlern und namentlich an den Tastern, wo auch noch der
Stamm der Maxillen, als denselben angehörend, angenommen
worden ist.
Bern. S. Ebendaselbst (S. 14) habe ich bei der Larve
des Vytiscus marginalis von 2 Ocellen auf der Stirn ge-
sprochen; diese Angabe beruht aber auf einem Irrthum, wie
ich an demselben Exemplar, woran ich damals meine Beob-
achtung machte, mich zu überzeugen noch die Gelegenheit
gehabt habe. Nebenaugen auf der Stirn sind, so viel ich weifs,
an keiner Larve je gefunden worden.
Bem. 4. Die beiden Luftlöcher, welche den Haupteingang
zu den beiden Tracheenstämmen bilden, liegen unmittelbar an
dem After, und werden mit demselben geschlossen und geöflf-
net. Die beiden Anhänge, welche sich dicht unter der After-
öflfnung befinden, sind mit Schwimmhaaren besetzt, und dienen
vermuthlich dazu, indem sie auf die Oberfläche des Wassers
gelegt werden, die Afterspitze während der Respiration etwas
über dem Wasser zu erhalten. Die übrigen Stigmen sind nicht
geschlossen. Vielleicht findet hier etwas ähnliches wie bei
Hydrophilus statt (s. u.).
Bem. 5. Rösel hat die früheren Stände von drei Dyti-
scen abgebildet, welche gegenwärtig die Repräsentanten ebenso
vieler Gattungen sind. Die eine ist die Larve desDj^. m ar-
gin aliSf welche auch der obigen Beschreibung hauptsächlich
m
77
zum Grunde gelegen hat. Bei ihr bildet der Vorderrand der
Stiril einen Kreisabschnitt und ist fein gekerbt. Der zweiten,
der des Cyhister Roeselii fehlen die Anhänge am After,
dagegen sind die beiden letzten Segmente an den Seiten mit
langen Schwimmhaaren besetzt. Der Vorderrand der Stirn ist
ausgebuchtet, mit einer vorspringenden zahnartigen Spitze in
der Mitte. Die dritte, die Larve des Acilius sulcatus,
zeichnet sich durch ein sehr lang gestrecktes, vorn verengtes
Prothoraxsegment aus. Aufserdem ist nur noch eine kleine
Larve bekannt geworden, welche Westwopd {Introd. L
S. 100 f. 5 — 8.) abbildet, deren ich auch schon in meinen
Gen. Dyt. (S. 14) erwähnt habe, und welche nach Hope's
Beobachtung einem Notents angehört. Sie ist von merkwür-
diger Bildung. Die Stirn verlängert sich nämlich in ein langes
vorwärts gerichtetes Hörn. Die Mandibeln sind dünn, vorge-
streckt, etwas aufgekrümmt. Fühler und Taster ziemlich lang,
dünn, ohne Zwischengelenke. Auch die mit einander verwach-
senen Stämme der Lippentaster sind langgestreckt. Das letzte
Hinterleibssegment läuft in eine scharfe Spitze aus, die fast
eben so lang ist, als die unter derselben liegenden, borsten-
förmigen Anhänge.
Gyirinen.
Die ganze Verwandlungsgeschichte dieser Insecten hat schon
vor länger als 70 Jähren Mo de er beobachtet, seitdem aber
Niemand. Degeer hat die Abbildung einer eben aus dem
Eie geschlüpften Larve gegeben. Nach dieser Abbildimg schliefst
sie sich durch die zwei Klauen an den Füfsen den Vorigen .an.
Kopf länglich, flach.
Oc eilen mehrere auf jeder Seite, deren Zahl Degeer
nicht bestimmen konnte, auf einem schwarzen Fleck gelegen.
Fühler an den Seiten des Kopfes eingelenkt, 4-gliedrig,
das erste 'Glied kurz und dicker als die folgenden.
Stirn ohne abgesetztes Kopfschild, den Mund von oben
schliefsend, zwischen den Mandibeln in zwei Zähnen vortretende
Lefze nicht vorhanden.
Mandibeln ungezähnt, sichelförmig gebogen, in der Ruhe
eingeschlagen.
Maxillen und
78
Unterlippe lassen in der von oben genommenen Abbil-
dung nur die Taster und ein hakenförmiges Rudiment der
Maxarilllade sehen.
Beine mäfsiglang, mit dickerem Hüft-, kleinem Trochanter-,
längerem Schenkel-, etwas kürzerem Schien- und wieder län-
gerem Fufsgelenke mit 2 Klauen.
Körpersegmente 12 (8 Hinterleibssegmente), flach, die
7 ersten Hinterleibssegmente mit einem, das achte mit 2 län-
geren, fadenförmigen; seitlichen Fortsätzen, der After vortretend,
mit 4 Häkchen bewaffnet.
Stigmen sind nicht beobachtet. Die seitlichen, häutigen
Fortsätze des Hinterleibs, welche im Wasser flottiren, und in
deren jedem ein Gefäfs verläuft, sind wahrscheinlich Kiemen.
Die Larven der übrigen Käfer haben, so verschieden auch
ihre Bildung sein mag (mit Ausnahme der Meloen), wenn
ihnen die Beine nicht ganz fehlen, immer nur eine Klaue an
jedem Fulse.
Die Familie der Brachelytra hat Latreille nicht mit
Glück aus der natürlicheren Verbindung, in der sie früher
mit den Silphen standen, entfernt. Ihre Larven schliefsen sie
sowohl diesen, als den Histeren aufs Engste an. Die eigent-
lichen Staphylini sind die Typen der Familie.
Staphylinen.
(Eigentlicher Staphylinus oder Ocypus.^
Kopf horizontal vorgestreckt, hornig, auf der Oberseite
flach gewölbt, auf der Unterseite flach.
Ocellen vier auf jeder Seite, an den Kopfseiten stehend,
eine kleine Gruppe bildend, alle rund.
Fühler am Vorderrande der Stirn eingelenkt, fadenförmig,
4gliedrig, das dritte Glied an der Spitze innen mit einem
kleinen eingelenkten Fortsatz.
Stirn nach vorn zwischen den Mandibeln vortretend, den
Mund von oben schliefsend.
79
Lefze nicht vorhanden.
Mandibeln sichelförmig gebogen, ohne Zähne, spitz.
Maxi 11 en in bedeutender Entfernung von der Unterlippe
eingelenkt, ganz frei, mit kurzem Angelgelenk, langem oylindri-
schen Stamme, und an dessen Spitze mit einem 3gliedrigeu
Taster und eingelenktem, einem Tastergliede ähnlichen, cylin-
drischen liudiment einer Lade.
Unterlippe mit fleischigem Kinn, fleischigen, an der Basis
vereinigten Tasterstämmen, 2gliedrigen Tastern und häutigem,
mit einer Hornspitze versehenem Rudiment einer Zunge.
Beine mäfsig lang, mit langem, cylindrischem, schräg nach
innen und hinten gerichtetem Hüft-, kurzem Trochanter-, lan-
gem Schenkel- und Schien-, kleinem Fufsgelenke mit einfacher
ziemlich langer Klaue.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), die vier
«rsten auf dem Rücken mit einer hornigen Schiene, die übri-
gen fleischig, auf dem Rücken und dem Bauche mit lederarti-
gen Feldern, das letzte mit einem Paar ziemlich langer, 2glie-
driger Anhänge. After röhrenförmig, hornig, weit vortretend,
als Nachschieber dienend.
Stigmenpaare 9, 8 auf den 8 ersten Hinterleibssegmenten
am Seitenrande der lederartigen Rückenfelder, das neunte unten
ia der Falte zwischen dem Pro- und Mesothoraxsegment gelegen.
Bem. 1. Die Aehnlichkeit der Larven mit denen der Ca-
raben ist zwar grofs, sie unterscheiden sich aber sehr wesent-
lich durch einfache Klauen, ungegliedertes Laden -Rudiment
an den Maxillen, 4 Ocellen und gegliederte Anhänge des Hin-
terleibsendes. Die Verwandtschaft mit den Silphen und Histe-
ren spricht sich auch in den Larven aus, namentlich in ihnen
gemeinsam zukommenden gegliederten Afteranhängen, von den
ersteren unterscheiden sie sich indefs durch die 4 (nicht 6)
Ocellen und das Fehlen der Lefze, von den letzteren eben-
falls durch die Ocellen, welche jenen ganz abgehen.
Bem. 2. Die Larven sind hauptsächlich aus der Gruppe
der eigentlichen Staphylinen (Staphylininf) bekannt, und diese
characterisiren sich aufser ihrer Gröfse vorzüglich noch durch
die Stellung der Fühler, welche wie beim vollkommenen Käfer
auf der Oberseite des Kopfes am Mundrande stehen. Die
80
Larve von Ocypus olens ist von Heer (Ohserv. Enf),
Blanchard (^Gu6r. Mag. de Zool.) u. Ratzeburg (Forstins.);
die von Philonthus aeneus, Xantholinus punctu-
latus und Quedius fulgidus (^variahilis) von Bouche
(Naturgescli. d. Ins.); die von Qued. fuliginosus {tristis)
vonWaterhouse (Transact.Ent. Soc.^ abgebildet. Die Larven
von Xantholinus haben ganz die langgestreckte Gestalt des voll-
kommenen Käfers, auch dieselbe längliche Form des Kopfes.
Alle diese Larven kommen in der Bildung des Mundes iiber-
ein, sie sind wahrscheinlich alle räuberisch und ernähren sich
durch Aussaugen ihrer Beute; die Stellung der Mundtheile
läfst wenigstens ein Zerkauen der Nahrung nicht zu. Früher
glaubte ich eine Oeflfuung in den Mandibeln zu sehen, wie bei
den Dytiscen (^Gen. et spec, Staph. S. 15) allein ich über-
zeuge mich jetzt bei der Vergleichung mehrerer Individuen, dafs
eine solche nicht existirt. Wahrscheinlich befindet sich also
zwischen der Ober- und Unterlippe eine feine Oeffnung, welche
in den Nahrungscanal führt.
Bem. 3. Aus anderen Gruppen der Staphylinen ist über
die Larven noch wenig bekannt geworden. Aus der Gruppe
der Aleocharen bildet Westwood (Zool. Joiirn.) eine
Larve ab^ welche der Aleo chard fuseipes angehören soll,
indefs sind die Details nicht genau genug, um mehr daraus zu
entnehmen, als dafs es eine Staphylinenlarve ist. Ich habe
die Larve einer Homalota vor mir, welche ich unter Kie-
fernrinde fand. Hier hat das zweite Fühlerglied den kleinen
eingelenkten Fortsatz. Die Stirn bildet zwischen den Mandi-
beln einen Vorsprung, der am Ende ausgerandet ist. Die
Mandibeln sind einfach und sichelförmig gebogen, wie bei den
eigentlichen Staphylinen. Die Maxillen haben eine grofse, ver-
wachsene, innen mit starken Borsten besetzte Lade. Die Zunge
ist häutig. Die Hüften sind nur kurz. In allem Uebrigen stimmt
diese Larve vollkommen mit denen eigentlicher Staphylinen
iiberein. Man sieht, dafs ein wesentlicher unterschied nur
darin besteht, dafs die Maxillarlade stark entwickelt und ver-
wachsen ist. Bei dieser Form der Maxillarlade scheint auch
ein Kauen der Speise statt zu finden. 1
Aufserdem kennen wir nur noch über ein Paar Larven aus
der Gruppe der Oxytelinen nähere Details, Bouche bildet
81
(a.a.O.) die Larve des Plaiysteifius morsitans ab.
Sie kommt in der Gestalt der MaxiJle mit der eben beschrie-
benen Ilomalotenlarve überein, unterscheidet sich aber dadurch,
dafs die Mandibeln nicht einfach, sondern zweispitzig sind.
Westvvood (Jntrod. S. 166 f. 10., 11.) giebt den Holzschnitt
von einer Larve, welche er im Winter in Turnips fand, und
welche vielleicht einem Oxytelus angehört. Bei ihr haben
die Mandibeln 3 Zähne. — Die Larve des Micralymma
hrcvipcnne, welche "West wo od im Mag. of Zool. et
Bot. II. S. 130 beschreibt, weicht von den vorigen ziemlich
bedeutend ab. Sie hat die Figur einer Xantholinuslarvc, aber
gezähnte Mandiblen. Die Maxillen haben eine 2gliedrige Lade.
V^on der Larve der Prognatha quadricornis, welche
West wo od in Zool. Jour. abgebildet hat, fehlen zur Zeit
noch die näheren Details. Es scheinen unter den verschiede-
nen Formen der Staphylinen auch unter den Larven noch
beträchtliche Verschiedenheiten obzuwalten; aus den Abthei-
lungen der Tachyporini, Paederini, Stenini, Oma-
liniy Proteinii ist noch über die früheren Stände gar nichts
bekannt. Ueber Megarthus finde ich in Westwood's
Introd. \. S. 365 die Bemerkung, dafs er nach Hrn. F. Smith's
Beobachtung parasitisch auf Saper da populnea lebe: Schade,
dafs nicht angegeben ist, in welcher Art. - •
Bern. 4. Dafs Gravenhorst in seinen Microptera Bruns-
vicensia die Larve eines Carabus als die von Staphylinus
beschrieben hat, habe ich bereits in meinen Gen. et sriec
Staphyl. S. 17 bemerkt.
In der Familie der Sternoxen sind zwei verschiedene
Typen von Larven bekannt, die den beiden Tribus der Bu-
prestiden und Elateriden entsprechen. Einen dritten Ty-
pus bildet die Larve vonMelasis, welche Gattung Lat r eil le
nicht ganz mit Unrecht den Bupresten angeschlossen hat, welche
aber doch eine eigene Abtheilung zu bilden scheint. Ob die
Eucnemiden und die Cebrionen, welche letztere unzwei-
felhaft in die Abtheilung der Sternoxen gehören, und den Ela-
teren so nahe verwandt sind, dafs sie von denselben nicht
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. i. Band. 6
82
abgesondert werden können, ebenfalls eigene Formen von Lar-
ven besitzen, bleibt künftigen Entdeckungen überlassen.
Buprestis.
Kopf horizonkl, in das Prothoraxsegment zurückziehbar,
fleischig, mit hornigem Mundrande.
Oc eilen sind nicht vorhanden.
Fühler sehr klein, an den Seiten der Oberseite des Kopfes
eingelenkt, Sgliedrig, das erste Glied halb versteckt, fleischig,
das letzte sehr klein, warzenförmig.
Kopf Schild abgegrenzt, derb hornig.
Lefze abgesetzt, klein, die Fuge zwischen den Mandibeln
bedeckend, pergamentartig, am Rande dicht gefranzt.
Mandibeln kurz, stark, fest hornig, an der Spitze stumpf
gezähnt.
Maxillen sehr klein, unter dem Kinn eingelenkt, mit
kleinem, einem Tastergliede ähnlichem, eingelenktem Ladenru-
diment und kurzem, breitem Taster.
Unterlippe mit breitem, häutigem Kinn und vortretender,
pergamentartiger, der Oberlippe ähnlicher, und wie diese die
Fuge zwischen den Mandibeln bedeckender und gleichfalls am
Rande dicht gefranzter Zunge. — Taster unentwickelter, durch
ein Paar fleischige Vorragungen an der Unterseite der Zunge
angedeutet.
Beine nicht vorhanden; vielleicht durch eine kleine gena-
belte Papille an jeder Seite jedes der drei Thoraxsegmente
angedeutet.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), alle flei-
schig, das Prothoraxsegment besonders grofs und breit, oben
und unten mit einem derbhäutigen etwas rauhen Schilde, oben
mit zwei vorn zusammenlaufenden, unten mit einer einzigen
hornigen Längslinie ; die beiden folgenden Segmente viel kleiner
und schmäler als das erste, aber noch breiter als die Hinter-
leibssegmente, welche zum Theil länger als breit sind. Der
^ After vortretend, scheinbar ein dreizehntes Segment bildend:
die Oefi"nung ein grofser Längspalt an der Spitze desselben.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 an den Seiten der ersten
8 Hinterleibsscgmcnte, das neunte an den Seiten des Mesotho-
raxsegment, dieses besonders grofs; alle halbmondförmig.
II
83
Bcni. 1. Die Larven der Bupresten sind aufser mit denen
von Melasis mit denen keiner anderen Familie zu vergleichen,
als denen der Ceramhycen, namentlich den fufslosen Lamienlarven.
Sie haben ganz den Habitus derselben und weichen vornehm-
lich darin ab, dafs die Taster der Unterlippe nicht entwik-
kelt sind.
Bern. 2. Im Wesentlichen haben alle Buprestenlarven eine
grofse Uebereinstimmung unter einander, obgleich sie in der
Breite des Prothoraxsegment bedeutend variiren. Die Larven
der Chalcophora mariana und Bupr. Berolinensis
unterscheiden sich nur in einem sehr geringen Grade. Die
Larven der ylgrilus gleichen diesen zum Theil, die Gröfse
ausgenommen, sehr, nur dafs bei einigen (z. B. A.Fagi) das
Prothoraxsegment ungemein grofs und breit ist. Auffallend
weichen einige Agrilusarten (z. B. A. higuttalus, nocivus)
dadurch ab, dafs das zwölfte Körpersegment 2 nach hinten
gerichtete gezähnelte Hornspitzen hat, zwischen welchen sich
der spaltförmige After befindet, ohne dafs derselbe als anschei-
nendes eigenes Segment vorträte. Es ist bemerkbar, dafs diese
Verschiedenheiten unter Arten stattfinden, welche entschieden
zu derselben Gattung gehören, und selbst so nahe mit einander
verwandt sind, dafs die Verschiedenheiten der Larve mit den
systematischen Unterschieden der vollkommenen Insecten in
gar keiner Beziehung stehen können.
Bern. 3. Westwood hat (Introduct L S. 226 f. 12.)
eine Passaluslarve als die muthmafsliche Larve der Bupr. at-
tenuata abgebildet.
Bera. 4. Eine anatomische Beschreibung der Larve der
B. mariana hat Prof. Loew in der Entomol. Zeitung vom
März d. J. gegeben. Der Darmcanal zeichnet sich vorzüglich
durch sehr hohe Insertion der Gallengefäfse und bedeutende
Länge des mit Punctdriisen besetzten Magendünndarmes aus.
— Auf dem zwölften Hinterleibssegmente bemerke ich auf
der Unterseite eine kleine Stelle, welche wie eine Oeffnung
aussieht. Vielleicht liefse sich durch anatomische Untersuchung
ermitteln, was dieselbe bedeute. In Loew's Beschreibung
finde ich nichts darüber angemerkt.
Bem. 5. Ratzeburg und Loew betrachten das Protho-
raxsegment als aus zwei Portionen bestehend, von denen die
6*
84
vordere sich in die hintere zurückziehen kann. Loew bemerkt,
dafs die Kaumuskeln das Prothoraxsegment ausfüllten; dies
gilt aber nur von der vorderen Portion, welche ich als den
Kopf betrachte, der sich in den Prothorax zurückziehen kann.
Es wäre auch höchst anomal, wenn sich die Kaumuskeln im
Thorax befinden sollten. Die Mundgegend ist durch ihre hor-
nige Beschaffenheit vom übrigen Kopfe etwas abgesetzt.
Melasis.
Kopf horizontal, in das Prothoraxsegment zurückziehbar,
fleischig, mit mehreren hornigen Leisten und mit hornigem
Munde.
Ocellen nicht vorhanden.
Fühler bis auf die geringste Spur nicht vorhanden.
Kopfschild vorn hornig.
Lefze wie der Abschnitt eines Kreises gerundet, perga-
mentartig.
Mandibeln kurz und stark, derb hornig, am Aufsen-
rande neben der Spitze mit zwei starken, rückwärts gerichte-
ten Zähnen.
Maxillen gar nicht entwickelt.
Unterlippe bestehend aus einem breiten, kurzen, häuti-
gen Rinn und einer kleinen viereckigen Zunge; beide Theile
verdecken von unten her die Fuge zwischen den Mandibeln,
wie die Lefze es von oben her thut. Von den Tastern und
ihren Stämmen so wenig eine Spur wie von den Maxillen. ,
Beine nicht vorhanden.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), das erste
(Prothorax-) etwas breiter und flacher als die übrigen, oben
und unten mit einem Paar, vorn im Winkel einwärts geboge-
ner Hornleisten, und aufsen neben jenem Winkel mit einem
oben kleinen, unten gröfseren Hornfleck, der wie eine Raspel
mit scharfen Leisten besetzt ist; die übrigen Segmente sind
fast cylindrisch, ganz fleischig, das letzte stumpf zugespitzt.
Der After tritt nicht vor, sondern bildet einen Längsspalt auf
der Unterseite des letzten Segments.
Stigmenpaare 9, an den Seiten des Mesothorax- und
der ersten 8 Hinterleibssegmente gelegen, rund.
85
Bern. Die Larve hat sehr grofse Aehnlichkeit init<ler der
liuprcsten, und in der Tliat scheint sie sich nur darin zu un-
terscheiden, dafs nicht allein das Rudiment der Lippentaster
ganz fehlt, sondern auch die Maxillen und Fühler so wenig
zur Entwickelung gekommen sind, dafs man nicht die geringste
Spur davon wahrnimmt. Der Kopf hat also keine anderen
Organe als den Mund, und hier sind zwar Ober- und Unter-
lippe entwickelt, aher von den drei Kieferpaaren ist nur das
erste, die Mandibeln, vorhanden. Alle verschiedenen Bupresten-
larven, welche ich durch Ratzeburgs zuvorkommende Mit-
theilung vergleichen konnte, stimmen darin iiberein, dafs Fühler
vorhanden und die Maxillen mit Lade und Taster entwickelt
sind. Deshalb glaube ich, die Larve von Melasis nicht als
zum Typus der Buprestenlarven gehörend, sondern als eine
besondere Form betrachten zu müssen.
Elater,
K o p f horizontal vorgestreckt, hornig, oben und unten flach.
Oc eilen nicht vorlianden.
Fühler sehr kurz, an den Seiten des Kopfes neben den
Mandibeln eingelenkt, 3gliedrig.
Stirn ohne abgesetates Kopfschild, den Mund von oben
schliefsend.
Lefze nicht vorhanden.
Mandibeln kurz, ziemlich stark, bald einfach, bald ge-
zähnt, in der Ruhe eingeschlagen.
Maxillen mit sehr langem Stamm, der mit dem Kinn
zusammen in einer tiefen, fast zur Basis des Kopfes reichenden
Ausbuchtung gelegen ist, so eingefügt, dafs durch die dazwischen
liegende Unterlippe ihre Bewegung gegen einander unmöglich
gemacht ist; an der Spitze mit einer kleinen verwachsenen,
innen mit Borsten besetzten inneren, einer 2gliedrigen einge-
lenkten äufseren Lade und einem kurzen 4gliedrigen Taster.
Unterlippe mit sehr langgestrecktem, zwischen den
Maxillarstämmen unbeweglich liegendem Kinn, welches bald
parallelopipedisch, bald wenn die beiden Maxillarstämme sich
am Grunde vereinigen, lang dreieckig, hornig, an der Spitze
pergamentartig ist, mit freien unter einander ganz verwachsenen
86
Tasterstämmen , kurzen 2gliedrigen Tastern; keine Spur einer
Zunge.
Beine kurz, mit dicht nebeneinanderstehenden, abwärts
gerichteten kegelförmigen Hüft-, kurzen Trochanter-, wenig
längeren Schenkel- und Schien- und aus einer einfachen scharfen
Klaue bestehenden Fufsgelenken.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), meist cy-
lindrisch, von einer hornigen Rücken- und einer ähnlichen,
aber schmäleren Bauchschiene ganz bekleidet; das erste länger
als die übrigen und derber hornig, das letzte ebenfalls derber
hornig, auf dem Rücken häufig eingedrückt, verschiedentlich
bewaffnet. Der After auf der Unterseite desselben röhrenför-
mig vortretend, als Nachschieber dienend,
Stigmenpaare 9, nämlich 8 auf den ersten 8 Hinterleibs-
segmenten, an den Seiten in der Rückenschiene, das neunte
auf dem Mesothoraxsegment, ebenfalls noch in der Rücken-
schiene, aber mehr nach unten gelegen.
Bern. 1. Die meisten Larven der Elateren haben bei
ihrer drahtförmigen Gestalt und den härteren Bedeckungen
ganz das Ansehen der Tenebrionenlarven, der bekannten Mehl-
würmer. Sie unterscheiden sich von diesen aber leicht an
der flachen Form des Kopfes, durch das Fehlen des Kopfschil-
des und der Lefze, die 2gliedrigen, äufseren Maxillarladen
und die eigenthümliche Form der Maxillarstämme und des
Kinnes. Letztere ist in der That für die Elaterenlarven chara-
cteristisch. Diese sind alle unbeweglich, und bilden einen,
durch zwei Längsfurchen in drei lange , schmale . Abschnitte
getheilten Körper, dpr sich fast bis zur Basis des Kopfes hin
erstreckt. Das Vorkommen der 2gliedrigen äufseren Lade an
den Maxillen neben einem deutlichen Rudiment einer inneren
haben die Elaterenlarven nur mit denen der Caraben gemein«
Bouche und Westwood bilden diese äufsere Lade als
Igliedrig ab, ich sehe sie bei verschiedenen Larven dieser
Abtheilung nur 2glicdrig. An den Lippentastern zieht sich
zuweilen das zweite Glied in das erste zurück.
Bern. 2. Die Uebereinstimmung der Elaterenlarven unter
einander ist sehr grofs, doch scheint es hier für die Arten an
Unterschieden nicht zu fehlen, zumal da das letzte Körper-
I
87
Segment so characteristische Formen hat. In wie weit auch
die in dieser Familie durch und seit Eschscholtz aufgestell-
ten Gattungen durch die Verscliiedenheit in der Larve begrün-
det werden, ist noch zu ermitteln. Man kennt zur Zeit mit
Bestimmtheit die Larven von E. murinus (Westw.), un-
dulatus (^D e^e er), fjilvip es (^oder genauer der El. rufipes
lIht.-Arch., eines Cvatonychus , durch Bouche) sangui-
neiis und f II Ivipe Jinis (gleichfalls durch Bouche), atcr-
rimus (desgl.), segetis (Bjerkander und Bouche), oh-
scurus (Marsh, und Westw.). Die bedeutend grofse Larve
des El. fiiscipes ist von Lequien u. A. als die Larve der
Anthia 6 -guttata abgebildet worden. S. 50.
Verschiedene Larven, z.B. die des E. murinus und un-
dulatus sind kürzer und flacher, als die übrigen; ich habe
verschiedene andere vor mir, welche denselben darin gleichen,
sie stimmen sonst mit den langen cylindrischen in der Consi-
stenz ihrer Bedeckung und der gleichmäfsigen Dicke der Seg-
mente überein. Darin weicht die Larve eines Pyrophorus,
welche E. Otto von Cuba einsandte, und entweder dem P.
noctilucus oder causticiis angehört, ab. Sie ist mehr flei-
schig, und die Segmente sind, wo sie sich mit feinander ver-
binden, eingeschnürt; nur der Kopf des Pro- und der Rücken
des Mesothoraxsegment sind derb hornig. Das letzte Segment
ist mit vielen scharfen Höckerchen und Zähnen besetzt, nicht
allein der obere, sondern auch der untere Thcil desselben.
Eine sein- merkwürdige Elaterenlarve ist bei Berlin in
altem Lindenholze gefunden; sie ist sehr lang und dünn, voll-
kommen drahtförmig, aber fleischig, die Haut dünn, mit perga-
nientartigen Längsstreifen, nur der Kopf und das Prothorax-
segment sind hornig. Der Kopf ist schmal. Das Kinn ist
ganz schmal, die Unterlippe überhaupt von den Stämmen der
Maxillen etwas nach innen gedrängt. Die Mandibeln sind in
der Richtung von oben nach unten besonders breit. Das letzte
Körpersegment ist unbe wehrt, der Nachschieber nach hinten
gerichtet. An den llinlerleibssegmenten treten zwischen den
pergamentartigen Läugsstreifen kleine Papillen vor.
B em. 3. Die Nahrung der Elaterenlarven ist vegetabilisch;
die einen leben in faulendem Holze, die anderen zehren von
88
Pflanzenwurzelii. Die Stellung der Muiultlieile macht es mir
zweifelhaft, ob die Nahrung wirklich gekaut wird.
Bern. 4. Latreille rechnet Chelonarium noch zu
den Elateren, die Larve weist aber eine ganz andere Ver-
wandtschaft nach, nämlich mit Chrysomelen, Erotylen, Cocci-
nellen und Endomychen, in welcher Reihe sie später beschrie-
ben werden soll.
Die Malacodermen Latreilie's bieten mehrere sehr
verschiedene Typen von Larven dar, die aber nach den ver-
schiedenen von Latreille aufgestellten Tribus eine gewisse
üebereinstimmung haben, mit Ausnahme der ersten der Ce-
brioniten, welche an sich aus sehr verschiedenen Elementen
zusammengesetzt ist. Die eigentlichen Cebrionen sind von
den Elateren nicht so abzusondern, dafs sie mit denselben
nicht in eine natürliche Familie gehören sollten. Von ihren
Larven weifs man noch nichts, als dafs sie in der Erde leben
müssen. Die Cyphonen scheinen sich näher den Lampyren
anzuschliefsen. Ihre Larven sind noch nirgends bekannt ge-
macht, ich habe sie indefs vor mehreren Jahren kennen gölernt.
Sie finden sich im ersten Frühjahr in Wäldern in der Nähe
von Gewässern und Sümpfen unter dem abgefallenen Laube,
und sind vielleicht ebenso wie die Lampyrenlarven auf kleine
Molluscen angewiesen. Ich konnte in diesem Jahre leider
nicht dazu gelangen, sie wieder aufzusuchen, yltopa endlich
kommt weder mit den Cebrionen, noch mit den Cyphonen
überein, und ist durch die Form der bisher noch unbeschriebe-
nen Larve, welche mir Prof. Ratzeburg zur Untersuchung
mittheilte, besonders merkwürdig.
Atop a.
Kopf grofs, fast senkrecht stehend, die Oberseite sanft
gewölbt, die Unterseite flach.
Oc eilen sind nicht vorhanden.
Fühler an den Seiten des Kopfes, unmittelbar über den
Mandibeln eingelenkt, 4gliedrig, das erste Glied kurz und
etwas dick, das zweite lang, beide nach unten gerichtet, das
I
89
dritte ebenfalls lang, nach vorn gerichtet, das vierte klein,
warzenfoririig, nur eben aus dem dritten hervorsehend.
Stirn ohne deutliches Kopfschild.
Lefze grofs, herabhängend, den Mund von vorn bedek-
kend, an der Spitze gerundet an der Basis mit der Stirn
völlig verwachsen.
Mandibeln an den Seiten und der Spitze neben der
Lefze hervorsehend, schwach gebogen, sehr stark, in der Mitte
mit einem kräftigen, weit in den Mund hineinragenden zwei-
spitzigen, vor der Spitze mit einem einfachen Zahn.
Maxillen auf einer transversalen Angel sich bewegend,
an der Spitze mit zwei ladenartigen, ziemlich langen, an der
Spitze hakenförmig gebogenen Fortsätzen, von denen der innei'e
zweispitzig ist und mit Sgliedrigem Taster.
Unterlippe lederartig, mit kurzem, quer -viereckigem
Kinn und breiten verwachsenen, nur durch einen Eindruck
gesonderten, zusammen fast quadratischen Tasterstämmen, an
deren Seiten die 2gliedrigen Taster eingelenkt sind.
Beine mäfsig lang, mit ziemlich langen, dem Körper an-
liegenden, gerade nach innen gerichteten Hüft-, kurzen, mit
dem Schenkel verwachsenen Trochanter-, längeren Schenkel-,
ebenfalls ziemlich langen, borstigen Schien- und kleinen, aus
einer einfachen Klaue bestehenden Fufsgelenken.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), alle oben
mit einer hornigen Schiene, unten mit pergamentartiger Haut
bekleidet, alle sehr kurz bis auf das letzte, welches so lang
als die beiden vorhergehenden, und halbkreisförmig gerundet
ist, und an der Spitze ein Paar ganz kleiner, aus einander
stehender, nach hinten gerichteter Hörnchen hat. Der After
ragt nicht vor.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 auf den 8 ersten Hinter-
leibssegmenten und zwar in den Seiten der hornigen Schienen
des Rückens, das neunte auf der Unterseite des Mesothorax-
segment gelegen.
Bem. 1. Eine Larve von sehr eigenthiimlicher Gestalt;
sie ist namentlich auch in der Bildung des Kopfes wohl mit
einer Lamcllicornenlarve zu vergleichen, allein der Kopf ist
verhätnifsmäfsig gröfser, und der Körper ist kürzer und nicht
90
gekrümmt. Von Gestalt ist diese Larve auffallend kurz und
gedrungen. Die Oberseite ist mit einzelnen, aber regelmäfsig
vertheilten, sehr langen aufgerichteten Haaren besetzt.
Bem. 2. Curtis giebt in seiner British Entomology
an, dafs Atopa beim Ausgraben von Orchideen in der Erde
gefunden worden sei, und schliefst daraus, dafs die Larve in
der Erde von Pflanzenwurzeln leben müsse. Die mir mitge-
theilten Larven und Puppen hatte Professor Ratzeburg von
Saxesen in Clausthal erhalten, der sie in der Erde gefunden
hatte. Dafs sie von Pflanzenwurzeln leben, wie die Maikäfer-
larven, dafür spricht die übereinstimmende Structur des Mun-
des, namentlich der Maxillen.
In der zweiten Tribus der Malacodermen, den Lampy-
riden Latr. stimmen die Larven darin iiberein, dafs sie vom
Raube leben und dafs sie ein einziges einfaches Auge auf jeder
Seite des Kopfes haben. Es lassen sich aber aufserdem drei
Typen unterscheiden, welche den alten Gattungen Lampyvis,
Lycus und Cantharis (^Telephorus) entsprechen.
Lampyvis.
Kopf horizontal , ganz in das Prothoraxsegment zurück-
ziehbar, sehr klein, hornig, etwas flach gedrückt, von einer
Hautfalte wie von einer Scheide umgeben, welche auf der
Oberseite häutig, auf der Unterseite aber hornig ist, und wie
ein Kragen die Einfügung der unteren Mundtheile verdeckt.
Ocellen 1 auf jeder Seite, an den Seiten stehend, ziem-
lich grofs, rund.
Fühler an den Vorderecken des Kopfes stehend, vor-
wärts gerichtet, kurz, 3gliedrig, das dritte Glied klein, wenig
aus dem zweiten vorragend.
Stirn ohne abgesetztes Kopfschild, mit ihrem Vorder-
rande den oberen Mundrand bildend.
Lefze nicht vorhanden»
Mandibeln vorgestreckt, sichelförmig gebogen, mit den
Spitzen gegen einander gerichtet, in der Ruhe gekreuzt, sehr
scharf, einfach.
91
Maxillcn mit dicker, cylindrischer Lade, an der Spitze
mit einer dünnen, 2gliedrigen, vollkonunen tasterförmigen, cin-
gelenkten Lade, und einem 3gliedrigen Taster, dessen erstes
Glied grofs und dick, cylindrisch, zweites Glied selir kurz,
wie ein Ring in der Spitze des ersten liegend, drittes klein
und viel schmäler als die beiden anderen ist.
Unterlippe mit schmalem, länglichem, fleischigem Kinn,
hornigen, dicken, ganz getrennten, cylindrischen, einem Taster-
gliede ähnlichen Tasterstämmen, und kleinen und kurzen 2glie-
drigen Tastern, deren Endglied pfriemförmig zugespitzt ist.
Beine mäfsig kurz, mit cylindrischen, dem Körper anlie-
genden, schräg nach hinten und innen gerichteten Hüft-, kur-
zen, mit dem Schenkel verwachsenen Trochanter-, längeren
Schenkel-, ziemlich kurzen, borstigen Schien- und kleinen, aus
einer einfachen Klaue bestehenden Fufsgelenken.
Körpersegmente 12 (9 Hintcrleibssegmente), alle oben
mit einem einzigen, die 8 ersten Hinterleibssegmente unten
mit 3 neben einander liegenden hornigen Schildern. Der After
etwas vortretend, als Nachschieber dienend.
Stigmen paare 9, und zwar auf dem Mesothorax- und
den 8 ersten Ilinterleibssegmenten in den seitlichen Schilden
der Unterseite gelegen.
Bern. 1. Die Verwandlungsgeschichte der Lampyris
noctiluca, deren Larve der eben gegebenen Beschreibung
zum Grunde gelegeh hat, ist schon von Degeer dargestellt
worden. Die exotischen Lampyren kommen in der Form und
Structur der Larve gröfstentheils mit der einheimischen voll-
kommen überein. Ein sehr ausgezeichneter Character dieser
Abtlieilung ist der, dafs der Kopf sich ganz in das Prothorax-
segment hineinziehen kann, dessen obere Platte schildförmig,
seitlich und nach vorn vorragt. Auch die Rückenplatten der
beiden folgenden Segmente sind in demselben Grade als das
erste, mehr oder weniger seitlich erweitert.
Bem. 2. Westwood bildet in seiner Introducüon
(S. 254 f. 1. und S. 259 f. 1.) zwei merkwürdige Larven ab,
welche von Java sind und von welchen ich auch Exemplare,
vor mir Ijabe. Die eine ist bedeutend grofs, so flach wie ein
Kartenblatt, die drei Thoraxsegmentc unverhältnifsmäfsig grofs
92
und breit, wodurch die Körperform der eines Argiilus oder
Caligus ähnlich wird; die Hinterleibssegmente jedes in einen
schräg nach hinten gerichteten seitlichen Fortsatz auslaufend.
Die andere ist in ihrer Körperform von übrigen Lampyren-
larven nicht verschieden, und zeichnet sich nur durch die
Reihen grofser, knopfförmiger Tuberkeln aus, deren sich 2 auf
auf dem Rücken, 2 an jeder Seite, 4 auf dem Bauche finden.
Westwood ist geneigt, diese beiden Larven, von denen die
erste schon von Perty in seiner Dissertation über ostindische
Insecten als muthmafsliche Malacodermen- oder Silphenlarve
abgebildet ist, für die von Lycus zu halten, weil sie von
den eigentlichen Lampyren darin abweichen, dafs ihre Mandi-
beln nicht so lang und scharf sind; allein sie stimmen mit
den Lampyren darin überein, dafs dor kleine Kopf sich gänz-
lich in das Prothoraxsegment zurückzieht, was bei der Lycus-
larve, welche Westwood nicht kannte, nicht der Fall ist.
Bem. 3. Diese beiden eben besprochenen javanischen
Larven zeichnen sich durch eine Eigenthümlichkeit aus, welche
ich an keiner anderen Käferlarve, selbst bei den übrigen Lam-
pyrenlarven nicht wahrgenommen habe. Statt nämlich sonst
der Thorax nur ein Stigmenpaar hat, welches in dem Meso-
seltener in dem Prothoraxringe oder zwischen beiden gelegen
ist, finden sich hier aufser den gewöhnlichen Stigmenöffnungen
auf der Unterseite des Mesothoraxsegment ganz ähnliche auf
der entsprechenden Stelle des Methoraxsegment. Sollte
diese letztere auch eine wirkliche Stigmenöffnung sein, was
erst durch anatomische Untersuchung nachgewiesen werden
müfste, so würden diese beiden Larven als Beispiele einer
merkwürdigen Anomalie durch das Vorhandensein von zehn
Stigmenpaaren dastehen.
Bem. 4. Die Larve von J)nlus hat mit der von Lain-
pyris im Allgemeinen die gröfste Aehnlichkeit, und es ist
möglich, — mir ist sie nämlich nur nach des Grafen Miel-
z ins ky Beschreibung und Abbildung in den Ann al d. scienc.
nat. 1820 bekannt — dafs sie in allen wesentlichen Puncten
mit ihr übereinkommt. Es scheint nämlich, als ob auch hier
der Kopf in das Prothoraxsegment zurückgezogen würde, und
wenn die Augen als fehlend augegeben werden, so liegt es
vielleicht daran, dafs sie von der (auch in der Abbildung
93
angegebenen) Ilautfalte bedeckt wurden. Sonst wäre der
Mangel der Ocellen um so merkwürdiger, da die drei nahe
vorwandten Abtheilimgen der Lampyren, Lycus und Cantha-
vis in diesem Puncte übereinkommen. Dafs die Larve <!er
Lampyris auf ähnliche Weise wie die \on Brilus von Schnek-
ken lebt, ist durch andere Erfahrungen festgestellt worden.
Lycus.
Kopf horizontal vorgestreckt, sehr klein, hornig, oben
und unten flach.
Ocellen 1 auf jeder Seite, auf den Seiten des Kopfes
stehend, klein.
Fühler an den Vorderecken des Kopfes stehend, vor-
ragend, 2gliedrig, das erste Glied sehr kurz, das zweite an
der Spitze abgerundet.
Stirn den oberen Mundrand bildend, ohne abgesetztes
Kopfschild.
Lefze nicht vorhanden.
M a n d i b el n vorgestreckt, dünn, fast borstenförm ig, schwach
gebogen, spitz, am Vorderrande der Stirn unmittelbar neben
einander eingelenkt, so dafs sie sich nicht gegen, s«ondern nur
auseinander bewegen können.
Maxillen frei, vorstehend, nahe der Unterlippe einge-
lenkt, mit ziemlich kurzem und dickem, cylindrischem, einem
Tastergliede ähnlichen Stamm, und kurzem, dreigliedrigem,
kegelförmigem Taster. Der Stamm ist auf der Obeirseite flei-
schig, und die Lade daselbst durch eine kleine frlornleiste
angedeutet.
Unterlippe ohne Spur von Kinn und Zunge, lediglich
aus den beiden, am Grunde verwachsenen kurzen Tasterstäm-
men bestehend, mit kurzen 2gliedrigen Tastern.
Beine ziemlich kurz, mit auseinanderstehenden, kurzen,
schräg nach innen und hinten gerichteten Hüft-, kurzen Tro-
chanter-, längeren Schenkel- und Schien-, und in einer einfachen
Klaue bestehenden Fufsgelenken.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), alle oben
mit einer Hornschiene, unten mit drei Hornflecken, die Hin-
terleibssegmente mit hornigen, kegelförmig vorragenden Seiten-
94
Schwielen; das letzte ganz hornig, weit nach hinten vorragend,
mit einem Paar gegen einander gekrümmter Hörner; der After
zapfenförmig vortretend, als Nachschieber dienend.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 auf den 8 ersten Hinter-
leibssegmenten, und zwar in den Seitenschwielen vor der ke-
gelförmigen Vorragung, das neunte unten auf jeder Seite am
Vorderrande des zweiten (Mcsothorax-) Segments gelegen.
Bem. Die Larve des Lycus sangulneus ist bisher
nur von Latreille (Cuv. Regne animal Ed. II. S. 464) kurz
beschrieben worden. Sie hat mit einer Lampyrislarve sehr
grofse Uebereinstimmung unterscheidet sich aber auch sehr
wesentlich durch den nicht zurückziehbaren Kopf, die beson-
dere Stelhmg der Mandibeln, welche nicht wie gewöhnlich und
auch bei hampyris an den entgegengesetzten Seiten des Kopfes,
sondern neben einander eingelenkt sind, die nur in einer Horn-
leiste angedeutete Lade der Maxillen, statt dafs sie bei Lain-
pyris 2-gliedrig und tasterförmig ist, und durch das Ausbleiben
des Kinnes. Wenn die Larve still sitzt, hält man unwillkürlich
das von der schwarzen Körperfarbe abstechende, brennend
gelbrothe letzte Hinterleibssegment für den Kopf, und die nach
hinten gerichteten und gegen einander gekrümmten Hörner für
die Mandibeln. Die Nahrung der Lycuslarve kann nur in Raube
bestehen, vielleicht ähnlich wie beider von Lampyiis aus Mol-
luscen, denn durch eine einigermaafsen harte Oberhaut dringen
die schwachen Mandibeln nicht durch. Es scheint fast, als ob die
Bewegung der Mandibeln hier nicht sowohl gegen als ausein-
ander stattfände, nämlich dafs sie geschlossen in den Körper der
Beute eingesenkt und dann geöffnet würden, wo denn leicht
der Kopf in die erweiterte Wunde eindringen könnte. Es wäre
merkwürdig, wenn die Beobachtung lebender Larven diese
Annahme bestättigen sollte. Man findet die Larve von Lycus
unter Baumrinden, auch habe ich sie nicht selten frei an
Bretterwänden umherkriechend bemerkt.
Cantharis.
Kopf horizontal vorgestreckt, hornig, oben und unten flach.
O Celle n nur zwei überliaupt, nämlich eine auf jeder
Kopfseite, dicht liinter der Einlenkung der Fühler, grofs, quer-
elliptisch.
I
95
Fühler an den Seiten des Kopfes unmittelbar hinter den
Mandiheln eingelenkt, 3-gliedrig, das dritte Glied klein, pfricm-
förmig", etwas gekrümmt, das zweite an der Spitze noch neben
dem dritten mit einem kleinen eingelenkten Fortsatz.
Stirn den Mund rand bildend, ohne abgesetztes Kopfschild.
Lefze nicht vorhanden.
Mandibeln eingeschlagen, stark, sichelförmig gekrümmt,
mit einem starkeii Zahn in der Mitte.
Maxillen unmittelbar neben der Lefze in einem halb-
kreisförmigen Mundausschnitt der Unterseite des Kopfes ein-
gefügt, mit grofsem Stamm, einfacher, eingelenkter Lade, 3-glie-
drigen Tastern, deren erstes Glied grofs und dick, zweites
sehr klein, zuweilen ganz in das erste zurückgezogen, drittes
fein pfriemförmig ist.
Unterlippe mit länglich -viereckigem, hornigem Kinn,
kurzen, am Grunde verwachsenen, häutigen Tasterstämmen,
ohne Spur einer Zunge und mit 2gliedrigen Tastern, deren
erstes Glied ziemlich grofs, dick, cylindrisch, zweites Glied
klein, fein, pfriemförmig ist.
Beine nicht sehr lang, mit auseinander stehendem, schräg
nach hinten und innen gerichtetem Hüft-, kurzem Trochanter-,
längerem Schenkel- und Schien- und sehr kurzem Fufsgelenke,
das letzte mit einfacher, einzelner, ziemlich langer Klaue.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), fleischig,
mit derber Haut, das letzte unter dem After mit einem häu-
tigen, einem halben Saugnapf ähnlichen Nachschieber.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 an den Seiten der 8 ersten
Hinterleibssegmente, das neunte auf der Unterseite in der Falte!
zwischen dem Pro- und Mesothoraxsegment gelegen.
Bern. 1. Die Larven von Cantharis machen sich leicht
kenntlich durch den feinen sammtartigen Filz, welcher sie so
ganz überzieht, dafs nur die vordere Hafte des Kopfes frei
bleibt. Mit den Larven von Lampyris und Lycus stimmen
sie noch darin überein, dafs sie ein einziges Auge auf jeder
Seite, kein Kopfschild und keine Lefze haben, während sie
den nächsten Gruppen sich näher darin anschliefsen, dafs die
Mandibeln, wie es scheint, zum Kauen eingerichtet sind.
Bern. 2. Waterhouse bildet Transact. Ent. Soc. I.
96
t. 3. f. 3.^. die Maxille einer Cantharislarve ab, als verliefe
sie an der Spitze nach innen zu in 2 Dornen; zuverlässig ist
er durch die vielen an dieser Stelle befmdlichen Haare, welche
sich leicht pinselförmig zusammenlegen, getäuscht worden.
Bern. 3. Die Larven von Cantharis leben in der Erde
und vom Raube; man kennt jetzt die von C. fusca seit
Degeer, die der C. rufa durch Waterhouse und die der
C. livida durch Blanchard (in Guer Mag, d. Zool.^;
alle haben unter einander die gröfste Uebereinstimmung.
Von den Melyriden hat Waterhouse in den Trans-
act. of ihe Eni. Soc. die Larven von Dasytes serricor-
nis und aeratus abgebildet. Sie haben grofse Uebereinstimmung
mit den Larven der deren; sie leben auch wie diese im Holze
(Dr. Schmidt bemerkt dasselbe auch von der Larve des
Dasytes coeruleus^, vielleicht aber ebenfalls nicht vom Holze.
Ich habe eine Larve vor mir, welche vermuthlich dieser Ab-
theilung angehört: sie gleicht sehr der Larve eines CleruSj
ist ähnlich, aber nicht so gleichmäfsig, rosenroth gefärbt, sehr
langhaarig. Mundtheile und alles Uebrige sind ziemlich die-
selben; Ocellen sind gleichfalls 5 vorhanden, die vordere
Reihe von 3 ist indefs kleiner und steht unmittelbar hinter
dem Fühler, die hinteren beiden sind etwas gröfser. Water-
house giebt bei Dasytes nur 2 Ocellen an, vielleicht hat er
aber die vordere Reihe der kleineren Ocellen übersehen.
Die Clerier haben in der Gestalt der Larve eine grofse
Aehnlichkeit mit denen der Nitidulen und aller verwandten
Gattungen, so dafs die Unterschiede erst dann recht beurtheilt
werden können, wenn von diesen eine gröfsere Menge genauer
untersucht worden ist. Als Typus diene die Larve des Cl.
formicarius,
Clerus,
Kopf hornig, horizontal vorgestreckt, oben flach, unte
sehr schwach gewölbt.
Ocellen 5 auf jeder Seite, an den Kopfseiten in zwei*
Querreihen sehr genähert stehend, die vordere Reihe aus 3, 5
die hintere aus 2, alle rund.
97
Fühler unter einem Vor^prunge unmittelbar über der
Einlenkiing derMandibeln eingelenkt, sehr klein 2-gliedrig.
Stirn vorn mit schmalem, pergamentartigem Kopfschild.
Lefze vorgestreckt, kürzer als breit, vorn ausgebuchtet.
Mandibeln kurz, aber kräftig und scharf, einfach, mit
sichelförmig gebogener Spitze.
Maxillen dicht neben der Unterlippe eingelenkt, kurz,
olme deutliches Angelgelenk, mit gröfstentheils fleischigem
Körper, ebenfalls fleischiger, verwachsener Lade und ziemlich
kurzem, 3-gliedrigem Taster.
Unterlippe mit viereckigem, fleischigem Kinn, fleischigen,
an der Basis verwachsenen und hornigen Tasterstämmen, 2-glie-
drigen Tastern und kleinem fleischigem Rudiment einer Zunge.
Beine ziemlich kurz, mit kurzen, abstehenden Hüft-,
kurzen, mit dem Schenkel verwachsenen Trochanter-, etwas
längeren Schenkel- und Schien-, und aus einer einfachen Klaue
bestehenden Fufsgelenken.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), das erste
(Prothorax) oben mit hornigem Schilde, unten mit hornigem
Längsfleck, das zweite und dritte (Meso- und Metathorax) auf
dem Rücken mit einem Paar Hornflecken, die übrigen g^z
fleischig, bis auf das letzte, welches oben ein derb horniges,
zweihörniges Schild hat. Der After ragt zapfenförmig vor
und dient als Nachschieber.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 auf den 8 ersten Hinter-
leibssegmenten an den Seiten, das neunte auf der Unterseite
des Mesothorax, nahe dem Seiten- und Vorderrande gelegen.
Bem. Wir kennen die Larve des Trichodes alvea-
rius aus Schaf fers Abhandlung (von der Mauerbiene) II.
T. 5., die des Clerus formicarius aus Ratzeburgs
Forstins., und die des Opilus mollis durch Waterhouse
(Transact. Ent. Soc.^. Alle stimmen ungemein mit einander
überein, so dafs ihre Unterschiede wohl erst bei unmittelbarer
Vergleichung zum Vorschein kommen werden. Sie sind alle
von rosenrother Farbe, un.d mit einzelnen Haaren besetzt. Sie
leben vom Raube. Die Larven von Trichodes scheinen auf
Bienennester angewiesen zu sein, und namentlich Tr. apia-
rius auf die Honigbiene, T7\ alvearius auf Osmia und
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 1. Band, 7
98
MegacJiile. Die Larve von Opiliis mollis fand Water-
house im Holz, zwischen ytnohieji-Laryen, und da der Käfer
sich häufig in Häusern findet, geht seine Larve wahrscheinlich
auch hier gleicher Nahrung nach. Die Larven des Clerus
formicarius stellen nach Ratzeburg den Borken- und
Rüsselkäfer- Larven nach; ich habe sie auch bei denen der
Lamia aedilis gefunden, und sie selbst darüber angetroffen,
wie sie von Larven zehrten, die viel gröfser waren als sie selbst.
Die Ptinioren bilden der Larve nach eine von den
übrigen Malacodermen sehr abweichende Abtheilung. Ich
verbinde damit Apate und glaube, dafs auch Ljmexylon und
Uylecoetus (nebst Atractocerus^ nur ein Abzweig dieser
selben natürlichen Familie sind. Die Larven der eigentlichen
Ptinioren scheinen unter sich grofse Uebereinstimmung zu
haben. Die des Anohium tessellatinn eignet sich ihrer
Gröfse wegen am Besten zur näheren Betrachtung.
Anohium,
Kopf rund, mit nach unten gerichtetem Munde.
Oc eilen nicht vorhanden.
Fühler kurz, unmittelbar über den Mandibeln eingelenkt.
Stirn nach vorn gerichtet, mit abgesetztem, schmalem,
den oberen Theil der Kluft zwischen den Mandibeln deckendem
Kopfschilde.
Lefze von der Breite des Kopfschildes, abgesetzt, fast
bis zur Spitze der Mandibeln reichend.
Mandibeln kurz und breit, mit breiten Flächen gegen
einander gekehrt, stumpf gezähnt, sehr derb hornig.
Maxillen fleischig, mit verwachsener, innen borstiger
Lade und kurzem, 3-gliedrigem Taster.
Unterlippe mit grofsem, fleischigem Kinn, halbrunder,
fleischiger Zunge und am Grunde derselben auf kaum bemerk-
baren, von einander abgerückten Stämmen eingelenkten, kurzen,
2gliedrigen Tastern.
Beine kurz, fleischig, mit kurzen Hüft- und Trochanter-,
mäfsig langen Schenkel-, etjvas kürzeren, borstigen Schien- und
aus einer einfachen, hornigen Klaue bestehenden Fufsgelenken.
I
99
Körper Segmente 12 (9 Hinterleibssegmente), alle flei-
schig, das letzte einfach, der After ein Längsspalt auf der Un-
terseite desselben.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 an den Seiten der ersten
8 Ilinterleibssegmente, das neunte in der Falte zwischen dem
Pro- und Mesothoraxsegment, alle auf der Riickenseite gelegen.
Bern. 1. In ihrer eingekrümmten Gestalt gleichen die
Larven dieser Abtheilung sowohl denen der LamelUcornen,
als denen der Rüssel- und Borkenkäfer. Von den ersten un-
terscheiden sie sich durch die Lage der vordersten Stigmen
und die Kürze der Fühler, von den anderen durch das Vor-
handensein der Beine.
Bem. 2. Die Larven der eigentlichen Pt inen (d.h. die
von PtinuSf Anobium, Dorcatoma u. s. w.) haben einen hor-
nigen Kopf, und die Fühler sind so kurz, dafs sie kaum zu
bemerken sind. Die Larven von Apate QCapucina und
varia) haben einen fleischigen Kopf, an dem nur die Mandi-
beln hornig sind; die Fühler sind hier nicht so kurz als z. B. bei
der Larve des Anohium tessellatum^ aber noch immer bedeu-
tend kürzer als bei den LamelUcornen. Sonst stimmen sie
in den. wesentlichen Puncten mit denen der Ptinen überein.
Beide, vorzüglich aber die von Apate, sind von kurzer, ge-
drungener Gestalt. Die Larven von Lymexylon und Hyle-
coetus (S. Ratzeburg Forstins. L Taf. IL f. 23. 5. und 26. &.)
sind von langgestreckter Form, und weichen darin zwar auf
den ersten Anblick von denen der Anohien und Apate ah,
scheinen aber doch in den wesentlichen Stücken mit ihnen
übereinzustimmen. Ich habe gerade keine derselben zur Ver-
gleichung, um zu sehen, wie weit sich die Uebereinstimmung
erstreckt.
Von den Latreille'schen Clavicornen sind aus der er-
sten Familie, der Palpatores, noch keine Larven bekannt,
die der zweiten Familie, der Histeren hat schon Paykull
in seiner Monographie der Histeroiden nach der des H. mer^
darius geschildert, und folgt hier die genauere Beschreibung
derselben :
7*
100
Ulster.
Kopf horizontal vorgestreckt, hornig, oben und nnten flach.
Oc eilen fehlen ganz.
Fühler an den Seiten des Kopfes eingelenkt, fadenförmig,
3-gliedrig, das erste Glied lang, das dritte klein und dünn,
nach innen gekrümmt.
Stirn nach vorn verlängert, zwischen den Mandibeln
vortretend, den Mund von oben schliefsend (am Vorderrande
gezähnt).
Lefze nicht vorhanden.
Mandibeln stark, sichelförmig gebogen, in der Mitte
gezähnt.
Maxillen ganz frei, in kleiner Entfernung voii der Un-
terlippe eingelenkt, mit grofsem, dickem, vorwärts gerichtetem
Angelgelenk, kleinerem, cylindrischem Stamm, an dessen Spitze
der 3-gliedrige Taster und nach innen ein sehr kleines Rudi-
ment einer Lade eingelenkt ist. Uebersieht man dieses, so
gleicht der ganze Theil einem 5-gliedrigen Taster, dessen
Glieder allmälig an Gröfse abnehmen.
Unterlippe mit kleinem, fleischigem Kinn, mit einander
verwachsenen, an der Basis hornigen, an der Spitze fleischigen,
frei vorstehenden Tasterstämmen ohne Rudiment einer Zunge,
und mit 2-gliedrigen Tastern.
Beine ungewöhnlich kurz und zugleich dünn, nahe an
den Seiten stehend, mit äufserst kurzen, in einander sich ein-
schiebenden Hüft-, Trochanter- und Schenkelgelenken, etwas
längerem Schien- und Fufsgelenk, letzteres mit einfacher, lan-
ger und feiner, fast borstenähnlicher Klaue.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), das erste
(Prothorax) auf der Oberseite ganz, auf der Unterseite an der
vorderen Hälfte hornig, die übrigen fleischig, das letzte an der
Spitze mit einem Paar 2-gliedriger Anhänge ; der After röhren-
förmig vortretend, aber kurz, vermuthlich als Nachschieber
dienend.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 auf den 8 ersten Hinter-
Jeibssegmenten, an den Seiten, das neunte auf dem MesothoraXi
ringe, in der Falte zwischen dem queren Rückenwulst u^dj
einem Längs -Seitenwulst gelegen.
101
Bern. 1. Durch die gegliederten Anhänge am Ilinterleibs-
ende schliefst sich die Larve von Ilister unmittelbar an die
der SilpJien und Staphylinen, durchaus in Uebereinstim-
mung mit der nahen Verwandtschaft, in welcher diese 3 Fa-
milien stehen. Sie unterscheidet sich von beiden sehr durch
ihre kurzen Beine, durch den weichen, fleischigen Leib und
durch den vollkommenen Mangel der Ocellen, von den Silplien-
Larven auch noch durch das Fehlen der Lefze.
Bern. 2. Die Mundöffnung ist unmerklich klein, ohne
Zweifel wird die Nahrung nur durch Saugen aufgenommen.
Dafs sich diese Larven von Raub nähren sollten, scheint aus
den zwar kräftigen und stark vorgestreckten, aber keineswegs
scharfen Mandibeln nicht hervorzugehen. — Man kennt erst
die Larven vom echten Hister; dafs die von Paykull als die
Larve von Hololepta abgebildete eine Zweiflüglerlarve sei,
ist schon anderwärts gezeigt worden.
Silpha.
Kopf hornig, niedergebogen, die Oberseite flach gewölbt,
die Unterseite flach.
Ocellen 6 auf jeder Seite, in zwei Gruj:J^en, nämlich
eine von 4 an der gewöhnlichen Stelle hinter der Einlenkung
des Fühlers und 2 von denselben entfernt, nach unten uiid
vorn gerückt, also unter den Fühlern; alle rund.
Fühler an den Seiten des Kopfes eingelenkt, ziemlich
lang, 4-gliedrig, das erste Glied ganz kurz und dick.
Stirn mit wenig abgesetztem Kopfschild.
Lefze vorhanden, aber mit dem Kopfschilde verwachsen.
Mandibeln kurz und stark, vor der Spitze gezähnt,
eingeschlagen, von der Lefze bedeckt.
Maxillen ziemlich grofs, mit grofser, verwachsener, an
der Spitze gehärteter Lade und 3-gliedrigen Tastern.
Unterlippe mit fleischigem Kinn, fleischigen, völlig ver-
wachsenen Tasterstämmen und kurzen, 2-gliedrigen Tastern.
Beine mäfsig lang, mit langen, dem Körper anliegenden,
schräg nach innen und hinten gerichteten Hüft-, kurzen, mit
dem langen Schenkelgelenkc verwachsenen Trochanter-, eben-
102
falls langen, stachligen Schien- und kleinen, aus einer Klaue
bestehenden Fufsgelenken.
Körpersegmente 12 (9 Ilinterleibssegmente), unten
fleischig, aber mit pergamentartiger Haut, oben mit dünn hor-
nigen Schilden, welche an den Seiten mehr oder weniger über-
ragen, und mit scharfen Hinterecken nach hinten gerichtet
sind; das letzte Segment mit einem Paar fadenförmiger, 2-glie-
driger Anhänge. Der After in Gestalt einer hornigen Röhre
vortretend, mit wulstiger, fleischiger Spitze, als Nachschieber
dienend.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 auf den 8 ersten Hinter-
leibssegmenten, an den Seiten am Grunde der Fortsätze der
Rückenschienen und zum Theil selbst auf der unteren Fläche
dieser Fortsätze, das neunte etwas mehr nach unten in der
Falte zwischen dem Pro- und Mesothoraxsegment gelegen.
Bem. 1. Die Larven der SilpJien unterscheiden sich leicht
von den verwandten der Staphylinen und Histeren durch die
vorhandene Lefze; von den ersteren aufserdem noch durch
die Gruppirung der Ocellen, indem zwei ganz von den übrigen
ab und nach unten gerückt sind.
Bem. 26 Die Larven der N ecrophoren stimmen im
Wesentlichen mit denen der Silphen überein, und weichen
hauptsächlich nur darin ab, däfs die hornigen Schilder die
Segmente nicht so ganz bedecken, wie dies bei den eigentlichen
Silphen der Fall ist, besonders bei solchen Larven als de-
nen der S. ohscura, wo sie den Körper noch weit über-
ragen, während sie bei solchen als S. rugosa nur gerade die
Körpersegmente bedecken.
Bem. 3. Auf die unmittelbare Verwandtschaft zwischen
Catops und Silphen habe ich schon früher (in diesem
Arch. 111. S. 122) hingewiesen. Diese Ansicht wird durch die
Larve des Catops fuscus vollkommen bestättigt, welche
in allen Stücken einer Silphen-LsLYve gleicht, selbst, worin ich
mich nicht zu täuschen glaube, in der Stellung der Ocellen.
Das dritte Fühlerglied ist besonders lang. Die Bekleidung
des ganzen Körpers ist lederartig, welche zwar an den drei
Thoraxsegmenten, nicht aber an den Hinterleibssegmenten schild-
artig die Seiten überragt. — Die Larven der Scaphidlen, mit
103
welchen Latreillo Catops in eine Gruppe vereinigt, sind
Doch nicht bekannt, es ist indefs nicht zu erwarten, dafs auch
diese mit den Silplien -Larven übereinstimmen werden.
Die Larven der Nitidularicn sind von denen der
SilpJien sehr wesentlich verschieden; sie haben grofse Aehn-
lichkeit mit denen der deren, und zeichnen sich wie diese
durch ein horniges und 2 -hörniges Schild auf dem letzten
Körpersegmente aus. Es scheinen auch der Larve nach die
Crypiophagen und die Latreille'schen Xylophagen von Cis
bis Trogosita mit einigen Ausnahmen in diese Abtheilung zu
gehören; die bisher bekannt gemachten Larven aus dieser
ganzen Abtheilung bedürfen aber noch alle einer genaueren
Untersuchung.
Dermestes.
Kopf rund, hornig, der Mund nach unten gerichtet, die
Vorderseite flach gewölbt.
Ocellen 6 auf jeder Seite, in zwei, nicht ganz regel-
iiiäfsigen Querreihen, alle rund.
Fühler^^n den Seiten des Kopfes eingelenkt, kurz, 4-
gliedrig, das erste Glied sehr klein, kaum aus der Gelenkgrube
vorragend, das dritte das längste, das vierte klein, pfriemförmig.
Stirn mit deutlich durch eine Quervertiefung abgesetztem
Kopfschilde.
Lefze deutlich abgesetzt, in der Mitte sanft ausgebucfetet.
Mandibeln kurz und kräftig, an der Spitze stumpf
gezähnt.
Maxillen mit 2 Laden, die innere mit hakenförmig nach
innen gerichteter *Spitze, die äufsere an der Spitze gerade ab-
geschnitten und gefranzt. Die Taster sind 3-gliedrig, kurz,
das dritte Glied langer und schmäler als die übrigen.
Unterlippe mit länglich-viereckigem, lederartigem Kinn,
sehr kurzen 2-gliedrigen Tastern, mit gröfstentheils verwach-
senen Tasterstämraen und kleiner, halbrunder, lederartiger
Zunge.
Beine kurz, mit cylindrischen, dem Körper anliegenden,
schräg nach innen und hinten gerichteten Hüft-, kurzen, mit
104
dem folgenden verwachsenen Trochanter-, längeren Schenkel-,
wenig kürzeren Schien- und aus einer einfachen Klaue be-i
stehenden Fufsgelenken.
Körpersegmente 12, (9 Hinterleibssegmente) alle ziem-
lich gleich gestaltet, allmälig nach hinten ein wenig kleiner,
alle von oben mit hornigen Halbringen bedeckt; das zwölfte
mit einem Paar nach hinten gerichteter Hörner; der After
röhrenförmig vortretend, als Nachschieber dienend.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 an den Seiten der 8 ersten
Hinterleibssegmente, am Hinterrande der Hornschienen, das
neunte am Vorderende des Mesothoraxsegment, ziemlich auf
der Bauchseite, in der weichen Haut gelegen, und dadurch
mehr ausgezeichnet als die der Hinterleibssegmente.
Bern. Es ist hier die Larve achter Dermesten beschrieben.
Den übrigen Larven dieser Familie fehlt das hornige und 2-
hörnige Schild auf dem letzten Körpersegment. Die Larve
der Megatoma pellio ist noch länger gestreckt als die von
Dermestes, kurzbeiniger, nach hinten verjüngt, an der Spitze
mit einem Schweif langer Haare, während die der Dermesten
überall mit mäfsig langen, abstehenden Haaren besetzt sind.
Die Larven von Anthrenus und Attagenus (serrä) sind kürzer,
und haben nicht blos an der Spitze, sondern auch neben der
Spitze längere Haarschweife, welche letzteren hei Anthrenus-
Larven sich radartig ausbreiten können. Die Haare sind bei
allen Larven dieser Familie wiederum behaart.
Byrrhus.
^ Kopf vertical gestellt, hornig, mit nach unten gerichte-
tem Munde.
Ocellen zwei auf jeder Seite, dicht hinter der Einlen-
kung der Mandibeln, von ziemlich gleicher Gröfse, rund.
Fühler dicht über der Einlenkung der Mandibeln, in
einer halbkreisförmigen Aushöhlung verborgen, sehr klein,
2-gliedrig.
Kopf Schild kurz, durch einen Eindruck von der Stirn
abgesetzt.
Lefze hornig, quer -viereckig, klein.
I
105
Mandibeln stark, fast dreieckig, vorn flach gewölbt,
Jiiiiten flach ausgehöhlt, mit der inneren Schneide gegen ein-
ander trefi*end.
Maxillen in der Alishöhhing der Hinterseite der Man-
dibeln liegend, mit dickem, cylindrischem Stamme, eingelenkter,
ungegliederter Lade und ziemlich kurzem, 4-gliedrigem Taster.
Unterlippe mit viereckigem, fleischigem Kinn, fleischi-
gen, kurzen, beinahe mit einander verwachsenen Tasterstäm-
men, kleinen 2-gliedrigen Tastern, ohne Spur einer Zunge.
Beine ziemlich kurz, mit kräftigen, fast dreikantigen,
schräg nach hinten und innen gerichteten Hüft-, einander fast
gleichen Trochanter- und Schenkel-, etwas kürzeren und dün-
neren Schien-, sehr kleinen Fufsgelenken, diese mit einzelner,
einfacher Klaue.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), fleischig,
oben mit halbringförmigen Schienen bekleidet, die auf dem
gröfseren und dickeren ersten (Prothorax-) Segment von derb
horniger, auf den übrigen von lederartiger Consistenz sind. Die
beiden letzten Segmente sind gröfser als die übrigen, nach
unten gekrümmt; das letzte hat unten ein Paar afterfufsartiger
Nachschieber.
Stigmenpaare 9. Acht befinden sich auf den 8 ersten
Hinterleibssegmenten, an den Seiten, zwischen dem Ende der
Rückenschiene und einem Paar Lederschwielen, welche die
Seiten schützen; das neunte auf der Unterseite in der Falte
zwischen dem Pro- und Mesothorax.
Bern. Diese Larve stimmt mit der Beschreibung, welche
Latreille (Regn. An. IV. S.513) und der Abbildung, welche
Westwood {Introd. l. S. 175 f. 17.) von der Bynhus-
Larve geben. Sie hat zwar manches Aehnliche mit Dermesten-
Larven, weicht aber doch in mehreren Puncten ab. Vorzüglich
zeichnen sie die Gröfse und Richtung des letzten Korperseg-
ment aus.
Aus der folgenden Abtheilung der Clavicornen ist zu-
nächst aus der Familie der Acagthopoden die Larve von
Heteroceriis von Westwood {Introd, h S. 113 f. 5.) ab-
106
gebildet worden, indefs nur im Umrifs, so dafs sich über ihre
wesentlichen Charactere noch nichts sagen läfst. Sie zeichnet
sich durch die besondere Breite der drei Thoraxsegmente aus.
Aus der Familie der Macrodactyli sind die Larven
von Faniiis noch zu entdecken, die von Elinis dagegen sind
bekannt.
Elmis.
Kopf niedergebogen.
Ocellen fünf auf jeder Seite.
Fühler an den Seiten des Kopfes eingelenkt, das erste
Glied kurz und breit, das zweite ziemlich lang, cylindrisch,
das dritte klein und schmal, an der Spitze mit einer kleinen
Borste; neben dem dritten ist an der Spitze des zweiten Glie-
des eine Borste eingelenkt, welche mit demselben von gleicher
Länge und Dicke und nur dadurch verschieden ist, dafs sich
an seiner Spitze keine feinere Borste befindet.
Stirn ohne abgesetztes Kopfschild.
Lefze abgesetzt, hornig, viereckig, die Mandibeln be-
deckend.
Mandibeln kurz, dreieckig.
Maxillen mit langem, dickem Stamme, an der Spitze
mit zwei Laden, von denen die innere mit dem Stamme ver-
wachsen, an der Innenseite, die äufsere eingelenkte an der
Spitze mit Börstchen besetzt ist, und einem kurzen 2-gliedri-
gen Taster.
Unterlippe mit länglichem Kinn, breiter, vorn gerun-
deter, häutiger Zunge und kurzen, 2-gliedrigen Tastern.
Beine kurz, mit dem Körper anliegenden, schräg nach
innen und hinten gerichteten Hüft-, ziemlich kurzen Trochan-
ter-, gleich langen Schenkel- und Schien-, und aus einer ein-
fachen Klaue bestehenden Fufsgelenken.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), mit leder-
artiger Bekleidung, auf dem Rücken gewölbt, auf der Unter-
seite flach, mit überragenden Seitenrändern; das letzte etwas
verlängert und zugespitzt, den After an seinem Ende habend.
Die Seitenränder aller Segmente, mit Ausnahme des letzten,
sind mit kleinen, am Rande federartig eingeschnittenen Haut-
läppchen dicht besetzt.
i
107
Stigraenpaare 9, das erste auf dem Mesothorax-, die
übrigen auf den 8 ersten Ilinterleibssegmenten, an den Seiten
der Bauchfläche gelegen.
Bern. 1. lieber diese Larve hat Ph. I. W. Müller (7//^^.
Mag. V. S. 194) die erste Notiz, und Westwood {Introd,
I. S. 113. f. 16. 17.) von ihr einen Unu'ifs gegeben. In ihrer
breiten Form und dem untergebogenen Kopfe gleicht sie einiger-
maafsen einer Silphen-harve. Dafs das letzte Segment gespal-
ten sei, finde ich bei der Larve des Ehn. aenea, welche ich
vor mir habe, nicht. Die eigenthümliche Einfassung der Seg-
mente (Müller nennt sie einen häutigen Saum, Westwood
hat sie ganz übersehen) dient offenbar dazu, die durch die
überragenden Ränder etwas concave Unterseite luftdiclit an
Steine zu drücken. — Westwood Qintrod. S. 113. f. 18.)
bildet eine zweite Larve ab, welche sich mit denen der Elmis
zusammen findet, und welche offenbar eine Käferlarve ist; dafs
die andere die der Elmis sei, geht ausMüller's Angabe her-
vor; welchem Käfer diese angehört, kann einem Beobachter,
der dieser Frage seine Aufmerksamkeit schenken will, nicht
schwer sein zu ermitteln.
Bern. 2. Eine Larve, welche der von Elmis einiger-
maafsen sich vergleichen läfst, hat Zimmermann einige Male
aus Pensylvanien geschickt, doch ohne weitere Nachricht
darüber. Sie ist über 3 Linien lang und von vollkommen
elliptischem Umrifs, oben gewölbt, der ganze Rand dicht mit
genau an einander schliefsenden Haaren besetzt. Der Kopf
befindet sich auf der mittelst des den Körper weit überragenden
Randes concaven Unterseite. Seine Bildung scheint im Ganzen
die nämliche zu sein wie bei Elmis, nur sind die Fühler viel
länger, und es finden sich auf jeder Seite 6 Ocellen. Der
Hinterleib hat auf seiner Unterseite 5 Paar kammförmiger
Kiemen, welche auf den Segmenten 2—6 ihre Stelle haben.
Der einzige Käfer, dem diese Larve angehören könnte, scheint mir
Elmis lithophila zu sein, welche auch aufser der Verschieden-
heit der Larve sich generisch von Elmis unterscheiden würde.
Von den Palpicornen sind die Larven Qm^(iv Hydro-
philen schon mehrfach beobachtet worden.
108
Hydrophilus.
Kopf hornig, horizontal ausgestreckt, oder selbst aufwärts
gerichtet, oben flach, unten kaum etwas gewölbt.
Oc eilen anscheinend keine, weil ihre corneae nicht
vorragen, in der That sind aber sechs auf jeder Seite vor-
handen, welche sich bei äufserer Untersuchung nur als durch-
sichtige Stellen der Kopfbedeckung erkennen lassen. Fünf
derselben sind ungewöhnlich lang und schmal, so dafs man
sie fast linienförmig nennen könnte, nur das sechste ist rund.
Fühler auf der Stirn, dem inneren Winkel der Mandi-
beln gegenüber eingelenkt, 3-gliedrig, das erste Glied lang,
die beiden folgenden dünner, und zusammen etwas kürzer als
das erste.
Stirn ohne abgesetztes Kopfschild, den vorderen Mund-
rand bildend.
Lefze nicht vorhanden.
Mandibeln vorgestreckt, stark, mit der Spitze nach innen
gebogen, in der Mitte gezähnt.
Maxillen in einiger Entfernung von der Unterlippe ein-
gelenkt, frei, mit sehr langem, stielförmigem, grade vorgestreck-
tem, fast bis zur Spitze der Mandibeln reichendem Angelgelenk,
sechs Mal kürzerem, tastergliedähnlichem Stamme, innen mit
einfachem, einem Dörnchen ähnlichen Rudiment einer Lade und
an der Spitze mit 3-gliedrigem Taster.
Unterlippe ganz frei vor dem Munde (zwischen den
Mandibeln) vorragend, in allen Theilen durchaus hornig, mit
viereckigem Kinn, dessen Vorderecken zahnförmig vorspringen,
mit ganz verwachsenen Tasterstämmen, 2-gliedrigen Tastern
und kleinem, zapfenartigem Rudiment der Zunge.
Beine kurz, die Hüften ziemlich lang, cylindrisch, dem
Körper anliegend, schräg nach innen und hinten gerichtet;
Trochanter kurz, fest mit dem lätigeren, zusammengedrückten,
oben und unten mit Schwimmhaaren gewimperten Schenkel
verwachsen; Schiene viel kürzer, nur innen gewimpert, Fufs-
gelenk in einer einfachen, einzelnen Klaue bestehend.
Körpersegmente 11 (8 Hinterleibssegmente) fleischig,,
mit derber, lederartig, vielfach in die Quere gerunzelter Haut,
so dafs die einzelnen Leibessegmente nur nach den Stigmen
109
und Kiemen zu bestimmen sind. Die ersten 7 Hinterleibsseg-
mente haben nämlich, wo keine vollständigen Kiemen vorhanden
sind, ein kurzes, fadenförmiges Rudiment derselben an jeder
Seite aufzuweisen, das letzte Segment hat unter der Spitze
ein Paar ähnlicher aber längerer Anhänge.
Stigmenpaare 8, nämlich 7 auf den 7 ersten Hinter-
leibssegmenten, an den Seiten des Rückens vor und innerhalb
des Kiemenrudiments. Das achte an den Seiten des Mesotho-
raxsegment gelegen.
Bern. 1. Der Körper der Larve ist länglich, spindelförmig,
rücklings übergebogen, welche Stellung, verbunden mit der
oben flachen, unten convexen Form des Kopfes, Frisch ver-
leitete, die Bauchseite für die Rückenseite zu nehmen, und
sich darüber zu verwundern, dafs das Thier seine Beine auf
dem Rücken hätte. Die Haut ist schwärzlich gefärbt, auf
dem Rücken intensiver als auf dem Bauche, fein chagrinartig
gekörnt.
Bem. 2. Die Nahrung der Larve besteht nach Lyonet
und Miger in thierischem Raube, hauptsächlich in Wasser-
schnecken. Die Stellung der Mundtheile macht indefs ein
Verkleinern und Verschlingen der Beute unmöglich. Maxillen
und Unterlippe stehen nämlich ganz frei am Kopfe, zwischen
den Mandibeln bemerkt man keine Mundöffnung, und anschei-
nend schliefst sich die untere Bedeckung des Kopfes unmittel-
bar an die obere. Offenbar mufs also der erste Eingang in
den Nahrungscanal so eng sein, dafs die Ernährung lediglich
im Aussaugen thierischer Säfte besteht. Die Vermuthung^
welche man hegen könnte, dafs auch hier, wie bei den Dy-
üscen-Lsivyeu, die Mandibeln die Nahrung aufnehmen, bestät-
tigt sich nicht, denn sie haben weder einen Canal noch eine
Oeffnung. Anatomische Untersuchung hat mir die Gewifsheit
verschafft, dafs sich der Speisecanal zwischen den Mandibeln
unter dem Stirnrande öffnet. Auch läfst sich an dieser Stelle
mit einem feinen, stumpfen und elastischen Instrument zwischen
der oberen und unteren Kopfdecke eindringen. An den
Oesophagus setzen sich schräg von hinten und aufsen Muskel-
bündel, welche ohne Frage dazu dienen, diesen Theil der
Speiseröhre abwechselnd zu erweitern und zu verengen, und
dadurch das Aussaugen der Beute zu bewerkstelligen.
110
Bein. 3. Die Vertheilung der Tracheenstämme bietet
manches Bemerkenswerthe dar. Wir wissen von mehreren
Beobachtern, dafs die Larve häufig an die Oberfläche des
Wassers kommt, um durch das Afterende Luft aufzunehmen.
Man hat indefs mit Unrecht die beiden längeren, am After
befindlichen Fäden als dabei betheiligt betrachtet. Die beiden
Haupttracheenstämme nämlich, welche an den Körperseiten
liegen, von ungewöhnlicher Weite sind und auffallend wenige
und gröfsere Aeste abgeben, münden nicht in jenen Fäden,
sondern denselben vorbeigehend an der äufsersten Spitze des
Körpers. Ihre Mündung sollte man wohl, wie bei den Dy-
tiscen-Lsiryen, als das neunte Stigmenpaar betrachten, wenn
die äufsere Einrichtung derselben auch von der gewöhnlichen
abweicht. Dann wäre hier dieselbe Zahl der Stigmen, wie
bei den übrigen Käferlarven, und das Verschwinden des zwölf-
ten Körpersegment durch die Lage des letzten Stigmenpaares
an der Spitze des Körpers bedingt. — Trotz dem, dafs die
Luft nur durch die Mündung des Tracheenstammes an der
.Spitze des Körpers aufgenommen wird, sind die eigentlichen
Stigmen keineswegs blind, und jedes derselben empfängt einen
nicht unbedeutenden Ast aus dem Haupttracheenstamme. Diese
Aeste laufen alle in schräger Richtung rückwärts. Es ist
wohl zu vermuthen, dafs wie die hintere Tracheenöffnung zur
Inspiration, die übrigen zur Exspiration dienen, wie Leon
Dufour es bei den Fliegenlarven in ähnlicher Weise annimmt.
Bem. 4. Die Ocellen weichen von der gewöhnlichen
Form darin ab, dafs die Convexität der Hornhaut nicht äufser-
lich, sondern inwendig, dem Glaskörper zugekehrt, ist.
Bem. 5. Aufser der hier beschriebenen Larve des Hy-
droph. piceus ist auch noch die des ff. Carahoides
bekannt; sie hat eine ähnliche Form, unterscheidet sich aber
dadurch, dafs sich statt der Rudimente 7 Paar büschelförmiger
Kiemen an den Seiten des Hinterleibs finden. Sie hat indefs
noch die Anhänge am After, welche den bisher nur von Miger
beobachteten Larven der kleineren Hydrophilen (fuscipes^
picipes, luridus^ nanus, lividus, truncatellus^ fehlen sollen.
(Fortsetzung folgt.)
111
Griippirung der Oattungen der Nager in natürlichen
Familien, nelist Beschreibung einiger neuen
Cxattungen und Arten.
Von
Prof. A. Wagner in München.
(Gel. Anz. d. K. Bair. Acad. 1841. n. 50-54.)
Linne hatte es noch nicht nöthig, bei den Nagern an eine
Gruppirung der Gattungen zu denken, da er solcher nicht
mehr als vier {Castov, Mus, Sciurus und Noctilio) rait 36
Arten hatte, wovon überdies der NoctiUo americanus und
der Castor moschatus gar nicht hicher gehören, indem jener
den Handflüglern, dieser den Insectenfressern zufällt.
Schon Pallas aber, der die Ordnung der Nager nicht
blofs mit einer beträchtlichen Anzahl neuer Arten, sondern
auch mit genauen Beschreibungen ihres inneren Baues berei-
cherte, sah sich in seinem klassischen; Werke: „novae species
quadrupedum e gUrium ordine," vcranlafst, zum wenigsten
die grofse Gattung Mus in 6 Gruppen zu zerfallen, die er
später in seiner Zoographia rosso-asiaiica zu selbstständigen
Gattungen erhob und ihnen durch Zertheilung der einen dieser
Gruppen eine siebente Gattung zufügte.
Schreber, dem nur die zuerst angeführte Arbeit von
Pallas bekannt sein konnte, ging in der Sonderung der Gat-
tungen schon weiter als seine Vorgänger, und stellte im Gan-
zen 10 derselben auf, nämlich: Hystrix, Cavia, Castor', MuSf
Arctomys, Sciurus, Myoxus, Bipus, Lepus und Hyrax,
welch letzterem Cuvier erst späterhin seinen wahren Platz
unter den Dickhäutern anwies. Eine Gruppirung seiner Gat-
tungen nahm indefs Schreber nicht vor, sondern er lieft sie
in der angeführten Reihenstellung einfach auf einander folgen.
Indem nun aber in neuerer Zeit sowohl die Anzahl der
Nagerarten mit reifsender Schnelligkeit in den systematischen
Aufstellungen sich mehrte, als auch die immer häufiger werde»-
den Untersuchungen des inneren Baues, oder doch wenigstens
112
des Zahnsystems, die üeberzeugung gewährten, dafs trotz der
grofsen Aehnlichkeit im äufsern Habitus, die durch die ganze
Ordnung herrscht, gleichwohl bedeutende und höchst markirte
Differenzen in den zuletzt genannten 'Beziehungen obwalten,
so wurde es nicht nur eine dringende Noth wendigkeit, in der
Vermehrung der Gattungen voran zu schreiten, sondern auch,
zur leichteren und sicherern Ueberschauung derselben, sie in
Gruppen (Familien) zu sondern.
Am Einfachsten ist dies von Fr. Cuvier*) undDesma-
rest**) geschehen, indem jener blofs auf die Wurzeln der
Backenzähne, dieser auf die Schlüsselbeine Rücksicht nahm.
Fr. Cuvier nämlich unterscheidet unter den Backenzähnen
zwei Sorten: einmal solche, welche von der Krone deutlich
abgesetzte Wurzeln haben, und andere, denen eigentliche
Wurzeln abgehen und also nur Kronen zukommen. Die Nager
mit Wurzel-Backenzähnen nennt er Rongeurs omnivores, die
mit wurzellosen Backenzähnen Rongeurs herbivores. Als
weiteres Merkmal setzt er hinzu, dafs jene nur einen rudi-
mentären Blinddarm oder gar keinen besäfsen, während selbi-
ger bei letzteren immer mehr entwickelt und complicirter als
der Magen wäre.
Diese von Fr. Cuvier vorgeschlagene Scheidung der
Nager in 2 grofse Abtheilungen kann jedoch nicht beibehalten
werden. Einmal würden Gattungen, die, wie z.B. die Wühl-
mäuse und Zibethratte, in der Beschaffenheit der Krone mit
einander übereinkommen, dadurch aus einander gerissen werden.
Dann ist aber auch der von den Wurzeln abgeleitete Unter-
schied gar kein wesentlicher, indem z. B. bekannt ist, dafs bei
Hypudaeus Glareola und den altweltlichen Stachelschweinen
in der Jugend die Backenzähne der Wurzeln ermangeln, im
Alter dieselben aber ansetzen, wonach man deshalb die jungen
Thiere in eine andere Abtheilung als die alten zu stellen hätte.
Endlich ist der von der Länge des Blinddarmes hergenommene
Unterschied unbegründet, indem es zwar richtig ist, dafs unter
den sogenannten herbivoren Nagern (bei Lepus und Lagomys)
der längste und zusammengesetzteste Blinddarm vorkommt,
^) Denis des mammiferes p. 141.
*) In der Encydopedie methodique, Mammiferes.
113
dagegen ist er bei den Omnivoren keineswegs rudimentär, son-
dern in der Regel ebenfalls ansehnlich entwickelt, auch nicht
selten länger als der Magen, und fehlt nur der einzigen Gat-
tung Myoxus.
Desmarest theilt die Nager in solche mit vollständigen
Schlüsselbeinen, und in solche mit mangelnden oder doch we-
nigstens unvollständigen. Abgesehen davon, dafs hierdurch
die erstere Abtheilung mit Gattungen überfüllt, die andere nur
spärlich mit ihnen ausgestattet wird, ist auch der Unterschied
kein so wesentlicher, da von zwei Gattungen, Lepus und ha-
gomys, welche sich im äufseren und inneren Bau so nahe
stehen, dafs sie durchaus nicht von einander getrennt werden
können, die eine {Lepus) nur unvollständige, die andere {La-
gomys) vollständige Schlüsselbeine besitzt.
Die Eintheilung nach der Länge der Schlüsselbeine rührt
wolil eigentlich von G. Cuvier her, und liegt auch noch
seiner zuletzt getroffenen Anordnung der Nagergruppen zu
Grunde. Als solche hebt er*) folgende 12 hervor; Ecureuils,
Rats, Helamys, Rats-taupes, Orycteres, Geomys, Diplostomay
Castors, Couia, Pot'Cs - Epics , Lievres und' Cahiais. Dafs
diese Abtheilung in Gruppen keineswegs eine durchgängig ge-
lungene ist, wird sich im Verlauf dieser Darstellung bemerk-
lich machen.
Illiger, in seinem meisterhaften Prodromus systematis
marnmalium, vertheilte die Nager {Prensiculantia von ihm
genannt) unter 8 Familien: Macropodä, Agilia, Murina,
Cunicularia, Palmipeda, Aculeata, Duplicidentata und Suh-
ungulata. Auch von dieser Eintheilung, die viel Richtiges
enthält, wird doch im Verlauf unserer Betrachtungen gezeigt
werden, dafs mehrere dieser Gruppen nur auf unwesentliche
äufsere Analogien, keineswegs auf anatomische Verwandtschaf-
ten begründet und somit nicht haltbar sind.
Als eine Verbesserung von 111 ig er 's Anordnung Ist die
von Wiegmann**) gegebene anzusehen, indefs ist dieser
ausgezeichnete Naturforscher bisher verhindert worden, ihr die
*) Vergl. die Table methodique p. XXXI, im Regne animal
2. edit. Vol. I.
*'^) Handbuch der Zoologie S. 56.
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. l. Band. 8
114
Vollendung zu verschaffen, zu welcher er durch gelegentliche
Bemerkungen in seinem Archiv für Naturgeschichte die Aus-
sicht eröffnet hatte. Seine Familien heifsen: Sciurina, Ma-
rina, Lagostomiy Georhychi, Pahnipedia, Leporina, udcii-
leala und Suhungulata, In der Zahl der Familien kommt
er mit 111 ig er iiberein, unterscheidet sich aber nicht blofs in
ihrer theilweise veränderten Benennung, sondern auch meist
in ihrer Umgrenzung, und führt zwei Familien QLagosfomi
und Georhychi^ ein, welche bei Illiger unter die übrigen
vertheilt waren.
Um nicht allzusehr in die Breite auszuschweifen, will ich
eine Menge anderweitiger Versuche, die Nager in Gruppen
zu sond^ern, übergehen, um gleich auf die neueste und zugleich
auch die gediegenste Arbeit der Art zu kommen, es ist dies
die von Waterhouse. *)
Als Eintheilungsgrund hat derselbe den Unterkiefer ge-
wählt, und auf dessen Verschiedenheit 3 grofse Abtheilungen:
Murina, Hyslvicina und Leporina, begründet. Die erstere,
die Murina, characterisirt er dadurch, dafs der absteigende
Ast aus einer breiten, innen concaven, aufsen flachen oder
convexen Platte ^besteht, von quadratischer Form, und deren
hinterer oberer Winkel auswärts, der untere einwärts gerichtet
ist. Der untere Rand dieser Platte besteht aus einer verdick-
ten Leiste, welche von der Unterseite des Alveolar -Theiles
entspringt. Der Kronenfortsatz ragt gewöhnlich hoch über die
Zahnreihe hervor; der Gelenkfortsatz ist lang und schief. Bei
der zweiten Abtheilung, Hystricina, bildet der absteigende Ast
eine flache, dreieckige Platte, deren unterer Rand aus einer
verdickten Leiste besteht, welche von der Aufsenseite des
Alveolartheils entspringt und deren Spitze in einen scharfen
Winkel vorragt. Die Kinnverbindung hat eine beträchtliche
Ausdehnung, der horizontale Ast ist von der Alveolar-Portion
unten durch eine Furche geschieden. Der Kronfortsatz ist
gewöhnlich klein und mehr vorwärts gerückt, und der Gelenk-
fortsatz ist verhältnifsmäfsig kurz. Die dritte Abtheilung bilden
*) Observation! on the Rodentia, with a view to point out the
groups, as indicated by the structure of the Crania in this order of
Mammals {Loud, mag. of nat. history. 1839. p. 90).
il5
die Lepor'ma, blofs aus Lepus und Lagomys bestehend, mit
den bekannten EigenthüniJiclikeiten des Unterkiefers.
Diese drei Sectionen theilt nun Waterhouse weiter ab
in Familien. Die Murina umfassen die Familien: 1) Sciuridae,
2) Myoxidae, 3) Gerhoidac, 4) Muridae, 5) Arvicolidae.
So weit reicht die specielle Ausführung seiner Familien, die
er sämnitlich auf die Beschaffenheit der Schädel, von denen
er eine grofse Menge abbildet, gründet. Aus einer später von
•ihm erschienenen Tabelle über die geographische Verbreitung
der Nager*) ersieht man, dafs er die Ilystricina wieder ab-
theilt 1) in Hystricidae, 2) Octodontidae, 3) Chinchillidae
und 4) Cavüdae. Die Leporina bestehen blofs aus der ein-
zigen Familie Leporidae,
Obwohl gegen diese Eintheilung zu erinnern ist, dafs die
erste und zweite Section nicht immer scharf von einander sich
scheiden, auch bei der zweiten Waterhouse selbst erinnern
mufs, dafs nicht das einzelne Merkmal, sondern nur die Com-
bination der Merkmale zur Festsetzung dieser Abtheilung aus-
reichend ist, so sind hier doch die Familien schärfer unter-
schieden und ihre Gharactere auf verlässigere Haltpuncte
gegründet als in irgend einer früheren Arbeit. Demungeachtet
glaube ich darthun zu können, dafs nicht alle Familien auf
ihre gehörigen Grenzen zurückgeführt, auch einige unterdrückt
sind, welche wieder hergestellt werden müssen.
Ich habe mich im Nachfolgenden bemüht, eine ueueGrop-
pirung der Nager- Gattungen aufzustellen, wie sich mir eine
solche aus einem sorgfältigen Studium dieser Ordnung ergeben
hat. Es hat mich in der Festsetzung der Familien nicht blofs
die Rücksicht auf den äufseren Habitus geleitet, sondern ich
habe hierbei mein Augenmerk hauptsächlich auf die Beschaffen-
heit des Knochengerüstes und Zahnsystems, in manchen Fällen
auch auf die der Eingeweide gerichtet. Auf diese Weise haben
sich mir 12 Familien dargeboten, in welche sich alle mir be-
kannten Nager -Gattungen ohne Zwang einreihen lassen.
Bevor ich an ihre Auseinandersetzung gehe, bemerke ich
nur noch, dafs die Reihenfolge, in welcher ich die Familien
aufzähle, keineswegs als Ausdruck gradweiser Verwandtschaft
*) ytfinah of iiat. hist. N. 33. (1840) p.418.
416
in gerader Linie gelten soll. Im Gegentheil betrachte ich die
Mäuse als den Centralpunct der ganzen Ordnung, von dem
aus strahlenförmig die Verbindungen mit den andern periphe-
risch gelagerten Familien sich anknüpfen.
-I. Pediinana. Fufshander.
Digiti anteriores longissimi, pedes posteriores pollice in-
structi; cranium rotundatum, orbitae postice clausae. . •
Die Fufshander, zu welchen nur die einzige Gattung Chi-
ro7nj.y gehört, werden von Illiger und Blainville zu den
Aflfen, von Cuvier, Wiegmann u. A. zu den Nagern ge-
rechnet. Nach Ausmusterung d^r Klippschiefer ist unter den
vielen Nager- Gattungen der Chiromys die einzige, deren Ein-
reihung unter die Säugthier-Ordnungen zweideutig ist. Nimmt
man lediglich auf das Gebifs Rücksicht, so ist das Fingerthier
ein ächter Nager; betrachtet man dagegen den Schädel, so ist
derselbe von dem aller Nager durch die gewölbte Form, den
kurzen Schnautzentheil, die hinterwärts geschlossenen Augen-
höhlen etc. wesentlich verschieden und kommt in all diesen
Stücken mit den Halbaffen überein, mit denen der Chiromys
auch noch den Daumen an den Hinterfüfsen gemein hat. Bei
dieser überwiegenden Hinneigung des Fingerthiers ,zu den
Halbaffen darf es, wenn man es ja unter den Nagern belassen
will, auf keinen Fall mit den Eichhörnchen zu einer Familie
gezählt werden, sondern mufs eine eigene constituiren, zugleich
das einzige abnorme Glied der ganzen Ordnung ausmachend.
Die Heimath ist Madagaskar, eine durch mehrere eigen-
thümliche Säugthierformen ausgezeichnete Insel.
II. Sciurina. Hörnchen.
Pedes anteriores digitis 4 et Verruca hallucari, posteriores
5-dactyli, cauda dense pilosa; dentes molares | ; ossa frontalia
dilatata, processu postorbilati distincto instructa; foramen iü-
fraorbitale angustissimum. j
Die Gattungen heifsen: 5
Sciurus.
Pteromjs.
117
Tamias.
Spermophilus.
Arctomys.
Die Hörnchen sind durch Schädelbau und Gebifs eine
von den andern Gruppen scharf abgeschiedene Familie, welche
sich hauptsächlich durch folgende Merkmale auszeichnet. Schei-
tel- und Stirnbeine sind breit; die letzteren mit einem hinteren
Orbitalfortsatz, der wenigstens die Abgrenzung der Augenhöhle
von der Schläfengrube andeutet, was bei den meisten der nach-
folgenden Nager nicht mehr der Fall ist. Das untere Augen-
höhlenloch stellt blos einen ganz kleinen, engen Schlitz vor
und erscheint hier im Minimum seiner Ausbildung. Die vor-
deren Gaumenlöcher sind klein und* der knöcherne Gaumen
breit, lang und massig, dadurch das Gegentheil von dem der
Doppelzähner. Die Schneidzähne, zumal die unteren, sind
seitlich zusammengedrückt. An Backenzähnen sind ursprüng-
lich immer | vorhanden, denn bei den Eichhörnchen, wo häufig
nur I gezählt werden, ist blos der erste kleine Zahn des Ober-
kiefers frühzeitig verloren gegangen.
Sie sind von einer, für diese Orrdnung sehr einfachen
Construction ; um desto merkwürdiger ist es, dafs unter den
Flughörnchen einige Arten vorkommen, bei denen unerwartet
eine complicirte, schmelzfaltige Beschaffenheit sich einstellt;
eine Warnung, nicht einseitig nach einem einzelnen Merkmale
classificiren zu wollen.
Auf den ersten Anblick könnte es erscheinen, als hätte
man sich durch Uebereinstimmung im Knochengerüste und
Gebifs verleiten lassen, Thiere von sehr verschiedenem Habitus
zusammen zu stellen. Wirklich haben auch Cuvier und
111 ig er die Murmelthiere mit den Zieseln von dieser Familie
getrennt und zu den eigentlichen Mäusen verwiesen; in dieser
Zusammenstellung sich jedoch bedeutend geirrt, da nicht blos
die osteologischen Verhältnisse ganz dagegen sprechen, sondern
auch von den schwerfälligen Murmelthieren aus durch die
Ziesel und Backenhörnchen ein so allmäliger und inniger
Uebergang zu den zierlichen Eichhörnchen hergestellt wird,
dafs die Scheidung in Gattungen auf ziemlich subtilen Merk-
malen beruht.
Water house hat zuerst dieser Familie ilire richtige
118
Begrenzung angewiesen. Die nur ausRichardson's Beschrei-
bung gekannte Gattung Aplodontia (richtiger Haplodon),
welche er später noch anhangsweise beifügte, darf hierher
durchaus nicht gestellt werden, sondern scheint sich am Schick-
lichsten den Wurfmäusen anzuschliefsen.
Diese Familie findet sich durch die Eichhörnchen in allen
Welttheilen, mit Ausnahme Neuhollands, repräsentirt.
IIL Myoxina. Schläfer.
Pedes anteriores digitis 4 et Verruca hallucari, posteriores
5-dactyli, cauda elongata villosa; dentes molares J, ossa fron-
talia valde coarctata, processu postorbitali privata; intestinum
coecum nullum.
Die Schläfer werden gewöhnlich mit den Eichhörnchen
zusammengestellt, wozu auch die Aehnlichkeit der Gestalt und
des Aufenthaltes leicht verleiten kann; sie zeigen jedoch in
mehreren Stücken so bedeutende Abweichungen von den letz-
teren, dafs man sie als eigene Familie anerkennen mufs, wie
es auch schon von Waterhouse geschehen ist.
Der Sfchädel differirt von dem der Hörnchen auffallend
dadurch, dafs die Stirnbeine wie bei den Mäusen in der Au-
gengegend stark verschmälert sind, und die hinteren Orbital-
fortsätze ihnen ganz abgehen; dafs das untere Augenhöhlenloch
viel gröfeer und daher der Jochfortsatz des Oberkieferbeins
deutlich in zwei Wurzeln geschieden ist; dafs ferner das
Zwischenscheitelbein so sehr nach der Quere sich ausdehnt,
dafs es mit seinen Spitzen noch die Schläfenbeine berührt,
während es bei den Hörnchen nicht über den Bereich der
Scheitelbeine hinausgreift. Auch sind die Paukenknochen der
Schläfer gröfser, die vorderen Gaumenlöcher länger, die Aeste
des Unterkiefers weiter auseinander gesperrt.
Dem Gebifs fehlt der vorderste Lückenzahn des Oberkie-
fers, der bei den Hörnchen durchgängig, wenigstens in der
Jugend, vorhanden ist. Von einer sehr einfachen Structui
gehen die Backenzähne allmälig in eine vielblätterige über^
vvornach ich die einzige Gattung, aus der die Familie besteh'l
I
119
in die vier Untergattungen: Graphiurus, EUomySy Glis und
Muscardinus geschieden habe.*)
Der Darmcanal zeichnet sich vor dem aller anderen Nager
in einer frappanten Weise dadurch aus, dafs der Blinddarm,
der sonst in so ansehnlicher Entwickelung in dieser Ordnung
auftritt, gänzlich fehlt. Dies Merkmal allein würde genügen
zur Rechtfertigung der Errichtung einer besonderen Familie
für die Schliifer.
Ihre geographische Verbreitung beschränkt sich auf die
alte Welt.
' IV. Macropoda. Springer.
Artus distincte saltatorii, anteriores brevissimi, posteriores
longissimi; cauda longa pilosa; foramen infraorbitale magnum.
Hierher 4 Gattungen, die sich in 2 Sippen abtheilen.
a) Dentes molares irregulariter incisi.
Dipus.
Scirtetes mihi {^lactaga Fr. Cuv.)
Jaculus JVagl. (^Meriones Fr. Cuv.)
b) Dentes molares ab uno latere partiti.
Fedetes.
Man stellt gewöhnlich die Rennmäuse (fierhillus) unmit-
telbar neben die Springer, ja Pallas, Schreber und Des-
marest haben sogar einige von jenen unter diese eingereiht,
was beides nicht gebilligt werden kann. Die Rennmäuse sind
in all ihren osteologischen Verhältnissen ächte Mäuse und
dadurch von den Springern weit verschieden. Obgleich bei
den Rennmäusen der Mittelfufs etwas länger als bei den an-
deren Mäusen ist, so ist er doch weder ungewöhnlich lang,
noch tritt hiermit eine Verkürzung der vorderen Gliedmafsen
ein, was beides in so extremer Weise bei den Springern der
Fall ist, in welcher Beziehung in der ganzen Classe der Säug-
thiere nur unter den Beutelthieren noch ein Beispiel gefunden
wird. In gleicherweise ist es nicht zu billigen, wenn Wieg-
mann die Springhasen den Hasenmäuse» zuzählt, da diesen.
*) Vergl meine Beschreibung neuer Nager in den Abh. der Münch.
mathcra. physik. Classe. Bd. III.
120
wie den Reiinniäiiseii , die Verkürzung der vorderen Extremi-
täten abgeht.
Waterhouse hat unter seine Gerhoiden nur die erste
Sippe aufgenommen; über die Stellung des Springhasen blieb
er im Ungewissen. Dieser ist aber unbedenklich den Springern
zuzuzählen, da er nicht blos hinsichtlich des äufseren Habitus,
der Lebensweise und selbst der Färbung, sondern namentlich
auch in der Beschaffenheit des Knochengerüstes ihnen am
nächsten steht. Zwar sind die Mittelfufsknochen des Spring-
hasen nicht in einen einzigen zusammen geschmolzen, indefs
ist dies auch nicht bei allen Springmäusen der Fall, indem die
fünfzehigen Arten, aus welchen Fr. Cuvier die Gattung
Alactaga*^ errichtete, für die beiden äufsersten Zehen ge-
sonderte Mittelfufsknochen aufzuweisen haben, wodurch der
Uebergang zu den Springhasen, bei denen jede Zehe ihrem
besonderen Mittelfufsknochen ansitzt, vermittelt ist. Der Schä-
del kommt mit dem der Springmäuse in der grofsen Entwicke-
lung der den Gehörapparat einschliefsenden Knochenhöhlung,
und in der enormen Weite des Augenhöhlenloches, so wie in
der Zusammensetzung der über die Oeffnung gespannten Kno-
chenbrücke überein, an welcher auch das Thränenbein einen
erheblichen Antheil nimmt.
Die Heimath dieser Familie erstreckt sich über Asien und
einen kleinen Theil des europäischen Rufslands, ferner über
Afrika und das nördliche Amerika, und als eine merkwürdige
Erscheinung kommt auf Neuholland eine Springmaus vor,
V. ChincTiillinn. Hasenmäuse.
Auriculae magnae ; scelides antipedibus subduplo longiores ;
oauda producta, supra et ad apicem longius setosa; vellus
molle; dentes molares f e laminis 2 — 3 parallelis compositi.
*) Statt des barbarischen Namens habe ich Scirtetes gewählt. —
Hinsichtlich der Benennung der amerikanischen Springmäuse erinnere
ich, dafs ihnen der Name MenoneJ, den Fr. Cuvier auf sie überträgt,
nicht beigelegt werden sollte, indem ihn Hliger an Nager der alten
Welt vergeben hat; ich bediene mich daher des von Wagler vor-
geschlagenen Namens Jaculus.
121
' Nur 3 Gattungen machen diese Familie aus:
.■^ Eriomys {Chinchilla).
Lagidittm (JLagotis).
Lagostomus.
Wieg mann und Bennett haben diese kleine Familie^
im Systeme aufgestellt, doch darf ihr nicht, wie schon erwähnt,
der Springhase beigezählt werden, obwohl sie sich an ihn durch
ihre langen Hinterbeine, grofsen Augenlöcher, Zahl und Form
der Backenzähne, so wie durch die an den Hinterfiifsen gerin-
gere Zehenzahl anschliefsen.
Die Hasenmäuse gehören blos Südamerika an.
VI, Fsammorydina, Schrotmäuse.
Habitus murinus, artus proportionales, auriculae mediocres
(rarius magnae); foramen infraorbitale magnum, mandibulae
angulus in cuspidem elongatam excurrens, dentes molares |-.
* cf) Hahrocoma. ß) Capromys.
Octodon. ' Aulacodus,
Psajnmoryctes, Loncheres.
{Nelomys und Echiomys).
Cercomys.
Dactylomys,
Petromys.
Waterhouse hat aus Hahrocoma, Octodon und Psam-
moryctes, wozu er noch Ctenomys stellte, eine besondere
Familie, Octodontidae, errichtet, was ich nicht für nothwendig
und die Zuziehung von Ctenomys sogar für verfehlt halte,
indem letztere Gattung nach Fufsbildung, der rudimentären
Beschaflfenheit des Ohrs und dem kurzen Schwänze zu den
Wurfmäusen gehört. Die Sippe ß hat Waterhouse zusam-
mengestellt mit Myopotamus, Bathyergus, Orycterus, Dasy-
procta und Co elogenys ; Gattungen, die ich in andere Familien
verweise.
Durch die Gattung Hahrocoma schliefsen sich die Schrot-
mäuse an die Hasenmäuse, durch Capromys an die Cavien,
durch Loncheres und Cercomys an die Ratten an, von welch
letzteren sie sich durch Zahl und Form der Backenzähne,
ganz andere Schädolform, namentlich durch die beträchtliche
422
Weite des unteren Augenhöhlenloches und eine Unterkiefer-
form, wie sie Water house von seinen HystriciTi^ angesehen
hat, erheblich unterscheiden.
Die Schrotmäuse haben keine grofse Verbreitung und ge-
hören hauptsächlich Südamerika an.
Vll. Cunicularia. Wurfmäuse.
Corpus crassum, cylindraceum, caput obtusum, oculi minuti
aut tecti, auriculae et cauda nullae aut parvae, artus anteriores
posterioribus robustiores, pedes 5-dactyli, dentes primores
exserti, lati, truncati.
Sobald man nicht nach Einzelnheiten characterisirt , wie
dies Waterhouse nach der Unterkieferform gethan und hier-
durch diese Familie ganz verkannt hat, sondern die Gesammt-
heit der Formen ins Auge fafst, so wird man gerne zugeben,
dafs die Familie der Wurfmäuse eine der hervorstechendsten
unter den Nagern ist. Schon Pallas und Schreber haben dies
richtig erkannt und die hierher gehörigen Thiere als Mures
subterranei in einen Haufen zusammengestellt. Ein Gleiches
ist von Brants und Wiegmann geschehen, doch darf man
nicht, wie es Letzterer gethan hat, den Saccomys mit aufneh-
men, der im Habitus wohl mit den eigentlichen Mäusen, aber
gar nicht mit den Wurfmäusen übereinstimmt.
Wie die Maulwürfe unter den Insectenfressern die plum-
pesten Formen darstellen, so ist dies mit ihren Repräsentanten
unter den Nagern, den Wurfmäusen, derselbe Fall; auch kom-
men beide Gruppen in der wühlenden unterirdischen Lebens-
weise mit einander überein. So grofs die Uebereinstimmung
im äufseren Körperbau ist, so mannigfaltig sind dagegen die
Formen des Schädels und die Zahl und Beschaffenheit der
Backenzähne, nur die Schneidezähne sind bei allen von glei-
cher Form.
Wiegmann hat diese Familie in 2 Abtheiiungen gebracht,
die beibehalten werden müssen. In der ersten, zu der er
Spalax, Georhychus*^ \xn^ Saccornys zählt, haben die Zehen
*) Georhychiis und Bathyergus in der Bedeutung genommen, wie
sie Wiegmann fixirt hat. Rüppel's Batliyergus splendens gehört
keiner dieser beiden Gattungeii an, sondern ist ein ächter Rhizomys.
I
123
der Vorderfiifse nur kurze Nagel, in der zweiten, der er
AspalaXy Bathyergus und Ascomys zutheilt, sind sie mit
langen, starken Siclielkrallen bewaffnet. Ich zähle folgende
Gattungen hierher:
ci) Ungues anteriores ß) Ungues ant. lon-
breves. gissimi.
Ommatostergus. Siphneus.
Spalax. Ascomys.
Chtonoergus. Thomomys.
Rhhomys. Geomys.
Georhychus. Bathyergus.
Ctenomys. llaplodon.*)
Die Wurfüiäuse sind vom südöstlichen Europa an über
Asien, Afrika und Amerika verbreitet.
VIII. Murin a. Mäuse.
Oculi distincti, auriculae et cauda plus mimisve exsertae,
artus posteriores anterioribus longiores, pedes anteriores digitis
4 et Verruca hallucari, posteriores 5-<lactyli, cauda nuda aut
minus pilosa; foramen infraorbitale longitudinale, supra dilata-
tum, infra angustatum; mandibulae angulus rotundatus, dentes
primores inferiores acuminati.
Die Familie der Mäuse ist wie an Gattungen, so auch
an Arten und Individuen die zahlreichste aus der ganzen Ord-
nung. Gleichwohl sind die Differenzen im äufseren Habitus
meist wenig erheblich, daher zur sicheren Unterscheidung der
Gattungen das Gebifs, in welchem eine desto gröfsere Mannig-
faltigkeit obwaltet, immer zur Hilfe gezogen werden mufs.
Als Familie characterisiren sich die Mäuse am Schärfsten
durch die Beschaffenheit ihres Schädels und Gebisses. Der
Schädel ist in die Länge gestreckt, was besonders auch von
den Stirnbeinen gilt, die in der Augenhöhlengegend immer
verschmälert sind, und denen hintere Orbitalfortsätze, wie sie
bei den Hörnchen vorkommen, ganz abgehen.**) Von einer
*) Den von Richard son gegebenen Namen Aplodontia hat
Wagler sprachrichtiger in Haplodon umgewandelt.
**) Selys de Longchamps {Microfiiammal. p. 120) spricht
124
eigenthümlicheii Form ist das untere Angenhöhlenloch und
hierdurch diese Familie am meisten von den anderen unter-
schieden. Der Jochfortsatz des Oberkiefers entspringt, wie
gewöhnlich, mit zwei Aesten; der obere ist kurz und wendet
sich aus- und etwas abwärts, der untere Ast stellt eine breite
vorwärts vorspringende Platte dar, die senkrecht in die Höhe
steigt und vom unteren Augenhöhlenloch nur einen schmalen
verticalen Schlitz frei läfst, dessen Verengung dadurch herbei-
geführt wurd, dafs das Oberkieferbein der erwähnten Platte
gegenüber eine blasig aufgetriebene Tasche bildet, die in die
Nasenhöhle führt und zu der vom Augenhöhlenloch aus ein
freier Zutritt stattfindet. Erst oberhalb jener Tasche kann
das Augenhöhlenloch sich ausbreiten, ohne jedoch auch hier
eine sonderliche Weite zu erlangen.
Von der eben beschriebenen Form habe ich das untere
Augenhöhlenloch bei Mus, Cricetus, Meriones, , Euryotis,
Psammomys , Rhomhomys, Mysfromys und Sminthus ge-
funden; "Waterhouse fügt noch Reithrodon, Sigmodon,
Neotoma und Hapalotis bei. Von Cricetus auratus bemerkt
er, dafs die Platte ausnahmsweise nicht so weit vorspringe,
um die untere Oeffnung, welche in die Nasenhöhle führt, zu
bedecken. Von Hydromys chrysogaster giebt er an, dafs
die Knochenbrücke über das Angenhöhlenloch, welches gröfser
als gewöhnlich ist, noch schmäler sei. Auch bei Dendromys
finde ich, dafs die Platte nicht so weit- vorreicht als bei ande-
ren Mäusen, was bei den Arvicoliden ohnedies Regel ist.
Der Jochbogen ist schwach nnd gewinnt nur bei den
Arvicoliden eine etwas merklichere Stärke; das Jochbein selbst
ist blofs ein schwaches Stäbchen.
Am Unterkiefer ist der absteigende Ast flach, der Winkel
abgerundet, der Kronfortsatz deutlich entwickelt.
Das Gebifs unterscheidet sich von dem der Wurfmäuse
schon gleich durch die schmale Form der unteren Schneide-
zähne, die an ihrem Rande nicht geradlinig abgeschnitten sind,
sondern in eine verschmälerte und abgerundete Spitze aus-
zwar bei den Wasserratten von einer apophyse surorbitaire du fron-
tal, dieser Fortsatz gehört jedoch nicht dem Stirnbein an, wie er
irriger Weise meint, sondern dem Schläfenbeine. -•;
i
125
laufen. Die Normalzalil der Backenzähne 'ist ^, die als unge-
meine Seltenheit auf 4 sich steigert und nur in einem Falle
auf 2 herunter sinkt.
Die Gattungen gruppire ich nach folgendem Schema.*)
a) Molares ^.
Hydromys.
b) Molares -|.
ß) M. plani, op-
posite incisi.
Mysti'OJnys.
Mhomhomys.
Fsammomys,
Meriones.
vt) M. tu her
culati.
Mus.
Cricetus.
Dendromys.
Akodon.
Hapalotis.
Fseudomys,
Euryotis,
S
y) M. alternatim
incisi.
Sigmodon,
Neotoma.
Elimodon,
Reithrodon.
Ctenodactylus
§ ^ f Myodes.
?^§-{ Bypudaeus.
c) Molares f.
Sminthus.
ä) M.
d) Molares -f.
tuberculati. /?) M. plani, incisi.
Perognathus. Saccomys.
Die Mäuse bilden eine Familie, welche über die ganze
Erde, selbst über Neuholland, verbreitet ist.
IX. Castorinu. Biber. ^
Corpus robustum, magnum, ped?s 5-dactyli, posteriores
palmati; dcntes primores validi, cestiformes, molares ^ coin-
plicati, latere altero triplicati, altero uniplicati. .
*) Mijstromys und Rhombomys sind von mir errichtete Gattun-
gen, die ich im Anhange beschreiben werde. An Reithrodon werden
sich wohl die von Waterhouse errichteten Gattungen: Scaptero*
mys, Oxymycterus , Babrothrix und Calomys anschliefsen , deren ge-
nauere Beschreibung noch zu erwarten ist. Auch von Saccomys mufs
der Schädelbau besser bekannt werden, was gleichfalls für Ahodon^
Hapalotis und Fseudomys gilt.
126
Eine Familie, die nur aus zwei Gattungen besteht:
Castor.
Myopotamus.
111 ig er setzt seine Familie Pahnipeda aus den Gattun-
gen Hydromys und Castor zusammen, von welchen die erstere,
aufser den eigentlichen Schwimmratten, auch noch den Schweif-
biber (^Myopotamus) bei ihm begreift. Wiegraann geht in
der Zusammenstellung noch weiter, indem er auch die Zibeth-
ratte hinzufügt. Es kann jedoch nicht gut geheifsen werden,
wenn Schwimmratten QHydrojnys) und Zibethratten mit den
Bibern verbunden werden, indem jene zwar ebenfalls Schwimm-
häute besitzen, aber im Schädel- und Zahnbau gänzlich von
ihnen abweichen. Ein Gleiches gilt für die Zibethratte, die
überdies nicht einmal Schwimmhäute besitzt und von den Ar-
vicoliden nicht getrennt werden kann.
Waterhouse erkennt diese Familie gar nicht an, sondern
stellt Castor mit den Arvicoliden, und Myopotamus mit den
Schrotratten (zwischen Capromys und Echimys) zusammen.
Diese Ansicht läfst sich allerdings, wenigstens in Bezug auf
den Schweifbiber, eher rechtfertigen, gleichwohl halte ich es
für natürlicher, beide Gattungen zu verbinden und von den
übrigen Familien abzusondern. Was die Verbindung des Bibers
mit den Arvicoliden anbelangt, so ist es nicht zu läugnen,
dafs in der Form des Unterkiefers und in den allgemeinen
Umrissen des Schädels eine gewisse Aehnlichkeit besteht; ver-
gleicht man aber die einzelnen Theile mit einander, so findet
man in der Form des Jochbeins, der Stirnbeine, Scheitelbeine,
des Zwischenscheitelbeins, der Schläfenbeine, des unteren Au-
genhöhlenlochs solche markirte Dilferenzen, wie sie in der
Familie der Mäuse nicht getroffen w^erden. Nimmt man nun
noch die auffallenden Abweichungen in der Bildung der Glied-
mafsen und der Schwanzwirbelreihe, ferner den ganz verschie-
denen Bau der Schneide- und Backenzähne hinzu, so würde
man in die merkwürdige Uebereinstimmung, welche die osteo-
logischen Verhältnisse der Mäuse darbieten, eine auffallende
Störung hineinbringen, falls man den Biber ihnen aufdringen
wollte.
So leicht sich demnach die Absonderung des Bibers von
den Mäusen als eine Nothwendigkeit nachweisen läfst, so fragt
J
127
es sich dagegen immer noch, ob seine Zusammenstellung mit
dem Schweifbiber zu rechtfertigen ist. Wollte man blofs die
Schädel beider Thiere berücksichtigen, so wäre allerdings an
keine Vereinigung zu denken, denn so wie sich der Schädel
von Castor an den der Lemminge anschliefst, so der von
Myopotamus an die Lanzenratten. Beachtet man dagegen
die Uebereinstimmung im äufseren Habitus, die Bildung der
Hinterfiifse, hauptsächlich aber die überraschende Aehnlichkeit
im Zahnsysteme, so wird sich die Zusammenstellung von Ca-
stor und Myopotamus wohl rechtfertigen lassen. Wollte
man aber auch zugeben, dafs letzterer, wie es Cuvier gethan
hat, als gesonderte Gruppe hingestellt, oder, nach Water-
house's Vorgang, mit den Schrotratten vereinigt würde, auf
keinen Fall dürfte der Biber zu den Mäusen gezogen werden,
sondern müfste nöthigen Falls für sich allein eine eigene Fa-
milie constituiren.
Die Heimath des Bibers sind die nördlichen und gemäfsig-
ten Gegenden der alten und neuen W^elt, während der Schweif-
biber der südlichen Hälfte Südamerika's angehört.
X. Hystricina. Stachelschweine.
Corpus aculeis teretibus validis, setis intermixtis vestitum;
foramen infraorbitale maximum ; claviculae incompletae ; dentes
molares ^ complicati.
Nach Cuvier's und Brandt^s Vorgang stelle ich die
Stachelschweine, welche Linne und Schreber unter der
einzigen Gattung Hystrix begriffen, in eine eigene Familie
zusammen, welche in mehrere Gattungen nach folgendem Schema
zerfällt:
a) Philogaea. ß) Philodendra.
Hystrix. . Erethizon.
Atherura. Cercolabes,
(ßynetheres und Sphigguriis^
111 ige r und Wiegraann gesellen den Stachelschweinen
noch die Lanzenratten (honchcres) zu. Diese Zusammenstel-
lung ist insofern begründet, als in der Form des Unterkiefers,
der Weite des Augenhöhlenlochs, der Zahl und Form der
Backenzähne eine wirkliche Verwandtschaft sich zu erkennen
128
giebt. Dagegen findet schon in der Stachelbekleidung, die bei
den Stachelschweinen aus drehrunden, hornigen Stacheln, bei
den Lanzenratten dagegen aus platten hohlkehligen Borsten
besteht, ferner in der Form des Schädels, namentlich der
Stirnbeine, in dem Bau der Gliedmafsen, in der unvollständigen
Beschaffenheit der Schlüsselbeine bei den ersteren und in der
ganz abweichenden Form des Schwanzes eine so entschiedene
Differenz statt, dafs eine Vereinigung der Stachelschweine und
Lanzenratten ni^^ht gebilligt werden kann.
Vom südlichen Europa an ist diese Familie über Asien,
Afrika und Amerika verbreitet.
XL Suhungiilata. Hufpfötler.
Corpus pilis tectum, cauda brevissima aut nulla, ungues
subungulaeformes ; foramen infraorbitale permagnum, claviculae
incompletae, dentes molares ^.
Waterhouse ist der einzige Zoolog, welcher diese Fa-
milie aus einander rifs, indem er die beiden Gattungen mit
schmelzfaltigen Backenzähnen mit seiner Familie Hystricidae
in Verbindung brachte, mit welcher sie, so wie mit Myopo-
tamus, in der Schädelform und der Beschaffenheit der Backen-
zähne viel Uebereinstimmung zeigt. Bei der Aehnlichkeit im
Habitus halte ich es indefs für naturgemäfser, die Familie in
ihrer alten Begrenzung zu lassen und sie in zwei Sippen ab-
zutheilen.
a) Molares complicati. b) Molares compositi.
Dasyprocta, Hydrochoevus,
Coelogenys. Cavia.
Kerodon,
Diese Familie ist auf Südamerika beschränkt.
XIL Duplicidentata, Doppelzähner.
Dentes primores superiores duplicati, foramen infraorbitale
parvum, foramina optica conjuncta, palatum osseum singulariter .
coarctatum, claviculae partim incompletae, partim completae. -■
Nur zwei Gattungen sind es, die hierher gehören:
Lepus.
Lagostomus,
i
129
Die Familie der Doppelzähner ist durch die eigenthüm-
licheu Verhältnisse des Schädels und Gebisses von allen anderen
höchst verschieden. Schon der sonderbare Umstand, dafs im
Oberkiefer hinter den 2 Schneidezähnen, wie sie bei allen
Nagern vorkommen, noch ein Paar kleinere gefunden werden,
ist ohne weiteres Beispiel. Ein merkwürdiges Verhalten ist
es auch, dafs die Sehelöcher in ein einziges vereinigt sind,
was an die Vogelbildung erinnert. Ferner ist der Gaumen
blos eine schmale Brücke, vor welcher die grofsen vorderen
Gaumenlöcher eine weite Lücke verursachen, während hinter
der Brücke eine noch gröfsere Lücke übrig bleibt. Die Form
des Hinterhauptes und die netzartige Durchbrechung der Seiten-
theile des Oberkiefers beim Hasen deutet auf die Wiederkäuer
hin. Der Unterkiefer zeichnet sich durch seine flache Form,
den ungemein erweiterten Winkeltheil und die horizontale
Kinnverbindung aus. Die Schlüsselbeine sind bei den Hasen
unvollständig, bei den Pfeifhasen vollständig. Der Blinddarm
ist bei dieser Familie am gröfsten und zugleich am complicir-
testen, hierdurch das volle Gegentheil von den Schläfern
darstellend.
Während die Pfeifhasen nur auf die nördlichen oder al-
pinen Gegenden Asiens und Nordamerikas beschränkt sind,
sind dagegen die Hasen, mit Ausnahme Neuhollands, über die
ganze Erde verbreitet.
Anhang.
Beschreibung einiger neuer Gattungen und Arten
von Nagern.
1. Rhomhomys, Die Rautenmaus.
Dentes primores superiores sulcati; molarium laminae
obtuse rhomboideae, medio dilatatae; os interparietale trans-
versim coarctatum; habitus murinus, cauda longa crassiuscula,
dense et breviter pilosa, apice subfloccosa.
Die Rautenmäuse sind bisher von den Rennmäusen (^Me-
riones 111., Gerbillus Fr. Cuv.) nicht geschieden worden,
Archiv f. Naturgesch. VU. Jahrg. 1, Band. 9
130 - ,
mit denen sie allerdings in den änfseren Formen übereinkom-
men; indefs fmdet sich in der Beschaffenheit der Backenzähne,
und so weit mir die Schädel bekannt geworden, auch in der
Form des Zwischenscheiielbeins eine merkliclie Diflferenz, die
man wohl benützen soll, um diese im Habitus und in der
Färbung so ähnlichen Thiere auf eine schärfere Weise als
bisher zu unterscheiden. Zur Durchführung der Trennung
sind mir indefs von mehreren Arten die Schädel nicht bekannt.
Mit Entschiedenheit gehört hierher die von mir als Meriones
rohustus^) beschriebene algierische Art, welche ich jetzt als
einen ächten Rhomhomys erkannt habe. Ferner ist dieser
Gattung eine neue Art beizuzählen, der ich den Namen\RÄom-
homys pallidus gebe und die gleich nachher beschrieben
werden soll. Da sie sowohl mit Mus tamaricinus als meri-
dianiis nahe verwandt ist, so könnten diese beiden Arten, die
lilir übrigens aus Autopsie nicht bekannt sind, ebenfalls der
neuen Gattung einzureihen sein. Endlich wird noch der J)i-
pus indicus sich, ihr anschliefsen, wie sich dies wenigstens
aus F'r. Cuvier's Abbildung des sehr abgeführten Gebisses
vermuthen läfst.**)
Zur Gattung der Rautenmäuse — so weit sie mir bis
jetzt bekannt geworden ist — gehören rattengrofse , ziemlich
dickleibige Thiere, mit starkem, am Ende in eine dünne Quaste
geendigtem Schwänze. Die Oberlippe ist in der Mitte einge-
schnitten, aber nicht vollständig gespalten, gerade wie bei den
Rennmäusen.
Das Gebifs besteht aus |- Schneidezähnen und ^ : ^ Backen-
zähnen. Die Schneidezähne sind schmal, gefärbt, die oberen
der Länge nach von einer oder auch zwei Furchen ausgehöhlt.
Die Backenzähne bestehen aus 2 — 3 schmal gedrückten Rauten,
die an den Seitenwänden des Zahnes durch tiefe Längsein-
schnitte von einander geschieden sind, in der erweiterten,
Mitte aber zusammenstofsen. Im Oberkiefer besteht der erste
*) In M. Wagner's Algier III. S. 35.
**) Auch Fr. Cuvier's Gerbille indeterminee {Tr ansäet, of th\
xool. Soc. II. 2. p. 143 t. 26. f. 1 — 4.) gehört entschieden zu Rhombc
mys und mag sich wahrscheinlich auf Ehr.enberg's Mm rußa
datus beziehen. '
131
Backenzahn aus drei Rauten, die ziemlich gleich grofs sind,
der zweite aus zwei, die den vorigen gleichen, der dritte ist
viel kleiner, doch zeigt .bei Rhomhomys pallidus die Furche
auf jeder Seite seine Zusammensetzung aus zwei Stücken an.
Im Unterkiefer besteht der erste Zahn ebenfalls aus drei, der
zweite aus zwei Rauten, der dritte viel kleinere Zahn nur aus
einer, die zugleich mehr gerundet ist.
Der Schädel unterscheidet sich von dem der Rennmäuse
schon gleich in der Form des Zwischenscheitelbeins. Während
nämlich dieses bei Meriones sehr in die Quere gedehnt ist,
so dafs der Querdurchmesser den Längendurchmesser weit über-
trifft, verkürzt sich dagegen bei Rhomhomys der erstere sehr,
während der letztere so zunimmt, dafs die beiden Durchmesser
einander fast gleichkommen, oder doch nur eine geringe Diffe-
renz darbieten. Der Unterkiefer kommt in seiner Form dem
von Arvicola noch näher, als es bei Meriones der Fall ist.
Cretzschmar's Gattung Psammomys kommt im Habitus,
in der Schädel- und Zahnform mit Rhomhomys überein, so
dafs als einziger Unterschied angeführt werden kann, dafs bei
jenem die Schneidezähne gefurcht, bei diesem ungefurcht sind.
a. Rhomhomys pallidus Wagn. Die blasse
Rautenmaus.
Rh. supra pallide flavidus, subtus albido-lutescens, auricu-
lis parvis ; cauda crassiuscula, supra isabellina, infra lutescente,
apice nigro-fasciculata; dentibus primoribus superioribus bicana-
liculatis.
Unter dem Namen Meriones tamaricinus fem. habe icli
vom Naturalienhändler Brandt einen Nager erhalten, der
durch Kürze der Ohren, so wie durch die Färbung des Schwan-
zes von dem Pallasschen Mus tamaricinus entschieden ab-
weicht. Die Farbe der Oberseite ist sehr licht fahlgelb mit
schwachem röthlichem Anflug und durch viele schwarze Haar-
spitzen und ganz schwarze Haare fein schwarz gestrichelt;
die Seiten und Füfse sind licht ockergelb, die Unterseite gelb-
lich weifs, die Krallen schwarzbraun. Wie bei allen Arten
ist immer die untere Hälfte der Haare schieferfarben. Der
Schwanz ist ziemlich stark, dicht behaart, am Ende mit schwa-
9*
132
eher Quaste, auf der Oberseite röthlichfalb, längs der Mitte
mit kurzen schwarzen Haarspitzen und einzelnen längeren
schwarzen Haaren, auf der Unterseite einförmig ockergelb, der
Endpinsel auf der Oberseite meist aus schwarzen Haaren
gebildet. Ringe, wie sie am Schwänze von M. tamaricinus
angegeben sind, fehlen gänzlich. Als ein sehr bezeichnendes
Merkmal ist noch das hervor zu heben, dafs die oberen
Schneidezähne von zwei Längsfurchen durchzogen sind.
Körper. 5" 6'"
Schwanz ohne Haare .... 5 1
Ueberragendes Haar .-...06
Ohrlänge 0 6
Hinterfufs bis zur Krallenspitze 1 5
Als Heimath ist das südöstliche Rufsland angegeben,
auch wurde mir mein Exemplar mit anderen dort vorkommen-
den geschickt; die Selbstständigkeit ist freilich durch weitere
Untersuchungen aufser Zweifel zu setzen.
2. MystromySi Die Löffelmaus.
Dentes primores laeves haud sulcati, molarium lamellae
(2 — 3) medio anfractae, parte altera paululum post alteram
posita; auriculae pilosae amplae, cauda breviter et densepilosa,
mediocris, apicem versus attenuata.
Aus einem schönen, mit dem vollständigen Schädel ver-
sehenen Exemplare einer südafrikanischen Maus errichte ich
die neue Gattung MystromySy welche ein Mittelglied zwischen
Meriones und Hypudaeus bildet, mit letzterer Gattung im
Habitus, mit ersterer mehr im Zahnbau übereinkommend. Die
Gestalt ist mausartig mit ziemlich grofsem Kopfe; die Ohren
sind besonders grofs und breit, im Umfange gerundet, auf der
unteren Hälfte der Rückseite lang und buschig behaart, auf
der oberen mit kürzeren angedrückten Haaren, was auch vom
Aufsenrande der Innenseite gilt, die . im Uebrigen ziemlich
kahl ist. Die Schnurren sind von Kopflänge; die Oberlippe
in der Mitte ausgeschnitten, aber nicht vollständig gespalten.
Die Füfse verhalten sich wie die der Mäuse; der Schwanz
ist mittellang, dicht mit kurzen Haaren besetzt, und läuft in
eine stumpfe Spitze aus, ohne dafs an selbiger die Haare
länger würden. Die Behaarung ist reichlich, lang und weich.
133
DasGebifs ist eine Modificatiou von dem der Rennmäuse.
Die Schneidezähne haben die Form von diesen, doch geht
ihnen die Längsfurche ganz ab. Backenzähne sind ^ vorhan-
den, wovon der vorderste aus 3, der mittlere aus 2, der hin-
tere nur aus einer Lamelle besteht, an welcher sich hinten
noch ein kleineres Stümpfchen anlegt, so dafs dadurch eine
Art Kleeblatt entsteht. In dieser Beziehung kommt die Löffel-
maus mit den Rennmäusen iiberein, unterscheidet sich aber
sehr wesentlich gleich dadurch, dafs die Lamellen der Backen-
zähne nicht nur schmäler als bei diesen, sondern auch in der
Mitte gebrochen und die Hälften etwas hintereinander gescho^
ben sind; die vorderste Lamelle des ersten Zahns ist jedoch
wie bei den Rautenmäusen einfach und nicht gröfser als eine
der gebrochenen Hälften. Hinsichtlich der gebrochenen Be-
schaffenheit der Zähne besteht einige Aehnlichkeit mit den
Feldmäusen, aber bei diesen ist nicht blos die Zahl der Seiten-
stücke weit gröfser, sondern sie stellen auch dreiseitige Prismen
vor, während sie bei der Löffelmaus abgerundet und etwas
gewunden sind.
Der Schädel ist wie der der Rennmäuse geformt, mit
dem Unterschiede, dafs die Paukenknochen kleiner, mehr denen
der Feldmäuse ähnlich sind, weshalb auch der Zwischenraum
zwischen ihnen und dem hintersten Backenzahn gröfser ist
und die Gaumenflügel des Keilbeins viel ansehnlicher sfch
ausbreiten können.
a. M, alhipes Wagn. Die weifsfüfsige Löffelmaus.
M subbruneo-griseus, nigro-irroratus, subtus griseo-albidus,
pedibus albis, cauda supra fusca, infra albida.
Die ganze Oberseite ist licht bräunlichgrau mit Schwarz
melirt; die ganze Unterseite graulich weifs. Alle Haare sind*
in ihrer unteren Hälfte schieferschwarz, auf der Oberseite ia
ihrer oberen Hälfte licht bräunlichgrau und meistentheils mit
schwarzen Spitzen, auf der Unterseite ist die Endhälfte der
Haare weifslich. Die Füfse unterscheiden sich von dem übri-
gem Theile der Gliedmaafsen durch ihre schnell abgesetzte
kurze Behaarung, so wie durch den lichtgelblichen Anflug der
weifsen Haare. Der Schwanz zeigt oben die Farbe des Rückens,
unten ist er weifslich. Die Behaarung der Ohren ist aufgeu
134
von Rückenfarbe, innen nach unten braun, nach oben 'grau-
weifslich. Von den Schnurren sind die vorderen meist weifs,
die hinteren schwarz.
Körper, in gerader Linie . . 4" 11'"
Körper, nach der Krümmung 5 3
Schwanz 2 4
Ohrlänge 0 9^
Ohrbreite 0 7
Hinterfufs mit Kralle . . . 0 11|
Die Heimath ist Südafrika, woher die Sammlung durch
den Naturalienhändler Drege ein Exemplar erhielt.
3. Euryotis pallida Wagn. Die falbe Ohr-enmaus.
E. supra flava, nigro-intermixta, lateribus subtusque e lu-
tesceute albida; auriculis mediocribus; cauda supra nigra, basi
flavida, subtus lutescente; dentibus primoribus superioribus
bisulcatis, inferioribus unicanaliculatis.
r Von dieser Art, die schon durch die eigene Furchung
der Vorderzähne von den anderen sich unterscheidet, hat die
Sammlung zwei Exemplare erhalten: ein ausgewachsenes und
ein jüngeres. Die Ohren sind hier nicht so grofs als bei uni-
sulcata. Die oberen Vorderzähne haben zwei Längsfurchen:
eine stärkere am Aufsenrande und eine feinere am inneren;
die unteren Schneidezähne haben ebenfalls der Länge nach
eine flache Auskehlung. Von den oberen Backenzähnen hat
der vordere 3, der mittlere 2 und der hintere 4 Lamellen;
von den unteren hat der vordere 3 nebst einem Ring, der
mittlere und hintere jeder 2 Lamellen. Die Farbe der Ober-
seite ist falb mit Schwarz gesprenkelt, indem hier die in der
Wurzelhälfte schieferschwarzen Haare an der äufseren Hälfte
falb sind, häufig mit schwarzen Spitzen oder ganz schwarzen
Haaren untermengt. Die Hals- und Leibesseiten sind lichtgelb,
mit geringer schwarzer Sprenkelung, die Unterseite ist noch
lichter, die Füfse hellgelblich, die Ohren fahlgelblich behaart.
Der Schwanz ist auf der Unterseite lichtgelblich, auf der obe-
ren anfangs blafsfalb, dann braunschwarz mit schwarzer Spitze,
— Die Länge des gröfseren Exemplars ist in gerader Linie
5" 9'", nach der Krümmung 6" 1'", des Schwanzes, dem die
135
Spitze fehlt, 2" 7"'; am kleineren mifst der Körper nach der
Krümmung 5" 3'", der Schwanz 2" 6'". — Die Heimath ist
Südafrika, von woher uns durch Drege zwei Exemplare zukamen.
4. DendromyspumilioWagn. DiQ falbe Baummaus.
D. fuhois, subtus alb«s.
Die G&ttung Dendromys ist durch die Beschaffenheit ihrer
Füfse und ihres Gebisses von Mus hinlänglich verschieden, so
dafs ihre generische Absonderung vollkommen gerechtfertigt
ist. Bisher kannte man nur die eine Art, welche Smith unter
dem Namen Dendromys iypus bekannt gemacht hat, die
aber schon früher von Brants als Mus mesomelas publicirt
worden war. Eine zweite Art der Baummäuse stelle ich nach
einem Exemplare auf, das die hiesige Sammlung von Drege
acquirirte. Von Dendromys mesomelas unterscheidet sicj,
die neue Art durch viel geringere Gröfse und den J^angel
der schwarzen Rückenlinie, so wie durch die rötViitche Bei-
mischung am Unterleib. Die Farbe des erwähnten Exemplars
ist auf der Oberseite lebhaft rostfalb, auf der Unterseite- und
Oberlippe weifs. Die Ohren sind aufsen und innen spärlich
mit rostfarbigen, die Füfse und Zehen mit weifslichen Härchen
dünne besetzt; die Schnurren sind schwärzlich, einige mit
lichten Spitzen. Die einzelnen Haare der Oberseite sind in
ihrer unteren Hälfte schieferschwarz; auch sind ihnen viele
ganz schwärzliche Haare eingemengt. Die Härchen des Schwan-
zes sind lichtgräulich; die Krallen weifslich, an der Wurzel
mit rothbraunem Fleck.
Körper in gerader Linie 2" 8'", Körper nach der Krüm-
mung 2" 11'", Schwanz 3" 8"', Ohr 0" 5"', Vorderfufs mit
Kralle 0" 4V", Hinterfufs 0" 8'".
Die Heimath dieser neuen Art ist, gleich der schon seit
einiger Zeit bekannten, die Südspitze von Afrika.
5. Pteromys aurantiacus Wagn, Das falbrückige
Flatterhörnchen.
Pt. supra aurantio-fulvus, subtus albidus, sparsim ochraceo-
lavatus; patagio prope carpum in angulum acuminatum excur-
rente, cauda plana disticha, castauca.
136
Es wundert mich, dafs diese durch ihre Färbung höchst
ausgezeichnete Art, von der ich aus der Würzburger Sammlung
ein Exemplar zur Ansicht erhalten habe, von den holländischen
Naturforschern, die auf den sundaischen Inseln für das Museum
in Leyden sammelten, nicht aufgefunden worden ist. In der
Form des Kopfes, der Ohren, der Flughaut und des Schwan-
zes kommt sie ganz mit Horsfield's Pt. lepidus überein,
ist aber gröfser. Die Bartborsten sind wie bei letzterem, an
den Wangen oder vor den Ohren sind aber gar keine vor-
handen, was auch gleich von Pt. genibarhis unterscheidet.
Die Farbe der Oberseite des Kopfes, Halses und Rumpfes ist
ein lebhaftes Orangeroth, das hie und da etwas schwarz ge-
scheckt ist, indem die untere Hälfte der Haare Schieferfarben
ist, was gegen die Mitte ins Schwarze übergeht. Auf den
Armen, Schenkeln und der dem Leibe zunächst liegenden
Hälfte der Flughaut fallen die Haarspitzen mehr ins licht Fahl-
gelbe ; die äufsere Hälfte der Flughaut ist mit einfarbig dunkel-
braunen Haaren besetzt. Die ganze Unterseite ist weifs, an
den Wangen, Seiten und beiderseits neben den Schenkeln mit
ockerfarbigem Anflug. Die äufsere Hälfte der Flughaut ist
auch auf der unteren Seite braun ; ihr Rand weifs, in ähnlichem
Verhältnifs wie bei PL lepidus. Der Schwanz ist rostig- ka-
stanienbraun; an der Wurzel zu beiden Seiten orangegelb ein-
gefafst. Die Farbe der Ohren, Zehen, Sohlen und Krallen wie
bei P^, lepidus,
Körper. . 5" 10'
Schwanz*) 4 3
Ohr. . . 0 5
Flugweite . 5 3
Die Heimath ist die Insel Banka.
6. L. mediterraneus Wagn, Der mittelmeerische
Hase.
L. timido multo minor, auriculis capite longioribus, medio
nudiusculis, apiee nigris; nucha artubusque ochraceo-rufescen-
tibus, cauda supra nigra, infra alba, Stria alba post oculos.
vm
*) Der Schwan? ist am Ende etwas verstofsen.
137
Der Hase. Cettis Sardinien.
Lepus timidus? Küster, Isis. 1835. S. 80.
Der Hase von Sardinien, von welchem ich mehrere Exem-
plare bei C. Küster sah, auch eines für das hiesige Museum
acquirirte, weicht von dem gemeinen Hasen in der Gröfse,
Behaarung der Ohren und selbst zum Theil in der Färbung
so auffallend ab, dafs er nicht blos als eine Abänderung, son-
dern als eine eigene Art angesehen werden mufs, wenigstens
mit demselben Rechte als dies für den kapischen der Fall ist*
An Gröfse steht der sardinische Hase dem unsrigen um mehr
als \ nach; seine Ohren sind zwar ebenfalls länger als der
Kopf, sind es aber in noch ^twas höherem Grade als bei
diesem; die Gliedmafsen sind schmächtiger; der Schwanz hat
ohngefähr dieselbe relative Länge; die Hinterläufe ebenfalls.
Während die Ohren bei unserem Hasen innen und zumal aufsen
dicht behaart sind, sind sie bei dem sardinischen längs der
Mitte, zumal der Innenseite, nackt und nur spärlich mit kurzen
Härchen überflogen, welche die Haut nicht verdecken können;
nur die Ränder und die umgeschlagene Vorderfläche ist dicht
behaart. Die Rückenfläche der Ohren hat bei unserem Hasen
^Q^Qw aufsen hin einen grofsen weifsen Längsfleck, der oben
bis zur Ohrspitze durch einen langen und breiten schwarzen
Fleck ersetzt wird; bei dem sardischcn Hasen ist die Rücken-
fläche des Ohrs blos weifslich angeflogen und die schwarze
ührspitze zieht sich am Aufsenrande zwar eben so tief als
bei dem gemeinen herab, doch nur als ein schmaler Saum»
der weiter hinab durch einen weifsen ersetzt wird. Der Hin-
terkopf und Oberhals ist einförmig roströthlich, ohne einge-
mengte dunklere Haare. Diese röthliche Färbung contrastirt
sehr mit der übrigen Färbung der Oberseite, die weit weniger
Röthlich, aber desto mehr Schwarz als bei unserem Hasen
aufzuweisen hat, indem die schwarzen Ringe der Haare breiter,
die lichten schmaler und blasser sind, so dafs der Vorderkopf
von der Nase an und der Rücken eine schwarz und fahlgelb-
lich melirte Farbe haben, wobei das Schwarze sich sehr be-
raerklich macht, ünterkinn und Kehle sind weifslich; der
Vorderhals, die Brust, die Leibesseiten und die Gliedmafsen
sind roströthlich; der Unterleib schmal gelblich weifs. Der
Schwanz oben schwarz, unten rein weifs. Der Augenkreis
138
ist vveifslich und setzt sich in einem weifseii Streifen hinter
den Augen fort. — Dieser sardische Hase hat mehr Aehu-
lichkeit mit dem kapischen L. riifinuchay unterscheidet sich
von diesem aber durch die Rostfarbe der Beine und gerin-
gere Gröfse.
Körper in gerader Linie. . 13" 6'"
Körper nach der Krümmung 15 5
Kopf 3 5
Ohren . 4 3
Ohrspalte 3 8
Schwanz mit Haaren gegen 3 0
Als Heimath ist Sardinien bekannt, wo er jetzt durch
die verbesserten Jagdgesetze nicht mehr so selten ist als sonst.
Er kommt häufig im Campidaneo und in den Hochebenen bei
Nurri und Escalaplana vor, wo ihrer viele erlegt werden und
die gröfser sind als die Hasen der Niederungen. Wahrschein-
lich beschränkt sich diese Art nicht blos auf Sardinien, sondern
ist am Mittelmeere weiter verbreitet, wenigstens sollen nach
Natter er' s*) Angabe die Hasen um Gibraltar etwas kleiner
und Vorderfiiise und Schenkel ockerfarbig sein, was auch bei
den sardischen der Fall ist.**)
*) Schinz in der Uebers. von Cuv. Thierr. I. S. 316.
**) In den 22 Heften, die wir dahier von Bonapart e*s Fauna
italica besitzen, ist der Hase noch nicht abgehandelt.
139
lieber die Gattungen und Arten der Comatulen.
Von
J o h. Müller.
(Gelesen in der Königl. Academie der "Wissenschaften zu Berlin,
am 13. Mai 1841.)
Die ungestielten Crinoiden wurden in einer frühern Mit-
theilung in 3 Familien eingetheilt: 1) Articulata ge/ Co-
matula Lani. und Comaster Agass., 2) Costata mit
schaligem geripptem Kelch und entgegengesetzten Pinnulae,
verschieden von den Pinnulae aller übrigen Crinoiden, gen.
Saccocoma Ag., Z^Tessellatüf gen,Marsupites, Die
fadenartigen Hülfsarme an den Rippen der Gattung Sacco-
coma hält der Verf. für zweifelhaft, er hat sie an den in der
Sammlung des Grafen Münster und den im hiesigen mine-
ralogischen Museum befindlichen Exemplaren nicht wahrneh-
men können; aber der schalige Kelch zeigt von den Rippen
ablaufend parallele Linien von feinen Furchen. Die in der
Familie der Comatulinen enthaltenen Gattungen Comatula und
Comaster wiederholen sich in der Vorwelt so genau, dafs die
vorweltlichen nicht von den jetzt lebenden Gattungen zu un-
terscheiden sind. Reste von Thieren der eigentlichen Gattung
Comatula finden sich im lithographischen Schiefer und in der
Kreide. Dahin gehört Comatula pinnata Gold f., ebenso
Hertha mystica von Hagenow. Es ist der Knopf einer
wahren Comatula mit dem ersten Glied der Radien, das,
wenn mit den übrigen verlorenen Radiengliedern verbunden,
wie bei der lebenden Comatula Eschrichtii, aufsen nicht
sichtbar sein konnte. Die Gestalt der Basis des Kelches oder
des Knopfes mit den ersten Gliedern des Kelches von innen
oder oben ist in den verschiedenen Arten der Comatulen sehr
verschieden; die bei den lebenden Arten vorkommenden Un-
terschiede dieser Art sind keine anderen als die der fossilen.
140
Die indische Comatula multiradiata Goldfufs unter-
scheidet sich von den eigentlichen Comatulen durch den Besitz
der sogenannten Beckenstücke oder Basalstücke am Grund der
Kelch radien zwischen diesen. Hr. Agassiz hat sie mit Recht
zur besondern Gattung erhoben, Comaster Ag. Ich halte
jedoch diese Gattung und die fossile Gattung Solanocri-
nus Goldf. nicht für verschieden. Die Form des Knopfes
kann nicht in Betracht kommen; denn unter den lebenden
eigentlichen Comatulen giebt es auch Arten mit sehr hohem
Knopf, wie C. Eschrichtü Müll, und C. phalangium Müll.
Der Knopf der letzteren ist kaum so breit als hoch. Coma-
tula multiradiata Goldf. (welche von C. multiradiata
Lam. zu unterscheiden ist), hat 50 — 60 Arme, 25 und; mehr Ran-
ken mit 25 Gliedern, 2 Radienglieder des Kelches, wovon das
zweite radiale axillare. Alle ^xillaria haben Syzygien, auf
ein axillare radiale folgen 3 Glieder, wovon das dritte wie-
der axillar und sofort bei der weitern Theilung, Auf das
letzte Axillare folgen 2 Glieder, dann ein Syzygium, dann
5 — 9 Glieder bis zum nächsten Syzygium, weiterhin liegen
3 — 5 Glieder zwischen den Syzygien der Arme.
In der früheren Abhandlung wurde wahrscheinlich ge-
macht, dafs der bei den Asterien entdeckte Unterschied der
afterlosen und der mit einem After und einer Darmhöhle ver-
sehenen, sich bei den Crinoiden wiederhole, so dafs die ge-
stielten Articulata oder die dem Pentacrinus ähnlichen For-
men den Comatulen gleichen, die gestielten Tessellata, wie
Platycrinus, Actinocrinus u. a. afterlos sind. Dieser Unter-
schied in Hinsicht der Verdauungsorgane findet sich, wie es
scheint, noch in der Jetztwelt unter den ungestielten Crinoi-
den vor. Ich habe eine den Comatulen ganz ähnliche Form
im K. K. Naturalien- Kabinet zu Wien beobachtet, welche der
Typus eines neuen Genus Actinometra Müll, unter den le-
benden Crinoiden werden zu müssen scheint. Die Comatulen
haben auf der Bauchseite der Scheibe Fortsetzungen der Fur^
chen der Arme, welche nach dem Munde gehen, so dafs die
Afterröhre in einem der 5 Interpalmarfelder zwischen zweien
der 5 den Mund erreichenden Tentakelfurchen liegt. Das frag-
liche Thier, Comatula solaris mus. Vienn., eine der colos-
salen Formen unter den jetzt lebenden Crinoiden, hat keine
i
141
Spur von Furchen, die nach dem Centrum der Scheibe gehen.
Die Mitte der Bauchseite der Scheibe nimmt eine Röhre ein.
Die Arme sind von Furchen besetzt, die Furchen der 10 Arme
münden aber in gleichen Abständen in eine die Scheibe am
Rande umziehende Cirkelfurche. Alles Uebrige ist wie bei den
eigentlichen Comatulen.
Actinometra imperialis Müll. Centralknopf ganz
flach, eine pentagonale Scheibe, in der Mitte sogar ausgehöhlt.'
Ranken blofs am äufsersten Rande, nur in einer Reihe, im
Ganzen 14, mit 20 Gliedern, die so breit als lang sind. Die
mittleren Glieder an den Jüngern Ranken sind länger als breit.
Die Basis der Ranken ist dicker, dann verschmälern sie sich
und behalten weiterhin ihren Durchmesser. 3 sehr niedrige
Radialia, wovon das dritte radiale axillare, es scheint dem
zweiten durch Nath verbunden. Das erste Afmglied scheint
ein Syzygium zu haben. Die erste Pinnula am Epizygale, das
folgende Glied ist wieder ein Syzygium. Weiterhin 2 — 5 Glie-
der zwischen den Syzygien der Arme; die Glieder der 10
Arme sind am Rücken flach, sie bilden von einer Seite zur
andern abwechselnde Keile und greifen im Zickzack in ein-
ander, so dafs die dünneren Enden der Keile an den Seiten
nur als Rand zwischen den dicken zum Vorschein kommen.
Die Anfänge der Arme sind dünner als der nächstfolgende
Theil ihrer Fortsetzung. Die erste Pinnula ist die gröfste,
die folgende derselben Seite ist auch grofs, aber schon klei-
ner. Die dritte ist sehr klein und nun nehmen die folgenden
an Länge zu. An der zweiten Pinnula zeichnen sich die un-
tersten Glieder durch ihre Erweiterung aus. Die Glieder der
Pinnulae sind sonst seitlich comprimirt, breiter als hoch und
haben einen scharfen hintern Rand. Die Oberseite der Scheibe
ist mit Kalkplättchen bedeckt, auf denen blumenartige kurze
kalkige Knötchen aufsitzen, mit 3 — 5 blattartigen Fortsätzen,
Farbe im trockenen Zustande orange. Gröfse 2 Fufs.
Unter den eigentlichen Comatulen der Jetztwelt unter-
scheide ich 24 Arten, worunter 12 Arten mit 10 Armen, die
übrigen vielarmig. 15 Arten sind neu, darunter 9 vielarmige.
Mehrere von Linck, Seba, Leach, Risso, Say, Sars,
u. A. unkenntlich beschriebene oder abgebildete, bei denen
142
keine Recognition durch Untersuchung von Originalexemplaren
stattfinden konnte, gehören zur zweifelhaften Synonymie.
Genus Alecto Leach, Comatula Lam. '
* Arten mit 10 Armen oder einfacher Theilung der
Radien.
Unter den schon früher beobachteten, aber meist unvoll-
kommen beschriebenen, jetzt revidirten Arten mit 10 Armen
sind als sichere Species zu erwähnen:
1. Alecto carinata Leach {Comatula carinataLsLm,
Griffith anim. hingd» Zoophytes pl. 8.)
2. Alecto europaea Leach (Comatula mediterra-
nea Lam. Heusinger Zeitschr. f. Physik IIL Tab. 10. 11.)
3. Alecto Adeonae Müll. (Comatula Adeonae
Lam. Blainv. Actinol Tab.XXVL)
4. Alecio solaris Müll. (Comatula solaris Lam.)
5. Alecto hrachiolata Müll. (Comatula hrachio-
lata Lam.)
6. Alecto Milleri Müll. (Comatula fimhriataMiW,')
Noch nicht wieder gesehen.
Neue Arten mit 10 Armen sind:
7. Alecto phalangium M. Der Centralknopf ist
sehr hoch und schmal, fast höher als breit, das Ende abge-
rundet. 25 — 30 Ranken an den Seitei^ diese sind zur Gröfse
des Thiers ganz aufserordentlich lang mit 45 langen dünnen
Gliedern und geradem Endgliede ohne Dörnchen der Innen-
seite; die Glieder, mit Ausnahme der ersten (an der Basis),
sind 2 — 2^ Mal so lang als breit. 3 Radialia, wovon das
erste wenig sichtbar, das dritte axillar. Armglieder abwech-
selnd seitlich verschoben, wie bei A. europaea. 2 — 5 Glie-
der zwischen den Syzygien der Arme. Die ersten Pinnulae
sind sehr lang, dünn, zuletzt fadenförmig. Ihre untersten
Glieder sind kurz, nicht breiter als lang, weiterhin und gegen
das Ende der Pinnulae sind die Glieder sehr lang und dünn,
zuletzt 5 — 6 Mal so lang als breit. Haut der Scheibe nackt.
Gröfse 5 ZolL Von Nizza durch Peters.
8. Alecto Eschrichtii M. Centralknopf halbkugel-
formig, überall mit Ranken besetzt, 100 Ranken von 24 Glie-
dern, welche am mittleren Theil der Ranken gegen 2 Mal so
143
lang als breit, gegen das Ende nicht länger als breit. Radicn-
glieder des Kelchs sehr niedrig, uiehrmal breiter als hoch, nur
2 Glieder sind aufsen sichtbar, wovon das zweite axillar. —
2 — 3, selten 4 Glieder zwischen den Syzygien der Arme.
Glieder der Arme keilförmig in einander greifend, gegen Ende
der Arme sehr niedrig. Die Pinnulae am dicken Theil der
Arme mit breiten comprimirten Gliedern und hinterm schar-
fem Rande. Weiterhin haben die Pinnulae nur ihre beiden
untersten Glieder so breit, die übrigen rundlich. Die ersten
Pinnulae kleiner, nehmen allmälig an Länge zu. Haut der
Scheibe nackt. Gröfse 2 Fufs. Von Grönland, durch E sch-
riebt mitgetheilt.
9. Alecto echinoptera M. Centralknopf flach, 20
Ranken mit 11 seitlich comprimirten Gliedern; der gröfsere
mittlere Theil des Knopfes von Ranken frei. Armglieder am
Anfang der Arme schwach dachziegelförmig. 2 — 5 Glieder
zwischen den Syzygien der Arme. Die erste Pinnula etwas
gröfser. Die 7 letzten Glieder der Pinnulae des Anfangs der
Arme mit langem hohem Kiel an der Rückseite, eine Art Säge
bildend. Der hintere Rand des dritten Gliedes der ersten Pin-
nula mit starkem Vorsprung. Die Scheibe ist mit einzelnen
zerstreuten, kleinen, harten, walzenförmigen Papillen besetzt.
Gröfse 8 Zoll. Fundort? Im zoologischen Museuto zu Berlin
durch Cap. Wen dt.
10. Alecto rosea M. (Comatula rosea mus, Vienn.^
Centralknopf ganz flach, am Rande eine Reihe von 18 Ranken
mit 32 niedrigen Gliedern, die breiter als lang sind, die er-
sten doppelt so breit als lang. Die Basis der Ranken ist co-
nisch und viel breiter als weiterhin, wo der Durchmesser
gleich bleibt. Die Radien haben aufsen nur 2 Glieder. Der
Anfang der Arme ist dünner als weiterhin, wo sie spindelför-
mig sind und rasch abnehmen. 4 — 5 Glieder zwischen den
Syzygien der Arme. Das erste Armglied scheint ein Syzygium
zu haben, wie das folgende. Die erste Pinnula befindet sich
dann am Epizygalglied. Die ersten Pinnulae sind nicht aus-
gezeichnet. Die gröfste ist die fünfte ihrer Seite, wo die Arme
am dicksten. Von da an nehmen die Pinnulae allmälig ab.
Ihre Glieder sind breiter als hoch. Gröfse 5 Zoll. Fundort
unbekannt.
144
11. Alecto tessellata M. 20 — 25 Ranken mit 45
Gliedern, die kaum so lang als breit, die letzten 24 mit Dorn-
eben. Das unterste der 3 Radialglieder des Kelches sehr nie-
drig. Zwischen den Syzygien der Arme 7 — 10, seltener — 14
Glieder, die Glieder sehr niedrig, schüsselförmig, dachziegel-
förmig, ohne Kiel. Die zweite, dritte, auch wohl vierte äu-
fsere Pinnula sind die gröfsten. Haut der Scheibe mit kleinen
Knochenplättchen bedeckt. Farbe überall violett. Gröfse 1 — i\
Fufs. Indien. Im Museum zu Bamberg durch Schönlein.
12. Ale et o polyarthra M. Die Glieder der Arme
in einer Flucht, nirgend vorstehend, mit straffen Gelenken.
10 — 14 Glieder zwischen den Syzygien der Arme. (Nur die
Arme sind beobachtet.) Anatom. Museum.
** Arten mit mehrfacher Theilung der Radien.
Unter den schon früher beobachteten und abgebildeten,
meist unvollkommen beschriebenen, jezt revidirten vielarmigen
Arten sind zu erwähnen:
13. Ale et o rotalariaM. (Comatula rotalaria Lam.)
mit 20—22 Armen.
14. AlectofimhriataM. (fiomatula fimhriata Lam.)
mit 20 Armen.
15. Ale et o multifida M. {Comatula multiradiata
Lam.) mit 44 Armen.
16. Alecto Savignii M. QDescription de VEgypte,
Echinodermes pl. 1. fig. 1.) mit 20 Armen.
Neue vielarmige Arten sind:
17. Alecto palmataM. (.^ Caput medusae einer eum
Linck tab. XXIL No. 33.) Gegen 35 Arme. Centralknopf
flach, 2j Mal so breit als hoch, in der Mitte flach ausgehöhlt.
25 — 30 Ranken im Umfang, in mehreren Reihen mit 20 — 24
Gliedern, die wenig länger als breit sind. Die letzten 10
Glieder mit einem Dörnchen. Das erste der 3 Radialia ist
wenig sichtbar. Die 10 Primärarme bestehen aus 2 Gliedern,
das zweite axillar. Nach der Theilung wieder 2 Glieder, das
zweite axillar. Entweder bleibt es dabei oder die Arme thei-
len sich wieder. Alle Axillaria ohne Syzygium. An den letz-
ten Armen 5 — 11 Glieder zwischen den Syzygien. Die Pin-
nulae fehlen, so lange zwischen den Theilungen nur 2 Glieder
145
liegen. Die ersten Pinnnlae sind gröfser, von diesen ist die
zweite derselben Seite viel gröfser, dieser folgt die dritte,
dann nehmen sie rasch ab. Farbe schwarzbraun. Indien. Durch
Eschricht mitgetheilt.
18. Alecto parvicirra M. 27 Arme, 20 und mehr
Ranken, sehr dünn und kurz, mit 12 Gliedern, das dritte Ra-
diale des Kelches ist axillar, ohne Syzygium, dann ist jedes
dritte Glied ein Syzygium und zugleich axillar, dann wieder jedes
dritte Glied ein Syzygium und zuweilen axillar. Nun ist das
sechste oder siebente Glied ein Syzygium. Weiterhin 2 — 4
Glieder zwischen den Syzygien der Arme. Pinnulae ziemlich
gleichförmig. Gröfse 6 Zoll. Fundort? Im Museum zu Paris.
19. Alecto Timorensis M. (^Comatula Timorensis
Mus. Leyd.) 36 — 40 Arme. Centralknopf sehr klein, wenig
über eine Linie im Durchmesser. Ranken 16 mit 14 Glie-
dern, von diesen sind einige, gegen den Grund zu, länger als
die übrigen, an ihren beiden Enden dicker. Das dritte Ra-
diale des Kelchs ist axillar ohne Syzygium. Ferner ist jedes
dritte Glied, so lange die Theilung dauert, ein Axillare und
hat ein Syzygium, weiterhin liegen meist 3 Glieder zwischen
den Syzygien der Arme. Die erste Pinnula unter dem ersten
Axillare branchiale ist dreimal so lang als die zweite derselben
Seite, von da sind sie ziemlich gleich. Farbe braun. Gröfse
8 ZoU. Von Timor durch Boie und Salomon Müller.
20. Alecto Jap onicaM. ( Comatula Japonica Mus.
Leyd.) 27 Arme. Centralknopf höchstens 2'" breit. 50 Ran-
ken mit 20 Gliedern, sie sind gegen das Ende etwas compri-
mirt und werden dort breiter. Das Radiale axillare liegt ganz
tief unter den Ranken, wie wenn es das einzige Glied des
Radius wäre. Dann ist, so lange die Theilung dauert, jedes
dritte Glied ein Axillare und hat ein Syzygium. Die ersten
Glieder zweier Arme sind auoh noch quer verwachsen. An
den Armen 8 — 9 Glieder zwischen den Syzygien. Die zwei
ersten Pinnulae sind gröfser, dann nehmen sie ab. Farbe braun.
Aus Japan, durch v. Siebold.
21. Ale et o flagellata M. (^Comatula flagellata
Mus. Leyd.) 38 Arme, 35 lange dicke Ranken mit 30 nie-
drigen platten Gliedern, wovon das letzte aufser der Kralle
Archiv f. Naturgesch. VU. Jahrg. 1. Band, 10
146
nach innen noch einen krallenartigen Fortsatz hat. Die Axil-
laria sind sehr niedrig, ohne Syzygium. Zwischen den Syzy-
gien der Arme 10 — 11 Glieder, abwechselnd von rechts und
links keilförmig. Die Pinnulae nehmen von der 'ersten zur
dritten derselben Seite an Gröfse zu, und diese drei ersten sind
sehr lang, die übrigen nehmen allmälig ab. Gröfse 1 Fufs,
Fundort unbekannt. Im Museum zu Leyden aus der Samm-
lung von Brugmans.
22. Alecto Novae GuineaeM. (^Comatula Novae
Guineae Mus. Leyd.) 56 Arme, 15 Ranken und mehr an
dem kleinen Centralknopf. Das dritte Radiale ist axillar, die
ersten 10 Arme haben 3 Glieder bis zum nächsten Axillare. Zwi-
schen den folgenden Axillaria der Arme, die sich 4 — 5 mal
^theilen, immer nur em Glied. Kein Axillare hat ein Syzy-
gium. An den Armen. 2 Glieder zwischen den Syzygien, Die
ersten beiden Pinnulae sehr lang, die übrigen werden kürzer,
an jedem Gliede der Pinnnlae befinden sich einige Stachelchen.
Farbe brami. Gröfse 8 Zoll. Durch Salomon Müller.
23. Alecto elongata M. {Comatula elongata Mus.
Leyd.) 20 Arme, 15—20 Ranken mit 23—25 Gliedern ; die
letzten 15 — 17 Glieder tragen nach innen einen spornartigen
spitzen Haken, auch das letzte Glied noch aufser der Kralle.
Die Axillaria ohne Syzygium. Zwischen 2 Axillaria liegt im-
mer nur ein Glied, lieber dem letzten Axillare hat das dritte
Glied ein Syzygium, weiterhin zwischen den Syzygien 5 — 11
Glieder. Die Pinnulae nehmen zuerst an Länge zu, so dafs
die dritte die längste ist. Dann nehmen sie allmälig wieder
ab. Ihre Glieder sind rund und glatt. Farbe dunkel. Gröfse
8 Zoll. Aus Neu-Guinea. Durch Salomon Müller.
24. Alecto Bennetti M^ Ueber 70 Arme, gegen 50
Renken mit 23 Gliedern, etwas platt gedrückt. Die Arme bis
znr dritten Theilung durch die Haut der Scheibe verbunden.
Jedes vierte Glied ist ein Axillare ohne Syzygium. Jedes
Gliedes äufserer Rand springt vor und ist mit ganz kleinen
Stachelchen gewimpert. 3 — 4 Glieder zwischen den Syzygien
der Arme; die erste Pinnula ist 1^ Zoll lang, die zweite we-
nig kürzer, die dritte und die folgenden höchstens ^ Zoll.
Die Glieder am Ende der Pinnulae springen nach innen kamm-
artig vor und: tragen kleine iCrallen. Farbe, braun, oben hei-
147
ler. Grofse 1 Fufs. Fundort unbekannt. Im Museum zu
Leyden durch Ben nett.
Schon vorher wurde bemerkt, dafs Comatula multiradiata
Gold f. und C. multiradiata Lam. verschiedene Thiere sind.
Dies ergiebt sich aus der Untersuchung des Lamarck'schen Ori-
ginalexemplares , welches sonst nur unerkennbar beschrieben
war. Da die Comatula multiradiata Gold f. als die zuerst
genau beschriebene [den Speciesnamen multiradiata belialten
mufs, so bezeichnet der Verfasser die Lamarck'sche durch
Alecto multifidsi, welche folgende Charaktere hat.
Alecto multi/ida M. {Comatula multiradiata L am,^
44 Arme, 20 Ranken und mehr, von 14 Gliedern mit ganz
kleinem Vorsprung am Rücken der letzten Glieder. 3 Ra-
dialia, wovon das dritte axillar, ohne Syzygium; dann ist wie-
der das dritte Glied axillar, es bildet ein Syzygium, nun ist
jedesmal das zweite Glied, so lange die Theilung dauert, axil-
lar, aber ohne Syzygium; weiterhin 3 Glieder zwischen den
Syzygien. Die Armglieder springen in eine scharfe Kante
vor. Pinnulae alle lang. Zwischen den 5 Kelcharmen liegen
viele Plattenstücke, welche die Arme noch bis zur zweiten
Theilung verbinden.
Es mufs noch erwälmt werden, dafs von allen vorher an-
geführten Comatulen nur die in deutschen Museen befindlichen
vom Verfasser selbst 'untersucht sind. Hr. Troschel hatte
die Güte, meine handschriftliche Beschreibung der yon mir
beobachteten Comatulen mit den Materialien des Pariser und
Leydener Museums zu vergleichen und die Beschreibung nach
diesen Principien fortzusetzen.
Die Madreporenplatte fehlt bei den Comatulen und scheint
den Crinoiden überhaupt zu fehlen. Die von Delle Chiaje
beschriebene und abgebildete Matreporenplatte auf der Scheibe
der Comatula Adeonae hahe ich für das von Thompson
zuerst beobachtete Epizoon der Cömatuleii, ein scheib'enförnrii-i'
ges Thierohen mit gefranztem Rande, welches diirohr Z^Öh- '
nungen erläutert wird. Es hat einen vorn von der Bauchseite '
ausgehenden Rüssel, einen verzweigten Darm, und 10 mit 3
langen Hacken versehene Fufsstummelrf an der Bauchseite,
Cyclocirra Thorripsonii Müih Man trifft es häufig auf der
Scheibe und an den Armen der Alecto europaea festsitzend''
10*
148 '
an. Von den parasitischen Würmern unterscheidet es sieli
sehr auffallend durch seinen schnellen Lauf ohne Contraction
des Körpers und schliefst sich dadurch mehr den Crustaceen
an, unter denen es jedoch keine ihm ähnliche Form giebt.
Einigermafsen verwandt scheinen die Arctiscon, die jedenfalls
mit den Räderthieren keine Verwandtschaft haben.
Ich habe seit der früheren Abhandlung reiche Gelegenheit
gehabt, die Comatulen lebend zu beobachten. Es hat sich be-
stätigt, was schon aus der Anatomie hervorging, dafs die Gir-
ren des Centralknopfes ohne alle Bewegung sind. Die Arme
bewegen sich beim Schwimmen sehr lebhaft. Bei 10 Armen
bewegen sich meist 5 gleichzeitig, so dafs zwischen je zweien
der 10 Arme einer ruht, und im nächsten Moment die 5 an-
deren eintreten. Die Trennung der Geschlechter bewährte,
sich durch die Gegenwart der Spermatozoen in den männli-
chen, der Eier in den weiblichen Individue^n in den Anschwel-
lungen der Pinnulae.
üeber das Gehörorgan Aev Mollusken.
Von
Professor C. Th. v. Siebold in Erlangen.
Hierzu Taf. VI.
Als ich vor einigen Jahren ein mir damals räthselhaft ge-
bliebenes Organ mehrerer Bi\tilven beschrieb,*) glaubte ich
nicht, dafs es mir so bald gelingen würde, über die Funktion
dieses Organs Aufschlufs zu erhalten ; ich bin nämlich jetzt fest
überzeugt, dafs dieses paarige Organ, welches sich nicht blofs
bei den Bivalven, sondern auch bei den Gasteropoden vorfin-
det, und wahrscheinlich in der Klasse der Mollusken über-
*) üeber ein räthselhaftes Organ einiger Bivalven, s. MüUer's
Archiv. 1838. pag.49.
149
haupt sehr weit verbreitet ist, als das Gehörorgan dieser Thiere
betrachtet werden niufs.
Um zu dieser üeberzeugung zu kommen, darf man nur
die Entwickelung des Gehörorgans höherer Thiere verfolgen,
wobei man gewisse Entwickelungsstufen dieses Organs antreffen
wird, welche in ihrer Einfachheit das ebenfalls sehr einfach
construirte Gehörorgan der Mollusken ganz wieder erkennen
lassen.
Die einfachste im Thierreiche vorkommende Form des
Gehörorgans ist aufser dem specifischen Nerven ein mit einer
Flüssigkeit gefülltes Bläschen, auf welchem sich der Gehör-
nerve verbreitet *). In dieser einfachen Form kannte man
schon lange das Gehörorgan bei den Cephalopoden**), wo
dasselbe aus zwei in Excavationen des Kopfknorpels befind-
lichen, mit Flüssigkeit gefüllten Säckchen (Bläschen) besteht,
auf welchen sich der Gehörnerve ausbreitet und in welchem
sich ein Hörsteinchen befindet.
Nach diesem Typus ist nun auch bei denjenigen Conchi-
feren und Gasteropoden, welche ich bis jetzt zu untersuchen
Gelegenheit gehabt habe, das Gehörorgan gebildet: man findet
hier zwei Bläschen oder Kapseln, welche mit dem Centralner-
vensysteme in Verbindung stehen, und in ihrer Höhle ein«
Flüssigkeit nebst einem oder mehreren Hörsteinchen enthalten.
Es sind gegenwärtig aufser mir auch andere Naturforscher
auf das Gehörorgan der Mollusken aufmerksam geworden, da-
her ich es, ehe ich die von mir gemachten Beobachtungen
mittheile, für angemessen halte, dasjenige voran zu schicken,
was mir von anderen Untersuchungen über diesen Gegenstand
bekannt geworden ist.
Eydoux und Souleyet entdeckten bei Firola, Carl"
naria, ^'danta und Phylliroe (aus der Ordnung der Hetero-
poden), so wie bei Pneumodermon (einem Pteropoden) hinter
den Augen in geringer Entfernung von dem Kopfganglion einea
*) Müller *s Handbuch der Physiologie. II. 1840. pag.411.
**) John Hunter gebührt das Verdienst, das Gehörorgan der
Cephalopoden zuerst erwähnt zu haben. S. the works of John
Hunt er. Vol. IV. An account of the argan of Hearing in ßfhes,
pag. 294, abgedruckt aus den phihsophical transactions. 1782. p. 379.
150
runden, aufifallend durchsichtigen Punkt, der durch einen Fa-
den mit dem Hirnganglion in Verbindung stand, und hielten
denselben für das Gehörorgan*). Aus welchen Gründen sie
sich zu dieser Annahme veranlafst sehen, finde ich nicht naher
angegeben. Beide Naturforscher nehmen dieses Organ mit
dem als gleichbedeutend, welches Pouch et an den Embryonen
der Lymnaeen angetroffen hat, über diese Untersuchungen
Pouchet's, die mir nicht bekannt sind, haben sich Eydoux
und Souleyet ebenfalls nicht weiter ausgesprochen. Lau-
rent soll eine Tafel mit Abbildungen nebst Erklärung von
dem Gehörorgane der Mollusken bekannt gemacht haben, die
mir bis jetzt noch nicht zu Gesicht gekommen ist. Seine Un-
tersuchungen erstrecken sich auf Hyale, Cleodora, Creseis
(drei Pteropoden), auf Carinaria^ Phylliroe, Allanta, Fi-
rola, Limax agrestis und Helix asper a*^^. Van Bene-
den sah bei Cynihulia Feronii auf rlem vorderen Ganglien-
Paare, welches mit 2 anderen Ganglien-Paaren die unter dem
Oesophagus liegende Ganglion- Masse bilden half, ein kleines
Bläschen wie eine Art Hernie hervorgetreten und betrachtete
dasselbe, der Lage nach, als Gehörorgan***). Ein ganz ähn-
liches Organ erkannte van Beneden auch am Centralgan-
glien-System der Tiedemannia napoUtana (Del. Ch.).t) Ein
ähnliches Organ hat Krohn bei Pterotrachea und Carinaria
beobachtet und genauer beschrieben ff). Derselbe bemerkte
hinter den Augen dieser beiden Heteropoden zwei dünne Hül-
len, welche einen krystallhellen sphärischen Kern enthielten,
die beiden Hüllen standen durch einen ziemlich langen starken
*) L'institut. 1838. nr. 255. pag. 376. S. dieses Archiv. 1839. II.
pag. 215. und Froriep's neue Notizen. Nr. 174. pag. 312.
**) S. TroscheTs Jahresbericht in diesem Archive. 1840. IL
pag. 202. Der Titel dieser Arbeit von Laurent ist nicht angegeben.
***) Eocereices %ootomiques par Van Beneden^ s. Nouveanx
memoires de l'Academie roy. des sciences de Bruxelles, T. XII. 1839.
1. Memoire sur la CymhuUe de Peronx ^,sa Situation^ comparee ä
Celle des Cephalopodes ^ le ferait regarder pour Vorgane de l'au-
dition."-
f) Ebenda. 2. Memoire-, sur un nouveau genre de MollusqueSt
voisin des CymbuU^s^ du Golf de Naples.
tf) Müller's Archiv. 1839. pag, 335. Anmerk.
151
Nerven mit den Kopfganglien in Verbindung und der Kern der-
selben wies sich bei Anwendung von Säuren als kohlensau-
rer Kalk aus. ^
' Vergleicht man diese Notiz, welche Krphn über das
Hörorgan der Heteropoden gegeben hat, mit der Beschreibung,
welche ich von jenem räthselhaften Organe aus ydnodonta^
Unio, Cyclas, Mya, Cardium und Teilina bekannt gemacht
habe, so wird man augenblicklich erkennen, dafs Krohn und
ich «in und dasselbe Organ vor Augen gehabt haben.
Die hier beigegebene Abbildung des linken Gehörorgans
aus Cyclas Cornea möge die in Müller's Archiv von die-
sem Organe gegebene Beschreibung verdeutlichen. „Es liegt
nämlich dicht am vorderen Rande des Ganglion centrale (Fig.
1. A.) rechts und links (oder, wenn das Thier auf der Seite
liegt, oben und unten) ein kleiner rundlicher Behälter (Fig. 1.
d.), der aus einer durchsichtigen*), zähen und elastischen
Masse besteht, und in- seiner Höhle (Fig. 1. e.) einen eigen-
thiimlichen Körper oder Kern (Fig. 1. f.) einschliefst. Dieser
Keni ist glashell und stellt eine von oben nach unten platt-
gedrückte Kugel dar; er füllt die Höhle seines Behälters bei
weitem nicht aus, sondern schwebt ganz frei in derselben, ja,
was höchst merkwürdig anzusehen ist, derselbe schwankt fast
imunterbrochen mit zitternder Bewegung hin und her, ohne
dabei die innere Wand seines Behälters zu berühren. Es ist
mir sehr wahrscheinlich, dafs diese beiden Kerne in ihren Be-
hältern noch von einer Feuchtigkeit umgeben sind." — „In
verdünnter Salpetersäure lösten sie sich vollständig ohne Ent-
wickelung von Luftblasen auf. Prefste ich einen solchen Kern
zwischen zwei Glasscheiben, so erhielt er unter knisterndem
Geräusche mehrere Radial- Einrisse und zertheilte sich, bei
stärkerem Pressen, zuletzt in stumpfere und spitzere Pyrami-
den (Fig. 2.), deren Spitzen im Mittelpunkte des Kernes zu-
sammenstiefsen. " Ich füge dieser Beschreibung jetzt noch
hinzu, dafs man die Stellen, an welchen der Kern beim Zer-
drücken in radialen Richtungen sich von einander theilen wird,
immer vorher schon an dem noch ungetheilten Kerne durch
*) In Müller 's Archiv. 1838. p. 49. steht aus Versehen un-
durchsichtig statt durchsichtig.
152
V
einen leisen Schatten angedeutet findet, wie man dies an den
Figuren 1. f. und 2. erkennen wird, welche beide einen und
denselben Kern im unzertheilten und zertheilten Zustande vor-
stellen.
Dieses eben beschriebene Organ hält, als Gehörorgan be,
trachtet, gewifs vollkommen einen Vergleich mit den Hörwerk-
zeugen der Cephalopoden aus. Der Behälter Fig. 1. d., wel-
cher bei Cyclas Cornea dem Hauptganglion dicht aufliegt, ent-
spricht dem einfachen vestibulum membranaceum, während der
Kern Fig. 1. f. als Otolith zu betrachten ist, der, wie das
Schwanken derselben andeutet, von einer klaren wässrigen
Feuchtigkeit umgeben ist; auch scheint bei denjenigen Conchi-
feren, in welchen ich die Gehörblasen vom Central- Ganglion
abstehend fand, der an sie herantretende specifische Gehör-
nerve nicht zu fehlen*).
Was nun das Gehörorgan der Gasteropoden betrifft, so
habe ich dasselbe an allen angetroffen, die ich bis jetzt darauf
untersucht habe, nämlich an Helix pomatia, arbustorum,
nemoralis, hortensis, rotundata und hispida, Succinea am-
phibia, Lymnaeus stagnalis und minutus, Physa fontinalis,
Planorhis marginatus, vortex, nitidus und contortus^ Clau-
silia plicata, nervosa und minima , jincylus fluviatilis, Bu-
limus lubricuSf an Limax agrestis und maximus und Arion
empiricorum.
Bei allen diesen Gasteropoden verhält sich das Gehör-
organ ziemlich gleich, wohl aber weicht dasselbe in Bezug auf
die Otolithen von dem Gehörgane derConchiferen bedeutend ab.
Ehe ich nun das Gehörorgan der Gasteropoden näher be-
schreibe, mufs ich einiges über das Central -Nervensystem der
Gasteropoden voranschicken.
Man kann das ringförmige Central -Nervensystem, durch
welches der Oesophagus hindurchtritt, in drei Portionen ab-
theilen, die eine Portion liegt auf dem Oesophagus auf, die
andere Portion, welche immer die gröfste ist, liegt unter dem
Oesophagus und eine dritte (Seiten-) Portion verbindet zu bei-
den Seiten die eben erwähnte obere und untere Portion mit
einander. Das Gehörorgan steht nur mit der unteren Portion
*) S. meine Abhandlung in Müller' s Archiv. 1838 pag. 52.
153
des ringförmigen Central -Nervensystem in Verbindung, daher
ich diese Nerven-Fortion etwas genauer beschreiben mufs.
Die untere Portion des ringförmigen Central -Nervensy-
stems besteht aus mehreren Ganglien-Anschwellungen, welche
unter sich durch Kommissuren zu einem zweiten Ringe ver-
einigt sind, der Zwischenraum zwischen diesem Ganglien-Ringe
ist mit Zellgewebe ausgefüllt, die Ganglien -Anschwellungen
bilden gewöhnlich drei Paar Ganglien, das vordere Paar ist
das gröfste und die beiden Anschwellungen, welche dasselbe
zusammensetzen, liegen meistens dicht neben einander gedrängt,
trotz dem kann man aber sehr leicht eine quer herübergehende
Kommissur zwischen beiden Ganglien entdecken; nach diesem
ersten vorderen Ganglien-Paare folgt das mittlere kleinste Paar
die beiden Ganglien-Anschwellungen desselben liegen weit von
einander und stehen nicht unter sich, wohl aber mit dem vor-
deren und hinteren Ganglien-Paare in V^erbindung; dieses nä-
hert sich an Gröfse dem vorderen Ganglien-Paare, die beiden
GangliennAnschwellungen sind sehr dicht an einander gedrängt
und machen so den Schlufs dieses Ganglien -Ringes, der auf
seiner oberen Fläche, welche gegen die untere Seite des Oeso-
phagQs angedrückt liegt, abgeflacht ist, während die einzelnen
Ganglien auf der unteren Fläche des Ringes abgerundet und
deutlich gewölbt erscheinen. In Bezug auf die Zahl der Gan-
glien, welche diese untere Portion des Central -Nervensystems
zusammensetzen, und ebenso . in Bezug auf die Gestalt des
Ringes, den sie bilden, kommen bei den verschiedenen Gat-
tungen und Arten der Gasteropoden mancherlei Variationen
vor. Zuweilen ist die eine Ganglien -Anschwellung des mitt-
leren Ganglien -Paares doppelt vorhanden, wodurch der Gan-
glien-Ring ein asymmetrisches Ansehen erhält. Bei einigen
Arten von Limax und Helix sind die Ganglien -Paare dieser
unteren Portion des ringförmigen Central -Nervensystems so
dicht an einander gerückt, dafs sie unter einander verschmol-
zen erscheinen und ein einziges grofses Ganglion bilden, die-
ses zeigt aber auf seiner unteren Fläche verschiedene halbku-
gelförmige Wölbungen, an denen man deutlich erkennt, dafs
diese grofse Nervenmasse aus der Verschmelzung mehrerer
Ganglien-Paare entstanden ist; am deutlichsten lassen sich die
beiden Wölbungen des vorderen Ganglien-Paares herausfinden.
154
Bei anderen Gasteropoden sind die Ganglien-Paare der unteren
Portion der Central-Nervensysteme, wenn auch nicht verschmol-
zen, doch so dicht an einander gerückt, dafs der Zwischen-
raum innerhalb des sehr eng gewordenen Ganglien-Ringes kaum
zu erkennen ist.
"^ Hat man sich mit dieser Portion des Central -Nervensy-
stems und mit seinen specifischen Variationen erst genau be-
kannt gemacht, so gelingt es sehr leicht, das Gehörorgan an
derselben aufzufinden. Dieses Organ . sitzt nämlich bei allen
Gasteropoden dem hinteren Ende der beiden gröfseren vorde-
ren Ganglien-Anschwellungen auf; immer haben wir es an dem
vorderen Ganglien-Paare dieser Nerven-Portion zu suchen, wo
wir es leichter auf der unteren als auf der oberen Fläche der-
selben erkennen, besonders bei denjenigen Gasteropoden {Li-
max, Helix^, deren Ganglien -Paare der unteren Nerven-Por-
tion mehr mit einander verschmolzen sind.
Das Gehörorgan ist immer gepaart vorhanden und wird
aus zwei . Kapseln gebildet , deren Wände durchsichtig sind.
Beide Kapseln liegen auf der hinteren Wölbung des vorderen
Ganglien-Paares der unteren Central -Nerven -Portion so dicht
auf, dafs man da, wo sie die Ganglien -Masse berühren, nur
mit Mühe die G ranze zwischen Ganglion und Kapsel wand wahr-
nimmt, es hat fast das Ansehen, als wären die beiden Gan-
glien nach hinten ausgestülpt und ausgehöhlt, die Farbe der
Kapselwände stimmt ziemlich mit der der Ganglien überein.
In der Höhle der beiden Kapseln sind eine Menge oft kaum
zu zählender, glasheller, krystallinischer Körperchen einge-
schlossen. Die Gestalt dieser Otolithen, wofür man sie halten
mufs, ist oval und platt, die Kanten derselben scheinen sanft
abgerundet zu sein. Man erkennt an diesen Hörsteinchen ein
deutliches koncentrisches Gefüge; auch erblickt naan im Mit-
telpunkte der meisten einen dunkeln Fleck oder wohl gar eine
ganz schmale OeflFnung, welche auf der platt gedrückten Fläche
von einer Seite zur andern durchgeht. Diese Hörsteinchen
brechen bei starkem Pressen zwischen Glasplatten in radialer
Richtung häufig in vier Pyramiden aus einander. Dieselben lö-
sen sich bei schwacher Einwirkung von Salpetersäure langsam
auf, verschwinden aber bei der Berührung mit concentrirter
Salpetersäure plötzlich unter Luftentvvickelung, daher ich diese
155
Otolitheii aus kohlensaurem Kalk zusammeugesetzt halte; die
Gröfse der OtoUthen ist iü einem und demselben Individuum
nicht gleich, immer sind einige darunter, welche um vieles
kleiner sind als die übrigen.
Eine ganz merkwürdige Erscheinung bieten diese Ilör-
steinchen dar, wenn man sie, während sie in der unverletzten
Kapsel eingeschlossen sind, eiije Zeit lang beobachtet. Diese
Erscheinung erinnert an das . Schwanken des Otolithen der
Conchif ereil,, ist aber in ihrer Art noch weit eigenthiimlicher
und auffallender. Es oscilliren nämlich die in den Kapseln
eingeschlossenen Ge|iörsteinchcn so lebhaft, dafs man glauben
sollte, sie würden durch ein wirbelndes Flimmerepithelium,
welches die innere Wand der Kapseln auskleide, durch einander
geworfen; es ist mir indessen niemals, gelungen, so genau ich
auch darauf achtete, selbst nur eine Spur von Wimperorganen
in den Kapseln wahrzunehmen. Die erwähnten Bewegungen
der Otolithen in den Gehörkapseln der Gasteropoden (welche
ich sämmtlich frisch untersucht habe), sind in der Art eigen-
thümlich, dafs sie sich alle nach dem Mittelpunkte der Höhle
der Kapsel zu drängen suchen, diejenigen Steinchen, welche
diese Stelle bereits einnehmen, bilden einen dichten Haufen,
und hängen fest an einander, etwa wie Eisenfei^spähne durch
den Einflufs eines Magneten an einander kleben; die übrigen
Gehörsteinchen, welche um diesen Haufen, herumliegen, sind
in ununterbrochener Bewegung, sie scheinen sich in den Hau-
fen hineindrängen zu wollen, werden aber oft heftig von dem-
selben weggeschleudert, doch schnellen sie eben so rasch an
den Gehörstein-Haufen zurück, um von neuem abgestofsen zu
werden, die innere Kapsel wand wird von diesen hin und her
schwankenden Gehörsteinchen fast gar nicht berührt, und wenn
es geschieht, so prallen sie augenblicklich von derselben ab
und scheinen alsdann noch unruhiger geworden zu sein. Um
diese merkwürdigen Bewegungen der Gehörsteinchen mit einer
diesen ähnliclien Erscheinungen zu vergleichen, erinnere ich
an den Anblick, den ein grob gestofsenes Pulver von einer in
Wasser unauflöslichen Substanz gewährt, wenn dasselbe mit
Wasser gekocht wird; noch besser glaube ich das eigenthüm-
liche Oscilliren der Gehörsteinchen mit folgendem Phänomene
vergleichen zu können. Bringt man ein Häufchen groben Sand
156
mit einem Tropfen Wasser auf den einen Ast einer Stimm-
gabel und erschüttert man die letztere durch einen mäfsigen
Schlag, so wird man die in dem Wassertropfen zerstreuten
Sandkörner sich sogleich im Mittelpunkte des Tropfens sich
vereinigen sehen, die einzelnen Körner wühlen und drängen
sich unter oscillirenden Bewegungen nach dem Centrum des
Sandhäufchens, wobei die äufseren Sandkörner vom Haufen
abgestofsen und schnell wieder angezogen werden. Es war
mir wirklich überraschend, wie ähnlich die Bewegungen der
auf dem schwingenden Stimmhammer unter Wassei; oscilli-
renden Sandkörner und die Oscillationen der in den Gehör-
kapseln des Gasteropoden eingeschlossenen Otolithen sich
ausnahmen.
Prefste ich die Nerven - Ganglien mit den Gehör- Kapseln
zwischen Glasplatten, so wurde sehr häufig das Oscilliren der
Otolithen stärker und lebhafter, bis es zuletzt ganz aufhörte,
wahrscheinlich, weil dann durch die dicht an einander gedrück-
ten Glasplatten zuletzt der Raum für die Bewegungen der
Otolithen in den zusammengeprefsten Gehör -Kapseln ver-
schwand. Zuweilen platzte bei dem vermehrten Drucke auf
die Glasplatten die eine oder die andere Gehör -Kapsel, und
es strömten alsdann die Otolithen heraus, durch die Flüssig-
keit, welche in der Kapsel enthalten war, mit fortgerissen.
Dafs aufser den Otolithen noch eine wasserhelle dünne Flüs-
sigkeit in den Gehör- Kapseln eingeschlossen ist, kann man
wohl mit Bestimmtheit annehmen; denn wie sollten sich die
Otolithen sonst so leicht bewegen können, Luft ist es bestimmt
nicht, welche den von den Otolithen übrig gelassenen Raum
der Kapsel. ausfüllt, da das Licht alsdann ganz anders in den
Kapseln- gebrochen würde.
Aufserhalb der Gehör -Kapseln liegen die Otolithen ganz
ruhig, ohne auch nur das geringste Zittern an sich bemerken
zu lassen. Aus letzterem Umstände mufs ich annehmen, dafs
die Oscillationen, welche die Otolithen in den Gehör- Kapseln
äufsern, nicht mit den bekannten Molekular - Bewegungen für
identisch gehalten werden können, denn diese müfsten auch
aufserhalb der Kapseln im freien Wasser bei den Otolithen
fortdauern, üebrigens sind die Bewegungen der Brownschen
Molekülen bei weitem schwächer und unscheinbarer in Ver-
157
gleich zu den lebhaften unruhigen Oscillationen der Otolithen
in den Gehör-Kapseln der Gasteropoden.
Es sind die Gehörorgane bei kleinen Gasteropoden-Arten
oder bei ganz jungen Thieren der gröfseren Arten am leichte-
sten aufzufinden, man darf nur die vordere Körperhälfte die-
ser Mollusken zwischen Glasplatten mäfsig pressen und die
Gegend hinter den Augen durchsuchen, so werden sich sehr
bald die Gehirn -Ganglien erkennen und die beiden vestibula
membranacea mit ihren zitternden Otolithen herausfinden las-
sen. Auch bei den zum Ausschlüpfen reifen Embryonen der
Gasteropoden, welche man ganz und gar unter den Prefsschie-
ber bringen kann, lassen sich die beiden Gehör -Kapseln mit
ihrem beweglichen Inhalte sehr bald entdecken.
Bei den gröfse»en Gasteropoden, bei Helix pomatia, Li-
max maximus, Avion empiricorum u.dgl. kann man schon
mit, der einfachen Lupe, ja selbst mit unbewaffnetem Auge die
beiden Gehör- Kapseln, wenn die Gehirn - Ganglien zwischen
Glasscheiben geprefst sind, sehr gut erkennen, indem die bei-,
den Häufchen Otolithen bei auffallendem Lichte als zwei kreide-
weifse Punkte durch die Kapseln hindurchschimmern, während
-sie, bei durchfallendem Lichte betrachtet, zwei dunkelgefärbte
Punkte darstellen. Es ist mir jetzt unbegreiflich, dafs mir
diese Gehörorgane der Gasteropoden nicht früher aufgefallen
sind, da es mir jetzt ein so leichtes ist, diese Organe meinen
Augen unter dem Mikroskope vorzuführen; auch die Blicke
vieler anderer Zootomen müssen an diesem Organe vorbeige-
streift sein, da so viele Abbildungen der Hirn - Ganglien von
Gasteropoden existiren, an denen man auch nicht eine Spur
dieser Organe angedeutet findet. Ich rathe übrigens, die Ge-
lörorgane an frischen Thieren aufzusuchen, da an solchen
Mollusken, welche in Weingeist aufbewahrt oder durch Wein-
geist getödtet wurden, die Umgegend der Gehör- Kapseln sich
50 trübt, dafs die Organisation derselben nicht gehörig erkannt
Verden kann, auch wird man an solchen Präparaten das in-
eressante Oscilliren der Otolithen nicht beobachten können,
Ivelches durch die Einwirkung von Alkohol aufhört; denn ich
abe beobachtet, dafs, wenn ich auf die Gehirn- Ganglien mit
en in ihren Kapseln lebhaft oscillirenden Otolithen Alkohol
in wirken liefs, die Otplithen unbeweglich wurden, so wie der
158
Alkohol die Gehör -Kapseln zu durchdringen anfing, wobei
übrigens die Otolithen in ihrem Aussehen sich nicht veränderten.
Es würde zu weit führen, wollte ich das Gehörorgan,
wie ich es bei den einzelnen von mir untersuchten Gastero-
poden-Arten angetroffen habe, ausführlich beschreiben, daher
ich dies nur von wenigen thun will, da man von diesen sehr
leicht auf das Verhalten der Gehörorgane bei den übrigen
schliefsen kann.
Bei Lymnaeus stagnalis wird die untere Portion
der Central -Nervenmasse von 7 orange gefärbten Ganglien-
Knoten gebildet; diese sind in einem Kreise gestellt und wer-
den durch Kommissuren unter einander verbunden, der Mittel-
raum zwischen ihnen (Fig. 3. A.) ist durch Zellgewebe ausge-
füllt. Die 7 Ganglien erscheinen asymmetrisch geordnet, die
zwei gröfsten Ganglien bilden das vordere Ganglien-Paar, welche
dicht neben einander liegen (Fig. S.a. a.), hierauf folgen links
zwei kleine Ganglien und rechts nur ein kleines Ganglion
(Fig. 3. b.* b.), den Schlufs macht ein hinteres gröfseres , sehr
dicht an einander liegendes Gänglien-Paär (Fig. 3. c. c). Aus
dem vorderen Ganglien -^ Paare (Fig. 3. e. e.) und den beiden
dicht dahinter liegenden kleineren Ganglien (Fig. 3. e.* e.*)
treten zwei Kommissuren seitlich und nach oben sich wendend
hervor, um die beiden auf dem Oesophagus liegenden Ganglien
(die obere Portion des Hauptganglien-Ringes) mit der unteren
Portion zu verbinden und so den Ring des Central- Nervensy-
stems, durch welchen der Oesophagus hindurchtritt, zu schlie-
fsen. Die beiden vestibula membranacea (Fig. 3. f. f ) sitzen
dicht auf den beiden vorderen Ganglien -Körpern, und zwar
an der hinteren Wölbung derselben, etwas nach unten gerichtet
an der inneren Seite des Ursprungs der Kommissur (Fig. 3. d.*d.*),
welche an die nächst folgenden kleinen Ganglien herantritt.
Beide Gehör-Kapseln sind ziemlich dünnwandig und enthalten
eine geräumige Höhle, in der die platt- ovalen Otolithen sehr
lebhaft oseilliren. Ihre Zahl beträgt weit über hundert in je-
der Kapsel. Bei den Embryonen dieses Lymnaeils, welche
ziemlich ausgebildet waren, aber ihre Eihüllen/ noch nicht ver-
lassen hatten, sah ich die Otolithen deutlich in den Gehörkap-
seln oseilliren, es waren ihrer jedoch nur 10 — 20 in den ein-
zelnen Kapseln vorhanden, woraus hervorgeht, daifs die
159
Anzahl der Otolithen mit dem Alter der Gasteropoden zu-
nimmt.
In den Gehör-Kapseln von Lymnaeus minutus fand ich
nahe an hundert Otolithen, welche lebhaft zitterten.
Die Ganglien des Central -Nervensystems von Piano r-
his marginatus sind röthlich gefärbt, die untere Portion
desselben bildet einen Ring von sieben Ganglien, welche wie
bei Lymnaeus asymmetrisch geordnet sind. Das vordere
gröfsere Ganglien- Paar besitzt an der bekannten Stelle die
beiden Gehör-Kapseln angedrückt; der vertikale Durchmesser
der von den Kapselwänden umgebenen Höhlen ist viel gröfser
als der horizontale Durchmesser. Die Gröfse der 70—80 leb-
haft oscillirenden platt-ovalen Otolithen einer Gehör- Kapsel
ist sehr ungleich; die gröfseren Otolithen lassen in ihrer Mitte
einen hellen Fleck (eine Oeffnung?) erkennen.
In Piano rhis nitidus, vortex und coniortus ver-
halten sich die Gehörorgane ähnlich wie bei PlanorMs mar-
ginatus, die vestibula membränacea enthalten über 50 bis 60
oscillirender Otolithen.
Physa fontinalis bestizt zwei Gehör-Kapseln, die man
an der bekannten Stelle sehr leicht aufluden kann (Fig.4.c.c.),
die innere Fläche der Kapselwände zeigt mehrere Uneben-
heiten (Fig. 5.), eine Eigenthümlichkeit, die ich auch bei an-
deren Gasteropoden angetroffen habe. Die Zahl der zitternden
Otolithen beträgt nahe an 40 bis 50, welche von ungleicher
Gröfse sind (Fig. 6.); einzelne Otolithen finden -sich unter ih-
nen (Fig. 6. a.), welche aus vier Pyramiden zusammengesetzt
erscheinen, dergleichen Otolithen habe ich auch hier und da
zwischen den Otolithen-Haufen anderer Gasteropoden bemerkt.
Clausilia plicata und nervosa enthalten ziemlich
geräumige vestibula membränacea, ihre Wände sind dünne, ihre
platt-ovalen Otolithen, deren ich nahe an hundert zählte, sind
von sehr ungleicher Gröfse, die gröfseren besitzen in/ ihrem
Mittelpunkte einen hellen Fleck (eine Oeffnung?), einzelne
Otolithen befinden sich darunter, die eine mehr unregelmäfsige
Gestalt besitzen»
Clausilia minima verhält sich ähnlich, bei dieser so-
wohl als bei den vorigen Clausilien oscilliren die Otolithen
lebhaft.
160
Die Gehör-Kapseln \on Succinea ampTiihia enthalten
weit über 100 oscillirende Otolithen, diese zeigen weit mehr
eine krystallinische Gestalt als die Otolithen der übrigen von
mir untersuchten Mollusken-Otolithen; es sind an beiden En-
den zugespitzte längliche Krystalle, deren Krystallflächen je-
doch mehr oder weniger abgerundet sind, sie lassen sich am
besten vergleichen mit denjenigen Otolithen, welche Huschke
in dem Labyrinthe der Vögel entdeckt*), und Krieger aus
dem Gehörorgane von Python tigi'is abgebildet hat**). Die
Gehör-Kapseln der Succinea amphibia besitzen übrigens ziem-
lich dicke Wände, die sechs Ganglien, aus welchen die untere
Portion des weifslich gefärbten Central -Nervensystems dieser
Schnecke besteht, sind sich sehr nahe gerückt, so dafs der
Zwischenraum, den dieser Ganglien-Ring bildet, sehr klein ge-
worden ist.
Bei Ancylus fluviatilis, deren beide vestibula mem-
branacea nahe an 30 eiförmige Otolithen enthalten, sah ich
diese Hörsteinchen ganz erstaunlicn lebhaft in den Gehör-Kap-
seln umhertanzen. Weder in den älteren Beobachtungen,
welche Treviranus über Ancylus ßuviatilis mitgetheilt***),
noch unter den Bemerkungen, welche Vogt ^anz kürzlich
über diese Schnecke gemacht hat f ), fand ich über dieses Sin-
nesorgan etwas erwähnt, überdies hat Vogt das Central -Ner-
vensystem dieses Ancylus nicht richtig abgebildet -j-J-), an der
untern Portion des Nerven - Ringes fehlen nämlich die beiden
dicht neben einander liegenden vorderen gröfseren Ganglien,
über deren hintere Wölbung die vestibula membranacea her-
vorragen.
In Helix Pomatia ist die untere Portion des weifsli-
chen Haupt-Nerven-Ringes sehr grofs, jedoch bilden die Gan-
glien-Paare hier keinen deutlichen Ring, da sie unter sich
*) Froriep's Notizen. Bd. 23. Nr. 707. pag. 33. Fig. 1.
**) Krieger: <fe otolithis, dissertat. 1840. Tab. I. Fig. 8.
***) Tiedemann's Zeischr. f. Physiologie. Bd.IV. Hft. 2. p. 192.
üeber die anatomische Verwandtschaften der Flufsnapfschnecke (An-
cylus ßuviatilis) von Treviranus.
f) Müll er' s Archiv. 1841. pag. 25. Bemerkungen über Ancylus
ßuviatilis von Vogt.
tf) Ebenda. Taf ü. Fig. 4. t
161
verschmolzen sind, betrachtet man aber die ganze Ganglien-
Masse, über welche der Oesophagus hinwegläuft, auf der un-
teren Fläche, so fallen zwei gröfsere Wölbungen am vorderen
Ende dieser Ganglien-Masse auf, welche als das vordere Gan-
glien-Paar angesehen werden können, und wirklich findet man
an ihrer hinteren Seite die beiden Gehör-Kapseln, welche über
hundert sehr grofse, ovale, plattgedrückte Otolithen enthalten
(Fig. 7.), letztere oscilliren in bekannter Weise und haben in
ihrem Centrum einen hellen Fleck (eine Oeffnung). Aehnlich
verhalten sich Helix arhustoium, nemoralis, hortensis und
hispida.
Helix rotundata läfst ebenfalls zwei Gehör-Kapseln
erkennen, deren Inhalt aus einem grofsen Haufen platt- ovaler
Otolithen besteht, welche lebhaft oscilliren und die Zahl hun-
dert weit übersteigen»
Bulimus luhricus besitzt ein ringförmiges Central-
Nervensystem, dessen untere Portion aus ringförmig geordne-
ten Ganglien besteht, doch herrscht in der Vertheilung der Gan-
glien keine Symmetrie, die beiden vorderen gröfseren Ganglien
liegen dicht neben einander, und tragen an der hinteren Wöl-
bung die vestibula membranacea; hinter diesem Ganglien-Paare
folgen auf der einen Seite zwei kleinere Ganglien, auf der
anderen Seite nur ein kleineres Ganglion, und den Schlufs ,
dieses Ringes bildet das hintere Ganglien -Paar, welches fast
zu einem einzigen Ganglion verschmolzen ist. Die oscillireiiden
Otolithen, deren nahe an hundert in jeder Kapsel vorhanden
sind, sind von platt-ovaler Gestalt und von ungleicher Gröfse.
In Arion empiricorum sind die Ganglien der unte-
ren Portion des Central -Nervensystems Cast unter einander
verschmolzen; es lassen sich aber auf der unteren Fläche die-
ser Portion die Wölbungen der beiden vorderen Ganglien sehr
leicht herausfinden und an deren hinterer Seite die Gehör-
Kapseln gar bald erkennen. Ihr Inhalt besteht aus vielen
Hunderten von platt-ovalen oscillirenden Otolithen.
Limax maximus verhält sich fast wie die vorige
Schnecke, in Limax agrestis hingegen kann man einen
deutlichen Ring erkennen, der von den Ganglien der unteren
Portion des Haupt-Ganglien-Ringes gebildet wird; derselbe be-
steht aus einem vorderen gröfseren Ganglien- Paare, einem mitt-
Archiv f. Naturgcsch. YH. Jahrg. 1, Bd. 11 s
162
leren kleineren Paare und einem hinteren einfachen gröfseren
Ganglion, welches wahrscheinlich aus der Verschmelzung des
hinteren Ganglien -Paares hervorgegangen ist. Das vordere
Ganglien -Paar ist an der bekannten Stelle mit den Gehör-
Kapseln ausgerüstet, diese enthalten nahe an 80 ovaler, ziem-
lich abgeplatteter Otolithen, deren Oscilliren sehr deutlich in
die Augen fällt.
Wenn wir nun dieses Gehörorgan der Mollusken mit
dem in der Entwickelung begriffenen Gehörorgane der Fi-
sche vergleichen, so werden wir eine auffallende Aehn-
lichkeit zwischen beiden erkennen, und noch bestimmter über-
zeugt werden, dafs das oben beschriebene Organ der Mollu-
sken die Bedeutung eines Gehörorgans habe. Werfen wir ei-
nen Blick auf Fig. 8., welche das Gehörorgan eines sehr jun-
gen Cyprinus alburnus darstellt*), so mufs uns die Einfach-
heit dieses Organs auffallen, denn wir sehen nur eine einfache
Kapsel mit unebenen Wänden (Fig. 8. a.), an denen innerhalb
der mit klarer Flüssigkeit gefüllten Kapsel zwei Otolithen an-
kleben (Fig. 8. b.), die unregelmäfsige Gestalt der Kapsel deu-
tet an, dafs die halbzirk eiförmigen Kanäle im Begriffe sind,
sich aus ihr hervorzubilden. Folgen wir nun diesem Organe
in seiner Entwickelung um einige Schritte zurück, und betrach-
ten wir Fig. 10., wo die Gehör-Kapsel eines noch jüngeren
Embryo desselben Fisches abgebildet ist**), so finden wir
das vestibulum membranaceum fast wie eine ziemlich regel-
mäfsige runde Blase geformt und die Aehnlichkeit zwischen
diesem Gehörorgane und der Gehörkapsel der Mollusken ge-
wifs auffallend. Auch die Struktur der Gehörsteinchen dieser
Fisch -Embryonen und der Mollusken ist sich ähnlich, erstere
zeigen nämlich ebenfalls ein concentrisches Gefüge und bre-
chen beim Drucke mit vier radialen Rissen auseinander (Fig. 9.).
*) Der Embryo, von welchem diese Abbildung genommen Ist,
entspricht der Entwickelungsstufe des Embryo von Ct/prinus ery-
throphthalmus , welchen Schultz (System der Circulation, Tab. IV.
Fig. 2.) abgebildet hat.
**) Die Entwickelungsstufe des Embryo, von welchem diese Figur
genommen ist, stimmt mit derjenigen überein, welche Baer (Unter-
suchungen über die Entwickelungsgeschichte der Fische) in Fig. 18'
von Cyprinus Blicca abgebildet hat.
163
Eine Bewegung habe ich an den beiden Otolithen der Fisch-
Embryonen niemals wahrnehmen können, obgleich die Otoli-
then in den unverletzten lebendigen Embryonen unter dem
Mikroskope von mir beobachtet wurden.
In der Entwickelungsgeschichte der Fische weiset Baer
nach, wie allmälig das Ohr sich aus dem Gehirn der Fisch-
Embryonen hervorstiilpt*), indem es anfangs „eine isolirte
Erweiterung des hintersten Haupt-Abschnittes des
Hirns" ist**); wenn sich nun das Gehörorgan bei der wei-
teren Entwickelung deT höheren Thiere nach und nach von dem
Gehirn abschnürt, so bleibt dagegen bei vielen Mollusken das
Gehörorgan auf der niedrigsten Entwickelungsstufe stehen, es
trennt sich nicht von dem Gehirne, sondern bildet eine „iso-
lirte Erweiterung des hinteren Theiles von einem der Haupt-
ganglien-Paare der Central- Gehirnmasse." So verhält es sich
bei den von mir untersuchten Gasteropoden und nach Van
Beneden's Untersuchungen bei Cyinbulia Feronii und Tie-
demannia napolitana. Hingegen läfst sich aus der kurzen
Skizze, welche Krohn über den Bau des Gehörorgans von
PterotracJiea und Carinaria bekannt gemacht hat, sowie aus
den Andeutungen, Welche Eydoux und Souleyet über das
Gehörorgan von Firola, Carinaria, Atlanta, Fhylliroe und
Fneumodermon gegeben haben, entnehmen, dafs hier die ve-
stibula membranacea sich von dem Central -Nervensystem ab-
getrennt haben und durch einen specifischen (Gehör-) Nerven
mit demselben in Verbindung stehen, was nach meinen Unter-
suchungen auch bei mehreren Conchiferen (bei Mya arenaria,
Cardium edule, Cyclas rivicola und laciistris), so wie bei
den Unionen und Anodonten Statt findet.
Zum Schlüsse will ich noch einen Gegenstand erwähnen,
der mit dem Oscilliren, welches man an den Otolithen in den
Gehör- Kapseln wahrnimmt, in einer gewissen Beziehung zu
stehen scheint. Es ist mir nämlich aufgefallen, dafs die Otoli-
then sowohl der Conchiferen als der Gasteropoden die innere
Wand der Gehör-Kapseln nicht berühren, während es die bei-
den Otolithen der Fisch-Embryonen bestimmt thun, aber den^
*) Ebenda, pag. 15, 17 u. s. w.
**) Ebenda, pag. 15.
11*
164
noch können jene Otolitlien zur Verstärkung des Tones etwas
beitragen. Ich berufe mich hierbei auf Müller's Aeufserung:
„die im Labyrinth der Fische und fischartigen Amphibien ent-
haltenen Hörsteine und der krystalünische Brei im Labyrinth der
übrigen Thiere müfste durch Resonanz den Ton verstärken,
selbst wenn diese Körper die Membranen, auf welcher die
Nerven sich ausbreiten, nicht berührten"*). Da ferner Mül-
ler folgenden Ausspruch thut: „Die Ansicht, dafs der krystal-
ünische Staub beim Hören von den Wänden abgeworfen werde?
wie der Staub auf schwingenden Scheiben und Membranen»
läfst sich physikalisch nicht rechtfertigen, denn im Wasser
sieht man während der Schallleitung den im Wasser schwe-
benden Staub nie die geringste Bewegung machen"**), so
werden die Oscillationen der Otolithen in den Gehör- Kapseln
der Mollusken unsere Aufmerksamkeit ganz besonders erregen.
Sollten die merkwürdigen Bewegungen der Mollusken -Otoli-
then nicht daher rühren, dafs die Wände der geschlossenen
und gespannten Gehör- Kapseln .schwingen und sollten nicht
durch dieses Schwingen die Otolithen von der inneren Wand
der Kapseln abprallen? Erinnert man sich an die Aehnlich-
keit der Bewegungen, welche diese oscillirenden Otolithen mit
denjenigen Bewegungen haben, welche der auf dem schwin-
genden Stimmhammer im Wasser befindliche Sandstaub von
sich giebt, so wird obige Frage um so mehr erlaubt sein.
Woher rührt aber das ununterbrochene Abprallen des Mollu-
sken-Otolithen und das fortwährende Schwingen ihrer Gehör-
Kapseln?
Erklärung der Abbildungen, Tafel VI..
Fig. 4. A. Das linke Ganglion des Hauptganglien -Paares
aus der Wurzel des Fufses von Cyclas Cornea, von der Seite
gesehen, a. a» Nach vorne verlaufende Nervenstämme; b. ein
in den Fufs tretender Nervenstamm; c. ein nach hinten sich
erstreckender Nervenstamm; d, das linke vestibulum membra-
naceum, oder vielmehr die Gehor-Kapselwand ; e. der mit ei-
*) Müller's Physiologie des Menschen, Bd. II. 1840. pag. 463. *!
**) Ebenda, pag 463.
165
ner klaren Flüssigkeit angefüllte innere Raum des vestibulum
membranaceum; f. der Otolitli, auf dessen Fläche man bereits
die Risse angedeutet findet, in welche er Leim Pressen zwi-
schen Glasplatten zerfallen wird.
Fig. 2. Der eben erwähnte Otolith durch Pressen zwi-
schen Glasplatten in vier pyramidale Stücke zerbrochei;|
Fig. 3. Die untere Portion des Central -Nervensystems
von Lymnaeus sta^naUs, der innere Raum A. des Ringes,
welchen die sieben Ganglien bilden, wird von lockerem Zell-
gewebe ausgefüllt; a. a. das vordere Ganglien-Paar, b.* b. die
kleineren Ganglien, die beiden kleineren Ganglien der linken
Seite b.* veranlassen die Asymmetrie des Ganglien -Ringes;
o.e. das hintere Ganglien-Paar; d.*d.*d.d.d. die Kommissuren,
welche die Ganglien unter einander verbinden ; e. e. e.* e.* die
Kommissuren, welche nach oben treten, um sich mit der auf
dem Oesophagus liegenden oberen Portion des Central-Nerven-
systems zu verbinden, und so den Haupt -Ganglien -Ring zu
schliefsen; f. f. die vestibula membranacea mit den Otolithen
in der Kapsel-Höhle,
Fig. 4. a. a. Vorderes Ganglien-Paar der unteren Portion
vom Central -Nervensystem aus Vhysa fontinalis; b. b. die
beiden Kommissuren, welche zu den dahinter liegenden klei-
neren Ganglien treten ; c. c. die vestibula membranacea, welche
Otolithen enthalten.
Fig. 5. Eine der Gehör- Kapseln aus Physa fontinalis,
im horizontalen Durchschnitt sehr stark vergröfsert; a. die Kap-
selwand, deren innere Fläche uneben ist; b. der innere Raum,
welchen die Kapselwand umschliefst,
Fig. 6. Die Otolithen aus einem vestibulum membrana-
ceum der Physa fontinalis; a. ein aus vier Pyramiden zu-
sammengesetzter Otolith.
Fig. 7. Einige Otolithen aus Helix pomatia,
Fig. 8. Das rechte Vestibulum membranaceum aus einem
Embryo des Cyprinus alhiirnus wie dasselbe in dem zarten
Parenchyme des Embryo eingebettet liegt^ von der Seite be-
trachtet; a. die Kapsel wand des vestibulum; b. die beiden
Otolithen, welche auf der inneren Fläche der Kapselwand auf-
sitzen; der obere Otolith, welcher eine mehr plattgedrückte
Form hat, läfst auf seiner freien Fläche die Risse erkennen.
166
in deren Richtung derselbe beim Pressen zwischen Glasplatten
zerbrechen wird.
Fig. 9. Derselbe Otolith durch Pressen in .vier Stücke
zerbrochen.
Fig. 10. Das' rechte vestibulum membranaceum aus einem
noch jüngeren Embryo des Cyprinus alhiirnus; a. die Ge-
hör-Kapselwand; b. die beiden Otolithen.
Anmerk. Die Abbildungen sind alle sehr stark vergröfsert.
Zusatz.
Nachdem nun bei den Mollusken das Gehörorgan nach-
gewiesen ist, dürfte man aufgemuntert werden, auch noch bei
anderen niederen Thierordnungen nach diesen Sinneswerk-
zeugen zu suchen; namentlich scheinen die Anneliden zu sol-
chen Untersuchungen aufzufordern, da viele dieser Thiere ein
sehr scharfes Gehör verrathen. Bekanntlich kann man durch
Plätschern im Wasser, welches von Blutegeln bewohnt wird,
diese nach Blut dürstenden Thiere aus ihren Schlupfwinkeln
herbeilocken; noch empfindlicher gegen das geringste Geräusch
zeigen sich die Regenwürmer, was man besonders gut zur
Zeit beobachten kann, wenn diese Anneliden, um sich zu be-
gatten, aus ihren Erdlöchern theilweise hervorkriechen und
sich durch langes. Ausrecken gegenseitig zu erreichen suchen,
ohne mit der Schwanzspitze das Erdloch zu verlassen, in wel-
ches sie sich mit der gröfsten Schnelligkeit zurückziehen, w^enn
man sich ihnen mit den leisesten Fufstritten nähert. Ob nun
bei diesen Thieren ein besonderer specifischer Gehörnerv vor-
handen ist, ob sie einen besonderen Leitungsapparat besitzen,
der die Schallschwingungen aufnimmt und nach dem Central-
Nervensysteme hinleitet, das ist nun zu untersuchen. Fast
möchte man an die Existenz eines besonderen Gehörorgans bei
den Anneliden glauben, wenn man die Beschreibung des Ner-
vensystems durchliest, welche Grube und Stannius aus
u4renicola piscatorum gegeben haben. Grube hat nämlich
mehrmals in dieser Annelide „nahe der oberen Mittellinie des
Körpers, jederseits einen weifsen Knoten erkannt, der sc^wohl
167
mit dem gleichnamigen als mit den "Schenkeln des Schlund-
Ringes in unmittelbarer Verbindung zu stehen" schien *).
Stannius fügt dieser Beschreibung noch folgendes hinzu ;
„unter dem Mikroskope erscheint jedes Knöpfchen als eine mit
feinen Fäden besetzte, von zwei concentrischen Ringen be-
gränzte Masse. Innerhalb des inneren Ringes liegt eine grofse
Zahl von imregelmäfsigen eckigen Körperchen mosaikartig an
einander. Jedes dieser Körperchen hat 00003 — 00004 P. Z.
im Durchmesser, und enthält regelmäfsig einen deutlichen, sei-
nen Conturen entsprechenden Keri;. Diese eckigen, mosaik-
artigen Körperchen füllen nicht das ganze Centrum aus, son-
dern liegen unregelmäfsig bald nur in einem, bald in beiden
Halbkreisen des innern Ringes. Sie scheinen krystallinischer
Natur zu sein"**). Die quere Kommissur, welche nach
Grube beide Knötchen mit einander in Verbindung setzt, hat
Stannius nicht beobachtet***). Sollte man nun nicht, be-
sonders bei der Beschreibung, wie sie Stannius von diesem
Organe der Arenicola piscatorum gegeben hat, an die Ge-
liörkapseln des Mollusken denken? Die Knöpfchen scheinen
wirklich eine Höhle zu enthalten, wie sich aus den beiden
concentrischen Ringen vermuthen lafst, welche Stannius an
ihnen gesehen hat, und welche wahrscheinlich die Wand der
Gehör- Kapseln andeuten. Die unregelmäfsigen eckigen Kör-
per, welche nach Stannius Angabe innerhalb des innei:en
Ringes jener Knöpfchen liegen, sind vielleicht Otolithen; Stan-
nius sagt von ihnen ausdrücklich, dafs sie krystallinischer Na-
tur seien; der Kern, welcher den äufseren Conturen der un-
regelmäfsigen eckigen Körper entspricht, rührt vermuthlich
von dem concentrischen Gefüge her, welches bei den Otoli-
then so häufig durch ähnliche Zeichnungen zu erkennen ist.
Man wird demnach die Abbildung, welche Stannius von
den eben erwähnten beiden Organen der Arenicola pisca-
*) Grube: Zur Anatomie und Physiologie der Kiemenwürmer,
pag. 18. Tab. I. Fig. 7. p.
**) Stannius: Bemerkungen zur Anatomie und Physiologie der
Arenicola piscatoru?n. S, Müller's Archiv. 1840. pag. 379. Taf. XI.
Fig. 15. a. a.
***) Ebenda, pag. 379.
168
torum gegeben hat,*) nicht betrachten können, ohne an das
Gehörorgan der Mollusken erinnert zu werden.
Erlangen, den 1. Juli 184L
Ueber die Balanideen.
Von
W. V. Rapp, Professor in Tübingen.
Von den Schalen der Mollusken und der gestielten Cirri-
peden (JLepaded) unterscheiden sich die Schalen der unge-
stielten Cirripeden (Balanidea) durch ihren eigenthümlichen
innern Bau. Die Geschlechter Baianus j Coronula, Tubici-
nella stimmen in dieser Beziehung mit einander überein» Die
Schalen dieser Cirripeden sind nämlich von regelmässigen Ka-
nälen durchzogen.
Tuhicinella halaenarum Lam. zeigt in der weissen
Schale regelmässige, senkrechte,, vierseitige Röhren, die vom
obern zum untern Rande in gerader Linie sich fortsetzen,
ohne sich in Aeste zu theilen, und dicht neben einander ste-
hen in einfacher Reihe. Die Schale hat auf der Oberfläche
sechs der Länge nach verlaufende Furchen, in welchen sie
leicht zerbrechlich ist. An diesen Furchen zeigen die Kanäle
der Schale eine andere Richtung, sie laufen horizontal, sind
sehr kurz und hängen mit dem zunächst stehenden senkrech-
ten Kanal zusammen. Untersucht man die Schale im frischen
Zustande, so erkennt man in den Kanälen einen hohlen Fa-
den:-er stellt den innern Ueberzug des Kanals dar, wie auch
die äussere und innere Oberfläche der Schale von einer dün-
nen durchsichtigen, beim Trocknen nach und nach gelb wer-
denden Haut überzogen wird. An dem untern freien Rande
der Schale, wo die senkrechten Kanäle offen stehen, hängen
*) Ebenda, Taf. XL Fig. 12. 13.
1
169
diese häutigen Ueberziige mit einander zusammen. Die Schale
ist mit einer gleichen Haut an der Grundfläche geschlossen.
Unter dem Mikroskop erkennt man an diesem häutigen Ueber-
ziige keine Zellen. Die Schale ist mit parallellaufenden her-
vorragenden Ringen umgeben, die mit dem Alter zunehmen;
ich fand bis eilf solcher Ringe. Das Thier ist so in der
Schale enthalten, dass die Mundöffnung desselben abwärts ge-
richtet ist, und das hintere Ende, an welchem die, den männ-
lichen Genitalien angehörende rüsselförmige Verlängerung sich
findet, entspricht der freien Oeffnung der Schale. Die Ran-
kenfüsse sind bei Tubicinella und bei andern Thieren aus der
Ordnung der Balanideen kürzer als bei der Ordnung der Le-
padeen (gestielten Cirripeden). Nach den Untersuchungen,
die ich an der Tubicinella angestellt habe, schliefse ich, dass
sie lebendige Junge zur Welt bringe. Unter dem Mantel fand
ich eine grosse Menge von Eiern: sie sind nicht kugelförmig,
sondern, wie ich es auch bei andern Cirripeden gefunden habe,
länglich. In einer der grössten Tubicinella balaenarum, die ich
zergliederte, fand ich viele Junge, die das Ei schon verlassen
hatten und bei einer SOOfachen Vergrösserung deutlich zu er-
kennen waren. Sie haben, wie J. Thompson*) und Bur-
meister **) schon bei andern Cirripeden gezeigt haben, eine
vom erwachsenen Thier völlig abweichende Gestalt. Der Rücken
ist stark gewölbt, hinten spitzt sich das Thier zu. Eine Ab-
theilung in Segmente ist nicht wahrzunehmen. An jeder Seite
erkennt man drei ziemlich durchsichtige, mit Borsten besetzte,
mit der Spitze rückwärts gerichtete Füsse, die gegen das freie
Ende hin gabelförmig getheilt sind. Augen konnte ich nicht
unterscheiden. Es findet sich noch keine Spur einer Schale.
Da die Jungen schon im Leibe der Mutter zu unterscheiden
sind, wie es Wagner schon bei Anatifa beobachtet hat ***),
so widerlegt sich damit die Annahme von Cuvier f), dass
*) J. Thompson, Zoological researches and illustrations. Memoir
IV. On Cirripedes. Cork 1830. pl. 9. 10. Philos. Transact. London
1835. pag. 355.
**) Beiträge zur Naturgeschichte der Rankenfdsser.
**») Vergl. Physiol. des Bluts S. 64.
t) Memoire sur les animaux des anatifes et des balanes. In
170
beim Durchgang durch den Kanal, der in die rüsselförmige
Verlängerung übergeht, die Eier befruchtet werden. Dieses
rüsselförmige Organ ist vielmehr, wie auch von Hunt er*),
Burmeister**), Martin Saint-Ange***), R. Wagnerf)
angenommen wird, der gemeinschaftliche Ausführungsgang für
beide TestikeL
Die Tuhicinella hdlaenarum lebt in der Haut der Wall-
fische und ist ganz in das dicke Malpiphische Netz eingegra-
ben, fast ohne eine Hervorragung zu bilden. Die freie Mün-
dung der Schale, aus welcher die Füfse des Thiers hervor-
kommen, mit den vier Klappen an der Oeffnung der Schale
sind allein sichtbar. Die Grundfläche der Schale der Tuhi-
cinella erreicht die Lederhaut des Wallfisches nicht vollstän-
dig, es bleibt immer eine Lage vom Malpighischen Netz zwi-
schen der Schale und dieser Haut. Das Gewebe der Wall-
fischhaut erleidet durch diesen Parasiten keine andere Verän-
derung, als dass die unzähligen, fadenförmigen, weissen Ver-
längerungen, welche von der Lederhaut der Cetaceen entsprin-
gen und in das Malpighische Netz hineinragen, sehr verkürzt
sind an der Stelle, wo ein solcher Cirripede sitzt. Dafs aber
dieser, wie Lamarckff) angiebt, und wie es zeither oft wie-
derholt worden ist, in den Speck des Wallfisches eindringe,
fand ich niemals bei den zahlreichen Stücken von Wallfisch-
Iiaut, welche Herr Dr. Krause von seiner Reise nach dem
Cap mitgebracht hat. Die Tubicinellen, obgleich mehrere durch
ihre Grösse sich auszeichneten, reichten nicht bis auf die Le-
derhaut. Die Abbildung, welche D u f r e s n e in einem Anhange
zu Lamarck's Abhandlung über die Tuhicinella bekannt machte,
ist nicht von Werth, es hat dort den Schein, als ob die Tuhi-
cinella im Speck des Wallfisches eingegraben wäre, aber die
Mem. pour servir ä Fhistoire et ä l'anatomie des moUusques. Pa-
ris 1817.
*) Catalogue of the physiolog. series of comparative anatomy.
Vol. I. London 1833. 4.
**) a. a. O.
*^*) Memoire sur l'organisation des cirripedes. In Mem. presei
tes par divers savans ä l'acad. roy. de France. 1835.
t) MüUer's Archiv. 1834. S. 467.
•J-t) Annales du museum d'hist, naturelle. 1802.
171
für den Speck ausgegebene Scluclit ist das Malpipliische Netz
des Wallfisches, welches an manchen Stellen der Wallfiscli-
haut über einen Zoll dick ist. Uebrigens stehen die Tubici-
nellen dicht neben einander, und sind oft nur durch einen
Zwischenraum von einigen Linien, der mit Malpiphischem
Netz ausgefüllt ist, von einander getrennt, zugleich ist die
Oberfläche der Haut mit zahlreichen Schaaren von Cyamus
besetzt. Wie die Tubicinella in das dicke Malpiphischc Netz
des Wallfisches gelange, ist nicht leicht zu erklären. Viel-
leicht dass diese Cirripeden in ihren frühen Lebonsperioden,
so lange sie noch einer freien Ortsbewegung fähig sind und
und noch mehr den Crustaceen gleichen, in die dicke Schicht
des Malpiphischen Netzes dringen und dort ihre Verwandlung
durchmachen. Dass die Tubicinella vom Wallfisch ihre Nah-
rung ziehe, ist nicht anzunehmen, auch mehrere andere Cirri-
peden sitzen vorzugsweise an Gegenständen, die im Meere
schwimme», an Schiffen, an Stückchen Holz, an gewissen Tan-
gen. Bei Tubicinella balaenarum fand ich den Magen mit
einer gelblichen Masse gefüllt, ich konnte aber auch durch
Hülfe des Mikroskops keine Theile von Thieren darin unter-
scheiden. Vielleicht die zahlreichen Heerden von Cyamus,
welche die Haut der Wallfische bedecken, dienen der Tubici-
nella zur Speise. In zwei oder drei Fällen fand ich wohl im
Magen der Tubicinellen unter dem andern Futter einige kleine
Fragmente von dem schwarzen Malpiphischen Netz des Wall-
fisches, diese Stückchen konnten aber zufällig mit anderer
Nahrung verschluckt worden sein. In dem untern Theile des
röhrenförmigen Gehäuses fand ich immer eine weiche, mit
Fäden durchzogene Masse, in welcher man durch das Mikro-
skop eine unzählige Menge von runden, gelblichen, durchsich-
tigen Körnchen erkennt. Ich war geneigt, sie für die noch
wenig entwickelten Eier zu halten, aber es finden sich ganz
ähnliche nur grössere Körper, die nichts sind als ein thieri-
sches Oel. Es fliessen oft zwei derselben zu einem Tropfen
zusammen. Selbst mit blossem Auge erkennt man bei der
anatomischen Untersuchung dieser Cirripeden unter Wasser
kleine Fetttropfen, die aus der weichen, im Grunde der
Schale enthaltenen Masse kommen und sich auf die Oberfläche
des Wassers erheben.
172
Die Tubicinelleii finden sich nicht bei den Wallfischen,
die iin Norden gefangen werden.
Die Schale von Coronula dhtdema Lämk. hat auch
jene senkrechten Röhren, wie sie bei Tubicinella, überhaupt
bei den ungestielten Cirripeden vorkommen. Diese Röhren
sind stark an beiden Seiten zusammengedrückt; ähnliche doch
kleinere Röhren sind auch in den senkrechten Scheidewänden
angebracht, die bei diesem Cirripeden an der Grundfläche
strahlenförmig gegen die Achse der Schale verlaufen. Gegen
die freie Mündung der Schale werden diese Kanäle enger und
verschwinden endlich ganz. Man schreibt der Coronula dia-
dema gewöhnlich vier Klappen zu zum Verschliefsen der Schale,
es finden sich aber nur zwei, wie es schon Burmeister rich-
tig angegeben hat, das Uebrige der Mündung wird von einer
fast knorpelartigen Haut umgeben.
Coronula &flrZöen«r?5Lmk. zeigt ähnliche, feine, der
Länge nach verlaufende Röhren in der Schale. An »den sechs
Furchen, welche gegen den Umfang der Schale verlaufen, läfst
sich diese leicht zerbrechen und hier ist die Schale aus kämm-
förmig über einander liegenden Blättchen gebildet. Im fri-
schen Zustande findet man die Schale der Coronula balaena-
ris mit einer dicken, schwarzen Haut bedeckt, diese gehört
aber nicht zu dem Cirripeden, es ist ein Theil des Malpiphi-
schen Netzes des Wallfisches. Bei einigen Stücken von Co-
ronula balaenaris fand ich die Oberfläche mit einer weissen
Haut bedeckt, sie hatten ihren Sitz an Stellen des Wallfisches,
wo die Haut weiss ist. Bei Coronula liegen an der aufsitzen-
den Fläche der Schale längliche Kammern, in welchen aber
nichts von dem Thier enthalten ist, sie sind mit einer dicken
Haut ausgefüllt, welche auch die übrige Oberfläche der Schale
überzieht, doch auf der Schale selbst ist noch ein sehr dün-
ner, durchsichtiger, membranöser Ueberzoig. Bei Coronula
balaenaris fragt Blainville (Manuel de Malacologie), ob der
Deckel aus zwei Klappen bestehe? Ich fand immer vier Klap-
pen, aber von ungleicher Grösse, zwei kleinere und zwei
grössere. Die Abbildungen bei Blainville und Guerin sind
unrichtig, indem alle Klappen von gleicher Grösse gezeichnet
sind, die Abbildung bei Sowerby (Conchological Manual)
ist richtiger. Zwischen der knorpligen Haut um die Oeflf-
I
173
nung der Schale herum und dem Thier fand ich eine weifse,
zerreibliche Materie, sie bestand, wie die mikroskopische Un-
tersuchung zeigte, aus nadeiförmigen Krystallen, und löste sich
leicht in Salpetersäure auf. Es scheint kohlensaurer Kalk
zu sein, der zum Wachsthum der Schale dient.
Das Thier liegt in der Schale auf dem Rücken. Die
rüsselförmige Verlängerung (der gemeinschaftliche Ausführungs-
gang beider Testikel) ist bei diesen Cirripeden besonders lang
und übertrifft an Länge mehrfach die gegliederten Füsse, und
ist in regelmässige Ringe getheilt, wie die Haut der Anneliden.
Die verschiedenen Arten von Baianus (Baianus spU
nosus, tintimiahulum, miser, sulcaius, per/oratus) zeigen
die Röhren in den Schalen, wie ich sie als einen allgemeinen
Charakter der ungestielten Cirripeden angegeben habe. Schon
Poli (Testacea utriusque Siciliae) hat diesen Bau bei einigen
im mittelländischen Meer vorkommenden Arten erkannt, auch
Cuvier (Mem. sur les animaux des anatifes et des balanes)
erwähnt kurz dieser Kanäle in den Schalen und von Cold-
stream*) wurden sie bei Baianus beschrieben. Der kalkar-
tige Boden, der bei vielen Baianus ^ie Schale schliefst, zeigt
ähnliche Röhren, wie dip seitliche Wand der Schale, aber die
im Boden, verlaufenden Röhren gehen vom Mittelpunkt strah-
lenförmig gegen den Umfang und sind durch kalkartige, dünne
Querwinde abgetheilt, wie gegliedert. Die Abtheilungen der
Schale von Baianus, welche gegen die freie Mündung hin zwi-
seilen den sechs sich zuspitzenden Schalenstücken liegen, ent-
halten keine Kanäle, vielmehr sind diese Zwischenstücke, die
durch Querstreifen ausgezeichnet sind, aus horizontal liegenden
Blättern gebildet.
Bei Baianus spinosus sind die kalkartigen Stacheln, mit
welchen die Oberfläche der Schale besetzt ist, hohl, und ihre
Hölile öSnet sich in eine der Röhren, die in der Schale der
Länge nach verlaufen. Baianus spinosus wird von Blain-
ville zu den Arten gezählt, bei welchen die Grundfläche der
Schale nicht kalkartig ist, sondern nur mit einer dünnen Haut
verschlossen wird, ich fand aber bei diesem Baianus in dem
kalkartigen Boden auch die Röhren, welche vom Mittelpunkt
*) In Cyclopaedia of Anatomy and Physiolog, Art, Cirrhopoda.
174
gegen den Umfang ausstrahlen. Die Röhren der Schalen der
Balanideen enthalten im frischen Zustande nur eine kleine
Menge einer wäfsrigen Feuchtigkeit. Die zwei oder vier
kalkartigen Kla^ipen zum Verschliefsen der Mündung der
Schale enthalten keine Kanäle, auch in der kalkartigen Schale
der gestielten Cirripeden (Lepadeen) fand ich keine Spur davon*).
Das Thier der ungestielten Cirripeden unterscheidet sich
von dem der gestielten besonders durch die Kiemen. Bei den
Lepadeen nämlich erscheinen diese Organe als schmale, zuge-
spitzte Blättchen, bei den Balanideen liegt aber an beiden Sei-
ten des Thiers eine grofse Kieme von einer Haut gebildet,
die in ziemlich regelmäfsige Blätter gefaltet ist, wie schon
Cuvier und Hunter angegeben haben.
'^) Es ist dies durchaus eine Bestätigung meiner Ansicht, nach
welcher die Deckelstücke der B-alanen den seitlichen Schalenstücken
der Lepaden entsprechend sind (Entomogr. I. S. 23. Not.). Man denke
sich nämlich, dafs bei einem Lepaden der Stiel so erweitert sei, um
das ganze Thier aufnehmen zu können, und dafs dieses mit dem Rücken
voran sich in denselben hineinsenkte; das unpaare Schalenstück der
Lepaden, welches die Rückseite des Thiers deckt, geht ein, theils
weil es der Aufnahme des I^rpers in den Stiel im Wege sein würde,
theils weil der Rücken schon durch seine Lage in der innern Höh-
lung des Stiels gedeckt ist. Dagegen bleiben die seitlichen Schalen-
stücke der Lepaden, in der Regel alle vier, als die Deckelstücke der
Balanen, und zwischen ihnen findet sich, ganz wie bei den Lepaden
die Oeffnung, durch welche die Rankenfüfse vortreten und durch
welche überhaupt das Thier mit dem umgebenden Wasser in Verbin-
dung bleibt. Sonach entspricht das äufsere Gehäuse der Balanen
dem Stiel der Lepaden, es ist indefs weniger, dafs bei den ersteren
dieser Theil verkalkte, als dafs in ihm ein Kalkgerüst abgelagert
wird, welches das Gehäuse bildet. Bei Tubicinella, wo dieses Ge-
häuse noch eine cylindrische Gestalt hat, ist die Analogie mit dem
Stiel der Lepaden noch am Leichtesten zu erkennen. Ich habe
a. a. O. gezeigt, dafs der Stiel der Lepaden an die Stelle der (sonst
als Fühler gedeuteten) Vorderbeine des frei herumschwimmenden Jun-
gen trete, ja man nimmt bei solchen Individuen, wo der Stiel eben
im Entstehen begriffen ist, an seinem untern Ende noch die Spaltung
in die beiden ursprünglichen Füfse wahr, so dafs man diesen Stiel
um so mehr als den Vorderbeinen entsprechend annehmen darf, als
auch bei den Lernaeopoden sich das eine Fufspaar zu dem Haftap-
parat vereinigt. Entspräche das Gehäuse der Balanen dem Stiel der
Lepaden durchaus, so würden die Balanen ganz und gar in ihren
Vorderbeinen stecken, es ist indefs durch unmittelbare genauere Beob-
achtung der Verwandlung der Balanen noch zu bekräftigen, dafs jener
Theü aus den Vorderbeinen und aus diesen allein entstehe.
Der Herausgeber.
175
Neue und weniger gekannte siidainerikaniscbe
Euphorbiaceen - Gattungen
Von
Dr. J. F. Klotzsch.
(Hierzu Tafel VII, VllI und IX.)
Ein grosser Vorrath von unbearbeiteten brasilianischen
Euphorbiaceen von dem verstorbenen Sello gesammelt, wozu
einige von Luphnath, Blanchet und Lhotzky kamen, die
sämmtlich in der hiesigen Königlichen Sammlung aufbewahrt
sind, bestimmte mich, diese zu untersuchen, als ich von den
Herren Verfassern der Flora brasiliensis von Martins und
Endlicher die Auflforderung erhielt, diese Pflanzen - Or^lnung
für das eben genannte Werk zu bearbeiten und zu diesem
Zwecke durch gefällige Mittheilung der durch die Herren
von Martius, Schott und Pohl in Brasilien gesammelten
Euphorbiaceen der Wiener und Münchener Museen unterstützt
wurde. Herr Bentham, dem die Publicirung der Pflanzen-
schätze, welche Herr R. Schomburgk aus dem britischen
Guiana brachte, anvertraut ist, übertrug mir die Bearbeitung
der darin enthaltenen Euphorbiaceen und hatte aufserdem die
besondere Gefälligkeit, mir auch die in seiner reichen Samm-
lung befindlichen südamerikanischen Euphorbiaceen zur Bear-
beitung zu überweisen. Auch dem Herrn Lindley schulde
ich für die aus seinem besonders an chilesischen und perua-
nischen Euphorbiaceen reichen Herbarium, welche er mir eben-
falls zur Untersuchung und Veröfi"entlichung mittheilte, meinen
aufrichtigen, tief gefühlten Dank.
Und so erlaube ich mir denn die Ergebnisse der Unter-
suchungen des vorerwähnten Materials in Bezug auf Gattun-
gen der Oeffentlichkeit mit dem Wunsche zu übergeben, die-
176
selben als einen Beitrag zur Erkenntnifs der süflamerikanischen
Euphorbiaceengattungen betrachten zu wollen. Bei den Gat-
tungen angeführte, bereits näher untersuchte und benannte
neue Arten werden nach ihrem Vaterlande, die brasilianischen
in der Flora brasiliensis, alle übrigen in Hookers Journal
of Botany beschrieben werden. Die seit dem Erscheinen
der vortrefflichen Monographie sämmtlicher Gattungen der
Euphorbiaceen des Herrn Adrian von Jussieu bekannt ge-
wordenen Gattungen mit Bezug auf ihre Gruppirung finden
wir in E n d 1 i c h e r s an Literatur reichem Werke G e n e r a p 1 a n-
tarum sorgfältig zusammengetragen und umsichtig unterge-
bracht. Meine Ansichten stimmen mit der in diesem Werke
befolgten Anordnung so sehr überein, ^afs ich es für räthlich
halte, dieselbe als Grundlage anzunehmen, und meine Beiträge
hiernach unterbringen werde. Dabei gewährt es mir eine be-
sondere Freude, nur Zusätze, keine Berichtigungen geben zu
müssen.
Tribus I. Euporbieae Bartling Ord. nat. p. 372,
Endlicher gen. plant, p. 1108.
Ovarii loculi uniovulati. Semina albuminosa. Flores
monoeci, apetali, intra involucrum commune masculi cum fe-
mineis.
Aufser einigen neuen Arten der zu dieser Tribus gehö-
renden in Südamerika vorkommenden Gattungen: PedilantJms
Necker, Euphorhia L. und Dalechampia Plumier, ist mir et-
was Bemerkensvverthes nicht aufgestofsen.
Tribus n. Prosopidoclineae *) Kl.
Ovarii loculi uniovulati» Semina arillata, exalbuminosa.
Jnvolucra subgloboso-vesicaeformia, hinc hiantia, deinde plus
minusve explanata, demum decidua, 3, 4 — 6 flora, bracteis
suflfulta. Flores dioeci, apetali.
Diese Tribus weicht in mehreren wichtigen Punkten so
sehr von dem gewohnten Charakter der Euphorbiaceen ab,
dafs man glauben sollte, man habe eine neue, von allen bis
jetzt bekannt gewordenen Pflanzengruppen verschiedene Fa-
milie vor sich; allein dem ist nicht so. Wenngleich einge-
räumt werden mufs, dafs die bisher gebrauchten Kennzeichen
*) Aus den Wörtern nQosconts und itUyn zusammengesetzt.
177
zur Bezeichnung der EuphorLiaceen durch die Aufnahme ge-
genwärtiger Tribus zum Theil modifizirt werden, so sind sie
darum doch nicht unanwendbar geworden. Das Auftreten von
abweichenden Kennzeichen in dieser Tribus scheint nur des-
halb etwas schroff, weil uns die Uebergänge noch fehlen. Der
gänzliclie Mangel des Eiweifses im reifen Samen bietet aller-
dings einen Unterschied, der näher erwogen zu werden ver-
dient; aber wer steht dafür, däfs dasselbe nicht auf Kosten des
Keim's und der Cotyledouen innerhalb der Testa bereits ver-
zehrt wurde, und während der Entwicklungsperiode doch vor-
handen war, was natürlich nur durch unreife Samen, die mir
bei meinen Untersuchungen nicht zu Gebote standen, bewiesen
werden könnte. Ich darf hierbei nicht unerwähnt lassen, dafs
ich bei Untersuchung der Samen zweimal an der Ausrandung
der Cotyledouen etwas Eiweifsähnliches bemerkt habe, was
eigentlich den Grund zu der vorher ausgesprochenen Vermu-
thung in mir weckte.
Wichtiger als das Vorhandensein oder der Mangel von
Eiweifs ist der Sitz und die Richtung des Embryos, und hierin
ist kein Unterschied wahrzunehmen. Die Dicke der Cotyledo-
nen wiederholt sich bei vielen Euphorbiaceengattungen. Die
Konsistenz der Testa ist genau so, wie bei den übrigen Eu-
phorbiaceen. Der Arillus ist häufig in dieser Familie vorhan-
den. Die Anheftung, Lage und Zahl der Eichen w^eicht von
der Regel nicht ab. Ueberhaupt bieten alle übrigen Kennzei-
chen der Prosopidoclineen nur Belege für die Uebereinstim-
mung mit den Euphorbiaceen ; der Habitus erinnert an die
Gattung Croton, die Anwesenheit einer besondern Hülle,
welche mehrere Blüthen einschliefst, erinnert an Euphorbia
und die eigenthümliche Bildung der in dieser Tribus vorkom-
menden Kapsel läfst sich sehr leicht auf die ursprünglich
knopfartige Kapselform zurückführen. Zu erwähnen bleibt hier-
bei nur noch, dafs mit Ausnahme der Gattung Peridium bei
den übrigen zu dieser Tribus gehörenden Gattungen den männ-
lichen Blüthen die Rudimente der Ovarien beigesellt sind,
welche nicht, wie es bei den Buxeen (einer Tribus der Euphor-
hiaceen) der Fall ist, das Centrum einer männlichen Blüthe
einnehmen, sondern dieser zur Seite geordnet sind. '
Mutis war der erste, welcher eine dieser Gattungen
Archiv f. Nalurgesch» Yll. Jahrg. 1. Bd. 12
178
(Perä) bereits in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts
entdeckte und beschrieb. Sie scheint seit jener Zeit nicht wie-
der aufgefunden zu sein und obgleich es mir nicht gelun-
gen ist ein Exemplar hiervon ausfindig zu machen, so bin
ich doch überzeugt, sie als eine besondere Gattung betrach-
ten zu müssen. Eine zweite, ebenfalls sehr gut zu unter-
scheidende Gattung (^Spixia) machte Leandro de Sacra-
mento in den Münchener Denkschriften bekannt. Eine dritte
bewährte Gattung {Peridium) wurde von dem Herrn Schott
entdeckt und in Sprengeis Cur. posterior, in Syst. vegetab.
beschrieben. Die wesentlichen Kennzeichen und eine beige-
fügte Analyse, welche ich den Gattungen weiter unten habe
folgen lassen, werden hoffentlich beweisen, dafs nicht allein
diese drei Gattungen beibehalten werden müssen, sondern dafs
sich auch noch eine vierte von den übrigen deutlich geson-
derte Gattung dazu gefunden hat, wovon ich leider nur männ-
liche Pflanzen zu untersuchen Gelegenheit hatte.
A. Involucris unihracteatis,
^chismatopera^). Spixiae species de Martius in
Herb. Reg. Monacensi. Flores dioici. Involucrum coriaceum,
subgloboso - vesicaeforme, pubescens, tri - quadriflorum> hinc
hians, demum explanato -bivalvatum, ad basin brac-
teola persistente, solitaria, convexa instructum.
Masc. Pedicelli antheriferi tres, cylindrici aut subulato-arcuati,
basi calycibus brevibus, trifidis aut tripartitis, extus villosis
cincti, apice antheris 4 aut 8 oblongis, brevi-filamentosis, erec-
tis coronati; antheris lateralibus, extrorsis, loculis per rimam
longitudinalem dehiscentibus. Ovarii rudimenta 3, trigona, hir-
suta, vertice stigmatibus trilobis, magnis, applanatis, sessilibus
instructa, in ambitu florum masculorum posita. Fem.?
Arbores Americae tropicae, 8 — 12 pedales, ramosae. Rami
teretes, cortice cinereo-fusco. Folia magna, coriacea, disticha,
oblongo-elliptica, glabra. Flores axillares, brevi-pedunculati.
Pedunculi nudi aut squamati.
Obs. Species 2 americanae; S .distichophylla et S. Marijana»
'^) Aus ax^ofici und nfJQct zusammengesetzt.
179
B, Involucris h ihr acte atis,
Spixia Leandro de Sacramento in Münchener Denkschriften
VII. p. 231, t. 13 Spixiae species Martins in Herb. Reg.
Monacense. Ferae species Endlicher gen. plant, n. 5880.
Flores dioici. Involucrum coriaceo - membrana-
ceum, laxum, subgloboso-vesicaeforme, stellato-
pubescens, quadrifhorum, vertice hians, demiim •
cucullatum, extus bracteolis duabus oppositis, in-
aequalibus, persistentibus suffultum. Masc. Stamina 12, in
flores 2, 3 aut 4 distinctos collecta, inferne bi-terna-
tim aut quaternatim coalita, staminuui phalanges calycibus bi-
aut tripartitis cinctae; antheris terminalibus, globoso-ellipticis,
bilocularibus ; filamentis glabris, filiformibus, ab apice usque
supra basin liberis. Ovarii rudimenta 4, sphaerico - oblonga
aut turbinata, inferne plus minusvG attenuata, stigmate dis-
ciformi, applanato-orbiculari, integerrimo in ambitu florum
masculorum posita. Fem.: Ovaria 4 — 6, sphaerico -oblonga,
villosa, subsessilia, singula calyce diphyllo cincta, trilocularia,
loculis uniovulatis, ovulis pendulis. Stylus brevis, cylindri-
cus, villosus, deciduus. Stigma infundibuliformi-peltatum,
atro-viride, viscosum. Capsulis epicarpium lignosum,
durissimum, crassum, trivalve. Semina?
Arbores brasilienses, romasae, cortice cinereo-fusco. Folia
alterna, magna, coriaceo -membranacea, subtus plerumque pu-
bescentia. Flores axillares, brevi-pedunculati.
Obs. Species 3, brasilienses. S. Leandri Martins Mss.
S» grandiflora Mart. Mss. iS*. harlinervis Mart. Mss.
Pera Mutis. Neue Abhandlungen der Königl. Schwedischen
Akademie, aus dem Schwedischen übersetzt von Kästher.
5. Band p. 299. Tafel VIII.
Flores dioici. Involucrum subgloboso-vesicaeforme, hinc
hians, demum explanatum, basi emarginatum, extus bracteolis
duabus oppositis inaequalibus. Masc. Stamina plurima bre-
vissima, receptaculo biseriatim inserta, squamulis membrana-
ceis plicatis, multifidis interstincta; antherae basi fixae, oblon-'
gae, tetragonae. Ovaria 4, effoeta, in receptaculi latere brevi-
ter pedicellata. Stylus brevissimus. Stigma tripartitum, lobis
apice latioribus emarginatisque incr^tssatis. Fem.: Ovaria 4,
12*
180
supra receptaculum squamulis plurimis, multifidis stipata,
pedicellata, singula trilocularia , loculis uniovulatis, monostyla.
Stylus brevis, subtrigonus; Stigmata tripartita ut in masc.
Capsula pedicellata, trilocularis , subtrigona, trivalvis, yalvulis
singulis bifidis, tandem bipartitis. Semina in loculis solitaria,
arillata.
Arbor Mariquitensis facie Spixiae. Species unica. P.
arhorea Mutis.
Feridium Schott in Sprengel Cur. post. p. 410. Perö<? spe-
cies Endlicher gen. plant, n. 5880. Spixiae species Martius
Mss. in Herb. Reg. Monac.
Flores dioici. Involucrum globoso-vesicaeforme, lepido-
tum, antice rima apertum, ceterum undique clausum, extus
bracteis duabus oppositis, inaequalibus, persistentibus sufful-
tum. Masc. Stamina 10 — 16, receptaculo communi inserta,
basi coalita; antherae terminales, oblongae, biloculares, loculis
lateralibus, per rimam longitudinalem dehiscentibus; filamenta
erecta, compressa, subulata, glabra; ovarii rudimenta nulla.
Fem. Ovaria 4, turbinata, brevi- pedicellata, trilocularia, locu-
lis uniovulatis, ovulis pendulis. Stylus brevissimus, teretius-
culus, deciduus; Stigmata triloba. Fructus capsularis, epicar-
pio corticato, trivalve, valvulis bifidis, intus tricoccus, coccis
spongiosis, bivalvibus monospermis. Semina pendula, obovata,
arillo membranaceo instructa; testa atra, nitida, crustacea.
Embryonis exalbuminosi, orthotropi cotyledones carnosae, plano-
convexae. Radicula supera, umbilico proxima.
Arbores Americae tropicae, foliis alternis, coriaceis, ob-
longis, glabris autlepidotis ; involucris antice apertis, pedicel-
latis; pedunculis abbreviatis, axillaribus.
Obs. Species 6 brasilienses. P. glahraium Schott. P.
ohtusifoUujn Schott. P. ferrugineum Schott. P* ohovatum
Kl. P. parvifolium Kl. P. ovale Kl. Species 1, guianen-
sis. P. hicolor Kl.
Trib. III. Hipponianeae Bartling Ord. nat. p. 372.
Ovarii loculi uniovulati. Flores apetali, spicati, bracteis
uui-multifloris.
Maprounea Aubl. umfasst nur zwei Arten, von de-
nen eine im französischen Guiana und die andere in Brasilien
181
vorkömmt, beide Arten sind abgebildet, mit Analysen verse-
hen und der Gattungscharakter genau gekannt.
Adenqpeltis Bertero enthält nur eine Art, welche in
Chili vorkömmt. Obgleich weder Abbildung noch Analyse hier-
von existirt, so lässt doch der Charakter der Gattung, wel-
chen die Herren Adr. von Jussieu in den Annales des Scien-
ces Naturelles Band 25, p. 24 und Endlicher in seinen Gene-
ribus plantarum n. 5770 entworfen haben, nichts zu wünschen
übrig. Die Blätter der Adenopeltis haben eine grosse Aehn-
lichkeit mit denen der folgenden Gattung.
Colliguaja Molina ist ebenfalls in Chili zu Hause und
durch Abbildungen und Analysen der Herren Sir William
Hooker (Botanical Miscellany I. t. 39 und 40 und Delessert
Icones selectae HL t. 88 vollständig erläutert.
Dactylostemon*) novum genus. Gymnarren Lean-
dro de Sacramento Mss. ad part. Actinostemonis species
de Martius in Herb. Reg. Monac.
Inflorescentia spicata, monoaut polystachya. Spicae ante an-
thesin tegmentis magnis, imbricatis, deinde deciduis obtectae.
Flores monoici, apetali, flores feminei pedicellati, ad basin spicae
masculae pauci, rarissime solitarii, singuli bractea minuta suffulti.
Flores in utroque latere ad rhachin subvillosamj glandula minutis-
sima, disciformi, sessili instructi. Masc. Bracteae minutae, bi-tri-
florae. Stamina 6 — 16 filamentosa aut subsessilia, in pedi-
cellum satis longum, apice obsolete 2 — 3 bracteolatum con-
nata; antheris brevissimis, bilocularibus. Fem. Calyx 3 phyl-
lus. Ovarium pedicellatum, triloculare, loculis uniovulatis.
Stylus brevis. Stigma tripartitum, lobis simplicibus, revolutis,
intus stigmatosis. Capsula trilocularis, tricocca, coccis bival-
Vibus, monospermis, valvulis infra apicem bicornutis.
Arbores? Americae tropicae, foliis alternis, membranaceo-
coriaceis, penninerviis , integerrimis , glabrescentibus; spicis
snbterminalibus.
Obs. Species 6 brasilienses. JD. glabrescens KL, D. an-
gusti/olius KL, JD. grandifolius KL, D. obtusatus KL, D.
llagendorfii KL, D. lasiocarpus Kl.
Species 1 guianensis. D. Schomhurgkü KL
0 Aus dKaivXos und axri^ojv zusammengesetzt.
182
Die Gattung Excoecaria wie ich sie verstehe, und wozu
Excoecaria ^gallocha^ von Wight und Arnott in Hookers
Companion to the Botanical Magazin Tafel 30 abgebildet, die
Grund-Art ausmacht, ist in Süd-Amerika bis jetzt noch nicht
aufgefunden worden, sondern wird daselbst durch eine Menge
ihr nahestehender Gattungen nur repräsentirt; dahin gehö^
ren: GymnantJies Swartz Prodr., Sehastiania Sprengel,
Gussonia Sprengel und wahrscheinlich eine vierte Gattung
aus Gyvmanthes ellipüca Swartz Prodr. gebildet, auf die ich
aus Mangel an hinreichendem Material nur aufmerksam machen
kann; sie sind von Endlicher in dem oben citirten Werke
sämmtlich mit Excoecaria verbunden, und es bleiben wegen
ihrer Aehnlichkeit mit dieser Gattung noch zu erwähnen: Se-
nefeldera Martins, Adenogyne Kl, Actinostemon Mart. und
Sarothrostachys Kl. Hier die Unterschiede, Grenzen und
Kennzeichen derselben.
Gymnanthes Swartz Prodrom, p. 95 ad partem. Ex-
coecariae species Adr. Juss. Euphorb. gen. Tab. 16 n. 55.
Endlicher 1. c»
Inflorescentia axillaris, spicata, mono-distachya. Flores
monoici, apetali, ante anthesin squamoso-amentacei , singuli
squama persistente instructi; floribus femineis subsolitariis,
pedicellatis, in ramulo brevissimo, axillär! terminalibus, ad ba-
sin amenti masculi ex eadem axilla provenientibtis. Masc. Pe-
dicellus e filamentis coalitus, basi simplex, mox tripartitus, ad
basin squama sessili, persistente instructus; singulae filamentorum
laciniae squamula propria unica stipatae , nunc simplices 1-an-
theriferae, nunc 2 — 3 fidae, 2 — 3 staminiferae. Fem. Calyx
minimus, tripartitus, deciduus. Stylus crassus, brevis. Stigmata 3,
reflexa. Ovarium triloculare, loculis uniovulatis. Capsula glo-
bosa, nuda, trilocularis, tricocca, coccis bivalvibus, monospermis.
Arbores aut arbusculae americanae, quaedam lactescentes ;
foliis alternis, exstipulatis, subcoriaceis, remote serratis.
Gymnanthes lucida Swartz Prodr. G. riparia Kl. (Ex-
lioecaria riparia Schlecht.)
Sehastiania Sprengel Neue Entdeckungen II. p. 118.
n/43 Tafel III. Adr. Juss. Euphorb. gen. p. 51. Excoecariae
species Endlicher 1. c. p. 1109.
Inflorescentia axillaris, laxe spicata, monostachya. Flo-»
183
res monoici, apetali, singuli squama sessili basi biglandulosa
instriicti. Masc. Stamina 3 — 7, filamentis discretis, basi solum
brevissime coalitis, squamulisque angustis, acutis, subimbricatis
stipata. Flores feminei subsessiles, ad basin spicae masculae
pauci aut solitarii, squamis majoribus vestiti. Ovarium trilo-
culare, loculis uniovulatis. Stylus brevis, crassus. Stigmata 3,
revoluta. Capsula glabra, nuda, trilocularis, tricocca, coccis
bivalvibus, monospermis.
Arbusculae brasilienses; foliis alternis, membranaceo-coria-
ceis, leviter serratis, exstipulatis, utrinque glabris; spicis axil-
laribus, gracilibus, pendulis.
Sehastiania hrasiUensis Spr. , S. hrevifoUa Kl. , 5*. fo-
veata Kl., S. macrophylla KL, S. desertorum KL, (finemi-
dostachys? desertorum Martius Mss. in Herb. Reg. Mona-
censi), S. Sellomana KL, S. divaricata KI. et S. reiiculata KL
Gussonia Sprengel Neue Entdeckungen IL p. 119. Ta-
fel IL Fig. 7 — 10. Excoecariae species Endlicher 1. c.
Inflorescentia axillaris, spicata, mono-polystachya. Flores
monoici, apetali, singuli bractea concaviuscula, extus eglandu-
losa, persistente suffulti, feminei pedicellati, ad basin spicae
masculae pauci aut solitarii. Masc. Squama intus glandulosa,
3 staminifera; filamentis distincti», subexsertis, basi solum coa-
litis; antheris ovato-oblongis , didymis. Fem. Calyx trifidus,
ad basin pedicelli bracteolatus. Ovarium triloculare, loculis
uniovulatis. Stylus nullus. Stigmata 3, subulata, reflexa. Capsula
glabra, tricocca, nuda, trilocularis ; coccis bivalvibus, monospermis.
Arbusculae brasilienses. Rami cinerei, subglabri, foliis al-
ternis, membranaceo-coriaceis, exstipulatis, glabris, supra luci-
dis; spicis axillaribus, subaggregatis, brevibus.
Gussonia discolor Sprengel et G. concolor Spr,
Adenogyne.^')
Inflorescentia axillaris, spicata, mono -aut polystachya.
Flores monoici, apetali; masculi pedicellati, triflori, basi squama
magna eglandulosa suflfulti; feminei uniflori, sessiles, ad basin
spicae masculae pauci aut solitarii. Masc. Pedicelli distincti,
squamarum longitudine, 4 — 8 staminiferi, extus ad apicem squa-
mulis 2 calycinis vestiti; antheris brevibus, bilocularibus, bre-
• *) Nomen e vocibus *A^y et yvyi] compositum.
184
vissime filamentosis. Fem. Calyx trifidus, persistens. Stylus
subnullus. Stigmata 3, subulata, reflexa. Ovarium triloculare,
loculis uniovulatis. Capsula globosa, nuda, trilocularis, tri-
cocca, coccis bivalvibus, monospermis.
Arbusculae brasilienses, ramosissimae, subinde spinescen-
tes; foliis minoribus, alternis, membranaceo-coriaceis , margine
obsolete crenulatis, supra lucidis, nervisque prominentibus,
subtus opacis; spicis axillaribiis flavescentibus.
Adenogyne pachystachya KL, A. rotundifoUa KL, A,
discolor KL, A. hrachyclada KL, A. serrata KL, A. angu-
^tifolia KL. A. mucronata KL et A, marginata KL
Senef eider a Martius Bleiblatt ^ur Regensburger Flora
1841 Band 2. p. 29. n. 465.
Inflorescentia terminalis, paniculata, tegmentis squamae-
formibus, imbricatis, deinde deciduis vestita. Flores mo-
noici, apetali, feminei ad basin ramulorum masculorum pa-
niculae sessiles, pauci. Masc. Singuli aut rarius bini ex
una eademque squama parva, acuta, persistente provenientes,
Calyx cupulaeformis, obsolete quadrifidus, in pedicellum bre-
vem attenuatus. Stamen columnare brevissimum, vertice fe-
rens antlieras subsessiles 8, raro pauciores, globoso-didymas,
extrorsum birimosas. Flores feminei: calyx urceolatus, qua-
dridentatus. Ovarium triloculare, nudum, loculis uniovulatis.
Ovula pendula. Stylus distinctus, cylindricus. Stigmata 3, bre-
viuscula, teretia, longitudinaliter sulcata.
Arbores brasilienses ; ramulis glabris, subverticillatis ; foliis
sparsis, longissime petiolatis, ramulorum apices versus confer-
tis, magnis, oblongis, coriaceis, supra nitidis ; petiolis apice in-
crassatis. Paniculae nonnullae terminales; pedunculo communi
basi tegmentis deciduis vestito. Antherae flavidae.
Senefeldera multiflora Martius 1. c. S. angustifolia KL
et iS". latifoUa Kl.
Actinostemon*) Martins Mss. inHerb. Reg.Monacensi.
Inflorescentia subterminalis, spicatii. Spicae subinde ra-
mosae, basi foliosae, tegmentis aridis, magnis, deinde de-
ciduis vestitae. Flores monoici, apetali, ad basin squama
linear! , decidua, eglandulosa instructi; feminei longe pedi-
*) Nomen e vocibus lixUy et ainncoy compositum.
185
cellati, ad basin spicae raasculac solitarii. Masc. Squamae
3 — 5 florae. Pedicelli cyliiidrici, basi subcoaliti, apice 4 — 12
staminiferi, esquaraati ; antlieris bilocularibus, extrorsis, filaraen-
tis distinctis, brevibus, deciduis. Fem. Ovarium calyce desti-
tutura, nudum aut verrucosum, triloculare, subglobosum, loca-
lis uiüovulatis. Stylus cylindricus, brevis. Stigmata 3, teretia,
recurvata. Capsula nuda, trilocularis, tricocca, coccis bivalvi-
bus, monospermis.
Arbusculae brasilienses; ramis patentibus, cortice laevi,
cinereo; foliis alternis, coriaceis, oblongis, margine integerri-
iiiis. Spicae simplices aut ramosae, subterminales, basi fo-
liolis 2 instructae, e gemma tegmentis aridis, fuscis, deinde de-
ciduis erumpentes.
Sarothrostachys^^ Kl. Clonostachys Kl. in lit.
Inflorescentia axillaris, spicata. Spicae fasciculatae , sim-
plices aut ramosae, longissimae, filiformes. Flores monoici,
apetali, feminci ad basin ramulorum spicae masculae pauci,
sessiles, calyce parvo, tripartito instructi. Masc. Squamae bra-
ves, remotae, 3 — 4 florae. Flores brevissime pedicellati. Pe-
dicelli apice articulati. Calyces membranacei, cupulaeformes,
obsolete 3 — 4 dentati. AntheraeS, didymae, semiexsertae, sub-
globosae, brevissime filamentosae. Fem. Ovarium sessile, tri-
angulatum, triloculare, loculis uniovulatis, ovulis pendulis. Sty-
lus subnuUus. Stigmata 3, simplicia reflexa, longitudinaliter
sulcata. Capsula triangularis, tricocca, coccis bivalvibus mo-
nospermis.
Frutices brasilienses; ramis alternis, teretibus, glabris;
foliis alternis, subcoriaceis, oblongis, subintegerrimis. Spicae
filiformes, longissimae, divaricatae.
Sarothrostachys multiramea Kl. (Sebastiania? mul-
tiramea Martins Herb. Flor. Bras. No. 538.) iS". Luschna-
thiana KI.
Bevor ich zu den übrigen amerikanischen Gattungen der
Hippomaneen übergehe, will ich zur gröfseren Deutlichkeit die
eben abgehandelten Gattungen unter sich vergleichen und die
habituellen Kennzeichen besonders hervorheben, damit über
die Begründung und Erkenntnifs derjenigen neuen Gattungen,
*) Nomen e vocibus accQtod^Qoy et ojax^s compositum.
186
zu welchen aus Mangel an Raum keine Zeichnungen der Ana-
lysen beigegeben werden konnten, kein Zweifel bleibe.
Die Gattung Dactylostemon ist zunächst mit Actino-
stemon verwandt, mit einer der übrigen Gattungen aber nicht
zu verwechseln. Sie unterscheidet sich durch das Vorhan-
densein der sitzenden Drüsen, welche an der Aehrenspindel
den Schuppen der männlichen und weiblichen Blüthen zur
Seite stehen, ferner dadurch, dafs die männlichen Blüthenstiel-
chen an ihrer Spitze oder dem Insertionspunkte der Staub-
gefäfse mit 2 — 3 besonderen Schüppchen bekleidet sind, durch
eine gröfsere Anzahl von weiblichen Blüthen, die kürzer ge-
stielt sind und durch die unterhalb der Spitze der Frucht-
klappen befindlichen zwei Höcker.
Actinostemon hat lederartige Blätter und das kelchartige
Gebilde von Dactylostemon unter dem Fruchtknoten fehlt.
Gymnanthes Swartz ist von Adrian de Jussieu wie be-
reits citirt, durch eine sehr treue und genaue Analyse erläu-
tert und mit einer andern Gattung nicht leicht zu verwechseln.
Sebastiania zeigt die gröfste Verwandtschaft mit Gusso-
nia. Die weiblichen Blüthen sind sitzend, mit einem zwar kur-
zen aber deutlichen Griffel versehen und die Basis dieser wie
die der männlichen Blüthen ist aufser der gröfseren Schuppe,
welche in beiden Gattungen als Stütze derselben dient, noch
besonders mit schmalen, schindeiförmig sich deckenden Schüpp-
chen bekleidet. Aufserdem sind die Aehren und Staubfäden
bei Sebastiania verhältnifsmäfsig viel länger und die Narben
eingerollt.
Adenogyne hat eine habituelle Aehnlichkeit mit den Ana-
cardiengattungen Lithraea, Duvaua und Mauria, sie ist durch
eine deutliche Zeichnung der Analyse erläutert, welche ander-
weite Bemerkungen überflüssig macht.
Senef eider a hat mehrere neben einander stehende gipfel-
ständige monöcische Rispen, sehr grofse langgestielte Blätter
und sitzende, mit einem deutlichen Griffel versehene weiblichef
Blüthen.
Sarothrostachys macht sich insbesondere durch die fa-
denförmigen Aehren kenntlich, welche büschelförmig aus den
Blattwinkeln hervortreten. Die Kapseln sind sitzend, dreikan-
tig und kahl.
IST
Bei den Gattungen
Styloccras Adr. de Juss. 1. c. p. 51. Tab. 17. n. 56. End-
licher 1. c. p. 1109. n. 5773. Kunth in Humboldt et Bou^
pland Nova gen. et spec. VII. Tab. 637 et 638.
Ilura L. Adr. de Juss. 1. c. p. 51. Endlicher 1. c. p.
1110. n. 5776.
Ilippomane L. Adr. de Juss. 1. c. p. 51. Tab. 16. n. 54.
Endlicher 1. c. n. 5777.
habe ich etwas Bemerkensvverthes nicht anzuführen.
Was die von Endlicher vorgenommene Vereinigung der
Gattungen Stillingia Gardener mit Sapiiim Jacquin betrifft, so
erkläre ich mich zwar einverstanden, da die Unterscheidungs-
zeichen zu gering sind, um darauf Gattungen zu begründen,
allein als Untergattungen können sie immer noch benutzt wer-
den, da sie als solche den Vortheil gewähren, das Auffinden
der Arten zu erleichtern.
S tillin gia Gard. apud L. Mantissa I. n. 1279. End-
licher 1. c. p. 1110. n. 5780.
Flores monoici. Masc. aggregati. Calyx cupuliformis aut
urceolatus, dentatus aut bifidus. Stamina 2, exserta, filamentis
basi coalitis, antheris extrorsis, adnatis. Fem. sparsi. Calyx
tridentatus aut trifidus. Ovarium triloculare, loculis uniovu-
latis. Stylus brevis deciduus. Stigmata 3, simplicia, paten-
tissima. Capsula subglobosa, tricocca, coccis monospermis.
Arbores aut frutices lactescentes , in Asia et America
nee non in Insulis bourbonicis crescentes; foliis alternis, ra-
rissime oppositis, integerrimis aut serratis; petiolis plerumque
in apice biglandulosis ; floribus masculis in spicas terminales
glomeratis, bracteolatis , glomerulis bractea basi biglandulosa
stipatisj femineis in eadem spica inferioribus.
a) Eustillingia. Calyx florum masculorum 3 — 4 den-
tatus. Flores feminei pedicellati.
Stillingia Kunth in Humb. et Bonp. 1. c. II. p. 64. Adr.
de Juss. 1. c. pag. 49. Tab. 16. n. 52.
b) Sapium, Calyx florum masculorum bifidus. Flores
feminei sessiles.
Jacquin Amer. p. 249. Tab. 158. Kunth 1. c. II. p. 64.
Adr. de Juss. 1. c. p. 49. Tab. 15. n. 51.
Micro st achys, Adr. de Juss. 1. c. p. 48. Tab. 15.
d88
Endliche^ 1. c. n. 5781. Tragiae species Liiine, Vahl. Cne-
midostachys Martius et Ziiccarini Nova Gen. et Species I.
p. 68. Tab. 40 — 44.
erhält einen Beitrag von 11 neuen Arten, wovon eine aus
dem brittischen Gujana, die übrigen aus Brasilien.
Tribus IV. Acalypheae. [Bartling Ord. nat. 371. End-
licher 1. c. p. 1111.
Ovarii loculi uniovulati. Flores apetali, glomerato-spicati
aut racemosi.
Traganthus*) Kl.
Flores monoici, in foliorum axillis plerumque aggregati.
Masc. Calyx quadripartitus. Stamina 4 — 6; filamentis libe-
ris, subulatis; antherarum loculis globosis, horizontalibus, lon-
gitudinaliter dehiscentibus. Fem. Calyx parvus, quadripartitus,
squamis magnis, trifariam imbricatis cinctus. Ovarium trilocu-
lare, hirsutum, loculis uniovulatis. Styli sex, distincti, breves,
subulati, recurvi, in fructuum valvulas decurrentes. Capsula
hirsuta, subdepressa, acute -triangularis, tricocca, coccis mono-
spermis, apice prominentibus. Columna centralis late-alata,
alis membranaceis, margine argute-dentatis. Semina triangulata.
Herbae americanae, annuae, ramosae; radice fusiformi,
albida, sparsim fibrosa; caule ramoso, erecto; foliis alternis,
margine integerrimis aut grosse -serratis; stipulis ad basin pe-
tiolorum geminis, caducis; spicis axillaribus abbreviatis, brac-
teatis; bracteis magnis, sessilibus, ochraceis, masculis multi-
floris, ante anthesin sessilibus.
Obs. Species 3, una gujanensis, duae brasilienses.
Traganthus sidoides Kl. T. hrasiliensis Kl. T. sco-
parius Kl.
Leucandra^^) Kl.
Flores monoici, apetali, racemosi, singuli bractea suffulti.
Racemi axillares terminalesque pauciflori. Masc. tetrandri. Ca-
lyx quadripartitus, in aestivatione valvatus; filamentis crassis,
hrevibus, basi monadelphis, longitudinaliter geminatim coalitis;
antheris albidis, oblongis, bilocularibus. Fem. Calyx sexpar-
titus. Ovarium subglobosum, hirtum, triloculare, loculis uni-
*) Nomen e vocibus jQayog et ay^os compositum.
**) e Tocibus A£v;fds et arriQ.
189
ovulatis. Stylus brevis. Stigmata 3, simplicia, erecta, apice
recurva. Capsula subglobosa, hirta, trilocularis, tricocca, coc-
cis bivalvibus, monospermis.
Herba brasiliensis; rhizomate sublignoso, repente, fusces-
centi-fulvo; caulibus erectis, spithameis, hirtis; foliis petio-
latis, membranaceis, ovatis, obtusis, margine crenato-dentatis,
basi cordatis, utrinque piloso-setosis; racemis tri- aut quadri-
floris; Acribus femineis ad racemi basim solitariis aut paucis,
Leucandra hetonicaefolia Kl.
Leptorhachis *) Kl.
Flores monoici, apetali, racemosi, singuli bractea suffultL
Racemi axillares terminalesque longissimi, subramosi. Masc.
Calyx cyathiformis, quadripartitus, glandulis extus intusque de-
stitutus. Stamina quindecim, subexserta. Autherae parvae,
oblongo-subglobosae, biloculares. Filamenta stricta, clavaefor-
mia, usque ad basin distincta. Fem. Calyx quinquepartitus.
Ovarium hirtum, triangulato-globosum, triloculare, loculis uni-
ovuiatis. Stylus elongatus, cylindricus, inferne attenuatus.
Stigmata 3, simplicia, erecto-patentia. Capsula subglobosa,
hirta, trilocularis, tricocca, coccis bivalvibus, monospermis.
SuflFrutex brasiliensis, volubilis; foliis alternis stipulaceis,
longe-petiolatis, hastatis, obsolete -denticulatis, membranaceis;
racemis longissimis, multifloris; floribus femineis ad racemi basin
paucis; pedicellis florum masculorum infra apicem articulatis,
Leptorhachis hastata Kl.
^ia**) Kl.
Flores monoici, apetali, spicati, singuli bractea suffulti.
Spicae dichotomae, multiflorae, ramo inferiore femineo, supe-
riore masculo. Masc. Calyx campanulatus, quadripartitus. Sta-
mina 12, glandulis glabris, squamaeformibus cincta; filamenta
ima basi coalita; antheris oblongis, bilocularibus, basi emargi-
natis. Ovarii rudimentum centrale nullum. Fem. Calyx quin-
quepartitus. Ovarium hirtum,» subglobosum, triloculare, lo-
culis uniovulatis. Stylus brevis. Stigmata 3, simplicia, erecta,
apice recurva, intus fimbriata. Capsula tricocca, coccis bival-
vibus, monospermis.
*) e vocibus Xsnios et qaxis
**) Bia die Tochter des Felles.
190
Suffrutices brasilienses, volubiles; foliis alternis stipiilaceis,
longe petiolatis, membranaceis, basi cordatis, margine dentatis;
spicis multifloris axillaribus terminalibusque longissimis, pro-
funde dichotomis; pedicellis florum masculorum infra medium
articülatis.
Bia Sellowiana KI. B. Lliotzkyana Kl.
Die Gattung Tvagantlius, welche durch sechs deutliche
Griffel, die paarweise in die Klappen der Frucht verlaufen,
charakterisirt wird, hat aufserlich das Ansehen eines kraut-
artigen Croton.
' Leucandra nähert sich der Gattung Tragia. Die ein-
zige bis jetzt gekannte Art hat, die Inflorescenz ausgenommen,
einige habituelle Aehnlichkeit mit Acalypha.
Leptorhachis und Bia stehen den Gattungen Pluknetia
und Anabaena am nächsten. Erstere unterscheidet sich durch
die Form der Antheren und den Mangel der Drüsen in den
männlichen Blüthen. Beide durch ihre Pistille und Früchte.
Tragia Plumier Gen. 14. Je. Tab. 252. Linne Gen.
n. 1048, Adr. de Juss. 1. c. Tab. 15. Endlicher 1. c. p. 1111
n. 5782.
obgleich durch eine Anzahl neuer Arten bereichert, erleidet
in den Gattungskennzeichen keine Veränderung.
Botryanthe*^ Kl.
Flores monoici, apetali, racemoso-spicati, singuli bractea
suffulti. Spicae subracemosae, in apice ramulorum extraaxil-
lares. Masc. Calyx globosus, profunde quadripartitu's. Sta-
mina 10 — 20; filamentis brevibus, plus minusve crassis, basi
monadelphis; antheris bilocularibus, loculis subglobosis. Fem.
Calyx quadrifidus, lobis apice recurvis. Ovariura subgloboso-
quadrangulare, quadriloculare , loculis uniovulatis, ovulis pen-
dulis. Stylus crassus, obovatus, obtuse-quadrangularis, deinde
decickius. Stigmata 4, brevia, divaricata, longitudinaliter sul-
cata, styli apice coalita. Bacca ^lobosa, magna, carnoso-sube-
rosa, abortu bi-unilocularis.
Arbores brasilienses; foliis oblongis, membranaceo-coria-
ceis, nervosis, margine remote-serratis, basi biglanduloso-sti-
pellatis, nervis subtus prominentibus ; spicis longissimis , extra-
^) e voeibus ßoxqvg et avdos.
I
191
axillaribus, floribus femiueis plurimis usque ad medium spicae
sparsis, masculis in apice spicae pedicellatis.
Botryanthe discolor Kl. B. concolor Kl.
Unverändert bleiben in Hinsicht ihrer Gattungskennzeichen:
Pluknetia Plum. Je. Tab. 226. Linne Gen. n. 1080.
Endlicher 1. c. n. 5784;
Anahaena Adr. de Juss. 1. c. Tab. 15. Endlicher 1. c.
n. 5785;
wovon die eine bis jetzt bekannte Art auch in Brasilien vor-
kömmt; und
Acalypha Linne Gen. n. 1082. Adr. de Jussieu 1. c.
Tab. 14. Endlicher 1. c. n. 5785.
welche um 14 neue Arten vermehrt wird.
Die GdLiinwgQXiApavisthmium Endlicher undOznpÄö-
lia L, konnte ich aus Mangel an Materml nicht untersuchen.
Die Gattungskennzeichen von Conceveiba Aubl. bin ich
im Stande zu vervollständigen, da mir die männlichen Exem-
plare von zwei Arten zu Gebote stehen.
Conceveiba Aubl.
Flores dioici, apetali, spicati. Spicae solitariae, aut ag-
gregatae, axillares terminalesque longissimae. Masc. Inter-
rupte-glomerati. Glomeruli squamulis, parvis, plurimis, per-
sistentibus cincti. Calyces urceolati, bi- aut trifidi, brevissime
pedicellati; pedicellis hirsutis, apice articulatis, persistentibus.
Stamina 3, antheris oblongis, utrinque obtusis, bilocularibus,
candidis; filamentis brevibus, basi coalitis. Fem. Solitarii.
Squamulae 3 — 4 parvae, connatae, glandulis 2, sessilibus, dis-
ciformibus suffultae. Calyx parvus, 5 — 6 partitus, laciniis
inaequalibus, extus glandulis tribus bilobis auctus. Ovarium
trigonum, triloculare, loculis uniovulatis, ovulis infra apicem
insertis. Stylus brevissimus. Stigmata 3, lata, erecta, intus
fimbriata, apice biloba, Capsula coriacea, tricocca, coccis bi-
valvibus, monospermis. Semii>a arillo carnoso calyptrata.
Arbores Americae meridionalis, succo viridi scatentes, fo-
liis alternis, petiolatis, coriaceo-membranaceis, nervosis, basi
bistipellatis; nervis subtus magis prominentibus; floribus mas-
culis glomerato-spicatis, femineis sparsis, spicatis.
Species 2, altera gujanensis, altera brasiliensis.
Conceveiba gujanensis Aubl. C. macrophylla Kl.
192
Alchornea Solaiider ist durch Adrian de Jussieu am
citirten Orte p. 42. Tab. 13. n. 41. und durch Hayne Arzenei-
gewächse Band X. Tab. 42. so bestimmt festgestellt, dafs
selbst sieben neu hinzugekommene Arten, wovon eine aus
dem britischen Gujana, die übrigen sechs aus Brasilien, keine
Aenderung in den Gattungskennzeichen verursachen.
Trib. V. Crotoneae Blume Bydragen p. 599.
Ovarii loculi uniovulati. Flores saepissime coroUati, fas-
ciculati, spicati, racemosi aut paniculati.
Garcia Rohr ex Vahl Symbol. III. p. 100. Adr. de
Juss. I. c. Tab. 13. n. 40. Endlicher L c. n. 5797, habe ich
aus Mangel an Material nicht untersuchen können.
Mahea Aublet Gujan. II. p. 867. T. 334. Endlicher 1.
c. n. 5798., umfafst gegenwärtig drei Arten, von denen zwei
in Gujana und die dritte in Brasilien vorkommt. Ich hatte
Gelegenheit sämmtliche Arten zu untersuchen und habe mich
dadurch überzeugt, dafs der Gattungs Charakter keiner Aende-
rung bedarf. Dasselbe gilt von:
Siphonia Richard ex Adr. de Juss. 1. c. p. 39. Tab. 12.
n. 38. A et B. Endlicher n. 5799. Hevea Aubl. Gujan. II.
p. 871. Tab. 335., von der zwei Arten, eine aus Gujana, die
andere aus Brasilien, bekannt sind.
Anda Piso. Martins Amoenit. Monac. T. 1. St. Hi-
laire Plant, us. T. 54. Endlicher 1. c. n. 5801.
Jatropha Kunth in Humb. et Bonpl. Nov.' Gen. et
Spec. II. p. 82. Endlicher 1. c. p. 5805. Adenorhopiiim Pohl. -
Plant, bras. I. p. 12. T. 9. \
Curcas Adans. Fam. II. p. 356. Endlicher I.e. n. 5806.
Jatropha Pohl Plant, bras. I. p. 13.
Cnidoscolus Pohl Plant, bras. I. p. 56. Tab. 49—52.
Endlicher 1. c. n. 5807.
Manihot Plumier Cat. 20, excl. sp. Endlicher n. 5808.
Mo Zinna Ortega Decad. 105. T. 13. Laureira Cava-
nilles Je. V. p. 17. T. 429, 430. Willd. Spec. pl. IV. p.866.
Endlicher 1. c. n. 5814.
Ilisingera Helenius in Act. Holm. 1792 p. 32. T. 2.
Willd. Sp. pl. IV. p. 835. Adr. de Juss. 1. c. p. 34. Endli-
cher 1. c. n. 5816.
193
Acidoton SwartzFlor. Ind. occid. p. 952. T. 18. Adr.
de Juss. p. 32. Endlicher n. 5822.
Hendecandra Eschscholtz in Mem. Academ. Petrop. X.
p. 422. Endlicher 1. c. n. 5824. Astrogyne Bentham Plant.
Hartweg. p. 14. hat durch Sellows unermüdlichen Eifer aus
Brasilien einen Zuwachs von 6 Arten erhalten :
Hendecandra glahrescens KL, IL longi/olia Kl., H, di-
varicata KL, E. velleriflora KL, B, polymorpha KL, und
H, jnontevidensis Kl. QCroton montcvidensis Spr.)
Adelia Linne Gen. pl. n. 1137. Adr. de Juss. p. 31.
T. 9. n. 28. Endlicher n. 5825. ist ebenfalls durch einige
neue Arten aus Brasilien vermehrt worden.
Cr o tön Linne hat zwar die diöcischen Arten und die,
deren Bracteen mehrere Blumen stützen, verloren, ist aber
dafür durch neu hinzugekommene Arten reichlich entschädigt
worden.
Julocroton Martins Herb. bras. n. 119. Endlicher
n. 5825. Hierher gehört auch Croton conspurcatus Schlech-
tendal, von Schiede in Mexiko gesammelt, und eine neue Art
aus Brasilien (Julocroton lanceolatus Kl.).
Fodostachys*) KL
Flores monoici. Masc. racemoso - spicaeformes , longe
pedunculati. Pedunculi terminales, inferne nudi. Bracteae
parvae, persistentes, tri- rarissime uniflorae. Calyx monophyl-
lus, quinquepartitus. Petala quinque, aestivatione convolutiva.
Glandulae nullae. Stamina 8 — 10, receptaculo nudo aut vil-
loso inserta; filamentis liberis, aestivatione inflexis, demum
erectis, exsertis; antheris oblongis, introrsis, bilocularibus,
filamenti apici adnatis, loculis antice per rimam longitudinalem
dehiseentibus. Fem. in apice ramulorum juxta basim spicae
masculae verticillati. Calyx campanulatus, sexpartitus, ae-
qualis. Petala sex, parva, linearia, laciniis calycis alterna.
Germen trigonum, villosum, triloculare, loculis uniovulatis.
Stylus nullus. Stigmata tria, profunde bipartita, lobis filifor-
mibus, apice involutis. Capsula tricocca, coccis bivalvibus,
nionospermis.
*) Nomen e vocibus novg et aiu/vs compositum.
Archiv f. Natorgesch. YII. Jahrg. 1. Bd. 13
194
Herbae brasilienses, püosae, Crotonis glandiilosi facie;
foliis alternis, petiolatis, stipulaceis, margine crenatis aut ser-
ratis; floribus masculis spicatis, loiige pedunculatis, femineis
juxta basiii spicae masculae verticillatis.
Podostachys incana Kl., P. hirta KL, P. Sellomana
Kl., P. senata Kl.
Hauptunterscheidungszeicheii dieser Gattung sind: ein
sechstheiliger Kelch der weiblichen Blüthe, drei tief- zweithei-
lige Narben, eine langgestielte, unterwärts nackte männliche
Aehre, und wirtelständige , die männliche Aehre an der Basis
umgebende weibliche Blüthen.
Astraea^) Kl. Crotonis sp. Auct.
Flores monoici, longissime spicati. Masc. Bracteae par-
vae, persistentes, multiflorae. Calyx globosus, deiude magis
apertus, longa pedicellatus , profunde quinquefidus , aestiva-
tione imbricativa. CoroUae petala quinque calycis laciniis al-
terna, aestivatione convolutiva. Glandulae 5, squamaeformes,
petalis alternae. Stamina 12— 15,- receptaculo nudo inserta;
lilamentis liberis, aestivatione inflexis, demum erectis, exser-
tis ; antheris reniformibus, bilocularibus, filamenti apice adnatis,
loculis antice per rimam longitudinalem dehiscentibus. Fem.
in inferiore parte spicae masculae sparsi, bracteati. Calyx
campanulatus, quinquepartitus, aequalis, laciniis angustis. Pe-
tala nulla. Glandulae squamaeformes quinque, laciniis calycis
oppositae. Germen oblongum, trigonum, triloculare, loculis
uniovulatis. Styli tres, distincti, elongati, cylindrici, intus lon-
gitudinaliter sulcati, apice in lobos 7 — 8 filiformes, unilatera-
les divisi. Capsula tricocca, coccis bivalvibus, monospermis.
Herbae aut frutices Americae meridionalis ; foliis alternis,
stipulaceis tri- aut quinque - lobatis , rarissime integris, petio-
latis; spicis longissimis, monoicis, terminalibus ; floribus femi-
neis in parte inferiore spicae masculae sparsis.
Astraea Manihot Kl., A. Jatropha KL, A. tomentosa
KL, A. palmata KL, A. lohata Kl. {Croton lohatus L.),
A. diversifolia KL, A, divaricata KL, A. prunifolia KL
Diese Gattung mufste von Croton getrennt werden, weil
die Knospenlage des Kelches der männliclien Blüthen nicht
*) Astraea, die Tochter des Zeus und der Themis.
1P5
klappig, sondern schindelformig rst, mehrere männliche Blü-
then mit besondern Bracteolen versehen aus dem Winkel ei-
ner Bractea in Form einer Afterdolde erscheinen und beson-
ders, weil die'' Griffel und Narben von denen des Croton so
aufserord entlich abweichen.
Ocalia^) Kl
Flores monoici aut dioici, spicati. Spicae strictae, ter-
minales. Masc. Bracteae uniflorae. Calyx globosus, dein
apertus, profunde quinquefidus , aestivatione imbricativa. Co-
rollae petala quinque, calycis laciniis alterna, aestivatione con-
volutiva. Glandulae quinque, squamaeformes, petalis alternae.
Stairrina 10, receptaculo villoso inserta; filamentis liberis, ae-
stivatione inflexis, demum erectis, exsertis; antheris ovatis
bilocularibus, filamenti apice adnatis; loculis antice per rimam
longitudinalem dehiscentibus. Fem. Calyx campanulatus, quin-
quepartitus, inaequalis, persistens, laciniis intus ad basin squa-
ma obtusa, membranacea cinctis. Petala nulla. Germen glo-
boso - trigonum , triloculare, pilis setaceis, stellatis undique
vestitum, loculis uniovulatis. Stylus nuUus. Stigmata 3, ses-
silia, bipartita, lobis filiformibus , indivisis aut bifidis, apice
involutis. Capsula setosa, tricocca, coccis bivalvibus, mo-
nospermis.
Suffrutices asperi Americae meridionalis , Cordiae facie;
foliis alternis, stipulaceis, nervosis, basi biglandulosis, margine
dentato-subincisis, nervis subtus prominentibus ; spicis nunc
sexu distinctis, nunc bisexualibus, masculis saepissime superio-
ribus, inferioribus femineis.
Obs. Species 6, quarum 1 mexicana, quinque brasilienses.
Species monoicae: Ocalia grandifolia Kl., 0. angustl-
folia KL, 0. hetulina Kl. Species dioicae: 0, Sellowiana
Kl., 0. cordiaefolia KL, 0. echiifoUa KL
Diese Gattung, welche sich von Croton nur durch die
Unregelmäfsigkeit des Kelches an den weiblichen Blüthen
und durch die Narben unterscheidet, weicht durch ihren ha-
bituellen Charakter, der an die Cordiaceen erinnert, aufser-
ordentlich von dem des Croton ab.
*) Okalia, Gemahlin des Abas.
13*
196
Entropia*) Kl. Crotonis spec. Sprengel Neue Entdeckun-
gen IL p. 120. Rottleriae spec. Sprengel Syst. veg. III.
p. 877.
Flores monoici, in spicis longissimis, strictis, terminalibus
remotiusculo - aggregati. Bracteae multiflorae. Masc. Calyx
profunde - quinquefidus, aestivatione imbricativa. CoroUae pe-
tala quinque, calycis lacinüs alterna, aestivatione convolutiva.
Glandulae quinque, squamaeformes , inter se coalitae, petalis
alternae. Stamina 10, receptaculo villoso inserta; filamentis
liberis, aestivatione inflexis, demum erectis, exsertis; antheris
brevibus, bilocularibus , apice emarginatis, filamenti apice ad-
natis, loculis antice per rimam longitudinalem dehiscentibus.
Fem. Calyx quinque- aut sexpartitus, subinaequalis. Glandulae
nullae. Germen globoso - trigonum , triloculare , loculis uni-
ovulatis. Stylus nuUus. Stigmata 3, bifida, divaricatim ad-
scendentia, lobis complanatis, integris aut ad apicem bifidis,
involutis. Capsula tricocca, coccis bivalvibus, monospermis.
Frutices brasilienses ; ramis divaricato - dichotomis, cortice
aromatico, foliis alternis, stipulaceis, coriaceo-membranaceis,
subglabris, basi biglandulosis, margine obsolete -crenatis, caly-
eibusque densissime pellucido-punctulatis; spicis terminalibus,
longissimis, strictis, floribus remote-aggregatis, masculis femi-
neis intermixtis.
Entropia hrasiliensis Kl. (Croton polyandrus et Rott-
leria hrasiliensis Spreng.), E. otovata Kl.
Diese Gattung unterscheidet sich in ihren wesentlichen
Kennzeichen von Croton lediglich durch den Mangel der Drü-
sen in den weiblichen Blüthen, durch ihre Narbenform und
durch die in zerstreuten Häufchen zu einer Aehre gebildeten
männlichen Blüthen, denen ziemlich bis zur Spitze der Aehre
einzelne weibliche beigemischt sind. Dem äufsern Ansehen
nach sowohl als ihrer durchsichtigen Punkte in den blattar-
tigen Theilen wegen bewahrt sie eine auffallende Aehnlichkeit
mit den Samydeen.
Cleodora*"^) Kl.
Flores monoici, spicati. Spicae terminales. Masc. Bracteae
*) Eutropius, der berühmte Geschichtsschreiber.
**) Kleodora eine Danaide.
197
multiflorae. Calyx pubescens, quinquepartitus , aestivatione
imbricativa. Corollae petala quinque, lacinJis calycis alterna,
aestivatione convolutiva. Glandulae nullae. Stamina decem,
receptaculo villoso inserta; filamentis liberis, aestivatione in-
flexis, demum erectis, exsertis; antheris introrsis, lilamenti
apice adnatis. Fem. Calyx ciipularis, quinqueftdus, persistens,
segmentis latis, obtusis, margine imbricatis. Glandulae et pe-
tala nuUa. Germen globosum, pubescens, triloculare, loculis
uniovulatis. Stylus nuUus. Stigmata 3, adscendentia , tripar-
tita, lobis teretibus, profunde bifidis. Capsula globosa, tri-
cocca, coccis bivalvibus, monospermis.
Arbor brasiliensis, ramis foliisque villoso -pilosis; foliis
alternis, petiolatis, exstipulaceis , oblongis, basi emarginatis,
membranaceis , pellucido - punctulatis , margine subserratis;
spicis terminalibus , floribus femineis inferioribus , sparsis,
masculis superioribus remote - aggregatis , singuli bracteolis
suffulti.
Cleodora Sellomana Kl.
Der Mangel von Drüsen und drüsenartigen Gebilden in
den Blüthen, so wie die Form des weiblichen Kelches und
der Narben begründet die Aufstellung dieser dem Crotou ver-
wandten Gattung.
Timandra^) K\.
Flores monoici. Masc. Brevi-racemosi. Racemi axillares, '
pauciflori. Calyx urceolato - campanulatus, profunde - quadri-
fidus, aestivatione imbricativa. Corollae petala 4, aestivatioije
convolutiva. Glandulae nullae. Stamina 8, receptaculo nudo
inserta; filamentis liberis, glabris, aestivatione inflexis, demum
erectis, exsertis; antheris oblongis, introrsis, filamenti apici
adnatis. Fem. Solitarii, axillares. Calyx quinquepartitus, per-
sistens. Glandulae et petala nulla. Ovarium globosum, tri-
loculare, loculis uniovulatis, ovulis pendulis. Stylus nullus.
Stigmata 3, erecta, tri- aut quadripartita , lobis teretiusculis.
Capsula globosa, tricocca, coccis bivalvibus, monospermis.
Fruticuli ramosissimi brasilienses Erythroxyli facie; foliis
parvis, alternis, stipulaceis, serratis aut integerrimis, pilis stel-
latis consitis floribusque densissime pellucido - punctulatis ;
*) Timandra, die Geliebte des Alkibiades.
198
stipulis persistentibus; floribus axillaribus, bracteis suffultis,
masculis racemosis 3 — 5 floris, femineis solitariis, brevissime
pedicellatis.
Timandra serrata KL, T. erythroxyloides KL, T. di-
chotoma Kl.
Diese Gattung steht sowohl ihrer habituellen als wesent-
lichen Kennzeichen wegen unter den Crotoneen etwas isolirt.
Besonders ist die Vierzähligkeit der männlichen Blüthentheile
in dieser Abtheilung höchst selten.
Medea^)¥A.
Flores monoici, in apice ramulorum sparsi. Masc. Brevi-
pedicellati. Calyx profunde quinquefidus, bracteolis destitutus,
aestivatione imbricativa. CoroUae petala 5, laciniis calycis
alterna, aestivatione convolutiva. Glandulae nullae. Stamina
10, receptaculo hirto inserta; filamentis liberis, pilosis, aesti-
vatione inflexis, demum erectis, exsertis; antheris oblongis,
introrsis, filamenti apici adnatis. Fem. Sessiles. Calyx pro-
funde quinquepartitus , persistens, laciniis angustis, longis.
Glandulae et petala nuUa. Ovarium globosum, triloculare,
loculis uniovulatis, ovulis pendulis. Stylus nullus. Stigmata
3, profunde trifida, lobis erectis, teretiusculis. Capsula glo-
bosa, tricocca, coccis bivalvibus, monospermis.
Frutex brasiliensis, hirtus, ramis erectis, dichotomis ; foliis
alternis, confertis, subsessilibus , ovatis, evanescenti-villosis
petalisque pellucido punctulatis, exstipulaceis, floribus in apice
ramulorum axillaribus, femineis inclusis, masculis subexsertis.
Medea hirta Kl. 1
Zunächst ist diese Gattung mit Timandra verwandt , von
der sie sich durch die Fünfzähligkeit der männlichen Blüthen-
theile, welche nicht in Trauben, sondern einzeln vorkommen
und durch den Mangel der Stipulae unterscheidet. Der Ha-
bitus erinnert an die kapische Proteaceengattung Mimetes.
Chiropetalum Adr. de Juss. in Annales des sciences
nat. XXV, p. 21. Endlicher 1. c. n. 5830. Crotonis spec.
Adr. de Juss. ^uphorb. Tab. 8. n. 26. C. war bisher durch
zwei Arten in Chili und durch eine Art in Peru repräsentirt,
^) Medea, die Tochter des Aeetes und Gemahlin des Jason.
199
jetzt hat auch Brasilien zwei Arten dieser Gattung {Ch. molle
Kl. und Ch. lineatum Kl.) aufzuweisen.
Caperonia St. Hilaire in Mem. Mus. XII. p. 342.
Endlicher 1. c. n. 5831. Crotonis sp. Adr. de Juss. Euphorb.
Tab. 8. n. 26. B. ist durch Robert Schomburgk aus dem bri-
tischen Gujana um zwei Arten, von Schimper aus Abyssinien
um eine Art vermehrt worden.
Bitaxis Vald ex Adr. de Juss. Euphorb. p. 27. Tab. 7.
n. 24. Kunth in Humb. Nov. gen. et spec. VII. p. 170. Tab.
639. Zuccarini in Abhandlungen der Akademie der Wissen-
schaften I. p. 290. liat aus Brasilien einen Zuwachs von zwei
Arten (D. chrysantha und D. triplinerviä) erhalten.
Argythamnia P. Brown Jam. 338. Adr. de Juss.
Euphorb. p. 26. Tab. 7. n. 23. hat keinen Zuwachs erfahren.
Philyra*) Kl.
Flor es dioici, racemosi, axillares. Masc. Racemi subcy-
mosi, breves. Pedicelli bracteis tribus glumaceis suffulti. Ca-
lyx gamosepalus, elongatus, acutus, candidus, deinde inaequa-
liter 2 — 5-fissus. Petala 5, aestivatione convolutiva, basi
subcoalita. Glandulae nullae. Stamina S — 10; filamentis in
columnam connatis, apice liberis; antheris extrorsis, bilocula-
ribus, oblongis, bi - triseriatim verticillatis. Germinis rudimen-
tum nullum. Fem. Racemi longi, 5 — 6 flori. Flores distantes,
longe-pedicellati. Pedicelli basi bracteis tribus glumaceis sti-
pati. Calyx foliaceus, quinquepartitus, laciniis angustis, ae-
qualibus. Glandulae 5, bilobae, laciniis calycis alternae.
Germen? Stylus? Stigmata? Capsula puberula, depressa, tri-
angularis, tricocca, coccis bivalvibus, monospermis. Semina
globosa, albida, seminum Pisi sativi magnitudine.
Arbor brasiliensis , ramosa, glabra; ramis albidis, strictis;
foliis primariis in spinam flavidam bipartitam mutatis, secun-
dariis alternis, stipulaceis, oblongis, membranaceis , integer-
rimis, inferne attenuatis, racemis axillaribus, bracteatis; bra-
cteis persistentibus ; femineis longioribus, laxis, masculis bre-
vioribus, subcymosis.
Philyra brasiliensis Kl.
Diese Gattung gehört zuverlässig zu den Crotoneen und
*) Philyra, die Mutter des Chiron.
200
reihet sich in Bezug auf die Struktur der männlichen Blüthe
der vorhergehenden Gattung an; dem äufseren Ansehn nach
hat sie aber durchaus nichts gemein mit ihr. Von der weib-
lichen Blüthe habe ich nur eine reife Frucht untersuchen kön-
nen, welche die Narben bereits abgeworfen hatte.
Tribus VI. Phyllantheae. Endlicher 1. c. p. 1119.
Ovarii loculi biovulati. Stamina centro floris inserta.
Aufser der Gattung Epistylium Swartz, deren Heimath
immer noch auf die westindischen Inseln beschränkt bleibt,
ist aus dieser ganzen Abtheilung nur Phyllanthus Swartz
und die unten beschriebene Gattung, welche hiervon getrennt
werden mufste, in Süd -Amerika bis jetzt angetroffen worden.
Asterandra^) Kl.
Flores monoici, axillares, pedicellati. Calyx quinque-sex-
partitus, laciniis inaequalibus. Masc. Stamina 5 — 6; filamen-
tis brevibus, in columnam disco integro, subgyroso cinctam
coalitis; antheris horizontalibus, umboni centrali adnatis, stel-
latim 5 — 6 radiatis. -Fem. Ovarium globosum, apice in sty-
lum brevem attenuatum, disco magno, integro cinctum, trilo-
culare, loculis biovulatis. Stylus brevissimus. Stigmata 3, paten-
tia, petaloidea, bifida aut integra, margine crenata. Capsula?
Arbores Americae meridionalis , trunco ut in Palmis sub-
squamato, superne attenuato, apice impressionibus rbomboideis ;
ramis alternis, tetragonis, fuscis; foliis alternis, magnis, elon-
gato- oblongis, acuminatis, integerrimis, reticulato - venosis,
membranaceis , basi stipulaceis; racemis axillaribus, valde ab-
breviatis , solitariis, multifloris ; floribus pedicellatis , basi bra-
cteatis, masculis et femineis in eodem racemo.
Asterandra Sellowiana Kl, A, cornifolia Kl. (FhylU
anthus cornifolius Kunth.)
Tribus VII. Buxeae. Bartling Ord. nat. p. 370.
Ovarii loculi biovulati. Stamina sub ovarii rudimento
sessili inserta.
Sämmtliche zu dieser Abtheilung gehörende Gattungen
sind arm an Arten; verhältnifsmäfsig wenige kommen davon
in Süd -Amerika vor.
^) e VOCibus uOtriQ et avriQ,
201
Richeria Vahl Eclog. I. p. 30. Tab. 4. Adr. de Juss.
Euphorb. p. 16. Endlicher 1. c. n. 5861.
Amanoa Aiibl. Gujan. I. p. 256. Tab» 101. Adi*. de
Juss. 1. c. p. 15. Tab. 2. Endlicher 1. c. n. 5862.
Savia Willd. Spec. pl. IV. p. 771. Adr. de Juss. Eu-
phorb. p. 15. Tab. 2. Endlicher 1. c. n. 5866.
Tricera Swartz Flora Ind. occid. I. p. 333. Tab. 7.
Endlicher 1. c. n. 5868.
Drypetes Vahl Eclog. fasc. III. p. 49. Poiteau in
Mem. Mus I. p. 151. Tab. 8 — 10. Adr. de Juss. Euphorb.
p. 12. Endlicher 1. c. n. 5874.
Discocarpus*) Kl.
Flores dioici, in foliorum axillis aggregati. Pedicelli bra-
ves, squamis aridis, fuscis, subpersistentibus dense vestiti.
Masc. Calyx cyathiformis, inaequaliter quinquefidus, segmentis
intus squama brevi instructis. Petala nulla. Stamina 5, longe
exserta, inferne in cylindrum coalita. Germinis rudimentum
parvura, pedicelliforme , trifidum. Fem. Calyx profunde quin-
quefidus, persistens. Corollae petala 5, calycis laciniis alterna.
Staminum rudimenta 5, ad basin germinis inserta. Discus hy-
pogynus, carnosus, crenato - marginatus. Ovarium sessile, tri-
loculare, loculis biovulatis. Stylus brevissimus, crassus. Sti-
gmata tria, petaloidea, recurva, crenato -laciniata, basi angusta,
supra canaliculata. Capsula globoso - depressa , pubescens,
obtuse - sexangularis , tricocca, coccis bivalvibus, abortu mo-
nospermis.
Arbores Americae tropicae; ramis subinde spinescentibus;
foliis alternis, coriaceis, rigidis, ovatis aut ellipticis, margine
integerrimis , supra nitidis; floribus axillaribus, aggregato - fa-
sciculatis, squamis aridis, copiosis suffultis.
D. essequiboensis Kl., D. hrasiliensis Kl.
Diese Gattung hat eine grofse Aehnlichkeit mit Securinega
Commerson , von der sie sich durch die weiblichen Blüthen
unterscheidet.
Noch mufs icli einer Gattung gedenken, von der ich nur
männliche Exemplare untersuchen konnte, welche, wenn sie
0 e vocibus 6iay.oi et xaQTtoS'
202
sich als Euphorhiacea bewähren sollte, ebenfalls zu dieser
Abtheilung gehört.
Podocalyx^) Kl.
Flores dioici, densissime glomerulati. Glomeruli in spi-
cas axillares dispositi, unibracteati. Masc. Calyx minimus,
campanulatus , quadridentatus , longe pedicellatus. Stamina 4,
exserta, dentibus calycis opposita; filamentis sub ovarii rudi-
mento simplici, pulvinato insertis; antheris subglobosis, utrin-
que obtusis, bilocularibus, extrorsis. Fem.?
Arbor gujanensis; foliis alternis, coriaceis, exstipulaceis,
glabris, integerrimis.
Podocalyx loranthoides Kl.
Erklärung der zur vorstehenden Abhandlung
gehörigen Abbildungen.
Tafel VII.
A. Schismatopera Martiana Kl.
d) eine zweiklappige Hülle der männlichen Blüthen mit einer
Bractea gestützt, von hinten gesehen, Imal vergröfsert;
V) dieselbe mit den von ihr eingeschlossenen 3 männlichen
Blüthen, von vorn gesehen, 2mal vergr.;
c) ein Rudiment des Ovariums aus der männlichen Hülle,
6mal vergr.;
d) eine einzelne männliche Blüthe, 6mal vergr.
B, Spixia Leandri Martins.
ä) eine geschlossene männliche Hülle mit zwei Bracteen ge-
stützt, 2mal vergr.;
h) die männlichen Blüthen nebst den Rudimenten der Ova-
rien nach Entfernung der Hülle, 6mal vergr.;
c) ein Rudiment -des Fruchtknotens aus der männlichen Hülle,
8mal vergr. ;
d) eine einzelne männliche Blüthe, 8mal vergr.;
e) eine weibliche offene Hülle mit den von ihr eingeschlos-
senen vier Blüthen, 2mal vergr.;
f) eine einzelne weibliche Blüthe, 5mal vergr.;
g) ein Querdurchschnitt des Fruchtknotens, 5mal vergr.
^) e vocibus novg et ^ic^Xv'^.
203
C. Peridium ovale Kl.
a) eine offene männliche Hülle mit zwei Bracteen gestützt,
3mal vergr.;
h) die Staubgefafse nach Entfernung der Hülle, 5mal vergr.;
bh) Pollenkörner, unter Wasser gesehen, ISOraal vergr.;
c) die weiblichen Blüthen nach Entfernung der Hülle, 5m£l
vergr. ;
d) eine reife Frucht in nat. Gr.
e) ein Querdurchschnitt derselben, Imal vergr.;
V f) eine in drei zweispaltige Klappen aufgesprungene Frucht
in nat. Gr.;
g) ein Same mit der mützenförmigen Samendecke, in na-
türlicher Gr.;
h) die Samendecke, 2mal vergr.;
i) der Same ohne Samendecke, 2mal vergr.;
/r) derselbe nach Entfernung der Samenhaut, 2mal vergr.;
l) ein Längsdurchschnitt desselben, 2mal vergr.
Tafel VIIL
^. Bactylostemon glahrescens Kl.
ö) eine Blüthenähre, in nat. Gr.;
h) eine männliche Blüthe, 6mal vergr.;
c) eine weibliche Blüthe, 6mal vergr.;
d) ein Querdurchschnitt des Fruchtknotens, 6mal vergr.;
e) eine reife Frucht, 2mal vergr.
B. Senef eider a multiflora Martins
a) die Spitze einer Blüthenrispe, in nat. Gr.;
h) eine männliche Blüthe, 8mal vergr.;
c) dieselbe ohne Staubbeutel, 8mal vergr.;
d) eine weibliche Blüthe, 6mal vergr.;
e) ein Querdurchschnitt des Fruchtknotens, 6mal vergr.
C. Adenogyne pachys tachys Kl.
d) eine Blüthenähre in nat. Gr. ;
h) eine Schuppe mit drei männlichen Blüthen, 6mal vergr.;
c) eine männliche Blüthe, 8mal vergr.;
d) eine weibliche Blüthe, 6mal vergr.;
e) eine reife Frucht, in nat. Gr.;
/) ein reifer Same, in nat. Gr.;
204
g) ein Längsdurchschnitt des Fruchtknotens, 3mal vergr.
^D, Actinostemon grandifolius Kl.
d) eine Blüthenähre, Imal vergr.;
V) eine männliche Blüthe, 8mal vergr.;
c) Pollenkörner, ISOraal vergr.;
d) eine junge Frucht, in nat. Gr. ;
e) eine reife Kapsel, in nat. Gr.;
/) ein Fach derselben, in nat. Gr.;
g) ein reifer Same, in nat. Gr.
Tafel IX.
ui, Traganthiis sidoides Kl.
ä) ein Stück eines Zweiges mit männlichen und weiblichen
Blüthen, 3mal vergr.;
h) eine männliche Hüllschuppe mit Knospen und einer offe-
nen Blüthe, 12mal vergr.;
c) eine weibliche Blüthe, 6mal vergr.;
d) ein Querdurchschnitt der jungen Frucht, 6mal vergr. ;
e) die geflügelte Centralsäule der reifen Kapsel, 8mal vergr.
B, Botryanthe discolor Kl.
a) die Spitze eines blühenden Zweiges, in nat. Gr.;
h) eine männliche Blüthe, 8mal vergr.;
c) dieselbe nach Entfernung des Kelche^, 8mal vergr.;
d) eine weibliche Blüthe, 5mal vergr.;
e) ein Querdurchschnitt des Fruchtknotens, 5mal vergr. ;
jf) ein Längsdurchschnitt desselben, 5mal vergr.;
JO-) eine halbreife Frucht, in nat. Gr.
p. Discocarpus essequihoensis Kl.
(fit) ein kurzer Zweig mit männlichen Blüthen, in nat. Gr.;
h) eine männliche Blüthe, 12mal vergr.;
c) dieselbe nach Entfernung des Kelches, 12mal vergr. ;
d) ein kurzer Zweig mit weiblichen Blüthen, in nat. Gr.;
e) eine weibliche Blüthe, 4mal vergr.;
/) ein Quer durchschnitt der jungen Frucht, 5mal vergr. ;
g) eme reife Frucht, Imal vergr.;
A) ein Fach der reifen Kapsel, von innen gesehen, Imal vergrl
205
Ueber das Eierlegen der Agrion forelpula.
Von
C. Th. von Siebold.
Obgleich der nafskalte Sommer dieses Jahres sich nicht
eben eignete, um die Insektenwelt in ihrem Thun nnd Trei-
ben draufsen im Freien zu belauschen, so habe ich zu An-
fang des Augustes doch Gelegenheit gehabt, das eigenthümliche
Benehmen von Agrion forcipula bei dem Geschäfte des Eier-
legens zu beobachten, worüber ich mich um so mehr gefreut
habe, da dieser Akt aus der Lebensgeschichte von Agrion
forcipula mir ganz neu und höchst überraschend erschien.
Bekanntlich gehört die Gattung Agrion zu denjenigeu
Libellulinen , deren Weibchen einen sehr complicirten Lege-
Apparat besitzen, mittelst welches die Eier an Pflanzen ge-
legt werden, so vermuthete ich es wenigstens, als ich häufig
-^^^cÄnö -Weibchen an Wasserpflanzen hängend ihren Leib
unter Wasser stecken und an der Pflanze auf und nieder be-
wegen sah.*) Bei Agrion forcipula habe ich mich vollkom-
men überzeugt, dafs diese Thiere ihre Eier in das Parenchym
gewisser Pflanzen einsenken, wobei ihnen der Lege-Apparat die
besten Dienste leistet. Bei diesem Eierlegen nimmt aber auch
das ^^77071- Mäimchen einen eben so thätigen Antheil, wie
ich dasselbe bei Lihellula cancellata beobachtet habe.**)
Nachdem nämlich die Begattung zwischen den beiden Ge-
schlechtern von Agrion forcipula zu Stande gekommen ist,
so läfst auch hier das Männchen sein Weibchen nicht mehr
*) Siehe meine Abhandlung: Üeher die Fortpflanzungsweise der
Libellulinen, in Germars Zeitschrift f. die Entomologie II. 2. p. 435.
**) Ebend. p. 437.
206
los, sondern führt es am Nacken festhaltend mit sich herum,
beide fliegen alsdann mit gerade ausgestreckten Leibern um-
her, *) und lassen sich bald hier bald dort auf Wasserpflanzen
oder auf andere in der Nähe von Gewässer befindliche Pflan-
zen nieder, und scheinen in ihren Handlungen wie von einem
Willen beseelt zu sein.
Der Teich, an welchem ich meine Beobachtungen anstellte,
war an seinen Ufern mit Scirpus palustris bewachsen; es stand
diese Binse zum Theil auf dem Trocknen, ragte aber auch
ein Paar Schritte vom Ufer aus dem Wasser hervor. An diese
Binsen setzten sich nun die Agrion - Männchen mit ihren
Weibchen am häufigsten, und kaum hatte sich ein Männchen an
die Seite einer Binse gehängt, so umklammerte das Weibchen
unter ihm ebenfalls die Binse und fing sogleich das Lege-
Geschäft an. Dasselbe bog seinen Leib von der Binse ab,
nur sein Leibesende brachte es mit derselben in Berührung
und schob dieses bis fast zu seinen Füfsen herauf. In dieser
Situation hat Reaumur ein ^^rion-Pärchen ganz richtig ab-
gebildet;**) derselbe vermuthet auch, dafs das Weibchen mit
den sägeförmigen Hornfortsätzen seiner Legeröhre Eier in
das Pflanzen - Parenchym hineinschieben könne, er spricht sich
jedoch nicht bestimmt aus.***)
Beobachtete ich ein solches an einer auf dem Trocknen
wachsenden Binse mit bogenförmig gekrümmtem Leibe sitzen^r
des ^^rion -Weibchen, so bemerkte ich bald, dafs dasselbe
mit seinem Lege -Apparat beschäftigt war, ich sah deutlich,
wie dasselbe seine säbelförmigen Hornfortsätze aus den bei-
den breiten Seitenklappen hervorzog und in das Parenchym
der Binse eindrückte. Kaum war dies geschehen, so kroch
das Agrion - Weibchen einige Schritte an der Binse herab,
und arbeitete von neuem mit seinem Lege -Apparat an dem
Parenchym der Binse, welches so oft wiederholt wurde, bis
das Weibchen an dem unteren Ende der Binse angelangt war.
Das Männchen, welches den Bewegungen seines Weibchens
*) Vergl. Reaumur: Memoires pour servir ä l'histoire des In-
sectes. T. VI. PI. 40. Fig. 2.
**) Ebend. PI. 40. Fig. 3. und 9.
'***) Ebend. p. 436.
207
willig gefolgt war, flog dann mit ilim davon, setzte sich aber
bald wieder an eine andere Binse, und zwar fast immer an
das obere Ende derselben, so dafs dadurch das Weibchen Ge-
legenheit fand, an der ganzen Binse herab seine Eier anzu-
bringen. Untersuchte ich eine -solche Binse, an welcher ein
Pärchen von Agrion forcipiila mit dem Eierlegen beschäftigt
war, so fand ich den Stengel jener Pflanze in der ganzen
Länge, in welcher sich das Libellen - Pärchen von oben nach
unten bewegt hatte, verwundet; ich konnte nändich eine Reihe
kleiner weifsgelber Flecke erkennen, welche von der Epider-
mis des Scirpus herrührten, indem diese von oben nach unten
abgetrennt war und wie eine Schuppe den künstlich geöfiheten
Eingang zu den weiten Luftzellen der Binse verschlofs. Das
Weibchen ist nämlich, nachdem es den säbelförmigen Lege-
stachel wieder aus dem Parenchym der Binse hervorgezogen
hat, immer darauf bedacht, die gemachte Oefinung zu verber-
gen, zu welchem Zwecke dasselbe mit dem convexen Theile
des Legesäbels die abgelöste Epidermis der Binse gegen jene
Oefinung aufdrückt.
Wenn ich solche Binsen, an welchen ein Agrion-Viv^
chen mit dem Eierlegen beschäftigt gewesen war, genauer un-
tersuchte, so fand ich fast an allen Stellen, wo ich äufserlich
die Epidermis der Pflanze verletzt sah, in der hinter der Ver-
wundung liegenden geräumigen Luftzelle der Binse ein Ei der
Agrion forcipula stecken.
Die Eier dieser Libelle besitzen eine cylindrisch^ Gestalt
und sind an dem einen Ende abgerundet, an dem anderen
verschmächtigt und zugespitzt ; dieses spitze Ende zeigt immer
eine dunkelbraune Farbe, während der übrige Theil der Eier
blafsgelb gefärbt ist. Die Eier stecken mit dem spitzen Ende
in der inneren Mündung des Wundkanals fest, so dafs man
daraus deutlich ersehen kann, dafs die Eier mit dem stumpfen
Ende voran in die Luftzellen der Binse hineingeschoben wor-
den sind. Waren die Eier schon vor längerer Zeit gelegt
worden, so erschienen die Luftzellen der Binse, in welchen
sie steckten, krankhaft braun gefärbt, vielleicht in Folge der
Verwundung. Zuweilen fand ich auch die hinter der von dem
Legesäbel des Agrion - Weibchen hervorgebrachten Wunde
des Scirpus befindliche Zelle leer; es war hier wahrscheinlich
208
dem Weibchen nicht Zeit gelassen, ein Ei durch die Wunde
in die Zelle zu schieben, denn die ^grion -Männchen, ob-
wohl sie sich gewöhnlich an das obere Ende eines Scirpus
ansetzen und sich von dem eierlegenden Weibchen an der
Binse herableiten lassen, zeigen nicht immer gleiche Ausdauer,
und fliegen oft, nachdem sie sich kaum niedergelassen und
die Weibchen eben den Legesäbel gegen die Binse aufgesetzt
haben, schnell wieder davon und nöthigen so ihre Gefährtin-
nen, das eben begonnene Werk mitteil in 'der Arbeit aufzu-
geben; zuweilen fällt es einem ^^Won- Männchen ein, wenn
sein Weibchen .schon bis zur Hälfte der Binse herab seine
Eier in diese eingesenkt hat, plötzlich davonzufliegen, ohne
dem Weibchen Zeit zu lassen, die untere Hälfte des Binsen-
Stengels mit Eiern zu besetzen.
Die Weibchen von Agrion fordpula müssen übrigens
einen sehr grofsen Drang zum Eierlegen in sich empfinden,
da sie, wenn sich ihre Männchen, was nicht selten geschieht,
auf andere Pflanzen, auf verdorrte Reiser, abgestorbene Gras-
halme und dergleichen niederlassen, ebenfalls ihr Leibesende
umbiegen und mit ihrem Legesäbel Versuche zum Eierlegen
machen ; dieser Versuch mag an harten und festen Gegenstän-
den gänzlich scheitern, und wenn er an abgestorbenen Pflan-
zen gelingen sollte, so mögen die hineingelegten Eier später
vertrocknen, während in solchen Pflanzen, welche, wie die
Binse, ein spongiöses Zellgewebe besitzen (z.B. in Sagitta-
ria sagtttifolia) , die Agrion -Eier wohl eben so gut ange-
bracht sein mögen, als in Scirpus palustris.
Als ich an den Ufern des Teiches, welche von Agrion
fordpula belebt wurden, umherschlich, um das Eierlegen
dieser Libelle zu beobachten, war es mir aufgefallen, dafs
sich ein Agrion -Vaccchen auf eine Binse, welche nicht auf
dem Lande stand, sondern aus dem Wasserspiegel des Teichs
hervorragte, gesetzt und das Weibchen bereits mit dem Eier-
legen begonnen hatte; lieh war neugierig, zu sehen, wie weit
der Eifer desselben gehen und ob dasselbe, an der Binse
rückwärts herabkriechend, sein Leibesende beim Drange des
Eierlegens in das W^asser eintauchen würde. Wie erstaunte
ich nun, als dieses ^^770w-Weibchen nicht allein seinen Leib
in das Wasser tauchte, sondern sogar so tief mit seinem
209
Männchen an der Binse herabkroch, bis beide ganz und gar
unter dem Wasser verschwunden waren. Das Weibchen fuhr
hierauf fort, an dem unter Wasser befindlichen Theile der
Binse seine Eier ebenso abzulegen, wie vorher an dem oberen aus
dem Wasser hervorragenden Theile dieser Pflanze ; das Agrion-
Pärchen kroch bei diesem Geschäfte ebenfalls immer tiefer am
Stengel des Scirpus herab, bis es auf dem Grunde des Teiches
angekommen war, hiernach begaben sich beide Libellen am
Stengel des Scirpus wieder langsam in die Hohe, ohne sich
unterwegs aufzuhalten, und flogen dann, über dem Wasser an-
gekommen, sogleich weiter, ohne sich von einander zu trennen.
Ich muss gestehen, dass mich dieser Trieb von ^grion forcU
pulUj die Eier an einen für die Brut so zweckmässigen Ort
abzulegen, zur grössten Verwunderung fortriss, zumal da die-
ses Libellen-Pärchen sein Naturell so vergass, dass beide, Männ-
chen und Weibchen, als wahre Luftthiere, welche fast immer
fliegend umherschwärmen, plötzlich in das Wasser tauchten, in
das Element, mit welchem sie nur in ihren Jugendzuständen
vertraut waren. Ich glaubte anfangs, es wäre dieses Benehmen
nur ein individueller Einfall des einen Agrion-Pärchen gewe-
sen, diesen Gedanken gab ich aber wieder auf, als ich zu mei-
ner Freude gar bald erkannte, wie alle diejenigen Agrion-
Pärchen, welche sich an die aus dem Wasser hervorragenden
Binsen gesetzt hatten, auf ganz gleiche Weise unter dem Was-
ser verschwanden, und in demselben das Eierlegen fortsetzten,
ja, einmal darauf aufmerksam geworden, bemerkte ich jetzt,
in das Wasser hineinblickend, an vielen aus der Tiefe des
Teiches hervorgewachsenen Binsen eierlegende Agrion-Pärchen
sitzen, welche wegen der Länge der Binse, eine ziemlich lange
Zeit (eine viertel bis halbe Stunde) unter Wasser verweilten,
bis sie mit ihrem Geschäfte an das Wurzelende der Pflanzen
angekommen waren.
Die Agrion-Pärchen gebrauchten, ehe sie an den Binsen
in das Wasser tauchten, jedesmal die Vorsicht, alle vier Flügel
dicht an einander zu legen; hatte sich das Weibchen unter
das Wasser begeben, so rückte das Männchen sogleich schnell
nach, und erst dann, als auch das letztere vollständig vom
Wasser umgeben war, fuhr das Weibchen wieder mit dem
Eierlegen fort. Das Männchen bog unter Wasser seinen Leib
Archiv f, Naturgesch. VH. Jahrg. 1. Bd, ~ ^4
210
ebenso bogenförmig von dem Stengel der Sumpfpflanze ab, wie
sein Weibchen, wodurch alle unter Wasser befindlichen Agrion-
Pärchen an den Binsen einen doppelten Bogen mit ihren Lei-
bern biMeten; es haftete übrigens eine dünne Luftschicht so
fest an ihren Leibern, Füssen und Flügeln, dass sie sich unter
Wasser ganz silberglänzend ausnahmen, daher denn auch wohl
diese Thiere mittelst dieses Luftvorraths athmen mögen, und
wenn sie aus dem Wasser wieder hervorkriechen, sogleich
trocken sind und davonfliegen können.
Es kam nicht selten vor, dass an einem und demselben
Scirpus- Stengel, an welchem unten im Wasser bereits ein
Agrion- Pärchen sass, sich ein zweites Pärchen in die Tieie
des Wassers begab, und zwar auf eben derselben Seite« in
einem solchen Falle wichen sich beide Pärchen dadurch *aus,
dass sich das obere nach der anderen, entgegengesetzten Seite
der Binse wendete, und dann sein Geschäft ungehindert fort-
setzte.
Kam ich einem im Eierlegen begrifi'enen Agrion-Pärchen
über Wasser zu nahe, so flog dasselbe sogleich davon, berührte
ich dagegen ein unter dem Wasser befindliches Pärchen, so
klammerte sich dasselbe nur noch fester an die Sumpfpflanze
an, und nur, wenn ich zu heftig mit einem Stocke an diesen
Thieren herumstöberte, krochen sie schneller als gewöhnlich
an der Binse herauf, um, über dem Wasser angekommen, so-
gleich entfliehen zu können.
An denjenigen Stellen der Binsen, welche unter Wasser
von dem Legesäbel des Agrionen-Weibchens angestochen waren,
breitete sich äusserlich ein brauner Fleck aus, und mit der-
selben braunen Farbe waren auch die Luftzellen getränkt, in
welchen die Agrionen-Eier verborgen lagen. Mit solchen brau-
nen Flecken waren die unter Wasser befindlichen Stengel der
Binsen fast über und über besät. Bei der Untersuchung der
Binsen, in welche schon vor längerer Zeit die Eier von Agrion
forcipula hineingelegt waren, bemerkte ich, dass schon viele
Larven in diesen Eiern sich zu entwickeln angefangen, und
dass einige bereits ihre Eischalen schon verlassen hatten; in
letzterem Falle stand die von der Epidermis bedeckt gewe-
sene Wunde an den Scirpus-Stengeln offen. Die über dem
Wasser in den Binsen befindlichen Agrionen-Eier entwickelten
i
211
sich eben so gut, als die unter dem Wasser in dieser Pflanze
eingesenkt liegenden Eier.
Die Larven, welche aus den Eiern von Agrion forcipula
hervorschliipften, zeigen eine etwas andere Gestalt als die mehr
erwachsenen Agrion-Larven , sie gleichen nämlich ganz jenen
Larven, welche Carus, ohne sie bestimmt zu kennen, als
„vielleicht zu Semblis, Sialis oder dergleichen gehörig" be-
schrieben und abgebildet hat*), der Mund ist mit der bekann-
ten Maske versehen, von welcher Carus keine Erwähnung
thut, die Antennen fallen sehr in die Augen, und weichen durch
ihre Bildung und Länge von den Antennen derselben Larven
im späteren Alter sehr ab. Diese zarten Larven liegen gebo-
gen im Ei, das Kopfende befindet sich hinter der Spitze des
Eies, wo die beiden schwarzen Augen deutlich aus den Ei-
hiillen hervorschimmern, die Antennen, die Maske, die sechs
Fiisse sind am Leibe herabgeschlagen, dass dreispitzige Schwanz-
ende beugt sich in der stumpfen Spitze des Eies um, und
reicht bis zum Kopfe herauf. Da die Spitze der Eier immer
in der Wunde der Binsen steckt, so werden die jungen Agrion-
Larven, so wie sie die Eischale verlassen und aus der Spitze
der Eier hervorkriechen, sogleich in den Wundkanal der Bin-
sen gelangen und auf diese Weise den Ausweg überhaupt
sehr leicht finden.
Erlangen den 21. August 1841.
*) Carus: Entdeckung eines einfachen vom Herzen aus beschleu-
nigten Blutkreislaufes in den Larven netzflüglicher Insecten. S.14.
Taf. IL Fig. 1,2.
14*
212
Berichtigung einiger von Herrn Duvernoj gemach-
ten Bemerkungen über meine Beschreibungen der
Säugthiere in Dr. M. Wagner's ^^Reisen in der
Regentschaft Algier."
Von
A. Wagner.
In der am 6. November 1841 abgehaltenen Sitzung der
Societe philomatique de Paris hat Herr Duvernoy eine Ab-
handlung vorgelesen unter dem Titel: Notes et renseignements
sur plusieurs Mammiferes de l'Algerie, pour servir a la faune
de cette contree. Ein Auszug aus dieser Abhandlung ist im
Journal l'Institut Nr. 413 (25. November) erschienen und mir
vor Kurzem zugekommen. Aus demselben habe idi ersehen,
dass Herr Duvernoy an meinen Beschreibungen der Säugthiere
in Dr. M. Wagner's „Reisen in der Regentschaft Al-
gier" mehrere Ausstellungen gemacht hat, die mich zu einer
kurzen Erwiederung veranlassen.
1. Bei Mus harharus sagt Herr Duvernoy: les figures
coloriees de la Souris de ßarbarie adulte, publiees par Bennett
et M. Wagner, ont le defaut de montrer le jaune clair comme
la couleur de fond qui serait rayee de brun. Ich habe hier-
auf blos zu bemerken, dass meine Figur ein getreues Abbild
des Originals ist, bei dem nun einmal das Gelb quantitativ
vorherrscht, so dass es selbst in der Mitte der Längsbinden
durchschimmert. Ist also in dieser Darstellung ein Fehler
begangen, so würde wenigstens weder die Abbildung noch die
Beschreibung die Schuld tragen, sondern sie müsste dem Ori-
ginal-Exemplare aufzubürden sein. IJebrigens spricht auch die
Analogie mit andern gestreiften Mäusen dafür, die helle Farbe
als die Grundfarbe und die dunkle als die auf sie aufgetrage-
n^n Streifen anzunehmen.
213
2. Bei Aufstellung seines Gerhillus Shawii macht
Herr Duvernoy bemerklich, dass dieser zwar dem Meriones
rohustus von Cretzschmar höchst ähnlich wäre, so dass ich
geglaubt hätte, beide vereinigen zu dürfen, dass aber jener
wirklich eine eigne Art ausmache. Diese Bemerkung ist, wie
ich zugestehn muss, begründet, kommt jedoch viel zu spät.
Als ich nämlich die von Herrn Dr. Wagner mir übergebenen
algierschen Säugthiere beschrieb, kannte ich Cretzschmar's
Meriones rohustus nur aus dessen Beschreibung, die aller-
dings nicht vollständig genug war, um mit Sicherheit meine
algierschen Exemplare davon zu trennen, und so stellte ich
sie (nicht ohne einiges Bedenken unter Erwähnung der DilBfe-
renzen mit der Beschreibung), mit den egyptischen zusammen.
Eine spätere Untersuchung von mir, die sich über alle Gat-
tungen der Nager erstreckte, ergab mir jedoch das überraschende
Resultat, dass die fraglichen algierschen und egyptischen Thiere
nicht einmal der Gattung nach zusammen gehörten, woraus
sich denn ihre spezifische Differenz von selbst ergab. Dieses
Resultat habe ich denn auch in einem Anhange zu meinem
Aufsatze: „Gruppirung der Gattungen der Nager in
natürliche Familien" der Münchner Akademie unterm
9. Januar 1841 vorgelegt, was in den Blättern Nr. 50 — 54 der
Münchner Gelehrten Anzeigen vom 11 — 17. März, und dar-
aus im ersten Heft dieses Archivs von 1841, zur Publizität
gebracht wurde. Der von mir begangene Irrthum ist demnach
lange vorher, ehe Herr Duvernoy auf ihn aufmerksam machte,
von mir selbst berichtigt worden, während dieser Naturforscher
noch immer in der falschen Meinung befangen ist, einen Merio-
nes vor sich zu haben, da er doch ein Rhomhomys ist.
3. Indem Herr Duvernoy von Macroscelides angiebt,
dass bei diesem der knöcherne Gaumen von 4 Reihen Löcher
und ein^m 5. Paare ausser der Linie durchbrochen sei, was
in Blainville's Osteographie gut abgebildet wäre, setzt er hin-
zu: „M. A. Wagner n'en a pas eu connaissance." Ich will
hoffen, dass dieser Vorwurf nur in Bezug auf die Blainville'-
schen Abbildungen gelten soll ; allein auch in dieser beschränk-
teren Bedeutung müsste ich ihn abweisen. Blainville's 6. Heft
der Osteographie, in welchem das Knochengerüste der Inse-
ctivoren abgehandelt wird, ist im Jahre 1841 publizirt worden.
214
folglich konnte ich von demselben im Herbste 1840*), wo
Dr. M. Wagners Reisen bereits durch den Buchhandel verbrei-
tet wurden, noch keine Notiz haben, um so weniger, da meine
Beschreibung der algierschen Säugthiere denn doch auch eine
gute Weile vorher verfasst und dem Herrn Herausgeber zu-
geschickt war, bevor sie nur an die Reihe des Drucks, ge-
schweige zur Publizität kommen konnte. — Sollte obiger Vor-
wurf indess, wie es fast den Anschein hat, sich auch darauf
beziehen, dass ich keine Kenntniss von der Durchbrechung des
knöchernen Gaumens gehabt hätte, so will ich aus meiner Be-
schreibung (Band HI. S. 14 des erwähnten Werkes) nachfol-
gende Stelle herausheben, welche wohl geniigen dürfte. Ich
sage nämlich daselbst: „Besonders ausgezeichnet sind die Rohr-
riissler (^Macroscelides) durch die mehrfache zierliche Durchbre-
chung des knöchernen Gaumens, woran man allein, auch ab-
gesehen von allen andern characteristischen Merkmalen, die
Gattung erkennen würde. Duvernoy**) hat hierauf nicht auf-
merksam gemacht und keine der vorhandenen Schädelabbildun-
gen giebt sie mit Genauigkeit an. Der knöcherne Gaumen
nämlich ist von fünf Paar Löchern durchbrochen , wovon vier
reihenweise hinter einander liegen" u. s. w.
Während Herr Duvernoy mich anführt, wo er meint mich
berichtigen zu können, hätte er dagegen mit besserem Grunde
sich auf mich beziehen dürfen, da, wo ich seine frühere Be-
schreibung ergänzt und verbessert habe, wie in dem eben be-
sprochenen Falle, und hinsichtlich des von ihm angegebenen
Mangels eines Acromions, dessen Dasein und eigenthümliche
Bildung ich zuerst nachgewiesen habe, indess Herr Duvernoy
jetzt ganz richtig davon spricht, ohne meiner zu gedenken.
*) Auf dem Titel ist zwar das Jahr 1841 angegeben, weil es be-
kanntlich im deutschen Buchhandel üblich ist, die gegen den Ablauf
eines Jahres erscheinenden Bücher auf das jachste zu datiren,
**) Mem. de Strasb. Vol. I, livr. 2.
215
Beiträge zur Molluskenfauna Deutschlands, ins-
besondere der österreichischen Staaten.
Von
Dr. Louis Pfeiffer in Kassel.
Seitdem ich nicht allein meine vaterländischen Gegenden
mit grösserer Sorgfalt, als es früher geschehen war, in Be-
ziehung auf Mollusken untersucht, sondern auch auf fünfmonat-
lichen Reisen, hauptsächlich in den österreichischen Provinzen,
diesem Gegenstande meine vorzüglichste Aufmerksamkeit gewid-
met habe, sehe ich mich im Stande, nicht allein für die deut-
sche Fauna manche interessante Bereicherung zu liefern, son-
dern auch nach genauer Untersuchung vieler Arten in grösse-
rer Menge über manche bisher zweifelhafte Artgränzen Auf-
schluss zu geben. Indem ich die unwichtigem, sehr verbreiteten
und hinlänglich bekannten Arten ganz mit Stillschweigen über-
gehe, werde ich von denjenigen, die entweder in kritischer
oder in geographischer Beziehung von Interesse sind, nach der
in meiner kleinen Schrift: Symholae ad histor, Heliceorum
angenommenen Reihenfolge einige Notizen mittheilen, welche
zum Theil als Beweis dienen mögen, dass die äusseren Umbil-
dungen der Formen nicht so sehr von den verschiedenen Lo-
kaleinflüssen abhängig sind, als der scharfsinnige Forscher
Hartmann (im 2. Hefte seiner Land- und Süsswassergasteropo-
den) darzuthun sich bemüht.
Succinea.
1. S. lev antin a Desh. beschränkt sich nicht auf den
östlichen Theil von Europa, sondern lebt m vielen Gegenden
von Deutschland, indem ich mich überzeugt habe, dass S. Pf^jf-
feri Rm. wirklich nicht von ihr zu trennen ist. Es gehören
ferner zu derselben Art S, hullina Zgl. aus Illyrien und S»
hrunnea Stentz aus Croatien. In grosser Menge fand ich sie
am sumpfigen Ufer des Plattensees in Ungarn. Eine noch
216
gestrecktere Form (bis zu 8:^'" Länge) fand ich in dem Schlamme
des Sees nur leer und weiss, aber doch glänzend. Herr Zieg-
ler, dem ich sie mittheilte, war geneigt sie für eine eigene,
auch im frischen Zustande weisse Art zu halten, doch wage
ich nicht darüber zu entscheiden, da ich sie nicht lebend beob-
achten konnte.
2. S. oh longa ist wohl überall selten, scheint, wo sie
lebt, stets in Gemeinschaft mit S. amphibia vorzukommen. Eine
von Chiloe stammende Art dürfte kaum davon zu trennen sein.
Vitrina,
1. V, elongata. Eine, obwohl weit verbreitete, doch
überall seltene Schnecke, die häufig mit Helicophanta brevipes
verwechselt wird. Am häufigsten kam sie mir bei Klagenfurt vor.
Helicophanta,
Seitdem Hartmann die beiden deutschen Arten genauer
characterisirt hat, ergiebt sich folgendes Resultat: H. rufa ist
nicht selten in vielen Gegenden Deutschlands, wo sich geeignete
Localität vorfindet, auch hier bei Kassel, bei Wien u. s. w.,
Jff. hrevipes*) dagegen sehr selten. Einmal fand ich sie
lebend bei Kassel in einem Eichenwald, während nifa hier nur
in Buchen Waldung vorkommt. Bei München hat sie Dr. Er^l
gefunden. Obwohl der Name sehr unpassend ist, da das Thier
der brevipes im Verhältnisse zur Schale noch grösser ist, als
das der rufa, so finde ich darin doch keinen Grund, mit Zieg-
ler die rufa als brevipes und die brevipes als longipes zu be-
zeichnen, indem jene Namen einmal in der Wissenschaft auf-
genommen sind.
He lix.
1. H. pomatia fand ich im Wesentlichen unverändert
bis an die Küste des adriatischen Meeres. Ein Exemplar aus
der Küstenprovinz mit strahliger Zeichnung gehört dem ganzen
Baue nach entschieden hierher, und nur eine Uebergangsform
zu H. cincta fand ich am Plattensee (H. interposita Zgl.?),
die ich aber doch nicht von pomatia trennen möchte.
*) Auf Rossmässler's Tafel sind die Nummern der beiden Figuren
verw'echselt.
217
2. H, ligata ist in der Umg'egend von Fiume sehr cha-
racteristisch ausgebildet (Rm. f. 289), ohne alle Uebergangs-
formen zu den verwandten, so wie auch
3.H*cincta aus Fiume, Monfalcone u. s. w. (Rm. f. 287 a. b.).
4. H. sylvatica Dr. Mit Ferussac zähle ich die H,
austriaca als Varietät zu dieser Art. Letztere ist in den mei-
sten österreichischen Provinzen sehr gemein, hier und da mit der
viel seltneren H. nemoralis gemeinschaftlich vorkommend, häufig
dieselbe ganz ausschliessend. Sie variirt vielfältig: am häufig-
sten ist die Form mit 5 dunkeln Binden, seltner mit ganz
hellen Binden, sehr selten fast einfarbig. Die 2. Binde fehlt
bei den steirischen und kärntnerischen Exemplaren nicht sel-
ten, andre Abweichungen sah ich nicht. Die Form ist wech-
selnd sehr plattgedrückt und konisch. Die Exemplare bei Görz
haben häufig eine wohlerhaltene gelbe Epidermis, während sie
in der Regel auch lebend eine weisse Grundfarbe zeigen. Merk-
würdig war es mir, diese Art, die sonst Schatten und Feuch-
tigkeit liebt, im Mürzthale (Steiermark) an nackten, dem Son-
nenbrande ausgesetzten Felsen in grosser Menge in Gesellschaft
mit Pupa avena zu finden.
5. H. arhustorum. Am Mönchsberge zu Salzburg fand
ich kolossale Exemplare (bis 16'" Durchmesser). Deberhaupt
kann man in der Gegend von Salzburg bis nach Golling eine
Folge von Farbenspielarten sammeln, die an Manchfaltigkeit
der H. nemoralis wenig nachgeben dürften. Während ich sie
in Hessen nie ohne Binde fand, ist sie dort eben so häufig
ohne als mit derselben, fast einfarbig gelb bis zum dunkelsten
Braun. Als wirkliche Abarten sind aber wichtiger: a. Hei,
Xatartii Farin. von der Koralpe in Kärnten, fast papierdünn,
gegittert, stark faltig, mit dünnem Mundsaume, einfarbig gelb-
grün oder braungrün mit Binde -^ und h. eine Varietät von
7'" Durchmesser, fest, einfarbig, gelblich, bei Heiligenblut am
Glockner, oberhalb des Pasterzengletschers gesammelt. Beide
Formen möchte man gern als gute Arten betrachten, wenn
nicht die ähnlichen Alpenformen anderer Gegenden Uebergänge
vermittelten.
6. H. Olivieri Fer. Die Form, welche als Typus in
derFerussac'schen Sammlung sich befindet, ist nicht selten bei
Fiume. Wenig abweichend davon ist die von Roth (diss. p. 14)
218
beschriebene Varietät aus Konstantinopel, die sich von H. pa-
rumcincta (Rm. VI. 365) nur durch die kleinfleckige Zeichnung
unterscheidet. Dagegen möchte ich die Varietät von Syra
(Roth a. a. O.) nicht dahin zählen, sondern vielmehr für eine
gute Art halten, welche ich als H. Rothii bezeichne: testa
subglobosa, opaca, sordide alba, bifasciata: fascia superiore an-
gusta, rufa, inferiore lata, diluta, pellucida; umbilico semitecto;
apertura lunato-rotundata ; peristom. subsimplice, adumbilicum
reflexo. Diam. 5|, altit. 4 lin. Anfr. 6|. — Ferussac's H. Oli-
vieri ß ist seiner Sammlung zufolge li. onychina Rm.
7. H. carthusianella. In Kärnten, Krain und der
Küstenprovinz sehr gemein in allen Formen, klein und gross,
flach und erhaben, mit fest geschlossenem oder mehr oder
minder geöfi'netem Nabel, so dass es schwer wird, bei manchen
Exemplaren, namentlich bei Monfalcone, wo sie mit H. car-
thusiana zusammenlebt, die Gränze zwischen diesen beiden
Arten, deren extreme Bildungen sich so entfernt stehen, scharf
zu ziehen. Ob dies vielleicht von einer Vermischung^ beider
herrührt ?
8. jff. carthusiana. Gemein bei Görz an Hecken, mit
schönem, breitem, rothem Mundsaume, zu Tausenden in der
Nähe des Meeresstrandes bei Monfalcone, sehr gross.
9. Jf.yri/ificwm. Diese sah ich noch nirgends in solcher
Menge, als im Mürzthale, unter Hunderten von hellbraunen
nur eine mit breiter Binde und eine von der weissen Spielart,
welche dann südlich von den Centralalpen mir allein vorge-
kommen ist. In Steiermark lebt sie vorzugsweise an den Zäu-
nen der Felder, während sie um Kassel nur an sehr schattigen
Stellen in unmittelbarer Wassernähe zu finden ist. — Eine schöne,
kleine, rosenrothe Spielart bei Westerhof unweit Nordheim.
10. H, circinnata Stud. Ist bei Wien an den früher
bekannten Fundorten beinahe ganz verschwunden. Dagegen
fand ich sie in ungeheurer Menge bei Heidelberg, zusammen-
lebend in allen Fornien und Farben, die früher zu den Be-
nennungen H. montana und striolata Veranlassung gegeben
haben. Auch überzeugte ich mich, dass die von mir (Symb.
p. 39) beschriebene ff. rufina Parr. sich nicht von circinnata
trennen lässt.
11. ff. umhrosa. Ueberall von Salzburg bis an die
219
Küste, variirt sehr in der Farbe. Am Mönchsberge zu Salz-
burg kommen sehr schön röthlich gefärbte Exemplare vor^
während ich sie in Berchtesgaden und anderweit nur von der
hellsten Hornfarbe fand.
12. H. allen a Zgl. ist offenbar nichts als Varietät der
rupestris. Letztere findet sich in allen Alpengegenden, wo
Kalk vorkommt, in unglaublicher Menge; nie sah ich sie an
anderen Formationen.
13. II, leucozona. Gemein in Kärnten, Krain u. s. w.
Am Ovir (bei 6600' Höhe) fand ich Rossmässler's var. ovi-
rensis gesellig mit der gewöhnlichen Form. Sollte diese Art
nicht ganz mit Draparnaud's H. edentula zusammenfallen?
Behaart ist auch H leucozona bisweilen.
14. ff. monodon. Häufig in den sogenannten Oefen der
Salza, am Watzmann, bei Hallein, Wien, Grätz.
15. II. scarhurgensis. Diese glaubte ich anfangs in
einer bei Karfreid im Isonzothale gefundenen Form zu erken-
nen, die sehr genau mit den Abbildungen jener übereinstimmt,
nach genauerer Untersuchung halte ich aber jene Exemplare
aus Illyrien für junge Individuen von Pupa pagodula.
16. H. verticillus. Wien am Kahlenberg, im Salzbur-
gischen, bei Grätz u. s. w., besonders häufig in der Gegend
vop Tarvis in Kärnten und bei Karfreid.
17. H. ruderata. In den Oefen der Salza sehr selten.
18. H. solar ia. Tritt, wie Rossmässler richtig bemerkt,
von Steyerraark an in die Stelle der rotundata. Ich fand sie
auch schon im Salzburgischen und bei Ischl, desgleichen bei
Baden (bei Wien) und in den Oefen der Salza, an beiden
letzteren Orten gemeinschaftlich mit rotundata, welche weiter
nach Süden verschwindet. Besonders gemein ist sie bei Kla-
genfurt.
19. H. variahilis. Ungeheuer häufig an den Küsten
des adriatischen Meeres, doch fand ich nie die einfarbige ko-
nische Form, welche fast als gute Art zu trennen sein möchte,
in Gesellchaft mit der flacheren, gestreiften. — H. neglecta
Dr. dürfte wohl mit ihr zusammenfallen.
20. H. ericetorum. Im Süden ziemlich selten. Eine
schöne Varietät mit unterbrochenen, orangefarbigen Binden auf
der Growniker Ebene in Kroatien.
220
21. H. candicans Zgl. (Jf. Candida Porro in litt. sec.
Zgl.). T. globoso-depressa, umbilicata, iiitide Candida, striatula;
spira vix data, apice fusca; anfractibus 5 convexis, ultimo non
descendente; umbilico mediocri, pervio; apertura magna, lunato-
rotundata, marginibus approximatis; perist. simplice. Diam. 10,
altit. 5 lin. ■ — In ungeheurer Menge bei Szigleget am Plattensee.
— Unterscheidet sich als Art dui^ch den engen Nabel, die weite
und hohe Mündung, und den nicht herabgesenkten letzten Um-
gang, ein Character, der bei H. ericetorum sehr entschieden,
aber doch übersehen ist. — Rossniässler's Fig. 519 und 520
dürften vielleicht hierher zu ziehen sein, doch ist bei beiden
die Mündung verhältnissmässig viel kleiner.
22. H. intermedia. Bewohnerin der Kalkformation, von
Arnoldstein bei Villach nach Süden und Osten bis Kroatien,
besonders gemein an Gartenmauern zu Karfreid, wo auch die
einfarbige Spielart häufig vorkommt.
23. H. Fontenillii. Ein leeres Gehäuse auf dem Gipfel
des Ovir.
24. H./oetens. Nicht selten in den Oefen der Salza,
eine grössere Varietät im Mürzthale an Kalkfelsen. Das Thier
ist nicht übelriechend.
25. H, hirta. Gemein in den Gärten bei Fiiime.
26. IL Lefehvriana. Sehr häufig in den Ritzen alter
Mauern in der Gegend von Görz, mit der folgenden gemein-
schaftlich.
21. H. planospira. In Kärnten (bei Klagenfurt), dann
häufig am Prediel, im Isonzothale. — Am Loibl kommt eine sehr
zierliche kleinere Varietät von sehr dunkler Farbe vor, unter
diesen fand ich einen glashellen Blendling ohne Spur von Binde.
28. H./rigida. An den Nagelfluhfelsen der Hollenburg
bei Klagenfurt einmal von mir gefunden.
29. H. alpin a. Am Gipfel des Ovir. Offenbar gehört
H. phülerata Zgl. dazu, denn ich fand beide in Begattung. —
Die Form mit dem Gürtel ist am Ovir bei weitem häufiger, in
der höchsteil Höhe, an Rhododendron lebend, sehr klein (aus-
gewachsen nur 8'" Durchmesser), weiter nach unten immer
grösser.
30. R holosericea. Ebenfalls am Gipfel des Ovir.
Viel kleiner als die in Sachsen vorkommende.
221
Bulimus,
1. B. radiatus. Sehr zerstreut. Bei Wien, Heidelberg^
Growniker Ebene, dann mit sehr dicht stehenden braunen Strei-
fen von Monte spaccato bei Triest, mit verwischten Flammen
bei Szigleget.
2. B, tridens. An einzelnen Stellen in vielen Gegenden
vorkommend.. Bei Kassel (im Ahnethale) wurde im vergan-
genen Jahre 1 Exemplar gefunden. Nirgends traf ich ihn häufig
an, die meisten bei Säule unweit Triest, ausserdem an einigen
Stellen des Karstes, ferner bei Klagenfurt (am Wege nach dem
Loibl), auch selten am Plattensee.
3. B. seductilis. Von mir nur auf der Growniker Ebene
unter Dorngesträuch gefunden, dort sehr häufig, veränderlicher
in der Form als selbst Pupa frumentum, bald cylindrisch ge-
streckt (Pupa lunatica), bald kurz, bauchig, von 3:^ — 6'" Länge.
Balea,
1. B,fragilis, Zu den seltneren deutschen Schnecken
zu rechnen. Bei Kassel habe ich sie erst kürzlich an Basalt-
mauern auf Wilhelmshöhe und an dem Basaltkegel Scharfen-
stein wiedergefunden. Auf meiner Reise fand ich sie nirgends,
ausser an den Basaltkuppen des Badatschon am Plattensee,
darunter Blendlinge.
Pupa.
1. P. frumentum. Von Regensburg an sehr verbreitet,
fast überall, unendlich variabel. Am gemeinsten auf dem gan-
zen Karstgebirge, wo fast keine v.ndere Schnecke lebt. — Ich
kann Drapernaud's P. variabilis nicht constant davon unter-
scheiden,
2. P. avena. Stets am Kalk, fast immer in Gesellschaft
mit H. rupestris. Verträgt die stärkste Sonnengluth.
3. P. hassiaca Pfr. Symb. p. 45. Noch immer ist es
mir nicht gelungen, ein zweites Exemplar dieser schönen Art
aufzufinden.
4. P. Rossmässleri. Nicht selten an einer einzigen
Stelle oberhalb Karfreid. Neuerdings wird diese Art als Helix
Moricandi Fer. in Anspruch genommen. Aber abgesehen da-
von, dass Ferussac letztere unter den Arten mit spindelförmigem
222
Gehäuse aufzählt und als Fundort Italien angiebt, wo P. Rossm.
noch nie gefunden ist, würde der Name doch jenem nicht wei-
chen dürfen, wenn auch die Identität zu erweisen wäre, da
H. Moricandi nur im Prodromus angeführt, aber nie beschrie-
ben oder abgebildet ist.
5. P. Truncatella Pfr. Syrab. p. 46. — Auch bei Kla-
genfurt und Laibach seitdem gefunden, durch erstem Fundort
der ächtdeutschen Fauna angehörig.
6. P. pagodula. Unbegreiflich, dass diese weit ver-
breitete Schnecke so lange übersehen wurde. Ich fand sie in
Kärnten und im Littorale sehr häufig, dann aber auch zu Ba-
den bei Wien, Ischl, in den Oefen der Salza u. s. w.
7. P.umhilicata. Sehr gemein in Monfalcone an Mauern.
8. F.triplicata. Häufig zu Mödling und Baden bei Wien.
9. P. minutissima. Baden, Mödling, auch am Platten-
see sehr häufig.
Cochlicopa.
1. C. Poireti. Gemein im Littorale, zuerst zwischen Wolt-
schach und Canale an feuchten Mauern und Hecken. Das Thier
ist schmutzig orangefarbig, auf dem Rücken grünlichbraun, die
Sohle hellgelb, die beiden Lappen des Rüssels spitz, nach unten
gerichtet, divergirend, etwas grösser als auf Ferussac's Abbildung.
Clausilia.
1. C, filograna. Für diese zierliche Art, die, wie schon
Rossmässler beobachtete, von Steyermark bis an das adriatische
Meer überall vereinzelt vorkommt, die ich auch in Kroatien
nicht selten ßind, entdeckte ich einen neuen, selbst den Wie-
nern unbekannten, interessanten Fundort, nämlich im Helenen-
thaie bei Baden, wo sie in sehr grosser Menge lebt.
2: C. Braunii. Von dieser ausgezeichneten Art fand
ich durch Herrn Professor Bronn's gefällige Nachweisung den
erst kürzlich zufällig wieder entdeckten, von Einigen bisher
bezweifelten, deutschen Wohnort. Sie ist an Weinbergsmauern
bei Weinheim sehr häufig.
3. C. Rossmässleri Pfr. Symb. p. 48. Nicht selten an
altem Gemäuer unweit Tarvis, auch auf der Höhe des Prediel
an Felsen.
223
4. C. lividaMke. Nach den speziellenAngaben der Ent-
decker und wahrscheinlich bis jetzt einzigen Finder, Dr. Mur-
ray und Kollar, sollte diese merkwürdige Art bei Szigleget am
Badatschon gesammelt sein. Leider gelang es mir, wie auch
Herrn Parreyss, bei der sorgfältigsten Untersuchung nicht, auch
nur eine Spur davon weder dort, noch anderswo zu finden,
und ich glaube, dass dieselbe aus den östlicheren Theilen Un-
garns mitgebracht sein muss.
5. C. fimhriata. Unter andern am Gipfel des Ovir ge-
funden, auch in Kroatien.
6. C ungulata. Nach Untersuchung grosser Quantitä-
ten dieser schönen Form glaube ich sie als gute Art betrach-
ten zu müssen, die sich von C. bidens durch die schlanke Form,
und besonders durch die weissgesäumte Naht constant unter-
scheidet. Am Loibl (wo ich auch einen Blendling darunter
fand) verdrängt sie die bidens ganz und gar, am Prediel fan-
den sich beide gesellig.
7. C. commutata Rm. In verschiedenen Abweichungen
häufig im Isonzothale bis nach Monfalcone.
8. C. CO st ata. Ebenda in der Gegend von Wollschach
(Ulzano).
9. C. varians» Im Lavantthale (Kärnten) an Zahlbruck-
nera paradoxa in den sogenannten Eulöfen, sowohl gefärbte
Exemplare, als Blendlinge (Cl. diaphana).
10. C. S chmidtii y{r. Symb. p. 49. Vom Prediel an im
Isonzothale häufig.
11. C.rugosa. Draparnaud's ächte Form scheint in Deutsch-
land gar nicht vorzukommen, alle sogenannten deutschen Varie-
täten gehören anderen Arten an, meist wohl der C. obtusa C. Pfr.
12. C. Bergeri. Solinach Michahelles' Angabe in einer
Höhe von 6Ü00' am Watzmann entdeckt sein. Dies ist mir
sehr unwahrscheinlich, da sie in den Oefen der Salza, wo ich
sie in grosser Menge fand, nur an den tiefsten, schattigsten
und feuchtesten Stellen lebt.
Carychium.
Dass C. lineatum Fer. nicht zu dieser Gattung derAuri-
culaceen gehört, sondern nach Thier und Deckel zu den Cy-
clostomaceen, hat Hartmann genügend erwiesen, und ich habe
224
sowohl bei Uneatum, als bei spectahile Rm. seine Beobach-
tung zu bestätigen Gelegenheit gehabt. Es blieben also nur
2 bekannte Arten für diese Gattung übrig, C. minimum und
spelaeum, wenn nicht, wie mir unzweifelhaft scheint, Say's
Fupa exigua, aus Pensylvanien, hierher gehört. Zwar ist das
Thier mir unbekannt, aber der allgemeine Habitus des Gehäu-
ses ist ganz wie bei Carychium, und zu Pupa würde die Art
nach der Mundbildung doch nicht, gezählt werden können*). —
So selten C. spelaeum (seit Rossmässler's glücklichem Funde
noch von Keinem wieder entdeckt), so weit verbreitet ist mi-
nimum» Gern hätte ich eine sehr schlanke und kleine Form,
die ich bei Karfreid fand, spezifisch davon trennen mögen, aber
die Unterschiede waren gar zu unbedeutend.
^uricula.
1. A, myosotis fand ich in grosser Menge lebend an
der Hafenmauer zu Triest in den Spalten, nahe über der Fluth-
höhe. Ob es eine Land- oder Seeschnecke ist, dürfte kaum
zu entscheiden sein. Jedenfalls athmet sie Luft, wahrschein-
lich kann sie aber auch im Wasser athmen.
2. A, Firminii, Bei Triest.
Limnaeus,
Alle Formen, die ich hier und dort in den verschieden-
sten Gewässern sammelte, Hessen sich, wenn auch als Varietä-
ten, auf die bekannten und beschriebenen Arten zurückführen,
mit Ausnahme des folgenden:
L. Ziegleri m. — T. umbilicata, ovato-acumiiiata, tenui,
pellucida, striata, pallide cornea ; spira acuta ; anfr. 5 convexiu-
sculis, ultimo spiram duplo superante, vix inflato ; apertura an-
gusta, pyriformi; margine columellari recto, ad umbilicum re-
flexo. Long. 4j, diam. 3'". Apertura 3'" longa, 1| diam. In
einem kleinen schlammigen Bache bei Fragant im Möllthale
(Oberkärnten). Aehnlich einigen Exemplaren eines Limnaeus,
*) Da die Art nicht allgemein bekannt sein dürfte, so gebe ich
eine kurze Diagnose derselben. Carychium exiguum m, T. vix
rimata, ovato-turrita, albida, hyalina; apice acute; anfr. 5 convexiu-
sculis, ultimo a longitudinis aequante; apertura ovata; perist. reflexo^
simplice; columella basi denticulata. Long, f, diam. | lin. "ijtiKt
225
den ich mit der Bezeichnung L. spurcus Zgl. aus Kroatien
durch Stenz erhielt. Da ich über die Identität nicht im Klaren
bin, so gebe ich meiner Art den Namen eines um die Kennt-
niss unserer Binnenmollusken so hochverdienten Mannes.
Planorhis.
1. P. tetragyrus Zgl. Im Plattensee.
2. P. dilatatus m. — T. superne impressa, subtus pla-
niuscula, cornea, nitidissima; sutura profunda; anfr. 4^ con-
vexis, ultimo versus aperturam dilatato; apertura obliqua, de-
pressa, suborbiculari, marginibus subreflexis, callo tenuissimo
junctis. Diam. 2, altit. f lin. — Im Plattensee bei Szigleget.
Cyclostoma,
1. C. maculatum. Von Salzburg an nach Süden sehr
verbreitet. Im Isonzothale an einigen Stellen gesellig mit C.
patulum, letzteres immer an freien, oflfnen Felsen. Bei Kla-
genfurt ist maculatum häufig unter Hecken, au schattigen Stel-
len, dagegen fehlt wieder patulum. Jedenfalls sind beide Arten
sehr gut spezifisch unterschieden.
2. C cinerascens. In der Gegend vonFiume, darunter
eins linksgewunden!
3. C. cattaroense m. — T. obtecte perforata, turbi-
nata, tenui, striata, rubella; spira acuta; anfr. 5 convexiusculis,
ultimo spiram subaequante; apertura ovali, intus aurantia; pe-
ristom. simplice; operculo nibello, paucispiro. Long. 1|, diam.
1^ lin. — Von Cattaro an Herrn Parreyss eingesandt, wo ich
es nach mehr als 3 Monaten lebend beobachtete. Es soll an
einem sehr feuchten Felsen leben, und war für eine Paludina
gehalten worden. Durch etwas Feuchtigkeit belebten sich die
Thiere leicht wieder, und ich glaube sie zu Cyclostoma zählen
zu müssen, theils nach der Form der Fühler und des Deckels,
theils weil sie in absoluter Trockenheit so lange ihre Lebens-
kraft erhalten hatten.
Acicula Hartm.
Den Namen dieser sehr entschieden zu characterisirenden
Gattung hat der Begründer derselben dreimal ohne Noth ver-
ändert. In Steinmüllers neuer Alpina 1821 Bd. 1 S. 205 stellte
Archiv f. Naturge«ch. VII. Jahrg. 1. Band. 15
226
er dieselbe unter dem Namen Acicula auf, und äusserte schon
die Vermuthung, dass das Thier wohl einen Deckel haben, und
dann die Gattung mit Acmea zusammenfallen werde. Diese,
so wie sie a. a. O. aufgestellt ist, fällt ganz weg, da sie ausser
dem Cyclost. truncatuhim Dr. nur einige Rissoen enthielt. In
Sturm's Fauna überträgt Hartmann den Namen Acme auf seine
Acicula lineata, und nimmt dann endlich (Erd- und Süsswas-
sergasteropoden 1840. H. 1 S. 1) den von Agassiz vorgeschla-
genen Namen Pupula an. — Da indessen gegen den Gattungs-
namen Acicula noch weniger einzuwenden ist, als gegen die
späteren, so dürfte derselbe, als der älteste, beizubehalten sein.
i. A. polita Hartm. Diese ist die Form, welche in
Nord-Deutschland allein vorzukommen scheint, u. a. bei Kassel
im Ahnethale, am Harze auf dem Hübichenstein u. s. w. Ob
sie sich spezifisch von lineata trennen lässt, ist mir zweifelhaft.
2. A. {CarychiumRm.) spectahilis. Für diese höchst
seltene Schnecke habe ich einen zweiten, aber auf einen sehr
geringen Umfang beschränkten Fundort entdeckt, nämlich eine
Stunde oberhalb Karfreid im Isonzothale, unter abgefallenem,
dicht liegendem Buchenlaube, in Gesellschaft mit Pupa Ross-
mässleri, pagodula etc.
Eine ebenda gefundene Form wage ich, obgleich sie aus-
gewachsen viel keiner ist, nicht von polita zu trennen.
Truncatella.
1. T. truncatula Dr. In Gesellschaft mit Auric. myos-
otis bei Triest, selten. So wie die cubanischen Arten fand
ich auch diese nur über der Wassergränze , und zwar sehr
munter kriechend.
Mit Philippi's neuerlich vorgeschlagener Erweiterung die
ser Gattung <Arch. 1841 I. S. 51) kann ich mich nicht ein-
verstanden erklären, da die kleinen Arten, deren Thiere er so
schön beobachtet und abgebildet hat, meinen Beobachtungen
nach in der Stellung der Augen wesentlich von Truncatella
abweichen. Auch abgesehen davon würde ich mich nicht ent-
schliessen können, bei so gänzlich verschiedener Bildung des
Gehäuses, auf welche ich bei Aufstellung der Gattungen im
Gegensatze zu den Familien grossen Werth lege, und nament-
lich bei so abweichender Mündungsbildung, diese Arten zu
227
Truncatella zu zählen. Zu Paludina können sie freilich nicht
gerechnet werden, wie man bisher wohl gethan hat, weil die
Stellung der Augen und die Gestalt der Fühler ihnen ihren
Platz in einer andern Familie anweist, und so würde ich lie-
ber für diese kleinen Arten, deren Thiere man kennt, eine
neue Gattung annehmen:
Paludinella, ^/
T. minuta, ovata vel depressa; apertura ovata; peristoma -^-^^ /
Simplex, subcontinuum ; operculum spiratum. — Animal v. Phi- }^,
lippi 1. c.
i. P. littorina Pfr. — Helix Delle Chiaje. — Trun-
catella littorina Phil. 1. c. p. 53 t. 5 f. 7. — An der Triester
Hafenmauer in Gesellschaft mit der früher von mir in der
Ostsee entdeckten, später auch von Amerika unter dem Namen
Turbo vestitus Say erhaltenen Littorina marmorata m. *)
Paludina.
1. P. Parreyssii m. — T. minima, imperforata, ovata,
pellucida, vitrea, solidiuscula; spira obtusa; anfr. 3j, 2 ultimis
inflatis, ultimo spiram aequante; apertura ovali, margine subin-
crassato, ad basin columellae subdenticulato; operculo cerasino.
Long. \, diam. \ lin. — DieTcleinste bis jetzt bekannte Art, dem
Cycl. pygmaeum Mich, (sicher wohl auch zu Paludina gehörig) ^
alleiftkzu vergleichen, aber durch die Farblosigkeit des Ge-
häuses, die geringere Grosse, Form der Mündung und die
zahnartige Falte an der Basis der Spindel unterschieden. Ich
benenne die Art nach dem eifrigen Forscher, dem wir schon
so viele schöne neue Arten zu verdanken haben, und der auch
diese fast unsichtbare Schnecke schon vor einigen Jahren in
dem Abflüsse der warmen Quelle zu Vöslau unweit Baden
bei Wien entdeckte. An demselben Orte fand ich sie ziem-
lich häufig lebend unter Steinen. Das Thier ist sehr lebhaft
in seinen Bewegungen, schwarz, grau oder weiss, der Rüssel
schmal, kurz, Fuss kurz, Fühler lang, haarförmig, Deckel
kirschroth.
*) Zur Gattung Paludinella gehört auch meine Paludina succtnea
von Cuba. Dieses Arch. 1840 I. 253.
15*
228
Ausserdem fand ich bei Fiume mehrere kleine, noch unbe-
schriebene Arten, deren eine unter dem Namen P. confervi-
cola Jan oder fluminensis bekannt ist. Da wir in Rossmäss-
ler's trefflicher Iconographie eine baldige Auseinandersetzung
dieser Arten zu erwarten haben, so will ich dieser nicht vor-
greifen.
Nothwendig von Paludina zu trennen ist die Gattung:
Lithoglyphus Zgl.
Sowohl das Thier, als besonders der spiralisch gewundene
kalkige Deckel erfordern diese Trennung. Ich fand die beiden
bekanntesten Arten: Palad. naticoides Fer. und /usca C. Pfr.
(welche übrigens in einander überzugehen scheinen), erstere
bei Regensburg in der Donau, selten, letztere bei Laibach in
der Ringelsza,
Melania.
1. M, Holandri Fer. Die meisten der von Rossmäss-
1er abgebildeten Formen habe ich bei Laibach gefunden; doch
möchte ich die in Form und Farbe sehr constante
2. M. afra Zgl. (Rm. X. 665) aus der Ringelsza wohl
als gute Art gelten lassen. Die Thiere stimmen aufs Vollkom-
menste mit denen der deutschen Melanopsisarten überein und
beide Gattungen gehören dicht neben einander.
Melanopsis.
1. M. Esperi Fer. In Gesellschaft mit der folgenden
sehr häufig bei Laibach.
2. M. acicularis Fer. Keine Wasserschnecke ist in
unseren Gewässern jemals in solcher ungeheuren Menge an-
zutreffen, als diese in den krainer Bächen, wo jeder Halm dicht
mit denselben besetzt ist. Das Thier ist dasselbe, wie
3. M. Audehardi Prev. Der Kopf ist schmal, der
Rüssel zweilappig, die Fühler wie dicke Borsten, grau, schwarz
geringelt, der Fuss kurz, vorn halbrund abgestutzt. — Uebri-
gens ist diese Form, die millionenweise in dem Becken der
warmen Quelle zu Vöslau lebt (das nördlichste Vorkommen
der Gattung), wohl nicht von M. acicularis zu trennen, sondern
als eine kleinere Varietät derselben zu betrachten.
229
Neritina.
1. N. danuhialis Mlf. Mke. Völlig konstant, mit C.
Pfeiffer's sehr guter Abbildung übereinstimmend, in der Donau
bei Regensburg gemein.
2. N. transversalis Zgl. Ebenda, so wenig als die
vorige mit der vielgestaltigen N. fluviatilis zu verwechseln.
3. N» strW^ulata Mlf. Mke. Häufig in Bächen um
Laibach, viel grösser als die Abbildung bei C. Pfeiffer. —
Rossmässler's N. stragulata (Fig. 121) gehört wohl kaum als
Varietät dazu. Sie heisst in Ziegler's Sammlung N. illaesa,
und soll von Grosswardein herstammen.
4. N' Prevostiana Partsch, Mke. — Bisher nur an
einem einzigen Orte, Vöslau, in Gesellschaft der Melanopsis
Audebardi, auch von mir gefunden, dort aber millionenweise.
Pisidium,
Diese, durch ein wichtiges Kennzeichen des Thieres, die
konstante Verwachsung der Siphonen, so gut characterisirte
Gattung verwirft Deshayes (p. 261) ohne Grund. Ich habe
derselben viele Aufmerksamkeit geschenkt, und nicht allein
meines verstorbenen Oheims C. Pfeiffer Beobachtungen völ-
lig bestätigt gefunden, sondern auch in der hiesigen Umge-
gend einige sehr entschieden abweichende Formen entdeckt,
die ich als gute Arten betrachten muss. Was die Lebensweise
dieser kleinen Thiere betrijQTt, so habe ich die bei Bivalven
wohl noch nicht bemerkte Erscheinung beobachtet, dass sie
die Fähigkeit haben, in einem mit Wasser gefüllten Glase an
der senkrechten, glatten Wand schrittweise emporzukriechen.
— lieber die Identität des Pisid, fontinale und ohtusale C.
Pfr. mit Cyclas fontinal. Dr. und Cycl. ohtusalis Lam. ist
es mir noch nicht gelungen, völlig ins Klare zu kommen, da
die Typen beider Gattungen, die ich sowohl in der Drapar-
naudschen (jetzt im Wiener Museum befindlichen) als in der
Lamarckschen Sammlung in Paris kennen zu lernen mich be-
strebte, ziemlich unkenntlich sind.*)
*) Ich bereite gegenwärtig eine Monographie dieser kleinen Gat-
tung vor, zu welcher es mir noch an einigem authentischen Material
fehlt, darum folgen hier nur einige vorläufige Notizen.
230
1. P. duplicatum m. — T. subinaequilatera, ovata, tu-
mida, griseo-albida, nitida, minutissime striata, margine postico
breviore; umbonibus valde inflatis, circumscriptis, rugosis. —
Long. 1|, alt. i\, crass. 1 lin. — In einem Teiche auf dem
Gipfel des Basaltberges bei Burghasungen, 4 Stunden von Kas-
sel. Sehr ausgezeichnet durch die von dem übrigen Theile der
Muschel scharf abgegränzte Auftreibung d^Urijibonen, wo-
durch dieselbe das Ansehen erhält, als sässe oben darauf noch
eine kleine Muschel, Diese Art scheint mit der mir unbekann-
ten Cyclas appendiculata Turt. verwandt zu sein.
2. P. acutum m. — - T. valde inaequilatera, antice retusa^
tumidiuscula, griseo-flavicante, minutim striata, nitida; umboni-
bus acutis. — Long. 2|, alt, 2, crass. 1^ lin, — - Aus einem
kleinen Bache in der Aue bei Kassel. Vielleicht ist dies die
Cyclas fontinalis var, / maj, Dr. f. 12, Durch die beträcht-
liche Ungleichheit des vordem und hintern Randes steht diese
Muschel dem Pis. obliquum näher, als dem P. fontinale.
3. P. ohliquum. In ungeheurer Menge und ausgezeich-
neter Grösse und Schönheit in der Spree bei Berlin. In der
Jugend sehr platt, fast glashell und durchsichtig, erreichen sie
dort eine Länge von 6, eine Höhe von 4^ und eine Dicke von
2^ Lin., also beträchtlich mehr, als die von Draparnaud und
C. Pfeiffer angegebenen Maasse. Auch sind sie dort viel ungleich-
seitiger, als nach den vorhandenen Abbildungen, doch aber
wohl nicht spezifisch zu trennen.
lieber die Fortpflanzungsweise des Aals.
Aus einer brieflichen Mittheilung
Ton
Dr. J. C. H. Creplin,
Ueber die in dem Ichthyol. Jahresberichte für 1839 er-
wähnte Notiz des Herrn de Joannis von einem angeblichen
Lebendiggebären des Aals habe ich mich schon vor zwei Jahren
231
geäussert, aber in einer Zeitschrift, Sundine, welche nicht eben
vielen Naturforschern zu Händen kommen mag. Meine dortige
Mittheilung lautet:
„Der als Naturforscher bekannte französiche Marine-Lieute-
nant de Joannis hat vor einigen Monaten der Pariser Aka-
demie der Wissenschaften eine Abhandlung eingereicht, in wel-
cher er, nebst mehrerem Andern, die Naturgeschichte des Aals
betreffend, darlegen will, dass dieser lebendiggebärend sei.
Pas Institut macht hiervon (No. 270, 28. Febr. 1839) Anzeige
und führt aus der Abhandlung eine dem Verfasser von einem
Bauer e-rzählte Geschichte an, zufolge deren dieser einen
grossen, dicken Aal zwischen zwei Schüsseln aufbewahrte, wel-
cher dort etwa 200 — angebliche — Junge von 1:^ — 2 Zoll
Länge und Fadendicke, mit deutlichen Augen, wie grossen
schwarzen Puncten, gebar. Der Verf. soll auf diese Erzählung
zum Beweise der obigen Behauptung grosses Gewicht legen,
wogegen Referent indessen bemerken will, dass dieselbe wahr-
scheinlich nur wiederum ein Beispiel derjenigen Täuschung ab-
giebt, welche oft dem After des Aals entschlüpfte Eingeweide-
würmer, die dieser häufig im Darme beherbergt, für seine Jun-
gen zu nehmen veranlasst hat.
Es ist durch Cuvier undRathke bekannt, dass die Eier-
stöcke des Aalweibchens ein aus zwei bandförmigen, nach der
Quere manschettenartig gefalteten Platten gebildetes Organ dar-
stellen, welches mit dem einen Rande an die Rücken wand der
Leibeshöhle und zum Theil an die Schwimmblase geheftet, mit
dem andern Rande aber gegen die Bauch wand gekehrt und
so lang ist, dass es fast die ganze Rumpfhöhle der Länge nach
durchläuft. Diese Eierstöcke, weiss von Farbe, enthalten in
ihrem zelligen Gewebe viel flüssiges Fett und zwischen den
Fettkügelehen eine unzählige Menge von Eiern zerstreut, die
alle so klein sind, dass Rathke die grösseren (von ihm im
Mai und Junius gemessenen) nur vom Durchmesser des fünf-
zehnten Theiles einer Linie fand. Es giebt dort keine Eileiter,
und zum Austritte der Eier (oder Jungen) aus dem Leibe des
Mutter -Aals können nur zwei, neben der After- und Harn-
öffnung liegende Ausgänge dienen, welche Rathke so fein
fand, dass er nur eine sehr dünne Sonde hindurchbringen
konnte, und auch dies erst, nachdem er die innern Oeffnungen
2:3Q
durch zwei feine Zangen erweitert hatte. Hieraus, und da
man keine andere Oeffnung aus der Bauchhöhle nach Aussen
findet, ergiebt sich, dass der Aal entweder nur die Eier aus-
laichen könne, oder Jungen von mikroskopischer Kleinheit
gebären müsse, die der französische Bauer, wäre es ihm wirk-
lich zu Theil geworden, in seinem Hause eine Aalgeburt zu
erleben, schwerlich unterschieden haben würde, als er seinen
Aal zum Kochen aus der Schüssel nahm. Es ist überhaupt
wohl begreiflich, dass, wenn der Aal Junge im Leibe trüge
von ly — 2 Zoll Länge und Verhältnissmässiger Dicke, die alte
Ungewissheit, ob der Aal laiche oder lebendige Junge gebäre,
niemals enstanden sein würde.
Fernere mikroskopische Untersuchungen lassen, bei der
Forschbegierde jetziger Zeit, wohl einen baldigen und völligen
Aufschluss über diese Sache erwarten. Sollten jene nicht er-
geben, dass die Jungen den so sehr kleinen Eiern schon im
Mutterleibe entschlüpfen, welches aus mancher Rücksicht un-
wahrscheinlich ist, so würden wohl die gelaichten Eier in einem
schleimichten und fetten Stoff gehüllt, welcher ihnen Schutz
und Befestigung gewährte, den Jungen aber die erste Nah-
rung darböte, an unter Wasser stehenden Pflanzen, Steinen u. s. w.
sitzend aufzufinden sein. Dieser Laich selbst dürfte die Veran-
lassung zu der Aussage des Plinius gegeben haben: „Anguil-
lae atterunt se scopulis; ea strigmenta viviscunt; nee alia est
earum procreatio." Sonach hätten denn schon die Alten —
nicht die Eier des Aals, auch nicht sein Laiehen, aber — das
Hervorkommen der Jungen aus seinem Laiche beobachtet.
Yarrell soll bereits vor einigen Jahren, nach 15-monat-
lichen Sectionen, herausgebracht haben, dass der Aal eier-
legend sei, wie die meisten anderen Fische, auch die junge
Brut weiter beobachtet haben; doch ist dem Referenten das
Nähere über die Forschungen jenes Gelehrten und deren Er-
gebnisse nicht bekannt." (Sund ine, Jahrgang XIIL, 1839,
Nr. 19, Seite 148).
Es leidet bei mir gar keinen Zweifel, dass die angeblichen
Aeichen Spulwürmer (Asc. labiata Rud.) waren. Die schwar-
zen Augen, welche der französische Bauer an diesen Würmern
gesehen, haben will, beruhen entweder auf Täuschung oder sind
«in Zusatz .von ihm. Dem hiesigen Zool. Museum wurden vor
233
einigen Jahren einmal solche vorgebliche Aaljunge zugebracht,
die ich gleich als — sehr schöne und grosse — Exemplare
von Ascaris labiata zur Sammlung stellte. Ekström spricht
auch (die Fische in den Scheeren von Morkö, S. 150) von
dergleichen Täuschungen nicksichtlich der Aalbrut. Er fand
als angebliche Junge des Aals Echinorrhynchus tereticollis Rud.
Dieser wird aber bekanntlich nicht so gross als die Würmer
in der französischen Geschichte waren. — Junge Aale von
11—2 Zoll Länge müssen auch nothwendig stärker als von
Fadendicke sein.
Greifswajd, den 4. August 1841.
lieber den Bau und die Lebensweise zweier an
der Kiefer lebenden Gallmücken-Larven.
Von
Prof. J. Th. Ch. Ratzeburg.
Hierzu Taf. X.
Unter den wenigen Mücken, welche sich in oder an leben-
den Gewächsen entwickeln, giebt es zwei an der Kiefer (Pinus
sylvestris) lebende, in mancherlei Hinsicht sehr interessante
Arten. Beide gehören der Meigen'schen Gattung Cecido-
jnyia an. Auf die eine, C. pini, hat uns schon De Geer
aufmerksam gemacht (Uebers. v. Goetze Bd. VI. S. 156 und
Taf. 26 Fig. 9-, 11 — 19), die andere vom Förster Zimmer
entdeckte, ist von Schwägrichen als C. hrachyntera be-
schrieben (Pfeil's kritische Blätter für Forst- und Jagdwissen-
schaft Bd. IX. Hft. 1. S. 162 und Bd. X. H. 1. S. 102 u. f.).
Auch dürfen wir Bouche nicht übergehen, welcher in seiner
reichhaltigen Naturgeschichte der Insecten (Iste Lief. S. 26
Berl. 1834) C pini abhandelt. M eigen in seinem bekannten
systematischen Werke giebt nichts Neues, und noch weniger
einige andere unbedeutende Werke. In Hart ig' s forstlichem
Und forstnaturwiss. Conversations-Lexicon, wo wir gewohnt sind
234
so viel Originelles zu finden, ist nichts Eigenes über diese
Mücken enthalten. Unter C, pini ist darin die in Pfeil's
krit. Blatt, beschriebene (also Irachynterd) aufgeführt.
Beide sind also von tüchtigen Männern nicht bloss be-
schrieben und abgebildet, sondern auch über ihre Lebensweise
ist mehr, als über das Verhalten vieler andern Insecten bekannt
geworden. Aber gerade einige sehr wichtige Puncte blieben
noch dunkel; ich bemerkte daher mit Vergnügen, dass sich
beide Arten seit einiger Zeit, nachdem sie lange Zeit sehr sel-
ten gewesen waren, wieder merklich vermehrten; ich benutze
gleich den Anfang des Winters, um die nun ausgebildeten Lar-
ven vorzunehmen, in der Hoffnung, dass mir auch die noch
folgenden Stände sicher sind.
Die genannten Schriftsteller haben zwar nicht nur die
Imagines, sondern auch die Larven gekannt; allein es sind bei
diesen viele, wie mir scheint, sogar die wichtigsten Dinge von
ihnen übersehen, oder auch ganz falsch gedeutet worden. Vie-
les habe ich allerdings wohl auch übersehen und auch übersehen
müssen; denn eine vollständige Anatomie des ausserordentlich
kleinen Thieres, die nur mit Hülfe des Compositums hätte
durchgeführt werden können, würde sehr viel Zeit erfordert
haben*). Was ich aber gesehen habe, glaube ich auch ordent-
lich gesehen zu haben. Nirgends Hess ich es bei einmaligem
*) So viel es irgend möglich war, habe ich mich für die Be-
schreibungen und Abbildungen des Simplex bedient, namentlich um
die Verhältnisse und Formen der Haupttheile zu bestimmen, ist dies
durchaus nöthig. Wo es aber über diese hinausging, da musste ich
das zusammengesetzte Mikroskop zu Hülfe nehmen. Mit den ganz
schwachen Vergrösserungen (30 — 50mal) Hess sich auch wohl das
unverletzte Thier betrachten; so wie es aber auf die Untersuchung
der Haare, Luftlöcher, Mundtheile und dergl. ankam, Hess sich an
dem fleischigen, meist ganz undurchsichtigen Körper nichts mehr mit
Deutlichkeit erkennen, und ich war genöthigt ihn zwischen dem Glas-
quetscher zu zerdrücken. Alle flüssigen Theile entleeren sich an einer
kleinen Stelle, und, nachdem diese sorgfältig mit einem feinen Pinsel
weggespült und abgewaschen sind, bleiben die äussern Hüllen und
die festen Theile fast ganz und gar wohl erhalten auf dem^Object-
träger zurück, und man sieht, wenn auch Alles zusammengedrückt ist,
doch das Meiste an seiner rechten Stelle. Was sich etwa verschoben
hat, kann man sehr leicht mit Hülfe der schon unter dem einfachen
Mikroskop erlangten Kenntniss beurtheilen.
I
235
Sehen bewenden, sondern ich wiederholte die Beobachtung
immer mehrere Male und zwar mit verschiedenen Vergrösse-
rungen und bei verschiedener Beleuchtung. So verschwanden
z. B. bei der Betrachtung mit dem Mikroskop die Haare, wel-
che ich unter der Lupe gesehen zu haben glaubte, und unter
dem Mikroskop sah ich wiederum Haare an Stellen, welche
unter der Lupe ganz unbehaart erschienen. Im Verlaufe der
Abhandlung werde ich noch besonders angeben, wo sich mir
ungewöhnliche Schwierigkeiten der Beobachtung darboten.
Ich werde mit der Beschreibung der Larven den Anfang
machen, und dann später zu den interessanten Zügen der Le-
bensweise übergehen, welche früher noch nicht bekannt waren.
Was mir zuerst auffiel, und was gewiss für die Meta-
morphose der Dipteren von nicht geringer Wichtigkeit sein
möchte, das ist die grosse Verschiedenheit in der Bildung
beider Larven, welche ich fand. Noch in keiner Ordnung habe
ich unter den Arten einer so kleinen und in sich abgeschlos-
senen Gattung so auffallende Abweichung unter den ersten
Ständen gefunden. Bei dem ersten Blicke auf die beiden stark
vergrösserten Figuren 2 und 12 wird man Thiere aus ganz
verschiedenen Abtheilungen zu sehen glauben. In der That
haben sie nur die ganze Form, die Zahl der Ringe, die son-
derbare dottergelbe Farbe gemein. In der Bildung der Mund-
theile kommen schon merkliche Abweichungen vor, und hin-
sichtlich der Bekleidung der Haut und der Luftlöcher endlich
finden sich die auffallendsten Verschiedenheiten bei Beiden.
Die Form der ganzen Larve ist bei beiden Arten ver-
schieden, je nachdem sie kriecht und den Kopftheil vorstreckt,
oder sich in sich selbst zusammenzieht: im erstem Falle er-
scheint sie linien- lanzettförmig, im letztern (von Schwäg-
riehen bei C. hrachyntera, und von De Geer bei C. Pini
abgebildeten) Falle mehr länglich-lanzettförmig. Den erstem Zu-
stand muss man beobachten, um die Zahl der Segmente ordentlich
kernen zu lernen*). Man bemerkt dann deutlich 14 solcher
bei beiden Arten. Allenfalls Hessen sich diese auf 12reduciren,
*) Will das Thier nicht von selbst kriechen, so darf man es nur
zwischen 2 Finger nehmen und sanft von hinten nach vorn drücken,
dann treten alle Segmente deutlich hervor.
236
wenn man diese heilige Zahl bei allen Insecten durchführen
wollte; man dürfte dann nur den Aftertheil nicht mitzählen,
und die beiden ersten kleinern zusammen zum Kopftheile
rechnen. Das wäre aber offenbar eine sehr gezwungene Rech-
nung. Viel natürlicher ist es, für die Larven bald nur 12 Seg-
mente (wie bei den Fliegen), bald 13 (wie bei den meisten
Insecten), oder gar 14 (wie in dem vorliegenden Falle) an-
zunehmen. Bei den 12- und 13-theiligen bildet der Kopf oder
Kopftheil immer einen einzigen Abschnitt, bei den 14-theiligen
aber besteht er aus zweien*). Bei dem Imago nimmt Nie-
mand Anstand, eine den verschiedenen Insectenabtheilungen
verschiedene Zahl von Segmenten zu statuiren.
Ueber das letzte Segment könnte man noch in Zweifel
sein. Als solches ist bei C. pini der Theil zu nehmen, wel-
cher aus den beiden Tracheen-Endigungen und den beiden dar-
unter liegenden Nachschieber-Ballen zusammengesetzt ist (F. 5),
bei C. hrachyntera aber ist es in F. 12 der letzte zurückge-
drückte Theil, an welchem auf der untern und hintern Seite
die beiden fast kegelförmigen Körperdien (F. 16), die Analoga
der Tracheen-Endigungen, befestigt sind.
Die Zahl der Luftlöcher ist, wie bei allen mir bekannten
Insectenlarven 18, d. h. es finden sich 9 Paare. Auch darin
herrscht voilkommne Uebereinstimmung, dass nach dem, das
erste Paar tragenden, und desshalb auch für den ersten Kör-
perring (Brustring) zu haltenden Abschnitte, zwei Körperringe
(2. und 3. Brustring) folgen, welche kein Luftloch haben. Nun
aber tritt eine sehr merkwürdige Verschiedenheit beider Arten
insofern ein, als bei C. hrachyntera vom 4. bis 11. Körper-
*) Bei meinen ersten Beobachtungen glaubte ich sogar 3 Segmente
des Kopftheiles zu erkennen. Bald wurde ich aber misstrauisch da-
gegen, und bei günstigerm Lichte zeigte es sich auch deutlich, dass
der Kopftheil nur 2 Abschnitte hat: den ganz weichen und den mit
dem Kopfskelet verwachsenen. Während des Kriechens ist die Larve
sehr unruhig und wechselt fortwährend damit ab, dass sie das Horn-
skelet des Kopfes hervorstreckt und wieder in den weichen Theil
einzieht. Der letztere bekommt, indem er in sich selbst umstülpt,
in einem gewissen Momente eine Querfalte, als wenn er aus zwei
Abschnitten bestände. Diese werden aber gänzlich verstrichen, »o
wie das Hornskelet ganz daraus hervortritt.
Ä
237
ringe 8 Luftlochpaare hinter einander folgen (F. 12), wäh-
rend bei C. Pini nur 7 hinter einander (vom 4. bis 10. Ringe)
folgen (F. 2) und das letzte Paar in die das letzte Segment
bildenden eigenthümlichen Körperchen hineingeht (in F. 8 be-
sonders abgebildet). Man sieht hier deutlich, wie die beiden
Hauptstränge der Tracheen (welche ich F. 2 in ihrem ganzen
Verlaufe durchschimmern Hess) in dem kegelförmigen, horni-
gen, mit den sonderbaren 4 Borsten besetzten Körper endigen,
während bei C. hrachynfera zwar noch ein Paar stumpfer
Hornkegel an dieser Stelle stehen (F. 16), aber keine Tracheen
aufnehmen*). Beim Kriechen gebraucht das Thier diese Theile
nicht, indem nur die beiden Nachschieberballen angedrückt, die
beiden Stigmatenenden aber immer frei getragen werden (siehe
auch F. 5) Eines merkwürdigen Theiles (Brustbein?) muss ich
noch erwähnen, den man bfi starker Vergrösserung in der unter
F. 4 angedeuteten Form immer in der Nähe des Kopfskelets
schimmern sieht. Er hat eine auflfallend gelbe Farbe und scheint
von knorplichter Consistenz zu sein. Betrachtet man das Thier
mit einer guten Lupe von der Unterseite, so bemerkt man jenen
Theil in der Mittellinie des sogenannten ersten Ringes, nach
vorn bis zu der halbmondförmigen Falte reichend (s. F. 3).
Diese halbmondförmige Falte des ersten Ringes ist dazu
da, damit derselbe desto leichter den Kopftheil, welcher sich
wie das Glied eines Fernrohres einzieht, aufnehmen könne.
Der wichtigste Abschnitt des Kopf theil es**) ist der
vordere, das Skelet enthaltende***). Man darf nur die
*) Bouche (a. a. O. Taf U. F. 16) bildet bei seiner C. Salicis
11 Paare von Stigmenpuncten ab, so wie er überhaupt an mehreren
andern Figuren auch dem 2. und 3. Ringe ein Stigma giebt. Das be-
ruht gewiss auf einem Irrthum.
**) An dem weichen Abschnitte desselben bilden sich wahrschein-
lich gegen die Zeit der Verpuppung die Fühler und die Augen.
***) Die Untersuchung desselben verursacht die meisten Schwierig-
keiten. 'Es muss wenigstens eine Vergrösserung von 300 — SOOmal
dazu angewendet werden; und wenn man dabei nicht das Object dreht
und rollt, um es von allen Seiten zu sehen, so erhält man keine deut-
liche Vorstellung von dem zusammengesetzten Baue. Dabei brechen
aber die hornigen Theile leicht entzwei^ und die dieselben verbinden-
den Häute reissen. Aus solchen Bruchstücken kann man also leicht
ein falsches Bild zusammensetzen, Das meinige ist aus den Resulta-
238
Miindtheile in demselben suchen. Aber welche? Mir ist keine
Larve bekannt, welche einen ähnlichen Apparat hätte. Verge-
bens suche ich nach einem Analogon der Oberkiefer, welche
bei den Fliegen z. B. so schön und deutlich in den beiden
aus dem Kopfe hervorragenden Haken hervortreten. Bei der
C. hrachyntera (F. 12) war es mir zwar einmal so, als trä-
ten 2 dreieckig-halbmondförmige Kiefer aus der zelligen Masse
der Lippen hervor (die ich auch in der Zeichnung andeutete),
allein sie waren so hell und durchsichtig, dass ich sie eben so
gut für zerquetschte Stücke der weichen Lippe halten konnte;
auch konnte ich sie bei wiederholter Beobachtung nicht wie-
der so zu sehen bekommen.
Nur die Stelle der Unterkiefer möchte durch die beiden
2gliedrigen Körperchen angedeutet sein, welche jederseits in
einem Anschnitte am obersten Ende des Skeletes stehen. Ich
halte sie für Taster*). Das untere, sehr dicke Glied bildet
öfters eine kleine Falte und erscheint daher öfters 2gliedrig;
an dem walzig-kegelförmigen entsteht dagegen nur selten der
Schein der Zweigliedrigkeit. Von Haarbildung ist nicht eine
Spur daran.
Die Theile des Hornskelets selbst weiss ich durchaus nicht
zu deuten. Es besteht aus 2 Hälften, an welchen wir den
Körper und den Schenkel unterscheiden könnten. Das Wun-
derlichste daran, das mir auch bei andern Larven noch nicht
vorkam, ist der hornige Bogen, welcher vom Körper nach
vorn geschickt wird, und einen Schlundring bildet, wie wir
ihn bei vielen ausgebildeten Insecten durch das erste Ganglion
(Gehirn) entstehen sehen.
Beide Larven weichen in der Bildung dieses Skelets
ten vieler Beobachtungen hervorgegangen, und ich glaube nicht, bedeu-
tende Fehler begangen zu haben, wenn nicht etwa zufällig Jemand
die nicht ganz leicht auszuführende perspectivische Darstellung miss-
versteht, ich zog sie der reinen Profilansicht vor.
*) Bouche (a. a.O. p. 27 und Taf. II. F. 16, 17) bildet bei C.Sa-
h'ds2 lange dünne Körperchen am Kopfe ab, welche aus einem Gliede
und einem Haare bestehen, und von ihm „Fühler" genannt werden.
Sollten diese Theile nicht meinen Tastern entsprechen? B. hat sie
nicht bei so starker Vergrösserung gesehen, wie ich, wesshalb denn
auch wohl das Hornskelet, welches bei C. Salicis gewiss nicht fehlt,
nicht zum Vorschein kommt.
239
wieder sehr auffallend von einander ab. Bei C, pini (s. F. 9
das Profil etwas zur Bauchlage gewendet) sind alle hornigen
Theile fest und circumscript. Der Körper hat 2 gegen einan-
der gekehrte, in obern Ausschnitt den Taster führende Bogen,
und dann die Schlundbogenhälfte. An der Basis, wo sie zu-
sammenkommen, entsteht ein Schatten, welcher darauf hindeu-
tet, dass der Schenkel hohl ist (fast wie das spornförmige
nectarium von Linaria vulgaris). Die Zwischenräume zwi-
schen den Schenkeln sind durch eine feine, ausgespannte Mem*
bran ausgefüllt. An der Unterseite, vor den Tastern, liegt eine
dicke Wulst, welche paarig und mit sehr kleinen Wärzchen
besetzt zu sein scheint. Wahrscheinlich vertritt sie die Stelle
einer Lippe und spielt beim Saugen dadurch, dass sie fest an-
gedrückt wird, eine wichtige Rolle. Sollte es sich bestätigen,
dass ein Paar hakenförmiger Theile darin steckt, so würde
sie in deren Aufbewahrung ihre vorzüglichste Wichtigkeit er-
langen.
Bei C. hrachyntera (s, F. 13 in der Bauchlage und F. 14
das Profil etwas zur Rückenlage gewendet) ist der ganze Appa-
rat viel kleiner. Nur der Körper des Skelets ist fest und cir-
cumscript, die Schenkel dagegen, die ich nur der Deutlichkeit
wegen sehr bestimmt zeichnete, haben am Ende kaum wahr-
nehmbare Contouren. Der Schlund ring (s. F. 13, 14 «) ist
auffallend breit, und die beiden andern, das Oval bei C* pini
bildenden Schenkel sieht man gar nicht. Indessen bemerkte
ich einmal deutlich einen im rechten Winkel vom Schlundringe
abgehenden, breiten, hornigen Bogen. Er schien mir inner-
halb der wulstigen Lippe zu liegen, wesshalb ich ihn früher
auch wohl übersehen haben konnte. Die ausgespannte etwas
gelb gefärbte Membran legt sich dicht an die Schenkel. Viel-
leicht enthält sie Muskelfasern, und dient zur Annäherung und
Entfernung der einzelnen Theile des Kopfskelets an einander.
Nothwendig ist eine solche Bewegung gar sehr, denn man
sieht durch die Lupe, dass bei dem unaufhörlichen Hervor-
und Zurückstülpen des Kopftheiis das Skelet alle diese Be-
wegungen mitmacht, und überdies auch mit grosser Leichtig-
keit halb um seine Axe bewegt wird, als wenn es fortwährend
tanzte. Desto auffallender war es mir, bei dem später zu er-
wähnenden Saugen der Larve von C, pini an der Nadel gär
240
keine Bewegung des Skelets wahrnehmen zu können. Es
war während dieses Aktes so gestellt, dass ich die beiden das
Oval bildenden Schenkel deutlich und vollständig bemerken
konnte; von diesen also konnte nichts in die Nadel eingedrun-
gen sein. Eher wäre es möglich, dass die Enden der beiden
Schenkel, welche den Schlundring bilden, in das Zellgewebe
eindringen; denn ich konnte von jenen nichts bemerken*).
Dass die Larve aber saugt, und zwar grüne Pflanzensäfte saugt,
das sieht man an dem stets grün durchschimmernden Magen.
' Ich gehe nun zur äussern Bekleidung der Larven über.
Auch in dieser zeigt sich die Verschiedenheit beider sehr auf-
fallend. An der C hrachyntera ist nicht eine Spur von Haarbil-
dung zu entdecken! Dagegen ist der grösste Theil der Larve
mit kleinen, nur bei 200 — SOOmaliger Vergrösserung deutlich
zu bemerkenden, unter der Lupe nur schwach schimmernden
Wärzchen bedeckt, welche nach hinten gerichtet sind und an
die ähnlich gestalteten und gerichteten kleinen Fortsätze bei
den versteckt lebenden Raupen {Cossus^ Sesia, Coccyx) er-
innern. Wahrscheinlich helfen sie dem Thiere, wenn es sich
aus seinem Verstecke zwischen der Nadel-Basis hervorschiebt.
F. 15 zeigt den grössern Theil eines der mittlem Ringe: die
Reihen der Wärzchen sind meist abgebrochen, und werden
nach hinten kürzer. An den hintersten Ringen werden der
Reihen immer weniger. Auf der andern Seite sind die Reihen
nicht so unterbrochen, und hier findet man auch den hintern
Theil eines jeden Ringes ganz ohne diese Wärzchen.
C. Fini hat die mannigfaltigste Bildung von Fortsätzen,
die man sich nur denken kann. Die merkwürdigsten unter
diesen sind die in F. 2 sogleich in die Augen fallenden dop-
pelarmigen, zugespitzten Blasen in der Mitte des Rückens, und
die kleineren, ähnlichen an den Seiten der Larve neben den
Luftlöchern; besonders steht die innere so n, he andemAussen-
rande der Luftlöcher, dass man sie mit diesen gemeinschaftlich
bewegen kann. Es ist mir noch nichts ähnliches vorgekom-
men, wenn man nichts etwa an die merkwürdige Schwanzblase
*) Das Mikroskop liess sich bei der ungünstigen Stellung des
Thieres nicht benutzen, es fiel kaum so viel Licht zwischen Blatt und
Karve, dass ich die Lupe gebrauchen konnte.
241
bei der Larve von Lymexylon navalc denkt, die offenbar
auch auf die Fortbewegung berechnet ist. Beim Zerquetschen
des Thieres blieben die Blasen sämmtlich ganz und waren
wasserhell. Das Haar an der Spitze jeden Armes erschien
dann auch nur an der Spitze, obgleich es mir bei der Betrach-
tung mit der Lupe so vorgekommen war, als reiche seine Ba-
sis bis in die Blase hinein (wie ich dies hier und da in der
Zeichnung andeutete). Wunderbar ist es, dass diese merkwür-
digen Fortsätze an den 3 ersten Ringen fehlen. Diese Aus-
zeichnung, zusammengenommen mit der Vertheilung der Luft-
löcher, spricht unwiderleglich dafür, dass jene 3 Ringe zum
Thorax gehören. De Geer bildet diese Blasen ab, sagt aber
dazu: „An den Larven sind 2 Reihen knorpelartiger Füsse,
7 in jeder Reihe, vielleicht noch mehre." Ich nehme es ihm
nicht übel, dass er das Oben und Unten an dem Thiere ver-
wechselt hat; denn es hat mich ziemlich viel Zeit gekostet,
ehe ich mit Hülfe der Bildung der Mundtheile und der Stig-
mata zur richtigen Ansicht gelangte. Bei Bouche (a. a. O.
p. 26) heisst es: „Nach Degeer hat die Larve auf jeder Seite
7 knorplige Bauchfüsse, welche ich nicht entdecken kann.'' Es
geht aber aus Bouche's Beschreibung hervor, dass er nicht
die De Geer'sche Larve, sondern die von C. hrachyntera vor
sich hatte.
Ausser den an der Spitze dieser Blasen befindlichen Haa-
ren finden wir aber noch andere regelmässig vertheilte ein-
zelne Haare. Zwei stehen auf der kleinen, zwischen den bei-
den zweiarmigen Blasen, am Hinterrande des 4. bis 10. Ringes
befindlichen Wulst (Keilwulst). Diesen entsprechen die beiden
sehr feinen Härchen auf dem 1 — 3. Ringe neben der Mittel-
linie, nur dass sie nicht auf der, auch an diesen bemerkbaren
Keilwulst stehen, sondern fast auf der Mitte (auf der Haupt-
wulst). Nach aussen von diesen beiden Härchen stehen auf
dem 1 — 3. Ringe jederseits 2 etwas stärkere, welche den bei-
den auf der 2armigen Blase entspringenden sicher entsprechen.
Endlich stehen auch noch 2 Härchen jederseits am Rande des
1. bis 3. Ringes, das hinterste von beiden auf dem 2. und 3. Ringe
auf einer schwach blasigen Basis, die ich am 1. Ringe nicht
finden kann.
Auch die Analoga der Wärzchen-Reihen von C. hrachyn-
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrf-. 1. Band. Iß
242
tera finden sich bei C. pinif jedoch nur am Vorderran^e eines
jeden Ringes, auch gestalten sie sich zu wahren Haaren, jedoch
von verschiedener Länge (s. F. 10 aus verschiedenen Ringen
entnommen).
Die Puppe von Cecidomyia pini (F. 11) hat 1,1 Linien
Länge und ist wenig gestreckt. Der Kopf gross, schmaler
als der Rumpf, stark in den letztern zurückgezogen. Mund-
theile wenig vorragend, die Taster zur Seite unter den Unter-
rand des Kopfes gebogen, lieber den Augen beginnen die
Fühler mit einem gehörnten, an der Innenseite ein Härchen
tragenden Fortsatze, und gehen am Aussenrande der Augen
und zwischen dem obern Flügelrande und den Schienen des
ersten Fusspaares leicht geschwungen herab. Die beiden (in
der Vorderansicht gezeichneten) hakenförmigen Haare stehen
am Vorderrande des Rumpfes. Flügel etwa bis zur Mitte des
Körpers herabreichend, stumpf, schwach gerippt. Nur vom
ersten Fusspaare sind Hüfte, Schenkel und Schienen zu sehen;
die Tarsen desselben bis zum drittletzten Hinterleibsringe herab-
steigend. Von den beiden hintersten Fusspaaren sind nur die
Tarsen zu sehen, die des letzten Paares bis zum vorletzten
Ringe gehend. Haare, ausser den bemerkten, weiter nicht vor-
handen. Farbe röthlichbraun , am Rumpfe und Kopfe, so wie
an den Gliedern dunkler als am Hinterleibe.
Ueber die Lebensweise der C, hrachyntej^a sind die
schätzbaren Beobachtungen von Zimmer bereits in Pfeil's krit.
Blätter a. a. O. mitgetheilt. Ich will, das Ausführlichere, wel-
ches nicht hierher gehört, vermeidend, nur folgendes davon er-
wähnen. Die Mücke sticht, so wie sich der Maitrieb hervor-
schiebt, die Nadeln, noch ehe sie ganz entblösst sind, an der
Basis an, und legt ein oder mehrere Eier hinein. Die Larven
entwickeln sich zwischen den beiden Nadeln, innerhalb der
Vaginula, und halten dadurch, dass sie durch Aushöhlung der
Basis beider Nadeln einen krankhaften Reiz bewirken, diese
im Wüchse so zurück, dass man sie, sobald im Herbst die ge-
sunden Nadeln vollständig ausgebildet sind, schon von weitem
an der Kürze und der bleichen, strohlgelben oder bräunlichen
Farbe erkennt. Während des Winters kriechen die Larven
hervor und fallen allein oder mit den nur äusserst lose sitzen-
243
den Nadeln zur Erde, wo sie sich in der Streu im Frühjahre
verpuppen.
lieber C.pini ist aber wenig mehr bekannt geworden, als
De Geer schon wusste: dass nemlich die Larve im Winter
in einem kleinen Harz-Cocon an den Nadeln klebend gefunden
wird, und dass sich im Mai die Mücke aus jenem hervor-
arbeitet. Da ich die kleinen Tönnchen früher immer nur sehr
sparsam fand, und die sehr schwer herauszubringenden Larven
— wie darüber De Geer schon klagt — kaum zu einer dürf-
tigen Zergliederung hinreichten, so war auch an Erweiterung
der Kenntniss der Lebensweise nicht zu denken. Im gegen-
wärtigen Winter konnte ich indessen einen ansehnlichen Vor-
rath von Cocons sammeln, und sowohl für die Anatomie, als
auch für verschiedene Versuche eine Anzahl opfern. Es war da-
her meine erste Sorge, einige unverletzte Larven blosszulegen.
Mit einer sehr spitzen Nadel wurden Stückchen für Stückchen
von dem Harzcocon abgebrochen, und dann auch die an der
Larve etwa noch sitzenden Ueberbleibsel des feinen Seiden-
gespinnstes abgezogen. Einige Larven waren noch so munter,
dass sie anfingen an der Nadel, fast nach Art der Raupen,
herumzukriechen. Mit gesträubten Rückenblasen und weit vor-
gestrecktem, rechts und links suchenden Kopftheile bewegten
sie sich langsam vorwärts, indem die Körperringe auf ihre klei-
nen wulstig hervortretenden Ränder gestützt, sich abwechselnd
zusammenzogen und ausdehnten. Das letzte Segment wurde
als Nachschieber gebraucht, jedoch nur die beiden Ballen, wäh-
rend ich die hornigen Tracheen -Endigungen nie die Nadel
berühren sah.
So ging es wohl eine Stunde. Ich verschloss die Nadeln mit
den Larven. Als ich aber nach einer Stunde wieder nachsah,
hatten sie sich festgesetzt. Mit der Lupe konnte ich deutlich
bemerken, dass sich einige Tröpfchen Flüssigkeit um den fest
angedrückten Kopftheil angesammelt hatten. Ueber das Ver-
halten der Mundtheile habe ich bei diesen schon gesprochen.
Die Larven hatten bereits 4 Wochen unbeweglich gesessen,
und nur bei der einen schien es mir, als habe sie den Kopf
von rechts nach links gewendet. Ich glaubte anfänglich, die
Flüssigkeit würde sich in Kurzem mehren, und die Larve könnte
einen neuen Harzüberzug erhalten. Das hat sich aber nicht
16*
244
bestätigt. Wahrscheinlich lag es daran, dass die Nadeln nicht
mehr am Zweige waren, desshalb sehr schnell trockneten, nnd
nicht mehr harzige Säfte genug für die saugende Larve hatten,
welche nach einigen Wochen eintrocknete, ohne jedoch von der
Stelle gegangen zu sein, wo sie sich angesogen hatte. Die um
den Kopf angesammelte Flüssigkeit war zwar nicht fest ver-
harzt, hatte aber doch eine sehr zähe Consistenz angenommen.
Es ist hierbei natürlich viel darauf zu geben, dass die Larve
nun schon durch die künstliche Entblössung in einen schwäch-
lichen Zustand versetzt worden war, und dass auch die Nadeln
keinen Zufluss von Nahrung aus dem Zweige erhielten, viel-
mehr schnell vertrockneten. Ich glaubte mich nun zu folgen-
den Annahmen berechtigt: 1. dass der kleine, weisse Harz-
cocon über der Larve sich dadurch bilde, dass die Larve har-
zige, an der Luft verdunstende Säfte aus der Nadel sauge;
ob diese ^Säfte aus dem Munde oder aus dem After hervor-
treten, oder vielleicht von den grossen Blasen ausgeschwitzt
werden, dürfte schwer zu bestimmen sein, nach der oben an-
geführten Beobachtung, der zufolge gleich beim ersten Saugen
der Vordertheil des Kopfes von Säften eingehüllt wurde, würde
jedoch die erstere Vermuthung die wahrscheinlichere sein;
2. dass die Larve nicht an der Stelle aus dem Eie gekrochen
ist, wo wir sie im Cocon finden, sondern dass sie vorher schon
weite Wanderungen unternommen habe. Für diese letztere
Meinung spricht die Erfahrung, welche ich beim Sammeln machte,
dass sich Gocons auch sehr häufig an den Knospen, ja sparsam
auch an der alten Rinde der Kiefern finden. Mein Sohn, wel-
cher für mich Nadeln mit den Cocons sammeln musste, will
eine frei an den Nadeln kriechende Larve gefunden haben, die
aber, als er sie behutsam ergreifen wollte, heruntergefallen sei.
Dass das Ei, wie von der C. hrachyntera, innerhalb der Na-
delscheiden abgelegt werde, und dass die ausgekommene Larve
dann erst hervorkrieche, glaube ich nicht.
Uebrigens ist der kleine, 1 — 1^'" lange, stets an dem der
Nadelbasis zugekehrten (später den Ausflug gestattenden) Ende ,
kurz zugespitzte Cocon, in welchem die Larven sitzen, oft von ;
sehr verschiedener Beschaffenheit, so dass man ihn bald für
vollendet, bald für nur eben begonnen halten kann. Meist ist
er ganz weiss und fest, zuweilen aber auch äusserst dünn und
245
farblos, so dass die dottergelbe Larve hindurchschimmert und
ganz bloss zu liegen scheint. Zuweilen gleicht er vollkommen
einem Tönnchen, öfter aber ähnelt er mehr einem Kümmel-
korne, d. h. die Oberseite ist stark convex und die untere au
der Nadel befestigte etwas concav. Die beiden Nadeln der
Kiefer haben bekanntlich eine etwas gewölbte Fläche und eine
ebene oder etwas gehöhlte; mit der letzteren berühren sie sich
bei ihrer Entwickelung. Auf der ebnen Fläche, die, besonders
bei trocknern Nadeln, sich oft höhlt, sitzen die Cocons, sehr
selten auf der gewölbten Fläche. Meist liegen sie der Länge
nach auf der Fläche oder in der Rinne, so dass ihre Harzmasse
noch die Ränder der Nadel berührt; öfters liegen sie aber in
der Diagonale, so dass die Nadelräijder nicht mit verklebt sind.
Noch ist aber zu beachten, dass der Harzcocon nicht von allen
Seiten geschlossen, sondern an der (der Nadel zugewendeten)
Basis offen ist. Hier wird die Larve nur durch den feinen,
weissen Gespinnstcocon, welcher sie von allen Seiten umgiebt,
von der Nadel getrennt. Der Grund, warum der Harzcocon
grade hier nicht geschlossen ist, lasst sich leicht finden. Wenn
die Larve saugt, liegt sie platt auf dem Bauche. Zwischen
diesem und der Nadel kann sich also keine Harzmasse sammeln.
Daher rühren auch wohl die auffallend dicken Harzränder, wel-
che sich um den Rand des Körpers der Larve meist finden,
so dass das Tönnchen öfters eine ganz breite und unregel-
mässig gewulstete Basis hat. Die freie Fläche der Tönnchen
ist immer sehr hübsch gerundet. Ich vermuthe, dass die Be-
wegungen der Larve diese Regelmässigkeit bewirken, und dass
sie die Rückenblasen vortrefflich dazu benutzen kann, um die
flüssige Masse bald mehr nach vorn, bald nach hinten zu schie-
ben und zu streichen, und zu verhindern, dass sie nicht an ,
den Körper anklebt. Es versteht sich, dass das innere Seiden-
gespinnst erst nach der Vollendung und Erhärtung des Harz-
cocons gemacht wird.
In den in der warmen Stube gehaltenen Cocons fand ich
schon im Februar eine Puppe. Im Freien überwintern sie als
Larven im Cocon, und verpuppen sich erst kurz vor der Flug-
zeit im Mai. Die Larve saugt wahrscheinlich auch unter dem
festesten Cocon, da nian den Magen des Thieres zu jeder Zeit,
246
wenn man es aus dem Cocon nimmt, grün durch die Haut
schimmern sieht.
In sehr vielen Cocons fand ich die Mückeularve todt, und
an derselben eine Pteromalinenlarve saugend. Sie Hess sich
in diesem Geschäfte nicht stören, auch selbst nachdem ich den
Cocon schon mehrere Tage geöffnet hatte. Je mehr das Früh-
jahr sich näherte, desto häufiger wurden die Cocons, welche
ein Loch hatten. Es waren weder Larven noch Puppenreste
darin zu finden. Ich vermuthe daher, dass der Inhalt derselben
durch die spitzen Schnäbel der Goldhähnchen und Meisen,
welche den ganzen Winter in Menge umherstrichen, entleert
sein möchte.
Schon nachdem ich dies geschrieben habe, erhalte ich durch
des Herausgebers Güte den 7. Band der Annales de la societe
entomologique de France (vom Jahre 1838), in welchem Hr.
Leon Dufour auf S. 293 eine Cecidomyia pini maritimae
beschreibt. Er hatte diese neue Art aus Tönnchen gezogen,
welche Anfangs April im Jahre 1838 auf den Nadeln von Pi-
nus maritima des südlichen Frankreichs gesammelt worden
waren. Die Tönnchen sind, seiner Beschreibung nach, denen
der C. Pini vollkommen ähnlich, auch auf dieselbe Weise au
den Nadeln befestigt. Ausser der Beschreibung dieser giebt
er nur noch die des Imago. Die Entstehung des wunder-
baren Cocons kann er sich nicht enträthseln. Er sagt: la fa-
brication de ce petit ouvrage, ou la nature si differente des
deux substances qui entrent dans sa composition, est faite pour
exciter a un haut degre notre curiosite, notre admiration, et
confondre peut-etre tous nos efforts pour arriver a une Solu-
tion rationnelle. Quelle est celle des deux enveloppes, la resi-
neuse et la tissee, qui a ete formee la premiere?" Ferner:
Quelle preparation a-t-elle fait subir a ce produit, pour en
diminuer la viscosite et lui donner une ductilite convenable?
Diese und ähnliche Fragen, welclte Leon Dufour thut, wer-
den, wie ich glaube, durch meine Beobachtung genügend erklärt.
247
Erklärung der Abbildungen Taf. X.
Fig. 1 — 10 gehört zu Cecidomyia pini.
Fig. 1. DerTheil einer Kiefernadel, an welchem der Harz-Cocon
(«) sass und auf welcher eine von mir künstlich entblösste Larve {ß)
nach oben kroch, in natürlicher Grösse.
Fig. 2. Die kriechende Larve, 12mal vergrössert. Das linke Luft-
loch des 5. Paares ist sehr stark vergrössert mit dem Ende der Tra-
chee daneben gezeichnet.
Fig. 3. Der (aus 2 Abschnitten bestehende) Kopftheil ^er Larve
nebst dem ersten Körperringe von der Unterseite, um die halbmond-
förmige Falte und das bis an diese reichende gelbe Brustbein zu zei-
gen, 24mal vergrössert, und
Fig. 4. Dieses Brustbein, sehr stark vergrössert
Fig. 5. Die beiden letzten Segmente der Larve, wie sie das
lebende Thier benutzt, um sich an der Nadel festzuhalten, 20mal ver-
grössert.
Fig. 6. Das letzte Segment von der untern, und
Fig. 7. von der obern Seite, vergrössert.
Fig. 8. Das letzte Segment von oben dargestellt mit der Ein-
mündung der Tracheen und einigen aus dem After hervordringenden
Bläschen, unter dem Glasquetscher.
Fig. 9. Der vordere Abschnitt des Kopftheiles mit dem Hom-
skelet und dem Anfange der Speiseröhre.
Fig. 10. Ein Theil der Wärzchen- und Haarreihen vom Vorder-
rande eines der mittlem Segmente.
Die drei letzten Figuren sind 150— SOOmal vergrössert
Fig. 11. Die Puppe von vom.
Fig. 12—16 gehört zu C. brachyntera,
Fig. 12. Die kriechende Larve 12mal vergrössert.
Fig. 13. Der vordere Abschnitt des Kopftheiles mit dem Hörn-
skelet und dem Anfange der Speiseröhre nach oben, und
Fig. 14 von der Seite (etwas gewendet) gesehen.
Fig. 15. Das mittelste Segment zur Hälfte mit den Wärzchen-,
reihen.
Fig. 16. Die beiden kegelförmigen, hornigen Körper (Analoga
der Tracheen-Endigungen) des letzten Segments. »
Die vier letzten Figuren sind alle stark vergrössert.
248
T u c k e r m a n i a,
eine neue iiordamerikanische Gattung aus der natürlichen
Ordnung Empetreae.
Vom
Dr. Klotzsch-
Herr Edward Tuckerman jun., ein sehr erfahrener und
eifriger Lichenologe aus Boston in Nord-Amerika, war so freund-
lich, dem hiesigen Königlichen Herbario während seiner An-
wesenheit in Berlin eine Sammlung trockner Pflanzen aus den
östlichen Provinzen von Nord-Amerika zu übergeben, die viele
interessante, für die hiesige Sammlung zum Theil neue Sachen,
unter anderen das von dem Dr. Torrey in den Annais of the
Lyceum of Natural History of New York Band 4, S, 83 be-
schriebene Empetrum Conrad! enthielt.
Die Exemplare dieser Pflanze, welche schon im Habitus
einige Verschiedenheiten von Empetrum L. durch ihre ^nd-
ständige Inflorescenz, Blattstellung und Form der Narben dar-
boten, erweckten in mir den Beschluss nachzusehen, ob sie
auch wirklich zur Gattung Empetrum gehören möchten.
Ich überzeugte mich sehr bald, dass das Resultat meiner
Untersuchung von dem des Dr. Torrey in vieler Hinsicht ab-
wich, was wohl darin seinen Grund hat, dass die Exemplare
welche mir zur Untersuchung dienten, sich in einem voll-
kommner entwickelten Zustande befanden, als diejenigen waren,
welche Dr. Torrey benutzte.
So giebt zum Beispiel der Dr. Torrey die BlüthenhüUe
aus 5 — 6 Schuppen zusammengesetzt an; obgleich diese An-
gabe in Rücksicht der Zahl richtig ist, so konnte ich doch an
den völlig aufgeblüheten männlichen Blüthen deutlich eine grosse
Schuppe von dickerer Konsistenz, welche die Blüthe äusserlich
bedeckt, einen dreiblättrigen Kelch, der an den mit entleerten
Staubbeuteln versehenen Blüthen bereits abgefallen war, und
249
eine bleibende zweiblättrige Blumenkrone, die im jungen Zu-
stande aus nur einem Blatt bestand, unterscheiden.
Die Zahl der Staubgefässe, welche konstant 3 war, sah
ich nie abändern.
Der Fruchtknoten war immer dreifachrig, nicht zuweilen
vierfächrig, wie er von Dr. Torrey angegeben wird.]
Gehen wir nun zur Vergleichung der durch die Unter-
suchung gewonnenen Kennzeichen mit denen über, welche die
Gattungen Empctrum L. (von Empetrum nigrum L. und Em-
petrum rubrum Vahl entnommen), Corema D. Don (Empetrum
album L.) und Ceratiola L. characterisiren, so finden wir, dass
sich Empetrum durch einzelne achselständige Blüthen von drei
Bracteen gestützt , dreiblättrige Blumenkronen, durch ein in
einer fleischigen Scheibe eingesenktes 6 — 9fächriges Ovarium
und eine beinahe sitzende, strahlenförmig ausgebreitete, 6 — 9thei-
lige Narbe unterscheidet, dass Corema in Hinsicht der endstän-
digen Inflorescenz mit der in Rede stehenden Pflanze überein-
stimmt, durch den Mangel der Bracteen, dreiblättrige Blumen-
kronen, durch ein in einer fleischigen Scheibe eingesenktes
Ovarium und eine mit einem kurzen Griffel versehene, strah-
lenförmig ausgebreitete sechstheilige Narbe aber verschieden ist,
und Ceratiola, durch die Ueberetnstimmung einer zweiblättrigen
Blumenkrone sich nähernd, durch achselständige, von 4 Bracteen
gestützte Blüthen, zweiblättrige Kelche, zwei Staubgefässe, ein
in einer fleischigen Sclieibe eingesenktes zweifächriges Ovarium
und durch eine mit einem kurzen Griffel versehene strahlen-
förmig ausgebreite Gtheilige Narbe entfernt.
Es stellt sich hierdurch deutlich heraus, dass das Empetrum
Conradi zur Gründung einer neuen Gattung berechtigt, die im
System zwischen den Gattungen Corema und Ceratiola ihren
Platz findet, und dem Andenken des Herrn Edward Tucker-
man jun., welcher das Verdienst hat, einen neuen Standort für
Nord-Amerika: auf sonnigen, trocknen Weiden bei Plymouth in
Neu-England, und vollkommner entwickelte Exemplare dieser
Pflanze entdeckt zu haben, gewidmet sein mag.
Vuckermania» Empetri species Torrey in Annais of
the Lyceum of Nat. Hist. of New York 4, p. 83.
Flores dioici. Masc. Calyx triphyllus, deciduus, foliolis
membranaceis, equitantibus^ apice obtusis, basi attenuatis,
250
extus bractea sqiiamaeformi munitus. Corolla tenuissime
membranacea, cyathiformis, apice truucata et minutissime den-
ticulata, longitudinaliter fissa, deinde diphylla. Stamina 3,
longe exserta; antherae globoso-didymae, biloculares, loculis
per rimam longitudinalem lateraliter dehiscentibus. Fem. Ca-
lyx triphyllus, persistens; foliolis membranaceis equitantibus,
apice dilatatis, obtusis, extus bractea arida squamaeformi
cinctus. Corolla diphylla, foliolis equitantibus. Ovarium
urceolatum, basi attenuatum, triloculare, loculis uniovulatis.
Ovula erecta, anatropa. Discus hypogynus nullus. Stylus
tenuis, brevi exsertus, apice trifidus, laciniis subulatis recur-
vis, intus stigmatosis. Fructus parvus, drupaceus, siccus, de-
presso-globosus, tri- abortu dipyrenus, pyrenis cartilagineis,
monospermis. Semen?
Fruticulus boreali - americanus , depressus, ramosissimus ;
ramis retroflexis, tenuibus ; foliis verticillatis ternis quaternisve
patentibus, convexo-planis, anguste-linearibus, obtusiusculis,
margine apiceque evanescente-scabriusculis , dorso longitudina-
liter sulcatis; floribus dioicis, terminalibus , glomeratis, sessili-
bus, bapitulis extus squamis aridis qinctis.
Tuckermania Conradi (Empetrum Conracifi Torrey).
Die Crotoneae der Flora von Nord - Amerika.
Vom
Dr. Klotzsch.
Die Zahl der Repräsentanten aus dieser Euphorbiaceen-
gruppe ist in Nord -Amerika nur gering und beschränkt sich
Siui Ricinus commi/nw L. (welcher nicht wild, sondern nur
verwildert vorkommt), Cnidoscolus Michauxii Pohl (JBi-
vonaea stimulosa Rafinesque, Jatropha stimulosa Michx.,
Jatropha urens Walter), Crotonopsis argentea Pursh
(firotonopsis linearis Michx., Crotonopsis elliptica Willd.
Friesia argentea Spr.), CrotonArgyranthemum Michx.,
251
Cvoton.maritimum SV alter (^Croton disjunctiflorum et Cro-
ton monanthogynum Michx.), Croton ellipticum Nuttal,
Croton glandulosumh.uiidCj'Oton capitatumMichx.
Eine nähere Untersuchung der eben angeführten Pflanzen
zeigt, dass sämmtliche hier erwähnte Croton-Arten mit Ausnahme
des Croton Argyranthemum grösstentheils neue, von den be-
kannten Gattungen dieser Gruppe sehr gut zu unterscheidende
Gattungen bilden. Um aber zu beweisen, dass diese neuen Gat-
tungen auch hinreichend von Croton verschieden sind, werde
ich die Diagnose dieser Gattung, wie ich sie jetzt festgestellt
habe, vorausschicken:
Croton*
Flores monoici. Masc. Calyx quinquepartitus, aestivatione
valvata. Corollae petalaS. Stamina 10 — 20 disco quinque-
radiato nudo aut villoso inserta, filamentis liberis, aestiva-
tione inflexis, demum erectis, exsertis; antheris introrsis, fila-
menti apici adnatis. Fem. Calyx quinquefidus. Corollae pe-
tala5. Dscus hypogynus obtuse quinque-radiatus, radii ne-
ctariferi ut in mare petalis alterni. Ovarium sessile, trilo-
culare, loculis uniovulatis. Styli tres, bifidi, laciniis intus
stigmatosis integris aut bis aut ter bifidis. Capsula tricocca,
coccis bivalvibus, monospermis.
Arbores, frutices aut suflfrutices in America tropica copiose,
rarius in America extratropica, Asia et Afric^ calidiore crescen-
tes; foliis alternis subinde stipulatis, basi saepe glandulosis, in-
tegris, serratis aut sublobatis, pilis stellatis aut squamulis lepi-
dotis consitis; floribus subspicatis; spicis axillaribus aut termi-
nalibus, bisexualibus, masculis superioribus, inferioribus femineis.
Croton^rgyranthemum Michaux Flora boreali-ame-
cana 2, p. 215. Geiseler Crotonis Monogr. p. 49. n. 78. Willd.
Spec. plant. 4, p. 535 exclus. synon. Jacq. Pursh Flora of North
America 2, p. 603.
Hab. in sylvis Georgiae et Floridae.
Hierbei mag noch bemerkt werden, dass das von Willde-
now und Pursh hierher gezogene Croton punctatum Jacq. eben
so wenig hierzu gehört, als das später von dem verstorbenen
Curt Sprengel damit verbundene Croton reflexifolium Kunth.
Croton maritimum Walter gehört zu der von dem ver-
storbenen Eschscholtz in dem 10. Baude der Verhandlungen der
252
Petersburger Akademie aufgestellten Gattung Hendecandra, wo-
zu nach der Ausdehnung der Herren Torrey und Asa Gray,
welche zur nordamerikanischen Flora alle nördlich von Mexiko
gelegenen Länder zählen, noch Hendecandra procumbens Eschsch.
aus Californien und eine neue Art, die der verstorbene Drum-
mond im Jahre 1835 in Texas entdeckte, zu bringen sind.
Jtendecandra Eschsch. Endlicher Genera plant, p. 1117,
n. 5824. Asterogyne Bentham Plantae Hartwegianae 14.
Hendecandra maritima, Caule sufifruticoso, dicho-
tomo; ramis teretibus, villoso-tomentosis; rufescenti-incanis ;
foliis petiolatis, ovalibus, obtusis, integerrimis, basi subcor-
datis supra pallide-viridibus, subtus incanis; fructibus pilis
stellato-lepidotis obsitis,
Croton maritimum Walter Fl. carol. 383. Willdenow
Spec. pl.4, p. 532. Geiseler 1. c. p.57, n. 91. Pursh 1. c. 2,
p. 603. Kunth in Humb. et Bonpl. Nova gen. et spec. II. p. 69.
Groton disjunctiflorum et monanthogynum Michaux Flora
americana 2, p. 214 et 215.
Hab. in maritimis et collibus arenosis Carolinae, Colum-
biae et Regni mexicani.
Hendecandra procumhens Eschsch. Caule sufifru-
ticoso a basi ramoso ; ramis, foliis, calycibus fructibusque pi-
lis stellatis incano-lepidotis; foliis oblongis, obtusis, integer-
rimis, basi attenuatis.
Hendecandra procumbens Eschsch. 1. c. Croton gracile
Kunth in Humb. et Bonpl. Nova gen. et sp. II. p. 69. Asterogyne
crotonoides Bentham Plantae Hartweg. p. 14, n. 83. Croton^ .
dioicumVf illd. Spec. pl.4, p. 554. Herb. n. 17846 nee Cavanilles.
Hab. in San Francisco Californiae et Llanos de Perote
Regni mexicani.
Hendecandra texensis Caule sufifruticoso; ramis
teretibus, erectis, gracilibus foliisque pilis stellatis incanis;
foliis linearibus obtusis, supra pallide viridibus, subtus inca-
nis, 2 — 4 lineas latis, 1 — 2 uncias longis; germinibus ca-
psulisque floccoso-pubescentibus.
Hab. in Texas.
Von Croton ellipticum Nuttal verdanke ich dem Herrn
Dr. George Engelmann in St. Louis sehr vollständige und in-
structive Exemplare. Dasselbe bildet ebenfalls eine neue Gat-
253
tung, welche sich zwischen Crotonopsis und Croton stellt und
sich durch die männlichen wie durch die weiblichen Blüthen
characterisirt, erstere haben einen fiinfth eil igen Kelch, eine fünf-
blättrige Bhunenkrone, fünf den Blumenblättern gegenüber-
stehende Staubgefässe und im Grunde des Kelches fünf weisse
schuppenförmige Drüsen; in den weiblichen Blüthen fehlen die
Blumenblätter, der Fruchtknoten ist nur zweifächrig und der
GriflFel zweimal zwei getheilt
In Anerkennung der Verdienste, welche sich der Herr
Dr. George Engelmann um die Berliner Museen dadurch er-
worben hat, dass er sie mit vielen naturhistorischen Seltenhei-
ten Nord-Amerikas versah, erlaube ich mir diese neue Gattung
dem Andenken desselben zu widmen.
Mngelmannia» Crotonis species Nuttal.
Flores monoici. Masc. Calyx quinquepartitus. Corollae
petala quinque receptaculo inserta, calycis laciniis alterna,
Candida. Stamina 5, libera, petalis opposita, exserta, Can-
dida, antheris introrsis, filamentorum apici dilatato adnatis,
Glandulae 5 squamaeformes, candidae, calycis laciniis oppo-
sitae. Fem, Calyx aequalis, quinquepartitus, Petala nulla.
Glandulae 5 squamaeformes, candidae, calycis laciniis oppo-
sitae. Ovarium biloculare, loculis uniovulatis, ovulis pendulis.
Stylus bipartitus, laciniis profunde bifidis. Capsula bilocula-
ris, quadrivalvis, abortu monosperma. Semen inversum, atro-
cinereum. Embryo intra albumen orthotropus, Cotyledopes
foliaceae, rectae. Radicula elongata, umbilico proxima.
Herba boreali-americana, pilis minutis stellatis consita; fo-
liis alternis, petiolatis, ovatis, acutis, integerrimis, subtus inca-
nis ; floribus in extremis ramulis axillaribus aggregatis, femineis
inferioribus.
EngelmanniaNuttali an a (Croton elUpticuniNuüah^
Hab. ad Missouri.
Croton glandulosum L., ebenfalls generisch von Croton
verschieden, unterscheidet sich insbesondere durch die männ-
lichen Blüthen, deren Kelch viertheilig, Blumenkrone vierblätt-
rig, die unterständige Scheibe vierstrahlig nur acht Staubge-
fässe beherbergt. Im Habitus hat diese neue Gattung, welche
im britischen Gujana noch durch eine zweite Art repräsentirt
wird, eine grosse Aehnlichkeit mit den Gattungen Podostachys
i54
und Brachystachys, erstere unterscheidefsich durch einen sechs-
theiligen, weiblichen Kelch und die andere durch einen unregel-
mässigen weiblichen Kelch. Ich erlaube mir sie dem Anden-
ken des Verfassers der 1807 erschieneneu Monographie der
Gattung Croton, Herrn Medizinalrath Dr. Eduard Ferdinand
Geiseler in Danzig zu widmen.
Oeiseleria* Crotonis species herbaceae Auct.
Flores monoici. Masc. Calyx quadripartitus, aequalis,
aestivatione valvata. Petala 4, ovato-lanceolata. Discus qua-
driradiatus, radii calycis laciniis oppositi. Stamina 8, disco
villoso inserta; filamentis liberis, aestivatione inflexis, demum
erectis, exsertis; antheris globosis, introrsis. Fem. Calyx
quinquepartitus, aequalis. Corallae petala minutissima, subu-
lata. Discus hypogynus quinqueradiatus, radii calycis laciniis
oppositi. Ovarium sessile, triloculare, loculis uniovulatis.
Stylus usque ad basin tripartitus, laciniis filiformibus, pro-
funde bifidis. Capsula tricocca, coccis bivalvibus, monospermis.
Ilerbae americanae subpilosae ; foliis alternis, margine ser-
ratis aut grosse -dentatis, subtus ad basin glandulosis; stipu-
lis minutis subpersistentibus ; spicis axillaribus terminalibusque
brevibus monoicis; floribus femineis in parte inferiore spicae
masculae sparsis.
Geiseleria glandulosa.
Croton glandulosum Linn. Amoen. Acad» 5, p. 409. La-
marck Encycl. 2, p. 213. Jacq. Icon. rar. 1, t.41. Coli. 1, p.l25.
Michaux Flor, boreal. americ. 2, p. 214. Willd. Spec. pl. 4,
p. 540. Pursh Flor, of North America IL, p. 603. Geiseler
Monogr. p. 64. Kunth in Humb. et Bonpl. Nova gen. et
spec. II. p. 71»
Croton scordioides Lamarck Encycl. 2, p. 215.
Hab. in Americae borealis prov. Florida, Georgia, Carolina
et Arkansas; in Indiae occidentalis ins. Jamaica; in Americae
meridionalis variis regionibus e. g. in Brasilia, Mexico et in
Regno Quitensi.
Eben so geht es mit Croton capitatum Michaux, auch die
Merkmale dieser Pflanze gebieten, dass sie von Croton getrenni
werde, da sie sich durch einen unregelmässigen, ungleich acht-
theiligen weiblichen Kelch und durch den Mangel der unter-
ständigen Scheibe und der Blumenblätter characterisirt. Diese
255
Pflanze, welche bis jetzt nicht ausserhalb der Grenzen von
Nord-Amerika gefunden wurde, repräsentirt daselbst die Gattung
Crozophora Necker, der sie sich in mehreren Puncten nähert.
IPilinophytutn.*^ Crotonis species Michaux.
Flores monoici. Masc. Calyx campanulatus, quinquepar-
titus, aestivatione valvata. Corollae petala 5, aestivatione
convolutiva. Glandulae 5, petalis alternae. Stamina 12, re-
ceptaculo villoso inserta; filamentis liberis, aestivatione in-
flexis, demum erectis, exsertis, antheris introrsis, filamenti
apici^adnatis. Fem. Calyx inaequaliter octo-partitus, laciniis
tribus majoribus squama basi instructis. Discus hypogynus
nullus. Petula nulla. Ovarium sessile, triloculare, loculis
uniovulatis. Stylus profunde tripartitus, laciniis filiformibus,
• dichotomis (bis aut ter bifidis), conniventibus, inferne villosis.
Capsula tricocca, coccis bivalvibus, monospermis.
Herba boreali-americana; foliis alternis, petiolatis cum ra-
mis et floribus pilis stellatis albido-tomentosis, glandulis stipu-
lisque destitutis; floribus in apice aut in divisuris ramorum
aggregatis, inferioribus femineis; masculis superioribus in spi-
cam paucifloram dispositis.
Pilinophytum capitatum.
Croton capitatum Michaux 1. c. p. 214. Pursh 1. c. p. 604.
Hab. in Carolina, Illinois, Arkansas, Missouri et Kentucky.
Die Gattung Trewia L.
Vom
Dr. Klotzsch.
Die Gattung Trewia, welche Linne dem Andenken des
Kaiserlichen Leibarztes und Geheimen Rathes Christoph Jacob
Trew, der unter andern die deutsche Ausgabe des Blakwell-
schen Kräuterbuchs besorgte, widmete, kannte derselbe nur
aus einer im Hortus Malabaricus von Rheede gegebenen sehr
*) Nomen gen. e vocibus nüipos et (pvtoy compositum.
256
mangelhaften Abbildung; auch waren die theils unrichtigen
theils unausreichenden Bemerkungen, welche die erwähnte Ab-
bildung begleiten, eben nicht geeignet, ein für die Diagnose
nöthiges, anschauliches Bild zu gewähren. So kam es denn,
dass der Character, den Linne dieser Pflanze beilegte, von ihm
selbst theilweise bezweifelt wurde; und ich muss in der That
gestehen, nach meinem Dafürhalten wäre es besser gewesen,
wenn Linne sich der Mühe, eine Gattungsdiagnose nach sol-
chem Material zu entwerfen, überhoben hätte. Nicht aus der
Linnei'schen Diagnose, nur mit der Pflanze in der Hand ist
man im Stande, die Identität der citirten Abbildung mit dieser
durch habituelle Uebereinstimmungen zu erkennen, was denn
auch dem verstorbenen Willdenow, der hierin einen scharfen
und sicheren Blick bekundete (in dessen Herbarium sich die
in Rede stehende Pflanze in beiden Geschlechtern mit jungen
und reifen Früchten versehen befindet), nachdem er sie früher
als Rottlera indica beschrieben hatte, gelang; nur beging Will-
denow, der sich um die Untersuchung des Samens nicht ge-
kümmert hatte, einen Fehler, dass er Tetragastris ossea Gaertner,
welche Endlicher in seinen Gen. pl. ganz richtig zu Hedwigia
von Swartz bringt, mit Trewia nudiflora verband, nicht zu ge-
denken, dass er in der Gattungsdiagnose den Kelch von bei-
den Geschlechtern unrichtig beschreibt und die Frucht als eine
Kapsel bezeichnet, während sie doch eine fleischig-korkartige
Steinfrucht ist, und eine zweite nicht hierher gehörende Art
damit verbindet.
Adrian von Jussieu, dessen Euphorbiaceen-Gattungen im
Jahre 1824 erschienen, giebt von Trewia nudiflora auf der
9. Tafel unter 29, C. eine sehr genaue Zeichnung der männ-
lichen Blüthe und eine Analyse des Pistills, die er mit dem
von Willdenow früher gegebenen Namen Rottlera indica be-
zeichnet. Er, der die Samen der Euphorbiaceen genugsam
untersucht hatte, erkannte sehr bald, dass die von Gaertner
gegebene Analyse des Samens von Tetragastris nicht hierher
gehören könne, verfiel aber in einen andern Irrthum, indem
er die von Willdenow in seinen Spec. pl. beschriebene Trewia
nudiflora mit Tetragastris für identisch und die von Willdenow
früher als Rottlera indica beschriebene Pflanze, wovon er jeden-
falls keine Früchte untersuchen konnte, für eine ächte Rottlera
257
hielt. Lindley in der zweiten Auflage seines nat. Systems
(1836) p. 174 durch die Angaben und Bemerkungen von Will-
denow und Adrian vonJussieu verleitet, gründete auf die Be-
schreibung, welche Linne und der ältere Jussieu von der Gat-
tung Trewia machten, die natürliche Familie der Trewiaceen,
(Jie derselbe mit den Urticeen für am ähnlichsten hält, worin
ihm vom Meissner gefolgt wurde.
Endlicher, der, wie schon oben erwähnt, das Willdenow-
sche Citat von Gaertners Tetragastris Bartling folgend zu Hed-
wigia Swartz brachte, Hess den Namen Trewia ganz fallen,
wahrscheinlich in der Voraussetzung, dass sie zur Gattung
Rottlera gehöre.
Nach der Ansicht, die ich durch die Untersuchung der
Willdenowschen Exemplare von der Gattung Trewia gewonnen
habe, ist sie mit der Gattung Rottlera Roxburg, von der sie
sich insbesondere durch die Frucht unterscheidet, am meisten
verwandt. Beide genannte Gattungen gehören zu den normalen
Euphorbiaceen und würden in der Nachbarschaft von Pluknetia
einen besseren und natürlicheren Platz finden, als der ist, den
letztere unter den Crotoneen gegenwärtig einnimmt.
Vrewia L. Hb. Willd. Rottlerae species Ad. de Juss.
Flores dioici. Masc. Calyx membranaceus, diphyllus, fo-
liolis profunde bifidis, demum reflexis, aestivatione valvata.
Corolla et glandulae nullae. Stamina plurima receptaculo
convexo nudo inserta; filamentis filiformibus, aestivatione
erectis, basi coalitis; antheris parvis, oblongis, terminalibus.
Fem. Calyx membranaceus, monophyllus, vaginatus, demum
, ad basin circumscissus. Ovarium sessile, quadriloculare, lo-
culis uniovulatis. Stylus quadrifidus, laciniis intus plumoso-
stigmatosis. Drupa carnoso-suberosa, globoso-quadrangula-
ris; putamine tetrapyreno; pyrenis subosseis unilocularibus
monospermis. Semen pendulum. Testa suberoso-crustacea.
Albumen copiosum, carnosum. Embryo intra albumen ortho-
tropus. Cotyledones foliaceae rectae. Radicula umbilico
proxima supera. Arbor indica facie Rottlerae.
ArchiT f. NaturgMch. VII. Jahrg. 1. Band. 17
258
Bemerkungen über einige Linneisclie Conchjlien-
"Arteiiy welche von den spätem Conchjliologen
verkannt sind.
Dr. A. Philippi.
Es bedarf unstreitig keiner Entscluildigung, wenn ich es
versuche y einige von Linne längst beschriebene und später in
Vergessenheit gerathene oder gänzlich verkannte Conchylien-
Arten wieder in ihre Rechte einzusetzen. Die Seltenheit der
zwölften Ausgabe des Linne, welch'e auch ich erst nach mehre-
i^eri Vorgeblichen Bemühungen mir habe, verschaffen können,
mag wohl die Ursache sein, dass die neueren Conchyliologen
und namentlich Lamarck so wenig Rücksicht auf den Begrün-
der der systematischen Conchyliologie genommen und sich fast
immer auf Schröter und seinen Abschreiber Gmelin verlassen
haben; Bei diesen Untersuchungen habe ich mich vorzugsweise
auf die ' kurze, aber . fast inimer vortreffliche Beschreibung LinUes
verlassen, da bekanntlich seine Citate oft fehlerhaft (nicht sel-
ten Druckfehler) sind; die von ihm angeführten Figuren kri-
tisch revidirt, und wenn si« mit seiner Beschreibung überein-
stimmen, mit der grössten Gewissenhaftigkeit berücksichtigt.
1. Xiepas anserifera JL.
,,L. testa comptessa quinquevalvi, striata, intestino insi^.
deute" (d. XU. p. 1109 nr. 17. Ohne Gitat.
Diese Diagnose ist allerdings so unvollständig, dass ,sie.
auf alle gestreifte Anatifa- Arten passt, allein die folgenden
Worte Lirine's lassen .keinen Zweifel, dass seine Art nicht die
Anatifa striata Lamarck's (und auch wohl Bruguieres) ist.
Lamarck citirt zu dieser noch Gmelin p. 3210 und Schröter,
Einleitung 3, p. 521, erstlich: Gualtieri t. 106 f. 2, 3. Diese
Figuren stellen aber, man sollte kaum die Nachlässigkeit dieser
Schriftsteller glauben, einzelne Schalen der Anatifa
259
laevis vor, welche von Gualtieri „extra situm consideratae"
sind. Vermuthlich hat Schröter t. 106 f. B. schreiben wollen,
welche nach Gualtieri „striis mininiis argiitissime serrata" und
ohne den Stiel acht Linien gross ist. Zweitens citirt La-
marck: Lister tab. 440 f. 283, welche Figur 14'" gross ist; die
übrigen Figuren kann ich in dem Augenblick nicht nachsehn.
Linne, welcher Lister und nocli fleissiger Gualtieri anführt, hat
z^ seiner Lepas auserifera keine Figyr derselben citirt, da-
gegen ?ag,t er: llal^itatiii Pelago airiericano ; in fossilibus
magna. Testa huju$. miaute, senun e lini minor, ^tructura
omnino L. anatiferae, sed valvulis sulcatis, excepta prL^nA^.SVlci
hi distincti elevati. . :, /
Hieraus geht, wie mir scheint, unwiderruflich hervor, dass
Linne nicht die grosse von Gualt. und Lister abgebildete Ana-
tifa striata Brg., sondern die kleine auf dem Sargasso „in
pelago americano" gemeine Art gemeint hat, die von spätem
Conchyliologen übersehu oder mit A. striata verwechselt ist.
welche daher ^. anserifera L. heissen muss. Welche fossile
Art Linne damit verwechselt haben mag, ist nicht möglich zu sagen.
9. Vellina lactea X.
„T. tiBsta lentiformi, gibba, alba, pellucida, laevi." —
Gualt. t. 71 f. D. Hab. in M. Mediterraneo. Testa semine
Lupini albi major , parum transversim obsolete striata."
ed. XH. p. 119 nr. 65.
Chemnitz VL p. 130 t. 13 f. 125, Schröter Einleitung IL
p, ,659 und folglich auch Gmelin p. 3240 haben diese Art rich-
tig erkannt, wie ich glaube, indem sie meine Tellina fra-
gilis Enum. Moll. Sicil. p. 34 nr. 7, dafür genommen haben.
Gualtieri's Figur ist roh, indem das Schloss nicht zu erkennen
ist, allein sie zeigt doch eine stark gewölbte Schale. Diese
testa gibba fehlt aber durchaus dem Poli'schen Z/O/'/joe^ Zac/ew^
oder der Lucina lactea Lamk., deren Schale auch übrigens
kaum „pellucida" genannt werden kann, wenngleich Lamarck
in seiner Diagnose aus Gmelin das Wort gibba herübergenom-
men hat. Man muss unbedingt das Linne'sche Citat bei La-
marck streichen und auf meine Lucina fragilis übertragen,
und die Namen Lucina lactea Lämk. und L» fragilis Ph.
verändern. ,
17*
260
3. Vellina pistj'ornti» X.
T. tosta siibglobosa laevi, intus incarnata, oblique substriata;
striis antice angulo acuto reflexis. Gualt. t. 7 f. G. (Dieses
Citat ist falsch, erstlich muss es f . C heissen, denn ein G exi-
stirt auf t. 7 nicht, und f. C stellt oflFenbar eine Cyclas dar,
wie auch schon Schröter Einleit. II. p. 653 bemerkt, wenn
auch vielleicht nicht gerade C. cornea.) „Hab. ad Oceani
Europaei ostia fluviorum. Testa magnitudine pisi, alba, fundo
purpureo, striata; striis vix oculo nudo manifestis, obliquis,
sed anterius reflexis ad angulum acutum. Cardinis dens uni-
cus praeter laterales prominulos, Rarius tota alba reperitur."
ed. XII. p.1120 nr.69.
Nach Linne erwähnt Niemand dieser Art. Ich besitze sie
au^ einer alten Sammlung herstammend, ohne Angabe des Fund-
ortes. Das Gehäuse ist 2\"' lang, 2^'" hoch, If " dick, eiförmig
in das Dreieckige ziehend, schief, für die geringe Grösse dick-
schalig. Die Streifen der Oberfläche sind äusserst fein, dicht,
schief, vorn unter einem sehr stumpfen Winkel umgebogen,
hinten unter einem äusserst spitzen nach oben gerichteten Win-
kel gebrochen. Das Schloss der rechten Schale zeigt zwei
kleine Schlosszähne und zwei grosse Seitenzähne; das der lin-
ken einen Schlosszahn; statt der Seitenzähne ist der Rand
selbst zahnartig vorgezogen. Die Grube des Ligaments liegt
nach aussen und ist wenig deutlich. Die Muskel- und Mantel-
Eindrücke kann ich bei dem Glanz der innern Fläche nicht er-
kennen. Die Farbe ist weiss oder mit einem purpurnen Anflug.
Die Verwandtschaft mit Tellina carnaria L. bedarf keiner
Auseinandersetzung. Zwischen beiden steht eine neue durch
ihre Streifung ebenfalls sehr ausgezeichnete Art.
Tellina mirahilis Ph.
T. testa ovato-elliptica, obliqua, latere postico longiore
angustiore, striis tenuissimis, obliquis, postice bis in ziczac
flexis, antice vix flexuosis; dentibus lateralibus cardinis magnis.
Von dieser Art fand ich ebenfalls ohne Angabe des Fund-
orts in jener alten Sammlung sechs einzelne Schalen. Sie wird
4'" lang, 3y"' hoch, 2^"' dick, und ist im Verhältniss dünnscha-
liger als die vorige. Von Gestalt ist sie eiförmig, jederseits
wohl abgerundet, hinten länger, schmaler; die kleinen wenig
261
gekriinnnten Wirbel liegen im dritten Theil der Länge. Die
feinen, dicht gedrängten Streifen der Oberfläche sind dem blos-
sen Auge kaum sichtbar. Sie verlaufen schief in der Richtung
des hinteren Rückenrandes, vorn sind sie schwach nach unten
gebogen, hinten aber in einem schmalen dem Rande anliegen-
den Raum zweimal gebrochen in spitzen nach den Wirbeln
gerichteten Winkeln. Eine ähnliche Sculptur findet sich, bei
Petricola lucinalis, aber nicht so regelmässig. In jeder Schale
sehe ich einen Schlosszahn, auf der rechten ist jederseits ein
starker, lamellenartiger Seitenzahn, auf der linken ist der Rand
selbst jederseits zahnartig vorgezogen. Die Grube für das Li-
gament liegt äusserlich und ist nur mit Mühe zu sehn. Der
Manteleindruck tritt tief hinein, der Mantelwinkel ist sehr klein,
läuft aber in eine lange Linie aus. Die Farbe ist weiss.
4. Vellina divaricata Mj,
„T. testa subglobosa, alba, bifariam oblique striata. —
Hab. inM. Mediterraneo. F. Logie. — Testa magnitudine
pisi, subcompresso-globosa,. gibba; Striae tenuissimae^
bifariam ad utrumque latus ductae." ed. XIL p. 1120. Kein
Citat.
Schröter Einl. II. p. 663 citirt hierzu, wohl Chemnitz fol-
gend: Lister 301 f. 142 mala (ist aber eine ganz erträgliche
Figur, nur lO^'" gross). Bonanni Recreat. ct. IIL f. 349 (12'"
lang). Klein Meth. 9 f. 28 (kann ich nicht nachsehn). —
Chemn. VI. 1. 13 f. 129, 130, p. 134 (wo mehrere Abänderungen
oder Arten erwähnt werden*), worin ihm Gmel. p. 3241 nr. 74
gefolgt ist. Diese Figuren stellen sämmtlich nicht die
Linneische Art vor, denn 1. sind sie weit grösser als eine
Erbse, 2. sind nicht „subglobosae" oder „subcompresso-globo-
sae, gibbae'*, 3. sind die Striae nicht „tenuissimae", sondern
sehr deutlich und ziemlich grob, 4. ist das Schloss ein ganz
anderes , wie ich Enum. Moll. Sicil. p. 32 nr. 3 gezeigt und
t. III. f. 15 u. 16 durch Abbildungen dargestellt l^abe. Nun ist
offenbar meine Lucina commutata die Linneische Teilina di-
varicata, und die Art von Schröter, Gmelin und Chemnitz wäre
anders zu benennen. Lamarck scheint nur die letztere gekannt
^) F. 129 ist 14'" gross, f. 130. eine ganz verschiedene, Art.^
262
zu haben, da er die Grösse auf 30 Mill. oder 13|"' angiebt,
übrigens verwechselt er beide Arten, wie aus seiner Diagiiose
und dem Citat von Poli's Tellina digitaria hervorgeht. Sehr
mit Unrecht hält Bronn, Lethaea p. 961, meine Lucina com-
mutata für eine blosse Varietät: wo solche Verschiedenheiten
und namentlich auch im Schloss, sich zeigen, darf man gewiss
nicht von Varietäten sprechen.
.5, Cardium virgineutn JL.
•" i,C. testa triangulo-rotundata, aequilatera; rugis transver-
sis membranaceo-recurvatis, cardinibus caeruleis. — Hab. in M.
Mediterraneo. — Testa pulchella, fasciata, lineis retrorsum
imbricatis, remotis, epidermide glauca obtectis. Cavitas alba
sed cardines caerulei; dentibus longitudinalibus, linearibus
^ fere Mactrae, sed gardp Cardii." JLd.. XII. p. 1124.
Schröter übersetzt lediglich den Linne; Gmelin fügt (ex
proprio Marte?) p. 3253 nr. 25 das Citat: Chenih. VI. 1. 18 f. 181
hifizti, welches Cardium apertum Lamk. ist und mit Linne's
Beschreibung nicht im mindesten überstimmt, so' wie Gronov.
zoöph. 1. 18 f». 5, welches ich nicht nachsehen kan'n. Sieheh Wir
von dem gewiss falschen Vaterlande ab; so ergiebt s-ich aus
deiti blossen Durchlesen der Worte Linne's, dass er eine Cy-
ij^ta'ä' geiiieint 'hat. Die rügae ttansversae, membranaceö-reeüt-
väV, die epidermis glauca, die langen Seitenzähne wie bei Mäctra,
dä'ss äussere Ligament, welches im Gegensatz zu Mactra durci
carclö Catdii ausgedrückt ist, -selbst die Färbung der Innern
Fläche ' lassen nicht den" leisesten Zweifel aufkommen. (>b
Linhe aber Cyrene fluminea oder eine andre der damit nahe
vefwändten, wenii Wirklich verschiedenbh Arten gemdint hat,
lä'ss'i'sich liicHt älis serneff Beschreibung ausmitteln. — • ""'
■ i-. -..^^y. ."..a.ii. •!,::::.,.. ,,!,. ; .... . ' ^.m^ ^,:.
*"" jjM.'tiesta läfevi,' diaphäna, striata, umbonibus laevissimis,
i '^vÜlva anoqüe striätis. Hab. in O. Africano. — Testa magni-
'Hutlme' iSl(ücis) Cbryli, alba. ' Nat'eS'eft umbones laevissimi,
' 'glaberriiiii "iieb stWäti. Limbus striatus , vulva nuila carfria
'"'distincta»'* - Ed. Xn. p. 1125 nr. 97.
ganz
Schröter Einl. lll. p. 7,5 fikt hinzu: Gualt. 71 f. ^., was
fätscli isf, den'n diese t^igiir ' ist' iS^" l^ng uM ^öigt vulva
263
lind niiiis glatt. Ferner Chemn. VL t. 22 f. 21 6,.. 17, 2F'
gross und bräunlich, welches die 39 Mill. = 16,7"' groäse Mäctra
australis ist. Gmelin p. 3258 nr. 7 copirt, wie gewöhnlich,
Schröter, ebenso Deshayes, welcher, Laniarck ed. 2 vol. VI. p. 101
Note sagt: „l'Examen que nous avons fait attentivertieiit de la
Mactra australis nous a convaincu, qu'elle etait la meme
espece que la M. glahrata de Linne. — Allein beide haben
Unrecht. Linne sagt, seine Art sei wie eine Haseliiuss gross,
die M. australis ist fast 17'" gross; Linne's Art ist weiss, die
M. australis hat: „maculas violaceas nebulosas." Dieselbe hat
ferner „strias transversas tenues subfurcatas", während Linne's
M. glahrata „nates et umbones laevissimos" besitzt, und nur
am Bauchrande gefurcht ist. Alle diese Kennzeichen,. Grösse,
Farbe u. s. w. finden sich aber hei M. triangula Renieri und
kann nicht der mindeste Zweifel bleiben,, dass Liniie die^eArt
gemeint habe und nicht die M. australis,
^, Volutu rustica Jü>
Ed. XII. p, 1190 nr. 410. Bekanntlich Columbelk' rusdca
Lamk. Linne citirt a. a. O. nur zwei Figuren: Gualt. t. 43
f.(j. /i., die gewöhnliche Form, wo ; die Spira kaum. länger
als die halbe letzte Windung ist, und Adans*, Seiieg. t* 9 f. 28,
liger, dieselbe Form. 'uhiul/l
S. Valuta Tringa JL.
„V. testa integriuscula, oblonga, laevi', spira' prominente,
detrita; columella triplicata; labro introrsum subdentato. -rr-
Gualt. 43/J. (Dies ist ohne Frage die Varietät • der Co/iim-
hella rustica mit längerer Spira.) Adanson. 1 t.,9. f,,317.
(Bigni, ist offenbar Buccinum laevigatum). — Hab. in M.
Mediterraneo. — Testa nitida lutea, albo-n^bulosä. Spirae
mucro in omnibus, quotquot vidi, detritus. Labrüm exterius
minime marginatum, in medio vero introrsum gibbum; sed
minus quam in praecedentibus (d. i. mercatoria, rustica, pau-
>•'-< percula, mendicaria).
Die Beschreibung der Aussenlippe beweist, dass fS eine
Columbella ist, die Worte colbmella triplicata passen aber nicht
vollkommen auf Jie CoZt^m&eZZa ritstica var,.elOHgata.
Wenn wir aber das Vaterland und die Gualtierische Figur als
264
richtig annehmen, und wenn Linne mit obigen Worten die Hök-
kerchen der columella bezeichnet hat, so stimmt Alles vortreff-
lich. Schröter Einl. I. p. 220 t. 1 f. 12 beschreibt eine sehr ab-
weichende, mir unbekannte Columbella, und Kiener giebt als
Colunibella Tringa (Mitra Lamk.) ebenfalls eine andre Art,
indem er grade die Linneische Foluta tringa als Columhella
rustica abbildet, und die ächte Voluta rustica L. als Varie-
tät betrachtet.
9. Voluta cornicula JL.
„V. testa subemarginata, oblonga, laevi, cornea ; spira lon-
giuscula; columella quadriplicata; labro aequali mutico. —
Gualt. t. 43 N. (Dieses Citat ist offenbar falsch und stellt
sehr kenntlich d&s Bucicnum corrnculumOViyi=B. fascio-
latum Lamk.=jB. Ca/mei/i Payr. dar). — Hab. in M. Medi-
terraneo. — Similis antecedenti (d. i. der V. tringa L.) sed
spira magis elongata, testa tota colore cornu, labrum minime
denfatum aut incrassatum; variat colore toto atro. Ed. XU.
p.1191 nr.415.
Schröter Einl. I. p. 221 setzt mit Recht zum Citat Gualt.
ein ? und giebt selber 1. 1 f. 13 eine Abbildung, welches eine
gefleckte Mitra ist, nämlich M, cornicula ris Lamk. Kiener
t. 12 f. 38, die im Mittelmeer nicht vorkommt, während Linne
ausdrücklich sagt: testa tota colore cornu. — Linne hat unstrei-
tig die im Mittelmeere ziemlich gemeine Mitra gemeint, wel-
che Lamarck und Kiener unter den beiden Namen M. lute-
scens und M. cornea aufführen (von welchen auch M.
spongiarum Menke nicht getrennt werden darf) und auch als
Varietät der Mitra Ebenus Lamk. dahin gerechnet, die jedoch
Hur selten ohne die weisse Querlinie angetroffen wird. Wie
ausserordentlich veränderlich diese Arten sind, habe ich in der
Enumeratio Moll. Sicil. gezeigt, und auch Kiener bestätigt es.
tO. Murecc Vusio Tt.
M. testa ventricosa, oblonga, laevi;. anfractibus rotundatis,
spira striata ; apertura laevi; cauda brevi. — BonanniRecr. 3.40.
— Gualt. test t. 52 f. J. — Hab. in M. Mediterraneo. — Testa
' ^ iriagnitudine'nucis Avellanae, glauco-caerulescens, fasciis
longitudinalibus griseis undatis. Sutura simplex.
265
So Liiine ed. XII. p. 1223 nr. 561. Untersuchen wir die
Citate, so stellt Bonanni eine sehr rohe Figur von der Rücken-
seite dar, welche deutlich schwärzliche Längsbinden zeigt. Die
Beschreibung p. 118: „Turbo in Syracusano littore frequens,
albo colore, fasciolis ex flavo-nigricantibus segmentatus et ni-
tens. Interdum violaceo colore tinctum mucronem habet" —
lässt gar keinen Zweifel, dass es Buccinum maculosum
Lamk. sei. Dieses hat auch Linne unter seinem Murex Pusio
verstanden, denn hiermit stimmt die Beschreibung Linne's, die
spira striata, die Farbe, Grösse, das Vaterland. — Die zweite
von Linne citirte Figur Gualtieri's stellt aber den Fusus arti-
culatus vor, welcher nach Schröter Einl. L p. 526 der Murex
Pusio L. sein soll, eine Meinung, welche Gmelin p. 3550 nr. 90
getreulich copirt. Schröter sagt ohne weitere Gründe anzu-
geben: „die Abbildung bei Bonanni (welche zwar roh ist, aber
mit Linne's Worten genau übereinstimmt), gehört nicht hier-
her. — Schröter's Meinung ist ganz falsch, sein Murex pusio
ist nicht so gross wie eine Haselnuss, sondern weit grösser,
ist nicht gestreift, sondern glatt, ist nicht glaucus, mit schwärz-
lichen, welligen Längsbinden, sondern „auf weissem Grunde
mit braun- oder rothgelben Flecken bemalt, die in ordent-
lichen Reihen stehen." Endlich ist Schröter's Art nicht aus
dem Mittelmeer.*)
Wie kommt aber Linne dazu, einen Fusus zu Buccinum
maculosum zu citiren? Die Antwort ist sehr leicht, weil beide
Arten ganz ungemein nahe verwandt sind,und noth-
wendig in ein Genus gehören. Diese Aehnlichkeit ist so
gross, dass sie sich auf Gestali, Verhältnisse, Mündung, Zähne
der Aussenlippe, Zähne der Innenlippe etc. erstreckt, so dass
die flüchtigste Betrachtung beider, wenn man sie nebeneinan-
der legt, meine Behauptung sogleich selbst dem Ungläubigsten
als richtig darthun wird. Eine dritte hierher gehörige Art ist
Buccinum guttatum n. sp. aus der Sammlung meines Freun-
des, des Herrn Dr. von dem Busch in Bremen, welches sich
nur durch etwas bedeutendere Grösse, nicht gestreifte Windun-
*) Dass Linne's Murex Pusio und Gmelin's Murex Pusio zweier-
lei sind, bemerkt schon Lamarck bei Fusus nifaty ohne Linne's Art.
erkannt zu haben.
266
gen und die Färbung unterscheidet, welche dunkel rothbraun
ist mit vfeiisseh Tropfen, v'on denen diie grössten oben in der
Nähe der Naht stehen. Eine Diagnose" desselben ist:
Buccinum guttätum n. sp.
B. testa oblonga, subfusiformi, obscure rufo-fosca, albo-gut-
tata; anfractibus planiusculis, sutura profunda angusta divi-
sis, laevibus; basi striata; apertura spiratii subaequante,
omnino ut in B. tnaculosö Vd Fusö articulato Lamk. — Long.
13V", ^^am. 6i'". — Pätria. Java? -
Andere hierher gehörige Arten sind Buccinum d'Ör-
higny Payr: und B. strigosuiri Gm. p. 3494? (Gmelin hat
diesen Namen drei Mal), welche schöne Art ich Herrn Dr. Jo-
nas in Hamburg verdanke. Ihre Diagnose lautet also:
Buccinum strigosum Gm.? Jonas.
B. testa oblongo-fusiformi, longitudinaliter plicata, lineis
elevatis transversis confertis majoribus minoribusve striata,
albida, costis aurantiacis, in anfractu ultimo fascia alba dimi-
diatis; anfractibus rotundatis; apertura ovato-oblonga, labro
iiltus cfenulato-dentato. Long. 14'", latit. 8'". Patria?
'''•'^' Die hier erwähnten Arten, '2u- welchen" hoch Purpura
picta Scäcchi, nicht Turton, oder Buccinum Scacchianum mihi
gehört, kann man mit demselben Recht zu Buccinum, wie zu
Purpura stellen, so lange beide Gattungen nicht besser begränzt
sind wie bisher. Wahrscheinlich wird man für die angeführ-
ten Arten das Genus Pisania von Bivona annehmen müssen.
11. JULurecc clathratus Xr.
„M. testa oblonga, caudata, plicis longitudinalibus submem-
branaceis sulcata. — Klein Ostr. t. 3 f. 67 (kann ich nicht
nachsehen, ist nach Schröter Einl. 'eine Gopie von Lister
t. 926 f. 19). — Hab. iii Lslandiae Mari. J.' Zoega. König.—
Testa magnitudine et facie Turbinis clathri (Scalaria commu-
•\nis, also höchstens etwa 18"V denn grössere Exemplare sind
' "Sehr selten) sed leviter cäudatä^ Plicae plurimae, longitudi-
liäles, erectae, compressae, superne inclinatae." — Ed. XIL
p. 1223 nr. 563.
-ri; 'Schröter Einl. Lp. 528 fügt, durch Linne'sGitat, verleitet,
^■tfie '43bi^^ Figur, von . Lister hirizuyv6n welcher Listßr sagt:
„Buccinum variegatum, levit er admodum sttlatum, sirlgUlis
267
orbibus duplicatiira aliqiia (nach der Figijr zu schliessen ein
varix) insignitiiin", was zu Linne's Beschreibung wie die Faust
aufs Auge passt. — Gmelin p. 3551 iir. 92 copirt getreulich
Schröter.
O. Fabricius in seiner vortrefflichen Fauna groenlandica
p. 400 nr. 400 hat diesen Murex richtig erkannt. Ob seine
Citate Tritoiihnn clathratum Müll, prodom. 2941 mwA Buc-
cininn truncatum Act. Nidros. IV. 369 1. 16 f. 26 richtig sind,
kann ich nicht nachsehn, wohl aber ist das Gitat Linne' iter
westgoth. 199 t.W f. 6 var. major richtig p. 230 der deutschen
Uebers., nur ist die Figur durch Schuld des Kupferstechers
links und 15'" lang, vielleicht vergrössert. -^L'^ '-'^ •' ^ ^- ,
Ich besitze diese Art aus Grönland, alyer iri'emetii ftalim
6'" langen und 3-g-'" breiten Exemplar. O. Fabricius beschreibt
sie also: „Länge 3^ — 7'"; Breite U — 3^'". Die Schale ist
länglich, thurmförmig, glatt, dünn, ziemlich matt, der Länge
nach gefaltet. Sechs, kaum sieben Windungen (soviel zählt
auch mein Exemplar, ebensoviel auch die, vielleicht vergrosserte
Abbildung in der Westgothischen Reise), gerundet, nicht seht
bauchig, obliqui, secundi (was heisst das?), mit hervorstehen-
den, häutigen Falten, die nach links oder nach der Oeffnung
gekehrt sind, geschindelt. Auf den drei obersten sind käu tA
Falten, auf der letzten Windung sind sie am meisten bemerk-
bar, zahlreich (14 und mehr) oben links, unten rechts gegen
den Schwanz gekrümmt. Die Aussenlippe ist scharf. Die Mün-
dung beinah mondförmig verengert. Die Columelle läuft i^chißif
in den Schwanz aus. Der Kanal ist zietnlich kurz (nicht voll-
kommen halb so lang wie die eigentlichö Mundöffnung), (besöri^
ders bei den jüngeren) zurückgebogen, ^ abgestutzt (truncatus),
bei einigen weniger (retusus). Öei- De'ckelTst eiförmig, braun
und schliesst die Oeffnung nicht Tollkommen. Die Spitze ist
wie abgebrochen und unvollständig, und bei ziemlich vielen
Exemplaren angefressen. Die Fatbb ist bräunlich gelb, in todten
dder leferen Schalen weisslich." Diese Beschreibung ist so
genau, dass ich nichts hinzuzusetzen weiss, als daSs das' Ge-
Vihde «6 läng W wf^tlre Oeffnung' mit Vlfeiil CaWal zusammen-
genommen. :•
268
lÄ. MureoD corneus Mj.
„M. testa oblonga, rudi, atifractuum marginibus complana-
tis; apice tuberculoso ; apertura edentula, cauda adsceiidente.
It. westgoth. t. 5 f. 6 (Ein sonderbarer Irrthum von Linne!
Diese Figur ist die vorige Art und stimmt mit der Beschrei-
bung des M. corneus nicht im Entferntesten. Vermnthlich
ist durch einen Schreibfehler das Citat an eine unrechte
Stelle gekommen). — Gualt. t. 46 f. F (stellt sehr deutlich
Fusus lignarius Lamk. dar). — List. angl. 157 t. 3 f. 4
(kann ich nicht nachsehn).
„Hab. in Europa australiore. — Testa digito brevior, colore
cornu, laevis sed non glabra, opaca." Ed. XII. p.l224 nr.565.
Schröter Einl. I. p. 530 hat diese Art gänzlich verkannt,
und alle Nachfolger nach ihm auf seine Autorität. Dass Linne
bei Citirung der Westgothischen Reise sich offenbar geirrt, be-
merkt er nicht, setzt zu der vortrefflichen Figur von Gualtieri
ein ? und beschreibt eine Art „mit feinen Querstreifen",
sagt „Knoten sehe ich an der Endspitze meiner zwei Exem-
plare nicht, so wenig als Lister dergleichen an seinem Beispiele
erblickte und abbildet." Hieraus vermuthe ich, dass das Citat
von Lister zu streichen ist. Linnens Art ist ganz deutlich Fm-
sus lignarius auct. Dieser ist an der Spitze knotig, seine
Windungen sind nach oben „complanati", er ist „laevis" d. h. ohne
Streifung, aber nicht „glaber", spiegelglatt, wie Schröter sagt,
ist in Südeuropa zu Hause und von Gualtieri a. a. O. gut ab-
gebildet. Murex lignarius L. ist aber Fasciolaria ta-
rentina, wie ich gleich zeigen werde.
13. Murecc lignarius It, \
„M. testa oblonga, rudi, anfractibus obtuse nodosis; aper-
tura edentula; cauda brevi, rectiuscula. — Bonanni Recreat. 3
f. 32 (sehr roh, kann jedoch nur Fasciolaria tarentina dar-
stellen). — Gualtieri 52 S (etwas zu dick, sonst offenbar Fa-
sciolaria tarentina). — Seba Mus. 3 t. 52 f. 4 (die Gestalt
stimmt wohl mit Fasciolaria tarentina. Die Färbung p. 145
dilute cinereo-luteum ebenfalls, aber die Worte : fasciis veluti
obvolutum, — latis profundisque sulcis pone gyros verstehe
ich nicht zu deuten). — Hab. in Europa australi. — Testa
I
\
269
vix digiti longitudine; anfractiis laeves, rudes, simplici Serie
tuberibus obtusis." Linne ed XII. p. 1224 nr. 566.
Schröter Einl. I. p. 531 setzt zuBouanni ein ?, sagtGual-
tieri's Figur könne nicht hierher gehören und behauptet von
Linne „Er schreibt sie aus der Nordsee her", was nicht wahr ist.
Gmelin p. 3552 nr. 98 copirt Schröter, lässt den Gualt. fort,
setzt aber noch Knorr Verz. 6 t. 26 f. 5 hinzu, was ich nicht
nachsehn kann, und setzt ebenfalls das falsche Vaterland: Oce-
anus Septentrionalis. — Lamarck vol. VII. p. 129, der doch
offenbar die vorige Art als Fusus lignarius beschreibt, wie
seine Worte „albida, rufo aut fusco venulata" und die Abbil-
dung bei Kiener beweisen, entnimmt aus Gmelin die Worte:
„anfractibus superne unica Serie nodulosis", welche auf seinen
Fusus lignarius nicht im geringsten passen, so wie das falsche
Vaterland: les mers du Nonl. — Die Fasciolaria tarentina
stimmt dagegen Wort für Wort mit Linne, eben so mit den drei
von Linne citirten Figuren und mit dem Vaterland.
14. JBEureop scriptus X.
„M. testa subecaudata, fusiformi, laevi, pallida, striis fuscis
longitudinalibus variis, labio dentato. — Hab. in M. Medi-
terraneo. — Testa semine Hordei paullo major, undique lae-
vis, oblonga, vix caudata, pallide albida, commaculata striis
oblongis flexuosis, subpiceis." — Ed. XIL p. 1225 nr. 570.
Schröter Einl. L p. 534 übersetzt wörtlich Linne, undGme-
,lin p. 3554 nr. 166 schreibt denselben ab. Der Murex scriptus
Linne's ist aber Buccinum corniculat um Lamk. oder B.
Linnaei Payraud. Man nehme Kiener t. 16 f. 56 zur Hand,
wenn grade ein so gefärbtes Exemplar fehlen sollte, und man
wird finden, dass Linne's Beschreibung, Grösse, Vaterland,
Färbung etc. auf das Allergenaueste hiermit übereinstimmt.
15. Vrochus labio X.
„Tr. testa imperforata, ovata, substriata, columella uni-
dentata. — IM. L. U. 649 nr. 335 (kann ich leider nicht nach-
sehn). — List, conch. 4, s. 8 c. 4 t. 3 (nach Schröter t. 642
f. 33, 34, siüWi Mono donta fr agarioides dar). Rumph. Mus.
t. 21,Zi (sehr roh, die Mündung ist nicht zu sehen, die Worte
p. 75 „het dier heeft een dicke en als dubbelde lippe aan
2:70
denzelveii" beweisen, dass es Monodonta laheo Lamk. ist).
— Argenv. conch. 9 (Druckfehler für 6) f. N (die Figur ist
äusserst roh, die Beschreibung sagt bloss : „la lettre N montre
rui petit limagoii a caiinelures blanches et noires melees de
verd.) — Regenfuss t. 10 f. 39 (kann ich nicht nachsehn.) —
Hab. in Oceano Africano et Asiatico." Ed. XII. p. 1230 nr. 595.
Scbröter Ein). I. p. 667 giebt Linne's Art für Monodonta
Laheo Lamli. aus, indem er die beiden Figuren von Lister, die
(jrei Figuren von Gualtieri, vvelche alle fünf die Mün-
4;ung zeigen und Monodonta fragarioides sehr deut-
lich vo rs teil ei), und die Figur vpn Regenfuss, also sechs
Figuren verwirft,, und nur zwei von Argenville und Rumphius,
^ie,;Sehr schlecht und undeutlich sind, und die Mündung
nicht zeigen, beibehält, dagegen eine Menge andere citirt,
die bei Linne fehlen. — ■ Liane aber sagt ed. XIL nichts von
der wuiicierbaren Lippenbildung, und würde schwerlich dieselbe
verschwiegen oder die Figuren Lister's und Gualtieri's citirt
haben, wenn er die Monodonta Laheo gemeint hätte. Linne
nennt ferner seine Art „substriata", wogegen M. L. „transver-
sim rugosa, rugis nodulosis" ist, wie Lamarck sagt. Diese
Schwierigkeit beseitigt Schröter, indem er sagt: „Diese Knoten
sind so ausserordentlich flach, dass sie leicht übersehen und
eben so leicht abgerieben werden können." Das erstere kann
man einem Linne nicht zutrauen und beides ist zum üeber-
fluss nicht wahr; sondern es ist wohl als ausgemacht anzuneh-
man, dass Linne in der zwölften Ausgabe nicht die Mono-
donta Laheo Lamarck, Trochus Laheo Schröter et sequen-
tium, sondern die M. fragarioides gemenit hat. — Aber
hat er vielleicht in dem Museum Ludovicae Ulricae Reginae
die M. laheo beschrieben? Auch das nicht, denn Schröter
sagt: „Linne muss in dem Kabinet der Königin von Schweden
ein ganz falsches oder ganz eigen gebautes Beispiel vor sich
gefeabt haben etc." Was Schröter weiter anführt, scheint frei-
lich auch nicht für meine Ansicht zu sprechen.
1«. IV. Vurho ohtusatus und V» neritoides Xt.
Von Turho ohtusatus heisst es in der Edit. XU.
p. 1232 nr. 605:
„T. testa subrotunda lae vi, superne ventricosiore,
271
. obtusissima: inargine columnari piano. — Hab. in Oceano
Septentrioiiali," — Kein Citat.
Von r. neritoides ebendaselbst nr. 606:
„T. testa ovata, glabra, obtusiuscula, margine colu-
ninari piano, — Gualt. t. 45 t F. -r Hab. in M. Mediterraneo.
— Testa Neritis.inaxiuie affinis. Minuta."
Unbegreiflich ist es, wie Schröter und seine Abschreiber
den so vortrefflich beschriebenen Tiirho ohtusatus nicht er-
kannt haben, und wie man diesen unter dem Namen T. nerU
ioides L. anführen kann. Dieser soll klein, aus dem Mit-
telmeere sein, eine eiförmige Gestalt und eine stumpfliche
Spitze haben. Nichts von alle dem passt ja auf den Turha
neritoides auct, Gualtieri's Figur stellt die Littorina Basteroti
Payraud = Twr&o coerulescens Lamk. =Turho sax atilis Olixi
vor, wenngleich die Windungen zu gewölbt sind. Die Worte:
„B. parvum integrum, ore ohliquo, leviter striatum, striis per
longitudinem sitis (die Anwachsstreifen sind in der That sehr
deutlich), ex livido et albido fasciatum" lassen keinen Zweifel.
Auch ist es gar kein Wunder, dass Linne, der so viele Scha-
len aus dem Mittelmeer von ßrander Logie und anderen erhal-
ten, diese dort so gemeine Schnecke gekannt habe. Die Worte
„testa Neritis maxime affinis" nicht similis des Linne be-
stätigen vollkommen meine Ansicht, dass Linne's Turho neri-
toides die Littorina Basteroti sei, denn diese ist aller-
dings den Isleritea verwandt durch die ebene innere grad-
linige Rippe, und die halbrunde Oeff'nung, wogegen Turho
ohtusatus L.,; den man gewöhnlich T. neritoides nennt, in die-
sen Theilen .keine Verwandtschaft mit Nerita zeigt, Sondern
nur eine Aehnlichkeit in der äussern Gestalt mit die-
sem Genus besitzt. Ein Linne erkennt die erste, ein Schrö-
ter nur die äussere Aehnlichkeit. Hätte Linne anstatt obtu-
siuscula acutiuscula geschrieben, so wäre allerdings alle Mög-
lichkeit eines Zweifels beseitigt. Unerlaubt ist es aber wahr-
lich, dass Schröter Einl. n. p. 4 die Abbildung von Gualtieri
ohne weiteres verwirft, das Vaterland, welches Linne angiebt,
das Mittelmeer in „die Europäischen Meere und die Westindi-
schen Ufer" Verändert und T. neritoides als eine Schale be-
schreibt, welche „einen platten Wirbel und noch eine
plattere End spitze hat." Ist das eine testa obtusiuscula?
272
Wenn Schröter hei Tui^ho ohtusatusip.d sagt: „nach die-
sen Kennzeichen des Linne scheint es nun zwar nicht schwer
zu sein, diese kleine (wo sagt denn Linne, dass sie so klein
sei?) Schnecke zu erkennen, allein man nehme die drei Gat-
tungen, die Linne Turbo ohtusatus , Turbo neritoides und
Nerita littoralis nennt, vergleiche sie nach Beispielen und
Zeichnungen der Schriftsteller, und man wird sich kaum her-
ausfinden können" ; so behaupte ich dagegen, Linne habe diese
drei Arten wohl geschieden, hinlänglich scharf characterisirt,
und die Confusion sei hauptsächlich durch Herrn Schröter ent-
standen, welcher einen jungen Turbo obtusatus L. „ein ganz
kleines Beispiel" als cHesen, die grösseren als T. neritoides
(der doch grade nach Linne klein ist) beschrieben, ganz will-
kürlich Linne's Citat weggeworfen und das Vaterland ver-
ändert, und ebenso wenig richtig Linne's Nerita littoralis er-
kannt hat.
18. Werita littoralis X. '
„N. testa laevi, vertice carioso, labiis edentulis. —
' Fn. Suec. 2195. — It. oel. 261 (beide kann ich nicht nach-
sehn). — List. angl. 164 t. 2 f. 3 (kann ich ebenfalls nicht
nachsehn). — List, cortch. t. 4 ser. 8 f. 39 (nach Schrot. 649
f. 39 Druckfehler, ist ein knotiger Turbo, es soll wohl heissen
ser. 5 f. 39 oder t. 607 f. 39, wo Turbo obtusatus L. zu
sehn ist). — Petiv. Mus. 67 Nr. 717 (kann ich nicht nach-
sehn). — Gualt. t. 4 f. LL (ist Nerita fluviatilis). — Hab.
ad Maris Europaei littora scopulosque, modis innumeris va-
riegata, eadem minor in lacubus dulcibus." Ed. XU.
p. 1253 nr. 724.
Nr. 723 ist N erita fluviatilis h, „testa rugosa, labiis
edentulis." Nr. 725 N, lacustrisL. testa laeviuscula cornea,
apice exquisito, labiis edentulis. Letzteres ist bekanntlich
eine Varietät der N. fluviatilis. Linne stellt also seine N-
littoralis zwischen zwei Varietäten der N. fluviatilis und
unterscheidet sie hauptsächlich durch den abgefressenen Wirbel.
Hieraus erscheint es allein schon wahrscheinlich, dass seine
iV. littoralis auch nur eine Varietät der iV. fluviatilis sein
müsse, der Turbo obtusatus und T. neritoides auct. kann es
aber nicht im Entferntesten sein, denn von diesen kann L.
273
unmöglich sagen: habitat in lacubiis dulcibus, dies kann nur
von einer Neritina gelten. Dass diese Ansicht die richtige ist,
folgt ferner daraus, dass Neritina ßuviatilis wirklich in der
Ostsee vorkommt, wo Linne fn. suec. u. iter oeland. die Ne-
rita littoralis angibt, und zwar grade mit abgefressenen Wir-
beln (ich selbst besitze solche Exemplare von Zoppot bei Dan-
zig), während Turbo ohtusatus L. oder neritoides Schroet.
etc. in der Ostsee nicht vorkommt, und von Linne nicht
darin angegeben wird. Diesen Betrachtungen gegenüber kön-
nen wir auf das Citat von Lister Conch. kein Gewicht legen,
dem Gualtieri gegenübersteht, um so mehr, als Linne selbst
sagt, er habe nicht alle Citate aus Lister mit eigenen Augen
gesehen*). — Wenn daher Schröter Einleit. p. 288. sagt: „ich
glaube, dass Turbo neritoides' und Nerita littoralis L. nicht
zwei verschiedene Schneckengattungen sind," so irrt er gewal-
tig. Weiter sagt er selbst: „Wenigstens würde unter Nerita
littoralis und ßuviatilis kein Unterschied sein." — Nachträg-
lich noch die Bemerkung, dass im M. L. U. R. Turbo neritoi-
des und littoralis fehlen , und dass Fleming bist, of british
animals 318. nr. 270. eine Nerita littoralis, aber kein Turbo
neritoides oder obtusatus vorkommt; Fleming citirt auch List.
Conch. 607 f. 39 — 44, aber nicht wie Linne List. angl. 164
t. 2 f. 3, sondern 164 t. 3 f. 11, 12, 13. — Unsern T. obtusa-
tus bringt er mit Neritina virginea, welche nach Tu^on \"
gross an der W^estküste Irlands vorkommen soll (etwa die iV.
littoralis i. e. vaT\ der ßuviatilis?), in ein Genus!
SolcherParadoxen findet man in dem Buche viele. Noch mehr
zu bedauern ist es aber, dass Fleming beinahe nie einen französi-
schen oder deutscheu Schriftsteller, sondern nur seine Lands-
leute citirt, als ob jedes Volk eine Zoologie für sich haben
müsste. Fast sollte man glauben, dass er absichtlich hierauf
hinarbeitet, wenn man sieht, dass er z.B. Triton nennt, was
alle Welt Murex heisst, Terebra, was Jedermann unter Ce-
rithium kennt, den sehr deutlichen Strombus ornatus Des-
hayes, welchen Sowerby als Murex bartoniensis abgebildet
*) Ed. XII. p. 1210 Note: „Listeri conchyliorum historiam cum
tabularum numeris adpositis non obtinui» dtationes eüisdem nonnul-
las alioruni oculis iantmii vidi.
Archiv f. Naturgcsch. YH. Jahrg. 1. Band. 18
274
hat, und welchen Herr Agassiz *) zu Tritonium Anus stellen
will (sie!), nebst der Äm^icw?« Desh. unter CoZz/mteZ/a bringt;
die Marginella catenata^ welche sich nur durch die Färbung
von Volvaria miliacea unterscheidet, als eine Voluta be-
schreibt u. s. fort. Heisst das nicht die Wissenschaft in eine
heillose Confusion stürzen?
%9* IKelicc anthigua £•
^A.'K\\^A2^im'.li4ii^iFossarus Adansoni. Linne
citirt Adanson's Fossar und beschreibt die Schale vortrefflich,
wie immer, aus eigener Anschauung. Er hat sie aus dem
Mittelmeer bekommen. Herr Pfeiffer in seiner Synonymie
von Helix hat es schon erwähnt, und ich bemerke es nur dess-
halb, weil man dieses Thier schwerlich unter Helix suchen
wird» — Schröter Einleit. II. p. 178 hat, vielleicht nur durch
einen Schreibfehler, hinter dem Citat aus Adanson ein ? ge-
setzt, welches Gmelin pag. 3665 nr. 157 getreulich copirt hat.
Nachdem Gegenwärtiges bereits geschrieben war, bekam
ich einen Brief von Hrn. Dr. Jonas in Hamburg, worin er Fol-
gendes über Nerita glaucina L. schreibt:
20* JSTerita glaucina Mj,
N. testa umbilicata, laevi; spira obtusiuscula ; umbilico se-
miclauso; labio gibbo, discolore. — Fn. suec. 2197. — Mus.
L. U.674 nr.384. — Rumph mus. t.22 f. A. (Eine sehr rohe'
Figur, der Beschreibung nach offenbar Natica vitellus Lamk.:
„dooyer geel, zoo dat man ze voor een dooyer van een ey zoude
anzien" etc. — ) Gualt. 67 M. (ist N.fulminea Lam. punctata
Swains), P (will ich nicht deuten), T (ist iV. pwncf af a Swains.)
*) p. 63 der deutschen üebersetzung von Sowerby's Mineral Con-
chology. Derselbe Gelehrte sagt ibid. p. 13: die Cypraeen seien
links gewunden, was doch wahrlich ein sonderbares Versehen ist,
das um so mehr angezeigt werden miiss, je grösser die Autorität
von Agassiz ist. '
275
— List, aiigl. 163. t. 111. f. 10. — Adan&. 1. t. 13. f. 14.
(Druckfehler für 4, ist IS . fulmined), ^rr Hab. in Oceano
africano.
„Woher mag es kommen, dass so viele Schriftsteller diese
Conchylie mit einer von derselben himmelweit verschiedenen,
der Natica glaucina Chemnitz, Lamarck etc. (die Linne Ne-
rita albumen nennt) verwechselt haben? Deshayes macht in
einer sehr weitläufigen Note hierauf aufmerksam, doch kann
ich ihm nicht ganz beipflichten. Wahr ist es, dass Linne im
Syst. Nat. oder im Mus. L. ü. sich über diese Conchylie nicht
deutlich ausspricht, aber in der Fauna suecica gibt er unter
nr. 1324 eine herrliche Beschreibung seiner Nerita glaucina:
„„Cochlea subrotunda, obtusa, umbilicata; fasciis quinque ma-
culis ferrugineis sagittatis, secunda lineis undulatis. — List.
anim. Angl. 163 t. 3 f. 10. — Hab. in Mari. — Descr. Magnitudo
nucis Coryli; testa subrotunda, obtusa, quatuor anfractuum,
albida, basi perforata seu umbilicata; anfractus (praesertim in-
fimus) fasciis 5 pinguntur, quarum prima seu superior maculis
ferrugineis sagittatis constat, secunda maculis ferrugineis ob-
longis undulatis, tertia, quarta et quinta maculis ut in prima"".
— Dass hiernach die ächte Nerita glaucina L. zu bestimmen
und dass es Natica marochiensis Lamk. ist, werden
Sie leicht erkennen. Die Figur des Lister ist zwar grosser
als Linne angiebt, und zeigt auch keine Binden, allein hieran
dürfen wir uns nicht kehren; Lister sagt bei Beschreibung
dieser Schnecke: „sed de colore in vivis animalibus nihil cer-
tum affirmare possum, quod testas vetustas tantum et raaris
agitatione multum detritas adhuc vidi," (Die Engländer be-
schreiben als Natica glaucina die Natica monilifera
Lamk., und dies ist wohl die Ursache, warum Deshayes ed. II.
Lamarck VIII. p. 626 sagt: il nous semble que Linne a eu en
vue Fespece commune dans les mers d'Europe et ä laquelle
Lamarck a donne le nom de N, monilifera. Hätte Deshayes
die Fauna suecica angesehen, so wäre er in diesen Irrthum
nich tverfallen.)"
„Vergleichen wir die iV. marochiensis mit der N.
fulminea, so finden wir den Unterschied nicht so sehr be-
deutend , und es lässt sich leicht denken, dass Linne jene Ab-
bildungen des Gualtieri und Adanson für Varietäten seiner
18*
5i76
Nerita glaucina angesehn hat, die sich bloss durch Grösse
und Zeichnung unterscheiden." Beide Arten sind übrigens
wesentlich verschieden ; N. fulminea hat z. B. einen kalkigen,
N, marochiensis , die ich mit dem Thier lebend beobachtet
habe, einen hornigen Deckel.
Einige neue Land- und Süsswasser-Conehjlien,
beschrieben von
E. Ch. L. Grüner.
Hierzu Taf. XI.
WTnio J^elpMnus*
Fig. 1.
Un.: testa elliptico-oblonga, subcompressa, posterius an-
gulata, viridi-fusca, transversim subrugosa, inferius arcuata,
superius antice recta, mucronata, pone nates alata, ala liga-
mentum celante erecta, triangula, posterius hiante, acumine
bifido aut adunco, retroflexo; cardinis dentibus crenulatis:
primariis exilibus, lateralibus distinctis, rectis; margarita
carneo-opalina.
Long. 5 polL; alt. valv. 1 poU. 10 lin.; alae 1 poll. 81in.
= 3 poll. 6 lin.
Hab, in Songi flumine Malaccae.
Interessant durch die beträchtliche Grösse des von beiden
Schalen aufsteigenden und also aus zwei, mit der inneren
Fläche zusammengewachsenen Platten bestehenden, das Liga-
ment verbergenden, beinahe gleichseitig dreieckigen Flügels
auf dem Hinteroberrande. (Character der Gattung Symphy-
nota Lea.)
An den mehrsten Exemplaren ist dieser Flügel an der
Spitze durch einen kleinen Einschnitt zweispaltig; an einem
der vorhandenen Exemplare ist die Spitze zwar ganzrandig,
aber nach hinten zurückgebogen, etwas faltig. (S. fig. 1 c.)
277
Der kleine, beinahe stumpfe, etwas vor- oder auch in die
Höhe stehende und dann gleichsam einen, immer aber sehr
viel kleinern zweiten Flügel darstellende Fortsatz am Vorder-
oberrande findet sich nur vor, wenn die Muschel noch nicht
gar alt und wohl erhalten ist. — Sie ist zunächst verwandt
mit Symphynota laevissima Lea und Symphynota bialata Lea,
unterscheidet sich jedoch von beiden durch ihre gestrecktere
Form, die im Verhältnisse zur Höhe der Schalen beträcht-
lichere Grösse des Flügels, die Beschaffenheit der Schlosszähne
und andere, in der Diagnose angegebene Merkmale hinlänglich.
Nach einem, dem bekannten Conchiologen in Philadelphia,
Herrn Is. Lea, eingesandten Exemplare dieser interessanten
Muschel, ist solche durch gelben ebenfalls unter der ihr von
mir beigelegten Benennung beschrieben und publicirt.
Hierher gehören die Figuren:
No. 1. — Ansicht von der, Seite.
- 1 a. desgl. von vorne.
- Ib. desgl. von Innen. v../r>
- 1 c. desgl. der Varietät des Flügels.
Bulitnus Menkei*
Fig. 2.
B. testa ovata-oblonga, anguste perforata, solidiuscula,
laevi, ochroleuca, strigis distantibus fuscis, obsolete serra-
tis vittisque rarioribus nigris radiata; anfractuum infimo in-
ferius fascia zonaque ad basin nigris; inferioribus tribus ad
suturam linea nigra cinctis; spirae conoideae obtusiusculae
anfractibus sex , convexis ; labro acuto, intus marginato : pe-
richelis nigro; labro columellari albo.
Long. 9 lin., lat. 4 lin.
Hab, in Reipublicae Venezuelae provincia Orinoco.
Diese', meinem hochverehrten Freunde, Herrn Medicinal-
rath Dr. Menke gewidmete, allerliebste, eigenthümliche und
selbstständige Art, ist den Cochlogenis Fer., der Abtheilung
Oxycheli Mke. angehörig.
Ich empfing mehrere Exemplare davon durch einen Be-
kannten in Angostura am Orinoco, nach dessen Angabe selbe
278
in der Umgegend eines, nicht fern von der Stadt liegenden
kleinen Landsees gesammelt worden sind.
BuUfnus Angosturensis.
Fig. 3.
B. testa ovata-elliptica, perforata, solida, epidermide fulva
induta, longitudinaliter striata, striis subtilioribus transver-
sis decussata; spirae conoideae, obtusae anfractibus sex,
turgidulis, sutura profunda distinctis; labro reflexo.
Long. 9 lin., lat. 4^ lin.
Hab. in Republicae Venezuelae Provincia Orinoco.
Er gehört zu den wahren Bulimis, nach Ferrus. zu den
Cochlogenis Lomastomis, nach Menke in die Abtheilung Ä.
Veri, ** Conoidei, in die Nähe unsers vaterländischen Buli-
mus montanus Dr. , von dem er sich durch die , in obiger
Diagnose angegebenen Kennzeichen und insbesondere durch
seine Dimensionen allerdings wesentlich unterscheidet. —
Fundort wie Nr. 2.
Bremen, im October 1840.
lieber die Seeschlaoge der Norweger.
Von
Heinrich Rathke.
Auf einer Reise, die ich durch Norwegen machte, benutzte
ich die Gelegenheit, über ein noch immer räthselhaftes und
selbst bezweifeltes Thier, die sogenannte Seeschlange (See-Orm
in der Sprache der Norweger) Erkundigungen einzuziehen.
Die günstigste Gelegenheit dazu bot sich in Christiansund dar,
in, dessen Umgebung man dieses Thier nicht selten bemerkt
haben will.
,^ Im Allgemeinen nun ' erfuhr ich über die Seeschlange
Folgendes: Am öftersten ist sie in den grössern Meerbusen
Norwegens gesehen worden, nur selten im offenen Meere. In
dem so ansehnlich grossen, vielfach verzweigten und insel-
279
reichen Meerbusen von Christiansund hat sie fast alljährlich
sich erblicken lassen *), jedoch nur in der wärmsten Zeit des
Jahres, nämlich in den Hundstagen , und auch dann nur, wenn
die Luft ganz still und die Oberfläche des Wassers ganz glatt
war. Wenn das Wasser nach dem Erscheinen derselben, war
es auch nur wenig, in Bewegung gesetzt wurde, verschwand
sie sogleich. — Gross ist die Furcht vor ihr, so dass selbst
viele sonst beherzte Fischer sich während der Hundstage nicht
weit aufs Wasser begeben, ohne Asa foetida mitzunehmen, von
welcher Substanz man behauptet, dass sie, ins Wasser gewor-
fen, durch ihren Geruch das Thier vertreibe. Ausserdem aber
rathen die Fischer an, dass bei dem Herannähern einer See-
schlange die grösste Stille beobachtet und daher auch das Rudern
eingestellt werde, weil jedes Geräusch sie noch mehr heranlocke.
Um aber mehr, als dergleichen ins Allgemeine gehende und
in dem Volke umlaufende Erzählungen zu gewinnen, wandte
ich mich an mehrere Personen, die mit eignen Augen die See-
schlange gesehen haben wollten. Einige davon, die auf eine
Aufforderung der Gebrüder Soeren und Wilhelm Knutszon,
zweier angesehener und sehr gebildeter Kaufleute, mich be-
suchten, befragte ich darüber mündlich; für andere aber hatte
ich etliche Fragen aufgeschrieben, die mir schriftlich beant-
wortet wurden. Was meine Erkundigungen ergaben, will ich
in dem Nachstehenden jetzt anführen.
1) NilsRee, Arbeitsmann bei dem Herrn Wilh. Knutszon,
ein ältlicher schlichter Mensch, sagt aus: Ich sah die Schlange
2mal, einmal um die Mittagszeit, das andremal ein Paar Tage
später gegen Abend, in dem Fiord hinter dem Garten des
Herrn Knutszon. Das erstemal war sie von mir, als sie sich
mir am nächsten befand , nur einige wenige hundert Fuss ent-
fernt. Sie schwamm damals erst den Fiord entlang, dann von
der Gegend aus, wo ich am Ufer stand, quer über. Ich habe
sie damals über ^ Stunde gesehen. Einige Fremde, die sich gegen-
über am Ufer befanden, schössen auf sie, worauf sie verschwand.
Das andremal war sie weiter von mir entfernt. Sie war nur
klein, etwa noch einmal so lang als das Zimmer, in dem wir
sind (im Ganzen also circa 44 Fuss), und machte beim Schwim-
*) Besonders häufig will man sie in demjenigen Theile des Meer-
busens bemerkt haben, in welchem das Dorf Lorvig liegt.
280
wen Schlangen- Bewegungen tlieils seitswärts, tlieils auf und ab.
Ihre Dicke kann ich nicht genau angeben, sie schien aber in
Verhältniss zu ihrer Länge etwa so dick wie eine gewöhnliche
Schlange (Natter) zu sein. Nach dem Schwanzende hin nahm
ihre Dicke sehr ab. Der Kopf erhob sich mehrmals ganz aus
dem Wasser, so jedoch, dass er nur wenig über demselben
hervorsah; der Hals aber und der übrige Theil des Körpers
ragten nur wenig aus dem Wasser hervor. Der Kopf lief nach
vorne etwas spitz zu: die Augen waren sehr gross und glänzten
wie die einer Katze. Eine Zunge habe ich nicht gesehen, auch
überhaupt nicht bemerkt, dass das Thier das Maul aufgemacht
hätte. Ob der Hals gleich hinter dem Kopfe viel dünner war
als dieser, kann ich nicht angeben, denn hinter dem Kopfe
begann eine Mähne, wie die eines Pferdes, die sich auf dem
Wasser hin und her bewegte. Gleich hinter dem Kopfe war
sie am dicksten (breitesten), wurde von da aber nach hinten
immer dünner. Im Ganzen war sie nicht sehr lang. Die Farbe
des ganzen Thieres war braun -schwarz.
2) John Johnson, Kaufmann, circa 60 Jahr alt, giebt in
deutscher Sprache Folgendes an: Ich sah das Thier vor mehrern
Jahren im Fiord in einer Entfernung von circa 1000 Schritten,
als es mir am nächsten war, und im Ganzen ungefähr ^Stunde
lang. Es schwamm sehr schnell: denn in derselben Zeit, dass
wir seitwärts von ihm rudernd ^ Meile zurücklegten, war es
etwa 4^ Meile geschwommen. Am deutlichsten sah ich es, als
es um eine massig grosse Klippe, die ihm im Wege war, auf
der mir zugekehrten Seite in einem Halbkreise herumschwamm,
indem es sich dabei theilweise am meisten über das Wasser
erhob. Seine Farbe war schwärzlich: seine Länge betrug un-
gefähr die des Hauses , in welchem wir uns befinden (55 Fuss).
Ausser seinem Kopf habe ich vom übrigen Körper nur wenig
zu sehen bekommen, weil dieser, selbst theilweise, nur wenig
über den Wasserspiegel kam: doch glaube ich nach dem zu
urtheilen, was ich davon ab und zu wahrgenommen habe, die
Dicke des Rumpfes mit der eines grade nicht fetten Mannes
vergleichen zu dürfen. Der Kopf hatte in der Entfernung, in
der sich das Thier von mir befand, die scheinbare Grösse
etwa von einem Hutkopfe. Vorne lief derselbe nicht spitz
aus, sondern schien abgestumpft zn sein: überhaupt aber war
281
er im Vergleich zu seiner Dicke nicht sonderlich lang. Er
wurde nur wenig über dem Wasserspiegel gehalten, und zwar
in einem spitzen Winkel, blieb aber fast immer, so lange ich
das Thier sah, über dem Wasser. Augen habe ich nicht" deutlich
der Entfernung wegen unterscheiden können. Von einer Mähne
habe ich gleichfalls theils der Entfernung wegen, theils weil
der Hals selten und nur wenig über das Wasser hervorkam.
Nichts erkennen können. Die Bewegung, in die das Wasser
durch das Thier versetzt v.urde, war sehr stark. Die Bewe-
gungen des Thieres selbst waren schlangenförmig, aufwärts
und abwärts, wie die eines schwimmenden Blutegels. Als das
Thier an eine Stelle gekommen war, wo das Wasser durch
einen aufsteigenden schwachen Wind gekräuselt wurde, ver-
schwand es. Uebrigens glaube ich, dass das Thier nicht sehr
zu fürchten ist, und dem Menschen nicht leicht Schaden zu-
fügen dürfte.
3) Lars Johnöen, Fischer aus Smölen, circa 50 Jahr
alt. Ich habe die Seeschlange mehrmals gesehen, am längsten
und nächsten aber vor 12 Jahren in den Hundstagen im Fiorde
nicht weit von hier, als ich allein in einem Boote an einem
Nachmittage mit der Angel fischte. Ich sah sie damals im
Laufe von 2 Stunden dreimal längere Zeit ganz in meiner
Nähe. Sie kam an mein Boot dicht heran, so dass sie nur
ungefähr 6 Fuss von mir war. (Er stellte sich im Zimmer in
einer Entfernung von kaum 6 Fuss von der Wand, und sagte,
so gross sei etwa der Raum zwischen ihm und der Schlange
gewesen). Mir wurde sehr bange, ich befahl daher Gott meine
Seele, legte mich im Boote nieder, und hielt den Kopf nur so
weit über den Bord, dass ich die Schlange beobachten konnte.
Sie schwamm jetzt bei dem Boote vorbei, das durch die Be-
wegungen des früher spiegelglatten Wassers in ein sehr starkes
Schwanken und Tanzen versetzt wurde, und entfernte sich.
Nachdem sie eine beträchtliche Strecke von mir fortgeschwom-
men war, wickelte ich meine Angeln auf das dabei gebräuch-
liche Instrument (einen Rahmen, der um eme Achse beweglich
ist) auf, und fing wieder an zu fischen. Nicht lange danach
aber kam die Schlange wieder ganz dicht ans Boot, das aufs
Neue durch die von ihr verursachten Bewegungen des Wassers
stark geschaukelt wurde. Ich legte mich abermals nieder und
282
verhielt mich ruhig, wobei ich jedoch das Thier fortwährend
im Auge behielt. Auch jetzt giug es bald an mir vorüber,
entfernte sich nun aus meinem Gesichtskreise, und kam dann
nochmals wieder, doch nicht so nahe zu mir, wie früher, und
verschwand endlich, als ein leichter Wind aufstieg und das
Wasser etwas bewegte. Ungeachtet meiner Angst habe ich
das Thier doch recht genau beobachtet. Es hatte eine Länge
von etwa 5 bis höchstens 6 Faden, und am Rumpfe, der rund
wie der einer Schlange war, die Breite von ungefähr 2 Fuss.
(L. J. bezeichnet auf einem vor ihm stehenden Tische mit den
Händen einen Raum, der etwa 2 Fuss lang war). Auch der
Schwanz schien mir rund zu sein. Der Kopf hatte die Länge
eines Brandweinankers und auch ungefähr die Dicke desselben,
und war vorne nicht spitz, sondern stumpf abgerundet. Die Au-
gen waren sehr gross, rund und glänzend. Ihre Grösse (Quer-
durchmesser) war ungefähr gleich der Breite der vor mir ste-
henden Schachtel (5 Zoll) und ihre Farbe so roth, wie die
meines Halstuches (karmoisinroth). Den Mund öfifnete das
Thier nicht, ich kann daher auch nicht seine Grösse angeben.
Den Kopf hielt es immer über dem Wasser unter einem spitzen
Winkel, streckte ihn aber nicht s® weit vor, dass die Schnauze
über den Bord eines Bootes hinaus geragt hätte. Gleich hinter
dem Kopfe begann eine Mähne gleich der eines Pferdes, die
längs des Nackens in einer ziemlich grossen Strecke^ verlief,
nach beiden Seiten (rechts und links) ausgebreitet war, auf
dem W^asser schwamm, und aus ziemlich langen Haaren be-
stand. Die Mähne, wie der Kopf und der übrige Körper,
war so braun wie der Rahmen dieses Spiegels (dunkelbraun
des alten Mahagoni-Holzes). Flecken, Streifen und dergleichen
von anderer Farbe habe icli nicht bemerken können: auch
habe ich nicht Schuppen gesehen, vielmehr schien die Haut
des Thieres ganz glatt zu sein. Die Bewegungen der Schlange
waren mitunter sehr rasch, mitunter nur langsam, so nament-
lich, als das Thier bei meinem Boote war. Als ich sie am
besten übersehen konnte , waren sie schlangenförmig auf und ab.
Die einzelnen Bogen, die von den Theilen des Rumpfes und
Schwanzes, welche aus dem Wasser hervorragten, gemacht
wurden, betrugen wohl nicht einen Faden. Diese Bogen aber
trafen nicht so weit «ber das Wasser hervor, dass ich zwischen
283
ihnen und dem Wasser hätte hindurch sehen können, sondern
die Bauchseite des Thieres blieb immer im Wasser. — Als L. J.
diese Angaben gemacht hatte, wurde ihm die Abbildung vor-
gelegt, die Pontoppidan von der Seeschlange gegeben hat.
Bewundernd betrachtete er sie, lächelte, und sagte, er finde
eine grosse Aehnlichkeit zwischen ihr und dem von ihm gese-
henen Thiere. Dann äusserte er noch, er glaube,, dass einige
von den übrigen Seeschlangen, die er gesehen habe, wohl ein
gut Theil länger gewesen seien, als die gben beschriebene.
4) Der Kaufmann Wilhelm Knudtzon und der Kandi-
dat der Theologie Booklune geben schriftlich Folgendes an.
Wir sahen zusammen die Seesch^ange in einem schmalen Meer-
busen in einer Entfernung von —g Meile, und zwar ungefähr
^ Stunde lang, nach welcher Zeit sie untertauchte, und dann
so weit von uns entfernt wieder empor kam, dass wir sie
nicht mehr deutlich sehen konnten. Das Wasser war spiegel-
glatt, und das Thier hatte, indem es sich an der Oberfläche
des Wassers bewegte, ganz und gar das Aussehen eines Wurms
oder einer Schlange. Die Bewegungen des Thieres waren in
Buchten und so stark, dass sich vor ihm her weisser Schaum,
an den Seiten desselben -aber Wellen zeigten , die wohl mehrere
Faden sich forterstreckten. Ueber das Wasser ragte es nicht
sehr hoch hervor, und es war hauptsächlich seine Länge, welche
beträchtlich war. Einmal jedoch streckte es den Kopf ganz
senkrecht in die Höhe. Die Farbe des Leibes war etwas dunkel
und der Kopf fast ganz schwarz: der Körper hatte ganz die
Form eines Aales oder eines Wurmes, eine Länge von unge-
fähr 50 Ellen, und eine im Verhältniss zu dieser unbedeu-
tende Dicke: die Dicke n^hm von dem Vördertheile merklich
ab, so dass der Hintertheil sich fast in eine Spitze endigte.
Der Kopf war lang und schmal im Verhältniss zum Halse:
denn dieser sah viel dicker als jener aus, was vielleicht daher
kam, dass er mit einer Mähne versehen war. Die einzelnen
Theile des Kopfes Hessen sich nicht unterscheiden, weil dazu
die Entfernung zu gross war.
5) Der Sorenskriver Gaeschke (eine Justizperson, zu
vergleichen mit unsern Landrichtern) gab mir folgende Be-
merkungen. Ich sah die Seeschlange in einem schmalen Meer-
busen geraume Zeit hindurch, erst von einem Boote, dann
284
vom Ufer aus, von dem letztern mehrere Minuten nur in einer
Entfernung von 30 bis 36 Fuss. Anfangs schwamm sie im Meer-
busen von Torvig herum, dann ging sie auf die Tiefe hinaus.
Den Kopf von ihr sah ich ziemlich bedeutend aus dem Wasser
hervorragen: auch konnte ich von dem vordersten Theile des
Leibes 2 oder 3 Biegungen über dem Wasser sehen. Die Be-
wegungen waren nicht denen eines Aales ähnlich, sondern
schienen mir in auf- und absteigenden Biegungen zu bestehen.
Sie gingen mit solcher Stärke vor sich, dass sie ziemlich
grosse Wellen veranlassten: am grössten waren diese am vor-
dem Theile des Thieres und wurden nach hinten immer klei-
ner: Spuren von jhnen zeigten sich meinem Gesichte in einer
Länge von 8 bis 10 Faden und in einer Breite von 2 bis 3
Faden. Der anscheinend vorne stumpfe Kopf hatte die Grösse
und beinahe auch die Form eines Fischerquartiers oder eines
Ankers, und die mir sichtbaren Biegungen des J^eibes hatten
eine runde Form und die Dicke eines starken Rundholzes.
Die Länge des ganzen Thieres konnte ich nicht beurtheilen,
indem ich von dem hintersten Theile nichts wahrnahm. Die
Farbe des Thieres schien mir stark schwarzgrau zu sein. Was
ich für die Augen ansah, hatte meiner Schätzung nach die
Grösse des Umkreises einer Theetasse. Hinter dem Kopfe
befand sich eine Mähne, und es hatte dieselbe die Farbe des
übrigen Körpers.
Anmerkung. Nach einem Briefe, den ich vor einiger Zeit von
Herrn Soern Knudtzon erhielt, soll einige Wochen später, als
ich Christiansund verlassen hatte, dort von mehreren Personen
wieder eine Seeschlange gesehen worden sein, und nach einem
an mich gerichteten Briefe des Dr. Hoffmann, eines ehrenwerthen
praktischen Arztes in der Stadt Molde, die mehrere Meilen süd-
lich von Christiansund an einem der gröfsten Fiorde liegt, wol-
len im Jahr 1840 der Schuldirector Hammer, der Adjunct Kraft
und einige andere Personen, die zusammen in einem Boote eine
Fahrt auf diesem Fiorde machten, in demselben aufs deutlichste
eine sogenannte Seeschlange von sehr bedeutender Gröfse haben
schwimmen sehen.
Will man nun die eben mitgetheilten Angaben einer Prü-
fung unterwerfen, so wird man bald finden, dass sie nicht
blos manches einander Widersprechende enthalten, sondern
auch einzeln genommen nicht besondere Ansprüche auf Ge-
285
naiiigkeit machen können. Jedoch glaube ich, dass man von
ihnen wenigstens so viel als richtig ansehen kann, dass das,
was die Personen, die mir jene Angaben machten, für ein lang-
gestrecktes Thier gehalten haben, wirklich auch ein solches
gewesen sei. Denn ich wüsste nicht, was die Ursache des
Irrthums hätte sein können, der den Glauben an ein solches
Thier erzeugt hätte. Zwar ist es mir bekannt, dass Einige der
Meinung sind, es sei, was man für eine sogenannte Seeschlange
gehalten habe. Nichts weiter als ein Zug von Delphinen gewesen,
die in einer Reihe hinter einander fortschwammen. Allein alle jene
Personen, von denen die oben mitgetheilten Angaben herrühren,
waren mit dem Meere zu vertraut und hatten oft genug Del-
phine beisammen gesehen, als dass sie durch eine Reihe sotther
an der Oberfläche des Wassers fortschwimmenden Thiere so
arg sich hätten täuschen lassen können. Wäre dies aber der
Fall gewesen, so müssten alle mir gemachten Bemerkungen
über die Haltung des Kopfes der Seeschlange und über die Ge-
stalt desselben blosse Erdichtungen gewesen sein, was ich nicht
gut glauben kann. Diesem allen nach scheint es wohl nicht be-
zweifelt werden zu dürfen, dass es bei Norwegen in dem
Meere ein langgestrecktes schlangenförmiges Thier giebt, das
zu einer bedeutenden Grösse heranwachsen kann.
Welcher Gruppe von bekannteren Thieren nun aber das-
selbe beigezählt werden dürfte, darüber lässt sich natürlicher-
weise noch Nichts mit einiger Gewissheit bestimmen. Sehr
nahe jedoch liegt die Vermuthung, dass es demjenigen zunächst
verwandt sei, welches im Jahre 1816 bei Stronsa, einer von
den Orkneys-Inseln strandete, und von welchem mehrere Stücke
des Skeletes an das Museum der Universität zu Edinburg und
an das Museum des Königlichen CoUegiums der Wundärzte
gekommen sein sollen. Eine Notiz darüber, die aus dem Werke:
The naturalist's Library. Amphibious Carnivors, including the
Walrus and Seals also of the Herbivorous Cetacea. By B.
Hamilton, M. D. (Edinburgh, Lizars) entnommen ist, habe
ich in dem Londoner Journale: The Athenaeum (Jahrgang v.
1839, Seite 902) gelesen. Eine ausführliche Beschreibung der
geretteten Trümmer i des Thieres soll vom Dr. Barclay im
ersten Bande der Verhandlungen der Wernerschen Gesellschaft
286
gegeben worden sein: diese Verhandlung aber habe ich mir
nicht zur Ansicht verschaffen können. Nach jener erwähnten
Notiz nun war das bei Stronsa gestrandete Geschöpf 56 Fuss
lang und hatte (an der dicksten Stelle?) 12 Fuss im Umkreise.
Der Kopf war dünn und einen Fuss lang, der Hals schlank und
15 Fuss lang. Die Bewegungswerkzeuge sollen in 3 Paar Flos-
sen bestanden haben: von dem einen Paare aber wird vermu-
thet, dass sie eigentlich eine Schwanzflosse zusammengesetzt
haben. Die des vorders^ten Paares waren über 4 Fuss lang,
überhaupt am grössten, und ihre Enden nahmen sich einiger-
maassen wie Zehen aus, waren aber theilweise verschmolzen.
Von der Schultergegend ging eine Art von borstiger Mähne
aus, die sich bis nahe an das Ende des Schwanzes (Tail) er-
streckte. Die Haut war glatt, ohne Schuppen und von grauer
Farbe. Das Auge war so gross, wie das eines Seehundes.
Der Schlund war zu enge, um eine Hand hindurchzulassen*).
Nach diesen , freilich sehr unvollständigen Bemerkungen
zu urtheilen, namentlich aber nach den Angaben, dass der
Kopf verhältnissmässig sehr klein, der Hals sehr lang und
dünn, und die Extremitäten flossenartig gewesen sind, darf
man vermuthen, dass das bei Stronsa gestrandete Thier dem
Plesiosaurus ähnlich gewesen ist, also zu den Amphibien und
zwar zu den Sauriern gehört hat. Ist dies aber der Fall
*) Auf Veranlassung des Verfassers habe ich die Memoirs of the
Wernerian Society nachgeschlagen, und bei dem Dunkel, welches
über dem fraglichen Gegenstand noch schwebt, scheint es der Mühe
nicht unwerth, etwas näher auf jene Abhandlung einzugehen. Sie
enthält die Beschreibung einiger Theile des im Septbr. 1808 auf die Insel
Stronsa angetriebenen Thiers durch Dr. Barclay, und einige auf das-
selbe bezügliche Zeugenaussagen. Unter den letzteren befindet sich
ein Schreiben des Geistlichen Maclean von den Small Isles. Er be-
richtet, im Juni 1808, als er neben der Küste von Coli auf seinem
Boote fuhr, ein grosses Seethier gesehen zu haben. Es hatte den
Kopf hervorgehoben, der in der Entfernung von einer halben (engl.)
Meile wie eine Felsenspitze aussah, bis er bei einer Wendung das
Auge gewahrte. Erschreckt steuerte er der Küste zu. Das Thier
wandte den Kopf nach ihm, tauchte unter und verfolgte ihn. Er
war indess in eine Bucht eingelaufen, die für das Thier zu seicht
war, das sich mit einiger Mühe zurückzog. Der Kopf war oval, et-
was breit, der Hals schmal, die Schultergegend wieder breiter; Flos-
287
gewesen, und wäre dem bei Stronsa gefundenen Geschöpfe
die Seeschlange der Norweger, wie man wohl alle Ursache zu
sen sah er nicht, die Bewegung geschah schlängelnd auf- und abwärts.
Die Länge des Thiers schätzte er auf 70—80'. Filamente auf dem
Halse Hessen sich nicht erkennen, denn als das Thier ihm am näch-
sten war, hielt es den Hals unter Wasser. Es wurde auch bei der
Insel Canna gesehen, wo es 13 Fischerböte in die Flucht jagte.
Die übrigen Zeugenaussagen betreffen ein auf der Insel Stronsa
(Orlcneys) in derRothiesholm-Bai angespültes todtes Thier. Sie sind von
vier Männern niedern Standes vor zwei Friedensrichtern gemacht und
eidlich bekräftigt. Zwei sahen das Thier schon auf dem Meere trei-
ben und hielten es in der Entfernung für einen todten Wallfisch, bis sie
heranruderten und fanden , dass es ein anderes Thier sei. Ein Sturm
warf es ans Land. Die Länge des Thiers wird übereinstimmend auf
55' mit Ausschluss des Kopfes angegeben, die Länge des Halses von
Einem auf 10' 3", von einem Andern auf 15'. Die Farbe war grau,
die Haut ohne Schuppen, von vorn nach hinten gestrichen weich wie
Sammet, von hinten nach vorn gestrichen aber rauh. Der Unterkie-
fer war zerstört, ein anfangs noch vorhandenes Stück desselben wie
von einem Hunde (bezieht sich vielleicht auf zackige Zähne?). Die
Zähne waren weich, so dass sie dem Druck nachgaben. Im Oberkiefer
waren keine bemerkt worden. An jeder Seite des Halses hatten alle
zwei Speilöcher von 1| Zoll im Durchmesser wahrgenommen.
Auf dem Rücken erstreckte sich eine Finne (Mähne) von der Schulter
bis zum Schwanz in der Breite von 2^ zu 2" abnehmend und 14'/
lang. Diese Rückenflosse leuchtete im Dunkeln. Ausserdem werden
drei Flossenpaare (als wings in der Ortssprache bezeichnet) angege-
ben, das erste grösser und breiter. Einer der Zeugen will diese, als
das Cadaver noch im Wasser lag, mit 10" langen Borsten (bristles)
eingefasst gefunden haben, welche später sich nicht mehr fanden,
wie er vermuthet, von der See abgespült. Die Schwanzspitze fehlte;
der letzte Wirbel hatte 1|" im Durchmesser. Der Schlund wird von
einem Zeugen so eng wie oben angegeben, von einem andern so weit
geschätzt, dass er den Fuss hätvC durchstecken können.
Dr. Barclay beschreibt einzelne Skelettheile, nämlich vier Wir-
bel, den angeblich ersten Halswirbel und einen Theil, welcher mit
Brustbein und Schultern verglichen vnrd, nebst einem Theil der Flosse
(hier paw genannt). Alle diese Theile gehören ohne Frage einem
Hai an. Der Knorpelbogen, welcher das erste Flossenpaar trägt,
hat beim Hai dieselbe Form und Richtung, wie sie hier angegeben
wird; der angeblich erste Halswirbel ist der eigentliche Schädel, von
den Kiefern und andern Anhängen entkleidet. Die Wirbel sind in
der Form und dem Gefüge entschieden die eines Haies. Genug es
bleibt nicht daran zu zweifeln, dass die abgebildeten Theile alle ei-
glauben hat, nahe verwandt: so muss es befremden, dass man
die letztere nicht noch viel öfterer bemerkt hat, als dies ge-
schehen ist. Denn als ein Amphibium, das, gemäss der Or-
ganisations-Verhältnisse der Saurier, nur allein durch Lungen
athmen könnte, müsste sie nothwendiger Weise recht oft an
die Oberfläche des Wassers kommen, um die eingeathmete
Luft zu erneuern. Denkbar und möglich ist es jedoch, dass
sie gewöhnlich, den langen Hals in die Höhe reckend, nur
mit der Nasenspitze und nur auf eine äusserst kurze Zeit bis
an die Oberfläche des Wassers kommt, mit dem übrigen Kör-
per aber ganz im Wasser bleibt, und dass man dann, auch
wegen der verhältnissmässig nur geringen Grösse des Kopfes,
bei dem Wellenschlage des Meeres nicht leicht selbst nur ein-
mal die Nasenspitze zu sehen bekommen kann.
nem Hai gehört haben. Dass diese Theile auch wirklich vom ge-
strandeten Thiere herrühren, geht daraus hervor, dass ein Zeuge
auch in seiner Aussage die Beschaffenheit der Wirbel berührt und
hervorhebt , dass die Wirbelsäule einen Kanal oben und einen unten,
weit .genug für einen kleinen Finger, gehabt hätte. Auch ist in den
Zeugenaussagen Vieles, was vortrefflich auf einen Hai passt, z. B.
die Beschaffenheit der Haut, die Kiemenöffnungen am Halse u. a. m.
Anderes passt allerdings nicht, namentlich die durchgehende Rücken-
flosse. Doch wird man Vieles der ünkunde der Zeugen zu Gute
halten müssen. Dr. Barclay theilt eine etwas abentheuerliche Skizze
des Thiers von Stronsa mit; sie stellt einen Lindwurm vor, der auf
6 zierlichen Füsschen steht. Den Zeugen ward diese Zeichnung vor-
gelegt, und sie hatten daran nur wenig Ausstellungen zu machen.
Ich glaube nicht, dass man Werth auf das ürtheil der hier aufge-
führten Leute über einen Gegenstand dieser Art legen kann. Ev.
Home hatte das Thier schon für einen Hai erklärt, und trotz Allem,
was Dr. Barclay dagegen vorbringt, wird es sich wohl so verhalten,
nur möchte es nicht Selache maxima, sondern Lamna cornubica,
welche auch eine bedeutende Grösse erreicht, gewesen sein. Es hat
also das Thier von Stronsa zu der Seeschlange der Norweger gar
keine Beziehung, dagegen möchte das vom Pastor Maclean gesehene
eher als solche zu beurtheilen sein.
Der Herausgeber.
1
289
Besclireikung einer neuen Art von Bandikuts, Pe-
rameles nijosurus, nebst Bemerkungen über Pera-
meles obesula.
Von
A. Wagner in München.
Während die Zahl der Arten bei den Bandikuts durch
neue Entdeckungen sich ansehnlich vermehrt hat, ist sie auf der
andern Seite durch Einziehung älterer Arten wieder vermin-
dert worden. Geoflfroy stellte zuerst 2 Arten auf, die er Pe-
rameles nasuta und ohesula benannte; später fügten ih-
nen Quoy und Gaimard noch eine bei, der sie den Namen
P, Bougainvillii gaben. Dagegen bemerkte Cuvier in der
zweiten Auflage seines Regne animal, dass letztere Art nicht
spezifisch von P. nasuta verschieden und dass P. obesula nicht
hinlänglich authentisch sei. Wirklich ist diese letztere auch von
Shaw und Geoffroy so ungenügend charakterisirt, dass man ohne
Autopsie der Original-Exemplare zu keiner klaren Vorstellung
von ihr gelangen konnte. Diese Schwierigkeiten wurden ver-
mehrt, da Desmarest in der Zahl der Zähne zwischen P. na-
suta und obesula eine Difi'erenz angab, die offenbar auf einen
Irrthum schliessen Hess*). Seitdem ist ganz neuerdings die
vortreffliche Monographie der Marsupialien von Waterhouse
erschienen, der nicht bloss zu seiner Arbeit die grossen Samm-
lungen London's benutzen konnte, sondern zu diesem ßehufe
auch das pariser Museum besuchte. Wie über viele andere
Punkte hat er uns auch über die älteren Arten aufgeklärt, so
dass die Unterschiede zwischen P. nasuta und obesula jetzt
*) Wie unsicher die Bestimmung der Arten iu dieser Gattung war,
erhellt auch daraus, dass die drei Exemplare, welche im pariser Mu-
seum als P. nasuta y aurita und Bougainvillü etikettirt waren, von
Waterhouse für einer einzigen Art angehörig erkannt wurden.
Archiv f. Naturgesch. VlI. Jahrg. 1. Bd. 19
290
schärfer angegeben werden können als ehedem. Da die hiesige
Sammlung ein erwachsenes Exemplar eines Bandikuts besitzt,
das ich früher für P. nasuta ansah, jetzt aber, nach den von
Waterhouse gegebenen Aufklärungen, entschieden für P. obesula
halte, so will ich die eigenthümlichen Verhältnisse des Schädels und
Gebisses von demselben genau auseinandersetzen, um diese Art
in Zukunft sicher von P. nasuta unterscheiden zu können.
Dann werde ich eine neue Art, der ich den Namen P. myos-
uros (rattenschwänziger Bandikut) beigelegt habe, beschrei-
ben, und auch bei diesem vorzüglich die charakteristischen
Züge des Schädels und Gebisses hervorheben, weil hiervon die
schärfsten spezifischen Kennzeichen entnommen werden können.
1* Veravneles obesula Geoffr.
Diese Art wurde auf ein ganz junges Thier begründet,
das Shaw im Originale, GeoflFroy in einer Abbildung benutzen
konnte. Mit einigem Bedenken zählte Letzterer ein doppelt so
grosses Thier hinzu, das dem pariser Museum angehörte, und
gab von ihm eine dürftige Notiz mit einer Abbildung des
Schädels. Aus der Vergleichung, die Waterhouse vor Kurzem
mit dem Original- Exemplare von Shaw, das noch im Museum
des College of Surgeons aufbewahrt wird, anstellte, so wie aus
seiner Beschreibung eines erwachsenen Thieres, habe ich jetzt
klar ersehen, dass das pariser Exemplar von Geoffroy mit
Recht dem Shaw'schen Thiere zugeschrieben wurde, wie auch,
dass das Exemplar der hiesigen Sammlung nicht, wie ich es
in meiner Monographie der Beutelthiere dachte*), der P. na-
suta, sondern der obesula angehört. Da ich die äussere Be-
schaffenheit dieses Exemplars am angeführten Orte ausführlich
beschrieben habe, so komme ich hier nicht wieder darauf zu-
rück, sondern halte mich lediglich an die genaue Darstellung
der im Gebiss und in der Schadelconstruktion sich zeigenden
characteristischen Verhältnisse, aus welchen die grosse Verschie-
denheit von den verwandten Arten sich leicht und entschieden
darthun lässt.
Der Schädel von P. obesula hat unter denjenigen Arten,
von welchen er mir ausserdem noch bekannt ist (P. nasuta.
*) Schreber's Säugth. Supplementband. 3te Abtheil. 8.58.
291
lagotis und myosuros) bei weitem die stumpfeste Form. Anstatt
plötzlich sich zu verschmächtigen, spitzt sich der Gesiciitstheil
nur allmälig zu, und ist in Bezug zum Hirnkasten ansehnlich
kürzer und robuster als bei den genannten Arten, was am
ausgestopften Thiere ebenfalls sehr auffallend ist. Der auf-
steigende Ast des Unterkiefers ist weit breiter als bei diesen,
und sein Vorderrand richtet sich überdiess viel steiler in die
Höhe als bei den ebenerwähnten, bei welchen er sehr schief
rückwärts geneigt ist. Während bei P. myosuros zwischen
den Foramina incisiva und der grossen Gaumenöffnung noch
ein Paar langgezogene Oeffnungen von der Grösse und Form
der ersteren im knöchernen Gaumen sich einschieben, zeigen
sich an deren Stelle bei P. obesula nur ein Paar kleine rund-
liche Löcher.
Vom Gebisse bemerkt schon Geoffroy, dass die Backen-
zähne abgeführt waren, was an unserem Exemplare ebenfalls
im hohen Grade der Fall ist, woraus sich schliessen lässt, dass
diese Art mehr auf Wurzelnahrung als die andern Bandikuts
angewiesen zu sein scheint. Auch die von ihm sonst angege-
benen Differenzen in der Stellung der Zähne zeigen sich an
unserem Exemplare und sind zum Theil von Waterhouse er-
wähnt. Im Oberkiefer nämlich ist der hintere Lückenzahn
etwas spitzer als die andern, aber nicht grösser als sie, und
steht nur um seine eigne Breite von den anderen ab ; etwas wei-
ter ist er vom Eckzahn abgerückt. Dieser ist bedeutend gross
und zwischen ihm und dem ersten Lückenzahne bleibt nur
ein ganz kleiner Zwischenraum*). Lücken- und Backenzähne
*) Owen sagt, dass bei F. obesula der hintere Schneidezahn des
Oberkiefers um seine doppelte Breite von den andern abgerückt
sei, dass er eine eckzahnähnliche Form habe und vom Eckzahn an
Grösse wenig übertroffen werde, dass ferner letzterer weit von den
Schneidezähnen entfernt sei, und der hinterste von diesen gerade in
der Mitte der Lücke stände (vgl. Proeeed. VlI. p. 10.). Diese sämmt-
lichen Angaben widersprechen den meinigen, während meine in üeber-
einstimmung mit Geoffroy's Abbildung des Schädels von P. obesula
und mit seinen Notizen sind. Indem nämlich Geoffroy zuerst von
P. nasuta anführt, dass der letzte Schneidezahn, der Eckzahn und die
ersten Lückenzähne von einander sehr entfernt seien, woher die grosse
Länge der Schnautze rühre, bemerkt er dagege'h bei P. obesula, dass
die Differenz in den Verhältnissen des Schädels frappant sei, dass
19*
292
scliliessen dicht aneinander an und crstere bestehen nur aus
einem spitzen Zacken; die kleinen Seitenzacken fehlen ganz,
vielleicht in Folge der starken Abnutzung. Die ächten Bak-
kenzähne sind stark, selbst noch der hinterste, der von unre-
gelmässig dreiseitiger Form ist. — Im Unterkiefer ist der
starke Eckzahn von den Schneidezähnen nur wenig, von den
Lückenzähnen mehr abgerückt. Lücken- und Backenzähne ste-
hen in geschlossener Reihe.
P. obesula und nasuta lassen sich nach dem Vorstehenden
demnach leicht dadurch von einander unterscheiden, dass bei
jener der Schnautzentheil weit kürzer ist und deshalb die Zähne
viel gedrängter stehen, während bei der grössern Gesichtslänge
von P. nasuta nicht blos der letzte obere Schneidezahn an-
sehnlich weiter von den andern, sondern auch der Eckzahn von
diesem und den Backenzähnen weiter absteht, und der erste
Lückenzahn in beiden Kiefern von dem nächsten erheblich
abgerückt ist. Nimmt man noch die Form des aufsteigenden
Astes des Unterkiefers hinzu, und zieht man auch bei P. obe-
sula den Mangel der Seitenzacken — wenn anders dieses
der letzte obere Schneidezahn viel näher an den andern stände,
die Lückenzähne aneinander anschlössen und die Lücke, welche den
letzten untern Schneidezahn vom Eckzahn trenne, nur eine Zahn-
breite betrüge. Alle diese Verhältnisse weiset auch Geoffroy's Ab-
bildung nach, wie überhaupt die Form der Zähne und die Propor-
tionen des Schädels und Unterkiefers ganz zu denen meines Exem-
plars von P. obesula passen. Mit diesem harmoniren ebenfalls die
wenigen Angaben, die ich bei Waterhouse über das Gebiss von P.
obesula finde. Die Entfernung des Vorderrandes des ersten Schneide^
Zahns vom Eckzahne giebt er bei dieser nur auf 4^, bei P. nasuta
auf 6J Linien an, den Abstand des letzten obern Schneidezahns, den
er überdiess klein und spitz nennt, bestimmt er bei jener nur zu \
Linie, bei dieser zu wenigstens 3 Zahnbreiten. Waterhouse's Be-
schreibung der äussern Beschaffenheit seiner P. obesula passf über-
diess, wie ich diess noch bemerken muss, auf das in unserer Samm-
lung befindliche Exemplar. — Hiernach halte ich mich deshalb für
berechtigt, den mir vorliegenden Schädel für identisch mit dem von
Geoffroy und Waterhouse charakterisirten von P. obesula zu erklären,
woraus dann von selbst folgt, dass der von Owen dieser Art zuer-
kannte Schädel einer andern Art angehört, die übrigens auch nicht
P. nasuta sein kann, da bei dieser der hinterste Schneidezahn an
Grösse keineswegs dem Eckzahne nahe steht.
293
Merkmal nicht bloss eine Folge der Abnutzung ist — in Be-
tracht, so hat man Charaktere genug, um beide Arten sicher
und unzweifelhaft von einander zu unterscheiden.
Um allen ferneren Verwechselungen vorzubeugen, will
ich noch die hauptsächlichsten Dimensions-Verhältnisse aufHih-
ren, welche sich an den» hiesigen Schädel von P. obesula ent-
nehmen lassen *).
Länge des Schädels 2" 10'"
— der Nasenbeine 1 2
— der Stirnbeine längs ihrer Nath 0 11
— des knöchernen Gaumens 1 6
Entfernung eines Jochbogens vom andern .... 1 2^
— des Zwischenkiefer-Endes vom vordem Or-
bitalrande 1 6
— vom untern Augenhöhlenloch .... 1 1
— des 4. vom 5. Schneidezahn .... 0 |
— des Eckzahns vom letzten Schneidezahn 0 i^
— — — — ersten Lückenzahn 0 |
Länge des letzten obern Schneidezahns .... 0 |
— — obern Eckzahns 0 3 ,
Gaumenbreite zwischen dem vorletzten Backenzahn 0 10
— — — ersten Lückenzahne . 0 5
— — — Eckzahne ..... 0 4
— — — vierten Schneidezahne 0 3|
Länge des Unterkiefers bis zur Spitze des Winkel-
fortsatzes 2 li
Breite des aufsteigenden Astes in der Mitte ... 0 5
Entfernung des untern Eckzahnes von den Schneide-
zähnen 0 Ij
— von den Lückenzähnen 0 4
X* Verameles tnyogu/ros H^agn.
P. supra e nigricante et flavido-bruneo mixta, subtus sor-
dide albida; auriculis magnis, pallide fuliginosis, extus basi
anteriori fulvo-maculatis; cauda brevi, squamosa, brevipilosa.
*) Den Schädel von F. nasuta kenne ich übrigens nur aus Geof-
froy's Beschreibung und Abbildung in den AnnaL du Mus. IV. tab.44.
Nach letzterer beträgt die Länge des SchJUels ohngefähr 3^'» die
Entfernung des Zwischenkiefer -Endes vom vordem Orbitalrande 2".
Die Länge des knöchernen Gaumens giebt Waterhouse auf 1" 10|'"
an. Das von Fr. Cuvier in den Dents des mammiferes N. 23 A. ab-
gebildete Gebiss von Perameles, deren Art er nicht angiebt, wird
wohl das von P. nasuta sein.
294
Unter den bisher beschriebenen Arten findet sich diese
sehr ausgezeichnete nicht. An Grösse steht sie der P. nasuta
beträchtlich nach. Die Schnantze ist lang, schmächtig nnd fein
zugespitzt, was sich am ausgestopften Exemplare eben so deut-
lich als am herausgenommenen Schädel ausspricht. Die Schnur-
reu sind lang und ziemlich zahlreich. Die Ohren sind sehr
gross, zugespitzt, ganz fein gegen die Ränder mit Haaren be-
flogen und nur am Grunde der Hinterseite dicht wollig behaart.
Au den yprderfüssen sind die 3 mittlem Zehen mit langen
starken Krallen bewaffnet; die seitlichen in demselben rudimentä-
ren Zustande wie bei den andern Arten. Die Hinterfiisse sind eben-
falls von typischer Form, und der Lauf auf der Rückseite kahl.
Der Schwanz ist kurz, sehr dünn, gegen das Ende sich all-
mälig verschmächtigend, sehr fein wirteiförmig geschuppt und
mit ganz kurzen feinen Härchen besetzt, also ganz einem dün-
nen Rattenschwänze ähnlich. *) — Der Pelz ist grob und mit
sehr reichlicher Wolle unterwachsen, was besonders auf der
hintern Hälfte der Fall ist, wo sie einen dichten Filz bildet.
Die Farbe der Oberseite des Kopfes und Rumpfes ist
gelbbräunlich mit Schwarz untermengt, indem die Stichelhaare,
welche hier alle in ihrer untern grössern Hälfte gräulich sind,
mit rostig- gelbbräunlichen oder (dem kleineren Theile nach)
schwarzen Spitzen enden. An der Seite verschwinden die letz-
tern und die Färbung ist hier im Allgemeinen schmutzig bräun-
lich; nur unmittelbar vor den Schenkeln zieht am Ende beider
Seiten die dunkle Färbung des Rückens in einer breiten Längs-
binde bis an die Bauchseite herab, wo sie plötzlich aufhört.
Die ganze Unterseite ist schmutzig gelblichweiss, und die Haare
haben hier diese Farbe durchaus. Die Ohren sind blass russ-
farben, der Haaranflug immer licht rostfarbig; was sie aber
sehr auszeichnet, ist ein roströthlicher Fleck, der sich auf der
Aussenseite am Grunde des Vorderrandes findet. Die Füsse
sind weisslich, die Krallen hell hornfarben. Der Schwanz ist
auf der Oberseite russfarbig und diess ist auch die Farbe der
#
*) Der Schwanz scheint an unserm Exemplare vollständig zu
sein, denn da er am Ende nicht einmal eine Linie dick ist, so wird
er auch seine natürliche Begrenzung erreicht haben. Uebrigens hält
er selbst an seiner Wurzel kaum die Stärke von drei Linien.
295
Härchen daselbst; auf der Unterseite ist er schmutzig weisslich,
wie es hier auch die Härchen sind.
Körper U" 0"'
Schwanz 3 0
Von der Nase zum Auge 1 9
Ohrlänge 14
Ohrbreite 0 9
Hinterfuss mit Mittelkralle 1 10
Vordere Mittelkralle ..05
Hintere — . . 0 3\
Am Schädel*) ist diese Art nicht minder leicht als an
der äusserlichen Gestalt zu erkennen. Der Gesichtstheil näm-
lich verschmächtigt sich vorwärts eben so schnell, wie bei P.
lagotis, um wie bei dieser eine lange dünne Schnautze zu
bilden, die vom ersten Lückenzahne an mit fast parallelen,
nur ganz schwach convergirenden Rändern verläuft. Der knö-
clierne Gaumen ist noch stärker durchbrochen als bei P. la-
gotis, von welcher Art Owen angiebt, dass sie diess unter den
ihm bekannten Bandikuts am stärksten sei. Es finden sich
nämlich nicht bloss die Foramina incisiva, dann die hintere
grosse Gaumenöflfnung, welche hier am Vorderrande des drit-
ten Lückenzahns bis gegen den Vorderrand des vorletzten
Backenzahns sich erstreckt, so wie die 4 kleinen Löcher am
hintern Rande des knöchernen Gaumens, sondern zwischen der
grossen Gaumenöffnung und den vordem Gaumenlöchern (fo-
ramina incisiva) stellen sich noch ein Paar Oeffnungen ein, die
in Grösse und Form ganz mit letztern übereinstimmen. Diese
eben genannten Oeffnungen fehlen bei P. lagotis, wofür bei
ihr hinter der grossen Gaumenöffnung ein Paar kleine Löcher
sich zeigen, die unserm rattenschwänzigen Bandikut abgehen.
Diese Durchbrechungen des Gaumens sind nach den Arten
verschieden und daher charakteristisch. **)
Höchst ausgezeichnet ist der Unterkiefer durch seine ge-
*) Leider ist an meinem Exemplare der untere Theil des Hinter-
haupts zugleich mit den Jochbögen abgebrochen.
**) Owen (^transact. of the zool. soc. II. p. 338.) sagt: in the Pe-
rameles the incisive foramina are wholly surrounded by the inter-
maxillary bones. Bei P. myosuros und obesula sehe ich jedoch deut-
lich, dass der hintere Rand dieser Oeffnungen vom Gaumenfortsatzc
des Oberkiefers gebildet wird.
fe
296
streckte zierliche Form, zumal durch seinen sehr schmächtigen
aufsteigenden Ast, der an seinem Vorderrande stark ausge-
schnitten ist und daher sehr schief aufsteigt und ungemein
schmal ist, wodurch er in einen auffallenden Gegensatz zu dem
von P. obesula tritt.
Auch im Gebiss unsrer Art geben sich spezifische Ei-
genthümlichkeiten zu erkennen. Die Zähne sind weit feiner
und schwächer als bei P. nasuta, obesula und lagotis, nament-
lich sind die Eckzähne sehr schwach, obwohl sie die typische
Form der Gattung zeigen. Mehr als bei den andern der oben
genannten Arten nähert sich daher das Gebiss dem der In-
sectenfresser an. Im Oberkiefer stehen die 4 ersten Schnei-
dezähne in geschlossener Reihe; zwischen dieser und dem
Eckzahn ist eine weite Lücke, in deren Mitte der fünfte
Schneidezahn steht, der zwar nicht merklich höher als die
andern ist, aber nicht mehr ein viereckiges Plättchen darstellt,
sondern eckzahnähnlich ist» Der Eckzahn selbst ist, wie er-
wähnt, klein, seitlich stark zusammengedrückt und steht vom
ersten Lückenzahne fast doppelt so weit ab, als vom letzten
Schneidezahne. Der erste Lückenzahn ist vom zweiten etwas
abgerückt; beide sind schmal zusammengedrückt, mit einem
grössern Mittelzacken und zwei kleinern Seitenzacken. Der
hinterste Backenzahn ist sehr schmal, noch schmäler als bei
P. obesula und nasuta, während er bei P. lagotis rundlich ist.
— Im Unterkiefer steht der Eckzahn, der sehr klein und platt
ist, und an der Basis der Hinterseite einen kleinen Ansatz
zeigt, mitten in einer grossen Lücke, die zwischen dem letzten
Schneidezahne und dem ersten Lückenzahne frei bleibt; der
erste Lückenzahn ist vom zweiten abgerückt.
Am Schädel und Gebisse stellen sich demnach mehrere
auffallende Merkmale ein, welche dazu dienen können, den
rattenschwänzigen Bandikut von den verwandten Arten zu un-
terscheiden. Die räumlichen Verhältnisse des Schädels können in
ihren Hauptzügen durch nachstehende Angaben bezeichnet werden.
Länge des Schädels ohngefähr 2" 6'"
— der Nasenbeine 12
— der Stirnbeine (längs ihrer Nath) 0 9^
— des knöchernen Gaumens 1 5|
Entfernung des Zwischenkiefer -Endes vom vordem
Orbitalrande 1 öi
297
Entfernung vom untern Augenhöhlenloch i" 4"'
— des vierten vom fünften Schneidezahn . 0 1
— des Eckzahns vom letzten Schneidezahn 0 1
— — — vom ersten Lückenzahn . 0 2
Gaumenbreite zw^ischen dem vorletzten Backenzahne 0 7^
— — ersten Lückenzahne . 0 3^
— — — Eckzahne 0 3
— — — vierten Schneidezahne 0 2|
Länge des Unterkiefers bis zur Spitze des Winkel-
fortsatzes 1 11
Breite des aufsteigenden AstÄs in der Mitte . . . 0 2|
Entfernung des untern Eckzahnes von den Schneide-
zähnen 0 1^
— von den Lückenzähnen 0 1^
Die italieiiisclieii Spitzmäuse
nach den Angaben der Iconografia della Fauna italica di C. L.
Bonaparte, Principe di Canino e Musignano.
Fase. XXIX. 1840. Im Auszuge mitgetheilt
von
A. Wagner.
Der Bezug italienischer Bücher ist so unsicher und unge-
regelt, dass trotz vieler Bemühungen Ref. doch erst jetzt über
Paris sich das neueste Heft der Iconografia zu verschaffen ver-
mochte, zu spät, als dass es noch im Jahresberichte hätte berück-
sichtigt werden können, daher es hier, als Anhang zu demsel-
ben, besonders erwähnt werden solL Es enthält dieses Heft
eine Monographie der Spitzmäuse, nicht blos der italienischen,
sondern überhaupt der europäischen, welche letztere sämratlich
abgebildet sind nebst 2 aussereuropäischen Arten. Der Prinz
vertheilt die von ihm aufgeführten Arten unter die 4 Gattun-
gen: Sorex, Crossopns, Pachyura und Crocidura.
1) Sorex arancus (5*. vulgaris Nathus.) „bewohnt
den iunern Kontinent von Europa, so wie England, aber im
298
mittlem und südlichen Italien existirt er entweder gar nicht,
oder ist doch so selten, dass es uns nicht gelang ihn aufzu-
finden."
2) Sorex alpinus, nur aus der Schweiz bekannt.
3) Sorex Antinorii Bonap.; „S. flavo-carneus, oculo
retroposito, cauda valde longiore corpore." — Nur nach einem
Exemplare des Turiner Museums bekannt, „ohne Gewissheit
über die Heimath, aber kein Albino von irgend einer bekann-
ten italienischen Art. Der Kopf ist etwas länger als bei S.
araneus, daher weniger stumpf; Farbe gelblich zimmtfarben
(cannellino giallastro), etwas dunkler an der Stirne, an der
Kehle ins licht Falbe, fast Weissliche ziehend; die Schnurren
(baffi) von derselben Farbe. Die Zähne sind deutlich gesagt
mit rothen Spitzen (rosso di grana di cocoo). Die Ohren
oval, ziemlich weit, unter den Haaren versteckt. Der Schwanz
länger als der Körper, vierkantig, ganz mit starren, kurzen,
glänzenden Haaren von der Farbe des Rückens, die unten
heller sind, bekleidet. Jedes Haar ist in der untern Hälfte
grau, in der obern zimmtfarben, dunkler am Rücken und den
Schultern, am Bauche ziemlich hell und mit Schwefelgelb ver-
mischt. Die Füsse haben die Farbe des Schwanzes.
Körper V iV"
Schwanz ...... 2 0
Kopf ...... 0 10|
Von der Schnautze zum
hintern Augenwinkel 0 5
Ohr 0 1
Ausser dem beschriebenen Thiere (Fig. 4.) bildet B. in
Fig. 5. noch ein Junges unbekannter Art ab, das sich in der
Färbung und den Proportionen jenem annähert. Dieser S.
Antinorii bedarf zu seiner Anerkennung noch weiterer Unter-
suchungen. ,
4) Sorex pygmaeus ist zwar abgebildet, aber nicht
beschrieben, daher von B. in Italien nicht gefunden, obwohl
es wahrscheinlich ist, dass er hier nicht fehlen wird, da er
noch südlicher, nämlich in Nordafrika vorkommt, wo er von
Moritz Wagner in Oran entdeckt wurde.
5) Crossopus fodiens, „gemein in der Lombardei,
selten in Toskana, sehr selten in den südlicheren Gegenden."
6) Crossopus ciliatus, von B. nicht aus Italien auf-
geführt, übrigens vom vorigen wohl nicht specifisch ver-
schieden.
7) Pachyura etrusca, auf den Hügeln Roms nicht
weniger häufig als in Toskana.
8) Crocidura musaranea ßonap. (5*. araneus
Schreb.), „die gemeinere Art bei uns und die häufigste auf
unsern (römischen) Hügeln, wo sie sich in manchen Jahren
unglaublich vermehrt, und dann auf einmal fehlt, wahrschein-
lich aus Mangel an Nahrung. Lebt gleichfalls im ganzen mitt-
lem und südlichen Europa."
9) Crocidura thoracica Savi, „C. fusco- cinerea,
subtus albida, fronte, temporibus, genis, gula, pectore fulvo-
castaneis; oculo mediocri submedio; cauda unicolore dimidium
corporis subaequante." Nur nach einem Exemplare bekannt,
das B. geneigt wäre für eine Abänderung der vorigen Art
anzusehen, wenn nicht Savi es als eigene Art erklärt hätte.
Die Farbe, welche auf dem Nacken dunkelgrau ist und eben-
falls die ganze Oberseite des Körpers einnimmt, wird dunkler
gegen den Schwanz, welcher dieselbe Farbe behält. Stirne,
Schläfe und Wangen werden fulvo-sericee genannt, welche
Farbe in der Nabelgegend in einen Kegel ausläuft. Die Schnautze,
Lippen und Füsse sind fleischfarben gewässert, mit kleinen
weissen Härchen. Die Ohren sind gross. Der Bauch ist mit
weisslichen und dunklen Haaren besetzt, welche letztere länger
sind. Der Schwanz hat ausser den kurzen Haaren längere
abstehende, und misst ohngefähr die Hälfte des Körpers. Die
Länge des Körpers ist 2^^".
10) Crocidura leucodon, im ganzen mittlem und
südlichen Europa, manchmal in den Colli Albani gefunden."
Den Abbildungen der europäischen Arten hat B. noch die
von zwei aussereuropäischen beigegeben, nämlich vom Sorex
flavescens Is. GeofFr. (^Crocidura flavescens) und vom
Sorex capensis Geofi'r. (Pachyura capensis). Erstereu
hält B. für identisch mit Lichtensteins i^. cinnamomeus, wor-
über mir aus Mangel an Autopsie kein Urtheil zusteht, dage-
gen ist seine Zusammenstellung mit iS". crassicaudus entschie-
den unrichtig, da dieser nach Ansicht zweier Schädel zur
Untergattung Pachyura mit 4 obern Lückenzähnen gehört. Die-
selbe Zahl von Lückenzähnen hat auch Sorex coerulescenSy
300
der keineswegs, wie es B. gethan hat, mit S. indicus und
myosuroSy die übrigens im Gebiss mit ihm übereinkommen,
unter einer Art begriffen werden darf, wie diess Ref. im Sup-
plementband zu Schreber's Säugth. 2. Abth. nacligewiesen hat.
Was die Untergattung Pachyura anbetrifft, die von Selys
Longchamps errichtet wurde, so halte ich deren Beibehaltung
nicht für nöthig, als sie alle wesentlichen Merkmale von Cr&-
cidura besitzt und nur darin differirt, dass sie einen obern
Lückenzahn mehr (im Ganzen 4 jederseits) als letztere auf-
zuweisen hat. Fachyura kann nur als Sektion von Croci-
duva gelten.
Weit eher möchte ich Gray's Myosorex für eine 4.
Untergattung gelten lassen, als sie zwar im Gebiss ebenfalls
die wesentlichen Merkmale von Crocidura zu erkennen giebt,
der Schwanz jedoch nur die kurze feine Behaarung, keines-
wegs aber die längeren starren und abstehenden Borsten zeigt,
durch welche die ächten Crociduren ausgezeichnet sind. Wie
Gray begründe ich diese Abtheilung auf Smuts Sorex varius,
von dem mir neuerdings ein Exemplar zugekommen ist*),
an welchem ich ersehe, dass genannter englischer Zoolog in
der Zusammenstellung desselben mit S. cinnamomeus sich
sehr vergriffen hat, obwohl der letztere, nach Lichtenstein's
Beschreibung, ebenfalls der nämlichen Abtheilung angehört. Der
Name Myosoj'ex kann jedoch als Vox hybrida nicht beibe-
halten werden und dürfte durch den von Hapalura einen
Ersatz finden.
*) Jederseits sind 3 obere Lückenzähne vorhanden, unter welchen
der mittlere der kleinste.
301
Entwurf einer systematischen Eintheilung und spe-
cielleu Beschreibung der Phoken, von IVilsson.
Aus dem Schwedischen übersetzt
Dr. W. Peters.
Die Seehunde grenzen durch die Gattung Vhoca an die
Raubthiere und unter diesen besonders an die Gattung hu-
irttj*) sie grenzen auch an die Cetaceen und unter ihnen
durch die Gattung Otaria an die Delphine und durch die
Gattung Trichechus an die grasfressenden Cetaceen. **j Sie
möchten am Besten eine eigene Ordnung ausmachen, welche
auch durch genaue und leicht fassliche Charaktere deutlich
von allen anderen Ordnungen getrennt ist. Sollte man eine
in wenigen Worten abgefasste Diagnose für diese Thiergruppe
geben, so wäre sie folgende:
Die Phoken sind mit Haaren bekleidete Säbg-
thiere, deren Füsse, von welchen die hinteren nach
hinten gerichtet sind, zum Schwimmen eingerichtet
sind und nicht vermögen, den Körper zum Gehen
zu tragen.
Durch diese Diagnose werden sie sowohl von den Raub-
thieren als den Cetaceen getrennt.
Die Phoken haben vier sehr kurze Beine: die vorderen
sind nach aussen zur Seite gerichtet, die hinteren nach hinten;
die Zehen sind in die Schwimmhaut vollkommen eingehüllt,
bcwaflFnet mit Klauen, entweder an allen vier oder wenigstens
an zwei Extremitäten, und der Körper, mehr oder weniger
zusammengedrückt spindelförmig, ist mit Haaren bedeckt.
Die Cetaceen haben niemals Hinterfüsse, niemals den
Körper mit Haaren bekleidet; und die Raubthiere haben nie-
mals die Beine nach aussen oder nach hinten gerichtet, son-
dern nach unten, um den Körper zu tragen.
*) Pallas hat MustelaLutrisLin. in die Gattung Phoca aufgenommen.
**) Linne rechnete den Lamantin zur Gattung Trichechus.
302
Da die Phoken hauptsächlich zum Schwimmen gebildet
sind, haben sie eine für diese Lebensart passende Körperform
erhalten. Der Körper ist langgestreckt, fast spindelförmig,
d. h. walzenförmig rund und an beiden Enden verschmälert.
Die Haare, welche sie bedecken, sind kurz, steif, und wenn
sie im Wasser sind, immer an die Haut angelegt. Die Beine,
von der oben angeführten Richtung, sind kurz und jeder Fuss
hat 5, durch Schwimmhaut verbundene und (bei allen skandi-
navischen Arten) mit spitzen Krallen versehene Zehen. Der
Schwanz ist sehr kurz und horizontal abgeplattet. Der Kopf
ist mehr oder minder platt, mit grossen ziemlich flachen Au-
gen und sehr engen Ohrlöchern, die Naslöcher können sich
sehr erweitern, wenn das Thier über Wasser ist, ziehen sich
aber zu einer für das Wasser undurchdringlichen Spalte zu-
sammen, wenn es untertaucht.
Die eigentliche Heimath der Seehunde ist das Meer, und
sie finden sich in demselben sowohl in der südlichen als nördli-
chen Hemisphäre. Einige Arten steigen in die Mündungen der
Flüsse hinauf, ja zuweilen weit in die Flüsse und selbst in
Binnenseen hinein, in welche letztere sie bei der Verfolgung
der Flüsse hinein gelangen und aus denen sie nachher nicht
wieder herausfinden können. Im Kaspischen See, Baikalsee
u. a. kommen Robben vor, und nach der Angabe eines Na-
turforschers, der sie jedoch nicht selbst gesehen hat, sollen
sich auch im Sajmensee in Finnland Seehunde finden.
In Skandinavien findet sich kein einziger See, worin See-
hunde vorkommen; aber höchst wahrscheinlich hat derWener-
see ehedem sowohl Robben als andere Meeresthiere beherr-
bergt. *)
Die Seehunde finden sich mehr oder minder zahlreich in
*) Im Anfange des 18. Jahrhunderts fand man ein Wallfischskelet
nahe Wänga in Westgothland. Es würde uns daher keineswegs wun-
dern, wenn man irgendwo an der Küste des Wenersees Robbenske-
lete fände. Es würde nicht sonderbarer sein, als dass man Auster-
bänke in den Gestaden am GÖthastrom und Meerschnecken an den Buch-
ten des genannten Binnensees auf Dahl findet. Aber seitdem das
Land sich so erhöht hat, dass der Trollhättafall sich erhoben, haben
Seehunde so wenig wie Lachse vom Meere in denselben hinafufsteigen
können.
303
allen Meeren und Küsten, welche die skandinavische Halbinsel
umgeben, vom Nordkap bis Lindesnäs, von dort bis Falsterbo
und von da bis Haparanda. Indess gehen nicht alle Arten,
welche man im Eismeer findet, in die Ostsee hinein; dagegen
scheinen alle Robbenarten der Ostsee im Eismeer vorzukommen.
Da die Robbe sich meistens im Wasser aufhält, so ist
auch ihre Organisation darnach eingerichtet, sich hauptsächlich
in diesem Elemente zu bewegen. Sie bedient sich dabei
der Hinterfiisse als Flossen und die Vorderfiisse liegen dabei
an den Körper angedrückt, ausgenommen wenn sie sich nach
einer Seite hinwendet, wo der Vorderfuss als Ruder benutzt
wird. Auf dieselbe Weise schwimmen auch die Frösche. Die
Robbe schwimmt oft mit der Bauchseite nach unten, aber zu-
weilen auch mit der Bauchseite nach oben gewandt, und in
dieser Stellung verschlingt sie oft ihre Beute. Sie geht mit
unglaublicher Schnelligkeit vorwärts, so dass, wo sie hinfährt,
im klaren Wasser bloss ein Streifen erscheint. Sie fängt und
verzehrt lebende Fische; und eine junge Phoca vitulina, welche
ich verschiedene Male Gelegenheit hatte zu beobachten, schien
besonders Häringe zu lieben; auch verschluckte sie Aale, Blen-
nien u. a., aber nach Cottus, Dorsch und Schollen hatte sie
wenig Verlangen.
Indem die Robbe oft ihre Beute vom Meeresboden auf-
schnappt, ereignet es sich, dass sie damit kleine Kieselsteine
verschluckt, welche wegen der grossen Enge des untern Ma-
genmundes quer im Magen zu stehen kommen. Man findet
deshalb zuweilen eine grosse Menge von Kieselsteinen im Ma-
gen der Robben, welche man öffnet.
Wenn die Phoken auf das Trockne gehen und dort fort-
schreiten wollen, geschieht ihre Ortsbewegung nicht auf die
Art, dass sie, wie alle anderen Säugthiere, welche auf dem
Lande gehen, den Körper auf zwei Extremitäten stützen, wäh-
rend sie die beiden andern fortbewegen, sondern dadurch, dass
sie fast ebenso, wie einige Raupen, sich auf einen Theil des
Körpers stemmen, während sie den andern fortstossen oder fort-
schleppen. Die Bewegung geschieht nämlich auf die Weise,
dass sie den Vordertheil des Körpers so viel als möglich zu
heben und vorwärts zu werfen suchen, wobei sie mit den beiden
nach aussen gewandten kurzen und breiten Vordertatzen auf den
304
Boden schlagen; darauf stützen sie sich auf letztere und die
Brust, und ziehen den Hintertheil des Körpers nach vorn, so
dass der Rücken gekrümmt erscheint, worauf sie wieder den
Vordertheil des Körpers vorwärts stossen u. s. w% Durch diese
mit dem Vordertheile hüpfende und dem llintertheile schlep-
pende Bewegung, entsteht, da sie hurtig geschieht, eine Art
Galopp, wodurch sie sich ziemlich schnell auf dem Lande fort-
bewegen können. Man hat Beispiele, dass ein Seehund sich
auf diese Art mehrere Meilen auf dem Felde fortschleppte,
wobei er eine tiefe Furche in dem losen Schnee hinter sich
liess.*) Sonst bringen die Robben ihre meiste Zeit im Was-
ser zu, und steigen bloss von Zeit zu Zeit auf Steine oder
Eisstücke oder auf den Rand des Eises, um sich in der Sonne zu
wärmen, zu schlafen, ihre Jungen zu gebären oder zu säugen u. s. w.
Das Haar dieser Thiere ist der Veränderung unterworfen,
dass es bei den Jungen struppig und wollig, so wie von ganz
anderer Farbe und Form als bei den erwachsenen ist. Bei
den eigentlichen Robben und Halichoerus sind die Jun-
gen mit einer weissen Wolle bedeckt**); hei Otaria dagegen
ist die wollige Haarbekleidung der Jungen dunkler als sie spä-
ter wird, und wenigstens bei einer Art schwarz. Bei den
ausgewachsenen Thieren besteht die Haarbekleidung mehren-
theils aus zwei Arten von Haaren: theils gröbere, längere und
aufrechtstehende, theils feinere, mehr oder minder krause, bei den
meisten dem Wollhaare der Schweine ähnlich, bei wenigstens
einer Art fein und seidenartig. Beide Arten sind mehr oder
minder platt, und die beiden platten Seiten sind nach dem
Körper und nach aussen hingewandt. Bei Otaria australis
finden sich bloss gerade steife Haare und keine Grund wolle.
Ausserdem ist das Haar im Allgemeinen nach jeder Härung
kürzer, glatter, anliegender und dunkler als vor der-
selben, wo das Haar länger, struppiger und gebleichter ist-
I
*) Während des Winters 1829 gerieth ein junger Seehund (^Hali-
choerus Grypus) im Leufstaer Kirchspiel aufs Land und schleppte sich in
weniger als einer Woche (während welcher Zeit er keine Nahrung
erhielt) vier und eine halbe schwedische Meile fort, bevor er er-
schlagen wurde. Jägareförb. Tidskr. N. 32. S. 247.
**) Auf diese Art kann man es bei Phoca barbata beobachten. '
I
305
Die Barthaare unterliegen bei gewissen Arten einer Farben-
Veränderung von schwarz oder braun in weiss, aber niemals
umgekehrt.
Der Schädel unterliegt bei jeder Art grossen Verände-
rungen, theils in der Form seines Umkreises und theils in
seiner äusseren Gestaltung. Was den Umfang anbelangt, so
ist es eine allgemeine Regel, dass die Hirnschädelregion bei
jüngeren Thieren viel grösser im Verhältniss zum Gesichts-
theil ist, als bei den älteren : sie ist sowohl länger als breiter,
besonders nach hinten zu. Hieraus folgt, dass der Schädel,
von oben betrachtet, bei gewissen Arten in der Jugend eine
eiförmige Gestalt hat, und im Alter eine rhomboidale Form mit
abgestumpften spitzeren Winkeln erhält. So verhält es sich
bei Halichoerus. Der Gesichtstheil wird mit der Zeit theils
länger und theils nach vorn zu breiter. Ersteres rührt von
der grösseren Entwickelung der Backzähne, letzteres von
der grösseren Entwickelung der Eckzähne her. Bei den Ar-
ten von Cystophora ist die Schnauze der Jungen verschmälert,
bei den älteren gleichmässig breit *). Mit dem Theil, welcher
zwischen beiden genannten Regionen liegt, gehen ebenfalls
grosse Veränderungen vor sich; der Zwischenbalken (jugum
interorbitale) wird mit den Jahren länger, schmäler, und bei
den meisten Arten nach hinten zu zusammengedrückt. Die
Kinnbacken werden stärker und mehr nach aussen gebogen.
Der obere Umriss des Cranium wird gewöhnlich gerader, we-
niger convex.
Was die Oberfläche des Schädels anbelangt, so ist sie
bei den jüngeren glatter und hat bei den älteren Thieren mehr
oder minder hervorragende Knochenkämme; so ist es beson-
ders der Fall bei der crista occipitalis, den lineae semicircu-
lares und ^der crista sagittalis. Weder die eine noch die an-
dere dieser Leisten findet sich jemals bei jungen Exemplaren;
dagegen findet man bei den Alten wenigstens die beiden
*) Desshalb können und dürfen niemals, wie oft geschehen, spe-
cifische Charactere von der Form der Gesichtsregion und ihrem Ver-
hältniss zur Schädelregion hergenommen werden.
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 1. Bd. 20
306
erstgenannten mehr oder minder stark entwickelt *). Es ver-
hält sich nämlich so , dass die lineae semicirculares an jungen
Schädeln weit abstehend auf dem Scheitel- und Stirnbeine be-
ginnen, allmälig bei dem Heranwachsen des Thieres näher an
einander treten, mit der Zeit stärker werden, und sich end-
lich bei einigen Arten zu einer einzigen über die Mitte
des Kopfes verlaufenden Leiste (crista sagittalis) vereinigen.
Sie vereinigen sich jedoch nicht bei allen Arten; bei Phoca
annellata, hispida u^nd caspica u. a. vereinigen sie sich
niemals, dagegen vereinigen sie sich bei Phoca vitulina;
und bei Halichoerus u. a. bilden sie im Alter eine scharfe
Kante.
Die Phoken können am passendsten eingetheilt werden in
solche**):
1) deren eigentliche Backzähne (d. h. die bei-
den, welche zunächst vor den beiden hintersten lie-
gen) mit doppelter Wurzel versehen sind. Hierher
gehören die Gattungen:
Stenorhynchus Fr. Cuv.
Pelagius Fr. Cuv.
Phoca Lin.
2) solche, deren zwei eigentliche Backzähne
mit einfacher Wurzel versehen sind:
Halichoerus Nilss. Skand. Faun.
Trichechus Linn.
Cystophora Nilss. Skand. Faun.
Otaria Per.
Alle diese Gattungen, mit Ausnahme der letzten, erman-
geln äusserer Ohren und haben die Fiisse bis zu den Klauen
mit Haaren bedeckt.
Erste Abtheilung.
Die Backzähne haben doppelte Wurzeln; ent
*) Man sieht auf diese Art leicht ein , wie unzuverlässig die Cha-
ractere sein müssten, welche von der mehr oder minder grossen
Entwickelung dieser Kämme genommen werden.
**) Vgl. ütkast tillen systematisk indelning af Phocaceerna, af
S. Nilsson. Vetensk. Acad. Handl. 1837. p. 235.
307
weder alle oder wenigstens die zwei, welche zu-
nächst vor den beiden hintersten sitzen.
Iste Gattung: Stenorhynchus^
Der Umfang des Schädels (von oben betrachtet) läng-
lich-eiförmig; I lange, pfriemen - kegelförmige, spitzige Vor-
derzähne; |=f starke, fast gleichgrosse Backzähne,
alle mit zwei Wurzeln und drei in einer Reihe stehenden ho-
hen kegelförmigen Spitzen versehen, von welchen die mittelste
die grösste und etwas nach hinten gebogen ist, die andern ge-
gen diese gebogen sind.
Krallen sehr klein und (an den untersuchten Exempla-
ren) nicht mehr als drei an jedem Hinterfuss.
Von dieser Gattung kennt man bis jetzt nicht mehr als
eine Art:
Stenorhynchus leptonyx,
Körper länglich, oben graubraun, an den Sei-
ten gelblich kleingefleckt; unten so wie an den
Wangen nnd Augenkreisen blassgelblich. Länge
7— 9 Fuss.
Schädel: Der Zwischenbalken lang, fast \ des ganzen
Schädels, walzenförmig, dick, ein hervorragender Höcker vor
der Orbita, der Gaumen hinten mit einem einspringenden Winkel
oder Bogen. Grösste Breite des Unterkiefers unter dem 2ten
Backenzahn.
Stenorhynchus leptonyx Fr. Cuv. Diction. d'hist. nat. tom. XXXIX.
p. 549. — Phoca leptonyx Blainv. Journal de physique 1820. Oeto-
ber. — Desmarest Mammal. p. 247. — Stenorhinque Fr. Cuvier
Memoir. du Museum tom. XI. p. 190. pl. 13. fig. 1. a. b. c. —
Dents des Mammiferes p. 118. pl. 38. A. — G. Cuvier Ossem.
foss. V. 1. p. 207. pl. XVIII. f. 2. — Phoca Homei Less.
Beschreibung: das einzige Fell dieses merkwürdigen
Thieres, welches so viel ich weiss, an ein europäisches Museum
gelangt ist, wird ausgestopft auf den) Pariser, Museum aufbe-
wahrt, und dies ist dasselbe Exemplar, welches Cuvier in den
Recherches sur les oss. foss. V. 1. p. 208 beschrieben.
Die Naslöcher liegen getrennt und das Septum narium ist mit
Haaren bewachsen. Das Haar des Körpers kurz und anliegend,
feiner und gröber, aber ohne Grundwolle, von der Wurzel zur
20*
308
Spitze einfarbig, gelblich weiss, mit schwarz gemischt; die
Vorderfiisse behaart bis zum Innern schiefen Rande, über
welchem die kleinen geraden Krallen sitzen; Hinterfüsse
auch bis zum Rande mit Haaren bewachsen und in zwei grosse
und drei sehr kleine Lappen getheilt; am Aussenrande dieser
letzteren sitzen kleine platte Klauen.
Die Farbe ist ziemlich der des gewöhnlichen Seehundes
gleich. Längs dem Kopfe und Rücken graubraun, an den Sei-
ten des Nackens mit kleinen gelblichen eingestreuten Flecken.
Der gelbliche Anstrich nimmt allmälig an den Seiten zu,
so dass die Beine und die untern Körpertheile ganz blass-
gelb und ungefleckt sind. Dieselbe Farbe auf den Backen und
in der Gegend um die Augen. Länge 7' 9", Jüngeres Thier.
Schädel dieser Thierart habe ich im Pariser Museum
und im Museum der Chirurgischen Akademie zu London un-
tersucht. Sie sind, den Aufschriften nach, von den Falklands-
inseln, Süd - Georgien und dem Maquarieflusse in Neuholland.
Länge 16", Breite 8 und der Unterkiefer 12"; ein anderer ist
14" lang, 7^" breit, der Unterkiefer lOf". Ein anderer 13"
lang und 6f" breit.
Aufenthaltsort u. s. w. Nach den gesammelten An-
gaben findet sich diese Art in dem Meer der südlichen He-
misphaere von der Breite von Neu-Holland bis zum südlichen
Polareise. Er findet sich bei Neu -Holland, den Falklands-
inseln, Neu- Georgien u. s. w., und sofern die Angaben zuver-
lässig sind, steigt er zuweilen, so wie Phoca vitulina, aus dem
Meere in die Flüsse um seine Beute zu suchen. Man irrt sich
gewiss nicht, wenn man aus den grossen Zähnen mit ihren
langen Spitzen schliesst, dass diese Phoke das grimmigste Raub-
thier dieser ganzen Gruppe ist.
2te Gattung: JPelagius Fr. Cuv.*).
Schädel, von oben betrachtet, breit oval, mit sehr nach
hinten gebogenen Kinnbacken; ^ abgestutzte, nach innen vor
*) Ich hatte in der Vet. Aeademiens Handl. för 1837 p. 235 die
hierher gehörige Art Mona chus mediterraneus genannt, aber seit-
dem ich erfahren, dass Fr. Cuvier dieselbe schon im Dict. d'hist. nat.
unter dem Namen Pelagius monachiis beschrieben, scheint mir
dieser Name wegen seiner Priorität beibehalten werden zu müssen.
309
der Spitze mit einem Absatz versehene Vorderzähne ; |==| zu-
sammengedrückte, kegelförmige, vorn und hinten mit einem
kleinen Höcker versehene Backzähne.
Krallen der Vorderfiisse klein, an den Hinterfüssen ge-
wöhnlich fehlend.
Auch von dieser Gattung ist bis jetzt nur eine Art bekannt:
Die Mönchsrobbe, der Seemönch (^Pelagius Mo-
nach US Fr. Cuv.).
Schwarzbraun mit einem grossen weissen Fleck,
der vomBauche nach den Seiten aufsteigt; das Bart-
liaar ganzrandig; Hinterfüsse ohne Krallen. Länge
10-12'.
Cranium: Der Zwischenbalken ziemlich dick, rund, un-
gefähr eben so lang wie die vorn breitere Schnauze; ein her-
vorstehender Höcker vor der Orbita; Hinterrand des Gaumens
winkelförmig; des Unterkiefers grösste Breite unter dem drit-
ten Zahn.
Ph, monachus Herrn. Berlinische Abh. Tom. IV. t. 12 und 13. —
Desmarest Mammal. p. 241. — Pelagius monachut Fr. Cuv.
Diction. d'hist. nat tom. XXXIX. p. 550. — Phoca Hermanni
Lesson, Hist. nat. des Phoques im Diction. classique d'hist. nat.
tom. XYÜ.. — Phoque a ventre blanc BufF. tom. VI. Supplem. fig. 44. —
Cuv. Recherches sur las oss. foss. V. 1. p, 208 pl. XVU. fig. 1. (Ske-
let), fig.2, 3, 4 und 5 (Cranium). '
Schädel dieser Art habe ich in den Museen zu Paris
und London untersucht.
Aufenthaltsort: Bisher allein im Mittelmeer gefunden,
Avo er besonders an den Küsten Dalmatiens, im Adriatischen
Meer und, bei Griechenland vorkommen soll.
3te Gattung: moca Lin.
Schädel eiförmig; Vorderzähne |; Backenzähne |=|
mit 3 — 4 in einer Reihe stehenden kegelförmigen Spitzen, von
denen der vorderste oder nächstvorderste der grösste ist.
Krallen sowohl an Vorder- als Hinterfüssen wohl entwickelt.
Man kennt von dieser Gattung bereits 5 Arten, welche
alle in der nördlichen Hemisphäre vorkommen. Einige gehen
südlich wahrscheinlich so weit als Europa sich ausdehnt, an-
dere gehen nördlich ganz hinauf bis zum Pole, so weit bis
jetzt Menschen vorgedrungen sind.
310
1) Der gefleckte Seehund (Phoca vitulina, Lin.)
Fein schwärzlich und weisslich oder graubraun
und gelbgrau gesprenkelt; längs dem Rücken ge-
wöhnlich ungefleckt schwärzlich; die unteren Kör-
pertheile weisslich; ein breiter blasser ungefleck-
ter Ring um jedes Auge und über dasselbe ein
kleiner runder Fleck, worin einige Borsten sitzen.
Länge 4 — 6 Fuss.
Cranium: Zwischenbalken mittelmässig dick, rund; eine
convexe Fläche zwischeif der Stirn und der Schläfengrube;
keine Spur von tuberculum anteorbitale ; Gaumenrand ein ein-
springender Winkel, und das Gaumenloch vor der Naht; der
Unterkiefer auf der äussern und innern Seite convex, mit der
grössten Breite unter dem 3ten Zahn; der hintere Rand des
aufsteigenden Astes hat einen abgerundeten und hervorragenden
Höcker, welcher zunächst dem Gelenkknopf liegt; Backzähne
convex, gewöhnlich schiefstehend, mit einer grössern vordem
und nach hinten gerichteten Spitze, hinter dieser 2 — 3 an
Grösse abnehmenden.
An merk. Es hat jemand behauptet, dass die Backzähne nur
bei jungen Individuen schief und dass sie bei älteren gerade sitzen.
Diess streitet gegen meine Erfahrung. Ich habe alte Schädel
vor mir, bei denen bereits die crista sagittalis entwickelt ist und
bei denen die Backzähne sowohl im Ober- als Unterkiefer so
dicht und schief stehen, dass der vordere Rand eines hinteren
ganz vor dem hintern Rande des nächstvorhergehenden liegt«
Dagegen habe ich einen sehr jungen Schädel, dessen Backzähne
alle nicht schief stehen, mit Ausnahme des mittelsten im Unter-
kiefer.
Zu den gewöhnlichen Synonymen, welche grösstentheils in der Faun.
Skand. aufgeführt sind, will ich hier hinzufügen : Phoque commun
Desm. Mamm. p. 244. — Common Seal, History of british qua-
drupeds by Thom. Bell. p. 263. — Callocephaie Fr. Cuv. Mem.
du Mus. XI. p. 182. — Phoca Uttorea Thienemann, pl. VI. u. VII. —
Phoque commun Fr. Cuv. Hist. des mammif Liv. IX. var.
Anmerk. Dieses an dem letztgenannten Orte abgebildete Indivi-
duum, welches im Pariser Museum aufbewahrt wird, ist von G.
Cuvier in den Recherches sur 1. oss. foss. V. I. p. 205 als zu einer
anderen Art gehörig betrachtet und die Vermuthung ausgespro-
chen worden, dass es eine junge Phoca leporina Lepech sei. Diese
Vermuthung^ ist auch von Fr. Cuvier in Mem. du mus. p. 186
angenommen. Das Exemplar, welches im Jardin des plantes
311
lebte, und wahrscheinlich hier in der Gefangenschaft eine Verän-
derung der Farbe erlitt, ist bestimmt nur eine Varietät von
Phoca vitulina. Auch ein Exemplar, welches im Pariser Museum
unter dem Namen Phoque h fort es inoustaches aufbewahrt wird,
und das von Nordamerika eingesandt ist, scheint mir zu dieser
Art zu gehören.
Varietäten: 1) Einfarbig rostgelb oder braungelb, etwas
brauner oben, gelber unten, wo er besonders am Halse stark
brandgelb ist. — Gefangen im Kanal. Hat in Gefangenschaft
gelebt. Wird im Pariser Museum aufbewahrt. Man sieht die
gewöhnliche Zeichnung, wenn auch schwach, in einem gewis-
sen Lichte. Dies ist das in der Anmerkung oben genannte
Individuum.
2) Zwischen der letztgenannten Varietät und der gewöhn-
lichen Phoca vitulina findet sich ein üebergang. Hier ist die
gewöhnliche Zeichnung bei einem gewissen Lichte etwas sicht-
barer. Die eigentliche Hauptfarbe ist etwas Mass, mehr grau
und weniger gelb als bei der vorigen. Auch diese hat in der
Menagerie im Jardin des plantes gelebt.
3) Ueberall, auch auf Rücken und Bauch gefleckt. Die,
welche ich sah, waren Weibchen.
4) Oben schwärzlich und mit kleinen rostgelhen Ringeln
und Flecken; die Beine dunkelbraun meist einfarbig. Die
Schnauze oben dunkelbraun einfarbig wie die Stirn; um die
Augen und auf den Lippen blass gelblich; an der Kehle ein
grosser brandgelber Fleck. Die untern Körpertheile klein-
fleckig, pie Barthaare dick, weisslich. Phoque äfortes mou-
staches Mus. Par.
Aufenthaltsort u. s. w. Gemein um die Küsten von
Schweden und Norwegen, sowohl in der Ostsee, als im Sunde
und der Nordsee. Findet sich auch bei Island, Grönland und
bis zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Wie weit
er an den Europäischen Küsten nach Süden geht, ist noch nicht
hinlänglich bekannt, aber an denen Frankreichs ist er gemein
und wahrscheinlich auch an Spaniens. Dagegen ist das eine
ganz andere Art, welche das kaspische Meer und wahrschein-
lich auch den Aralsee, Baikalsee u. s. w. bewohnt.
312
2) Der geringelte Seehund (Phoca annellataKilss.')
Rücken schwärzlich, und daselbst oder seitlich
mit grösseren ovalen weisslichen dünnen Ringen
(vonl^ — 2" Länge) gezeichnet; die Augenkreise ein-
farbig; Barthaare dünn, braun, Backenzähne gerade-
stehend. Länge ungefähr 3 Fuss.
Cranium: Zwischenbalken in der Mitte sehr schmal,
hinten breit und platt, gibt eine scharfe Kante ab zwischen
Stirn und Schläfengrube; eine Spur von tuberculum anteorbi-
tale; Gaumenrand ein einspringender spitzer Winkel (und das
Gaumenbein hier vom Vomer getrennt); das Foramen palati-
num öffnet sich in oder hinter der Gaumennaht; grösste Breite
des Unterkiefers unter dem innersten Backzahn. Backzähne
geradestehend, breit, drei- oder vierspitzig. Hinterhauptsloch
quer- oval.
Phoca annellata Nilss. Skand. Fauna L p.362. — Taf. 38. — Thiene-
mann pl. IX. — XI. — Callocephalus diseolor Fr. Cuv. Mem. du
museum XI. p. 186. Phoque commun id. Hist. des Mammif. IV. —
Diese Art variirt bedeutend, sowohl in der Farbe als in
der Form der Zähne.
A. Varietäten in der Farbe:
1) Schwarze Ringelrobbe: dunkel braunschwarz, oben
schwärzer, unten etwas an graubraun grenzend, überall mit
blassen Längsflecken, welche^ genauer betrachtet, weissliche
ovale Ringe bilden. Hals und Kopf mit einzelnen kleinen
weisslichen Fleckchen. Schnauze und Augenkreis einfarbig
schwarz. Beine einfarbig braunschwarz; Vorderkrallen schwarz,
Hinterkrallen schwarzbraun. Das Exemplar ist jung.
Von Grönland, befindet sich im Kopenhagener Museum.
2) Weisse Ringelrobbe: schmutzig weiss, einfarbig;
in der Mitte des Rückens kaum bemerkbare Spuren einer
dunklern Schattirung. Barthaar weiss. Krallen an der Wur-
zel hornbraun, aussen weisslich oder weiss.
Auch diese ist von Grönland und befindet sich auf dem
Kopenhagener Museum.
3) Braungraue Ringelrobbe: Braungrau einfarbig
mit blasserer Färbung an den untern Körpertheilen.
Von einem Binnensee in Russland (wahrscheinlich dem
Baikalsee?). Das Exemplar ist durch Tausch aus dem Pariser
313
Museum an das Akad. Muk. zu Lund gelangt. — Nur Frag-
mente des Schädels sind mir zu Gesicht gekommen. Vielleicht
bildet sie eine besondere Art.
B. Varietäten in derForm der Backzähne.
1) Die vordersten oben dreispitzig mit mittlerer grösster
Spitze, die folgenden mit 4 Spitzen, von denen die nächst
vordersten die grössten sind, die zwei hintern an Grösse ab-
nehmen; 3 — 4 im Unterkiefer haben zwei Spitzen auch vor
der Hauptspitze.
2) Kleiner, haben im Oberkiefer eine geringere Zahl von
Spitzen; dem Isten fehlt die vorderste Spitze gänzlich und die
folgenden haben bloss eine Spur davon.
3) Nicht mehr als 1 Spitze hinter (und 1 vor) der Haupt-
spitze im Oberkiefer.
In wiefern diese grosse Ungleichheit in der Form der
Zähne ihren Grund in dem verschiedenen Geschlecht oder mög-
licher Verschiedenheit der Arten hat, ist noch nicht erörtert.
Aufenthaltsort: Findet sich, wie der vorige, an allen
unseren Küsten. Auch wird er im Süden wenigstens bis zum
Canale angetroffen; von wo Exemplare im Museum zu Paris
aufbewahrt werden. Dagegen findet man ihn nicht in BelTs
Faun. Englands aufgeführt, und ich kenne auch in England
kein Exemplar oder Schädel dieser Art. Er müsste demnach dort
selten sein. Wenn dies dieselbe Art ist, welche FabriciusPhoca
hispida nennt (was ich mir noch nicht zu bestimmen getraue,
obgleich ich verschiedene Exemplare aus Grönland gesehen
habe), so möchte diese Art von allen am nächsten zum Nord-
pole gehen, weil Parry, der auf dem Polareise bis zum
82J ** N. B. vordrang, die Phoca hispida ühevall in den Wa-
ken (Eislöchern) antraf.
3) Der kaspische Seehund (Phoca caspica Nilss.) ^
Rücken und dessen Seiten graubraun, mit un-
regelmässigen dickern gelblichen Ringen gezeich-
net; die Bauchseiten allmälig blasser gelblich.
Barthaar dick, blass. Länge 4 Fuss.
Cranium: Zwischenbalken sehr schmal, nach hinten zu
breiter, aber abgerundet; eine rundliche Uebergangsfläche zwi-
schen Stirn und Schläfengrube ; der Gaumen bildet hinten einen
314
Bogen (und ist getrennt vom Vonier), das Gaumenloch öffnet
sich in oder hinter der Gaumennaht; grösste Breite des
Unterkiefers unter dem innersten Backenzahn. Backenzähne
geradesitzend, klein, weit abstehend, mit äusserst kleinen Wur-
zelzacken ; die oberen mit 1 vor und 1 hinter, die unteren mit
1 vor und 2 hinter der Hauptspitze. Hinterhauptsloch zir-
kelrund.
Phoca canina varietas caspictty Pallas Zoograph. Rosso-Asiatica I.
p. 116 — 117.
Anmerk.: Jeder sieht ein» dass diese Form der Ph. annellata
viel näher steht, als der Ph. vitulina.. Doch bildet sie ohne allen
Zweifel eine von ersterer bestimmt verschiedene Art: sie ist viel
grösser, anders gefärbt, hat viel stärkeres Barthaar, abstehendere
und kleinere Zähne, und den Zwischenbalken nach hinten zu ab-
gerundet, wodurch eine rundliche üebergangsfläche zwischen Stirn
und Schläfengrube entsteht, wo sich beiP/t. anneliata stets eine
scharfe Kante findet. Das beschriebene Thier wurde während des
Winters erlegt. Es war so dick und fett, dass es, nach Pallas
Ausdruck, einem mit Fett angefüllten ledernen Sacke glich. Es
war weit fetter und dicker als die, welche gewöhnlich in unserem
Meere getödtet werden. Sie kommt jedoch in grosser Menge vor,
denn nach Pallas Zeugniss liess Graf Seh uvalof jährlich über
20,000 fangen, um den Thran an die Ledefabriken zu verkaufen.
4) Der grönländische Seehund (Fhoca groen-
landica Müll.)
. Grau oder weisslich gefärbt mit grösseren
oder kleineren schwarzen Flecken; Barthaar wel-
lenrandig; Vorderzähne an Grösse abnehmend; die
Backzähne geradestehend, getrennt; Gaumenrand
quer. Länge 4—^5 Fuss.
Cranium: Zwischenbalken mittelmässig, nach hinten
zu platt, breit mit abgeschnittenem Rande; ;Gaumen quer
geschlossen, und die crist. palatina geht gerade hinauf an den
Vomer. Das Gaumenloch vor der Sutur; die grösste Breite
des Unterkiefers unter dem 4 — 5ten Zahn; Zähne abstehend
kegelförmig, die oberen mit 1 Zacke hinten, die untern mit 1
vorn, 2 hinten. ;
Phoca groenlandica Müller, Prodr. — Fabr. Faun. Groenl. p. II. —
Nilss. Skand. Faun.I., 370.— Thienem. 1. c. pl. XV. — XVIII. Cra-
nium XIX. — Phoca oceanica Lepechin Act. Petrop. 1777. —
Harp Seal Bell British Quadrup. 269.
315
A.nmerk. 1. Bei der Versammlung der Naturforscher zu Bristol
im Sommer 1836 sah ich einen vorgezeigten Schädel dieser Thier-
art von einem Exemplar, M^elches in Severn getödtet war. Auf
dem Museum daselbst hatte ich Tags vorher ein Cranium gese-
hen, welches ich bei einer flüchtigen Betrachtung als zur Ph.
annellata gehörig ansah. Im Herbst von Paris nach London zu-
rückgekehrt, wurde ich vom Prof. Bell ersucht, einige Robbenschä-
del zu untersuchen, worunter die zwei .genannten von Bristol,
welche beide, wie sich bei genauerer Untersuchung ergab, jungen
Exemplaren (aus dem 2ten Jahr) von Phoca groenlandica ange-
hörten.
Anmerk. 2.: Baron Cuvier redet in den Oss. foss. V. I. p. 205
von einem Seehund, von dessen Schädel Ev er. Home eine Zeich-
nung in den Philos. Transact. 1822 pl. XXVIIT. gegeben hat,
welcher bei den Orkaden getödtet und nebst dem Skelet an John
Hunter geschenkt wurde. Ich habe das Werk nicht zur Hand,
aber die Beschreibung, welche Cuvier von der Figur gibt, zeigt,
dass sie zur Phoca groenlandica gehört — und ein Skelet dieser
Art findet sich in der That im Hunterschen Museum in London
unter Nr. 374. Wahrscheinlich ist es dasselbe Individuum, von
dem Home den Schädel abgebildet hat. Cuvier glaubt, dass, weil
er nicht mehr als 5 Backzähne hat, der 6te mit dem Alter aus-,
gefallen wäre; aber es ist dieser Art eigenthümlich , dass sie
nicht mehr als 5 hat. — Cuvier spricht p. 204 von einer Phoca,
welche Gr. Milbert 1820 von New-York geschickt hat. Ich habe
im Cabinet d'anat. comp, den Schädel davon untersucht. Er kommt
der Phoca groenlandica am nächsten; aber entfernt sich von der
gewöhnlichen dadurch, dass der Zwischenbalken vorn rundlich
gewölbt ist, keine Spur von Process. anteorbitalis , und ein klei-
ner 6ter Zahn hinter den andern vorhanden ist. Dies ist jedoch
nur eine kleine Abnormität und der Schädel gehört ohne Zweifel
einer jungen Ph. groenlandica.
Diese Art variirt sehr nach dem verschiedenen Lebens-
alter: Wenn das Junge geboren wird, ist es bedeckt
mit glänzendem, weissem, wolligem Haar. Dies fällt bald ab.
Im Isten Jahr: Blassgrau überall, jedoch am dunkelsten
auf dem Rücken und Kopf, und am blassesten unter dem Bauche.
Thicn. pl. XVIL (Nicht gut).
2tes Jahr: Dieselbe Grundfarbe bestreut mit dunklen
Flecken *). Lepech. Tab. VII. Thienem. LXVI. — Phoca la-
gura Cuv. Ossem. foss. V. I. p. 206. — Nilss. p. 37.
*) In diesem Alter kann man die Haut leicht mit der eines jun-
gen Halichoerus verwechseln.
316
3tes Jahr: Weissgrau, hier und da mit einer Menge
schwarzer oblonger Flecken. — Dieser wird in Grönland
Aglektok genannt.
4tes Jahr: Wird mehr bunt. Darauf laufen die Flecke
mehr zusammen und der Kopf wird schwarz.
5tes Jahr: Weiss, aber Schnauze, Stirn und Seiten des
Kopfes schwarz; auf jeder Seite ein grosser, langer, etwas
mondförmiger Fleck. Geschlecht gleich, doch haben die
Männchen am häufigsten den Seitenfleck gross und rein
schwarz. Lepech. F. VI. Thienem. XIV.
Aufenthaltsort: Das nördliche Polarmeer von Europa,
Asien und Amerika; von dort machen die Jungen im zweiten
Jahre zuweilen Streifziige nach südlichen Meeren, aber die
älteren verlassen wohl niemals die Polargegenden*). An der
Westküste Norwegens ist diese Art wohl noch nicht bemerkt ;
aber ohne allen Zweifel kommen zuweilen jüngere Individuen
nicht allein dort, sondern auch im Kattegat und den Bohus-
scheeren vor. In Bristol habe ich bei Dr. Riley ein Skelet
gesehen, welches einem Jungen dieser Art vom 2ten Jahr
angehörte, erlegt in Severn (dem Meerbusen aussen vor
Bristol), und auf dem Museum daselbst findet man ein ausge-
stopftes Exemplar ungefähr von demselben Alter, welches auch
im Meer aussen vor der Küste erlegt sein soll.
5) Der bärtige Seehund (Phoca harhata Fabr.)
Barthaar zahlreich, dick, ganzrandig; Zehen der
Vorderfüsse fast gleich lang; Farbe gräulich unge-
fleckt; Backzähne abgestuzt, geradestehend und
getrennt. Länge 8 — 10 Fuss.
Schädel. Die obere Contour sehr krummgebogen mit
kurzer rundlicher Schnauze; Mittelbalken breit; Tuberculum
anteorbitale stark; Gaumenloch in oder hinter der Sutur;
Gaumenrand nach hinten zu ein Bogen; Unterkiefer sehr breit
unter dem nächst innersten Zahn; der Höcker des aufsteigen-
den Astes zunächst dem Winkelknorren.
*) Eine so gefärbte Phoca groenlandica wie die von Bell un-
ter den British Quadrupeds abgebildete, ist, wie ich glaube, an
keiner englischen Küste gefunden worden.
317
Phoca barbata Fabric. Faun. Groenl. p. 15. — Nilss. Skand.Faun.
p. 74. __ Thienem. Bemerk. I. Tab. I.—III. Cran. IV. — Fr. Cu-
vier Mem. du mus. XL p. 184 pl. 12. — Phöca leporina L ep echin
ActPetrop I. p.264 Tab.VlU.— IX. — Phoca nautica vlvlA Phoca
albigena Fall. Zool. Rosso-Asiat. p. 108 — 109.
Farbe: Oben blassgrau, an den Seiten noch blasser und
unter dem Bauche weiss. Vom Kopfe, der wie der Hals oben
schwärzlich ist, geht ein schmaler Strich von derselben Farbe
längs dem Rücken.
NachFabricius istdieFarbe der Jungen auf dem Rücken
bläulich und sehr blass, am Bauche weiss; mit dem Alter
wird sie fast überall schwarzblau ; aber die allerältesten verlie-
ren das Haar, und die Haut ist schwarz und nackt.
Das noch mit Wolle bekleidete Junge: Der ganze
Körper mit dunkelgrauer Wolle bedeckt, welche hinten auf
dem Rücken und den Hinterfüssen dunkler wird. Längs dem
Rücken von den Schultern bis zu den Lenden geht eine breite
(4 — 5") weisse Binde. Die Füsse oben und unten ganz mit
Haaren bedeckt; Vorderfüsse mit grossen zusammengedrückten
Krallen bewaffnet, von denen die 3 mittelsten fast gleich lang,
die 2 äussersten ein wenig kürzer aber auch gleich lang sind,
Hinterzehen auch meist gleich lang und mit geraden Krallen
versehen. Barthaar zahlreich, nach unten gebogen, braun,
aussen weiss, durchaus ganzrandig.
Bei diesem jungen Thier, welches noch nicht mehr als
4' 10" lang und wahrscheinlich ungeboren war, war bereits
das tuberculum anteorbitale an dem Oberkieferbein ganz deut-
lich entwickelt.
Aufenthaltsort: So wie die vorhergehende Art, hat
diese ihren Stammsitz in den nördlichen Polarmeeren von
Asien, Europa und Amerika, aber so viel man bis jetzt weiss,
kommen weder jüngere noch ältere in wärmeren Meeren vor.
Zweite Abtheilung.
Die Backzähne haben einfache Wurzeln, ent-
weder alle oder mit Ausnahme der beiden hinter-
sten*).
*) Bei allen zu dieser Abtheilung gehörigen Arten haben alle
Backzähne einfache Wurzeln mit Ausnahme der Gattung Halichoe^
318
4te Gattung: MalichoeruSi Nilss.
Schädel bei jüngeren Thieren eiförmig, bei älteren rhom-
boidal mit Abstumpfung der beiden spitzen Winkel. Vorder-
zähne f ; Backenzähne f =|, fast einspitzig, kegelförmig, mit
einer Kante vorn und hinten, Gesichtsregion hoch, bei den
älteren höher als die Schädelregion und nach vorn schief ab-
gestutzt.
Krallen sowohl an Vorder- als Hinterfüssen wohl ent-
wickelt.
Man kennt noch nicht mehr als eine Art dieser Gat-
tung, und diese hat ihren Wohnsitz in den nördlichen und
temperirten Meeren von Europa.
Der graue Seehund (Halichoerus Grypus*^.
Unregelmässige schwarze oder schwärzliche
Flecken, auf ^silberweissem oder blass aschgrauem
oder stahlgrauem (manchmal schwarzgrauem) Grun-
de. Länge 4 — 6 Fuss und darüber.
Schädel: Die Gesichtsregion (bei den altern) länger
als die Hirnschale; die vordere Nasenöffnung sehr gross und
oblong, die oberen Backzähne kegelförmig; die unteren hin-
teren mit einer kleinen Spitze vorn und hinten.
Phoca Grypus (der krummschnäuzige Seehund) Fabr. Naturhist.
Selsk. Skrift.1.2. p. 167 Tab. XIII. fig. 4. (Schädel). — Halichoe-
rus griseus Nilss. Skand. Faun.I. p. 377. — Tab. 34. fig. lu. 2.—
Grey Seal Bell British Quadrupeds p.284 (Schädel). — In Cu-
vier's Ossem. foss. V.l. p.216 findet sich eine sehr deutliche
Beschreibung eines Schädels dieser Art, nach einer Zeichnung von
rwf, welche die beiden hintersten Backenzähne mit zwei Wurzeln ver-
sehen hat. Die einfachen Wurzeln der Backenzähne werden mit
den Jahren mehr oder minder stark aufgetrieben. Bei einigen Arten
werden sie so enorm dick aufgetrieben, dass die Krone nur als ein
kleiner Knopf auf ihrer Spitze erscheint. Dieses tritt ein bei Otaria
und besonders bei Cystophora proboscidea. Ein sehr alter Unterkiefer
der letztgenannten Art ist in Fr. Cuvier's Dents des mammi-
feres pl. 39A. abgebildet. Die Krone scheint wenig oder gar nicht
zu wachsen, nachdem sie über dem Zahnfleisch hervorgekommen ist.
**) Da Fabricius, welcher zuerst die Art beschrieben, dieselbe
Phoca Grypus (nicht Gryphus) genannt hat, so möchte es am pas-
sendsten sein, den längst bekannten specifischen Namen beizubehalten.
319
Ev. Home in den Philos. Transact. 1822 pl. 27, aber die An-
gabe, dass derselbe von einer Phoca aus der Südsee sei, ist un-
richtig.
Beschreibung: AneinemjungenWeibchenvon etwas mehr
als 4 Fuss Länge, war der Umfang des Kopfes 9^", die Länge des Vor-
derfusses 6", des Hinterfusses 9", und des Schwanzes 2|". Der Kopf
länglich, das Maul dick, ziemlich langgezogen und an der obern
Contour etwas zurückgebogen. Barthaar zahlreich, stark, lang
zusammengedrückt mit welligen Rändern, weisslich, sitzt rei-
henweise auf der Oberlippe und an der Seite der Nase herab,
Ohröffnnng klein, liegt nicht so weit vom Auge als dieses von
der Schnauzenspitze. Krallen dpr Vorderfüsse hornbraun, et-
was zusammengedrückt oder halbrund, oben convex, Iste und 2te
gleich lang, die folgenden allmälig abnehmend, ragen etwas
aus der überall behaarten Schwimmhaut hervor. Die Hinter-
füsse enden in zwei fast gleich grosse Lappen mit einem Ein-
schnitte zwischen sich. Die Schwimmhaut zwischen den Zehen
fast nackt, längs den Zehen behaart ; die Hinterkrallen, welche
mit der Spitze kaum aus den Hautlappen hervorragen, sind nie-
dergedrückt, halbrund, spitzig, schmal, gerade, mit Ausnahme der
seitlichen Krallen, welche ein wenig breiter und etwas einge-
bogen sind. Das Haar des Körpers sehr plattgedrückt und
spitz, aber nicht wellig, kurz anliegend, fühlt sich beim Herab-
streichen glatt an, rauh in der entgegengesetzten Richtung. —
Farbe silberweiss glänzend, marmorirt oder unregelmässig
fleckig, schwarz oben, an den Seiten und den Beinen, sowohl
den vorderen als hinteren. Die schwarzen Flecken sind be-
sonders zahlreich und zusammenfliessend an den Seiten. Die
untern Körpertheile weiss mit zerstreuten schwarzen Flecken»
Erlegt im Anfang August.
Das Cranium dieses Exemplars war 8" lang und zeigte,
dass das Thier jung war, vermuthlicli aus dem 3ten oder 4ten
Jahre. Alle oberen Backenzähne waren einwurzelig, mit Aus-
nahme des hintersten, welcher zwei Wurzeln hatte, nach vorn
gerichtet und mit niedriger spitzer zweikantiger Krone verse-
hen. Die übrigen oben waren kegelförmig, gekrümmt, gestreift,
spitzig, vorn und hinten mit einer Kante versehen; die Back-
zähne des Unterkiefers auch kegelförmig, zweikantig, gestreift,
aber die beiden hintersten mit einer kleinen Zacke an der
320
Wurzel vorn und hinten. Der hinterste mit zwei Wurzeln,
der vorhergehende einwurzelig, aber aussen mit der Andeutung
einer Theilung durch eine Furche. Eckzähne mit einer Kante
vorn und hinten. Vorderzähne oben: die 4 mittelsten zusam-
mengedrückt, an der Spitze zurückgebogen, die äussersten
grösseren länger.
Ein anderes junges Weibchen, wahrscheinlich aus dem
2ten oder 3ten Jahre von fast 3^Fuss Länge hatte blasshrau-
nes Barthaar, war oben blass aschgrau mit unregelmässig zer-
streuten schwärzlichen, weniger deutlichen Fleckchen versehen.
Die Seiten, Beine und untern Körpertheile weiss. — Erlegt
im Juni.
Cranium 7 Zoll lang. Die obern Backzähne mit einem
kleinen Höcker hinten an der Wurzel; die unteren mit einem
Höcker hinten und vorn.
Ein anderes Weibchen dieser Art, welches im Sunde
fast zu derselben Jahreszeit wie das zuerst beschriebene
erlegt wurde, nämlich ungefähr den 20sten Juli, beträgt an
Länge 4^ Fuss und hat folgende Farben: Oben dunkelgrau,
längs dem Rücken noch dunkler, schwarzgrau, an den Seiten
etwas blasser grau; Rücken und Seiten mit kleinern unregel-
mässigen und ungleichgrossen schwarzen Flecken bestreut;
Schnauze und Beine braungrau ungefleckt.
Anmerk.: Dieser Seehund hatte kürzlich gehärt, und hatte noch
hier und da einige "Winterhaare übrig. Diese waren graugelb,
während dagegen das neue Fell schwarzgrau und sehr fein war.
Hieraus sieht man: 1) dass die Alten ihre Farbe nach der Jah-
reszeit wechseln, und 2) dass die Grundfarbe verschieden dunkel
ist bei verschiedenen Individuen desselben Alters und Geschlechts
während derselben Jahreszeit.
Anmerk.: Das Junge dieser Art kann, wenn es ausgestopft
worden, leicht mit einem Jungen derselben Grösse von Phoca
groenlandica verwechselt werden. Bei der Vergleichung habe
ich folgende Unterscheidungsmerkmale gefunden:
Junge phoca groenlandica. JungexHalichoerusGr^pus,
Entfernung der Ohröffnung vom Entfernung der Ohröffnung vom
Auge macht | der Entfernung des Auge beträgt kaum | der Entfer-
Auges von der Nasenspitze aus. — nung des Auges von der Nasen-
Vordere Barthaare braun, fein, spitze. — Barthaar von derselben
hintere weiss, zusammengedrückt, Farbe und Form, aber viel grö-
wellig. Vorderkrallen schwärz > her. Vorderkrallen hornbraun mit
321
lieh hornfarbig, keine weissen weisslichen Spitzen und grösser
Spitzen. als bei Plioca groenlandica.
Farbe: oben braungrau, un- Farbe: oben stlbergrau oder
ten weisslich, überall dünn be- stahlgrau, dichter bestreut mit
säet mit kleinen und sehr klei- kleinen unregelmässigen schwHrz-
nen unregelmässigen dunkelbrau- liehen Flecken oder richtiger
nen vollständigen Flecken von Puncten, zu unregelmässigen
1 — 1^ Zoll Grösse; der Kopf Flecken versammelt; an den Sei-
oben mehr bräunlich, von wo eine ten und unlen weiss. Der Schwanz
braune Binde längs der Schnauze länger als bei Phoca groen-
fortgeht; ein blasserer weisser landica.
Streifen um die Augen. Der Diese und die beiden vorher
Schwanz graubraun, an den Sei- beschriebenen Weibchen dieser
tenrändern weisslich. Art sind in der Ostsee geschossen.
Aufenthaltsort: Man hat lange gewusst, dass diese
Robbe sich in allen Meeren aufliält, welche die skandinavische
Halbinsel umgeben: in der Ostsee sowohl als im Sunde, im
Kattegat und in der Nordsee. Man hat auch längst vermu-
thet, dass der Utselur der Isländer zu dieser Art gehöre,
was sich auch durch Herrn Hallgrimssons interessante
Beobachtungen bestätigt hat. Aber man wusste nicht, dass
diese Art sich südlich bis zur Ostsee oder Nordsee ausdehnte.
Hr. Ball, ein irländischer Naturforscher, hat dieselbe an der
südlichen Küste von Irland entdeckt und gefunden, dass sie
dort die gemeinste aller Robbenarten ist. Diese höchst
interressante Entdeckung hat unsre Kenntnisse von der geo-
graphischen Verbreitung dieser Robbenart bedeutend erweitert.
5te Gattung: Triohechus Linn,
Der Umfang des Schädels bildet bei älteren ein oblon-
ges Viereck mit abgestumpften hinteren Seitenecken, bei jün-
geren ist er mehr eiförmig. Vorder zahne bei den jungen
|, bei den älteren f; obere Eckzähne enorm gross wie Fang-
zähne weit aus dem Munde herabragend, untere kurz, ursprüng-
lich kegelförmig; Backzähne |=|, von denen der innerste
kleine früh ausfällt, alle kegelförmig, mit den Jahren abgenutzt
platt *).
Zu dieser Gattung gehört nur eine Art:
*) Vgl. Skand. Faun. I. p. 388.
Archiv f. Naturgesch. Yll, Jahrg. 1. Bd. 21
322
Das Wallross, (Trichechus Rosmarus Linn.)
Körper,mit kurzen graubraunen oder gelbbrau-
nen Haaren bedeckt; Schnauze breit erhaben mit
zahlreichen groben borstigen Barthaaren; Fang-
zähne nach unten gerichtet und etwas zurückgebo-
gen, bis zu 2 Fuss lang.
/ Trichechus Rosmarus Linn. Syst. I. p. 39.— Walross Nilss» skand.
Fauna I. p. 388. — Walruss Bell. Brit. Quadr. p. 282. — Ros-
marus arcticus Fall. Zoogr. Ross. I. p. 269.
Anmerk. Man hat die Zähne des Wallrosses sehr oft unrichtig
beschrieben. Linne bringt es zusammen mit dem Elephanten
und dem Nashorn unter den Bruta und nimmt an, dass es (im
erwachsenen Zustande) keine Vorderzähne habe. Pallas vereinigt
es auch mit dem Elephanten unter denBelluae, und spricht ihm
auch die Vorderzähne ab. Prof. Bell, in seinem neulich heraus-
gegebenen vortrefflichen Werk über Englands Säugthiere, legt
ihm nur 2 Vorderzähne im Oberkiefer bei, und behauptet, dass
diese (sehr oft) ausfallen. Er hat sie nur bei einem einzigen Exem-
plar gesehen, „sie bestehen aus einem auf jeder Seite, ganz klein
und kurz, ohne Wurzel, nur an den Gaumen befestigt, wo der Kno-
chen kaum eine kleine Höhlung für ihre Aufnahme hat, wesshalb
sie stets an macerirten Schädeln fehlen". Diese beiden kleinen
runden Zähne, welche meist verschwinden, ehe das Thier aus-
gewachsen ist, sind gleichwohl nicht die einzigen Vorderzähne
im Oberkiefer; denn ausser ihnen liegt auf jeder Seite nahe
unter dem Vorderrande des Eckzahns ein grosser Zahn, einem
Backzahn ähnlich, wofür er auch von Allen angesehen worden;
aber er sitzt bestimmt im Zwischenkiefer und ist so ein wirkli-
cher Vorderzahn. Dieser ist niemals ausgefallen. Die hinter
diesem sitzenden Backzähne sind 4 an der Zahl, von denen die
3 vorderen grösser sind, der hinterste klein, zuweilen ausgefallen
ist. Im Unterkiefer ist in der That bei den Jungen ein kleiner
Vorderzahn auf jeder Seite; aber dieser gelangt niemals zurEnt-
Wickelung. Der darauf folgende, deutlich ein Eckzahn (dens ca-
ninus) ist höher und grösser als die drei folgenden Backzähne,
hinter denen, ebenso wie im Oberkiefer, zuweilen ein kleiner
Zahn sitzt. Demnach ist das Zahnsystem des Wallrosses folgen-
des: Vorderzähne oben 4, von denen die beiden mittelsten klein
sind und oft ausfallen; unten 2, w^elche jedoch nie entwickelt
werden. Backzähne |=*, von denen die beiden innersten klei-
neren bisweilen ausfallen. Obere Eckzähne enorm grosse Hauer,
untere kurz, den Backzähnen ähnlich. Dass Herr Bell ursprüng-
lich 5 Backzähne (von denen jedoch der hintere oft ausfalle)
323
rechnet, rührt daher, dass er auch einen Vorderzahn zu den Back-
zähnen zählt.
Aufenthaltsort. Der Wohnsitz des Thiers ist in
dem nördlichen Polarmeere. Bei Spitzbergen, dem nörd-
lichsten America und nördlichsten Asien findet es sich noch
hie und da zahlreich, obgleich die fortgesetzten Verfolgungen
seine Anzahl bedeutend vermindert haben ; aber an der nördli-
chen Küste Skandinaviens, wo es ehedem beweislich weniger
selten gefunden wurde *), wird gegenwärtig höchst selten ein
einzelnes gefunden. (Vgl. Skand. Faun. p. 390. Not.) Auch
an den nördlichsten Küsten Englands ist eins und das andere
erlegt worden. (Bell p. 286.)
Wo es zahlreich vorkommt, trifft man es truppweise zu-
sammen von 50 zu 100 und darüber an den Küsten oder auf
dem Treibeise. Einige Verf. behaupten, dass das Wallross
hauptsächlich von Muscheln lebe ; andere, dass seine eigentliche
Kost aus Tang und anderen Seegewächsen bestehe, welche
es vom Meeresgrunde abweide, wobei es, nach Angabe der
Wallrossjäger (mitgetheilt von Dr. S. Loven, welcher Spitzber-
gen selbst besucht hat), vertikal im Wasser stehen soll, mit
dem Kopfe nach unten gerichtet. Seine enorm grossen Hauer
benutzt es, um aufs Eis zu klettern und um sich zu verthei-
digen. Wenn das Wallross verwundet wird, greift es wüthend
an und haut bald nach der einen bald nach der andern Seite
und sucht die Waffen zu zerbrechen, mit denen es angegrif-
fen wird. Seine Stimme ist ein kurzes abgebrochenes Ge-
brüll, welches man mit dem Blöcken eines Ochsen verglichen
hat. Es soll sich im Juni paaren, und das Weibchen gebiert
im Spätwinter gewöhnlich ein, seltener zwei Junge.
6te Gattung: Cystophora* **)
Umfang des Schädels breit oval, mit sehr ausgeboge-
nen Kinnbacken, von oben ausgeschnitten und gleich-
*) VglOthers Periplus, K.Witterh.Akad.Handl. Vf. p. 68—70.
**) Von xvaTtg~£(f)g, vesica, y.vancoipoQa contr. xvarcotpoQcc. Hieher
gehören die Gattungen Stemmatope, Macrorhine^VL. Phoque des Patagons
Fr. Cuv. Jedenfalls ist die Benennung Cystophora viel älter als
irgend eine von diesen. Auf Island werden diese Seethiere Blaudru-
Selur, Blaserobben genannt.
21*
324
sam ausgerundet, wodurch die Orbita sehr gross ist; Schnauze
kurz, ziemlich schmal; Zwischenbalken breit. Nasenöffnung
lang. Vorderzähne 4, kegelförmig, spitz; Backzähne ^ = z
klein, getrennt, fast stumpf, aber am Ende zu einer Schärfe
gleichsam zusammengedrückt und gerunzelt.
Aeussere Gestalt: Nase stark entwickelt zu einem
kurzen Rüssel, oder über der Stirn eine lose Haut, welche
nach Belieben aufgeblasen werden kann. Keine Spur von
äusserem Ohr. Extremitäten, wie bei allen vorhergehenden,
behaart, die vorderen mit 5 starken Krallen bewaffnet, die
hinteren getheilt (in zwei grössere äussere Lappen und drei
kleinere zwischen ihnen) und mit kleineren (oder keinen?)
Krallen versehen.
Diese Gattung enthält die grössten, colossalsten Thiere
der ganzen Ordnung und eines derselben übertrifft an Grösse
bedeutend sogar das Wallross. Man stellt ihnen nach wegen
ihres reichlichen Specks, welcher vielen Thran giebt. Sie
kommen darin überein, dass die Farbe bei dem jungen und
alten Thiere sehr verschieden ist.
1. Der See-Elephant {Cystophora proboscided).
Das Männchen hat einen Rüssel, welchen es trom-
petenförmig aufbläst. Farbe bei den älteren braun,
bei den jüngeren oben eisengrau, unten weiss.
Länge 25—30'.
Schädel: Boden der Nasenöffnung breit concav; Hin-
terrand des Gaumens tief eingeschnitten vor den alae ptery-
goideae. Obere Contour stark bogenförmig über die Nase
herabsteigend. Unterkieferäste zusammengewachsen bis unter
den 3ten Backzahn, wo sie am breitesten sind und ihre Ver-
einigung nach hinten zu einen Bogen bildet.
Phoca proboscidea, Desm. Mammal. I. p. 238. — Sea Lion Anson
Voyage round the world p. 190. t. 190. — Phoque a trompe ou
Elephant marin Peron Voy. II. p. 32. Atl. pl. 32. -« Der glatte
Seelöwe Schreb. Säugth. 3. p.297. pl.83. (Phantasiestück). — Cuv.
Ossem. foss. V. pl. 18. fig. 1. (Cranium). — Macrorhin Fr. Cuv.
1. c. N. 2. d. e. — Phoca dubia Fischer Mammal. I. p. 235.
Anmerk. Dass Ansons Sea Lion zu dieser Art gehört, kann
ich um so bestimmter bezeugen, da ich den Originalschädel ge-
sehen habe, welcher im Hunterschen Museum zu London aufbe-
wahrt wird.
325
Phoca Ansonii, welche in Dcsmarest's Mammal. I. p. 239. neben
dieser Art steht, ist in der Beschreibung zusammengesetzt aus
dieser und der Otaria leonina. Ein Theil der Diagnose: „Nez
du male prolonge en une sorte de trompe m olle et
susceptible de se gonfler" gehört zu Ci/stophora probosddea,
aber „six incisives superieures etc." gehört z\x Otaria leo-
7itna, und die Confusion rührt daher, dass der Verfasser sich in
dem pag. 239. von ihm beschriebenen Schädel geirrt hat, wel-
cher im Hunt er sehen Museum zu London unter Nr. 394. aufbe-
wahrt wird mit der Aufschrift: „Sea Lion from Falkland Island^*
und der gar nicht zu dieser Art, sondern zu einer jungen
Otaria jubata gehört. Sonst befindet sich in demselben Museum
unter Nr. 379. ein Schädel, mit der Aufschrift, dass er von Lord
Anson in das britische Museum gebracht worden, von wo er
an das Huntersche gelangt ist. Dieser Schädel gehört wirklich
der Cystophora proboscidea an, und ist das Original zu Anson's
Sea Lion. — Phoca Byronii Desm. Mammalog. L p. 240. ist eine
Nominalart, welche einzig und allein auf einen Schädel gegründet
ist, welcher sich im Hunt er sehen Museum zu London unt.Nr.381.
^ySeaLionfrom the island ofTinian; bt/ Commodore Byron'^ heOn-
det. Dies ist ein alter Schädel ohne Unterkiefer von 0/«n'« jMÄa^a.
Be Schreibung eines jungen Thiers von 5 Fuss Länge:
Kopf ohne Spur äusserer Ohren. Barthaar ganz schwarz, an
der Wurzel wellig zusammengedrückt, aussen ganzrandig; die
Vorderfüsse mit langen halbrunden Krallen, welche aus der
Haut hervorragen und von denen 1 oder 2 gleich lang sind,
die folgenden allmälig an Länge abnehmen. Hinterfüsse in
2 grosse breite Lappen getheilt, zwischen ihnen 3 kleinere,
von denen der mittelste am kleinsten ist. Krallen fehlen. Haut
der Extremitäten mit äusserst kurzem Haar. Schwanz kurz,
zungenförmig. Haar am Kopfe und ganzen Körper kurz an-
liegend. Farbe oben dunkel silbergrau glänzend, einfarbig, an
den Seiten blasser, unten weisslich, in's Gelbe ziehend.
Dieses Exemplar wird ausgestopft im Museum zu Paris
aufbewahrt mit folgender Aufschrift: „Phoque gris argente
a OS nasaux tres courts. Envoye de Nantes par Mr.
Dubuisson.*^ Es ist dasselbe Exemplar, welches Cuv. be-
schrieben in den Rech. Oss#- V. I. p. 213. Dieses Exemplar
hat auch Veranlassung gegeben zur Nominalart Phoca dubia
Fisch. 1. c, aber durch einen Schreibfehler steht: unguibus
leviter undulatis; muss heissen: vibrissis etc. so wie:
Longit. 1 ped. 8 poU. muss heissen: 4 ped. 8 poll.
326
Der Schädel desselben Exemplars wird im C ab in et
d'anatomie comparee aufbewahrt mit der Aufschrift:
„Phoque cendre, envoye de Nantes par Mr.Dubuis-
son." Er ist fast 8" lang und 6" breit. Es ist dasselbe
Exemplar, welches Fr. Cuv. beschrieben und pl. 14. f. 2. d.
e. f. abgezeichnet hat unter dem Namen: Phoque des pa^
iagons,
Peron soll in seiner Voyage aux terres australes
(II. pag. 32. pl. XXXII.), ein Werk welches zu vergleichen
ich keine Gelegenheit gehabt, eine vollständige Beschreibung
dieses colossalen Thieres gegeben haben, dessen Länge 25 — 30
Fuss beträgt» Man kann von den Schädeln, welche in den
Museen aufbewahrt werden, auf ihre ungeheure Grösse schlies-
sen. Der grösste, den ich gesehen, befindet sich im Pariser
Museum* Er hat eine Länge von 1' 9" und eine Breite von
i! 4", aber ist noch nicht ausgewachsen, indem die Wurzeln
der Eckzähne noch offen sind.
Aufenthaltsort. In den kältern Zonen der südlichen
Hemisphäre wandern sie truppweise je nach den Jahreszeiten,
finden sich an der südlichen Küste von Neuholland, Kingsinsel,
im Bass-Sunde, an den Küsten von Neu-Seeland u. s. w. Sie
3ind der Gegenstand einer einträglichen Jagd.
2. Die Blase-Robbe (ßystophora cristata^.
Das Männchen hat über der Nase eine gcrun-
zelteHaut, welche aufgeblasen werden kann; Farbe
der älteren schwarz und weiss gescheckt, mit
schwarzer Schnauze und Gliedern; bei den Jüngern
weiss, mit grauem Rücken, weissen Krallen. Länge
7— 8 Fuss.
Schädel: Boden der Nasenöfi'nulig eine schmale Rinne;
Hinterrand des Gaumens fast quer zwischen den alae ptery-
goideae; obere Contour fast gerade (wenig bogenförmig), Un-
terkieferäste nur an den Spitzen zusammengewachsen, der Zahn-
theil meist gleich breit und die Vereinigung bildet nach hinten
zu einen spitzen Winkel.
Phoca cristata Fabric. Naturh. Selsk. Skrivt. 1. 2. p. 120. (eine
wichtige Abhandlung über diese Art.) — Fischer Syn. Mamra.
I. p. 241. — Phoca mitrata id. ibid. — Phoca ieucopla Thienem.
327
Bemerk, p. 102. (jung, gute Beschreibung). — Cystophora borea-
lis Nilss. Skand. Faun. I. p. 383. — Klapmyds Egede p. 46. ~
Thoca leonina Linn. Syst. XII. I. p. 55. NB. hier ist Ansons Sea
Lion verwechselt mit Ellis* Seal with a cawl, Voy. Huds. p. 134.
t. 6. f. 4. Der erste ist Cyst. proboscidea^ der letztere ist diese.
Denselben Fehler hat Fabricius begangen in der Faunft
Groenl. p.7. und in den Naturhist. Selsk. Skrivter 2. p. 120*). —
Stemmatope Fr. Cuvier Mem. du Mus. XI. p. 196. pl. 13. fig. 3.
g. h. i.
Beschreibung. Kopf gross, mit dicker, Stampfer
Schnauze; Nase vollständig behaart; die Naslöcher, welche
vorn unter der Nasenspitze liegen, sind ziemlich klein (im Ver-
gleich mit denen bei andern Arten) und pach oben divergi-
rend. Barthaar schwach, zusammengedrückt, blassbraun und
wellig. Von der Nase über die Schnauze und bis zwischen
die Augen hinauf kann die Haut des Männchens nach dem
Belieben des Thieres zu einer Blase aufgetrieben werden, welche
an den Seiten hervorragend ist und längs der Mitte einen
Kiel hat; die Vorderfüsse stark behaart, mit 5 weisslichen
starken, spitzen, unten gerinnten Krallen, welche allmälig sehr
an Grösse abnehmen und nicht aus dem sehr schiefen stark
behaarten Fussrande hervorragen. Hinterfüsse breit und gross,
in zwei grosse Seitenlappen, von denen der äussere etwas
grösser ist, und 3 kleinere innere getheilt, von denen der in-
nerste am kleinsten ist, jeder ohen mit einer weisslichen ge-
raden, zusammengedrückten Kralle versehen. Schwanz breit
und ziemlich lang. Behaarung etwas struppig, dicht und steif.
Farbe: Schnauze und Stirne schwärzlich einfarbig; Körper
schwarz und weiss gescheckt (bei grösseren fahl gefleckt),
und zwar so, dass der Rücken mehr Schwarz, die Bauchseite mehr
Weiss enthält; der Nacken und obere Hals schwarz und mit
weisslichen Fleckchen ; Vorderfüsse einfarbig bräunlich, ebenso
die hinteren.
Dem Weibchen fehlt die Blase auf der Nase, aber es
besitzt den Längskiel.
*) Unbegreiflich ist es, dass er an beiden Stellen dieser Art auch
im Unterkiefer 4 Vorderzähne beilegt. Ich habe eine Menge Schädel
gesehen, aber nicht einen einzigen angetroffen mit mehr als 2 Vor-
derzähnen im Unterkiefer.
328
Junges: oben einfarbig braungrau, an den Seiten blas-
ser weisslich und unten weiss ungefleckt; Stirn, Wangen,
Schnauze graubraun, mit einem weissen breiten Ring um die
Augen, über ihnen ein runder Fleck, worin einige Borsten
sitzen, die Lippen und unteren Kopftheile weiss. Kral-
len blass, weisslich. Barthaar blass. Länge 4 — 5 Fuss. —
Hieher gehört bestimmt Phoca leucopla Thienem. Naturhist.
Bemerk. I. p. 102. pl. XIIL Ferner Phoca mitrata Cuv. Os-
sem. V. Lp. 210. von Hrn. Milbert aus New-York gesandt.
Ich habe sowohl das Fell als das Skelet im Pariser Museum
untersucht. Ersteres gegen 4 Fuss.
Anmerk. Cuvier 1. c. p. 211. beschreibt, wie gewöhnlich, den
Schädel und Zahnbau sehr genau: II y a en haut quatre incisi-
ves, dont las mitoyennes tres petites etc. — Desmarest dage-
gen in seiner Mammal. I. p. 241. Anm, beschreibt dasselbe In-
dividuum mit 6 oberen Schneidezähnen.
Aufenthaltsort. Findet sich im nördlichen Polarmeer,
wo er nach den Jahrszeiten truppweise wandert. Er findet
sich zuweilen sowohl bei Island als an den nördlichen Küsten
von Norwegen ein. Vgl. Skand. Faun. a. a. O.
7te Gattung: Otaria *).
Schädel oblong eiförmig; vom Stirnbein geht ein star-
ker Processus postorbitalis aus und von dem Kiefer-
knochen ein vorspringender Anteorbitalhöcker; Vorder-
zähne f, die 4 mittelsten oberen der Quere nach zweispal-
tig, die beiden äusseren sehr gross, spitzig; die 4 unteren ab-
gestutzt; Backzähne |=f (selten f=|) zusammengedrückt
kegelförmig mit einer Zacke oder einem Höcker vorn oder hinten.
An jungen Schädeln ist die Schnauze vorn verschmälert
und endet vorn mit einer abgestutzten Spitze über den Schnei-
dezähnen. Bei alten nimmt die Schnauze vorn an Breite zu,
und endigt stumpf.
Aeussere Form: Rumpf spindelförmig, etwas nieder-
gedrückt; der Kopf, mit äusseren (kleinen, spitzen) Ohren ver-
sehen, ist ziemlich schmal *länglich und sitzt auf einem langen
*) Arctocephale und Platyrhynque Fr. Cuv.
329
Halse, so dass die Vorderbeine weiter zimicksitzen als bei
den vorhergehenden. Die Vorderbeine, nach den Seiten und
nach hinten gerichtet, sind an dem äussern, dünnem, etwas
gelappten Rande, so wie an der Spitze nackt (gleichen den
Flossen der Seeschildkröten), und man sieht in ihnen keine
Zehen, sondern bloss Rudimente von Nägeln. Hinterbeine
nach hinten gerichtet; ihre Füsse enden mit einer in fünf fin-
gerähnliche Lappen getheilten nackten Haut, hinter welcher
die drei mittelsten Zehen Krallen und die beiden äussersten
Spuren derselben haben.
Von dieser Gattung findet sich keine einzige Art in den
europäischen -Meeren, noch auch in dem Meere zwischen die-
sem Welttheil und Nordamerica. Dagegen kommen Arten
derselben vor im Meere zwischen Nordasien und Nordamerica,
so wie an den Küsten vom südlichen America und südlichen
Africa und besonders in Australien.
1. Der Seelöwe (ßtaria juhatd),
Rothbraun oder gelbbraun, Beine und untere
Körpertheile dunkelbraun; Haare kurz anliegend,
ohne Grundwolle; Barthaar ganzrandig, weiss (bei
den jungen schwarz); Ohren sehr kurz (kaum ■!");
hinterer Rand der Vorderfüsse etwas gelappt, die
3 grossen Krallen der Hinterfüsse ragen mit der
Spitze nicht bis zum Rande der tiefen Einschnitte
zwischen den 5 langen Fusslappen. Das Männchen
hat um den Hals längere emporstehende Haare*
Länge, Männchen 10 Fuss: Weibchen 7 Fuss *)
Schädel. Zwischenbalken kurz, hinten verschmälert, ke-
gelförmig ; der Postorbitalfortsatz eine gerade abstehende (nicht
schiefe) abgerundete Lamelle ; das Stirnbein schickt einen klei-
nen Fortsatz zwischen Orbita und Oberkieferbein herab; der
Processus anteorbitalis breit zusammengedrückt. Gaumen der
Länge nach stark ausgehöhlt und an den Seiten von einer
Knochenlamelle begrenzt, welche in den Hamuli pterygoidei
endigt, die ganz nahe hinter dem queren (doppelt eingeschnit-
tenen) Gaumenrande stehen. Die Entfernung zwischen dem
*) Wahrscheinlich werden sie viel grösser.
330
letzten Backzahn und dem Gaumenrande ist drei Mal so gross
als zwischen diesem und den Hamuli. — Der Ramus adscen-
dens des Unterkiefers bildet mit dem Zahntheil einen sehr
stumpfen Winkel mit einem rückwärts gerichteten Winkelhöcker;
zwischen diesem und dem Höcker des Ramus adscendens ist
der hintere Rand S-förmig.
Otaria jubata Desm. Mammalogie p. 248. — Lion marin Forst,
sec. Voyage de Cook 4. p. 54. — Phoca jubata Gmel. Syst. I.
p. 63. — Lion marin Pernetty Voy. t. I. p. 47. t. 10. — Der
xottige Seelöwe Schreb. Säugth. 3. p. 30. pl. 83. B. (schlecht). —
n^JJOtarie molosse, {Ovaria mo/oMma Less. et Garn.) des Ma-
louines par Less. et Garn.^^ wird im Pariser Mus. aufbe-
wahrt, wie auch der Schädel desselben unter No. 7.; ist eine
Junge Otaria jubata. — Im Museum der Chirurg. Acad. (dem
ehemaligen Hunterschen) zu London liegt unter Nr. 394. ein Schä-
del mit der Aufschrift: Sea Lion. Falkland Island. Er ist
11" lang, 6|" breit, die Crista sagittalis und occipitalis sind be-
reits entwickelt. Er hat einer Jüngern Otaria jubata ange-
hört; aber sie hat sicherlich niemals ein solches Fell gehabt, als
das, welches bei Desm. Mam, p. 252. der Otaria falhlandica zu-
geschrieben wird: „Pelage gris cendre, nuance de blanc terne",
welches eher der Otaria ursina zukommt. — Hieher gehört
Phoca Byronii Desm. p. 240. Da ich noch keine Gelegenheit ge-
habt habe, einen Schädel von Stellers Seelöwen von den
Aleuten zu untersuchen, so führe ich nur als zweifelhaft an Nov.
comment.Petrop.il. p.360.— Aus einem sehr alten Schädel die-
ser Art mit breiter Schnauze hat Fr. Cuvier seine Gattung
Platyrhynchus gebildet *).
*) Stellers Seelöwe ist von der hier beschriebenen Otaria ju-
bata sehr verschieden. Wir besitzen das ganze Skelet des Platyrhyn-
chus Fr. Cuv. aus Brasilien. Vom Stellerschen Seelöwen hat Cha-
misso den Schädel aus Kamtschatka mitgebracht; er befindet sich im
hiesigen anatomischen Museum, dagegen meines Wissens in keiner
andern Sammlung. Er ist 14" lang und 8" breit. Der Interorbital-
theil des Schädels erweitert sich ganz allmälig in den Schädel, bei
Platjnrhynchus plötzlich. Der Gaumenrand ist quer, und weniger als
halb so breit als die Breite des Gaumens zwischen den hintersten
Backzähnen. Die Entfernung des hintern Gaumenrandes vom hinter-
sten Backzahn ist so gross als die Entfernung des erstem vom Ha-
mulus pterygoideus. Der Gaumen ist beinahe flach und ohne Seiten-
leisten. Der Processus condyloideus des Unterkiefers steht nach
hinten. Der Winkel des Unterkiefers fehlt fast ganz. Der Fortsatz
331
Aufenthaltsort: findet sich in den Meeren der südli-
chen Hemisphäre, bis zu den Malouinen, bei Chili, Brasilien,
Neu-Holland u. s. w. Aber es ist kaum glaublich, dass es die-
selbe Art sei, welche bei den Aleuten im Meere von Kam-
tschatka vorkommt.
2. Der Seebär (Qtaria ursina.^
Oben schwarzgrau, auf'^rdem Vorderrücken und
Kopfe mit silbergrauen Haarspitzen; das Fell her-
vorragend mit feiner struppiger röthlicher Grund-
wolle; die Lippen rostgelb; Füsse dunkelbraun;
Bauchseite graugelb oder rostgrau mit einer schwar-
zen breiten Binde von einem Vorderbeine zum an-
dern; Barthaar schwarz, ganzrandig. Die Krallen,
welche weit hinter denLappen liegen, reichennicht
bis zu den Einschnitten. Länge ungefähr 10 Fuss.
Schädel: Zwischenbalken länger (als bei dem vorher-
gehenden), mehr gleichbreit, fast cyliuderförmig: der Processus
postorbitalis ein nach hinten gerichteter Sägezahn; das Stirn-
bein mit einem breiten dreieckigen Fortsatz zwischen den Ober-
kieferbeinen herabsteigend ; derAnteorbitalfortsalz schmal, hoch,
am Ende knopfförmig. Gaumen (hinter den Backzähnen) fast
eben, nicht (sehr) concav; keine Knochenlamelle an den Sei-
ten zwischen den Backzähnen und Hamuli pterygoidei. Gau-
menrand bogenförmig (einfach eingeschnitten), liegt unge-
fähr in der Mitte zwischen dem innersten Backzahn und dem
Hamulus. Der Unterkiefer bildet keinen bemerkbaren
Winkel oder Winkelhöcker *).
zwischen Processus condyl. und dem Winkel des Unterkiefers ist
fast ganz quer und verhältnissmässig klein.
Anmerk. von J. Müller.
*) Die Schädel des wahren Stellerschen Seebären von Cha-
misso aus Kamtschatka im anatomischen Museum zu Berlin pas-
sen auf diese Beschreibung. Der Schädel zwischen den Augenhöhlen
erweitert sich plötzlich zum Hirnschädel wie beim Platyrhynchus,
der sonst ganz davon verschieden ist. Der Arctocephalus Fr. Cuv.
mem, dumus. T. 11. tab. 15. stimmt mit den Chamissoschen Schädeln.
Anmerk.. v. J. Müller.
332
Otaria ursina Desm. Mammal. p. 249. (Besehreib.) Forster I. c.
— Otaria cinerea Quoy et Gaim. Voy. Astrol. pag. 151. pl. 12 — 13.
(Schädel). Er wird im Museum zu Paris aufbewahrt (unter No. 2.).
Er ist llf Zoll lang, 6| Z. breit. Hieher gehört wahrscheinlich auch
Otaria cinerea Desm. Mamm. p. 251. u. nach der Diagnose Otaria
falklandica Id. ibid. 242. — An XJrsus marinus Steller Nov. comment.
Petrop. II. p. 331 ?
Aufenthaltsort. In den Meeren der südlichen Hemi-
sphäre vom 55. bis 30.*' S. Br. : Magellanstrasse, Patagonien,
Neuholland, Cap (besonders sehr junge), — so in Australien,
an den südlichen Theilen Africa's und Süd - America's.
Diese Otaria hat röthliche, seidenfeine und reichliche
GrundvvoUe, wesshalb auch die Haare, um sie zu beschützen,
lang und vorstehend sind. Es ist das Fell dieser Art, wel-
ches, nachdem das gröbere Haar fortgeschnitten ist, zur Ver-
brämung von Mützen u. s. w. benutzt wird. Die Ohren sind
grösser als bei O. j üb ata, nämlich ungefähr 1^ Zoll lang»
Anmerk. Buffon's petit phoque^ wovon sich das Original noch
im Museum zu Paris befindet, ist ein Junges von 2 Fuss Länge,
welches erlegt wurde, während es noch Milchzähne hatte. Es hat
8 Schneidezähne oben, dichtes und langes Haar, dessen Farbe
von der Spitze zur Mitte schwarz und darauf wie die Grundwolle
rostgelb bis zur "Wurzel ist. Barthaar schwarz und ganzrandig.
Das Fell rauh und langhaarig, oben rein schwarz, vorn auf dem
Halse kastanienbraun, unter dem Bauche rostgelb. — Dieses
Junge, welches auch Otaria Peronii Desm. p. 250. genannt wor-
den, gehört höchst wahrscheinlich zu der hier beschriebenen Art.
Ein ganz ähnliches Exemplar befindet sich in dem Museum zu
üpsala und ist vom Cap. Es ist Thunb.'s Phoca minuta.
3. Die Südsee-Otarie (Otaria australis).
Graubraun mit gelblichem Anstrich; an den Seiten und
Beinen gelbbraun, am Bauche kastanienbraun. Das Haar straff
und kurz ohne Grundwolle. Barthaar weiss, ganzrandig. Klauen
der Hinterfüsse ragen weiter hervor als bis zu den Einschnit-
ten zwischen den Lappen. Ohren kurz, kaum f Zoll.
NB. Die meisten Haare sind schwarz mit graubraunen
Spitzen und zahlreichen eingemischten weissen Haaren.
Schädel. Zwischenbalken hinten verschmälert (wie bei
Q. jubata), Processus postorbitalis breit, jedoch sägezahnför-
333
mig ; Gaumen hinter den Backzähnen fast platt, hat keine Sei-
tenlamelle an den Seiten: hinterer Gaumenrand bogenförmig
mit einem Einschnitte in der Mitte, liegt etwas näher der
Basis des Hamulus als dem innersten Backzahn. So gleicht
er oben mehr der O. jubata, unten mehr der O. ursina.
Backzähne dick, oben wie unten nicht mehr als 5 (ob immer?).
Der Unterkiefer bildet keinen Winkel, aber hat einen Absatz
vor dem Winkelknorren.
Otaria australis Quoy et Gaim. Voy. Astrol. I. p. 95. pl. 14. j
cran. pl. 15. 3—4.
^Vorkommen: bei Neu -Holland und wahrscheinlich iu
andern Theilen des australischen^ Meeres.
Nachschrift zu vorstehender Abhandlung
von
J. Müller.
Im anatom. Museum zu Berlin befinden sich die Schädel
von 5 verschiedenen Species von Otarien.
1. Otaria Stelleri Nob. Steller's Seelöwe mit Ausschluss
aller andern Citate. Siehe die Charactere in der Anmer-
kung zur Abhandlung von Herrn Nilsson.
2. Otaria ursina Nilsson. Stellers Seebär. Arctoce-
phalus Fr. Cuv. mem. du mus. T. 11. tab. 15. nr. 1.
3. Otaria platyrhynchus Nob. Platyrhynchus Fr.
Cuv. mem. du mus. T. 11. tab. 15. nr. 2.
4. Otaria cTiilensis 'Noh. Fell und mehrere Schädel sind
von Herrn Philippi^s erster Reise in Chili eingegangen
und ähnliche schwarzbraune Felle sind kürzlich dem zoo-
logischen Museum von Neuchatel zugeschickt, aus Chili
stammend.
Die Schädel zeichnen sich aus durch folgende Cha-
ractere. Die Oberfläche des Interorbitaltheils des Schä-
dels ist flach und sehr breit; der Schädel ist breiter hin-
ter dem hintern Orbitalfortsatz als vor demselben. Der
Gaumenrand ist leicht ausgehöhlt. Die Entfernung des-
334
selben vom Haraulus pterygoideus f der Entfernung des
hinteren Gaumenrandes vom hintersten Backzahn. Der
Gaumen ist von einer Seite zur andern leicht ausgehöhlt
und hat seitliche Kanten. Der Processus condyloideus
des Unterkiefers steht nach hinten. Der Winkel des Un-
terkiefers fehlt beinahe ganz, der Fortsatz zwischen "Win-
kel und Processus condyloideus steht nach hinten und
innen.
5. Otaria Lamarii Nob. Schwarzbraun. Schädel zwi-
schen den hintern Orbitalfortsätzen flach und sehr breit,
breiter als vor den hintern Orbitalfortsätzen. Characte-
ristisch ist hier die sehr geringe Entfernung des hintern
Gaumenrandes vom hintersten Backzahn ; diese Entfer-
nung ist nur halb so gross, als die Entfernung des hin-
tern Gaumenrandes vom Hamulus pterygoideus. Der hin-
tere Gaumenrand ist schwach ausgehöhlt. Der Winkel
des Unterkiefers ist fast völlig verwischt, der Fortsatz
zwischen ihm und dem Processus condyl. ist nach innen
gewandt. Australien. Im zoologischen Museum einmal
aus Neuholland, ein zweites Exemplar von Lamare Pi-
(Juot, die Schädel von beiden im anatom. Museum.
Eine sechste Art ist die Otaria australis Quoy et Gaim.,
deren Schädel von Nilsson beschrieben und gänzlich ver-
schieden vom Schädel der vorhergehenden ist. Wir be-
sitzen den Schädel dieser Otaria australis nicht.
335
Briefliche Nachricht
über einige sehr seltene Vögel, welche nach der Herausgabe
meines Verzeichnisses der Vögel Galiziens entdeckt worden
sind, als Beitrag zu demselben mitgetheilt
von
Stan. Konst. Ritter v. Siemuszowa-Pietruski»
Mein Verzeichniss der Vögel Galiziens, welches ich auf
wiederholtes Verlangen des Professors Wiegmann im Jahre
1837 sendete, wurde erst im Jahre 1840 gedruckt; da ich
aber seit dieser Zeit so glücklich war, einige neue Seltenhei-
ten zu bekommen, so glaube ich mich verpflichtet, durch diese
Nachrichten das Fehlende zu ergänzen, und hoffe dafür nicht
nur die Verzeihung, sondern auch den Dank der Ornithologen
zu verdienen, da man nur auf diese Weise zur richtigen
Kenntniss der geographischen Verbreitung der Vögel in Eu-
ropa gelangen kann, und besonders auch desswegen, weil ich
bei dieser Gelegenheit Einiges über die Sitten und Lebens-
weise dieser seltenen Gäste zu benachrichtigen habe.
Ich fange mit solchen Vögeln an, welche in meinem Ver-
zeichnisse nicht stehen.
Als ich im J: 1838 das Lemberger Naturalien- Cabinet be-
sichtigte, zeigte mir der dortige Cabinetdiener einen frisch erlegten
noch nicht ausgestopften Vogel: es war ein junges Weibchen
von Otts tetrax Linne. Dieses Exemplar wurde auf einer
etwas feuchten Wiese erlegt und auf dem Wildpretmarkt zum
Verkaufe ausgestellt, von hier aus kam es glücklicher Weise
in die Naturalien-Sammlung, wo es sich noch bis jetzt befin-
det. Später sah ich noch ein sehr schönes Männchen in der
Sammlung des Herrn Kammerraths v. Tomek in Lemberg, wel-
ches auf 6fen Viehtriften unweit Ruska Rvczna geschossen
war. Mein verehrter Freund, Herr Prof. Zawadzki erwähnt
in seiner Fauna der galizisch - bukowinischen Wirbelthiere,
336
dass diese Vögel in Podolien auf der Steppe Palatancha zu
finden sind. — Eine zweite Seltenheit dieser Art bekam ich
lebend im Mai d. J. : es ist die schöne bei uns äusserst seltene
Häringsmöve, Larus fuscus L. (ßavipes Meyer) *). Sie war
im Winter am Dniesterflusse unweit Martynow flügellahm ge-
schossen; als man mir dieselbe überbrachte, war der schöne
Vogel in einem äusserst elenden Zustande, die halbgeöffneten
Augen, die gesträubten Federn und sein wie ein Messer schar-
fes Brustbein Hessen nicht viel Erfreuliches hoffen; doch da
ich einen solchen Vogel noch nie lebendig besass, wurde nun
alle mögliche Mühe angewandt, um ihn am Leben zu erhalten»
Meine Bemühungen blieben nicht fruchtlos; da er anfangs
durchaus nicht selbst fressen wollte, so musste ihm das Futter
behutsam in den Schnabel gestopft werden, dann am 3ten
Tage fing er schon an allein zu fressen, in 8 Tagen erholte
er sich gänzlich, und jetzt ist der schöne Gefangene vollkom-
men hergestellt und sehr zahm geworden. Täglich bekommt
er kleine Stücke rohes Rindfleisch, welche vorher mit Wasser
angefeuchtet werden müssen, dann und wann zur Abwechslung
kleine lebendige Fische, die er leidenschaftlich liebt, und fri-
sches Wasser zum Saufen und Baden, welches ihm zu diesem
Zwecke in einem geräumigen Geschirre hingestellt wird. Er
badet sich täglich und oft 2 Mal des Tages. Im Schrecken
lässt er ein lautes durchdringendes Jak, Jak hören und speit
die hinuntergeschluckten Fleischstücke heraus, was seine Mö-
vennatur verräth, sonst ist es ein geduldiger harmloser Vogel,
welcher sich in der Gefangenschaft sehr rein hält; obwohl ich
ihn schon vom Mai besitze, so hat er sich bis jetzt noch nicht
gemausert.
Die Staaramsel, Tiirdus roseus Lin. Dieser südliche
Prachtvogel verirrt sich auch, obwohl sehr selten, in unsere
Gegenden. Herr Prof. Zawadzki erwähnt in seinem Werke,
dass man neulich zwei bei üdnow und Borki erlegt habe, auch
wurde im Mai des Jahres 1837 ein sehr schönes männliches
*) Lar. fuscus ist schon im Verzeichnisse aufgeführt, weil sich
in der Lemberger Nat. Samml. ein junges Exemplar befindet, welches
hier in Galizien geschossen sein sollte; die volle Gewissheit, dass sie
sich zu uns verirrt, bekam ich erst im Jahre 1841.
337
Exemplar in der Gegend von Lemberg, und zwar in dem an
Kamienopol liegenden Lisienicer Eichenwäldchen von einem
Bedienten des Hrn. Kam. Raths v. Tomek erlegt, auch brachte
der pensionirte Rittmeister Hr. v. Gilowski dem obenerwähn-
ten ausgezeichneten Kenner ein von ihm im Kolomcär Kreise
erlegtes Exemplar; es befanden sich damals mehrere Stücke
beisammen.
Dies sind die mir bekannten seltenen Vögel, welche in
meinem Verzeichnisse vermisst worden sind; jetzt glaube ich,
dass es nicht überflüssig sein wird, eine nähere Nachricht
über einige andere zu geben, welche, obwohl es schon bekannt
ist, dass sie sich in Galizien finden, doch noch immer bei uns
und in ganz Mittel-Europa zu den Seltenheiten gehören. Un-
ter diesen verdient die schöne und gelehrige Steindrossel,
Turdus saxatilis L., den ersten Platz ; obwohl sie, wie bekannt,
die südlichen Länder bewohnt, so hat man doch schon meh-
rere in Böhmen, Mähren und Norddeutschland bemerkt, bei
uns sind schon viele Exemplare erlegt und lebendig gefangen
worden, ja es nistete ehemals ein Paar auf der alten Burg
Odriykon, dass aber auch diese Vögel manchmal in Stein-
haufen, so wie die Steinschmätzer nisten, war mir bis jetzt un-
bekannt, und eben ein solcher Fall ist im Jahre 1834 bei
Winniki unweit Lemberg vorgekommen. Ein Bauer ging im
Juni von Winniki nach Lemberg, und als er sich einem Stein-
haufen näherte, sah er einen Vogel herausfliegen. Voll Neu-
gierde begab er sich nach der Stelle, wo der Vogel gesessen
hatte, und entdeckte auf der Erde zwischen Steinen ein Nest
mit 5 Jungen; diese brachte er nach Lemberg und verkaufte alle
zusammen für 10 Groschen an die dortigen Vogelsteller, in 3Tagen
waren schon alle Steindrosseln an verschiedene Liebhaber das
Stück zu 2 Fl. C. M. verkauft, die gewiss noch einen guten Handel
machten, da ich 4 Jahre später ein Paar derselben mit 10 Fl. C. M.
bezahlen musste. Es gelang mir auch schon, diese lieblichen
Sänger zur Fortpflanzung im Zimmer zu bringen, was die an
meinen theuren Freund, Herrn Pfarrer Brehm auf Renthendorf
geschickten Eier hinlänglich beweisen können.
Die Bienenfresser, Merops apiaster L., besuchen
auch aus Ungarn die südlichen Kreise meines Vaterlandes.
Archiv f. Naturgesch, VlI. Jahrg. 1. Band. 22
338
Hr. Pr. Zawadzki erwähnt, dass man neulich einen bei Lem-
berg geschossen habe; ich besitze auch schon mehrere bei uns
erlegte Vögel dieser Art. Den schönsten unter allen bekam
ich im April 1839, welcher in meinem eigenen Garten zu
Podhorodce und zwar auf folgende Art geschossen wurde.
Den 5. April fiel bei uns ein sehr grosser Schnee , welcher
sehr viele Lerchen, wilde Tauben, Rothkehlchen und andere
Zugvögel zu Grunde richtete; ich war damals beschäftigt Ler-
chen zu fangen, als ich die angenehme Nachricht bekam, dass
sich in meinem Garten ein prachtvoller, allen meinen Haus-
genossen unbekannter Vogel befinde. Man kann sich nun
wohl denken, dass ich alles verliess, und in möglichster Eile
dem Hause zurannte, um den neuen Gast zu sehen, in welchem
ich alsogleich den schönen Merops erkannte. Es war ein voll-
kommen ausgefärbtes Männchen im Hochzeitskleide, er sass
mit gesträubten Federn und zurückgezogenem Halse ruhig auf
einem Pflaumenbaume ; sein grünlich blaues Gefieder contra-
stirte herrlich mit der weissen Schneefarbe, "womit alles be-
deckt war. Da ich schon mehrere solche Vögel besitze, so
wollte ich diesem das Leben schenken, allein mein Thierwär-
ter war weniger barmherzig, und kaum hatte ich mich ent-
fernt, so hörte ich einen Schuss und bald darauf kam der
Bediente mit dem Vogel in der Hand. Als ich ihn öffnete,
fand ich nur die grossen Holzameisen und Bienen in seinem
Magen; jetzt befindet er sich ausgestopft in meiner Sammlung.
Einen zweiten bekam ich in demselben Jahre von einem Nach-
bar und schickte ihn an meinen theuren Freund Hrn. Pfarrer
Brehm nach Renthendorf ab. — Ende April 1840 wurde auch
ein bei uns sehr seltener Vogel, der schöne Rothfussfalke,
bei Sinowudzko niine im Stryier Kreise aus einem Fluge von
ungefähr 40 Stück glücklich herausgeschossen und mir dann
zur Bestimmung zugesandt» Ich stopfte den hübschen Vogel
aus, es war ein prachtvoll ausgefärbtes Männchen. Später
sah ich noch einen in einem Buchenwalde unweit meiner
Wohnung, konnte ihn aber trotz aller Nachstellungen nicht
erlegen. —
Endlich muss ich noch eine kurze Nachricht über die
galizischen Pelikane (Kropfgänse) geben. Diese Riesen un-
ter den Schwimmvögeln gehören nicht zu der schönen isabell-
339
farbenen Art, Hie wir in den Menagerien so oft bewundern,
sondern zu der viel grösseren grauen Gattung. Sie erscheinen
viel häufiger bei uns, besonders in den an Ungarn grenzenden
Kreisen, wie die früher benannten Wöget y brüten aber doch
nicht und gehören noch immer gewissermassen zu den Selten-
heiten. Die ersten, welche ich sah und von welchen ich ein
Paar ausgestopft noch bis jetzt besitze, wurden im Stryier
Kreise bei Lubieiice, den Gütern des Hrn. Peter Ritter von
Siemuszowa - Pietruski, Landesvorschneiders der Königreiche
Galizien und Lodomerien, geschossen. Es befanden sich da-
mals 4 Stück zusammen, von denen 3 erlegt wurden. Sie
waren gar nicht schön, schwammen mit zurückgezogenem
Halse und tief eingesenktem Körper stattlich auf dem Stryi-
flusse, tauchten sehr geschickt, um Fische zu fangen, und Hes-
sen sich sehr nahe kommen, ohne wegzufliegen» — Später
brachte man nach Lemberg einen lebendigen, welcher flügel-
lahm angeschossen war und erst neulich wurden etliche Stücke
wiederum bei Lemberg glücklich erbeutet.
Podhorodce bei Stryi, den 1. November 1841.
Berichtigung von Berichtigungen.
Von
Dr. R. A. Philippi.
JPandorina corruscan» Scacchi.
In diesem Archiv Jahrg. V. 1. p. 122. habe ich die Be-
schreibung dieser interessanten Scacchischen Art mitgetheilt,
ohne, bei dem Mangel literarischer Hülfsmittel in Neapel,
wahrzunehmen, dass dieselbe ein Osteodesma ist. Hr. Gray
hat in den Annais of nat. bist. vol. IV. nr. 25. bemerkt: „dass
die Muschel Lyonsia striata Turton (Mya nitida Fabric,
Anatina truncäta Lamck.) sei". So heisst es in diesem Ar-
chiv VI. 2. p. 215. (der Original - Aufsatz von Gray ist mir
22*
340
nicht zugänglich). — Diese Synonyme erfordern eine Er-
läuterung.
a. Lyonsia striata,
Lyonsia striata Turton (Bivalv. brit. 35. t. III. f. 6. 7.,
mir leider unzugänglich) ist wohl ohne Frage die von Herrn
Lyons in Tenby Bay entdeckte, von Montagu zuerst in den
Transact. of the Linn. Societ. vol. XI. 1815. p. 188. unter
dem Namen Mya striata sehr gut beschriebene, und t. 13.
f. 1. u. A. abgebildete Muschel. Dies ist aus dem Namen und
aus den Citaten bei Fleming History of Brit. Animals p. 463.
zu beweisen. Diese Mya striata Montagu ist aber nicht
Pandorina corruscans Scac. Gestalt, Grösse, Streifung,
Dünne der Schale stimmen bei -beiden Arten ziemlich überein,
allein die Montagu'sche ist hinten höher als vorn, hat stärker
hervorragende Wirbel, und was das Wesentlichste ist, ihr
Schloss ist ein ganz anderes, wie die Figur A. von Mon-
tagu und seine Beschreibung zeigen: „das Schloss ist einfach
und vollkommen das einer wahren Mya, indem es einen auf-
rechten breiten Zahn in der einen Valve hat, welcher in eine
entsprechende Vertiefung der andern Valve passt". Es ist also
die Mya striata nicht nur eine andere Species als Pando-
rina corruscans y sondern auch ein ganz anderes Genus. —
Möglich ist es übrigens, dass Turton, von der äusseren Aehn-
lichkeit verführt, beide Arten zusammengeworfen hat, wenig-
stens sagt Fleming 1. c: „Ich bin dem Dr. Turton gefolgt,
indem ich die vorhergehenden Synonyme zusammengebracht
habe, jedoch nicht ohne bedeutende Zweifel (not, however,
without considerable hesitation). Diese Synonyme sind: Mya
striata Mont. ; Mya pellucida Brown Werner. Mem. II. 505.
t. XXIV. f. 1«, welches Werk ich nicht kenne , und wie es
scheint, Mya norvegica Chemn. X. p. 345. t. 170. f. 1647.
48., denn unter diesem letztern Namen führt Fleming die Art
auf, ohne Chemnitz zu citiren. In der That ist diese Mya
norvegica Chemn. (Osteodesma corhuloides Desh.) vielleicht
identisch mit unserer Pandorina corruscans ; sie erscheint
nur höher, weniger verlängert. — Dass der Name Pando-
rina, selbst wenn er nicht bei den Infusorien von Bory ver-
341
geben wäre, dem altern Namen Osteodesma weichen muss,
versteht sich von selbst.
b. Mya nitida Fabr.,
das zweite Synonym, welches Gray anführt, existirt meines
Wissens gar nicht, wenigstens nicht in der Fauna groenlan-
dica, und ich vermuthe, dass Gray Mya nitida O. Fr. Müller
(prodr. zool. Dan. 2963) hat schreiben wollen. Von dieser
Art heisst es bei Gmelin p. 3222, der Müller offenbar copirt :
„testa ovali, alba, laevi; cardinis utriusque dente ob-
tuso" upd „statura minuta"; es ist also ein ganz anderes
Ding, vielleicht eine Montacuta Turton.
c. Anatina truncata Lamk.
ist nach Gray das dritte Synonym von Pandorina corruscans.
Von dieser heisst es bei Lamarck bist. nat. V. p. 463. : testa
ovata, tenui, transverse striata, antice subtruncata; pun-
ctis prominulis minimis extus asperata", während die Pando-
rina corruscans eine testa ob longa, longitudinaliter
striata, punctis prominulis carens hat. Die ^natina truncata
hat ferner ein ganz anderes Schloss, da sie nach Deshayes
eine ächte Anatina ist, und also, wie auch schon aus ih-
rer Diagnose erhellte, gar keine Aehnlichkeit mit Pandorina
corruscans hat, ausser dass beide Bivalven, weiss und dünnscha-
lig sind. Zu dieser Anatina soll übrigens als Synonym eine
Mya nitida Gerville gehören, die mir unbekannt ist. Es ist
also klar, dass 1) von den drei als Synonymen zu Pandorina
corruscans citirten Arten keine dazu gehört; dass 2) diese
drei Arten nicht nur einem andern Genus angehören, sondern
3) alle drei von einander verschieden und sogar verschiede-
nen Gattungen angehörig sind. — Ich glaube es liegt im In-
teresse der Wissenschaft, wenn sich dieselbe Berichtigungen
der Art verbittet.
JPaludinella Pfeiffer.
Mein werther Freund Dr. Pfeiffer sagt in diesem Archive
VII. 1. p. 226.: „Mit Philippi's neuerlich vorgeschlagener Er-
weiterung dieser Gattung i^runcatella) kann ich mich
342
nicht einverstanden erklären , da die kleinen Arten . . . meinen
Beobachtungen nach in der Stellung der Augen wesentlich
von Truncatella abweichen" und bildet aus einer dieser klei-
nen Arten ein neues Genus Paludinella.
Ich glaube , es ist niemals vorth eilhaft für die Wissen-
schaft, wenn jemand die Beobachtungen eines andern schlecht-
weg negirt, ohne etwas Positives an deren Stelle zu setzen.
Hätte Pfeiffer doch wenigstens angegeben, wie die Augen bei
Paludinella und wie sie bei Truncatella stehen! Worauf
beziehen sich seine Beobachtungen? a.ui Truncatella oder auf
Paludinella littorina? oder auf mehrere Paludinellen? wie
man aus den Worten: „da die kleinen Arten ... wesentlich
abweichen" schliessen könnte. Nach den mündlichen Angaben
meines Freundes kann ich diese Fragen glücklicherweise vollstän-
dig beantworten. Dr. Pfeiffer hat gar keine Paludinella beob-
achtet, und die Truncatella nicht kürzlich in Triest, sondern
vor mehreren Jahren in Cuba, wo sie ihm in der Bildung des
Thieres keinen Unterschied von Cyclostoma gezeigt hat. Auf
diese Beobachtung gestützt glaubte Dr. Pfeiffer überzeugt zu
sein, dass die Augen bei Truncatella, wie bei Cyclostoma
aussen ständen, und dass meine Angaben, sie ständen nicht
aussen, sondern oben, falsch wären. — Dem ist aber
nicht so, sondern Dr. Pfeiffer hat sich in Cuba geirrt.
Man kann sich sehr leicht von dieser Thatsache überzeugen;
man braucht nur bei einer Truncatella mit eingetrocknetem
Thier, wie sie ja gemein in den Sammlungen sind, die letzte
Windung vorsichtig wegzubrechen und das Thier in Wasser
zu legen. Nach etwa zwei Minuten ist es aufgeweicht und
man erkennt sehr deutlich, dass die Augen genau so liegen
wie ich angegeben habe. In der Stellung der Augen ist zwi-
schen Truncatella truncatula und Paludinella littorina folg-
lich gar kein Unterschied, die letztere Gattung also, so-
fern sie sich auf einen Unterschied im Thier beziehen soll,
auf einem Irrthum gegründet. Wenn aber Pfeiffer we-
gen der verschiedenen Gestalt und Bildung der Gehäuse, „auf
welche er bei Aufstellung der Gattungen im Gegensatz zu den
Familien grossen Werth legt", Genera abtrennen will, so
habe ich nichts dagegen und bemerke nur, dass er diesen
Grundsatz hoi Cyclostoma und Helix noch reichlicher in
343
Anwendung bringen kann. Unstreitig wird er z. B. die Helix
Caronij die H. aperta und die JFf. poly gyrata nicht in einem
Genus lassen dürfen , das gäbe eine herrliche Menge neuer
Namen, ob aber zum Heil der Wissenschaft? Ich muss mich
zu einer entgegengesetzten Ansicht bekennen, und frei aus-
sprechen, dass nur aus einem sorgfältigen Studium der Thiere
eine Systematik der Gattungen hervorgehen kann, die jetzt
noch sehr im Argen liegt. Hoffen wir, dass sich alsdann auch
Merkmale an den Gehäusen auffinden werden; bis jetzt ist aber
das betrübende Resultat feststehend, dass sehr oft die verschie-
denartigsten Gehäuse von ganz ähnlichen Thieren, und die ähn-
lichsten Gehäuse von sehr verschiedenen Thieren bewohnt
werden, so dass jeder Schluss von der Analogie der Schaale
auf die Analogie der Thiere bis jetzt ein höchst trüglicher ist.
Dies habe ich selbst wieder erfahren, als ich, mit Grateloup
und Michaud, eine kleine Tovnatella aufstellte, welche, wie
die Untersuchung des Thieres gezeigt hat, eine Chemnitzia
oder Parthenia oder Pyrgiscus ist.
Sigaretus und Jdamellaria.
D'Orbigny bemerkt in dem Voyage dans l'Amerique me-
ridionale p. 403. (nach Troschel s. dieses Arch. VII. 2. p. 274)
„der Sigavetus perspicuus von Cuvier, Lamarck, Blainville,
Rang, Quoy und Gaimard und Philipp! gehört wegen der In-
nern Schale und des vordem Sipho einer andern Familie (als
Sigaretus Adans.) an, und muss eine Gattung in der Nähe
von Coriocella bilden, die längst von Montagu unter dem
Namen Lameilaria aufgestellt ist*
Hier sind nicht weniger als drei Irrthümer zu berichtigen.
Erstlich giebt es keinen Sigaretus perspicuus bei Cuvier, bei
Lamarck, bei Blainville, bei Rang, bei Quoy und Gaimard.
Man muss also corrigiren: „Mehrere Sigaretus- Arten bei
Cuvier, Lamarck, Blainville, Rang, (Juoy und Gaimard, und
namentlich der S. perspicuus Philippi" etc.
Zweitens. Diese Sigaretus müssen nicht eine Gat-
tung in der Nähe von Coriocella bilden, sondern sind
die Gattung Coriocella selbst. Es heisst zwar bei Blain-
ville, welcher die Gattung Coriocella aufgestellt hat, Manuel
344
de Malac. p. 466. von dieser: „sans trace de coquille exte-
rieure ni Interieure" und so wäre eine sehr wesentliche Verschie-
denheit da; allein Gray hat sich überzeugt (s. dessen Spicile-
gia zoologica 1. p. 3.), dass eine Schale vorhanden ist, und
dass Coriocella Blainville und Sigaretus Cuvier
nicht nur dasselbe Genus, sondern dass sogar
beide dieselbe Species sind. Auf diese wichtige Beob-
achtung habe ich bereits in meiner Enumeratio p. 164. auf-
merksam gemacht.
Drittens. Es ist nicht richtig, wenn man sagt, die von
d'Orbigny erwähnten Sigaretus, welche also identisch mit Co-
riocella Blainv. sind, seien von Montagu als Lamellaria auf-
gestellt. Montagu hat nämlich in den Trans, of the Linn.
Soc. XI. p. 184. allerdings ein Genus Lamellaria aufgestellt,
allein dieses begreift ganz heterogene Dinge in sich, nämlich das
GQiixxsFleurohrancTius zugleich mit dem Genus Corio-
cella, indem Montagu zwei Abtheilungen bildet: a) mit ei-
nem fedrigen Anhang, wie er sich ausdrückt =: Pleurohran-
chus und y) ohne einen solchen fedrigen Anhang, d. h. ohne
äusserlich sichtbare Kieme = Coriocella. Indem er zwei so
sehr verschiedene Gattungen in eine vereinigt, ist er daher
weit entfernt gewesen eine derselben richtig zu erkennen, und
man darf nicht Coriocella und Lamellaria als zwei gleich-
bedeutende Benennungen desselben Genus ansehen.
345
Berichtigung
das Genus Idalia Leuck. nnd das Genus Euplocamus
Phil, betreffend.
Von
Dr. F. S. Leuckart.
Das von Hrn. Dr. Philippi aufgestellte Genus Euplo^
camuSf von dem er vier Arten, nämlich E.croceus, E./ron-
dosus, E. cirriger und E, laciniosus, zu beobachten und zu
beschreiben Gelegenheit fand*), ist nicht neu. — Schon im
Jahre 1828 beschrieb ich ein MoUusk, welches 1821 bei
Cette im Mittelmeere gefunden wurde, als ein neues Genus,
von mir Idalia, und die Art Idalia elegans benannt, mit der
Bemerkung, dass dieser Gasteropode am passendsten wohl zwi-
schen Doris und Eolida gestellt wierden könne **). — Mein
nun schon wenigstens 14 Jahre altes Gen. Idalia ist aber of-
fenbar eins mit dem weit später aufgestellten Gen. Euploca-
mus. Die von mir als Idalia elegans beschriebene Art hat am
meisten Aehnlichkeit mit dem von Philippi beschriebenen
Euplocamus laciniosus, und ist, wo nicht dieselbe Art mit je-
ner, doch wenigstens sehr nahe damit verwandt.
*) Wiegmanns Archiv 1839. Jahrg. V. Heft 2. S. 113-115. Taf.
m. Fig. I.U.2.— Ebendas. 1841. Jahrg. VII. Heft 1. S.57. Taf. V. F. 9.
**) Meine Schrift: Breves Animalium quorundam maxima ex parte
marinorum descriptiones. Heidelbergae 1828. 4. p. 15. Tab. I. Fig. 2.
Folgende zum Theil sinnstörende Druckfehler
sind zu berichtigen :
S. 36. Z. 13. V. u. aplanatische statt optomatische.
— 34. - 10. 9. 5. V. u. 1
yj - 2 20 V o I Flecken und Pigmentflecken statt
— - - 15 14 10 V uJ Flocken und Pigmentflocken.
— - - 14. V. 0. 1. vor statt von.
— 38.-2. V. u. 1. bin ich im Stande statt bin ich nicht im
Stande.
Gedruckt bei Gebr. Unger.
ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
OEORUWDET VOXT A. F, A. IVZXSOMANXr.
r
IN VERBINDUNG MIT
PBiOF. DR. GRI8EBACH IN GÖTTINGEN, PROF. voxr 8IE-1
BOIiD IN ERLANGEN, DR. TROSCHEIi IN BERLIN, PROF.
A. WAGNEB IN MÜNCHEN UND PROF. RI7D. WAGBIER
IN GÖTTINGEN,
HERAUSGEGEBEN
TON
Du. W. F. ERICHSOnr.
SIEBENTER JAHRGANG.
Zweiter Band«
ZOOLOGISCHE UND BOTANISCHE JAHRESBERICHTE.
BERLIN 1841.
IN DER NICOLATSCHEN BUCHHANDLUNG.
Hiij'r# /
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säug-
thiere während der beiden Jahre 1839 und 1840. Vom Prof.
Andr. Wagner in München 1
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel
■während der beiden Jahre 1839 und 1840. Von Demselben. 59
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Amphi-
bien während der beiden Jahre 1839 und 1840. Von Dr. F. H.
Troschel. . . , • 111
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Fische
während des Jahres 1840. Von Demselben 127
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Insecten,
Arachniden, Crustaceen und Entomostraceen während des Jah-
res 1840. Vom Herausgeber 145
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mollusken
während des Jahres 1840. Von Dr. F. H. TroscheL . . .259
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Annulaten
während des Jahres 1840. Von C. Th. v. Siebold 281
Bericht über di« Leistungen im Gebiete der; Helminthologie wäh-
rend des Jahres 1840. Von Demselben 289
Bericht über die im Jahre 1839 und 1840 erschienenen Arbeiten,
welche die Klassen der Medusen, Polypen und Infusorien be-
treffen. Von Rud. Wagner 320
Jahresbericht über die bekannt gewordenen Arbeiten für Anatomie
und Physiologie der Pflanzen a. d. Jahre 1840. VonH. F.Link. 333
Bericht über die Leistungen in der Pflanzengeographie während
des Jahres 1840. Vom Prof. A. Griseb ach 433
m
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Säugthiere während der beiden Jahre
1839 und 1840.
Vom
Prof. Andr. Wagner in München. ^
■MSBL
JL)er Bericht über die Leistungen im Gebiete der Therolo-
gie *) während des Jahres 1838 ist der letzte, welchdn der
Gründer dieses Archivs, dessen frühzeitiger Heimgang für
die Wissenschaft ein schwerer Verlust geworden ist, noch bear-
beitete. Innerhalb der zwei darauf folgenden Jahre, welche
den Gegenstand des vorliegenden Berichtes ausmachen**), ist
über die Säugthiere eine nicht geringe Anzahl Arbeiten er-
schienen, die theils durch Zufügung neuer Arten den Umfang
dieser Klasse erweitert, theils durch Aufhellung des innern
Baues der Kenntniss derselben eine tiefere Begründung ge-
währt haben. An Werken, welche seit einer längern Reihe
von Jahren der Bearbeitung der ganzen Klasse sich widmeten,
hat eines, die Histoire nat. des Mammiferes von Frederic
Cuvier mit der 70ten Lieferung ganz aufgehört; es ist die
*) Ich bediene mich hier für Säiigthierkunde des von Wagler
vorgeschlagenen Namens Therologie (von d-riQy Wild) als des
kürzesten und wohllautendsten. Mammalogie und Mastologie
bedeutet blos: Brustlehre, wobei ersteres Wort überdies als Vox
hybrida zu verwerfen ist. Saclilich und sprachlich ist zwar Masto-
zoologie richtig, lautet aber gar zu mastig. Wem jedoch auch der
Waglersche Name nicht gefällt, möge jeinen bessern in Vorschlag
bringen.
^^) Nur ausnahmsweise ist einigemal auch auf 1841 eingegangen
worden.
Archiv f. Nalur^esch. VII. Jahrg. 2. Bd. ^
reichhaltigste und schönste Sammlung von Sängthier- Abbil-
dungen. Dagegen hat Temminck vom zweiten Bande das
2te Heft seiner Monographies de Mammalogie, und Verf.
das 97ste und 98ste Heft von Schreber's Säugethieren
noch im vorigen Jahre ausgegeben und das 99ste bis lOOste Heft
ist so eben erschienen. The Naturalisfs Library von Jar-
dine ist in der Klasse der Säugethiere bis zum lOten Bänd-
chen vorgerückt.
Neu eingetreten in die Reihe der airgemeinen Bearbei-
tungen ist die Natural Ilistory of Quadrupeds and other
Mammiferous Animals: comprising a description ofthe class
Mammalia, including the principal varieties of Human
liace. By W. Ch. L. Martin, with upwards o/" 1000 en-
gravings on wood, ahout 500 of which are representa-
tions of animals, drawn hy W.Harvey, and numerous
anaiomical, osteologtcal und other illustratiöns. Lon-
don 1840. gr. 8.
Bis jetzt sind mir dahier zwei Hefte zugekommen, die nach
einer kurzen Einleitung und Betrachtung des Gehirns an eine aus-
führlichere Darstellung des Knochengerüstes gehen, und dasselbe mit
vielen säubern Holzschnitten erläutern.
Heber die vergleichende Osteologie erhielten Wir seitdem
ein höchst bedeutendes Werk: Osteographie ou description
iconographique comparee du squelette et du Systeme den-
taire des cinq classes d' animaux vertebres recents et fos-
siles, pour servir de hase ä la Zoologie et ä la Geologie
par M. Ducrotay de I^lainville. Mammiferes. Paris
seit 1839, bis jetzt 7 Hefte Text und ebenso viel vom Atlas.
Ein grossartiges Unternehmen j für das Studium der Zoologie, Zoo-
tomie und Palaeontologie von der grossten Bedeutung, mit Abbildungen,
die durch künstlerische Vollendung, wie durch Treue und Genauig-
keit zu den vorzüglichsten Leistungen auf diesem Gebiete gehören.
Was Blainville für das ganze Knochengerüste zu lei-
sten versucht, hat Owen auf das Zahnsystem -beschränkt:
Odontography, or a Treatise of the Comparative Ana-
tomy of the Teeth, their physiological relations, mode of
developement and microscopic structure' in the Verte-
hrate Animals^ illustrated hy upwarts of 150 Plates, By
Richard Owen. Ijondon 1840.
Von den 3 Bänden, aus welchen das ganze Werk bestehen soll,
ist einstweilen einer erschienen, das Zahnsystem der Fische behan-
delnd; daher ausser dem Bereiche dieser Anzeige liegend; nur soviel
will Referent bemerken, dass die genauen Erörterungen der Innern
Zahnstruktur und die wunderschönen Abbildungen ein Meisterwerk
uns gewähren.
E. Ron SS e all 's Anatomie comparee du Systeme den-
faire cJiez, VHomme et chez les principaiix Animaux, hat
1839 eine neue Auflage erlebt,. die mit einer Beschreibung des
Zahnsystems der gemeinen Fledermatis, des Igels und Maul-
wurfs vermehrt ist.
Das Milchgebiss der Fledermaus und des Igels ist hier zum er-
stenmal erläutert. Am Pferde hat Rousseau keine Wechsel - Eck-
zähne gesehen, wobei jedoch Ref. bemerken will, dass selbige schon
von Camper gefunden und von Bojanus genau beschrieben sind.
Die Abbildungen zeichnen sich durch Schönheit und Treue aus.
Reichlich sind wir mit Faunen verschiedener Länder be-
dacht worden.
Die Wirbelthiere Europas, von A. Graf Key-
serling und Professor J.. H. Blasius. Braunschweig
1840. Ites Buch. 8.
Dieses erste Buch befasst sich blos mit Säugthieren und Vögeln,
von welchen es jedoch eintsweilen nur die Diagnosen und im vor-
ausgehenden systematischen Verzeichniss eine kurze Aufführung der
Synonyme und der geograi)hischen Verbreitung liefert, während die
ausführliche Beschreibung der Arten dem zweiten Buche aufbewahrt
ist. Diese Arbeit ruht durchgängig auf eignen genauen Untersuchun-
gen, hat mit grossem Scharfsinn eine Menge neuer Merkmale zur
Unterscheidung der Arten ausgemittelt, und ist eine der gelungenen
Leistungen, welche den strengsten wissenschaftlichen Anforderungen
aufs vollkommenste entspricht.
Europäische Fauna oder Verzeichniss derWir-
belthiere v. Dr. H. Schinz, Erster Band. Säugthiere
und Vögel. Stuttgart 1840. 8.
Ist eine reichhaltige Sammlung, obgleich sie sich an wissenschaftli-
cher Vollendung mit dem vorhergehenden Werke nicht messen kann. —
Bei dieser Gelegenheit will Ref. an das von demselben Verf. schon
früher erscliienene Verzeichniss der in der Schweiz vorkommenden
Wirbelthiere (Neue Denkschrift, der allg. Schweiz. Gesellsch. für
die gesammten Naturwissenschaften. Neuenburg 1837. I.) erinnern.
Fauna der galizisch - bukowinischen Wirbel-
thiere. Eine systematische üebersicht der in die-
sen Provinzen vorkommenden Säugthiere, Vögel,
Amphibien und Fische mit Rücksicht auf ihre Le-
1*
bens weise und Verbreitung von Dr, A. Zawadzki,
Stuttg. 1840. 8.
Obschon der Verfasser ia seinen litterärischen Hülfsmitteln zu
Przemysl sehr beschränkt seyn mag, so ist doch seine Arbeit als
ein Beitrag zur Kenntniss der geographischen Verbreitung der Wir-
belvhiere mit Dank anzunehmen.
Bonaparte, Iconografia del}a fauna ifalica, ist bis zum
28ten Hefte vorgerückt, doch enthalten die 4 letzten Liefe-
rungen keine Säugthiere.
Küster, systematisches Verzeichniss der in der
UmgegendErlangen's beobachteten Thiere. Ites Heft.
Wirbelthiere, Molusken und Käfer enthaltend. Er-
langen 1840. 8.
Ein Moses Namensverzeichniss, das 37 Arten Säugthiere und
220 Vögel angiebt.
F. Berge, die Vertebraten Würtembergs 1840. (Aus dem
Corr, Blatt abgedruckt.)
Die interessante Schilderung des thierischen Lebens auf
Novaia Zemlia von E. von Baer ist ins Archiv 1839. 1. S. 160
aufgenommen.
Eichwald's Fauna Caspio-Cauca^sica. Petrop. 1840. 4. fasc. 1.
enthält eine kurze Uebersicht der Säugthiere und Vögel der kaspisch-
kaukasichen Fauna, beschäftigt sich jedoch hauptsächlich mit den Am-
phibien.
Buj ack theilt in den preussischen Provinzialblättern (März-
heft 1839. S. 236.) ein amtliches Verzeichniss des vom Mark-
graf Johann Sigismund 1612 — 1619 erlegten und gefangenen
Wildes mit, an welches er Bemerkungen über den damaligeiv
Wildstand Preufsens und Deutschlands im Verhältnifs zu un-
serer Zeit anknüpft.
Es sind im Ganzen 11598 Stück. Auffallend ist die grosse Zahl
des Hirschvrildes, welches mit Einschluss der Kälber 4935 Stück
beträgt, woraus man einen Schluss auf die damalige Verbreitung des
Edelhirsches machen kann, in Gegenden, wo er seitdem ganz aus-
gerottet ist. Au er sind nur 15 darunter, entweder war die Zahl
derselben schon damals beträchtlich vermindert, oder man schonte sie
absichtlich. Die Zahl der Elene 112, ist verhältnissmässig gering,
und deutet auf eine Verminderung ihres Bestandes. Bären wurden
88 erlegt; es müssen damals viele existirt haben, da 1633 noch eigne
Jagden zu ihrer Vertilgung angestellt wurden. Gering ist, um diess
noch anhangsweise zu erwähnen, die Zahl der Auerhühner; sie mö-
gen aber nie häufig in Preussen gewesen sein.
Von Siebold's Fauna japonica ist ausser der Uebersicht der
5
Säugtliicr - Fauna von Japan (schon mitgetlieiU im Jahresbericht von
1838) nichts in unser Gebiet Einschlagendes erschienen.
\Mc Clelland hat in Assam Säugthiere gesammelt, welche Ho rs-
field näher bestimmte (proceed. VII. p. 148). Es sind 19 Arten, von
denen die wichtigeren bei den einzelnen Ordnungen angeführt wer-
den sollen.
Verhandelingen over de natuurlijke Geschiedenis der
Nederlandsche overzeesche ßezittingen. Door de Leden
der natuurkundige commissie in Oost-Indie en andere
ScT\rijvers. Zoologie. Leid. 1839 u. 1840. Fol.
Bis jetzt sind 2 Hefte erschienen, die blos Säugthiere und Vögel
enthalten. Voran geht eine anziehende Abhandlung von Sal. Mül-
ler über die Säugthiere des indischen Archipels, hauptsächlich ihre
geographische Verbreitung betreffend, welche am Schlüsse in zwei
Tabellen sehr übersichtlich dargestellt ist. Da diesen Gegenstand
Schlegel schon früher ausführlich abgehandelt hat, können wir hier
darüber weggehen, doch wird Ref. auf die neuern Arten und auf die
berichtigenden Bemerkungen über länger bekannte Arten am gehöri-
gen Orte die gebührende Rücksicht nehmen. An besondern Abhand-
lungen sind drei, von Müller und Schlegel gemeinschaftlich ab-
gefasst, angefangen, aber noch nicht vollendet. Sie betreffen den
Orang-Utang, die Arten von Pitta und die Krokodile des indischen
Archipels, In wissenschaftlicher wie artistischer Beziehung reihen
sich diese Verhandelingen unsern vorzüglichsten zoologischen Wer-
ken anj sie sind mit solider Pracht, wie man sie von Holländern
erwartet, ausgestattet.
A. Smith, Illiisirations of the Zoology of South
Africa, consisiing chiefly of figures and descriptions of
the ohjects of natural history collecied during an expedi-
tlon into the interior of South Africa in the years 1834,
1835 «wJ 1836. Lo7iJowl838 — 1841. 4.
Dieses Werk rückt rasch vor, indem bereits 12 Lieferungen aus-
gegeben sind. Den Säugthieren und Vögeln ist eine besondere Rück-
sicht gewidmet, und viele neue Arten sind vorgeführt. Die Bearbei-
tung ist in guten Händen j die Ausstattung schön, unnützer Luxus
vermieden.
Eine Menge guter Bemerkungen über die grossen süd-
afrikanischen Säugthiere finden sich in: The wild Sports of
the Southern Africa, heing the Narrative of an Expedi-
tion from the Cape of Good Hope through the territories
of the Chief Moselekatse to the Tropic of Capricorn^ hy
Cpt. W. C. Harris. London 1840.
Den Säugthieren von Madagaskar wendete wälirend seines
Aufenthalts daselbst der Kapitain S ganz in {Mein, de St ras-
hourg. III. 1. p, 1.) seine Aufmerksamkeit zu, doch lieferten
seine Notizen, da er nur auf Buffon sich beziehen konnte,
wenig Neues.
In seinem Verzeichniss sind aufgezählt: 1) le Mococo, 2) le Mon-
gotis Bnff, 3) le Maki gris , i)^le petit Maki gris ^ 5) le Vari Buff
6) la grande Roussette {Fami), 7) la Musaraigne {Stsi), 8) le He-
risson de Madagascar {Soki, nach Flacoiirt Sora), 9) le Tanrec so-
yeux, 10) le Tanrec de Madagascar (Tendrac Buff.), 11) la petite
Fouine de Madagascar Buff,, 18) la Belette grise, 13) le Chien,
14) le Chat, 15) l'Ecureil de Madagascar Buff., 16) le Rat de 3/
(Titi), 17) le Rat de France {Valave), 18) le Sanglier ä masque,
19) l'Aye-Aye, 20) le Cheval, 21) le Boei/f. Mit Ausnahme von
No. 9 und 19 hat S ganz in alle Arten selbst gesehen, die meisten
auch im Besitz gehabt.
E. Rüppell's neue Wirbelthiere zu der Fauna
von Abyssinien gehörig. Frankfurt a. M. 1835 — 1840
sind nunmehr geschlossen, und ist diese werthvoUe Arbeit um
so höher anzuschlagen, als Reise und vorliegende Bearbeitung
ganz,a.uf eigne Kosten des Verfassers ausgeführt worden sind.
Von Moritz Wagners Reisen in der Regentschaft
Algier in den Jahren 1836, 1837 und 1838. Leipz. 1841.
8, ist der 3te Band ganz der Fauna der Berberei gewidmet.
Die gesammelten Säugthiere hat Ref beschrieben; H. Nathusius
hat einige Notizen über die kleineren Säugthiere und R. Wagner
Bemerkungen über den anatomischen Bau von Macrosceliies Roxeti
beigefügt. Von Moritz Wagner rühren die interessanten Bemer-
kungen über das Vorkommen und die Lebensweise der Säugthiere
und Vögel der Berberei her. Der Atlas ^jesteht aus 17 ko.lorirten
Kupfertafeln und einer Karte. Die Abbildungen stellen dar: Mus
harbarus, Macroscelides Rozeti (mit der Anatomie), Canis Vulpes,
var, atlantica. Felis Caracal juv.. Felis Leopardus juv., Schädel von
Herpestes Ichneumon var. numid., Viverra Genetta und das Milchge-
biss von Hyaena striata.
Auch die Fauna der neuen Welt ist durch werthvoUe Ar-
beiten bereichert worden.
The Zoology of Captain BeecJiey's Voyage:" Lon-
don 1839. 4,
Die Säugthiere, welche zwischen dem Felsgebirge und dem stil-
len Meer, nordwärts von Kalifornien bis zum Nordende des Konti-
nents, theils von der Reise -Expedition selbst, theils von Andern ge-
sammelt wurden, sind vonRichardson in 70 Arten aufgezählt, zu de-
nen jedoch noch einige in einem Nachtrage hinzugefügt werden.
Reise in das Innere Nord-Amerikas in denJah-
ren 1832 bis 1834 von Maximilian Prinzen zu Wied.
Coblenz 4838. I. Bd. gr. 4.
Der erste Band dieses ausgezeichneten Werkes, von dem im
Archive schon einigemal die Rede vrar, ist vollendet; der zweite im
Erscheinen begriffen. Zur Kenntniss der Säugthiere und Vögel sind
wichtige Beiträge geliefert. ^
Schomburgk's Reise durch Guiana {Annais of naU
hist. IV. S. 1.94 n. f.) giebt lehrreiche Beiträge zur Kenntniss
der Lebensweise der dortigen Säugthiere.
Ramon de la Sagra^ Histoire physique, politique et
naturelle de Vlle de Cuba* Mammiferes. Paris 1840. 8.
mit 8 illum. Tafeln in Fol.
R. de la Sagra beabsichtigt eine vollständige Beschreibung der
Insel Kuba und hat sich deshalb mit namhaften Pariser Gelehrten in
Verbindung gesetzt. Die Säugthiere sind von ihm und Gervais bear-
beitet. Im wilden Zustande kommen nur 8 Arten vor; 5 Fledermäuse^
1 Insektenfresser und 2 Nager; sie heissen; Phyllostoma perspicilla-
tum, Vespertüio Blossevillei, V. lepidus, V. Dutertreus, Molossus ob-
scurus, Solenodon^ Capromys Furniert und prehensüis. Eingeführt
sind: Pferd, Esel, Rind, Schwein, Schaf, Ziege, Katze, Hund, Hirsch
und Kaninchen; als ungebetene Gäste haben sich Ratten und Mäuse
eingedrängt. Der kleine Hund, der schon den ersten Spaniern bei
der Entdeckung Amerika's auffiel, weil er nicht bellen konnte, ist
der Canis cancrivorus , und kommt jetzt nicht mehr auf den Antillen
vor. Seine eigentliche Heimath ist Guiana, wo er noch immer im
wilden und zahmen Zustande gefunden wird. Diess ist also nicht
ein europäischer Hund, der, wie früher behauptet wurde, das Bellen
durch das heisse Klima verloren hätte, sondern eine von unserem
Hausbunde ganz verschiedene Art, die ursprünglich nicht bellen kann.
D'Orhigny voyage dans VAmerique meridionale, Pa-
ris seit 1834 ist bis zum 50ten Hefte vorgerückt.
Der Text zu den Säugthieren fehlt noch; nur die in Patagonien
verbreiteten sind zur Zeit nach ihrer geographischen Verbreitung
aufgeführt. (Vgl, Archiv V 1. S. H.)
The Zoology of the Voyage of IL M. S. Beagle^
Wider the commando of Captain Fitz Roy during the
years 1832 to 1836. Edited hy Charles Darwin. London
seit 1838. 4.
Davon sind erschienen: Fossil MammaUa hy R. Owen. 2 Hefte;
Mammalia hy G. R. Water house 3 Hefte; Birds by J. Gould 5 Hefte.
— Den fossilen Säugthieren schickt Owen eine kurze Uebersicht der
bisher in Südamerika aufgefundenen Arten derselben voraus, wobei
8
jedoch die von Spix und v. Martins in Brasilien entdeckten Frag-
mente von Megalonyx nicht erwähnt sind. Ein merkwürdiger Um-
stand ist, dass alle von Darwin gesammelten fossilen Knochen
pflanzenfressenden Tliieren, meist von ansehnlicher Grösse angehö-
ren. Die Mehrzahl kommt von Edentaten, und zwar von Gürtelthie-
ren, welche vollkommene Backenzähne und einen gewürfelten Pan-
zer haben. Unter ihnen ist das Megatherium von kolossaler Grösse,
während die grösste der noch lebenden Arten {Dasppus Gigas) nicht
das Schwein übertrifft. Die Lüclqj zwischen diesen lebenden Arten
und dem ausgestorbenen Megatherium füllt in Darwin's Sammlung
eine Reihe arraadillartiger Thiere aus, von denen einige die Grösse
des Ochsen, andere die des Tapirs haben. Der Rest der Darwin-
schen Sammlung gehört, mit Ausnahme einiger kleiner Nager, den
Pachydermen und Einhufern an, nämlich einem Pferde, Mastodon
und zwei neuen Galtungen, deren eine (Macrauchenia) die Dickhäu-
ter mit den Wiederkäuern verbindet, die andere (Toxodon) in Ver-
wandtschaft mit Nagern, Zahnlückern und grasfressenden Wal-
len steht.
Von Van Diemensland hat R. Gunn ein Verzeichniss der
dortigen Säugthiere geliefert, das J. E. Gray {Ann. of nat.
hist.I. S. 101.) mit einigen Bemerkungen begleitete.
Die Arten sind: 1) Thylacinus cynocephalus ^ 8) Phalangista
Cookii^ 3) Ph. vulpina^ 4) Ph. fuUginosa? , 5) Perameles Gunnii,
6) Phascolomys, 7) Dasyurus ursinus^ 8) D. mverrinus^ 9—12) 4 Arten
Kängurus, nämlich: Halmatoptis major ^ Tasmanei, brevieaiidatus und
vielleicht ein Potoru, 13) Echidna, 14) Hydromys chrysogaster.
Ueber die geographische Verbreitung der Thiere mit be-
sonderer Berücksichtigung der warmblütigen, fügte R. Wagner
seiner Uebersetzung von Prichard's Naturgeschichte des
Menschengeschlechts, Leipzig 1840. 1. S. 109., einen sehr in-
teressanten Zusatz bei.
Die Säugthier-B'auna der Urwelt fängt an immer mehr be-
arbeitet zu werden.
Die wichtigste Arbeit hierüber verspricht die von Lund über die
fossile Fauna Brasiliens zu werden, von welcher vorläufig ein kur-
zer Abriss erschienen ist. {Ann. des sc. nat. 2. ser, XI. p. 814, Xll.
p. 807.)
Der Theil Brasiliens, von welchem Lund die Höhlen seit fünf
Jahren untersuchte, liegt zwischen den Flüssen Rio das Velhas,
einem der Zuflüsse des Rio de S. francisco, und dem Rio de Parao-
peba. Diese Landesstrecke bildet ein Plateau von 8000 Fuss über
dem Meere, und ist in der Mitte von einer 300 — 700 Fuss hohen
Bergkette durchschnitten, welche aus horizontal geschichtetem Kalk-
stein besteht, der alle Charaktere des Zechsteins (?) und Höhlenkalk-
9
Steins haben soU. Er ist allenthalben von Hohlen und Spalten durch-
zogen, deren Inneres ojehr oder minder von einer rothenErde erfüllt
ist, welche auch die obere Lage des Landes bildet. In Jieser Erde
liegen die Knochen verwirrt durcheinander; sie sind leicht zerbrech-
lich, auf dem Bruch weiss, kleben stark an der Zunge, sind öfters
petrifizirt, noch öfters in Kalkspath verwandelt. In einer Liste führt
der Verf. die in jenen Gegenden lebenden Arten von Säugthieren
zugleich mit den ausgestorbenen auf, woraus sich für letztere eine
grössere Anzahl als für jene ergiebt, indem der fossilen Arten 91,
der lebenden nur 79 aufgezählt sind. Darunter sind die Edentaten
mit 19 Arten begriffen, die Pachydermen mit 7, die Wiederkäuer mit 7,
die Raubthiere mit 1«, die Beutelthiere mit 8, die Nager mit 31, die
Fledermäuse mit 4^ die Affen mit 3 Arten. Von besonderer Merk-
würdigkeit unter diesen antediluvianischen Thieren ist das Vorkom-
men von Affen, wovon bei dieser Ordnung noch gesprochen werden
soll, ferner das von einer Hyäne (Jlyaena neogaea), und eines Bä-
ren {Ursus brasiliensis). Diese beiden Gattungen fehlen der leben-
den Fauna Brasiliens ; die übrigen Gattungen sind entweder erloschen,
oder noch unter den brasilischen Thieren der Gegenwart repräsen-
tirt. üeber die Richtigkeit der Bestimmungen lässt sich vor der
Hand nichts sagen, indem man deshalb die ausführliche Beschreibung
abwarten muss *).
Ein Verzeichniss der in den fränkischen Höhlen aufge-
fundenen antediluvianischen Säugthier-Ueberreste ist von Ref*
(Münchner gel. Anzeigen 1839. S. 1034.) und von Braun
(Verzeichniss der in der Kreis -Naturalien- Sammlung zu Bay-
reuth befindlichen Petrefakten. Leipzig 184Ö. S» 86.) geliefert
worden.
Letzterer führt eine viel grössere Zahl Arten auf als ich, was
davon herrührt, dass ich die Knochen von Füchsen, Dachsen, Mar-
dern, Wieseln, Maulwürfen, Fledermäusen, Mäusen und andern klei-
nen Nager -Thieren, die noch jetzt in jenen Gegenden vorkommen,
und im Skelete keine Differenz von den Höhlenknochen mir darbo-
*) Indem ich im Begriff stehe, diesen Bericht zum Drucke abzu-
senden, läuft bei der hiesigen Akademie eiu: Det Kongelige Dansice
Videnshabernes Selskabs naturvidenskabelige og mathematiske Af-
handlinger. Ottende Deel. Kjöbenhavn 1841, worin Lund's Abhand-
lung ausführlich mitgetheilt und >durch 27 Tafeln Abbildungen erläu-
tert ist. Da 'gedachte Abhandlung in dänischer Sprache, deren ich
nicht mächtig bin, erschienen ist, so kann ich auf ihren Inhalt so
lange nicht näher eingehen, als sie mir nicht in einer der wissen-
schaftlich gangbaren Sprachen verständlich gemacht wird.
10
Jäger 's treffliche Arbeit: „über die fossilen Säugthiere,
welche in Württemberg in verschiedenen Formationen aufge-
funden worden sind, nebst geognostischen Bemerkungen über
diese Formationen. Stuttgart 1839." Fol. ist beendigt worden.
Die Zahl der untergegangenen Arten von Säugthieren würde,
nach des Verf. mühsamen Bestimmungen, 65 — 73 betragen^ die Zahl
der mit noch lebenden übereinstimmenden 23 — 24.
Recherches sur les ossemens humatiles des cavernes
de Limel-Viel par Marcel de Serres, Bubrueil et Jean-
jean. Montpell 1839. 4.
An Säugthieren werden aufgezählt: XJrsus spelaeus u. arctoideus,
Meles vulgaris, Mustela putorius u. lutra^ Canis familiaris ^ Lupus?
u. vulpes, Viverra genetta, Hyaena spelaea, prisca u. intermedia. Fe-
lis spelaea, leo^ leopardus, serval u. ferus, Castor danubii^ Mus cam-
pestris major ^ Lepus timidus u. cuniculus, Elephas primigenius? ^ Sus
scropha u. priscus, Equus caballus , Cervus intermedius^ coronatus,
antiquus u. pseudo -virgininus^ Ovis tragelaphus, Bos ferus, interme-
dius u. taurus.
Kaup, description d ossemens fossiles des Mammif eres
inconnus jiisqu'ä present, qui se trouvent au Museum de
Darmstadt, 5. cah. Darmstadt 1839.
Hiermit hat der Verf. sein Werk über die Säugthier- Reste aus
der Tertiärformation von Eppelsheim geschlossen, doch soll noch
ein Ergänzungsheft nachfolgen, mit einer üebersicht und Diagnostik
der beschriebenen Gattungen und Arten. Der nächste Bericht soll
auf dieses Werk näher eingehen.
Als systematische Arbeiten sind zu erwähnen: C. L. Bo-
naparte's, Prinzen von Musignano's neue Anordnung der
Wirbelthiere (Transact. of the Linn. Society of London
XVUI. 3. 1840. p.247; im Auszug in der Isis 1839. S» 848).
Der Raum erlaubt nicht im Jahresbericht hierauf näher einzu-
gehen»— Ferner: Leiblein's Grundzüge einer method»
Üebersicht des Thierreiches. Iter Bd. der Mensch
und die Säugthiere. Würzburg 1839 (auch unter dem
Titel: Berichte vom zoolog. Mus. der k. Universität
zu Würz bürg). Giebt ein^ gut geordnete üebersicht über
die Säugthiere und zählt die in der Würzburger Universitäts-
Sammlung enthaltenen Arten aus dieser Klasse auf.
Als ein an Thatsachen reichhaltiges Werk ist Scheit-
lin^s „Versuch einer vollständigen Thierseelen-
kunde»" Stuttgart 1840. 2 Bde. hier anzuführen. — Leu-
11
ckart's Untersuchungen über das Zwisclienkiefer-
bein des M enschen, Stuttgart 1840, erstrecken sich auch
auf die Säugthiere. — OttO'</e rariorihus quihusdam sce-
leti humani cum animaliwn scelelo analogüs. Vratisl, 1839
handelt sehr ausführlich vom Zwischenscheitelbein der Säug-
thiere, von der bleibenden Trennung des Felsen- und Schup-
pentheils des Schläfenbeins, vom Brustbein und dem Canalis
supracondyloideus des Oberarmbeins. — Rapp lieferte in
Müller's Archiv für Aaatom. 1839. S. 189, eine durch alle
Säugthier- Ordnungen durchgeführte vergleichende Betrachtung
der Tonsillen, welche auch die Beachtung der Zoologen verdient.
In die Memoria della R. Academ. die Torino 1839. p. 103 hat
Bellingeri eine Abhandlung über die Struktur und Lage der Or-
gane des Gehörs und Gesichts in den Hauptgattungen der Säug-
thiere eingerückt, insofern hieraus auf ihre intellektuellen und sitt-
lichen Eigenschaften zu schliessen ist.
Das Weiss werden mancher Arten im Winter leitete Bachmann
nach Beobachtungen an Lepus glacialis virginianus, sowie an Mustela
Erminea (JM. Richardsonii) nicht von Farbenumänderung in den alten
Haaren her, wieRichardson es glaubte beobachtet zu haben^ son-
dern vom Haarwechsel, in dessen Folge neue Haare von weisser
Farbe aufwachsen (Transact, of the Americ. phil. Soc. Philadelph,
1839. VI. 2. p. 224).
Einen wichtigen Beitrag zur Festsetzung des Begriffes der
Art verdanken wir R u d. Wagner in seiner Abhandlung
„über die Bastardzeugung und einen physiologischen Beweis,
dass alle Menschenrassen nur eine Art bilden" (in seiner üeber-
setzung von Prichardx's Naturgesch. des Menschengeschlechts
1. S. 439).
Der Verfasser mustert mit scharfer Kritik die einzelnen Fälle,
welche von Bastardzeugung warmblütiger Thiere handeln, und ge-
langt zu dem Schlüsse, dass nur Thiere einer Spezies eine unter
sich fruchtbare Nachkommenschaft erzeugen können.
' Am Schlüsse dieser Schilderung der Arbeiten allgemeine-
ren Inhalts will Ref. es nicht unterlassen, noch auf ^eine höchst
ansprechende und geistreiche Abhandlung von E. von Baer
„über die Verbreitung des organischsn Lebens" (Recueil des
actes de la seance puhlique de V Academie imperiale des
sciences de Saint-Petershourg. 1839. iS*. 145.) aufmerksam zu
machen, da sie es verdient, in weitern Kreisen bekannt zu
werden.
12
J. JPrifnates i^imiae).
Von dieser Ordnung sind zwei Monographien erschienen:
Schreber's Säugthiere, fortgesetzt von J. A.
Wagner. Supplementband. Ite Abtheilung; die Affen
und Flederthiere. Erlangen 1840 *).
Lesson, Species des Mammif eres himanes et quadru-
jnanesj suivi d'un memoire sur les Orycteropes. Pa-
ris IS^iO.S.
Ref. hat bei seiner Bearbeitimg der Affen nicht blos den äussern
Habitus, sondern auch den innern Bau, hauptsächlich das Knochenge-
rüste und Muskelsystem, berücksichtigt. Die Sammlung zu München,
welche an amerikanischen Affen reich, an altweltlicheu wenigstens
nicht arm und mit Skeleten wohl versehen ist, ferner die Benutzung
dei* Museen in Frankfurt und Wien hat ihm hinlängliche Gelegenheit
gewährt, mit einem grossen Theil der Arten durch Autopsie bekannt
zu werden.
Lesson ist der fruchtbarste unter allen zoologischen Schrift-
stellern, daher seine Arbeiten nicht immer mit Gründlichkeit ausfal-
len. Seine Monographie der Affen berücksichtigt blos die Aeusser-
lichkeiteu der Thierej die Anatomie fehlt ganz. Mit Ausnahme der
Halbaffen, von Madagaskar findet man wenig Spuren von eignen Un-
tersuchungen, dagegen eine fleissige Zusammenstellung der franzö-
sischen und englischen Litteratur. Schauderhaft ist seine Bildung
der Namen, wie zum Beispiel: Bradypusineae^ Myspithecieae ^ Mys-
didelphieae^ Gliscehus^ Pithelemiir, Yarkea u. s. w. Die Affen ver-
theilt er in 2 Ordnungen: 1) Primates oder Bimana, und 8) Quadru-
mana. Die ersteren theilen sich in 2 Familien: Hommideae und An-
thropomorpJieae ^ jene den Menschen, diese den Orang-Utang und
Schimpanse umfassend.
Wenn Linne noch sagte: nullum characterem hacte?ius entere
potui, Wide homo a simia internoscatur ^ so konnte man dieses Pa-
radoxon einigermassen durch die damalige Unbekanntschaft mit dem
innern Baue der Affen entschuldigen j Wenn aber ein Zoolog noch jetzt
im Stande ist, Orang-Utangs und Menschen zusammen zu stellen, so
verräth er nur seine gänzliche Unbekanntschaft mit dem innern Baue
des Menschen und der Thiere. Selbst wenn man einzig und allein
den leiblichen Bau berücksichtigen wollte, müsste man den Menschen
vom Affen wenigstens der Ordnung nach trennen; da aber der Cha-
racter essentialis des Menschen darin liegt, dass in ihm ein Gott er-
kennender, unsterblicher Geist lebt, so scheidet er sich nicht blos
*) Die Affen sind in den Heften 90 — 94 enthalten, von welchen
das letzte am 1. Oktober 1839 publizirt wurde.
13
der Klasse nach von den Tliieren aFj, sondern mit ihm beginnt ein
ganz neues Reich.
Lesson's sogenannte Quadrumancn schliessen 3 Familien in
sich: 1) Simiadae^ 2) Lemurideae, 3) Pseudolemurideae , wozu Ga-
leopithecus, Myspithecus , Plthecheir, Bradypus und Cercoleptes ge-
hört. Schon Wagler und Blainville liessen sich durch Identifizi-
rung von Analogie und Afiinität verleiten, das Faulthier den Affen
beizuzählen, wodurch sie aber auch den Begriff dieser Ordnung auf-
hoben und nicht mehr im Stande waren, einen durchgreifenden Cha-
rakter für sie anzugeben. Noch weniger gehört der Cercoleptes We-
her, der nach allen Merkmalen als ein Kaubthier von der Abtheilung
der Bären sich ausweist.
Zur Kenntuiss der Osteologie der Affen sind von gross-
ter Wichtigkeit die ausgezeichneten Darstellungen, welche
Blainville in seiner Osteographie geliefert hat und in den
3 ersten Heften enthalten sind; sie beschränken sich nicht Mos
auf die lebenden, sondern handeln auch von den fossilen Arten.
Als die merkwürdigste Entdeckung in dieser Ordnung
muss das Auffinden antediluvianischer Affen bezeichnet
werden.
Bekanntlich sind ihre ersten Reste in der tertiären Vorbergen
des Himalajas entdeckt worden. Wenn nun gleich Blainville
Hecht haben mag, dass Baker und Durand es nicht ausser allem
Zweifel gesetzt haben, dass ihr Fragment wirklich von einem Affen
herrührt, so ist diess dagegen bei den von Cautley und Falco-
ner gefundenen Resten nicht im mijidesten-zu bezweifeln. Fast
gleichzeitig als die Kunde von dieser merkwürdigen Entdeckung in
Europa eintraf, kündigte L artet an, dass er im südlichen Frank-
reich fossile Affenknochen ausgegraben habe. Im nächsten Jahre dar-
auf war Ref. so glücklich, unter fossilen Knochen aus Griechenland
ebenfalls ein antediluvianisches Fragment eines Affen, zugleich mit
Equus primigeiiius und andern Arten aufzufinden, worüber er am
10. November 1838 einen Bericht in der Akademie erstattete (Münch-
ner gel. Anzeigen vom 21. Febr. 1839*), und ausführlicher in den
Denkschriften der K .Akademie der Wissensch. zu München, III. Band
mit Abbildung). Das erwähnte Fragment besteht in dem Schnautzen-
theil eines Schädels, der nach meiner Bestimmung in seiner Form
das Mittel zwischen Hylohates und Semnopithecus hält, weshalb ich
den Namen Mesopitheciis pentelicus gewählt habe. Merkwürdig ist
es nun, dass Blainville in dem um ein volles Jahr später als
meine Publikation erschienenen 4ten Hefte seiner Ostdographie (erst
1840 ausgegeben) erklärt, dass der von Lartet gefundene ünterkie-
*) Hieraus nütgetheilt im Archiv 1839. 1. S. 171.
14
fer gleichfalls das Mittel zwischen Hylohates und Semnopithecus halte.
Er schlägt den Namen Tühecus antiquus vor. Bald darauf wurde
ein neuer Fundort bekannt, nämlich der London clay von Kyson
(Kingston) bei Woodbrigde in Suffolk, wo ein unterer hinterster
Backenzahn, noch ansitzend dem Kieferstück, ausgegraben wurde.
Nach Owen's Angabe {Loud.mag. of nat. MM839. /?. 446) hat die
Krone, ausser den gewöhnlichen 4 Hügeln, einen besondern hintern
Ansatz, wie er bei Schlankaffen, Makakos und Pavianen sich auch
einstellt, unter welchen der fossile Zahn am nächsten dem entspre-
chenden der ächten Makakos kommt. Etwas später erhielt Owen
(^Annals of nat. h/st. November 1839. p. 191) einen zweiten fossilen
Backenzahn, ebenfalls aus dem Unterkiefer, und zwar der zweite
„dens hicuspidatus" , von dem er glaubt, dass er zu derselben Art
von Makako wie der vorige gehört haben könne.
Alle die bisher erwähnten fossilen Affenfragmente aus Ostindien,
Südfrankreich, Griechenland und England halten den Typus der alt-
weltlicher Affen ein, und somit wird es uns nicht befremden, wenn
die brasilianischen vielleicht alle den Typus der amerikanischen Affen
an sich tragen. Lund unterscheidet 3 Arten: dien Protopithecus bra-
siliensis, von 4Fuss Höhe und zu keiner bekannten Gattung passend,
die Callülirix primaeva^ ums Doppelte die lebenden Arten übertref-
fend, und den JaccJms grandis^ ebenfalls mehr als nochmals so gross
wie die lebenden Seidenaffen.
Erwähnung verdient noch eine Notiz vonS. Birch (Mag. of nat.
hist. t8i0. S. 35.) über die den Chinesen bekannten Affen, nach Origi-
nalquellen.
a) Simiae c'atarrhinae.
Zur Kenntniss des asiatischen Orang- Utangs sind
viele Beiträge erschienen.
Dumortier, Note sur les metamorphoses du crdne
de V Orang -Outang {BulletdeVAcadem.de Bruxell. iS3S.
5'.756.).
Heusinger, vier Abbildungen des Schädels der Simia
Satyrus von verschiedenem Alter, zur Aufklärung der Fabel
vom Oran utan. Marb. 1838. 4.
Temminck, Monographie sur le genre Singe (Mo-
nographies de Mammalogie. Vol. IL Ihr. 2. Leide 1838 *).
*) Die Abhandlung trägt zwar das Datum vom November 1835,
ist aber erst in der Ostermesse 1838 in den deutschen Buchhandel ge-
kommen.
15
Obschon diese Scliriften vor 1839 erschienen sind, so muss ich
doch auf sie kurz zurückkommen zum Verständniss des Folgenden,
und weil Wiegmann wegen der beiden letztern zwar auf den
Jahresbericht von 1839 verwies, durch seine schwere Krankheit aber
verhindert wurde, in diesem etwas Näheres über sie zu sagen.
A. Wagner, Artikel: Orang-Utang (Schreber's Säug-
thiere. Heft 90 und 91, ausgegeben am 1. Juni 1839). — Ferner
dessen Bemerkungen über einen Pongo- Schädel, mit besonde-
rer Bezugnahme auf die bisher unter den asiatischen Orang-
Utangs errichteten Arten (Münchner gel. Anzeigen. 10. Septbr.
1839. S.409).
Owen, Note sur les differences entre le Simia Mo-
rio et le * Simia Wurmhii dans la periode d*adolescence,
d^crit par M. Dumortier {Anncd. des sc, nat. 1839. XI,
T. 122). — Contribuiions to the Osteology of ihe Orang
utans (jTransact. of the zool. soc, IL 3. p. 165).
Schwartze, Descriptio osteologica capitis Simiae pa-
rum adhiic notae. BeroL 1839.
Bijdragen tot de natuurlijlie liistorie van den Orang-
Oetan (Simia Satyrus) door Herrn. Schlegel en Sah
Müller, (Ferhandelingcn, Zoologie No. 1. L^iV/. 1839 *).
Da der Orang - Utang, dieses fatale Zerrbild des menschlichen
Tj'pus, eines der merkwürdigsten Geschöpfe der Welt ist, so erlaubt
sich Ref. etwas umständlicher auf den Stand der üter ihn gepfloge-
nen Verhandlungen einzugehen. Bekanntlich hat zur genauem Kennt-
niss desselben Owen in seinen beiden klassischen Arbeiten den
Grund gelegt^ und 3 Arten unterschieden: Simia Wurmbii und Morio
von Borneo, und S' Crossii von Sumatra. Dumortier erklärte
S. Morio, welche nur auf einen einzigen Schädel begründet ist^ blos
für eine mittlere Altersstufe, wogegen jedoch Owen remonstrirte.
Heusinger beschränkt sich auf den Nachweiss, dass der Pongo blos
der alte Orang-Utang sei. Teramlnck, ohne Bezugnahme auf
Owen's Arbeit, erklärte sich in seiner vortrefflichen Bearbeitung da-
hin, dass die Orangs von Borneo und Sumatra zu derselben Art ge-
hören, dagegen meinte er, dasä ein jqnges, in der pariser Menagerie
lebendes Exemplar {Orang roux) eine zweite Art ausmachen dürfte.
Ref., auf ein gutes Material gestützt, hat die Ueberzeugung ausge-
sprochen, dass -S*. Wurmbii und Crossii die beiden äussersten Grenz-
*) Die Von-ede zum ersten Hefte ist auf den 12. Dezember 1839
datirt, doch sind die beiden Liefeningen erst in der Herbstmesse 1840
angezeigt.
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punkte seien, zwischen welchen der Grundfcypus der Art hin und her
schwanke, und mancherlei Formverschiedenheiten innerhalb dieses Ge-
bietes zulasse. Diese Veränderlichkeit, wie Ref. weiter zufügte, könnte
uro so weniger befremden, wenn man erwäge, welche gewaltige Umän-
derungen in der ganzen Gestalt des Schädels durch das Alter herbeige-
führt würden, wo dann bald der eine, bald der andere Theil in sei-
ner Entwicklung mehr oder weniger befördert oder gehemmt werde.
Aehnliches könnten wir auch an den Schädeln der Paviane, ja selbst
den Bollaffen (Cebus) wahrnehmen. Die S. Mono, über die er frei-
lich aus Autopsie nicht urtheilen konnte, sah Ref. blos für den noch
nicht völlig erwachsenen Zustand oder, für eine Geschlechts -Ver-
schiedenheit von S. Wurmbü an; den Qrang roM.r erklärte er für
so unbestimmt geschildert, dass keine Rücksicht auf ihn genommen,
am wenigsten Arts- oder Heimathsrechte auf dem benachbarten Kon-
tinente ihm zugestanden werden könnten. — Mit Vergnügen hat Ref.
gesehen, dass Schlegel und Sal. Müller in ihrer meisterhaften
Arbeit fast durchgängig auf dieselben Resultate gekommen sind, die
er vor ihnen publicirte. Sie weisen umständlich nach, dass keine
sichere Thatsache vorliege, aus welcher man auf das Vorkommen
von Orang-Utangs auf dem festen Lande schlicssen dürfe. Die Schä-
del von Borneo, deren sie gegen 30 untersuchen konnten, schreiben
sie alle einer Art zu. Was die S. Morio anbelangt, so bemerken
sie, dass der von Owen im Leydner Kabinet ihr zugesprochene
Schädel lediglich der eines alten Weibchens sei. Die Färbung des
Orang roux betrachten sie blos als individuelle Modifikation, wie sie
bei Weibchen gewöhnlich sei. Die Frage, ob zwischen den Oraug-
Utangs auf Borneo und Sumatra spezifische Differenzen sich ermit-
teln lassen, beantworten sie mehr verneinend als bejahend. Als
sicher nehmen sie demnach nur eine Spezies an.
Schwartze glaubte in einem Schädel des Berliner Museums
Owen's S. Morio erkannt zu haben. Dagegen bemerkte J oh. Mül-
ler in seinem Berichte über die Fortschritte der vergleichenden Ana-
tomie der Wirbelthiere im Jahre 1838 (Archiv für Anatora. 1839.
S. CCIX.); „Das hiesige Museum erhielt kürzlich noch 8 Schädel, die
zu dem Typus S. Morio gehören, und sich durch kleinere Dimensio-
nen im Ganzen, auffallend kleinere Eck- und Schneidezähne auszeich-
nen, obschon alle 33 bleibenden Zähne vorhanden sind. Bei dem
einen sind die Schädelgräthen noch nicht, bei dem zweiten ganz ver-
einigt, wie bei den ältesten Schädeln des andern grossen Typus.
Nach Einsicht der von Dumortier, Heusinger, Owen und der
von den holländischen Naturforschern beigebrachten Thatsachen würde
ich den von Schwartze beschriebenen und abgebildeten, und zu
S. Morio gezogenen Schädel seiner grossen Zähne wegen nicht für
Morio, sondern für eine Alters Verschiedenheit des grossen Typus mit
grossen Zähnen betrachten. Ich erkenne es als sehr wahrscheinlich
an, dass die beiden Typen Geschlechtsunterschiede sind 5 man kann
17
es als eine sehr wahrscheinliche Erklärung, nicht als ein erwiesenes
Faktum anseheh."
lieber den afrikanischen Stellvertreter des Orang-Utangs,
den Schimpanse, ist Ref. nichts weiter bekannt geworden
als des Lieutenant's Sayers Bemerkungen über das jetzt im
Garten der zoologischen Gesellschaft zu London lebende In-
dividuum. (Proceed. VII. 1839. S. 28.)
Zur Kenntniss der Gibbons und der übrigen[Affen des in-
dischen Archipels hat Sal. Müller in den Verhandelingen
bereits Viele Beiträge geliefert, auch sind, ausser der prächti-
gen Abbildung des Orang-Utangs, der Semnopithecus fron-
tatus, ruhicnndus, cJuysomelas (Männchen, Weibchen und
Junges), cristatus, miti'atus und nasicus abgebildet.
Von Hylohates HuloJc sind jetzt lebende Individuen in
London {Proceed. VH. p. 148), Ihre Farbe ist, wie sie Har-
lan beschreibt, doch siiid- einige Individuen graulichgelb. —
Eine neue Art, jedoch nur nach einem jungen Exemplare,
stellte Ogilby auf {Ann. of .nat. hist N. 37. p. 303) unter
dem Namen Hylohates leucogenys , „niger, pilis ad latera
faciei et ad gulam albis, pilis verticis longis et semi-erectis.
Die Heimath ist unbekannt.
Eine neue Art Schlankaffen hat Ref. (Schreber's Sup-
plementband I. S. 307) als Semnopithecus jubatus beschrie-
ben: „aterrimus, capite pilis longis brunnescentibus , ad hu-
meros usque dependentibus vestito.*' Vom Baron von Hü-
gel im südlichen Indien entdeckt. — Von Colohus Pennantii,
und Satanas, so wie von Cercopithecus Martini, erythro-
tis und Camphelli hat jetzt Waterhouse detaillirtere Be-
schreibungen nachgeliefert {Annal. of nat. hist. IL p. 468.
Schreber's Suppl.^L S. 309*). — • Die Identität von Colohus
fuliginosus, Temminchii und ferrugineus hat Ref. (a. a. O,
S. 308.) nachgewiesen.
*) Um Raum zu sparen, wird Ref nur von denjenigen Arten die
Diagnosen mittheilen, die er noch nicht in den beiden ersten Abthei-
lungen des Supplementbandes von Schreber's Säugthieren (die
Affen, Flederthiere, Insektenfresser und die Raubthiere umfassend)
aufgenommen hat.
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2. Rd, O
18
Zwei neue Arten Makakos sind in den Proceed. VIL
p. 31 und 148 beschrieben:
Papio melaiiotus Ogilhy: „cinereo-brunneus, capite, dorso lum-
bisqiie subnigris, cauda brevissima niida, facie aiiriculisque pallidis."
Ein junges Männchen, dem /ww?/* ecaudatus ähnlich, aber verschieden
durch die schwarzbraune Schattirung der obern Theile, und darin dass
es von Madras stammen soll. — Die andere Art heisst Macacus assa-
mensis Mc Clelland: „fulvo - cinereus , (im Englischen steht aber
bluish-gray), supra saturatior, gastraeo artiiumque latere interiore
canisj capillitio pilis paucis nigris sparsoj facie natibusque carneisj
cauda partem tertiam longitudinis totius superante omnino pilis tecta."
Aus Assam, 2^' lang. — Eine 3te Art fand Ogilby in einer wan-
dernden Menagerie und gab ihr den unpassenden Namen Papio
ochreatiis^ da sie nichts Ockerfarbiges an sich trägt. Er cha-
rakterisirt sie als: P. supra subtusque niger, brachiis et cruribus ca-
nis" {Ann. of nat. hi'st. VI. p. 517.).
fe) Simiae platyrrhinae.
Ref. hat bei mehreren Gattungen von amerikanischen
Affen beträchtliche Reduktionen der Arten vorgenommen, wo-
bei er sich auf die Ansicht vieler Exemplare und auf die ge-
nauen Beobachtungen Rengger's stützte» Die 9 Arten von
Brüllaffen hat er auf 2, und auf dieselbe Zahl die mehr als
20 Arten von Cebus zurückgebracht. Ausführlich hat er die
Myologie der Klammeraffen abgehandelt, auch eine neue Art
{oder vielleicht nur eine ausgezeichnete Varietät von A. Bel-
zehuth) unter dem Namen jdteles variegatus (a. a. O. S. 313)
beschrieben. Bei Cebus hat Ref. auf einen Flexor longus
digiti minimi propriiis von besonderer Bildung aufmerksam
gemacht. D'Orbigny, voy. dans V Amerique merid., mam-
mif. tah.Q hat eine Callithrix donacophila abgebildet, aber
noch nicht beschrieben, die als Art sich halten könnte, dage-
gen wird seine Callithrix entomophaga wohl nur zu den
Abänderungen von Chrysqthrix sciurea gehören.
c) Prosimii.
Unter den 3 Abtheilungen der Affen ist in der der Halb-
affen noch am Meisten zu thun. Das Wichtigste, was erschie-
nen, sind Blainville's herrliche Abbildungen des Skeletes
19
vom Indri und vom Tarsius Spectrum, mit genauen Beschrei-
bungen. Vom Indri war bisher nicht mehr als ein Bruchstück
des Kiefers, von den Zahnen waren nicht einmal die hintern
Backenzähne bekannt. Unter den vielen Schädelabbildungen von
Blainville sind uns besonders erwünscht die des Anahi,
des Propithecus JDlademay des Chirogaleus Milii und des
Otolicnus crassicaudatus,
lieber die HalbaflFen von Madagaskar hat Lesson {Spe-
cies des mammif.) nach Original - Exemplaren mehrere Be^
richtigungen beigebracht; wären nur seine Namen nicht so
fehlerhaft !
Aus den kleinen Tliieren dieser Abtheiliing, die bisher immer
mit einander confiindirt wurden, errichtet Lesson 4 Gattungen nach
folgendem Schema: »
Oreilles poilues . Cebugale.
rConque courte ( 0"eue attenuee au bout Myscebus.
Oreilles nuesi et arrondie ( „ renflee „ „ Gliscebus.
lConqueevasee,ampleetpluscourtequelatete. Mioxicebus,
7ju Cebugale stellt Lesson nur eine Art, die er C. Commerso-
nii nennt, „Gesicht kurz behaart, Muffel nackt und schwarz; Pelz
dicht, buschig, auf dem Scheitel, Halse, Schwanz und der Oberseite
der Beine lebhaft roth (roux), auf den Ohren, Wangen, Vorderhals
und Brust grau, an den Seiten und am Unterleib hell röthlichgräu
{gris-roux~)." Von Madagaskar. Lesson erklärt diesen für den äch-
ten Chirogaleus major Geoffroy's, von dem der Ch. medius mir eine
Altersverschiedenheit darstellt; demnach kann also der Gattung der
alte Name Chirogaleus bleiben.
Auch 31t/»€ebus hat nur eine Art, dielt es sonM.palmarum nennt:
„Augen gross, der braune Augenkreis zieht sich zur braunrothen
Stirne; Haare grau mit rother Spitze, was auf dem Leib, Schwanz
und Beinen einen rothgrauen Ton giebt; Brust, Bauch und Innenseite
der Glieder hellgrau; Schnautze und Ohren fleischfarben." Körper 5^",
Schwanz 5". Als Synonjme zieht Lesson hierher Buffon's rat
de Madagascar (jsuppl. III. p. 149.), Lemvr pusillus Geoffr . und Audeb.,
Chirogaleus minor Geoffr. und Blainville's Lemur muriniis. Am
Besten wird diese Art den Namen Myocebus pusillus führen.
Zu Gliscebus rechnet Lesson 8 Arten: VjGlmurimis, „Pelz
oben und auf den Beinen grau, am Bauch, der Schnautze, Wangen
und \ase weiss; Augenring braungrau; Schwanz braun und am Knde
dunkler, Grösse geringer als die der gewöhnlichen Ratte. Synonyme
sind: Brown's Uttle maucaco^ Müll er'. -3 Lemur murinus, Geof-
froy's Galago muri/tus^ßw&iütioü's Scartes murinus, 2) G. ru~
fus, identisch mit Vig. und Horsf. Cheirogaleus Comniersonii, Da
der fehlerhafte Name Gliscebus nicht beibehalten werden kann, so ist
2*
20
hierfür der ohnediess ältere von Swainsoa, nämlich Scartes zu
gebrauchen.
Mioxicehiis hat ebenfalls 2 Arten: 1) M. griseus, identisch mit
Geoffroy's Chirogaleus Milii und dem Mahi nain von Fr. Cuyier.
8) M. ruf US identisch mit Geoffroy's Microcehus rufus, Lemur mu-
rinus Penn, und Galago Demidoffii. — Für diese Gattung muss der
ältere und zugleich sprachrichtige Name Microcebus behalten werden.
Diese 4 Gattungen scheinen mir ganz gut begründet, dagegen
liegt kein triftiger Grund vor, um Stenops tardfgradus und gracilis
generisch zu scheiden, noch weniger aber den Tarsius bancanus Horsf.
zu einer eignen Gattung Ilypsicebus zu erheben, da er nicht blos
als Art zweifelhaft, sondern auch sicherlich nichts weiter als ein
Junges von Tarsius Spectrum ist.
A. Smith hat eine neue Art von Galago aufgestellt
als Galago Moholi (illustrat. of the Zool. of South Africa,
No. F.)
G. supra murinus,^ i^i^Jf^ albus, artubus externe flavo - tinctis;
striga inter frontem et nasuni, labiis, capitis lateribus infra et post
oculos albis^ cauda rufo-brunea, auribus carneis, oculis aurantiis."
Länge 8", des Schwanzes ebenso viel. Aus Südafrika jenseits des
25<'s. Breite. Dieselbe Art kommt aber auch an der Gambia vor.
Smith bemerkt, dass im pariser Museum ä Exemplare von G. sene-
galenst's sich befinden, wovon das eine ganz mit jenem von der Gambia
übereinstimmt, während das andere nur 7" lang ist, oben graulich-
gelb, an den Seiten gelb mit bräunlichem Anfluge, unten gelb, der
Schwanz blass rostgelb, die Hände schmutzig gelblichweiss, die Haare
am Grunde wie an der Spitze von derselben Farbe; die Ohren auf-
fallend grösser und die Finger länger. Dieses Exemplar sehen
Smith und Waterhouse für das von Daubenton beschriebene
Thier an und lassen ihm den Namen G. senegalensis^ während sie den
G. Moholi von ihm dadurch unterscheiden, dass seine Haare zweifar-
big sind: weises an der Spitze, dunkel schieferfarben am Grunde.
Ref. bemerkt hierbei, dass er neuerdings mehrere Exemplare vom
Galago aus den obern Nilländern erhalten hat, die in Grösse und
Färbung mit dem Moholi übereinstimmen, so dass diese Art vom
nördlichen Wendekreise bis zum südlichen und noch etwas darüber
hinaus reicht. — Ausser dem Thiere hat Smith die Abbildung des
Schädels, mehrerer Eingeweide, worunter ein langer Blinddarm be-
merklich, der männlichen und weiblichen Geschlechtstheile und des
Embryos mit seinen Hüllen gegeben.
MI. Volitantia.
Die ganze Ordnung ist bearbeitet vom Ref, in Schre-
ber's Säugthioren, Supplementband Iste Abthciluug. 1840,
21
fl) Dennopte ra.
Ausser dem, was Ref. über diese, nur aus der einzigen
Gattung Galeopitheciis bestehende Unterordnung a. a. O. bei-
brachte, handeln von ihr folgende ,Scliriften:
Waterhouse, on the Genus Galeopithecus {Proceed,
VI. p. 119; Transnet. of the Zool. Soc. of London II. 4.
1840. p. 335.).
Lesson, species des Mammiferes 1840. p. 256.
Blainville, Ostcographie. Fase. III. p. Si und 48.
Sal Müller, F er handelin gen.' Zool II. 1840. S. 19
und 49.
Trotz dem, dass, wie eben angeführt, es nicht an Schriftstellern
fehlt, die von dieser Gattung handeln, ist gleichwohl hinsichtlich der
Arten noch grosse Uneinigkeit. Geoffroy hatte bekanntlich 3 Ar-
ten, G.rufus^ variegatus und ternatensis^ aufgestellt, dieTemminck
in eine vereinigte, wobei er bemerkte, dass noch eine zweite vor-
käme, die sich durch das Skelet unterschiede. Ob diese letztere mit
seinem später erwähnten G. murmoratiis y von dem er in der Faun.
Japon. blos sagte, dass er sich auf Sumatra statt des von Java bis
Timor verbreiteten G. rvfus einstelle, identisch sei, oder mit seinem
G. macruriiSy von dem nur ein Skelet ohne Kopf bekannt ist, wurde
nicht angegeben. Waterhouse unterschied im Ganzen nur 8 Arten,
denen er den Namen G. Temminckü und ])hiUpjdne7isis beilegte. In
den Proceed. hat er si^ nur nach den Schädeln von einander distin-
guirt, ohne die Färbung anzugeben, Blainville ist geneigt, unter
den ausgestopften Exemplaren des pariser Museums zwei Arten an-
zunehmen, und benennt im Ganzen 4, nämlich: G. volans Fall.,
G. Te?n7mncku W aterh., wozu er das von ihm beschriebene Skelet
rechnet, G. philippinetisis und Temminck's G. macrurus, der statt
16 — 17 Schwanzwirbel 21 zählt und sonst im Skelet einige Differen-
zen darbietet. Mit diesen Vorlagen unternahm ich meine Arbeit,
wobei ich zur Ansicht ein ausgestopftes erwachsenes Exemplar der
hiesigen Sammlung, das Kollmann von den sundaischen Inseln ein-^
geschickt hatte, und einen Schädel des G. rufus von der Erlanger
Sammlung benutzen konnte. Obschon in den Schädeln und dem Ge-
bisse beider keine nennenswerthe Differenz sich ergab, so war da-
gegen in der Färbung ein so auffallender Unterschied, dass ich das
hiesige Exemplar als eigne Art unter dem Namen G, undatus auf-
stellte, zugleich aber bemerklich machte, dass nach dem Schädel der
G. Temminckü mit rufus identisch sein könne, während der G-. phi-
lippincnsis und macrurus eigenthümliche Arten erratheu Hessen, Bald
Dach dem Druck meiner Arbeit erschien die Abhandlung von Wate r-
22
house in den Transact., woraus sich seine beiden Arten, da die Fär-
bung des Pelzes und die Abbildungen der Schädel niifgetheilt waren,
besser als aus den mangelhaften Angaben in den Proceed. erkennen
liessen. Hieraus ersah ich, dass G. TemminckU mit meinem G. unda-
tus zu vereinigen ist, während G. phil/ppinensis als eine gute Art
sich bewährte. — Lesson's Arbeit ist blose Compilation, ohne ir-
gend einen der streitigen Piujkte aufzuklären; lediglich hat er für
den G. macruriis einen neuen Gattungsnamen Galeolemu7'\ ausge-
dacht. — Der beste Aufschluss über die Pelzflatterer, wenigstens
über die auf den sundaischen Inseln vorkommenden und über die im
Museum zu Leyden aufbewahrten, war von Sal. Müller zu er-
warten, dessen Bemerkungen hierüber bald nach meiner Arbeit er-
schienen. Derselbe erklärt aber die auf Sumatra, Java und Borneo
lebenden Pelzflatter sämmtlich als einer Art gehörig, wodurch also
Teifnminck's G. marmoratus im Systeme wegfällt. „Alle Individuen/'
sagt S. Müller, „sind mehr oder minder von einander verschieden.
Diese Farbenverschiedenheiten triift man eben sowohl bei Exemplaren
aus derselben Gegend, als bei denen von verschiedenen Inseln. Bei
vielen Individuen fand ich die Grundfarbe, namentlich des Rückens^
lichtgrau oder bräunlichgrau, seltener grau- oder gelblichbraun. Bei
mehreren war der Grundton der Oberseite braungelb, rothgelb und
selbst isabellfarbig oder röthlich. Einige waren fast einfarbig oder
nur sehr schwach dunkler gescheckt 5 andere haften ein mehr buntes
Gewand mit verschiedenen sanften Farben, während bei noch andern,
und diese traf ich am Häufigsten an, der Oberleib durch viele durch-
einanderlaufende schwarze Streifen und grosse, lichte, augenformige
Flecken wie marmorirt waren." Diese letztere Sorte wird also
wohl den G. marmoratus^ undatus und TemminckU umfassen, so dass
wir demnach nur 3 Arten unterscheiden dürfen 1) den G. volans, dem
man am besten den Namen 6r. variabilis geben wird und der die sun-
daischen Inseln, nach Diard auch Siam und Malakka bewohnt,
2) den G. philippinensis und 3) den G. jnacrurus, dessen Heimath
und äussere Beschaffenheit noch unbekannt ist.
Dass bei Galeopithecus jede der beiden Brustdrüsen mit 3 War-
zen versehen ist, was schon Pallas kannte, daran hat neuerdings
Cantraine (^Bullet, de VAcad. de BruxelL 1839. 2. y. 65.) wieder
erinnert.
V) Chiroptera.
Viele Arbeiten sind über diese grosse Unterordnung er-
schienen, ausser der vom Ref. im Laufe des Jahres 1840 pu-
Jjlizirten Monographie derselben im Schreb ersehen Werke:
B 1 a i n V i 1 1 e , Osteographie fasc, V. 1 840.
23
Keyserling und Blas ins, Uebersicht der Gattungs- und
Artcharaktere der europäischen Fledermäuse, in dem Archiv
1839. 1. S. 293, 1840. S. 1, ferner in ihren „Wirbelthieren
Europa's."
Temminck, sur les Chiropteres Vespertilionides (Mo-
iwgraph. de Mammal. IL 3, monograph. XIII.).
E. Gray, descriptions of some Mammalia discovered
in Cuha hy W. S. Mac Leay iAnn, of nat. hist. 1839.
No.2I. p. 1.).
Gundlach, Beschreibung von 4 auf Cuba gefangenen
Fledermäusen (Arhiv 1840. S. 356.).
Ramon de la Sagra, Cuba, mamm, par Gervais.
Vortrefflich ist die bisher so sehr vernachlässigte Osteologie der
Handflügler von Blainville abgehandelt und durch meisterhafte Ab-
bildungen erläutert worden. Klassisch ist die Bearbeitung der euro-
päischen Fledermäuse vom Grafen Keyserling und Prof. Blasius^
sie Ist mit solcher Umsicht und Genauigkeit durchgeführt, dass auf
einmal die bisher so verwirrte und schwankende Kenntniss der Arten
eine feste Grundlage gewonnen hat, und diese aufs Schärfste und
Bestimmteste von einander geschieden sind. — r Mit einer erstaunli-
chen Menge ausländischer Arten von den Vespertilioniden hat uns
Temminck bekannt gemacht und viele derselben in guten Zeich-
nungen dargestellt. Schematische Uebersichten über die Handflügler
haben Blainville und Gray {Mag. of Zoo!, and Botany^II. /?. 483.)
geliefert, welche letztere Arbeit mir indess nicht bekannt ist. Auf
eine detaillirte ^'chi^de^ung der Leistungen in den letzten beiden Jah-
ren werde ich um so weniger nöthig haben. einzugehn, als solche in
meiner Bearbeitung im Sehr eb ersehen Werke bereits aufgeführt
sind. Nur was seitdem neu zugekommen, oder von mir libersehen
worden ist, will ich kurz berühren.
üeber die auf Kuba heimischen Handflügler sind fast gleichzeitig
3 Verzeichnisse erschienen:
Gervais führt 5 Arten auf: Phyllostoma perspicülatum^ Vesper^
tilio {Nycticejus) Blossevillei, Vesp. le])tdus, Vesp. Dutertreus und Mo-
lossus obscurus-, er bemerkt hierbei, dass Phyllostoma jamaiciense mit
perspicillatum zu vereinigen sei. -^ Gray verzeichnet: Arctibevs
{Phyllostoma) falcatus, Arct.jamaicensiSy Brachyphytla cavernarum,
Mormops Blainvilleij Chilonycteris Mac Leay ii^ Nyctinomus {Molossus)
macrotis , Molossus tropidorhynchus, Scotophüus cuhensis. — Diese
Arten sind bereits in meiner Monographie berücksichtigt, dagegen
nicht die 4 Gundlach 'sehen Arten: Vespert ilio larhatus^ Lolostoma
cinnamomeum^ Lolostoma quadridensxxndi Rhinopoma carolinense
Geoffr. Die neue Gattung Lobostoma ist, wie schon der treffliche
Wieg mann bemerkte, identisch mit chilonycteris. Ob Rhinopoma
24
taroUnense selbst nur der Gattung nach richtig bestimmt ist, lässt
sich aus der BeschreibUDg nicht entscheiden; die Synonymik dieser
3 Autoren wage ich nicht weiter zu deuten.
Der Prinz von Musignano publizirte im 24sten Hefte
(1839) seiner Iconograßa 2 Arten Fledermäuse:
Die erste ist der Vespertilio albo -limbatus von Küster, iden-
tisch mit V. Marginatus von Cretschmar, wie von Keyserling
und Blasius, obwohl der Verf. nur 32 Zähne angiebt. — Die 2teArt
ist von Sa vi als V. Bonapartü aufgestellt: „Pipistrellus auriculis
capite tertio brevioribus, ovato -triangularibus, externe vix emargi-
natis; trage reniformi, incurvo, dimidia auricula breviori; pedibus
minutis, vix excedentibus a patagio anali araplo unicolori, minime
appendiculato; vellere fusco-subrufescenti, subtus vix pallidiore.
Dentes 32." Körper 1 V, Schwanz 1" 2'", Ohren b'". Von Rom, Pisa,
Ascoli und Sicilien.
Von Pteropus pselaphon ist in der Zoology of Ca-
ptam Beecheys voyage, London 1839. 4. auf Tab. 2 eine
schöne Abbildung erschienen.
Co Hin bemerkt hierbei, dass die Zunge sehr gross, oben mit
fleischigen, rückwärts zugespitzten Papillen bedeckt und jede mit
2 — 4 fleischigsn Stacheln versehen sei, dass der Blinddarm fehle und
der Penis eine harte, knorpelige, sattelförmige Substanz oben gegen
die Spitze zeige.
E. Rousseau hat im Mag. de Zoolog, par Gueriny
1839, 3tes Heft, ein sorgfältig gearbeitetes Memoire Zoologi-
que et anatomique sur la Chauve-Souris commune dite
murin niederlegt, und das Zahnsystem, Skelet, und einige an-
andere Theile nebst den Parasiten in genauen Abbildungen
dargestellt.
Der Verf. macht uns liier zuerst mit dem Zahnwechsel des Ve-
spertilio murinus bekannt. Das Junge bringt 22 Zähne mit auf die
Welt: -^ Schneide-, -JJ- Eck- und |;| Backenzähne, lauter schmale
einwurzelige Stümpfchen. Das bleibende Gebiss mit 38 Zähnen bricht
in den ersten drei Monaten hervor. Da die 16 Zähne, welche nicht
zum Ersatz dienen, schon erscheinen, bevor die Milchzähne alle aus-
gefallen sind, so sieht man nicht selten 40, 50, ja mehr Zähne auf
einmal beisammen.
Ueber Verbreitung und Lebensweise der Handflügler auf
den Inseln des indischen Archipels hat Sal. Müller in den
Kerhandelingen ausführliche Aufschlüsse gegeben.
Von Java zählt er 37 Arten auf, von Sumatra 84, von Borneo 10,
von Celebes 5, von Amboina 14, von Banda6, von Timor 13. Die mei-
sten Arten gehören zu Vespertilio^ uächstdem zu Rhinolophus, dann
zu Pteropus.
25
Horsfield beschrieb (Vroceed. VIL p. 148) einen neuen
Fiederhund aus Assam als Vier opus assamensis:
„Pt. capite antice toto ex saturato rufescente fusco, postice zona
pallidiore in aiireum vergente cincto; collo oinai, nucha, interscapu-
lio, pectore abdoniineque e xerampelioo aureis, plaga laterali satura-
tiore; vellere in his elongato siiblaniiginoso^ notaeo e saturato fusco
nigricante pilis albis comniisto; patagio nigro; aiiriculis eloDgatis
acuminatis; axillis humerisque lanugine fusco vestitis."
XIX« Mapacia,
Eine Ordnung, die jedes Jahr einen beträchtlichen Zu-
wachs erhält.
a) Insectivora.
Diese Unterordnung hat Ref. in der zweiten Abtheilung
des Supplementbandes zu Seh reber 's Säugethieren bereits
bearbeitet.
Edm. de Selys - Longchamps hat in seinen Etudes
de Micromammalogie, Paris 1839, eine sorgfauig gearbeitete
und von guter Literaturkenntniss zeugende Revue des Mu-
saraignes d'Europe geliefert. Seine Arten sind: 1) Sovex
tetragonurus, 2) iS*. pygmaeus, 3) S. alpinus, 4) Crosso-
pus fodiens^ 5) C, ciliatus Sow.y 6) Crocidura etrusca,
7) C aranea, 8) C. leucodon.
Jenyns, der sich seit geraumer Zeit mit dem Studium
der Spitzmäuse befasst, gab Notizen über britische und deut-
sche Arten und fügte jenen einen Sorex castaneus, diesen
einen S. lahiosus bei {Ann. of nat. hist. IL p. 43 u. 323.).
— Gray stellte (ebenda S. 287.) einen Amphisorex Pen-
nantii und Linneanus auf, die indess beide zu Sorex fo-
diens gehören.
A. Smith gab von Bonnetts Erinaceus frontalis eine
Abbildung mit einer ausführlichen Beschreibung (Jllustr. of
the Zool. of South Afr, n, 2.). Derselbe lieferte eine Mo-
nographie der südafrikanisclien Macroscelides^ von denen er
5 Arten unterscheidet (a. a. O. N. VI.). In M. Wagner's
Reisen in Algier, 1840, 3tem Theile ist eine ausführliche Be-
26
Schreibung des Macroscelides Mozeti, von dem Verf., R. Wag-
ner und dem Ref. verfasst, enthalten; ich habe daselbst auf
das Vorkommen einer Schwanzdriise, der des Wüchuchols ent-
sprechend, aufrAerksam gemacht.
Eine neue Chrysochloris villosa publizirte A. Smith
(a. a. O. N. V.> Er unterscheidet überhaupt 4 Arten: Chr.
auraia, damarensis, Hottentotta und villosa, leider sind aber
Chr. damarensis und Hottentotta so ungenügend charakteri-
sirt, dass man sie nicht mit Sicherheit erkennen kann, auch
hat Smith es übersehen, dass schon früher von Lichten-
stein eine Chr. holosericea beschrieben wurde.
r
In Treviranus Beobacht. aus der Zootom. u. Physio-
log. I. S. 120. Tab. 17 — 19 findet sich eine gute Beschreibung
der männlichen Geschlechtstheile des Igels mit schönen Ab-
bildungen, und eine andere (Tab. 19. Fig. 113.) von _den weib-
lichen Zeugungstheilen des Maulwurfs,
Indem Ref. auf seine Monographie der Insektivoren ver-
weist, kann er, wie bei den vorigen Ordnungen, es unterlas-
sen, auf das von seinen Vorgängern gelieferte und von ihm
bereits benutzte Detail näher einzugehen, wie er auch seine
eignen Leistungen nicht weiter auseinandersetzen will, um
Raum zu gewinnen für den Bericht über die seü dem Druck
jener Monographie erschienenen Arbeiten.
Zuerst muss er hier anführen das 6te Heft von Blain-
ville's Osteographie (1841), das ganz den Insektivoren ge-
widmet ist. /
In ganzen Skeleten ist Talpa europaea^ Rhinaster cristatus,
Myogale pyrenaica , Sorex myosuros, Macroscelides Ro%eti, Cladoba-
tes ferrngineus, Centetes ecaudatus dargestellt; von Schädelabbildun-
gen sind besonders wichtig die von Scalops, Rhinaster , Gymnurus
Rafßesii vlhA Ericiilus spinosus; von allen Gattungen, mit Ausnahme
von EchinopSj ist das Gebiss abgebildet. Blainville giebt für Sca-
lops dieselbe Zahl von Zähnen, nämlich 36, an, wie Ref. und Fr. Cu-
vier, während Richards ou 44 aufzählt, was vielleicht von einem
Exemplare herrühren mag, das zu seinem Milchgebiss bereits von
den bleibenden Zähnen einen Theil bekommen hatte. Yon Rhinaster
zählt Blainville 4 Zähne mehr als Desraarest, indem er oben
gleich hinter dem ersten Schneidezahn und unten hinter den beiden
ersten ein winziges Zähnchen entdeckte. In der Deutung der Zähne
weichen w ir sehr auseinander. An den Abbildungen des Maulwurfs-
Schädels vermisse ich das Rüsselknöchelchen.
27
Von Martin 's neuer Gattung Echinops (schon charak-
terisirt im Archiv V. 2. S. 421.) erschien seitdem <fie Abbil-
dung und genauere Beschreilmng in den Transact. qf the
Zool soc. IIA. p. 249. Tah.AQ.
Das Gebiss ordoet Martin jelzt richtiger so an: Schneidezähne |^
Eckzähne \'\, Lückenzäline |^-^^ ächte Backenzähne ^-. Da übri-
gens der Name EcJiinops schon längst an eine Pflanzengattung ver-
geben ist, hat Ref. ihn in Echinogale umgewandelt.
Is. Geoffroy (Guerin mag.' de Zoolog. 1839. 1 Z/vr.)
hat eine Monographie der Borstenigel entworfen, aus welcher
evident hervorgeht, dass Centetes im^ Eviculus generisch ge-
schieden werden müssen : er charakterisirt sie folgendermassen :
Centetes: Körper unten mit Haaren, oben mit Stacheln bedeckt,
dazwischen starre Borsten, den üebergang der Haare zu den Sta-
cheln vermittelnd. Beine kurz, 5 zehig, mit verlängerten robusten
Nägeln. Kein Schwanz. Kopf udgeraein gestreckt. Backenzähne je-
derseits 6, oben wie unten, wovon der vorderste ein Lückenzahn
ist. Ein sehr langer Eckzahn oben und unten. Untere Schneide-
zähne 6, oben anfangs ebenso viel, später 4, wdnn die Entwicklung
des unteyn Eckzahns das Ausfallen des hintern veranlasst.
Ericulus: Korper unten mit Haaren, oben mit starren Stacheln
bedeckt, ohne Mittelform. Beine kurz, özehig, mit robusten, ziem-
lich verlängerten, etwas zusammengedrückten Nägeln. Ein sehr kur-
zer Schwanz. Kopf gestreckt. Backenzähne jederseits, oben wie
unten, 6, wovon der erste ein Lückenzahn. In jedem Kiefer ein
kurzer Eckzahn, vom Lückenzahn weoig verschieden. Schneidezähne 4^.
Zu Centetes zählt Is. Geoffroy 3 Arten: C. setosus Desm. (C.
ecaudatus), C. semispinosiis Cuv. und als neue Art C. armatus mit.
der Diagnose: „Fell schwärzlichgrau, mit weiss sehr gesprenkelt,
auf dem Halse, Rücken, Schultern und Lenden aus sehr starren Sta-
cheln, auf der Kruppe aus feinen und halb biegsamen Stacheln, unten
aus gewöhnlichen Haaren bestehend." — Ericulus besteht nach ihm
aus 8 Arten, wovon der E. spinosus lediglich auf dem Buffon'schen
Exemplare beruht, während der Verf. seinen E. nigresccns aus meh-
reren kennt. Nach des Ref. Bedünken möchten beide wohl nur eine
Art ausmachen.
• Dass E. Rousseau das Milchgebiss des Maulwurfs ent-
deckte, ist schon früher bemerklich gemacht worden. In der
Zoology of Beechcfs voyage, 1839, führte Richardson
3 Insektenfresser auf, die nordwärts von Nord-Californien ge-
funden wurden: Sorex parvits Say {S. RichardsonUBachm.')
an den Küsten der Behriugsstrasse, Scalops canadensis und
Condylura macrura, beide vom Columbia -Flusse. Richard-
28
soll bemerkt hierbei, dass Bach mann jetzt 3 Arten von Sca-
lops nach dem Gebisse unterscheide.
Einige Bemerkungen über die Lebensweise der Wasser-
spitzmaus theilte Clarke mit im Mag. of nat. Jiist. 1840.
p. 149.
Sal. Müller bereicherte die Insektivoron mit einer neuen
Gattung (jrerhandelingen L p. 50.) und einigen Arten.
Die Gattung nennnt er Hylomys; sie bildet den Uebergang von
den Tupajen zu den Spitzmäusen^ jedoch ersteren näher stehend.
Der Schädel ist oben flacher als bei den Tupajen, nach vorne fast
geradlinig und auch hinten nur wenig abschüssig. Die Augenhöhlen
sind nicht, wie bei diesen, rundum geschlossen, sondern hinten ganz
offen. Die Jochbeine haben in der Mitte eine kleine Spalte. Schnei-
dezähne -§^ Backenzähne |^ in Allem 44 Zähne. Die zwei mittlem
Schneidezähne sind etwas stärker als die andern, die obern ausein-
andergerückt. Die 4 vordersten Backenzähne sind Lückenzähne, von
denen der erste etwas grösser ist als die andern, die sehr klein
sind.— Müller kennt nur 1 Art, der er den Namen H.Suillus giebt.
Schwanz und die stark abgerundeten Ohren sind fast kahl. Auf der
Oberseite sind die Haare an der Wurzel grau^ in der Mitte gelblich-
roth, an der Spitze schwarz, woraus eine dunkel gelblichbraune,
in's Rothbraune spielende Farbe entsteht. Der Unterleib ist lichter
gelblich graubraun. Oben mengen sich viele lange schwarze Haare
ein. Ganze Länge 0,148, wovon der Schwanz 0,012 beträgt. Auf
Java und Sumatra.
Die beiden neuen Arten sind Hylogale {Cladobates) murina und
Sorex tenuis. Die Hylogale murina ist nur so gross wie eine Haus-
maus. Der Schwanz ist rund, mit kurzen Haaren besetzt, die nur
gegen die Spitze länger werden. Der Oberleib ist gelblich grau-
braun, was hinten und auf dem Schwänze in's Braunrothe übergeht.
Die Unterseite des Leibes ist gelblich, des Schwanzes gelbroth. Von
fiorneo. — Der So7'ex tenuis ist von Timor, etwas kleiner als S. Jo-
diens, Körper 0,07, Schwanz 0,057; Färbe oben graulichbraun, unten
braungrau; Schwanz mit kurzen, glatt anliegenden, nur hinten län-
gern Haaren.
Ueber die fossilen Insektivoren ist Blainville (a. a. O.)
zu vergleichen; merkwürdig ist es, dass Lund in Brasilien,
woselbst keine Insektenfresser leben, auch unter den antedi-
luvianischen Ueberresten ihre Spuren nicht aufgefunden hat.
J) Carnivora.
Waterhouse publizirte eine neue Eintheilnng der Fleisch-
fresser, Procecd. VII. p. 135, die er unter 6 Familien bringt.
29
1) Canidae: Schnautzc gestreckt, der knöcherne Gaumen in einer
Linie mit dem Hinterrande der hinteren Zähne oder selbst im Vor-
spränge von dieser Linie geendigt; Höckerzähne |^ Canis, Fennecus^
Lycaon und Megalotis. 2) Viverridae: mit derselben Schädelform,
aber die hintere Portion ist mehr vorspringend, der knöcherne Gau-
men ist weiter rückwärts geführt, Höckerzähne j. Als anomale Form
reiht er die Hyäne an. 3) Felidae. 4) Mustelidae: mit kurzer und
stumpfer Schnautze, wie die Katzen, doch ist der Schädel gestreck-
ter; Höckerzähne ^. Mustela, Zorilla, Gallctis^ Mellivora, Ursi-
taxiis, Helictis, Gulo, Lutra, Mephltis , Meles, Arctonyx, Mydaus.
5) Ursidae: Höckerzähne |, der Ueisszahn von anderer Funktion
als bei den übrigen Carnivoren,; der Gaumen beträchtlich lang. Ur-
suSj Nasua^ Vrocyon^ Cercoleptes , Arctictis und Ailurus. ^) Phocidae.
A. §rai,th hat im 2ten Hefte seiner Illustrat. Herpestes
hadius, und im 7ten Cynictis Ogilhyi und leptura abgebil-
det. — Von seltener Schönheit sind die Abbildungen in Dar-
win's Zoology of the voyage of Beagle, nämlich Canis
antarcticus, magellanicus, fulvipes und Azarae, Felis Ta-
guarundi und Pajeros, Diese sind auch beschrieben j ausser-
dem noch F. domestica, Galictis vittata, Lutra platensis
und chilensis.
Van der Hoeven in seinen Annotationes de quihus-
dam Mammalium generihus (^Nov. act. Acad. nat. cur.
Bonn. X. IX. 1. p. 171.) behauptet, dass zwischen Nasua und
Procyon kein generischer Unterschied dürfe festgehalten wer-
den; eine Behauptung, welche schon durch die prächtigen Ab-
bildungen des Schädels und Gebisses beider Thiere (Tab. 20.)
hinlänglich widerlegt werden möchte.
Bell, der schon früher von Galictis vittata die G. Al-
lamandi abgetrennt hatte, giebt nun von beiden schöne Ab-
bildungen und ausführlichere Beschreibungen in den Transact.
of the Zool. soc. IL 3. p. 201.
Von der Viverra indlca, die übrigens mit V. Rasse und pallida
identisch ist, erschien in der Voy. sur la Favorite. Zoolog, p. 10. Tab. 6'.
eine Abbildung, zugleich auch eine Notiz über Viverra Zibetha.
Beobachtungen über einen ungewöhnlich zahmen und äusserst
klugen Baummarder theilte K. v. Siemuszowa-Pietruski mit im
Archiv V. 1. S. 251. — Die englischen Zoologen sind uneinig, ob ein
oder 3 Arten Marder auf den britischen Inseln vorkommen. Eyton
(yiww. of nat. Jiist. ?i. 37. p. 390.) verschaffte sich 4 Exemplare, wo-
von ein junges eine hellgelbe Brust, ein grosses eine weisse hatte,
wählend 3 andere das Mittel hielten, indem die Brust nur schwach
30
gelblich tingirt war. Er vermuthet nun, dass das Junge des Stein-
marders für eine besondere Art genommen worden sei und dass der
Edelmarder auf den britischen Inseln nicht existire.
Ho dg so 11 behauptet, dass in Nepal zum wenigsten 7 Ar-
ten von Fischottern sich aufhalten, von welchen er 4 als Lu-
tra „tarayensis, monticolus , indigitatus und auro -hrun-
neus^' kurz charakterisirt (^Ann. of nat. hist, n. 28. p. 27.).
Im 6ten Hefte des Magas. de Zoolog, von Guerin hat
Is. Geoffroy seine .schon früher angekündigten Gattungen
Ichneumia (J. alhicauda und alhescens), Galidia (fi. ele-
gans, concolor und olivaceci) und Galidicüs striata ausführ-
licher beschrieben und in Abbildungen erläutert.
Im Liverpool Zoolog. Gardens begattete sich ein Hyä-
nenpaar; 12 Wochen nachher warf das Weibchen 4 Junge, die
9 Tage blind waren (Ann. of nat. hist. II. p. 236.).
Nach einem verstümmelten Felle kündigte Ogilby (Fro-
ceed. VII. p. 94.) eine neue Katzenart von Sierra Leone an,
"Felis servalina: „supra fulva, maculis nigfis, minutis, copio-
sissimis; subtus albida, cauda brevissima."
Aus den Bergen von Simen beschrieb Rüpp eil (abyss.Wir-
belth. S. 39. Tab. 14.) einen wolfsartigen Hund, Canis simensis.
lieber die bisher aufgeführten Fleischfresser hat sich Ref.
kurz gefasst, da das Ausführlichere hierüber in seiner Mono-
graphie der Carnivoren, an deren letzten Bogen gedruckt wird,
zu finden ist. Seit Abschluss derselben ist er noch auf Fol-
gendes aufmerksam geworden.
Richardson's Verzeichniss von den an der Nordwest-
küste Amerika's (nordwärts von Nordkalifornien an bis zum
Ende des Kontinents) vorkommenden Säugthieren zählt fol-
gende Fleischfresser aiif (^Zoology of Beecheys voyage):
1) Ursus americanus, 2) U. Arctos americanus, von dem es Ref.
unentschieden lässt, ob er als Lokal - Varietät oder als eigne Art
anzusehen sei, 3) Z7. ferox, 4) U. maritinuSy 5) Procyon Lotor,
6) Meles labradoria^ 7) Gulo luscus, 8) Mmstela vulgaris, 9) M. Err
mrnea, 10) M. Vison, 11) M. Hartes, 12) M. canadensis^ 13) Mephitis
am^ricana^ 14) Lutra canadensis^ 15) Eithydris marina^ 16) Canis
LiUpus var. grisea vonNootka und var. fusca von Kalifornien und
dem Kolumbia, 17) C. latrans, 18) C. o ehr opus , 19) C. familiaris,
20) C. lagopus, 21) C. fulvus, 22) C. Vulpes, der nicht vom gem.
europ. Fuchs unterschieden werden kann und sicherlich mit dem
common red fox von Lewis undCIarke übereinkommt, 2Z)C.cine-
31
reo - arg-e?tteus ; 2i) Felis concolor, 2^^ F. Onca, 2Q) F, fasciatay
27) F. rufa?; 28) Fhoca vitulina, 29) Vh. groenlandica, Z*S)Ph,bar.
lata, 31) Ph. lubata, 32) Fh. ursina, 33) Ph. fasdata\ 34) Triche-
chus Rosniarus.
Später (S. 9) schickt Richardson berichtigende Bemerkungen
nach. So erklärt er die amerikanische Mustela vulgaris jetzt als
eigne Art, wie der Prinz von Musignano, der sie Putorius Cico-
gnanii nannte und von der europäischen hauptsächlich durch die
schwarze Schwanzspitze unterscheidet. Mustela Erminea nennt jetzt
Ref. in Üebereinstimmnng mit dem Prinzen Putorius Richardsonii
und letzterer sieht das auf S. 47 der Fauna Boreali -Americana be-
schriebene Exemplar für eine dritte Art an, der er den Namen Puto^
rius longicauda giebt. Der Schädel der amerikanischen iWwj^ß/« J/ar-
tes soll nach Yarrell sehr raarkirte Differenzen von den englischen
Mardern zeigen; der Wiuterpelz ist der ^^SahW^ der Sommerpelz
ist Fr. Cuvier's M. Huro^ welchen Namen Ref. vorschlägt. — Caww
latrans und ochropus sieht er jetzt für geringe Lokalvarietäten von
einander an. Felis Onca, nur von Lewis und Clarke am Colum-
bia gesehen, wird jetzt hinsichtlich der richtigen Bestimmung bezwei-
felt. Die Lutra lataxina unterscheidet er von L. canadensis.
Sal. Müller zälilt in den V erhandeUngen anf Java
13 Arten Fleischfresser, auf Sumatra 19, auf Borneo 13, auf
Celabes und Amboina 1 {Viverra Zibetha), auf Timor 2 Arten.
Neu sind Felis megalotis und Paradoxurus le^ucomystax und tri-
virgatus. Lutra leptonyx und L, Simmig werden als 2 Arten nach-
gewiesen; der schon früher beschriebene Potamophilus barbatus ist
in einer schönen Abbildung vorgeführt, üeber die Verbreitung und
Lebensweise der Fleischfresser des indischen Archipels sind wichtige
Aufschlüsse gegeben.
.Blainvüle ist in seiner OsteograpJiie bis zur Darstel-
lung der allgenueioen Verhältnisse der Fleischfresser vorge-
rückt. Er theilt sie in 8 Familien der Linneischen Gattun-
gen: 1) Robben (Phoca Lmn.\ 2) Bären (G-, ursus\ 3) Pe^
tits-Ours {G. Suhursus), wozu er zählt: Ailurus, Procyon,
Nasua, Cercoleptes, Arclictis, Arctonyx und Meles, 4) Mu-
stela Linn., ^^Viverra Linn., Q) Felis Linn.y 7) Cariis
Linn. nebst Proteles, 8) Hyaeria.
Gebier berichtete im Bullet, scientif. publie par l'Acad,
des sc. de Petersh VI. p. 292 über das Vorkommen des
Tigers im westlichen Theile des Altai's, wo er mitunter als
Gast erscheint.
Im Lauf von 30 Jahren sind ihm fünf Beispiele im Koly wanowos-
kressenskischen Hüttenwerke vorgekommen. Der letzte Fall ereig-
32
nete sich 50 Werst südlich von der Kreisstadt Bijsk, wo im Okto-
ber 1839 ein grosser Tiger erlegt wurde, nachdem er einige Hunde
zerrissen, sich auf einen Jäger gestürzt und ihn stark verwundet
hatte. Sein Gewicht betrug 8 Pud 10 Pfund. Die Länge von der
Nase bis zum Schwanzende 3| Arschin, ohne Schwanz 2h Arschin,
die Höhe vom Hinterfuss bis zum Kreuz l.J Arschin, der Umfang
des Leibes 1 Arschin 10 Werschok
Jardine, the Natur alists Library, hat im 9ten u. lOten
Bändchen die Dogs geliefert, worüber erst im nächsten Jah-
resberichte referirt werden kann.
Unter den antediluvianischen Fleischfressern macht Ref.
zuletzt noch auf den merkwürdigen Hyaenodon {Ann. des
sc. nat. 2. ser. XI. p, 27. Tah. 2; XII. p. 379) und die Mu-
stela plesictis (Guerin, mag. de Zool. 1839. Livr.'T) auf-
merksam. Eine ausführliche Schilderung der urweltlichen
Fleischfresser werden wir demnächst, in Blainville's Osteo-
graphie erhalten, weshalb wir unser Referat auf den näch-
sten Bericht verschieben.
c) J? innip edia.
Das neueste Heft von Blainville's OsteograpJiie mit
der 7ten Lieferung vom Atlas ist der Osteologie der Flössen-
füsser gewidmet. Von Trichechus Rosmarus, Phoca vitu-
lina und juhata ist das ganze Skelet abgebildet.
„Zur Naturgeschichte ^ev Phoca communis" gab Kutorga einige
^ute Beiträge, nach 3 Individuen, die in der Neva gefangen worden
waren. Das eine bezeichnet er als Var. octonotata, das andere als
Var. undulata. Sowohl die Tliiere, als einzelne Theile derselben,
wie Vordertheil der Schnautze, Vorderfüsse und Schädel sind in Ab-
bildungen dargestellt.
Lehrreiche Bemerkungen über den Fang und die Lebensweise
der Seebären, Seelöwen, Seeottern, des Wallrosses und Wallfisches
verdanken wir Wrang eil (in den Beiträgen zurKenntniss des rus-
sischen Reiches von E. v. Baer und Gr. v. Helmersen. Peterb.
1839. 8).
Selby machte in den Ann. of nat hist. VI. p. i(i2 bemerklich,
dass in die von ihm früher als Phoca baibata von den Farn - Inseln
bezeichnete Robbe nicht diese Art, sondern der Halichoerus grisens
Nills. sei; er reiht hieran Bemerkungen über die Lebensweise dieses
Seehundes.
Ueber die au den Küsten Irlands lebenden Robben findet sich in
33
den Tr ansäet, of the Royal Irisli Academy. vol. XVIIl. Jahrg. 1839.
S. 89 eine kurze, mit 6 Tafel u ausgestattete Abhandliing von Robert
Bau. Die von ihm daselbst aufgefundenen Arten sind: Halichoerus
gj'üeus Nilss., Phoca variegata ISitss. und Phoca annellata Nt'lss., de-
ren Verschiedenheit von Ph. groe?ila?idf'ca er nachweist. Üeberdles
vermuthet er als vierte Art die Phoca harhata.
Aus dem Tertiärmergel von Osnabrück beschrieb H. v. Meyer
die Ueberreste einer Robbe unter dem Namen Phoca ambigua (Bei-
träge zur, Petrefakten -Kunde von G. zu Münster. 1840. 3tesHeft).
TF".' Marsupialia,
Schematische Eintheilungen dieser* Ordnung sind sowohl
von Owen (Froceed. VII. p. 5; 7r ansäet ofiheZ.ool.soc,
IL ^. p. 315) als von Ogilby (^Mag, of naU hisU 1839.
p. 130) entworfen worden.
Owen entwirft folgendes Schema:
Sippen. Familien. Gattungen. Untergattungen.
Sarcophaga.
SZahosorten: Eck- ^rri ? •
zähue lang, Magen ^ ., (Thylacinm,
einfach, kdn Blind- I^<^mndae .,.1 Dasyurus
darm. \Phascogale.
Ausgestorbene üe- iPhascolotherium.
bergangsformen. {Thylacotherium, - /
Entomophaga.
3 Zahnsorten, Ma- Jfnbulatort'a.. Myrmecobius.
gen einfach, Blind- « /* , • {Choeropus.
darm massig jang. -^«^^«'orm {Perameles.
Scansoria Didelphys,,...\chi^ fernes.
Carpophaga.
Vordere Schneide- rCuscus.
zahne stark und (Phalangista,..\P^^udochirus.
lang, Eckzähne un- I yTapoa.
beständig, Magen Phalangistidae)
einfach oder mit J rPetaurista.
besonderer Drüse, | Petaurus J Belidia.
Blinddarm sehr lang. ^ \Acrohates,
Poephaga.
Vordere Schneide-
zähne stark und
lang, Eckzähne nur , rr
oben, oder fehlend, Macropodidae m^^Pfymmis,
Magen zusammen- (Macropus.
gesetzt, Blinddarm
lang.
Archiv f. Nalurgesch. VII. Jahrg. 2.Bd. o
34
Sippen. Familien. Gattungen. Untergattungen.
RJiixophaga.
2 meiself. Schneide-
zähne oben unten,
l^gL ^'11^ Pka^o..yi- Ynascolonry,.
Drüse, Blinddarm ^^«^- {Diprotodon Fossil.
kurz, weit, mit ei-
nem Wurmfortsatz.
Ogilby ordnet nach folgendem Schema:
r Macropidae iMacropns,
/. Saltigrada \and macropoid teeth. (Hypsiprymnus,
with saltigrade extremities. j Perarnelidae iPerameles.
yand didelphoid teeth. \Choeropus.
(Myrmecobius.
IL Digitigrada J P'hascogale.
V)ith digitigrade extremities and didelphoid teeth. \Dasyurus.
\Thylacinus.
iDidelphidae ^Didelphys.
and didelphoid teeth. \ Chironectes.
(Phalansista
Phalangistidae Jpetaurus
and macropoid teeth \pf^^^^^j^:^^f^^^
IV. Plantigrada , .Phascolomys,
with ylantigrade extremities and rodent teeth.
Von diesen beiden Klassifikationen ist offenbar die von Owen,
die naturgemässere, da sie die Gruppen nach der Üebereinstimmung
des äussern und innern Baues, wie der Lebensweise zusammensetzt.
Im Wesentlichen ist dieselbe auch schon von Cuvier und Wieg-
mann (in seinem Handbuche der Zoologie) aufgestellt worden, doch
hat ihr Owen eine festere anatomische Begründung verschafft. Nur
die Namen seiner Sippen sind nicht immer glücklich gewählt, da die
Beutelratten, welche wie Marder und Wiesel würgen, doch nicht
füglich für Insektenfresser erklärt werden könnSn, auch würden die
Carpophaga schlecht auskommen, wenn sie in dem an geniessbaren
Früchten so überaus armen ^'euholland auf die Fruchtnahrung ange-
wiesen wären. — Ogilby's Klassifikation dagegen trifft der Vor-
wurf, dass sie Carnivoren und Herbivoren in den Familien durchein-
ander wirft, lediglich lim ein künstliches System nach einem einzi-
gen Merkmale, den Hinterfüssen, durchzuführen.
Laplace's Voyage autour du monde sur Ja Favo-
rite V, 1839, Zoologie, enthält Recher ches anatom. et
zoolog. sur les mammifer. marsupiaux, par M. Fortune
Eydoux et Laurent, wovon der grössere Theil schon früher
in Guerin's Magasin publizirt wurde.
Waterhouse im Mag, qf naf, hist. 1840. S. 229 be-
35
reicherte die Gattung Phascogale mit einer fünften Art: Pha-
scogale Swainsonii.
Sie ist grösser als Ph. ßavipes oder minima, oben schön dun-
kelbraun, unten dunkelgrau, schwach mit Weiss gesprenkelt, Schnautze
länger und schmächtiger, die Füsse aussen dunkelbraun. Körper 5''
2'", Schwanz 3" 5'". Von Vandiemens-Land.
Die männlicheil Organe von Didelphys virginiana be-
schrieb Treviranus (Beobachtung, aus der Zootonn u, Phy-
siolog. I. S. 109). .
Gray stellte einen neuen Bandikut auf als Perameles
Tuckeri:
„Kopf kurz, konisch; Ohren gross, behaart, der Rücken gleich-
farbig mit schwärzlichem Rande. Pelz weich, braun, mit grauen
Haaren und schwarzen Spitzen gescheckt; Seiten gelbbraun, unten
gelblicbgrau, Grundwolle des Rückens bleifarbig. Schwanz so lang
als der Leib, sich verdünnend, behaart, an der Wurzel dem Körper
gleichfarbig, auf | seiner Länge schwärzlich und mit angedrückten
Haaren." Kopf 2" 3'", Leib 5" 9'", Schwanz -ebensoviel, Hinterfuss
2" 3'". Australien.
Sal. Müller führt in den Verhandelingen unter den
Thieren Neu-Guineas eine 6te Art der Beutelbilche, Thasco-
gcde melas auf, von den er in der Land- en Volkenkunde
n, 1. p. 20 sagt:
„Grösse von Mus rdttus. Einfarbig schwarz; auf dem Rücken
ist die Farbe der kurzen, w"elchen Haare an den Spitzen etwas glän-
zend, unten am Leibe geht sie mehr ins matt Russschwarze über.
Die Unterseite des Scliwänzes, die Pfoten und die kleinen stumpf-
spitzigen Ohren sind dünn mit kurzen Haaren besetzt Die Augen
sind braun."
Derselbe (a. a. O.) erwähnt zweier „Kängurus" von Neu-
guinea, welche sich durch eine auffallende Eigenthümlichkeit
von allen andern unterscheiden; indem sie auf Bäumen leben,
weshalb er aus ihnen die Gattung Bendrolagüs bildet:
„Beide haben dieselbe Grösse, die ein wenig unter ^der der er-
wachsenen Arctictis penicülata bleibt, mit welchem fleischfressenden
Thiere sie übrigens, bei oberflächlicher Ansicht, sowohl der Gestalt
als dem schwarzen Pelze nach viele Uebereinstimmung zeigen. Die
erste Art, von mir Dendrolagus ursinus genannt, ist fast ganz
schwar>5, nur die Schnautze und Kehle hat eine lichtere gelblich-
braune Farbe, und der Grund des Schwanzes oberhalb einen fahl
rothbraunen Ton. Der ganze Körper, zumal an der Oberseite und
an der Aussenseite der Beine, sowie der lange Schwanz, sind mit
ziemlich langen und rauhen Haaren bekleidet. Eigen ist die strahl-
st .
36
förmige Haarrichtung, welche man über den Schultern bemerkt und
das kurze wollige Haar, womit der Kopf, von den Ohren an nach
vorn zu, bedeckt ist. — Die 2te Art, Dendrolagus inustiis hat einen
graulichen Pelz, durch eine Mengung von gelblichen, schwarzen und
grauen Farben hervorgebracht, welche letztere besonders den Spitzen
der langen Stichelhaare eigen ist und dem Thier ein Ansehen giebt,
als ob es versengt wäre." — Da über die Gestalt dieser räthsel-
haften Gattung nichts gesagt ist, lässt sie sich auch zur Zeit noch
nicht ins System einreihen.
Dass die fossilen Kiefer von Stonesfield, welche theils
durch ihr geognostisches Vorkommen, theijs durch die über
ihre Deutung entstandenen Controversen, eine ganz besondere
Wichtigkeit erlangt haben, wirklich von ßeutelthieren herrüh-
ren, hat Owen, wie mir scheint, bis zur Evidenz erwiesen.
Aus diesen Fragmenten sind nun die zwei Gattungen Thyla-
coiherium undPhascolothej^ium errichtet (Vgl. Ami. of nat.
hist, in. p, 61 11. 204).
An demselben Fundort (Kysson in Suffolk) ist ein fos-
siler Lückenzahn zum Vorschein gekommen, der jedenfalls
einem Säugthier iitfd höchst wahrscheinlich einer mit der Gat-
tung Didelphys verwandten Art angehörte (Vgl. Charles-
worth mag. of nat. hist. 1839. p. 448, und Owen, Ann.
of nat. hist IV. p. 192).
Von den brasilischen Ueberresten antediluvianischer Beu-
telthiere weist Lund 7 Arten (?) der Gattung Didelphys und
eine dem Thylacotherium zu.
V* Modentia*
Von Waterhouse ist im Mag. of nat. hist. 1839. p. 90
eine neue Eintheilung der Nager publizirt worden, wobei er
als Eintheilungsgrund die BeschaflFenheit des Unterkiefers wählte
und hiernach 3 grosse Abtheilungen, Marina, Hystricina
und Leporina, begründete. Von dieser Eintheilung der
Nager ist es zwar zu rühmen, dass Waterhouse sie auf
bessere Grundlage als seine Vorgänger gestützt hat, gleich-
wohl scheint es Ref., dass nicht alle Familien in ihren ge-
hörigen Grenzen umschrieben, auch einige unterdrückt sind,
deren Restitution nothwendig sein möchte. Er hat daher
sich in einer neuen Gruppirung der Nager- Gattungen ver-
sucht (Münchner gel. Anzeigen 1841. S. 401), wobei er, wie
37
es eiue natürliche Anordnung erfordert, auf alle hervorstechen-
den Merkmale Rücksicht nahm. Auf solche Weise haben sich
ihm die Nager unter 12 Familien vertheilt: Pedimajia, Sein-
rina, Myoxina, Macropoda, C/iinchillina, Psmmnoryctina,
Cunicularia, Marina, Castorina, Hystricina, Suhwigulaia
und DupUcidentata. Die nähere Erörterung dieser Familien
kann Ref. 'umgehen, als seine Abhandlung auch in diese Blät-
ter aufgenommen worden ist.
Die geographische Verbreitung der Nager stellte Water-
house in einer Tabelle recht anschaulich AsiV (Froceed.VlL
p. 172).
In den schon öfter angeführten Verhandelingen hat Sal.
Müller die geographische Verbreitung der auf den Inseln
des indischen Archipels einheimischen Nager mit grosser Ge-
nauigkeit erörtert und schätzbare Bemerkungen über ihre Le-
bensweise, so wie über die Feststellung mancher Arten beige-
fügt. Von Java zählt er 16 Arten auf, von Borneo 10, von
Sumatra 13; auf Amboina, Banda, Timor und Celebes hat er
keine andere Art als Mus decumanus gefunden.
Von der grossen Menge Mäuse, welche Darwin in der
südlichen Hälfte Südamerika's entdeckte, ist schon die Rede
gewesen. Noch reicher ist aber die Anzahl der Nager, welche
Richardson in Beechey's Reise (S. 6 und 12*) aus dem
nordwestlichen Theil von Nordamerika aufzählt.
Quatrefages, Considerations sur les car acter es zoo-
logiques des Rongeurs et sur leiir dentition en particulier,
Paris 1840. 4.
Der Verf. entwickelt viele interessante Beziehungen der Nager
zu andern Säugthier - Ordnungen , auch zu den Vögeln; seine An-
sicht jedoch, dass die vordem Zähne derselben, weil sie durch den
Zwischenkiefer hindurch in den Oberkiefer reichen, nicht Schneide-
. zahne, sondern Eckzähne seien, wird sich gewiss keiner grossen
Anerkennung zu erfreuen haben, so wenig als seine Einreihung der
Spitzmäuse unter die Nager. Es ist zu verwundern, wie der Verf. einer
solchen Ansicht ziigethan bleiben konnte, nachdem er selbst gefunden
hatte, dass bei den Hasen die obern Vorderzähne ganz im Zwischen-
kiefer eingelagert, mithin diese unbestreitbar ächte Schneidezähne
sind; da sie aber in der Form ihrer Kronen mit vielen andern Na-
gern übereinkommen, während die Vorderzähne in dieser Ordnung
nicht die mindeste Aehnlichkeit mit Eckzähnen zeigen, so kann man
des Verf. Ansicht als ein Paradoxon auf sich beruhen lassen. Sein
^
38 '
Verzeichniss der fossilen Nager -Arten nimmt besondere Rücksicht
auf die in neuster Zeit in Frankreich gefundenen, worüber genauere
Bestimmungen von Blainville zu erwarten sind, der über die fos-
silen Nagern aus der Auvergne bereits einen kurzen Bericht abstat-
tete (^Institut. 1840. n. 338).
d) Pedimana.
Blainville liess \o\n Cliiromys, den er wie S'chreber
zu den Halbaffen rechnet, die v.om Knochengerüste im pariser
Museum vorfindlichen Theile: Schädel, Knochen des Vorder-
arms mit der Hand und mehrere Knochen der Fusswurzel
abbilden, und fügte eine sehr detaillirte Beschreibung auch des
äussern Baues ^)ei (OsteograpJüe, fasc. 3. tcib. 5).
Auf dasselbe Material wie Blainville gestützt, hatte bekannt-
lich Cuvier den Chiromys für einen Nager erklärt. Diese Verschie-
denheit der Deutung ist nur möglich', weil diese Gattung eine ent-
schiedene Mittelform zwischen Halbaffen und Nagern ausmacht, in
der Schüdelform und Bildung der Extremitäten mit jenen, im Gebiss
mit diesen übereinstimmend.
li) Sciuvina.
Von unserem gemeinen Eichhorn unterschied Bonaparte
in Aqv Fauna iialica(fascicolo 2%^ das italienische unter dem
Namen Sciurns italicus als eigne Art:
„Sciurus fuliginosus, pedibus concoloribus, sublus abrupte albus,
auriculis penicillatis, dentibus primöribus aurantiis." — Ref. möchte
der Meinung von Schinz (europ. Faun. I. S. 75) beitreten, dass da
dieses italienische Eichhorn nur durch seine etwas braunere Farbe,
wie sie auch unter unsern Eichhörnchen öfters vorkommt, sich aus-
zeichnet, es für kefne eigne Art anzusehen wäre.
B a c h m an n 's Beschreibung der nordamerikanischen Eich-
hörnchen (schon erwähnt im Archiv 1839. 2. S. 419) ist nun
im Mag, of nat. hist. 1839. p. 113 in ausführlicher Mitthei-
lung erschienen. Unter den 17 Arten, die man hier aufgeführt
findet, ist auch der von Richardson aufgestellte Sciurus
Colliaei {Zoolog, of Beechefs voy. p.S. tob. 1) mit ein-,
begriffen.
Ausser den im vorigen Jahresbericht schon citirten Sciu-
rus ephippium \m^ exilis, stellte Sal. Müller eine 3te Art
in den Verhandelingen S. 55 auf:
Sciurus modestus, nicht ganz von der Grösse des Sc, Plantam)
39
mit dem er in der Färbung ziemlich übereinkommt, jedoch fehlt ihm
der lichte Seitenstreif. In Gebirgswaldyngen von Sumatra und Bor-
neo. — Eine 4te Art nennt Müller Sciurus laticaudatus (Ver/iajid.
/y. 34), die den Sc. insignis an Grösse und Habitus sehr ähnlich ist,
auch oben eine ähnliche Färbung hat, worauf sich jedoch keine Kücken-
streifen finden. Von Borneo.
Ein Eichhorn von der Westküste SüdameHka's nannte
Ogilby Sciurus variegatoides:
„Supra fulvo nigroque variegatusj subtus helvolus; cauda longa,
cylindiica, floccosa, canescente; auriculis imberbibus, subrufis, ni-
gro-ma^ginatis.'' (Proceed. VII. p. 117). — Ebenda lieschrieb Wa-
terhouse seinen Sciurus philippinensis: „supra intense fuscus, pilia
nigri-rufescenti-flavo a,nnulatis, subtus cinerescenti- albus, capite
et anticis pedibus cinerescentibus; auribus parvulis, cauda mediocri."
%\"; von Mindanado. In demselben Bande S. 158 charakterisirteHors-
field den Sc. Mc Clellandü von Assara und Bengalen, der nur i\"
lang ist. — Ein wahrscheinlich südamerikanisches Eichhorn nannte
Waterhouse {^Ann. of nat. hüt.V. p. 304) Sciurus dimidiatus: „su-
pra griseus fulvo - lavatus , subtus flavus; capite, corpore ad latera
pedibusque rufescentibus; cauda fere corporis longitudinera aequante,
induta pilis nigris, flavis atque fulvis commixtis." 10" lang. Schwanz 1\".
A. Sraith beschrieb seinen Sciurus Cepapi:
„Supra ochreus, bruneo-nigro leviter marmoratusT; corporis la-
teribus pedibusque ochreis; labio superiore, stria superciliari, corpo-
risque partibus inferioribus albis, ventre flavotincto; cauda disticha,
ochrea, bruneo-nigro variegata; auriculis brevibus, apicibus obtusis,
margine externo versus apicem emarginato; oculisbruneis." 7|"lang.
Südafrika. — Gleichfalls afrikanisch ist der in Rüppell's abyssin.
Wirbelthieren (Si 38. Tab. 13) beschriebene Sciurus multicolor.- „ca-
pite supra, dorso, cauda lateribusque corporis pilis rubiginosis, annu-
lis umbrino-fuscis apicibusque albidis partim variegatis; lateribus
capitis, rhinario, metatarsis et basi caudae subtus rubiginosis, gula
et ventre isabeliinis, annulo orbital! et parte mediana gastraei ex flavo
albicante." Gerade Länge 8^", Schweifrübe 9" 10'". Von Abyssinien.
Den Flughörnchen wurden 2 Arten zugefügt:
' 1) Pteromys elegans von S. Müller (Verhaiid. />. 35 u. 56), von
dem man als Diagnose geben könnte: Pt. supra nigro-griseoque mar-
inoratus, subtus e lutescente rufus, cauda tereti fuliginoso- nigra.
0,324 M. lang, Schwanz 0,406. Von Java. — 8) Pteromys aurantia-
cus vom Ref. (Münchner gel. Anzeigen 1841. S. 438): „Pt. supra au^
rantio-fulvus, subtus albidus, sparsim ochraceo - lavatus: patagio
prope carpum in angulum acuminatum excurrente; cauda plana di-
sticha, castanea." 5" 3"', Schwanz i" i'". Von der Insel Banka.
Einen Spermophilus rufescens stellten Keyserling und
Blasius auf:
40
„Kopfseiten von der Schnautze bis hinter die Ohren und über
die Augen rostroth, mit einfarbigen Haaren wie Brust und Bein; ein
rothbrauner Fleck über und unter jedem Auge und unter dem Ohr.
Von der Schnautze an über die Mitte des Kopfes eine braungraue
liängsbinde, aus schwarz und rostweisslich geringelten Haaren ge-
bildet. Oberseite des Körpers röthlichbraun mit rostgelblichen Tro-
pfen. Schwanz ohne dunkle Endbinde, die untern Haare einfarbig,
die Obern roströthlich mit gelbweisslicher Spitze, untermischt mit
schwarzbraunen." Im Orenburgischen und Kasan.
c) M y o xina.
Die Reise des Hofraths v. Schubert nach dem Orient
hat eine neue Art Siebenschläfer geliefert, welchen Ref.
(Abh. der Bayer. Akadem. der Wissensch, III. tab. 2 u. 3)
als Myoxiis (Eliomys) melanurus bezeichnete: „M. supra
cano-fuscus, infra albus, auriculis amplissimis; cauda nigra,
basi sordide cana." 4i" lang, Schwanz 3" 4'". Vom Sinai.
d) Macropoda.
Von demselben Reisenden und dem nämlichen Fundorte .
stammt eine Springsmaus her, die zwar mit Dipits hirtipes
und lagopus Verwandt ist, doch aber auch eigenthümliche
Merkmale. zeigt, so dass sie Ref. (a. a. O. Tab. 4. Fig. 2) als
besondere Art ansah und Dipus viacroiarsus. benannte:
„D. minimus, cinereo - flavus, subtus albus, auriculis mediocribus,
pedibus posterioribus longitudine trunci, digitis subtus pilis longissi-
mis, apice brunescentibus vestitis, vibrissis mediocribus." Z\" lang.
Eine zweite Art, von Dr. Fischer an der Westküste Arabiens
entdeckt, beschrieb Ref. (a. a. O. Tab. 4. Fig. 1) als Dipus aulacotis-
„D. cinereo-flavus, subtus albus, auriculis partes duas tertias dapi-'
tis aequanlibus, angustis, intus longitudinaliter scrobiculato - costatis,
metatarso abbreviato." 7" 10'" lang, Schwanz 9" 9"'.
Ob Harlan's Meriones microcepJialus (Froceed. VII.
p. 1) von Meriones {Jacidus) labradorius spezifisch verschie-
den sei, ist zur Zeit nicht erwiesen.
e) C hinc h iU in a.
Lagostomus irichodactylus wurde von Owen (Fro-
VII. p. 175) anatomisch untersucht, woraus hervorgeht,
dass unter den placentalen Säiigthieren keines eine so grosse
öeed.
41
Annälierung an den Typus der weiblichen Geschlechtstlieile
der Beutel thiere zeige als diese Gattung, die überdiess unter
allen Nagern das kleinste Hirn hat.
/) Fsainmoryctina.
Die Gattung Capromys ist von Ramon de la Sagra
genauer beschrieben, und durch mehrere Abbildungen erläutert
worden \llist nat. de Ciiha 1. p. 11). C. Poeyi hält er nicht
für spezifisch verschieden von f. pvehensilis.
Den Lanzenratten fügte Ref. (Abh. der Bayer. Aka-
deni. 111. 1. 1839.) eine neue Art Loncheres ohscura bei,
mit Beschreibung ihres Knochengerüstes und ausführlicher
Darstellung des Gebisses der beiden Untergattungen Nelomys
und Echinomys, — Die ausführliche Monographie der ame-
rikanischen Stachelratten von Is. Geoffroy, welche bisher
nur aus einem Auszuge bekannt waren (vgl. Archiv V. ?..
S.420), ist nun vollständig erschienen (Guerin, magas. de
zoolog. 1840. livrais. 12—14).
A.Smith erläuterte den von ihm schon früher aufgestell-
ten Petromys typicus durch eine ausführlichere Beschreibung
mit Abbildung (lllustrat. of the Zool of South Afr. n, 9).
g^ Cunicularia,
Nordmann machte im Bulletin scienttf, de VAcad. de
Petei'h. V. p. 200 darauf aufmerksam, dass unter Spalax ty-
phlus bisher 2 verschiedene Arten confundirt wurden, die'
nach der Schädelform fast generische Unterschiede zeigen:
1) Spalax Pailasü' Nordm. „bis 12 Zoll lang, gedrungener ge-
baut, Stirn und vorderer Theil des Kopfes weisslich. Vaterland: das
Gouvernement Ekaterinoslaw, das Land der donischen Kosaken, die
Steppen am Fusse des Kaukasus und Grusien." — 2) Spalax typhlus
Auct. (mit Ausschluss einer Menge von Synonymen): „bis 8 Zoll
lang, oben einfarbig grau, rosenroth angeflogen, gestreckter gebaut.
Vaterland: Ungarn, Moldau, Bessarabienj südlicher Theil von Polen,
Neu -Russland bis zum Dnepr." Die letzte Art möchte Sich in den
meisten Sammlungen von Deutschland befinden,
Dass Spalax typhlus (nach der alten Bestimmung) um Erzerum
häutig vorkomme, wird in den Proceed. VII. p. 123 berichtet.
RüppeH's Bathyergus splendens (abyssin. Wirbelth. I.
S. 36. tab. 12), gehört, wie sich Ref. überzeugt hat, nicht
42
zu dieser Gattung, sondern zu Rhkomys (Nyctocleptcs
Temm.').
Bei Erwähnung von Diplosioma lulhwonim setzte Ri-
eh ardson (^e^^c/ze-jV voy. p.9 u. 13*) die Bemerkung hinzu,
dass er die äussern Oeffnungeii der Backentaschen, also die
Existenz der Gattung Diplöstoma bezweifle, seitdem er meh-
rere Exemplare von Mus hursarius (der ein ächter Geomys
mit innen geöffneten Taschen sei) gesehen hätte. Diplöstoma
falle daher mit Geomys zusammen.. Hierbei will Ref. jedoch
beraerklich machen, dass es wirklich nordamerikanische Nager
mit auswärts geöffneten Backentaschen giebt: die Gattung
Ascomys von Lichtenstein.
Eine zweite Gattung mit auswärts geöffneten Backenta-
schen stellte der Prinz von Neuwied (JSov» act. acad. nat.
cur. XIX. 1. p.Sll unter dem Namen Thomomys auf:
„Dantes priraores %r exserti, scälpro cestriformi, pagina antica
laevigati. Pro laniariis diastema. Molares -4_- 4. abnipti, obducti, trito-
res, subcylindrici, coronide plana^ medio depressa; siiperioriim anticus
didymiis. Rostriim subcoiiipressuni, oculi mediocreS; auriculae brevissi-
inac; rotimdatae^ sacculi biiccales externi proftindi, deorsum paten-
tes. Pedes distincti, plantigradi, 5-dactyli; iingiies falculares, nia-
niculorum maximi fossorii, podariorum brevesj cauda mediooris^ pi-
losa." Nach Vergleich mit einem ausgestopften Exemplare von Ascq-
rnys mexicanus findet Ref. zwischen Thomomys und Ascomys keinen
andern Unterschied, als dass bei jenem die Schneidezähne auf der
Vorderseite glatt, bei diesem längsgefurcht sind. Zwar giebt Lich-
tenstein für Ascomys canadensis -| Backenzähne an, allein die Ab-
bildung des Gebisses von A. Quexicaims bei Eydoux {Favorite I. %.
Tab. 9. Fig. 5,6.) weist auch nur -4. Zähne, so dass demnach der hin-
terste im Oberkiefer leicht verloren gehen kann oder vielleicht auch
erst spät hervorbricht.
Die Art heisst Thomomys rufescens: „Obertheile rötblich -grau-
braun, Untertheile weisslichgrau, ebenso der Schwanz, Schneidezähne
gelb, Nügel weisslich." Bewohnt die westlichen Ebenen von Nord-
amerika und ist wahrscheinlich mit Oryctomys Bottae identisch.
//) Mur inn.
Vor Allen ist hier der vortrefflichen Monographie zu ge-
denken, welche Edm. de Sclys- Löngchamps (in seinen
Etudes de Micromainmalogie. Paris 1839) über die europäi-
schen Arten der Gattung Mus und Avvicola publizirte. Wir
43
bedauern, class der Raum nicht erlaubt, auf diese gründliche
Arbeit iq:i Detail einzugchen.
Die Diagnosen der Mäuse, welche auf Darwin 's Reisen
entdeckt wurden, sind schon im vorigen Jahrgange des Ar-
chivs aufgenommen. Die detaillirte Beschreibung der Arten
ist noch nicht vollendet, daher auch die der neuen Gattungen,
in welche Waterhouse sie vertheilen will, noch nicht be-
gonnen. Wahrscheinlich wird schon der nächste Jahresbericht
hierüber referiren können.
Wegen einiger Abweichungen in der Schädel- und Zahn-
form und wegen der Behaarung des Schwanzes und der Ohren
errichtete Waterhouse in der Gattung Mw5 eine Untergat-
tung riiloeomys {Proceed. VII. p. 108) mit der neuen Art:
Mus Cumingi, 19" lang, Schwanz 13". Von der Insel Lu-
zon. Die überlange Definition lautet:
„M. vellere setoso, suberecto, pilis lanuginosis intermixtis; auri-
bus inediocribiis extus pilis longis obsitis; mystacibus crebris efc
perlongis; pedibus permagnis et latis, subtus nudis^ cauda niediocri^
pilis rigidis et longis (ad Murem Rattum ratione habita) crebre ob-
sita; colore nigrescenti^-fusco sordide flavo lavato, subtus pallidiore;
cauda nigrescente; pilis longioribus in capite et dorso nigris."
Ref. wurde durch die vom Hofrath von Schubert aus
dem Orient mitgebrachten Sammlungen in den Stand gesetzt,
die daselbst vorkommenden Mäuse mit Stacheln einer nähern
Bestimmung zu unterwerfen (Abb. der Bayer. Academie der
Wissensch. Bd. III.), woraus sich ergab, dass Cretzsclimar's
Mus dimidiatus und Lichtenstein's Mus megaloüs zu-
sammengehören, und dass am Sinai eine neue Art vorkomme,
die Ref. Mus russatus (Tab. 3. Fig. 2) benannte:
„Mus flavue, pilis nigro - apiculatis, gastraeo sordide albido,
auriculis mediocribus, angustis, albo-pilosis, dorso toto aculeato,
plantis aterrimis." 3" 10'" lang, Schwanz %" 9'".
Im Mag. of iiat. hisf. 1839. p. 605 macht J. Clarke
bemerklich, dass in seiner Gegend Mm^ messorius sehr häufig
war, 1836 aber plötzlich verschwand, so. dass es ihm erst im
Herbste 1839 glückte, sich wieder einige Exemplare zu ver-
schafTen.
Weissenborn erinnerte {Vroceed. VII. ^.59) an die
nackten Flecken, welche sich beim gemeinen Hamster an den
Hüften finden, wobei Waterhouse bemerkte, dass es Drüsen,
44
ähnlich denen der Spitzmäuse, Sein möchten. Von Weiss en-
born findet sich eine ausführliche Naturgeschichte unsers Ham-
sters im Mag. of nat. hist. 1839. p. 473. Eine neue Art von
Aleppo beschreibt Waterhouse {Proceed. VII. p. 57):
,,Cricetus auratus: Cr. aiireo - fuscesceDs, siibtus albidus; pilis
mollissimis; supra ad basin pliirabeis, subtiis ad basin cinereis; auri-
bus mediocribus , rotiindis, cauda brevissima pilis albis obsita.
7^" laDg.
Dass Cricetus accedula um Erzerum sehr gemein ist, findet sich
in den Proceed. VII p. 183 notirt.
V. Siebold spricht bestimmt aus, dass der Hamster in Preussen
nicht vorkomme (Preuss. Provipzialblätter, Januarheft 1840. S. 61).
lieber die Wanderungen und Sitten der Lemrainge er-
schien eine ausführliche Abhandlung von Martins (^Revue
z.ooZo^. 1840. p. 193).
Eine neue Baummaus beschrieb Ref. (Münchner geh An-
zeig. 1841. S. 437) als Dendromys pumilio: „D. fulvus, sub-
tus albus," 2" 8'" lang, Schwanz 3" 8"'. Vom Kap.
E. Gray machte im Mag. of, nat. hist. 183,9. p. 308
bemerklich, dass Lichtenstein's Hapalotis albipes und
Ogilby's Conilurus constructor synonym vyären.
Ref. errichtete in den Münchner gel. Anzeig. 1841. S. 429
zwei neue Gattungen: Rhomhomys und Mystromys, je-
der eine neue Art, jener den Rhomhomys pallidus, <lie-
ser den Mystromys albipes zuweisend. Rhomhomys und
Tsammomys können als Untergattungen in eine Gattung zu-
sammengefasst werden. (Im Archiv mitgetheilt). Ebenda
stellte Ref. eine neue Art der Ohrenmäuse, Euvyotis pallida
auf. — A. Smith erläuterte 3 Arten: E. irrprata Brants,
E. unisulcata Fr. Cuv, und E. Brantsii; letztere von ihm
zuerst unterschieden, mit der Diagnose:
„E. supra pallida isabeliina, nigro - brupeo penicillata; capitis
corporisque lateribus griseo- albis, bruneo penicillatis; infra sordide
alba, subochreo tincta^ pedibus isabellinisj caudae diraidio pröxirao
nasique apice rufis; caudae dimidio ultimo bruneo-rubro; dentibus
incisoribus flavis." 6|" lang, Schwanz 3|".
Zur Berichtigung der Arten der Rennmäuse {Meriones
Jllg., Gerhillus Fr. Cuv.'), von. denen mehrere, wie gleich
der vom Ref. in M. Wagner' s Algier III. S. 35 beschriebene
Meriones rohustus , an Rhomhomys müssen abgegeben wer-
den, hat Smith Qllustr, n, 11) einen Beitrag geliefert, indem
45
er seinen Gcrlillus awicularis für identisch mit Fr. Ca-
vier's G. Irevicaudatus erklärte. Der GerliUus Cuvieri
von Waterhouse (^Ann. of uat. hist. IL p. 467) wird sich
wohl wie der G. indicus bei näherer Untersuchung als ein
Pthoinhomys ausweisen.
Richardson (^Zoolog, of Beechefs voy. p. 7) charak-
terisirte einen Avvicola rubricatus:
„A. supra obscure plumbeus, subtus pallide cinereus, lateribus
miniatis, cauda breviusciila, poUice minimo." Etwas grösser als die
gemeine Hausmaus, gräbt in dem Torfboden an den Küsten derBeh-
ringsstrasse, gleicht in Färbung und Dimensionen dem Arvicola oeco-
nomus und scheint ganz verschieden von jeder andern bisher be-
schriebenen Feldmaijs.
Die schätzbarste Bereicherung zur Kenntniss der sonder-
baren Nager mit auswärts geöffneten Backentaschen verdanken
wir dem Prinzen von Neuwied in Aufstellung seiner Gat-
tung Perognathus iJSov. act. Acad, naU cur. XIX. 1.
p. 368. f fl&. 34). Ihre Merkmale sind:
„Dentes primores |--, superiores scalpro emarginato, pagina an-
tica sulcö longitudinali exarati^ inferiores compressi, scalpro cuneato,
Totundato, pagina antica laeves. Molares ^;^, abrupti, obducti, tri-
torii, superiores a primo ad ultimum gradatim minores. . Rostrum
obtusum, rhinario instructum; labrum sulcatum^ sacculi buccales
externi ampli, deorsum aperti^ auriculae breves, rotundatae. Corpus
pilis nitidis tectura. Pedes distincti, ambulatorii, 5-dactyli; manicula
brevia, halluce parvo uni - articulato, unguiculato: podaria elongata;
plantae denudatae callosae^ ungues falculae breves compressae; cauda
elongata, teres, tenuis, acuminata, squamulis verticillatis, setrs inter-
spersis, vestita."
Die Art heisst: Perognathus fasciatus: ,,?. subtus albus, supra
flavicante - cinereus, striga laterali pallide rufa." Ganze Länge 4'^
^\"', der Schwanz 2" V". Aus Nordamerika.
Von dem Prinzen von Neuwied rühren auch einige genauere'
Aufschlüsse über die Gattung Neotoma her (Reise in das innere
Nordamerika. I. S. 365).
i) Castorina,
Zur Naturgeschichte des Biebers erschienen mehrere Bei-
träge:
Der Prinz von Neuwied gab in seiner Reise in das innere
Nordamerika I. S. 447 über den Bieber und andere Nager interes-
sante Bemerkungen. Der Unterschied zwischen dem amerikanischen
und europäischen Bieber scheint ihm nicht bedeutend zu sein, auch
46
ist die Färbung beider Thiere sich gleich.— lieber das ehemals häu-
figere Vorkommen der Bieber in Lithauen brachte Pusch im Archiv
1840. t. S. 115 einige Belege bei. — Bujack berichtete in den preusF.
Provinzialblättern (Juniheft 1939. S. 554), dass im Jahr 1830 eia Bie-
ber in der Nogat erlegt wurde. Er hält ihn für einen üeberläufer
aus Polen, welcher durch starke Strömung in Folge des Eisganges
unwillkührlich aus der Weichsel in die Nogat getrieben wurde. Dass
aber früher der Bieber in Preussen einheimisch war, geht daraus her-
vor, dass der deutsche Orden ihn sich als Regale vorbehalten hatte.
Später ward seine Jagd freigegeben; 1706 konnte aber .durch könig-
liche Verfügungen seine gänzliche Vertilgung nicht mehr verhütet
werden.
k) Hystricina.
Van der Hoeven wies gegen Brandt nach, dass auch
bei den Stachelschweinen der alten Welt die Backenzähne
Wurzeln bekommen, nur später als bei den amerikanischen
{Nov. acL Acad, nat. cur. XIX, p. 178. tahA9).
l) Suhungulata.
Lund will unter den brasilischen Preas zwei Arten un-
terscheiden : eine grössere schwärzliche , und eine kleinere
röthliche, die auch am Skelet zahlreiche Differenzen zeigen
sollen. Die erste sieht er fiir die wahre Aperea von Mark-
graf an und lässt ihr den Namen Cayia aperea-, die andere
benennt er Cavia rufescens.
in) Duplicidentata,
Den sardinischen Hasen sonderte Ref. (Münchner gel. An-
zeig. 1841. S. 439) als selbstständige Art unter dem Namen
Lepus mediterraneus :
„L» timido multo minor, auriculis capite longioribus, medio nu-
diusculis, apice nigris; nucha artubusque ochraceo - rufescentibus;
cauda supra nigra, infra alba; stria alba post oculos." Körper in ge-
rader Linie 13" 6'", Kopf 3" 5'", Ohren 4" 3'".
Vom veränderlichen Hasen des obern Missuri gab
der Prinz von Neuwied (Reise in das innere Nordamerika !♦
S. 508) eine Beschreibung mit vielen Maassabnahmen.
Thompson hat in einer Abhandlung in den Tvansact.
of the Royal Irish Jcademy vol. XFIIL Jahrgang 1839.
47
S. 260 die Verschiedenheit des irischen Hasen vom gemei-
nen überzeugend nachgewiesen.
Der Lepus hibernicus unterscheidet sich vom L. timidus durch
kürzere Ohren, anders gefärbten Pelz und durch die weisse Ober-
seite des Schwanzes. Als spezifischen Charakter giebt Thompson
an: „Pelz oben einförmig trüb röthlichgrau, Schwanz oben weiss-
lich: Ohren und Schwanz kürzer als Kopf." Die Grosse ist sich bei
beiden Arten ziemlich gleich. Die angegebene Farbe ist jedoch dem
irischen Hasen nicht für die ganze Lebenszeit eigen, indem er nach
Thompson's Angaben mit dem Alter immer mehr weiss, zuletzt
ganz weiss werden soll. Hierdurch würde er sich auch vom Alpen-
hasen unterscheiden, der nur zur Winterzeit weiss wird, sonst aber
in nächster Verwandtschaft zum irischen Hasen steht, so dass der
Verf. auf die Differenzen hätte aufmerksam machen sollen.
Mc Cl eil and (Vroceed. VII. p. 152) führte aus Assam
2 Arten von Hasen auf, wovon er die eine für unsern Lepus
timidus hält, was sicherlich nicht richtig sein wird, und eine
zweite Art:
Leptis hispidus, zuerst von Pearson im Calcutta Sporting Ma-
ga%ine beschrieben, „Seine Haare sind harsch und borstig, die Ohren
sehr kurz und nicht über dem Pelz vorragend, Länge 18", Farbe
mehr dunkelgrau als die des Hasen."
In den Ann. of nat. hist V, p. 362 wird erzählt, dass
ein Landeigenthümer, zu dessen Besitz ein grosser Strich
Sandhügel gehörte, durch die Kaninchen viel Schaden erlitten
hätte, indem durch ihr Unterminiren die Sandhügel von den
Stürmen wären auf das bebaute Land getrieben worden. Er
hätte deshalb beschlossen, die Kaninchen durch Hasen zu er-
setzen; da aber difese letztern bald gesehen hätten, dass sie
der Stürme wegen, die sie mit Sand überschütteten, ent^veder
die Gegend verlassen oder eine neue Lebensweise annehmen
müssten, so hätten sie sich ebenfalls zum Graben von Höhlen
verstanden.
VM* Kdentafa.
Blainville handelte in einer Abhandlung sw Vancieh-
nete des Edentes terrestres a la surface de la terre (^Ann,
des sc. nat 2« s6r. XL p, 113).
Aus den in Südamerika gefundenen Ueberresten eines
grossen antediluvianischen Zahnlückers errichtete Owen
die Gattung Glyptodon, von der Familie der Gürtelthiere,
48
der auch die vonClift und Weiss abgebildeten Panzerstücke
angehören iAnn. des sc. nat, 2« ser. XIL p. 156). — Aus
einem fossilen, Schädelfragment schliesst Owen (Fossil Mam-
mal. n. 2. p. 57) auf- eine neue Edentaten -Gattung, Glosso-
iherium von ihm genannt und ausführlich beschrieben und
abgebildet» Von seiner Gattung Mylodon kann erst im näch-
sten Bericht die Rede sein.
Zur Naturgeschichte der Myrmecophaga jiibata lieferte
Schomburgk {Vroceed.VlL jw. 21) einen interessanten Bei-
trag, -- J^esson hielt sich für berechtigt, vom VOrycierope
du Cap spezifisch den Orycterope du Senegal zu trennen
{Species des Mammif. himan. et quadrum. p. 277).
Von Manis Temminckü, die zuerst von Smuts beschrie-
ben wurde, gab A. Sm'\i\\ {Illustr. n. 47) eine schöne Ab-
bildung mit ausführlicher Beschreibung. — Das Gehirn des
Tachyglossus wurde von Eydoux und Laurent (Favorite
ifl&. 9) abgebildet.
Unter den brasilischen Zahnlückern behaupten, nach Lund's
Angabe, die antediluvianischen Arten ein grosses Uebergewicht
über die lebenden, indem jene zu diesen = 19 : 5 sich
verhalten.
Da Blainville die Faulthiere zu den Affen rechnet — •
welche Zusammenstellung übrigens sicherlich keinen grossen
Eingang finden wird — so ist ihr Knochen- und Zaimsystem
von ihm bereits in seiner Osteographie abgehandelt worden.
. TTMI* Bolidungtila*
E. Blyth glaubte im Mag. of nat. hist. 1840. ;?.81 die
Zoologen aufmachen zu müssen, dass ausser den sechs von
ihnen angenommenen JPferde- Arten vielleicht noch fünf andere
hinzugefügt werden müssten, nämlich der gestreifte wilde Esel
von Bruce, der wilde Esel von Bell, das isabellfarbige Ze-
bra vonLevaillant, der persische Khur und der tibetanische
Kiang.
Hätte E. Blyth die vom Ref. schon im Jahre 1835 publizirte
Monographie des Pferdes (in VtenTheile der Sehr eber'schen Säiig-
thiere) zu Rathe gezogen, so würde er gefunden haben, warum die
Zoologen auf jene Angaben hier die Aufstellung eigner Arten wolil-
weisslich unterliessen, auch warum sie noch mehrere andere Notizen
zur Creirung neuer Arten nicht benutzen mochten.
49
Nach einer Notiz von Bujack (preuss. Provinzialblätter 1839
8. 554) kamen in Preussen während des Mittelalters wilde Pferde
vor, die aber nach seiner Meinung nur verwildert waren.
Wiegmann Iiatto im Arcliiv 1838. 2. S. 385 mit Scharf-
sinn nachgewiesen, dass Is. Geoffroy den Kulan oder
Wildesel (LV/1/M5 asinus ß onagej') für den Dschiggetai ge-
nommen und als solchen in den A^ouv. ann. d. mus. IF. be-
schrieben und abgebildet habe. Ohne auf diese Bemerkung
Rücksicht zu nehmen, bringt uns nochmals Is. Geoffroy in
seinen Essais de Zoologie generale, 1841. p. 323 die Ab-
bildung des Wildesels unter der Firma des Dschiggetai's*).
An den Vorderfüssen des Pferdes unterschied Phillipps
einen bisher nicht beachteten Streckmuskel, den er petit cu-
hito-prephalangien nennt und in zwei schönen Abbildungen
darstellt (^Bullet. de VAcad. de Bruxell 1839. 1. p.41).
VIII, Pachyderntata.
Zur Kenntniss der grossen Pachydermen in Südafrika hat
A. Smith in seinen lllustrations of South Africa mehrere
schätzbare Beiträge geliefert.
In N. IV. Tab. 6 ist von ihm eine Abbildung des alten
Flusspferdes nebst dem Jungen mitgetheilt, von der man wohl
annehmen darf, dass sie naturgetreuer als die bisher erschie-
nenen sein wird. — Ferner sind von den beiden Nashorn-
Arten, die schon im Archiv 1838. 2. S. 385 charakterisirt
wurden, dem Rhinoceros Keitloa und simus, die Abbildun-
gen in No. 1 und 8 erschienen, zugleich mit ausführlicheren
Beschreibungen.
Vom javanischen Nashorn kit Ref. eine ausführliche Be-
schreibung des im Wiener Museum aufgestellten Exemplares
geliefert (Münchner gel. Anzeigen IX. S. 537).
Freiherr von Hügel machte im Archiv 1839. S. 109 auf
*) Wie ich aus einer gefälligen Mittheilung des Hrn. Herausge-
bers dieses Archivs ersehe, scheint Eversmann in den neuesten
Bulletins de Moscou (die uns in München noch nicht zugekommen
sind) geneigt, den Eqmis hetimnus und onager Pall. für identisch zu
halten, wobei er bemerkt, dass die Namen Kulan und Dschiggetai zwei
verschiedenen {Sprachstämmen angehören und dasselbe bedeuten.
Archiv f. Natiirgesch. VII. Jahrg. 2. Bd. ^
50
ein sehr einfaches, in Indien übliches Mittel zur Stillung der
Brunstwuth des Elephanten aufmerksam, welches darin besteht,
dass man dem wüthigen Thiere flüssige Butter zu ver-
schlucken giebt. — Wiegmann erinnerte ebenda daran, dass
die sonderbare Platzveränderung der Schamöffnung, welche
nach Beobachtungen in der pariser Menagerie beim weiblichen
Elephanten zur Brunstzeit eintritt, schon von Aristoteles
genau beschrieben worden sei.
Ueber die Familie der Schweine sind mehrere Arbeiten
erschienen.
Van der Hoeven QNov. act. Acad. nat. cur. XIX. !♦
p. 117. Tab. 18) zeigte, dass bei Fhacochoerus aethiopicus,
den er gern Fh. Pallasn nennen möchte, öfters 2 oder 4
Sclmeidezähne im Unterkiefer vorkommen, während sie dem
Oberkiefer immer fehlen.
Sal. Müller zählt in den VerhandeUngen auf dem in-
dischen Archipel 5 Arten Schweine auf: Sus vittatus, verru-
cosus, hüj'hatus, timoriensis und Bdbirussa, von welchen die
letztere schon länger gekannt, der S. harhatus ebenfalls schon
von S. Müller beschrieben war; über die 3 andern giebt er
folgende Notiz:
Sus vittatus, der am Weitesten verbreitet (auf Java und Suma-
tra) und am Häufigsten ist, hat unter den sundaischen Arten im gan-
zen Habitus, in der Form des Schädels, in der Glattheit der Haut,
den wenigen Borsten und dunkleren Farbe mit dem siamischen Schwein
{Sus si7iensis') die meiste Uebereinstimmung, doch ist er hochbeiniger
und der Leib minder niederhängend. Der Sus timoriensis^ blos auf
Timor vorkommend, ist mit Sus vittatus nahe verwandt, doch zeigt
er, soweit man nach halb erwachsenen Individuen urtheilen kann, in
seinem geschmeidigeren Baue ein ähnliches Verhalten als der moluk-
kische Hirsch, der sich durch geringere Grösse und schwächere Ge-
stalt vom javanischen Cervus Russa unterscheidet. Der Sus verrucG-
sus kommt nur auf Java vor und hat unter den indischen Arten die
kräftigste Haltung und das wildeste Ansehen, was besonders beim
alten Eber der Fall ist, der durch seine starken und drohenden Hau-
zähne und auch durch den knotigen Auswuchs am Kopfe ein gräss-
liches Ansehen hat. Keine dieser Arten erreicht übrigens die Grösse
des europäischen Wildschweins, auch sind sie gewöhnlich minder
bösartig. — - Ref. will hierbei nicht unerwähnt lassen, dass während
S. Müller das timorschc Schwein von Sus vittatus spezifisch schei-
det, Schegel dagegen (Ess. sur la physion. des Serpefis p. 229)
ausdrücklich erklärt, dass die Differenzen, welche unter Sus vittatus
51
die Individuen von Java, Sumatra, Borneo(?) und Timor zeigen, so
wenig merklich seien, dass es nicht der Mühe lohne, sie zu sig-
nalisiren.
Sus 2*upuensis von Neu Guinea scheint S. Müller nur auf die
Autorität Lesson's zu citiren. Ref. erinnert hierbei, dass er schon
vor 6 Jahren in Schreber's Säugthieren V. S. 453 den Nachweis
lieferte, dass die grosse Differenz, welche Lesson zwischen dem
Papu- Schwein und dem unsrigen fand, lediglich davon herrührt, dass
der französische Reisende, der in der Meinung stand, ein altes Thier
vor sich zu haben, eine Beschreibung des Gebisses von einem Indi-
viduum entnahm, dass erst zwischen 6 — 12 Monate alt war, also
noch nicht seine Milchzähne, wenigstens nicht die Milch -Backenzähne
gewechselt hatte und von bleibenden Zähnen lediglich den 5ten Bak-
kenzahn aufweisen konnte. Diese Bemerkung mag zur Behutsam-
keit in Anerkennung dieser Art mahnen.
Eine neue Art von Schweinen, Sus cristatus^ machte Ref.
in den Münchner gelelirt. Anzeigen 1839. IX. S. 536 bekannt»
Das Exemplar, nach dem Ref. seine Beschreibung entwarf, brachte
Freiher von Hügel vom Festlande Indiens mit. Der Körper ist
spärlich mit Borsten besetzt, so dass die Haut durchschimmert. In
der untern Hälfte der Wangen bilden sie einen Bart, wie bei Pha~
cochoerus Aeliani. Auf der Stirne sind die Borsten lang und bringen
längs des Rückens, indem sie hierbei allmälig kürzer werden, eine
Art Mähne hervor. Der Schwanz ist fast nackt, nur am Ende mit
einer Quaste. Die Farbe ist licht gelblichbraun und schwarz melirt,
indem die meisten Haare schwarz sind mit langer gelbbräunlicher
Spitze, doch mischen sich, zumal am Widerriss, viele ganz schwarze
Haare ein. Füsse und Schnautze sind mehr lichtbrüunlich, die Haare
am, Bauche schmutzig weisslich. Die Grösse ist unter der des Wild-
schweins. Dieses indische Schwein kommt mit dem Sus barbatns
von Borneo, nach Müllers Beschreibung, in vieler Hinsicht überein,
und Ref. fordert daher diesen zu einer sorgfältigen Vergleichung
der genauen Beschreibung vom Sus cristatus mit dem Sus harhatus
auf, um über die Verwandtschafts - Verhältnisse beider zu einem
Abschluss zu kommen.
Schomburgk's Reise durch Guiana bereicherte die Na-
turgeschichte der beiden Arten Nabelschweine, Dicotyles tor-
quatus und lalnatus , mit einigen guten Beiträgen (^Ann, of
nat hist. r. S.401).
Unter den fossilen brasilischen Pachydermen fand Lund
blos die amerikanischen Gattungen Tapirus und Dicotyles,
nebst dem allgemeiner verbreiteten Mastodon.
In einer überaus gründlichen Arbeit beschrieb Owen
4*
52
(^Zool. of the voy. qf Beagle. 1. n. 1 und 2) die von ihm
errichtete fossile Gattung MacraucJienia.
Die Beschreibung, von schönen Abbildiingeu begleitet, gründet
sich Mos auf die Knochen des Rumpfes und der Gliedniassen, da
Schädel und Zähne noch nicht gefunden wurden. Die neue Gattung
ist eine Uebergangsform, welche die Tapire nüt den Lamas verbin-
det. An Grösse kommt sie dem Nashorn und Flusspferd gleich.
Im London Clay, der die merkwürdigen Affen -Ueberreste
zum Vorschein brachte, wurden bald nachher fossile Frag-
mente eines Vogels und einer Schlange, zugleich mit einem
verstümmelten Säugthier- Schädel von der Grösse eines Hasen-
schädels gefunden, der nach Owen's Untersuchung zwar hin-
sichtlich der Backenzähne am Nächsten mit Choeropotamus
übereinkommt, doch aber von ihm einer eignen Gattung, Ily-
racotherium^ zugewiesen wird (^Ann. of nat. hist. V. p. 64).
fX. JRufninantin,
Auf die reichhaltigen Bemerkungen Sal. MüUer's (in
den Verhandelingen) über die Wiederkäuer des indischen
Archipels kann Ref., da ihm zur ausführlicheren Mittheilung
der Raum gebricht, nur im Vorbeigehen aufmerksam machen.
Die bedeutendste Arbeit, die diese Ordnung betrifft, ist
Owen's meisterhafte Anatomie der Giraffe mit 6 herrlichen
Abbildungen (Ti ansäet, of the zool soc. IL 3. 1839. p. 217).
Das Schlussresultat, welches aus Owen^s schönen Untersuchun-
gen hervorgeht, ist, dass die Giraffe einen modifizirten Hirsch darstellt,
also ihre Zusammenstellung mit dem Kameel, wie es sonderbarer Weise
Swainson versuchte, ganz verfehlt ist. Der Magen zeigt in jeder
Beziehung die Struktur, welche den gehörnten Wiederkäuern eigen
ist. Zwei Männchen hatten keine Gallenblase, die sich dafür bei
einem Weibchen, und zwar gedoppelt, fand. , Das Gehirn gleicht in
seiner allgemeinen Form, sowie in der Zahl, Anordnung und Höhe
der Windungen dem des Hirsches. Der Ursprung der Halsnerven
^ zeigt an diesem langhalsigen Thiere ein ganz besonderes Verhalten.
Vom dritten Hörne, welches nach Cretzschmar undCuvier als ein
kurzer Höcker in der Mitte der Stirne durch eine Nath eingelenkt
sein soll, bemerkt Owen, dass er weder am Frankfurter, noch an
seinen Exemplaren eine solche Sutur wahrgenommen habe, und dass
der Stirnhöcker nur durch die Verdickung und Erhebung der vordem
Enden des Stirnbeins und der anstossenden Enden der Nasenlinie
gebildet sei. Da nun auch Ref. an einem jungen Giraffenschädel,
der in der Münchner Sammlung aufbewahrt wird, zwar die vordere
53
Vorragung) aber keineswegs eine Nath gefunden hat, so scheint die
Angabe über das Vorhandensein einer solchen Siitiir auf einem Irr-
thimie zu beruhen.
Am 9ten Juni 1839 wurde die erste Giraffe in Europa in der Me-
nagerie der Londner zool. Gesellschaft geboren, 444 Tage nach der
letzten Paarung der Eltern. Das Junge starb leider schon am 28. Juni
{Proceed. VIT. p. 108).
Unter den Bisarn thieren aus dem Himalaya will Hodg-
son (Journ. of tlie Asiat, soc. of Bengal 1839. n. 3. p. 202)
3 neue Arten entscheiden:
1) Moschus chrysogaster, licht sepiabraun, goldroth gesprenkelt;
Augengegend, Fütterung (Jining) und Basis der Ohren, ganzer Unterleib
und Innenseite der Gliedraasseu schön goldroth oder orange; ein
schwarzbrauner Flecken hinterwärts an den Hinterbacken; Glied-
massen unterhalb ihrer mittlem Gelenkung falblich. — 2) M. leuco-
gaster, Körper oben und die Gliedmassen dunkler braun, mit Falb
gesprenkelt; Unterseite des Kopfs, Halses und Leibes nebst der In-
nenseite der Ohren und die Augengegend graulichweiss (Jioary white).
— 3) M. saturatus, allenthalben gesättigt dunkelbraun, unten etwas
blasser: nur Kinn und Fütterung (/^V«'w^) der Ohren blass und weiss-
grau (Jioary').
Capitän Harris, ein gewaltiger Jäger, beschrieb eine
neue Antilope unter dem Namen Aegoceros niger {Transact.
of the zool soc. IL 3. ^.213. tah.39).
Sie gehört zur Untergattung ^^^ocero* (ein Name, der übrigens
schon von Pallas vergeben ist), und steht mit Antilope equina in
Verwandtschaft. Die Höhe ist ^', die ganze Länge 9'; die Hörner
sind schlank, auf- und rückwärts gerichtet, zu \ ihrer Länge gerin-
gelt und nach der Krümmung 3' lang. Die Farbe ist schwarz; die
untere Hälfte der Wangen, ein Längsstrich über jedem Auge bis zur
Nase, und die ganze Unterseite ist weiss. Von Südafrika.
Mittheilungeu über die Lebensweise einer Antilope Philantomba
sind in dem I'roceed. VII. p. 87 aufgezeichnet. — Ogilby {Anti. of
7iat. hist. VII. p. 510) unterschied eine A. Cuvieriy die mit A. arabica
verwandt, aber beträchtlich grösser ist.
A. Smith behandelte im 12ten Hefte seiner Illustrat.
3 Antilopen - Arten: Antilope equina ^ ellipsiprymna und
Caama, von denen er Abbildungen und ausführliche Nach-
richten über ihre Lebensweise giebt.
Rapp (Miiller's Archiv für Anatom. 1839. S. 363) fand
beim Hirsche ein eigenthümliches drüsenähnliches Organ, das
schon Aristoteles kannte.
Es umgiebt die 8 letzten Schwanzwirbel, ist h'' lang, besteht
54
aus kleinen Läppchen oder Körnern, und erhält zahlreiche Zweige
von den Blutgefässen. Sein Inhalt ist eine gelbbraune, etwas dicke,
wässerige Flüssigkeit, die in der Farbe, aber nicht im Geschmacke,
Aehnlichkeit mit der Galle hat; ein auffallender Geruch wird daran
nicht wahrgenommen.
Vom Ccrviis macrotis Say theilte der Prinz von Neu-
wied (Reise I. S. 405) eine genaue Beschreibung nebst Abbil-
dung der Geweihe mit.
Blyth kündigte eine Monographie der Gattung Ovis an
(^Ann. of nat. hist. n. 37. Beehr, 1840. p. 302).
Nach dem dürftigen Auszug, der davon gegeben ist, unter-
scheidet der Verf. 9 Arten. Die Argali von Asien und Amerika ver-
einigt er miteinander, wie diess Ref. (Schreber's Säugth. V. 1.
S. 1349) schon vor 5 Jahren gethan hatte. Eine neue Art, wahrschein-
lich vom Taurus, mit Hörnern ganz so wie die alten Bildhauer sie
in den Darstellungen des Jupi^ter Ammon bildeten, benennt er Ovis
sculptoruni. Vom Himalaya unterscheidet er 2 Arten: Hodgson's
Ovis Nahoor von grösserer Gestalt, blasser Farbe und nicht so hoch
wohnend; die andere nennt er O. Burrhel, von einer sehr dunklen
Farbe und zahlreiche andere spezifische Distinktionen zeigend, auch
höhere Gegenden bewohnend. Ovis Aries betrachtet er als eine Art
für sich und nicht von O. Musimon abstammend. Ixalus probaton
von Ogilby zählt er zu den Schafen. Aus Ovis tragelaphus will
er eine Untergattung Ammotragus errichten.
Baron von Hügel erhielt aus dem höchsten Theile des
tibetanischen Hirnalayas das Fell einer wilden Ziege, die Ref.
unter dem Namen Aegoceros (Caprd) Falconeri zu beschrei-
ben das Vergnügen hatte (Münchner gel. Anzeigen 1839. IX.
S. 430):
Die Hörner von C. Falconeri stehen an der Wurzel dicht an-
einander und jedes richtet sich dann bogenförmig auf- und abwärts,
um einen grossen Halbkreis zu bilden; hierauf dreht es sich rück-
wärts und wendet sich endlich mit der Spitze wieder auswärts.
Diese Hörner sind stark von beiden Seiten zusammengedrückt, ohne
eine vordere mit Querleisten belegte Fläche zu bilden, sind, also
keine Steinbocks-, sondern ächte Ziegenhörner mit 2 Kanten. Die
innere Seite ist anfangs i>latt, dann allmälig concav, die äussere ist
gewölbt. Die hintere scharfe Kante hatlO O^ereinschnitte; die Ober-
fläche ist von vielen Querrunzeln durchzogen. Nach der Krümmung
misst jedes Hörn 3' 4", die Spitzen stehn 2' 3" von einander ab.
Die Behaarung ist kurz, reichlich und grob; auf dem Rücken, wo die
Haare länger sind, bilden sie eine Art Mähne. Vom Kinn fällt ein
langer Ziegenbart herab und vereinigt sich mit den (an 10 Zoll) lan-
gen Haaren, welche vom Halse und der Brust lt)is gegen das Knie
55
herabhängen. Die kurzen Ohren sind aufrecht; der Schwanz kurz
und aufwärts gekrümmt. Die einzelnen Haare sind weisslich und
werden gegen die Spitze röthlichbraun. Die Hauptfarbe ist schrautzig-
weiss mit brauner Schattirung an vielen Stellen; die Bauchseite lich-
ter. Der Raum zwischen der Stirne und Schnautze, die Mähne des
Vorderhalses, die Vorderbeine und Hinterfüsse sind schmutzig gelb-
lich weiss. Die Schnautze, das Kinn, ein breiter Ring um die Vor-
derbeine und die Schienbeine sind kastanienbraun; der Kinnbart und
die Hörner schwarz. Die Grösse ist die des grössten zahmen Bocks.
In den „neuen Denkschriften der allg. Schweizerischen
Gesellschaft für die gesammten Naturwissenschaften," Neuen-
burg 1838. II. lieferte Schinz:
„Bemerkungen über die Arten der Ziegen, besonders mit Bezie-
hung auf den sibirischen Steinbock, den Steinbock der Pyrenäen und
den Steinbock der Alpen." Es ergiebt sich hieraus, dass der. Stein-
bock der Pyrenäen eine von den übrigen sehr verschiedene Art aus-
macht, was auch die von ihm und dem sibirischen Steinbock geliefer-
ten Abbildungen deutlich ausweisen.
lieber die wenig beachtete und gekannte Schafrasse der
norddeutschen Haiden, die sogenannten Haidschnucken,
theilte Berthold (Isis 1840. S. 507. Tab. 1) dankenswerthe
Aufschlüsse mit.
Die Frage, ob Ur und Wisent eine oder zwei verschie-
dene Rinder- Arten bezeichnen, ist in fortwährender lebhafter
Verhandlung, ohne noch zu einem Verständniss der beiden
Hauptkämpfer geführt zu haben.
Ouvier, Brinken, Eichwald und Ref. (Schreber's Säugtb.
\?»2) erklärten sich für die Annahme von zwei Arten, wogegen
Pusch (in seiner Paläontologie von Polen), in Uebereinstimmung
mit Bojanus und Jarocki, in einer ausführlichen Abhandlung sich
für eine Art aussprach. Die von Pusch angeführten Gründe suchte
v. Baer in seiner „nochmaligen Untersuchung der Frage: ob in
Europa in historischer Zeit zwei Arten von Stieren lebtenV" (^Bullet,
scient. de l'Acad. de Petersb. IV. j). 113 und daraus in unserem Ar-
chiv 1839. 1. S. 63) zu widerlegen, wogegen jedoch Pusch in seinen
„neuen Beiträgen ziu: Erläuterung und endlichen Erledigung der
Streitfrage über Tur und Zubr {Urus und Bison) im Archiv 1840. 1.
S. 47 — 137 mit einem erstaunlichen Aufwände von Gelehrsamkeit und
Durchmusterung der ganzen, auf die Streitfrage bezüglichen Litera-
tur wiederholt seine erste Behauptung in geistreicher Weise verthei-
digte. Obschon Ref. gerne gesteht, dass er seit der Deduktion von
Pusch seiner Sache nicht mehr so sicher wie früher ist, so kann
er doch über Herberstein' s Zeuguiss noch nicht hinüber^ und die
Behauptung, dass im Niebelungen - Liede Ur und Wisent nur dlo
5a
beiden Geschlechter des Bos Ums L. bezeichnen, scheint ihm, trotz
dem, dass Pus eh es sehr wahrscheinlich zu machen versteht, doch noch
der Bestätigung sachkundiger Sprachforscher unterliegen zu müssen.
Sehr ausführliche Berichte über das wilde Riad in England,
legten Hindmarsh und der Graf von Tankerville vor (jOn the
WüdCattle ofChillinghamPark in den u4ww. of tmt. hist. IL />. 874),
wozu Gray (ebenda S. 284), Egerton (ebenda III. S. 241) und ein
Ungenannter (III. S. 356) einzelne Notizen nachlieferten.
Die neueren Nachrichten über den Gauri Gau stellte Wieg-
maun im Archiv 1840. 1. S. 263 zusammen.
Nach Delessert {Revue Zool. 1839. S. 129) ist der Gauri Gau
in Vorderindien sehr weit verbreitet; er findet sich nämlich auf dem
ganzen Abhänge der West-Ghats von Surate bis zum Cap Comorin,
in einer Höhe von 3 — 4000' über dem Meere; nordwärts von Surate
minder zahlreich auf mehreren Höhenzügen bis Nepal, von dort ost-
wärts nach Silhet in Bengalen und von hier aus scheint er sich wie-
der südwärts längs der ganzen Coromandel- Küste in denOst-Ghats
auszubreiten. Der Reisende selbst traf ihnl bei Salem im Carna-
tik, erlegte mehrere am Fusse der Nilgherries und zu Tullamaley in
Mysore, und hörte, dass er in den West-Ghats häufig gejagt würde.
Delessert bemerkt zugleich, dass die Abbildung, \^elche Fr. Cu-
vier von diesem Stier unter dem Namen Bos Sühetanus gegeben,
nach einer schlechten Zeichnung angefertigt sei^ und spricht sich da-
für aus, dass der von Lambert {Transact, Lin. Soe. VfL pl 4) zu-
erst gegebene, von G. Cuvier angenommene Artname /row?«//'* nicht
zu verlassen sei.
Ueber den Schädel einer Kuh mit einem überzähligen Hörne an
der Stirne berichtete G. Jäger in Müller's Archiv für Anatom.
1839. S. 13.
In Indien sind neuerdings günstige Versuche gemacht wor-
den, die Kameele zum Zug zu benutzen.
Greenlaw giebt hierüber im Journ, of the Asiat. Soc. of Ben-
gal. 1839. n. 7 ausführliche Nachrichten nebst Abbildungen, wie die
Kameele eingespannt werden müssen. Man hat bereits mit ihnen
auf diese Weise grosse Reisen gemacht, und die vom Major Pew
organisirte Kameeis -Artillerie hat auf dem Marsche nach Cabul voll-
kommen den Erwartungen entsprochen.
Dass unter den von L und angeführten antediluvianischen
Thieren aus Brasilien auch die Gattung Lama vorkommt, ist
für die Kenntniss der geographischen Verbreitung der Arten
aus der Vor- und Jetztwelt eine interessante Thatsache.
lieber die antediluvianischen Hirsch -Arten sind zwar meh-
rere Arbeiten erschienen; indess die Feststellung der Arten
hat in den meisten Fällen grosse, mitunter kaum zu beseiti-
57
gende Schwierigkeiten (Vgl. u. a. das Jahrbuch f ür Mineralog.
1839. S. 168,297; 1840. S. 69, 166, 358, 457).
X. Cetacea»
The Natural Histor/ of the Sperm Whale etc. etc.
to which is addcd a Sketch of a South -Sea Whaliiig Voyage.
By Thomas Beale. Lond. 1839. 8.
Narrati ve of a Whaling Voyage round the Globe in the
South Seaman „Tuscan" during the years 1833, 1834 and 1836.
By F. D che 11 Bennet. Lond. 1840. 2 vols. 8.
Von diesen beiden Schriften ist mir bisher nur die letztere zu-
gekommen, indess so spät, dass ihre Anzeige dem nächsten Jahres-
berichte aufbehalten werden muss.
Heber die in neuerer Zeit an den englischen Küsten ge-
fangenen Hyperoodon {Bottle-nosed Whale) hat Thompson
viele Notizen beigebracht (^Ann, of nat. hist. IF. p. 375,
r. p. 361).
Eine Beschreibung und Ausmessung eines bei Charmouth
gestrandeten Rorquals {Balaenoptera hoops) wurde von
Sweeting geliefert (J\Iag. of nat. hist. 1840. p. 301; Ann.
of nat. hist. V. p. 72 u. FL p. 301).
Die ganze Länge betrug 44', der Umfang 81', das Gewicht 20—25
Tonnen. Die ganze Wirbelzahl ist 62, nämlich: Hals- 7, Rücken- 15,
Lenden- 16, Schwanzwirbel 15 und 9 Sehwanzbeine.
Owen hat in den Annal. des sc. nat. 2® ser. XII.
p. 222 dargethan, dass der io?>si\Q Basilosaurus, welchen Har-
lan den Sauriern zuwiess, keinesweges der Klasse der Am-
phibien, sondern der der Säugthiere, und zwar den Cetaceen
angeliörig sei, weshalb er auch für die fossile Gattung einen
passenderen Namen, Zeuglodon in Vorschlag brachte.
Dumortier's Memoire sur le Delphinorhyuque micro-
ptere echoue a Ostende, ist in den Nouveaux Memoires de
l'Academ. des Sc. et Beiles -Lettr. de Bruxelles 1839 mit 3 Ta-
feln Abbildungen erschienen.
Es war ein junges weibliches Thier, das zwei Tage lebend
ausser Wasser erhalten wurde, doch nahm es keine Speise an. Seine
Länge betrug 3 Metrcs 45 Centira. Die ganze Wirbelzahl 38, näm-
lich: Hals- 6, Rücken- 10, Lenden- 11, Schwanzwirbel 11.
58
S tan n ins, erster Bericht von dem zootomisch-, physio-
log. Institute der Universität Rostock (1840) enthält Beiträge
zur Anatomie des Delphins.
Mit ,dem neuen Namen Metaxytherium belegte Chri-
stel ^Institut 1840. n. 352) eine fossile Gattung, die ein
Mittelglied zwischen den Lamantins und Dugongs bildet. Es
ist dies dieselbe Gattung, welche schon früher H. v. Meyer
als Halianissa, Kaup als Halitherium , Bruno als Cheiro-
therium bezeichneten, so dass, der neue Name von Christo 1
ganz überflüssig ist.
Nach seiner Bestimmung gehört dieser Gattung an: l)der Schä-
del, der von Cuvier dem Lamantin zugesprochen wurde, 2) die
Obern Backenzähne, welche Cuvier dem Htppopotamus dubius^ 3) die
untern Hackenzähne, welche dieser dem Hipp, medius zuwies, 4) das
Oberarmbein, welches Cuvier zwei Robben zuerkannte, 5) der auf
den Lamantin bezogene Vorderarm, 6) vielleicht eine Rippe und ein
Wirbel, die Cuvier anfangs für die eines Lamantins, später für die
des Wallrosses hielt. Ausserdem besitzt Christol noch mehrere
Stücke des Skelets, die wahrscheinlich diesem Metaxytherium^ von
welchem er 2 Arten unterscheiden will, zugehörten. Die grössere Art
kommt aus den untern Tertiärformationen der Departements de la
Charente et. de Maine- et -Loire^ die andere aus der oberen mari-
nen Tertiärbildung- von Montpellier. — Nach Marcel de Serres
(Institut. 1840. 7i. 360) wurde im August 1830 ein ganzes Skelet aus
den zum TJertiärgebirge gehörigen Steinbrüchen von Beaucaire aus-
gegraben. — Bruno hat von seinem eben erwähnten Cheirotherium
eine ausführliche Beschreibung mit 2 Tafeln Abbildungen in den Me-
moire della Reale Academia delle Scieu%e dt Torino. Serie seconda,
Tom. L Torino, 1839. ;;. 143 mitgetheilt.
Ueber die Ueberreste fossiler Cetaceen in den preussi-
schen Staaten hat v. Olfers einen Vortrag .in der Berliner
Akademie am 19. Dezember 1839 gehalten.
Das hauptsächlichste Stück ist der wohlerhaltenc, von Bünde in
Westphalen herstammende Schädel des Delphimis Karste?u\ einer
eigenthümlichen Art, welche den Uebergang vom lebenden D. globi-
ceps zur fossilen Gattung Ziplüus zu bilden scheint, Wirbel von Ba-
laenoptera hat Prof. Becks in Münster in einer Thonschicht zwi-
schen Bocholt und Oeding entdeckt.
I
59
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichle
der Vögel während der beiden Jahre
1839 und 1840.
Vom
Prof. Andr. Wagner in München.
Wenn man es der Therologip mit Recht nachrühmen kann,
dass sie während der letzteren Jahre sowohl in ihrer periphe-
rischen als centralen Entwicklung in gleich kräftiger Weise
vorangeschritten ist, so ist dagegen die Ornithologie immer
noch weit mehr mit der Erweiterung ihres Umfanges durch
Zufügung neuer Arten, als mit dem tieferen Eindringen in den
bereits gewonnenen Inhalt durch Untersuchung des inneren
Baues und Begründung einer auf selbigen gestützten Systema-
tik beschäftigt gewesen.
Der Grund hiervon liegt wohl darin, dass während die Therolo-
gie zunächst nur von den Männern vom Fach betrieben wird, die
Ornithologie dagegen eine Menge Liebhaber und Sammler anzieht^
welchen es hauptsächlich um die Kenntniss der äusserlichen Ver-
hältnisse der Vögel zu thun ist; daher eine Menge Privat -Samm-
lungen und ein emsiges Bestreben, dieselben mit neuen Arten zu
vermehren, was bei dem ausgebreiteten und raschen Weltverkehre
jetzt eine ungleich leichtere und wohlfeilere Sache ist, als dies selbst
nur noch vor zwanzig Jahren der Fall war. Mit Recht muss man
sich freuen über diese allgemeine und lebhafte Thpilnahme, da hier-
durch der Katalog der Vögel immer reicher, der Kupferwerke immer
mehr werden. Auf der andern Seite darf man es aber auch nicht
verschweigen, dass diese mehr heitere als wissenschaftlich strenge
Behandlung der Ornithologie auch wieder von Nachtheil gewesen ist.
Zunächst hat sie in die bildlichen Darstellungen einen Luxus einge-
führt, dass wenigstens auf dem Kontinente nur wenige Bibliotheken
noch im Stande sind, dieser verschwenderischen Pracht ihre Reve-
nuen zum Opfer zu bringen. Wer kann z. B. die riesenhaften Tafeln
60
kaufen, auf welchen Audubon Adler und Reiher in Lebensgrösse
darstellen lässt? Die schlimmste Folge von dieser unnützen Ver-
theuerung der Kupferwerke ist, dass hierdurch auf dem Kontinente
den meisten Naturforschern der Zugang zur Kenntniss der exotischen
Vögel immer mehr erschwert und, was mehr sagen will, [ihre Mit-
wirkung zur festen Begründung der Systematik immer mehr ausge-
schlossen wird. Ein anderer Nachtheil hat sich dadurch ergeben,
dass, wie es namentlich passionirten Sammlern leicht zu gehen pflegt,
auf einzelne Differenzen in der äusserlichen Beschaffenheit der Vö-
gel ein zu grosses Gewicht gelegt und dadurch die Anzahl der Ar-
ten, noch mehr aber die der Gattungen über alle Gebühr vermehrt
worden ist. Zählt doch Gray in seinem neuesten Verzeichnisse
nicht weniger als 1065 Gattungen auf, überdiess zum wenigsten .eben
so viel S^^nonyme. Dies ist nun gar kein richtiges Verhältniss mehr
mit der Zahl der Arten selbst. Aber wie sind auch die meisten die-
ser Gattungen beschaffen! Muss man doch häufig die Art zuerst
kennen, bevor man auf die Gattung kommen kann. So sind denn
diese vielen Genera keine Erleichterung, sondern eine Beschwerung
des Gedächtnisses. Und besieht man sich näher ihre Namen, so
muss man bei einem nicht geringen Theile derselben über ihre bar-
barische Construktion erschrecken. So z. B. Brachypteracias (von
Brachypteryx und Coracias) Corvultur (von Corvus und Vultur), Em-
bernagra (von Emberiza und Tanagra), Merulaxis (von Merula und
Synallaxis), Loxigilla, Certhilauda, Bucorvus u. s. w. Dieser Wort-
bildung entsprechend ist häufig auch die Fassung der lateinischen
Diagnosen, so dass Ref. mit Wiegmann gestehen muss, dass manch-
mal seine Kenntniss des Lateins zur üebersetzung nicht ausreiche.
Hier thut es wahrlich Noth, bei Zeiten auf die rechte Bahn wieder
einzulenken.
Indem Ref. zur Aufzahlung der Literatur übergeht, macht
er bemerklich, dass er diejenigen Werke, welche Säugthiere
und Vögel gemeinschaftlich behandeln und deshalb schon bei
der ersten Klasse genannt sind, hier nicht nochmals aufgeführt
werden.
System der Pterylographie von Ch. L. Nitzsch. Nach
seinen handschriftlich aufbewahrten Untersuchungen verfasst
von H. Burmeister. Halle 1840. 4.
Gerne stelle ich an die Spitze der ornithologischen Literatur das
Vermächtniss eines Mannes, der um die tiefere Auffassung der Or-
nithologie sich so hochverdient gemacht und in dieser Pterylographie
die originellste Leistung uns hinterlassen hat. Während die Federn-
stellung sonst gar nicht beachtet wurde, zeigt uns hier Nitzsch auf
einmal, dass in der Anordnung der Federfluren eine merkwürdige
61
Gesetzmassigkeit obwalte, so dass sie zur Festsetzung der Familien
und höhern Gruppen v.on wesentlicher Bedeutung sei, ja dass ganze
Familien und eine Menge von Gattungen durch kein äusseres Merk-
mal besser unterschieden werden können, als durch die Bildung
ihrer Federfluren. Für die Systematik ist diese Pterylographie,
die ihr ^inen ganz neuen Gesichtspunkt geboten hat^ von grösstem
Belang.
The Naturalist's Library, condactcd by Sir W. J ardine,
Ornithology, ist bis zum Uten Bäiulchen vorgerückt.
Temmiuck et Laugier, Nouveau recueil de planches
coloriees d'oiseaux.
Dieses Kupferwerk, das wichtigste für die Kenntniss der exotischen
Vögel und reich an kritischen Bemerkungen und trefflichen Mono-
graphien, hat mit Tab. 600 einen Hauptabschnitt gemacht und über
die bisher erschienenen Tafeln ein Schema zu ihrer systematischen
Anordnung geliefert.
A List of the Genera of Birds witU an indication on the
typical Species of each Genus. Compiled frem various sour-
ces by George Robert Gray. Lond. 1840. 8.
Es ist schon angeführt worden, dass dieses Verzeichniss 1065
Gattungen und wenigstens eben so viele Synonyme aufzählt. Zur
Entwirrung der Synonymik leistet dieses Büchelchen, zumal wenn
man den gründlich gearbeiteten Commentar von Strickland (Ann.
of nat. bist. VI. p. 410 u. p. 26) zur Hülfe nimmt, vortreffliche Dienste.
Schade, dass die Brauchbarkeit desselben durch den Mangel eines
Registers sehr beeinträchtigt wird.
Selby, Catalogue of the Generic and Subgeneric Types
of Birds. 8. Newcastle 1840.
Hiervon ist mir bis jetzt nur der Titel bekannt.
Temminck, manuel d'Ornithologie. 4** partie. Paris
1840. 8.
Hiermit hat Temminck sein Handbuch der europäischen Vögel
geschlossen. Die beiden letzten Bände enthalten blos Nachträge der
zahlreichen neuen Entdeckungen und Berichtigungen.
Abbildungen der Vögel Europas von J. C. Suse mihi
und E. Susemihl. Stuttgart. Seit 1839. Fol. Bis jetzt
4 Hefte.
Nach der Ankündigung im 3ten Hefte wird den Text Schlegel in
Leyden bearbeiten. Die bisher erschienenen Tafeln sind der Dar-
stellung der Raubvögel gewidmet. Die Abbildungen sind vortrefflich
gezeichnet und gestochen; dem Colorit allein ist etwas mehr Leb-
haftigkeit zu wünschen. Wenn das Unternehmen guten Fortgang
62
hat, kann man an ihm um einen ungleich wohlfeileren Preis einen
vollständigen Ersatz für das Gould'sche Luxuswerk, Birds of Europe,
erhalten, ,
Naumann's Naturgeschichte der Vögel Deutschlands hat
im Jahre 1840 den lOten Band, die Langfliigler enthaltend,
vollendet, und vom Uten sind heuer bereits 2 Hefte, die Schar-
ben, Pelikane und einen Theil der Gänse umfassend, ausgege-
,ben worden, so dass dieses ausgezeichnete Werk bald zum
Ende geführt sein wird.
Deutsche Ornithologie oder Naturgeschichte aller Vogel
Deutschlands in naturgetreuen Abbildungen. Herausgegeben
von G. Bekker. Neue Ausg. Darmst.
Bis zum loten Hefte vorgerückt.
Ausserdem sind noch an europäischen Faunen zu be-
merken.
Zander, Naturgeschichte der Vögel Mecklenburgs 1840. SteLief.
— Berge, die Fortpflanzung europ. und aussereurop. Vögel. Seit
1839. -— Mauduyt, Tableaux methodique des oiseaux tant seden-
taires que de passage periodique ou accidentel, observesjusqu'aupre-
sent dans le departement de la Vienne. 1840. 8. — Macgillivray's
History of British Birds. 1840. vol. 3. 8. — Meyer's Illustrations of
British Birds. 1840. N. 67. 4. — Diese Arbeiten sind mir bisher nicht
zu Gesicht gekommen.
Audubons Birds of America, from Drawings made du-
ring a Residence of 25 years in the United Stades.
Dem Bohn'schen Kataloge zufolge ist dieses Werk mit der 87len
Lieferung geschlossen, enthält 435 Tafeln in Elephant -Folio und ko-
stet nicht weniger als 182 Pfund Sterling. Man mag solche Werke
des Luxus in artistischer Beziehung anstaunen , für die Wissenschaft
sind sie ein Ruin. Zum Glück hat Audubon dem wissenschaftlichen
Ornithologen das angeführte Luxuswerk selbst durch seine Ornitho-
logical Biography so ziemlich entbehrlich gemacht.
Küster, ornithologischer Atlas der aussereuropäischen
Vögel. 15 Hefte.
Das 16te und 17te Heft ist angezeigt worden, mir aber noch
nicht zugekommen.
The Birds of Australia. By John Gould. Part first
Oblong folio. Published by the Author. Lond. Decemb. 1840.
Ist noch nicht bei uns eingetroffen und mir zur Zeit nur aus
der Anzeige in den Ann. of nat. bist. VI. p. 471 bekannt, Gould
hatte in Begleitung seiner Gattin, „well known as an accomplished
ornithblogical draughts -woman", eine Reise nach Neuholland und
63
VandiemenSrLand gemacht imd ist nun, nach dritthalbjährigem Auf-
enthalt daselbst, mit reicher Beute beladen, zurückgekehrt. Wir
dürfen von den beiden Gatten jedenfalls eine ausgezeichnete Arbeit
erwarten, zumal da Owen die anatomische Abtheilung übernom-
men hat.
Die ornithologische • Parthie in D'Orbigny's voyage
daus TAinerique meridionale ist bereits weit vorgerückt; das-
selbe gilt für Bonaparte's Fauna italica. Ueber Beide soll
berichtet werden, wenn sie zum Abschluss gekommen sind. —
Die ornithologische Abtheilung von der Zoology of Capitain
Beechey's voyage hat Vigors bearbeitet; die Diagnosen der
neuen Arten wird Ref. bei den einzelnen Ordnungen raitthei-
len. Auch des Prinzen von Wied Reise in das innere
Nordamerika ist reich an ornithologischen Notizen, worüber
der vorliegende Bericht weitere Auskunft geben wird. Die
Histoire naturelle des lies Canaries von Bark er- Web b und
Berthelot hat zwar einige Abbildungen von Vögeln, aber
noch keinen Text dazu.
Für die Histoire physique, politique et naturelle de l'Ile
de Cuba par Ramon de la Sagra hat D'Orbigny die Vö-
gel bearbeitet.
Kuba hat eine Lage, die es zur Aufnahme nord- und südame-
rikanischer Vögel geeignet macht, indem letztere hier ihre Stand-
quartiere, erstere wenigstens ihren Winteraufenthalt nehmen können.
D'Orbigny bringt in Bezug auf geographische Verbreitung die 189
Arten, welche ihm Ton Kuba zukamen, in folgende 6 Abtheilungen:
1) Kubanische Vögel, welche zugleich auch Südamerika bewoh-
nen, mit 14 Arten: Accipitres 3, Passeres 3, Scansores 3, Gallinae 1,
Grallatores 3, Natatores 2. Unter ihnen ist der weit verbreitete
Volyborus vulgaris. Die beiden südamerikanischen Singvögel {Frm-
gilla dominicana und Coereba cyanea) haben hier ihre nördlichste
Grenze erreicht. — 3) K. Vögel, die aus Nordamerika im September
und Oktober ankommen, um auf Kuba ihren Winteraufenthalt zu neh-
men und die im Frühlinge wieder nach Norden ziehen. Ihrer sind
49 Arten: Accipitres 1, Passeres 33, Scansores 4, Gallinae 2, Gral-
latores 6, Natatores 3. — 3) K. Vögel, die sich zugleich in beiden
Hälften des amerikanischen Kontinents finden, mit 26 Arten, wovon
15 Stand-, 11 Zugvögel sind. Die Standvögel heissen: Cathartes
aura^ Falco sparverius, Columha carolinends ^ Jramus guaraona,
Fhoenicopterus americmius, Ibis rubra, Porphyrio dominicana, Colym-
bus carolinensiSj Pelecamis fuscus^ Sulafusca, Tachypetes Aquila^
Pkueton aethereus, Sterna stolida^ cayanensis und fuliginosa. Die
Zugvögel sind : Vireo gilvus, Hirundo purpurea, Ardea candidisstma,
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leucogaster^ virescens und exilis, Platalea ajaja, Tantalus loculaior
lind ßavipes. Alias arhorea und discors. Diese Zugvögel kommen im
März vom Norden her nach Kuba und begeben sich nach Südamerika,
zur Zeit, wo hier die üeberschvvemmungen aufhören und den Vö-
geln, eine reichliche Nahrung zurücklassen. — 4) K. Vögel, welche
in der nördlichen Hälfte der alten wie der neuen Welt zugleich vor-
kommen, mit 8 Arten: Falco cyaneus^ Totanus Bartramia^ Tringa
Temmmclcii^ Charadrius Sqiiatarola^ Gallinula chlor opus ^ Anas ma-
rüa, Halieus graculus und Larus atricilla. Mit Ausnahme des Raub-
vogels sind alle andern Wasservögel, die im hohen Norden brüten
und im Winter bis nach Kuba herabwandern. — K. Vögel, die bei-
den Hälften Amerikas und Europa gemeinschaftlich sind, mit 5 Ar-
ten: Ardea alba und Nycticorax, Scolo-pax gallinago^ Fulica atra
und St£r7ia anglica, also lauter Wasservögel, die in der neuen Welt
aus der nördlichen Hälfte in die südliche während des Winters zie-
hen, wobei sie Kuba passiren, ohne hier zu brüten. — 6) K. Arten,
die der Insel oder den Antillen eigenthümlich sind, mit 35 Arten:
Accipitres 3, Passeres 13, Scansores 6, Gallinae 5. Aus diesem Ver-
zeichnisse ersieht man, dass Kuba den grössten Theil seiner Vögel
aus Nordamerika erhält, daher diese Insel während des Winters die
meisten Arten aufzuweisen hat.
In Darwin's Zoology of tWvoy. of Beagle ist die Be-
schreibung der Vögel so eben beendigt worden.
Ihr sind 5 Hefte mit 50 Tafeln gewidmet, mit dem Titel: Birds,
described by John Gould, with a notice of their habits and ran-
ges by Ch. Darwin, and with an anatomical appendix by Eyton.
Von 1838 bis 1841. Alle eingesammelten Arten sind angeführt, die
neuen vollständig beschrieben, zu den übrigen häufig gute Bemer-
kungen beigefügt. Der vorliegende Bericht wird auf das Hauptsäch-
lichste aufmerksam machen. Die Abbildungen sind prachtvoll. —
Eyton' s anatomische Notizen betreffen Serpophaga albocoronata,
Furnarius cunicularius, Uppucerthia dtimetoria, Opetiorhynchus vuU
gan's, antarcticus und patagonicus^ Pteroptochos Tarnii und albicol-
lis, Synallaxis maluroides, Phytotoma rara, Trochilus gigas und Ti-
nochorus rumicivorus. Schade ist es, dass Eyton bei der Luftröhre
bloss auf deren Sterno-Tracheal- Muskeln, aber nicht auf die dem
untern Kehlkopfe eigenthümlichen Muskeln Rücksicht genommen hat.
An Abhandlungen, welche die Faunen einzelner Gegen-
den vorführen, mögen folgende genannt werden:
Koch, die Vögel um Regensburg, inFürnrohr's naturhist. Topo-
graphie von Regensburg. 1840. 8. Es werden hier 231 Arten Vögel
aufgezählt. — Fraser's Verzeichniss der von Dickson und Ross
um Erzerum gesammelten Vögel (Proceed. VH. p. 119 u. 130). —
Eyton's Katalog einer Vögelsammlung von Malaya, Proceed. VII.
p. 100. — Mo Clelland's Verzeichniss der Vögel von Assam.
65
Proceed.' VII. p. 154, — Kapitän Sganzin gab Notizen über die
von ihm auf Madagaskar gesammelten Vögel, da ihm jedoch streng
systematische Bestimmungen abgehen, so weiss man öfter die Art
nicht (Mem. de Strasbourg. III. 1. p. 19). — Der Prinz von Neu-
wied entwarf ein Verzeichniss der von ihm in den Monaten Novem-
ber bis Februar an der Mündung der V^'abasch beobachteten Vögel
(Reise in das innere Nordamerika I. S. 643). Lichtenstein be-
schenkte uns mit Beiträgen zur ornithologischen Fauna von Kalifor-
nien (Abb. der Akad. der Wissensch. z. Berlin. 1839. S. 417). Auch
das so lange verschlossene Neu -Guinea öffnet immer mehr seine
Schätze. Sal. Müller gab in der Land- en Volkenkunde der „Ver-
handelingen" p. 21 eine Uebersicht der von ihm daselbst gesammel-,
ten Vögel, welche sich auf 119 Arten aus 60 Gattungen beliefen.
Darunter waren am zahlreichsten aus den Passerinen die Insekten-
fresser, aus den Klettervögeln die Papageien, und aus den Hühner-
vögeln die Tauben. Spechte wurden nicht gefunden.
Als Beiträge von allgemeinerer Bedeutung zur Lebens-
gescliichte der Vögel sind zu erwähnen:
Brehm, über das Betragen der männlichen Vögel gegen ihre
Weibchen und ihre Jungen (Isis 1840. S. 424). Ferner desselben
Verfassers „Etwas über den Einfluss ungünstiger Witterung, beson-
ders über die des Aprils 1837, auf das Leben der VögeP (ebend.
S. 429). Da Brehm einer der sorgfältigsten Beobachter der Lebens-
verhältnisse der Vögel ist und selbige in lebhaften Schilderungen
mitzutheilen versteht, so folgt man mit Interesse seinen Beobach-
tungen.
Ueber Bastardzeugung stellte G. Cookson (Ann. of riat.
bist. V. p. 424) Versuche an.
Im Herbste 1838 entwischte dem Erzähler aus seinem Vogel-
hause ein männlicher Vogel, der Sprössling eines Stieglitzen und
eines Kanarienweibchens, und wurde nicht wieder gesehen bis zum
folgenden Frühjahre, wo er in Gesellschaft mit einem Stieglitz-
Weibchen erschien. Beide richteten ein Nest in einem Cederbaura
neben dem Vogelhause sich zu, und in der gehörigen Zeit wurden
4 Eier gelegt. Cookson nahm diese weg und legte sie einem Kana-
rienweibchen unter; sie waren aber alle unfruchtbar. Gleich darauf
erbaute sich das Pärchen ein neues Nest, welches man ungestört
liess, und dadurch 5 Junge aufbrachte, welche Cookson, nachdem sie
ohngefähr 10 Tage alt waren, aus dem Neste nahm und aufzog, 2
Männchen und 2 Weibchen blieben davon am Leben. Im folgenden
Sommer (also 1840) paarte er eines von diesen jungen Männchen
(I Stieglitz, { Kanarienvogel) mit einem Kanarienweibchen. Es wurde
bald ein Nest gemacht und 3 Eier- gelegt; das Männchen zerstörte
zwar das Nest, doch rettete C. die Eier und legte sie einem Kana-
rienvogel unter, der ein Junges aufbrachte. Es wurde hierauf ein
Archiv f. Naturgcsch. VII. Jahrg. 2, Bd. 5
66
zweites Nest angelegt, das jedoch das Schicksal des ersten theilte;
nun nahm 0. das Männchen weg und that es in das Vogelhaus, wo
es sich mit einem andern Kanarienweibchen paarte. Da C. die Vor-
sicht gebraucht hatte, das Nest mit Flanell zu umwickeln, so waren
dadurch die Eier, als das Nest zerstört wurde, gerettet und das
Weibchen sitzt nun über denselben. Das Männchen wurde jetzt
entfernt und paarte sich mit seinem früheren Weibchen, das an dem
Morgen, wo C. seine Notiz niederschrieb, ein Ei legte. Ein zwei-
tes Experiment machte C, indem er das andere Bastardmännchen
mit einem Bastardweibchen von demselben Neste paarte; der Erfolg
waren 3 Eier, von denen eines einen Tag vor diesem Berichte aus-
gebrütet worden war. So weit gehen diese Versuche, die Cookson
fortsetzen will, und von denen besonders diejenigen wichtig sein
werden, welche sich auf die Paarung der Bastarde untereinander
beziehen.
Die Blutkiigelclien der Schnee-Eule und Wandertaube
beschrieb G. Gulliver (Ann. of nat. bist. VI. p. 514).
Bei der Schnee-Eule (ßtrix nycteä) übertrifft die Länge der
Blutkügelchen mehr als 2^ mal ihre Breite, während sie bei Strix
Aluco kaum 2 mal so lang als breit sind. Unter ,den Tauben zeigt
die Columba migratoria die grösste Abweichung durch die schmale
elliptische Form ihrer Blutkügelchen.
Ueber den Farbenwechsel der Vögel legte Bachman
viele, an nordamerikanischen Arten angestellte, recht interes-
sante Beobachtungen vor (Transact. of the Americ. philosoph.
Soc. Philadelph. 1839. Vol. VI. part. 2. p. 197).
Er zeigt, gegen Flemming und Ord, dass der Farbenwechsel bei
den Vögeln, sowohl bei Anlegung der ausgefärbten Kleidung oder,
wo es vorkommt, des Sommerkleides, nicht durch Farbenumände-
rung in den alten Federn, sondern in Folge des Mauserns vor sich
gehe, wenn gleich es mitunter einige Zeit dauert, bis die neuen Fe-
dern ihre volle Färbung erhalten. Die doppelte Mauser, welche
Ord geläugnet hatte, wird an vielen nordamerikanischen Vögeln
nachgewiesen.
Berichtigende Bemerkungen über die Bewegungen von
Radius und Ulna am Vogelfliigel theilte Bergmann rait (Miil-
ler's Archiv 1839 S. 296).
Ueber den in Kopenhagen gemachten Fund des Schädels
der ausgestorbenen Dronte (Froriep's Notizen 1841. S. 186)
hat Ref. keine bestätigenden Nachrichten auftreiben können.
Fossile Vögelknochen, die ehemals so selten waren, wer-
den jetzt weit öfter, wenngleich noch immer nicht zahlreich,
gefunden.
67
Owen (Ann. of nat bist. n. 34 p. 65) beschrieb Vögelüberreste,
aus einem Brustbein mit andern Knochen und einem Kreuzbein be-
stehend; das erstere Stück in der Sammlung Hunter's, das andere in
der von Bowerbank; beide aus dem London clay von Sheppej-.
Das Hunterische Exemplar besteht aus dem fast ganzen Brustbein,
den nächsten Enden der Hakenschlüsselbeine, einem Rückenwirbel^
dem untern Ende des linken Femurs, dem nächsten Ende des ent-
sprechenden Schienbeins und einigen Rippenfragmenten. Owen er-
klärt diese Theile als von einem Geier herrührend, wahrscheinlich
aus der Gruppe der, Aasgeier {Accipitrine Scavengers); doch zeigen
die fossilen Knochen eine kleinere als bisher bekannte Art an, da-
her sie wohl einer eignen Untergattung angehören mögen. Das an-
dere Stück besteht aus 10 miteinander anchylosirten AVirbeln, von
denen 4 den Lendenwirbeln der Säugthiere analog sind, und denen
5 andere folgen, an denen, wie bei den Geiern, die untern Querfort-
fiätze nicht entwickelt sind. Owen giebt diesen Ornitholiten den pro-
visorischen Namen Lithornis vultunnus.
Im Süsswasserkalk von Mainz und Wiesbaden wurden ebenfalls
Vögelknochen gefunden (Leonhard's Jahrb. 1839. S. 70, 77, 78. Jahrg.
1840. S. 219). — Aus dem Kenter Kalkstein erlangten Lord Cole und
Eg ertön den Oberarmknochen eines Vogels, dem eines Albatros sehr
ähnlich, aber stärkerund länger. Mantell fand in der Wealden For-
mation von Tilgate Forest die Knochen eines Sumpfvogels, grösser
als der Reiher (Ann. of nat. bist. VI. p. 493).
Ein besonders merkwürdiger Fund ist an den Ueberresien eines
Vogels im Kreideschiefer des Kantons Glarus gemacht worden. Auf
einer Platte dieser Schiefer, welche Agassiz für eine Formation vom
Alter der Kreide erklärte, fand H. von Meyer (Leonhard's Jahrb.
1839. S. 683) „Skelet-Ueberreste von einem Thiere, das nichts ande-
res als ein wirklicher Vogel gewesen sein kann, was durch die
deutlich erhaltenen Knochen des Flügels und des Fusses ausser al-
len Zweifel gesetzt wird. Die Füsse waren nicht zum Waten ein-
gerichtet, das Thier gehörte also nicht zu den Sumpfvögeln; besser
passt es in die Ordnung der Sperlingvögel, und es besass die unge-
fähre Grösse einer Lerche." Dies ist demnach das älteste Vorkom-
men von fossilen Vögelüberresten, indem ein im Grünsand von New
Jersey gefundener Knochen ganz unsicher bestimmt ist, das Kno-
chenfragment aus dem Hastingssande des Waldes von Tilgate auch
nicht völlig sicher gedeutet werden kann, und die Vogelfährten, die
Hitchcock gefunden haben will, von H. v. Meyer nicht als solche
anerkannt werden, worin ihm Ref. vollkommen beistimmt, da er sich
über die Leichtgläubigkeit der Geologen in Anerkennung dieser Vo-
gelfährten nie genug wundern konnte, üeberhaupt will Ref. bei die-
ser Gelegenheit bemerklich machen, dass, obgleich er selbst ächte
Hirschfährten, im Kalksiuter von Weilheira eingedrückt, für die hie-
sige Sammlung acquirirt hat, er doch keineswegs die bekannten Ein-
5*
68
drücke in manchen Sandsteinen für Thierfährten ansehen kann, son-
dern eher für Residuen von handförmig gestalteten Spongien, welche
heut zu Tage noch unter seltsamen Formen vorkommen, von denen
eine unter dem Namen Manus diaboli schon seit längerer Zeit Auf-
sehen erregt hat. Die neue Wissenschaft, Ichnologie benannt
(Ann. of nat. hist. VI. p. 495), steht demnach vor der Hand noch auf
sehr schwachen Füssen *).
f. A-Ccipitres»
In der Revue Zool. 1839 geben Lesson (S. 102) und
La Fresnaye (S. 193) Uebersichten ihrer systematischen Ein-
theilungen der Raubvögel.
Brehm machte (in der Isis 1840. S. 274) 5 Fälle be-
kannt, wo einjährige Weibchen von Tagraubvögeln, die in der
Regel erst im dritten Jahre zeugungsfähig werden, Eier gelegt
hatten. Es waren dies ein Thurmfalken - , ein Sperber- und
drei Habichtweibchen.
In der Isis will Brehm eine „vollständige Naturgeschichte
der Vögel Deutschlands" liefern und hat den Anfang mit den
Raubvögeln gemacht, von denen er im Jahrg. 1840. S. 593
und 767 die Geier abhandelt.
Erste Gattung: Cathartes mit der einzigen Art C. percnopte-
rus, die Brehm aber wieder nach seiner bekannten Weise in soge-
nannte Subspecies zerfällt, nämlich den europäischen, kapischen und
nordaffikanischen Aasgeier.
Zweite Gattung: Vultur, wo Brehm unter den falben Arten
zuerst seinen schon früher von ihm aufgestellten V. alhicolUs und
dann den F. fulvus Auct. beschreibt. Hieran schliesst er die Be-
schreibung von noch 3 andern, dem V. fulvus ähnlichen Arten, von
welchen er meint, dass die erste und letzte auch in Deutschland
vorkommen könnte. Diese sind: 1) V. gallipenis Brehm, der sich
*) Bei der nun folgenden Aufzählung der neuen Arten hat Ref. ira
Voraus zu erinuern , dass er, da die Zahl der Publikationen mit je-
dem Jahre beträchtlicher wird, und der zugemessene Raum für den
Jahresbericht daher immer weniger auslangen will, von dem Plane
seines Vorgängers, die Diagnosen aller Arten mitzutheilen, in so
weit abgegangen ist, dass er solches bei allgemein verbreiteten
Journalen, wie die Proceedings, Revue zoologique, Annais of nat.
hist. u. dergl., auch bei Hauptwerken, die der Ornitholog doch nicht
entbehren kann, unterlassen hat. An eine kritische Prüfung aller als
neu aufgestellten Arten, hat Ref. eben so wenig als sein Vorgänger
denken können.
69
hauptsächlich durch die Krause und geringe Grösse unterscheidet und
von der Insel Cypern stammen soll. 3) Der V. Kolöü hath., und
3) V. crütatusj den er für gleichnamig mit der Linneischen Art an-
sieht. Unter den braunen Geiern führt Brehm Z Arten auf, den Vul-
tur cinereus und Monachus Linn.
Während Brehm in gedachter Weise mit Vervielfältigung der
Arten aus der Gattung Vullur beschäftigt war, scheint er den mit
einiger Hitze geführten Streit zwischen R ü i> p e 1 1 und T e m m i n c k über
die Festsetzung der Geier -Arten ganz überhört zu haben. Dieser
Streit wurde angefacht durch eine Monographie über diese Gattung,
welche Rüppell in den Annales des sc. nat. XXI. 1830 erscheinen
liess. Einige Bemerkungen darin veranlassten Temminck zu einer
nochmaligen Revision der Geiqr- Arten in der 89. Lieferung seiner
Planches coloriees, welche Rüppell in seinen abyssinischen Wirbel-
ihieren S. 46 einer wiederholten und gründlichen Prüfung unterwarf,
worauf Temminck bei Beschreibung des V. aegypius abermals auf
den Gegenstand zurückkam. Temminck nahm im letzten Verzeich-
nisse 9 Arten an: 1) V. aegypius s. auricularis^ 8) V. pondicerianus^
3) V. imperialis T. (Chincou), 4) F. cinereus j 5) V.fulvus, 6) V.
indicus (Chaugoun), 7) V. Kolbä (Chass£-fiente), 8) V. occipitalis
und 9) V. a7igole?tsis. Rüppell weicht in seinem Verzeichnisse darin
ab, dass er erstlich den F. atigolensis als „unwiderruflich eine Fal-
kenart" erklärt, während Temminck auf dem Geier besteht, worin er
auch Recht haben wird, da Nitzsch (Pterylograph. S. 68) nach Un-
tersuchung der Original -Exemplare den Ausspruch thut, dass dieser
Vogel gewiss nicht zu Falco gehört, sondern eher zu Neophron.
Dann verbindet Rüppell F. cinereus und imperialis^ was sich aller-
dings als richtig bewäliren dürfte. Ferner vereinigt er F. auricU'
laris und aegypius miteinander, was jetzt auch Temminck anerkennt.
Die meiste Differenz ergiebt sich hinsichtlich der grossen falben Ar-
ten, unter denen Rüppell 3 unterscheidet: 1) den V.fulvus, dessen
Halskrause aus weissen, langen und breiten Federn besteht (abarbes
soyeuses, piliformes) und dessen Federn an Brust, Bauch und Flügel-
decken lang, schmal und zugespitzt sind; 2) F. Kolbii, dem fulvus
ähnlich, durch die weisse Krause mit abgerundeten kurzen Federn
(ii barbes soyeuses), aber die Federn des Unterleibs und der Flügel-
decken abgerundet; 3) V.Chasse-fiente (Levaillant tab. 10, Borckh.
Heft 10) Federn der Krause lang, schmal, braun, die des Unterleibs
von derselben Form und Farbe. — Temminck erklärte in der 89.
Lieferung Rüppell's V. Kolbii für einen ächten F. indicus^ wel-
chen Irrthura er indess im 4. Bande der Manuel d'Ornithologie zurück-
nahm, indem er einen F. Kolbii mit den von Rüxipell angegebenen
Merkmalen aufstellte, hierzu jedoch auch Levaillant's Abbildung tab. 10
rechnete. Wenn dieses Citat richtig sein sollte, so wäre die Abbil-
dung ganz verfehlt, denn sie gleicht offenbar dem Rüppell'schen F.
Chasse-ßente am Meisten. RüppeU's Vultur Chaise -ßente ist iden-
70
4
tisch mit dem V. fulvus Temminck's, Brchm's und der meisten Au-
toren, deren Name ihm daher belassen werden muss. Rüppel's F.
fulvus wird dagegen Brehm's V. alkicollis sein, lieber die neuen
Brehm'schen Arten, die zur Zeit noch sehr problematisch sind, wage
ich nicht zu entscheiden. Keyserling und Blasius zählen nur 8 falbe
Arten auf; F. fulvus und Kolhii^ welcher letztere ihnen aber nicht
aus Autopsie bekannt ist.
Der bisher nur aus einem defekten und schlecht präpa-
rirten Exemplare mangelhaft gekannte Vultur californianus
Shaw, wurde von Lichtenstein (Abh. der Berlin. Akademie
1839. S. 424. Tab. 1) genau beschrieben und abgebildet, un-
ter dem Namen Sarcoramphus californianus.
Er ist mit dem Condor nahe verwandt, doch fehlt der Fleisch-
kamm, der Schnabel ist stärker, die Hornscheide des Oberschnabels
hat einen tiefen Einschnitt an der Bückenseite, am Kopf reicht die
Befiederung nur bis an die Stirn zwischen den Augen, Hals und
Nacken sind ganz nackt, die Federn der Halskrause, der Brust und
des Bauches lang gestreckt und schmal. Die ganze Länge von der
Schnabelspitze bis zum Schwanzende beträgt i'. Von Deppe in der
Kordillere von Neukalifornien gefunden.
Ob und in wie viel Arten die Barjigeier zu vertheilen
sind, darüber sind sehr verschiedene Meinungen geäussert
worden.
Temminck erklärte sich noch im Manuel d'Ornithologie S^part.
p. 7 für eine einzige Art, indem er sagt: „J'ai re9u des individus du
nord de l'Afrique et un nombre assez considerable du Cap de Bonne-
Esperance: tous ces sujets ne different pas de ceux de nos Alpes." --
Rüppell, der den Bartgeier in Oberegypten, auf dem sinaitischen
Gebirge und besonders häufig auf allen Hochgebirgen Abyssiniens
fand, behauptete mit grösster Bestimmtheit: „überall unwiderruflich
dieselbe Art, welche in Europa vorkommt.^^ (Abyss. Wirbelth. S. 43.) —
Auch Gebier und Brandt sprachen sich für eine einzige Art aus
(Bullet, de l'Acad. de Petersb. VI. p. 293 und 895). Der Bartgeier
kommt im russischen Reiche auf dem Kaukasus, Altai, dem sajani-
schen und daurischen Gebirge vor. „An eine spezifische Differenz
der auf diesen einzelnen Bergketten vorkommenden Vögel," äussert
sich Brandt, „ist nicht zu denken, denn unsere kaukasischen Exem-
plare erwiesen sich als den europäischen, altaischen und daurischen
identisch; ja ich möchte nach der Vergleichung der Exemplare un-
serer Sammlung nicht einmal an eine Unterscheidung von klimati-
schen Varietäten denken. Vielleicht darf man auch wohl diese bei
einer Vogelart um so weniger erwarten, die auf den höchsten Ge-
birgen der Schweiz und Sardiniens sowohl, als auf dem Kaukasus
und in Sibirien^ so ziemlich unter ähnlichen klimatischen Verhältnis-
sen lebt; denn überall hält er sich mehr oder weniger in der Nähe
der Schneeregion und der Gletscher, oder in den Schneeregionen
und auf den Gletschern selbst."
Dagegen sprachen sich andere Ornithologen für mehrere Arten
aus. Brehm (Isis 1840. S. 769) trennte 3 Arten: 1) Alpengeier-
adler {Gypaetos grandis), von den beiden nachfolgenden durch die
bedeutende Grösse, von dem südafrikanischen auch noch durch die
ganz befiederten Baisse verschieden; 2) Berggeieradler {G.subal-
pitms Brehm), weit kleiner, oben schwarzbraun, unten bräunlich
orangenroth, Füsse ganz befiedert; 3) nacktfüssiger Geierad-
ler {G. nudipes Brehm) noch kleiner als der vorhergehende, Befie-
derung und Zeichnung fast ganz wie bei G. grandis, nur ist der
Bart viel stärker als bei diesem, die Farben sind höher und schöner,
die Fusswurzeln sind unten 9'" hoch nackt und spärlicher befiedert»
Davon kommt nach Brehm No. 1 auf den europäischen Alpen vor;
No. 8 auf niedrigem Gebirgen in Sardinien, Dalmatien, auf den Py-
renäen und wahrscheinlich in Nordafrika; No. 3 hält sich in Südafrika
auf. — Die spezifische Verschiedenheit des südafrikanischen vom
europäischen Bartgeier erkannte schon Wiegmann an (Archiv 1839. 2.
S. 407); ebenso Keyserling und Blasius, die jenem den Namen G.we-
ridionalis gaben. Ihre Vermuthung, dass zu ihm auch der sardinische
gehören möchte, ist jedoch unbegründet, da dieser, wie es auch das
Exemplar der hiesigen Sammlung erweist, ganz befiederte Läufe
und eine gesättigtere Färbung der Unterseite hat. Ob man nun diese
3 Bartgeier, wie sie Brehm unterschied, als Arten oder Varietäten
gelten lassen will, darüber kann gestritten werden; auf jedem Fall
ist es erspriesslich, dass auf diese 3 verschiedenen Formen aufmerk-
sam gemacht worden ist.
Die grosse Gattung Falco ist mit mehreren neuen Arten
bereichert worden.
Gene stellte einen Falco Eleonorae auf, den de la Marmora
auf Sardinien entdeckt hatte. Er ist dem F. subbuteo ähnlich, ist
aber viel grösser, die Wachshaut bläulich, der schneidende Rand des
Oberkiefers zwischen der Basis und dem Zahne nicht ausgerandet,
die Eier röthlich, rostbraun gespritzelt und gefleckt (Institut 7e,
Novbr. 1840; Revue Zool. 1839. S. 105; Temm. manuel. IV. p. 593).
Mo Clelland unterschied in den Proceed. VII. p. 153 iind 154
zwei neue Falken -Arten aus Assam: 1) Spi% actus rufitinctus
iiüi Falco int er st in et US, von denen der letztere dem weiblichen
jF. Tinnunculus ähnlich ist, doch sollen beide Geschlechter gleich-
farbig sein.
Die von Rüppell in Abyssinien aufgefundenen neuen Falken-
arten sind : Falco (Jquila) albicans, Circaetus funereus^ Buteo Augur
72
II. hydrophüus. Astur unduUventer u. perspicillaris ^ Ni'sus polyxonus
u. sphe?iurus'^).
Smith publizirte in den ersten 12 Heften seiner Illustrat. of ü\e
Zoolog, of South Afrika als neue Falken - Arten aus Südafrika:
1) Falco semitorquatus (N. 1. tab. 1;), 8) Accipiter polyxonoides (N. 4.
tab. 11.), 3) Astur melanoleucus (N. 5. tab. 18.), 4) Aquila coronata
liinn. (N. 9. tab. 40. 41.), 5) Aquila bellicosa Daud. (N. 9. tab. 48.),
6) Circus Stvaiiisonii (N. 9. tab. 43 und 44), identisch mit Falco pal-
lidiis Sykes, der wieder einerlei ist mit F. dalmatinus Rüpp.
Vom Falco Sparverius erinnerte der Prinz von Wied (Reise
ins innere Nordamerika I. S. 586), dass, obwohl die nordamerikani-
schen und brasilischen gewöhnlich für einerlei Art gehalten werden,
er doch einige constante Abweichungen gefunden habe. Der nörd-
liche Vogel scheint etwas grösser als der brasilische, und bei allen
Exemplaren aus der letzteren Gegend fehlte immer der rothbraune,
mützenartige Fleck auf dem aschgrauen Kopfe, einiger andern klei-
nen Verschiedenheiten nicht zu gedenken. Der Prinz schlägt daher
vor, wenn sich obige Abweichungen bestätigen, dem nordamerikani-
schen Vogel AQVii^ümtn Sparverius zu belassen, den brasilischen aber
als sparverioides zu bezeichnen. Ref. hat hierbei zu bemerken, dass
schon früher Vigors einen F. sparverioides aufstellte, dem der rothe
Fleck auf dem Scheitel fehlte, dass aber d'Orbigny, der einen sol-
chen Vogel in R. de la Sagra hist. de Cuba tab. 1 abbildet, ihn doch
nur für eine der vielen Abänderungen des F. Sparverius erklärt.
Lichtenstein (Abh. der Berl. Akad. 1838. S. 488) machte uns
mit einem Falken aus Kalifornien, Falco (Buteo) ferrtigineus bekannt,
der mit Pennant's St. Johns Falcon nahe verwandt ist. „Grösse
26^ Zoll. Flügelspitzem bis auf das letzte Drittheil der Schwanzlänge
reichend, Tarsen bis fast an die Zehenwurzel befiedert. Oberseite
rostroth mit schwarzen Längsflecken; Bauchseite weiss mit zerstreu-
ten schmalen Schaftstrichen auf der Brust und mit dichteren, grösse-
ren herzförmigen Flecken auf dem Bauch, die sich zu einer breiten
Ouerbinde zusammen stellen; Hosen und Tarsen rostroth mit schwar-
zen Querbinden, der ansehnlich zugerundete Schwanz ohne Binden,
röthlichgrau."
Aus der Darwin'schen Sammlung (Zoolog. Birds) hat
Gould mehrere neue Arten südamerikanischer Falken publizirt.
Sie heissen: Milvago albogularis (tab. 1.), Craxirex {Polyborus)
galapagoensis (tab. 8.), Buteo varius und ventralis^ Circus megaspi-
lus. Ihre Diagnosen sind schon in den Proceed. von 1837 (Archiv
V. 1. S. 373) mitgetheilt. Die Untergattung Craxirex ist jedoch
erst in der Darwin^schen Zoologie aufgestellt, mit den Merkmalen;
*) Gould's etwas später aufgestellter Haliaetus sphenurus muss
deshalb einen andern Namen bekommen.
73
,^rostrum Buteonis sed longius; mandibulac supcrioris margo rectusr,
versus apicera subito incurvus. Alac elongatae. Gera lata. Nares
fcre rotundae, apertae. Tarsi mediocres, antice squamis tecti, Di-
giti niagni, fortes; ungues obtusae."
In den Preuss. Provinzialblättern von 1839 finden sich
vom Prediger Löffler mehrere beachtenswerthe Bemerkungen
über europäische Falken- Arten.
S. 75 begründet er seine Zweifel, dass der Seeadler {F. albicülä)
in Norwegen überwintere, gegen Wiegmann's Einwendungen damit^
dass erstlich der Seeadler es nie in Preussen den Winter über aus-
halte; dann dass er nur zur Brütezeit zur Fischnahrung seine Zu-
flucht nehme, später aber als Landvogel vom Wasser entfernt lebe^
auch könne er nur bei ruhiger See Aschen, diese sei aber im Früh-
lioge und Herbste oft anhaltend sehr bewegt, so dass er eben so
lange fasten müsste. Endlich würde der Seeadler im Winter ohne
Nahrung sein, weniger wegen des Zufrierens der See, sondern weil
die Fische der Kälte wegen in der Tiefe blieben — Hinsichtlich des
Falco lagopus bezweifelt Löffler (S. 344) Gloger's Angabe, dass er
auf Rügen und in der Lausitz brüte, da er selbst in Ostpreussen ein
Zugvogel gleich dem Seidenschwanz und Schneeammer sei. Seine
Nahrung bestehe nur in Mäusen; nie habe der Verf. etwas Anderes
als Mäuse -üeberreste im Magen gefunden. — Vom F. naevius laug-
net Löffler (S. 346) Gloger's Angabe, dass der Schreiadler wasser-
reiche Gegenden liebe und vorzüglich Wasservögeln, nebenbei auch
Hühnerarten u. dergl. nachstelle. Seine Schwerfälligkeit mache ihn
dazu untüchtig. Vielmehr fände er sich im Frühling und Sommer
auf Wiesen, wo er hauptsächlich Frösche fresse, im Herbste auf
Aeckern, wo er einzig und allein Mäuse verzehre. Anderes würde
nur gelegentlich gespeist; Aas niemals.
Ueber das Betragen der männlichen Eulen gegen ihre
Weibchen und Jungen IheilteBrehm (Isis 1840. S.275) einige
Erfahrungen mit. — Ueber Züge von Schnee-Eulen, die auf
der See gesehen wurden, berichtete Thompson (Ann* of
nat. hist. III. p. 107).
Lichtenstein (Abh. der Berl. Akad. 1838. S. 430) charakterisirte
eine neue nordamerikanische Art: Strix frontalis: „8 Zoll
Länge; Flügel und Schwanz gleich lang, Zehen bis an die Krallen
befiedert, Schwanz mit 3 (aus weissen runden Flecken zusammen-
gestellten) Binden und weissem Endsaum; Stirnfedern weiss und
sich in weisse Bogen über die Augen her fortsetzend; Scheitel-
federn gestrichelt, Deckfedern der Flügel mit einzelnen grossen
weissen Flecken, erste Schwingen mit kleineren dergleichen an den
äusseren und mit grösseren an den inneren Fahnen, Schwingen zwei-
ter Ordnung nur an den innern Fahnen gefleckt; kleine Federn und
74
Borsten rund um das Auge, sowie die Wimpern schwarz; Schnabel
immer schwarz." Lichtenstein bemerkt hierbei, dass die Strix pas-
serina Linn. sicherlich nicht in Amerika zu finden und die damit
zusammengeworfene St. acadtca La, th. nichts anders als das Jugend-
kleid von St. frontalis sei.
Zwei kapische Eulen beschrieb Smith in seinen Illustrations,
gab ihnen aber unglücklicher Weise denselben Namen, was nicht zu
billigen ist, da den Unterabtheilungen der Eulen doch nur die
Rechte von Untergattungen zuerkannt werden können. Sie heissen:
1) Athene capensis (N. 8. tab. 33.), 2) Strix capensis (N. 9. tab. 45.).
Auch d'Orbigny machte in B. de la Sagra hist. nat. de Cuba
2 Eulen -Arten bekannt, denen er den Namen Ottcs Siguapa (tab. 2.)
und Noctua Siju (tab. 3.) beilegte.
Eine neue Eulenart, Syrnium ocellatum^ von Pondichery be-
schrieb Lesson (Revue Zool. 1839. p. 289).
Der schon früher von Gould beschriebene Otus galapagoensis
ist nunmehr in der Darwin'schen Zoologie auf tab. 3 abgebildet wor-
den. Eine zweite Eulen - Art publizirte daselbst G. R. Gray als
Strix punctatissinia und liess sie auf ^ib. 4 darstellen; sie kommt
ebenfalls auf den Galopagos- Inseln vor.
ZJT. JPasserinae»
Das Interessanteste, was in der grossen Ordnung der Sing-
vögel (im Sinne von Nitzsch genommen) vorgekommen, sind
die Bestrebungen, ein äusserliches Merkmal zur Charakterisi-
rung dieser grossen Abtheilung ausfindig zu machen.
Keyserling und Blasius haben in diesem Archive 1839. S. 293
und in ihren Wirbelthieren Europa's S. 81 ein solches in der Beklei-
dung der Läufe aufgestellt, und hiernach Oscines und Scansores un-
terschieden. Von den ersteren sagen sie: „die Hinterseite der Läufe
dem grössten Theil ihrer Länge nach von einer der Quere nach un-
unterbrochenen Horndecke bekleidet, oder selten durch schwache
Ouereindrücke in Schilder zertheilt, die dann den Tafeln der Vor-
derseite in Zahl und Länge ungefähr entsprechen; mit Singmuskel-
apparat." Von den Scansores heisst es: „die hornige oder weich-
häutige Bedeckung auf der Hinterseite der Läufe der ganzen Länge
nach vielfach zertheilt, maschig genetzt, zuweilen mit einer Reihe
kleiner Täfelchen, deren Anzahl dann weit grösser ist als die der
Täfelchen auf der Vorderseite; ohne Singmuskelapparat." — Bur-
meister (Archiv 1840. S. 280) erinnerte jedoch gegen die allgemeine
Gültigkeit dieses Merkmals, dass hinsichtlich desselben nicht blos
die Lerchen, wie es schon Keyserling und Blasius angaben, eine
leichte Differenz vom gewöhnlichen Typus der Laufbekleidung zei-
gen^ sondern dass es noch viel erheblichere gebe, ja dass unter den
75
Ampeliden in. der Laufbckleidung Moditicationcn vorkämen, wie sie
bei vielen Wiedvögeln, z. B. Caprimiilgus, Coracias, Upupa u. a. ge-
funden würden. — Hierauf entgegneten Blasius und Keyserling
(Archiv 1840. S. 362), dass ihnen da.s abweichende Verhalten einiger
Ampeliden schon früher bekannt gewesen wäre, dass sie aber diese
Formen deshalb nicht berücksichtigt hätten, weil me selbige nich<i
für Singvögel hielten. Sollte Letzteres aber wirklich erwiesen wer-
den, so schlagen sie vor, aus diesen in mancher Beziehung abwei-
chenden Formen, — deren Uebereinstimmung mit den Singvögeln
übrigens nicht so vollständig sei als sie Burmeister angegeben habe —
eine eigne kleine Familie zu bilden, analog den vielen, die Nitzsch
unter seinen Picarien errichtete. Diese Absonderung von den ächten
Singvögeln möchte, nach des Ref. Ermessen, allerdings das Zweck-
massigste sein, wodurch man dann unter den Singvögeln zwei
Hauptgruppen aufstellen könnte, die sich durch die Bekleidung der
Hinterseite des Laufs von einander unterscheiden würden.
Aus der Rev. zool. 1840. p. 145 ersieht man, das La
Fresnaye die Publikation begonnen hat eines Essai d'une
nouvelle nianiere de grouper les genres et les especes de
Tordre des Passereaux etc. Paris. 8.
Da Ref. diesig Arbeit bisher übersah, so kann von ihr erst im
nächsten Jahresberichte die Rede sein« Nach der Ankündigung sind
zur Zeit 8 Familien auf 52 S. abgehandelt.
Selys de Longchamp hat seine Classifikation der Pas-
serinae in der Rev. zool. 1839. S. 9 entwickelt. Eine ähn-
liche Arbeit von La Fresnaye über die Familie der Saxico-
lidae und Sylvidae findet sich ebendas. S. 161.
An neuen Arten ist eine erstaunliche Menge vorgeführt
worden, wie es von einer Ordnung, welche f der ganzen
Klasse ausmacht, nicht anders erwartet werden kann. Hin-
sichtlich der Anordnung der Gattungen, folgt Ref. der Grup-
pirung von Nitzsch.
ö) Corvinae* Sowohl an ächten Krähen als an Elstern
sind mehrere Arten endeckt worden.
Delessert (Rev. zool. 1840. p. 100) unterscheidet die Elster
aus Butan unter dem Namen Pica bottaneiisis als besondere Art von
der unserigen. Mit dieser hat sie gänzlich die Färbung gemein, ist
aber beträchtlich grösser, der Schnabel gestreckter, schmächtiger,
die Flügel in Bezug auf den Schwanz viel länger, überdiess die
Schwanzfedern am Ende auffallend erweitert und abgeschnitten, mit
welligen Schäften, deren Undulationen ebensoviel, etwas dunkleren
Querbinden der Fahnen entsprechen. — Eine mexikanische Art be-
zeichnet Neboux als Geai de San Blas (Ebenda, S. ;890 u. 3«3). -,
76
Eine ähnliche eben daher stellt Lesson als P.ornata auf (Ebendas.
1839. S. 41).
Der Prinz von Neuwied (Reise in das innere Nordam. S. 508)
sieht die nordamerikanische Elster, Pica hudsonica Bon. für eine
eigne Art oder wenigstens als konstante Varietät von der europäi-
schen an; sie scheint etwas grösser und die Iris, die wie bei dieser
dunkelbraun ist, ist überdiess an der äussern Seite von einem grau-
blauen Ringe umgeben ; dabei ist die Stimme beider Vögel ganz ver-
schieden.
Vigors zählt in der Zoology of Beechey's voyage (S. 21) 4 Ar-
ten auf, worunter 3 neue abgebildet sind. Von dieser ist Pica Bee-
cheü u. ColUei schon früher beschrieben, erstere auch in der Favo-
rite p. 52. t. 20 beschrieben und abgebildet worden, Garrulus califor-
7ncus dagegen hier zum erstenmal charakterisirt. Seine Diagnose
lautet: „G. supra pallide coeruleus, dorso brunescenti-fuscoj gula,
collo anteriori, plumis paucis superciliaribus corporeque infra albis;
rectricibus lateralibus fasciis obsoletis fuscis notatis." In Menge um
Monterey. — Garrulus luxuosus aus Mexico ist von Lesson auf-
gestellt (Revue zool. 1839. S. 100).
Rüppell fand in den von ihm bereisten Provinzen 10 Arten aus
der Krähen - Familie auf: Corvus cornix^ monedula , frugüegus ^ sca-
pulatus, affinis, crassirostris , capensis^ Pica vulgaris und senegalen^
sis, Pyrrhocorax graculus', hierunter sind: C. affinis und crassiro-
stris neue Arten. -— Ref. fügte in seinem Berichte vom 10. November
1838 (Münchn. gel. Anzeig. 1839. S. 301) über die vom Hofrath von
Schubert aus dem Orient mitgebrachten Sammlungen eine dritte Art
bei, den Corvus infumatus: C. nigro-fuscus, dorso, alis caudaque
paulum chalybeo - relucentibus; rostro longo, compresso, scabro,
culmine curvato. In der Grösse hält er das Mittel zwischen dem
Raben und der Krähe, ist am Nächsten mit C, macrorhynchus ver-
wandt, doch ist dieser etwas kleiner, hat einen aufgeblaseneren und
glatteren Schnabel und ist ganz schwarz mit schönem Stahlglanz. —
Auch Hedenborg fand in den Ländern ums rothe Meer eine neue
Art auf, die er Corvus umbrinus benannte und die von Sunde wall
(Abhandl. der schwed. Akad. für 1838 j von Creplin in der Isis 1840.
S.143 übersetzt) beschrieben wurde: „C. niger, capite colloque gri-
sescentibus, plumis juguU medii bifidis, rostro magno, compresso,
culmine valde arcuato; alis caudam aequantibus." Obschon letztere
Art dem C. infumatus verwandt ist, so unterscheidet sie sich doch
von ihm durch die graue Farbe des Kopfes und Halses, welche der
vom Ref. aufgestellten Art ganz abgeht.
Max Rosen heyn erzählt in den Preuss. Pro vinzialblättern 1839.
S. 269, dass in Masuren eine weisse Krähe geschossen worden
sei, welche er für eine Varietät von Corvus cornix ansieht. Er hält
C. corone und cornix für klimatische Verschiedenheiten, und bemerkt,
dass die weisse Varietät, über welche er spricht, im östlichen Europa
77
die gemeinere sei. lo letzterer Angabe liegt offenbar ein Versehen,
da die weisse Krähe allenthalben nur als einzelne Ausartung vor-
kommt, so dass unter der im östlichen Europa lebenden weissen
Krähe wohl die Nebelkrähe zu verstehen sein wird.
Horsfield beschrieb eine neue Art, Dendrocitta frontalis aus
Assam (Proceed. VII. p. 163).
b) JParadisidae, Lay erwähnt einer Paradisea apoda^
die schon 14 Jahre in der Gefangenschaft gehalten wurde und dabei ge-
sund und frisch war^ ihr Futter bestand in gekochtem Reis mit eini-
gen Heuschrecken. Ihre Stimme ist laut und sonor; die Melodie ist
io Noten gesetzt (Ann. of nat. bist. n. 35. p. 150).
Lesson charakterisirte in der Revue zool. 184Ö. p. 1 eine von
ihm errichtete Gattung Paradigallay zu welcher er P. carunculata
von Neu Guinea zählt.
Epimachus wird vonNitzsch hierher gesetzt, als zu Paradisea
sich verhaltend, wie Corvus graculus zu den ächten Raben und Krä-
hen (Pterylograph. S. 108).
Rüppell (^abyss. Wirbelth. S. 22. tab. 9) stellte einen Ptilono-
rhynchus (Küta) albirostris auf, der eine merkwürdige Verwandt-
schaft mit dem javanischen Pt. holosericeus zeigt.
c) jämpelidae» Dieser Familie wird man eine engere
Begrenzung, als sie bei Nitzscli hatte, geben müssen, um ihr
nur diejenigen Gattungen zu belassen, welche in der Beklei-
dung des Laufs von den übrigen Singvögeln abweichen.
Neue Arten sind:
Atnpelis lamelUpennis von LaFresnaye (Guerin mag. de zool.
1839, 6e livr.),derA.purpurea ähnlich,aber durch ganz weissen Schwanz
und durch besondere Form der Federn an Kopf und Rumpf verschieden.
A. Merrefnii Less. (Revue zool. 1839. p. 101) aus Peru. — Von
Boissonneau in der Revue zool. 1840. p. 2 aus Bogota: A. Nattere-
nV, r ufo er ist ata im A RteJ/eni; späterhin (S. 37) erklärt er jedoch, dass
seine 2te Art mit A. rubrocristata von La Fresnaye und d'Orbigny,
so wie seine 3te Art mit deren A. viridis identisch sei. — Pipra
Laplacei von La Fresnaye (Favorite p.41. tab. 16), dem Pardalotus
Pipra ähnlich, aber schon durch das Vaterland (Guyana) und den
Anfang der Syndactylie der Zehen davon unterschieden. — Pipra
filifera Lesson (Rev. zool. 1839. 40) aus Peru.
H 0 d g 8 0 n stellte im Journ. of the Asiat. Soc. of Bengal. Calcutt. 1839.
p. 35 eine Gattung īya auf, die jedoch identisch mit GolTld's Crossi"
dera undSwanison's P*amomM.sist. Seine beiden Arten heissen: 1;
Raya sericeognla^ papageigrün, unten ins Grünblaue übergehend, Kopf
und Hals oben schwarz, unten seidengelb, nebst einem gelben Band um
die schwarze Farbe; ein blauer Fleck am Scheitel und oben am
Rücken, ein gelber hinter jedem Ohre, Schwanz und Aussenrand der
Schwingen blau, innen schwarz. 2) Raya rubropygia, schiefergrau-
78
blau, Unterrücken und obere Scbwanzdecken rotli. Beide Arten
aus Nepal.
Eine neue Gatt. lodopleuray welche zwischen Pipra undPar-
dalotus in der Mitte steht und muthmasslich der alten Welt ange-
hört, stellte JLesson in der Rev. zool. 1839. p. 45 auf. Typus ist
Pardalotus Pipra Less. und eine neue Art I. guttata vom Senegal?
Die Gattung Pachycephala, die Ref. zweifelhaft hierher stellt,
erhielt an der P. lanioides eine neue Art aus Neu Holland (Gould
in den Proceed, VIF. p. 143).
d) Tanagridae* Tanagra (Rhamphocelus) Luciani, die La
Fresnaye in der Rev. zool. schon angekündigt hatte (Arch. 1839. 2.
S. 404), ist nun von ihm abgebildet und ausführlicher beschrieben
worden in Guerin mag. de zool. 1839. 4e livr. — Das Männchen von
Thoenisoma oJivacea beschrieb Lesson (Rev. zool. p. 99). Von Ta-
nagra Zena lieferte d'Orbigny (R. de la Sagra Cuba p. 74. tab. 11)
eine genaue Darstellung. Von dessen T. igniventris unterschied Du-
bus eine T. lunulata aus der Honduras -Bai (Bullet, de FAcad. de
Brux. 1839. 1. p. 439 mit Abbild). — Jglaia striata Gm. und Pipilo
personata Sw. hat Gould (Darwin's Zool. Birds. n. 5. tab. 34 u. 35)
abgebildet; ebendaselbst einen Emberixoides poliocephalus aufgestellt.
Aus der an neuen Arten so reichen Gegend von Santa Fe de
Bogota beschrieb Boissonneau in der Revue zool. 1840. p. 66 an
bisher unbekannten Tanagriden: Tanagra exiinia^ T. {Tachyphonus)
taeniata, T, (Jglaia) labradorides , Arremon assimilis, albo -frena-
tus, pallidinucha y schistaceus und semirufus. Ferner S. 2: Tanagra
Constantii, Vassorii und Riefferii. Gleichzeitig stellte La Fres-
aaye aus derselben Gegend die Arten auf: Arremon rubrirostris,
iuperciliaris, flavo-pectus und Nemosia verticalis (Rev. zool. p. 227).
Aus Mexico beschrieben Lesson und La Fresnaye in der Revue
zool. 1839: Embernagra Mexicana Less. (p. 42) E. brunneonucha
La Fr. (p. 97) E. pyrgitoides La Fr. (ebendas.) , Pyranga Mexicana
Less. (p. 41). P. sanguinolenta La Fr. (p. 97). Ewphonia coelestis
Less, (p. 42). Von Rhamphocelus führt Lesson (Revue zool. 1840,
p. 138) 9 Arten an, worunter eine neue R. affinisy von der er hier
Columbien, dagegen auf S. 9 Mexiko als Heimath angiebt.
Von der Nordwestküste Australiens ist Gould's neuer Parda-
lotus uropygialis (Proceed. VII. p. 143).
Die Gattung Spi%a^ welche den Uebergang von Tanagra zu Frin-
gilla bildet, erweiterte La Fresnaye mit einer 5ten Art: Sp. Leclan-
cherü von Mexico.
e) Wringilliüae *. Conirostres* Unter 9 Lerchenarten, die
Rüppell einsammelte, fanden sich 2 neue Arten: 1) Alauda rufi-
ceps aus der Provinz Simen und ausgezeichnet durch einen rostro-
then Oberkopf, begrenzt durch einen weissen Streifen oberhalb der
Augen (Abyss. Wirbelth. S. 102. tab. 38. Fig. 1). und 2) Macronyx flavi-
79
coUis (ebendas. tab. 38. fig.2). — Smith beschrieb eine neue Spe-
zies aus Südafrika, Alauda ferruginea (Dlustr. n. 7. tab. 89), und
Waterhouse (Proceed. VII. p. 60) eine andere, Alauda sinensis
aus China, welche mit A. Calandra nahe verwandt ist. Von der
A. cornuta gab der Prinz von Wied genaue Ausmessungen nebst
einigen andern Notizen (Reise S. 367). Drei Lerchen von Südafrica,
A, ferruginea, albescens und guttata beschrieb LaFresnaye(Rev.
zool. 1839. p.258).
Mirafra assamica und flavicollis sind H neue Arten aus Assam
(Horsfield in den Proceed. VII. p.165). Ebenda Lonchura {Ery-
thrurcL) melanocephala.
Rüppell's Emberixa septemstriata (Abyss. Wirbelth. S. 86.
tab. 30. fig.2) ist, wie er selbst bemerkt, mit vSmith's E. Tahapisi
identisch. Da übrigens letztere nur in dem in der Kapstadt gedruckt
ten Report bisher beschrieben ist, den man auf dem Kontinent durch
den Buchhandel nicht beziehen kann, daher er für uns gewisser-
massen nicht existirt, so wollen wir auch Rüppeirs Namen beibehal-
ten.—Emöcma luctuosa aus Chili, deren Hauptfarben weiss, schwarz
und bleigrau sind, ist von Eydoux und Gervais (Favorite p. 50.
tab. 19) aufgestellt, doch hatte sieLesson schon früher als Fringilla
erythrorhyncha publizirt (Rev. zool. 1840. p. 98).
Smith beschrieb 3 Arten von seiner Gattung Pyrrhulauda ia
den lllustr. n. 6. tab. 24—26, nämlich P, australis, verticalis u. leuco-
tis {Fringilla otoleucus Temm.); ferner: Vidua axillaris (n. 4. tab. 17).
Coliuspasser ist eine von Rüppell (Abyss. Wirbelth. S. 98) vor-
geschlagene Gattung für Fringillen mit sehr langen Steuerfedern. Er
kennt 2 Arten: C. torquatus uud ßaviscapulatuSj letzterer vielleicht
mit Brown' s yellow shouldred Oriole identisch.
Rüppell macht bemerklich (a. a. O. S. 93) dass die von Swain-
son (Birds of Western Afr. I. p. 208) erwähnte Pyrgita Simplex
nicht identisch mit Lichtenstein's jPVm^i//« simplex ist; er ändert da-
her den Namen in Pyrgita Swainsonii um, und liefert auf Tab. 33
eine Abbildung. Andere neue Arten von ihm siüd Pyrrhula striolata,
Serinus citrinelloides und tristriatus^ Euplectes xanthomela^ y Ama-
dina larvata.
Smith's Euplectes Taha (lllustr. n. 2. tab. 7) ist dem E. abyssi-
nicus so täuschend ähnlich, dass nur das schmälere schwarze Na-
ckenband den letztern unterscheidet. Gould's (proceed. VII. p. 143)
Amadina annulosa und acuticauda sind zwei neue Arten von der
Nordwestküste von Australien.
Die Fringilla hudsonia Forst, auf Kalifornien sieht Lichten-
stein (Abb. der Berl. Akad. 1839. S. 438) für eine höhere Ausfär-
bung des dieser Art auf der Ostküste zukommenden Farbenkleides
an. — Von Fringilla diuca Molin. und Passerina guttata (Meyen's
Emberiza guttata) sind in der Zoologie der Favorite auf Tab. 17 und
18 Abbildungen mitgetheilt.
80
Linaria caniceps ist von d'Orbigny aufgestellt (R. de la Sagra
Cuba p. 107. tab. 16), Fasserina oUvacea ,und Pyrrhula nigra sind
von ihm mit Abbildungen versehen worden (tab. 15, 17).
In der Revue zool. sind folgende neue Arten aufgestellt: Cocco-
thraustes fortirostris La Fresn. 1840» p. 228) von Bogota, Guiraca
Aheillei Less. (1839. p. 41), G. tricolor Less. (1839. p. 102) beide
aus Mexico, Pitylus pcrsonatus Less. (1839. p. 42) aus Cayenne,
P. guttatus Less. (1839. p.l02) aus Mexico, P. ardesiacus Less.
(1840. p. 226) aus Brasilien, Carduelis luxuosus Less. (1839. p. 41)
aus Mexico, C. rufugularis Less. (1839. p. 42) aus Brasilien, Pyr-
gita gularis Less. (1839. p. 45) vom Senegal, P. peruviana Less.
(ebendas.) aus Peru, Pyrrhula Aheillei Less. (1839. p. 40) aus Bra-
silien, P. cruentata Less. (1839. p.lOl) aus Mexico, P. cinnamo-
mea La Fresn. (1839. p. 99) vom Rio grande, Loxia prasiptera
Less. (1839. p. 104) vom Senegal. Mit dem Weibchen von Pyrrhula
erythrocephala macht uns La Fresnaye (1840. p. 129) bekannt.
Als neue Friogillen von Beechey's Reise bezeichnet Vigors
(S. 19) 1) den Saltator rufiventris „supra plumbo -cinerea, dorso
caudaque olivasceutibus , corpore infra rufescenti, crisso saturatiore,
superciliis albescentibus." 2) Fringilla crissalis, „supra fuscescenti-
brunea, subtus fusco-albescens, linea per oculos, gula crissoque
rufis." 3) Fringilla meruloides „supra brunea, alis, uropygio crisso-
que rufescentibus; subtus alba, rufobruneo - maculata.'* 4) Pyj-rhula
inornata „supra brunea, fusco obsolete lineatira maculata^ subtus
albescens, bruneo-maculata." Von Coccothraustes ferreo -rostris hat
Vigors eine schöne Abbildung (tab. 8) erscheinen lassen.
Der Philetaerus lepidus von Smith, den Swainson zuEuplectes,
Cuvier zu Ploceus, Latham zuLoxia stellte, ist in den Illustr. of the
Zool. of South Afr. n. 2. tab. 8 abgebildet worden.
Unter 6 eingesammelten Arten von Ploceus hält Rüppell 3 für
neu: P. larvatus^ Galhula und ruhiginosus; sie sind von ihm auf
Tab. 32 und 33 abgebildet. Smith fügt in den Illustr. 2 andere Arten
hinzu: Ploceus subaureus (tab. 30. lig.l) und ocularis (ßig.2), die mit
nördlicheren Arten sehr übereinstimmen. Sehr verschieden von allen
diesen ist eine 6te Art: Ploceus melanotis von La Fresnaye in
Guer. mag. de zool. 1839. 6elivr. Zwei andere Arten P. castaneo-
fuscus und isahellinus sind von Lesson (Rev. zool. 1840. p. 99
und 226).
Die ansehnlichste Vermehrung erhielten die Kegelschnä-
bler durch Gould (Darwin's Zool. Birds n. 4 und 5).
Zuerst errichtet er unter den Coccothraustinen 4 neue Gattun-
gen: Geospisa, Camarhynchus ^ Cactornis und Certhidea, von denen
er selbst sagt, dass sie auf eine merkwürdige Weise in einander
verlaufen, was auch für die 3 ersten ganz richtig ist und gegen
ihre Gattungsrechte zeugt, während ich von Certhidea die Verwandt-
ßChaft mit jenen nicht auffinden kann. Alle sind von den Galapago's-
81
Inseln und säinmüich neue Arten, nämlich: Geosptxa magnirostris
(tab. 36), stremia{t?i\i,Zl\ fortis (tab. 38), nehulosa, fuliginosa, den-
ttrostriSj ^Jört^w/« (tab. 39) und dubia. Camarhynchus psittaculus
(tab. 40) und crassirostris (tab. 41). Cactornis scandens (tab. 42) u.
assimiUs (tab. 43). Certhidca olivacea (tab. ,44). La Fresnaye
(Rev. zool. 1840. p. 323) bemerkt mit Recht, dass der Tlsserin des
Gallapagos von Neboux (ebenda S. 291) wohl nichts anderes als
eine der Gouldschen Arten von Geospiza sein wird.
Die übrigen neuen Gouldschen Arten der Kegelschnäbler heisaen:
Melaiiocorypha cinctura; Pyrrhalauda nigriceps; Spermophila nigro-
gularis*^ Crithagra? brevirostris-, Chrysometris campestris ; Ammo-
dramus longicaudatus (tab. 29) und manimbe {i&b.ZQ)-, Zonotrichia
camcapilla und strigiceps; Fringüla formosa-, Passer jagoensis
(tab. 31); Chlorospiza? melanodera (tab. 32) u. xanthogramma (tab. 33).
/) ^turnidae, Der grossen Gattung PsarocoUus fügte
der Prinz von Wied (Reise S. 367) eine neue Spezies zu:
Ps. aurt'collis, dem Baltimore sehr ähnlich, aber der Schnabel et-
was höher und breiter, die Untertheile des Vogels nicht so lebhaft
orangenrolh als am ersteren, und die Ferse ist hoher, der Schwanz
verschieden gefärbt. — Eine andere Art ist von d'Orbigny (Ramon
de la Sagra, Ciiba tab. 20) Icterus humeralis benannt worden. Derselbe
gab tab. 19 bis, eine Abbildung von Xanthornus dominicensis, auf tab. 18
von Quiscalus barytus Gm. und auf tab. 19 eine neue Species, Quiscalus
atroviolaceus, alle von Cuba. — V onWa gl e r' s Xanthornusßaviceps
fertigte G o u 1 d die erste Abbildung (Darwin Birds tab. 45). — B o i s s o u-
n^eau's Quiscalus subalarü ist \ou Bogot» (Revue zool.1840. p. 70). —
Lesson stellte ebendas. drei neue mexicanische Arten: Xanthornus
Abeillei^ Icterus melanochrysura und gradua-cauda (18Z9, p. 101. 105) auf.
Pastor malayensis von Malaj'a ist von Eyton aufgestellt (Pro-
ceed. VII. p. 101).
Oriolia ist eine neue Gattung, welche Is. Geoffroy
(Guer. mag. 1839. 5e livr.) errichtete.
Sie ist in genauer Verwandtschaft mit Oriolus, unterscheidet sich
aber durch dl© geradlinige Form des Schnabels und dessen geringere
Dimensionen, durch die Disposition der Nasenlöcher, welche sehr
klein, in die Substanz des Schnabels selbst eingebohrt und in der
Mitte zwischen der Firste und Commissur befindlich sind. Füsse und
Schwanz sind fast wie bei den Pirolen, doch sind bei diesen die Nä-
gel kürzer, die Schwanzfedern abgerundet, bei jenen zugespitzt, und
die Flügel länger und spitziger. Die Art heisst: O. Bermert; Kopf,
Hals und Leib auf röthlichem Grunde mit einer Menge schwarzer
Querstriche; Schwanz und Flügel braunroth, die Enden der 6 ersten
Schwungfedern schwärzlichgrau. Von Madagaskar.
g) J^entirostres. Systematische Uebersichten über
Archiv f. Naturgesch, VII. Jahrg. 2. Bd. g
82
die Gatt, der Laniaden und Myotheriden gab Lesson in
der Rev. zool. 1839. p. 133. 135. 197. 225.
Neue Arten:
Lantus Algerieims L e s s o u von Algier (Revue Zool. 1839. p. 134).
Lantus strigatus aus der Halbinsel Malaya von Eyton (Proceed.
VII. p. 103). — Prionops cristatus von Rüppell (Abyss. Wirbel tli.
S. 30. Tab. 12. Fig. 2) an der abyssinischen Küste entdeckt. Prion-
ops Talacoma von Smith (Illustr. n. 2. tab. 5) in Südafrika gefun-
den, unterscheidet sich vom vorigen schon gleich durch den Maugel
des Kammes. — Malaconotus aurantiopectus Lesson vom Senegal
(Revue Zool. 1839. p. 101). — Smith's Malaconotus similis (tab. 46)
ist wahrscheinlich identisch mit Swainson's M. chrysogaster. — Ta-
mnophilus palliatiis Less. (Rev. Zool. 1839. p. 104), T, capistratus
Less. (ebendas. 1840. p. 226), beide aus Brasilien; Erythrolanius
{Ocypterus) rubricollis aus Sumatra (S. 275).
Ueber die Gattung Cehlepyris schrieb Rüppell eine
treffliche Monographie (Mus. Senckenberg. III. 1. S. 17).
Er theilt sie in 3 Sektionen: Erste Sektion mit lebhaftem Schil-
ler des Gefieders der Männchen (Campephaga Swains.), dahin
die Arten: 1) C. nigra Cuv., 2) C. phoenicea Swains,, 3) C. lo-
hata T., 4) C. aurea T. — Zweite Sektion, mit theils einfarbig dun-
kel schwarzgrauem Gefieder, theils schwarz, grau und weiss ge-
mischt und wobei der Schnabel nicht sonderlich robust, aber an der
Basis stark flach gedrückt und nicht hoch ist (Ceblepyris^-w&,\iixs)',
liieher 5) C. caesia Licht., 6) C. cana Licht., 7) C. melanopteraj
Rüpp. (tab. 2. Fig. 1), 8) C. leucemela Vig., 9) C. javensis Horsf.,
10) C. humeralis Gould., 11) C. maxinia Rüpp. (tab. 3), 12) C.
Jardinü. — Dritte Sektion mit einer Färbung so ziemlich wie bei
der zweiten Sektion, aber der Schnabel ist robuster, der Mundwin-
kel in der Regel mit steifen Borsten besetzt (^Graucalus Cuv.);
hieher 13) C. pectoralis Swains., 14) C. papuensis T., 15) C.Novae
Guineae L. Gm., 16) C. melanops Lath,, 17) C. parvirostris Gould,
18) C. mentalis Vig., 19) C. affinis Rüpp., welche vielleicht nur,
wie Rüppell meint, ein ausgefiedertes Individuum von Swainson's
C. lineiita sein dürfte. — Seitdem machte Horsfield noch einen
Graucalus maculosus aus Assam bekannt (Proceed. VII. p. 159), und
ebend. S. 142 Gould einen Graucalus phasianetlus aus Neuholland.
Von Muscicapa sammelte Rüppell 5 Arten eiq, worun-
ter 2 neue (S. 107): M, semipartita (tab. 40. Fig. 1) und
M. chocolatma.
Eine schöne Art aus Indien beschrieb Delessert als Muscicapa
variegata (Guer. Mag. de Zool. 1840. ll.Livr.) Andere Horsfield
(Proceed. VII. p. 157) als Muscicapa? capitalis aus Assam; La
Fresnaye (Rev. Zool. 1840. p. 66) als M. rufula aus den Nilgher- .
ries, und Lesson (Rev. Zool. 1839. p. 104) als M, regulus aus Bra-
silien und M. bilineata aus Ostindien. In der Favorite ist auf Tab. 21
83
eine Abbildung der prächtigen M. regia gegeben. Eben daselbst ist
ein Tyrannus guttiiralis aus Chili beschrieben und abgebildet (S. 32
Tab. 11), den kurz vorher Kittlitz als Thamnophilus lividus aufge-
stellt hatte und für den Lesson eine eigene Gatt. Tamnolaniui
in Vorschlag bringt, und zugleich eine zweite Art derselben T. fer^
rugineus aus Mexiko aufstellt (Revue Zool, 1839. p. 138). — 2 neue
Arten finden sich in Beechey's voyage (S. 17): 1) Muscicapa se-
miatra, capite, collo, pectore abdoraineque summo atris; abdomine
imo, crisso, rectricumque extimarum pogoniis externis ad latera al-
bis; dorso, alis caudaque cinereo-fuscis. 3) Tyrannui einer eusy supra
cinereus, subtus albescens, remigibus fuscis, tectricibus inferioribus
alaruin pectorisque lateribus rufescentibus.
D'Orbigny stellte 3 neue Tyrannen auf, denen er die Namen
Tyrannus caud/fasciatus und magnirostris gab (R. delaSagra, Cuba
tab. 18. 13), auch vom T. matutinus theilte er tab. 14 eine Abbil-
dung mit. Muscipeta caribaea ist von ihm als neue Art beschrieben
(S. 92), aber nicht abgebildet. Lesson's M. luteoventer ist von Bra-
silien (Rev. Zool. 1840. p. 354); dess. M. lapis aus Ostindien (Rev.
Zool. 1839. p. 104), ^
Platyrhynclms capensis ist eine von Smith (Illustr. n. 7. t. 27)
in den Wäldern der Delagoa-Bay entdeckte Species. Drei andere
Arten stellte Lesson (Rev.Zool. 1839) auf: PL striatus (p. 41) und
PL pseudogillia (p. 101) aus Brasilien, PI. Lherminieri (p. 104) von
Guadeloupe, eine fünfte La Fresnaye (ebendas. p. 98) als PL
Jglaiae von Mexiko.
Setophaga oroiata und Tyrannula fumigata sind 2 neue Arten
von Bogota (Boissonneau in der Rev. Zool. 1840. p. 70) Seto-
phaga castanea^ Tyrannula ferruginea^ Lepturus galeatuSy Tanga~
vius involucratus aus Mexiko (Lesson Revue Zool. 1839. p. 41. 42)
und Myadestes obscurus ebendaher (La Fresnaye ebendas. p. 98),
Psaris Mexicamis (Lesson ebendas. p. 41) ebendaher, Ps. affinis
dess. (Rev. Zool. 1840. p. 354) von Brasilien, Drymonax niger, Mo-
nacha caesia (Rev. Zool. 1839. p. 167) und Brachypteryx bicolor
p. 138) dess. von Sumatra, Rhipidura coUaris dess. (p. 104) von Ti-
mor, Pepoa%a ßavida dess. (p. 108) von Chile.
Drymophila abyssinica ist eine neue Art von Rüppell (S. 108.
tab. 40. Fig. 2). Lesson's jD. rußcauda ist aus Nordamerika (Rev.
Zool. 1840. p. 226). Formicivora guttata (p. 353) aus Brasilien.
Laniocera ist eine von ihm creirte Gattung mit der Art L, san-
guinaria (p. 353).
Unter dem fehlerhaft gebildeten Namen Philepitta (von
(Philedon und Pitta), errichtete Is. Geoffroy (Guer. Mag.
de Zool. 1839. 5e Livr.) eine neue Gattung, welche sowohl
mit Philedon, als Pitta und Myiothera verwandt ist.
Die Gattungsmerkraale sind : Schnabel fast so lang als der übrige
6*
84
Kopf, dreieckig, etwas breiter als hocli^ mit stumpfer oberer Grärtlie,
schwach convex, ohne eigentliche Kieferaiisrandung. Nasenlöcher
seitlich, von der Basis wenig abstehend, linear, etwas schief. Tar-
sen ziemlich lang, mit sehr grossen Schildern bedeckt. Die 4 Zehen
und zumal der Daumen verlängert, stark, mit grossen, zusammen-
gedrückten, spitzen, sehr gekrümmten Nägeln bewaffnet. Von den
3 Vorderzehen die mittelste, welche die längste ist, an der Basis
mit der äussern vereinigt, die innere, welche die kürzeste ist, von
der Basis an frei. Schwanz sehr kurz, mit 12 gleichen Federn. Flü-
gel ziemlich lang, fast stumpf oder stumpf — Die einzige Art nennt
G. Ph. sericetty ein höchst ausgezeichneter Vogel durch sein saramet-
artiges, ganz schwarzes Gefieder, das nur am Flügelbug einen gel-
ben Flecken hat, so wie durch einen langen Hautlappen, der vom
Hinterhalse über das Auge bis zur Schnabelwurzel sich fortzieht.
Länge 4j". Die Heimath ist Madagaskar.
Der von Gould errichteten Gattung Phoenicornis fügte Hors*
field 8 neue Arten aus Assam bei: Ph. elegans und affiniSj welche
letztere Göuld als das Weibchen von Ph. brevirostris abgebildet
hatte (Proceed. VII. p. 157).
Edolius lugubris von Ehrenberg und Dicrurus canipennis von
Swainson hält Rüppell (Abyss. Wirbelth. S. 108) für identisch. —
Eine neue Art, Dicrurus Ludwigü fand A. Smith (Illustr. n. 8.
tab. 34) um Port Natal. — Eyton's Brachypteryx nigro capitata
{Dicrurus malabaricus Steph.) ist vonMalaya (Proceed. VII. p. 103).
Lesson's Erythrolanius rubricollis ist von Sumatra (Revue Zool.
1840. p. 273).
Anais bezeichnet eine neue, mit Ocypterns verwandte
Gattung, welche Lesspn (Rev. Zool. 1840 p. 211) aufstellte.
Die Art benennt er A. Clemenciae; ihre Heimath ist Borneo.
Die Muscicapiden bereicherte Gould mit mehreren siid-
amerikanisclien Arten und Gattungen (Darvvin's Zool. ßirds n. 3).
Die Gattungen heissen: Pyrocephalus , Serpophaga und Jgrior-
nis. Erstere ist sehr wenig von Swainson's Tyrannuia verschieden,
und eine der vielen unnöthigen Gattungen, mit denen man in neue-
rer Zeit die Ornithologie beschwert hat. Serpophaga ist wahrschein-
Kch mit Euscartlimus des Prinzen von Wied identisch. Agriornis
ist von G. R. Gray als synonym mit Swainson's Dasycephala (Les-
son's Tamnolanius) erkannt worden. Die neuen Arten sind: Pyro-
cephalus parvirostris (tab. 6), obscurus , nanus (tab. 7) und dubius.
Myiobius auriceps, parvirostris und magnirostris (tab. 8). Serpophaga
albo-coronata. Pachyrampkus (Pachyrhynchus) albescens (tab. 14)
und minimus (tab. 15). Lichenops (Perspicilla) erythropterus {iah. d).
Fluvicola Azarae (tab. 10). Agriornis striatus und micropterus
(tab. 12). A. maritimus (Pepoa%a maritima d'Orb.) ist tab. 13 ab-
gebildet. D'Orbigny's Pepoasia variegata ist auf tab. 11 als Tae-
85
nioptera variegata dargestellt; im Texte fuhrt sie den Namen Xol-
mis variegata.
h) ^ubulirostreSf die zahlreichste Abtheilung unter den
Singvögeln, daher auch ihr Zuwachs an Arten am Ansehn-
lichsten.
Von La?nprorm's (unrichtig Lamprotornis) machte Rüppell
2 neue Arten bekannt: L. teiiuirostris (tab. 10. Fig. 1) und rufiven-
tris (tab. 11. Fig. 1); ausserdem gab er (S. 24) einige Mittheilungen
über die Verbreitung und Altersverschiedenheiten der von ihm beob-
achteten Arten. Einer neuseeländischen Art gab Dubus den Namen
L. obscurus (Bull, de TAcad. de Brux. 1839. I. p. 297). Die Gattung
Megalopterus zog Smith glücklicher Weise wieder ein, indem er
sie für identisch mit Lamprornis erkannte, und den Namen M. au~*
strab's wandelte er nun in L. BnrchellU um (Ulustr, n. 10. tab. 47).
Auf den abyssinischen Hochgebirgen entdeckte Rüppell eine
der Singdrossel höchst ähnliche Art, Merula {Turdus) simefisis (S. 81.
Tab. 29. Fig. 1), bei der Schnabel und Füsse robuster, die vier
äussern Schwungfedern gleich lang sind und von den übrigen sich
stark absetzen, während sich bei der Singdrossel alle Schwungfedern
in allmäliger Progression verkürzen. — Büppell's Petrocincla se~
mirufa ist der abyssinische Repräsentant des kapiscfien Janfrederic
von Levaillant, mit dem auch Sipith's Cossypha humeralis (lllustr,
Tab. 48) nahe verwandt ist. Aus letzterer hatte er früher eine eigne
Gattung Bessonomis gemacht, deren Unhaltbarkeit ihm später selbst
einleuchtete. Cossypha ist übrigens mit Petrocincla identisch. Für
noch unbeschrieben hält Dubus einen chilesischen Vogel und benennt
ihn Turdus (Petrocincla) melanotus (Bull, de l'Acad. de Brux. 1839.
I. p. 506).
Notizen über die Gattungen Phyllornis und Petrocincla (Petro-
cossyphus) gab Lesson (Rev. zool. 1840 p. 164); letztere vermehrte
er mit 3 Arten: P. Jernigineoventer^ aurantiiventer und castaneicol-
iis aus dem Himalaj^a. Das Weibchen des Phyllornis Mülleri be-
schrieb er Rev. zool. 1839. S. 38.
Vier südafrikanische Drosseln wurden von Smith (lllustr. N. 8)
beschrieben und abgebildet: T. guttatus Vig. ;und 3 neue Arten,
T. obscurus^ strepitans und libonyana, — Von Eyton ist in den
Proceed. VII. p. 103 ein Turdus modestus aus der Halbinsel Malaya,
in der Favorite ist ein Turdus albo-speculuris {Tab. 12, 13) von Ma-
dagaskar und ein T. occipitalis (Tab. 14) von Manila beschrieben.
Mit einer neuseeländischen Art, T. melanotus, machte uns Dubus
bekannt und stellte sie in einer schönen Abbildung dar (Bull, de
TAcad. de Brux. 1839. I. p. 298). In der Revue zool. 1840 hatSoret
(S. 2) einen T. collaris von Calcutta, La Fresnaye (S. 65) einen T.
nigro-pileus von den Nilgherries und S. 359 einen T. rufopalliatus
von Kalifornien beschrieben.
86
Eine neue Art der Gatt. Serkulus aus dem Lande der Papus
beschrieb L es s o n (Revue Zool. 1839. S. 44) unter dem Namen S. Ana'is.
Von Orpheus zählt La Fresnaye 10 Arten auf (Guer. Mag.
1839. 4e livr.):
I a») Gefieder aschgrau, weiss und schwarz gescheckt:
1) Turdus polyglottus L., S) T. llvidus Licht., 3) O. calandria
D^Orb., 4) O. dorsah'sT) ^Orh.f 5) 0. patagom'ctisD^Orh. (vielleicht
Turdus saturm'mis Licht.), 6) 0. tricaudatus D'Orb. — b) Ge-
fieder roth oder einförmig schwarzgrau: 7) Turdus rufus
L., 8) 0. longirostris La Fr., 9) O. felivox Sw. {Muscicapa caroU^
nensis L. Gm), 10) 0. meruloides Sw. {Turdus naevius Lath.). —
Als eine 11. Art unterscheidet Vigors (Zool. of Beechey's voy.
p. 17) einen Orpheus leucopterusy supra cinereus, alis caudaque ni-
gris, gula, abdomine, ptilorum apicibus, pteromatibus, remigibus pri-
mariis ad basin rectricibusquelateralibus albis, pectore cinerascente. —
Drei andere Arten fügtGouId hinzu, nämlich Orpheus (Mimus) tri-
fasdatus^ melanotis und parvulus (Darwin's Zool. Birds tab. 16 — 18). —
Lesson bringt diese Gattung in der Revue zool. 1840. p. 273 auf
18 Arten.
Malurus crilentatus, Dasyornis striatus und Pomatorhinus rule-
culus von Australien wurden von Gould (Proceed. VIL p. 143) als
neue Arten beschrieben. Crateropus Jardinü von Smith (Illustr.
n. 2. tab. 6;; C. Delessertii aus den Nilgherries von La Fresnaye
(Rev. zool. 1840 p. 67), und C. griseiceps aus Butan von Delessert
(ebend. S. 101). — Gegen die Einreihung indischer Arten unter Cra-
teropus remonstrirte Lesson (Rev.zool. 1840 p. 161), indem er die-
ser Gattung nur afrikanische Arten zuerkannte, die asiatischen aber
unter Garrulax (Janthocincla Gould) verwies, bei welcher Gele-
genheit er die zu letzterer gehörigen Arten aufzählte und 2 neue
Arten 6?. Abeillei und Feliciae aus Nepal zufügte. La Fresnaye,
indem er über beide Gattungen gute Bemerkungen beibrachte, schlug
zuletzt (Rev. zool. p. 206) vor, den Namea Crateropus auf die afri-
kanischen Arten, Garrulaxis auf die indischen mit dem Habitus der
Häher, Janthocincla auf die asiatischen mit dem Habitus der Dros-
seln, und Cinclosoma auf die australischen, die als typische Art C.
punctatum aufzuweisen hätten, zu beschränken.
Zu Janthocincla fügte Horsfield (Proceed. VII. p. 159) 2 Ar-
ten hinzu: J. gularis und lunaris, beide aus Assam. Ebenda-
selbst zu Hypsipetes 2 Arten: H. Mo Clellandü und gracilisy beide
aus derselben Gegend.
Ixos leucopygius ist eine gute, von Rüppell aufgestellte Art
aus der mittlem AValdregion der abyssinischen Küste (Abyss. Wir-
belthiere S. 83. tab. 30. fig. 1)^ dagegen könnte Mc. Clelland's
Jxos monticola aus den Kossia- Bergen nur Varietät von J. jocosus
sein (Proceed. VII. p. 160).
Eine neue Art beschreibt liesson (Rev. zool. 1840 p. 354) alst
87
Haematornis luteolus ; auch bemerkt er (S. 98), dass sein H. luguhris
mit Temminck's Ixos obscurus identisch ist. — Ixos phmiigerus (ebend.
S. 288) ist Ungewisser Herkunft. — Trichixos pyrropyga Lesson.
(Rev. zool.) 1839. p. 167. von Sumatra. — Delessert's Orthotomus
flaviventris stammt aus Butan (Rev. zool. 1840 p. 101).
Pijcnonotus niveiventer und carbonarius sind S L es so n'sche Ar-
ten^ erstere aus Indien (Rev. zool. 1840 p. 226). P. simplex dess.
(Rev. zool. 1839. p. 169) von Sumatra. — Setornis criniger Less.
(ebendas.) ebendaher.
Erythropygia pectoralis und paena sind neue Entdeckungen von
Smith (lllustr. n. 10 tab. 49 und 50).
Aus drosselartigeii Vögelu von Malaya errichtete Eyton
(Proceed. VII. p. 102) zwei ^jesondere Gattungen: Microtar-
sus und Malacopteron.
Da die unterscheidenden Merkmale von den verwandten Gattun-
gen nicht angegeben sind, so wird man sich in diese neu gebil-
dete nicht recht hinein findent Microtarsus wird als nahe verwandt
mit Micropus bezeichnet; Malacopteron soll in einigen Stücken mit
Microtarsus, in andern mit Brachypus verwandt sein. Die Arten sind:
Microtarsus melanoleucos, und Malacopteron magnum und cinereum.
Noch weniger istEyton's neue Gattung Crataionyx aus
der kurzen Notiz zu erkennen (Proceed. VIT. p. 104) und
ihr die gehörige Stelle im Systeme anzuweisen.
Er reiht sie zwischen Jora und Oriolus ein, und giebt ihr 2 Ar-
ten: C. flava und ater-, beide von Malaya.
Seiurus sulfurascens ist vonD'Orbigny (R. de laSagra, Cuba)
unterschieden und auf tab. ß abgebildet worden. Von andern ver-
wandten, aber schon bekannten Arten, Turdus ruhripes,, minor und
carolinensis ^ Sylvia palmarum^ coerulescens und maritima sind da-
selbst Abbildungen erschienen.
Von der Gattung %/«;/« hat Rüppell auf seinen Reisen 30 Ar-
ten aufgefunden, von Frinia 8, von Troglodytes 1.
Als neu beschreibt er in den abjss. Wirbelth. S. 109: Cisticola
lugubris und erythrogenis, Salicaria cinnamomea^ Ficedula umbro-
virens und Curruca bigens. Ferner Prinia rufifrons und mystacea^
so wie Troglodytes micrurus.
Ausserdem erinnert er, dass im Atlas zu seiner frühern Reise
mehrere Prinien fälschlich als Malurus bezeichnet wurden.
Die Sylvia Cetti wurde von Gerbe in Guer. mag. de zool. 1840.
n. 15 genau beschrieben und gut abgebildet. Derselbe bemerkt in
der Rev. zool. 1840 p. 35, dass Sylvia Bonelli auch um Paris nistet,
— Sylvia luscinoides Savi, welche selbst in Italien sehr selten ist,
wurde im vorigen Jahre in 2 Exemplare« in EnglaiUd gefunden und
diese von G. R. Gray beschrieben (Ann. of nat. bist. n. 35 p. 155).
Eine neue Gattung Sylvietta errichtet La Fresnaye
88
(Revue zool. 1839. S. 258) für den Cromhec Levaill. (Dj-
caeum rufescens Vieill.), dem er 2 neue Arten, S. hrachyura
vom Senegal, und S. icteropygialis vom Orangefluss in Süd-
afrika zufügt; sie zeichnet sich durch einen gekrümmten Schna-
bel und einen auffallend kurzen Schwanz aus.
Eine Sylvicola aureola stellte Gould von den Galapago's- In-
seln auf (Darwin's Zool. Birds tab. 28).
Beiträge zur Berichtigung der Synonymik von Zosterops, Phyl-
lastrephuSf Polyodon^ Micropus und Brachypus rühren von Lesson
her (Rev. zool. 1840 p. 135). Von Trichas haben sowohl Lesson
(ebend. S. 133) als La Fresnaye (S. 229) Notizen zu einer Mono-
graphie dieser Gattung gegeben, letzterer auch eine neue Art von
Bogota, T. nigrocristatus zugefügt, die denüebergang 2.\iSetophaga
bildet.
Rhamphocoenus Trinitatis von der Insel Trinidad wurde von
Lesson (Rev. zool. 1839. S. 42), Thriothorus guttulattis aus Mexiko
'von La Fresnaye (ebendas. S. 99) aufgestellt.
Beechey's Reise (Zoology p. 18. tab. 4. Fig. 1) lieferte eine
neue Art Zaunkönig, Troglodytes spiluntSy supra rufescenti-bruneus,
subtus albescenß, crisso nigro-fasciato, gula lineaque superciliari al-
bis; alis caudaque fusco-fasciatis, hujus plumis, quatuor mediis ex-
ceptis, ad apicem albo-maculatis, laterali utrinque pogonio externe
albo-guttato. — Ferner Sialia coeruleocollis (tab. 3), capite, gula,
collo corporeque superiori coeruleis, dorso interscapulari brunescenti,
pectore abdominisque lateribus rufis, hoc imo albescenti.
Der Regulus modestus, bisher auf dem einzigen, von Feldegg in
Dälmatien aufgefundenen und von Gould abgebildeten Exemplare be-
ruhend, ist min auch von Hancock in England wahrgenommen und
von ihm ausführlich beschrieben worden (Ann. of nat. bist. II. p. 310).
Dass Bonaparte's Gattung Scolopacinus identisch mit Vieillot's
Ramphocoenus und diese überhaupt nur als Untergattung von Thrio-
thorus zu betrachten sei, hat La Fresnaye nachgewiesen (Rev.
zool. 1840 p. 33 und 130).
Lesson führt in der Revue zool. 1840 p. 262 von Thriothorus
7 Arten an, von Troglodytes 13, von Ruticüla 10, worunter eine
neue Spezies R. melanura aus deraHimalaya; ferner von Cyaneciila
eine neue Art: C. fastuosa von demselben Gebirge. Zu Sylviaxis
(Scytalopus Gray) fügte er 5. guttatus als neue Species bei (S. 274).
— Von Bogota stammen Merulaxis griseicolUs^ senilis und squamiger
(La Fresn. in Rev. zool. 1840 p. 103).- M. analis ist ungewisser
Herkunft. •
Den Meisen sind drei Arten zugegangen: 1) der Varus leuco-
melas von Rüppell (Abyss. Wirbelth. S. 100. tab. 37. Fig. 2), die
er jedoch mit Swainson's P. leucopterus für identisch hält, dagegen
deren Zusammenstellung mit dem kapischen P. niger als uubegrün-
89
defc nachweist (dasselbe zeigte auch La Presnaye in der Rev»
zool. 1S39. p. 48); 2) der P. senilis von Diihua aus Neu-Seeland (Bull,
de l'Acad. de Brux. 1839. I. p. 297) und 3) F. quadrivittatus von Ma-
nila (La Fr. in Rev, zool. 1840. p. 129).
Dem Parus flavocristatus La Fresn. (Mag. de Zool. p. 80) gab
Lesson den Gattungsnamen 3/e/ö57iocÄ/ora, und fügte eine zweite
Art, M. Sumatrana, von Sumatra, hinzu (Rev. Zool. 1839, S. 42).
Swainson's Gattung Leiothrix wurde von Horsfield in den
Proceed. VIL p. 162 mit 3 Arten aus Assam vermehrt: L. lepida,
signata und ornata.
Mehrere neue Arten sind den Piepern zugekoipmen. Vo^
Rüppell (S. 103) der AtitJius sordidus und cinnamomeus ; von Ey-
ton (Proceed. VII. p. 104) der AntJius malayensis; von Lesson
der Äntims LherMnieri aus Columbien (Rev. Zool. 1839. p. 101).
Vieillot's Anthus variegatus wurde in der Favorite p. 38 ausführlich
beschrieben und das Weibchen auf Tab. 15 abgebildet. — Corydalla
chileiisis Lesson (Rev. Zool. 1839. p. 101) ist von Chile.
Unter 6 Arten Bachstelzen, die Rüppell aus Nordafrika mit-
brachte, sieht er die Motacilla longicauda (S. 84. tab. 29. Fig. 2)
für neu an. — Eine andere charakterisirt Vigors in Beechey's voy.
p. 18 als Motacilla leucoptera^ corpore supra^ gula, pectore rectri-
cibusque mediis atris, fronte, striga superciliari alteraque suboculari
ad nucham extendente, abdomine, pteromatibus, remigibus ad basiu
rectricibusque duabus utrinque lateralibus albis.
Die Zahl der Steinschwätzer- Arten hat sich beson-
ders vermehrt.
Rüppell (S. 79), der dieser Gattung eine weitere Ausdehnung
giebt, hat 22 Arten in Nordafrika gesammelt, darunter 5 neue: Sa-
xicola rufo-cinerea, lugubrts, melaena^ albifrons und (S. 115) albo-
fasciata. — Smith hat in Südafrika 12 Arten zusammengebracht,
unter welchen 2 neue: iS*. ivfuscata (Illustr. n. 7. tab. 28) und ha-
roica, desen Darstellung er noch nachzubringen hat. — Auch Bee-
chey's Reise lieferte (S. 19) eine bisher unbeschriebene Art: Saxi-
cola oenanthoides ^ supra brunescenti-cana, subtus rufa, crisso pal-
lidiori; fascia angusta frontali, gula, uropygio basique caudae albis;
remigibus rectricibusque nigris, apice leviter rufescentibus.
Von Neu -Holland ist Gould^s Petroica rosea, und von der
Norfolks- Insel dessen P. pulchella (Proceed. VII. p. 142).
Lesson's Copsychus luteolus (Rev. zooL 1840. S. 226) ist von
Java, seine Kittacincla melanoleuca (S, 354) von Indien.
Sal. Müller und Schlegel haben in den Verhandelingen over
de natuurl. geschiedenis der Nederl. overzeesche bezittingen, Leid.
1839. angefangen eine Uebersicht der auf dem indischen Archipel le-
benden Arten von Pitta zu bearbeiten, welche jedoch noch nicht
90
beendigt ist und daher erst im nächsten Berichte besprochen werden
kann.
Eine Pitta coccinea von Malaya beschrieb Eyton in den Pro-
ceed. Vir. p. 104^ eine Timalia poecilorhyncha (von den Nilgherries
lift Fresnaye in der Rev. zool. 1840. p. 65).
Ein Pomatorhinus rüleciilus aus Neuholland wurde von Gould
(ebend. S. 144) aufgestellt. — Lesson zählt in der Revue Zool.
1840. p. 261 von dieser Gattung 8 Arten auf.
0 Certhiaceae* Eine kleine Spechtmeise machte Vi-
gors in der Zoolog, von Beechey's Reise S. 25. Tab. 4.
Fig. 2 bekannt.
Süta pygmaea^ supra plumbeo-grisea, subtus alba, abdomine
imo rufescenti, striga a rictu post ociüos extendfente gracili, remi-
gibus rectricibusque duabus mediis nigris, rectricibus ceterls basi
nigris, medio albo-fasciatis, apice griseis.
Von Certhia trennte Lichten stein eine eigne Gattung
oder Untergattung Hemignathus ab (Abh. der Berl. Akad.
1839. S, 449).
Das Bezeichnendste für diese Gattung ist die ungemeine Länge
und bogenförmige Krümmung des Schnabels, nebst der Ungleichheit
der Kiefer, indem der untere beträchtlich kürzer als der obere ist.
Doch zeigen sich auch in der Dicke der Tarsen und der Länge der
Zehen und Krallen Abweichungen von den verwandten Bildungen.
Die nächste Verwandtschaft findet mit Drepanis (Melithreptus) ve-
stiaria statt. Ausser der schon länger bekannten Certhia ohscura
Lath. , die hieher gehört, beschreibt Lichtenstein eine zweite, von
ihm aufgestellte Art als Hemignathus lucidus von Oahu, wo auch
die andere Species vorkommt; beide sind auf Tab. 5 abgebildet.
Gleichzeitig mit Lichtenstein's Publikation gab La Fresnaye
in Guer. Mag. de Zoolog. 1839. S. 293 für die nämliche Gattung den
Namen Heterorhynchus an. Da Lichtenstein's Abhandlung jedoch
der Berliner Akademie schon im Jahre 1838 mitgetheilt wurde, so
behält der von ihm gegebene Name Hemignathus die Priorität. La
Fresnaye's Melithreptus {Heterorhynchus^ olivaccus scheint mir mit
Hemignathus lucidus identisch; auch rührt er, wie dieser, von den
Sandwichsinseln her. — Lesson stellt diese Art nebst der Certhia
pacifica, ohscura und coccinea zu Fleming's Gattung Vestiaria
(Revue Zool. 1840 p. 208).
In demselben Hefte von Guer. Mag. macht La Fresnaye be-
merklich, dass der von ihm in der Revue Zool. 1839. p. 257 als un-
beschrieben angekündigte Orthonyx icterocephalus identisch sei mit
der Certhia heteroclyta Ouoy et Gaim. in der Zool, de l'Astrolabe,
dass er sie aber wegen der fehlerhaften Abbildung nicht eher er-
kannt hätte, bis ihm das ausgestopfte Exemplar zu Gesicht gekom-
91
iiien wäre. Er liefert mm eine genauere Beschreibung mit einer ge-
treuen Abbildung. Hiebei erinnert Ref., dass Lesson seine Gattung
Mohouu! auf diese Art begründete.
Eine andere Berichtigung von La Fresnaye in Guer.
Mag. 1840. livr. 7. betrifft seinen Pfilotis auritus.
Denselben hatte er in der Revue Zool. 1839. S. 257 als unbe-
schrieben angezeigt, bald darauf aber ersehen, dass ihn Dubus im
Bullet, des sc. nat. de l'Acad. de Bruxell. Avril 1839 schon als Melli-
jthaga cincta beschrieben und abgebildet hatte. Diese Art ist sehr
ausgezeichnet dadurch, dass auf dem schwarzen Kopfe hinter jedem
Auge ein Büschel weisser Federn hervorragt. Sie bewohnt Neu-See-'
land, und ist von La Fresnaye abgebildet worden.
Meliphaga reticuloides und Eidopsarus affinis Lesson (Revue
Zool. 1839. p. 167) sind von Neu-Südwallis.
Von der Gattung Agriolorhinus hatte Bonaparte nur
eine Art aufgeführt; Fräser fügt ihr in den Ann. of nat. hist.
n. 37 p. 304 noch 4 andere zu.
Die Gattung selbst hat noch keinen festen Platz im Systeme.
Gray zählt sie zu seiner Familie Certhiadae; der Prinz von Mu-
l^ignano, der sie errichtete, bemerkt, dass sie sowohl mit den Sit-
tinen als SylvicoUneti Verwandtschaft hätte; Fräser betrachtet sie
als eine etwas aberrante Form der Laniaden. Seine Arten sind:
A. Bonapart ei ^ humeralis^ personatus und oUvaceus; die 3 ersten von
St. Fe di teogota, die letzte wahrscheinlich aus Mexiko. — Hiebei
ist zu bemerken, A^ss Agriolorhinus synonym ist mit der vond'Or-
bigny und La Fresnaye aufgestellten Gattung Serrirostriim, die
Letzterer später in JJncirostrum umänderte. In der Revue Zool.
1840. führt Boissoneau zu den frühern Arten noch 2 andere von
Bogota auf, nämlich S. 4. "U. la Fresnayii und d'Orbignyi^ und La
Fresnaye S. 102 von eben daher einen U. cyaneum und aus Me-
xiko U. Brelayi (Revue Zool. 1839. S. 100) an, welche Arten mit
den von Fräser aufgestellten sorgfältig zu vergleichen sind.
Aus derselben Gegend erhielt La Fresnaye ein neues Com-
rostruniy von ihm C. sitticolor genannt (Revue Zool. 1840. p. 102).
Sittella leucoptera^ Myxomela erythrocephala^ Ptilotis flavescens,
My%antha lutea und ßavigula, Tropidorhynchus argenticeps sind zu
dieser Familie gehörige neuholländische Arten, die Gould in den
Proeeed. VlI. p. 143 publizirte.
Lesson stellte in der Revue Zool. 1840. p. 267 einen Cinclodes
inorfiatus von Chili auf. Ebendaselbst giebt er eine Aufzählung der
Arten von Dendrocolaptes , welche Gattung er in 2 Untergattungen
theilt: u) Schnabel gerade {Orthocolaptes) mit 5 Arten, worunter
D. mela?ioceps neu; b) Schnabel gebogen {Xiphocolaptes) mit 14 Ar-
ten, worunter ebenfalls eine neue, D. j)romeropirhynchus. Einen
Dendrocolapt. af Jinis aus Mexiko stellte La Fresnaye auf (RevuQ
92
Zool. 1839. S. 100). Von Ptilotis führt Lesson am obigen Orte
8 Arten an, worunter P. leucotis als neu angesehen wird. Seine
Gattung Cinnyricinclus vermehrt er ebenda S. 272 mit einer C. me-
lasoma vom Senegal.
Wahrscheinlich zu dieser Abtheilung gehört auch die GaX-
tung StrigicepSj welche Lesson (Revue Zool. 1840. p. 266)
aufzustellen sich bemühte. Der Name ist jedoch schon von
Bonaparte für Weihen vergeben. Die Art führt den Namen
St. leiicopogon; fragweise wird Neu-Holland angeführt.
Von demselben ist ein Xenops Abeillei und Synallaxls Thelotit
(Rev. Zool. 1840. p. ^9) und Synallaxis sordidus aus Chile (Rev.
Zool. 1839. S. 105) publicirt worden. Anahates Boissonneautii stammt
von Bogota (La Fresn. in Rev. Zool. 1840. p. 104).
Ein ausgezeichnet schöner Vogel ist der von Delessert in
Guer. Mag. 1840. n. 11 beschriebene und abgebildete Chloropsis anri-
ventris von Butan, der mit Horsfield's Chloropsis chrysogaster (Pro-
ceed. VII. p. 167) aus Assam wohl die nämliche Art bilden wird.
Für nepalesische Vögel errichtete Hodgson im Journ.
of the Asiat. Soc. of Bengal 1839 n. 1. p. 37* eine besondere
Gattung Sihia.
Ob sie wirklich neu, oder schon mit einem frühern Namen ver-
sehen ist, lässt sich ohne Selbstansicht der Exemplare nicht ermitteln.
Nach Hodgson's Angabe hat sie den Schnabel und die Zunge von
Chloropsis, die Nasenlöcher von Cinnyris, und die Flügel, Schwanz
und Füsse von Cinclosoma. Er zählt zu ihr 3 Arten: S. picaoides^
m'griceps und nipalensis.
Von Cinnyris fand Riippell (Abyss. Wirbelth. S. 87)
im nordöstlichen Afrika 8 Arten.
Abgebildet sind von ihm C. affinis, gularis und Tacaxze^ wovon
die beiden ersten ganz neu sind, während von der letzten das Männ-
chen schon durch Stanley beschrieben worden Avar. Diese pracht-
volle Art geht bis über 8000 Fuss Meereshöhe hinauf. C. famosus
fand Rüppel bis gegen die Schneeregion auf glockenartigen Blumen,
aus denen diese Vögel mit ihrer langen, in Zasernbüschel endigen-
den Zunge die Insekten herausholen. Aiich Smith überzeugte sich,
dass Insekten die Hauptnahrung dor Cinnyris ausmachen. Er fand
in Südafrika 2 unbeschriebene Arten: C. Verroxi und olivaceus, von
denen er jedoch bis jetzt nur die erste N. 11. Tab. 57 dargestellt hat.
— Aus Assam beschrieb Horsfield 2 neue Spezies: C. assamensis
und labecula (Proceed. VII. p. 167). Unbekannter Herkunft ist Les-
son's C. flaviventer (Rev. Zool. p. 353).
Von der Halbinsel Malaya stammt Eyton's Anthreptes flavi-
gaster und modesta^ so wie sein Dicaeum ignicapilla (Proceed. VII.
p. 105).
93
Zu dieser Familie rechnet G. R.Gray folgende vön den
nenen Arten und Gattungen, welche Gould in der Darwin-
schen Sammlung auffand (Darwin's Zool. Birds. n. 4):
Zuerst die Gattung Eremobius (von Gray später Enicornls
genannt): „Rostrwm capitis longitudine seu longius, fere rectum^ ad
apicem deorsura curvatum, haud emarginatum ^^ naribua parvis, basa-
libus, oblongis, in sulco positis. Alae breves, remigibus primariis
secundariisque fere aequalibus, plumis 4, 5, 6-que subaequalibus lon-
gissimisque. Cauda mediocris apice rotundato. Tarsi sublongi an-
tice squainis fere obsoletis Induti, halluce digito medio breviore, di-
gitis lateralibus inaequalibus, internis brevioribus." — Eine zweite
Gattung ist Lzmworn/f: „Rostrum capitis longitudine s. longius, le-
viter a basi ad apicem arcuatum^ lateraliter compressum, haud emar-
ginatum; naribus magnis basalibus Hnearibus apertis aut partim oper-
culo tectis. Alae brevissiraae rotundae, pliimis quarta, quinta sexta-
que fere aequalibus et longissimis. Cauda rotundata et graduata^
scapis aliquanto ultra radios productis. Tarsi mediocres, fortiter
scutellati; halluce digito medio breviore, robusto, ungue robusto ar-
mato, digitis lateralibus fere aequalibus^ intermediis aliquanto brevio-
ribus. — Die dritte Gouldsche Gattung Dendrodromus ist nach
Gray identisch mit Swainson's Dendroplex.
Die Arten sind: Opetiorhynchus lanceolatus (tab. 20), identisch
mit üppucerthia nigrofuraosa d'Orb.; Eremobius phoenicurus (tab. 21);
Synallaxis major {i^h. 28); rufogularis (tab. 23), flavogularis (tab. 24)
und brunea. Lim?iortiis rectirostris {tah.2Q) iiad curvirostris (tab. 25).
Dendrodromus leucosternus (tab. 27). — Zu Limnornis glaubt La
Fresnaye 2 andere Arten von Bogota rechnen zu dürfen. L, uni"
rufus und canifrons (Rev. Zool. 1840. p. 105).
k) JHirundineae* R üp p e 1 1 fand in Abyssinien eine neue Art
auf: Hirimdo pr/stoptera (iah. 39. Fig. 2), McClelland inAssam 2
Species, die Horsfield als B. brevirostris und brevicaudata publi-
zirte (Proceed. VII. p. 155). — Gould 's H. frontalis wurde von
Darwin bei Monte Video gefunden, seine H. concolor nannte er
später Progne modesta (vgl. Darwin's Zool. Birds. n. 3).
UM* Clamatores*
Nitzsch vereinigt unter dem Namen der Picariae alle
Luftvögel, welche wederRaubvögelsind, noch den Singmuskelap-
parat besitzen; Blythgiebt denselben den Namen der Strepito-
res. Ref. hält es jedoch für zweckmässiger, die Klettervögel von
ihnen abzusondern, und hieher nur diejenigen Gattungen zu
ziehen, welche Schreitfüsse haben. In seinem Handbuche der
Naturgeschichte hat er ihnen den Namen der Wiedvögel
94
beigelegt; in der lateinischen Nomenclatur kann man sie als
Clamatores (gegenüber den Canoris) bezeichnen.
ä) Macrochires, Von Cypseliis sind mir nur 2 neue
Arten bekannt geworden:
C. leuconotus aus Butan in Indien, 'Von Delesserfc in Guer.
Mag. 1840. livr. 11 dargestellt. Gehört zu den Arten mit kurzem,
gerade abgeschnittenem Schwänze, dessen Schäfte wie Stacheln über
die Fahnen vorragen. C.australis wurde vonGouId in Neu-Holland
entdeckt (Proceed. VII. p. 141).
Dass die Kolibris beträchtlich weit in die kalten Regio-
nen hineinziehen, ist neuerdings wiederholt bestätigt worden.
Schon Lütke erwähnte, dass die Kolibris in Nordamerika bis
in die russischen Kolonien kommen. Neuere Nachrichten giebt hier-
über E. y. Baer in seinen Beiträgen zur Kenntniss des russischen
Reiches 1839, nach WrangelPs Mittheilungen. Zur Zeit der Him-
beerblüthe erscheinen die Kolibris im ganzen Archipel derKoloschen
südlich von Sitcha. Hiebei bildet die Halbinsel Alaska eine merk-
würdige Grenzscheide, indem die eine Seite derselben von Wallros-
sen, den Bewohnern des Polarkreises, die andere dagegen von den
Kolibris (Trochilus rufus), den Bewohnern der Tropen, besucht wird,
die hier im Sommer bis zu 61" n. Breite hinaufgehen. In Südame-
rika dagegen geht der Trochilus forßcatus von den heissen Gegen-
den Lima's bis zum Feuerland hinab, wo ihn King während eines
Schneegestöbers umherfliegen sah. Wie in Nordamerika wandern
hier die Kolibris während der kalten Jahreszeit gegen die tropischen
Regionen; einige bleiben jedoch während des ganzen Jahres auf
Feuerland (Darwin's Zool. Birds. n. 5. p. 110),
Traill bestätigte, durch Untersuchung des Mageninhaltes, dass
das Hauptfutter der Kolibris Insekten ausmachen ^ und dass beide
Stücke der Zunge röhrenförmig sind (Ann. of nat. bist. n. 31. p. 296).
Auch Darwin und Eyton fanden im Magen von Trochilus Gigas
nur Ueberreste von Insekten (a. a. O. S. 113 und 154).
Von Kolibris, die bei St. Fe de Bogota gesammelt worden, stellte
Fräser in den Ann. of nat, bist. n. 35. p. 151 nicht w^eniger als 15
neue Arten auf: Trochilus exortis, cupreo-ventris ^ uropygialis , co-
ruscus (ein schon vergebener Name), brachyrhynchus , Derbimius^
aurogaster, ßiscicaudatus^ cyanopterus, Gihsoni^ angustipennis, par-
virostn's, ßavicaudatus, melanog^nys und tyrianthinus. — Von der-
selben Gegend hat gleichzeitig Boissonneau in Guer. Mag. 1840.
livr. 10 und 11 die Beschreibung dreier Arten: Ornismya (eine gräss-
liche Wortbildung) microrhyncha^ Temminclcü und ensifera^ wovon
die letztere Art mit Fraser's Derhianus, O. Temminckii mit dessen
T. cyanopterus zusammenfällt. Ausser diesen beschrieb derselbe
von Bogota in der Revue zool. 1839. p. 355 noch 2 Arten Ornismya
Paulinae und heteropogon und 1840 p. 6 fünf andere Arten: Ornis-
95
mya Bonapartei, torquata^ paradisea und Guerinii, so wie TrochU
lus La Fresnayi. Dieselbe Heimalb hat Bourcier's Ornlsmya he~
liodor (Rev. zool. 1840. p. 275), ferner dessen O. Allardi (Rev. zool.
1839. p. 294), so wie andere von Lesson in der Rev. zool. 1840.
p. 71 erwähnte Arten. Eine kritische Sichtung der durch mehrere
gleichzeitige Beschreibungen ganz verwirrten Synonymik der Koli-
bri-Arten von St. Bogota ist ein dringendes Bedürfniss. -- Ortho-
rhynchus coluhris und Ricordii bildete d'Orbigny ab (Ram. de la Sa-
gra, Cuba tab. 21). — Eine grössere Zahl von De Lattre auf einer
Reise in Amerika entdeckten Arten machte ders. in Gemeinschaft
mit Lesson in der Rev. zool. 1839. S. 13 bekannt. OrnismyaCostae
von Californien und O. lourdanü von Trinidad stellte Bourcier
(ebendas. S. 294) auf. • Trochilus Cecüiae und Ornismya Delphinae,
unbekannten Vaterlandes beschrieb Lesson (ebendas. S. 43).
b) Caprimuiginae, Zwei neue abyssinische Ziegenmelker
beschrieb Rüppell in seinen abyss. Wirbelth. S. 105 als Caprimul-
gus tristigma und poliocephalas, wovon der erstere grosse Aehnlich-
keit mit Swainson's Scotornis irirnaculatus hat, aber durch die Fär-
bung des Schwanzes sich unterscheidet. — Einen Podargus phalae-
noides von der Nordwestküste Neu-HoUands machte Gould (Proceed.
Vir p. 142) bekannt. Derselbe lieferte in der Darwin'schen Zoologie
(Birds. n. 3) ausführliche Beschreibungen von seinen früher publizir-
ten südamerikanischen Ziegenmelkern, dem Caprimulgus hifasciatus
und parvulus und Lesson machte in der Revue zool. 2 andere ame-
rikanische Arten Cap3\ exilis (1839. p. 44) von Chile, und C. odon-
pteron (1839. p. 105) von den Antillen bekannt.
c) Vodidae^ Mo Clelland entdeckte inAssam eine neue Art
Mandelkrähe, Coradas affmis von ihm genannt (Proceed. VII. p. 164).
Smith lieferte in seinen Illustr. n. 2. tab. 9 eine schöne Abbil-
dung seines Merops Bullockoides ; ein nicht glücklich gewählter Name^
da man aus demselben eigentlich schliessen müsste, dass dieser Vo-
gel dem Herrn Bullock ähnlich sähe, während Smith nur sagen will,
dass er Aehnlichkeit mit Merops BuUockii habe.
Zu Nyctf'omis {Alcemerops) fügte Lesson eine neue Art bei,
A. paleaxureus von ihm benannt (Revue zool. 1840. p. 262).
Ueber Lebensweise und anatomische Verhältnisse von
Vrionites theilte Jardine (Ann. of nat. bist. n. 38. p. 321)
einige Notizen mit. .
Seine Behauptung, dass „die Muskeln des untern Kehlkopfs, so
weit sie beobachtet werden konnten, in Zahl und Lage denen der
Corviden gleichen," ist offenbar unrichtig, da wir von Nitzscb
wissen, dass bei Prionites der Singmuskelapparat fehlt.
La Fresnaye erhielt von dieser Galtung eine neue Art aus
Guatimala, die er Pr. gularis benannte; sie ist die kleinste Spezies
und zeichnet sich überdies durch ein grosses blaues Schild, welches
m
den Vorderhals bedeckt, so wie durch Kleinheit des Schnabels aus
(Rev. zool. 1840. p. 130).
Von Prionites trennte Lichtenstein (Abh. der Berl.
Akad. 1839, S. 449) eine besondere Gattung Bylomanes ab.
Er charakterisirt sie als eine Zwergform der Gattung Prionites,
aber mit ansehnlich breiterem und geraderem Schnabel und fast ohne
Zahne des Schnabelrandes. Die Art nennt er //. momotnla; das Ge-
fieder gleicht dem der grösseren Arten, nur sind alle Farben lebhaf-
ter. Die Länge beträgt 6* Zoll, wovon fast 1" auf den Schwanz
kommt. Der Fundort ist Valle real in Mexico.
Gould's Todus multicolor wurde von d'Orbigny (R. de la Sa-
gra, Cuba tab. 22) nochmals abgebildet. Von 6 Individuen, deren
Mägen untersucht wurden, zeigten 2 blos Insekten, während bei den
andern 4 auch noch einige Körner vorkamen. Lesson bemerkt (Rev.
zool. 1840. p. 98), dass sein Todus portoricensis mit dem T. viridis u.
multicolor vereinigt werden müsse.
</) liipoglossae» Die Gattung Buceros hatte R ü p p e 1 1 (Abyss.
Wirbelth. S. 1) mit 3 Arten vermehrt: B. cristatus^ limbatus m. fla-
vicolliSy von welchen letzteren er später (S. 23) selbst bemerkt, dass
ihn Latham schon früher unter derselben Benennung beschrieben hätte.
Ein Buceros bicolor von Malaya wird von Eyton als neue Art
aufgestellt (Proceed. VII. p. 104), und ein Buceros (Tockus') poecilo-
rhynchus vom Senegal von La Fresnaye (Rev. zool. 1839. S. 257)
der indess bemerkt, dass es vielleicht eine Altersverschiedenheit des
B, hastatus Cuv. seinjnöge.
Levaillant's Promerops moqueur, der bisher bald die-
ser, bald jener Gattung zugewiesen wurde, hat endlich durch
Nitzsch (Pterylographie S. 150) seine feste Stelle unter der
Gattung Upupa erhalten.
Temminck hat ihn zuEpimachus, Lichtenstein zu Nectarinia, Cu-
vier zu Merops, Latham zu Upupa gezogen, Nitzsch weist nach,
dass er in allen pterylographischen Verhältnissen, in der Form der
Bürzeldrüse, im Flügel^chnitte, und im Skelet mit dem europäischen
Wiedehopf übereinkomme, weshalb er von nun an den Namen Up^ipa
erythrorhyncha zu führen hat.
Rüppell (S. 70. tab. 24. fig. 2) entdeckte einen schönen Eisvo-
gel in Abyssinien, Alcedo cyanostigma.
Zugleich gab er von A. semicoerulea Forsh. eine genaue Be-
ßchreibung und Abbildung, mit Erläuterung ihres Unterschiedes von
A. senegalensis. Auch machte er bemerklich, dass die in seinem At-
las von Cretzschmar als A. pygmaea "beschriebene Art schon früher
von Stanley als A. chelicuti publizirt woi'den sei.
Mit Alcedo, cristata ist nahe verwandt die in der Favorite (S, 56,
tab. 22) beschriebene A. vintsioides von Madagaskar, die sich aber
97
schon durch ihren längern und schwarzen Schnabel, der bei jener
roth ist, unterscheidet.
Von La Presnaye's Ceyx cyano-pectus ist das Vaterland un-
bekannt (Rev. zool. 1840. p. 33).
Einem malayischen Eisvogel legte Eytön (Proceed. VII. p. 101)
den Namen //a/cyo/e varla beij einen neuholländischen benannte Ban-
kier Jf/cyo/ie rußcollaris (Ann. of nat. hist. VI. p. 394).
MV, ^can^ores *. Xygodactylim
'La Fresnaye schlägt vor, die Zygodactyli in 3 Abthei-
lungeii zu bringen: 1) Z. prehensorii (die Papageien) 2) Z.
scansorii {Ficus, Yunx, Picumnus), 3) Z. insessorii
(Kukuk, Pfeflferfresser, Bartvogel etc.). Revue zool. 1840.
p. 257. Auf tiefere anatomische Begründung macht diese Ein-
theilung keinen Anspruch.
a) Gabulidae* Werden von Nitzsch mit den Todidae ver-
bunden.
Ä) Cuculinae» Centropus superciliosus und monachut sind die
-2 neuen Kukuks- Arten, welche Rüppell in Abyssinien entdeckte,
den ersteren gleichzeitig mit Ehrenberg, welcher ihn mit demselben
Namen bezeichnete. Von seinem Indicator diadematus überzeugte
sich Rüppell später (S. 85), dass er mit dem kapischen Indicator
minor zusammenfalle; dem frankfurther Zoologen bleibt aber gleich-
wohl das Verdienst, diese Art zuerst genau beschrieben zu haben.
In der Hoffnung, noch zu rechter Zeit mit seiner neuen Gattung
einzutreffen, trennte Hodgson (Journ. of the Asiat. Soc. of Benga|.
1839. n. 8. p. 136) von den ächten Kukuks das Genus Pseudornis ab;
Swainson hatte ihm jedoch bereits den Rang abgelaufen und dieser
Gattung schon zuvor den fiamen Oa^ylophus gegeben.
Piaya Brasiliana, aus Brasilien, ist eine von Lesson (R. zool.
1839. S. 41) beschriebene, Saurothera Merlini eine von d'Orbigny
(Ram. de la Sagra, Cuba tab. 25) aufgestellte Art, diese der S, vetula
ähnlich, aber verschieden durch beträchtlichere Grösse, durch den
Schiller der Flügel und des Schwanzes, die graue Stirne und die
rothe Farbe der grossen Schwingen. Die gemeinste Art auf Kuba.
Ein Phoenicophaus viridifostris aus der Halbinsel Malaya wurde
von Eyton, und ein Ph. Cumingi aus der Insel Luzon wurde von
Fräser publizirt (Proceed. VII. p. 105 u. 112).
Zur Naturgeschichte von Crotophaga erschienen Bei-
träge von Jardine (Ann. of nat. hist. IV. n. 23 u. 25).
Kirk hatte von der Insel Tobago viele Exemplare von Maden-
fressern und Notizen über ihre Lebensgeschichte eingeschickt. Jar-
dine vermuthet, dass sie zu Swainson's Crotophaga rugirostra ge-
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2. Bd. 7
98
huren möchten, und giebt eine umständliche Beschreibung. Die Sage,
dass die Madenfresser ein gemeinschaftliches Nest errichten, konnte
Kirk nicht bestätigen. Dagegen behauptet es Ramon de la Sa-
gra bei Beschreibung der C. Ani von Neuem (Cuba. Ornithol. p.l56),
indem er sagt, dass diese Vögel enorme Nester bauen, die mehreren
Weibchen zugleich dienen.
Vom Trogon paradiseus (T. pavoninus Tem.) gab C. L. Bona-
parte eine' ausführliche Beschreibung (Novi Annali delle Scienze
naturali. Fase! 7. Bologn. 1839; daraus in der Isis 1839. S. 611). —
Man kennt jetzt überhaupt 34 Arten dieser Gattung, wovon 23
in Amerika, 10 in Indien, eine in Afrika. Trogon pavoninus von
Spix sieht B. für eine andere Art als den von Temminck mit demsel-
ben Namen bezeichneten Vogel an.
Den Trogon temnurus T. liess d'Orbigny (Ram. de la Sagra,
Cuba tab. 26) nochmals abbilden, obschon bereits zwei gute Abbil-
/dungen vorhanden waren.
c) Viuccottitlae, DenBartvögelnfügteEyton(Proceed.VU.
p. 105) einen Bucco quadricotor von der malfiyischen Halbinsel bei,
Lesson (Revue zool. 1839. p. 137) einen B. Rnfflesü von Sumatra.
Ey ton errichtete eine neue Gattung Megalorhynchus (a. a. 0.), die
aber so mangelhaft charakterisirt ist, dass man keine deutliche Vor-
stellung von ihr erhält. Sie steht bei ihm zwischen Bucco und Pi-
cus, wird aber wohl näher den ersteren sich anschliessen.
Eine neue Gatt. Calorhynchus stellte Lesson (Rev. zool. 1839.
S. 138, 1840. S. 134) auf, mit einer neuen Art, C. sanguinolentus^ von
Sumatra.
Von Pogonias machte Rüppell (Abyss. Wirbelth. S. 52") den
P. undatus bekannt. Hinsichtlich des Bucco Saltü\ den er Pogonias
Brucii benannt hatte, ersah er später (S. 85), dass derselbe auch
schon von Swainson als Pogonias rubrifrons dargestellt worden war.
€?) Mhantphastidae* G o u 1 d ' s Monographie der Ram-
phastiden oder Tukanartigen Vögel; aus dem Engl, übersetzt,
mit Zusätzen und einigen neuen Arten vermehrt von J. H. C. F.
Sturm und J.W. Sturm. Niirnbg. 1841. 1 Heft.
Die Gebrüder Sturm, durch ihre künstlerischen Leistungen gleich
ihrem Vater rühmlichst bekannt, haben es unternommen, die Gould-
sche Monographie der Rhamphastiden in's Deutsche zu übertragen,
und da sie selbst im Besitz einer ansehnlichen Vögelsammlung sind,
ausserdem auch noch von andern Museen unterstützt werden, so
können sie mehr als eine Kopie liefern, wie denn gleich in diesem
ersten Hefte eine neue Spezies, Pteroglossus melanorhynchus ^ von
ihnen publizirt wird. An Schönheit der Ausführung messen sie sic^
vollkommen mit dem englischen Originale.
E. Blyth ist in der analytischen Beschreibung der z*
99
seiner Ordnung der Strepitores gehörigen Vögel nur noch auf
die Familie der Rhamphastiden zu sprechen gekommen (Loud.
magaz. 1839. p. 76).
Seine Zygodactyli theilt er in 2 Abtheilungen: Picoides und Cm-
culoides; die ersteren wieder in 8 Gruppen: Levirostres und Cunei-
rostres. Zu den Levirostres bringt er 2 Familien: Rhamphastidae
(aus Rhamphastos und Pteroglossus bestehend), und Musophagidae
(JCorythaisCj Musophaga und Colins). Alsdann folgt die Beschreibung
des äussern und innern Baues, so wie der Lebensweise der Pfeffer-
firesser, wobei er auf die Verkehrtheit aufmerksam macht, mit wel-
cher man einen total davon verschiedenen Vogel, den Scythrops, blos
seines grossen Schnabels wegen unter den Rhamphastiden einreihen
wollte. Man sieht, dass Blyth so ziemlich auf dieselben Resultate
gekommen ist, wie lange vor ihmNitzsch, und wir wollen hoffen,
dass durch seine Arbeit in England die ornithologische Systematik
durch Berücksichtigung der Anatomie eine festere Grundlage als bis-
her gewinnen möge. Ref. bedauert, dass die von Blyth verspro-
chenen Fortsetzungen seiner Abhandlung nicht erschienen sind.
Von Pteroglossus Beauharnaisü liess Eydoux in der Zoologie
der Favorite tab. 10 eine Abbildung anfertigen unter dem Gouldschen
Namen Pt. ulocomns, der jedoch nicht beibehalten werden kann, da
Wagler schon 1832 in der Isis dieselbe Art als Pt. Beauharnaisü be-
zeichnet hatte. — Von Bogota erhielt. Boissonneau (R. zool. 1840.
p. 70) eine neue Art, Pt. albivitta von ihm benannt, die mit Gould^s
Aulacorhynchus pavoninus nahe verwandt ist, sich aber durch den
kürzeren Schnabel und die weisse Binde, welche ihn seitlich einfasst,
auszeichnet. Eine andere Art unterschied Waterhouse als Ptero-
glossus nigrirostris (Proceed. VII. p. 111.), aus der Uebereinstimmung
der Namen lässt sich auf Identität mit der neuen Spezies von Sturm
schliessen, doch habe ich dessen Monographie jetzt nicht zur Hand,
um hierüber entscheiden zu können.
ä) Vicinae* Auch zu den' Spechten sind einige Arten
hinzugekommen.
Picus luridus Nitzsch (Pterylograph. S. 137): etwas kleiner als
P. medius, umbrabraun, mit feinen blass ockergelben 0"erlinien am
Rücken, den Flügeln, der Kehle, den Brustseiten und dem Bauch.
Ein länglicher blass ockergelber Streif jederseits des Halses; zwi-
schen ihnen die untere Vorderseite des Halses tief schwarzbraun.
Das Männchen an der Seite der Kehle mit einem länglich blutrothen
Fleck. Von Sumatra. — Piais chrysogenys Vig. (Zool. ofBeechey's
Voy. p. 24): P. corpore supra crissoque albo nigroque subgraciliter
fasciatis; pectore abdomineque medio olivaceis, hoc aureo infra no-
tato; capite supra coccineo, fronte, genis guiaque anreis." Länge
7| Zoll, ^ Picus (Chrysonotus) Grantia Mo Clelland (Proceed. VIL
p. 165) von Assam. — P. gracilis Lesson (Revue Zool. 1839.
7*
100
p. 41.) — P. Grateloupensis L e s s. (ebendas.) — P. ornatus L e s s. (eben-
daselbst p. 108), alle drei von Mexico. — P. aurifrons L e s s. (ebendas.
p. 108) und P. tukhi (ebendas. p. 167), beide von Sumatra. — P. Rivolii
von Boissonneau (Revue Zool. 1840. p. 36). — CoUaptes collaris
Vig. (Zool. of Ueechey's voy. p. 84. tab. 9): „C. vinaceo - griseus,
abdomine dorsoque imo albis^ fasciis corporis superni, guttis abdomi-
nis, coUari semilunari pectorali, remigibus rectricibusque atris, ha-
rum ambarum rhachibus rubro-aiirantiacis, striga utrioque sub rictu
coccinea." Länge 11". Am Monterey. — Hemicircus öru?ieus Ey ton.
(Proceed. VII. p. 106). Von Malaya. — d'Orbigny gab Abbildungen
von Colaptes superciUaris Temm. und Fernandinae Vig. (Ram. de la
Sagra, Cuba tab. 83. 84).
f) JPsittaeinae* Hist. nat. des Perroqiiets, troisieme
volume, pour faire suite aux deux volumes de Levaillant,
contenant les espeees laissees inedites par cet Auteur ou re-
cemment decouvertes, par AI. Bourjot Saint-Hilaire; les
figures lithograpluees et coloriees avec soin par M. Werner
Par. 1837 — 1838. Fol.
Hiermit ist diese Fortsetzung des Levaillant'schen Werkes in
100 gut gearbeiteten Tafeln geschlossen.
Interessante Bemerkungen über die Verbreitung und Dauer-
haftigkeit des Psittacus carolinensis rühren vom Prinzen von
Wied her (Reise in das innere Nordamerika 1. S. 175).
Dieser Papagei ist um Harmony am VTabasch (in Indiana) zahl-
reich zu finden, und überwintert bei Eis und Schnee. Keine andere
Papageien -Art scheint ^o viel Kälte zu vertragen als diese. Bei
einem Froste von 11° R. sah sie der Prinz in Flügen munter in den
Waldungen umher ziehen und sich von den Früchten der Platanen
nähren. Say beobachtete sie bei 85° Fahr, unter Null. Bei Pittsburg
sollen diese Papageien nie vorkommen. Nach Warden überwintern
sie am Scioto- River, und im Staate Ohio sollen sie bis zur Parallele
von 39^» hinauf gehen, am Missisippi bis zur Mündung des Illinois-
Flusses, und einzelne Flüge von ihnen sind bis nach Chicago hinauf
gekommen. In dem wilden Klima des Ohio und Wabasch sind sie
Standvögel des ganzen Jahres.
Das eigene Knöchelchen, welches sich bei den Papageien zwi-
schen dem untern und äussern Rande der Gehöröffnung und dem
hintern Rande des Quadratbeins findet, ist von Em. Rousseau be-
merkt und für dasselbe die Benennung Intercarre - tympano - audi-
tif in Vorschlag gebracht worden. (Revue Zool. 1839. S. 353. pl. 8.
f. 3 — 5).
g) JLfnphiholae. R ü p p e 1 1 lieferte (S. 7) eine kurze Ueber-
sicht der bis jetzt bekannten Turako, denen er 9 Arten zutheilt.
101
Diese sind: Corythaix Versa ^ Buffonü, eryihrolophos , porpJiy.
reolopha und leiicotis; Musophaga violacea und gigantea; Chixae-
rhis variegatus und %onurus. — Unter diesen sind Corythaix leuco-
tis^ sowie Chixaerhis zo?iurus erst von Rüppell aufgestellt.
Den Turakos sind seitdem 3 andere Arten zugefügt worden:
Chixaerhis concolor Smith (lllustr. n. 1. tab. 2) aus Südafrika, Chixae-
rhis Feliciae Less. (Rev. Zool. 1839. S. 101> ebendaher, und Cory-
thaix macror%wcÄ?a Fräser (Proceed.VU.ip. 34),^ unbekannter Hel-
inath. Yow Corythaix porphyreolopha lieferte S mi t h eipe schöne Ab-
bildung in seinen lllustr. n. 8. tab. 35.
0n grosses Verdienst hat sich Rüppell durch seine
vortreffliche Monographie der Gattung Colins erworben (Mus.
Senckenberg. III. 1. p.39X
Mit Beihülfe schätzbarer Mittheilungen von Laichten/stein ist
es dem Verf. gelungen, die verwirrte Synonymik zu sichten und
Latham's 11 Arten auf 6 zurückzuführen. Diese sind: 1) C. str la-
tus L. Gm., 2) C. erythropus Ia. Gm., 3) C. leucotis Rüpp. (tab. 2.
ßg. 2), Lathams striated Coly, 4) C, nigricollis Levaill., 5) C. gut-
riwa (C. indicus) und 6) C, senegalensis L. Gm. Lichteastein hat
hierbei nachgewiesen, dass die Gattung auf Afrika beschränkt ist,
indem der sogenannte C. indicus dem Kap angehört. Derselbe hat
ferner darauf aufmerksam gemacht, das9 Latham's C. viridis nichts;
anderes als Glaucopis Temia ist.
V. Colutnbinae»
Von 13 Arten Tauben, die Rüppell (Abyss. Wirt)elth. S. 63) auf
seinen Reisen einsammelte^ waren 4 Arten unbekannt: Columha
aUitorques, lugens, bronxina und semitorquata.
Beechey's Reise lieferte 2 neue Arten: Columha metallica und
7nonilis, Letztere, welche um Monterey gefunden wurde und auf
tab. 26 abgebildet ist, kommt mit C. Fitxroyii sehr überein, unter-
scheidet sich aber, dass die AVeinfarbe nur den Kopf und den untern
Leib einnimmt, während sie sich bei G. Fitzrojii allgemeiner aus-
breitet. Auch sind Schnabel und Füsse verschieden gefärbt. Dio
Diagnose der C. metallica, die auf den Bonin -Inseln vorkommt^
heisst: C. capite colloque vinaceo - canis, purpureo - splendentibus,
hoc pallidiore, nucha dorsoque imo metallice purpureis; alis, corpore
infra dorsoque medio metallice viridibus, remigibus caudaque fuscis;
16" lang. — Von der Columha holiviana d'Orb. und viridis Linn.
lieferte die Favorite auf tab. 23 und 24 Abbildungen j desgleichen
d'Orbigny (Ram. de la Sagra, Cuba tab. 27 und 28) von C.portori-
censis und inornat^. — Eine auf den Galapagos -Inseln sehr häufige
Art beschrieb Gould als Zenaidif, galapagoensis (Darwin's Zool.
Birds tab. 46), mit welcher ich die Columbi- Galline des Gallapagos
von Ncboux (Rev. Zool. 1840) völlig identisch finde.
102
lieber die Fortpflanzung der Ringeltaube in der Gefangenschaft
theilte K. v. Siemuszowa - Pietruski in diesem Archiv 1840. L S, 43
einige Erfahrungen mit.
VM, Qallinaceae*
ä) Mesitinae, Is. Geoffroy (Guer. mag. 1839. n. 5)
machte einen sonderbaren Vogel, Mesites, aus Madagaskar
bekannt, dessen Stellung im Systeme Ref. nicht klar gewor-
den ist. ^
Wie Is. Geoffroy sagt, kommt er im äussern Habitus unflpuss-
bildung mit den Tauben und pamentlich, wegen der Höhe der Tar-
sen, mit Columbigallina überein. Die Flügel gleichen mehr denen
von Penelope und Parraqua. Der Schnabel ist ganz der vonHelior-
nis (Podoa) senegalensis. Is. Geoffroy betrachtet diesen Vogelals
den Typus einer neuen Familie, welche sich unter die Gallinaces
passeripedes, in der Nähe der Tauben, einreiht. G. R. Gray stellt
ihn zu seinem Megapodiinae, zu welchen er auch noch die Menura
zieht. Man wird im Systeme dieser Gattung erst dann eine gesi-
cherte Stelle anweisen können, wenn ihr Knochengerüste bekannt
sein wird. Die Art heisst Mesites variegata (tab. 5. 6); die Haupt-
farbe ist rothbraun, die ganze Länge 10^".
h) HyrvTiaptiüae, Die Gattung Pterocles bereicherte A.
Smith in seinen Illustrat. mit 2 südafrikanischen Arten : Pt. guttu-
ralü (tab. 3 und 31) und variegatus (tab. 10). Im Ganzen zählt er
13 afrikanische Arten aus dieser Gattung auf.
c) GalUnae* Hagenbach lieferte interessante „Un-
tersuchungen über den Hirn- und Schädelbau der sogenann-
ten Hollenhiihner" (Müller's Archiv für Anat. 183,9. S. 311).
Ausser der grossen Federhaube, welche diese Rasse auszeich-
net, findet sich noch eine starke Erhabenheit am knöchernen Schä-
del, welche nicht, wie gewöhnlich behauptet wird, von einer Auf-
treibung der Scheitelbeine herrührt, sondern lediglich den Stirnbei-
nen angehört. Dieser Knochenhügel, der von verschiedener Form
und Grösse ist, zeigt sich selten ganz verknöchert, sondern enthält
Lücken^ die Verbildung des Schädels bedingt aber auch eine Form-
verschiedenheit des Gehirnes. Dasselbe ist z. B. länglicher und schmä-
ler als das normale Hirn, die einzelnen Theile sind mehr auseinan-
der gerückt 5 die Hemisphären nehmen nicht hinterwärts, sondern
vorwärts an Masse zu, und zwar mehr in die Höhe als Breite, auch
sind sie bei weitem nicht so symmetrisch gebaut. Der Verf. sieht
diese eigenthümliche Beschaffenheit für eine Hemmungsbildung und
zwar als einen der Hemicephalie sich annähernden Zustand an.
Das Merkwürdige ist, wie der Verf. mit Recht hervorhebt, dass hier
103
ein abnormer Zustand, welcher io der übrigen Thierwelt nur
als zufällig vorkommt, in einem stehenden, sich durch alle Ge-
nerationen forterbenden Typus übergegangen ist und dadurch
Veranlassung zur Begründung einer besondern Spielart gegeben hat.
Die Rebhühner wurden mit mehreren Arten bereichert:
Von Rüppell sind 3 Arten hinzugekommen: Perdix melänoce-
phala^ Erckelä und gutturalis (Abyss. Wirbelth. S. 10). — Von
Smith in seinen Illustr. Francolinus Swainsonü (tab. 18), natahU'
iis (tab. 13), inleatus (tab. 14) und suhtorquatus (tab. 15); im Gan-
zen zählt er 10 südafrikanische Frankoline auf, wovon noch ein
neuer als F. gariepensis in den spätem Heften beschrieben werden
soll. — Eine sehr zierliche Art, Francolinus nivosus von Pondichery
stellte Delessert in Guer. mag. 1840. lle livr. dar. — Perdicc aeru-
ginosus Eyton (Proceed. VII. p. 106) ist auf Malakka einheimisch. —
Notizen über die in England angesiedelten rothfüssigen Bebhühner
(Perdix rubra) theilte B. Clark e im Mag. of nat, bist. 1839. p. 142
mit. Sie wurden im Jahre 1790 nach England eingeführt, und ver-
breiten sich dort immer mehr, wobei allenthalben die gxauen Reb-
hühner da verschwinden, wo sich die rothfüssigen ansiedeln. Die
Jagd auf letztere ist weit schwieriger als auf jene.
Die seltene Ortyx Douglasü ist in der Zoologie von Beechey's
Reise tab. 11 abgebildet worden.
d^ Crypturidae* Hemipodius Lepurana wurde von A.
Smith (Illustr. n. 4. tab. 16) nördlich von Litaku entdeckt; eine
neue, damit nahe verwandtes indische Art benannte er H. Syhesii. —
Bemipodius atrogularis Eyton (Proceed. VII. p. 107) gehört Ma-
lakka, H. castanotus Gould (ebenda S. 145) gehört der Westküste
von Neu-HoUand an.
VII, Cursore«.
üeber die Lebensweise von Jpteryx australis hat Allan Cu-
ningham einige Nachrichten mitgethellt (Ann. ofnat. bist. IV. p. 313;
Proceed. VII. p. 63), die ganz mit denen von Short übereinstim-
men (vgl. Archiv IV. 8. S. 374).
Aus dem Fragment eines Oberschenkelknochens, der von einem
ausgestorbenen neuseeländischen Vogel herrühren soll, schloss Owen
(Proceed. VII. p. 169), dass aufNeu-SeeIaqd ein i^traussartiger Vogel
von der Grösse des Strausses existirte oder vielleicht noch jetzt
existirt.
Von Gould's Rhea Darwinü (Rh. pennata d'Orb.) ist nun die
ausführlichere Beschreibung mit Abbildung erschienen (Darwin's Birds
p. 123. tab. 47).
104
a) Alectorides. Von seiner Otts afroides gab 8niith eine
ausführliche Beschreibung und Abbildung (lUustr. n. 5. tab. 19).
Rüppell's neue abj'ssinische Art, Oti's melanogaster^ ist in seinen
abyss. Wirbelthieren auf tab 7 abgebildet.
b) JFulicariae. Smith stellte zwei neue Arten Wasser-
hühner auf: Gallinula Jardinii (tab. 21) und elegans (tab, 32).
ausserdem lieferte er von Temminck's G. dimidiata eine Abbildung
(tab. 20) mit ausführlicher Beschreibung. — Ausser der Parva afri-
cana fand er eine neue Art auf, die er Parra capensi» benannte
(n. 7. tab. 38). — Aus der Darwinschen Sammlung von Südamerika
machte Gould in Darwin's Birds 3 Arten bekannt: Zapornia notata
(tab. 48) und spüonota (tab. 49), ferner Porphyrio Simplex. — L e s -
son's Rallus cinnamomeus bewohnt die Küsten von Senegambien
(Rev. zool. 1840. p. 99).
La Fresnaye errichtete (ebenda S. 231) eine Untergattung von
Ballus unter dem Namen von Brachyptrallus, die sich von Gal-
linula durch kürzern und viel höhern Schnabel, durch die grosse
Kürze der Flügel, die Höhe und Stärke der Läufe, durch kürzern
Schwanz, kürzere und viel stärkere Krallen unterscheidet. Von
Rallus differirt sie durch den sehr kurzen und an der Wurzel er-
höhten Schnabel, durch stärkere und kürzere Läufe und Zehen, und
durch einen viereckig abgeschnittenen Schwanz. Die einzige Art ist
B. ralloides unbekannter Herkunft,
cy JErodii. Die Bonin -Inseln lieferten eine neue Reiher-Art:
Nyctlcoraa: craisirostris Vig. (Zool. of Beechey's voy. p. 27): N.
supra castaneo-rufa, subtus plumisque tribus occipitalibus albis, ca-
pite supra nigro^ rostro crasso, subrecto, mandibula inferiori al-
bescenti apice fusco, superiori nigro. Länge 21".
d) Pelargi. Die Lebensweise der Jabiru's (Mycteria
americanä) hat Schomburgk (Ann. of nat. bist. n. 32. p. 340)
durch einige Notizen erläutert.
Sie besuchen die grossen Savannen des Innern Guiana und die
sumpfigen Gegenden an den Flüssen Poraeroon und Guainia, wo sie
von Mollusken, Krabben, Fröschen und andern Amphibien leben. Am
See Amubu sah sie Schomburgk öfters in Schaaren von mehreren
Hunderten. Ihr Flug ist leicht und gefällig.
e) Mentiglottiües. Platalea und Ihis vereinigte
Nitzsch zu einer besondern Familie unter dem Namen He-
miglottides, der sicJi auf die überraschende Kleinheit ihrer
Zunge bezieht,
Ik's caru7iculata wurde als eine neue Art von Rüppell ent-
deckt (S. 49. Tab. 13).
105
/) Odontofflo99ae. Vlioenicopierus americanus Seba
ist in R. de la Sagra's Beschreibung von Kuba (Ornith. p.224
tab. 29) hinsichtlich seiner Lebensweise ausführlich beschrie-
ben worden.
Vom Ph. europaeus unterscheidet er sich dadurch, dass er ganz
roth wird, von Ph. chilensis (Ph. ignipalliatus) durch dieselben Merk-
male, wie auch durch die Schnabelform, die bei letzterem vielmehr ge-
krümmt ist. Er ist gemein auf den Antillen und den benachbarten
Theilen des Kontinents, und brütet gesellschaftlich in ähnlicher
Weise wie die beiden andern Arten. Die Jungen werden in grosser
Menge gefangen und wenn sie etwas älter sind, heerdenweise wie
Schafe, nach Havana getrieben und das Stück um 5 — 7 Francs an
Liebhaber verkauft. Sie werden so zahm, dass sie die Nahrungs-
mittel von der Hand nehmen, und leben mit dem Hofgeflügel in bester
Eintracht. Das Fleisch wird nur von armen Leuten gegessen.
g) JLinticolae. Von Recurvirostra occidentalis , die bei San
Francisco häutig vorkommt, erschien in der Zoolog, of Beechey's
voy. tab. 18 eine Abbildung. — Eine der vielen Entdeckungen von
A. Smith ist sein Vanellus lateralis (lUustr. n. 5, tab. 23); von
Gould seine Squatarola fusca und Totanus fuliginosus (Darwin's
Birds n. 5. p. 126 und 130). Himantopus asiaticus von Pondichery
wurde von Lesson (Rev. zool. 1839. S. 44) aufgestellt.
XX JS^atatores*
Brandt's „Beiträge zur Kenntniss der Naturgeschichte der
Vögel, mit besonderer Beziehung auf Skeletbau und verglei-
chende Zoologie" sind ganz den Schwimmvögeln gewidmet.
Sie sind enthalten in den Menioires de l'Acad. des sc. de St. Pe-
tersb., Scienc. nat. HI. le et 2e livr. 1839. p. 81, und behandeln fol-
gende Gegenstände: 1) Ueber zwei eigenthümliche Formen von Knö-
chelchen, die sich am Schädel mehrerer Schwimmvögel finden. 2)
Beiträge zur Kenntniss der ruderfüssigen Schwimmvögel, in Bezug
auf Knochenbau und ihre Verwandtschaft mit andern Vögelgruppen.
3) Einige Bemerkungen über Podoa und ihr Verhältniss zu Fulica^
Podiceps und den Steganopoden. 4) Ueber Podicei^s und Eudytes als
zwei besondere Typen in der Ordnung der Schwimmvögel. 5) Ue-
ber die Flossentaucher (^Impennes s. Aptenodytitae) als Typen einer
eigenen Gruppe unter den Schwimmvögeln. 6) Ueber den Skeletbau
der Scherenschnäbel {Rhpichops') in Vergleich mit den Möven, Kaub-
möven und Seeschwalben. •— Diese mit 29 Tafeln Abbildungen aus-
gestatteten Abhandlungen sind viel zu reichhaltig und zu sehr ins
Detail eindringend, als dass der mir knapp zugemessene Raum er-
laubte, auf sie näher einzugehen. Ich muss mich begnügen, sie an-
106
geführt zu haben und füge nur noch Brandt's Eintheilung der Schwimm-
vögel bei, die er unter 6 Typen vertheilt:
1) Podoidae mit Podoa und Fulica. 2) Urinatores mit
4 Familien: Podicipidaey Eudyiidaey Aptenodytidae und Alcadeae.
3) Steganopodes mit 3 Familien: Caröom'dae, Tachypetidae und
Phaethontidae. 4) Longipennes. 5) Tubinares. 6) Lamel-
lirostres.
ä) liongipennes. Temminck^s Bemerkungen (in Manuel.
IV. p. 466) über die unnützen Gattungen, in welche das Genus Larus
zerrissen wurde, möchten den Ornithologen in diesem, wie in so vie-
len andern Fällen zur Berücksichtigung bestens zu empfehlen sein. —
Von den Galapagos - Inseln machte Gould den Larus fuUginosus
bekannt (Darwin's Birds p. 141). — Larus Genei, dem L. ridibundus
verwandt, aber grösser und durch rosenrothen Schein der Unterseite
ausgezeichnet, auf Sardinien einheimisch, wurde vom Marq. De
Breme aufgestellt (Rev. zool. 1839. S. 381). — Die Mouette ä queue
fourchue aus Kalifornien und die Sterne centre^ welche Neboux in
der Revue Zöol. 1840. p. 290 anzeigte, müssen in ihren Artrechten
durch sorgfältige Vergleichung mit den bekannten Spezies ers^ bestä-
tigt werden.
H) ötuhinares* A.Smith hat die Gruppe der Sturmvö-
gel mit 5 Arten vermehrt (Illustr. n. 11).
Sie heissen: Procellaria glacialoides, macroptera , Forsten' und
Turtur, ferner Pachytüa Banksii, welche auf Tab. 51 — 55 abgebildet
sind; ausserdem ist von Puffinus cinereus Linn. eine Abbildung
gegeben.
c) Unguirostres» Monographisch witrden- die Schwäne
von Rüppell abgehandelt (Mus. Senckenberg. III. 1. S. 3).
Der Verf. geht von der Ansicht aus, dass es zur Errichtung
von Unterabtheilungen unter den entenartigen Vögeln am erspriess-
lichsten sei, ein einzelnes Kennzeichen herauszuheben, selbst wenn
dasselbe vielleicht ganz unwesentlich wäre, ja sogar Combinationen
veranlasse, die nicht als völlig natürlich betrachtet werden könnten.
Als ein solches besonderes Kennzeichen nimmt Rüppell in diesem
Falle die Beschaffenheit der Zügelgegend, und begreift unter Cygnus
alle diejenigen Arten, bei welchen die Stelle zwischen Auge und
Mundwinkel unbefiedert ist. Hierdurch wird er genöthigt, Anas
cygnoides, canadensis und melanotus von den Schwänen zu trennen,
diesen dagegen die Anas moschata zuzugesellen. Mit dieser Tren-
nung kann man zwar sich leicht einverstanden erklären, nicht aber
so mit der Versetzung einer ächten Ente unter die Schwäne, wegen
eines so unbedeutenden Merkmales. — Die Arten, welche RüppeÜ
seiner Gattung Cygnus zuweist, sind: 1) C.Olor^ 2)?nustcuSy 2) buc^
cinator^ 4) Bewickü, 5) nigricollis, 6) atratus^ "7) moschatus, 8)gam*
107
bensis. Letztere Art ist sehr ausföhrlich beschrieben, auch in einer
guten Abbildung dargestellt^ überdies weist Rüppell nach, dass La-
billardiere's Cygne ceudre nichts anders als Cereopsis Novae Hol-
landiae sei.
Lesson (Rev. Zool. 1839. S. 321) giebt eine Aufzählung der
Arten derselben Gattung, welche ausser den 6 ersten Arten von
Rüppell den C. anatoides Vig. und den C. immutabills Yarrell, also
ebenfalls 8 Arten enthält. Die letzte Art, welche noch vonRüppell^
80 wenig als im 4ten Theile von Temminck's Manuel, oder in der
europ. Fauna von Schinz aufgenommen ist, auch von Keyserling und
Blasius nur in einer Anmerkung erwähnt wird, scheint gleichwohl
auf Artsrechte immer mehr Ansprüche machen zu dürfen« Eyton
(Monograph. of the Anatidae p. 96) sagt von ihr, dass sie in Grösse
und allen andern Stücken mit C. Olor übereinstimme, ausser in der
Farbe der Füsse, welche gelblich (pedibus flavicantibus, light drab
colour) seien, auch seien die Jungen vom Ausschlüpfen an weiss,
niemals grau oder braun.
Auf die Schädelverschiedenheit zwischen Cygnus olor und
immutabilis machte Pelerin aufmerksam (Loud. mag. of nat.
hist. 1839. p. 178).
„Bei C. immutabilis ist der Schnabel flacher, zumal in der Mitte
zwischen der Kuppe und den Nasenlöchern 5 die Vorragung an der
Basis des Oberkiefers ist minder entwickelt und der Zipfel des Schä-
dels, anstatt wir bei C. olor fast in einer Ebene mit der Höhe der
Scheitelbeine zu liegen, erhebt sich allmälig zu diesem Punkte und
hat keine Spur von dem kleinen Loch, das an diesem' Theile bei
letzterer Art sich vorfindet. Die grösste Differenz jedoch stellte
sich an dem Hinterhauptsbeine ein: der obere Theil desselben springt
bei C. immutabilis beträchtlich weiter hervor, und es zeigen sich
zwei ovale Löcher, jederseits eines über dem Foramen magnum,
welche bei allen Exemplaren von C, olor fehlen; die Portion, welche
die Grenze der äussern Ohrmündung macht, ist viel vorspringender
und die Gelenkhöcker bilden einen spitzem Winkel mit der Basilar-
Por(ion des Hinterhauptbeins." Eines der besten Unterscheidungs-
merkmale des C. olor ist, nach Pelerin, das Loch auf dem Schädel-
gipfel, das er nie bei den 3 andern Arten fand.
Eyton untersuchte das Skelet eines Bastardes von der
gemeinen und chinesischfjn Gans, und zeigte, dass jenes theils
das Mittel der beiden Eltern hält, theils eigenthümliche For-
men aufzuweisen hat (Loud. mag. of nat. hist. 1840. p. 90).
Eine neue englische Art von Gänsen unterschied, nach
12 Exemplaren, Bartlett (Proceed. VII. p. 2) unter dem Na-
men Ans er pJioenicopus von den verwandten Arten, A,
segetufTif ciuereus und albifrons.
108
Seine Beschreibung von Anser phoenicopus lautet: Ganze
Länge 28". Scheitel und Rücken dunkelbraun, Gesichtsseiten, Vor-
dertheil des Ha«Ises und Obertheil der Brust lichtbraun, Rücken und
Schultern dunkelbraun, grau überlaufen; jede Feder breit weiss
gerandet, Schultern (Shoulders of wings; und Rumpf aschgraulich;
Priniärfedern braun, mit grau angeflogen; Schwanz bräunlichaschfar-
ben, mit breiten weissen Rändern; üntertheil des Leibes, obere und
untere Schwanzdecken rein weiss; Beine und Füsse röthlich fleisch-
farben (oder pink); Hinterzehe fest verbunden durch die Haut, welche
längs des Randes der innern Zehe vorläuft; die Füsse auffallend dick
und fleischig, Schnabel If Zoll lang, schmal und gegen die Spitze
sehr eingezogen; die Basis, Seiten und Nagel schwarz; der Raum
zwischen dem Nagel und Nasenlöchern röthlich fleischfarben (oder
pink); angeschlossene Flügel 1^ Zoll über den Schwanz reichend."
Von der Saatgans unterscheidet sich diese Art durch geringere
Grösse, kleinern, vorn mehr zusammengezogenen und anders ge-
färbten Schnabel, durch mehr Grau an Rumpf und Schultern, durch
anders geformte und gefärbte Füsse, die bei der Saatgans gelblich
orange sind. — Pelerin fügt in Loud. mag. of nat. bist. 1889. p. 180
die Bemerkung bei, dass der Schädel nicht dem der 3 andern ächten
Gänse, sondern dem von Anser Bernicla gleiche.
Eine neue europäische Art führte Baillon als Anser brachy-
rhytichus auf, und Temminck recipirte sie im 4ten Theile seines
Manuel p. 520. Da diese Art beträchtlich kleiner, der Schnabel auf-
fallend kürzer als bei der Saatgans angegen wird, da sie sich ferner
von letzterer durch einen rothen Fleck auf dem Schnabel, rothe
Farbe der Füsse und grauen Anflug des Mantels unterscheiden soll,
so vermuthet Ref., dass sie mit A. phoenicopus identisch sein möchte.
Jedenfalls ist Brehm's und Naumauu's Anser arvensis eine hiervon
verschiedene Art.
Den seltenen Anser melanopterus Eyt. bildete Gould in Dar-
win's Bird's tab. 50 ab.
Eine neue Enten -Art von der Insel Luzon publizirte Fräser
als Anas lu%onica (Proceed. VII. p. 113). — Vigors lieferte Abbil-
dungen von Anas Carolinensis Gmel. u. seinem Urophasmnus (Zooh
of Beechey's voy. tab. 13 und 14); erstere Art betrachtet auch Tem-
minck (Man. IV. p. 539) als spezifisch verschieden von unserer Krick-
ente. — Proctor (Ann. of nat. bist. IV. p. 104) gab einige Bei-
träge zur Kenntniss der Anas Barrowü', und bestätigt es, dass A.
Clangiila auf Island gar nicht vorkomme. — lieber die systematische
Stellung von Anas coscoroba {Cygnus anatoides) erschienen einige
Bemerkungen in der Favorite p. 62. — Die allbekannte A7ias sponsa
wurde unnöthiger Weise nochmals abgebildet, in Ram. de la Sagra,
Cuba, tab, 30. — In den Preuss. Provinzialblättern 1840. S. 61 machte
V. Siebold bemerklich, dass Anas Stejleri in Preussen mit andern
nordischen Vögeln erscheine.
109
J) Steganopodejf. Eine klare und grünflliche Ausein-
andersetzung der Pelikan - Arten verdanken wir Lichten^i
stein (Abb. der Berl. Akadem. 1839. S. 433).
Zu dieser Auseinandersetzung gelangte er, indem er auf scharf-
sinnige Weise das Verhalten der nackten und befiederten Stellen um
die Schnabelwurzel zur Diagnostik der Arten benutzte. Er stellt
7 Arten auf: 1) P. Onocrotalus, Schneppe sehr lang zugespitzt, fast
bis an die Hornscheide des Schnabels reichend; der Winkel hinter
dem Auge etwas kleiner als ein rechter; die Federbacke vorn breit
zugerundet, die Hornscheide der Kiefetäste nicht erreichend. Haube
aus sehr schmalen kurzen Federn. Rücken- und kleine Deckfedern
der Flügel nicht auffallend durch Länge und Verschmälerung. Tar-
sen 4", Mittelzehe ohne Kralle 5". -- 2) P. mitratus Licht., Schneppe
verkürzt, lange nicht bis an die Hornscheide reichend; der Augen-
winkel einem rechten gleich; Federbacken wie beim vorigen. Haubei
schon vom Scheitel anfangend, aus 4 — 5" langen, 1 — 1^ Linien brei-
ten Federn gebildet. Kücken- und Deckfedern auffallend lang und
schmal, um \ länger als |l)ei vorigem. Tarsen 4", Mittelzehe eben-
soviel. Südafrika. — 3) P. crispus Bruch.^ Schneppe sehr breit, die
Basis der Hornscheide ganz umfassend; Augenwinkel kaum 30"; Fe-
derbacke bis an den Schnabel vorgezogen. Haube nebst Federn des
ganzen Kopfes und Halses in mannigfachen Drehungen gekräuselt. —
4) P. rvfescens Rüpp,, Schneppe wie bei vorigem; Augenwinckel
zugespitzt, aber grösser als bei P. crispus; Federbacken mit beiden
Zipfeln die Basis der Untcirkinnlade eng umfassend. Haube aus 4^'
langen, 3'" breiten, ebenen Federn. Rückenfedern ohne (bei P. cri-
spus mit) schwarzen Schaftstrich. — 5) P. trachyrhynchas Lath.y
Schneppe sehr breit, nicht ausgerandet, sondern stumpfwinkelig zwi-
schen den Nasenlöchern auslaufend; Augenwinkel gross; Federbacken
8" weit über die Basis der Kinnlade vorlaufend. Nordamerika. —
6) P. fiiscus L. Gm., Schneppe ziemlich breit, bis zum Schnabel-
rücken verlängert; Augenwinkel klein; Federbacken sehr verkürzt,
schon 1" breit vor der Kinnlade aufhörend; Kehlsack bis weit über
die Mitte des Halses hinabsteigend; Tarsen 2^". Südhälfte von Nord-
amerika. 7) P. conspicÜlatus Temm. Neu Holland. Von den 6 ersten
Arten sind die Köpfe auf einer Tafel abgebildet, auf einer andern
der P. trachjrhynchus.
Da Lichtenstein's Arbeit der Akademie zu derselben Zeit vorge-
legt wurde, in welcher Rüppell's Notizen über die europäischen
Pelikane erschienen (Mus. Senckenherg. IL), so konnte er von des
Letzteren neuen Art, dem P. minor noch keine Kenntniss haben.
Desto mehr ist es befremdlich, dass Temminck sie 1840 in seinem
Manuel nicht aufgenommen hat, da sie, wie Ref. nach eigner Ver-
gleichung eines alten männlichen ExemplaYes aus Jassy fand, eine
gut begründete Art ist, deren Verschiedenheit von P. Onocr^talus
110
Keyserling und Blasius (Europ. Wirbelth. S. 234) am Schärfsten aus-
einander gesetzt haben. Auch Lichtensteiu's P. müratus ist eine
gut unterschiedene Art, wie Ref. durch ein Exemplar der hiesigen
Sammlung, das ihr vom Kap zukam, belehrt worden ist.
Zu bemerken ist noch, dass der vom Prinzen von Wied (Reise
in das innere Nordamerika. S. 318) angeführte P. brachydactylus von
Lichtenstein identisch ist mit des Letzteren P. trachyrhynchus.
Eine neue Spezies der Kormoraue stellte Brandt als
Carho nudigula auf (Bullet, de l'Acad. de Petersb. VI. n. 19).
Habitus Carbonis graculi L. Rostrum mediocre, nigricans, albo-
adspersum. Lora, regio ophthalmica, mandibula infra oris angulura
et gula tota infra mandibulae basin nuda. Pars gulae nuda, linea
pennata arcuata, atra terminata. Caput, dorsum, pectus, abdomen,
uropygium et crissum atra, obscure virescentia. Tempora et gulae
pars pennata fuscescentia. Humerales et tectrices alarum minores
et mediae cum parapteri pennis apice rotundatae, cinereo-fuscae,
margiue atro satis late limbatae. Cauda atra mediocris. Länge 30".
Heimath angeblich Indien. Der brasil. Kormoran ist verschieden durch
die minder von Federn entblösste Kehle, durch schmälere und spitzi-
gere Schulter- und Flügeldeckfedern, die mit einem schmälern schwar-
zen Rande umgeben sind, so wie dadurch, dass die nackten Theile
der Kehle von kloinen weissen Federn umgeben sind.
lieber die Naslöcher der Tölpel handeln einige Bemer-
kungen von Schlegel (V. d. Hoeven tijdschrift VI. p. 168;
Isis 1840. S. 397),
Nitzsch hatte den Tölpeln überhaupt die Nasenlöcher abgespro-
chen. Nach Schlegel's Untersuchungen sind sie aber bei Dyspofus
melanurus und albus vorhanden, fehlen dagegen wirklich bei D. pi~
scatrix und parvus.
Puffinus Lherminieri ist eine von L essen (Revue Zool. 1839.
S. 102) aufgestellte Art von den Antillen.
e) JPysopode*. In der Zoolog. ofBeechey's voy. p. 32
ist von Vigors ein Mergulus cirrhocephalus aufgestellt.
M. capite supra, nucha, collo anteriori, abdominis lateribus pti-
lisque nigris; dorso, alis caudaque plumbeo-griseis; colli lateribus,
pectore, abdomine, plumis subelongatis decompositis capitis cirrhum
longitudinalem efiformantibus a vertice ad nucham utrinque extenden-
tem paucisque nuchae laterum albis." Länge 10^". Der Schnabel
ist kürzer und gebogner als bei Uria, und viel zusammengedrückter
und schwächer als bei Mergulus.
Der Herausgeber des Mag. of nat. bist. 1839. p. 312 tischt seinen
Lesern die Novität auf, dass ein Schiffer die Entdeckung gemacht
habe, dass der King Penguin eigentlich ein Beutelthier sei, indem
er sein Ei zur Ausbrütung 7 Wochen lang in einem Beutel am Bauche
trage!!
111
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Amphibien, während der beiden Jahre
1839 und 1840.
Von
Dr. F. H. TroscheL
Zu den bedeutendsten Erscheinungen über diese Klasse
ist DumeriTs und Bibron's Ilerpetologie generale ou
Histoire naturelle complete des Reptiles zu rechnen. Es er-
schien von dieser umfassenden Bearbeitung der Amphibien im
Jahre 1839 der 5te Band, der den letzten drei Familien der
Saurier gewidmet ist.
Die erste derselben {Lacertiens ou Sauriens autosaures) enthält
64 Arten in 19 Gattungen^ unter denen 6 neue: Neusticurus {Lacerta
bicarinata Linn.), Aporomera {Lacerta americana sing ularis Seha.
und Ameiva coelestis d'Orb.), S alv at or {Podinema und CtenodonWagl.
Wiegm,), Dicrodon (eine neue Art)^ Calosaura {Lexard de Le-
schenault Milne Edwards). — Die zweite {Chalcidiens ou Cyclosau-
res) enthält 45 Arten in 16 Gattungen, unter denen 3 neue: Triho-
lonotus {Zonurus Novae Guineae Schlegel), Pantodactylus
{? LeposomaSptXy? Lepidosoma Wagl. Wiegm.), Ecpleopus (einfe
neue Art). — Die letzte Fam. endlich (ßcincoidiens ou Lepidosaures) ent-
hält 96 Arten in 33 Gattungen, unter denen 11 neue: Tropidopho-
rus {Leposoma Cuv. non Spix, Tropidosaurus Gray non Boie),
Amphiglossus {Keneux de l'Astrolabe Coct.), Gongylus {Eupre-
pes Wiegm., mit den Untergatt. Gongylus Wiegm., Eumeces Wiegm.,
Euprepes Wagl., Plestiodon Dura. Bibr., Lygosoma Gray, Leiolo-
pisma Dum. Bibr., Tropidolopisma Dum. Bibr.), Campsodactylus
{Hagria Vosmaeri Gr&y excl. syn. Sctncus Vostnaeri, Coct.), Hete-
romeles (eine neue Art von Algier), Chelomeles (eine neue Art
von Neu - Holland) , Brachymeles (eine neue Art von den Philip-
pinen), Brachystopus (eine Art vom Vorgebirge der guten Hoff-
nung), Praepeditus (Sori'dm l/neata Gray?), Ophiomorus {An-
guis miliaris Fall.), Dibamus (eine neue Art von Neu-Guinea.) ■—
Es sind viele neue Arten beschrieben und ein sehr reiches Material
112
benutzt. Deshalb ist jedenfalls das Werk allen Herpetologcn eine
sehr willkommene Erscheinung.
Von Bonaparte's Iconografia della Fauna Italica er-
schienen während des Jahres 1839 die Lieferungen 24 — 26,
und im Jahre 1840 die Lieferung 27, wenigstens ist mir keine
weitere zu Gesicht gekommen. Sie sind ganz nach dem frür
heren Plane und mit derselben Sorgfalt gearbeitet und enthal-
ten viele Abbildungen von Amphibien. Der Text handelt noch
nicht von allen abgebildeten Arten, sondern nur in Lieferung
24 von Bufo vulgaris, viridis und calamita Laun, Discoglos-
sus sardus'YschMdi; in Lief. 2ö von Zootoca vivipar-aWa^],,
JSotopholis Fitzingeri Wiegm., ^sammodromus Edward-
sianus Dum. Bibr., Acanthodactylus Boschianus (^vulgaris
Dum. Bibr.), Phyllodactylus europaeusGene-, in Lief. 26 von
Salamandra corsica Savi, Euproctus platycephalus Bonap.
(Molge platycephala Otto, Euproctus Rusconii Gene), Tri-
ton alpestris Laur.; in Lief. 27 von Chersus marginatus
Wagl., Natrix Cetti Gene.
• Der zweite Band von H. Schinz Europäische Fauna
oder Verzeichniss der Wirbelthiere Europa's, Stuttgart 1840,
enthält die Amphibien und Fische. In dem Abschnitt über
Amphibien, der bis p. 78 reicht, werden 7 Chelonier, 35 Sau-
rier, 33 Schlangen und 39 Batrachier, also im Ganzen 114 Am-
phibien als zur Fauna Europa's gehörig aufgeführt. Im Allge-
meinen eifert Verf. gegen die Unterscheidung zu vieler Gat-
tungen, und glaubt, daö Studium und die Unterscheidung der
Arten werde dadurch erschwert. Von neuen Arten finden sich
nur zwei Eidechsen: Lacerta lineata und olivacea,
J. E. Gray bearbeitete in: the zoology of captain Bee-
chey's Voyage, London 1839, den Abschnitt über Amphibien.
Derselbe ist von 4 Tafeln begleitet, welche sehr sauber aus-
geführt sind und theils schon bekannte, theils neue Arten aus
allen Ordnungen darstellen.
Von Ramon de la Sagra Historia natural de la Isla
Cuba, welche bereits in diesem Archiv V. 2. p. 388 erwähnt
ist, erschien auch in der französischen Ausgabe der Abschnitt
über Amphibien von Th. Cocteau, der die Chelonier und
Saurier enthält. Ihm schliesst sich der Anfang der Fortsetzung,
welche G. Bibr on bearbeitet, an. Diese beginnt mit der Gat-
113
tung TypJilops (T. Cuhae Blhr.) und wird ferner die Schlan-
gen und Batracliier enthalten.
In Moritz Wagner's Reisen in der Regentschaft Al-
gier etc. Erster Band, Leipzig 1841, bearbeitete Schlegel
den Abschnitt über Amphibien. Es werden 2Chelonier, 11 Sau-
rier, 4 Ophidier und 5 Batrachier als aus der Sammlung des
Hrn. Wagner stammend aufgeführt, zu denen Verf. noch ein
Verzeichnifs von 18 Arten, von denen jedoch einige gewifs
mit den beschriebenen zusammenfallen, hinzufügt, die meist
von Gervais bereits früher als aus Algerien stammend genannt
sind. Im Allgemeinen stimmt die Amphibienfauna ziemlich
mit der südeuropäischen überein. Fast alle Arten finden sich
nämlich auch im südlichen Spanien, Italien, Dalmatien oder
Griechenland, und nur Stenodactylus guttatus, Lacerta gut-
tulata und Triton Poiretii gehören Africa ausschliefslich an,
und verbreiten sich mehr oder weniger auf der Nordküste bis
Aegypten und Nubien, die erstere soll sogar sich bis zum Cap
erstrecken. Neue Arten werden nicht beschrieben, wenn nicht
die unter dem Namen Bvfo mauritanicus aufgeführte und mit
B. viridis und arabicus verglichene Kröte wirklich eigene
Art ist. Ueber den Fundort und die Lebensweise finden sich
den einzelnen Arten zugefügte Bemerkungen vom Reisenden
selbst. Nur eine Art, die Amphishaena Wiegmanni ist von
Detailzeichnungen begleitet auf der 7. Tafel abgebildet.
Von Andrew Smith's lUustrations of the Zoology of
South Africa etc. London erschienen im Jahre 1838 die Lief^
1 — 4, im Jahre 1839 die Lief. 5—8 und im Jahre 1840 die
Lief. 9 — 12. In fast allen Lieferungen sind colorirte Abbil-
dungen neuer Amphibien gegeben, und da das Werk wohl
nicht in den Händen vieler deutscher Zoologen ist, so scheint
es zweckmäfsig, die Diagnosen der neuen Arten unten mit-
zutheilen.
Von Ph. Fr. von Siebold's Fauna Japonica sind die
Saurier, Batrachier unci Ophidier, bearbeitet von Temminck
und Schlegel, in zwei Lieferungen erschienen (über die Chelo-
nier berichtete Wiegmann früher ßd. II. 2. S. 259.) Die Ein-
leitung zu den Amphibien, in der sich interessante Mittheilun-
gen über ihre Verbreitung und Lebensweise finden, ist von
V. Siebold selbst abgefafst.
Archiv f. Naturgesch. VII. Jalirg. 2. Bd. g
114
Im Ganzen finden sich in Japan $9 Amphibienarten, von denen
7 das anspülende. Meer, 22 das Land und das süsse Wasser bewoh-
nen. Unter ersteren sind 3 Chelonier und 4 Ophidierj von den letz-
teren kommen auf die Chelonier 2, auf die Saurier 3, auf die Ophi-
dier 6 Arten; der Batrachier sind 11, und unter diesen gehören 5 den
geschwänzten Batrachiern an. Im Allgemeinen tritt das Bestreben
hervor, die Arten zusammenzuziehen und sie, oft aus den entfernte-
sten Gegenden der Erde, als Localvarietäten einer Art zu betrach-
ten. So werden der Scincus von Japan, Sc. hicolor Harlan, Sc. ery-
throcep halus GiWiams als Altersverschiedenheiten einer Art quinque-
lineatus angesehen. Die Kröte von Japan gilt als Varietät von
Bufo vulgaris; ebenso sollen Rana esculenta, temporaria und Hyla
arborea auch in Japan vorkommen. In Anmerkungen unter dem Text
werden noch mehr Arten zusammengezogen. So sollen die Spixschen
Arten Bujo maculiventer, scaher^ dorsalis, ornatus^ albicans, icteri-
cus, scabiosus, semilineatus sämrotlich zum Bufo agua fallen, und
mehreres Andere. Die neuen Arten sind unten angeführt.
Eine Abhandlung über verschiedene Arten neuer oder
wenig gekannter Amphibien las Berthold in der Königlichen
Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen (Institut 1840.
pag. 323.)
Sie besteht aus folgenden Theilen: 1. Ueber die Amphibien Klein-
asiens; sie schliessen sich an die Fauna des Kaspischen Meeres.
Zwei neue Arten siehe unten. 2. Ueber die Untergattung Bron-
choceles Kaup. Er hält die^B. cristatella Kühl und j?. jubataDvLtn,
Bibr., welche beide vereinigen wollten, für verschieden. 3. Ueber
die Gattung Draconura Wagl. Die neue Art s. unten. 4. Sieben
neue Arten von Schlangen s. unten.
Boie (Naturhistorick Tidsskrift utgivet af Kroyer III.
J). 207.) hat über die Sitten und das Vorkommen mehrerer
Amphibien Beobachtungen mitgetheilt.
Die Bemerkung, dass die Klapperschlangen ihre Beute zuerst
durch den giftigen Biss tödten und sie dann verschlingen, kann ich
bestätigen, da eine kleine Klapperschlange, welche jetzt im Berliner
zool. Museum lebt, mehrmals Mäuse auf diese Weise verzehrte; ein-
mal vier Stück in einem Tage am 82. October dieses Jahres. Sie
verschlang drei im Laufe des Nachmittages, eine während der Nacht^
nachdem sie jedoch zuvor alle vier getödtet hatte.
Man dl beschreibt (Ann. d. sc. nat. XII. p. 291.) die
Schuppen von Caecilia und Lepidosaurus.
Bei ersteren besteht die obere Schicht aus Zellen oder Körnern
wie beim Aal. Diese Zellen liegen in concentrischen Linien um den
Herd.— Bei letzteren ist die Oberfläche durch ein Plättchen getheilt;
die Plättchen der Grundfelder und der Seitenfelder sind mit Stachel-
115
clien bedeckt, deren schwarze Spitze nach dem Mittelpunkt der
Schuppe gerichtet ist. Das Endfeld ist von der Haut überzogen und
seine Plättchen sind statt der Stachelchen mit Wülsten bedeckt, wie
wenn die Haut die Wurzel des Stachels verhindert hätte sich zu erheben.
Von Vogt erschienen mehrere Arbeiten über einzelne
Theile der Anatomie der Amphibien: Beiträge zur Anatomie
der Hirnnerven der Schlangen (Müllers Archiv 1839. p. 39.);
Beiträge zur Anatomie der Amphibien, Bern 1839, worin das
Herz von Python Tigris beschrieben und abgebildet ist; Bei-
träge zur Neurologie der Reptilien. Neufchatel 1840.
J.Müller las in der Akademie zu Berlin über eine eigen-
thümliche Bewaffnung des Zwischenkiefers der reifen Embryo-
nen der Schlangen und Eidechsen (Frorieps Neue Notizen XIII.
p. 152; Institut 1840. p. 211.).
Mandl bemerkt in einer Notiz über die Blutkügelchen des Pro-
teus und des Crocodilus luctus Cuv.y dass dieselben bei letzterem sich
durch ihre längliche Gestalt auszeichnen, indem sie 2^ bis 3 mal so lang
wie breit sind; bei andern Thieren erreicht ihre Länge höchstens das
Doppelte der Breite. (Ann. d. scienc. nat. XII. p. 289.)
Dutrochet (Recherches sur la chaleur propre des ani-*
maux ä hasse temperature. — Annales des sc. nat. XIII. p. 5.)
stellte sehr genaue Untersuchungen über die Temperatur der
kaltblütigen Thiere mittelst eines thermo-electrischen Appa-
rates an, wodurch er die eigenthümliche Temperatur dieser
Thiere im Allgemeinen geringer fand, als es frühere Auto-
ren angegeben hatten. Die Versuche wurden in trockener
Luft, in feuchter Luft und im Wasser angestellt, und immer
mit der Temperatur eines todten Thieres derselben Art ver-
glichen. Im ersteren Falle war die Temperatur stets etwas
höher. Im Allgemeinen fand sich die Temperatur um so nie-
driger, jemehr das Thier auf das Leben im Wasser angeweisen
war. So war die Temperatur der Lacerta agilis 0,18 — 0,20**
C, dievonjBw/b obstetricans\ü.{r. 0,i2^ Q, und dievonilö/m
esculenta 0,04 — 0,05" C. Bei den Larven des Frosches und
der Kröte, so wie überhaupt bei solchen Thieren, die mit Kie-
men athmen, konnte keine höhere Temperatur, als die des
umgebenden Mittels wahrgenommen werden.
^. Chelonii,
C. A. Lesueur reichte der Akademie zu Paris Zeich-
nungen ein, welche zwei von der Harnblase unabhängige Bla-
8**
116
sen nachweisen sollen, die sich bei allen Flufsschildkröten
linden. Sie liegen jederseits vom Rectum und münden in die
Kloake. Schon Perault (Mem. de l'Acad. 1666— 1669. tome III.
3*partie) und Martin (Journ. de la Soc. Zool. de Londres p. I.
1830 — 1831) haben sie bemerkt, haben sie jedoch für zwei
Urinblasen gehalten. (Institut 1839. p. 350.)
Üeber die Lymphherzen der Schildkröten las J. Müller in
der Akademie der Wissenschaften (Abhandi. d. Akad. d. Wis-
sensch. zu Berlin für 1839. p. 31. Müllers Archiv 1840. p. 1.
Institut 1840. p. 135.)
W. Wil c 0 X erzählt, dass eioe grosse Schildkröte von 4' 5" Länge
und 2' 9'' Breite an der Küste von Devoushire angespült sei. Ihr Ge-
wicht wurde auf etwa 200 Pf. geschätzt. Der Richtung der herr-
schenden Winde nach vermuthet derselbe, dass sie eine Bewohnerin
der Azoren sei; er spricht sie für Chelonia caretta {Testudo caretta
Linn.) an. (London Mag. of nat. hist. New series IV. p. 136.)
Neue Arten sind:
Testudo semiserrata Smith (1. c): supra brunneo-nigra;
scutorum areolis et radiis ab illis divergentibus , suhochreis; infra
flava radiis brunneo-nigris variegatis. S«uto nuchalitriangulari; pe-
dibus anterioribus paulum supra ungues antice squamis magnis tu-
berculosis obtectis; mandibula superiore uncinata. —
jT. Verroxii id. ib. testa supra nigro-brunnea, maculis radiis-
que pallide ochreo-flavis variegatis; infra flava, fascia longitudinali
brunnea inter scuta gularla et anum; capite supra subflavo; pedibus
anterioribus antice squamis imbricatis magnis tectis; scutis margina-
libus angulum scutis costalibus formantibus.
Emys oregonensisUnTl&u ist olivenbraun mit gelben schwarz-
gesäumten Strichen. Schale ziemlich oval und niedergedrückt, vor-
dere ßandplatten sehr tief, Brustbein länglich, in der Mitte etwas
schmäler, vorn aiisgerandet, gelb und schön mit schwarzen krummen
Linien verziert; Kopf massig, Oberkiefer vorn etwas gespalten. (Aus
Silliman American Journ. No. 64. 1837. in der Isis 1840. p. 177.)
Sternotherus sinuatus Smith (1. c.^: capite pallide stra-
mineo-brunneo marmorato; capitis lateribus viridi-flavis ; collo li-
vido-brunneo, pedibus stramineis maculis brunneis variegatis; testa
supra viridi-brunnea, subtus aurantia, rubrl-brunneo marginata; un-
guibus rubri-brunneis; mandibula superiori apice emarginato; infe-
riori apice acuminato, sursum producta.
Eine Art der Gattung Gymw ojsw* Dura. Bibr., welche in der Me-
nagerie der Zoological Society gelebt hatte und vom Euphrat her-
stammte, wurde in gedachter Gesellschaft vorgelegt und von Martin
beschrieben. Sie weicht zwar in etwas von der Beschreibung des
117
G. Euphraticus ab^ ist aber doch wohl mit ihm identisch. (Aonals of
nat. bist. VI. p. 517.)
Jf. ^auri»
J. Natterer macht in den,Annalen des Wiener Museums
der Naturgeschichte etc. Band IL Abtheil. II. Wien 1839 seine
mit Kitzinger angestellten Untersuchungen über die südame-
rikanischen Alligatoren bekannt, welche sich vorzüglich auf
die strenge Unterscheidung der Arten und Berichtigung der
Synonyme beziehen. Ausser der ausschliesslich der nörd-
lichen Hälfte von America angehörigen Champsa Lucius wer-
den acht Arten unterschieden:
Champsa nigra (Caiman niger Spix, Crocodllus Yicrcare Daud^)
Brasilien^ Cayenne. — CKfis-sipes {Caiman fissipes Spix, Allig. schr-
öpf Neuwied, Yacare Azara, Croc. latirostris Daud., Allig. selerops
lind fissipes Wiegiii., All. cynocephalus Dum. Bibr. z. Tbl. (Brasilien,
Buenos Ayres. — Ck. selerops {Cr. selerops Schneider^ Cr. Caiman
Daud.^ All. cynocephalus Dum. Bibr. z. Tbl.) Brasilien, Cayenne, Su-
rinam. — Ch. vallifrons, {All. punctulatus 8pix z. Tbl.?) Brasilien.
— Ch. punctulata {Jacaretinga punctulata Spix^ All. punctulatus
Wiegm., Dum. Bibr., Chmnpsa selerops Wagl, z. Tb.) Brasilien, Mar-
tinique. — Ch. trigonata {Cr. trigonatus Schneider, All. trigona-
tus Cuv., All- palpehrosiis Var. 2. Gray, Dum. Bibr.) Brasilien. ~ Ch.
palpehrosa {All. palpebrosus Cuv., All. palpebrosus Var. 1. Gray.,
Dum. Bibr.) Brasilien, Cayenne. — Ch. gibbiceps n. sp. capite tri-
angulari-oblongo, gibbo, rostro longo, attenuato, supra excavatoj
porca frontali nullaj foveolis ad maxillae latera nullis; palpebris to-
tis osseis, scutellis nuchae multis, biseriatis, trigono-acutis; «cutis
cervicalibus in fascia secunda et tertia ternatim dispositis, scutis in-
tcrmediis bicuspidatis. Brasilien.
Die Abbildungen der Köpfe aller acht Arten auf 8 Steindrucktafcin
befinden sich in der dritten Abtheilung des zweiten Bandes derAnna-
len des Wiener Museums, welche 1840 erschien. Obne gegen die
Gültigkeit der Arten einen Verdacht erregen zu wollen, muss ich
gestehen, dass es mir nicht mOglich gewesen ist, die Exemplare des
Berliner Museums danach mit Sicherheit zu bestimmen. Freilich sind
alle im Jugendzustande, und hauptsächlich mögen wohl die Differen-
zen besser bervortreten, wenn man die sämmtlichen Arten neben
einander hat.
Berthold (1. c.) beschreibt Draconura duodecimstriat ai
squamls dorsi majoribus carinatis per 12—18 series longitudinales
dispositis. Surinam?
Harlan hält seine Agama eornuta von dem Tapayaxin des
licrnandez {Phryuosoma, orbicularis Wiegm.) für verschieden. Erstere
118
ist kaum halb so gross, die Hörner am Kopfe sind verscliledener
Grösse und stehen anders, auch fehlt ihr die schwarze O'ierbindc
auf dem Rücken, die Schvvanzwurzel ist etwas eingeschnürt. Es
giebt in den Vereinigten Staaten vier Arten: cornuta, collariSy Dou-
glasii und orbicularis. (Aus Silliman American Journ. 1837. No. 64,
in der Isis 1840. p. 177.)
Phrynosoma B lai'nvi litt Gray Beecliey'aYoy. ist gelb, braun
marmorirt, auf dem Rücken mit zerstreuten grösseren Schuppen, die
Seiten mit 2 Reihen zusammengedrückter Schuppen, die Schuppen
des Körpers ungekielt, an der Kehle drei oder vier schiefe Reihen
grösserer spitzer Schuppen. Californien. Eine andere Art Pkr.
Wi eg^ 771 anni hält Verf. selbst für Plir. orbiculare Wiegmann. Wozu
ein neuer Name?
Ranzani bringt in einer Abhandlung de Chamaeleontibus
das Historische über diese Gattung zusammen. (Novi Comm.
Ac. scient. instit. Bononiensis. III. p. 2J3.)
Er kommt zu dem Schluss, folgende Arten als verschieden anzu-
nehmen. Ch. cristatus Stutchb., blßdus Broügü.j pardalis Cuv., tfgris
Cuv. , bilobus Leach, planiceps Merr. (senegalensis Cuv.), vulgaris
Cuv., pumilus Daud., superciliaris Kühl, endlich subcroceus Merr. Eine
Varietät von Ch. pumilus ist beschrieben und abgebildet.
Lacerta ist mit 2 Arten bereichert, nämlich L. tachydromoi-
des von Schlegel (Fauna Japonica) und L. hieroglyphica von
Berthold (1. c): supra nigra, figuris hieroglyphicis albis notata,
infra margaritacea, pedibus supra ocellatis, scuto teraporali discoidali
magno ovali, squamis notaei miuimis laevibus suborbicularibus , scu-
torum abdominalium seriebus mediis lateralibus dimidia parte mioori-
bus, scuto anali parvo, rostro acuto, cauda hemiolia. Asia minor.
Der Prinz von Musignano stellte eine zweite Art der Gattung
Psammodromus y welche er bei Marseille fand, unter dem Namen
Ps, cinereus auf. Sie ist einfarbig metallisch grau, unten weiss-
lich und unterscheidet sich ausserdem von Ps. Edwardsianus durch
den kleinem Kopf, kürzern Schwanz, kürzere Vorderbeine^ die
0 Schläfenschuppen sind grösser und schildartig, die Ohröffnungen lie-
gen mehr nach vorn, die Kehlfurche ist tiefer und nicht unterbrochen.
(Institut 1839. p. 275. Ann. d. scienc. nat. XII. p. 60.)
Ophiops macrodactylus beschrieb Berthold (I. c); supra
olivaceo -viridis, nigro-maculatus, vittis dorsalibus ocellisque femora-
libus nullis^ digitis longissimis, cauda corpore duplo longiori. Asia
minor.
Gerrhonotus Burnet tii Gray Beeche3^^s Voy. ist oben oli-
venbraun mit dunkeln Querbinden, die an den Seiten gelblich werden.
Californien. Dum. et Bibr. halten ihn für identisch mit Gerrh. mul-
ticarinat u s Blain v.
Euprepes princeps Eichwald (Dull. de la Soc. imp. de
119
Moscou 1839. p. 303.) vom Westufer des Kaspischen Meeres, Ist ver-
wandt mit Eupr. pavimentahis Wagl., also vermutlilich Eumeces
Wiegm.
C. Ophidii.
Typhlops Cubae Bibron (Descr. de Cuba. p.204. pl.82.) hat
den Kopf klein, gelblich, mit schwarzea Längslinien, den Korper
schlank, oben dunkel gelblich, unten gelblich.
Calamaria sagittaria Cantor (Proc. 1839 p. 49): partim
cinerea, partim ferruginea, serie dorsali punctorum nigrorum, nucha
capiteque albicantibus, imagine sagittac nigrae ornatis; corpore sq^ua*
mis laevibus imbricatim tecto; abdomine citrino, punctis lateralibus
nigris, vitta livida utrinque incluso; scuta abdom. 234, scutella sub~
caud. 69. Bengalen. — C. monticola id. ib.: olivaceo-fusca, coUari
laete flavo, linea dorsali albicante^ abdomine citrino; scuta abdom. 185,
scutella subcaud. 44. Assam.
Von Coronella stellte Cantor (Proceed. 1839. S. 50) fol-
gende Arten auf: Cor. alho einet a-, viride canescens, fasciis
transversalibus albis nigro marginatis, quorum intervalla nigro-pun-
ctata; scutis abdominalibus (18i) albo-flavescentibus, alterne fuscis;
scutella subcaud. 65. Assam. — C. violaceai violaceo-^rubescens,
squamis albomarginatis, subtus margaritaceis, scuta abdom. 196,
scutella subcaud. 38. Rungpore. — C. eyelura: viride canescens
striis nigris obliquis interruptis, abdomine margaritac«o, vitta triste
cinerea utrinque incluso; scuta abdom. 179, scutella subcaud 43.
H. Rathke's Arbeit über die Entwickelungsgeschichte der Nat-
ter (JColuher Natrix) (Mit sieben K^pfertafeln. Königsberg 1839.) ist
die Frucht vierjähriger sorgfältiger Forschungen, und fiüirt die ganze
Entwickelung der \atter mit Ausnahme des allerersten Jugendzu-
standes so detaillirt aus, dass wohl nirgend eine Lücke übrig bleibt.
Ein Auszug lässt sich nicht geben.
K. P. Lesson hält die Beschreibungen Merrem's und Daudin's
von Coluber personatus nicht für vollständig, die des letzteren
für falsch in einigen Punkten und giebt für dies Tbier folgende Dia-
gnose: squamis laevibus, oblongis, cauda graciliter attenuata, cylin-
dracea; corpore griseo, unicolore supra, vlridi>albido infra, laterali-r
ter roseo punctato aut lineato; sincipite et lateribus capitis nigris^
cum punctis et lineolis lutescentibus. Bauchplatten 204, Schwanz-
platten 118 Paare. (Revue zool. 1839. p. 168.) Folgende Arten sind neu
aufgestellt: C. virgatus Schlegel (Faun. Jap.) — C. quadri-
virgatus id. (ib). — C. conspicillatu» id. (ib.). — C. Dhumna
Cantor (Proc. 1839. p. 51,}: olivaceo-viridis, squamis nigro-margi-
natis, abdomine margaritaceo, scutis scutellisquenigro-clavatis; scuta
abdom. 187, scutella subcaud. 119. Ind. Orient. — C. porphyraceus
id. (ib.): laete porphyraceus, lineis nigris transversalibus albomargi-
natis, pone quas lincac duae nigrae dorsales, acquidistantes; subtus
120
laete flaviis; scuta abdom. 213, scutella subcaud. 64. Assam. — C.
quadrifasclatus id. (ib.): superne laete briinneo-viridesccns, fa-
sciis dorsalibus 4 nigris, albo interruptis; infra flaviis; scuta abdom.
848, scutella subcaud. 83. Assam. — C. curvirostris id. (ib.): su-
pra partim laete olivaceo -viridis, punctis et liueis obliquis albis ni-
grisque, partim aeoeus; abdomine subfusco^ scuta abdom. 220, scu-
tella subcaud. 85. Bengalen. — C. reticularis id. (ib.); superne
brunneo -nigrescens; anmilis albidis reticulatis, contiguis et liueis
ejusdem coloris transversalibus ornatus, cauda brunnea nigrescenti,
alterne griseo-flavescenti; infra griseo-flavescens, nigro maculatus;
scuta abdom. 829, scutella subcaud. 75. Chirra Punji. — C. bijjim-
ctatus id. (ib.): supra triste vinoso-purpureus, squamis albo bi-
punctatis, subtus albo-coerulescens; scuta abd. 181, scutella subcaii^.^
58. Bengalen, Assam. — C monticolus Hodgson (ib.) superne lu-
teo-rubescens fasciis transversalibus nigris, scutis abdominalibus
albo-flavescentibus nigro marginatis. Nepal. — Coluher {Natrix)
subcarinata Gray (Beechey's Voy.), verwandt mit C. bicarinatus
Neuwied (Natrix bicarinata Wagl.), aber d6r Schwanz hat nur \ der
Länge deis Körpers.
Tropidonotus tigrinus Schlegel (Faun. Jap.)— T, viba-
TcarilA. (ib.). — T. Quinque Cantor (Proceed. 1839. p. 54.): su-
perne griseo-brunnescens, nucha numero V. nigro inscripta, fasciis
duabus nigris dorsalibus, albo punctatis, abdoraine flavo-albescenti,
fascia nigra utrinque incluso; scuta abdom. 259, scutella subcauda-
lia 97. Mergui. — T. ?noestus id. (ib.): stiperne triste olivaceo -ni-
gricans, subtus flavus; scuta abdom. 139, scutella subcaud. 77. Ben-
galen. — T.szirgens id. (ib.): laete olivaceo-viridis, abdomine flavo
linea nigra serrata utrinque incluso; scuta abdom. 148, scutella sub-
caud. 23. Bengalen. — T. plumhicolor id. (ib.) supra plumbeus,
fascia sagittata occipitali nigra et alba fasciisque nigris serratis
transversalibus, squamis alte carinatis tectus, mento albo, abdomine
plumbeo; scuta abdom. 162, scutella subcaud. 51. Malwa.
Duberria ancor alis Berthold (1. c): albida, eupra vittis
quatuor fuscis, subtus serie punctorum castaneorum in utroque la-
tere margiois anteriores scutorum scutellorumque; vertice figura alba
ancorali; squamarum laevium seriebus 19, scutis 181, scutellis 40,
cauda sextantili. Surinam?
Pseudoelaj)s ypsilon Berthold (I. c): luteus, supra fasciis
albis, brunneo-marginatis; infra nigro-tessellatus; vertice figura ypsi-
loidea; squamarum laevium seriebus 21, scutis 19ß, scutellis 48,
cauda sextantili.
Lycodon atropurpur eus Cantor (Proc. 1839. p. 50.): atro-
purpureus albo nigroque niarmoratus, abdomine margaritaceo; scuta
abdom. 257, scutella subcaud. 91. Tenasserim. — L. subfuscus id.
(ib.): subfuscus, abdomine albo-flavescenti; scuta abdom. 845, scutella
subcaudalia 78. Bengalen.
121
Hurriah sanguiventer id. (ib.) (Cohiber satif^uiventer. Hogd-
son Ms.): superne vinoso-piirpurcus, aeneo-nitens, abdoiuine san-
guineo; scuta abdom. 207, sciita subcaud. 14, scutella subcaud. 85.
Nepal.
llerpetodryas prio7iotus id. (ib.): supra fiisco - flavescens,
uigropiiuctatus, fasclaqiie dorsali serrata nigricaüte; abdomine flavo,
l'ascia serrata nigricante utrinque incluso; scuta abdom. 153, scutella
subcaud. 65. Malacca.
Dendrophis Boii id. (ib.) {Chrysopelea Boii Smith): superne
nigro-brunnescens, vitta dorsali subfusca, abdomine albo-flavescenti
vitta ejusdera coloris utrinque incluso, rostro subobtuso; scuta ab-
dom. 186, scutella subcaud. 129. Bengalen, Ceylon.
Dipsas ferruginea id. (ib.): supra ferrugineo-brunnea, nigro
alboque rare maculata; abdomine ferrugineo-flavo, albo nigroque
maculato; scuta abdom. 171, scutella subcaudalia 57. Assam. — D.
monticola id. (ib.): superne triste fusca, striis aliquot nigris obli-
quis^ iufra flavo-brunnescensj scuta abdom. 193. scutella subcaud. 83.
Assam.
Fsammophis cerasog aster id. (ib.): fulvus, aureo pallide
nitens, squamis Iiexagonis rhomboidalibus summis carinatis, caeteris
laevibus tectusj abdomine ceriseo, linea laete flava utrinque incluso;
scuta abdom. 149, scutella subcaud. 60. Bengalen, Assam. — Ps. ni-
grofasciatus id. (ib.): superne subflavo-rubescens fasciis latis
transversalibus nigris, lineisque duabus barbatis dorsalibus ejusdem
coloris, interstitium quarum nigro partim punctatum; abdomine al-
bido; scuta abdom. 245, scutella subcaud. 75. Singhapore.
Homalopsis olivaceus id. (ib.): superne olivaceus lineis ni-
gris inter squamas variegatus, abdomine albicante, linea media nigra
diviso, vitta albo-viresceoti utrinque incluso; scuta abdom. 167, scu-
tella subcaud. 71. Bengalen.
C er her US einer eus id. (ib.): superne cinereus fasciis nigris
transversalibus, subtus albicans fascia nigra uudulata; scuta abdom.
143, scutella subcaud. 59. Bengalen.
Tyria argonauta Eichwald (Bull, de la Soc. imper. de
Moscou 1839. p. 303.), superne coeruleo-cinerascens, utrinque albo-
striatus, subtus flavescens, maculue nonnullae nigrae collares, 3'.
Scuta abdomiuis 175, duobus locis dimidiata, subcaud. 65, vojoi süd-
lichen Abhänge des Caucasus.
Bungarus lividus Cantor (Proc. 1839. p. 32.): superne li-
vidus, subtus albo-flavescens; scuta abdom. 221, scuta subcaud. 56.
Assam.
Hamadryas ophiophagus id. (ib.): superne olivaceo-viridis,
striis sagittalibus nigris cinctus, abdomine glauco nigro niarmorato;
scuta abdom. 215—245, scuta subcaud. 13—32, scutella subcaud. 63—
71. Bengalen.
Elaps bungaroides id. (ib.): superne lividus, striis sagitta-
122
libus albis cinctus; infra albus alternc lividus^ scuta abdom. 1237,
scutella subcaud. 46. Chirra PuDJi. — E. flaviceps id. (ib.): capite
flavo, dorso nigro vitta serrata alba coeruleo pallide nitente utrin-
que circumdato, cauda flava linea nigra media divisa; abdomine flavo
linea nigra utrinque incliiso; scuta abdom. 275, scutella subcaud. 45.
Msilacc&. — E.nigromaculatus id. (ib.): superne pallide brunneo-
rubesceus, maculis nigris albo-marginatis, lineis nigris junctis; cauda
fasciis duabusnigrisalbo-marginatis cincta, abdomine flavo-albescenti,
alterne livido, linea nigra serrata utrinque inclusoj scuta abdom. 238,
scuta subcaud. 24. Singhapore.
Naja larvata id. (ib.): supra brunnea, striis subflavis trans-
versalibus variegata; disco annulo albo, larvae haud impari, ornato,
pone quem 3—5 annuli albi, inferioris superficiei pars anterior annu-
lis albis, nigro-coerulescentibus alternis circumdata, pars posterior
glauco iridescens. Bombay, Calcutta, Assam. — N. leptocoryphaea
Berthold (I.e.): badia, scutello verticali minimo squamiformi; squa-
marum laevium seriebus 19, scutis 199, scutellis ubique per paria
dispositis 47, scutellis ocularibus posterioribus 3, anteriori 1, loreo
nuUo, cauda sextantili. Sunda-Inseln.
Echidna inornat aSmiili (I.e.): supra flavo-brunnea, subtus
brunneo-flava, brunneo marmorata; cauda supra fusco-variegata;
capite distincto oblongo cordiformij scutis abdominalibus 140; scutis
subcaudalibus serie duplici collocatis circiter 24.
Trigonocephalus Blomhoffii Schlegel (Faun. Jap.) —
Tr. erythrurus Cantor (Proc. zool. soc. 1839. p. 31.): supra
laete viridis, squamis ovatis, carinatis subimbricatis, cauda cinnamo-
mea, squamis laevibus rhomboidalibus tectaj abdomine flavo-viride-
scenti linea nigra serrata utrinque iucluso. Scuta abdominalia 167,
scutella subcaiidalia 68. Delta Gangeticum. — Tr. mucrosquama-
tus id. (ib.): superne griseo-brunnescens annulis nlgris albo margi-
natis, squamis ovalibus, semicarinatis mucronatis, imbricatim tectus;
subtus albidus, nigro punctatus; sc. abdom. 218, sc. subcaud. 91. Assam.
In den Sümpfen von Tamarack und Cranberry giebt es eine
Menge kleiner, nur 14" langer Klapperschlangen, mit 3 oder 4 Klap-
perringen. Die Indianer nennen sie Massasanga; es ist wahr-
scheinlich Crotalus miliarius. Cr. horridus scheint in diesem Theile
des Ohio fast vertilgt zu sein. (Aus Silliman American Journ. 1837
No. 63. in der Isis 1840. p. 177.)
ü. JSatrachii.
John Hogg bespricht (Loudons Mag. of Nat. Hist. New
Series 3. p. 265 und p. 367.) die Classification der Amphibien
(Batrachier).
Er setzt die Charaktere der Hauptabtheilungen in die Beschaf-
123
fenheit der Kiemen, welche entweder fehlen, oder abfallen, oder
bleiben.
Subclass. I. Monopneumena. Athmen entweder bloss durch
Lungen, oder bloss durch Kiemen.
Ord. 1. Ahranchia. Kiemen fehle«.
Fam. 1. Caeciliadae. Körper verlängert, wurraförmig. Schwanz
sehr kurz. Keine Beine. Gatt. Caecilia.
Ord. II. Caducibraiichia, Kiemen abfallend.
Fam. 1. Ranidae. Der erwachsene Körper kurz, rundlich oder
oval, breit, Schwanz fehlend. Vier Beine. Zunge lang. Trommel-
feil offen. Gatt. : Ranay Ceratophrys^ Hyla, Bufo^ Rhinella, Otilopha.
Fam. 8. Dactylethridae. Der erwachsene Körper kurz, frosch-
ähnlich. Schwanz fehlend. Vier Beine. Zunge deutlich. Trommel-
fell verborgen. Gatt.: Dactylethra, Bombinator, Breviceps.
Fam 3. Astrodactylidae. Der erwachsene Körper kurz,
froschähnlich, ohne Schwanz. Vier Beine. Zunge fehlend. Trom-
melfell verborgen. Gatt.: Astrodactylus (Pipd).
Fam. 4. Salamandridae. Der erwachsene Körper lang, eidech-
senähnlich. Schwanz lang. Vier Beine. Gatt.: Salamandra, Sala-
mandrina^ Molge, Triton.
Subclass. II. Diplopneumena. Athmen durch Kiemen und durch
Lungen zugleich.
Ord. III. Iniperfectibranchia. Kiemen unvollkommen.
Fam.l. Menopomatidae. Körper lang, eidechsenartig, oder
verlängert wurraförmig, mit einem Schwanz. Vier Beine. Die kie-
menartigen Organe innen. Gatt.: Me?iopo?na. Amphiuma.
Ord. IV Manentibranchia. Kiemen bleibend.
Film. 1. Sirenidae. Körper verlängert, wurmförmig, mit einem
Schwanz. Zwei Vorderbeine. Kiemen buschig, aussen. Gatt.: Si-
ren, Parvibranchus.
Fam. 2. Proteidae. Körper lang, eidechsenartig oder fischartig,
mit einem Schwanz. Vier Beine. Kiemen verästelt, aussen. Gatt.:
Proteus^ MenobranchuSy Siredon.
Der Verf. fügt einige Bedingungen hinzu. AVenn die kiemen-
artigen Organe der Menopomatidae wirkliche Kiemen oder vielmehr
eine besondere Modification der Kiemen waten, so niüsste die dritte
und vierte Ordnung unter dem Namen Manentibranchia zusammen-
fallen. Sollten dagegen künftige Untersuchungen ergeben, dass der
Kiemenapparat der Menopomatidae entschieden unvollkommen wäre,
und dass er nicht Wasser athmen könnte, dann würde die dritte
Ordnung in die erste Subclassis übergehen müssen. Wenn endlich
sich ergeben sollte, dass die Menopomatidae eine Verwandlung be-
stehen, und die sehr jungen Thiere wirklich äussere Kiemen besitzen,
dann würde die dritte Ordnung nicht nur in die erste Subclassis ge-
setzt, sondern sogar mit der zweiten Ordnung, wenn gleich als be-
sondere Tribus, vereinigt werden müssen.
124
Dumeril las in der Pariser Academie über die Stellung
der Caecilien in die Ordnung der Batrachier (Ann. d. sc.
nat. XII. p. 353. Institut 1839. p. 397.). Dagegen erhebt de
Blainville Ansprüche, und sucht zu erweisen, dass er zu-
erst den Caecilien diesen Ort im Systeme angewiesen habe
(ib. p. 360.) Das laugnet Dumeril wiederum , indem er seine
Priorität von 1807 herschreibt, die Blainville's von 1810.
In einem kleinen Aufsatze: Notice historique sur les de-
couvertes faites dans les sciences d'observation par l'etude de
l'organisation des Grenouilles zeigt Dumeril, wie nützlich das
Studium der Organisation der Frösche der Anatomie, Physik,
Chemie, und namentlich der Physiologie geworden ist. (Ann.
d. sc. nat. XIII. p. 65.)
Zwei neue Frösche, Rana rugosa unAHi/la Bürgert stellte
Schlegel in der Fauna Japonica auf.
Van der Hoeven gab in den Mein, de la Soc. d'hist. nat. de
Strasbourg III. Lief. 1. einen Auszug aus einer bereits 1832 in By-
dragen tot de natuurkundige Wetenscliappen VII. p. 77. publicirten
Arbeit über die Gattung Bomhinator und die dahingehörenden Arten.
Gaimard machte Beobachtungen über die Unterbrechung der
Lebensthätigkeit der Kröten durch Kälte in Folge seiner in den Jah-
ren 1828 und 1829 angestellten Untersuchungen in Island bekannt.
Diese Thiere waren so gefroren, dass alle ihre flüssigen Theile Eis
waren, und so hart, dass man sie mit Leichtigkeit zerbrechen konnte,
ohne dass Blut floss. Im warmen Wasser erlangten sie in 8 — 10 Mi-
nuten ihr Leben und grosse Lebendigkeit wieder. Jedoch durften
sie nicht zu schnell gefroren sein. (Bibliotheque universelle de Ge-
neve, 1840; Froriep's Neue Notizen XIV. p. 327.)
Jo^hn Brown erwies die Fähigkeit einer Kröte, längere Zeit
in eingeschlossenem Räume ohne Nahrung zu leben, durch einen di-
recten Versuch. Er vergrub sie drei Fuss tief in die Erde unter
einem umgekehrten Bluüentopfc. Nach fast drei Jahren fand er sie
lebend und nicht gewachsen; die Beine jedoch schienen sehr dünn
(Mag. of nat. bist, new Öeries III. p. 518.)
John Bright beobachtete, dass die Nahrung der Kröte in Amei-
sen, Ohrwürmern, Raupen, kleinen Käfern, Tausendfüssen und Schnek-
ken bestehe, die sie jedoch nie todt berührt. Auch eine Häutung
beobachtete derselbe an einer Kröte, die sich unter einen Blumentopf
verkrochen hatten. Sie war mit Feuchtigkeit überzogen, und hatte
die Haut bereits im Muude^ um sie zu verschlingen. (Mag. of nat.
lust. new series IV. p. 103.)
Ueber die bisher beschriebenen Arten der Abtheilung der
125
geschwänzten Batrachicr giebt Schlegel in dor Fauna
Japonica, s. oben p. 113, eine Ueborsicht.
Er will die Trennung der Gattungen Salamandra und Triton
aufheben, weil sich Uebergänge fänden. Er fügt 5 Arten aus Japan
den bekannten hinzu, von denen 5'a/. naevia z^yvischen Salamandra
und Triton steht; Sal. img-uiculata {Sal. japonica Houttuyn) hat
Krallen an den Fingern, jedoch nur in gewissen Lebensperioden;
Sal. subcristata verwandt mit Triton alpestris, den Verf. als Va-
rietät von cristatus ansieht; Sal. nebulosa. Die merkwürdigste
Art von allen ist jedoch ohne Zweifel der Riesensalamander Sal,
maxima, der lebendig nach Europa gekommen und 3Fuss lang ist.
Wenn man überhaupt die Salamander in Gruppen bringen will, sagt
Verf., so würden das drei sein: Salamandra, Triton und Meno-
poma, zu welcher letztern dann dieses Japanische Thier gestellt
werden müsste.
Van der Hoeven beweist (wie es scheint, ist dieser Aufsatz
schon vor dem Erscheinen der Fauna Japonica geschrieben), dasa
das in Rede stehende Japonische Thier kein Salamander sei^ sondern
dass es mit der Gattung M?«o;?o77m Harlan übereinstimme, bis auf das
Kiemenloch, welches der Sal. maxima fehlt. Er stellt den Leuckart-
schen Namen Cryptohranchus wieder her. (Memoires de la S'o-
ciete d'histoire naturelle de Strasbourg III. Lief. 1.)
Leuckart bemerkt dagegen ('Froriep's Neue Notizen XIH. p. 19)
dass der Cryptohranchus japonicus van der Hoeven nicht zu
seiner Gattung Cryptohranchus {Äbranchus und Menopoma Harlan,
Protanopsis Barton, Salama7idrops Wagler) gehöre, weil ihm die
beiden seitlichen Kiemenlöcher am Halse fehlen. Er schlägt für das
Thier einen neuen Gattungsnamen Hydro salamandra vor.
Van der Hoeven äussert sich (ib. XIV. p. 86.) über diesen
Gegenstand nochmals dahin, dass das in Rede stehende Thier trotz
der fehlenden Kiemenlöcher der Gattung Menopoma zugezählt wer-
den müsse, und dass daher dieser Charakter der Gattung nicht
wesentlich sei.
Van der Hoeven spricht sich auch für die Verschiedenheit der
Salamandra atra vom gemeinen Salamander aus, indem er besonders
darauf aufmerksam macht, dass ersterer nur sehr wenige Junge (3),
letzterer viele (30 -40) gebäre. (Mem. de la Soc. d'hist. nat. de Stras-
bourg III. 1.)
R. P. Lesson beschreibt einen Salander aus der Umgegend von
Rochefort als neu, unter dem Namen Salamandra e leg ans. Die
Beschreibung bezieht sich nur auf die Färbung, und es mag schwer
zu sagen sein, zu welcher der bereits beschriebenen Arten diese zu
ziehen ist, die gewiss nur Jugendzustand ist. Es kann ein Triton
oder eine Salamandra sein. (Revue zool. 1839. p. 199.)
T. L.W. Bischoff besclireibt in einer jbesondem Schrift:
126
Lepidosiren paradoxe, anatomisch untersucht und be-
schrieben Leipzig 1840. 4. (übersetzt in den Annales d. sc.
nat. XIV. p. 116.), die Anatomie des genannten, durch Nat-
terer zuerst bekannt gewordenen räthselhaften Thiers. Der
Verf. sieht es als Amphibium an, indem er sich besonders auf
die Bildung der Athemorgane, eine entwickelte Lunge, sehr
wenig entwickelte Kiemen, bei denen das meiste Blut vorbei-
strömt, und die Bildung des Herzens, mit zwei, wenngleich
unvollständig geschiedenen Vorkammern, stützt. Einige der
wichtigsten Gründe, welche Owen hei Lepidosiren annectens
aus dem Gambia als für die Fischnatur sprechend anführt,
nämlich das Nichtdurchbohren der Nasencanäle, die einfache
Vorkammer des Herzens und die Schwimmblasennatur der Lun-
gen, werden in Beziehung auf Lepidosiren paradoxa gerade-
zu geleugnet. Sollte dennoch, so schliesst der Verf., das Thier
zu den Fischen gestellt werden, so müsste es zwischen die
Cyclostomen zu stehen kommen, wenigstens nach dem Bau der
Wirbelsäule. Die Arbeit ist von 7 Steindrucktafeln begleitet.
Milne Edwards fügt zu den Beweisen für die Amphi-
biennatur des Lepidosiren paradoxa noch hinzu, dass die
Oeffnung des Schlundes sich an der Bauchseite des Pharynx
findet, wie es sich aus einer Untersuchung Bibron's ergab.
(Ann. d. sc. nat. XIV. p. 159. Annais VL p. 466.)
F. S. Leuckart spricht auch über die Stellung der Gat-
tung Lepidosiren, und ist der Meinung, dass wenn die Unter-
suchungen an den beiden bis jetzt bekannten Arten L. para-
doxa und annectens von Bischoff und Owen richtig sind, so
müsse das erstere Thier zu den Amphibien, das andere zu den
Fischen gestellt werden (Frorieps Neue Notizen XIIL p. 17.),
welche Meinung, nämlich dass Lepidosiren paradoxa und
annectens zu verschiedenen Klassen, ersteres zu den Amphi-
bien, letzteres zu den Fischen gestellt werden müsse, auch
Th. Bischoff später zu rechtfertigen sucht. (Ebendas. XVI.
pag. 145.)
Auch J. Müller geht auf diesen Gegenstand in seinem
Jahresbericht über die vergleichende Anatomie der Wirbelthiere
ein (Müller's Archiv 1840. p. CLXXVI.) Die Lage der Harn-
blase und der Urogenitalöffnung und die Beschaffenheit der
Wirbelsäule sprechen für die Fischnatur, die beiden Vorhöfe
127
des Herzens für die Ampliibiennatur der Gattung. Er ist sehr
dagegen, die beiden Arten in verschiedene Klassen zu bringen,
vielmehr meint er, dass sie einer Gattung angehören müssen.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Fische während des Jahres 1840.
Von
Dr. F. H. Troschel.
Von Fortsetzungen bereits früher begonnener allgemeine-
rer ichthyologischer Werke sind für dieses Jahr iiusser der
Histoire naturelle des Poissons von Cuvier und Va-
lenciennes, deren 15. Band die Familie der Welse enthält,
und wovon unten die Rede sein soll, nur zwei zu erwähnen.
Von dem einen, der Iconografia della fauna italica
von Bonaparte, erschien nur die 27. Lieferung, welche fol-
gende Fische enthält:
Gonostoma denudata Rafin., Ichthyococcus ovatns {Gonostomus
ovatus Cocco), /. Poweriae (^Gon. Poweriae Cocco), Scopelus Benoiti,
Sc. RissOy Sc. Cocco, Maurolicus amethystino-ptmctatus., M. attenua-
tuSf Myctophum Rafinesquii, M. metopoclampum^ M. Gemellari von
Cocco und M. punctatum Raf., ferner Lampanyctus Bonapartii und
Odontostomus hyalinus Cocco, endlich Squahts glaucus h. und Sphyrna
Zygaena Rafin.
Auch von dem andern : Scandinaviens Fiskar afWilh.
V. Wright med text af B. Fr. Fries och C. V. Ekström
Stockholm, ist im Jahre 1840 nur eine, die sechste Lieferung,
erschienen. Die durch den Tod des Prof. Fries entstandene
Lücke ist durch C. J. Sundevall ausgefüllt, der in Gemein-
schaft mit Ekström die weitere Bearbeitung des Textes über-
nommen hat. Diesmal ist der Text zugleich in Schwedischer
und in Lateinischer Sprache erschienen, was die Benutzung
dieses interessanten Werkes erleichtert. Die lateinische Ueber-
setzung ist jedoch kürzer gehalten, auch sind die generischen
Bemerkungen, sofern sie nichts Neues enthalten, in derselben
fortgelassen.
128 ^
Der Text enthält Cyprinus Ballerus Linii., Pleuronectes Liman-
doides BL, Myxine glutinosa Linn., Scomber scombrus Linn., Squa-
lus cornubicus Gm., Cyprinus carassius L. mit Gibelio Bl. als Varie-
tät. -— Abgebildet sind Cypr, Carassius und Gibelio, Merluccius ar-
gentatus Ekstr. Sund., Plsur. Limanda Linn., Raja clavata L. und
Gobius niger Linn.
In den lUustrations of the Zoology of South
Africa etc. by Andrew Smith Heft 1 — 12 sind auch einige
Tafeln mit Fischen enthalten, welche zum Theil neu sind, und
unten aufgeführt werden sollen.
Die Lieferungen 6 — 11 der Voyage dans la Russie
meridionale et la Crimee par Anatole de Demidoff
Paris, enthalten die ichthyologische Fauna des Pontus, bear-
beitet von Nordmann. Von p. 353 bis 549 reicht die Auf-
zählung der Fische, unter denen eine neue Gattung und viele
neue Arten. Die Diagnosen derselben werden unten mitge-
theilt. Daran schliessen sich dann die Beobachtungen über die
Schuppen der Fische und Reptilien von Man dl.
Der zweite Band von Schinz 's Europäischer Fauna, Stutt-
gard 1840, enthält von p. 79 ab die Fische. Eine grosse An-
zahl Europäischer Fische, wozu die ichthyologischen Werke
aller Länder benutzt sind, wird populär beschrieben, und von
den wichtigsten Synonymen begleitet, so dass das Werk für
die Bestimmung der Fische Europa's recht nützlich wird.
In the Naturalis t's Library erschien von Bushnan's Ich-
thyology, deren erster Band bereits im Jahre 1835 herauskam,
der zweite im Jahre 1840. 8. Edinburgh. Dieser Band enthält
ausser der Beschreibung und sauberen Abbildung von 31 wich-
tigen Fischen aus allen Abtheilun^en, Bemerkungen über den
Nutzen der Fische, ihre Ortsbewegung u. s. w.
Referent machte Bemerkungen über einige Bloch'sche
Fischarten. (Dies Archiv VI. I. p. 267.)
Er suchte zu erweisen, dass Bloch unter seinem Platycephalus
scaber zwei Arten verwechselte, die wieder von dem P. scaber Cuv^
Val. verschieden sind; — dass Scorpaena gibbosa Bl. nicht zu Sc.
bufo Cuv. Val. gehöre, sondern eine gute eigene Art sei, und aus
China stamme; — dass ferner Bloch unter seinem Mugil cephalus
mehrere Arten verwechselte, während pr den ächten cephalus als M.
lang beschrieb; — endlich dass Spams anchorago Bl. eine eigene
Art der Gattung Cossyphus sei.
A. Risso machte ebendaselbst p. 376 Beobachtungen über
129
einige Fische aus dem Meere bei Nizza bekannt. Diese be-
ziehen sich auf Notacanthus Bonaparte n. sp. Bentex vul-
garis, B, synodon, D. erythrostoma, Sehastes argus (Ho-
locentrus aj^gus SpinoL). Die erste Art ist abgebildet.
Einige neue Fische von Van Diemensland wurden wieder
durch Richardson beschrieben. (Proc. Zool. Soc. 1840. p. 25.
Annais VI. p. 306.)
Auch Lowe machte wieder einige neue Arten Fische von
Madeira bekannt. (Proc. Zool. Soc. p. 36.) Die Diagnosen
dieser beiden Arbeiten können jedoch wegen Mangel an Raum
nicht mitgetheilt werden.
Agassiz sandte seine Bemerkungen über die von Mandl
gemachten Untersuchungen an den Schuppen der Fische (vgl.
dies Archiv VI. II. p. 357) der Pariser Academie ein, und leug-
net, dass die fächerförmigen Linien Kanäle seien, dass die
Schuppen aus neben einander liegenden Zellen bestehen, und
dass die Einkerbungen des Randes ächte Zähne mit Wurzeln
seien, wodurch er die Richtigkeit seiner frühern Untersuchun-
gen von Neuem behauptet (Ann. d. sc. nat. XIII. p. 58.; Edin-
burgh new phil. Journ. 1840; Frorieps Neue Notizen XIV. p. 179.)
Dagegen beharrt Mandl wieder in seiner Meinung über
die Organisation der Schuppen und glaubt, daSs sie durch In-
tussusception wachsen. (Ann. d. sc. nat. XIIL p. 62.)
Eine weitere Darstellung seiner Ansichten über diesen
Gegenstand giebt Agassiz in den Ann. d. sc. nat. XIV. p. 97.
Ueber Nebenkiemen der Knochenfische machte J. Müller
seine Beobachtungen fn den Abhandlungen der Academie der
Wissenschaften für das Jahr 1839 p. 175, in der dritten Ab-
handlung über vergleichende Anatomie der Myxinoiden, welche
das Gefäfssystem enthält, bekannt, und daraus in zwei Aufsätzen
in seinem Archiv für Anat. und Physiol. Im Ganzen wurden
282 Gattungen untersucht, worunter 39 ohne Pseudobranchien
und 43 mit drüsigen und verdeckten Pseudobranchien. In der
letzteren Arbeit wurden dann auch die Untersuchungen auf
die Störe und Plagiestomen ausgedehnt, und manche Angaben
des ersteren Aufsatzes berichtigt. Das Nähere anzugeben, er-
laubt der Raum nicht, auch ist der Aufsatz selbst Jedem leicht
zugänglich. Bei der grossen Verschiedenheit im Vorkommen,
im Bau, in der Lage, in der Blattzahl der Nebenkiemen dürften
Archiv f. Natunresch. VII. J,ihr£r. 2 Bd. O
130
diese Organe auch für die Definition der Gattungen und Arten
wichtig sein. (Müller's Archiv 1840. pag. 101; 1841. pag.263.)
Rusconi: lieber künstliche Befruchtungen von Fischen
und über einige neue Versuche in Betreff künstlicher Befruch*
tung an Fröschen. (Müller's Archiv 1840. p. 185.)
Zwei Werke: Odontography, or a Treatise on the com-
parative Anatomy of Teeth, their physiological relations, mode
of development and microscopic structure in the vertebrate
animals. lllustrated by upwards 150 plates. By Richard
Owen etc» Part. 1. London 1840. 8., enthaltend die Zähne
der Fische, und
Considerations sur les poissons' et particulierement sur
les anguilles. Memoire lu a la Societe royale et centrale
d'agriculture le 1 Juillet 1840, parM. le Baron deRiviere.
Paris 1840. 8. habe ich nicht Gelegenheit finden können zu
benutzen.
-(ۥ A.canthopterygiU
Aus der Familie der Percoiden beschreibt Nordmann eine
neue Gattung Per curia in Demidoff Voy. : Corpus oblonguni, com-
pressum^ squamis minutis, tenuibus, margine dentato-ciliatis tectuni.
Caput nudum^ cavernosum, operculo et praeoperculo spinis armatis.
Dentes in maxillis et vomere numerosi, muniti, acerosi. Membr. br.
radiis 7. Lingua laevis. Rictus majusculus. Pinnae dors. duae dis-
cretae; analis spinis duabus armata. Eine Art P. Demidoffii.
G. J. Allman hat Erfahrungen über den giftigen Stich
des Trachinus vipera an sich gemacht. Eine Verletzung mit
dem Stachel des Kiemendeckels verursachte Schmerz und An-
schwellen, das aber am andern Tage vorüber war. An jeder
Seite des Stachels soll eine Furche zur Spitze verlaufen, die
dadurch, dass der ganze Stachel bis fast zur Spitze mit einer
Scheide umgeben, zu förmlichen Canälen werden. Eine Gift-
drüse ist nicht nachgewiesen. (Annais etc. VI. p. 161.)
Von P. J. Selby wurden in den Transactions of the Ber-
wickshire Naturalist's Club 1840, und daraus Froriep's Neue
Notizen XIV. p. 119, Beobachtungen über die Nester des 6rö-
sterosteus spinachia bekannt gemacht. Sie sind etwa 8 Zoll
lang, von elliptischer oder birnförmiger Gestalt, gebildet durch
Verflechtung einiger Tange, die durch einen langen Faden ver-
einigt sind, welcher durch, rundum und dazwischen in jeder
131
denkbaren Richtung läuft. Die Eier werden bis zu 100 Stück
in einem Haufen in die Mitte des Nestes gelegt. In einem
Neste werden Eier von verschiedener Entwickelung gefunden.
Der Fisch hält sich in der Nähe der Nestes.
Eine neue Art dieser Gattung, G. ponticus, stellte Nordmann
I. c. auf: dorso spinis tribu^; scutellis trausversis ad caudam usque
loricatis, carina laterali vix indicata.
In der Familie der Panzerwangen {Scleroparei) sind nur drei
neue Arten angegeben; eine von Lowe 1. c. Scorpaena ustulata; sie
hat keine Lappen^ ihr Kopf ist schuppenlos. Die andere von Smith
1. c. Jgri'opus spinifer: dorso lateribusque superne rubro-brunneis,
inaculis nebulisve flavis marmoratis; lateribus inferne, abdomineque
argenteo-griseis purpureo-tinctis; pinna dorsali maculis tribus nigris
notata; pinnis pectoralibus, ventralibus, analique fiavo - maculatis ;
Rculeo uno ante oculum, et tribus versus angulum oris. Die dritte,
Cattus bicornis Reinhardt (Kroyer's Tidsskrift III. p. 226) verwandt
mit C. uncinatus im Zahnbau, verschieden durch zwei kegelförmige,
spitze, zurückgebogene Dornen im Nacken und vier Dornen am Rande
des Praeoperculums, von denen der am oberen Winkel zweitheilig ist.
Aus der Familie der Sciaenoiden beschreibt He ekel in den
Wiener Annalen II. p. 438. eine neue Art Sciaena squamosissimai
Bquamis lineae lateralis reliquis triplo majoribus, singula squamis mi-
noribus tecta; in adultis squamis omnibus squamulatis. 2^ Rio negro*
Zur Familie Labyrinthiformes stellt 8mith 1. c. eine neue
Gattung auf: Tilapiai Mund klein, am Vorderende, Lippen fleischig
und weich. Zähne kurz, am Ende zwei- oder dreispaltig, die oberen
in 3 Reihen, die unteren in 2; keine Gaumenzähne. Operculum hin-
ten schwach wellenförmig; die Bedeckung der Suborbitalknochen und
des Praeoperculums von einigen kleinen Poren durchbohrt. Zwei
rudimentäre Gruben jederssits über dem obern Ende der Kiemen, mit
denen sie communiciren. 5 Kiemenstrahlen. Der Kopf vorn mit glat-
ter Haut bedeckt, der übrige Körper mit grossen halbkreisförmigen
Schuppen. Seitenlinie unterbrochen. Eine Rückenflosse, in der die
weichen Strahlen die längsten sind. Eine Art: T. Sparrmannii im
süssen Wasser.
Eine neue Gattung aus der Familie der Scomberoiden findet
sich bei Heckel unter dem Namen Monocirrhus. Corpus ellipti-
cum, valde compressum, squamatum. Os valde protractile. Dentes
velutini, in vomere et palato nuUi. Maxiila inferior angulis promi-
nentibus. Labium inferius medio elongatum, marginibus convolutum
ad instar cirrhus dependens. Nares rotundae, geminae. Partes oper-
culi laeves. Radii branchiostegi sex. Pinnae ventrales thoracicae.
Pinna dorsalis unica et cum pinna anali fere tota ex radiis oiSseis
composita. Radii omnes indivisi. Squamae scabrae. Eine Art M, po-
lyacanthus ^"; in Waldlachen am Rio negro (Annalen des Wiener
Museums II. p. 439.)
132
Bennett bestätigt die Führung der Haifische durch den
Pilotfisch (Naucrates ductor). (Aus Bennett's Whaling Vo-
yage II., p. 274 in Edinburgh new phil. Journ. 29. p. 195.)
Zu der Familie der Gohioiden erhielten wir mehrere
Beiträge: Die Untersuchung der an den Schwedischen Küsten
vorkommenden Arten der Gattung Gohius von Fries ist
in der Uebersetzung von Creplin bereits in dies Archiv VI. I.
p. 233 übergegangen.
Von zwei Arten der Gattung Gohius an der Irischen Küste
giebt M'Coy die Beschreibung; den einen G. fuliginosus
hält er für neu; der andere G. reticulatus Cuv. Val. ist nach
dem Leben beschrieben. (Ann. <Jf nat. bist. VI. p. 403.)
Nordmann stellt 1. c. acht neue Arten derselben Gat-
tung aus dem Schwarzen Meere auf:
Gobius lugens: macrolepidotus, ater, pinnis superioribus fulvo-
alboque limbatis; pinna dorsali secunda maculis evanescentibus oli-
vaceisj radiis pinnarum pectoralium apice tetrafidis. — G. Ratan:
macrocephalirs , ater fuscoque maculatiis, pinnis superioribus flavo-
limbatis^ radiis pinnarum pectoralium multifidis, oculis in vertice ap-
proxiraatis, rictu majore. — G. Syrman: macrocephalus^ corpore su-
pra fusco-virescente, transversim fusco-nigroque fasciato et macu-
lato, subtus dilutiore, pinnis atro-coeruleis, — G. constructor : micro-
lepidotus, supra fusco-olivaceus, viridi-maculatus , subtus albido-oli-
vascens, pinnis superioribus flavo-limbatis, pinna pectorali rufo-va-
riegata radiisque ramentosis. — G. lacteus: macrocephalus^ microle-
pidotus, totus albido-glaucescens, pinnis omnibus vix coloratis, hya-
linis, pinna dors. secunda postice decrescente. — G.Stevenü: micro-
lepidotus, pinna dors. prima altiuscula ceterisque amplissimis. —
G. macropterus: macrocephalus, microlepidotus, dorso altiusciilo, pin-
nis pect, fere usque ad medium pinnae dors. secundae tendentibus,
pinnis omnibus atris. — G. leopardinus: supra griseo violascens, nigro
punctatus, subtus argenteus, pinnis dorsali secunda et anali decem-
radiatis, pinna ventr. longissima.
J. Desjardins beschreibt eine neue Art CÄerowcc^e*: Ch. ma-
culatus bedeckt mit einer Menge Höcker auf den Seiten, vorn, auf
dem Schwanz und dem Rücken, auch auf der Kehle und den Lippen,
keine auf dem Bauche. Der erste Strahl der Rückenflosse ist faden-
förmig; die Farbe ist gelb mit grossen rothen Flecken. Isle de France.
4 Zoll. (Guerin Mag. de Zool.)
Eine sehr wichtige und interessante Arbeit über die La-
hroiden Brasiliens erhielten wir von Jakob Heckel in den
Annalen des Wiener Museum's etc. Band II. Heft 3. 1840.
133
(Johann Natterer's nene Flussfische Brasiliens nach den Beo-
bachtungen und Mittheilungen des Entdeckers beschrieben.
Erste Abtheilung, die Labroiden). Die Arbeit füllt das ganze
Heft und ist von zwei Kupfertafeln begleitet. Als einzigen und
Hauptcharakter der Labroiden sieht Verf. das Verschmelzen
der beiden unteren Schlundknochen in einen an, und will da-
her mit Recht die den Sciaenoiden in Cuvier und Valencien-
nes Hist. des poissons angereihten Gattungen mit unterbroche-
ner Seitenlinie mit den Gattungen Chromis und Cichla ver-
einigen, wie das auch schon Valenciennes im 14. Bande der
Hist. des poissons erkannt hat. Er reiht diese ganze Abthei-
lung jedoch nicht, wie es Valenciennes will, den Sciaenoiden
an, sondern, gestützt auf den constanten Charakter des ein-
fachen unteren Schlundknochens, den Labroiden. Er macht
ferner darauf aufmerksam, dass nach Agassiz Systeme, der seine
Eintheilung auf die Verschiedenheit des äussern Hautscelets
basirt hat, die Gattungen Chromis und Cichla allerdings von
den Labroiden entfernt werden müssen, und dürften mit Am-
phiprion, Premnas, Pomacentrus, Dascyllus, Glyphisodon,
Hetroplus und Heliases nebst den gleich zu erwähnenden
neuen Gattungen zu einer Familie (Chromiden) vereinigt wer-
den. Sie würden für die dritte Ordnung Ctenoidei Agass. wegen
der zu einem Stücke verschmolzenen unteren Schlundknochen
das sein, was die Labroiden in der vierten Ordnung Cycloidei
Agass. sind. Für die Unterscheidung der Gattungen der neuen
Brasilianischen Fische, die hier beschrieben werden, hat Verf.
besonders die Gestalt der Kiemenbögen und ihrer knöchernen
Ansätze an der concaven Seite benutzt, die auch auf den bei-
gegebenen Tafeln abgebildet sind. Der hier neu aufgeführten Gat-
tungen sind 10, von denen Acara, Heros ^ Geophagus und
Chactohranchus als Untergattungen von Chromis; Cichla s.str.,
Crenicichla und Batrachops als Untergattungen von Cichla
angesehen werden. Folgendes sind die Gattungscharaktere:
Uaru Heck. Corpus compressum, elevatum. Dantes in series
tres discretas dispositi, bis seriei externae incisivis, apice convexis,
Ulis serierura internarum brevibus, conicis. Ossa pharyngea inferiora
planum cordiforme referentia subtus inflatum, supra dentibus com-
pressis, uncinatis confertim munitum. Arcus branchialis externus in
latere concavo papillis osseis brevibus, compressis, tricuspidatis; ar-
Gus rellpi papillis brevibus conicis. {ladü ü^ranchiostegi 5. Partes
134
operculi laeves. Nares simplices, ori approximatae. Oä niediocre.
Pinna ventralis, dorsalis et analis acuminata. Badii ossei pinnae ana-
lis 8. Sqiiamae minores. Linea lateralis interrupta. — U. amphia^
canthoides Heck.
Symphysodo7t Heck. Corpus valde compressum , elevatum,
Ohaetodonti simile. Dentes velutini, uncinati, fortiores, ad sympliy-
sin utriusque maxillae plagam parvam occupantes; reliqua maxilla
edentata. Ossa pharyngea parva, inferiora planum trianguläre aequi-
laterale formantia, dentibus brevibus velutinis, uncinatis munitum.
Arcus branchialis externus in latere concavo papillis obsoletis, arcus
reliqui aculeis minimis. Radii branchiostegi 5. Partes operculi lae-
ves. Nares geminatae ori approximatae. Os parvum. Apertura ana-
lis sub pinnis pectoralibus. Pinna dorsalis et analis basi elongata,
squamata, radiis osseis validis, sensim sensimque longioribus. Pinnae
ventrales ante pinnas pectorales insertae. Squamae minutae. Linea
lateralis interrupta. — S. discus Heck.
Pterophyllum Heck. Corpus rhomboidale, valde compressum,
ad basin pinnarum verticalium attenuatum, sicuti in genere Platax.
Dentes velutini, breves, fasciam angustam formantes, antecedente Se-
rie dentium paulo fortiorum. Ossa pharyngea inferiora planum tri-
anguläre^ aequilaterale, subtus inflatum formantia, supra dentibus
velutinis uncinatis confertim munitum. Arcus branchiales latere con-
cavo lamellis setiformibus , in arcu externo longioribus. Radii bran-
chiostegi 5. Partes operculi laeves. Nares simplices, inter apicem
rostri et oculos sitae. Os parvum, valde protractile. Pinnae ventra-
les thoracicae et cum verticalibus apice elongatae, setiformes. Badii
ossei pinnae dorsalis et analis sensim sensimque longiores. Pinna
caudalis furcata. Squamae minutae, basim pinnae dorsalis et cauda-
lis, nee non radios osseos pinnae analis investientes. Linea lateralis
interrupta. — Pt. Scolaris Heck {Platax scalaris Cuv. Val.)
Acara Heck. Corpus ovatum, compressumj capite et dorso
crassis. Dentes parvi, conici, fasciam formantes, antecedente serie
dentium paulo majorum, apice uncinatorum. Ossa pharyngea inferi-
ora planum trianguläre aequilaterale formantia, dentibus brevibus, co-
nico-acuminatis confertim munitum, posterioribus longioribus com-
pressis, uncinatis. Arcus branchiales latere concavo papillis brevibus
osseis. Radii branchiostegi 5. Pinna ventralis, dorsalis et ai^alis
acuminata. Radii ossei pinnae analis 3 — 4. Squamae mediocres. — ■
A. margarita (Perca bimaculata BL), tretramerus^ viridis, diadema,
vittatuSj pallidus, dorsiger, marginatus, dinierus, Nassa, cognatiis^
unicolor^ crassipinnis Heck. Ferner gehören hierher: Chromis nilo"
tica Cuv., Lahrus punctatus Bl., A. Gronovii Heck {Lairus brtmneus
Gronov.), Chromis brasiliensis Q. et G., Chromis taenia Bennet, Spa-
ms surinamensis ßl., A. Desfontainii Heck, (Spare Desfontaines
Lacep.), Lobotes ocellatus Spix.
Heros Heck. Corpus ellipticum, compressuin, fronte in pleris-
135
qite valde clevata. Dentes parvi, conici, fasciam formantes, antece-
dcnte seric dentium paulo majoruin^ apicc uncinatoruin. Ossa pha-
ryogea inferiora planum trianguläre aequilaterale formantia, dentibus
brevibus conipressis uncinatis confertim munitum. Arcus branchialis
externus in latere concavo papillis osseis brevibus, conipressis, cu-
spidatis; arcus reliqui papillis brevibus conicis. Radii branchiostegi 5.
Pinna ventralis, dorsalis et analis acuminata. Radii ossei pinnae
analis 5 — 9. Squamae mediocres. — H. severus, coryphaeus, mode-
stus, spuriuSy psittacus, efasciatus, coryphaenoides, niger^ festivus,
insignis Heck und H. Fridrichsthalü Heck. Ceutralamerica, H. Dep^
pü\ U. montexuma Heck, aus Mexico.
Gcophagus Heck. Habitus 8paris similis. Dentes brevissimi,
velutini, uncinati fasciam angustam, ad symphysin interruptam for-
Miantes, antecedente serie dentium paulo fortiorum. Ossa pharyngea
inferiora planum trianguläre subacuminatum formantia, latere postico
sinuato, dentibus brevibus uncinatis, intermediis obtuso-conicis. Arcus
branchiales supra lobo sacciformi compresso instructi, latere concavo
crenati^ branchia externa latere concavo et lobo supra memorato
papillis pediculatis osseis compressis instructo. Radii branchiostegi 5.
Pinna ventralis, dorsalis et analis acuminata. Radii ossei pinnae ana-
lis 3. Squamae mediocres. — G. altifrons^ megasema^ daemon^ juru-
pari, acuticeps, pappaterra, cupidp Heck.
Chaetobranchus Heck. Habitus Labro Cuv. similis. Dentes
in series duas discretas ad symphysin interruptam dispositi, velutini,
apice uncinati, externi reliquis vix fortiores. Ossa pharyngea infe-
riora Y-formia,brachiis Omnibus supra dentibus velutinis fortioribus mu-
nitis. Arcus branchiales latere concavo seriebus duabus confertis seta-
rum crenatarum. Radii branchiostegi 5. Pinna ventralis, dorsalis et ana-
lis acuminata. Radii ossei pinnae analis validiores 3. Squamae me-
diocres. — Ch. flavescenSy brunneus Heck.
Cichla Heck. s. str. Habitus Percae similis. Dentes breves, ve-
lutini, fasciam latam formantes. Ossa pharyngea inferiora sagitti-
forniia, convexa, dentibus tenuissimis brevibus confertim munita, in-
termediis paulo fortioribus. Arcus branchialis externus latere con-
cavo lamellis 20 — 26 osseis, cultriformibus, crenatis; arcus intern!
papillis compressis margine scabris instructi. Apertura branchialis
magna. Radii branchiostegi 5. Maidlla inferior prominens. Nares
simplices, oculo approximatae. Praeoperculum integrum. Pinna dor-
salis supra pinnas ventrales incipiens, sinuata. Pinna caudalis, ana-
lis et radii anteriores pinnarum ventralium confertim squamati. Linea
lateralis sub parte posteriore pinnae dorsalis abrupte deflexa. Squa-
mae minutae. — C. tucunare Heck, C. monoculus Spix, C. temensts
Humb. Ferner gehören hierher: C. hrasilienm Cuv., C. orinocensis
Humb., C. argns Val., C. atabapensis Humb.
Crenicichla Heck. Habitus Esoci affinis. Dentes breves, ve-
lutini, fasciam latam formantia. Ossa pharyngea inferiora planum
136
trianguläre, aequilaterale formantia, dentibus fortioribus uncinatisf
munitum, serie posteriortim validiore. Arcus branchiales latere con-
cavo papillis osseis, compressis, scabris. Apertura branchialis medio-
cris» Radii brauchiostegi 5. Maxilla inferior prominens. Nares sim-
plices; ori approximatae. Praeoperculum luargine posteriore denti-
culatum. Pinna dorsalis margine superiore recto, ante pinnas pecto-
rales incipiens. Pinna caudalis squamata, reliquae nudae. Linea la-
teralis interrupta. Squamae minutae. — C. vittata^ lenticulata, ad-
spersa^ lugubriSy funebris^ Johanna^ macrophthalma, lepidota Heck,
und ferner Perca saxatilis Bl., Cichla labrina Spix. Ag.
Batrachops Heck. Corpus cylindricum obtusum. Deutes for-
tiores, breves, conici, in series duas discretas dispositi; serie inte-
riore breviore, gingiva incrassata occulta. Labia crassa, dilatata, cre-
nulata. Ossa pharyngea inferiora planum trianguläre, latum forman-
tia, dentibus brevibus conicis munitum, serie dentium posteriorum
fortiore. Arcus branchiales latere concavo papillis scabris. Apertura
branchialis mediocris. Badii branchiostegi 5. Maxilla inferior pro-
minens. Nares simplices, amplae, ad marginem sitae. Praeoperculum
subintegrum. Pinna dorsalis margine superiore recto, ante pinnas
pectorales incipiens. Pinna caudalis squamata, reliquae nudae. Linea
lateralis interrupta. Squamae minutae. — B. reticulatus^ semifascia-
tus Heck. ,
Aus der Familie der Labroiden finden sich einige neue
Arten aus Vandiemensland von Richardson 1. c: Lahrus
tetricuSf fucicola, psittaculus und Odax algensis, verwandt
mit semifasciatus Cuv. Val. Eine mit Odax und Scarus ver-
wandte neue Gattung wird ebenda aufgestellt:
Op lect ogtiathus: corpus ellipticum, crassum, squamis parvis ob-
longis tectum. Mandibulae modo Scarorum dentes incorporatos ge-
reutes. Labium superius basi profunde sulcatum, intermaxillas fere
tegens, et cum illis movens. Operculum osseum alte sinuatum, hinc
bilobatum, cum gena squamis parvis tectum. Dorsum monopterygium.
Costae branchiostegae quinque. Pinnae ventrales pone pectorales
sitae, radiis quinque ramosis et uno aculeato sustentatae. Radii acu-
leaü pinnarum dorsi anique fortes. Fasciae squamosae inter radios
articulatos pinnarum verticalium decurrentes. Eine Art O. Conwaiü
Auch gehört hierher Julis unimaculata Lowe 1. c. von Valen-
ciennes unter dem Namen J. pavo mit J. turcica Risso verwechselt.
Auch Nordmann hat in Demidoff's Voyage einige neue Cre-
nilabrux aus dem schwarzen Meere. C. Staitii: griseo-olivaceus,
fusco fasciatus et reticulatus, lituris caudalibus binis atro-coeruleis,
fascia ante oculos fuscescente, pinnis pectoralibus dilute flavescenti-
bus. — Cr, pusillus: supra flavescens, viridi et fusco maculatus.et
punctatus, subtus argentatus, operculis auratis, pinnis omnibus, pect,
exceptis, rufo variegatis, stria isub oculos obliqua fnsc^.-^ Cr, Morelli
137
totus ruberrimus, ocello operculorum waculaque caudae iiigris, pinn.
dors. et anal rubris, fusco-maculatis. — Cr. argenteostnatus: supra
griseo-virescens, fascia longitudinali fusca et argenteo-maculata,
ocello operculorum rubro-marginato , macula inter oculos et labiis
lituraque ad caudam nigris, pinnis variegatis et maculatis.
Coricus brama id. ib. : elongatus et compressus, dorso altiusculo,
ßupra griseo-olivascens, subtus ex albido argenteus, fasciis dors.
transversis fuscis, pinn. dors. variegata.
JB. Malacopterygii»
Der 15. Band der Histoire naturelle des poissons von
Cuvier und Valenciennes enthält die Fortsetzung der Fa-
milie der Siluroiden. Es werden viele vortreffliche Gattun-
gen aufgestellt, und die vorhandenen zweckmässig beschränkt,
so dass jetzt die Familie 33 Gattungen enthält. Es ist Schade,
dass das Werk nicht auch eine äusserlich übersichtlichere Ein-
richtung hat, so dass es leichter >väre, die generischen Cha-
raktere herauszufinden. Diese ergeben sich in mehreren Fäl-
len erst aus den specifischen Beschreibungen, so dass es eines
genauen Studiums bedarf, um sich in die Unterscheidung, zu
finden, und um danach Fische zu bestimmen.
Die neuen Gattungen sind: Galeichthys^ Kopf rund, mit Haut
bedeckt, ohne deutlichen Helm. Kiemenhaut mit sechs Strahlen. Sechs
oder vier Bartfäden um den Mund. — PangasiuSy Helm wenig cha-
grinirt, vier kurze Bartfäden, Flossenstra«len nicht verlängert, zehn
Stralilen in der Kiemenhaut. — Silundia, Kopf klein, glatt, Fett-
flosse sehr klein, Afterflosse lang, zwei sehr kurze Bartfäden. Zwölf
Strahlen in der Kiemenhaut, nur eine oder zwei Reihen längerer
Zähne in den Kiefern. — Arius, die Gaumenzähne bilden zwei deut-
liche, von einander entfernte Platten. Zähne sammet-, hechel- oder
pflasterartig.— Aucheniptei-us, Kopf klein, Zähne kaum wahrzu-
nehmen, keine am Gaumen, fünf Strahlen in der Kiemenhaut. Rük-
kenflosse sehr weit nach vorn gestellt; ein knochiger Helm bis an
die Rückenflosse. A. ßircatus Val. ist Silurus nodosus Bloch. —
TrachelyopteruSj}iemQ¥eti^ossQ'f sechs Bartfäden, Zähne sammet-
artig, keine Zähne am Gaumen, ein knochiger Helm bis an die Rük-
kenflosse. — Arges, wie Pimelodes, nur sind die Zähne am Ende
zweispaltig mit nach innen gebogenen Spitzen, in einer schmalen
Öuerreihe; Gaumen ohne Zähne. — Brontes, wie Arges, nur fehlt
die Fettflosse. — Saccohranchus ist identisch mit der von J.Mül-
ler aufgestellten Gattung He^erojtneustes und ist auch auf denselben
Fisch begründet, da der Silurus fossilis Bl. mit Silurus singio Bucha-
nan synonym ist. (Vergl.j^üllers'' rchiv 1840. p. 115; Abhandlungen
der Acad. zu Berlin vom Jahre 1339, p. «43.) Diese Gattung ist be-
138
sonders ausgezeichnet durch zwei lange Luftsäcke, die in den Mus-
keln über dem Körper der Wirbel liegen und sich zwischen den
Kämmen der Kiemen öffnen. — Chaca. Eine breite Binde Sammet-
zähne auf dem Unterkiefer, und eine eben solche auf den Zwischen-
kieferknochen oben. 8chIundknochen mit vier Platten sammetartiger
Zähne, ein kleiner Faden am Mundwinkel und zwei vor, zwei hin-
ter der Einlenkung des Unterkiefers. Sieben Strahlen in der Kie-
inenhaut. Brustflossendorn dick, kurz, mit drei schneidenden Leisten,
zwei Rückenflossen, deren zweite in die Schwanzflosse übergeht,
zwei Afterflossen, von deren zweiter dasselbe gilt.
Eine neue Art Bagrus capefisis beschreibt Smith 1. c. die Unter-
scheidung beruht aber bloss auf Farbenverschiedenheiten, sie mag also
wohl zu einer Valenciennesschen Oapensischen Art gehören.
Valenciennes macht seine Untersuchungen übei* das
electrische Organ des Malapterurus electricus Lacep, be-
kannt. (Institut 1840. p. 277; Ann. d. sc. nat. XIV. p. 241.)
Er zeigt, dass sich zwischen der Haut und den Muskeln zwei
Häute finden, deren äussere das wesentliche Organ der electrischen
Batterie ist. Es ist ein nerveuses Organ, des wegen seiner Textur
und des grossen Gefässes, welches das Blut dahin führt, eine ana-
loge Struktur mit dem erectilen Gewebe hat. Die andere Haut ist
nicht einfach, sondern besteht mindestens aus 6 Häuten, die durch
Zellgewebe von einander getrennt sind.
C. U. Ekström erweist in den Abhandlungen der Schwe-
dischen Academie für das Jahr 1838 (daraus übersetzt von
Creplin, Isis 1840. p. 145), dass der Giebel Cyprinus gibe-
lio nichts anders sei, als eine durch Gefangenschaft in Teichen
degenerirte Seekarausche (fiyprinus carassius L.).
Mehrere neue Arten aus derselben Familie beschreibt Nord-
inann 1. c.
Leuciscus HecTcelU: macrolepidotus, exaltatus et compressus,
maxilla superiore sublongiore, ore subinfero, squamarum seriebus 8
supra et 4 infra lineam lateralem, pinna dors. alta pinnis ventr. su-
perposita, pinna anali radiis divisis 9 — 10.
Aspius fmciatus : altiusculus, compressus, viridi-argenteus, fasciis
duabus longitudinalibus fusco-nigris, linea laterali nigra, bipunctata,
squamarum seriebus 9 supra et 4 infra lineam lateralem, pinna ani
radiis divisis 5.
Abramis tenellus: submicrolepidotus, altiusculus, compressus, squa-
marum seriebus 9 supra et 7 infra lineam lateralem, maxilla supe-
riore aliquantum longiore, pinna ani radiis divisis 17.
Cobitis merga (Krynicki in litt.) cirris 6, cauda lunata.
In der Familie Esocini beschreibt Reinhardt als neue
Art der Gattung Micro Stoma Cuv. einen grönländischen
139
Fisch, M. groenlandicus. Die Zähne des Oberkiefers sitzen
nicht im sehr kleinen Zwischenkiefer, sondern im Voraer, auch
findet sich ausser der ersten Rückenflosse, die vor den Bauch-
flossen steht, eine Fettflos^e (Kroyer's Naturhistorisk Tids-
skrift III. p. 225).
Von Clupeacee7i sind zwei neue Arten aufgestellt:
Clupea cultiventris Nordmann 1. c. corpore latiusculo^ dorao
recto, abdomine convexo, ore supero.
Elops cape7isis Smith I.e. capite superne dorsoque subolivaceis;
corporis lateribus superne viridibus purpure o-tinctis; lateribus subtua
partibusque inferioribus argenteo-albis; dorsali analique pinnls ad
basin vaginatis; pionis pectoralibus ventralibusque ad basin squamis
membraneis marginatis; earumque posterioribus elongatis et acuminatis.
Shaw hat seine Beobachtungen und Versuche über das
Wachsthura und die Entwickelung des Lachses fortgesetzt (vergl.
dies Archiv V. IL p. 383). Die Meinung, dass der sogenannte
Parr das Junge des Lachses sei, wird bestätigt, besonders da-
durch, dass der Parr die Eier alter Lachsweibchen befruchtete,
und dass dies viele - zeugungsfähige Nachkommen gab. Der
Uebergang des Parr's in die Tracht des Lachses erfolgt nach
vollendetem zweiten Jahre. (Edinburgh new philos. Journ. 1840;
Frorieps Neue Notizen XIV. p. 97.)
Thomas Jenkins theilt Bemerkungen über den Samlet
mit, und erklärt denselben für das Junge des Lachses (Salmon),
was mit Shaw's Beobachtungen übereinstimmt. (Londons Mag.
of nat. bist, new Series IV. p. 161.; Froriep's Neue Noti-
zen XIV. p. 209.)
Thompson hält in einem Aufsatze (Notes on British
Cliar) den Salmo Umlla L. und S. Salvelinus Don. für die-
selbe Art. (Ann. of nat. bist. VL p. 439.)
In der Unterordnung der Kehlflosser hat Nordmann eine
'nQWt Axt, Gadus Euxinns^hescWiehem rostro extra maxillas producto,
longitudine capitis altitudinem corporis superante, cirro mentali ab-
breviato, corpore supra griseo-violascente subtus argenteo, cauda
sublunata.
Eine zu derselben Familie gehörige Gattung stellte Cantor auf:
Bregmaceros, Körper verlängert, zwei Rückenflossen, eine
Afterflosse, Bauchflossen sehr lang, aus einigen Strahlen bestehend,
Kinn ohne Bartfaden, ein Faden entspringt auf dem Scheitel des Kopfes.
Br. McClellandij Kopf klein, Stirnfaden gleich einem Viertel der
Länge des Körpers, Bauchflossen gleich der Hälfte seiner liänge,
140
erste Rückenflosse hoch, fast dreieckig, die zweite sehr lang, vorn
niedrig und gleich, dann massig hoch, Afterflosse wie aus drei ver-
einigten Flossen bestehend: der erste Theil hoch und dreieckig, der
zweite niedrig und gleich, der dritte von massiger Höhe: Rücken und
Afterflossen entsprechen einander, Schwanzflosse gabelförmig.
Ueber einige nordische Arten der Gattung Pleiirone-
ctes findet sich eine Abhandlung von Fries in diesem Archiv
VI. 1. p. 18.
N. O. Schagerström beschreibt denLtparts Gobius, gefun-
den im Sunde bei Landskrona, sehr genau. (Abhandlungen der Schwe-
dischen Academie für das Jahr 1838, daraus übersetzt von Creplijn
in der Isis 1840 p. 153.
Als neue Gattung der Kahlbäuche wird von Smith I.e. aufgestellt:
Leptorhynchus schlank, aalförmig. Kiefer fast gleich, schmal,
vorstehend. 3 Reihen Zähne im Ober-, 2 im Unterkiefer, die an der
Spitze die längsten und schwach gebogen, die übrigen kurz, spitz
und eng^ eine senkrechte, halbmondförmige Kiemenöff'nung vor jeder
Brustflosse. Die Rückenflosse beginnt dicht hinter den Brustflossen,
und ist, wie auch die Afterflosse, schlank. Beide nehmen nach der
Spitze des Schwanzes ab. Keine Schwanzflosse. L. capensis, in der
Tafelbay.
Zwischen Monopterus und Symbranchus stellt J, Müller eine
XiQViQGKiiMVigATnphipnous auf. Kiemenloch an 'der Kehle, durch eine
Scheidewand getheilt. Zwei Lungensäcke, die sich in die Kiemen-
höhle münden. Hakenförmige Zähne, keine Schwimmblase. A* CucUa
(Abhandl. d. Acad. zu Berlin für d. Jahr 1839. p. 245.)
C« Xiophohranchii*
Rathke beobachtete, dass bei Syngnathus aequoreus
und ophidion es die Weibchen sind, welche die Eier unter
dem Bauche tragen. (Müller's Archiv 1840. p. 145.)
A. Krohn fand auch bei Hippocampus hrevirostris ein
Brutorgan. (Dies Archiv VI. 1. p. 16.)
Nur eine neue Art dieser Ordnung bei Richardson I.e.
Syngnathus argus aus Van Diemensland.
XI. JPectognathi*
Ranzani machte eine interessante Arbeit über die Mond-
fische bekannt, die er als eigene Familie betrachtet. Er
nimmt 16 Arten an, die er in 6 Oenera vertheilt. Zwei Arten
Orthragoriscus Alexandrini und Ozodura Orsini sind ab-
gebildet und neu, die andern sind bereits bei früheren Schrift-
stellern beschrieben und verwechselt. Die Abhandlung steht
141
im dritten Theil der Novi Commentarii Academiae scientiarum
instituti Bononiensis. Bononiae 1839 und ist wohl wenig ver-
breitet. Daher nehme ich hier die Resultate derselben auf:
Sectio 1. Maxillac ambae bipartitae.
1. Cephalus Rissfo, mit zwei Arten: C. Luna Ranz. (Ceph. Or-
thragoriscus Risso, Orthrag, Luna Rafin.) corpus scabrum in dorso
nigricans, in abdomine argenteum; latitudo ejusdem aequalis' longi-
tiidini; pinnae dorsalis et analis admodiim longae, illa apice nigra;
caiidalis mediocris. P. 12. D. 18. A. 16. C. 18. Marc medit. — C. elon-
gatus Risso: corpus leve coloris argentei, longitudo ejusdem duplo
major latitudine; frons supra oculos prominens^ pinna caudalis brevis-
sima. P. 12. D. 20. A. 16. C. 24. Marc medit.
Sectio2, Maxiila superior indivisa, inferior bipartita.
2. Ty mp an tum Ranz., nur eine Art : T. P/aw« Ranz. (Mola altera
Planci) corpus oblongum coloris argentei; pinnae pectorales amplae
rotiindatae et in margine postico sinuosae; pinnae dorsalis et analiä
magnae, ovatae, crassae, caudalis mediocris margine evenato; basis
pinnarum caudae dorsi et ani fascia rugosa circumdata. Mare adriat.
Sectio 3. Maxillae ambae indivisae.
3. Diplanchias Rafin.: Foramen uniuscujusque branchiae du-
plex, nullum foramen supra oculos et in vertice. Pinna caudalis li-
bera, ossiculis carens. Nur eine Art : D. nasus Raf. : longitudo cor-
poris'major altitudine: color supra fuscus, subtus albescens, nasus
prominens. Mare siculum.
4. Trematopszs Banz.: Foramen uniuscujus^ « branchiae uni-
cum; praeter foramina narium ajia quatuor in capite; duo pauIo su-
pra oculos, duo in vertice. Pinna caudalis non libera, ossiculis carens.
Eine Art: F. Willugbet Ranz {the sun-ßsh Willug.) corpus breve,
dorsus nigricans, venter argenteus; pinnae pectorales subrotundae,
radiis 12; pinnae dors. et an. praealtae, in extremitate trunci sitae;
pinna caud, semicircularis radiis rarioribus. Ocean.
5. Orthragoriscus BI. Sehn. Foramen uniuscujusque branchiae
haud duplex; nullum foramen supra oculos, neque in vertice, pinna
caudalis non libera, ossiculis carens. Hierher 10 Arten: a. Maxilla
superior apice leviter bifida, inferior integra. O. Retxii Ranz. (T«-
trodon mola Retz.) corpus rotundatum, scabrum ; pinna caudalis bre-
vissima, rotundata. h. Maxillae ambae integrae. «. Pinnae pectora-
les apice rotundatae: 0. Ghini Ranz. {Mola Salviani) corpus oblon-
gum supra cinereum, subtus subalbidum; pinnae dors. et an. in ex-
tremitate trunci sitae, pectoralibus latiores et in acumen desinentes,
caud. mediocris omnino libera, basi fascia rugosa circumdata. Mare
medit. — O. Rondeletü Ranz.: corpus oblongum coloris argentei;
pinnae dors. et an. in extremitate trunci sitae, longiores et strictio-
res pectoralibus, apice obtusiusculae; caudalis mediocris omnino li-
bera? hujus basis fascia rugosa cincta. Mare medit. — 0. Blochii
Ranz.: longitudo corporis pauIo major altitudine, dorsum griseum,
142
lateribus ac ventre coloris argenteij venter ac dorsum limbo auctis,
pinnae dors. et an. in extremitate trimci sitae^ latae mediocris longi-
tiidiois, apice rotundatae, colligatac cum pinna caudali, quae est me-
diocris, margine integro, radiis rarioribus. Ocean. — O. Alexandrini
Banz. nov. sp. : corpus oblongum, scabrum, in parte postica fere ova-
tum, colore fusco ac lutescente varium, fronte altissiraa prominenti;
pinnae pect, in margine posteriori ad basin sinuosae; pinna dors.
ab extremitate dorsi haud parum distans, analis extremitate ventris
insidens, utraque magna apice obtuso, basi fascia rugosa cincta; pinna
caud. brevissima, integra. P. 10. A. 15. D. 13. Marc adriat. — O. Redi
Banz.: pars posterior corporis veluti abrupte truncata; pinna dors.
fere in medio dorsi sita, pinna caud. nulla. Mare medit. — /?. Pin-
nae pectorales apice in acumen desinentes: O. aculeatus Banz. (jO.
hispidus Bl. S., Diodon mola Pallas, Mola aculeata Koelreut., Mola
hispida Nard.) corpus supra nigricans^ subtus albo-argenteum, lon-
gitudo ejusdem minor altitudine; vertex canaliculatus, mucronibus
acutissimis in quatuor series a capite ad caudam digestis; pinnae
dors. et an. angustae apice acuto, venter limbo carnoso auctus; pinna
caud. nulla (Koelr.) brevissima, mutica (Pall). P. 13. D. 15. A. 16. —
O. elegans Banz. {O.oblongusBl.^, wozu ein neuer Name?) Corpus
oblongum, dorsum virescens, latera ac venter coloris rubro-lutescen-
tis; cutis rimis in particulas hexagonas divisa, pinnae fuscae, pinnae
caüd. et an. in extremitate trunci sitae mediocres, margine postico
integro, apice obtusiusculo , pinna caud. mediocris, margine crenato,
ac ubi dorsali annectitur profunde sinuosa. P. 13. D. 18. A. 18. C. 20.
Mare atlant. •— 0. Battarae Banz. {Mola Planci Nard.) corpus ob-
longum leve, coloris argentei, in utroque pectoris latere quinque
Seriebus punctorum nigrorum notatnm; cutis riniis in particulas hexa-
gonas oblongas divisa; pinnae dors. et an. in extremitate trunci sitae,
apice acutae, margine posteriori crenato; pinna caud. mediocris, cum
anali ac dorsali omnino convexa, margine integro, radiis rarioribus
apice veluti in penicillum desinentibus. Mare adriat, — O. varius
Cuv. {Mola peregrina Jonston) corpus oblongum fuscum, maculis ac
fasciis pallidis fuscopunctatis; pinnae dors. et an. mediocres in poste-
riori margine crenatae, caudalis mediocris margine crenata, fere
omnino a dorsali sejuncta.
6. Ozodura Banz. Foramen uniuscujusque branchiae haud du-
plex; pinna caudali ossiculis triangularibus ad marginem quasi redi-
mita. Eine Art: O. Orsini Banz. nov. sp.: corpus oblongum scabrum,
fuscum; supra maxillam superiorem tuberculura in discum osseum
desinens; dorsum limbo auctum; pinnae pectorales rotundatae, ad
partem posticam basis sinuosae, pinnae analis et dors. in extremitate
trunci sitae, caudalis mediocris fere membranacea, pellucida, radiis
cartilagineis rarioribus, ossiculis transverse triangularibus cute vesti-
tis ad marginem veluti redimita. P. 12. D. 16. A. 14. C. 14. Mare adriat.
Jonathan Couch spricht von einem in Cornwall gefangenen
143
Exemplar des Orth. oblongus, und bestätigt die Verschiedenheit der
Art von O. mola. Er giebt die Maasse und Flossenstrahlen (P. 15.
D. 18. A. 17. C. 18.) an. Es fragt sich sehr, ob er wirklich einen O.
oblongus (0. elegans Ranz.) vor sich gehabt hat. Die Zahlen spre-
chen für das Gegentheil, da sie weder mit der Ranzanischen, noch
mit der Schneiderschen Angabe und dem hiesigen Originalexemplare
übereinstimmen (Annais of nat. bist. VI. p. 144).
O'Bryen Bellingham beschreibt einen an der Irischen Küste
gefangenen Orthragoriscus als O. mola. Die Beschreibung stimmt
vollkommen mit einem Exemplare des hiesigen Museums überein und
gehört jedenfalls der Gattung Oxodura Ranz, an, ist aber eine neue
Art, da ein Knochenstück mehrere Zoll unter dem Unterkiefer vor-
handen ist und die Strahlen in der Schwanzflosse den Zwischenräu-
men zwischen den Knochenstücken derselben entsprechen, wogegen
dieselben in Ranzani's Abbildung und in zwei Exemplaren des Ana-
tomischen Museums gerade auf diese Knochenstücke zugehen. (Loud.
Mag. of nat. hist. new series IV. p. 235.)
Auf einige Eigenthümlichkeiten in der Bildung des Orthragon'sctis
mola machte Goodsir in der Wernerian Society aufmerksam. Es
umgiebt das Thier ein zähes, weisses gelatinöses Zellgewebe von
1 — 6 Zoll Dicke, welches die Haut ersetzt. Der Schwanz ist sehr
eigenthümlich , die Wirbelsäule verkümmert und endet in einfache
Schwanz -Wirbel 5 die Strahlen der Schwanzflosse sind durch freie
Knochenstücke, welche zwischen ihnen liegen, gestützt. Verf. spricht
also von demselben Fisch, wie Bellingham. Die Seitenmuskeln des
Rückgrats und die Abdominalmuskeln fehlen ganz, wogegen die Mus-
keln der Rücken- und Afterflosse stark entwickelt sind (Annais et"
nat. hist. VI. p. 522).
VonLienard wird eine neue Art OrMrfl^om«/* lanceolatus von
Isle de France aufgestellt, die von denRanzanischen verschieden ist,
und zur Gattung Or/Ärog'onfcw* Ranz, gehört. Diej? er Fisch ist durch
eine lancettförmige, zugespitzt abgerundete Schwanzflosseausgezeich-
net(Guer.Rev. zool. 1840. p. 291. und dessen Mag.de zool. 1841 pl. 4.)
In den Novi commentarii acad. scientiarum inst. Bononiensis
Tom. III. p. 359 steht auch ein Aufsatz von A. Alessandrini de pi-
scium apparatu respirationis tum ojiec'iaiim Ort krag ori sei (^Orth,
Alexandrini Ranzaui) und ist von vier Tafeln begleitet.
Bei Richard so n 1. c. werden als neu beschrieben: Ostracion
spilogaster^ Monacanthus rudis^ Akuteres maculosus und A. para-
gaudatus.
JE. Kleutherohranchi,
CaUorhynchm Tasmanius Richardson I. c. verwandt mit C.
Smythii Lay et Bennett, die zweite Rückenflosse beginnt hinter der
Bauchflosse, und hört vor dem vordem untern Lappen der Schwanz-
flosse auf.
144
Stannius macht eine Bemerkung über die männlichen Ge-
schlechstheile der Rochen und Haien (Müller's Arch. 1840. p. 41.)
H a 1 1 m a n n : lieber den Bau des Hodens und die Entwicke-
Sung der Samenthiere der Rochen (ib. p. 466.)
Die Monographie der Plagiostomen „Systematische Be-
schreibung der Plagiostomen von J. Müller und J. He nie
mit 60 Steindrucktafeln, Berlin 1841 ist nun ganz vollendet.
Da die Verfasser die Materialien aller wichtigen fremden Mu-
seen benutzt haben, so findet sich soviel des Neuen, dass es
nicht thunlich ist, auch nur das Wichtigste hier aufzunehmen.
Die Eintheilung in Familien und Gattungen ist bereits früher
in dieser Zeitschrift (Jahrgang 1837 und 1838) mitgetheilt
worden. Jedenfalls wird dieses Werk die Grundlage für alle
späteren Forschungen bilden.
Lowe spricht. CProc. 1840 p. 38) von zwei Haifischen Madeira's,
die er als neu ansieht. Per eine, Carcharias microps, soll sich
durch die Kleinheit des Auges und die, in beiden Kiefern gleichen,
zweireihigen Zähne auszeichnen. Ob er mit einer Art von Müller
Hfenle zusammenfällt, lässt sich nach dieser kurzen Angabe nicht
entscheiden. Der ».MereAlopeczas super cih'osus soll sich von
Alopias vulpes Bonap. durch die sehr grossen Augen und die vor-
springenden Augenbrauen unterscheiden.
De Preminville beschreibt einen Cestracion Quoyi als
neu; nach der Mittheilung des Herrn Prof. J. Müller ist es jedoch
nichts als C. Philippi. (Guer. Mag. d. Zool.)
Nach Arthur Strickland kommt Echinorhinus spiiiosus
Bonap. {Squalus spinosuslj., Echinorhinus ohesus Smith) an der Küste
von Yorkshire vor (Annais IV. p. 315.)
Bennet erwähnt eines leuchtenden Haifisches (Squalus fulgens
n. sp.), der jedoch nicht zoologisch beschrieben wird. (Aus Bennet's
Voyage H. p. 255 in Edinburgh new phil. Journ. 29. p. 196.)
Es finden sich auch bei Andrew Smith 1. c. drei Haifische ab-
gebildet, welche bereits von Müller und Henle in den Plagiostomen
beschrieben sind: Mustelus megalopterus Sm. ist Mustelus vul-
garis Müll. Henle; Echinorhinus obesus Sm. ist Echinorhinus
spinosus Bonap., endlich Carcharodon capensis Sm, ist Car-
charodon Rondeletii Müll. Henle.
M'Coy spricht (Annais of nat. bist. VI. p. 405) über einige
Bochen. Eine Raja ohne Speciesnamen wird für neu gehalten, ist
jedoch gewiss Raja radula de laRoche; Raja microcellataMon-
tagu wird beschrieben. Torpedo emargitiata wird als neu auf-
geführt und in Holzschnitt abgebildet, sckeint jedoch identisch mit
Torpedo nobili^na Bonap. zu sein.
145
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Insecten, Arachniden, Crustaceen und Ento-
mostraceen während des Jahres 1840
vom
Herausgeber.
yVenii die Ausdehnung der Entomologie schon so beträchtlich
geworden ist, dass nur Wenige ihrer Freunde es nicht aufge-
ben, sie in ihrem ganzen Umfange zu pflegen, und die Meisten es
vorziehen, sich mit desto grösserer Energie mit der einen oder
der andern grösseren oder kleineren Abtheilung zu beschäfti-
gen — und in der That haben gegenwärtig einzelne Ordnun-
gen einen gleichen, wenn nicht grössern Umfang als noch vor
wenigen Jahrzehnden die ganze Klasse — ; darf es um so
weniger befremden, dass man der "Wissenschaft selbst so enge
Gränzen als möglich steckte, und sie auf die Lehre von den
Insecten im engern Sinne der Neuern beschränkte. Ob diese
weite Absonderung der Crustaceen und Arachniden von den
eigentlichen Insecten auch wissenschaftlich begründet ist, ist
eine andere Frage. Der ehrwürdige Latreille wenigstens ver-
harrte bis ans Ende darin, alle diese Klassen als ein Ganzes
zusammenzufassen.
Ref., zeither auf die specielle Bearbeitung dieser ganzen
Abtheilung des Thierreichs angewiesen, glaubte darin noch eine
Aufgabe zu finden, die bisher immer schwankenden systemati-
schen Verhältnisse der drei Cuvierschen Klassen festzustellen
und dieselben mit Characteren zu begründen, und begann eine
unter dem Titel „Entomographien'' herausgegebene kleine
Sammlung entomologischer Abhandlungen mit einer Unter-
suchung: Ueber zoologische Charactere der Insecten, Arach-
niden und Crustaceen.
Die Insecten im Sinne der Neuern unterscheiden sich durch-
greifend und characteristisch dadurch, dass hei ihnen Kopf, Thorax,
Archiv f. Nalurgesch. VII. Jahrg. 2. Bd. 10
146
Hinterleib vollkommen geschieden sind, der Kopf nur Mundtheile und
Sinnesorgane, der Thorax ausschliesslich die Bewegungsorgane (da-
her stets nur drei Paar Beine, und daher nur hier Flügel), der Hin-
terleib nur die Organe der Ernährung und Fortpflanzung enthält. Im
Munde 3 Kieferpaare, das dritte mit dem Kinn und der Zunge zur
Unterlippe verwachsen.
Die Arachniden haben mit den Insecten noch die beständige
Absonderung des Hinterleibes vom Vorderleibe (Cephalothorax) ge-
mein, allein die Sonderung zwischen Kopf und Thorax hört auf, und
die Zahl der Fusspaare vermehrt sich um eins, indem nämlich das
dritte Kieferpaar (die Lippentaster der Insecten) zum vordersten
Fusspaar wird, welches bei einigen {Galeodesj Phrynus, auch einigen
Milben) noch klauenlos, bei den meisten aber mit gleichen Klauen
wie die übrigen Füsse versehen ist. Die über dem Munde befind-
lichen, meist zangenförmigen Theile, welche Latreille als Fühler deu-
tete, sind als erstes Kieferpaar (Mandibeln) nachgewiesen. Von dem
Verschmelzen des Kopfes mit dem Thorax, wodurch auch der erstere
bei der Umgestaltung des ihm angehörenden letzten Kieferpaares zum
Fusspaar als ein bewegender Theil des Körpers auftritt, ist das Zu-
rücktreten der bei den Insecten so hoch ausgebildeten Sinnesorgane,
der zusammengesetzten Augen und der Fühler eine leicht erklärbare
Folge, daher dieser Mangel ebenfalls als characteristisch für die
Klasse der Arachniden zu betrachten ist.
D'iQCrustaceen ivaAEntomostraceen unterscheiden sich da-
durch scharf und characteristisch von den Insecten und Arachniden, dass
die Trennung des Körpers gleichsam in eine animalische und vege-
tative Hälfte, erstere mit Sinnes- und Bewegungs-, letztere mit den
Ernähr^ings- und Fortpflanzungsorganen, aufhört, indem hier auch
die Segmente des Hinterleibes, wie bei jenen die des Thorax, jedes
sein Fusspaar bekommt. Für die eigentlichen Crustaceen ist der
Uebergang der Fusspaare des Thorax zu Mundtheilen (also gerade
das umgekehrte Verhältniss wie bei den Arachniden) characteristisch.
Bei der Mehrzahl theilt sich der Hinterleib in zwei Portionen, eine
Brustportion, ^us den 5 ersten Segmenten bestehend, deren Beine
hauptsächlich die Bewegung des Körpers auf sich nehmen, und eine
Schwanzportion, deren Beine zwar in der Regel vorhanden, aber
nie beim Kriechen mit auftreten. In Innern Bau zeigt sich diese Son-
4erung in zwei Portionen dadurch bedingt, dass die Geschlechtsorgane
nur in der vorderen Platz nehmen, während der Nahrungskanal noch
die hintere durchläuft. Bei den Decapodeii sind es nur die 5 Fuss-
paare der vorderen Hinterleibsportion, welche zum Auftreten und
zur Fortbewegung des Körpers geeignet sind, der Thorax ist ganz
verschwunden und seine Beine sind alle 3 Paare zu Mundtheilen (Kie-
ferfüsse) umgestaltet. Der Kopf ist unmittelbar mit dem ersten Hin-
terleibssegment verschmolzen, (der Magen liegt zunächst hinter dem
Gehirn) und Fühler und zusammengesetzte Augen stehen gleichsam
147
als üeberreste eines selbstständigen Kopfes auf besonderen Stielen.
Bei den Stomapoden sind ganz ähnliche Verhältnisse. Bei den Am^
phipoden ist nur das erste Segment des Thorax eingegangen und
auch nur das erste Fusspaar legt sich in Gestalt von Mundtheilen
an die Unterseite des Kopfes, der hier immer selbstständig vorhan-
den ist, daher auch keine gestielten Augen mehr. Bei den Isopoden
ist das Verhältniss des Kopfes dasselbe, die beiden letzten Thorax-
segmente gleichen den 5 ersten Hinterleibsegmenten, ihre Beine mehr
oder weniger den Beinen derselben, daher 14 Fusspaare. Die Beine
der Schwanzportion des Hinterleibes sind plattenförmig. Bei den
Lacmodipoden ist diese Portion rudimentär, sonst die Uebereinstim-
mung mit den Isopoden ziemlich gross.
Es bleiben noch solche Crustaceen übrig, bei welchen kein Ge-
gensatz zwischen den vordem und hintern Segmenten des Hinterlei-
bes stattfindet, sondern diese unter einander und mit denen des Thorax
eine gleiche Gestalt haben und dem gemäss auch alle in gleicher Weise
zur Fortbewegung des Körpers geeignet sind. Solche sind die My~
riapoden. Nur das erste oder die beiden ersten Fusspaare sind hier,
dem Character der Klasse gemäss, zu Mundtheilen umgestaltet.
Die Entomostraca scheinen sich eben sowohl von den Cru-
staceen, als die Aracbniden von den Insecten absondern zu lassen.
Mit den Crustaceen haben sie das gemein, dass die Hinterleibssegmente
mit Beinen oder Beinen analogen Organen versehen sind, entfernen sich
aber darin, dass der Mund nur seine 3 Kieferpaare besitzt, übrigens
nicht vor, sondern zwischen den Beinen des Thorax seine Stelle hat,
so dass die Vorderbeine beständig vor dem Munde sitzen, und daher
bei Manchen auch als Fühler gedeutet sind. Bei Limulus allein sind
die Beine des Thorax und die 3 Kieferpaare in so fern nicht unter-
schieden, als sie eine übereinstimmende Form haben, welche zwischen
der der Mundtheile und der Beine in der Mitte steht, so dass hier
die eigentliche Identität dieser beiden Organe recht augenfällig ist,
die indess auch bei den Crustaceen und Arachniden stets wahrzuneh-
men ist. Die Entomostraca stellen sich als zwei neben einander fort-
laufende Reihen dar, die eine ohne, die andere mit einem Paar Fühler.
Die erste führt von Limulus durch Jpus und die Daph7ne?t-aTt\gen
LophjTopoden zu den Cirripedien, die andere von Branchipus durch
die Cydops-^xügtn Loph^Topoden zu den Parasiten (JLernaeeiC). Zur
richtigen Deutung der Theile und somit zur richtigen Kenntniss der
Structur glaubt Ref. hier manchen Wink gegeben zu haben, inzwi-
schen wird gerade hier noch einer sorgsamen Beobachtung der Ent-
wickelungsgeschichte ein grosser Raum zur Aufklärung unserer Kennt-
nisse bleiben.
Im Allgemeinen sind hier nur Abtheilungen, welche längst ge-
macht waren, durch Charactere begründet. Nur in der Einordnung
der Myriapoden in die Klasse der Crustaceen ist eine Abweichung
von der allgemein herrschenden Ansicht. Nimmt man als wesent-
10*
148
liehen Character der Crustaceen, wie eö bisher geschehen, den Besitz
von Kiemen an, können sie allerdings dort nicht stehen, und in die-
sem Falle, da ihre ganze Körperbildiing die Vereinigung mit den In-
secten verbietet, würde der von Leach in Errichtung einer eigenen
Klasse getroffene Ausweg noch der beste sein. Es scheinen aber die
Modifikationen der Respirationsorgane nicht eine solche Bedeutung
zu haben, dass nicht mehrere Formen neben einander in einer Klasse
vorkommen könnten. Schon bei den Insecten findet sich neben der
Tracheen- auch Kiemenathmung in manchen Jugendzuständen. Bei
den Arachniden lässt sich nicht einmal mehr der Unterschied zwischen
solchen mit Lungensäcken und solchen mit Tracheen festhalten, da
mehrere Formen (die 6-äugigen Spinnen, z. B. Segestria, Djsdera
nach Duges, und die Galeodes nach Ehrenberg) beide Arten der Re-
spirationswege zugleich besitzen. Und die Crustaceen zeigen so
vielfache Modificationen der Athmungsorgane, von vollständiger Kie-
men- bis zur Hautrespiration, z. Th. selbst nach dem Aufenthalt des
Thieres, dass es, wenn man nicht einen einzelnen Typus, sondern
die EntWickelung des Organs in der ganzen Reihe vor Augen hat,
nicht zu sehr befremden kann, sich noch in derselben Klasse ein
Tracheensystem entwickeln zu sehen. Die Untersuchungen über den
Innern Bau der Arachniden und Crustaceen sind noch nicht in sol-
chem Umfange geführt worden, als dass aus ihnen schon die bestän-
digen Eigenthümlichkeiten der verschiedenen Klassen hervorgehen
sollten. Ohne Zweifel werden sie sich aber, wie es sonst überall
der Fall ist, mit den Unterschieden der äussern Organisation im Ein-
klänge zeigen. Die Uebereinstimmungen, welche die Myriapoden im
Innern Bau mit den Insecten und Arachniden darbieten, scheinen nur
auf die nahe Verbindung aller drei Klassen hinzuweisen, welche vom
Ref. auch nach der äussern Organisation nicht als getrennte Glieder,
sondern als nach verschiedenen Richtungen ausgehende Entwicke-
lungen einer und derselben Grundform nachgewiesen sind. Die
Myriapoden sind das Glied, welches die Crustaceen mit den Insecten
und Arachniden verbindet. Es ist aber eine ganz verkehrte Ansicht,
welche das verbindende Glied mit einer als höher stehend betrachte-
ten Gruppe an. die Spitze der Abtheilung stellt. Denn so wie man
ein Fortschreiten der Organisation im ganzen Thierreich annimmt, ist
es auch in jeder einzelnen Abtheilung desselben wieder zu finden, und
gerade diejenigen Glieder, in welchen der Cliaracter ihrer Abtheilung
am Vollkommensten ausgeprägt ist, und die daher die erste Stufe in
derselben einnehmen, entfernen sich von den übrigen Abtheilungen
am Meisten; ein Uebergang von einer Abtheilung zur andern kann
also nur da stattfinden, wo der Abtheilungscharacter sich am Wenig-
sten geltend macht, gerade in den unteren Gliedern. Und hier sind
denn auch die Annäherungen gewöhnlich nach mehreren Richtungen
hin zu bemerken. So können die Chilognathen recht wohl die unterste
Stufe der eigentlichen Crustaceen einnehmen, im äussern Bau eine
149
frappante Analogie mit den Nereiden, in der Innern Organisation dage-
gen bedeutende Uebereinstinimiiogen mit den eigentlichen Insecten
combinirend. Die zweite Stufe, die Chilopoden, vermitteln im äussern
Bau allmälig eine Annäherung an den der Isopoden, während sie in
ihrer innern Organisation mit den Arachniden mehrfach übereinkom-
men. Beide Myriapodenabtheilungen tragen dabei entschieden den
Klassen-Character der eigentlichen Crustaceen an sich, nämlich Besitz
von Fusspaaren an den Hiuterleibssegmenten und Uebergang der vor-
dersten Fusspaare zu Mundtheilen.*)
Von grosser Wichtigkeit ist auch die Berücksichtigung der Ent-
wickelungsgeschichte, welche bei den Crustaceen und Entomostra-
ceen lange unbeachtet geblieben, und erst in neuerer Zeit des gehö-
rigen Interesses gewürdigt, nicht minder durchgreifend ist als bei den
eigentlichen Insecten, aber hier eine gerade entgegengesetzte Rich-
tung nimmt. Denn während bei den Insecten (die eine vollkommene
Verwandlung haben) der Thorax erst zuletzt als bewegender Kör-
pertheil ausgebildet erscheint, — bei den Larven nimmt da, wo über-
haupt Beine vorhanden sind, noch der Hinterleib entweder durch After-
füsse wie bei den Raupen, oder durch Nachschieber, wie bei den Kä-
ferlarven, an der Fortbewegung Antheil — ist bei den jungen Cru-
staceen (und Myriapoden) anfänglich nur der Thorax mit Fusspaaren
versehen, und die des Hinterleibes treten erst später nach und nach
auf, ja die Entomostraceen kommen als blosser Cephalothorax aus
dem Ei und der ganze Hinterleib entwickelt sich erst später.
Den Bau der zusammengesetzten Augen der Insecten und
Crustaceen hat Dr. Will in seinen „Beiträgen zur Anatomie
der zusammengesetzten Augen mit facettirter Hornhaut, Leip-
zig 1840" ziemlich umfassend und gründlich erläutert. Seine
Beobachtungen bestätigen die von J. Müller und R. Wagner.
Der Schluss, dass diese zusammengesetzten Augen sich als eine
Menge sehr innig mit einander verbundener Augen darstellen und
dass die aggregirten Augen von ihnen zu den einfachen den Ueber-
gang bilden, ist sehr richtig. Schon bei eigentlichen Insecten giebt
*) Ich glaubte hier etwas weitläuftiger meine Ansicht über die
systematische Stellung der Myriapoden erörtern zu müssen, weil sie
von der allgemein herrschenden so sehr abweicht, dass nicht noch
manche Einwendungen dagegen gemacht werden sollten, wie in der
That auch Dr. Stein (Diss. de Myriapodum partibus genitalibus Berol.
1841) sich mit einiger Emphase gegen dieselbe ausgesprochen hat, ohne
inzwischen die Gründe anzutasten, aus welchen meine Meinung her-
vorgegangen ist. Will man die Myriapoden nach üebereinstimmun-
gen des innern Bau's unterbringen , können sie consequenter Weise
nicht zusammenbleiben, sondern man müsste die Chilopoden mit den
Arachniden, die Chilognathen mit den Insecten vereinigen,
150
es Fälle, wo statt der ziisammengesetzten, aggregirte Augen vor-
kommen^ und zwar in der Art, dass die einzelnen Facetten rund,
und durch Zwischenräume von einander getrennt sind. Von Psela-
phus hat ein solches Auge Schmidt in seiner Diss. über die Pselaphen
(Prag 1837) abgebildet. Ebenso findet es sich bei Scjdmaenus, den
Strepsipteren, und vermuthlich noch bei mehreren Insecten, deren
Kleinheit aber der Untersuchung der innern Structur unendliche
Schwierigkeiten entgegenstellen wird.
lieber den Nutzen der Antennen sind in den letzteren
Jahren mehrere Ansichten geäussert worden, welche zum Theil
nicht ganz mit einander übereinstimmen. Die vor längerer
Zeit besprochenen Untersuchungen von Newport über diesen
Gegenstand sind bisher noch nicht bekannt geworden, inzwi-
schen hat Duponchel (Rev. Zool. S. 75) die Meinung aus-
gesprochen, dass die Fühler ein Sinnesorgan wären, bestimmt
den Zustand der Atmosphäre zu untersuchen, wie dies schon
1799 von einem Deutschen, Lehmann, erkannt sei^ der ihre
Function mit Aeroscepsis bezeichnet habe. Dabei würden sie
den Gehör- und Geruchsinn gleichzeitig ermitteln. Es ist wün-
sch enswerth und an der Zeit, dass dieser Gegenstand durch
die Anatomie mehr aufgehellt wird, und die neuern Entdeckun-
gen eines Gehörorgans bei den Molluscen lassen hoffen, dass
-bei den Insecten Aehnliches aufgefunden werde. Namentlich
wird es wichtig sein, zu erfahren, wie die Arachniden für den
Besitz der Fühler entschädigt werden, da sie offenbar nur des
Organs, nicht aber der augenscheinlich an dasselbe gebundenen
Sinne ermangeln.
Iiiseeteii.
Diese Klasse wird von den Entomologen vorzugsweise
gepflegt und die entomologischen Gesellschaften von Paris und
London » und der im Jahre 1839 unter dem Vorsitze des
Dr. Schmidt in Stettin gegründete entomologische Verein för-
dern dieselbe durch Vereinigung vieler Kräfte. Die Schriften
der ersten (Annales de la Societe Entomologique de France)
sind bis in die neueste Zeit fortgegangen (der 9. Band ist im
Laufe des Jahres 1840 erschienen, aus den beiden früheren Jahr-
gängen sind die einzelnen Lieferungen, welche in den zwei letzten
Jahren dem Ref. nicht zugänglich geworden waren, im gegen-
wärtigen Bericht mit benutzt worden). Die Londoner Gesell-
151
Schaft hat im Jahre 1840 keine neue Lieferung ihrer Abhand-
lungen erscheinen lassen, und hat daher die Berücksichtigung
ihrer Arbeiten auf die Erwähnung der in dem Magazine of
iiat. history mitgetheilten Proceedings beschränkt bleiben müs-
sen, mit Ausnahme einer Abhandlung, welche Ref. der beson-
deren Mittheilung des Verf. verdankt. — Auch der Stettiner
Verein hat durch die mit dem Jahre 1840 von ihm ausgege-
bene Entomologische Zeitung von seiner Thätigkeit öffent-
liche Kunde gegeben.
Von den der Insectenkunde ausschliesslich gewidmeten
Zeitschriften is^ Germars „Zeitschrift für die Entomologie"
mit sicherm Schritte vorgerückt, von Silbermanns „Revue
Entomologique" sind einige Lieferungen (27 — 30 Liv. V. Tom.)
verbreitet worden, endlich liegen auch die beiden letzten Jahr-
gänge (1839 und 1840) des für die Entomologie vorzüglich
wichtigen Bulletin de la Societe Imperiale des Naturalistes de
Moscou vollständig vor.
Eine allgemeine Einleitung in die Insectenkunde enthält
der erste Band von der Entomology der Naturalists Library.
Sie ist von Dune an verfasst, und giebt eine kurze aber zweck;-
massige üebersicht über die Verwandlungsgeschichte, den äussert
und Innern Bau, das Wichtigste der physiologischen Erschei-
nungen und zuletzt einen Abriss vom System. Auf die Ord-
nungen der Orthoptera, Neuroptera, Hemiptera und zum Theil
auf die Hymenoptera und Diptera ist besondere Rücksicht ge-
nommen, und sind auch viele, besonders merkwürdige und
auch einige neue Formen als Beispiele näher erläutert und ab-
gebildet. Vier Bände waren bereits früher erschienen, näm-
lich der zweite, welcher von den Käfern handelt, und der
dritte, über die Britischen Tagschmetterlinge, 1835, der vierte,
über die Britischen Nachtschmetterlinge, 1836, der fünfte über
die exotischen Schmetterlinge 1837, alle aus den Händen des-
selben Verfassers. Des sechsten über die Bienen (1840) wird
unten Erwähnung geschehen. Der Zweck des Unternehmens
ist nicht Erweiterung, sondern Verbreitung der Wissenschaft.
Westwood's vortreffliche „Introduction tq the modern
Classification of Insects" ist vollendet worden, und bildet zwei
tüchtige Octavbände mit zahlreichen, sehr instructiven , gröss-
tentheils nach Originalzeichnungen gemachten Holzschnitten.
152
(133 Platten.) In den letzten Lieferungen sind noch die Stre-
psiptera,Lepidoptera, Homoptera, Heteroptera,Aphaniptera
und Diptera abgehandelt. Einen Anhang bildet ein systema-
tisches Verzeichniss der zur Britischen Fauna gehörenden Gat-
tungen. Ungern vermisst man in diesem Werke ein Register
und — die Abtheilungen der Thysanura und Anoplura, wel-
che doch jedenfalls wirkliche Insecten sind.
B urmeister 's Genera Insectorum sind mit mehreren Lie-
ferungen fortgesetzt worden, und die Darstellungen nicht weni-
ger sorgsam, als es von den ersten vor zwei Jahren in diesen
Berichten gerühmt wurde. Die anfängliche Einrichtung indess,
nach welcher nur solche Gattungen abgebildet wurden, welche
in des Verf. Handbuche der Entomologie abgehandelt sind, ist
aufgegeben worden und die Aufmerksamkeit des Verf. jetzt
hauptsächlich auf Lamellicornen gerichtet.
Auf die Europäische Insectenfauna bezieht sich Herrich-
Schäffer's Nomenciator Entomologicus, Hft. IL, enthaltend
eine Aufzählung der Europäischen Coleoptera, Orthoptera, Der-
maptera und Hymenoptera. Das Verzeichniss der Coleopteren
ist ein blosser Auszug aus Dejeans Catalog, mit Uebergehung
der Staphylinen, Xylophagen und Curculionen, bei den übri-
gen Ordnungen sind erst die Gattungen, dann die Arten syno-
ptisch, und zuletzt alphabetisch mit den Synonymen aufgeführt.
Von den Hymenopteren ist das Flügelgeäder der verschiedenen
Gattungen auf 8 Tafeln abgebildet.
Die Panzersche Insectenfauna Deutschlands ist in gewohn-
ter Weise von Koch und Herrich-Schäffer weitergeführt
worden und wird dieselbe bei den Hymenopteren und Acari-
den näher erwähnt werden. Von Faunen einzelner Europäischer
Länder, welche sich über die ganze Insectenklasse verbreiten,
ist ausserdem nur noch der Fortsetzung von Rambur's Faune
Entomologique de l'Andalousie zu erwähnen, von der eine
vierte Lieferung erschienen ist, deren Text den grössten Theil
der Hemiptera Heteroptera, und deren Tafeln die eine Locusten,
die übrigen Schmetterlinge enthalten, lieber die neuen Arten
von Hemipteren wird unten Nachricht gegeben.
Unsere Kenntniss der Fauna der Berberei erhielt einen
Zuwachs durch Moritz Wagners „Reisen in der Regentschaft
Algier," deren dritter Band die zoologischen Entdeckungen des
153
Reisenden veröffentlicht, die Lepidoptcra von ihm selbst, die
übrigen Insectenordnungeii vom Ref. bearbeitet.
Die geographische VerbreituDg dieser Insecten ist besonders be-
rücksichtigt und erörtert. Ref. hatte vorzüglich die Coleopteren im
Auge, welche in grösserer Vollständigkeit gesammelt waren. Eine
Anzahl von Arten gehört auch der mitteleuropäischen Fauna an, eine
grössere verbreitet sich über alle Küstenländer des mittelländischea
Meeres, wenige mit Einschluss, die meisten mit Ausschluss Aegyp-
tens, welches in seiner Fauna mehr den Character Mittelafrika'sj
zeigt. Die meisten Arten hat Algerien mit den gegenüberliegenden
Italienischen Inseln Slcilien und Sardinien, weniger mit dem Italischen
Festlande gemein, wie dasselbe mit der Spanischen Halbinsel und
dem gegenüberliegenden Marocco der Fall ist, und es trifft öfter zu,
dass Spanisch-Maroccanische und Italisch^AIgiersche Arten im Yer-
hältniss der Analogie zu einander stehen. Seltener hat Algier mit
Marocco und Spanien Arten gemein, welche der Italischen Fauna
fehlen (als Clythra Lentisci), noch seltener treten Aegyptische und
Arabische Arten (z. B. Graphipterus serrator, Cleonus clathratus) in
Algier auf, oder verbreiten sich gar südrussische Arten (Onitis Menal-
cas) dahin. Bei alledem fehlt es an eigenthümlichen Arten nicht. Die
Schmetterlinge zeigen nicht so characteristische Stellungen in geo-
graphischer Beziehung, indem die weite Verbreitung einzelner Arten,
welche bei den Coleopteren seltener, hier Regel ist. Ein Dritttheil
der beobachteten Schmetterlinge ist über ganz Europa, die übrigen
sind um das ganze Bassin des Mittelmeeres, wenigstens über alle
europäischen und asiatischen Küstenländer desselben verbreitet, mit
Ausnahmen von nur 2 Arten, welche neu und Algerien eigen zu sein
scheinen. Ausserdem erzeugt indess die Atlaskette eine Reihe
eigenthümlicher Waldvögel (Satyrus oder Hipparchia), welche von
Franzosen in den Pariser Annalen beschrieben sind. Aehnlich wie
bei den Schmetterlingen ist im Allgemeinen auch das Verhältniss der
Verbreitung der übrigen Insectenordnungen an den Küsten des Mit-
telmeeres.
Beiträge zur Kenntniss der Coleopterenfauna Algiers gab
auch Buquet (Ann. d. 1. Soc. Ent. IX. 396) durch Mitthei-
lung einer Liste derselben und Beschreibung neuer Arten eben-
daselbst und in verschiedenen Nummern der Rev. Zool.
An die Berberische Fauna schliesst sich unmittelbar die
der Canarischen Inseln, über welche wir durch die Histoire
naturelle des lies Canaries par M. M. Barker Webb et Sabin
Berthelot, Paris, fol., sehr umfassende Kunde erhalten haben.
Die Canarischen Inseln gehören dem Character ihrer Fauna nach
in das Gebiet des Mittclmeeres und Ref. hat sie auch schon inWag-
nei^'s Algier, III. S. 141, als den südwestlichen Gränzpunct desselben
154
bezeichnet. Die Mehrzähl, nämlich mehr als zwei Drittel der beobach-
teten Arten, ist den Canarischen Inseln, kleineren Theiles mit ganz
Europa oder nur mit Mitteleuropa, grösseren Theils mit Südeuropa,
namentlich der Spanischen Halbinsel und Nordafrica gemein, und nicht
ein Drittel eigen thümlich, doch fast ohne Ausnahme bekannten Gat-
tungen angehörend, nur mitunter, wie in einigen Oarabengattungen,
ein eigenthümliches Gepräge annehmend. Unter den Coleopteren spie-
len noch die Melasomen eine wichtige Rolle, namentlich ist die Gatt.
Hegeter reich an Arten. Auffallend ist es, keine einzige Mylabris zu
finden, die doch sonst das Mittelländische Gebiet so vielfach bevöl-
kern. Die Hymenopteren sind im Verhältniss zahlreich an Arten,
ohne irgend eigenthümliche Formen zu zeigen. Arm sind die Inseln
dagegen an Lepidopteren und Hemipteren^ bei letzteren befremdet
es, durchaus keine Homoptera aufgeführt zu finden, und namentlich
keine ächten Cicaden, welche sonst in den Mittelmeers-Faunen nir-
gend fehlen, und sicli den offenbar fleissigen Nachforschungen der
Reisenden eben so ^'enig entzogen haben, als bei der augenscheinlich
flüchtigen Bearbeitung, welche die kleineren Zirpen vielleicht zufällig
unbeachtet lassen mochte, übergangen sein können. Die Bearbeitung
der meisten Insectenordnungen ist leider den Händen Brülle 's an-
v-ertraut gewesen, und dem umfangreichen Fleisse der Reisenden
nicht entsprechend ausgefallen. Die Bestimmungen sind offenbar öfter
wenig genau und die Beschreibungen der neuen Arten nicht so sorg-
sam, dass es immer möglich sein sollte, dieselben darnach zuerken-
nen. Die Dipteren sind von Macquart beschrieben.
Zur Indisclien Insectenfauna hat Roy le's Werk über das
Himalajagebirge (Forbes Royle Illustrations of tlie Botany
and other branches of the natural history of the Himalajan
Mountains and of the Flora of Caschmere, Lond. 1839 vollendet)
einen Beitrag geliefert. Hope hat darin über die Insectenfauna
des Himalajagebirges ins Besondere und Indiens im Allgemei-
nen sich ausgesprochen, und West wood hat verschiedene, auf
2 Tafein abgebildete Insecten durch ausführliche Beschreibun-
gen erläutert.
Im Allgemeinen trägt das Himalaja-Gebirge in seinen entomolo-
gischen Erzeugnissen überwiegend den Indischen Character, so dass
in seinen Thälern noch dem Atlas verwandte Dynastiden, Collyris, Mi-
mela und andere rein Indische Formen zu Hause sind, während auf den
Höhen sich Europäische Formen einstellen, z. B. mehrere Arten von
Carabus. Auffallend fand Hope die Uebereinstimmung mancher Arten mit
Sibirischen, namentlich unter Chrysomelen (vielleicht sind Ch. musiva
Böb. und exanthematica Wied. gemeint, welche in der That kaum zu
unterscheiden sind), identisch mit Europäischen Arten eine Cicindela
mit unserer C. germanica (?) und mehrere Schmetterlinge, unter denen
155
das Vorkommen von Vanessa Cardui, Atalanta^ nicht befremden kann,
da sie selbst auf den Sundainseln in gewisser Höhe sich wieder-
finden , das des Papilio Machaon aber immer eine sehr bemerkens-
werthe Thatsache ist. (Auch die hiesige Sammlung besitzt ein Exem-
plar vom Himalaja, welches durchaus mit den einheimischen über-
einstimmt.)
Auch aus fler Insectenfauna der Nilgerrhies ist von einigen
Französischen Reisenden durch Guerin (Rev. Zool.) Einiges
mitgetheilt worden. Die bisher bekannt gewordenen Insecten
tragen durchaus den indischen Character, obschon man aus der
im hohem Grade den mitteleuropäischen Character zeigenden
Vegetation auf eine entsprechende Fauna schliessen sollte.
Die Fauna der Holländischen Besitzungen in Indien er-
fährt jetzt eine umfassende Bearbeitung durch die Holländischen
Gelehrten in den Verhandlingen over de natuurlijke Geschiede-
nis der Nederlandsche overzeesche Bezittigen. Door de Leden
der natuurkundige commissie in Oost-Indie en andere Schrijvers.
Leiden, fol. Die Insecten sind Dr. De Haan übergeben und ent-
hält das 4. Heft der zool. Abth. die Bearbeitung der Gatt. Papilio.
Für die Faunen der neuen Welt ist weniger geschehen.
D'Orbignys Werk über Südamerika ist in seinem entomo-
logischen Theile nicht weiter vorgeschritten. Die reichen
Entdeckungen, welche von Französischen Reisenden in Bo-
gota gemacht sind, werden nur sehr vereinzelt publicirt.
Für die Kenntniss der Nordamerikanischen Fauna ist die Schil-
derung von Interesse, welche Doubleday (Mag. of Nat. Hist.
N. Ser. IV. S. 213 und 268) von den Eindrücken giebt, die
er auf seiner hauptsächlich der Entomologie gewidmeten Reise
erhalten hatte.
Coleoptera,
Von der Deutschen Coleopteren- Fauna Sturms und der
Brandenburgischen des Ref. ist nichts Neues erschienen, die
Deutsche Fauna dieser Ordnung indess durch ein Verzeichniss.
Böhmischer] Käfer vom Reg.-Rath Schmidt (Ent Zeit. S. 28.
114) und durch einen Beitrag zur Fauna des Osterlandes von
Apetz (Osterländ. Mitth. Jahrg. 1840. Hft.4.), dessen bei den
Hydrocantheren näherer Erwähnung geschehen soll, bereichert
worden. Eine Dänische Fauna hat Schiödte unter dem Titel
„Genera og Species af Danmarks Eleutherata, Kjöbenhavn 1840"
156
zu bearbeiten angefangen, welche nach einer Einleitung in das
Studium der Ordnung die einzelnen Arten ausführlich und kri-
tisch beschreibt, und die Gattungstypen mit Analysen der Mund-
theile auf vom Verf. selbst gestochenen Kupfertafeln abbildet.
Das Werk ist auf Befehl des verstorbenen Königs, der die
Kosten des Unternehmens bewilligte, Dänisch abgefasst, wel-
ches befürchten lässt, dass es die Theilnahme des Publikums
nicht in dem Maasse finden wird, als es sie wegen des Fleisses
des Verf. verdiente.
Die zweite Hälfte von Faldermann's Fauna Transcau-
casica ist im 5. Bande der Nouveaux Memoires de la Societe*
Imperiale des Naturalistes de Moscou*) erschienen und lie-
fert die Beschreibung der neuen oder weniger bekannten Arten,
namentlich auch der von Menetries gesammelten und in Cata-
logue rais. vorläufig aufgestellten Arten. Die Bestimmung ist
indess öfter trotz der ausführlichen Beschreibung schwierig,
weil den unterscheidenden Merkmalen keine besondere Auf-
merksamkeit geschenkt ist, die Erkennung und Beurtheilung
einiger errichteten Gattungen unmöglich, weil sich ihre Cha-
racteristik auf eine wenig zuverlässige" Analyse der Mundtheile
beschränkt, und eine Unterscheidung von verwandten Gattun-
gen nicht gegeben ist. Der 6. Band derselben Memoiren lie-
fert einen dritten Theil der Fauna Caucasica, nämlich, ausser
einem Nachtrage zu den ersten beiden, eine vollständige
Uebersicht aller in den Caucasischen Provinzen des Russischen
Reiches bisher beobachteten Arten. Dieselben hat auch M o t-
schoulski (Victor) durch mehrfache Beiträge im 5. Bande der
Memoiren und in den Bulletins der Moskauer Gesellschaft
vermehrt.
CarahicU Schiödte's „Genera og Species af Danmarksi
Eleutherata" liefert eine gründliche Bearbeitung der Dänischen Cara-
ben. Im Allgemeinen stimmt die Fauna ziemlich mit der Branden-
burgischen überein, indess enthält diese 49 Arten, welche jener ab-
gehen, die dagegen 24 hier nicht vorkommende Arten enthält. Zwei
derselben, Bradycelhis pubescens und Amara convexiuscula gehören
salzigem Boden an. Von Cicindelen vermisst die Dänische Fauna C.
germanica^ von £Iaphrinen El. uliginosus und aureus, von Carabinen
Car. auratus , besitzt dagegen den Leistus rufomarginatus, von Li-
'') Der 5. Band erschien schon 1837, der 6. 1839, beide sind aber
erst kürzlich nach Deutschland gelangt.
157
cininen fehlt Panagaeus i-pustu!atus, von Brachininen fehlen die bei-
den Arten von Demetrias, Dromius longiceps, marp^inellusy testaceus,
Lebia cyanocephala, Cymindis humeralis, dagegen kommen Lebia
crux minor und Cym. angularis und basalis vor; von Scaritinen feh-
len Dyschirius chalceus und pusillus, von Harpalinen Jnisodactylus
signatus, nemorivagus, Harpalus punctulatus^ distinguenduSy ignavus^
impiger, flavitarsis, Stenolophus vespertinuSy Bradycellus rufithorax
und similis, dagegen finden sich Harpalus puncticollis , Stenolophus
elegans, Bradycellus pubescens, cognattis; von Pterostichinen besitzt
die Dänische Fanna in der Gatt. Amara neben der A> convexiuscula
6 vom Verf. als neu aufgestellte Arten, dagegen fehlen A. lepida^
tricuspidata^ strenua^ depressa, montivaga; von Chlaeniinen fehlen
ChL 4-sulcatus, caelatus, Schranlciiy von Anch omeninen Anch» longi-
ventris, uliginosus^ modestus, impressus^ elongatus, lugens, Calathus
ochropteruSy dagegen kommen Calath. rotundicollis und Olistopus ro-
tundatus vor. Von Trechinen finden sich Bemb. obtusum, saxatile
cruciatum, brunnipes, pallidipenne {Andreae Gyll), nigricorne, dagegen
bleiben B. a^rosum^ paludosum, argenteolum , impressum ^ striatum^
undulatum, fumigatum, nanum, bistriatum und Trechus obtusus aus.
Tr. rubens {paludosus GjU., Carah. ruhens F.) ist, inzwischen auch
bei Berlin entdeckt, beiden Faunen gemeinschaftlich.
Das neu aufgestellte jBem*?*rf/t^m marinum des Verf. ist viel-
leicht B. aeneum Spence Steph. \i\% Amaren sind vom Verf. grössten-
theils schon früher in einer Monographie der Dänischen Amaren (S.
Jahresber. für 1836) bekannt gemacht gewesen: A. convexilahriSy
der A. apricans sehr nahe stehend und nach des Verf. eigener An-
gabe vielleicht nicht einmal als Art verschieden; kleiner, etwas kür-
zer, mit gewölbter Lefze, weniger vorragenden Augen; A. patrata
(früher vom Verf. als A. nobilis angenommen) mit der A. consularis
verglichen, heller gefärbt; A, melaiicholica, von derA. municipa-
lis durch sparsamer punctirten Hinterrand des Halsschildes und die
glatten Flügeldeckenstreifen unterschieden; A. maritima, der A.
Quenselii verwandt, auf verschiedenen Küstenpuncten Bornholms,
Seelands und Jütlands gefunden; A. lunicollis, wohl schwerlich
von A. vulgaris Dej. verschieden, von welcher A. limbata auch
leicht eine Abänderung sein könnte. — In dieser Gatt, hat der Verf.
auch mehrere Namensveränderungen vorgenommen: A. picea hat den
Linneischen Namen A, spinipes erhalten, A. trivialis Gyll, als Müllers
Carab. vulgaris, heisst A. vulgaris; die allgemein als A. vulgaris an-
genommene (wenn sie dieselbe ist, was fast zu bezweifeln, da die
Flügeldeckenstreifen als nach hinten nicht vertieft angegeben sind)
ist A. contrusa genannt worden; der Name trivialis dagegen mit
Duftschraid's Auctorität auf die A. obsoleta übergegangen, endlich
hat der Verf. die A. nitida des Ref. A. formosa benannt, weil er an
der Richtigkeit der Bestimmung als A. nitida Sturm zweifelt, welche
jedoch durch Vergleich mit dem Sturmschen Original begründet ist.
158
Die Kenntniss der Gatt. Omus Esch. und Amblycheila Say
ist durch Reiche sehr erweitert worden. Zu Omus fügt er zwei
neue Arten vom Westabhange des Felsengebirges, 0. Dejemiii und
O. Audouinü {Ann. d. 1. Soc. Ent. de Fr. VII. S. 297. Taf. 10.). Am-
blycheila Say ist nicht, wie man bisher annahm, identisch mit Omus,
sondern unterscheidet sich darin, dass das dritte Glied der Lippen-
taster eben so gestreckt ist als das zweite, dass die Lefze vorn
nicht abgeschnitten, sondern gerundet und in der Mitte mit stumpfen
Zähnen besetzt ist, dass der Zahn im Kinne lanzettförmig, endlich
dass die Beine länger und die Epipleuren sehr breit sind. Die von
ihm untersuchte und abgebildete Art, A. Picolominii Dup., aus Neu-
Californien, schien ihm kaum verschieden von Say's A. cylindrifor-
misy welche nach einem un ausgefärbten Exemplar beschrieben ist.
(Ebendas. VIII. S. 557. Taf. 19.)
Die verschiedenen Abänderungen der Cicindela campestris,
durch welche die anscheinend eigenthümliche Flügeldeckenzeichnung
derselben auf die Grundform der Cicindelen-Zeichnung (wie bei C,
hybrida) durch allmälige Uebergänge zurückgeführt wird, wurden von
Suff rian (Ent. Zeit. S. 165) beleuchtet. ■— Eine der C. campestris ver-
wandte Art, welche in den Caucasischen Steppen (wo C. campestris
vermisst wurde) am Rande von Sümpfen lebt, C. palustris, ward
vonMotschoulski aufgestellt und von C. campestris unterschieden^
von der sie durch Form und Fleckenstellung abweicht (Bull, d, 1.
Soc. Imp. d. Nat. de Mose. 1840. S. 179. Taf. 4. F. /.). — Die C. Ala-
sanica dess. (Bull. Mose. 1839. S. 91. Taf. 6. F. «.) ist C. Caucasica
Ad., strigata Dej. — Zwei neue Cicindelen von Pensacola in Nord-
america stellte Guerin (Rev. Zool. S. 37) auf, die eine C. Saulcyi
der C. lepida Dej., die andere C. gratiosa der C. suturalis F. ver-
wandt. — Chenu (Guer. Mag. d. Zool.) bildete eine neue Art von
Neu-Seeland, C. Douei ab, welche der C. tuberculata F. nahe steht,
aber bedeutend grösser ist.
Die Olivierschen Arten von Cicindela und Elaphrus musterte
Hope im Mag. of Nat. Hist. New Ser. IV. S. 169.
Von Carabus finden sich drei Caucasische Arten von Mot-
schoulski (Bull. Mose. 1839. S. 86) beschrieben: C. chrysitis, dem
C. varians ähnlich, C. orbiculatus, von sehr kurzer zugerundeter Form,
und C. carinatusy später (ib. 1840. S. 189) 1-carinatus genannt. —
Chevrolat stellte (Rev. Zool. S. 8) 4 Airten, C. DeyroUei (dem C.
Latreillei), C. cantabricus (dem C. Helluo sich anschliessend), C. la-
teralis und C. Gallaecianus {Galicianus Gory) aus Galicien in Spanien
auf. Von den Canarischen Inseln sind 2 neue Arten, C. coarctatus
undfaustus Brülle (U. Canar. Ent. S. 57. Taf. 2. F. 2, 3.). Den C. «/-
ternans Dej. erklärte Ref. (Wagn. Alg. III, S. 147) für den wahren
C. morbillosus F. — Calosoma Sycophanta wies Newman
(Mag. of Nat. Hist. N. Ser. IV. S. 365) durch zahlreiche Fälle seines
Vorkommens als wirklich Britische Art nach. Nach Murfield (Ent.
159
Zeit. S. 140) findet sich Nebria lateralis häufig bei Rheine, da-
gegen N. sabulosa zwar in Gesellschaft derselben, aber selten. Er
sowohl als auch Schiodte halten beide für eigene Arten. (S. indess
den Jahresbericht für 1839.) N. fulviventris B e r t h o I i n i (Nov. Comm.
Acad. Scienc. Bonon. III. S. 83. T. 7) von den Bologneser Appeninen,
ist auch schon von Bassi (Ann. d. 1. Soc. Ent. III. S. 463) bekannt
gemacht. — Leistus spi7iilabrts F. Dej. wurde von Germ ar (Zeitschr.
II. S. 442) als der wahre Carabus ferrugineus Linne's nachge-
wiesen.— Licinus angustiis Chevrolat (Rev.Zool. S.ll)ausGa-
licien ist dem L. depressus ähnlich, zeichnet sich aber durch seine
schmale Form vor seinen Gattungsgenossen aus.
Lcbia Gerardii Buquet's (Ann. d. 1. Soc. Ent. IX. S. 393)
von Algier, ist vermuthlich die wahre L. fulvicoUis F., welche BruUe
zuerst von derL. pubipennis Duf., welche allgemein damit verwech-
selt und auch von Dejean als solche beschrieben war, unterschied.
Dromius paracetithesis wurde von IVlotschoulski (Bull. Mose,
1839. S. 91. T. 6. F.^.) In Schirwan entdeckt. — Germar zeigte,
dass Cymindts pu7ictataVej.f basalis Gyll. der wahre Car. vapora-
riorum Linne's sei (Zeitschr. II. S. 448), womit auch der Befund Iq
Linne's Sammlung übereinstimmt (S. Hope Coleopt. Manual. II. S. 57.)
— Die Canarischen Inseln lieferten 2 neue Arten von Cymindis,
C. marginella und ci7icta (Brülle II. Canar. Ent. S. 55), von La Plata
beschrieb Waterhouse (Mag. of Nat. Hist. N. Ser. VI. S.362) drei
neue Brachini ^ Br. maculipes, Platensis, nigripes, Marc machte
einen neuen Helluo^ H. cruciatus vom Senegal bekannt (Guer. Rev.
Zool. S. 113 und Mag. d. Zool. Ins. pl. 47) und eine andere Art von den
Nilgerrhies, H. i-maculatuSf stellte Guer in (Rev. Zool. S. 38) auf.
Die kleine wunderliche Gruppe der Heteromorphiden (Hope
Manual II. S.109) ist durch West wo od (Linn. Transact. XVIII,
S. 409) in ihrem Umfange vollständiger bekannt geworden. Typus der
Gruppe ist Heteromorp ha Kirby, Drepa7ius Illig., Axinophorus Dej.
eine Americanische Form, mit stark beilförmigen Lippentastern und
dünnen borstenförmigen Fühlern. Die zweite Gatt, ist Adelotopus
Hope, ebenfalls noch mit beilförmigen Lippentastern, aber mit kurzen
entweder spindel- oder keulförmig verdickten Fühlern, wie sie sonst
bei den Caraben nicht vorkommen, weshalb Hope auch die natürliche
Stelle dieser Gattung nicht erkannte, und ihr vorläufig ihren Platz
unter den Gyrinen anwies. Zwei neue, wie Adelotopus neuhollän-
dische Gattungen Sphallo7norp ha \mdSilpho?norpha haben beide
nur sehr schwach beilförmige Lippentaster, dünne borstenförmige
Fühler, und auf der Unterseite des Kopfes ein Paar convergirende
Furchen zur Aufnahme derselben, die erstere ohne, die zweite mit
einem Zahn in der Ausrandung des Kinnes. Ausser- der Peltis-artigen
Körperform, den eigenthümlichen kurzen Beinen, deren sanft nach
innen gebogene Schienen eingezogen zum Theil von den Schenkeln
aufgenommen wurden, zeichnet sich diese Gruppe durch die Ver-
160
wachsung deö Kinues mit dem Jugulum aus, so dass die
Gränze zuweilen durch eine seichte Ouerlinie angedeutet, niemals
aber eine Articulation zwischen beiden vorhanden ist. Diese Ver-
wachsung findet sich auch bei Siagona und beide sind offenbar ein-
ander verwandt, und es scheint als ob die Pseudomorphideri in den
alten Welttheilen von den Siagonen ersetzt werden. Von Adeloto-
pus beschreibt W. eine 2te Art, A. Ipsoides (eine dritte besitzt die hiesige
Sammlung aus Van Diemensland), von Sphallomorpha eine, Sph. deci-
piens, von Süphomorpha ebenfalls eine, S.Jallax; eine 2te S. maculata,
braun, mit weissem Seitenrande des Halsschilds und der Flügeldecken
und mit zwei ebenfalls weissen Flecken auf letzteren beschreibt
New man (Mag. of Nat. Hist. New. Ser. IV. S.365).
Neu aufgestellte Arten sind ferner: Siagona Gerardü Buquet
(Rev. Zool. S. 240) aus Algier, Scarites dimidiatus Brülle (II. Can.
Ent. S. 57. T. 2. F. 6.) von den Canar. Inseln, Ditomus opacus Ref.
(Wagn. Algier III. S. 168), Acinopus gutturosus und Am's od acti/-
lus, Dejeanii Buquet (Rev. Zool. S. 241 —über letztere s. auch
Ref. in Wagn. Alg. III. S.149.) aus Algier, Leirus Armeniacus Mot-
schoulski (Bull. Mose. 1839. S. 83. T. 6. F. Ä.) aus Armenien, Za-
brus flavangulus^ Argutor cincticoUis, Omaseus brevipennis und
attenuatus Chevrolat (Rev. Zool. S. 12) aus Galicien, Feronia
{Argut.^ Canariensis , F. {Percus) glabra, Calathus depressus,
carinatus^ abaxoides, angularis Brülle (II. Canar. Ent. S. 55) von
den Canar. Inseln, Cal reflexicollis Faldermann (Fayna Transcaus.),
Platynus fulvipes imA elongatus Motschoulski (Bull. Mose. 1839.
S. 84. T. 6. F. §•.) vom Caucasus. Agonum iWewe^n'mz Faldermann
(Fn. Transcaus. Suppl.), Olistopus glabratus Bruile (II. Canar, Ent.
S. 56.), Anchomenus Algirinus Buquet (Rev. Zool. S. 240) und A.
fulgidicollis Hef, (Wagn. Algier III. S. 168) von Algier, Chlaenius
Neelgerrhiensis Gucrin (Rev. Zool. S. 38) von den Nilgerrhies, CM.
violaceus, platensis (^brasiliensis? Dej.) Westwoodi Waterhouse
(Mag. of. Nat. hist. N. Ser. VI. S. 353) von La Plata, unter denen die
vorletzte Art wohl mit begründetem Bedenken vom Ch. brasiliensis
Dej. abgesondert ist, die letzte dagegen mit Cii. oblongus Dej. zu-
sammenfallen möchte. — Bembidinm laetum imdB.{Lopha) con-
color Brülle (II. Canar. Ent. S. 58).
Unter den Caraben der Darwinschen Reise, welche Waterhouse
bearbeitete, sind besonders einige der Südspitze und der Südwest-
küste von America eigenthümliche Formen mit neuen Arten berei-
chert worden. Den 3 bisher bekannten Arten von Odontoscelis
(O. tentjroides, cj^aneus von Chile und Desmarestii von Cordova)
werden vier neue, O. Darwinii^ Curtisü, striatus, substr latus aus
Patagonien, liinzugefügt, Cardiophthalmus ist mit 2neuenArten,
C. longitarsis und Stephensii vermehrt (Mag. of Nat. Hist. N. Ser. IV.
S. 354) und Cascellius ebenfalls mit 2 neuen Arten, C. nitidus vom
Feuerland und «eweom^er von Valvidia bereichert. (Ebend.VI. S. 362.)
161
- Bcrtholini hat 2 Insecteolarven, welche im Winter und Früh-
jahr 1832 — 33 die Weizenfelder in Ilalien verwüsteten, mit ihrer
Naturgeschichte beschrieben. Es sind die von Zabriis gibbus und Ca-
lathus cisteloides. Letztere, nicht so zahlreich und mithin auch nicht
so schädlich, gleicht sehr einem Mehlwurm (Tenebrio-Larve), was
auch dem Verf. auffiel, und man könnte sie nach der Abbildung wohl
dafür halten, hätte sie der Verf. nicht zur Verwandlung gebracht.
Es ist also um so mehr anzunehmen, dass die Abbildung nicht ge-
rathen sei, da der Verf. angiebt, dass in der Form des Kopfes kein
Unterschied von der Zabrus-Larve wäre. Nov. Comment. Acad. Sc,
Bonon. III. S. 195.
MEydrocanthari» Die Wasserkäfer des Osterlandes hat Prof
Apetz in den Osterländ. Mittheilungen 1840. Heft 4. aufgezählt und
mit interessanten Bemerkungen vorzüglich über ihr Vorkommen beglei-,
tet. Von 111 als deutsche bekannten Arten enthält das Gebiet 76,
davon 8 Haliplus, 1 Cnemidotus, 1 Cybister, 6 Dytiscus, 2 Acilius,
7 Hydaticus, 6 Colymbetes, 6 llybius, 13 Agabus, 8 Noterus, 3 Lacco-
philus, 1 Hyphydrus, 20 Hydroporus.
Graf von Mannerheim hat über die Geschlechtsverhällnisse der
Hydrocantharen und namentlich die des Hydaticus verrucifer seine
reichen Erfahrungen mitgetheilt. Er s^nmt der vom Ref. aufgestell-
ten, von Vielen, auch von Aube nicht angenommenen Ansicht, nach
welcher von manchen zwei Formen des Weibchens vorkommen, im
Allgemeinen bei, und bestätigt im Besondern die im Jahresbericht für
1837 (S. 214) über den Hydat. verrucifer ausgesprochene Vermuthung,
dass derselbe eine zweite Form des Weibchens des H. zonatus sei,
die sich in geringer Zahl unter der gewöhnlichen fand. Was Gyl-
lenhal und Aube als Männchen des H. verrucifer beschrieben, sind
Individuen des H. zonatus mit glatten Flügeldecken, welche sich nicht
allein durch ihre einfachen Füsse, sondern auch, wie die anatomische
Untersuchung ergab, durch den Besitz von Eierstöcken als Weibchen
auswiesen. Die strahlig eingegrabenen Striche des Halsschildes, auf
welche beide genannte Auetoren beim angeblichen Männchen des H.
verrucifer Gewicht legen, waren nicht immer bestimmt, sondern es
zeigte sich ein allmäliger üebergang zu der gewöhnlichen Form mit
punctirtem Halsschilde. Dagegen kam eine Abänderung von sehr
blasser Färbung bei vollkommen erhärteten Ind. vor. (Acta Societa-
tis Scientiarum Fennicae 1841. S. 249, vorgetragen den 20. Juli 1840.)
Von einem Hydaticus cinereus mit monströsem Fühler gab
Dr. Schmidt (Ent. Zeit. S. 133) Nachricht.
Colymbetes {Agabus) rectus^ als neue Art aus Norfolk von
Babington im Mag. of Nat. Hist. VI. S. 53 beschrieben, scheint vom
Dyt, striolatus Gyll. nicht verschieden zu sein. — Col. sinuatus M o t-
schoulski (Bull. Mose. 1839. S. 82.) machte Aube schon unter dem-
selben Namen bekannt. Eine neue Art von Vate litis y V. grandis,
Archiv f. Naturgesch. VU. Jahrg. 2, Bd. |1
162
aus dem Innern des franz. Guiana stellte Biiquet auf. (Ann. de la
Soc. Ent. IX. S. 391)
lieber die Entstehung der Töne, welche Pelobius Hermanni
hören lässt, hat Dr. Schmidt in Stettin (Ent. Zeit. S. 10) nähere
Nachforschungen angestellt. Auf der Unterseite jeder Flügeldecke
befindet sich eine mit der Naht gleichlaufende quergeriefte Leiste,
und das letzte Hinterleibssegment ist von einem scharfen und dünnen
hervorstehenden Hornrande ringsum umzogen. Indem nun das letzte
Hinterleibssegment gegen die Flügeldecken gerieben wird, entsteht
jener helle Ton, den der Käfer beunruhigt von sich giebt.
Orectochilus semivestitus Guerin (Rev. Zool. S. 38) ist
von Delessert auf den Nilgerrhies entdeckt.
JBrachelfßtra, Staphylinus brachypterus wird durch
Brülle (II. Canar. Ent. S. 59) von St. olens, der ebenfalls auf den
Oanar. Inseln vorkommt, wegen der Kürze seiner Flügeldecken und
der röthlichen Farbe seiner Fühler und Beine unterschieden. Vom
Micropeplus porcatus hat Suffrian (Ent. Zeit. S. 139) die Beschrei-
bungen der bisherigen Auetoren vervollständigt.
Bupre*tida^m Die Monographie der ßupresten in der Hi-
stoire naturelle et Iconographie des Insectes Coleopteres von De
Laporte und Gory ist miß der Gruppe der Trachysites beendigt
worden. Diese Gruppe enthält die Gatt. Et hon {Diphucrania Dej.)
mit 8, sämmtlich neuholländiscben \iteiiy Brachys in zwei Abthei-
lungen, die erste mit schmalen Schienen, den Gatt. Brachys und Ta-
phrocerus Sol. entsprechend, mit 8 Arten, unter denen die unrichtiger
Weise terminans bestimmte Art aeraria Kn. und fucata Dej. ist; —
die zweite mit erweiterten Schienen {Pachyschelus Sol.) 5 Arten ent-
hält, unter denen j^r. collaris mit B.granaria Chevr., Br. maculata mit B.
pulverulentaChevr. übereinkommen. TracAy.?, mit 13 Arten, von denen
5 aus Madagascar, nämlich T. acephala und fasciattty unter sich nicht
verschieden und einerlei mitTrachjs? apicata Chvr., durch deutliches
Schildchen, welches bei allen anderen durch einen überragenden Lappen
des Halsschildes verdeckt ist, abweichend, und T. marmorea, purpurea^
A-notata^ wieder nur Abänderungen von einander, und mit Tr. obsoleta
Chevr. übereinkommend. Die übrigen, aus Europa, erfordern ebenfalls
mehrfache Berichtigungen. Nämlich' T. intermedia Rarab. ist pumila
JH., T. pumila der Verf. ist Abänderung von T. pygmaea, T. nana
der Verf. ist T. troglodytes Schönh., und die T. troglodytes der Verf.
ist T. nana F. Die letzte Gatt. Aphanisticus enthält ausser zwei
Europäischen vier Arten von Madagascar, unter denen X bicornutus
der Verf. bereits als Goniophthalma mitrata von Chevrolat beschrie-
ben ist. Eine historische Einleitung, Darstellung der früheren Zu-
stände der Bupresten und Register, unter denen eine synoptische
Zusammenstellung der Arten der Verf. und der des Dejeanschen Ca-
talogs sehr dankenswerth ist, beschliessen die eigentliche Monographie.
Die folgenden Hefte liefern sehr reiche Nachträge, nämlich von
163
Sternocera 3 Arten, von Julodis 82 Arten, unter denen indess J.
ornatipejinis vielleicht nur Abäoderunft der J. hirsuta, /. Tingitana,
die wahre pilosa F. (die früher als solche abgebildete ist es nicht),
/. jticta die J. tomentosa Ol., gnaphalon Hbt., J, deasa die J. sub-
costata Lap. tomentosa Hbt. sind; — Acmaeodera mit 25 Arten,
unter denen A. jnima die scalaris Mannerh., Ä. ßavosignata ge-
ringe Abänderung der pulchella Hbt., A. xoiiella eine der Varietäten
der 10-guttata Thunb., xanthotaenia Wied., trizonata Lap, ^. 18-^mw-
ctnta die 19-guttata Pill. Hbt., A. Feist hamelii eine Abänderung der
vorigen mit kleineren Flecken, ^. cr^^Mro/om« Abänderung vonA.lim-
bata Lap., A. hirsutula die wahre cylindrica F. JH. Hbt. und zugleich
lanuginosa Seh. ist, und A, violacea sich schwerlich als Art von gib-
bosa unterscheidet. Chrysochroa, 14 Arten, unter dfenen Ch. bilis
nicht hinlänglich von Ch, 4-foveolata sich unterscheidet, Ch. didyma^iQ
rautabilis Hbt., Ch. marginata wohl nur geringe Abänderung von B.
mutabilis Ol. ist, und Ch. Jaquemontii va die folg. Gatt. Chrysodema
gehört, welche mit 4 neuen Arten bereichert ist. Ptosima hat zwei
(von denen die eine, Pt. luctuosaDej. aus Nordamerica, eine Acmaeo-
dera ist), Melanophtla {früher Apatura) 5, Coeculus 1 Art hin-
zugefügt erhalten. Unter Bupr es tt's ist zur 2. Fam. 1 Art, B. Japo-
nica, die der B. mariana verwandt, sich hauptsächlich durch fehlendes
Schildchcn, welches irrthümlich in der Beschreibung als vorhanden
angegeben wird, in dieser Abtheilung auszeichnet, zur 3. Fam. 22 A.,
unter denen B. assimilis Dej. und cribrosa Reiche zu einer und der-
selben Art gehören, B. Doncherii nicht von Klug benannt, B. Som-
meri bereits von Mannerheim als B. comorica beschrieben, B. morosa
kleinere Abänderung von sumptuosa, B. myops schwerlich mehr als
Abänderung derB. Goryi, B. indistincta vermuthlich Abänderung von
solea Kl., cupreosignata Gory, so wie B. testudinea von cnpreono-
tata und sparsuta Gory ist, zur 4. Fam. 2, zur 6. Fam. 4, zur 7. Fam. 4,
zur 8. Fam. 2/ zur 10. Fam. 5, zur 12. und 13. Fam. je 2, zur
14.Fam. 1 Art nachgetragen. Sti'gmo der a ist mit 8 neuholländi-
schen und 6 südamerikanischen Arten vervollständigt, unter welchen
letzteren St. imperator die pretiosissima Chevr., und granulata De^.
Abänderung der vulnerata Perty ist. Polycesta ist mit 1 Art (P.
Cubae Chevr.) vermehrt worden, Colobogaster mit 13 Arten, von
denen indess die erste, C. BoulardU schwerlich von cyanitarsis Lap.
Gory unterschieden sein möchte, Chrysobothrys mit 32 A., unter
denen Ch. H-notata Dej. mit der früher abgebildeten Colobog. viridi-
notata einerlei ist, Castalia roitlA., Poecilonota n)it3A., näm-
lich P. sangmnosa Mannerh., P. decorata Dej., welche indess wohl
nur Abänderung von P. cardinalis (Langsdorfii Kl.) und P. scita Dej.,
welche wohl nur Var. von P. aulica ist, — Zemina mit 5 A, unter
denen Z. coniuncta nicht die von Chevrolat, sondern blosse Abände-
rung der früher abgebildeten Z. vittata ist. — Zu Stenogaster sind
noch 5 neue Arten hinzugekommen. —
11 *
164
Man sieht mit Vergnügen, dass in den Nachträgen die Beschrei-
bungen weniger dürftig sind, namentlich auch, dass das Hervorheben
der Unterschiede mit verwandten Arten hier nicht versäumt worden
ist, es bleiben dem Leser indess noch zuweilen Zweifel bei der Be-
stimmung der Arten, wenn Abbildung und Beschreibung nicht zusam-
menstimmen. Vermuthlich wird im nächsten Jahre über den Be-
schluss des Werkes berichtet werden können.
Eine Monographie der Gattungen St er aspis und Acmaeodera
lieferte Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 3G*J), in welcher
unter 36 Arten der letzteren mehrere neue beschrieben sind. — Ac-
maeodera postverta Buquet (ebendas. IX. S. 394) aus Algier
ist sicher von B. pulchra P. nicht verschieden.
Einige neueBupresten, welche von Perrotet in Ostindien ent-
deckt sind, und welche auch in den Supplementen derLaporte-Gory-
schen Monographie erscheinen, hat Guerin (Rev. Zool. S. 337), um sich
die Priorität zu bewahren, verläufig bekannt gemacht. Es sind Chry-
sochroa Perrotetü und Amorphosoma fasciatum von den Nilgerrhies,
Agrilus brevtcornis,Sphenoptera Perrotetü und Trachys Bali von Pon-
dichery. Auch ein Paar in Europa einheimischer Arten, Coraebus aeneicol-
Us und Agrilus angustulus wurden auf dem Nilgerrhy-Plateau gefunden.
Eine Belionota vom Senegal, mit unförmlich verdickten Hin-
terbeinen stellte Guerin (Rev. Zool. S. 107) als B. femorata auf.
Dieselbe ward aber in der Monographie der Buprestiden von Gory
als Männchen derB.Westermannii erkannt. Sphenoptera carduo-
rum Chevrolat's (Rev. Zool. S. 14) aus Portugal, scheint von
geminata JIl. nicht verschieden zu sein.
Die Arten der Gatt. Sponsor stellte Guerin (Rev. Zool. S. 356)
zusammen. Es sind mit dem Sp. convexus Gory 8 Arten, welche
sämmtlich auf Isle de France einheimisch sind, und sich auf dem Laube
der Hecken finden. Die neuen werden auch in den Nachträgen der
Goryschen Monographie erscheinen.
Unter den in der Lap orte -Gory sehen Monographie abgebil-
deten Buprestenlarven befinden sich die von Buprestis Fahricii, wel-
che von Pechioli in Pisa in Pfirsichbäumen, und die von Capnodis
tenebrioniSy welche von Lamotte Bara^e in Schlehdornzweigen
entdeckt wurden. Beide haben eine sehr grosse Uebereinstimmung
mit den Larven von B. mariana und berolinensis. Die Larve der
Sternocera chrysis hat ganz die typische Bildung der Buprestenlarven,
zeichnet sich aber durch eine lange und dichte Behaarung, wenigstens
im frühesten Zustande aus (vergl. vorigen Jahresbericht). Die aben-
theuerliche Abbildung der angeblichen Larve von Bup. gigantea,
welche nebst den Nachrichten über dieselben von der Merian ent-
lehnt sind, wäre besser zurückgeblieben, indem derselben offenbar
die Larve irgend eines Scarabaeus zum Grunde gelegen hat.
Die früheren Zustände der Bup. chrysostigma sind von Leon
Dufour in den Ann. d. sc. nat. 2. Ser. XIV. S. 118 beschrieben und
165
T. 3. 13. F. 6— 12 abgebildet. Die Larve gehört zu denen, wo das
Prothoraxsegment unverhältnissmässig breit, die Hinterleibssegmente
dagegen unverhältnissmässig dünn sind. Sie lebt im Eichenholz.
Xlateridae, Ueber die Elateriden hat Germar in sei-
ner Zeitschrift für die Entomologie seine Untersuchungen fort-
gesetzt und Ref. die seinigen angeschlossen. Ref. handelte zu-
nächst über den Mechanismus desSpringens derElateren. Die von
Strauss-Dürkheim gegebene Erklärung desselben, wonach er nicht
in dem Herausschnellen des Bruststachels aus seiner Grube, son-
dern in dem Zurückprallen des gegen eine unterliegende Fläche
anschlagenden Körpers bestehe, ist durchaus richtig, nur nimmt
Strauss-Dürkheim an, dass sowohl der vordere Theil der Flü-
geldecken als auch der hintere Theil des Halsschildes gegen
die unterliegende Fläche anschlagen ; das Halsschild wird aber
bei der Icräftigen Zusämmenziehung der Brustmuskeln vorüber-
gebeugt, weicht also dem Stoss aus, und nur der vordere Theil
der Flügeldecken empfängt den Gegenstoss, welcher den Kör-
per, ihn ziemlich in seiner Mitte treiOFend, auch ziemlich gerade
in die Höhe wirft, während nach Strauss-Dürkheim's Be-
rechnung der Sprung schräg nach hinten gerichtet sein würde,
was er in der AVirklichkeit nicht ist. Der Theil der Flügel-
decken, welcher den Stoss, empfängt, ist etwas aufgetrieben,,
wodurch seine Schnellkraft bedeutend verstärkt wird. Bedingt
ist aber die Sprungkraft der Elateren durch die-Fähigkeit, das
Halsschild rücklings überzubiegen, daher die freie Gelenkver-
bindung, welche bei der bedeutenden auf sie einwirkenden
Muskelthätigkeit wieder eine besondere Sicherung des Gelenkes
nöthig macht. Diese wird durch den in seine Grube eingreifen-
den Bruststachel gegeben. Man hat diese Einrichtung als cha-
racteristisch für die eigentlichen (springenden) Elateren betrach-
tet, Ref. macht aber auf die Ausnahme aufmerksam, welche
eine zahlreiche Abtheilung der Elateren mit mehr oder weni-
ger abgekürztem Bruststachel bildet.
Diese entsprechen im Wesentlichen der Gatt. Cardi'opkorus
Esch., von welcher die in der hiesigen Königl. Sammlung befindlichen
Arten aufgeführt, und so weit sie nicht schon hinreichend bekannt,
beschrieben sind. Bei der Mehrzahl sind die Füsse I. einfach^ ohne
Haftlappen, die Klauen entweder 1) einfach (54 Arten), oder 2) in der
Mitte gezahnt (N. 55— 74), oder 3) an der Spitze gespalten (N. 75-81),
oder 4) dreizähnig (N. 82—86), oder 5) kammförmig gesägt (87—95);
bei den übrigen ist II< das 4, Fussglied lappig, und auch hier sind die
166
Klauen entweder 1) einfach (^6—98), oder 2) in der Mitte gezähnt
(99—107), oder 3) an der Spitze gespalten (108—109). Die Abthei-
lung I. 5. scheint der Gatt. Aptopus Eschsch. zu entsprechen, auch ist
1.3. auf Dicronychus Eschsch. zu beziehen^ wenigstens hat Germar
kein Bedenken dabei gefunden, sie S. 349 dafür anzunehmen, wo
noch eine neue Brasilische Art, D. apicalis beschrieben wird. Ausser-
dem mustert Germar noch die Elateren mit gelappten Fussgliedern
und stellt namentlich die Gatt. PÄy^orÄe wms Esch., weiche vielleicht
einen leuchtenden Kopf hat, mit 3 neuen Arten Ph. xanthocephaliis aus
Brasilien, und Sturmü aus Mexico {El. erythrocephalus F. gehört
sicher in diese Gatt.) und Tylotarsusy in der Mitte stehend zwi-
schen Monocrepidius (Conoderus) und Agrj^pnus, mit einer neuen
Art, T, cinctipes von Madagaskar, welcher sich Conoderus cuspidatus
Kl. als zweite Art zugesellt. Alsdann werden die Elateren mit unten
gepolsterten Füssen einer genauem Durchsicht unterworfen. Eine
erste Gruppe bilden die mit Fühlerrinnen, wo die Gatt. Ägrypnus
(13 Fühlerglieder), 6 Arten z. B. El, fuscipes und atomarius F., und
eine neue Art, A. moerens^ vom Cap, die indess keine Fühler-
rinnen hat, und besser unter Calais stehen möchte^ — Adelocera
(llgliedr. Fühler, das S.Glied klein), wohin EL fasciatus F. u. s.w.,
eine neue Art, A. senilis^ aus Virginien, und womit (S. 439) auch eine
S. 346 als Dilohitarsus'^ petiginosus aufgestellte Brasilische Art mit
einem Hautläppchen am vierten Fussgliede verbunden wird; ~ La-
con (11-gI. Fühler, das 3. und 3. Glied klein), wohin El. murmush.
mit 3 neuen Arten, L. terrenus und turhidus aus Madagascar, L. muste-
Unus aus Slam — näher erörtert sind. Wedeiförmige Fühler ohne
Ainnen zum Einlegen haben die ebenfalls mit ihren Arten genauer
betrachteten Gatt. Iphis Lap., Ctenicera und Hemirhipiis Latr.
Endlich wird noch der Gatt. Chalcolepidius , Campsosternus ^ Alans
und Calais Lap. gedacht, welche keine Fühlerrinnen und einfach ge-
sägte Fühler haben.
Ein Paar neu aufgestellte Arten sind Elater cyanopterus Hope
(Royle Himalaja), E. Neelgerrhiensis Guerin (Rev. Zool. S. 38)
von den Nilgerrhies, ein Campsosternus Latr., und Athous sutura
nigra Chevrolat (Rev. Zool. S. 15) aus Galicien. Ueber Cam~
pylus mesomelas und linearis stellte Dr. Schmidt (Ent. Zeit. S. 35)
fest, dass sie die beiden Geschlechter einer Art, und zwar der erstere
das Männchen, der letztere das Weibchen seien, welches Ähren s
(ebendas. S. 1 38) bestätigte. Ref. bemerkte (ebend. 1841. S. 6.), dass
El. linearis L. und F. nicht, wohl aber El. livens F. zu dieser Art
gehören.
Die früheren Zustände des El. rhombeus Ol. sind von Leon
Dufour (Annal. d. sciens. nat. N. Ser. XIV. S. 41) beschrieben. Die
Larve lebt in faulem Eichenholz.
Eine neue Art von Physodactylus stellte Mannerheim
(Act. Soc. Scienc. Fenn. 1840. S. 93) als Ph. Besckii auf. Sie ist ganz
167
üunkelgelb, und gehurt zu den Entdeckungen Bescke's in Brasilien.
Hie würde die dritte bekannte Art der Gattung sein, denn der Verf.
weist im Eingange nach, dass Drepaiiius clavipes Perty wohl als
Gattung, nicht aber als Art mit Fhysodactylus Henningü Fisch, über-
eiokoinme.
JLatnpyridae* Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 81)
beschrieb den Drilus ater Dej. nach beiden Geschlechtern. Das
Weibchen verhält sich ganz so wie das des Dr. flavescens, ist dop-
pelt so gross als das Männchen, braun, mit gelben Tastern, Fühlern
und Beinen. Das Insect fand sich häufig auf feuchten Steilen der
Caucasischen Steppe.
Rylands hat im Mag. of Nat. HIst. New Ser.IV. S. 133 nach-
gewiesen, dass Telephorus ater und flavilahris der Stephens'schen Illu-
strations nicht unterschieden seien. Beide gehören zu T. flavilahris
und der wahre 7*. ater (Cantharis a. L.) ist erst von B. in England
entdeckt worden.
Cantharis colona aus Algier ist von Ref. beschrieben wor-
den. (Wagners Algier III. S. 169.)
Silis {Cantharis) nitidula F. findet sich nach Dr. Schmidt
(Ent. Zeit. S. 130) häufig bei Stettin auf Vaccinium Myrtillus, am Ende
des Mai's und im Anfang des Juni, das Männchen jedoch 6 mal häu-
figer als das Weibchen, vielleicht weil das letztere, flügellos, unter
dem Heidelbeerkraut versteckter bleibt. Das Männchen ist Silis spi-
nicollis Meg. , das Weibchen fand Ref. als Cantharis nitidula in Fa-
bricius' Sammlung.
Eine neue Gatt. Anisotelus ist in Royle Himalaja aufgestellt,
welche sich durch verdickte erstes und End-Glieder der Fühler be-
merkbar macht, also mit Tjlocerus Dalm. übereinstimmt. Die Art,
A. bimaculatus Hope, kommt auch in andern Theilen Ostindiens vor.
Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 75) machte zwei neue
Gattungen bekannt, welche hierher zu gehören scheinen. Podistra
hat nach der Abbildung (T. 6. F. g.) fast das Ansehn eines Malthiuus,
die Endglieder der Taster sind aber grösser als die übrigen Glieder
und zugespitzt, die Flügeldecken reichen kaum auf den Hinterleib
hinauf, und die Flügel fehlen ganz. P. alpina^ schwarz', behaart, mit
glattem Kopf und Halsschilde, und rothgelben Flügeldecken, %\"' lang,
lebt auf den Caucasischen Alpen über der Vegetationsgränze. —
Thelodrias (man liest zwar beständig Thylodrias, welches aber
ein Druckfehler sein muss, da die Ableitung von &riXoÖQicig angegeben
ist) hat eigenthümlich gebildete Fühler, beim Männchen sind die bei-
den ersten Glieder gross, das dritte etwas kleiner, das 4.-7. sehr
klein, und die 4 letzten sehr stark verlängert; beim Weibchen ist
das erste Glied 'gross, das zweite klein, das dritte und vierte er-
weitert, das 5 — 8. wieder klein und die 3 letzten verlängert, doch
nicht 80 stark wie beim Männchen. Dass Männchen hat ein trape-
zisclies Halsschild, zugespitzte, klaffende Flügeldecken, keine Flügel;
168
das Weibchen ein kurzes, mondfö'rmiges ftalsschild, einen aufgetrie-
benen Hinterleib und keine Spur von Flügeln und Flügeldecken. Th.
coiitractuSy das Männchen schwarz, mit braunem Kopfe und Hals-
schilde, blassen Fühlern, Beinen und Flügeldecken, das Weibchen
blass mit dunklerm Hinterleibe, |'" lang, lebt in Tifflis in Häusern.
(Das Thierchen erinnert an Sjmbium. Sollte es mit diesem vielleicht
in Verwandtschaft stehen?)
JtEelyridae* Die Malachien der Königl. Sammlung zu Ber-
lin hat Ref. (Entomographien S. 44) ausführlich auseinander gesetzt
und namentlich eine Trennung in 16 Gattungen versucht. Bei den
drei ersten sind die Fühler anscheinend lOgliedrig, indem das zweite
Glied ungewöhnlich klein und in der Gelenkhöhle des ersten versteckt
ist: Apalochrus (Mal. laetus F. — 7 Arten) hat ein beilförmiges
Endglied der Lippentaster, Collops {M. i-maculatus F. -- 14 Arten) und
Latus Guer. (Megadeuterus West. — 5 Arten) haben beim Männchen
das 3. Fühlerglied stark verdickt, innen mit einer Aushöhlung, welche
gerade auf das Auge passt; die erstere die Vorderfüsse beim Männ-
chen 4-, die letzte d^selben bei beiden Geschlechtern ögliedrig. Der
Vame Malachius ist für diejenigen {M. aeneus u. s. w. — 32 Arten)
erhalten, bei denen die Fühler nicht wie bei den übrigen an den Sei-
ten, sondern auf der Vorderfläche des Kopfes stehen. Illops {cor-
m'culahis, eine neue Art vom Cap) hat die Fühler in der Mitte ver-
dickt, die Lefze nicht breiter als lang, welche bei den folgenden viel
kürzer als breit ist; Attalus (5 neue Arten) hat sie abgerundet, bei
Hedybius (Canth. oculata Thunb. u. a. — 9 Arten) und Änthoco-
711218 (M. fasciatus u. s. w. — 33 Arten) ist sie abgestutzt^ erstere
hat ein abgestutztes, letztere ein zugespitzes Endglied derMaxillar-
taster. Bei den sechs folgenden Gattungen ist der Kopf nach vorn
stark verengt und das Kopfschild äusserst schmal. Bei Ebaeus (M.
pedicularius u. a. — 11 Arten) sind beide Geschlechter geflügelt, bei
Charopus (M. pallipes Ol. u. a. — 5 Arten) das Weibchen, hei Ate-
lestus (M. hemipterus Dej., indess schon früher als M. hrevipennis
von Laporte in der ßev. Ent. beschrieben), wo zugleich die Flügel-
decken stark verkürzt sind,*beide Geschlechter ungeflügelt, die Vor-
derfüsse bei beiden Geschlechtern dgiiedrig, bei Atelestus das erste,
hei Eöaeus das zweite, bei Charopus kein Glied derselben beim Männ-
chen erweitert. Chalicorus {vinulus) weicht von diesen durch beii-
förmiges Endglied der Maxillartaster ab. Bei Troglops {Canth,
albicans h., M. angulatusF.— 6 Arten) mit fadenförmigen und Co\lo~
tes (C. trinotatus y früher aber von Laporte als M. maculatus be-
schrieben — 3 Arten) mit beilförmigen Tastern haben die Vorderfüsse
beim Männchen nur vier Glieder. Die beiden letzten Gatt., Lern/? Am*
(1 neue Art) und Carphuru% (2 neue Arten) beide mit verkürzten
Flügeldecken, aber vollständig entwickelten Flügeln, haben Haut-
läppchen, die erste, wo das vierte Glied äusserst klein ist, unter dem
dritten, die andere unter dem vierten Fussgliede; die letzte zeichnet
169
sich auch durch pfriemenförmiges Endglied der Taster aus. — Von
den 136 Arten der Sammlung gehören 91 der Europäischen Fauna
(welche Nord- und Vorderasien mit umfasst) an, 7 sind Osündisch,
16 Africanisch und 32 Americanisch. Von den Gattungen sind der
Europäischen Füun'd MalachiuSy CharopuSy Tro^hps, der südeuropäi-
schen Attalns und Atelestus, der Ostindischen Carphurus, und indem
sie noch nach Aegypten hinübergreift, Latus ^ der Capensischen He-
dybius, Illops, ChalicoruSy der Amerikanischen nur Collops und Lem-
phus eigeothümlich. Europa hat mit America Anthocomus imd Ebaens
gemein j in der alten Welt verbreitet sind Apalochrus und Colotes.
Malachius insignis Buquet (Rev. Zool. S. 248) von Algier
ist ein ächter Malachius, grün mit gelbem Seitenrande des Halsschil-
des, rothem Spitzenfleck der Flügeldecken und stark gekämmten Füh-
lern des Männchen.
Die in Dornen, Eindrücken u. s. w. an der Flügeldeckenspitze
bestehenden G^schlechtseigenthümlichkeiten der Malachien hat D e j e a n
(Ann. d. 1. Soc. Ent. IX. S. 205) als solche beurtheilt, um die Ansich-
ten Einiger zu widerlegen, welche darin Artunterschiede zu erkennen
glaubten. Goureau (Ann. d. 1. Soc. Ent. VIII. S. 550) giebt das-
selbe vom Mal. elegans an, dessen Begattung er beobachtete.
Clerii. Newman (Mag. of Nat. Hist. N. Ser. IV. S. 362) be-
schrieb 5 Nordaraerikanische Arten von Hydnovera {Phyllobaenus
Dej.), nämlich Il.humeralis (Cler. h. Germ.), H. serrata^ewm. und drei
neue aus Ost-Florida: //. rußpes, curtipennis und aegra. — Mot-
schoulski entdeckte in den Caucasischen und dann auch in den
Kirgisen-Steppen in getrocknetem Miste einen Corynetes sahulo-
JM*" (Bull. Mose. 1840. S. 178. T. 4. F. z*.), kleiner und cylindrischer als
C. scutellaris, Kopf, Fühlerkeule, Flügeldecken, Hinterleib schwarz,
das U'ebrige roth.
J^tntore*. Zwei neue Arten: Anobium e>z7/ofMm Dej. Brülle
(H. Canar. Ent. S. 60), welches indess nur eine grössere Abänderung
des A. paniceum zu sein scheint, und Xyletinus discolor Fald er-
mann (Faun. Transcaucas. Suppl.)
Silphales, Zwei neue Arten von Silpha, von eigenthüm-
licher langgestreckter Form, S. figurata und teuuicornis beschrieb
Brülle (II. Canar. Ent. S. 59. T.;2. F. 10. 11.), einen Ca tops pustllus
Motschoulski (Bull. Mose. 1840. S. 175) aus Georgien.
Derselbe (ebendas. S. 176. T. 4. F. k.) machte auch eine zweite Art
der ihrer Stellung nach noch zweifelhaften Gatt. Leptinus als L. Cau^
casicus, aus Georgien, bekannt, und stellte (Bull. Mose. 1839. S. 73.
T. 5. F. e.) eine neu entdeckte Gatt. Elaphropus auf, welche sei-
ner Meinung nach sich zwischen Scydmaenus und Ptinus in die Mitte
stellt, indess wohl mehr als bloss äussere Aehnlichkeit, auf welche
der Verf. hindeutet, mit den Caraben hat. Das in den Caucasischen
Provinzen am Caspischen Meere vorkommende Käfercheo, E. carahoi^
170
des, f" lang, bräunlich gelb, mit erweiterten Flügeldecken, und auf
diesen mit punctirten, in den Seiten und gegen die Spitze hin erlö-
schenden Streifen, an der Wurzel des Halsschildes mit den den Cara-
ben gewöhnlichen Eindrücken, mit, wie bei den Caraben^ ausge-
schnittenen Vorderschienen, scheint in der That ein kleiner Trechus
zu sein. Ihn für ein Bembidium (Tachys), deren es mit dem abge-
bildeten ganz übereinstimmende Formen giebt, zu halten, verbietet
die Abbildung der Taster, deren Endglied nicht pfriemförmig ist, vor-
ausgesetzt dass diese Darstellung genau ist, wie es die, der dazu
gehörigen Maxille jedenfalls nicht ist.
Sisteroides» Zwei neue Arten: Hister ampUcollis Ref.
(Wagn. Algier III. S. 169) und //. rujulus Faldermann (Faun.
Transcaucas. Suppl.). Der letztere ist ein Saprinus der Abtheilung
mit gerandeter ungerunzelter Stirn.
Xlngid^ae* Cryp tophagus ßavipennis Faldermann (Faun.
Transcaucas, Suppl.) scheint am Nächsten mit der ganz rotbgelben
Abänderung des C. cellaris verwandt, aber doch als Art verschieden
zu sein.
Vielleicht ist hier unterzubringen die neue Gatt. Hypocoprus
von Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 72). Sie zeichnet sich da-
durch aus, dass das 5. Glied merklich grösser ist als die nächst-
gelegenen. H. latridioides wurde in den Steppen am Caucasus, in
Georgien und Armenien in trockenem Pferdemist entdeckt. Später
(Bull. Mose. 1840. S. 184) zeigt der Verf. an, noch ein Paar andere
Arten aufgefunden zu haben,, und vermuthet (mit Unrecht)^ eine vierte
in der Monotoma longicollis GjU. Es muss eine grosse Irrung zum
Grunde liegen, wenn der Verf. den Gattungsnamen in Uprocoprus
verbessert haben will, da er doch selbst die Ableitung von vno und
xoTTQog angegeben hatte.
JOermestini, Auf Dr. Schmidt's Veranlassung hat v. Sie-
bold (Ent. Zeit. S. 136) die Dermesten-MÄBBchen, bei denen Rousseau
(S. Jahresbericht für 1838. S. 332) «auf das Vorhandensein erectiler
Haarbüschelchen aufmerksam gemacht hatte, anatomisch untersucht.
Heber jedem Haarbüschel findet sich ein drüsenartiger Körper von
eigenthümlicher fasriger Structur, von dem v. Siebold es zweifelhaft
lässt, ob er muskulöser oder drüsiger Natur sei. Da Rousseau über
dieses Organ weitere genauere Aufklärungen versprochen hatte, hatte
Verf. das^, was er über ihre Structur vorläufig gesagt, absichtlich
ganz verschwiegen, weil es vielen Zweifeln Raum gab. Dr. Schmidt
berichtet, dass die Männchen von Dermest. diniidiatus wirklich ein
einzelnes Haarbüschelchen besitzen, wie die des D. vulpinus. Er
macht zugleich darauf aufmerksam, dass auch die Männchen von
Blaps einen Haarbüschel auf dem Bauche haben, und spricht die Ver-
muthung aus, dass auch hier im Innern ein ähnlicher Körper über
demselben sich gelagert finden möchte. Diese Vermuthung ist, wenn
171
Ref. durch seine Erinnerung nicht sehr getäuscht wird, auch voli-
kommen gegründet. Auch bei Wanzen findet sich Aehnliches.
Es würde eine zusammenhängende Untersuchung über das Vorkom-
men, den Bau und die Natur dieser Organe eine sehr verdienstliche
Arbeit sein.
Macrodactyli* Eine neue Art von Macronychui ist von
Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 70) als M. Cmicasicus bekannt
gemacht. Nach der Beobachtung des Verf. wären bei dieser Art die
Fühler llgliedrig, während sie beim M. tuberculatus , wie Latreille
sehr richtig angiebt, nur 6 Glieder haben!
Palpicornia. Sphaeridium substriatum Dej. (Fald er-
mann Faun. Transcaucas. Suppl.) ist von Sph. bipustulatum F. im
Wesentlichen nicht verschieden.
YiXv Cyclonotiitn abdominale {Bydroph. abd. F. Coelostom.
abdom. Brülle) wird von Brülle (11. Canar.) die Fabricische Vater-
lands-Angabe dahin berichtigt, dass es ursprünglich auf Isle de France^
zugleich aber auch auf den Canarischen Inseln zu Hause sei, indess
bleibt doch die Fabricische Angabe richtig, indem dieser Käfer in
einem grossen Theil des wärmern America zu Hause ist, zugleich
aber sich über ganz Africa zu verbreiten scheint, indem er ausser
den von Brülle angegebenen Puncten noch am Cap vorkommt, end-
lich selbst der Europäischen Fauna angehört, indem er von Gene
auf Sardinien entdeckt wurde.
Endlich ist hier noch einer pentamerischen Gattung zu erwähnen,
der noch keine bestimmte Stelle angewiesen ist. Motschoulski
(Bull. Mose. 1839. S. 70) nämlich errichtete für einen in Derbent ent-
decktenKäfer eine eigene Gatt. Xy/o wo ^ro^wj, welche mit Dejean's
Platyderus identisch ist, indess bereits von Gerraar (Silberm. Rev.
Ent.) als Thorictus, und von Waltl (Reise nach dem südl. Spanien)
als Sphaerophorus beschrieben ist. Die im Holzwerk der Häuser
lebende Art, X laticolUs Motsch., scheint mit den auf der Spanischen
Halbinsel und den Italienischen Inseln vorkommenden Arten grosse
Uebereinstimmung zu haben.
Mjameliicornia» Nach einer Bemerkung von Reiche (Ann.
de la Soc. Ent. IX. S. XVllI) fliegen mehrere Coprophagen, als
Gymnopleurusy SisypJms, mit geschlossenen Flügeldecken auf ähnliche
Weise wie die Cetonien. Der erstgenannten Gatt, würde die Aus-
buchtung der Flügeldecken hierbei zu Statten kommen, bei der zwei-
ten ist der Flügeldeckenrand gerade, und es geht hieraus hervor,
dass der Flug mit geschlossenen Flügeldecken auch ohne solche Aus-
buchtung möglich ist.
Eine neue Gatt. Eudinopus stellte Burmeister (Gen. Ins.)
auf. Dieselbe hat die meiste Uebereinstimmung mit Cauthon und Del-
172
tochilum, und steht gewissermassen zwischen beiden in der Mitte.
Von Canthon unterscheiden sie das deutlich vorhandene Schildchen
und die verlängerten Mittelfiisse, von Deltochilum, dem sie im Habi-
tus noch näher kommt, die vorhandenen Vorderfüsse und das tief
ausgebuchtete Kinn. Die Art, E. ateuchoides, von Paraguay, findet
sich, wie Westwood schon bemerkt, als Scarab. dytiscoides in den
Linn. Transact. VI. T. 30. F. 3 von Schreibers abgebildet.
Reiche (Rev. Zool. S. 243) glaubt als besondere Art einen On-
thophagus unterscheiden zu müssen, dessen Weibchen Copr.Catta
F. sei, und der sich vom O.gazella durch seine geraden Hörner unter-
schiede; indess ist bei diesen beiden Onthophagen, welche beide nur
Abänderungen von O. honasus mit weniger entwickeltem Gehörn
sind, eben so wenig ein Artunterschied, als z. B. O. capra vom 0.
taurus als Art verschieden ist. — Ein 0. phanaeoides ist in Royle's
Himalaya abgebildet.
Eine neue Art von Om'ti's, O.strigqtusBtj. aus Algier, beschrieb
Ref. in Wagn. Algier HI. S. 170.
Aphodius irregularis ist inRoyle's Himalaya bekannt gemacht.
Vom Ref. (Wagner's Algier S. 170) wurde ein ausgezeichneter
Algierischer Bolbocerus unter dem Namen B. Bocchus bekannt ge-
macht, welcher auch neuerdings in Guer. Mag. d. Zool. 1841. Ins.
pl. 71 wieder abgebildet ist.
Aus der Gatt. Geotrupes Latr. stellte Chevrolat (Rev. Zool.
S. 15) drei neue Galicische Arten auf: G. corruscns, dem G. vernalis
sehr nahe verwandt, mit kupferrother Oberseite, G. chalconotus, dem
G. laevigatus nahe, und G. punctatissimus. Ref. erwähnte in Wag-
ner's Algier (III. S. 154) einer 4. Art, welche Algier mit Sicilien ge-
mein hat, und die mit G. stercorarius verwandt, aber durch schwarze
Unterseite von allen ähnlichen abweichend, als G. Siculus Dahl in den
Sammlungen verbreitet ist: dieselbe ist neuerdings auch als G. Douei
von Algier in Guer. Mag. d. Zool. 1841. pl. 71. bekannt gemacht M^or-
den. — G. orientalis Hope (Royle Himalaya) ist eine Ostindische Art.
Eine durch Sgliedr. Fühler ausgezeichnete Gatt, der Nashornkäfer
Colorhinusj mit dem Habitus von Temnorhynchus, aber mit zahn-
loser, pinselartig behaarter Maxillarlade, wurde von Ref. (Wagn.
Algier S. 171) auf einem Algierschen Käfer, C. obesus, errichtet. Der-
selbe ist, wie ich später erfahren, einerlei mit Dejean's Pachypus
truncatifrons, was ich nicht annehmen konnte, da sowohl die Abbil-
dung als auch die Beschreibung von Callicnemis Latreillei Laporte,
welchen Dejean als Synonym aufführt, eine solche Vermuthuug durch-
aus abzuweisen schienen.
Buquet hat in Guerin's Mag. de Zool. Ins. pl. 46 unter dem Na-
men Scarabaeus Jupiter einen neuen Käfer von der Grösse des
Sc. Hercules abgebildet, der in der Form des Halsschildes dem Sc.
Neptunus Schönh. (von dem auch nur das Halsschild acht zu sein
scheint) nahe steht, sich aber durch sein echlankerts und sanft wel-
173
lenformig gebogenes Mittelhorn unterscheidet. Auch das lange, starke
Kopf hörn ist wellenförmig gebogen, in der Mitte gezähnt, von da
ab bis zur Spitze stumpf gesägt. Der ganze Käfer ist glänzend
schwarz, unten und an den Schenkeln mit rostgelben Haaren besetzt.
Seine Heimath ist Santa Fe de Bogota.
Derselbe (Rev. Zool. S. 212) stellte einen neuen, sehr ausgezeich-
neten Hexodo7iy mit weissen Längsbinden der Flugeidecken als
.H. Montandonü von Madagascar auf, der auch im Mag. de Zool. 1841.
Ins. pl. 62 abgebildet und genauer beschrieben ist.
Hop 3 (Mag. of Nat. Hist, N. Ser. VI. S. 300) betrachtet die dem
Sc. longimanus F. verwandten Käfer als eine besondere Gruppe
Eucheiridaey welche er mit einer dritten Gatt. Cheirotonus
bereicherte. Dieselbe steht zwischen Eucheirus und Propomacrus in
der Mitte, hat die Vorderschienen aussen unregelmässig gezähnt, das
Halsschild an den Seiten gerundet und sägeförmig gekerbt. C. Mac
Leayiy bronzegrün, mit bronzeschwarzen, gelb gefleckten Flügel-
decken, ist vonAssam. — Wahrscheinlich gehört in dieselbe Gattung
der vonBurmeister (Germ. Zeitschr. III. S. 227) beschriebene £mcä.
DupontiamiSy von den Philippinischen Inseln.
Ebenfalls als eine besondere kleine Gruppe trennte Ref. (Ento-
mographieen S. 29) die Pachypoden von den übrigen Melolonthen
ab, welche in manchen Puncten, namentlich in der Form der Unter-
lippe, sich den Dynastiden anschliesst, durch den Mangel der Kau-
fläche der Mandibeln besonders von den eigentlichen blätterfressen-
den Melolonthen abweicht, und durch das Fehlen der Maxillarlade
besonders ausgezeichnet ist. Typus der Gruppe ist Pachypus Latr.,
den Dynastiden am Nächsten stehend, mit Sgliedrigen Fühlern und
öblättriger Keule, auf Italien beschränkt, und zwar -von den 4 jetzt
bekannten, bisher mit einander verwechselten Arten P. excavatus
(Cco/r. c;rc. F.) auf dem Südende des Festlandes, P. m/pre«w* und cor-
nutus (Molol. com. Ol.) Corsica und Sardinien, P. caesus Sardinien
und Sicilien. Die Weibchen sind ungeflügelt, selbst mit ganz ver-
steckten Spuren von Flügeldecken. Näher den Melolonthen ist Ela-
phocera Gene, mit lOgliedrigen Fühlern und 7blättriger Keule, eine
rein südeuropäische Gattung, und zwar E. Bedeaui {Leptopus Be-
deau Dej.) und longitarsis {Melol. long. Jllig.) der Spanischen, E.
obscura Gene und dilatata der Italienischen (Sardinien), E. hiemalis
und gracilis (Leptopus gr. Waltl) der Türkischen Halbinsel ange-
hörend. Die Weibchen sind ungeflügelt, aber mit vollständigen Flü-
geldecken. Die dritte Gatt. Ächloa ist neu, hat 9gliedrige Fühler
mit 3blättriger Keule, gleicht sehr kleinen Rhizotrogen, und enthält
zwei Arten, Ä. hehola und Caffra, vom Cap, deren Weibchen noch
unbekannt sind.
Buquet machte (Rev. Zool. S. 171) 7 merkwürdige Arten der
Gatt. Rhixotrogus aus Algier bekannt. Sie stimmen darin über-
ein, dass ihre Weibchen ungeflügelt und aufgetrieben sind, und viel
174 ♦
kürzere Füsse haben als die MänncTien. Rh. tusculus, dispar, amphy-
tus, tnßatiis^ euphytuB und gahalus sind von Constantine, Gerardn
von Bona. Die zweite Art, eine der ausgezeichnetsten, ist im Mag,
de Zool. 1841. Ins. pl. 73 abgebildet. Rh. Gerardü ist auch in Sicilien
einheimisch und als Rh. Siculus Dej. in Sammlungen verbreitet. —
Eine achte, Rh. carduorum beschrieb Ref. (Wagn. Algier III. S. 173).
Eine neue Gattung Phlexis stellte Ref. in Wagners Algier III.
S. 172 auf. Sie hat lOgliedrige Fühler mit öblättriger Keule, eine
6zähnige Maxillarlade, gespaltene Klauen^ und das Männchen an den
vorderen Füssen das zweite und dritte Glied erweitert. Die Weib-
chen, wenigstens von mehreren Arten sind ungeflügelt, wie bei Ela-
phocera, der diese Gatt, auch in Habitus gleicht. Ph. Wagneri ist
als neue Art beschrieben, eine zweite Nordafrikanische ist Melolonth.
hirticollis F., andere kommen in Südrussland, Griechenland und
Aegypten vor, mehrere auf den Canarischen Inseln. Brulle's Me-
lolontha hipartita^ castanea und fuscipenniSy (II. Canar. Ent. S. 60)
gehören in diese Gattung.
Melolontha obscura Brülle (ebendas.) hat zwar ebenfalls
eine öblättrige Kenle, weicht aber in der Gestalt des letzten Taster-
gliedes ab.
Zwei Omaloplien, 0. ochroptera und unguicularis beschrieb
Ref. (Wagn. Algier III. S. 173). Popilia splendida von den Nil-
gerrhies wurde von Guerin (Rev. Zool. S. 39) aufgestellt»
Die europäischen Arten der Gattung Hoplia hat Dr. Schmidt
(Ent. Zeit. S. 66) einer gründlichen Revision unterworfen. Es haben
sich im Ganzen 11 als selbstständige Arten ergeben, unter denen
H. Kun%ei aus der Türkei neu, und auch H. /lavipes Dej. noch unbe-
schrieben waren. H. praticola (Duft.) und H, argentea haben 10-,
die übrigen 9gliedrige Fühler.
Die Lamellicornia melitophilß sind von Burmeister
und Schaum (Germars Zeitschr. für die Ent. II. S. 352) einer kri-
tischen Revision unterworfen worden, von der der erstere Verf. den
generellen, der letztere den speciellenTheil bearbeitete, und welche sich
zunächst mit den Trichiaden beschäftigt. Als Unterschied von den übri-
gen Cetonien wird hauptsächlich auf die mangelnde Seiten-Ausbuchtung
der Flügeldecken, welche ein gänzliches Aufheben der Flügeldecken
beim Fluge bedinge (S. indess o. S. 171), weniger auf das Hervortreten
der Scapularstücke Werth gelegt. Als Gattungen werden Euchirusy
Jnca, Osmodermum, Valgus, Platygenia und Trichius an-
genommen , letztere mit 9 Untergattungen. Gegen die Einordnung
des Euchirus in die Cetonien-Familie hat Ref. sich schon im vorigen
Jahresberichte erklärt, dagegen kommt noch eine, in dem im 3. Bande
derselben Zeitschrift gegebenen Nachtrage aufgestellte, neue Gattung
Coelocrates hinzu, welche mit Incain der Anwesenheit eines Zah-
nes unter dem Kniegelenk der Vorderschienen, in den meisten übri-
gen Characteren namentlich mit Gnorimus übereinkommt, sich
175
besonders durch die Anwesenheit eines langen Zapfens am Proster-
num vor den Hüften auszeichnet, und auf Inca rufipennis Gory Perch.
gegründet ist. Unter Inca ist eine neue, dem I/Bonplandi verwandte
Brasilische Art, I.Besckn, unter Valgus eine siamesische, K parvulus,
beschrieben. Die Untergattungen von Trichius sind 1) solche mit
Szähnigen Vorderschienen, Myodermum {Myoderma Dej. Cat., Trich.
alutaceus Seh., Stripsifer sordidus Gory Perch.), eine neue, Eriopel-
tastes {E. leucoprymnus, neue Art von der Weihnachtsbay), durch
ungetheiltes Kopfschild und behaartes Halsschild und Brust von der
folgenden Stringophorus unterschieden, in welchen Namen der
Gory-Percheronsche Stripsifer verbessert ist, in welcher Untergatt.
Jgenius rufipentiis und ßavipennis Gory Perch., letzterer als St, lon-
gipes (Scarab. longipes Swed.) mit dem Campulipus Horsfieldii Mac
lue&y und Str. Zebra mit dessen Abänderung Str. niger Gory Perch.
vereinigt sind; und Agenius (mit der einzigen Art A. limbatus)
durch die krummen Mittelschienen des Männchens von den vorigen
unterschieden. — 2) Solche wo die Vorderschienen beim Männchen
schlanker und Szähnig, beim Weibchen breiter und 3zähnig sind:
Clastocnemis, mit stark gekrümmten Mittelschienen beim Männ-
chen, und eingeschnittenem Kopfschilde, auf einer Art, Cl. maculatus,
gegründet, deren beide Geschlechter als Tr. i-maculatus und 6-^m^-
tatus in Schönherrs Syn. Suppl. beschrieben sind, und zu der im Nach-
trage auch Camp, incurvatus M^Leay gezogen wird. Stegopterus,
mit schwach gekrümmten Mittelschienen des Männchens und behaar-
tem Körper, aus dem Tr. vittatus, suturalis und einer dritten, ebenfalls
Capensischen, neuen Art, St. septuSy gebildet; Trigonopeltastes^
mit beschupptem Körper und in beiden Geschlechtern ganz gleichen
Mittelschienen. Den drei bekannten Arten, Tr. delta^ deltoides Newm.
und triangulum werden im Nachtrage noch vier mexicanische, der
letzten verwandte Arten, Tr, geometricus , ArcMmedes ^ linea und
4~sig7iatus beschrieben, von denen die beiden letzten auf dem Hals-
schilde statt des ganzen Dreiecks nur mit einer vorderen Ouerlinie,
als der Basis desselben bezeichnet sind. — 3) Die Vorderschienen
bei beiden Geschlechtern 2zähnig: Trichius mit geraden, Gnori-
mus mit gekrümmten Mittelschienen. Im Nachtrage sind auch die
beiden nahe verwandten Arten Tr. piger und viridulus F. gehörig
unterschieden, welcher letztere, obschon vielfach abändernd und be-
reits mit einer zahlreichen Sj^nonymie ausgestattet, mit einem nicht
zweckmässig gewählten neuen Namen Tr. variabilis belegt ist, wel-
cher billiger Weise dem Gnorimns 8~punctatus verbleiben sollte.
Trtthius fasctatusL.,abdominalisDej. und xonatusGerm,
unterscheidet Dr. Schmidt (Ent. Zeit. S. 116) als drei verschiedene
Arten, von welchen Gory und Percheron wenigstens die beiden ersten,
fiurmeister und Schaum die beiden letzten mit einander vereinigen.
Diese beiden letzten sondern sich mehr von der ersten ab, stehen
aber einander so nahe, dass auch Ref. sie früher als Abänderungen
176
derselben Art betrachtete, jetzt aber durch weitere Mittheilung sei-
nes Freundes Gene in den Stand gesetzt, eine grössere Reihe des
Tr. xonatus zu vergleichen, in dieser Ansicht wankend geworden
ist, da die Sardinischen Käfer vom Tr. abdominalis Dej. auf eine
sehr bestimmte Weise in der Zeichnung der Flügeldecken abzuwei-
chen scheinen. Dr. Schmidt hat alle 3 Arten sehr umständlich mit
einander verglichen, indess vermag Ref. nicht, sich an den ihm vor-
liegenden Exemplaren von der Beständigkeit der aufgestellten Unter-
schiede zu überzeugen.
Neue Gattungen wurden unter den übrigen Cetonien folgende
errichtet: Centrognathus von Guerin (Rev. Zool. S. 79), von
Cremastocheilus durch gewöhnliche Grösse der dicken vorspringen-
den, an der Spitze abgestutzten Unterlippe verschieden. Die Maxil-
len endigen in 2 Haken, von denen der untere gespalten ist. Die
einzige, gleichfalls neue Art ist C. subrugosus, von der Insel (Pulo)
Penang an der Küste von Malacca. — Hypselogenia von Bur-
meister (Qen. Ins. Hft. 6) auf der Dipl. concava und alhopunctata
Gory Perch. gegründet, welche die genannten Monographen eben
so unpassend mit ihrer Gattung Diplognatha, als M'Leay unter dem
Untergattungsnamen Coelocephalus mit Ichnostoma verbinden. Es
wäre wohl besser gewesen, den M'Leayschen zum Gattungsnamen
zu erheben, als jenen sesquipedalischen neu aufzustellen. — Dia-
phonia, von Newman (Loud. Mag. of Nat. Hist. New. Ser. IV.
S. 366) von Cetonia durch die Fühlerbildung unterschieden: „lamel-
lis in mare elongatis, in femina abbreviatis.'' Hierhin Cet. dorsalis
Don., und eine neue in beiden Geschlechtern verschieden gefärbte
Art, J). dispar, von der Känguruh-Insel. — Stethodesma, von
Bainbridge (Ann. of Nat. Hist. VI. S. 481), Gymnetis-Form, mit
gespaltenem Kopfschilde, dreieckigen, nach hinten erweitertem Hals-
schilde, von der Wurzel an allmälig verengten, in eine mittlere
Spitze auslaufenden Flügeldecken, nach vorn weit vortretender Ster-
mimspitze. Die Vorderschenkel (wohl Schienen!) 2dornig, die hin-
teren unbewehrt. St. Strachaniy neue Art, von Sierra Leona.
Derselbe stellte (ebendas.) folgende neue Arten mit ihren Diagno-
sen auf: Osmoderma Beauvoisü aus dem tropischen Africa, 0. sca-
brum aus Nordamerica, Gnathocera nigrita von Sierra Leona, Gn.
amabiliSy ebendaher, Diplognatha holosericea ebendaher, D. Rama^
der D. hebraea ähnlich, von Japan, Dipl. (?) pectoralis von Sierra
Leona, Stripsiper ambiguus^ ebendaher, Cetonia Withillii, aus Ost-
indien, C. Saundersiiy der C alboguttata Vig. verwandt, eben daher,
Amphistoros affinis von Sierra Leona. — Guerin (Rev. Zool. S. 80)
beschrieb folgende Arten als Entdeckungen Delessert's: Gnathocera
micans und Gn. olivacea^ beide von den KilgGTThies, Macronota picta,
Cetonia Malayensis^ rufovittata, von der Insel (Pulo) Penang an der
Küste von Malacca, C. Gory, von der Küste von Malacca und von
Java. — In Royle's Himalaya ist C. Äo^^/« abgebildet, eine Rhombo-
177
rhinaHope's. — Ref. stellte in Wagners Algier (S. 175) eine neue Art
Cctonia feralis auf, und erklärte (S. 155) die C. harhara^ Awpick^
squamosa und Doguerau der Gory-Percheronschen Monographie für
Abänderungen Einer Art. (Bei den letzten beiden ist wahrscheinlich
die Angabe des Vaterlandes falsch, um so eher, als die vorletzte,
angeblich aus Teneriffa, in den II, Canar. nicht vorkommt.
Hope (Mag. of Nat. Bist. J^ew. Ser. VI. S. 299) stellte 10 Arten
von Lucanusy welche Griffith in Assam gesammelt, vorläufig mit
Diagnosen auf. — Eine Ostindische Art, L. Chevrolatiiy bildete Chenu
(Guer. Mag. de Zool. 1840. Ent. pl. 40) ab. Sie ist vom Himalaya-
Gebirge.) — Ebendaher stammt L. lunifer Hope (Royle Him.). —
Eine zweite Art der Gatt. Hexaphyllum, aus Columbien machte
Buquet als H. mquinoctiale bekannt. (Rev. Zool. S. 173. Ann. de
la Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 375). — Den im Jahresberichte für 1838 S. 336
erwähnten Chiasognathus Feisthamelii bildete Guerin (Mag. de Zool.
1840. Ent. pl. 39) ab, und zwar vüsSphetiognathus Feisthame-
liif und die Abbildung zeigt, dass er dieser Gattung mit Recht über-
wiesen ist. Das Männchen weicht von dem Sph. prionoides darin ab,
dass die Mandibeln Fänger und mit den Spitzen hakenförmig gegen
einander gebogen sind.
Eine neue Gatt. Cacostomus stellte Newman (Mag. of Nat.
Hist. N. Ser. IV. S. 364) auf. Sie hat das Ansehn von Dorcus, der
Körper ist aber beschuppt, die Augen sind ganz getheilt, wie bei
Chiasognathus, die Mandibeln sind doppelt so lang als der Kox)f, an
der Wurzel genähert, an der Spitze gebogen, innen mit einigen un-
regelmässigen Zähnen, die rechte mit gespaltener, die linke mit ein-
facher Spitze: C. squamosus, unbestimmten Vaterlandes, vielleicht von
Assam, vielleicht auch aus Neuholland.
Melasoma. Die Gruppe der Erodiden erhielt einen Zu-
wachs an folgenden Arten: Erodius Perwcwf Faldermann, (Faun.
Transcauc. im 5. Bande der Mem. als E. globosus beschrieben), £;.
bicarinatus und Wagneri des Ref. (Wagn. Algier III. S. 175), E. cur-
tus, obesus, laticollis, Arthrodeis subcostatus Brülle (11. Canar. Ent.
S. 63), Zophosis ovata Latr. und rugosa Fald ermann (Faun.
Transcauc), Z. personata des Ref. (Wagn. Algier III. S. 176), Z. pli-
cata, vagans Brülle (II. Canar. Ent. S. 64).
Zur P2me//ßw -Gruppe kommen Pimelia claudia Buquet
(Rev. Zool. S. 242) von Constantine, P. valida des Ref. (Wagn. Al-
gier III. S.176), P. laevigata^ sparsa, verrucosa, Canariensis, lusaria
Brülle (U. Canar. Ent. S. 67), P. ventricosa, diihia^ Fersica^ Schön-
herri, Pachyscelis granifera (J^im. metopotapha Men.), leprosa
(Pim. clavaria Men.), ^a^?nV/w/a (von Dejean mit Unrecht mit leprosa
vereinigt), mammillata, tjmsi'va, Trig07ioscelis armeniaca, Jde-
smia Fischeri^ Ehreiibergüj nodulosa Fald ermann (Faun.Transc),
Adestn. candidipennis und marginipennis de Breme (Rev. Zool.
S. 112, Mag. d. Zool. 1841 Ins. pl. 60, 61) vom Cap Negro in Guinea.
Archiv f. Naturgesch, Yll. Jahrg, 2, Bd. 12
178
Adesm, strophium Fisch, ist von Motschoulski (Bull. Mose. 1839.
S. 68) genau beschrieben.
Trachyderma pilosa und Akts reßexa F., noch jetzt in Aegypten
sehr häufig, hat mau im Innern eines einbalsamirten Ibis gefunden.
Hope nimmt an, dass sie vom Ibis verschluckt und nicht erst nach-
träglich beim Einbalsamiren eingelegt seien. (Mag. of Nat. Hist. New.
Ser. VI. S. 482).
Aus der Gruppe der Tentyriden beschrieb Faldermann
(Faun. Transcaucas.) : Gnathosia caraboides depressicornis , pul-
chella, rugipennis, Brülle (II. Canar. Ent.) vorzüglich viele Arten
von Hegeter: H. impressus, glaher, transversus, tenuipunctatus,
polituSy brevicollis, lateralis, abbreviatus, cribricoUis, fuscipes^ ausser-
dem noch 3 Tentyrien^Mesostena elongata und Äwjoz^a; Ref. (Wagn.
Algier): Vachychile acuminata und Tentyi'ia maura.
Die Gruppe der Äsiditen wurde mit 3 Arten von Asida ver-
mehrt, nämlich A. granulifera Chevrolat (Rev. Zool. S. 16) aus
Galicien und A, miliaris und serpiginosa des Ref. (Wagn. Alg. S. 179).
Die kleine Gruppe der Tageniden bereicherte Motschoulski
(Bull. Mose. 1839. S. 65) mit einer neuen Art, Tagenia pilosa von
der Russisch-Persischen Gränze, und einer neuen Gatt. Aspidoce-
phalus (ebendas. S. 63), welche sich von Tagenia durch kürzeres
Halsschild und erweiterten Rand des Kopfes, und vorzüglich durch
ein Merkmal, das dem Verf. entgangen, durch fehlende Augen (der
Verf. giebt sie als vom vorspringenden Rande bedeckt an, sie fehlen
aber ganz) unterscheidet. A. desertus wurde vom Verf. im südlichen
Georgien unter Steinen entdeckt.
Vielleicht gehört hierher noch die Gattung Oogaster Falder-
mann^ s (Faun. Transcauc), die dem Ref. in Natur nicht bekannt ist,
und deren wesentliche Charactere aus der gegebenen Beschreibung
sich nicht entnehmen lassen wollen. Sie ist auf der Tagenia picea
Men. gegründet.
Die Gruppe der Scauriden hat Solier im 7. Bande der Annal.
der Ent. Soc, zu Paris bearbeitet. Sie enthält die Gatt. Scaurus
mit 15 Arten, Cephalostenus, der vorigen nahe verwandt, aber
mit besonders bei den Männchen stark verlängertem hinteren Theil
des Kopfes, und mit 8 Arten, C. Dejeanii und elegans, beide von der
Griechischen Halbinsel; Herpiscius Dej., eine kleinere, schlankere
Form, mit dünnen fadenförmigen Fühlern, an denen auch die vor-
letzten Glieder verlängert sind, mit 2 Arten, H. Spinolae und Sommeri,
vom Cap; Leptodes Dej., der vorigen ähnlich, durch die Verhält-
nisse der Fühlerglieder und die mehr vortretenden Augen unterschie-
den, mit der einzigen Art, L. BoisditvaliiDej. aus Turkestan; Poly-
pleurusEsch., von den übrigen durch an die Basis der Flügeldecken
schliessenden Hinterrand des Halsschildes unterschieden; mit 2 Arten,
P. geminatus Dej. und ptmctatus, aus Nordamerica. — Die vom Ref.
(Wagner's Algier S. 181) aufgestellten Scaurus harharus und porca-
179
tut scheinen der erstere mit Sc. dubius, der letztere mit Sc. Varvasi
SSoI. zusammenzufallen und werden also einzuziehen sein.
Die Gruppe der Praoctdefi ist sodann von Soli er (Ann. d. 1.
Sog. Ent. de Fr. IX. S. 807) abgehandelt worden. Die Einen, sämmt-
lich auf der Westseite America's einheimisch, haben das 11. Fühler-
glied sehr deutlich abgesetzt. Die beiden Gatt. Coelus Esch. (mit
2 Arten) und Vraocis Esch., mit welcher letzteren Anthrasomus
6uer. vereinigt wird (85 Arten), haben die Vorderschienen kürzer
und mehr dreieckig, Eutelocera (Praoc. viatica Lacord.) von der
vorigen noch durch nicht bell- sondern eiförmiges Endglied der Ta-
ster verschieden, Filotarsus (tenuicornis von Coquimbo) von den
folgenden durch lange dünne Hinterfüsse abweichend, P/a^^Äo/mw*
{Praoc. dilaticollis Lacord. und eine neue Art) vonPraocis durch tief
ausgeschnittenes Kopfschild unterschieden, Calymmaphorus {cu-
cullatus und Arctylus ursinus Lac.) mit den Kopf bedeckendem vor-
deren Lappen des Halsschildes. — Die Andern, sämmtlich südafrica-
Disch, haben scheinbar lOgliedrige Fühler, indem das letzte Glied
sich dem 10. anschliesst, und ein Stück mit ihm auszumachen scheint.
Hierhin gehören Cryptochile mit 18 Arten ;, von denen jedoch Cr.
assimilis Dej. und Gayi unbedenklich für Männchen und Weibchen zu
halten sind. Horatoma, {Cryptochile parvulaVej.) und Pachynote-
lus {albiventris y neue Art), beide von der vorigen durch den unten
nicht vom Halsschilde gedeckten Kopf deutlich unterschieden, erstere
mit ausgerandetem, letztere mit gerade abgeschnittenem Kopfschilde.
Die Gruppe der Sepiditen vermehrte Ref. (Wag. Algier S. 178)
mit vier Arten von Sepidium:^S.aUferumy uncinatum, tomentosum,
Wagneri.
Zur Gruppe derBlaptiden sind hinzugefügt: ßlaps armeniaca,
murtcata, canaliculata, anthracina Faldermann (Faun. Transcauc),
B. montana Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 68) vom Caucasus,
Bl. prodigiosa, stygia^ magica, superstitiosa des Ref. (Wagn. Alg. IIL
S.188), Bl. alternans Brülle (II. Ganar. Ent. S. 68.) — Eleodes Fi.
scheri ManmeT he im (Rev. Zool. S. 137) aus Californien, — Mi'so-
lampus Goudotii Ref. (Wagn. Algier III. S. 184.)
Aus der Gruppe der Pediniden stellte Mannerheim (Rev
Zool. S.137) Coniontis Eschscholtxii aus Californien auf, und Fal-
dermann (Faun. Transcauc.) beschrieb: Pandarus dardanus^ exten-
suSf Heliopates picipes., rugipennis^ Pedinus aequaliSy fornicatus. ova-
tuSj Capnisa {Bradyus) modesta. — Vielleicht gehört auch die von
ihm errichtete neueGatt. ^w 2*0 cerw* mit einer neuen Art, ^4. ^m^iV,
hierher. Die Gattung ist aus den angegebenen Characteren dem Ref.
zweifelhaft geblieben, der Name derselben kann keinen Falls bestehen.
Die Opatrinen vermehrte Faldermann (Faun. Transcaucas.)
mit Opatrum setulosum, Ref. (Wagn, Alg. S. 181) mit O. larbarum^
Brülle (11. Cauar. Ent. S. 68) mit O. hispidum, Phylax costatttSy li^
12*
180
neatus, Crt/pticus navicularis und minutus, Motschoulski (BuU.
Mose. 1839. S, 60) mit Micro%oum collare,
Faldermann (Faun. Transcaucas.) bildete eine neue Gattung
PenthicuSy deren Unterschiede von den verwandten aus der Be-
schreibung nicht hervorgehen, aus einer neuen Art, P. -parvulus.
Vaocicornia, Eine neue Art: JSeomida cophosioides Falder-
mann (Faun. Transcaucas.)
JBEelopii, Faldermann (Faun. Transcaucas.) stellte eine
neue Gatt. Cylindrinotus mit 4 neuen Arten auf, deren Unter-
schied von Helops dem Ref. sich nicht herausstellen will, vermehrte
Hedyphanes mit 14, zumTheil, wie es scheint, nicht recht bestimmt
unterschiedenen Arten, und Helops mit 4 neuen Arten. Ref. (Wagn. .
Algier III. S. 184) beschrieb einen Hei. afer, und Brülle (U. Canar.
Ent. S. 70) H. quadratus und transversus.
Perris (Ann. d. scienc. nat. XIV. S. 41) beschrieb die Larve
von Helops coeruleus, welche schon früher von Waterhouse (Trans-
act. Ent. Sog. Lond. I. S. 89) bekannt gemacht wurde.
Cittelidae, Faldermann (Faun. Transcaucas.) hat folgende
neue Arten: Mycetocharis gracilis^ Oniophlus dilatatus, ochra-
ceipennis, Cistela alleculoides^ pulcherrima, elegans.
Cistela bicolor betrachtet Dr. Schmidt (Ent. Zeit. S. 132) als
das Männchen der C. sulphurea^ und zwar als eine häufigere Form
desselben, indem auch eine andere dem Weibchen gleichgefärbte sich
fände. Es giebt indess zwei Arten, welche sich nicht vermischen.
Bei der wirklichen C. sulphurea (welche hier z. B. auf den blühenden
Linden der Allee nach Charlottenburg zu Millionen erscheint) sind
beide Geschlechter beständig und in allen Theilen gleichgefärbt, bei
der C. bicolor giebt es zwei Abänderungen des Männchens, von denen
die eine allerdings die Färbung des Weibchens hat, sich aber immer
noch durch ganz schwarze Taster, schwarze Fühler, häufig auch
durch schwärzliche Vorderseite der Hüften, letztes Hinterleibssegment
oder Stirn auszeichnet. Das Weibchen gleicht sehr dem der C. sul-
phurea, hat aber ganz braune Fühler, ausserdem sind beide im Um-
riss und den Körperverhältnissen etwas verschieden.
Die schon durch Kyber u. m. A. bekannte Verwandlungsgeschichte
der C.atra (Helops ater F.) ist von Perris (Ann, d. scienc, nat. XIV.
S. 81) nochmals beschrieben worden.
^erropalpidae» Sehr dankenswerth ist dagegen die Dar-
stellung, welche derselbe (ebendas. S. 86. T. 3. F. 14— 18) von der
Larve der Melandrya serrata giebt. Dieselbe weicht von denen der
Teuebrionen bedeutend ab, und erscheint denen der Oedemeren näher
verwandt. Die vom Westwood (Introd. I. S. 304 F. 35. 14) als solche
abgebildete Larve ist von der Perris'schen durchaus verschieden
Oedemeridae» Neue Arten sind; Ditylus concolor Brülle
181
(n. Canar. Ent. S. 'i(S)yNacerdes fucata, tristiSy Anog codex flavi-
ventris, Oedemera Menetriesii {ventralis Men.), stenoptera^ para-
doxa (letztere beide die beiden Geschlechter von O, simplex) chaly-
Äe« Fald erm an n (Faun. Transcaucas.), Oed. marmorata Ref. (Wagn.
Algier III. S. 185).
J^rochroidae» "Von der Larve und Nymphe der Pyrochroa
coccinea hat Leon Dufour (Ann. d. sc. nat.XIII. S.321)Nachricht gege-
ben, welche indess von geringerem Interesse ist, als eine solche von
Ahrens schon in Silbermann's Rev. Ent. I. S. 847 sich findet, welche
die Redaction der Ann. d. sc. nat. S. 343 hat wieder abdrucken lassen.
Die Larven kommen häufig vor, und werden jedem Sammler bekannt
sein. Dagegen sind die anatomischen Untersuchungen des Verfassers
schätzbar. Die Speichelgefässe sind beim Käfer ziemlicli lang, bei der
Larve aber ausserordentlich klein. Der Darmkanal mit den Gallen-
gefässen zeigt bei beiden keine grossen Abweichungen. Die aus
zweizeilig aufgereihten Säckchen bestehenden Hoden finden sich bei
der Larve schon sehr entwickelt vor, nicht aber die übrigen Theile
des Geschlechtsapparats. Beim vollkommenen Insect fand sich eine aus
Kügelchen zusammengesetzte Masse, welche sich jederseits von der
Basis bis zur Spitze des Hinterleibes erstreckte, wo sie mit einem
Ausführungsgange neben dem After endigte. Der Verf. hält diese
Körper für ein Absonderungsorgan, von dem der eigenthümliche
Geruch des Insects herzuleiten sei. Die Darstellung des Nervensystems
scheint nicht ganz genau zu sein. Die Angabe, dass bei der Larve
das Gehirn-Ganglion nicht im Kopfe, sondern im Prothorax liege,
schien dem Ref. zu paradox, um nicht sogleich die Natur wegen Ge-
nauigkeit derselben zu Rathe zu ziehen. Die Angabe bestätigte sich
nicht, sondern es fand sich die gewöhnliche Lage der Ganglien vor.
Anthicidae» Neue Arten sind Mono ceros*) brachycerus und
Anthicus nobilis Faldermann (Faun. Transcaucas.) und A. com-
pressicollis Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 59).
MordelloHae, Leon Dufour (Ann. d. scienc. nat. 11. Ser
XIV. S. 885) gab eine genaue Darstellung der früheren Zustände der
Mordelia fasciata und eine Anatomie sowohl der Larve als des Kä-
fers. Die Larve, welche in abgestorbenem Pappelholz lebt, scheint
nach der Beschreibung ganz mit der anderer Arten derselben Gattung
übereinzustimmen, die Abbildung aber (T. 11. F. 1) ist ganz verfehlt,
und nicht geeignet, eine Vorstellung von ihrer merkwürdigen Bildung
zu geben. Im Innern Bau zeigen Larve und Käfer manche Ueber-
einstimmung, namentlich hat die Ganglienkette gleiche Zahl von Ab-
*) Wenn man diese Gattung von Anthicus absondert, muss man
ihr denNamen Notoxus lassen, denGeoffroy ihr zuerst gab, und
den Fabricius mit Unrecht auf eine andere Gattung, auf welche er
gar nicht passt, übertrug.
182
dominalknoten. Die Speichelgefässe sind bei der Larve kurz, beim
Käfer sehr lang. An den Gallengefässen hat der Verf. eine wichtige
Beobachtung gemacht. Sie sind nämlich dem Mastdarm angeheftet,
münden aber nicht hinein, wie vielfach angenommen wird, sondern
sind an einem durchsichtigen häutigen Gewebe befestigt, welches den
Mastdarm umgiebt und durchaus keine der eigenen Häute des Darms
ist. Bei der Larve setzt sich jedes Gallengefäss in dieser Membran
als ein feiner vielfach geschlängerter Faden fort, der bei der Ver-
wandlung obliterirt. Die Hoden bestehen aus je einem Büschel von
5 länglichen Bälgen. Die Eierstöcke sind wirteiförmig und bestehen
jeder bei M. fasciata aus 15, bei M. aculeata nur aus 5 Eiröhren.
Die Scheide hat nur einen einzigen birnförmigen gestielten Anhang»
Folgende sind als neue Arten zu nennen: Mordella decora Che-
vrolat (Rev. Zool. S. 16) aus Galicien (ist M, 2-punctata pej.),
M. funesta^ strigipennis, splendidtda ^ Anaspis verticalis, orientalis,
poecila Faldermann (Faun. Transcaucas.), Rhipiphorus apicalis
Westw. (Royle Himal.)
jnCeloidae, Die Mi/labrzden derBerberei sind von Che vre -
lat(Silberm.Rev. Ent.V. S. 266) aufgeführt worden: Cerocoma Valilii,
für welches fälschlich das Weibchen von C. Schreberi angenommen
wurde, von welchem diese Art ausser .mehreren Unterschieden durch
schwarze Hinterbeine des Männchens abweicht, häufig auf allen Wie-
senblumen in Algier^ auch eine Abänderung mit einfarbig grünem
Hinterleibe. Hycleus (^Di'ces Dej.) distinctus, neue Art aus Algier:
Mylabris, 84 Arten, davon 1) Oleae, 2) tricincta, 3) rnbripenms^ 4) li^
tigiosay 5) Guerinii^ 6) melanura Pall., 10) maura, 11) circumflexa^
13) Wagneri^ 14) impressa, 15) PayhilliJMWb., 17) 10-punctata F.,
18) terminatay Id) Silbermanni, 2i)praeusta F., 22) apicalis, 83) cow-
tea;ta, 84) scapularis aus der Regentschaft Algier, 8) ruficornis F.,
12) Goudotühap. aus Marocco, 9)gilvipeSf 16) tenebrosahajp. 20) curla
von Tunis, und 12) maculata Ol. ohne genauere Angabe der Locali-
tät. Die meisten (nämlich alle im Vorstehenden ohne Auetor aufge-
führten) Arten sind neu, indess M. circumflexa ohne Zweifel einerlei
mit der nur aus Billberg aufgenommenen M. PaykuUi, und M. api-
calis und coutexta nach des Verf. eigener Meinung nur Abänderungen
von M. praeusta. — Lydus mit 3 Arten, L, algirinus, aus der ganzen
Berberbei, L. sanguinipennis , neue Art, durch unbehaartes, runz-
lich punctirtes Halsschild und blutrothe Flügeldecken von voriger
verschieden, von Tanger, und L. marginatus {Mylabr. margin, Fab.)
von Oran. Mylabris Oleae ist auch vom Ref. in Wagner^s Algier
beschrieben und abgebildet.
Faldermann (Faun. Transcaucas.) hat noch folgende als neue
Arten: Mylabris Matthesii^Armeniaca, cingulata, süperb a, externe'
punctata, unicolor, Oenas Wilhelmsü, Cerocoma Scovit zu {Olivieri
Dej.) Jestiva (sicher von Schreberi nicht verschieden) Lytta Arme-
niaca, Meloe exaratus. Eine neue bei Pisa entdeckte Art von Si-
183
iaris, S. Solieri, machte Pecchioli (Ann. d. I. Soc.Ent. d. Fr. VIII.
S. 537) bekannt.
Curculionides» Das Supplement zu Schönherrs Genera
et Species Curculionidum ist bis zur Hälfte des zweiten Bandes vor-
gerückt. Die zweite Abtheilung des ersten Bandes enthält den Rest
der Orthoceren, nämlich die Gruppen des Brenthides, Oxycorynides
(die einzige Gatt. Oxycorynus Chevr.), Antliarhinides, Cylades^ JJlo-
cerides, Oxyrhynchides , und den Anfang der Gonatocera, und zwar
die Gruppen der Brachyceriden, Entiniiden , Pachyrhynchiden und
den Anfang Aev BracJiyderiden, welche umfangreiche Abtheilung noch
die ganze erste Hälfte des zweiten Bandes einnimmt. Die grosse
Zahl der neuen Entdeckungen hat nicht immer in den früheren Gat-
tungen Platz gefunden, sondern auch die Errichtung zahlreicher neuer
Gattungen fast überall nöthig gemacht.
Das 6. und 7. Heft von Lahr am und Imhof s ,,Gattungen der
Rüsselkäfer" beschäftigen sich ausschliesslich mit den Anthriben,
und bereichern diese Gruppe mit mehreren neuen Gattungen: Deii-
terocrates, am Nächsten mitXenocerus verwandt, aber die Augen
vorn nur schwach ausgerandet, die Fühler, obgleich sonst in der Bil-
dung übereinstimmend, haben das dritte Glied nicht verkürzt. Eine neue
Art, D.nebulosus. Decataphanes^ sonst mit der vorigen Gattung
sehr übereinstimmend, auch in der Bildung der Fühler^ nur dass sie
durch Verschwinden des 10. Gliedes lOgliedrig erscheinen. Zwei neue
Arten, D, gracilis und pictus. Anacerastes, im Verhältniss der
letzten Fühlerglieder mit Decataphanes, in dem der ersten mit Me-
cocerus übereinstimmend, d. h. das erste Glied massig lang, ziemlich
keulförmig, das 2. klein, das 3. und die folgenden lang, das 10. unver-
hältnissmässig kurz. Eine Art, A. lepidus. Chirotenon^ mit ver-
längerten Vorderbeinen des Männchen, die Fühler hier nur von hal-
ber Körperlänge, die beiden ersten Glieder klein, die übrigen ziem-
lich gleich, gestreckt und dünn; beim Weibchen sind die Fühler noch
kürzer, und nur die drei letzten Glieder sind gestreckt, eine lang-
gezogene schmale Keule bildend. Eine Art, Ch. adustus. Alle diese
vier Gattungen, welche sich zwischen Xylinades und Xenocerus stel-
len, sind von Aquapim in Guinea. Eine 5. neue Gattung ist Sy-
staltocerus Dej., mit Gymnognathus und noch mehr mit Analotes
verwandt, die Fühler ziemlich lang, und an der Spitze nicht verdickt,
an denen des Weibchen die 7 letzten Glieder eine lange Keule bil-
dend. S.platyrhinuSf eine hübsch gezeichnete Art aus Cayenne. Von
bekannten Gattungen sind dargestellt; Eucorynus durch E. cras-
sicorm's, Lagopexus durch L. tenuicornis, Tropideres durch T.
albirostris und niveirostris^ Cratoparis durch Cr.lunatus und eine
neue Art, Cr. tapirus Dej. aus Cayenne, Anthribus durch A. albi-
nus und 2 neue Arten, A. dama und retusus aus Guinea, Polyco-
rynus durch P. compressicortiis und eine neue Art P. pantherinus
aus Guinea. Voq der ersteren Art dieser Gattung lehrt der Verf.
184
auch das Männchen kennen, bei dem die Fühler von Körperlänge,
die Keule nur 4gliedrig, das 5 — 8. Glied an der Spitze mit einem
zurückgekrümraten Häkchen bewaffnet sind.
Neue Arten sind: Bruchus i-plagiaUis Motschoulski (Bull.
Mose. 1839. S. 57, 1840. S. 185) — Brachycerus difformis Fald er-
mann (Faun. Transcaucas.), Er. riguus, Thylacites fullo und coma-
tus, Cleonus fastigiatus, Molytes ferus des Ref. (Wagn. Algier III.
S. 185— 187), Phytonomus balteatus Chevrolat (Rev. Zool. S. 16)
aus Portugal. Otiorhynchus sculptus, simplex^ squamosusf Omias tes-
sellatus^ Sitona verrucosa^ Mononychus variegatus VtxwWh (II. Canar.
Ent. S. 71. ~ Tylodes scaber desselb. S. 72 ist Acalles argillosus
Schönh.)5 ex^^ich. Ptilopus Argus Reiche (Rev. Zool. S. 875) aus Cuba.
Perris (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr.IX. S. 89) beschreibt die Na-
turgeschichte eines Apion ulicicola^ dessen gelbliche Larve in Gallen
der Triebe des Ulex nanus lebt, characterisirt den Käfer aber zu
ungenügend, um entscheiden zu können, ob er auf eine der bekannten
Arten zurückzuführen ist. Ap. atomarium lebt nach Suffrian (Ent.
Zeit. S. 44) auf Thymus Serpyllum. Derselbe theilte (ebendas.) Be-
merkungen über Ap. difforme und (S. 58) über Ap, apricans mit, fer-
ner (S. 6) über Rhynchites auratus Scop. und laetus Schupp. , von
denen er den ersten gegen Schönherr als den wahren Fabricischen
Bacchus nachweist, Rh. sericeus^ comatus, (S. 44) über Rh. obscurus,
der auf Eichen lebt, Hornung (ebendas. S. 68) üher Rh. hungan'cus,
und Suffrian noch über Rhamphus aeneus (S. 45), Phyllobius caU
caratus (S. 46), von dem er den schwarzbeinigen auf Nesseln
lebenden als carniolicus Ol. absondert, den indess schon Jlliger als
Alneti F. unterschieden hatte; Dr. Schmidt beschrieb (ebend. S. 131)
das maschige Gespinnst, in welchem die Larve des Phytonomus Ru-
micis sich verwandelt (Ref. fand mehrere solcher Cocons an einander
geheftet), Suffrian stellte (ebendas. S. 59) eine zweite grössere Art
von Anoplusy A. Roborzs, auf, welche auf Eichen lebt, während die
andere Art vorzugsweise auf Birken sich findet. Derselbe gab über
Thamnophilus flavicornis Seh. (ebendas. S. 47) Orchestes bifasciatus,
erythropus(ß. 10) f quercus und Poephagus Nasturtü (ß. 60) Nachricht.
Die Bewegungen des merkwürdigen Tachygomis Lecontei schilderte
Zimmermann (Germ. Zeitschr. II. S. 445).
'Xylophaga. Aus der Abtheilung der Borkenkäfer be-
schrieb Brülle (IL Canar. Ent. S. 71) Hylurgus crassicornis. Per-
ris (Ann. d. scienc. nat. N. Ser.XIV. S. 89. T.3.A. F. 19— 24) stellte
die Larve des Piatypus cylindrus dar, und Boyer deFonscolombe
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 104) führte unter den dem Oel-
baum schädlichen Insecten Hylesinns oleiperda und Phloeotribus
Oleae auf. Die Larve des ersteren, welche als 6füssig angegeben
wird(??), lebt in den Zweigen des Oelbaums und macht sie abster-
ben, die des zweiten nistet sich vorzüglich in den Astwinkeln ein,
und wird Veranlassung,' dass diese beim geringsten Windstoss brechen.
Aus dem bunten Gemisch von Gattungen, welche den Rest dieser
185
aus vielen Elementen zusammengesetzten Abtheilung bilden, ist Apate
aterrimay Cis caucasicus Men., Lyctus suturalis, laevipenni's , Nemo-
soma caucaslcum Men. (von Nemosoma cornutum Sturm's verschieden)
und Brontes humeralis vonFaldermann (Faun. Transcaucas.), Tro-
gosita Pini, der T. coerulea verwandt, von Brülle (II. Canar. Ent.
S. 70) beschrieben.
Eine neue Gatt. ^ er o/??* stellte Bur meist er (Gen. Ins. Heft 5)
auf, Vielehe wohl weniger mit den Mycetophagen, wie der Verf. will,
als mit Sarrotrium verwandt, kurze, dünne, 10-gl. Fühler mit 2gl. Keule
hat, und sich dadurch besonders auszeichnet, dass die Augen auf seit-
lichen Fortsätzen, fast wie auf Stielen stehen. Acropis tubercuUfera
ist aus Brasilien.
Ger mar (Zeitscbr. II. S. 342) übersetzte Newman's Monographie
von Rhysodes, bereicherte sie mit 2 neuen Arten, Rh. coniungens,
dem Rh. sculptilis verwandt, aus Nordamerica, und Rh. figuratus
vom Cap, und bestätigte das Vorkommen des Rh. aratus (exaratus
Jll.) in Europa.
MäOngicornes, Dejean (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 69)
hat zu Mulsants Arbeit über die Cerambycinen Frankreichs seine Be-
merkungen mitgetheilt. Es sind von M. viele neue Gattungen errichtet.
Ropalopus begreift Ca//, insubricum, clavipes und fe7noratum, Ca l-
lidium ist skuf vtolaceum^ dilatatum^ sattguineum, umfasci'atum^ alni
und rußpes beschränkt, Phymatodes enthält C. variabile^ thoracic
cum (vielleicht Vini Pz.) und humerale^ Semanotus ist für C.unda-
tum gebildet, Oxypleurus enthält eine neue Art, O. Nodieri^ viel-
leicht Crioceph. morbillosumDej., Criomorphus entspricht Isarthron
Dej., Criocephahis ist Criocephalum Dej. Unter Platynotus
(vergebener Name) sind Cl. detritus und arcuatus, unter Anagly-
ptus Cl. gibbosus und fnysttcus von Clytus abgesondert, Leptidea
ist für Gradlia brevipennis Dej. errichtet, Stenosoma hält Dej.
für einerlei niitDeroplia, Compsidea hesreift Sap. popuinea, Anae^
rea Sap. Carchan'as, Saper da ist auf tremulae, punctata und
scalaris beschränkt. Polyopsia entspricht Anaetia Dej., heisst aber
schon bei Stephens TetropsKnh. Anoplodera enthält I.e/?^ Q-gut-
tata, rußpes, lun'da. Interessant ist noch die Bemerkung, das Hespe-
rophanes pallidus {Callid. pall. Ol.) das Call mixtum F. ist. Dejean
bemerkt mit Recht, dass dieser Käfer wenig bekannt sei, mit Unrecht
aber, dass man ihn nur in Frankreich kenne: er findet sich auch in
Deutschland, und wurde namentlich bei Berlin von Kirstein, bei Darm-
stadt von Riehl entdeckt.
Zwei neue, mit Spondylus verwandte Gattungen sind von Guerin
(Rev. Zool. p 876) aufgestellt worden. Sie haben eine ähnliche cy-
lindrische Form, weichen aber beide durch etwas gesägte Fühler von
fast Körperlänge und nicht flache, sondern fadenförmige Füsse ab,
deren Klauenglied nicht länger als die drei ersten Glieder ist. Ano^
ploderma hat die Mandibeln länger als den Kopf, die Maxillartaster
länger als die Labialtaster, und das zweite Fühlerglied klein, das
£86
dritte länger als das erste; Sypilus hat die Mandibeln kürzer als dea
Kopf, die Taster beider Paare gleich lang und das zweite und dritte
Fühlerglied beide kurz. Beide Gattungen gehören zu den Entdeckun-
gen d'Orbigny^s, und ist die erstere, A. bicolor, auf den Andes von
Peru, die zweite, S. Orhignyi, in Patagonien einheimisch.
Guerin beschrieb in der Revue Zool. (S. 39) eine dem Prionus
rostratus verwandte Art unter dem Namen Cyrtognathus mon-
tanus^ weiche auf den Nilgerrhies im April und Mai niemals flie-
gend, sondern stets auf dem Boden herumkriechend, in solcher Menge
erscheint, dass die Wege förmlich von ihnen bedeckt sind, und die
schwarzen Bären aus den Ghats herbeigezogen werden, um sich an
diesem Insekt zu sättigen. Später (S. 88) erkannte G., dass dasselbe
strenger genommen zur bereits früher schon auf dem Pr. rostratus F.
gegründeten Gatt. Dorystenes Vigors gehöre, von welcher sich Cyr~
tognathus hauptsächlich durch die einfache Brust unterscheidet.
Eine neue Gatt. Mecosarthron stellte Buquet (Rev. Zool.
S. 172 und Guer. Mag. d. Zool. 1840. Ins. pl. 53) auf, die zu den
Prionen mit stachligen Schienen gehört, zwischen Enoplocerus und
Ctenoscelis in der Mitte steht, und sich durch ein besonders langes
erstes Fühlerglied auszeichnet. Die ansehnliche Art, M. buphagus^
ist in Brasilien zu Hause. ,
Der Gatt. Callipogon fügte Reiche (Rev. Zool. S. 275) eine
zweite Art, C. Lemoinei von St. Fe de Bogota hinzu; eine neue Art
von Mallodon, M. spinosum aus Mexiko, stellte Newman (Mag.
of Nat. Hist. N. Ser. IV. S. 194) auf, einen neuen eigentlichen Prio-
nus, der vom P. coriarius vorzüglich durch schwärzere Färbung,
grössere Glätte und an den Seiten zweidorniges Halsschild abweicht,
beschrieb Fald ermann in der Faun, transcaucas. als P. Asiaticus;
die Gatt. Calocomus bereicherte Buquet (Rev. Zool. S. 148, Guer.
Mag. de Zool. 1840. Ins., pl. 50. 51) mit zwei neuen ausgezeichneten
Arten, die beide etwas grösser, namentlich länglicher sind als C. Des-
marestii, die eine, C. Kreuchelyi, schwarz mit rothbraunen Flügel-
decken, mit länglichem schwarzem Schulterfleck, die andere C. Lyciusy
dunkelblau, beide aus dem reicken Bogota. Auch Psalidogna"
thus wurde durch Reiche (Rev. Zool. S. 358) mit einer Art ver-
mehrt, Ps. erythrocerus, dem Ps. modestus Fries ähnlich, mit rothen
Fühlern, aus Columbien.
Menetries hat ein Essai d'une Monographie du genre Ana-
colus (Mem. de l'Acad. Imp. d. scienc. d. St. Petersb. VI. Ser. V.U.)
mitgetheilt. Die Gattung zerfällt in drei Gruppen. Bei der ersten
hat das Halsschild einen Zahn in der Mitte und verengt sich hinter
demselben, die Flügeldecken sind sehr kurz, dreieckig, spitz. Hier-
hin A. lugubris Enc. und A. bimaculatus Men. Bei der zweiten
Gruppe hat das Halsschild dieselbe Form, die Flügeldecken sind aber
wenig verkürzt, bedecken fast den ganzen Hinterleib und sind an
der Spitze abgerundet. Hierhin A. sanguineus Enc, lividus Men.,
praeustus^ Perty und tiigricolUs Men, Bei der dritten Gruppe ist das
187
Halsschild nicht verengt, die ganze Form ist weniger verkürzt, die
Flügeldecken sind abgerundet und reichen fast bis zur Spitze des
Körpers. Hierhin^, i-maculatus Gory und A. i-7iotatus Men. Bu-
quet (Ann. d. 1. Soc. Ent. IX. S. 379) hat drei neue Arten, J. Me-
netriesii, scapularis und fyj^maemi hinzugefügt, welche alle der er-
sten Gruppe angehören. Die dritte Gruppe entspricht nach ihm der
Gatt. Myzomorphus des Dejeanschen Catalog,
Dupont hat in Guer. Magas. d. Zool. (1840. pl. 28 — 38) einen
Nachtrag zu seiner, in früheren Berichten besprochenen Monographie
der Tr «cAyt/ere« gegeben, worin diese Gruppe mit 3 neuen Gattungen
bereichert wird. Galissus Dup., mit Lissonotus verwandt, indess ge-
streckter, mit einfachen Fühlern, etwas längeren Hinterbeinen und zu-
sammengedrückten, gewimperten Schienen. 1 A.^ G. cyariopterus aus
Cayenne. — Aegoidus Buq. von Stenaspis und Phaedinus, wie es
scheint nur durch die Höcker des Halsschildes unterschieden, indem
nämlich auf dem Rücken desselben 5, wie bei Phaedinus, an den Seiten
2 (bei Phaedinus nur 1) sich finden; Stenaspis unterscheidet in der That
sich nur dadurch, dass die flachen Höcker des Rückens fehlen. In
der langgestreckten schmalen Gestalt des Schildchens kommen alle 3
überein, und es scheint, als ob man sie füglich (unter dem Namen
Stenaspis oder Phaedinus vereinigen könnte. A, Peruvtatius aus Peru
ist die Art, auf welche die Gatt. Aegoidus errichtet ist.— 0%odera^
am Nächsten mit Xylocharis verwandt, aber etwas gestreckter, mit
plumperen Beinen und Fühlern, mehr nach hinten vorragender Spitze
zwischen den Vorderbeinen, stumpf gerundetem Höcker zwischen
den Mittelbeinen, kürzerem Schildchen und nur einem Höcker an den
Seiten des Halsschildes (die Abbildung zeigt einen Ausschnitt der
Unterseite des Halsschildes, wovon aber bei einer zweiten Art nichts
zu sehen ist). — O. xanthospilos (0. callidioides) aus Columbien. —
Neue Arten der älteren Gatt, sind Phaedinus lanio Guer., aus dem
innern Südamerica, Ph. tnicrothorax (Trachyderes) Perty aus Brasi-
lien, Ph. Debauvei aus dem engl. Guiana, Dendrobias basalis aus
Bogota, Trachyderes iuvencusy blandtts, badius (auf der Tafel mit
dem Dejeanschen Namen spadiceus genannt) ebendaher, Stenaspis
unicolor, vielleicht aus Mexiko.
Ausserdem sind noch mehrere Arten zur Gruppe der Tra-
chyderiden nachgetragen worden: Megaderus coralUfer New-
man (Mag. of Nat. Hist. New Ser. IV. S. 195) aus Mexiko, Ab-
änderung des M. bifasciatus Dup. — Rachidion obesum New-
man (ebendas.) aus Brasilien, mit rothbraunem Halsschilde und Flü-
geldecken, nicht das AVeibchen des R. nigritum Serv«, wie N.
vermuthet, obschon das Männchen auch ganz schwarz ist. — Trachy-
deres venustus Newman (ebendas. VI. S. 479) ist Phaedinus Debau-
vei Dup. — Phaedinus moestus Newm. (ebendas. IV. S. 195) aus
Brasilien, gleichzeitig von Buquet (Rev. Zool. 1840. S. 142) als
Galissus h'plagiatus aufgestellt, keine eigene Art, sondern das Mann-
188
eben des Prion. Martii Vetty. — Aegoidiis Earlii Guerin (Rev.
Zool. 1840. S. 384) von Bogota. — Oxodera callidmdes Dupont
(Rev. Zool. 1840. S. 43) und O. bipartita Biiquet (ebendas. S. 110)
beide von Bogota , die erstere (von ganz rothbrauner Farbe) nach
Guerin's Urtheil (ebendas. S. 143) Abänderung der letzteren (schwarz
mit gelbem Ouerfleck vor der Mitte der FJügeldecken). — Stenaspis
rimosus Buquet (ebendas. S. 142) von Bogota.
Buquet (Rev. Zool. S. 172) stellte eine neue Gatt. Stiphilus
auf, welche mit Rachidium in näherer Verwandtschaft, sich haupt-
sächlich durch die vom 6. Gliede an breitgedrückten, nicht gesägten
Fühler und einfaches Prosternum unterscheidet. St. i-punctatus, tief
und glänzend schwarz, mit 2 weissen Puncten hinter der Mitte je-
der Flügeldecke, ist ein seltener brasilischer Käfer, der auch im Mag.
de Zool. 1841. Ins. pl. 63 abgebildet ist.
Derselbe (Ann. d. 1. Soc. Ent. IX. S. 385) beschrieb die Gatt.
Pteroplatus Dej., welche sowohl in Form als Färbung auffallend
an Lycus erinnert, und sich durch die abgeplatteten und nach hinten
erweiterten Flügeldecken, das seitlich erweiterte flache Halsschild
und die gebarteten 7 ersten Fühlerglieder auszeichnet. Die fünf be-
schriebenen Arten, Pt. pulcher^ suturalis^ gracilis, Rostainei und ar-
rogans sind von S. Fe de Bogota. (Andere finden sich in Brasilien
und Mexiko.)
Derselbe (Rev. Zool. S. 292) machte uns auch mit der Gatt.
Coccoderus Dej. bekannt, welche die nächsten Beziehungen mit
Chlorida und Phoenicocerus, dabei jedoch manche üebereinstimmung
mit Eburia zeigt. C. bisignatus aus Cayenne und C. Q-maculatus und
C. tuberculatus aus Brasilien sind sämmtlich seltene Arten.
Hammaticherus erhielt Zuwachs durch H, dux Falder-
mann in der Fn. Transcaucas. , dem H. heros nahe verwandt, und
eine zweite Art aus Algier, von der Grösse des H. cerdo, von fei-
ner Sculptur und ohne Dorn am Halsschilde, vom Ref. (Wagn. Al-
gier, III. 188) H. Nerii, und etwas später von Buquet (Ann, d. 1
Soc. Ent. IX. 395) H. Mauritanicus benannt. ~ Callichroma
bereicherte Hope (Linn. Transact. XVIII. S. 440. T. 30. Fig. 2. 3.) mit
zwei prächtigen Arten, C. Grifßthii und Cantori aus Assam, und
Newman (Mag. of Nat. Hist. N. Ser. IV. S. 367) führte eine dritte
auf, C. ducalis, vom Navigator-Island, Halsschild und Flügeldecken
mit purpurschwarzem 8ammtfilz bekleidet, die Schenkel roth, die vor-
deren an der Spitze, die hintersten halb schwarz. Promeces iucun-
dus und Clostrocera tricolor stellte Guerin (Rev. Zool. S. 108) als
neue Arten vom Senegal auf. •
Newman (Mag, of Nat. Hist. N. Ser. IV. S. 194) errichtete eine
neue Gatt. Niraeus, vom Ansehen einer Aromia, mit breiten, an
beiden Rändern mit einem grossen Zahn bewaffneten Mandibeln, sehr
kurzen Maxillartastern, cylindrischem Endgliede aller Taster, Füh-
lern von kaum halber Körperlänge, an den Seiten mit höckrigem
189
Halsschilde, abgerundeter Flügeldeckenspitze, kaum verdickten Schen-
keln und zusammengedrückten Schienen. iV. iricolor von der Tenes-
sariraküste, fast 1^ Zoll lang, ist roth, die Flügeldecken ums Schild-
chen und hinten schwarz, die Fühler schwarz mit weisslicher Mitte.
Die neuhollRndischen ^^eMOCÄor/^/ew sind vonHope (Proceed.
Zool.Soc. S.46) auseinander gesetztworden. Die Gatt. Stenochorus
istauf solche mit gedornten Fühlern und an der Spitze 2 dornigen Flü-
geldecken eingeschränkt, und enthält 19 Arten, von denen die einen,
wie St. semipunctatusj ein an den Seiten gedorntes, (^St. gi'gas aus
dem Innern, lattfs, trimaculatus, ww^/m/ö^m* vom Schwanenfluss, longi-
pennis und assimilis von Van -Diemensland, Mitchelli, acauthocerus
und dorsalis sind neu), die anderen ein ungedorntes Halsschild ha-
ben, wie St. uniguttatus M'Leay {Mallocera elongata Dej.) und die
neuen St. rhombifer^ tunicatuSf Roei, der letzte vom Schwan enfluss.
— Coptocercus mit gedornten Fühlern und abgestutzter Flügel-
deckenspitze ist auf Sten. biguttatus Don. und 2 neuen Arten, C. 6-wi«-
culatus und unifasciatusy erstere weitverbreitet, letztere vom Schwa-
nenfluss gegründet. Die übrigen haben ungedornte Fühler. Tr«-
chelorachys, mit an den Seiten und auf dem Rücken gedorntem
Halsschilde und nicht verdickten Schenkeln, enthält 2 neue A., Tr.
fumicolor und pustulatus, Meropachys, mit sehr unebenem und an
den Seiten gedorntem Halsschilde, mit vor der Spitze kugelförmig
angeschwollenen Schenkeln und mit seidenartiger Behaarung des
Körpers: ebenfalls 2 neue A., M. Mac heaii und tristis, letztere vom
Schwanenfluss. Bei den folgenden Gatt, ist das Halsschiid nach vorn
kegelförmig verengt, ii'Xm\ic\i Scolecobrotus (^Westwoodi, der sich
wahrscheinlich nicht am Schwanenfiuss, wie der Verf. vermuthet^
sondern in Van-Diemensland findet, woher ihn die hiesige Sammlung
erhielt), Uracanthusy beide schon im ersten Bande der Zool.
Transact. aufgestellt, die letztere hier mit zwei neuen A., U. pallens
von Van-Diemensland und JJ. marginellus, vom Schwanenfiuss, be-
reichert; Strongylurus mit an der Spitze abgerundeten Flügel-
decken, auf den Sten. scutellatus Hope und einer neuen A. St. vari-
cornis g.egründet, hat mit den beiden folg. Gatt, zusammengedrückte
Fühler gemein: Coptopterus mit schräg abgestutzter Flügeldecken-
spitze hat den C. cretlfer Hope, Piesarthrius mit innen gedorn-
ter, aussen abgerundeter Flügeldeckenspitze, eine neue A. P. mar-
ginellus vom Schwanenfiuss, zum Typus.
Eburia ,virgo und puella beschrieb New man (Mag. of Nat.
j^Hist. N. Ser. IV. S. 196). Das Vaterland der ersteren ist Brasilien,
das der letzteren nicht angegeben.
Die Gatt. Hesperophanes Dej. wurde mit 3 Arten vermehrt:
Call. {Hesp.) roridum Brülle (II. Canar. Ins. S. 62. T, 1. F. 6),
Call. Hesp. pulverulentum des Ref. (Wagn. Algier III. S. 189) und H.
fasciculatufn Fal der mann (Faun. Transcaucas.). Ein Callid. Ion-
gicolle vom Senegal stellte Guerin (Rev. Zool. S. 109) auf, einen
190
Clytus Faldermanni Dej. beschrieb Fal der mann in der Fauna
Transcaucas. , und einen Cl Caucasicus Motschoulski im Bull.
Mose. 1839. S. 54.
Megaproct2is ist eine neue Gattung, welche Chevrolat
(Silberm. Rev. Ent. V. S. 381. T. 38) aufstellt, und den Prionen zu-
gezählt wissen will, welche aber mit Rücksicht auf die nicht unter
sondern zwischen den Augen stehenden Fühlern den ächten Ceram-
byces angehört, und sich den Callidien annähert. Sie zeichnet sich
durch die Bildung des männlichen Hinterleibes aus, der anscheinend
aus nur 3 Segmenten besteht, die beiden letzten jeder mit einer haa-
rigen Grube. Dieser Bildung zufolge ist die in Süd-Africa einhei-
mische Art M. didelphis benannt worden. Das Weibchen ist unbekannt.
Ommidium nennt Newman (Mag. of Nat, Hist. New. Ser. IV.
S. 196) eine neue Gattung, deren systematische Stellung er ungewiss
gelassen hat. Der Kopf ist abwärts geneigt, die Fühler sind fast
von Körperlänge, das erste Glied lang, das zweite kurz, das dritte,
vierte und die übrigen gleich lang. Die Augen klein und schmal^ von
den Fühlern entfernt, das Halsschild vorn eingeschnürt, an den Sei-
ten höckrig, kaum dornig, auf dem Rücken flach, die Flügeldecken-
spitze gerundet, die Schenkel allmälig verdickt. 0. modestum, gelb,
behaart, mit runzligem Halsschilde, befilztem Schildchen, an der Wur-
zel punctirten Flügeldecken, 0,7'" lang, ist aus Brasilien.
Hope (Linn. Transact. XVni. S. 136) beschrieb mehrere neue
Lamien vonAssam, zum Theil als Typen neuer Gattungen. Der Gat-
tungsname I.«m/« ist auf die Form der L. rubus beschränkt, welche
hier mit der L. Horsfieldii von Assam bereichert ist. Euoplia
weicht von Lamia darin ab, dass die Flügeldeckenspitze 2dornig istj
das Ansehn ist im Ganzen das von Monohammus. E. pofyspila ist von
Assam, ausserdem werden 5 noch unbeschriebene hierhingehörige
Arten erwähnt. Oplophora (ein nicht mehr vacanter Name) hat
abgerundete Flügeldeckenspitze, aber einen Bruststachel. Hierhin
li. punctatorF. und die hier abgebildete prächtige O. iS'o//« vonAssam.
Anoplophora unterscheidet sich von der vorigen durch unbewaff-
nete Brust und enthält eine prachtvolle assamesische Art, A. Stafi-
leyana, Monochamus ruher Hope steht mit der Lamia rubra Dalm.
(Schönh. Syn. HI. Suppl. S. 167) in der nächsten Verwandtschaft und
wird daher anders zu benennen sein. — Lamia Swainsonii und Mo-
nochamus heryllinus Hope (Mag. of Nat. Hist. N. Ser. VI. S. 300),
die erstere der Gatt. Euoplia verwandt, der zweite bläulich grün,
mit schwarz geflecktem Halsschild und Flügeldecken, sind gleichfalls
von Assam. L. Wallichn Hope (Royle Himal.) eine ausgezeichnete
Art vom Himalaj'a und Java, ist auch als Ceroplesis tricincta Dej,
bekannt. Monochamus lignator Dej. (Faldermann Faun. Trans-
caucas.) ist vermuthlich einerlei mit Lam. pellio Genn., welcher nach
abgeriebenen Stücken beschrieben zu sein scheint. Monochamus annU'
licornis und albidvs Brülle (II. Canar. Ent, S. 68. Taf. 1. Fig. 3. 4)
191
gehören beide nicht in diese Gattung; die erstere schliesst der
Deroplia Dej. sich am Nächsten an. Astynomus Dej. bereicherte
Faldermann (Fauna Traoscaucas.) mit einer kleinen Art, A. hir-
sutulus.
Von Dorcadion beschrieb Faldermann (Faun. Transcaucas.)
6 Arten, von denen D. indutum, glaucum, laeve, persicum neu. Eine
Portugisische Art, D. Lusitanicum, stellte Chevrolat (Rev. Zool.
S. 16) auf. Die Lam. (Acanthod.) gibba Brülle (IL Canar,
Eot. S, 72. T. 1. F. 5) scheint der Abbildung nach eine den Dorcadien
sich zunächst anschliessende Form zu sein.
Die Saperden erhielten in Faldermann's Fauna Transcaucasica
einen Zuwachs an zum Theil ausgezeichneten neuen Arten: Saperda
mirahilis^ Scovitxfi^ holosericea, Anaetia güvipes Stev., Phytoecia
jmncticoUis , Faldermanm Dej., diademata, pretiosa, punctum Zgl.,
Agapanthia smaragdina Dej., chalybea. — Agapanthia consobrina
Chevrolat's (Rev. Zool. S. 17) aus Galicien, ist der A. suturalis
nahe verwandt, aber mit gelben Halsschilds- und Nahtstreifen. —
De Bremens (Rev. Zool. S. 278)* Sap. GuSrinii aus Algier zeichnet
sich durch grosse Geschlechtsverschiedenheit aus, das Weibchen ist
die Sap. {Phytoecia) glauca des Ref. (Wagn. Algier III. S.189); das
Männchen hat statt des dichten Toments, welches den Körper des
Weibchens bekleidet, nur eine äusserst zarte, kaum bemerkbare Pu-
bescenz, und die Flügeldecken haben ringsum einen feinen, weissen
Tomentrand.
Stibara Hope (Mag. of Nat. Bist. N. Ser. VI. S. 30Ö) ist eine
neue Gattung, mit Saperden-förmigem, dickem, kräftigem Körper, brei-
tem, vorn fast quadratischem, hinten gewölbtem Kopfe, starkem, kno-
tigem, unbewehrtem Halsschilde, breiten Flügeldecken, die kaum 3mal
länger als das Halsschild, an den Seiten erhaben, an der Spitze jäh
abgestutzt sind, verdickten Schenkeln und kräftigen Schienen. St, te^
traspilota und tnlineata*e'md von Assam.
Amphton Reiche (Annal. d. 1. Soc. Ent. VIII. S. 563) ist zu-
nächst mit Hippnpsis verwandt, unterscheidet sich aber durch ein
querrunzliches Halsschild und an der Spitze abgestutzte Flügeldecken.
A. vittatum ist von Santa Fe de Bogota.
Stenias Guerin (Rev. Zool. S. 109), nach Serville's Einthei-
lung zwischen Mesosa und Saperda stehend, sehr lang, schmal, ge-
wölbt, das Halsschild so breit als die Flügeldecken, ohne Dorn, die
Beine kurz und plump, die Fühler von Körperlänge, unten gewimpert.
Es scheint diese Gattung mit Sthemas Dej. identisch zu sein, und
dann würden L. grisator, cylindrator F. (welche nicht einerlei sind)
und croca/a Ol. hierhin gehören. Guerin beschreibt eine vierte, iS^üi/o-
wz7, vom Senegal (die hiesige Sammlung besitzt noch eine 5. vom Kap).
Eine neue mit Toxotus zunächst verwandte Gatt. Enoploderes
stellte Faldermann (Faun. Transcaucas.) auf. Das Halsschild hat
wie bei Toxotus einen Seitendorn. An den Fühlern ist das 2, Glied
192
kurz, das 3. doppelt so lang, das 4. wieder kurz, die folgenden erst
sind gestreckt. Dass diese (5 — 10.) an der Spitze einDÖrnchen hät-
ten, findet Ref. nicht bestätigt^ die einzige bis dahin noch unbeschrie-
bene Art ist E, sanguineiis. (Böber sandte sie als Leptura cuprea.)
Ebendas. stellte t'aldermann noch Rhagium fasciculatum (wo-
mit Rh. rufipes Motsch. zusammenfällt), Toxotus persicus, Pachyta
alpina, Leptura melanota^ Stenura oxyptera, Grammoptera elegans
auf. Eine neue Art von Algier ist Lepttira oblongo-maculata Biiqiiet
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 396).
Leon Dufour beschrieb die Verwandlungsgeschichte des Rhu-
gium inqidsüor (Ann. d. 1. Soc. Ent. IX. S. 63). Die Larve fand der
Verf. in Pinus maritima^ das Rh. Inquisitor F. lebt in verschiedenen
Laubhölzern, es ist aber auch der Cer. Inquisitor L. gemeint, den
Fabricius später als Rh. iudagator aufstellte, während er der var. ß Lin.
den Namen Inquisitor beilegte.
Perris theilte (An. d. sc. nat.N. Ser, XIV. S. 90. T. 3.^. F. 25— 28)
seine Beobachtungen über die früheren Zustände ier Leptura (Sir a?t-
galia) aurulenta mit. Die Larve lebt in Erlen.
Mupoda» Neue Arten sind: Donacia Jsiatica und Lema cor-
nuta Faldermann (Faun. Transcaucas.) aus den Caucasischen Pro-
vinzen unä L. cruciata Gu erin (Rev. Zool. S. 41) von den Nilgerrhies.
Eine Monographie von Zetigophora ist von Suffrian in der
Ent. Zeit, gegeben worden. Es enthält die Gattung 4, sämmtlich
in Deutschland einheimische Arten: Z. subspinosa, scutellaris^ fron-
talis und flavicoUis. Die zweite Art ist neu und weicht von der
ersten durch bedeutendere Grösse, hellgelbe Farbe des Kopfes und
Halsschildes, Sculptur u, s. w. ab, die dritte gleicht der zweiten,
unterscheidet sich aber durch schwarze Stirn, und zu ihr gehört
GyllenhaPs Lema flavicoUis.
Vyclica, Eine Aufzählung der Arten von Alurnus ist von
Guerin (Rev. Zool. S. 830) gegeben wordin, nach der Dejean'schen
Gattungseintheilung, ohne jedoch diese Gattungen zu cbaracterisiren.
Alurnus hat 11 Arten, sämmtlich vom Südaraericanischen Festlande,
nämlich 4 Brasilische (marginatus Latr., thoracicus Perty, Vigorsii
u, A., corallinus Vig.), 1 neue (i-maculatus) aus Paraguay, auch in
Brasilien vorkommend, 2 neue (nigripes und vicinus) von Corrientes,
2 gleichfalls neue {d'Orlignyi und apicalis') aus Bolivien und 2 (gros-
sus F. und bipunctatus Ol.) aus Guiana. Bothryonopa^ 4 neue
Arten aus Javaj Anisodera, Alurn. ferrugineus F. und eine neue
Art, beide aus Java; Callistola, Hisp. speciosa Boisd., Promeco-
theca, 2 neue Arten, die eine (diluta) aus Cayenne (auch in Suri-
nam) die andere (Petelii) von Java.
Eine Abtheilung der Gatt. Eispa, mit erweiterten und dornigen
Seiten des Halsschildes, für welche der Gattungsname Viatypria
in Vorschlag kommt, ist von Guerin (Rev. Zool. S.139) näher be-
trachtet worden. Sie enthält 5 Arten, entweder mit langen dünnen
193
Fühlern und 6 Dornen auf der Erweiterung des Halsschildes, die
einen mit zwei Erweiterungen am Flügeldeckenrande (^H. echidna^
w.K.wnA H.hystrix¥., beide ostindisch, erstere die ^. TF^YcM/^yHope),
die anderen ohne die vordere Erweiterung der Flügeldeckenränder {H.
corojiata und cefitetes, beide n. A. vom Senegal); oder mit kurzen
spindelförmigen Fühlern {H. erinaceus F.). Von Hispa sind indess
diese Arten nicht wohl generisch zu trennen.
Hispa occator Brülle (II. Canar. Ent. 73. 165. pl. 1. F. 17),
lebt auf den Canarischen Inseln auf Cistus vaginatus; sie scheint
mit H. testacea, welche ebenfalls auf Cistus lebt, verwandt zu sein,
leider sind die Unterschiede nicht ausgezeichnet. H, bigeneris
Newman (Mag. ofNat. Hist. New. Ser. IV. S. 367) aus Südaustralien,
ist eine stachellose ächte Hispa, wie H. inermis Zoubk. Falder-
mann (Faun. Transcaucas.) beschrieb eine Cassida hella.
Clirysomelinae» Die Gatt. Timarcha erhielt Zuwachs an
T. Gallaeciana Chevrolat (Rev. Zool. S. 17) aus Galicien, T. tur^
bida^ generosa des Ref. (Wagn. Algier S. 189) und endora Buquet
(Rev. Zool. S. 243) aus Algier, vielleicht einerlei mit der T. turbida
des Ref. Neu sind ferner Chrysomela Canariensis, ohsoleta, gemina,
m'tens, rttfipes Brülle (II. Canar. Ent. S. 73), Afra und consularis
des Ref. (Wagn. Algier III. S. 190), und Chnjs. {Plagiodera) Rajah
Guerin (Rev. Zool. S. 41) von den Nilgerrhies.
Newman (Mag. of Nat. Hist. N. Ser. IV. S. 249) beschrieb 8 neue
Cryptocephali aus Ost-Florida. Chevrolat (Rev. Zool. S. 17)
stellte eine neue Clythra {Lachnaia) puncticoUis aus Galicien (auch
in Portugal einheimisch) auf, und Guerin (Rev. Zool. S. 41) machte
eine ChlamySy Chi. Indica, von den Nilgerrhies bekannt, und machte
zugleich darauf aufmerksam, dass diese Gattung also nicht ganz auf
Amerika beschränkt sei, was auch Ref. schon einmal mit Erwähnung
einer Südafricanischen Art zu bemerken Gelegenheit genommen hatte
(Germar. Zeitschr. I. S. 369).
Adimonia barbarwäes Ref. (Wagn. Algier III. S. 191) gehört zu
den der A. littoralis verwandten Arten, A. scutellata Chevrolat
(Rev, Zool. S. 17) aus Galicien (auch in Portugal vorkommend) gleicht
derA. Capreae ungemein und ist vielleicht nur Abänderung mit ganz
schwarzen Beinen. ,
Eine Reihe von Arten nach den Dejean'schen Gattungen: Adimo-
m'a, GaUeruca, Maiacosoma, Lnperus, Crepidodera, Aphthona, Teino-
dactyla, Psylliodes^ Plectrascelis^ Timarcha, Chrysomela, Phratora,
Colaphus, Clythra, Labidostomis, Cheilotoma^ Pachybrachys, Crypto-
cephalus enthält Faldermann's Fauna Transcaucasica.
Clavipalpi. Einen neuen Eroiylns (Iphiclus) tQ-maculafus
aus Columbien beschrieb Buquet (Rev. Zool. S. 173), zwei neue Arten,
Isc/iyrus lepidus und Tr/plax MenetriesiiV 9^^ er m Run (Faun. Trans-
caucas.), endlich Agathidiam vittalum Motschoulskri (Brill. Mose.
1839. S. 53).
Archiv f. Naturgpsch. VII. Jahrg. 2. Bd. J3
194
Aphid^iphagi. Eine beträchtliche Anzahl von Coccinellen und
Scymnen aus den Caucasisch-Russischen Provinzen ist von Falder-
mann und Motschoulski (Nouv. Mem. d. 1. Soc. Imp. de Nat. de
Mose. V. und Bull. Mose. 1839. I. und 1840 II.) beschrieben worden.
Coccinella {Epilachnä) Delessertii von den Nilgerrhies machte Gue-
rin (Rev. Zool. S. 48) bekannt.
JFungicolae» Buquet bereicherte die Gatt. Trochoideus
Westw., welche wegen ihrer merkwürdigen Fühlerbildung anfäng-
lich für den Pausus verwandt angenommen wurde (S. Jahresbericht
für 1838. S. 343), mit einer vierten Art, T. Americanus, von S. Fe
de Bogota, wo sie unter Baumrinden lebt (Rev. Zool. S. 173).
Xtatridii, Faldermann (Faun. Transcaucas.) beschrieb drei
Arten \oi\ Latridius , L. sculptipennis, exaratus, sinuaiicolUs, Mo i-
schoulski (Bull. Mose. 1839. S. 50) machte eine zweite Art von
Dasycerus, D. crenatus, bekannt, welche kleiner und gewölbter
ist als D. sulcatus, und von welcher er vermuthet, dass sie auch im
mittleren Europa vorkomme, und beschrieb (ebendas. S. 56) Mono-
toma conicicoUis Chev. Ders. (ebendas. 1840. S. 186) ändert den für
Monotoma Rondani Villa früher vorgeschlagenen Gattungsnamen
Spartycerus (S. Jahresbericht für 1837. S. 208) in Apeistus um.
JPselaphii» Mehrere Bemerkungen über Arten dieser Familie
theilte Motschoulski (Bull. Mose 1840.) mit. Bryaxis longi-
cornis Leach und laminata^ welche Ref. (Käfer der Mark Bran-
denburg) als zwei verschiedene Formen des Männchens der B. san-
guinea angenommen hatte, erklärt er für die beiden Geschlechter der-
selben, und die B. sanguinea für eine zweite Art. Ausser den an-
gegebenen Unterschieden, welche Ref. für Geschlechtsunterschiede ge-
halten hat, stützt er sich vorzüglich auf in Begattung angetroffene
Pärchen und auf seine Erfahrungen, dass B, sanguinea von der an-
dern Art nicht geduldet würde, und dass sie nicht auf dem Caucasus,
dagegen ohne die andere in Sibirien sich fände. Ref. kann für seine
Ansicht nur anführen, dass bei Berlin alle drei Formen unter einan-
der leben, und dass er sie lange zusammen eingesperrt gehalten,
und nie beobachtet hat, dass sie mörderisch gegen einander ver-
fuhren. Ob die Br. longicornis Leach oder die Form mit der Brust-
platte vom Verf. als Männchen befunden sei, bleibt in seiner Darstel-
lung zweifelhaft, da, vermuthlich aus Schreibfehler, bald die eine,
bald die andere als solches angegeben wird. Um darüber «nt-
schieden ins Reine zu kommen, würde eine anatomische Untersuchung
dienen können, welche Ref. bis zum nächsten Frühjahr oder Sommer
versparen muss, weil im Herbste sich die Geschlechtsorgane durch-
aus noch nicht entwickelt finden Hessen. — Seine B. spinicoxa
ist der Verf. jetzt geneigt für Weibchen der B, antennataAiihe zu
halten. — Seinen Bythinug longiphlpis erklärt er für Weibchen des
B. securigery mit dem er ihn in Copula beobachtet.
195
Derselbe (Mem. d. I. Soc. Imp. des Nat. d. Moscou V. S. 414)
entdeckte eine neue Art von Claviger, Cl. colchicus, welche zwi-
schen CI. foveolatus und longicornis in der Mitte steht, auf den Geor-
gischen Gebirgen in den Nestern der Formica flava, und im Süden
von Georgien einen neuen Batrisus, B. thoracicus^ in den Nestern
der Formica capitata.
Orthoptera*
Ref. hat früher der Bihhmg der Mundtheile gemäss, in
Uebereinstiinmiing mit der Form der Verwandlung dieser Ord-
nung eine weitere Ausdehnung gegeben, indem er alle Neuro-
ptercn Latreille's mit unvollkommener Verwandlung mit der-
selben vereinigte. Diese Verbindung wird noch bekräftigt
durch eine weitere Eigenthümlichkeit, welche die Ordnung der
Orthopteren in dieser Ausdehnung vor allen übrigen Insecten
voraus hat. Es entsprechen nämlich in der Unterlippe die Ta-
ster mit ihren gewöhnlich deutlich vorhandenen Stämmen einem
dritten Kieferpaar, und wie schon bei den Orthopteren auf
dem zweiten Kieferpaar, den Maxillen, die Laden besonders
entwickelt sind, so ist diese Ordnung auch die einzige, welche
ladenartige Theile auf dem dritten in der Unterlippe enthalte-
nen Kieferpaar zeigt, es entspricht nämlich der 4- oder bei
Verwachsung der mittleren Stücke 31appige vorderste Theil
nicht der Zunge der übrigen Insectenordnungen , sondern den
Maxillarladen, deren jeder Tasterstamm, gleich dem Stamm
der Maxille zwei, mehr oder minder entwickelt, besitzt. Hier-
durch sondert sich diese Ordnung sehr von den übrigen ab,
und es ist ein sehr bemerkenswerther Umstand, dass, wie die
beiden Ordnungen mit unvoUkommner Verwandlung, die Or-
thoptera und Hemiptera in der verschiedenen Form und Ausbil-
dung der Flügel einen ziemlich gleichen Gang nehmen, sie in der
Ausbildung der Mundtheile einander gegenüberstehen, indem
diese bei den Orthopteren den am meisten zusammengesetzten,
bei denHemipteren den einfachsten Bau zeigen. (Entomogr. S.S.)
JForßculdriae* Neue Arten sind : Forficula (Forficesila) mazima
und maior, Brülle (IL Canar. Ent. S.74) und F. macropt/gaWeat-
wood (Royle Himal.)
Slatta/riae, Ebenfalls zwei neue Arten, Blatta bivittata und
vestita hat Brülle (ebend. S. 75).
Jltt^antidae, Eine ausgezeichnete Form von Mantiden, M.
desiccatUy findet eich in der Naturalist^s' Xibrary Entomöl. L pT. 9
13*
196
abgebildet und S. 234 beschrieben. Die Seiten des Halsschildes sind
flügeiförmig erweitert, die Erweiterung hinten tief ausgeschnitten.
Die Hinterschenkel sind gelappt. Diese ansehnliche Mantis ist von
Malacca. Westwood bildet aus ihr eine eigene Untergattung De--
roplaty s.
Zwei neue Arten, Mantis llmbata und gracilis beschrieb Brülle
(H. Canar. Ent. S. 62). Sie gehören zu den kleinen Arten, und sind
ohne Zweifel nur die beiden Geschlechter derselben Species.
JLocustariae, Eine neue, in der Körperforni, namentlich auch
in der Form des Halsschildes den Gatt. CoUyris und Tricondjla analoge
Form stellte Westw. (Linn. Transact. XVIII. S. 419) unter dem ^?l-
menCondj/lotnera auf, welche durch das lange, cylindrische, zwei-
mal eingeschnürte, und zweiknotig erscheinende Halsschild leicht
kenntlich ist. Decken und Flügel sind nur in Stummeln vorhanden.
Die Beine sind lang und dünn, die Vorderschienen an der Stelle, wo
sich der Spalt befindet, angeschwollen. C. tricondyloides von Java,
kommt selbst in der Färbung auf die Analogie mit den genannten
Cicindelen-Gattungen zurück.
Eine neue, zur Gattung Conocephalus gehörige Art beschrieb
Brülle (H. Canar. Ent. S. 76) als Locusia brevicauda.
JLchetae. Westwood (Nat. Library Ent. 1. S. 248. T.6. F.1)
hat eine neue ausgezeichnete Art, Acheta arachnoideSy von Jamaica,
bekannt gemacht.
A.crydit€S» Von den Oanarischen Inseln machte Brülle (H
Canar. Ent. S. 77) als neue Arten: Truxalis tereticornis ^ Acrydium
laetum^ asperum, vittatum, nmimtum^loöatumhek'duüty Eversmann
(Bull. Mose. 1839. S. 139) gab eine genaue Beschreibung des Gompho-
eerus rufus Thunb., und Motschoulski (Bull. Mose. 1840. S. 171)
stellte einen Gompkocerus caucasicus auf, der dem G. Sibiriens sehr
nahe verwandt, sich durch rothe Innenseite der Schenkel, rothe Schie-
nen mit einem schwarzen Ringe, kürzere, dunklere Flügel und ge-
ringere Grösse unterscheidet, und beschrieb als Oedipoda tatarica den
Gryllus migratorius L., dem er eine Verbreitung von Ungarn bis
nach China beilegt, und den er für die verwüstende Heuschrecke die-
ser Gegenden ausgiebt. Es ist indess wohl möglich, dass mehrere
Arten neben einander vorkommen, nämlich noch der nahe verwandte
Grjllus cinerascens F. und Gr. tataricus F.
Burmeister (Gen. Ins. Hft. 5) gab eine Darstellung der Gatt.
Opsomala Serv. mit Abbildung der O. erythrogastra S. und viri^
dis S. {eucera B.).
JPsoeidae, Westwood (Mag. of nat. Hist. VI. S. 480) stellte
eine neue Gatt. Clothilla auf. Sie ist ungeflügelt, der Kopf fast
dreieckig, die Fühler etwa 27gliedrig, der Prothorax kurz, die Beine
einfach, die Füsse 3gliedrig. Cl. stndiosa: luteo-albida, oculis brun-
197
neis; antennis fiiscis, labro albido, incisuris abdomiais brunneis^
pedibiis albidis. 1'" lang. In Häusern.
Idhellulidae» Den europäischen Libellen ist im verflosse-
nen Jahre eine mehrfache gründliche systematische Bearbeitung zu
Tlieil geworden, und zwar durch die
Libellulinae Europaeae, dcscriptae ac depictae a Toussaint de
Charpentier c. tab. XLVIII. col. Lips. Leop. Voss. 4to.
Monographie des Libellulidees d'Europe, par Edm. deSelysLong-
champ. Paris, Roret, Bruxelles, Muquardt. 8to.
Synonymia Libellularura Europaearum Auct. H. A. Hagen. Diss.
Inaug. Regiomont. Pr. 8to.
Charpentier's Werk ist ein Pracht werk, mit genauen vom Verf.
selbst gezeichneten, im Steindruck vortrefflich ausgeführten und sehr
sauber colorirten Abbildungen, die Monographie von de SelysLong-
champs ist in anspruchsloserer Erscheinung nicht weniger gediegen,
und mit derselben Treue und Gründlichkeit gearbeitet, welche die
übrigen Leistungen dieses Verfassers so vortheilhaft auszeichnen.
Hagen's Inauguralschrift ist zu diesen beiden ausführlichen Bear-
beitungen eine wichtige Zugabe, indem sie mit eben so umfassender
literarischer als genauer specieller Kenntniss die Synonyme ordnet,
wobei der Verf. auf einer Reise durch Schweden, Dänemark und
Norddeutschland Gelegenheit hatte, viele zweifelhafte Arten nach den
in den Sammlungen aufbewahrten Originalen kennen zu lernen. Auch
sind noch die beiden oben genannten Arbeiten benutzt und die mit-,
unter abweichenden Benennungen auf einander zurückgeführt.
Charpentier nimmt nur die drei Fabricischen Gattungen an,
errichtet jedoch in allen mehrere Untergattungen, welche mit eigenen
Namen belegt werden. Zu Libellula gehören: Epitheca (L. bi-
macu/ata), durch die Structur der Genitalien, vorhandene Bauchw^ar-
zcn und die vom Mittelpuncte aus in 3 Felder getheilte Dreieckszelle
der Vorderflügel ausgezeichnet; Libellula {depressa \\. a.) mit drei-
kantigem, Diplax {L. ßaveola u. a.) mit cylindrischem Hinterleibe
und aufrechtem zweilappigen Hinterrande des Prothorax; Chlor o-
sorna (L. aenea u. a.), die Gatt. Cordulia Leach, in dem bei den
Männchen ausgebuchteten Innenrande der Hinterflügel übereinkom-
mend mit Aeschna, deren vier üntergatt. sind: Cyrtosoma {Je.
axurea), der Gatt. Anax Leach entsprechend, bei beiden Geschlech-
tern mit gerundetem Hinterwinkel, Aeschna {Je. grandü u. a.)
bfeim Männchen mit ausgebuchtetem Innenrand der Hinterflügel, The-
caphora {Je. lunulata)^ die Gatt. Cordulegaster Leach., die Augen
nicht ganz zusammenstossend, wie bei den vorigen, sondern sich auf
einer kleinen Stelle berührend; Diastatomma {Ae. forcipataw.^..^
der Gatt. Gomphus Leach entsprechend, durch die auseinanderstehen-
den Augen den Agrionen sich annähernd. Diese haben die Unter-
gattungen: Epallage (A. Fatime, neue Art aus der Türkei) noch
mit der plumperen Gestalt der vorhergehenden und der Färbung der
198
letztgenannten Untergattungen, Calopteryx {A. Virgo u. a.) mit
nach der Wurzel hin allmälig verschmälerten Flügeln, Anapetes
QA. forci'pula u. a.) von Leach schon als Lestes aufgestellt, darin
von den übrigen Agrionen abweichend, dass die Flügel im Sitzen
ausgebreitet gehalten werden j Sympyc7ia {A. phallatiini), mit ge,-
Wühnlicher Flügelhaltung, aber darin mit 'der vorigen übereinkom-
mend, dass die Zellen zwischen den beiden in die Flügelspitzen auslau-
fenden Längsnerven, nicht wie sonst viereckig, sondern fünfeckig-
sind j Pyi'rhosoma {A. miniuni) mit sehr vorragender Unterlippe
und Kopfschild; Erythromma {A. viridulum u. a.), mit im Leben
rothen Augen der Männchen; Ischnura{A.pumilio u.a.) mit schmä-
lerem Kopfe und verhältnissmässig kurzen Flügeln; Agrion {A.fur-
eatum u. a.); Flatycnemis (A. lactetmi) mit erweiterten hinteren
Schienen.
De Selys Longchamp hat 18 Gattungen angenommen, von
denen die drei ersten, Libellula (Libelulla und Diplax Charp.), Li-
hella (identisch mit Epitheca Charp., wegen des hinter dem ersten
gelegenen zweiten Auges von Libellula abgesondert) und Cordulia
(Chlorosoma Charp.) als Gruppe Lihelluloides der Fabricischen Gatt.
Libellula, die fünf folgenden als Gruppe Aeschnoides der Gattung
Aes'chna F. entsprechen. Die erste derselben Lindenia De Haan
(L. tetraphylluy welche Charp. nicht kannte, daher auch bei ihm keine
entsprechende Untergattung sich findet) unterscheidet sich durch eine
Auftreibung vor den weit auseinanderstehenden Augen von Gotn-
phus, welcher der Diastatomma, so wie Cordulegaster derThe-
caphora, Aeschna der gleichnamigen Abtheilung, Anax dem Cyrto-
soma bei Charp. entspricht. Die Agrionen sind in 2 Gruppen auf-
gelöst: Noi'mopteroides mit umgestielten Flügeln ohne Parastigma»
mit der einzigen Gatt. Calepterya^ (Calopteryx bei Charp.) und
Heteroptero'ides mit gestielten Flügeln und Parastigma, die 3 Gatt.
Lestes y Sympecma uüä Agrion enthaltend, die erste der Unter-
gatt. Anapetes, die zweite Sympjcna bei Charp. entsprechend, wiegen
des langgestreckten Parastigma von der dritten abgesondert, welche
die übrigen Charpentier'schen Untergattungen in sich vereinigt.
Die Zahl der beschriebenen Arten ist bei beiden Auetoren ziem-
lich gleich. Charpentier hat 60 aus eigener Ansicht beschrie-
ben und ausserdem 5 ihm unbekannte aufgeführt, Selys Long-
champ kennt im Ganzen 63 Arten. Charpentier hat mehr Agrionen,
Selys Longchamps mehr Libellen und Aeschnen, namentlich stellt er
unter Anax statt einer 3, unter Cordulia statt drei 5 Arten auf. Durch
Hagons sorgfältige Aufzählung steigt die Zahl der bekannten Euro-
päischen Arten auf 78, von denen die letzte, Agrion pulchellum^
vom Verf. in Preussen und Schweden entdeckt und als neue Art
sorgfältig beschrieben ist.
De Selys Longchamp machte in der Rev. Zool. (S. 213) drei
in Belgien neu entdeckte Agrionen bekannt, welche sich auch nicht
199
auf Charpcntier^sche Arten xurückführen lassen: A. Sophia, zur
Untergattung Ischnura Charp. gehörend, dem A. speciosum, A. cog-
nata, dem A. puniilio nahe verwandt, A. Charpentieri, dem A.
hastulatum sehr ähnlich; durch die Hinterleibszeichnung des Männ-
chens und die verschiedene Grundfarbe des Weibchens beständig unter-
schieden.
Eine Monographie der Agrionen von Aix gab Boyer de Foos-
colombe (Ann. d. L Soc. Ent. d. Fr. VII. S.547).
Ueber die Fortpflanzungsweise der Libeliuliden hat
V. Siebold (Germ. Zeitschr. IL S. 421) seine Beobachtungen aus-
führlicher mitgetheilt. Bei den Männchen findet der sonderbare Um-
stand statt, dass die Mündung der Samengänge und die Copulations-
organe nicht mit einander verbunden sind. Erstere münden auf gewöhn-
liche Weise am hintern Ende des Körpers, letztere befinden sich in
einer besonderen Tasche am Grunde des Hinterleibes und haben einen
sehr zusammengesetzten Bau. Hauptbestandtheile sind eine von einer
hornigen Kapsel umschlossene und von vielen Muskpln umgebene
Samenblase, und ein Penis, der bei den Libellen und Aeschnen drei-*
gliedrig und der »Samenkapsel aufsitzend, bei den Agrionen von der-
selben abgerückt, bei beiden an der Spitze mit je nach den Arten
verschieden gestalteten erectilen Theilen versehen ist. Die mehrere
Wochen nach der letzten Verwandlung brünstigen Männchen ergiessen
mit umgeschlagenem Hinterleibe die Samenfeuchtigkeit in die Samen-
tasche, daher man bei solchen Individuen, wo man in den Hoden reife
Samenthierchen sieht, dieselben auch in der Begattungstasche, nament-
lich der Samenblase, welche daher mit Recht auf diese Bezeichnung
Anspruch machen kann, wiederfindet. Die Agrionen und Aeschnen
haben haarfeine, sich lebhaft bewegende, im Wasser zu Oesen ge-
drillte Spermazoen, während dieselben bei den ächten Libellen eine
mehr gedrungene stabförmige Gestalt haben, "und stets starr und
unbeweglich erscheinen. Bei der Begattung nun fasst das Männchen
mit den an seinem Hinterleibsende befindlichen zangenförmigen Or-
ganen das Weibchen im Nacken, welches bei einigen Arten, z. B.
{Lib. i-maculata) sogleich sein Hinterleibsende zur Begattungstasche
der Männchen umschlägt, während andere QLib. rubicundd) dies nicht
eher thun, als bis das Männchen sich gesetzt hat, und während die
Aeschnen immer in engster Begattung umherschwärmen, fliegen die
Agrionen nur mit ausgestrecktem Leibe mit einander und wieder-
holen die Begattung, so oft sie sich setzen. Offenbar steht dieser
letztere Umstand damit in Bezug, dass der Penis nicht, wie bei den
Libellen und Aeschnen, in unmittelbarer Verbindung mit der Samen-
blase steht, sondern allem Anscheine nach mit seiner Mündung aus
derselben die Sameufeuchtigkeit aufsaugt, daher nur eine geringe
Portion des Samens bei jedesmaligem Coitus ins Spiel kommt.
Die weiblichen Geschlechtstheile hat der Verf. in Bezug auf die
Schcidenanhänge noch einer genauem Prüfung unterworfen. Die
200
BegattUDgstasche ist eio Blinddarm -artiger Anhang der sackförmigen
Scheide, an deren V^erbindiingssteile das receptaculum seminis ein-
mündet^ welches ohne Anfangsdrüse, bei den Libellen und Äeschneji
paarig, bei den Agrmien einfach ist; Calopteryx (yirgo) macht zwi-
schen beiden Formen den Uebergang, indem dort das Organ aus zwei
kleinen Blinddärmchen besteht, welche durch einen längeren gemein-
schaftlichen Ausführungsgang mit der Scheide in Verbindung stehen.
Ueberhanpt haben die Samentaschen die Gestalt von Blinddärmchen,
die bald länger und gewunden oder gekrümmt, bald kürzer und gerade
sind. Die beiden anderen Arten der Scheidenanhänge finden sich bei
allen Libellen. Ausserdem kommt aber bei einigen am Hinterleibs-
ende noch ein Paar langgestreckter, blinddarmartiger Schläuche vor,
die durch enge Canäle mit einem zusammengesetzten Legeapparat
in Verbindung stehen. Dieser Legeapparat erinnert an die entspre-
chenden Organe der Blattwespen und besteht aus ein Paar Klappen,
welche vier sägeförmig gezähnte, säbelförmige Hornstücke um-
schliessen. Der Verf. schliesst aus diesem Bau, dass die mit solchem
Apparat versehenen Libellen — und zwar sind dies Aesc/men und
die Agrionen — ihre Eier nach Art der Blattwespen in das Paren-
chym der Wasserpflanzen einsenken, eine Vermuthung, welche an
den Agrionen der Verf. kürzlich durch unmittelbare Beobachtung be-
stätigen konnte. Die Weibchen von Libellula und Diastatomma
besitzen keinen solchen Legeapparat, und lassen über dem Wasser
schwebend, einfach ihre Eier ins Wasser fallen, einige beim jedes-
maligen Austritt eines Eies die Hinterleibsspitze zum Wasser herab-
senkend, die Lib. cancellata dasselbe thuend mit Beihülfe des Männ-
chens. An solchen Stellen, wo die Libellen auf solche Weise über
dem Wasser verweilt hatten, fand der Verf. ihre Eier in Menge
zwischen dem im Wasser schwimmenden Kraute.
Grosser Libellenzüge, welche in der Richtung von Südwest nach
Nordost die Gegend von Halle passirten, erwähnte Germar (Zeit~
Schrift n. S. 443),
Xphefneridne» Ueber die Lebensverhältnisse der merkwür-
digen Ephemera flos aquae hat Triebke (Ent. Zeitschr. S. 54)
einige Nachrichten gegeben. Das Insect findet sich bei Garz nur in
dßta langsam fliessendeu Oderarm Schloo, erscheint ziemlich regel-
mässig in der Mitte Juni, in manchen Jahren sparsamer, in manchen
in ungeheurer Menge. Die Larve ist noch unbekannt geblieben, die
Nymphe erhebt sich schnell an die Oberfläche des Wassers und das
Proimago kommt so eilig aus derselben zum Vorschein, dass es
.öfter schon unter Wasser die Nymphenhaut abstreift, und dann unmit-
telbar aus dem Wasser ans Ufer fliegt, um sich nochmals zu häuten.
Geschlechtsunterschiede sind nicht bemerkt worden, es findet kein
Tanzen statt wie bei E. vulgata, die Begattung geht wahrscheinlich
bei Nacht vor sich, und am andern Morgen ist die ganze Generation
des vorigen Abends schon verschwunden,
201
JHfeuroptera.
In dieser Ordnung sind nur zwei neue Arten, Myrmeleon
alternans und Hemerobius ßaviceps von Brülle (II. Canar.
Ent. S.83) aufgestellt.
Vymetioptera,
Die Ilistoire naturelle des Insectes Hymenopte-
res des Grafen Lepelletier de Saint-Fargeau (Suites
a BuflFon) wurde mit einem neuen (zweiten) Bande fortgesetzt,*
welcher die Bearbeitung der einzeln nistenden Bienen und'
Wespen enthält. Wenn auch hinsichts der beschriebenen Arten,
namentlich bei den Wespen, durchaus keine Vollständigkeit
beabsichtigt sein kann, und nur einzelne Gattungen, wie
Xylocopa, Anthidium, einigermassen umfassend im Speciellen
bearbeitet sind, und wenn vorzugsweise die Anzahl der auf-
genommenen Americanischen Arten dürftig erscheint, ist
auf der andern Seite die Kenntniss der Hymenopteren durch
eine grosse Anzahl neuer, hauptsächlich theils süd-europäischer,.
theils vorzüglich durch einen Reichthum Algierischer Arten
erweitert worden.
Ref. beschrieb in Wagner's Algier einige Algierische'
Hymenopteren, welche grösseren Theils mit Lepelletier'schen
Arten zusammenfallen. Spinola (Annal. d. 1. Soc. Ent. de
Fr. VII.) machte eine bedeutende Anzahl meist Aegyptischer,
und später (Annal. d. 1. Soc. Ent. de Fr. IX.) einen Theil
Cayennischer Hymenopteren bekannt, über welche alle im Spe-
ciellen Nachricht gegeben wird. Aus der Europäischen Fauna
ist nur eine Aufzählung der Hymenopteren der Schweiz von
Imhof (Silberm. Rev» Ent. V. S. 192) zu erwähnen.
Venthredinetae* Die deutschen Arten sonTrichiosoma sind
vonHartig (Ent. Zeit. S. 19) mit 2 Arten vermehrt worden: T.Sorbijmxi
sammtschwarzem^ nur an der Wurzel und derSpitze weissgrau behaar-
tem Hinterleibe, beim Männchen mit rother Spitze, die Afterraupe mit
einem grossen braunen Fleck auf jeder Seite des Kopfes, auf der
Vogelbeere fressend, eine Entdeckung Saxesens; und T. 5«/«^, eben-
falls mit sammtschwarzem, aber nur an der Basis grau behaartem
und beim Männchen an der Spitze gleichfarbigem Hinterleibe; auf
Werftweiden. Der Verf. unterscheidet auch T. lucorum und Vitelli-
nae, so dass mit T. betuldti Kl. fünf Arten aufgeführt sind.
Derselbe Verf. hat (ebendas. S. 21; eine synoptische Uebersicht
202
der Nematiden gegeben, welche zur Bestimmung der Arten dieser
so sehr umfangreichen und schwierigen Abtheilung wesentliche Dienste
leisten wird.
Ueber die Ly da- Arten der Rothtanne findet sich in der Ent.
Zeit. S. 15 von Saxesen eine Notiz, welche die Hartig'sche Zusam-
menstellung der Geschlechter nach seinen Beobachtungen dahin be-
richtigt, dass L. Klugii H. das Weibchen zu L. alpina KI., und L.
alpina fem. H. das Weibchen zu L. saxicola H. sei. L. hypptrophica
H. hält S. für Abänderung der L. alpina.
Spinola (Ann. Soc. Ent. Fr. IX. g. 130) beschrieb einige Cayen-
nische Tenthreden: Schizocera axillaris n. A., Hylotoma. leucocephala
Kl., Plagiocera Leachii n. A. und stellte zwei neue Gattungen auf:
Camptopriumy mit llgliedrigen Fühlern, einer einzigen, aber
appendiculirten Radial- und 4KubitaIzellen, deren zweite und dritte
jede einen rücklaufenden Nerven aufnimmt. Dem beschriebenen C.
Leprieuri schliesst sich eine ganze Reihe Südamerikanischer Arten
an. — Aulacomerus, mit 9gliedrigen sehr behaarten Fühlern,
mit einer einzigen, appendiculirten Radial- und 4 Kubitalzellen, deren
zweite und dritte jede einen rücklaufenden Nerven aufnimmt, vor-
züglich ausgezeichnet aber durch die Hinterbein,e, deren Hüften ver-
längert, Schenkel verdickt. Schienen gekrümmt sind, letztere in eine
Rinne des Schenkels einschlagend. A. Buquetü^ einzige, nur dem
männlichen Geschlechte nach bekannte Art.
Ichneumonidae* Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 439)
hat ein Ophion Sphinx aus Aegjpten und (An. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 141)
eine Anzahl Cayennescher Ichneumonen aus den Gattungen Pm/>/a,
Cryptus, Hemitelusy Mesostenus, Polycyrtus, Joppa, Ichneumo?i und
Ophion beschrieben. Polycyrtus ist eine neue Gattung, welche
am Nächsten mit Mesostenus Gr. verwandt ist, und sich darin unter-
scheidet, dass auf der Stirn ein dornförmiges Hörnchen zwischen
den Fühlern steht, und dass der Rücken des Mesothorax dreihüglig
ist. Es ist diese Gattung in Südamerica sehr zahlreich an grössten-
theils recht bunt gefärbten Arten.
Eine neue Südamericanische Joppa, J. picta, ist in Naturalist's
Library, Entomol. I. S. 314. T. 31. F. 3 bekannt gemacht.
LeonDufour beschrieb einige Ichneumonen, welche parasitisch
in den in Brombeerzweigen nistenden Hymenopteren leben: Ichneumon
gyrator (dessen Nymphe die Eigenthümlichkeit hat, sich in ihrem Ge-
spinnste wie ein Kreisel herum zu drehen) /. odiferator und odyne-
ricus sind ächte Cryptus nach Gravenhorst, die letzte Art selbst
einerlei mit Cr. bimaculatus Gr. Die übrigen sind Anomalon mandi-
bulatoTy Pimpla ephippiatoria und marginellatoria, beide der P. ocu-
lata und divinator ähnlich.
JBraconidae. Spinola (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 170)
machte eine Anzahl Cayennescher Arten der Gattung Bracon^ Aga-
this und Alysia bekannt.
203
De Romand (Ann. d. 1. Soc. Eufc. d. Fr. VII. S. 433) bereicherte
die Gatt PaxT/llomma mit einer ausgezeichneten neuen Art, P. Cre-
mieri, aus Frankreich.
In diese Familie scheint die Gatt. Seminota Spinola's (Guer.
Rev. Zool. tS.18 und Mag. d. Zool. Ins. pl. 41) zu gehören, welche
im Habitus so viel Abweichendes hat, dass Westwood, der dieselbe
unter dem Namen Trigonalys (Proceed. Zool. Soc. 1835) aufstellte,
sie zu den Mutillarien rechnen konnte. Später (Mag. de Zool. pl. 53)
nimmt Spinola den Namen Trigonalys an, mit Unrecht Klug als
Urheber desselben nennend. Er bildete im Mag. de Zool. zwei Arten
ab, pl. 41 eine Cayennesche, S. Leprieuri, und pl. 53, eine Deutsche,
Tr. Hahnii.
JEvaniitles» Aus der Gatt. Evania beschrieb Spinola (Ann.
d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 439) eine neue Aegyptische Art, E. dimi-
dmtay und theilte (Rev. Zool, S. 244) eine „Note monographique"
zu dieser Gattung mit, welche indess nicht mehr als 5 Arten umfasst,
von denen nur eine, E. am'mensiSy welche der Verf. in einem Stück
Gummi Animae von Madagascar eingeschlossen besitzt, neu ist.
Cynipsera. Perris (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 93)
beschreibt eine Gallwespe, welche im Papaver dubium lebt, unter
dem Namen Diplolepis Papaveris', dieselbe ist aber kaum ver-
schieden von Aulax Rhoeados Kl. Hartig (Germ. Zeitschr. II. S. 193)
welche bei uns auf gleiche Weise in Papaver Rhoeas lebt. Ihre
Galle bildet sich in den Mohnkapseln, deren äussere Theile keine
Veränderung erleiden, ausser dass die ganze Kapsel mehr birnförmig
und zugleich grösser wird, inwendig ist sie aber ganz mit dem
Fleische der Galle ausgefüllt.
Chalcididae, Nachträge und Berichtigungen zu seiner Mo^
nographie derChalciden der Gegend vonAix*) gab Boy er deFons-
colombe (Ann. des sc. nat. II. Ser. XIII. S. 186).
Zwei neue Arten von Leucospis beschrieb Spinola (Ann. d.
L Soc. Ept. d. Fr. VII. S. 441), eine, L. scutellata aus Aegypten, die
andere, L. Grohmanni aus Sicilien; ferner (Ann. d. 1. Soc. Ent. d.
Fr. IX. S. 199) eine Cayennesche Chaicis, Sniicra Leprieuri.
Westwood (Royle Himal.) bildete Dirhinus Himalayanus &.h und
gab (Trans, of theEnt.Soc. of Lond.) eine Darstellung der von Hrn. Seils
aus dem Neste des Chatergus nidulans gezogenen Chaicis jiyra?nidea¥.
Zwei neue südamericanische Gattungen der Chalciden mit ein-
fachen Hinterbeinen stellte Spinola (Guer. Mag. de Zool. pl. 42. 43)
auf. r e eine, Chryseida, zeichnet sich durch die Richtung des
Kopfes aus, indem das Gesicht nach unten gekehrt ist, wobei der
Mund im Ruhezustande in eine Grube der Vorderbrust eingreift. Die
andere, Lycisca, ist durch ihre Vorderbeine merkwürdig, an denen
* ) Aud. d. scienc. nat. I. Ser. XXVI. S. 273. 1832.
204
die Schenkel verdickt sind, und die Schienen, auf ähnliche Weise wie
bei Mantis, wie ein Messer in dieselben einschlagen. Die einzelnen
Arten beider, Chryseida superciliosa und Lycisca raptoria sind aus
Cayenne.
Perris (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 91 und 404) machte
fünf kleine Chalciden bekannt, von denen die eine, Eulophus Ulicisi
als Parasit in den Larven seines Apion ulicicola, zwei, Cynips Ur-
ticae und Eulophis crinicoriiis als Parasiten der Cecidomjia ürticae
(s. u.) leben, die letzten beiden, Cyrtosoma papaveris und Cynips
papaveris sind Parasiten der Mohn-Gallwespe. Cyrtosoma ist als
neue Gattung beschrieben, zufällig hatte Ciirtis ihr schon denselben
Namen gegeben, so dass sie, obgleich jetzt 5mal als Gattung
aufgestellt, doch nur 4 verschiedene Namen {Ormyrus Westw., Si-
phonura Nees v. E., Pericyphus Bohem,, Cyrtosoma Curt- Perr.) hat.
Cyn. papaveris und Urticae scheinen zu Torymus zu rechnen zu sein.
Westwood (Transact. of the Ent. Soc. of Lond.II. IV.) stellte
die Nachrichten über die Caprification der Feigen in Süd-Europa und
der Levante zusammen, und lehrte die dabei thätigen Insekten ge-
nauer kennen. Hasselquist nannte als solchQ Cynips Ficus, Cari-
cae und Sycomori, von denen die ersten beiden, aus det gemeinen
Feige, von Linne unter dem Namen Cynips psenes vereinigt wurden.
Gravenhorst beschrieb später ein von Treviranus in Tirol in Feigen
aufgefundenes Insect als Blastophaya grossornm. Den Cynips Sy-,
cofnori hiit W. in der Linneischen Sammlung^noch aufgefunden: er
gehört nicht allein zur Gattung Blas top haga, sondern scheint nach
W» genauer Abbildung und Beschreibung und nach den von Gravenhorst
der hiesigen Sammlung mitgetheilten Exemplaren mit demGravenhorst-
schen Insect als Art einerlei zu sein. Die Fühler zeichnen sich dadurch
aus, dass das 4. Glied eine hakenförmige Spitze hat. Die Legeröhre ist
nur kurz und pfriemförmig. Eine zweite verwandte Gattung, Sy-
cophaga^ mit einer neuen Art S. crassipes aus Aegjpten, hat die
Legeröhre von doppelter Hinterleibslänge, worauf Linne's Angabe
„aculeo longitudine corporis" besser zutrifft, während die Beschrei-
bung der Fühler, welche hier an der Wurzel weniger, nach der
Spitze hin etwas mehr verdickt und ganz einfach sind, mehr den
oben bezeichneten Insecten nachkommen würde. Beide Arten sind
klein, platt gedrückt, schwärzlich, mit kurzen verdickten Hinterbei-
nen, die erste mit 12-, die zweite mit 14gliedrigen Fühlern^ die erste
zeichnet sich durch einen grossen , breiten, undeutlich gegliederten
Anhang an den Mandibeln aus, worin sie mit Agaon übereinjiommt.
Vielleicht bilden diese 3 Gattungen eine eigene kleine Giuppe.
Vroctotrttpidae. De Homand (Guer. Mag. de Zool. Ins.
pl. 48. 49) bildete drei Arten von Pelecinus ah, nämlich beide Ge-
schlechter des P. polycerator F., dann das Männchen des P. poiy-
turator {lehn, polyt. Drury), welche beide einerlei sind. Die
vom Verf. vorgenommene Unterscheidung scheint theils in Miss»
205
verständniss, theils in verfehlten Zeichnungen ihren Grund zu haben.
Die dritte Art, P. Guerinüy deren Vaterland nicht angegeben ist, ist
neu. Die Männchen zeichnen sich durch einen kurzen keulfurmigen
Hinterleib aus.
Chrysididae. Spinola (Ann. Soc. fent. Fr. VII. S. 446) be-
gründete die Gatt. Pyria der Enc. durch einen sichern Unterschied
von Chrysis neu: bei Pjria nämlich sind das 2. und 3. Fühlerglied
gleich, während bei Chrysis das 3. beträchtlich länger als das zweite
ist. P. Stilboides ist eine neue Aegyptische Art (auch am Senegal
einheimisch), die P. Reichet vom Cap, einerlei sowohl mit Ohr. lyn-
cea F., als mit P. armata Enc. — Ausserdem beschrieb der Verf.
noch 9 Aegyptische Arten von Chrysis, 1 Hedychrum und 2 Parnopes,
später (IX. S. 203) noch 3 Caj^ennesche Chrysis, von denen die erste,
Chr. •punctatissima, die wahre Chr. fasciata F., zugleich Chr. viridis
der Enc.^ die dritte also, in der der Verf. die Chr. fasciata F. ver-
routhet, anders zu benennenist. — Leon Dufour beobachtete mehrere
Chrysiden als Parasiten in Brombeerzweigen nistender Hymenopte-
ren, namentlich Chrysis cyanea F. und drei neue Arten Chr. obtu-
sidens, indigotea und Hedychrum minimum (ein Elampus) sowohl
in den Zellen von Trypox3lon figulus und Crabro lapidarius, als
von Odyneren und Osmien(?). Die Larve hat grosse Uebereinstim-
mung mit Crabronidenlarven.
Crahronidae, Eine Auseinandersetzung der Deutschen Cr a-
Äro-Arten hat Herrich-Schäffer (Deutschi. Ins. Heft 179. 181)
unternommen, die Lepelletier'sche Gattungseintheilung dabei zum
Grunde gelegt, und Gattungen und Arten in synoptischen Ueber-
sichten dargestellt. Solenius Lepell. wird mit Crabro vereinigt, da
die Unterschiede zwischen den Weibchen allmälig verlaufen, und die
Männchen in ihren Formen nicht beständig genug sind. Von Le-
pelletier'schen Arten sind viele als Geschlechter oder Abänderungen
vereinigt, neue sind Crabro nigritar.ws, spinicollis, nigrimis, pictipes,
fuscitarsis, riigridens , microstictus, pnrvulus, Ceratocohis? trochan-
tericus aus Spanien, durch seine langen Vorder- Trochanteren ausge-
zeichnet und vielleicht eigener Gattung, Crossocerus laevipes.
Leon Dufour (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 409) hat die
sehr richtige Bemerkung gemacht, dass Crabro vexillatus Pz. und
lapidarius F. als Männchen und Weibchen in eine Art zu verbinden
sind. Mit Recht leitet er aus diesem Umstände einen Angriff auf die
Lepelletier'schen Gattungseintheilung der Crabronen ab. Lepelle-
tier de Saint-Fargeau (ebendas. S 415) nimmt hieraus Veran-
lassung seine Gatt. Thyreus zu unterdrücken, und dem Solenius lapi-
darius auf Grund seines abweichenden Männchens eine eigene Ab-
theilung in der Gatt. Solenius anzuweisen.
Nach Perris (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 407) nistet der
Solenius lapidarius in altem Holz, und macht seine Nester in den ver-
lassenen Gängen anderer Insecten, namentlich in den von Wurm-
20t
mehl ausgefüllten von Bockkäferlarven, in welchen er einen Gang bil-
det, der durch Querwände aus den Sägespänen in Zellen getheilt wird.
Diese Zellen enthalten Dipteren, und da diese Art in ihrem Futter nicht
wählerisch ist, immer verschiedene Arten zusammen, stets aber mehr,
als die Larve zu ihrer Ernährung bedarf. Die Larve stimmt mit der
von Leon Dufour beschriebenen des S. rubicola im Wesentlichen
überein, nur dass ihre Mandibeln dreizähnig sind.
Auch Goureau (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VIIL S. 543) theilte
einige Beobachtungen über die Lebensweise von Crabronen mit.
Eine Art nistete am Ufer des Rhone im Sande, und trug ausschliess-
lich Atherix Ibis ein. An einer Larve von Cr. vagus, welche in einem
Gange in einem halbverwitterten Eichenzweige steckte, traf er eine
andere kleine fusslose Larve mit grossem hornigem Kopfe, welche
die Crabro-Larve verwundet hatte und die ausfliessende Feuchtig-
keit auftrank. Welchem Parasiten diese kleine Larve angehören
mochte, konnte er nicht ermitteln.
Leon Dufour (Ann. d. 1. Soc. Ent. de Fr.IX. S. 85) führt als
Arten, welche in vertrockneten Brombeerzweigen nisten, den Crabro
vagus und eine neue Art, Solenius rubicola auf. Von letzterem ist
auch die Naturgeschichte genauer beobachtet. Sie bildet einen Gang
im Mark, und macht in Abständen von 5"' Querwände aus den
Markspänen; jede Zelle enthält ein Ei und eine Anzahl kleiner
Fliegen, nämlich Lauxania aenea. Die fusslose, bucklige Larve
hat dreizehn Körpersegmente, einen kleinen Kopf, 8zähnige Man-
dibeln und Maxillen und Unterlippe durch 3 Wülste vorgestellt.
Zur Verwandlung macht sie sich ein röthliches kaum durchsichtiges
Gocon. Andere Crabronen, als Stigmus ater und Pemphredon uni-
color leben parasitisch in den Nestern anderer, der letztere in denen
von Trypoxylon figulus und Osmia parvula; seine Larve gleicht der
der übrigen Crabroniden, nur dass die seitlichen Wülste der Korper-
ringe nicht so deutlich sind, sie macht auch kein Cocon. Vom Stig-
mus pendulus ist noch nichts Genaueres angegeben, Ref. erin-
nert daran, dass die zweite Art, St. troglodytes, nach Kennedy,
eigene Nester macht und Blattläuse einträgt. Perris (a. a. O.) giebt
auch Blepharipus pauperatus und Corynopus tibialis als para-
sitisch an.
Trypoxylon figulus bohrt sich nach Leon Dufour (a. a. 0.)
Gänge in das Mark abgestorbener Brombeerzweige, und macht dort
Zellen wie die übrigen dort nistenden Crabronen, ohne Lehm oder ^
Sand zu Hülfe zu nehmen. Es geht hieraus hervor, dass dies Insect
sein ßauverfahren nach der Beschaffenheit der Localität modificirt.
Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 489, Guer. Mag. de
Zool. 1840. pl. 54) errichtete eine neue Gatt. Nectanebus, welche
zwischen Cerceris und Philanthus in der Mitte steht, indem sie mit
den übrigen Kennzeichen der crsteren die Form des Kopfes, die Bil-
dung der Mundtheile und Vorderfüsse und das Flügelgeäder der
207
letzteren vereinigt. Die in den Ann. beschriebenen beiden Aegypti-
schen Arten, N. Fischer i und histrioyiicus ^ vereinigt der Verf. im
Mag. als die beiden Geschlechter derselben Art unter dem Namen des
Weibchens N. Fi schert.
Ausserdem beschreibt Spinola (a. a. O. der Aon.) noch fol-
gende Aegyptische Arten: Philanthus variegatus, coarctatus, ruiilus,
Cerceris rutila, tricolorata, Fischeri, ßaviventriSy Waltlii (Abände-
rung des Männchens der folgenden), chlorotica, Hoplist es ferritgineus.
Brülle (11. Canar. Ent. S. 90) hat 3 neue Arten: Cerceris lepida^ con^
cinna und Crabro {Solenius) rußpes.
X^arridae. Spinola (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 476)
macht darauf aufmerksam, dass bei Larra und Lyrops die hintern
Ocellen eine Form veränderung erleiden und als längliche Schwielen und
nicht mehr zum Sehen tauglich erscheinen. Dieselbe Form der Ne-
benaugen findet sich auch bei einer neuen Gatt. Gastrosericus
Spin.(ebend. S. 480), welche 3 Cubitalzellen, die dritte kaum angefangen,
hat, und sich vorzüglich dadurch auszeichnet, dass beim Männchen das
3. und 4. Segment auf der Bauchseite einen häutigen, mit langer dich-
ter Pubeszenz bekleideten Raum hat. Die einzige Art, G. Waltlii^
ist inAegypten zu Hause. Von mehreren ebendaselbst beschriebenen
Arten von Lyrops ist L. Savignii eine Larra nach Latreille's
Begränzung beider Gattungen, und zugleich eine Fabricische Art,
nämlich Pomp, haemorrhoidalis F., die auch am Senegal und in Guinea
einheimisch ist, die übrigen, L. tarsalis^ rufiventris^ erythropus, ge~
niculata sind neu; von 2 Arten von Oxyhelus ist die erste, O. Sa-
vignii der O. lamellatus der Encycl., die zweite, O. Fischeri, scheint
kaum vom O. subspinosus Kl. (in WaltPs Reise nach dem südlichen
Spanien) verschieden zu sein.
Setnbecidae. Spinola (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 467)
beschrieb mehrere neue Arten: Bembex lusca Kl. aus Aegypten,
B. undulataKl, vom Kap, B.chlorotica Kl. ausAegypten, B. Fischer i
ebendaher, B. Westermanni von Guinea (irrthümlich als von Tran-
quebar angegeben). Stizus Savignii, bixonatus aus Aegypten. —
Leon Dufour (ebendas. S. 869) stellte zwei neue, dem St. ruficor-
nis verwandte südfranzösische Arten von Stizus auf. Die eine, St.
Perrisii findet sich auch in Deutschland und selbst bei Berlin, die
andere St, nigricornis kommt auch in Italien und Sicilien vor.
Sphegidae. Goureau (Ann. d. 1. Soc. Ent. d.Fr. VIII. S.53S)
berichtete über den abweichenden Nesterbau eines Pompiius, welcher
nach seiner Beschreibung P. carbonarius {Sphex carL Scop., das Männ-
chen Cerop. punctum F., das Weibchen P. petiolatus v. d. Lind.) ist.
Er baut nämlich ein Nest aus 5 — 6 freien Zellen aus Erde, welche
aber wenig Consistenz haben und noch eines äussern Schutzes be-
dürfen, daher sie unter lose aufliegenden Steinen oder lockern Baum-
rinden angelegt werden. Jede Zelle enthält eine Spinnt mit abgebis-
208
senen Beinen und ein Ei. Die Larve kommt mit der der Crabronen
überein.
Zugleich äusserte Goureau (ebendas. S. 538) seinen Zweifel
darüber, dass die Pompili ihre Beute mit dem Stachel verwunden,
wie dies allgemein angenommen wird. Er hält das Gift desselben
für viel zu scharf und heftig wirkend, als dass es einen so kleinen
Organismus, wie eine Spinne, nicht auf der Stelle tödten sollte, da
doch bekanntlich die von Hymenopteren als Nahrung für ihre Jungen
eingetragenen Insecten sehr lange Zeit in einem nur halbtodten Zu-
stande ausharren. Er fand dagegen, dass die eingetragenen Insecten
durch einen Biss verletzt wurden. Der oben erwähnten Spinne waren
die Beine abgebissen, einen Pomp, bipunctatus traf der Verf. einmal
mit einer Spinne, der der Hinterleibsstiel eingebissen war. Gleiches
beobachtete er auch an Cerceris ornata, welche Hjlaeus- Weibchen
einträgt, und jedem derselben, welches ihre Beute wird, den Hinter-
leibsstiel einbeisst, ähnliches an Mellinus arvensis^ welche der Musca
corvina nachstellt, und jeder ergriffenen in den Hals beisst. Dieser
Punct in derOeconomie der Hymenopteren ist von grossem Interesse,
und es wäre wohl der Mühe werth, dass darüber w^eitere Beobach-
tungen angestellt würden.
Neue Arten sind: Pomp, ater.-dichrousy violaceipennis Brülle
(IL Canar. Ent. S. 91), Pomp, arduus des Ref. (Wagner's Algier III.
S.191), Pomp. Fischeri Spinola (Ann. d. l.Soc.Ent. d. Fr. VII. S. 460)
aus Aegypten, P. aenigma (ebendas.) vom Bosphorus, P. Waltlii
(ebendas.) aus Aegypten. Desselben Pomp, femoralis aus Aegypten
und P. Grohmanni aus Sicilien sind unter sich nicht w^esentlich ver-
schieden und einerlei mit Pomp, luteipennis F. — Spinola (a.a.O.)
beschrieb ferner folgende Aegyptische Arten: Jporus sericeus^ Ceropales
flavicornis, interrnpta, Sphex trichargyra, Ammophila ehenina^ ru-
bripes', Brülle (II. Canar. Ent. S. 93) bat drei Arten der letzten Gat-
tung, A. apicalis, concolor^ nigra. — lieber das Vorkommen der Am-
mophila armata Latr. in Südfrankreich berichtete Leon Dufour
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 291).
Scolietae. Shuckard (Mag. of Nat. Hist.VL S. 482) berich-
tete, dass die in Griffith Animal Kingd. abgebildete Scoiia fidva nicht
aus Südamerica, sondern aus Neuholland stammt, und dass das Männ-
chen dem Weibchen gleichgefärbt ist. — Brülle (II. Canar. Ent.)
beschrieb 2 neue Arten, Scoiia elegans und Myxine gracilis.
JiKutillariae, Aus der Gattung Mutilla beschrieb Spinola
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 457) eine kleine neue Art, M. Chiesi.
Klug las in der Academie der Wissenschaften zu Berlin über
die Gattung Thynnus F. und unterwarf dieselbe einer genauen
un« umfassenden Prüfung. Die Gattung ist auf Südamerica und
Neuholland beschränkt, und zeigt verschiedene Formen, nach welchen
Guerin in der Voy. d. I. Coquille eine Reihe von Gattungen errich-
tete, welche aber vom Verf. nicht als solche anerkannt sind, da die
209
Verschiedenheiten nur bei den Männchen sich ausprägen, und die
Weibchen alle in einem hohen Grade übereinstimmen. Dagegen ist
die Gattung in vier Unterabtheilungen gebracht, von denen die drei
ersten neuholländisch, die vierte americanisch ist. Bei den drei ersten
ist das Kopfschild zwischen den Mandibeln mehr oder weniger verlän-
gert^ bei der ersten, welche als Typus der Gattung betrachtet werden
kann, und auf welche auch von Guerin der Name Thynnus seine
beschränkter Anwendung gefunden hat, ist es gross, gewölbt, vorn
gerade abgeschnitten, hierhin: Th. dentatus F. u. a, im Ganzen zehn
Arten. Bei der zweiten ünterabtheilung ist das Kopfschild wenig
gewölbt, stumpfrund endigend 5 der Habitus an Philanthus erinnernd.
Sie entspricht der Gattung Agriomyia Guer. und enthält nur 3 Arten.
Die dritte Unterabtheilung, mit ebenfalls wenig gewölbtem, vorn ver-
engtem und gerade abgeschnittenem Kopfschilde und mit dem Habitus
von Myrmosa, 6 Arten enthaltend , entspricht den Gatt. Rhagigaster
und Thynnoides Guer., denen sich vielleicht auch noch die Gattung
Anthobosca Guer. anschliesst, die nach der Guerin'schen Darstellung
indess solche Uebereinstimmung mit den Arten der vierten Ünterab-
theilung hat, dass man fast versucht sein möchte, eine Verwechse-
lung in der Vaterlandsangabe zu vermufhen. Die vierte Ünterabthei-
lung, nicht weniger als 40 Arten umfassend, und dadurch kenntlich,
dass das Kopfschild kurz, und zwischen den Mandibeln wenig oder
gar nicht verlängert ist, entspricht den Guerin'schen Gatt. Telepho-
romyia, Ornejjetes, Elaphroptera , der Westwood'schen Anodontyra^
und wurde von Klug selbst vor langer Zeit als Scotaena nach einer
Brasilischen Art beschrieben. Weibchen sind nur aus der ersten und
letzten Abtheilung bekannt geworden; die der ersten bilden die Gatt.
Mymecodes Latr., die der zweiten die Gatt. Ammodromus Guer. In
den Mundtheilen kommen einige Abweichungen vor. Die erste ün-
terabtheilung zeichnet sich darin aus, dass das erste Glied der Maxil-
lartaster so lang ist als die übrigen; bei den andern ist es im Ver-
hältniss zu den übrigen Gliedern kurz. Die Nebenzungen sind,
bei der ersten ünterabtheilung länger als die Zunge, beilförmig
(bei der zweiten Hessen sie sich nicht beobachten), bei der dritten so
lang als die Zunge, lanzettförmig, bei der vierten viel kürzer als
die Zunge. Die Mandibeln sind vor der Spitze bei allen Neuhollän-
dischen Arten stark und scharf, bei den Americanischen Arten breit
und stumpf gezahnt; bei einer Anzahl der letzteren schon von der
Mitte an nach innen gerichtet und zusammengedrückt. Bei den Männ-
chen kommt bei den einen ein aufwärts gekrümmter Haken an der
Hinterleibsspitze vor, bei den andern fehlt er, und zwar weichen hierin,
namentlich in der dritten ünterabtheilung, die nächstverwandten Arten
ab, so dass man sein Vorhandensein oder Fehlen nicht, wie Guerin
es gethan hat, zur Begründung von Abtheilungen benutzen kann. Am
ersten würde sich noch die vierte Ünterabtheilung als eigene Gattung
betrachten lassen, wenn nicht die grosse Uebereinstimmung der
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2. Bd. 14
210
Weibchen einer solchen Trennung entgegenstände. — Unter 60 auf-
geführten Arten war etwa die HSlfte neu. Ausserdem fanden sich
unter den an Sudamericanischen Insecten vorzugsweise reichen Vor-
räthen der hiesigen Sammlung zwei Arten, welche, obschon nahe
mit Thynnus verwandt, doch hinreichende Unterschiede nach beiden
Geschlechtern zeigten. Aus ihnen ist die Gatt. Aelurus gebil-
det worden, deren Männchen, obschon vom schlanken Habitus der
Americanischen Thynnus, durch die stark verlängerten drei letzten
Glieder der Maxillartaster, und deren Weibchen durch schmalen und
gestreckten Mittelleib und einfache Klauen von der oben genannten
Gattung abweichen. Die beiden Arten, ^e/. nasutus und clypeatus, sind
aus Brasilien.
De Romand (Rev. Zool. S. 113) hat die Bemerkung gemacht,
dass Elaphroptera und Ammodromus Guer. nur Geschlechts-
verschiedenheiten sind, dasselbe hat indess Ref. schon vor mehreren
Jahren in Bezug auf die Haliday'schen, von Guerin beiden Gattungen
zugezählten Arten ausgesprochen (S. Jahresbericht für 1836 j Ar-
chiv III. 2. S.315).
JDorylidLae* Eine vortreffliche Monographie dieser Familie
hat Shuckard (Ann. of Nat. Hist. V. S. 188) bekannt gemacht.
Die Familie scheint von den Mutillarien ebensosehr als von den Amei-
sen abzuweichen, und sich sehr natürlich in die Mitte zwischen beide
zu stellen. Auf den beiden älteren Gatt. Dorylus und Lahidus
gegründet, ist sie vom Verf. mit zwei neuen Gatt. Aenictus und
Rhogmus bereichert, welche alle vier sich nach folgendem Schema
unterscheiden:
1 rücklaufender Nerv. 3 Unterrandzellen. 1. Lahidus.
desgl. 2 Unterrandzellen. Cjlindrische Schenkel 2. Aenictus.
desgl. desgl. zusammengedrückte Schenkel 3. Dorylus.
2 rücklaufende Nerven 4. Rhogmus.
Labidus Jur. ist durchaus südamericanisch und enthält 11 Arten,
welche zum Theil neu, zum Theil unter L. Latreillei verwechselt
waren. (Eine 12te, zweifelhafte, Dorylus mediatus F., gehört nicht
hierher, sondern ist ein Mutillen-Männchen.) Aenictus, fast vom
Ansehn eines kleinen Labidus, mit einer neuen Art, A. ambiguus, aus
Nordindien (eine zweite entdeckte Ehrenberg in Aegypten). Dory-
lus, rein der alten Welt angehörend, und hat hier 7 Africanische,
und 3 Ostindische Arten aufzuweisen (eine 4. Ostindische ist/). JE/m^w
Hagenb. aus Java.) Rhogmus^ mit Dorylus fast in den meisten
Characteren übereinstimmend, ist auf einer neuen Art, Rh. fimbria-
tuSy vom Gambia gegründet.
Die Weibchen der Doryliden sind uns noch unbekannt. Shuckard
glaubte sie in einigen blinden ungeflügelten Hymenopteren zu erkennen,
von denen Westwood in seiner Introd. eine als Repräsentanten einer
Ameisen-Gattung Typhlopone abgebildet hatte , und meinte annehmen
zu können, dass diese muthmasslichen Weibchen parasitisch in den
211
Nestern von Ameisen lebten, ward aber zuletzt zweifelhaft, da sich
dergleichen Typhloponen in grösserer Zahl in Zuckerladungen fan-
den, woraus wenigstens erhellte, dass sie sich selbstständig ernähr-
ten. Westwood (Ann. of nat. Hist. VI. S. 88) hat die Ameisennatur
dieser Insecten vollständiger nachgewiesen.
JFortnicaria, Die von Shuckard (a. a. O.) als Doryliden-
Weibchen betrachteten Ameisen sind:
Typhlopo7ie Westw., welche als weibliche Labidus ange-
nommen sind, von Ponera, der sie in der Bildung des Hinterleibes
gleicht, durch nur lOgliedrige Fühler und verkümmerte, 2gliedrige
Maxillartaster abweichend, zugleich ganz blind. Shuckard führt 3 Arten
auf als Lab. Westwoodii, Curtisiiy Kirbiiy Thwaitsii, Sptnolae,West-
wood (a. a. O.) fügt noch 3 hinzu: T. fulva^ Shuckardl, DahlbomU',
es ist indess sehr die Frage, in wie fern diese 8 Arten alle verschie-
den sind, indem einzelne Individuen einer und derselben Art (aus
derselben Colonie) sehr bedeutend (ähnlich wie die Arbeiter von Atta
cephalotes) in Grösse, Verhältnissen der einzelnen Körpertheile, selbst
der Fühlerglieder und in der Sculptur abweichen.
Anomma Shuck., ebenfalls blind, schlanker und langbeiniger
als Typhlopona, die Fühler llgliedrig, die Mandibeln sichelförmig, sich
kreuzend, hinter der Mitte mit einem einzelnen Zahn. Eine Art, A.
Burmeisteriy von Sierra Leona.
Westwood (a.a.O.) hat folgende Ameisengattungen neu aufge-
stellt, um zu zeigen, dass Verminderung der Gliederzahl an den Füh-
lern und Verkümmerung der Taster auch bei ächten Ameisen vor-
kämen, und um damit die Shuckard'sche Ansicht zu widerlegen, nach
welcher diese Umstände Typhlopone und Anomma von den Ameisen
abzusondern schienen.
Carebara Westw., eine Attenform (ohne Enddornen an den hin-
teren Schienen) mit lOgliedrigen Fühlern und etwas verkümmerten
3gliedrigen Maxillartastern. Nur das Weibchen, C. lignata^ von Java.
Solenopsis Westw. Ebenfalls eine Attenform, mit lOgliedrigen
Fühlern,' dünnen ggliedrigen Maxillartastern^ Arbeiter, mit kleinen
zusammengesetzten Augen, Mandibeln mit ungezähnter Schneide,
die beiden letzten Fühlerglieder grösser als die übrigen. S. mandi-
bulariSj neue Art aus dem tropischen America.
Pheidole Westw., mit der vorigen sehr übereinstimmend, die
Mundtheile dieselben, die Fühler ISglledrig, die 3 letzten Glieder eine
grosse Keule bildend. Hierhin Atta providens Sjkes aus Ostindien.
Diese drei Gattungen sind offenbar solche, welche selbst arbei-
ten; bei den beiden andern haben die Mandibeln eine andere Form,
indess sind sie bei Typhlopone doch noch so beschaffen, um damit
im Zuckerrohr, worin man diese Ameisen ausschliesslich zu finden
scheint, arbeiten zu können; bei Anomma haben sie aber eine ähn-
liche Bildung wie bei unserem Polyergus, und wenn man hieraus auf
eine ähnliche Lebensweise schliessen dürfte, würde diese Ameise,
14*
212
wo nicht parasitisch sein, doch andere Ameisen für sich arbeiten
lassen.
Neu ist Formica carinata Brülle (11. Canar. Ent. S. 84). For-
mica caduca Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 47) vom Cauca-
sus ist F. barbara L., eine Myrmica. Formica truncata Spin, wurde
von Leon Dufour (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 49) als im In-
nern trockener Brombeerzweige nistend beobachtet.
Vespariae» Die einzeln nistenden Wespen sind von Lep ei-
let! er de St. Fargeau (Hist. nat. des Ins. Hymenopt II. Suit. a
Buffon) als Familie der Eumeniden abgehandelt. Sie theilen sich
in die Gruppen der Masariten, mit Celonites, Masaris, und Cera-
mius, Synagriten^ mit der einzigen Gattung Synagris und Ody-
neriten mit den Gatt. Eumenes, Discoelius^ Alastor^ Pterochilus und
Rygchium. Die GaU. Alastor ist neu, unterscheidet sich von Ody-
nerus durch gestielte zweite Cubitalzelle und enthält eine Neuhol-
ländische und eine kleine Französische Art. Man vermisst aber die
Gatt. Zethus F., welche, wenn sie bei Fabricius auch manche ihr
fremde Arten enthält, doch so abgeschlossen als eine der übrigen
Gattungen dieser Familie ist.
Herrich-Schäffer (Deutschi. Ins. Hft. 179) hat synoptische
üebersichten über die deutschen Arten von Vespa, Polistes und Eume-
nes gegeben, und mehrere Arten aller drei Gattungen abgebildet,
darunter als neue: Vespa crassa, PoUstes pectoi^alis Meg , Eumenes
marginella und E. Frivaldshyi, den letzten aus Kumelien.
Neue Aegj'ptische Arten sind: Celonites Fischeri, Odynerus chloro-
ticus^ dimidiatus, impunctatus Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII.
S.b^Q). ~ Eumenes Savignä äiesseiWiGU ist eine bis zum Senegal und'nach
Guinea hin verbreitete Fabricische Art, Zethus Guioeensis F. — Odyne-
rus reflexus^haematodes, Eumenes nigra, cruentata beschrieb Brülle
(II. Canar. Ent. S. 89). — Leon Dufour (Ann. d. 1. Soc. Ent. de
Fr. IV. S. 23) beobachtete in Südfrankreich 3 Arten von Odynerus in
trockenen Brombeerzweigen nistend, nämlich 0. rulicola^ von ihm
an einem andern Orte (Ann. d. sc. nat. 1839) beschrieben, und 2 neue
O. industrius und hospes.
Goureau (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VIII. S. 531) behauptet, dass
die Angabe von Latreille über die Nester von Eume?ies coarctata auf
einer Verwechselung mit Spinnennestern beruhe, und dass die Eume-
nen ihre Nester von einem aus Erde bereiteten festen Mörtel an
Steine klebten. Es scheint indess doch nicht, dass Latreille's Ge-
währsmann Geoffroy jene von lockerer Erde umgebenen und an
Grashalmen aufgehängten Eiersäcke von Spinnen mit Wespennestern
verwechselt habe, wenigstens beschreibt Lepelletier aus eigener
Beobachtung die Nester eines Eumenes ganz so wie vor 80 Jahren
sein Landsmann, und es kann wohl sein, dass diese Wespen da, wo
sie keine Steine finden, um ihre Nester anzukleben, dieselben an
Pflaozenstengeln befestigen. Beide, sowohl die an Steine geklebten
213
als die frei an Pflanzenstengeln gebauten kommen darin übcrein, dass
sie einen trichterförmigen, zuletzt verschlossenen Eingang haben.
Kinige Odynerus bauen ebenfalls ihre Nester aus Erdmörtel gegen
Steine, doch hat Ref. an diesen einen solchen vorragenden Eingang
nicht bemerkt. Ein jedes solches Nest enthält nur eine Zelle. Wenn
Geoffroy angab, dass die Zelle mit Honig gefüllt würde, glaubte er
der Analogie der Bienen folgen zu können, der Wespenlarve wird
aber eine Anzahl von Räupchen zur Nahrung eingetragen.
Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VIII. S. XXXVII.) hat die
Odynerus- Arten seiner Insecta Ligurica in Bezug auf die neuern
Arbeiten über diese Gattung einer kritischen Revision unterworfen,
jäpiariae. Das sechste Bändchen der Naturallst Library, En-
tomologe', ist den Bienen und zwar vorzugsweise der Naturgeschichte
der Honigbienen, dann aber auch der der Hummeln gewidmet, und
nebenher werden von ausländischen Bienen, namentlich Meliponen
und X3 locopen Nachrichten gegeben, und verschiedene ausgezeichnete
Arten dargestellt.
Lepelletier de St. Fargeau behandelte in seinem oben ge-
nannten Werke die einzeln nistenden und parasitischen Bienen. Die
gesellschaftlichen sind bereits im ersten Bande abgehandelt. Die ein-
zeln nistenden theilt der Verf. nach der Art des Einsammelus von
Blumenstaub in Podt'legides, Merilegides , Gastrilegides. Die letzten
tragen mittelst einer Behaarung des Bauches ein, die andern beiden mit-
telst der Hinterbeine, die zweiten zugleich mit den Locken des Me-
tathorax. Die erste Gruppe der ersten Familie, die Euglossefi, weicht
hinsichts des Eiusammelns von den übrigen mehr ab als diese von
der 2. Familie, indem sie ebenso wie die Honigbienen und Hummeln
Schienkorbe hat, und nicht rohen Blumenstaub, sondern wie diese,
einen schon bereiteten Teig einträgt, weshalb sie von Latreille nicht
ohne Grund mit den Hummeln zusammengestellt sind, wenngleich
über ihre Lebensweise keine bestimmten Angaben der Reisenden
vorliegen.
Diese erste Gruppe öer PodtUgtdes nennt he^eW. Eule mit es,
und begreift darunter ^w^'^/oA^a, (Ty\>. Evgl. cordataF., deren Männ-
chen, Cnemidium viride Perty, so häufig es vorkommt, dem Verf.
unbekannt geblieben) und Eulaema, eine neue Gattung, aus Centr.
dimidiata, suriiiamensis F. u. a. A. gebildet, von denen Eul. analis
und nigrita als Männchen und Weibchen einer Art (Centr. inferna-
lis Jllig.) zusammengehören, Eul. Cayennensis die Centr. cingulata F.
und ungeachtet des mit Eulaenia übereinstimmenden Aeussern, nach
den Mundtheilen eine Euglossa ist. — Die 2. Gruppe, Anthopho-
ri'tes, hat an den Hinterbeinen der Weibchen dieSchienen und das erste
Fussglied überall behaart, die Zunge ausgestreckt so lang wie der
ganze Körper. Dahin die G'dit. Jnt/iophora, Macrocera, Eucera, Me^
liturga, Systrojiha, Kirbya (aus Melitta tricincta und chrysura Kirb.
gebildet) und die ganz unpassend zwischen die nur künstlich unter-»
214
schiedenen Gatt. Macrocera und Eucera eingeschobenen Gatt. A/owoec«
der Enc. — Die d.Grwpiie, Xi/loc optt es, weicht nur durch kürzere
Zunge von der vorigen ab, und enthält die Gatt. Centris (Trachina
und Hemisia Kl.) EpichariSf Xylocopa, Lestts (JCentr. muscaria und
homhylans F.) und Melitta. Die letzte Gattung hat Mel. tricincta
und chrysura Kirb. als Arten, und dies sowohl als die fast wörtlich
übereinstimmende Gattungsbeschreibung zeigt, dass sie identisch mit
Kirbya (s. o.) und durch ein blosses Versehen doppelt aufgeführt
ist. Und ein vielleicht noch geringeres Versehen ist es, welches diese
Gattung in diese beiden Gruppen stellt, und sie von Andrena trennt,
mit der sie die grösste Uebereinstimmung hat.
Die 3. Familie, Merilegides, zerfällt ebenfalls in 3 Gruppen.
Die I.Gruppe, Panurgites, hat die Zunge lang und linienförmig:
Panurgus, Diifourea (neue Gattung, welche indess mit Rophites
Spin, zusammenfallen möchte), Dasypoda. — Die 2. Gruppe mit kur-
zer lanzettförmiger Zunge enthält die Gatt.: Andrena, Scrapter (mit
3 Cubitalzellen , Typ. A7idr. lagopus Latr. S. u.), Halictus, Nomia,
Ancyla (neue Gatt, der vorigen verwandt, mit einer neuen Art von
Oran). — Die 3. Gruppe, Colletides, mit kurzer ausgerandeter Zunge,
besteht aus der einzigen Gatt. CoUetes. Die von der Gestalt, Behaa-
rung und Function des ersten Hinterfussgliedes hergenommenen Cha-
ractere der Gruppen sind nicht durchgreifend.
Die S.Familie Gastrilegides ist in keine weitere Unterabthei-
lungen gebracht. Diphysis ist eine neue Gattung, auf einer ebenfalls
neuen Art D. pyrenat'ca gegründet, welche bei dem Habitus vonEuce-
ren (mit Ausnahme der langen männlichen Fühler) docli entschieden
in diese Familie gehören soll; Chalicidoma ist ebenfalls eine neue,
aber aus bekannten Arten, der Megach. muraria und Sicula gebil-
dete, durch den etwas stärker gewölbten Hinterleibsrücken und die
Andeutung einer Anhangzelle etwas subtil von Megachile unterschie-
den ; Osmia, Megachile, Lithurgus, Anthocopa (Osm. Papaveris Latr.),
Anthidinm^ Heriades, Chelostoma.
Eine andere Abtheilung bilden die parasitischen Bienen, in
drei Familien getheilt, Psithyr4den, aus der blossen Gatt. Psithy-
rus bestehend, Dimorphiden, mit den Gruppen Melectiden,
(Gatt. : Aglae, Melecta, Crocisa, Mesocheira, Mesoplia, HoplipJiora, aus
der Mesocheira velutina der Enc. gebildet, Mesonychium, Epeolus, No-
mada, Ceratina, und Anhangsweise Melissoda Latr. und Acanthopus
Kl.) und Phileremiden (Gatt.: Ammobates, Phileremus, Dioxys,
Coelioxys, Stelis, Allodape, Pasites) erstere mit 4, diese mit 3 Cubi-
talzellen, und Monomorphiden, die Gatt. Prosopis, Rhathymus
und Sp he CO des, die erste für sich allein, die beiden letzten zusammen
eine eigene Gruppe bildend. Rhathymus steht hier sehr unglücklich,
es ist am Nächsten mit Nomada verwandt.
Dem Ref. scheinen die Latreille'schen Abtbeilungen der Bienen viel
naturgeniässcv zu sein, und die neuen Ansichten , denen der Verf.
215
folgt^ am EDde der Wissenschaft keinen andern Dienst '4Vi leisten, als
dass man sieht, dass sie nicht auf den rechten Weg führen.
Die Gruppe der A?idre?ietae wurde mit folgenden neuen Arten
bereichert: Prosopis scutellatus Colletes pilosa, intricans, Dasypoda
Pan%eri^ albipila, Andrena rutila^ ephippium (einerlei mit A. dorsalis
Lepell.) Savi'gnii, Sphecodes rubripes, hispanicus, Nomia rufiventris
ruficornis aus Aegypten durch Spinola (Ann. d. 1. Sog. Ent. d. Fr. VII.
S. 506). — Andrena lugubris (kommt in allen Küstenländern des Mit-
telmeers vor und ist einerlei mit A. collanis Lepell.) und discors vom
Ref. (Wagn. Algier 111. S. 191). — Colletes dimidiata^ Andrena xan-
thoscelis, bipartita^ chalcogastra, Halictus chalcodes, viridis, laetus,
concinnus, unicolor, Sphecodes semiaeneus von Brülle (IL Canar. Ent.
S. 86). Leon Dufour (Ann. de la Sog. Ent. de Fr. IX. S. 38)
beobachtete die Verwandlungsgeschichte der Prosopis signata, und
bestätigte damit das, was bisher nur Vermuthung gewesen war, näm-
lich dass sie ihre Eier in fremde Nester legt. Die von ihm beobach-
teten Individuen fanden sich in den Nestern von Osmia parvula, und
verzehrten das für deren Larve angehäufte Futter, so dass dieselbe
Hungers sterben musste. Die Prosopis-Larve ist ohne weitere Aus-
zeichnung, der Kopf ohne Furchen, die untern Mundtheile nicht in
Form dreier Warzen vortretend. — Derselbe (ebend. VIII. S. 583)
zeigte, öskss Atidr. humeralis Jur, nicht das Weibchen yonNomia diffor-
mis, wie man angenommen, sondern der Nomia diversipes Latr. sei,
und beschrieb beide Geschlechter unter dem Namen iV. humeralis. —
Ders. (ebendas. VIl. S. 281) beschrieb die Andrena lagopus hatr.
ausführlicher und nach beiden Geschlechtern, und zeigte sehr richtig,
dass isisWeibchen Megilla/ulvipeSj das Männchen Megilla labiataF. sei.
Dass dies Insect eine besondereGatt. bildet, ist keineFrage, es ist dies aber
auch die Gatt. Macropis Kl.(Panz. Fn. Germ.) und zugleich Scrapter
der Encycl., und was der Verf. über die Verschiedenheit der letztern
sagt, beruht auf einem Missverständniss in der Zahl der ünterrandzel-
len,indem er nicht, wie es gebräuchlich ist, die 3. unvollständige mitzählt.
Aus der Gruppe der Andrenoiden beschrieb Spinola (Ann.
d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 516) Systropha hirsuta und Panurgus
nasutus. Die letztere, nicht mit Unrecht als Typus einer neuen Gat-
tung betrachtet, auch im südlichen Europa einheimisch, ist eine Fa-
bricische Art, nämlich Prosopis frontalis F.
Ueber Xylocopa bemerkte Spinola (a. a. O. S. 518), dass X.
pubescens^ olivacea, cnpensis, sulphurea Kl. die Männchen der weit ver-
breiteten X. aestuans F. sein; dass sie alle Männchen sind, ist durch-
aus richtig, aber es ist zu weit gegangen, sie in eine Art zusammen
zu ziehen. Wie leicht und sicher es durch Beobachtung der Nester,
so schwierig und unsicher ist es durch Anwendung der Analogie
die zusammengehörigen Arten herauszufinden, daher die obenerwähn-
ten Männchen auch in der hiesigen Sammlung noch ihre eigenen Art-
namen führen. Lepelletier in seinem oben besprochenen Werke
216
betrachtet X. olivaceaF. als Männchen vonX. Caffra, X. nificorm'sF, als
Männchen von aestuans, hat also hier die Geschlechtsverhältnisse richtig
erkannt, dagegen sind ihm die analogen Verhältnisse bei den Ameri-
cauischen Arten fremd geblieben : so ist seine X. Cayennae Männchen
von X. fimbriata F. (cernuta Lepell.), X. fasciata (^Brasüianorum F.)
verrauthlich Männchen von X. frontalis, X. Caribaea sicher Männchen
von X. teredo (aeneipennis Lepell.) — Xylocopa cornigerWesiwooA
(Nat. Libr. Ent. VI. S. 270 T. 81 F. 5) ist einerlei mit X. cornuta
Lepell., und beide mit X. fimbriata F. (X. fimbriata Lepell. scheint die
einfarbige Abänderung von X. frontalis zu sein, wohin auch X. nitens
Lepell. gehört). — X tenuiscapa West wo od (a. a. O. S. 271 T. 23
F. 2) ist das Männchen von X. morio F,, zu welcher X. Latreillei Lep.
als Synonym gehört. Westwood bildet aus dieser Art und derX. la-
tipes eine eigene Untergatt. Platynopoday welche bei der Ueber-
einstimmung der Weibchen sich nicht füglich von Xylocopa absondern
lässt. — Ref. (Wagn. Algier \\\. S. 192) beschrieb X. Taurica (Apis
taurica Pall. mspt.), welche in den Ländern des Mittelländischen Mee-
res weit verbreitet, und einerlei mit X. minuta Lepell. ist.
Ueber die Naturgeschichte der Ceratinen hat Leon Dufour
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 15) sehr wichtige Aufschlüsse ge-
geben. Spinola hatte schon beobachtet, dass sie Nester in trockenen
Zweigen anlegen, nichts desto weniger wurden sie von Lepelletier
mit aller Bestimmtheit als Parasiten angesprochen. L. Duf. sah sie
in grosser Zahl in trocknen Brombeerzweigen nisten, und überzeugte
sich bald, dass sie eigene Nester anlegen, indem sie das Mark eines
solchen Zweiges aushöhlen und den Gang durch Owerwände in Zel-
len theilen. Ein Nest enthält bis 20 Junge. Die Larve hat wie ge-
wöhnlich 3 warzenförmige Fleischhöcker statt der untern Mundtheile.
Je weiter nach hinten, desto später erfolgt die Entwickelung in dem-
selben Neste, so dass man zuweilen in einer und derselben Brut alle
Entwich elungsstufen findet, und die vorderste schon die Larvenhaut
abgelegt hat, während die hinterste noch im Ei liegt. Die Entwicke-
lung geht rasch vor sich, so dass, wenn die Eier im Juni gelegt
werden, die Jungen im August schon ausgebildet sind; sie bleiben
aber bis zum Mai des nächsten Jahres in hohlen Zweigen verborgen.
Der Verf. hat auch gezeigt, dass nur bei oberflächlicher Betrachtung
diesen Bienen die Organe zum Eintragen fehlen. Sie haben eine
Haarbürste auf der Unterseite der Hüften und Schenkel der Hinter-
beine, mit welcher sie den Bluraenstaub einsammeln.
Derselbe (ebendas. S. 8) beschrieb aus der Gruppe der Dasy-
gastrae mehrere neue Arten von Osmia, welche im südlichen
Frankreich in trocknen Brombeerzweigen nisten: O. parvula, triden-
data (welche mit 0. fulvohirta Latr. Lepell. einerlei zu sein scheint),
ruboriim^ acuticornis. — Stelis minuta der Encyclop. (ebendas S. 33)
ist Parasit der Osmia tridentata (wahrscheinlich noch anderer Arten,
da sie auch bei uns sich findet, wo jene Osmia nicht vorkommt.) —
217
Gourcau (cbcndas. S. 123) sah eine Osmia, wahrscheinlich 0. bi-
colovy einen conischen Haufen aus Grasstückchen zusammentragen
und sorgfältig schichten, es glückte ihm aber nicht zu beobachten, ob
dies die erste Anlage eines Kestes sei, welches in Ermangelung eines
leeren Schneckenhauses gebaut würde, in welchen nach Rob. Desvoidy
diese Biene sonst nistet. — Derselbe (ebendas. S. 117) unterschei-
det zwei Arten von Mauerbienen. Die eine, die ächte Megachile mu-
raria, liebt einsame Oerter und baut ihre Nester schon zeitig im
Frühjahr, im April, gegen Steine, Felsen oder gegen die iMauern
einzeln stehender Häuser. Die zweite, unbenannt, baut erst im Mai
oder im Anfang des Juni, liebt mehr die Nähe der Menschen und legt
am Liebsten ihr Nest unter Thüren und Thorwegen an. Sie ist, wie
das Männchen der M. muraria, gelbgreishaarig, nur der Scheitel und
der grössere Theil des Mittelrückens sind schwarz behaart. Er fand
in den Nestern derselben ausser den Larven von Trichodes alvearius
zwei parasitische Bienen, die indessen nach der kurzen Characteri-
stik, welche der Verf. von ihnen giebt, nicht wohl zu bestimmen sind.
Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VIL S. 519) beschreibt aus
dieser Abtheilung: Anthidium Fischer t (wahrscheinlich xMännchen von
A. auritum Kl.), Waltiiif Megachile flavipes^ nigripes, patellimana^
gynmopygia, Coelioa-ys rufiventris^ decipiens, aus Aegypten, C. ely-
trnra, ebendaher und zugleich aus Sicilien, C. caudata unbekannten
Vaterlandes. Afithidium thoracicum Kl. betrachtet der Verf. mit Un-
recht als A. ferrugineum F.; A. Grohmanni des Verf. aus Sicilien ist
eine gute Art, dagegen A. Siculum schwerlich von A. sticticum ver-
schieden. Die hiesige Sammlung erhielt nur A, sticticum aus Sicilien,
und die angegebeneu Unterschiede in der Bewaffnung des männlichen
Hinterleibes können leicht auf einem Versehen beruhen. — Brülle (H.
Canar. Ent. S. 85) beschreibt Osmia (Chalicidoma) catiescens und Me-
gachile cincta und albohirta.
Aus der Gruppe der Cuculinen beschrieb Spinola (Ann. d. 1.
Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 535) Phileremus niveatns und Crocisa dimidia-
tipimcta aus Aegypten, Ref. (Wagn. Algier III. S. 193) Melecta albo-
variüy Brülle (11. Canar. Ent. S. 89) Mel. nigra.
De Romand beschreibt (Rev. Zool. S. 348) eine ausgezeichnete
Biene unter dem Namen Acanthopus Goryiy welche jedoch in mehre-
ren Stücken von Acanthopus abweicht, vorzüglich durch die langen
Fühler des Männchens, weshalb ihr später (.Mag. d. Zool. 1841. pl. 69)
der Gattungsname Cteiiioschelus ertheilt wurde. Sie ist jedoch iden-
tisch mit dem Melissodes Latreillei, welche Lepelletier aus der Pa-
riser Sammlung als Typen der von Latreille erwähnten Gattung die-
ses Namens beschrieben hat, es wird ihr also wohl, trotz der Einwen-
dungen Romand's dieser letztere Name verbleiben müssen. Was Ro-
mand a. a. O. als Melissodes aufstellt, würde von Latreille nicht von
Eucera (ßlacrocera) als Gattung unterschieden sein, denn es ist
nicht unterschieden, und America ist in allen seinen Theilen sehr
218
reich an Euceren (Macrocereu), die mit den unsrigeu in allen Rück-
sichten, auch in den Geschlechtsunterschieden übereinstimmen. Das
von Romand nämlich als Weibchen seines M. Fonscolombei abgebildete
Insect ist offenbar das Männchen einer anderen Art, und wenn er nur
13 Fühlerglieder zählte, so liegt es wohl daran, dass in diesem Falle,
wie es bei den Männchen der Euceren öfter vorkommt, einzelne
Glieder nicht recht von einander abgesetzt waren.
Die Gruppe der Scopulipedes bereicherte Spinola (a. a. O.
S. 537) mit Eucera thoracica, a/ßm's,Tetralom'a (die Eucera-Arten
mit 4 Cubitalzellen, früher Macrocera Spin., welcher Name schon bei
den Dipteren vergeben war), hasi%ona, atricornis, (dieser Name ist
nicht gut gewählt, da er in Oollision mit Eucera atricornis F. kommt)
aus Aegjpten, Grohmannü und tarsata aus Sicilien^ Saropoda nigri-
labris, latizona, humilis, AntJiopJiora scopipes, nigrilahris ausAegyp-
ten. — Ref. (Wagn. Algier III. S. 193) beschrieb Megilla quadricolor,
Eucera pyrrhula, von denen die letztere mit E.ferrugineaLep. zusam-
menfällt. — Westwood (Ent. Libr. Ent. VI. S. 263 T. 80 F. 1) bil-
dete eine Centris nohiliS) vermuthlich aus Süd»merica, ab.
Aus der Gruppe der Sociales finden sich (ebendas.) Euglossa
analis (S. 263 T. 19 F. 2) aus Südamerica, und Bombus grandis (S. 256
T. 17 F. 2) von Valparaiso dargestellt. Die erstere ist indessen nur
eine Abänderung der E. cordata, der zweite ist in Guer. Iconogr. du
R. A. als Bombus Dahlbomii abgebildet, und (als Arbeiter) vonHali-
day als B. nigripes beschrieben.
Spinola (Ann. d. sciens. nat. N. Ser. XIII. S. 116) hat über die
Meliponen vortreffliche Untersuchungen angestellt, welche wohl Ver-
anlassung geben können, dass die Reisenden auf die in so vielen
Stücken noch ganz räthselhafte Oeconomie dieser Honigbienen ein
Augenmerk richten. Zuerst ist der Wachs-absondernde Apparat genauer
betrachtet. Statt dass bei den eigentlichen Honigbienen die Bauch-
platten gekielt und ausgerandet siod, sind dieselben bei den Melipo-
nen ganz einfach, nur in 3 Felder getheilt, von denen das eine von
dem überragenden Theil des vorhergehenden Segments und dem über-
greifenden Rande der Rückenplatten bedeckt wird, das andere frei
ist. Letzteres ist mit eingedrückten Puncten versehen, welche aber
jeder mit einen Häärchen besetzt siod, und also zur Durchschwitzung
des Wachses nicht dienen. Dagegen zeigt sich an der vorderen
Gränze dieses Feldes eine schmale Furche, welche sich auch nach
den Seiten umbiegt, und in deren Grunde eine feine Oeffnung sich
befindet, durch welche das Wachs hindurchtritt. Für das Einsammeln
des Wachses fehlt den Meliponen der Dorn, welcher bei den Honig-
bienen am ersten Hinterfiissgliede für diesen Zweck von Bedeutung
ist, dafür entdeckte Spinola einen anderen Apparat am Ende der
Hinterschienen, nämlich einen aus steifen Borsten gebildeten Kamm,
welchen alle Arbeiter der Meliponen besitzen. Ausserdem findet sich
bei den Trigouen Latr. eine Längserhabenheit an der Innenseite der
. 219
Hinterschienen, welche mit einer Bürste aus feinem Filze besetzt ist,
und da diese Bürste, welche sich bei den eigentlichen Meliponen Latr.
nicht findet, eine Verschiedenheit in der Lebensweise voraussetzen
lässt, ist Spinola der Ansicht, dass man die Trennung der Gattungen
Melipona und Trigona festzuhalten habe. Es treten indess unter
der letzteren selbst zwei Formen in der Behaarung der Hinterschie-
nen auf, welche unter einander eben so scharf geschieden zu sein
scheinen, wie von den eigentlichen Meliponen, indem bei der einen
die ganze Innenfläche der Hinterschienen bis zum Hinterrande hin
mit solchem Filz besetzt ist, bei der anderen nur eine mittlere
Längserhabenheit, welche vom glatten Hinterrande durch eine Furche
abgeschieden ist. Zu der ersteren gehören von den von Spin, er-
wähnten Arten: Tr. muscariq,, aemula^ geniculata, palUday zu der
letzteren Tr. decumana, atratula, hyalina, cilipes, crassipes^ clavipes,
ßaveola, angustula und ausserdem die gemeinste von allen, Tr.rufi^
crus Latr. Die Männchen, so sehr sie auch in den Copulationsorga-
nen mit denen unserer Honigbienen übereinstimmen, zeigen nicht jene
auffallenden GeschlechtsdilTerenzen, sondern gleichen den Arbeitern,
so wohl in der Form als in der Färbung: Spinola hat nur die der
eigentlichen Meliponen gekannt, die der beiden Abtheilungen der Tri-r
gonen verhalten sich ganz auf die nämliche Weise. Von den Arbei-
tern unterscheiden sie sich überall nicht nur durch die 13 Fühlerglie-
der und den Mangel des Schienkorbes (und Kammes) an den Hinter-
schienen, wie es Spinola angiebt, sondern auch noch durch gespaltene
Klauen, die bei den Arbeitern einfach sind. Die Weibchen kannte
Spinola nicht. Bei einer Tr, angustula Jll. fand er eine anscheinend
männliche Bildung der Schienen bei einem entschieden weiblichen In-
dividuum, er ist also geneigt, dies für ein fruchtbares Weibchen zu
halten, und glaubt aus der geringen Grösse desselben abnehmen zu
können, dass mehrere Weibchen sich in jedem Stocke befinden wür-
den, zumal beim Mangel des Stachels keine tödtlichen Zweikämpfe
der rivalisirenden Königinnen statt haben könnten. Indess verhält
sich die Sache wohl anders: denn das von Spinola beobachtete Exem-
plar ist nur ein Arbeiter, wo bei allen Individuen dieser Art der Schien-
korb kaum angedeutet ist und welcher dadurch noch mehr als andere
Arten dem Männchen gleicht, mit dem er aber der übrigen Geschlechts-
unterschiede halber nicht füglich zu verwechseln ist. Die frucht-
baren Weibchen, welche bisher noch nicht beschrieben sind, weichen
von den andern Geschlechtern auffallend ab. Sie sind vielmal grösser,
haben keine ScKienkörbe und Kämme, sind einfarbig braun (mit dem
Ansehn als ob sie nie zu Tage kämen) und haben kurze, selbst ver-
kümmerte Flügel, so dass sie entweder gar nicht oder höchst schwer-
fällig fliegen zu können scheinen. Aus ihrem Ansehn und ihrer Sel-
tenheit scheint man annehmen zu können, dass sie, wie bei unsern
Honigbienen, einzeln im Stocke vorhanden, also wahre Königinnen
sind.
220
Die Architectur der Bienen ist von Lalanne (Ann. d. sc. nat. II.
Ser. XIII. S. 358) auf geometrische Gesetze zurückgeführt worden.
Jjepidoptera,
Der Streit zwischen Duponchel und Guenee über die
Grundsätze der Systematik dieser Ordnung, indem derErstere dem
Bau des Schmetterlings, der Letztere der Form der Raupe de»
Vorzug der Berücksichtigung vindicirt, ist von beiden Seiten
in den Ann. d. 1. Soc. Ent. d. France noch weiter geführt,
und endlich von Lacordaire dahin vermittelt worden, dafs
beide Theile in gleichem Recht seien, indem die Ansichten Gue-
nee's'mehr der philosophischen, die DuponcheFs mehr der metho-
dischen Betrachtung entsprächen. Indess scheint doch Du-
ponchel der Frage einen weniger beschränkten Gesichtspunct
abgewonnen zu haben, wenn er darauf besteht, dass die Gat-
tungskennzeichen vom vollkommenen Insect herzunehmen seien,
nicht dass alle übrigen sich darbietenden Unterschiede keine
Berücksichtigung verdienten, im Gegentheil ist die Kenntniss
der gesammten Organisation so wie aller Entwickelungsstufen
und Lebensverhältnisse zur Einsicht in eine natürliche Einthei-
lung nothwendig. Inzwischen ist es etwas Anderes, eine Ein-
theilung machen, und Kennzeichen für die Abtheilungen auf-
stellen: und so Viel und Wichtiges auch von vielen Seiten her
über Gesetze einer natürlichen Systematik zu Tage geäussert
worden ist, glaube ich doch nicht, dass wir damit Mehr und
TreflFenderes erlangt haben, als mit dem schon von Linne so
einfach und klar aufgestellten Grundsatze, dass die Charactere
nicht die Abtheilungen, sondern die Abtheilungen die Charactere
bedingen. Es folgt indess daraus nicht, dass nicht auch auf
dem anderen Wege der Wissenschaft ein grosser Nutzen er-
wachsen könne: auch durch einseitige Bearbeitung von vielen
Seiten her wird sie vielseitig gefördert.
Für die Europäische Lepidopterologie sind mehrere wichtige
Schriften erschienen:
Boisduval's ,, Genera et Index Methodicus Europaeorum Lepi-
dopterorum. Paris, Roret. 1840", ist eine neue zeitgemässe Bearbei-
tung seines früheren Index Methodicus mit Beschränkung auf die
Europäischen Schmetterlinge und mit Hinzufügung der hauptsächlich-
sten Gattungscharactere. Es ist zwar nicht in Abrede zu stellen, dass
221
europäisehcD Sclimclterlioge erworben haben, und dass auch noch
jetzt viele tüchtige Lepidoptcrologcn bei uns thätig sind, es ist aber
auch nicht zu läugncn, dass im Allgemeinen die Deutschen Lepldo-
pterologen wenig mit den vielfachen Leistungen der Engländer und
Franzosen bekannt sind. Es ist zu hoffen, dass dieses dem gegen-
wärtigen Stande der Wissenschaft angemessene, aus den Händen eines
so anerkannten Lepidopterologen hervorgegangene Verzeicbniss dazu
dienen werde, bei uns auf die Fortschritte unserer Nachbarn aufmerk-
sam zu machen. Die sogenannten Microlepidoptera verspricht der Verf.
später zu bearbeiten. — Bemerkungen zu diesem Werk gabKefer-
stein Ent. Zeit. S. 166.
Von Frey er s „Neue Beiträge zur Schmetterlingskunde, mit Ab-
bildungen nach der Natur", sind die 51— -56. Lief, und von Fischer
Edler v. Rösslerstaram's „Abbildungen zur Berichtigung und Er-
gänzung der Schmetterlingskunde, besonders der Microlepidopterolp-
gie, als Supplement zu Treischke's und Hübner's Europäischen Schmet-
terlingen, mit erläuterndem Text" sind die 17. und 18. Lief, erschienen.
Ratzebu rg's „Forstinsecten oder Abbildung und Beschreibung
der in den Wäldern Preussens und der Nachbarstaaten als schädlich
oder nützlich bekannt gewordenen Insecten, zweiter Theil", ist den
Forstschmetterlingen gewidmet, und wenn auch administrativen Mass-
regeln, namentlich den Vertilgungsmitteln der Schmetterlinge in allen
Ständen, eine vorzügliche Berücksichtigung, wie sie die Aufgabe des
Verf. erfordert, geworden ist, enthält auch dieser Theil einen grossen
Schatz sowohl wichtiger Erfahrungen in der Naturgeschichte als auch
neuer Entdeckungen unter den zur Untersuchung gezogenen und in
allen Ständen sorgfältig beobachteten Schmetterlingen. — Schätzbare
Bemerkungen zu denselben machte Zell er (Ent. Zeit. S. 185.)
Derselbe theilte auch in der Isis einen Theil seiner lepidoptero-
logischen Erfahrungen, soweit sie die Tagfalter, Schwärmer, Spinner
und Eulen betreffen, mit. — EineEintheiluug der Raupen, hauptsäch-
lich nach Fusszahl, Bekleidung und Färbung, stellte Zenneck (Ent.
Zeit. S. 185. 133) auf. — Hering (ebendas. S. 146) lieferte Beiträge
zur Fauna der pommerschen Falter.
Die Schmetterlingsfauna von Algier schilderte Moritz Wagner
(Alg. III. S. 195). Ihre Armuth ist auffallend, aber erklärlich. Anhal-
tende Regengüsse im Winter, welche einen Theil des Landes unter
AVasser setzen, die grosse Trockenheit des Sommers, welche die
ganze niedere Vegetation versengt, die plötzlichen Temperaturwech-
sel, der Mangel an Waldungen und hohen Bäumen und endlich die
Gewohnheit der Araber, im Sommer die trocknen Kräuter und Ge-
büsche in Brand zu stecken, sind der Vermehrung der Schmetterlinge
durchaus entgegen. Ausserdem ist die Fauna fast ganz mit der von
Südeuropa identisch, ja ein gutes Drittheil der Arten ist ihr auch mit
Mitteleuropa gemein.
222
Ebenso verhält sich die in dieser Ordnung besonders dürftige
Fauna der Canarischen Inseln.
De Haan (Verhandl. ov. d. Natuurl. Geschied, der Nederl. over-
zeesch. Bezitt. Zool. III.) handelt von der geographischen Verbreitung
der Papilionen im Indischen Archipel. Im Allgemeinen ergiebt sich,
dass auf Java und Borneo, eben so auf Timor und Neu-Guinea Co-
leopteren und Lepidopteren einander das Gleichgewicht halten, wäh-
rend auf der Westküste von Sumatra die Käfer, auf den Moluccen
die Schmetterlinge bedeutend überwiegen. Japan stimmt im Ganzen
mehr mit dem Festlande von Asien überein, und zeigt, in Schmet-
terlingen sowohl als in andern Insectenordnungen, eine merkwürdige
Combination der Europäischen Fauna mit der der Sundainseln. So
finden sich dort Pap. Machaon und Sarpedon neben einander.
Mehrere neue oder wenig bekannte exotische Schmetterlingsarten
wurden durch van der Hoeven (Tijdschr. v. Natuurl. Geschied, en
Physiol.VIl. S.876) beschrieben.
Vapiliones» Die eben erwähnte Arbeit von De Ha an behan-
delt im Speciellen die Gruppe der Ritter, so weit sie dem Indischen
Archipel angehört. Neue Arten sind: Ornithoptera Tithonus,
ein prächtiger, dem Priamus verwandter Schmetterling, mit drei grü-
nen Längsbinden der Vorderflügel und grünen, in der Mitte gelben,
am Rande schwarzen Hinterflügeln, von Neu-Guinea; Papilio Dor-
cus, von Celebes, zur 14., P. Melanides von Banjermassing, zur
17., P. Laodocus von Java, zur 38. Trib. Boisduvals gehörend.
Unter den Namen Leobotes ist P. Pelj^^dorus Hübn. Clerk vom P.
Polydorus L. abgesondert. Mit P. Gambrisius A. verbindet der Verf.
P. Ormenus Guer. und Erechtheus Don. Alle sind Männchen, deren
Weibchen P.Aegeus Don. ist.— Im P. Empedocles F. vermuthet der Verf.
das Weibdhen zu P. Codrus F., Evemon Boisd. vereinigt er als Ab-
änderung mit P. EurypüuSf P. Antiphus zieht er als Weibchen zu
Theseus F., P. Alphenor Cr. und Orophanes Boisd. betrachtet er als
Abänderungen von P. Polydorus, welcher als Weibchen von P. Pam-
mon nachgewiesen ist. P. Ledehourus , als Varietät des letzteren
entspricht dem P. Alphenor. Mit Unrecht ist P. Rumatixoivia Esch.
als Weibchen von Memnon betrachtet; er ist einerlei mit P. Descom-
bei Boisd. und zweite Form des Weibchens von P. Emalthion {Kru-
sensternia Esch.), welche sich zu dem von Boisduval beschriebenen
Weibchen ebenso verhält, wie Laomedon zuAgenor (Weibchen vom
Memnon). Der Verf. macht uns noch mit den noch unbekannten Weib-
chen vieler Arten, z. B. der Oenomaus ^ Ascalapkus u, A. bekannt.
Im Allgemeinen sind die Weibchen seltener, ja von einigen Arten,
z. B. von P. Sarpedon, der doch auf Japan äusserst häufig ist, aus-
nehmend selten. — Die Raupen sind abgebildet von P. Xuthiis, Sar-
pedon, Alcinous und Evander. Die erste gleicht der des P. Machaon
und lebt gleichfalls auf Fenchel, die zweite ist grün, mit verdickten
Thoraxsegraenten , und lebt auf Citronen. Ueberhaupt kommen bei
223
^en Baupen der Ritter grosse Verschiedenheiten vor, und der Verf.
hat darnach Abtheilungen gemacht, die indess mit denen nach dem
vollkommenen Insect durchaus nicht übereinstimmen. Auch macht der
Verf. darauf aufmerksam, dass eine vollständigere Kenntniss der Ver-
wandlüngsgeschichte exotischer Schmettterlinge manche jezt ange-
nommene Eintheilungsgründe aufheben möchte.
Guerin (Rev. Zool. S. 43) beschrieb 3 neue, von Delessert an
der Küste von Malacca entdeckte Arten von Papilio; P. Saturnus^
dem P. Nephelus Boisd. verwandt, P.Neftunus, zur 17. Gruppe von
Boisd. gehörend, P. Brama, dem P. Palinurus F. sehr nahe stehend.
Pap. Fetstkameln Dup. ist nach Mor. Wagner (Alg. III. S. 203)
nur Abänderung des Podalirius.
Aus der Gruppe der Pt enden behauptete Mor. Wagner (Alg.
S. 208) die Rechte der Pont. {Änthocharis) Douei als eigene Art, und
Frey er bildete (a. a. O.) Colias Nen'ene Fisch, aus Südrussland und
Chrysotheme ab.
Aus der Gruppe äer Nymphaliden stellte derselbe (a. a. 0.)
die Raupen von Melitaea Dictynna, Phoebe, Maturna, ferner Argyn-
ms Valesina als eigene Art, und A. Laodice dar. — Fischer von
Waldheim (Bull. Mose. 1840 S. 81) hescWmh Mel. Neera aus Süd-
russland. — Bree (Mag. of Nat.Hist. N. Ser.IV. S. 131) berichtete, dass
Arg, Aphrodite in Warwickshire in England gefangen sei, und Bla-
don (ebendas. S. 306) bestätigte das Vorkommen dieses Schmetter-
lings in England, der auch von ihm einmal in der Nähe von London
gesehen sei.
Bree (a. a. O. S.368. T. 15) bildete eine sehr merkwürdige Ab-
änderung der Vmiesca TJrticae ab. — Neue exotische Arten sind
Vanessa Eudoxia Guerin (Rev. Zool. S, 44) von Malacca, Ate
rica Pholus v. d. Hoeven (a. a. O.) von Guinea, und Paphia
Paraktekta Westwood (Royle Himalaja).
Aus der Gruppe der Satyriden beschrieb Marloy (Ann. d. 1.
Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 263) die Raupen von Sal. Briseis, Semele und
Fidia, Sie nähren sich von Gräsern, fressen nur bei Nacht, und sind
bei Tage in einer kleinen Erdhöhle versteckt. Sie unterscheiden sich
von den übrigen weichen Raupen dieser Abtheilung durch ihre ziem-
lich feste Consistenz, Noch mehr Abweichendes zeigen ihre Puppen,
welche in der Erde in einem lockern, aus zusammengesponnener
Erde gebildeten Cocon enthalten, chocoladenbraun , eiförmig kurz,
ohne Spitzen sind.
Die Gruppe der Lycaeniden wurde von Brülle (II. Canar.
Ent. S. 93 T. 4F. 1) mit einer neuen Art, Polyom. Wehhianus
bereichert.
^phinges» Mutz eil beschrieb in diesem Archiv (VI. I. S. 171
T. 8 F. 1) eine bei Berlin entdeckte Deilephila, welche vollkom-
men die Mitte zwischen D. Galii und Euphorbiae hält, und deren
Raupe mehr der des D. Galii ähnlich, auf Wolfsmilch angetroffen
224
wurde, unter dem Namen D. Phileuphorhia. Die inzwischen ge-
machten Erfahrungen haben indess die Rechte der Art nicht bestätigt.
Nach des Verf. mündlicher Mittheilung sind die von ihm erwähnten
Baupen einer anderen Brut grösstentheils eingegangen, die wenigen
zur Verwandlung gelangten gaben ächte D. Galii. Es ist nicht unmög-
lich, dass die beiden Exemplare, auf welche der Verf. seioe D. PhiL
euphorbia grüüdetej für Bastarde von D.Euphorbiae und Galii zu halten
sind, um so eher, als auch Boisduval (Gen. et Ind. meth. S. 48)
D. Epilobii für Bastard von D. Vespertilio und Euphorbiae, D. Ve-
spertiloides für Bastard von derselben und D. Hippophaes erklärt.
DeilepJdla tridyma van der Hoeven (a. a. O.) ist Sph.
Peneus Cram., in welchem der Verf. mit Unrecht die ostindische Sph.
didyma F. zu erkennen glaubt, die Gramer als Sph. Morpheus abbil-
det, wogegen Sph. Bubastus Gr., welche Fabricius hierher ziehen zu
können glaubt, eine dritte (Brasilische) Art ist.
Goureau (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 135) hat das be-
kannte Geschrei des Todtenkopfschwärmers einer Untersuchung unter-
worfen und gefanden, dass sich weder die Ansicht von Duponchel
(S. vorigen Jahresbericht) wonach der Ton durch das Reiben des
Prothorax gegen den Mesothorax hervorgebracht würde, bestätigen
Hesse, indem künstlich durch solches Reiben kein Ton hervor-
gebracht werde, noch dass überhaupt weder äusserlich noch innerlich
ein besonderes Organ dafür vorhanden sei. Er vermuthet also, dass das
Schreien des Todtenkopfschwärmers durch die von der Bewegung der
Flügelmuskeln bedingte Vibration der Thoraxschale erzeugt werde,
auf dieselbe W^eise, wie das Summen so vieler Dipteren und Hyme-
nopteren, nur dass hier zu dem hellen Ton noch ein dumpferer kommt,
der von dem Reiben des Mesothoraxrückens gegen die Schulterfort-
sätze herrührt.
Chelonidae» Zeller (Isis S. 138) äussert bei Gelegenheit
der mehrfachen Abänderungen der Zygaena Minos und Peucedam\
dass die in dieser Gattung so häufig vorkommende Begattung ver-
schiedener Arten auf eine fortdauerte Artenschöpfung in der Natur
hinzuweisen scheine. Das oben besprochene Beispiel von Deilephila
zeigt allerdings, dass aus solchen Begattungen fruchtbare Mittelfor-
men hervorgehen können, und dass auch unter den Zygaenen oft
Bastarde vorkommen, welche die Schwierigkeiten einer sichern Arten-
Unterscheidung bedeutend vermehren, ist zwar nicht erwiesen, aber
leicht möglich, allein es ist kein Grund vorhanden, daraus abzuleiten,
dass durch Verbastardirung neue Arten entständen, indem es zum
Begriff der Art gehört, dass sie sich selbst fortpflanzt, wovon man
aber bei Bastarden bisher nur Erfahrungen des Gegentheils gemacht hat.
Drei neue, in die Nähe von Glaucopis gehörende Gattungen sind
von Hope (Lin. Transact. XVIII. S. 444) aufgestellt. Cheluray
mit doppelt gekämmten Fühlern und durch mit einer scharfen Zange
und in der Mitte mit einem doppelten Haken bewafl'neten After ausge-
225
zeichnet. — JEf er w^z*«, Weibchen, mit schwach und einfach gesäg-
ten, Erasniia, Männchen, wieder mit doppelt gekämmten Fühlern;
ausserdem zeigen diese drei Gattungen Verschiedenheiten im B'Iügel-
geäder. Die Arten, Ch. h/fasciata. Et. tricolor und Er. pulchella sind
neue Entdeckungen aus Assani. — Eine vierte hierher gehörige Gat-
tung ist Cainpylotes Westwood's (Royle öimalaya), welche mit
Heleona und Anthomyza Swains. und Gymnautocera Guer. verwandt
ist, und sich hauptsächlich wieder durch das Flügelgeäder unterschei-
det. C. histrionicus W. vom Himalaya-Gebirge und aus Nepal.
Neue Arten sind Glaucopis Boisduvalii (der als Weibchen
desselben abgebildete Schmetterling ist ohne Zweifel das Männchen
einer andern Art, da hier die beWen Geschlechter in der Färbung
sehr verschieden zu sein pflegen) und Chelonia galactina van
der Hoeven (a. a. O.) aus Brasilien, und Euprepia Dido Wag-
ner (Algier III. S. 209). — Frey er (a. a. O.) bildete Euprepia (Trü
chosotna) Baeticum Ramb. ab.
Zeller (Isis S. 898) hörte an einem Weibchen von Eup, Caia
ein knisterndes Geräusch, wenn es ruckweise kroch, oder wenn es
festgehalten mit den Flügeln schlug. Andere Exemplare Hessen den
Ton nicht hören. Derselbe erwähnt auch der Drüsen, welche bei
diesem Schmetterling unter dem Halskragen sich befinden und eine
ölartige Flüssigkeit vortreten lassen. Diese Oeltropfen geben auch
andere Euprepien und die Zygaenen von ijich; ob auch andere Schmet-
linge, ist mir nicht erinnerlich.
JSonihyces. Donzel (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 489)
entdeckte in den Pyrenäen einen neuen Hepmlus, H. PyrenaicuSy
dessen Weibchen sich durch verkümmerte Flügel auszeichnet. —
Frey er (a. a, O.) bildete Hep. Velleda, Sylvimis, Cossus pantherinus,
arundinis^ Orgyia dubia (aus Andalusien), Liparis sordida, detrita^
Gastropacha repanda, Notodonta chao7iia, dodonea, die letzteren mit
der Raupe ab. — Fischer von Rösslerstamm (a.a.O.) beschrieb
die Raupe von Lithosia rosea^ Zell er (Isis 208) die von Notodonta
dictaeoides und Liparis detrita. — Ratzeburg (Ent. Zeit. 8.160-
und Forstins. II. S. 128) verdanken wir genaue Beobachtungen und
vortreffliche Darstellungen des bisher meist mit G. pityocampa ver-
wechselten, norddeutschen Kiefern-Processions-Spinner, Gastropacha
pinivora Tr. — Fischer von Waldheim Bull. Mose, 1839. S. 117.
T. 4. F. 2) bildete die südrussische Orgyia dubia Hübn. unter dem
Namen O. Alhagi ab, den er am Schluss auch selbst wieder einzog.
Neue exotische Arten sind Liparis rufescens Brülle (II. Canar.
Ent. S. 95) von den Canarischen Inseln, und ßombya: spectahiisUope
(Linn. Transact. XVIII. S. 43 T. 31 F. 3), ein stattlicher Spinner aus
Assam.
Audouin (Instit. S. 255) erzog Sat. Cecropia mit Pflaumenblät-
tern, sowohl mit denen von Prunus domestica, als denen von Pr.spinosa
(auch M. C.Sommer erzog bekanntlich mehrere Generationen dieses
Archiv f. Naturgesch, YH. Jahrg. 2, Bd. 15
226
Schmetterlings in Altona), Man rechnet darauf, sie als Seidenraupe
ziehen zu können, da man in America brauchbare Seide aus ilirem
Gespinnste gewonnen hat.
Bonafons (ebendas. S. 246) hat versucht, die Seide schon in
der Raupe zu färben. Es wurden Krapp und Indigo auf die Maul-
beerblätter gestreut,* und davon rosenrothe und blaue Gespinnste
gewonnen.
Leplay (Ann. d. scienc. nat. N. Ser. XIII. S. 79) theilte statisti-
sche Untersuchungen über die Production und Bearbeitung der Seide
in Frankreich mit.
Bruinsma (Tijdschrift voor Natuurlijke Geschiedenis en Phy-
siologie VII. S. 257 pl. 4) beobachtete einen Bombyx Mori mit einem
Baupenkopf. Er erhielt das Exemplar als Puppe, welche schon den
Raupenkopf aufhatte, und an welcher sich keine Fühlerscheiden be-
merken liessen. Der im Cocon liegenden abgestreiften Raupenhaut
fehlte der Kopf. Der Schmetterling kroch auf gewöhnliche Weise
aus, behielt aber den Raupenkopf, der noch einen Theil des Protho-
rax bedeckte. Unter der von einer Seite gelüfteten Bedeckung des
Raupeukopfes fand der Verf. den Fühler des Schmetterlings zusam-
mengewickelt und von einer dünnen Membran bedeckt, auch das zu-
sammengesetzte Auge. B. bildet zugleich noch einige Puppen ab,
welche sich aus der Raupenhaut nur unvollkommen entwickelten.
Van der Hoeven (ebepdas.) fügt der eben erwähnten Abhand-
lung einige wichtige Bemerkungen bei, welche erstlich darauf hinwei-
sen, dass ähnliche Fälle ausser dem von Wesmael (bei Pap. Populi),
auf welchen Bruinsma Bezug nimmt, auch bei Johnston, O. F. Mül-
ler und Majoli (in Meckels Archiv) vorkämen. Müller macht sogar
eine eigene Art, Bombyx heteroclyta, aus dem von ihm beobach-
teten Schmetterlinge. Dann zeigt er sehr richtig, dass die ganze Er-
scheinung in nichts Weiterem bestehe, als dass die Schale des Rau-
penkopfes nicht abgestossen werde, die Schmetterlinge also nur
scheinbare Raupenköpfe hätten, da ihre eigenen Kopfe, mit den zusam-
mengesetzten Augen und Fühlern, darunter verborgen lägen. Die
zarte Haut, welche B. unter dem Raupenkopfe und unter den zu-
sammengesetzten Augen des Schmetterlings bemerkte, war offenbar
die Puppenhülle, die, weil sie unter der Schale des Raupenkopfes
blieb, nicht verhornte.
SToctuae, Guenee (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 201 und
VIII, S. 473) hat seine Untersuchungen über die Klassification der
Eulen fortgesetzt. Die Gx\\\i\iQ Ha denidi enthält die Gattung De« wifA-
oecia Boisd., llarus Boisd., Polia Tr., Hadena (Hadena, Ma-
mestra und Miselia Tr.), Aplecta, neue Gatt. S. Boisd. Ind. meth.),
Phlogophora O. (auf meticulosa beschränkt), Eurhipia Boisd.,
Eriopus Tr., Thyatira O., Gonoptera Latr. (Calpe O.) — Die
Gruppe Orthosidi besteht aus den Gatt. Trachea (nur piniperdä)^
Taeniocampa (neue Gattung mit nett gebänderten Raupen: gotJiica,
227
rubricosa, instabilis^ opima, j)opulett\ stahilis, gradlis^ carnea, rubella,
ininiosay afnbigua\Orthosia (auf coecimaculayiieglectay acetosellacy
oxalina, ypsilon, Farkasii, Iota, macilenta^ congeHer, laevis, ilicis
eingeschränkt), ^wcÄoce/?* neue Gattung (jütida, Immilis, subiecta,
•pistacina, litura, haematidea enthaltend), Euperia (ebenfalls neue
Gatt, aus trape%ina^ abluta, fulvago)^ Cirroedia (neue Gatt, für
xerampelina) ^ Xanthia O., Cerastis 0., Dasycampa (neue
Gatt, für rubigineä), Mecoptera (neue Gatt, für sateUitia und se-
rotina). — Die Gruppe Xylinidi besteht aus den Gatt. Xylina O.,
Ca/ocam/?a Steph., Cucullia O., Cl o a?i t h a Bolsd., Xylocampa
(neue Gatt, für lithorhixa)^ Cleophana Boisd., Chariclea Stepb.
Durch Fischer von Rösslerstamm (a. a. O.) wurden die
Raupen von Xylina putrisy Polia flavicincta, Apamea latruncula,
durch Frey er (a.a.O.) die von Cymatophora or, octogesima^ Noctua
rhomboidea^ Eriopus pteridis (Abänderung), Orthosia instabilis^ sta~
bitis, gracilis, munda, ypsüon, litura y Cerastis cerasina^ Xylina he-
patica, Cucnllia abrotani, absitithii, artemisiae, durch Zell er (Isis
S. 289) die von N. rumicis, auricoma^ coryli, xanthographa, caeci-
macula entweder zuerst oder genauer bekannt gemacht.
Donzel (Ann. de la Soc. Ent. de Fr. VII. S. 430) machte eine
kleine lL\\\e, Apamea rubeuncula, von den Pyrenäen, bekannt, welche
Abänderung von strigilis ist,, Freyer (a. a. 0.) bildete folgende
Europäische Arten ab: Mamestra abiecta^ Orthosia Kindermanni,
Gortyna lunata, Xylina Felixii, Anarta vidua^ rupicolay Anthophila
mendacMla, Pannonica. '
Eine Anzahl Südrussischer, in der Gegend von Sarepta von den
H. H. Kindermann aufgefundener Eulen wurden von Fischer von
Waldheim (Bull. Mose.) und Frey er (a. a. O.) bekannt gemacht.
Der Erstere beschrieb CiicuWa scopula (Bull. Mose. 1839 S. 115 T. 4
F. 1), C. hiornata^ leucaspis^ boryphora^ literata^ Agrotis intersitOy
Bryophila dactylophora^ Noctua parallela, proxima (Bull. Mose. 1840
S. 83 T. 3), der letztere bildete Amphipyra confusa^ Hadena cancel-
lata, Caradrina terrea, chaldaica, Cucullia argyrea^ magnijica (einer-
lei mit C. scopula Fisch.), Xanthia miniago ab.
Von exotischen Eulen verdanken wir van derHoeven (a. a. 0.)
die Darstellung von Ophideres elegans, Erebus omma, Catocala mo-
desta, alle von Java.
Geontetrae, Frey er (a. a. O.) bildete als neue Arten Aci^
dah'a corticulata ^ Cidaria suplata, Idaea bellata, Larentia undata^
ferner Lar. coronata Hübn., als eigene von L. rectangulata abzuson-
dernde Art und L. nanata ab. Donzel (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr.)
machte zwei neue Arten, Lar. ligustigata (VII.' S. 431) von den Py-
renäen und Crocallis Dardoinaria (IX. S. 59) von Marseille, wo die
Raupe auf Ulex nanus lebt, und Fischer von Waldheim (Bull.
Mose. 1840 S. 88) Larentia tritomata und Etmomos adustaria von
Sarepta bekannt.
15*
22a
JPyralides, Fischer von Rösslerstamm (a. a.O.) bildete
Pyralis Massillalis Dup., luridalis^ Scopula Bourjotalis, und Frey er
(a, a. O.) Sc. sticticalis mit der Raupe, opacalis, alpinalis ab.
Vortrices» Frey er (a. a. 0.) stellte Sericoris nmhrosana^
hepaticana, abietisana (!) euphorbiana, Grapholitha decolorana^ Metx-
neriana, caliginosana^ Teras elongmia, Kicliteriana^ Cochylis creta-
ceana^ Messtngiajia,mßdana, zum Theil als neue Arten dar. — Boj^er
de Fonscolombe (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 68) beschrieb
die Raupe von Tortrix compressanaDu]^. — Ratzeburg undSaxe-
sen (Forstinsect. II,) widmeten den Nadelholz- Wicklern eine beson-
ders dankenswerthe Sorgfalt und machten auch mehrere neue Arten
derselben bekannt, namentlich Grapholitha contferana, Rat%ebur-
giana, Sciaphila? Hartigiana Sax. von Fichten, Coccyx Zebeana
Ratz, von Lärchen.
Vineae» Frey er (a.a.O.) gab eine zusammenhängende Dar-
stellung der Gatt. Glyphypteryx {loricatella, Bergsträsserella,
vartelld) und Aechmia (Thrasonella, equitella, Roesslerstammellay
perdicella^ dentella^ transversella, metallicella^ cultatricella, die letzte
neu.) — Fischer von Roesslerstamm bildete Chilo aureleellns
(neue Art), Saxonellus Zink., Physis obductella (neue Art, mit der
Raupe), Oecophora Heydeniella (neue Art), Linneella Cl., locupletella
W. Vz., Ornix auroguttella Steph. (mit der Raupe) ab. — Boy er
de Fonscolombe (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 64) beschrieb
eine neue Art aus Südfrankreich, T. aglaella Ratzebug (Forst-
insect IL) unterschied Physis sylvestrella von Ph. abietella. Seine
T. Reussiella ist eine Gelechia (favillatiella Zell.) und für dodecella L.
anzunehmen, und Saxesens Blastotere Bergiella Argyrestia illumi-
natella Zell.
JDiptera*
Die umfassende Bearbeitung dieser Ordnung durch Mei-
ßen und Wiedemann wird noch lange die Grundlage der
meisten Arbeiten in diesem Bereich bilden, welche mehr oder
weniger als Zuträge zu jener erscheinen. In solcher Beziehung
stehen Loew's „Bemerkungen über die in der Posener Ge-
gend einheimischen Arten mehrerer Zweiflügler-Gattungen" (als
Programm besonders erschienen, und zugleich in der Isis ab-
gedruckt) und Zell er s „Beitrag zur Kenntniss der Dipteren"
(Isis 1840 S. 10.) Beide Auetoren sind bemüht, die Meigen-
schen Arten kritisch zu sichten, welche allerdings häufig zu sehr
vervielfältigt sind, doch ist bei der nicht immer hinreichenden
Ausführlichkeit in der Beurtheilung dieser Arten mit grosser
Vorsicht zu Werke zu gehei|, namentlich darf man auch
229
die geographischen Verhältnisse nicht unberücksichtigt lassen
und nicht voraussetzen, Schlesische und Polnische Arten in
den bei Meigen beschriebenen Portugisischen leicht wieder-
zufinden.
Die Dipteren Dänemarks hat Staeger (in Kröyer's Natur-
historisk Tidsskrift) zu verzeichnen angefangen, und dabei viele
Bemerkungen über Vorkommen, Kritik der Arten, so wie Be-
schreibungen neuer Arten mitgetheilt.
Von Macquart's „Dipteres exotiques nouveaux et peu
connus" ist die erste Lieferung des zweiten Bandes erschienen.
Es ist hierin eine neue Uebersicht über die Abtheil, der Tefra -
chaetae (mit 4 Borsten im Rüssel) gegeben worden, welche
sich von der früheren darin unterscheidet, dass der durchaus
unnatürliche Unterschied zwischen Tanystomes und Brachy-
stomes aufgehoben, und die Bonibylier und Anthracier ver-
einigt sind. Die Familien sind demnach jetzt folgende: 1. My-
dasiens, 2. Asiliques; 3. Hylotides, 4. Empides^ 5. Nemestri-
nides, 6. Vesiculeux, 7. Xylotomes, 8. LeptideSy 9: Bomby-
lierSf 10. Syrphies^ 11. DoUchopodes. Die 6. Familie steht
hier nicht an ihrem Orte. (S. darüber u.)
Die Dipteren der Canarischen Inseln, welche Macquart
für die II. Canar. bearbeitete, sind mit in die Dipteres exotiq.
aufgenommen ; so weit dies noch nicht geschehen ist, sind sie
unten aufgeführt.
Culicina, Staeger (Kröy. Naturli. Tldssk. II. S. 553) führt aus
dieser Familie 13 Arten auf, nämlich 3 Atiopheles (darunter eine
neue Art, A. nigripes)^ 9 Culex, 1 Aedes,
Von 8iebold (Germ.Zeitschr.il. S. 443) bemerkte, dass die
befruchteten (mit lebhafte Spermazoen enthaltenden Samenbehäl-
tern versehenen) Weibchen des Culex rufus überwintern ohne in
Winterschlaf zu verfallen, nur an einem geschützten Orte (einem
Keller) still sitzend. Burmeister (ebendas. S. 445) fügte hinzu,
dass sie während des Winters zu stechen verschmähten, aber andere
Flüssigkeiten, als warme Kuhmilch und selbst Zucker aufsögen.
Chironofnidae, Staeger (Nat. Tidsskr. II. S. 555) zählte
103 Dänische Arten auf, nämlich 3 Coretkray 81 Chtronomus, 1 Dia^
mesa, 18 Tanypus, 29 Ceratopogon. Neue Arten sind: Corethra fusca,
Ch ir onomus, mit nackten Flügeln : intermedms^ barbipes mit schwar-
zem Punct in den Flügeln, nigrirnanus ^ armillatus, albofasciatus,
hiarmulatus, nervosus^ prasinatus^ longipes, rufovittatus, variabilü,
230
conßms, femoratus, varimis ohne solchen Pimct; intersectus mit
weissgeringelten Beinen 5 ßavo-nervoms , hicidus^ mit schwärzlichen
Schwingern^ — mit behaarten Flügeln: latus^ abdominalis^ hirticol-
tis, pallidicollis. Diamesa notata. Tanypus annulatus , dubius^
longimanus^ nigropimctatus. Ceratopog on, mit iingedornten Vor-
derschenkeln: vexans, pictipennis, fascipennis ; mit gedornten Vorder-
schenkeln: affinis, hinotatus^ circumdatus, erythrocephalus, transfnga",
mit dicken gedornten Hinterschenkeln: y7af/co/-w/5.
JDipulariae. Staeger (Nat. Tidsskr. III. 1.) führt 130 Dä-
nische Arten dieser Familie auf, und zwar 4 Ptychoptera^ 4 Cteno-
j)hora, 33 Tipula^ 9 Pachyrhina. 1 Nephrotoma, 1 Pedicitty 1 Rhipi-
dia, 1 Rhamphidia, 2 Idioptera, 19 Limnophila^ 2 Cylindrotomay dSym-
plecta, 20 Ltmnobia, 3 Glochina, 18 Erioptera^ b Trichocera, 3 Dixa,
1 Dolichopexa. Neue Arten sind: Tipula flavirostris, pictipennis^
humilis^ lineata^ 4t-vittataj Limnop hila abdominalis ^ scutellata,
Limiiobia meridiana^ decora, Glochina autumnalis^ frontalis^
Erioptera similis^ appendiculata, Dixa nigra.
Blandon schilderte das Ausschlüpfen einer Tipula aus ihrer
Nymphenhaut, welches dadurch merkwürdig ist, dass dasselbe nicht
durch Hülfe der langen Beine, sondern lediglich durch Auftreibung
des Hinterleibes geschieht (Mag, of Nat. *Hist. New Ser. IV. S. 101).
Es scheint als ob der Hinterleib voll Luft gepumpt würde.
Die früheren Zustände der Ctenophora atrata wurden von
Perris (Ann. d. sc. nat. XIV. S. 93. T,Z.A. F.S9 — 37) beschrieben.
Die Larve lebt in faulen Erlenstöcken.
Trichocera annulata und regelationis erzog Leon Dufour
aus verschiedenen faulenden Schwämmen (Ann. d. sc. nat. XIII. S. 161).
Cecidomyidae, Perris (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 401)
beschrieb eine Gallmücke, Cecidomyia Urticae, deren Larve in
Gallen der Unterseite der Blätter der Brennnessel (ürt. dioica) lebt.
Leon Dufour (ebendas. VII. S. 893) stellte eine andere Art auf, C.
Pini m.aritimae, deren Larve er im April auf Nadeln der Pinus
maritima eingesponnen fand, Ueber die Lebensweise der Larve ist
nichts ermittelt, es ist aber sehr glaublich, dass sie eben so wie die
der C. Pini Degeer's in den Blattscheiden der Fichtennadeln lebt,
sich zum Winter auf die bemerkte Weise einspinnt, und sich im
Frühlinge verwandelt. Der Beschreibung nach sind beide als Arten
verschieden.
Perris (Ann. d. sc. nat. XIIL S. 346. T. 6. B.) beschreibt die
Verwandlung der Psychoda nervosa-, die Beschreibung der Larve
kommt aber so wenig mit derjenigen überein, welche Bouche (Na-
turgeschichte der Insecten 8. 26 T. 2 F. 80) von Ps, phalaenoides
gegeben hat, dass man nur annehmen kann, einer der Beobachter
habe sich in der Larve geirrt. Anderer nicht unwichtiger Unterschiede
nicht zu gedenken, stellt Perris seine Larve mit der Stigmeneinrich-
lung derFliegenlarvea vor, nämlich mit einem Paar Stigmen hinten und
231
einem zweiten Paar vorn, während die Bouche'sche Larve auf jedem
Segment ein Stigmenpaar hat, wie es bei den Larven der Abtbeilung
der Dipteren, welcher Psychoda angehört, die Regel ist. Eine so
wesentliche Verschiedenheit kann zwischen den Larven einer und
derselben Gattung schwerlich stattfinden. Die von Perris beobach-
teten Larven lebten in Mist und faulen Pilzen, gingen zur Verwand-
lung in die Erde, wo sie in grosser Menge neben einander steckten.
JtKycetopMliilae, Staeger (Xat. Tidsskr. IIL S. 288) zählte
128 Arten Dänischer Pilzmücken auf, nämlich 3 Bolitophilaj 6 Macro-
cerüy 3 Leia, 9 Boletina, 42 Mycetophila, 4 Pachypalpus^ 13 Sciophilaj
1 Giioriste^ 1 Ceroplatus, 11 Platyura^ 2 Mycetobia, 30 Sciara^ 3 Cam-
pylomyxa. B ölet in a ist eine neu aufgestellte, von Leia nach Habi-
tus und Flügelgeäder abgesonderte Gattung, in 3 Unterabtheilungen,
1) 4 Hinterrandzellen (2 Gabeladern), entweder die 2. und 4. Hinter-
randzelle gleich hoch, trivittata und basalis Meig., oder die 4. Hin-
terrandzelle höher als die zweite, B. dubia y nigricoxa, sciarina,
neue Arten, oder die 4. Hinterrandzelle kürzer als die 2., B. flava,
neue Art, 2) mit 3 Hinterrandzellen, nemoralis und nitidicollis Meig,,
3) ohne Flügelzellen, B. atiomala, neue Art. Von Pachypalpus
sind 4 Arten beschrieben, von denen die eine, P. crassicornis^ Cordyla
crassicornis Meig. und zugleich P. ater Macq. zu sein scheint. Ausser-
dem sind fast alle Gattungen mit neuen Arten bereichert, so dass diese
Arbeit ein wichtiger Beitrag zur Kenntniss dieser Familie ist.
Sibionide** Loew (a. a. O.) stellte eine neue Simulia, S.
incana auf, und gab Bemerkungen über andere Arten dieser Gattung^
auch über mehrere Arten von Dilophus und Bibio, so wie über Aspt-
stes beroliiiensis. Mit Unrecht wird indess Schüppels Zeichnung im
Meigenschen Werke für falsch erklärt; Ref. hat seitdem Gelegenheit
gehabt, den Verf. von der Genauigkeit derselben zu überzeugen;
auch hat er schon früher (Jahresbericht für 1838 S. 305) auf bedeu-
tende Verschiedenheiten in den Fühlern von Aspistes aufmerksam
gemacht. Es ist möglich, dass es mehrere Arten dieser Gattung giebt.
A.9ilici> Zur Kenntniss der Deutschen Asilen hat Zeller (Isis
S. 34) sehr wichtige Beiträge geliefert. Von Dioctria wird eine neue
Art, D. hunieralis aufgestellt, dagegen werden viele Meigensche Arten
vereinigt, zum Theil mit Recht, wie £). atricapilla und atrata als Männ-
chen zu D. nigripes M. unter dem Namen D. fuscipennisFalh gezo-
gen werden, zum Theil mit Unrecht, wie D. geniculata und cothur-
nata sicher von D. frontalis F. {rufipes Degeer), verschieden sind,
mit welcher andere Arten, als D. varipes, richtig zusammengezogen
sind. Unter Dasypogon sind cinctellus und Jiirtellns zweckmässig
unter dem Namen ci?ictus vereinigt, eine andere Art, die auch Loew
(s. u.) bei Posen auffand und als neu erkannte, ist als D. laniger
Meig. beschrieben, indess ist dies höchst ausgezeichnete Portugisi-
ÄChe Insect sehr verschieden, daher für die neue Art der Name Z>. da-
232
vipes Loew bleibt. Die Arten der Gatt. Asilus hat Zeller einer sehr
gründlichen Prüfung unterworfen, und da die Meigenschen Beschrei-
bungen nicht hinreichend genau sind, um die wesentlichen Artunter-
schiede anzugeben, ist der Verf. in den Fall gekommen, von 88 Arten
15 neu zu benennen, obschon verschiedene der Meigenschen Arten
darunter befindlich sein mögen, — Loew (a. a. O.) ist ebenfalls zu
dem Resultat gekommen, dass Meigen mitunter in der Trennung der
Arten zu weit giog, indess ist er beim Zusammenziehen derselben
etwas vorsichtiger gewesen. Von Asilus hat auch er mehrere neue
Arten beschrieben, welche zum Theil nicht mit den Zeller'schen zu-
sammenfallen.
Asilus {Blepharotes) abdominalis Westwood (Nat. Libr. Ent. I.
S. 329 T. 35 F. 1) ist Laphria splendidissima Wied., deren Weibchen
Craspedia Audouinii Macq. ist: Asil. coriarius Wied. ist also nicht
das andere Geschlecht der abgebildeten Art, wie AVestwood ver-
muthet, sondern eine zweite Art derselben Gattung, in deren Benen-
nung Macquart dem Englischen Entomologen zuvorgekommen ist.
Mtyhotinae» Unter Ocydromia vereinigt Loew (a. a. O.)
O. rußcollis Meig. mit flavipes M., rufipes Meig. mit glabricula Fall.
M., und stellt eine neue Art, 0. melanopleura auf.
JEntpiiiae» Loew (a. a. O.) beschrieb als neue Arten: Hi-
lara anomala, Ramphomyia squamigera, obscura^ amoeni^ gracilipes^
Hemerodromia brevipes, Tachydromia cingulata^ Dr/tpetis Jlexuosa.
Monihylarii, Macquart (Dipt. exotiq.) hat diese Familie
in Bezug auf die exotischen Arten bearbeitet, und sie mit vielen neuen
Gattungen bereichert, welche grossentheils auf Kosten von Anthrax
gebildet sind, und zum Theil auf schwachen Grundlagen beruhen.
Solche sind: Exoprosopa, mit 3 Unterrandzellen in den Flügeln
und kegelförmigem Untergesicht (es giebt auch ächte Anthrax mit
2 Unterrandzellen und dabei kegelförmigem Gesichte), Spogostylum,
mit ebensoviel Unterrandzellen, nicht vortretendem Gesichte und statt
der einfachen Endborste mit einem Büschel vonHäärchen an derB'üh-
lerspitze: Sp. mystaeceum, neue Art aus Brasilien und Chile. Cal-
lostoma, mit Mulio verwandt, aber die erste Hinterrandzelle ge-
schlossen: C. fascipennis aus Smyrma. Enica, schon in den Suit.
aBuff. aufgestellt, auf A. longirostris Wied. gegründet, und Lito-
rhynchus (A. seniculus^ collaris Wied.) weichen durch weiter vor-
tretenden Rüssel ab. Bei den folgenden sind die Fühler mehr ge-
nähert, und die Stirn beim Männchen schmal: Comptosia mit drei
Unterrandzellen, C. fascipennis, neue Art von Montevideo. Aniso-
tamia (zwei neue Africanische Arten) und Plesiocera (P. algira,
neue Art von Algier) haben zwei Unterrandzellen und das dritte
Fühierglied zwiebeiförmig, die erstere mit flachem, die letztere mit
vortretendem Gesicht und ungewöhnlich tiefer Einlenkung der Fühler.
Endlich Lomatia und Oncodocera mit ebensoviel Unterrand-
233
Zellen, die ersterc mit kegelförmigein , die letztere mit sphärischem
Endglied der Fühler; diese letzte ist auf einer neuen Nordamericani-
schen Art gegründet. Die aufgestellten Unterschiede dieser Gattun-
gen sind schon an sich nicht sehr bedeutend, und gehen durch eine
Menge von Zwischenformen in einander über, so dass, wenn man
Anthrax in mehrere Gattungen auflösen wollte, diese noch auf eine
ganz andere Weise begründet werden müssten. Gegenwärtig haben
diejenigen Gattungen, welche natürlich abgesondert erscheinen, wie
Lomatia, keine rechten Charactere, andere, welche einen scheinbaren
Character darbieten, wie Litorhynchus, sind durchaus unnatürlich.
Die übrigen mehr mit Bombylius verwandten neuen Gatt, sind:
Adelidea, durch 3 Unterrandzellen, kurzes erstes und birnförmiges
3. Fühlerglied von Bombylius abweichend, mit 1 Art,^. fuscipennis vom
Cap, welche Bombyl. anomalus Wled. ist; Eiiiconeura^ in man-
chen Puncten an Hybos erinnernd, doch mit dem vorgestreckten Rüs-
sel derBombylier, im Flügelgeäder mehrere Eigenthümlichkeiten zei-
gend: E. fusapen7us ^ aus Südfrankreich und Nordafrica; Megapal-
pus und Dasypalpus, erstere schon in denSuit a Buff. aufgestellt,
kaum unter einander und von Corsomyza wesentlich verschieden,
endlich CyclorhyncUus, von Phthiria nur durch gekrümmten Rüs-
sel sehr unwesentlich unterschieden, da derselbe sich bei Arten, wo
er länger ist, beim Trocknen leicht zufällig krümmt.
Die vielen vom Verf. als neu beschriebenen Arten zu sichten,
würde eine nicht unbedeutende Arbeit sein. Durch eine sorgfältige
Kritik würde die Anzahl der wirklich neuen Arten beträchtlich ver-
mindert werden. Nur Beispielsweise sei erwähnt, dass Exoprosopa
argyrocephala des Verf. Anthrax rivularis Meig., E. lutea A. Aeacus
Meig, E. Bovei A. Aegina. Wied.. ferruginea Kl., E. singularis A. AI-
gira F. und zugleich A. Sicula der Suit. a Buff., ferner Anthrax ru^
biginipetmis A. hetrusca F., A. irrorata A. Oedipus F., A. testacea
A. incana KI. ist.
Zeller undLoew (a. a. 0.) haben ihre Bemerkungen über diese
Familie, der Erstere ausführlicher mitgetheilt. Beide sind geneigt,
Anthrax flava und venusta und noch einige andere der Meigenschen
Arten zusammenzuziehen, vielleicht nicht mit Unrecht, indess hat Ref.
in der hiesigen Sammlung nicht nur die Mehrzahl der erwähnten Mei-
genschen Arten festgehalten, sondern auch noch A. flava Hoffg. und
J-y/^/t)« Meig. unterschieden, indem die erstere unter dem gelben Pelze
einfarbig ist, die andere auf dem Grunde der Hinterleibssegmente gelbe
Binden hat. Eine neue, sehr gute Art ist A. mucida Zell. Eine in
Schlesien und Polen vorkommende Ploas wird von beiden als PL
virescens aufgeführt, ist aber von diesem Südwest -Europäischen
Insect durchaus verschieden und sicher PL lurida Meig.
Die Nemestrinen betrachtet der Verf. als eine eigene Familie,
die allerdings durch die Richtung des Rüssels und die drei Hautläpp-
chen zwischen den Klauen von den Bombyliern abweicht. Hier ist
234
aus der N. longirostris Wied. eine neue Gatt. Megistorhynchus
gebildet. Die Hirmoneura des Verf. würden zu Trichopsidea
Westw. gehören.
Xylonomae» Diese Familie ist von Macquart (Dipt. exot.)
mit der Gatt. Xestomy%a erweitert und ausserdem mit der neuen Gatt.
Exapate vermehrt worden. Exapate hat die Charactere von The-
reua, aber den breiten dichtbehaarten Körper von Anthrax, und eine
einzige neue Art, E. Änthracoides aus Sicilien. Xestomyza hat zwar
den langen Rüssel der Bombylier, aber 5 Hinterrandzellen, weshalb
sie hierher gebracht worden. Chiromy%a hat der Verf. nur nach
Wiedemann aufgenommen, er selbst hat dieselbe Gattung schon früher
unter Stratiomyden als Xenomorpha neu aufgestellt. Von Thereua
sind mehrere neue exotische Arten beschrieben. — Auch Loew
(a. a. O.) hat zwei neue Arten dieser letzten Gattung.
Jjeptides, Hleher stellt Macquart (Dipt. exot.) jetzt die
durch einen langen untergebogenen Rüssel ausgezeichnete Gattung
Lampromyia (Suit. a Buflf. Suppl.), welche mit einer neuen Art von
den Oanarischen Inseln vermehrt ist. Ausserdem fügt er eine neue
Gatt. Dasyomma hinzu, welche von Leptis in mehreren Puncten,
uamcntlich durch behaarte Augen abweicht, und eine kleine neue Art,
D. coerulea, aus Chile enthält. Von Leptis beschreibt er zwei neue
Nordamerikanische Arten. — Loew (a. a. O.) machte unter seinen
Beobachtungen über die Posener Leptiden drei neue Arten, Leptis
punctata und Chrysopilus (wie er richtiger statt Macquart's Chrysopila
schreibt) erythropthalmus und chlorophthalmus bekannt.
Jifolichopodes, M a c qu ar t (II. Canar. B^nt. S. 107) beschrieb
Medeterus fuscipennis und cupreus von den Oanarischen Inseln, auch
(Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 423) M. oceanus^ vom Strande von
Dünkirchen, und (ebendas. S. 485) Syhistroma Dujourity auf welches
sich die im vorigen Jahresbericht S. 313 erwähnte Bemerkung von
Leon Dufour bezieht.
^tratiomydae» Loew (a. a. O.) machte mehrere nicht
unwichtige Beobachtungen über diese Familie und stellte mehrere
neue Arten auf: Sargus axureus^ Nemotelus pica, Stratiomys hrevU
cornis. — Ref. (Wagn. Alg. III. S. 193) beschrieb Stratiomys aurißua
als neue Algierische Art.
Syrphiei* Loew (a. a. O.) bereicherte diese Familie mit
einer neuen Gatt. Triglyphus, — welche dadurch sich besonders
auszeichnet, dass sie nur 4 Hinterleibssegmente hat, sonst im Aeussern
ziemlich einer Pipiza gleicht, und auf einer neu entdeckten Art, Tr.
primus, gegründet ist; — und mit mehreren neuen Arten der Gatt.
Paragus, Pipiza, Chrysogaster, Cheilosia, Syrphus und MeUthreptus.
— Ref (Wagn. Algier III. S. 194) beschrieb Volucella liquida als neue
Art aus der Berberei. — Macquart (II. Canar. Ent. S. 107) führte
Chrysotoxum ^-arcuatum^ Eumerus latitarsis, purpureus und Ascia
analis als neue Arten der Oanarischen Inseln auf.
235
Schlotthauber entdeckte, dass die vermeintliche Landschnek-
kengattung Scutelligera öpix., Parmula v. Heyd. die Larve von Mcr-
odon vmtabilis sei. (Isis 1840 S. 922.)
Die früheren Zustände von Cheilosia (Syrphus^ scutellatus wur-
den von Leon Dufour aufgefunden (Ann. d. sc. nat. XIII. S. 149 T. 3
F. 1 — 4). Die Larve lebt in faulen Schwämmen, namentlich in BoL
edulis und pinetorum. Die Nymphen bleiben entweder im Schwämme,
oder die Larven gehen zur Verwandlung in die Erde.
JKenopii, Ref. (Entomogr. S. 135) hat diese Familie bearbeitet.
Sie zeichnet sich neben dem Missvcrhältniss zwischen dem aufgetrie-
benen Körper und dem kleinen, fast ganz von. den Augen eingenom-
menen Kopfe durch die Bildung des Mundes aus, die nicht wie bei andern
Familien eine übereinstimmende Ausbildung, sondern in dieser Rück-
sicht die grösste Verschiedenheit zeigt, jedoch so, dass diese sich
auf 3 Abstufungen beschränkt. In der ersten ist der Rüssel lang
lind fein, unter den Körper geschlagen, drei Borsten enthaltend, die
Oberlippe und Maxillen: die Zunge, welche sonst überall vorhanden
ist, auch da, wo auch die Maxillen nicht mehr durch Borsten dargestellt
werden, fehlt hier; ferner fehlen die Taster, trotz der Angaben vonFa-
bricius, Latreille und Meigen. In der zweiten Abstufung ist der
Rüssel nur ein kurzer, kaum vorragender, zur Zeit noch nicht zer-
legter Stummel, in der dritten fehlt er ganz und die Mundöffnung ist
durch eine Membran verschlossen, in der die einzelnen Mundtheile
durch Hornpünctchen angedeutet erscheinen. In der ersten Abthei-
lung sind die Fühler 3gliedrig bei P«mo^^ Lam., (Mesophi/sa M&cq, —
2 Neuholländische Arten), wo sie auf dem Scheitel, und bei Lasia
Wied. (und Panops Wied. Macq. — 4 Südamericanische Arten), wo sie
auf der Stirn eingelenkt sind. Bei den übrigen sind sie 2gliedrig, bei%»
Cyrtus Latr. (3 Arten) auf dem Scheitel, bei den übrigen auf der
Stirn: bei P^^Vo^/era Griff. (Me^ocer« Macq. — 3 Arten vom Cap) sind
die Lappen des Prothorax auseinander gerückt, bei Thyllis (neue Gat-
tung mit 4 Arten vom Cap, worunter Acroc, crassa F.) mit unter
den Fühlern noch einmal zusammenstossenden Augen, und Philo ^
pota Wied. (4 Arten aus Brasilien) an einander liegend. — In der
zweiten Abtheilung sind die Fühler 3gliedrig bei Ocnaea (neue Gat-
tung mit 3 amerikanischen Arten, u. a. Acroc. calida Wied.), wo sie
auf dem Scheitel, ^* Zorne//« Latr. (4 Arten) und P/a/ea (neue Gat-
tung mit 1 Art aus Brasilien), wo sie auf der Stirn stehen. Die letzte
Gattung ist sehr merkwürdig dadurch, dass das erste Glied bei-
der Fühler in ein gemeinschaftliches verwachsen ist,
welches von einem Stirnfortsatz, wie bei Ceria, darin sich unterschei-
det, dass es der Stirn eingelenkt ist. Zweigliedrige Fühler haben
Pterodontia Griff. {Heii. Waa;e In Kl. und 2 neue Arten aus Bra-
silien und Neu-Holland) ohne, Acrocera (7 Arten) und Terphis
(1 neue Art aus Brasilien) mit einer Endborste. Die letzte Gattung
unterscheidet sich von Acrocera dadurch, dass die Fühler nicht auf
236
dem Scheitel, sondern auf der Stirn stehen, und dass die Augen so-
wohl über als Unter denselben zusammenstossen. — Die letzte Ab-
theilung enthält die einzige Gattung Ogcodes Latr. (Henops Meig.
— 8 Arten).
Oestracide*» „Die Oestraciden — Bremsen — der Pferde,
Binder und Schafe. Eine naturgeschichtlich-thierärztliche Abhandlung
von Dr. K. L. Schwab, München 1840." Eine Gelegenheitsschrift, in
welcher der Verf. seine Erfahrungen über die Bremsen der Hausthiere
zusammenstellt. Er theilt sie ein in Pferdebremsen und von diesen
führt er 4 Arten auf: Oe. gastricus maior (d. h. Equi F.), duodenalis
(salutiferus Clark), dessen Larven nach seiner Beobachtung im Zwölf-
fingerdarm nahe am Pförtner leben, haemorrhoidalis L. und gastri-
cus minor (veterinus Clark, nasalis L.), Rinderbremsen (nur Oe.
bovisj zu dem mit Unrecht Oe. pecorum F. gezogen wird, welcher eine
Pferdebremse (Gastrus Meig.) ist*), und Schaf bremsen {Oe. ovis).
Am vollständigsten sind die Nachrichten über die Pferdebremsen, in-
dess ist die Namenveränderung, welche hier vorgenommen, durchaus
unzulässig, und kann von keinem wissenschaftlichen Naturforscher
angenommen werden.
JPlatypezinue* Die Verwandlung der Platype%a holosericea
ist von Leon Dufour (Ann. d. sc. nat. Xlll. S. 159 T. 5 F. 24 — 36)
beobachtet worden. Die Larve lebt im Agarici^s campestris, gleicht
sehr der einer Anthomyia, ihre Dornfortsätze ebenso wie die gestiel-
ten Stigmen sind einfach. Das Tönnchen gleicht der Larve, ist aber
von einem kürzeren Oval und es sind die beiden ersten Segmente,
so wie die Stigmen, eingezogen.
MJuscariae» Neue Arten der Canarischen Inseln sind: Echi-
Uiomyia Canariensis, Eury gaster cyanea, Tachina brevicorniSy Sarco-
phaga crassipalpis, Agria hella, argentea^ 7'ufipeSy Onesia toxoneurcu
Calliphora splendens, Lispe tihialis, lineata, Anthomyia h-maculata,
Helomy%a h-vittata, Tephritis canariensis^ Sepsis impunctata Mac-
quart (II. Canar. Ent. S. 110 — 118).
Derselbe (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 423) beschrieb
3 mviQ Arien Seat ophaga vomStrande von Düukirchen, Sc. oceana,
marintty tessellata.
Trypeta stigma, der Tr. solstitialis var. pugionata Meig. ähn-
lich, aber durch die schwarzen 2 letzten Fussglieder und die kurz-
kegelförmige Leger Öhre des Weibchens unterschieden, und Tr. co-
meta, der T. radiata u. a. nahe verwandt, erstere von Posen, letz-
tere von Wien, beschrieb Loew (Ent. Zeit. S. 156) als neue Arten.
Unter den schädlichen Insecten des Oelbaums nimmt nach Boy er
de Fonscolombe (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 118) Oscinis
*) Später (Anat. path. Präp. i. d. Mus. d. Ccntr. Veterin. Schule zu
München, 1841 S.91) hat der Verf. ihn nach beiden Geschlechtern als
5. Pferdebremse kenntlich beschrieben.
237
Oleae mit den ersten Rang ein. Die Larve lebt im Fleisch der
Oliven, zuweilen 2 oder 3 in einer. Zur Zeit der Reife verlässt die
liarve die Olive und verwandelt sich in die Erde, oder in dem Ab-
fall unter den aufgeschichteten Oliven. Der Nachtheil, den die Larve
veranlasst, besteht nur darin, dass sie und ihr Unrath mit zerquetscht
werden, und dass dadurch das Oel verunreinigt wird, was indess
nicht von Belang sein kann, und der Verf. führt selbst ein Paar Fälle
an, wo bei zahlreichem Insect vortreffliches Oel und bei sparsamen
Voricoramen desselben schlechtes Oel gewonnen wurde.
Die früheren Zustände mehrerer Museiden sind von Leon Du-
four(Ann. d. .sc. nat. N. Ser. XIII. S. 158) beobachte^ worden, nament-
lich von Anthomyia manicata Macq., A. paradoxalis (neue Art , der
vorigen bis auf geringere Grösse ganz gleich, aber als Larve sehr
verschieden), beides Larven von der gewöhnlichen Anthomyien-Form
mit seitlichen gefiederten Fortsätzen, Curtoneura (Musca) stabulans
und C. fungivora Macq. , beides Larven von der Form eigentlicher
Musca, alle in Schwämmen lebend. Ebenda fanden sich auch die Lar-
ven von Drosophüa fasciata und die der Dr. maciilata in einer dem
Bol. imbricatus verwandten Art, die der Phora rußpes in Mou9erons
(Ag. prunulus Fr.). Die vom Verf. früher als Sapromy%a blephari-
pteroides bestimmte Fliege erkennt derselbe jetzt als eine A7ithomi/ta,
in welcher Gattung sie mit demselben Artnamen aufzunehmen ist. In
Bol. pinetorum fanden sich Tönnchen, denen der genannten Fliege
ähnlich, aber heller von Farbe; aus diesen entwickelte sich eine
andere Art von Anthomyia, welche dem Verf. unbeschrieben zu sein
scheint und als A. boletina aufgestellt wird.
Owen (Mag. of Nat. Bist. S. 483) legte der Entomologischen Ge-
sellschaft in London Zweiflügler-Larven vor, Avelche 8 Tage im Urin
eines Kranken gelebt hatten. Die Larve ist von der Gesellschaft
nicht näher bestimmt worden. Es kommt häufig vor, dass Fliegen-
larven angeblich mit dem Urin ausgeleert werden, und zwar sind
diese Larven entweder die von Musca domestica oder auch von An-
thomyia scalaris, es ist aber durchaus noch nicht mit Sicherheit
beobachtet worden, dass diese Larven wirklich aus den Harnwegen
gekommen sind, und sich nicht bloss im Geschirr vorgefunden haben.
Coriaceae» Drei neue Arten: Olfersia Cananeftsts Msicqiiart
(II. Canar. Ent. S. Il9) und IJippobosca maculata und Nycteribia
Roylii Westwood (Royle Himalaja).
JPuiicariae, West wo od (Transact. of (he Enc. Soc. of
Lond. II. S. 199) hat die systematischen Unterschiede des Sandflohes
(Chigoe, Jigger, Pulex penetrmis) von den übrigen Flöhen (Piilex)
näher erörtert. Er hat einen langen hornigen Rüssel, welcher aus
3Theilen, der Zunge und den Mandibeln besteht. Von den Maxillen
zeigt sich keine Spur, dagegen sind die Maxillartaster sehr deutlich,
4gliedrig. Von Lippentastern und Lefze ist wieder keine Spur vor-
handen. Somit ist es keine Frage, dass der Sandfloh eine eigene
238
Gattung bildet, welche AerVevf.Sarcopsylla benennt. Beim Weib-
chen schwillt der Hinterleib ungeheuer auf, so dass er die Grösse
einer Erbse erreicht und ganz häutig und ohne Spur einer Gliede-
rung erscheint. Der Verf. fand ihn von Eierschnüren angefüllt.
Motschoulski (Bull. Mose. 1840 S. 169) entdeckte eine eigene
Flohart, Pul ex typhlus^ auf der Blindmaus (Spalax typhlus). Der
Verf. bemerkt bei der Beschreibung desselben, dass Arten mit geripp- '
ten Halssegmenten auf Nagern (P. fasciatus auf Haus- und Feld-
mäusen, P. lemmus auf dem Lemming^ P. iaculans , auf Dipus iacu-
lans, P. typhlus auf der Blindmaus), andere mit glatten Segmenten
auf Raubthieren lebten (P. irritans auf dem Menschen, canis auf
Hunden, vulpes auf dem Fuchse).
Xetniptera»
Spinola's früher (Bericht für 1838) besprochenes Werk
ist unter einem neuen Titel „Essai sur les Insectes Hemipteres,
Rhyngotes ou Heteropteres par Max. Spinola, 1840, Paris und
London. Bailliere, Leipzig Michelsen" von Neuem ausgegeben
und dadurch seine Anschaffung sehr erleichtert.
Von Herrich-Schäffer's „Wanzenartigen Insecten" sind
die 3 letzten Hefte des 5ten, und die ersten des 6ten Bandes
erschienen.
Ausserdem ist im Allgemeinen nur noch der Beschreibung
der von Drege am Cap entdeckten neuen Heteropteren zu er-
wähnen, welche Germar (Silberra. Rev. Ent. V. S. 121) ver-
öffentlichte.
JPentatomidae. Von Scutelleren bildete Herrich-Schäf-
fer (Wanzenart, Ins.) folgende von Germar beschriebene Arten ab:
Calliphara Iris, Javana^ regia ^ imperialis, Callidea l-2punctata.
Von eigentlichen Pentatomiden findet sich in den vorliegenden
Heften von Herrich- Schäffer eine grosse Anzahl von Arten dargestellt,
nämlich Cydnus ovatus und elo7igatus von Pesth, rugifrons und fe-
moralis von Nordamerica; Sciocoris aradiformis Germ,, Cimex divi-
sus neue Art aus Africa, fimbr latus ¥.y cruciatiis F.^ dentatus neue
Art aus Nordafrica, pictus F. (s. u. C. hebraicus Germ.) vom Cap!,
vesimlosus , neue Art, liigens (JCydn. lugens F.) deplanatus neue Art
aus Neuholland (oder vom Cap?); Asopus confluens aus Mexico, elvi-
ropterus aus Java, Halys cincta neue Art aus Africa (ist H. serrata F.
aus Guinea), liellenica Lef. , ohscurata neue Art aus Mexico, lineo-
lata desgleichen, erosa ausNordamerica, planaF. aus Brasilien, ver-
sicolor neue Art von Java, Australaslae Burm., Arvelms laciniatus
Spin, (aus Brasilien) und gladiator F.. Edessa scutellata' aus Cayenne,
iuconspiaia von Cuba, Simplex aus Brasilien, Aelia elUptica Germ,
und spinkeps neue Art aus Brasilien, Amaurus cupreus aus Java,
239
Letzterer nicht, sondern die von Verf. J. inermis benannte, und
durch den gegebenen Umriss des Halsschildcs kenntlich gemachte Art,
ist Ed. brevicornis F., welche, wie Fabricius ganz richtig angiebt,
in China zu Hause ist. — Endlich stellt der Verf. noch eine neue,
durch den Mangel der Ocellen abweichende Gatt. Typhlocoris auf,
welche indess mit ürostylis Westw. (Hope Cat. S. 46) und die Art
T. semicircularis mit U. histrionica Hope einerlei ist. Den Mangel
der Ocellen hat Hope nicht angegeben, so wie Herrich-Schäffer das
eine Geschlecht (Weibchen nach Hope), welches sich durch den auf-
wärtsgekrümmten Stachel des Aftersegments auszeichnet, nicht ge-
kannt hat.
Germar (Silberm, Rev. V. S. 158) beschrieb eine grosse Anzahl
neuer Capensischer Arten aus den Gatt. Edessa, Atelocerus, Halys,
Cfmex, Acanthosoma, Aeliaj Sciocon's, Cydnus^ Asopus^ Trigonosoma^
Sphaerocoris^ Fachycoris, CalUdea^ Scutellera. Zu bemerken ist nur,
dass Cimex hebraicus einerlei ist mitC. pictus Herr.-Schäff.^ welcher
aber offenbar nicht der Fabricische ist, daher dieser Art der Germar-
sche Name beizulegen ist. Dagegen geht Germar's C. civilis ein als
identisch mit C. costatus Thunb. Diss. III. S. 169 T. 8 F. 79.
Brülle (11. Canar. Ent. S. 81) führte 2 neue Arten von Cydnus,
C. curtiis und aeneus auf.
Kambur (Faun. Ent. de FAndalous.) beschrieb folgende als neue
Südspanische Arten: Tetyra hispana, der T. Pedemontana sehr nahe
verwandt und wahrscheinlich auch nur eine Abart derselben; Cydnus
6-7naculatus, dem C. bicolor sehr ähnlich, C. xophosioideSj oblongus,
pygmaeus, Cimex lohulatus (ist impressus Grav. Verz.)^ purpureo-
niarginatus auch in Südfrankreich (und Sardinien). Cydnus proxi-
mus ist C. brunneus F. und Raphigaster purpuripennis Hahn ist,
trotz Burmeisters entschiedener Behauptung des Gegentheils, in der
hiesigen Sammlung ganz richtig als C. lituratus F. bestimmt gewesen,
wovon Ref. in Fabricius^ Sammlung sich überzeugt hat.
Coreidae, Herrich-Schäffer bildet, grösstentheils mit Be-
rücksichtigung der Gattungsmerkmale, ab: Spartocerus serrulati^
Perty, pustulatus F., Cerbus tetiebrosiis F., valgus (C. atramentarius
Germ.), affinis neue Art (der wahre valgus L.), nmbilicatusF.y Aly-
dus lateralis Germ. (Geranii Duf.), brevipes neue Art aus Ungarn
(Abänderung des vorigen), Archimerus squalus Burm. aus Mexico
(kommt auch in Xordamerica vor, und ist alternatus Say), lunatusB.,
lineolatus, brunnicornis neue Arten ebendaher, Intens aus America,
Discogaster rhomboideus B., Crinocerus tuber culatus (Weibchen des
folgenden), lobatns B. aus Cuba, scabripes neue Art aus China (von
scabrator verschieden, für den er von Burroeister in Mej'ens Reise-
bericht angenommen), acridioides F., tibialis neue Art (aus Nord-
america!), sanctus F., Syromastes z?tconspicuus, neue Art aus Mexico,
Gonocerus marginellus neue Art aus Java (ein Homoeocerus nach
Burmeister), ochraceus vom Cap, capitulatus VtiUn. von Java, dubius
240
voniCap? biptinctatus von Java, ohsoletus vom Cap, affinis unbekann-
ten Vaterlandes^ Pseiidophloeus obscurns und lobatus^ neue Arten aus
Sicilien, Coriziis maculatus aus Böhmen^ der Schweiz und Sicilien. —
Germar (Silb. Rev. V. S.144 — 157) stellt folgende neue Capensische
Arten auf: Cerbus fectoralis^ tornator, atramentarius (zu dem C. val-
gus Herr,-Schäff. als Synonym gehört), nigricornis, annulicornisy
apicalis, crassidunis (von dem Physomerus terminalis Biirm. wahr-
scheinlich nicht verschieden ist), Pachylis tribulus, Hypselopus macu-
liventris, cinctiventris, Crinocerus aper^ porcus, spurcus, scrofa^ Ho-
moeocerus^ insubidus, plagiatus, bicolor, nigricorniSy Syromastes lior-
ridus, concoloi\ scurra^ prasinus, Corlxus capensis, fulcratus^ Lepto-
coris haematicus, amictus und errichtet eine neue Gatt. P«cÄy§ro w-
tha^ einem Berytus und Alydiis ähnlich, dadurch, dass die Vorder-
beine Raubbeine sind, in dieser Familie sehr ausgezeichnet, lArt:
P, lineata, — Brülle (11. Canar. Ent. 'S. 80) beschreibt 3 neue Arten
Coreus elegans und obtusus, letztere auch auf Sicilien einheimisch.
Rambur (a. a. O.) entdeckte in Andalusien folgende neue Arten:
Coreus gracüicornis (auch in Portugal, dem Banat und Macedonien),
Irevicornis, ht'spanus, Corixus pudicus, truncatus und änderte den
Namen Phyllomorpha in Craspedum aus dem kaum hinreichenden
Grunde, dass Latreille eine Art Cor. phyllomorphus genannt hatte,
Cymus Baeticus des Verf. ist Cor. errans F. und Cor, clavicornis ist
von Flibricius selbst (im Index) in C. typhaecornis umgenannt worden.
Anisoscelis hymenifera ist eine neue Art aus Mexico, welche Dun-
can (Naturalist's Library. Ent. I. S. 275. PI. %% F. 3) bekannt macht.
ItygaeiAae* Aus der Gatt. Lygaeus beschrieb Rambur
(Faun. Andalus.) als neue Art L. guttatus, welche indess L. pun-
ctatoguttatus F. ist. Germar (Silb. Rev. V. S. 141) stellte 5 neue
Arten : L. rivularis, saevus, sephis, melanuriis und jnlosulus auf, von
denen indess die zweite einerlei mit L. crudelis F. ist. Steno ga-
st er bereicherte er (ebendas.) mit St. annuUpes und rufiventris eben
daher. Yon Pachymerus bildete Herrich-Schäff er (Wanzenart.
Ins.) 3 neue deutsche Arten ab, P. bidentulus, dilatatus und subae-
neus. Rambur (a. «a. O.) beschrieb die Südspanischen P. carbona-
rius (auch aus Sicilien), delmeatus^ inermis^ dubius^ variabiliSy bra-
cJiypterus^ staphyllnus^ Germar (a. a. O.) die Capenser P. moerens^
consutus, oculatus, brmimpe?mü'. Brülle (der P.Pini, quadratus, lyn-
ceus und pedestris für Abänderungen einer und derselben Art hält!)
stellte eine neue Art von den Canarischen Inseln als Jplianus 4 -pun-
ctatus auf. — Herrich-Schäffer (a. a. 0.) bildete ausserdem Pyr-
rhocoris bicolor von Java, und Heterogaster costatus aus Deutsch-
land ab, und Germar beschrieb die Capenser Het. semipunctatusy
Cymus (?) petiolatus^ dipus^ binotatus, Ophthalmiats rußceps und
phaeoptervs. Waga (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VIII. S. 525) 0/>Ä.
dispar aus Polen, Rambur (a. a. 0.) Oph. llneola, Henestaris hispa-
nus, und stellte eine neue Gatt. Stenocoris mit einer neuen Art
241
St. gracili's auf, welche einem Nabis ähnlicb, mit liioten eingezoge-
Dem Kopfe, laoggestrecktem Halsscliilde, kurzem Rüssel und ver-
dickten Vorderschenkeln unten mit zwei Reihen Dornen.
Capsidae» Herrich -Seh äff er (Wanzenart. Ins.) bildete
Capsus molliculus und seladonius^ beide Fallen'sche Arten, das Männ-
chen von C. plagiatus und eine Abänderung von C. fulvomaculatus
ab. Rambur (a. a. O.) entdeckte in Andalusien: Phytocoris palli-
dut, bimaculatus, gracilis^ minutissimus^pygmaeus^ohscuruSy punctum
(auch vonKoy schon eben so benannt). Brülle (II. Canar. Ent. S. 82)
beschrieb Miris fuscicornis und parvula von den Canarischen Inseln.
Vingidae» In Herrich-Schäffer's (Wanzenart. Ins. V.
Hft. 5) sind dargestellt: Tingis Gosst/püF. und T. hyalina^ neue Art
aus Nordamerica, Monanthia tabida^ neue Art aus Mexico und M. Sac-
charin Die letzterer Art beigefugte Bemerkung ist dahin zu berich-
tigen, dass vojD Burmeister diese Art zuPiesma gezählt sei, und dass
unter den von ihm (S. 258) als unbeschrieben erwähnten Arten die
Brasilische und eine Mexicanische sich als Exemplare der M. Sacchari,
die zweite Mexicanische eine nahe verwandte Art ausgewiesen haben.
— Monanthia reticulata beschrieb Rambur (a.a.O.) aus Andalusien.
Phricodes /jy^^n-rSpinola^s ist von demselben (Guer. Mag. d. Zool.
pl. 40) abgebildet und sehr genau beschrieben. Germar führt ihn
unter den Capensischen Hemipteren (Silberm. Rev. V. S.134) &ls Ara-
dus hystrix auf.
Aradites* Eine grossere Reihe Deutscher Arten von Ara-
dus bildet Herrich-Schäffer (Wanzenart. Ins. VI. Heft 5) ab:
A, Betulaey corticaUs^ leptopterus (Weibchen, dessen Flügelschnitt
von dem ausgezeichneten des Männchens sehr abweicht), pallescens
und versicolor neue Arten, depressus F., brevicolUs Fall., complanatus
Burm., welcher letzterer als A. annulicorais F. in der hiesigen Samm-
lung bestimmt ist. Germar (Silb. Rev. V. S. 135) führt folgende
Arten vom Cap auf: A. melaenus, Brachyrhynchus lobatus^ furca-
tuSj morio.
Beduvini, We s t w o o d (Transact. Ent. Soc. II. S. 848) unter-
warf die Gatt. Holoptilus einer genauem Untersuchung. Hol. ursus
der Enc. ist Typus der Gattung und zeichnet sich durch seine 3glie-
drigen Fühler*), kaum geäderte Halbdeckenmembran und aderlose
'ünterflfigel aus. Andere Arten haben 4gliedrige Fühler, eine deut-
liche geäderte Membran der Halbdecken, 3 Längsnerven in den Unter-
flügeln, und sehr lang behaarte Hinterflügel. Letztere hatte Gray
*) Wenn Burmeister in seinem Handbuch der Gattung Holoptilus
4gliedrige Fühler giebt, hat er die Beschreibung wohl nach einer der
Ptilocnemus-Arten entworfen, wenigstens haben die Exemplare des
H. ursus sehr deutlich 3gliedrige Fühler.
Archiv f. Naturgesch. Yll. Jahrg. 2. Bd. jß
242 -^Lisi,
Vtilocerus benannf; da aber dieser Name von Wiedemann schon
gebraucht ist, sondert der Verf. sie unter dem Namen Ptilocnemus
als Untergattung von Holoptilus ab. Hierher gehören //. Lemur von
Van-Diemensland (auch aus andern Theilen Neuhollands), H. Juscus
von Nepal und Java, H. affinis von Java. Die hiesige Sammlung
besitzt noch eine vierte Art von Manila.
Ger mar (Silberm, Rev. V. S. 133— 134) beschrieb Stenopoda
fusca, lateralis^ JSabis capsiformis^ Pirates balteatus, Reduvius tar-
satus, comatus, Ectrychotes bidentuhiSy miles\ Platymeris fulvilaÜTis,
pyrrhiila, lytlirodes\ Macrops musivns, harjjactor segmentarius, ery-
throcnemis , vulneratus , violeiitns, haemopterus ^ haematitius, pallidi-
ventris^ geniculatus^ calviventris ^ morio , Arilus ramentaceiiSy auctus,
sämmtlich vom Cap, Brülle (II. Canar. Ins. S. 79) Nabts viridis und
angusta von den Canarischen Inseln, Rambur (a. a. 0.) Prostemma
bicolor und Peirates strepitans aus Andalusien. Oncocephalus notatus
des Verf. ist nicht der von Klug, eher einerlei mit O. griseus Spin.
JÜTepidae* Diplonychus luridus^ Naucoris planus, Ranatra
capensts sind neue Capensische Arten von Germar (Silbermanns
Rev.V. S.121.)
Cheirochela nennt Hope (Lin. Transact. XVIIl. S. 442) eine
neue Gattung, von sehr flacher Gestalt, mit sehr dicken Vorderschen-
keln, erweiterten und zusammengedrückten, mit den Füssen zu einem
Haken verschmolzenen Vorderschienen, ohne Membran an den Halb-
decken, ohne Flügel und ohne Athemröhre; mit der Art: Clu Assa-
mensis, aus Assam.
QalgttJidae» Die Kennzeichen ^ev Gvitt. Galgulus und eine
neue Art 6?. bufo aus America bildet Herrich-SchȊffer (d. Wan-
zenart. Ins. V. T. 176) ab. — Mononyx grandicolUs vom Cap be-
schreibt Germar (Silberm. Rev.V. S. 122).
Vloteres» Limnobates maior und Hydroessa fiisca ebendaher
stellte Germar (ebendas.) auf.
Vulgorellae» Westvrood las in der Linneischen Gesell-
schaft über die Gatt. Derbe, worüber (Mag. of Nat. Hist. IV. S. 477)
vorläufig folgende Eintheilung in 8 Gattungen mitgetheilt ist : \. Derbe,
nervosa Kl. Burm. und 2 neue Arten aus Brasilien. 2. Mysidia, D,
paliidttj squami'gera, costalfs und wahrscheinlich punctum ^ testacea,
nivca F., nebst 2 neuen Arten aus Südamerica. 3. Lydda^ D. elon^i
gata F. aus Neuholland. 4. Zeugma (das Halsschild an den Seiten
mit einer Grube zur Aufnahme der Fühler), 1 neue Art. 5. Thracia,
D. sinuosa, nervosa Bohem. und 1 neue Art von Java. 6. Phenice,
D.fritillaris, fasciolata, stellulata Bohem. aus Africa. 7. Patara,
8. Cenchrea, zwei neue Gattungen aus St. Vincent, beide raitOtio-
cerus und Anotia verwandt, welche in ganz naher Verwandtschaft
mit Derbe stehen.
Neue Arten aus Assam sind Lystra aeruginosa und Aphana
I
243
aurantia H o p e (Linn. Transact. XVIII. S. 443 T. 31 F. t. 2) und Aphana
suhmaculata Westw. (Diincans Nat. Libr. Ent.I. S. 884 T. 84 F. 1),
JStetnhracidae. Unter einigen bereits bekannten merkwür-
digen Formen dieser Familie findet sich in Duncans Nat. Libr. Ent. I.
S. 886 T. 85 F. 3 eine neue Art, Ceiitrotus hiclavatus West wood
dargestellt.
Cercopidae, Burmeister (Gen, Ins. Hf t. 5) hat die Gattung
Paropia durch eine sorgfältige Abbildung erläutert,
Cicadariae* Ein Paar ausgezeichneter Arten vom Himalaja
sind Cicada pulchella (Royle Himal.) und C. ducalis AVestw. (Nat.
Libr. Ent.L S. 877 T. 18 F. 1). Aus der letzteren, welche der C. fa-
sciata verwandt ist, schlägt Westwood vor, wegen der zahlreiche-
ren Längsnerven der Vorderflügel eine eigene Untergattung Poly-
neura zu bilden.
Goureau (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. VIIL S. 551) hat noch
einige Beobachtungen über den Gesang der Cicaden mitgetheilt. Er
fand in der Umgegend von Toulouse vier Arten, C. plebeia^ sangui^
7ieaf picta und eine der C. haematodes verwandte Art. Alle haben
einen verschiedenen Gesang, so dass man die Arten leicht nach dem-
selben unterscheidet. C. plebeia hat so grosse Deckel der Stimm-
höhl««, dass dieselben dadurch ganz verschlossen werden, deshalb
entfernt und nähert sie abwechselnd den Hinterleib, wodurch dieselben
abwechselnd geöffnet und geschlossen werden, welches den Ton
nicht so eintönig macht als er bei den anderen Arten ist, die während
des Gesanges mit aufgehobenem Hinterleibe und auseinander gesperr-
ten Hinterbeinen verharren. C. sanguinea und picta gleichen sich
im Gesänge, nur ist die erstere lauter. Der Gesang der vierten, klei-
nen Art ist schwach und kurz, gleich dem Zirpen einer Heuschrecke.
Dass die Weibchen vom Gesänge der Männchen angezogen würden,
fand der Verf. nicht. Um sich zu überzeugen, ob die Luft der Meta-
thoraxstigmen beim Gesänge eine Rolle spiele, schlossVerf. die Stig-
men mit Seifenwasser. Bei mehreren Versuchen liess das Insect
noch kräftige Töne hören, und verfiel dann gleichsam in Asphyxie,
woraus denn hervorgeht, dass auf die Hervorbringung der Töne die
Luft keinen unmittelbaren Einfluss hat, dass aber die Thätigkeit wäh-
rend des Gesanges bedeutend ist, w^eil die mit der vermehrten Mus-
kelthätigkeit verbundene beschleunigte Respiration einen rascheren
Luftwechsel erfordert.
Psyllidae, Boy er de Fonscolombe (Ann. d. 1. Soc. d.
Fr. IX. S. 111) beschreibt eine Psylla Oleae, welche dem Oelbaum
schädlich wird, und deren Larve baumwollenartige Flocken abson-
dert, welche zuweilen die Blüthen ganz einhüllen.
Coccidae» Derselbe (ebendas.) gedenkt auch des Coccus
Oleac Latr. als eines des Oelbauraes sehr schädlichen, vorzüglich
an den südlichen Küstenstrichen Frankreichs verbreiteten Insects,
16*
244
Thysanoptera,
Burmeister (Gen. Ins.) hat die Gatt. Thrips (^longipennis^
Phloeothrip s {coriaced) und He liothrips {haemorrhoidalis) sorg-
fältig dargestellt. Die Mundtheile sind bei den beiden letzten genauer
untersucht. Die Maxillen haben beim letzten eine an der Spitze gezähnte
Lade 5 ihre Taster sind bei diesem undeutlich 3-, bei jenem Sgliedrig.
Die Unterlippe zeigt bei Heliotlirips kleine ungegliederte Taster und
eine kurze zweilappige Zunge, bei Phloeothrips deutlich 2gliedrige
Taster und eine weit vortretende, schmale, häutige Zunge. Die Dar-
stellung der Mundtheile von Thrips scheint ungenau zu sein, üeber-
haupt scheißt die wahre Gestalt dieser Theile noch mehrerer Unter-
suchungen zur Erläuterung zu bedürfen.
Aracliniden.
Eine der bedeutendsten Erscheinungen für diese Klasse
ist Walkenaer's Histoire des Insectes Apteres (Suit. ä Buff.)
T. IL, welcher die zweite Hälfte der eigentlichen Spinnen und wich-
tige Nachträge zum ersten Bande enthält. Bei uns hat Koch
fortgefahren, in der Fortsetzung der Hahn'scheu „Arachniden"
die Kenntniss exotischer und einheimischer Arten aus ver-
schiedenen Abtheilungen dieser Klasse, in der Fortsetzung der
Panzer'schen Insectenfauna Deutschlands (auch als Deutsch-
lands Crustaceen, Myriapoden und Arachniden besonders er-
scheinend) die der einheimischen Milben durch seine genauen
Darstellungen zu fördern, und in Moritz Wagner's Algier die
von diesem Reisenden mitgebrachten Arachniden bearbeitet.
Diese stimmen im Allgemeinen mit Südeuropäischen Formen
überein, oder schliessen sich ihnen zunächst an. Die Arach-
niden der Canarischen Inseln hat Lucas in dem entomologi-
schen Theil der Histoire naturelle des lies Canaries par M. M.
P. Barker Webb et S. Berthelot, einer sehr fleissigen und
genauen Prüfung unterworfen. In ihrem Character tragen sie
durchaus ein Nordafricanisches Gepräge, manche Arten sind
selbst mit Aegyptischen identisch, viele kommen auch in Europa,
selbst in Mitteleuropa vor. Bemerkenswerth ist aber bei der
so grossen Uebereinstimmung mit Nordafrica und Südeuropa
das Fehlen einheimischer Scorpione.
JLraneae»
Black wall (Mag. of Nat. Hist. VI. S. 229) schlägt vor, die Spin-
nen nach den Augen zu classificiren und stellt 3 neue Gattungen auf:
245
Ciniflo (JCluhiona atroxli^Sx^; Operaria{Therid.benigH.'Wa\\i,,
Drassus exigiius Blackw. und Dr. viridissimus Waik.^ und Cavator
{Cluhion. saxatüis Blackw.). Die letztere rechnet der Verf. zu den
Agcleniden, für die beiden ersten wird eine eigene Familie Ciniflo-
Tiden errichtet. Die erste ist indess bereits von Koch Amaurobius,
die zweite schon von Sundevall Dictyna benannt. Das Nähere ist in
den Linn. Transact. zu erwarten.
JEpeirides» Walkenaer (a. a. O.) hat nur die Gatt. Epeira,
Plectaua, Tetrag7iatha^ Uloborus anerkannt. Die zweite fasst alle
mit stachligem Hinterleibe, die erste ebenfalls sehr verschiedene For-
men, welche von Sundevall und Koch viel natürlicher getrennt ge-
halten sind. — Lucas (II. Can. Ent. S. 38) beschreibt als neue Arten:
Epeira Webbü (ein Argyropes), Cacti-Opuntiae ^ annulipes, criici-
fera, Tetragnatha gracilis.
Vheridites» Diese Familie enthält bei Walkenaer (a. a. O.)
die Gatt. Linyphia^ Theridium, Argus und Episinus. Die vorletzte
entspricht Koch's Micryphantes, zugleich Erigone und Enyo Sav. in
sich fassend. Neue Arten sind Theridium ptilchellum huchs (II. Can.
Ent. S. 44) und Phrurolithus erythrocephalus K e c h (Wagn. Alg. III.
S. 814). Dounierc (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 431) beobach-
tete, dass Theridion triangulifer Walk, mehrere Male nach einer
Begattung Eier legte, und dass die Brut das eine Mal nur aus Männ-
chen, das andere Mal nur aus Weibchen bestand.
Jfrassides» Aus dieser Familie beschrieb Lucas (II. Oanar.
Ent. S. 35) eine den Canarischen Inseln eigenthümliche Abänderung
des Lathrodectus Argus Sav., welche indess auch wohl eigener Art
sein könnte.
jägelenides» Koch (Arachnid. VIII. 2) bildet 9 Arten der
Gatt. Tegenaria ab: T. domestica, petreiisis^ im Böhmischen Erz-
gebirge auf Bergabhängen, von der vorigen hauptsächlich durch die
Lebensweise im Freien verschieden; intricata^ in Griechenland in
Häusern, der ersten verwandt, aber mit viel längeren Beinen; pagana^
von Nauplia, von der vorletzten Art nur durch längere und anders-
gefärbte {Spinnwarzen verschieden; stabularia, ebenfalls aus Grie-
chenland, campestris (Agel. domestica Sund.); longipes, civilis^ cicu-
rea. — Lucas (II. Canar. Ent. S. 37) heschv^M Agelena Canarie7isi5,
JLycosides, Koch (Wagn. Algier III. S. 212) beschrieb Dolo-
nedes ocreatus und Lycosa xylina, Lucas (II. Canar. S. 26) Lycosa
iferox und (S. 33) OUos rufipes und Dolomedes ins/gnis, beide zur
^Gatt. Ocyale Sav. zu rechnen,
Vhomisides* Lucas (II. Canar. Ent.) stellte aus dieser
Familie Thotmsus asper ^ Vhilodromus i-Uneatus, DelenaCanariensiSy
auf. Die letzte schliesst sich Neuholländischen Formen an.
Attides, Derselbe (ebendas. S. 27) beschrieb Attus capito, bi-
colory villosusj melanognathus, angulipes.
246
Mygalides. Seils (Transact. Eoc. Soc.II. S. 207) gab über
die Nester der Ctemza?iidtda?is von Jamaica Nachricht. Die Spinne findet
sich im Innern der Insel, auf bergi/;rem Terrain mit rothem Thon-
boden. In diesem rothen Thon werden die Nester angelegt, welche
aus einer senkrecht absteigenden, mit Gespinnst tapezirten Röhre
von 5 — 9" Länge und f — l|" Weite bestehen, und mit einem genau
schliessenden Deckel versehen sind, ganz so wie bei der Mjg. cae-
mentaria und avicularia, von denen die letztere auch in einem glei-
chen Bodqn baut. Wichtig ist die Bemerkung des Verf., dass häufig
sich noch die Röhre im Verlauf durch Klappen unterbrochen findet.
Zur Gatt. Ctem'za gehört diese Art wohl nicht. Koch (Wagner's
Algier III. S. 211) beschränkt diese Gattung auf 5 Arten der Küsten-
länder des Mittelmeers, von denen die in Algier häufige Ct. Jfricana
nach Mor. Wagner's Bemerkung (ebendas.) keinen Bau macht, son-
dern auf dem Boden und an Wänden umherlaufend. Fliegen durch
Sprünge fängt. Dagegen gehört Actz'ti opus nach West wo od (Mag.
of Nat. Hist. VI. S. 480), nach einer lebend beobachteten neuen Art
aus der Berberei, A. aedificatorius ^ wieder zu denjenigen, welche
mit einem Deckel versehene Baue anlegen.
j^ysflerides^ Zwei neue Arten, Segestria gracilis und Scy^
todes Berthelotii stellte Lucas (IL Canar. Ent. S. 24) auf.
^olij'ugae.
PJPhrynides» Koch (Arachn. VIII. 1) bildete 7 Arten von PAry-
nus ab: Phr. liinatus {Tar. tun. Fab.) aus Ostindien, Ph. margine-
maculatuSj neue Art aus Westindien, Ph. medius {Phalang. m. Hbt.)
aus America, Ph. variegatus Perty aus Brasilien, Ph. reniformis
(Phal. renif. L.) ebendaher, Ph. palmatus (Phal. palni. Hbt.) aus
Java (nicht aus Südamerica), Ph. pumiUo, neue Art aus Brasilien.
^corpioniiles, Koch (Arachn.) bildete Buthus longimanus
(Scorp. l. Hbt.) aus Africa, Vaeiovis debüis aus Brasilien und V, Schu-
bertl von Constantinopel ab, und vermehrte (Wagn. Alg. III. S. 215)
diese Familie mit Scorpius Algiricus^ Buthus testaceus, Androctonus
Aeneas^ Hector, Paris. — Lucas (II. Canar. Ent. S. 45) beschrieb
Androctonus biaculeatus Latr., Welcjier genauer genommen zu Koch's
Gatt. Tity US gehört, und aus seiner eigentlichen Heimath, Südamerica,
durch den Verkehr nach den Canarischen Inseln gebracht ist, wo er
sich nur in Nähe der Waarenlager findet.
Phal angin»
Gonyleptides, Koch (Arachn.) bildete Goniosoma modestumy
patrucle (wovon iunceufn P. nur Abänderung), roridum Perty, Lepto-
cnemus sulphureus {Gonios. sulph. P.) und aus der Familie der
CosntetideSs Cosmetus mesacanthus Koll., varius Perty, Flir-
iea Andreae, phaleratUy picta {Cosm. p. Perty), Cynorta conspersa»
247
lagenarla, Poecilaema limbatum, marginale, A. flavum (^Cosm. A. ß.
Verty), Gm'dia bipimctata^ Discosoma cittctum Perty, sämmtlich aus
Brasilien, ab. Der 7. Band der Arachniden enthält eine ziemlich voll-
ständige Darstellung der Gonjieptiden und Cosmetiden, wenigstens
die Arten der Münchner und Wiener Museen.
Opilionides. Koch (Arachn. VIII. 1) bildete Ischyropsalis
Hellwi^ii {Phal. Jlellw. Panz.) und /, Kollari, neue Art von Gastein,
ferner (Wagn. Alg. III. 8.822) Opilio Cirtanensis ab, und bemerkt
dabei, dass dies die einzige ihm bekannte aussereuropäisclie Art sei,
eine zweite Kordafricanische ist Phalangiiim spiniferum Lucas (II.
Canar. F-nt. S. 46). Ref. hat im vorigen Jahresbericht Gelegenheit ge-
nommen zu bemerken, dass diese Familie auch in Südafrica und
Nordamerica nicht fehle, und in Siidamerica von den Gonyleptiden er-
setzt zu sein scheine, inzwischen sind ihm auch Südamericanische Arten
(aus Guyana) vorgekommen. Eine Ostindische ist Acanthonotus niger
koch von Bombay, so dass am Ende doch diese Familie über die ganze
trde verbreitet ist. Dagegen scheinen die Gonyleptiden und Cosmeti-
den auf America, die ersten sogar auf Südameriga beschränkt zu sein.
JLcari»
Mydrachiü€9» Eine Wassermilbe aus der See machte Phi-
lippi (in diesem Arch. VI. I. S.191) als Pontarachna punctulumheksLnnt.
laooilides» Vier neue Arten der Gatt. Ixodes beschrieb Lu-
cas (II. Can. Ent. S. 47): I. pallipes, cinctus, trilineatus, cinereolus.
Gafnasfdes» Hierhin gehört die Gattung Celaeno Koch
(Deutschi. Ins. 182. Hft.), von welcher 5 Arten, C. coccinea^ rhodomela^
detritttj obsoleta, aegrota abgebildet sind, welche unter feuchtem
Moose leben.
A-caritles* Koch (a. a. O.) bildete ab : Acarus Sambuci, auf der
Unterseite von Hollunderblättern, oblongulus, unter feuchtem Moose,
farinae Deg. im Mehl, hyaliims^ cuhicularis, Siro L., im Staube und
Abfall von Stroh lebend.
OriJbatides, Derselbe (a. a. O.) führte die Gatt. Oppia mit
lArt., Cepheus mit 1 Art und Hop lophora {schon vergebener
Name) mit 10 Arten auf j die Charactere derselben sind im 3. Heft des
Arachnidensystems zu erwarten. In diese Familie gehören auch die
früher dargestellten Gatt. NothruSj Damaeus, Peiops.
Robineau-Desvoidy (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. Vin. S. 455)
beschrieb als eine neue Käfergattung ein in einem alten Pilze gefun-
denes Thierchen, dem er den Namen Xenillus clypeator ertheilte,
aus der Beschreibung geht aber hinlänglich hervor, dass dasselbe kein
Käfer sein kann, wohl aber eine Milbe der Gatt. Oribates, welches
(ebendas. S. 463) durch Lucas und Demary nach genauerer Unter-
suchung des Thieres selbst bestätigt wird. Au den in (S. 472) be-
stimmte es genauer als O. castanea Herrn.
248
:Pycnogonides.
Kröyer (Naturhist. Tidsskr. III. S. 299. T. 3) lehrte die ersten
Zustände mehrerer Arten dieser Abtheilung, nämlich von Pycnogonum
littorale, ISymphon grossipes und Phoxichilus femoralus (^Nymph. fem.
Rathke) kennen. Der erste Zustand ist bei allen ganz Milben-artig.
Der Körper ist kurz, breit, gewölbt, ohne Spur von Gliederung, hin-
ten stumpf gerundet, vorn bei den beiden ersten in einen Schnabel
auslaufend, beim letzten nur schärfer gerundet. Alle haben 3 Paare
von Gliedmaassen. Das erste Paar befindet sich vorn am Körper, ist
gerade nach vorn gerichtet, 3gliedrig, die beiden letzten Glieder eine
Scheere bildend, deren Schneiden beim Pycnogonufn- Jungen gezähnelt
sind. Die beiden anderen Paare stehen an den Seiten des Körpers,
sind seitwärts gerichtet, ggliedrig, bei den beiden ersten mit einer
am Ende gespaltenen Kralle, die beim ersten {Pycnogonuni) sehr lang
ist : überhaupt sind hier diese Füsse stark, und das erste Gelenk mit
einer tüchtigen Borste bewaffnet. Beim Jungen von Phoxichilus fehlt
die Klaue und die hinteren Füsse endigen mit einem langen einfachen
Faden. Einen solchen Faden besitzen jene dagegen am Grundgelenk
der Scheeren-förmigen Extremität (Maudibel), wo er bei Phoxichi-
lus fehlt.
Von Nymphon grossipes ist auch die zweite Verwandlungsstufe
beobachtet worden. Der Körper ist hier schmal, fast linienförmig,
nur vorn scheibenartig erweitert. Die Scheere hat noch ihren Faden
am Grunde und ist nur darin verändert, dass der feststehende Arm
einen Zahn erhalten hat, hinter welchen der bewegliche Arm sich ein-
legt. Die beiden früher vorhandenen Fusspaare sind lang, plump und
egliedrig geworden, das letzte Glied mit einer grösseren und zwei
kleineren Klauen bewaffnet. Hinter diesen ist das dritte Fusspaar
zum Vorschein gekommen, kürzer als die vorderen, breit und platt,
2gliedrig, zum Schwimmen geschickt, während die beiden vorderen
Paare nur zum Anklammern dienen. Zwischen der Scheere und
dem ersten Fusspaar am hintern Theil der scheibenförmigen Erwei-
terung zeigt sich jederseits noch ein kleines zweigliedriges borsten-
förmiges Organ, vermuthlich die erste Spur der Lippentaster.
In diesen Zuständen halten sich die Jungen noch auf dem Leibe
der Mutter auf. Die Länge von der Scheerenspitze bis zum Hinter-
rande des Körpers beträgt in der ersten Verwandlungsstufe bei Py-
cnogonura littorale jIjj'", bei Nymphon grossipes |'", bei Phoxichi-
lus femoratus ^q'"', in der zweiten Verwandlungsstufe beim Nymphon
Crustaceeu.
Die wichtigste literarische Erscheinung für diese Klasse,
/der dritte Band von Mi Ine Edwards „Histoire naturelle
249
des Crustaces, comprenant ranatomie, la physiologie et la Clas-
sification de ces animaux (Suites a Buffoii)" behandelt in vor-
züglicher Bearbeitung von eigentlichen Crustaceen die Edrioph-
thalmen, nämlich die ^ mphipodeUy mit den Familien der
Flohkrebse und Hyperinen, die Laemodipoden, mit den
Familien der Cöp/e///er und Cyamier, dielsopoden mit den
Familien der Idoteiden, Aselloten, Onisciden, Praniziery
Sphaeromier, Cymoihoaden, Jonier und Bopyrier, von
denen die ersten vier die Abtheilung der kriechenden, die drei
folgenden die der schwimmenden, die. zwei letzten die der fest-
sitzenden bilden.
Die Crustaceen der Canarischen Inseln bearbeitete Brülle
in der „Hist. nat. des 11. Canar. par M. M. Barker Webb et
Sab. Berthelot."
Im Allgemeinen trägt auch die Crustaceenfauna dieses Gebietes
den Character der des Mittelmeeres, und selbst die meisten Arten
sind den Canarischen Inseln mit demselben, so wie mit den Europäi-
schen Küsten des Atlantischen Meeres gemein. Eine Ausnahme machen
Xantho rufo-punctatuSy Thalamüa admetey Grapsus strigosusj messory
Plagusia squamosa^ Albunea symnista, welche in der Indischen See,
Plagusia clavimana, welche an den Küsten Neuhollands, und Lepto^
podia sagittaria, welche an den Antillen ihre Heimath haben. Die
letzte ist unter dem Namen L. lanceolata abgebildet und scheint bei
genauer Vergleichung in vielen Puncten von der Herbstschen L. sa-
gittaria abzuweichen, namentlich ist der Stirnfortsatz länger, die
Stachel hinter den Augen sind einfach und die Hinterbeine kürzer,
Ob bei den übrigen genannten Arten die Bestimmungen sorgfältiger
sind, muss dahin gestellt bleiben, da nur die Namen aufgeführt sind.
J^ecapoda*
Rathke theilte (in diesem Archiv VI. I. 8.241) seine neueren
Beobachtungen über die Entwickelungsgeschichte der Decapoden mit,
welche auf der einen Seite Thompsons Entdeckungen auf das Voll-
kommenste bestätigen, und auf der andern Seite zeigen, dass bei ver-
schiedenen Formen die Jungen auch in einem sehr verschiedenen Zu-
stande der Ausbildung aus dem Ei kommen. Die Erfahrungen sind
gemacht an Astacus marinus^ Pagurus Bernhardus, Galathea rugosa
und Hyas araneus. Der erste hat ein dem ausgebildeten Zustande
entsprechendes Junges, nur sind die Gangfüsse und hinteren Kie-
ferfüsse am Hüftgliede noch mit einem eigenen Anhang versehen,
welcher dem Palpus flagelliformis entspricht. Der Verf. nimmt an,
dass an den Gangbcineu dieser Anhang später abfällt, es wäre aber
auch möglich, dass er sich in folgenden Häutungen zu einem Kicm-
250
bogen entwickelte. Die übrigen kommen mit 3 Paar Ruderfüssen an
einem Cephalothorax und einem fusslosen Hinterleibe aus dem Ei.
Hinter den Ruderfüssen, welche den Beinen der Insecten entsprechen
und später die Kieferfüsse werden, entwickeln sich die späteren
Gangbeine. Leider kennen wir immer nur noch die ersten und letz-
ten Entwickelungszustände, dass inzwischen noch manche Verände-
rungen vorgehen, zeigt die Beschreibung eines späteren Zustandes
von Hyas araneus. — Gleichzeitig hat auch Philip pi (ebendaselbst
S. 184) den ersten Zustand von Pagnrus^ eben so wie Thompson
den von Carcinus, der Gattung Zöe entsprechend gefunden.
JBrachyura, Mac Leay (Andr. Smith. Illustr. of the Zool.
of South Africa N. HI.) hat die Krabben der Südspitze von Africa
bearbeitet und dabei Gelegenheit genomraenj die Eintheilung von
Milne Edwards nach seinem Ouinärprincip umzuformen. Da die Unter-
suchungen von Milne Edwards zum Grunde liegen, ist dieser Ver-
such von geringerem Interesse, als wenn er aus eigenen Beobach-
tungen hervorgegangen wäre. Um die Zahl der Abtheilungen der
Decapoden auf 5 zu bringen, sind die Brachyura in Tetragoiios'toma
und Trig-onostoma , die Macrouren in Sarohranchia und Caridea ge-
spalten, die Tetragonostoma (die 3 ersten Familien der Brachyuren)
dadurch wieder in 5 Ünter^btheilungen zerlegt, dass die Oxyrhyncha
M.E. in Inachina und Parthenoptna getheilt und dass die Pinnotherinen
von den übrigen Catametopen M. E. ausgeschlossen sind und eine eigene
ünterabtheilung neben den Cancrmen und Grapsinen bilden. Die
Inachinen, Cancrinen, Grapsinen und die Abtheilung der Trigonostoma
i^nd jede in 5 Familien zerlegt, deren letzte die Calappinen sind,
welche sich den Oxjrhj^nchen wieder anreihen, und so den in sich
selbst zurückkehrenden Kreis schliessen, welchen nach der Mac Leay-
schen Methode jedes Glied des Systems bildet.
Neue Gattungen sind Antilibinia^ von der Americanischen
Gatt. Libinia nur dadurch unterschieden, dass die Augen nicht zum
Einlegen sind. Die Art, A. Smithii, gleicht ebenfalls der L. spinosa
M. Edw. in hohem Grade. Auf ähnliche Weise unterscheidet er De-
haanius (7). acanthonyx) von Acanthonyx, dass bei ihr die Augen
zum Einlegen sind, bei Acanthonyx nicht. Der Verf. legt so viel
Werth auf diesen Umstand, dass er seine Familie Epialtidae danach
von den Mithraciden und Hueniden absondert, er scheint aber sowohl
bei Antilibinia wie bei Dehaanius nicht einmal hinreichenden Grund
zu einer generischen Trennung zu geben, so gross ist dieUeberein-
stimmung mit Libinia und Acanthonyx, und eine Eintheilung, welche
so übereinstimmende Formen trennt, ist durchaus künstlich. — Xaiva,
mit Carcinus zunächst verwandt, durch die Form des 3. Gliedes der
hintersten Kieferfüsse unterschieden, welches fast quadratisch, an der
Basis gekielt, an der Spitze schräg abgeschnitten, an der Aussenseite
zugespitzt, am Innenrande über der Mitte ausgeschnitten ist. Eine
neue Art, X. pidchella. — Gnathochasmus, mit Chasraognathus
251
und Pachysomus De Haan darin übereinkommend; dass sich ein Kamm
am Innenwinkel des 3. Gliedes schräg zum Aiissenwinkei der Basis
des 2. Gliedes der letzten Kieferfüsse erstreckt, in den bogenförmigen
Seiten der Schale mit der ersten, in den ganzrandigen (entire) Seiten
mit der letzten zusammenstimmend. Eine neue Art, Gn. barbatus. ■ —
Grapsillus ist Trapezia Latr., und indem es zu den Grapsoiden
gezählt ist, auch die richtige systematische Stellung verkannt; von
3 als neu aufgeführten Arten ist die eine Gr. dentatns die weiter ver-
breitete Trap. Cymodoce Aud., ferruginea Rüpp., Canc. Cymodoce Hbt.
— Leucisctty scheint von X<eucosia hauptsächlich dadurch unter-
schieden zu sein, dass der Stirntheil der Schale sich über die Mund-
öffnung hinaus verlängert. Eine neue Art, L. squalida. — Ausserdem
sind neue Arten aus den Gatt. Äcantlionyx^ Mithrax^ Atergatis De. H.^
Chlor odius , Halimede De H., Eriphia, Achelous De H., Charyhdis
De H., Ckistotoma'De^., Plagusia, Goniopsis De H., NauH'lograpsus,
Droniia aufgeführt, ßemerkenswerth ist auch das Vorkommen der
Nordamerikanischen Sesarma reticulata Say.
Die Gruppe der Calappinen wurde noch mit 8 neuen Gattungen
bereichert. Cryptosoma Brülle (II.- Canar. Ent. S. 16. T. F. 2)
ist mit Mursia zunächst verwandt, aber ohne Stachel an den Seiten
und mit fast lanzettförmigem Endgliede der hinteren Beine. C. den-
tatum (C. cristatum auf der Taf.) von den Canarischen Inseln. —
Thenlia Lucas (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VIII. S. 573. T. 21) einer
Matuta sehr ähnlich, die Füsse aber keine Schwimmfüsse, sondern
ganz einfach. Th. acanthophora, aus dem Chinesischen Meer.
Jltacrou/t^a, Den Magen des Flusskrebses hat Oesterlen
(Müll. Arch. f. Anat. Phys. u. s. w. 1840. S. 386) einer sorgfältigen
Untersuchung unterworfen.
Brülle (II. Canar. Ent. S. 18) erwähnte eines bei den Canari-
schen Inseln einheimischen Palaemon spinosns, von welchem ihm nur
eine Zeichnung mitgetheilt worden, welche an die Gatt. Oplophora
M. Edw. erinnert. — Palaemon hrevirostris «aus dem schwarzen Meer
unterschied Andrzeiowski (Bull. Mose. 1839. S.22) von P. squilla
darin, dass das Rostrum so lang ist als die Fühlerplatten (nicht Kie-
fer), oben mit 6 — 7, unten mit 1 — 2 sehr kleinen Zähnen, und dass die
Finger der Scheere so lang als die Hand sind. — Peneus siphonoce-
rus, durch die eine Röhre bildenden Geissein der obern Fühler sehr
merkwürdig, wurde vonPhiiippi in diesem Archiv S. 190. T. 4. F. 3,
bekannt gemacht.
Stotnapoda»
Eine neue ausgezeichnete Art, Squilla oculatUy bildete Brülle
(11. Canar. Ent. S. 18. T. F. 3) ab.
252
Gammarus stagnalis unterschied Andrzeiowski (Bull. Mose.
1839. S. 83) vom G. pulex durch die viel grösseren, elliptisch-nieren-
förmigen Augen und die Schwanzanhänge, welche nicht kürzer,
sondern länger als die beiden letzten Schwanzglieder sind.
Iftopoda»
A-sellota* Eine neue Gattung Xeuxo stellte Templeton
(Transact. Ent. Sog. Lond. S. 803. T. 18) auf, welche zu den A. Hete-
ropodis gehört, und mit Tanais M. Edw. in allen wesentlichen Stük-
ken übereinstimmt, mit Aufnahme des jederseils eingeschnittenen
letzten Körpersegments und der längeren und viölgliedrigen Schwanz-
anhänge. Die Art Z. Westwoodiana ist von Isle de France.
Onisciüae, Das ISOste Heft der Panzerschen Insectenfauna
(zugleich das 34ste von Koch's Deuschlands Crustaceen, Myriapoden
und Arachniden) ist den Asseln gewidmet, und zugleich giebt Koch
seine Eintheilung derselben an. Sie bilden drei Familien Ärmadüli-
den, Onisciden und Ligiiden, welche nach der Bildung der Schwanz-
anhänge unterschieden sind: bei der ersten ist das Endglied breit
spateiförmig, bei der zweiten lanzett- oder pfriemenförmig, bei der
drittten faden- oder borstenformig mit einem SeitengrifFel. Die erste
Familie enthält die beiden Gatt. P ent heu s (^Armadillo Brandt) und
Armadillo {Armadillidium Br.), die zweite die Gattung Itea mit
1-gliedriger Fühlergeissel, identisch mit Trichom'scus Br., Forcellio
mit 2-, Oniscus mit 3gliedriger Fühlergeissel, endlich Philoscia,
dem Verf. unbekannt; die dritte Familie besteht aus den Gaii. Ligia
und Zia, letztere Brandt's Ligidium. Abgebildet sind Pentheus }mn~
ctatiis, ohne Zweifel Arm. officinarum Br., Armadillo opacus^ einerlei
mit Brandt's Armadillid. Zenkeri, 2 neue Arten von Itea, Porcellio sca-
her und 11 neue Arten derselben Gatt., Oniscus madidus, eine neue,
von O. murarius durch geringere Grösse und andere Verhältnisse der
Fühlerglieder unterschiedene Art, Zia agilis und eine neue verwandte
Art und Pherusa alba. Diese letzte ist in der Adelsberger Grotte
einheimisch, rein weiss von Farbe, und bildet eine eigene Gattung,
welche sich durch gänzlichen Mangel der Augen auszeichnet, über
deren systematische Stellung der Verf. in Ungewissheit blieb, da dem
von ihm untersuchten Exemplare die Fühler und Schwanzanhänge
fehlten. Nach der Beschaffenheit der letztern gehört diese Assel zur
zweiten Gruppe, in welcher sie sich durch eine 8-gliedrige Fühler-
geissel sehr auszeichnet.
Mpicarides. Kröyer (IVat. Tidskr. III. S. 102 und 289) hat
eine neue Art, von Bopyrus nach beiden Geschlechtern und in ver-
schiedenen Entwickelungszuständen sehr sorgfältig beschrieben. Sie
lebt auf einer Hippolyte im Christians-Sund, und ist nicht unter dem
Panzer, sondern der Bauchseite des zweiten Schwanzringes äuge-
253
heftet, so dass die Hinterleibsspitze gegen den Brustthcil des«Krebse»
gerichtet ist, und wird in dieser Stellung von den überragenden Rük-
kenschienen der Schwanzsegmente bedeckt. Dieser beständigen An-
heftungsstelle gemäss ist die Art B. abdominalis benannt worden.
Das ausgewachsene Weibchen ist dunkel bläulich purpurroth, die
Rückenseite flach, die nach aussen gekehrte Bauchseite sehr convex,
der Körper sehr unsymmetrisch, der Kopf . gewöhnlich nach rechtsi
gewandt. Die 7 vorderen Körperringe sind fast verschmolzen, der
erste mit beiden, die übrigen jeder nur mit einem verkümmerten
Fusse. Von den 6 Schwanzsegmenten haben die 4 ersten jederseits
ein Kiemenblatt. Die Bauchseite wird fast ganz von 8 grossen und
2 schmäleren seitlichen Platten bedeckt, unter denen Eier und Brut
geborgen sind. Weniger weit entwickelt, ist die ünsymmetrie des
Körpers noch nicht so gross und die Segmente sind noch deutlich
abgesetzt. Noch jüngere Weibchen sind ganz symmetrisch, schmal,
die 7 ersten Körperringe jeder mit einem Fusspaar, die Schwanz-
segmente mit 5 Paar Kiemenblättern. Diese Jüngern Weibchen haben
auch Augen, welche später verschwinden. Das Männchen hält sich
immer auf dem Weibchen auf, ist erwachsen viel kleiner, schmal,
symmetrisch, mit 2 Paar kurzen Fühlern, 7 Paar Klammerfüssen, die
Schwanzsegmente ganz fusslos. Bei jungen Männchen haben diese
5 Paar Schwimmfüsse und es ist erst eine Spur der obern Fühler da.
Die eben aus dem Ei gekommene Brut weicht in mehreren Stücken
von der von Rathke beobachteten des B. squillarum ab. Der Körper
ist kurz eiförmig gewölbt, mit einem Paar langer und starker, an
den Körper zurückgelegter (vielleicht auch einem zweiten Paar
innerer) Fühler, 7 Paar Klammerfüsse, hinter diesen 5 Paar Schwimm-
füsse, zuletzt mit einem Paar Füsse oder Schwanzanhänge mit dop-
peltem Endgliede. Von Augen keine Spur, vielleicht im Weingeist
verloren gegangen.
JStyriapoda»
'Brandt hat eine Reihe von Mittheilungen über diese Abtheilung
in den Bulletins der Acad. derWiss. zu St. Petersburg (V— IX.) ge-
macht und diese verschiedenen Abhandlungen unter dem Titel „Re-
cueil de memoires relatifs a l'ordre des Insectes Myriapodes" (Petersb.
Graeff, Leipz. L. Voss. 1841) gesammelt. Sie sind meist aus dem
Jahre 1840. Die erste Abhandlung der Sammlung betrifft die allge-
meinen Verhältnisse der Abtheilung. Hinsichts der systematischen
Stellung der Myriapoden ist der Verf. zu dem Resultat gekommen,
sie den Insecten zuzurechnen, indem in der Form der Respiration
der Unterschied zwischen den Klassen aufgestellt ist, jenachdem die-
selbe durch Tracheen oder Kiemen vermittelt wird, so dass die Klasse
der Arachttiden aufgehoben, und die sogeuannten Lungenspinnen den
Crustaceen, die Tracheenspinnen u. s. w. den Insecten zugewiesen sind.
Ref. hat oben (S. 148) seine Bedenken gegen diesen Eintheilungsgrund
254
geäussert, und zweifelt nicht, dass die zur Zeit in diesem Puncte
niclit ganz übereinstimmende Ansicht seines trefflichen Freundes sich
mit der seinigen dahin vereinigen werde, dass ein solcher Unterschied
2; wischen den Insecten, Arachniden und Crustaceen, wie man bisher
angenommen hat, nicht statt finde, sondern dass dieselben in ihrer
Organisation aufs Engste verbunden sind, und dass ihre Trennung
von einem andern Gesichtspuncte aus aufzufassen sei. Der weitere
^rheil dieser Abhandlung bezieht sich auf die Eintheilung der Myria-
])oden. Es sind hier die saugenden (Siphonozantia) den übrigen als
'Unterordnung entgegengesetzt, gleichwohl ist der Verf sehr geneigt,
Ihre naturgemäss uähere Verwandtschaft mit den Chilognathen als
mit den Chilopoden anzuerkennen.
Chilognatha» Seine Beobachtungen über die Anatomie von
Glomeris hat Brandt in Rücksicht auf das Muskel- und Tra-
cheensystem erweitert, sich überzeugt, dass die Ausführungsgänge
der paarigen absondernden Bälge des Rückens zwar sehr genähert,
aber nicht vereinigt sind, und gefunden, dass bei den Männchen der
einfache Ausführungsgang des Hoden hinter dem zweiten Fusspaare
sich in zwei Gänge spaltet, welche in ein Paar hinter dem zweiten
Fusspaar gelegener Schüppchen ausgehen, so dass die Mündungen der
männlichen Geschlechtsorgane mit denen der weiblichen übereinstim-
men, und die eigenthümlichen Organe vor dem After als Organe zum
Festhalten oder zum Reiz erscheinen. Das hintere Ende des Hoden
steht durch einen kleinen Gang mit der Prostata in Verbindung. Die
Weibchen haben 2 sehr kurze Eierleiter, aber einen einzelnen Eier-
stock, an welchem nur in der zweizeiligen Anordnung der Eier eine
Spur von Duplicität zu erkennen ist. Nur die elliptischen, dem Eier-
stock ansitzenden Eier zeigten ein Keimbläschen, die schon gelösten
runden nicht mehr. — Auch über die Lebensweise der Glomeris hat
der Verf. seine Beobachtungen mitgetheilt. Im Ganzen sind diese
Thiere sehr träge und bringen oft lange Zeit zusammengerollt zu.
Ihre Nahrung finden sie leicht, sie besteht in modernden Vegetabilien,
Sie lieben einen gewissen Grad von Feuchtigkeit, und kommen bei
zu grosser Trockenheit wie bei zu grosser Nässe um. Ihre Be^ve-
gung ist unbeholfen und langsam, rhythmisch mit den vielen Beinen
kriechend. Das Gesicht ist schwach, der Tastsinn scheint dagegen
in der Fühlerspitze sehr entwickelt zu sein. Aus den paa^'igen ab-
sondernden Bälgen des Rückens spritzen sie eine weisse, ein wenig
schleimige Flüssigkeit. — Arten der Gatt. Glomeris führt der Verf.
zehn auf; Gl. marmorata Ol. und nobiltsKoch. sind als Abänderungen
mit Gl. livihata Latr. (marginata Leach) verbunden, indess wohl
kaum mit Recht, indem Unterschiede in der Sculptur mit denen in
der Färbung verbunden sind. Glomeris gehört der Europäischen Fauna
eigenthümlich an, und kommt in Asien und Africa nur da vor, wo
sich der Europäische Character in der Fauna noch geltend macht.
Sphaerotherium und Spkaeropoeus scheinen die entsprechenden
255
Formen, crsterer iu Africa (von Aegypten bis zum Cap), letzterer in
Ostindien zu sein. Von ersterem führt der Verf. 11 sichere und
3 zweifelhafte, von letzterem 2 Arten auf. Mit Unrecht hat Gervais
beide Gattungen unter Zephronia Gray, welche dem früher auf-
gestellten Sphaeropoeus Br. entspricht, vereinigt.
Eine neue G&it. Li/siopetalo?i (Jul. foetidissimus ^diwi und eine
neue Art) verbindet die Julus fnit den Glomeriden, indem, wie hier,
die Fusstragenden Schuppen frei sind. — Julus selbst bildet eine
grosse, in mehrere Untergattungen aufgelöste Gattung, welche mit
vielen neuen Arten bereichert ist. Die Untergattung Julus ist auf
Europa und Nordamerica bescliränkt. Der / Pensylvanicus des Verf.
könnte wohl eine eigene Abtheilung bilden, in Rücksicht auf die beim
Männchen wunderlich erweiterten Vorderfüsse. J. foetidus Koch ist
noch von der Untergatt. Julus unter dem Namen Uiiciger abgeson-
dert worden. Die 2. Untergatt. i&iSpirostrephon, J. lactariusSayy
die 3. Spirostreptus enthält die grösste Anzahl der exotischen
Arten, in zwei Abth. Nodopyge und Odontopyge gesondert, je
nachdem die Seitenschuppen des Afters keine oder eine Spitze am
Oberwinkel haben; die i.Sptroicyltstus und 5. Spzropoeus ent-
halten jede nur eine, die 6. Sptroöolus wieder mehrere exotische,
zum Theil grosse Arten.
Lucas (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 55 T. 4 F. 1) beschrieb
einen bei Paris entdeckten neuen Julus ^ J. muscorum^ mit deutlich
längsgestreiften Körpersegmenten.
Auch Polydesmus hat Brandt (a. a. 0.) mit mehreren Arten
vermehrt, die Eintheilung ist aber noch nicht natürlich. Fontaria ist
als Gattung festzuhalten, sowohl in Rücksicht auf die Form als die
stachligen Trochantcren. Polydesmus wird si\i( P. complanatuSj ser^-
ratusSay, gra?iulatus Say und einige noch unberücksichtigte Europäi-
sche Arten zu beschränken sein, bei denen die Stigmen innerhalb des
Randes der seitlichen Fortsätze liegen. P. Meyenii und eine ähnliche
Indische Art hat ähnliche Lage der Stigmen, aber andere Verhältnisse der
Fühlerglieder. Die übrigen grösstentheils Americanischen Arten haben
die Stigmen grade auf der Kante der seitlichen Fortsätze, und scheinen
fast näher mit Strongjlosoma als mit Polydesmus verwandt zu sein.
Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 41) sieWie Leios oma ro*
seum als neue Gattung und Art vom Caucasus auf, welche in-
dess schwerlich von Polyzonium Germanicum Br.^ Platyulus Audoui-
nianus Gerv. verschieden ist.
CTiiiopoila. Brandt (a. a. 0.) hat auch die Gatt. Scolopen-
dra einer kritischen Revision unterworfen, und sie mit einer Anzahl
neuer Arten bereichert. Aus einer derselben, Sc. Bahiensis, bildet er
eine eigene Untergatt. Scolopendropsis, welche sich durch vorn
nicht ausgerandetes erstes Rückensegment, 23 Fusspaare u. s. w. von
der Hauptgattung unterscheidet. — Lucas (II. Canar. Ent. S. 49)
führte 2 neue Arten von den Canarischen Inseln, Scolop. vatida und
256
angusta auf, Algierische Arten beschrieben Kocli und Brandt (Wagn.
Algler III. S. 8ä2 und 885): der Erstere: Scolopeiidra Scopoliana,
Gervaisiana, Lithobius impressus (den Br. für L. nudicornis Gerv,
hält), Geophilus rugulosus (= ambiguus Br.), G. fuscatus (= dubius
Br.), der Letztere noch Geoph. viridipes und algericus.
Entoinostraceen«
Milne Edwards hat sich ein grosses Verdienst erwor-
ben, in seiner Hist. nat. des Crustaces (Suit. ä Buffon) T. III.
eine sehr vollständige Uebersicht über den zeitigen Inhalt die-
ser Abtheilung gegeben zu haben. Sie ist bei ihm noch mit
den Crustaceen unmittelbar verbunden. Die ausgestorbene Ord-
nung der Trilohiten schliesst sich auf der einen Seite den
Isopoden, auf der anderen den Branchiopoden an, scheint
indessen nur mit derf letzteren in wahrer Verwandtschaft zu
stehen. Den Namen Entomostraca, den Ref. nach dem
Vorgange Latreille's auf diese ganze Klasse ausdehnt, beschränkt
der Verf. auf die Unterabiheilung derselben, welche die Ostra-
coda und Copepoda bilden. An diese schliessen sich die so-
genannten Siphonosiomerij als eigene Unterklasse, und in
gleichem Range die Xiphosura, welche ihrer Organisation
nach natürlicher an der Spitze als am Ende der Klasse stehen»
Die Pycnogoniden sind hier als eigene Ordnung der Siphono-
stomen behandelt. Dagegen sind die Cirripeden ausser Be-
trachtung geblieben.
JPhyllopoda»
Die Naturgeschichte der Artemia salin a ist von Joly (Ann.
d, scienc. nat. II. Ser. XIII. S. 225) ausführlich erläutert worden. Den
Innern Bau betreffend, durchläuft der Nahrungscanal in gerader Rich-
tung den Körper, ohne eine Abtheilung in Magen und Darm oder
irgend eine Erweiterung zu zeigen. Vor seinem Anfange liegen zwei
blasige Körper, aussen gewunden, inwendig in Zellen getheilt er-
scheinend (wahrscheinlich Speichelabsonderungsorgan). Den Nahrungs-
canal begleitet ein cylindrischer Körper bis zum untern Theile des vier-
ten Schwanzsegments, wo er plötzlich aufhört. Vielleicht die Leber.
Er steht mit dem Darm in Verbindung j Farbestoffe, in denselben
gebracht, dringen auch in ihn ein, er enthält aber niemals Koth. Er
besteht aus einer Menge kleiner blinder Quergänge, welche wahr-
scheinlich in den Darm münden. Das Herz fängt im letzten Körper-
segment au, erstreckt sich gefässförmig bis zu den Speicheldrüsen,
besteht aus 18 — 20 Röhren, von denen die hintere immer ein wenig
257
in die vordere hineinragt, endigt mit freier Mündung, stimmt also
durchaus mit dem Rückengefäss der Insecten überein. Circulation sah
der Verfasser überall, aber keine Spur von Gefässen. Vom Nerven-
system erkannte der Verfasser nur die Sehnerven. Alle erwach-
senen Individuen zeigen an den beiden ersten Schwanzringen ein Paar
äusserlicher Ovarien. Männchen beobachtete der Verf. nicht. Er
nimmt an, dass diese Thiere entweder hermaphrotisch sind (und in
diesem Fall glaubt er in einem Paar seitlicher Drüsengruppen des Eier-
sacks die Hoden zu erkennen), oder, was auch Andere bei anderen
Entomostraceen beobachtet haben, dass die Männchen seltener er-
scheinen, und eine Befruchtung sich auf mehrere Generationen von
Weibchen erstrecke. Jedes Weibchen legt 3 — 4 Mal. Oft verlas-
sen die Jungen noch im Eiersacke die äussere Eischale, und sind, die
Fasse an den Leib geschlossen, noch von einer dünnen Haut um-
geben, welche sie gleich nach dem Austritt, selten schon vor demsel-
ben sprengen. Bald nach dem Gebären häutet sich die Mutter; über-
haupt häuten sich diese Thiere oft, im Frühling und Sommer etwa
alle 5 oder 6 Tage. Aus dem Ei kommen die Jungen mit einem läng-
lichen ungegliederten Korper, einem einzelnen Auge und 3 Fusspaaren,
das erste einfach, fühlerförmig, ungegliedert, das zweite grosse starke,
das dritte schwächere Ruderfüsse. In den nächsten Häutungen wird
der Körper lang gestreckt, der Hinterleib setzt sich vom Vorderleibe
ab, und am Grunde desselben treten seitlich warzenförmige Vorra-
gungen hervor, die ersten Andeutungen der späteren Kiemenfüsse.
Etwa 14 Tage nach dem Ausschlüpfen zeigen sich schon die seit-
lichen Augen, die Warzen an den Seiten des Hinterleibes mehren sich,
die vorderen setzen sich mehr ab, und entwickeln sich von vorn
anfangend allmälig in die Kiemenfüsse. Wenn diese ausgebildet sind,
verändern sich die ursprünglichen Schwiramfüsse. Sie verlieren zu-
erst ihre Borsten, ihre Muskeln obliteriren, sie selbst schwinden ein,
das vordere Paar verändert sich in die sogenannten Kopfbaken, das
hintere, nach dem Verf, in die Mandibeln. Dies letzte scheint ein
Irrthum zu sein, vermuthlich obliterirt es ganz. Das vorderste Paar
bleibt ziemlich in seiner ursprünglichen Gestalt zurück. Es folgt aus
diesen Beobachtungen, dass die Fühler hier (und bei dem nahe ver-
wandten Branchipus) fehlen, die dafür genommenen Organe sind
die Vorderbeine, die Mittelthoraxbeine sind die Kopfhaken, die Hin-
terthoraxbeine, welche in der Jugend vorhanden sind, gehen ein (?),
und alle Kiemenfüsse gehören dem Hinterleibe an. Hiernach bleibt
Branchipus mit Apus eng verbunden.
Artemia salina findet sich in Salzlachen. Sie ist omnivor. Häufig
nimmt ihr Xahrungscanal eine rothe Färbung an, und bei der Menge,
in welcher sie vorkommt, hat man sie für die Ursache einer gleichen
Färbung des ganzen Gewässers angesehen. Der Verf. zeigt, dass
diese Färbung sowohl des Gewässers als der Artemia von einem In-
fusorium herrühre, das er Monas Dunalii nennt, welches jene Sulz-
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2. Bd. |7
258
lachen erfüllt, und welches dann eine Hauptnahrung der Artemla bildet.
Er zeigt zugleich, dass. das, was raan unter dem Namen Haematoccus
und Protococcus als vegetabilische Organismen betrachtet habe, sich
als todte Individuen und Eier jener Monade auswiese, so dass diese
allein die Ursach jener rothen Färbung sei.*)
Andrzeiowski (Bull. Mose. 1839. S. 23) stellte eine neueLim-
nadia auf, L. Borysthenica, einer Cyclas ähnlich, 6 — 8"' lang,
die Schale mit conceutrischen Furchen gezeichnet.
Idophyropoüa.
Philippi (in diesem Archiv VI. I. S. 186) bereicherte die Ostra-
coda mit einer neuen Gatt. Asterope (^elh'/jtica) , die Copepoda mit
3 neuen Gatt.: Nauplius (nicht mit dem O. F. MüUer'schen zu ver-
wechseln), Laophonte, Psamathe^ Thyone. Eine neue Art von
LyncetiSy L. globosus, wurde von Andrzeiowski (Bull. Mose. 1839
S. 33) bei Kiew auf den Borysthenischen Inseln in Menge entdeckt.
^iphonostoma^
Pickering und Dana(Anier. Journ. of Scienc. and Arts XXXIV.
S. 225, daraus Isis 1840 S. 201) haben den Innern Bau des Caligus
americarius untersucht. Sie widerlegen zuerst die Meinung, dass
diese Thiere Blut sögen, was theils der Bau des Mundes nicht gestatte,
theils fände raan nie Blut im Magen. Sie nährten sich also wahr-
scheinlich von Schleim. Nervenknoten sind nur 2 vorhanden, dicht hin-
ter den Augen, eines über, das andere unter dem Schlünde. Der erste
giebt Nerven ab an die Augen, Fühler und die (häufig für Augen an-
gesehenen) Saugnäpfe, der zweite an alle übrigen Theile des Körpers.
Der Nahrungscanal besteht aus einer dünnen Speiseröhre, breiten herz-
förmigen Magen und einem Darm, der hin und wieder mit Drüsen
besetzt ist. Das Blut strömt frei im Körper und seine Strömung wird
durch verschiedene Klappen regulirt. Ein Herz ist nicht da(?). Die
Athmung geschieht nach Ansicht der Verf. nicht durch die Pinnulae,
sondern auf der ganzen Oberfläche des Körpers. Die Hoden und
Ovarien liegen bei beiden Geschlechtern im letzten Bauchlappen, beim
Weibchen treten die Eierstöcke weit aus dem Körper heraus. Bei bei-
den Geschlechtern liegt ein birnförmiges drüsiges Organ zu jeder
Seite des Magens und schickt einen Ausführungsgang beim Männchen
an die Hoden, beim Weibchen an die Eierstöcke.
*) Der Raum gestattet es mir nicht, hier den Bericht über die scltö-
nen und ausführlichen Untersuchungen vonZaddach über Apus cancri-
formis (Bonn. 1841) schon jetzt anzuschliessen. Auch den Bericht über
die vorweltlichen Insecten und Crustaceen muss ich bis zum nächsten
Jahre versparen. Die während *des Druckes dieses Berichts eingegan-
genen Transact. of the Entomol. Soc. of London sind zum Theil noch
benutzt, von den übrigen Abhandlungen wird im nächsten Jahrgange
der Bericht erstattet werden.
259
Bericht über die Leistungen in der Naturgescliiehte
der Mollusken während des Jahres 1840.
Von
Dr. F. H. Troschel.
Da sich die Masse der Arbeiten in der Zoologie überliaupt,
und über Mollusken in's Besondere von Jahr zu Jahr zu
mehren scheint, der festgesetzte Raum für die Jahresberichte
aber in dieser Zeitschrift nicht verhältnissmässig und nach
jedesmaligem Bedürfniss erweitert werden kann, so sehe ich
mich immer mehr genöthigt, von dem anfänglichen Plane, in
dieser Thierklasse möglichst alle Diagnosen, oder doch Andeu-
tungen zur näheren Bezeichnung der neuen Arten zu geben,
abzuweiclien. Ich muss mich daher in vielen Fällen begnügen,
nur die Namen der Arten, ja selbst die der Gattungen anzu-
führen, so dass die Leser dann allein auf die Quellen verwie-
seli sind. Diesen nothwendigen Mangel bedaure ich um so
mehr, da ich weiss, dass bei den Sammlern die richtige und
leichte Bestimmung der Arten besonders wünschenswerth ist,
und dass Mancher den Jahresbericht unbefriedigt aus der Hand
legen wird, da ein blosser Name ihm auch nicht einmal eine
Vermuthung über die Art geben kann.
Ein für die Literatur wichtiges Werkchen erschien von
Gio. Battista Bonola „Delle bibliografia malacologica ita-
liana. Diss. inaug. Milano 1839." Es enthält eine Aufzählung
der in Italien erschienenen Bücher über Mollusken von 78Schrift-
ßtellern, mit einigen Angaben über deren Inhalt.
Drei Arbeiten, von denen früher nur der Titel angezeigt
werden konnte, habe ich jetzt erhalten: L. Bruraati „Catalogo
sistematico, delle Conchiglie terrestri e fluviatili asservate nel
Territorio di Monfalcone. Corizia 1838." Es enthält die Be-
schreibung von 90 Arten, unter denen die Gattung Helix
(35 Arten) vorherrscht. Mehrere neue Arten sind beschrieben
17*
260
und auf einer Steindrucktafel abgebildet; sie werden unten
genannt. Im Allgemeinen stimmt diese Fauna mit der Fran-
zösischen und Deutschen überein.
C. Porro „Malacologia terrestre e fluviale della provincia
Comasca. Milano 1838." Im Ganzen werden hier 111 Arten
beschrieben, unter denen mehrere neue, die unten aufgeführt
werden. Auf zwei Kupfertafeln sind die neuen Arten abgebildet.
T erver „Catalogue des Molliisques terrestres et fluviati-
les observes dans les possessions fran^aises au nord de FAfri-
que. Paris et Lyon 1839." Diese Schrift ist für die Mollus-
kenfauna Algeriens wichtig. Viele Arten kommen auch im
südlichen Europa vor, viele sind neu. Es werden 42 Arten
der Gattung Helix, 5 BuUinus, 2 Achatina (incl. Folyphemus)^
3 Vupa, 1 Vertigo, 2 Cyclostoma, 5 Planorhis, 2 Physa,
3 JAmnaeus, 1 Ancylus, 2 Melania, 5 Paludina, 2 Neritinaj
2 Unio, 2 Cyclas aufgeführt. Vier Steindruck tafeln sind bei-
gegeben» Die neuen Arten nachträglich anzugeben, scheint mir
weniger nöthig, da das Werkchen leichter zugänglich ist, als
die beiden eben besprochenen italienischen.
Dann ist noch eines Werkes nachträglich Erwähnung zu
thun, das in Lieferungen erscheint, und bereits ziemlich weit
vorgerückt ist, aber bis jetzt in Berlin noch fehlte, nämlich
G. B. Sowerby „The conchological Illustrations or coloured
figures of all the hitherto unfigured recent Shells. London."
Es sind bereits gegen 200 Lieferungen erschienen, deren jede
eine Tafel mit Abbildungen und ein erklärendes Blatt Text
(Verzeichniss der Arten) enthält. Die Abbildungen sind sehr
kenntlich und erleichtern ungemein die Bestimmung, daher ist
das Werk für grössere Sammlungen unentbehrlich. In den
erschienenen Lieferungen sind Arten aus den Gattungen Cy-
praea, Cancellaria, Nucula, Amphidesma, Ehurna, Bulinus,
Conus, Chiton, Cardium, Eulima, Murex, Fissurella, Mo-
noceros, TianeUa, Neritina, Margarita, Chilina enthalten.
Von demselben Verfasser erscliien „A conchological ma-
nual London 1839." Dasselbe enthält in alphabetischer Ord-
nung die Gattungen der Mollusken (einschliesslich der Cirri-
pedien und Foraminiferen), mit kurzer Charakteristik durcli gute
Abbildung einer oder einiger Arten repräsentirt. Es wird dadurch
sehr geeignet, in das Studium der Conchyiiologie einzuführen.
261
In „the Cabinet Cydopaedia condiictet by the Rev. Dioiiy-
sius Lardner etc. Natural llistory" erschien von William
Swainson „A Treatise on Malacology or Shells and Shell-
fish. London 1840. 8." Das Buch besteht aus einem allgemei-
nen und einem speciellen Theile, und .enthält viele sehr kennt-
liche in den Text eingedruckte Holzschnitte. Der zweite Theil
enthält eine Klassification der Sclmeckcn und Muscheln, in der
eine grosse Menge alter und neuer] Genera aufgeführt und
ganz kurz charakterisirt wird. Zu jedem. sind eine oder einige
Arten als Beispiel citirt, oft auch abgebildet. Der Raum er-
laubt es nicht, auf Einzcinheiten einzugehu. Neue Arten
werden nicht aufgestellt.
Ein neues Unternehmen ist von J. D. W. Hartmann
Unter dem Titel „Erd- und Siisswasser-Gasteropoden. St. Gallen
1840*' begonnen, und wird heftweise herausgegeben. Im ge-
nannten Jahre sind die beiden ersten Hefte erschienen, deren
jedes 6 Tafeln, nach des Verf. eigenen Zeichnungen in Kupfer
gestochen, nebst dazugehörigem Texte enthält. Die Abbildun-
gen sind sehr hübsch und naturgetreu, und der Text, welcher
auch umständliche Beschreibungen der Thiere enthält, ist wohl
geeignet, die Kenntniss von den genannten Mollusken zu för-
dern. Es tritt das Bestreben hervor, viel zu unterscheiden,
und die Gattungen werden vielfach gespalten. Auch auf Varie-
täten wird vielfach Rücksicht genommen. Uebrigens beschränkt
sich das Werk auf die Schnecken Deutschlands und der Schweiz.
Von D'Orbigny's „Voyage dans TAmerique mcridio-
nale" sind in der 49. Lieferung wieder 4 Bogen Text erschie-
nen, auf welchen die Familien Littorinidae, Pyramiciellidae,
Naticidae, Neritidac und der Anfang der Trochidae behan-
delt werden. Viele Bemerkungen über die Thiere dieser Ab-
theilungen und die schönen Beschreibungen der vielen neuen,
wie der bereits bekannten Arten, liefern von neuem den Be-
weis, wie sorgfältig der Verf. auf seiner Reise gesammelt, und
wie gut er sein Material zu bearbeiten verstanden hat.
Derselbe bearbeitete in derHistoire naturelle des IlesGa-
naries par Barker- Webb et Sabin Berthelot, deu A*bschnitt
über Mollusken, welcher nunmehr vollständig erschienen ist.
Interessant sind hier wieder die Betrachtungen, welche Verf.
über die geographische Verbreitung dieser Thiere austeilt. Im.
262
Ganzen sind auf und an den Canarischen Inseln 195 Arten.
Von diesen finden sich an den Europäischen Küsten 82 Arten:
2 an den Küsten des Oceans, 54 an den Küsten des Mittel-
meers, 26 an den Küsten des Oceans und des Mittelmeers
gemeinschaftlich ; ferner kommen zugleich an der Africanischen
Küste 44 Arten vor, von denen 19 dem hohen Meere, 25 den
Küsten selbst angehören; 69 Arten endlich sind den Canarischen
Inseln eigenthümlich. Die Fauna stimmt also weit mehr mit
der des Mittelmeers überein, als mit der näher gelegenen West-
küste von Africa. Nach den Klassen vertheilt sich die Zahl
der Arten so : Cephalopoden 8, Pteropoden 12, Gasteropoden 140
(Heteropoden 4, Nudibranchien 5, Tectibranchien 2, Pulmo-
branchien 57, Pectinibranchien 63, Scutibranchien 3, Cyclobran-
chien 6), Lamellibranchien 34, Brachiopoden 1. Die auffallende
Erscheinung, dass die Zahl der Muscheln gegen die der Schnek-
ken so sehr zurücksteht, erklärt Verf. durch die felsige Be-
schaffenheit der Küsten der in Rede stehenden Inseln, welche
nur für die festsitzenden Muscheln, wie Ostrea, Spondylus,
Chama etc. sich eignen, wogegen in flachen, sandigen Busen
die Muscheln vorherrschen. Viele von den beschriebenen Arten
kommen bereits in Lowe Synopsis Moll. terr. et fluv., quas in
itin. per ins. Canarias etc. (Ann. des sc. nat. 1833) vor; die
neuen sollen unten aufgeführt werden. Die meisten sind auf
meist colorirten Kupfer- und Steindrucktafeln abgebildet, die
jedoch noch nicht alle erschienen zu sein scheinen.
Kiener's Species general etc. nahm seinen guten Fort-
gang; es erschienen während des Jahres 1840 die Lieferungen
48 — 59, welche den Text der GaLÜnugen Pleurotoma, Fusus,
Fasciolaria, Fyrula und Abbildungen für die Gattungen Pj-
rula, Turhinella und Fasciolaria enthalten.
Dufo macht in den Annales d. sc. nat. 2. ser. XIV. p.45
und 166 (vergl. auch Blainville's Bericht darüber ib. XIII.
p. 198) seine während eines vierjährigen Aufenthalts auf den
Sechellen und Amiranten gemachten Beobachtungen über die
Mollusken bekannt. (Observations sur les Mollusques marins,
terrestres et fluviatiles des iles Sechelles et des Amirantes).
Viele interessante Thatsachen lernt man in diesem, nur im
Auszuge mitgetheilten , Aufsatze kennen, welche alle im Ein-
zelnen mitzutheilen der Raum nicht gestattet. Besonders wandte
263
Verf. seine Aufmerksamkeit dem Studium der Deckel der
Schnecken und der Lebensweise und den Sitten dieser, meist
noch wenig gekannten Thiere zu ; auch berücksichtigt er beson-
ders die Veränderungen, welche die Schale während der ver-
schiedenen Lebensalter eingelit. Derartige Bemerkungen er-
strecken sich bei dem Reichthura dieser Molluskenfauna auf
Gattungen und Arten aus fast allen Familien. Die Aufzählung
aller gesammelten Arten, unter denen auch manche neue, folgt
dem Systeme Blainville's in seiner Malacologie. Verf. glaubt
eine Beziehung zwischen der Bildung des Deckels und der
Lebensweise des Thiers bemerkt zu haben, indem er alle Arten
und Gattungen, deren Deckel Spiral ist, für phytophag angiebt;
zoophage finde man mir in den Gattungen, deren Deckel aus
iibereinandergelegten Schichten bestehen, oder bei einigen ohne
Deckel,
Rossmässler thut in M. Wagner's Reisen in der Regent-
schaft Algier p. 226 einige Blicke auf die geographische Ver-
breitung der europäischen Land- und Siisswassermollusken mit
besonderer Berücksichtigung der in der Regentschaft Algier ge^
sammelten Arten. Er findet die Nordafricanische Fauna sehr
übereinstimmend mit der Südeuropäischen. Von den 85 Algier-
schen Mollusken kommen die meisten auch in Europa vor,
nur wenige scheinen Eigenthum von Algier zu sein, nament-
lich Ilelix Cirtae, Dupotetiana, arahica, xanthodon, hiero-
glyphica, Juilleti, alabastrites, Gougetij Jeannotiaiia, lanu-
ginosa, glohuloidea , Bulimus Jeannoiti, Pupa, Michaudii,
Cyclosioma Voltuanum, Planorhis marmoratiis, Paludina
nana und drei neue unbenannte Arten, zwei Limax und eine
Planorhis. Ferner schlägt Verf. das Verhältniss der Südeuro-
päischen Arten zu den Nordeuropäischen auf 3:1 an. 15 Arten
sind vom Verf. selbst sehr hübsch auf einer Steindrucktafel
abgebildet.
Nacliträgliche Bemerkungen über die Landmollusken Al-
geriens von M. Wagner beziehen sich hauptsächlich auf die
nähere Angabe des Fundorts (ebendaselbst p. 262).
Eine Fortsetzung der Uebersicht der auf Cuba gesammel-
ten Mollusken gab L. Pfeiffer in diesem Archive VL 1. p. 250.
Von IL Scholtz erhielten wir in den Schlesischen Pro-
vinzialblättern Band 113. 1841. p.316. 441.546 eine Aufzäh-
264
lung der bisher aufgefundenen Schlesischen Land- und Süss-
wassermollusken, mit Inbegriflf derer, welche nach Neumann in
der Lausitz vorkommen, und wir dürfen die Hoffnung haben,
bald eine ausgedehntere Arbeit über diesen Gegenstand von
dem Verf. zu erhalten. Neue Arten werden nicht aufgestellt,
die Zahl der Arten beläuft sich auf 109.
Thompson machte ein Verzeichniss der Siisswassermol-
lusken Irlands bekannt (Annais VL p. 16. 109. J94). Im
Ganzen werden 96 Arten aufgeführt. Am Schlüsse wird eine
Tabelle von 124 auf den britischen Inseln überhaupt vorkom-
menden Arten mit einer Angabe des besondern Vorkommens in
den verschiedenen Gegenden gegeben.
Sylvanus Hanley nennt 16 von ihm in Wexford ge-
sammelte Schneckenarten wegen des Fundorts (Ann. VL p. 395).
Eyton zählt 42 Arten von Land- und Süsswassermollus-
ken, als der Fauna von Shropshire angehörig, auf.
In Beziehung auf die geographische Verbreitung der Mol-
lusken muss hier einer Bemerkung von Edward Forb es Er-
wähnung gethan werden. Er giebt an, die Lungenschnecken
des süssen Wassers seien wenig abhängig vom Klima, und die
Formen entsprächen sich daher in den verschiedensten Gegen-
den, seien sogar oft specifisch identisch (ein solcher Fall ist
mir jedoch nicht bekannt), weit mehr seien die Pectinibranchien
klimatischen Abänderungen unterworfen, man könne ihnen
das Vaterland ansehen. Dasselbe gelte von den Acephalen des
süssen Wassers. Mir scheint es, als könne man eben so leicht
einer Planorbis wie einer Melania ansehen, ob sie americanisch
sei, oder asiatisch. An Chilina, die doch bloss americanisch ist,
hat Verf. wohl gar nicht gedacht? (An. of nat. bist. VI. p. 241).
Ueber den öconomischen Nutzen einiger Schalthiere findet
sich in Silliman American Jour. 1837 No. €5 und daraus Isis
1840 p. 180 ein Aufsatz. Derselbe bezieht sich namentlich
auf Perlen, Muschel- und Schneckenthiere als Speise, und Ver-
wendung der Schalen zu Zierrathen und andern Zwecken.
Cephalopoda.
Von Jean Baptiste Verany erschienen in den Ab-
handlungen der Aeademie zu Turin zwei Aufsätze:
Der eine ,,Memoire sur six nouvelles especes de Ceplralopodcs^
265
trouves dans la Meditcrranee aNice*' enthält die Beschreibungen und
Abbildungen \on Eledon Cewei, vielleicht nicht von Aldrovandi ver-
sclyeden, Octopus Carenae, O. Salut ü', den Verf. für den klei-
nen geflecliten Polj'pus des Aristoteles hält, Loh'go Cotndetii ver-
wandt mit subulata, aber roit kürzeren Tentakelarmen und herzför-
miger Flosse, L. Marmorae und L. Berthelotii.
Der andere „Memoire sur deux nouvelles especes de Cephalo-
podes, trouves dans l'Ocean" enthält Loligopsis Bonplandii^
ohne Tentakelarrae, und Onychoteuth'is Morisiiy der Mund mit
einer Membran umgeben, die sich an die Arme heftet.
Von demselben Verfasser erschien auch eine Uebersicht
der Mittelmeerischen Cephalopoden in Form einer Tabelle mit
Abbildungen. Ein Bogen.
Milne Edwards und Peters haben die. auch im vori-
gen Jahresberichte besprochenen Needham'schen Körper in den
Cephaloden beobachtet, und zwar an Octopus, Eledone,
Sepia und Loligo. Sie sehen sie als Befruchtungsorgane und
Transportmittel für die Saamenflüssigkeit an, und nennen sie
Spermatophoren. Dieselben sind bei den verschiedenen
Arten verschieden (Ann, d. sc. nat. XIII. p. 193; Institut 1840
p. 174; Edinburgh new phil. Journ.29 p. 167; MüUer's Archiv
1840. p.98; Froriep's Neue Notizen XIV. p.280.
JPteropoda,
Eydoux undSouleyet stellen in der Revue zool. 1840.
p. 233 eine neue Pteropodengattung Spirialis auf, zu der
auch einige von d'Orbigny beschriebene Atlanten, ^. trochU
fonnis und hulimoides, gezogen werden. Das Thier ist ver-
längert, Spiral; Kopf nicht deutlich; die beiden Flossen sind
an ihrer Basis durch einen mittleren Lappen, der einen Deckel
trägt, verbunden; die Kiemen liegen in einer durch den Man-
tel gebildeten Höhle. Die Schale, in welche sich das ganze
Thier zurückziehen kann, ist von verschiedener Form, aber
immer links gewunden. Dahin geliören Sp. rostraUs^ ventri-
cosa, ausUalis vom Cap Hörn, trochjformis (Atlanta tro-
chi/ormis d'Orb.), hulimoides {yitlanta hulimoides d'Orb.),
clathrata in fast allen Meeren.
JKeteropoda,
Milne Edwards und Peters haben gefunden, dass die
Carinavicn getrennten Geschlechts sind, und dass sich die
266
Männchen von den Weibchen auch durch äussere Kennzeichen
unterscheiden. Die Männchen haben unter den Eingeweiden
einen selir entwickelten Begattungsapparat, die Weibchen haben
dagegen neben dem After eine Geschlechtsöffnung. Das Ner-
vensystem ist sehr entwickelt (Ann. d. sc. nat. XIII. p. 195,
Institut 1840. p. 174).
J. E. Gray bemerkt über Carinaria vitrea, dass die
Schale im Ei glatt und scheibenförmig ist, mit drei bis vier
Windungen, ganz ähnlich wie Helix lucida. Wenn das Thier
aus dem Ei gekrochen ist, erweitert es seine Schale schnell
und verändert ihre Gestalt« Der Kiel wird von zwei beson-
dern Blättern jederseits der Schale gebildet (Annais of nat.
hist. VI. p. 239).
Eydoux et Souleyet haben die Entdeckung gemacht,
dass die Gattung C«rJiöpo Ja, welche d'Orbigny von Firola
trennt, eine kleine Schale besitzt, und zwar ist diese an beiden
dahingehörigen Arten, Firola placenta Lesson und Firola cau-
dina Rang, nachgewiesen. Sie ist sehr klein, rechts gewunden,
scheibenförmig und gleicht sehr dem Nücleüs der Schale der
Carinarien, an welchem die letzte grosse Windung sich nicht
entwickelt. Auch giebtVerf. an, dass diese Thiere getrennten
Geschlechts sind (Revue zool. 1840. p. 233).
Gasteropoda*
Krohn giebt wieder eine Notiz über die sogenannten
Gehörsorgane der Schnecken unter dem Titel: „lieber zwei
eigenthümliche, Crystalle enthaltende Bläschen oder Kapseln an
den Schlundringknoten mehrerer Gasteropodcn und Pteropoden"
(Frorieps Neue Notizen XIV. p 310, vergl. dies Archiv 1839. II.
p. 215, und 1840. II. p. 202).
JPulntonata. Einer sehr wichtigen Arbeit ist hier nach-
träglich Erwähnung zu thun, die dem Ref. bis jetzt entgangen
ist, wenn gleich sie schon vom Jahr 1837 herstammt. Di^s _
ist eine Preisschrift über die Geschlechtstheile der Lungen- |B
Schnecken: M. C. Verloren „Responsio ad quaestionem zoo-
logicam ab ordine nobil. disciplinaram math. et physic. in acad.
Lugduno-Batava a. 1836 propositam: Organorum generationis
structura in iis Molluscis, quae Gasterepoda pneumonica a Cu-
vierio dicta sunt, additis iconibus, explicetur, et accurate expo-
267
riantur diversae recentioriim scriptonim de harum partium
natura sententiae" 4, mit 7 vom Verf. selbst lithographirten
Tafeln. Verf. beschreibt im ersten Theile die Geschlechts-
organe von LimaXy VaginuluSy Testacella, Farmacella^ He-
lix, SuccineUt Onchidium, Flanorhis, Lymnaea, von denen
er jedoch nur die Gattungen Limax, HeliXj Succinea, Plan-
orhis und Lymnaea selbst untersucht hat. Im zweiten Theile
folgt dann eine Aufzählung der Deutungen verschiedener Schrift-
steller über die Geschlechtsorgane. Den Beschluss macht eine
Vergleichung und Würdigung derselben. Verf. hält das in der
Leber liegende Organ für den Hoden und das von Cuvier als
Hoden angesehene Organ für das Ovarium.
Auch Erdl beschreibt in M. Wagners Reise nach Algier
p. 268 die Geschlechtsorgane mehrerer Landschnecken, und stellt
namentlich die Verschiedenheit der Organes multifides Cuv. dar.
Derselbe gab in seiner Inaugural-Dissertation „de Helicis
algirae vasis sanguiferis, Monachii 1840" eine Beschreibung
des Gefäfssystems der genannten Schnecke, erläutert auf einer,
vom Verf. gestochenen Kupfertafel. Ref. kann den Wunsch
nicht unterdrücken, dass diese gründliche Beschreibung etwas
mehr vergleichend mit denselben Organen anderer verwandter
Thiere gearbeitet sein möchte.
Bei Diifo 1. c. finden|wir die interessante Nachricht, dass sowohl
Hellx unidentata wie H. Studeriana Fer. lebendige Junge gebären.
Neue Arten:
Limax canariensis d'Orb. Moll. d. Canaries ganz wie L. anti-
qiiorum, nur fehlt der obere Kiel. 55 Mill. — L. carinata id. ib. grau-
blau, mit sehr erhabenem, scharfem Kiele. 20 Mili. Verwandt mit
L. agrestis.
Helix Saulaji d'Orb. Moll, des Canaries, kuglig, ungenabelt,
dick, schiefrunzlig, 5 Windungen, Mundrand dick, umgebogen, weiss,
Spindel bogig, dick^ 35 Mili. verwandt mit H. plicaria. — H. VilUerm
id. ib. niedrig, dünn, runzlig, braun, mit schmalen braunen Binden,
4 fast gekielte Windungen^ Mundnind dünn, scharf, fast umgebogen;
Nabel offen; 17 Mill. — //. Gaudryi id. ib. ungenabelt, dick, glatt,
braunviolett, mit violetten Flecken, die in 4 Binden vertheilt sind,
oder mit w^eissen Flecken, 5 Windungen, Mundrand dick, weiss, fast
umgebogen. 17 Mill. — H. d'ürbi^nyi Webb et Berthelot Mss. ib.
kuglig, dünn, weisslich, genabelt, unregelmässig gestreift; 4 Windun-
gen, Mündung rund, Labrum dünn, scharf. 7 Mill. — //. cyclodon
Webb et Berth. ib. Jvreiselförmig, genabelt, gekielt, der Kiel ge-
kerbt, unten mit braunen Binden, 7 Windungen. 7 Mill., verwandt mit
268
H. conoidea. — H. Despreauxü d'Orb. ib. kreiselformig, fast gena-
belt, doiipeK gekieltj die Kiele scharf, kammartig gezähnt, oberhalb
runzlig, unterhalb höckerig, 5 Windungen. 8 Mill. — H. Bertheloln
Ferusa. Ms. ib. behaart, sonst ganz wie H. Jens Fer,, welche Lam.
zu seiner Carocolla hispidula citirt. — H. Bushyi Gray Annais VI.
p. 817, Schale niedrig, fast scheibenförmig, breit genabelt, undurch-
sichtig weiss, bedeckt mit einer sehr dicken, dunkelgrünen, glatten
Epidermis, welche über den Mundrand geschlagen ist, Spira flach,
etwas runzlig; letzte Windung glatt, niedrig, gerundet; Mündung
breit, nach der Axe umgebogen. Neu Seeland. — H, Dunniae id. ib.
niedrig, breit, genabelt, hellbraun, letzte 'Windung etwas winklig,
glatt. Neu -Seeland. — Viele neue Helixarten, welche Cuming auf
den Philippinen sammelte, und die sich durch ihre Schönheit aus-
zeichnen, sind in den Proceedings 1840 August und September durch
G. B. Sowerby beschrieben: H. polychroa^ florida^ hydropkanay
cepoides (Lea M. S.), arata^ adusta, brachyodon ^ pulcherrima ^ deci-
pi'ensy opalmuSf concinnus, AlbajensiSy qurata^ ignobilisy tenera^ collo-
des^ Orbitulus, Oomorpha, incompta^ stabib's, ItoconensiSy die meisten
mit vielen Varietäten. — Zwei mit H. labyrinthus verwandte neue
Arten aus Guiana H. Le Frieurii und H. auricuUna sind durch Pe-
tit de la Saussaye aufgestellt (Revue Zool. 1840. p. 74; Mag. d.
Zool. 1841. pl. 38—33). Sie scheinen nicht verschieden von einander.
— //. Meda Porro. ib. p. 106. weisslich, oben kuglig, unten platt.
Sardinien. — H. lemniscata, Jiirsuta Brumati 1. c.
Pomatias striolatum Porro (Revue Zool. 1840. p. 106.) thurm-
förmig, gelbbraun, braun und weiss in drei Reihen gefleckt.
Danthon hat die Helix quimperiana¥Gv,y die bisher nur in der
Gegend von Quimper und Brest im Departement Finisterre gefun-
den war, auch an der Spanischen Küste gefunden; es wird die Ver-
muthung ausgesprochen, dass sie aus Spanien eingeführt sei. (Revue
Zool. 1840. p. 121.)
BuUmus variatus und B. fnyosotis Webb et Berth. (Sj^nopsis
Moli. Canariens.) werden von d'Orbigny Moll. d. Canaries zusam-
mengezogen unter dem Namen B. variatus.— B. Mmdoroensis Bro-
derip und B. chrysalidiformis Sowerby mit vielen Varietäten
(Proc. 1840. p. 84). — B, dryas, sylvatius^ fictilis, iarvatus von dem-
selben ebend. p. 94. B. ornatus und 7i/ger Dufo I. c. — B.
succinoides Petit de la Saussaye (Revue Zool. 1840. p. 75, Mag.
d. Zool. 1841. pl. 31) von Santa-Fe de Bogota, braungrün mit schie-
fen gelblichen Flammen, 3 Windungen. — B. Utoralis Brumati 1. c.
ist B. acutus Drap.
Achatina Anais Lesson (Revue Zool. 1840. p. 366) verwandt
mit crenata Swains., wenn nicht identisch. — A. Cornea Brumati
1. c. ist kaum verschieden von Polyphemus Poireti.
Von Clausilia trennt L. Pfeiffer die Gattung Cylindrella
wegen des mangelnden Clausilium's (dies Archiv. VI. 1. p. 38).
269
Clausilia einet a Brumati I. c.
Vujta F(^rrurt Porro 1. c. braungelb, am Nacken gekielt, 4 Fal-
ten an der Spindel, eine Schwiele am Labium.
Fhysa margarita Lesson (Revue Zool. 1840. p. 356) von
Terra nova.
IHanorbis devians Porro 1. c. Die letzte Windung weicht nach
unten von ihrer Richtung ab.
Limnaens {Lymned) Terrae novae Lesson Rev. zool. von Terra
nova. — L. membranaeeus Porro grünlich gelb, 4 Windungen, fast
ungenabelt, verwandt mit L. ovatus, vielleicht nur Varietät. |||||
Zu dem Cyclostoma laevigatum Webb. et Berth. Synopsis fand ^^k
d'Orbigny (Moll. d. CJanaries) eine gestreifte Varietät, und verän- ^^
dert deshalb den Namen in C. canariense. .
Die Gattung Pupiiia stellt Gray mit Recht zu den Cyclosto-
miden. Für eine Schale, die er jedoch nicht näher als Species be-
zeichnet, und die in der polirten Oberfläche, im Muud und im Deckel
mit Pupina übereinstimmt, der aber der Einschnitt fehlt, schlägt er
den Gattungsnameu Callia vor (Annais of nat. hist. VI. p. 77).
CtenohrancMtu D'Orbigny theilt in seiner Voyage die
Gattung Fa ludin a in zwei Untergattungen. Bei der ersten stehn
die Augen auf den Tentakeln und sind gestielt, der Deckel besteht
aus concentrischen Ringen mit subcentralem Apex: Paludina (P.
vivipara, faseiata, tentaculata etc., keine amerikanische Art); bei
der andern stehn die Augen am Grunde der Tentakeln und sind un-
gestielt, der Deckel ist spiral wie bei Littorina: Paludestrina (P.
acuta und alle südamericanischen Arten).
Von letzteren werden zehn Arten aufgeführt, von denen sieben
im süssen, drei im Salzwasser lebea sollen. Mehrere sind schon in
Guerin's Mag. d. Zool. 1835. charakterisirt: P. peristomata^ lapi-
du?n, pi^einm, Parchappii, attstralis, Cumingii, andecola. Die übri-
gen tiuden sich hier zuerst aufgestellt: P. charruana sehr verwandt
mit P. australis, aber sie ist kürzer, dicker, und die Mundränder
sind verdickt. 5 Millim. Montevideo. — P. Isabelleana mit beiden
vorigen verwandt, aber kleiner, mit viel mehr verlängerter Spira
4ind stumpferem Apex, dünn, zerbrechlich. 3 Millim. Montevideo. —
P. eulminea ähnelt der andecola und lebt auch mit ihr im See Titi-
caca, aber die Windungen sind convexer, nicht gekielt, die Apertur
nicht winklig. 3 Millim. — P. striata regelmässig quer gestreift.
2 Millim. Patagonien. Malwinen. — P. semistriata 1\ Millim., sehr
kurz, einer Valvata ähnlich, der Nabel ist quer gestreift. — P.fusca
glatt ^ braun, genabelt, 4 Windungen, lebt im Meere. i\ Millim.
Peru. — P. nigra ^latt, undurchbohrt, schwarz, mit kurzer Spira
und fünf Windungen. 2 Mill. Peru. — P. Petitiana geschwollen ei-
förmig, ohne Nabel, grün mit drei braunen Binden, fünf Windungen.
4 Mill., ist der Form nach P. achatina im Kleinen.
Paludiiia patula und minuta Brumati 1. c.
270
Lowe stellt eine neue Gattung Varthenia auf, die mit Mie-
lania, Eulima, Tiirritella, Rissoa verglichen wird. Sie unterscheidet
sich von Melania durch eine helle, meist milchweisse Farbe, und
dadurch, dass sie im Meere lebt, von Eulima durch Rippen oder
Streifen auf der Schale, von Tiirritella durch das Fehlen der seitli-
chen Membranen, und die pfriemförmigen Fühler. Die Fühler fast
wie bei Lininaeus, aber länger, und scheinen aus einer von der
Spitze bis zur Mitte der Basis längs gefalteten Membran zu be-
stehen, Augen auf der innern Basis. Deckel hornig. Schale
klein, thurmformig, ohne Sipho, ungenabelt, gerippt oder ge-
streift, oft gegittert. Hierher werden gestellt: P. bulinea (Turbo-
nilla Humboldti Risso, Tornatella clathrata Phil.), P. terebra (Turri-
tella cancellata Risso?) ,P. elegantissima (Turbo eleg. Mont., Me-
lania Campanellae Phil.?), und als muthmasslich Turbo crenatus
Montf. (Mel. rufa Phil.?), Melania pallida Phil, und Melania scalaris
Phil. (Proc. 1840. p. 39 5 Annais VI. p. 511).
Dieselbe Gattung, nach denselben Arten aufgestellt, nennt Phi-
lipp! Fyrgiscus (dies Archiv VII. 1. p. 50). Er rechnet jedoch
die Turbonilla Humboldti Risso nicht dahin, weil sie eine echte Tor-
natella sei.
Die Gattung Chemnit%ia d'Orb. (Moll, des Canaries^ Voyage
dans l'Amer. mer.) ist wahrscheinlich auch mit beiden vorigen iden-
tisch, da Melania Campanellae Phil, dahin gezogen wird. Verf. cha-
rakterisirt sie folgendermassen : Schale sehr verlängert, nicht gena-
belt, aus einer grossen Anzahl Windungen zusammengesetzt, Aper-
tur oval oder winklig, vorn gerundet, hinten verschmälert, mit
scharfen geraden Rändern; Spindel gerade, einfach oder gekörnt.
Der Nucleus rollt sich in der Jugend in einer Ebene auf, senkrecht
auf der späteren Längsaxe der Schale. Die Gattung unterscheidet
sich von Eulima durch ihre gerippte Schale, von Bonellia durch den
Mangel des Nabels, von Melania durch die Form der Mündung, des
Nucleus, und dadurch, dass sie im Meere lebt. Mehrere neue Arten
werden beschrieben.
Ch. Uirris d'Orb. Voj. nadeiförmig, dünn, weiss, längs gerippt,
14 Windungen, die letzte vorn quergestreift, Columella gerade, ver-
dickt; 7 Millim. Sehr verwandt mit Ch. campanellae. Brasilien, An-
tillen. — Ch. americana id. ib. thurmformig, weiss, längs gerippt,
zwischen den Rippen quer gefurcht; 9 Windungen, Spindel innen
einzähnig. 3 Millim. Brasilien, Patagonien. — Ch. fasciata id. ib.
dick, weiss mit gelber Binde, längs gefaltet, quergestreift, 8 Win-
dungen, Columella gerade. 4 Millim. Brasilien. — Ch. dubia id. ib.
weisslich oder gelb, mit einer weissen Binde, längs wellig gefaltet,
quergestreift, 10 Windungen, die ersten quergefurcht, die letzten
längsgefaltet, die letzte vorn quergestreift. 4 Millim. Brasilien, An-
tillen. — Ch. cora id. ib. dick, weiss, längsgefaltet, quergestreift,
mit vier ausgehöhlten Streifen umgeben, 8 Windungen. 5 Millim. Peru.
271
In«? Üüitmaß; ]/lissoa wird von D^Orbigny \oy. Tn zwei Unter-
gattungen gctheilt; bei der einen Rissoa Freminv. sind die Mund-
ränder der Schale gerade; bei der andern Rissoina d'Orb. ist der
Mundrand bogig, vorgezogen, und vorn und hinten mit einer Aus-
bucht versehen, Deckel mit einem langen Vorsprung versehen, wie
bei IVerita. Die erstere Abtheilung, obgleich häufig auf den Antillen,
findet sich nicht in Südamerica. Zwei neue Arten:
Rissoifia Inca d'Orb. fein quergestreift, mit Längsrlppeu verse-
hen, 8 Windungen, ohne äusseren Wulst am Muudrande. 8 Millim.
Peru, Bolivia und
Rissoa Canariejisis d'Orb. länglich conisch, ungenabelt, weis»,
5 Windungen, vorn drei Querrippen, hinten längs und quer knotig,
Nath tief, Mündung rund, Labrum gerandet, verdickt. \\ Millim.
Teneriffa.
Derselbe beschreibt auch mehrere neue Littorinen:
L. araucana d'Orb. Voy., verwandt mit L. coerulescens, sehr
fein quergestreift, braunschwarz, vier Windungen, MHndung schwarz,
vorn mit einer weissen Binde. 9 Mill. Chili, Peru. — L. umhüicata
id. ib. kuglig, blauschwarz, glatt, vorn gestreift, genabelt, Spira
kurz, 3 Windungen. 1^ Mill. Bolivia, Peru. — /,. Canariensis id.
Moll. d. Canaries. Bauchig, ungenabelt, dick, quergerippt, grau, 4
Windungen, Mündung innen schwarz, vorn mit einer weissen Binde,
Spindel braun. 11 Mill. Verwandt mit L. rudis. Teneriffa. — L. af-
finis id. ib. Bauchig, ungenabelt, dick, quergestreift, mit zwei Quer-
reihen von Höckern, 4 Windungen, deren letzte fast zweikielig,
Mündung innen schwarz, vorn mit einer weissen Binde. 10 Mill.
Teneriffa.
Die Gattung Scalaria entfernt d'Orbigny 1. c. mit Recht
aus der Familie der Trochideen, und setzt sie in die Familie der
Mehinideen. S. elegans d'Orb. \oy. Rippen dick, stumpf, schief,
Spira sehr lang, 10 fast getrennte Windungen. 27 Mill. Patagonien.
— S. tenuistriata d'Orb. ungenabelt, weiss mit engen, gleichen,
zahlreichen Rippen, acht quergefurchten Windungen. 16 Mill. Bahia
blanca 39° S. Br. — S. brevis id. ib. genabelt, mit engen zahlreichen
Rippen, fein quergestreift, Spira kurz, vier Windungen. 1 Mill. Mal-
winen. — S. Webbii id. Moll, des Canaries. Tief quergestreift, Rip-
pen gleich, schwach, etwa 23 an jeder Windung. 4 Mill. Teneriffa.
Eine vorläufige Anzeige einer Arbeit über die Gattung Flan-
axis von Duval findet sich in der Revue Zool. 1840. p. 107.
Buccinum lineatum D'Acosta (B. pygmaeum Brug.; B. pediculare
Lam. Kien.) wird zu dieser Gattung gezogen, und eine neue Art
VI. canaliculata von den Gallapagos-Inseln aufgestellt.
D'Orbigny erkennt in seiner Voyage etc. die Gattungen Ne-
rita und Neritina nicht als hinlänglich verschieden an, indem er na-
mentlich angiebt, dass viele Neritinen gar nicht im süssen Wasser
leben, z. B. iV. meleagris.
272
Als neue Arten werden beschrieben: Neritina Fontaineana
d*Orb. Voy. dick, kuglig, glatt, grüulich, schwarz genetzt, vorn
mit einer breiten dunklen Binde umgeben, Apertur gelb, Spindelrand
gezähnt. 16 Mill. Am Ausfluss des Guayaquil in salzigem Wasser.
— N. rara Dufo I. c.
Nerita dehilis Dufo 1. c.
Natica cora d'Orb. Voy. niedrig, dick, weiss, glatt, 5 Win-
dungen, die letzte gross, gedrückt, Nabel eng. 16 Mill. Peru. Ver-
wandt mit N. über Humb. — N. Umbata id. ib. kuglig, glatt, violfett,
sechs hinten weiss gerandete Windungen, Apertur nicht verdickt,
Nabel eng, einfach. 18 Mill. Patagonien. — N. Isabelleana id. ib.
kuglig, glatt, braun, 5 Windungen mit vertieften Näthen, Mündung
nicht verdickt, Nabel eng, schwielig. 15 Mill. Maldonado. Die beiden
letzteren verwandt mit N. monilifera. — N. porcelana d'Orb. Moll,
d. Canaries, oval, bauchig, niedrig, dick, weiss oder gelb, Apertur
schief, länglich, weiss, Nabel sehr gross, offen, Nabelschwiele halb-
cylindrisch, spiral. 34 Mill. Teneriffa. — N. Mahesiensis Dufo 1. c.
Tornatella venusta d'Orb. Voy. länglich cylindrisch, dünn, ro-
senfarbig, quergestreift^ 5 Windungen, eine Falte auf der Columella.
10 Mill. Peru.
Trochus patagonicus d'Orb. Voy. dick, genabelt, fein körnig,
quergefurcht, braun oder rothbraun, 5 fast gekielte Windungen,
Spindel zweigezähnt, ii Mill. Patagonien.— T. Candei id. Moll. d.
Canaries, conisch, erhaben, fein und gleich längsgestreift, olivenfar-
big gelb, oben mit Purpurflecken, die Windungen der Spira fast
zweikielig, Apertur viereckig, Nabel offen, glatt. 15 Mill. Teneriffa.
r. Saulcyi id. ib. längsgefurcht, fein quergestreift, ungenabelt, oli-
venfarbig mit schiefen braunrothen Binden, Mündung weiss, fast vier-
eckig. 2i Mill. Teneriffa. — T. tuberculatus und T. rariis Duio I.e.
Monodojita Berthelota d'Orb. Moll. d. Canaries, kuglig, kreisei-
förmig, tief genabelt, 5 Windungen, oberhalb nett längs granulirt,
unterhalb mit vier crenulirten Rippen, ein starker getheilter Zahn
in der Mündung, Labrum gefaltet. 16 Mill. Porto Santo.
Phasianella marmorata Dufo I. c.
Kien er bildet in Guerin's Mag. d. Zool. pl. 9. den Turbo Jour-
dani ab, verwandt mit T. imperialis, die Spira ist mehr ausgezogen;
7 Zoll. Neuholland (vergl. Revue Zool. 1839. p. 324).
Ovtila nigerina und O. alba Dufo 1. c.
Oliva lepida und 0. fusifera Dufo 1. c.
Marginella guancha d'Orb. Moll. d. Canaries, glatt, glänzend,
weiss, Spira nicht deutlich, Apertur linear, Spindel mit 4 Falten, La-
brum gezähnelt. 1^ Mill. Teneriffa.
Duhaut-Cilly machte die Beobachtung, dass Vohita magella-
nica Lara, ihre Eier, mehrere in einer gewölbten glashellen Masse,
in das Innere der leeren Schalen von Venus exalbida lege (Revue
Zool. 1840. p. 167).
27a
Mitra Santangeh' Maravigna Guer.Mag. pl. 23. weiss mit ro-
ther Biude nahe der Nafh, die letzte Windung orange, 5 Falten auf
der Spindel. Meer von Messina. 2] Zoll. — M. %ehrina d'Orbigny,
Moll. d. Canaries, länglich, glatt, an der Basis quergestreift, braun-
roth, mit weissen wcllenföimigen Längsstrichen, 3 Falten auf der
Spindel, Labrum dick, gekerbt. 12 Mill. — M. Cordierü Maravigna
(Revue Zool. 1940. p. 325) rothbraun, mit grubiger Spira, 4 Falten
auf der am Grunde gestreiften Spindel.
• Buccinum Tinei Maravigna braun, mit kleinen Furchen längs
den Windungen, nah den Näthen dunkle Striche längs der Schale.
6 Zoll. Meer von Messina (Guerin Mag. d, Zoologie). — B. Cana-
rieTise d'Orb., Moll. d. Canaries, glatt, am Grunde gestreift, gelb-
braun, eine weiss und roth gegliederte Binde an der Nath, Labrum
dick, gezähnt. 12 Mill. Verwandt mit B. semiconvexum Lam. Te-
nerilTa. — B. Sechellarum Dufo 1. c. — B. Casani Maravigna
(Revue Zool. 1840. p. 325), roth, eiförmig, gekörnt, Labrum ge-
furcht. 3'".— B.Lefebvrii id. ib., weiss, goldig gekörnt, am Grunde
quergestreift, Labrum glatt. 4'". Catauia. — B. melo Lesson ib.
p. 355. von Neu-Seeland.
Purpura viverratoides d'Orb. Moll, des Canaries, braun, weiss
gefleckt, gestreift, Spindel weiss, vorn tuberculirt, hinten quer ge-
zähnt. 42 Mill. Vielleicht der Jugendzustand von Bucc. viverratum
Kiener. Teneriffa. — P. costifera und P. costa-striata Dufo I. c. —
P. (^Ricinula) iodostoma Lesson (Revue Zool. 1840. p. 355). Neu-
seeland. — P. Lefevrei id. ib., aus dem stillen Ocean. — P. {Aloiio-
cerosi) tessellata id. ib. p, 366. Neu-Seeland.
Cassidaria Lamarckü Lesson mit 4 knotigen Rippen, Columella
grau, mit weissen Körnern gestreift, Labrum scharf, innen gezähnt
und gefurcht. Australien (Revue Zool. 1840. p. 212).
Rostellaria Powisii Petit de la Saussaye (Revue Zool. 1840),
der Rand mit 5 Zähnen, dieNäthe kanalartig, innen rosenroth. China.
Murex (Typhis Montf.) Cleryi Petit de la Saussaye (Revue
Zool. 1840. p. 337), von Brasilien.
Triton undosum Lam. wird von Dufo n^ch der Bildung des
Deckels zur Gattung Turbinella als T. undosa gestellt.
Pyrula Santangeli Maravigna birnförmig, weiss, rauh, mit 8
grösseren Reifen, Labium innen glatt. Messina. (Revue Zool. 1840.
p. 170).
Fusus BlainvilUi Maravigna (Revue Zool. 1840. p. 325) mit
5 knotigen Windungen. 4"'. Catania.
Pleurotoma Rienerii Doumet (Mag. d. Zool. pl. 10) mit einem
gezähnelten Kiel auf jeder Windung. — P. Deshayesu id. ib. pl. 11.
mit voriger verwandt, aber kürzer und mit längerem Kanal. — Ma-
ravigna führt in der Revue Zool. 1840. p. 326, P. Guerini, Bi-
vonae, Klenerii, Valencien?ieszi und Petita vom Strande
bei Messina, Palermo und Catania auf.
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2. Band. j^g
274
Cerithium Brogniarti Maravigna (Revue Zool. 1840. p, 326).
— C clava und radix Dufo 1. c.
Derselbe setzt Cerithium palustre nach der concentrischen
8tructur des Deckels und dem Leben im süssen Wasser in die Gat-
tung Potamis Brongn., deren Verschiedenheit er besonders in die-
sen Characteren findet.
Stomatella irisata und minima Dufo 1. c.
Scissurella Bertheloti d'Orb. Moll, des Canaries, oberhalb quer
streifig gerippt, unterhalb gestreift, Spira niedrig, 3 runde Windungen,
Kiel breit, scharf, Apertur kreisförmig, Nabel offen. Teneriffa.
Bei der Gattung Sigaretus Adans. bemerkt d'Orbignj (Voy.
dans FAmerique merid. p. 403), dass mehrere Schriftsteller Verwir-
rungen gemacht haben. Die Adanson'sche Art muss als Typus fest-
gehalten werden; Bulla velutina Müll., die von Gmelin und Laraarck
zu Sigaretus gezogen war, muss nach Blainville's Vorgange getrennt
werden, ihr bleibt der Name Velutina; der Sigaretus perspicuus von
Cuvier, Lamarck, Blainville, Rang, Quoy und Gaimard und Philipp!
gehört wegen der inneren Schale und des vorderen Sipho einer an-
dern Familie an, und muss eine Gattung in der Nähe von Coriocella
bilden, die längst vpn Montagu unter dem Namen X.öme//ar/a auf-
gestellt ist.
JPomatohranchia» Nur zwei neue Arten:
Jplysia oceltata d'Orb. Moll, de Canaries, gelb mit violetten
Augenflecken, Fusslappen erweitert, innen violett, Fuss leicht gefurcht,
Schale niedrig, dünn, durchscheinend, glatt, gelb, an der Spitze ge-
krümmt, gefaltet. ^ Metre.
Bulla albicita Dufo 1. c.
Chftnnohranchia* Sars machte in diesem Archiv VI. 1.
p. 197 seine Beobachtungen über die Entwickelungsgeschichte
nackter Mollusken bekannt. Von besonderem Interesse ist die
Entdeckung, dass die eben ausgeschlüpften Jungen eine nauti-
lusähnliche, gewundene Schale besitzen, welche jedoch später
verloren geht. Die Jungen sind die früher von demselben Ver-
fasser unter dem Namen Cirropteron beschriebenen Thiere.
Einen Beitrag zur Kenntniss der Entwickelung der Mollus-
ken giebt auch Loven (Bidrag tili kännedomen af Mollusker-
nas utveckling. K. VetenskapsjAcademiens Handlingar. Stock-
holm 1840).
Die Form des Eierstranges der Nudibranchien ist bei den
Gattungen constant: hex Aplysia fadenförmig, und um ein See-
gewächs geschlungen, bei Boris, Eolidia und Tergipes band-
artig, aber verschieden in der Art der Anheftung. Im All-
gemeinen stimmt die Entwickelung der untersuchten Arten
275
Aplysia punctata ^ Doris muricata, Tritonia arborescens
und Eolidia hranchialis ganz mit den Beobachtungen von
Sars, nur sind noch einige Details hinzugefügt. Bei ganz jun-
gen Individuen von Doris muricata fand Verf. die Kalktheile
des Mantels sehr regelmässig geordnet, die Tentakel waren
noch einfach, ungekolbt und ungeblättert. Der Rücken ist mit
drei Reihen rückwärts gebogener Nadeln bedeckt, von denen
die äussersten jederseits die längsten sind. Ausserdem befinden
sich auf jeder Seite noch zwei stärkere Reihen von Kalknadeln.
Verf. fragt, ob diese Nadeln Rudimente der früheren Schale oder
neugebildete Theile seien? Als aus den gewimperten Bewe-
gungsorganen des jungen Thiers bei Thctys fiinhria entstan-
den, sieht derselbe das Segel am Kopfe an, so,dass sich die-
selben noch an dem erwachsenen Thier vorfinden, nur dass die
Cilien hier grosse gefranzte Girren sind. Ebenso, nur in ge-
ringerer Anzahl und unter verschiedenen Formen, zeigen, sie
sich bei Tritonia Homhergii, Tritonia plebeja und bei der
Gattung Cloelia Loven QDoris ßmhriata Müll, und C. for-
mosa Lov). Bei Tergipes coronatus, Potycera, Doris und
Aplysia findet sich das Organ ebenfalls als Lappen wieder.
Nach Forbes hängt die schöne Farbe der Nudibranchien
häufig von der Farbe ihres Blutes ab. In gewissen Arten vpn
Montägua ist es grün, bei einigen Eolidien roth, bei andern
braun. Die Blutkügelchen sind sehr gross. Das Blut von Po-
lycera quadrilineata ist weiss, und ihr Herz schlägt 114 mal
in einer Minute (Annais of nat. bist. VI. p.317).
Die Gattung Doris theilt d'Orbigny Moll, des Canaries in drei
Untergattungen :
1) DoriSj Körper deprimirt, lederartigj Kiemen in eine beson-
dere Höhle zurückziehbar, in sechs oder mehr conische, stark ver-
ästelte Kiemenlappen getheilt; die Tentakelöffnuug gewimpert, oder
in viele Lappen getheilt. D. punctata d'Orb., rosenfarbig, Mantel
granulirt mit braunen Flecken in Längsreihen, vier andere mittlere
weisse. Tentakeln kurz, mit acht gefingerten Anhängen, sechs ästige
Kiemenlappen. — D. Canariensis d'Orb., Mantel mit feinen Papillen
besetzt, Tentakelöffnung vorragend, ganz, sechs ästige Kiemenlappen.
8) Doridigitata, dick, Kiemen in eine besondere Höhle zu-
rückziehbar, in eine grosse Menge längliche, schmale, nur an ihren
Rändern gefingerte Lappen getheilt; Tentakelöifnung mit zwei blätt-
rigen Anhängen versehen, die einander decken, wenn der Tentakel
zurückgezogen ist. Hierher ausser D. verrucosa L., D. Bertheloti
18*
276
d'Orb., dick, gelb, oben mit conischen oder gestielten Tuberkeln be-
setzt; 14 gefingerte, gewimperte Kiemenlappen.
3) Doriprismatica, prismatisch, weichlich, mit kurzem Man-
telrande. Dahin Doris atromarginata, D. purpurea, D. ViUafranca.
Keine Art an den Canarischen Inseln.
Joshua AI der dehnt den Character der Gattung Polycera
Cuv. aus, indem er statt der zwei Anhänge neben den Kiemen mit
Bang mehrere Anhänge setzt. Ei* beschreibt dann P. quadrülneata
Cuv. {Doris flava Mont.) und zwei neue Arten: P. citrina mit vier
Anhängen an den Kiemen (mit ihr hält Verf. die Triopa nothus John-
ston für verwandt), und P. cristata mit zehn Anhängen an den Kie-
men; beide an den britischen Kästen.
Auch d'Orbigny, Moll. d. Canaries, beschreibt eine neue Art:
P. Webbii^ länglich, hinten spitz, dunkel olivenfarbig mit weissen
Längszeichnungen; 12 couische, weiss gerandete Kiemenlappen. 45MilI.
Forbes bemerkt, Aimals VI. p. 317, dass die Gattung
Euplocamus Philippi (Triopa Johnstoii) nicht die Chara-
ctere von Doris und Tritonia in Beziehung auf die Kiemen
vereinige, indem er die Seitenanhänge bei Euplocamus nicht
für Kiemen, sondern für Fortsätze des Mantels hält. Dieser
Meinung stimmt Ref. ganz bei. — Ich kann es nicht unterlas-
sen hierbei zu bemerken, dass Johnston bei Aufstellung seiner
Gattung Triopa (vergl. Annais I. und dies Archiv V. II. p. 231)
die Lage des Afters falsch angegeben hat, so dass ich damals
, nicht eine Identität seiner Gattung Triopa mit Euplocamus
Philippi vermuthen konnte. Der After liegt nämlich bei bei-
den Arten, welche Johnston anführt, nämlich Doris clavigera
und quadrilineata O. F. Müll., nicht seitlich, sondern auf dem
Rücken hinter den Kiemen. Dass übrigens seine Triopa nothus
wirklich die quadrilineata Müll, sei, scheint mir sehr unwahr-
scheinlich. Der Name Euplocamus ist bereits bei den Schmet-
terlingen vonLatreille vergeben. Wie es mir scheint, ist aber
auch die ganze Gattung Euplocamus von Polycera Cuv. nicht
verschieden, indem ich die Anhänge hinter den Kiemen zur ge-
nerischen Trennung nicht für wichtig genug halte. Dies möge zu-
gleich als Antwort auf die Anfrage meines Freundes Philippi
(s. dies Archiv VII. I. p. 58) genügen.
Aspidqhranchia» Aus dieser Unterordnung findet sich nur
eine neue Art bei Dufo I. c, nämlich Emarginula plantar um.
Cyfclohranchia» Hier sind mehrere neue Arten aufgestellt:
Patella Lowei A'Orh. Moll. d. Canaries, niedrig, dick, ungleich
gerippt, Bippen erhaben, schuppig, aussen crenulirt, oberhalb schwarz
277
oder gelbstralilig, UDterhalb hellblau mit schwarzem Umfange. 68 Mill.
Verwandt mit P.crenataGmel. — P.Candei id. ib. hoch, conisch, dick,
glatt, oder unregelmässig runzlig, ganzrandig, oben gelblich, unten
gelblich, in der Mitte bläulich. 67 Mill. — P. guttata id. ib. conisch,
dick, mit abwechselnd ungleichen Rippen, die längs schwarze Höcker
tragen; unten grau, in der Mitte rothgelb. Alle drei Arten von Tene-
riffa; — P. viridis, mirifera, virginuni^ malicolor bei Dufo 1. c.
Forbes bemerkt Annais VI. p. 316, seine Patella pulchella sei
nach Untersuchung des Thiers eine echte Lo^/e«, was die Verschie-
denheit von Patella tessulata bestätige. Bei microscopischer Unter-
suchung der Lottia testudinalis fand derselbe den Mantel und die
Kiemen mit vibrirenden Wimpern bedeckt.
Chiton canariensis d'Orb., Moll, des Canaries, am Rande körnig
beschuppt, die seitlichen Felder und die äussersten Schalstücke glatt;
verwandt mit Ch. squamosus L. 24 Mill.
AusscBdem beschreibt G. B. Sowerby folgende Chitonen, die
theils auf einer zugehörigen Tafel, meist aber in den von demselben
herausgegebenen Conchological Illustrations abgebildet sind : Ch. hre-
vispinusy von der Insel Johanna, Westafrica ; spitiiger, alternatus von
Japan; pectinatus vom Cap; Watsoni {Ch. castaneus 0- et G.) vom
Cap; dliatus; petholatus von Neuhollaud {Ch. porphyriu& in Conch.
111. ist nur Varietät); hastatus; foveolatus, australis von Australien;
virgulatus; patulus; evatiidus aus NeuhoHand; terms triatus ; Cym-
Äio/avomCap; sculptus ; versicolor ; lyratus', lentiginosus von Au8tr&~
lien; concinnus von Chonos; fimbriatus aus Peru; atratus von den
Falklands-Inseln (Loudons Mag. of nat. bist. New series IV. p. 887).
Chitonellus strigatus Sow, ebendaselbst, corpore limaciformi,
velutino; valvis testaceis parvis, prima semilunata, ultima ovali, in-
termediis hexagonis, fasciis tribus dorsalibus; margine fasciculls mi-'
nimis prope valvas instructo. Long. |", lat. |".
Conchifera*
Grube beschreibt (Müller's Archiv 1840 p. 24) die glän-
zenden Punkte am Mantelrande von Pecten genau und erklärt
sie für Augen, wie dies bereits früher Garner gethan, der
sie als bei Fecten, Spondylus und Ostrea vorkommend angiebt
(vergl. dies Archiv IV. 2. p. 266). Verf. hat sie nur bei Pecten
untersucht, nennt aber auch Spondylus und Pedum nach Poli
als mit Augen versehene Muscheln; bei Ostrea und Lima
leugnet er sie. Die Nerven, welche zu den Augen gehen, ent-
springen sämmtlich von einem dem Mantelrande parallelen
Nervenfaden. Das Nervensystem von Pecten wird beschrieben
und alfeebildet.
278
Denselben Gegenstand, nämlich die Augenpunkte bei Pe-
den Jacohaeus, bespricht auch A. Krohn (MüUer's Archiv
1840. p. 381), der Augennerven, und alle wesentlichen Theile
des Auges unterscheidet und abbildet; jedoch noch zögert, die
Organe wirklich für Augen anzusprechen. Auch ihm ist die
Arbeit von Garner 1. c. unbekannt geblieben.
Milne Edwards bestätigt die Geschlechtsverschiedenheit
der Muscheln an Venus virginea (Institut 1840 p. 189).
In Guerins Mag. de zool. pl. 13 — 82 sind einige der bereits im
vorigen Jahresbericht p. 201 erwähnten neuen Bivalven von Deshayes
beschrieben und abgebildet.
Neue Arten:
Ostrea dentifera, elUptica und crocea bei Dufo I. c.
Pecten corallinoides d'Orb. Moll. d. Canaries, dick, aufgeblasen,
roth, mit schuppigrauhen Längsstreifen, 8 — 9 dicke, runde, knotige
Strahlen, sehr verwandt mit P. nodosus L. 34Millim. Teneriffa. —
P. hyssifer und varicolor Dufo 1. c.
Livia natans Dufo I. c.
Perna rupella und planorbis Dufo I. c.
Area trapexia Desh. 1. c., strahlig gerippt, Schloss kurz, sehr
schief, nach vorn gerichtet. Mexico.
Mediola cultellus Desh. 1. c, vorn sehr kurz, hinten schief ab-
gestutzt, längs gestreift; braungrün. Kamtschatka.
J. G. Anthony will an Uiiio in der Nähe von Cincinnati in den
vereinigten Staaten einen Byssus gefunden haben, mit dem sich die
jungen Thiere an grössere Schalen oder an Kieselsteine festheften
sollen, um sich gegen das schnellstromende Wasser gleichsam vor
Anker zu legen. Dieser Byssus soll jedoch nur ein einzelner Faden
sein. Hierbei fragt sich nur, ob die Thiere wirklich Unionen sind,
und dann, ob diese Fäden wirklich Byssusfäden sind (Annais of nat.
hist. VI. p. 77).
F. J. Sclimidt macht „Einige Beobachtungen über die ver-
schiedenen in Krain und den angrenzenden Provinzen vorkommenden
Arten der Flussperlenmuschel (Unio Brng)" bekannt (Bull, de la Soc.
Imp. des Nat. de Moscou 1840 p. 430). Ausser der Aufzählung und
theilweisen Zusammenziehung der verschiedenen Arten theilt Verf.
das Resultat seiner Untersuchungen über die in diesen Gegenden so
häufige Abkrnmmung des Hintertheils der Muschelschalen mit. Bei
denjenigen Schalen, welche in schlammigem und moorigem Grunde
leben, findet fast gar keine solche Abkrümmung statt, dagegen an
solchen Miischelo, die auf ganz festem Grunde, wie er im Wörthsee
bei Klagenfiirth aus Schlamm mit feinem Glimmer und Gneussande
bestehend vorkommt, leben, und in diesem mit dem vorderen Theil
gleichsam eingeklemmt stecken, findet sich die Abkrümmung im voll-
kommensten Maasse. Verf. erklärt diese Thatsache dadurclR, dass
279
das Thier beim Fortkriechen den hintern Theil mehr verwunde, und
dass der vordere Theil von dem festen Grunde umschlossen, im
Wachsthum gehemmt werde. — Das Ausgefressensein der Wirbel
will Verf. durch eine Säure erklären, die das Thier aus der auf der
Schulter befiodlichen gefässreichen Höhle, die Oken für Harnorgan
hält, absondert.
U. amnicus Ziegl., TJ. Jusculus und U. labacensis Pfeiff. werden
als Loral Varietäten einer Art bestätigt; ebenso U.atrovirens Sclxmidity
U. decurvatvs Rossm. und C/. badius Kokeil; ferner IJ. batavus, U.
Carynthiacus Ziegl., U. gangrenosus Ziegl., U. pruinosus Schmidt,
die sich durch einen bläulichen Reifüberzug wie bei einer reifen
Pflaume auszeichnet; desgleichen U. jdatyrhynchus Rossm., V. lon-
girostris Ziegl. — U, consentaneus Ziegler in Steiermark und bei
JLaibach, U. graniger im Moorgrunde des Loschza-Baches bei Lai-
bach, U. pictorum und reniformü in der Gegend von Laibach wer-
den als Arten anerkannt.
J. K. Gray bemerkt Annais etc. VI. p. 316: die Mantellappen
von einer Hyria aus dem Britischen Guiana sind hinten zusammen-
gewachsen, und mit zwei kurzen, getrennten contractilen Siphonen
versehen, wie die Thiere von Iridina und Leila, obgleich der Ein-
druck der Schale hinten keine £inbucht zeigt.
G. B. Sowerby stellt (Proc. 1840. p. 105) eine grosse Menge
neuer Arten der Gattung Cardium auf, die fast alle in seinen Con-
chological Illustrations abgebildet sind: C.sinense von China und den
Philippinen, striatulum von Australien, austräte aus Australien und
dem chinesischen ftleere, ringiculum von Ceylon, siculum von Sici-
lien, arcticum aus dem Nordmeere, paucicostatum von Malta, viul-
tispinosum von den Philippinen, exasperatum von Australien, varie-
gatum von den Philippinen, unicolor ebendaher, impolitum und oxy-
gonum von China, subelongatum von St. Thomas, enode und subrU'
gosum von Ceylon, alternatum von den Philippinen, attenuatum
von Ceylon, eleneiise von St. Helena, lyratum von den Philippinen,
parvum und fornicatum unbekannten Vaterlandes, imbricatum von
Australien, subretusuni und fragile ohne Angabe des Fundorts, und
endlich foveolatum von den Küsten Australiens.
Jeangerard fand diViS Cardium indicumhRm. (^C. hians Brocchi)
beim Cap Rosas, 7 bis 6 Lieues von Bona in einem lebenden Exem-
plare aufj was Petit in der Revue zool. 1840 p. 169 bekannt macht.
Eine zweite Art der Gattung Galathea stellt Duval auf: G. con~
camer ata innen ganz weiss und ohne Flecken; von der Schlossleiste
setzt sich eine Lamelle zum vordem Muskeleindruck fort. Africa.
(Revue zool. 1840 p. 811).
Cytherea aequilatera Desh. 1. c. gehört in die Gruppe von C.
corbicula Lam. und ist sehr verwandt, wenn nicht identisch mit C. ar-
gentina Sow. Mexico. —
Lucina Adansonii d'Orb. Moll. d. Canaries, dick, kuglig, mit
280
concentrischen^ häutigen Lamellen, vorn mit mittelmässiger, hinten
mit tiefer Furche. Deshayes hält sie für identisch mit der fossilen
L. columbella, von der sie jedoch verschieden sein soll. Lancerotte.
Senegal.
Petn'cola Cordten D e 8h. I. c. dicke Lamellen, parallel dem Rande.
— P. arcuata id. ib. Unterrand etwas eingebogen, fast gerade, vorn
fast abgestutzt, hinten verschmälert.— P. cylindracea id. ib. kuglig-
cylindrisch, hinten breit, gerade abgestutzt. Alle drei von Californien.
üeber Ciavagella balaenorum siehe Philip pi in diesem Archiv
VI. 1. p. 181.
Gastrochaena dentifera Dufo 1. c.
Chironia Desh. 1. c. wird nun näher so characterisirt : Schale
zweischalig, regelmässig, gleichschalig, dünn, mit Epidermis; Schloss
hat in der rechten Schale einen ziemlich dicken, zusammengedrück-
ten, gekrümmten Zahn; ein hinterer, schiefer Seitenzahn; in der lin-
ken Schale zwei ähnliche Zähne aber kleiner; ein inneres kurzes
sehr breites Ligament, zwischen den beiden Schlosszähnen eingesenkt,
und sich in kleine fast ganz im Schlossrande verborgene Gruben ein-
legend. Muskeleindruck entfernt, oberflächlich, Manteleindruck ein-
fach. Diese Gattung hat die Schlosszähne von Erycina ohne die
Platten (cuillerons), und ein Ligament wie Osteodesma aber ohne
die Kalkstückchen, sie steht also zwischen beiden.
Pholas Janelli Desh. 1. c. oben strahlig geschuppt, vorn gerippt,
hinten mit blättriger Epidermis überzogen. Von den Wirbeln zum
Unterrande ein breites längsgestreiftes Band, 5 Zoll lang; das Schild
sehr gross, fünftheilig. — P. concamerata id. ib* vorn zur Hälfte
gerippt, die Rippen schuppig, hinten mit hornigen Anhängen; das
Schild dreitheilig. Beide bohren sich in die Kalksteine des Ufers von
Californien.
Vunicata,
Unter dem Titel „Observations sur les Ascidies composees
des cotes de la Manche" giebt Milne Edwards einen kurzen
Auszug einer Arbeit, welche in den Memoiren der Academie
gedruckt werden soll (Ann. d. sc. nat. XIII. p. 76).
Im ersten Kapitel wird von der Circulation des Blutes gehandelt
(vergl. Institut 1840 p. 66. 95); im zweiten von der Respiration; im
dritten von den Geschlechtsorganen (Hoden und Eierstock, deren
ersterer durch einen langen Faden in die Kloake mündet, und mit
Spermatozoen erfüllt ist); im vierten von der Entwickelung im Ei;
im fünften von der Fortpflanzung durch Knospen, durch welche ein
aus dem Ei entstandenes Individuum eine ganze Colonie um sich bil-
det; im letzten endlich soll eine Anwendung der anatomischen und
physiologischen Resultate auf die Classification der Ascidien folgen.
In der Naturhistorisk Tidsskrift von Kröyer III. p. 233
281
findet sich ein Auszug von Esc h rieh t*s Beobachtungen über
Salpa cortliformis aus den Verhandlungen der Gesellscliaft der
Wissenschaften zu Copenhagen 1839. Verf. hält die Meinung,
dass diese Thiere in abwechseln<len Generationen einfache und
zusammengesetzte Brut hervorbrächten, für falsch, und ist der
Ansicht, dass die jüngeren Individuen einfache, die älteren zu-
sammengesetzte Junge erzeugen.
Eine neue Gattung Pelonaia ist von Porbes und Goodsir
entdeckt worden. Die Thiere sind frei, lang gestreckt, hinterwärts
aufgetrieben, Athem und Afteröffuung vorgestreckt, die erstere an
dem vordem Ende und in der Axe des Thiers. Dasselbe ist äusserlich
und innerlich symmetrisch. Zwei Arten: P. corrugata und glahra,
beide an der Englischen Küste (Frorieps Neue Notizen XVI. p. 136).
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Annulaten während des Jahres 1840.
Von
C. Th. V. Siebold.
Von Grube haben wir einen reichhaltigen Beitrag zur
genaueren zoologischen Kenntniss der Annulaten erhalten*).
Derselbe hat zu den Beschreibungen sehr vieler bereits be-
kannter Arten aus den meisten Annulaten -Familien, (aus der
Familie der Aphroditeen, Amphinomeen, Euniceen, Nereiden,
Maldanien, Amphitriteen, Serpuleen, Echiuren, Hirudineen, Si-
punculinen, Flanarien und Turbellarien), nicht allein wichtige
Berichtigungen und Ergänzungen geliefert, sondern er ist auch
durch seinen Sammelfleiss in den Stand gesetzt worden, eine
Menge neuer Arten und mehrere neue Gattungen diesen Thier-
familien einzuverleiben. .
Als neue Arten führt Gnibe auf: Polynoe mit sechs Arten, Eu-
nice siciUensis^ Onuphis tubicola, Diopatra Baeri und um'corms.
*) Grube : Aktinien, Echinodcrmcn und Würmer des Adriatischen
und Mittelmcers. 1840. S. 43.
282
Phyllodoce Rathkü, Nereis mit vier, und Luinhriconereis mit drei
Arten, Syllis vittata und gracilis, Nephthys tieapolüana, Clymene
palermitana, Terebella multisetosa^ Serpula mit zwei Arten, Stpho-
nostomum papillosum, Pontobdella lulrica^ Stylochus foUum, Ortho-
stonmm rubricinctum^ Meckella mmulata, und Borlasia viridis. Un-
ter dem Namen Anoplosomatum stellt Grube eine neue Gattung
in die Nähe von Sipunculus, da der Körper des hiehergehörigen Thie-
res den Sipunceln ähnlich ist, ohne aber in einen Rüssel überzuge-
hen. Von Tentakeln, Zähnen und Wärzchen wurde keine Spur be-
merkt, eben so wenig von Borsten und Fussstielchen am Körper.
Der Mund befindet sich am vorderen Leibesende, der After gegen
das hintere Leibesende hin an der Seitenv^and. Die weite Oeffnung
an dem hinteren Körperende führt in das Cavum abdominis und
dürfte vielleicht zur Entleerung der Eier dienen. Die einzige Art,
Atiopl. utriculus (Fig. 3.) hatte Grube in Palermo erhalten.
Aus der Familie der Turbellarien beschreibt Grube eine neue
Gattung, Thysanozoon, welche der Eurylepta Ehrb. am nächsten
steht, aber nicht glatt, sondern auf dem Rücken mit Zotten bedeckt
ist, und deren After vermuthlich oben liegt*). Von Thys. Diesingiiy
einem schön gezeichneten, röthlichbraun gefärbten Thiere von 4,3c
Länge erhielt Grube zu Palermo mehrere Exemplare. Eine a«adere
neue Turbellarien - Gattung nennt Grube Acrostomum **), Mund
und After befinden sich hier an beiden Enden des Körpers, dieser
ist breit und niedergedrückt, Kopf durch eine deutliche Furche rings-
um abgesetzt, ohne Augen. Jcr. Stannii ist 3,7 c lang und 0,7 c breit,
ungegliedert, vorne und hinten zugespitzt, und blass fleischroth ge-
färbt, offenbar macht dieses Thier den Üebergang von den Gyratri-
cinen zu den Nemertinen.
Johnston fährt fort, die britischen Nereiden zu be-
schreiben ***).
Er führt von der Gattung Phyllodoce Sav. vier Arten auf:
Phyll. lamelligera, maculata und viridis L. und bilineata Johnst. Die
zu dieser Gattung gehörigen Annulaten zeichnen sich bekanntlich
durch die blattförmigen Lamellen aus, welche an den Seiten der Lei-
besringel sitzen und die Fussstummeln von obenlicr bedecken. Diese
Lamellen werden von Johnston nicht für Kiemen gehalten, sondern
ihrer Beweglichkeit wegen für Bewegungswerkzeuge erklärt; diese
Annulaten sollen in der That, (wie es schon Otto Fabricius an Phyl-
lodoce viridis beobachtete), mittelst derselben geschickt im Wasser
schwimmen können. Johnston stellt zu den Synonymen der Phyll.
viridis auch die Phyll. clavigera des Audouin und Edwards, da diese
*) Grube: Ebenda. S. 54. Fig. 9.
**) Ebenda. S. 57.
***) Annais of (he natural history. IV. 1840. S. 834, Miscellanea
zoologica.
283
letztere sich in nichts von der Nereis viridis des Fabricius unter-
scheidet, als nur durch die Anwesenheit des fünften unpaarigen klei-
nen Fühlers auf dem Scheitel , welchen Fabricius seiner Kleinheit
wegen leicht übersehen konnte. Als neue Gattungen werden P*a-
mathe und Joida von Johnston beschrieben. Von den Characteren
AeT Psamathe, mit der einzigen Art Ps. fusca, sind besonders fol-
gende hervorzuheben: vier deutli<ihe Augen, vier kurze zweigliedrige
Antennen, der zahnlose lang-cylindrische Schlund ist mit einer
Reihe von Papillen besetzt; die vier Tentakeln hinter dem Kopfe
sind, wie die Rückencirren der Fussstummeln, lang und nach Art
einer Conferve gegliedert; die Baucheirren der Fussstummeln sind
kurz und ungegliedert. Der abgestutzte Schwanzring endigt mit
zwei langen gegliederten Fäden. Das Thier kann seine Cirren nach
jeder Richtung hin bewegen, und steht seiner ganzen Form nach
zwischen Syllis und Hesione. Die neue Gattung Joida, mit der ein-
zigen Art Joid. macrophthalmaf bietet folgende Charactere dar: die
beiden Augen sehr gross, drei fadenförmige gegliederte Antennen,
die Tentakeln hinter dem Kopfe fehlen, an den fussstummeln ist nur
ein Rückencirrus vorhanden, welcher zweimal länger als die Fuss-
stummeln und perlschnurförmig gegliedert ist, dagegen besitzen die
Fussstummeln einen doppelten Borstenbündel. Unter dem Namen
Aphrodite borealis beschreibt Johnston einen neuen Wurm *), wel-
cher der Aphrodite hystrix Aud. u. Edw. sehr nahe steht. Johnston
erachtet es daher für nöthig, die Diagnose für letztern abzuändern.
Aphrodite borealis unterscheidet sich von Aphrod. hjstrix besonders
durch die einfachen Borsten der Fussstummeln, indem sie bei Aphrod.
bystrix am Rückeufussstummel sägezähnig zugespitzt und am Bauch-
fussstummel gabelförmig gespalten äiud. Die Bauchfläche von Aphrod.
borealis ist nach Johnston's Beschreibung mit blasenartigen Erhaben-
heiten besetzt, welche dem Thiere wahrscheinlich dazu dienen, sich
am Boden festzuhalten.
Aus der Familie der Lumbriciden beschreibt Johnston einen
Wurm, der vielleicht zu dem genus Tro/?Äow«a Aud. u. Edw. gehört**).
Das Kopfende desselben ist mit langen vorwärts gerichteten Bor-
stenbüscheln besetzt, an den 50 bis 60 schmalen Gliedern ragen zu
den Seiten kurze, nicht contractile Borstenbüschel hervor. Die mei-
sten langen Borsten des Kopfendes erscheinen bei genauerer Be-
trachtung gegliedert. Die cutis des Wurms ist überall mit Wärz-
chen besetzt, welche mit einer kurzen stumi)fen Spitze enden. John-
ston, der diesen Wurm Trophonia (?) Goodsirii nennt, schliesst aus
der äusseren Beschaffenheit dieser Annelide, dsss dieselbe nach Art
der Arenicola in dem Erdboden versteckt lebe und dass ihr die vor-
deren langen Haarbüschel zum Fangen der Nahrung dienen.
*) Ebenda. S. 368.
**) Ebenda. S. 371.
284
Eine sonderbare Aanelide stellt Johnston als neues gcnus unter
dein Namen Travisia in der Familie der Arenicoliden mit folgen-
der Diagnose auf: Mundöffnung auf der Bauchseite, Kiemen einfache
Fäden. Die einzige Art, Travisia Forbesii, ist deutlich gegliedert,
die vorderen Glieder sind von den hinteren sehr verschieden. Die
wulstige Mundöffuung auf der Bauchseite befindet sich zwischen dem
3ten und 4ten Leibesriogel. Der erste Leibesringel dreieckig und
scharf zugespitzt, besitzt durchaus keine Anhänge, der zweite Rin-
gel ist etwas breiter und ebenfalls ohne alle Anhänge; die 12 fol-
genden Ringeln sind mit zwei bis drei Querreifen, und auf jeder
Seite mit einem Rücken- und Bauch-Haarbüschel versehen, zwischen
welchen sich ein langer Cirrus und eine runde Oeffnung befindet.
Von dem 14ten Ringel an verschraächtiget sich der Wurm, die 13
hinteren Leibesringel sind jnehr in die Länge gezogen, der Cirrus
entspringt hier zwischen papillenförmigen Erhöhungen, (so ist es
wenigstens aus der Abbildung Taf. XI. Fig. 16. zu entnehmen), und
besitzt nur einen Haarbüschel neben sich. Das Schwanzende ist
mit sechs stumpfen Papillen umgeben.
Bei den Nereiden legt Johnston zur Unterscheidung der einzel-
nen Arten besonderen Werth auf das Grössenverhältniss des ersten
und zweiten Leibesringel, auf die Grösse der längsten Tentakeln
des Hinterkopfes, und auf die verschiedene Gestalt der Lappen und
Anhänge der Fussstummeln *). Derselbe zählt acht an der irländi-
schen Küste vorkommende Nereiden - Arten lauf, von diesen besitzen
Nereis brevimana, viridis ^ pelagica, hilineata^ Dumerilii wikA fucata
Fussstummeln mit gleichgebildeten Anhängseln, während bei Nereis
reimlis und longissima die Anhängsel der Fussstummeln verschieden
gebildet sind; die hinteren Leibesriugel führen nämlich blattförmige
Anhängsel. Die erwähnten Nereiden sind von Johnston genau be-
schrieben, auch von Aphrodite hystrix Sav. und Polynoe scolopendrina
Sav. gab derselbe nach irländischen Exemplaren eine genaue Be-
schreibung und fügt noch Polynoe squamata und cirrata Sav. als
irländische Anneliden hinzu **).
Ueber das Gefässsystem der Amphinoraen hat Trevira-
nus Untersuchungen angestellt***).
Es besteht dasselbe aus vier Paar Hauptadern, von welchen Tre-
viranus zwei Paar für Venen und zwei Paar für Arterien erklärte.
Mit zweien dieser vier Paar Hauptadern stehen mehrere unter dem
Magen gelegene, mit herzartigen Erweiterungen versehene Gefässe
in Verbindung. Derselbe betrachtet die paarigen länglichen Bläschen,
welche bei den Regenwürmern in jedem Fache der Leibesringeln
*) Ebenda. Bd. V. 1840. S. 168.
**) Ebenda. S. 305,
***) Treviranus: Beobachtungen aus derZootomie und Physiologie.
Hft. L 1840. S. 53.
285
liegen und nach aussen münden, als eigenthümliche Absonderungs-
organe und nicht als Kiemen *). Das Athemholen geht nach seinem
Dafürhalten bei dem Erdregenwurm in den einzelnen Fächern der
Leibeshöhle vor sich, in welche durch RückenöfTnungen Luft ein-
tritt und auf diese Weise mit dem Gefässnetze, das sich auf den
Scheidewänden der Fächer und auf der äusseren Fläche des Darmes
ausbreitet, in Berührung kommt. Zwischen Schlund und Magen be-
finden sich in sieben Leibesfächern Quergefässe, welche mit 5 bis 6
blasenförmigen Erweiterungen versehen sind und die Stelle eines
Herzens vertreten. Treviranus schliesst aus seinen Untersuchungen^
dass bei den Anneliden die auf der Bauchseite liegenden Gefässstämme
als Venen, und die auf der Rückenseite gelegenen als Arterien zu
betrachten sind, und dass jene Venen das Blut den Kiemen zuführen,
diese Arterien aber es von den Respirationsorgauen wieder aufneh-
men. Nachdem derselbe über den Blutlauf in Lumbricus variegatus
und Hirudo vulgaris noch einige Bemerkungen gemacht, stellte er
den allgemeinen Satz auf, dass bei den Anneliden die Gefässe den
Mangel des Herzens ersetzen, und dass die Zusammenziehungen der
ersteren von jedem Puncto zu dem nächstfolgenden fortschreiten.
Auch von Duvernoy sind über das Blut und das Gefässsystem der
Anneliden einige allgemeine Bemerkungen gegeben worden '^*).
Krohn beschreibt eine neue, vielleicht zu den Phyllo-
docen gehörige Annelide, welche er aus dem Mittelmeere zu
Neapel erhalten hat***).
Der aus einer sehr grossen Zahl von Segmenten bestehende Leib
dieser Anaelide ist schmal, sechs Zoll lang und mit einem sehr gros-
sen Kopfsegmente versehen. Am Kopfe befindet sich jederseits ein
rothes Auge von | Lin. im Durchmesser, üeber jedem Auge scheint
ein ganz kurzer Fühler angebracht zu sein und ein ähnlicher dürfte
sich zu beiden Seiten der Unterlippe befinden. Die beiden nächsten
Segmente hinter dem Kopfe sind sehr schmal, jeder derselben be-
sitzt ein Paar Rücken- und Bauch - Girren. An dem 3ten uzd 4ten
bre.teren Segmente ist der obere Cirrus kugelförmig angeschwollen
und der Fussstummel sehr klein, an den darauf folgenden Segmenten
zeigen sich die oberen Girren in ovale Hautplatten (Kiemen?) um-
gewandelt. Die Rücken -Fussstummeln 'tragen lange Borstenbüschel.
Auf dem Rücken des Thieres läuft über jedes Segment ein schmaler
schwarzbrauner Ouerstreif. Der ausgestülpte Schlundkopf ist 3 Lin.
lang und vorne etwas erweitert, der Rand der Schlundöffnung läuft
jederseits in einen langen lanzett-förmigen Fortsatz aus, in der
Nachbarschaft dieser Fortsätze sitzen dem Schlundkopfe oben und
unten fünf kleine Höcker auf. Die innere Fläche des Schlundkopfes
*) Ebeuda. S. 57,
**) Froriep's neue Notizen. 1840. no. 310. 311 und 313.
***) Ebenda, no. 305. pag. 288,
286
ist mit kurzen spitzen farbelosen Zähnchen bewaffnet. Jene Fort-
sätze hält Krohn, da sie weich sind, mehr zum Ergreifen als zum
Kauen der Beute bestimmt. Der Darmkanal scheint sehr einfach zu
sein, innerhalb jedes Segmentes traf Krohn viele Eier auf verschie-
nen Entwicklungsstufen an. Das Blut ist dem Anscheine nach farbe-
los; von dem Centralnervensysteme, welches aus zwei Anschwellun-
gen besteht, traten 2 kurze dicke Sehnerven hervor. Aus der Mitte
der rothen, sphärisch gestalteten Augen ragt eine kleine sehr stark
gewölbte cornea hervor. Krohn konnte an den Augäpfeln eine Scle-
rotica, deren innere Fläche von einer dünnen rothgelben Pigment-
lage (choroidea) ausgekleidet war, eine hinter der cornea liegende
glashelle Linse und hinter dieser eine durchsichtige zähe Substanz
(Glaskörper) unterscheiden, während es ihm nicht möglich war, eine
retina aufzufinden, die sich vielleicht ihrer Zartheit wegen seinen
Augen entzog.
Dalyell rühmt die Reproductionskraft der Amphitrite
ventilahrum^y
Beschädigt man dieses Thier an seinem Vordertheile, so wird
alles bald wiedererzeugt sein, trennt man ein Stück des hinteren
Körpers ab, so bildet sich an dem vorderen Theile dieses abgetrenn-
ten Stückes ein Federbusch sammt den complicirten Mundtheilen
aus. Wird eine Amphitrite bombjx in drei Theile zerschnitten, so
umgiebt sich jedes der Fragmente sehr bald wieder mit einer Hülle,
worin sie ruhig verweilen, bis nach einiger Zeit sich jedes wie-
der in ein vollständiges Thier verwandelt hat. Die Zahl der Se-
gmente scheinen nach Dalyell's Ansicht in allen AnDe]i«len unbe-
schränkt zu sein.
Von Stannins haben wir wichtige Bemerkungen über
j4reTticola piscatorum erhalten**).
Dieser Wurm kommt nicht ausschliesslich an solchen Stellen
vor, welche bei wechselnder Ebbe und Fluth nur zeitweise vom
Wasser bedeckt werden, sondern findet sich auch, sowohl bei Co-
penhagen als auch bei Kiel, an solchen Küsten - Stellen der Ostsee,
welche fortwährend vom Wasser bedeckt sind. Die Farbe des
Wurms ist bald schmutzig -.grau, bald schwarzgrau, bald schwarz.
Schwimmen sah Staunius die Areuicola piscatorum niemals; auf Sand
gelegt, bohrt sich dieser Wurm sogleich ein. Die 13 Kiemen ent-
halten 13 obere und 13> untere Paare von queren Kiemengefässen.
Die 26 unteren Kiemengefässe stehen mit einem Hauptgefässstamme
in unmittelbarer Verbindung, die 26 oberen Kiemengefässe münden
dagegen in verschiedene Längsgefässstämme ein. Die Gefässver-
*) Froriep's Neue Notizen. 1840. no.331. S. 1.
**) Müllier's Archiv. 1840. S. 352. Bemerkungen zur Anatomie
und Physiologie der Arenicola piscatorum.
' 287
theilung am Darmkanale verhält sich je nach den verschiedenen Ab-
theilungen des letzteren verschieden, und wird von Stanniiis ausführ-
lich beschrieben. Als Zeugungsorgane werden von Stannius folgende
Theile erwähnt. In dem vorderen Theile des Leibes ist jederseits
des Darmkanales eine schlaffe Membran ausgespannt, hinter welcher
sich die Stelle befindet, aus welcher sich die Eier oder männlichen
Zeugungsstoffe hervorbilden. Die Eier besitzen ein Ohorion, einen
Dotter und ein Keimbläschen; der männliche Zeugungsstoff besteht
aus eigenthümlichen, bald runden, bald ovalen Körperchen, welche
zuweilen mit langen Cilien besetzt zu sein schienen. Stannius glaubt,
dass die Eier durch das Abstossen des kiemenlosen Schwanzstückes^
welches von Zeit zu Zeit Statt findet^ Gelegenheit bekommen^ nach
aussen zu gelangen. Die von Grube als Eier gedeuteten Körperchen,
welche derselbe in den Kiemengefässen antraf, möchte Stannius eher
für Blutkörperchen halten. Den Hauptnervenstamm sah Stannius nach
vorne in zwei Nervenstränge auseinander weichen, welche seitlich
vom Schlünde zu einem gelblich weissen Knötchen anschwollen.
Eine ausgezeichnete Monographie über die Tardigra-
den haben wir Doyere zu verdanken*). Derselbe machte
aus dieser kleinen Thiergruppe drei Gattungen, welche die
eine Abtheilung der von Dujardin aufgestellten Familie der
Systolidcn bilden, während die andere Abtheilung die Gat-
tung Alhertia Duj. umfasst. Die erste Abtheilung bezeichnet
Doyere mit dem Namen Systolides suceurs und giebt Anwe-
senheit von Extremitäten und Saugwerkzeugen als Charactere
derselj)en an. Die zweite Abtheilung nennt derselbe Systo-
lides hroyeurSf deren Charactere ein Flimmeraparat und
Kauorgane sind.
Als erste Gattung der Systolides suceurs finden wir Emydium
mit drei Arten aufgeführt: Kopf ohne Anhänge, Maul konisch, ohne
Anhänge und ohne Saugnapf, Oberhaut halb fest, auf der Oberfläche
mit sehr deutlichen Querringeln, vier Paar Fussstummeln und einige
Spuren von Metamorphose. Emydium testudo , spinulosum und gra-
nulatum unterscheiden sich hauptsächlich durch die Zahl und Stellung
von Fäden, welche an ihren Leibesringeln festsitzen. Die zweite
Gattung Milnesium besitzt vorne und seitlich am Kopfe zwei kurze
palpenartige Anhänge und am Munde einen von Palpen umgebenen
Saugnapf^ eine weiche und in variirende 0»erringel getheilte Haut,
vier Paar Fussstummeln, zweitheilige Leibesringel, und keine Spur
von Metamorphose. Die einzige hierhergehörige Art, Milnesium tar^
digradum, ist Spallanzani's Tardigrade. Die dritte Gattung Macro*
biotus Schulz, wird von Doyere auf folgende Weise characterisirt :
*) Annales des scicnces naturelles. 1840. Bd. XIV. S. 269. Me-
moire 8ur les Tardigrades.
288
Kopf ohne Anhänge, Mund mit Palpen und Saugnapf versehen, Haut
mit variirenden Leibesringeln, vier Paar Fussstummeln, keine Meta-
morphose. Die vier von Doyere aufgestellten Arten sind : Macrobio-
tus Hufelandii Seh., Oberhäuser ^ ursellus (^Ärctiscon tridactylum
Nitzsch), und Dtijardin, deren verschieden gebildete Fussklauen viel-
leicht gute Artkennzeichen abgeben können.
Doyere konnte an den Tardigraden eine Häutung, an welcher
auch der Darmkanal Theil nimmt, beobachten 5 bei dieser Häutung
legen einige Tardigraden zugleich ihre Eier in die abgeworfene Hülle.
Der ganze Körper der Tardigraden zerfällt io Kopf und Rumpf,
ersterer besteht aus den beiden ersten Leibesringeln, letzterer da-
gegen aus vier Leibesringeln. Den einzelnen Rumpfringeln entspre-
chen die vier Paar Fussstummeln und die vier Ganglien des Bauch-
stranges. Das Blut der Tardigraden circulirt frei zwischen der all-
gemeinen Hautbedeckung und dem Nahrungscanale und besteht aus
einer farbelosen Flüssigkeit, in welcher zusammengesetzte und ein-
fache Körperchen flottiren. Diese Blutkörperchen besitzen bei Emy-
dium eine rothbraune Farbe. Von einem Organe, welches mit einem
Herzen verglichen werden könnte, hat Doyere nur undeutliche Spu-
ren aufgefunden; als Athemorgane betrachtet derselbe die allgemeine
Hautbedeckung, doch soll die innere Fläche des Darmkanals bei dem
Athmen mitwirken, da Doyere bemerkte, dass in demselben Luftbla-
sen sehr schnell resorbirt wurden. Bei Emydlum findet sich ein coni-
scher einfacher Mund, bei Macrohiotus und Milnesium ist derselbe
dagegen sehr complicirt. Die Mundöffnung beginnt hier mit einem
Saugnapfe, welcher bei Milnesium äusserlich mit sechs Tentakeln
umgeben und innerlich mit sechs dicht beisammenstehenden Läppchen
besetzt ist. Hinter dem Saugnapfe liegt bei Macrohiotus Hufelandii
und Milnesium tardigradum eine fleischige Schlundröhre, in welcher
sich zwei stiletartige Körper auf- und niederbewegen. Mit diesen
spitzigen Stileten steht beiderseits eine Art Speichel- oder Gift-Drüse
in Verbindung. Der Nahrungscanal selbst ist weit und sackförmig,
bei Emydium erhält er durch viele Einschnitte eine viellappige Gestalt.
Um das Muskel- und Nerven-System der Tardigraden deutlich zu
erkennen, fand es Doyere nöthig, die ihnen eigenthümliche Asphyxie
künstlich herbeizurufen. Zu diesem Zwecke that derselbe die Thier-
chen in ausgekochtes Wasser und bedeckte die Oberfläche desselben
mit Oel. Die Tardigraden erscheinen alsdann fast eben so reich an
Muskelsträngen wie eine Insecten-Larve. Das Bauchmark besteht,
wie schon erwähnt, aus vier Hauptganglien^ welche durch eine dop-
pelte Commissur mit einander verbunden sind, von dem vordersten
Ganglion treten zwei starke Nerven zu den bulbis opticis, welcher
aus zwei mit klarer Feuchtigkeit gefüllten und mit schwarzem Pig-
mente ausgekleideten Säckchen bestehen, zwei andere Nerven des
ersten Ganglion begeben sich zu den beiden vor den Augen gelege-
nen Anschwellungen. Ein weiter, über dem Darmkanale liegender
289
Sack stellt den Eierstock dar, welcher zuweilen drei bis sechs deut-
liche Eier enthält. Bei Emydium, Milnesium und Macrobiotus ursel-
lus sind die Eier mit einer derben glatten Eihülle versehen, bei Ma-
crobiotus Hufelandii und Oberhäuser besitzen sie auf ihrer äusseren
Fläche viele Unebenheiten und Fortsätze. Die Eier der ersterenArt
werden bei der Häutung in die abgestreifte Haut gelegt. Zu beiden
Seiten des Darmes liegt ein blinddarmartiges Organ (^Hode) und über
dem Ovarium eine birnförraige Blase (vesicula seminalis), welche als
männliche Geschlechtsorgane gemeinschaftlich mit Ovarium und Darm-
kanal in eine Kloake einmünden. Bei der Entwickelung der Eier
dieser Thierchen zeigten die Jungen niemals Flimmerorgane.
^ « Schulz hat unter dem ^amenEchinzscus Beliermannt eine
neue Tardigraden-Art beschrieben^), in welcher Ref. das Emydium
testudo Doy. sogleich wieder erkannte. Schulz hat an demselben
Thierchen den Häutungsprocess und die in die abgestreifte Haut ge-
legten Eier erkannt, aber von einem Muskelapparate, Nerven- und
Circulations-Systeme keine Spur gesehen.
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Hel-
minthologie während des Jahres 1840.
Von
C. Th. V. Siebold.
Eine allgemeine Bearbeitung der Helminthen hat Nord-
mann bei der neuen Herausgabe des dritten Bandes von La-
marck's Naturgeschichte der wirbellosen Thiere übernommen**),
wofür ihm alle Helminthologen Dank wissen werden; wir finden
zwar in der Classe der Würmer unter der 1. und 2. Ordnung
(1, les vers mollasses, 2, les vers rigidnies) sammtliche Ento-
zoen mit dem ursprünglichen Texte Lamarck's abgehandelt, doch
hat Nordmann denselben mit so vielen reichhaltigen Anmer-
kungen und Zusätzen ausgestattet, dass man hierdurch eine
*) C. A. Schulz: Echiniscus Bellermanni, animal crustaceum, Ma-
crobioto Hufelandii affine. 1840.
**) Histoire naturelle des animaux sans vertebres par J. B. De
Lamarck. Demxieme edition par Deshayes et Milnc Edwards. T. III. 1840.
Archiv f. Naturgesch, VII, Jahrg. 2. «and, 19
290
vollständige Uebersicht der in neuerer Zeit durch viele wich-
tige Entdeckungen bereicherten Helminthologie erhält. Auch
Creplin hat eine allgemeine Zusammenstellung der Einge-
weidewürmer gegeben*), wobei die meisten (nicht alle) Gat-
tungen geschildert und von jeder Gattung eine oder mehrere
Arten als Repräsentanten der übrigen kurz characterisirt werden.
In Bezug auf die Entstehungsweise der Helminthen erklärt
sich Esch rieht gegen die Annahme einer generatio aequi-
voca**), und stellt den Erfahrungssatz auf, dass die Eingeweide-
würmer in jedem Falle von anderen Individuen ähnlicher Quit-
tungen herstammen, mithin gezeugt werden, denn zu welchem
Zwecke dienten sonst die Ungeheuern Massen von Eiern und
lebender Brut bei Ascariden und Bandwürmern? In welcher
Gestalt die Eingeweidewürmer in andere Thiere gelangen, lässt
sich noch nichts beantworten, doch ist es für die Beantwortung
dieser Frage schon sehr wichtig, dass man neuerdings erkannt
hat, dass die Eingeweidewürmer Metamorphosen durchlaufen
und zumTheil ihren Aufenthaltsort verändern; vonLigula und
Bothryocephalus solidus weiss man, dass sie erst gedeihen und
sich vollständig entwickeln, nachdem sie von einem Thiere zu
einem andern übergegangen sind. Die Beobachtung, dass manche
Fische zu gewissen Zeiten des Jahres Würmer im Fleische
haben, deutet ebenfalls auf solche Wanderungen der Entozoen
hin. Eschricht hält ferner die Beantwortung der Frage für
sehr wichtig, ob die Wurmkrankheiten ansteckend sind oder
nicht, nach dieser Beantwortung kann man erst versuchen zu
erklären, wie sie stattfindet***).
Streckeisen machte in Bezug auf die Entstehung der
Entozoen die Mittheilung f), dass er mit Eintritt des Winters
die Zahl der Eingeweidewürmer im Darmkanale verschiedener
') Allgem. Encyclopädie von Ersch und Gruber. 32. Theil. 1839.
Artikel: Eingeweide w^ürm er.
**) Acta Acad. Caes. Leop. Nat. Cur. Vol. XIX. Suppl. II. Anato-
misch-physiologische Untersuchungen über die Bothryocephalen p. 133
und Froriep^s Neue Notizen Nr. 318. üeber die Entstehung der Ein-
geweidewürmer p. 180.
**^) Act. Acad. Leopold, a. a. O. S. 138.
f) Bericht über die Verhandlungen der naturforschenden Gesell-
schaft in Basel IV. BasellS^O S.41.
29i
Thiere habe abnehmen sehen, und schöpfte daraus die Ver-
muthung, dass die meisten Entozoen einjährige Thiere wären^
welche gegen den Winter hin absterben und sich durch Eier
später wieder neu reproduciren. Diese Bemerkung stimmt ganz
mit den weiter unten zu erwähnenden Beobachtungen Eschricht's
überein, und wir können jetzt den Erfahrungssatz feststellen,
dass die verschiedenen Jahreszeiten einen wesentlichen Einfluss
auf die Vermehrung und Verminderung der Entozoen ausüben.
mfematoidea»
Nach Mrs. Postans Erzählung kommt die Füaria meät'nensis
zuKirkee, Poonah und in mehreren grossen, sonst gesunden Militär-
stationen des westlichen Indiens sehr häufig vor*). Der Wurm wird
dort auf die bekannte Weise hervorgezogen, und zeigt nicht sel-
ten eine Länge von zwei Fuss. Einen durch Fil. medinensis zu
Sierra Leone erregten Krankheitsfall theilte Robert Clark mit**).
Nach Eschricht's Ansicht scheint sich die Fil. medinensis durch die
Haut einzubohren, wenigstens will derselbe bei Cottus Scorpius mehr-
mals Filarien angetroffen haben, welche zur Hälfte durch die Haut
gednmgen waren***).
Ein Fall einer 3^ Zoll langen Fil papulosa im Auge eines Pfer-
des wurde zu Baltimore beobachtet, Dunglison knüpfte daran die
bei dieser Gelegenheit sich immer wieder aufdrängenden, bekannten
Bemerkungen über die Entstehung des Wurms an diesem abgeschlos-
senen Ortef). Gerber hat ein Spulwürmchen aus der Bindehaut
eines Pferdes (Fil. lacrymalis Gurlt?) abgebildet, in der Figur 236
sind Darm und Eierschläuche besonders hervorgehoben, die aber mit
einander verwechselt und überhaupt in ihrem Verlaufe nicht richtig
erkannt worden zu sein scheinen ff).
Aus Tt7iea evonymella und Bombyx chrysorrhoea hat Graff
eine ganze Portion feiner langer Filarien erhalten f ff). In der Sub-
stanz vonCydippeEsch., einer Rippenqualle, fand Edward Forbes
einen einer Filaria ähnlich sehenden Schmarotzer eingebettet *f).
*) Froriep's Neue Notizen. Nr. 305 S. 304.
**) The medico - chirugical review. Octob. 1840. Nr. 66 S. 585.
Case of Dracunculus.
***) Act. Acad. Leopold, a. a. O. S. 148.
f ) Annais of natural history. V. 1840. S. 421 und Plnstitut 1840
S. 331.
ff) Gerber: Handbuch der allgemeinen Anatomie. 1840. S. 211
Taf. VII. Fig. 235, 236.
fff ) Ratzeburg: die Forst-Insecten. B. II. 1840 S. 18.
*f) Annais of nat. bist. 1839 S. 148. On two british species of
Cydippc.
19*
292
Crcplin hat Trichosoma contortum Cr., eine neue Art, in
der Speiseröhre vonPalco Biiteo, Vanellus cristatus, Tringa pugnax,
Recurvirostra Avocetta, Charadrius Hiaticula, Uria Grylle und Corvus
Cornix entdeckt, und Trichosoma a'erophilum Cr., eine andere
neue Art, in der Luftröhre des Fuchses angetroffen*). Derselbe
hat erkannt, dass der Darm von Strongylus armatiis aus drei Häuten
bestehe, von denen die äusserste braunkörnig und schwammicht, die
zweite hellgelb, dünn und aus sehr feinen Längsfasern zusammen-
gewebt ist, während die dritte innerste Haut sehr dick, glatt und
blassroth ist und aus feinen Querfasern besteht**). Xrv Strongylus tuU-
fex Nitzsch beobachtete Streckeisen in einer Entenart vom Octo-
ber bis December eine fortwährende Entwickelung, vom Januar ab
fand er die Beutel, in welchen diese Thiere stecken, kleiner, und die
darin liegenden Schmarotzier abgestorben, deren äussere Hülle nur
noch erkennbar war, und welche fast nur Eier enthielt. Zu dersel-
ben Zeit befanden sich in den Drüsenbälgen des Vormagens kleine,
in durchsichtigen Zellen eingeschlossene, lebende, nematoideen-artige
Würmchen, welche in ihrem Innern noch wenig entwickelt waren
und wohl als die Embryonen von Strang, tubifex angesehen werden
konnten ***).
Nach Eschricht's Beobachtung bildet der eigentliche Eierstock
bei Ascaris lumbricoides einen langen schmalen Körper in der Axe
der Eierstocksröhre, welcher beim Heranwachsen der Eier nach allen
Seiten hin aussprosst. Die die Eier einschliessenden Aussprossungen
(calices) liegen ungemein dicht an einander und nehmen die Form
eines Keils an. Ihre Zahl lässt sich ohngefähr auf 50 Millionen be-
rechnen. In der Gebärmutter liegen die Eier lose zwischen unzäh-
ligen langen Fasern auf der Schleimhaut und zeigen hier eine ovale
Formf). Ref. beobachtete bei Ascaris osculata^ aucta und Strongy-
lus inßexus etwas Aehnliches, es besitzen nämlich die Eier im Eier-
stocke eine keilförmige (bei Ascaris osculata und Strong. inßexus)
oder birnförmige Gestalt (bei Asc. aucta), und sitzen mit ihrem zu-
gespitzten Ende um eine Axe herum, welche sich durch die Mitte
der Eierstocksröhren hindurchzieht.
Creplin beobachtete einen Fall, in welchem einem IJahr alten
Knaben 99 Spulwürmer abgegangen sind ff). Zur Geschichte der
Perforation der Därme durch Spulwürmer und der Wurmgeschwülste
der Bauchwände lieferte Mondiere eine Abhandlung ff f) , welche
*) Encyclopädie von Ersch und Gruber, a. a. 0. S. 278;
**) Ebenda. S.880.
***) Bericht über die Verhandlungen d. naturf. Gesellsch. in Basel
». a. O. S. 42.
f ) Froriep's Neue Notizen. Nr. 318 S. 147.
ff) Encyclopädie von Ersch und Gruber, a. a. O. S. 282.
f f f ) Schmidt's Jahrbücher der gesammten Medizin 1840. No. 11. S. 189.
293
Berücksichtigung verdient) besonders seitdem Eschricht und Mieschcr
ihre Beobachtungen über die Wanderungen anderer Entozoen bekannt
gemacht haben. Nach Mondiere's Beobachtungen können sich die
Spulwürmer einen Weg durch die Därme und die Wände des Bau-
ches bahnen, und zwar durch Auseinanderdrängung der ziemlich
schlaffen Fasern dieser verschiedenenen Organe mittelst ihres vordem
Endes, welches der Erection fähig ist. Vermöge der Gontractilität
dieser nämlichen Fasern schliesst sich auch unmittelbar nach dem
Durchgange des Wurms die Oeffnung wieder. Die Ursache, welche
zu dieser Auswanderung der Würmer Veranlassung giebt, ist bis
jetzt noch ganz unbekannt. An allen Stellen der Bauchwände kön-
nen sich Wurmgeschwülste ausbilden, doch brechen die Würmer am
öftesten in der Umgebung des Nabels und des Leistencanals durch.
Mondiere unterscheidet von dieser durch Spulwürmer bewirkten
einfachen Durchbohrung der Därme und Bauchwände, jene Fälle, in
welchen in grösserer oder geringerer Anzahl agglomerirte Würmer
an einer bestimmten Stelle der Därme sich aufhalten, sie erweitern,
in Entzündung versetzen, und sie zu Verwachsungen mit den Bauch-
wänden veranlassen, auf welche sich die Entzündung fortpflanzt, die
sich durch die Bildung eines sich allmälig nach aussen öffnenden
Abscesses endigt. Solche Abscesse, bei deren Oeffnung sich Eiter,
Spulwürmer und Fäcalmaterien entleeren, kommen nur bei an Wurm-
diathese leidenden Individuen vor. Nach Mondiere wurde in einem
Falle der Wurmabscess durch einen Bandwurm verursacht. Nur »ein-
mal ist Mondiere ein Fall bekannt geworden, in welchem es geschie-
nen, als ob die Spulwürmer, nachdem sie aus den Därmen hervor-
getreten und in die Dicke der Bauchwände gelangt sind, sich mit
einer Art Cyste umgeben hätten, die sie von der Darmhöhle isolirt
und wodurch es den zerrissenen Theilen möglich geworden, sich
hinter ihr zu vernarben, so dass bei der nachherigen Oeffnung der
Geschwulst nur etwas Eiter und Würmer, aber keine Fäcalmaterie
hervorgekommen sei.
Mir am machte über die Lebenskraft der Eingeweidewürmer die
interessante Erfahrung, dass eine Menge von Ascaris acus, nachdem
sie auf einem Teller fest angetrocknet und das Gefäss wieder mit
kaltem Wasser angefüllt worden war, von neuem auflebte, ja dass
bei einigen Würmern, welche nur mit ihrer vorderen Leibeshälfte,
bei anderen, welche nur mit der hinteren Leibeshälfte vom Wasser
berührt wurden, auch nur diese Theile des Körpers sich bewegten,
während die andere Körperhälfte vertrocknet am Teller festklebte*).
Duvernoy betrachtet die beiden Längscanäle, welche sich bei
den Ascariden zu beiden Seiten des Leibes herabziehen, als Rudi-
mente eines Gefässsystems**). No^dmann bestätigt die vom Ref.
*) S. dieses Archiv 1840, I. S. 35.
**) Froriep's Neue Notizen. Nr. 311 ö.«.
294
gemachte Entdeckung, dass der Eidotter der Ncmatoideen bei der
Entwickelung der Eier Durchfurchungen unterworfen wird*).
Kobelt fand zu Heidelberg in der Leiche eines unter hydropi-
schen Erscheinungen verstorbenen 73-jährigen blödsinnigen Mannes
die Muskeln mit einer ausserordentlichen Menge kleiner Cysten,
welche die Tr ichin a spiralis enthielten, dicht besät**). Die Cy-
sten, von ^V ^is -^^ Zoll Länge, liefen an beiden Enden in einen
dunkleren soliden Fortsatz aus, und Hessen das spiralförmig zusam-
mengerollte Würmchen deutlich hindurchschimmern. Bei dem Zer-
reissen der äusseren Hülle kam eine zweite völlig eirunde Hülle
zum Vorschein, in der die Trichina unmittelbar eingeschlossen war.
In acht Cysten waren je zwei Würmchen zugleich eingeschlossen, und
einmal konnte Kobelt sogar drei Bewohner in einer Cyste zählen.
Die Trichina war in den Cysten fast immer von einer klaren Flüs-
sigkeit umgeben, selten befand sich diese Flüssigkeit allein ohne
Wurm in den Cysten. Weniger selten traf Kobelt in den Cysten
spiralförmig gelagerte und die Gestalt der Trichinen hinsichtlich der
Dicke genau nachahmende Crystalle an, als ob dieselben verglast und
dann in Stücke zerbrochen worden wären. Zuweilen war das ganze
Oval einer Cyste mit einem conformen kieselharten Kerne angefüllt,
aus dessen Innerem die leeren Spiralzüge des abgestorbene^ Würm-
chens als lichte Räume scharf hervorstachen. An dem aus seiner Hülle
hervorgezogenen Schmarotzer konnte Kobelt weder Mund-, After-
noch Geschlechts-Oeffnung entdecken, gegen das eine, dickere Ende
hin befand sich bei den Meisten im Inneren ein dunkleres granulirtes
oder traubenförmiges Organ, das vielleicht als Geschlechtsdrüse ge-
deutet werden könnte. In der, bei Verletzung der Würmchen, her-
vorgequollenen grumösen Masse liessen sich übrigens keine geson-
derten Intestina deutlich unterscheiden. Von grossem physiologischem
Interesse ist die bei dieser Gelegenheit von Kobelt gemachte Beobach-
tung, dass nur einzig und allein die willkürlichen Muskeln, aber auch
alle von diesem Parasiten besetzt waren, während in keinem der
übrigen Gewebe und selbst nicht in den unwillkürlichen Muskeln eine
Spur des Würmchens anzutreffen gewesen war. Die Cysten lagen
immer mit ihrem Längendurchmesser in dem Verlaufe der Muskel-
fasern, und ein mit ihnen dicht besetzter Muskel glich ganz einem
glattgekämmten und mit Läuseeiern beklebten Chignon. Kobelt machte
später noch einige Mittheilungen über den mit Trichina spiralis be-
hafteten, eben erwähnten Kranken, aus welchen hervorgeht, dass sich
an demselben während seines Lebens im ganzen Systeme der will-
kürlichen Muskeln keine Spur einer Belästigung gezeigt hat, aus der
das Vorhandensein dieses Schmarotzers hätte geahndet werden kön-
nen. Kobelt schliesst aus der. Petrifikation des Parasiten auf ein
*) Lamarck, hist. nat. des anim. sans vertebres. T. III. a. a. 0. S. 597.
**) Froriep's neue Notizen. Nr. 384 S. 309 und Nr. 301 S. ;S35.
295
lüngercs Bestehen dieser Helminlhiasis im Körper jenes Mannes.
Bisclioff beschrieb eben denselben Fall*), ohne etwas von dem
Aufsatze Kobelt's gewusst zu haben''*). Nach Bischoff's Angabe ent-
hielten die Muskelfasern der Luftröhre keine Trichinen, die kleinen
Muskeln des Kehlkopfs besassen sie dagegen in grosser Menge, wäh-
rend sie in der Iris fehlten, die Cysten waren durch Zellgewebefäden
locker an die Muskelbündel befestigt, am oberen sowohl als unteren
Pole der Cysten befanden sich meistens einige Fettbläschen, die
äussere Hülle der Cysten ist immer oben und unten etwas in die
Länge gezogen und in diesem Räume bemerkte Bischoff eine Menge
dunkler Molecular- Körner. Die Würmer lebten noch nach zwölf
Tagen, selbst in schon faulenden Muskels tücken; Bischoff erkannte
jedoch die Bewegungen der Würmchen immer erst dann, nachdem sie
aus den Cysten hervorgezogen waren. Beim ersten Blicke scheinen
diese Würmchen nur eine fast ganz gleichmässige, schwachkörnige
Beschaffenheit ohne innere Organe zu besitzen, Bischoff konnte eben-
falls weder Mund- noch After- Oeffnung beobachten, doch erkannte
er einen Darmkanal, welcher in dem stumpferen (Kopf-) Ende der
Trichinen mit einem engeren Oesophagus anzufangen schien; der
Darm besass von Stelle zu Stelle Einschnürungen, und bildete im
hinteren Ende zickzackförmige Biegungen, Bischoff sah die Bewegun-
gen des mit feinkörnigem Inhalte versehenen Darms deutlich. Sehr
viele Wtirmchen besassen an dem Ende des vorderen Drittels des
Körpers auf einer Seite einen kleinen dunklen Fleck^ welcher von
verschieden grossen, etwas gelblichen Kügelchen zusammengesetzt
ist; Bischoff hat zwar an diesen Kügelchen keinen Eierbau wahr-
genommen, ist aber doch geneigt, den Fleck für einen Eierstock zu
halten, zumal da bei dem Pressen ausser jenen Kügelchen einige
Male neben dem Darme noch ein anderes röhrenförmiges Gebilde,
vielleicht ein Eileiter, hervortrat. Nach herausgepresstem Darmkanale
bemerkte Bischoff ganz deutlich einen in der Mitte des Wurmkörpers
verlaufenden Längsstreifen, der vielleicht ein Längsgefäss oder ein
Nervenstrang gewesen sein könnte. Bischoff erwähnte gleichfalls der
Petrifikation mehrerer Cysten, deren Inhalt er als körnig und nicht
als krystallinisch bezeichnete. Derselbe möchte diese Parasiten als
eine neue Ordnung der Entozoen hinstellea, welche den Uebergang
von den Nematoideen zu den Cysticen machte und gab daher unter
Veränderung des Namens Trichina in Trichinia von dieser neuen
Ordnung folgende Characteristik : Trichinia spiralis: T. minutissima,
spiraliter, raro flexuose incurva^ capite obtuso, collo nuUo, cauda
attenuata obtusa. Vesica externa elliptica, extremitatibus plerumque
*) Medizinische Annalen. Bd. VI. Hft.'g S. 233. Ein Fall von Tri-
chinia spiralis. Mit Abbildungen.
**) Ebenda. Hft. 3 ^. 485. Nachtrag ZU dem Aufsatze über Tri-
chinia spiralis.
296
attenuatis, interna ovalis. Bischoff fragt nach den Keimen dieses
immer nur sehr selten und an einer so ganz bestimmten und von
der Aussenwelt abgeschlossenen Stelle vorkommenden Binnenwurms,
und findet, dass hier die generatio spontanea noch immer fest stehe,
so sehr ihre Grenzen auch immer mehr eingeschränkt werden. Hier-
auf giebt Bischoff einen genauen Sectionsbericht des Verstorbenen,
der ausser den vielen Muskelparasiten auch eine ziemliche Menge
Spulwürmer im Dünndarme beherbergte. Am Schlüsse der Abhand-
lung stellt derselbe alle bis jetzt bekannt gewordenen Fälle von
Trichin. spiral. tabellarisch zusammen. Gegen Kobelt nimmt Henle
die Priorität in Anspruch*), die Trichina spiralis zuerst in Deutsch-
land gefunden zu haben und verweist auf Müllers Archiv 1835 S. 528,
wo derselbe, beiläufig sei es erwähnt, angiebt, dass die in den Cysten
beobachteten Verglasungen mit Säuren aufbrausen.
Bowman fand unter den Muskelbündeln eines sonst gesunden
Aales einen Primitiv-Muskelbündel**), der einer durchsichtigen Röhre
glich, und eine Menge (über 100) kleiner, nach Art der Trichina spi-
ralis zusammengerollter, schmarotzender Würmer enthielt. Die Scheide
der primitiven Muskelfaser, welche diese Röhre bildete, war unver-
sehrt, und liess in ihrem Inneren auch keine Spur von primitiven
Fasern erkennen, indem diese wahrscheinlich den Würmern zum
Futter gedient hatten. Aus den nachher an beiden Enden angeris-
senen Röhren schlüpften mehrere Würmchen hervor und beweg-
ten sich auf mannigfache Weise. Sie hatten eine Länge von
^j eines Zolles, waren an dem einen Ende stumpf abgerundet, an
dem anderen dagegen stark verschmächtigt. In ihrem Inneren
enthielten sie blasig -körnige Masse ohne irgend eine auffallende
Structur, nirgends war an der Oberfläche der Thiere eine Oeff-
nung zu entdecken. Zwischen diesen Würmern befanden sich in
jener Röhre ovale Körper, welche in Grösse den zusammengerollten
Würmern gleich kamen j bei näherer Untersuchung stellten diese
ovalen Körper eine Cyste vor, welche blasig-körnige Masse enthiel-
ten und unentwickelte Würmer darzustellen schienen. Kein anderer
Muskelbündel des Aales zeigte ein ähnliches Verhalten, freilich wurde
aus Mangel an Zeit in dem Aale nicht ganz genau darnach gesucht.
Diese Würmer erinnerten Bowman zwar an Trichina spiralis, doch
unterschieden sie sich von diesem Parasiten bestimmt dadurch, dass
Trich. spiralis immer ausserhalb der Muskelbündel-Scheiden in einer
Cyste für sich wohnt, während jene Würmer gesellig in einer
röhrenförmigen Scheide leben.
*) Froriep's Neue Notizen Nr. 306 S. 320.
**) Philosophical transactions 1840 P. I. S. 480. Bowman: on the
minute structure and movements of voluntary muscie. Plate XVH.
Fig. 41 — 45.
297
A-canthocephala.
Nach Henle's Beobachtung soll das Nervensystem des
Echinorrhynchus nodulosus nach dem Typus der Molluscen
gebaut sein und aus einem Ringe von Querfasern bestehen,
der an der Geschlechtsmündung gelegen und zu beiden Seiten
mit Haufen von Ganglienkugeln besetzt ist, aus denen sich Fä<
den in den Körper erstrecken*).
Creplin trennt den Echinorrhynchus Salmonis Müll, von Ech.
fusiformis Zed. unter dem besonderen Namen Ech. pachysomus
Crepl.*^.
In Kopenhagen heisst es allgemein, dass man in den Monaten,
in deren Namen kein r ist, keinen Dorsch essen dürfe, weil seia
Fleisch alsdann Würmer enthielte. Eschricht untersuchte mehrere
Male den Gadus Callaris in den Monaten Mai, Juni, Juli und August
und fand allerdings Echinorrhynchen in ihrem Fleisch***) 5 erinnert
man sich an die Entdeckungen Miescher's, so kann man hiebei auch
an ein Wandern der Echinorrhynchen denken.
Vrematoda*
Nach Duvernoy soll sich bei den Trematoden dasAth-
mungs- und Gefässsystera, wenn ein solches vorhanden ist, mit
dem Nahrungsschlauche vermischen, und seine Aeste nach der
Oberfläche des Körpers schicken, wo die Läuterung und Lüf-
tung des Nahrungssaftes vor sich gehe-J-).
Nach Creplin's Untersuchungen ist Amphistomum truncatum
Rud. das Distomum conus Crepl., welches durch die Einwirkung des
Weingeistes den Bauchnapf so stark schliesst, dass er nicht leicht
als ein solcher erkannt wird ff),
Valentin erkannte \n Distomum lanceolatum die sehr lebhaften
Spermatozoen, welche kleine rundliche Köpfe und verhältnissmässig
starke, hinten sehr fein auslaufende Schwänze besitzenfff). Zu bei-
den Seiten des Leibes des Parasiten bemerkte Valentin zwei helle
Längsgefässe, vielleicht die Hauptstämme eines Blutgefässsystems,
auch eine Andeutung von einem centralen Nervensysteme glaubte
derselbe am vorderen Theile des Schlundkopfes wahrgenommen zu
*) Froriep's Neue Notizen. No. 285 S. 330 und MüUer's Archir
1840 S. 318.
**) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. O. S, 284.
***) Act. Acad. Leop. a. a. O. S. 147.
f) Froriep's Neue Notizen. Nr. 311 S. 41.
ff) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. 0. S. 886.
f f f ) MüUer's Archiv 1840 S. 317.
298
haben. Bei einem 6 Zoll langen Schafembryo traf Valentin in der
das Rückenmark umgebenden Flüssigkeit, da wo das verlängerte
Mark in das Rückenmark übergeht, Eier von Distomum lanceola-
tum*). Nach Gulliver's Untersuchungen besitzen die ausgebil-
deten Eier von Distomum hepaticum einen Deckel, vs^elcher beim
Pressen aufspringt**). Die Länge der Eier beträgt 25 o eines Zolles
an Länge und ^Ij^ eines Zolles an Breite. Der Inhalt der Eier besteht
aus einer granulirten Masse, und einigen runden Bläschen, welche
zuweilen wieder ein Bläschen enthalten. Gulliver fragt, ob die ge-
wöhnlich als Distomen-Eier betrachteten Körper nicht Cysten mit
mehreren Eiern seien, und ob die in den Eischalen enthaltenen vor-
hin erwähnten Bläschen nicht eben so viele Eidotter darstellten?
was Ref. nach seinen Erfahrungen bestimmt verneinen muss. Ueber
die Jungen von Distomum cygnoides theilte Miescher dieselben
Beobachtungen mit***), welche Ref. bereits im Jahre 1835 in diesem
Archive B. I. S. 66 bekannt gemacht hat. Miescher konnte ebenfalls
nicht die geringste Aehnlichkeit zwischen den infusorien-artigen Jun-
gen und dem erwachsenen Dist. cygnoides auffinden und vermuthet
daher, dass erstere mit den im Mastdarme der Frösche wohnenden
Binneninfusorien in genauerer Beziehung stehen könnten.
Nordmann sieht sich durch die Analogie verleitet, jetzt zu
glauben, dass bei Diplo%oon paradoxum die Geschlechtsöffnungen am
vorderen Theile des Körpers angebracht sindf).
In Bezug auf die Natur der schwarzen Puncte, welche längs des
Saumes des Rückens von Tristomum papillosum vertheilt sind, ist
Grube mit Diesing verschiedener Meinung -J-J-). Ersterer hält sie
für wahre, nur äusserst kurze Stacheln, während sie Diesing als
quere elliptische Erhöhungen beschreibt, in welchen sich 3 bis 4 in
einer Reihe liegende, dunkelbraune, fast kreisrunde Vertiefungen
(Stigmata) befinden. Grube will sein Exemplar von Orthagoriscus
mola erhalten haben. Creplin erklärt den von Schultze Cycloco-
tyle lanceolatum benannten, an den Kiemen von 8almo Fario schma-
rotzenden Wurm für ein Octobothryum , jedoch für verschieden von
dem bisher bekannten Octobothryum lanceolatum «i-f-i-); auch Cycloco-
iyle Belones Ott. möchte Creplin für ein Octohothryum halten.
Unter dem Namen Ancyrocephalus stellt Creplin eine neue
*) MüUer's Archiv 1840. S. 319.
**) Proceedings of the zoological society. March. 10. 1840. S. 30.
G, Gulliver: notes ou the ova of the Distoma hepaticum.
***) Bericht über die Verhandlungen der naturforschenden Gesell- jH
Schaft in Basel a. a. O. S. 39. ^
•^) Lamarck: hist. nat. des anim. sans vertebres a.a.O. S. 597.
ff) Grube: Aktinien, Echinodermen und Würmer des Adriatischen
und Mittelmeers. 1840 S. 49.
ff t) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. 0. S. 391.
299
Trematoden-Gaitung auf, mit der Species A. paradoxus "*) y welche
an den Kiemen von Perca Lucioperca von ihm gefunden wurden;
die Länge des Wurms beträgt 3 Linien, sein Leib ist niedergedrückt,
am etwas dickeren Kopfende sitzen vier starke, nach hinten ge-
krümmte spitzige Haken, zwei oben, zwei unten, welche an Gestalt
und Bau den Haken der Echinorrhynchen ähnlich sind. Von Poren
oder Näpfen hat Creplin nichts gesehen, eben so wenig sind ihm die
inneren Theile dieses Parasiten deutlich geworden. Die Farbe der
frischen Würmer war glänzend weiss, der Hinterleib dunkler;
Creplin glaubt, dass diese Schmarotzer vielleicht bewaffnete Mono-
stomen sein könnten; auch Ref. hat im März des Jahres 1932 zu
Heilsberg eine Menge dieses Ancyrocephalus paradoxus an den Kie-
men des Zanders aufgefunden, ist aber bis jetzt eben so wenig als
Creplin im Stande gewesen, über den inneren Bau dieses Wurmes
Auskunft zu erlangen.
Es ist zu bedauern, dass Grube über den inneren Bau des im-
mer noch sehr räthselhaften Phoenicurus varius Rud. , welches der-
selbe (stets allein, ohne Thetis), sowohl in Triest als in Neapel er-
halten hat, keine weitere Auskunft giebt **).
Nordmann äussert die Meinung, dass das räthselhafte von
Diesing unter dem Namen Thysanosoma actinoides beschriebene We-
sen (s. Oestreich. med. Jahrb. VIL pag. 105.) , mit Leucochloridium
paradoxum Car. verglichen werden könne***), während Creplin
sogar Bedenken trägt, jenes Wesen überhaupt als selbständigen
Eingeweidewurm gelten zu lassen -j-).
Von einem ganz eigenthümlichen Parasiten hat Numan in
Utrecht eine Beschreibung geliefert -j-f) , welche trotz der beigefüg-
ten Abbildungen in dem Ref. manche Zweifel über das wahre We-
sen dieses Eingeweidewurmes erregt hat. In einer Einleitung be-
spricht Numan alles, was bisher über die Eingeweidewürmer im
Auge der Thiere und des Menschen bekannt geworden ist, und geht
dann zur Erzählung des folgenden Falles über. Eine dreijährige
Stute inländischer Race zeigte sich sehr lichtscheu, am rechten Auge
derselben waren die Augenlider geschwollen, die Bindehaut hoch-
roth gefärbt und die Hornhaut etwas getrübt, in der vorderen Au-
*) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. O. S. 292.
**) Grube: Aktinien, Echinoderm. u. Würmer. S. 49.
***) Lamarck: bist, natur. a.a.O. S. 591.
f) Encyclopädie. a. a. O. S. 301.
■\Y) Tijdschrift voor Natuurlijke Geschiedenis cn Pliysiologie. Uit-
gegeven door Van der Hoeven en De Vriese. VII. 1840. S. 358. Nu-
man: over Wormen, voorkomende in de oogen van sommige dieren
en den mensch, vergezeld van eene waarneming omtrent een bijzon-
deren, tot dus ver niet beschrevenj worm, verwijderd uit det oog
van een paard, door de opening van het hoornnvlies.
300
genkammer befand sich ein fremder Körper, dessen Gestalt sich nicht
recht erkennen liess; die Sehkraft des Auges schien verloren zu
sein. Das Auge verdunkelte sich bald stärker, hellte sich aber nach
einiger Zeit wieder auf, und man sah jetzt deutlich einen Wurm in
der vorderen Augenkammer, der die Länge eines Zolles und die
Dicke eines Strohhalmes besass. Der Wurm bewegte sich sehr
stark, wenn das Auge den einfallenden Sonnenstrahlen ausgesetzt
war, während er sonst auf dem Boden der Augenkammer meistens
still lag. Nachdem der Wurm durch einen Hornhautschnitt aus dem
Auge entfernt war, bot er eine Länge von 13 Linien und eine Dicke
von 2 Linien dar, sein Leib war etwas abgeplattet und wie ein
Bandwurm oder eine Insecten- Larve gegliedert, eine Insecten-
Larve war indessen der Wurm durchaus nicht. Die vorderen Glie-
der des Körper erschienen länger und breiter als die hinteren. Auf
der Bauchseite des dritten Gliedes trat [eine röhrenförmige Schlinge
nach aussen hervor, vielleicht das Ovarium. Der Kopf war stumpf
und trichterförmig eingezogen, der eingezogene Theil zeigte in der
Mitte eine MundöfTnung und in der Umgegend einen Besatz von fei-
nen, braunen, hornartigen Puncten, die übrige Hautoberfläche war
uneben und gerunzelt, was von der Einwirkung des Weingeistes
herrühren mochte. Numan glaubte diesen Wurm für ein Monostomum
halten zu müssen, und schlug den Namen Monost. Settenü, (van Set-
ten hatte den Wurm aus dem Auge entfernt), für diesen Schmarotzer
vor. Nachdem die vorhin erwähnte, aus dem Leibe des Wurmes
hervorhängende Schlinge mit einer Nadel angestochen war, ergoss
sich aus derselben eine Feuchtigkeit, welche microscopisch betrach-
tet aus einer Menge Eier bestand. Diese Schlinge nimmt sich übri-
gens in der Fig. 3. (PI. X.) wie ein Saugnapf aus, auch in der Fig. 4.
ist diese Schlinge höchst undeutlich dargestellt, man möchte fast
glauben, sie stellte in Fig. 3. und 4. ganz verschiedene Objecte vor.
Grube hat unter dem Namen Polyporus Chamaeleon eine
neue Trematoden-Gattung beschrieben und abgebildet*), die er nur
einmal zwischen den Kiemenbögen von Sparus erythrinus gefunden
hat. Der Körper des 2 Linien langen, (soll aus der gegebenen nicht
vergrösserten Abbildung zu schliesscn wahrscheinlich heissen : 3 Zoll
langen), Thieres ist vorne dicker und höher als hinten, und läuft
nach hinten spitz aus. Auf dem Rücken des undurchsichtigen weis-
sen Körpers erhebt sich eine durchscheinend häutige Flosse, längs
der Mitte der Bauchfläche verläuft eine zweite niedrigere Flosse.
Zu jeder Seite derselben tritt eine Reihe von zwölf kurzen Stum-
meln aus dem Körper hervor, welche in ihrer Grösse nach hinten
allraälig abnehmen. An dem Ende mehrerer Stummeln sah Grube
fleischige Saugnäpfe sitzen, die Näpfe der übrigen Stummeln mögen
beim Abnehmen des Parasiten von seinem Wohnorte abgerissen sein.
*) Grube: Afctio., Echinod. u. Würmer. S. 49. Fig. %.
301
Der fast gerade abgeschnittene Vorderrand des Körpers besass in
der JVIitte einen kleinen Einschnitt, der vielleicht die Stelle des Mun-
des andeutete. Von Eingeweiden schimmerte nichts durch die Kör-
perhüUe hindurch als ein von vorne nach hinten verlaufender dunk-
ler Streif. Grube beobachtete an diesem Thiere einen ähnlichen
Farbenwechsel, wie er bei den Cephalopoden vorkommt, und be-
schreibt denselben ebenso, wie ihn R. Wagner noch ganz kürzlich
von den Cephalopoden in diesem Archive, 1841. B. I, pag. 35. be-
schrieben hat, überhaupt kann sich Ref. des Gedankens nicht erweh-
ren: dieser Polyporus Chamaeleon des Grube sei auch wirklich
nichts anderes gewesen, als das vordere Fragment eines Cephalo-
poden-Armes.
Cestoidea,
Ueber die Metamorphosen bei den Helminthen lieferte
Mies eher eine höchst interessante Abhandlung *); da die
Reihe der Verwandlungen zwar mit einer Filaria beginnt, aber
mit der Bildung eines Tetrarrhynchus sch'liesst, so möge über
diese Abhandlung hier berichtet werden.
Miescher fand nämlich die Filaria piscium besonders häufig in
folgenden Fischen des Pariser Fischmarktes: in Trigla Gurnardus,
Lyra, Cuculus und lineata, in Trachinus Draco und Gadus Merlan-
gus. Die Filarien lagen theils frei in der Bauchhöhle, theils sassen
sie unter dem Peritonäal-Ueberzuge der verschiedenen Eingeweide,
zwischen den Platten des Gekröses, unter dem Peritonäum der
Bauchwände, in den Muskeln der letzteren, meistens einzeln, zu-
weilen mehrere in Nestern beisammenliegend und von einem ge-
meinschaftlichen pseudomembranösen Balge umgeben. Letztere An-
gabe fällt Ref. auf, da derselbe bei Gadus Callarias niemals mehr
als 1 Individuum von Filaria piscium in einem Balge eingeschlossen
fand (s. dieses Archiv. 1838. B. I. pag. 306). Miescher's Beschreibung
des Wurms stimmt ziemlich mit der überein, welche Ref. an dem
angeführten Orte gegeben hat, nur ist des eigenthümlichen band-
artigen Organes, welches sich nach den Untersuchungen des Ref.
durch die ganze Leibeshöhle der Filaria hindurch erstreckt, nicht er-
wähnt, dagegen war es Miescher gelungen, im weiteren Verlaufe
seiner Untersuchungen die Geschlechtstheile, welche anfangs gänz-
lich zu fehlen schienen, aufzufinden. Derselbe erkannte nämlich die
auf gewöhnliche Weise angeordneten weiblichen Geschlechtswerk-
seeuge, jedoch so fein und zart, dass sie leicht übersehen werden
konnten. Die beiden Eierröhren enthielten selbst bei den grössten
*) Bericht über die Verhandl. der naturf. Gesellsch. in Basel,
ö. a. O. S. 25.
302
Exemplaren keine Spur von Eiern, sondern der Inhalt derselben be-
stand nur aus einer wasserhellen Flüssigkeit mit wenigen sehr klei-
nen Körnern vermischt. Die Scheide trat am Ende des ersten Drit-
telte des Wurmes zur Muskelhaut, eine Oeffnung derselben nach
aussen konnte aber nicht wahrgenommen werden. Diese Filarien
schienen einem Häutungsprozesse unterworfen zu sein, da Miescher
nicht nur zahlreiche zusammengeschrumpfte leere Schläuche vorfand,
sondern auch häufig Filarien antraf, welche noch in diesen Schläu-
chen steckten und mit denselben umherkrochen; ein solcher Schlauch
umschloss dann genau den Leib der Filarie, ragte aber über das
vordere und hintere Ende des Wurmes etwas hinaus und enthielt in
seiner Höhle eine klare, zuweilen durch Körner getrübte Flüssigkeit.
In Gesellschaft dieser Filarien fand Miescher immer eigen-
thümliehe chrysalidenartige Körperchen in zahlreicher Menge, aber
starr und regungslos frei in der Bauchhöhle liegend oder in den
Muskeln der Bauchwandungen vergraben; auch mit den Filarien la-
gen sie in einem und demselben Knäuel beisammen, und waren von
ähnlichen pseudomembranösen Bälgen umschlossen. Es bestehen
diese chrysalidenartigen Körperchen aus zwei Theilen, aus einem
kugeligen oder eiförmigen Kolben, und einem von diesem ausgehen-
den cylindrischen Schwanz. Der Kolben beträgt in seinem Quer-
durchmesser | bis | Lin. und in seiner Länge 1 bis f Lin., und ist
an seinem freien Ende in einen kurzen abgesetzten Nabel ausgezo-
gen. Der Schwanz von 4 bis 6 Lin. Länge, durch eine deutliche
Abschnürung vom Kolben geschieden, ist an seinem Ende abgerun-
det und meistens ösenförmig umgebogen. Diese chrysalidenartigen
Körperchen findet Ref. ganz mit denjenigen Körpern übereinstim-
mend, welche Leblond (Annales des sciences naturelles. 1836, pag. 890.
PI. 16. Fig. 2. 3.) aus Muraena Conger beschrieben und abgebildet hat.
Hinsichts der allmälig mit diesen Körperchen vorgehenden Verän-
derungen bemerkte Miescher, dass der Schwanz an Länge nicht nur
abnahm, sondern ganz und gar einschrumpfte, so dass zuletzt nur
noch der Kolben übrig blieb; dieser dehnte sich in dieser Zeit um
sein doppeltes bis dreifaches Volumen aus und erschien zuletzt als
ein einfacher länglicher abgerundeter Balg. Dieser Balg, mochte er
noch ein Schwanzende besitzen oder nicht, bestand immer aus einer
äusseren, dickeren, bräunlich gefärbten Hülle, unter welcher sich
eine zweite immer sehr zarte glashelle Hülle befand, welche eine
der äusseren Form des Balges entsprechende Höhle einschloss; diese
Höhle wurde von einem neuen Wurme, dessen Gestalt sich nach der
der Höhle richtete, ganz ausgefüllt; so lange nämlich der chrysali-
denartige Körper noch aus Kolben und Schwanz bestand, erstreckte
sich der mehr oder weniger langgestreckte Hals des Wurms in die
Höhle des Schwanzes hinab. An dem Ende des Halses befand sich
eine Einkerbung, die als Mund betrachtet werden könnte. Ref. er-
blickt in der Abbildung, welche Leblond von diesem Wurme gege-
303
ben hat (PI. 16. Fig. 2. 3. g.), an derselben Stelle eine deutliche
Oeffüung; von dem grossen Saugnapfe, welchen Leblond an dem
Körper dieses von ihm mit dem Namen Amphistoma ropaloides be-
legten Wurmes gesehen haben will, findet man in Mieschers Be-
schreibung nichts erwähnt. Bei der Zurückbildung des Schwanzes
beobachtete Miescher ferner, dass sich der Hals des Wurms in den
sich erweiternden Kolben zurückzog, und allmälig sich ganz verlor;
in den einfachen ovalen Bälgen fand derselbe alsdann einen ovalen^
etwas plattgedrückten trematodenartigen Helminthen, an dessen vor-
derem Rande die als Mund gedeutete Einkerbung bestimmter zu er-
kennen war. Dieser Helminthe bestand aus einer durchsichtigen
gleichförmigen Substanz mit eingestreuten runden, grösseren und
kleineren Körnern, ohne alle Spur von irgend besonderen inneren
Organen; seine, wenn auch sehr trägen wurmförmigen Bewegungen
Hessen an der selbständigen Thierheit dieses Wurmes nicht zwei-
feln. Miescher trug kein Bedenken, zu vermuthen, dass die chrysa-
lidenartigen Körperchen aus den Filarien hervorgegangen sind, ob-
gleich derselbe die Verwandlung einer Filaria in ein kolbiges Kör-
perchen nicht direct beobachtet hat. Als Grund für seine Vermu-
thung führte Miescher Folgendes an: die rudimentären Generations-
organe der Filarien deuteten darauf hin, dass diese Thiere ihre Be-
stimmung noch nicht erreicht hatten, die kolbigen Körperchen kamen
mit den Filarien an einem und demselben Orte vor, ganze Nester von
kolbigen Körperchen und Filarien sah Miescher von einem gemein-
schaftlichen Balge umschlossen, in welchem sich grössere und klei-
nere Filarien, geschwänzte und ungeschwänzte Kolben vorfanden.
Bei den drei verschiedenen Fischgattungen, an welchen diese Unter-
suchungen angestellt wurden, bei Trachinus, Trigla und Gadus, bo-
ten die Filarien sowohl, als die kolbigen Körper durchgreifende
Species -Unterschiede dar.
Der tremalodenartige Wurm schien «ich neu zu entwickeln^
während sich die Substanz der Filaria bis auf die Epidermis zu einem
Nahrungsstofife für das neue Geschöpf auflöste. Miescher nahm hie-
be! das hintere Ende der Filaria als den Entwicklungsort des neuen
Wurnies an. In dem hinteren Leibestheile des trematodenartigen
Wurmes bildete sich immer allmälig ein Tetrarrhynchus aus,
wobei der erstere Wurm fortlebte und seine Hülle nicht verliess.
Der Tetrarrhynchus, welcher auf keine Weise mit dem trematoden-
artigen Wurme in organischer Verbindung stand, lag ringförmig zu-
sammengebogen in seiner Höhle und gab durch Ein- und Ausziehen
der vier Rüssel und durch Drehung des Körpers sein selbständiges
Leben zu erkennen. Leblond beobachtete ebenfalls in den geschwänz-
ten Körperchen einen ähnlichen Tetrarrhynchus, den derselbe für den
Tetr. appendiculatus Rud. erklärte; von dem Appendix, den Leblond
an diesem Tetr. beobachtete, findet Ref. in der Beschreibung,, welche
Miescher von seinem Tetrarrhynchus gegeben, nichts erwä^mt. Bei
304
einer Trigia Gumardus fand Miescher im Monate März neben leben-
den Filarien und kolbigen Bälgen sehr viele iingeschwänzte Bälge
vor, von welchen die meisten leer waren und nur eine schleimige
körnige Materie enthielten. Bei weiterem Suchen entdeckte Mie-
scher einige ausgeschlüpfte Tetrarrhynchen in der Bauchhöhle, ge-
rieth aber in grosse Verwunderung, als nach Oeffnung der Brust-
höhle diese von Tetrarrhynchen wimmelte und das Herz von ihnen
wie durchspickt war, was um so mehr auffiel, da Miescher in dieser
Höhle niemals Filarien oder kolbige Körperchen angetroffen hatte.
Die hier gefundenen Tetrarrhynchen zeichneten sich durch einen
kurzen Appendix am Ende des JLeibes aus, der etwas schmäler als
der übrige Leib und in diesen gleichsam eingeschoben wftr. Mie-
scher konnte an diesen Würmern beobachten, mit welcher Leichtig-
keit sie sich mittelst ihrer Haken -Rüssel in die verschiedenen Ein-
geweide des Fisches einbohrten und vergruben, ohne irgend eine
Verletzung zurückzulassen, er durfte daher mit Recht schliessen,
dass die in der Brusthöhle angetroffenen Tetrarrhynchen aus der
Bauchhöhle dahin gelangt waren. Miescher sprach hierauf die Ver-
muthung aus, dass die Tetrarrhynchen auf dem Wege gewesen wä-
ren, den Fisch zu verlassen, und zwar durch die häutige hintere
Wand der Kiemenhöhle, hinter welcher sie sich in besonders grosser
Anzahl bereits versammelt hatten.- Miescher vermuthete weiter, dass
diese Tetrarrhynchen, in das Seewasser gelangt, andere Thiere zu
ihrem Aufenthalte aufsuchen, was ihm besonders deshalb wahrschein-
lich dünkte, weil er später in Nizza nicht selten ähnliche Tetrarrhyn-
chi in dem mit Wasser gefüllten Mantel von Loligo sagittata ange-
troffen. Ref. fand zu Pola ebenfalls ganz ähnliche, geschlechtslose,
mit einem in den Leib eingeschobenen Appendix versehene Tetrar-
rhynchen zwischen den Magenhäuten von Sepia officinalis, gleich-
sam als wenn sie sich von aussen bis dahin schon eingebohrt hät-
ten, um sich einen neuen Aufenthalt aufzusuchen. Miescher wirft
zuletzt noch die Frage auf, ob die geschlechtslosen Tetrarrhynchen
sich nicht später in Bothryocephalen aus der mit Hakenrüsseln
bewaffneten Gruppe verwandeln könnten, da die zu dieser Gruppe
gehörigen Bothryocephalen in Kopf und Hals ganz einem Tetrarrhyn-
chus glichen; für die Wahrscheinlichkeit dieser Metamorphose führte
Miescher folgende Beobachtung an: ein in Nizza frisch getödteter
IVotidanus griseus enthielt in der Höhle des Spiraldarmes eine grosse
Anzahl von Bothryocephalus corollatus Rud., in den Gliedern dieser
Bandwürmer waren die männlichen und weiblichen Genitalien deut-
lich entwickelt, zwischen den Häuten desselben Darmes fand sich
ein in einem erbsengrossen dickwandigen Balge eingeschlossener
Helminthe vor, an dessen Tetrarrhynchus - Kopfe zwei Taenien-
Glieder ohne entwickelte Genitalien hingen, ohne Zweifel stand die-
ser noch unentwickelte Helminthe mit dem Bothryocephalus corol-
latus der Darmhöhle in Beziehung.
305
Creplin fand wie Miescher ähnliche geschwänzte Kiirperchen
am Peritonäum von Esox Bclone, meinte auch wie Leblond am dicken
Ende derselben einen Porus gesehen zu haben, konnte aber eben so
wenig als Ref., (s. dieses Archiv. 1837. B. U. pag. 265.), einen Wurm,
sondern immer nur eine weisse körnige Masse in diesen Schläuchen
bemerken*); interessant ist ausserdem Creplins Bemerkung, dass
Esox Belone allerdings einen ansehnlichen, 2 Zoll langen, dem Te-
trarrh. attenuatus ähnelnden Parasiten in seiner Leibeshöhle beher-
berge. Durch Creplin erfahren wir, dass den ohne Angabe des Fund-
ortes von Rudolphi beschriebenen Tetrarrhijnchus grossus das zoolo-
gische Museum zu Greifswalde aus der Bauchhöhle des Lepidopus
PeronüRiss. besitzt**). Derselbe erklärt zwei von Otto erhaltene
Tetrarrhj'nchen aus Squalus griseus für Tetrarrh. tenuicolUs Rud.,
ihre vier Hakenrüssel haben die Länge des Kopfes, die lateralen
Gruben sind nach der Länge elliptisch, im Boden derselben ist keine
Spur einer Scheidewand zu beobachten , die Rüssel gehen von dem
Vorderrande der Gruben aus, der Hals ist cjlindrisch und in den
Körper wie eingesetzt, letzterer erscheint umgekehrt eiförmig und
stark niedergedrückt. Den Triaenophorus nodulosus fand Creplin
im Darme des Cyprinus Gobio und in der Leber von Gasterosteus
pungitius.
Creplin will die Ligula aus Cyprinus Carassius wegen zweier
paralleler Furchen, welche hier jede der beiden Seiten des Körpers
durchziehen, von Aev Ligula simplicissima als Ligula digramma
getrennt wissen; er vermuthet, dass sich aus dieser Lig. digramma
(und vielleicht auch aus anderen noch nicht bekannten, ebenfalls
doppelfurchigen Arten) in den Vögieln die Ligulae mit doppelter
Reihe von Eierstöcken, die Lig.ititefrupta und alternans Rud., aus-
bilden^ während die mit einfacher {Ligul. uniserialis R.) oder auch
mit etwas verschobener Reihe (^Lig. sparsa R.) aus der Lig. simpli-
cissima, die man auch Lig. monogramma nennen könnte, entstehen
mögen***). Nach Creplin's Angaben wurde die Ligula interrupta
vonMehlis in Colymbus arcticus und septentrionalis, und von Schil-
ling im Darme des Mergus Serrator mit Ligula sparsa vermengt
gefunden. Schistocephalus dimorphus ist von Creplin und Schil-
ling als Bothryocephalus solidus R. im Darme von Ciconia nigra
und Recurvirostra Avocetta und von Creplin im Darme und in der
bursa Fabricii des gemeinen Raben entdeckt worden f).
Eine neue Gattung der Cestoideen nennt Creplin Solenopho-
rusy und zählt das Bothridium Pythonis Blainv. und Prodicoelia
*) Encyclopädie von Ersch und Gruber. a. a. O. S. 294.
''*) Ebenda. S. 295. ♦
***) Ebenda. S.296.
t) Ebenda. S. 296.
Archiv f. Nftturgesch. VII. Jahrg. ?. Band. 20
306
ditrema Lebl. hielier ''). Die Gattuogs - Cliaractere sind : „der Kopf
besteht aus zwei kurzen^ der Länge nach mit einander verbundenen,
vorne und hinten offenen Röhren, der Körper gegliedert, die Ge-
schlechts Öffnungen auf der Mitte der Glieder." Solenophorus mega-
cephalus ist nach Creplin der von Retzius beschriebene Bothryoce-
phalus Pythonis aus dem Darme von Pytho bivittatus Kühl, vrurde
auch von Otto in Python Tigris Daud. gefunden. Die Diagnose des
Solenoceph. megacephaUis ist: „Kopf gross, Hals sehr kurz, viel
schmäler als der Kopf, die ersten Glieder runzeiförmig, die folgen-
den nach der Quere länglich viereckig, dann völlig quadratisch, end-
lich nach der Länge rechteckig, alle mit etwas dickerem Hinterrande,
welcher bei den längeren Gliedern nach hinten convex gebogen ist."
Otto fand in einer wahrscheinlich neuen Art von Python einen von
Solinoceph. megacephalus verschiedenen Bandwurm, für welchen
Creplin als Solenoceph. grandis folgende Diagnose festgestellt hat:
„Kopf mittelmässig, die Röhren desselben werden nach hinten dicker
und nehmen dann wieder ab, Hals sehr kurz, etwas schmäler als
der Kopf, die ersten Glieder sehr kurz, auch die folgenden kurz, und
der Hinterrand derselben blattförmig erhoben."
Ueber die Bothryocephalen ist endlich die lange
erwartete ausführliche Abhandlung Es ehr ich t's erschienen, in
welcher vorzüglich der Bothryocephalus latus und puncta-
tus zum Gegenstande sehr interessanter Untersuchungen ge-
dient haben. **) *
Eschricht beschreibt zunächst die einzelnen vollkommen ausge-
bildeten Glieder des Bothryoceph. latus, und findet das Parenchym
derselben aus verschiedenen Schichten bestehend. An den Seiten-
theilen der Glieder unter der Haut des Rückens und des Bauches liegt
zunächst eine Schicht von Körnern, welche bei durchfallendem Lichte
eine graugelbe Farbe zeigen, und welche an den Seitenrändern eines
jeden Gliedes in einander übergehen^ Eschricht unterscheidet diese
beiden Schichten durch die Benennungen Bauch- und Rücken -
körn er. Auf diese Schichten folgen zwei ganz durchsichtige Schich-
ten, zwischen welchen eine Schicht mit grossen runden weissen Kör-
pern eingelagert ist, welche Eschricht Mittelkörner nennt. An
die ersteren Körnerschichten sind Längenfasern, ohne Zweifel von
muskulöser Natur, angeheftet, während die beiden durchsichtigen
Schichten selbst aus Querfasern bestehen. An dem mittleren Theile
der Glieder fehlen die Körnerschichten und Mittelkörner, die durch-
sichtigen Schichten dagegen breiten sich unter der Bauch- und Rücken-
haut über die Mitte der Glieder hinweg, zwischen welchen hier die
*) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. O. S. 297.
*^) Act. Acad. Leopold, a. a. O, S. 9. und Froriep's Neue Notizen
1840. Nr 318. S.147 u. S.148.
307
Geschlechtsthc'ile verborgen liegen. Der Eierbehälter besteh!
aus einer einfachen ziemlich dünnhäutigen Rühre, welche mehrfach
gewunden eine, in der Mitte eines jeden Gliedes befindliche, unregel-
niässig sternförmige Höhle ausfüllt; diese Höhle nennt Eschricht
Kapsel des Eierbehälters. Diese Kapsel besitzt keine dicke, aber
sehr'feste Wände, und steht mit der weiblichen Geschlechtsöffnung,
welche sich vor der Mitte der Bauchfläche eines jeden Gliedes be-
findet, in engster Verbindung; vor dem hinteren Rande eines jeden
Gliedes bildet die Kapsel des Eierbehälters eine grössere Höhle,
welche einen Knäuel von engeren Windungen der Eierröhre um-
schliesst, und von Eschricht Knäuelkapsei genannt wird. Zur
Seite des Knäuels liegt ein länglicher flachgedrückter Sack (Sei-
tendrüse) von weisslicher Farbe, der nach aussen stumpf abge-
rundet ist, und nach innen mit einem Verbindungszweig auf der
Bauchseite des Knäuels höchst wahrscheinlich in den Eierbehälter
einmündet; beide Verbindungszweige gehen an derselben Stelle zu-
gleich ineinander über. Am Hinter- und Innen-Rande dieser beiden
Seitendrüsen tritt sehr häufig ein schmaler Gang hervor, der sich
umbiegt und eine Strecke nach aussen hin verläuft. In diesen Sei-
tendrüsen will Eschricht eine Menge von blinden Gängen erkannt
haben, welche varikös angeschwollen waren, so dass jeder Knoten
auf's Deutlichste ein schalenloses Ei darzustellen schien. Den Knäuel
umgiebt ausserdem noch eine den Seitendrüsen an Farbe ähnliche
Drüse in Form eines Ringes, der nach vorne mit der Vereinigung
der beiden Seitendrüsen zusammenstösst, Eschricht lässt es indes-
sen unentschieden, ob dieses Organ eine eigene Drüse oder nur eine
Art Diverticulum der Seitendrüsen ist. An den Gängen des Eier-
behälters erkannte Eschricht eigene Drüsen, welche zur Bereitung
der harten Eischalen dienen sollten, zumal da die Gänge des Eier-
behältcrs an ihren Rändern und Winkeln oft eine kreideweisse
Farbe zeigten, was für eine kalkige Natur des Sekrets zu sprechen
schien. Die Eier des Bothrj'oceph. latus fand Eschricht in den hin-
teren Windungen des Eierbehälters milchweiss oder gelb, in den
engen Windungen des Knäuels und in den vorderen sehr weiten
Windungen dagegen gelbbraun oder selbst dunkelbraun gefärbt.
Die Schale der braunen Eier ist hart und spröde, und zerspringt
durch Druck unter knisterndem Geräusch in grössere und kleinere
Stücke. Eschricht hält diese harte und spröde Beschaffenheit der
Eischale der kalkigen Natur der sie ausscheidenden Drüsen entspre-
chend, Ref. muss hiergegen einwenden, dass derselbe an den Hel-
minthen-Eiern niemals eine kalkige Beschaffenheit hat wahrnehmen
können. An sehr vielen hinteren Gliedern eines Stückes von Bo-
thryocephalus latus fand Eschricht auf der Bauchseite in der Nähe
des Mitteltheils jederseits einen grossen intensiv gelben Fleck, ge-
nauer betrachtet bestand jeder dieser gelben Flecke aus vielen klei-
nen Flecken, welche nichts anderes als sehr erweiterte Bauchkörner
20
308
waren. Von diesen Bauchköruern traten eine Menge gleichfalls
gelbgefärbter Ausführungsgänge hervor, die auf der Mitte der Bauch-
fläche gegen den Hinterrand der Glieder hin rielfach unter sich ana-
stomosirten, dort ein schönes Gefässnetz bildeten, und dann zu einem
Hauptstammc vereinigt an den Knäuel des Eierbehälters traten. Es
zeigte sich hiebei das auffallebde, dass zu den zwei hinteren Dritteln
dieses Gefässnetzes eines Gliedes das vordere Drittel des Gefäss-
netzes vom nächstfolgenden Gliede herübertrat, um den erwähnten
Hauptstamm bilden zu helfen. Eschricht, welcher in den Windungen
der Eierbehälter von Bothryoceph. latus häufig Ballen von Eiern
durch eine braune Masse zusammengekittet vorfand, hielt dies für
etwas normales, und berief sich auf Mehlis, der ausgesagt habe, dass
die Eier der Tänien nicht einzeln, sondern zu klumpigen Massen
zusammengeballt entleert würden; Mehlis behauptet dies jedoch nur
in Bezug auf Taenia cucumerina, (s. Isis. 1831. pag. 70.;, in welcher
immer etwa ein Dutzend Eier durch eine klebrige Masse in ziemlich
regelmässig gestalteter Form vereinigt w^erden (s, Creplin: Obser-
vationes de Entozois. Fig 13. 13.). Nachdem nun Eschricht jene gel-
ben Körner für die Eierstöcke des Bothryoceph. latus gehalten, sprach
er später die Meinung aus, diese Organe sonderten die braune Ma-
terie ab, mittelst welcher die Eier zu Klumpen zusammengeballt
würden. Als Hoden betrachtet Eschricht die oben erwähnte Mittel-
schicht weisser Körper (Mittelkörner), die etwa noch einmal so
gross als die Bauch- und Rückenkörner sind. Diese Mittelkörner
oder Hoden erscheinen, näher betrachtet, als länglichrunde, kurz ge-
stielte, durchsichtige Körper, welche eine Menge länglicher Bläschen
enthalten, diese letzteren werden von Eschricht für die blinden En-
den der drüsenförmigen Organe gehalten. Directe Ausführungs-
gänge dieser Hoden konnte Eschricht nicht auffinden, dagegen sah
derselbe auf der Rückenseite der Kapsel des Eierbehälters einen
vielfach gewundenen schneeweissen Gang, dessen Anfang und Ende
zu verfolgen unmöglich war, wodurch auch nicht entschieden wer-
den konnte, ob hier nur ein Gang oder mehrere vorhanden wären;
dennoch glaubte Eschricht dieses Gebilde als Samengänge deuten zu
dürfen. Die Ruthenblase, welche in der Mittellinie an dem vorder-
sten Theile jedes Gliedes liegt, ist birnförmig gestaltet und mit ihrem
zugespitzten Theile an die vordere grosse Geschlechtsöffnung gehef-
tet; in dieser Blase liegt eine kleinere Blase verborgen, aus welcher
ein \ Lin. langer aber stark gewundener Stiel hervortritt, und in
den Penis übergeht. In der Mittellinie der Bauchfläche nahe dem
Vorderrande eines jeden Gliedes zeigt sich eine von der unter der
Haut liegenden Penisblase hervorgebrachte Erhöhung, an deren hin-
terer Wölbung sich eine weite Grube befindet, aus welcher sehr
häufig der Penis bi? zu einer halben Linie lang hervorragt; hat sich
der Penis zurückgezogen, so zeigt sich in der Grube nach vorne
deutlich die Penis -Oeffnung, ganz nach hinten in derselben Grube
309
erscheint aber noch eine zweite OefTnung, von welcher Eschricht
verniufhet, sie sei der Eingang zu dem weiten Eierbehalter^ mithin
weibliche Geschlechtsoffnung. Hinter der weiten Grube befindet sich
bekanntlich noch eine OelTnung, welche früher für die weibliche Ge-
schlechtsoffnung angesehen wurde, Eschricht hat auch wirklich in
dieser Oeffnung Eier gesehen, die aber sehr leicht von aussen in
diese Grube gefallen sein konnten, denn eine Verbindung zwischen
dieser Oeffnung und den weiten Windungen des Eierbehälters konnte
Eschricht nicht entdecken. Da Eschricht überhaupt keinen Ausfüh-
rungsgang des Eierbehälters auffinden konnte, so nimmt derselbe an^
dass die Eier gar nicht einzeln aus dem ELerbehätter hervortreten,
sondern die einzelnen Glieder würden, wenn die Eier in grossen
Massen incrustirt sind, zu einfachen Gehäusen umgebildet, welche
späterhin, um die Eierklumpen zu entleeren, aufplatzten. Ref. muss
gestehen, dass ihm nach dieser Beschreibung, trotz der schönen von
Eschricht beigegebenen Abbildungen, der complicirte Geschlechtsap-
parat dieses Bothryocephalus nicht ganz deutlich geworden ist, was
besonders darin liegt, dass fast bei keinem der verschiedenen be-
schriebenen Organe der Zusammenhang mit den übrigen Organen be-
stimmt erkannt worden ist; was die gelben Bauch- und Rücken-
körner betrifft, so ist Ref geneigt, diese für die Eidotter -Stöcke
und die von ihnen ausgehenden anastomosirenden Kanäle für die
Eidotter- Gänge zu halten, während die beiden von Eschricht für
Eierstöcke erklärten Organe jenem die Eierkeime enthaltenden Or-
gane (Keimstock) der Trematoden (s. Müller's Archiv. 1836. S. 235.
und dieses Archiv. 1836. I. S. 221.), analog sein dürften. Von
einem Nervensystem hat Eschricht in dem Bothryocephalus latus
durchaus keine Spur ausfindig machen können. Als Darmkanal
spricht derselbe die zwischen der Mittellinie und den beiden Seiten-
rändern gerade herablaufenden Röhren an, von welchen durchaus
keine Seitenäste ausgehen. Eschricht neigt sich zu der Vermuthung,
dass diese Darmröhren eine wahre Maulöffuung au der Spitze des
Kopfes haben, weil sich dieselben Röhren bei den Tänien in die vier
Sangnäpfe des Kopfes öffneten, was übrigens Eschricht aus eigener
Erfahrung nicht bestätigen konnte. In dem Parenchyme des Bo-
thryoceph. latus fand Eschricht eine unzählige Menge unregelmässig
runder, flachgedrückter Körperchen verbreitet, welche er KernUör-
ner nennt, da sie aus zwei oder drei verschmolzenen Kreisen zu-
sammengesetzt sind, und aus einem äusseren und inneren Theile zu
bestehen scheinen. Eschricht konnte sich bei dem Anblicke dieser
Kernkörner des Gedankens an Blutkörner nicht erwehren, die viel-
leicht hier bei diesem Thiere ohne Kreislauf als festsitzend gedacht
werden müssten; nach Ref/s Erfahrungen finden sich diese|Kernkör-
ner bei allen Cestoideen und Cysticen ohne Ausnahme vor, sie ha-
ben zuweilen eine vollständig scheibenförmige Gestalt mit sehr deut-
lichen concentrischen Ringen, Ref. hat sie bisher mit dem Namen
310
Glaskörper bezeichnet, und sie stets in Säuren (oft unter Luft-
entwicklung) auflösbar gefunden, wodurch sie ihre kalkige Natur
verrathen, und also mit Blutkörnern keinen Vergleich aushalten.
Ausser diesen KernkörnerD unterschied Eschricht im Parenchyme des
Bothryoceph. latus noch kleinsteKörner (von 0,001 bis 0,005 Lin.
im Durchmesser) in unzähliger Menge. Derselbe bemerkte unter
verschiedenen Stücken von Bothryoceph, latus magere und fette
Stücke, und schrieb die grössere Dicke der letzteren einer Ernäh-
rungsflüssigkeit (L^^mphe) zu, welche in dem zelligen Gewebe
des Parenchyms solcher Stücke in grosser Menge enthalten sein
könnte; für dieses zellige Gewebe erklärt Eschricht die durchsichtige
Schicht und das Gewebe, welches die Körnerschichten mit der Haut
verbindet, durch deren Absorptionsvermögen das zellige Gewebe
mit jener Flüssigkeit gefüllt werden könne.
Eine zweite Abtheilung seiner Abhandlung nennt Eschricht:
„Physiologie der Bothryocephalen und des Bothryoceph. punctatus
im Besonderen," woraus Folgendes hervorzuheben ist. Fast in al-
len Individuen des Cottus Scorpius finden sich meist zu allen Jah-
reszeiten mehrere Exemplare des Bothryoceph. punctatus (gewöhn-
lich 10, 2Q oder darüber an der Zahl); im Frühjahre 1837 fand
Eschricht sehr häufig einen einzelnen grossen Bothryoceph. puncta-
tus nebst einer grösseren oder geringeren Anzahl ungleich kleinerer
Individuen. Diese Bothryocephalen sitzen immer mit ihren Köpfen
an der Schleimfläche der appendices pyloricae fest, während ihr
'Körper in den Darm herabhängt. Die Anzahl dieser Bothryocepha-
len ist nicht selten so gross, dass der Anfang des Darmes ganz da-
von ausgestopft ist, und der Speisebrei Beschwerde haben muss,
sich durchzuzwängen. Die Anheftung des Bothryoceph. punctatus
geschieht mit dessen vorderer Platte und zwar sehr fest; durch rei-
nes kaltes Wasser, sowohl salziges als süsses, ebenso auch durch
manche scharfe chemische Stoffe wird dieser Bothryoceph. zu leb-
haften Bewegungen angereizt, welche in alternirenden Streckungen
und Einziehungen der verschiedenen Regionen seines Leibes beste-
hen, wobei sein Kopf nach Verlauf einiger Minuten von der Ansau-
gung ablässt. Der Kopf ist der beweglichste Theil des ganzen
Wurmes, seine Bewegungen werden durch Kreismuskeln und Längs-
muskeln bewirkt, mittelst welcher der Kopf sehr in die Länge ge-
zogen und eben so sehr verkürzt werden kann. An seinem vorde-
ren Ende ist der Kopf flach abgestutzt, und diese Fläche ist es,
welche kugelförmig erhoben und napfförmig vertieft werden und auf
diese Weise als Saugplatte benutzt werden kann. Der Kopf wird
hauptsächlich von vier Seitenflügeln gebildet, welche sich in der
Mittellinie zu einem ziemlich schmalen Körper vereinigen. Diese
vier Flügel können sich auf sehr verschiedene Weise aneinander
legen, sie können sich zu 2 und 2 nach den Seiten aneinander nei-
gen und so foveae marginales bilden, können sich aber auch zu 2
311
und 2 nach oben und unfen umschlagen und so foveae laterafes dJEir-
stellen, auch sind sie im H(ande, durch mehrfache Einschnärungeo
des Kopfes auf einer und derselben Seite zwei bis drei hinterein-
ander liegende Saugstellen hervorzubringen. Diese Saiiggruben be-
nutzt der Wurm wahrscheinlich hauptsächlich bei dem Fortkriechen.
Da die Gliederung des Bothryocephal. punctatus, obwohl sie sogleicb
hinter dem Kopfe anfängt, nicht überall deutlich quer durchgeht^
sondern an vielen Stellen, besonders in der vorderen Hälfte des
Wurmes, zwischen scharf abgegrenzten Gliedern entweder beidersei-
tig oder nur auf einer Seite eine sehr kurze, nicht ganz quer durch-
gehende Abgrenzung zu erkennen ist, so zieht Eschricht hieraus den
Schluss, dass bei diesem Bandwurme sich die Glieder durch Quer-
theilung der bereits vorhandenen Glieder vermehren, während sich bei
den mit einem Halse versehenen Bandwürmern die neuen Glieder vom
Halse abschnüren. Im Sommer fand Eschricht sehr kleine Individuen
dieses Bothryocephalus, von 6, 4, 2 bis | Lin. Länge, im Cottus Scor-
pius, sie sahen einem abgerissenen Vorderende grösserer Bandwurm-
Individuen oft ganz ähnlich, nur war das hinterstie Glied immer das meist
entwickelte, die kleinsten Individuen glichen genau einem einzelnen
Bothrjocephalus-Kopf mit einem oder einigen Gliedern. Im November,
Dezember und Februar vermisste Eschricht an allen, selbst an ziem-
lich grossen Individuen dieses Bothryocephalus nicht allein die Eier,
sondern die Geschlechtstheile überhaupt, und sieht hieraus die Ab-
hängigkeit der Fruchtbarkeit des Bothryoceph. punctatus von den
Jahreszeiten für erwiesen an; es entwickeln sich nämlich die Glie-
der vom Fruhlinge an bis zum Sommer hin, lösen sich dann ab,
während die Köpfe mit einigen noch anhängenden Gliedern, wie sie
den Sommer über von Eschricht so zahlreich in den appendices pjio-
ricae des Cottus Scorpius angetroffen wurden, einer neuen Jahres-
periode entgegengehen, es entwickeln sich nach und nach wieder
neue Glieder, welche im Winter noch keine Geschlechtsorgane be-
sitzen, sondern diese erst im Laufe des Frühjahres erhalten. Esch-
richt hat jene älteren, abgetrennten Kopfenden von wirklich ganz
jungen Bothryocephalen bei genauerer Untersuchung ganz gut un-
terscheiden gelernt, auch Ref. ist immer im Stande gewesen, bei
Bothryoceph. proboscideus junge Thiere von kurz abgetrennten Kopf-
enden erwachsener Individuen sicher zu unterscheiden, was beson-
ders der bei den jungen Individuen stets unausgebildete Kopf be-
günstigte. Eschricht war nicht im Stande an der vorderen Saug-
platte der Köpfe von erwachsenen Bothryoceph. punctat. eine Oeff-
nung zu entdecken, welche als Mundöffnuug hätte gelten können,
Ref. hat ebenfalls nach einer solchen Oeffnung an derselben Stelle
bei Bothryoceph. punctatus, proboscideus, infundibuliformis und clavi-
ceps vergebens gesucht; dennoch nimmt Eschricht an der vorderen
Saugplatte eine Mundöffnung an, von welcher jene doppelten unver-
zweigten Seitenröhrcu, welche der Bothryoceph. punctatus in der-
312
selben Weise wie Bothryoceph. latus besitzt, als gabeliger Darm
ausgehen soll. Ein sehr verzweigtes Röhrensystem, welches in
mehreren Hauptstämnien der Länge nach in Schlangenbiegungen durch
alle Glieder des Bothryoceph. punctatus verlief und sich maDnich-
faltig verzweigte, gewährte Eschricht den Anblick eines Gefässsy-
stems, ein ähnliches Gefässsystem erkannte auch Ref. in den Glie-
dern des Bothryoceph. claviceps, besonders deutlich aber in der Ge-
gend des Kopfes und der vorderen Glieder dieses Bandwurms. Auf
der ganzen Oberfläche des Bothryoceph. punctatus bemerkte Esch-
richt während des Lebens des Thieres eine Menge durchsichtiger
kreisrunder Körperchen lose aufsitzen, welche derselbe nicht als
Sekret des Wurmes betrachten, sondern als die erste Spur von Kie-
men deuten möchte. Die Kernkörner fand Eschricht auch ,bei Bo-
thryoceph. punctatus vor, ebenso die kleinsten Körner, die Lymphe,
und die Muskelfasern, während Nerven auch in diesem Bothryoce-
phalus nicht zu entdecken waren. Die Fortpflanzungsorgane des
Bothryoceph. punctatus erschienen Eschricht ganz anders construirt
als bei Bothryoceph. latus, daher es derselbe für möglich hält, dass
unter der Bandwurmforra überhaupt viele ziemlich verschiedene Ty-
pen verborgen liegen, was Ref. bestimmt bestätigen kann. Bei Bo-
thryoceph. punctatus konnte Eschricht Rücken- und Bauchfläche k^um
unterscheiden, indem auf jedem Gliede, sowohl an der einen, wie
an der anderen, eine Reihe Geschlechts - Oeffnungen sich vorflndefc.
Die Oeffnungen der einen Fläche nehmen immer die Mitte jedes
Gliedes ein, und sind immer grösser als die Oeffnungen der anderen
Fläche, welche dicht an dem oberen Rande der Glieder angebracht
sind^ durch dieses eigenthümliche Structurverhältniss kommt es, dass
der Bothryoceph. punctatus auf der einen Fläche männlichen, auf der
anderen weiblichen Geschlechtes ist, Eschricht möchte wegen dieses
bisher in der Thierwelt ganz unbekannten Organisatioas- Verhält-
nisses den Bothryoceph. punctatus als eine besondere Gattung, etwa
unter dem Namen Amphaphrodite, hinstellen. Eine eigenthümliche
Krankheit dieses Bandwurms gab Gelegenheit, den männlichen Ge-
schlechtsapparat von dem weiblichen bequem zu sondern. Es fan-
den sich nämlich im März unter einer Menge Individuen dieses Band-
wurmes auch runde Bandwürmer, an anderen Individuen sah Eschricht
mehrere kleinere Strecken von Gliedern blasenartig angeschwollen.
Durch einen Längsschnitt konnte Eschricht an diesen Bandwürmern
die auf natürliche Weise innerlich gesonderten Genitalien leicht
biossiegen, dennoch ergab aber diese Untersuchung wenig genügende
Resultate; auf der weiblichen Fläche war ein in einfachen Windun-
gen gekrümmter Eierbehälter zu erkennen, dessen Nebentheile je-
doch undeutlich blieben, nur waren die sogenannten Bauch- und
Rückenkörner ganz in der Art vorhanden, wie bei Bothryoceph. latus,
was auffallen musste, da ja nur die weibliche Fläche diese Organe
besitzen sollte. Als innere männliche Geschlechtsorgane bieten sich
313
eine S-förmig gewundene Rohre und eine gegen die weibliche Ge-
sehlechtsüiTnung gerichtete Figur dar, letztere dürfte vielleicht als
Verzweigung des vas deferens betrachtet werden. Eine andere die-
sen Organen anhängende Nebendrüse wusste Eschricht nicht zu deu-
ten. Die bei Bothryoceph. latus für die Hoden erklärte Mittelschicht
drüsenartiger Körper war übrigens auch hier vorhanden. Zuletzt
vergleicht Eschricht die Bothryocephalen mit den Trematoden und
erklärt sie für zusammengesetzte Trematoden.
In Bezug auf die geograpliisclie Verbreitung der Band-
würmer sind folgende Beobachtungen von Interesse.
Trier hat in Copenhagen einen Bothryoceph. latus von einem
Frauenzimmer abgetrieben, bei welchem keine Beziehung zu Rus-
sen, Polen und Schweizern nachzuweisen war*), ob auch nicht zu
Preussen? Diese Frage muss Ref. noch hinzufügen, da nach seinen
Erfahrungen der Bothryoceph. latus auch in der Provinz Preussen
zwischen Memel und Weichsel einheimisch ist (s. dieses Archiv. 1838.
II. S. 305.). Eschricht erhielt seine Exemplare von Bothryoceph.
latus durch die ärztliche Behandlung einer 23 Jahre alten Dame, welche
aus Petersburg von russischen Eltern gebürtig war, und fast ihre
ganze Jugendzeit in Copenhagen zugebracht hatte, jedoch so, dass
sie ohngefähr alle zwei Jahre eine Reise auf 3 — 4 Monate nach
Petersburg und dem südlichen Finnlande hatte machen müssen"^*).
In den Colonien (auf St. Thomas) leiden nach Eschricht die Neger
an Ta£uia cucurbitina {soliuni) '^**).
Von Mongeat ward die Beobachtung mitgetheilt, dass eine
Dame von 32 Jahren zu Paris zwölf Bandwürmer auf einmal aus-
geleert habe, indem bei dem Auseinanderwirren des Bandwurm-
Klumpens 12 Stück Köpfe herausgefunden wurden f). Die Taenia
malleus hat Crepliu in Anas Marila, glacialis und im Haushahn,
Schilling dagegen in Mergus Merganser und Serrator aufgefun-
den ff).
Cyttica.
Nach Hausmann sind bei Schweinen, welche mit Cysticercus
cellulosae behaftet sind, keine junge und alte Würmer zu unterschei-
den, so dass es scheint, als seien sie alle gleichzeitig entstanden und
als die Krisis einer gelinden Krankheit anzusehen ff f ).
*) Act. Acad. Leopold. a.a.O. S. 140.
**) Ebenda. S. 9.
***) Ebenda. S. 139.
f ) Froriep's Neue Notizen. Nr. 324. S. 256.
ff) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. O. S. 299.
fff) Hausmann: Ueber die Zeugung und Entstehung des wahren
weiblichen Eies bei den Säugctüieren und Menschen. 1840. S. 127.
314
Creplin suchte über jenen Krankheitsfall, in welchem nach Wei-
Cenkamprs Bericht belebte Hydatiden mit dem Urin ausgeleert wur-
den, sich näheren Aufschluss zu verschaffen, und erfuhr, dass die Hy-
datiden Blasenschwänze, vielleicht Cycticerci cellulosae waren *), was
bisher noch nicht beobachtet worden war. Ein Fall von Cysticercus
cellulosae im Gehirne des Menschen wurde in Guy's hospital reports
erzählt: der Kranke war bewusstlos in das Lazareth gebracht wor-
den und zwölf Stunden darauf gestorben, derselbe hatte in kei-
nem Muskel und keinem anderen Körpertheile als dem Gehirne Fin-
nen besessen**). Von Gulliver wurden mehrere Beobachtungen
über die Gattung Cysticercus bekannt gemacht, die sich besonders
auf die Glaskörper dieser Blasenwürmer beziehen***). Wenn derselbe
nämlich einen Blasenwurm nahe am« Kopfe drückte, so quoll etwas
zähe Flüssigkeit hervor, in welcher sich eine grosse Menge ovaler
Körper befanden; ihre Gestalt ist flach, elliptisch, zuweilen fast zir-
kelrund, ihr Längendurchmesser beträgt ohngefähr Y3V0 eines Zolles,
ihr Querdurchmesser ^J-^-^ eines Zolles, sie sind weisslich, glatt und
haben bei reflectirendem Lichte ein glänzendes Ansehen, bei durch-
fallendem Lichte zeigen- sie in ihrer Peripherie eine dunkle Färbung,
und auf ihrer Oberfläche einen starken Glanz, sie sind scharf begrenzt,
obwohl der Umriss zuweilen uneben ist. Die Mehrzahl dieser Körper-
chen ist undurchsichtig; bei einigen mehr durchsichtigen Körperchen
ist im Innern ein ovaler oder runder Kern sichtbar, der meistens
centrisch, zuweilen excentrisch an dem einen oder anderen Ende der
Körperchen liegt. Diese Kerne zeigen meistens eine granulirte Tex-
tur, was man bei dem Zerdrücken der Körperchen erkennt. Der Hals
eines Blasen wurms ist so dicht mit diesen Körperchen besetzt, dass
die weisse Farbe desselben von ihnen herzurühren scheint, nach dem
Kopfe hin nehmen sie ab, und da, wo der Hals und Körper in die
Schwanzblase übergeht, hören sie plötzlich auf. Die oberste Schicht
derselben scheint leicht loszugehen, denn wenn man die Oberfläche
des Körpers mit einem Tropfen Wasser berührt, so gerathen eine
Menge dieser Körperchen in das Wasser, auch erhält man viele der-
Beobachtung über die Entstehung einiger solcher Eingeweidewürmer
der Haussäugethiere, die sich nicht durch Fortpflanzung vermehren,
als: Cysticercus cellulosae, Coenurus cerebralis, Echinococcus ve-
terinorum.
*) Müller's Archiv 1840 S. 149.
**) Guy's hospital reports 1840. Nr. X. Apr. S. 1.
***) Proceedings of the zool. soc. a. a. O. S. 31. G. Gulliver: on
the oval corpuscles of the Cysticercus. Ein ausführlicher Aufsatz
über denselben Gegenstand befindet sich in: Medice- chirugical Trans-
actions, second series. Vol. VL London 1841. S. 1. Observations on
the structure of the Entozoa belonging to the Genus Cysticercus.
By George Gulliver.
315
selben durch Schaben der Körper-Oberfläche. Mittelst Salzsäure und
Essigsäure lösen sie sich unter Luftentwicklung auf, und diese Auf-
lösung giebt einen weissen Niederschlag mit Oxalsäure oder Schwe-
felsäure. Während des Auflösens wxrden die Kerne der Körperchen
oft sichtbar und scheinen dann einen noch kleinern Kern zu enthalten.
Die Körperchen stecken unmittelbar im Parenchym des Blasenwurm-
Körpers, welches im übrigen dem Parenchyme der Schwanzblase
ähnlich ist. Da es schwer hält, diesen Körperchen eine andere Be-
deutung unterzulegen, so geräth Gulliver, wie schon viele andere
Forscher, auf die Idee, sie für Eier zu halten, und zwar besonders
deshalb, weil ihre Form und regelmässige Gestalt an Eier erinnere,
und weil sie stets in einem bestimmten Theile des Mutterköipers
vorkommen, niemals in den Wänden der Schwanzblase; jener Theil
des Mutterkörpers correspendire alsdann mit dem Uterus der höher
organisirten Entozoen. Gulliver weiss zwar nicht, wie diese ver-
meintlichen Eier aus den Thieren herausschlüpfen, er beruft sich aber
auf die Leichtigkeit, mit welcher sie sich von der Körper-Oberfläche
loslösen, und auf einer von Knox gegebenen Abbildung, wo ein Cy-
sticercus cellulosae den Kopf und Hals durch eine scharf begrenzte
Oeffnung der Cjste, in welcher er eingeschlossen, heraussteckte und
xilso auf diese Weise seine Eier losstreifen und ablegen könnte. Wer
nur irgend etwas genauer mit der Structur der Cysticcrcen und ihrer
Cysten bekannt ist, wird übrigens wissen, dass nur durch Verletzun-
gen erstere ihre im Parenchyme enthaltenen Glaskörper, die ver-
meintlichen Eier, verlieren und letztere eine Oefl'nung bekommen.
Die Schwanzblase der Cysticercen besteht nach Gulliver's Unter-
suchung aus einer homogenen und dunkel granulirten Substanz, wel-
che überall mit ölartigen Kügelchen von --ijs^^xj ^is ^j^Vö ^^11 im
Durchmesser durchdrungen ist. Gulliver bemerkte also nichts von
den sich kreuzenden Muskelfasern in der Schwanzblase, von denen
die lebhaften, so schön anzusehenden Bewegungen dieses Theiles der
Cysticercen vollbracht werden. Ausser einer Verdichtung brachten
nach Gulliver's Versuchen Essigsäure und Salzsäure keine Verände-
rung im Gew^ebe der Schwanzblase hervor. Die den Cysticercus ein-
schliessende Cyste gleicht verdichtetem Zellgewebe oder einer ver-
dickten serösen Membran, vergrössert zeigt sie undeutliche Zellen-
structur, zuweilen auch sehr zarte Fasern, welche parallel oder sich
kreuzend die Membran durchziehen. Einzelne kleine Blutgefässe
verästeln sich durch die Wände der Cyste. Salzsäure brachte die
Cysten- Wände zum Schwellen, Essigsäure machte sie durchsichtig.
Die Flüssigkeit der Schwanzblase der Cysticercen wirkt nicht auf
die Pigmente, Eiweiss ist nur in geringer Menge in derselben ent-
halten, da sie durch Erhitzung, durch Salpetersäure oder Quecksilber-
Sublimatauflösung nur schwach getrübt wMrd, Die Häkchen des Kopfes
werden ganz richtig beschrieben und gut abgebildet. Cysticercus
tenuicoUis besitzt 33 Häkchen^ 16 grössere und 16 kleinere, welche
316
alterDirend in einen Kreis gestellt einen doppelten Hakenkranz bil-
den. Der Discus des Kopfes erscheint in der Mitte undurchbohrt.
Die Häkchen werden von Säuren nicht angegriffen. Die Häk-
chen weichen je nach den verschiedenen Cysticercusarten nicht ihrer
Lage nach, wohl aber ihrer Gestalt nach etwas von einander ab.
Die vonKnox erwähnten^ in der Nähe der Haken befindlichen Körper,
welche er für Eier erklärte (s. dieses Archiv 1839. H. S. 167), konnte
Gulliver natürlich nicht vorfinden, da sie nicht existiren. Die mei-
sten Abbildungen hat Gulliver von einem im Omentum eines raexi-
canischen Hirsches entdeckten Cysticercus entnommen.
In Bezug auf die Entstehung der Drehkrankheit hat nach Haus-
mann'f) die Erfahrung gelehrt, dass einige Sauglämmer oder vom
Saugen entwöhnte LämraerZufälle von Gehirnentzündung oderSchwin-
del bekommen, die sich meist wieder verlieren, dass aber viele von
diesen Lämmern im nächsten Jahre in die Drehkrankheit verfallen;
es ist nun wahrscheinlich, dass die Schwindelzufälle der Lämmer die
Entwicklung des Coemirus cerebralis einleiteten, denn man hat in sol-
chen geschlachteten Lämmern zuweilen Spuren der Entwicklung des
Coenurus gefunden. In einem Falle sah Hausmann schon durch die
zarte Hirnhaut des geschlachteten Lammes auf dem rechten Hirn-
lappen zwei gelbe Stellen von der Grösse einer Linse hindurchschim-
mern, bei Abnahme der harten Hirnhaut fand sich dieselbe mit diesen
gelben Stellen etwas verklebt und die Hirnhaut daselbst ein wenig
verdünnt. Die gelben Stellen lagen beide unter der pia mater und
hatten auch noch eine ganz dünne Hirnlage über sich, in der Mitte
der gelben Flecke befand sich eine durchscheinende Stelle. Die be-
nachbarte Hirnsubstanz hatte mehr Blut als gewöhnlich. Unter jedem
Flecke lag eine mit klarer Flüssigkeit gefüllte erbsengrosse Blase,
welche zwei bis drei Häufchen von ausgestülpten Hervorragungen,
ohne Zweifel die Anlagen zu Wurmköpfen, besass, Saugnäpfe und
Hakenkranz waren an ihnen jedoch noch nicht zu erkennen gewesen.
Die ganze Entstehung dieser Bläschen leitete Hausmann von einer
Entzündung ab, welche in den Lämmern durch eine Weideverände-
rung veranlasst worden sei.
Kuers behauptet, dass sich bei der Drehkrankheit der Schafe
Wassersucht des Gehirnes ausbilde und dass hierauf erst die Dreh-
würmer entstehen**). Diesem widerspricht König mit Recht, indem
er behauptet, dass die Drehkrankheit immer in dem Vorhandensein
des Coenurus cerebralis bestehe, und Wassersucht des Gehirns gar
nicht bieher gehöre***). Interessant sind übrigens die von Kuers nach
*) Hausmann : über die Zeugung etc. S. 187.
**) Kuers: die drei wichtigsten Jugend-Krankheiten der Schafe,
die Traberkrankheit, Drehkrankheit und Lämmerlähme, und deren
sichere Yorbengung. Berlin 1840.
***) Gurlt und Hertwig: Magazin für die Thierbeilkunde 1841. S. 391.
317
Zerstörung des Coemirus im Gehirn beobachteten Kttlkconcremente^
was mit der Neigung der Blasen würmer, nach ihrem Absterben sich
mit einer Knochen- oder Kalkrinde zu umgeben, übereinstimmt, wie
dies Ref. an Cysticercus tenuicollis schon einige Male beobachtet hat.
DA" Echinococcus veterinorum soll sich nach Hausmann ganz
bestimmt als Folge einer Entzündungskrankheit ausbilden*), indem
in der krankhaft abgesonderten serösen Flüssigkeit der verschiedenen
Organe nachher eine peripherische Ausscheidung zu Stande kommt,
aus welcher alsdann der Wurmkörper sich zu organisiren anfängt.
Doyere hat erkannt, dass die Acephalocysten aus den verschiedenen
Theilen des Menschen aus zwei verschiedenen Bälgen bestehen, und
dass in der inneren Höhle kleine Körper enthalten sind, welche sich
als kohlensaure Kalkconcremente ausweisen; hiermit sind gewiss die
oft besprochenen Glaskörper gemeint**). Ausserdem flottirten in der
Flüssigkeit der Höhle sehr kleine weisse Körperchen, welche unter
dem -Microscope Aehnlichkeit mit gewissen Blasenwürmern hatten, und
welche nach Art derAscidien aggregirt waren; aus diesem Vergleiche
muss Ref schliessen, dass Dojere die Echinococcus-Köpfchen in dem-
jenigen Zustande der Entwicklung gesehen hat, welcher in der Dis-
sertation von Chemnitz (de hydatidibus Echinococci hominis commen-
tatio) Fig. X. abgebildet ist. Dass Doyere durch seine Untersuchun-
gen zu dem Resultate gekommen: die Acephalocysten für lebende,
selbstständige Wesen zu halten, ist erfreulich und erweckt die Hoff-
nung, dass endlich einmal in Frankreich der Echinococcus hominis in
seinem wahren Wesen erkannt werde. Wie sehr dies Noth thut, wird
man sogleich aus den Bemerkungen erkennen, welche Velpeau
denen Doyere's folgen lässt. Derselbe meint nämlich, dass diese Art
von Hydatiden an dem Gewebe, W^elches sie umgiebt, festhängen,
dass dergleichen Hydatiden von ihm einige Male in der Uterus-Höhle
beobachtet worden sind, letztere könne er aber nicht für Thiere, son-
dern nur für einfache Producte des Choriou halten. Es werden hier
also wiederum eine Traubenmole, Echinococcus hominis und einfache
seröse Cysten unter einander verwechselt. Von Guillot erfahren
wir über diesen Gegenstand ebenfalls nicht viel Brauchbares***).
Ueber die Stellung der Gregarinen im Systeme ist Nordmann
zweifelhaft geblieben f), worüber sich Ref. nicht wundern kann, da
unsere Kenntniss über den ganzen Bau dieser Schmarotzer noch sehr
mangelhaft ist.
Nachträglicli ist noch zu bemerken, dass von Fleck ein
Buch erschienen ist ff), in welchem er über die Erzeugung thie-
*) Hausmann: a. a. O. S. 188.
**) L'institut 1840 S. 88. Vers intestinaux acephalocystes.
***) L'institut 1840 S. 816. Acephalocystes du corps de l'homme.
f ) Lamarck : bist. nat. des anim. sans vertebres a. a. O. S. 638.
ff) Fleck: der Arzt für Wurmkranke jeden Alters, oder die Ein-
318
rischer Organismen im lebenden menschlichen Körper das Be-
kannte ärmlich abhandelt. Ein anderes Kapitel, welches der-
selbe den Eingeweidewürmern der Menschen und Thiere widmet,
enthält neben den menschlichen Entozoen eine sehr ungeschickte
Auswahl von Eingeweidewürmern anderer Thiere, bei deren
Schilderung der Verfasser eine grosse Unkenntniss' des von
ihm gewählten Gegenstandes verräth, wie man aus folgenden
Beispielen ersehen kann:
So rechnet derselbe (S. 30) Filaria und Trichocephalus zu den
darmlosen Eingeweidewürmern. Bandwürmer entspringen nach seiner
Meinung (S. 35) vielleicht aus krankhaft verlängerten Saugadern.
Das Pohjstomum schildert derselbe folgendermassen (S. 43): ,jamKopfe
sechs Münde, von denen Därme abgehen, dazu noch zwei Saugnäpfe,
einer am Bauch und einer hinten." Nach Fleck sollen (S. 48) bei den
Nematoideen viel mehr Männchen als Weibchen vorkommen, und in
beiden Geschlechtern sollen die inneren Zeugungstheile aus zwei
langen vielfach gewundenen Röhren bestehen u. dgl. m. Ein beson-
deres Kapitel bezieht sich auf die Eingeweidewürmer des Menschen
insbesondere, und auch in diesem Kapitel werden die gröbsten Ver-
stösse gegen die bekanntesten Dinge begangen. Die Entozoen des
Menschen theilt Fleck ein: 1) in Blasenwürmer, welche man in allen
Theilen des Körpers finden kann, 3) in breite.und runde Darmwürmer,
welche nirgends weiter als in dem Darmkanale gefunden werden,
zu diesen runden Darmwürmern werden dann Filaria medinen&is und
Strongylus gigas gerechnet. Von neueren Entdeckungen mensch-
licher Entozoen wird gar nichts erwähnt.
Schliesslich sind noch einige Pseudo-Helminthen zu erwäh-
nen. Unter diesen ist die Needhamia expulsoria nichts anderes
als ein sehr complicirter .Samenschlauch der Sepia officinalis.
Carus betrachtete einen solchen Samenschlauch als ein selbst-
ständiges thierisches Geschöpf, welches mit Schlund, Vormagen, Ma-
gen, Dünndarm und Mastdarm versehen sein sollte*). Die verschie-
denen im Inneren der Schläuche zu unterscheidenden Theile dienen
nach den neuesten Untersuchungen nur dazu, theils durch Endosmose
theils durch Elasticität den starren Schlauch zu sprengen, und die im
hintersten Ende des Schlauches befindliche eigentliche Samenmasse
aus ihrem Behälter zu befreien. Ebenso verhalten sich die Samen-
schläuche der übrigen Cephalopoden, nur dass nach der Gattungs-
geweidewürmer und die durch sie erzeugten Krankheitsformen nebst
zweckmässigem Heilverfahren dagegen. Weimar. 1840.
*) Act. Acad. Leopold. T, XIX. P. I. 1839 S. 3 Tab. I. und Erläu-
terungstafeln zur vergleichenden Anatomie von Carus und Otto. Hft. V.
1840 S. 4. Taf. I. Fig. X.
319
Verschiedenheit der Cephalopoden auch die Samenscbläuche von Sepia^
Loligo, Eledon, Sepiola u. s. w. verscliieden organisirt sind. Der von
Carus für den Dickdarm der Needhamia expulsoria gehaltene Theil ist
die eigentliche von Spermatozpen gebildete Samenmasse der Sepia.
Carus erklärte die Needharaia für ein gi'osses Spermatozoon, wel-
ches nur die Bestimmung habe, unendlich viele kleinere Spermatozoen
in sich zu bilden und welches endlich dehiscirt, um die Spermatozoen
zweiter Potenz frei zu machen*). Derselbe vergleicht dabei die
\eedhamia mit seinem Leucochloridiura paradoxum, welches eine leben-
dige Hülle für unzählige Distomen ist. Ref. kann, nachdem er in
diesem Herbste in Pola und Triest verschiedene Cephalopoden frisch
zu zergliedern Gelegenheit gehab't, mit Bestimmtheit versichern, dass
es ihm niemals möglich gewesen ist, an den verschiedenen Samen-
schläuchen dieser Molluscen auch nur die geringste selbstständige
thierische Bewegung zu erkennen. Carus hält die Spermatozoen aber
überhaupt für Thiere und zwar für epiorganische, welche sich aber
bloss auf das Zeugungsleben des epitellurischen Thieres, dem sie an-
gehören, beziehen. Die Needhamia expulsoria ist diesem Forscher
hiernach das vollkommenste und bis jetzt grösste Spermatozoon ♦♦).
Valentin betrachtet die Spermatozoen ebenfalls al»
.selbstständige Thiere und hat daher an den Spermatozoen eines
alten Baren Mund, After und innere Blasen gesehen und ab-
gebildet***).
Diese inneren Blasen mochte Valentin als die Darstellung eines
inneren gewundenen Darmkanales deuten, dessen Biegungsstellen von
oben als Ringe (Blasen) erscheinen müssen. Die Abbildungen, welche
Valentin von diesen Spermatozoen gegeben hat, erinnern ganz an
die Gestalt der Cercarien, zumal da die beiden Stellen, welche für
Mund und After ausgegeben werden, sich wie S*ugnäpfe ausnehmen.
Valentin hat aber niemals eine Gestaltveränderung des Körpers die-
ser Spermatozoen bemerken können, nur der Schwanz derselben
bewegte sich mannigfach, jedoch bestanden die Bewegungen immer
nur in Schlängelungen und Beugungen j von Contractionen, Verlänge-
rungen und Verkürzungen des Schwanzes erwähnt Valentin nichts,
durch diese Bewegungen unterscheiden sich also die Spermatozoen,
an welchem ein Körper und Schwanz vorhanden ist, sehr bestimmt
von den Cercarien, mit welchen sie so oft verglichen werden.
Gerber fügt den Verdauungsorganen der Spermatozoen
gar noch Geschlechtsvverkzeuge hinzu -j-), indem er in den
Spermatozoen des Meerschweinchens nicht allein Mund, After
*) Erläuterungstafeln a. a. O. S. 16.
") Act. Acad. Leopold T. XIX. a. a. O.
**') Ebenda. S. 839.
t) Gerber: allgemeine Anatomie S.810. Taf. VII. Fig. «51 — 853.
320
und Darmkaiial, sondern auch zwei abgerundete feinkörnige
Organe als Spuren von inneren Zeugungstheilen erkannt haben
will. Da die Spermatozoen als etwas Wesentliches des Samens
betrachtet werden müssei;, so hält es Gerber für wahrschein-
lich, dass die übrigen Eingeweidewürmer wenigstens unter ge-
wissen Umständen als Bedürfniss der thierischen Oeconomie
höher stehender Thiere anzusehen wären. *
Berieht über die im Jahre 1839 und 1840 erschie-
nenen Arbeiten, welche die Klassen der Medusen,
Polypen und Infusorien betreffen*).
Von
Rudolph Wagner.
Iflecluseii.
Zu den wichtigsten Arbeiten über die Medusen gehört
unstreitig der ausführliche Aufsatz von v. Siebold über M ^-
dusa aurita in seinen an neuen und schönen Beobachtun-
gen so reichen: Beiträgen zur Naturgeschichte der wirbellosen
Thiere. Danzig 1839. 4to.
*) Das Wenige, was in den beiden letzten Jahren iiberEchino-
dermen publicirt worden ist und das sich fast ganz auf die Nach-
weisung der Duplicität des Geschlechts hei den Seeigeln, Seesternen
(auch Comatula) und Holothurien bezieht, wird im nächsten Jahresbericht
besprochen werden. Die ausgezeichneten systematischen Arbeiten über
die Ästenden von J. Müller und Troschel sind bis jetzt nur in der
Kürze in den Monatsberichten der Berliner Academie (theilweisc auch
in diesem Archiv) mitgetheilt, während das grössere Werk eben im
Erscheinen begriffen ist; ich werde deshalb hierüber, so wie über
die wichtigen theils publicirten, theils zu erwartenden Arbeiten über
die Echiniden von Agassiz und Valentin im nächsten Jahre referiren.
Sehr dankbar werde ich es erkennen, wenn mir die Verf. kleinerer
oder grösserer Abhandlungen über Echinodermen, Medusen, Polypen
und Infusorien Separatabdrücke zur Benutzung für den Jahresbericht
mittheilen wollten, da die möglichst vollständige Aufführung der Li-
teratur erzielt werden soll.
321
Der Verf. theilt zuerst interessante Notizen über das Erscheinen
der Medusa auritu an der Danziger Ostseeküste mit. Die Winde
haben nur indireclen Einfluss auf die in grossen Massen auftretenden
Medusen; sie nähern sich durch eignen Willen und entfernen sich
wieder; bei den Seewinden, welche sie an die Küsten werfen wür-^
den, entfernen sie sich und suchen die hohe See; bei Landwinden
erscheinen sie zu Millionen; wahrscheinlich ziehen sich die Thiere
im Winter in die Tiefen der See zurück. Siebold beschreibt die kräf-
tigen Ortsbewegungen dieser Thiere. Er fand ausser der Med. aurita
auch die Cyanea capitlata in der Ostsee. Bekanntlich hat der Verf.
zuerst auf die auch bei den Medusen differenten Geschlechtsverhalt-
nisse aufmerksam gemacht. Die Männchen sind äusserlich den Weib-
chen ähnlich. Der bekannte, von vier Bogen gebildete rosenfarbece
Kranz ist der Sitz der Geschlechtsorgane. Die Männchen besitzen
hier vier Hoden; es bilden sich bei ihnen zu seiner Zeit an den vier
Fangarmen Taschen, was bei den Weibchen in der Brunstzeit immer
geschieliX. Die Zahl der Hoden kann sich durch Monstrosität ebenso,
wie die der Ovarien vervielfältigen oder vermindern» Die Farbe der
Hoden ist durchaus unbeständig; sie variirt zwischen schrautziggelb,
braungelb und rosenfarbeu. Die Hoden sind mit Raudfäden oder Ten-
takeln besetzt, deren Bedeutung S. nicht ermitteln konnte. Die Ho-
den zeigen inwendig eine zahllose Menge kleiner birnförmiger Blind-
säckchen, die sich mit einer besonderen engen Oeffnung an der untern
Fläche des Hodens nach aussen münden. In diesen Beutekhen ent-
wickeln sich die Spermatozoen auf ähnliche Weise wie bei den höhe-
ren Thleren, namentlich den Vögeln; die ausgebildeten Samenthier-
chen bestehen aus einem länglichen Körper und haarförmigem Anhang
von grosser, nicht messbarer Feinheit; sie bewegen sich schlängelnd.
Bei der Entleerung hängen die einzelnen Büschel oder Bündel von
Siamenthierchen schnurförmig aneinander. 8ie bleiben im Seewasser
lange lebendig. Schon bei sehr kleinen, einen Zoll grossen Medusen
fand S. öfters Hoden mit vollkommen entwickelten JjJpermatozoen.
Bei den Weibchen variiren die Ovarien eben so in der Farbe und sie
sind mit ähnlichen Fühlfäden besetzt; sie enthalten Eierkeime mit
deutlichem Keimbläschen und Keimtleck. Flimmerhaare fand S. an
eben losgelösten Eiern aus dem Ovnrium nicht. Wie die Eier in die
Taschen der Fangarme gelangen, ob die Fühlfäden dieselben hiuleiten,
konnte S. eben so wenig als Ehrenberg ausmitteln. Die Taschen sind
nichts anderes, als Ausstülpungen der Membran, welche die vier nach
dem Maule führenden Rinnen der Anne zu beiden Seiten einfasst.
Von grösstem Interesse ist die beobachtete Entwickelungsge-
schichte der Meduseneier. Es kommen hier Dotterdurchfurchungen
wie bei den übrigen Thieren vor und wie sie namentlich schon län-
ger bei den Fröschen und Knochentischen beobachtet sind. Noch
merkwürdiger sind die weiteren Metamorphosen. Die jungen Embryo-
nen gleichen zuerst einem länglichen oder birqförmigen Infusions-
Archiv f. Nalurgesch. VII. J.^rg. 2. Bd. 21
322 .
ihierchen und schwimmen lebhaft umher. Bald darauf setzen sie sich
fest, treiben Fortsätze und bekommen so ganz das Ansehen vier-
arraiger und dann später achtarmiger Polypen.
üeber die weiteren Details mässen wir auf die interessante Ar-
beit selbst verweisen, so wie auf die weiteren, bestätigenden Unter-
suchungen von Sars in diesem Archiv 1841 S. 9.
V. Siebold beschreibt auch, jedoch nur unvollkommen
(vielleicht wegen allzugeringer Entwickelung der Theile bei
dieser Gattung) jene Gebilde, welche ich als Nesselorgane der
Medusen beschrieben und in meiner neuen Schrift über den
Bau d^r Pelagia noctiluca abgebildet habe. Ich habe allenthal-
ben die höchst genauen Beobachtungen Siebold's über die Ge-
schlechtsverhältnisse der Medusen nur bestätigen können. Bei
den einzelnen Gattungen scheinen nur geringe Modificationen
vorzukommen.
Milne Edwards bestätigte ebenfalls die doppelten Ge-
schlechter der Medusen.
In einem Briefe an Flourens aus Nizza vom März 1840 theilt der-
selbe genaue Beobachter eine kurze Notiz über die Circulation der
Nahrungsflüssigkeit bei Bero'e ovata mit, Ann. des sc. nat. Zool. 1840
p. 320. Es existirt hier ein doppeltes System von Gefässen ohne
Herz und die Bewegung der Flüssigkeit ist lediglich durch schwin-
gende Wimperchen bedingt, welche an der inneren Fläche der Ge-
fässe sitzen. Aehnliche Beobachtungen hat Ref. schon 1839 bei Ocea-
nia (s. d. eben citirte Schrift) gemacht und diese Art der Chylus-
bewegung scheint bei Polypen, Medusen und vielen Helminthen vor-
zukommen. Vergl. mein Lehrb. d. Physiol. S. 178. In einem anderen
Briefe anAudouin vom April 1840 spricht Milne Edwards auch von
doppeltem Geschlecht bei den Physophoren. Annales des scienc. nat.
Tome Xni. p. 197.
Ball machte einige unvollkommene Mittheilungen über die
Cydippe pomiformis Pattefson (Beroe ovatus Flemming) und
eine neue Bolina der irischen Küste (Bol. hibernica Patter-
son). Annais of natural history. Vol. 111. p. 60 und Vol. V.
p. 67, er verspricht eine genauere Beschreibung und Abbildung.
Edw. Forbes beschreibt zwei Arten von Cydippe der
englichen Küste und bildet sie ab. Ann. of nat. bist. p. 145.
Der Verf. corrigirt die Gattungsbeschreibungen seiner Vorgän-
ger, namentlich die von Blainville, giebt auch eine kurze Beschreibung
der Arten, ohne sie mit specifischen Namen zu belegen. In der Sub-
stanz des einen Thiers fand sich nahe am Magen ein parasitischer
Wurm, einer Filaria ähnlich. Nähere Beobachtungen wären von In-
. de
I
323
teressO) da man, so weit dem Ref. bekannt ist, bisher noch keine Ein-
geweidewürmer von Medusen kennt.
Jonathan Couch giebt Mittheilnngen über die Structur
und Lebensweise von Vhysalia. Magaz. of nat. bist. Nov.
1839 und Froriep's N. Notizen. Nr. 273. Febr. 1840.
Die Angaben sind sehr dürftig. Das Thier, das Couch noch nicht
kannte, ist manchmal an den britischen Küsten nicht selten. Man
soll nie eine Spur von Nahrungsstoffen finden und der innere 8ack
soll nichts als Luft enhalten, welche durch den Kamm sezernirt zu
werden scheint (I?). Die Physalien nesseln.
Ueber die Art, Medusen für Sammlungen aufzubewahren,
findet sich ein aus dem Schwedischen des verstorbenen Fries
übersetzter Aufsatz von Hornschuch mit einem Nachtrag von
Schilling in Greifswald in Froriep^s Neuen Notizen Nr. 238
(B. XI, S. 273 Sept. 1839).
Polypen.
Die letzten Jahre sind besonders reich an wichtigen Beob-
achtungen über diese wichtige Thierklasse. Der ausdauernden
Thätigkeit der britischen Naturforscher haben wir nicht allein
die interessantesten Mittheilungen über den anatomischen Bau
der Polypen zu verdanken, sondern durch die emsige Bearbei-
tung der britischen Fauna gewinnt die Systematik und die
sichere Kenntniss der einzelnen Gattungen und Arten ungemein.
Johns ton gab zu seinem schon früher genannten Werke
einen Nachtrag in seiner neuen „History of the british Spon-
ges and Corallines, worüber wir im nächsten Jahre zu berich-
ten haben werden.
Nach den Mittheilungen in der Werner'schen Societät
(Ann. of nat. bist. Vol. II. p. 477) legte Graham Dalyell
treffliche Zeichnungen über die Fortpflanzung der Zoophyten
vor, die für ein grosses Werk bestimmt sind und die sich auch
auf die Gattungen Hydra, ^ctinia, ^Icyonella u. s. w. aus-
dehnen.
Hogg theilte in der Linnean Society seine weiteren Beob-
htungen über die Spongien mit. Ann. of nat. bist. Vol. III. p.458.
Der Verf. will durch viele Beobachtungen gefunden haben, dass
die Spongilla fluviatilis entschieden vegetabilischer Natur ist. Das-
selbe gilt von den Spongienj er stellt sie zwischen Fungi und Al-
gae, wobei er die Beobachtungen von Grant kritisch beleuchtet.
Hogg will die Polypen nach den Tentakeln eintheilen
21*
324
und giebt eine Uebersicht seiner Eintbeilung. Annais of nat.
hist. Vol. III. p- 364. Seine Einfheilung, die nicht ohne In-
teresse ist, ist folgende:
8ubcla8S. I. Bin^scula.
^ Tribus I. Tentaculis armatis.
Ord. I. Ciliotentacula^ mit den G«,tt. Flustra, Ctllniariay
Vellepora, Piennatella.
Subclass. IL Unoscula.
Ord. II. Noditeiit acuta mit den Gatt. Hydru^ Sertularia.
Ord. III. Pinnitentacula mit Gorgonia, Pennatuia, Akyonium.
Ord. IV. Glanditentacula mit Coryne,
Tribus II. Tentaculis nudatis.
•Ord. V. Planitentacula mit Tubularia etc.
Ord. VI. Tui iteii tacula. mit Actinia, Madrepora etc.
Spougien und Korallinen sind ausgeschlossen.
Thompson giebt sehr interessante kritische Bemerkungen
über einige Medusen und viele Polypen, welche bereits von
Johnston beschrieben sind, und die an der Küste von Irland
vorkommen, Annais «f nat. hist Vol. V. p. 24.5.
Derselbe beschreibt auch eine neue Art von Flustra
von Irland ebend. p. 84 :
FlVrStra stellata, M«mbranipora stellata Tbompson, wo die
Zellen sternförmig, aber nicht mit Borsten besetzt sind. Aus der
Bai von Belfast.
Edward Forbes handelt in einem interessanten Aufsatz
über die britischen Actinien; die er in 5 Gattungen theilt.
I. Anthea (Johnston);, l\.Actinia(Jumn.'). IM. Adamsi a(¥or-
bes). Als Tjpus dieser Gattung dient die schöne Act. maculata Pen-
nant, welche identisch ist mit Act. carcinopados Otto und picta Risso
und von Duges in den Ann. des sc. nat. Vol. VI. wieder als neue
beschrieben wurde. IV. Iluanthos (Forbes). Die einzige neue Art,
IL scottcus, welche den Typus dieser Gattung bildet und sich im
Loch Ryan in Schottland findet, zeichnet sich dadurch aus, dass sie
nicht mit breiter Basis aufsitzt, sondern hinten in einen verdünnten^
cj'lindrischen (freien?), kurzen Stiel ausläuft, wie etwa Veretillum.
V* Lucernaria.
Auch von Actinia wird von Forbes eine neue Art be-
schrieben und abgebildet, die er häufig auf Guernsey fand, er
nennt sie:
Actinia hiserialis, corpore elongato-cylindrico, brunneo,
coeruleo-Iineato, disco rotundo^ tentaculis in c^iabus seriebus digestis,
Serie Interna longissima, externa numerosissima.
Einen wiclitigen zoographischen Beitrag zur Naturgeschichte
325
HerActinien hat Grube gog^ben, in scin-cr Scihrift: Actinieii,
Echinodermcn und Würmer des Adriatischen und Mittelmeers.
Königsberg 1840 m. Abb.
Folgende neue Arten werden beschrielx^ii und zum Tkeil abge-
bildet: Jet. rhododactylos zum Subgen. Isacmac;iEIireDb.gehßng,.an der
Küste der Insel Veglia bei Fiume. — Act, bimaculatay ebendaher, dann
auch bei Palermo. — Act. atrimaculata von Palermo. — Act. rubri^
punctata von Neapel. — Act. Zebra von Catania. — Act. Ghamaeleon
von Neapel und Palermo. — Act. elongata von Neapel und Palermo.
Noch werden interessante kritische Bemerkungen über andere in alte-
rer und neuerer Zeit aufgestellte Arten vonActiuien vom Verf. mit-
getheilt.
Michelin hat nach getrockneten Exemplaren zwei Co-
rallen aus Ehrenbergs Fam. der Augencorallen beschrieben iu
Guerin Mag. d. Zool. 1840. Zoophyt. T. 1, 2.
Die eine, Licheiiopord glomerata, unbekannten Vaterlandes, über-
zieht einen entblössten Stiel eines Antipathes, gleicht in der Form
des Sterns vollkommen der Lichenopora crispa Defrance, weicht aber
von den fossilen Arten darin ab, dass 10 — 20 Sterne auf einer gemein-
schaftlichen Basis vereinigt sind. Die andere, Gemmipora fungiformis
Blainv., ist eine Turbinaria Ok., welche mit ihrer nicht schüsseiförmig
vertieften, und von einem höheren Stiel getragenen, scheibenförmigen
Basis auiTallend die Form eines Pilzes bat.
Johns ton stellt nach einem getrockneten Exemplar eine
neue Gattung unter dem Namen Beania auf: Annais of nat.
bist. Vol. V. p. 272.
Char. Polyparium phytoideum, filiforme, repens, corneum, surcu-
lis tubulosis, diffuse ramosis, vesiculiferis, vesiculae singulatim spar-
sae, erectae, magnae, ovatae, uno latere spinosae. Polypi ignoti.
Spec. B. mirabiUsy sehr selten^ sitzt auf Anomia Ephippium auf.
Forbes und John Goodsir fügen der Beschreibung
der Cojymorpha nutans von Sars einige Berichtigungen bei.
Ann. of nat. hist. Vol. V. p. 309.
Dieser Polyp ist von den genannten Beobachtern in der British
Assoc. zu Birmingham als „EUisia flos maris" bereits beschrieben
worden. Abbildungen wird Johnston in seinem Supplement geben.
Zu den ausgezeichnetsten Arbeiten über die Anatomie der
Polypen gehört die Beschreibung der Tendra zoster icola
(einer neuen Gattung der Bryozoen) von Nordmann. Die
Abhandlung wurde schon im Institut am 11. März 1839 gele-
sen. Ein Auszug befindet sich in den Ann. des sc. nat. für
1839. Zool. Vol. XI. p. 185. Seitdem ist die ganze Abband-
326
hing mit <len Abbildungen in dem prachtvollen Reisevverk von
Demidoff in der dazu geliörigen Faune pontique erschienen.
Voraus gehen einige interessante allgemeine Bemerkungen über
die Fauna der wirbellosen Thiere im schwarzen Meer. Es finden
sich daselbst nur wenige niedere Thiere im Verhältniss zur Nordsee
lind zum Mittelmeer, was wohl von dem geringen Salzgehalt und
den grossen in dasselbe sich ergiessenden Strömen herrührt^ so ist
auch die Flora an Seepflanzen arm. Im schwarzen Meere, wenig-
stens an der Nord- und Ostküste finden sich keine Cephalopoden,
keine grossen nackten Mollusken, keine Doris und Aplysia; unter
den Anneliden ü Arten Lycoris, kleine Arten Polynoe, Amphitrite,
Spio, Hirudo und Clepsine; 5 bis 6 Medusen, unter den Polypen
2 Arten Actinien, mehrere Sertularien, eine Tubulipora, endlich einige
Eschara und Cellularia. unter den Polypen bildet die Tendra zoste-
ricola (von Tendra, einer kleinen Landzunge der Krlmm, wo sich
dieser Polyp häufig findet) eine neue Gattung, welche die meiste
Analogie mit einigen Arten von Flustra, Eschara und Halodactylus
hat. Zur Vergleichung wurde die Anatomie von Halcyonella dia-
phana und einer Art Plumatella aus der Gegend von Odessa berück-
sichtigt. Der Polyp überzieht die Zostera marina als höchst dünne
Kruste; es sind glatte, weisse Zellen von oval -elliptischer Form,
l Linie lang; oben hat jede Zelle eine halbmondförmige Oeffnung,
aus welcher der Polyp heraustritt; unten ist auch eine Oeffnung,
durch welche die Zellen kommuniziren. Jede Zelle enthält nur einen
Polypen, welcher selbst im ausgewachsenen Zustande sie nicht voll-
ständig ausfüllt. Die Inneren Wände der Zelle sind mit einer aus-
nehmend feinen Haut ausgekleidet. Die 8 Tentakeln sind mit Wim-
pern besetzt, ohne Saiignäpfe, mit zwei Längscanälen, die sich nicht
verästeln. Die Mundöffnung springt öfters im Mittelpunct der Arme
vor; es findet sich ein Schlundkopf mit Muskellagen, in dessen Inne-
ren eine 0»aßtität Wasser, wie bei Eschara und den zusammen-
gesetzten Ascidien circulirt; der Darmkanal zeigt sonst die gewöhn-
lichen Verhältnisse der Bryozoen. Das Muskelsystem ist sehr ent-
wickelt und zerfällt in zwei Hauptabschnitte und beseht: 1) aus Mus-
keln, welche den Polypen aus der Zelle hervor und wieder zurück-
ziehen, 2) aus einem Schliessapparat, der einige Aehnlichkeit mit dem
Opercularapparat von Eschara hat. Doch fehlt ein solider Deckel;
es ist vielmehr nur ein weicher Ring vorhanden, der durch 16 Mus-
kelbündel bewegt werden kann. Als Nerven nimmt Nordmann 3 kleine
ganglionöse Körper in der Nähe des Mundes. Als männliche Theile
betrachtet derselbe 8 wurmförmige Organe an den Tentakeln, welche
den weiblichen Polypen fehlen, "^md die um so mehr für Testikel zu
halten sind, als sich die Spermatozoen nur in den männlichen Zellen
entwickeln. Die weiblichen Zellen enthalten Abtheilungen oder Fä-
cher, in denen sich 4 bis 7 Eier finden; diese werden durch Sperma-
tozpen befruchtet, welche in die weiblichen Zellen durch die an der
327
Basia befindlichen Oeffniingen gelangen. Der Embryo bewegt sich
zuerst in seinem Chorion durch Wimperbewegung, sprengt dieses,
schwimmt herum und iixirt sich endlich am Blatt der Zostera.
Die von Ehrenberg entdeckte DupHcität des Geschlechts
der Süsswasserpolypen findet eine immer allgemeinere Bestäti-
gung. So hat Erdl schon 1839 Hoden bei Hydra und Ve-
retillum beschrieben und abgebildet, und ich habe gleichzeitig
dasselbe bei letzterem Polypen gesehen. Vgl. Jcones zootomi-
cae Tab. XXXIV. Milne Edwards hat männliche Organe
bei Dendrophyllia aufgefunden. Annales des sc. nat. zool.
Tom. XIII. (1840) p. 196.
Unseren Süsswasserpolypen, namentlich den Gattungen AI-
cyonella, Plumatella, Cristatella und mehreren neuaufgestell-
ten hat man ein besondres Studium zugewendet, so namentlich
Gervais; vgl. darüber l'Institut und den Rapport von M. Ed-
wards. Ann. des sc. nat. zool. Tom. XI. (1839) p^l79 und
Van Beneden, Bulletin de l'Acad. de Bruxelles 1839 Nr. 9.
Die Arbeiten vonGervais sind mehr zoographisch und ich werde
darüber im nächsten Jahresbericht referiren, da ^uch Nordmann seit-
dem diese Gattungen einer genaueren Untersuchung unterworfen hat.
VanBeneden fand auch hti Alcyonella getrennte Geschlechter, aber
auf demselben Polypenstock, die Männchen sind viel weniger zahl-
reich und kleiner als die Weibchen. Der Nahrungssaft wird im Kör-
per umherbewegt durch Wimpern. Der Verf. bestätigt das schon 1836
von Dumortier erkannte Nervensystem. Es besteht aus einem ein-
zigen Ganglion über dem Schlundkopf mit einem vollständigen Schlund-
ring. Auch die Alcyonellen schwimmen im frühesten Lebensalter
gleich den Infusorien frei umher. Yan Beneden fand Eingeweidewür-
mer um den Nahrungscanal.
Mit diesen neuesten Erfahrungen stehen die von Laurent
zum Theil in Widerspruch, vgl. Frorieps Neue Notizen. Nr. 273
(Bd. XIII. 1840).
Hiernach soll die von mir angegebene Zusammensetzung der
Eier nicht durch die ganze Thierreiche hindurchgreifen; bei Hydra
grisea soll das Ei nur einblasig sein und sich ohne spermatische Be-
fruchtung entwickeln. Ausserdem finden sich auch noch keimartigo
Sprossen, aus blosser Ausdehnung des Gewebes des Mutter-Indivi-
duums gebildet.
Von Nord mann steht eine kurze, aber merkwürdige Notiz
zur Naturgesch. der GsittCampanularia iminstit. f. 1839 S.417.
Zu einer gewissen Epoche löst sich das contractile Endstück
des Polj'pen von seinem Stiel, und bewegt sich dann selbstständig
und frei umher. Es gleicht so mit seinen Tentakeln einer kleinen
328
Meduse. Der Stiel treibt iodcss neue IndividucD. Sofüüde denn ähn-
lich wie bei den Vorticellen, auch bei den Polypen eine cyclische
EntWickelung statt.
Wichtige Beiträge zur Natiirgescliiclite der Folythala-
mien haben wir von Ehrenberg erhalten, in zwei Abliand-
lungen, aus den Vorträgen in der Berliner Akademie: Die
Bildung der europäischen, libyschen und arabischen Kreidefel-
sen und des Kreidemergels aus microscopischen Organismen.
18*-J9, und: üeber noch zahlreich jetzt lebende Thierarten der
Kreidebildung. 1840.
Die Poljthalamien, bekanntlich zuerst von d'Orbigny wissen-
schaftlich näher beachtet, dann vonDujardin als Rhizopoden beschrie-
ben und zu den Infusorien gerechnet, werden von Ehrenberg einer
genauen kritischen Revision unterworfen. Er stellt sie zu den Brjo-
zoen oder Mooskorallen und nennt sie: Schnörkel-Korallen, Poly-
thalamia. In einer tabellarischen üebersicht werden sämmtliche Fa-
milien und Gattungen characterisirt und zwar nach der Bildung der
Schalen. Ihre sehr kleinen oft microscopischen Kalkschalen bilden
(in schon nahe an 1000 bekannten verschiedenen Gestalten) die Haupt-
massen der Kreidefelsen und vielen Meeressandes. Der Verf. unter-
suchte die bei Cuxhaven gefundenen lebenden Arten näher. Die beob-
achteten, bis { Linie grossen Formen gehören zwei Gattungen an
{Geoponns und Noniomna). Der Körper ist keioeswegs ein äusse-
rer, die Schale umhüllender, sondern ein innerer, aus weicher Masse
bestehender. Urn denselben darzustellen, löst man die Schale mit
seUr verdünnter Salzsäure auf. Ein federbuschartiger Tast- oder
Fangapparat, wie bei den Polypen, findet sich nicht. Der Körper
hat eine a,uszeichnungslQse, einfache Müpidung. Dagegen ist die
Vielzahl feiner, sehr lang ausdehnbarer Tastfäden, welche zugleich
die Ortsveränderung vermitteln, und die wie aus allen Thcüen der
siebartigen Schale hervortreten, offenbar den contractilen Franzen
der Flustren und Seeschnecken ähnlich. Die vorderste und grösste
Zelle aller Thierchen, zuweilen auch die 3 — 4 folgenden, enthalten
nur ganz dur'chsichtige Körpertheile. Gewöhnlich von der zweiten
Zelle jedes Ammonshörnchens an sind alle hinteren Zellen mit zwei
verschieden gefärbten grösseren Organen erfüllt. Eins derselben
ist der meist grünlich - graue sehr dicke Speisekanal, welcher, wie
der ganze Körper, eine Gliederkette bildet, io jedem Gliede erwei-
tert und mit einem engen schlupdartigen Verbindungstheile (dem
scheinbaren Sipho) mit dem nächst vorderen und hinteren verbunden
ist. Nach Ablösen der Schale des lebenden Thiers durch schwache
Säure Hessen sich sehr deutlich verschiedene kieselschalige Infusorien
als verschluckte Nahrung bei Nonionina germanica bis in die inner-
sten Glieder der Spirale in diesem Speisekanalc wahrnehmen. Es
ist kein polygastrischer Bau des Speisekauais vorhanden, sondern
329
es ist ein einfacher in den Körpergliedcningen angeschwollener,
also gegliederter Kanal mit einer einzelnen vorderen Mündung. Far-
bige Nahrung verschmähten bislier alle Thierchen, Nach Ablösung
der Schale gelang es Ehreuberg bei beiden Gattungen durch sehr
langsames Verfahren einen vollständigen, spiralen, gegliederten, in-
neren Körper freizulegen, dessen einzelne Glieder bei Nonionina
durch 1, bei Geoponus durch 18 — 20 Röhren (Siphones) als Verbin-
dungstheile eben so vieler, in jedem Gliede nebeneinander liegender
Einzelthierchen zusammenhingen. Ausser dem Speisekanale erkennt
man in jedem Gliede bis zum letzten der Spirale, das erste ausge-
nommen, eine gelbbraune körnige Masse, welche Ehrenberg als Eier-
stock zu betrachten geneigt ist. Bei 3 Exemplaren der Nonionina
leimen gestielte, ansehnlich grosse häutige Beutel mit gerissenen
OeiTuungen vor, welche am Rücken der Schale festgeheftet waren.
Es schienen entleerte Eierzellen zu sein. Pulsirende Organe (Her-
zen) existiren nicht.
Die neueren Arbeiten von d'Orbigny über dieselbe Ab-
tlieilung (Foraminiferes d'Orb.) in der Histoire physique, po-
litique et naturelle de l'Ile de Cuba par M. Ramon de la
Sagra, der Histoire naturelle des lies Canaries par M. M.
[ Barker Webb et Sab. Berthelot, und seiner eigenen Voyage
dans l'Amerique meridionale, hat Dr. Troschel in diesem
Archiv. ISSSi. I. Bd. S. 398 zusammengestellt und im umfas-
senden Auszuge mitgetheilt, auf welchen ich verweise.
Infusorien«
Den im vorigen Jahresbericht näher erwähnten Geg-
lern Ehrenbergs, welche den bisher .angenommenen poly-
gastrischen Bau der Infusorien bestreiten, Meyen, Dujardin,
Rymer Jones schliesst sich nun auch Forbes an. Annais of
nat. bist. vol. V. p. 364. Es wäre jetzt wünschenswertli, dass
aucli andere Beobachter sich mit diesem Gegenstand beschäf-
tigen, und vielleicht gelingt es Ref. im nächsten Bericlite bei
Gelegenheit des neuen Infusorienhandbuchs von Dujardin (Sui-
tes a Buflfon) darauf kritisch eingehen zu können.
lieber das Anatomische und Physiologische der Infusions-
thierchen ist nichts Neues beobachtet worden.
Dalrymple las in der Microscopical Society über die
Closicrien, welche Meyen zu den Konferven, Ehrenberg zu
den Magcnlhierchcn rechnet.
Der Verf. spricht sich zu Gunsten der thierischcn Natur aus»
i
330
hält es aber für zweifelhaft, ob sie sicli als Polygastrica erweisen;
eine Aufnahme von Indigo konnte er nicht erlangen.
Ehreiiberg hat eine neue Reihe von Abhandlungen pu-
blicirt, welche vorzüglich den merkwürdigen Einfluss der Infu-
sorien auf die ältere und jüngste Geschichte unsers Erdkör-
pers in's Licht setzen. Vergl. dessen microscopische Analyse
des curländiscben Meteorpapiers von 1686 und Erläuterung
desselben als ein Product jetzt lebender Conferven und Infu-
sorien. Berlin 1839. Mit 2 Kupfertafeln. Aus den Abhandlun-
gen der Academie der Wissenschaften.
Die fragliche papierartige schwarze Masse bestand deutlich au*i
gegliederten Conferven; die Hauptmasse bildete Conferva crispata,
zwischen welcher Spuren einer Linckia (Nostoc) waren. Ausserdem
befanden sich 29 bereits in dem grösserem Werke von Ehrenberg
beschriebene Infusionsthierchen darin: nur wenige (8) haben Kiesel-
panzer, alle übrigen haben einen häutigen Panzer, und hatten sich
158 Jahre lang so wohl erhalten, dass sie alle scharf erkennbar sind.
Es scheint, dass einige jetzt sehr seltene Bacillarien damals viel häu-
figer gewesen sind. Besonders merkwürdig ist es auch, dass der
weiche, grüne Körper des Thiers der so ausgezeichneten Pentasterias
margaritacea, von welcher bis jetzt leere Schalen bekannt und im
grösseren Werke abgebidet waren, nun zuerst als anderthalb hundert-
jährige Mumien bekannt wurde.
In der oben angeführten Schrift über noch zahlreich jetzt
lebende Thierarten der Kreidebildung characterisirt Ehrenberg
10 neue Gattungen und 40 neue Arten von Infusorien (Poly-
gastrica Ehrenb.).
Von den 10 neuen Gattungen gehört nur 1 {Dinophysis) und von
den 40 Arten gehören nur 2 der Familie der Kranzthierchen (Peri-
dinaea) an, alle übrigen gehören zur Familie der Bacillarien, jener
ohnedem schon überaus zahlreichen Gruppe, lieber die Beschreibun-
gen müssen wir auf die mit schönen Abbildungen versehene Schrift
verweisen. Das für die Geologie besonders merkwürdige Resultat
aus den weiter mitgetheilten Untersuchungen betrifft die den bisheri-
gen Ansichten widerstreitende Thatsache, dass viele in der Kreide
vorkommende Infusorien sich noch jetzt in uusren Meeren finden.
Der Verfasser theilt noch mehrere Beobachtungen über den Bau und
die Lebenserscheinungen bisher nicht näher gekannter Formen, wie
von Dictyocha und Coscinodicus mit. Der Verf spricht auch (p. 22)
über die Bewegungsorgane einer grossen Navicula von Cuxhaven.
Schon früher (1838) brachte er Navicula zur Aufnahme von Indigo.
Jetzt gelang es, statt der früher beobachteten schneckenfussartig
sich ausbreitenden Sohle, als Bewegung« Werkzeug feine, lange Fä-
den am Rande des Panzers hervortreten zu sehen, welche das Thier
331
willkürlich langsam verkürzte oder verlängerte oder auch ganz ein-
zog. Die KrnährungsöffnuDgen schienen sich am dicken Ende zu
belinden.
Eine dritte Fortsetzung seiner Beobachtungen üb^r zahl-
reiche, jetzt lebende niicroscopische Thiere der Kreidebildung,
wodurch die Zahl fast verdoppelt wird und auf 40 steigt,
theilte Ehrenberg in der Berliner Academie mit. Monats-
berichte für 1840 S. 176.
Ehrenberg gab auch einen wichtigen Beitrag znr geo-
graphischen Verbreitung der Infusionsthierchen : über ausge-
zeichnete jetzt lebende peruanische und mexicanische Meeres-
infusorien, welche mit zur Erläuterung räthselhafter fossiler
Formen der Kreidebildung dienen. Monatsberichte der Ber-
liner Academie für 1840 p. 157.
Auf Seeconferven von Peru und Mexico fand der Verf. theils
europäische, theils aber ganz neue Formen von Bacillarien, welche
die Typen zweier neuen, bisher bloa americanischen Gattungen bil-
den. Sie werden unter dem Namen Podosira>^ und Grammatophora
aufgestellt und characterisirt.
Derselbe fleissige Beobachter legte der Academie die
Abbildungen von 274 neuen Infusorien-Arten vor, welche in
dem 1838 erschienenen grossen Werke noch nicht aufgeführt
sind. Die Diagnosen dieser neuen Arten sind in den Monats-
berichten für 1840 S. 197 u. f. abgedruckt und auch in einem
Separatabdruck verkäuflich.
Die meisten Arten sind an den Küsten der Nord- und Ostsee
aufgefunden worden. In der genannten Zahl sind 8 neue Räderthierc
mit begriffen, die übrigen 265 sind poljgastricaj bei weitem die Mehr-
zahl (213) gehört zur Familie der Bacillarien.
Sehr interessant sind die neuen Untersuchungen über die
Ursache der rothen Färbung, welche öfter auf dem Alpen-
schnee und auf den Gletschern vorkommt. Shuttleworth
schrieb eine Schrift sur la neige rouge du Grimsel, welche
Dr. Vogt aus Bern bei der Versammlung der Naturforscher
in Erlangen mittheilte. Vogt hat selbst vielfältige Beobach-
tungen über diesen Gegenstand angestellt. Siehe amtlichen
Bericht der V^ersammlung der Naturforscher in Erlangen S. 137.
Nach Vogts Untersuchungen rührt die Färbung des rothen Schnees
nie von pflanzlichen, sondern stets nur von thicrischen Organismen
her, und zwar von verschiedenen Arten von Infusorien. Das häutigste
Thier ist ein Rädcrthier, Vhilodina roseola vur. nivalis, deren Eier-
332
stock Eier mit ziegelrothem Dotter enthält^ der Dotterinhalt zeigt
nach dem Zerquetschen Molekular-Bewegung und gleicht den Sporen
der Protococcuskörner. Ausserdem kommen im rothen Schnee noch
einige andre, zum Theil noch unbestimmte Arten von Infusorien (Po-
lygastrica) aus den Familien der Cryptomonadinen, Volvocinen und
Peridinäen vor, worunter eine, welche sich durch Sprossenbildung
fortpflanzt.
Vergl. auch die Bemerkungen von Meyen über rothen
und grünen Schnee der Polarregion in diesem Archiv. Jahr-
gang 1840 I.Bd. S.166.
333
Jaliresbericlit über die bekannt gewordenen Arbei-
ten fiir Anatomie und Physiologie der Pflanzen
^us dem Jahre 1840.
Von
H. F. Link.
Jahresberichte über das, was in einer Wissenschaft ge-
leistet worden, wie sie zuerst Berzelius für Chemie und Phy-
sik eingeführt hat, gehören zu den zweckmässigsten wissen-
schaftlichen Einrichtungen, nur müssen sie drei Bedingungen
erfüllen. Sie müssen erstlich nicht zu spät erscheinen, nicht
wenn die Nachrichten den Kennern schon längst bekannt, also
überflüssig sind, und wenn es mit diesem Jahresberichte der
Fall sein sollte, so möge man bedenken, dass der unerwartete
Tod des vorigen Berichterstatters, des Professors Meyen, eine
Stockung veranlassen musste. Es ist immer besser, einzelne
Sachen nachzuholen, als alle zu spät zu liefern. Die zweite
Bedingung ist, die Vorträge der Verfasser so viel als möglich
treu zu liefern, ohne sie mit einem eigenen Urtheile zu unter-
brechen. Ja, es scheint mir besser, eine Arbeit ganz zu über-
gehen, da doch die grösste Vollständigkeit nicht zu erreichen
sein möchte, als sie von vorn herein für unbedeutend zu er-
klären. Zuweilen ist es nöthig, den Verfasser wörtlich einzu-
führen, um die Ruhe oder die Befangenheit zu zeigen, womit
er seine Beobachtungen angestellt hat. Doch das geht nicht
immer an, und dann ist es nicht selten sehr schwer, den Vor-
trag eines Andern treu darzustellen, weil viele Verfasser nicht
das Geschick haben, sich bestimmt und also deutlich auszu-
drücken, ein Mangel, der sich besonders darin äussert, dass
sie zu viel Worte machen, gar oft, um nicht sagen zu dürfen,
dass sie etwas noch nicht wissen, oder dass sie sich geirrt
haben, oder nicht zu einer deutlichen Ansicht der Sache gekom-
Bien sind. Je unerfahrener man in einer Wissenschaft ist,
334
desto mehr meint man alles zu wissen und alles zu verste-
hen, und desto weniger will man gestehen, dass man sich ge-
irrt hat. Endlich ist es ganz unzweckmässig, Streitigkeiten
zu einem Hauptgegenstande des Jahresberichts zu machen, oder
sie mit einer ärgerlichen, feindseligen Laune zu führen, wenig-
stens zu zupfen und zu zerren, wenn man gegen die Haupt-
sache nichts sagen kann. Die Anatomie und Physiologie der
Pflanzen ist gar sehr solchen Streitigkeiten ausgesetzt gewe-
sen, und ihre Fortschritte sind dadurch mehr aufgehalten als
befördert worden. Mein -Vorgänger in dieser Arbeit war von
dem Vorwurfe der Streitsucht keinesweges freizusprechen;
ich werde mich bestreben, ihm darin nicht nachzuahmen.
Innerer Bau der Gewächse.
Ueber den Innern Bau der Gewächse im Allge-
meinen findet sich eine Abhandlung in den Annales des
Sciences naturelles, 2de ser. T. XIV. p. 16 — 17 unter der Auf-
schrift: Etudes phytologiques par le comte de Tristan.
Prem. Mem. de la nature des tissus vegetaux. Der
Verf. geht von der Frage aus, ob das Gewebe der Vegetabi-
lien gleichartig sei, oder nicht. In dieser Rücksicht betrach-
tet er den Querschnitt des Stammes von irgend einer Pflanze,
z. B. vom Mohn (Papaver somniferum), ferner des Blattstiels
von Cucurbita maxima, und findet darin ein doppeltes Gewebe.
Das erste nimmt den grössten Theil des Stammes oder Blatt-
stiels ein und besteht deutlich aus Zellen, das zweite umgiebt
die Gefässbündel. Doch sind diese nicht immer vorhanden,
sondern es kommt auch ohne dieselben vor. Er verfolgt nun
die feinen Fäden des letzten bis in das ovarium, und sieht,
dass es sich dort nur in hellen Spuren zeigt, woran man keine
Organisation wahrnimmt. Spiralgefässe entstehen erst später
in der Axe dieser Fäden. Die helle unorganisirte Substanz
nennt er cambium und sagt von ihr, sie möge aus dem ersten
Gewebe ausgeschwitzt sein, aber sie sei niclvt damit einerlei.
In dieser Rücksicht unterscheidet er das zweite Gewebe von
dem ersten, und da die Zellen dieses ersten Gewebes dem
Schaum gleichen, nur beständiger sind, so nennt er das erste
Gewebe aphrostase; das zweite, weil es die Gefässe begleitet
und gleichsam führt, hegemon. In den Bäumen sondert eine
335
Trennung, eine Spalte, die er cunice nennt, die Rinde von
dem innern Theil oder dem endopliyte, wie er sagt. Der in-
nere Theil sei jedoch nicht ein einziger, sondern bestehe fer-
ner aus dem Marke und dem, was man Holz nenne, was aber
diesen Namen nicht verdiene, da es sich oft sehr weich in
den Kräutern finde. Der Verf. nennt es daher endostere, weil
es doch immer fester ist, als der umgebende Theil. Er be-
trachtet nun die sogenannten prolongemens medullaires ihrem
Ursprünge nach, und sagt von ihnen, dass sie aus dem tissu
aphrostasien entstehen, auch immer schmaler werden, so wie die
angewachsenen Gefässbiindel sich verdicken, zuletzt nur eine
Spur übrig lassen. Er nennt sie daher isthmes aphrostasiens
oder isthmes ganz kurz. Die Betrachtung eines Querschnittes
von dem Stamme eines Brombeerstrauches (Rubus fruticosus)
bringt ifen zur Annahme eines dritten Gewebes, welches er
proxyle nennt und dadurch kenntlich macht, dass es aus pris-
matischen oder cylindrischen Fäden (filets) von einer unbe-
stimmten Länge besteht. Er untersucht es von seinem ersten
Ursprünge an und findet, dass es auch zuerst aus einem cam-
bium entstehe, so dass also jedes von den drei Geweben sein
eigenthümliches cambium habe. Sehr oft sind diese Gewebe
mit einander gemengt und in dieser Rücksicht nennt er ein
solches Gemenge, welches aus einem Erguss von einem cam-
bium proxylaire in ein andres schon gebildetes Gewebe ent*
steht, adelome. Dieses ist der Hauptinhalt der Abhandlung.
Es macht Vergnügen zu sehen, wie ein Beobachter, ohne
sich an das zu kehren, was andere vor ihm gethan, dennoch
das Zweckmässige trifi't. Allerdings verdienen die drei Arten
des Zellgewebes, wie sie der Verf. bestimmt, wohl unterschie-
den zu werden. Das erste ist das Zellgewebe, aphrostase des
Verf., welches die Grundlage des ganzen Stammes, oder viel-
mehr der ganzen Pflanze ausmacht, und immer aus Parenchym
besteht. Indem es durch die anwachsenden Holzbündel im
Stamme zusammengedrängt wird, entstehen die Markstrahlen,
prolongemens medullaires, die der Verf. sehr richtig erklärt
und nicht mit Unrecht isthmes nennt. Eben so ist ein all-
gemeiner Ausdruck für das Zellgewebe, welches die Gefäss-
bündel begleitet, hegemon des Verf., und welches meistens
aus Prosenchym-, zuweilen aber auch aus langen, engen Pa-
336
renchym -Zellen besteht, sehr zweckmässig. Das dritte Zell-
gewebe des Verf., das proxyle, hat schon den Namen des
Bastes erhalten. Uebrigens sind die griechischen Benennun-
gen des Verf. schlecht genug: Aphrostase heisst Schaumstel-
lung, hegemon ein Anführer, proxyle Vorholz, adelome Ver-
bergung. Die Franzosen warfen uns sonst die vielen Kunst-
wörter unserer Gelehrten als Beweise unserer Pedanterie vor,
wir könnten es jetzt in vollem Maasse zurückgeben. Deutsch
mögen wir Grundgewebe, begleitendes Gewebe und Bastge-
webe sagen. — Dass der Verf. in dem sogenannten cambium
nur eine unorganische Masse sah, lag wolil an der geringen
Vergrösserung.
Ich verbinde hiemit die Anzeige einer Abhandlung, die
mir bei ihrem Erscheinen sehr auffiel, und die zum Theil
hieher gehört: Etüde microscopique des precipites et de leurs
metamorphoses appliquee a l'explication de divers phenomenes
physiques et physiologiques par P. Karting v. Bulletin des
Sciences physiques et naturelles en Neerlande» Ann. 1840.
p. 287 — 365. Der Verf. hat eine Menge Niederschläge un-
tersucht, meistens mit unorganischen Substanzen, sehr wenige
mit organischen und unorganischen Substanzen zugleich ge-
macht. Die erste Art der Niederschläge sind nach unserm
Verf. die krystallinischen ; auch behauptet er, dass die Kry-
stallisation ein ursprünglicher Akt sei. Die zweite sind die
molekularen. Ueber ihre Form könne man nicht urtheilen,
weil man über eine gewisse Grenze hinaus die Ecken an den
kleinen Körnern nicht mehr erkenne. Die Körner vereinigen
sich zu unregelmässigen oder zu flockigen Haufen und sobald
dieses geschehen ist, hört die Molekularbewegung auf. Die
dritte Art, die membranösen Niederschläge, entstehen sogleich
in vielen Fällen; sie sind zuerst biegsam, werden aber nach-
her spröde und verändern sich auch in flockige Haufen. Die
vierte Art endlich sind die gallertartigen Niederschläge. So
weit gehört der Gegenstand eigentlich nicht hieher. Der Verf.
geht aber weiter. Er führt die Molekular-Bewegung auf eine
anziehende und zurückstossende Kraft zurück, er wendet die-
ses auf die Bewegung der Körner in den Zellen an, die er
auf eine gleiche Weise erklärt, auch wenn man annimmt, dass
die Bewegung von den Wänden der Zellen abhänge. Er führt
337
ferner Schwanns Darstellung an, wie die Zell enkörperchen um
ein Kernkörpereben sich anlegen und findet Aehnlichkeit mit
der Art, wie die Körner in den Niederschlägen sich bilden.
Er verkohlte Stücke von einer Zwiebel, deren Zellen Kerne
enthielten, und fand den Kern zerstört, doch meint er, dieses
negative Resultat beweise nichts, da die Arten des Kerns viel-
leicht zerstreut seien. Bekanntlich behalten verkohlte Pflan-
zentheile ihre ursprüngliche Form, der Verf. fragt also, ob
man nicht die Bildung der homogenen organischen Membranen,
als einen membranösen Niederschlag solcher Substanzen be-
trachten könne, die man gewöhnlich unorganisch nennt.
In diesem Jahre (1841) liabe ich eine kleine Schrift über
die Festigkeit der Körper herausgegeben, um die Physiker
aufmerksam auf diesen Gegenstand zu machen. Ich habe ge-
sehen, und es mehren ausgezeichneten Physikern gezeigt, dass
alle Niederschläge, aber sogleich nach der Entstehung unter-
sucht, Kugeln zeigen, dass diese Kugeln sich zu grösseren
vereinigen, folglich flüssig sind wie Quecksilberkugeln und dass
diese vereinigten Kugeln oder Tropfen erst später, oft unter
unsern Augen, also plötzlich, sich in Krystalle verwandeln.
Wenn Herr Harting dieses nicht sah, so kam es daher, weil
er die Niederschläge nicht schnell genug untersuchte. Zu-
weilen bilden die Kugeln sogleich Platten, zuweilen sind sie
gallertartig. Ich habe in der kleinen Schrift wiederholt, was
ich schon längst gezeigt habe, dass alle flüssigen Körper an
der Oberfläche einen Anfang von Festigkeit zeigen — denn
Flüssigkeit schreiben wir einem Körper zu, wenn die Theile
sich durch die geringste Kraft an einander verschieben las-
sen, und das kann nur geschehen, wenn die anziehenden und
zurückstossenden Kräfte der gleichartigen Theile einander auf-
heben, welches an der Oberfläche der flüssigen Körper nicht
sein kann, wo die Theile nach verschiedenen Richtungen un-
gleich gezogen werden — dass diese Festigkeit mit der Ober-
fläche zunimmt, und dass folglich eine dünne Schicht von
Flüssigkeit schon an und für sich fest ist. Die Stärke der
Festigkeit hängt allerdings von der Stärke der Anziehung un-
ter den Theilen ab, die bekanntlich auch bei flüssigen Kör-
pern verschieden ist, wie Quecksilber und Wasser zeigen. Zur
Erzeugung einer Membran bedarf es also nichts als der Son-
Ärchiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2. Bd, 22
338
derung einer Schicht von Flüssigkeit, wie jede Blase zeigt.
Die halbflüssigen Körper, Schleim, Gallerte u. dgl. m. sind ein
Gemenge von Festem und Flüssigem, wie man beim Austrock-
nen sieht, und es ist nichts gesagt, wenn man die Entstehung
eines festen Körpers aus einem Schleim ableitet. Auch ist es
gar nicht nöthig, dass ein flüssiger Körper durch den Zustand
der Halbflüssigkeit durchgehen müsse, um fest zu werden, wie
dieSalzkrystalle zeigen. — Wenn man anziehende und zurück-
stossende Kräfte nach Belieben wirken lasst, wie es Herr Kar-
ting macht, so lässt sich allerdings manches erklären. Aber
von unsern Erklärungen muss sich die Willkür, so weit sie
kann, entfernen.
Ueber die chemische Beschaffenheit der Zell-
membran haben wir viele Untersuchungen in diesem Jahre
erhalten. Zuerst: Einige Beobachtungen über die blaue Fär-
bung der vegetabilischen Zellmembran durch Jod von Hugo
Mohl. Flora oder botan. Zeitung f. 1840. S. 609. Auf Ver-
anlassung von Schleiden's Bemerkungen stellte der Verf. Un-
tersuchungen über den Embryo von Sehotia speciosa an. Die-
ser Embryo quillt durch lange Maceration in kaltem Wasser
und Rochen mit Wasser auf, wird aber nicht ganz gelöst.
Die Zellen werden dann nicht allein durch Jod blau gefärbt,
sondern auch der Schleim umher. Eine ähnliche Reaction
zeigen die Zellen der Cotyledonen von Tropaeolum majus,
hybridum und minus, jedoch tritt die blaue Farbe hier nicht
sogleich ein, sondern die Zellmembran wird erst gelblich, dann
grün, endlich blau. Auf Meyens Veranlassung wurde auch
die Zellmembran mancher Flechten untersucht und eine ähn-
liche Reaction gefunden. Weit geringer war die Wirkung auf
die Algen und nur Sphaerococcus ciliatus, Ulva Linza und U.
Lactuca erhielten eine blaue Färbung. Ferner stellte der Verf.
Untersuchungen über hornartige Albumenzellen an und zwar zu-
erst der Monokotyledonen, wobei er folgende vier Hauptmodifi-
cationen fand: A. Albumenzellen, welche von verdünnter Jodtin-
etur gelb gefärbt werden, beim Trocknen gelblichbraun werden
und bei der Wiederbenetzung die frühere gelbe Farbe annehmen,
kurz, welche sich ganz auf die Weise, wie die gewöhnliche
Holzfaser verhalten. Dieses findet, so weit der Verf. unter-
suchte, bei dem Albumen aller Palmen statt, z. B. Rhapis
339
acaulis, Manicaria saccifera u. s. w. — B. Albumenzellen auf die
Einwirkung von Jod zuerst eine gelbe, später eine braune
.Farbe mit violetter Beimischung zeigend; eingetrocknet heller
oder dunkler gelbbraun; wieder aufgeweicht violett mit bräun-
licher Beimischung: Iris pratensis, atomaria, Allium globosum,
odorum, sibiricum, Asphodelus luteus, Anthericum ramosum,
Czackia Liliastrum, Eucomis punctata. — C. Albumenzellen auf
die Einwirkung von Jod zuerst gelb, dann braun, zuletzt
schmutzig violet; trocken rothbraun; benetzt dunkel violet,
zum Theil in's tiefe Veilchenblaue übergehend. Iris aurea,
Asparagus dauricus, maritimus, Scilla peruviana, Hyacinthus
romanus, amethystinus, Lilium bulbiferum, Tigridia Pavonia,
Convallaria racemosa, Yucca gloriosa. — D. Albumenzellen durch
Jod schnell lebhaft violett gefärbt; trocken dunkel rothbraun;
wieder aufgeweicht schön violet, oder tief veilchenblau. Ixia
hyalina, squalida. Gladiolus tristis. Ruscus racemosus. Velt-
heimia viridifolia. — Samen von Dikotyledonen mit hornartigem
Albumen hat der Verf. weniger untersucht, weil die Erschei-
nungen im Ganzen genommen, wie bei den dikotyledonischen
Pflanzen waren. Kaustisches Kali wirkt, nach dem Verf., auf
diejenigen Albumenzellen, welche sich mit Jod schön blau färben,
sehr heftig ein. Diejenigen, auf welche das Kali am schwäch-
sten einwirkte, bekamen bedeutend dickere Wandungen, wobei
man deutlich sah, dass die äusseren Schichten einer jeden Zelle
sich zuerst zu einer gallertartigen Masse auflockerten; die am
Rande des Abschnitts gelegenen Zellen waren völlig in eine
im Wasser auflösliche Gallerte umgeändert. Sowohl diese auf-
gelöste Substanz, als die aufgelockerten Zellenmembranen selbst,
färbte Jod schön blau. Der Verf. stellt nun Betrachtungen
über die Wirkung des Jods auf die Zellenmembran überhaupt
an, und zieht daraus folgende Schlüsse: 1. Das Jod ertheilt
der vegetabilischen Zellenmembran, je nach der Menge, in wel-
cher es von derselben aufgenommen wird, sehr verschiedene
Farben; eine geringere Menge von Jod erzeugt eine gelbe oder
braune, eine grössere Menge eine violette, und eine noch be-
deutendere Menge eine blaue Farbe. Die gelbe oder braune
Farbe kann das Jod der trocknen Zellenmembran ertheilen,
wenn es in Alkohol aufgelöst, oder in Form mit ihr in Be-
rührung kommt, die violette oder blaue Farbe tritt dagegen
22*
340
nur dann ein, wenn die Zellmembran vom Wasser durchdrun-
gen ist. Die blaue Fai:be verwandelt sich beim Austrocknen
der Membran in die violette oder rothbraune, kehrt jedoch bei
neuer Benetzung zurück; analoge Farbenänderungen treten
bekanntlich auch bei der Jodstärke ein, je nachdem dieselbe trok-
ken oder vom Wasser benetzt ist. 2. Die Farbe, welche die
Zellmembran mit Jod annimmt, hängt nicht bloss von der Menge
von Jod, welche man auf die Membran einwirken lässt, son-
dern auch von der Beschaffenheit der Membran selbst ab.
Die weicheren und zäheren, im Wasser stärker anschwel-
lenden Membranen färben sich, auch wenn nur eine geringe
Menge von Jod auf sie «inwirkt, entweder sogleich violet oder
blau, oder es geht die gelbe Farbe, welche sie anfangs annah-
men, noch vor dem Austrocknen der Flüssigkeit, oder wenig-
stens nach dem Austrocknen und bei neuer Benetzung in Vio-
let oder Blau über. Die härtern, sprödem und im Wasser
weniger aufquellenden Membraiien färben sich dagegen mit
Jod gelb oder braun und zeigen nach dem Austrocknen und
Wiederaufweichen nur dann eine blaue Farbe, wenn eine grosse
Menge von Jod auf sie eingewirkt hatte. 3. Diese Entwicke-
lung einer blauen Farbe kommt der Zellmembran an und für
sich zu und beruht bloss auf der Aufnahme einer gehörig
grossen Menge von Jod.
Zu dieser Abhandlung hat H. Schieiden in demselben
Jahrgange der Flora S. 737 einen Nachtrag geliefert. Er meint,
Mohl hätte aus seinen Untersuchungen zwei Schlüsse ziehen
können. 1- Dass es mit dem Jod als Reagens auf Stärkmehl
nichts mehr sei, was schon aus der Entdeckung des Amyloids
folge. Hr. Schi, hat nämlich mit Vogel eine Substanz in den
Kotyledonarzellen von Schotia latifolia, speciosa, Hymenaea
Courbaril u. a. m. gefunden, welche durch Jod blau gefärbt
wird, aber von Stärkmehl sich verschieden zeigt, und dieses
in Poggendorffs Annalen für 1839 bekannt gemacht. 2. Dass
die blaue Färbung vegetabilischer Stoffe durch Jod keine eigent-
liche chemische Verbindung sei. Da Mohl gesagt hatte, dass
die blaue Färbung der Membran eine wesentliche Verschie-
denheit von gewöhnlicher Zellenmembran nicht anzeige, weil
es nicht wahrscheinlich sei, dass Zellen von verschiedener Sub-
stanz gebildet, neben einander in derselben Pflanze vorkommen,
341
so sagt in dieser Rücksichf der Verf.: der Punkt, worauf es
ankomme, sei, was man unter wesentlicher Verschiedenheit
zweier vegetabilischer Substanzen verstehe. Freund Mohl scheine
geneigt, dies den Chemikern anheim zu stellen, er selbst
aber meint, dass man da noch lange warten könne. Hier
folgt eine Anmerkung, die zum Theil wörtlich herzusetzen ist,
weil sie Herrn Schleidens Art und Weise bezeichnet. „Wenn
man die nichtssagenden Urtheile von Berzelius und Liebig über
die Schwannschen Entdeckungen des Gährungspilzes liest, sollte
man glauben, die beiden Herren hätten nie von einem solchen ■
Ding, wie ein Microscop ist, gehört. — Wenn aber Berzelius
von der Schwannschen Leichtfertigkeit spricht, so weiss man
in der That nicht, was man zu solcher Albernheit sagen soll.
Ich wünschte der Chemie von vollem Herzen Glück, wenn
Herr Berzelius alle seine Untersuchungen von jeher mit der
durch so umfassende Kenntnisse gestützten Umsicht und der
durch bescheidene Zweifel in seine eigne Kräfte gegen alle
vorgefassten Meinungen gesicherten Gründlichkeit unternommen
hätte, als Herr Schwann*). Fielen Herrn Berzelius, als er
jene Worte schrieb, denn gar nicht die ersten 100 Seiten des
6. Bandes seiner Chemie ein , um ihn bei solchem Urtheile
schamroth zu machen?" Der Verf. geht nun die chemischen
Eigenschaften mancher Pflanzenstoflfe durch, und ziehet daraus
den Schluss, welchen ich ebenfalls zum Theil wörtlich anführen
will, damit ich den Sinn nicht verfehle: l)„Die gewöhnlich als
indiflferente (ampliotere) angeführten Pflanzenstoflfe, die der Reihe
des Stärkmehls angehören, sind nur eine ganz dürftige Auswahl
von der unendlichen Mannichfaltigkeit der in den Pfliauzen vor-
kommenden, derselben Entwicklungsreihe angehörigen Materien.
Die Pflanze bildet 2. bei ihrer Vegetation einen chemischen
Grundstoff (nicht etwa das alte Gespenst des Urschleims), der
in allen Stadien des Vegetationsprocesses derselbe bleibt in
*) Herr Schwann hat nämlich ein Buch geschrieben: Microsco-
pische Untersuchungen über die Uebereinstimmung in der Structur
und dem Wachsthum der Thiere und Pflanzen von Dr. Th. Schwann,
Berlin 1839, worin er Herrn Schleidens Meinung über den Cytoblast
ohne Weiteres annimmt und nun ein Aehnliches in den Thieren nach-
zuweisen sucht. S. darüber meine Propyläen der Naturgeschichte,
ßerlin 1839.
342
Bezug auf seine Elementarzusammensetzung, der aber durch
innere, uns noch gänzlich fremde und unmerkliche Verände-
rungen und zum Theil auch wohl durch Vermehrung und Ver-
minderung des chemisch gebundenen Wassers unendlicher Mo-
dificationen fähig ist, deren Zahl sich einmal nach der Zahl der
hinzutretenden Wasseratome, dann aber auch nach der Mög-
lichkeit der verschiedenartigen Combinationen der Elemente
richtet, vielleicht also in der Natur eine bestimmte endliche
Zahl ist, für uns aber vorläufig als eine stetige Reihe ver-
schiedenartiger Zustände erscheint, deren nächste Glieder für
uns nicht merklich verschieden sind, deren unterstes Glied der
Zucker, deren höchstes der völlig ausgebildete Membranenstoff
ist, eine Reihe, deren Glieder von unten nach oben immer
unauflöslicher im Wasser werden, und zwar so, dass unter
Umständen schon die gelatina aus dem Zellenstoff in organi-
scher Form herauskrystallisirt (cfr. Schwann, Microscopische
Untersuchungen u. s. w. p. 220)."
Es scheint mir doch sehr gerathen, zu den Chemikern
wiederum unsere Zuflucht zu nehmen.
In den Annales des sciences naturelles T. 13 p. 305 findet
sich der Bericht über eine Abhandlung von Herrn Payen sur
la composition chimique du tissu propre des vegetaux. Die
Berichterstatter sind Dumas, Pelouze und Ad. Brongniart.
Payen Hess auf verschiedene vegetabilische Substanzen kausti-
sches Kali in der Hitze, dann Jod und zuweilen Schwefelsäure
einwirken, und sah, dass die ursprüngliche Membran, welche
die Umhüllung der Zellen ausmacht, ohne alle Veränderung
blieb. Hingegen fand er, dass unter der Einwirkung des Kali,
die Absätze auf diese Membran sich in einen Stoff verwandel-
ten, der von Jod violet (bleu violet) gefärbt wurde, und dass
endlich ein Theil dieser Absätze, die er secundäre nennt, sich
durch dieselben Einwirkungen in einen andern Stoff verwan-
delten, den Jod orange färbt. Es folgt ferner aus seinen
zahlreichen Analysen, dass die vegetabilischen Gewebe sowohl
der Phanerogamen als Cryptogamen durch eine fortgesetzte
Auflösung aller fremden Stoffe, die sich entweder in ihren
Höhlungen oder auf den Membranen selbst abgelagert haben,
sich auf eine Substauz (cellulose) zurückführen lassen, welche
die ursprünglichen Wände der Zellen des Zellengewebes, des
343
Ilolzgewebes und der Gefässe ausmacht, welche dieselbe Zu-
sammensetzung, wie das Stärkmehl hat, und sich nur durch den
Aggregatzustand unterscheidet, vermittelst desselben sie den
chemischen Einwirkungen stärker widersteht. Die Ueberein-
stimmung der cellulose und des Stärkmehls in Rücksicht auf
die Elementarzusamraensetzung, die Verwandlung beider Stoflfe
in Dextrine und Zucker lassen schon vermuthen, dass Mittel-
zustände sich finden würden, und in der That bemerkte Verf.,
dass die Membran der Cetraria islandica gehörig gereinigt,
durch Jod blau gefärbt werde, und sich in Natrum auflöste,
wie Stärkmehl. Auch die dicken Wände der Zellen im Albu-
men von Phytelephas und Dracaena gehörig gereinigt, werden
von Jod blau gefärbt, widerstehen aber mehr der Auflösung
als der Zellstoff der Lichenen. Die Berichterstatter setzen
hinzu: llolzzellen von allen abgelagerten Stoffen befreit, so
dass sie nicht mehr von Salzsäure und schwacher Schwefel-
säure schwarz, noch von Jod orange gefärbt würden, hätten
doch noch einige Dicke behalten, nur wären sie weich und
schwammig geworden und eben dieses wäre auch der Fall mit
den nicht verschwindenden Tüpfeln und Streifen (lineaments)
gewesen. Sie glauben also, dass die abgesetzten Stoffe nicht
allein äusserlich abgelagert, sondern auch in das Gewebe in-
nerlich eingedrungen wären.
Eine ausführliche Abhandlung über diesen Gegenstand von
Herrn Payen ist in demselben Journal T. 14 p. 73 geliefert.
Zuerst die Resultate der Elementar-Analysen vom Zellgewebe
mancher Pflanzen. Diese waren: Die ovula von Mandeln-, Bir-
nen- und Aepfelkernen, und Helianthus annuus, der häutige
Thcil vom cambium der Gurken, das Zellgewebe von Gurken,
das Mark von Sambucus nigra, von Aeschynomene paludosa,
einmal gereinigte Baumwolle, zweimal gereinigte Baumwolle,
die Spongiolen der Wurzeln. Die Analysen schwanken zwi-
schen 43 und 45 in Hundert Kohlenstoff, 6,04 und 6,32 Was-
serstoff und 48,55 und 50,59 Sauerstoff. Die Formel C**
H^^O^ + H^ O. entspricht diesen Analysen. Nun folgen
noch andere Untersuchungen. Blätter waren schwer von einer
Wachssubstanz zu befreien, gaben aber zuletzt Zellstoff von
derselben Zusammensetzung, wie die vorigen. Spiralgefässe
von Muca sapientum enthielten offenbar einen Ueberzug (matiere
344
incrustante); denn nur durch Ammonium, Wasser, schwache
Salzsäure u. s. w. gereinigt, gaben sie 0,484 Kohlenstoff, in-
dem sie durch Kali in der Hitze erschöpft, nur 0,44 Kohlen-
stoff erhielten; die letztern verhielten sich sonst, wie der nor-
male Zellstoff. Die reine Membran aus Weizenkörnern gezo-
gen, hatte die gewöhnlichen Bestandtheile. Die Zellen im Um-
fange des Albumen zeigen eine graue Farbe, die von Kleber
herrührt, welcher die Membran überzieht; der Gerbestoff färbt
diesen Stoff und zieht ihn zusammen, Ammoniak und Essig-
säure lösen ihn auf und lassen die Membran rein zurück, die
Jodauflösung färbt den Kleber gelb, das Stärkmehl dunkelviolet,
und lässt die Membran ungefärbt. Nach dem Keimen bleibt
nur reine Membran im Korn zurück. Vegetabilische üeber-
bleibsel aus Kuhmist waren leicht zu reinigen, und dann hatte
die Membran die gewöhnliche Zusammensetzung. Die Haare
von dem Samen des virginischen Pappelbaums verhielten sich
wie Baumwolle. Es hielt schwer, Tannenholz von allen abge-
lagerten Stoffen zu scheiden; nachdem dieses aber geschehen
war, zeigte die Membran sich wie gewöhnlich zusammengesetzt.
Die Membran der Cetraria islandica gereinigt durch Wasser,
Alkohol, Ammoniak, Essigsäure und Aether wird noch immer
von Jod blau gefärbt, und die Gallerte von diesem Liehen hält
Hydrat von Stärkmehl und Inulin. Dieser letzte Stoff wird
durch Essigsäure in einen Zucker aufgelöst, der sich in Was-
ser und auch in Weingeist auflöst. Löst man das Inulin in
siedendem Wasser auf, so scheidet es sich in der Kälte in
kleinen, weissen, durchsichtigen Kugeln aus, wie Stärkmehl-
körner, die aber von Jod nicht blau gefärbt werden. Das Al-
bumen der Datteln lässt sich wie die Membran von Cetraria
islandica ganz in Kali auflösen. Schwerer war es, Conferven
von abgesetzten Stoffen zu entfernen, und so auch die Chara
hispida; bei den Pilzen war Vorsicht nöthig, doch in allen
diesen Fällen blieb eine Membran von der gewöhnlichen Zu-
sammensetzung zurück. Der Verf. beschreibt die verschiedenen
Arten von Amylumkörnern in der Chara; sie waren chemisch
nicht verschieden. Die zarte Membran in den orangefarbenen
Organen der Chara zeige die gewöhnliche Zusammensetzung
der Pflanzenmembran, der darin enthaltene Stoff war aber sehr
stickstoffhaltig. Der Verf. äussert die Meinung, <lass alle stick-
345
stoflfhaltigen Materien in den Pflanzen nur abgelagert sind, dass
sie hingegen in den Thieren in die Membran selbst eingehen.
Er nahm von einem Saitenfabrikanten einen schon bearbeiteten
Dünndarm von einem Schaaf, beliandelte ihn mit Wasser, Essig-
säure und Kali, wovon die beiden letztern bedeutend auflösten,
den Rest untersuchte er, und fand eine stickstofibaltige qua-
ternäre Zusammensetzung. Diese Ueberbleibsel hatten auch
noch die allgemeinen Eigenschaften der thierischen Membran,
dass sie sich in Essigsäure und verdünnter Salzsäure auflösten,
welches mit der vegetabilischen Membran nicht der Fall ist.
Der Verf. stellt die Kennzeichen der reinen vegetabilischen
Membran und der thierischen zusammen, wovon ich ausser den
genannten nur anführen will, dass die letzte von verdünnter
Kali- und Natrumauflösung, und von Ammoniakauflösung auf-
gelöst wird, die erste nicht, ferner, dass Gerbsäure, Alaun und
Sublimat auf die erste nicht oder wenig wirken, Gerbsäure
zieht sie nur etwas zusammen, die letzte aber nicht allein
stark zusammenziehen, sondern sich auch damit verbinden.
Diese vortreffliche Arbeit ist eine entscheidende Antwort
auf viele Fragen.
Es sei mir erlaubt, etwas über das Stärkmehl in den Pflan-
zen beizufügen. Auf der 16. Tafel der Icon. anatom. bota-
nicae habe ich die Veränderungen der Stärkmehlkörner abbil-
den lassen. Die Körner von Kartoffeln Fig. 2 sind durch war-
mes Wasser geplatzt und haben eine dickflüssige Masse ergos-
sen, welche eben sowohl von Jod blau gefärbt wird als die
einschlicssende Hülle. Es erhellt hieraus, dass jedes Korn von
Stärkmehl einen dickflüssigen Kern entliält, wie Raspail be-
hauptet, wenn auch die Umhüllung aus vielen Schichten besteht,
wie man an vielen Stärkmehlkörnern deutlich sieht, und wie
es zuerst Fritzsche beobachtet hat. Da dieser dickflüssige Kern
eben so wohl von Jod blau gefärbt wird, als die Umhüllung,
so ist kein Grund vorhanden, warum man ihn für etwas anderes
halten sollte als Amylummasse. Dass diese Masse durch starke
Erhitzung oder durch langes Reiben mit Wasser, wie es Ras-
pail anwandte, in Gummi oder Dextrine verwandelt wird, ist
in der Regel, und eine gleiche Verwandelung findet auch Statt,
wenn man Salpetersäure, wie gewöhnlich, anwendet. Man muss
auch die Untersuchung sogleich anstellen, als das Zerplatzen
346
geschehen ist, um zu vermeiden, dass nicht das Stärkmehl eine
Veränderung erleide. Nach dem Keimen findet man oft die
Umhüllung der Körner zerrissen, s. Fig. 9 und 10 derselben
Tafel verglichen mit Fig. 8. Ungeformtes dickflüssiges Stärk-
mehl fand ich zuerst in den Salepknollen, dann auch in den
Knollen von , der gewöhnlichen Orchis latifolia , vor oder in
der Blüthe, wie es auf derselben Tafel Fig. 13 vorgestellt ist,
zugleich mit einer dickflüssigen Masse, welche durch Jod nicht
gefärbt wird. Später fand ich aber in den Knollen von Orchis
pyramidalis, auch in den Knollen von Orchis latifolia, lange
nach dem Blühen Amylum, wie gewöhnlich in Körnern, und
ebenfalls trifi't man Salepknollen mit Körnern von Stärkmehl.
Es scheint also, dass die ungeformte Masse in Körner über-
gehen könne. Eine dickflüssige Masse, welche nicht durch Jod
gefärbt wird, gemengt mit grossen Stärkmehlkörnern, findet sich
auch in den Samen von Phaseolus vulgaris Fig. 12. Meistens
sind grosse und kleine Stärkmehlkörner mit einander gemengt;
in den Weizensamen enthalten die äussersten Zellen, worin sich
nach Payen der meiste Kleber befindet, nur kleine Körner von
Stärkmehl, als ob sich diese aus dem Kleber entwickelten. Dass
im Chlorophyll sich Stärkmehl entwickelt, hat, meine ich, Mohl
zuerst gesehen; man bemerkt es vorzüglich deutlich an den
altern Blättern in der Vallisneria spiralis, wo in den Körnern
von Chlorophyll ein Korn von Stärkmehl entsteht, wie man
durch Jod gewahr wird. Merkwürdig ist es, dass die Bewe-
gung der Chlorophyllkörner sogleich aufhört, als darin ein
Stärkmehlkörnchen sich gebildet hat.
Die vegetabilischen Substanzen sind keinesweges immer so
gleichförmig als die mineralischen. Salpeter ist Salpeter und
Kochsalz ist Kochsalz, es mag bereitet sein, wie man will,
wenn es nur gehörig gereinigt ist. Dieses ist auch der Fall
mit manchen vegetabilischen Substanzen, z. B. mit Alkohol, den
vegetabilischen Säuren u. s. w. Bei andern ist schon diese
chemische Universalität, wie ich sagen möchte, nicht so grofs,
wie beim Zucker. In den meisten Fällen aber bilden die vege-
tabilischen Substanzen, ja die organischen überhaupt, nur Gat-
tungen und Arten. So sind die ätherischen Oele für jede
Pflanzenart verschieden, sogar die isomeren, so sind es die
Harze, ja sogar die Schleime, ungeachtet sie wenig aufl'allende
347
Kennzeichen haben, zeigen sich doch in ihren Eigenschaften
fiir jede Pflanzenart etwas anders. Eben so ist es auch mit
dem Stärkmehl, denn so ähnlich die Arten desselben aus Wei-
zen, Kartoffeln und der Pfeil wurzel sind, so zeigt doch die
daraus gekochte Gallerte Verschiedenheiten ;n Kartoffelstärke
z. B. hat einen eigenen Geruch. Wir bringen also auch hier,
wie in der Naturgeschichte überliaupt, die Arten auf Gattun-
gen, die wir durch bestimmte Kennzeichen unterscheiden, und
so npnnen wir Stärke alles, was ungeformt, oder in Körnern
sich zeigt, durch Jod blau gefärbt wird, und sich in Wasser,
wenn auch nur im warmen, auflösen lässt, aber nicht in Wein-
geist, Aether und Oelen. Der Althäeschleim gehört auch,
wenigstens zum Theil, zum Stärkmehl; er bildet| Körner, wel-
che durch Jod blau gefärbt werden, sich in kaltem Wasser
auflösen, und einen Schleim bilden, der ebenfalls die Jodtinctur
blau färbt. S. Icon. anat. bot. T. 16 F. 14 a. und b.
Es wundert mich, dass Payen keine Rücksicht auf den
Zellstoff der Kartoffeln genommen hat, der sich der Membran
der Lichenen zu nähern scheint. Mit Cetraria islandica ver-
hält es sich folgendermassen, wie ich es auch im dritten Hefte
der Ausgewählten anatom.-botan. Abbildungen T. 5 F. 1 und 3
(1841) habe darstellen lassen. Die äusserste Schicht, welche
meistens aus einer Intercellularsubstanz besteht, wird durch
Jod nicht gefärbt, die zweite Schicht aus sehr zarten dicht-
stehenden Röhren erleidet durch Jod eine starke Färbung und
wiederum die innerste sehr lockere, aus grösseren Röhren be-
stehende Schicht wjrd durch Jod nicht verändert. Anders ist
es bei Lobaria pulmonaria und Roccella tinctoria; hier wird
nämlich die äusserste Schicht nicht gefärbt, wohl aber die
innere sehr lockere aus ziemlich dicken Röhren bestehende
Schicht. Die zweite Schicht, welche sich in Cetraria islandica
blau färbte, fehlt hier gänzlich. S. im genannten Heft T. 5
F. 13 und T. 6 F. 5.
Die Entstehung neuer Zellen in Verhältniss zu den schon vor-
handenen kann man sich auf eine dreifache Weise denken. Ent-
weder die neuen Zellen entstehen an den Enden, Rändern, über-
haupt im Umfange der altern, odersie entstehen zwischen den^ltern,
oder sie entstehen in den altern, so dass cineMutterzellc reisst oder
auf eine andere Weise vernichtet wird, wodurch dann die neuem
348 ,
hervortreten. Die letzte Eutstehungsart nimmt Hr. Schieiden an,
indem er die neuen Zellen aus einem dunkeln Kern (Cytoblast),
den R. Brown in den jungen Zellen der Orchideen besonders
bemerkt hat, innerhalb einer Mutterzelle entstehen lässt. In die-
ser Rücksicht habe ich einige Untersuchungen angestellt, und
was ich bemerkt, im 2. Heft der Icones selectae anat. bot.
(1840) T.6 F. 1 — 8 abbilden lassen. Die jungen Blätter sind
an den saftigen Pflanzen am leichtesten zu untersuchen; die
Knospe ist nur eine runde Hervorragung des Stammes, an der
die Blätter wie kleine Körner stehen. Ein solches Blatt von
Sempervivum arboreum, 315mal im Durchmesser vergrössert,
zeigt F. 1, und die Spitze eines solchen Blattes 600mal ver-
grössert stellt F. 2 vor. Man sieht in der ersten Figur eine
trübe Materie in den Zellen , die F. 2 in den Zellen selbst
weniger deutlich ist, in der Endpapille aber gleichsam in einem
Schlauch versammelt erscheint. Diese Papille schwindet, wenn
das Blatt heranwächst. Die Hervorragung des Stammes sfelbst
mit den jungen Blättern, oder die Knospe findet sich F. 4
lOOmal vergrössert und F. 3 ISOmal vergrössert. In den Blät-
tern sieht man kaum eine fremde Materie; in der Hervorragung
des Stammes aber allerdings einen Kern, der nachher schwin-
det, jedoch nirgends eine Spur von Zellen innerhalb einer
andern. Wollte man das ganze junge Blatt eine Mutterzelle
nennen, insofern es mit einem Oberhäutchen (cuticula) um-
geben sein mag, so wäre dieses ein Wortspiel, indem dieses
Häutchen einreisst oder schwindet, und so die Zellen hervor-
treten lässt, auch gerade die einzelne Zelle sich darin von dem
Blatthäutchen unterscheidet, dass jene keine andere Zellen wie
dieses, umschliesst. F. 5 sieht man eine junge Knospe von
Quercus Robur. Es ist völlig derselbe Bau, wie an den saf-
tigen Pflanzen,^ eine Hervorragung des Astes, mit Blättern be-
setzt, die nur hier gekrümmt, dort grade sind. Zellen aus der
Hervorragung 780mal vergrössert, sieht man F. 6. Der grüne
Stoff, Chlorophyll, zeigt sich deutlich, nur blassgrün, aber nir-
gends eine Zelle innerhalb einer andern. Alles dieses wird
bestätigt durch die Vorstellung einer Knospe von Syringa vul-
garis, die sich erst im folgenden Jahre würde entwickelt haben,
F. 7, 131mal vergrössert, auch die einzelnen Zellen F. 8 ver-
halten sich wie vorher. Da nun im Innern der altern Zellen
349
<lieser Pflanzen nie junge Zellen bemerkt werden, so kann
man wohl behaupten, dass in diesen Pflanzen wenigstens eine
Vergrösserung des Zellgewebes durch Mutterzellen nicht ge-
schieht.
Eine vorläufige Antwort auf H. Mohl's Aufsatz über den
Bau der Ringgefasse von Dr. M. J. Schieiden findet sich
in Flora B. 23 S. 1. Es ist aber nöthig, theih zum Verständ-
niss des Gegenstandes überhaupt, theils auch, weil Meyens
Darstellungen höchst mangelhaft sind, auf das Jahr 1839 zu-
rück zu gehen. In derselben Zeitschrift B. 22 hat derselbe
Verf. Bemerkungen über Spiralbildungen in der Pflanzenzelle
bekannt gemacht. Die Pflanzenzellen, sagt er dort, einschliess-
lich der sogenannten Gefässe, aber mit Beseitigung der Milch-
saftgefässe, lassen in ihrem Leben zwei Perioden unterscheiden.
In der ersten, der ihrer Entstehung und isolirten selbständigen
Entwickelung, wächst die sie bildende Membran in ihrer gan-
zen Substanz durch Intussusception. Sobald sich aber die
Zellen zum Zellgewebe als constituirende Masse einer bestimm-
ten Pflanze oder ihrer Theile an einander geschlossen haben,
hört jene Art des Wachsthums entweder auf, oder tritt doch
sehr zurück. Auf jeden Fall aber tritt jetzt als neues und bei
weitem überwiegendes Moment hinzu, dass sich eine neue
Schicht auf die innere Fläche der Zellenwand ablagert, und
zwar durchaus allenthalben in der Form eines oder mehrerer
spiralförmig ganz dicht gewundener Bänder, so dass die Win-
dungen ohne Continuität unter einander, doch meist die ge-
naueste Contiguität zeigen. Ursprünglich, meint der Verf., wären
immer zwei Bänder zugleich enthalten, einem aufsteigenden
und einem absteigenden Strome des schleimigen Bildungsstof-
fes gemäss. Der Verf. betrachtet nun zuerst den Fall, wo
die Zelle zu der Zeit, wenn die Verdickung ihrer Wand
durch spiralige Ablagerung beginnt, ihre völlige Ausdehnung
noch nicht erreicht. Hier finden nun folgende Fälle Statt.
a) Einfache Fiber (in dem oben angegebenen Sinne doppelt).
Die Zelle dehnt sich vom Augenblick ihrer Entstehung noch
bedeutend aus, einzelne Windungen verwachsen früh, andere
zerreissen, Ringgefasse. Weiter unten drückt sich der Verf.
bestimmter dahin aus, dass diese Zerreissung oder Trennung
durch eine Resorption geschehe, h) Einfache oder mehrfache
350 -
Fiber, noch ziemlich bedeutende Ausdehnung der Zelle, geringe
oder noch gar keine Verwachsung mit der Zellenwand. Ab-
rollbare Spiralgefässe mit weiten Windungen, c) Einfache oder
mehrfache Fiber, noch ziemlich bedeutende Ausdehnung der
ZellSnwand; meist innige Verwachsung mit derselben. Engge-
wundene (nicht?) abrollbare Spiralgefässe, falsche Tracheen
und zum Theil die gestreiften und Treppengefässe der altern
Schriftsteller, c?) Mehrfache Fiber, massige Ausdehnung der
Zelle, Verwachsung einzelner Stellen der Windungen unter
einander, meist auch mit der Zellenwand. Die ganze Reihe der
Formen von den sogenannten verästelten Spiralgefässen bis zu
den netzförmigen. Auch hieher gehört ein Theil der gestreif-
ten und Treppengefässe der Alten. Hierauf wendet sich der
Verf. zum zweiten Fall und sagt: Hat aber die Zelle zu der
Zeit, wenn sich die spiraligen Ablagerungen zu bilden anfan-
gen, bereits ihre vollständige Ausdehnung erreicht, so tritt ein
neuer höchst wunderbarer Umstand hinzu, dass nämlich der
Entstehung der Ablagerungen die Bildung von Luftbläschen
auf der Aussenwand der Zelle zwischen ihr und der benach-
barten vorhergeht, und die sich bildenden eng aufeinander lie-
genden und meist sehr schnell unter einander verwachsenden
Windungen an der Stelle, die im Innern jenen Luftbläschen
entspricht, spaltenartig von einander weichen. Zu dieser Ab-
theilung gehören nun alle porösen Zellen und Gefässe, aber
ebenfalls auch ein Theil der frühern gestreiften und Treppen-
gefässe, die dann nur durch die Länge der Porenspalte von
den sogenannten porösen verschieden sind. Weiter kommt der
Verf. auf die Unterschiede der Zellen der Form nach, die von
der kleinen kugligen zu der sehr ausgedehnten übergehe. Da-
durch entstehen nach seiner Meinung die Gefässe, indem die
Zwischenwände der Zellen resorbirt w^erden, auch werde die
wirkliche Durchlöcherung der primären Membran in den Blatt-
zellen vonSphagnnm durch Resorption hervorgebracht. Ferner
setzt der Verf. hinzu, es bleibe nicht immer bei einer Abla-
gerung, sondern diese wiederholen sich oft und zwar entweder
so, dass sie auf einander treffen, wodurch die breiten Platten
in den Sphagnum-Zellen entstehen, oder so, dass dieses nicht
der Fall ist, wodurch die Poren in Taxus baccata hervorge-
bracht werden. — Früher befindet sich eine Abhandlung von
351
H. Mohl in demselben Journal B. 22 S. 81 f., über den Bau
der vegetabilischen Zellenmembran, welche besonders
gegen Meyen und dessen Meinung gerichtet ist, dass die Zel-
lenmembran aus Spiralfasern gebildet sei. Er setzt darin bei-
läufig auch seine Meinung auseinander, dass die Fasern und
Tüpfel der Zell^ von einer secundären auf die äusserste Mem-
bran abgelagert sind, in manchen Fällen sogar von einer ter-
tiären Membran herrühren. Er glaubt, es befolge der Bil-
dungsprocess der einfachen, besonders der secundären Zel-
lenmembran die Regel, dass die organische Substanz sich
nicht vollkommen gleichförmig, sondern an einzelnen Stellen
in grösserer, an andern in geringerer Menge ablagere, und
wenn diese ungleichförmige Ablagerung an einzelnen Stellen
in grössern Massen stattfinde, zwischen den Ablagerungen
aber ganz fehle, diese starken Ablagerungen entweder (beson-
ders in langgestreckten Zellen) in der Richtung einer Spirale,
oder (besonders bei kürzern Zellen) in der Richtung der Fä-
den eines Netzes vor sich gehen. — In demselben Bande S. 673
ist noch eine Abhandlung von H. Mohl über die Ringge-
fässe und zwar gegen Schleidens Meinung, welcher behauptet
hatte (wie schon oben erwähnt), dass den Ringgefässen ahroU-
bare Spiralgefässe zum Grunde liegen, deren Fasern je zwei
Windungen mit einander zu geschlossenen Ringen verwachsen,
welche später durch Resorption der zwischenliegenden spiral-
förmigen Faserstücke isolirt werden. Ich habe, sagt H. Mohl,
in der Abhandlung über den Bau der vegetabilischen ZelJen-
membran die Gründe auseinander gesetzt, welche dafür spre-
chen, dass den secundären Zellenmembranen eine fasrige Stru-
ctur zukomme, welche sich durch Streifung und durch grössere
Zerreissbarkeit in spiraliger Richtung, durch Vertiefungen und
Furchen, welche in derselben Richtung, und in höherem Grade
durch Spalten, welche die ganzeDicke der Zellenmembran durch-
dringen, ausspreche. Er findet nun den Bau der Faser, welche
die Ringgefässe bildet, dem Bau der Spiralfaser ganz analog,
er zeigt, dass sich besonders da, wo sich die Ringe einander
nahe stehen, auf ihren Oberflächen Theilungslinien, seichtere
oder tiefere Furchen, zeigen, welche aber hier den Rändern ganz
parallel sind, und dass in andern Fällen, wo sie entfernter sind^
eine regelmässige Spiralfaser zwischen ihnen verläuft, die sich
352 #-
den Ringen anscliliesst oder nicht. Schon diese Darstellung muss
gegen Schleidens Theorie Zweifel erregen. Ein Hauptgrund
ist aber die Untersuchung von Tradescantia tuberosa, worauf
Hr. Schi, sich beruft, besonders der Wurzeln, wo in den ersten
Zuständen, in welchen sich die Fasern zeigen, diese schon die-
selben Formverschiedenheiten, als Ring- und Spiralfasern haben
wie in den spätem Zuständen. — Hierauf • folgt nun die vor-
läufige, im Anfange dieses Absatzes angeführte Antwort von
Hrn. Schieiden. Er glaube, sagt er, in seinen Beobachtungen
nicht geirrt, sondern wirkliche Uebergangsstufen gesehen zu
haben, indem z. B. der stehenbleibende Ring sich durch Schärfe
der Zeichnung, Festigkeit und Klarkeit der Substanz wesent-
lich von dem gelblichen, gallertartigen, an den Rändern aus-
gefressenen und verwischten, in der Auflösung begriflfenen
Uebergangsstücke der Spirale unterscheiden lasse. Einige von
Mohl gezeichnete Ringfasern mit Spiralfasern rechnet er zu
den netzförmigen Geweben. Ich möchte aber überhaupt, S'agt
er, auch den Schluss von den entwickelten Formen auf die
Entstehungsgeschichte als höchst misslich ansprechen, denn es
kann Mohl nicht entgangen sein, dass sich nach Bildung der
Grundspirale in gar manchen Fällen noch secundäre Fasern
als Verbindungsglieder entwickeln, die aus einer ganz andern
Substanz bestehend (weil auflöslich durch Kochen in'Aetzkali)
doch scheinbar nicht von der Spirale unterschieden sind, und
die Erkennung der Grundspirale unendlich erschweren. Für
eine solche secundäre Verbindungsart möchte er eine in
Mohls Figuren abgebildete halten. Was mich besonders be-
wegt, sagt Hr. Schi, am Ende, bis jetzt noch an meinen An-
sichten festzuhalten, ist die philosophische Nothwendigkeit in
ächter Naturforschung, die Zahl der Erklärungsgründe so lange
zu beschränken, als niclft die Unmöglichkeit, eine Erscheinung
auf einen alten zurückzuführen, unabweisbar einen neuen fordert.
Hrn. Schleidens Theorie über die Spiralbildungen in den
Pflanzen ist eine Hypothese. Die Erklärung der verschiedenen
Formen dieser Bildungen aus dem Verhältniss ihrer Entstehung
zum Anwachsen der Zelle ist bequem ausgedacht, wenn sie
nur erwiesen wäre. Aber die wunderbaren Luftblasen, welche
Sj)alten und Poren machen sollen, scheinen willkürlich erdacht;
kein anderer Untersucher hat davon eine Spur gesehen. Wie
353
sollen Luftblasen regelmässige Gebilde hervorbringen, und wie
geht es zu, dass die Luftblasen nicht auf beiden Seiten gleich-
massig wirken? woher kommen die Luftblasen? Solche Fragen
Hessen sich in Menge aufwerfen. Eben so wenig ist es glaub-
lieh, dass Gefässe durch resorbirte Zellenwände entstehen;
gerade in der Jugend zeigen sie solche Wände in der Regel
nicht. Der Verf. lässt gern Resorption wirken, vermuthlich
will er sagen, Auflösung, Schmelzung oder dergleichen, denn
resorbirende oder absorbirende Gefässe giebt es bekanntlich
im Pflanzenreiche nicht. Wenn Herr Schieiden sagt, es sei ein
ächtphilosophischer Satz, die Zahl der Erklärungsgründe zu
beschränken, so hat er recht, wenn die Gründe völlig zurei-
chen. So wandte Newton ihn an, um auszudrücken, dass man
zur Erklärung der Bewegungen der Himmelskörper keiner an-
deren Erklärungsgründe bedürfe, als der von ihm gegebenen.
Aber es wäre wahrlich sehr unphilosophisch, ihn so weit zu
treiben wie der Verf. Denn wie kann man in Erfahrungs-
wissenschaften die Unmöglichkeit darthun, dass eine Erfahrung
auf einen alten Erklärungsgrund sich nicht zurückfuhren lasse»
besonders wenn man sich die Erlaubniss nimmt, hypothetische
Grundlagen zu machen, wie hier eine Ablagerung in Spiralen?
Besonders Herrn Dutrochet und den Mechanikern möchte ein
solcher Grundsatz sehr willkommen sein.
Herr Schieiden führt im Anfange seiner Abhandlung im
22. Bande der Flora meine früheren Meinungen über die spi-
ralförmigen Bildungen in den Pflanzen an, um sie unrichtig zu
finden. Darin hat er sehr Recht, denn ich habe sie selbst un-»
richtig gefunden. Ferner sagt er: „Link ist in seiner neuesten
Ausgabe der Philosophia botanica noch weit davon entfernt,
alle hierher gehörigen Thatsachen zu verstehen, und unter dem
richtigen Gesichtspunkt zusammenzustellen." Darin mag er
ebenfalls sehr Recht haben, denn ich bin sehr weit von dem
Dünkel entfernt, als hätte ich die Natur völlig richtig ver-
standen.
Eine kleine Streitigkeit zwischen Mohl und Schieiden über
Rechts- und Linksdrehen der Spiralfasern ist oben nicht ange-
führt, weil Hr. Schi, im Anfange der vorläufigen Antwort seine
Behauptung zurücknimmt, und sich sogar der Gedankenlosig-
keit in diesem Falle beschuldigt.
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2. Band. 23
d54
Herr Mobl sagt, Flora B. 22 S.676: „Dass die Faser der
Spiralgefässe kein eigentluimliches, für sich bestehendes Gebilde
ist, sondern als die in spiralförmiger Richtung in ein oder in
mehrere parallel laufende Bänder getheilte seeundäre Mem-
bran des Gefässschlauches betrachtet werden muss, darüber
kann für den, welcher die Entwickelungsgeschichte der Spiral-
gefässe und der Spiralzellen untersuchte, uncl die durchgreifende
Analogie dieser beiden Bildungen unter einander und mit den ge-
tüpfelten Zellen erkannte, kein Zweifel Statt finden." Ich frage:
War die Membran bei ihrer ersten Bildung zusammenhängend
und geschah die Trennung in Fasern erst später? Sagt man
Ja, so verlange ich Beweise für diese spätere Trennung. Sagt
man Nein, und nimmt man die Faser als von der nächsten
getrennt an, gleich bei der ersten Bildung, so frage ich weiter:
Was ist denn für ein Unterschied, ob ich sage: die Faser ist
ein eigenthümliches , für sich bestehendes Gewebe, oder: eine
Membran ist eigenthümlich und primitiv in Fasern getrennt?
Das Wort Ablagern erklärt nichts, vielmehr hat es die uner-
wiesene, unwahrscheinliche Nebenbedeutung, als ob die Bil-
dung der Faser^ und der Membran ein blosser Niederschlag sei.
■Wenn aber auch die Faser etwas platt gedrückt ist, so
hat sie doch keine Aehnlichkeit mit den Theilen einer Mem-
bran. Denn in sehr juftgen Wurzeln sehe ich schon die zar-
ten Fasern der Spiralgefässe bei 1500maliger Vergrösserung
an den Rändern deutlich abgerundet. Die umhüllende äussere
Membran ist dann noch so zart, dass man sie nicht gewahr
wird. Ich möchte es umkehren und sagen: Wer die Entwicke-
lungsgeschichte der Spiralgefässe und der Spiralzellen unter-
sucht,^ ihtif^ die Faser für eia eigenthümliches, für sich beste-
hentieä Gebilde erklären. Was die Poren betrifft, so glaubte
ich mit Mohl, dass die Oeffnung mit einer zarten Haut über-
zogen sei, und da ich nicht einsah, wie ein zweiter Absatz
gewisse Stellen verschonen könne, so meinte ich, die Stellen
wären Bläschen, wie man sie im Glase sieht. Das war eine
blosse Vermuthung. Mein Zeichner läugnete iminer jene Mem-
br'an. Endlich hoffte ich ihn zu überzeugen; wir sahen sie
gefärbt, wie sie Icon. select. F. 1 t. 5 f. 6, 7 dargestellt ist.
Aller naehjjer habe ich nichts dergleichen gesehen, und das
Mikroskop, welches ich gebraucht hatte, färbte die Gegenstände
355
unter gewissen Umständen. Herr Schmidt hält noch immer die
Poren für ganz durchgehend, und wenn wir verschiedener
Meinung sind, wird mir die meinige, als vorgefasst, verdächtig.
Ferner sah ich nicht selten, besonders am Rande jener
Poren, dass mehr Membranen von derselben Art über ein-
ander lagen. In den Baströhren ist dieses oft sehr deutlich, s.
Icon. an. bot. F. 1 t. 6 f. 15. Dass die Ablagerungen von dem
Membranengebilde verschieden sind, zeigen Payens Versuche.
Die Spiralfaser gehört zum Membranengebilde, weil sie durch
Kochen mit kaustischem Kali oderNatrum nicht aufgelöst wird.
Mohl hat sich viel Mühe gegeben, Meyens Behauptung,
dass die Pflanzenmembran aus Spiralfasern gebildet sei, zu
widerlegen. Das war sie schon an und für sich, weil man an
der bei weitem grössten Menge von Membranen im Pflanzen-
reiche eine solche Zusammensetzung nicht bemerkt. Ich sagte
ihm sogleich, ich fände an den Luftwurzeln seiner Stelis nicht,
was er wolle. Dass viele Pflanzentheile eine Neigung haben,
in einer Schraubenlinie zu reissen, ist sehr merkwürdig, aber
dieses ist grade bei dickern Theilen, z. B. alten porösen Ge-
fassen und sogar bei Rinden, z. B. bei der Birkenrinde der
Fall. Man braucht also nicht auf eine Molekularstellung mit
Mohl zurückzugehen, die wir den Physikern überlassen wol-
len. Und wenn die Membran noch so dünn wäre, so wäre
es doch am einfachsten, noch dünnere Stellen anzunehmen, an
denen die Membranen reissen. •••
Es ist sehr richtig, dass zwischen Gefässen und Zellen im
Pflanzenreiche kein bestimmter und scharfer Unterschied sei,
aber für die Wissenschaft müssen wir den Unterschied im
Ausdruck beibehalten, um nicht in Verwirrung zu gerathen.
Wenn man die äussern Theile einer Grasblüthe Bracteen nennen
wollte, oder gar Blätter, weil sie in der That Bracteen und
zuletzt Blätter sind; welche Verwirrung würde entstehen und
wie viel Worte würde man nöthig haben, um deutlich zu
machen, welche Bracteen, oder welches Blatt man meine! Ras-
pail hat wirklich solche Beschreibungen von Gräsern gemacht,
die nur darum keine Verwirrung hervorbrachten, weil man
keine Rücksicht darauf nahm.
Die eigenen Gefässe aus dem Kelche von Chelidonium
23*
356
majus habe ich im 2. Heft der Jcon. sei. anat. bot. t. 6 f. 1 (1840)
abbilden lassen. Die beigesetzten Pfeile zeigen die Richtung
der Strömung. Es erhellt daraus, dass die Strömung nicht
immer von dem Ausfliessen des Saftes aus den abgerissenen
Theilen herrührt, wie noch viele glauben, und wie es auch oft
der Fall ist, denn sie geht hier keinesweges nach aussen, son-
dern vielmehr von aussen nach innen. Da der Kelch von Che-
lidonium sehr dünn ist, so darf man nur das Blättchen, ohne
einen Schnitt zu machen, abreissen, wo dann auch nur eine
kleine Stelle übrig bleibt, woraus der Saft fliessen könnte.
Diese von Herrn Schultz entdeckte Bewegung ist also gewiss
eine eigenthümliche, und wird leicht gesehen, ohne dass man
nöthig hat, die Beobachtung im Sonnenschein anzustellen. Denn
die Bewegung, welche man im Sonnenschein, besonders aber
an abgerrissenen Blättern sieht, ist eine optische Täuschung, und
die Strömung lässt sich willkürlich nach einer oder der an-
dern Seite richten, nachdem man den Spiegel dreht. Hievon
überzeugte mich Prof. Amici bei der Versammlung der Natur-
forscher zu Pisa im Herbst 1839. Die flimmernde Bewegung,
welche man mit dieser zugleich sieht, mag wohl ebenfalls von
einer optischen Täuschung herrühren.
Diese eigenen Gefässe, die man wohl im Lateinischen vasa
laticifera nennen könnte, sind also in Chelidonium majus keines-
weges immer einfach, wie ich vormals geglaubt habe, sondern auch
ästig. Einfach sind sie allerdings in der Nähe der Blattnerven,
der Rinde der Wurzel und im Holze des Stammes, und so
auch Icon. an» bot. t. 14 f. 6, 7, 8 vorgestellt worden. Es
scheint mir jetzt, dass man die Aestigkeit als ein Hauptkenn-
zeichen dieser Gefässe aufstellen könne, wodurch sie sich von
allen andern Gefässen unterscheiden, auch wenn sie keinen
gefärbten Saft haben. Aber man muss diese Gefässe nicht
mit den langen Zellen oder den Gefässen in dem (die Holz-
bündel) begleitenden Gewebe verwechseln, die niemals ästig
sind, nie einen gefärbten Saft führen, und in denen man nie-
mals eine Saftbewegung bemerkt hat, wie doch vpn vielen ge-
schehen, ja sogar noch immer geschieht. Zu diesem Irrthum ist
man gekommen, weil man die eigenen Gefässe nur in der Nähe
der Holzbündel des Stammes und der Blattnerven untersucht
j
357
hat, wo sie gerade, einfach und allerdings den Bastgefassen
oder Fasergefässen sehr ähnlich sind» Man darf sie aber nur
in den flachen Theilen und entfernt von den Nerven unter-
suchen, um ihre gebogene, ästige Bildung bald zu finden.
Spaltöffnungen (stomatia) sind in demselben zweiten
Heft der Icon. sei. F. 2 (1840) T. 4 und 5 abgebildet. Zuerst
Spaltöffnungen von ziemlich gewöhnlicher Form, nämlich aus
zwei gebogenen Zellen bestehend, die eine spaltenförmige Oeff-
nung zwischen sich lassen, und von einer oder mehreren ring-
förmigen Zellen umgeben sind; F. 8 von Epiphyllum Phyllan-
thus, F. 9 und 10 von Opuntia vulgaris, F. 11 von Cereus
flabelliformis. Das Chlorophyll bildet F. 9 und 10 einen läng-
lichen Körper. An Rhipsalis salicornioides F. 7 besteht die
Umgebung aus mehren in einen Kreis gestellten Zellen, und
daselbst sieht man auch die Innern gebogenen Zellen in einen
schmalen Ring verwachsen. Von . derselben Form sind auch
die Spaltöffnungen der Hakea pugioniformis, aber man sieht
an ihnen auch sehr oft, doch nicht immer, eine Verhüllung, wie
es scheint, von einer abgesonderten Materie, welche die Spalt-
öffnung ganz oder zum Theil überzieht. F. 3 der vierten Ta-
fel zeigt eine ganz freie und eine halb verhüllte Spaltöffnung,
F. 4 aber eine fast ganz verhüllte. Noch deutlicher sieht man
diese Verhüllung oder vielmehr eine Verstopfung der Spalte
an den Spaltöffnungen auf den Blättern der Coniferen. T. 5 F. 6
von Cunninghamia sinensis, F. 7 von Picea excelsa, F. 8 von
Picea alba. Freie und verstopfte Spaltöffnungen zugleich
findet man auf den Blättern von Araucaria excelsa F. 2 und
Araucaria imbricata F 4. Wenn man die Blätter mit Wasser
kocht, so werden die Spaltöffnungen frei, wie man an der
Spaltöffnung von Araucaria imbricata F. 5 sehen kann. Kochen
mit Weingeist bewirkt dieses wenigstens nicht so leicht; mir
ist es gar nicht gelungen. Ich habe immer daran gezweifelt,
dass die Spaltöffnungen die Luftlöcher der Pflanzen und also
die Respirationswerkzeuge sein sollten. Ich finde die Verbin-
dungen zwischen den Spaltöffnungen und den Lücken im Zell-
gewebe der Blätter nicht deutlich; es scheint mir sonderbar,
dass Organe von einem so ausgezeichneten Bau zu blossen
Lücken im Zellgewebe führen sollten, und endlich bewogen
mich auch die verstopfenden und verhüllenden Stoffe, sie für
Secretionsorgane zu halten*). Doch lasse ich die Sache in
Zweifel, denn wenn man mich fragt: was von den Spaltöffnun-
gen abgesondert werde, an denen man solche Verstopfungen
nicht bemerkt, so gestehe ich, dass ich es nicht weiss. Aller-
dings hat man viel von geöffneten und verschlossenen Spalt-
öffnungen geredet, ich selbst,, und es wäre wohl möglich, dass
man die verstopften Spaltöffnungen für geschlossene gehalten
hätte.
Doch wir wollen hierüber Herrn Schieiden hören: „Ver-
gebens (sagt er in den Harmlosen Bemerkungen über die Na-
tur der Spaltöffnungen in Wiegmann's Archiv der Naturgesclüchte
für 1838, B. 1 S. 57) habe ich nach einer Thatsache geforscht,
wodurch man auch nur wahrscheinlich ^maclien könnte, dass
jene Sekretionen mehr von den Ausdünstungen der angeblichen
Drüsenzellen als von denen der andern Parenchymzellen, be-
sonders von denen herrühren, die unmittelbar an die Höhlung
grenzen, in welche die Spaltöffnung hineinführt, und mir scheint
die angebliche Funktion auf dem jetzigen Standpunkte der Wis-
senschaft eine blosse petitio principii zu sein. Nehmen wir
z.B. die Coniferen. Hier finde ich Harz auf der Spaltöffnung;
wenn ich dieses durch ätherisches OeL entferne, zeigt sich die
Spaltöffnung immer weit klaffend, dann finde ich darunter eine
Höhle, die (die beiden Spaltzellen eingeschlossen) von lauter
Zellen umgeben ist, die Gummi, Schleim, etwas Stärke, Chlo-
rophyll, aber keine Spur von Harz oder Terpentin enthalten,
dagegen finde ich viel tiefer im Parenchym grosse Terpentin-
gänge, und schliesse nun, dass das flüchtige Terpentinöl aus
jenen Gängen in Dunstform austritt, den Intercellulargängen
folgend in jene Höhlungen gelangt, und von hier sich vermit-
telst der Spaltöffnungen in die Atmosphäre verflüchtigt, wobei
es, wie seine Natur es mit sich bringt, eine gewisse Quantität
Harz zurücklässt. Dieser Schluss scheint mir natürlich, wenn
man dagegen mit einem Male ganz willkürlich und von jenen
ganz gleichen, mit Grün gefüllten Zellen zwei auswählt und
etwa, weil sie mehr nach aussen liegen, zu Harz absondernden
Drüsen macht, so sehe ich eigentlich nicht ein, mit welchem
*) Von einem Streite zwischen Dutrochet und Delile, diesen Ge-
genstand berührend, wird im Jahresbericht für 1841 die Rede sein.
359
Handbuch der Logik man das reclitfertigen will/' Griiu finde
ich die Zellen unter dem harzigen Ueberzuge der Cisteft und
vieler andrer Pflanzen» Und wie das Terpentinöl, welches aus
den Terpentingängen schon in Dunstform austreten soll, in der
Spaltöffnung Harz zurücklassen kann, begreife ich nicht. Uebri-
gens freue ich mich, meinem Freunde Berzelius etwas ähnlich
zu sein. Allerdings ist er um so mehr geschimpft worden, als
er grösser ist als ich.
In der Tijdschrift voor natuurlijke Geschiedenis en Physio-
logie door van der Hoeven en de Vriese, Leiden 1840, befinden
sich p. 185 Mikrome tri sehe Bepalingen en mikroskopische
Aantekningen door P. Harting. Es sind gar viele mikrometrische
Bestimmungen von vegetabilischen Gegenständen in dieser Ab-
handlung enthalten , von denen ich nur einige anführen will,
weil sonst die ganze Tabelle müsste hergesetzt werden. Sie
sind in Zehntausendtheilen eines Millimeters gegeben. Die
kleinsten Spiralgefässe (spiralbuizen) aus der chalaza eines seit
wenigen Tagen befruchteten Eichens halten 33 Z.; die dick-
sten aus dem einjährigen Zweige von Sambucus nigra 425, die
dünnsten ebendaher 140; diö Spiralfaser aus jenen, den dick-
sten 39, aus diesen, den dünnsten 27. Der mittlere Durch-
messer der Tüpfel an den getüpfelten Spiralgefässen aus dem-
selben Zweig 48. Ringe von einem Ringgefässe in demselben
Zweige im mittleren Durchmesser 38. Spaltöffnung von einem
mittelmässig grossen Blatt von Lilium candidum, mittlere Länge
712, mittlere Breite 520, mittlere Länge der Spalte 420, mitt-
lere Breite 123; Spaltöffnung von einem ausgewachsenen Blatte
von Leontodon Taraxacum, mittlere Länge 230, mittlere
Breite 130; Spaltöffnung von einem ausgewachsenen Blättchen
von Lemna minor, mittlere Länge 192, mittlere Breite 160,
mittlere Länge der Spalte 142, mittlere Breite 90. Pollenkörner
von Malva rotundifolia 1341; von Lilium candidum mittlere
Länge 925, mittlere Breite 392 ; von Lathyrus odoratus mittlere
Länge 517, mittlere Breite 283; von Salix alba mittlere Länge
272, mittlere Breite 126; von Lamium purpureum mittlere
Länge 412, mittlere Breite 248; Lamium album mittlere Länge
308, mittlere Breite 202; von Aconitum Napellus mittlere
Länge 83, mittlere Breite 47. Chlorophyllkörner aus dem Blatte
von Sambucus nigra, mittlerer Durchmesser 50, von Chelidonium
360
majus 55, von Sedum Telephium 67, Geranium robertianum 52,
von Malva rotundifolia 51, von Iris Pseudacorus 42, von Li-
lium candidum 30, von Georgina variabilis 34; Dicke der La-
gen eines Aroylumkornes aus den Kartoffeln 8 — 30. Wenn
sich auch bei mikrometrischen Messungen immer einige Un-
sicherheit findet, so bleiben doch die Angaben als Verhält-
nisszahlen sehr schätzbar, und es ist darum auch sehr zweck-
mässig, wenn derselbe Beobachter mit demselben Instrumente
recht viele liefert. Die Zahl der thierischen gemessenen Ge-
genstände ist viel grösser als der pflanzlichen, ich bemerke
nur, dass die Blutkügelchen (bloedshyfjes, Blutscheibchen nennt
sie der Verf. mit einem neuen holländischen Worte) fast von
allen Thieren grösser sind, als die Chlorophyllkörner, dagegen
sind die Muskelfasern der Thiere in der Regel dünner als die
Spiralfasern.
Eine Erwähnung verdient noch zu Ende dieses Artikels
die Erfindung von Hrn. Boucherie, dem Holz nutzbare Eigen-
schaften dadurch zu geben, dass man verschiedene Flüssigkei-
ten davon einsaugen lässt. S. Comptes rendus p. 1840, T. 1
p. 686. Durch die bekannten Versuche, gefärbte Flüssigkeiten
in den Gefässen der Pflanzen aufsteigen zu lassen, wurde er
auf den Gedanken gebracht, diese Versuche, welche bisher nur
für die Wissenschaft angestellt wurden, zum allgemeinen Nutzen
anzuwenden, oder wie er sich ausdrückt, aus der Lebenskraft
eine industrielle Kraft zu machen. Die Operation wird an
einem noch aufrecht stehenden Baume angestellt, denn indem
man einen Querschnitt macht, um die Saftgefässe mit den Auf-
lösungen in Verbindung zu bringen, die der Baum einsaugen
soll, kann man an zwei entgegengesetzten Punkten genug Holz
stehen lassen, dass der Baum seine vertikale Lage behält. Wenn
man den Baum ganz von seinem Unterstock (de sa souche)
trennt, so nimmt die absorbirende Kraft von dem Augenblicke
des Abliauens ab ; indessen nach zwei Tagen und vielleicht län-
ger kann man davon noch Gebrauch machen. Sie ist übrigens
verschieden zu verschiedenen Jahreszeiten ; im Herbst ist sie am
stärksten. Auch ist die Quantität der Flüssigkeiten, welche ab-
sorbirt werden, sehr verschieden, doch werden im Allgemeinen,
die neutralen Verbindungen in grösserer Menge aufgenommen
als die Säuren und alkalischen. Um das Holz haltbar zu machen.
361
lässt er den Braunkohlentheer (pyro-Iignite de fer) einsaugen,
um aber dem Holze eine grössere Biegsamkeit und Elasticität
zu geben, bedient er sich der Auflösungen von zerfliessenden
Chlorüren, und eben diese sind auch am zweckmässigsten, um zu
verhindern, dass sich das Holz nicht wirft; ja sie dienen aucli
dazu, um das Holz weniger verbrennlich zu machen. Das Fär-
ben des Holzes geschieht mit mineralischen oder vegetabilischen
Stofi'en. Im ersten Falle muss man nicht die schon gefärbte
Flüssigkeit einsaugen lassen, sondern zwei Flüssigkeiten nach
einander, welche durch ihre wechselseitige Zersetzung sich fär-
ben, so z. B. wenn man blau färben will, zuerst ein Eisensalz
und dann Cyaneisenkalium. Gefärbte vegetabilische Flüssigkei-
ten werden nicht aufgenommen; gewisse Hölzer sogar nehmen
nichts davon auf. Diese praktische Anwendungen bestätigen
gar sehr die jetzt fast allgemein angenommene Theorie vom
Aufsteigen des Saftes in den Pflanzen.
Von der Bildung der Gefässe und Zellen ist noch weiter
unten die Rede, besonders bei Gelegenheit der Abhandlung von
D. Don über die Cycadeen und von Schieiden über die Cacteen.
Stamm, Blätter, Knospen.
Für die Kenntniss des Stammes ist ein lausfübrliches Werk
erschienen, welches die Aufmerksamkeit der Forscher gar sehr
verdient: Heber den Bau und das Wachsthnm des
Dikotyledonen-Stammes, eine von der Kaiserlichen Aka-
demie der Wissenschaften zu St. Petersburg mit dem Accessit
gekrönte Preisschrift von Dr. Fr. Unger, St. Petersb. 1840. 4.
204 S. 16 Tafeln. Wir wollen dem Verf, der sich schon sehr
um die Pflanzen-Physiologie verdient gemacht hat, so viel als
es der Raum verstattet, folgen. Er giebt zuerst die gewöhn-
liche Eintheilung des Stammes in Mark, Holz und Rinde an.
Das Holz theilt er wiederum ein in die Markscheide, das eigent-
liche Holz, wovon das reife oder Kern-Holz von dem Splint
sich wenig unterscheidet und die Cambiumschicht, die er als
eine Schicht von zartem Zellgewebe bezeichnet. Die Rinde
wird ebenfalls eingetheilt in die Oberhaut, Korkschicht und die
zellige Hülle; die letztere enthalte Chlorophyllkörner und sei
es, welche die Markstrahlen bilde. Dann folgt eine Geschichte
der Theorien über das Wachsthum der Dikotyledonen. Von
362
der Darstellung der Meinungen Anderer will ich nichts sagen ;
die meinige hat er ganz verfehlt. Nachdem er eine ältere, mit der
spätem unverträgliche Meinung von mir S. 19 angeführt, finde
ich S. 27 folgendes: „Dass der Stamm durch die Knospen ge-
wachsen, d. i. dass die neuen Holzlagen ein Product der Knos-
pen seien, meint sowohl Link als Meyen. Ersterer sagt (El.
Phil. bot. Ed. 2. 261), man könne mit blossen Augen sehen,
wie eine Holzschicht aus der Knospe in den unterliegenden
Ast eintrete und sich an dessen Holz anlege, ja bei Vergrösse-
rung bemerke man sogar junge Spiralgefasse u. s. w. .in den
Ast eindringen." Hätte der Verf. sich die Mühe gegeben, die
Stelle zu lesen, so würde er gesehen haben, dass ich zwar
behaupte, es gehen Gefässe mit Zellgewebe aus der Knospe
in den Ast hinab, aber nicht, es werde dadurch die ganze
neue Holzschicht gebildet, sondern diese wachse auch seit-
wärts an, so dass sich die Gefässe einander gleichsam ein-
impfen. Die Art, wie dieses geschieht, habe ich nicht allein
umständlich beschrieben, sondern auch auf der 7. Tafel der
Jcon. anat. bot. F. 1 T. 7 F. 6 — 12 dargestellt. S. 111 kommt
er auf meine ältere Meinung, zurück und führt sorgfältig an,
wer sie widerlegt hat. Dann setzt er S. 112 hinzu: „Letzlich hat
Link seine Ansicht dahin geändert, dass er die Spiralgefasse
in der Nähe des Markes für unveränderlich erklärt, wie diess
Mirbel und andere gezeigt hatten. Er selbst führt als Beispiel
die Erle an, welche nach 40 Jahren dieselben Gefässe zeigt,
die sie anfangs hatte." Das ist alles, was er von meiner Dar-
stellung sagt, so sehr hat er sie verstümmelt. Auch sagt er
S. 121 : „Link zählt die Cambiuraschichten zum Bast und nennt
sie innern Bast." Er führt dazu El. Ph. bot. 1837 p. 277 an.
Dort steht davon kein Wort, auch ist es mir nie eingefallen,
dergleichen zu sagen. Es ist a. a. O. vom Saft die Rede, den
ich wohl vom Cambium unterscheide. Doch dieses soll auf
das Folgende keinen Einfluss haben. Der dritte Abschnitt
handelt von dem Bau und dem Wachsthume der Aloineen.
Er fängt mit diesen an, weil sie mit den Dikotyledonen in ihrem
Baue die grösste Aehnlichkeit haben, indem der Stamm aus
Rinde, Holzkörper und Mark besteht. Aus seinen Untersuchun-
gen, besonders über Dracaena ferrea, zieht der Verf. nach-
stehende Folgerungen: 1. Den Gefässbündeln liegt ursprünglich
363
eine gleichartige Gewebsmasse zum Grunde, die zum Zellsystem
gehört, und sich dadurch auszeichnet, dass ihre gestreckten
Zellen einen mehr oder weniger triiblichen Saft führen. 2. Die
Entwickelung der Gefässbiindel erfolgt dem ganzen Verlaufe
nach betrachtet nicht durchaus gleichförmig, sondern Theile
derselben vermögen sich höher auszubilden, während andere
in ihrer ursprünglichen Einfachheit verharren. 3. Der näm-
liche Wendepunkt der Entfaltung, von welchem aus nach beir
den Richtungen hin eine vollkommenere Entwickelung der
Gefässbiindel Statt findet, ist der Punkt, wo dieselben den
Stamm verlassen, zu dessen Bildung sie das Wesentliche bei-
trugen. 4. Zwischen dem innern oder dem Stammtheile und
dem äussern, oder, dem Blattheile des Gefässbiiudels in der
betrachteten Pflanze, bildet sich ein Gegensatz aus, der merk-
würdiger Weise nach gleichen Verhältnissen der Distanzen
vom W^endepunkte, nie das Gleiche, sondern nur das Aehnliche
hervorruft. 5. Für die Natur der Elementartheile der Gefäss-
bündelan fange, wie sie uns in der Cambiumschicht offen dar^
liegen, geht endlich hervor, dass der erste und wesentlichste An-
theil des Gefässbündels die eigenen Gefasse sind (der Verf. er+
klärt eigene Gefasse als bestehend aus dünnwandigen Zellen,
folglich gar verschieden von dem, was alle andern Botaniker
so nennen), indem sie nicht nur als die erst erscheinenden
Elementartheile derselben angesehen werden können, sondern
indem sie auch das Bleibendste sind, und bei allen Metamor-
phosen des Gefässbündels nie ganz verschwinden, und also durch
nichts ersetzt werden können. Die Beweise für diese Folge-
rungen muss ich überlassen selbst herauszusuchen. IV. Ver-
gleichung der Gefässbündel-Entwickelung in ver+
schieden en Monokotyl edonen. Verkauf der Gefässbündel
in den Palmen nach Mohl, in den Aloineen, wo keine Zeräste-
lung, wie sie Mohl in den Palmen fand, und keine Verwach-
sung, wie sie Meneghini beschreibt, angenommen werden. Ver-
lauf und Verwachsung der Gefässbündel in der Ananas. Ver-
lauf und Verflechtung derselben in den Gräsern. V. Ueber
den Bau und die Entwickelung der Piperaceen. Was
der Verf. Besonderes gefunden hat, mag hier mit dessen eignen
Worten vollständig gesagt sein In sämmtlichen Piperaceen ist
ein centrales Gefassbündelsystem von einem peripherischen zu
364
unterscheiden, diese beiden Systeme bestehen aus parallelen,
durch den Stamm verlaufenden, und nirgends unter sich ana-
stomosirenden Gefässbündeln. Die beiden Systeme vereinigen
sich in dem Knoten zu einem Fasernetze, aus welchem Knos-
pen und Wurzeln entspringen, und zwar auf die Weise, dass
ihre gesonderten Gefässbündelsysteme mit jenen des Stammes
in unmittelbare Verbindung treten. Die Bildung des Holzes
geschieht nur durch die peripherischen Gefässbündel, indem
sich an ihrer Aussenseite Holzsubstanz erzeugt, welche theils
aus neuen Gefässbündeln, theils aus verbindenden Prosenchym-
zellen besteht. Das Gefässbiindelsystem der appendiculären
Theile hängt nur mit dem centralen Gefässbündel, und zwar
nur mit einem Theile desselben zusammen, und erscheint als
unmittelbare Fortsetzung seiuer Gefässbündel nach Aussen. Ein
Theil derselben Gefässbündel setzt ihn ebenso nach aufwärts
fort, Voraus folgt, dass diesem Gefässbündelsystem ein fort-
sprossendes Wachsthum seiner Bündel (vegetatio terminalis)
zukommt. Dasselbe gilt auch von dem peripherischen Gefäss-
bündelsystem; da dieses aber noch durch Anlagerung von Ge-
fässbündeln einer zweiten, dritten, vierten u. s. w. Ordnung
nach Aussen sich vergrössert, so ist hier eine complicirte Ve-
getation zu erkennen. Der Verf. nennt diese Wachsthumsweise
vegetatio peripherico-terminalis. Dann redet er von dem Baue
der verwandten Gattungen Saururus, Houttuynia und der Chlor-
antheen. VI. Ueber den Bau und die Entwickelung
der Nyctagineae. Die Resultate der Untersuchungen, wel-
che der Verf. über die Bildung des Mirabilis-Stammes giebt,
sind folgende: Es lässt sich ein doppeltes Gefässbündelsystem
unterscheiden, ein inneres und ein äusseres. Das innere ist
einfach und besteht aus einer Gefässzone und den von ihr ein-
geschlossenen centralen Gefässbündeln, welche in die Blätter
treten; das äussere hingegen aus vielen über einander liegenden
Gefässbündelkreisen, die unabhängig unter sich und von erstem
gebildet, nur durch Anastomosen zusammenhängen. Weder im
Innern noch viel weniger im Aeussern für sich, findet ein
peripherisches Wachsen nach Art der Monokotyledonen Statt,
sondern durchaus nur ein nach der Achse fortschreitendes,
d. i. eine vegetatio terminalis. Betrachtet man aber beide Ge-
fässbündelsysteme im Verhältnisse ihrer Entwickelung zu ein-
365
ander, so tritt eben so auch eine peripherische Vegetation her-
vor, folglich findet, wie vorher, eine vegetatio peripherico-ter-
minalis Statt. VII. Bau und Wachsthum der Chenopo-
deae und Amaranthaceae. Auch in diesen Stämmen er-
scheint wiederum ein doppeltes Gefässbündelsystem, ein inneres,
durch den ganzen Stamm zusammenhängendes und im Marke
oder an der Grenze desselben liegendes, und ein äusseres, eben
so durch den ganzen Stamm zusammenhängendes und sich an
der Aussenseite vermehrfachendes System, welches eigentlich
das Holz bildet. Beide Systeme sind ihrer wesentlichen Zu-
sammensetzung nach scharf geschieden; das innere die appen-
dikulären Theile mit Gefässen versorgend, und das äussere,
eigentlich dem Stamm angehörend, sind ihrer Bildung nach so
beschafi"en, dass man, mit Ausnahme, dass jeder Gefässbündel
bis auf eine gewisse Grenze sich in seinen Querdurchmes-
sern und besonders nach Aussen vergrössert, nur ein nach
dem obern Ende hin fortschreitendes Wachsthum wahrzuneh-
men im Stande ist. Berücksichtigt man aber, dass dabei zu-
gleich durch Anbildung neuer Holzschichten der Stamm nach
aussen hin anwächst, so kann man nicht umhin, hier gleich-
falls wieder den Typus einer vegetatio peripherico-terminalis
wahrzunehmen. VIII. Bau und Wachsthum der baum-
artigen Dikotyledonen. Aus der Untersuchung junger
Weidenzweige folgert der Verf., dass die Gefässbündel, welche
die Gefässe der Markscheide enthalten, dem centralen Gefäss-
bündelsystem der krautartigen Dikotyledonen entsprechen, nur
mit dem Unterschiede, dass diesem System hier die Cardinal-
gefässbündel zu fehlen scheinen, die einen so ausgezeichneten
Rang in jenen Gewächsen behaupten. Der eigentliche Holz-
körper bildet auch hier, wie bei den krautartigen Dikotyledo-
nen ein eigenes, von der Markscheide unabhängiges Gefässbün-
delsystem, welches durch prosenchymatische Holzzellen zu
einer Masse verbunden ist, die sich nach Aussen immerfort zu
erneuern sucht. Zur Erläuterung des Ganzen will ich zu dem
Vorhergehenden einen Satz aus des Verf. allgemeinen Folge-
rungen beifügen: In allen mit Gefässen versehenen Pflanzen
lässt sich nur eine dreifache Art der Vegetation wahrnehmen.
Entweder es setzen sich die Gefässbündel des Stammes in ihrer
Entwickelung nach oben fort, ebne sich zu vervielfältigen; diess
3m
giebt den Wipfelansatz oder das endsprossende Wachsthum
(vegetatio terminalis), z. B. der Cykadeen und Farrn ; oder die
Gefässbündel des Stammes haben nur eine bestimmte Länge,
und neue Gefässbündel, welche zu den vorhandenen hinzukom-
men, und sich von Aussen und über dieselben anlegen, ver-
grössern und verlängern den Stamm; diess giebt das ausspros-
sende Wachsthum (vegetatio peripherica); endlich ist noch eine
dritte Art verschieden von den beiden vorhergehenden, welche
sich dadurch auszeichnet, dass die Gefässbündel sich nicht nur
allein nach Oben fortsetzen, sondern sich zugleich nach Aussen
vervielfältigen, was zur Bildung eines centralen und peripheri-
schen Gefässbündelsystems Veranlassung giebt. Diese Vege-
tation nennt der Verf. das endumsprossende Wachsthum (vege-
tatio peripherico-terminalis). IX. Anatomische Beschaf-
fenheit der Cambiumschichte. Der Verf. redet hier be-
sonders vom Anwachsen der Zellen; er glaubt, dass dieses am
besten an den niedern Pflanzen, an den Algen beobachtet werde,
und nach Untersuchungen darüber, verbunden mit andern, ent-
scheidet er sich endlich dahin, dass die Vegrösserung des
Zellgewebes besonders durch Theilung geschehe.
Die Untersuchungen des Verf. verdienen alle Aufmerk-
samkeit. Aber Manches hat er, meiner Meinung nach, dabei
übersehen. Es ist nämlich durchaus nothwendig, verschiedene
Arten von Stämmen zu unterscheiden, wenn man eine richtige
Einsicht in den Bau des Stammes haben will. In Rücksicht
auf die Untersuchungen des Verf. sind zwei Arten zu bemer-
ken. Erstlich der wahre Stamm (caulis genuinus), welcher
durch Knospen fortwächst, so dass sich die Knospen verlän-
gern, und die Blätter, indem sie sich entwickeln, aus einander
geschoben werden, wobei die untersten Blätter oder auch die
Deckblätter (tegmenta) der Knospen an ihrer Stelle bleiben.
Dieser Stamm ist allen Dikotyledonen eigen, wenn wir die
stammlosen Pflanzen (pl. acaules) ausnehmen, ferner den Grä-
sern, Smilacinen, einigen Palmen u. s. w. Zweitens der Pal-
menstamm, oder das Caulom, wo die Blätter der Endknospe
sich lange vor dem Stamm entwickeln und dieser unter den-
selben nachwächst. Die meisten Palmen, die Dracaenaceen, die
Pandaneen, viele Aloineen und dergleichen mehr haben einen
solclTen Stamm. Bei dem Anwachsen des wahren Stammes
? 387
Übersieht der Verf. die Vergrösserung des Markes, welche
immer der Knospe vorausgeht, und sie in ihrem ersten Zu-
stande fast ganz bildet. Erst später wachsen Spiralgefasse nach,
und legen sich an die altern Oefässe dos Stammes oder Zwei-
ges an, natürlicher Weise also an die innern, die mit dem
Marke in Berührung sind. Es ist aber nicht richtig, wenn der
Verf. die Markscheide der meisten Dikotyledonen mit dem cen-
tralen Gefässbündelsystem der Piperaceen, Nyctagineen und
Amaranthaceen vergleicht. Jene Pflanzen haben in der Jugend
nur einen Kreis von Gefässbündeln, sie wachsen nach Aussen
durch Spiroiden und Prosenchym, und so auch oft seitwärts
an, um einen Holzring zu bilden. Nicht immer wird durch das
seitliche Anwachsen ein wahrer Ring gebildet, sondern es blei-
ben Lücken zwischen den Bündeln, wie an den ümbellaten,
Cruciferen und einigen andern. Davon sind aber die Ama-
ranthaceen gar sehr verschieden. Hier sind schon in der ersten
Jugend, wie bei den Monokotyledonen, mehr Kreise von Gefäss-
bündeln vorhanden und nur der äussere wächst zu einem Hol«-
ring aus. Das Verflechten der Gefässbündel in den Knoten
der wahren Monokotyledonenstämme hat der Verf. w^ohl bemerkt;
ich habe es in den Icon. anat. bot. F. i. T. 2 F. 5,6, wie ich
meine, genau abbilden lassen. Auch das Anwachsen der Gefäss-
bündel im Caulom ist von dem Verf. wohl beobachtet. — Dass
man die Algen zum Muster nimmt, um das Anwachsen der
Zellen danach zu bestimmen, scheint mir sehr gewagt, und
könnte wohl sehr irre führen.
lieber die Schichtenbildung in den Dikotyledonen
sei es mir erlaubt folgende Bemerkungen anzuführen. Es ist
eine bekannte Sache, dass oft mitten in Baumstämmen Buch-
staben, eingeschnittene Figuren und fremde Körper angetrofi'en
werden. Ich erhielt solche Buchstaben, welche sich in einer
Linde nahe bei Berlin auf einem Gute des nun verstorbenen
Ministers Grafen v. Lottum gefunden hatten. Auf der einen
Seite des gespaltenen Stückes waren die Buchstaben hohl, wie
sie Icon. sei. anat. bot. F. 2 T. 2 F. 7 vorgestellt sind, auf der
andern erhaben, und die Höhlung war deutlich mit holziger
Masse wiederum ausgefüllt, Fig. 8. Diese Ausfüllung zeigte in
einem Querschnitte bei einer massigen Vergrösserung etwas
unregelmässige Schichten Fig. 9, die bei einer Vergrösserung
m
von 315 im Durchmesser aus Lagen von grössern und kleinern,
gefüllten und leeren Zellen mit eingestreuten Lücken Fig. 10
bestanden. Was aber besonders merkwürdig scheint, ist, dass
der innere Bau der Ausfüllung, wie man ihn beim Längsschnitt
sah, F. 11, sehr übereinstimmte mit dem daneben befindlichen
alten Holze F. 12, nur dass in dem letztern Spiroiden vorhan-
den waren, welche in dem angewachsenen durchaus fehlten.
Man sieht also, dass die Schichtenbildung dem Holze völlig
eigenthümlich ist, und keinesweges durch äussere Bedingungen
hervorgebracht wird.
In der Sitzung der Linneischen Societät im Januar 1840
wurde eine Abhandlung von D. Don über die Cycadeen
vorgelesen (Annais of natural History T. 5 p. 48). In den
Coniferen, sagt der Verf., zeigt der Stamm die Bildung der
andern dikotyledonischen Bäume ; die Jahresschichten sind genau
abgesetzt, und eben so ist auch eine deutliche Trennung von
Holz und Rinde vorhanden; in den Cycadeen ist beides nicht
d§r Fall. In dieser Rücksicht gleichen die letztern denMono-
kotyledonen, doch unterscheiden sie sich von diesen sehr;
Cycas hat ausser einem grossen, centralen Mark verschiedene
dicke, concentrische, wechselnde Schichten von Zellgewebe
und Faser-Gefäss- (fibro-vascular) Gewebe; in Zamia undEn-
cephalartos sind ausser dem Mark nur zwei sehr dicke Schich-
ten, eine innere von Fasergewebe und eine äussere von Zell-
gewebe. Die Eigenthümlichkeit der Coniferen, dass nämlich
das Holz nur aus parallelen regelmässig getüpfelten Röhren
besteht, haben die Cycadeen nicht, sondern ausser schlanken,
durchsichtigen Röhren ohne Tüpfel und andere Auszeichnun-
gen, befinden sich darin noch getüpfelte, netzförmige und Spiral-
Gefässe. Die getüpfelten Gefässe der Cycadeen gleichen zwar
den getüpfelten Gefässen der Coniferen, aber die Tüpfel sind
viel unregelmässiger gestellt, nicht allein in verschiedenen Ge-
fässen desselben Bündels, sondern auch an verschiedenen Stel-
len desselben Gefässes. Ihre Form ist länglich oder elliptisch
in Cycas revoluta, glauca und speciosa, Zamia furfuracea und
pumila, so wie in Encephalartos horridus und spiralis, aber
zuweilen sind sie länger, schmaler und fast linienförmig und
geben dem Gefäss das Ansehen, als ob es quergestreift wäre.
Die Tüpfel sind immer mehr nach der Diagonale geordnet.
Die getüpfelten Gefässe in Zamia furfuracea und pumila lassen
sich in der Form eines Bandes spiralförmig abrollen, wie In
den Farrnkräutern. Das Abrollen geschieht in der Richtung
der Tüpfel und zwar von der Rechten zur Linken. In Cycas
revoluta kommen oft getüpfelte Gefässe vor mit einer Reihe
von Tüpfeln. Ausser diesen getüpfelten Gefässen finden sich
in allen Cycadeen noch andere Gefässe, die sich von den Spi-
ralgefässen wenig unterscheiden, ausser in der Neigung der
Windungen sich zu vereinigen. In einigen Gefässen sind die
Windungen frei, und die Faser zeigt oft, hier und da, Spal-
tungen oder Aestchen; in andern vereinigen sich die Windun-
gen an einer oder an beiden Seiten, in welchem Falle das Ge-
fäss eine Reihe von Ringen oder Querstreifen (bars) darstellt;
dann lässt sich die Faser nur schwer abrollen und bricht oft
in Ringe ab, oder die (Juerstreifen trennen sich da, wo die
Windungen sich vereinigen, welches gewöhnlich an den per-
pendiculären Seiten des Gefässes geschieht. In noch anderen
Fällen sind die Gefässe netzförmig, und haben dann eine grosse
Analogie mit den getüpfelten Gefässen in Cycas revoluta. Alle
diese Modifikationen bemerkt man oft an demselben Gefässe
in Zamia furfuracea und pumila, welches die Richtigkeit von
Meyens Theorie beweiset, der alle diese Gefässe auf einen
Typus bringt. Die Tüpfel und Streifen sind offenbar die dünn-
sten Theile der Röhre, und wahrscheinlich üeberbleibsel von
der primitiven Membran der Zelle, die von der später abgela-
gerten Materie frei geblieben ist.
Das Zellgewebe der Cycadeen, heisst es weiter, besteht
aus einem ziemlich regelmässigen Parenchym von prismatischen,
sechsseitigen Zellen. In den oben gedachten Arten von Za-
mia und Encephalartos erscheinen die Wände der Zellen gleich-
förmig dick und durchsichtig, ohne Tüpfel und dergleichen,
aber in den alten Stämmen von Cycas revoluta sind die Wände
der Zellen mit zahlreichen, elliptischen, schiefen Quertüpfeln
oder Räumen versehen, wo die Membran so ausserordentlich
zart und durchsichtig ist, dass .die Zellen durchlöchert scheinen,
indem die Zwischenräume von einer inkrustirenden Materie
in der Form von zusammenfliessenden Banden bedeckt sind,
die unter dem Mikroskop netzförmig erscheinen. Die ausser-
ordentliche Zartheit und Durchsichtigkeit der Tüpfel oder der
Archiv f. Naturgeich, VII. Jahrg. 2. Band. 24
370
Zwischenräume, von welcher Gestalt sie sein mögen, scheinen
klar zu beweisen, dass sie von der ursprünglichen Membran
der Zelle herrühren, wo sie von der inkrustirenden Materie
nicht bedeckt ist. Jodtinktur, welche die Membran undurch-
sichtig macht, zeigte deutlich, dass die Zwischenräume keine
Oeffnungen haben. Die Banden sind deutlich das Resultat von
einer partiellen Verholzung, und in der That kein besseres
Beispiel als Cycas revoluta kann man finden, um die Richtig-
keit der Ansicht zu erläutern und zu bestätigen, welche Herr
Schieiden von dem Ursprünge der Banden und Fasern in den
Gefässen und Zellen gegeben hat. Da der Verf. neugierig war
zu erfahren, ob die Banden schon in einer frühern Periode
existirten, so untersuchte er einen jungen unentwickelten frons,
ungefähr zwei Wochen alt, und freute sich sehr seine Meinung
bestätigt zu finden; die Zellen waren nämlich von einer ein-
förmigen Durchsichtigkeit, und zeigten weder Tüpfel noch Ban-
den, hatten aber einen deutlichen Cytoblast oder nucleus, wel-
cher aus den Zellen ganz verschwunden war, worin man die
inkrustirende Materie bemerkte, welches beweist, dass diese
inkrustirende Materie sich auf Kosten des nuchus gebildet
hatte. Die Materie, welche die Banden bildet, ist zusammen-
hängend, und deutlich nicht entstanden durch ein Verwachsen
der Spiralfasern, wie man glauben könnte, denn sie ist voll-
kommen fest (solid) und zeigt keine Neigung (disposition) sich
abzurollen oder in Fasern abzubrechen. Höchst wahrscheinlich
entstanden die Banden dadurch, dass die inkrustirende Sub-
stanz, welche sich zuerst in einem flüssigen Zustande über die
Wände ergoss, sich zusammenzog, und durch die blossen Wir-
kungen der Verdichtung, unterstützt von der Spannung (disten-
tion) und vielleicht Erweiterung der Zellen, natürlicher Weise
Theile der primitiven Membran unbedeckt Hess. — Ungeachtet
der Analogien, welche die reproductiven Organe zeigen, sieht
doch der Verf. die Verwandtschaft zwischen den Cycadeen und
denConiferen für sehr entfernt an; und hält sie fürdieUeber-
bleibsel einer Klasse von Pflanzen, welche zu einer frühern
Vegetation gehören.
Die Beschreibungen sind genau und treffend, und sein
Schluss , dass die Cycadeen mit den Coniferen nur eine ent-
fernte Verwandtschaft haben, sollte von denen wohl erwogen^
371
werden, welche jene beiden natürlichen Ordnungen einander
nahe stellen. Eine ähnliche Analogie findet unter den Orchi-
deen und den Asklepiadeen in der Befruchtung Statt^ die doch
niemand im natürlichen System zusammenstellen wird.
Der Beifall, den der Verf. Hrn. Schieiden giebt, ist ver*
fehlty denn Schieiden sagt das nicht, was der Verf. ihn sagen
lässt. Nach Schieiden erzeugt der Cytoblast andere Zellen,
die hervorgehen, wenn die Mutterzelle resorbirt wird. Hiebei
will ich noch anführen, dass ein Hr. Queket eben so Schlei-
dens Meinung verfehlt, wenn er behauptet (Annais of natural
History T. 5 p. 66);, die Gefässe entständen aus einem Cytoblast
auf eine ähnliche Weise, wie es Schieiden von den Zellen
behaupte. Zuerst könne man auch das Gefäss schwer von
einer Zelle unterscheiden, aber bald verlängere es sich und der
Cytoblast verschwinde. Herr Queket lässt die Fasern aus kleinen
Körnern in einer gallertartigen Masse entstehen, die sich nach
der verschiedenen Bildung der Gefässe an einander reihen. —
Es ist vielmehr Mohls Meinung, für welche D. Don's Beobach-
tungen sprechen. Uebrigeus ist Meyen nicht der erste gewesen,
der die getüpfelten, die netzförmigen und die Spiral-Gefässe
auf einen Typus gebracht hat. Von der Jodtinctur s. u.
Den Bau der Cycadeen habe ich durch die Abbildungen
in den Icon. select. anat. bot. F. 2 (1840) T. 1 zu erläutern
gesucht, mehr um die Stelle derselben im natürlichen System
zu bestimmen, als die Bildung der einzelnen Zellen und Gefässe
zu erforschen. Ein Knollstock (cauloma) von einem abgestor-
benen Encephalartus Friderici Guilelmi HL diente zur Unter-
suchung. Der Längsschnitt durch dieses Caulom ist f. 1 vor-
gestellt, und zwar in der Hälfte der natürlichen Grösse, ein
Theil dieses Schnittes in natürlicher Grösse f. 2. Man unter-
scheidet sogleich ein grosses Mark in der Mitte, eine dünne
Holzschicht, welche einen vollkommenen Kreis bildet und eine
etwas dickere Rinde. So erscheint der Bau dem Baue des
Dikotyledonenstammes sehr ähnlich. Aber wenn man Rinde und
Mark näher betrachtet, so sieht man in beiden hin und her
gebogene Holzbündel, die sich bei einer Vergrösserung von
82 i. D. als Bündel von Spiroiden sowohl in der Rinde f. 3,
als im Marke f. 6 zeigen. Eine solche Bildung ist den Diko-
tyledonen ganz fremd, und da der Längsschnitt die Holzbündel auf
24*
372
eine mannichfaltige Weise durchschneidet, so kommt man bald
darauf, dass sie in beiden Theilen ein Netz bilden mögen.
Dieses wird sogleich deutlich, als man einen Längsschnitt durch
das Holz mit der Loupe betrachtet, f. 4, wo das Netzwerk von
Holzbündeln sich eben so von der Holzschicht aus verbreitet,
wie es die Knoten grösserer Gräser, z. B. von Zea Mays,
Saccharum officinarum (Icon. an. bot. F. 1 T. 2 f. 5, 6) ein-
nimmt, f. 5 zeigt etwas von dieser Verflechtung in der vori-
gen Vergrösserung von 82 i. D. Die untern Spiroiden gehen
gerade hinab, die obern machen unten eine Biegung nach innen,
und zwischen ihnen befindet sich Zellgewebe. Man sieht auch
bei litt. g. querliegendes Zellgewebe, gleichsam Markstrahlen,
welches die Vermuthung giebt, dass auch hier das Holz inner-
halb des Zellgewebes entstehe, und indem es von Innen nach
Aussen wächst, das Zellgewebe zusammendrücke. Es ist hier
also Alles, wie in den Monokotyledonen , nur die zusammen-
hängende Holzschicht könnte Zweifel erregen. Jedoch müssen
wir bedenken, dass der ganze Knollstock der Cycadeen wie
ein verlängerter monokotyledonischer Knoten zu betrachten ist.
Schon im 2. Heft der Icon, anat. bot. T. IX. f. 1 habe ich
einen Längsschnitt*) von Zamia Altensteinii abbilden lassen.
Man sieht hier eben so einzelne abgeschnittene Holzbündel, die
auf ein ähnliches Netz deuten, wie jener Encephalartus es hat.
Die Spiralgefässe dieser Bündel sind f. 2 vergrössert vorge-
gestellt. In dieser Cycadee ist die kreisförmige Schicht von
Holzbündeln noch nicht so ausgebildet, als in Encephalartus
Fr. Gull.
Die Blätter der Cycadeen haben eine sonderbare Beschaf-
fenheit. Sie sind an der Basis gegliedert, sie sitzen nämlich
auf einem Stiel, von dem sie sich lösen, wenn der Stamm oder
sie selbst absterben. Dieser Stiel ist von gleicher Dicke wie
der untere Theil des Blattes, und zeigt gegen das Ende, wo
er am Blatte befestigt ist, äusserlich Absätze, die aber sich
nicht in das Innere erstrecken. Unter diesen Blättern finden
sich andere blattartige Theile, und zwar unter jedem Blatte
*) Durch einen Schreibfehler steht in der deutschen üebersetzung
Querschnitt statt Längsschnitt. Im Lateinischen heisst es richtig:
segmentum longitudinale.
373
ein solcher Theil. S. Icon. sei. F. 2 T. 1 f. 1, 2 und T» 2 f. 1,2.
Wenn wir es nun als ein allgemeines Gesetz annehmen kön-
nen, dass die Aeste aus einem Blattwinkel hervorkommen und
also von Blättern unterstützt werden, dass aber niemals zwei
wahre Blätter unter einander sitzen, oder ein Blatt in dem
Blattwinkel eines andern Blattes sich befindet, so müssen wir
die Theile, die man gewöhnlich die Blätter der Cycadeen nennt»
für Aeste halten und die blattartigen Theile unter ihnen für
wahre Blätter. Der Name frondes, welchen Miquel in einer
neuern Schrift über die Cycadeen diesen Blättern beilegt, ist
zweckmässig und zwar, weil sie ein Mittelding zwischen Blatt
und Ast darstellen, fast wie die Wedel (frondes) der Farrn-
kräuter, auch scheint Miquel durch diese Beobachtung zu
dem Ausdruck gekommen zu sein. Die blattartigen Theile
unter ihnen mag man squamae foliares, blattartige Schuppen
nennen. Solche blattartige Schuppen kommen auch am Spar-
gel vor, wo man die sogenannten Blätter für unfruchtbare
Blüthenstiele halten muss; so auch die Schuppen unter den
sogenannten Blättern von Ruscus, Phyllanthus und dergl.
lieber den Bau des Palmenstammes findet sich eine
Bemerkung von George Gardner in den Annais of natural Hi-
story T. 6 p. 57. Der Verf. bezieht sich auf eine Stelle in
Lindley's Introduction to Botany, wo Lindley sagt: „Nach den
Untersuchungen von Mohl entspringt jeder Holzbündel im Pal-
menstamme in den Blättern, nimmt dann seine Richtung gegen
die Mitte des Stammes, folgt dem Stamme eine Strecke weit,
biegt sich hierauf nach Aussen und verliert sich endlich in
dem Rinden-Ueberzuge. In ihrem Herabsteigen sondern die
Holzbündel sich nach und nach in Fäden ab, bis endlich das
Vascularsystem, welches einen wesentlichen Theil des Holz-
bündels ausmachte, verschwindet und nichts als das Holzgewebe
übrig bleibt. Betrachtet man auf diese Weise das Wachsen
der Endogenen, so muss der Stamm der Pflanze aus einer
Reihe von Bogen bestehen, die sich von Oben nach Innen und
dann wieder von Innen nach Aussen wenden und folglich müs-
sen auch die Holzfasern dieser Pflanzen, statt parallel zu blei-
ben, im untern Theile des Stammes eine unauflösliche Ver-
wickelung machen." Nun führt Lindley noch einige andere
Schwierigkeiten an, welche die Bildung und Richtung der Holz-
374
bündel nach Mohl's Angabe in der Wirklichkeit haben würde.
Gardner Hess, um dieses zu untersuchen, in Brasilien, wo er
reiset, einen Palmbaum spalten, den die Brasilianer Coqueiro
nennen, in dessen Stamm die Holzbündel sehr gross sind und
sich also sehr leicht verfolgen lassen. So wie sie aus den
Blättern in den Stamm kommen, machen sie eine sanfte Bie-
gung von etwa 18® niederwärts und ^inwärts, bis sie beinahe
die Mitte der Säule erreicht haben, dann ändern sie ihre Rich-
tung und wenden sich niederwärts und auswärts mit einer
grössern Schiefe als zuvor, bis sie beinahe die äussere Ober-
fläche des Stammes erreicht haben. Nun steigen sie in einer
mit der Axe parallelen Linie abwärts, bis sie endlich sich so
verästeln, dass man sie nicht weiter verfolgen kann. Lindley
hatte, wie oben gesagt, als erste Schwierigkeit beiMohls Dar-
stellung gefunden, dass der untere Theil des Stammes durch
die vielen Holzbündel gleichsam verstopft, folglich durchaus
gleich hart sein müsse. Gardner sagt aber, die Holzbündel der
obern Blätter stiegen nicht ganz hinab, und so behalte der
untere Theil wie der obere, einen äussern harten und einen
innern weichen Theil. Ferner sagt Lindley, der untere Theil
der Rinde müsse viel härter als der obere sein, weil sich dort
mehrere Holzbündel finden. Das ist auch der Fall, erwiedert
Gardner, und jeder Brasilier weiss, dass dem so ist. Drittens
hatte Lindley gesagt: Die Härte des äussern Theils der Palm-
stämme könnö nicht von dem Drucke eines neuen Ansatzes
von innen nach aussen herrühren, sondern von einer Ursache,
die der Entstehung des Kernholzes (heart wood) in den Exo-
genen entspräche. Giebt es eine solche, fragt er, in den
Endogenen? In den Endogenen, erwiedert Gardner, entsteht
offenbar die holzige Substanz aus den Blättern und dieses lässt
vermuthen, dass es mit den Exogenen, wie Du Petit Thouars
schon behauptete, derselbe Fall sei, der Unterschied scheint nur
darin zu liegen, dass die Holzfasern in den Exogenen zwischen
der Rinde und der letzten Holzschicht bleiben, statt dass sie
in den Palmen zuerst unterwärts und einwärts, nachher dann
aber unterwärts und auswärts, zuletzt aber parallel mit der
Axe absteigen.
Die Bemerkungen des Herrn Gardner Scheinen mir im
Ganzen sehr richtig, nur koinmt hier jnbch ein Unterschied vor,
375
auf den wohl zu merken ist, nämlich, dass der Palraenstamm
aus Blättern allein sich bildet, andere dagegen aus Knospen,
aus denen sich Aeste entwickeln.
Beiträge zur Anatomie der Cacteen von M. J»
Seh leiden ist die Ueberschrift einer Abhandlung, die schon
1839 der Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg vor-
gelesen, aber erst später, wie ich meine, gedruckt ist. Beige-
fügt sind 10 Tafeln Abbildungen. Der Verf. redet zuerst von
dem Mark- und Rinden-Parenchym und sagt: die Zellen sind
fast alle kuglicht oder elliptisch ; die Verbindung zwischen den
einzelnen Zellen ist so locker, dass man sie meistentheils durcjj
einen .Schnitt von einander reisst, so dass man seltener als
sonst eine durchschnittene Zelle zu sehen bekommt. Der Saft,
der im jüngsten Zustande stets auch die Intercellulargänge er-
füllt, zieht sich bei seinem allmäligen Austrocknen in die Fu-
gen zurück und bildet daselbst eine leichte Ausfüllung dersel-
ben um die Berührungsfläche zweier Zellen. Wenn nun durch
den Schnitt, wie bemerkt, die Zellen von einander getrennt sind,
so stellt sich die Berührungsfläche als Kreis oder Ellipse, von
einem leicht erhabenen Ringe umgeben, dar. Meyen hat diese
runden Kreise aus Oncidium juncifolium abgebildet, in welcher
Pflanze ebenfalls ein solches lockeres Zellgewebe vorkommt,
und hat sie, wie es dem Verf. scheint, mit Unrecht für ver-
dünnte Stellen (grosse Poren) erklärt. — Der Verf. hat sich
durch Untersuchung und Vergleichung einer unendlichen (sie)
Menge von Fällen überzeugt, dass alle Porenkanäle von der
primären Zellenwand ausgehen, und wenn sie nicht bis dahin
zu reichen scheinen, stets nur Stücke eines durchschnittenen
Canals sind. Solche ganz vollständige Canäle sieht man nun
aber niemals auf einen Intercellulargang auslaufen, ja selbst
niemals auf einen Theil der Zellenwand, dem nicht in der an-
liegenden Zelle ebenfalls ein Porenkanal entspricht, wodurch
Mohls Ansicht völlig bestätigt wird. — Der Inhalt der Paren-
chymzellen ist zuvörderst Schleim in Kügelchen oder Stärk-
mehl, beide fast immer mit Chlorophyll überzogen. Es kommt
besonders häufig bei den Cacteen vor, dass das Stärkmehl Trä-
ger des Chlorophylls ist, und auch hier kann man leicht die
Beobachtung machen, dass, wenn man die Stärke durch Alko-
hol von Chlorophyll befreit hat, es sehr lange dauert, ehe die-
376
selbe auf Jod reagirt, z. B. bei Opuntia brasiliensis. — Ausser
den gewöhnlichen Parenchymzellen kommen in sehr vielen
Cacteen noch 2 — 3mal grössere Zellen sowohl in der Rinde
als im Marke zerstreut vor, die ganz mit vegetabilischer Gal-
lerte erfüllt sind. Diese Gallerte hat wunderbarer Weise auch
eine Art von Organisation, Sie bildet nämlich eine die Zelle
fast ganz ausfüllende Kugel, und ist auf ihrer Oberfläche auf
das zierlichste mit kleinen Furchen etwa in der Weise gezeich-
net, die man in der Kunst en vermeil nennt. — Die verschie-
denen Crystallformen von oxalsaurem Kalk, so wie sie sich in
den Cacteen finden, werden angegeben; der Verf. fand in
100 Theilen ganz trockener Pflanzensubstanz, 85,56 Oxalsäu-
ren Kalk, 5,75 Humussäure, 7,79 Pflanzenfaser und 0,92 Ver-
lust. Ausser oxalsaurem Kalk kommt noch in den Cacteen
vielfach Kalkspat vor und zwar oft in ganz reinen Rhomboedern
z. B. in Cereus triangularis. — Die Meinung des Verf., dass
junge Zellen aus einem Cytoblast sich bilden und dann nach
Resorption der Mutterzelle zum Vorschein kommen, sucht der
Verf. durch Beobachtungen an sehr jungen Georginenknollen
darzuthun, wo zwei Zellen aus zwei Cytoblasten in einer Mut-
terzelle sich entwickeln. Hierauf redet der Verf. von der
äussern Rindenschicht, Epidermis und Borke. Ausserhalb des
gewöhnlichen Rinden-Parenchyms, sagt er, trifft man fast in
allen, besonders verholzenden Pflanzen in dem einjährigen Triebe
unter der Epidermis, eine mehr oder weniger dicke Schicht
eigenthümlicher Zellen an, deren Wände sich in einem andern
chemisch-physikalischen Zustande befinden, als die gewöhnliche
Zellenmembran des Parenchyms. Im jüngsten Zustande ist
dieses Gewebe am wasserhaltigsten und fast mit der vegetabi-
lischen Gallerte identisch, später erhärtet es, wie es scheint,
nur durch Wasserverlust. — Die Zellen sind anfänglich dünn-
wandig, verdicken sich aber in ihrer allmäligen Ausbildung,
ohne dass es dem Verf. bei der gallertartigen Beschaffenheit
der Wände möglich gewesen wäre, Schichten zu unterscheiden,
dabei treten aber stets Poren auf, die hier meist ausgezeichnet
schön zu beobachten sind. Die verschiedenen Abänderungen
dieses Zellgewebes werden angegeben. — Der Anfang zur Bor-
kenbildung oder vielmehr zur Korkbildung besteht nach dem
Verf. darin, dass sich an einer bestimmten Stelle in einigen
377
Epidermiszellen eine trübe, gelblich bräunliche, granulös -schlei-
mige Masse sammelt. Diese Substanz nimmt allmälig so über-
hand, dass sie die Seitenwandungen der Zellen sprengt, und
die, in einer continuirlichen Membran zusammenhängenden,
oberen Wandungen in die Höhe hebt, während die untern
Wandungen fest mit der darunter liegenden Rindenschicht ver-
bunden bleiben. Drittens wird der Holzkörper betrachtet. Bei
den Monokotyledonen mit verkürzten Internodien, sagt der
Verf., ist nichts leichter zu beobachten, als dass die altern
Gefässbündel bei ihrem peripherischen Verlaufe die Jüngern
nach Aussen angelegten Gefässbündel kreuzen, und dabei einen
längern oder kürzern Bogen bilden. Bei den Dikotyledonen
ist zwar dieses Verhältniss im Ganzen schwerer zu beobachten,
am leichtesten doch aber an einigen Mammillarien. Hier ist
der bogenförmige Verlauf, hier die Kreuzung, kurz alles, was
man wohl, aber sehr mit Unrecht, als eine Eigenthümlichkeit
der Monokotyledonen [angesehen hat. Zuletzt die Bildungs-^^
geschichte des Holzkörpers. Ein Bündelchen der noch zarten
Zellen hört auf in seinem Innern Zellen zu entwickeln und
bildet statt dessen früh schon Verdickungsschichten in spirali-
gen Ablagerungen. Die Zellen werden durch die anliegenden
ausgedehnten Zellen stark in die Länge gezogen, oft so sehr,
dass die Zellenmembran abstirbt und resorbirt wird, wodurch
die Spiralfäden oft in die Intercellulargänge gerathen, wie man
bei den Cacteen sehr schön sieht. Später bei regelmässiger
und langsamer Ausdehnung werden die Spiralen in Ilinge ver-
wandelt. Die Holzzellen strecken sich in die Länge, und wenn
dieser Streckung die Ausdehnung der ganzen Pflanzen nicht
mehr entspricht, werden sie genöthigt, mit ihren Enden sich zwi-
schen einander zu drängen und gleichsam in die Intercellular-
gänge der andern hineinzuwachsen. Wenn in dem Interno-
dium die Zellenbildung aufhört, bleibt sie doch noch bei den
Dikotyledonen im Cambium übrig. Die Zellen bilden sich in
zwei oder drei sehr ungleiche Theile, zu denen zuweilen ein
vierter kommt. Der grösste innere Theil bildet sich zu Holz-
zellen aus, der ausseife (dritte, wenn er vorhanden ist) bleibt
theil weise parenchymatös, theils bildet er sich in Bastzellen
um, während die mittlere Portion (oder wenn die vorige fehlt)
die äussere, ganz zartwandig und fortpflanzungfähig bleibt und
378
das neue Carabium bildet. Das Fortwachsen des Cambiums
ist an den Cacteen am besten zu beobachten. In den unter-
sten Zellen des Cambiums bilden sich Cy toblasten, und auf
diesen Zellen, die schmal und zart durch die ganze Zelle in
die Höhe wachsen. Ihr Anstossen an die nächste obere Wand
erweckt denselben Bildungsprocess, und so geht es dann wei-
ter fort. Schon früh zeigen sich die spiraligen Verdickungen
und endlich werden die Mutterzellen vollständig resorbirt, die
innern Zellen werden Holzzellen, die äussern Cambium u. s. f.
Bei der Entstehung seitlicher anastomatischer Aeste, die bei
den Opuntien häufig auftreten, geht noch ein anderer Process
vorher, es entsteht *nämlich in einer bestimmten Zellenreihe
des Parenchyms eine trübe schleimig gummöse Bildungsflüssig-
keit, und aus dieser schlägt sich eine Verdickungschicht nieder,
wodurch die parenchymatöse Zelle in eine Spiral- oder Netz-
faserzelle verwandelt wird.
^ Ich habe die Theorie des Verf. zuletzt in ihrem Zusam-
menhange darzustellen gesucht* Schon oben habe ich erinnert,
dass ich die Lehre vom Cytoblast als dem Erzeuger junger
Zellen in einer Mutterzelle, die zuletzt resorbirt wird, für eine
blosse Hypothese halte, auf unvollkommene Beobachtungen
gegründet. Ich kenne noch keinen genauen Beobachter, der
sie angenommen hätte. Die Ausländer meinen nur den Kern
in manchen Zellen, den niemand läugnet, wenn sie vom Cyto-
blast reden ; auf die Mutterzelle lassen sie sich nicht ein. Oben
ist ein Beispiel davon gegeben worden. Schwann in seiner
oben angeführten Schrift hat Schleidens Beobachtungen ange-
nommen und auf das Thierreich angewandt. Ich zweifle nicht,
dass in dieser Rücksicht die Thierzelle der Pflanzenzelle gerade
entgegengesetzt sein mag.
Es ist bekanntlich immer die Frage gewesen, ob die Spi-
ralgefässe Luftröhren sind, oder ob sie den Nahrungssaft füh-
ren. Ich selbst habe meine Meinung zweimal darüber geändert,
indem es mir mehr darum zu thun gewesen ist, die Wahrheit
zu treffen, als Recht zu haben. Herr Schieiden ist schnell da-
mit fertig. „Bei allen Cacteen, sagt erj, fand ich ganz ohne
alle Ausnahme, dass die Gefässe, so wie sie aus dem Zustande
des Cambium heraustreten, nur mit Luft gefüllt sind. Ich muss
überhaupt gestehen , dass es mir völlig unbegreiflich ist, wie
87«
jemand, der eine grosse Anzahl von Pflanzen mit Aufmerk-
samkeit untersucht, und nur etwas gesunde Logik anwendet,
den Satz aufstellen kann, dass die Spiralgefässe und die ihnen
beigesellten Gefässe des Holzes bestimmt seien, Säfte zu führen.
Nie und nirgends findet man Flüssigkeit in ihnen, als eine
kurze Zeit im Frühling bei den Waldbäumen unsers Klima's,
was sich ganz einfach aus dem Uebermaass des aufsteigenden
Saftes und der Permeabilität der Zellenmembranen erklärt, und,
nur eine periodische Erscheinung, dem gewöhnlichen Gange
der Vegetation so wenig angehört, als der menschliche Uterus
der Menstruation wegen ein Blutgefäss genannt werden darf.
— Aus einem durchschnittenen Stengel von Hoya carnosa fliesst
auch in unsern Treibhäusern rasch eine bedeutende Menge
Saft aus, und doch zeigt das Mikroskop im Augenblick, dass
alle Spiral- und porösen Gefässe nur Luft führen. Der Ein-
wurf, den man von der Schnelligkeit des Ausfliessens herge-
nommen hat, ist ohne alle Bedeutung, denn jeder Botaniker
weiss, oder kann sich leicht davon überzeugen, dass, wenn man
ein Schnittchen einer Kartoffel unter das Mikroskop bringt,
ein auf dem Objektträger herablaufender Tropfen Jodtinctur
(einer noch dazu so heterogenen und feindseligen Flüssigkeit)
durch die Zellenwände fast eben so schnell fortschreitet, als
nebenbei, dass also die lebendige Zellenmembran dünnen Flüs-
sigkeiten wenig oder gar keinen Widerstand entgegenstellt.
Wie die unorganischen Formen (die meisten vollkommenen
Krystalle, wenigstens der Alkalien und Erden) für die Inpon-
derabilien, Licht, Wärme etc., so ist die organische Form, die
Zellenmembran, für Flüssigkeiten permeabel. Nicht das Durch-
dringen der Flüssigkeit ist W^irkung einer besondern Lebens-
kraft und bedarf einer Erklärung, sondern umgekehrt, gerade
das Festhalten der Flüssigkeiten in gewissen Zellen, welches
dann entweder in besonderer Organisation, wie bei der Epider-
mis, oder in der Verschiedenheit der Medien an beiden Flächen
(Luft und Flüssigkeit) z. B. in den Luftgängen, oder vielleicht
auch von eigenthümlichen, organischen Kräften abhängt, wie
z. B. bei den Zellen mit gefärbten Säften zwischen ungefärbten."
Da die leblose Pflanzenmembran die Flüssigkeit zu-
rückhält, wie wir täglich sehen, so ist es wohl am einfach-
sten, diese Eigenschaft den lebenden Membranen ursprünglich
380
auch beizulegen, und nur besondere Kräfte zu Hülfe zu
rufen, wenn sie eine Flüssigkeit durchlassen. Der Saft, dei
aus der Hoya carnosa ausfliesst, kommt aus eigenen Gefässen,
Saftgefässen , wie der Milchsaft in den Asklepiadeen. Diese
Gefässe haben aber in der Regel keine Querwände. Wenn nun
der Nahrungssaft schnell aus den Spiralgefässen in die Zellen
überginge — sehr geschwinde richten welke Zweige ins Was-
ser gesetzt ihre Blätter auf — würde man ihn sehen? Doch
die Untersuchung des Gegenstandes gehört nicht hierher; es
war nur nöthig, Herrn Schieiden durch sich selbst darzustellen.
In den Ausgewählten Anatomisch-Botanischen Abbildungen
H. 2 T. 3 ist der innere Bau einiger Cacteen vorgestellt. In
dem Stamme von Epiphyllum Phyllanthus, da wo er noch seine
runde Form hat, findet man die Holzbündel von einander ge-
trennt und jeden Bündel mit seinem Splint umgeben, worauf
eben so getrennte, dem Holzbündel gegenüberstehende Bast-
bündel folgen, wie gewöhnlich von derRinde umgeben (s. f. 1)*).
Der Splint besteht aus sehr zarten, schmalen Prosenchymzel-
len; der Bast aus sehr dickwandigen, feinpunctirten Bastge-
fässen, mit seltenen doch einigen Querwänden (f. 2). In dem
flachen Theile des Stammes sieht man verästelte oft netzför-
mige Spiroiden, die sich der Stelle zuwenden, wo Büschel von
Stacheln sitzen (f. 3). Es scheint also wirklich das Blatt in
den Stammflügel übergegangen zu sein, denn eine solche Ver-
theilung der Gefässe findet man in dem Stamme der Dikoty-
ledonen nicht, auch nicht in dem Stamme derselben Pflanze
da, wo er rund ist. — Ferner ist der innere Bau von Opuntia
vulgaris dargestellt. Man sieht hier eine ähnliche Vertheilung
der Spiroiden gegen die Stachelbüschel, wie in dem flachen Theile
des Stammes von Epiphyllum Phyllanthus (f. 4.). Die Stamm-
glieder oder die Aeste der Opuntien sind durchaus zusammen-
gedrückt und zwar so, dass die Holzbündel von einander ent-
fernt sind (f. 5)* Wo der Stamm der Opuntien rund ist, hat
er den innern Bau der Cacteen überhaupt, eine dicke Rinde
und von einander entfernte Holzbündel (f. 6, 7). Auch an
*) In der deutschen Erklärung dieser Tafeln steht durch einen
Schreibfehler Holzbündel statt Bastbündel ; im Lateinischen aber rich-
tig fasciculus libri.
381
Cereus flabelliformis verästeln sich die Spiralien und Spiroiden
gegen die Stachelbüschel (f. 9); die saftige Ausdehnung rührt
aber besonders von der Vergrösserung der Rinde her, welche
viel dicker ist, als das Mark (f. 9).
Ueber den Stamm des Mist eis (Viscum album) hat
Decaisne in seinen Mem. s. 1. developpement du pollen, de
Fovule et s. 1. structure des tiges de Gui, Bruxell. 1840 (Extr.
du T. XIII. de l'Academ. R. d. Bruxell.) Bemerkungen mit-
getheilt. Er redet zuerst von dem, was De CandoUe, Kaiser
und Dutrochet darüber gesagt haben. Dutrochet behauptet,
dass jedes Glied des Stammes unabhängig von dem andern
wachse, dass der Holzkörper eines jeden Gliedes von dem an-
dern durch eine «Schicht vom Zellgewebe getrennt sei, und dass
die Glieder nur durch die Rinde zusammenhängen. Decaisne
sagt dagegen, dass umgekehrt die Rindengefässe nicht von einem
Gliede zum andern gehen, und dass die Glieder deswegen sich
leicht von einander trennen, dass aber die Holzbündel von ein-
ander an den Knoten nicht getrennt sind, auch konnte er keine
Schicht von Zellgewebe zwischen ihnen erkennen. Um das
Mark, sagt er, bemerkt man acht Bündel von langen Fasern,
welche alle Charactere des Bastes zeigen; indess dieses Bündel
entspricht genau dem innern Theile der Holzbündel, und neben
ihnen, oder auch in dem Holzkörper findet man die geringel-
ten Röhren, die hier die Stelle der Spiralgefässe einzunehmen
scheinen. Diese Ringgefässe sind Kaiser entgangen, wenigstens
redet er nicht davon. Der Mistel hat keine wahren Spiral-
gefässe, oder Gefässe aus dicht an einander schliessenden Win-
dungen bestehend, ohne Spuren von einer Membran, wodurch
sie verbunden werden; auch in den Nerven der Blätter finden
sich solche Spiralgefässe nicht. Die Zahl der Holzbündel ist
beständig in den jungen Zweigen, und zwar in der Regel 8,
selten 7 oder 9; jeder besteht aus drei Zonen; die äusserste
gehört dem Bast an, oder den Faserzellen der Rinde, die zweite
dem Holz und die innerste ist wie die äussere gebildet.
Was der Verf. Ringgefässe, vaisseaux anneles, nennt, wird
gewöhnlich nicht so genannt. Es sind wahre Spiralgefässe,
deren Windungen nicht dicht an einander schliessen, und an
denen man die Membran deutlich erkennt, welche sie ein-
schliesst. Dass es Spiralgefässe gebe, denen jene Membran
382
ganz fehle, werden ihm viele Pflanzen-Anatomen nicht einmal
zugestehen, viel weniger ist es erlaubt, daher ein Kennzeichen
der Spiralgefässe zu nehmen. Auch die lockern oder dichten
Windungen scheinen ohne grosse Bedeutung zu sein, und kön-
nen eben so wenig ein Kennzeichen der Spiralgefässe werden.
Was der Verf. Bast nennt, scheint allerdings diesen Namen
zu verdienen; das Holz aber ist an dieser Pflanze von einer
sonderbaren Beschaffenheit, die an einem andern Orte soll
auseinandergesetzt werden. Unten wird von den übrigens treff-
lichen Untersuchungen des Verf. über den Mistel noch die
Rede sein.
In Froriep's Neuen Notizen B. 14 S. 242 finden sich von
Halls Beobachtungen über die Zunahme der Bäume
in der Dicke, vorgelesen in dem K. Niederländisch. Institut
d. Wissensch. u. s. w. 1 Klasse. Die Beobachtungen sind an
der Eiche, Weide (Salix alba), kanadischen Pappel (Populus
monilifera), Rosskastanie, Birke, Ahorn (Acer Pseudo-Platanus),
Linde, Tanne (Pinus Abies) und dem Wallnussbaum gemacht
worden. Da aber das Verhältniss des Wachsthums dieser
Bäume zu sehr von dem Boden abhängt, worin die Bäume
wachsen, und nur auf Bäume an demselben Orte Rücksicht
genommen wurde, so übergehe ich sie, und beschränke mich
nur auf folgendes. Der Verf. hat häufig die Bemerkung
gemacht, dass nicht nur das Abfressen des Laubes, sondern
auch das Abnehmen vieler und starker Aeste die Zunahme
der Dicke beträchtlich vermindern, gegen die Meinung einiger
Liebhaber des Beschneidens der Bäume. Ferner stellt 'der
Verf. Untersuchungen an über die Zunahme der Dicke in ver-
schiedenen Monaten des Jahres. Man sieht aus den darüber
gemachten Tabellen, dass in Holland das Wachsthum der Bäume
höchst ungleich ist, welches ohne Zweifel von der ungleichen
Witterung herrührt. Es ergiebt sich gleichwohl als eine all-
gemeine Regel, dass die Monate Junius und Julius diejenigen
Monate sind, in welchen die Bäume am meisten an Dicke zu-
nehmen, denn in bei weitem den meisten Fällen betrug das
Wachsthum in diesen beiden Monaten zusammengerechnet mehr
als in allen übrigen Monaten zusammengenommen. Einen
Stillstand im Wachsthum der Bäume von der Hälfte des Junius
bis zur Hälfte des Augusts, wie ihn Duhamel für Frankreich
383
angiebt, bemerkte der Verf. nicht, unstreitig weil in Holland
die trockne Jahreszeit im Sommer fehlte. Ungegriindet ist
Agardh's Meinung, dass in dem ersten Theile des Sommers die
Bänme mehr in die Länge wachsen, im letzten mehr in die
Dicke. In den Winter-Monaten nehmen die Bäume an Dicke
nicht zu, nur die Knospen verdicken sich etwas. Im März und
April sieht man bei Birken, Ahorn und andern ähnlichen Bäu-
men, wenn die Witterung mild ist, die Aeste angefüllt mit den
aufsteigenden wässrigen Säften, die sobald die Witterung wärmer
wird, weniger oder gar nicht mehr gespürt werden. Diese
Säfte haben aber auf die Zunahme der Dicke des Baumes gar
keinen Einfluss. Sobald die Blätter ganz ausgeschlagen sind,
nimmt der üeberfluss dieses aufsteigenden Saftes ab, der dann
mehr in die Blätter überzugehen scheint, und erst, nachdem
die Blätter ihre Functionen verrichten können, nimmt das
Wachsthum des Baumes in der Dicke seinen Anfang, wie sich
aus allen Messungen, die der Verf. anstellte, ergeben hat. Der
Einfluss der Blätter auf die Zunahme der Stämme an Dicke
ergab sich unter andern am deutlichsten bei der Italienischen
Pappel. Als einer solchen im März beinahe alle Aeste abge-
hauen wurden, war auch die Zunahme an Dicke während der
Monate Junius und Julius sehr gering. Bei einer Linde hin-
gegen, der man absichtlich die Seitenäste, auch unten am
Stamme, sowohl über als unter der Messungstelle, grössten-
theils gelassen hatte, war das Wachsthum ansehnlich und jähr-
lich zunehmend. An zwei gleich grossen, und so weit man
wahrnehmen konnte, völlig unter einerlei Umständen sich be-
findenden Eichen, machte man den Versuch, dass man der
einen alle Seitenäste nahm, der andern sie liess, worauf man
fand, dass die Zunahme der Dicke desjenigen Baumstammes,
der nicht beschnitten worden, viel beträchtlicher war, als die des
beschnittenen. Auch Monokotyledonenstämme nehmen nach
des Verf. Beobachtungen an Dicke zu. Eine Aletris fragrans
hatte in fünf Jahren um 17| Millimeter an Dicke zugenommen,
und so ein Stamm von Dracaena Draco in derselben Zeit um
23i Millimeter.
Diese trefflichen Beobachtungen bestätigen die Theorie,
welche Thouars von dem Anwachsen der Bäume in die Dicke
gegeben hat, eine Theorie, die ich in den Eiern. Phil, bot
384
ed. 2 T. 1 p. 260 durch mikroskopische Untersuchungen wenig-
stens nach den Hauptzügen darzuthun und Anatom, bot. Abbild.
H. 1 T. 7 F. 10 — 12 darzustellen gesucht habe.
Zu der oben gegebenen Nachricht von dem Verfahren des
Dr. Boucherie, das Holz zu färben und dauerhaft zu
machen, ist noch der Bericht der Commission der Akademie?
bestehend aus de Mirbel, Arago, Poncelet, Audouin, Combey,
Boussingault, Dumas Berichterstatter, beizufügen (Compt. rend.
1840 T. 2 p. 894). Er ist sehr anpreisend. Es ist nicht nöthig,
sagen sie, dass der Baum alle seine Aeste und alle seine Blät-
ter habe, man darf nur an der Spitze ein Büschel stehen las-
sen, um das Aufsaugen zu bewirken. Es ist nicht nöthig, dass
der Baum stehen bleibe, man kann ihn abhauen, nachdem
man alle seine unnützen Aeste weggenommen hat, und ihn
dann mit dem untern Ende in die Flüssigkeit setzen, die man
will absorbiren lassen. Will man ihn nicht abhauen, so darf
man nur eine Höhlung unten am Stamme machen oder ihn
mit der Säge einschneiden, und dann dort mit der Flüssigkeit
in Berührung bringen. Das Durchdringen des Stammes ge-
schieht in einigen Tagen ohne Schwierigkeit und Arbeit. Um
den Stamm dauerhafter und härter zu machen, lässt er holz-
saures Eisenoxyd (pyrolignite de fer) einsaugen. Man bringt
die rohe Holzsäure mit Eisenspänen in Berührung, so entsteht
selbst in der Kälte jene Verbindung, die noch viel von Creosot
enthält, welches bekanntlich ein Erhaltungsmittel aller organi-
schen Substanzen ist. Damit das Holz sich nicht werfe, nimmt
B. Chlorcalcium, oder auch die Mutterlauge von den Sümpfen,
worin Salz bereitet wird. Dass man das Holz färben kann,
indem man Flüssigkeiten nach einander aufsteigen lässt, die
durch ihre chemische Wirkung auf einander Farben hervor-
bringen, ist schon oben erwähnt worden.
Ueber die Blattnerven der Dikotyledonen hat Hr.
Payen eine Abhandlung der Akademie derWiss. zu Paris ein-
gereicht, welche von de Mirbel beurtheilt ist ; die Beurtheilung
befindet sich in den Annal. d. Scienc. naturell. 2 Ser. „Bo-
taniq. T, 14 p. 220 und in den Comptes rendus 1840 T. 2.
Die Abhandlung wird wegen des Fleisses gelobt, womit sie
verfasst ist. Der Verf. betrachtet zuerst den Ursprung der
Nerven aus den Gefässbündeln des Holzkörpers im Aste und
385
giebt drei verschiedene Arten des Ursprungs an: 1. den uni-
tären, wenn sie nur aus einem Gefässbiindel entspringen, 2. den
ternären, wenn drei Gefässbiindel zusammenkommen, um die
Blattnerven zu machen und 3. den circulären, wenn die Ge-
fässbiindel aus dem ganzen Umfange des Holzkörpers zusam-
menkommen. Oft laufen die Gefässbiindel durch den Blattstiel
zum Blatte, ohne eine Veränderung zu erleiden, aber oft auch
theilt sich ein jeder unterwegs in drei Fäden, die dann bald in
derselben Ebene, wie der Hauptnerve, bald in verschiedenen
Ebenen in das Blatt treten. Wenn der mittlere Gefässbiindel
sich von dem Holzkörper früher trennt, als die beiden andern,
so entsteht das einfache Blatt, wenn aber die beiden Seiten-
biindel sich zuerst lösen, so hat man ein folium lobatum, oder
stipulatum, oder auch compositum. Wenn von den beiden Sei-
tenbündeln eines sich vor dem andern und vor dem Haupt-
nerven absondert, so ist die Seite des Blattes, wo dies geschieht^
iminer mehr entwickelt, als die andern. Wenn in dem Quer-
schnitt eines Astes, da wo sich die Bündel von dem Holzkör-
per entfernen, der Bogen, der die Entfernung des mittlem
Nerven von den Seitennerven misst, sehr gross ist, so ist das
Blatt in der Regel lobatum und stipulatum.
Die Nachrede vonMirbel ist sonderbar. Die Arbeit musste
einmal geschehen, sagt er, sie war nothwendig für die Wis-
senschaft, es ist gut, dass sie mit Fleiss geschehen. In der
Erfahrungswissenschaft hat das Glück oft mehr Antheil an
wichtigen Entdeckungen als die Geschicklichkeit. Der Phyto-
loge, der zur Anatomie zurückgeht, so arbeitsam er auch sein
mag, kann doch aus dem Gegenstande nicht mehr herauszie-
hen, als darin liegt. Die Gescliicklichkeit fehlt Hrn. Payen
nicht, es fehlt ihm nur die Gelegenheit. — Mirbel möchte
sagen, wozu hilft alle Genauigkeit in der Untersuchung, wenn
die gefundene Mannichfaltigkeit nicht mit dem Ganzen ver-
knüpft wird. Es sind Vorarbeiten für den Glücklichen, der
die Vereinigung findet.
Die Blätter derConiferen schienen mir so merkwür-
dig, dass ich sie einer Untersuchung unterwarf; die Darstellung
derselben findet sich in den Ausgewählten anatomisch-botani-
schen Abbild. H. 2 T. 5 (1840). Sie unterscheiden sich vorzüg-
lich dadurch, dass sie nur ein gewöhnlich einfaches, aber auch wohl
Archiv f, Naturgesch. VII. Jahrg. 2. Bd, 25
386
doppeltes Gefassbündel haben, welches durch das Blatt der.
Länge nach hinläuft, ohne Aeste abzugeben. Man könnte da-
durch das folium acerosum charakterisiren. Auch haben sie
meistens einen oder zwei grosse Harzgänge, die durch das
ganze Blatt hinlaufen; die Blätter von Abies balsamea haben
sie an den Seiten (F. 9); die Blätter von Thuja occidentalis
und Juniperus communis (F. 11 und 12) haben nur einen
neben dem Hauptnerven. Viele haben eine doppelte Oberschicht
wie Abies balsamea (F. 9 ee) und Juniperus Sabina (F. 10 cc);
auch sind bei einigen die Zellen unter der Oberschicht seit-
wärts verlängert, wie an der obern Fläche der Blätter von
Abies balsamea (F. 9 cc). Sonderbar ist die Form der Blät-
ter von Thuja occidentalis; sie sind nämlich nicht allein unter
sich, sondern auch mit dem Aste so verwachsen, dass nur ein
Holzbündel in der Mitte durch den Ast geht (F. 11).
Wurzeln und Knollen.
A Tiote upon theAnatomy of the roots of Ophrydeae
by John Lindley. Tr. of the Linnean Soc. Vol. XVIII. P. 3
p. 423. Die Knollen, sagt der Verf., welche die Wurzeln von
manchen Africanischen Ophrydeae bilden, haben, wenn sie
trocken werden, das Ansehen von Säcken, die mit kleinen
Kieselsteinen gefüllt sind; die Oberfläche ist grobkörnig, als
wenn die Epidermis über harte Körper fest zusammengezogen
wäre. Man sieht dieses besonders an den trocknen spindel-
förmigen Wurzeln von Disa multifida. Wenn man eine frische
Wurzel von Satyrium pallidum quer durchschneidet, so sieht
man deutlich, woher jener Anschein rührt. In dem zarten
Parenchym findet man eine grosse Menge ovaler, zäher und
fester Körner (nodules), hell wie Wasser und oft zwanzigmal
grösser als die Zellen, welche sie umgeben. Diese Körner
lassen sich leicht von dem Zellgewebe trennen, worin sie lie-
gen, und erscheinen dann unregelmässig vieleckig, wie geschlif-
fene Steine von Bergkrystall. Ihre Facetten werden durch
den Druck der Parenchymzellen hervorgebracht, zwischen denen
sie liegen. Sie sind zähe wie Hörn, lassen sich nicht zer-
reissen, krachen (crackle) zwischen den Zähnen, wie Stücke
von Kautschuck, können leicht, sogar in Scheiben zerschnitten
werden, und erscheinen dann ganz homogen, zeigen auch keine
387
Schichten, weder frisch, noch getrocknet, noch mit chemischen
Reagentien behandelt. Sie sind meistens von derselben Grösse,
doch giebt es einige, die nicht grösser sind, als d«s gewöhn-
liche Zellgewebe. Die Körner sind in kaltem Wasser kaum
auflöslich, aber gekocht schwellen sie auf, und lösen sich zum
Theil in eine durchsichtige Gallerte von Glasglanz auf. Setzt
man sie der Luft aus, so werden sie schnell trocken und dun-
kelbraun. Die wässrige Auflösung von Jod wirkt wicht merk-
lich darauf, aber wenn sie erst mit kaustischem Kali oder
Salpeter- oder Schwefelsäure behandelt sind, welche den Inhalt
auflösen, so erhalten sie durch die Jodtinctur eine dunkle
Weinfarbe (claret colour). Die wässrige Auflösung von Jod
färbt Stärkekörner blau, aber nicht diese Körner; die Jodtinctur
hingegen färbt die Körner nach und nach amethystfarben, dann
werden sie weinfarben, und wenn sie eingeschnitten sind, ver-
breitet sich die Farbe über den Schnitt. Diese Farben ver-
schwinden doch bald, besonders wenn die Luft warm ist; keine
Spur von Blau ist zu erkennen. Die Körner sind also keine
Stärke. Die Wurzeln von allen andern Ophrydeen, europäische
oder nicht, die der Verf. zu untersuchen Gelegenheit gehabt,
waren im Wesentlichen gebildet, wie die von Satyrium palli-
dum. Die Unterschiede bestehen nur in der Grösse und Ge-
stalt der Körner, so wie in den Verhältnissen, die sie zu dem
umgebenden Zellgewebe haben, und endlich in der Farbe, wel-
che die Körner an der Luft annehmen. — Wenn man die Kör-
ner zerdrückt, so findet man, dass sie aus sehr kleinen durch-
sichtigen Zellen bestehen. Der Verf. sucht nun zu erklären,
woher es komme, dass Guibourt und Payen den Salep beschrei-
ben als vorzüglich aus Stärke bestehend, und meint, dass man
die Salepknollen gekocht und wieder getrocknet habe. Dadurch
sei die Stärke aufgelöst, habe die Körner Überflossen und sie
unkenntlich gemacht. Die vorzüglichste Eigenschaft der Salep-
knollen, setzt er hinzu, rühre nicht sowohl von der Stärke,
sondern von jener gummiartigen Substanz her, die er vorläufig
Bassorin nennen wolle.
Die Bemerkungen des Verf. verdienen Aufmerksamkeit
Es ist bekannt, dass Pulver von Salepknollen schon im kalten
Wasser aufschwillt, welches Stärkekörner nicht thun. Auch
findet sich neben der Stärke in den Knollen von Salep und
25*
388
andern Orchideen eine andere Substanz, welche von Jod nicht
— das heisst nicht blau — gefärbt wird, wie ich oben ange-
führt habe. Es sind die nodules des Verf., worauf meine
Untersuchung damals nicht ging. Aber ungeformtes Stärkmehl,
als wären die Knollen gekocht, habe ich an ganz frischen Knol-
len von Orchis latifolia gesehon, wie ich auch schon oben an-
geführt habe. Ich. will es dahin gestellt sein lassen, ob die
käuflichen SalepkuoUen gekocht und dann erst getrocknet wurden.
Blüthe.
Von der Entwickelung der männlichen Blüthen
im Mistel handelt Herr Decaisne in dem oben angeführten
Memoire über Pollen, das Fruchte! und den Stamm vom Mistel.
Macht man einen Querschnitt durch eine ganz junge Blume,
so erhält man Schnitte, die nach den vier Kelchlappen in vier
Abtheilungen geschieden sind. Den äussern Umfang bildet eine
Schicht Zellgewebe, dann folgt eine grüne Materie mit Körnern
gemengt, die eine starke Molekularbewegung haben, imd in
der Mitte befindet sich ein ungefärbtes Gewebe, gegen welches
die grüne Materie vier Hervorragungen macht. Einige Zeit
nachher zeigt sich die Mitte deutlich in vier Theile gesondert;
jeder besteht aus zwei Hälften, einer äussern, grünen, dem Kelch
angehörenden und einer innern, blässern, woraus dieAntheren
entstehen. Nach und nach wächst der grüne Theil mehr an
und treibt \ierlängerungen in den innern Theil hinein, die ihn
durchschneiden. Betrachtet man nun jeden von diesen vier
Theilen besonders, so sieht man später darin hellere Stellen,
Lücken mit einer schleimigen Materie gefüllt ; das Zellgewebe,
welches die Wände dieser Lücken bildet, enthält viele kleine
Körner, und einige unter ihnen führen auch einen grössern
Kern von linsenförmiger Gestalt, den der Verf. einen Phako-
cyst nennt.*) Der Schleim in den Lücken zeigt späterhin,
bei einer stärkern Vergrösserung, runde, durchsichtige, grosse
Zellen, welche der Verf. mit Mirbel Pollenzellen (utricules
*) Von (fKxos Linse und xvatt] Blase. Der Name, sagt der Verf.,
scheine ihm einen richtigen Begriff von den Charakteren zu geben,
Sans rien prejuger de ses fonctions, wie der Ausdruck Cytoblast.
389
polliniques) nennt. Einige Tage nachher hören diese Polleu-
zellen auf durchsichtig zu sein, und es bilden sich ein oder
zuweilen zwei ovale Kerne, die aus kleinen Körnern bestehen.
Nach fünf Tagen ungefähr werden die Pollenzellen wieder
rund umher durchsichtig, indem sich die Körner um den Mit-
telpunkt in einer Masse vereinigen. Immer sind sie noch mit
einer schleimigen Masse umgeben. So bleiben diese Pollen-
zellen einige Tage, dann entdeckt man in der Mitte der 'kör-
nigen Masse vier Phakocysten, jeden mit einem hellen Mittel-
punkt. Die körnige Masse verschwindet nach einiger Zeit, ohne
dass die Phakocysten vergrössert werden. Endlich in der Mitte
des Monats August, vier Monate nach dem Anfange der Beobach-
tungen, zeigen sich die Pflanzenzellen aus concentrischen Schich-
ten bestehend, in der Mitte mit einer Höhlung, worin die vier
Anfänge der Pollenkerne erscheinen, von einer Flüssigkeit um-
geben. Sie wachsen immer mehr und mehr, und endlich ver-
schwindet die dicke aus Schichten bestehende Pollenzelle ganz
und gar. — In den Malvaceen, wenigstens an Hibiscus syria-
cus, haben die Pollenzellen schon eine beträchtliche Dicke, in-
dem man die Anfänge der Pollenkerne noch nicht gewahr wird,
vermuthlich, weil die darin befindliche Materie noch ganz was-
serhell ist. Sie wird erst körnig, wenn sie neue Produkte
bildet, denn später entdeckt man in der körnigen Materie die
ersten Spuren von Phakocysten. — Späterhin scheidet sich die
körnige Materie in vier Massen, die einen Phakocysten ein-
schliessen, und um jeden der vier Massen sieht man einen hellen
Ring, welcher zeigt, dass die Massen die Pollenzelle nicht gsmn
ausfüllten. Die Pollenzellen haben einen Ueberzug aus Schich-
ten, wie die Amylumkörner, und springen auch auf eine ähn-
liche Weise auf, wenn man sie auf einen Tropfen Wasser bringt.
Die Haut der Pollenkörner entsteht nach der Meinung des Verf.
für sich, nicht aus der innern Oberfläche der Pollenzellen.
Von allen Organen der Blüthe, setzt der Verf. hinzu, erreicht
die Anthere zuerst ihre wesentlichen Kennzeichen, und sie hat
schon ihre Grösse erhalten, wenn die übrigen Blüthentheile
kaum merkbar sind. Rollt man sehr junge Pollenkörner zwi-
schen zwei Glasplatten, so ist man nicht im Stande, ihnen ihre
äussere Haut zu nehmen, die Körner zerreisseu und lassen
ihren Phakocyst fahren, dagegen ist von reifen Pollenkernen
390
die äussere Haut leicht zu trennen, und die innere Blase ent-
hält nur Körner, keinen Phakocyst.
Befruchtung. Fruchtei. Same.
Wir wollen fortfahren mit den vortrefflichen Untersuchun-
gen, welche Herr Decaisne über die Entwickelung im Mistel
angestellt hat. Wenn man den Fruchtknoten im frühesten
Zustande untersucht, so findet man darin eine gleichförmige
Masse, und kaum zwei kleine Unterbrechungen des Zellgewe-
bes, bald aber treten die Zellen wieder zusammen, um in der
Mitte ein helles Zellgewebe zu bilden, mit einem grünen Kreise
umgeben. Lange Zeit und bis zum Anfange des Junius, wo
der Fruchtknoten die Dicke eines Pfefferkorns hat, bemerkt
man in dem Fruchtknoten kein Fruchtei. Etwas später aber
entdeckt man ein Fruchtei und zwar am leichtesten, wenn man
den Gentralkörper in zwei Theile durch ein leises Hin- und
Herziehen sondert. Das Fruchtei bildet einen keulenförmigen
Auswuchs, dessen Zellgewebe in concentrischen Schichten geord-
net ist; jede Zelle enthält zwei Phakocysten. Wenn man das
Fruchtei etwas später, und wenn es die Gestalt eines kleinen,
etwas zusammengedrückten Körpers bekommen hat, auf einen
Wassertropfen bringt, so zieht sich das Wasser hinein und
treibt den Phakocyst mit einiger Gewalt aus. Ein Tröpfchen
Jodtinctur färbt das Innere gelb, lässt aber die Körner unge-
färbt, die sich erst später durch Jod blau färben. Um diese
Epoche findet man zwei dünne, keulenförmige Körper neben
dem Fruchtei und einige Wochen früher drei fadenförmige
Körper etwas am Ende verdickt* Der Verf. hält diese Körper
für fehlgeschlagene Fruchteier. Das am untern Ende verdünnte
Fruchtei könnte man mit einem Embryosack vergleichen, wenn
nicht die Lage, das umgebende Gefässsystem und die Verglei-
chung mit den übrigen Theilen der Frucht widersprächen. Der
junge Embryo zeigt sich als ein kleiner Haufen von Zellen
an der Spitze des Fruchteies und fast in Berührung mit dem,
was man Epidermis nennen kann. Nie sah der Verf. eine Spur
von Pollenschlauch im Innern des Fruchtknotens, auch nie ent-
deckte er die geringste Anzeige von einer besondern Hülle
des Fruchteies, so dass dieses weiter nichts als einen Frucht-
kern (nucclle) darstellt, wie mau es auch sonst an den San-
391
talaceen und selbst den Olacineen bemerkt hat. Dieser Kern
ist mit der Basis im Grunde des Fruchtknotens befestigt, und
hat seine Spitze gerade entgegengesetzt, so dass man das Fruchtei
zu den orthotropen rechnen muss. Wenn das Fruchtei die
Grösse erreicht hat, dass der Embryo nebst dem Faden, woran
er hängt, sichtbar ist, so bekommt es eine grüne Farbe, denn
vorher war es ungefärbt, und diese grüne Farbe zieht sich von
unten nach oben bis zum Embryo, der ungefärbt bleibt. Auch
werden die Amylumkörner grösser und erfüllen fast ganz die
Zellen* aber die Phakocysten bleiben unverändert. Ausser der
grünen Farbe der Mistelsamen hat noch ein anderer Umstand,
dass nämlich fast immer zwei bis drei Embryonen in einem
Samen vorkommen, die Aufmerksamkeit der Naturforscher auf
sich gezogen. Der Verf. war so glücklich, dass er mehrere
Mal Fruchteier in verschiedenen Stufen des Zusammenwachsens
fand, so nämlich, dass die Verbindung an der Basis anfing und
nach oben weiter fortging, wodurch also die Polyembryonie des
Misteis erklärt wurde. — Nie sah der Verf. eine Höhlung im
Fruchtei des Misteis, wenn der Embryo sich bildete, auch fand
er nie einen Embryosack. Der Embryo zeigt sich zuerst, wie
gesagt, am obern Ende des Fruchteies oder des Kernes (nu-
celle),und später sieht man das Embryobläschen, oder den jun-
gen Embryo selbst in der Höhlung des Fruchteies an einer
Reihe von cylindrischen Zellen hängen, die eine Art von Na-
belstrang, aber ohne Gefäss machen. — Bemerkung an den
Samen von Loranthus aphyllus. In einem ähnlichen Fruchtei
wie vom Mistel, sieht man am obern Ende eine kleine konische
Masse, dichter als das umgebende Zellgewebe, wovon vier
zarte Röhren ausgehen, die sich um einander winden und gleich-
sam ein Spiralgefäss bilden, fast so wie Treviranus dergleichen
im Fruchtei von Abies gefunden hat. Später entsteht am untern
Ende ein länglicher Körper, der Embryo. Wenn mehr Em-
bryonen in einem Samen vorhanden sind, so erscheinen sie
immer am obern und Seitentheile des Fruchtkerns. Die Ent-
fernung der Embryonen im Fruchtei hängt zuerst davon ab,
dass die Fruchteier, die sich vereinigten, entweder ungleich
gross waren, oder eines schneller als das andere wuchs. Wenn
aber die Fruchteier gleich gross waren, so wenden sich die
Embryonen zuerst schief gegen die Axe des Fruchtkerns, dann,
392
sobald sich die Cotyle donarenden berühren, kehren sich diese
um und richten sich ge^en die Stelle, wo das Fruchtei ange-
heftet ist. Dass der Embryo aus dem Fruchtkern hervortritt,
erklärt der Verf. aus der späten Bildung des Embryo, er wird
nämlich, indem er sich vergrÖssert, durch den Widerstand
des schon gebildeten Fruchtkerns herausgedrückt. Mehr als
drei Embryonen in einem Samen sah der Verf. nie. Wenn
man den langen Zeitraum, sagt der Verf., zwischen dem Auf-
brechen der Blüthe und der Erscheinung des Embryo erwägt,
so begreift man nicht, wie die befruchtende Flüssigkeit 'sich so
lange erhalten konnte. Man findet dieses auch in andern Pflan-
zen, und Ad. Brongniart meint daher, der Embryo sei nach
der Entstehung eine Zeitlang in einer Art von Lähmung (tor-
por) geblieben, ehe er sich entwickelte. Aber dieses^ meint
der Verf., lasse sich auf den Mistel nicht anwenden, weil die
Fruchteier zur Zeit der Blüthe nicht allein nicht organisirt
sind, sondern auch nicht einmal eine Höhlung für den Embryo
haben. Der Verf. macht nun einige Betrachtungen über die
Befruchtung überhaupt; bei einigen Pflanzen, sagt er, sind Pol-
lenschläuche vorhanden, bei andern aber, wo Papillen sich auf
dem Samenträger befinden, wie bei den Aroideen, hat man sie
nie bemerkt, und die Papillen scheinen sie zu ersetzen; bei
noch andern gehen Streifen (bandelettes) von der Basis des
Grifi'els herab und senken sich nahe an der Mikropyle in den
Samen ein, z. B. an den Compositae und einigen andern. Zu-
letzt redet er von der Stellung der Gattung Viscum im natür-
lichen System; er rechnet sie mit Rob. Brown zu den Apeta-
leu, und stellt sie nebst Loranthus neben die Santalaceen;
Schoepfia muss aber davon entfernt und zu denOlacineen gestellt
werden. — Drei Tafeln erläutern die Untersuchungen des Verf.
Hiemit ist sogleich zu verbinden : Noch einige Worte über
den Befruchtungsakt und die Polyembryonie in den
höhern Pflanzen von F. J. F. Meyen. Berlin 1842, 50 S. 2 T.
Der Verf. führt zuerst Untersuchungen und dann Gründe gegen
Schleidens Theorie an, dass sich der Embryo aus dem Pollen-
schlauche bilde. Nach seinen Untersuchungen verbindet sich
die Spitze des Embryosackes mit dem Pollenschlauche und aus
dieser Verbindung geht der Embryo hervor, der sich in vielen
Fällen als ein Keimbläschen abschnürt. Die Beobachtungen,
393
welche in dieser kleinen Schrift erzählt werden, sind an Mes-
embrianthemum pomeridianum angestellt, und als ein Nachtrag
anzusehen zu dem, was er im dritten Theile seiner Physiologie
über diesen Gegenstand gesagt hat. Dann kommt er auf die
Polyembryonie, und hier auf eine Darstellung der Entwickelung
des Fruchteies im Mistel. Es giebt beim Mistel kein beson-
deres Pistill, sagt er, und also auch kein eigentliches Ovarium,
sondern das Eychen ist ein blosser nackter Nucleus, dessen
Spitze frei hervortritt und zugleich als Stigma dient, indem
dasselbe den Pollen unmittelbar empfängt. In diesem Nucleus
entsteht eine Höhle und in dieser zeigen sich in der Mitte des
Aprils die Embryosäcke, deren oft zwei und mehrere sind. In
ihnen entwickelt sich der Embryo. Pollenschläuche konnte
der Verf. nicht beobachten.
Es ist deutlich, dass der Verf. Embryosäcke nennt, was
Decaisne für Fruchteier beschreibt. Die Untersuchung dieser
Fruchteier ist viel genauer von Decaisne gemacht worden, und
hätte Meyen seine Untersuchungen lange genug fortgesetzt, so
würde er seinen Irrthum eingesehen haben. Auch dachte er
nicht an das Perikarpium, an die Beere, wofür er nichts mehr
hatte. Meyen strebte zu sehr nach dem Neuen, Auffallenden,
und suchte darin seine Gegner zu überbieten. Oft sagte ich
zu ihm, ich würde Alles von ihm mit Vergnügen lesen, worin
nichts Neues wäre. Man vergleiche mit dem, was hier gesagt
ist, des Verf. Erklärung der eigenthümlichen Stellung der Em-
bryonen im Mistel-Samen, wenn deren mehrere in einem und
demselben Samen vorkommen, in Wiegmanns Archiv für Na-
turgesch. 1840, 1 B. S. 164, wo er das Aneinanderliegen der
Embryonen mit ihren Cotyledonarenden wohl beobachtet hat.
Ein Beispiel von einer Polyembryonie in l'huja
Orientalis führt Goeppert an, in der Uebersicht d. Arbeit,
d. Schlesisch. Gesellsch. f. vaterländische Cultur f. 1840 S. 99.
Ueber die Befruchtung der Blüthen in Lopötia
mexicana hat Herr Arndt in Osnabrück Beobachtungen an-
gestellt, Flora f. 1840 S. 477. Die Anthere springt nach Innen,
nach der Narbe hin auf; die Stelle, wo der Schlauch sich
öffnen will, ist durch einen glänzenden Längsstrich angedeutet.
Das Aufspringen des Sclilauches geschieht bei noch gänzlich
geschlossenen Petalen der Corolle, welche aber in allen ihren
394
Theilen vollkommen ausgebildet ist. Nach dem Ausspringen
wächst der Träger an, macht einige Windungen und wirft zu-
letzt die entleerten Pollenschläuche ab.
Bemerkungen über die Befruchtung der Pflanzen
finden sich auch im Journ. d. Pharmazie 1840 p. 751 von
Herrn Fromond. S. auch Flora f. 1841 S. 204. Es ist be-
sonders von den Fällen die Rede, wo die Narbe über den
Staubbeuteln sich befindet. Der Verf. glaubt, dass nicht immer
Wind oder Insekten erforderlich sind, um die Befruchtung zu
befördern, ja er hält es sogar nicht philosophisch, sich auf den
Wind in solchen Fällen zu berufen. Die Befruchtung geschieht
hier nach den Beobachtungen des Verf. erst spät nach dem
Oeffnen der Blüthe, und wenn die Blumenkrone gegen die Zeit
des Welkens sich dreht. So in Iris. Der Pollen fällt hier
beim Aufspringen der Anthere auf die Sammelhaare, nachher
richten die Abtheilungen der Blumen sich auf, krümmen sich
gegen die Mitte der Blüthe hin, und schütten so den Pollen
auf die Narben. Dasselbe gilt auch von Sisyrinchium und
Moraea. An Ipomoea und Convolvulus dreht sich die Blume
nach dem Ausspringen schraubenförmig zusammen und schliesst
den Griffel völlig ein; später löst sich die Krone an der Ba-
sis ab, gleitet beim geringsten Luftstoss am Griffel herab und
der auf ihr liegende Blüthenstaub kommt mit der Narbe in
Berührung. Bei den Malvaceen streuen die Antheren des Mor-
gens den Blüthenstaub weit aus, so dass er sogar zum Theil
über die Blumenblätter hinausfällt; des Abends aber richten
sich die Blumenblätter gegen die Mitte der Blüthe auf, so dass
der auf ihnen liegende Blüthenstaub mit der Narbe in Berüh-
rung kommen kann; ja in manchen Blüthen drehen sich die
Blüthen schraubenförmig und schliessen die Narben vollkom-
men ein.
Bei der Versammlung der Naturforscher zu Erlangen im
Jahre 1840 trug Herr Treviranus Bemerkungen über die
Haare am Griffel der Gattung Campanula vor (siehe
Flora 1840 S. 680). Er stimmt jetzt Ad. Brogniart im Allge-
meinen bei, dass die Befruchtung in diesen Pflanzen wie ge-
wöhnlich, durch Pollenschläuche geschehe, die er auch auf der
Narbe antraf. Brogniart fand ferner, dass diese Haare nicht
abfallen, sondern gleich den Krallen eines Raubthieres sich in
eine Scheide zurückziehen, welches Tr. ebenfalls bestätigt.
Derselbe fand Pollenkugeln in der Höhle des Haars selber stek-
ken, sie können also nicht zufällig in die Haare gekommen
sein, wie Br. glaubte. Dass sich unter diesen Haaren eine
Höhlung befinde, die in den Griffel hineingeht, ohne jedoch
mit dem leitenden Zellgewebe desselben zu communiciren, hat
Tr. gleiclifalls beobachtet.
In den Anatomisch botan. Abbild, zur Erlauter. d. Grund-
lehre derBot. Taf.21, sind die Griffelhaare vonCampanula
Medium f. 1, 4 abgebildet .worden. Man sieht, wie ein Kanal
aus dem Haare in den Griffel hineingeht, ohne jedoch mit dem
Griffelkanal in Verbindung zu stehen. Das Zurückziehen der
Haare finde ich nicht, wohl aber scheint es mir, als wenn der
vordere Theil des Haares sich löse und in den untern hinein-
sinke. Es fanden sich Röhren wie Pollenschläuche im Griffel,
aber gedrängt zusammen, und vor der Oeffnung der Antheren
(das. f. 1). Der Griffelkanal ist vor und nach dem Oeffnen
der Antheren unten geschlossen, nach oben aber offen (f. 2, 3).
Nach dem Oeffnen der Antheren sah man Pollenschläuche im
Kanal, die von den verlängerten Papillen, mit denen ich sie
in der Erklärung der Figuren zusammenstellte, verschieden,
auch so gezeichnet sind, denn die einzelnen im Kanal zerstreu-
ten Papillen können durch den Schnitt hineingekommen sein.
Es ist sonderbar, dass sich Pollenschläuche im Griffelkanal vor
dem Aufbrechen der Antheren, wie »es schien, fanden, doch
bedarf dieses noch einer genauem Untersuchung.
In den Ausgew. Anat. botan. Abbild. H. 2 (1840) T. 8 sind
Pollen Schläuche abgebildet, wie sie in das Fruchte! drin-
gen. Die Mikropyle des Fruchteies von Mesembrianthemum
glomeratum war viel grösser als der eindringende Pollenschlauch
(f. 2) und man konnte nichts von einem entgegenkommenden
Embryosack, oder von einer andern inno-rhalb vorgehenden
Veränderung wahrnehmen. Dasselbe war auch der Fall beim
Eindringen eines Pollenschlauches in ein Fruchte! der Hohen-
bergia Billbergioides (f. 3); jedes Fruchte! in der Frucht die-
ser Pflanze war mit einem solchen Pollenschlauche versehen.
Die Pollenschläuche von derselben Pflanze, wie sie aus dem
Pollenkorne entstehen, sind f. 4 vorgestellt, wo man die völlige
Uebereinstimmung zwischen dem in das Fruchtei dringenden
a96
Schlauche, und dem eben aus dem Pollenkern entwickelten
sieht. Zwei Fruchteier von Gymnadenia conopsea, in welche
Pollenschläuche dringen, sieht man f. 5. Die Umhüllung des
jPruchteies ist so zart und durchsichtig, dass man deutlich
wahrnimmt, wie der Schlauch, sobald er eingedrungen ist, so-
gleich verschwindet. Nicht immer trifft der Pollenschlauch die
Oeflfnung des Fruchteies genau, so sieht man ihn am Rande
der Mikropyle in f. 6 aus einer Frucht von Matthiola annua.
Die Art, wie die Pollenschläuche durch das Zellgewebe des
Griflfelkanals dringen, ist f. 6 vorgestellt, aus Nicotiana Taba-
cum. Sie nehmen den kürzesten Weg, um aus dem Zellgewebe
in die Höhlung der Kapsel, um aus dem Gedränge ins Freie
zu kommen, doch konnte man hiebei kein Eindringen in ein
Fruchtei bemerken.
Das Keimen der Orchideen habe ich von Angraecum
maculatum und Goodyera procera aufmerksam beobachtet, und
es ist in den Ausgewählten Abbildungen H. 2 (1840) Taf. 7
vorgestellt worden. Was ich gesehen habe, ist so abweichend
von dem Keimen aller andern Monokotyledonen und so über-
stimmend mit dem Keimen der Zwiebelknospen, die sich auf
manchen Liliaceen finden, dass ich den Samen vielmehr für
eine Zwiebelknospe halten muss. Es ist bekannt, dass die
Samen von manchen Pancratium-Arten in Zwiebelknospen sich
verwandeln, welches zwar nicht derselbe aber doch ein ähn-
licher Vorgang ist. Der Vergleichung wegen findet sich auf
der sechsten Tafel eine Analyse der Zwiebelknospe von Lilium
bulbiferum. Ich hatte die Zeichnungen von Angraecum, von
Hrn. Schmidt mit seiner gewöhnlichen Geschicklichkeit und
Treue verfertigt, schon seit einiger Zeit aufbewahrt, glaubte
aber, es sei eine zufällige Veränderung des Samens, bis ich
nicht allein Gelegenheit hatte, das Keimen an Goodyera genau
zu beobachten, sondern auch, bis ich an andern, allerdings
schon weiter im Keimen fortgerückten Orchideen, keinen wider
sprechenden Umstand sah. Der Same von Angraecum er-
scheint zuerst mit zwei Spitzen (f. 1); woraus sich, wie man
später sieht , der Stamm und ein Würzelchen entwickeln (f. 2).
Schneidet man den Samen in jenem Zustande der Länge nach
durch, so findet man ein Bündel von Spiroiden in der Mitte
des Zellgewebes, welches den ganzen Samen erfüllt (f. 3).
9$7
Durchschneidet man den Samen, oder die Zwiebelknolle, oder
den Kern, wie man ihn nennen will, nach dem Keimen, so
findet man ihn wenig verändert, nur geht ein Bündel von Spi-
roiden seitwärts ab in die Wurzel (f. 4). Auf eine ähnliche
Weise verhält sich Goodyera. Der Same, nachdem er ange-
schwollen und zu keimen angefangen (f. 8), hat seine äussere
Gestalt noch eben so, als er sie in der testa hatte (f. 7), zum
Beweise, dass er durch das Keimen keine wesentliche Verän-
derung erleidet, nämlich nicht aus einem wahren Samen in eine
Zwiebelknolle übergeht. Es war Hrn. Schmidt, der doch eine
grosse Geschicklichkeit darin besitzt, feine Schnitte zu machen,
nicht möglich, dieses mit dem Samen zu leisten, der noch in
der testa sich befand, wohl aber geschah es an dem Samen,
welcher eben zu keimen angefangen hatte. Hier lag nun eben-
falls ein Bündel von Spiroiden in der Mitte und alles üebrige
war mit Zellgewebe (Parenchym) erfüllt. Die Zellen im
Umfange enthielten Chlorophyll, die Zellen gegen die Mitte
aber dunkele Körner, Phakocysten, wie sie Decaisne nennt
(f. 10). Nachdem der Keim so weit war, dass er zwei völlig
ausgebildete Blätter zeigte, wobei jedoch der Same selbst wenig
vergrössert erschien (f. 9) wurde ein feiner Längsschnitt ge-
macht. Er zeigte sich wenig verändert von dem vorigen, das
Bündel von Spiroiden hatte sich vergrössert, und einzelne Ge-
fässe gingen zu den Blättern über. Die Zahl der Chlorophyll-
zellen hatten sich eh^r vermindert als vermehrt, und der Pha-
kocyst war in den meisten Zellen in kleine Körner zergangen
(f. 11). Statt einer grossen Wftrzel, wie sie Angraecum zeigte,
fand man hier nur feine Wurzelhaare, welche den Kern um-
gaben. Macht man einen Längsschnitt durch eine Zwiebel-
knospe von Lilium bulbiferum, so findet man ebenfalls eia
Bündel von Spiroiden in der Mitte des Zellgewebes, woraus
sich die einzelnen Gefässe nach oben in die Schuppen der
Zwiebelknospe verbreiten (f. 11). Der einzige Unterschied
besteht nur darin, dass der Same dieser Orchideen ganz nackt
ist, die Zwiebelknospe hingegen in Blattscheiden eingewickelt
ist, wie man im Querdurchschnitte sieht (f. 10). An Lilium bul-
biferum sind immer drei Wurzeln (f. 12) vorhanden, die in
der Mitte, wie gewöhnlich, ein Bündel von Spiroiden haben.
398
ohne Mark; im Umfange aber sieht man Spiralfaserzellen, wie
an den Luftwurzeln der Orchideen.
Anomale Phanerogamen.
a. Parasiten.
Unger hat vortreffliche Beiträge zur Kenntniss der
parasitischen Pflanzen im Wiener Archiv für Naturge-
schichte Th. 2 (1840) geliefert. Nachdem er eine Uebersicht
der verschiedenen Meinungen über die parasitischen Pflanzen
gegeben, auch eine Litteratur über diesen Gegenstand, geht er
zu den verschiedenen Abtheilungen dieser Pflanzen. Fangen
wir bei der untersten Stufe an, sagt er, so sehen wir erst den
Parasiten mit der Nährpflanze in der Art vereinigt, dass der-
selbe unmittelbar über den Holzkörper seines Trägers ent-
springt und durch sein Gefässsystem mit dem Gefasssystem der
Nährpflanze anastomosirt. Diese Form sieht man an den Gat-
tungen Rafflesia, Brugmansia, Pilostyles und Apodanthes, viel-
leicht auch an Cytinus. Es ist hier ein Versenken des einen
in den Körper des andern, ohne alle weitere Vermittelung,
deutlich zu erkennen; der unterste Theil des Parasiten ist in
die Nährpflanze gleichsam eingekeilt, das Parenchym desselben
schliesst sich genau an das Parenchym des Rindenkörpers der
Nährpflanze an, und die Gefässbündel des erstem legen sich
einzeln an die durch die Markstrahlen getrennten Theile des
Holzkörpers. Oder 2. der Parasit sucht eine Art von Wurzel-
stock zu bilden, wodurch er der Nährpflanze anhängt, und
aus dem er mehrere blüthentragende Schäfte treibt. Hydnora
Scybalium. 3. Durch verstärkte Reaktion (wahrscheinlich in
der Art und Weise der Keimung begründet) wird ein Theil
.des Gefässsystems der Nährpflanze in den Wurzelstock des
Parasiten aufgenommen, und dadurch ein Körper gebildet, der
sowohl diesem als der Nährpflanze angehört. Balanophora,
Cynomorium, Cynopsole, Sarcophyte, Lophophytum und Om-
brophytum. 4. Der Parasit bildet einen Wurzelstock, dessen
Fasern sich an die Nährpflanze anheften. Helosis und Langs-
dorfia. 5. Kein Rhizom, sondern stark verästelte Wurzeln,
welche durch Saugwarzen mit der Mutterpflanze verbunden
sind. Lathraea Squamaria. 6. Einpflanzung des Parasiten wie
Nr. 1, dabei noch Wurzeln, die bald mit Saugwärzchen ver-
sehen sind, bald ohne dieselben erscheinen. Orobanche, Phe-
lipaea, Conopholis, Hyobanche, Epipheagus, Aeginetia und Obo-
laria. 7. Der einem Rhizom ähnliche, knollenförmige, unregel-
mässige Körper, woraus die Blüthenschäfte dieser Pflanzen ent-
springen,'besteht aus einem Convolut innig verfilzter Wurzel-
fasern, welche zum Theil dem Parasiten, zumTheil der Nähr-
pflanze angehören. Monotropa Hypopithys. 8. Der Parasit
entwickelt sich ziemlich selbständig, und schickt nur hier und
da vom Stamme aus Haustellen (Saugwarzen) in die Nähr-
pflanze. Cuscuta und Cassytha. 9. Stark verästelte Wurzeln,
die sich bald über, bald unter der Rinde der Nährpflanze hin-
ziehen, und in selbe gleichsam infiltriren. Viscum, Loranthus,
Misodendron u. a. m. — Ueber die Anatomie dieser Gewächse
hat der Verf. manches beigefügt. Dickwandige Zellen kommen
oft vor, und zwar als in Bündel gestellte Zellen, die lang ge-
streckt und mit schiefen Querwänden versehen sind. Eine starke
Vergrösserung Hess an Helosia brasiliensis sehr deutlich dreizehn
Schichten zählen, und bei Langsdorfia hypogaea konnte man
sogar dreissig Schichten unterscheiden. Bei einer solchen Ver-
grösserung kann man auch die Kanäle, welche nach allen Rich-
tungen die Schichten durchsetzen, deutlich wahrnehmen. Diese
Schichten sind zuweilen ungleich abgelagert, und zwar so sehr,
dass eine Seite frei von jeder Anlagerung erscheint, indem
die andern sehr verdickt sind. Die Gefässbündel der Rhizan-
theen sind auffallend klein und uHbedeutend zu nennen; sie
bestehen aus zwei Gefässen und den dieselben begleitenden
dickwandigen Zellen. Die Gefässe gehören ohne Ausnahme
den netzförmigen, porösen Gefässen und den Treppengängen,
niemals den einfachen oder ringförmigen Spiralgefässen an. In
der Regel bestehen die Gefässe der Rhizantheen aus kurzen,
unregelmässig über einander gestellten und durch theilweise
Absorption der Zwischenwände in ein Continuum verbunde-
nen Schläuchen, die oft mehr ein zellen- als gefässartiges An-
sehn haben. Man gewahrt auch in und an den Gefässbündeln,
vorzüglich bei Cynomorium und Helosis, dass sich zwischen
den einzelnen Zellen derselben eine eigenartige homogene Ma-
terie, welche weich und von brauner Farbe ist, in grössern
oder kleinern unregelmässigen Streifen und Nestern eingelagert
hat, wie auch Mohl bei den Farrn bemerkte. Die Vegetation
400
rechnet er zu seiner Vegetatio terminalis, wie sie die Farrn
zeigen. Sie sind keine Monokotyledonen. Abgesehen davon,
dass in den Monokotyledonen keine Anastomose der Gefäss-
bündel stattfindet, welche doch bei den Rhizantheen deutlich
hervortritt, spricht noch der Umstand gegen diese Vegetations-
weise, dass man nie das bogenförmige Auswärts wenden der
Gefässbündel bemerkt. — Es folgen Bemerkungen über die
Antheren der Parasiten. An Pilostyles bedecken die keulen-
förmige Anschwellung der Columna genitalis an der untern
Seite zwei bis drei Reihen einfacher, dicht an einander ge-
drängter, an der Spitze abgeplatteter Schläuche. An Brugman-
sia besteht dieAnthere aus vier Schläuchen, anRaflflesia findet
man eine unbestimmte Menge langgezogener Schläuche, die
sämmtlich sich nach oben zusammenneigen, und durch eine
einzige OeflFnung ihren Inhalt ausstreuen. An Hydnora bestehen
die Antheren au3 in die Länge gezogenen Schläuchen, die sich
der Länge nach öffnen. An Sarcophyte sanguinea sitzt eine
unbestimmte Menge stumpfkonischer, unter sich verwachsener
Schläuche zu einem Köpfchen vereint, auf einem dicken Trä-
ger ; beim Reifen zerreisst die obere, freie Wand dieser Schläuche.
Das Aufreissen wird durch die Elasticität von gestreiften, ge-
fässartigen Zellen unterstützt. Ganz denselben Bau haben auch
die Antherenschläuche in Hydnora. — Zuletzt redet der Verf.
noch über die Verwandtschaft mit den Pilzen, womit sie aller-
dings in mehreren Stücken übereinkommen. Sieben Tafeln
Abbildungen erläutern die Darstellungen des Verfassers, wo-
durch unsere Kenntniss dieser Gewächse eine bedeutende Ver-
mehrung bekommen hat.
Dass die parasitischen Pflanzen zu den Dikotyledonen ge-
hören, ist ohne Zweifel. Die Gefässbündel machen zwar oft
wie in sehr vielen andern besonders krautartigen, Dikotyledo-
nen keinen Ring, sondern stehen getrennt in einem Kreise,
aber sie stehen nicht in mehreren Kreisen, wie bei den Mono-
kotyledonen. Dass die letztern keine Anastomose der Gefäss-
bündel zeigen, möchte ich nicht mit dem Verf. sagen; in den
Knoten der Gräser ist dieses doch gar oft der Fall, auch ist
das bogenförmige Auswärtswenden der Gefässbündel bei den
Monokotyledonen keines weges die Regel. Nach den Darstel-
lungen des Verf. scheinen manche Rhizantheen den Bau von
401
einem Wurzelstock (cormus) zu haben; man vergleiche damit
z. B. den Wurzelstock vom Selleri (Apium graveolens). Die
dickwandigen Zellen gehören zu den Bastgefässen, oder Bast-
zellen, höchst wahrscheinlich. Der Verf. schränkt auch hier
den Begriff von Spiralgefässen nur auf solche ein, welche sich
abrollen lassen und keine Haut zwischen den Windungen zei-
gen. Ich will mich nicht bestimmt darüber aussprechen, ob
diese Haut immer vorhanden ist, oder oft fehlt, aber wie ich
schon einmal erwähnt habe, ich möchte nicht ein Kennzeichen
daher nehmen, auch nicht davon, ob sie sich abrollen lassen,
denn dieses kann durch das stärkere oder schwächere Ver-
wachsen der Windungen selbst, oder auch durch die grössere
oder geringere Stärke der Membran zwischen ihnen bedingt
werden. Er giebt meiner Meinung nach nur zwei Arten sol-
cher Gefässe, Spiralgefässe, wo ein Band schraubenförmig ge-
wunden ist und poröse Gefässe, worin sich runde Löcher oder
auch Querspalten befinden. Oben wurde die Abhandlung von
David Don über die Cycadeen angeführt, worin er sagt, er
habe poröse Gefässe mit Jodtinctur getränkt und gesehen, dass
die Oeffnungen sich auch gefärbt hatten, zum Beweise, dass sie
mit einer zarten Haut überzogen waren. Ich habe seitdem
diesen Versuch oft wiederholt, aber mit dem gerade entgegen-
gesetzten Erfolge, die Poren wurden gar nicht gefärbt, sondern
zeigten sich nun ganz deutlich als wahre Oeffnungen. Wenn
Hr. Don diesen Erfolg nicht sah, so kam es bloss daher, weil
er nicht genugsam feine Schnitte machte, wo noch eine dar-
unter liegende Haut blieb, welche die Oeffnung verschloss.
Dass die Querspalten sich als dunkele Streifen zeigen, rührt
von der Biegung der Lichtstrahlen an den Rändern her; es ist
dieses aber oft so täuschend, dass man diese Streifen für ab-
gekürzte Spiralfasern oder Bänder halte^n kann, wie es mir mit
vielen andern geschehen ist.
b. Lemnaceen.
Beiträge zur nähern Kenntniss von Lemna arrhiza
von J. F. Hoff mann in Wiegmanns Archiv für Naturgeschichte
1840, l.B. S. 138. Der Verf. fand diese bisher wenig ge-
kannte oder vernachlässigte Art auf Gewässer in Süd-Holland
bei Gouda. Sie unterscheidet sich durch ihre Form; sie ist
Archiv f. Naturgesch. VlI. Jahrg. 2. Bd. 26
402
länglich oder rundlich, oben fast flach, unten aber stark ge-
wölbt, immer ohne Wurzeln und 0,05 Par. Zoll lang. Man
entdeckt bald an der untern Seite einen gelben Punkt, der sich
schnell vergrössert und eine neue Pflanze erzeugt, die noch
eine Zeitlang mit der Mutter verbunden bleibt, so dass die
ganze Pflanze gepaart erscheint, endlich sich aber trennt. Die-
ser gelbe Punkt ist also eine Knospe. In dieser Form schwimmt
Lemna arrhiza bis Ende Oktobers oder Mitte Novembers umher.
Dann fmdet man in dem Schlamm der Gräben, worauf Lemna
arrhiza gewesen ist, trockene Blätter mit gelben Körnern ver-
mengt, welche die "Winterknospen sind, die sich im folgenden
Frühling entwickeln. Diese unterscheiden sich von den Som-
merknospen nicht so sehr an L. arrhiza als an L. polyrrhiza,
doch sind sie kleiner, mehr gelblich gefärbt, mehr dreikantig
mit abgerundeten Ecken. Diese Winterknospen sind von den
andern Lerana-Arten immer ohne Wurzeln, und daher oft mit
L. arrhiza verwechselt worden. Bei genauer Untersuchung ent-
deckt man da, wo die Knospe sich entwickeln wird, eine Spalte,
und in derselben liegen die jungen Knospen hinter und zu-
gleich auch neben einander; die Winterknospen enthalten zwei
Knospen von sehr ungleicher Grösse, zuweilen eine dritte und
vierte. Die ganze Pflanze besteht aus Parenchym, hat Spalt-
öffnungen auf der obern Fläche, aber Nerven und Gefässe im
Innern konnte der Verf. nicht erkennen, auch sah er keine
Fructification. Ein schätzbarer Beitrag zur Kenntniss dieser
oft verkannten Pflanze!
F a r r n.
Unter den sogenannten Botanischen Aphorismen von Karl
Müller Flora 1840 S. 545 findet sich das Keimen der Pi-
lularia globulifera L. beschrieben, nebst Rücksicht auf Bi-
schoffs Beobachtungen und Berichtigungen derselben, wie er
sagt. Nachdem die Kapsel im Schlamm den Winter über ge-
legen, platzt sie im Frühling in vier Klappen auf, wodurch sie
Sporen und Sporulen ausleert, welche dann wieder neue Pflänz-
chen hervorbringen. Den Anfang des Keimens erzählt er auf
folgende Weise. Zuerst entwickeln sich im Innern der Sporen
die hyalinen Kügelchen des Eiweisstoffes , sie schwellen auf,
und sprengen dadurch die Sporen aus einander, durch welche
403
Oeffnung sich zuerst ein hyalines Bläschen entwickelt, diesem
Bläschen folgen bald ein zweites, drittes, viertes, die allzu-
sammt eine gekrümmte Gestalt annehmen. Nun zerplatzt die
Spore in vier Lappen und aus dem Innern derselben entwik-
kelt sich eine grüngefärhte Masse. Auch die Warzen zer-
platzen jetzt und aus ihren Oeffnungen dringt ebenfalls eine
grüne Masse hervor. Von nun an trifft der Verf. ziemlich mit
Bischoff überein; die Fäden, welche Bischoff algen- oder pilz-
artige Gebilde nennt, hält der Verfasser zuerst für Kotyledo-
nen, nacliher in einem Nachtrage S. 721 meint er, ihre Be-
stimmung sei die Spore über Wasser zu halten, da sie durch
das Hervordringen der grünen Masse schwerer geworden sei.
Die Sporulen, wie er sie nennt, sah er aufplatzen.
Woher weiss der Verf., dass die Kügelchen von Eiweiss-
stoff sind? Hat er gesehen, dass diese durch ihr Anschwellen
die Sporen auseinander sprengen? Hat er das Platzen der War-
zen gesehen? Ich gestehe, dass die rasche Bestimmung des
Eiweissstoffes mich zu diesen Fragen veranlasst.
üeber den Bau des Stammes von Isoetes lacustris
von Hugo Mohl, Linnaea 14B. S. 181. *
Der Stamm oder W^urzelstock hat eine doppelte Furche,
wodurch diese Art von Isoetes setacea Del. zu unterscheiden
ist, welche drei solcher Furchen hat, wie schon Delile bemerkte.
In diesen Furchen stehen die Wurzelfasern, welche von oben
nach unten zu liervorwachsen, nicht wie gewöhnlich an sol-
chen Wurzelstöcken, wo die untern Wurzelzasern eher her-
vorbrechen, als die obern. Eine andere Eigenthümlichkeit die-
ses Gewächses besteht darin, dass die äussern Schichten dieses
Stammes absterben und durch neue von innen aus ersetzt wer-
den. Die weisse Masse des Knollens enthält parenchymatöse
Zellen; der kleine centrale Holzkörper hat eine nach oben
eiförmige, nach unten halbmondförmige, convex gerundete
Form, und besteht aus einer gleichförmigen Masse kleiner,
kurzgliedriger, rundlicher, sehr locker verbundener, grosser In-
tercellulargänge und Lücken zwischen sich lassender Schläuche,
welche mit unregelmässigen Spiralfasern und Ringfasern besetzt
sind. Die Gefässbündel, welche von dem Holzkörper nach
allen Seiten ausstrahlen, bestehen aus zarten Ring- und Spiral-
gefässen und wenigen zarthäutigen, langgestreckten Zellen.
26*
404
Der Stamm von Isoetes hat wie die übrigen Gefässkryptogamen
eine vegetatio terminalis ; der Holzkörper bildet mit dem höhern
Alter keine Schichten, sondern verlängert sich nur an seinem
obern Ende. Was aber den parenchymatösen Theil des Stam-
mes betrifft, so zeigt sich hier die oben schon erwähnte Merk-
würdigkeit, dass in jedem Jahre die ganze parenchymatöse
Masse von einer im Umfange des Holzkörpers sich neu ent-
wickelnden ersetzt, nach aussen gedrängt wird, abstirbt und
zuletzt völlig verfault. Es muss, sagt der Verf. am Schlüsse,
bei der Keimungs weise der übrigen Kryptogamen, von welcher
wohl gewiss die Keimung von Isoetes nicht bedeutend ab-
weicht, als durchaus unwahrscheinlich betraehtet werden, dass
diese Pflanzen einen wirklichen -caudex descendens besitzen.
Da nun aber dennoch die Entwickelungsweise der Wurzelzasern
in absteigender Ordnung erfolgt, und da die centrale Holz-
masse, aus welcher die Gefässe der Zasern entspringen, sich
ebenfalls nach abwärts verlängert, so haben wir vielleicht an
Isoetes ein Beispiel von dem merkwürdigen, bei Tamus com-
munis so deutlich ausgesprochenen Falle, dass der untere Theil
der aufsteigenden Axe sich in den Verhältnissen seines Wachs-
thums ganz nach Art eines ursprünglichen caudex descendens
verhält, ohne dass man ihn wirklich als solchen betrachten
darf. — Es wäre zu wünschen gewesen, dass der Verf. auch
noch Isoetes setacea untersucht hätte, die leichter zu erhalten
ist, als Isoetes lacustris, weil sie anwächst, nachdem der Wur-
zelstock schon eine geraume Zeit trocken gewesen ist.
Die merkwürdige Erscheinung, welche Hr. Martens zuerst
zu Löwen im botanischen Garten beobachtet hat, dass nämlich
dort, wo Gymnogramma Calomelanos und chryso-
phylla sich befanden, eine Mittelart von beiden Farrn-
kräutern hervorwuchs, hat auch Bernhardi in Erfurt be-
obachtet (Otto's und Dietrich's Gartenzeitung 1840 S. 249 und
325). Es ist nämlich im botanischen Garten daselbst ein Farrn-
kraut aufgewachsen,' welches zwischen Gymnogramma distans
und chrysophylla in der Mitte steht, Arten, die in demselben
Garten gezogen werden und oft neben einander gestanden
haben. Der Wedel dieses Mittelfarrns ist nach oben abneh-
mend doppelt gefiedert, die Gestalt der Fiedern und Fieder-
abschnitte hält das Mittel zwischen der Gestalt dieser Theile
405
an den Stammältern. An der Basis der Wedelstiele und der
Wedelfedern, da wo sie an dem Stiel befestigt sind, sieht man
den weissen Staub von G. distans aufgestreut, an den übrigen
hingegen den gelben Staub von G. chrysophylla, doch etwas
blasser. Hr. Bernhardi hält diese Formen für wirkliche Ba-
starde; er empfiehlt die Befruchtung der Farm an diesen
Arten von Gymnogramma aufmerksam zu beobachten; er meint,
wenn seine BehaU|>tung über Hie männlichen Geschlechtstheile
dieser Pflanzen sich bestätigen sollte, so möchte sich die Er-
scheinung leichter erklären lassen, als wenn man andere Theile
für Antheren hält.
Die Meinung, dass die Arten von Farrnkräutern, von
denen man solche Mittel formen beobachtet hat, Abänderungen
einer und derselben Art sein möchten, verwirft Hr. B. zu leb-
haft; wirklich stehen diese Arten einander sehr nahe und die
Farrnkräuter sind keinesweges sehr beständig in ihren For-
men, wie der Verf. meint, vielmehr ändern sie gar sehr ab,
und weit mehr als andere Gewächse. Oft sieht man an einem
und demselben Wedel der grossem Polypodien, lange und
kurze, spitze und stumpfe Federstücke. In dem Verzeichnisse
der Farrn des Königl. Botan. Gartens zu Berlin (Filicum spe-
cies in Horto R. Bot. Berolin. cultae Berol. 1841) habe ich
zwei Arten von Ceropteris (so nenne ich die bestäubten Arten
von Gymnogramma) characterisirt, die man für solche Bastarde
gehalten hat, nämlich C. Martensii, angeblich ein Bastard von
C. calomelanos und C. chrysophylla und C. Massoni der Ba-
stard von C. distans und C. chrysophylla, von dem Bemhardi
hier redet. Auch ist eine Ceropteris angegeben, die zwischen
C. calomelanos und C. distans in der Mitte steht. Die Gat-
tung Ceropteris hat nicht allein ihren Character in den son-
derbaren Haaren, welche Wachs ausschwitzen, sondern auch in
der Zerstreuung der Fruchtkapseln, welche in Gymnogramma
regelmässig in Linien gestellt sind.
Der Verfasser, indem er seine Meinung über die Anthe-
ren der Farm anführt, sagt, man habe sie meistens falsch
dargestellt, indem man die verdickten Enden der Blattnerven
dafür gehalten, und dieses sei vermuthlich aus Bequemlichkeit
geschehen, indem man Sprengeis Darstellung gefolgt sei, und
nicht seine eigene Abhandlung nachgelesen habe. Das ist wohl
406
nicht der Fall gewesen; die Abhandlung fand sich in einem
damals — vor vierzig Jahren — viel und mit grösserer Auf-
merksamkeit gelesenen Journal, als man auf Sprengeis Dar-
stellung verwandte. Aber wenn ich der umständlich genauen
Darstellung des Verf. folgte, so kam ich zuerst auf die ver-
dickten Enden der Nerven, und von dort äusserlich zuweilen
auf Körner, die ich für die von dem Verf. angedeuteten An-
theren hielt, die mir aber Excretionen scheinen. Oft habe ich
vergeblich nach bestimmten Formen gesucht, und das ist aller-
dings der Grund gewesen, warum ich nichts davon öffentlich
gesagt, bis allerdings durch einen Gedächtnissfehler, jene Kör-
ner sich verloren, und die gewiss sehr merkwürdigen, in
keiner Pflanzenklasse vorkommenden verdickten Nervenenden
in der Erinnerung zurückblieben. Sprengel hatte auf ähnliche
Punkte an Crassula crenata hingewiesen, aber diese sind sehr
verschieden von jenen verdickten Nervenenden, die aus einem
Knäuel von Spiroiden bestehen, wie sie in den Ausgew. anat.
bot. Abbild. H. 3 T. 3 F. 8 dargestellt sind. Will man Theile
für Antheren halten, so sind es offenbar die, welche Blume
zuerst bestimmt angegeben hat, und welche in demselben Heft
der Ausgew. Abbild. T. 3 F. 1 — 5 abgebildet sind; sie haben
gewiss die grösste Aehnlichkeit mit den Antheren, wenn ich
auch keinesweges ihnen dieselbe Function zuschreiben will,
welche die Antheren der Phanerogamen deutlich haben. Denn
mau darf nur einen Blick auf das Auge des Maulwurfs werfen,
womit er gewiss nicht sieht, um einzusehen, dass die Natur
auch umsonst etwas thut. Aber gesetzt auch, diese Antheren
der Farrn oder die von Bernhard! als solche anerkannten Theile
hätten wirklich die Function der Befruchtung, so sehe ich doch
nicht ein, wie Bastarde in dieser Klasse der Gewächse ent-
stehen können; für die Blumeschen Antheren sind die Weib-
chen derselben Art zu nahe, für die Bernhardischen Antheren
die Weibchen anderer Arten zu ferne und es ist nicht zu sagen,
wie sie dahin gelangen könnten.
Moose.
üeber den Bau der Setae von Funaria hygrome-
trica von Edwin Lankester. Annais of natural History
T. 4 p. 362. Die Fruchtstiele dieser bekannten Moosart sind
407
schon lange wegen ihrer hygroskopischen Eigenschaften be-
kannt. Der Verf. untersuchte sie in dieser Rücksicht genauer.
Nimmt man einen trocknen Fruchtstiel in die Hand, und be-
netzt den untern Theil mit dem Finger, so dreht sich die
Kapsel von der Rechten zur Linken, indem sie zwei, drei und
mehr Umdrehungen macht; benetzt man den obern Theil auf
dieselbe Weise, so dreht sich die Kapsel noch schneller in
einer entgegengesetzten Richtung. Bei der mikroskopischen
Untersuchung findet man den ganzen Stiel aus langgestrecktem
Zicllgewebe bestehend, welche spiralförmig (schraubenförmig)
gedreht sind. Doch ist das Zellgewebe nicht überall gleich-
förmig gedreht, sondern um zwei Drittel der Länge fängt es
an gerader zu werden und oben dreht es sich wiederum, aber
stärker und in einer entgegengesetzten Richtung. Die Ursache
des Drehens scheint allerdings in dieser Richtung des Zellge-
webes zu liegen. Ob nun die Feuchtigkeit das Gewebe gera-
der macht ^ indem sie sich dadurch hinzieht, oder ob es von
der blossen Ausdehnung des äussern Gewebes herrührt, mag
dahin gestellt sein. Die Kapsel dreht sich in einer den Win-
dungen des benetzten Endes entgegengesetzten Richtung, und
dass sie sich schneller dreht, wenn das obere Ende benetzt
wird, rührt von der stärkern Drehung der obern Windungen
her. Doch ist die Trockniss der Fasern nicht allein die Ur-
sache, denn die grünen Fruchtstiele, obgleich völlig getrocknet,
drehen sich nicht. Da nun aber die Kapsel zur Zeit der Rei-
fung gegen die Erde sich kehrt, so ist es wahrscheinlich, dass
die schon vorhandene Drehung der Fasern noch stärker wird,
und so die Bewegungen hervorbringt.
Es ist durch die vielen Streitigkeiten über das Hygrometer,
welche einst zwischen de Saussure und de Luc geführt wurden,
ausgemacht, dass die trockene Pflanzenfaser durch die Feuch-
tigkeit verkürzt, die thierische Faser hingegen verlängert wird.
Vermuthlich weil die erste hohl ist, und nun durch die einge-
sogene Flüssigkeit ausgedehnt und so verkürzt wird. Die zweite
hingegen mag aus aneinander gereiheten, dichten Theilen
bestehen, welche die Feuchtigkeit von einander entfernt. In
dem vorliegenden Falle scheint es, dass, wenn die grünen Stiele
getrocknet werden, der dickflüssige Inhalt der Zellen einen trock-
nen Bodensatz in den Zellen lässt, und sie so ausfüllt, indem
408
beim Röifeii der Kapsel dieser Inhalt aufgelöst und so auf-
gesogen-und anderwärts verwandt wird, wodurch beim Trock-
nen die Zellen leer werden und wie hohle Röhren wirken.
L i c h e n e n.
In der Uebersicht der Arbeiten und Veränderungen der
Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur im Jahre
4840 findet sich S. 95 eine Nachricht von H. Körbers Auf-
satz: Ueber die Fortpflanzung der Flechten durch
Keimkörner. Ich ziehe nur folgende Stelle aus, welche mir
die Hauptsache jener Abhandlung zu enthalten scheint (S. 98):
„Die individuelle Fortpflanzung geschieht vermittelst Soredien,
die sich durch eine innerzellige Entwickelung zu neuen Indi-
viduen gestalten. Diese innerzellige Entwickelung wird schon
im Innern der Mutterzelle dadurch vorbereitet, dass das ein-
fache (primäre) Gonidium, das noch eine deutliche sphärische
Zelle ist, seinen in ihm enthaltenen, organisirbaren, schleimigen
Stoff zu Elementarkügelchen ausbildet: dass ferner, sobald die-
ses geschehen und das Gonidium dann als Soredium aus dem
Thallus hervorgetreten ist, die ursprüngliche Mutterzelle ab-
sorbirt wird, und das Soredium somit nichts andres ist, als
der freigewordene Inhalt der Mutterzelle, welcher ein stetig
verbundenes Zellgewebe durch jene neuen, mittelst des Bil-
dungschleimes verbundenen Zellchen (Kügelchen) vorbereitet.
Diese neuen Zellen scheinen somit eine Art Cytoblasten der
ursprünglichen jetzt absorbirten Mutterzelle zu sein, die jedoch,
immer mehrere aus einer Mutterzelle, sich selbst noch umzu-
bilden fähig sind."
Wenn man Lobaria pulmonaria untersucht, die doch grosse
Soredien zeigt, so sieht man, dass hier wenigstens von Allem
dem, was der Verf. sagt, kein Wort wahr ist. In dem dritten
Heft der Ausgew. Anat. bot. Abbild. (1841) ist ein solches
Soredium T« 5 F. 11 abgebildet. M^n sieht, dass die innere
flockige Masse, die bei h. F. 13 sehr vergrössert vorgestellt
ist, hervorbricht und "das Soredium bildet. Die äussere zel-
lige Umhüllung, die man bei a. F. 13 sehr vergrössert sieht,
wird dagegen durchbrochen, und von ihm tritt nichts zum So-
redium. Ich zweifle sehr, dass die individuelle Fortpflanzung
409
tler Lichenen durch Soredieii geschieht, und an allen den Fol-
gen, die daraus gezogen werden.
Algen.
Bemerkungen über Spongilla fluviatilis von John
llogg in Transact. of the Linnean Society of London V. 18
P. 3 (1840) p. 363 und 368. In dem ersten Aufsatze erklärt
sich der Verf. für die vegetabilische Natur dieses Organismus.
Er könne nicht glauben, dass die samenaftigen Körper der
Spongilla die Eier von einer Cristatella (vagans) seien, da er
nie eine solche Cristatella in ihrer Nähe gefunden habe. In
dem zweiten wichtigen Aufsatze erzählt er umständlich seine
Beobachtungen über die Spongilla. Im Jahre 1838 bemerkte
er einige keimartige (germlike) Körper, die in dem Napfe her-
umschwammen, worin sich eine Masse von gut vegetirender
Spongilla befand. Sie sind zwar klein, aber mit blossem Auge
zu sehen, weiss, voh einer kuglichten oder vielmehr ovalen Ge-
stalt, der untere und kleinere Theil ist undurchsichtig, der
obere durchsichtig und häutig. Ihre Bewegungen waren eben
so auffallend als zierlich; sie stiegen von der Spongilla am
Boden des Gefasses bis zur Oberfläche, sie schwammen lang-
sam auf der Oberfläche, oder fuhren durch das Wasser, wie
ein Luftballon in der Luft; sie näherten oder entfernten sich
von einander, sie schwebten an einer Stelle ruhig, oder dreh-
ten sich in Kreisen umher. Immer aber bewegten sie sich so,
dass der runde Theil voran war. Dann brachte er einen von
diesen Körpern in ein Uhrglas, und erneuerte das Wasser täg-
lich zwei- bis dreimal. Zuerst bewegte sich der Körper, drehte
sich dann langsam um die Axe, setzte sich endlich fest und
verwandelte sich in eine weisse, undurchsichtige Substanz, die,
so wie sie im Wasser wuchs, gallertartig erschien, aber trocken
kleine Zellen und Fasern und Spiesse zeigten. Um dieselbe
Zeit machte er einen Versuch mit den samenartigen (seedlike)
Körpern, die er sporules nennt. Er nahm sie von der Spon-
gilla ab, und setzte sie in eine Tasse, die er mit Wasser an-
füllte und zweimal täglich erneuerte. Diese Körper bewegten
sich nicht, aber nachdem sie einige Zeit gelegen hatten, drang
aus der Oeflfnung an ihrer Spitze eine weiche, undurchsichtige
Substanz, welche den Samen an die Tasse klebte. Diese Sub-
4M
stanz nahm nach und nach zu, und überzog zuweilen ganz
und gar den Mutterkörper, verbreitete sich auch umher über alle
nahgelegenen Körper. Zuerst sah man keine Spuren von der
Spongilla selbst,, sondern nur eine weisse, dicke, gallertartige
Materie, aber wenn man diese Materie trocken werden liess,
so zeigte sich die Membran der Spongia und man sah die
Löcher, welche durch die Verwickelung der Fasern gebildet
wurden, nebst den Spiesschen. — Der Verf, untersucht nun,
ob die keimartigen Körper sich in die samenartigen verwan-
deln, und entscheidet sich dagegen; es sind verschiedene Früchte,
die er sporules und sporidia nennt. Er führt ferner die Be-
obachtungen über die Bewegung der keimartigen Körper aus
andern Algen, namentlich Ectosperma clavata an, als eine
Bestätigung der algenartigen Natur der Spongilla. Er sah die
Strömungen um die Keimkörper der Spongilla, wenn sie sich
bewegten, aber kleine Zasern (cilia) konnte er nicht bemerken,
wie man sie an wirklichen Zoophyten gefunden hat; er hält
sogar diese Fasern für ein Kennzeichen der thierischen Natur.
Die Bewegung der keimartigen Körper aus den Algen rühre
von einer Endosmose und Exosmose her. Er führt nun andre
Uebereinstimmungen der Spongilla mit den Vegetabilien an,
die Aehnlichkeit der Membran, der gallertartigen Substanz,
der grünen chromule (Chlorophyll), des Verhaltens in Säuren
und der Gasentwickelung im Licht. Er kommt ferner auf die
Strömungen, welche in die innerlichen Höhlungen der Spon-
gilla und aus ihnen fliessen und schreibt sie grösstentheils
einem aphisartigen Insekt von grüner Farbe zu, doch nicht
allein, sondern auch der Endosmose und Exosmose. Nun
sucht der Verf. Dujardins Gründe für die thierische Natur die-
ser Spongillae zu widerlegen, und zuletzt bringt er auch noch
manches für die vegetabilische Natur der See-Spongien bei.
Die Beobachtungen des Verf. verdienen grosse Aufmerk-
samkeit. Manche von ihm angeführte Gründe für die vegeta-
bilische Natur der Spongilla und derSpongien überhaupt möchte
man wohl nicht hinreichend finden. In der Hauptsache muss
man aber ihm beistimmen, und zwar vorzüglich deswegen,
weil diesen organischen Körpern ein Centralorgan, der Magen,
fehlt, welches allen Thieren eigenthümlich ist. Auch sind die
Spongillen nicht aus den thierischen Stoffen abgesondert, wie
411
die Stämme der Sertularien und ähnlicher Zoophyten, die ich
gern dem Thierreiche überlasse, ungeachtet ich früher glaubte,
sie wüchsen pfianzenartig auf. Dass übrigens mannichfaltige
Bewegungen, wie sie der Verf. an den Keimkörpern der Spou-
gillen beobachtete, von der Endosmose und Exosmose herrüh-
ren sollten, ist gar nicht glaublich, die Häute, wodurch die
Endosmose und Exosmose geschieht, bleiben eben deswegen
unbeweglich, weil die Strömung der Flüssigkeiten durch sie
hingeht. Die Endosmose und Exosmose kann man nur als
Analogie zur Erklärung anwenden, nicht als Erklärung selbst,
aus dem einfachen Grunde, weil sie selbst noch nicht erklärt ist.
Ueber denselben Gegenstand, nämlich über die Spon-
gillen und ihre Fortpflanzung finden sich in den Comptes
rendus von 1840 V. 2 p. 478, 694, 1050 mehrere Beobach-
tungen von Laurent angezeigt. Herr Laurent nimmt eine
thierische Natur dieser Organismen an. Sie zeigen dreierlei '
Fortpflanzungskörper: 1. Keimartige Körper, die er als unge-
franste (non -cilies) Knospen betrachtet ; 2. Eierförmige Körper,
welche sich im Frühling bilden und von den eiförmigen Körpern
der spätem Jahreszeit verschieden sind j 3. Proteische (proteifor-
mes) Körper, die sich von den rhizopodischen Verlängerungen
der jungen Spongillen losreissen. Auch hat er Fortpflanzung
durch Selbstspaltung (scissiparite naturelle) der alten Spongil-
len angegeben. In dem zweiten Memoire geht Hr. Laurent die
Phasen des Lebens dieser Spongillen durch. Die erste Phase
ist die des latenten Lebens, worin sich zuerst die eierför-
migen Körper und die Gemmen befinden ; der Inhalt der ersten
ist dann körnig wässerig (globulino-aqueux) und zur Zeit des
latenten Lebens der zweiten ist die ganze Spongille noch kör-
nig wässerig. Die Spiesschen fehlen noch zu dieser Zeit. Die
zweite Phase ist die des embryonischen Zustandes, wo das
ganze Gewebe noch fast körnig-klebrig (subglobulo-glutineux)
ist; die Eier gehen aus dem körnig- wässrigen Zustand in den
körnig-klebrigen über, auch die Gemmen der gefransten Em-
bryonen, früher kuglicht, werden länglich; die Spiesschen und
die proteischen Körper erscheinen zuerst. Die Spongillen,
welche aus diesem dreifachen Ursprünge sich bilden, sind ganz
gleich, in dem dritten Zustande erscheint zuerst die Spon-
gille mit einer Haut überzogen, und wenn diese reisst, sieht
412
man die Höhlungen derselben und die Eier. Die Fortpflanzung
durch proteische Stücke geschieht nur an sehr jungen Indivi-
duen, die aus gefransten Embryonen entstehen, indem die
Selbsttheilung nur an alten Individuen geschieht, die aus ge-
fransten Embryonen sich schon wieder erzeugt Iiaben. In dem
dritten Memoire vergleicht er die gefransten, freien Embryo-
nen der Spongilla mit den freien Embryonen von Ectosperma
clavata. Die ersten bewegen sich noch zwei bis drei Tage, statt
dass die letzten sich nur zwei bis drei Stunden bewegen, oder
sich auch sogleich festsetzen. Bei einer Vergrösserung von
2 — 300 i. D. sieht man deutlich die Fasern an den Embryo-
nen der Spongilla, an den letzten nicht; auch haben die ersten
einen Strom um sich, die letzten nicht. Die Embryonen der
Spongilla sind weiss, der Ectosperma sind grün.
liiebei will ich zurückführen auf die Beobachtungen von
Agardh in Suensk. Vetensk. Hdlgar. f. är 1837, übers, in der
Flora für 1840 S. 128, wo A. beschreibt, wie ihm aus sol-
chen sich bewegenden Körnern eine Draparnaldia tenuis er-
wuchs, auch" wie er eine Bewegung der Körner in einigen Glie-
dern der Bryopsis Arbuscula sah. Auch ist Rücksicht zu neh-
men auf Hrn. Morrens Bemerkung, der in Vaucheria clavata
(Ectosperma cl.) den Rotifer vulgaris fand, so dass er bei der
Oeffnung des Gliedes sich nicht entfernte. Bullet, d. l'Acad.
roy. d. Bruxell. T. 6 p. 4.
Die von Hr. v. Lobaczewski beobachtete Saftströmung in
CloSteriura Lunula Nizsch., beschrieben in der Linnaea B. 14
S. 278, muss ich doch den Zoologen überweisen, so nahe auch
die Erscheinung denen steht, welche man in Chara und andern
Pflanzen beobachtet hat.
Eben so gehört das, was Meyen vom rothen Schnee in
Wiegmann's Archiv 1840 B. 1 S. 166 sagt, der Zoologie an,
sofern Protococcus nivalis und viridis Infusionsthierchen und
zwar Euglena sanguinea und E. viridis Ehrenb. in ruhendem
Zustande sind.
Pilze.
Der Hausschwamm von Schwabe Linnaea 1840 p. 194.
Der Verf. beschreibt den Hausschwamm, Boletus destructor
Schrad. (Polyporus destructor Fries), besonders aber den thallus
413
von seinem ersten Ursprünge an sehr genau, und sagt, dass
er in Dessau liäufiger sei als Merulius Vastator Tode (lacry-
mans Fr.). Die Zerstörung des Holzes, setzt er hinzu, scheint
dadurch herbeigeführt zu werden, dass die Pilzfasern diejenige
Nahrung, die sie zu ihrer Vegetation gebrauchen, den Holz-
zellen entziehen, wodurch diese letzten ihren Zusammenhang
und ihre Zähigkeit verlieren; vorzüglich leiden die häutigen
Wände der Zellen, denn unter dem Mikroskop zeigen sich
diese am meisten spröde und zerrissen. — In Berlin, doch
Dessau sehr nahe, ist Merulius Vastator Tode der häufigste.
Dieser zieht aber vielmehr durch seine Fasern oder Röhren
Feuchtigkeit aus der Luft an, die er im Holze verbreitet, und
dadurch Fäulniss hervorbringt.
Penicillium Bioti beschrieben von Turpin, Compt.
rend. V. 1 p. 507. Dieser Schimmel war in einer dicht ver-
schlossenen Flasche aufgewachsen, die Biot dem Verf. schickte,
worin sich destillirtes Wasser mit etwas Dextrine befand. Er
beschreibt nun die Fäden (den thallus) dieses Pilzes mit grosser
Genauigkeit, und setzt hinzu, dass die aufgeschwollenen Glie-
der, worin sich Körner befinden, ihn bewogen haben, eine be-
sondere Art daraus zu machen. Von der Fructification heisst
es: Ist die Vegetation zu einer gewissen Epoche gekommen,
so lässt sie nach; die Glieder der kleinen Stämmchen werden
kürzer, kugelförmig, zeigen sich in schnurartigen Reihen, die
einfach sind, oder deren mehrere zusammen und wechselnd
stehen. Die Kügelchen sind bläulich. Der Pilz pflanzt sich
dem Verf. zufolge auf eine dreifache Weise fort, erstlich durch
eine fast freiwillige Erzeugung, denn die organischen Kügel-
chen der Dextrinen dürfen nur gehörig geordnet werden, um
diesen Schimmel unmittelbar darzustellen, ferner durch Kügel-
chen in den Röhren, die bei der Zersetzung der Röhren her-
auskommen und endlich durch abgeschnürte Glieder.
Ich zweifle, dass Penicillium Bioti von Penicillium glau-
cum verschieden ist. Dieses entsteht in allen schleimigen,
süssen und vegetabilisch-sauren Auflösungen, auch in Salzen,
die aus vegetabilischen Säuren bestehen.
Gardner hat in Brasilien einen neuen phosphore-
scirenden Pilz entdeckt. Description of a new phosphore-
scent species of Agaricus by George Gardener with remarks
414
upon it by the Rev. M. J. Berkeley. Hooker's Journal of Bo-
tany V. 2 (1840) p. 406. Er gehört zu den Arten pileo ex-
centrico, und Berkeley erinnert daran, dass er zur Untergat-
tung Panus von Fries zu bringen sei. Die Kennzeichen sind
pileo carnoso-coriaceo, subinfundibiiiformi, glabro, flavo, lamel-
lis longe decurrentibus pallidioribus, stipite brevi, coriaceo, gla-
bro, cinerascente. Hab. in Brasilia ad folia Palraarum, quae ab
incolis dicuntur Pindoba. In einer dunkeln Nacht im Anfang
des Monats December, sah er in der Stadt da Natividade in
der Provinz Goyazes, Knaben mit Stöcken von einem leuch-
tenden Pilz spielen; diess bevvog ihn, sich den vollständigen
Pilz zu verschaffen, welches ihm auch gelang, so dass er eine
Beschreibung davon geben konnte. Berkeley setzt hinzu, dass
es mehrere im Dunkeln leuchtende Pilze gebe, und führt den
Ag. olearius Dec. in dieser Rücksicht an; auch will er daher
den Namen Ag. phosphorescens in A. Gardneri verändert wis-
sen. — Es ist die Frage, ob diese Pilze immer und unter
allen Umständen leuchtend sind ; die Rhizomorphen sind es nicht.
Chrysomyxa Abietis, ein Pilz und Exanthem der
Rothtannen, ist beschrieben von F. Unger. S. Froriep's Neue
Not. 16 (1840) S. 10 folg. Auszug aus Ungers Beiträgen zur
vergleichenden Pathologie, Wien 1840. Zuerst eine genaue
anatomische Beschreibung der Blätter, dann geht er zum Exan-
them über. Es findet sich an dem letzten Jahrestriebe und
zwar fast an allen Blättern desselben. Auf der Lichtseite des
Blattes gelbliche Entfärbungen, auf der Kehrseite ähnliche Ent-
färbungen, auch ein oder mehrere rostgelbe Flecke, aber nur
dort, wo sich die Reihen von Spaltöffnungen finden. Die gelb-
rothen Flecke erheben sich warzenförmig, und die Oberhaut
reisst auf; am Rande sieht man dicht gedrängte Röhren von
hochrother Farbe, nach der Mitte unregelmässige, nach oben
etwas erweiterte, theilweise verzweigte Schläuche, die auf einer
schleimig-körnigen Materie sitzen. Diese Substanz macht das
stroma der Pustel. Dann entsteht ein Gewebe aus cylindri-
schen, einfachen und verzweigten, sehr verfilzten Flocken. Die
Krankheit endet mit dem Abfallen der Blätter. Sie entsteht
in den Athemhöhlen des Blattes als eine schleimig-körnige Ma-
terie. Der Verf. schreibt die Ursache der Feuchtigkeit zu,
415
welche den Atheniprocess hindert» Die Krankheit, schliesst der
Verf., ist eine heterogene Zeugung.
Die Atlieniliöhlen des Verf. sind eine Schicht grosser Zel-
len. Dass die Spaltöffnungen auch in den jüngsten Blättern schon
verstopft sind, gesteht der Verf., meint aber, die Luft könne
doch durchdringen. Im Schluss ganz einverstanden mit dem
Verf.; doch ist dieses ein Gegenstand der allgemeinen Phy-
siologie und Pathologie.
In demFhigbrande, Uredo segetum, hat Hr. Lucas
Humin gefunden, Einhof fand denselben Stoff, erkannte ihn
nur nicht als Humin. Aus den Spiroiden des Agaricus atra-
mentarius Bull, wurde schon -von Braconnot Humin geschieden,
und es scheint dieser Stoff überhaupt in vielen dieser niedern
Pflanzen herrschend zu sein. Annal. d. Pharmacie v. Wöhler
und Liebig B. 37 S. 90.
Monstrositäten.
Herr deLafont, Baron von Melicocq, giebt in den Annal.
d. scienc. natur. IL S. T. 14 p. 255 mehrere Abänderungen von
der Linaria vulgaris an, die man mit der grossen Sammlung
von solchen Abänderungen, welche Hr. Pr. Ratzeburg geliefeHj
vergleichen mag. Sie wurden bei Cambrai und Arras gesam-
melt, und sind: 1. Blume (corolle) mit zwei Lippen, zwei Spor-
nen gleich oder ungleich; eine von diesen Blumen hatte sechs
Staubfäden, wovon zwei kürzere. 2. Blume mit zwei Lappen,
drei Spornen, der mittlere länger, ziemlich häufig. 3. Blume
mit zwei Lappen, drei gleich lange Sporne; selten. 4. Blume
ohne Oberlippe, die untere mit vier Abtheilungen, vier Sporne
von derselben Länge, vier Kelchabschnitte; ein einziges Exemplar.
5. Blume fast ohne Oberlippe, die Unterlippe mit fünf Abtheilun-
gen, sieben Sporne, sechs Staubfäden, zwei kürzer, acht Kelch-
abschnitte; sehr selten. 6. Regelmässige Blume mit fünf Abthei-
lungen, fünf Spornen; selten. 7. Blume mit zwei Lappen, aber
an der Basis mit ein bis drei, zuweilen vier blumenartigen An-
hängseln, gefärbt wie die Unterlippe der Blume; einige von
diesen Blumen haben zwei Sporne. Ein Exemplar hatte
einen sehr entwickelten blumenartigen Anhang, fast so lang
als die Blume; die beiden Lippen der letztern lagen horizon-
tal, der Sporn war vertical geblieben. 8. Blume völlig um-
416
gekehrt, und an der Basis mit einem wahren Blumenblatt ver-
sehen. 9. Blume mit zwei Lappen, an der Basis ein blumen-
blattartiger Anhang, drei Sporne von derselben Länge, fünf
Staubfäden; selten. 10. Die obere Lippe der Blume hat drei
Abschnitte. — Die Unterlippe mit vier Abschnitten. Selten.
11. Blume mit zwei Lappen, ohne Sporn. 12. Gebänderter Stamm,
Dass die Blume von Linaria vulgaris eine grosse Menge
von Abänderungen zeigt, mehr als von irgend einer anderen
Pflanze, rührt, meiner Meinung nach, von der sonderbaren Stel-
lung der Gattung zwischen den Personatae und den Solaneae
her. Es ist, als ob die Blume alle Mittel ergriffe und alle Wege
versuchte, um aus ihrem gefesselten Lippenzustande der Per-
sonaten in den regelmässigen der Solaneen, denen sie ver-
wandt ist, zurückzukehren. Die Veränderung trifft, so viel ich
weiss, nicht den Fruchtknoten, weil dieser in beiden natür-
lichen Ordnungen beinahe dieselbe Form hat.
Hr. Göppert machte in der Uebersicht der Arbeiten der
Schlesischen Gesellschaft f. v. L. 1840 S. 103 eine Beobach-
tung über Misbil düngen an einem Exemplare vonTragopo-
gon Orientale bekannt. Bei den meisten Blüthenköpfen
waren sämmtliche Haarkronen in lanzettlich zugespitzte Blät-
ter verwandelt, während Blume, Anthere und Narbe nur schwach
grünlich gefärbt erschienen. An einigen Blüthen in dem ober-
sten Biüthenkopfe waren Staubfäden nebst Antheren in grüne,
zarte Blättchen verwandelt und ein neuer, vollständiger, klei-
ner Blüthenkopf hatte sich in dem Theilungswinkel der Narbe
gebildet, wobei die Narben auch schon anfingen, eine blattartige
Beschaffenheit anzuehmen. Eine allerdings seltene Proliferation.
Kleine Pflanzen von Drosera intermedia hervor-
gewachsen auf dem Blatte einer andern, beschreibt Herr
Naudin in den Ann. d. Scienc. natur. T. 14 (1840) p. 14.
Ein Blatt von einer Drosera intermedia (Dr. anglica) zeigte
auf der oberen Seite des Randes zwei Droserapflänzchen im
Kleinen, die sich aus dem Zellgewebe zwischen dem mittlem
Blattnerven und einem am Rande erhoben und ungefähr andert-
halb Linien von einander entfernt standen. Sie waren 5 — 6 Li-
nien lang und hatten, sonderbar genug, einen Stamm, mit wech-
selnden Blättern nach der Abbildung, da doch sonst die ein-
heimischen Drosera-Arten stammlos sind und nur mit Wurzel-
417
blättern versehen, auch war es die Mutterpflanze selbst. An
der untern Seite des Mutterblattes bemerkte man niqhts, ausser
einen schwarzen Punkt unter einem der beiden Stämme, aber
keine Wurzeln. Die Stämme kamen übrigens aus dem blossen
Zellgewebe hervor, und standen in keiner Verbindung mit den
Gefässen des Blattes. — Eine höchst sonderbare, merkwürdige
Monstrosität!
Hr. Walpers führt in der Linnaea B. 14 S. 362 ein
monströses, siebenblättriges Blatt von Trifolium repens an,
und betrachtet die dreiblättrigen so wie die einfachen Blätter
dieser Ordnung als abgekürzt gefiederte. Für die Formenlehre
der gefiederten Blätter bei den Leguminosen, sagt er, sind die
Blätter von Gleditschia triacanthos, an denen man fast alle bei
den Leguminosen vorkommenden Blattformen, nebst deren
Uebergängen von der einen in die andern, leicht beobachten
kann, vorzüglich lehrreich.
Hr. Hampe beobachtete an einem Strauche von Salix
repens, dass Zweige über dem Wasser weiblich blühten, dass
aber darunter befindliche, später und erst nachdem das Wasser
abgetrocknet war, IJühende Zweige nur männliche Blüthen
hatten. Er sucht durch andere Beispiele darzuthun, dass an
nassen Stellen befindliche diklinische Pflanzen mehr männlichen
Blüthen zugeneigt sind als weiblichen. S. Linnaea 14 B. S.367.
Der Herausgeber stellt in einem Zusätze viele Beobachtungen
über die Veränderung des Geschlechts an Weiden zusammen,
ohne jedoch über die Ursachen zu entscheiden.
Bemerkungen ^er das Mutterkorn (clavus, ergot) von
John Smith LinSan Transactions V. 18 P. 3 (1840) 449.
Er untersuchte die schleimig süsse Flüssigkeit vom Mutterkorn
an Elymus und fand darin längliche, durchsichtige Körper,
gleich den Sporidien eines Pilzes. Dieselben Körper fand er
auch in allen Zuständen des Mutterkorns bis zu den Antheren
der angegrifi'enen Aehren, sowohl an Elymus, als an Phalaris
aquatica; er hält dieses also für die Ursache des Mutter-
korns. Die Sporidien Icommen^ wie er meint, in die Erde, von
dort durch den Stamm bis in die Antheren, und endlich durch
diese in den Fruchtknoten. Er fügt selbst hinzu, dass diese
Sporidien schon von mehreren gesehen worden. Hr. Quekett
giebt hierauf eine sehr genaue, umstän<lliche Abhandlung über
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2. Bd. 27
418
diesen Gegenstand. Die läii^liHion Körper, Sporidien, liegen
in verästelten Fäden auf dem Mutterkorn, wenn es noch jung
ist; in erwachsenem Zustande findet man den Pilz nicht mehr.
Das äussere Perikarpium sah der Verf. noch in zerrissenen
Lappen auf der Oberfläche. Innerlich sah er ein unregel-
mässiges Zellgewebe; die Zellen der äussern Haut fand er
nicht langgestreckt, wie Phoebus, sondern klein und viereckig.
Das Anhängsel an der Spitze besteht nach dem Verf. gröss-
tentheils aus dem zerrissenen Perikarpium, welches dem Wachs-
thum des Korns nicht folgen konnte, zerriss und so bis zur
Spitze erhoben wurde. Er giebt-nun eine genaue Beschrei-
bung des Pilzes, welcher das Mutterkorn überzieht; er sah die
Sporidien in einem benetzten Glase sich vermehren, indem
entweder eine Röhre von einer Seite ausgeht mit Querwänden,
deren Glieder sich als Sporidien sondern, oder indem eine
kleine Knospe an einem Ende entsteht, die zu einer Sporidie
auswächst. Eine andere Art von Vermehrung ist, wenn die Haut
um die Sporidie zerreisst, auswächst, und auf sich Körner
entwickelt, die denen im Innern, den Sporidien gleich werden.
Die letzte Art des Wachsthums ist die, dass ein grünes Korn
in der Sporidie sich seitwärts ausdehnt, eine Querwand bil-
det, und so die Sporidie in zwei Theile theilt; jeder Theil
theilt sich wieder und so fort, so dass ein gegliederter ein-
facher Faden entsteht, der sich dann weiter verästelt. Auch
sah er solche kleine, grüne Körner im Glase versammelt, die
sich aus zerrissenen Sporidien gesondert hatten, wie sich aus
dem Vorkommen zerrissener Sporidien ^chliessen Hess und
die selbst wieder Sporidien bildeten. Drliun also dieser Pilz
im Glase entfernt vom Mutterkorn vegetiren kann, so ist die-
ses der erste Grund, dass der Pilz vom Mutterkorn ganz ver-
schieden sei. Auch im Innern des Mutterkorns fand der Verf.
keine Sporidien; die Körner, welche sich darin befinden, sind
leichter als Wasser, da hingegen die Sporidien im Wasser
untersinken; die Körner schmelzen in der Hitze und fliessen
dann zusammen, die Sporidien nicht; auch lassen sich jene in
Aether auflösen, nicht die Sporiden. Zuletzt nimmt der Verf.
die chemische Analyse zu Hülfe, um zu zeigen, dass Mutter-
korn kein Pilz sei. Der Verf. meint, dass die grünen Körner
fnuclei) des Pilzes in das Innere der Gräser dringen und sicJi
419
auf dem Fruchtknoten, als einer gehörigen Unterlage entwik-
keln, auch wenn sie auf ein gesundes Korn kommen, diesem
die Krankheit mittheilen, besonders indem sie das häutige Pe-
rikarpium zerstören. Den Pilz nennt er Ergotaetia abortifa-
ciens und giebt den Character folgendermassen an: Sporidia
elliptical, moniliform, fuially separating, transparent and con-
taining seldom more than one, two er three welldefined (gree-
nish) granules. Zuletzt fügt er noch hinzu, dass ein kleiner
Acarus (von dem er auch eine — sehr rohe — Abbildung
giebt) das Mutterkorn ausfrisst, welches für die Pharmacie wich-
tig ist. — Hierauf folgt eine kurze Abhandlung von Francois
Bauer über diesen Gegenstand. Er verwirft alle äussere Ur-
sachen des Mutterkorns und nennt es eine Monstrosität. Er
giebt einige vortreffliche Abbildungen, um zu zeigen, dass es
das Scutellum sei, welches anwächst, die Haut des Perikar-
pium zerreisst, und dann sich braun färbt. Da der Pilz auch
anderwärts auf den Grasblüthen vorkommt, als auf dem Frucht,
knoten, so meint B., er bringe das Mutterkorn nicht hervor,
sondern er komme nur zufällig darauf vor.
Darin hat der nun verstorbene, treffliche Künstler gewiss
Recht. Queketts Untersuchungen und Gründe beweisen viel-
mehr gegen den Ursprung des Mutterkorns von einem Pilz als
für denselben. Und wenn auch der Pilz nur auf Mutterkorn
vorkäme und ohne dieses gar nicht wüchse, so wäre dieses
doch noch kein hinreichender Grund, zu behaupten, dass er
die Ursache des Mutterkorns sei. Ist Tubercularia vulgaris
die Ursache der Holztrockniss, weil sie sich nicht anders, als
auf trocknem Holze findet, oder nur die Folge? Ich habe der
Versammlung der Gelehrten .zu Florenz (1841) Zeichnungen
vom Mutterkorn vorgelegt, wo die Körner an der Spitze in
drei Blättchen ausgewachsen sind; ein Grund mehr, dass Mut-
terkorn nur eine Monstrosität ist. Ob der Auswuchs immer
nur das Scutellum betrifft, wäre noch zu erforschen? — Der
Pilz, den Quekett sehr gut beschreibt, ist ein Oidium. Gut,
dass wir das abscheuliche, aus dem Französischen und Grie-
chischen schlecht gebildete Wort Ergotaetia wegwerfen können.
Die Beobachtungen über die verschiedenen Fortpflanzungs-Arten
sind sehr merkwürdig ; ist aber dabei nirgends eine Täuschung
vorgefallen?
27*
420
S^cretion. Absonderung.
Beobachtungen über die Erscheinungen von Was-ser-
tröpfchen an den Blättern einiger Pflanzen von Rainer
Graf, Flora 1840 S. 433. Der Verf. machte seine Beobach-
tungen, besonders an Impatiens Nolitangere, deutsch Spring-
kraut genannt. Schon an den Samenlappen lassen sich jene
Tropfen bemerken, und zwar immer an den Zähnchen, worin
sich der Blattnerve endet, welcher durch die Mitte des Blat-
tes hinläuft. An den Primordialblättchen, selbst wenn diesel-
ben im ersten Knöspchen noch zusammengefaltet sind, treten
schon Tröpfchen hervor, und zwar am Rande derselben an
allen Stellen, welche in der Folge zu Kerbzähnen werden.
Wenn die Blätter der Pflanze ihre vollkommene Ausbildung
erhalten haben, so erscheinen die Tröpfchen an den Kerbzäh-
nen, welche durch den Haupt- und die Nebennerven an den
Blättern gebildet worden. Auch sind, wie an den Primordial-
blättern, die noch unentwickelten Blätter aller nachfolgenden
Knospen mit Tropfen besetzt. An der Spitze eines jeden der
Kelchblätter erschien regelmässig ein Tröpfchen, bis die Kapsel
anzuschwellen begann, so auch an der Spitze der Bracteen,
und endlich auch an den Blumen. Sie erscheinen hier an dem
mittlem Zahne des obern gewölbten und an der Spitze des
untern klappenförmig gespornten Blumenblattes. Die Tröpf-
chen sind an den Samenlappen die grössten, hierauf folgen
die an den Blättern, und zwar sind sie an den Spitzen der
Hauptnerven immer grösser als an den Spitzen der Neben-
Tierven. Die Tröpfchen, welche übrigens aus völlig geschmack-
und geruchlosem Wasser bestehen, erscheinen gewöhnlich nach
einem Regen oder nach dem Begiessen und zUar binnen 10 bis
20 Minuten. Sind die Pflanzen vorher welk geworden, so
richten sich nun die obern Blätter zuerst wieder auf, dann
folgen die Zweige und so geht es herab bis zu den untern
Blättern. Auch pflegen die Kapseln bei völliger Ruhe aufzu-
springen, wenn die Tröpfchen nach dem Begiessen hervortre-
ten. Die Tröpfen verschwinden auch wieder, und zwar auf
eine sehr verschiedene Weise. Während sie zuweilen den gan-
zen Tag unverändert hingen, verschwanden sie zu andern Zei-
ten oft schon in einer halben Stunde. Der Verf. konnte es
421
nicht einem blossen Verdunsten zuschreiben und in dieser Rück-
sicht machte er folgende Versuche. Er brachte mit einer fei-
nen Nadel einen Tropfen gewöhnlichen Wassers, ungefähr von
der Grösse der hervorgetretenen Tröpfchen, am Rande des Blat-
tes an einer Stelle an, wo sich keine Mündung der Nerven
befand. Dieser Tropfen war nun eine geraume Zeit hindurch
noch zu bemerken, nachdem die übrigen an den Mündungen
der Nerven hervorgetretenen Tröpfchen schon alle verschwun-
den waren. Um noch sicherer zu verfahren, sagt der Verf.,
löste ich mit Behutsamkeit einen hervorgetretenen Tropfen vom
Kerbzahne ab und brachte ihn an einer andern Stelle des Blat-
tes an; auch dieser war noch lange Zeit unverändert zu sehen,
während die übrigen an den Kerbzähnen hängen gebliebenen
Tröpfchen schon verschwunden waren. Man kann also, setzt
der V^erf. hinzu, das Erscheinen der Tröpfchen an den Pflan-
zen nicht immer eine Ausscheidung des überflüssigen Nahrungs-
saftes nennen, sondern es scheint vielmehr, dass der Saft so
schnell und in so grosser Menge aufsteigt, dass derselbe nicht
sogleich gehörig vertheilt werden kann und daher an allen
Oefi'nungen hervortritt. Sobald aber die Vertheilung desselben
im Zellgewebe statt gefunden, wird auch der in Gestalt von
Tröpfchen einstweilen ausgeschiedene Theil desselben wieder
eingesogen und zur weitern Vertheilung in der Pflanze und
zur Ernährung derselben verwendet. Aehnliche Versuche stellte
der Verf. mit den Blättern des Blumenkohls an, und der Er-
folg war derselbe, auch bemerkte er zuweilen dasselbe, wenn
die Tröpfchen zufällig verrückt waren. ' Ungeachtet die Tröpf-
chen am Blumenkohl grösser sind, als die am Springkraut, so
verschwinden sie doch schneller, höchst wahrscheinlich wegen
des grössern Umfangs der Blätter, in denen die Vertheilung
schneller geschieht, als in kleinen.
^ie schon lange bekannte Erscheinung hat hier einen vor-
trefi'lichen Beobachter gefunden. Dass die Gefässe, die Spi-
roiden nämlich, welche sich in den Blattnerven finden, den
Nahrungssaft schnell von einem Orte zum andern bringen und
endlich dahin überführen, wo er zur Ernährung der Pflanzen
nöthig ist, geht aus diesen Beobachtungen überzeugend hervor.
Bemerkungen über die Krystallbildung im Pflan-
ze n r e i ch e hat llr. Unger in den Ann. des Wiener Museums der
422
Natiirgesch. Bd. 2 S. 1 geliefert. Nachdem er das Allgemeine
des Vorkommens abgehandelt, giebt er Abbildungen von Kry-
stallen im Zellgewebe mancher Pflanzen, die doch nicht hin-
reichen möchten zur Bestimmung, da die Grössen der Winkel
nicht angegeben sind. Hierauf folgen einige chemische Unter-
suchungen. Er löste Krystalle von Piper blandum, Ficus ben-
galensis und Maranta zebrina in Salpetersäure auf und neutra-
lisirte die Flüssigkeit mit Ammoniak. Der Niederschlag wurde
in einem Platintiegel ausgeglühet; er bräunte sich nur aus den
Krystallen von Piper blandum. Nachdem er ausgeglüht war,
brauste er von allen mit Säuren auf. Die Krystalle bestan-
den also in allen drei Fällen aus einer vegetabilischen Säure
und höchst wahrscheinlich Kalkerde; die Säure war in den
Krystallen von Maranta zebrina und Ficus bengalensis Oxal-
säure, die Säure in den Krystallen von Piper blandum muss
aber eine andere sein.
lieber die kalkigen Niederschläge und über Nie-
derschläge überhaupt in den Pflanzen hat Payen Un-
tersuchungen angestellt (Compt. rend. 1840 T. 2 p. 401). Die
gestielten, keulenförmigen mit kalkigen Niederschlägen über-
zogenen Körper in den Ficus-Arten, welche zuerst Meyen be-
merkte, hat der Verf. an Ficus ferruginea, laurifolia, bengalen-
sis, nymphaeifolia, elastica, Carica, religiosa und reclinata
beobachtet, ferner an Parietaria officinalis, wo sie sehr gross
sind, an P. lusitanica und arborea, Urtica nivea und Forskolea
tenacissima. Die cylindrischen Concretionen aus Celtis austra-
lis und die birnförmigen aus C. missisipensis gleichen ihnen
am meisten; eben so die Concretionen in den Blättern von
Monis nigra, alba und multicaulis; die von Broussonetia papyri-
fera, Humulus Lupulus und Cannabis sativa befinden sich an
der Basis der Haare. Sonst findet man diese Körper mei-
stens auf der obern Fläche unter der Epidermis, zuweilÄi auf
der untern, wie am gemeinen Feigenbaum, seltener auf beiden
Seiten am Rande, wie am Hanf, Ein grosses Blatt von Brous-
sonetia papyrifera hält 134000 Concretionen. Oft trifft man
ädch kohlensauren Kalk zwischen den Zellen des Parenchyms
der Blätter und ihrer Nerven, in den Gängen 'der Blattstiele
und' irferStämmeV derselbe findet si(^h auch unter zwei Formen
in dön Blättetnj die einen so sauren Saft- enthalten, dass sie
423
den kohlensauren Kalk auflösen würden; der Absatz, meint der
Verf., geschehe hier durch kohlensaures Ammoniak der Atmo-
sphäre. Der Oxalsäure Kalk bildet Drusen in den Blättern
und den Stämmen von Cactus. Die Raphidcn bestehen aus
einer Membran, die mit oxalsaurem Kalk erfüllt ist; sie ent-
wickeln sich in Zellen, die aus einem besondern Gewebe be-
stehen, und eine stickstoffhaltige Substanz enthalten (oii existe
un tissu special et une substance azotee). Kieselerde über-
zieht die Membran der Blätter vieler Pflanzen, vielleicht aller,
ferner die Zellen der Stämme der Gramineen, Characeen und
Equiseten; man trifi't sie zuweilen auch in den Intercellular-
gängen an, so wie unter der Form einer sphäroidalen Concre-
tion, die von einem Gewebe abgesondert wird, welches sich in
einer Zelle entwickelt. Chara translucens inkrustirt sich mit
Kieselerde, indem Chara vulgaris in demselben Gewässer sich
' zugleich mit kohlensaurem Kalk und Kieselerde überzieht;
Chara hispida umgiebt sich aber nur mit kohlensaurem Kalk.
Spermatozoen in Pflanzen.
Ueber die Anthere der Chara und über die Thier-
chen in derselben von Gustave Thuret Annal. d. Sc.
naturell. T. 14 p. 65, Die bekannten Antheren der Chara be-
stehen inwendig aus einem Haufen von hin- und hergebogenen
Fäden mit Querwänden, in denen sich die Samenthierchen
befinden. Im jungen Zustande sind diese Fäden nur ovale
Schläuche, dann bekommen sie Querwände, und nun entsteht,
oft schnell, ein Kern, der von Jodtinctur braun gefärbt wird.
Auf diesen Kern folgen die Thierchen, und man sieht zuwei-
len an der einen Seite der Zelle noch Ueberbleibsel vom Kern,
auf der andern ein Thierchen. Zuerst sind diese Thierchen
unbeweglich, bald aber machen sie Anstrengungen, um sich
ans ihrem Gefängnisse loszumachen. Sie bewegen sich rascher
in der Wärme, als bei kaltem Wetter, und so, dass man nicht
an ihrer thierischen Natur zweifeln kann. Der deutlichste Theil
des Körpers ist ein schraubenförmig gedrehter Faden, mit drei
bis fünf Windungen. Etwas hinter einem Ende der Windun-
gen kommen zwei Borsten oder Fühlspitzen (tentacules) her-
vor, von einer ausserordentlichen Zartheit, welche das Thier
mit grosser Schnelligkeit immerfort bewegt. Man sieht sie
424
daher nicht, so lange das Thier lebt, sondern nur wenn die
Bewegungen langsamer werden oder aufhören. Am besten sieht
man sie, wenn man etwas Jodtinctur zum Wasser thut, wo
die Bewegungen aufhören und die braune Färbung die Fühl-
spitzen sichtbarer macht. Besonders ist dieses der Fall, wenn
man das Wasser mit der Tinctur vom Objektträger verdunsten
lässt. — In den Schläuchen, welche die Fäden umgeben, sah
der Verf. auch eine Saftströmung.
Meyen hat im dritten Theile seiner Physiologie S. 219
eine genaue Beschreibung der Anthere der Charen und dieser
Samenthierchen gegeben. Die beiden Fiihlspitzen sah er nicht.
Ich habe, sagt er S. 223, das Vorhandensein des langen, dün-
nen Endes anfangs nur durch die einzelnen, dickern Pünktchen
erkennen können. Oft sieht man zwei und selbst drei Pünkt-
chen der Art, welche mit grosser Schnelligkeit ihre Stellung
verändern. Einige Zeit hindurch war ich der Ansicht, setzt
er hinzu, dass das feine Ende dieser Samenthierchen verästelt
(gespalten?) wäre, und dass die Pünktchen als die verdickten
Enden dieser Aeste anzusehen wären, doch an solchen Samen-
thierchen, welche abzusterben schienen, indem ihre Bewegun-
gen immer langsamer wurden, konnte ich endlich deutlich be-
obachten, dass das fadenförmige Ende in den Samenthierchen
der Charen eben so wenig verästelt ist, als an denen der übri-
gen niedern Pflanzen. — Wer hat Recht?
Wachsthum. Ernährung.
Chemische Untersuchungen können hier nur in Betrach-
tung kommen, so weit, sie auf die Pflanze als Individuum eine
Beziehung haben. Beziehen sie sich hingegen nur auf die
durch ein chemisches Verfahren hervorgebrachten Stoffe, so
gehören sie zu einem Theile der Chemie, den man die orga-
nische Chemie genannt hat.
In Rücksicht auf die Ernährung der Pflanzen ist im
Jahre 1840 ein wichtiges Werk erschienen: Die organische
Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie
von Justus Liebig, Braunschweig 1840. Dieses Werk ist
seinem Inhalte nach gewiss allen, die sich mit Gegenständen
dieser Art beschäftigen, so bekannt, dass es nicht nöthig ist,
davon einen Auszug zu geben; es sei mir also erlaubt, nur
425
etwas davon zu sagen. Dass die Stoffe, welche aus dem IIu-
irius durch Wasser ausgezogen werden, nicht hinreichen, um
den Kohlenstoff zu liefern, welcher sich in den Pflanzen findet,
ist auf eine sehr überzeugende Weise dargethan. Umgekehrt
möchte man wünschen, dass eben so überzeugend dargethan
wäre, dass die atmosphärische Luft, welche die Pflanzen um-
giebt, durch die Menge der enthaltenen und von der Pflanze
zerlegten Kohlensäure hinreiche, ihr den Kohlenstoff zu geben,
dessen sie zur Ernährung bedarf. Was der Verf. in dieser
Rücksicht anführt, ist sehr willkürlich. Er berechnet das Ge-
wicht der ganzen Atmosphäre; der tausendste Theil des Ge-
wichts ist Kohlensäure nach Saussure's Versuchen, und so folgt
für den Gehalt an Kohlenstoff eine Summe von Pfunden, wel-
che die Menge des Kohlenstoffs in den Pflanzen weit über-
trifft. Er nimmt ferner an, dass die Oberfläche der Blätter
der Pflanzen noch einmal so viel beträgt, als die Oberfläche
des Bodens, worauf sie wachsen, und dass in jeder Zeitsecunde,
8 Stunden täglich von einem Morgen, der Luft jöVö^ ili'*^^
Gewichts an Kohlensäure entzogen wird, woraus dann folgt,
dass diese Blätter in 200 Tagen 1000 Pfund Kohlenstoff auf-
nehmen. Die letzte Behauptung ist ganz hypothetisch; die
erste Berechnung gründet sich darauf, dass die Kohlensäure in
der ganzen Luft gleichförmig vertheilt sei, was doch keines-
weges ganz ausgemacht ist. Versuche im Wardschen Apparat
würden viel überzeugender sein. Weiter redet der Verf. vom
Aufnehmen des Sauerstoffs in die Pflanzen, ebenfalls von Saus-
sure zuerst entdeckt, und sagt, dieser Process habe mit dem
Leben der Pflanze nicht das Geringste gemein, der Sauerstoff
werde in den Pflanzen verwandt, die geruch- und geschmack-
losen Blätter von Agave americana nehmen wenig auf, die
ölhaltigen von Pinus Abies mehr, die Gerbsäure haltenden von
QuercusRoburnoch mehr, die balsamischen (??)vonPopulus alba
unter diesen am meisten. Wie zweifellos und augenscheinlich,
fügt der Verf. hinzu, zeigt sich diese chemische Action in den
Blättern des Cotyledon calycina, der Cacalia ficoides und an-
dern, sie sind des Morgens sauer, wie Sauerampfer (daran fehlt
noch viel), gegen Mittag geschmacklos, am Abend bitter (nicht
zu merken), in der Nacht findet sich also ein reiner Säure-
bildungs-, Oxydationsprocess ein, die Säure geht in Substanzen
426
Über, welche Wasserstoff und Sauerstoff im Verhältniss wie
im Wasser, oder noch weniger Sauerstoff enthalten, wie in
allen geschmacklosen und bittern Materien. Aber wenn ich
Cotyledon calycina den ganzen Tag über im Dunkeln lasse,
so reagirt der Saft immer sauer, und der einfachste Schluss
ist, dass der Sauerstoff, welcher eingesogen die Säure machte,
wieder am Licht ausgeschieden wird. Eben so behauptet der
Verf., dass die beobachtete Aushauchung von Kohlensäure mit
dem Assimilationsprocess nichts zu thun habe. Feuchtigkeit
im Boden enthalte kohlensaures Gas, es werde von den Wur-
zeln, von den Blättern mit dem Wasser aufgenommen und
wieder ausgehaucht. Aber warum wird diese Kohlensäure nicht
zersetzt, und wäre sie nicht eine bessere Quelle zur Ernäh-
rung, als die Atmosphäre selbst? Wird die Kohlensäure der
ganz trocknen Atmosphäre wirklich zersetzt? Ich will keines-
weges die Hauptsache bestreiten; ich meine nur, dass die apo-
diktische Art, womit der Verf. spricht, der Untersuchung scha-
det. Der Verf. geräth in grossen Zorn, dass sich in der Bo-
tanik alle Talente und Kräfte in der Erforschung des Baues
und der Structur, in der Kenntniss der äussern Form versplit-
tert haben, dass man die Chemie und Physik bei der Erklä-
rung der einfachsten Processe nicht mit in Rath sitzen lässt
u. s. w. u. s. w. Zum Belege führt er Reums Forstbotanik
und eine Stelle aus Burdachs Physiologie an. Warum gerade
diese? Es ist doch Unrecht, alle entgelten zu lassen für das,
worin zwei fehlten. In den bessern Physiologien ist auf die
Chemie wohl Rücksicht genommen worden, aber man kann es
den Botanikern nicht verdenken, wenn sie nicht alles sogleich
für Wahrheit annehmen, was ihnen von den Chemikern vor-
gesagt wird. Der Verf. sagt ferner in seinem Zorn; „Sobald
den Physiologen die geheimnissvolle Lebenskraft in einer Er-
scheinung entgegentritt, verzichten sie auf ihre Sinne und Fähig-
keiten u. s. w." Sonderbar! Endlich muss doch der Popanz
Lebenskraft, wie der Verf. sich ausdrückt, die Stoffe so zu-
sammenstellen, dass ein Spiralgefäss, eine Zelle, ein Blatt, eine
Blüthe daraus wird» — Der Verf. kommt nun auf die Assinft-
lation des Wasserstoffs in den Pflanzen. Der feste Theil der
Pflanzen, die Holzfaser, sagt er, ejithält Kohlenstoff und die
Bestandtheile des Wassers, oder die Elemente der Kohlensäure.
427
Wir können uns das Holz anstanden denken aus dem Kohlen-
stoff der Kohlensäure, der sich unter Mitwirkung des Sonnen-
lichts mit den Elementen des vorhandenen Wassers verbindet;
in diesem Falle wird fiir den Kohlenstoff, welcher von der
Pflanze assimilirt wird, Sauerstoff als Gas abgeschieden, oder
was weit wahrscheinlicher ist: die Pflanze zerlegt unter den-
selben Bedingungen, bei Gegenwart von Kohlensäure das Was-
ser; sein Wasserstoff wird mit der Kohlensäure assimilirt, um
die Holzfaser zu bilden, während sein Sauerstoff abgeschieden
wird» Die Holzfaser enthält zwar Kohle und die Bestandtheile
des Wassers, es ist aber mehr Wasserstoff im Holz vorhanden,
als. diesem Verhältniss entspricht; dieser Wasserstoff befindet
sich darin in der Form von Blattgrün, Wachs, Oel, Harz u. s. w.
Es ist nicht zu zweifeln, dass Wasserstoff aus dem Wasser in
der Pflanze assimilirt wird, aber wie dieses geschieht, ist noch
nicht erklärt, auch der Verf. giebt nur Vermuthungen und auf
die Gründe der chemischen Verbindungen und Scheidungen
lässt er sich nicht ein. Die Assimilation des Stickstoffs ge-
schieht nach dem Verf. aus dem kohlensauren Ammoniak, wel-
ches sich in der Atmosphäre befindet, durch den Regen fort-
geführt, und von den Wurzeln der Pflanze eingesogen wird.
Regenwasser hält nach dem Verf. kohlensaures Ammoniak,
Dieses Salz kommt durch verwesende thierische und Pflai^zen-
theile in die Atmosphäre. Das scheint sehr richtig. Gyps,
setzt der Verf. hinzu, ist ein Düngungsmittel, weil er kohlen-
saures Ammoniak zersetzt, und es als schwefelsaures Ammo-
niak fixirt; er wirkt nicht als Reiz, eine Pflanze hat keine
Nerven, es kann keine Stoffe geben, durch welche ein Blatt
gereizt wird, eine grössere Menge Kohlenstoff ays der Luft
sich anzueignen, wenn die andern Bestandtheile fehlen, welche
die Pflanze zu ihrer Entwickelung bedarf. Die Erklärung der
Wirkungsart des Gypses ist unwahrscheinlich, der Verf. müsste
zeigen, dass sich im Gyps, der Luft lange ausgesetzt, schwe-
felsaures Ammoniak gebildet habe, aber warum soll die Pflanze
nicht der Reizung fähig sein? In einem Polypen hs^t man noch
nie Nerven gesehen, und doch ist das Thier sehr empfänglich
für Reize. — Ein bedeutender Abschnitt in dem Werke des
Verf. betrifft die anorganischen Besta-ndtheile der Vegetabilien.
Er zeigt ihre Beständigkeit, aber auch, dass ein Bestandtheil
428
den andern in seinen Verbindungen ersetzt, so geht aus den
Analysen der Fichtenasche von verschiedenen Oertern hervor,
dass die Menge der Basen zwar verschieden ist, aber die Menge
des Sauerstoffs in ihnen dieselbe. Es ist überhaupt höchst
wahrscheinlich, nach dem, was der Verf. anführt, dass alkali-
sche Basen wesentlich zur Entwickelung der Pflanzen gehören,
üeberhaupt haben diese Bestandtheile des Bodens auf das
Wachsthum der Pflanzen den grössten Einfluss; ein Umstand,
der in dem Abschnitte über die Cultur der Pflanzen, über die
Wechselwirthschaft und den Dünger genau untersucht und
häufig benutzt wird. Dieser Abschnitt scheint mir der wich-
tigste in dem Theile des Werkes zu sein, der hierher gehört,
denn der zweite Theil ist rein chemisch.
In dem Journal für praktische Chemie von Erdraann und
Marchand B. 20 S. 267 findet sich eine Fortsetzung der Mit-
theilungen bestätigender Erfahrungen über die "Wirkung humus-
saurer Basen, vorzüglich der aus Torf bereiteten als
Düngmittel von W. A. Lampadius. Der Compost bestand
aus Torfabfall, Mehlkalk, Ziegelmehl und Asche, in den Ver-
hältnissen 53, 3, 3, 3. — Auch hier möchte wohl eine Entwik-
kelung von Kohlensäure durch die Huminsäure aus dem Mehl-
kalk bewirkt werden.
Speculationen über die Quellen des Kohlenstoffs
und Stickstoffs in den Pflanzen und Thieren finden
sich in Daubeny's Lectures on Agriculture und daraus in
Edinburgh New philosophical Journal V. 30 p. 360. Daubeny
sagt: Ich kann nicht umhin auf die Thatsache aufmerksam zu
machen, dass Kohlensäure und Ammoniak, welche, wie ich
gezeigt habe, die Quellen des Kohlenstoff's und des Stickstoffs
in den Pflanzen sind, einerseits sich in so verschiedenen Ver-
hältnissen in der Atmosphäre befinden, dass sie ihrer Zusam-
mensetzung fremd erscheinen, andererseits, dass man beide auch
noch jetzt aus dem Innern der Erde an verschiedenen Stellen
hervorkommen sieht. Der Verf. hat auf Liebigs Theorie Rück-
sicht genommen; seine Beweisführung ist meistens physikotheo-
logisch, auch beruft er sich darauf, dass Ammoniakgas in der
erforderlichen Menge den Pflanzen schaden w^irde. Darauf
Hesse sich leicht antworten. Aber die Gegenwart der Kohlen-
säure in allem Quellwasser, scheint allerdings auf einen unter-
429
irdischen Ursprung zu führen, und die Erscheinung von Ammo-
niak im Regenwasser möchte ebenfalls von einer allgemeinea
tellurischen Ursache herrühren, wenn man auch nicht gerade?
auf brennende Vulkane Rücksicht nehmen will. Doch der
Gegenstand gehört eigentlich zur Geologie.
Allgemeines.
.Etudes sur Tanatomie et la physiologie des vege-
taux par Th. Lestiboudois, Annal. d. scienc. nat. T. 14
p. 276. Dieses Werk, sagen die Herausgeber der Annales,
mache einen Theil der Memoir. d. 1. Soc. roy d. Scienc. de
l'Agricult. et d; Arts de Lille p. 1839 aus, der grosse Umfang
verbiete aber alles Neue und Wichtige daraus mitzutheilen,
auch würden viele Abbildungen zur Erläuterung nöthig sein,
daher begnügten sie sich, das Resume general am Ende mit-
zutheilen. Auch dieses Resume würde für unsern Zweck zu
weitläuftig sein, und es möge hier daraus nur ein Auszug stehen.
Zuerst Elemens constitutifs des vegetaux. Die ersten
Elemente der Oigane sind die Kügelchen, die man in dem aus-
gearbeiteten Safte findet, und die ein eigenthümliches Leben
zu haben scheinen. Mehr entwickelt machen sie die Globuline,
das Chlorophyll, das Stärkmehl (fecule) u. s. w. Durch ihren
Zusammenhang bilden sie Lamellen, die zusammen das blatt-
artige Gewebe (tissu lamellaire) bilden, welches die Grundlage
der Pflanze macht. Dieses Gewebe zeigt sich unter einer dop-
pelten Form. Das Schlauch- oder Zellgewebe (t. utriculaire)
und das Gefässgewebe (t. vasculaire). Das Schlauch- oder
Zellgewebe besteht aus Schläuchen oder kleinen Säcken, die
an einander geklebt sind. Diese Schläuche sind sechseckig,
rund oder länglich, abgestumpft oder spindelförmig (Cucurbita
Pepo), ästig (Ficus elastica) u. s. w. Sie haben entweder ein-
fache Wände, oder sie sind inwendig mit freien, spiralförmig
gewundenen Bändern (lames) besetzt, oder die Bänder sind
verbunden (soudees) und bilden Spalten (utr. scalariformes) joder
sie machen grosse und enge Löcher, die regelmässig oder
unregelmässig vertheilt sind (utr. poreuses). Ferner sind sie
ausgebildet leer, wie im Mark (areolaires) oder voll Saft
(succulentes) oder sie enhalten einen gefärbten Saft, der sich
verdickt und i^" A\ die Wände dicker macht (utr. parenchyma-
430
teuses). Die Gefässe sind von zweierlei Art, erstlich eigene
Gefässe oder Rindengefässe, die einen mehr oder weniger ge-
färbten Saft führen, und einfach oder ästig sind; zweitens Tra-
cheen oder Central- oder Holzgefasse. Die Tracheen haben
inwendig ein Band, welches an ihre Wände anliegt; dieses
Band ist frei, spiralförmig gewunden und abzuwickeln in den
eigentlichen Tracheen, auch doppelt, bald mit entfernten, bald
mit einander berührenden Rändern ; oder die Ränder sind hier
und da mit einander verwachsen in den falschen Tracheen,
oder den geritzten Gefässen (v. fendus); oder sie sind auf eine
mannichfaltige Art mit einander verwachsen in den porösen
Gefässen. Zuweilen bestehen die Tracheen aus kleinen Stük-
ken, die mit den Enden an einanderliegen (v. articules). Diese
verschiedenen Formen finden sich oft in einem und demselben
Gefässe vereinigt, aber niemals verwandelt sich eine Form in
die andere. — Dikotyledonen. Die Stämme der Dikotyledonen
sind im Anfange ihrer Bildung aus einem durchsichtigen, safti-
gen, unvollkommen organisirten Zellgewebe gebildet» Sie zei-
gen bald mehr saftige und gefärbte Punkte, welche die paren-
chymatösen Bündel in bestimmter Zahl machen. Diese Bündel
enthalten Gefässe von zweierlei Art, erstlich eigene Gefässe,
welche gegen den Umfang und zwar besonders gegen den
äussern Umfang gestellt sind, zweitens Tracheen, welche im
Innern des Bündels sich befinden. Die parenchymatösen Bün-
del befinden sich in dem Marke des Stammes und theilen es
in drei Theile, in das Centralmark, in die Markstrahlen und in
das Rindenmark. Die erste Periode des Anwachsens ist hier
folgende: Zwischen den^ beiden Gefässgruppen des parenchy-
matösen Bündels zeigt sich ein durchsichtiger Zwischenraum,
der aus einem unvollständigen Zellgewebe besteht, welches nur
ein ausgeschwitztes (exhale) Cambium ist, von unvollendeter
Organisation. Diese gallertartige Zone organisirt sich bald und
wird zu Parenchym, worin sich neue Tracheen auf der äussern
Seite der altern und neue eigene Gefässe auf der innern Seite
der altern bilden; zwischen ihnen entsteht ein neuer gallert-
artiger Zwischenraum. Ein analoges Anwachsen findet auch in
den Markstrahlen Statt. Einige Gewächse bleiben in der ersten
Periode des Wachsthums stehen, ihre Gefassbündel sind immer
rund, der gallertartige Zwischenraum der Bündel wird fest und
431
so aiieh der analoge Zwischenraum in den Markstrahlen. In der
zweiten Periode verlängern sich die parenchymatösen Bündel
durch den äussern Theil ihrer Centralportion und durch den
innern ihrer Rindenportion, auch breiten sich diese anwachsen-
den Portionen seitwärts aus. Hierdurch wird die Centralpor-
tion des Bündels dreieckig und strebt sich mit dem nächstlie-
genden Bündel zu verbinden. Die zelligen Zwischenräume der
Bündel, welche sich zwischen den Gefässhaufen befinden, ent-
sprechen den Zwischenräumen der andern Bündel und so ent-
stehen die Markschichten (circonferences meduUaires), die aber
nicht immer genau aufeinander passen. Die neuen Gefässgrup-
pen legen sich aber nicht unmittelbar an die alten, sondern es
ist immer Zellgewebe vorhanden, welches sie trennt. In den
Wurzeln der Bete ist dieses sehr ausgezeichnet. Am Ende des
ersten Jahres gelien die Bündel zusammen und es entsteht der
erste Jahrring. In der dritten und vierten Periode des Wachs-
thums entstehen zwischen Holz und Rinde neue, durchsichtige
Schichten, von ausgeschwitztem Cambium; neue Gefässfasern
erzeugen sich in dem Theile, welche dem Centralsystem ange-
hören und werden durch Markschichten und Markstrahlen ge-
sondert, entweder Fortsetzungen der vorigjährigen oder neu-
gebildeten. Endlich werden die innern Holzschichten und die
äussern Rindenschichten dicht und hart. Die Wurzel der Di-
kotyledonen ist dem Stamm ganz gleich gebildet, und wenn auch
der Markkanal in vielen Wurzeln nicht erscheint, so dringt er
doch ein und nimmt nach und nach ab. Von den Blättern sagt
der Verf., man habe bisher nur die Stellung der Blätter am
Stamme untersucht, ohne sie von der Lage der Stammbündel
abzuleiten; er führt dieses aus, indem er die gegenüberstehen-
den, wirteiförmigen und wechselnden Blätter betrachtet. Die
Knospen müsse man in Endknospen und Seitenknospen unter-
scheiden; jene sind nur das Ende des Stammes, welches mit
der durchscheinenden Anwachszone zusammenhängt und sich
folglich entwickeln kann; diese werden durch eine Verlänge-
rung von einem Theile des Parenchyms eines Medianbündels
gebildet, welcher durch das Hervordringen der Blattfiber fort-
gerissen wird. Die Blüthen betrachtet er wie die Blätter und
sagt, dass die Symmetrie der wechselnden Blätter die häufigste
der Blüthentheile sei, und dass fünf Theile in der Blüthe, wie
432
fünf Blatter in einer Windung am öftersten vorkommen. —
Monokotyledonen. Der Verf. zeichnet den Satz besonders aus,
dass kein Unterschied zwischen dem Stamm der Monokotyle-
donen und der jährigen Gewächse sei, deren Wachsthum be-
schränkt ist, nämlich sofern die Bündel gerundet und isolirt
bleiben, auch der durchsichtige Theil sich nicht entwickelt, son-
dern dichter wird, oder verschwindet, so dass keine Treiinung
zwischen dem Central- und dem Rindentheil Statt findet» Das
Anwachsen geschieht auf folgende Weise: Die neuen Fasern
entstehen von den äussern Fasern und auch von denen, welche
den dichtem Theil des Stammes ausmachen, ferner von denen,
welche sich in dem markigen Centrum befinden. Der Aus-
wuchs nimmt also keine besondere Zone ein; er findet Statt
in der ganzen Dicke des Stammes und ist also nicht mehr
äusserlich als innerlich. Hieraus ergeben sich alle Besonder-
heiten des Baues der Monokotyledonen.
Des Verfassers Untersuchungen verdienen alle Aufmerk-
samkeit und Manches ist gar treffend dargestellt. Dass die
Körner, welche sich im Saft finden, durch ihre Zusammen-
setzungen die Zellen bilden, ist eine blosse Hypothese, die aller
Wahrscheinlichkeit entbehrt. Was der Verf. von den Gefässen
sagt, ist im Ganzen sehr richtig; aber es ist auffallend, dass er
die eigenen Gefässe mit den Baströhren und dem Prosenchym-
gewebe verwechselt. Denn es ist aus seiner Schilderung der
Holzbündel klar, dass er jene Röhren oder jenes Gewebe unter
den eigenen Gefässen versteht. Die letztern zeichnen sich
durch ihren grössern Durchmesser aus, und wenn sie auch kei-
nen gefärbten Saft enthalten, so finden sich doch Körner im
Saft, der sie sehr kenntlich macht. Nichts dergleichen sieht
man in den Baströhren und noch weniger in den Prosenchym-
zellen. Auch sind die eigenen Gefässe weit seltener als beide
Gewebe in den Pflanzen. Das Zellgewebe ist auch in dem
frühesten Zustande vollkommen organisirt, und es ist immer
der Mangel eines guten Mikroskops, wenn es in den Phane-
rogamen nicht organisirt erscheint. Wie sich der mittlere Theil
in den Holzbündeln, die er allem Sprachgebrauche zuwider
faisceaux parenchymateux nennt, entwickelt, ist gut auseinander
gesetzt, doch ist damit nicht Alles geschehen. Wenn der Verf.
sagt, d/i«ft die Wurzel vom Stamme nicht verschieden sei, so
433
übersieht er, dass den meisten Wurzeln das Mark fehlt, oder
wenn es vorhanden ist, dass es sich gegen die Spitze auskeilt,
und dass umgekehrt das Mark gegen die Spitze des Stammes zu-
nimmt. Die Rücksicht auf die Fasern des Stammes zur Dar-
stellung der Stellung der Blätter scheint mir nicht von Be-
deutung, und die Bildung der Knospe erscheint mir ganz an-
ders. Bei den Monokotyledonen übersieht der Verf., dass nicht
eine Reihe von Holzbündeln vorhanden ist, wie in den Diko-
tyledonen, sondern mehre, und dass offenbar einige derselben
erst später entstehen, welches die Sache ganz ändert.
Bericht über die Leistungen in der Pflanzen-
geograpbie während des Jahres 1840.
Vom
Prof. A. Grisebach in Göttingen.
Allgemeine Arbeiten auf dem Gebiete der Pflanzengeogra-
phie sind im verflossenen Jahre nur in geringer Zahl erschie-
nen, dagegen häufen sich die Materialien zu der speciellen
Behandlung dieser Wissenschaft alljährlich immer mehr. Wir
können bei der Darstellung derselben aus verschiedenen Grün-
den einen den übrigen Jahresberichten entsprechenden Grad
der Vbllständigkeit für jetzt noch nicht erreichen, wir hoffen
indessen die Lücken, welche unvermeidlich waren, in späteren
Uebersichten auszufüllen. Absichtlich aber vermeiden wir auf
einzelne, meteorologische Beobachtungen einzugehen, die uns
zu weit von unserm Plane entfernen würden, und wir glauben
auch die geographischen Mittheilungen derjenigen Schriftsteller
vernachlässigen zu dürfen, die bei ihren Beobachtungen nicht
mit speciellen botanischen Vorkenntnissen ausgerüstet waren,
weil es ohnehin schon so viel unsichere Data in der Pflanzen-
geographie giebt, und weil allgemeine Schilderungen des Natur-
characters, so anziehend sie sein mögen, ohne systematische
Archiv f. Naturgesch. Yll. Jahrg^. 2. Bd. 28
434
Begründung des Einzelnen nur einen geringen wissenschaft-
lichen Werth besitzen.
Unter den allgemeinern Arbeiten dieses Jahrs nimmt die
Untersuchung De Candolle's über die geographische Ver-
breitung der Synanthereen bei Weitem den ersten Rang ein.
Eine Uebersetzung dieser Abhandlung von Walpers findet sich
in diesem Archiv (1840 S. 287). Es wird darin ein allgemei-
neres Gesetz nachgewiesen, welches geeignet ist, den bisheri-
gen Standpunct der pflanzengeographischen Arbeiten zu modi-
ficiren. Die leitende Idee des Verf. ist die, dass die Bestand-
theile der natürlichen Floren (regions botaniques) nicht bloss
von climatischen Bedingungen abhängen, sondern dass in den
physicalischen Verhältnissen sich entsprechende Erdstriche doch
eine bis auf jede einzelne, ursprünglich einheimische Art sich
erstreckende Verschiedenheit der Vegetation zeigen.
Aus dem von A. Erman entwickelten Satze, dass man
keinen Ort des arktischen Festlandes kennt, wo der ewige
Schnee im Meeresniveau läge (Bergh. Ann. 9 S. 534), ergiebt
sich eine Berichtigung der bisherigen Ansichten über eine Po-
largrenze der arktischen Flora. In der Ebene von Jakuzk, wo
die mittl. Temp. — 6^ R. beträgt, giebt es noch „Lärchen wäl-
der, Sommerweizen und Roggen, Kartoffeln, Kohl und einig'e
Rübenarten werden gebaut, vermöge üppigen Graswuchses
grosse Rinderheerden ernährt.^' Im aldanischen Gebirge, in der
Breite von Jakuzk, findet man die Grenze des ewigen Schnee's
erst in einer Höhe von 5000', in demselben Niveau auch auf
Kamtschatka, wo diese Linie eine mittl. Temp. von — 5", 8 R.
besitzt. Die Mitteltemperaturen der Schneegrenze scheinen an
verschiedenen Puncten der Erde zwischen O'^ und — 12 '^ R.
zu schwanken. Wo dieser Werth negativ ist, findet man ge-
frorne Schichten unterhalb der Erdoberfläche, ein Phänomen,
welches die Sommervegetation nicht beeinträchtigt. Es bleibt
übrigens noch zweifelhaft, ob wirklich überall durch den Unter-
schied der Jahreszeiten die Bedingungen der Vegetation im Ni-
veau des Meeres herbeigeführt werden: es ist aber von Wich-
tigkeit, dass dies in grossen Landstrecken von Nordasien der
Fall ist, die man nach den bisherigen Theorien der Schnee-r
grenze für unbewohnbar hätte halten müssen.
Beobachtungen über die Vegetationsperioden in Würtem-
435
berg vom Jahre 1835 siud von Plieninger mitgetheilt (Bergh,
Ann. 9, S. 406). Bliithezeit im Mittel aus Beobachtungen an ver-
schiedenen Orten des Landes von: Daphne Mezereum 23. März;
J^iola odorata 1. April ; Persica vulgaris 14. April ; Bras-
sica napus 7. Mai; Prunus spinosa 2. Mai; Pr. Cerasus
8. Mai; Pr. domestica 5. Mai; Pyrus communis 8. Mai; P.
Malus 13. Mai; Convallaria majalis 10. Mai: Hordeum vul-
gare hyh. 5. Juni; Seeale cereale 4. Juni; Triticutti spelta
20. Juni; Hordeum vulgare aest. 26. Juni; Avena sativa
29. Juni; Samhucus nigra 18. Juni; Vitis vinifera 12. Juni;
Rosa canina 14. Juni; Tilia europaea 30. Juni; Colchicum,
autumnale 11. Sept. Belaubung von Rihes Grossularia 2. April;
von Befula alba 28. April; von Fagus sylvatica 4. Mai.
Vegetationsdauer zwischen Blüthe und Erndte der Culturge-
wächse: Seeale cereale 42 Tage; Triticum spelta 39 Tage;
Avena sativa 43 T. ; Hordeum vulgare aest, 32 T. ; Hor-
deum vulgare hyh. 41 T.; Vitis vinifera 98 Tage.
Sauter publicirte eine Abhandlung über die Ursachen der
Verschiedenheit der Vegetation der Kalk- und Schiefergebirge
(Regensb. Flora 1840 S. 561.) Er bespricht einige der v. Baer-
schen Beobachtungen über die Fora von Nova Zembla und
knüpft daran Betrachtungen über die Verschiedenheit in der
physicalischen Bodenbeschaflfenheit der Kalk- und Schiefer-
Alpen, von welcher die Unterschiede in ihrer Vegetation vor-
züglich abzuleiten seien.
I. Europa.
Uebef die pflanzengeographischen Verhältnisse von Finn-
land sind Beobachtungen von Rein mitgetheilt (Statistische
Darstellung des Grossfürstenthums Finnland: daraus in Bergh.
Ann. 9, S. 465). Finnland ist ein von zahllosen Seen, Flüssen
und Morästen erfülltes Hügelland, dessen Granitformation meist
nur von magerer Erdkrume bedeckt wird, deren <jJetraidepro -
duction zur Ernährung der Bewohner nicht hinreicht. Die
grossen Temperaturgegensätze des Clima's sieht man durch die
Austrocknung der Sümpfe und Abnahme der Waldungen gemin-
dert. Im Norden beschleunigen die langen Sommertage die
Vegetation auffallend: beiTorneä reift die Gerste in 10 Wochen
nach der Saatzeit, im Süden von Finnland bedarf sie zu' ihrer
28*
436
Ausbildung 4 — 6 Wochen mehr. Die Verbreitung der Bäume
scheint nicht ganz mit deren Grenzen in Schweden übereinzu-
stimmen. Ulmen, Linden, Ahorne und Nussbäume gedeihen nur
in der südlichen Provinz Tawastehuus, die Eiche wird erst jen-
seits des 61sten Grades selten, die Esche reicht über 62® hinaus,
Kirschen und Aepfel reifen bis 64®. Mit der Tanne reicht die
Cultur der Gerste bis 69°, nicht so weit die Birke.
Eine Arbeit von Seh renk über die Vegetation der Insel
Hochland im finnischen Meerbusen ist mir noch nicht näher
bekannt geworden.
Wikström hat den ersten Band einer nach Linne's Sy-
stem geordneten Flora von Stockholm herausgegeben (Stock-
holms Flora med en Inledning innehällende en öfversigt af
Stockholms-Traktens Natur-Beskafi"enhet. I. Vol. Stockh. 1840).
Ein zweiter Band wird dieses, Werk beschliessen. Angaben
über Clima und Vegetationsperioden werden in der Einleitung
ausführlich mitgetheilt. Die Blüthenzeiten vieler Gewächse sind
in verschiedenen Jahren beobachtet worden.
Arrhenius bearbeitete die schwedischen Brombeer-Arten
nach eigenen Naturbeobachtungen monographisch (Monographia
Ruborum Sueciae. Upsala 1840. 8. Ein Heft von 4 Bogen).
In Lindblom's Zeitschrift (Botaniska Notisen) vom Jahre
1840 sind folgende, die nordeuropäische Pflanzengeographie
betreffende Abhandlungen enthalten:
Blytt Verzeichniss von bei Arendal gesammelten Pflanzen.
Von demselben: Verzeichniss von Pflanzen in der Umge-
bung Skiens-Fjord.
Fries zerstreute Bemerkungen über einig-e schwedische
Gewächse.
Von demselben: die schwedischen Weidenarten, nach ihrer
natürlichen Verwandtschaft geordhet.
Lindblom, Verzeichniss der auf Spitzbergen und der
Bäreninsel bemerkten Pflanzen.
Hier ist auch zu erwähnen, dass zu den wichtigen Arbei-.
ten von Baer's über Nova Zembla im verwichenen Jahre noch
eine nachträgliche Mittheilung über das Clim« dieser Insel pu-
blicirt ward (Bullet. Ac. Petersb. 7, p. 229).
Die Systematik der deutschen Flora ward auch im ver-
flossenen Jahre vorzüglich durch Koch und Reichenbach
437
gefördert. Koch publicirte Zusätze und Verbesserungen zu
seiner Synopsis Florae germanicae et helveticae (Regensburger
Flora 1840 S. 353); Reichenbach den 4. Band seiner Ico-
nes Florae germanicae, .wodurch auch für die Familie der Ra-
nunculaceen die vollständige Reihe von Abbildungen aller in
der Flora excursoria beschriebenen Arten in gleich vorzüg-
licher Ausführung geschlossen ist. Von Stur m's Flora Deutsch-
lands erschienen die Hefte 79 — 82 der ersten Abtheilung.
Schmidt hat eine Flora von Pommern in einem Octav
bände herausgegeben (Flora von Pommern und Rügen, heraus-
gegeben von Schmidt, Stettin 1840); Menge ein Verzeichniss
der bei Graudenz und Danzig vorkommenden Phanerogamen
(Catalogus plantarum phanerogamarum regionis Grudentinensis
et Gedanensis, Danzig 1840); Rabenhorst den zweltenBand
seiner Flora der Lausitz, die cryptogamischen Gewächse ent-
haltend (Flora lusatica, Leipzig 1840, 8).
lieber die Vegetation der Mark Brandenburg lieferte Ba-
re ntin allgemeinere, besonders die Statistik derselben betref-
fende Bemerkungen (dieses Archiv 1840 S. 331). Er berech-
net, wie viel reicher an Monocotyledonen die dortigen Sumpf-
gegenden sind, als der trockne Boden, und er sucht den Be-
weis zu führen, dass Pflanzenarten aus gegen Norden an Reich-
thum zunehmenden Familien in der Mark früher ihre Blüthen
entfalten, als diejenigen, deren Verbreitung sich entgegengesetzt
verhält.
Die Flora von Schlesien ward vielseitig, sowohl in pflan-
zengeographischer als systematischer Rücksicht bearbeitet.
Schauer schilderte die Vegetation des mährisch -schlesischen
Gesenkes oder des südöstlichen, zum Altvater (4643') sich er-
hebenden Zuges der Sudeten (Regensburger Flora 1840 S. 17).
Bis zu einer Höhe von 3500' sind die Berge des> Gesenkes
dicht mit Nadelholzwäldern (walirscheinlich von ^hies und
Picea) bestanden: diesen untergeordnet erscheint im untern
Waldgürtel die Buche, höher im Gebirge Sorhus aueuparia
und Acer pseudoplataiius, die nebst Betula puhescens sich
auch als Sträucher in die waldlose Region verbreiten. Hin-
gegen fehlt hier die für das Riesengebirge characteristische Fi-
nus Pumilio. Dieser Umstand gehört zu den merkwürdigsten
Beispielen unterbrochener Extension, weil das Krummholz in
438
den Carpaten wieder ebenso bedeutend auftritt. Weitläuftige
Berggehänge oberhalb der Baumgrenze sind von Taccinium
Myrtillus, Calluna oder Sphagnum bedeckt. In den Wiesen
der hohen Bergrücken und Plateaus sind die vorherrschenden
Gräser: JSardus stricto, Molinia coerulea, Aira caespistosa,
Plilewn alpinum, sociell vereinigt mit Carex rigida und Meiim
Mutellina. Desto üppiger und artenreicher, das Riesengebirge
an Mannigfaltigkeit der Gewächse übertreffend, stellen sich die
Wiesen dar, welche die Ufer der Bäche begleiten und in den
muldenförmigen Einsenkungen der Berggehänge sich ausbreiten.
Unter diesen wird die reichste Fundgrube, der Kessel, im Ein-
zelnen geschildert. Beispiele characteristischer Formen sind:
Anemone narcissiflora, Hypochaeris uniflora, Campanula
haj'hata, Poa alpina; an den Bächen Delphinium elatum,
Aconitum Napellus, Polygonum Bistorta, Adenostylis alhi-
/rons, Salix hastata und silesiaca. Die Glimmerschieferfelsen
ernähren gleichfalls eine mannigfache Vegetation alpiner For-
men, darunter einige, die nach Unger in den Alpen kalkstet
sind. In der W^aldregion erscheinen die grossen Anhäufungen
von Farnkraut bemerkenswerth, die hier vorzüglich aus Po Zy-
podium alpestre und Aspidium Filix foemina bestehen. Die
Vergleichung der Vegetation des Gesenkes mit dem Riesen-
gebirge enthält beachtenswerthe Beobachtungen. Das Gesenke
verdankt theils besondern Gesetzen der Socialität, tkeils der
Vermehrung der Individuen auf reicherem Boden eine weif
grössere Teppigkeit des Pflanzenwuchses. Die Beispiele von
Arealgrenzen einiger Pflanzen, die nur in einem der beiden Ge-
birge vorkommen, verdienen eine detaillirte Untersuchung. Zu
den entschiedenem Beobachtungen dieser Gattung scheinen die
zu gehören, dass von den characteristischen Pflanzen des Rie-
sengebirges Arnica montana, Gentiana asclepiadea, Salix
lapppnum, Agrostis rupestris im Gesenke durch Doronicum
austriacum, Gentiana punctata, Salix hastata und Agrostis
alpina vertreten werden.
Von Wimmer erschien eine neue Flora von ganz Schle-
sien (Breslau 1840), vollständig in einem Octavbande die Pha-
nerogamen enthaltend: nebst einer geographischen Uebersicht
der Vegetation dieses Landes. Drei Pflanzengürtel, durch be-
sondere Holzgewächse characterisirt, theilen sich in das Gebiet
439
dieser FJora von den Ebenen an der Oder bis zu den Gipfeln
der Sudeten. Der untere Gürtel (175 — 1500') enthält Quer-
cus pedunculata und Pinus sylvestris; der mittlere (1500 bis
3600') Pinus Picea und ^bies; der obere (3600 — 5000') Pi-
nus Pumilio. An eine strenge Sonderung der Pflanzenarten
darf hiebei, besonders in Hinsicht auf die beiden untern Re-
gionen nicht gedacht werden: von 1288 in Schlesien wild-
wachsenden Phanerogamen sind nur etwa 150 in der Ebene^
70 im Vorgebirge ausschliesslich gefunden; das Hochgebirge
enthält gegen 90 alpine Formen. In der Ebene, bestehen die
Laubwälder besonders aus Eichen, die entweder eigene Be-
stände bilden, in denen Euphorbia Cyparissias sehr verbreitet
ist, oder vermischt, vorzüglich mit Ulmen und Hainbuchen, vor-
kommen. Kieferwaldungen sind auf dem Sandboden der Ebene
verbreitet: wüste Strecken werden hier von Cladonia rangi-
ferina oder Aira canescens bedeckt. Die Bestandtheile der
Wiesen und der übrigen Pflanzenformationen sind im Einzel-
nen, jedoch mit besonderer Rücksicht auf seltenere Arten, zu-
sammengestellt, im Character des Ganzen sind keine Eigen-
thümlichkeiten des Landes zu bemerken. Im Vorgebirge fehlen
die Kiefern und Eichen fast ganz ; auch die Buche scheint hier
gar nicht häufig vorzukommen, in welcher Beziehung das östliche
Deutschland sich wesentlich von dem nordwestlichen unter-
scheidet; der grösste Theil dieses Gebiets wird von der Roth-
oder Weisstanne bewaldet. In der alpinen Region lassen sich
besonders 4 Formationen unterscheiden: die des Krummholzes;
grasreiche Wiesen, auf denen Hieracium alpinum häufig ist;
Cyperaceenformation in ofi'nen, oft weit ausgedehnten Sümpfen;
endlich die Vegetation an der obern Waldgrenze, besonders
characterisirt durch Polypodium alpestre, Poa sudetica, Ade-
nostylis albi/rons, Senecio nemorensis und Sonchus alpinus.
— Arten, die im östlichen Europa einheimisch, in Schlesien die
Westgrenze ihres Areals finden, sind folgende: Ranunculus
cassubicus, Anemone patens, Dentaria glandulosa, Conio-
selinum Fischeri, Laser pitium Archangelica, Galega offi-
cinalis, Euphorbia lucida, E. pilosOj Asperula rivalis, Se-
necio vernalis und Pedicularis sudetica.
Ausserdem sind noch folgende Beiträge zur schlesischen
Flora erschienen:
440
Schraram, die seltenem Pflanzen der schlesischen Flora
in den Umgebungen von Leobschütz. Ein Heft.
Sendtner, Bemerkungen über die im Gesenke vorkom-
menden Laubmoose (Regensb, Flora 1840 S. 49).
Eine Abhandlung über den Vegetationscharacter des Mäh-
risch-Oesterreichisclien Grenzgebirges wurde von v. Uechtritz
der schlesischen Gesellschaft für Vaterland. Cultur vorgelesen
(Uebersicht von deren Arbeiten, Breslau 1840). Der Höhenzug,
welcher Mähren von Nieder-Oesterreich scheidet, bildet eine
16 — 18 g. Meilen lange und 6 — 12 g. Meilen breite, wellen-
förm'ge Hochfläche, deren Niveau etwa 15 — 1800' über dem Meere
liegt. Der Kalkboden, der sie überall bedeckt, ist arm an Holz-
gewächsen, er ist fast durchaus cultivirt und wegen der reich-
lichen Rebenproduction wird diese Gegend auch das Weinge-
birge genannt. Dieses kahle lind trockne Terrain besitzt eine
grosse Mannigfaltigkeit von solchen einheimischen Gewächsen,
die theils den Kalkboden aufsuchen, theils eines sonnigen Stand-
orts bedürfen und sich am Saume der Weingärten am üppig-
sten entwickeln. So vereinigen sich hier schon wegen der
Ausdehnung und gleicliförmigen Beschafi'enheit dieses Gebiets
günstige Verhältnisse zu Beobachtungen über den Einfluss des
Kalkbodens auf die Vegetation. Nach dem mitgetheilten Ver-
zeichnisse der botanischen Seltenheiten dieses Bezirks sind die
Leguminosen, Synanthereen und Labiaten besonders zahlreich,
Beispiele der am meisten characteristischen Arten sind: Genista
procumhens, Cyiisus siipinus gemein, Astragalus austriacus,
Erysimwn canescens, Linum hirsutuin, Artemisia scoparia.
Ein Catalog der in den beiden östlichen Vierteln von Nieder-
Oesterreich beobachteten Pflanzen ward von Kreutzer her-
ausgegeben (Prodromus Florae Vindobonensis, Wien 1840. 8).
Ueber die seltenern Pflanzen des Nahethals oberhalb Bin-
gen am Rhein berichtete Bogen hard (Regensb. Flora 1840
S. 145) und setzt seine Mittheilungen im gegenwärtigen Jahre fort.
Mit der Vegetation des holländischen Küstengebiets be-
schäftigen sich zwei Localfloren:
Molkenboer et Kerbert, Flora Leidensis s. elenchus
plantarum spontan, phanerog., quae hucusque prope Lugdunum
Bat. repertae sunt, secundum ordin. nat. digestus. Lugd. Bat.
1840. Ein Band in Octav.
441
Bruinsma, Flora Frisica of Naamlyst en kenmarken
der zigtbaar bloeijende planten van de Prov. Friesland. Leeu-
warden. Mit einer Einleitung über die natürliche Beschaffen-
heit des Terrains.
Für die Systematik der Gewächse des Alpengebiets ist als
ein wichtiges und selbstständiges Werk die im vorigen Jahre
vollendete Flora von Ilegetsch weiler zu betrachten, welche
viele eigene, jedoch auf die Praxis nicht glücklich angewendete
Beobachtungen enthält (Flora der Schweiz von Hegetsch wei-
ler, fortgesetzt und herausgegeben von O. Heer. Zürich 1840.
Ein Band in Octav).
Moritzi bearbeitete ein Verzeichniss der bisher in Grau-
bünden gefundenen Gefasspflanzen mit besonderer Berücksich-
tigung ihres Vorkommens (Neue Denkschrift der schweizeri-
schen naturforschenden Gesellschaft, 3. Band).
Für das Gebiet der österreichischen Alpen sind einige Abhand-
lungen von nur localem Interesse zu erwähnen. Dahin gehören:
Kürsinger, der Oberpinzgau. Salzburg 1840 (Nicht von
mir gesehen).
Kojieil, Verzeichniss der in der Umgegend von Klagen-
furt vorkommenden Sumpfgewächse (Regensb. Flora 1840 S.81).
V. Weiden, botanische Wanderungen durch Steiermark
(daselbst S. 177). Enthält ein Verzeichniss der auf der Petze
gefundenen Alpenpflanzen.
Fleisch mann, der Hügel Babna-Gora bei dem Dorfe
Lauerza in Krain (daselbst S.298).
Die Arbeiten über die britische Flora waren grösstentheils
systematischer Art. Von Sowerby's Supplementen zurEnglish
Botany erschien das 51. Heft. Ein gedrängtes Compendium der
britischen Flora nach der analytischen Methode und in der
Anordnung des Sexualsystems publicirte Ralf (The British
Phaenogamous plants and ferns).
Von britischen Localfloren sind folgende zu erwähnen:
Baines, the Flora of Yorkshire. London 1840. 8. Inder
Einleitung schildert Phillips die physikalisch-geographischen
Verhältnisse der Grafschaft.
Leighton, a Flora of Shropshire. Shrewsbury 1840. 8.
Mit ausführlichen Beschreibungen und bildlichen Darstellungen
schwieriger' Gattungen.
442 -
Babington Primitiae Florae Sarnicae, or an outline of
the Flora of the Channel Islands of Jersey, Guernsey, Alder-
ney and Serk. Von 848 auf diesen Inseln vorkommenden
Phanerogamen und Farn fehlen nur 12 der englischen Flora:
z. ß. Ranunculus opJiioglossoides, Hypericum linarifolium,
Centaurea Isnardi, Echiwn {^iolaceum, Bromus maximus.
Von demselben Verf. erschien ein Supplement zu seiner
Flora Bathoniensis.
Einzelne Gruppen der britischen Flora wurden in folgen-
den Schriften abgehandelt:
Newman, a history of British ferns. London 1840. 8.
Mit Abbildungen.
Taylor, catalogue of the» species ofFungi obtained in the
North of Ireland by J. Templetoli (Ann. nat. bist. 5 p. 3).
Hincks, remarks on Mackay's Flora hibernica (Ann. nat.
hist. 6 p. 12, 126).
Auch die Kenntniss der französischen Flora ist im ver-
flossenen Jahre durch Localbeobachtungen erweitert worden.
Eine der wichtigsten Erscheinungen ist Boreau's Flore du
centre de la France. Paris 1840. 2 Bände. 8. Diese Flora
begreift das Gebiet zwischen 46° und 48*^ C. B., 19® und
22° C. Or. F., also ungefähr die ehemaligen Provinzen Orlean-
nais, Berry, Marche, Bourbonnais, Nivernois und Theile von
Burgund. Diese Landschaften sind eben oder hügelig und lie-
gen in einem Niveau von 60 — 900 Metern. Ein grosser Theil
des Bodens ruht auf primitiven Gesteinen; ausserdem kommen
Steinkohlen-, Jura-, Kreide-, tertiäre Formationen und AUuvien
vor: der Einfluss der geognostischen DijQferenzen auf die Ver-
breitung der. einheimischen Gewächse wird durch besondere
Cataloge erläutert, unter denen die eigenthümlichen Pflanzen
des Jurakalks besondere Aufmerksamkeit verdienen. Eine grosse
Reihe von Höhenbestimmungen ist vorhanden, die hier, meist
aus den Archiven des Kriegsministeriums entnommen, publicirt
werden. Der systematische Theil dieses Werks enthält 1584
Phanerogamen, die nach dem Grundsatze begrenzter Arten, in
einer ähnlichen Form wie in Koch's Synopsis bearbeitet sind.
Am Schlüsse findet sich auch ein Verzeichniss der Moose und
Flechten. In pflanzengeographischer Rücksicht ist diese Flora
besonders deshalb von Wichtigkeit, weil in deren Gebiete die
443
iiör(]lichen Arealgreiizen von vielen meridionalen Pflanzen des
Rhonegebiets liegen nnd vom Verf. mit weit grösserer Ge-
nauigkeit als von seinen Vorgängern angegeben sind. Einige
der ausgezeichnetsten Beispiele südenropäischer Gewächse, die
in Frankreich wegen einer felilenden Gebirgsscheide bis zu der
Parallele der Schweiz sich verbreiten, sind folgende: Ranun-
culus chaerophyllus,monspeliensis,parviflorus\ Linum siif-
fruficosum; Favsetia clypeafa; Aster^carpus sesamoides;
Helianthemum alyssoides\ Arenaria cenimhricensis Brot.;
Potenfilla splendens DC, hirta h.; Genista purgans; Me-
dicago orhicularis, scvteUata, Trifolium maritimum, glo-
jneratwn, Lotus angustissimus\ Bupleurwn aristatum; Lo-
niccra etrusca; Scahiosa ucronica; Inula hifrons, Cardun-
cellus mitissimus , Kentrophyllum lanatum^ Scolymus hi-
spanicus\ Erica vagans, scoparia; Jasminum fruticans^
FraxinusOrnus-, Bartsiaviscosa; Amarantus albus \ Quer-
cus puhescens, Toia; Asphodelus albus; Cyperus longus;
Polypogon monspeliensis, Gaudinia fragilis. Die neuen oder
genauer begründeten Arten dieser Flora sind: Barbarea inter-
media B.; Iberis Durandii von Lorey und Duret in deren
Flore de Cote d'Or abgebildet; Arenaria conimbricensis Brot. ;
Lupinus lini/olius Rth. (an gusti/olius Aut. nee L. etfl. graec);
Euphrasia Jauberüana B. (Astea Dub. nee L.); Thesium
humifusum DC; Carex ligerica Gay («re/i/rrzö Dub. nee L.)
Eine Flora vom Departement de l'Aisne publicirte La-
font (Ann. sc. nat. 1840).
Ueber einige Excursionen in den Pyrenäen berichtete
Bentham in Briefen an Hooker (Journ. of Botany 1840 p.llO).
Neue, von demselben erwähnte Pyrenäenpflanzen sind: Tha-
lictrum macrocarpum Gren. ; Lithospermum Gastoni B ; Ly-
chnis fruticulosa B.
Die Flora von Spanien, deren Kenntniss bis zu den letzten
Jahren so wenig vorgeschritten war, wird jetzt in den trefi"-
lichen, jedoch noch unvollendeten Werken von Webb und
Boi ssier nach den vorzüglichsten Materialien bearbeitet. Von
des Erstem Otia hispanica erschien 1840 erst die zweite Lie-
ferung, in welcher einige Algen abgebildet und von Montaigne
beschrieben sind. Für das Studium der südeuropäischen Ge-
wächse unentbehrlich ist das grosse Kupferwerk vonBoissier,
444
welches einen Theil von dessen Voyage botanique dans le midi
de l'Espagne bildet. Durch monatlich ununterbrochen seit 1839
erschienene Hefte bereits über die Hälfte vollendet, wird es
ein ausgeführtes Bild der Vegetation von Granada darstellen
und zu den vollständigsten und bestbearbeiteten Floren des
südlichen Europa zu rechnen sein. Die Systematik in ßoissier's
Flora ist mit gründlicher Critik und gestützt auf die De Can-
doUe'schen Sammlungen bearbeitet. Bei bekannten Arten ist
alles Descriptive erspart; die zahlreichen neuen Formen wer-
den ausführlich beschrieben und durch die trefflichsten Abbil-
dungen erläutert; in schwierigen Gattungen finden sich criti-
sche Nachweisungen. Für die Zwecke der Pflanzengeographie
leistet das Werk Alles, was der gegenwärtige Standpunct der
Wissenschaft fordert. Bei jeder Art ward deren verticale Ver-
breitung beobachtet, was hier um so wichtiger war, als die
Untersuchungen des Verf. sich vorzüglich auf die obern Re-
gionen der Sierra Navada erstrecken. Ferner sind stets für
die Areal-Extension ausserhalb des Gebiets der Flora die vor-
handenen Data sorgfältig zusammengetragen. Die allgemeinern
pflanzengeographischen und physiognomischen Verhältnisse er-
warten wir in dem Reiseberichte des Verf. dargestellt zu sehen,
von dem bis jetzt erst eine Lieferurig erschienen ist. Im Gan-
zen erhielten wir schon 17 Hefte, worin die Flora von den
Ranunculaceen bis zu den Chenopodeen enthalten ist. — Die
neu entdeckten Arten waren schon 1839 in einem Elenchus
publicirt, der im Jahre 1840 in Leipzig nachgedruckt ist.
Die Verhältnisse des Buchhandels erschweren die Bekannt-
schaft mit den neuen Productionen der italienischen Literatur.
So ist es uns nicht bekannt geworden, ob von den beiden wich-
tigsten Werken über die italienische Flora, von Moris's Flora
sardoa und Bertolone's Flora italica im verflossenen Jahre
Fortsetzungen erschienen sind. Das letztgenannte Werk war
im Jahre 1839 in 3 Octavbänden und einigen Heften des 4. Ban-
des bis zur 10. CJasse des Sexualsystems fortgeschritten. Casati
gab die erste Lieferung eines Kupferwerks heraus, worin ^sel-
tenere Pflanzen der italienischen Flora critisch beleuchtet wer-
den sollen (Stirpes Italicae rariores vel novae iconibus illu-
stratae. MedioL Fol.).
445
Von einzfilnen Beiträgen zur italienischen Flora sind zu
erwähnen:
Trevisan, Enumeratio stirpium cryptogamicarum in pro-
vincia Patavina observatarum. Patav. 8. 1 Heft.
Zanardini, Conspectus Algarum maris Adriatici (Bibl.
ital. 1840 p. 195. 229). Enthält eine Aufzählung aller bisher
im adriatischen Meere beobachteten Algen nebst eigenen For-
schungen und Diagnosen einer nicht unbedeutenden Reihe neu
aufgestellter Arten.
Forbes publicirte Notizen über botanische Excursionen
in der Nachbarschaft von Triest (Ann. nat. bist. 4 p. 307). Die
darin enthaltenen Angaben sind aus altern Mittheilungen deut-
scher Botaniker bekannt.
Von Sa dl er erschien eine neue Ausgabe seiner Flora
von Pesth (Flora comitatus Pesthinensis in uno volumine com-
prehensa. Pesth 1840. 8). Sie enthält die Phanerogamen.
In des Grafen Demidoff Voyage dans la Russie meri-
diönale et la Crimee ist die botanische Abtheüung von Le-
veille bearbeitet. Sie enthält einen mit den Standorten ver-
sehenen Catalog der von dem Letztern in der Krim gesammel-
ten Pflanzen. Dieses Verzeichniss ist wegen der besondern
Berücksichtigung der' Cryptogamen wichtig. Phanerogamen
konnten wegen der ungünstigen Jahreszeit verhältnissmässig
wenige gesammelt werden. .Mehrere neue Pilze wurden ent-
deckt und sind durch trefi'liche Abbildungen erläutert.
Die merkwürdige Lecanora esculenta, die in Centralasien
so verbreitet ist, und von Parrot und Aucher-Eloy auch in Per-
sien gefunden war, wurde von Leveille auch in den Steppen
der Krim entdeckt, wo sie jedoch nur sparsam vorkommt.
Ledebour's Ansicht, dass diese Flechte sich nach athmosphäri-
schen Niederschlägen frei auf dem Steppenboden entwickele,
tritt der Verf. entgegen, indem er sie zuweilen auf Steinen
befestigt sah, und an den frei liegenden Exemplaren Spuren
mechanischer Losreissung bemerkte. Er glaubt demzufolge mit
Eversmann u. A., dass sie durch Stürme von ihrer Matrix ge-
trennt und durch die Steppen verbreitet werden. Dieser Mei-
nung stehen die ungemein grossen Quantitäten, in denen das
Gewächs vorkommt, entgegen.
üeber die Olivencultur in der Krim theilt Leveille die
446
auflfallende Notiz mit, dass die dortige Varietät des Oelbaums
eine Kälte von — 18^ R. ertrage, ohne zu Grunde zu gehen.
Eine Mittheilung von Seitz enthält eine Notiz über die
Vegetation des Delphi auf Euboea (Berl* Gartenzeit. 1840 S. 6).
Ausgedehnte Waldungen von Castanea, Quercus Aegilops,
Cerris, pubescens u. a., oder von Finus Abies \m^ maritima
bedecken die niedern Berge: das Unterholz besteht aus Lau-
rus nohilis, Arhutus, Pistacia, Rhus, Styrax. Längs der
Flussbetten sind Nerium, Paliurus, Myrtus und Jasminum
verbreitet.
II. Asien.
Die Pflanzen, welche v. Schubert auf seiner Reise über
Constantinopel und Aegypten nach Arabien und Syrien sam-
melte, sind von Schenk bearbeitet worden (Plantarum spe-
cies, quas in itinere etc. de Schubert etc. collegerunt. München
1840. 1 Fase). Unter 311 Arten sind 18 neu aufgestellt.
Ueber die Bestandtheile der Eichenwälder von Kurdistan
erhielten wir eine Notiz von Lindley (Bot. Reg. Append.
p. 39.). Sechs oder sieben Eichenarten wurden aus Kurdistan
eingesendet: Quercus in/ectoria, sessilißora? rigida und drei
neue Formen, A, manni/era, regia, Brantii\ der letztere
Name ward später abgeändert.
Persien gehört zu den in pflanzengeographischer Hinsicht
am wenigsten bekannten Ländern. Es wäre zu wünschen,
dass ein Systematiker die reichen Materialien zu einem selbst-
ständigen Werke benutzte, die in des verstorbenen Aucher-
Eloy's Sammlungen enthalten sind. Wichtige Beiträge sind
gleichfalls von Belanger's Reisewerke zu erwarten, von des-
sen botanischer Abtheilung bis jetzt 4 Lieferungen erschienen
sind (Voyage aux Indes orieritales par le Nord de l'Europe.
Partiell, ßotanique. Text in 8., Kupfer in 4.). Dieselben ent-
halten die gesammelten Cryptogamen vollständig, von Belan-
ger und Bory St. Vincent bearbeitet. Im letzten Hefte
sind auch schon einige interessante armenische Phanerogamen
abgebildet. Der historische Theil enthält Landschaftsansichten
aus Armenien, Persien, Hindostan.
Ueber die Flora von Ostindien sind wichtige Arbeiten er-
schienen, die vorzüglich die systematische Kenntniss der dor-
447
tigen Gewächse bereichern. Dahin gehören insbesondere zwei
Kupfervverke, deren Herausgabe R. Wight mit wissenschaft-
licher Aufopferung zu Madras begonnen hat: Illustrations of
Indian Botany or Figures illustrative of each of the natural
Orders of Indian plants, described in the Authors Prodromus
Florae peninsulae Indiae orientalis und Icones plantarum In-
diae orientalis. Von den IJIustrations erschien 1840 der erste
Band, von den Icones, die ein selbstständiges, jenen zu weite-
rer Ausführung dienendes Werk bilden, waren 14 Hefte aus-
gegeben. Beide Werke erscheinen in einzelnen Lieferungen
in Quart; das erstere ist auf 300 colorirte Abbildungen berech-
net, das zweite soll so lange als möglich fortgesetzt werden
und für Indien dieselbe Bedeutung erhalten, wie die English
Botany für England.
Wight's Nachrichten über die Theecultur stehen in auf-
fallendem Gegensatze zu den Angaben Royle's, der, auf die
Ansichten von Abel sich stützend, ganz irrige Meinungen über
die climatischen Verhältnisse der Theedistricte verbreitet hat.
Er glaubte, der Theestrauch bedürfe eines kühlen Clima's, trock-
nen Bodens und heitern Himmels, er sah diesen Bedingungen
entsprochen in einer alpinen Höhe, in der Nähe des Wende-
kreises, auf sonnigen, der Verdunstung förderlichen Standorten.
Das Clima der neuen TheepflanEungen in Assam ist hingegen
feucht, mit geringem Temperaturwechsel, im grössern Theile
des Jahrs herrschen Niederschläge, auch in den übrigen Mo-
naten ist der Himmel oft bedeckt durch Wolken oder Nebel.
Auch ist die Cultur auf die feuchtere Thalseite von Assam be-
schränkt, wo der Strauch in tiefen Gründen unter so dichtem
Baumschatten wächst, dass die Sonnenstrahlen kaum zu ihm
durchdringen können. Der Boden freilich verschluckt hier die
Feuchtigkeit so ausgezeichnet rasch, dass er Ungeachtet jener
Verhältnisse vollkommen trocken und staubig erscheint. Weni-
ger, als von diesen Localbedingungen, soll die Theecultur von
der Temperatur abhängig sein, weil dieselbe sich gegenwärtig
vom Aequator auf Java bis zum 40° C. B. verbreitet hat.
In Jacquemont's Voyage dans Finde (Paris, 4.), wovon
bis jetzt 36 Lieferungen erschienen sind, werden die seltenern
Pflanzen aus des Reisenden Sammlungen von Decaisne aus-
führlich beschrieben und abgebildet. Diese Arbeit ist ungefähr
448
zur Hälfte beendet und enthält wichtige Beiträge zur Flora
des Himalajah.
Ein Verzeichniss der von Wallich in Ostindien gesammel-
ten Moose publicirte Harvey. Diesen fügte der jüngere Hoo-
ker die Moose der Royle'schen Sammlung bei (Journal of
Bot. 1840 p. 1). Dieser Catalog enthält 148 Laubmoose, gröss-
tentheils aus dem Himalajah. Verjiältnissmässig ist die Zahl
der neuen Arten nicht gross, diese sind zum Theil hier erst
aufgestellt und kurz beschrieben, zum Theil 1)ereits in Hooker's
Icones plantarum abgebildet.
Von B e n n e t t's , durch R. Brown bereichertem Werke über
die Flora von Java erschien die zweite Lieferung (Bennett
Plantae Javanicae rariores, quas legit Horsfield. London 1840.
4. Part. n.). Enthält S. 105 — 196 und T. 26 — 40.
Vegetationsschilderungen aus dem Gebiete der indischen
Flora sind in den englischen Zeitschriften verschiedentlich enthal-
ten. Die Gemahlin des Oberst Walter fuhr fort, über ihre bo-
tanischen Excursionen auf Ceylon an Sir W. Hooker brieflich zu
berichten (Journ. of Bot. 1840 p. 223). — Ebenda (p. 267)
findet sich einBericht von Edgeworth über die Culturge wachse
in den beschützten Sikh-Staaten der Ebene am Fusse des Hi-
malajah, nordwestlich von Delhi. Angehängt ist eine Mitthei-
lung über die Bestandtheile eines in dieser Gegend gesammel-
ten Herbariums, nebst ausgeführter Beschreibung einiger neuer
Arten. Unter 737 Phanerogamen (von denen 160 cultivirt
werden) sind die numerisch vorherrschenden Familien folgende:
112 Gramineen; 84 Leguminosen; 51 Synanthereen; 35 Cype-
raceen; 23 Euphorbiaceen ; 22 Acanthaceen ; 17 Cucurbitaceen;
15Malvaceen, Convolvulaceen , Scrofularineen ; 14 Amaranta-
ceen u. s. w.
Ein Tagebuch von Griffith, das auf einer officiellen
Reise nach Butan geführt ward, ist in pflanzengeographischer
Rücksicht von geringem Belang (Ann. nat. bist. 4. pag. 424
und 5. pag. 119 etc.).
v. Siebold's Flora japonica, deren Systematik Zucca-
rini bearbeitet, ist in 20 Lieferungen bis zum Ende des ersten
Bandes fortgeschritten. Er enthält auf 100 Taf. ebenso viel Ab-
bildungen von japanischen Cultur- und Ziergewächsen. Es sind
449
verhältnissmässig wenig neue Gattungen, aber grösstentheils
neue Arten.
Die nissisch-chmesischen Grenzländer werden fortwährend
in botanischer Hinsicht untersucht. Aus der auf Kosten der
Academie in Moskau unternommenen Reise von Kareline
werden bedeutende Beiträge zur Flora des Altai hervorgehen.
— Eine andere im Jahre 1838 am Saisang-Nor und am Irtisch
in der chinesischen Provinz Thian-Schan-Pelu veranstaltete
Sammlung ward von Bongard und nach dessen Tode von
CA, Meyer bearbeitet. Sie erweitert unsere Kenntniss jener
Gegenden wesentlich und wird gegenwärtig als zweites Supple-
ment zu V. Ledebours Flora altaica durch die Petersbur-
ger Academie publicirt. Ueber das Clima der Kirgisensteppe
findet sich eine Nachricht im Bulletin der Petersburger Aca-
demie (Vol. 7 p. 66). Turczaninow gab einen Nachtrag zu
seinem Catalog der Baikalflora heraus, in welchem 40 neue
Arten aus dem östlichen Sibirien beschrieben werden (Bull.
Soc. Moscou 1840 p. 60,
III. Afrika.
Die wichtigste Arbeit auf dem Gebiete der afrikanischen
Pflanzengeographie ist die von Webb und Berthelot über
die Flora der canarischen Inseln. Von dem phytographischen
Theile sind die von Montag ne bearbeiteten Cryptogamen auf
25 Bogen in 4. vollendet. Wiewohl bis jetzt bereits 58 Liefe-
rungen des ganzen, vielseitigen Werks erschienen sind, so ist
die Beschreibung der Phanerogaraen doch noch sehr im Rück-
stande. Die Geographie botanique, von der uns 20 (Juartbogen
Text zugekommen sind, zerfällt, in eine Reihe gesonderter Ab-
handlungen, aus denen wir, sofern sie geschlossen sind, hier
die wichtigsten Thatsachen zusammenstellen. Die ursprüng-
liche, von allen Floren der Erde verschiedene Pflanzenschöpfung
der canarischen Inseln ist gegenwärtig in einen durch allmä-
lige Acclimatisation fremder Gewächse veränderten Zustand
übergegangen. Die erstere enthält nur endemische Pflanzenarten.
Diese zeigen in systematischer Hinsicht folgende Eigenthüm-
lichkeiten: 1. Sie gehören meist zu europäischen Gattungen,
allein die Arten sind in der Ausbildung ihres Organismus ver-
hältnissmässig holzreicher als die europäischen. 2. Es giebt
Archiv f. Naturgescb. VII. Jahrg. 2. Bd. 29
450
eine Anzahl endemischer Genera, von denen im System nur eine
einzige Art existirt: z. B. Visnea Mocanera, Drusa oppo-
sitifoliay Phyllis Nobla, Flocama pendula, Canarina Cam-
panula, BoseaTervamora; ich füge diesen mainen Ixanthus
viscosus bei, so wie die Bemerkung, dass diese eigenthümlich-
sten Pflanzen der canarischen Inseln meist zu nicht europäi-
schen Formen gehören, z. B. holzige Rubiaceen und eine Tern-
stroemiacee einschliessen. 3. Weiter verbreitete Gattungen
enthalten Gruppen endemischer Arten von eigenthümlichem Ha-
bitus, z. B. Sempervivujriy Bystropogon, Echiiim u. s. w. —
In physiognomischer Hinsicht kann man neben den europäischen
Formen unterscheiden: 1. Gewächse von afrikanischem Cha-
racter, fleischige, grosse Euphorbien, Zygophyllum, Aizoon,
Kleinittj Palmen ; 2. Andeutungen des tropisch americanischen
Typus in den Gattungen Laui'us, jirdisia, Boehmeria, Drusa
und in den Farn.
Die canarischen Inseln zeigen, unter einander verglichen,
einige erhebliche, von den äussern Lebensbedingungen der Pflan-
zenwelt abhängige Verscliiedenheiten : 1. Auf der kleinen Insel
Graciosa wurden nur 29 Arten gefunden, von denen 10 — 12 dem
übrigen Archipel fehlen, die andern aber daselbst in verschie-
dener Proportion der Individuenzahl vorkommen. Die Haupt-
masse der Vegetation auf Graciosa wird aus 7 Chenopodeen
gebildet, die in Gesellschaft von Euphorbia piscatoria wach-
sen. 2. Uebereinstimmend ist die Vegetation von Lancerota
und Fortaventura. Hier beginnen die grossen Euphorbien, die
strauchartigen Synanthereen und Convolvulaceen häufig zu wer-
den. Die immergrüne Formation wird durch Erica arhorea
nnd Myrica Faya repräsentirt. Phoenix, Pistada atlantica
und Tamarix canariensis sind hier an Individuen zahlreicher
als auf den übrigen Inseln. 3. Gegen das Centrum des Archi-
pels nimmt die Zahl der endemischen Arten auffallend zu. Die
Vegetation, scheidet sich in gesonderte Regionen wegen der
grössern Erhebung der Inseln. — Eine merkwürdige, oft wie-
derholte und nicht überall durch das Ueberhandnehmen einer
secundären Flora zu erklärende Erfahrung ist es, dass viele
endemische Arten nur auf eine einzige Localität eingeschränkt
sind: z. B. Manulea canariensis nur am alten Crater von
Bandama, Commelina canariensis an Bächen bei Ciudad und
451
Terror, Statice arhorea auf dem Felsen bei Burgado, ferner
Umbilicus Heylandli, Sempervivum Goochiae, Bethencoui'-
tia palmensis, Statice imhricata.
Bei der Characteristik der Regionen gehen die Verf. von
Tenerififa aus. Auf zahlreichere Beobachtungen über die ver-
ticale Verbreitung der canarischen Gewächse sich stützend,
glauben sie v. Humbold t's ältere und v. Buch's spätere Einthei-
lung modificiren zu dürfen. Allein abgesehen von der weit
grössern Ausbeute an Pflanzenarten, dem natürlichen Ergebniss
eines zwanzigfach längern Aufenthalts, weichen sie von der
unübertrofi'enen Darstellung L. v. Buch's fast nur in solchen
Puncten ab, die, in den meisten Gebirgen wiederkehrend, je-
doch dem allgemeinern Gesetze der verticalen Pflanzenverbrei-
tung untergeordnet, nur als Localanomalien zu betrachten sind
und zum Theil nur in Folge subjectiver Ansichten mehr oder
minder hervorgehoben werden. Dazu gehören Ausstellungen,
wie die, dass v. Buch den Einfluss der Lage bei der Bestim-
mung der Regionengrenze nicht berücksichtigt und den mitt-
lem Temperaturen eine zu grosse Bedeutung zugeschrieben
habe. Um so klarer tritt das Gesammtbild der Vegetation eines
Gebirgs hervor, je mehr die Darstellung das Schwankende der
örtlichen Mannigfaltigkeit auf durchschnittliche Werthe zurück-
zuführen weiss. Mit Vernachlässigung der mittlem Tempera-
turen, die doch immer den ersten Anhaltspunct für die clima-
tische Characteristik einer Pflanzenregion gewähren, legen die
Verf., deren meteorologische Beobachtungen verhältnissmässig
mangelhaft geblieben sind, ein viel zu grosses Gewicht auf die
Maxima und Minima der Wärme. An die Stelle solcher und
ähnlicher Bestimmungen mussten der Temperaturcurve ent-
sprechende Formeln treten, aus deren Eigenschaften sich die
einzelnen climatischen Differenzen von zwei zu vergleichenden
Orten successiv ableiten Hessen.
Die Verf. unterscheiden auf Teneriffa 3 Regionen (Cli-
mats), deren Höhengrenzen auf der Nordseite der Insel von
denen der südlichen Abhänge bedeutend abweichen. 1. Die
untere Region (premier Climat) reicht an der Nordseite von
der Küste bis zu 1500'. Bis zu diesem Niveau ist die Tem-
peraturabnahme nur gering; die Maxima der Wärme betragen
30^ C, die Minima +16°, 1. Das ganze Jahr herrscht ein
29*
452
heiterer Himmel, nur vom November bis Januar erfolgen ein-
zelne Niederschläge. Dies ist die Region der Euphorbien, wo
Eiiph. canariensis und piscatoriaj Kleinia nerii/oUa und
Plocama pendula an Individuepzahl vorherrschen. Die wich-
tigsten Formationen dieser Region sind folgende: a) Gewächse
mit saftigen Blättern am Küstensaum, die auf dem Basaltfelsen
des Gestades verbreitet sind, aus den Familien der Ficoideen,
Chenopodeen, Euphorbiaceen und Crassulaceen. Eine andere
Reihe bilden die canarischen Meeresstrandpflanzen, die vom
Seewasser bespült werden oder dessen salinischer Effluvien za
ihrer Vegetation bedürfen: Zygophyllum Fontanesii, Synan-
thereen, neben endemischen Staticen Frankenia pulverulentay
neben Astydamia canariensis Crithmum maritimum. li) Die
Vegetation des ebenen Küstenlandes (Plantes des bases) zeich-
net sich aus durch afrikanische Pflanzenformen, durch nackte,
gebogene Stämme, fleischiges Parenchym und bläulichen Far-
Lenton. Die saftgrünen Gewächse verlieren sich unter der
Masse der glaucescirenden, diese wieder entziehen sich dem
Blick unter den Ungeheuern Anhäufungen von Tuff" und Fels-
trümmern, von denen diese Küste bedeckt wird. Indess bil-
det EupJiorhia canariensis grosse Gesträuche, indem sie ausser
den genannten vorzüglich mit folgenden Gewächsen sociell
vereinigt ist: Echiiim giganteuw, Convolvulus floridiis, Ja-
sminum odoratissimum, Prenantlies arhorea und pinnata,
Messerschmidtia fruticosa, Cneorum pulverulentum, Ru-
Tuex, Fhysalis, Feriploca, Riihia. c) Unter allen Formationen
der untern Region gewähren die mannigfaltigste Ausbeute die
Valles und Barrancos, d. h. die Bergschluchten an der Basis
des Gebirgs (plantes des ravins). Abwärts geht diese Forma-
tion in die der Euphorbien, nach oben in die Waldregion all-
mälig über. Sie besteht theils aus einer kräftigen B^lsvege-
tation, theils aus Uferpflanzen, welche die Gebirgsbäche beglei-
ten und an den Cascaden der Insel am üppigsten wuchern.
Ohne vorherrschende Formen ist diese Vegetation zu reich und
gemischt in ihren Bestandtheilen, als dass wir dieselbe durch
Beispiele hier genauer zu bezeichnen vermöchten.
Eines grossen Theils der untern Region hat die Cultur
sich bemächtigt. Fruchtbäume, Wein und Getraide verdrängen
die ursprüngliche Vegetation immer mehr, so wie sie die
453
endemischen Wälder, die zur Zeit der Entdeckung bis an die
Küste reichten, schon seit Jahrhunderten auf die obern Re-
gionen beschränkt haben. Auf diesen cultivirten Strecken findet
raan jetzt am auflfallendsten die Vermischung der endemischen
und secundären Flora vollendet, möge nun die letztere dem
Menschen ihr Dasein verdanken oder durch die natürlichen
Gesetze, von denen die allmälige Verbreitung organischer
Wesen auf der Erdoberfläche abhängt, herbeigeführt sein. So
wachsen die accÜFnatisirten Culturbäume: Vhoeniv^ Caricüj
Citrus, Persica, Musa^ Ficus, Monis gegenwärtig in Gesell-
schaft der canarischen: Dracaena, Bosea, Avdisia, ArhutuSy
Lauras. So finden sich im Dickicht der Hecken aus Agave
und Cactus auch die endemische Drusa und Canarina ein.
Inmitten dieser durch die Cultur umgestalteten Flächen bewirkt
zuweilen die Natur des Bodens an einzelnen Localitätcn die
Wiederkehr der ursprünglichen Flora. Solche Wüsteneien, die
nur der Botaniker als Oasen seiner Forschung begrüsst, sind
die unbebauten Tufffelder, die Toseales, und die mit Lava
bedeckten Stätten ehemaliger Eruptionskegel, welche Malpais
genannt werden.
An der Südost- und Südwest- Seite von Teneriffa reicht
die Region der Euphorbien 1000' höher als an der Nordseite,
oder bis zu 2500'. Bis auf eine höhere Temperatur, deren
Maxima und Minima 33^,3 und 18*^,8 betragen, unterscheidet
sich das Clima nicht wesentlich. Die Niederschläge sind hier
auch im Wint\?r selten. Die Vegetation zeigt in ihren vor-
herrschenden Typen einige Verschiedenheit. Als characteristi •
sehe Gewächse der Südküste werden in dieser Rücksicht ge-
nannt: neben Euphorbia canariensis auch E. halsamifera
und E, aphylla, ferner Cneorum pulverulentum, Zygophyl-
lum Fontanesii, Prenanthes spinosa.
Die mittlere Region (second Climat) umfasst auf der Nord-
seite von Teneriffa das Niveau von 1500' — 5000'. Sie ist nach
Maassgabe der Höhe 2 — 8** kälter als die Küste. Dies ist die
Wolkenregion der Insel, wo der Himmel fast beständig bedeckt
ist und der Erdboden in steter Feuchtigkeit erhalten wird. Sie
zerfällt in zwei über einander geordnete Pflanzengürtel, in
einen dichten Laurinecnwald, der den untern, und in eine Ge-
sträuchsformation, die den obern Theil der Region bedeckt
454
(Region des lauriers et plantes iiemorales; Region des bru-
yeres et cistes). Vier Laurineen sind die vorherrschenden Be-
standtheile jenes Waldes: Laurus canariensis, indica, Bar-
husano und Persea foetens. An Zahl der Individuen stehen
diesen zunächst Erica arhorea, Hex canariensis und 1. Perado,
Hierauf folgen: Ardisia excelsa, Cerasus Hixa, Vihurnum
7'ugosum, Myrica Faya. Die übrigen Bäume sind: Visnea
Mocanera, Arhutus canariensis^ Rhamnus glandulosa, Ce-
lastrus cassinoides, Myrsine canariensis, Olea excelsa. Die
Ueppigkeit der Vegetation in diesen eigenthümlichen Waldun-
gen zeigt sich auch in den Schattenpflanzen, unter denen die
Farnkräuter am häufigsten auftreten; von Lianen wird Con~
volvulus canariensis erwähnt. Dieser Waldgürtel, wie er heut
zu Tage besteht, entspricht der feuchtesten Schicht der Atmo-
sphäre, während dessen vegetative Energie zugleich auf dem
Boden die stärkste Humuslage erzeugt. Diese beiden physi-
schen Agentien, die zugleich Bedingung und Folge der Ver-
breitung des Hochwaldes sind, nehmen in einem höhern Niveau
allmälig ab: dem entsprechen die allmäligen Aenderungen
der Vegetation. — Zuerst wird Erica arhorea häufiger; die
Laurineen bleiben zurück ; Myrica Faya ist bald der alleinige
Begleiter der strauchartig werdenden Erica; hierauf ver-
mischen sich Pteris aqiiilina und Cistus vaginatus mit ein-
zelnen Heidesträuchern ; über 3600' bleibt zuletzt nur noch Ci-
stus vaginatus f der bis zur obern Grenze der Region allmä-
lig an Massenverbreitung zunimmt.
Dass diese Cistenvegetation vorzüglich von einer Abnahme
der atmosphärischen Feuchtigkeit abhängig sei, geht aus einer
Vergleichung des bisher betrachteten Nordabhangs von Tene-
riffa mit der mittlem Region der Südseite hervor. Dieselbe
umfasst ein bedeutend engeres Gebiet, indem sie erst bei
2500' beginnt und schon bei 4000' aufhört. Die Temperatur
scheint von der des nördlichen Abhangs nicht verschieden, die
Feuchtigkeit aber im höchsten Grade. Denn an der Südseite
der Insel fehlt eine Wolkenregion; auch in diesem Niveau ist
der Himmel heiter, die Luft trocken und nur selten wird der
Erdboden durch Niederschläge benetzt. In Folge dessen fehlt
hier der Laurineengürtel fast durchaus und die ganze Region
455
wird von Gesträuchen bekleidet, welche grösstentheils zu der
(Gattung Cistus gehören.
3. Die oberste Region (troisieme climat) begreift die höch-
sten Abhänge des Pic de Teyde, dessen Höhe 11424' beträgt,
und ist auf den übrigen Bergspitzen, wie auf Gran Canaria
(5842') und Palma (7234') nur unvollkommen entwickelt. Am
Pic von TeneriflFa reichen die Coniferenwälder, welche den
untern Gürtel dieser Region bilden, auf der Nordseite bis 5000',
am entgegengesetzten Abhänge bis 4000' herab: übrigens sind
hier bei jeder Himmelsrichtung Clima und Vegetation gleich.
Die Temperatur ist nach der Höhe 9 — 18° niedriger als an
der Küste, aber die Jahreszeiten sind auch hier nur wenig ge-
schieden. So ward auf dem höchsten Gipfel am 4. Julius
5^ 5' a. m. im Jahre 1825 die Temperatur 8*^,8 gemessen, am
24. Februar 8^ 45' a. m. im Jahre 1828 = 7^4C. Im All-
gemeinen sind die Tage trocken und warm, die Nächte kalt
und nicht selten feucht: doch scheint diese Feuchtigkeit auf
die in Folge der Wärmestrahlung stattfindende Thaubildung
sich zu beschränken, weil der Himmel das ganze Jahr hindurch
fast beständig heiter ist. Der Schnee, der am Gipfel zuweilen
herabfällt, erhält sich daselbst nur zwei Monate des Winters.
Mehrere Pflanzengürtel bekleiden die oberste Region des Pic,
welche die Verf. in zwei Hauptformationen gliedern (Region
des pins et autres plantes forestieres ; Region des legumineuses
frutescentes et autres plantes alpines). Auf einem trocknen,
humusarmen Boden wachsen die gigantischen Stämme von Pi-
nus canariensis , die den untern Waldgürtel dieser Region
bilden: im Wachsthum gleicht derselbe durchaus den Tannen-
wäldern der europäischen Alpen. Ebenso wie dort vegetirt
jene Conifere in geschlossenen Forsten, ohne von andern Bäumen
oder Unterholz begleitet zu sein, und duldet in ihrem Bereich
bis auf sparsame Vegetation von Kräutern kein anderes Ge-
wächs. Diese Schattenpflanzen sind für Pinus canariensis fol-
gende : Pteris aquilina, Asphodelus ramosuSy Thymus Cala-
mintha, Erigeron viscosus^ Hypericum grandifolium , He-
lianlhemum guttatum, Lotus angustifolius. — Ueber dem
Coniferengürtel beginnt bei 7000' die Formation von Legumi-
nosensträuchern, eine Vereinigung von Cytisus nuhigenus und
Adenocarpus frankenioides , die nebst manchen isolirten,
456
endemischen Kräutern den vulcanischen Tuff bekleiden. Die
obersten Cytisus-Straucher wuchsen in einer Höhe von 8673';
höher steigen die Kräuter, unter denen Viola cheiranthifolia
und Silene nocteolens die häufigsten sind. Die höchsten Pha-
nerogamen wurden im Niveau von 9850' beobachtet, auf dem
Gipfel selbst vegetirten noch einige Flechten und eine Varie-
tät von Weissia verticillata. — Zu den auf isolirte Standorte
eingeschränkten Pflanzen der obern Region gehören auch einige
Holzgewächse, die wahrscheinlich früher verbreiteter waren als
jetzt: Rosa Armidae, Pyrus Aria var,, Rhamnus coriacea,
Juniperus Cedrus. — Von dem zuletzt genannten und von .7. turi-
fera versichern wenigstens die Verf., dass sie ehemals in einem
geschlossenen Bestände einen besondern Gürtel zwischen Pinus
canariensis und den Leguminosensträuchern bildeten, während
sie jetzt beinahe ausgerottet sind. Sehr ausführlich schildern
die Verf. in einem spätem Abschnitte die Folgen solcher Wald-
verwüstungen, sofern sie gleichsam durch eine heilende Thä-
tigkeit der Natur allmälig und in gesetzmässiger Weise wie-
der^ ausgeglichen werden können. Die unmittelbare Folge des
Abtriebs ist in beiden Waldregionen verschiederi; in der der
Laurineen erscheinen zunächst Erica arhorea oder Pteris;
wo Coniferen standen, sprosst freiwillig Erigeron viscosus
hervor. Eine andere Periode der Wiederbelebung des Bodens
durch organische Formen tritt ein, wenn die Cistusrosen nebst
AspJiodelus ramosus umherzuwuchern beginnen. Nach und
nach kehren die frühern Holzgewächse wieder, falls die um-
stände günstig sind. Im Lorbeerwalde scheint ein solcher Cy-
clus schon in 20 Jahren vollendet zu werden. Folgenden Fall
hatten die Verf. selbst Gelegenheit zu beobachten: 18L5 ver-
brannte im Thale Orotava ein Laurineenwald, der Boden ward
sich selbst überlassen; 1820 war er mii Pteris und Erica ar-
horea bewachsen; 1830 begann schon wieder eine Vegetation
von Laur US' canariensis, untermischt mit Myrica und Vi-
humum, den Raum einzunehmen.
Brunner hat die Flora der Cap Verdischen Inseln, die
bis dahin ganz unbekannt geblieben war, freilich in der ungün-
stigsten Jahrszeit untersucht (Reise nach Senegambien und
den Inseln des grünen Vorgebirgs. Bern 1840. 1 B. 8. —
Die botanischen Ergebnisse sind in den Beiblättern zur Regens-
457
burger botan. Zeitg. publicirt). So gering auch die Zahl der
beobachteten Pflanzen ist, so kann man doch mit grösster
Wahrscheinlichkeit schliessen, dass diese Inselgruppe, ganz ver-
schieden von Helena oder Tenerifi'a, gar keine endemische
Flora besitzt. Zwar bestehen die Wälder im Innern von San
Yago aus Anona squamosa^ einem Baume, dessen afrikanische
Heimath bisher nicht bekannt u^ar, allein die übrigen Nach-
richten sprechen ohne Ausnahme dafiir, dass die Inseln zum
Gebiete der senegambischen Flora gehören. Die einzige Ver-
schiedenheit von der Vegetation des afrikanischen Festlandes
besteht darin, dass einige endemische oder von Südeuropa ein-
gewanderte Pflanzen der canarischen Inseln sich bis zu jenem
tropischen Archipel verbreiten. So wachsen auf der öden,
baumlosen Insel Sal, deren Vegetation aus Halophyten und
Sandpflanzen besteht, von canarischen Arten : Statice pectinata
und Frankenia ericifolia, von südeuropäischen z. B. Andro-
pogon distachyos, Salicornia fruticosa^ Fagonia cretica;
auf Bonavista Prenanthes spinosa. Dies sind einzelne Aus-
nahmen von dem senegambischen Character der Flora, der
daselbst namentlich durch folgende Gewächse ausgedrückt er-
scheint: Acacia albida Del., Tamarindus indica, Cassia Fi-
stula und hicapsularis, Qaillea dichrostachys, Anona glauca,
Zizyphus orthacantha DC; Arten von Euphorbia , Jatro-
pha, Sida\ Pegolettia senegalensis y Biclyptera umhellata,
Ficus Sycomorus, Elaeis guineensis.
Ueber die Flora von Senegambien hat Brunner gleich-
falls einige allgemeinere Bemerkungen vorgetragen (Bot. Zeitg.
a. a. O. S. 36). Er ist der Ansicht, dass in Senegambien die
afrikanische Wüstenflora und die Passatflora von Guinea zu-
sammentreff'en. Die letztere ist reicher an tropischen Formen,
sie besteht hauptsächlich aus Bäumen und einjährigen Kräutern,
sie hat nur eine kurze Vegetationsperiode von vier Monaten,
während der übrigen Zeit des Jahrs, die trocken ist, ruhen
die Gewächse oder tragen Früchte. Für die Wüstenflora hin-
gegen, die der Verf. sich von Aegypten bis Senegambien gleich-
förmig verbreitet denkt, seien- tropische Regengüsse weniger
nothwendig: sie bestehe vorzugsweise aus Sträuchern und sta-
cheligen Stauden, die zu der Zeit blühen, in welcher ihre tro-
pischen Nachbarn den Winterschlaf halten. Brunner stellt ein
458
Verzeichniss von etwa 40 Arten zusammen, die Senegambien
oder den Cap Verdischen Inseln und Aegypten gemeinsam
sind, in der That ein bedeutendes Zeugniss für die Einförmig-
keit des afrikanischen Pflanzencharacters. Die Einwürfe, dass
manche der hier erwähnten Arten zweifelhaft oder secundär
verbreitet seien, dürften in folgenden Beispielen nicht zulässig
erscheinen: Acacia alhida Del., A. Lehhek W. nebst deren
Liane Cocculus LeaehaDeL; Crotalaria thebaica Del.; Zy-
gophyllum alhum, Nymphaea Lotus, Balanites aegyptiaca,
Aerva tomentosa Forsk., Arundo isiaca Del. Dies sind
auch physiognomisch characteristische Gewächse der senegam-
bischen Flora. Die Verwandtschaft derselben mit der von
Guinea wird nur auf 12 Gewächse begründet, unter denen
gleichfalls hervorstechende Formen, namentlich die 3 einheimi-
schen Palmen Borassus fldbelliformis, Elaeis guineensis und
Phoenix spinosa sich finden.
Einige Bemerkungen über die numerischen Verhältnisse
der senegambischen Flora sind beigefügt. Der Verf. schlägt
die Artenzahl in den Sammlungen von Leprieur und Perrottet
nur auf 15 — 1600 an. Nächst den Leguminosen seien die
Rubiaceen, etwa 40 Arten, am zahlreichsten; keine derselben
verbreite sich über die Wüste, dagegen finde man sie in den
Herbarien von Congo gleich stark vertreten. Hierauf folgen
die Malvaceen mit zahlreichen Arten von Hibiscus und Sida,
auch Bombaceen und Sterculiaceen. Strauchartige Capparideen
gehören zu den eigenthümlichsten Bildungen dieser Flora.
Unter den Leguminosen finden sich vorzüglich Mimoseen, Dal-
bergieen, Swartzieen, Detarieen und Cassieen. Endemische
Compositen beschränken sich auf die Gruppe der Baccharideen,
übrigens spricht sich in dieser Familie Aehnlichkeit mit Ober-
Aegypten aus, so wie andere Arten durch die ganze tropische
Zone secundär verbreitet sind. Die Euphorbiaceen enthalten
Arten von Jatropha, Croton, Euphorbia ', die Urticeen von Fi-
cus, deren Arten einen Hauptschmuck des Landes bilden. Die
Gräser sind nicht mannigfaltig; Arten von Cyperus zahlreich.
Die Farnvegetation beschränkt sich auf wenige Arten.
Die Thymelaeen, Polygoneen und Begoniaceen der Cap-
flora wurden von Meissner vorzüglich nach den Sammlungen
von Drege bearbeitet (Linnaea 1840 S. 385). Die Cap'schen
459
Thymelaeen, 122 Arten, bilden ungefähr Hie Hälfte aller bekann-
ten Formen dieser Familie, und beinahe den 80. Theil der
Capflora. Von den übrigen Thymelaeen wachsen etwa 50 in
Australien, 30 in Europa, 20 im extratropischen Asien, 8 in
Amerika. — Von 30 südafricanischen Polygoneen sind nur
17 endemisch, die übrigen, Arten yoii Pofygonum und Rumex,
wahrscheinlich aus Europa oder Ostindien übergesiedelt. Die
einzige endemische Gattung ist Burchell's Oxygonum. — Von
der Gattung Begonia fand Drege 3 Arten.
Richard beschrieb einige neue Pflanzen aus der Flora
von Abyssinien, die er aus einer grossen, in der Provinz Tigre
veranstalteten Sammlung auswählte (Ann. sc. nat. 1840 p. 241).
Die Entdeckungen Schimper's hat H ochs tetter erst im gegen-
wärtigen Jahre zu publiciren angefangen.
Einige Nachrichten über Aegypten wurden von Figari
in dem Werke von Clot Bey (Apercu general sur TEgypte.
Paris 1840) mitgetheilt. Unter dem Gouvernement von Mehe-
med Ali hat sich die Physiognomie von Unterägypten geändert.
In diesem Lande, welches ausser der Dattelpalme keinen Wald-
baum besitzt, Hess die Regierung binnen wenigen Jahren über
20 Millionen Stämme pflanzen. Von der Dattelpalme behaup-
tet der Verf., dass sie oft für sich grosse Wälder bilde; in
Ober- und Mittel-Aegypten sei dies der häufigste Baum, dessen
Verbreitung bis an die Grenzen der Wüste reiche. Der nörd-
lichste Punct, wo die Cudfera thehaica vorkommt, ist die
Gegend von Tahta, 70 Stunden südwärts von Cairo. Acacia
nilotica verbreitet sich bis Unterägypten, aber nur in der The-
bais, wo sie verkrüppelt, liefert sie Gummi, indessen beginnt
die Hauptproduction dieser Substanz erst in Nubien.
IV. Amerika.
Die Flora der vereinigten Staaten wird bald fast ebenso
bekannt werden, als die von Europa. An Sir W. Hooker's
treffliches Werk über die britischen Besitzungen bis zur Nord-
westküste schliesst sich die nicht weniger ausgezeichnete neue
Flora of North-Amerika, welche von Torrey und AsaGray
herausgegeben wird und bereits zur Hälfte vollendet ist. Von
dieser Flora, die nach dem De CandoUe'schen Prodromus
460
geordnet ist, erschien 1839 der erste, 1841 der zweite Band.
Dieser enthält bereits die Synanthereen.
Bigelovv besorgte eine neue Ausgabe seiner Flora von
Boston (Florula Bostoniensis. Third edition. Boston 1840. 12.).
Von des Pr. v» Wied Reise in Nord-Amerika erschien
1840 das 18. Heft. Auf dieses, die Physiognomie der nord-
amerikanischen Vegetation durch charactervolle Landschafts-
zeichnungen erläuternde, wichtige Quellenwerk werden wir
nach dessen Vollendung zurückkommen.
Neue Beiträge zur Flora von Mexico wurden von Bent-
ham und v. Schlechtendal publicirt. In Bentham*s Plan-
tae Hartwegianae ist enthalten: der Catalog einer von Graham
bei Mexico und in den Minendistricten veranstalteten Samm-
lung, sodann eine Bearbeitung der verkäuflichen Herbarien,
welche Hart weg vorzüglich auf der Reise von Mexico nach
Zacatecas zusammenbrachte. — v. Schlechtendal's diesjäh-
rige Mittheilungen über von Schiede, Ehrenberg u. A. gesam-
melte mexicanische Pflanzen betreffen die Polygalpen, Loaseen,
Celastrineen und Rhamneen (Linnaea 1840 S. 159 etc.).
In R. de la Sagra's grossem Werke über Cuba ist die
Bearbeitung der Flora erst begonnen. Da die Lieferungen (bis
jetzt 28) rasch folgen, werden wir vielleicht schon im näch-
sten Jahre darüber berichten können.
Einige Nachrichten über die Physiognomie der Flora von
Venezuela wurden von Ed. Otto mitgetheilt (Berl. Gartenzei-
tung 1840 S. 145). Die Vegetation am Meeresstrande bei
La Guayra besteht nur aus Cacteen von den verschiedensten
Formen, mehrern ästigen, 3 — 12' hohen Arten von Cereus,
sodann aus Mamillarien, Melocacten und OjDuntien. Die Me-
locacten kleben sich fast unmittelbar an senkrechte Felsen-
wände, die Mamillarien hingegen wachsen an schattigen Orten
auf ebenem Boden. Die hiesigen Cacteen verbreiten sich vom
Ufer des Meers bis zu einer Höhe von 2000', dann folgen die
"Waldungen einer Region, die sich durch ihrö' Wolkenbildungen
von der trockenen Küste unterscheidet. Ausser der mannig-
faltigen Cactusvegetation fand Otto die untere Region einför-
mig und pflanzenarm: die Abhänge mit niedrigem Gesträuch,
vorzüglich Cassia und Mimosa^ bewachsen. Auch die dünne
Erdkrume aus sandigem Lehmboden, reich an Gerolle und vor-
461
springenden Felsen, begünstigt allein jene einzelne, in dieser
Gegend vorwaltende Pflanzenfamilie. Nur in der Nähe der
Gebirgsflüsse wird die Vegetation üppiger und mannigfacher:
liier wachsen Stämme von Hiwa crepitans, 4 — 6' im Durch-
messer. Der Reisende verwunderte sich, an solchen Localitä-
ten keine Farn anzutreflfen, die doch übrigens für die Flora
von Venezuela characteristisch sind. — Ueber andere Excur-
sionen in • der Gegend von Caracas sind noch ausführlichere
Berichte abzuwarten. Unter Anderm bestieg Otto die Silla
in der Nähe jener Stadt, wo er über der Gesträuchregiou Wäl-
der mit Palmen und parasitischen Orchideen, am Gipfel aber
eine alpine V^egetation antraf, die zwischen hohen Grasrasen
Befarien, Lycopodien und Farnkräuter enthielt.
Die wichtigsten Resultate von Schomburgk's erster Reise
im britischen Guiana sind zum Theil schon im verflossenen
Jahre publicirt worden. Der Bericht des Reisenden selbst er-
schien jedoch erst später; die Nachrichten, welche derselbe in
den Annais of natural history für 1840 veröiBfentlichte , sind
nur zoologischen Inhalts. Eine systematische Uebersicht der
gesammelten Pflanzen wird von Bentham gegeben (Journal
of Botany 1840 p. 38 etc.). Bentham schätzt die ganze Schom-
burgk'sche Sammlung auf mehr als 1400 Arten, von denen im
Jahre 1840 bereits 439 und darunter einige der grössten Fa-
milien bearbeitet wurden. Als eine ausgezeichnete Eigenthüm-
lichkeit der Flora von Guiana erscheint die grosse Verhält-
nisszahl der Leguminosen, welche hier die Synanthereen um
mehr als das Dreifache übertreffen und etwa 12 Proc^nt der
Flora bilden. Die von Bentham bis jetzt bearbeiteten Familien
sind nach ihrem Reichthum geordnet, folgende: 167 Legumi-
nosen (unter diesen: 56 Cäsalpinieen mit Einschluss der
Swartzieen, 46 Hedysareen und Phaseoleen, 35 Mimoseen,
14 Dalbergieen, 12 Loteen und 4 Sophoreen); 81 Melastoma-
ceen; 50 Synanthereen (unter diesen :'21 Senecionideen, 13Eupa-
toriaceen, 12 Vernoniaceen, 3 Asteroideen und 1 Mutisiacee);
35 Myrtaceen; 26 Chrysobalaneen; 19 Verbenaceen,' 17 Scro-
phularineen, 15 Gentianeen, 12 Labiaten, 5 Combretaceen, 50na-
grarien, 4 Lythrarieen, 2 Mouririaceen, 1 Rhizophoree. — Hier-
an reiht sich die Bearbeitung der Schomburgk'schen Cypera-
ceen von Nees v. Esenbeck (daselbst p. 393): es sind nur
462
22 Arten, die zu 12 verschiedenen, zum Theil neuen Gattun-
gen gehören.
Von der Flora brasiliensis, welche unter den Auspicien
der österreichischen und baierischen Regierung von Endli-
cher und V. Martins herausgegeben wird, erschien 1840 der
erste Fascikel in Fol. Er enthält ausser den die Physiognomie
des Landes erläuternden Beilagen und Landschaftszeichnungen
die Bearbeitung der Moose von Hornschuch uni der Ly-
copodineen von Spring. Die pflanzengeographischen Ver-
hältnisse der einzelnen brasilianischen Familien werden jedes-
mal in einem besondern Anhange von v. Martins dargestellt.
Wenn eine grössere Reihe von Familien vollendet sein wird,
werden wir die Resultate dieser wichtigen Untersuchungen zu-
sammenstellen. Fünf Landschaftstafeln, welche diesem Fasci-
kel beigegeben sind, erläutert v. Martins durch vortreffliche
Schilderungen der physiognomisch hervortr^etenden Bestand-
theile der Vegetation. Das erste Gemälde führt uns an die
Ufer des Amazonas, die übrigen stellen einzelne Typen der
Gebirgsregion des Innern Landes dar. 1. Der Urwald am
Amazonas verändert seinen Character, je nachdem er das
oft überschwemmte Ufer des Stroms oder dessen Inseln be-
deckt, oder weiter davon entlegen ist. Die erste Tafel stellt
die Waldung am Flusse vor^ wo die Bäume zu Zeiten 30' hoch
unter Wasser stehen. Diese Formation heisst bei den Einge-
bornen Caa-Ygapo. Vielleicht giebt es keinen Ort der Erde,
wo die Vegetation eine grössere Energie in ihren Productionen
erreicht. Im Flusse schwimmen Nymphaeen; aus dem Schlamme
des Ufers sprossen dichte Reihen von Aroideen und Canna
hervor; hierauf folgt der dichte, immergrüne Urwald. Er ist
gemischt aus Leguminosen (Inga, Pithecolohium) , Urticeen
(fiecropia, Ficus), Polygoneen (Triplaris) und aus Cacao-
bäumen. Aus diesen ragen zwei Palmenarten hervor. Hiezia
gesellen sich die Lianen und Parasiten, unter jenen Smilax
und Bauhinia, unter diesen Orchideen, Bromeliaceen (Bro-
melia, Vitcairnid), Aroideen (^Anthuriuin) bis zu der pilz-
ähnlichen Helosiß, die im Schlamme des Bodens auf den Baum-
wurzeln befestigt ist. Eine eigne Beziehung könnte man dar-
in erkennen, dass die Bäume aus den höchsten dicotyledoni-
schen Familien in so enger Gemeinschaft mit den am meisten
463
entwickelten Monocotyledonen vegetiren, während in den ge-
inässiglen Zonen diese örtliche Ausgleichung einer zwiefachen
Entwickelungsrichtung durch die weniger ausgebildeten Familien
der Ameutaceen und Gräser erreicht wird. — 2. Die zweite
Tafel stellt die Capoens in der Provinz Minas Geraes dar.
Dieser Name, eigentlich Caa-apoam, im Portugiesischen ver-
stümmelt Capäo, bedeutet einen Wald, der einer mamma gleicht.
Ein solcher besteht nämlich ans einzelnen Baumgruppen, deren
höhere Stämme im Mittelpuncte stehen, und, von niedriger
Waldung umgeben, aus der Ferne ein hügelähnliches Bild dar-
stellen. Die Baumarten dieser immergrünen Gehölze sind zahl-
reich und von mannigfachem Bau : 22 Gattungen , die vorzu-
herrschen pflegen, gehören zu 16 verschiedenen dicotyledoni-
schen Familien. Unter diesen entsprechen nur wenige der
Mimosenform, nämlich Inga, Sc/tinus und Cupania; die meisten
Bäume schliessen sich in ihrer Laubgestalt an die Laurineen.
Die übrigen Gattungen sind: Nectandra; Palicutea; Taher-
naemontana; Xylopia, Rollinia, Guatteria; Hex; Comhre-
tum; Myrcia; Eugenia; Prunus ; Peru; StilUngia; Casea-
ria\ Tontelea; Coccoloha; Leandra, Miconia, Huheria.
3. Taboleiro coberto in der Gegend von Fanado. Wenn
man von den Campos des Francisco aus die Chapada's, die
Hochebenen gegen Bahia betritt, so gelangt man zunächst in
ein Gebiet, das einen beständigen Wechsel von weitläuftigen
Flächen und sanften Thalbildungen darbietet. Statt der Sava-
nen und Urwälder gedeiht hier nur eine sparsame, vereinzelte
Vegetation, die viele Stellen des Erdbodens frei lässt, wo Fel-
sen und Gebirgstrümmer oder trockne ^Thonschichten hervor-
treten. Es fehlt an Humus und Bewässerung; niedrige Kräu-
ter werden von einzeln stehenden Bäumen beschattet: diese
weitläuftigen Haine bilden den Taboleiro coberto. Die Bäume
zeigen ein verkrüppeltes Wachsthum und tragen oft eine kork-
bildende Rinde: mit gebogenem Stamm, kurzen, dicken, ge-
krümmten Zweigen breiten sie sich aus. Den Aesten fehlt
die dichte Laubkrone; die Blätter, die in der lang dauernden,
trockenen Jahrszeit abfallen, erscheinen nur au den äussersten
Verzweigungen, so wie auch das festere Parenchym denselben
ein von dem saftreichen, lebhaft immergrünen Laube des Ur-
walds ganz verschiedenes Ansehen giebt. Auf den Zweigen
b
464
wohnen sparrig verasteltete Parasiten aus der Familie der Lor-
anthaceen und verschiedene Lianen, besonders Malpighiaceen
und Aristolochien, klettern am Stamme empor. Unter den
Bäumen sind in dieser Formation die Vochysien häufig ver-
breitet, wegen ihrer geringen Extension die merkwürdigste
Pflanzenfamilie Brasiliens. Die übrigen hier erwähnten Baum-
arten sind: Aspidosperma, Erythroxylon, Kielmeyera, Pera,
Phaeocarpus, Cocos. 4. Formation der Vellozien.
Auch im Innern von Minas Geraes giebt es Gegenden, die
weder von Urwald, noch von dichten Gesträuchen, noch von
baumlosen Grasfluren bedeckt werden und wo auf nackten
Hügeln und sonnigen Hochebenen der biegsame Sandstein häufig
in Felsen zu Tage steht. Dies ist das Vaterland der merk-
würdigen Vellozien. Baumartige Liliaceen mit gabelig getheil-
tem Stamm, dessen Wipfel straffe Schilfkronen tragen, durch
weite Zwischenräume getrennt, stehen sie über das nackte
Erdueich zerstreut. Aber je sparsamer hier die Natur die
vegetabilischen Individuen vertheilt hat, desto mannigfaltiger und
an schönen Formen reicher ist die Flora, welche jene bizar-
ren Lilienbäume begleitet. Dazu gehören Gräser und Restia-
ceen (^Paspalum, Eriocaulon)\ ferner dicotyledonische Kräu-
ter: hisianthus, Gesneria, Eryngium; Gesträuche: Physo-
calyx, Cinchona und Melastomaceen (JLavoisiera, Chaeto-
gastra, Rhynchantherd); endlich einzelne Bäume niedrigen
Wuchses: Rhopala, Lychnophora , Zeyheria, Kielmeyera,
Lühea, Pachira. 5. Die letzte Tafel liefert ein Gemälde der
Campos agrestes in der Provinz S* Paulo, wo bereits die
Araucarien auftreten und im Vordergrunde des Bildes am
Saume der unermesslichen Grasebene wie hohe Pinien sich
erheben. Dichte Gebüsche von Baccharis stehen daneben,
am Wege grünen die Schilfrasen der Ananas. Ueber den Cha-
racter dieser Campos selbst bemerkt v. Martins, dass die
Gramineen trockener sind als auf nordeuropäischen Wiesen
und sich durch kaltgrüne Färbung und häufige Behaarung aus-
zeichnen. Auch wachsen die einzelnen Rasen getrennt, zwi-
schen denselben gedeihen mancherlei Stauden, die ganze Ve-
getation ist 3 — 5' hoch.
Gardner hat über seine Reisen in den Provinzen Ciara,
Piauhy und Goyaz an Sir W. Hooker brieflich berichtet, auch
465
einige systematische Beiträge zur TJora von Brasilien publicirt
(Journ. of Bot. 1840 p. 21 etc.). Diese betreffen die Gattun- '
gen: Mouriria, Lygodisodea, Cassytha, Carludovica, Cre-
scentia.
Miers beschrieb einige brasilianische Biirmanniaceen (Pro-
ceediugs Linn. Soc. 1840. March). — In der Linnaea (1840
S. 285) findet sich ein Verzeichniss von 187 bei Bahia von
Luschnath gesammelten Pflanzen. Einige Leguminosen sind
in derselben von Walpers beschrieben; die übrigen neuen
Arten werden von v. Martius in den Beiblättern zur Regens-
burger bot. Zeit, publicirt werden.
Die wichtigsten Beiträge zur Systematik und Geographie
der südamerikanischen Floren, insbesondere von Brasilien, Uru-
guay, Patagonien, Buenos Ayres, Chile, Bolivien und Peru,
sind in Orbigny's Voyage dans l'Amerique meridionale ent-
halten. Bis zum Januar 1841 waren von diesem Kupferwerke,
das sich auch durch schöne Landschaftsansichten ^us den Anden
auszeichnet, 54 Lieferungen in Quart erschienen. Nacji der
Vollendung desselben werden wir darüber Bericht erstatten.
Tweedie beschrieb seine botanische Reise von Buenos
Ayres nach Tucuman (Ann. nat. bist. Vol. 4, 5). Die unge-
meine Einförmigkeit der die extratropischen Pampas bekleiden-
den Gewächse bleibt sich von Buenos Ayres bis tief ins Innere
gleich. Diese weiten, steinlosen Alluvial-Ebenen enthalten fast
nur Gramineen, denen einzelne, socielle, dicotyledonische Kräu-
ter, namentlich Synanthereen , z. B. Eupatorium, Carduus,
beigemischt jind. Unter den Kräutern werden auch die Gat-
tungen Eryngium und Digitalis erwähnt. Einigen Wechsel
bringt zuweilen ein Salzgehalt des Bodens hervon 320 e. Mei-
len N.W. von Buenos Ayres trifft man am Rio Corcuneon,
dessen Ufer von Weidenbäumen eingefasst werden, die ersten
Wälder, die aus Algaroba's (J?rosopis) und andern Mimoseen
bestehen. Aus den Samen jenes Baums backt man Brod.
Solche Urwälder, in denen auch Cacteen und parasitisch Til-
landsien und Loranthaceen vorkommen, verbreiten sich von
da durch die Provinz Cordova. Doch walten auch hier dem
Räume nach die Panipas noch überall bis an den Fuss der
Anden vor. Zuweilen erschien die Ebene ganz von Gras-
wuchs entblösst und dürr, oder der Boden nur durch eine
Archiv i. Naiurgesch. VII. Jahrg. 2. Band. 30
466
gesellige Oxalis und Nierembergia gracilis bunt gefärbt. Eben-
so keimten nach einem Brande der Pampas-Gräser zuerst Oxa-
lideen nebst einer Amaryllis hervor. Im nördlichen Cordova
bemerkt man eine verbreitete Formation von dornigen Sträu-
chern: hier, wo das Land hügelig wird, war z.B. eine Strecke
von verschiedenen Cacteen, Mimoseen und einem strauchar-
tigen Solanum bewachsen. Beim Eintritt in die Provinz San
Jago findet man statt der bis dahin herrschenden Prosopis all •
mälig andere Baumarten; doch scheinen die Mimoseen auch
bis Tucuman verbreitet. Erst in dem wärmern und feuchtern
Clima von Tucuman, wo schon die Anden den Horizont be-
... ^
grenzen, beginnt eine üppigere und mannigfaltigere Vegetation.
Die von Tweed ie in Buenos Ayres gesammelten Cype-
raceen wurden von Nees v. Esenbeck bestimmt (Journal
of Bot. 1840 p. 397). Dies sind nur 13 Arten, darunter zwei
neue Carices, die übrigen gehören, zu 11 verschiedenen Gat-
tungen, unter denen die neue: Androcoma.
Die Fagus-Arten des antarctischen Amerika wurden von
Sir W. Hook er bearbeitet und zum Theil abgebildet (Journ.
of Bot. 1840 p. 147)* An der Magellans-Strasse und im Feuer-
land sind gesammelt: Fagus antarctica Hook., beiuloides
Mirb., dubia Mirb,, Forsteri Hook. (Betula antarctica Forst.).
Hierzu kommeti 6, grösstentheils von Pöppig entdeckte Buchen
in Chile. — Auch aus Vandiemensland wird eine Buche, F.
Cunninghamiiy beschrieben.
V. Australien.
Die Flora der Swan River Colonie, worüber die im Jahre
1837 angefangenen, aus v. Hügel's Sammlungen entstandenen
Mittbeilungen von Endlicher bis auf die Publication einzel-
ner Arten nicht weiter fortgesetzt sind, ist neuerlich durch
die Berichte von J. Drummond und durch die Bearbeitung
von dessen 1300 Arten enthaltenden Herbarien in England, so
wie durch die Cultur der nach Europa gesendeten Sämereien
viel bekannter geworden. Wir stellen hier die allgemeinern,
pflanzen geographischen Resultate zusammen, so weit dieselben
theils in einer Abhandlung von Lindley (Sketch of the Ve-
getation of the Swan river colony) bereits systematisch geord-
net, theils in Drummond's Briefen zerstreut enthalten sind.
467
Jener höchst werthvolle Aufsatz vonLindley bildet einen An-
hang zum Botanical register von 1839 und enthält ausser all-
gemeinern Bemerkungen über die vorherrschenden Familien
auch die specifischen Charactere von 283 neuen Arten. —
Ferner wurden 3 Chamaelaucieen und 1 Lasiopetalee von Ar-
nott beschrieben und abgebildet (Journ. of Bot. 1840 p. 378).
Desgleichen die Cyperaceen und Restiaceen von Nees v. Esen-
beck (Ann. nat. bist. 6 p. 48). Drummond untersuchte die
beiden Districte Perth und York, die unter dem 32^ C. A. an
der Westküste [von Neuholland einen Flächenraum von nur
etwa 300 g. Quadratmeilen einnehmen. Dieses Land ist grossen-
theils mit einem lichten Walde bedeckt, zwischen den Wäl-
dern breiten sich Ebenen aus, welche die mannigfaltigste Vege-
tation besitzen. Niedrige Gebirgsketten, bis zu 2000' Höhe,
meist aus Kalkstein, doch zum Theil aus Granit zusammen-
gesetzt, verlaufen der Küste parallel. Man kann eine Küsten-
kette aus Kalkstein von einer zweiten Granit führenden Pa-
rallelkette unterscheiden, die Darling ränge genannt wird. Die
Flüsse müssen diese Mittelgebirge in Querspalten durchschnei-
den, um das Meer zu erreichen. Der Boden, wiewohl von
verschiedenartiger Zusammensetzung, ist überall höchst frucht-
bar und verdankt diese Fruchtbarkeit vorzüglich einer treff-
lichen Bewässerung, einem beständigen Feuchtigkeitszustande,
der, zum Theil von der Atmosphäre unabhängig, durch tiefer
gelegene Thonlager erhalten zu werden scheint. Das vortreff-
liche Clima der Colonie wird mit dem des südlichen Italien ver-
glichen. Wie am Mittelmeer, wächst auch am Schwanenflusse
nur eine einzige, 10 — 12' hohe, einheimische Palme. Die
mittlere Temperatur in Perth wird zu 20°, 4 C. angegeben,
allein die Unterschiede zwischen Winter und Sommer sind sehr
bedeutend. Man hat das Thermometer im Juli 1831 beinahe
zum Gefrierpunct sinken, im Januar desselben Jahrs bis 40° C.
steigen sehen (Milligan). In dem kältern York wird die Win-
terwärme zu 10°, G C, die Sommerwärme zu 27°, 4 von Om-
maney bestimmt. Die grösste Hitze, mit Trockenheit verbun-
den, herrscht im December, Januar und Februar. Nach dem
nassen Winter entfaltet sich die Frühlingsvegetätion gegen
Ende Juli. Den Ausgang des October beschreibt D. als die
schönste Jahrszeit, da die meisten Gramineen alsdann inBlüthe
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stehen , alle Vögel brüten und singen und die Grasfluren mit
rothen, gelben und weissen Gnaphalieon uiid andern, jährigen
Synanthereen bedeckt sind. Vorzüglich ist der sandige Boden
als Weideland zu benutzen: unter den geselligen Gramineen
zeichnet das Känguruh-Gras, Anthistiria australis, sich aus.
Zu dem physiognomischen Character der Landschaft tra-
gen besonders folgende * Baumformen bei: 1. Eine Art von
Xanthorrhoeüy welche die Colonisten Blackboy nennen» Der
Stamm ist 1' dick, 10 — 15' hoch, zuweilen wiederholt gabelig
wobei alle Zweige gleiche Dicke behalten: der Blüthenstiel
ist fast ebenso hoch als die Pflanze selbst. An diese Baumart
reihen sich andere ähnliche Formen, mehrere Arten von Xan-
thorrhoea, Kingia australis und eine 30' hohe Zamia. 2. Der
prächtigste aller Waldbäume ist die Nuytsia floribunda^ be-
kanntlich ein Nicht-Parasit aus der Familie der Loranthaceen.
Der Stamm hat 2 — 4' im Durchmesser; die Blätter werden
mit denen von Taxus elongata verglichen. Wegen der zahl-
losen orangefarbigen Blumen, von denen dieser Baum im De-
ceraber und Januar bedeckt ist, nennen die Colonisten ihn
Feuerbaum. Wenn man sich demselben nähert, erheben sich
in dichten Schwärmen die zahlreichen Insecten, die aus den
Blüthen sich ernähren. 3. Neben diesen auff'allenden Gestal-
ten ist der neuholländische Character besonders durch das
Vorherrschen der Myrtaceen und Proteaceen in den Bestand-
theilen des Waldes ausgedrückt. Drei Viertel der Bäume sol-
len zu der Gattung Eucalyptus gehören. Eine Banksia ist
der gemeinste Baum bei Perth.
In Hinsicht auf die an Artenzahl überwiegenden oder
sonst characte ristischen Familien der Flora des Schwanenflus-
ses sind folgende Ergebnisse von L's. Untersuchung zu erwäh-
nen. Unter den Myrtaceen sind es hier die zur Erica-Form
gehörenden Chamaelaucieen, welche einen eigenthümlichen Ty-
pus dieser Gegend darstellen und an Formen reich zu sein
scheinen. L. hat auch dieser Abtheiluug 10 Arten von Ca-
lythrix, 2 von Chrysorrhoe (darunter Cliv. nitens, ein klei-
ner Strauch, dessen gelbe, metallglänzenden Blumen sich zu
„Massen von goldenen Sternen" anhäufen); von Verticordia
hat L. 2, V. Hügel noch 2 andere Arten; ferner sind 2 Läo^ä-
kyae, 3 Hedaromata n. g., 1 Genetyllis vom Schwanenfluss
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beschrieben. — Unter den übrigen Myrtaceen sind an Arten
reiche und ausgezeichnetere Gattungen: Melaleuca, Calotha*
mnusj Beauforiia, Metrosideros, Leptospermum , Baechea,
Agonis, Eremaea und Eucalyptus. — Von den Leguminosen
bemerkt L., dass häufig die ßlüthen gelb mit braunen Flecken
auf Kiel und Flügeln sind; andere sind rein blau, wie z. B.
eine Kennedy a, welche die gewöhnliche Liane der Wälder
ist. Characteristische Gattungen mit meist endemischen Arten:
Acacia, Pultenaea, Oxylohium, Chorisema, Daviesia, Jac-
sonia, Burtonia, Gompholohium, Aotus, Zichya, Physolo-
hium, Kennedy Uj Hardenhergia. — Die Rutaceen treten
gegen die Ostküste zurück. Es fehlen z. B. Cornea und Phe-
balium. Auch die einheimischen Gattungen Eriostemon und
Boronia scheinen arm an Arten. Dagegen' giebt es einige bis
jetzt endemische Gattungen mit einzelner Art. — Die Lasio-
petaleen gehören zu den eigenthümlichsten Erzeugnissen die-
ser Flora. Man kennt aus dieser kleinen Gruppe schon 14 Ar-
ten, meist Arten von Thomasia.' üebrigens ist die Classe der
Malvaceen fast nur durch einige Hibisci vertreten. — Von
den Droseraceen sind 8 Arten von Drosera und Byhlis ge-
funden. — Die Dilheniaceen sind häufig. — Von den Pitto-
sporeen kommen einige endemische Formen vor. — Die Syn-
anthereen sind sehr zahlreich, sowohl an Gnaphalieen, als an
Asteroideen. Sie scheinen noch einer genauem Bearbeitung
zu bedürfen. Lindley erwähnt folgende Gattungen: Helichry-
suiUy Rhodanthe, Morna, hawrencella^ Xyridanthe, Pitho-
carpa, Rhytidanthe, Ixiolaena^ Cylindrosorus , Myrioce--
phalus; Brachycome, Lagenöphora, Euryhiay Asteridea,
Eriocladium, Amhlysperma. — Die Epacrideen scheinen
weniger beschränkte Bezirke zu bewohnen: nur die Gattung
Conostephium mit 2 Arten ist endemisch. Die meisten Arten
gehören zu Leucopogon. — Von den Labiaten werden er-
wähnt: Hemiandra, Hemigenia und Atelandra. — Die Goo-
deniaceen sind zahlreich. Viele Arten gehören zu Scaevola,
Leschenaultia , Dampier a, Goodenia. — An Stylidiaceen
scheint die Colonie mehr Arten zu besitzen, als irgend eine
andere Gegend. R. Brown kannte 46 neuholländische Formen,
Lindley erhielt vom Schwanenfluss allein 40 Arten, unter denen
mehrere Hügel'sche fehlen. — Anch die Proteaceen sind äusserst
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zahlreich und wegen der geringen Extension der zu dieser
Familie gehörenden Arten grösstentheils endemisch. Die Gat-
tungen sind jedoch mit Ausnahme von Manglesia schon
sämmtlich R. Brown bekannt gewesen. Reich an Arten sind:
Anadenia, Conospermum , Synaphea, Lamhertia^ Dryan-
dra, Banksia, Isopogon, Petrophila, Persoonia, Hakea^
Grevillea, Adenanthos. — Von den übrigen dicotyledoni-
schen Familien ist im Verhältniss zu den genannten die Zahl
der Arten gering. Als die merkwürdigsten Gattungen erwähnt
Lindley: Tetratheca mit vielen endemischen Arten, Come-
sperma, Stackhousia , Tripterococcus , Pigea, IDiplopeWSf
Nuytsia, Anthotroche , Mallophora, Halgania, PimehOy
Trichinium, Loudonia, Nur durch sparsame Repräsentanten
werden vertreten die Cruciferen, Ranunculaceen, üm-
belliferen, Geraniaceen, Rosaceen, Plantagineen,
Lobeliaceen (darunter die Isotoma Brownü, der man die
häufigen Vergiftungen des Viehes zuschreibt, welche Drummond
als die erheblichste Plage der aufblühenden Colonie schildert).
Unter den monocotyledonischen Familien sind am merk-
würdigsten die Haemodoraceen, die am Schwanenfluss das
Centrum ihrer Verbreitung besitzen, indem sie den fünfzigsten
Theil der ganzen Vegetation auszumachen scheinen. Die ein-
heimischen Gattungen sind: Conostylis (mit 7 Arten), Tribon-
anthes (4), Haemodorwn (3), Anigosanthus (3), Andro-
stemma (1), Blancoa (eine Art vom Ansehen der Barba-
cenien), Phlebocarya (S). — An Orchideen ist die Colonie
reich, da schon gegen 60 Arten entdeckt worden sind. Wicr
wohl prachtvoll und mannigfach an Formen, Farben und Wohl-
geruch, sind sie doch sämmtlich terrestrisch und grossentheils
Zwiebelgewächse, Sie gehören zu den Abtheilungen derNeot-
tieen und Arethuseen. Unter jenen sind die artenreich-
sten Gattungen Thelymitra nebst Macdonaldia und Diwis,
unter diesen Glossodia und Caladenia. Die übrigen Neot-
tieen sind: Prasophyllum und Epihlema; Arethuseen: Mi-
crotis, Eriochilus, Pterostylis, Lyperanthus, Callana (ent-
hält eine der Dionaea an Eigenthümlichkeit nicht nachstehende
Sensitive), Drakaea^ Spiculaea. — Drummond erwähnt eine in
9" tiefem Wasser wachsende Orchidee mit grossen, hellblauen
Blüthen, die L. noch nicht bekannt scheint. — Die übrigen
471
Monocotyledonen sind mit Ausnahme der noch nicht näher
untersuchten Gramineen an Zahl gering, aber grösstentheils
von merkwürdiger Structur: z. B. die mit Aphyllanthes ver-
glichenen Gattungen Laxmannia (4 Arten), Borya (2) und
Johnsonia (2); ferner Xanthorrhoca , Kingia^ Calectasia.
Unter den Liliaceen ist die Hauptgattung Thysanotus mit
vielen Arten; hieran reihen sich Caesia (3 Arten), Stypen-
dra und Soweihaea. Die Melanthaceen enthalten Bur-
chardia (3) xmd. Anguillaria (1). Die Philydreen Hetae-
ria, die Irideen mehrere Patersonien und die Commelina-
ceen Cartonema.
Von Nees v. Esenbeck sind 13Cyperaceen und 8Re-
stiaceen beschrieben {i Chorizandra, i Isolepis^ ^tElynan-
ihus, 1 Schoenus^ 3 Isoschoenus n. g., 2 Chaetospora, 1 Cau-
stis, — 1 Restio, 1 Lepyrodia, 1 Lyginia, ^Anarthria^
2 Leptocarpus, IDesvauxia).
Die botanische Topographie derColonie wird durch man-
che Notizen in Drummond's Briefen erläutert. Die Küsten-
kette trägt nur eine dünne Erdschicht, ist indessen dicht mit
Gesträuchen bedeckt. Hierauf folgt gegen das Innere ein wel-
lenförmiges Terrain mit kieseligem Sandboden, der jedoch
sehr fruchtbar ist und sich bis zu dem Darling ränge erstreckt.
Ein Eucalyptus und zwei Banksia- Arten sind hier vorzüg-
lich verbreitet: von Kräutern gedeihen hier viele Arten von
Thysanotus und Patersonia, ein Anigosanihus ist die ge-
meinste Pflanze. Am Fusse des Darling ränge begegnet man
den ersten Kmgien. Drumrnond vergleicht diese Bäume mit
Xanthorrhoea; sie werden 20 — 30' hoch und tragen 15 — 20
anderthalb Fuss lange Blüthenstiele; die Blutaen stehen in 2"
starken Köpfen gedrängt. Auf den Abhängen des Gebirgs
wächst einer der vorzüglichsten Waldbäume, ein Eucalyptus,
der bis zur Theilung des Stammes wenigstens 60' misst. Ausser
einer besondern Art von Xanthorrhoea giebt es hier wenig
Unterholz oder Gesträuch. Man findet in diesen Wäldern
gegen 30 Proteaceeu.
Achtzig englische Meilen ONO. von Freemantle beginnt
eine offene, sandige Gegend, von der man weiss, dass sie sich
in gleicher Richtung 200 Meilen weit erstreckt. Dieser Di-
strict heisst Ouanguan. Hier ist selbst im Juli, in der Regen-
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zeit, frisches Wasser selten. Das Land ist durch niedrige
Hügel wellenförmig gebaut: diese tragen einen steinigen Thon-
boden und bringen einige Eucalyptus- kvien hervor, allein die
sandigen Mulden zwischen denselben sind viel ausgedehnter.
Sie sind nur dünn mit kleinen Sträuchern bewachsen, Kän-
guruhs findet man hier zu Hunderten. Die Grenze von Guan-
guan gegen die Colonie wird durch einen grossen Eucalyptus-
wald gebildet.
Im October 1839 besuchte Drummond die Insel Rotnesst,
die der Mündung des Swan River gegenüber liegt. Sie erhebt
sich nur 300' und besteht aus Kalkstein. Als ein höchst
merkwürdiges pflanzengeographisches Resultat dieser Unter-
suchung ist es zu betrachten, dass dieser Insel die Hauptfor-
men der Swan-River-Vegetation fehlen. Weder Proteaceen
noch die Gattungen Eucalyptus und Xantorrhoea kommen
dort vor, obgleich Arten von diesen Gattungen unmittelbar
an der Küste des gegenüberliegenden, wenige Meilen ent-
fernten Continents wachsen. Uebrigens ist die Insel bewal-
det, namentlich von einer Myrtacee, die einen Loranthus
trägt. Ausserdem wurden hier beobachtet: Boronia^ Pitto-
sporum, Diplolaena, Lasiopetalum.
Eine nicht unwichtige Bemerkung Drummond's besteht
darin, dass neben den vielen in die Golonie eingeführten Cul-
turgewächsen auch eine Reihe von fremdländischen Pflanzen
sich freiwillig eingebürgert und weit verbreitet hat, deren Ur-
sprung wegen der kurzen Existenz der Niederlassung sich
genau nachweisen lässt. Drummond spricht hier als Augen-
zeuge, und so kann man seine Angaben als verbürgte Zeug-
nisse betrachten, während man in andern Fällen nur auf Ana-
logie und Wahrscheinlichkeit diese wichtigsten Beweise für
die ursprüngliche Trennung der Floren gründen kann. Bei
der Peninsula Farm sind gegenwärtig lästige, früher nicht vor-
handen gewesene Unkräuter: mehrere europäische Avenae,
Briza minor, Phalaris aquatica, Lolium temulentum, Po-
lygonum aviculare, Centaurea solstitialis, Solanum capense,
Physalis peruviana. Auch Sonchus oleraceus hat sich all-
gemein verbreitet und einen einheimischen, ehemals häufigen
Sonchus fast ganz verdrängt.
Als die Colonie gegründet ward, nährten dib Eingebornen
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sich vorzüglich von einer einheimischen DhsdÖtää xind 7 bis
8 Haeniodoraceen, deren Wurzeln gerostet mild und nahrhaft,
im frischen Zustande hingegen scharf sind. Statt dessen wer-
den jetzt fast alle europäischen Culturgewachse angebaut und
auch die der Tropen sind nicht ganz ausgeschlossen. In die-
ser Beziehung können folgende hier gebaute Pflanzen die cli-
niatische Sphäre der Colonie ausdrücken: Weizen und Mais;
die englischen Gemüsearten und die Wassermelonen; der Wein-
stock und die Feige; der Apfelbaum und der Pisang, Pome-
ranzen, Oliven, Zuckerrohr.
Die Flora von Tasmania, wie Vandiemensland jetzt all-
gemeiner genannt wird, ist durch die Untersuchungen von Ro-
nald Gunn bekannter geworden. Der jüngere Hook er hat
eine systematische Zusammenstellung und Bearbeitung der von
ihm und dem verstorbenen Lawrence 'gesammelten Pflanzen
begonnen (Journ. of Bot. 1840 p. 399). Nees v. Esenbeck
beschrieb die Cyperaceen (Ann. nat. bist. 6 p. 45). Die Arbeit
von Hooker, nach De Candolle geordnet, reicht bis zu den Rha-
mneen. — Uebersicht der Gattungen: 13 Ranunculaceen (3 C/d-
inatis, 1 Anemone: A. crassifolia Hook, auf der Spitze des
Black-Bluff 4 — 5000' hoch, 9 Ranunculus); 10 Dilleniaceen
(7 Pleurandray 3 Hibhertia)-, 1 Magnoliacee (Tasmannia
aromatica'Hv» 9 — 12' hoch, dicht zusammenwachsend, bildet
einen Miniatur- Wald); 10 Cruciferen (i N astur tium, i Bar-
harea, 6 Cardamine, \ Arabis, 1 Lepidium^ 1 Coronopus^
1 Stenopetalum) ; 4 Violaceen (3 Viola, 1 Hymenajithera) ;
7 Droseraceen (Drosera); 4 Po\y ga\een(Comespennay, 2Trem-
andreen (Tetratheca); 6 Pittosporeen (2 Billardiera, 1 Bur-
saria: 30 — 40' hoher Baum, 3 Pittosporum); 1 Linee (L. an-
gustifolium lluds.y, 9 Caryophylleen (2 Spergula^ 5 Stella ria,
Arenaria marina Sm. und Cerastiwn vulgatumL,); 4Mal-
vaceen (2 Sida, 1 Lavatera, Lawrencia spicata H.^; 1 Bom-
bacee {Flagianthus sidoides IL); 2 Lasiopetaleen (Lasiopeia-
lum) ; 1 Elaeocarpee (^Friesia) ; 3 Hypericineen (2 Hypericum^
1 Carpodontus); 2 Sapindaceen (Dodonaea); 7 Geraniaceen
(4tGeraniumj 2 Pelargoniuin y Erodimn cicutaj'ium); 1 Zy-
gophyllee {Zygophyllum); 2 Oxalideen (Oxfl/w); 18 Rutaceen
(6 Correa, 3 Eriostemonj 3 Phehalium, b Boronia, i Zieria;
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3 Stackhousieen (ßtackhousid)\ 10 Rhamneeu (1 Viscaria,
6 Pomaderris, 3 Cryptandra,^
Die von Nees besqbriebenen Gattungen sind folgende:
1 Helothrix, 1 Cyperus, 2i Isolepis, 3 Heleocharis, 1 Cladium,
1 Chaetospora, 1 Gymnoschoenus, 2 Lepidosperma = 11 Cy-
peraceen. Auch 2 Restiaceen (R. complanatus Br. und lateri-
florus Br.).
Die in den „Verhandelingen over de natuurlijke Geschie-
denis der Nederlandsche overzeesche Bezittingen" enthaltenen
ausführlichen Nachrichten über den pflanzengeographischen Cha-
racter von Neu-Guinea bleiben dem nächsten Jahresberichte
vorbehalten.
Gedruckt bei (ieii Gebr. Liiger.
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