ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTIN GEN ,
PROF. DR. VON SIEBOLD IN BRESLAU, PROF. DU. A. WAGNER
IN MÜNCHEN UND PROF. DR. LE UCK ART IN GIESSEN.
HERAUSGEGEBEN
VOM
Db. f. h. troscbex.,
PROFBSSOn AN DER FRIBDRICH-V^ILHBLMS-UNIVBRSITÄT ZU BONN.
ACHTZEHNTER JAHRGANG.
Erster Band.
MIT ZEHN KUPFERTAFELN.
BERLIN, 1852.
VERLAG DER NICOLATSCHEN BUCHHANDLUNG.
\':m>Ur'r
manaa
Inhalt des ersten Bandes.
Seite.
Verwandlungsgeschichte der Mantispa pagana. Von Friedrich
Brauer in Wien. (Hierzu Taf. I. Fig. 1—3.) ... l
Noch ein Wort über die ungeschlechtliche Vermehrung bei Nais
proboscidea. Von Dr. Max Schulze in Greifswald. (Hierzu
Taf. I. Fig. I.) 3
Zoologische Notizen. Von C. Th. y. S i e b o 1 d in Breslau . 8
Zur geographischen Verbreitung der Gattung Turacus Cnv. Von
Dr. G. Hartlaub in Bremen 18
lieber das Vorkommen und die Verbreitung des Chitins bei den
wirbellosen Thieren. Von Dr. B ud. Leuckart in Giessen 22
Neue Eap'sche Mollusken, als Zusatz zu meiner Schrift „die süd*
africanischen Mollusken.«« Von Prof. Dr. E r a u s s in Stuttgart. 29
Ueber die Gattungen unter den Nordamerikanischen Najaden.
Von Prof. Louis Agassiz in Cambridge bei Boston.
(Briefliche Mittheilung an den Herausgeber) ... 41
Ueber die Gattung Doliolum und ihre Arten. Von Dr. A. U r o h n
(Hierzu Taf. II.) 53
Ueber die Erscheinungen bei der Fortpflanzung von Syllis pro-
lif era und Autolytus prolifer. Von Dr. A. K r o h n. (Hierzu
Taf. III. Fig. 1.)
Notiz über die Noctiluca miliaris Surir. (Mammaria scintillans Ehr.).
Von Dr. A. Krohn. (Hierzu Taf. HI. Fig. 2.) . . . 77
Ueber neue Ophiuren von Mossambique. Von Dr. Wilhelm
Peters in Berlin. (Monatsberichte derAcad. zu Berlin 1851
p. 463.) 82
Tanais Rhynchites und balticus, neue Arten aus der Ostsee. Von
Dr. Friedrich Muller. (Hierzu Taf. IV. Fig. 1—4.) . 87
Eine Beobachtung über die Beziehung der Gattungen Caligus und
Chalimus. Von Demselben. (Hierzu Taf. IV. Fig. 5. 6.) 91
66
^lH'Jip
Seite.
R. Titian Peale's Vögel der „United States fixploring Expedition,"
im Auszuge mitgetheilt und mit liritischen Anmerkungen ver-
sehen von Dr. G. Har tl au b . . . , . . 93
Versuch, die Arten der Pholaden-Famiiie in natürliche Gruppen
zu ordnen. Von J. E. Gray. Ueberselzt und mit einigen
•»^'^ Anmerkungen begleitet von Dr. A. N. Herrmannsen in
Kiel 139
Verzeichniss der durch Herrn Dr. v. Tschudi in Peru gesam-
melten Conchylien. Vom Herausgeber. (Hierzu Tal.
V— VII.) .''.ob« oh nojaio 30 h ÜJirn: 15^
Beiträge zur Naturgeschichte des Papiernautilus (Argonauta Argo
Linn.) und insbesondere Beschreibung des bisher unbekann-
ten vollständigen Männchens dieses Thieres. Von Dr. E.
Rüppeil. (Hierzu Taf. VIII.) . . . hifbrin^Muilfv 209
Heber die Gebissformel der Spitzmäuse. Von Dr. W. Peters.
(Monatsberichte der Acad. zu Berlin 1852. p. 169.) . . 222
Alausa vulgaris und finta, verschiedene Arten. Vom Heraus-
geber 228
Mesostomum Ehrenbergii Oerst., anatomisch dargestellt von Rud.
Leuckart. (Hierzu Taf. IX.) . . . . . .234
Ueber Syllis puUigera, eine neue Art. Von Dr. A. Krohn.^
(Hierzu Taf. X.) 251
Ueber die Stellung der Nasenlöcher bei den Ophisurus-Arten und
den mit ihnen verwandten Gattungen aus der Familie der
Aale. Von Chr. Lütken, Lieutenant a.D., Gehülfen am
zool. Mus. in Kopenhagen. (Aus Videnskabelige Meddelelser
fra den naturhist. Forening i Kjöbenhavn 1851.) . . 255
Beschreibung des Carterodon sulcidens Lund, Auszug aus einem
Briefe von Joh. Reinhardt an Prof. Steenstrup. (Vi-
densk. Meddel. naturh. Forening i Kjöbnhavn 1851.) Ueber-
setzt von Dr. Creplin .f|,<).,,^i . ..... 277
Ueber Conchodytes, eine neue in Muscheln lebende Gattung von
Garneelen. Von Dr. W. Peters (Monatsberichte der Acad.
zu Berlin. 1852. p. 588 . . . . . . .283
Iter hungaricum a. 1852 susceptum. Beiträge zur Systematik
der Ungarischen Flora. Von A. Grisebach u.A. Schenk. 291
iJlfiii) 'io<
Verwaiidlungsgescilichte der lHantispa
pag:aiia.
Von
^ V^riedricli Brauer
in Wien.
(Hierzu Taf. I. Fig. 1—3.)
Nachdem ich das vollkomm^ene Kerf mehrere Jahre im
Freien vergeblicir beobachtet hatte, fing ich ein Weibchen
um es zu Hause zu beobachten. GlückHcher Weise war die-
ses befruchtet, und der Hinterleib strotzte von Eiern. Nach-
dem ich es 14 Tage mit Fliegen genährt hatte, legte es an
mehreren Stellen des Glases, worin ich es hatte, kleine, ge-
stielte, rosehrothe Eier, über 200 an der Zahl. Nebstdem
wurden noch fast 100 derselben auf einer Pflanze abgesetzt,
so dass dieses Insekt, binnen wenigen Tagen bei 300 Eier
legte. Von den zuerst gelegten Eiern krochen in 3 Wochen
fast alle aus, von der zweiten und dritten Partie fielen die
meisten Eier ein. — Die Eier werden im Monat Juli gelegt
und kriechen im September aus.
Die aus den Eiern kommenden Larven haben einen fla-
chen Kopf, wie die Larven von Myrmecoleon, an dem vorne
ziemlich lange, gerade, vorrf zugespitzte Kiefer sich befin-
den, sehr ähnlich den Kiefern von Osmylus im Larvenzu-
stande. Sie können nur wenig geöffnet werden, und liegen
im Ruhezustand so nebeneinander, dass die Larve das Aus-
sehen hat, als hätte sie schnabelförmig verlängerte Mundtheile.
Unter den Kiefern stehen, wie bei den Larven der Hemero-
biden, die Lippentaster. Das erste Glied derselben ist kurz
cylindrisch , das zweite und dritte länger, spindelförmig,
und das letzte ist am Anfange spindelförmig , am Ende
aber allmählich verschmächtigt und fein zugespitzt. Ne-
ben den Kiefern sitzen die viergliedrigen Fühler. Das erste
Archiv f.NaturgesGb. XVIII. Jahrg. 1. Bd. 1
2 . Brauer; Verwandlungsgeschichle der Mnnlispa pagano.
Glied ist cylindrisch, das zweite spindelförmig, das dritte ku-
gelförmig* und das vierte so lang wie die drei ersten zusam-
men, und fadenförmig. In der Länge ragen die Fühler über
die Kiefer hinaus. Seitwärts von den Fühlern stehen, wie
bei der Larve von Myrmecoleon, deutlich sichtbare schwarze
Augen. Der breiteste Brustring ist der Metathorax, ihm an
Breite zunächst kommt der halbmondförmige Prothorax und
zwischen beiden ist der schmale Mesothorax. Kopf und Pro-
thorax sind hornig, die übrigen Brustringe und der^Hinter-
leib aber fleischig, wie bei der Larve von Raphidia.
Die Beine der zwei ersten Brustringe haben spindelför-
mige Schenkel und Schienen. Die des dritten Bruslringes
hingegen keulenförmige. Die Hüften sind an allen Beinen
kegelförmig und die Tarsen wie bei der Larve von Chrysopa
gebildet. Die zehn Hinterleibssegmente werden erst vom
7ten Segmente an schmäler , sonst sind sie mit dem Meta-
thorax gleich breit. Die Gestalt des Hinterleibs ist fast wie
bei der Larve von Raphidia , nur die letzten zwei Segmente
sind wie bei den Larven der Hemerobiden gebildet, und die-
nen beim Kriechen als Nachschieber. Die Farbe der Larve
ist am Kopfe, Prothorax und den Beinen graubraun, der
übrige Leib ist oben rothbraun , und hat in der Mitte eine
lichtrothe Längenlinie , nebst eben solchen Querlinien am
Vorder- und Hinterrande eines jeden Segments. Auf der
untern Seite ist die Larve fast weiss gefärbt. Ausserdem ist
sie mit vielen kurzen Haaren besetzt. Nahrung und Lebens-
weise der Larve konnte ich noch nicht ausmitteln. Aus der
Aehnlichkeit mit den Hemerobidenlarven jedoch lässt sich
schliessen, dass sie ein Raubftiier ist, und vollkommene Ver-
wandlung besitzt. In ihrem Benehmen gleicht sie sehr den
Blattlauslöwen. — Die Länge der Larve nach dem Auskrie-
chen aus dem Eie ist '/^ Linie.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Larve von Mantispa pagapa.
Fig. 2. Eier derselben.
Fig. 3. Ein Ei vergrössert.
llocil ein ll^opl iiber «He uiig^e.^elileclitliclie
Vei'ineliruBfig' bei IVais proboselclea.
Von
lir« itlax Scliiilize
in Greifs wald. '
(Hierzu Taf. I. Fig. I.)
Es ist allgemein bekannt, dass wie alle Naiclen, so auch
Nais proboscidea, sich durch Theilung fortpflanzt. Vor der
Trennung einer in der Theilung begriffenen Naide in ein
Vorder - und Hinterthier entstehen oft vor dem Theilstrich
mehrere neue Individuen so hintereinander, dass Vorder-
und Hinterthier durch die Zwischengenerationen weit aus
einandergerückt werden, und man nicht selten eine Reihe
von 4—5 und mehr aneinander hängender Naiden antrifft,
von denen die dem Vorderlhier zunächst liegende die jüng-
ste und kleinste, die an das Hinterthier gränzende die äl-
teste ist. Die Frage nach der Entstehung dieser Zwi-
schengenerationen bedurfte einer Beantwortung. Diese, ver-
suchte ich in einem Aufsatze dieses Archives Jahrg. 1849
p. 293 zu geben. Das Resultat meiner Beobachtungen war,
dass nach der Abgränzung der Naide in ein Vorder- und ein
Hinterthier jedes folgende zwischen beiden sich bildende
Individuum ein Glied des Vorderthieres absorbire,
so dass entsprechend der Anzahl der neuen Thiere das Vor-
derlhier an Ringelzahl allmählich abnähme. In jeder der neu
gebildeten Naiden musste man demnach eine Grundlage,
gebildet von einem Leibesringel der Mutter, an-
nehmen , aus welchem nach hinten zahlreiche Körper- und
Schwanzglieder, nach vorn neue Kopfglieder entstanden
waren.
Diese Forlpilanzungsweisc musste um so .lichr überra-
4 Schultze:
sehen , als bei einem verwandten Wurm, der Syllis prolifera
der Nordsee, eine auf den ersten Blicli ganz ähnliche Ver-
mehrung als auf ganz anderem Wege vor sich gehend, von
Frey und Le uckart*«*) nachgewiesen war. Hier entste-
hen die neuen Individuen, welche zwischen Vorder- undHin-
terthier in derselben Reiherrfolge, wie bei unserer Nais auf-^
treten, nicht auf Kosten des V orderthieres, son-
dern durch einfache Knospung, ohne integrirende Be-
standtheile des Mutterthieres in sich aufzunehmen, ohne eine
allmähliche Verkürzung des Vorderthieres zu bedingen.
Gegen meine Darstellung der Fortpflanzung bei Nais
proboscidea ist kürzlich R. Leuckart aufgetreten (dieses
Archiv voriger Jahrg. p. 134 fr.). Er fasst den fraglichen Vor-
gang bei Nais ganz so auf, wie er denselben früher bei Syllis
beschrieben, und erklärt meine Angabe in Bezug auf den
Uebergang je eines Gliedes des Vorderthieres in die der Zwi-
schengeneration angehörigen neuen Individuen als auf einem
Beobachtungsfehler beruhend. Den Vorgang , welchen ich
mit Recht eine Th eilung nennen zu können glaubte, hält
L e u c k a r t für eine Knospung in derContinuität des
Mutterthieres.
Ich habe meine damals schon an einer grossen Anzahl
von Exemplaren angestellten Beobachtungen in Folge dieser
abweichenden Angaben eines sehr verdienten Forschers einer
umständlichen Revision unterworfen, und nicht allein die hier-
durch gewonnene gewisse Ueberzeugung , dass meine früher
gegebene Darstellung der Natur vollständig entspreche, son-
dern auch das persönliche Interesse, mich in dem Besten, was
ein Naturforscher haben kann, dem guten Ruf eines treuen
Beobachters, nicht geschmälert zu sehen, fordern mich auf,
meine früheren Angaben gegen die Einwendungen Rud. L eu-
ckart's hier zu vertheidigen.
Was zunächt die wesentlichste Differenz in unsern Be-
schreibungen betrifft, die nämlich: über das Eingehen
einesSegmentes desMutterthieres in die neuenln-
dividuen, so muss ich ganz bei meiner früheren Darstel-
*} Beiträge zur Naturgeschichte wirbelloser Thiere 1847. p. 91.
Noch ein Wort über d. ungescbl. Vermehr, b. Nais probosc. 5
lung beharren. Man sehe die beigegebene Figur. Nachdem
bei a die erste Einschnürung in der Mitte des Körpers einer
langen Naide entstanden und durch diesen das Vorderthier
A von dem Hinterthier B abgegränzt worden , nachdem am
Hintertlüer ein neues Kopfende drf, am Vorderthier neue
Schwanzglieder cccc gebildet, entsteht die nächste Abschnü-
rung, durch welche das erste Mittelthier abgegrenzt wird, nicht,
wie L e u cli a r t will, bei e , wo die durch Neubildung ent-
standenen Glieder an das letzte Segment des Vorderthieres
stossen, sondern bei 6, zwischen dem letzten und vorletzten
Segment des Vorderthieres.
Jeder wird sich leicht von der Richtigkeit dieser An-
gabe überzeugen können , wenn er sein Augenmerk auf die
Seitenborsten richtet, deren Grösse zu einer Zeit, wo der
Theilungsprocess noch auf der Stufe steht, wie in der beige-
gebenen Figur, in dem Mutterthier eine viel bedeutendere ist,
als in der Neubildung. Nur der Umstand, dass diese langen
Seitenborsten sehr leicht ausfallen, und nur eine kür-
zere Hülfsborste an ihrer Stelle stehen bleibt , macht es mir
erklärlich, dass Leuckart sich nicht von der Richtigkeit
meiner früher gegebenen Darstellung überzeugen konnte.
Ausserdem dienen aber auch noch die Fussborsten (welclie
in der Figur aus Mangel an Raum weggelassen sind) und
die Farbe und Form des Pigmentes des Darmkanals dazu,
das dem Mutterthier angehörige Glied von der Neubildung zu
unterscheiden.
Leuckart läugnet., seiner Theorie gemäss, versteht
sich auch die von mir behauptete , durch die stete Neubildung
von Individuen gesetzte allmähliche Verkürzung des Vorder-
thieres. Genaue Zählungen zeigen diese Verkürzung ohne
allen Zweifel. Eine Nais, deren Vorderthier aus 21 Gliedern
mit Seitenborsten bestand, wurde isolirt, und bei täglich wie-
derholter Zählung fand sich , dass , nachdem zwischen Vor-
der- und Hinterthier ein Mittelthier entstanden , ersteres nur
noch 20 Glieder enthielt. Einige Tage später fand sich das
Hinterthier abgelöst , und ein zweites Individuum hatte sich
vor dem früheren Mittelthier durch einen deutlichen' Theil-
strich abgesetzt. Das Vorderthier enthielt jetzt nur noch 19
Glieder mit Seitenborsten. Solcher Zählungen habe ich eine
^ Schnitze;
ganze Reihe vorgenommen, sie sprechen mit mathemalischer
Gewissheit für die von mir vortheidigte Theorie der Ver-
mehrung.
Eine fernere Verschiedenheit findet sich in unsern An-
gaben über den Ursprung des Blastems, welches in der Mille
einer Naide als ersle Andeutung des beginnenden Theilungs-
processes auftritt, so wie in der Deutung der Einschnürung,
durch welche die Abgränzung in ein Vorder- und Hinterlhier
bedingt wird.
Das Blastem entsteht nach Leuckart, der die ganze
ungeschlechtliche Vermehrung bei Nais mit dem von ihm frü-
her bei Syllis beschriebenen Vorgange möglichst idendifici-
ren möchte, als eine von vorne herein abgeschlos-
sene Knospe zwischen zwei Segmenten, die letzleren aus
einander drängend, „Hat sie [die Knospe] ungefähr die Länge
eines Segments erreicht (mitunter auch schon vorher), so
bemerkt man in der Mille einen liefen ringförmigen Einschnilt,
der sie in eine Vorder- und Hinlerliälfte scheidet." „Die
Querfurche ist der morphologische Ausdruck für eine Son-
derung in eine vordere und eine hintere Partie , die , wie
wir sogleich sehen werden, in ihren ferneren Umwandlungen
sich verschieden verhalten." So Leuckart. Diese Auf-
fassung und Beschreibung entspricht nicht der Natur. Die
Queri'urche entsteht nicht erst , nachdem das Blaslem schon
einige Zeit bestanden , sondern ist zugleich mit dem ersten
Auftreten desselben schon vorhanden. Sie ist nichts weiter
als der Leibesringeleinschnilt , welcher schon vorher, aber
nur sehr undeutlich , an dieser Stelle wie zwischen je zwei
andern Gliedern bestand. Das Blastem ist demnach nicht als
ein Ganzes erst später sich theilendes anzusehen, als eine
Knospe in der Continuität des Mutterlhieres, sondern besieht
von Anfang an aus zwei Theilen, welche verschiedenen Ur-
sprung und verschiedene Bedeutung haben. Das von der
Querfurche nach vorn liegende Slück gehört unmitlelbar dem
letzten Segment des Vorderlhieres an, d<is nach hinlen lie-
gende dem ersten Segmente des Hinterthicres , crsleres bil-
det eine grosse Reihe von Körper- und SchwanzgUedern ,
letzteres neue Kopfthiere. So habe ich die Veränderungen,
welche eine ziim Theilungsprocess sich anschickende Nais
Noch ein Wort über d. ungesclil. Vermehr, h. Nais probosc. 7
durchmacht , in meinem früheren Aufsätze beschrieben, bei
(lieser Auffassung- muss ich nach wiederholter Prüfung" in
allen Stücken verbleiben. Die Thcilung der Nais lässt sich
mit dem ähnlichen Vorgange bei Syllis durchaus nicht ver-
gleichen.
Schliesslich macht mir Leuckart den Vorwurf, ich
unterschiede mit 0. F. Müller ausser der angegebenen
Fortpflanzungsvveise noch eine Zeugung aus dem Af-
tergelenk. Von der wirklichen Existenz dieser Fortpflan-
zungsweise habe er sich nicht überzeugen können. Ich muss
hier gestehen, dass mich R. Leuckart vollständig missver-
standen. Allerdings unterscheide ich zwei Arten der Fort-
pflanzung durch Theilung: 1) die, wo in der Mitte eines lan-
gen Thieres eine Einschnürung entsteht behufs der Absetzung
der hinteren Hälften und 2) die, wo durch fortgesetzte Ab-
schnürung des jedesmaligen letzten Gliedes des
Vorder thieres („Aftergelenk des Mutterthieres" nach 0.
Fr. Müller) die oben als Zwischengenerationen bezeichne-
ten neuen Individuen entstehen. Diese letzte Art der Fort-
pflanzung ist es, welche ich meinte, als ich den schon von
0. Fr. Müller gebrauchten Namen „Zeugung aus dem Af-
tergelenke" gebrauchte.
Auf welcher Stelle meines früheren Aufsatzes dieses
Missverständniss beruht, und worauf sich demgemäss die in
den letzten Sätzen der R. Leuckart'schen Abhandlung ent-
haltene Polemik bezieht, ist mir dunkel geblieben,
Erklärung der Abbildung.
Aliltlerer Tbcil einer in der Fortpflanzung begriffenen Nais pro-
boscidea. A. hinteres Ende des Vorderlhieres. B. vorderes Ende des
Hinterthieres. C. Wittelthier. a. Grenze zwischen Hinterlhier und
Mittellhier. b, Grenze zwischen Vorderlhier und Älillelthier. cccc. neu-
gcbildele Glieder des Miltellhiercs. dd. Neugebildeter Kopftheil des
llinlorlhievs e. Grenze zwischen dem in das Miltelthicr einbezogenen
Segmente des Vorderlhieres und den neugebildoten Gliedern des Mit-
tel thieres.
Zoolog^ische IVotizen.
Von
C* Tli. V. Slebold
in Breslau.
lieber Upupa Epops,
Der Wiedehopf hat sich bekanntlich durch den ekel-
haften Geruch, denn er um sich verbreitet, einen üblen Ruf
erworben. Man sollte glauben, dass auch die Ursache, durch
welche sich dieser Vogel die Spottnamen „Stinkvogel, Koth-
vogel, Dreckkrämer, Dreckhahn, Stinkhahn" u. dgl. zugezo-
gen hat, gehörig bekannt wären, allein es scheinen sich die
Naturforscher wenig Mühe gegeben zu haben, über die ei-
gentliche Veranlassung des von dem Wiedehopfe ausgehen-
den Gestanks ins Klare zu kommen, ja, man hat sich oft nur
begnügt, die Volkssage, welche den seines Gestanks wegen
zum Sprüchworte gewordenen Wiedehopf für einen unsaube-
ren,, den Schmutz liebenden Vogel erklärt, ohne nähere Prü-
fung zu wiederholen. Daher ist es denn auch gekommen, dass
sich in den verschiedenen ornithologischen Schriften so man-
ches Widersprechende über die stinkenden Eigenschaften die-
ses überall in Deutschland verbreiteten Vogels vorfindet. Ich
will in dieser Beziehung nur aus einigen Schriftstellern, die
mir gerade zur Hand sind, dasjenige hervorheben, was über
den Übeln Geruch des Wiedehopfs gesagt wird.
Von Oken (s. dessen Naturgeschichte für alle Stände.
Bd. VII. Abth. 1. p. 203) erfahren wir, dass der Unrath der
Jungen am Rande des Nestes liegen bleibe und so. wie der
Kuhmist, mit welchem der Wiedehopf sein Nest erbaut, die
Ursache an dem Gestanke desselben sei. In der Schrift
V. Siebold: Zoologisccfie Notizen. "
über die Fortpflanzung europäischer und aussereuropäischer
Vögel von Berge (1840. Theil I. p. 138) wird es als eine
Unwahrheit hingestellt, dass der Wiedehopf mit den Exkre-
menten von Menschen und Thieren sein Nest baue, nur so-
viel sei wahr, dass sein Nest und er selbst zur Brütezeit ei-
nen üblen Geruch zeige. Berge fügt dann noch hinzu, dass
der Kuhmist, welchen man im Neste des Wiedehopfs finde,
beim Zusammentragen der Halme hineinkomme; auch bewei-
sen seine Brüteplätze , dass er den Geruch jeder Art von
Fäulniss sehr liebe; übrigens rühre der Gestank besonders
daher, dass der Wiedehopf den Unrath der Jungen nicht aus
dem Neste schaffe , sondern denselben so überhand nehmen
lasse , dass die Jungen zuletzt gänzlich im Kothe stecken.
Auch Gloger (Handbuch der Naturgeschichte der Vögel Eu-
ropa's. Th. I. p. 47 1 wirft dem Wiedehopf vor, dass der Un-
rath der brütenden Mutter , wie der Jungen , nicht von der
Neststelle fortgeschafft werde; indessen bemerkt derselbe aus-
drücklich, dass eigentlich von der Ausdünstung des Wiede-
hopfs der ekelhafte Aasgeruch desselben herrühre, welcher
besonders an den Jungen auch nach dem Ausfliegen noch
wochenlang haftet, und zu anderen Zeiten^ an diesen Vögeln
nicht wahrgenommen werde. Dieser Behauptung wird von
unserem erfahrensten Ornithologen, nämlich von Naumann
widersprochen, indem derselbe (s. dessen Naturgeschiche der
Vögel Deutschlands. Th. V. p. 449) den Wiedehopf gegen das
bekannte Sprüchwort in Schulz nimmt, und erklärt, dass der-
selbe die meiste Zeit im Jahre gar nicht stinke, und dass,
wenn der Wiedehopf zu gewissen Zeilen recht arg stinke,
dies nicht von seiner Ausdünstung, sondern von äusseren Ur-
sachen herkomme. Den ärgsten Gestank verbreite das Nest
und die in ihrem eigenen faulenden Unrath sitzenden Jungen.
Die Alten, wenn sie die Jungen zu füttern haben, und oft
mit ihnen und dem Neste in Berührung kommen , nehmen
diesen üblen Geruch an, der sich bei ihnen sowohl wie bei
den ausgeflogenen Jungen nachher allmählich wieder verliere.
Diese Bemerkungen N a u m a n n's kann ich nur zum Theil
als richtig anerkennen. Der Wiedehopf stinkt allerdings nur
zu gewissen Zeiten, nämlich als Nestvogel, doch wird ihm
dieser Gestank nicht von dem Unrath mitgetheilt, der sich in
ih
V. S i e b 0 1 d .'
seinem Neste anhäuft. Ich habe öfters ganz junge, aus dem
Neste genommene Wiedehopfe im Zimmer aufgezogen , und
an ihrem Unralhe keinen Gestank wahrnehmen können. Der »
Unrath der kleineren Vögel verbreitet überhaupt keinen so
unleidlichen Gestank, sondern giebt mehr einen dem Kuhmiste
ähnlichen moschusartigen Geruch von sich. Wir sehen da-
her, dass manche andere Vögel, w^elche ebenso wie der Wie-
dehopf, ihre Nester von dem Unrathe ihrer Jqngen venmrei-
oen lassen, deshalb noch keinen üblen Geruch annehmen;
so theilt uns Naumann mit (a. a. 0. Th. V. p. 370 und
Th. VI. p. 229), dass die Jungen des Wendehalses und der
Holzlaube in ihrem Unrathe zuletzt wie in einem stinkenden
Pfuhle sitzen ; von dem üblen Gerüche, den diese Vögel da-
durch angenommen hätten, wird jedoch nichts erzählt; das
Sprüchwort hat sie daher auch verschont und sich mit Recht
auf den Wiedehopf concentrirt. Dieser stinkt aber auch zu
gewissen Zeiten , nämlich als Nestvogel , ganz abscheulich,
mag man denselben im Neste antreffen, oder entfernt von
demselben aufziehen. Es rührt dieser Gestank einzig und
allein von dem Sekrete der Bürzeldrüse her, von welchem
ein höchst widerlicher ammoniakalischer Dunst aufsteigt. Die-
ser theilt sich mit dem Sekrete jener Oeldrüse dem ganzen
Gefieder des Vogels mit und verliert sich allmählich wieder,
nachdem die Jungen vollkommen üügge geworden sind, in-
dem nämlich auf eine höchst merkwürdige Weise das Sekret
der Bürzeldrüse um diese Zeit seine Farbe und Beschaffen-
heit durch und durch ändert, und jenen widerwärtigen Ge-
ruch vollständig ablegt. Ich muss mich um so mehr wun-
dern, dass der ausgezeichnete Ornitholog Naumann diese
Erscheinung übersehen hat, da schon der vortreffliche Nitz s c h
auf diese Eigenschaft des Wiedehopfs aufmerksam gemacht
hat, und zwar in einer Mittheilung, welche von Naumann
selbst in seiner Naturgeschichte (Th. V. p. 436) abgedruckt
worden ist. Nilzsch sagt dort von der Bürzeldrüse des
Wiedehopfs : „die Oeldrüse auf dem Schwänze zeichnet sich
durch einen sehr länglichen, röhrenförmigen und mit Federn
besetzten Zipfel aus. Ihre freilich veränderliche Absonderung
scheint die Ursache des widerlichen Geruchs zu sein, \velcher
am Wiedehopt öfters bemerkt wird.« Was Nitzsch durch
« Zoologische Notizen. II
diese kurze Notiz eigentlich nur angedeutet hat, das findet
sich später von ilim ausführlicher in einer Schrift mitgetheilt,
in der man es vielleicht nicht suchen wird; ich halte es da-
her für passend, die von Nitzsch über die Eigenschaften
der Bürzeldrüse des Wiedehopfs gemachten Erfahrungen mit
seinen eigenen Worten zur weiteren Kenntnissnahme hier
milzutheilen. In dem Systeme derPterylographie von Nitzs ch
(p. 57) heisst es nämlich: „Bei Upupa epops , wo der Aug-
gang birnförmig gestaltet ist, hat derselbe nur eine einfache
Stundung; allein in den Grund seiner ziemlich weiten Höhle
crgiesst jede Drüsenhälfle ihr Sekret durch eine besondere
OefTnung. In dieser Höhle, welche durch die in ihrer Wand
liegenden Spuhlcn der Kranzfedern ausgespannt erhalten wird,
sammelt sich beim Weibchen, aber nur bei diesem, nicht
beim Männchen, welches auch nicht mit brütet, wenn es gleich
die Jungen mit füttert, das anfangs gelbe, später schwarz-
braune Sekret der Drüse an , und ist dann die Ursache des
heftigen Gestankes, den der Wiedehopf um diese Zeit ver-
breitet. Es stinken ursprünglich nur die Weibchen, und die
Jungen; erstere aber nur so lange sie brüten und die Jun-
gen füttern, letztere so lange sie im Neste liegen, später nicht
mehi:. Sollte dieser Gestank vielleicht dazu bestimmt sein,
Weibchen und Junge vor den Nachstellungen der Raubthiere
zu schützen ?"
Was übrigens das Reinhalten der Nester betrifTt, so fin-
det man darüber in Naumann's Naturgeschichte manche
interessante Beobaclitungen aus dem Leben der Vögel nie-
dergelegt, denen ich noch einige neue hinzufügen kann. So
erzählt Naumann von dem Zaunschlüpfer (Troglodytes par-
vulus), dass dieser Vogel sein Nest ungemein reinlich halle,
und dass, sobald nur ein Junges den Hintertheil nach dem
Eingangsloche des Nestes dreht , sogleich eins der Alten da
ist, um den Unrath , dessen sich ersteres entledigt, mit dem
Schabel aufzufangen und wegzutragen. Auch die Hausschwalbe
(Hirundo urbica) soll, nach Naumann, bei der Rückkehr
zum Neste den aufgefangenen Unrath der Jungen im Schna-
bel mit herausnelimen, um ihn ausserhalb des Nestes aus der
Lull fallen zu lassen. Etwas ähnliches beobachtete ich an
dem Hausrothschwänzchen (Sylvia tithys), v/elches in Erlangen
12 y. Siebold;
sein Nest öfter in der nächsten Nähe menschlicher Woh«
nungen, nämlich auf den oberen Querbalken der Hausaltanen
angebracht hatte. Obgleich diese Altanen den Tag über viel-
mals von Menschen betreten wurden , so Hess sich solch ein
Vögelchen in seinem ßrutgeschäfte doch nicht stören; auf-
fallender Weise verrieth sich die Anwesenheit seines Nestes
nach dem Ausschlüpfen der Jungen nicht einmal durch den
herabfallenden Koth der letzteren, was in dem merkwürdigen
Umstand lag , dass der fütternde alte Vogel fast jedes Mal,
nachdem derselbe ein Insekt oder eine Insektenlarve zur
Aetzung abgegeben hatte, mit einem weiss und braun gefärb-
ten runden Fäcesklumpen eines seiner Jungen im Schnabel
davonflog. Von einer Rauchschwalbe (Hirundo rustica) theilte
mir ein glaubwürdiger Förster mit, dass er dicht unter dem
Neste, welches ein Schwalben -Pärchen auf seinem Hausflur
angelegt hatte, ein Brett befestiget habe, um dadurch die Ver-
unreinigung des Fussbodens zu verhüten. Als er, nachdem die
Jungen ausgeschlüpft waren, später einmal nach diesen sich
umsehen wollte, war er überrascht, auf dem Brette unter dem
Neste gar keinen Unrath zu finden ; er ward hierdurch ver-
anlasst , dieses Schwalbennest mit seinen Bewohnern näher
zu beobachten, und gewahrte alsbald, dass die Alten bei der
Fütterung häufig Kothklumpen der Jungen im Schnabel da-
vontrugen. Wahrscheinlich war das Brett zu dicht unter dem
Neste befestigt, so dass die darauf sich anhäufenden Koth-
massen den Vögeln zuletzt unbequem geworden wären, und
die Alten zu jener Reinlichkeits- Maassregel sich gedrängt
sahen, welche unter anderen Verhältnissen nicht von ihnen
ausgeübt worden wäre.
Ueber Calamophilus barbatus.
Da ich Gelegenheit hatte, ein Pärchen dieses niedlichen,
durch sein zierliches Betragen mit Recht so sehr beliebten
Vogels längere Zeit hindurch zu beobachten, und die Eigen- .
Schäften der Bartmeise in Naumann's Nolurgeschichte der
Vögel überhaupt nur unvollständig aufgeführt sind, indem die-
sem Naturforscher keine lebenden Bartmeisen zur Beobach-
tung zu Gebote standen , so glaube ich nichts Ueberflüssiges
zu thun, wenn ich Einiges über das artige Benehmen meines
Bartmeisen-Pärchen hier mittheile. Zuerst muss ich das be-
Zoologische Notizen. 13
stätigen, was schon Gloger (a. a. 0. p. 371) von der ge-
genseitigen Zärtlichkeit der Bartmeisen-Pärchen gerühmt hat.
Männchen und Weibchen schliefen nie anders auf der Stange
ihres Käfichs als dicht aneinander gerückt und mit den sich
berührenden Flügeln so über- und ineinander geschoben,
dass man nur einen einzigen Vogel mit geblähtem Gefieder
schlafend zu sehen glaubte. Auch die Balzbewegungen, wel-
che Naumann (a. a. 0. Th. IV. p. 109) erwähnt, konnte
ich an dem Bartmeisen-Männchen wahrnehmen. Sehr häufig
forderte ,das Männchen sein Weibchen zum Liebkosen auf,
indem es sich ihm näherte, Kopf und Hals reckte und die Fe-
dern dieser Theile unter Schliessung der Augen hoch auf-
sträubte. Das Weibchen verstand diese Aufforderung immer
gleich, setzte das eine seiner Beine auf den Nacken des Männ-
chens und bearbeitete die gesträubten Kopffedern desselben
der Reihe nach auf eine sehr sanfte Weise mit dem Schna-<
bei. Das Männchen musste einen sehr grossen Gefallen hieran
finden, da es sich stets des Tages mehrmals die Kopffedern
in ähnlicher Weise von seinem Weibchen frisiren Hess. Das
Weibchen kam mir leider schon nach einem halben Jahre
um, nachdem ich das Pärchen von einem holländischen Vo-
gelhändler zu Freiburg im Breisgau gekauft hatte, während
das Männchen noch ein Paar Jahre mit einigen Stieglitzen,
Hänflingen und Kanarienvögeln in einem gemeinschaftlichen
sehr geräumigen Vogelbauer einträchtig lebte ; doch merkte
man demselben an , dass es sein Weibchen stets vermisste.
Zuweilen wandelte ihn die Lust an, sich am Kopfe liebkosen
zu lassen , was besonders dann geschah , wenn gerade ein
Stieglitz-Männchen seinen zwitschernden Gesang hören Hess.
Es war dann rührend-komisch anzusehen, wie das Bartmei-
sen-Männchen dem Stieglitze näher und näher rückte, seine
Kopf- und Halsfedern sträubte, und mit geschlossenen Augen
die ersehnten Liebkosungen erwartete , die es von seinem
Weibchen zu erhalten gewohnt war. Der Stieglitz verstand
diese Aufforderung indessen nicht und pickte mit seinem
spitzen Schnabel den zudringlichen Fremdling hastig und un-
sanft auf den Kopf, wodurch die arme Bartmeise aus ihren
wahrscheinlich sehnsüchtigen Träumen plötzlich zur Besinnung
gebracht und verscheucht wurde.
.14 ' V. ^i.ebold: ,
Ausser den Balzbewegiingen haben die Bartmeisen in
ihrem Benehmen noch manches andere mit den Hühnervögeln
gemein, an welche dieselben sogar durch ihren gebogenen,
an Spitze und Seitenrändern übergreifenden Oberschnabel er-
innern. Die Barimeise hüpft nicht mit beiden Füssen zu-
gleich, wenn sie sich schnell auf der ebenen Erde fortbe-
wegen will, wie so viele andere Singvögel, sondern läuft
äusserst behend mit schnell abwechselnd ausschreitenden
Beinen. Meine Bartmeisen suchten gerne unter Sumpf- und
Wasserpflanzen (Lemna, Callitriche, Fontinalis), die ich ihnen
täglich frisch und nass in einem grossen flachen Behälter
vorsetzte, nach Gewürm, Insekten und deren Larven, wobei
sie sich fast wie Scharrvögel benahmen, indem sie, wenn sie
nichts mehr von Futterstoffen erblickten , mit ihren Füssen
das Kraut auseinanderzerrten und umwendeten ; jedoch un-
terschied sich dieses Scharren von dem eines Huhns da-
durch , dass die Bartmeisen mit beiden Beinen -zugleich das
Kraut auseinander kratzten. Sehr gerne kauerten sich diese
Vögelchen im Laufe des Tages, besonders während die Sonne
schien, auf dem trocknen am Boden ausgestreuten Sande, oder
auf den breiteren an den Wandungen des Käfichs befestigten
Breltclien nieder , wobei sie sich , wie ein Huhn , auf Brust
und Bauch vollständig niederduckten. Sie schliefen nicht,
während sie so ausruhten, sondern blickten wachsam und
aufmerksam um sich her, was ich an keinem an3eren Stu-
benvogel bis jetzt hatte wahrnehmen können.
Ueber Rana oxyrrhinus und platyrrhinus.
Ich habe es stets vermieden, die Uebersicht der Thier-
species durch Aufstellung neuer wenig charakteristischer Ar-
ten zu erschweren, daher wird man sich vielleicht wundern,
dass ich auf zwei Froscharten aufmerksam mache, deren
Arlberechtigung sich bis jetzt nicht hat geltend machen kön-
nen; ich bin aber fest überzeugt, dass die zwei oben genann-
ten Froscharten, welche Steenstrup zuerst unterscheiden
gelehrt hat, wirklich zwei ganz gute Arten sind. Steen-
strup (in dem amthchen Berichte über die 24. Versammlung
deutscher Naturforscher und Aerzte in Kiel im September 1846.
Zoologische Notizen. 15
p. 131) hat sehr richlig nachgewiesen, dass unter dem Namen
Rmia temporaria zwei durch Körperbau und Lebensart ganz
verschiedene Frösche von jeher mit einander verwechselt wor-
den sind. Ich will ihre Art-Unterschiede, wie sie Steen-
strup festgestellt hat, hier nicht wiederholen, da sie schon
einmal in diesem Archive (s. den Jahrgang 1847. Bd. II.
Jahresber. p. 341) abgedruckt worden sind. Nur das miiss
ich aussprechen, dass mir schon lange diese beiden Arten auf-
gefallen waren, und dass man es leicht dahin bringen kann,
dieselben von einander zu unterscheiden. Es ist die Rana
oxyrrhinus Steenstr. meist kleiner und gedrungener als Rana
platyrrhinus Steenst., aber nicht etwa eine noch unausgewach-
sene Rana esculenta. Die von Steenstrup angegebene Dia-
gnose berechtigt vollkommen, die Rana oxyrrhinus als beson-
dere Art anzuerkennen. Ich getraue es mir jetzt zu , diese
drei Froscharten, Rana oxyrrhinus, platyrrhinus und esculenta
mit Berücksichtigung der von Steenstrup hervorgehobe-
nen Merkmale auf den ersten Blick zu unterscheiden, und will
nur noch bemerken, dass Rana oxyrrhinus zwischen R. pla-
tyrrhinus und esculenta gleichsam in der Mitte steht. Den
spitzeren Kopf und den an der Wurzel der äussersten Zehe
von einem bedeutenden Knochen unterstützten Höcker hat die
R. oxyrrhinus mit R. esculenta gemein, dagegen unterschei-
det sie sich von dem grünen Grasfrosche leicht durch die
andere Färbung. Die R. oxyrrhinus erscheint nämlich nie
grasgrün gefärbt, sondern stimmt in der braunen und grauen
Färbung und Zeichnung mehr mit R. platyrrhinus überein, was
wohl auch die Ursache war, dass diese beiden Arten stets
miteinander verwechselt worden sind, und dazu kömmt noch,
dass beide Arten Landfrösche sind , und beide zu gleicher
Zeit im frühesten Frühjahre das Wasser aufsuchen , um hier
ihre Fortpflanzungsgeschäfte zu verrichten. Ein wichtiges
Merkmal, durch welches sich beide Arten von R. esculenta
unterscheiden , ist der Mangel der hervorstülpbaren Blase in
den beiden Mundwinkeln, mit deren Hülfe die Männchen der
R. esculenta ihr lauteir Quaken den ganzen Sommer hindurch
hervorbringen. Obgleich sich in dieser Beziehung die Männ-
chen von R. oxyrrhinus und platyrrhinus ähnlich sind, so ist
doch der Ton, welchen beide Arten nur zur Zeit der Paa-
16 Y. Siebold:
rung hören lassen, nein ganz verschiedener. Die geilen Männ-
chen von R. platyrrhinus geben durch ein gleichmässiges,
langandauerndes und sehr lautes Knurren ihre wollüstigen
Gefühle kund, während die Männchen von R. oxyrrhiiius ihre
Liebesbrunst durch unterbrochen klucksende aber ziemlich laute
Töne äussern. Es lassen sich diese Töne mit nichts besse-
rem vergleichen, als mit jenem Geräusche, welches die aus
einer leeren zum Füllen unter Wasser gehaltenen Flasche
stossweise entweichende Luft erzeugt. Wenn zur Brunstzeit
diese Frösche sich im Wasser umhertreiben, sind beide Arten
noch durch ein anderes auffallendes Merkmal zu unterscheiden,
welches mich zuerst auf die Existenz dieser beiden Arten auf-
merksam gemacht, und welches auch Steenstrup (a. a.
0. p. 135) bereits hervorgehoben hat. Die Männchen von
R. oxyrrhinus erscheinen nämlich alsdann wie mit einem bläu-
lichen Reife auf der Rückenfläche ihres Körpers überzogen,
welche Farbe oft ganz ins himmelblaue spielt und an den
Thieren wieder verschwindet, so wie sie sich auf das Land
begeben. An den Männchen von R. platyrrhinus konnte ich
dieses Farbenspiel nicht wahrnehmen. Um noch einen an-
deren Nebenunterschied zu berühren, durch welchen sich diese
beiden Landfrösche von dem grünen im Wasser lebenden
Grasfrosch entfernen, will ich nur erwähnen, dass R. oxyr-
rhinus und platyrrhinus das Distomum cylindraceum in ihren
Lungen beherbergen, welcher Lungen-Parasit bei R. escu-
lenta fehlt und durch Distomum variegatum ersetzt wird.
Was die geographische Verbreitung dieser beiden Land-
frösche betrifft, so erfahren wir durch Steenstrup, dass
beide Arten in Dänemark und Schweden ziemlich verbreitet
vorkommen , und dass nach den verschiedenen Lokalitäten
bald die spitzschnauzige , bald die breitschnauzige Art die
häufigere ist. In Deutschland hat Steenstrup die R. oxyr-
rhinus bei Stettin und Leipzig beobachtet. In Schottland
scheint, nach Steenstrup's Erfahrung, nur die R. platyr-
rhinus allein vorhanden zu sein. Diesen Bemerkungen kann
ich in Bezug auf Deutschland noch hinzufügen, dass ich beide
Arten bei Heilsberg und Königsberg in Ostpreussen und bei
Danzig in Westpreussen , ferner bei Erlangen in Franken
und bei Breslau in Schlesien angetroffen habe, dass mir
Zoologische Notizen. 17
aber die spitzschnauzige Art stets die seltenere Art zu sein
schien.
Da die neusten Fortschritte in der Histiologie es er-
forderlich machen, dass, wenn neue Untersuchungen wieder-
holt und geprüft werden sollen , diese genau an denselben
Organen derselben Thierspecies vorgenommen werden müs-
sen, da ferner die durch Dubois Rcymond an Frischen
gemachten grossen Entdeckungen , welche gegenwärtig das
Interesse der Physiologen und Physiker in gleich hohem Grade
in Ansp'ruch nehmen, nur durch die subtilsten Experimente
bestätigt und weiter geführt werden können, so verdient die
Existenz der drei oben genannten Froscharten um so mehr
berücksichtigt zu werden , indem gerade die Frösche das
meiste Material zu diesen Untersuchungen und Experimenten
liefern, wobei es jetzt gewiss nicht mehr gleichgültig ist, ob
dazu Rana oxyrrhinus, platyrrhinus oder esculenta ausgewählt
wird, welche jedenfalls in ihrer Lebensweise verschieden sind,
und gewiss auch durch ihre Körperconstitution so wie durch
ihre feinste Zusammensetzung wichtige, das Experiment mo-
dificirende Verschiedenheiten darbieten.
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 1. Bd.
Zur g-eog:raphiscIieii Verbreitung- der Oat-
tung- Turacus €uv.
Von
Dr. G-, Hartlaub
in Bremen.
Herr Dr. E. Rüppell hat im dritten Hefte des 17ten
Jahrgangs dieser Zeitschrift die sämmtlichen Arten der Gat-
tung Turacus Cuv. (Corythaix IlligO einer kritischen Revision
unterworfen und hinsichtlich dos eigentlichen Cuculus persa
Linne's berichtigende und interessante Mittheilungen gemacht,
für welche ihm die Wissenschaft Dank schuldet. Mit vollem
Rechte wird darin die Uebersicht dieser Vögel in Bona-
p a r t e's „Conspectus generum avium« als nicht frei von Irr-
thümern bezeichnet. Dieselbe Bezeichnung findet aber ihre
Anwendung auf einen nicht ganz unwesentlichen Theil der
Arbeil Rüppell's, nämlich auf die Angabe des Vaterlandes
und der geographischen Verbreitung der einzelnen Arten, und
in dieser Beziehung möge es gestattet sein, hier einige Be-
merkungen und Zusätze beizubringen, deren Veröffentlichung
als ausschliesslich im Interesse der Wissenschaft geschehend,
Herrn Dr. Rüppell selbst nur willkommen sein kann.
1. Turacus Meriani Rüpp. „Vaterland unbekannt." —
Brisson, welcher den alten ausgefärbten Vogel dieser Art
unverkennbar beschreibt , nennt Guinea als Vaterland des-
selben, und diese Angabe findet ihre Bestätigung durch eine
neuerliche Mittheilung der Brüder Verreaux in der Hevue
et Magasin de Zoologie für 1851 , wo auf S. 258 ein wie
uns scheint, etwas jüngeres Exemplar derselben Art von
Gaboon herstammend ausführlich beschrieben wir<l. Die
Harllaub: Zur geographischen Verbreit. d. Galt. Turacus. 1^
von B onap arte verfasste Diagnose lautet: Minor, crista vi-
ridi , margine extremo rufo , superciliis vix ullis." Dieser
meint in dem Vogel von Gaboon den eigentlichen Typus des
Cuculus persa Linne's gefunden zu haben und citirt dazu
Edw. t. 7.
2. Turacus corythaix Wagl. ( albocristalus Strickl. )
„Südwestafrika." — Diese von Levaillant, Forster und
Anderen beschriebene, in der Capcolonie häufige Art scheint
auch hoch hinauf an der Ost-Küs(e vorzukommen, denn
B i an c 0 ni "«*) in Bologna beschreibt in seinem etwas schwer
zugänglichen Werke „Specimina zoologica Mosambicana" auf
S.34 des dritten Fascikels sehr deutlich ein vonFormasini
aus Mozambique eingesandtes Exemplar.
3. Turacus macrorhynchus Fräser. „Ostafrica?" — lie-
ber das Vaterland dieser Art haben wir neuerlich die genü-
gendste Auskunft erhalten. Dr. Thomson, einer der Natur-
forscher der letzten Nigerexpedition der Engländer, sammelte
dieselbe in den Wäldern der westafricanischen Insel Bimbia
und des Küstenstriches Cameroons, und berichtet davon auf
S. 290 des zweiten Bandes der „Narrative of the Expedition
sent by H. M. government to the Biver Niger'* wie folgt: We
were so fortunate as to procure from the same tree three
specimens, each having the crest in a different
State; in one it was simply green, in another
greenwitha black margin; in the third green
with a thin line of black margined over all with
purple. In all other respects they had the same
plumage; it is quite clear to us, they were me-
rely of different ages.'' — Eine zweite Lokalitätsan-
gabe für diese Art verdanken wir C. Sundevall, nach
welchem sich ein von A fz elius aus Sierra Leone überbrach-
tes Exemplar derselben in der Stockholmer Sammlung befin-
det: „Foglar frän Sierra Leone." Öfversigt af KongL
Vetenskaps-Academ. Förhandlingar 1849. p. 160. Hier heisst
*) Die ebendaselbst beschriebene und Cinnyris discolor Vieill.?
benannte Honigsauger-Art ist eine neue „maculari scapulari nitidissi-
me violacea" von der discolor bestimmt verschiedene Art: C. Bianco-
nU nob.
20 Hartlaub:
es aber noch: „Apices nigri e filis discretis plumarum cristae,
fere 5 mm. longi, cum spatio brevissimo intermedio albido,
vix nisi attente observanti apparent; nullum vero marginem
nigrum formant; an detriti?"
4. Turacus Buffonii Vieill. „Senegambien.« — T. Buf-
fonii fehlt in keiner grösseren Sendung senegambischer Vö-
gel, scheint aber auch längs der ganzen Küste Guinea's
vorzukommen. Ein in der Stockholmer Sammlung befindliches
Exemplar stammt von Sierra Leone: Sundev. I.e. p. 159.
Dr. Gordon beobachtete und schoss diese Art in den dich-
ten Wäldern um Cap Coast Castle, wo sie sehr gemein
ist: Sir W. Jardine Contribut. to Ornith. 1849. p. 11. Gor-
don bemerkt dabei, seine Exemplare hätten auch unter
dem Auge her sehr deutlich einen weissen Streifen erkennen
lassen. Die Verreaux's beschreiben ein Exemplar von Ga-
boon und sagen ausdrücklich, dasselbe unterscheide sich in
keinem Punkte von senegalischen : Rev. etMag.de Zool. 1851.
p. 358. Das Hamburger Museum erhielt Exemplare von El-
mina. Fräser endlich fand diese Art auf Fernando Po
und ebendaher stammt das von Sir W. Jardine abgebildete
Exemplar.
5. Turacus ery thr olophus Yie'iW. „Congo?" — Hinsicht-
lich des Vaterlandes dieser Art wären nähere Angaben sehr
zu wünschen. Keine einzige berechtigt Congo als sol-
ches anzunehmen. L e s s o n nennt Senegambien, D u b o i s ,
welcher in seiner Orn. Galerie auf Taf. 61 ein Exemplar der
Brüsseler Sammlung abbildet, Südafrica — Beide, fürchten
wir, ohne sicheren Grund. Bowdich führte, paulina be-
stimmt als um Sierra Leone vorkommend auf, ohne ihn
jedoch zu beschreiben : Excurs. to Porto Santo etc. p. 229.
Ohne Zweifel eine westafricanische Art.
6. Turacus giganteus Vieill. „Congo?" — Nur die ziem-
lich vage Vermuthung, T. giganteus könne zu verstehen sein
unter dem „Boolicoco" G. Maxwell's („Observat. on the
countries of Congo and Loango" Edinb. Philosoph. Journ.
vol. VL), scheint für das Vorkommen dieser Art in Congo
zu sprechen. Ein Hauptstandort derselben scheint aber die
Insel Fernando Po zu sein, wo Fräser und Thomson
sie beobachteten : Expedit. Riv. Niger vol. II. p. 221 u. 504.
Zur geographischen Verbreitung deY Gallung Turacus. 21
Der Vogel frequeiitirt dort die Gipfel der höchsten und dicht-
belaubtesten Bäume und ist sehr schwer zum Schuss zu brin-
gen. Ferner erhielt das Leydener Museum vor einigen Jah-
ren eine Anzahl Exemplare von der Goldküste und in
Stockholm befindet sich ein durch Afzel ins von Sierra
Leone heimgebrachtes: Sundev. Öfvers. Kongl. Acad. För-
handl. 1849. p. 160.
Soweit von dem Vaterlande und der geographischen
Verbreitung dieser Vögel.
Ob nun Rüppell wirklich Recht darin hat oder nicht,
wenn er den von Edwards beschriebenen und den von ihm
abgebildeten Vogel für specifisch von einander verschie-
den erklärt , das vermögen wir nach den uns zur Verglei-
chung zu Gebote stehenden Exemplaren der hiesigen Samm-
lung weder zu widerlegen noch zu bestätigen. Jedenfalls
aber wird diese Annahme durch die überraschenden, unter
Nr. 3 und 4 mitgetheilten Beobachtungen im hoheti Grade
Zweifelheft gemacht. Geradezu widerlegt wird aber durch eben
jene Angaben die Behauptung : „bei allen bekannten Turacus-
Arten sei das Gefieder beider Geschlechter und der jungen
Vögel gleich gefärbl.^f Es geht aus dem oben Gesagten her-
vor, dass bei einigen Arten die Färbung des Haubenrandes
mit dem Alter des Vogels variirt, und dasselbe möchten wir
hinsichtlich der Deutlichkeit und Ausdehnung . der so charak-
teristischen weissen Augenstreifen annehmen , gestützt auf
eine mehrfach bei jungen Exemplaren von Cor. Buffonii ge-
machte Beobachtung, wo sich die Stelle des glänzend weissen
Fleckstreifens nur durch einzelne Federchen spärlich weiss
punktirt zeigte. Andr. Smith bemerkt zudem, dass bei
dem Weibchen von Turacus porphyrolophus das Gefieder
überhaupt weniger glänzend gefärbt , und dass zumal das
schöne Roth der Schwungfedern A^on weit geringerer Aus-
dehnung sei als bei dem männlichen Vogel.
lieber das Torkoitimen und die Terbreitiiiig*
des Chitins bei den wirbellosen Tliieren«
Von
Dr* Rud. Ijeuckart
in Giessen,
Seit den Mittheilungen von C. Schmidt *) über das
von Odier 2) zuerst in dem äussern Skelet des Maikäfers
entdeckte Chitin konnte man wohl nicht länger daran zwei-
feln, dass dieser merkwürdige, dem Horngewebe der höhern
Thiere verwandte Stoff bei den Arthropoden ganz allgemein ver-
breitet sei. Schmidt untersuchte eine grosse Menge sechsfüs-
siger Insekten auf den verschiedenen Stadien der Enwicklung,
einige Spinnen, den Flusskrebs und die Cirripedien und fand,
dass der äussere Panzer aller dieser Thiere, die Segmente
mit ihren Verbindungshäuten und manchfachen Anhängen die-
selbe chemische Zusammensetzung, dasselbe Verhalten gegen
Kali und concentrirte Mineralsäuren zeigten. Allerdings ist
die Zahl dieser Untersuchungen gegen den unendlichen Ar-
tenreichthum der Arthropoden nur gering, bei der gänzlichen
Uebereinstimmung der Resultate aber doch wohl hinreichend
für eine allgemeine Schlussfolgerung, die überdiess durch die
späteren, von Frey und mir 3) angestellten Untersuchungen
(die sich namentlich auf die von Schmidt nicht weiter be-
rücksichtigten Myriapoden, Scorpione, Milben, Pycnogoniden,
*) Zur vergleichenden Physiologie der wirbellosen Thiere. 1845.
S. 32.
2) Mem. de la Societe d'hist. natur. T. I. p. 29.
3) Wagner's Zoolomie. 2. Band. S. 132. 167.
*=-**.
Leuckart; Ueber das Vorkommen u. d. Verb, des Chitins, 23
Isopoden, Entomostraken u. s. vv. erstreckten) vollkommen
gerechtfertigt werden musste. Ueberall bei den Arthropoden,
wo man nur danach bis jetzt gesucht hat, besteht die Sub-
stanz der äusseren Bedeckungen aus Chitin. Selbst im In-
nern des Körpers spielen hier die Chitinhäute eine grosse
Rolle. Durch die äussern OefFnungen, Mund, After, Genital-
öffnungen, Stigmata, dringen sie nach innen, um an der Stelle
der eigentlichen Epithelien die innere Auskleidung des Dar-
ines, der Genitalien, / der Tracheen u. s. w. zu bilden.
Längere Zeit hat es den Anschein gehabt, als beschränke
sich das Vorkommen des Chitins ausschliesslich auf die Ab-
theilung der Arthropoden , so dass man schon glauben durfte,
als habe der Nachweis von Chitin in der äussern Ktirperhülle
für manche zweifelhafte Fälle (z. ß. Pentastomum) einen dia-
gnostischen Werth.
Ich gestehe , dass ich selbst dieser Ansicht früherhin
gehuldigt habe 0 5 d^ss ich von ihr befangen , sogar gegen
die Resultate einiger eigenen Untersuchungen misstrauisch
war, die auf eine weitere Verbreitung des Chitins unter den
Wirbellosen hinzudeuten schienen.
So hatte ich namentlich schon früher gefunden, dass
die Kiefer und Rückenschilder der Cephalopoden 2) wie die
Borsten der Chätopoden ^) durch ihre Reaction gegen kau-
stisches Kali mit dem Chitin übereinstimmten. Trotz dem
aber wagte ich es nicht, dieselben mit Bestimmtheit als Chi-
tingewebe zu bezeichnen. So lange nicht durch genauere
Analysen der Nachweis einer weitern Verbreitung des Chi-
tins geführt war, schien mir diese Deutung nicht hinreichend
begründet.
Inzwischen haben wir nun aber diesen Nachweis erhal-
ten und zwar wiederum durch C.^ Schmidt. Auf Veran-
lassung von Grube untersuchte derselbe zunächst das son-
derbare strahlenförmige Gewebe der Vorderfüsse bei dem
«) Vergl. Archiv für Naturgeschichte. 1850. Th. I. S. 16.
2) Wagner's Zoolomie. Th. II. S. 365. Anm. 1.
^) Morphologie der wiibellogen Thiere. S. 49. Anm. 3.
24 li e u c k a V 1 1
anomalen Annelidengemis Tomopteris cBriaraeus Quoy et
Gaim.) und fand es unzweifelhaft aus Chitin gebildet i). Spä-
ter 2) entdeckte er das Chitin in der Haut der Anneliden aus
den verschiedensten Gruppen (z. B. Nereis, Cirratulus, Tere-
bella, Serpula, Uimbricus, Hirudo, Clepsine), bei Ascaris, Gor-
dius, Sipunculus und sogar in den äussern Röhren von Am-
mochares und Onuphis. Für Stylochus, Polia, Distomum be-
stätigte er dagegen die Abwesenheit des Chitins.
Hiernach wäre nun immer noch die Vermuthung zuläs-
sig gewesen, als sei das Vorkommen des Chitins eine beson-
dere, wenn auch nicht ganz ausschliessliche Eigenthümlich-
keit der Arthropoden und Ringclwürmer , als könne daraus
gar eine neue Stütze für die Ansicht von Cuvier erwach-
sen, dass die beiden genannten Gruppen zu einer gemeinsa-
men grossen Abtheilung des Thierreiches zusammengehörten.
Aber auch diese Vcrmulhung muss man als unberech-
tigt und irrthümlich zurückweisen , seitdem wir neuerdings
durch MS ig. Schnitze 0 erfahren haben, dass nicht bloss
der lederartige Cocon von Clepsine und Nephelis, so wie die
harte Eischale der rhabdocoelen Strudelwürmer und Plana-
rien, sondern auch die Eischalen von Hydra viridis und so-
gar die Polypenstöcke von Campanularia geniculata und Ser-
tularia obietina aus Chitin bestehen.
Nach diesen Erfahrungen schien es mir zweckmässig,
noch weitere und ausgedehntere Untersuchungen über das
Vorkommen des Chitins anzustellen. Ich erinnerte mich der
oben angeführten älteren Beobachtungen über das chemische
Verhalten der Sepienschnäbel u. s. w. , erinnerte mich der
histologischen Aehnlichkeit mit dem Chitin der Arthropoden,
die mir bei manchen mehr oder minder festen Häuten nie-
derer Thiere , bei der Luftblasenhaut der Physalien ^) u. a.,
aufgefallen war, und ging deshalb unverzüglich ans Werk.
•) MüUer's Archiv. 1848. S. 461.
2) Archiv für Nat?irgesch. 1850. Th. 1. S. 253.
3) Beiträge zur iVaturge?ch, der Turbellarien. S. 33. u. Anm. 1.
*) Zeitschrift für wigßenschaftl. Zoologie. 1851. S. 192.
lieber das Vorkommen und die Verbreitung des Chitins etc. 25
Untersuchungen an Lycoris, Eunice, Phreoryctes, so wie
an dem Cocon von Hirudo, bestätigten zunächst die Angaben
von Schmidt und Schnitze über die Verbreitung des
Chitins bei den Ringel würniern.
iSodann überzeugte ich mich von dem gleich allgemei-
nen Vorkommen des Chitins in den Skeleten der Bryo-
z 0 e n ^). Ich untersuchte Bowerbankia densa, Plumatella re-
pens, Flustra foliacea, Antipathes ericoides , Notamia loricu-
lata und zwei der Sertularia articulata Esp. nahestehende For--^
men vom Cap d. g. Hoffnung, Ueberall fand ich dieselbe Re-
sistenz gegen kaustisches Kali , selbst bei längerem Kochen
und mehrtägigem Maceriren, dieselbe Löslichkeit in kochen-
der Salpetersäure.
Auch in der Abtheilung der Mollusken fehlt das Chi-
tin nicht.
Für dieCephalopoden hat sich das Vorkommen des-
selben in dem Rückenschilde der Loligineen, wie in den Schnä-
beln bestätigt. Auch der feste Ueberzug der Zunge mit sei-
nen Zähnen besteht aus Chitin, während dagegen die horni-
gen Ringe ;der Saugnäpfe bei Sepia u. s. w. in kochender
Kalisolution sich leicht auflösen.
Die Reibplatte der Gasteropoden hat dieselbe che-
mische Zusammensetzung, wie das Entsprechende Gebilde der
Kopffüssler. Ich untersuchte Helix^ Patella U; a. Ebenso der
unpaare Kiefer der Heliceen. Ein Gleiches gilt von der in-
nern Schale bei Aplysia und Bullaea, obgleich die organische
Grundlage der äusseren Schneckenschale, nach Schmidt,
eine Proteinverbindung ist. Cymbulia Peronii macht indessen
hiervon eine Ausnahme. Das schöne glashelle „gallertartige"
Gehäuse dieses Thieres ist Chitin.
Ebenso verhält es sich bei den Lamellibranchia-
ten mit dem Byssus 2) von Pinna; Modiola, Mytilus, Ticho-
•) Gegen meine frühere Angabc (Wagner's Zootom. Th, II. S. 269.),
dass das Chitin bei den Rolatorien fehle, bin ich jetzt sehr misstrauisch
geworden, habe aber noch keine Gelegenheit gefunden , sie weiter zu
prüfen.
2) Das Gespinnst der Insektenlarven mit vollständiger IVIetamor-
phose ist eben so wenig Chitin, wie die festen Hüllen der Insekteneier.
26 L e u c k a r l ;
gonia, bei den Brachiopoden mit der Schale und dem
Stiel von Lingula , wie auch mit der Schale und den Girren
von Orbicula. Die Schalen der Blattkiemer theilen , nach
Schmidt, die chemische Beschaffenheit der Schneckenhäu-
ser und sind — natürlich abgesehen von den Salzen — in
Kali löslich, wie ich es für Cyclas bestätigen kann.
Die organische Substanz in dem äussern Gehäuse der
eigentlichen Echinodermen ist, so weit meine Unter-
suchungen reichen (Asteracanthion , Echinus), in kochender
Kalisolution löslich.
Bei den ausgebildeten Akalephen scheint das Chitin
gleichfalls zu fehlen. Unter den merkwürdigen Ammenformen
dieser Thiere besitzt es dagegen eine grosse Verbreitung, na-
mentlich bei den Hydroiden, deren sämmtliche festen Theile
aus Chitin zu bestehen scheinen. So wenigstens bei Sertu-
laria, Campanularia, Plumularia, Tubularia. Eine gleiche che-
mische Beschaffenheit besitzt die Luftblasenhaut bei Velella
und Physalia unter den Siphonostomen.
In der Classe der echten Polypen (Anthozoa) scheint
sich das Chitin auf das sog. Achsenskelet zu beschränken,
hier aber sehr allgemein vorzukommen (Pterogorgonia se-
tosa, Gorgo'nia flabellum und palma, Plexaura antipathes, Be-
bryce, Pennatula).
Man sieht also, es ist kaum irgend eine Abtheilung der
wirbellosen Thiere, in der das Chitin nicht in grösserer oder^
geringerer Ausbreitung vorkäme. Was man bei den niede-
ren Geschöpfen früher nach seinen physikalischen Eigenschaf-
ten mit der Hornsubstanz identificirte, ist in fast allen Fällen
jetzt als Chitin erkannt worden.
Ich muss übrigens ausdrücklich bemerken, dass ich ohne
weitere Analysen das Chitin nur nach seinem Verhalten ge-
gen kaustisches Kali und mineralische Säuren bestimmt habe.
Es ist möglich, dass das Chitin in diesem Sinne noch ein
Collectivbegriff ist, dass man darunter späterhin — wie das
mit dem sogenannten Horngewebe scKon jetzt geschehen ist
— noch mancherlei besondere Modificationen jener Substanz
entdecken wird , die wir bis jetzt nur bei den Arthropoden
nach ihrer elementaren Zusammensetzung kennen.
ücber das Vorkommen und die Verbreitung des Chitins etc. 27
Vielleicht darf man auch schon aus dem in Etwas ver-
schiedenen Verhalten des Chitingewebes bei der Behandlung
mit Kali solches erschliessen. In den meisten Fällen bleibt
die betreffende Masse auch nach längerem Kochen völlig in-
tact. Mitunter aber — und so fand ich es namentlich in dem
Achsenskelet von Pennatula und Gorgonia ,palma — wird sie
allmählich weich und brüchigj, zerfällt auch wohl, ohne sich
indessen vollkommen zu lösen ^). Indessen steht hier noch
immer die Vermuthung offen , dass dieses Verhalten von
der Anwesenheit einer grösseren Menge anderer in Kali lös-
licher Substanzen zwischen den Chitinlamellen herrühre. Je-
denfalls verdient dieser Umstand aber eine weitere Berück-
sichtigung.
Es wäre überhaupt sehr wünschenswerth, wenn sich ein
Chemiker von Fach dieses Gegenstandes annähme. Nament-
lich möchte ich hierzu meinen Freund C. Schmidt speciell
auffordern, der schon früher eine solche Untersuchung uns
in Aussicht gestellt hat. Es sind hier viele und interessante
Fragen zu erledigen, über die allmähliche Genese des Chitins
und seine Beziehung zu den chemischen Vorgängen der Nu-
trition, über die dem Chitin etwa nahestehenden Stoffe, wo-
hin u. a. die Hornringe der Saugnäpfe bei den Octopoden,
die festen Einlagerungen des Begaltungsorganes bei den Tur-
bellarien 2)^ vielleicht auch die organische .Schalensubstanz
bei den Gasteropoden u. s. w. zu gehören scheinen.
Auch das Verhältniss zu dem Horngewebe der höhern
Thiere und dessen Modificalionen ist noch näher zu eruiren.
In physiologischer Hinsicht hat das Chitin damit die grosseste
Aehnlichkeit. Es theilt damit namentlich die vollständige
») In einem noch höheren Grade ist dieses bei Ascaris, Strongy-
lus u. a. Nematoden der Fall, wo ich mich bis jetzt eben so wenig,
wie bei den Taenien, den Cysticercus und Echinococcusblasen mit Be-
stimmtheit von der Anwesenheit des Chitins überzeugen lionnle, ob-
gleich im kaustischen Kali allerdings nur eine Iheilweise Lösung stalt-
findet. Jedenfalls sind die äussern Bedeckungen der Nematoden und
Bandwurmer von gleicher Zusammensetzung. Vergl. Frerichs in dem
Archiv für Naturgesch. 1848. Th. 1. S. 24.
») A. a. 0. S. 31.
28 Leuckavt! Ueb, d. Vorkommen u. d. Verbi'eit d. ChiUn«.
Abwesenheit eigener Blutgefässe oder Blutbahnen. Im ei-
gentlichsten Sinne erweist es sich hierdurch als ein Secret,
wie es ja denn auch mitunter — und das ist von dem Horn-
gewebe bis jetzt noch nicht bekannt — in wirklichen, aus
dem Körper ausgeschiedenen Absonderungen vorkommt (der
Schale von Onuphis , dem Byssus der Bivalven, dem Cocon
der Hirudineen, der Eihaut der Planarien).
Giessen, den 10. October 1851.
üfeiie H.ap'isclie HoUuiskeii,
als Zusatz zu meiner Schrift „die südafrikanischen Mollusken".
Von
Professor Dr, Ürauss
in Stuttgart.
Seit dem Erscheinen meiner Schrift (bei Ebner und
Scubert, Stuttgart 1848) habe ich durch den schon viele Jahre
in Südafrika sich aufhaltenden Botaniker, Carl Zeyher, eine
Sendung Kap'scher Conchylien erhalten, unter welchen sich
einige befinden, welche mir vorher als dem Kap angehörig nicht
bekannt waren, , andere , welche ich für neu halte; über-
diess habe ich auch, soweit mir die Literatur zugänglich war,
alle die inzwischen aus jener Gegend publicirten Mollusken
zusammengetragen. Da durch meine Schrift der Grund zu
einer Monographie der südafrikanischen Mollusken gelegt ist,
und solche Arbeiten insbesondere über die geographische
Verbreitung dieser Thiere Aufschluss verschaffen, so hielt ich
es für angemessen , eine Zusammenstellung aller inzwischen
mir bekannt gewordenen Arten in diesen Blättern niederzu-
legen, mit der Bitte an die verehrlichen Conchyologen^ die
für mich noch unbekannten südafrikanischen Arten entwe-
der mir gefälligst mitzutheilen, oder ebenfalls der Oeffentlich-
keit zu übergeben.
Die neuen Arten, ebenfalls nach dem Lamarck'schen
Systeme zusammengestellt, sind folgende:
Peclimculus Belcheri Adams und L. Reeve.
Zoolog, of the Voy. of Samarang , Moll. p. 76. pl. 22. fig. 5.
Am Kap, 120 Faden tief.
30 Krauss:
Nucula pulchra Hinds.
Krauss, südafric. Mollusk. p. 18.
Die einzelnen am* Strande gesammelten Schalen stim-
men mit der von Hinds beschriebenen und abgebildeten
Art bis auf die Zahl der Schlosszähne überein, von welchen
ich vorn 10, hinten nur 20 — 22 zähle.
An der Kapküste, Zeyher.
Terebratula abyssicola Adams und L. Reeve.
Zoolog, of the Voy. of Samarang, Moll. p. 72. pl. 21. fig. 5.
Am Kap, 120 Faden tief.
Diese interessante Art ist mir nicht bekannt; dagegen
ist in demselben Werke p. 71. pl. 21. fig. 4 eine T. capensis
Adams u. L. Reeve aufgeführt, welche mit meiner schon
1844 durch Küster in seinem Conchyl.-Cabinet von Mar-
tini und Chemnitz, Bd. II. 1. tab. 2, &. fig. 4 — 7 bekannt
gemachten T. natalensis übereinkommt; überdiess ist dieser
Speciesname schon durch Gmelin für eine ganz andere von
mir auf S. 32 angeführte Kap'sche Art vergeben worden.
Siphonaria asper a Krauss.
Krauss, süJafric. MoUusk. p. 60.
Die von C. Zeyher gesammelten Arten sind grösser
als diemeinigen; sie erreichen eine Länge von 12, eine
Breite von 9 und eine Höhe von 6 par. Linien.
Ancylus — ?
Benson erwähnt in seinen Characters of new species
of Helix from India , Mauritius and the Cape of Good Hop.e,
Annais and Magaz. October 1850. p. 254 u. 256, dass er am
Fusse des Tafelberges eine von meinem Ancylus caffer ver-
schiedene Art gefunden habe.
Limax L.
Benson führt in Annais and Magaz. February 1851. p.I07
vier, wenn nicht fünf Arten nackter Schneken an, ohne sie
näher zu beschreiben; eine davon könnte mein Garteii-
Arion sein.
Succinea Delalattdii Pfr. Mss.
Benson in Annais and Magaz. May 1851. p. 379. — S. chiloensis
Ffr.? 1. c. October 1850. p. 255.
Diese Succinea verhält sich, nach Benson, im Wasser
Neue Kap'sche Mollusken. 31
wie Lymnaeus, indem sie auf der untern Fläche des Wasser-
spiegels kriecht. Er fand sie in einem Sumpf zwischen dem
Diepriver und Muysenburg.
Die Gattung Helix L. hat einen bedeutenden Zuwachs
durch Benson erhalten; alle diese neuen Arten sind mir
aber nicht bekannt.
1. Helix paludicola ßenson.
Annals and Magaz. October 1850. p. 253.
Diese Art kommt mit der oben erwähnten Succinea vor,
und ist mit H. capensis Pfr. u. H. Uitenhagensis Krauss ver-
wandt.
2. Helix munda Benson.
L. c. p. 253.
Am Löwenkopf in der Nähe der Camp's-Bay.
,3., Helix rariplicafa Benson.
Menke et Pfeiffer, Zeitschr. für Malacozologie 1849. p. 71. —
Annals and Magaz. Oclober 1850. p. 254.
Sie wurde von Benson in der Nähe der Kapstadt in
grosser Menge gefunden und ist mit meiner H. rivularis ver-
wandt. Unter den von Zeyher überschickten Exemplaren
von H. capensis befand sich auch eine einzige verbleichte
Schale.
4. Helix Cotyledonis Benson.
Annals and Mngaz. March 1850. p. 216.
Aufpflanzen in der Nähe der Simonssladt von Benson
gesammelt.
5. Helix vorticalis ßenson.
L. c. p. 216.
Von Benson unter Steinen am Green Point bei der
Kapstadt und in Camp Ground bei Rondebosch gefunden.
6. Helix pulchella Dr.
L. c. p. 217.
Unter Steinen bei High Constantia, nach Benson.
7. Helix cellaria Müll.
L. c. p. 217.
An Bäumen in der Nähe von Rondebosch. — Beide
europäische Arten sind ohne Zweifel nach dem Kap über-
32 Krauss:
siedelt worden, es ist aber immer interessant, dass sie sich
in diesem Klima erhalten.
8. Helix bisculpta Benson.
Annais and Magaz. February. 1851. p. 103.
Unter Steinen in der Camp's-Bay, nach Benson.
9. Helix perplicata Benson.
l. c. p. 103.
In feuchten Wäldern bei Newland am Fusse vom TafeU
berg, nach Benson.
10. Helix petrobia Benson.
L. c. p. 103,
Unter Steinen bei High Constantia, nach Benson.
11. Helix suhuletorum Benson.
L. c. p. 103.
An der Küste derHout- und Kalk-Bay, nach Benson.
Mit H. rariplicata Benson sehr ähnlich. Diese und die drei
vorhergehenden Arten, so wie meine mit ihnen verwandten,
rivularis , H. aenea und H. Loveni zeigen, n^h Benson,
eine für einen Theil der südafrikanischen Helices eigenthüm-
liche Sculptur.
12. Helix dumeticola Benson.
L. c. p. 103.
An der Küste der Bay False, nach Benson, Mit H.
vernicosa Krauss verwandt.
13. Helix Bulbus Menke.
Menke et Pfeiffer Zeitschr. für Malacozoologie 1848. p. 116. —
Küster im neuen Conchyl.-Cabinet von Martini u. Chemn., He-
lix No. 747. tab. 122. fig. 1—3.
Am Kap, nach Menke.
Ausserdem sind, jedoch ohne Beschreibungen, in Pe-
ru ssac's Prodromus 4 Arten, nämlich: Helicella comatula
und sectilis, Helicostyla connexiva und dolosa und in B e c k's
Synopsis Theba Eckloniana als dem Kap angehörig angeführt.
Physa Drap.
Benson bemerkt in den Annais and Magaz. Oct. 1850.
p. 256, dass er in der l\ähe der Kapstadt mehrere Arten ge-
funden habe, welche von den meinigen verschieden seien.
Neue Kap'sche Mollusken. 33
Tomichia B enson.
Annais et Magaz. May 1851. p. 377.
Dieses neue Genus hat Benson aus Truncatella ven-
Iricosa Sow. aufgestellt, weil es sich , wie er durch die Un-
tersuchung des lebenden Thieres gefunden hat, durch den
Rüssel , die Augen und Tentakeln von Truncatella unter-
scheidet.
Chemnitzia lactea K r a u s s.
Südafric. Mollusk. p. 88. tab. 5. fig. 23.
Ich besitze jetzt Schalen, welche 6 Linien lang sind und
12 Umgänge haben. Ausser diesen hat Zeyher eine un-
vollständige Schale geschickt, welche zwar in der Gestalt ähn-
lich ist, aber auf den 9 Umgängen je 3 erhabene und gleich-
weit von einander stehende Quergürtel hat.
Liotia pulcherrima Adams.
Annals and Magaz. April 1851. p. 332.
Am Kap. (Mus. Cuming.)
1, Trochus bicingulatus Lamk.
Philipp! in Küster's Conchyl. Cabin. von Martini u. Chemn. Tro-
chus p. 87. tab. 15. fig. 8.
Wenn auch die Querleisten auf meinen Exemplaren nicht
ganz so stark ausgedrückt sind , wie auf der Abbildung , so
stimmen doch alle Merkmale so genau überein , dass sie zu
dieser Art gehören müssen. Alle Querstreifen, mit Ausnahme
derer auf der Querfläche, sind schwach gekörnt.
An der Kapküste, nach Zeyher.'
2. Trochus Zeyheri Krauss n. sp.
Tr. testa minima, globoso-conoidea, subdepressa, sub-
umbilicata, albo-cinerea rarius rubescente, lineis fuscis albo-
submaculatis cincta; spira lutea; anfractibus 5 convexis, ultimo
supra 8 — 12 lineis transversis, elevatis , subaequalibus, infra
lineis 10 — 12 subtilissimis aequalibus sculpto; apertura sub-
orbiculari , labro intus subcrenulato. — Alt. 2,2, diam. 2,6
lin. par.
♦ In litore capensi legit C. Zeyher.
Er ist mit Tr. cicer Menke sehr nahe verwandt und ge-
wiss häufig mit ihm verwechselt worden; allein wenn man
beide genau vergleicht, so wird man so viele Verschieden-
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. Bd. 1. ' 3
34 K r a u s s :
heilen finden, class eine Trennung gerechtfertigt ist. Tr. Zey-
heri ist nie so gross , stets etwas mehr niedergedrückt und
insbesondere durch die Sculptur ausgezeiclinel. Es sind näm-
lich auf dem vorletzten Umgang 6—8, auf der obern Hälfte
des letzten Umgangs 8 — 12 schmale erhabene Querlinien, von
welchen 2 — 3 kaum etwas stärker sind als die übrigen, und
auf der Grundfläche bis zur Nabelritze sehr zarte gleichgrosse
aber mit unbewaffnetem Auge kaum sichtbare Linien. Bei
Tr. cicer dagegen sind die grössern Querlinien (3 bei dem
vorletzten und 4 beim letzten Umgang) viel breiter, leisten-
förmig, an ihrem obern Rande wie abgestutzt und die Quer-
linien auf <Jer Querfläche zwar schwächer aber ebenso be-
schaff'en. Auch in der Färbung ist diese neue Art sogleich
daran zu erkennen, dass die braun, seltener röthlich, gefärb-
ten erhabenen Querlinien des letzten Umgangs bei einigen
gar nicht, bei den meisten nur wenig durch schmale weisse
Zwischenräume unterbrochen sind. Die obersten Umgänge
sind schön grünlichgelb gefärbt.
Turbo natalensis K r a u s s.
Südafrik. Mollusk. p. 101. tab. 6. fig. 1.
Unter demselben Namen übergiebt L. Reeve dieselbe
von Wahlberg gesammelte Art in den Annais and Magaz.
March 1849. p. 227 der Oeff'entlichkeit. Wenn auch die Be-
schreibung derselben schon in der Sitzung der Zoolog. So-
ciety vom 28. März 1848 mitgetheilt worden ist, so wird mei-
ner Benennung doch die Priorität erhalten werden müssen,
weil ich sie schon im Januar 1848 in meiner Schrift be-
kannt gemacht habe.
Cancellaria foveolata G. B. So w erb y.
Annais and Magaz. November 1849. p. 375. — Thesaur. Concb.
pl. 103. flg. 30. 31.
Im Sand von der Algoabai.
1. Purpura dubia Krauss.
Südafrikan. Mollusk. p. 117.
Es sind mir jetzt durch Zeyher viele frische Sclia-
len mit Deckeln zugekommen, welche in Grösse und Gestalt
mit Kiener's Fig. 94. var. «. übereinstimmen. Sie sind aber
aussen fast immer angefressen und an den obern Umgängen
Neue Kap'sche Mollusken. 35
sogar ganz abgerieben , nur in der Nähe des Mundrandes
zeigt der letzte Umgang eine dunkelbraune ins Violette über-
gehende Färbung und mehrere Querrippen, von welchen 4—5
stärker sind als die übigen. Die Mündung ist ebenfalls so
gefärbt und haU 2 hellere Querbinden. Der Mundrand ist
scharf, die Spindel ganz wie bei der Kiener'schen Figur.
Die grössten sind 15,5'" lang und 10'" breit.
An 2 wohlerhaltenen gräulich braunen Schalen mit 5
deutlichen Umgängen, welche sonst ganz mit den angefres-
senen übereinkommen, haben die obern Umgänge 2 Querrip-
pen und einige Querstreifen. Länge 11,3, Breite 7 par. Linien.
2. Purpura Zeyheri Kraus s n. sp.
P. testa parva, ovato-acuta, solida, albida, saepius flam-
mulis longitudinalibus undatis spadiceis picta; anfraclibus 5—6
convexis, ad suturam impressis, ultimo striis 15 — 20, supe-
rioribus 2 — 3 transversis prominulis , subaequalibus , strias
incrementi sublamellosas decussantibus; apertura ovata, fusca;
labro ad marginem albo, crenulato -, columella fusca, subrecla.
— Long. 8.5, lat. 5 lin. par.
In litore capensi legit Zeyher.
Diese Art kommt in der Gestalt und Färbung der Ab-
bildung von Kien er, Pourpre pl. 37. fig. 85 (/, welche eine
Varietät von P. Cataracta Lam. darstellen soll, sehr nahe, ist
aber bei vollkommen ausgewachsenem Mundrand viel klei-
ner. Die Umgänge sind in der Nähe des Sutur etwas ein-
gedrückt, der letzte ist mit erhabenen, fast gleich weit von
einander entfernten Querstreifen, welche durch dicht an ein-
ander liegende , bei jüngeren Exemplaren etwas blätterige
Anwachsstreifen gekreuzt sind , besetzt , die obern sind an
ausgewachsenen Schalen abgerieben , an Jüngern wie gegit-
tert. Die Mündung ist braun, am Rande weiss eingefasst, bei
Jüngern Exemplaren immer gefurcht und dunkler gestreift.
1. Buccimitn clathratum Adams et L. Reeve.
Zoolog, of the Voy. of Samarang, Moll. p. 32. pl. 11. flg. 12.
An der Kapküste in einer Tiefe von 136 Faden.
2. Buccinum li?nbosum Reeve.
Krauss südafrik. Mollusk. p. 119.
Unter den vielen Exemplaren, welche Zeyher über-
36 K r a u s s :
schickt hat , haben die ganz ausgewachsenen , welche über
2 Zoll lang und ly^i Zoll breit sind, immer eine weisse ge-
furchte Mündung mit dickem, etwas auswärts gebogenem Rand,
die jüngeren aber eine braune ins Violette übergehende Mün-
dung. Die Schalen sind mit einer Kalkkruste und mit Spi-
rorbis überzogen.
An der Kapküste.
3. Buccinum Cataracta C h e m n.
L. c. p. 119.
Auch von dieser Art habe ich mehrere Exemplare er-
halten, welche ganz bestimmt die ächten von Chemnitz
sind und das, was ich in meiner Schrift angegeben habe, be-
stätigen.
An derKapktiste.
4. Buccinum intinctum R e e v e. -
L. c. p. 120.
Alle, etliche 30, durch Zeyher erhaltenen Exemplare
sind mit einer maschenförmigen Gallertmasse überzogen ,
welche sich leicht ablösen lässt und die Schalen vollkommen
rein zeigt.
An der Kapküste.
5. Buccinum Kochianum D u n k e r var.
L. c. p. 122.
Unter den Zeyher'schen Conchylien befanden sich 4
Exemplare , bei welchen die Längsrippen nur sehr schwach,
bei 2 andern kaum angedeutet sind, auch sind alle 6 Um-
gänge stärker gewölbt, als bei der gewöhnlichen Form. Sie
werden 4"' lang und 2,3'" breit.
An der Kapküste.
Voluta abyssicola Adams et L. Reeve.
Zoolog, of. the Voy. of Samarang, Moll. p. 25. pl. 7. fig. 6.
Diese Art zeichnet sich durch ihre gegitterte Schale aus
und ist an der Kapküste bei einer Tiefe von 132 Faden
gefischt.
Ancillaria obtusa Swains.
L. c. p, 31. pl. 13. flg. 6.
Es sind nur die Deckel und das Thier abgebildet.
An der Ostküste von Südafrika unterhalb Port Natal.
Neue Kap'sche Mollusken. 37
1. Marginella biplicata Krauss n. sp.
M. lesta parva, fragili, semipellucida , ovato- oblonga,
albida, laevissima, nilidissima ; spira prominente; apertura an-
gusla ; labro tenui , coJumella biplicala. — Long. 4. lat. 2
lin. par.
In litore capensi legit Zeyher.
Unter den mir bekannten Arten hat keine nur 2 Falten
wie diese; im Uebrigen hat sie die Gestalt von M. multizo-
nata Kr., ist aber etwas grösser und hat ein mehr hervorste-
hendes Gewinde mit kaum gewölbten Umgängen. Die Schale
ist sehr dünn und so durchscheinend , dass die innern Um-
gänge sichtbar sind. Der Rand der Aussenlippe ist nicht
verdickt und kaum in der Mitte etwas eingedrückt. Die Fal-
ten sitzen ganz unten an der eingedrückten Spindel und neh-
men etwa den vierten Theil derselben ein.
2. Marginella multizonata Krauss n. sp.
M. testa pusilla , tenui, ovato -oblonga, laevi, nitida;
spira prominula, obtusa ; anfractu ultimo albido, zonis 10-15
rufis transversim picto; apertura angusla; labro versus me-
dium subdepresso; columella triplicata; plicis inaequalibus. -^
Long. 3,5, lat. 1,8 lin. par.
In litore capensi legit Zeyher.
Sie ist der M. zonata Kiener var. bilineata Krauss in der
Grösse und Gestall zum Verwechseln ähnlich , aber an der
dreifaltigen Spindel sogleich zu erkennen, auch hat sie eine
etwas weitere Mundöffnung und ist ein wenig bauchiger;
ferner ist der letzte Umgang von der Sutur bis zum unteren
Rand durch 10—15 schwach rothbraune Querlinien, die un-
gleich weit von einander entfernt sind, gezeichnet. Die Schale
ist dünn, etwas durchscheinend. ,Das Gewinde ragt wenig
hervor und besteht aus 3-— 4 kurzen, kaum gewölbten Umgän-
gen, die Mündung ist fast so lang wie die ganze Schale und
erweitert sich an der Basis, wo die Spindel etwas concav
ist. Der Rand an der Aussenlippe ist weiss, in der Mitte
schwach einwärtsgebogon. Die Falten sind am untorn Drit-
tel der Spindel , die 2 untersten schiefer und grösser als die
obere.
38 K r a u s s :
3. Margifiella Reevei Krauss n. sp.
M. testa minima, fusiformi, laevi, nitida; spira conica;
anfraclu ultimo albido , zonis pallido-rufis transversim picto;
apertura siibangusta; laliro medio vix incrassato ; coliunella
quadriplicata, plicis subaequaliLus. Long. 2,2^ lat. 1,1 lin. par.
In litore capensi legit C. Zeyher.
Diese Art ist die kleinste unter den südafrikanischen
und in der Gestalt der M. fusiformis Hinds. Zoolog, of Ihe
Voy. of Sulphur, Moll. p. 46. pl. 13. fig. 20. 21. am meisten
ähnlich. Die Schale ist schwach durchscheinend und zeigt aul"
dem letzten Umgange oben und unten eine schmale , in der
Mitte eine breite blass rothbraune Querbinde. Das Gewinde
nimmt, von der der Mündung entgegengesetzten Seite be-
trachtet, etwa Yii der ganzen Länge der Schale ein und be-
steht aus 3 kaum gewölbten Umgängen. Die Mündung ist
weiter und kürzer als bei den vorhergehenden Arten , der
Rand der Aussenlippe in der Mitte kaum verdickt und ein-
wärts gebogen, weiss, oben und unten mit einem, mitten mit
2 rotbraunen Flecken bezeichnet. Die Falten , v/on welchen
die 3 obern gleich gross sind, reichen bis zur Mitte der Spin-
del herauf.
4. Marginella Zeyheri Krauss n. sp.
M. testa parva, ovata, solida, lactea, laevi, nitida; spira
brevi, conica; anfractu ultimo superne rotundato- tumido;
apertura magna ; labro laevi , subincrassato ; columella qua-
driplicata; plicis aequalibus. — Long. 3,5, laL 2 lin. par.
In litore capensi legit C. Zeyher.
Sie erinnert durch den in seiner obern Hälfte etwas
aufgeblasenen letzten Umgang an diejenigen Arten , welche
von Kien er zur zweiten Section, den Columbelliformes, ge-
stellt worden sind , hat aber einen ganz ungezähnten Rand
der Aussenlippe. Die Schale ist fest, milchweiss. Die obern
Umgänge, welche etwa den 4ten Theil der ganzen Schale
einnehmen, sind schwach gewölbt. Die Mündung ist oben und
unten fast gleich weit und grösser als die der 3 vorhcrbc-
schriebencn Arten. Die Spindel ist gerade und a<if ihrer gan-
zen untern Hälfte mit 4 deutlichen Fallen besetzt , von wel-
chen die drei obern gleich gross sind.
Neue Kap'sche Mollusken. 39
1 . Conus mozambicus B r u g.
Kiener, Cone p. 231. pl. 51. fig. 1 — Ic.
Das einzige von Zeyher übersclückte Exemplar hat
die Farbe und Gestalt der Schale und die Flecken des Ge-
windes, wie die Kien er'sche Figur 1, dagegen auf dem
letzten Umgang 18 ungleiche , braun und weiss arliculirte
Querlinien, ähnlich wie Fig. 16., nur dass etwas unterhalb der
Mitte 2 davon ein wenig breiter sind als die übrigen; auch
sind die obern Umgänge nicht gestreift. — Länge 23, Breite
10,5 par. Linien.
Mein Conus caffer , der in der Färbung einige Aehn-
lichkeit zeigt, hat eine andere Gestalt und an der Basis des
letzten Umgangs viel mehr und feinere Furchen.
2. Conus Verreauxü Kien er.
L, c. p. 249. pl. 60. fig. 5.
Am Kap, nach Kien er.
Separaüsia Gray.
Unter diesem sonderbaren Namen macht Ad ams in den
Annais and Magazine of nat. bist. March 1851. p. 228 zwei
Species eines von Gray aufgestellten Genus bekannt, von
welchem er angiebt , dass es zu den Gasteropoden gehöre,
ohne das Thier zu kennen und ohne die Familie näher zu
bezeichnen, daher ich es hier am Schlüsse anführe.
Separatista Grayii Adams.
Eine zu dieser Art gehörige Schale belindet sich unter
dem Namen Lippistes, aber ohne Angabe des Fundorts, schon
seit vielen Jahren in dem K. Naturalien-Kabinet zu Stuttgart.
Zeyher hat jetzt auch einige Exemplare vom Kap geschickt,
•von welchen das grösste einen Durchmesser von 5,5 par.
Linien hat.
/% n h a 11 g^.
Cirripedia.
Octomeris angulosus Sow,
Sowerby, Genera of Shells and Conchological Manual,
Zeyher hat mehiere irische Exemplare über schickt,
40 Krau SS : Neue Kap'sche Mollusken.
die aber alle angefressen und mit Kalk stark überzogen sind;
die Basis der Schalen zeigt aber den eigenthümlich ausge-
zackten Rand. Die zwei vordem Schalenstücke des Deckels
sind inwendig am vordem und untern Rande mit 6-7 erhabe-
nen Runzeln besetzt. Durchmesser 19, Höhe 13 par. Linien.
An der Kapküste.
I Catophragmus imbricatus S o w.
Sowerby, Genera of Shells and Conchological Manual.
In Südafrika nach Sowerby.
Thaliella ornata Gray.
Annais and Magaz. March 1849. p. 236.
Dieses neue Genus eines gestielten Cirripediums unter-
scheidet sich nach Gray von Scalpellum hauptsächlich da-
durch, dass das vordere und hintere Seitenpaar der Schalen-
stücke zu einem einzigen zusammengedrückten vereinigt, und
dass kein mittleres Basalseitenstück vorhanden ist.
Auf Plumaria in der Algoabai (British Mus.).
lieber die Grattuiigen itnter den iiordainepi-
liaaiiscSieia IVaJaden.
Von .
Prof. liöiiis Ag-assiz
in Cambridge bei Boston.
• (Briefliche Mitlheilung an den Herausgeber).
Kaum von den Corallinseln von Florida nach dem
Norden zurückgekehrt, habe ich mich der Najaden wegen
nach dem Westen begeben und unerwartet wichtige Entdek-
kungen gemaclit , von denen ich Ihnen einiges Nähere mit-
theilen will, da ich aus früherer Zeit weiss , wie sehr Sie
diese Familie anzieht. Vor Allem kann ich Ihnen melden,
dass die nordamerikanischen Najaden Strukturverhältnisse dar-
bieten, von denen noch nichts in Süsswassermuscheln ande-
rer Weltlheile beobachtet worden ist. Ich will unter andern
die sackförmigen Erweiterungen der äussern Kiemen erwäh-
nen, welche die Eier aufnehmen ; so bei U. Cardium und der-
gleichen auf^die hintere Hälfte der Kieme beschränkt, bei
U. irroratus spiralig gewunden aus der Mitte der Kieme;
ferner die häutigen Verlängerungen des Mantelrandes ähnlich
Malleus mit kleiner Leibeshöhle, und mit allerlei Anhängseln
am Rande selbst, ähnlich Lima und Cardium; dann die grosse
Verschiedenheit zwischen Männchen und Vi^eibchen bei einer
grossen Anzahl von Species, die ohne allen Zweifel, nach
vielfacher microscopischer Untersuchung , in keiner Weise
Zwitter sind. Darauf lassen sich, mit fernerer Berücksichti-
gung der Charaktere , auf die Sie zuerst die Aufmerksamkeit
42 Agassiz:
gelenkt haben -'-'j, mehrere sehr gut characterisirte Genera auf-
stellen, die Rafinesque zum Theil schon angedeutet, aber
meistens sehr unbestimmt umschrieben hat. Wären die ame-
rikanischen Naturforscher in seine Fussslapfen getreten , an-
statt ihn zu verhöhnen, so hätten wir schon längst einen
Schatz von wichtigen Beiträgen zur Anatomie dieser noch
unerschöpften Familie erhalten. Ohne eine allgemeine Revi-
sion der ganzen Familie geben zu wollen, will ich Ihnen nur
einige Andeutungen mitlheilen. Ich besitze gegenwärtig über
70 Species nordamerikanischer Najaden in Weingeist, mei-
stens Männchen und Weibchen.
Fürs erste lassen sich die Najaden in zwei grosse Grup-
pen abtheilen :
i) Solche, bei denen die äusseren Kiemen der ganzen
Länge nach mit dem Fusse verbunden sind , so .dass keine
direkte Communication zwischen der untern freien Leibes-
höhle und deren Gängen, die zu den Kiemen führen, vorhan-
den ist. Bei allen solchen Arten werden die Eier in beson-
deren Säcken, oder sackartigen Erweiterungen des hintern Thei-
les der äusseren Kiemen aufgenommen , und daraus entsteht
bei der localen seitlichen Entwicklung des Thieres ein gros-
ser Unterschied in der Form zwischen Männchen und Weib-
chen. Vergleichen Sie z. B= U. Sowerbyanus Lea mit U. Hay-
sianus Lea. Wobei hier noch der besondere Umstand zu be-
merken ist , dass das Männchen , U. Sowerbyanus , wie bei
den Gallinaceen, viel grösser ist als das Weibchen U. Hay-
sianus. Haben Sie keine Exemplare, so werden Ihnen Lea's
Abbildungen einen beiläufigen Begriff davon geben. Wie-
derum U. Pileus Lea ist Männchen von U. personatus Say
oder capillaris Lea. — Unio triangularis Barnes ^ von U.
tricfuetrus Raf. In andern Abtheilungen ist der Unterschied
zwischen Männchen und Weibchen nicht so auffallend, aber
immer bedeutend genug.
2) Solche, bei denen eine freie Verbindung zwischen
der Kiemenhöhle und der untern Leibeshöhle vorhanden
ist. Bei diesen Arten isl meistens die ganze äussere Kie-
me zugleich Eibehäller. Daher hier der Unterschied zwi-
*j Dies Archiv 1847. I. p, 257. ' Heiausg.
üeber die Gattungen unter den nordamerikanischen Najaden. 43
seilen Männchen und Weibchen gewöhnlich nur in einer grös-
sern Dicke des Weibchens besteht. Einige haben jedoch zu-
gleich offene Kiemen und begränzle Eiersäcke, z. B. U. ir-
roratus, U. lineolatus Raf.
Die Genera der ersten Abtheilung, die ich bisher genau
enniltelt habe, sind folgende :
Dysnomta Ag. Leibeshöhlen klein. Breite Manlellap-
|»en; Kränzen über die Hälfte des Mantelrandes. Männchen
buchtig, Weibchen mit ausgezeichneter lappenförmiger Er-
weiterung des Mantels. Eiersäcke auf die halbe Kieme be-
schränkt. Hieher flexuosa (U. foliatus Hildr. ist das Weib-
chen.) — gibbosa (U. perplexus Lea ist Männchen) — cu-
psaeformis (L e a hat nur das Männchen abgebildet, bei Co n-
r a d finden Sie Männchen und Weibchen) — perobliqua (L ea's
ü. rangianus ist das Weibchen). Da capsaeformis und per-
obliqua sehr nahe verwandt sind , können Sie sich einen
richtigen Begriff der Sexualverscliiedenheiten dieses Genus
machen, wenn Sie L e a's Männchen von capsaeformis mit sei-
nem Weibchen von rangianus vergleichen. Ich habe das
Thier von drei Arten untersucht, und vor allen Dingen Männ-
chen und Weibchen.
Scalenaria Raf. (Ag.). Um R a f i n e s q u e's ganz über-
sehenes Verdienst um die Najaden Anerkennung zu verschaf-
fen, habe ich überall, wo es nur einigermassen anging, sei-
ne Namen behalten , und die Genera nur besser umschränkl
und nach dem Baue des Thiers charakterisirt, anstatt, wie es
heutzutage Mode zu werden scheint, die Gattungsnamen um-
zuändern, sobald nur ein scheinbar gültiger Vorwand dafür
gefunden werden kann. Bei diesem Genus ist die Leibes-
höhle gross, der Mantel nicht erweitert, aber nach hinten
sehr verdickt, dem Wulste der Schale entsprechend. Männ-
chen kugelig oder eiförmig, Weibclien mit einer queren Ver-
tiefung der Schale nach hinten und gezähneltem Rande. Ei-
ersäcke sehr schmal , nach aussen gewölbt. Hieher Scalenaria
obliquala Raf. (wovon U. sulcalus Lea das Männchen und Say's
ridibundus das Weibchen ist) — personata (Lea's U. capillaris
Weibchen, U. Pileus Männchen). — Haysiana (U. Sowerbya-
nus Lea Männchen, U. Haysianus Weibchen). — Die 2 ersten
Arten, Männchen und Weibchen, habe ich frisch untersucht.
44 A g a s s i z :
Ich verdanke diese Seltenlieilen der Güte des Hm, Anthony
in Cincinnati , der die westlichen Najaden sehr kritisch studirt
hat; doch hat er gerade m der Synonymie dieses Genus ei-
nige Missgriffe begangen, wie Sie aus seinem Cataloge erse-
hen können.
Truncilla Raf. QAg.^. Ich sehe, dass ich diese Ueber-
sicht so weitläufig angelegt habe, dass ich Ihnen ein Buch
schreiben müsste, wollte ich in derselben Ausführlichkeit alle
Genera durchgehen? Ich fasse mich also kürzer und mehr
aphoristisch. — Hinterleib quer abgeschnitten. Männchen nach
unten und hinten seitlich verlängert. Weibchen wulstig er-
weitert mit gesägtem Rande. ^— Tr. Iriquetra Raf. (U. trian-
gularis Barnes Männchen, U. formosus L.Weibchen). — Tr.
interrupta (U. interruptus Say, Conrad Weibchen, U. brevi-
dens Lea Männchen). — Tr. arcaeformis (U. arcaeformis Lea
Männchen, U. Nexus Say, Conrad Weibchen).
Lampsilis Raf. Breiter Kranz von Franzen am hintern
Mantelrande, mit lappenförmigen Verlängerungen am Weib-
chen. Weibchen hinten bauchig, Männchen langgezogen, Eier-
säcke lang und schmal. Die Eier werden sehr unausgebil-
det in birnförmigen Klumpen gelegt (U. radiatus). Dieses
Genus entspricht S w a i n s o n's Aeglea und Naidea vereinigt.
Sehr zahlreiche Arten; mit 5 Unterabtheilungen:
1) L. Cardium — L. ovatus — dolabriformis — ater —
ventricosus — cariosus — radiatus — orbiculatus — ochra-
ceus etc.
2} L. fasciola Raf. und verwandte.
3) L. siliquoideus (j^ (inflatus $) — mississipiensis —
Hydianus — nashvillensis etc.
4) L. subrostratus etc.
5) L. parvus — constriclus — glans etc.
Von den Eiersäcken dieses Genus geben die Abbildun-
gen von Lea Trans. Amer. Phil. Soc. Vol. 6. Tab. 15 einen
schlechten Begriff, da die Verbindung dieser Säcke (die er
Eileiter nennt) mit den Kiemen ganz übersehen ist und in
der Figur selbst , die doch das ganze Thier vorstellen soll,
gar keine Kiemen vorhanden sind.
Canthyria Swains. Unio spinosus Lea. Obgleich ich
Ueber die Gattungen unter den nordamerikanischen Najaden. 45
das Thier noch nicht zu Gesicht bekommen, zweifle ich nicht
an der Unhaltbarkeit dieses Genus. Ich vermuthe sogar, dass
es Lampsilis sehr nahe stehen muss, und dass ähnliche lap-
penförmige Verlängerungen , wie bei Lampsilis , nur stärker
ausgebildet, die Stacheln bilden müssen. Eine zweite Art im
Westen.
Eurynia Raf. (Legumia Swains.). Wem zum ersten
MaleU. rectus Lmk. , der Typus dieses Genus, zu Gesichte
kommt, würde wahrscheinlich meinen, dass er nur eine lang-
gezogene Form unserer europäischen Unionen vor sich habe.
Wie ganz anders aber die innere Structur ! Die Kiemen der
ganzen Länge nach mit dem Fusse verbunden. Kurze vor-
springende Säcke am hintern Rande der äussern Kiemen als
Eibehälter undFranzen am ganzen untern und hintern Rande
des Mantelrandes ! Pectunculus weicht nicht so sehr von Area,
oder Lima von Pecten ab, als dieses Geschlecht von unsern
Unionen. Es ist eine äusserst auffallende Erscheinung, dass
bei scheinbar so gleicher Form solche Structur -Verschieden-
heiten obwalten können zwischen Arten, die anscheinlich nur
andere Repräsentanten wohlgekannter Typen anderer Länder
sind. Wiegmann hat schon auf ähnliche Verschiedenheiten
zwischen dem Baue der amerikanischen und europäischen
Flusskrebse gewiesen; wie auch Sie zwischen den Iridina,
Anodonta und Spalha Lea. Und doch giebt es noch Leute
genug, welche alle Najaden in ein einziges Genus zusammen-
werfen wollen , weil die wenigen europäischen Arten , die
einzigen, die sie sich übrigens die Mühe nehmen wollen zu
vergleichen, im Baue übereinstimmen. Unsern Unionen ver-
wandt sind nur sehr wenige amerikanische Arten: als U.
dilatatus, niger, complanatus und ein Paar dergleichen mehr.
Zu Eurynia, deren Weibchen sich durch eine Bucht am hin-
tern Dritttheile von den Männchen unterscheiden, gehören:
Eur. recta — producta — lanceölata — angustata — nasuta
CU. nasutus Say nicht Lmk.) — Jayensis — vaughaniana — ^
ficheriana — shepardiana etc.
Metaptera Raf. (Aber auch seine Genera Leptodea,
Lastena und Swainson's Lymnadea mit mehreren ausLea's
Genus Symphynota). — Scheinbar den Anodonlen verwandt,
und zwar so sehr, dass Lea unsere gemeine An. cygnea
46 A g a s s i z :
da zugezogen, aber von derselben gerade so verschieden wie
Enrynia von unsern Unionen. Hieher M. alata, fragilis, gra-
cilis, leptodon, ohioensis, inflata, Poiilsoni etc.
Alasmodonta Say. Es war ein grosser Missgriff von
Lea, die Arten dieses Genus zu Margarilana Schumach. hin-
zuzuziehen, und noch mehr von Barnes, seine AI. compla-
nata und rugosa damit zu vereinigen. Es sollte auf die Ar-
ten beschränkt sein , bei welchen die Kieme mit dem Fusse
der ganzen Länge nach verbunden ist. Dahin geliören: AI.
marginata Say — truncata Say — Margarilana Raveliana
Lea. Ob AI. undulata Say und desselben Anodonta undulala,
die generisch (nicht aber specifisch) identisch sind, dahin
gehören, oder als Strophitus Raf. zu trennen sind, vermag
ich gegenwärtig nicht mit Bestimmtheit zu bestimmen. Ich
habe nämlich beobachtet, wie AI. undulata ihre Eier in birn-
förmigen Klumpen ausstösst und zwar in einem ganz unent-
wickelten Zustande; während bekanntlich bei andern Naja-
Jen die Eier in den Kiementaschen ausgebrütet werden, und^
weiss noch nicht, ob sich diess auch so bei AI. marginata,
truncata u. s. w. verhält. Uebrigens bietet Anodonta undu-
lata noch die auffallende Verschiedenheit, dass bei Kiemen,
die der ganzen Länge nach mit dem Fusse verbunden sind,?
die ganze äussere Kieme Eier zwischen ihren Blättern auf-
nimmt, was bei keiner der vorhergehenden Gattungen der
Fall ist^ bei denen allen die Eier in besondern Säcken ge-
tragen werden.
Obovaria Raf. Ob der Name gerechtfertigt werden
kann, will ich vor der Hand nicht entscheiden. Wenn man
aber retusus Lmk. oder torsus Raf. als Typus dieses Genus
annimmt, so erhält man unter den Najaden eine Gruppe, die
gleichsam Isocardia repräsentirt , und bei welcher die Schei-
tel nach vorn eingerollt sind. Dabei sind die Kiemen ganz
geschlossen; und es finden sich besondere Säcke für die
Eier. Neben torsus gehört U. olivarius und Circulus hieher,
und einige ähnliche schwer zu unterscheidende Arten, U. sub-
rolundus Raf. u. s. w. Im Allgemeinen bieten die amerikani-
schen Unionen das Auffaflende , wenn mit den europäischen
Arten verglichen, dass ihre Grenzen, mit Ausnahme der Gruppe
U. mytiloides, sich sehr leicht bestimmen lassen, sobald man
üeber die Galtungen imler den nordamerikanischen Najaden. 47
nur weiss, worin die Sexualunterscliiede in jedem Genus be-
stehen.
Die Genera der zweiten Abtlieilung dieser Familie sind
folgende:
Ich fange mit denen an, welche bei offenen Kiemen be-
schränkte Eierlaschen besitzen und gleichsam denUebergang
zwischen der vorigen Abtheilung und den europäischen Unio-
nen machen*
Micromya Agass. Gleichen den kleinern Lampsilis-
Arten durch ihre 'Eiersäcke und Franzen des hintern und
untern Randes, haben aber offene Kiemen. M. lapilius (U. la-
pillus Weibchen , U, fabalis Männchen). — M. Fabula Ag.
(Margaritana Fabula Lea). — M. Curreyana Ag. (Margaritana
curreyana Lea). Ihrer Kleinheit wegen in Sammlungen sehr
selten; es ist mir indess geglückt durch die gütige Vermitt-
lung des Hrn. Anthony in Cincinnati, der mir eine Menge
Seltenheiten der Art zugeschickt hat , frische Exemplare zur
Untersuchung zu erhalten. Die Männchen haben die Geslalt
unseres Unio rostratus in Miniatur, die Weibchen dagegen
gleichen Unio glans ! —
Cyprogenia Agass. U. irroratus als Typus. Nichts
kann auffallender sein, als die spiralig gewundenen Eiersäcke
dieser Art, die von der Mitte der Innern Fläche der äussern
Kiemen heraushängen und gleich Ammonshörnern zwischen
dem Mantel und den Kiemen sich ausbreiten. Die Abbildung
in Lea Trans. Amer. Phil. Soc. Vol. 3. giebt kaum einen Be-
griff davon , da dort das Thier selbst nicht damit in Verbin-
dung steht. Auch aus seiner Beschreibung lässt sich über
diese merkwürdige Bildung wenig entnehmen, da er die Or-
gane Eileiter nennt , die doch mit dem Ovarium in keiner
Verbindung stehen! Es sind in Wirklichkeit röhrige, häu-
tige Verlängerungen der senkrechten Scheidewände, die die
Kiemenblätter in Fächer abtheilen, welche hier sackartig von
der Mitte der Kiemen hervortreten und gemeinschaftlich in
einer flachen Spirale sich aufwinden. Wie hier die Eier ge-
legt werden, habe ich noch nicht ermitteln können. Die Männ-
chen sind birnförmig, die Weibchen rundlich. Das Genus zeich-
net sich durch eine sehr weite Superanal-Oeffnung des Älan-
telrandes aus, üq sich bii unter das Schlossband erstreckt,
48 A g a s s i z :
Hieher U. stegurius Raf. C^I. irroratus Raf.}. — U. Dromas
Lea. — Zwei neue Arten aus Virginia, und vielleicht auch U.
intermedius und sparsus. Auch für diese Seltenheiten bin
ich Hrn. Anthony verbunden.
Plagiola Raf. Bei offenen Kiemen Eiersäcke, ähnlich
denen von Lampsilis; die Schale mit einer ausgezeichneten
Sculptur geziert, das einzeige Beispiel der Art unter den
Najaden. Hieher ]]. lineolata (Securis Lea} — truncala —
nervosa etc.
Qrthonymiis Agass. Verschiedene Arten in entfernten
Flussgebieten bisher alle unter dem Namen U. cylindricus Say
(naviformis Lmk.) verwechselt. Schon in der Schale so
sehr ausgezeichnet, dass es keiner weiteren Schilderung be-
darf. Besonders ausgezeichnet ist die kleine Analöffnung des
Mantelrandes.
Tritogonia Agass. Typus U. verrucosus Raf. (tubercu-
latus Barnes). Mit dickem wulstigem Mantelrande. Auch hier
scheinen verschiedene Arten mit einander verwechselt zu
werden.
Quadrula Raf. Hieher die vielen queren tuberculirlen
Arten, deren Kiemen offen sind, mit dünnem, hinten gefranz-
ten Mantelrande und langer, bis zum Schlossbande reichender
Superanalöffnung , die von dem Afterfelde durch eine breite
Comiiiissur getrennt ist. U. metanever , rugosus , nodosus,
fragosus, bullatus, nodulatus, reflexus, Cyphius etc.
Rotundaria Raf. Aeusserlich dem vorigen ähnlich.
Mantelrand aber ganz frei und offen , w^ie bei Margaritana
Schum. Hieher U. tuberculata R a f. (U. verrucosus Barnes).
Ueber mehrere Arten, die entweder hieher oder zu Quadrula
gehören, z. B. U. Schoolcraftensis u. s. w. , ist es in Ermange-
lung des Thiers noch nicht möglich gewesen zu entscheiden.
Complanaria Swains. Swainson vereinigt unter die-
sem Namen die breiten und zum Theil runzligen Alasmodon-
ten complanata und rugosa. Es gehören aber nach dem Baue
des Thieres auch wirkliche sogenannte Unionen dem Schlosse
nach, wie U. costata, Heros etc. und Symphynota-Arten, als
U. compressus Lea hierher. Alle diese Thier^ haben das
gemein, dass das Analfeld des Mandelrandes sehr entwickelt
und ausgezeichnet durch Franzen verziert ist. Nach den un-
lieber die Gattungen unter den noidamerikaniscben r^ajaden. '49
tergeordneten Verschiedenheiten der Schale mögen sie in 4
Gruppen zerfallen : 1. Eigentliche Complanarien. Schale ge-
flügelt nach hinten: Alasmod. complanata Barnes. 2. Glatte
quere : U. compressus Lea, mit ganz eigenthümlichem Schloss-
zahn. Ein Paar nahe verwandte Arten. 3. Runzlig breit
gerippte, Unio dem Schlosse nach: U. plicatus, costatus, He-
ros, trapezius, alrocostatus, atromarginatus, confragosus, Boy-
kinianus u. s. w. 4. Gekämmte : Alasmodonta rugosa , co-
stata, Unio subtentus, Hempelii u. s. w. — Meistens sehr grosse
Muscheln.
Pleurobema Raf. (mit Sintoxia Raf.). Schale höher als
lang, schief, mit einei^ schrägen Bucht gegen den hintern
untern Rand, entsprechend der besondern Entwicklung des
Mantelrandes unterhalb des Afterfeldes. Eine sehr entwickelte
Superanalspalte des Mantelrandes. Hieher: Unio clava Lmk.,
U. mytiloides, U. undalus, U. obovalis, U. flavus, rubiginosus,
ruber, politus etc. Die Arten dieses Genus sind sehr schwer
zu unterscheiden. ,
Uniopsis Swains. (mit Einschluss v. Calceola und He-
miodon Swains. Pseudodon Gould gehört auch hieher und
vielleicht auch Aximedia Raf., in welchem Falle der letztere
Name der Vorzug verdiente). Der Typus dieses Genus , Alas-
modonta edentula Say, gleich im Baue unsern Anodonten,
unterscheidet sich aber in der Verbindung des hintern Man-
telrandes und in den Franzen desselben. Neben Alasm. eden-
tula gehören hieher Margaritana radiata Lea und Unio Cal-
ceolus Lea (Margaritana deltoideaLea ist das Weibchen sei-
nes Calceolus.)
Margaritana S c h u m. Dieses Genus muss auf die Ar-
ten beschränkt werden, welche die von Ihnen in Wiegm. Ar-
chiv gegebenen Charaktere besitzea. Davon haben wir nur
eine Art, von Barnes als Alasmodonta arcuata in Sillim.
Journ. Vol. 6. beschrieben, die, wie ich aus direkter Ver-
gleichung weiss, bestimmt von der europäischen margariti-
" fera verschieden ist, trotz der entgegengesetzten Behauptung
von Lea. Ob Unio monodonta Say hieher zu ziehen ist,
kann ich nicht bestimmen, da es mir noch nicht gelungen
ist, frische Exemplare dieser Art zu erhalten. Ich sollte fast
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 1. Bd. 4
50 Agassi/:
glauben, dass U. monodonta eher zu d'Orbigny's Genus My-
cetopus gehören werde.
Hemüastena R a f. Unio dehiscens S a y, oriens L e a als
Typus (früher ^schon als Hemüastena lata von Rafinesque
beschrieben). Von diesem merkwürdigen Genus, dessen Ar-
ten so selten sind, dass wohl kaum Schalen davon in unsern
europäischen Museen vorhanden sind, besitze ich zwei Spe-
cies in Weingeist, die ich ebenfalls der Güte des Hrn An-
thony verdanke. Die Gestalt des Thiers mahnt an Solen,
der Fuss ist aber ganz klein und nach vorn gerückt. He-
milastena lata R a f. — Hemilastena ambigua Agass. (Alasmo-
donta ambigua Say, Unio Hildrethianus Lea als Synonym).
Unio R e t z i u s (Elliptio R a f.). Der Typus unserer ge-
meinen europäischen Arten ist hier durch U. nasutus Lmk.
(dilatatus Raf., gibbosus Barnes) — Unio niger Raf. (cunea-
tus Barnes) — Unio fasciolaris Raf. (Phaseolus Hildr., pla-
nulatus Lea) — U. mucronatus Barnes — U. complanatus
Sol. repräsentirt.
Die Genera Amblema und EUipsaria Raf. taugen nichts,
die Namen können nicht einmal mit dem besten Willen, an-
gebracht werden, ebensowenig seine Obliquaria. Swainson's
Unio und sein Genus Cunicula ebensowenig. Noch giebt es
mehrere andere Genera von Rafinesque, aus denen ich
nichts machen kann. Vielleicht gelingt es mir aber noch,
irgendwo eine von ihm etiquettirle Sammlung aufzudecken '"').
*) Im Augenblick, wie ich diesen Brief zu schliessen im BegrifFe
siehe, erhalte ich einen Brief von Hrn. Foulson in Philadelphia, der mir
meldet, er besitze die vollständige Originalsammlung aller von Rafi-
nesque beschriebenen Flussmuscheln, von ihm selbst etiquettirt, so
dass es mir bald möglich werden wird, alle meine Zweifel über seine
dubiösen Arien und Genera zu lösen. Ich werde mich zu diesem
Zwecke auf meiner Reise nach dem Süden in Philadelphia aufhalten.
Es ist sonderbar, dass wir über Rafinesque's Leistungen in diesem
Fache bisher so wenig Auskunft von den amerikanischen Zoologen er-
halten haben, und besonders dass Lea systematisch alle Berücksichti-
gung seiner Beschreibungen und Namen vermieden hat, namentlich da,
wie ich jetzt erfahre , in Philadelphia selbst sich eine Sammlung be-
findet, die alle Zweifel darüber hätte lösen können. Rafinesque
scheint übrigens, zum Theil wenigstens , Schuld an dieser Vernachläs-
Ueber die Gattungen unter den nordamerikanischen Najaden. 51
Es giebt noch einen sehr merkwürdig-en Typus unter
den hiesigen Najaden, von welchem i^h mir das Thier noch
nicht habe verschaffen können, der wahrscheinlich auch zur
Gründung eines besontiern Genus Veranlassung geben wird.
Ich meine Unio caelatus, der durch seine Schale an die fos-
silen Cardinien des Lias und Jura erinnert.
Sobald ich Zeit erübrigen kann, will ich alle die Thiere
dieser Familie, die ich gegenwärtig besitze, abbilden lassen
und genau beschreiben. Auch die Anodonten, deren es hier
ganz eigenthümliche giebt, die ich aber noch nicht kritisch
genug durchgearbeitet habe, um darüber zu berichten , ge-
denke ich mit aufzunehmen. Mögen Sie indessen Einiges aus
diesem Briefe im Archiv abdrucken , so steht es Ihnen na-
türlich ganz frei. Ich bedaure nur, dass ich nicht gleich
von Anfang daran gedacht habe, dass es Ihnen vielleicht sogar
willkommen sein möchte, sonst würde ich mehr Sorgfalt auf
diese Bemerkungen verwendet haben, und das Ganze umzu-
schreiben, habe ich jetzt leider keine Zeit, da ich in weni-
gen Tagen wieder nach dem Süden abreisen werde. Um das
Ganze des Druckes werth zu machen, hätte ich bei jedem
Genus noch auf verschiedene wichtige Charaktere hindeuten
müssen, besonders aber auf die Mundlappen, die paarigen vor-
dem und hintern Aufhängemuskeln des Fusses und ihre Ein-
drücke, die Hauplmuskel selbst, die accessorischen Bündel unter
dem Scheitel , die hie und da, wie bei den Mytilis , vorkom-
men ; dann mit mehr Bestimmtheit die verschiedenartigen brük-
kenähniichen Verbindungen des hintern Mantelrandes, die Art
der Verbindung der Kiemen mit dem -Mantel u. s. w. auffüh-
ren sollen. Sehr gute Anhaltspunkte geben ferner die Kie-
men selbst, ob sie z. B. gleichgebildet, oder die äussere brei-
ter, oder die innere breiter; ob der Rand gerade und der
ganzen Länge nach gleich, oder ob -er buchtig ausgeschnitten
sigung gewesen zu sein, und sich durch seine Voreiligkeit und allzu-
kurze aphoristische Schilderungen den Verdacht der Unzuverlässigkeit
zugezogen zu haben. Mit seinen Fischen des Ohio ist es ihm ebenso
widerfahren, und doch lassen sich die meisten seiner Arten wiederfin-
den. Dr. Kirtland hat ihm hierin schon grossen Theils Gerechtigkeit
widerfahren lassen , und ich werde mich ferner bemühen, seine Fische
aufzudecken,
52 Agassi z: Ueber die Galt, unter d. nordamerik. Najaden.
ist ; dann die Verschiedenheit in der Verwachsung der Kiemen
unter sich am hintern Ende.
Die Spielereien Swainson's über in sich wiederkeh-
rende Kreise von Familien, Gattungen und Arten in dieser
Abtheilung der Mollusken, die er mit einigem Anschein von
VTahrscheinlichkeit schildert, beruhen ganz auf dem Zusam-
menwerfen der heterogensten Arten, weshalb auch seine mei-
sten Genera ganz unbrauchbar sind, selbst als Andeutungen.
Z.^. im Genus Theliderma Swains. Malacology p. 271. wer-
den 5 Arten aufgeführt, die aber zu eben so vielen Gattun-
gen gehören : Th. irrorata ist Cyprogenia Ag. — metanevra ist
Quadrula R a f. — cylindrica ist Orthonymus Ag. — pustulata
ist Tritogenia Ag. — und plicata gehört sogar zu Swainson's
eigenem Genus Complanaria. S. 378 führt er noch 5 Arten
hinzu, wovon 4 Quadrula sind und eine Complanaria. Sein
Genus Unio ebenfalls mit 5 Arten, gehört in 4 Genera : my-
tiloides ist Pleurobema Raf. — Circula und torsa sind Obo-
varia Raf. — sulcata ist Scalenaria Raf. und cornuta Qua-
drula Raf. Mit solchen Combinationcn als Grundlage mag
es nicht schwer fallen, Anknüpfungen zwischen verschiedenen
Genera ausfindig zu machen !
iJeber die G^attung Doliolum und ihre Jirten.
Von ^
, I9r« A* Krolin*
(Hierzu Taf. II.)
In dem reichhaltigen Werke von Quoy und Gaimard
(Voyag-e de I'Astrolabe, p. 599. PI. 89. Fig. 25— 28.) fin-
det sich die Beschreibung und Abbildung eines krystallhel-
len, sehr kleinen, noch nicht zwei Linien langen Mantelthiers,
das von diesen Gelehrten auf der Rhede von Amboina zu-
erst entdeckt und später an der Küste von Vanikoro wieder-
gesehen worden ist. Sie haben nach ihm eine besondere
Gattung dicht neben den Salpen aufgestellt, und ihr den sehr
treffenden Namen Doliolum gegeben. Die Art wird Dol. den-
ticulatum genannt. Es ist mir nicht bekannt, ob dieses Thier-
chen seitdem von andern Naturforschern untersucht worden
ist, obwohl es im Mittelmeere nicht selten vorkommt. Ich
habe es schon früher einmal bei Messina, im letzlverflossenen
Frühjahre aber häufig bei Neapel angetroffen und mich über-
zeugt, dass es nicht nur seinem von Q. und G. freilich nicht
genügend erforschten Baue, sondern auch seiner Entwick-
lungsweise nach, entschieden zu den Ascidien gehört. Es ist
eine frei im Meere lebende Ascidia , neigt aber in manchen
Stücken auch zu den Salpen hin, und bildet in sofern ein
interessantes Uebergangsglied zwischen den beiden Ordnun-
gen der Mantelthiere. Indess ist die Gattung Doliolum nicht
auf diese einzige Art beschränkt. Es sind mir an dem letzt-
genannten Fundorte und. zu der nämlichen Jahreszeit noch
drei andere Arten zu Gesicht gekommen. Ehe ich aber zur
Beschreibung der einzelnen Arten schreite, wird es zuvor
54 K r 0 h n :
nöthig sein, das allen Gemeinsame oder die Gattung in Be-
tracht zu ziehen.
Die Gattung Doliolum unterscheidet sich zunächst da-
durch, dass der Leib, wie es schon der Name andeutet, ei-
nem an seinen beiden Enden durchbrochenen, nach Aussen
offenen Fässchen gleicht. Das vordere etwas weitere Ende
ist in ein sehr kurzes, oft kaum merkliches Rohr ausgezo-
gen, das dem Ingestions - oder Athemsipho der übrigen Asci-
dien entspricht , und wie dieser , an seiner Mündung durch
Einschnitte in mehrere Läppchen getheilt ist. die Läppchen,
deren Zahl zehn beträgt , laufen in eine ziemlich scharfe
Spitze aus. In das entgegengesetzte Ende, dessen Mündung
die Auswurfsöffnung darstellt , verläuft sich der Leib unver-
merkt, ohne Absatz 0-
Der Mantel ist verhältnissmässig sehr dünn und ent-
hält zerstreute Körner in seiner Substanz. Die unter dem
Mantel liegende zweite Leibesschicht ist, wie bei allen Tuni-
caten, der Träger des Nervensystems und der Muskeln. Das
Nervencentrum besteht aus einem runden, mitten auf der
Rückenfläche gelagerten Knoten , von dem im Ganzen drei
vordere und eben so viele hintere Nervenstämmchen ausge-
hen. Zwei davon ziehen sich in divergirender Richtung an
den Seiten des Körpers hin, das dritte hält sich streng an die
Mittellinie. Der Muskelapparat stimmt in seiner Anordnung
mit dem der Salpen sehr überein. Er besteht, je nach den
Arten, entweder aus acht oder aus neun platten Binden, die
in ziemlich gleichweitem Abstände von einander, den Leib
gleich Reifen umfassen , und so die Aehnlichkeit desselben
mit einem Tönnchen noch stärker hervorheben. Die vor-
derste Binde umkreist die Basis des Athemsipho, die hinter-
ste den Rand der Hintermündung unmittelbar. Beide sind
viel'jschmächtiger als die übrigen Binden.
Von den innern Organen fällt zunächst dieAthem- oder
Kiemenhaut durch ihre abweichende Bildung auf. Statt eines
*) Die beiden LeibesöfFnungen finden sich auch bei den Pyroso-
men einander diametral gegenübergestellt , und es hat auch hier die
in die Höhle des Ascidienstocks mündende Auswurfsöffr.ung einen ganz
glatten Rand (s. Savigny Mem. ßur 1. anim. sans verlebres).
Ueber die Gattung Doliolum und ihre Arten. 55
Sackes , stellt sie eine in der Leibeshöhle angebrachte , und
je nach den Arten bald flach ausgespannte , bald gewölbte
oder auch in ein Knie eingebogene Scheidewand dar, durch
welche die Leibeshöhle in zwei Räume, einen vordem und
einen hintern zerfällt. Ihrem Baue nach ist sie noch einfa-
cher als die der zusammengesetzten Ascidien, indem sie nur
von zwei Reihen symmetrisch angebrachter, quer oder etwas
schräg gestellter Spalten (^tigmates branchiaux M. Edw., s.
Observations sur 1. Ascid. compos.) durchbrochen ist, um
deren Rand, wie bei allen Ascidien, ein flimmernder Cilien-
saum sich hinzieht. Im mittlem Theil der Athemhaut sind
diese Spalten weiter, über ihn hinaus sieht man sie immer klei-
ner werden. Somit sind diese Spalten die einzigen Wege,
mittelst welcher die erwähnten Leibesräume mit einander
communiciren.
Auf den Wänden des vordem Raums ist der für die
Zuleitung der NahrungsstofFe gegen den Mund bestimmte Ci-
lienapparat angebracht: die in ihrer Bedeutung wohl erkannte
Bauchrinne mit ihren weniger gekannten und hier näher zu
beschreibenden Fortsetzungen. Das vordere Ende der ver-
hältnissmässig nur kurzen Bauchrinne entlässt nämlich zwei
schmale, anfangs von einander divergirende Wimperstreifen,
welche dicht hinter dem Athemsipho, um die respectiven Sei-
tenwände der Leibeshöhle zur Rückenfläche ansteigen , und
hier gegen einander convergirend, sich vor dem Nervenkno-
ten vereinigen. Eine dritte Wimperbinde zieht sich vom hin-
tern Ende der Bauchfurche zum Munde hin 2). Auf der Wand
2) So beschaffen ist der besprochene Cilienapparat bei sämnitli-
chen Mantelthieren nach meinen Untersuchungen. Dfe vordem zu
einem geschlossenen Kreise verbundenen Wimperstreifen , sind von
manchen Zoologen bald für einen Gefässring , bald für einen Nerven-
ring angesprochen worden So ist auch ein accessorischer, namentlich
bei den Cynthien sehr gevv^öhnlicher, in Form eines runden Hügels in
den Athemsäcli vorragender Theil desselben Apparats , bald für das
Nervencentrum angesehen , bald als ein Organ von eigenthümlichem
Baue und räthselhafter Bedeutung beschrieben worden. (Vgl. v. Sie-
bol d vergl. Anatomie S. 2G0. Anmerk. 1.) Es zeichnet sich aber die-
ser Hügel durch nichts weiter aus, als dass seine Oberfläche von einer
in eine Spirale ge^Yunl.^6nen, mit schwingenden Cilieu versehenen Rinne
ausgefurcht ist.
56 K r 0 h n :
des hintern Raums liegen die Zeugungsorgane und der Nah-
rungsschlauch , und vor diesem , in seiner Pericardialhöhle,
das ungemein rasch pulsirende, und wie bei den Salpen, ei-
nen ffanz kurzen Schlauch darstellende Herz. Der Kreislauf
und demzufolge auch die Blutbahn kommen nicht zur An-
schauung, weil das wasserklare Blut keine Körner enthält.
Der Nahrungskanal ist in Vergleich mit dem Leibe, nur mas-
sig entwickelt. Der Mund findet sich auf der Kiemenhaut,
und zwar auf der grossen Längenbrücke zwischen den bei-
derseitigen Kiemenspalten. Er führt in eine kurze Speiseröhre,
auf die der rundliche Magen mit dem in eine Schlinge oder
in einen Bogen gekrümmten Darm folgt.
Gleichwie die zusammengesetzten Ascidien und die Gat-
tung Clavelina unter den einfachen, so pflanzt sich auch Do-
liolum durch Eier und durch Gemmen oder Knospen fort.
Allein, wenn das doppelte Fortpflanzungsgeschäft dort jedem
Einzelthiere übertragen ist, so scheint es dagegen bei Dolio-
lum unter die einzelnen auf einander folgenden Generationen
und zwar in der Art vertheilt, dass , wie bei den Salpen, die
eine Generation durch Eier, die zweite durch Gemmen, die
dritte wieder durch Eier sich fortpflanzt, und in dieser Weise
alternirend immer fort. Zur Stütze dieser Ansicht führe ich
nur die Thatsache an, dass man bei der Untersuchung einer
gewissen Menge völlig ausgewachsener Individuen derselben
Art, bei einigen immer nur Zeugungsorgane, bei andern hin-
gegen nur einen Keimstock (stolo prolifer), den Träger und
Erzeuger der Gemmen, antrifft. Weitere Belege dafür wer-
den sich in dem Abschnitt über die Entwicklungsweise er-
geben.
Bei der geschlechtlichen Generation sind die männlichen
und weiblichen Zeugungsorgane bald in einem Individuum
vereinigt, bald, wie es scheint, getrennt und auf verschiedene
Individuen vertheilt. — Der Keimstock der geschlechtslosen
Individuen ist ein kurzer, cylindrischer , etwas bogenförmig
gekrümmter und nach hinten sich erstreckender Leibesfort-
satz, der dicht vor der Hintermündung und genau in der
Mittellinie, vom Rücken oder vom Bauche , je nach den Ar-
ten, entspringt. Er kann, wenn auch in einem beschränkten
Maasse, bewegt werden , was durch eine der hintersten Mus-
Ueber die Gattung Doliolum und ihre Arten. 57
kelbinden geschieht , die für diesen Zweck bei allen ge-
schlechtslosen Individuen eigens modificirt erscheint , und
wovon später. Die Gemmen, deren Zahl nur gering ist, ent-
wickeln sich nur aus der Endportion des Keimstocks, längs
welcher man sie in Form von mehr und minder hervorra-,
genden Knöpfchen dicht neben einander gereiht antrifft.
Die aus Eiern sich entwickelnde (geschlechtslose) Ge-
neration hat eine Metamorphose zu bestehen. Die Larve ist,
wie bei den übrigen Ascidien, cercarienförmig.
Alle Arten bewegen sich Sprung- oder ruckweise, wie
es schon Q. und G. angeben , indem sie sich plötzlich con-
trahirend , eine Strecke weit fortschnellen , um dann wieder
auf längere Zeit zu ruhen.
Beschreibung der Arten.
A) Arten mit acht Muskelreifen und dem
Keim stock am Bauche.
1. Dol. dentkulatum Q. et G. 3). S. Fig. 1, 2,3.
Die Kiemenhaut (Fig. 1, 2, 3, cc.') ist in ein stark vor-
springendes, nach hinten sehendes Knie eingeschlagen und von
grösserer Ausbreitung als bei den folgenden Arten. Mit ih-
rer obern Hälfte (Fig. 1) reicht sie nämlich bis an den zwei-.
ten Muskelreifen und zuweilen über ihn hinaus, mit ihrer un-
tern Hälfte (Fig. 2) dagegen nur bis an den dritten Reifen.
Der Mund liegt auf der untern Hälfte der Athemhaut. Von
ihm steigt die Speiseröhre (Fig. 2, 3, e) bogenförmig nach
hinten zu dem tiefer gelegenen Magen (Fig. 2, 3, /") herab.
Der Darm (Fig. 1, 2, 3, g) beschreibt einen weiten Bogen, in-
dem er anfangs nach hinten und zuletzt auf der rechten Sei-
tenwand der Leibeshöhle nach oben sich wendet.
Bei den geschlechtlichen Individuen dieser Art habe
ich nur den männlichen Zeugungsäpparat entdecken können
und vermuthe demnach, dass die Geschlechter bei Dol. den-
ticulatum getrennt seien. Der erwähnte Apparat liegt auf der
^} Die specifische Benennung ist in sofern unpassend, als die
Vorderniündung auch bei den andern Arien durcti die Läppctien wie
gezähnelt erscheint. Ich erlaube mir daher , für diese Art den Kamen
Dol, Ehrenbergii vorzuschlagen.
58 Krohn:
linken Seitenwand des hintern Leibesraums und besteht aus
dem Hoden (Fig. 1, 2, /c) und einem verhältnissmässig langen
und weiten Samenkanal (Fig. 2, /}. Dieser Kanal pflegt von
Samen zU strotzen und erstreckt sich bis zum vierten Mus-
kelreifen. Der Hoden ist aus einzelnen runden Läppchen
zusammengesetzt, die gleich den Blättern einer Rosette um
den Anfang des Samenkanals gruppirt sind.
Was die geschlechtslosen Individuen betrifft, so besteht
die oben berührte, durch den Keimstock hervorgerufene Ab-
änderung in ihrem Muskelapparate darin , dass die vorletzte
Binde, in ihrem Verlaufe gegen die Mittellinie der Bauch-
fläche, nicht zum Schluss kommt, und so mit zwei zipfelar-
tig verschmälerten Enden in die Basis des Keimstocks eine
Strecke weit eindringt.
Ganz ausgebildete Individuen dieser Art erreichen die
Länge von zwei Linien und etwas darüber.
2. Dol. Müllen nob. s. Fjg. 4.
Diese Species ist in der Mitte stärker angeschwollen
und stellt daher ein gedrungeneres Fässchen vor. Der Man-
tel ist von sehr weicher, fast schleimiger Consistenz, so dass
fremde Körper aller Art sich leicht in ihn einbetten und ihn
überziehn. Die Athemhaut hat die Gestalt einer in der hin-
tern Leibeshälfte aufrecht gestellten und nach hinten gleich-
massig gewölbten Scheidewand, deren Spalten auf zwölf Paare
ßich belaufen mögen. Auch hier schien mir der Mund mehr
in der untern Hälfte der Athemhaut angebracht. Dagegen liegt
der Nahrungsschlauch von den Seitenwänden gleichweit ent-
fernt, in der Mitte der Leibeshöhle. Die Speiseröhre steigt
nach unten gegen den Magen herab, auf welchen der kurze,
anfangs sich herabsenkende und dann schlingenförmig nach
oben umgebogene Darm folgt.
Die geschlechtlichen Individuen dieser Art sind herma-
phroditisch. Dicht am Magen und Darm unterscheidet man nänv
lieh drei neben einander gelagerte Gebilde. Der grössere
derselben von birnförmiger Gestalt ist der Hoden , dessen
dünneres Ende dicht neben dem After liegt. Von den bei-
den übrigen Gebilden , die sphärisch sind, ist das eine mit
hellen, runden, einen Kern enthaltenden Bläschen angefüllt,
Ueber die Gattung üoliolum und ihre Arten. 59
die ich für die Eikeime und somit das garize Organ für ein
Ovarium zu halten geneigt bin. Das andere Gebilde ist ent-
schieden ein ausgebildetes Ei , an welchem man die äussere
Hülle, den körnigen Dotter und das Keimbläschen mit dem
Keimfleck leicht erkennt. Bei einzelnen Individuen fand ich
es bereits abgelöst, im hintern Leibesraum.
Was die geschlechtslosen Individuen anlangt, so will ich-
nur bemerken, dass ihre vorletzte Muskelbinde (s. Fig. 4, mm)
sich durchaus so verhält wie bei der vorigen Art.
Von dieser ungemein häufig, im März und April oft
schaarenweise angetroff'enen Art, kommen Varietäten mit roth-
geflecktem Körper und bläulich oder blassrothgefärbtem Nah-
rungskanale vor.
Ausgewachsene Individuen erreichen die Länge von
anderthalb Linien.
B) Arten mit neun Muskel reifen und dem Keim-
stock auf dem Rücken.
1. Dol. Nordmanni nob. (vergl. Fig. 6).
In Betreff" der Gestalt scheint diese Species auf den er-
sten Blick mit Dol. denticulafum so sehr übereinzustimmen, dass
man beide leicht mit einander verwechseln wird. Erst bei
genauerer Untersuchung stellen sich die nicht unerheblichen
Unterschiede zwischen beiden heraus, die nicht nur die Zahl
der Muskelbinden , sondern vorzüglich auch die Athemhaut
betreff'en. Diese (s. Fig. 6, g') stellt nämlich bei der in Rede
stehenden Species ein in der hintern LeibeshälFte ganz flach
ausgespanntes und in schräger Richtung von oben und hin-
ten nach unten und vorn geneigtes Septum vor, deren Spal-
ten auf vier Paare reducirt sind. Der Mund findet sich genau
im Centrum der Athemhaut. Dei* Nahrungskanal (Fig. 6, h,
h, l) gleicht in jeder Hinsicht dem von Dol. Mülleri.
Ueber die Bosch aff'enheit der Zeugungsorgane und das
Geschlechtsverhältniss bin ich zu keinem Aufschluss ffekom-
men, da die beobachteten Individuen sämmtlich zu den ge-
schlechtslosen gehörten. In Bezug auf den Keimstock muss
ich anführen, dass vom freien Ende desselben ein besonde-
rer fadenförmiger, quergeringelter oder vielmehr gerunzelter
60 Krohn:,
Anhang ausläuft, der sich bei keiner der andern Species wie-
derfindet. Die schon besprochene Modification in der Mus-
kelanordnung betrifft hier die drittletzte Binde (Fig. 6, ^) ,
die wegen der Lage des Keimstocks auf dem Rücken oben
nicht zum Schluss kommt. '
Diese Species ist die kleinste, indem sie ausgewachsen,
nicht leicht eine Linie überschreiten dürfte.
2. Dol, Troschelü nob.
Diese Art habe ich nur selten zu beobachten Gelegen-
heit gehabt. Sie ist viel grösser als die vorher beschriebe-
nen, indem ich davon Individuen sah, die etwas über drei
Linien in der Länge maassen. Sie gleicht im Ganzen dem
Dol. denticulatum und Dol. Nordmanni, nur dass der Leib ein
noch stärker in die Länge gestrecktes Fässchen darstellt.
Vorzüglich aber zeichnet sie sich durch ihre ungewöhnlich
breite Muskelreifen aus ^). Der Nahrungsschlauch gleicht
ganz dem der vorigen Art, während ich über die Beschaf-
fenheil der Kiemenhaut nichts aussagen kann, da sie bei allen
Individuen zufälligerweise fehlte, wahrscheinlich also durch
irgend eine Veranlassung verletzt und abgelöst worden war.
Geschlechtliche Individuen sind mir nicht zu Gesicht ge-
kommen. In Bezug auf die geschlechtslosen erinnere ich nur
daran, dass die drittletzte Muskelbinde dasselbe Verhalten
zeigt, wie bei Dol. Nordmanni •'').
*) Bei oberflächlicher Betrachlimg könnte diese Species, eben
wegen ihrer breiten Muskelbinden , leicht fnr ein ganz junges Indivi-
duum der proles solitaria von Salpa punctata Korsk. angesehen wer-
den. Unter den von mir bei Messina beobachteten Salpen (s. Annal.
de scienc. natur. 1846.) ist nämlich diese vereinzelt lebende Salpen-
forra die einzige, deren sämmtliche Muskelbinden vollständige und
verhältnissmässig sehr breite Kinge bilden.
5) Unentschieden muss es noch bleiben , ob ein von Q. und G.
(1. c. p. 601. PI. 89. Fig. 29 u. 30.) neben dem Dol. denticulatum er-
wähntes , ebenfalls tonnenähnliches und mit acht Muskelreifen verse-
henes, aber bei weitem grösseres Mantelthi^r, das sie als Dol. cauda-
lum bezeichnen, zu dieser GaUung gehöre. In der Abbildung ist das
eine Leibesendc zwar siphoähnlich gestallet, dessen Mündungsrand aber
ohne Läppchenkrone. Vom andern Ende läuft ein derber, pyramiden-
Ueber die Gallung Doliolum und ihre Arien. 61
Ent Wickelung und Metamorphose.
Die Entwickelung der Gemmen ist bei Do). Mülleri be-
obachtet worden , ohne etwas besonders Bemerkenswerthes
dargeboten zu haben. Die Knospen sprossen nach einander,
wie es scheint, aus dem Keimstocke hervor; denn die äusser-
ste ist immer die grösste und oft schon in eine junge Asci-
die umgewandelt, während die übrigen in der Entwickelung
noch weit gegen sie zurückstehen, und zwar um so weiter,
je entfernter sie von ihr sind. Sprösslinge, die schon so
weit ausgebildet sind, dass man die meisten Organe und un-
ter letztern auch das rasch pulsirende Herz erkennt, stehen,
wie nach M. Edwards die der zusammengesetzten Asci-
dien und Ciavelinen, aufrecht, das Vorderende nach oben^ ge-
kehrt, und sitzen dem Keimstocke mittelst eines kurzen Stiels
an. Dieser Stiel ist an die Bauchfläche, dicht unter dem Nah-
rungsschlauche, inserirt , fällt bei der Ablösung der Spröss-
linge mit ihnen vom Keimstock ab, und geht später ganz ein.
Solche unlängst abgelöste Sprösslinge sind insofern mit jun-
gen geschlechtslosen Individuen zu verwechseln, als ihr Stiel,
der mit dem noch wenig entwickelten und noch gemmenlo-
sen Keimstocke dieser Individuen dieselbe Lage am Bauche
und auch dieselbe Form hat, leicht für den letzern angese-
hen werden könnte. Diesem Irrthume wird aber durch die
nähere Untersuchung vorgebeugt, indem man sich bald über-
zeugt, dass alle freigewordenen Sprösslinge mit den Rudi-
menten der Zeugungsorgane versehen sind.
Die geschlechtslosen , aus Eiern sich entwickelnden In-
dividuen kommen, wie schon angeführt, als cercarienförmige
Larven zur Welt, und bestehen demnach eine Metamorphose.
Indess zeichnet sich diese Metamorphose durch manche Ei-
genthümlichkeiten aus, die ihre Erklärung nur in der Lebens-
förmig sich zuspitzender Fortsatz aus, der den Fortsätzen mancher zu-
sammengeketteten Salpen gleicht. Ich wäre geneigt, das Thier eher
für eine «Salpe als für ein Doliolum zu halten, zumal die völlig ge-
schlossenen Muskelbinden , die es besitzt, nach dem oben (Anmerk. 4)
angeführten Beispiele, kein ausschliessliches Kriterium der Galtung Do-
liolum sind.
62 Kiohn:
weise des ausgebildeten Thiers finden. Bekanntlich nämlich
verschwindet bei den Larven der festsitzenden Ascidien das
Schwänzchen als unbrauchbar gewordenes Organ sehr bald,
nachdem die Larve einen geeigneten Boden zur Anheflung
gefunden hat. Erst nachdem dies geschehen , wandelt sich
der Leib derselben allmählich in das vollständige Thier um.
Bei Doliolum dagegen , das wir als eine frei umherschwim-
mende Ascidie kennen gelernt haben, braucht das Schwänz-
chen nicht so früh einzugehn; es verharrt fast während der
ganzen Entwickelungszeit des neuen Wesens , bleibt als Be-
wegungsorgan in seinem Dienst, und fängt erst zu der Zeit
zu verkümmern an , in welcher das junge Thier seine volle
Ausbildung un^ Selbstständigkeit erreicht 0). Das Schwänz-
chen verkümmert aber ganz auf die Art, wie es bereits bei
der Metamorphose von Amourucium proliferum von M. Ed-
wards beobachtet, und von mir an den durch künstliche Be-
fruchtung erzielten und sich umwandelnden Larven vonPhal-
lusia mammillata kürzlich bestätigt worden ist. Es zieht sich
nämlich seine, aus einfach hinter einander gereihten, rectan-
gulären und mit einem Kern versehenen Zellen bestehende
conlractile Centralportion oder Achse allmählich aus ihrgr
Hülle heraus und in den Leib des jungen Thiers hinein, und
verkürzt sich hierbei immer merklicher. Nachdem das junge
Thier bald darauf, die Larvenhülle abstreifend, zur Welt ge-
kommen ist , findet man an dessen Bauchfläche , dicht unter
dem Verdauungsschlauche, nur noch geringe Spuren des frü-
heren Schwänzchens , in Form eines rundlichen, bald ganz
eingehenden Gebildes. Als nähere Belege für die eben vor-
getragene Ansicht mögen folgende Beobachtungen dienen,
die ich an einzelnen, noch nicht völlig entwickelten Individuen
von Dol. Nordmanni zu machen Gelegenheit hatte.
Allen diesen Individuen (siehe Fig. 5, 6, 7) hing das
ß) Das als Vexillaria flabellum von J. Müller (Archiv f. Physiol.
1846. p.106. Tab. VL Fig. 1.) beschriebene und muthmasslich für die
Larve von Amourucium proliferum angesehene Thier ist , nach meinen
Untersuchungen, eine noch in der Entwicklung begriffene Ascidie, deren
Schwänzchen , wie bei Dol. , bis kurz vor völlig erlangter Reife zu
persistiren scheint. >Das vollständige, noch unbekannte Thier, dürfte
demnach in der Lebensweise mit Doliolum übereinstimmen.
Ueber die Gatliing Doliolum und ihre Arten. 63
Schwänzchen noch an , und zwar schien es bei einzelnen
(Fig. 5) noch in seiner Integrität zugegen , während es bei
anderen (Fig. 6, 7) in dvr Verkümmerung begriffen war. Das
Ganze, Schwänzchen und junges Thier, war von der Larven-
hülle (Fig. 5, 6, 7, aaa} umgeben, einer glashellen sehr dicken
Haut, die nicht mit dem unmittelbar um den Leib des jun-
gen Thiers geschlungenen Mantel verwechselt werden darf.
Dieser (Fig. 7, rrr) Hess sich nämlich von der homogenen
Larvenhülle an den in seine Substanz eingebetteten Körnern
leicht unterscheiden. Die Larvenhülle, deren ganze Länge
eine Linie betrug, verlief sich an ihren beiden Enden in eine
ziemlich scharf ausgezogene Spitze (s. Fig. 5). Das ver-
hältnissmässig kurze und sehr dünne Schwänzchen (Fig, 5,
6, 7, d) 'oder vielmehr die der Verkümmerung unterworfene
Achse desselben , erschien durch die oben erwähnten cubi-
schen Zellen wie gegliedert (s. Fig. 7) , und es Hess sich
äusserlich an dieser Achse noch eine dünne Muskelschicht
wahrnehmen, deren Fasern der Länge nach, von der Wurzel
bis zur Spitze, verliefen '}. Die Wurzel ragte tief in einen
blasenförmigen, mit heller Flüssigkeit gefüllten und dicht un-
ter dem Nahrungsschlauche gelegenen Anhang (Fig. 5, 6, 7 c)
hinein, der wahrscheinlich nur eine Aussackung der zweiten
Leibesschicht ist, und in gleichem Schritte mit dem Schwänz-
chen sich verkleinert, zusammenfällt und zuletzt verschwin-
det. Das junge Thier chen (s. Fig. 6) zeigte sich in den mei-
sten Exemplaren schon so weit ausgebildet, dass man alle
Organe und an der Vordermündung auch die nach einwärts
in die Leibeshöhle eingeschlagene , und erst nach der Ent-
hüllung sich entfaltende und vorspringende .Läppchenkrone
unterschied. Auf der Rückenfläche zeigte sich bereits der
rudimentäre Keimstock (Fig. 6, 7, g) in Form eines vorsprin-
genden Zapfens. Das junge Thier war noch keiner selbststän-
digen Bewegung fähig, und nur das Schwänzchen sah mau
zeitweise leise zucken und vibriren.
7) Diese Faserlage dürfte wohl keiner Ascidienlarve fehlen. An
den Schwänzchen der Vexillarien ist sie auch schon ganz richtig von
J. Müller beobachtet und beschrieben worden. Sie giebt vollkom-
menen Aufschluss über die raschen Bewegungen des Schwänzchens.
64 Krohn:
S chlussbetr achtung.
Im Laufe der Darstellung ist gelegentlich auf die Ana-
logien hingewiesen worden , durch welche die Gattung Do-
liolum sich den Salpen annähert. Es ist nicht nur die glei-
che Lebensweise beider, welche jene Analogien, die sich in
der fast übereinstimmenden Gestalt , in den beiden einander
diametral gegenübergestellten LeibesöfFnungen und vorzüg-
lich in dem Muskelapparate aussprechen, hervorruft, sondern
auch, wie ich es wahrscheinlich zu machen gesucht habe,
der nach den Gesetzen des Generationswechsels vor sich ge-
hende Fortpflanzungsmodus, durch welchen, wie bei den Sal-
pen, geschlechtliche und geschlechtslose Generationen in al-
ternirender Reihenfolge erzeugt werden. Dennoch wiegen
in der Gattung Doliolum die typischen Charaktere , durch
welche die Ascidie sich von der Salpe unterscheidet, vor.
Mit Entschiedenheit treten sie in der Anwesenheit des Athem-
sipho, in dem Baue des Respirationsorganes und in der Me-
tamorphose zu Tage. Durch ihr Hinneigen zu den Salpen
und den einfachem Bau ihrer Kieme steht aber die Gattung
Doliolum, meiner Ansicht nach, niedriger als. die zusammen-
gesetzten Ascidien, obwohl sie gleich den höher organisirten
einfachen Ascidien vereinzelt lebt, aber nicht wie diese an
den Boden geheftet ist. Es lassen sich demnach die Asci-
dien, nach der Lebensweise, in festsitzende und freischwim-
mende unterscheiden. Zu jenen gehören die zahlreichen Gat-
tungen der einfachen und zusammengesetzten oder aggregir-
ten Ascidien, zu diesen die vereinzelt lebende Gattung Do-
liolum und die aggregirte Galtung Pyrosoma.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1,2,3. Dol. denticulalum. — Geschlechtliches Individ. (Männchen).
Fig. 1. Von der Rückenfläche.
a. Alhemsipho. — h,h, h Muskelreifen. — c,c Kiemenhaut.
— g Darm, — k Hoden. — m Nervenknoten mit den Ner-
venstämmchen,
lieber die Gattung Doliolum und ihre Arten. 65
Fig. 2. Von der ßauchfläche.
ö, 6, c, g, h wie in Fig. 1. — d Bauchfurche. — e Speise-
röhre. — f Magen. — l Samenkanal.
Fig. 3. Von der Seite.
Die Bezeichnung wie in Fig. 1. und 2.
Fig. 4. Dol. MüUeri von der Bauchfläche. — Geschlechtsloses In-
dividuum.
a, b, c, d wie in den frühern Figuren. — h der Keimstock
mit den Gemmen. — m , in die unten ungeschlossene vor-
letzte , mit ihren beiden Endzipfeln in den Keimstock rei-
chende Muskelbinde.
JFig. 5. Aus dem Ei entwickeltes, nicht völlig ausgebildetes, noch
in der Larvenhülle steckendes Individuum von Dol. INordmannii
a, a, a Larvenhülle. — b das junge Doliolum. — e hinlere
Leibesmündung. — f vordere Leibesmündung. — c blasen-
förmiger Anhang. — d die Achse des Schwänzchens.
Fig. 6. Etwas weiter entwickeltes Individuum derselben Species.
Die Achse des Schwänzchens hat sich schon stärker aus
seiner Hülle gegen den Leib hingezogen und es ist auch der
blasenförmige Anhang kleiner geworden,
ö, c, d, e, f wie Fig. 5. — g Kiemenhaut. — h Speiseröhre.
^- k Magen. — l Darm. — m Herz. — n Bauchrinne. — o
Nervenknoten mit den INervenstämmchen. — p drittletzte
oben un geschlossene, in den rudimentären Keimstock q drin-
gende Muskelbinde.
Fig 7. Ein; wie es scheint , auf der nämlichen Entwicklungsstufe
wie Fig. 6 stehendes Individuum von Dol. Nordmannii. Das
Exemplar ist wegen der sonderbaren Lage der bereits aus
ihrer Hülle herausgezogenen Achse des Schwänzchens be-
merkenswerth. Man sieht die Zusammensetzung der Achse
aus cubischen Zellen, die ihr ein gegliedertes Ansehen ge-
ben. Der blasenförmige Anhang ist zusammengefallen und
gerunzelt.
o, c, d, e, /", 0, q wie in Fig. 6. — r, r, r der Mantel des
jungen Thiers.
Paris, d. 16. October 1851.
Archiv f. Naturgescb. XVIH. Jahrg. 1. Bd.
lieber die Erseheinuiigfen bei der Fortpflan«
ziing- von ISyllis prolifera und ytutolytiis
prolifer.
Von
l>r« A» üroliii»
(Hierzu Taf. 111. Fig. 1..)
In einem Berichte über einzelne frühere Untersuchun-
gen von Quatrefages (s. Annal. d. sc. natur. 1844. T. 1
p. 22), erwähnt M. Edwards einer von Quatrefages an
den Küsten der Bretagne entdeckten Syllis, welche sich durch
Theilung vermehrt.
Nach den Beobachtungen von Quatrefages, beginnt
die Theilung mit einer Einschnürung in der Mitte des Leibes
dieser Syllis. Es bildet sich an dem abgeschnürten Hinter-
leibsstücke, aus einer Umwandlung der vordersten Segmente
des letzteren , bald ein Kopf aus. Das so auf Kosten eines
Theils des Mutterthiers entstandene neue Individuum ist mit
Zeugungsorganen, entweder Eierstöcken oder Hoden verse-
hen, die man indess schon vor der Theilung im Hinterleibs-
stücke der Mutter wahrnahm. Es pflanzt sich also, im Ge-
gensatze zu dem Stammindividuum, auf geschlechtlichem Wege
fort , und ist bald ein Weibchen , bald ein Männchen. Sein
Nahrungskanal zeigt eine Neigung verkümmern zu wollen,
doch lebt es nach der Lostrennung vom Stammindividuum
noch so lange , dass die Eier oder der Samen völlig reif
werden. Was aber das Stammindividuum betrifft, so ist zu
vermüthen, dass es sich durch die Erzeugung eines neuen
Hinterleibes vollständig wiederergänze.
Obwohl Quatrefages diese Syllis nicht näher be^
Krohn: üeber die Ersch. bei d. Fortpü. von Syllis prol.u. s.w. 67
schrieben hat, so zweifle ich doch keinen Augenblick, dass
eine im Golf von Villafranca bei Nizza häufig* anzutreffende
Syllis, die, nach meinen Untersuchungen , sich ganz auf die
von Quatrefages angezeigte Art, durch Theilung fort-
pflanzt, mit ihr identisch sei. Zwar sind später von Seiten
Frey's und Leuckart's (Beiträge z. Naturgesch. wirbellos.
Thiere, p. 91.) manche Zweifel und Einwendungen gegen die
obigen Angaben von Quatrefages erhoben worden, aber
ohne Grund, wie es sich jetzt herausstellt , da F. und L. die
Syllis prolifera Qualref. für die Nereis prolifera 0. F. Mül-
ler (Zoolog, danica p. 15. Tab. 52. Fig. 1 — 6.) genommen
haben. Die Nereis prolifera , abgesehen davon, dass sie sich
durch Knospen vermehrt, wie es F. und L. zuerst vollstän-
dig nachgewiesen haben , ist nicht einmal eine ächte Syllis,
obwohl sie zur Familie der Syllideen gehört. Mit vollem
Rechte hat sie denn auch Grube (Familien der Anneliden,
dies. Arch. 1850. p. 309.) von den Syllis, unter die sie frü-
her eingereiht war, getrennt und in eine eigene mit dem
Namen Autolytus bezeichnete Gattung untergebracht. Es wird
daher ganz am Orte sein, wenn ich hier zunächst die haupt-
sächlichsten Kennzeichen beider Arten hervorhebe.
Die Länge, die Autolytus prolifer erreicht, ist nicht immer
leicht zu bestimmen, da man die meisten Exemplare in der
Prolifikation trifft, dürfte jedoch nicht viel über 2'" betragen.
Die vier dunkelrothen Augen sind auf der obern Fläche des
Kopfes in einem Viereck oder noch besser in einem Trape-
zoid gruppirt , denn die des hintern kleinern Paars stehen
einander näher als die des vordem Paars. Die drei Fühler
des Kopfes und die Girren der Leibessegmente sind nicht,
wie bei den ächten Syllis , gegliedert oder geringelt. Das
Endglied der Sichelborsten, womit die Fussstummel versehen
sind, ist sehr kurz und läuft verbreitert zuletzt in drei Zacken
aus Der sehr lange , rüsselartig vorstülpbare Schlund (tu-
bulus flexuosus nach Müller), zeigt sich im zurückgezoge-
nen Zustande in zwei Schlingen zusammengebogen, bei ein-
zelnen Individuen , wo er noch länger , selbst mehrfach ge-
wunden. Sein Eingang ist mit einer zierlichen Krone klei-
ner, gerader, spitzer, horniger Zähnchen versehn. Der spiess-
förmige Zahn oder Bohrstachel, den man bei den ächten Syllis
68 Krohn:
an der obern Wand des Schlundes, nicht weit vom Eingange
findet, fehlt bei Autolytus, wie es bereits F. und L. anzeigen.
Auf den Schlund folgt eine rundliche, aus derben Ringfaser-
bündeln bestehende Erweiterung, eine Art Schlundkopf (ven-
triculus transversim striatus nach Müller), welche ohne
Weiteres in den Anfang des Darms zu führen scheint.
Syllis prolifera erreicht die Länge von 7"' etwa. Wie bei
andern Arten der Gattung Syllis, so ist auch bei ihr der Kopf
vorne mit zwei rundlichen, breiten , löffelartig ausgehöhlten,
und gleich Klappen bald über den Mund sich zusammenschlagen-
den , bald wieder sich aufrichtenden Fortsätzen , den soge-
nannten Stirnlappen versehn. Diese Lappen fehlen bei Auto-
lytus. Die Augen verhalten sich wie bei letzterem. Die drei
Fühler so wie alle Girren sind geringelt: ein Hauptmerkmahl
des Genus Syllis. Dicht an der Basis jedes seitlichen Füh-
lers bemerkt man noch einen kleinen runden Pigmentfleck
von der Farbe der Augen. Das Endglied der Srcheiborsten
ist etwas länger als bei Autolytus, und an der schwach ein-
gebogenen Spitze nur mit zwei Zacken versehn. Der Schlund
ist sehr kurz, geradegestreckt, und am Eingange mit einem
Kranze weicher, konischer Papillen versehen. Der oben er-
wähnte Bohrstachel ist deutlich zugegen. Zwischen dem
Schlundkopfe und dem Darme lässt sich noch eine eigene
dünnwandige, häufig sich contrahirende Abtheilung unterschei-
den, die jederseits mit einer länglichen, wahrscheinlich zur
Absonderung eines Verdauungssaftes dienenden Tasche zu-
sammenhängt '").
*) Eine zweite, um weniges längere , ebenfalls durch Theilung
sich vermehrende Syllis , ist im Golf von Villafranca nicht weniger
häufig. Ich kann sie nicht für eine blosse Abart der Sylt, prolif. hal-
ten, obgleich sie ihr sehr nahe steht. Die Zahl ihrer stärker in die
Länge gestreckten Leibessegmenle schien mir geringer als bei Syll.
prolif. Ueber den Kücken der vordem Segmente zieht sich eine bräun-
liche oder röthliche Querbinde hinüber. Die Fühler und Cirren, letz-
tere an den Enden zuweilen kreideweiss, scheinen etwas kürzer und
gedrungener als bei Syll. prolif. Zudem alterniren die Cirren an man-
chen Exemplaren in der Art, dass auf ein längeres Paar ein oder zwei
Paare kürzerer Cirren folgen. Dies Art mag den Namen Syll. fissipara
führen.
üeber d. Ersch. b. tl. Fortpfl. von Syllis prol. u. Aut. prol. 69
Es unterliegt keinem Zweifel , dass die von den beiden
Arten erzeugten neuen Individuen oder die Abkömmlinge ,
wie ich sie kurzweg noch öfters nennen werde, mögen sie
nun wie bei Syllis prolifera aus einer Theilung des Mutter-
thiers, oder wie bei Autolytus, aus Knospen hervorgegangen
sein, zu geschlechtlicher Fortptlanzung bestimmt und entwe-
der Männchen oder Weibchen sind. Dazu kommt noch, was
bisher nicht bekannt war , dass sie in der äussern Bildung
und zum Theil auch im inilern Bau, auf eine auffallende Weise
von den Stammindividuen abweichen.
Bei den völlig entwickelten und freigewbrdenen Abkömm-
lingen von SylJis prolifera besteht der Kopf (vergl. die bei-
gegebene Figur) aus zwei hemisphärischen, vorne durch ei-
nen tiefen Einschnitt geschiedenen Seitenhälften, jede in ei-
nen Fortsatz mit abgerundetem Ende verlängert. Ohne Zwei-
fel entsprechen diese Fortsätze den Stirnlappen des Mutter-
thiers, obgleich sie schmaler, anders gestaltet und nicht wie
beim letztern ausgehöhlt sind. Es finden sich nur zwei seit-
liche Fühler, der mittlere fehlt. Sie sitzen auf der Basis der
respektiven Seitenfortsätze des Kopfes , sind pfriemenförmig,
äusserst kurz, dabei aber , wie beim Mutterthiere , geringelt.
Die beiden Augen jeder Seite siad von viel grösserem Um-
fange als beim letztern , und ganz seitwärts am Kopfe dicht
über einander gelagert. Namentlich zeigt sich das untere Au-
genpaar von sehr ansehnlicher Grösse. Ausser dem Bündel
Sichelborsten, das den Fussstummeln aller Segmente zukommt,
bemerkt man noch einen Büschel zahlreicherer, viel längerer
aber ganz einfacher Borsten an den- Fussstummeln, mit Aus-
nahme des vordersten und letzten Paars, denen dieser Büschel
fehlt. Der Büschel ist einem kleinen Höcker auf dem obern Rande
des Fussstummels eingepflanzt, kann aber nicht, wie das bloss
zum Kriechen dienende Bündel der ^ichelborsten, bald vorge-
streckt bald wieder zurückgezogen werden. Wohl aber wird er,
indem die Borsten auseinander gespreitzt werden, als Hülfs-
ruder beim Schwimmen benutzt. Der Schlund ist ein kur-
zer, einfacher, dünnwandiger, ohne merklichen Absatz in den
Darm führender Kanal, an dem sich auch nicht die mindeste
Spur einer Bewaffnung wahrnehmen lässt. Man sieht ihn
häufig in peristaltischer Bewegung begriffen. Der Darm er-
70 Krohn:
scheint, je nach dem Geschlechle des Abkömmlings, durch die
grosse Menge entweder des in der Leibeshöhle enthaltenen
Samens oder der bald grün, bald blau oder hellviolett ge-
färbten Eier so zusammengedrückt, dass seine Kammerabthei-
lungen nicht mehr zu unterscheiden sind und nur ein gerin-
ger Theii seiner Höhle für die Aufnahme der übrigens nur
flüssigen Nahrung freigeblieben ist. Aus demselben Grunde
zeigt sich aucli der ganze Körper übermässig angeschwollen.
Der ausgebildete Abkömmling des Autolyt. unterschei-
det sich von dem Stammindividuum ebenfalls durch die be-
deutende Grösse der vier Augen, deren kleineres Paar ob-
wohl über dem grössern , doch zugleich auch etwas hinter
diesem gestellt ist. Gleich dem Abkömmling der Syllis pro-
lifera besitzt auch er, ausser dem Bündel Sichelborsten, noch
einen Büschel einfacher Borsten an den Fussstummeln, ausge-
nommen die drei bis fünf vordersten und die letzten Paare, denen
dieser Büschel fehlt. Was ferner in Betreff des Schlundes
und der Verengung des Darms durch die Zeugungsstoffe oben
angeführt wurde, gilt auch für ihn. Während aber bei den
Abkömmlingen der Sylt, prolif. zwischen den beiden Ge-
schlechtern durchaus kein Unterschied besteht , weichen hier
die Weibchen und Männchen in Bezug auf die Fühler, die
übrigens bei beiden in der Vollzahl vorhanden sind, auf eine
in die Augen fallende Weise von einander ab. Das Weib-
chen ist nämlich der Mutter insofern ähnlicher, als seine drei
Fühler in jeder Hinsicht mit denen der letztern übereinstim-
men. Dagegen sind beim Männchen die beiden Seitenfühler
gabelförmig in zwei divergirende Aeste, von denen der eine
etwas kürzer, getheilt. Ausserdem bemerkt man auf dem
Kopfe des Männchens, dicht neben dem mittleren durchaus
ungetheilten Fühler, noch jederseits einen kurzen, konischen,
tentakelartigen Vorsprung. — Der Dotter der Eier ist von
bräunlicher Farbe.
Ich habe allen Grund zu vermuthen, dass schon 0. F.
Müller den männlichen Abkömmling des Antolytus frei im
Meere angetroffen und als besondere Species, unter dem Na-
men Nercis corniculata (1. c. p. 15. Tab 52. Fig. 1 — 4.) be-
schrieben hat. Die Beschreibung ist aber nicht in allen Stücken
zutrefTend, was wohl nur dadurch zu erklären, dass der sonst
lieber d. Ersch. bei d. Fortpfl. v. Syll. prolif. u. Autolyt. prolif. 71
SO scharfe Beobachter bloss zweimal Gelegenheit hatte , das
Thierchen zu untersuchen.
Das Leben der Abkömmlinge scheint ganz auf das Fort-
pflanzungsgeschäft angewiesen und dürfte daher, nach der
Entleerung der Zeugungssloff'e und der Befruchtung der Eier,
nur von kurzer Dauer sein. Wenigstens sieht man die in Glä-
sern aufgezogenen und freigewordenen Individuen, nach der
Entleerung der Zeugungsstoffe, bald sterben. Während die-
ses kurzen Daseins zeichnen sie sich von den Stammindivi-
duen durch eine grössere, ohne Zweifel für die Sicherung
der Fortpflanzung berechnete Lebensrührigkeit aus. Daher
ihre so stark entwickelten Augen und die Zugabe jener Bü-
schel einfacher Borsten, die ihnen als kräftige Hülfsruder bei
dem rasch vor sich gehenden Schwimmen dienen. Der Zeu-
gungssloffe scheinen sich die Abkömmlinge bald nach der
Lostrennung zu entledigen , und zwar geschieht dies durch
besondere Oeffnungen an den Basen der Fussstummel und un-
ter häufigen Contractionen des ganzen Leibes. Nach diesem
Act erscheint der Leib zusammengefallen, dünner und schlan-
ker, zugleich sind am Darme die Kammerabtheilungen wie-
der sichtbar. Von einer Verkümmerung des Nahrungskanals,
wie sie Qualrefages angenommen, kann also nicht wohl
die Rede sein.
BeiSyllis prolifera beginnt die Prolifikation mit der Pro-
duktion der Zeugungsstoffe, wie dies schon aus den Angaben
von Quatrefages hervorgeht. Innerhalb des hintersten
Achtels, Sechstels, auch wohl Fünfteis des Mutterkörpers, ent-
steht zuerst eine Menge von Eikeimen oder Bildungszellen
des Samens, je nachdem aus dem erwähnten Bruchtheil ein
weiblicher oder männlicher Nachkomme werden sofl. Die
Eier sind noch durchaus farblos , mehr weisslich , die Bil-
dungszellen des Samens, wie gewöhnlich, in einzelne Haufen
zusammengedrängt. Indem nun die Zeugungsstoffe sich ver-
mehren, auch die früher entstandenen Eier grösser werden,
schwillt dadurch der gedachte Leibesantheil der Mutter im-
mer mehr an, und grenzt sich bald in F'orm eines Kolbens
von dem übrigen Leibe ab. Unterdess hat sich an dem vor-
dersten Segment desselben ein Kopf ausgebildet , kenntlich
an den Augen, die anfangs noch als kleine, scharlachrothe^
72 Krohn:
jederseits zu zweien über einander gestellte , aber noch von
einander abgerückte Pigmentflecke erscheinen. Während
nun die jederseitigen Augen bis zu wechselseitiger Berüh-
rung an Umfang zunehmen , auch ihre brechenden Medien
sichtlicher hervortreten, entwickeln sich am Kopfe auch die
Seitenfortsätze und die Fühler. Der Leib des neuen Indivi-
duums zeigt sich durch die grosse Menge der schon farbigen
Eier oder des reifer gewordenen Samens, noch stärker aus-
gedehnt, der Darm noch sichtlicher als früher zusammenge-
presst und verengt. Erst zuletzt sieht man auch die Büschel
der einfachen Borsten an den Fussstummeln zum Vorschein
kommen. Anfangs sind diese Borsten noch klein und Ave-
nig zahlreich, wachsen aber rasch in die Länge und vermeh-
ren sich. Je näher der Zeitpunkt der Reife und Ablösung heran-
rückt, desto mehr giebt sich auch die erwachende Selbststän-
digkeit des neuen Wesens, in von der Mutter unabhängigen
Bewegungen zu erkennen. — Hiernach erhellt, dass bei der
Theilung das hinterste Leibesstück des Stammindividuums, mit
seinen sämmtlichen Girren, Fussstummeln und Bündeln Sichel-
borsten, so wie mit seinem Darmantheile, unverändert in das
neue Wesen übergeht, während dessen Kopf und die Büschel
einfacher Borsten Neubildungen sind. Die eben mitgetheil-
ten Beobachtungen stimmen also im Ganzen mit denen von
Quatrefages überein, und weichen nur in Bezug auf die
Entstehungsweise des Kopfes von ihnen wesentlich ab.
Es darf indess nicht verschwiegen werden , dass ge-
wöhnlich nicht der ganze mit Zeugungsstoffen angefüllte Ab-
schnitt des Mutterleibes, wie eben dargestellt worden, zum neuen
Individuum wird. Der vorderste Theil dieses Abschnitts, aber
nur aus zwei bis vier Segmenten höchstens bestehend, verbleibt
nämlich der Mutter. Entweder entledigen sich diese Segmente
ihres Inhalts, bald nach der Lostrennung des Abkömmlings,
wie ich mich überzeugt zu haben glaube, oder sie gehen nach
der Regeneration des Hinterleibes, bei einer abermaligen Thei-
lung, in die Zusammensetzung eines neuen Abkömmlings
über, wie ich bald zeigen werde. In sehr seltenen Fällen,
stösst man aber auf in der Theilung begriffene Stammindivi-
duen, deren Leibeshöhle fast ganz , bis an den Schlund hin,
mit Eiern oder Samen angefüllt ist. ich habe beobachtet,
Ueber d. Ersch. bei d. Forlpfl. v. Syll. prolif. u. Aulolyt. prolif. 73
dass solche Individuen die Zeugungsstoffe bald nach dem
Freiwerden ihres Abkömmlings auswerfen. Diese Fälle sind
also insofern merkwürdig, als sie lehren , dass das Mutter-
thier nicht bloss durch Theilung , sondern zu gleicher Zeit
auch auf geschlechtlichem Wege, wie sein Abkömmling, sich
fortzupflanzen vermag, obwohl dies zu den Ausnahmen gehört.
Wie es schon Qua trefag es wahrscheinlich gefunden,
wird der Verlust, den das Stammindividuum durch die Thei-
lung erleidet, in der That vollständig wißder ersetzt. Die
Reproduction des eingebüssten Hinterleibes , deren Vorgang
dem beim Wiederersatze zufällig abgerissener Gliederstücke
vollkommen entspricht, beginnt aber schon, ehe noch das
Junge völlig ausgebildet ist, und, wie es scheint, kurze Zeit
vor der Lostrennung desselben. Das regenerirte Hinterleibs-
slück wird alsbald für die Bildung eines neuen , zu demsel-
ben Geschlechte wie der frühere gehörenden Abkömmlings
verwandt. Schon während es heranwächst, erzeugen sich in
seinen Segmenten wiederum Eikeime oder Bildungszellen des
Samens , als Indicien einer von Neuem sich einstellenden
Theilung. Das ganze reproducirte Stück, nebst den zwei bis
vier vor ihm gelagerten Segmenten der Mutter, falls diese näm-
lich noch von früherher Zeugungsstoffe enthalten, grenzt sich
bald als keulenförmige Anschwellung ab, und es reift der
neue Abkömmling unter den schon oben angeführten Erschei-
nungen heran und löst sich zuletzt ab. Ehe aber dies ge-
schehen, beginnt auch von Seiten der Mutter schon der Wie-
derersatz ihres zum zweitenmal eingebüssten Leibesantheils.
Ob nach der Redintegration ein drittes Junge erzeugt werde,
und wie oft die Theilung an demselben Stammindividuum sich
wiederholen könne, diese Fragen muss ich aus Mangel an
Erfahrungen unbeantwortet lassen.
Weniger einfach sind die Erscheinungen bei der Pro-
lifikation des Autolytus. • Statt eines einzigen durch Theilung
entstehenden Jungen, keimen deren mehrere, successiv nach
einander, in Form von Knospen aus dem Mutterleibe hervor,
wodurch zu einer gewissen Zeit eine Kette hinter einander
gereihter Individuen zu Stande kommt, von denen das dem
Mutterthiere zunächst angrenzende, als das jüngste, auch das
weniger entwickelte ist. Der Entwickelungsvorgang, von de''
74 Krohn:
Knospe an bis zum völligen Auswachsen derselben in das
neue Individuum, ist schon von Frey und Leuckart be-
schrieben worden "'•*). Indess ist nicht zu übersehn, dass der
zuerst erzeugte Abkömmling solcher Stammindividuen, bei
denen die Prolification eben im Beginne ist, gleich dem der
Syll. prolif. , auf Kosten des hintern Leibesstückes der Mut-
ter, also durch Theilung, entstehen muss. Dies geben auch
F. und L. zu , indem , nach ihrer Beobachtung, die erste
Knospe ungefähr in der halben Länge des Mutterkörpers,
zwischen zweien Segmenten des letztern sich bildet. Durch
dies Einschieben der ersten Knospe wird der Leib nothwendi-
gerweise in zwei Hälften getheilt , von denen die hintere,
wie bei Syll. prolifera, in ein neues Individuum sich umbildet.
Mit Ausnahme des auf die letztgedachte Weise entste-
henden Abkömmlings, welchem die Bildung der Zeugungs-
stoffe, wie es schon Frey und Leuckart andeuten, vor-
ausgehn mag, erzeugen sich die Eier oder der Samen in al-
len nachfolgenden, aus Knospen sich entwickelnden jungen
Individuen nicht eher, als bis wenigstens schon der Kopf mit
den Anlagen der Augen und Fühler sich ausgebildet hat.
Die allmähliche Entwickelung und Vermehrung der Eier lässt
sich durch zwei, nicht selten bis drei solcher noch mit ein-
ander zusammenhängender Individuen verfolgen. Die Eier
sind um so weniger ausgebildet und an Zahl um so geringer,
je jünger das Individuum. So hat es schon 0. F. Müller
*) Obgleich die Angaben von Frey und Leuckart bis in die Einzel-
heilen mit meinen Beobachtungen übereinstimmen, so kann ich doch in
Betreff eines Funkies nicht ihrer Meinung sein. Es betriflt den mitt-
leren Fühler der jungen Individuen, den F. und L. aus der Verwach-
sung zweier ursprünglich getrennter Höcker entstehen lassen. Ich ver-
mulhe, dass dieser Ansicht eine unvollständige Untersuchung in der
Entwickelung begriffener männlicher Individuen, die F. und L. von den
weiblichen freilich noch nicht zu unterscheiden gewusst haben , zu
Grunde liegen möchte. Ist diess der Fall, so dürften jene Höcker nur
auf die beiden tentakelförmigen, schon oben bei der Beschreibung der
männlichen Abkömmlinge des Aulolytus erwähnten Vorsprünge zu deuten
sein, während der in ihrer Nähe stehende mittlere Fühler von F. und
L. um so leichter übersehn worden sein mag , als er bei der Einstel-
lung des FocMS auf die Vorsprünge , fast ganz aus dem Gesichlsfelde
rückt.
Ueber d. Ersch. bei d. Fortpfl. v. Syll. prolif. u. Autolyt. prolif. 75
gesehen. Hiermit fällt aber auch die Behauptung von F. und
L., dass die aus Knospen entstandenen neuen Individuen, so
lange sie noch aneinander gekettet sind, gar nicht eine sol- -
che Stufe der Entwickelung erreichen, dass sie zur Produk-
tion von Eiern befähigt würden.
Es ist oben nachgewiesen worden, dass die Abkömm-
linge, weit entfernt ihren Stammindividuen vollkommen zu
gleichen , vielmehr auf eine auffallende Art sich von ihnen
unterscheiden. Weicht doch der männliche Abkömmling bei
Autolylus von dem Stammindividuum so sehr ab, dass selbst
Müller nicht umhin gekonnt hat, ihn für eine eigene Spe-
cies anzusehen! Der Unterschied bezieht sich aber nicht bloss
auf die äussere Gestalt, er betrifft auch den Fortpllanzungs-
modus, indem das Stammindividuum sich durch Theilung oder
Knospen , der Abkömmling dagegen durch Eier sich fort-
pflanzt. Alle diese Verhältnisse und Erscheinungen lassen
sich, wie es mir scheint, nur durch den Generationswechsel
erklären. In diesem Sinne sind sie denn auch schon früher
von S te e ns tr up (in der Schrift über den Hermaphroditismus)
gedeutet worden, obwohl damals weniger Belege zu Gunsten
dieser Ansicht vorlagen als gegenwärtig, namentlich aber die
Formdifferenz zwischen den Stammindividuen und ihren Ab-
kömmlingen noch nicht erkannt w^ar. Wollte man nun auch
den Generationswechsel für den Autolytus zugeben , ihn da-
gegen bei Syll. prolif. deswegen nicht gelten lassen, weil aus
den oben angeführten Ausnahmsfällen offenbar hervorgehe,
dass das Mutterthier nicht bloss durch "l'heilung, sondern
auch, im Widerspruche mit der Lehre vom Generationswech-
sel , zugleich durch Eier sich fortpflanzt , so bliebe immer
noch die Aufgabe zu lösen übrig, wie es denn komme, dass
der Abkömmling der Mutter so unähnlich sei. Scheinen mir
aber auch die vorliegenden Thatsachen und Erscheinungen
durch den Generationswechsel ihre Erläuterung zu finden, so
sehe ich doch sehr wohl ein, dass diese Ansicht noch so
lange einer sichern Begründung entbehren wird , als nicht
thatsächlich erwiesen ist, dass die aus den Eiern der Abkömm-
linge sich entwickelnde Brut zur Form der Stammindividuen
zurückkehrt, und gleich diesen , bei völlig erreichter Grösse,
sich durch Prolification fortpflanzt.
76 Krohn: Ueber d. Ersch. bei der Fortpflanzung u. s. w.
Erklärung der Abbildung.
Kopf des völlig entwickelten Abkömmlings von Syllis^prolifeia.
«, a. Die beiden Seitenfortsätze des Kopfes.
b, b. Die beiden pfriemenförmigen Kühler.
c, c. Das untere Augenpaar. (Das obere Augenpaar fehlt in der
Zeichnung, weil es bei vorliegender Ansicht und Yergrösse-
rung (95mal), ausserhalb des Gesichtsfeldes sich befindet).
d, d. Anfangsslücke der obern Cirren des .vordersten Leibesseg-
ments.
e, e. Fussstummel desselben Segments, mit dem Bündel der Sichel-
borslen.
Paris, d. 24. December 1851.
^
nJotiz über die IVoctiluea iniliariis ^urir.
(Mammaria scintillans Ehr.)
Von
Dr» Jk» Kroltn«
(Hierzu Taf. 111. Fig. 2.)
Der Bau der Noctiluca , die noch von Ehrenberg"
für eine Akalephe angeselien wurde , ist durch die Untersu-
chungen von Verhaeghe (Mein. d. Tacadem. d. Belgique T.
XXII. Fig. 4u. 5.), namentlich aber Quatre fages (Annal.
d.sc. natur. 1850. T. 1. p. 226. PL 5. Fig. 1 u. 2.) so weit
aufgeklärt worden, dass über ihre Verwandtschaft mit den
einfachsten Organismen, den Protozoen, gegenwärtig wohl kein^
Zweifel obwalten kann. Zur Vervollständigung dessen, was
über das interessante Leuchtlhier durch jene Untersuchungen
bekannt geworden, erlaube ich mir Folgendes mitzutheilen.
Die meisten Beobachter, ältere und neuere, erwähnen
zwar des Mundes der Noctiluca , geben aber von seiner nä-
heren Beschaffenheit durchaus nicht genaue Rechenschaft. Die
einzige Zeichnung, die den Mund zeigt, rührt vonSuriray
CMagaz. d. Zoolog, d. Guerin 1836. Fig. 5.) her, entspricht aber
der Natur sehr wenig. Blickt man bei einer günstigen Stel-
lung des Thiers in die Tiefe des grossen Nabels oder der
frauenbusenähnlichen Einbucht (echancrure) , die sich eine
Strecke lang am Leibe herabzieht, so fällt noch innerhalb der-
selben, gerade da, wo sie endet, der infusorienarlige Mund
.als eine länglichrunde scharfumschriebene Vertiefung (&) als-
bald in die Augen. Dieser Mund ist einerseits von einem
scharfkantigen AVall (c) , oder einer Lippe, wenn man will,
78 ' Krohn:
umgeben. Von dieser Lippe geht der bekannte rüsselartige
Forlsatz (appendice , tenlacule) (a) ab, den ich mit Ver-
haeghe mehr für flach, als für cylindrisch zu halten ge-
neigt bin. Diesem Fortsatze fast gerade gegenüber sieht man
aus der Tiefe des Mundes einen feinen, bisher unbeachte-
ten spitz auslaufenden Wimperfaden oder eine Geissei (d)
zeitweise plötzlich hervorschnellen und ebenso schleunig wie-
der zurückgezogen werden. Ist diese Geissei vorgestreckt,
so schwingt sie undulirend oder peitschenförmig sehr rasch,
und erregt dadurch einen deutlichen Wasserwirbel dicht am
Munde. Ohne Zweifel wird also durch sie die feinere Nah-
rung dem Munde zugeführt , wogegen der Fortsalz , abgese-
hen davon, dass er durch seine fortwährenden Krümmungen
ein leises Hin - und Herschwanken dos Leibes bewirkt, viel-
leicht auch zum Fassen und Einführen gröberer Beute dient.
Letztere besieht oft aus sehr grossen Diatomeen (Navicula,
Synedra, lange Ketten von Gaillonella, Bacillaria), auch wohl
cyclopsartigen Crustaceen, die zaweilen nur um weniges kür-
zer als die Leibesdurchmesser der Noctiluca. Es muss also der
Mund einer starken Erweiterung fähig sein. Was die regelmäs-
sige Querstreifung am Fortsalze betrifft, so habe ich die An-
gabe von Quatrefages, dass sie ihren Sitz in der Haut-
decke dieses Organs habe, nie recht bestätigen können. Sie
scheint mir vielmehr durch innere , noch näher zu erfor-
schende Structurverhällnisse bedingt.
Ich will mich bei dem das Innere der Noctiluca durch-
ziehenden Parenchym und den merkwürdigen Erscheinungen
einer immerwährenden, an die Amoeben, mehr noch an
die Rhizopodenfortsälze erinnernden proleischen Wandelbar-
keit, die man an ihm wahrnimmt, nicht verweilen, da der
Aufsalz von Quatrefages schon eine gelungene Beschrei-
bung und Schilderung davon enthält. Auch hinsichllich der so-
genannten Vacuolen, die um die in das Parenchym aufgenom-
menen und in der Verdauung begriffenen Nahrungsstoffe sich
bilden, kann ich auf Verhaeghe und Quatrefages ver-
weisen. Ich mache nur auf ein ebenfalls sehr entschieden für
die Protozoennalur der Noctiluca sprechendes rundes , durch-
sichtiges Gebilde von fester Consislenz (e) aufmerksam, das
dem sogenannten Kern der Infusorien und Rhizopoden voll-
Notiz über die Noctiluca miliaris. 79
kommen entspricht. Es ist dem unmittelbar unter dem Munde
gelegenen Parenchymstock eingelagert, von dem die Stämme
der durch häufige Anastomosen mit einander zu einem Ge-
flecht verwebten Verzweigungen nach allen Richtungen aus-
strahlen (Quatrefages 1. c. Fig. 1). Verhaeghe ist
der einzige Beobachter , der dieses Kerns erwähnt , falls er
nicht schon vonEhrenberg gesehen und als Eierstock be-
zeichnet worden ist. Doch scheint Verhaeghe ihn nicht
immer genau von dem Parenchymstock unterschieden zu
haben.
Die Excremente werden, wie ich es an mehreren In-
dividuen deutlich w^ahrgenommen zu haben glaube , in der
Nähe der Leibeseinbucht ausgeworfen. Es geschieht dies aber
so plötzlich , dass ich die Stelle nicht genau angeben kann.
Ich vermuthe sogar , dass die Ausleerung durch den Mund
erfolgt, da nicht anzunehmen , dass die Hautdecke , die noch
in der Nähe des Mundes sehr derb ist, beim Andrang der
Excremente einreissen könnte.
Obwohl die Bewegungen, die man am Parenchym beob-
achtet, ihrem Wesen nach, von denen der contractilen Ge-
webe durchaus verschieden sind, indem sie vielmehr den Ein-
druck machen, als sei dabei die Parenchymsubstanz beständig
im Wogen, im Zu- und Abfluthen gleichsam begriffen (man
denke nur an die Amoeben!), so ist es um so auffallender, dass
das Parenchym , unter gewissen Verhältnissen , doch ganz
entschieden, gleicli der Muskelfaser, einer plötzlichen und oft
lange anhaltenden Zusammenziehung fähig ist. Man stösst
nämlich nicht selten auf ganz lebenskräftige Individuen, die
statt rund zu sein , auf die mannigfachste Art zusammenge-
runzelt oder gefaltet und dabei sichtlich verkleinert, also con-
trahirt erscheinen. Oft sah ich diese Zusammenziehung dann
erfolgen , wenn ich mich zum Aufschöpfen der Thierchen,
um sie auf den Objektträger zu übertragen , einer etwas zu
engen Pipette bediente. Unter hundert Versuchen dürfte es
aber kaum einmal gelingen , die Noctiluca durch Reizen
mit Nadeln oder chemischen Stoffen zu dieser Art Contra-
ction^^zu bewegen. So zusammengezogen und gefaltet, sieht
man die Thierchen oft stundenlang verharren. Diesem letz-
tern Umstände muss es auch wohl zugeschrieben werden,
80 ' Krohn:
dass Ehrenberg, der in seiner berühmten Schrift (Leuch-
ten des Meeres, p. 544) schon solcher zusammengefalteten
Noctilucen erwähnt, sie für geplatzt oder zerrissen ansieht.
Ich erinnere mich lebhaft eines Individuums , das sich , be-
vor es in diesen Zustand dauernder Contraction verfiel, meh-
remal hinter einander auf das schnellste zusammenzog. Be-
denkt man, dass das Parenchym, nach Quatref ages's,
auch von meiner Seite bestätigten Angabe, immer feiner sich
verflechtend , zuletzt an die Hautdecke sich inserirt, so er-
klären sich daraus auch die durch die Cojitraction hervor-
gebrachten Runzelungen oder Faltungen des Leibes. Auch
ist nach den interessanten, über die Emission des Lichtes
von Quatr efag es angestellten Versuchen anzunehmen, dass
das Leuchten, bei plötzlicher Zusammenziehung des Parenchyms,
momentan verstärkt werden müsse.
Bis jetzt ist mir von der Noctiluca keine andere Fort-
pflanzungsart, als die schon von Quatrefages beobachtete
Theilung bekannt geworden. Ich habe sie immer nur bei
mittelgrossen Individuen beobachtet, was indess rein zufäflig
sein mag *). Da in der Theilung begriffene Exemplare, we-
nigstens im Spätsommer und Herbst, äusserst selten vorkom-
men , so ist es mir auch nicht gelungen, den ganzen Vor-
gang vollständig aufzufassen. Soviel ist indess sicher, dass,
wenn die Theilung noch wenig vorgeschritten und von einer
Verdoppelung des Mundes und Fortsatzes noch keine Spur zu
sehen ist, doch bereits zwei deutlich gesonderte, ganz dicht
bei einander liegende Kerne zu unterscheiden sind. Demnach
möchte auch bei Noctiluca die Theilung, wie Ehrenberg
es von den Infusorien nachgewiesen, mit der Zerfällung des
Kerns beginnen.
Handelt es sich um die Stellung der Noctiluca unter den
Protozoen, so spricht allerdings Mehreres dafür, dass sie den
Rhizopoden näher als den Infusorien steht. Zunächst ist die
Homogeneität ihres Parenchyms mit den Fortsätzen der Fora-
miniferen oder Polythalamien unverkennbar, obwohl diese
*) Nach Quatrefages sch'Wanken die Grössenverhältnisse zwi-
schen ^5 und y^ mill., nach meinen Beobachtungen aber zwischen %
und 1 mill.
Notiz über die Noctiluca miliaris. 81
Fortsätze einen ganz anderen Zweck zu erfüllen haben. Die-
ser Beweggrund hat denn auch schon Quatrefages veran-
lasst, die Noctiluca den Rhizopoden anzureihen. Viel ent-
scheidender spricht dafür, meiner Meinung nach, der Bau
des Sonnenthierchens (Actinophrys sol), das sich nach den Un-
tersuchungen K 0 el 1 ik er's (Zeitschr. f. Wissenschaft!. Zoolog.
Bd. 1) als ein ächter Rliizopode herausgestellt hat, und des-
sen netzartig verwebtes Parenchym, im Ganzen genommen,
mit dem der Noctiluca sehr übereinstimmt. Ferner hatKoel-
liker dies Parenchym an vielen Stellen deutlich sich contra-
hiren und expandiren sehen: Erscheinungen, die bei nähe-
rer Vergleichung, höchst wahrscheinlich als identisch mit de-
nen am Parenchym der Noctiluca sich ausweisen werden. Im-
mer bleibt der rüsselförmige Fortsatz ein eigenthümliches Ge-
bilde, für das sich auch unter den Infusorien kein entspre-
chendes Analogen findet. Dagegen erinnert die Noctiluca
durch die Einbucht ihres Leibes und die Lage des Mundes
innerhalb der letztern, auffallend an die Busenthierchen (Col-
poda und Paramecium).
Erklärung der Abbildung.
Ansicht eines Leibesanlheils der Noctiluca , bei massiger Com-
pression derselben mit einem Deckglase.
a. Küsselartiger Fortsatz.
b. Alund.
c. Lippe.
(1. Schwingende Geissei des Mundes.
e. Kern.
f. Parenchymstöck mit den davon abgehenden Stämmen des
Parenchymgeflechtes.
g. Einbucht des Leibes.
Paris, d. 5. Februar 1852.
Archiv f.Naturgcsch. XVIU. Jfthr^. 1. Bd. Q
Uelber neue €l£>Iiliareg) von Moissauililque«
Von
Ilr« ^Vilhelm Peters
' in Berlin.
(Monals-Berichte der Academie zu Berlin. 1851. p. 463).
OfBlaiaFtSsruBsa, nov. gen.
Zwei Genitalspalten in jedem Interbracliialraum. Mund-
spalten mit glatten, ungezähnelten Papillen besetzt. Zähne der
Zahncolumnen glatt und durch ein Häufchen kleiner Zahnpa-
pillen von den Mundpapillen getrennt. Scheibe ganz nackt,
von einer weichen schleimigen Haut umgeben, ohne Granula,
Schuppen oder Stacheln. Arme beschuppt, an den Seiten mit
mehreren Reihen echinulirter Stacheln. Schuppen an den
Tentakelporen. Mundschilder einfach.
Ophiarthrum elegans, nova spec.
Scheibe abgerundet pentagonal. Mundschilder herzförmig,
länger als breit. Mundpapillen keulenförmig, zehn bis zwölf
an jedem Kieferrande, über den Zähnen angehäuft. An jedem
Kiefer vier platte , zapfenförmige Zähne. Die Genitalspalten
beginnen hinter den Mundschildern , nur durch eine schmale
Brücke von einander getrennt. Arme sechs bis acht Mal
länger als der Durchmesser der Scheibe, sehr zerbrechlich;
Rückenschilder derselben breiter als lang , rhomboidal , am
aboralen convexen Ende mit einem einspringenden Winkel
zur Aufnahme eines Knötchens auf dem adoralen Theile der
folgenden versehen ; Bauchschilder quadratisch, so breit wie
lang, nach dem Ende der Arme zu länger als breit, Seiten-
Peters: Ueber neue Ophiuren von Mossambique. 83
ring-e tragen drei Reihen stumpfer fein echinulirler Stacheln;
die der obersten Reihe sind die längsten und stärksten, am
Ende etwas verdickt, im Querdurchmesser halboval; die der
mittlem Reihe bilden in ihrer Form einen Uebergang zu den
untersten, welche kleiner, platter und am Ende dünner sind.
Eine Schuppe an jedem Tentakelporus.
Farbe: die Scheibe sammetschwarz , die Mundtheile
roth; Arme entweder ganz zinnoberroth oder abwechselnd
roth und schwarz gebändert; dieSlacheln mit kleinen schwar-
zen Querbinden auf rothem Grunde. Bei getrockneten oder
in Weingeist aufbewahrten Exemplaren verschwindet die
glänzend rothe Farbe , welche ihren Sitz in dem alle Theile
überziehenden feinen Häutchen zu haben scheint, und die frü-
her rothgefärbten Theile erscheinen nunmehr gelbbraun.
Grösse: Scheibe 17 Millimeter; Arme bis 120 Millime-
ter; Länge der grössten Stacheln 2y2 Millimeter.
Fundort: Querimba-Inseln.
Ophioitiastix 9 Müll. Trosch.
Ophiomastix venosa, nova spec.
Scheibe weich, feinbeschuppt, mit einzelnen kurzen Stacheln
oder flUch ohne dieselben; kleine dreieckige Radialschilder
werden bei getrockneten Exemplaren sichtbar. Mundschilder
herzförmig, breiter als lang, fein granulirt. Umbo sehr deut-
lich. Mundpapillen beweglich, conisch, über den Zähnen an-
gehäuft. Vier Zähne an jedem Kiefer, platt, an den Seiten
zugeschärft, am Ende gerade abgeschliffen. Genitalspalten be-
ginnen hinter den Mundschildern, und werden durch eine
Brücke von einander getrennt, welche so breit ist wie die
Zahncolumne. Arme vier bis sechs Mal länger als der Schei-
bendurchmesser; Rückenschilder breiter als lang, mit conve-
xem aboralen Rande, an ihrer Oberfläche granulirt; Bauch-
schilder quadratisch achtseitig, so lang wie breit, feiner gra-
nulirt als die Rückenschilder; Seitenschilder mit zwei bis drei
stumpfen, mehr oder weniger gekrümmten Stacheln ; die obe-
ren zerstreuten keulenförmigen Stacheln endigen mit zwei bis
drei stumpfen Zacken, und erinnern so durch ihre Gestalt
an Gewürznelken. Die Gestalt der Stacheln lässt sich ers
84 Pclers:
deutlich erkennen, wenn das sie überziehende ungewöhnlich
dicke Perisoma eingetrocknet ist. Die Tentakeln haben an-
fangs zwei, nach dem Ende der Arme hin nur eine Schuppe.
Die Grundfarbe ist umbrabraun ; die Scheibe ist durch
schwarzbraune hellgesäumte Linien ausgezeichnet, welche mei-
stens in zwei Hauplstämmen von jedem Arme ausgehend ,
und sich gefässartig verzweigend , nach dem Centrum der
Scheibe hinstreben; der Rücken der Arme trägt eine dunkle
gezackte Längsbinde; die Stacheln zeigen auf ihrer Rückseite
eine dunkle weiss gesäumte Längslinie.
Grösse: Durchmesser der Scheibe bis 35 Millimeter;
Arme bis 120 Millimeter lang.
Fundort: Küste von Mossambique, vom 12^ bis 15°
südl. Br.
iiaoiseza« "ov. gen.
Zwei Genitalspalten in jedem Interbrachialraum. Mund-
spalten mit Papillen versehen. Scheibe granulirt. Mundschil-
der einfach durch eine Granulation, welche gröber als die
der Scheibe ist, von den Mundrändern getrennt. Arme ab-
gerundet, flach, kurz, an den Seiten mit Reihen von Papillen
versehen, welche sich bis zu den Tentakelschuppen ausdehnen.
Diese Gattung hat die auffallendste Aehnlichkeit mit
OphiodermaM. T., \on welcher sie sich jedoch sogleich durch
die geringere Anzahl der Genitalspalten unterscheidet ; auf
der andern Seite nähert sie sich den Ophiarachnen, welche
durch die doppelten Mundschilder ausgezeichnet sind.
Ophiopeza fallax, nova spec.
Scheibe rund, fein und gleichmässig granulirt. Auch die
nur durch eine längliche Vertiefung angedeuteten Radials'chil-
der sind von der Granulation bedeckt. Mundschilder einfach,
breiter als lang, an jeder Seite von einem abgesonderten
Schildchen begrenzt; man kann an ihnen einen adoralen stark
convexen , einen aboralen flach convexen Rand , und zwei
seitliche Winkel unterscheiden. Der Umbo ist sehr deutlich;
die dreieckige Fläche zwischen ihnen und dem Mundrande
ist gröber granulirt als die Scheibe. Die Mundpapillen sind
platt und zahlreich , bis zwanzig um einen Kieferrand , und
• Heber neue Ophiureii von Mossambique. 85
über den Zähnen nicht angehäuft. Arme etwa viermal so
lang wie der Durchmesser der Scheibe, breiler als hoch, oben
und unten flach ; Uückenschilder fast herzförmig , mit einem
schmalen adoralen , und einem breiten schwach convexen,
oder geraden und in der Mitte eingekerbten aboralen Rande ;
Bauchschilder quadratisch , am adoralen Rande gerade , am
aboralen convex , und an den Seiten bohnenförmig ausge-
schnitten. Sowohl Rücken- wie Bauchschilder werden nach
dem Ende der Arme hin immer mehr abortiv und durch die
sich in demselben Grade mehr ausdehnenden Seitenringe er-
setzt. Die letzteren tragen an ihrem sägeförmig gezackten
aboralen Rande kurze zugespitzte Papillen, deren Zahl anfangs
an jeder Seite eines Gliedes zwölf bis dreizehn beträgt, ge-
gen das Ende der Arme zu aber abnimmt. Anfangs zwei
Tentakelschuppen, von denen die äussere nur halb so gross
ist und die Basis der untersten Seitenpapille bedeckt, später
nur eine an jedem Tentakelporus;
Farbe bräunlich oder grünlich mit helleren und dunkle-
ren Punkten, welche sich auf dem Rücken der Scheibe wie
unregelmässig marmorirte Zeichnung bilden ; Arme mit dunk-
leren Querbinden.
Durchmesser der Scheibe 12 Millimeter; Länge der Arme
45 Millimeter.
Fundort: Querimba- Inseln.
OphioeoE&^a« Müll. Trosch.
1. Ophiocoma brevipes, nova spec.
Scheibe rund , sehr fein gekörnt. Mundschilder herz-
förmig, abgerundet, nicht ganz so breit wie lang. Mundpa-
pillen über den Zähnen in einfacher Reihe angehäuft. Umbo
wenig deutlich. Arme kurz und spitX; Rückenschilder quer-
oval, doppelt so breit wie lang; ßauchschilder quadratisch,
am aboralen Rande convex, an den Seiten bogenförmig aus-
geschnitten; die Seitenschilder tragen vier (oder selten fünf)
Reihen Stacheln, welche in der nächstunlersten Reihe immer
am längsten , ein wenig länger als die Breite der Rücken-
schildcr sind. Zwei Schuppen an den Tentakelporen.
Farbe grünlichweiss oder gelblichweiss ; anf der Scheibe
86 Peter 8: üeber neue Ophiuren von MosambiqOe.
mit bräunlicher oder grünlicher Marmorirung, auf den Armen
mit verwischten dunkleren Querbinden.
Grösse der Scheibe 14 bis 18 Millimeter; Länge der
Arme 55 bis 60 Millimeter.
Fundort: Küste von Mossambique, Querimba-Inseln.
2. Ophiocoma scolopendrica, Agass.
3. Ophiocoma Valenciae, Müll. Trosch.
4. Ophiocoma erinaceus, Müll. Trosch.
Opliiolepis, Müll. Trosch.
1. Ophiolepis annulosa, M. T.
2. Ophiolepis cincta, M, T.
3. Ophiolepis imhricata, M. T.
Oplilaracliiia 9 Müll. Trosch.
Ophiarachna gorgonia^ M. T.
Tanals Rffiyiicliltes und balticuis,
neue Arten aus der Ostsee.
Von
»r. ITriedricli Müller*
(Hierzu Taf. IV. Fig. 1—4.)
Im Sommer 1848 fand ich im Greifswalder Bodden'
zwischen Furcellaria fastigiata Lamx. (Fucus furcellatus Linn.)
einige kleine Crustaceen aus der sonderbaren Gattung Tanais,
die sich bei näherer Untersuchung als zwei neuen Arten an-
gehörig erwiesen. Die damals entworfene Beschreibung blieb
aus Mangel an Material und Zeit unvollendet und deshalb
unpublicirt. Jetzt im Begriffe, die Gestade der Ostsee für
immer zu verlassen, habe ich keine Aussicht, das Fehlende
selbst ergänzen zu können; das damals Aufgezeichnete mag
also wenigstens dienen, das Vorkommen dieser Thiere in der
Ostsee zu constatiren » und die anwohnenden Zoologen auf
diese interessanten Bürger ihrer Fauna aufmerksam zu machen.
Die Stellung der neuen Arten unter den bisher beschrie-
benen ergiebt sich zunächst aus folgender Uebersicht:
I. Der unbewegliche Finger der Scheere des ersten Fuss-
paars ist die gerade Fortsetzung vom Ende des vor-
letzten Gliedes.
A. Obere Fühler lang (y, der Körperlänge) T. Edward-
sii Kr.
B. Obere Fühler kurz.
1 . Schwanzanhänge ohne Nebengeissel, dreigliedrig.
T. tomentosiis Kr., und die Edwards'schen Arten.
88 Müller:
2. Schwanzanhänge mit Nebengeissel ; dieselbe
a. eingliedrig: T. Savignyi Kr., duhius Kr., balti^
cus F. Müll.
b. zweigliedrig : T. gracilis Kr. , Oerstedü Kr.
II. Der unbewegliche Finger keulenförmig , von der Basis
des vorletzten Gliedes senkrecht abstehend. — T. Cur-
culio Kr., T. Rhtjnchites F. Müll.
Tanais Rhynchi t es \si glänzend gelblichweiss gefärbt,
etwa 3""" lang , etwa '/^'""^ breit. Das grosse Kopfschild,
von etwa y^ der gesammten Körperlänge, ist von hinten nach
vorn erst allmählich, dann plötzlich in einen ^^ der Kopf-
länge betragenden , dünnen gerade vorgestreckten, schnabel-
artigen Fortsatz ausgezogen, der an seiner Spitze die Füh-
ler , an deren Basis die Augen trägt. Die oberen Füh-
ler, von etwa y^ der Körperlänge, ziemlich plump, ögliedrig,
stehen dicht nebeneinander am Vorderende des schnabelför-
migen Fortsalzes; das erste Glied ist das längste. Die unte-
ren Fühler, etwas dünner und kürzer als die olXeren, sind
auch fünfgliedrig (mit sechstem rudimentären Endgliede) ; die
3 ersten Glieder sind kurz und dick, das 4te schlank und so
lang wie die drei ersten zusammengenommen.
Dicht hinter dem Grunde der oberen Fühler liegen die
schwarzen rundlichen Augen. Das erste Fusspaar (Fig. 1 u. 2)
ist unförmlich gross und dick; mit ausgestrecktem Endgliede
beträgt seine Länge über die Hälfte der gesammten Körper-
länge. Fünf Glieder sind daran mit Bestimmtheit zu unter-
scheiden: das fast quadratförmige erste Glied articulirt mit
seinem obern Rand und der hinteren oberen Ecke mit dem
Körper; der hintere und untere Rand sind frei; an den vorde-
ren Rand (die Füsse in ihrer gewöhnlichen Lage, gerade nach
vorn gerichtet) schliessen sich das zweite und dritte Glied an.
Während nämlich in der obern Hälfte dieses Randes das grosse
dritte Glied unmittelbar mit dem ersten sich verbindet,
sind dieselben in der untern Häl/te durch das kleine drei-
eckige zweite Glied getrennt. Das drille Glied, das brei-
teste von allen , ist viereckig und die untere Hälfte seines
Vorderrandes in eine ziemlich gerade nach vorn und etwas
nach abwärts gerichtete gleichmässig breite Lamelle mit
Tanais Rhynchites und balticus. 89
oberer abgerundeter und unterer fast rechtwinkliger Vorder-
ecke verlängert. Diese Lamelle bedeckt einen Theil -der Aus-
senfläche des folgenden Gliedes. Dies vierte Glied, etwas
kürzer und schon an der Basis etwas schmäler als das vorige,
ist nach der Spitze zu allmählich verdünnt. Von seinem un-
teren Rande entspringt , ziemlich rechtwinklig zu der Achse
des Gliedes ein keulenförmiger Fortsatz mit gerade abgestutz-
tem Ende; den Stiel der Keule deckt am Grunde nach aus-
sen die vorspringende Lamelle des dritten Fussgliedes. Die
Länge dieser Keule, die den unbeweglichen Finger derScheere
bildet, beträgt etwa y^ von der des Fusses; der bewegliche
Finger, oder das öte Fussglied ist ziemlich schlank, wenig
gebogen, von fast ^/.^ der gesammten Länge des Fusses ; seine
Spitze trifft, wenn er eingeschlagen wird, einen kleinen Ein-
schnitt dicht vor dem abgestutzten Ende der Keule.
Die sechs freien Thoraxringe, wie der Hinterleib, bie-
ten nichts von den bekannten Arten auffallend Abweichen-
des; der sechste letzte und längste Hinterleibsring, in der
Mitte seines Hinterrandes ausg'erandet, trägt die Schwanzan-
hänge von etwa '/^o t^^r Körperlänge. Dir dickeres Grund-
glied ist mit einem inncrn viergliedrigen und einem äussern
sehr kleinen eingliedrigen Zweige versehen.
Die einzige verwandte Art ist T. Curculio Kr., die
Kröyer im Öresiind fand ; als unterscheidende Blerkmale kön-
nen dienen:
T. Curculio: Kopfschild über '/ . , obere Antennen fast
1/4, Schwanzanhänge % der Korperlänge; untere Antennen 73
der Länge der oberen; Hinterleib stumpf abgerundet, Schwanz-
anhänge viergliedrig.
T. Rhynchites : Kopfschikl u n t e r '/.s> o^^ere Antennen %,
Schwanzanhänge %o tler Körperlänge ; untere Antennen %
der Länge der oberen; Hinterleib ausgerandet, Schwanzan-
hänge fünfgliedrig (Grundglied und viergliedriger Endzweig).
Tanais balticus, die zweite neue Art, milchweiss,
2'"'" lang, stimmt in Gestalt und gegenseitigem Verhältnisse
der einzelnen Körperlheile fast vollständig mit T. Savignyi
überein, den Kröyer bei Madera auffand. ~ Es genügt also,
ihre unterscheidenden Merkmale hervorzuheben. Die Schwanz-
anhänge sind bei unserer Art fünfgliedrig, bei T. dubius von
90 Müller: Tanais Rhynchites und balticus.
Bahia seclisgliedrig , bei T. Savignyi siebengliedrig; T. Ör-
stedii aus dem Öresund unterscheidet sicfi durch den kür-
zeren Kopf (Yö der Körperlänge, hier ^/^ — y^,) und die zwei-
gliedrige Nebengeissel der Schwanzanhänge; T. gracilis aus
Spitzbergen durch dieselben Merkmale, den schlankeren Kör-
per, und die längern Scheerenfmger (länger als die Hand). —
Mit den übrigen Arten ist keine Verwechselung möglich.
Bei T. baltictis wurden grosse Lamellen für die Eier
beobachtet; die uniersuchten Exemplare waren Weibchen;
bei T. Rhynchites wurden sie vermisst. Möglich dass die
Thiere nicht specifisch, sondern nur sexuell verschieden sind.
Aehnliche Verschiedenheit der Fussbildung zeigen Männchen
und Weibchen bei Orchestia ; die abweichende Kopfbildung
von T. Rhynchites Hesse sich eben aus der Bildung des er-
sten Fusspaares erklären; Antennen und Schwanzanhänge
stimmen überein. — Bei genügendem Material und Beobach-
tung der Jugendzuslände wird diese Frage sich leicht beant-
worten.
Erklärung der Abbildungen.
1) Fuss des ersten Paares von Tanais Rhynchites, von der äus-
seren ;
2) derselbe von der innern Seite gesehen.
3) Tanais balticus F. Müll.
4) Scheere des ersten Fusspaares von demselben Thiere, mehr
vergrössert.
!Eiiie Ueobachttisig* ilfeei» «lle Bezielfiiaiig' tlep
Cratt^iiiigeii Callgiis nnü CEialiittiuii.
Von
IVeinsellieii*
(Hierzu Taf. IV. Fig. 5. u. 6.)
Schon längst hat Kröyer als höchst wahrscheinlich
nachgewiesen, dass die Gattung Chalimiis^ Burm. nur ein
Jugendzustand von Caligus sei. — Im September 1846 fand
ich auf einem am Ostseestrande frisch ausgeworfenen Cypri-
nus rutilus oder erythrophthalmus eine grosse Menge eines
Schmarotzerkrebses , ♦ dessen Bewegungsorgane vollkommen
mit Caligus übereinstimmten, dessen Weibchen als Zeichen
der Geschlechtsreife meist Eiersäcke trugen, der aber trotz
dieser Geschlechtsreife mit einem Haftapparät, wie der Bur-
meister'sche Chalimus versehen war.
Zwischen diesen ausgebildeten Thieren fand sich ein
etwas kleineres, das sich durch seine milchige Undurchsich-
tigkeit noch ausserdem vor den übrigen fast wasserhellen
auszeichnete. DieLoupe zeigte an ihm die Gruben am Stirn-
rand nur wenig entwickelt und Abweichungen in der Bildung
der Fühler und Füsse. Um diese näher mit dem Microscope
zu untersuchen, sollte das Thier, unverletzt zu undurchsich-
tig, durch Nadeln zerstückelt werden Aber was geschah?
Ich streifte durch die Nadeln eine Haut ab, unter der ein
regelrechter Caligus (^/i) zum Vorschein kam; die Haut, so
viel sich erkennen liess, zeigte in ihren Anhängen die grösste
Aehnlichkeit mit Caligus Scombri. So stimmte z. B. das
zweite Fühlerpaar (nachliröyer's Bezeichnungsweise) vollkom-
men mit der Kröyer'schen Abbildung überein. Zu bemerken
?2 Müller: über d. Bezieh, d. Galt. Caligus u. Chalimus.
mag noch sein, dass der neue Haftapparat des Caligus nicht
in, sondern hinter dem Haftapparat des Caligus lag.
Kröycr's Vernmthung war so durch directe Beobachtung
bestätigt.
Das Genus Chalimus, wie es Burmeister aufgestelK,
kann sonach, als blosser Jiigeudzustand , nicht ferner beste-
hen. Es Hesse sich aber fragen : soll man nicht diese ge-
schlechtsreifen Caligus mit Haftapparat, von den übrigen
ohne Haftapparat, als eigenes Genus trennen und für das-
selbe etwa den Namen Chalimus beibehalten ? Da in allen
übrigen Stücken bis auf die Zahl der Borsten an den Füssen
die vollständigste Uebereinslimmung mit Caligus stattfindet,
scheint mir eine solche Trennung nicht gerechtfertigt.
Ich schlage für die, auch abgesehen vom Haftapparate
mit keiner der bisher beschriebenen übereinstimmende Art
den Namen Caligus appendiculatus vor.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 5. Caligus appendiculatus F. Müll. §.
a. Zweites Fusspaar.
Fig. 6, Zweites Fusspaar des Männchens.
H. Titiaii Peale's l^ögel de? MUtiltecl IStates
E3K:pIorliig: Expeclitlon^'^
im Auszuge mitgetheilt und mit kritischen Anmerkungen *)
versehen von
Dr. O. Ilartlaub.
Von den verschiedenen Beiträgen, welche der Ornitho-
logie Oceaniens in neuerer Zeit durch die grossen wissen-
schaftlichen Reiseunternehmungen der Engländer und noch
mehr der Franzosen zu Theil geworden sind , ist keiner an
Umfang und Wichtigkeit zu vergleichen mit den hierherge-
hörigen Ergebnissen der „United States Exploring Expedition,«
welche vor mehreren Jahren die tropischen Inselgruppen des
stillen Oceans allseitiger wissenschafllicher Durchforschung
unterworfen und uns die Zoologie derselben besser kennen
gelehrt hat, als dies noch von irgend einer anderen Seite her
geschehen war. R. titianPeale, einer der Naturforscher
dieser Expedition, hat die während derselben beobachteten
Säugethiere und Vögel in einem eigenen Bande , dem 8ten
des die Beschreibung der Reise enthaltenden Werkes, in la-
teinischer und englischer Sprache beschrieben. Diesen Band,
welcher die Jahreszahl 1848 trägt, auf dem Wege des Buch-
handels zu erhalten , ist unmöglich. „One hundred copies
only — wird uns aus bester Quelle mitgelheilt — were or-
dered by congress to be printed for distribution amongst fo-
reign governmenls and by some legislative errors none were
printed for distribution at home." Es scheint demnach aller-
*) Die Bemerkungen des Herrn Verf. sind durcli etwas fettere
Schrift ausgezeichnet. Herausgeber.
94 H a r 1 1 a u b :
dings, dass aus irgend einem Grunde die weitere und allge-
meinere Verbreitung desselben von Seiten der Regierung nicht
beliebt worden ist. Da es indessen durch freundschaftliche Ver-
mittelung gelang ein Exemplar dieses Buches, wenn auch nur
für kurze Zeit , zur Benutzung zu erhalten , so glaubten wir
dieselbe nicht besser anwenden zu können , als indem wir
den grösstentheils höchst interessanten und auch des wirk-
lich Neuen genug bietenden Inhalt desselben den Ornilholo-
gen zur Kenntnlss brächten. Die von Peale bei jeder neuen
oder für neu gehaltenen Art cifirten Kupfertafeln sind uns
nicht zu Gesicht — und , wie wir Grund haben zu glauben,
überhaupt bis jetzt nicht nach Europa gekommen.
Eine tabellarische Uebersicht schien am geeignetsten,
die Verbreitung der Vögel über die Inselgruppen Oceanien's
zu erläutern , soweit dies nämlich bei dem heutigen Stand-
punkte unserer Kenntniss derselben möglich ist. Die Sand-
wichinseln und der Archipel der Carolinen s^nd nur der Ver-
gleichung halber hinzugezogen worden , denn beider Vögel-
fauna zeigt ein von dem oceanischen abweichendes Gepräge,
zumal die der Sandwichinseln , deren Ornithologie entspre-
chend der geographischen Lage dieser Gruppe völlig isolirt
erscheint, und kaum nach irgend einer Seite hin verwandt-
schaftliche Tendenzen erkennen lässt. Die Quellen für diese
Zusammenstellung sind nach Reihenfolge ihrer Wichtigkeit:
die beiden F ors ter (Descript. Anim. etc. edid. Lichtenstein)
für die Tonga-, Societäts- und Marquesasgruppe; Hombron
und Jacquinot (Voyage au Pol Sud etc.) für die Feejee-
Samoa- und Tongagruppe so wie für die zum Archipel der
Carolinen gehörige Gruppe Hong oder Hogolen; Lesson
(Zool, de la Coquille etc., etc.) für die Gesellschaftsinseln
Tahiti und Borabora, die Marquesas und für die Carolinen-
insel Ualan ; Kittlitz für ebendieselbe Insel und für dieLu-
gunorgruppe ; Neboux, Flor. Frevost undDesmurs
(Zool. de la Venus) für die Marquesas- und Sandwichinseln;
^Bloxham (Byron's Voyage) für die Sandwichinseln. Ein-
zelne Arten beschrieben La thajn, Temmink, Sir. W.J ar-
din e, L i c h t e n s t e i n, J. E. G r a y , L a f r e n a y e , G o u 1 d ,
D e s m u r s und V i g o r s. Die bei weitem reichste und wich-
tigste Quelle ist aber, wie schon bemerkt, Peale.
R. Tilian Peale's Vögel der United Slales Explor. Exped. 95
1. Cathartes californiaiius, Sli. Ebenen am Willamelte-
flusse in Oregon; häufiger in Californien.
2. C. atratus y Wils. häufig in Californien, weniger
häufig in Oregon. '
3. Polyborus brasiliensis , Gm. Peale sah Exemplare
von Texas, welche er für eine eigene Art halten möchte.
4. Buteo varius^ Gould, Zool. Beagle , Birds p. 26,
Rio negro in Palagonien und Orange-Bay im Feuerlande.
(Diese Art ist bekanntlich nur der jüngere Vogel von
Tachytriorchis erythronotos, King.)
5. Buteo solitarinSj Peale, 1. c. p. 62. pl. 16. „Capite,
peclore, crisso , femoribus flavescente-albis , plumarum basi
alba, apice lutescente; collo supra macula umbrina notato;
auricularibus summo margiffe exteriore delicate umbrino de-
pictis; dorso umbrino, plumis basi albis; cauda supra um-
brina, sublus pallidiore scapis albis, tectricibus super, flave-
scente-albis, irregulariter pallide umbrino marginatis, remigi-
bus 3 — 5 subaequalibus fusco-umbrinis , basi albis ; secunda-
riis margine albescenlibus; tectricibus alae min. lutescentibus,
umbrino fasciatis ; scapularibus umbrinis ; cera et pedibus pal-
lide caeruleis^ 19". Karakakoabay auf Hawai.
6. Circiis appraximans , Peale, 1. c. p. 64. pl. 18
Grösser als cyaneus; Kopf, Hals braun und weiss längsge-
fleckt, Rücken und Flügel sepiabraun, Sch\Vanz mit 5 Quer-
binden, 2 mittlere Steuerfedern grau , die übrigen an der
Innenfahne mehr oder weniger rostroth, die drei äusseren an
der Basis nach aussen weiss; Kehle, Yorderhals, Brust und
Steiss gelbröihlich, braun gestreift; Halsfedern weissgeran-
det; Schulterfedern an der Spitze zart rostfarben; grössere
Schwungfedern schwarzbraun , mit grauem Aussenrande;
Schäfte oben castanienbraun, dritte die längste, 1 und 6 fast
gleich lang. 19»//' Flug. 15y,/', Schwanz 8V2", Tars. 3/2''.
c^ jun.
Mathuata auf der Insel Venua-levu: Feejeegruppe.
7. Falco peregrimis, L. „Fuget Sound'* N. \V. America.
Sehr gross und dunkel gefärbt.
8. Falco peregrifioides ^ Temm. ? N. S. Wales. „Not
96 Hartlaub:
liaving access to Temminks PL col. we have adopted liis name
from tlie analogy wilhout even knowing that Ihis bird was
from Australia" ! !
(Peale's kühne Vennuthung trifft leider nicht zu; der
von ihm^ beobachtete Vogel war ohne Zweifel F, melano-
,genySy Gould.)
9. Falco ferox^ Peale, I. c. p. 67. pl. 18 Inselbay :
Neuseeland. Iris braun.
(Peale giebt die Grösse des alten (^ nur auf 14 '/i"
ah; dennoch scheint uns diese Art nur R novae Zelandiae,
Gm. zu sein.)
10. Astiir riifitor/pies, Peale, I.e. p. 68. pl. 19. Kopf,
Rücken , Flügel und Schwanz bläulichgrau; Nackenband ,
Brust, Bauch und Schenkel hell röthlichbraun; Flügel inwen-
dig weiss, 4te Schwungfeder am längsten, Schäfte derselben
schwarz; Schnabel bläiilichschwarz , Wachshaut, Füsse und
Augenlider gambogegelb; Kehle und Steiss weiss. ^ ad. 13".
Weibchen grösser, ähnlich gefärbt, Steiss und untere Schwanz-
decken röthlich. — Feejeeinseln.
(Diese Art scheint uns identisch zu sein mit dem als
„femellc ou variete" abgebildeten Epervier oceanien Hombr.
et Jacq. Voy. Pol Sud, Ois. pl. 2. fig. 2.)
11. Astur bifasciatus y Peale, 1. c. p. 70. pl. 20.
Singapore.
(Ist F. badius, Gm. Dussumieri, Temm. — Blyth. Consp.
of Ind. Ornithol. Nr. 43.)
12. Strix hau, Pe ale, 1. c. p. 74. pl. 21. Auf Upola:
Samoaarchipel, und Ovolau: Feejeeins. Blasser und kleiner
als americana, aber mit längeren Flügeln. Obenher grau-
bräunlich gescheckt , jede Feder mit schwarzem in der Mitte
weissen Spitzenfleck; Schwanz mit 4 braunen Binden; Flü-
gel ebenso gebändert; untenher weiss mit wenigen kleinen
schwarzen Flecken auf den inneren Flügeldecken, der Brust
und den Weichen; Beine weiss; Schnabel und Füsse blass
fleischfarben; Iris dunkelbraun. 12%".
(Diese Art ist von Forster's irrthümlich unter dem Na-
men Str. baccamuna Latli. beschriebener Eule von Tonga-
R. Titian Peale's Vögel der Uniled States Explor. Exped. 97
tabu bestimmt verschieden. Letztere (Descr. Anim. ed. Lieh -
teilst, p. 157) wurde in Bonaparte's Conspectus fälschlich zu
Athene gebracht, ist eine ächte Strix, und scheint uns mit
keiner der beschriebenen Arten recht übereinzustimmen. Da-
gegen wird wohl der in G. R. Gray's Verzeichniss der Vögel des
Brit. Mus. als Strix delicatulaGould mit? aufgeführte eben-
falls von den Navigatorinseln herstammende Vogel mit Pea-
le's neuer Art zusammenfallen.)
13. Olus brachyotus, L. Hawai. Etwas kleiner als in
Europa.
(Ist Otus sandvicensis, Bloxh. eigene Art.)
14. Nodua venaiica, P. , 1. c. p. 75. pl. 22. fig*. 1.
Inselbay : Neuseeland.
(Ob S. novae Zelandiae Gm.?)
15. Athene patagonica , P. 1. c. p. 78. pl. 22. fig. 2.
Nach Peale würde sich die patagonische Minireule von der
cunlcularia Peru's specifisch unterscheiden , durch längeren
Schwanz, kürzere Tarsen, hellbräunliche (tawny) und nicht
weisse Körperfleckung, u. s. w.
Man sieht diese Eule selten oder nie auf Bäumen. Sie
lebt nur in den Pampas und bewohnt daselbst die Höhlen der
Armadille. Zwischen beiden Thieren scheint die vollkom-
menste Harmonie obzuwalten. Diese Eulen sind übrigens
keineswegs nächtlich in ihrer Lebensweise, treiben sich viel-
mehr an den sonnenhellsten Tagen in den offenen Pampas
herum und nähren sich , wie es scheint , von Insekten und
Eidechsen.
16. Colluriocincla maculosa, P. p. 81. pl. 23. fig. 1.
Auf allen Feejeeinseln gemein ; 1 Exemplar auf Upolu : Sa-
moagrupp(^ Beschr. <^ ad. Scheitel schwarz mit etwas grün-
lichem Matallglanz; Stirnfedern schwach weiss gerandet; Au-
genbraunen , Halsseiten , Kehle , Brust , innere Flügeldecken
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 1, Bd. 7
98 Hartlaub:
und Abdomen weiss, eine schwarze Binde läuft vom Auge
nach dem Hinterkopf; Rücken und kleine Deckfedern schwarz;
Bürzel grau , schwärzlich gewölkt ; Flügel spitz , dritte und
4te Schwungfeder gleich lang; Basalhälfte der Innenfahnen
weiss, Aussenrand gelblichweiss ; grössere Deckfedern weiss
mit schwarzer Linie längs der Mitte ; Schwanz zugerundet,
schwarz, an der Spitze weiss, die äussere Steuerfeder bis zur
Mitte weiss gerandet ; Schnabel und Füsse schwarz ; Iris braun.
Jüngerer Vogel: oben umberbraun, unten mit schwarzen
Wellenlinien . über Brust und Bauch. TVio", Flügel 4%o",
Schwanz 2%o"/Tarsus 1".
(Dem Colorite nach zu urtheilen muss dieser Vogel
ganz in die Nähe von Campephaga hunieralis , Kar« u. s. w.,
also, nach Bonaparte, zur Gattung Lalage Boie's gehören.)
17. Ocypterus leucorhynchus , Horsf. N. S. Wales und
Insel Mangsi: Soloogruppe.
(Ohne Zweifel zwei verschiedene Vögel; vermuthlich
leucopygialis Gould, und leucorh. Gm.) ,
18. Ocypterus super cüiosus^ Peal e, p. 83. pl. 23. fig. 2.
N. S. Wales.
(Gould's 0. superciliosus !)
19. Ocypterus mentalis^ Peale, p. 84. pl. 23. fig. 3.
Feejeeinseln. Kopf, Kehle , Rücken , Flügel und Schwanz
schwarz, Bürzel und Unterkörper weiss; Steuerfedern mit
weissem Spitzenrande ; Schnabel bläulich , Füsse bleigrau,
Iris braun. J^ und $ gleich gefärbt. Syg", Flügel 5Vio",
Schwanz 2yio". — Man sieht diese Vögel in offenen Gegen-
den auf dem abgestorbenen Aste irgend eines vereinzelt ste-
henden Baumes sitzen , geduldig nach Grasspringern ausse-
hend; mitunter verfolgen sie ein Insekt im Fluge und glei-
chen alsdann in ihrer ganzen Erscheinung und
ihren Bewegungen auffallend den Schwalben,
nur mit dem Unterschiede, dass sie häufig länger über einer
bestimmten Stelle flattern, und dann ins Gras niederschiessen
wie Eisvögel ins Wasser ; sie leben meist einzeln, zuweilen
zu dreien oder vieren.
(Wir würden diese Art unl)edenklich zu dem Lanyrayen
R. Titian Peale's Vögel der United Slates Explor. Exped. 99
de Viii Hombr. etJacquin. Voy. au Pol Sud Ois. pl. 9. figl.
für identisch erklären, wäre nicht die entsprechende Rörper-
färbung dieses letzteren in der Abbildung schwarzbraun.
Sir. W. Jardine hingegen beschreibt dieselbe deutlich unter
dem Namen Artamus mentalis: Ann. and Magaz. 1845. p. 174.
pl. 8.)
20. Turdus pallidns, P. p. 86. pl. 24. fig. 1. Valparaiso.
Oben graubraun, Kehle weiss, blassbraun gestrichelt ; unten-
her hellaschgrau, jede Feder in der Mitte dunkler ; grössere
Flügeldeckfedern rostroth gerandet; Schäfte der Schwanzfe-
dern weiss; Schnabel schwarz, Füsse hornfarben. 9yio".
Schwanz 4%o".
21. Turdus vanicorensis, Quoy etGaim. In schatti-
gen Wäldern der Samoainseln. Ein Exemplar von Upolu war
einfarbig tiefschwarz , ohne die weissen Binden auf den in-
neren Flügeldecken und unteren Schwanzdeckfedern. Singt
mit kräftiger und angenehmer Stimme.
22. Mimus perumanus, P. p. 87. pl. 24. fig. 2. Callao.
Obenher hellumberbraun , die Federn in der Mitte dunkler ;
untenher heller, die Federn mit dunkler Mittellinie und hel-
lerem Rande; Kehle weiss; ein weisser Fleck an der Basis
der Primärschwingen ; Schwanz umberbraun mit röthlichweis-
ser Spitze. $.
23. Thryothorus oiatare , Less. Diese von allen po-
lynesischen Landvögeln am weitesten verbreitete Art variirt
ausserordentlich in der Färbung, von fast reinem Weiss bis
zu dunkelbraun. Sie singt höchst angenehm und frequentirt
vorzugsweise vereinzelte dichte Buschparthien. Man beobach-
tete diesen Vogel auf Tahiti, der Insel CarlshofF (Paumotu-
gruppe) und auf Disappointmentisland.
(Bekanntlich der Oriolus Musae Forster's, welcher ihn
auf üliatea antraf; jetzt Tatare otaitiensis, Less.)
24. Pitta coronata, Peale, 1. c. p. 89. pl. 25. fig. 1.
Singapore.
(Ist. P. cucullata, nob. Rev. zool. 1813. p. 65. = P,
malaccensis, Schleg. Bonap. Consp. p. 255.)
25. Saxkola fumifrons, P. 1. c. p. 90. pl. 25. fig. 1.
Callao.
100 Harllaub:
(Scheint uns Muscisaxicola mentalis^ Lafr. d'Orb. Voy.
Ois. pl. 40. Hg, 1. zu sein.)
26. Petroica coccinea, P. p. 92. pl. 25. fig. 2. N. S. ^
Wales.
(Ist P. phoenicea, Gould.)
27. Petroica pusilla, P. p. 93. pl. 25. fig. 3. Samoa-
inseln. Kopf, Kehle und Rücken schwarz, Flügel und Schwanz
dunkelbraun ; grössere Flügeldeckfedern halbweiss, Flügel ohne
Binden; zwei äussere Schwanzfedern mit weisser Binde und
Spitze; Brust hochroth, Abdomen heller, Steiss weiss; weis-
ser Stirnfleck; Schnabel schwarz; Iris braun. Sy^", Flügel
2/2"? Schwanz l'^", Tarsus Vio", Schnabel V20".
Diese neue Art ähnelt sehr der P. multicolor, ist aber
kleiner, kurzflügliger u. s. w. Sie bewohnt das Unterholz
dichter schattiger Wälder.
28. Regulus plumulosus, P. p. 94. p. 25. fig. 4. Valpa-
raiso. Iris weiss.
(Ist Euscarthmus parulus, (Kittl.) Bonap. Consp. p. 184.)
29. Zoster ops flaviceps , P. p. 95. pl. 25. fig. 5. Fee-
jee-Inseln. Kopf gelb, Scheitel etwas grünlich ; Zügel schwarz ;
Rücken und Schultern grau; Bürzel und Flügel grüngelblich;
Bauch und Steiss gelblich- weiss ; Schwungfedern braunschwärz-
lich, mit gelbem Aussenrande; Steuerfedern mit schmalem gel-
ben Aussensaume ; Schnabel und Füsse hellbräunlich ; Iris hell-
braun. 5%o", Flügel 2%o", Schwanz l^^", Tarsus i%o'S
Schnabel Vio". — In Casuarina-hainen auf Venua-levu.
30. Eiopsaltria flavifrons, P. p. 96. pl. 26. fig. 1. Upolu:
Samoagruppe. Scheitel, Kopfseiten, Flügel und Schwanz dun-
kelbleigrau, Rücken und Bürzel olive, Stirn und Abdomen leb-
haft gambogegelb; Kehle weiss; Schnabel und Füsse schwarz;
Iris braun; innere Flügeldeckfedern weiss , gelb gerandet;
Schwanz abgerundet. ^. 6%o", Flügel 3%o", Schwanz 2^2 \
Schnabel 72". — Diese Art lebt im Gebüsch und lässt ein hel-
les volllöniges Pfeifen vernehmen.
31. E. icteroides, P. p. 97. pl. 26. fig. 2. Samoa-Inseln.
Kopf, Hals , Flügel und Schwanz bräunlich bleigrau ; obenher
olivenbraun; Stirn und ganzer Unterkörper lebhaft gamboge-
gelb; Schnabel und Füsse schwarz, Iris braun, ^7*, 6%o"'
R. Titian Peale's Vogel der United Stales Explor. Exped. 101
32. E. albifrons, P. p. 97. pl. 26. fig. 3. Kopf, Rücken,
Bürzel, Flügel und Schwanz olivebraun ; Stirn und Kehle weiss ;
untenher gambogegelb ; Schnabel und Füsse schwarz; Iris
braun. 6". Samoa-Inseln, im Gebüsch.
Peale hält die Gleichartigkeit der drei letzten Arten für
nicht unmöglich, legt aber viel Gewicht darauf, dass die Ein-
gebornen dieselben mit grosser Bestimmtheit für verschieden
erklären.
33. Rhipidiira nebiUosa, F. p. 99. pl. 27. fig. 1. Russ-
schwärzlich; Steiss, Schäfte und Spitzen der Schwanzfedern
weiss; grössere Flügeldeckfedern an der Spitze braun; Kehle
weisslich; Schnabel und Füsse schwarz; Iris braun, ö'^''
Auf Upolu in schattigen Wäldern.
34. Monarcha nigra, S p arm. Peale, 1. c.p. 100. Beschr.
Sehr gemein auf Tahiti; variirt merkwürdig.
(Muscicapa atra und lutea, Forst. Descript. ed. Lichtenst.
p. 169, 170 und 171. Forster sammelte diese Art auch auf
Tonga- tabu und a^IU eine Varietät derselben aufWaitaso, ei-
ner der Marquesasinseln , beobachtet haben.)
35. Monarcha cinerea, P. p. 101. pl. 27. fig. 2. Aschgrau,
unten heller. Augenbraunen, Augenlieder, Kehle und Bauch-
mitte weiss; Schwanz abgerundet schwarz, Steuerfedern, die
zwei mittleren ausgenommen, mit nach aussen hin immer
grösserer weisser Spitze; Schnabel und Füsse hellblau; Iris
blauschwarz. 4%", Flügel 2yio", Schnabel Vio", Tarsus %o".
$. Feejee-Inseln.
(Gleichartig oder sehr nahe verwandt mit „Muscylva
de Lesson" Hombr. et Jacquin. Voy. au Pol Sud, Ois. pl. 11.
fig. 2.)
36. Platyrhynchus vanicorensis, QuoyetGaim. Peale,
p. 102 : Beschr. des Weibchens : Rücken grau , Flügel und
Schwanz braun, Kehle weiss, Brust rothbraun. Feejee-Inseln.
37. PI. albiventris, P. p. 103. pl. 27. fig. 3. Kopf und
Hals schwarz ; Rücken, kleinere Deckfedern und Bürzel dun-
kelaschgrau; Flügel und Schwanz schwarz; innere Flügeldek-
ken weiss gerandet; Kehle und Brust lebhaft braunrotli; Abdo-
men weiss; Schnabel bläulich, Füsse schwarz, Iris braun.
102 Hartlaub:
öyg", Flügel 2%o", Schwanz 2yio", Tarsus ^y,o", Schnabel
V2". — In schattigen Wäldern der Samoa-Inseln.
(Wahrscheinlich gleichartig mit „Platyrhynque oceanien"
Hombr. et Jacquin. Voy. Ois. pl. 12 bis, fig. 1.)
38. Lepturus brevicauda, P. p. 103. pl. 27. fig, 4. Callao.
(Ist Muscigralla brevicauda, Lafr. d'Orb. Voy. Ois. pl.
39. fig. 1.)
39. Corvus leptonyx, P. p. 105. pl. 29. ^, Kopf, Hals,
Brust und Bauch braun („snuff coloured brown« „spadiceis"^),
Flügel und Schwanz schwarz mit Purpurglanz; Schnabel und
Füsse schwarz; Iris braun; ganzes Gefieder sehr glänzend;
Kehlfedern lang und stark zugespitzt; die zusammengelegten
Flügel laufen sehr spitz zu und ragen über den abgerunde-
ten Schwanz hinaus; Kiaue der Aussenzehe auffallend kurz;
20" Klaftert 44", Flügel 15%o", Schwanz 8%o", Schnabel
2Vio", Tarsus 2%o". Madeira. — Ein ächter Rabe.
40. Corvus hawaiensis^ P. p. 166. pl. 38. Fast ein-
farbig russbraun; Schwungfedern etwas heller; alle Federn
bleigrau an der Basis; Schnabel und Füsse blauschwarz;
Iris braun; borstenartige Nasenfedern glänzend schwarz; 4te
Schwungfeder am längsten; Schwanz abgerundet, mit oben
schwarzen, unten russbraunen Schäften. ISys", Schnabel 2yio",
Schwanz 2%o".
Bewohnt die waldigen Districte des Innern von Hawai.
Stimme sehr ähnlich der des ossifragus. Alala der Einge-
bornen.
(Scheint durchaus verschieden von C. tropicus, L. Bloxh.
in Byron Voy. Blonde, p. 249.)
41. Pica Nuttallii, Aud. .«
42. Cyanocorax S teuer i ^ Pall. Diese beiden Arten
scheinen bis zum 42^ N. B. an der Nordwestküste Amerika's
vorzukommen; jenseits wurden keine mehr bemerkt.
43. Lamprotornis atrofiisca, P. p. 109. pl. 30. fig. 1.
Kopf und Hals schwarz mit lebhaft metallischem Purpurschil-
ler; Körper, Flügel und Schwanz umberbraun, nach vorne
zu am dunkelsten und in das Schwarz des Halses überge-
hend; äusserer Rand der Schwungfedern rostfarben; Schwanz
zugerundet, Steuerfedern zugespitzt ; Schnabel kräftig, schwarz,
R. Tilian Peale's Vögel der United States Explor. Exped. 103
Füsse braunröthlich; Iris ebenso. ^ ad. Das Weibchen ist
ebenso, nur etwas weniger lebhaft gefärbt. lOy^", Flügel
6yio", Schwanz 4y,", Schnabel l%o", Tarsus 1'/^". — Sa-
moa-Inseln. Ein sehr lebhafter und lärmender Vogel.
(Lanius pacificus Lath. ist eine der atrofusca verwandte
AploniS'kxi.)
• 44. L. fu8ca, P. p. 110. pl. 30. fig. 2. Tonga- und
Feejee-Gruppe. Iris orange. Schnabel und Füsse bräunlich-
roth. Hat fast die Manieren einer Drossel und singt sehr
angenehm.
(Ist Aplonis marginalis, Gould Proceed. Zool. See. 1836.
p. 73. Diese Art wird in Bqnaparte's Conspectus höchst irr-
thümlich mit A. nigroviridis, Less. von Neuseeland vereinigt.
Wir halten es für sehr möglich, ja wahrscheinlich, dass La-
thams Lanius tabuensis auf dieselbe zu beziehen ist.)
45. L. hrevirostris^ P. p. 111. pl. 30. fig. 3. Kopf fast
schwarz mit verlängerten metallisch glänzenden Federn; Rücken
und Schwanz blass umberbraun, Flügel dunkler, mit weissem
Spiegel; untenher hellbräunlich (tawny), jede Feder mit ei-
ner helleren Linie längs der Mitte ; Schnabel und Füsse röth-
lich hornfarben; Iris orange. T'/g", Flügel 4-/10", Schwanz
2%o"? Schnabel y," (Vio" bei fusca). Samoa-Inseln.
(Ohne Zweifel auch zu Aplonis gehörig.)
46. Agelajus Breweri^ A u d üb. Puget-Sound in Oregon.
47. Leistes niger, S w. In ungeheuren Flügen um Oran-
ge-Bay im Feuerlande. Iris dunkelbraun.
48. Agelajus gubernator^ Wagl. Sehr gemein am Co-
lumbia.
49. Sturnella miliiaris^ L. Peale hält den Vogel der
Westküste für specifisch verschieden von dem der Ostküste.
Dieser letztere sei kleiner, habe einen schlankeren Schnabel
und zeige den Schwanz deutlicher gebändert.
(Diesen Unterschied fasst auch Bonaparte auf und trennt
den Brasilien und Paraguay bewolmenden Vogel unter der
Benennung St. DcfilippU : Consp. p. 429.)
50. Sturnella neglecta ^ Aud. Columbia und Willamet-
tefluss.
104 Hartlaub:
51. Geospiza peruviensis, Peale, p. 115. pl. 31. fig. 1.
und 2. (/. Schwarz mit Stahlglanz. ^. Oben umberbraun,
unten heller, Federn der Brust und der Weichen mit dunkle-
rer Längslinie. Zwischen Callao und Lima. ^%o'\ Flügel
22/10", Schwanz r/io"- In sterilen Gegenden mit Gebüsch.
(Die Entdeckung einer Geospiza- Art in Peru ist in geogr.
zooL Hinsicht interessant; man dürfte die sehr natürliche
Unterfamilie der Geospizinae bisher mit 13 Arten für auf die
Galopagosinseln beschränkt halten, wovon aber freilich schon
eine Ausnahme bekannt geworden ist; denn Cactornis inor-
nata, Gould, Zool. Sulph. Birds, pl. 25, stammt von Bow-
island, zur Paumotugruppe gehörig.)
52. G. prasina, P. p. 116. pl. 31. fig. 3. Scheitel,
Ohrgegend und obere Schwanzdeckfedern scharlachroth ; übri-
gens lebhaft grün; Brust schön blau, nach der Kehle zu tief
indigo; Kehle selbst schwarz^ Schwung- und Schwanzfe-
dern schwarz mit grünen Aussenrändern ; Schnabel und Füsse
schwarz; Iris braun. 4'/^", Flug. 2yio", Schwanz ly^", Schna-
bel Vio", Tarsus Vio"- Feejee-Inseln. Liebt trockne offene
Gegenden mit Casuarinabäumen und ist oft auf dem Boden
anzutreffen; meist in kleinen Flügen.
(Nahe verwandt mit dieser Erythrura-Art ist E. Puche-
rani, Bonap. Consp. p. 457, ebenfalls oceanischer Herkunft.
Da übrigens der Name prasina von Sparmann der ältestbe-
kannten Erythrura-Art von Java beigelegt und nach dem
Gesetze der Priorität beizubehalten ist , so erlauben wir uns, ^
für Peale's schöne neue Art den Namen E. Pealii vorzu-
schlagen.)
53. G. cyanovirens, F. p. 117. pl. 31. fig. 4. Kopf car-
minroth, Hals, Kehle und Brust hellblau; übrigens grün mit
bläulichem Schiller; Schwanz zugerundet braunschwarz, röth-
lichbraun gerandet, 2 mittlere Steuerfedern röthlichbraun;
Schnabel und Füsse schwarz; Iris braun. 4%o"? Flüg"- ^Va",
Schwanz IVio", Tarsus Vio"- "^on Upola : Samoagruppe.
54. Camarhynchus leucoptertis, P. p. 118. pl. 32. fig. 1.
Callao. ^ und $, 4'' lang. Nährte sich von Grassamen. Singt
sehr lieblich.
R. Tilian Peale's Yögel der United States Explor. Exped. 105
(Ist wohl Callirliynchus rufescens, (Vieill.) Boiiap. Consp.
p. 500.)
55. Fringilla australis, Lath. = Zonolrichia canicapilla,
Gould. (?) Orange-Bay im Feuerlande und Peru: Callao.
56. Niphaea laciniata, F. p. 121. pl. 32. fig.2. ^. Val-
paraiso. Iris braun. Auf niedrigem Gebüsche oder am Bo-
den ; in beträchtlicher Anzahl.
(Ist Phrygilus alaudinus, Kittl. Bonap. Consp. p. 476.
— Kittlitz sagt von den Vögeln der Küstengegenden Chili's :
Man wird sich den eigenthümlichen Eindruck denken kön-
nen , den es macht , die überwiegende Mehrzahl einer ar-
tenreichen befiederten Bevölkerung zu Fuss gehen zu
sehen.)
57. Erythrospiza frontalis^ Say. Nördlich bis Puget-Sound
beobachtet.
58. Loxia curvirostra, L. Gemein in Oregon.
59. Pipilo arcticus, S w. Gemein in Oregon.
60. Pipilo cinereus, F. p. 123. pl. 32. fig. 3. Valparaiso.
Iris braun. Gewöhnlich auf dem Boden.
(Ist Fringilla diuca , Mol. Bp. Consp. p. 476.)
61. Pyranga ludovicicma, Wils. Oregon.
62. Buceros obscurus, F. p. 125. pl. 33. Kopf, Hals
und Unterkörper blass gelbbräunlich ; Brust und Kopfseiten
mit einzelnen hellkastanienbraunen Federn; Rücken und Bürzel
hell chocoladebraun ; Schulter- und Deckfedern ebenso mit
hellbräunlichen Spitzen; Schwungfedern mit hellbräunlichem
Aussenrand ; Schwanz zugerundet hellgelbbräunlich mit weis-
sen Schäften, die zwei mittleren Federn an der Wurzelhälfte
chocoladebraun gewölkt; Schnabel schwarz, „inflated to a
rounded terminatiön on the crown beyond the eyes, the front
edge compressed to a narrow keel;" Füsse blasscarminroth;
Iris carmin. $. 34%o"> Flügel MVio", Schwanz 12%o",
Tarsus 22/10"? Schnabel längs der Firste 7%o"- — In tiefen
schaltigen Wäldern auf Mindoro.
63. Platycercus splendens, F. p. 127. pl. 34. fig. I u. 2.
Kopf, Brust, Abdomen und Sleiss glänzend carminroth , in's
Scharlachrothe ziehend; Rücken, Bürzel, Flügel- und Schwanz-
106 HartlauA:
deckfedern glänzend smaragdgrün : Nacken, Primärschwingen
und Schwanz cobaltblau, mittlere Steuerfedern an der Wur-
zel grün; verborgener Hinterhauptsfleck weiss; Brustfedern
an der Wurzel silbergrau , in der Mitte grün und an der
Spitze schön roth; Iris orange; Schnabel und Füsse schwarz.
Weit schlanker als die folgende Art. 18", Flügel 97.",
Schwanz Syio". — An den Ufern von Peale's River auf Viti-
levu; Feejeeinseln.
64. PL atrogularis, P. p. 129. pl. 35. Kopf und gan-
zer Unterkörper dunkel purpurcarmin ; obenher glänzend sma-
ragdgrün , verborgener Hinterhauptsfleck weiss , Nackenfleck
blau, Stirn und Wangen sehr dunkel, Kehle schwarz; Schwanz
schön blau, gekrümmt, 2 mittlere Federn grünlich schil-
lernd; Iris orange; Schnabel sehr stark hornfarben. 19y8",
Schwanz 972". — In überschwemmten Niederungen der Fee-
jee-Inseln auf Mangrovengebüsch.
(Zwar nahe verwandt aber gewiss nicht gleichartig mit
PI. hysginus Forst, oder tabuensis, auct. von Eaowe.)
65. Trichoglossus coccineus, S h. (solitarius Lath.) Fee-
jee-Inseln.
66. Trichoglossus pipilans, Lath. (euchlorus, Forst.)
Tonga-tabu: Freundschaftsinseln. Samoa-Inseln.
67. Meiglyptes fuscus, P. p. 132. pl. 36. fig. 1. Sin-
gapore.
(Ist Hemicercus brunneüs, Eyton. Bp. Consp. p. 113.)
68. Picus Harrisii, And uh. Gemein in Oregon, 'wie
auch P. ruber und torquatus, W.
69. Bucco rubritorquis, P. 133. pL 36. fig. 2. Singapore.
(Ist malaccensis, nob. Rev. zool. 1842. p. 336.)
70. Cuculus simus, P. p. 134. pl. 37. fig. 1. Obenher
olivebraun mit etwas Bronceschiller , Kehle und Ohrgegend
grau; untenher rothbraun; Schwanz etwas keilförmig stahl-
bläulich-schwarz, weiss gebändert und an der Spitze; mitt-
lere Steuerfedern einfarbig; Flügel sehr spitz und schmal, ein
weisser Fleck an der Innenfahne der Schwingen ; innere Flü-
geldecken röthlich; Schnabel ungewöhnlich breit und flach,
oben bräunlich : Mandibel und Rictus orange ; Augenlieder und
R. Titian Peale's Vögel der United States Explor. Exped. 107
Füsse hellgelb; Iris hellbräunlich. ^. 10'', Schwanz ÖVjo",
Tarsus Vio"? Schnabel ^y.o"- — Feejee-Inseln. Beim Sitzen
auf einem Aste trug dieser Vogel den Körper fast ganz per-
pendiculär, die Scheitelfedern haubenförmig hebend.
71. C.fucatus, P. p. 136. pl. 33. Obenher dunkel
aschgrau , Flügel braun ; Ohrgegend , Kehle und Brust hell-
aschgrau; untenher hellokergelb , schwarz wellenförmig ge-
bänderl; Schwanz zugerundet, dunkelbraun, an der Spitze und
den Aussenrändern schwarz, Schäfte weiss, mit 5 bis 6 weis-
sen länglichen Schaftflecken und mehr weiss auf der Innen-
fahne beim J^ ; Schwungfedern inwendig weiss gebändert,
Iris braun; Augenlieder und Füsse schön gelb; Schnabel an
der Basis gelb, sonst olive und an der Spitze schwarz;
Schlund orange. 12'', Flug, yy.", Schwanz 5Vio'', Tars. ^yjo",
Schnabel yio"- — Insel Mangsi : Soloo-Gruppe.
72. Centropus nigrifrons, P. p. 137. pl.38. flg. 1. Kopf,
Hals, Kehle und Brust weiss, gelblich tingirt; Stirn und Wan-
gen schwarz; Flügel castanienbraun; Schwanz und Körper
schwarz mit Stahl- und Bronceschiller; Schnabel schwarz;
Füsse grau; Iris carmin. ISYio", Flügel 7V20", Schwanz OYj",
Tarsus IVio", Schnabel iy2o". Mindanao.
73. Eudynamis orie?italis, L. Schnabel und Füsse blau-
grün; Iris glänzend roth. Soloo-Inseln.
74. E. cunekauda, P. p. 139. pl. 38. fig. 2. Oben
sepia, Scheitel röthlich gestrichelt, Rücken weiss gefleckt;
untenher weiss mit braunen Schaftstrichen ; Augenbrauen ,
Wangenbinde und Kehle gelbröthlich, Flügel sepia, weiss ge-
bändert, innere Flügeldecken weiss, Deckfedern sepia mit
weissen Tropfenflecken an der Spitze; Schwanz keilförmig,
sepia, gelbröthlich gebändert; ScTinabel oben braun, unten
gelblich. löYio". — Auf Ovolau. Feejeegruppe.
(Scheint doch verschieden von Forster's C, fasciatus
Descr. Anim. p. 160. von Tahiti und Huaheine.)
75. Plweiiicophaeus nigriventris, P.p. 140. pl.39. figl,
Malacca.
(Ist Ph. Diardi , Less , Blyth Monogr. of the Ind. Cu-
cuL Journ. As. Soc. of Beng. XI. p, 928, Nr. 24. — Desni.
Iconogr. Orn. pl. 19.)
108 Hartlaub:
76. Änadaenus rußcauda , P. p. 142. pl. 39. fig. 2.
Malacca.
(Ist Rhinortha caniceps, Vig. d^ ad.)
77. Meliphaga carunculata , (Lath.) Gute Beschr. auf
S. 144. pl. 42. flg. 2. Iris braun, Carunkel orange, Beine
braun. Sy^/' lang. Weitverbreitete Art; Tonga-, Samoa- und
Feejeeinseln ; sehr lebhaft und drosselartig in ihren Bewe-
gungen ; frequentiren das Gestrüpp längs der waldigen Kü-
sten der Inseln und singen sehr angenehm.
(Certhia car. Forst. Descript. ed. Licht, p. 165. Tonga-
tabu und Eaowe ; wurde bis jetzt noch nicht anf den Socie-
tatsinseln beobachtet; fehlt gänzlich in Bonaparte's Con-
spectus.)
78. Entomiza olivacea^ P. p. 145. pl. 40. fig. 1. Fuss-
sohle gelb, Iris hellbleifarben. Männchen und Weibchen ohne
wesentliche Färbungsunterschiede. S a m o a - Inseln. Ein leb-
hafter lärmender Vogel, welchen man häufig an den Blülhen-
büscheln der Cocospalmen sieht. Einige Male wurde er beim
Verzehren reifer Bananen überrascht.
(Ist Merops samoensis, Hombr. et Jacquin. Ann. des
Sc. natur. XVI. p. 314 und ^Leptornis des Forets^* Voy.
au Pol Sud, Ois. pl. 17. fig. 1.)
79. Entomiza angustipluma , P. p. 147. pl. 40. fig. 2.
Flügel und Schwanz sepia, mit olive gesäumt; Scheitel schwarz
mit hellen Längsstrichen; Halsfedern gelb an der Spitze; Au-
genrand weiss; Ohrgegend schwarz bis an die Basis der Man-
dibel; Rücken olivenbraun, jede Feder mit weisser Längslinie
und weissem Spitzenfleck; Kehle bräunlich weiss, gelblich
tingirt, jede Feder in eine schwarze Borste auslaufend ; Brust
und Bauch bräunlich weiss mit braunen Federrändern; Wei-
chen- und Steissfedern rostfarben gerandet; innere Flügel-
decken sepiabraun; Schwanz keilförmig aus 12 zugespitzten
Federn mit bräunlich weissen Schäften bestehend; Kopf- und
Körperfedern auffallend schmal ; Schnabel und Füsse braun-
schwarz. 14 ^o", Flügel 6'/io", Schwanz 6'/,", Schnab. ly^o",
Tarsus IVio"- — Waldige Distrikte Ha wai's; ein sehr schlan-
ker, lebhafter und graciöser Vogel , welchen man meistens
R. Titian Peale's Vögel der Uniled States Explor. Exped. 109
auf in Blüthe stehenden Bäumen bemerkt; nicht ganz unmu-
sicalisch.
(Ein mit dieser merkwürdigen Art nahe verwandter
Vogel scheint Lesson's Strigiceps leucopogon zu sein : De-
script. de Mammif. et d'Ois. p. 277.)
80. Pliloturus fasciculatus, (Lath.) Hawai. p. 148. Diese
Art, der »Oo*^ der Eingebornen , bewohnt die waldigen Di-
stricte der Insel. Sie liebt das dichte Laubwerk der höch-
sten Bäume; in Stimme und Manieren zeigt sie einige Ver-
wandtschaft zu dem nordamerikanischen Icterus baltimore. Die
kostbaren Mäntel aus den gelben'Federbüscheln dieses Vogels
sieht man jetzt nur wenig mehr. Man entriss ihnen diese
Büschel und Hess sie dann wieder fliegen.
81. Certhia pacifica, Ldith. Bewohnt die waldigen Di-
strikte der Insel Kauai und wird ebenfalls „Oo'' genannt.
Bei dieser Art sitzen die gelben Federn an den Schenkeln.
(Drepanis pacifica bei Bonap. Consp. — Vestiaria
hoho, Less.)
82. Myzomela nigriventris, P. p. 150. pl. 41. fig. 2. Kopf,
Hals, Brust, Rückenmitte und Bürzel schön scharlachroth,
sonst schwarz; Fusssohle gelb ; Iris braun. Ö'/s", Flügel 2%o"»
S a m 0 a inseln.
(Ohne Zweifel gleichartig mit Certhia cardinaliSj Forst.
Descript. Auim. p. 262. M. rubrater, Less. Man. II. p. 55.
Einer der weitestverbreifeten Vögel Oceaniens: Sandwich-
in s e 1 n, Less. — Tahiti, Less. — T a n n a , Forst. —
0 u a 1 a n (Karolinen) Less. — Mariannen: Kittl. und
Gaim. In Bonaparte's Conspectus p. 394 wird diese Art sehr
irrthümlich mit M. sanguinolenta (Lath.) zusammengeworfen.)
83. M. jugtilaris, P. p. 151. pK4l. fig. 2. Kopf schwarz,
Hals , Schultern und Rücken tief olive ; Kehle scharlachroth,
Brust gelblich in das Weiss des Abdomen übergehend; Flü-
gel dunkelbraun mit gelben Aussenrändern ; kleinere Deck-
federn an der Spitze weiss; Schnabel schwarz; Iris braun.
4'/2", Flügel 2Vio"? Schwanz ly^". — Cocoshaine der Fee-
jee-Inseln.
84. Melithrepiiis vestiarius , Lath. Hawai und Oahu.
HO Hartlaub:
Diese Art sucht ihre Nahrung vorzugsweise in den gigan-
tischen Lobelienblülhen. Abb.
(Hier möge die Bemerkung Platz finden, dass Drepanis
flava Gray Zooi. miscell. I. p. 12 kürzlich von Cabanis un-
ter der Benennung Himatione chloris als neue Art beschrie-
ben wurde : Catal. der Heine'schen Samml. p. 99. Ob Hima-
tione maculata Cab. 1. c. vi irklicli eigene Art und nicht viel-
mehr der jüngere Vogel einer schon bekannten sei , bleibt
zunächst unentschieden. Die Schnabelform bei den Gattun-
gen Hemignathus , Drepanis und (wenn man dieselbe gelten
lassen will) Himatione scheint mit dem Alter des Vogels we-
sentliche Veränderungen zu erleiden.)
85. Hemignathus ohscurus ^ (Lath.) Lichten st. Wal-
dige Districte Hawai's.
86. H. lucidiis, Licht. Hawai und Oahu. Der Versi-
cherung der Eingebornen zufolge giebt es noch eine dritte
Art dieser Gattung auf den Sandwichinseln.
(Man vergleiche vor Allem über Hemignathus : ZooL de
la Venus, Ois. p. 183 bis 192.)
87. Eurystomus orientalis, Lath. Mindanao. Liebt die
Ufer schattiger Ströme in Waldungen; ruhig auf einem ab-
gestorbenen horizontalen Baumaste sitzend , meist in grosser
Höhe, hascht er gern Insekten im Fluge; Ansehen und Flug
sehr alcedo-artig.
88. Dacelo nullitorques^ ?. p. 155. pl. 42. fig. 1. Oben
olive, Flügel und Schwanz bräunlich grünblau; innere Flü-
geldecken weiss; untenher weiss; Schnabel oben schwarz,
Blandibel weisslich; Iris braun; Füsse bräunlichroth. Schna-
bel sehr flach. 7%o'S Flug. 4'', Schwanz 2%o", Schnab. l%o"-
In einsamen Thälern Tahili's; lebt von Insekten.
89. D, mtiensis, P. p. 156. pl. 44. ^ ad. und ^ juv.
Scheitel, Flügel und Schwanz lazuliblau; Rücken grünlich
überlaufen; Bürzel cobaltblau; Kehle und Brust weiss; Hals-
band, Bauch, innere Flügeldecken und untere Schwanzdeck-
federn blass orangebräunlich; Infraorbitalfederchen schwarz;
Ohrgegend mit schwarzen, an der Spitze blauen Federn;
schwarze Striche laufen von jeder Ohrgegend aus auf dem
R. Titian Peale's Vögel der United Slates Explor. Exped. 111
Nacken zusammen; Linie über den Augen orangebräunlich;
Schwungfedern äusserlich schön blau , inwendig gelblich ge-
randet; Schnabel schwarz; Iris braun. 8%", Schnabel IVio",
Schwanz Sy^^", Flügel 3%o"- — Feejee-lnseln. Häufigst im
Mangrovengebüsche des inneren Randes der Corallengürtel,
in der Nähe von salzigem Wasser: lebt nur von Insekten;
fast immer einzeln.
(Scheint mir Forster's Variet. I von A. collaris zu sein,
von Tonga- tabu : Descr. p. 163.)
90. D. minima , P. p. 159. pl. 45. In feuchten schat-
tigen Wäldern auf Upolu; ein sehr lauter Vogel, der in sei-
ner Lebensweise Manches von der Gattung GalWa zeigt.
Iris haselbraun, Füsse bläulich.
(Ist Halcyon recurvirostris^ Lafr. Rev. zool. 1842.
p, 135. — H. platyrostris , Gould ; diese Art so wie nulli-
torques P. sind TodirhamphL)
91. D. coronata, P. p. 160. pl. 46. fig. 1 Ji und 2 ^ jun.
Oben blau; Ohrgegend mit schwarzen, an der Spitze blauen
Federn; eine schwarze Linie um das Hinterhaupt; Kehle,
Scheitelbinde, Halsband, Brust und Abdomen weiss, das Hals-
band schwarz gerandet und gelblich überlaufen; die Schei-
telbinde gelbbräunlich gesäumt; Schwanz schwarz; Schnabel
schwarz; Füsse braun; Iris braun. 9", Flügel Sy^o"? Schwanz
2 Vi o", Schnabel IVio". Insel Tutuila : Samoagruppe. Be-
wohnt die Cocos - und Brodfruchthaine in der Nähe mensch-
licher Wohnungen.
92. D, vagans, Less. Neuseeland. Beschreib, von ^
ad. c7* jun. und $ jun. auf S. 161. pl. 43. „In den Schluch-
ten zwischen den zahlreichen Vorgebirgen der Inselbay sieht
man ausgedehnte Gruppen eines Baumes , der Abiesenia to-
' mentosa, wie Mangroven im Salzwasser wachsen; diese sind
der Zufluchtsort von Enten, Cormoranen und andern Wasser-
vögeln, wenn die Fluth den Boden, auf welchem sie stehen,
hinreichend hoch überschwemmt hat. An solchen Lokalitäten
sahen wir Halcyon vagans auf einem abgestorbenen Aste sit-
zen und , ruhig die kleineren Fische beobachtend , von Zeit
zu Zeit pfeilschnell ins Wasser stürzen, seine Beute dem näch-
sten Zweige zutragen und sie daselbst ganz verschlingen;
112 Hartlaub:
ZU andern Zeiten haben wir ihn in einsamen Wäldern ge-
schossen, wo er auf Insektennahrung angewiesen war.
93. Harpactes rhodiosternus , P. p. 166. pl. 41. fig. 3.
Mindanao.
(Ist //. ardens, Tcmm.)
94. Caprimulgus ISuttalli, Audub. Gemein in Oregon.
95. C. aequicauda^ P. p. 168. pl. 47. fig. 1. Callao. Bei
Tage immer auf dem Boden. Iris braun.
(Ist C. pruinosus, v. Tschudi, eine Art, welche Cassin
in einer sehr gründlichen Arbeit mit exilis Less. und acutus
Gm. vereinigt und welche Bonap. zu seinitorquatus zieht. Pro-
ceed. Acaggfe Philad. 1851.)
96. C. co7iterminus , P. p. 169. pl. 47. fig. 2. Valpa-
raiso. 10%o".
(Ob hifasciaius, Gould?)
97. C. bimamlatus , P. p. 17Ö. pl. 48. fig. 1. Malacca.
(Scheint mir affinis Horsf. zu sein, w elcher in Malacca
nicht selten ist: Biyth Journ. As. Soc. 1816. p. 21.)
98. ChordeUes peruvianus, P. p. 172. pl, 48. fig. 2. Cal-
lao; wurde nur auf dem Boden ruhend bemerkt; der südliche
Repräsentant von virginianus.
(Ob sapitij Natter.?)
99. Hirundo rustica^ L. Kam an Bord am Uten Oc-
tob. Latit. 190 54 N. Longit. 24», 13' 30 W. und am 20sten
October Latit. 6^ 50 N. Longit. 21^ 38 W.
100. Hirundo rufocollaris, P. p. 175. pl. 49. fig. 1. Schei-
tel und Rücken stahlbläulichschwarz; Flügel und Schwanz
sepia, letzterer subaequal; Nackenband , Bürzel , Bruslbinde
und Weichen rothbraun; Kehle und Bauch weiss; untere
Schwanzdeckfedern bräunlichweiss gesäumt. Sys"- — Callao.
101. Macropteryx spodiopygia^ P. p. 170. pl. 49. fig. 2. Kopf,
Flügel und Schwanz schwarz, Rücken russfarben, Bürzel grau ;
untenher blass russbraun, Schwanz etwas gegabelt, Steuerfedern
sehr breit und an der Spitze abgerundet; Schnabel sehr klein;
zweite Schwungfeder am längsten; Iris braun. 4y2"? Flügel
4%o", Schwanz 2%o", Tarsus Vio", Schnabel %". AufUpolu:
Samoagruppe. — Eine unterirdische Höhle auf der Südseile
R. Tilian Peale's Vögel der United Stales Explor. Exped. 113
der Insel scheint der Hauptstandort dieser Art zu sein. „Ein
Ton, wie durch das Rasseln kleiner Kiesel hervorgebracht,
führte zu einer Menge von Schwalben, welche durch unsere
Lichter aufgestört worden waren. Viele andere sahen wir
ruhig auf ihren Nestern sitzen, deren Unterlage kleine Vor-
sprünge der Lava bildeten, und aus Moos und einer beträcht-
lichen Masse Leim verfertigt waren. Wie die Wände der
Höhle selbst troffen diese Nester von Wasser; jedes enthielt
ein Ei oder einen jungen Vogel, und das Brulgeschäft
schien an keine bestimmte Jahreszeit geknüpft zu sein. Einige
bauten, während die Jungen anderer schon ganz Mgge wa-
ren. Alte Nester wurden mit neuem Moose ausgebessert.
Einige der alten Vögel waren so arglos, dass sie sich ruhig
von uns mit der Hand von ihrem Eie heben Hessen und,
wenn wir uns überzeugt hatten, dass nur eins vorhanden
war, sogleich zu demselben zurückkehrten. Die Nester sind
beinahe rund, 3 Zoll im Durchmesser und etwa iy2 Zoll hoch,
die Eier rein weiss, y^j" lang und V2" breit. Obgleich nun
diese Schwalben oft genug durch lange unterirdische Passagen
in totaler Finsterniss zu fliegen haben, konnte man sie doch
täglich im hellsten Sonnenschein nach Nahrung herumflat-
tern sehen.
102. Macr. leucophaea^ P. p. 178. pl. 49, fig. 3. Blass
russbraun, unten heller; Scheitel, Flügel und Schwanz schwärz-
lich; Schnabel ausserordentlich klein; Augen sehr gross,
braun; Füsse braunröthlich ; Schwanz etwas gegabelt, breit
und voll. öYio". Tahiti.
(Scheint derHirundo peruviana, Forst, (nicht Brisson's)
von Tahiti mindestens sehr nahe zu stehen: Descript. Auim.
ed. Licht, p. 240.)
103. Gallus bankiva^ T. var. Tahiti. Abbildung des
Kopfes, p. 179.
104. Coturnix vulgaris , J. In grossen Massen auf
St. Jage.
105. Ortyx californicus, Sh. Südliches Oregon und Ca-
lifornien; auf buschigen Niederungen an Stromufern; über-
nachten truppweise auf Bäumen.
Archiv f.Naturgesch. XVIII. Jahig. 1. Bd. 8
114 Hartlaub:
106. Orlyx plmnifer, G. Willamette -Fliiss südlich vom
Umpquafluss.
107. Tetrao urophasianus , Bp. p. 185. Die Ebenen am
Wallawallafluss scheinen die Westgrenze dieser Art zu sein.
108. Columba fasciata, Say. Sehr gemein in Oregon.
109. C. vitiensis y Quoy et Gaim. Nicht selten auf
den Feejeeinseln. Iris gelbbraun, p. 187.
110. C. castaneiceps, Peale, p. 187. pl. 50. Blaugrau,
unten heller; Hals und Rückenfedern an der Spitze goldgrün
und purpurschillernd, Brustfedern nur mit Purpurglanz an der
Spitze; Flügel und Schwanz schwarz; Kopf kastanienbraun,
Kehle, Kinn, Wangen und Ohrgegend weiss ; Iris braun ; Au-
genlieder, Schnabel und Füsse blutroth. ley^", klaftert Söyg",
Schwanz 6", Schnabel Vio", Tarsus 1". — Auf Upolu in
dichten Wäldern; nur auf Bäumen lebend.
111. C. meridionalis, King. Rio negro in Patagonien.
Kleine Flüge auf den Sandhügeln nahe der Flussmündung schie-
nen dort Nahrung zu finden.
112. Ectopistes carolinensis ^ L. Oregon und Cali-
fornien.
113. Plilinopus coralensis,?. Ein sehr blasser röthlicher
Scheitelfleck reicht nicht bis an die Basis des Schnabels; Kopf,
Hals und Brust grau, die Federn mit grünlich gelber Binde
vor der Spitze, Brustfedern zweigegabelt ; Rücken und Bür-
zel grün; Steiss und untere Schwanzdecken gelblich; Abdo-
men grünlichgelb; Fügel und Schwanz in directem Lichte
kupferschillernd, goldgrün gebändert; Schäfte der Schwingen
braun, der Steuerfedern oben schwarz, unten weiss ; Tertiär-
schwingen gelb gerandet, prim. und sec. sehr schmal weiss
gesäumt; Schnabel gelb; Iris und Füsse roth. 972". Auf den
meisten niedrigen Coralleninseln der Gruppe P au motu,
nirgends sonst; an den waldigsten verborgensten Lokalitä-
ten. Insel Carlshoff.
114. PL furcatus, P. p. 191. pl. 52. Kopf, Hals und
Brust graulich mit grünlichem Anstrich, Brustfedern zweige-
gabelt; Fleck vom Schnabel bis zum Scheitel purpurn; Rük-
ken, Bürzel und Deckfedern broncegrün; Flügel blau mit
grünem Schiller; Bauch olive; Steiss und untere Schwanzdek-
R. Titian Peale's Vögel der United States Explor. Exped. 115
ken schwefelgelb; Schwanz blaugrün , die Federn mit hell-
grauem Fleck vor der Spitze, gabelförmig; Iris braunorange;
9y.". Tahiti. Liebt es, auf irgend einem abgestorbenen Aste
in der Tiefe des Waldes zu sitzen.
115. Pt. fasciaius, P. p. 193. pl. 53. Ein schön pur-
purner gelbgerandeter Scheitelfleck reicht bis zur Schnabel-'
Wurzel ; Kopf, Hals und Brust graulich , diese mit purpurner
Binde, welche nach hinten zu in das Gelb der Steissfedern ver-
blasst; Rücken, Bürzel broncegrün, Flügel und Schwanz gold-
grün, dieser an der Spitze gelb; Schulterfedern und Secun-
därschwingen zart gelb gerandet; Schnabel smaragdgrün,
Füsse blutroth; Iris gelb. 972". — Samoainseln. Manu-tagi
der Eingebornen.
(Ob Pt. samoensiSj Flor. Prev. Zool. Venus, Ois. p. 247.?)
116. Pt.Perousii^ P. p. 195. pl. 54. Samoainseln. Ma-
nu-ma der Eingebornen. Schnabel schwarz -grünlich, Beine
bläulich ; Iris roth mit orangefarbenem Ringe um die Pupille
herum. Eine seltnere Art; meist in Bergschluchlen.
(Ist Col. kurucuru superba , Hombr. et Jacquiii. Ann.
des Sc. nat. XVI. p. 316. und Ptilinope de Marie, Voy. au
Pol Sud, Ois. pl. 29. fi^. 2. Scheint also auch die Feejeein-
seln zu bewohnen : Ex. von B a 1 a 0 u.)
117. Carpophaga spadicea , L a t h. Iris , Schnabel und
Füsse lackroth. Im dichtesten Laube des Hochwaldes um die
Inselbay auf Neuseeland.
118. C. aenea, auct. Iris roth; Schnabel schwarz mit
hellblauer Spitze ; Füsse schmutzig lackroth. In Masse auf
Mindanao und Manghi.
119. C. oceanica,Le SS. Sehr zahlreich auf den Samoa-
inseln; Tongatabu und „Duke of York's Island.«
(Ist wohl die weitestverbreitete Taube der Südsee. For-
ster, welcher sie Col. globicera nennt (Descr. Anim. p. 166)
beobachtete sie auf Tonga -tabu, Eaowe und Tahiti, Lesson
auf Ualan , Kittlitz ebendaselbst und auf den Mordlockinseln,
Wilson auf den Pelewinseln und ganz kürzlich Macgillivray
auf Duchateau , einer Insel der Louisiadegruppe: Voy. of H.
M.S. Rattlesnake, voLI. p. 211.)
116 Hartlaub:
120. C. latrans, P. p. 200. pl. 55. Kopf, Hals und Brust
weinröthlich graubraun, Scheitel und Brust gesättigt wein-
röthlich; Flügel röthlichbraun, Schwungfedern erster Ordnung
schwärzlich mit grauem Aussenrande;- Schwanz braungrün,
subäqual; Flügel inwendig kastanienbraun; Bauch zimmetfar-
ben, Steiss löwengelb; Schnabel schwarz, Iris blutroth, Au-
genlieder granatroth. ISy^". — Auf hohen Waldbäumen der
bergigen Districte der Feejeeinseln. Die Stimme dieser Art
ist ganz eigenthümlich.
121. C. Aurorae, P. p. 201. pl. 56. Kopf, Hals und
Brust grau; untenher an der Schnabelbasis schneeweiss, nach
hinten zu immer dunkeler , Steiss bleigrau; obenher schön
blau, grünlich schillernd ; Bürzel metallisch grün ; Iris carmin ;
Schnabel und Füsse blutroth. Auf der Schnabelwurzel ein
dicker, wie es scheint, hornartiger Knoten (^. Auf Maitea
oder Aurorainsel (Societätsgruppe}. — Liebt die hohen wal-
digen Districte zwischen den Corallenfelsen; meist sieht man
sie einzeln im dichten Laube der Guettarda speciosa , deren
Früchte sie gern frisst. 16yz^".
122. C. Wilkesii, P. p. 203. pl. 58. Kopf, Hals, Brust
und Abdomen russbraun ; Rücken, Flügel und Schwanz schön-
blau, mit grünem Metallglanz; besitzt ebenfalls einen knor-
pligen Schnabelhöcker; Federn um die Schnabelbasis weiss;
Beine orangebraun; Iris blutroth. 19'^ — Drei- bis viertau-
send Fuss hoch im Gebirge Tahiti's.
(Jedenfalls gleichartig mit Variet. von Forster's Col.
globicera: Descript. p. 166.)
123. C. casta, P. p. 204. pl. 58. Ganz 'gelblichweiss
(delicate cream colour); Schwungfedern erster und zweiter
Ordnung ganz schwarz ; ebenso der Spitzentheil des Schwan-
zes; Iris braun; Schnabel, Füsse und Augenlieder hellblau.
lö'A"- — Soloo-Archipel, in der Nähe der Hauptstadt Soung;
bei grossen Flügen im dichten Gebüsche.
124. Peristera pectoralis, P. p.205. pl. 59. Kopf, Hals
und Brust löwengelb, Stirn blasser; Nacken schwärzlich pur-
purn; Schulterfedern olivenbraun mit Goldglanz; übrigens
sepiabraun; Iris braunröthlich ; Füsse röthlich; Schnabel
schwarz. SVj"« Verwandt mit C. erythroptera^ Lath. — Insel
Carlshoff: Paumotugruppe. In dichtem hohen Gebüsch,
R. titian Feale's Vögel der United States Explor. Exped. 117
aus welchem sie wie Rebhühner aufflogen. Eine plumpe hüh-
nerartige Taube.
125. Geophilus nicoharkus^ Lath. In grosser Menge
auf der Insel Mang hi. Iris roth; Füsse blutroth, Schnabel
schwarz.
(Macgillivray beobachtete diese prachtvolle Taube in
grosser Menge auf verschiedenen Inseln der Louisiade-
gruppe, z. B. auf der Duchateauinsel. Sie lebt fast im-
mer auf dem Boden und läuft mit grosser Geschwindigkeit;
das Nest wurde auf einem Baume etwa 10 Fuss über dem
Boden entdeckt. Dasselbe enthielt ein weisses Ei: Voy.
Rattlesnake vol. I. p. 244.)
126. Didunculus strigirosttHs, P. p. 208. pl. 60. Manu-
mea der Eingebornen auf Upolu. War früher häufig, ist
aber seit Einführung der Katze auf der Insel immer seltner
geworden und dürfte in einigen Jahren schwerlich mehr exi-
stiren. Diese merkwürdige Art lebt fast ganz auf dem Bo-
den, baut daselbst ihr Nest und flattert, wie Rebhühner, mit
schwirrendem Flügelgeräusch. Ihre Nahrung besieht vorzugs-
weise aus den Früchten einer Feigenart (Ficus prolixa?),
welche dort Owa heisst, und welche in den gebirgigen Ge-
genden Upolu's häufig ist. Der Vogel wird noch jetzt ge-
zähmt gehalten. Die Katze lebt völlig verwildert im Gebirge
und stellt, wie auf Tahiti der Columba erythroptera , so auf
Upolu dem Manu-mea mit nur zu gutem Erfolge nach. — Das
Weibchen ist kleiner, mehr braun, an Kopf und Hals weni-
ger metallisch, fast wie das Männchen gefärbt. Der junge
Vogel ist mit einem sepiafarbenem Daun bedeckt, hat einen
gelben Schnabel und einen auffalland weiten Rachen. Fig. capit.
(Gnaihodon strigirostris ^ Sir W. Jardine Ann. and
Mag. of N. H. new ser. vol. XVI. p. J75. pl. 19. fig. hon. —
Gray Gener. of Birds part. 50. fig. pulcherr. — Gould Birds
of Austral, V. pl. 7Q. — Pleiodus strigir. Reichenb. Syn.
Av. t. 176. fig. 1528. — Jard. Contrib. to Ornith. 1851
part. 4.)
127. Grus canadensis ^ auct. Oregon; in ungeheurer
Anzahl. Ist keineswegs gleichartig mit ameri^
cana^ auct.
118 Hartlaub:
(Eine Ansicht, zu welcher sich neuerlich auch Gambe! in
seiner trefflichen Arbeit über die Vöo^el Californien's bekannt,
und welche wir längst zu der unsrigen gemacht haben.)
128. Ardea sacra, Lath. Findet sich fast auf allen
tropischen Inseln des stillen Meeres: Tahiti, Paumolugruppe,
Samoa-, Feejee- und Tonga-Inseln.
129. Ardea exilis, Gm. Pearl-River auf Oahu.
(Wirklich die amerikanische Art??)
130. Ardea patruelis^ F. p. 216. pl. 61. fig. 1. Der
virescens ähnlich; etwas gehäubt ; löwengelblich-grau; Schei-
tel, Rücken und Schwanz grün, dieser mit dunklem Purpur-
schiller ; Flügeldeckfedern röthlich gerandet; eine weisse Linie
längs des Vorderhalses; zunächst derselben haben die Federn
einen gelbbräunlichen Endfleck; Schnabel oben schwarz,
Mandibel gelb; Füsse gelb; Zügel grün. 16". Tahiti.
(Eine weitverbreitete Reiherart Oceaniens ist noch Ar-
dea jugularis Porst. Descript. p. 172, welche die Gesellschafts-
inseln, Neuseeland, die Tongainseln und die Marquesasgruppe
bewohnt: Less. Descript. Mammif. et Ois. p. 240. Den letz-
teren ausschliesslich angehörend ist dagegen Lesson's Nycti-
corax oceanicus. 1. c. p. 241.)
131. Ibis brevirostris , P. p. 219. pl. 51. fig. 2. Am
Rimac in Peru.
(Scheint der jüngere Vogel von I. Ordi Bp. zu sein.)
132. Gallinula chloropus, L. Iris umberbraun. Oahu.
133. Porphyrio samoensis , P. Obenher olive; Flügel
und Schwanz schwarz mit blaugrünen Aussenrändern der Fe-
dern; Wangen und Hinterhaupt schwarz; Hals und Bauch
lazuli-, Brust cobaltblau; Steiss weiss; Schnabel und Schei-
tel carmin; Füsse gelb, carmin tingirt. ITVio"« Upolu. 1. c.
p. 220. pl. 62. flg. 1.
134. P. vitiensis, P. p. 221. pl. 62. fig, 2. Aehnlich
gefärbt wie samoensis; Schwungfedern an der Spitze „magis
cuspidatae«; unlenher weniger lebhaft blau. l^^Vio"- Foe-
jee-Inseln.
(G. R. Gray scheint diese Art für identisch mitP. pul-
verulentus Temm. zu halten, denn er führt in seinem ,)List
R. Titian Peale's Vögel der United Stales Explor. Exped. 119
of Birds Brit. Mus. p. 121" ein von den Feejee stammendes
Purpurhuhn als solches auf.) •
135. Rallus pJiilippensis ^ auct. Samoa-, Feejee- und
Tongagruppe. Iris rölhlichbraun.
136. R. luridus, P. p. 223. pl. 63. fig. 1. Oben leb-
haft olive, untenher aschblau, Weichen und Steiss olivebraun
tingirt ; Flügel dunkelbraun; Füsse hellroth; Iris orange;
Schnabel grün , Maxilla blau an der Basis , braun an der
Spitze, Mandibel roth an der Basis. 14". Feuerland.
«'137. Zapornia spUonota,G oiüd. Ovolau: Feejeegruppe.
„Ohne die weissen Fleckchen auf den Flügeln.''
(Sicher eine andere Art.)
138. FuHca alai, P. p. 224. pl. 63. fig. 2. Steht der
americana sehr nahe, ist aber kleiner und hat einen ungleich
zierlicheren Schnabel ohne die braunen Flecke nahe
der Spitze; Stirnknoten blassblau, Beine bläulichgrün,
Schnabel röthllchvveiss. 14Vio"5 Flügel TVio", Tarsus 2". —
Sandwichsinseln.
139. Scolopax magellanicus, King. p. 227. Schnabel
und Füsse verhältnissmässig schwächer als bei S. paragua-
yae, Vieill. Orange-Bay im Feuerlande.
140. Scol. brasUiensis^ S w. Durch kürzere Tarsen und
kürzeren Schnabel von paraguayae verschieden.
141. Scol. australiSy Lath. Sidney.
142. Scol pectinicauda, P. p. 227. pl. 64. fig. 1. Sin-
gapore. 26 Schwanzfedern, die 8 äusseren jederseits mit äus-
serst schmaler Fahne.
(Ist Scol, stenura, Kühl.)
143. Scol. auclandica, Gray, Zool. Ereb. and Terr. =
Sc. Holmesii Peale in Rep. Unit. Stat. Expl. Exped. Auck-
landsinseln.
(Zool. Ereb. Tcrr. Birds, pl. 13.)
144. Scol. fneridiotialis^ P. p. 229. pl. 64. fig. 2. Sehr
nahe verwandt mit der nordamerikanischen Sc. minor, aber
grösser und stärker. Iris dunkelbraun. 13'', Flügel 6^/4",
Schnabel 3%o"? Schwanz IVi^o"* Orange-Bay; in dunklen
feuchten Wäldern.
120 Hartlaub:
145. Limosa Foxii, P. p. 231. pl. 65. Löwengelblich-
braun, unten heller; Scheitel und Hinterhals umberbraun ge-
fleckt; Brust und Weichen sehr schwach liniirl; Rückenfe-
dern umberbraun gebändert; Schwungfedern erster Ordnung,
russbraun, die erste am längsten , Schwanz löwengelb, braun,
gebändert; Schnabel röthlichbraun , mit schwarzer Spitze;
Füsse fast schwarz. I4y^'', Schnabel 2'%o"» Flügel 9%o",
Schwanz 3". — Rose-Island: Samoagruppe.
146. Numenius hudsonicus^ Lath. Insel St. Lorenzo;
im Juni.
147. iV. femoralis, P. p. 233. pl. 56. fig. 1. BeimFliegen
bilden der hellfarbige Schwanz (hellroströthlich mit 7 brau-
nen Binden) und die blass ledergelblichen Deckfedern dessel-
ben ein sehr deutliches Unterscheidungsmerkmal; die Schen-
kelfedern lau fen in lange Borsten aus, eine Ei-
genlhümlichkeit, welche alle unsere Exemplare zeigen. ISyj"
($) und löVio" (cT'). Die Schnabellänge variirt sehr; beide
Geschlechter sind gleich gefärbt. — In grosser Menge auf
der Insel Vincennes: Paumotugruppe.
148. Tringa parvirostris, P. p. 235. pl. 66. fig. 2. Schlank
mit grossen Füssen; Schwanz breit, plumos; oben umher,
Flügel- und Schwanzdeckfedern so wie Steuerfedern am
Rande hellgelbröthlich gefleckt; Augenbrauen, Kehle und Ab-
domen fast weiss ; Brust und Seiten zart umberbraun gefleckt ;
Schnabel klein, schwarz, an der Wurzel olive ; Füsse olive;
Iris braun. 774", klaftert 13%", Schnabel ^Vso". In grosser
Menge auf Honden-Island und Raraca: Paumotugruppe.
149. Phalaropus hyperboreus, Lath. Gemein in Oregon.
„Grossen Flügen von Phalaropen begegneten wir ungefähr halb-
wegs zwischen dem Columbia und den Sandwichinseln ; sie
flogen rasch und wild und Hessen sich häufig auf das Wasser
nieder."
150. Totanus polynesiae, P. p. 237. pl. 65. fig. 1. Oben
graubraun ins olive gehend; Kehle weiss, dunkel gestri-
chelt; Augenbrauen weiss; untenher weiss , graulicholive ge-
bändert; Weichen von letzterer Farbe weiss gebändert;
Schwingen russbraun, die erste am längsten; Schnabel dun-
kelgrau, Mandibel röthlich tingirt ; Füsse okergelb ; Iris braun.
n\W', Flügel 7yiö", Schwanz 2%o", Tarsus iy2o"> Schna-
R. Titian Peale's Vögel der United States Explor. Exped. 121
bei IVio" c?. Das Weibchen ist etwas kleiner. Kleinere
und grössere Exemplare. — Feejee-, Samoa-, Societäts-,
Paumotu- und Kingsmill-Gruppe (Mathew-Island).
(Ohne Zweifel Forster's Scolopax undulata : Descript.
p. 173. Forster fand diese Art auf Tahiti, Uliatea und Ton-
ga-tabu. Eine verschiedene aber naheverwandte Species ist
1\ fuliginosus Gould von deuGalapagos: Zool. of theBeagle.
Birds p. 130. Lesson's T. oceanicus von den Marquesas ist
von beiden verschieden : Descript. p . 244.)
151. Strepsilas interpres, L. Diese Art wurde auf vie-
len Inseln nördlich und südlich vom Aequator angetroffen.
Am 24. April in grossen Flügen auf Mathew-Island (Kings-
millgruppe). Alle waren im Uebergangsgefieder und schienen
zu wandern. — Auch in Peru.
(Bloxham fand diesen Vogel auf den Sandwichsinseln
und nennt ihn Tringa oahuensis: Byr. Voy. Blonde, p. 251.)
152. Charadrius virginianus, B. Weit über den stillen
Ocean verbreitet. Alle die auf den Inseln nördlich vom Ae-
quator gesehen wurden, trugen ihr Winterkleid im Nov., Dec
und Jan., während die der Feejee-, Tonga- und Samoagrup-
pen dasselbe Kleid im Mai, Juni und Juli trugen.
153. Ch. vociferus, L. Oregon und Callao.
154. Ch, vanelloides, F. p. 240. pl. 67. fig. 1. N. S.
Wales. Iris gelb; Carunkel und Füsse lackroth.
(Ist Sarciophorus pectoralis , Cuv. Gould , Birds of
Aust. IX. pl. 17.)
155. Oedicnemus magnirostris, G e o f f r. Gemein auf den
Philippinen und Soloo-Inseln ; lebt paarweise ; frisst gern Cru-
staceen. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt.
156. Glareola cuneicauda, P e a 1 e, p. 244. pl. 68. Zwei
Mittelfedern des Schwanzes viel länger als die übrigen. Füsse
gelb. 6Vio", Schwanz 2yio"5 Tarsus ^Vjo"- Auf den hohen
sandigen Ebenen der Insel St. Lorenz o. Der Flug dieses
Vogels ist sehr rasch und „dodging,^
(Ist eine dem rumicivorus sehr nahe verwandte oder
wohl gar mit diesem identische Thinocorus-Art.)
157. Haematopus Bachmanni^ Audub. Puget's Sound.
122 Hartlaüb:
Hinreichend specifisch verschieden von H. aier V. (niger Q.
et G.) der südlichen Hemisphäre.
158. Anser Hutchinsii, Richards. In grosser Anzahl
auf den flachen nassen Prairien Obercaliforniens.
159. Anser albifrons , B. Kommt um die Mitte Octo-
bers in ungeheurer Anzahl in Oregon und Californien an.
160. Anser hyperboreus , L. Gm. Uebervvintern auf
den Prairien Oregon's und Californien's mit Grus canadensis
zusammen; in zahlloser Menge.
161. Anser hawaiensis ^ Peale, p. 249. pl. 59. Hawai.
Lebt paarweise auf den vulkanischen Gebirgen der Insel und
nährt sich von Gras und von den Beeren einer Vacciniumart.
Iris braun.
(Ist Anser sandvicensis, Vig. und Ä. hawaiensis, Eyd.
Soul. Zool. Bonite, fig. bon.)
162. Anas superciliosa, Lath. Inselbay: Neuseeland.
„Eine etwas dunkler gefärbte Varietät dieser Art ohne den
weissen Vorderrand des Spiegel's trafen wir auf
den meisten polynesischen Inseln an. Sie nehmen allmählich an
Grösse ab auf jeder Inselgruppe, nördlich von Australien nach
dem Aequator zu. Ein Exemplar von Upolu war % kleiner
als ein Australisches. Auch auf den Tonga-, Feejee- und
Societätsinseln. Nördlich vom Aequator bemerkten wir keine
mehr.
163. Anas boschas^ L. Längs der ganzen N. W.Küste
Amerika's.
164. Anas clypeata, L. Hawai und Oahu.
165. Oidemia perspicillata , L. Nur in der unmittelba-
ren Nähe der See, längs der Nordwestküste.
166. Mergus cucullatus, L. Von Puget's Sound bis St.
Francisco. Lebt paarweise.
1671 Mormon cirrhatus^ Lath. Am 29. Juni in Straw-
berry-Bay ; wahrscheinlich ihre Südgrenze im Sommer. Füsse
lebhaft orange; Schnabel schön orange, Basis derMaxilla olive.
168. Uria anliqua, Gm.? Ohne die weissen Linien an
den Halsseiten.
169. Uriagrylle, L. Im Mai in Discovery -harbour,
N. W. Küste. Alle Exemplare hatten die grossen Flügel-
R. Tilian Peale's Vögel der United States Explor. Exped. 123
deckfedern weiss an der Spitze, also zwei weisse Binden
auf den Flügeln, eine breite und eine schmale.
170. Chimerina cornuta^ Es eh. Ein Exemplar dieser
sehr seltenen Art wurde an der N. W. Küste Amerika's er-
langt. 14yio"- Schnabelhöcker und Mandibel orange; eine
schwarze Linie längs des culmen; gonys scharf winklig;
Beine orange.
171. Äptenodytes minor^ Lath. Gemein in der Insel-
bay Neuseeland's. Immer auf Salzwasser. Frisst Fische.
172. A. patagonica, L, Eis Latit. 66,52 S. Longit.
15, 25. 0.
173. Ä. magellanica, Forst. In grosser Anzahl in Oran-
ge-Bay und um Cap Hörn. Iris rothbraun. Schwimmt sehr
tief im Wasser. Hat eine sehr starke Stimme. ^ 2' 3".
174. A. chrysocotne, Lath. Nicht selten um Cap Hörn.
Alle Exemplare mit gelblichweissen Augenbrauen, deren lange
Federn an der Spitze schwarz waren und in eine doppelte
Occipitalhaube ausliefen.
175. A. flavilarvaia, Peal e, p. 260. pl. 70. fig. 1. Im
März sehr zahlreich auf den Auklandsinseln. J*: 28Vio"5 ^'
337io", Schnabel des (^ V%o'\ Iris goldgelb; Schnabel und
Füsse roth.
(Ist Catarhactes antipodes ^ Hombr. et Jacqain. Ann.
des Sc. nat. 1841. p. 320. Voy. au PoL Sud. Ois. pl. 33.
fig. 2.)
176. A. longicauda, P. p. 261. pL 70. fig. 2. 31" lang;
Schnabel l^jo"? Schwanz ö^o"; Iris schwarz; Füsse röth-
lich; Eis der antarclischen Regionen südlich vom 60. Grade.
(Ist Catarhactes Adeliae^ Hombr. et Jacquin. Ann. des
Sc. nat. 1841. p. 320. Voy. au Pol Sud, Ois. pL 33. fig. 1,
— Zool. Ereb. Terr. Birds, pl. 28.)
177. A. magnirostris, F. p. 263. pl. 71. fig. 1. Schwanz
sehr kurz , Schnabel gross , fleischig an der Basis , Gonys
kurz schwarz; oben braun, unten weiss; Kehle hellbraun, den
Hals mit braunem Ring umgebend ; Flügel oben schwarz, un-
terhalb weiss mit schwarzer Linie auf dem Radius ; Füsse
graulich ; Krallen sehr kräftig, gross, stark gekrümmt, schwarz ;
der sehr kurze Schwanz besteht aus 16 Federn und ist ganz
124 Hartlaub:
unter den Deckfedern verborgen. 25V5", Flügel Sy^o", Schna-
bel vom Rictus aus 2%o". 1 Exemplar bei Cap Hörn.
178. A. taemala, P. p. 264. pl. 71. fig. 2. Obenher
schwarz, gemischt mit blaugrau; untenher weiss, Kehle dun-
kelgrau; ein weisser Fleck über und hinter jedem Auge;
Schnabel lang, schlank, gelb; Füsse gelblich fleischfarben;
Schwanz ziemlich lang, keilförmig, aus 16 Federn bestehend,
die 4 äusseren jederseits weissgerandet ; hat weit grössere
Füsse und zierlichere Krallen als longicauda. 33%o" lang;
Schnabel 2", vom Rictus aus SVj", Flügel lOVio", Schwanz
3%o". In Masse brütend aufMacquarie-Island.
179. Tachypetes aquilus , L. Sehr zahlreich auf den
unbewohhten Inseln des stillen Oceans. Auf Honden- Island
Hessen sie sich fast ohne Widerstand mit den Händen vom
Neste aufnehmen. Im Januar trafen wir sie auf Enderby-
Island ; hier standen die Nester auf der Erde , da die Insel
ohne Bäume ist. Das Ei ist bläulich-weiss und 2yio" ^Siug,
180. Carbo fucosus, Peale, p. 268. pl. 72. fig. 2. In-
selbay: Neuseeland. 2' 5%", Flügel 10%o"» Schwanz 5Vio",
Tarsus IVio", Schnabel 2 Vio"; Iris grün; Zügel blau; Rictus,
Basis der Mandibel und Kehlsack roth.
(Wohl nur C pica^ Forst. Descript. Anim. p. 104 ; nicht
ganz ausgefärbt.)
181. C. purpuragula, P. p. 269. pl. 79. fig. 1. Olive-
glänzend schwarz ; Flügel und Schwanz schwarz , Schäfte
schwarz; Schulter- und Deckfedern purpurschillernd grau,
schwarz gerandet; Schnabel bläulich-hornfarben ; Augenlieder
und Kehlsack purpurn ; Iris grün. 24", Flügel 10Vio"> Schwanz
5%o"j Schnabel l%o". Manua-Bay: Neuseeland.
(Vielleicht ist Gr. hrevirosiris, Gould $ oder av. jun.
dieser Art. Zool. Ereb. Terr. Av. part. X. p. 20.)
182. C. flavagula, P. p. 270. pl. 72. fig. 3. Sepia-
braun ; Flügel dunkelgrau ; Primärschwingen schwarz mit Bron-
ceglanz; Schwanz lang, schlank, abgerundet, schwarz; Schna-
bel hornfarben; Zügel und Kehlsack lebhaft gelb; Iris braun;
Füsse schwarz. 226/io") Flügel 9 Vi o"- Inselbay: Neuseeland.
183. Pelecanus trachyrhynchus,L?^lh. Gray's Harbour :
N. W. Amerika.
R. Titian Peale's Vögel der United States Explor. Exped. 125
184. Sula fusca, L. Brütet auf den meisten Corallen-
inseln des stillen Oceans. Ei bläulich-vveiss. »Wir trafen ein
Exemplar mit nur einem Flügel schwimmend an, die Wunde
war längst geheilt; der Vogel befand sich augenscheinlich
vollkommen gesund und wurde von seinen Arlgenossen ge-
füttert.
185. S. piscator, Lath. In grosser Anzahl auf Hon-
den-Island: Paumotugruppe. Das Nest stand immer auf der
Erde und jeder Vogel sass auf einem Ei. Das Ei ist bläu-
lich-grün, 2%o" Jang urd lyio" breit.
186. S. ruhripeda, P. p. 274. pl. 83. Rein weiss; Schwanz
keilförmig weiss ; Schwungfedern erster und zweiter Ord-
nung und erste Reihe der grossen Deckfedern dunkelbraun
mit weissgrauem Anstrich ; Schnabel tief sägerandig hellblau,
an der Basis glänzend roth gerandet; Wangen blau; Augen-
lieder grün ; Iris braun ; Kehlsack tiefschwarz ; Füsse vermi-
lionroth. 2872". Dies ist die gemeinste Art im stillen Ocean.
Auf Hondenisland nisteten sie auf Büschen.
187. Sterna fuliginosa, auct. Brütet auf den Corallen-
rifFen des stillen Ocean's. In Masse auf Hondenisland; Pau-
motugruppe.
188. Sterna lunata, P. p. 277. pl. 74. fig. 1. Rücken,
Flügel und Schwanz bleigraulich; Hals und ganzer Unterkör-
per rein weiss ; Scheitel und Hinterhaupt schwarz ; eine
weisse Stirnbinde läuft in Flecken nach beiden Seiten über
die Augen weg; Schnabel und Füsse schwarz; erste Schwung-
feder am längsten, Schäfte weiss; Schwanz tief gegabelt, die
äusserste Feder sehr spitz und ganz weiss. 13", Schnabel
lVio"j Flügel 103^", — Vincennes-Island : Paumotugruppe.
189. SL alhifrons, P. p. 279. pl» 74. fig. 2. Inselbay:
Neuseeland. I4y2".
(Ist St, frontalis, Gray Zool. Ereb. and Terr. Birds,
p. 19. Peale sowohl wie Gray vermuthcn die Gleichartigkeit
ihres Vogels mit St. striata Lath.)
190. St, antarctica, P. 280. pl. 75. fig. 1. Rücken
und Flügel blassgraulich ; Hals und ganzer Unterkörper weiss
mit schwachem Anfluge von Perlgrau ; Scheitel , Stirn und
Hinterhaupt schwarz; erste Schwungfeder am längsten, an
126 Hartlaub:
der Aussenfahne schwarz, die übrigen perlgrau mit weissen
Schäften ; Schwanz tief gegabelt , weiss mit perlgrauem An-
strich auf der äusseren Feder; Schnabel schlank, etwas ge-
bogen, ganz scharlachroth; Beine orange, die mittleren Nä-
gel schwarz, ^ie übrigen orange. 16", Flügel 12 Vg", äussere
Schwanzfedern TVß", Schnabel l^Vao", Tarsus y^^". Orange-
Bay und bei Cap Hörn.
(Forster meint vermuthlich diese Schw^albe, wenn er
von St. hirundo bei Cap Hörn spricht: Descript. p. 313. —
Sterna arctica Temm. wurde auf K ergu elensinsel beob-
achtet: Gray List. Birds, Brit. Mus. III. p. 178.)
191. St. rectirostris, P. p. 281. pl. 75. fig. 2. J^ jun.
Hals, Brust und Bauch weiss ; Scheitel, Hinterhaupt und Rük-
ken braun gescheckt; Flügel und Schwanz sehr dunkel braun-
grau; Schnabel und Beine dunkel blaugrünlich. Iris braun.
13V2", Flügel 12710", Schwanz 4yio", Schnabel von der Stirn
iVio"^ vom Rictus 2%", Tarsus i%o"- — Sandalwoodbay :
Feejeeinseln.
192. St. inca, Less. Insel St. Lorenzo; in grossen
Schaaren.
193. St. alba, Lath. Auf allen Coralleninseln der
tropischen Region des stillen Oceans ; seltener auf den
höheren Inseln. Das Geschrei dieser Art ist nicht unmelo-
disch. Sie setzt sich mitunter auf Bäume in tiefen schattigen
Wäldern und folgt beharrlich dem eindringenden Menschen.
Auge gross dunkelbraun; Schnabelwurzel schön schmalteblau,
ins Violette übergehend; Spitze schwarz; Füsse blassblau mit
tiefeingeschnittener gelber Schwimmhaut ; legt nur ein Ei auf
dem Aste eines Baumes. Dasselbe ist l%o" ^^^g und IVio"
breit. (Abbild, des Eies in Holzschnitt). Einige der erlegten
Exemplare hatten einen deutlich rosaröthlichen Anstrich,
194. Megalopterus plumbeus, P. p. 285. pl. 76. Hon-
denisland. Sehr schlank; Schnabel und Füsse schwarz; Iris
braun; lO'A", Flügel 7%o"? äussere Schwanzfedern SYio",
Schnabel 1", Tarsus i%o"- Die Eier dieser Art lagen in
kleinen Vertiefungen des Corallenriff's nahe dem Strande ohne
alle Spur eines Nestes, In einer Vertiefung wurden drei Eier
gefunden.
R. Titian Peale's Vögel der United States Explor. Exped. 127
(Ist gleichartig mit Anous parvulus, Gould von Christ-
in as-Islaiid : Proceed. Zoolog. Soc. 1845. p. 101.)
1&5. M, tenuirostris^ Temin. Brütend auf Raraca: Pau-
molugruppe. — Am 9. Januar auf Enderby's Island in gros-
ser Anzahl.
196. Phaefon aethereiis, L. Häufig im stillen Ocean,
zumal um hohe Inseln. Im Hochgebirge Tahiti's 5 bis 6000
Fuss hoch, wurde diese Art brütend in Löchern angetroffen,
welche sich an den steilen Flächen felsiger Abfälle be-
fanden.
197. Ph. phoenicurus , G m. Auf allen Coralleninseln
des stillen Ocean's in Menge. Diese Art legt ihre Eier in
seichte Löcher am Boden unter Corallenvorsprüngen oder
unter Grasbüscheln. Meist nur ein Ei, 2Yio" ^^^§ und l%o"
breit. Füsse blassblau mit schwarzen Zehen; Iris braun.
Auf Hondenisland liess sich dieser Vogel mit der Hand vom
Neste nehmen.
198. Larus albipennis^ P. p. 288. pL 77. Schlank und
zierlich; Kopf, Hals, Schwanz und Unterkörper weiss; Rük-
ken schön perlgrau; die ersten 5 Schwungfedern weiss mit
schwarzem Innenrande; Schnabel und Füsse scharlachroth ;
Iris braun, lö'/g'', Flügel 14%o", Schwanz 4%o", Schnabel
l%o", vom Rictus 2%o", Tarsus V^/oo'- d^- Chili.
(Ist L. albipennis Lichtenst. — L, glaucotes Mayen.)
199. L. haematorhynchus, King. Von Cap Hörn bis
Callao. Schwanz in allen Färbungsstadien weiss gerandet.
200. Xema cirrhocephalum , Vieill. Wurde nördlich
bis Peru bemerkt.
201. Diomedea brachyura, Temin. (D. nigripes , Au-
dub.) Zahlreich längs der Nordwestküste Amerika's. Am
20sten Dec. trafen wir sie brütend auf Wake's Island. In
einer kleinen Vertiefung des Bodens lag immer ein Ei ohne
alle weitere Unterlage. Der Vogel liess sich ohne alle Vertheidi-
gung arglos auf dem Neste greifen oder spazierte gravitätisch um
uns herum. Das Ei ist weiss , 4yio" lang und 2%o" breit.
Bis zum zweiten Jahre ist der Vogel dunkelrussbraun mit
schwarzen Füssen und schmutzig fleischfarbenem Schnabel.
Dann paart er sich schon. Später erscheinen unregelmässige
128 Hartlaub:
weisse Flecke um die Schnabelbasis herum und über und un-
ter dem Auge; auch tritt der weisse Bürzelfleck deutlich her-
vor; der Schnabel wird gelb mit einem Anstrich von Car-
min und bläulicher Spitze; Beine fleischfarben; und endlich
bleiben Rücken, Flügel und Schwanz graubraun, Bürzel, Kopf
und Unterkörper aber rein weiss; vor dem Auge pflegt ein
wolkiger schwarzer Fleck zurückzubleiben.
202. Thalassidroma furcata ^ Gm. Längs der Nord-
westküste Amerikas bis zum 38. Grade N. Breite. Südlicher
wurde sie nicht bemerkt. Beschr. auf S. 292. Abbild, pl. 78.
— SYio" laug; Schnabel und Füsse schwarz.
203. Th. lineata, P. p. 293. pl. 79. Jf. Zehen auffallend
breit und flach ; die zusammengelegten Flügel ragen 1 Zoll über
das Schwanzende hinaus. Obenher fast schwarz; Schwanz-
deckfedern weiss mit feinem schwarzen Mittelstrich; Kehl-
federn weiss mit schwarzer Spitze; Brust-, Steiss-, Bauch -
und Weichenfedern weiss, in der Mitte und an der Spitze
schwarz; innere Flügeldeckfedern weiss, in der Mitte schwarz;
Schäfte und Schwungfedern schwarz, der Schwanzfedern an
derBasalhälfte weiss, die der mittleren ganz schwarz; Schna-
bel und Beine ungefleckt bläulich-schwarz. Iris braun. 7y8",
Schnabel Vn,", Tarsus IVio". — Nicht selten innerhalb der
heissen Zone des stillen Oceans. Auf Upolu brüteten sie in
Löchern der Felswände hoch oben im Gebirge.
204. Procellaria brevipes^ P. p. 295. pl. 80. Kopf und
Flügel russbraun; Rücken und Schwanz grau; Kehle, Brust
und Abdomen weiss, am lebenden Vogel lachsröthlich tin-
glrt; eine in der Mitte unterbrochene Brustbinde bleigraulich;
zwei äussere Schwanzfedern graulich mit weissen Schäften und
weisser Unterseite , die übrigen braun ; untere Flügeldecken
weiss, die kleineren schwärzlich; Schnabel schwarz; Füsse
blass fleischfarben, die Zehen an der Spitze schwarz; Iris
braun. I07io", klaftert 24 y^", Schnabel vom. riet. IVio", von
der Stirn i%o". — 68° S. B. 95° W. L.
205. Pr, nivea, Gm. Beschr. p. 295. pl. 81. Immer
in der Nähe des Eises; Iris braun; Füsse bläulich - fleisch-
farben.
206. Pr, rostrata, Peale, p. 296. pl. 82. d^. Kopf,
Hals , Rücken , Flügel und Schwanz sepiabraun; Kehle und
R. Titian -Peale's Vögel der United States Explor. Exped. 129
Brust ebenso, nur heller; der untere Theil der Brust, Abdomen
und Steiss weiss ; Flügel dunkler als der Rücken, Schwung-
federn russbraun; Schwanz keilförmig; untere Schwanzdeck-
federn weiss, an der Spitze blass bräunlich; Schnabel tief ge-
furcht, sehr kräftig, schwarz; Füsse blass fleischfarben, schwarz
gerandet; Zehen und Schwimmhaut schwarz, ein Fleck an der
Basis der Innern Haut fleischfarben; Iris braun; 16", klaftert
39y2";Schnab.vom riet. IVio"; Schwanz 4yio", Tars. IVio".
Diese neue Art wurde 6000 Fuss hoch im Gebirge Ta-
hiti's mit andern Vögeln in Löchern an steilen Felswandun-
gen brütend angetroffen (October). Die Lebensweise der-
selben ist eine entschieden nächtliche ; um die Zeit des Son-
nenuntergangs verlassen sie ihre unterirdischen Wohnungen;
um Nahrung zu suchen für ihre Jungen. Sie fliegen dann
weit in die See hinaus. Ebendaselbst beobachteten wir eine
der oceanica verwandte Thalassidroma Art, aber grösser und
untenher ganz weiss; auch sie schien dort zu nisten.
(Letztere Art war wohl Th.fregala, Forst. Desc. Anim. p. 180.)
207. Pr. parvirostris , P. pag. 298, pl. 83. Kopf,
Hals und Oberkörper dunkel sepiabraun; Brust, Bauch und
Steiss weiss; untere Schwanzdeckfedern weiss, braungerandet;
Schnabel zusammengedrückt, schwach, schwarz ; Füsse bläu-
lich fleischfarben, Zehen ganz schwarz vom ersten Gelenk
an; Iris dunkelbraun; die zusammengelegten Flügel ragen
ly/' über den Schwanz hinaus. ^. W/2'', klaftert 36%";
Flug. 1 1^ Schwanz 4y^", Schnab. vom riet. IVio", Tars. l^o"»
brütet auf den Coralleninseln. Honden-island.
208. Pr, gularis, Peale, pag. 289, pl. 84. Ji, Oben
. aschgrau-braun, Schwanz und Brust bleigrau, Kehle, unlere
Flügel- und Schwanzdeckfedern weiss; Schwungfedern er-
ster Ordnung und Aflerflügel fast schwarz, mit braunen
Schäften ; Schwanz untenher blass, die beiden äusseren Steuer-
federn weiss bespritzt; die Schäfte aller oben braun, unten
weiss; die Basis des ganzen Gefieders ist weiss; Schnabel
blauschwarz, stark gekrümmt, sehr spitzig und stark zusam-
mengedrückt nahe der Spitze; erste Schwungfeder am läng-
sten. 13", klaftert 34", Flügel 10y2", Schnab. l", Schwanz SVio"»
Eine seltene Art, welche den höchsten antarktischen Re-
gionen anzugehören scheint. 68° S. B. u. 95^ W. L.
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 1. Bd 9
130
Hartlaub:
n. iiiian reales vögei der united States Explor. Exped.
161
Paumotu-
gruppe (oder
gefährlicher
Archip).
tahit. Less.
»s.Carlshoff etc.
MarquesaS'
griippe.
sp. ? collaris var.
Forst. Waitflho.
Reichenbachii.N.
(cinnamom. var.
Reichenb.)
Kingsmül-
gruppe.
Carolinen,
rubraler,Less.
Ualan.
syrinx, Kittl. Ua-
lan. Gr. Lugunor.
cinerea, Kittl.
Ualan.
Sandwich'
inseln.
solitarius, Peale»]
Uawai.
7 ;ff ri 0
sandvicensis ,
ßloxh.
niger, Gm.
Hawai.
pacifica, Gm.
Kauai.
coccinea, Gm.
Hawai. Oahu.
sanguinea, Gm.
flava, Bloxh.
lucidus, Licht.
Hawai. Oahu.
obscurus, Lath.
Hawai.
rubrater, Less. ?
angustipluma, P.
Hawai.
sandvicensis,Gm.
Hawai. Oahu.
B h i p i dur a ,
Vig.
platygnathus
nob.
Monarcha,Vig.
Chasiempsis ,
Gab.
Eiopsaltria,
Sw.
Artamus, Vieill
Lalage, Boie.
Corvus, L.
Aplonis, Gould
l,amprotor-
nis, T.
Erythrura,Sw.
Fsittirostra,
T.
Hypoloxias,
Gab.
Gactornis, G.
Illücansores
4
Gonurus^Kuhl.
Platycercus,V
Trichoglos-
sus, Vig.
Coriphilus,
Wagl.
Eudynamis,V.
Societäts-
gruppe.
nigra, Sparm.
phaeton, üesrn.
Tahiti
pacificus, Forst.
Tahiti-Oriadea
ulietanus, Lath.
Oriadea
Kuhlii, Vig.
Borabora et(j
sapphirinuSjFoK!
Tahiti Maitesi
tahitiensis, auc '
Tah..Huahein(
PaumotU"
griippe.
ambierana,Less.
Mangarewa.
lornata Gould.
Bow-island.
Marquesas-
gruppe.
nigra, Sp. (var.
Forst.) Waitaho.
KingsmilU
gruppe.
dryas, Gould.
r^ukahiva.
Carolinen,
rugensis, H. et J.
Gruppe Roug.
columbina, Gm.
Ualan.
corvina, Kittl.
Ualan.
trichroa, Kittl.
Sandwich-
inseln.
sandvicensisLath
obscura, Lath.
Hawai (Peale).
tropicus, L.
(ßloxh.) Hawai.
hawaiensis, P.
psittacea, Lath.
coccinea, Gm.
pyrrhopterusVig.
? Cuculus , L.
XV. Columb.
PtilinopuSjSw
Feejee-
gruppe.
Carpophaga,
Selby.
Peristera Sw.
Caloenas, Gr.
Columb a, L.
DidunculusjP.
V. €}allinae.
Gallus, L.
VI,
Strutliiones»
Vll.Orallae
Charadrius,L.
Strepsilas, III.
Ardea, L.
Nycticorax,St.
rt u m e D i u s , L.
Limosa , Briss.
Totanus,15echst.
simus, P.
Perousii, P.
Feliciae , H. et
Jacq. ßalaou.
oceanica, Less.
latrans, P.
luleovirens ,
Hombr.*)ßalaou.
vitiensis, Q. etQ.
virginianus, B.
Sacra, Lath.
polynesiae, P.
Tonga-
gruppe.
purpuratus, Lath.
oceanica, Less.
? cristata, Teinm.
virginianus, B.
Sacra, Lath.
polynesiae, P.
Samoa-
gruppe.
Perousii, P.
fasciatus, P.
oceanica, Less.
Societäts-
gruppe.
caslaneiceps, P.
Upolu.
strigorostris, P.
Upolu.
virginianus, B.
Sacra, Lath.
Foxii, P.
Rose-isl.
polynesiae, P.
tahitensis, Zress.
superbus, Temm
furcatus, P.
Aurorae, P.
Maite;
Wilkesii, P.
Tahit
erythropteraLat
Tahiti. £ime<
bankiva var.
Peale. Tahil
virginianus, B.
fulvus. Gm.
Tahil
patruelis, P.
Tahiti.
jugularis, Forst,
tahitiensis, Latl
polynesiae, P.
pacificus, Forst.
*) Diese höchst interessante Taube wurde von Hombron und Jacquinot in den Anü
thologischen Atlas der Voyage au Pol Sud ah „Colombe jaune" auf pl. 12 Fig. 2 gut :
er giebt in seiner Synopsis Avium eine solche unter der Benennung „Caloenas Gouldia ,
c. von Hombron und Jacquinot beschriebene Col. Feliciae (AU. pl. 12, fig. 1) wurde v.'
\ili-gruppe beobachtet und dürften vielleieht als der Insel eigenthümlich zu belfachten-#ei
les des Sciences naturelles von 1844, sec.ser., auf Seite 315 beschrieben und in dem orni-
gebildet. Reichenbach scheint weder Beschreibung noch Abbildung gekannt zu haben, denn
Gr. und zwar nach einem Exemplare der Dresdener Sammlung. Weder diese noch die 1.
den Naturforschern der ü. St. Exploring Expedition auf den von ihnen besuchten Inseln der
Irin ga, L.
R all US, h.
Porzana, V.
Porphyri o,Br.
Gallinula, ßr.
Fulica, L.
Vlll An§eres
Bern! da, St.
Anas, L.
Rhyn ch aspis
Leach.
Thalassi dro-
ma, Vig.
Procellaria,L.
Sterna, L.
L a r u s.
Gygis, VVagl.
Anous, Leach.
Phaeton , L.
Sula, Briss.
phillppensis, L.
spilonota, Gould.
var. Ovolau.
vitiensis, P.
phillppensis, L.
Forsteri,nob.(pa-
cific. var. Foist.)
tabuensis, Gm.
superciliosa, Gm.
rectirostris, P,
Candida Forst.
superciliosa, Gm.
Samoa-
gnippe.
phillppensis, L.
Societäls-
grnppe.
samoensis, F.
Upolu.
Candida, F.
Tachypetes
111.
superciliosa, Gm.
lineata, P.
Candida, F.
leucoptera, auci
Tahiti.
pacificus, Forst
Tahiti.
tabuensis. Gm.
tahiliensis, Latl
superciliosa, Gd
strepera V.Fors
iregata, Forst.
Tahi
rostrata, P.
Candida, F.
aethereus, L.
ISß. Die mit * vorgezeichneten Arten sind sehr weit verbreitet über <
n. Titian Peale s Vögel der United States Lxplor. £xped.
10/
Paumotu-
griippe.
arviroslris, P.
ondüQU.Raraca.
Marquems-
griippe.
Kingsmill-
gruppe.
Carolinen,
pomare Bruch.
Candida, F.
larvirostris, P.
uliginosa, L.
unata, P.
Ylncennes-Isl.
;andida, F.
larvulus, Gould.
Christmas u.
Uonden G.
enuirostr. Temm
phoenicurus, Gm.
rubripeda, P.
»
piscalor, Gm.
Honden.isl.
fusca, L.
»
iquilus, L.
Doralleninseln des stillen Oceans.
fusca, L.
Candida, F.
stolidus, L.
Mordlock-ins.
Sandwich-
Inseln.
sandvicensis, Gm.
obscura, Lath.
cbloropus, L.
Bloxh.Haw.üahu
alai, P.
sandvicensis, Vig.
Hawai.
boschas? (Mus.
Berol.) Oahu.
clypeata,L.(Peale
Uawai. Oahu.
138 Harllaub: R. Titian Peale'ü Vögel etc.
Nachträgliche Bemerkung.
In der obigen, freilich auch nur vermuthungsweise aus-
gesprochenen Deutung der Peale'schen Caprimulgiden bin ich
nicht glücklich gewesen. John Cassin, der sich die schwie-
rigste aller Vogelgattungen als Gegenstand besonderen Stu-
diums erwählt hat, und welcher die Originale der Peale-
schen Beschreibungen zu untersuchen Gelegenheit hatte (sie
sind in Washington aufgestellt), bringt dieselben in seiner
wichtigen Arbeit „Catalogue of the Caprimulgidae in the col-
lection of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia
Novbr. 1. 1851" folgendermassen unter.
1. Caprimulgus bimaculatus Peale ist C. albonotatus
Ticket Journ. As. Soc. of Bengal IL p. 580 = C. gangeticus
Blyth.
2. Chordeiles peruvianus P e a 1 e ist C. acutipennis B o d d.
=s C, acutus Gm. = C. prumosus Tschudi etc.
3. Caprimulgus aequicaudatus und C. conterminus Peale
sind C, parvulus Gould Proc. zool. soc. 1837. p. 22.
Eine Reihe ganz vortrefflicher und gründlicher Arbei-
ten über die Caprimulgiden lässt mich diesen Angaben Cas-
sin's volles Vertrauen schenken. Ich bin von der Richtig-
keit überzeugt.
Versucli, dieitrteii der Pfioladeii-Familie in
natürliche Glruppen zu ordnen.
Von
(Ann. and Mag. of nat. bist. Nov. 1851. vol. VIII. nr. 47. p. 380—386.)
üebersetzt und mit einigen Anmerkungen begleitet
von
I9r* A» "X* Herrmaiiiiseii
in Kiel.
Verschiedene Schriftsteller, wie Lorenz Spengler
(Skrivter af Naturhist.-Selskabet IL 1. p, 72. 1792, u. ib. IV.
2. p. 40. 1798.), W. VTood in seinem Werk über Conchy-
lien, und später G. B. Sowerby [jun.] in seinem Thesaurus
Conchyliorum (Part. X. 1849.), haben die Arten dieser Fa-
milie untersucht und beschrieben ; allein es sind wenige Ver-
suche gemacht, sie in natürliche Gruppen zu ordnen, und
dieses ist um so wichtiger, als die Schalen grossen Verän-
derungen in der Gestalt und selbst im Bau unterworfen sind,
jenachdem sie durch das Wachsthum des Thieres entwickelt
werden. Dadurch bin ich bewogen worden, dem Leser nach-
folgende Skizze einer Anordnung vorzulegen, welche schon
einige Zeit unter meinen Papieren gelegen hat, in der Hoff-
nung, dass ich Zeit finden könnte, um eine vollständigere
Beschreibung der Arten vorzubereiten, Die Sippen vertheilen
sich in 3 Ünterfamilien :
I
140 Gray:
A* Pliolaclina*
Der Rückenmuskel geschützt durch eine oder zwei kal-
kige Rückenschalen. Die Höhlung, in welcher das Thier lebt,
ist nicht ausgekleidet von einer regelmässigen kalkigen Röhre,
welche die Schalen einschlösse. — Zuweilen ist der obere
Theil der Wohnungs-Höhle mit einer kalkartigen Ablagerung
versehen, die aber nicht die regelmässige Gestalt einer Schale
annimmt, sondern nur eine unregelmässige Ausschwitzung
von der Oberfläche der Siphonen zu sein scheint und nie die
schaligen Klappen einschliesst. Diess ist übrigens nur in
zwei Sippen beobachtet worden, in Martesia, wo jene Abla-
gerung aus einer harten gleichförmigen kalkigen Masse ge-
bildet wird (siehe Rang Man. 345, u. Gray in Philos. Trans.
1833.), und in Xylotrya i), wo sie aus zusammengeklebten
Sandtheilchen gebildet erscheint; letzteres wurde mir zuerst
von Herrn Edward Charlesworth gezeigt. — Sie zerfallen in
3 Abtheilungen :
a) Die Siphonen sind an ihrem Grunde un-
bedeckt. Die vordere Oeffnung der Schale
mehr oder weniger weit und offen, zu keiner
Zeit durch eine Hülfsschale geschlossen.
1. Pholas Linn. p. p., Gray 1849. — Zwei [accessori-
sche] Rückenschalen : die vordere einfach, central, lan-
zettförmig, die hintere klein, quer. Schlossplatte über
den Wirbel zurückgeschlagen, dicht anliegend.
Pholas costata Linn. [1758.] Sow. jr. Thes. tab. 102. lig. 8. 9.
Ph. crucifera Sow. [crucigera G. B. Sow. 1834.] Sow. jr.
Thes. t. 104. f. 24-26.
Ph. truncata Say. [1822.] Sow. jr. Thes. fig. 29. 30.
Ph. latissima Sow. jr. [1849.] Thes. fig, 15. 16?
2. 5arwia Leachmscr. [Gray 1842.] Barnea Risso. [1826.]
— Rückenschale nur eine einzige, lanzettförmige. Schale
eirund. Schlossplatte zurückgeschlagen über den Wirbel,
dicht anliegend.
Barnia Australasiae, Ph. Austr. Gray, Sow. jr. [1849.] Thes.
t. 107. f. 73.
1) Höchstwahrscheinlich Schreib- oder Druckfehler für Xylophaga.
Anordnung der Pholadaria. I4l
B. Burmanica [Birmanica.]. Ph. B. Phil. [1849.] Abb. 111.
tab. 1. flg. 1.
B. Candida, fh. cand. [Linn. 1758.] Sow. jr. Thes. fig. 21
— 23. Ph. dactyloides Delle Chiaje. Ph. silicula Lamck.
Ph. papyraceus Sol. Spengl.
B. parva. Ph. p. [Penn. 1777.] Sow. jr. Thes. fig. 31. 32.
Ph. crenulatus Spgl. Ph. dactyloides Lamck. Ph. dac-
tylus var. Desh. Ph. ligamentina Desh.
B. simüis, Ph. sim. Gray [1835 in Yate's N.- Z.] Sow. jr.
Thes. flg. 12—14. Ph. antipodarum Phil. [1847 Ztschr.]
Abb. 111. t. 1. flg. 3.
B. Manülensis. PIi. Man. [1847 Ztschr.] Phil. Abb. 111. t.
1. f. 2. Ph. Manilae Sow. Jr. Thes. fig. 17. 18.
B, Eryihraea Gray. Schale verlängert eirund , strahlig ge-
rippt; die mittleren Rippen stehen ziemlich weit ausein-
ander und tragen wenige unbedeutende Knötchen; die
Iiinteren sind fast obliterirt; die vorderen stehen ziem-
lich weit aus einander und tragen scharfe dachziegel-
förmig geordnete Dornen. Vordere Oeffnung breit, ei-
rund,"* kurz. Lebt im Rothen Meere.
B, fragilis. Phol. fragilis Sow. jr. [1849.] Thes. f. 92. 93.
3. Dactylina Gray 1847. Thoanoa oder Thovana Leach
mscr. — Zwei lanzettförmige Rückenschalen, neben ein-
ander belegen. Schlossplatte über den Wirbel zurück-
geschlagen und unterhalb des Umschlages mit Zellen
versehen.
«. Nucleus der Rückenschale vorn. Oeffnung schmal,
verlängert.
D. Orientalis. Ph. Orientalis Gmel. [1790.] Ph. Siamensis
Spengl. [1788.] Sow. jr. Thes. fig. 3. 4. Ph. dactylus
Sol. mscr.
D. Chiloensis. Ph. Chiloensis Mol. [1782.] Sow. jr. Thes. f.
I. 2. Ph. Champechiensis Gmel. Var.: Ph. laqueata
Sow. jr. Thes. fig. 19. 20.
ß. Nucleus der Rückenschale hinten. Oeffnung breit.
D. dactylus. Ph. dactylus L. [1758.] Sow. jr. Thes. fig. 10.
II. 47. Ph. hians. Pult. Ph. muricatus Da Costa. Ph.
callosa Lamck. Ph. tuberculata Turt.
4. Xylophaga Turton 1822. — Zwei divergirende, halb-
142 Gray:
eirunde Rückenschalen. Kein Zahnfortsatz unter dem
Wirbel.
X dorsalis Turt. [1822.] Sow. jr.Thes. f. 103. 104, Ph. Xi-
lophaga Desh.
X globosa Sow. [1835.] Sow. jr. Thes. f. 101. 102.
b) Die Siphonen an ihrer Wurzel unbedeckt.
Vordere Oeffnung- der Schale gross, später mit
einer schwieligen Platte geschlossen.
5. Jouannetia Desmoulins [1828.] Bull. soc. Linn. Bord.
II. 244. Rang Man. 346. Pholadopsis Conrad 1849 in
Proc. Acad, nat. sc. Philad. IV. p. 156. Triomphalia
Sow. jr. [1849. Proc. zool. Soc] 1850 Thes. Pholas
sp. Desh. Klappen ungleich, die linke grössere schliesst
am Vorderende die andere ein. Rückenschale nur eine.
Kein Zahnfortsatz unter dem Wirbel.
«) Die Klappen versehen mit zwei eingedrücktsn ra-
dialen/ Furchen.
J. globosa, Ph. globosa Q.G. [1835.] Triomphalia glob. Sow.
jr. Thes. f. 54. 55.
J. Cumingn. Triomph. Cum. Sow. jr. [1849.] Thes. f. 56. 57.
ß) Klappen ungefähr auf der Mitte mit einer einge-
drückten radialen Furche. '
J. pectinata. Pholadopsis pectinata Conr. [1849.] t. 39. f. 3.
Triomph. pulcherrima Sow. jr> Thes. fig. 58. 59. .
6. Parapholas Gray. Parapholas p. p. Conr. 1848. Proc.
Acad. nat. sc. Philad. p. 121, und 1849, ib. p. 156.
Klappen gleich , vorn auf reguläre Weise geschieden.
Zwei Rückenschalen. — Der vordere Rückenrand zu-
rückgeschlagen, und gewöhnlich mit einer inneren er-
habenen Rippe versehen. Vorn am Wirbel ein Paar
überwölbter Höhlungen, die mit der vorderen schwie-
ligen Platte verbunden sind; hinter dem Wirbel eine
oder zwei Höhlungen. — Die periostraca (dieser Sippe
und von Marlesia) , welche den Ober- und Unterrand
der Klappen schliesst, ist oft verstärkt durch eine scha-
lige Platte, so dass sie accessorrsche verlängerte hin-
tere Rücken- und Bauchschalen bildet.
Anordnung der Pholadaria. 143
«. Klappen mit zwei vertieften Rippen; die hintere
sehr convex ^) , hintere RückenhöhUing getheilt.
Farapholas quadrizonalis [-nata]. Ph. quadr. Sp. [1792.]
Sow. Thes. f. 88. 89. Ph. striatus Chemn. fig. 864—
866. Ausgewachsen: Ph. Incii Sow. jr. Thes. f. 45. 46.
P. Janellei. Ph. J. Desh. [1840.] Ph. Californica Conrad
[1837] Sow. jr. Thes. fig. 5. 6. 7.
/5) Klappen mit einer einzigen vertieften Rippe. Hin-
tere Wirbelschale einfach. [?]
P. concameraia. Ph. concamerata Desh. [1840.] Sow. jr.
Thes. flg. 67. 68. Ph. cucullata Gray in Brit. Mus. 1840.
7. Martesia Leach, ßlainv. [1825.] Mactesia und Mactre-
sia Gray durch Druckf. Penitella Conrad 1849. Klappen
gleich, vorn in regelmässiger Weise geschieden; eine
einzige lanzett- oder schildförmige Rückenschale. [Ueber
die periostraca siehe unter Parapholas.]
a) Die Klappen haben zwei vertiefte Rippen, deren
hintere schief steht. Der vordere Umschlag des
Rückenrandes anliegend.
Martesia Calva. Ph. Calva [Gray B. M., G. B. Sow. 1834.]
Sow. jr. Thes. fig. 51. 52. 53. Penitella Wilsonii Conr.
tab. 39. flg. 5, schlecht ? — Die Rückenschale weniger
ausgebildet; Pholas acuminata Sow. [1834.] Sow. jr.
Thes. flg. 48. 49; jung fig. 50.
M. branchiata. Phol. br. Gould; Sow. jr. Thes. f. 82. 83.
/S) Die Klappen haben nur eine einzige ziemlich cen-
trale eingedrückte Rippe. Der vordere Umschlag
am Rücken fest anliegend und mit einer erhabenen
inneren Rippe versehen.
M. omm. Ph. ovum Gray [1828] Wood Suppl. fig. 4. Ph.
ovata Sow. jr. Thes. f. 71. 72; Rückenansicht schlecht.
M. multistriata. Ph. mult. Sow. jr. Thes. fig. 35. 36.
M. obtecta. Ph. o. Sow. jr. Thes. fig. 80. 81.
M. curia. Ph. curta [G. B. Sow. 1834.] Sow. jr. Thes. fig.
33. 34. 105.
1) Hier dürfte wohl ein Druckfehler sein: „Valves w^ith two
sunken ribs; Ihe hinder very convex, hinder dorsal cavily divided.*«
heisst es im Original. Kachher unter j3: „hinder umbonal valve Single.**
144 Gray:
y) Klappen mit einer einzigen ziemlich centralen ver-
tieften Rippe. Der vordere Umschlag am Rücken
aufgerichtet, getrennt von der Oberfläche der Klappe.
M. striata. Ph. striata L. [1758.] Sow. jr. Thes. fig. 40—44.
Ph. lignorum [Rumph 1705.J Spengl. [1779. Berl. Besch.]
Pholas nana Pulteney. Ph. pusilla L. Ph. conoides [Par-
sons 1760 Phil. Trans.] Flem. Ph. clavata Lamck. —
Jung : Ph. falcata Wood ? [1815.] — Varietät, hinten ver-
längert: Ph. semicostata Lea, Sow. jr. Thes. f. 84.85;
jung: Ph. terediniformis Sow. jr. Thes. fig. 97. 98.
M. australis Gray. Schale verlängert, am Vordertheil mit
ziemlich entfernt stehenden wellenförmigen concentri-
schen Reifen (in geringerer Anzahl als bei M. striata) ;
am Hintertheil glatt, kaum concentrisch gewellt; perio-
straca sehr dünn, einfach. Lebt bei N. W. Australien,
in hartem Stein, und in Harz.
M. rivicola. Ph. rivicola Sow. jr. Thes. fig. 90. 91.
M, aperia. Jung: Ph. aperta Sow. jr. Thes. fig. 99. 100.
M. cuneiformis. Ph. cuneiformis Say [1822.] Sow. jr. Thes.
fig. 38. 39. 86. 87. Ph. corticaria Adams , Sow. jr.
Thes. fig. 94. 95; und jung f. 96. Pholas Edwardsii
und Ph. rudis Gray B. M. 1820.
7,* Teredina Lamck. [1818.] Fistulana sp. Lamck. Te-
redo J. Sow. — Diese fossile Sippe scheint sich von
Martesia nur dadurch zu unterscheiden , dass sie am
hinteren Ende der Klappen mit einer konischen zusam-
menhangenden röhrigen Verlängerung versehen ist (was
man übrigens bei Martesia oft bemerken kann) , und
dann durch den Mangel von supplementären hinteren
oder ventralen Schalen.
T. personata Lamck. Teredo antenautae J. Sow.
c) Die Sip honen werden an ihrer Wurzel mit
kalkigen oder selten hornigen S chalen umge-
ben, die einen becherförmigen Anhang am hin-
teren Ende der Klappen bilden. Diese Anhängsel
darf man nicht verwechseln mit den Ausbreitungen der Pe-
riostraca, welche man , an der Oberfläche des Hintertheils
einiger Martesiae beobachtet, wie bei M. obtecta und conca-
inerata [Parapholasj.
Aliordnung der Plioladaria. 145
8. Pholadidaea ') Turt. 1819. „Pholadidoidea Goodall«
ßlainv. Pholidea Swains. Parapholas (p. p.) Conrad.
Vordere Oeffnung gross , später durch eine schwielige
Platte geschlossen ; zwei kleine Rückenschalen.
«. Siphonal-Schalen ohne röhrenförmige Verlängerung,
und nicht gefaltet.
Pholadidea papyracea. Ph. pap. [Turt. 1822.] Sow. jr. Thes.
flg. 66. Jung: Ph. lamellata Turt. Ph. striata Blainv.
Mal. t. 80. flg. 7.
Ph, spaihulata, Pholas sp. Sow. jr. Thes. fig. 69. 70. ,
ß. Talonella, Siphonal-Schalen ohne röhrenförmige
Verlängerung; aber mit einer Längs- und Querfalte.
Ph. tridens. Pholas tridens [Talona tridens Gray 1844 Rev.
z.] Sow. jr. Thes. f. 60. 61. Talonella tridens Gray B. M.
y. Hatasia, Siphonal-Schalen in eine kalkige Röhre
verlängert.
Ph. quadra. Pholas quadra [G. B. Sow. 1834.] Sow. jr.
Thes. flg. 62. 63.
Ph. melanura. Pholas mel. [G.^B. Sow. 1834.] Sow. jr. Thes.
fig. 78. 79. Parapholas bisulcata Conr. tab. 39. fig. 4.
Ph, tuhifera. Pholas tub. [G. B.Sow. 1834.] Sow. jr. Thes.
flg. 64. 65.
9. Talona Gray 1840; Proc. zool. Soc. 1847, p. 188.—
Vordere Oeffnung klein; zwei massige divergirende
Rückenschalen.
T. explanata. Ph. explanata Spgl. [1792.] Ph. candidus var.
Chemn. f. 862. Ph, clausa Gray, Sow. jr. Thes. f. 74. 75.
B. Zirfaeina [oder- Zirfaeana p. 385.].
Rückenmuskel bloss bedeckt mit einer hornartigen Haut
oder einer lederartigen Epidermis. Die Wohnslätte des Thie-
res ist nicht ausgekleidet von einer regelmässigen Kalkröhre,
welche die Schalen einschlösse. ^
10. Zirfaea. Leach mscr., Gray 1840; Proc. zool. Soc.
1848. -^ Rückenplatte nicht über den Wirbel zurück-
geschlagen.
Z. crispata. Ph. crisp. Linn. [Mya er. Linn. 1758.] Sow. jr.
/ Thes. fig. 37. Ph. bifrons Da Costa. Solen crispus Gm.
1) Pholadidea Turton!
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 1. Bd. 10
146 Gray:
Z. constricta. Ph. constr. Sow. jr. Thes. fig. 27. 28. -
Z. ? Darwini. Ph. Darwinii Sow. jr. Thes. fig. 76. 77.
Z. ? julan. Ph. Julan Aclans. [1757.] Seneg. t. 19. f. 1.
Z. ? Vihonensis. Ph. Vibonensis Phil. [1844.] Sic. II. t. 13. f. 5.
11. Navea n. g. — Rückenplatle verlängert und über den
Wirbel zurückgeschlagen. Schale etwas kuglig, hin-
ten geschlossen. — Vordere Oeffnung sehr gross,
im Alter nicht geschlossen; Rand zurückgebogen, ge-
kerbt. Eine vertiefte Rippe ungefähr auf der Mitte der
Klappen. Vorderer Rückensaum zurückgeschlagen und
dicht angedrückt an die äussere Oberfläche der Klappe,
Rückenmuskel bedeckt mit einer iederartigen perioslraca,
und mit einer kleinen queren Schale hintSr den Wirbeln.
Innerer Fortsatz einfach, lang, gebogen.
JV. subglobosa n. sp. Schale ziemlich kugelförmig, stark, vorn
abgestutzt. Vordertheil strahlig gerippt und mit einem
zurückgeschlagenen welligen Rande, Hintertheil regel-
mässig concentrisch gefurcht. Von Californien, in ei-
ner Höhle einer Muschelschale. Gray's Cabinet.
N. tenuis n. sp. Schale eirund, etwas kugelförmig, dünn. Vor-
dertheil schief abgestutzt, fein und regelmässig concen-
trisch gestreift. Hintertheil glatt, nur sehr leicht con-
centrisch gerunzelt. Ungefähr auf der Mitte eine äus-
serlich undeutliche, aber inwendig deutliche Rippe. Wohnt
in der Höhlung einer Koralle unbekannten Fundorts.
Im brit. Museum.
Vgl. Pholas nucivora Spengl. [1798.] Skr. Nat. Selsk.
IV. 2. p. 40. tab. 10. fig. 4. 9. Sehr ähnlich der te-
nuis, aber nach der Abbildung vorn kürzer, hinten län-
ger und mehr abgerundet.
, C TeFedmiiia.
Rückenmuskel nur von einer Iederartigen Epidermis be-
deckt. Die Höhlung, welche das Thier bewohnt, ist von ei-
ner regelmässigen kalkigen Röhre ausgekleidet , welche die
Klappen einschliesst.
12. Teredo Linn. Teredo a Blainv. Malleolus Gray. —
Röhre fast cylindrisch, hart, kalkig Palletten einfach
ganzrandig, länglich oder (juer.
' Anordnung der Pholadaria. 147
«. Röhre gekammert in der Nähe der äusseren Oeffnung-.
T. Norvagica Spengl. [1792.] T. nigra Blainv. T. Bruguierei
D. Chiaje. T. Norvegicus Thompson.
T. denticulaia Gray. T. riavalis Möller Moll. Grönland. Von
Grönland. »
' ß. Röhre nicht gekammert an der äusseren Oeffnung.
Teredo hatamis Spengl. [1792.] T. navalis Blv.
T. nana Turton [1822.] T. navalis Milne-Edw. T. megotara
Forb. und Hanl.
T. maUeolus Turt. [1822.]
13. Xylotrya Leach mscr., Gray 1825 Ann. philos. —
Teredo « Schum. Teredo ß Blainv. Bankia Gray 1840.
Xylophaga (p. p.) Sow. jr. Man. — Röhre fast cylin-
drisch, hart, kalkig. Palletten lang gefiedert.
X. hipalmulata, Ter. bip. Lamck. [1801.] T. palmulata Lamck.
[1818.] Taret de Pondicherry Adanson.
X Stutchburyi. Leach B. M., Blainv. [1828.] T. navalis Spengl.
X. PhilippiL Teredo palmulata Delle Chiaje [1828.], Phil.
X carinata, Ter. carinata Leach B. M. [Gray 1827.] Blainv.
[1828.]
X. pennatifera. Ter. pennatifera Blainv. [1828.] T. palmulata
Leach B. M. T. navalis Home. T. bipennata. Turt. [1819.]
14. Cuphus Gueltard [1774.] Kuphus Gray 1840. Ky-
phus Agass. Furcella Oken. Septaria Lamck. Clausa-
ria Menke. Clossonnaria Per. — Röhre fast cylindrisch,
dick, kalkig, an der Spitze in zwei getrennte Röhren
getheilt. Palletten unbekannt.
C. arenarius. Solen aren. Rumph [1705.]. Septaria aren.
Lamck. Serpula polythalamia Linn. Serp. gigantea Schrot.
Teredo gigantea Home.
15. Guetera Gray [1840.] Fistulana sp. Lamck. Teredo
spec. Spengl., Mühlf , Desh.^ — Röhre keulenförmig, un-
ten dicker und geschlossen. Palletten^ eirund, gezähnt.
G. corniformis Gray. Fistulana corn. Lamck. [1818.]
G, clava. Teredo clava GmeL [1790.] Fistulana gregata Lamck.
G.? lagenula. Fistulana lag. Lamck. [1818.]; vielleicht von
der vorigen nicht verschieden.
148 Gray:
' Anmerkungen. Der Uebersetzer hat sich erlaubt,
den Namen Pholadidae, welchen Gray dieser Familie beilegt,
mit dem älteren wohlberechtigten und grammatisch richtige-
ren Pholadaria zu vertauschen. Bei dieser Thierklasse, man
nenne sie nun Mollusca oder Malacozoa , sind überall die
männlichen Patronymika als Familien-Namen nicht zu dulden,
Mollusca Lamellibranchiata Cladopoda Pholadidae ist eine Zu-
sammenstellung, welche schwerlich ein Philolog gestatten wird.
Die geringe Bedeutung, welche der vortreffliche Gray
bei dem stets höchst werthvollen Inhalte seiner Aufsätze auf
Form und kleine Nebendinge legt, zeigt sich auch in dem
vorliegenden. So z. B. sind die neuesten Arbeiten über Pho-
las nicht von dem jetzt verstorbenen G. B. Sowerby, sondern
von dessen Sohne, G. B. Sowerby jun., wie die Uebersetzung
das allenthalben berichtigt. Manche andere unbedeutende
Schreib- oder Druckfehler sind gleichfalls corrigirt. Nur an
Einer Stelle, in der Charakteristik der Unterabtheilungen von
Parapholas, habe ich bei meiner völligen Unbekanntschaft
mit den betreffenden Arten die Dunkelheit auch nicht einmal
durch eine Conjeclur zu erhellen gewagt. — Was ich sonst
hinzuzufügen für nothwendig gehalten, ist in eckige Paren-
thesen, [ ] , eingeschlossen. — Auffallend ist, dass Gray die
Arbeit von Quatrefages über Teredo (1849 Ann. sc. nat. XI.)
gar nicht berücksichtigt.
In Bezug auf die Nomenclatur der Gruppen habe ich nur
zu bemerken, dass kein Grund vorliegt, den 1826 von Risso
publicirten Namen Barnea mit Barnia (Gray 1842) zu ver-
tauschen.
Zur Synonymik und Nomenclatur der Arten sind folgende
kleine Beiträge vielleicht nicht ganz überflüssig :
Pholas (Martesia) aperta Sow. jr. collidirt mit der fossilen
Ph. aperta Desh. 1823.
Ph. atomus Valenc, Bory 1824 Enc. meth. Expl. d. pl., ist
Martesia striata L.
Ph. callosa „Lamck.« Brown 1827 111. Conch. tab. 8. fig. 5.
8. ist Martesia striata L.
Ph. (Barnea) Candida. — Ist die silicula Lamck. wirklich die-
selbe Art? Sie soll nach Lamarck von Mauritius kom-
men, und die von Hanley im lUustr. Cat. gegebene Ab-
Anordnung der Pholadaria. 149
bildung, vermuthlich verkleinerte Copie nach Delessert,
zeigt doch merkliche Verschiedenheit der Form.
Ph. candidus „Linn." Spengl. 1792 Skr. Nat.-Selsk., von Tran-
quebar, wage ich nicht mit Bestimmtheit auf eine be-
kannte Art zurückzuführen. Die wirkliche Candida Linn.
beschreibt Spengler sehr gut unter dem Namen Ph. pa-
pyraceus Sol.
Ph. (Zirfaea) constricta Sow. jr. muss ihren Namen wohl
der fossilen constricta Phillips 1829 lassen.
Ph. cordata Gmel. p. 3216 gehört vielleicht auch zu Marte^
sia striata L.
Ph, Cornea G. B. Sow. 1834 Zool. Proc. II. 72, ist unerwähnt
geblieben.
Ph. crucifera ist Ph. crucigera G. B. Sow.
Ph. decussata \9\enc. , Bory 1824 Enc. meth. Expl. d. pl,
ist Martesia striata L.
Ph. dilatata Soulcyel 1843 Rev. zool. p. 176, fehlt bei Gray.
Ph (Parapholas) Janetlei Desh. ist erst 1840 publicirt, da-
gegen Californica Conr. schon 1837.
Ph, oblongata Say 1822 Journ. Acad. n, sc. Philad. II. 2. p.
320, die Gray 1847 in s. List of genera als Dactylina
(Thovana Leach) aufführt, ist hier übergangen.
Ph. (Dactylina) orientalis. — Chemnitz nannte die Art 1785
Ph. Indiae orientalis, Spengler 1788 PÄ. Siamensis, Gme-
lin 1790 P/j. oiientalis. Wo ist die Priorität? Oder sind
etwa Orientalis und Siamensis verschieden ? Kleine Dif-
ferenzen lassen die Abbildungen bei Chemnitz allerdings
bemerken.
Ph. (Parapholas) quadriwnalis -, nicht so, sondern Ph. qua-
drizonatus heisst sie bei Spengler.
Ph. (Barnia) simitis. Die Jahreszahl 1835 habe ich irgend-
wo für Yate's New Zealand angeführt gefunden, indess
fehlt mir der bestimmte Nachweis. Hanley bringt diese
Art fraglich zu subtruncata Sow.
Ph, spathulata Desh. 1843 in Guerin Mag. de zool. tab. 79,
von Chile, ist nicht erwähnt. Sie scheint nicht identisch
zu sein mit Ph. (Pholadidea) spathulata Sow. jr. von
Neuseeland.
Ph. (Martesia) striata. Ob die hier zusammengeworfenen
150 Gray:
Ph. striata und pusilla L. wirklich Eine Art ausmachen,
bleibt mir immerhin zweifelhaft.
Ph. subtnmcata G. B. Sow. 1834 Zool. Proc. II. 69, ist un-
erwähnt geblieben. Vgl. Ph. similis Gr.
Ph. sulcata Brown 1827. III. Conch. tab. 9. fig. 17. 18. ist
gleichfalls übergangen.
Teredo. batavus Spengl. ist die von Sellius beschriebene Art
und muss wohl den Linneischen Namen T. navalis be-
halten, wogegen navalis Dillw. p. p., Lamck., Turt., Wood,
G. B. Sow., Reeve, Hanl., Desh. zu T. Norvagfca Sp.
gehören.
T. bipalmata „D. Chiaje" Laurent und Petit 1851 Journ. de
Conch. II. 279, ist nicht aufgeführt.
T. 6is2/p%?es „Lesueur" Blainv. 1817 Journ. de phys. LXXXV.
p. 405. t. 2. f. III. 1. 2. 3. — unerwähnt. Scheint zu
Cuphus zu gehören.
T. carinata ist vor Blainv. schon 1827 von Gray im Philos.
Mag. II. diagnosirt.
T. Deshaii Quatref. 1849 Ann. sc. nat. XI. 26. ist nach Lau-
rent und Petit = Norvagica Sp.
T. elongata Quatref» 1849 Ann. sc. nat. XI. 28. — fehlt bei Gray.
T. fatalis Quatref. 1849 ib. XI. 23. tab. I. fig. 1. == Nor^
vagica Sp.
Septaria mediterranea Matheron 1831 Ann. des sc. et de
l'industr. du midi de la Fr. I. 77, et 1832 ib. II. 312.
tab. I. — vielleicht nicht verschieden von Cuphus
arenarius.
Teredo minima Blainv. 1828 Dict. sc. nat. LH. p. 268, eine
Xylotrya, ist unerwähnt.
Ter. pedicellata Quatref. 1849 Ann. sc. nat., XI. p. 26. t. I.
flg. 2. — fehlt bei Gray.
Xylotrya pennatifera. Blainville's Namen ist von 1828, da-
gegen Turton's von 1819, hat also Vorrecht.
Ter. Senegalensis Blainv. 1828 Dict. LH. 267. = T. Norva^
gica Sp.
Ter. truncata Quatref. 1849 Ann. sc. nat. XL p. 27,— fehlt
bei Gray.
Verzeieliiiiss der durcli Herrn Dr. v. Tschudi
in Peru gei§aininelten Coucliylien«
Vom
I Heransg-elier*
(Hierzu Taf. V— VII.)
Schon vor mehreren Jahren hat mir Herr Dr. v. T s c h udi
eine Sammlung von Conchylien übergeben, welche er selbst
während seines Aufenthaltes in Peru zusammengebracht hat,
um sie zu bearbeiten, und die etwa daraus zu ziehenden wis-
senschaftlichen Ergebnisse zu veröffentlichen. Ich muss mich
leider für schuldig bekennen, ungebührlich lange diese Bear-
beitung verzögert zu haben.
• Es war des Besitzers und Sammlers dieser Conchylien
Wunsch, ich möchte ein vollständiges Verzeichniss aller von
Peru bekannter Mollusken zusammenstellen , die vorliegende
Sammlung als Grundlage benutzend. Obgleich ich nicht ver-
kenne, dass ein derartiges Verzeichniss recht nützlich wäre,
so sehe ich mich doch nicht im Stande, es einigermassen
vollständig zu liefern, hauptsächlich deswegen nicht, weil in
den Schriften das Vaterland oft nur ungenau angegeben ist,
und weil sich namentlich in vielen Fällen schwer entscheiden
lassen dürfte, ob der Verbreituhgsbezirk Chilesischer Arten
sich auch auf Peru ausdehne.
So entledige ich jnich der übernommenen Verpflichtung
gegen Herrn Dr, v. Tschudi durch das folgende Verzeich-
niss seiner Sammlung, und glaube es durch einige einge-
streute Bemerkungen, und durch die Abbildungen der neuen
Arten des Druckes werth zu machen. Ich folge in der Auf^
Zählung meinem in der dritten Auflage von Wiegmann's Hand-
152 TroschelT
buch der Zoologie zuerst aufgestellten Systeme mit den Ab-
änderungen in der Stellung einzelner Galtungen , die sich
seitdem nothwendig gemacht haben.
Oasteropoda.
Leider befinden sich in der Sammlung weder Cephalo-
poden, noch Pteropoden oder Heteropoden, wie denn über-
haupt nur wenige Stücke in Weingeist aufbewahrt sind.
Pulmonata operciilata.
Es ist mir wohl eingewandt worden, es sei ein Fehler
meines Systems, dass die Deckel -Lungenschnecken so weit
von den anderen Lungenschnecken getrennt seien, indessen
beide Abtheilungen haben in derThat nichts weiter mit ein-
ander gemein, als dass sie durch Lungen athmen. So habe
ich beide Abtheilungen an die SIpitze gestellt, die eine an die
Spitze dCT Schnecken mit getrenntem Geschlechte, die andere
an die Spitze der Zwitterschnecken. Sie sind einander ana-
log in verschiedeneu Reihen.
Fam. Cyclostomacea.
1) Cyclotus translucidus Pfr.
Cyclostoma translucidum Sow. Thes. I. p. 106. pl. 23. fig. 4.
Cyclostoma translucidum Pfeiffer Küster's Conch.-Cab. Taf. I.
Fig. 8—10.
Cyclotus translucidus Pfeiffer Zeilschr. für Malakozool. 1851.
p. 133.
„In den Wäldern von Uchubamba/^ Drei abgeriebene
Exemplare ohne Deckel, jedoch sicher zu bestimmen.
Ctenobranchiata.
Von der grossen Ordnung der Cuvier'schen Kammkie-
mer müssen unzweifelhaft die Neritaceen und Trochoiden aus-
geschieden werden. Sie besitzen keine kammförmige Kieme,
dieselbe ist vielmehr federförmig und frei in der Kiemenhöhle
flottirend; sie haben gestielte Augen, während bei den ech-
ten Kammkiemern die Augen sitzend sind, und ihre Zunge
ist ganz abweichend gebildet. Ich habe sie *) mit den Ha-
1) Wiegmann's Handbuch der Zoologie. 3. Aufl. p. 553,
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 153
liotiden und Fissurellaceen zu einer besonderen Ordnung ver-
einigt. Nachdem die Kammkiemer von diesen fremden Be-
slandth eilen gereinigt sind , enthalten sie doch noch eine
grosse Anzahl von Familien , die ich nach der auffallenden
Verschiedenheit ihrer Mundtheile in drei Gruppen gebracht
habe. Die einen haben keinen ausstülpbaren Rüssel, sondern
nur eine vorstehende Schnauze, in welcher eine bandförmige
Zunge liegt, auf deren Oberfläche sich (mit einziger Aus-
nahme von Coriocella) sieben Längsreihen von Platten un-
terscheiden lassen (Taenioglossata); die andern haben einen
ausstülpbaren Rüssel, in v^^elchem eine meist kleine bandför-
mige Zunge liegt, die meist eine geringere Zahl von Haken
auf ihrer Oberfläche trägt (Proboscidea); endlich drittens
weicht eine kleine Zahl von Gattungen auf das seltsamste
dadurch ab, dass in ihrem Munde zwei Reihen von hohlen,
kanalförmigen Stacheln sich finden, die mit ihrem hinteren
Ende an einem Muskelfaden befestigt sind und aus dem Munde
wie Pfeile hervorgeschnellt werden können. Ich habe sie
deshalb Toxoglossata genannt. Bei manchen sind sogar die
Stacheln an ihrem Ende, wie die Zunge der Spechte, mit
Wiederhaken versehen. Die Vermuthung Loven's, dass sie
giftig seien, scheint sich zu bestätigen, denn Adams er-
zählt '), dass der Kapitian Reicher von einem Conus aulicus
gebissen sei, als er ihn aus dem Wasser zog, was eine
schmerzhafte Geschwulst veranlasste. Da in dieser Gruppe -
sich Gattungen ohne ausstülpbaren Rüssel (Conus) mit sol-
chen die einen derartigen Rüssel besitzen (Pleuroloma), ver-
einigen, so habe ich sie zwischen die beiden anderen Grup-
pen gestellt.
Taeniog^lossata*
Fam. Potamophila.
2) Paludestrina culminea d'OrB.
d'Orbigny Voyage dans TAmer. mer. Mollusques p. 386. no.
272. pl. 47. üg. 10—12.
1) INarrative of the Voyage of H. M. S. Saniarang during the
Years 1843 — 46. employed surveying the Islands of the eastern Ar-
chipelago by Capt. Sir Edwards Belcher. p. 356, Vergl, dies Archiv.
1850. II. p. 119.
154 Troschel;
Offenbar ist es ein Druckfehler, wenn bei d'Orbig-ny I. c.
zu dieser Art Fig. 17 — 21 derselben Tafel gezogen werden.
— Die Exemplare sind in Weingeist aufbewahrt, und es ist
mir gelungen, tl-otz der Kleinheit des Thieres , mich von dem
Vorhandensein der beiden rudimentären Kiefer , die kleine
aus feinen länglichen Schüppchen zusammengesetzte Platten,
sehr ähnlich wie bei Paludina, bilden, zu überzeugen. Die
Zunge habe ich zwar gesehen , doch Hessen sich ihre ein-
zelnen Theile nicht genau beobachten.
33 Melania LargiUierti Phil.
Ph ilippi Abbild, u. Beschr. Melania tab. II. fig. 10.
„Beim Flusse von Acobamba.^^
Fam. Littorinacea.
4) Littorina fasciata Gray.
Ph ilippi Abbild. Bd. II. Littorina tab. V. fig. 1.2.
„Peru."
5) Littorina varia Sow.
Philipp! Abbild. 15d. II. Littorina tab. I. fig. 2.3.
6) Littorina zebra Phil. ^
Phasianella peruviana Lum. Hist. d. anim. s. vert. t04ne IX p.
243. no. 5.
Littorina peruviana d'Orb. Voy. Mollusques p. 393. pl. 53.
fig. 5-7.
Philipp! Abbild. Bd. II. Littorina tab. III. fig. 16.
Es ist mir gelungen , aus den eingetrockneten Thieren
die ganze Zunge herauszupräpariren. Sie hat eine Länge von
74 Mill. (zu deutsch 2 Zoll 10%Lin. rheinl.) bei einer Länge
der Schale von 18 Mill. Die Zunge ist hinter der Mund-
masse unregelmässig zusammengewickelt.
,iPeru.«
7) Littorina paytensis Phil.
Philipp! Abbild. II. Littorina tab. III. fig. 25.
„Peru.«
8} Rissoina inca d'Orb.
d'Orb igny Voy. Amer. iner. Mollusques p. 395. pl. 53. fig.
11—16.
„Peru.«
9} Rissoina sulcifera Nob. nov. spec
(Taf. V. Fig. 1.)
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 155
R. testa turrita, crassa, transversim profunde sulcata;
anfractibus convexiusculis siiliira profunda divisis ; sulcis trans-
versis 4 in anfractibus superioribus, 10 in ultimo , basalibus
angustioribus, caeteris aeque distantibus. 12 mill.
Die d'Orbigny'sche Gattung Rissoina zeichnet sich
so auffallend durch die kanalartige Ausbucht am Grunde der
Mündung, und durch den Deckel, welcher dem der Nefitinen
gleicht, aus, dass ich ihr, mit Philip pi 0, den Rang eines
Genus einräume. Die Stellung dieser Gattung muss zweifel-
haft bleiben bis zur Kenntniss des Thieres, und ich lasse sie
vorläufig bei Rissoa stehen, von der sie d'Orbigny nur als
Untergattung geschieden hat.
Diese neue Art unterscheidet sich leicht durch die liefen
Furchen, welche den Windungen folgen, und durch den völ-
ligen Mangel von Längs-Rippen oder Längsstreifen. Die Schale
besteht aus 8 Windungen, die wenig convex sind, die aber
durch eine ziemlich tiefe Naht von einander getrennt werden,
was dadurch entsteht, dass jede Windung sich dicht unter
der vierten Furche an die vorhergehende Windung anlegt.
Von den Windungen der Spira trägt jede regelmässig vier
schmale aber tiefe Furchen; die letzte Windung hat deren
zehn, von denen die an der Basis verlaufenden enger stehen
als die übrigen. Die Zwischenräume zwischen den Furchen
sind überall glatt , und an dem ganzen Gewinde flach, nur
am Grunde, wo die Furchen enger stehen , werden sie mehr
gewölbt. Die letzte Windung nimmt den dritten Theil der
Höhe der ganzen Schale ein. Die Mündung ist eiförmig. Das
Labrum ist nicht verdickt, mit dem Spindelrande durch eine
glänzende Columellar-Platte verbunden. Die Spindel zeigt über
der runden Ausbucht an der Basis eine sanfte schwielige An-
schwellung. — Die Farbe erscheint graulich gelb. Das ein-
zige Exemplar ist jedoch überall durch kleine Vertiefungen
wie angefressen, und scheint längere Zeit am Strande gele-
gen zu haben. — Die Höhe des ganzen Gehäuses beträgt
12 Mill. , der Durchmesser der letzten Windung 4 Mill. , die
Höhe der Mündung 3y2 Mill., die Breite der Mündung 2 Mill.
.Peru.«
1) Zeitschr. für Malakozoologie. 1848, p. 14.
156 Troschel:
10) TurriteUa californica Brod.
Turrüella Broderipiana d'Orb. Voy. Moll. p. 388. no. 79.
TurriteUa marmorata Kien er p. 23. no. 17. pl. 8. fig. 1.
D'Orb igny ändert a. a. 0. den Namen californica,
weil eine Schnecke, die in Peru lebe , nicht so heissen dürfe,
ein Grundsatz, dein ich nicht beipflichten kann, weil er nur
die Namen vermehrt, und Verwirrung anrichtet.
„Peru.«
11) TurriteUa cingulata Sow.
d'Orb igny. Voy. Moll. p. 588. no. 278.
„Peru."
12) Solarium granulatiim Lam.
Lamarck Hist. nat. d. anim. s. vert. 2. edil. IX. p. 98. no. 2.
1
Kien er p. 4. no. 2. pl. 2. fig. 2.
Da das vorliegende Exemplar nicht ausdrücklich von
Herrn v. Tschudi als von Peru stammend, bezeichnet ist,
so muss ich es zweifelhaft lassen , ob die Art wirklich dort
lebt. — In diese Familie der Littorinaceen setze ich diese
Gattung in Folge eigener Untersuchung. Sie gehört nach der
Beschaffenheit der Zunge, der Kiemen, der Augen, der Sclinauze
hierher, und hat in allen diesen Organen keine Aehnlichkeil
mit den Trochoiden, denen man sie früher allgemein zuzählte.
Fam. Capuloidea.
Diese Cuviersche Familie gehört unzweifelhaft unter
diejenigen Taenioglossen, welche keinen Sipho besitzen. Die
hierher gehörigen Gattungen haben sehr lange fadenförmige
Kiemenblätter , welche in einer Reihe nahe dem Rande des
Mantels angeheftet sind , und in das Innere der vorn weit
offenen Kiemenhöhle hineinragen. Auf der Zunge stehen 7
Längsreihen von Platten; von diesen zeichnen sich beson-
ders die der Mittelplatte zunächst stehenden, die ich Zwischen-
platten nenne , durch ihre Breite aus ; die beiden äusseren
Platten jeder Querreihe sind stachelartig.
13) Calyptraea QTrochatella) trochiformis d'Orb.
Calyptraea radians Desh. Lamarck 2. edit. VII. j). 626. no. 8.
d'Orb. Voy. Moll. p. 461. pl. 59. fig.3.
14) Crepidula perumana Lam.
Lamarck 2. edit. VII. p. 644. no. 6.
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 157
15) Crepidiila excavata Brod.
ßroderip Transact. zool. soc. t. 1. p. 225. pl. 29. fig. 7.
Lamarck 2. edit. VII. p. 649. no. 19.
Farn. Sig a retin a.
Diese Familie, in welche die Gatlung-en Sigarelus, Na-
tica und Narica (von lelzterer habe ich das Thier nicht un-
tersuchen können) gehören, hat das Schicksal gehabt, mehr-
fach umhergeworfen zu werden. Durch eigene Untersuchung
mehrerer Arten der Gattungen Natica und Sigarelus habe ich
mich überzeugt, dass beide Gattungen in eine Familie gehö-
ren, und dass sie ihren Platz unter den Taenioglossen neh-
men müssen, unter denen sie eine recht ausgezeichnete Fa-
milie bilden. Ihre Kiemen liegen an der dorsalen Wand der
Kiemenhöhle, und nehmen hier eine Längsrichtung ein ; bei
Natica (glaucina) habe ich zwei Kiemenreihen gefunden, von
denen die linke kurz, S-förmig gebogen und aus kleinen Kie-
menblättchen zusammengesetzt , die rechte lang und aus brei-
ten Lamellen gebildet ist; bei Sigarelus (laevis) habe ich
drei Kiemenreihen gefunden, von denen die linke aus klei-
nen Blättchen besteht, obgleich sie an Länge den anderen
Kiemenreihen Wenig nachsteht , die Läppchen der rechten
Reihe sind die breitesten. Die Zunge trägt sieben Längsrei-
hen von Zähnen, Loven hat sie vonN. pulchella abgebildet;
ich habe mehrere Arten untersucht. Die Zwiischenzähne sind
breit, die Seitenzähne stachelartig, wodurch sich diese Thiere
an die Familie der Capuloiden anschliessen. Zwei verhält-
mässig grosse Kiefer sind vorhanden, die recht eigenthüm-
lich sind, indem sie Platten darstellen, die aus zahlreichen
mosaikartig aneinander gereihten Stücken zusammengesetzt
sind. Zu bewundern ist es, dass die Gattung Natica noch
nicht in eine grössere Anzahl von Gattungen zerfällt ist, wozu
die Verschiedenheiten Mer Gestalt, des Nabels , des Deckels
u. s. w. auffallend herausfordern.
16) Natica über Humb.
D'Orbigny Voy. Moll. p. 401. no. 297. pl. 55. fig. 12-14.
Das vorliegende Exemplar besitzt noch zum grossen
Theil eine dunkelbraun^ Epidermis.
«Peru.«
158 Troschel:
17) Natica eloiigata Nob.
(Taf. V. Tig. 2.)
? Natica puella Philipp! Chemnitz neues Conchylien -Cabinel
herausg. v. Küster. Natica Taf. X. Fig. 7.
Testa elongalo-üvata, laclea, subnitida; anfractibus 4 vix
convexis, sutiiris irnpressis; spira quartam testae altiliidinis
partem subaequans , obtusa; apertura semicircularis angulo
superiore incrassato ; iimbilicus mediocris pervius, labio incras-
sato subangustatus.
Diese Art kann mit Natica über Humb. , cora d'Orb.,
Philippiana Nyst (acuta Phil.) und .virginea Recl. verglichen
werden, unterscheidet sich jedoch von ihnen allen durch die
langstreckigere Gestalt. Die oben cilirte Abbildung, die frei-
lich bisher ohne Text ist, stimmt so gut mit dem vorliegen-
den Exemplare überein, dass ich sie dafür nehmen zu können
glaube. Das Tschudi'sche Exemplar ist zwar so gross, wie
die etwas vergrösserte citirte Abbildung, indessen die Grösse
allein darf ja nicht als Differenz gelten. Das Vaterland der
Philippi'schen Art kenne ich nicht. Ich hatte früher diese
Schnecke nebst einigen anderen meinem Freunde Philipp!
zur Ansicht gesendet , und er hat sie fraglich als neue Art
bezeichnet. Das fiel jedoch gerade in eine Zeit , wo er in
Cassel durch anderweitige Verhältnisse so in Anspruch ge-
nommen war, dass die Notizen, welche er mir zu machen
die Freundlichkeit hatte, nur als sehr flüchtige von ihm selbst
bezeichnet wurden. Um nun für den Fall , dass diese Art
wirklich neu, und nicht mit der oben citirten Philippi'schen
identisch sein sollte , der Verwirrung vorzubeugen , so gebe
ich hier aufs Neue eine Abbildung in natürlicher Grösse,
und nenne sie vorläufig elongata.
Die Schale hat eine eiförmige Gestalt und ist ziemlich
genau anderthalbmal so hoch wie breit; sie ist milchweiss,
wenig glänzend und ist durch einige miregelmässige Runzeln,
die dem Labriim parallel laufen, uneben, was jedoch indivi-
duell sein mag. Sie bestehf aus vier Windungen, von denen
die letzte % der ganzen Höhe einnimmt; das Gewinde ragt
als eine stumpfe Spitze hervor und hat deutliche Nähte. Die
Mündung liegt schief gegen die Axe und ist halbkreisförmig,
doppelt so hoch wie breit; ihr Spindelrand ist geradlinig-.
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 159
Sie wird durch eine starke Verdickung im oberen Winkel
sehr verengt, so dass sie nur halb so hoch ist wie die Schale.
Der Nabel ist durchgehend, offen , nicht sehr weit. Höhe 18
Mill. , grosser Durchmesser 13Mill. , kleiner Durchmesser 10
Mill. Höhe der Mündung mit Einschluss der schwieligen Ver-
dickung 14 Mill. Höhe der Mundöffmmg 10 Mill. , Breite der
Mundöffnung 5 Mill.
18) Natica alveata Nob.
(Taf.V. Fig. 3.)
Testa globoso-ovata, lactea, nitida, anfractibus 6, supe-
rioribus subplanis , ultimo maximo convexo, suturis non pro-
fundis; spira brevis octavam partem testae vix superans;
apertura semicircularis, angulo superiore incrassato anguslata;
umbilicus nullus ; callus umbilicaris supra crassissimus, prope
marginem columellarem subrectum, bicarinatum, impressione
instructus , loco umbilici impressione profunda.
Auch diese Art habe ich meinem Freunde Philippi
zur Ansicht vorgelegt , er schickte sie mir als N. virginea
Phil, bestimmt , und mit der hinzugefügten Bemerkung zu-
rück : „von der ächten mammilla durch den Eindruck am Rande
der Columella verschieden." Bei der Vergleichung mit der
Abbildung seiner N. virginea bei Küster Taf. XII. Fig. 7.
ergiebt sich jedoch , dass ich sie nicht dafür halten kann ;
namenthch ist dort die Mündung viel höher, beträgt mehr als
% der ganzen Höhe der Schale, während dieselbe an dem vor-
liegenden Exemplare nur die Hälfte beträgt, ferner liegt der
Nabeleindruck bei unserem Exemplare viel weiter nach unten.
Da nun die citirte Abbildung nicht so recht mit der vorlie-
genden Schale passen will, und da die Philippi'sche Art,
^ so viel mir bekannt, noch ohne Beschreibung ist, auch die
Art, für welche Philippi selbst unser Exemplar bestimmt
hat, umgetauft werden muss, da Recluz inzwischen (Jour-
nal de Conchyliologie 1850. p. 38B. pl. XH. fig. 6.) eine an-
dere Art N. virginea genannt hat, so bilde ich unser Exem-
plar unter dem obigen Namen ab.
Die milchweisse, glänzende Schale hat eine kuglig
eiförmige Gestalt. Die Spira ragt als eine kleine Spitze aus der
lezten Windung hervor, sie beträgt etwa den 8ten Theil der
ganzen Höhe. Die Nähte sind sehr flach, und die Windun-
160 Tioschel:-
gen der Spira kaum gewölbt. Die letzte Windung ist sehr
bauchig. Die Mündung ist durch die Columellarschwiele stark
verengt, so dass ihre Oefl'nung nur die Hälfte der Höhe der
ganzen Schale erreicht. Besonders im obern Winkel der Mün-
dung ragt die Columellarschwiele stark höckerartig hervor.
Sehr ausgezeichnet ist der Columelhirrand , indem er nicht
wie bei N. mammilla einfach abgerundet ist, sondern gleich-
sam wie abgeschnitten : auf der Kante zeigen sich zwei stum-
pfe Kanten zwischen denen eine wenig vertiefte Fläche fast
in der ganzen Länge des Spindelrandes verläuft. Neben der
Mitte dieses fast geradlinigen Columellarrandes liegt parallel
mit ihm eine Vertiefung auf der Columellarschwiele , die etwa
die halbe Länge des Spindelrandes hat (sie ist 9 Mill. lang und
3 Mill. breit) und ist gleichmässig muldenförmig ausgehöhlt,
auch völlig gerade, nicht gebogen. Unter der Schwiele fin-
det sich ein ziemlich tiefer Eindruck, der die Stelle des
nicht vorhandenen Nabels anzeigt; Gestalt und Lage des^
selben lässt sich besser in der Zeichnung ausdrücken als
beschreiben. — Höhe 41 Mill., Grosser Durchmesser 33 Mill.,
kleiner Durchmesser 25 Mill., Höhe der MundöfFnung 22 Mill.,
Breite desselben 13 Mill. 0
19) Natica unifasciata Lam.
Lamarck. Hist. d. anim. s. vert. 2. edit. VIII. p. 640.
Küster's Conchyl.-Cab. II. 1. Taf. 12. Fig. 5.
Das Labrum ist innen am Rande kastanienbraun gefärbt.
„Peru."
20) Nätica undata Phil.
Küster's Conchyl.-Cab. II. I. Taf. 11. Fig. 12.
Es scheint mir hier überflüssig, auf die Frage einzu-
1) Im Bonner Museum liegen, mit N. mammilla zusammen, zwei
kleinere Exemplare , welche viele Aehnlichkeit mit der eben beschrie-
benen Art haben : sie besitzen auch die zwei Kanten am Spindelrande und
die Vertiefung neben demselben ; letzterer ist jedoch etwas gekrümmt
und nicht so gleichmässig ausgehöhlt, ganz als wenn er mit dem Na-
gel des linken Daumens in Wachs eingedrückt wäre. Da auch die er-
sten Windungen stärker gewölbt sind, so halte ich sie für specifisch
verschieden. Sollten sie der N. virginea Phil, angehören? Ich nenne
sie vorläußg N. vellicala, um die Aehnlichkeit des Schwieleneindrucks
mit einem Mageleindruck beim Kratzen anzuzeigen.
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 161
gehen, ob man beide Formen, N. unifasciata und undata, zu
N. maroccana Chemn. ziehe müsse (Vergl. Koch in Zeitschr.
für Malakozoologie 1844. p. löl.). Von N. undata Phil, ist
ein Deckel vorhanden. Er ist kalkig, besieht aus drei Win-
dungen, trägt an dem der Spindel anliegenden, fast gerad-
linigen, etwas verdickten Rande feine, senkrechte, granu-
lirte Runzeln; am Lippenrande ist er aussen durch eine dicht
neben und längs dem Rande verlaufende Furche gesäumt.
„Peru."
21) Natica glauca Humb.
Lamarck Anim. s. vert. 2. edit. VIII. p. 651. no. 42.
22) Sigaretus Cymba Menke.
Sigaretus concavus Sowerby Gen. of shells. Sigarelus fig. 1.
Sigaretus Cymba Menke Synopsis Moll. p. l46.
Sigarelus Grayi Desh. Lamarck 2. edit. IX. p. 12. no. 6.
Sigarelus cymba d'Orbigny Voy. Moll. p. 404. pl. 57. fig. 3. 4.
Sigarelus maximus Philippi Abbild. I. p. 143. Tal). I. Fig. 1.
Farn. Cerithiac ea.
Die Familie der Cerithiaceen gehört in die Abtheilung
der Bandzüngler. Die Zunge trägt sieben Längsreihen von
Platten, die alle am Rande gezähnelt sind; auch zwei rudimen-
täre Oberkiefer, aus zarten Schuppen zusammengesetzt, sind
vorhanden; kein vorstreckbarer Rüssel. In der Kiemenhöhle
liegen zwei Reihen breiter Kiemenblätter in der Längsrich-
tung des Thieres nebeneinander ; die Blätter der linken Reihe
erheben sich so, dass ihre Höhe grösser ist als ihre Breite,
die Blätter der rechten Reihe dagegen sind niedrig, viel
niedrieger als breit (Cerithium vulgatum). Die Augenstiele
sind mit den Fühlern verwachsen, so dass die Augen etwa
in der Mitte der Fühler auf einem äusseren Absatz liegen.
Die Gattung Planaxis gehört unzweifelhaft hieher und in die
nächste Nähe von Cerithium , ja mir scheinen Planaxis und
Cerithium noch näher verwandt, als Cerithium und Potamides.
Die Bemerkungen, welche Deshayes über die Verwandt-
schaft von Planaxis mit Littorina, Melania, Melanopsis macht,
sind richtig, weil alle diese in die Abiheilung der Bandzüng-
ler gehören. Es ist jedoch nicht recht zu begreifen , dass
noch Niemand die nahe Verwandtschaft zwischen Planaxis
Archiv f, Naturgesch. XVIU. Jahrg. 1. Bd. H
162 Troschel:
und Cerithium erkannt hat , da ja sogar die Schalen so ähn-
lich sind. Auch die Aehnlichkeit der anatomischen Charak-
tere (Schnauze. Zunge, Kiemen u. s. w.) kann ich bestäti-
gen; auch die Deckel sind ganz ähnlich. Ich habe bereits
in der dritten Auflage von Wiegmanns Handbuch der Zoo-
logie (1848) die Gattung Planaxis der Familie der Cerithia-
ceen einverleibt.
23) Cerithium maculosum Kien.
Kien er Species general p. 36. no. 25. pl. 13. fig. 3.
Lamarck 1. c. 2. edit. IX. p. 312. no. 45.
24) Cerithium varicosum S o w.
Kien er 1. c. pl. 30. fig. 2.
Lamarck 1. c. IX. p. 321., no. 60.
25) Cerithium Monfagnei d'Orb.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 443. no. 374. pl. 63. fig. 3. 4.
„Peru.«
26) Planaxis ebeninus Menke?
Diese Art ist mir von Philippi als Planaxis ebeninus
Menke bestimmt worden, ich wüsste jedoch nicht, wo diese
beschrieben sein sollte. Sie ist eiförmig mit spitzem Gewinde ;
6 Windungen ; die drei ersten Windungen sind glänzend,
glatt, braun, abgerieben, die übrigen sind von starken Lei-
sten umgeben; auf der vorletzten und drittletzten Windung
sind je vier solcher Leisten , die hier schmaler sind als die
Furchen zwischen ihnen, sichtbar; auf der letzten Windung
sind deren neun vorhanden, sie werden hier breiter als die
zwischenliegenden Furchen, und auf ihrer Oberfläche platt.
Die ganze Schale ist mit einer Epidermis überzogen, die im
unversehrten Zustande aus zahlreichen, äusserst feinen, dem
Mundrande parallelen Lamellen besteht, welche über Leisten
und Furchen ohne Unterbrechung fortgehen; meist sind je-
doch die vorspringenden Leisten abgerieben , glänzend ka-
stanienbraun, und die Epidermis beschränkt sich dann nur
auf die tiefer liegenden Furchen. Auf dem Rücken gemes-
sen, nimmt die letzte Windung zwei Drittel der ganzen Schale
ein; gegen den Mündungsrand senkt sich jedoch die obere
Naht der letzten Windung ein wenig herab, so dass die Höhe
der Mündung nur die Hälfte der Schale einnimmt. Die Mün-
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 163
dung ist länglich rund ; die Spindelwand ist eingedrückt, die
Spindel selbst kaum merklich gefaltet ; im oberen Mundwinkel
liegt eine dicke Kalkschwiele, die den oberen Mundwinkel
zu einem schmalen Kanäle verengt; der Sipho ist ein schma-
ler liefer Kanal ; die Aussenlippe ist stark vorgezogen, scharf,
innen mit Falten besetzt , die sich tief in das Innere fortset-
zen. — Die Farbe der Epidermis ist ein mattes Graubraun;
da, wo sie abgerieben ist, erscheint die Spalte glänzend ka-
stanienbraun. Das Innere der Mündung ist weiss. — Höhe
22 Mill. ; grosser Durchmesser 13 Mill., kleiner Durchmesser
lOMill. Höhe der Mündung JIV2 Mill.
„Peru.«
Farn. AI ata.
27) Strombus gibberulus Linn.
Lamarck 1. c. IX. p. 697. no. 14.
Kiener 1. c. p. 37. no. 28. pl. 28. fig. 1. pl. 33. fig. 5.
28) Strombus luhuanus Linn.
Lamarck 1, c. IX. p. 698. no. 15.
Kiener 1. c. p. 39. no. 30. pl. 27. fig. 1.
Beide vorliegende Exemplare sind, wenigstens auf der
letzten Windung, mit einer rauhen Epidermis bekleidet , die
gelblichbraun ist mit dunkleren mehr röthlichen Querbinden.
Farn. Involuta.
Dass die Gattung Cypraea , welche den Stamm dieser
Familie bildet, zur Gruppe Taenioglossata gehört, ist bereits
durch die Abbildung der Zunge von Cypraea helvola und
europaea bei Loven i) bewiesen. Ich kann es ausserdem
durch die eigne Untersuchung von C. arabica bestätigen. Da
diese Art sich auch unter der Tsch udi'schen Sammlung
befindet, so scheint es mir nicht unpassend, ihre Zunge hier
abzubilden und näher zu beschreiben (s. unten). Zweifel-
haft ist mir die Stellung der Gattung Ovula. Ich habe Ovula
gibbosa untersuchen können, leider aber an einem so un-
vollkommen conservirten Exemplare, dass ich die Platten der
Zunge nicht in situ, sondern ganz ungeordnet durcheinander-
liegend antraf. Sie haben aber eine so seltsame Gestalt,
1) üvfersigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. 1848. tab. 4.
164 Troschel:
dass ich ihrer beiläufig erwähnen will , da sie bisher noch
nicht beobachtet sind. Sie stellen etwa dreieckige Platten
dar, deren eine Seite eine Reihe sehr feiner fadenförmiger,
am Ende gabeliger Zähne trägt, deren sich an verschiedenen
Platten 20—70 zählen lassen (Vergl. Taf. VII. Fig. 6). Aus-
serdem finden sich kleinere stark gekrümmte Haken. Wie
sich diese auf der unversehrten Zunge ordnen, kann nur durch
fernere Beobachtung ermittelt werden. Dass die Gattung
Oliva nicht in diese Familie gehört , ja nicht einmal zu den
Taenioglossen, habe ich an einer Oliva peruviana, welche das
Berliner Museum durch Herrn v. Winterfeldt aus Peru
erhalten hat, nachweisen können. (S unten).
29) Cypraea tigris Linn.
Lamarck I. c. X. p. 502. no. 15.
30) Cypraea cermnetta K i e n e r.
Kiener Spec. gen, Cypraea pl. VI. (ig. l. 2.
Lamarck 1. c. X. p. 547. no. 71.
31) Cypraea mauritiana Linn.
Lamarck L c. X. 492. no. 5.
32) Cypraea arabica Linn.
Lamarck 1. c. X. p. 495. no. 7.
Die Zunge von C. arabica (Taf. VII. Fig. 1.) trägt
sieben Längsreihen von kastanienbraun gefärbten Platten. Jede
Platte (a) der Mittelreihe ist eiförmig, mit wenig ausgeschweif-
ten Seitenrändern; der Vorderrand schlägt sich nach oben
und hinten um, und hat einen kräftigen Mittelzahn und je-
derseits einen kleineren Zahn am vordem Aussenwinkcl. Die
Zwischenplatten (6) sind vierseitig mit ausgeschweifter In-
nen- und Hinterseite ;. der umgeschlagene Vorderrand läuft
in einen starken , schräg nach innen gerichteten Hauptzahn,
und zwei kleine jederseits neben ihm liegende Zähne aus.
Die beiden Seitenplalten (c und d) sind schmaler und ihre
vorderen Hauptzähne sind fast rechtwinklig nach innen ge-
bogen, so dass sie mehr stachelartig erscheinen.
33) Cypraea Lynx Linn.
Lamarck 1. c. X. p. 513. no. 29.
34) Cypraea felina Gmel.
Kiener 1. c. pl. 33. fig. 3.
Lamarck 1. c. X. p. 560. no. 89.
Verzeicliniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 165
35) Cypraea caput serpentis Linn. Var.
Lamarck 1. c. X. p. 21.
363 Cypraea radians Lam.
Lamarck 1. c. X. p. 540. no. 62.
Kien er 1. c. pl. 23. fig. 3.
„Peru.«
Dies ist die einzige von allen aufgezählten Cypraeen,
bei denen Herr v. Tschudi ausdrücklich das Vaterland be-
merkt hat; daher darf es für die übrigen nicht völlig ausge-
macht gelten, dass sie an der Küste von Peru gelebt haben.
In diesem Zweifel werde ich durch d'Orbigny's Angabe
(Voy. Moll. p. 415), dass es in Südamerika nur eine Art,
C. nigropunctata Gray, gebe, bestärkt.
Toxog^lossata«
Farn. Conoidea.
37) Conus marmoreus Linn.
Lamarck L c. XL p. 7. no. 1.
38) Conus vermiculatus Lam.
Lamarck L c. XL p. 22. no. 17.
Martini ConchyL-Cab. IL fig. 699— 700.
Conus hebraeus Var. Kien er L c. pL 8. fig. 3.
39) Conus purpurascens B r 0 d.
Kien er L c. pL 39. fig. 2.
Lamarck L c. XL p. 134. no. 193.
Da Herr v. Tschudi keine ausdrückliche Angabe über
das Vaterland dieser drei Arten gemacht hat, so darf ihr
Vorkommen in Peru nicht sicher behauptet werden. Da als
Vaterland des Conus purpurascens Panama angegeben wird,
so lässt sich leicht annehmen , dass diese Art auch an den
Küsten Peru's gefunden worden sei.
Probosci^ca*
Fam. Voluta cea.
40) Marginella Sapoülla Hinds.
Sowerby Thesaurus VoL L p. 383. tab. 77. fig. 150. 151.
41) Marginella curla Sow.
Sowerby Thesanrus L p. 397. tab. 76. fig. 88. 89.
Kiener L c. pL 7. fig. 30.
Lamarck L c. X. p. 458. no. 29.
166 Troschel:
42) Mitra episcopalis Lam.
Lamarck 1. c. X. p. 297. no. 1.
Es handelt sich hier um die Varietät, von welcher D e s-
hayes bei Lamarck 1. c. in der Anmerkung meint, dass
sie vielleicht als besondere Art unterschieden werden könnte.
43) Mitra pontißcalis Lam.
Lamarck 1. c. X. p. 300. no. 3,
44) Mitra terebralis Lam.
Lamarck 1. c. X. p. 306. no. 11.
45) Mitra maura Brod.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 427. no. 336. pl. 60. fig. 9. 10.
Fam. Olivac ea.
Die grosse Gattung Oliva wurde früher gewöhnlich mit
Cypraea zu einer Familie vereinigt. Ich muss nach Unter-
suchung der Mundtheile Herrn Gray ^) beistimmen, der in
seiner systematischen Anordnung der Gasleropoden a. a. 0.
ganz nach meinem Principe verfährt, und gestützt auf rei-
ches Material und vollständige Literatur, dort viel Vortreff-
liches niedergelegt hat , wenn gleich sich in Einzelnheiten
doch manche Irrlhümer eingeschlichen haben; namentlich hat
er häufio- die Mundtheile einzelner Arten als Familiencharaktere
hingestellt, während er bei der Untersuchung vieler Arten
in die Lage gekommen sein würde , entweder mehrere Fa-
milien zu trennen, oder die Familiencharaktere anders zu fas-
sen. Ich muss demselben darin beistimmen, dass er die Gat-
tungen Oliva und Ancillaria zu einer Gruppe vereinigt, die
er in die Nähe der Buccineen bringt , glaube aber, dass er
zu weit geht , wenn er diese Gruppe geradezu mit ihnen in
eine Familie stellt. Ich habe die Zunge von Oliva peruana
nach einem Exemplar, welches das Berliner Museum durch
Herrn v. Winter feldt aus Peru erhalten hatte, untersucht,
und gebe hier davon (Taf. VH. Fig. 2.) eine Abbildung.
46) Oliva reticularis Lam.
Martini Conchyl.-Cab. IL fig. 489.
Lamarck 1. c. X. p. 613.
Die Martinische Figur, die bei Lamarck nicht ci-
1) Figurcs of Molluscous animals cel. Vol. L p. 72.
Verzeichniss d, durch v. TschuJi in Peru gesammelt. Conchyl. 167
tirt ist, passt sehr gut, sie wird von Anton, Küster und
Pfeiffer ') zu 0. reticularis gezogen.
„Peru.«
47) Oliva erythrostonia Lam. 2)
Laraarck 1. c. X. p. 606. no. 3.
„Peru.«
48) Oliva pantherijia Phil.
Philipp! Abbild, u. Beschr. III. 3. Oliva. Tab. 1. fig. 1.
49) Oliva Peruviana Lam.
Lamarck 1. c. X. p. 617. no. 28.
Diese Art ist in mehreren Varietäten vorhanden : ein
Exemplar hat einen so scharfen Kiel , dass es sich von 0.
coniformis Phil. (Abb. III. 3. Oliva Tab. I. Fig. 7.) nur durch
die weisse Färbung der Mündung unterscheidet. Ein ande-
res Exemplar ist bräunlich gelb, ungefleckt, mit zwei schwach
ausgeprägten, etwas dunkleren Binden, schlanker als irgend
ein anderes, hat einen scharfen, innen dunkelbraun gefärb-
ten Mundrand und eine bräunlich violett gefärbte Spindel.
Von Philipp i, dem ich sie zur Ansicht mitgetheilt hatte,
erhielt ich sie mit der Bezeichnung zurück : „Oliva peruviana.
Auffallend die violette Spindel.«
Die Zunge von Oliva peruviana (s. Taf. VII. Fig. 2.)
trägt drei Längsreihen von Platten. Die Mittelpaltten sind
kurz und breit, vorn concav und hinten convex, und tragen
am Hinterrande drei Zähne , von denen der mittelste der
kleinste ist. Die Seitenplalten sind dreiseitig, höher als breit
und laufen in eine zahnartige Spitze aus : ihre Ränder sind
ganzrandig. Die hintereinander liegenden Seitenplatten decken
sich so , dass beim Durchscheinen sämmllicher Ränder der
Anschein entsteht, als wenn viele kleine Rhomben mosaikar-
tig neben einander lägen.
50) Oliva granitella La in.
Lamarck 1. c. X. p 614. iio» 18.
.Peru.«
1) Kritisches Kegistei zu Rhirlini und Chemnilz p, 14.
2j Auch Oliva porphyria Lam. findel sich in der Sammlung ; Hr.
V. Tschudi hat sie aber mit „wahrscheinlich von den Sandvvichin-
seln" bezeichDet.
168 Troschel:
51) Oliva hiatula Lam.
Lamarck 1. c. X. p. 627. no. 52.
Agaronia hiatula Gray Beechey's Voy.
Hialula Lamarckii Swains. Zool. lUuslr. II. t. 2. pl. 76. fig> 2.
52) Oliva volutella Lam. ,
Lamarck 1. c. X. p. 623.
Diese Art gehört der Gattung Olivella Swains. = Oli-
vina d'Orb. an. Der Deckel ist an zweien der vorliegenden
Exemplare vorhanden. Er ist lang und schmal , 7 Mill. lang
und 2^Mill. breit, hat einen geraden der Spindel im Zustande
der Zurückgezogenheit der Thieres anliegenden Rand , der
ein wenig verdickt erscheint, und einen unregelmässig gebo-
genen Rand, der sehr dünn, durchscheinend und unregel-
mässig gekerbt ist. Gray i) nennt den Deckel in der Cha-
rakteristik der Gattung „distinct, half-ovate; nucleus subapi-
cal"; ich kann jedoch keine so deutliche Anwachsstreifen
des Deckels wahrnehmen, dass sich eine Angabe über die
Lage des Nucleus machen Hesse.
„Peru.«
53) Oliva columellaris S o w.
Lamarck 1. c. X. p. 633.
^ Olivina columellaris d'Orbigny Voy. Moll, p. 419, no. 325.
„Peru."
Farn. Canalifera.
54) Columbella strombiformis Lam.
Lamarck 1, c^ X. p. 266. no. 1.
Sowerby Thesaurus I. p. 110. pl. 36. fig. 1. 2.
55) Columbella fuscata S o w.
Proceed. Zool. soc. of London 1832. p. 117.
Col. meleagris Kien er 1, c. pl. 3. fig. 3.
Sowerby Thesaurus l. p. Il4. pl. 36. fig. 21. 25.
Lamarck 1. c. X. p. 276. no. 22.
„Peru.«
56) Columbella lanceolata Sow.
Proceed. zool. soc. of. London 1832. p. 116.
Kiener 1. c. pl, 15. fig. 2.
1) Figurcs of MoUuscous animals I. p. 72.
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 169
Sowerby Thesaurus I. p. 139. pl. 40. fig. 153 — 155.
Lamarck 1. c. X. p. 293. no. 48.
„Peru."
57) Turbinella nassatula Lam.
Kiener 1. c. pl. 11. fig. 2.
Lamarck 1. c. IX. p. 387. no. 20.
58) Turbinella cerata Gray.
Wood Ind. Test. Supl. Tab. Y. Fig. 15.
Reeve Conch. icon. sp. 37.
Der Deckel ist vorhanden. Er ist viel kleiner als die
Mündung der Schale, länglich eiförmig, am unteren Ende zu-
gespitzt; an diesem liegt der Nucleus und die Amvachsstrei-
fen liegen auf der äusseren Fläche (Taf. Vi. Fig. 3. a) pa-
rallel dem Rande, welcher dem Nucleus gegenüberliegt. Auf
der innern, dem Fusse des Thieres angewachsenen Seite läuft
um den ganzen Deckel eine Wulst , die am Apex und am
Aussenrande am breitesten ist, und eingeschlossen von die-
sem Wustringe liegt der vertiefte Muskeleindruck, in dem
fünf sehr deutliche , länglich concentrische Streifen sichtbar
sind , die jedoch zum Theil durch den breiteren Theil des
Randvvulstes verdeckt sind , so dass sie sich nicht völlig
schliessen (Taf. VI. Fig. 3. 6).
„Peru.«
59) Fasciolaria granosa Brod.
Proceed. zool. soc. 1832. p. 32.
Kiene^* 1. c. Fasciolaria pl. 5.
Lamarck 1. c. IX. p. 437. no. 11.
Der Deckel ist auch hier vorhanden ; er, ist ganz wie
bei der vorigen Gattung; doch schliesst er, ein wenig ein-
gesenkt, die Mündung, ist also grösser.
„Peru."
60) Cancellaria chrysostoma S ö w.
Kien er 1. c. Cancellaria pl. 8. fig. 2.
Sowerby Thesaurus II. p. 451. pl. 94. fig. 39.
Lamarck 1. c. IX. p. 414. no. 20.
„Peru.«
61) Pijrula ventricosa Sow.
Kien er 1. c. Pyrula pl. 12. fig. 2.
Lamarck 1, c. IX. p. 521. no. 29.
170 Troschch
62) Pyriila paiiila Brod et Sow.
Lamarck 1. c. IX. p. 522. no. 31.
„Peru.«
Fam. Muricea. *
Hier sei mir die Bemerkung" erlaubt, dass in der schein-
bar sehr gut charakterisirten Familie der Muriceen noch
Verschiedenartiges enthalten ist. So hat z. B. Tritonium
succinctum einen vorstreckbaren Rüssel, wie er der Familie
zukommt, aber in ihm liegt eine Zunge mit sieben Längs-
reihen von Platten , ganz wie bei den Taenioglossen \), wo-
gegen Murex brandaris eine Zunge besitzt, auf der die Plat-
1) Beiläufig theile ich hier mit, was ich über Tritonium succin-
ctum in meinen Manuscripten verzeichnet habe : die äusseren Mundtheile
entsprechen ganz denen von Buccinum undosum. Es findet sich näm-
lich vorn ein lappenförmiger Fortsatz, dessen vordere Mitte etwas ab-
gerundet ist, und eine OefFnung zeigt , durch welche der Rüssel her-
vortreten kann. Zu jeder Seite geht der Kopflappen in die Fühler
über, die aussen unter der Mitte die schwarzen Augen tragen. Der
Fenis , welcher rechts und hinter dem Rüssellappen liegt , ist flach
gedrückt, und der ganzen Länge nach mit dunkelbraunen kleinen scharf-
begrenzten Flecken besetzt ; er legt sich ganz wie bei Buccinum un-
dosum unter den Mantel in die Kiemenhöhle. Nimmt man die Mus-
kelhaut des Thiers von oben weg , so kommt man zunächst auf einen
breiten flachen Rüssel , der durch Ausstülpung hervorgestreckt wird.
Vorn ist er spitz abgestutzt, und hat eine geringe Oeff'nung. Im In-
nern des Rüssels findet sich unmittelbar hinter der OefFnung eine läng-
lich runde Mukelmasse, von der hinten und oben der Schlund entspringt,
welcher die Höhlung des Rüssels der Länge nach durchläuft, und
überall mit den Wänden desselben durch zahlreiche feine Muskelfasern
verbunden ist. In der Mundmasse finden sich zwei seitliche Muskel-
verdickungen , mit rudimentären Kiefern, d. h. schuppigen Membranen,
wie sie bei so vielen Schnecken vorkommen. Die Zunge , obgleich
den Peruanischen Mollusken fremd, mag, da ich einmal von ihr spreche,
auch auf der Tafel (Taf. VII. fig. 3.) einen Platz finden. Ihre Mittel-
platten sind breit , und tragen am vorderen umgeschlagenen Rande
einen mittleren kräftigen Zahn und neben ihm jederseits etwa 5 kleine'
Zähnchen oder Einkerbungen; die Zwischenplatten sind schief nach
innen geneigt, ziemlich breit und neben dem Hauptzahn gekerbt; die
beiden Seitenplatten sind gekrümmte ziemlich spitze Dornen, die in der
Ruhe sich nach innen legen, und die Zwischenplalten zum Theil ver-
decken.
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 171
ten nur drei Längsreihen bilden. Es versteht sieht sich von
selbst, dass solche Verschiedenheiten in einer Familie nicht
zulässig sind. Untersuchungen an weiterem Material können
erst über die Grenzen , welche hier zu ziehen sind, ent-
scheiden.
63) Murex princeps Brod.
Kien er 1. c. Wurex pl. 29, flg. 1.
Lamarck 1. c. IX. p. 609. no. 79.
64) Murex microphyllos Lam.
Lamarck 1. c. IX. p. 576. no. 21,
„Peru.«
65) Murex rectirostris Sow.
Proceed. zool. soc. 1840.
Ree ve Conch. icon. sp. et fig. 91.
„Peru.«
66) Murex squamosus Brod.
Br oder ip Porceed. zool. soc. 1832. p. 176.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 455. no. 403.
67) Murex Boivinü K i e n e r.
Kien er 1. c. Murex. p. 81. no. 59. pl. 43. fig. 2.
Der Nucleus des Deckels liegt am äusseren convexen
Rande, näher der Basis der Mündung, ungefähr auf ^/^ der
Länge des Deckels. Auf der imiern Seite des Deckels ist
die Ansalzfläche nicht vertieft , auf ihr zeichnen sich einige
concentrisclie Linien aus, die schräg liegenden Ellipsen ange-
hören; der freie Rand der Innenfläche ist nur ein dünner
glänzender Ueberzug. QS. die Abbild. Taf. VL Fig. 4.)
68) Tritonium rudis Brod.
Proc. zool. soc. 1833. p. 5.
Archiv für IVaturgesch. Jahrg. I. Bd. 1. p. 291.
„Peru.«
69) Tritonium scabrum King.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 450. no. 389. pl. 62. fiy. 13,
„Peru.«
70) Tritonium pileare Lam.
Lamarck I. c. IX. p. 630. no. 9.
71) Ranella coelata Brod.
Lamarck 1. c. IX. p. 554. no. 21.
172 Troschel:
Farn. Buccinea.
72) Ter ehr a maculata Lam.
Lamarck 1. c. X. p. 238. no. 1.
Kiener 1. c. pl. I. fig. 1.
Sowerby Thesaurus no. 1. fig. 33.
„Peru.'«
73) Nassa luteostorna K i e n e r.
Kien er I. c. Buccinum p. 110. no. 107. pl. 30. fig. 1.
Der Deckel ist elliptisch , an beiden Enden ziemlich
gleichmässig abgerundet. Der innere und der obere Rand
sind ganzrandig, der äussere Rand ist mit sechs spitzen Vor-
sprüngen gezähnt, die Vertiefungen zwischen den Zähnen sind
ausgerundet; der untere Rand trägt 3 noch kräftigere ähnliche
Zähne; der Nucleus liegt. am Aussenrande unterhalb der Zähne
und bildet gleichsam die Grenze zwischen dem unteren und
äusseren Rande. Auf der inneren Fläche des Deckels liegt
an dem Innenrande, durch eine breite glänzende Fläche vom
Aussenrande getrennt , eine wenig vertiefte Fläche zur An-
heftung an den Fuss, die etwa die Hälfte der Deckelfläche
einnimmt. (S. Taf. VI. Fig. 5).
74) Nassa dentifera d'Orb.
Buccinum dentiferum Powis Proc. zool. soc. 1825.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 432. no. 349. pl. 61. fig. 22. 23.
Der Deckel hat am Aussenrande nur stumpfe undeut-
liche Einkerbungen anstatt der Zähne der vorigen Art, der
Nucleus liegt an der Spitze. Es ist mir demnach wahrschein-
lich, dass die Arten der Gattung Nassa ohne, oder mit sehr
geringer Kalkschwiele an der Mündung, zu welcher die in
Rede stehende Art gehört, als besondere Gattung abgetrennt
werden müssen, ich habe mich vergebens bemüht, aus dem
eingetrockneten Thier die Mundtheile herauszupräpariren, habe
mich aber davon überzeugt, dass der Fuss vorn gespalten
ist, und dass die Augen auf y^ der Höhe der Fühler sitzen.
„Peru.«
75) Nassa Gayi d'Orb.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 432. no. 350.
Kiener 1. c. Buccinum. no. 70.
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 173
76) Nassa Tschudü Nob. nov. spec.
(Taf. V. Fig. 4.)
N. testa oblonga, longitudinaliter coslato-tiiberculata,
Iransversim sulcata, pallida fasciis Iribus fuscis cincta; spira
acuta ; apertura laevigata , basi columellae siibplicata , suico
profundo siipra siphonem.
Diese Schale wurde mir von P h i 1 i p p i mit der Bemerkung
remittirt: „Buccinum Gayi Kien, nach Dkr. Die Abbildung
und Färbung bei Kien er stimmen gar nicht.« Wenngleich
diese Art der vorigen sehr ähnlich ist, namentlich darin, dass
die den Sipho umgebende Wulst bei beiden durch eine tiefe
Furche von der letzten Windung abgesetzt ist, so unterschei-
det sie sich doch durch die glatte Mündung^ die bei Gayi
innen gezähnt ist, durch die stärker tuberkulirten Längsrip-
pen, die auch auf der letzten Windung bei allen Exemplaren
kräftig ausgebildet sind, und durch die Färbung, die sich durch
drei rothbraune Binden auf hellem, weisslichem Grunde aus-
zeichnet; auch ist sie kleiner. Die Schale hat sechs Win-
dungen, auf der letzten stehen auf jeder Längsrippe 8, auf
den vorigen 4 Höcker. Die obersten Höcker jeder Win-
dung sind stärker als die übrigen und durch eine tiefere
Furche abgesetzt. Die oberste der drei braunrothen Binden
bedeckt die beiden obersten Höckerreihen, sie ist auf allen
Windungen sichtbar; die zweite verläuft auf der öten und
6ten Höckerreihe, die dritte am Grunde der letzte"h Windung,
die beiden letzteren Binden sind nur auf der letztern Windung
sichtbar. Höhe lOMill., Durchmesser 6 Mill., Höhe der Mün-
dung 472 Mill. •
„Peru.«
77) Buccinuni panamense Phil.
Zeitschr. f. Walakozoologie 1851. p. 61. no. 73.
Das Exemplar ist von Philippi selbst als „B. pana-
mense Var. costis numerosis confertis« bestimmt. Gehört mit
den drei vorigen in eine Gruppe.
„Peru.«
78) Dolium latilabre Kien er.
Malea lalilabris Yalenc. bei Humboldt et Bonpia rid Be-
cueil d'obstiv. p. 325.
174 ^ Troschel:
Kiener 1. c. p. 14. no. 8. pl. IV. fig. 7.
„Peru.«
79) Purpura patula Lam,
Lamarck 1. c. X. p. 61. no. 3.
Kien er I. c. pl. 24. fig. 66.
Der grosse Deckel schliesst, eingesenkl, die ganze Mün-
dung; der Nucleus liegt in der Mitte des Aussenrandes, die
Anwachsstreifen sind fast geradlinig, wie der innere Rand,
und wenden sich nur an beiden Enden ein wenig nach dem
Aussenrande zu. Auf der inneren Fläche des Deckels liegt
die Muskelvertiefung am Innenrande und ist vom Aussen-
rande durch eine breite glänzende Schwiele getrennt. In der
Muskelvertiefung liegen fünf concentrische Streifen. Auf
beiden Flächen ist der Deckel mit einer mikroskopisch fei-
nen Sculptur versehen, die in quer laufenden Runzelchen
besteht.
„Peru.«
80) Purpura haemastoma Lam.
Lamarck 1. c. X. p. 67. no. 11.
Deshayes spricht sich in einer Note zu obigem Ci-
tat dahin aus, dass die im Indischen Ocean und an den Kü-
sten Peru's lebenden Exemplare als verschiedene Species an-
zusehen seien. Leider giebt er die Unterscheidungsmerk-
male nicht an. Mir ist es nicht gelungen , dergleichen auf-
zufinden, daher halte ich die Peruanischen Stücke nicht für
specifisch verschieden. Da diese Schnecken sich gerne an
Schiffen anheften, so lässt sich ihre so weite geographische
Verbreitung leicht durch Verschleppung erklären.
81) Purpura chocolatum Duclos.
Lamarck 1. c. X. p. 106. no' 72.
Kiener 1. c. pl. 26. fig. 70.
„Peru.^^
82) Purpura columellaris Lam.
Lamarck 1. c. X. p. 62. no. 4.
Kien er 1. c. pl. 20. fig. 58.
Der Deckel stimmt in jeder Beziehung mit dem von
Purp, patula überein; die zahnartige Leiste an der Columella
veranlasst keinen Einschnitt in denselben.
^Peru.«
Vevzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 175
83) Purpura angulifera Duclos.
Kien er 1. c. p. 60. no. 37. pl. 15. fig. 42.
Der Deckel stimmt ganz mit denen von P. palula und
columellaris überein, nur dass er durch eine Einbucht seines
Cohmiellarrandes, veranlasst durch die kräftige Falte auf der
Spindel, die sich tief in das Innere fortsetzt, eine nieren-
förmige Gestalt bekommt. Die Sculptur der Innenseite ist viel
gröber und daher deutlicher als die der Aussenseile des
Deckels.
84) Purpura echinulata Lam.
Lamarck 1. c. X. p. 84. no. 40.
Bei sonst grosser Uebereinstimmung des Deckels mit
den übrigen Arten dieser Galtung, unterscheidet er sich sehr
auffallend dadurch, dass er am Aussenrande über 20 Zähne
trägt , die kleine an der Aussenfläche hohle Rinnen bilden.
CVergl. Taf. VI. Fig. 6.)
„Peru.«
85) Purpura sanguinolenta Duclos.
Guerin Mag. de Zool. V. pl. 22. fig. 1.
So ist mir diese Schale vonPhilippi bestimmt; ich bin
leider nicht in der Lage, die Bestimmung durch Vergleichung
mit der Abbildung verificiren zu können. Es liegt ein Deckel
bei der Schale, der so übereinstimmend mit dem oben be-
schriebenen von Turbinella cerata ist, dass ich den Verdacht
nicht unterdrücken kann , er sei durch eine Verwechselung
zu dieser Schale gekommen, die übrigens so sehr von Pur-
pura abweicht, dass ich sie , auch abgesehen vom Deckel,
für keine Purpura halten würde.
„Peru.«
86) Monoceros imbricaium Lam.
Lamarck 1. c. X. p. 118. no. 2.
Es ist mir gelungen, aus dem eingetrockneten Thiere
ein Stück der Zunge herauszupräpariren, sie ist (Taf. VII.
Fig. 4.) abgebildet. Leider war sie jedoch in einem sehr
verletzten Zustande und liess sich nicht mit völliger Sicherheit
untersuchen. Sie stimmt ganz gut mit den mir bekannten Ar-
ten von Purpura überein. Die Mittelplatte ist breit, und wie
176 Troschel:
aus mehreren übereinanderliegenden Lamellen zusammenge-
setzt. Sie trägt einen am hintern Rande hervorragenden mitt-
leren Zahn, neben ihm jederseits einen ähnlichen, aber kür-
zeren, der innen am Grunde einen kürzeren Nebenzahn trägt;
der Rand der Platte ragt auch zahnartig vor. Die Seiten-
platten dünne, etwas säbelförmig gekrümmte Dornen, die auf
einem Basalstück befestigt sind.
Der Deckel ist dünner, heller gefärbt und durchsichti-
ger als gewöhnlich bei den Purpura - Arten. Der Nucleus
liegt auch an dem Aussenrande, jedoch nicht in der Mitte,
sondern mehr nach der Basis zu, genau auf ^/-^ der Länge;
dadurch werden auch die, concentrischen Streifen auf dem
Muskeleindruck der Innenfläche des Deckels schief. (Vergl.
Taf. VL Fig. 7). Der Aussenrand ist ungemein fein gekerbt,
was leicht zu übersehen ist. i
87) Concholepas peruvianus Lam.
Lamarck 1. c. X. 126. no. l.
Auch von dieser Art habe ich an einem eingetrockne-
ten Thiere die Zunge herausfinden können. Sie halte eine
Länge von 1 Zoll bei einer Länge von r/^ Zoll des gan-
zen eingetrockneten Thiers. Die Mittelplatten tragen hinten
drei sehr kräftige , gleich grosse Zähne , die Seitenplatten
sind gebogene Dornen, die, wenn nach innen gewendet, den
mittleren Zahn der Mittelplatte erreichen. (Vergl. Taf. VIL
Fig. 5.)
Der Deckel liegt beim zurückgezogenen Thier so, dass
der Aussenrand mit dem Nucleus nach vorn gerichtet ist;
er ist natürlich viel kleiner als die weite Mündung der Schale.
Uebrigens würde man ihn von Purpura nicht unterscheiden
können.
88) Cassidaria cingulata Lam.
Lamarck 1. c. X. p. 9.
Triton undosum Kien er 1. c. Triton pl. VI. fig. 2.
Von dieser Art liegt ein vortreffliches Exemplar vor,
an welchem sowohl die Epidermis als der Deckel erhalten
ist. Auf der Schale, und die Querfurchen völlig verdeckend,
liegt eine dicke Epidermis von bräunlicher Farbe, die in
ziemlich regelmässigen Abständen wulstige Längsfalten bildet,
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 177
die mit einer Reihe fadenförmiger Anhänge gefranzt sind. Sol-
cher Epidermal-Wülste sind auf der lezten Windung etwa
24 vorhanden. Dieselben geben allerdings der Schale ganz
das Ansehen eines Triton, wodurch sich wohl Kiener ver-
anlasst gesehen hat , einen Triton daraus zu machen. Der
Deckel entscheidet aber dagegen. In einer Note zu Triton
undosum Lam. 0 tadelt Des ha y es mit Recht Kien er, dass
er dieser Art nicht mindestens den specifischen Namen „cin-
gulatum„ gelassen habe, lässt es aber ungewiss, ob die Art
in die Gattung Triton oder Cassidaria einzureihen sei, bis
zu dem Augenblick , wo wenigstens der Deckel uns bekannt
sein wird. Der Deckel hat einen länglichen Nucleus, der
am Aussenrande liegt , wie bei Purpura , nur nicht in der
Mitte , sondern mehr der Basis zu , auf V3 der Länge des
Deckels. Auf der innern Seite des Deckels liegt ein oben
und unten etwas zugespitzter Muskeleindruck, auf welchem
mehrere Streifen parallel dem Innenrande des Deckels; längs
dem Aussenrande verläuft ein breiter Wulst, der jedoch da,
wo aussen der Nucleus liegt , einen starken Vorsprung in
den Muskeleindruck macht. (Vergl. die Abbild. Taf. VI. Fig. 8).
Ich kenne zwar den Deckel einei' anderen Art der Gattung
Cassidaria nicht aus eigener Ansicht, halte mich aber, nach
der Angabe von Deshayes 2), über den Deckel der Gat-
tung Cassidaria, für berechtigt, unsere in Rede sJehendeArt
für eine Cassidaria zu erklären. Gray's Angabe ^)^ dass
Cassidaria echinophora keinen Deckel besitze, beruht auf
einem Irrthume. Es ist unzweifelhaft, dass die sehr ver-
wandten Arten Fusus Voigtii Anton '*) und Fusus Wieg-
manni Anton ^) in dieselbe Gattung Cassidaria gehören.
Rhipidog^lossata.
Bereits oben habe ich angedeutet, dass ich die Tro-
choiden und Neritaceen von den Kammkiemern ausgeschie-
1) Lamarek Anim. sans Vert. IX. p. 642.
2) Lamarek 1. c. X. p. 5.
3) Figures of Molluscous animals Vol. I. p. 69.
4) Philippi Abbild. I. Fusus Tab. I. Fig. 1.
5) Philippi Abbild. II. Fusus Tab. II. Fig. 2. 4.
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. i. Bd. 12
178 Troschel:
den habe. Diese Ausscheidung ist nolhwendig-, denn die ge-
nannten Familien haben in der That wenig Aehnlichkeit mit
den Kammkiemern, ja sie haben nicht einmal kammförmige
Kiemen. Sie stimmen nur darin mit ihnen überein, dass die
Kiemen , eine oder zwei , in einer Kiemenhöhle verborgen
sind; diese Kiemen sind aber federförmig, an einem mittle-
ren Schaft reihen sich zweizeilig die Kiemenblättchen an,
und die Kieme ragt frei flottirend in die Kiemenhöhle. Bei
den Kammkiemern hat dagegen die Kieme gleichsam nur an
einer Seite des Schaftes die Blättchen, der Schaft ist der
ganzen Länge nach an die Wand der Kiemenhöhle angewach-
sen, und flottirt also nicht frei. Es liegt hierin eine sehr
wichtige zoologische Differenz, die durch hinzutretende Ver-
schiedenheit anderer Organe auf das Vollständigste bestätigt
wird. Leuckart 0 sieht die federförmige Kieme als die
Grundform an, und leitet davon alle die vorkommenden Kie-
men als Variationen dieser Grundform (p. 133) ab, mit Aus-
nahme der Gymnobranchiaten, bei denen die Kiemen nur ein-
fache Fortsätze des Mantels, nicht selbstständige Productionen
der äusseren Körperhülle seien. Jedenfalls und unter allen
Umständen stellen jedoch die kammförmige und die feder-
förmige Kieme zwei Formen dar, die nicht in einer Ordnung
vereinigt werden dürfen. Andererseits stimmen die Kiemen
von Haliotis und Fissurella so gut mit denen der Trochoiden
und Neritaceen überein, dass schon hierdurch auf eine Ver-
einigung der Cuvier'schen Scutibranches mit den ausgestos-
senen Kammkiemern hingewiesen wird. Andererseits haben
die Mundtheile in den zahlreichen fächerförmig geordneten
seitlichen Plättchen der Zunge eine so grosse Uebereinstim-
mung unter einander , und zugleich eine so grosse Abwei-
chung von allen übrigen Schnecken, dass dadurch die Auf-
stellung dieser Ordnung zur vollkommensten Berechtigung
gelangt. Ich halte diese Ordnung für die beste und unum-
stösslichste unter allen. Es hätte vielleicht nahe gelegen,
ihr den Cuvier'schen Namen Scutibranchia zu lassen, indes-
sen theils bilden die Scutibranches den geringsten Theil der
1) Morphologie der wirbellosen Thiere. p. 129 fif.
Verzcichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 179
neuen Ordnung, theils verbindet sich mit diesem Namen der
von Cuvier hineingelegte Begriff des Zwitterthums mit
Selbstbefruchtung , der vermieden w^erden muss. Ich habe
diese Gruppe i) Rhipidoglossata genannt , nach dem hervor-
stechendsten Charakter der Zungenbildung, durch welchen
ich zuerst zur Erkenntniss der Ordnung gelangt bin.
Farn. N er itacea.
89) Nerita polita Linn.
Lamarck 1. c. Vlll. p. 604.
„Peru.«'
90) Nerita praecogtnta Adams.
Philip pi hat diese Art nach Vergleichung mit Exem-
plaren bestimmt; weder er noch ich kennen eine Beschrei-
bung oder Abbildung unter solchem Namen; auch in dem
Verzeichnisse des besten Neriten-Kenners Recl uz 2) kommt
ein solcher Name nicht vor. Das vorliegende Exemplar ist
sehr jung. Die Spindelfläche ist mit Höckern besetzt; in der
Mitte des Spindelrandes zwei schwache Zähne; innen am
Labrum 10 schwache Zähne, von denen die beiden oberen
die stärksten; die Spira springt sehr wenig hervor, die letzte
Windung ist mit 15 Spiralen Rippen von ungleicher Breite
umgeben , die durch einfache Furchen getrennt sind ; die
Rippen sind sehr zierlich, aber unregelmässig mit gelben und
schwarzen Querslreifen gefärbt. Der Deckel ist nicht vor-
handen.
„Peru.«
91) Nerita cerostoma Nob. n. sp.
(Taf. V. Kig. 5.)
Testa subglobosa, transversim costata, nigra ; costis 22,
superioribus latioribus; spira brevissima , obtusa; apertura
flava , labio supra concavo, subrugoso, rugis callo tenui sub-
tectis, margine dentibus tribus armato; labro intus tenuiter
dentato , supra dente maiore.
Diese Art beschreibe ich auf die Gefahr hin als neu, dass
1) Handbuch der Zoologie. 3. Auflage 1848. p. 553.
2) Journ. de Conchyl. I. p.282.
180 Troschel:
sie irgendwo unter den von R eclu z beschriebenen stecke. Sie
ist fast kuglig, schwarz, quer gerippt; solcher Rippen sind 22
vorhanden, die durch einfache Furchen getrennt, und einfach
convex sind ; die obern sind breiler als die untern. Die Spira
tritt wenig hervor und ist stumpf. Die Mündung ist gelb gefärbt.
Die Spindelfläche ist etwas concav, auf ihr sind deutlich Runzeln
sichtbar, diese sind jedoch schwach ausgeprägt und geben den
Anschein als wenn eine gelbe schwielige Masse sie verdeckte,
obgleich sie doch eben auf dieser Schwiele gebildet sind. Der
Labialrand trägt in der Mitte drei bis vier Einkerbungen , wo-
durch zwei oder drei Zähne gebildet werden (das grössere
vorliegende Exemplar hat drei, das kleinere nur zwei Zähne).
Das Labrum ist scharf, schwarz gesäumt und am Rande
durch die etwas hervortretenden Rippen schwach gekerbt;
innen ist das Labrum verdickt und auf dieser Verdickung fein
gezähnt. Solcher feinen Zähne zähle ich 16 — 18 , zu de-
nen an der Basis zwei etwas entfernte und etwas grössere
hinzutreten ; oberhalb folgt auf sie ein bedeutend grösserer
stumpfer Zahn. Weiter innen liegt an der Basis die gewöhn-
liche Schwiele zur Befestigung des Deckels. — Der Deckel
ist auf seiner Ausseufläche granulirt , nur am Basalende hat
er eine glatte Stelle. Unter derselben auf der Innenfläche
ist das ganze Basalende schwielig verdickt; diese Verdickung
nimmt den ganzen Raum neben dem Zahnvorsprung ein, und
ist am Rande fein gefurcht, auf der dem muskulösen Fusse
anliegenden Fläche unregelmässig concentrisch gestreift.
Da in der Schale das Thier eingetrocknet war, so habe
ich die Zunge , nach Aufweichung in Wasser , untersuchen
können (Vergl. Taf. VII. Fig. 7.). Sie hat sehr viele Aehn-
lichkeit mit der Zunge von Neritina fluviatilis, der einzigen,
die meines Wissens bisher aus der Familie der Neritaceen
untersucht und abgebildet worden ist. Die Zunge besteht
aus einer bandförmigen Membran, deren äussere Seiten sich
so erheben , dass eine Rinne entsteht. In jeder Querreihe
von Platten liegt eine Mittelplatte, der sich jederseits eine
Zwischenplatte anschliesst, ihr folgen drei Seitenplatten, und
zuletzt eine grosse Anzahl eng neben einander liegender
schmaler Plättchen, die den Fächer bilden. Die Mittelplatte
ist klein und viereckig («). Die Zwischenplatte (6) ist breit,
Verzeichniss d. durch v. Tschudi id Peru gesammelt. ConchyL 181
sehr gross, etwa viereckig und trägt durch Umschlagen des
vorderen Randes einen am vordem Aussenwinkel liegenden
Zahn ; die erste und zweite Seitenplatte (c. c?) sind winzig
klein , und werden leicht übersehen , die dritte Seitenplatte
erweitert sich nach vorn, schlägt sich in die Höhe und bil-
det eine schirmförmige Membran , deren hinterer Rand ganz-
randig ist; Loven 0 sieht diese Platte als zu den uncinis
(so nennt er die fächerförmigen Plättchen) gehörig an. Die
Fächerplatten sind schmal, ganzrandig, am Ende nach innen
umgebogen und sehr zahlreich.
92) Neritina intermedia S o w.
Proc, zool. soc. 1832. p. 201.
Sowerby Thesaurus X. p. 519. pl. 114. flg. 174—176.
Neritina globosa Brod. Proc. zool. soc. 1832. p. 201.
Im Thesaurus 1. c. erklärt Sowerby beide citirte Ar-
ten für identisch.
Farn. Trochoidea.
93) Monodonta carchedonius Lam.
Lamarck 1. c. IX. p. 175. no. 7.
„Peru.«
94) Diloma nigerrima Phil.
Turbo nigerrimus Gmel. p. 3597. no. 35.
Trochus araucanus d'O r b i g n y Voy. Moll. p. 410. pl. 55. fig. 5—8,
Philipp! in Zeitschr. für Malakozoologie 1847. p. 19.
Philipp! macht a. a. 0. diese Art zum Typus seiner
- Gattung Diloma , die sich durch den eigenthümlichen Kalk-
wulst, in den sich die Spindel innerhalb des Aussenrandes
fortsetzt, auszeichnet. Da das eingetrocknete Thier nebst
Deckel verliegen, so kann ich bemerken, dass diese Art kei-
nen Kiefer besitzt. — Die Zunge (Taf. VII. Fig. 8.) ist ein
wenig unsymmetrisch. Die Mittelplatte ist etwas schief, ver-
schmälert sich von hinten nach vorn und schlägt ihren Vor-
derrand um , so dass er frei nach hinten sieht. Ihr folgen
jederseits fünf Zwischenplatten, die vom breiten Grunde nach
1) Öfversigt af Kongl. Veteiisk. AUad. Förhandlingar. 1848. Tab.
VI. Neritina fluviatilis.
182 Troßchel:
vorn sich verschmälern, und ihren Vorderrand umschlagen;
die Spitze sieht nach innen und der freie Hinterrand ist fein
gezähnt. Die äussere oder fünfte Zwischenplatte ist bei wei-
tem stärker als die übrigen , und ist am deutlichsten und
gröbsten am freien Hinterrande gezähnt. Nun folgt je-
derseits eine an Gestalt etwas abweichende Seitenplatte, an
deren Rande ich keine Zähnelung wahrnehmen kann. An
sie schliessen sich die äusserst feinen Platten, die die ge-
wöhnlichen Fächer bilden. — Der Deckel ist kreisrund,
dünn, durchscheinend. Der Nucleus liegt in der Mitte und
stellt auf der Innern dem Fusse anliegenden Seite eine kleine
von einem erhabenen Walle umgebene trichterförmige Ver-
tiefung dar. Die spiralen Anwachsstreifen sind sehr eng,
am wenigsten in der Nähe des Cenlrum zu bemerken; es
sind deren vom Centrum zum Rande über 20.
»Peru.«
95) Omphalms euryomphalus Phil.
Trochus euryomphalus Jonas Zeitschr. f. Malakoz. 1844. p. 113.
Philipp! Abbild. Band. II. Trochus tab. V. fig. 4.
An dem eingetrockneten Thier habe ich mich überzeu-
gen können , dass ein Kiefer nicht vorhanden ist. — Der
Deckel ist sehr eng, aber sehr deutlich spiral, mit centralem
Nucleus.
„Peru.«
96) Trochus Biischii P h i 1 i p p i.
Küster's Conchylien-Cabinet II. 3. Tab. 32. Fig. 1.
97) Trochus undosus Wood.
Wood Suppl. Ind. Teslac. Tab. V. Fig. 1.
Trochus gigas Ajiton. Verzeichn. p. 56. no. 2017.
Cf. D unk er bei Philippi Abbild. I. p. 187.
Trochus undosus Philippi bei Küster Conchyl.-Cab. II. 3. p. 219.
Taf. 33. Fig. 1.
Leider sind in den letzten beiden Arten die Deckel
nicht conservirl ; eben so wenig ist das eingetrocknete Thier
vorhanden.
A myxa nov. gen. '
Maxiila nulla ; testa crassa , subglobosa, apertura ro-
tunda, intus striga margarilacea simplice cincta; umbilicus
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 183
nullus; myxa basalis nulla; operculum spirale, anfractibus
paucis, extus callo calcareo gibboso, granuloso tectum.
98) Amyxa nigra Nob.
Turbo nig er Wood. Index tesl. Suppl. Tab. VI. no. 1.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 411. not 315. pl. 55. lig. 9—11.
Philippi in Küster's Conchyl.-Cab. II. 2. p. 49. no. 4. Taf. 12.
Fig. 4.
Bei einer Eintheilung des grossen Genus Turbo wird
die in Rede stehende Art nothwendig der Typus einer eige-
nen Gattung werden müssen. Sie besitzt keinen Kiefer, wäh-
rend ich von anderen Arten , z. B. T. rugosus, sarmaticus
u. a. die Anwesenheit eines Kiefers beobachtet habe, (dabei
ist jedoch zu bemerken, dass auch die eben genannten Ar-
ten generisch getrennt werden müssen). Die Zunge (Taf. VII.
Fig. 9.) hat in jeder Querreihe eine Mittelpatte, die breiter
als lang ist, vorn mit umgeschlagenem ganzrandigen Rande;
ihm folgen jederseits fünf Zwischenplatten, deren stumpfe
Spitze umgebogen ist , so dass sie nach hinten und ein we-
nig nach innen sieht, und von denen die beiden innern am
Aussenrande einen., die drei äussern am Aussenrande zwei
starke Zahnvorsprünge tragen ; ihnen folgen die fächerartig
neben einanderliegenden Lamellen. Diese letzteren erschei-
^ nen, in natürlicher Lage betrachtet, als linearische Lamellen
mit abgerundeter Spitze, die durch einen oberen Eindruck
gleichsam gefurcht erscheinen. Wenn man sie isolirt und
von der Seite beobachtet, wie es in Fig 9. 6, c, d darge-
stellt ist, so sieht man , wie sie von innen nach aussen an
Länge und Schmalheit zunehmen; alle haben eine nach innen
gerichtete Spitze mit gezähnten Seitenrändern , und unter
derselben am Innenrande einen zahnartigen Vorsprung, der
von der nach innen gerichteten Spitze durch eine ausgerun-
dete Bucht getrennt ist. — In Betreff der Schale wird sich
die Gattung durch die rundliche Mündung, an deren Basis der
bei den echten Turbo allgemein vorkommende dillenartige Vor-
sprung fehlt, unterscheiden lassen; vielleicht auch durch die
schwarze Farbe. Der Perlmutterstreifen, der ja gewöhnlich
die Mündung umgiebt, ist vorhanden , kann sich aber natür-
lich nicht in die Dille ausdehnen, da diese fehlt. Der Dek-
kel ist Spiral mit wenigen, schnell an Breite zunehmenden
184 Troschel:
Windungen; aussen ist er mit einer dicken weissen Kalk-
masse belegt, die eine fein granulirte Oberfläche darbietet.
Ich nenne diese Gattung Amyxa. Eine grosse Aehnlichkeit
der Schale zwischen dieser Art mit Diloma nigerrima Phil,
ist nicht zu verkennen; die Deckel sind jedoch schon hinrei-
chend , sie generisch von einander zu trennen. Vielleicht
ist auch der von d'Orbigny der ganzen Gattung Turbo
zugeschriebene Anhang am Innern Grunde der Fühler als
Gattungscharakter zu benutzen.
„Peru.«
99) Turbo canaliculatus G m e 1.
Chemn. Conchyl.-Cab. V. p. 202. pl. 181. fig. 1794.
Lamarck 1. c. IX. p. 223. no. 40.
Küster Conchyl.-Cab. Turbo p. 26. Tab. 7. Fig. 4.
Farn. Fissurellacea.
Dass diese Familie zu den Rhipidoglossen gehört , ist
unzweifelhaft durch meine Untersuchung der Mundtheile von
Fissurella, so wie durch die Abbildung der Zunge von Emar-
ginula crassa bei Loven 1. c. Tab. 6 bewiesen. Meine Zeich-
nung stimmt mit der eben citirten Loven'schen so gut über-
ein , dass ich kaum einen generischen Unterschied aufzufin-
den wüsste. Beide sind in gleicher Weise unsymmetrisch.
100) Fissur ella crassa Lam.
Lamarck 1. c. VII. p. 592. no. 3.
101) Fissur ella limbata Sow.
Sowerby lllustr. 42. 66. 74.
102) Fissurella elegans Phil.
Ein ganz kleines Exemplar. Philippi hat das Exem-
plar selbst als solches bestimmt. ,
„Peru.«
Cyclobraiichia*
Ich halte die Cyclobranchien für eine sehr gute Ordnung,
was namentlich durch die Mundtheile , deren ich viele unter-
sucht habe, bewiesen wird. Vergl. auch Loven 1. c. Tab. 6,
Die Gaftung Acmaea , welche durch die federförmige Kieme
in der Nackenhöhle den Uebergang zu den Rhipidoglossen
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 185
macht , gehört doch nach der Bildung der Zunge hierher;
ebenso die Gattungen Pilidiuin und Propilidium Forb. Hanl.
Ausser den Chitonen inuss ferner noch Dentalium hierher-
gezogen werden.
Fani. Acmaeacea.
Gould glaubt (Proceedings of theBostonSocietyBd.il.
p. 83 ; vgl. auch Archiv fürNaturgesch. 1850. II. p. 101.) ein
Mittel gefunden zu haben, die Gattungen Patella undAcmaea
(Lottia) auch in den Schalen unterscheiden zu können, in-
dem sich bei Acmaea vorn an der linken Seite eine schwache
Grube oder Undulation finde; mir will es nicht gelingen,
danach mit Sicherheit Entscheidung ^treffen zu können.
103) Acmaea scurra d'Orb.
Patella scurra Lesson Zool. de' la Coq. p. 421. no. 189.
Acmaea mitra Eschsch. Zool. Atlas V. p. 18. tab. 23. fig. 4.
d'Orb igny Voy. Moll. p. 478. pl. 64. fig. 11. 12.
104) Acmaea sciitum Eschsch.
Eschscholtz Zool. Atl. V. p. 19. Tab. 23. Fig. 1—3.
d'Orb igny Voy, Moll. p. 479. PI. 64. Fig. 8—9.
Fam. Patellacea.
105) Patella Pretrei d'Orb.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 481. no. 446. pl. 78. Bg. 15.
106) Patella grammica Phil.
Patella lineata Phil. Zeitsehr. f. Malak. 1846. p. 23.
Palella (Acmaea?) lineata?hi\. Abbild. III. Patella p. 33. Tab. II.
Fig. 1. -
Patella grammica Phil. ib. Register, woselbst der Name geän-
dert ist.
Philippi hat das Exemplar selbst für seine Art an-
erkannt.
107) Patella zebrina Lesson. -
d'Orbigny Voy. Moll. p. 480. no. 445. pl. 65. fig. 1—3.
108) Patella clypeater Lesson.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 480. no. 443.
„Peru."
Fam. Chitonidae.
Obgleich die Peruanischen Küsten so reich an Chitonen
sind, enthält die Tschudi'sche Sammlung nur zwei Arten.
186 Tioscliel:
109) Chitoti granosus Frembl.
Lamarck 1. c. VII. p. 500. no. 24.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 485. no. 458.
1 1 0) Chiton Cumingii Frembl.
Sowerby lUustr. fig. 32.
Lamarck 1. c. VII. p. 500. no. 23. ,
d'Orbigny Voy. Moll. p. 485. no. 457.
Piiliiioiiata.
Farn. Helicea.
111) Helix Estella d'Orb.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 241. pl. 25. fig. 5—8.
Pfeiffer Monogr. Helic. I. p. 341. no. 893.
Archelix Estella Albers Heliceen p. 99.
112) Helix helicycloides d'Orb.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 246. pl. 28. fig. 1—4.
Pfeiffer Monogr. Helic. I. p. 406. no. 1056. _
113) Bulimus maximus Sow. Var. minor.
Cochlogena maximß Sow. in Tank. cat. App. p. VII. 973.
Bulimus kremnoicus d'Orb. Voy. Moll. p. 300. pl. 35. fig. 1. 2.
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 19. no. 50.
Borus maximus Alb er s Helic. p. 142.
Bulimus Huaseäri Tsch. MS.
Herr Dr. v. Tschudi hat mir eine Abbildung mitge-
Iheilt, ohne die Original -Exemplare, die er B. Huascari ge-
nannt hat. Ich habe die Freundschaft mit dem ersten Ken-
ner der Heliceen, Herrn Dr. Pfeiffer, benutzt, um ihm die
Abbildung vorzulegen, und er erklärt sie mit Wahrscheinlich-
keit für eine Var. minor, des Bul. maximus Sow. Die Beschrei-
bung, welche Hr. v. Tschudi von dieser Art entworfen,
bestätigt diese Bestimmung. Ich theile sie vollständig, mit :
„Testa rimata, oblongo - conica , fusca, striata, aperlura
oblique obtuso-ovata, coeruleo-rubicunda; peristomate ali-
quanlulo reflexo, sublabiato, albo.«
„Alt. 105. Mill. long. 53. Mill., anfract. 5.«
„Thier schwarzbraun mit gelbbraunen Flecken«
„Gehäuse kaum merklich genabeil; länglich konisch,
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 187
wenig bauchig. Fünf Umgänge : erster Umgang äusserst klein,
abgeplattet; zweiter Umgang einmal so gross als der erste;
dritter Umgang 2y4mal so gross als der zweite; vierter Um-
gang 2y3mal so gross als der dritte; fünfter Umgang bei-
nahe dreimal so gross als der vierte. Die Länge der Mund-
öfFnung vom Anfange des Marge externus bis zur Basis der
MundöfFnung eine Linie weniger als von da bis zum Apex. Die
Umgänge nehmen also sehr schnell zu, durch eine nicht sehr
tiefe Naht vereinigt. Die Mündung ist schief abgerundet ei-
förmig; der innere Rand (margo columellaris) ein Viertel
kürzer als der externus. Verhältniss der Länge zur Breite
1:2. — Der Mundsaum ist sehr schwach zurückgebogen,
jedoch ziemlich dick, besonders am äusseren Rande stumpf,
innen mit einer weisslichen schwachen Afterlippe ; der Aus-
senrand ziemlich stark gebogen, der innere beinahe senkrecht,
zieht sich über den Nabel und lässt eine kaum bemerkbare
Spitze von ihm übrig. Bei seinem Uebergange an den Bauch
ist er tief eingedrückt."
„Besondere Merkmale. Das Gehäuse hat starke Längs-
streifen, die besonders am zweiten und dritten Umgange tiefe
Furchen bilden."
„Färbung. Der Grundton des Gehäuses ist braun, ins
Olivengrünliche spielend; die ersten Umgänge sind immer et-
was röthlicher; am Bauche verwischen gelbliche und schwärz-
liche Längsstreifen; der letzte Theil des Bauches unter dem
umgeschlagenen äusseren Rande schwärzlich. Mundöffnung
rölhlich ins Bläuliche spielend, besonders an der Innenseite
des Bauches, nicht durchscheinend, Mundsaum weiss."
„Vaterland : Peru. Ich fand diese Schnecke auf dem
Ostabhange der Cordilleren zwischen dem Chanchamayo und
Tullumayo. Sie lebt gern in der Nähe fliessender Gewässer
auf der Erde; ich fand sie nie auf Bäumen oder Felsen."
„Varietäten. Beinahe ganz olivengrün oder röthlich-
braun ; zuweilen solche mit ziemlich ausgeprägten Querstrei-
fen, die weisslich oder gelblich sind , besonders gegen das
Ende dos Bauches an dessen unlerer Seile."
1 14) Bulimus foveolahts R e c v e.
Proc. Zool, Soc. 1849. p. 97.
Reeve Conchol. icon. t. 73. no. 536,
1 88 T r 0 s c h e 1 :
Bulimus mahagoni Pfr. Monogr. Hei. H. p. 24. no. 61. cf.
Zeilschr. für Malakozoologie 1850. p. 39.
Orphnus mahagoni Alb er s Heliceen p. 146.
Bulimus impressus T s c hu d i MS.
Auch diese Art ist mir von Herrn v. Tschudi nur in
einer Abbildung mitgetheilt, ist aber gar nicht zu verkennen.
Herr Pfeiffer stimmt gleichfalls mit obiger Bestimmung
überein. Ich lasse die Tschudi'sche Beschreibung folgen.
„Testa vix rimata, paucispira, turrito-conoidea, fere cylin-
drica, anfractibus ultimis celeriter crescentibus , subconvexis,
supremis impressionibus octangulis vel irregularibus , infe-
rioribus striatis; fusco - obscura , fascia flavescente suturam
prope sequens ; apertura acuto - ovata, coerulea, peristomate
patulo, simplice, hebete, sublabiato, albo; margine columel-
lari breviore subimpresso, strictiore."
„Alt. 75 Mill.; long. 35 Mill.; Anfr. 5.«
„Gehäuse sehr schwach geritzt , bei vielen Exemplaren
verschwindet der Nabel ganz , konisch gethürmt , fast cylin-
drisch. Es sind fünf Umgänge vorhanden : der erste ist sehr
plattgedrückt, der zweite das Doppelte an Grösse vom er-
sten, der dritte zweimal den zweiten, der vierte zweimal den
dritten , der fünfte 2yzjmal den vierten. Die obersten drei
Windungen haben sehr feine Slreifchen, und entweder acht-
winkelige oder unregelmässige ziemlich tiefe Eindrücke, wel-
che sich an der vierten Windung ganz verlieren , wo dann
aber die Längsstreifen stärker markirt vortreten, so wie auch
am Bauche; die Umgänge nehmen ziemlich rasch zu, sind
aber nur sehr schwach gewölbt. — Die MundöfTnung ist sehr
schwach schiefgestellt; Breite zur Länge der MundöfTnung
wie 1 : 172- ihre Länge vom Anfang des Margo externus
bis zur Basis des Columellarrandes beträgt gerade so viel
wie vom Anfange des Aussenrandes zur Spitze. Der Mund-
saum ist offen, mit einer schwachen Afterlippe versehen. Der
äussere Rand hat eine unbedeiitende Convexität, der Colu-
mellarrand ist etwas schief nach innen, und weniger lang
als die Hälfte des äusseren. Mit einem Eindruck an seinem
Ansätze an die Münduns-swand ist er zuweilen so verdickt
umgeschlagen , dass er den Nabel ganz bedeckt. Naht an
den ersten Umgängen wenig ausgedrückt, hernach stärker."
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 189
„Farbe: die Schale ist tief röthlichbraun oder ins schmut-
zig Olivengrüne spielend ; eine gelbliche oder hellbraune
Binde folgt ganz nahe der Naht, hört aber am äussern Rande
des Mundsaums auf. Mundsaum weiss , Gaumen hell violet,
ebenso die Mündungswand; die äussere Seite des Mundsau-
mes ist gewöhnlich heller. Thier bläulich auf dem Rücken,
weiss am Bauche.«
„Vaterland : Urwälder Peru's.« -
115) Bulimus Sangoae Tschudi. nov. spec.
(Taf. VI. Fig. 1.)
Von dieser angeblich äusserst seltenen Schnecke habe
ich durch Herrn v. Tschudi keine Exemplare, sondern nur
eine saubere Abbildung, ausgeführt von Jos. Dinkel, er-
halten. Ich habe sie, wie die beiden eben besprochenen, Herrn
Pfeiffer in Cassel zur Ansicht gesandt, und ihn um sein
Urtheil gebeten. Er schreibt mir hierüber: „Bul. Sangoae
stimmt mit keiner der mir bekannten Arten überein , doch
dürfte es schwer sein, ohne Original darüber zu urtheilen ,
da gerade die nahe verwandten Arten B. pardalis und B.
Moritzianus so überaus veränderlich sind." Aus der Beschrei-
bung im MS. des Herrn v. Tschudi geht hervor, dass die
Schale perforirt ist, kann also jedenfalls zu Moritzianus nicht
gehören ; auch von pardalis scheint sie mir verschieden genug.
Unter diesen Umständen kann ich nichts weiter thun , als die
Abbildung und die Beschreibung hier mittheilen,
„Testa perforata, conico-turrita, anfractu ultimo celeriter
accrescente , convexo , superioribus striolatis , inferioribus
striatis , ventre subcancellato et submoniliato; rubello-fusca ,
fascia rubello-flava suturam sequens , per ventrem continu-
ans *); apertura acute ovata, spadiceo-rubida, peristomatepa-
tulo simplice, acute, nigricante, margine columellari breviore,
impresso, dilatato."
„Alt. 81 Mill., long. 40 Mill., anfr. 6."
1) Es sind zwei Binden vorhanden, von denen die eine dicht un-
ter der Naht, die andere auf der Mitte der Windung verläuft; die Win-
dungen lehnen sich so an die yorhergehenden Windungen an, dass die
mittlere Binde verdeckt wird, und dass die obere sich, nach Hrn. v.
Tschudi's Auffassung, über den Rand hinaus fortsetzt.
190 Troschel;
„Gehäuse durchbohrt, konisch gelhürmt , von sehr an-
genehmer Form. Es sind sechs Umgänge vorhanden. Der
zweite Umgang übertrifft l^.^mal den ersten, der dritte
zweimal den zweiten, der vierte IViomal den dritten, der
fünfte zweimal den vierten , der sechste aber SViomal den
fünften. Die Umgänge nehmen also bis zum letzten beinahe
regelmässig, der letzte aber sehr schnell zu. Die obersten
drei Umgänge sind fein gestrichelt, die untern aber gestreift;
ausserdem ist der letzte Umgang mit zahlreichen quergehen-
den Reihen feiner Körnchen bedeckt , so dass stellenweisse
der Bauch ein etwas gefenstertes Ansehen hat. — Die Mund-
öfTnung ist beinahe gerade, spitzig fiförmig; ihre Länge
viel bedeutender als die der übrigen Theile der Schale bis
zu ihrer Spitze. Breite zur Länge der Mundölfnung 1 : 1,4.
Der Mundsaum ist offen , der äussere Rand nicht stark con-
vex, scharf, der Columellarrand gerade, erweitert eine im
äusseren Rande auslaufende Afterlippe, an seinem Uebergang
in die Mündungswand tief eingedrückt. Naht ziemlich tief;
der fünfte und sechste Umgang kleine unregelmässige Wärz-
chen tragend."
„Färbung : Röthlichbraun , doch tief gefärbt, besonders
die drei obersten Umgänge, die folgenden zwei etwas schwä-
cher, der Bauch wieder stärker. Die Umgänge begleitet ein
röthlich gelbes Band, doch hört es nicht mit demselben auf,
sondern setzt sich über die Verbindungsstellen des äussern
Randes mit der Mündungswand fort, geht quer mitten durch
den Bauch, und endet in der Mitte des äusseren Randes des
Mundsaumes. Die Mundöffnung ist bläulich violet. Die Mün-
dungswand etwas heller, der Mundsaum schwärzlich."
„Vaterland : Diese sehr seltene Schnecke fand ich nur
ein einziges Mal in den Urwäldern von Sangoa in Peru, an
einem faulen Baumstamm. Das Thier hatte auf dem oberen
Theil des Fusses kleine gelbliche Punkte auf dunkelbraunem
Grunde, die Unterseite weisslich braun."
116) Bulimus Unostoma d'Orb.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 3l4. pl. 40. fig. 9—11.
Pfeiffer Monogr. Hei. II. p. 35. no. 90.
Hamadryas linosloma Albers tleliceen p. 155.
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 191
Ein et'wes kürzeres und gedrungeneres Exemplar, als die
citirte d'Orbigny'sche Abbildung.
117) Bulimus hygrohylaeus d'Orb.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 311. pl. 40. fig. 3—5.
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 59. no. 149.
Drymaeiis hygrohylaeus All) er s Heliceen p. 156.
Zwei nicht ausgewachsene Exemplare glaube ich nach Ge-
stalt und Färbung für diese Art bestimmen zu können, wenn-
gleich der Mangel wesentlicher nur an der erwachsenen
Schale sichtbarer Charaktere einigen Zweifel lässt. Das eine
Exemplar entspricht in der Färbung genau der d'Orb igny'-
schen Fig. 5. , das, andere so ziemlich den Fig. 3. 4. Ein
drittes blassgelbes Exemplar halle ich nicht für verschieden.
118) Bulimus Proteus Brod.
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 61. no. 153.
Scutalus proteus Albers Heliceen p. 160.
Ein Exemplar mit sehr grob gekörnter Oberfläche ist auf
der „Quebrada de Canta, Weg von Lima nach dem Cerro de
Pasco" gefunden , ein anderes mit fein gekörnter Oberfläche
„zwischen Huacho und Huaura nördlich von Lima."
119) Bulimus thamnoicus d'Orb. Var. minor.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 290. pl. 37. fig. 8.
Sowerby Conch. 111. fig. 72.
Pfeiffer Monogr. Helic. U. p. 185. no. 500. ß.
Scutalus thamnoicus Albers Helic. p. 161.
120) B. derelicius Brod.
Proc. zool. soc. 1832. p. 107.
Poliez et Michaud Gal. des Moll. I. 139. pl. 14. fig. 13. 14.
Philipp i Abbild. 1. Bulimus lab. II. fig. 8.
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 63. no. 159.
Scutalus derelicius Albers Hei. p. 160.
„Callao« und „Quebrada von Huachipa, vier Meilen von
Lima<^ Ein etwas kleineres, mehr glattes Exemplar von
„Huacho".
121) Bulimus Cora d'Orb.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 307. pl. 34. fig. 14. 15.
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 57. no. 142.
Obgleich beide vorliegende E^cemplare nicht ausgewach-
192 Troschel:
sen sind, so glaube ich sie doch, für diese Art ansprechen
zu dürfen. Auch Pfeiffer, dem ich ein Exemplar zur
Ansicht geschickt habe, hält es dafür, er schreibt: „sehr
wahrscheinlich , ich habe die ausgebildete Form noch nie
gesehen.«*
122) Bulimus versicolor Brod.
Proc. zool. soc. 1832. p. 108.
Sowerby Conch. 111. fig. 16.
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 61. no. 155.
Sculalus versicolor Albers Helic. p. 160.
„Bei Chacapalpa, Provinz Lurin, 12000 Fuss über dem
Meere.«
1 23) Bulimus bifasciatus Phil.
* P4iilippi Abbild. 11. Bulimus lab. 3. fig. 3. p. 10. no. 5.
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 199. no. 542.
Scutalus bifasciatus Albers Helic. p. 161.
Ich theile hier wörtlich mit, was Herr Dr. v. Tschudi
über diese Art niedergeschrieben hat , die er übrigens in
seinem MS. zuerst, natürlich viel früher als sie von Philipp!
beschrieben wurde, B. bifasciatus nannte; später scheint er
dem daneben geschriebenen Namen B. fusiformis den Vorzug
gegeben zu haben.
„Tesla oblecte perforata, turrito-subulata , fere fusifor-
mis, apice truncata, anfractibus sensim accrescentibus, sub-
convexis , primo truncato , duobus superioribus slriatis , in-
ferioribus slriatulis ; fusca s. fusco-olivacea , fasciis duabus
flavescentibus spirae parallelis. Apertura ovato - rotundata,
fere rectangula, coeruleo-violacea, peristomate patulo, hebete,
simplice, rubello sive olivaceo, margine columellari bre-
viore, parte superiore reflexo. Alt. 45 Mill., diam. 19 Mill.
Anfr. 6.«
„Das Gehäuse dieses Bulimus ist schief durchbohrt, ge-
thürmt, schlank, fast spindelförmig, an der Spitze schief ab-
gestutzt, indem der Anfang des ersten Umganges rasch mit
scharfer Kante breiter werdend hervortritt. Der zweite Umgang
ist sehr wenig breiter als der erste, der dritte 1,3 vom zwei-
ten, der vierte 1,4 vom dritten, der fünfte 1,8 vom vierten,
der sechste 2,1 vom fünften; sie nehmen also bei dieser
Verzeichniss (1. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 19o
Species so allmählich zu, wie bei wenig anderen Bulimus-
Arten , geben ihr ein gefälliges schlankes Aussehen. Die
obersten beiden Umgänge bieten ein genaues, constantes, spe-
cifisches Kennzeichen dar, indem immer drei feine Strichelchen
dicht neben einander stehen, so einen der stärkeren Streifen
bilden , welcher zwischen den nächstfolgenden eine breitere
Furche lässt. Beim dritten Umgange ist dies weniger deut-
lich. Bei den folgenden finden sich auch stärkere, und zwi-
schen ihnen feinere Streifen. Querstreifen bemerkt man nicht.
Die Naht ist besonders bei den letzten beiden Umgängen tief.
Die MundöfTnung ist ganz gerade , länglich , beinahe recht-
winklig. Die Spitze verschwindet ganz. Ihre Länge verhält
sich zu der des übrigen Theils der Schale wie 1 : 1,6; die
Breite zur Länge wie 1 : 1,3. Der Mundsaum ist offen. Der
äussere Rand ist an seinem Verbindungswinkel mit der Mün-
dungswand convex, läuft dann ganz gerade hinunter, biegt
sich dann in weitem Bogen um, setzt sich dann in den Co-
lumellarrand über , welcher kürzer als der äussere ist, zu-
rückgebogen, den Nabel bedeckend, und sich allmählich in
die Mündungswand fortsetzend."
„Färbung. Das Gehäuse dieser Schnecke ist röthlich-
braun, auf ihren letzten Umgängen etwas heller ^Is auf den
oberen. Je die obere und untere Naht eines jeden Umgangs
wird von einer gelben Binde begleitet, von denen die untere
besonders in den letzten Umgängen unten von einer deutli-
chen schwarzen schmalen Binde begrenzt ist. Die obere
Binde hört am Verbindungswinkel des äusseren Randes mit
der Mündungswand auf, die untere setzt sich unterhalb der
Mitte des Bauches fort, und endet am Anfange des unteren
Drittels des äusseren Mundsaumes. ' Eine dunkle Nabelbinde
ist vorhanden. — Die Mundöffnung ist violett-bläulich oder
rosa, lässt die Bauchbinde durchsdieinen. Der Mundsaum
ist heller röthlich, die Mündungswand violett."
„Varietät. Ich beobachtete von dieser Schnecke ein
Exemplar mit dunkel olivenfarbigem Gehäuse und ohne Bin-
den, schwärzlicher Mundöffnung; andere Exemplare mit
schwarzbraunem Gehäuse und nur mit der unteren Binde.''
„Vaterland. Ich fand diese Schnecke an einer einzigen
Localität, nämlich in den Wäldern, die sich östlich von Hu-
Archiv f. Niiturgesch. XVIII. Jahrg. 1. Bd. 13
194 Troschel:
ancavelica nach dem Flusse Apurimac erstrecken und daselbst
nur selten und im Umfange von einer Viertellegua in der
Nähe eines kleinen Baches auf feuchtem Moose. Das Thier
ist gelblich mit orangefarbigen Punkten.'*
1 24) Bulimus conspersus S o w.
Pfeiffer Monogr. Helic. p. 190. no. 516.
Bardotus conspersus Albers Heliceen p. 164.
„Im Tingo zwischen Aynamayo und Tullumayo ; Urwäl-
der von Vito."
125) Bulimus Philippii Pfr»
Bulimus strialulus Sow. Concli. III. fig. 58.
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 208. no. 568.
Bardotus Philippii Alb er s Heliceen p. 165.
„Chunchotambo.«
' 126) Bulimus Orbignyi P f r.
Pfeiffer Proc. zool. soc. 1846. p. 31.
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 208. no. 569.
127) Bulimus guttatus Brod.
Broderip Proc. zool. soc. 1832. p.31.
Sowerby Conch. III. fig. 10.
Pfeiffer Monogr. Helic. H. 177. no. 478.
Bardotus guttatus Albers Heliceen p. 165.
„Bei Chunchotambo zwischen Chanchamayo und Ay-
namayo."
128) Bulimus scalariformis Brod.
Proc. zool. soc. 1832. p. 31.
Sowerby Conch. 111. fig. 13.
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 217. no. 593.
Bardotus scalariformis Albers Heliceen p. 165,
129) Bulimus tumidulus Pfr.
Bulimus inßatus Brod. Proc. zool. soc. 1836. p. 45.
Sowerby Conch. 111. fig. 6l.
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 193. no. 523.
Mesemhrinus tumidulus Albers Heliceen p. 158.
„Am Flusse Ancoyacu im Thale von Huancayo in der
Nähe von Jauja, llOOOFuss über dem Meere. Lebt vorzüg-
lich auf Caclus.
130) Bulimus periwianus Brug.
Bruguieres Encycl. meth. I. p. 320. no. 37.
Pf eiff er Monogr. Helic. II. p. 166. no. 440.
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. (5oDchyl. 195
Pleclostylus peruvianus Beck Index Moll. Mus. Priiic. Cliristiani
Frederici p 58. no. 3.
Pleclostylus peruvianus Albers Heliceen p. 170.
131) Bulimus coquimbensis Brod.
ßroderip Proc. zool. soc. 1832. p. 30.
Pfeiffer Monogr. Helle. II. p. 147. no. 378.
Pleclostylus coquimbensis Beck Index MolU Mus. Princ. Ghristiani
Frederici p. 58. no. 4.
Pleclostylus coquimbensis AFbers Heliceen p. 170.
132) Bulimus zebra Ffr. Var. J.
Buccinum zebra Müll. Verm. II. p. 138. no. 331.
Bulimus undalus Brug. Encycl. meth. I. p. 320. no. 38.
Bulimus zebra var. J. Pfe i Ife r Monogr. Helle. II. p. 144. no. 372.
Orthalicus princeps Beck Index Mus. Moll. Princ. Christ. Fred.
p. 59. no. 3.
Orthalicus zebra Albers Heliceen p. 171.
„In allen Wäldern auf dem Ostabhange der Binnen-Cor-
dillera.«
Obgleich ich der Meinung bin , dass die Gattung Buli-
mus in viele Gattungen zerspalten werden muss, so habe ich
hier doch noch alle Arten als Bulimus aufgezählt. Die Ana-
tomie sehr vieler Arten kann allein weiter helfen.
133) Bulimus {ßostryx) solutus Trosch.
(Taf. V. Fig. 6.)
Zeilschr. für Malakozoologie. 1847. p. 49.
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 61. no. 425.
Archiv für Katurg. 1849. 1. p. 233. Taf. IV. Fig. 5. Zunge.
Diese Art habe ich zuerst in der Zeitschrift für Mala-
kozoologie a. a. 0. beschrieben , und halte daher eine wie-
derholte Beschreibung für überflüssig. In diesem Archiv 1849
a. a. 0. habe ich die Zunge näher beschrieben, und sie ab-
bilden lassen. Ich benutze diese Gelegenheit, eine Abbildung
der Schale zu liefern.
134) Bulimus Tschudii Trosch.
(Taf. V. Fig. 7.)
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 163. no. 431.
Diese niedliche Art, von der etwa 30 Exemplare vor-
liegen, theilte ich schon vor mehreren Jahren unter obigem
Namen demHerrnDr. Pfeiffer in Cassel zur Ansicht mit,
um sie in seine Monographie der Heliceen aufzunehmen.
196 " Troschel:
Seiner vortrefflichen Diagnose habe ich wenig hinzuzufügen.
Besonders zeichnet sich diese Art durch die gedrückte
letzte Windung aus, was Pfeiffer durch folgende Worte
ausgedrückt hat: ultimus anfractus medio subcompres-
sus. Das Eingedrückte haben alle Exemplare, meist so
stark , dass die letzte Windung kaum mehr gewölbt ge-
nannt werden kann ; man könnte sogar von einer schwa-
chen Andeutung zweier stumpfer Kiele sprechen. Was die
Färbung betrifft , so sind die meisten Exemplare gelMich-
weiss und scheinen längere Zeit ohne Thier gelegen, und so
ihre Farbe, wenigstens zum Theil , verloren zu haben; an
mehreren Exemplaren , und an ihnen übereinstimmend , lässt
sich jedoch erkennen, dass auf gelblichem durchscheinenden
Grunde unregelmässige weisse undurchsichtige Flecken an-
gebracht sind , dass ferner einzelne unregelmässige braune
Längsstreifen .sich bilden, und dass schmale braune unter-
brochene Querbinden mit den Windungen herumlaufen; die-
ser sind auf den Windungen drei , auf dem letzten Umgange
jedoch sechs. Die Schale ist hier abgebildet.
„An Mauern in Huaura und Huacho."
135) Clausula peruana Trosch.
(Taf. V. Fig. 8.)
Zeitschr. f. Malakoz. 1847. p. 51.
Pfeiffer Monogr. Helic. II. p. 483. no. 204.
Diese äusserst seltene Art, die eine besondere Gruppe
in der Gattung Clausilia bildet, und sich durch die gegitterte
Oberfläche vor allen anderen Arten ihrer Gattung auszeich-
net, habe ich zuerst a. a. 0. beschrieben; Pfeiffer hat sie
nach unserem Exemplar in seine berühmte Monographie der
Heliceen aufgenommen. Da sie, so viel ich weiss, noch nir-
gends bildlich dargestellt ist, habe ich sie hier abbilden las-
sen, enthalte mich jedoch einer wiederholten Beschreibung.
Die mittlere Figur stellt eine Windung vergrössert dar, um
die gegitterte Oberfläche zu zeigen.
Fam. Limnaeacea.
136) Physa peruviana Gray.
Lam. 1. c. YIII. p. 401. no. 5. ' ' ■
Küste r's Conchyl.-Cab. Bd. I. 17. p. 26. Taf. 4 Fig. 15. cop.
„Laguna de Villas bei Lurin."
Verzeichniss d. durch v. Tscliudi in Peru gesammelt. Conchyl. 197
137) Flanorbis kermatoides d'Orb.
d'Orbigny Voy. Mollusques p. 350. pl. 45. fig. 1—4.
Küster's Gonchyl. - Gab. Bd. I. 17. p. 62. no. 34. Taf. 10.
Fig. 1—3.
„Lurin, fünf Meilen von Lima in der Laguna."
138) CMiwa pueloha d'Orb.
d'Orbigny Yoy. Moll. p. 336. pl. 43. fig. 8— 12.
„Lurin.«
139) Chilina Parchappii d'Orb.
D'Orbigny Voy. Moll. p. 338. pl. 43. fig. 4. 5
Fam. Auriculacea.
140) Auricula (Conovulus) lutea Quoy.
Küster Conchyl.-Cab. Bd. I. 16. p. 39. Taf. 6. Fig. 1—4.
141) Auricula (Vonovulus) acromelas Nob. nov. sp.
(Taf. VI. Fig. 2.)
Tesla ovata , irregularlter striata, subperforata, grisea
fasciis quatuor briinneis circumdala; spira brevis , conica,
acuta, apice violaceo-nigro : anfr. octo plani; apertura elon-
gata, labro acute, intus subtiliter costato, columella quadri-
plicata. Long. 11 Mill., lat öy^ Mill., long, aperturae 9 Mill.
Diese Art hat mit der vorhergehenden eine sehr grosse
Uebereinstimmung in der Gestalt , ist aber viel kleiner. Sie
unterscheidet sich sehr auffallend durch die Färbung, indem
sie auf gelbgraulichem Grunde vier graubraune Binden trägt,
die breiter sind als die dazwischen sichtbare Grundfarbe. Ihr
Apex ist violett- schwarz , während die Farbe desselben bei
A. lutea nicht von der gelben Farbe der Schale abweicht. Es
sind acht Windungen vorhanden, während A. lutea deren 11
besitzt. Die Aussenlippe ist scharf, innen glänzend braun
gerandet. In einiger Entfernung voin Rande beginnen innen
13 — 15 Leisten von weisser Farbe , die sich ziemlich weit
in das Innere erstrecken , statt ihrer finden sich bei A. lutea
nur 7 — 9 mehr zahnarfige Vorsprünge. Auf der Spindel
stehn 5 Falten, von denen die erste und die dritte stark, die
übrigen unbedeutend entwickelt sind ; auf der Spindel selbst
steht eigentlich nur die erste Falte, die übrigen stehen auf
der vorletzten Windung. '
198 Troschel:
JVotobranchiata.
In dieser Ordnung habe ich die Nudibranches und Te-
clibranches Cuv. vereinigt. Sic werden dadurch zusammen-
gehalten, dass sie zwittrig sind, und dass ihre Kiemen we-
der in einer eigenth'chen Kiemenhöhle, noch unter dem Man-
telrande, sondern auf idem Rücken liegen ; auch ihre Ent-
wickelungsgeschichte scheint sie zusammenzufügen.
Farn. Acera.
142) Bulla ampulla L i n n.
Laniarck 2. edit. VII. p. 668. no. 2.
„Peru.«
Monopleiirobraiidiiata«
Die Kieme liegt bei dieser Abtheilung unter dem Man-
telrande, ja sie dringt wohl in eine Höhlung unter dem Mann-
tet ein, wie bei Siphonaria, und wird dadurch der Kieme
der Ctenobranchier oder Rhipidoglossen ähnlich. Ihnen ste-
hen diese Formen jedoch fern durch ihren Hermaphroditismus
und durch die Mundtheile.
Fam. S iphon ariacea.
Dass die Gattung Siphonaria von den Patellen in der
ganzen Organisation verschieden ist, geht schon aus der
Kenntniss des Thieres hervor, wie sie uns Quoy und Gai-
mard in der Zoologie du Voyage de l'Astrolabe (vergl. auch
Lamarck animaux sans vertebres 2. edit. VII. p. 554.) ge-
liefert haben. Ich selbst habe zwar keine Peruanische Art,
wohl aber die Siphonaria Algesirae Q. et G. zu untersuchen
Gelegenheit gehabt und kann daraus die Angaben von Quoy
und Gaimard bestätigen: die Kiemenhöhle, das getrennte
Geschlecht, das Vorhandenhein der gestielten Blase u. s.w. —
Besonders haben mich die Mundtheile interessirt. Oberhalb
vor der Mundmasse liegt, wie bei Helix, ein horniger Kiefer
von mondförmiger Gestalt. Die ihn zusammensetzende Horn-
masse ist jedoch nicht fesi, sondern wenn man den Kiefer
zwischen zwei Glasplatten presst, verfällt er leicht in Stücke
und man sieht deutlich, wie die ganze Masse aus einer gros-
sen Anzahl von Hornplättchen oder Schuppen besteht, die
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 199
einander dachziegelartig decken. Diese Schuppen liegen
ziemlich iinregelmässig neben und hinter einander, und schei-
nen auf einer durchsichtigen Haut mit einem Ende so befe-
stigt zu sein , dass sie sich leicht verschieben lassen. Die
einzelnen Schuppen sind an ihrem freien Ende ziemlich spitz,
und in der Mitte der Länge nach gekielt, so dass sie mit den
gekielten Schuppen einer Natter sich vergleichen lassen. Einige
solche Schuppen sind auf Taf. VI. Fig. 9 dargestellt. Der-
gleichen schuppige Kiefer kommen jedoch auch in anderen
Gasteropoden-Ordnungen vor. — Die Zunge ruht auf den ge-
wöhnlichen Zungenknorpeln, ist verhältnissmässig sehr breit
und zeigt in der Anordnung ihrer Platten grosse Aehnlich-
keit mit Helix. Die Platten auf der Zunge sind in regelmäs-
sigen Längs- und Querreihen geordnet» Taf. VL Fig. 10
stellt ein Stück mitten aus der Zunge dar. Die Mittelreihe
besteht aus sehr kleinen Plätlchen, die von den übrigen sehr
verschieden sind , und also die Mitte deutlich bezeichnen.
Von der Mittelplatte aus läuft jederseits eine Querreihe von
Platten mit einer geringen Neigung nach hinten. Jede die-^
ser seitlichen Platten scheint aus zwei Stücken zu bestehen,
einem grösseren verkürzt kegelförmigen, auf dessen Gipfel
das zweite so aufsitzt , dass das Ganze etwa einem Zucker-
hut ähnhch sieht , bei dem die Spitze aus der umgebenden
Papierhülle hervorsieht.
143) Siphonaria char acter isüca Reeve.
Reeve Conchol. systematica.
144) Siphonaria gigas Sow.
Ta nker ville's Catal. Append.
145) Siphonaria costata Sow.
Sowerby, Proceed. Zool Soc. 1835- '
Braehiopoda.
146) Orbicula lameUata Brod.
Proc. zool. soc. 1833. p. 124.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 677. no. 786.
..Peru.«
200 Troschel:
liainellibraiieliiata.
Farrt. Pectinea.
147) Spondylus ducalis C h e m n.
Lamarck. 1. c. VII. p. 189. no 14.
148) Pecten purpuratus Lam.
Lamarck i. c. VII. p. 134. no. 11. (?)
Sowerby Thesaurus I. p. 53. pl. XV. fig. 113,
Die vorliegenden Exemplare sind jedenfalls mit der citir-
ten S owerby'schen Beschreibung und Abbildung identisch.
Ob diese jedoch wirklich die Lamarck'sche Art darstellt,
möchte sich schwer ermitteln lassen, da die Beschreibung
sehr kurz, keine Abbildung citirt und als Vaterland Japan mit
einem „on dit« angegeben ist. Was in der kurzen Diagnose
gesagt ist, passt übrigens bis auf die 26 Rippen, deren nur
' 22 vorhanden sind; auch Sowerby giebt 22 an.
149) Pecten gihhus hin w.
Lamarck 1. c. VII. p. 152. no. 53. -
Sowerby Thesaurus I. p. 52. no. 22. pl. XII. fig. 17. pl. XIV.
fig. 76.
Fam. Aviculacea.
1 50) Pinna maura S o w. -
Proceed. Zeel. See. 1835.
Fam. Arcacea.
151) Area grandis Brod.
d'Orbigiiy Voy. Moll. p. 637. no. 729.
152) Area tubereulosa Sow. ~
Sowerby Proceed. zool. soc. 1833. p. 19.
Philippi Abbild. Bd. I. Hft. 2. p. 44. Area Tab. I. Fig. 2.
153) Area velata Sow.
Sowerby Proc, zool. soc. 1833.
Reeve Conch. icon. sp. 79.
154) Area reversa Sow. ^ -
Area reversa d'Orbigny Voy. Moll, p. 635. no. 722.
Area Hemicardium Koch Philippi Abbild. Bd. I. Hel't. 2. Area
Tab. I. Fig. 1.
Obgleich das vorliegende Exemplar wegen der mehr
vorgezogenen vorderen und unteren Spitze verhältnissmässig
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 201
länger erscheint, als die citirte Abbildung bei Philippi sie
darstellt, so stehe ich doch nicht an , sie für dieselbe Art
zu halten , da die Beschreibung sonst gut passt. Die Epi-
dermis ist vollständig erhalten, ist jedoch nicht haarig, wie
Koch vermuthet, sondern besteht aus dicht gedrängten, un-
regelmässig zerfetzten , und dadurch fast schuppenförmigen
Lamellen, die parallel dem Rande der Schale laufen, und im
unversehrten Zustande , wie wir ihn an unserem Exemplare
in der Nähe des Randes sehen, stark entwickelt sind; da
wo sie abgerieben sind, lassen sie eine dunkelbraune Haut
zurück, die durch sehr zierliche, gedrängte, quer über die
Rippen laufende wellenförmige Linien ausgezeichnet ist. Wo die
Epidermis ganz fortgenommen ist, ist die Schale weiss, zeigt
aber noch die zarten welligen Linien , besonders zwischen
den Rippen.
156) Pectunculus intermedius Er od.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 627. no. 708.
Farn. Naj ades.
157) Unio Molinae ?hü,
Philippi Abbild. III. p. 50. no. 4. Tab. IV. Fig. 4.
Die citirte Abbildung , so wie die dazu gehörige Be-
schreibung passen vollständig zu unseren Exemplaren, deren
zwei vorhanden sind ; nur in Beziehung auf die Wirbel wei-
chen sie ab, was aber wohl mit dem Alter z'isammenhängen
mag. Das kleinere 38 Mill. (knapp l'^ Zoll) lange Stück
hat völlig unverletzte Wirbel, bei dem grösseren von 47 Mill.
Länge sind dieselben ein wenig angefressen. In beiden Fällen
"sind jedoch gegen 12 Rippchen deutlich^^ von denen die vor-
deren und hinteren schwächer sind als die mittleren sehr
starken; letztere sind Iknotig oder höckerig. Beim ferne-
ren Abreiben der Wirbel werden diese Rippen ganz ver-
schwinden, und leicht ist es zu erklären, dass bei demPhi-
lippi'schcn Exemplare nur noch die Spur von vier Rippchen
übrig war, da dasselbe nach der Abbildung eine Länge von
68 Mill. hat. Die erhabenen Rippen der Wirbel entspringen
bei beiden Exemplaren nicht von einem Centrum, sondern
die Hälfte nimmt ihren Anfang dicht vor, die andere Hälfte
dicht hinter dem Wirbel, so also freilich sehr nahe an ein-
202 T rose hei:
ander. Von jedem dieser nahe gelegenen Centren ausge-
hend müssen sich die zwei mittleren Strahlen bald treffen;
nach ihrer Vereinigung setzen sie sich nicht weiter fort.
„Peru.«
Farn. Mytila cea.
157) Mytilus choriis Molina.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 647. no. 750. ,
158) Mytilus americanus d'Orb.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 648. no. 751.
159) Lithodomus attenuatus.
Modiola atlemiata Deshayes Lamarck 1. c. VII. p. 28. no. 25.
Philippi Abbild. Bd. II. p. 148. no. 4. Tab. I. Fig. 6.
Sollten Lithodomus peruvianus und inca d'Orbigny Voy.
Moll. p. 651. no. 757 und 758 von ihr verschieden sein?
Fam. Chamacea.
160) Tridacna elongata Lam.
Lamarck 1. c. VII. p. 9. no. 2.
Farn. Cardiacea.
161) Cardium procerum Sow.
Proceed. zool. soc. 1833. p. 83.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 594. no. 659.
Die bei d'Orbigny citirte Re eve'sche Abbildung habe
ich nicht vergleichen können. An jungen Exemplaren zeich-
nen sich die sechs hinteren Rippen vor den übrigen durch
eine scharfe Eante aus, welche fein schuppig gezähnt ist.
162) Cardium senticosum Sbw.
Proceed. zool. soc. 1833. p. 84.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 593. no. 658.
Die bei Orbigny abgedruckte Diagnose passt vortreff-
lich, doch darf man sich nicht dadurch irre fuhren lassen,
dass er die Afterseite vorn nennt, und umgekehrt.
Fam. Conchae.
163) Venus thaca d'Orh.
Chama thaca Molina ex auct. d'Orbignyi.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 557. no. 580.
Venus Dombeii Lamarck 1. c. VI. p. 346. no. 2t.
Venus Dombeyi Philippi Abbild. I. p. 127. Tab. II Fig, 1,
Tab. III. Fig. 3.
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 203
164) Vejius Alvarezii d'Orb.
Venus discrepans Philippi Abbild. I. p. 175. Tab. III. Fig. 2.
- Venus Alvarezii d'O r b. Voy. Moll. p. 557. no. 579. pl. 83. Fig. 3. 4.
Diese von Philippi vortrefflich abgebildete und cha-
rakterisirte Art ist nicht Venus discrepans Sow. Proc. zool.
soc. 1835. p. 22., d'Orbigny Voy. Moll. p. 561. no. 592.
Dagegen glaube ich Venus Alvarezii d'Orb. stelle dieselbe
Art dar. Dies hat mich veranlasst, den d'Orb igny'schen
Namen beizubehalten. Ich halte diese Art für unzweifelhaft
verschieden von der vorigen, woran Philippi noch zwei-
felt, und glaube zu den unterscheidenden Merkmalen noch,
die weniger tiefe Mantelbucht hinzufügen zu können, da auch
hierin unser Exemplar mit der Philip pi'schen Abbildung
vollkommen übereinstimmt.
1 65) Venus crenifera Sow.
- Proceed. zool. soc. 1835. p. 43.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 563. no. 603.
Nach der kurzen Diagnose kann ich das vorliegende
Exemplar für die citirte Art halten, namentlich wegen des
grossen langen Schlosszahnes an der Mundseite. Die Schale
ist fast eiförmig, die Wirbel liegen über dem ersten Drittel
der Länge. Von ihnen fällt der vordere und hintere Rand
fast geradlinig ab, der vordere ist vor den Wirbeln nur we-
nig vertieft. Beide runden sich weiter nach unten und gehn
in den bogenförmigen unteren Rand allmählich über. Das
Schlossband liegt in einer schmalen vertieften Grube einge-
senkt; die Lunula ist länglich eiförmig, und durch eine
scharfe Linie begrenzt. Die Oberfläche der Schale ist durch sehr
zahlreiche enge, concentrische, lamellenartige Leistchen und
strahlförmige Rippchen zierlich gegittert; dadurch erscheinen
die concentrischen Lamellen gekerbt. Der Rand ist fein ge-
kerbt. Die Mantelbucht reicht bis. zu % der Schalenlänge,
die Brücke, d. h. die Entfernung der Mantelbucht vom vor-
dem Schliessmuskel ist doppelt so breit, wie der vordere
Sehliessmuskel. Der vordere Schlosszahn ist in beiden Scha-
len unverhältnissmässig gross, leistenartig nach vorn gezo-
gen und durch einen beträchtlichen Zwischenraum von dem
mittleren Schlosszahn gelrennt. — Die Farbe ist schmutzig
gelblich, an den abgeriebenen Wirbeln bläulich; innen ist
204 Troschcl:
die Farbe bläulich, nach dem hintern Rande an Intensität be-
deutend zunehmend. — Länge 34 Millim. , Höhe 28 MilHm.,
Breite 20 Mill. , Länge der Lunula 12 iVfill., Breite derselben
6% Mill.
166) Venus subrugosa Sow.
Philippi Abbild. 1. p. 177. no. 5. Tab. III. Fig. 6. 7.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 561. no. 595,
167) Cytherea squalida Sow.
Proceed. zool. soc. 1835. p. 23.
Farn, Li th ophaga.
168) Saxicava arctica Phil. (?)
Philippi Enum. Mollusc. Siciliae I. p. 20. Tab. III. Fig. 3.
Hiatella arctica Lamarck 1. c. VI. p. 443.
Ein kleines Exemplar, das sich von Saxicava arctica
nicht unterscheiden lässt; hierin stimmt Philippi mit mir
überein. Freilich würde dies auf eine sehr weite Verbrei-
tung der Art schliessen lassen.
169) Petricola tenuis Sow.
Sowerby Proceed. zool. soc. 1834. p. 47.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 548. p. 560.
Für diese Art halte ich einige Exemplare, welche in
einem Korallenstück eingebohrt sind. Sie klaffen belrächlich,
sind ziemlich langstreckig, die Höhe verhält sich zur Länge
wie 2 : 5. Die Mundseite nimmt nur den sechsten Theil der
ganzen Schale ein, vom Vorderrande bis zum Schlosszahn
gemessen. Der Schlossrand steigt nach hinten ein wenig in
die Höhe und erreicht auf der Mitte der Schale die höchste
Höhe, um sich dann geradlinig wieder bis zum Hinterrande
zu senken. Aussen ist die Schale überall strahlig gerippt;
vorn sind die Bippen am breitesten aber niedrig, in der
Mitte sind sie am zartesten, die den Hinterrand erreichenden,
etwa 8 an der Zahl , sind starker erhaben , durch breitere
Zwischenräume getrennt, auf ihrer Länge mit feinen Knöt-
chen besetzt , und springen am Hinterrande zahnartig vor.
Länge 30 Mill., Höhe an den Wirbeln 12 Mill., Breite fast
12 Millimeter.
170) Petricola ovata N o b. nov. sp.
Testa elliptico-ovata , radiatim tenuiter coslata; costis
Vcrzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 205
parum elevalis 36, lamellis concentricis permultis irregulari-
bus ; latere buccalibrevissimo; margiiie dorsali arcualo. Long.
31 Mill. Alt. 18 MilL Lat. 16 Mill.
Von dieser Art, die eine gewisse Aehnlichkeit mit der
vorigen hat , liegt mir nur eine linke Schale vor, die aber
gut conservirt ist. Sie hat eine eiförmige Gestalt, ihre Höhe
verhält sich zur Länge wie 3 : 5. Der dorsale Rand vom
Wirbel zum Hinterrande bildet einen Bogen. Die Mundseite
ist sehr kurz, beträgt nur den sechsten Theil der Schalen-
länge. Die Mantelbucht ist abgerundet, höher und weniger
lang als bei der vorigen Art, sie ragt kaum über die Mitte
der Schalenlänge hinaus. Aussen ist die Schale mit flachen,
breiten, wenig deutlichen Rippen versehen, die fast überall
von gleicher Grösse sind, und deren ich ungefähr 36 zähle.
Von der Farbe ist nichts mehr zu erkennen.
171) Petricola denticulata So.w.
Sowerby Proceed. zool. soc. 1834. p, 46.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 549. no. 564.
Fam. Nymphacea.
172} Donax radiata Valenc.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 541. no. 545.
Diese Art , von der mehrere Exemplare vorliegen , ist
besonders durch die vor den Wirbeln liegenden Punktreihen
ausgezeichnet. Dieselben fehlen an keinem Exemplare ganz,
sind aber zuweilen minder zahlreich und minder deutlich.
173) Donax paytentis d'Orb.
d'Orbigny Voy, Moll. p. 541. no. 547. .
Donax panamensis Philippi Zeilschr. für Malakoz. 1848. p. 145.
no. 87.
Ich habe mich von der Uebereinstimmung der vorlie-
genden Schalen mit der Phil ip pi'schen Art, durch Verglei-
chung mit solchen Exemplaren , die von meinem Freunde
Philippi herstammen, überzeugen können, und zweifle nach
der d'Orbigny'schen Beschreibung nicht, dass seine Art nicht
verschieden ist, daher lasse ich ihr den älteren Namen. In
der Tschud i'schen Sammlung finden sich mehrere Farben-
varietäten : röthlich , bläulich , grünlich , gelblich, mit brei-
ten hellen vom Wirbel auslaufenden Strahlen, oder fast ein-
206 Troschel:
farbig-. Fast alle sind innen blau, doch auch dies ist nicht
conslant ; zwei Exemplare sind innen roth , ausser der Fär-
bung aber in nichts von den übrigen zu unterscheiden,
174) Teilina coarctata Phil.
Philipp! Zeitschr. für Malakozoologie 1845. p. 151. no. 11.
Es ist nur eine Schale vorhanden, diePhilippi selbst
als „Tellina coarctata Ph. var. radiata (T. lacunosa Hanley
non Chemnitz") bestimmt hat.
Fam. Amphidesmidae
175) Amphidesma solidum Gray.
Gray Spicilegia zoologica.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 532. no. 525.
176) Cumingia lamellosa Sow.
- Proceed. zool. soc. 1833. p. 34.
Archiv für Nalurgesch. Jahrg. 1. Bd. 1. p. 289.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 527. no. 518.
Fam. Solenacea.
177) Soleciirtus Dombeyi d'Orb.
Solen Dombeyi Lamarck 1. c. VI. 58. no. 12.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 5 '4. no. 514.
Fam. Pholadaria.
178) Pholas chiloensis Molina.
d'Orbigny Voy. Moll. p. 498. no. 476.
Philippi Abbild. III. 5. p. 52. no. 4. Tab. I. Fig. 4. 5.
Sowerby Thesaurus Part. X. p.486. no. 2. PI. 102. Fig. 1. 2.
Dactylina chiloensis Gray Annais nat. bist. 1851. Vol. VIII. p.382.
Von dieser Art finden sich in der T sc hu di'schen Samm-
lung zwei Exemplare, die so verschieden von einander sind,
dass ich anfänglich geneigt war, sie für specifisch verschie-
den zu halten. Das grössere entspricht ganz der Abbildung
und Beschreibung bei Philippi; das andere kleinere hat
viel weniger deutliche „treppenförmige" Anwachsstreifen,
und die gewölbten Schuppen sind dünn, hoch und spitz , so
dass der d'Orbigny'sche Ausdruck „radiatim spinis ornata«
vortrefflich darauf passt. Ein Exemplar des Bonner Museums
hält zwischen beiden die Mitte, und hat mich überzeugt, dass
beide Exemplare derselben Art angehören.
Verzeichniss d. durch v. Tschudi in Peru gesammelt. Conchyl. 207
Erklärung der Abbildungen.
Taf. V.
Fig. 1. Rissoina sulcigera ]Nob. nov. spec. Die mittlere Figur be-
zeichnet die natürliche Grösse.
Fig. 2. Natica elongata Nob,
Fig. 3. Natica alveata Nob. nov. spec.
Fig. 4. Nassa Tschudii Nob. nov sp. ,
Fig. 5. Nerita cerostoma Nob. nov. sp.
Fig. 6. ßulimus (Bostryx) solutus Nob. Die Mittelfigur stellt die na-
türliche Grösse dar.
Fig. 7. Bulimus Tschudii Nob. Die Mittelfigur deutet die natürliche
Grösse an.
Fig. 8. Clausilia peruana Nob.
Taf. VI.
Fig. 1, Bulimus Sargoae Tschudi n. sp.
Fig. 2. Auricula (Conovulus) acromelas Nob. nov. sp.
Fig. 3. Deckel von Turbinella cerata. a. äussere Fläche , b. innere
Fläche, Ein wenig vergrössert.
Fig. 4. Deckel von Murex Boivinii. a. äussere Fläche, b. innere
Fläche.
Fig. 5 Deckel von Nassa luteostoraa. a. äussere Fläche , b. innere
Fläche.
Fig. 6. Deckel von Purpura echinujata, äussere Fläche.
Fig. 7. Deckel von Monoceros imbricalum, a, äussere Fläche b. innere
Fläche.
Fig. 8. Deckel von Cassidaria cingulala, a. äussere Fläche, b. innere
Fläche.
Fig. 9. Ein Stück des Kiefers von Siphonaria Algesirae. Vergr. 265.
Fig. 10. Ein Stück der Zunge von derselben. Vergr, 240.
Taf. VII.
Fig. 1. Zunge von Cypraea arabica , eine Querreihe, a. Miltelplatte
6. Zwischenplatten, c. Seitenplatten,
Fig. 2. Zunge von Oliva peruana, fünf Querreihen.
Fig. 3, Zunge von Tritonium succinctum; eine Querreihe; die Seiten-
platten der rechten Seite sind nach aussen umgelegt, um die
Zwischeaplalte deutlicher sehen zu lassen.
208 Tro8chel: Verzeichniss d. durch v. Tschudi ges. Conchyl.
Fig. 4. Zunge von Monoceros imbricatum_, eine Querreihe.
Fig. 5. Zunge von Concholepas peruviana ; zwei Querreihen.
Fig. 6. Eine Platte von der Zunge von Ovula gibbosa.
Fig. 7. Zunge von Nerila cerostoma ; eine Querreihe, a. die Mittel-
platte, b. die Zwischenplatte, c. d. e. die Seitenplalten, f. lä-
cherförmige Plättchen,
Fig. 8. Zunge von Diloma nigerriraa (Trochus araucanus d'Orb.) ; eine
Querreihe.
Fig. 9. Zunge von Amyxa (Turbo) nigra, a. eine Querreihe, b. eine
der innern fächerartigen Lamellen von der rechten Seite, c. eine
solche etwa aus der Mitte des Fächers; d, eine solche näher
dem Ausserrande der Zun ge.
Beiträg^e zur Ufaturg-eschichte des Papier-
iiautilus (JLrg^onauta ^rg^o L<iiiii.) und ins-
besondere Besefireibung* des bislier unbe-
liannten vollständlg^en ülänneliens dieses
_ Tliieres.
Von
»r. E. Riippell.
(Hierzu Taf. Vlll.)
(Vorgelesen am 2. Mai 1852 in der öffentlichen Sitzung- zur
Jahresfeier der Stiftung der Senckenbergischen naturforschen-
den Gesellschaft.)
Eins der merkwürdigsten Thiere aus der Classe der
Mollusken ist der Papiernautilus, Oken's Glasboot, Argonauta
Argo, Linne. Obgleich in vieler Beziehung mit den andern
Thicren der Familie der Cephalopoden übereinstimmend, zeich-
net es sich doch durch mehrere höchst überraschende Ei-
genthümlichkeiten aus, zu deren Kenntniss die Naturforscher
theilweise erst in der neuesten Zeit gelangt sind, trotz dem
dass der Papiernautilus zahlreich im mittelländischen Meere
lebt und oft eingefangen wird.
Mein heutiger Vortag enthält wesentliche Bereicherungen
zur wissenschaftlichen Kenntniss derATgonauten; denn ich gebe
die Beschreibung des vollständigen Männchens, das bis jetzt als
solches keinem Naturforscher bekannt ist. Da ich selbst bei mei-
nem achtmonatlichen Aufenthalt in Sicilien im Jahre 1844, der
bloss naturwissenschaftliche Beobachtungen zum Zweck hatte,
das meiste wahrnahm , was ich nachstehend zur Erläuterung
der Naturgeschichte dieses Thieres mittheile , welches einige
grosse Irrungen anderer Gelehrten berichtiget, die mit Recht
Archiv f. Naturgesch. XVHI. Jahrg. 1. Bd. j^4
210 Rüppell:
in der Wissenschaft sehr hoch gestellt sind , so hätte ich
eigentlich schon früher die Veröffentlichung dieser Beobach-
tungen vornehmen sollen , aber bei einem beplanten neuen
Aufenhalt in Sicilien, jenem für Naturforschungen höchst inter-
essanten und überreichen Lande, und wozu ich den nächsten
Winter bestimme, wollte ich noch durch erneuerte Untersu-
chungen meine Kenntnisse über Cephalopoden überhaupt ver-
vollständigen. Möge ich an der Ausführung dieses Vorha-
bens nicht verhindert werden! Möge dessen Ergebniss be-
friedigend ausfallen.
Zur Notiz für diejenigen Zuhörer, welche wenig mit der
Naturgeschichte der Weichthiere vertraut sind, bemerke ich,
dass die Argonauten, das heisst die allein bis jetzt gekann-
ten Weibchen derselben , Tintenfische sind , d. h. Weich-
thiere, deren Kopf um den Mund herum mit acht schlanken
Füssen versehen ist , ein jeder derselben der ganzen Länge .
nach mit einer doppelten Reihe dichtstehender Saugnäpfe
regelmässig besetzt. Das der Mündung des Analschlauches
entgegenstehende Paar Füsse erweitert sich zu einer grossen
verflachten birnförmigen Membran ; ein muskulöser hinten
zugerundeter Sack, der auf der Rückenseite des Thieres mit
dem Kopfe verwachsen ist, unischliesst sämmtliche Eingeweide,
so wie die Respirations- und Generations-Organe, und dieser
Sack steckt in einer äusserst zierlichen , " der Grösse des
Ipdividuums genau entsprechenden spiralförmig gekrümmten
kalkigen Schale, mit doppelt gezacktem Kiele und wellen-
förmigen Radial-Rippen , ohne jedoch auf irgend eine Weise
an diesem Kalkgehäuse befestigt zu sein , wiie solches bei
den meisten Schnecken der Fall ist. Auffallend war es, dass
man nur weibliche Individuen , und zwar meist mit wohl
entwickelten Eiern versehen, beobachtet hatte. — Das lebende
Thier , wenn frei im Meere befindlich , umschliesst mit jener
birnförmigen verflachten Membran des einen Fusspaares un-
unterbrochen und vollständig die äussere Seite seiner Kalk-
muschel, unc) verwendet zum Fortschreiten oder zum Ergrei-
fen und Festhalten seiner Nahrung die übrigen drei Paar
Füsse, wobei ihm deren zahlreiche Saugnäpfe trefflichen Dienst
leisten. Es versteht sich von selbst , dass beim Gehen das
Thier mit dem Kopf nach unten gerichtet ist, und den Beutel-
Beiträge zur Naturgeschichte des Papiernautilus. 211
sack seines Körpers nebst der ihn umschliessenden Muschel
nach oben trägt; bewegt es sich durch Schwimmen unter
Wasser, so ist der Kiel der Muschel nach unten gerichtet j
die sechs Einfachen Füsse , horizontal ausgestreckt, liegen
dann pyramidenförmig aneinander, und die Schwimmbewe-
gung geschieht durch Auspressung eines Wasserstrahls, der
in den Respirationssack eingesaugt , aus dem muskulösen
Analtrichter abfliesst. Um von der Tiefe an die Oberfläche
des Meeres zu kommen, vermuthe ich, dass das Thier einfach
nöthig hat, durch Anpressung seines muskulösen ßauchsackes
an die innere Wandung der Muschel und gleichzeitiges Vor-
schieben des ganzen Körpers nach deren freiem Rande, künst-
lich einen luftleeren Raum in der hinteren Krümmung der Mu-
schel zu erzeugen. Beim Schwimmen auf der Oberfläche, wel-
ches nur bei ganz ruhigem Meeresspiegel der Fall sein soll,
gebraucht das Thier seine sechs schlanken Füsse als Ruder
und den muskulösen Analtrichter als eine Art von Steuerru-
der. Um gleichzeitig seine mit der dünnen Membran verse-
henen Dorsalfüsse als Segel frei gebrauchen zu können, muss
das Thier abermals durch Andrücken des Bauchsacks an die
innere Wandung der Kalkschale dieselbe festhalten , und die
merkwürdige Weise , wie es dann den schwachen Luftzug
mit der aufgespannten Membran jener Füsse zum Segeln be-
nutzt, war bereits von den alten Schriftstellern beobachtet
worden; Aristoteles, Plinius und Oppian gaben davon Be-
schreibung.
Man hatte bisher nur weibliche Individuen der Argo-
nauten eingefangen, und :zwar war gewöhnlich ein jedes mit
zahlreichen wohl entwickelten befruchteten Eiern versehen,
die an der Innern Seite der Muschelwindung mittelst einer-
fadenähnlichen Substanz, traubenartig zusammengeballt, ange-
heftet sind. Es scheint, dass ein Naturtrieb, die reifen Eier
an geeigneten Oertlichkeiten der Küste entlang abzusetzen ,
die weiblichen Argonauten aus der Tiefe des Meeres — ih-
rem gewöhnlichen Aufenthalt — an die Oberfläche drängt,
welches, wenn ich nicht irre, bloss in einigen Sommer- und
Herbst -Monaten (August bis November) der Fall ist. Die
Veranlassung und der Zweck dieser Wanderungen ist we-
nigstens hierdurch sehr plausibel zu erklären. Dieses perio-
212 Röppell:
dische Erscheinen der Argonauten in einer bestimmten Jah-
reszeit in dem Meere bei Messina ist den dortigen Fischern
sehr wohl bekannt , und ich selbst sah bei ruhiger See im
Canal von Messina öfters mehrere Argonauten-Muscheln mit
ermattetem Thier an das Ufer antreiben, wo sie dann auf dem
Sand angespült liegen blieben.
Da das Cephalopoden -Mollusk der Argonaule in gar
keinem direkten Zusammenhang mit der von ihm bewohnten
Muschel steht, äussere Muschelgehäuse bei keiner der übri-
gen Kraken -Arten der europäischen Meere vorkommen, so
wussten die Naturforscher nicht recht dieses constante Zu-
sammenfinden zweier unter einander dem Anscheine nach so
fremdartigen Thierlormen zu erklären. Schon Plinius und
nach ihm andere ausgezeichnete Zoologen glaubten daher,
dass das Bewohnen einer einschaligen Muschel durch ein
krakenartiges Thier dem Vorkommen der Pagurus-Krebse in
fremdartigen Schneckenhäusern analog sei; man vermuthete,
dass der eigentliche Verfertiger der Argonauten-Muschel, der
die Tiefe des Meeres bewohnen müsse , dort von den mit
der Segelmembran versehenen Kraken getödtet werde, damit
ihre Weibchen das Kalkgehäuse bewohnen und durch das-
selbe ihren Eiern Schutz gewähren könne !
Eine wichtige als Entscheidungs-Beweis dienliche Beob-
achtung, welche der berühmte neapolitanische Anatom Poli
bereits im Jahre 1803 der dortigen Wissenschafts- Akademie
vorlas, wurde erst im Jahre 1824 durch den davon vom Aka-
demie - Secretair Monticelli veröffentlichten Auszug zur
allgemeinen Kenntniss gebracht. In jener Abhandlung wies
Poli nach, dass bereits in den Eiern, welche der die Ar-
gonauten-Muschel bewohnende Krake constant mit sich führe,
die Rudimente der Kalkschale wahrnehmbar seien, daher das
Besitzthum dieser Muschel als eigene Production demselben
nicht bestritten werden könne. Auf Tafel 41 Figur 7 — 10
vonPoli's berühmtem Werke: Testacea utriusque Siciliae
eorumque anatome, das zu Parma in den Jahren 1795 — 1826
veröffentlicht wurde, sind die Abbildungen zu den Poli'schen
Beobachtungen; der erläuternde Text derselben wurde von
Delle Chiaje nach des Autors Ableben edirt.
Der viele Jahre in Sicilien angesiedelte thätige und ta-
Beiträge zur Naturgeschichte des Papiernautilus. 213
lentvolle Naturforscher Rafinesque, welcher der Ansicht
des Plinius hinsichtlich der Argonauten beipflichtete, hatte den
in der Argonautenmuschel vorkommenden Kraken als eine
selbständige eigene Cephalopodengattung aufgeführt, und für
dieselbe den Bezeichnungsnamen Ocythoe vorgeschlagen.
Ganz in der Nähe desselben führt er in seinem Werkchen:
Analyse de la Nature '«*) die Argonautenmuschel als eine an-
dere Gattung von Cephalopoden auf, deren Thier er als
unbekannt bezeichnet. Blainville in seinem Manuel de
Malacologie, Paris 1825, entfernte sich noch mehr von dem
richtigen Wege, denn er adoptirte die Rafinesque'sche Gat-
tung Ocythoe für die Segelmembran tragende achtfüssige
Kraken in der Ordnung der Cephalopoden , stellt aber die
Argonautenmuschel unmittelbar in die Nähe der Gattung Ca-
rinaria und Atlanta in die Ordnung, die er Nucleobranchiata
benennt. Diesem Beispiele ist übrigens meines Wissens kein
Naturforscher von Belang gefolgt.
Den unwiderleglichsten direkten Bew^eis, dass der Krake,
welcher die Argonautenmuschel bewohnt, auch deren Ver-
fertiger ist, lieferten die Beobachtungen der Madame Johanna
Power. In ihrer Abhandlung über die Argonauten, die im
November 1836 in der Academia Gioeniana zu Catania ver-
lesen wurde, und welche im 12. Bande der Schriften dieser
Akademie gedruckt ist, theilte die Naturforscherin die sinn-
reiche Weise mit , auf welche sie ihre Beobachtungen über
lebende Argonauten angestellt hat. Sie bewahrte nämlich in
einer, durch Reisergeflecht künstlich abgeschlossenen seich-
ten Meeresstelle des Hafens von Messina mehrere lebende
Argonauten eine nahmhafte Zeit auf, und fütterte sie mit
passender Nahrung. Hier bemerkte sie vor allem, dass das
Thier in seinem natürlichen Zustande seine Muschel stets
gänzlich durch die dünne verflachte Haut des obern Fuss-
paares überdeckt. Künstlich zerbrach sie nun die Muschel
und beseitigte einzelne Stücke derselben. Nach wenigen Ta-
gen war die durch diese Verletzung entstandene Oeff'nung
durch eine Pergament ähnliche Membran gänzlich geschlos-
sen, in der sich nach einiger Zeit Kalksubslanz ablagerte;
*) Rafinesque, Analyse de la naturC; p. 139. Palermo 1815. 8.
214 ' Rüppell;
allmählich wurde die verletzte Stelle gänzlich ausgefüllt, und
zuletzt die Oeffnung in ein mit der. übrigen Muschel homo-
genes Ganzes umgebildet. Durch die Secretions-Drüsen der
Haut jener obern Füsse, womit das Thier die ganze Muschel
überdeckt, war der Process der Muschelausbesserung ausge-
führt, entsprechend den Functionen, welche der Mantel der
gewöhnlichen Schnecken ausübt. Da die interessante Ab-
handlung der Madame Power im 11. Jahrgange von Erich-
sons Archiv in deutscher Uebersetzung abgedruckt ist , so
kann sie jeder, den sie interessirt, daselbst nachlesen.
Van Beneden in seiner vortrefflichen Abhandlung
über die Argonauten, im elften Bande der Brüsseler Akade-
demie-Schriften abgedruckt, enthaltend seine schönen Beob-
achtungen über die innere Organisation des Thieres, be-
schrieb gleichfalls die von ihm an mehreren Argonautenmu-
scheln wahrgenommene künstliche Ausbesserung derselben,
welche durch deren Bewohner gemacht sein muss; er hat
solches bildlich dargestellt. Der belgische Naturforscher, der
viele Thiere der Argonauten in frischem Zutande zu unter-
suchen Gelegenheit hatte, ebenso Madame Power, die selbst
erklärt, dass sie mehrere hundert Individuen derselben zu
ihrer Verfügung hatte, endlich Delle Chiaje, Owen,
Kölliker, Costa, Verany, kurz alle die über diese
Thiere anatomische Untersuchungen machten, erklären ein-
stimmig, dass sämmtliche Kraken, in Argonautenmuscheln be-
findlich, weiblichen Geschlechts gewesen. Es ist ferner er-
mittelt, dass auch die andern Argonauten-Arten , welche im
indischen Ocean leben, von achtfüssigen Kraken bewohnt
werden, an denen das obere Fusspaar eine birnförmig ver-
flachte grosse Hautausdehnung besitzt. Ich habe das Ver-
gnügen Ihnen eine Argonauta nitida mit dem in ihr
wohnenden Thier in Weingeist vorzuzeigen , welche unser
Museum der Freigiebigkeit unsers verehrten CoHegen, Doctor
Döbel in Batavia , zu verdanken hat. Sie können daran
die Formung jener Füsse deutlich beobachten.
Ich gehe jetzt zu den geschichtlichen Notizen bezüglich
der Heclocotyli über , die , wie Sie vernehmen werden , in
genauem Zusammenhange mit den Argonauten stehen. Im
Jahre 1825 veröffentlichte der ' unermüdliche Naturforscher
Beiträge zur Naturgeschichte des Fapiernaulilus. 215
und Anatom Delle Chiaje in Neapel in seinen Memorie
suUa sloria e notomia degli animali senza vertebre auf Taf.
16. Fig. 4. die Abbildung und Vol. 2. p. 225. die Beschrei-
bung eines Thiers, welches er an dem Cephalopoden eines
Argonauten ansitzend, der in Weingeist aufbewahrt wurde,
zufällig fand; er hielt es für ein Epizoon, glaubte darin eine
neue Art der Rudolphi'schen Gattung Tricocephalus zu
erkennen, und bei der Beschreibung der äusseren Form des
Thieres bezeichnete er es mit dem Namen Tricocephalus'
acetabularis. Einige Jahre später (1829) beschrieb der grosse
Cuvier im 18. Bande der Annales des sciences naturelles
einen Wurm, den Laureillard zu Nizza an verschiede-
nen Octopus granulosus Lamarck festsitzend eingesammelt
hatte; er hielt das Thier gleichfalls für ein Epizoon, und
bildete aus demselben eine neue Gattung, die er Hectocoty-
lus benannte. Auf der 11. Tafel jenes Bandes hat er eine
vortreffliche Abbildung des Thieres und der von ihm daran
erkannten Innern Organisation veröff'entlicht. Zugleich er-
klärte er diese neue Gattung übereinstimmend mit dem von
Delle Chiaje als eine Tricocephalus -Art beschriebenen
Individuum, womit sich dieser Schriftsteller in der neuen
Ausgabe seiner wirbellosen Thiere einverstanden bekannte,
und den von ihm früher vorgeschlagenen Namen in Hecto-
cotylus Argonautae änderte.
Als im Herbst 1842 Kölliker einen längeren Aufent-
halt in Messina machte, und daselbst viele Hectocotyli in be-
lebtem Zustande fand, die jedesmal an weiblichen mit Eiern
versehenen Argonauten- oder Tremoctopus-Kraken festsassen;
als ihm die dabei gemachten anatomischen Untersuchungen
bestätigten, was Cuvier über das eine Endtheil dieses Thie-
res bekannt machte, nämlich dass es einen wohl entwickel-
ten Penis nebst dem dazu gehörigen männlichen Geschlechts-
organismus enthalte; da glaubte er sich zu der Schlussfolge
bei'echtigt, dass die Hectocotyli die so lange vergeblich auf-
gesuchten Männchen mehrerer Krakenarten und namentlich
der Argonauten seien , um so mehr da Saugnäpfe und Pig-
mentzellen, die so eigenthümlich sind, in beiden Thierfor-
men ganz identisch gebildet sind. Eine ausführliche Beschrei-
bung des Ergebnisses seiner anatomischen Forschungen ver-
216 Rüppell:
öffenllichte KÖlliker im Jahre 1849 in seinem 2. Berichte
über die Königliche zootomische Anstalt zu Würzburg-, worin
er auf Taf. 2. Fig. II. den vollsländigen männlichen Ge-'
schlechtsapparat sehr schön darstellt; aber es muss eine
Selbsttäuschung sein, wenn er auch an den Hectocotyli einen
Kiemenapparat und ein Herz wahrzunehmen glaubte. Von
letzterem gab er sogar in Fig. 9. eine Abbildung.
Unterdessen hatte der neapolitanische Naturforscher Ga-
briel Orazio Costa — ich entsinne mich in diesem Au-
genblicke nicht, in welcher seiner zahlreichen Schriften —
die Beobachtung gemacht, dass das sogenannte vordere Ende
der Hectocotyli in zeVrissene unbestimmt begrenzte Anhänge
auslaufe, und er sprach demnach die Ansicht aus, dass jenes
vermeintlich selbständige Thier, da er an ihm keine zur Er-
haltung und Verlängerung des Lebens nothwendige Organe
auffinden könne, nichts als der abgerissene Theil eines Ce-
phalopoden, oder noch wahrscheinlicher , dessen Spermalo-
phore sei. Kölliker erwähnt dieser Ansicht als ihm von
Verany und Defilippi brieflich mitgetheilt, in seiner
Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie Bd. 3. p. 90. Aber
trotz dieser wichtigen Beobachtung beharrte (1. c. p. 81.) er
bei seiner Ansicht, dass Hectocotylus selbständige Thiere und
die Männchen gewisser Cephalopoden seien.
Schon im Jahre 1839 wurde im 1. Bande der neuen
Reihenfolge der Schriften der Turiner Akademie_ eine Ab-
handlung des Verany veröffentlicht, in welcher er einen
von ihm bei Genua aufgefund\3nen Tintenfisch als neue Art
beschreibt und abbildet. Er benannte solche Octopus Care-
nae. Das einzige von ihm beobachtete und eingesammelte
Exemplar, das er auf Taf, IV. abbildete, war verstümmelt^ es
mangelte ihm der eine seitliche Fuss, und derselbe war durch
eine kurze birnförmige Masse ersetzt , welche das Produkt
eines unvollendeten Regenerationsprocesses zu sein schien.
Im Jahre 1844, während meines langen Aufenthalts in Sici-
lien, der mir eine ungemein reiche Ausbeute an seltenen und
neuen Cephalopoden gewährte, erhielt ich ein vollständiges
Individuum jenes Octopus Carenae, das mit der Verany'schen
Abbildung und Beschreibung genau übereinstimmt, nur mit
dem Unterschiede, dass derjenige Lateralfuss , den Verany
Beiträge zur Naturgeschichte des Papiernaulihis. 217
als einen zugerundeten kurzen Stummel darstellte, bei mei-
nem Exemplare ein mit einer doppelten Reihe sehr dicht ge-
stellter Saugnäpfe besetzter Fuss ist, merklich länger und
robuster als die 7 andern Füsse. Ich beachtete diese schein-
bare Monstruosität nicht weiter, denn ich glaubte dafür eine
Erklärung zu finden in einer vergrösserten localen Lebens-
thätigkeit bei der Regenerirung eines zufällig verlorenen
Gliedes. Dieser Oclopus Carenae, den ich, wie dieses von
jeher mit allen in meinen Besitz kommenden Naturalien der
Fall gewesen, unserem Museum geschenksweise zueignete,
stand seit 1845 sonderbarer Weise ganz unbeachtet in un-
serer Mollusken-Sammlung, was um so mehr zu verwundern
ist , da meines Wissens sich nirgends ein zweites vollständiges
Exemplar von 0. Carenae vorfindet. Als ich nun vor eini-
gen Monaten in Mailand den Text und Supplement-Kupfer zu
Verany's prachtvoller Cephalopoden- Monographie erhielt,
fand ich zu meiner grossen Freude, dass dieser unermüdliche
Naturforscher eine Tafel, ganz den Heclocotyli gewidmet, ge-
geben hat, auf welcher eine ganz meinem vollständigen Octo-
pus entsprechende Figur abgebildet ist. Verany erkannte
in dem vermeintlichen anomalen Fuss des Thieres Cuviers
Hectocotylus, und sofort ist dieser nichts als das zufällig ge-
trennte männliche Generations-Organ einer Octopus-Art. Die
männlichen Sexualorgane sind an dem vorstehenden Exemplare
ganz übereinstimmend mit den Beschreibungen und Abbil-
dungen, die Cuvier und KöUiker von denselben gege-
ben haben, wie jedermann durch eigene Ansicht vorstehen-
den Exemplares erkennen kann; die Bemerkung des Dr. Mül-
ler in Würzburg (Verhandlungen der Physicalisch-Medicini-
schen Gesellschaft zu Würzburg, Vol. 2. p. 334} „Verany
habe bei seiner neuesten Beschreibung eines Octopus Care-
nae, als dessen Arm sich der Hectocotylus octopodis ent-
wickle, keine Angabe über Geschlechtsverhältnisse des Indi-
viduums gegeben,« wird hierdurch beantwortet. Jedenfalls
ist die noch von Dr. Müller ausgesprochene Ansicht: „die
Hectocotyli hätten eine eigene Blut circulation
und Kiemen" eine auf irrigen Beobachtungen begründete.
Meine individuelle Meinung ist. Dass der Octopus Carenae
das vollständige Männchen der Argonauten sei, der ein-
218 Rüppell:
zige dagegen aufzuwerfende Grund ist Verschiedenheit der
Grössenverhältnisse mit den an den Argonauten eingesam-
melten Hectocotyli und demjenigen Arme der 0. Carenae.
Nach dem jetzigen Stande unserer Kenntnisse über die
Argonauten würde die Beschreibung dieser Thiere folgende
nahmhafte Umänderung erleiden müssen :
Das Männchen und Weibchen der Argonauten-Kraken,
obgleich im Allgemeinen in ihrer Körperform ähnlich , un-
terscheiden sich durch Nachstehendes:
. 1} Das Männchen hat 8 Füsse von ungleicher Länge,
ein jeder auf der einen Seite mit gedoppelter Reihe von
Saugnäpfen besetzt; drei von den seitlichen Füssen sind nur
halb so lang als die vier andern; von jenen ist der untere
der rechten Seite bedeutend breiler und länger als alle an-
dere Füsse , und er endigt in eine drei Linien lange birn-
förmige Verflachung , die keine ^Saugnäpfe hat, in eine ko-
nische Spitze ausläuft; diese Verflachung enthält in ihrem In-
nern einen Theil der männlichen Geschlechtsorgane.
2) Das W^eibchen hat das obere Fusspaar bedeutend
länger als die anderen Füsse; jene verflachen sich zu einer
grossen birnförmig zugerundelen Hautmembran, mit welcher
das Thier die seinen Körper umgebende Kalkmuschel ganz
überdeckt, und dadurch das Festhalten derselben bewirkt, da
kein Körpertheil an der Schale angeheftet ist. In dieser ver-
flachten Haut befinden sich, wie in dem Mantel der mit Mu-
scheln versehenen Mollusken, der Drüsenapparat, mittelst wel-
chem die Kalkschale angefertigt und nöthigenfalls ausgebes-
sert wird.
3) Die weiblichen Argonauten, welche in der Regel nur
auf tiefem Meeresgrund leben, kommen zu gewissen Jahres-
zeiten an die Oberfläche, und sind alsdann durchgehends mit
befruchteten Eiern gefüllt, die sie zu Büscheln vereinigt an
geeigneten Uferstellen absetzen.
4} Bei diesen periodischen Wanderungen aus der Tiefe
des Meeres an die Oberfläche ereignet es sich zuweilen, dass
der die Genitalien tragende Fuss des noch mit Begattung be-
schäftigten männlichen Argonauten abreisst, an den Weibchen
festgesaugt verbleibt, und durch dasselbe an die Oberfläche
des Meeres gebracht wird.
Beiträge zur Naturgeschichte des Papiernaulilus. 219
5) Dieser abgerissene Arm mit den männlichen Gene-
rationsorganen ist von Delle Chiaje, Cuvier und Ande-
ren als ein_Epizoon beschriebi^n worden, ward von Kölli-
ker für da^ vollständige männliche Individuum der Octopo-
den erklärt, von Costa, Verany und Defilipp i aber
vermuthungsweise als das Bruchstück eines Cephalopoden
betrachtet.
6) Männliche, unverstümmelte Individuen der Argonau-
ten kommen, wie es scheint, nur höchst selten an die Ober-
fläche des Meeres.
Zur Vervollständigung meiner Mittheilung gebe ich
schliesslich diq Zahl der Saugnäpfe der Füsse des männlichen
Argonauten, da solche sich nicht vorfindet inVerany's Be-
schreibung des Octopus Carenae , welches jenes Männchen
ist. Ich zähle an jedem Fusse der Rücken- und Bauch -
Seite 29 Paar Saugnäpfe; an den 3 seitlichen kurzen Füssen
je 19 Paar, und an dem längsten aller Füsse, demjenigen an
der untern rechten Körperseite, und welcher den Genital-Ap-
parat enthält, 49 Paar dicht an einander gestellter Saugnäpfe.
Der Bauchsack des Thieres scheint nicht über l'/j Zoll Länge
zu messen, die Rücken- und Bauchfüsse haben beiläufig 4
Zoll, die drei seitlichen Füsse 1^2 Zoll und der Fuss mit dem
Genital-Apparat über 6 Zoll Länge.
Auch bin ich der Meinung, dass die Argonauten, deren
Namen, eigentlich nur auf die Weibchen passt, welche die
dünne Muschel haben, künftig den von Rafinesque vorge-
schlagenen Namen Ocythoe führen sollten.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. VIII. Ocythoe Argo Rafinesque. Linn. ji
a. Von der Rückenseite.
h. Von der Bauchseite.
c. Unterer Fuss der rechten Körperseite mit den männlichen
Generationsorganen.
lieber die 6^ebi§sforinel der (Spitz mause.
Von
'»r. \¥. reters.
(Monatsberichte der Academie zu Berlin 1852. p. 169.)
Von allen Theilen , welche uns Anhaltspunkte für die
Classification der Säugethiere darbieten, nimmt das Gebiss,
abgesehen von der durch physiologisch-anatomische Gründe
gebotenen Absonderung der Beutelihiere , den ersten Rang
ein. Die vortrefflichen Arbeiten von Fr. Cuvier haben ge-
zeigt, wie kein einziges anderes Organ ein so sicheres und
leichtes Mittel an die Hand giebt, die grösseren und kleineren
Gruppen der Säugethiere naturgemäss zusammenzustellen und
die einander verwandten Glieder zu erkennen , als die von
den Zähnen entlehnten Merkmale. Denn die verschie.dene
Form der Zähne richtet sich nach der Nahrung, von der ein
Thier lebt, und steht nicht allein mit den Organen der Ver-
dauung, sondern auch mit der ganzen übrigen Organisa-
tion und der Lebensweise desselben im innigsten Zusam-
menhange.
Sehr zu bedauern ist es aber, dass Fr. Cuvier die
alte Eintheilung der Zähne in Voderzähne , Eckzähne und
Backzähne, statt den Begriff" derselben auf hinreichende Weise
zu erweitern und umzuändern , wozu niemand mehr als er
angeregt und berechtigt sein konnte, in einer zu beschränk-
ten Weise aufgefasst und dadurch seinem klassischen W^rke
über die Zähne der Säugethiere nicht die Vollkommenheit
gegeben hat , welche man wünschen möchte. Es hat dies
off'enbar nicht wenig dazu beigetragen, die für das gegen-
Peters: Ueber die Gebissformel der Spitzmäuse. 221
seitige Verständniss so wünsch enswerthe Einigung über die
Formel des Gebisses mancher Gattungen zu verzögern und
zu hemmen. Um den gemeinsamen Plan, der dem Bau der
Thiere zu Grunde liegt , zu überblicken , ist es nöthig , die
wesentlichen Theile zu erkennen und zu vergleichen, welche
dazu erforderlich sind, und um dieses zu erleichtern, ist es
eben so nothwendig , die einander entsprechenden Theile
unter demselben Ausdrucke zusammenzufassen. Dasselbe,
Princip gilt daher auch für die Zähne.
Um die einander entsprechenden Zähne zu erkennen ,
ist, wie die vergleichende Anatomie gelehrt hat, kein Kenn-
zeichen so feststehend und entscheidend , wie das , welches
von den Theilen entlehnt ist, von welchen die Zähne ihren
Ursprung nehmen.
Nach dieser Regel sind alle und nur diejenigen obere
Vorderzähne oder Schneidezähne, welche vom Zwi-
schenkiefer ihren Ursprung nehmen, ohne Rücksicht auf ihre
Zahl, Gestalt, Stellung oder Richtung.
Die Bezeichnung Eckzahn gebührt ausschliesslich
und beständig demjenigen Zahn, welcher aus der vordem
Ecke des Oberkiefers entspringt , möge er einwurzelig oder
zweiwurzelig sein und seine Krone sich durch eine besondere
Form auszeichnen , oder in derselben mit den Schneidezäh-
nen oder Backzähnen übereinstimmen.
Alle übrigen Zähne, welche aus dem Oberkiefer ent-
springen , sind ohne Ausnahme als Backzähne zu be-
trachten.
Die Unter kieferzähne werden nach denjenigen obe-
ren, welchen sie am meisten in Stellung und Gestalt entspre-
chen, geordnet; in vielen Fällen kann man sich darnach
richten, dass der entsprechende untere vor dem obern ein-
greift , doch ist d:6se Regel keinesweges durchgehend , zu-
mal wenn die Zahl der unteren Zähne grösser oder geringer
ist als die der oberen.
Nur wenn man streng nach diesen Grundsätzen, welche
auch B 1 a i n V i 1 1 e in seiner Osteographie befolgt hat, verfährt,
wird man zu einer endlichen Einigung über die Gebissformeln
der Säugethiere gelangen. Man hat nur die Wahl, entweder
die so bewährte alte Eintheilung der Zähne in drei Hauptar-
222 Peters:
ten ganz aufzugeben, oder, wenn sie für die Classification der
Säugethiere von Werth sein soll, dieselbe consequent durch-
zuführen.
Denn wenn einmal nicht mehr die Form und Stelking ,
sondern der Ursprung von den Kiefertheilen als wesentliches
Merkmal für die Ordnungen der Zähne anerkannt ist^ so lässl
sich diess nicht mehr auf die eine oder andere Ordnung be-
schränken, sondern muss für alle anerkannt werden. Sind trif-
tige Gründe vorhanden und nimmt man keinen Anstoss daran,
die nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch in vielen Fällen
unpassende Benennung der „Schneidezähne^* beizubehalten, so
gelten dieselben Gründe auch für die „Eckzähne" und „Back-
zähne." Es wird hiernach ebenso unrichtig sein, einen Zwi-
schenkieferzahn mit spitzer oder platter Krone „Eckzahn" oder
„Backzahn ," einen schneidenden oder spitzigen Backzahn
„Schneidezahn" oder „Eckzahn" zu nennen, wie einen Eck-
zahn, der nicht die Gestalt wie bei den Raubthicren hat, als
„Schneidezahn" oder "Backzahn" zu betrachten.
Obgleich nun die Verschiedenheit in den Angaben der
Gebissformeln in vielen Fällen bloss aus Missachtung der
massgebenden Regeln hervorgeht , so kommen doch auch
Fälle vor , wo sie von der Schwierigkeit der Untersuchung
herrührt. In keiner Ordnung der Säugethiere ist diese grös-
ser als in der Abtheilung der Insect'wora Cuviers , so dass
auch hier die Ansichten über die natürliche Formel des Ge-
bisses mehr auseinander weichen, als bei allen übrigen Ord-
nungen zusammen.
Kein Beispiel zeigt dies deutlicher, als die Spitzmaus,
eine Gattung , welche man als den Typus der Insectivoren
betrachten kann , und welche nicht allein seit den ältesten
Zeiten bekannt, sondern auch vielfach Gegenstand beson-
derer Arbeiten geworden ist.
Von den älteren Schriftstellern hat Conrad Gesner
(Bist, animal. I. De quadrup. 1551. p. 846.) das Verdienst,
zuerst auf die eigenthümliche Form des Gebisses der Spitz-
mäuse aufmerksam gemacht zu haben ^ ohne jedoch, ebenso
wenig wie seine nächsten Nachfolger, Rajus u. A. auf die
Unterscheidung der Zahnarten sich einzulassen. Brisson
-(Le regne animal. 1756. p. 179.), welcher das Gebiss seiner
üeber die Gebissformel der Spitzmäuse. 223
Systematik zu Grunde legte, gibt von der Spitzmaus an, dass
sie oben 2 Schneidezähne, 6 Eckzahne und 8 Backzähne,
unten 2 Schneidezähne, 4 Eckzähne und 6 Backzäline habe.
Daubenton dagegen (BufFon, Hist. nat. 1764. p. 98.) sagt,
dass sie weder Schneidezähne noch Eckzähne hätten. Linne
(Syst. nat. 1766. p. 73.) charakteri^irt dieses Gebiss auf fol-
gende Weise : Dentes primores superiores duo bifidi , infe-
riores quatuor, intermediis brevioribus, laniarii utrinque plures.
Schreber (Die Säugethiere HI. 1778. p. 565.) folgt ihm
hierin, indem er als Gebissformel aufstellt: Vorderzähne oben
2 , unten 4 oder 2 ; Seitenzähne fehlen , wofern man nicht
die ersten Backzähne für solche annehmen will ; die letzten
Backzähne haben mehrere Spitzen. Pennant (Synopsis of
quadrupeds 1771. p. 307. und History of quadrup. 1781. p.
476.) führt von dem Gebiss der Spitzmaus nichts weiter an,
als dass sie „two cutting teeth in each jaw pointing forward^
habe. Lacepede (Tableau des divisions , sous-divisions ,
ordres et genres des mammiferes (Paris. L'an IX. (1800.) p.
7.) ordnet die Zähne von Sorex wieder auf andere Art : „six
ou huit incisives inegales ä chaque mächoire; laniaires tres
courtes.« Fr. Cuvier (Annal. du mus. d'hist. nat. Xil.
1808. p. 40.) unterschied die Zähne nach einer Art von Isle de
France (also einer Crocidura Wagl.) in | Schneidezähne,
^^ falsche Backzähne und % wahre Backzähne, llliger
(Synopsis mammahum. 1811. p. 125.) vertheilte die Zähne
dagegen in | Vorderzähne, ^f Laniarii ambigui, und | Back-
zähne. Diesen beiden Ansichten sind die meisten jetzigen
Schriftsteller gefolgt, indem sie nur das erste Zahnpaar oben und
unten als Schneidezähne, die folgenden kleinen Zähne als mola-
res spurii, molares anteriores, moJares minores, canini ambigui
oder dentes intermedii, und die hintersten mehrhöckerigen als
Backzähne betrachten , mit Ausnahme von Isidore Geof-
froy St. Hilaire (Dictionn. ciassique d'hist. nat. 1827. XI.
p. 314.), welcher nach Vergleichung mit dem Gebiss vom Igel
bereits in dem vordersten Zahnpaar Eckzähne zu erkennen
glaubt, und daher gar keine Schneidezähne annimmt.
B 1 a i n V i 1 1 e ist der einzige , welcher neuerdings ver-
sucht hat, das Zahnsystem auf seine natürliche Bedeutung
zurückzuführen, ist jedoch zu keinem befriedigenden Resul-
224 Peters:
tale gelangt, sondern hat sich dabei, wie aus den betreffen-
den Stellen hervorgeht, nur in Widersprüche verwickelt. So
sagt er in seiner Osteographie (Mammiferes, Insectivores)
p. 54: „Le Systeme dentaire des Musaraignes veritables est
„plus difficile ä ramener au type commun que celui des es-
„peces precedentes, ä moins d'admettre, comme je Tai
„propose quelque part, que chaque incisive, unique
„dans ces animaux, n'en represente au moins
„deux et meme trois; aussi peut-on dire que ce genre
„d'lnsectivores est encore plus anomal que les Taupes, puis-
„que Tanomalie porte sur le nombre, la forme et la propor-
„tion." Ibid. p. 55. : „Je prendrai le type du Systeme den-
„taire de ce genre dans le S. vulgaris, type du G. Sorex de
„W agier, parcequ'il est plus complet. Le nombre reel des
„dents est de dix en haut et de six en bas; mais en com-
„ptant les dentelures des incisives, on en trou-
„verait onze en haut: trois incisives, une canine,
„trois fausses molaires, une principale, et trois arriere-mo-
„laires, et huit en bas: deux ou trois incisives, point de ca-
„nines, deux avant-molaires et trois molaires vraies." p.62. :
„Une Musaraigne de l'Inde , dont les os du cräne etaient
„encore parfaitement distincts, meme dans leurs parties com-
„posantes, si ce n'est cependant les os du nez dejä reunis,
„m'a montre le Systeme dentaire tout-ä-fait semblable ä celui
„de l'adulte, quoiqu'il füt encore en grande partie couverte
„par les gencives, et je n'ai vu que Tage y apportät aucun
„changement notable." p. 88. „Pour moi , la formule den-
„taire des Musaraignes, par exemple, peut etre ainsi exprime
„dans son Systeme de notation : ^^ dents de chaque
„cote, savoir § Incis., | Can., ~ ^"" Mol, ( ~ ^^" avunt-
■,,mol., f principale, | arriere-mol.)."
Man ersieht hieraus eben nur , d^ss ihm die Natur des
Gebisses unklar geblieben ist, und dass er, um sich zu hel-
fen, zu einem neuen Gewaltmittel griff, indem er mehr Zähne
annahm, als wirklich vorhanden sind.
Es scheint ausserordentlich selten zu sein, dass man
Schädel von Spitzmäusen aus solchem jugendlichen Alter er-
hält, woran das Gebiss schon vollständig vorhanden, die
Ueber die Gebissfor mel der Spitzmäuse. 225
Schädelnähte aber noch zu erkennen sind. Um so erfreu-
licher war es mir, unter den von mir gesammelten Materia-
lien einen solchen kostbaren Schädel (von Crocidura sacralis^
No. 16290 des Berl. Anat. Museums) zu finden, an welchem
man über den Verlauf der Zwischenkiefernähte, deren Fein-
heit allerdings eine genaue Untersuchung erfordert, nicht
zweifelhaft sein kann. Dieses führte mich zuerst auf die
richtige Deutung des Gebisses der Crociduren, und nachher
auch der andern Untergattungen, welche zu untersuchen ich
Gelegenheit hatte. Nicht allein der erste zweispitzige , son-
dern auch die beiden folgenden oberen Zähne sitzen im Zwi.
schenkiefer und sind daher alle drei als Schneidezähne zu
deuten, so dass man dieselbe Zahl erlangt, die Blainville
auch einmal annimmt, ohne, wie er, die Zahl derselben will-
kürlich zu vermehren. Es hat nun keine Schwierigkeiten,
den ersten Oberkieferzahn als Caninus ambiguus , und die
vier übrigen als Backzähne zu erkennen. Den drei oberen
Schneidezähnen entsprechen jederseits zwei untere, von de-
nen nur der hintere in seiner Deutung Zweifel erregen könnte;
da er sich aber in seiner Lage zum ersten untern ganz so
verhält wie der zweite obere zum ersten daselbst , und er
bei verschiedenen Arten entweder vor, unter oder gleich
hinter dem dritten oberen Schneidezahn liegt, so scheint mir
seine Deutung als Schneidezahn vollkommen gerechtfertigt
zu sein. Was noch mehr dafür spricht , ist , dass er auch
in dem constanlen Vorkommen den oberen Schneidezähnen
und nicht dem Eckzahn oder dem kleinen Lückenbackzahn
entspricht. Denn bei einer Art von Crociduren, Crocidura
pulchella (ßorex pulchellus Licht.}, fehlt nicht allein der
kleine obere Lückenzahn , welcher bei einigen Arten vor-
kommt , sondern auch von dem obern Eckzahn ist keine
Spur vorhanden, so dass die Zahl^ der oberen Zähne bei
dieser Art jederseits nicht über sieben ist. Der dritte Un-
terkieferzahn ist sowohl durch seine Stellung zum entspre-
chenden obern, wie auch durch seine mehrzackige Entwik-
kelung bei Sorex varius S m u t s (Myosorex G r a y.) , als
Lückenbackzahn zu > erkennen , ebenso wie die drei letzten
Unterkieferzähne den oberen drei wahren Backzähnen in
jeder Hinsicht zu vergleichen sind. Auf diese Art erhalten
Archiv f.Naturgescb. XVIII. Jahrg. 1. Bd. 15
226 Peters:
wir eine natürliche Zahnformel, welche sowohl den übrigen
Insectivoren als auch der parallelen Reihe der Beulelthiere,
insbesondere den Phalangisten entspricht , - und uns die An-
wendung besonderer nur verwirrender Kunstausdrücke er-
spart. Das Gebiss der Crociduren besteht daher wesentlich
aus drei Paar oberen und zwei Paar unteren Schneidezähnen,
und aus vier Paar oberen und unteren Backzähnen. Die
Eckzähne und die kleinen oberen Lückenbackzähne sind
unwesentliche Theile des Gebisses dieser Gattung. Untere
Eckzähne fehlen beständig; die oberen können aber ebenso
wie die kleinen überzähligen Lückenzähne vorhanden sein
oder fehlen. Bei der Wasserspitzmaus, der Gattung Cros-
sopus von Wagler, ist die Zahnformel, der Analogie nach
zu schliessen , ganz wie bei den Crociduren. Sorex vulga-
ris L. dagegen und die damit verwandten Arten (Waglers
Sorex), welche sich schon durch die merkwürdige sägeför-
mige Gestalt der vorderen unteren Schneidezähne auszeich-
nen, haben, nach der Lage der Foramina incisiva zu schlies-
sen, höchst wahrscheinlich vier Paar obere Schneidezähne;
ich glaube auch eine dem entsprechende Zwischenkiefernaht
erkannt zu haben , doch bin ich meiner Sache noch nicht
sicher. genug, um mich entschieden darüber aussprechen zu
können. Die Gebissformel der Gattung Crocidura würde je
nach den Arten auf folgende Weise auszudrücken sein :
3 . 1 0 6 0 1 . 3 _ p 3 . 1 1 _6 1 1 ■ 3 __
3 . 1 Ö 4 0 1 . 3 ~" "^^J 3 . 1 Ö 4 0 1.3 "" '
^A 3 . 2 1 6 1 2 . 3 o^
«''«'^ 3— 5 4 0 — =30.
Die hierher gehörigen Arten aus Mossambique sind:
1. Crocidura Mrta nova spec.
S. cinnamomeus, subtus ex cinereo flavescens, rostri la-
tere labioque superiore fuscis; rhinario bifido; cauda crassa,
corporis dimidio longiore; unguibus aequalibus; vellerc brevi
rigido ; dentibus supra utrinque octonis.
Long, ab apice rostri ad caudae basin 0,085; caudae
0,055.
Fundort: Tette, 17° Südl. Breite.
Am meisten verwandt mit Sorex flavescens SmWh^xxn^
Sorex fulvaster Sundevall.
Ueber die Gebissformel der Spitzmäuse. 227
2. Crocidura sacralis nova spec.
S. supra flavescens vel dilule cinnamomeus, macula sa-
crali fusca, subtus ex albo canescens ; rhinariö bifido; caiida
in basi crassa, loiigiliidine dimidii corporis; unguibus anteriorl-
bus paulo brevioribus quam posteriorlbus; dentibus supra utrin-
que octonis.
Longit. pulli ab ap. rostri ad caud. bas. 0,070; caudae
0,037
Fundort: Halbinsel Cabaceira, 15^ S. Br.
o. Crocidura canescens nova spec.
S. cinereofuscus, gastraeo arluumque latere interno ci-
nereis, ingluvie flavescente ; rhinariö bifido; cauda crassa,
corporis dimidio longiore , vertebris quadrangularibus ; un-
guibus aequalibus; dentibus supra utrinque octonis.
Longit. ab ap. rostr. ad caud. bas. 0,080 ; caudae
0,046.
Fundort : Tette, 17° S. Br.
Diese Art steht dem Soi^ex sericeus Sund e\. am näch-
sten, unterscheidet sich von ihr aber durch die bewimperten
Ohrklappen und die viereckigen Schwanzwirbel.
4. Crocidura annellata nova spec.
S. supra cinnamomeus, pilis albo annellatis , subtus ex
cinereo flavescens ; rhinariö bifido ; cauda ci'assa , corporis
dimidio longiore ; pilis longioribus sat rigidis ; unguibus
posterioribus longioribus ; dentibus supra utrinque octonis.
Longit. ab apice rostri ad caud. bas. 0,090; caudae
0,055.
Fundort : Tette, 17« S. Br.
Mit Lichtenstein's Sorex cinnamomeus {ßorex flave-
scens Geoffroy?) am meisten zu vergleichen, aber viel
kleiner und mit verhältnissmässig kleinerem Schwänze.
Alausa viilg:aris und finta,
verschiedene Arten.
Vom
Herausg^elier*
Valenciennes hat das Verdienst, den Begriff der
Gattung Alausa besser festgestellt zu haben, als seine Vor-
gänger; er setzt ihre Eigenthümlichk:eit in den Mangel der
Zähne an Gaumen, Vomer und Zunge; nur die Kiefer kön-
nen kleine Zähne tragen. Der Name Alausa ist dem Aus o-
nius in seinem berühmten Gedicht über die Mosel entlehnt.
Die berühmtesten Ichthyologen, unter ihnen Cuvier,
hatten zwei Arten unter den grossen Europäischen Alsen
angenommen, von denen sie die eine Clupea alosa , die an-
dere Clupea finta nannten. Val en ciennes sagt Hist. nat.
des poissons Tome XX. p. 392: j'espere demontrer qu'il n'y
a qu'une seule alose commune xlans toule l'Europe. Der
Zweck dieser kurzen Bemerkungen ist der entgegengesetzte,
nämlich zu beweisen, dass Cl. alosa und CI. finta wirklich
specifisch verschieden sind.
Die beiden Arten wurden bisher dadurch unterschieden,
dass der Finte, Cl. finta, Kieferzähne und Flecke an den
Seiten des Körpers zugeschrieben wurden, die der Alse,
Cl. alosa, fehlen sollten. Valenciennes lässt sich nun
sehr ausführlich (1, c. p. 403—410) in den Beweis ein,
dass beide Arten nur Varietäten oder Altersverschiedenhei-
len seien.
Er zeigt zunächst, dass er über ein sehr reiches Ma-
terial zu gebieten habe ; in der That hat er Exemplare aus
fast allen Meeren und Flüssen Europa's, aus dem atlantischen
Troschel: Alausa vulgaris und finla. 229
Ocean und aus dem Mittelmeer, ja selbst von Aegypten und
von Algier, und von verschiedenen Jahreszeiten und von
verschiedenen Altern. Er fand die Zähne der Bauchkante
schwankend zwischen 42 und 37, als die gewöhnliche Zahl
wird 39 angegeben. Die gewöhnliche Zahl der Strahlen in
der Afterflosse ist 20, er fand jedoch auch Exemplare von
21, 22 und selbst 24. Die Rückenflosse hat meist 17 Strah-
len, zuweilen aber auch bis 19. Auch die Anatomie hat
keinen Unterschied beider Arten geliefert.
Dass Valenciennes auf die kleinen Kieferzähne kein
erhebliches Gewicht legen will , scheint ganz gerechtfertigt ,
da es ja sehr wohl denkbar ist^ dass in der Jugend Zähn-
chen vorhanden sein können, die später verloren gehen, und
so könnten also die Finten jüngere, die Alsen ältere Thiere
derselben Art sein. Auch mit den Flecken erscheint es miss-
lich, sie können nicht als specifisches Merkmal gelten.
Wenn nun der berühmte Mitarbeiter Cuvier's zu dem
Schluss gekommen ist, dass eine Verschiedenheit zwischen bei-
den Fischen nicht bestehe, so erscheint dies ganz natürlich ;
und wenn eine solche Autorität einen solchen Ausspruch ge-»
than hat, so ist es wahrscheinlich, dass dieser Ausspruch all-
gemein angenommen wird, und vielleicht auf lange Zeit Gül-
iigkeit hat.
Sowohl Alsen als Finten gehen im Rhein weit hinauf,
und werden vielfach gefangen; erstere Art wird unter dem
Namen Maifisch auch häufig als eine geschätzte Speise geges-
sen, letztere ist unter dem Namen Finke, offenbar corrum-
pirt aus Finte, bekannt , aber als übelriechend und nicht
Avohlschmeckend verachtet.
Auch diese Verschiedenheit im Geschmacke weiset Va-
lenciennes als specifische Verschiedenheit zurück, indem
er den Geschmack für individuell erklärt. Die Alsen, wel-
che zuerst erscheinen, seien die wohlgenährtesten und gröss-
ten, so also auch an Geschmack die besten.
Die hiesigen Fischer wollten , als ich ihnen von der
Identität von Maifischen und Finten sprach, davon nichts wis-
sen, und meinten, als ich auf unterscheidende Merkmale
drang , man könne ihnen das schon ansehen , ohne irgend
etwas Bestimmtes angeben zu können.
230 Troschel:
Auffallend ist aber doch das verschiedene Erscheinen
dieser Fische. Die Maifische gehen im Mai slromaufwärls,
und die Finten folgen ihnen im Juni nach, so dass es nur
am Ende des Maifischzuges und am Anfange des Fintenzuges
möglich ist, frische Exemplare nebeneinander zu vergleichen.
Da die Finten stets kleiner sind als die Maifische, so glaubte
ich anfänglich , die Finten möchten vielleicht ein Jahr jün-
ger sein als die Maifische, und so sich ihre Verschiedenheit
erklären.
Um die Sache zur Entscheidung zu bringen , habe ich
zahlreiche Exemplare beider Arten verglichen. Nirgends
Verschiedenheiten, die nicht des Ueberganges fähig, und
durch Altersverschiedenheit zu erklären gewesen v^ären. Ich
zählte Flossenstrahlen , Zähne der Bauchkante, ohne Erfolg ;
ich zählte Schuppen und fand keine Verschiedenheit.
Endlich wurde ich auf zwei Organe aufmerksam, die
wirklich entscheidende Verschiedenheiten bieten, es sind die
Schwimmblase und die Dornen an derconcaven
Seite der Kiemenbogen.
Die Schwimmblase ist ein einfacher, vorn und hinten
zugespitzter Sack, von welchem ein Luftgang in die hintere
Spitze des Blindsackes des Magens tritt, ich habe sie aus
einer ziemlichen Anzahl von Finten und Maifischen heraus-
präparirt und habe sie stets und ohne Uebergang verschie-
den gefunden. Die Schwimmblase der Maifische hat bei einer
Länge von 132 Millim. im aufgeblasenen Zustande eine Weite
von 28 Millim., wogegen die Schwimmblase der Finte bei
einer Länge von 114 Millim. nur eine Weite von 14 Millim.
besitzt; ein Unterschied, der sehr in die Augen fällt. Sollte
man annehmen können, dass die Schwimmblase bei vorrük-
kendem Alter sich bedeutend erweitert? dass sie die Ver-
hältnisse ihrer Dimensionen ändert? Ich möchte mich schwer
entschliessen, diese Fragen mit Ja zu beantworten, obgleich
ich zugestehen will, dass in der Verschiedenheit der Schwimm-
blasen allein noch kein völliger Beweis liege. Es tritt aber
das folgende Merkmal als unwiderleglicher Beweis hinzu.
Als ich im Jahrgang 185Ö dieses Archivs über die Ver-
schiedenheiten der Fortsätze an der concaven Seite der Kie-
menbogen der Fische einige Bemerkungen veröffentlichte,
Alausa vulgaris und finta. 231
glaubte ich nicht, dass diese Organe so bald nützlich für die
Unterscheidung der Species werden würden. Sie sind es
für unseren Fall. Diese Dornen sind bei Cl. alosa viel zahl-
reicher, länger und schlanker als bei Cl. finta, und es ist
nichts leichter, als beide Arten zu unterscheiden, wenn man
in ihren geöffneten Mund sieht. Jeder Unbefangene muss
zugeben, dass die Differenzen, wie ich sie näher anzugeben
im Begriffe stehe, nicht vom Alter abhängig sein, und nicht
in einander übergehen können. Ich habe zahlreiche Exem-
plaA*e untersucht.
Der Maifisch hat an seinem vordem und grossesten Kie-
r^ienbogen 99 bis 118 Dornen, wobei die Grösse des Fisches
proportional ist. Von den Dornen kommen auf den vordem
oder horizontalen Theil des Kiemenbogens 60 — 76, auf den
hintern oder verlicalen Theil 39—42. Viel constanter als
die Zahl dieser Dornen ist ihre Entfernung von einander.
Wenn man zehn Dornen an ihrer Basis mit dem 'Zirkel um-
spannt, so giebt dies genau eine Länge von 8 Millim., und
wenn man diese Zirkelspannung an irgend einer Stelle des-
selben Präparates oder auch an einem beliebigen anderen
Präparate der Kiemenbogen eines Maifisches einsetzt, so'um-
fasst man immer genau zehn Dornen. Die Entfernung der
einzelnen Dornen, von Mitte zu Mitte gemessen, muss also
0,8 Millim. betragen. Die Länge der einzelnen Dornen ist
natürlich verschieden, da sie vorn und hinten sehr klein be-
ginnen und etwa in der Mitte am längsten sind; die längsten
erreichen jedoch nach der Grösse der Fische eine Länge
von 22—25 Mill. bei einer Basalbreite von 2 Mill.
Auf dem zweiten Bogen zähle ich beim Maifisch 96 —
112 Dornen, wieder nach der Grösse des Fisches, sie stehn
bei den vorliegenden Exemplaren kaum enger, die Zirkelspan-
nung von 8 Millim. umfasst höchstens 1 1 Strahlen. Die läng-
sten haben eine Höhe von 9 — 13 MilK
Der dritte Bogen trägt 74 — 88 Dornen; davon sind die
grossesten 8 — 9 Millim. lang.
Den vierten Bogen bewaffnen 56 — 65 Dornen, deren Höhe
von 6 — 8 Mill. variirt.
Auch der fünfte Bogen, oder untere Schlundknochen
trägt kurze Dornfortsätze, in der Zahl von 38—53 ; sie sind
232 Troschel:
jedoch nicht mehr Dornen ,' sondern vielmehr Lamellen von
nur 3 — 4 Mill. Höhe. Auch auf dem 3. bis 5. Bogen stehen
die Dornen fast in derselben Entfernung von einander , wie
auf den beiden ersten. Es mögen leicht Exemplare gefun-
den werden, die einige Dornen an den einzelnen Bogen mehr
oder weniger tragen, da es sich nicht vermuthen lässt, dass
mir gerade die äussersten Grenzen in die Hand gefallen sind;
indessen auch wenn wir eine grössere Variation in den Zah-
len zugeben, so wird es im Vergleich mit den Verhältnissen
der folgenden Art immer schon nach dem Augenmaass leicht
sein, beide Arten zu unterscheiden.
Die Finte hat auf dem ersten Bogen 39 — 43 Stacheln,
von denen auf den horizontalen Theil 24 — 27, auf den ver-
ticalen 15 — 16 kommen. Diese geringe Zahl hängt dann mit
der weitläufigeren Stellung zusammen. Dieselbe Zirkelspan-
nung von 8 Mill., welche beim Maifisch regelmässig 10 Dor-
nen umfasste, schliesst bei der Finte stets nur 6 Dornen ein,
gleichgültig, an welchem Theil des Kiemenbogens gemessen,
bei einem sehr kleinen Exemplar fasste die angegebene Zir-
kelspannung zuweilen 7 Dornen, bei einem sehr grossen nur 5.
Im Mittel nehmen 10 Dornen einen Raum von 13 Mill. ein,
so dass die Distanz der einzelnen Dornen auf 1,3 Mill. an-
zugeben ist. Hierin liegt eine so grosse Verschiedenheit von
der vorigen Art, dass selbst das ungeübteste Auge ohne zu
messen den Unterschied wahrnehmen wird. Die einzelnen
Dornen sind viel kürzer und dabei dicker, also viel weniger
biegsam; die längsten erreichen eine Länge von 8 — 15 Mil-
lim. nach der Grösse der Exemplare, bei einer Basalbreite
von 1—2 Millim.
Der zweite Bogen hat 39—42 Dornen von 5 bis 7 Mill.
Länge.
Am dritten Bogen finde ich 33 — 34 Dornen, die höch-
stens bis 4 Mill. lang werden.
Die Zahl der Dornen am vierten Bogen finde ich von
23 — 27 variirend , bei einer Länge von höchstens 2 — 3 Mill.
Am letzten Bogen, dem untern Schlundknochen endlich»
sind ungefähr 28 kleine Blättchen vorhanden.
Bei diesen Verschiedenheiten in Schwimmblase und
Dornen der Kiemenbogen wird man die Verschiedenheit der
Alansa vulgaris und finta. 233
Species anerkennen müssen , und man wird also auch den
Werth der Oberkieferzähne wieder als Unterscheidungsmiltel
zur Anerkennung bringen können, obgleich diese Zähne frei-
lich wegen ihrer Hinfälligkeit zuweilen im Stich lassen. Auf
die Flecken am Rücken ist aher freilich sehr wenig zu geben.
So ist die natürhche Anschauung der Fischer wieder
gerechtfertigt ; der verschiedene Geschmack des Fleisches ist
nicht bloss individuell; die verschiedene Zeit der Wanderung
in die Flüsse, die Laichzeit, beruht auf specifischer Verschie-
denheit.
Ausser diesem Resultat glaube ich aber auch die Wich-
tigkeit der Bewaffnung der Kiemenbogen für die Systematik
von Neuem an diesem Beispiele dargelegt zu haben , und
möchte diesen Punkt den Ichthyologen zur Beachtung em-
pfehlen. Leider bin ich für den Augenblick nicht im Stande,
dieses Organ bei mehreren Arten der Heringsfamilie zu un-
tersuchen. Vielleicht giebt diese Notiz Anderen Veranlas-
sung dazu, zumal da die Beobachtung so leicht ist; man
braucht den Fisohen nur in den Mund zu sehen,
IVIesostoinuiii £lirenberg;ii Oerst.
Anatomisch dargestellt
von
Ritd« Ijeuckart«
t
Hierzu Taf. IX.
Das schöne grosse und durchsichtige Mesostomum Eh-
renbergii ist schon mehrfach anatomisch untersucht und zum
Gegenstande einer Darstellung gemacht worden. Zuerst von
Focke *), der unser Thier entdeckt hat, aber mit mehre-
ren andern verwandten Formen zusammenstellte , nament-
lich mit Mes. tetragonum (Zool. Dan.), die erst Schmidt-)
wiederum als verschieden von Mes. Ehrenbergii erkannte und
als selbstständige Art in ihre Rechte einsetzte. So dankens-
werth die Angaben von Focke auch sind, so wenig entspre-
chen sie doch den Anforderungen, die wir heute an eine
anatomische Darstellung machen dürfen, Sie enthalten zahl-
reiche irrthümliche Deutungen und Annahmen, wie sie über-
all aus einer unvollständigen und fragmentaren Erkenntniss
der Dinge hervorgehen. Nach Focke haben sich nament.
lieh Oersted 3), v. Siebold ') und Schmidt^) mit der
Untersuchung unseres Thieres abgegeben. Durch ersteren
sind unsere Kenntnisse vom inneren Baue indessen nur we-
1) Annalen des Wiener Museums. Bd. I. Abth. 2. S. 193.
2) Die rhabdocoelen Strudelwürmer des süssen Wassers. S. 44.
3) Entwurf einer systemat. Eintheilung der Platlwürmer. S. 68.
4) Vergl. Anat. Arl. Strudelwürmer an verschiedenen Stellen,
5) A. a. 0. S. 47.
Leuckarl: Mesoslomum Ehrenbergii. 235
nig g-efördert worden. Allerdings weicht die Beschreibung'
desselben in einiger Beziehung von der Focke'schen ab, aber
keineswegs immer zu Gunsten der objectiven Wahrheit. Erst
V. Siebold und Schmidt haben die Irrthümer der Focke'-
schen Darstellung zum grossen Theil hervorgehoben, hier
und da auch berichtigt, ohne jedoch ihre Untersuchungen zu
einem vollständigen Gesamnitbilde zu vereinigen.
In den vortrefflichen Beiträgen zur Naturgeschichte der
Turbellarien von M. S i g. S c h u 1 1 z e fehlt unser Mesostomum.
Der Verf. giebt an ') , dass er dasselbe bisher um Greifs-
walde noch nicht aufgefunden habe. Obgleich wir nun in
der zweiten, hoffentlich recjit bald erscheinenden Abtheilung
dieser Beiträge die anatomische Beschreibung von Mes. tetra-
gonum zu erwarten haben , stehe ich doch nicht an, meine
Untersuchungen hier zu veröff'enllichen , weil in der That —
ich spreche nach eigener Erfahrung — kein anderer Stru-
delwurm, nicht einmal die Leptoplana atomala u. a., vornäm-
lich aber keine Form aus der Gruppe der Rhabdocoelen, für
den Anatomen so einladend und lohnend sein möchte, wie
gerade unser Mes. Ehrenbergii. Was in anderen Formen
durch Kleinheit, Dicke, Undurchsichtigkeit u. s. w. sich der
Beobachtung entzieht, liegt hier ohne Weiteres in schönstem
und übersichtlichem Zusammenhange vor Augen. Eine pas-
sende Behandlung unter dem Mikroscope, nöthigenfalls auch
eine Hungercur von einigen vierundzwanzig Stunden reicht
vollkommen hin, die Geheimnisse des Baues hier zu ent-
ziffern.
Für meine Untersuchungen haben mir zahlreiche grös-
sere und kleinere Individuen auf den verschiedensten Stadien
zu Gebote gestanden. Das Mes. Ehrenbergii ist hier um Gies-
sen in einigen schattigen und bewachsenen Teichen , die im
Winter ihr Wasser aus der Lahn erhalten und im Sommer
zum Theil austrocknen , der gewöhnlichste Strudelwurm. In
ihrer Gesellschaft kommen ausser einigen kleineren Formen
besonders auch Mes. tetragonum und die bekannten Arten
des Gen. Planaria vor. ^ ,
Die äussern Bedeckungen unseres Wurmes tra-
1) A. a. 0. S. 13.
236 Leuckart;
g-en bekanntlich, wie bei allen Turbellarien, einen uniformen
Ciliarbesatz und bestehen aus einer dünnen Lamelle, die ein
feinkörniges Aussehen hat, sonst aber bei dem ersten An-
blick vollkommen homogen erscheint. Wenn sich diese La-
melle (Epidermis) bei längerer Einwirkung des Wassers aber
abhebt , wie das unter einem Deckgläschen gewöhnlich ge-
schieht, so überzeugt man sich auf das Deutlichste, dass sie
aus zahlreichen verwachsenen Pflasterzellen, die mehr oder
minder regelmässig sechseckig sind, gebildet wird. Man sieht
nicht bloss die einzelnen Zellen auf dem Querdurchschnilte,
wie sie nach innen etwas vorspringen, sondern auch bei ho-
rizontaler Lage, wie sie sich gegen einander abgrenzen. Die
Ränder, die jenes gekörnten Aussehens entbehren, erscheinen
dann als helle lineare Räume, die bei der sechseckigen Form
der Zellen recht nett und zierlich angeordnet sind. Kerne
fehlen in diesen Zellen beständig.
Bei den kleinern Rhabdocoelen scheinen diese Epider-
moidalzellen im ausgebildeten Zustande ohne alle Grenze in
einander überzugehen. Wenigstens konnte Schnitze i) den
zelligen Bau der Haut nur durch gewisse äussere Reagentien
anschaulich machen , die den Zusammenhang der einzelnen
Elemente lösen (Aelzammoniak). Nach Zusatz solcher Flüs-
sigkeiten zerfiel dann die Haut in zahlreiche kleine Schüppchen.
Hohlräume im Innern dieser Hautzellen sah ich nie-
mals. Für Mesostomum Ehrenbergii können wir deshalb
auch wohl schwerlich die Annahme von Schnitze zulas-
sen, dass die äussere Körperhaut aus Sarcode bestehe.
Unter der Epidermis liegt ein äusserst dichtes Netz von
zarten Fasern, die, unter rechtem Winkel sich kreuzend, nach
der Länge und Quere verlaufen und bei den Rhabdocoelen
ziemlich allgemein vorhanden zu sein scheinen. Schnitze
deutet diese Fasern auf Grund der chemischen und histolo-
gischen Eigenthümlichkeiten als Muskelfasern, und stattet dar-
nach diese Würmer mit einem besondern Hautmuskelnetz
aus. Mit Recht hat aber schon Schmidt hervorgehoben,
dass diese Fasern bei den Bewegungen des Körpers sich
keineswegs in activer Weise betheiligen. Ich kann das voll-
1) A. a. 0. S. 9.
Mesostomum Ehrenbergii. 237
kommen bestätigen und muss auch ferner noch hervorheben,
dass dieselben durch grössere Feinheit und geraden Verlauf
sich von den Muskelfasern unterscheiden, auch niemals, wie
diese, bündelweis beisanimenliegen. Auf mich machen diese
Fasern vollkommen den Eindruck eines Coriums. Jeden-
falls entsprechen sie wenigstens [denjenigen Faserschichten,
die bei Amphistomum und andern Trematoden unter der Epi-
dermis vorkommen und als Corium gedeutet werden (aber
auch hier von einigen Anatomen , Laurer, Diesing u. A.
als Muskeln beschrieben sind).
Die Stab förmigen Körperchen liegen theils in
der Haut, theils auch im Parenchym des Körpers unter dem
Corium. Im erstem Falle ragen sie mit dem einen Ende
mehr oder minder weit hervor. Man kann sich hiervon
namentlich dann sehr deutlich überzeugen, wenn sich die
Oberhaut durch Einwirkung des Wassers blasenartig abge-
hoben hat. Am meisten angehäuft sind sie im Vorderende
des Körpers, besonders am Rande der Schnabel- oder rüs-
selförmigen Körperspitze, die zum Tasten dient, und durch
ihren Nervenreichthum sich auszeichnet. Sie liegen hier ge-
wöhnlich so dicht, dass der Rand fast vollkommen undurch-
sichtig wird und bei auffallendem Lichte w^eiss gefärbt er-
scheint. Wie bereits Schmidt und Schnitze hervorge-
hoben haben, geschieht die Bildung der Stäbchen in rund-
lichen oder ovalen Zellen, die meistens gruppenweis beisam-
menliegen und nicht selten durch stielförmige Fortsetzungen
zu traubigen Massen unter sich zusammenhängen. Solche
Träubchen sieht man namentlich in den Seitentheilen des Vor-
derleibsendes von dem Nackenganglion bis zum Schlundkopf
(Fig. 1. a.). Der gemeinschaftUche Stiel, auf welchem diese
Zellen hier aufsitzen, stellt einen langgestreckten Strang dar,
der von Stäbchen gefüllt ist und nel)en den Nervenstämmen
bis zum Vorderrande des Körpers hinführt. Frühere Beob-
achter (namentlich auch Oersted) haben diese Stränge für
Muskeln, die Stäbchen für Fasern gehallen; eine Annahme,
die schon von Schmidt und Schnitze hinreichend wi-
derlegt ist. Ich kann diese Stränge nur für Strassen halten,
auf denen die Stäbchen von ihrer Bildungsstätte nach dem vor-
dem Körperende hinbefördert werden und glaube namentlich
238 L e u c k a r l :
auch die Beobachtung zu Gunsten dieser Behauptung anfüh-
ren zu können , dass sie nicht selten vollständig vermisst
werden und in ihrer Entwicklung überhaupt die grossesten
Verschiedenheiten darbieten. Auf die Nähe der Nervencen-
tren darf man wohl kein allzu grosses Gewicht legen.
Obgleich es auch mir nicht gelungen ist, jemals an die-
sen Stäbchen einen fadenförmigen Anhang zu erblicken, halte
ich sie — trotz dem von Schnitze ausgesprochenen Be-
denken — einstweilen 'immer noch für Nesselapparale oder
verwandte Bildungen. Auch bei den Medusen entbehren
diese ja mitunter, wie wir durch Busch erfahren haben ^3?
des fadenförmigen Anhangs. Ueberdiess giebt es auch unter
den Turbellarien einige Arten, in denen dieselben die ge-
wöhnliche Form der Nessel- oder Angelorgane besitzen. Dass
dieselben zum Ab\Yerfen bestimmt sind, geht auch daraus
hervor, dass sie in dem Schleim , den die Mesostomeen auf
der äussern Haut absondern, gewöhnlich in reichlicher Menge
vorkommen. Ihre Anhäufung am vordem Ende beweist über-
diess wohl nichts gegen diese Annahme. Es ist aus phy-
siologischen Gründen hinreichend erklärlich , dass dieselben
hauptsächlich an derjenigen Körperstelle vorkommen , die
zum Tasten, zum Uniersuchen u. s. w. dient. Gerade so ist
es ja auch bei den Polypen und Medusen.
Neben den Stäbchen (die übrigens beständig an dem
einen Ende etwas verdünnt sind) enthalten die Bildungszel-
len derselben einen feinkörnigen Inhalt, der um so deutlicher
ist, je weniger zahlreich die Stäbchen erscheinen. Mitunter
bemerkt man darin auch ein helles kernarliges Gebilde.
Aehnliche Zellen finden sich noch an einigen anderen
Körperstellen, ohne indessen jemals Stäbchen zu enthalten.
So namentlich in der Schwanzspitze bis zum hintern Ende
des Darmes , wo dieselben eine schöne traubenartige Masse
zusammensetzen, und vor dem Nackenganglion zwischen den
beiden vordem Nervenstämmen. Am deutlichsten erschei-
nen diese Zellen im Augenblicke einer Körpercontraction.
Sie werden dann kleiner und bekommen schärfere Conturen.
1) Beobachtungen über Anatomie und Enlwickelung. Neue Ar-
ten auß der Abtheilung der Sarsiaden. JS. 10.
Mesostomum Ehrenbergii. 239
Ob dieselben sich übrigens etwa activ bei diesen Contractio-
nen betheiligen, miiss ich unentschieden lassen. Allerdings
ähneln dieselben manchen contraclilen Elementen im Körper
der Mesostomeen, aber ich möchte doch noch eher die Ver-
mulhinig aussprechen, dass sie, nach Art elastischer Polster,
dazu dienten, beim Nachlassen einer Zusammenziehung dem
Körper seine frühere Gestalt und Ausdehnung wieder zu
geben.
Das Körperparenchym ist eine zähe und farblose
durchsichtige Masse ohne besondere Struclur, die ich mit
Schnitze an die ungeformte Sarcode der niederen Thiere
anreihen möchte. Zur Vacuolenbildung scheint dieselbe frei-
lich nur wenig geneigt zu sein. Auch von einer selbststän-
digen Contractilität konnte ich mich nicht mit Bestimmtheit
überzeugen. Körnchen, kern- ^und zellenarlige Bildungen
sind dagegen an verschiedenen Stellen in derselben deutlich
zu beobachten, obgleich sie an Menge vor den übrigen Ein-
lagerungen bedeutend zurückstehen.
Zu diesen letztern gehören ausser den schon vorhin
angeführten Elementen namentlich die Muskeln, die schon
Schnitze als solche erkannt hat. Die Hautmuskeln (Pa-
renchymmuskeln Schnitze), die Schmidt als ein zartes
Fadennetz beschreibt, jedoch nicht für Muskeln hält, obgleich
sie ohne Zweifel diese Bedeutung haben, erscheinen als
blasse, aber sehr distincte Fädchen , die in der Tiefe bündel-
weis zusammenliegen und sich mitunter verästeln. Sie in-
seriren sich an das Corium, hören hier aber nicht etwa auf,
sondern biegen sich ganz constant wieder schlingenförmig
zurück (Fig. 1. c.) , um mit andern Fasern zu neuen Bün-
deln zusammenzutreten. Schon Schnitze hat diese son-
derbaren Muskelschlingen gekannt und abgebildet. Sie sind
sehr deutlich und an allen Fasern wahrzunehmen. Bei un-
genauer Einstellung des Focus sieht es aus, als wenn die
Fasern an der Umbeugungsstelle mit einer kleinen knopfarli-
gen Anschwellung endigten.
Diese Muskelfasern sind nun bald mit ihren beiden En-
den an verschiedenen Hautstellen befestigt, bald auch zwi-
schen Haut und innern Organen ausgespannt. Alle Einge-
weide ohne Ausnahme, selbst die Nervenstränge und Zellen-
240 Leuckarl:
träubclien, werden durch Muskelfasern festgehalten und be-
wegt. Man sieht dieselben am Darm, an den einzelnen Blind-
schläuchen des Keimstockes, Hoden u. s. w.
Die stärksten dieser Eingeweidemuskeln sind die des
Pharynx, die zwei Paare darstellen, ein anderes Paar (Fig.
1. d} und ein hinteres (Fig. 1. e) und histologisch sich in
einiger Beziehung auszeichnen. Die Fasern dieser Muskeln
sind nämlich hohle, mit einem körnigen Inhalte gefüllte Röh-
ren, die oftmals sehr unregelmässig eingeschnürt sind und
dann aussehen , als wenn sie aus reihenweise verschmolze-
nen oder durch Commissuren verbundenen Zellen gebildet
seien. Es sind das dieselben Fäden, die bereits Schul tze
zwischen den Muskelfasern bei Mesostomum tetragonum auf-
fand, und Taf. I. Fig. 24. c. d. abbildete, ohne über ihre Na-
tur ins Reine kommen zu können. Mit den Nerven haben "
diese Gebilde keinen Zusammenhang. Sie sind Muskelfasern,
deren Actionen man leicht und deutlich beobachten kann.
An ihrer Inserlionsstelle bilden die Fasern dieser Mus-
keln gewöhnlich einen einfachen Stamm , dessen Elemente
sich al>€r im weitern Verlaufe allmählich von einander tren-
nen. Die dünnen faserartigen Commissuren werden immer
länger, je weiter sich der Muskel von dem Pharynx entfernt.
Sie werden dabei den gewöhnlichen Muskelfasern immer ähn-
licher und bilden nicht selten am äussersten Ende die ge-
wöhnlichen Schlingen. Mitunter enthält gerade die Schlinge
noch eine zellenartige Anschwellung, was übrigens auch hie
und da bei den ächten Hautmuskelschlingen vorkommt und
die Aehnlichkeit dieser beiderlei Bildungen noch erhöhet.
In andern Fällen dient eine solche Zelle auch zur Vereini-
gung für eine Anzahl von Fasern. Sie gewinnt dann einige
Aehnlichkeit mit einem multipolaren Ganglion, dessen einzelne
Ausläufer in Fasern sich fortsetzen. Ausser den schlingen- /
förmigen Umbiegungen findet man übrigens bei diesen Mus-
kelfasern noch eine zweite Endigungsweise, indem dieselben
in eine flaschenförmig gestaltete Zelle auslaufen.
Ganz ähnliche langgestielte Zellen finden sich auch im
Umkreise des Pharynx, wo sie schon Schmidt bemerkt hat.
Ob dieselben hier aber gleichfalls muskulöser Natur seien,
will ich nicht bestimmt behaupten. Sc hu Uze hat bei sei-
Mesostomum EhrenLergii. 241
neu Vorlexarteri ähnliche Gebilde als ( einzellige ) Drüsen
gedeutet.
Das Nervensystem, das hei unserer Art sehr leicht
aufzufinden ist, liegt mit seinem Centraltheile dicht vor dem
vordem blinden Ende des Darmkanales. Es besteht aus
zweien in der Mittellinie verschmolzenen Ganglien (Fig. 1. /*.),
die auf der obern Fläche einen grossen , scharf begrenzten
schwarzen Augenfleck tragen. Bei starkem Druck zeigt die-
ser Fleck bisweilen ramificirte Ausläufer, wie eine verästelte
Pigmentzelle. Brechende Medien fehlen.
Nach vorn und hinten entsendet das Doppelganglion
ein Paar sehr ansehnlicher Nervenstämme (Fig. 1. g. h.'). Der
vordere Nervenstamm versorgt die rüsselförmige Körperspitze.
Er enthält zahlreiche Fasern , die sich am Ende schirmartig
ausbreiten und in der Mittellinie mit den Fasern der gegen-
überliegenden Nerven eine bogenförmige Verbindung ein-
gehen.
Die hintern Nervenstämme verlaufen rechts und links
neben dem Darme und lassen sich bis über die Hälfte des
Körpers hinab verfolgen. Sie entsenden eine Anzahl von
Aesten , die sich in den Seitentheilen des Körpers verbrei-
ten und vorzugsweise gleichfalls die Haut zu versorgen schei-
nen. Der erste dieser Aeste (Fig. l.i.) entspringt hoch oben,
noch bevor sich die Stämme eigentlich aus dem Nacken-
ganglion gelöst haben. Man könnte denselben deshalb auch
für einen dritten Nervenstamm ansehen.
Die Nervenfasern sind ausserordentlich blass und kaum
von den Hautmuskelfasern zu unterscheiden. Die Ganglien
enthalten neben denselben noch deutliche Nervenzellen, wie
sie Schnitze auch bei Opistomum pallidum aufgefunden
hat. An dem peripherischen Ende der Fasern habe ich diese
dagegen vergebens gesucht.
Der Bau des Verdauungsapparates ist im Allge-
meinen schon hinlänglich bekannt. Der Mund liegt ziemlich
weit vor der Mitte des Körpers und gleicht bei einer Be-
trachtung in horizontaler Lage einem Saugnapfe so auffal-
lend, dass man ihn auch dafür hat ansehen können. Erst
bei weiterer Untersuchung wird man sich überzeugen, dass
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 1. Bd. 16
242 Leuckart:
der Mund eine einfache Oeffnung in der Haut darstellt, an
die sich ein kurzer tonnenförmiger Pharynx anschliesst,
wie bei Vortex. Aber dieser Pharynx liegt hier nicht, wie
dort, in der Längsachse des Körpers, sondern steht senk-
recht auf derselben, so dass man bei horizontaler Lage sei-
nen Querdurchschnitt zur Ansicht bekommt.
Die Wände des Pharynx (Fig. 1. Ä) sind dick und zu
den kräftigsten Bewegungen geschickt. Nach aussen liegt
eine Schicht von breiten, platten Ringfasern, darunter eben
solche Längsfasern. Zwischen den tiefern Längsfasern ver-
läuft eine Anzahl von Längskanälen , deren Inhalt aus einer
feinkörnigen Flüssigkeit besteht und bei den wechselnden
Contractionen hin - und hergetrieben wird , wie schon
Schmidt und Schnitze wahrgenommen haben. Trotz der
Aehnlichkeit mit den Bewegungsmuskeln des Pharynx —
Schmidt lässt dieselben unmittelbar in die langgestielten
Radialanhänge des Pharynx sich fortsetzen — scheinen diese
Fasern einer selbstständigen Contractilität zu entbehren. Sie
bilden, wie wir das auch oben von den traubenförmig grup-
pirten Bläschen vermuthet haben, einen elastischen Apparat,
der mit den eigentlichen Pharyngealmuskeln in einem anta-
gonistischen Wechselverhältniss zu stehen scheint.
Der Darm, der einen breiten langgestreckten Cylinder
darstellt und die grössere Länge des Körpers durchsetzt, bil-
det bei der Lage des Pharynx gewissermaassen einen vor-
dem (Fig. 1. 1} und hintern (Ibid. zw) Blinddarm, von denen
der letztere fast drei Mal länger ist, als der erstere. Seine
äussere Wandung besteht aus einer glashellen , homogenen
Membran, die sich nicht selten hier und da halbkugelförmig
auftreibt, ohne dabei jedoch die Gleichmässigkeit der Darm-
form zu beeinträchtigen. An der innern Fläche liegt eine
ziemlich dicke Schicht von kleinen runden Zellen, zwischen
denen zahlreiche grössere Bläschen mit gelbgefärbtem, kör-
nigen Inhalte vorkommen, die ich als Leberzellen in Anspruch
nehmen möchte. Flimmercilien fehlen, obgleich sie sich bis
in den Pharynx hinein erstrecken. Von einer besondern Zel-
lenschicht, wie sie Schmidt beschreibt , habe ich Nichts
wahrgenommen.
Das Wassergefässsy Stern unseres Wurmes ist so
Mesoslonium Ehrenbergii. 243
deutlich, dass es keinem einzigen Beobachter hat entgehen
können, obgleich dasselbe bis auf Siebold und Schmidt
seiner Natur nach verkannt wurde. Pocke hielt es für ein
Speichelgefässsystem, Oersted für einen Circulationsapparat.
Beide kannten indessen wenig mehr von demselben, als ein-
zelne Hauptstämme Auch den spätem Beobachtern, selbst
Schmidt, dem wir sonst so schätzbare Untersuchungen über
das Wassergefässsystem der Rhabdocoelen verdanken, ist die
Verbreitung und Verzweigung dieses Apparates nur unvoll-
ständig bekannt geworden. Ich habe einige Mühe auf die
Untersuchung desselben verwendet (was mir um so nothwen-
diger schien, als wir die anatomischen Verhältnisse überhaupt
noch von keinem einzigen Strudelwurm mit hinreichender
Genauigkeit kennen) und den Verlauf der grösseren Stämme
in Fig. 1 dargestellt. Die feineren Verästelungen bilden im
Parenchym unseres Wurmes ein ausserordentlich reiches Sy-
stem, lassen sich aber nur schwer verfolgen, da sie bei An-
wendung eines jeden Druckes leicht verschwinden. Ueber
das Verhalten der letzten Endigungen habe ich mit Sicher-
heit Nichts eruiren können , indessen glaube ich nicht , dass
dieselben zu einem eigentlichen Netze zusammentreten. Ana-
stomosen zwischen den einzelnen Zweigen sind überhaupt nur
äusserst selten.
Die Hauptstämme des ganzen Apparates liegen rechts
und links neben dem Pharynx und bilden hier, in den Sei-
tenheilen des Körpers , mit manchen unregelmässigen und
wechselnden Krümmungen einen nach aussen gerichteten Bo-
gen (Fig. 1. n). Die obern Schenkel desselben, die nach der
Quere verlaufen, vermitteln die Communication mit der Aus-
senwelt. Schmidt lässt dieselben in unmittelbarer Nähe des
Mundes durch eine besondere mittlere Geffnung ausmünden, in-
dessen habe ich mich davon überzeugt, dass diese OefFnung über-
haupt nichts Anderes ist, als der Mund, der sich bei der Con-
tractilität des Parenchyms sehr leicht verschiebt und in ho-
rizontaler Lage des Thieres bald gerade unter dem Hohlraum
des Pharynx liegt, bald auch nach vorn oder hinten über den-
selben hinausrückt. Die Mündungsstelle der Gefässe ist in
der Mundhöhle, zwischen äusserer OeiFnung und dem untern
244 Leuckart:
Ende des Pharynx , wie es auch F o c k e schon bemerkt zu
haben glaubte.
Der untere Schenkel des Gefässbogens spaltet sich un-
terhalb des Pharynx zu den Seiten der Mittellinie in einen
vordem (Fig. 1. o) und hintern (Ibid. p) Stamm, die mit
zahlreichen Krümmungen unterhalb des Darmes (am Rande
desselben) hinlaufen. Am vordem Ende des Darmes macht
der erstere dieser Stämme eine nach innen gerichtete Schlinge
— ohne dabei aber mit dem gegenüberliegenden Stamme zu
verschmelzen oder nach aussen zu münden — und steigt
dann an dem äussern Rande des Nackenganglions und der
vordem Nervenstränge noch eine Strecke weit empor, um
später nach hinten sich umzubiegen und in paralleler Rich-
tung neben den Seitennerven bis in die Gegend des Pha-
rynx hinabzulaufen. Dieser absteigende Stamm entsendet
mehrere Seitenzweige, die sich in den Seitentheilen des Kör-
pers verästeln.
Aehnlich ist der Verlauf der beiden hintern Stämme,
die bis zum Ende des Darmes hinablaufen, sich sodann aber
nach vorn umbiegen und — in zwei parallele Stämme zer-
fallend — bis an den hintern Schenkel des Hauptgefässbogens
wieder emporsteigen.
Die Verästelungen des Apparates zeigen bei den ein-
zelnen Individuen zahlreiche Verschiedenheiten, fehlen aber
ganz constant an dem Hauptbogen und den auf- , wie abstei-
genden Stämmen.
Die Gefässbogen sind von allen Theilen die weitesten.
Sie zeigen deutlich doppelte Contouren, in denen sich aber
keine histologischen Elemente unterscheiden lassen. Eben
so die auf- und absteigenden Stämme, obgleich dieselben an
Weite hinter dem bogenförmigen Gefässe zurückstehen.
Selbstständige Contractionen sieht man niemals. Die Bewe-
gung der wasserhellen körnerlosen Flüssigkeit im Innern ge-
schieht, wie schon Oersted wusste, durch fadenförmige,
lange Flimmerhaare, die in ununterbrochener schlängelnder
Bewegung begriffen sind und in das Lumen der Gefässe hin-
einragen. Die Spitze derselben ist beständig dem peripheri-
schen Ende des betreffenden Gef^sses zugekehrt. In dem
Mego«tomum Ehrenbergü. 245
Gefässbog-en fehlen diese Haare. Die ersten fand ich an der
Theilung" in den vordem und hintern Gefässstamm.
Der betreffende Apparat ist ohne Zweifel ein Analogon
der bel\annten excretorischen Drüse bei den Trematoden und
(nach Van Beneden) den Cestoden, dessen functionelle
Bedeutung übrigens — wie ich bereits an einem anderen
Orte hervorgehoben habe — mit dem Namen eines Wasser-
gefässsystemes keineswegs hinreichend bezeichnet ist. Er
dient gewiss nicht bloss der Athmung , sondern auch der
Excretion.
Ein Blutgefässsystem fehlt unserem Wurme, wie
überhaupt wohl allen Turbellarien.
Der Geschlechtsapparat dagegen ist ausseror-
dentlich entwickelt und nach zahlreichen Untersuchungen, die
eine vollständige Analyse zugelassen haben , in Fig. 2 von
mir abgebildet worden. Nach Art der verwandten Turbella-
rien sind unsere Thiere bekanntlich Zwitter, mit männlichen
und weiblichen keimbereitenden und keimleitenden Theilen.
Die männlichen T heile bestehen aus zweien Hoden
und Samenleitern mit einer gemeinschaftlichen Samenblase.
Die Hoden, die schon Pocke ganz richtig gekannt
hat, bilden rechts und links in den Seitentheilen des Leibes
(Fig. 2. a) einen längsverlaufenden Blindschlauch , der an
beiden Seiten, namentlich an der äusseren, mit zahlreichen
unregelmässigen Ausbuchtungen und Ausläufern besetzt ist.
Nach vorn reichen die Hoden bis über den Pharynx hinaus,
nach hinten bis an das Ende des Darmkanales. Die äussere
Haut der Hoden ist eine glashelle, structurlose Membran, die
nicht selten, wie die übrigen Kanäle und Gänge des Ge-
schlechtsapparates, einen gelbUchen Anflug besitzt. Das Innere
des Hodenschlauches ist mit einer Menge kleiner und heller
isolirter Zellen gefüllt, in deren Innerm die langen Samenfä-
den einzeln, wie gewöhnlich , gebildet werden. Aus der
Mitte des Hodens nimmt das Vas deferens (Fig. 2. ö.) seineu
Ursprung. Es kommt mit zweien convergirenden und bald
zusammenfliessenden Schenkeln aus dem innern Rande des
Hodens hervor.
Unterhalb des Pharynx, etwas vor der Mitte des Kör-
246 Le»ckart:
pers, stossen die Samenleiter der beiden Seiten, die durch ih-
ren Inhalt gewöhnlich ziemlich leicht auffallen, zu einem ge-
meinsamen Ductus ejaculatorius zusammen, der sich nach
kurzem Verlauf in den Fundus einer birn- oder retortenför-
migen Samenblase (Fig. 2. c) öffnet. Vor der Vereinigung
zeigen dieselben in der Regel eine spindelförmige von Sa-
menfäden strotzende Erweiterung. Auch die Samenblase ent-
hält gewöhnlich ein Gewirr von Spermatozoon. Sie ist wahr-
scheinlich dasselbe Gebilde , das v. S i e b o 1 d als Recepta-
culum seminis gedeutet hat, auch von Schmidt (vgl. Tab. II.
Fig. 6. a. s) nur unvollständig erkannt ist. Die dicken Wan-
dungen der Samenblase zeigen ein muskulöses Gefüge und
sind im Stande , ihren Inhalt durch den trichterförmig ver-
engten Hals auszutreiben. Ein eigentlicher Penis fehlt voll-
ständig. Was Focke und 0 erste d dafür gehalten haben,
ist der Keimstock, wie schon Schmidt berichtigt hat.
Die äussere Geschlechtsö ffnung, die für männ-
liche und weibliche Theile gemeinsam ist, erscheint als eine
kleine Oeffnung in der Medianlinie, eine Strecke weit hinter
dem Pharynx. Sie hat saugnapfartig aufgewulstete Ränder und
führt in einen kleinen Raum, der eben so wohl die Ausmün-
dung der Samenblase aufnimmt, als auch den einzelnen weib-
lichen Organen zukommt, in eine Geschlechtscloake.
Die weiblichen Theile setzen sich aus einem vierfachen
Dotterstock, aus einem einfachen Keimstock, einem paarigen
Fruchthälter und einer Anhangsdrüse zusammen. Die Tren-
nung des keimbereitenden Apparates in Keim- und Dolter-
stock hat Schmidt zuerst für die Rhabdocoelen zum Gesetz
erhoben; ich muss ihm darin vollkommen beistimmen.
Schmidt hat auch ganz richtig schon erkannt , dass
die Dotterstöcke unseres Thieres von Focke als Leberor-
gane, der Keimstock als Penis gedeutet worden sei.
Die Dotters tö cke zeigen sich als zwei vordere und
zwei hintere dünne Schläuche (Fig. 2. c/), die zwischen Ho-
den und Darmkanal gelegen sind und im gefüllten Zustande
durch ihre weisse Farbe und Undurchsichtigkeit leicht auffal-
len. Sie laufen nach der gemeinschaftlichen Geschlechts-
öfFnung hin und tragen in ihrer peripherischen Hälfte zahl-
Mesostomum Ehrenbergii. 247
reiche kleine gruppenweis gestellte Blinddärmchen. Ihre äus-
sern Wandungen sind glashell und structurlos , wie die der
Hoden, im Innern aber mit einer besondern Lage kleiner Zel-
len ausgekleidet, die namentlich in der Spitze der einzelnen
Blinddärmchen deutlich hervortreten. An dieser Stelle ist
der Drüseninhalt der Dotterstöcke, der aus unendlich vielen
kleinern und grössern Fettkörnchen besteht, am wenigsten
angehäuft.
Der Keim stock (Fig. 2. e) erscheint im Wesentlichen
als ein ziemlich gedrungener Cylinder mit blindem Ende, der
an der Geschlechtscloake anhängt und gewöhnlich unterhalb
derselben der rechten Seite zugewendet liegt. Man kann
vier einzelne Abschnitte an demselben unterscheiden, die eben-
sowohl nach ihrem Baue, wie nach ihren Aufgaben von ein-
ander difFeriren. Der eine derselben, der das hintere kol-
bige Ende einnimmt , ist die eigentliche Keimdriße, die im
Innern, eingebettet in eine körnige Flüssigkeit, eine Anzahl
zellenartiger Keime einschliesst. Auf sie folgt ein kurzer,
dicker Gang mit einer zierlichen Ringmuskelschicht, der
wohl die Aufgabe haben möchte, die Keime nach aussen, zu-
nächst in den dritten Raum unseres Apparates zu befördern.
Dieser stellt eine kuglige sehr dickwandige Blase dar, die
fast immer mit Spermatozoon gefüllt ist und deshalb als Sa-
mentasche gedeutet werden dürfte. Bei dem Mangel eines
andern Ausführungsganges müssen die Keime diese Blase
durchwandern. Sie kommen hier in Contact mit den Samen-
fäden. Leider habe ich, trotz allen Bemühungen, nicht her-
ausbringen können, welche Veränderungen diesen Contact be-
gleiten. Ich muss das um so mehr bedauern, als die Ent-
scheidung dieser Frage in der That von hohem physiologi-
schen Interesse sein möchte. Der vierte Abschnitt unseres
Apparates, von allen der längste, ist ein cylindrischer Aus-
führungsgang, gleichfalls mit dicken Muskelwänden und einem
verhältnissmässig engen Kanäle. Er dient offenbar zum Ent-
leeren der Keime, wie zum Aufnehmen der Samenfäden und
wird zu letzterem Geschäfte um so leichter befähigt sein, als
seine Ausmündung in die Geschlechtscloake der Mündungs-
stelle der Samenblase gerade gegenüber liegt. Schmidt
lässt die Ausführungsgänge des Dotterstocks sich in diesen
248 Leuckart:
cylindrischen Abschnitt inseriren. Indessen mit Unrecht. Was
er dafür gehalten hat, ist offenbar nur eine Anzahl von Mus-
kelsträngen, die sich an denselben ansetzen.
Mit dem Namen der Anhangsdrüse habe ich oben
ein Gebilde (Fig. 2. /".) bezeichnet, über dessen Bedeutung
ich im Unklaren geblieben bin. Es ist wahrscheinlich dasselbe
flaschenförmige Organ, das Schmidt als Samentasche ansieht
und Tab. II. Fig. 6 a. v ä" abbildet. Da ich indessen keine Sper-
matozoen, sondern nur eine dunkle körnige Masse, die aller-
dings einem dichten Sperinatozoenhaufen bei erster Betrach-
tuncr ähnlich sieht, darin gefunden habe, möchte ich die
Richtigkeit dieser Deutung in Abrede stellen, obgleich ich
keinen weitern Aufschluss über die Function zu bieten weiss.
Vielleicht wird der Inhalt derselben den Eiern beigemischt.
Die Wandungen sind dick, wie ein Hof, aber nicht muskulös,
sondern d«üsig.
Die Fruchthälter sind ein Paar weiter und an-
sehnlicher Canäle, die rechts und links von der Geschlechts-
cloake abgehen (Fig. 2. q. gO? oder vielmehr als directe Fort-
setzungen derselben zu betrachten sein möchten. Sie verlau-
fen der Quere nach, bis sie in die Nähe der Hoden kommen,
wo sie sich in einen vordem und hintern Blindschlauch spal-
ten, der unter dem Hoden, mehr der Bauchfläche zugewandt,
gelegen ist. Die Entwicklung dieser Blindschläuche ist aus-
serordentlich wechselnd. Bald sind sie, namentlich im schwan-
gern Zustande, sehr lang, bald kurz, so dass sie als unbe-
deutende Hervorragungen erscheinen (Fig. 2. ^')- ^^^ Quer-
gänge des Uterus nehmen sehr bald nach ihrem Ursprung
aus der Geschlechtscloake die obern und untern Dotter-
schläuche auf. Sie haben starke Muskelwände, in denen man
Längsfasern und Querfasern deutlich unterscheiden kann, und
im Innern einen Belag von grossen Drüsenzellen.
In diesen Quergängen geht die Bildung der Eier vor
sich. Der Dotterinhalt häuft sich hier im Umkreis eines
Keimbläschens zu einer kugligen Masse an, die erst allmäh-
lich, während es sich immer mehr von der Geschlechtscloake
entfernt, mit einer braunen und starken Hülle (die, nach den
Untersuchungen von Schnitze, auch nach meinen eigenen,
aus Chitin besteht) umgeben wird. Der ganze Eibildung^-
Meöoslomum Ehrenbergii. 249
process geht übrigens so rasch vor sich, dass man die er-
sten Stadien nur selten zur Beobachtung bekommt. In der
Regel findet man das Ei schon an der Bifurcationsstelle des
Uterus angelangt, wo es im Anfang noch eine durchsichtige
Hülle trägt. An dieser Stelle liegen überhaupt beständig die
jüngsten Eier. Bei grössern Exemplaren beträgt die Zahl
derselben nicht selten (rechts wie links) bis zwölf und noch
darüber.
Die Chitinhülle der Eier ist structurlos und mehrfach
geschichtet, wohl ein Absonderungsproduct der erwähnten
Drüsenzellen. Eigfenthümlich ist die Form dieser hartscha-
ligen Eier, auf die schon Schmidt aufmerksam gemacht
hat. Sie bilden ein Kugelsegment mit einer convexen Fläche,
wie eine Schale.
Dass Mesostomum Ehrenbergii bisweilen lebendige Junge
gebärt, hat schon Focke beobachtet. Er gibt an, dass das
nur im Sommer geschähe. Allerdings habe auch ich das-
selbe weder im Spätherbste, noch im Frühjahre wahrgenom-
men, aber zu eben der Zeit, in der die Einen Junge tragen,
besitzen die Andern ihre hartschaligen Eier, Wovon das
Eine, wie das Andere abhängt, weiss ich nicht zu sagen,
aber so viel ist gewiss , dass es nicht im Geringsten etwa
auf eine lypische Verschiedenheit hinweist. Ich beobachtete
sogar ein Mal ein Exemplar, welches neben einer grossen
Anzahl Embryonen — über 30 — in dem einen Frucht-
hälter zwei hartschalige , jüngst erst gebildete Eier enthielt.
Da überhaupt die Zahl der Embryonen gewöhnlich sehr viel
grösser ist, als die der hartschaligen Eier, so möchte ich
fast vermuthen, dass die Thiere dann lebendig geboren sind,
wenn die Eier in grösserer Menge rasch hinter einander
gebildet werden. Dafür spricht auch der Umstand, dass die
Eier mit Embryonen beständig der undurchsichtigen dicken
Chitinschale entbehren. Uebrigens finden sich weder die Em-
bryonen , noch die Eier jemals frei in der Leibeshöhle, wie
man wohl behauptet hat.
Die Eier unterliegen einem Furchungsprocesse, dessen
Producte dieselben sonderbaren Bewegungserscheinungen dar-
bieten, die von S i e b o 1 d und K ö i 1 i k e r ''0 bei den soge-
*) Dieses Archiv 1845. I. S. 291.
250 LeucUart: Mcsostomum Ehrenbergii.
nannten Dotterzellen unserer gewöhnlichen Planarien beob-
achtet haben. Die Embryonen entwickeln sich ohne alle Me-
tamorphose und beständig nur in einfacher Anzahl in jedem
Ei. Sie bewegen sich bereits kräftig zu einer Zeit, in der
sie noch ausschliesslich aus Zellen bestehen. Im Innern
liegen grössere Zellen , äusserlich kleinere. Die Zellen der
Haut lassen sich noch längere Zeit als isolirte Elemente er-
kennen. Zuerst von allen Organen entsteht der Pharynx,
bald darauf auch das Augenpaar.
Gi essen, im Juni 1852.
lieber ISylliis pullig^era 9
eine neue Art.
Von
lir« A* Hrolin*
(Hierzu Taf. X.)
Den angeführten Speciesnamen gebe ich einer kleinen
Syllis, deren Weibchen, wie bei Exogone und Cystonereis,
die gelegten Eier und die daraus sich entwickelnde Brut,
äusserlich an ihrem Leibe tragen.
Die S. pulligera ist lange nicht so schlank und schmäch-
tig wie die grössern Syllisarten, auch ist die Zahl ihrer Seg-
mente nur gering. Vorn am Kopfe (Fig 1) unterscheidet man
den in der Familie der Syllideen so allgemein vorkommen-
den, in die beiden Stirnpolster getheilten Anhang, und je-
derseits zwei dicht über einander gestellte Augen. Die Füh-
ler verschmächtigen sich gegen ihre Enden hin allmählich;
ihre Glieder oder Ringel sind mit kurzen haarähnlichen Fort-
sätzen besetzt. Dicht vor der Basis jedes seitlichen Fühlers
findet sich ein runder dunkler Pigmentflecken. Das vorderste
Segment trägt zwei Paar Fühlercirren ; das untere Paar ist
etwas kürzer als das obere. Die Fühlercirren, die obern Gir-
ren der übrigen mit Borstenhöckern versehenen Segmente
und die Aftercirren des borstenlosen Analsegments, sind in
Bezug auf Form und Gliederung den Fühlern ganz ähnlich.
Das Endglied der Sichelborsten läuft in eine einfache schwach
gekrümmte Spitze aus (Fig. 2). An der Mündung des mit
dem Bohrstachel versehenen Schlundes ein Kranz ansehnli-
cher weicher Papillen. Der Rücken kreideweiss, in der Nähe
der Borstenhöcker schwarz gefleckt. Das anderthalb Linieu
252 Krohn:
lange Thierchen ist in der Bucht von Villafranca bei Nizza,
wo es auf Algen lebt , sehr gemein. Schwimmt es in der
Dunkelheil rasch umher, so giebt es ein schönes grünes Licht
von sich. Das Vermögen zu leuchten ist beiden Geschlech-
tern eigen.
Wie angezeigt , kommt die S. pulligera mit Exogene
und Cystonereis darin überein, dass die Weibchen die geleg-
ten Eier und die Brut mit sich herumtragen. Bei Exogone
und Cystonereis ist bekanntlich die Bauchfläche zur Aufnahme
der Eier bestimmt. Bei S. pulligera ist es dagegen die Rük-
kenfläche. Mit Ausnahme der vordersten und hintersten
Segmente , sitzen die Eier hier immer paarweise und sehr
fest jedem der obern Girren an. Wie ihre Anheftung hier
zu Stande kommen mag, ob vielleicht mittelst einer zu einem
Kitt erhärtenden , von der Mutter gelieferten Substanz , dar-
über konnte ich keine Gewissheit erhalten.
Dass die S. pulligera auch in der Entwicklungsweise
mit Exogone und Cystonereis übereinstimmen werde , lässt
sich nach dem Vorausgeschickten erwarten. In der That
bilden sich die Jungen während der Brutpflege so weit aus,
dass sie bei der Loslrennung von der Mutler, dieser im Gan-
zen ähnlich sehen. Es zeichnet sich also diese Entwicke-
lungsweise durch den Mangel einer Metamorphose aus, wie
es Oersted in seinem interessanten Aufsatz über Exogone
(dieses Arch. 1845. Bd. 1. p. 22) bereits bemerkt hat. Die
beigegebene Skizze (Fig. 3) stellt ein junges noch nicht völ-
lig entwickeltes Individuum dar. Man sieht den deutlich ab-
gegrenzten Kopf mit den Fühlern und den rudimentären Augen.
Der Leib besteht aus sechs Segmenten. Am vordersten Seg-
ment unterscheidet man die Fühlercirren. Die vier folgen-
den Segmente sind mit Borstenhöckern und Girren versehen ;
doch fehlt dem zweiten derselben das obere Cirrenpaar. Das
Analsegment trägt die beiden Aftercirren. Fühler und sämmt-
liche Girren sind schon gegliedert und mit den oben erwähn-
ten Häärchen besetzt. Von inneren Organen bemerkt man deut-
lich den Schlund und den noch von weisser Dottermasse
angefüllten Darm. *).
1) Nach der Beschreibung von Oersted möchte man glauben,
Syllis pulligera. 253
Künstlich abgelöste Individuen einer etwas vorgerückte-
ren Entwickelungsperiode sind schon im Stande , den Ort
zu veränderen. Man sieht sie bald kriechen, bald schwimmen.
Im letzlern Falle gleiten sie langsam, ohne alle selbstständige
Bewegung, nur durch Hülfe von Cilien fort. Die Cilien fin-
den sich in Zügen oder Büscheln in der Nähe des Mundes,
der Fühler und der Girren.
Auffallend ist es , dass die Eihülle geraume Zeit vor
vollendeter Ausbildung der Jungen abgestreift wird. So glaube
ich sie bereits vermisst zu haben , wenn noch keine An-
deutung von Segmenten zu sehen. Das hindert aber nicht,
dass die von jetzt an nackt zu Tage liegenden Jungen, bis
kurz vor ihrer Ablösung, der Mutter eben so fest angeheftet
bleiben, als früher die Eier ^^.
dass die jungen freigewordenen Exogonen nur fünf Segmente besitzen,
da 0 ersied bloss drei mit Borsten ausgestaltete Leibesringel gesehen
haben will (1. c. p. 22. Tab, II. fig. l4). Allein es verhält sich damit
nicht anders als bei den Jungen von S. pulligera. Von den vier Bor-
sten tragenden Segmenten ist das zweite ebenfalls ohne obere Cirren,
Bei dieser Gelegenheit sei es mir erlaubt, eine andere Angabe von
0 er sied hier zur Sprache zu bringen : Oersted hat bekanntlich auf
einen bei Exogone schon äusserlich wahrnehmbaren Geschlechtsunter-
schied aufmerksam gemacht, der darin besteht, dass das Männchen vom
9. Segment an, ein Bündel langer Haarborsten (selas capillares) trägt,
das dem Weibchen abgeht. (1. c. p. 21. fig. 1 und 4). Kach mei-
nen Beobachtungen kommen indessen dieselben Haarborsten auch den
Weibchen zu. Meist konnte ich mich von ihrer Anwesenheit bei
Individuen überzeugen, welche die Eier noch in der Leibeshöhle be-
herbergen. Dass man die Haarborsten bei vielen anderen Individuen ,
namentlich solchen, welche die Eier bereits am Bauche tragen , häufig
vermisst, ist also wohl nur dadurch zu erklären, dass sie leicht abfal-
len. Abgesehen aber von allen zufälligen Ursachen, durch welche das
Abfallen der Haarborsten veranlasst wird, "scheint es doch, dass die
Weibchen sie regelmässig während der ersten Zeit der Brutpflege
verlieren.
2) Ganz dasselbe gilt auch für Exogone , wie sc*lion aus den
Beobachtungen von Oersted hervorgehl.
254 Krohu: Syllis pulligera.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Kopf der Syllis pulligera.
a. Vorderer Lobus oder Anhang des Kopfes mit den beiden
Stirnpolstern J, h.
c, c. Die beiden Augenpaare.
d, d, d. Die Fühler ; von den beiden seillichen nur die An-
fangsstücke.
e, Vorderster Theil des durch den Kopf hindurchschimmern-
den, mit dem Bohrstachel f ausgerüsteten Schlundes.
Fig. 2. Endstück einer Sichelborste.
a. Stiel.
b. Endglied.
Fig. 3. Ein noch nicht völlig ausgebildetes junges Individuum von
5. pulligera, von der Rückenseite. Rechterseits sind die An-
hängsel der Segmente weggelassen.
1. Das vorderste Segment mit dem obern Fühlercirrus a und
dem untern b.
2, 3, 4, 5. Die mit Borsten versehenen Segmente;
c bezeichnet die Borstenhöcker ;
d die obern Cirren ;
e die untern Cirren.
6. Analsegmenl mit den Aftercirren.
e. Schlund.
f. Darm.
lieber die ^Stellung' der IVaiseiilÖclier bei
den Opliiüiiruis - Arten und den mit ilmen
verwandten Grattung^en aus der Familie
der Aale.
Von
Clir« litttken 9 Lieutenant a. D.
Gehülfen am zoologischen Museum der Universität zu Kopenhagen.
(„Aus den Videnskabelige Meddelelser fra den naturhist. Forening i
Kjöbenhavn 1851. N. 1 — 2.« Mitgetheilt in der Sitzung des ge-
nannten Vereins am 28, Nov. 1851. *).
Linne nahm in seinem Systema Naturae bekanntlich
alle Fische ohne Bauchflossen in die eine Ordnung „Apodes^
auf; als man aber erkannt hatte, dass durch diese Zusam-
menstellung nahe verwandte Formen getrennt und ungleich-
artige verbunden waren, konnte diese Ordnung nicht mit ih-
rem früheren Inhalte in den späteren natürlichen Systemen
aufrechtgehalten werden. Sobald es sich bewährt , dass die
ßauchflossen innerhalb der Grenzen einer natürlichen Fami-
lie nach und nach so ganz und gar verkümmern können, dass
von dem letzten Glied e einer solchen Reihe ein ganz natur-
licher Uebergang zu den sogenannten „apoden<* Gattungen
Statt findet , musste z. B. der Seewolf seinen Platz in der
Nähe der Aale verlassen und sich den Schleimfischen an-
schliessen , während der Schwertfisch sich den Makrelen
zugesellte u. s. w. Halte man auch auf diese Weise in
*} Dieser Aufsatz ist von dem Herrn Verf. selbst übersetzt. Die
dazu gehörigen Abbildungen habe ich hier fortgelassen, da der Aufsatz
auch ohne sie vollkommen verständlich ist. Der Herausgeber.
256 Lütken:
in mehreren einzelnen Fällen den älteren Ordnungscharakler
aufgegeben, so dauerte es doch lange, ehe man sich ganz
von dem ihm zu Grunde liegenden Principe frei zu machen
vermochte. Ein Linnei'sches Erbstück ist es ohne Zwei-
fel, wenn noch im Regne Animal die Ordnung Jes Malaco-
pterygiens apodes^ oder ^la famüle naturelle des ÄngiälHfor'
mes^ ausser den Aalen auch die Gattungen Ophidinm und
Ammodytes umfasst, denen doch nichts Wesentlicheres mit
jenen gemein ist, als dass sie langgestreckte Weichflosser
ohne deutliche Schuppen und ohne Bauchflossen sind. Es
ist das Verdienst Joh. Müllers 0 die Aale von jedem en-
gern Verbände mit den zwei genannten Gruppen befreit zu
haben; wo die Ophidini und die Ammodytides ihren syste-
matischen Platz erhallen werden, scheint noch nicht völlig ins
Reine gebracht zu sein; dagegen ist es ausgemacht, dass die
Aale durch den wichtigen Charakter , einen die Schwimm-
blase mit der Speiseröhre verbindenden Luftgang zu besitzen,
sich von jenen wesentlich entfernen und dem grossen Kreise
der Weichflosser mit Luflgang QPhysostomi Joh. Müll.) sich
anschliessen.
Ebenso ist es Joh. Müllers Verdienst die damals be-
kannten Gattungen der Familie der Aale in drei gute Grup-
pen vertheilt zu haben , zu deren Abgrenzung er besonders
diejenigen Merkmale benutzte , welche bei den verwandten
Physostomi abdominales sich als gute Familiencharaktere be-
währt hatten — ob ich gleich nicht umhin kann es auszu-
sprechen, dass sie dem Systematiker ihren Dienst öfter ver-
sagen, als man bisher zu gestehen geneigt gewesen ist. Es
wurden drei Gruppen aufgestellt , die Muraenoidei, Symbran-
chii und Gymnotini, und die damals bekannten Gattungen in
sie vertheilt, je nach der Art, wie der obere Rand des Mau-
les vom Zwischenkieferbein allein oder zugleich mehr oder
minder vom Oberkieferbein gebildet wird; je nachdem die
Geschlechtswerkzeuge ihren Inhalt in die Bauchhöhle und von
da weiter durch pori abdominales, oder durch geschlossene
Ei- und Samenleiter ausleeren; der Kiemenöff'nungen zwei
1) Beiträge zur Kenntniss der natürlichen Familien der Fische.
Archiv, f. Walurgegch. 1843.
Ueber die Stellung der Nasenlöcher bei den Ophisurus-Arlen. 257
oder nur eine sind, in welchem letzteren Falle diese unter
dem Halse liegt; Magenmund und Magenpforte einander ge-
nähert — alsdann ist der Magen ein langer Blindsack — oder
so weit als möglich getrennt sind, in welchem Falle der Darm
ganz einfach eine Fortsetzung des Magens ist , und endlich
je nachdem die Analöffnung unter dem Halse , oder weiter
nach hinten zu liegt *)•
Es verdient wohl hervorgehoben zu werden, dass zwei
andere verdienstvolle Ichthyologen, ohne die Arbeiten Joh.
Müller's zu kennen und ohne von ihm gekannt zu sein,
zu ganz ähnlichen Resultaten gelangt sind. William Swain-
s 0 n 2) ging nicht, wie M ü 1 1 e r, auf die anatomischen Untersu-
chungen ein, stellte aber, vom allgemeinen Eindruck geleitet,
die drei Gruppen auf : Muraenidae , Symbranchidae und Ster-
narchidae, wesentlich dieselben wie die Joh. Müller's. John
M' Clelland 3) lieferte theils Beschreibungen und Abbildungen
vieler bisher unbekannter an den Gestaden Arrakan's und Chi-
na's lebender Aale, deren Menge uns eine Verheissung des-
jenigen sein mag, was man in anderen tropischen Meeren
aus dieser bisher so vernachlässigten Familie werde finden
können ; theils gab er eine auf anatomische Untersuchun-
gen gegründete Eintheilung der Familie ; und endlich verdan-
ken wir ihm eine systematische Uebersicht aller von ihm
selbst oder von ihm bekannten Verfassern beschriebenen Gat-
tungen und Arten. Der letzterwähnte Abschnitt ist vielleicht
der schwächere; denn der Verfasser scheint nur die indi-
schen Arten aus eigener Ansicht gekannt zu haben. Um so
wichtiger ist der einleitende Theil jener Arbeit, in welchem
gezeigt wird , dass die Aale — auf die rein amerikanischen
Gymnotini ist , als dem Verfasser unbekannt , keine Rücksicht
genommen — zwei Hauptabtheilungen ausmachen.
1) Man vergleiche die eben genannte Abhandlung im Archiv f.
Nalurgesch. oder Troschel und Ruthe, Handb. d. Zoologie. 1848.
2) The natural history oi fishes, amphibians and reptiles, er mo-
nocardian animals. By W. Swainson, F. R. et F. L. S. etc. London
1836. Two Vol.
3) Apodal Fishes of Bengal. By J. M'Clelland. Calcutla Journal
of natural history. t. V. Nr. 18. July 1844.
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 1. Bd. 17
258 Lütken:
Bei der ersten liegt der After in oder vor der Mitte
des Körpers und das Herz zwischen den KiemenöfFnungen,
der Magen bildet einen langen Blindsack, denn Pylorus und
Cardia sind einander genähert. Diese Gruppen , Anguillifor-'
mes M'CI.; entspricht ganz den Muraenoideis Joh. Müll. Den
eben genannten Charakteren können dem zu Folge die durch
Joh. Müller von den Verhältnissen des Oberkiefers und der
Geschlechtsorgane entlehnten Merkmale hinzugefügt werden.
Bei der zweiten Abtheilung , den Ophicardides M'CI. ,
liegt das Herz weit hinter den Kiemen und der After hinter
der Mitte des Körpers ^) : der Schwanz ist also, verglichen
mit dem der wahren Aale, verkürzt, der Vorderkörper dage-
gen verlängert worden. Jener beträgt nur ein Drittel oder ein
Fünftel von diesem. Sie werden wiederum in zwei Gruppen
vertheilt :
1) Symbranchidae. Diese entsprechen ganz der gleich-
namigen Müller'schen Familie und werden durch folgende
Merkmale bezeichnet: eine unter dem Halse gelegene (bis-
weilen durch eine Scheidewand getheilte) Kiemenöffnung;
wenige (drei bis sechs) und kurze Kiemenhautstrahlen ; os-
sificirte Kiemenbögen ; mehr oder weniger verkümmerte Kie-
men , wohingegen ein grosser in die Kiemenhöhle mündender
Luftsack im entgegengesetzten Verhältnisse mehr oder min-
der entwickelt ist; die unpaarigen Flossen sind Hautflossen,
d. h. nur Hautfalten ohne stützende Strahlen; der Magen ist
. ein einfaches Rohr und der Darm von diesem eine unmit-
telbare Fortsetzung 2) ; Symbranchus ausgenommen scheinen
1) Ich kann nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, dass
dieses Merkmal nicht mehr als exclusiv gelten kann, sei es auch im-
merhin ein solches gewesen, als M'CIelland das genannte Werk schrieb.
Wir verdanken nämlich Richardson die Kenntniss zweier Fische, wel-
che in dieser Rücksicht den Uebergang zwischen den Anguilli-
formes und den Ophicardides vermitteln , nämlich von der ersten Ab-
theilung „Sphagebranchus" quadratus (Sulp hur t. 52.) , von der zwei-
ten die Gattung Cheilobranchus (Erebus and Terror p. 50.).
2) Auch in dieser Rucksicht bildet Cheilobranchus eine Aus-
nahme : der Magen bildet einen kleinen Blindsack und es finden sich
Strahlen in der Schwanzflosse, aber nicht in der Rücken- und After-
flosse.
Ueber die Stellung der Nasenlöcher bei den Ophisurus-Arlen. 259
sie einer Schwimmblase zu entbehren; endlich sitzen ihre
Zähne in Bändern nicht in einzelnen Reihen. Diesen Merk-
malen können natürlich diejenigen angereiht werden, welche
Joh. Müller dem Bau des Oberkiefers und der Geschlechts-
werkzeuge entnommen hat. Als Gattungen werden genannt;
Ophicardia M'Cl. (= monopterus Comm.)? Pneumobran-
chus M'Cl. = (Ophichthys Swains. , Amphipnous Joh. Müll.),
Symhranchus Bl. , Ophisternon M'Cl. und Alabes Cuv. Die
letztgennante zeichnet sich durch den Besitz von Brustflos-
sen , die dritte durch ihre Schwimmblase aus. Noch muss
die Gattung CheUobranchus Rieh, hinzugefügt werden; sie
vermittelt in mehrfacher Hinsicht den Uebergang zu den An-
guilliformes.
2) Ptyobranchidae — von welcher Gruppe keine Art
früher beschrieben war. — Sie bestehen aus wurmförmi-
gen Fischen mit zwei seitwärts gelegenen Kiemenöffnungen,
vier wohl entwickelten Kiemenpaaren , deren Bogen nicht
ossificiren, und mehreren (11) langen und dünnen Kiemen-
hautstrahlen; ihre Zähne stehen in einfacher Reihe an den
Kiefern und am Gaumen; im Bau ihrer Eingeweide ste-
hen sie in der Mitte zwischen den Anguilliformes und den
Symbranchidae, indem der Darm von der Mitte des langen
Magens , welcher sich über diesen Punkt hinaus als ein kur-
zer Blindsack verlängert , ausgeht. Von der Gattung Ptyo-
hranchus werden zehn indische Arten ^ beschrieben. Die von
Gray 2) aufgestellte Gattung Moringua wird, nach der von
Richardson mitgetheilten Beschreibung der Moringua lum-
bricoidea ^) zu urtheilen, auch ihren Platz in dieser Familie
erhalten ; sie hat wenigstens im Ganzen die äusseren Cha-
1) Von diesen besitzt das Universilä.tsmuseum zu Kopenhagen
eine Art, mit mehreren indischen Fischen und Reptilien, ein Geschenk
des Hrn. Grosshändlers Westermann.
2) Zoolog. Miscell. p. 9. Hardwicke Illuslr. Ind. Zool. t. 11. f. 1.
3) The Zoology of the voyage of h. m. s. Sulphur Ichthyology
part. III. p. 113. t. 56, f. 7 — 11. — Gelegentlich bemerke ich noch,
dass wenn M. linearis Gray Brustflossen besitzt, M. lumbricoidea Rieh.,
aber nicht für den letztgenannten Fisch eine eigene Gattung gebildet
werden müsse.
260 Lütken: '
raktere derselben , während die anatomischen Verhältnisse
noch ihrer Aufklärung harren.
Verlassen wir jetzt die Abtheilung Ophicardides , bei
welcher ich so lange verweilt habe, theils um eine Gelegen-
heit zu erhalten, zur Verbreitung der in Europa wenig be-
achteten M'Clelland'schen Untersuchungen etwas beitragen zu
können , theils um durch die Menge der in Indien entdeck-
ten neuen Typen den Schluss vorzubereiten, zu dem wir in
der Folge gelangen werden, dass viele neue Typen den zoo-
logischen Verzeichnissen einzuverleiben, viel Eigenlhümliches
hervorzuheben sein wird , wenn den Aalen der anderen tro-
pischen Küsten mit der Zeit ebenso sorgfältige Untersuchun-
gen, wie den indischen, zu Theil geworden sind.
M' Clelland theilt seine Anguilliformes in drei Grup-
pen, Anguillidae mit Brust- und Schwanzflosse, Ophisuridae
ohne Schwanzflosse, Muraenidae ohne Brustflossen. Es wird,
hoffe ich, noch vor dem Schlüsse dieser Abhandlung die Un-
zulänglichkeit dieser Einlheiiung einleuchten. Oft hält es schwer
zu entscheiden, ob Brustflossen vorhanden sind, oder nicht, ob
das fragliche Geschöpf demnach z. B. den Ophisuriden oder
den Muraeniden einzureihen sei. Es muss also ein anderes
Eintheilungsprincip gesucht werden. Giebt es vieleicht ein
solches in der vers chiedenenStellung der Nasen-
löcher?
Es ist bekanntlich eine allgemeine Regel, dass die Fi-
sche zwei Nasenhöhlen besitzen, jede mit zwei nach aussen
sich öffnenden Nasenlöchern; es finden sich somit keine in-
neren den Gaumen durchbrechenden Nasenöfi'nungen. Eine
weniger wesentliche Ausnahme ist es, dass bei den meisten
Chromiden und Labroidei ctenoidei jede Nasenhöhle nur ein
äusseres Nasenloch besitzen soll; eine wesentlichere, dass
die Myxinoiden eine einfache Nasenkapsel mit einer äus-
sern und einer Innern NasenöfTnung haben. Mit dieser ein-
zigen Ausnahme war der Mangel an inneren NasenöfTnungen
ein stetes Merkmal der Klasse der Fische ; er harmonirt so
völlig mit ihrem Wasserleben, dem zu Folge keine Luftströ-
mung durch die Nase gehen soll, und steht in einem so be-
stimmten Gegensatze zum steten Vorkommen von zwei äus-
seren und zwei inneren Nasenlöchern bei den drei anderen
üeber die Stellung der Nasenlöcher bei den Ophisurus-Arten. 261
luftathmenden Wirbelthierklassen, dass man der Gattung- Le-
pidosiren einen Platz unter den Fischen verweigert hat,
und zum Theil noch verweigert , weil die Nasenlöcher sich
nach innen in dem Munde innerhalb der Oberlippe öffnen.
In so fern es mir gelingen wird darzuthun, dass die hinte-
ren Nasenlöcher bei mehreren Gattungen aus der Familie
der Aale einen ganz ähnlichen Platz behaupten , ohne dass
diese sich deswegen den Fröschen nähern, während sie bei
anderen Gattungen derselben Familie die den Fischen ge-
wöhnliche Lage beibehalten, hoffe ich diese Einwendung ge-
gen die Stellung des Lepidosiren in der Classe der Fische
beseitigt zu haben. — Auch wäre dadurch, wie ich meine,
der in der vergleichenden Anatomie vielleicht nicht unwich-
tige Satz wahrscheinlich gemacht, dass die zwei Paare äus-
serer Nasenlöcher der Fische nicht eine Verzweifachung der
äusseren Nasenöffnungen der höheren AVirbelthiere sind, son-
dern in morphologischer Rücksicht theils (die vorderen) ih-
ren äusseren, theils (die hinteren) ihren inneren Nasenöffnun-
gen entsprechen.
Während einer Untersuchung der im zoologischen Mu-
seum der hiesigen Universität vorhandenen Fische aus der
Familie der Aale hatte ich Gelegenheit die Verschiedenhei-
ten wahrzunehmen, welclje bei den verschiedenen Gattungen
und Arten rücksichllich der Stellung der Nasenlöcher auftre-
ten. Bei unsern gemeinen Aalen aus der Gattung Anguüla
Cuv. stehen die vorderen Nasenlöcher bekanntlich an der
Schnauzenspitze wie röhrenförmige Fühler hervor. Die hin-
teren liegen dagegen vor dem oberen Rande der Augen. So
verhält sich auch die Sache bei den Gattungen Conger Cuv.,
Muraenesox M'Clelland , Muraena Thunbg. , Symbranchus
BI. , Ophisternon und Ftyohranchus M'ClId., wie es auch fast
stets an den von verschiedenen Verfassern mitgetheilten Ab-
bildungen der Arten jener Gattungen zu erkennen ist. Ganz
anders erscheint die Lage der Nasenlöcher bei der Gattung
OphisuruSj allein wiederum wesentlich verschieden bei den
verschiedenen Arten. Bei Ophisurus serpens Lac. aus dem
Mittelmeere liegen nämlich die vorderen Nasenlöcher nicht
in der Schnauzenspitze, sondern weiter nach hinten zu , un-
gefähr in der Mitte zwischen Auge und Schnauzenspitze, die
262 Lütken:
hinteren dagegen nicht vor dem oberen Rande des Auges,
sondern weiter nach unten, in der Oberlippe , ganz nahe am
Rande derselben, als eine schräge durch eine Klappe ver-
schliessbare Spalte; bei zwei zwar einander nahe verwand-
ten, doch, wie es scheint, specifisch verschiedenen , gefleck-
ten 0 phisur HS - Arten aus Westindien, die ich nicht zu ir-
ffend einer in mir bekannten Werken beschriebenen Art hin-
zuführen vermocht habe , die sich aber durch ihre stumpfen
Zähne und wenig entwickelten Brustflossen als zu Cuviers
zweiter Unterabtheilung der Gattung Ophisurus gehörig er-
weisen, finden sich zwar die vorderen Nasenlöcher wieder
an ihrem Platze in der Schnauzenspitze, die hintern sind da-
gegen nach innen in den Mund gerückt , wo sie innen an
der schwellenden Oberlippe liegen, ganz nahe an der Zahn-
reihe des Oberkiefers, als schräge Spalten , die ebenfalls
durch Klappen verschlossen werden können. Wir haben also
hier Beispiele von Fischen mit inneren Nasenöff-
nungen.
Es war mir natürlich viel daran gelegen zu untersu-
chen, ob diesem Verhältnisse, das, wie ich wohl wusste , in
den gewöhnlichen zoologischen Handbüchern unbeachtet ge-
blieben war , von den Schriftstellern diejenige Aufmerksam-
keit gewidmet worden sei , deren es mir würdig zu sein
schien. Ich fand bald, dass es dem Scharfblicke Cuviers
nicht entgangen war, dass die hinteren Nasenlöcher der Gat-
tung Ophisurus im wahren Rande der Oberlippe liegen. *)
Wahrscheinlich dachte er hier an seine typische Art Ophi-
surus serpens. Dass er bei irgend einem Aale eine Lage
der hintern Nasenlöcher innerhalb der Oberlippe wahrge-
nommen habe, wird zwar in der Einleitung zur Histoire des
poissons 2) einmal angedeutet , in der Anatomie comparee ^3
1) Regne aniraal II. p. 351. (1829).
2) L. c. 1. 1. p. 472. : „il y en a oü Touverlure posterieure donne
sous la levre; c'est ce qui a lieu notamment chez quelques Congres
elrangers, et c'est un rapport remarquable avec les Sirenes et les PrO"
lees.« Diese Beobachtung wird citirt, jedoch ohne fernere Bestätigung
von Wagner (Lehrb. d. vergl. Anat. 1834 — 35., wiederholt in der
Ausgabe von 1843) , und von Bischof f (Lepidosiren paradoxa p. 24).
3) Zweite Ausgabe durch Dumeril.
^ I
üeber die Stellung der Nasenlöcher bei den Ophisurus-Arten. 263
dagegen nicht wiederholt. Es werden ferner diese Verhält-
nisse in Stannius's Lehrbuch der vergl. Anat. ausser Acht
gelassen ; es geschieht ihrer keine Erwähnung unter den
Gatlungsmerkmalen des Ophisurus , weder von M'Clelland,
Valenciennes noch Richardson; und doch findet sich
in den Abbildungen und Beschreibungen jener drei Schrift-
steller kein einziges Beispiel , dass die hinteren Nasenlöcher
irgend einer Ophisurus -Art ihren Platz an derjenigen Stelle
haben, an welcher sie stets bei den Muraena- Arten darge-
stellt werden ; es wird dagegen bisweilen angedeutet , dass
die genannten Schriftsteller ein ähnliches Verhältniss wie das
beim Ophisurus serpens Statt findende wahrgenommen ha-
ben ^) , während nur in einem einzigen mir bekannten Bei-
spiele ein solches Verhältniss wie das von mir bei den zwei
westindischen Arten beobachtete angegeben wird 2). Durch
diese Untersuchung scheint es demnach ausgemacht »zu sein,
dass zu den übrigen Merkmalen der Galtung Ophisurus —
wie sie z.B. Valenciennes dargestellt hat 3) — noch hin-
zuzufügen ist , dass die hinleren Nasenöffnnngen in der Ober-
lippe liegen, entweder nach innen oder nach aussen. In
wiefern die letztgenannte Verschiedenheit in Verbindung mit
den Zahnverhältnissen und der verschiedenen Entwicklung
der Brustflossen zur Unlerabtheilung der Galtung wird dienen
können, oder ob sich in diesen Beziehungen vollständige Ue-
bergänge darbieten werden , darüber wage ich aus Mangel
an Material keine Vermuthung auszusprechen.
Es ist aber nicht allein bei Arten der Gattung Ophisu-
rus der Fall, dass sich die hinteren Nasenlöcher nach innen
oder unten an der Oberlippe finden. An derselben Stelle
finde ich sie auch beim Sphagebranchus imberbis de la Ro-
1) Bei Oph. pardalis Valenc. in Webb und Berlhelot, Histoire
naturelle des iles Canaries, p.90.; Oph. remiger Valenc. in d'Orbigny,
Voyage dans TAmer. merid. ; Oph. porpAt/reus Schlegel Fauna japonica;
Ophisurus colubrinus, sugillalus und regius Richardson, Zoology of the
Voy. of h m. s. Erebus and Terror.
2) Bei Ophisurus cancrivorus Rieh. 1. c. p, 98.
3) L. c.
264 Lütken.
che O5 b^i Ichthyapus acutirostris Brisout de Barneville 2)^
— bei welchem die Beschreiber sie vergebens gesucht, —
ferner bei zwei, wie ich meine, bisher unbeschriebenen Gat-
tungen und Arten , die ich weiter unten unter dem Namen
Myrophis punctalus und ChUorhinus Suetisonü zu beschrei-
ben gedenke; zuletzt noch bei einem dritten unbeschriebe-
nen Typus , von welchem jedoch das Museum nur zwei
Exemplare besitzt, welche aber zu schlecht erhalten sind, als
dass ich auf sie eine Gatlungsdiagnose gründen möchte.
Es scheint demnach diese Lage der hinteren Nasen-
löcher in der Oberlippe nicht länger ein ausschliessliches
Merkmal der Ophisurus- Gattung abzugeben, sondern einer
ganzen Reihe von Formen eigen zu sein, die sich um diese
Hauptgattung herumgruppiren. Da es sich nicht läugnen lässt,
dass jenes Merkmal bedeutende Verschiedenheiten umfasst ,
sowohl 4ie Fälle, wo beide Paare von Nasenlöchern, wie bei
den Fischen im Allgemeinen, sich nach aussen öffnen, als auch,
wo das eine nach innen in den Mund mündet — wovon man
die Möglichkeit der Classe der Fische lange abgesprochen
hat, — wird das Naturgemässe der Zusammenstellung dieser
Formen zu einer besondern Gruppe zunächst darauf beruhen,
ob sie im Uebrigen so viel Gemeinschaftliches darbieten, dass
sie einander zur Seite gestellt werden können, ohne der Na-
tur Gewalt anzuthun. Zwei ihnen allen gemeinsame Merk-
male vermag ich wenigstens zu nennen, ohne sie doch für
exclusive erklären zu wollen , so wie ich auch nicht wage,
die Möglichkeit zu verneinen, dass sich Formen finden dür-
fen, welche den Uebergang zwischen der Lage der Nasen-
löcher bei Muraena und bei Ophisurus serpens vermittelten.
Es haben nämlich die obengenannten vier Gattungen mit
nach innen gekehrten Nasenlöchern einen erweiterungsfähi-
gen, gerunzelten Hals (Kiemenhaut} und eine grosse Anzahl
langer, dünner, sich von beiden Seiten kreuzender Kiemen-
strahlen. Dieses letzte Merkmal ist auch von M'ClellandJ)
1) Obseivalions sur des poissons recueiliis dans un voyage aux
lies Baleares et Pylhiuses. Annales du Museum t. XIII. p. 360.
2) Revue zoologique. 1847. p. 219.
3) L. c. p. 183. t. X. f. 4.
üeber die Stellung der Nasenlöcher bei den Ophisurus-Arten. 265
und Richardson bei der Galtung Ophisurus hervorgehoben
und abgebildet, und von mir, ausser bei den obengenannten
Formen, an einem alten eingetrockneten Exemplare wahrge-
nommen worden , welches vermuthlich zur Gattung Coecuta
Vahl gehört, bei dem ich aber wegen des schlechten Con-
servationszustandes die Lage der Nasenlöcher nicht habe aus-
findig machen können.
Diese Erweiterungsfähigkeit des Halses oder der Kie-
menhöhle (welche sich an den in Weingeist aufbewahrten
Individuen entweder dadurch andeutet, dass der Hals noch
wie aufgeblasen ist, oder durch die starke Faltung der Haut
an dieser Stelle, was auch in den meisten Abbildungen aus-
gedrückt ist), dürfte uns vielleicht einen Fingerzeig geben,
um den Zweck jener Lage der Nasenlöcher zu entdecken.
Wir müssen ohne Zweifel annehmen^ dass jene Fische
dadurch in den Stand gesetzt werden, Luft durch
dieNase einzuziehen, ohne nöthig zu haben, den
Mund zu öffnen, ganz wie die luftathmenden Wirbel-
thiere, und sie werden wahrscheinlich auf diese Weise ihre
dazu zweckmässig gebaute Kiemenhöhle aufblasen können.
Mag es nun die Absicht sein , das Athmen zu lunterstützen ,
oder den Körper leichter zu machen, um im Wasser oben
schwimmen zu können — darüber wage ich keine Vermulhung,
Ich will jedoch daran erinnern, dass de laRoche vom Spha-
gebranchus imberbis ausdrücklich sagt, er komme öfters an die
Oberfläche, um zu athmen 0; dass der von deBarneville
beschriebene Ichthyapus acutirosiris , von dessen flossenlo-
sem, wurmförmigen Körper man auf eine bohrende oder
wühlende Lebensweise anr Meeresboden schliessen möchte, in
hoher See 2) gefangen sein soll, wo er sich wohl nicht um-
herlreiben würde, könnte er nicht durch das Aufblasen oben
1) L. c. „il venait frequemment respirer Tair ä la surface de
l'eau et en rendait de grosses bulles par las ouvertures branchiales.'<
2) L. c. p. 219. Die Exemplare unseres Museums sind ohne nä-
here Angabe des Fundoris von einer Expedition nach Westindien durch
den Hrn. Capt. Suenson, welcher sie in der Conchylienschrabe er-
halten hatte, mit hergebracht.
266 Lütken:
im Wasser schwimmen, dass Saccopharynx *) eine Aalgat-
tung ist , deren nähere Verwandtschaft anzugeben ich mir
zwar nicht getraue, von der wir aber wissen, sie werde im
hohen atlantischen Meere mit aufgeblasenem Bauche treibend
angetroffen; dass auch dieMuraenen eine gerunzelte, also
wahrscheinlich erweiterungsfähige Kiemenhaut besitzen, dass
die Amph ipnous- Arten, wie erwiesen ist, zur Oberfläche
kommen, um Luft einzunehmen, und so lange der Kiemen-
(Lungen -) Sack davon ausgespannt ist , in betäubtem Zu-
stande an der Oberfläche des Wassers dahin ziehen. Bei
den letztgenannten ist man aus der Ausrüstung des Lungen-
sacks mit Kiemenarterien, deren Venen zur Bildung der Aorta
zusammentreten, zur Gewissheit gelangt, dass dieses Auf-
blasen im Dienste des Athemzuges geschieht. Aus dieser
Zusammenstellung von Thatsachen geht es aber auch hervor,
dass dieses Anfüllen der Kiemenhöhle mit Luft keinesweges
auf diejenigen Aale beschränkt ist, welche innere Nasenlö-
cher besitzen ; die Cuchia hat z. B. äussere Nasenlöcher und
von ihr sagt M'Clelland ^) auch ausdrücklich, dass die
Luft durch den Mund aufgenommen werde. — Es wird sich
vielleicht herausstellen, dass die in der Familie der Aale so
verbreitete Aufnahme atmosphärischer Luft in der Regel
durch den Mund geschehe, jedoch bei den mit nach innen ge-
kehrten hinteren Nasenlöchern durch diese geschehen könne,
ohne dass die Fische den Mund zu öffnen brauchten. Noch
will ich darauf die Aufmerksamkeit hinlenken, dass beim Le-
pidosiren, bei welcher — nach Bischoff's nicht misszuver-
stehender Beschreibung •'') — die hinteren Nasenlöcher ganz
dieselbe Lage, innen an der Oberlippe, aber ausserhalb des
Kiefers und der Zähne haben — gewiss mit Recht , ein Zu-
sammenhang dieser Organisation mit dem Luftathemzuge an-
genommen wird ^).
1) Die Beschreibung Harwood's in den Phil. Trans. 1827 erwähnt
die Nasenlöcher nicht, noch deutet die Abbildung ihre Lage an. Hier
vcrmulhe ich doch , dass der grosse Rachen zur Aufnahme der Luft
diene. — Er wurde gefangen unter 62o K. 13r. und 57« W. L.
2) L. c. p. 193.
3) L. c. p. 2. und 24.
4) Dagegen hege ich einigen Zweifel, ob Lepidosiren in dieser
Ueber die Stellung der Nasenlöcher bei den Ophisurus-Arten. 267
Vorausgesetzt nun, dass diese Lage der hinteren Nasen-
löcher in der Oberlippe — es sei nun mehr nach innen oder
mehr nach aussen — als Hauptmerkmal derjeniger Gruppe
der Familie Muraenoidei Joh. Müller QAngtiilliformes M'Clell.),
als deren Centrum die Gattung Ophisurus zu betrachten wäre,
benutzt werden könne, gedenke ich diese Betrachtungen mit
einer systematischen üebersicht (siehe unten) aller derjenigen
Formen, denen ich jenes Merkmal mit Gewissheit oder Wahr-
scheinlichkeit zuschreiben zu können glaube, zu beschliessen.
Es bedarf einiger Erörterung, wie stark oder wie schwach
jene Wahrscheinlichkeit ist. Wir werden uns erinnern, dass
die früheren Beschreiber ^ des Ichthyapus acutirostris und
des Sphagebranchiis imberbis vergebens die hinteren Nasen-
löcher suchten, weil es ihnen nicht in den Sinn gekommen
war, sie auf der inneren Seite der Oberlippe zu suchen.
Wenn wir ferner finden, dass tüchtige und genaue Zoologen
wie Vahl, de la Roche, M'Clelland und Richards on
Fische beschrieben haben, die in jeder wesentlichen Rück-
sicht, im wurmförmigen Körper , in der spitzen Schnauze ,
dem Verkümmern der Flossen, der BeschafTenheii der Kiemen-
haut und ihrer Strahlen, mit jenen übereinstimmen, — dass
sie aber die Lage dieser hinteren Nasenlöcher weder in
ihren Beschreibungen, noch in ihren Abbildungen in's Klare
gesetzt, dagegen die der vordem sehr gut gekannt, ja dass
es sogar öfters aus ihren Beschreibungen -) hervorgeht, dass
Rücksicht so genau mit Proteus , als mit Ophisurus zu vergleichen
sei; denn bei den Fischlurchen scheinen die inneren (hinteren) Na-
senlöcher so weit zur Seite gerückt , bloss weil der Oberkiefer ver-
schwunden ist und sie liegen eigentlich gar nicht in der
Oberlippe, sondern im Gaumenfleische.
1) De la Roche 1. c. p. 360. : „les narines ont une ouverlure
tubuleuse, situee ä cote et un peu en dessous de Textremite de la ma-
choire superieure ;" und Brisout de Barneville 1. c. „narines
percees sous le museau; chacune d'elles ne paraissent avoir quun seul
orifice.^'
2) So sagt Vahl in der „Beschreibung einer neuen
Fischgaltug, Coecula,^'' in den Schriften der Gesellschaft für Na-
turgeschichte, 3ten Bds 2tem Hefte, p. 154. : „apertura nasalis utrinquc
wmca.« Mit dem Ausdrucke „les narines, siluees en dessous de I'ex-
26S Lütken:
sie vergebens jene hinteren NasenöfFnungen gesucht haben,
— dann dürfen Avir wohl mit einiger Wahrscheinlichkeit an-
nehmen, dass auch bei den hier besprochenen Formen die
Lage der Nasenlöcher in der Oberlippe sei, und zwar in der
Regel auf der inneren Seite derselben, wo sie der Nachsu-
chung am leichtesten entgehen können. Es wird diess er-
stens von den wurmförmigen Aalen mit ventralen Kie-
menöffnungen gelten können, die als Coeculapierygea Vahl ')
und Apterichthus coecus Dum. 2) beschrieben worden sind ,
wahrscheinlich auch \ om Dalophis serpaRaf. 3), fern er von
den ebenfalls wurmförmigen Aalen mit lateralen Kiemen-
Öffnungen, dieRichardson als Ophisurus ? vimimis ^) und
Sphagebranchus quadratus ^) bezeichnet hat , die aber , nach
der jetzigen Rehandlungsweise der Ichthyologie, Typen neuer
Geschlechter werden müssen <^). — Auch bezweifle ich nicht,
dass alle in der unten mitgetheilten Uebersicht mit den Zif-
fern 1 bis 10 bezeichneten Typen durch ebenso viele Gat-
tungsnamen unterschieden werden müssen. Die Aufstellung
tremite du museau, sont un peu tubuleuses" in der Beschreibung (1. c.
p. 326.) des Äplerichthus coecus Dum. denkt de la Roche offenbar
nur an die vorderen Nasenlöcher. Dasselbe gilt von dem, was Ri-
eh a r d s o n in der Beschreibung des Ophisurus vimineus (Sulphur p. 1 07.)
von den Nasenlöchern sagt. Dagegen sagt er von Sphagebranchus
quadrßlus (1. c. p. 115.): „the other was not made out, but in the
middle of the upper jaw there is an acute iobulet, as in the Conger.«
1) L. 0. p. 149. t. XIII. f. 1.
2) Le la Roche 1. c. p. 325. f. 6. t. 21.
3) S w a i n s 0 n 1. c. V. i. fig. 221. p. 43.
4) L. c. p. 107. t. 52. fig 16—20.
5) L. c.p. 115. t. 52. fig. 8— 15.
6) Schwerer ist es, die von Rüppell in den „Fischen des
rothen Meeres« so schön abgebildeten „Muraena-^ Arten« den neuen
Gallungen einzureihen, weil es sowohl in den Abbildungen, als in den
Beschreibungen, an dem nölhigen Detail gebricht. Von mehreren, na-
mentlich denjenigen, die von M'Cl. in die Galtung Dalophis aufge-
nommen sind, wage ich gar keine Vermulhung, ob sie echte Muraenae
oder Ophisuridae ohne Brustflossen seien , während sich andere durch
ihre plumpen Formen gleich als Muraenini kundgeben. Dasselbe ver-
mulhe ich auch von dem von demselben Schriftsteller beschdebenen
Uropterygius concolor.
Ueber die Stellung der Naseolöcher bei den Ophisurus-Arlen. 269
und Begrenzung dieser neuen Gattungen muss ich aber dem
mit dem dazu nölhigen Material versehenen künftigen Mono-
graphen dieser Familie überlassen. Dass ich in der kleinen
Sammlung der hiesigen Universität zwei neue Gattungen habe
ausfindig machen und das Dasein einer dritten nachweisen kön-
nen, giebt mir die Bürgschaft, dass viele neue Combinationen
und Modificationen aus ihrem Versteck, theils in den euro-
päischen Museen, theils in den Tiefen der tropischen Meere,
woher die späteren englischen Weltumsegler uns schon so
viele gebracht haben, emportauchen werden.
Ob ich gleich nicht voraus sagen kann, welche Erwei-
terungen und Veränderungen der von mir vorgeschlagenen
Gruppe (tribus) OpMsuridae und den ihr beigelegten Merk-
malen zu Theil werden mögen, erlaube ich mir doch, sie
den Ichthyologen zu empfehlen, wenigstens als Anhaltspunkt
für fernere Untersuchungen. Wie andere natürliche Gruppen
scheint sie mir einen recht natürlichen Inhalt und Umfang
mit einem bedeutenden Reichthum an Formen zu vereinigen.
Sie enthält ebensowohl kurze und zusammengedrückte {Chi-
lorhinvs) , als sehr lange und wurmförmige Geschlechter ,
nebst allen zwischenliegenden Gestaltungen, sowohl den voll-
ständigen Flossenbesatz (i%rop/iiÄ), als ganz flossenlose For-
men {Ichthyapus , Apterichthus} nebst der ganzen zwischen-
liegenden Reihe , wo die eine Flosse nach der andern sich
verliert, ferner alle Uebergänge von einer kurzen , breiten
und stumpfen Schnauze, wie bei unseren gewöhnlichen Aa-
len {Chilorhinus')^ bis zu einer äusserst spitzigen {Ichthyapus^,
Sie fängt mit Formen an, welche, die Lage der Nasenlöcher
ausgenommen , ganz den ächten Aalen ähnlich sehen und
gelangt nach und nach an Formen , welche durch die Lage
der Nasenlöcher unter dem Halse sich den Symbranchidae
annähern, oder durch jdie Verkürzung des Schwanzes mit den
Ophicardides im Allgemeinen und durch den wurmförmigen
Körper mit den Piyobranchidae im Besondern verglichen
werden können. Und dennoch ist es leicht, alle diese Typen
in vier Abtheilungen unterzubringen, wie aus der unten fol-
genden Uebersicht ersichtlich ist. — Das Centrum der Gruppe
ist die an Arten reiche Gattung Ophisurus,
270 L Utk eil:
Bevor ich zur Mittheilung der oft besprochenen Ueber-
sicht der Gruppe Ophisuridae schreite , nuiss ich jedoch die
Beschreibung der obengenannten zwei neuen Gattungen ein-
schalten :
1. Myrophvs^') mihi.
Gattungsmerkmale -). Körper in die Länge
gestreckt, ziemlich cylindrisch, aal förmig (un-
gefähr wie bei den Ophisuri). Rücken-, Anal- und Schwanz-
flosse sind da; d i e Brustfl o ssen sind deutlich und
spitz. Die Kiemenöff'nungen liegen an den Seiten des Kör-
pers ; die Kiemenhaut ist ausdehnbar und der Länge nach
gerunzelt; viele feine Kiemenhautstrahlen kreuzen sich mit-
einander. Der Kopf ist stumpf und niedergedrückt ; der Ober-
kiefer ein wenig länger als der Unterkiefer. Die vorderen
Nasenlöcher stehen, Fühlern ähnlich, an der Schnauzenspitze,
die hinteren liegen nach innen an der Oberlippe als schräge
Längsspalten, die durch einen kleinen Hautlappen verschliess-
bar sind. Die Zähne sind klein, rund und stumpf
und bilden einen Gürtel längs jedem Kiefer-
rande, so wie auch einen längs der Mitte des
Gaumens; dieser nimmt zugleich die Spitze des Obermun-
des ein. Seitenlinie ist da , aber keine Schuppen.
Myrophis punctatiis.
Die unpaaren Flossen sind sehr niedrig; erst in der
Schwanzspitze erweitern sie sich ein wenig und bilden eine
lanzettförmige Schwanzflosse. Die Rückenflosse fängt un-
gefähr in der Mitte zwischen KiemenöfTnung und After an.
An dem Kopfe findet sich eine Reihe einzelner Schleim-
i) MvQog Meeraal, oqjis Schlange.
2) Unter die Gattungsmerkmale habe ich geglaubt Alles aufneh-
men zu müssen, was dazu dienen möchte, sie unter den Änguilliformes
M'CI. zu unterscheiden, und demzufolge auch dasjenige, was sie mit
den übrigen Ophisuridae mihi gemein haben. Durch die Merlimale mit
gesperrter Sechift unterscheiden sich die zwei neuen Gallungen unter-
einander. Verschiedenheiten von geringerer Wichtigkeit wird man in
den Beschreibungen der Arten angeführt finden.
Ueber die Stellung der Nasenlöcher bei den Ophisurus-Arten. 271
poren quer über dem Nacken und zwei Längsreihen an
der Schnauze, die je aus zwei dicht hinter den Augen und
drei zwischen diesen und der Schnauzenspitze gelegenen be-
stehen.
Die Grund -Farbe des in Weingeist aufbewahrten In-
dividuums ist isabell -farbig, hellgraugelb. Was aber ein
wenig unter der Seitenlinie liegt , ist auf diesem Grunde mit
dunklen Punkten schön gezeichnet. Der Bauch ist einfarbig
graugelb ohne Punkte ; so auch die Flossen.
Die Grössenverhältnisse werden in den folgenden
Messungen ausgedrückt sein :
Totallänge von der Schnauzenspitze zur
Schwanzspitze . , . 6" 8'" dän.
Länge von der Schnauzenspitze zur Kie-
menöffnung . , . . „ 8'" „.
Länge von der Schnauzenspitze zur Af-
teröffnung .... 2" 672'" „
Die Länge des Oberkiefers ist . „ 2"' „
Aufenthaltsort: Der Herr Capt. Suensonvou
der Königlichen Marine hat ein schönes Exemplar dieses
Fischchens von einer Expedition nach West in dien mitge-
bracht 0-
Bemerkung. Wenn man die Lage der Nasenlöcher
nicht beachtete, so würde man diesen Fisch in die Gattung
Conger aufnehmen. Es wäre daher wohl möglich, dass andere
früher als Conger- Arten beschriebene Aale in die so eben
beschriebene neue Gattung gehören dürften; auch wäre es
denkbar, dass gerade an dergleichen Formen Cuvier die
in der Hist. d. poiss. angeführte Beobachtung der Lage der
Nasenlöcher unter der Lippe „chez quelques Congres etrangers"
gemacht hätte; dennoch glaube ich, dass es nach Vergleichung
jener Stelle mit der spätem Parallelstelle im Regne ani-
mal sich herausstellen werde, dass Cuvier an der ersten Stelle
1) Mit unserem Myrophis scheint 6er Muraenophis grisea Lac. t. V.
pl. 19. p. 641. viele Aehnlichkeit im Aeusseren und in der Zeichnung
zu besitzen ; er soll aber ohne Bauchflossen sein und ausserdem aus
dem indischen Meere herstammen, wesshalb es unzweifelhaft eine an-
dere Alt ist.
272 Lütken;
an wirkliche Ophisurus - Arien gedacht, sich aber eines zu
allgemeinen Ausdrucks bedient habe. — Es verdient vielleicht
bei dieser Gelegenheit daran erinnert zu w^erden , dass der
Geheimerath Tiedemann, von Bischoff 0 aufgefordert, die
im Wiener -Museum aufbewahrten Conger- Arten untersuchte,
ohne bei irgend einer eine solche Lage der Nasenlöcher zu
finden, wie sie Cuvier's Worte vermuthen Hessen.
2. Chil or hinus ^) mih'u
Gattungsmerkmale: Körper kurz, sehr zu-
sammengedrückt; es finden sich sowohl Rücken-, als
After- und Schwanzflossen, die Brustflossen sind dage-
gen fast unsichtbar. Die Kiemenöff'nungen liegen an den
Seiten des Körpers; die Kiemenhaut ist erweiterungsfähig, der
Länge nach gerunzelt ; viele feine Kiemenhautstrahlen kreuzen
sich. Der Kopf ist kurz, die Schnauze stumpf und nieder-
gedrückt (breiter als bei Myrophis). Der Oberkiefer um et-
was länger als der Unterkiefer. Der Rachen klein. Die
vorderen Nasenlöcher liegen im vordem Rande der Schnauze,
die hinteren nach innen an der Oberlippe und sind mit ei-
ner Hautklappe versehen. Die Zähne bilden ein dop-
peltes /\ ; es giebt dagegen keine in der Mitte des
Gaumens (d.h. die 2 Reihen der Gaumenzähne bilden auch
ein /\ , dessen Aeste an denen der Kiefer dicht anliegen, so
dass es erscheinen möchte, als fehlten die Gaumenzähne völ-
lig); mit Ausnahme der vorderen, mehr spitzigen, sind sie
stumpf und rund. Seilenlinie ist da; keine Schuppen.
Chilorhinus Suensonü.
Die unpaaren Flossen sind bedeutend höher, als bei My-
rophis punclatus; sie bilden, wie bei diesem, eine lanzettför-
mige Schwanzspilze. Die Rückenflosse fängt etwas hinter den
Kiemenöff'nungen an. Oben am Kopfe finden sich zwei Längs-
reihen von zahlreichen feinen Schleimporen; die vorde-
ren in der Schnauzenspilze sind jedoch etwas grösser.
1) L. c. p. 29.
2) Xitkos Lippe; Qiy Nase.
Ueber die Stellung der I^asenlöcher bei den Ophisurus-Arten. 273
Die Grund- Farbe ist an den zwei Exemplaren braun,
dunkler am Rücken, als gegen den Bauch hin , welcher hell
ist; die Unterseite des Halses ist beinahe weiss, mit Aus-
nahme des Bauches und der Unterseite des Halses ist dieser
Boden dicht mit dunklen Punkten besäet, mit einzelnen lich-
ten Flecken vermischt; auch die Flossen sind dunkel, nur
die Afterflosse hat einen hellen Rand. Das kleinste der drei
vorliegenden Exemplare hat dagegen eine einförmige schwarze
Farbe ohne Punklirung.
Durch Vergleichung der folgenden Messungen des ab-
gebildeten (und im Museum der Universität aufgestellten) Ex-
emplars,
Länge von der Schnauzenspitze bis zur
Schwanzspitze . . . .3" Sy.
///
Länge von der Schnauzenspitze bis zur
Kiemenöffnung .... 872"'
Länge von der Schnauzenspitze bis zur
Afteröffnung . . . .1" 8y.
///
Die Länge des Oberkiefers . . 2'"
mit den oben für Myrophis punctatus mitgetheilten wird der
bedeutende Unterschied der Grössenverhältnisse in die Augen
springen ; bei ungefähr derselben Länge von Hals und Kopf
hat er nur wenig mehr denn die halbe Totallänge. (Durch
die für einen Aal so ungemein kurze und zusammengedrückte
Form erinnert sein Aeusseres mehr an Clinus und andere
Blennioiden, als an die Familie der Aale, in welcher bis jetzt
nur eine ähnliche Form beschrieben war, nämlich die Gat-
tung Cheilohranchus Rieh., ein dem Chilorhinus analoges Glied
aus der Abtheilung Symbranchidae, von der es jedoch, wie
oben bemerkt, durch mehrere wichtige Merkmale abweicht.)
Aufenthaltsort. Die drei Exemplare des Univer-
sitätsmuseums sind aus West Indien, das eine namentlich
von St. Croix, die zwei anderen vom Herrn Capt. Suenson
hergebracht.
Bemerkung. Wie ich schon oben bemerkt habe, be-
sitzt unser Museum zwei Exemplare aus Manila , die sich in
mehrfacher Rücksicht dem Myrophis nähern, sich von die-
sem aber durch den weit grösseren Rachen, durch ihre grös-
seren , aber ebenfalls stumpfen Zähne , wie auch dadurch ,
Archiv f. Naturgesch, XVIII. Jahrg. 1. Bd. 18
274 Lütken;
dass die Rückenflosse erst über der Afteröffnung anfängt und
durch die völlige Abwesenheit der Brustflossen unterschei-
den. Sie werden also Typen einer dritten neuen Gattung
werden, sind aber zu schlecht erhalten, um auf sie eine Gat-
tungsdiagnose zu gründen. Sie stehen ebenfalls der ^Murae^
nophis^^ grisea Lac. nahe, ohne doch, wie es scheint, mit die-
ser zusammenfallen zu können.
Uebersicht der Gruppe (tribus) : Ophisuridae.
(Ordo : Physostomi Joh. Müller. Subordo : Apodes Linn., Farn.
Anguilliformes M'Clelld).
Merkmale: Die hinteren Nasenlöcher öffnen sich in
der Oberlippe, entweder nach aussen oder nach innen in den
Mund. Die Kiemenhöhle ist erweiterungsfähig und der Länge
nach gerunzelt, die Kiemenhautstrahlen sind lang, dünn und
zahlreich und kreuzen sich von beiden Seiten.
A. Die Kiemenöffnungen liegen an den Seiten
des Körpers
AA. Rücken- und Afterflosse vorhanden, so
wie auch
a) eine deutliche Schwanzflosse, als Fort-
setzung von jenen:
a) deutliche Brustflossen (Körper gestreckt, cylin-
drisch)
1. Myrophis mihi.
ß} sehr verkümmerte oder gar keine Brust-
flossen ;
f) Körper gestreckt, cylindrisch
2. Die oben erwähnten Exemplare aus ( -'
Manila
ff) Körper kurz zusammengedrückt
3. ChUorhinus mihi
1) Bei No. 1—3. findet sich dieselbe stumpfe und kurze Schnauze
wie bei den echten Aalen. Bei den folgenden wird sie mehr und mehr
spitzig.
lieber die Stellung der Nasenlöcher bei den Ophisurus-Arten. 275
b) keiiieSchwanzflosse, d. h. eine nackte
Schwanzspitze, aber deutliche Brustflos-
sen 1)? ' '^*
4. Ophisurus Lac. 2)
BB. Keine Rücken-, After- oder Schwanz-
flosse (Körper wurmförmig, Schnauze spitz);
a) deutliche Brustflossen:
5) ^Ophisurus ?^ vimineus Richards. J
/?) ohne Brustflossen: \ III
6) y^Sphagebranchus^ quadraius Rieh. J
B. Die Kiemen Öffnungen liegen an der Unter-
seite des Körpers, dicht neben einander.
AA. Deutliche Rücken- und Afterflosse, aber
keine Schwanzflosse.
ft) Verkümmerte Brustflossen.
7) Sphagebranchus imberbis de la Roche )
ß) Ganz ohne Brustflossen: ) IV
8) Coecula pterygea Vahl ^} ^
1) Es fehlt hier, wie es scheint, ein Glied in der Reihe, die
Ophisuri ohne Brustflossen, aber mit Rücken- und Afterflosse; es mö-
gen daher vielleicht einige bisher als Muraenae beschriebene Arten
hier ihren eigentlichen Platz finden. (Vgl. oben p. 268. Kote 6.
2) Von Ophisurus trennt Swainson (1. c. p. 221. f. 42.) den
Leplognathus oxyrrhynckus aus dem Mittelnieere ; die angeführten Merk-
male : lange dünne Kiefer mit vereinzelten , nach hinten gebogenen
Zähnen und eine Erweiterung der After - und Schwanzflosse vor ih-
rem Ende, kommen auch dem Ophisurus serpens , sowohl dem mittel-
meerischen als dem japanischen, zu, das letztgenannte auch dem Ophi^
surus dicellurus Rieh. 1. c. p. 106. t. 48.. f. 2— 4., welcher zugleich
eine andere Eigenthümlichkeit darbietet, dass nämlich die KiemenöQ-
nungen so gross sind, dass sie sich auf die Unterseite des Körpers
hinab verlängern. Dasselbe findet beim Muraenesox tricuspidatus M'Clelld.
Statt. (Sie verhalten sich in dieser Rüclisicht zu A und ß wie Squatina
zu den Squali und Rajae).
3) Von Coecula scheint Dalophis serpa Raf. (Swainson 1. c. t, 1.
p.221. f. 43.) nur durch eine Erweiterung der Schwanz, und After-
flosse vor ihrem Ende verschieden zu sein.
276 Lütken.
BB. Ganzohne Flossen;
a) Mit deutlichen Augen:
9) Ichthyapus actitirostris Br. de Barnev. *) ) IV
ß) Ganz blind.
10) Apterichthus coecus (Dum.') de la Roche.
Anmerkung. Im Gegensatz zu den hier beschriebe-
nen Ophisuriden könnten alle anderen Muraenideae (Joh. M.),
bei normaler Lage der Nasenlöcher , als Muraenidae bezeich-
net werden. Sie bilden eine mit jenen parallele , wie es we-
nigstens noch den Anschein hat, zwar an Arten reichere,
aber an Formen ärmere Reihe, die man auf folgende Weise
würde darstellen können :
a) Mit Brustflossen: Änguillinae,
Anguüla Cuv.,
Conger Cuv.,
Muraenesox M'Clelld.
b) Ohne Brustflossen: Muraeninae:
«) Mit Rücken-, After- und Schwanzflosse:
Muraena Thunbg.
ß) Mit Schwanzflosse, ohne Rücken- oder Afterflosse :
Uropterygius Rüpp.
y) Ganz ohne Flossen;
Ichthyophis (Less.) Rieh., wie ich vermuthe, als
Gattung von Gymnomuraena Lac. nicht verschieden.
Schliesslich erlaube ich mir nur noch die Bemerkung, dass,
je mehr man sich mit der Familie der Aale beschäftigt, man
desto mehr sieht , wie viel bei derselben noch zu thun ist.
Ich habe hier nur auf einen der zu berücksichtigenden Um-
stände hindeuten wollen. Möchten diese Zeilen eine Be-
arbeitung jener Familie um etwas erleichtern ! Dann wäre
mein Hauptzweck erreicht.
1) Von welchem Sphagebranchus rostralus ßloch kaum generisch
verschieden sein wird. Es scheint zwar die Abbildung die Gegenwart
unpaarer Flossen anzudeuten ; die Beschreibung nennt ihn aber be-
stimmt flossenlos. Durch die plumpere Form und die weiter nach hin-
ten gelegene AfteröfiFnung wäre sie jedenfalls specifisch von dem von
de Barneville beschriebenen Thiere verschieden.
Beschreibung' des Carterodon sulci-
deiis (Lund).
(Auszug aus einem Briefe von Joh. Reinhardt an Prof.
Steenstrup, d. d. Lagoa. Santa, 19. Jul. 1851.)
Aus d. Videnskabelige Meddelelser fra den naturh. Korening i Hjöben-
havn, 1851. Nr. 1 u. 2., übersetzt vom
IBr« Creplin«
In den Anhäufungen von kleinen Knochen , welche in
den Kalksteinhöhlen dieser Gegend von Brasilien so häufig
vorkommen und ihre Gegenwart der Höhleneule (Strix per-
lata Licht.) verdanken, finden sich ziemlich allgemein die
mehr oder weniger zerbrochenen Schädel eines kleinen , der
Familie der Stachelratten angehörenden Thiers , welches sich
von -den verwandten Formen dadurch unterscheidet, dass die
oberen Vorderzähne längs ihrer Mitte mit einer hervorsprin-
genden Leiste versehen sind, aussen an welcher sich eine
ziemlich tiefe Furche findet. Diese Schädel sind es, aufwei-
che Dr. Lund in seiner ersten Abhandlung über Brasiliens
ausgestorbene Thierwelt i) seinen Echinomys sulcidens grün-
dete, welchen er nachher wegen gewisser Eigenthümlichkei-
ten im Zahnsysteme erstlich zur Nelomys-Gsiüung ^^ und dar-
auf zur Gattung Aulacodus unter dem Namen Aulacodus Tem-
minckii 3) bringen zu können glaubte , und welche W a t e r-
1) Blik paa Brasiliens Dyreverden för sidste Jordomvältning. Iste
Afhandl. Inledning S. 23.
2) A. a. 0. 3dje Afhandl. S. 30.
3) Fortsatte Bemärkninger over Brasiliens uddöde Dyreskabning.
S. 16.
278 Reinhardt:
house endlich in der neusten Zeit als Typus einer eige-
nen Gattung, Carterodon y aufgestellt hat 0. Da es indessen
Lund nie geglückt ist, sich das Thier selbst zu verschaffen,
auch Waterhouse nie etwas Anderes, als die von der
Höhleneule zermalmten Schädel, zu seiner Disposition gehabt
hat, so ist der Umriss des Kopfes und das Zahnverhältniss
Alles, was man von dieser neuen Gattung kennt. Ich sehe
mich nun im Stande, die Kenntniss von ihr zum Theil zu
vervollständigen, indem ich dieser Tage so glücklich gewe-
sen bin , ein fast erwachsenes Weibchen und ein halb er-
wachsenes Junges zu erhalten, nach denen ich hier eine kurze
Beschreibung dieser merkwürdigen Form entwerfen will.
Der Carterodon sulcidens gleicht im Habitus so ziemlich
einem grossen Hypudaeus; er ist nämlich ein plump gebau-
tes Thier mit einem dicken Kopfe , einer kurzen , stumpfen
Schnauze, kleinen Augen, niedrigen, abgerundeten, aber doch
aus der Haarbekleidung hervorragenden Ohren, kurzen Glied-
maassen und Schwänze.
Der Körper ist auf den Obertheilen mit langen, geraden
Borstenhaaren bekleidet, zwischen denen Stacheln eingemengt
stehen, welche in ihrem Baue ganz mit denjenigen überein-
stimmen, die sich bei den meisten anderen Gliedern dieser
Familie finden, aber kaum mehr als y2 Millimeter breit sind,
und in eine so lange und biegsame , haarähnliche Spitze
ausgehen, dass sie nicht allein nicht stechen , sondern sich
auch kaum fühlen lassen. An den Seiten hinab werden diese
Stacheln immer schmäler und an Zahl geringer , bis sie an
der Unterseite ganz verschwinden , wo die Haarbekleidung
bloss aus steifen Borstenhaaren besteht.
Da das Zahnsystem von Lund und Wa t erhouse
abgebildet und vollständig beschrieben ist, so kann ich es
hier übergehen.
Die Ohren sind fast so breit wie hoch und innen so-
wohl , als aussen mit kurzen , feinen Haaren besetzt , wel-
che namentlich zahlreich gegen den Rand hin sind , aber
dennoch die Haut nicht ganz verdecken können.
Der die Nasenlöcher umgebende nackte Fleck ist nur
1) Natural Hislory of Maramalia. II. p. 351—53. pl. 16. fig. 7.
Beschreibung des Carterodon sulcidens. 279
wenig ausgebreitet, und zwischen ihnen und dem Rande der
Oberlippe steht ein ziemlich breiter, mit ganz kurzen, weiss-
lichen Haaren dicht besetzter Gürtel.
Die Extremitäten, namentlich die Hintergliedmassen, sind
sehr kurz; die Vorderfüsse sind verhältnissmässig breiter
als die Hinterfüsse. Die Zehen, deren Anzahl (wie gewöhn-
lich in dieser Familie) fünf an jedem Fusse ist, sind mit
Ausnahme der innersten an der Wurzel durch eine ziem-
lich entwickelte Bindehaut vereiniget ; in ihrem wechselsei-
tigen Längeverhältnisse folgen sie der gewöhnlichen, bei den
Echinomyiden herrschenden Regel. Die rudimentäre grosse
Zehe (der Daumen) an den Vorderfüssen trägt einen flachen
Nagel ; die übrigen Zehen haben sehwach gebogene, ziem-
lich lange Krallen, welche an den Vorderfüssen unbedeutend
kürzer, als an den Hinterfüssen sind ; an ihrer Wurzel ent-
springen einige steife Haare, welche ganz über sie hervorra-
gen und zum Theil sie bedecken.
Der Schwanz ist kürzer, als die Hälfte der Kopf- und
Körperlänge, beschuppt und mit ziemlich zahlreichen Haaren
dicht besetzt, welche nach allen Seiten hin hervorstehen und
darum auch auf keine Weise die Schuppen verdecken kön-
nen. — Unmittelbar vor der Afteröffnung , oder richtiger in
deren vorderem, etwas lippenförmigem Rande steht bei beiden
Geschlechtern ein kleiner Porus, welcher in .einen ganz
kleinen Sack oder eine Höhle führt, in welcher ein übelrie-
chendes Secret abgesondert wird — ein Drüsenorgan , wel-
ches ich von dieser Familie nicht erwähnt finde, obgleich es
auch bei allen übrigen hier vorkommenden Stachelratten an-
getroffen wird.
Die Clitoris ist mit keiner Rinne versehen, sondern bil-
det eine rundum geschlossene Röhre mit einer OeflP-
nung in der Spitze *). Ich habe nur drei Paar Zitzen gefun-
den, deren jede von einer kleinen nackten Stelle umgeben
war; das hinterste Paar sitzt zwischen den Schenkeln, un-
1) Auch dieses eigenthümliche Verhalten findet sich bei allen
anderen Formen dieser Familie, welche ich habe untersuchen können,
wieder, ist aber ebenfalls, so viel ich weiss, bisher nicht bemerkt
worden.
280 Reinhardt:
gefähr gleich weit von den Geschlechtstheilen und dem Na-
bel, die beiden anderen Paare sitzen vielmehr an den Seiten
des Körpers, als unter dem Bauche, das eine ein wenig vor
dem Nabel, das andere etwa 40 Millim. weit vor jenem.
Die Haut ist auffallend mürbe und locker in ihrem Ge-
webe.
Auf den Obertheilen des Körpers ist die Farbe gelb-
braun, stark mit Schwarz besprengt. Die Haare und Sta-
cheln sind nämlich dort alle blaugrau an der Wurzel und
werden danach ganz gleichmässig immer dunkler gegen die
Spitze hin , oder sind unterhalb der schwarzen Spitze mit
einem breiten, rostfarbenen Ringe versehen, und namentlich
ist das Verhalten so, dass, während der weit überwiegenden
Anzahl der Stacheln der helle Gürtel fehlt , bei den Haaren
das Umgekehrte Statt findet. An den Seiten des Körpers hinab
gewinnt die rostgelbe Farbe die Oberhand, indem die Anzahl
der Stacheln abnimmt und die schwarze Farbe selbst wird
immer mehr graulich, bis sie am Bauche ganz verschwindet.
Hier sind die Haare in ihrer ganzen Länge einfarbig; längs
den Seiten des Bauches zieht sich ein Streifen von gelblich-
rother Farbe hin; die Mitte des Bauches ist rein weiss, und
dieser mittlere weisse Theil, welcher übrigens sowohl nach
vorn gegen die Brust hin, als nach hinten gegen die Inguinal-
gegend, breiter wird, ist ohne den mindesten Farbenübergang
von den genannten einfassenden Streifen scharf abgesondert;
zwischen den Vorderbeinen vereinigen sich diese und ver-
drängen auf der Brust die weisse Farbe ganz ; auch die Un-
terseite des Halses und der Kehle ist röthlich; doch wird die
Farbe mehr nach vorn hin immer blässer. — Die Aussen-
seite der Gliedmaassen besitzt dieselbe Farbe, wie die Kör-
perseiten; gegen die Füsse hinab werden sie blässer, indem
immer mehrere weisse Haare sich mit den anderen vermen-
gen, und die die langen Krallen überragenden Borsten sind
alle weiss. Die Binnenseite der Extremitäten, namentlich der
hinteren , ist fast nackt. Auf der Oberseite des Schwanzes
sind die Haare schwarz, auf der Unterseite weisslich gelb.
Das halb erwachsene Junge , welches ein Männchen
war, glich ganz dem alten Thiere, ausgenommen, dass
die Stacheln noch bedeutend schmäler und noch weniger
Beschreibung des Carlerodon sulcidens. 281
steif und die bei dem Erwachsenen gelblich rothen Stellen an
der Unterseite bei ihm graulich waren. Ob diese Verschie-
denheit in der Farbe zufällig ist, oder in Verbindung mit
Geschlechts- oder Altersverschiedenheiten steht, wage ich
nicht zu entscheiden.
Mehrere Verhältnisse in der Organisation dieses Thiers,
namentlich die beiden Vorderfüsse , die verhältnissmässig
schwachen Hintergliedmaassen, die langen, wenig geboge-
nen Krallen, deuten darauf hin , dass der Carterodon sulci-
dens im Besitz einer ziemlich entwickelten Fähigkeit zum
Graben und vermuthlich zu einer grossentheils unterirdischen
Lebensweise bestimmt sein müsse. Nach dem , was mir be-
richtet worden, ist dies auch wirklich der Fall. Er lebt in
den offnen, mit zerstreuten Gebüschen und Bäumen bewach-
senen C a m p 0 s und gräbt sich daselbst Wohnungen , welche
aus einer ziemlich langen Röhre von 3 bis 4 Zoll Durchmes-
ser bestehen, die in etwas schräger Richtung zu einer doch
nicht sonderHch tiefer, als einen Fuss, unter der Oberfläche
liegenden Kammer hinabführt, welche er mit Gras und Blät-
tern ausfüttert. Den Magen der beiden von mir untersuch-
ten Exemplare fand ich ganz voll von einer breiähnlichen
Masse, welche augenscheinlich vegetabilischen Ursprungs war,
wie es auch nach den starken, breiten Vorderzähnen zu ur-
theilen annehmbar zu sein scheint, dass dies Tliier sich aus-
schliesslich von Vegetabilien ernähre und selten oder nie
Insecten verzehre , wie es der Fall bei den mit schmäleren
und spitzigeren Vorderzähnen versehenen Echinomyiden ist 0«
Ich füge hier noch die Maasse der mir zugekommenen
Exemplare hinzu. Beim Männchen waren nur zwei Backen-
zähne hervorgebrochen und es war folglich kaum viel mehr,
als halb erwachsen; dem Weibchen fehlte noch der hinterste
vierte Backenzahn; da es aber mit einem anderthalb Zoll lan-
gen Foetus trächtig war, kann es wohl als ungefähr erwach-
sen betrachtet werden.
1) Was Lund (Blik paa ßras. Dyrev. etc. Afh. 3. S. 30.) über
die Lebensweise der „Arten der Gatt, Welomys« anführt, gilt von der
andern Art.
282 Reinhardt: Beschreibung der Cartcrodön sulcidens.
Totallänge
Länge des Schwanzes
Abstand der Schnauzenspitze vom
vordem Augenwinkel
Durchmesser der Augenspalte
Abstand der Schnauzenzpitze vom
vordem Rande des Ohrs .
Höhe des Ohres
Breite desselben
Länge des Hinterfusses
— der Kralle an der mittlem
Zehe der Vorderbeine „ — 4 —
— der Kralle an der mittlem
V Zehe des Hinterfusses - — 5 —
lieber Coiichodytes« eine neue in Husclieln
lebende Gl^attung^ von Crarneelen.
Von
Dr« Vir. Peters.
(Monatsberichte der Acad. der Wissenschaften zu Berlin 1852. p. 588.)
Die Gewohnheit gewisser Krebse , ihren Aufenthalt in
lebenden Muscheln zu nehmen, war bereits im Alterthum be-
kannt. Aristoteles und nach ihm Cicero und Plinius
haben Nachrichten darüber aufbewahrt. Letzterer (Hist. nat,
IX. 42) erzählt, dass eine Muschel, Pinna, aufrecht im Schlamm
stecke , welche stets von einem Krebs , den man Pinnoteres
oder Pinnophylax nenne, begleitet sei, dass dieser Krebs die
Muschel durch einen leichten Biss darauf aufmerksam mache,
wenn sich kleine Fische in ihrem Bereiche befänden, damit
sie sich zusammenziehe und sie tödte, und dass sie ihm zum
Dank dafür einen Theil der Beute überlasse. Schriftsteller
des Mittelalters, wie Belon, Rondelet undGesner, nah-
men in Verehrung für das classische Alterthum die schönen
Sagen von der Freundschaft dieser Thiere ohne weiteren Zwei-
fel an , oder behaupteten , sie durch eigne Beobachtungen
bestätigt gefunden zu haben, und selbst im vorigen Jahrhun-
derte wurden sie von einem Schüler L i n n e s , dem orien-
talischen Reisenden Hasselquist wiederholt und ausge-
schmückt. In neuerer Zeit , wo man angefangen hatte , ein
ungemeines Interesse daran zu nehmen, die meisten sehr un-
genauen Beschreibungen der Alten kritisch zu beleuchten ,
um die Thiere , von welchen sie berichten , oder an denen
sie Beobachtungen angestellt haben, genauer zu bestimmen,
wurden mit Recht viele ihrer Angaben ins Reich der Fabel
284 Peters:
zurückgewiesen. Jedoch ist man darin auch oft zu weit ge-
gangen, und hat Beobachtungen, aus welchen die Fabeln her-
zuleiten sind, mit diesen zugleich verworfen. So ist es auch,
um mich auf den hier vorliegenden Gegenstand zu beschrän-
ken, mit den Erzählungen von den in Muschelthieren leben-
den Krebsen geschehen. Cuvier, in seiner Abhandlung
über die Krebse der Alten (Annales du Museum d'hist. nat.
II. 1803 p. 384.), erklärt die ganze Geschichte der Pinnote-
res für eine grundlose Erdichtung und behauptete mit Un-
recht , dass das Vorkommen von Krebsen in Muschelthieren
durchaus zufällig sei. Es ist allerdings richtig, dass nicht al-
lein Krebse, sondern auch Fische und andere kleine Thiere,
die sich sonst immer im Freien aufhalten, zuweilen in Mu-
scheln zufällig eingeschlossen gefunden werden, aber ebenso
wenig lässt es sich leugnen, dass es bestimmte eigenthümlich
gebaute Arten von Krebsen giebt, welche fast nur und so häu-
fig in Muscheln angetroffen werden , dass man gezwungen
ist anzunehmen, sie seien ihrem Instincte folgend hineinge-
krochen und nicht hineingefallen. Die Beobachtungen aller
Carcinologen neuerer Zeit stimmen hierin überein, und es bleibt
daher auch ohne die daran geknüpften Fabeln die bereits
von den Alten beobachtete Thatsache immer höchst merk-
würdig, dass Thiere, welche mit harten scharfen Kiefern und
Krallen bewaffnet sind und einer fleischfressenden Ordnung
angehören, bei andern, deren Körper von weicher gallertar-
tiger Consistenz ist, einen Zufluchtsort suchen ohne sie zu
beschädigen. Man kennt bis jetzt nur wenige Formen von
Krebsen, welche sich durch diese sonderbare Lebensart
auszeichnen. Diese gehören theils den kurzschwänzigen ,
theils den langschwänzigen Decapoden an. Die ersten, wel-
che am häufigsten und bekanntesten sind, sind in der Gattung
vereinigt, welche Latreille unter dem alten Namen Pi?zwo-
theres aufgestellt hat. Eine der zu dieser Gattung gehö-
rigen Arten, welche sich ungemein häufig an den Küsten des
Mitlelmeers in der Steckmuschel aufhält , ist ohne Zweifel
diejenige , auf welche sich die Erzählungen und Darstellun-
gen der Alten beziehen. Andere Arten derselben Gattung
finden sich in der Miessmuschel und in den tropischen Mee-
ren findet man sie auch in der Riesenmuschel und in der
Ucber Conchodytes. 285
Perlenmuschel , welche Muscheln alle die Eigenthümlichkeit
haben, sich durch eine bastförmige Absonderung, den Bys-
sus, an Steine und andere Gegenstände am Meeresboden zu
befestigen. Die giftigen Eigenschaften , welche diesen Mu-
scheln zuweilen innewohnen, werden vom Volke an manchen
Orten heut zu Tage den Krebsen, welche man in ihnen fin-
det, zugeschrieben, eine Behauptung , die ebenso wenig be-
gründet und weniger poetisch erscheint als die Sagen der
Alten. Von den langschwänzigen Decapoden giebt es eben-
falls eine Gattung, Pcntofiia , Latreille, welche man vor-
zugsweise in Muscheln antrifft. Man kennt von derselben
nur vier bis fünf Arten , von welchen nur eine , die am äl-
testen bekannte , Pontonia iyrrhena im Mittelmeer , ebenfalls
in der Steckmuschel vorkommt. Es erscheint daher sehr
wahrscheinlich, dass es diese Art ist, von welcher A r i s t o-
teles (H. A. V. 15) spricht, wenn er sagt, dass man in der
Pinna sowohl einen xaQxivog , einen kurzschwänzigen Krebs,
als einen xuQlg, einen langschwänzigen Krebs finde.
Unter den von mir an der Küste von Mossambique be-
obachteten Krebsen, finden sich drei Arten, welche sich eben-
falls zwischen den Mantellappen von Muschelthieren aufhielten.
Eine davon gehört zu der Gattung Pinnoteres, die andern
beiden aber gehören einer neuen Galtung an, welche ich
Conchodyies (Ges. naturf. Fr. 18. Febr. 1851) genannt habe,
und von der ich mir erlaube hier die Beschreibung mit-
zutheilen.
Conchodyteis.
Die Gattung Conchodytes hat die grösste Verwandtschaft
mit den Pontonien, unterscheidet sich aber von ihnen vorzüg-
lich durch die Lage und Kürze der Antennen. Wahrscheinlich
ist auch eine von MilneEdwards bereits beschriebene Art,
welche er von den übrigen Pontonien abgesondert hat , die
Pontonia macrophthalma desselben aus den asiatischen Meeren,
hierher zu ziehen.
Das Panzerschild der zu dieser Gattung gehörigen
Arten ist gewölbt, nur wenig länger als breit, glatt, sehr weich
und dünn und geht vorn in einen kurzen , platten ungezäh-
nelten an der Spitze nach unten gebogenen Schnabel aus.
286 Peters:
Die Augen sind frei , von halbkugelförmiger Gestalt und
stehen an der Spitze kurzer cylindrischer beweglicher Stiele.
Die Innern Fühler sind breit und platt, kaum länger oder
selbst kürzer als der Schnabel ; ihr erstes Glied ist platt, am
äussern Rande verdickt, am Innern Rande zugeschärft; das
zweite und dritte Glied sind zusammengenommen kürzer als
das erste, an ihrer obern Fläche convex, an der untern ab-
geplattet ; die Endglieder , die Geissein, entspringen seillich,
von einander durch den mittleren vorspringenden Theil des
dritten Fühlergliedes getrennt, sind sehr kurz und niemals
wie bei den Pontonien am Ende gespalten. Die äussern
Fühler entspringen nicht, wie bei Pontonia, unter den in-
nern , sondern neben denselben, und legen sich mit ihrem
Wurzelglied in einen Ausschnitt des Panzerschildes, welcher
durch eine kleine vorspringende Spitze von dem Ausschnitt,
worin die Augenstiele liegen , getrennt ist. Der Fühlerstiel
ist dreigliedrig, sehr kurz und schmal; die einfache Geissei,
welche aussen an ihrem vordem Ende entspringt, ist so kurz,
wie man sie bei keiner andern Gattung von langschwänzi-
gen Decapoden antrifft-, indem sie kaum länger ist als der
Fühlerstiel, von dem sie ihren Ursprung nimmt. Der blatt-
förmige Anhang, welcher den äussern Fühler von oben her
bedeckt, ragt kaum über den Schnabel hinaus, ist von eiför-
miger Gestalt, am äussern Rande verdickt und vorn mit ei-
nem kleinen Stachel bewaffnet. Die Oberlippe ist weich,
dreieckig und wulstig. Die Unterlippe (oder Zunge)
ist in der Mitte wie gewöhnlich gespalten. Die Mandibeln
sind schmal und kreisförmig gebogen, mit scharfen Zähnen
bewaffnet und tragen einen eingliedrigen , schmalen, sichel-
förmig gebogenen Taster , der an dem abgestutzten Ende
kammförmig gezahnt erscheint. Das dritte oder äussere
Paar der Kinnladen füsse; welches bei den Garneelen
und bei den langschwänzigen Decapoden überhaupt meist
sehr gestreckt, fuss - oder fadenförmig erscheint, ist so kurz,
wie man es nur bei den Brachyuren beobachtet; das zweite
und dritte Glied sind breit, jedoch nicht breit genug, um den
Kauapparat zu verdecken. Von dem vorderen äusseren Win-
kel des dritten Gliedes entspringt das schmale vierte, an des-
sen Spitze sich nur noch ein einziges kleines Glied befe-
Ueber Conchodyles. 287
stigt , SO dass hier ebenfalls nur zwei Endglieder vorhan-
den sind , wie bei Pontonia , während die meisten andern
Galtungen wenigstens drei solcher schmaler Endglieder zei-
gen; der tasterförmige Anhang dieser Füsse ist schmal und
einfach, und von äusseren peitschen- oder blattförmigen An-
hängen findet sich keine Spur. Die Gangbeine verhalten
sich ähnlich wie bei den Pontonien und zeigen nichts von
kiemenartigen Anhängen. Die beiden ersten Paare sind Greif-
füsse. Das erste Paar ist dünn und schwach und endigt
mit einer kleinen Scheere, deren beide Finger zugespitzt und
gerade ausgestreckt sind. Das zweiteFusspaar, welches
bei den Pontonien so überwiegend viel länger ist als alle übri-
gen, ist hier, obgleich immer das längste und dickste, nicht
in dem Maasse vergrössert und nur wenig länger als das er-
ste Paar ; die Scheeren sind an beiden Seiten von gleicher
Form, ziemlich gleich gross und machen etwas mehr als ein
Dritltheil dieser Beine aus; beide Finger, namentlich der Dau-
men , gehen in eine scharfe hakenförmig gekrümmte Spitze
aus, und sind am innern Rande mit einem oder zwei gros-
sen Zähnen bewaffnet. Die folgenden drei Paare der Gang-
beine sind einfingrig, dicker als das erste Paar, aber kürzer,
wobei das vorletzte Paar das kürzeste von allen ist ; ihre
Tarsen, welche bei den Pontonien schmal und spitz erschei-
nen, sind kurz und breit, endigen mit einer sichelförmig spi-
tzen Kralle, hinter welcher sich noch eine kürzere zweite Kralle
und nahe der Basis ein platter dreieckiger behaarter Zahn
befindet. Der zwischen dem Grunde der Beine gelegene
Theil des Vorderleibes, das sogenannte Sternum, ist zwischen
den vorderen drei Fusspaaren sehr schmal, zwischen den hin-
leren beiden Paaren dagegen viel breiter; die Abtheilungen
desSternums sind deutlich, besonders zwischen dem zweiten
und dritten Fusspaare, wo eine ziemlich hohe quere Leiste
hervorspringt. Der Schwanz ist etwa um die Hälfte länger als
der übrige Körper , bei den Weibchen breiter als bei den
Männchen und auf ähnliche Weise wie bei den Pontonien ge-
bildet. Die drei ersten Segmente desselben sind in der Mitte
verkürzt, an den Seiten plötzlich erweitert, und das zweite
Segment, welches das breiteste von allen ist, bedeckt an den
Seiten die angrenzenden Theile sowohl des ersten als des
J^88 Peters: '
dritten Segments. Die drei folgenden Segmente, das vierte,
fünfte und sechste nehmen sehr schnell an Grösse ab , und
das letzte siebente Endglied, welches das mittlere Stück der
fächerförmigen Schwanzflosse bildet, ist schmal und lanzett-
förmig. Sämmtliche Segmente sind glatt und namentlich an
den Seiten sehr weich und dünn. Die fünf ersten Paare der
falschen Bauchfüsse bestehen aus einem langen Basalgliede
und zwei Anhängen, von denen der vordere des ersten Paa-
res eine lanzettförmige Platte bildete , das hintere dagegen
von fadenförmiger Gestalt ist; bei den folgenden Paaren sind
beide Anhänge von blattförmiger Gestalt und genau betrach-
tet am Rande sägeförmig gezackt. Das sechste Paar der
falschen Bauchfüsse, welches durch ein kurzes Glied mit dem
sechsten Schwanzsegmente articulirt, bildet jederseits die bei-
den Seitenlamellen der fächerförmigen Schwanzflosse. Es
sind, wie bei Pontonia, nur fünf Kiemen jederseits vorhan-
den, welche nicht mit den Basalgliedern der Füsse in Ver-
bindung stehen, sondern über denselben aus dem Boden der
Kiemenhöhle entspringen. Jede derselben besteht aus zwei
Abiheilungen , einer vorderen breitern und einer hintern
schmälern, welche an ihrer freien, sich nach den Beinen her-
abkrümmenden Spitze zusammenfliesen. Die einzelnen Kie-
menblättchen sind theils verlängert eiförmig, theils unregel-
mässig herzförmig, am Ende abgestumpft. Die Oeff*nungen
für die männlichen Geschlechtsorgane befinden sich an dem
Basalgliede des letzten Paares der Gangfüsse. Die Männchen
sind stets viel kleiner als die Weibchen.
1. Conchodytes Tridacnae.
Der Panzerschild ist in der Mitte bauchig aufgetrieben,
am hintern Rande bogenförmig ausgeschnitten , an der äus-
sern Seite neben den Antennen abgerundet, zwischen den Au-
gen und dem Basalgliede der äussern Fühler in Form eines
stumpfen Zahnes hervorspringend. Der Schnabel ist platt,
halb so breit wie lang, länger als der Stiel der Innern Füh-
ler und die Schuppen der äussern, unter der Spitze mit ei-
nem abgerundeten Längskiel versehen. Die Endfäden der
inneren Fühler sind von gleicher Länge, achtgliedrig, kaum
länger als die beiden Endglieder des Fühlerstiels ; die innere
Ueber^Conchodytes. 289
Geissei ist fadenförmig, die äussere klein, am Grunde spin-
delförmig angeschwollen. Die äusseren Fühler sind ebenso
lang wie die innern ; ihre einfachen Endfäden sind ISglied-
rig nicht länger als der Schnabel. Die Fühlerblätter sind
vorn und aussen mit einem starken Dorn bewaffnet, am Rande
nicht mit Haaren bewimpert. Die äussern Kinnladenfüsse
reichen mit ihrem Endgliede höchstens bis zur Mitte des
Schnabels. Das erste Fusspaar ist so lang wie der Panzer-
schild ; sein drittes Glied, Femur, ist sehr zusammengedrückt
und kürzer als das vierte, die Tibia. Das zweite dicke Fuss-
paar ist nur wenig länger als das erste. Die Scheerenglie-
der sind doppelt so lang wie die Schwanzflosse. Der Dau-
men ist am innern Rande mit einem einzigen stumpfen Zahne
bewaffnet. Die Scheeren beider Seiten sind von gleicher
Grösse. Die drei folgenden einfmgrigen Gangbeine sind um
ein Drittlheil kürzer, aber merklich dicker als das erste Paar.
Länge eines trächtigen Weibchens 33 Mm.
Fundort: Südostküste von Africa, bei Ibo im 12° Südl.
Rr., zwischen den Mantellappen von Tridacna sqiiamosa Lam.
2. Conchodytes meleagrinae.
Das Panzerschild ist sehr bauchig, hinten bogenförmig
ausgeschnitten, an der äussern Seite neben den Antennen
abgerundet , zwischen den Augen und dem Rasalgliede der
äussern Fühler zahnartig vorspringend. Der Schnabel ist
platt, sehr spitz, unter der Spitze mit einem abgerundeten
Längsvorsprung bewaffnet und erreicht nicht das Ende der
Antennen. Die Augensliele sind verhältnissmässig länger als
bei der vorigen Art. Der Rau der innern und äussern Füh-
ler , die Länge und Gliederung ihrer Geissein ist ebenfalls
dieselbe, nur sind die Stiele etwas länger, und ragen über
den Schnabel hervor; auch unterscheiden sich die Fühler-
blätter durch die dichte Rehaarung ihrer innern Ränder. Die
äussern Kinnladenfüsse ragen bis ans Ende des Schnabels.
Am ersten dünnen Paar der Scheerenfüsse ist das vierte
Glied kürzer als das dritte. Die Scheeren des zweiten dik-
ken Fusspaares beider Seiten sind gleich gross; sie sind
Archiv f. Naturgesch. XVUI. Jahrg. 1. Bd. 19
ß90 Peters: Ueber Conchodyles.
doppelt so Jang wie die Schwanzflosse, schmaler als bei der
vorigen Art; der Daumen ist an der innern Seite mit einem
Zahn bewaffnet , welcher zwischen zwei kleineren Zähnen
des Zeigefingers eingreift. Farbe blassroth, oder genau be-
trachtet weiss mit feinen rothen Pünktchen. Länge des Weib-
chens 20 Mm. Länge des Männchens 14 Mm.
Fundort: Südostküste Africas, Ibo, im 12^ S. Br., zwi-
schen den Mantellappen von Meleagrina margaritifera Lam.
Iter hung^aricum a. 1§53 susceptum.
Beiträge zur Systematik der ungarischen Flora.
Von
A« Oriseliacli und A» Sehenk.
lieg'uitiinosae.
1. GenistalydiaBoiss. ! (diagn. or. 2. p. 8.) Eu-
sparton caulibus prostratis v. adscendentibus inermibus, ra-
mis angulosis 8-lOstriatis, floriferis brevibus simplicibus, fo-
liis anguste lanceolatis acuminatis, ramorum florentium brevi-
bus elliptico-oblongis obtusiusculis, vexillo carinam excedente.
— Syn. G. leptophylla Spch. Proxima genuinae G. anxanticae
Ten. (non Spicil. rumel.), a qua foliis difFormibus, caulinis an-
gustioribus parum recedit: species vero ipsa Tenoreana olim
forsan ad G. iinctoriam reducetur, vix nisi habilu decum-
bente et ramis florenlibus simplicibus distincta.
Siebenbürgen : am Fusse der Karpaten bei Hermannstadt
auf dem Schlossberge von Michelsberg 1700'— 2000' (Prof.
Fuss).
2. G. virgata W. (1811. nee DC). — Syn. 6?. an-
xantica Spicil. rum. (non Ten.). G. elatior Koch sec. specim.
tergestin. G, elata a. Spach Genist. ex synon. — Stipulis
subulatis persistentibus demum spinescentibus specifice dif-
fert a G. iinctoria^ legumine glabro a G. mantica Poll. et a
G. ovata Kit.
Banat (Wierzbicki *).
*) Die aus den Herbarien von Mauksch, Heuffel und Wierzbicki
geschöpften ßemerkungen rühren ausschliesshch von Grisebach her.
292 Grisebach und Schenk:
3. G. ovata Kit. (ic. 1.84.). Truncus demum pro-
stratus, ramis ereclis sirnplicibus.
Banat: vom Donauthale bei Orsova bis zu Bergwiesen
bei den Herkulesbädern 200'— 1500'!; Oravicza in Wäldern
(Wierzb.).
Siebenbürgen : bei Michelsberg (Fuss).
4. Cytisus banaticus, Eucytisu« caule prostrato,
ramis adscendentibus, setis brevibus sparsis e pube breviori
eminentibus erecto-patulis, foliolorum pilis accumbentibus, flo-
ribus terminalibus et lateralibus luteis , calycis pilis brevis^
simis erecto-patentibus , tubo limbum duplo superante, labii
superioris dentibus brevibus erecto-patentibus obusatis. — Syn.
C. austriacus banaticus Wierzb.! pl. banat. et Roch. C. au-
striacus dubius Heuff. ! pl. banat. — Pube a C. prostrato alie-
nus, proximus C. leucantho, a quo in loco natali habitu om-
nino separatur, distinctus caule inferne prostrato, flore luteo,
calycis dentibus superioribus duplo brevioribus obtusatis sub-
divergentibus. Praeterea C. Heuffelii affinis, cui foliola angu-
stiora , calycis dentes multo maiores et magis divergentes,
flores laterales nulli, caulis erectus.
Banat (Wierzb., Heuff.).
Siebenbürgen : auf den Hügeln von Hammersdorf bei
Hermannstadt 1500', in Gesellschaft von C. leucanthus, im
September ohne Seitenblüthen blühend!
5. C. leucanthus Kit. (ic. t. 132.) caule ereclo ra-
moso ramis brevibus virgato , setis erecto-patentibus e pube
breviori eminentibus, foliolorum pilis accumbentibus , floribus
terminalibus pallidis, calycis pilis bremssimis erecto-patentibus,
lubo limbo sesquilongiori, labii superioris dentibus erecto-pa-
tentibus aculis , labio inferiori integro. — C. austriacus L.
differt calycis pilis elongatis patentibus , tubo limbum duplo
superante et flore flavo.
Banat : im Donauthale bei Orsova 200', im August blü-
hend!; Mehadia (Wierzb.).
Siebenbürgen : häufig an den Tertiärhügeln bei Her-
mannstadt, z. B. bei Hammersdorf und Gross-Scheuern 1500'
— 1800', im September noch einzeln blühend!
6. C. Heuffelii Wierzb.! mscr. caule erecto ra-
Iter hungaricum. 293
moso, setis brevibus erecto-patentibus, foliolorum pilis spar-
sis accumbentibus , floribus terminalibus liiteis , calycis pilis
brevissimis erecto-patiilis, tubo limbum duplo superante, la-
bii superioris dentibus truncato-dwergentibus abbreviatis , la-
bio inferior! integro.
Banat (Wierzb.).
7. C. Rochelii Wierzb. ! mscr. caule erecto, setis
erecto-palulis e pube breviori eminentibiis, foliolorum pilis ac-
cumbentibus, floribus terminalibus „pallidis", calycis pilis elon~
gatis paientissifiiis, tubo limbo sesquilongiori, labii superioris
dentibus erecto-patentibus acutis, labio inferiori integro. —
Syn. C. leucanthus obscurus Roch. pl. rar. fig. 29. A C. au^
siriaco tubo calycis limbo sesquilongiori (nee duplo), labio
inferiori integro (nee tridentato) et flore pallido (nee luteo)
vix satis recedit.
Banat (Wierzb.)
Siebenbürgen: einzeln an den Hügeln bei Gr. Scheuern
1800', im September mit Früchten.
8. C. hirsutus L. — Syn. C, ciliatus Wahlenb. ! ex
speciminibus authenticis herbarii Maukschiani (fontis operis
Wahlenbergii) non ad C. prosfratum Scop., sed ad C, hirsu-
tum pertinet.
Ungarn: Tatra -Karpaten (Mauksch).
9. Trifolium p annonicum L. — Syn. T. arme-
nium Baumg. Fl. transs. 2. p. 374. (non Willd.): forma fo-
liolis ovalibus emarginatis, cum vulgari promiscua.
Ungarn : Tatra (Mksch.) ; am Tilfamare bei Oravicza im
Banat (Wierzb.).
Siebenbürgen: zerstreut auf Bergwiesen der Buchenre-
gion in den Karpaten des Cibingebiets 4000'!; auf den Hü-
geln bei Gr. Scheuern 2000', nebst Uebergängen in T. arme-
nium Baumg. (Fuss).
10. T. r e Clin a tum Kit. (ic. t. 269. nee Spicil. ru-
mel.). — Syn. T. supinum Spicil. rumel (non Sav.). T. echi-^
naium Wierzb. ! pl. banat.
Banat (Heuff.): bei Werschetz (Wierzb.).
11. Astragalus chlorocarpus Spicil. rum.
(1. p. 50.). — Syn. A. Rochelianns Heuff. I mscr.
Banat: im Donauthal (Heuff.).
^94 Grisebach nnd Sch enk:
lÖ. A. praecox Baumg. (Fl. transs. 2. p. 362. a.
1816.). — Syn. Ä. Wulfeni Koch. Synops. a. 1843. A. incur-
vus Koch ib. a. 1845. (non Desf.).
Siebenbürgen: auf Hügeln bei Gr. Scheuern (Fuss).
13. Vicia pannonica Jacq. (austr* t. 34.) — Syn.
V. pannonica a. Spicil, rumcL Arillo quartam (nee sextam)
seminis partem cingente et flore ochroleuco a F. striata MB.
specifice distincta.
Ungarn : Tatra (Mauksch) ; Banat (Hf.).
Siebenbürgen : Hammersdorf bei Hermannstadt in Wein-
bergen (Fuss).
14. V. striata MB. — Syn. V. pannonica ß. SpiciL
rumel. V. purpurascens DC. et Sadl. ex loc. nat.
Ungarn: bei Ofen (Lang).
15. V. dasycarpa Ten. — Syn. V, mllosa glahre-
scens Kch. V, mllosa Sadl. ex loc. nat.
Ungarn : gesellig auf der sandigen Puste bei Pesth !
16. V. villosa Rth. — Syn. F. polyphylla Kit t. 254.
Ungarn: Thäler der Tatra-Karpaten (Mksch.).
17. Lathyrus platyphyllus Retz. — Syn. L. /a-
tifolius Wahlenb. Fl. carp. p. 216. partim.
Ungarn: Wälder des Tatra (Mauksch).
18. L. pratensis L. var. sepium Scop. — Syn. L.
Hallersteinii Baum. ! sec. specim. herbar. Baumg. Stipulis maio-
ribus hastatis (nee sagittatis) ab «. recedit: in florum dire-
ctione et in calycis forma differentia nulla.
Banat (Hf.).
Siebenbürgen (Baumg.), z. B. bei Hammersdorf (Fuss).
19. OrobusvernusL. var. dentibus calycis supe-
rioribus minutis. — Syn. 0. sylvaticus Baumg. ! sec. specim.
herbar. Baumg. 0, nariegatus Heuff. ! pl. banat. (non Ten.).
20. 0. albus L. — Syn. 0. ienuifolius Baumg. sec.
descr. et 0. tuherosus ej. auctore Fuss.
Siebenbürgen (Fuss).
Roisaceae.
21. Pyrus communis L.
Siebenbürgen: der Birnbaum bildet ursprüngliche, un-
Her hungarionrn. 295
vermischte, lichte Wälder auf den äussersten, nördlichen Hü-
gelvorsprüngen der Karpaten ; einen solchen Wald trafen wit
am Wege von Reissmarkt nach Hermannstadt bei Gross Pold,
ungefähr 1200'— 1400'.
22. SpiraeaUlmaria L. var. denudata Hayn. — Syn.
S. quinqueloba Baumg. ! sec. specim. herbar. Baumg.
Siebenbürgen: in der Buchenregion der Karpaten bei
Michelsberg, z. B. am Götzenberg 3000'!
23. Geum montanum L.
Siebenbürgen : allgemein verbreitet in der alpinen Re-
gion des Cibin - Gebiets und in die Tannenregion herabstei-
gend 4500'— 7000' !
24. Potentilla micrantha Ram.
Siebenbürgen: am Fusse der Karpaten von Hermann-
stadt bei Heitau 1600' (Fuss).
25. P. subacaulis L. sec. Lehm. Wulf, (non DC. et
Gren.). — Foliis ternatis, tomento in pagina foliolorum su-
periori densiori et stipulis latioribus a P. cinerea Ch. satis
distincta videtur.
Ungarn : auf der sandigen Puste böi Pesth !
26. P. maculata Pourr. sec. Lehm. — Syn. P. al-
pestris Hall.
Banat : alpine Region des Baiku (Hf.).
27. P. chrysocraspeda Lehm.— Syn. P. grandi-
flora Baumg. ! Fl. transs. 2. p. 68. P. aurea Spicil. rumel
partim: specimina e Bosnia enim ad P. auream L. spectant,
cetera trifoliolata ad hanc. Species, a Lehmannio sec. speci-
mina banatica constituta, ^a P. aurea L. inprimis foliis ter-
natis distincta est , praeterea calycis segmentis exterioribus
obtusioribus serraturisque foliolorum rotundato-acutiusculis.
Siebenbürgen: allgemein verbreitet in der alpinen und
Coniferen-Region der Karpaten des Cibin - Gebiets auf Glim-
merschiefer 4500'— 7000'!, auf dem Szurul (Fuss).
28. P. chrysantha Trev. Kch. (nonSpiclI. rumel.)
— Syn. P. micropetala Rchb. et P. Heuffeliana Steud. sec.
specim. Heuffeliana. P. thuringiaca Maly sec. loc. nat. (non
Bernh., ^quae foliis septenatis differt).
Banat: im Donauthal (HfO, bei Oravicza (Wierzb.).
Siebenbürgen ? bei Hermannstadt (Fuss).
296 Grisebac h und S ch enk:
29. P. argentea L. — Syn. P. neglecta B?i\imgA FI.
transs. 2. p. 63. sec. specim. herbar. Fuss.
30. P. hirta L. — Syn. P. Sadleri Rchb. in herbar.
Fuss.
31. P» recta L. var. pilosa W. — Non differl a P.
recta Koch nisi caule subeglanduloso.
Banat: zerstreut auf Bergwiesen bei den Herkulesbä-
dern 1500".
Siebenbürgen: z.B. auf dem Schlossberge von Michels-
berg 1700'— 2000'!
32. Rubus tomentosus W. — Syn. R. discolor
Weihe! R. tomentosus «. SpiciL rum. A. R. amoeno Port.
(R. tomentoso ß. Spicil.) secundum Sonder distinctus, revera
differt venulis secundariis subtus magis prominulis et tomento
minus tenui.
Banat (Hf.).
Siebenbürgen: z.B. im Gebüsche auf dem Schlossberge
von Michelsberg 2000'!
33. Rosa pumila L. Rchb. FI. saxon.
Banat: gesellig auf Bergwiesen bei den Herkulesbä-
dern 1500'!
Ijytlirapieae.
34. Lythrum Salicaria L. var. canescens Kch. —
Syn. L. einer eum Spicil. rum.
Banat: in Gebüschen auf den Tertiärhügeln bei Orsova
300'!
liineae*
35. Linum perenne L. Sadl. FI. pesth. p. 142. ex loco
nat., Koch Synops. 1. p.l40. ex loc. nat., W. Schultz in Regensb.
Fl. 21. p. 643. — Syn. L. sibiricumBC, L, alpinum Koch ß.
partim sec. specim. Schenkii franconic. et Monachii lecta. —
Differt a L. alpino L. QL. bavarico W. Schultz 1. c.) semini-
bus ala destitutis, a L. anglico Mill. seminibus duplo maiori-
bus 2'" longis opacioribus rugulosis (nee lucidis laevissimis),
praeterea caule stricto elatiori et calycis segmentis interiori-
bus obtusioribus late marginatis. Lini anglici, quod vivum in
Her hungaricum. 297
clivis maritimis pr. Biaritz Aquitaniae observavit Gr. , Syno-
nyma sunt: L. perenne anglicum L. Sm. Engl. Bot. t. 40., L.
Leonii W. Schultz 1. c. , L. alpinum ß. collinum Gren. Fl. de
France 1. p. 284.
Ungarn : gesellig auf der sandigen Puste bei Pesth !
36. L. austriacum L. — Syn. L. perenne Bauing.
Fl. transs. I. p. 271. sec. specim. in herl). Fuss.
£upliorbiaceae.
37. Euphorbia stricta L. Sm. — Seminibus duplo
minoribus ovoideis (neque ovoideo- globosis) ab E. platy^
phylla L. differt.
Banat: in Wäldern (Hf., Wierzb.).
Siebenbürgen: häufig in Laubholzwäldern zwischen Her-
mannstadt und Michelsberg 1400'— 1600'!
38. E. ambigua Kit. (ic. t. 135.). — Media inter
E. dulcem L., a qua involucellis ellipticis, et E. carniolicam
Jacq., a qua pedunculis erectis dignoscitur.
Banat: in Bergwäldern (Hf.).
39. E. epithymoides L. Jacq. — Syn. E.lingulata
Heuff. ! in Regensb. Fl. 1835. 1. p. 249. vix satis distincta.
Banat (Hf. Wierzb.) : z. B. am Domaglett bei den Her-
kulesbädern (Hf.).
Siebenbürgen: auf den Tertiärhügeln des Beckens von
Hermannstadt, z. B. bei Gr. Scheuern 1800'!, bei Neudorf
(Fuss).
40. E. p a n n 0 n i c a H 0 s t. — Syn. E. nicaeensis Sadl.
ex loc. nat.
Ungarn: zerstreut auf grasigen Abhängen am Blocks-
berge bei Ofen!; Banat (Hf.).
41. E. Esula L. var. pubescens Gr. — Syn. E. sali-
cifolia angustata Roch. pl. rar. f. 16. Eadem planla crescit
prope Vindobonam in luco Prater et pro vera E, salicifolia
distribuitur, a qua foliis basi angusta, sessilibus oblanceolatis
margine planiusculis recedit.
Banat: auf Aeckern bei Lugos (Hf).
42. E. salicifolia Kit. (ic. t. 55.). — Syn. E, in-
298 Grisebach und Schenk:
cana Schur! mscr. Folia basi lata sessilia, oblongo - lanceo-
lata versus apicem obtusiusculum attenuata.
Banat; auf trockenen Hügeln (Hf.).
Siebenbürgen : auf den Tertiärhügeln von Hammersdorf
bei Hermannstadl 1500'!
43. E. thyrsiflora Gr. (Spicil. rum. 1. p. 143.). —
Syn. E. transsylvanica Schur! mscr. E. agraria Boiss. ! pl.
anatol. (ex monte Mesogis): an MB.? Ab E. agraria MB,
sec. diagnosin ap. Ledeb. nostra recedit foliis integerrimis
mucrone destitutis : mucro tarnen adest in specim. Boissierian.
et brevissimus in thracicis.
Siebenbürgen : auf den Tertiärhügeln von Hammersdorf
bei Hermannstadt (Fuss).
44. E.amygdaloidesL. — Syn. E. sylvaüca ßaumg.
FL transs. 2. p. 17. sec. specim. in herb. Fuss.
Polyg^aleae.
45. PoIygalacomosaSchk. — Syn. P. vulgaris
elongata Roch.
Banat : Sandpusten des deutschen Gebiets (Hf., Wierzb.).
46. F. vulgaris L. — Syn. P. depressaRLl pl. banat.
Malvaceae«
47. Lavatera thuringiaca L. — Syn. L. müfolia
Wierzb.! pl. banat.
Banat: im Donauthale bei Orsova!; bei Oravicza
(Wierzb.).
Siebenbürgen: verbreitet durch das Sachsenland, z.B.
bei Gr. Scheuern !
Tlliaceae.
48. Tilia argentea Desf.
Banat: verbreitet vom Donauthale bei Orsova bis zu den
Gebirgen an der Czerna, wo einzelne Bäume bis zur Buchen-
grenze amDomaglett vom Thale aus zu erkennen waren, also
200'— 4000'. Diese Vertikalverbreitung weicht daher wesent-
lich von der macedonischen ab, wo die Silberlinde schon bei
1500' aufhört, und ist aus den örtlichen Verhältnissen des
feuchtwarmen Czernathals zu erklären.
Iter hungavicum. 299
Hypericiiieae.
49. Hypericum Rochelii. — Syn. ^. ßic/im Roch,
pl. rar. f. 27. (non Vill.)- Differt ab H, Richeri Vill. caule
tereti, foliis basi subcordata sessilibus, calyce corollam dimi-
diain aequante (nee corolla ter superato), fimbriis bractearum
diametruin aequantibus (in H. Richeri brevioribus) ; ab H.
alpino Kit. (ic. t. 265.) foliorum forma subcordata et fimbriis
calycis longioribus. H. Richeri SpiciL rumel. est idem cum
specie Villarsii, at excludatur icon Kitaibelii : nam H. alpinum
Kit. sec. specimina in m. Schneeberg illyrico lecta specifice
differt calyce corollam dimidiam aequante. Species nostra
banatica proxime accedit ad H. perfoliatum L. Sm. (nee Le-
deb., cuius homonymon caucasicum est H. bupleuroides Gr.),
recedit vero foliis parum vel non pellucido - punctatis minus
cordatis et inprimis glandulis calycis segmenti diametrum ae-
quantibus (neque abbreviatis).
Banat: einzeln bei den Herkulesbädern im Czernathale
1000'! (ebendaher mitgelheilt von Hf.).
Glatineae.
50. Elatine hexandra DC.
Banat (Hf.)*
Caryophylleae.
51. Melandrium nemorale A. Br. — Syn. Lt/oÄ-
nis nemoralis Heuff. ! in Regensb. Flora 1833. 1. p. 356. A
M. pratensi flore duplo minori et Capsula globosa recedit;
praeterea calycis dentibus obtusis, corolla alba, seminum ver-
rucis obtusis, pilis glanduliferis a M. sylvestri distinctum.
Banat: in Wäldern (Hf., Wierzb.).
52. ViscariaSigeri. — Syn. Silene Sie^m Baumg.
Fl. transs. 1. p. 400. Lychnis nivalis Kit. L. Sigeiiana Schur
in Verh. d. siebenb. Vereins f. 1850. p. 103.
Siebenbürgen : auf dem Kuhhorn in den nordöstlichen
Karpaten (Fuss).
53. Silene Cserei Baumg. — Syti. S. saponarifO"
lia Sehott. (ap. Bess. Enum. p. 46. : nomen absque descr.,
300 Grigebach und Schenk:
demum sec. specimina authentica adumbrata in Led. FI. ross.
1. p. 305.). A proxima S. inflata, quacum bracteis scariosis
et seminibus argute tubcrculatis convenit, differt caule stricto
dato , panicula elongata virgata et sec. specimina anatolica
Capsula matura calycem aequante: Capsula iunior, quam locus
transsylvanicus nobis praebuit, magis ovoidea est, quam in S.
inflata, ubi ab initio globosa.
Siebenbürgen : im Walde der Buchenregion in den Her-
mannstädter Karpaten, z. B. am Götzenberg bei Michels-
berg 3Ö00'!
54. S. pilosa Spreng. Rchb. — Syn. Cucuhalus
molHssimus Kit. ic. t. 248. — Silene limda Wierzb. ! pl. banat.
Ab omni S. italica vel nemorali distinctissima Capsula sub-
sessili carpophoro plus decies longiori et insignis panicula
laxa, pedunculis infracto-patentibus paucifloris. Affmis porro
ob viscositatem caulis S. nutanti et lividae , differt vero fo-
liis inferioribus ellipticis acutis, superioribus abrupte decre-
scentibus, floribus porrectis, calyce longiori 6 — 8"' longo
(nee 4 — 5"0, capsulae dentibus patulis habituque S. nemora-
lis elato. Exstat forma humilis , quae semel pr. Orsova oc-
currebat, floribus lividis instrucla et habitu ad S. flavescentem
accedens.
Banat: häufig im Gebüsche der Tertiärhügel von Orsova
und an schattigen Kalkfelsen bei den Herkulesbädern 200' —
1200'!; in Wäldern bei Oravicza (Wierzb.).
55. S. dinarica Spreng. — Sjn. S. depressa Baumg.
FI. transs. 1. p. 404.
Siebenbürgen : auf dem Szurul in den Karpaten von Her-
mannstadt (Fuss).
56. Silenanthe Zawadzkii, — Syn. Silene Za^
wadzkii Herbich in Zawazdk. Fl. Galic. p. l9l. Genus Sile-
nanthe Gr. herb. (Silene sect. Elisanthe Fenzl. ap. Endl. gen.
Suppl. 2. p. 78.) complectitur species ovario uniloculari se-
minibusque crista destitutis, olim a cl. Fenzl Saponariis trigy-
nis adscriptas, postea ad Silenen revocatas , de quibus, quo-
modo a Saponaria excludantur, auctor est cl. A. Braun in Re-
gensb. Fl. 1843. p. 371. (Syn. Melandrium sect. Elisanthe ej.).
Siebenbürgen: auf dem Oeczem (Fuss).
57. Dianthus Carthusianorum L, var. latifoUus,
Iter huDgaricum. 301
Syn. V, vaginatus Rchb. ic. f. 5018. D. atrorubens Sendtn.
pl. b.osn. nr. 818. 821. Non recedit a D. Carthusianorum Ger-
maniae borealis nisi foliis lalioribiis 5nerviis. A D, atroru-
bente All. dignoscitur petalorum lamina maiori trapezoldeo-
cuneiformi (neque ovali) et capitulo paucifloro.
Banat und Siebenbürgen : verbreitet von Karansebes bis
Hermannstadt, z. B. bei Haczeg, Piski, Harnmersdorf 600' —
2000', — im südlichen Banat, wo die folgende Art überall
vorkommt, nicht bemerkt!; in die subalpine Region am Ret-
jezat ansteigend (Hf. : D. vaginatus ej.).
58. D. banaticus Heuff. ! mscr. — Syn. D. danu-
bialis Gr. olim in lit. Z>. glaucophyllus Wierzb. ! pl. banat.
et Maly enum. p. 302. (non Hörnern.) D. capitaius Fuss ! pl.
transsylv. et Maly 1. c. D. atrorubens Baumg, (non All.) sec.
herbar. Fuss. — Proximus D. crucnto Gr. , differt vaginis
paullo brevioribus folii lalitudinem bis — sexies superanti-
bus, petalarum lamina intus pilosiuscula (sed pili in D. cruento
quoque sec. descriptionem apud v. Houlte cultura demum
admittuntur) et praecipue bracteolis interioribus muticis ova-
tis acutis: quo bracteolarum charactere etiam a D, caloce-^
phalo Boiss. ! (D. cruenti lusu Spicil. rum. , at squamis pal-
lidis brevissime abruptim aristatis a D. cruento distinguendo)
et ab omni D, atrorubente vel D, Carthusianorum specifice
differt. A D. Carthusianorum recedit praeterea capitulo mul-
tifloro , petalorum lamina ovali, bracteolis calycem dimidium
haud excedentibus et calyce corollae laminis plus duplo lon-
giori: etiam calycis dentes aliquid obtusati sunt, apice nunc
acute nunc obtusiusculo. D. atrorubens All. ipse, ad lacum
Comensem observatus, prima fronte dignoscitur vaginis bre-
vioribus , bracteolis aristatis , flore minori.
Banat: allgemein verbreitet vom Donauthale bei Orsova
in das Czernathal bei den Herkulesbädern 200' — 1200'!; in
den Donauengen (Wierzb.) ; auf Bergwiesen im südlichen
Banat (Hf.).
Siebenbürgen : im Alutathai am rothen Thurm-Pass (Fuss).
59. D. Balbisii Ser. Rchb. (ic. germ. f. 5015. c).
— Verus, primo in Hungaria observatus , a proximo D, ca-
pitato DC. foliis summis ceterisque aequalibus et a D, libur-
nico Bartl. vaginis elongatis dignosci potest.
302 Grisebach und Schenk:
Banal: auf Bergwiesen bei den Herkulesbädern ein-
zeln 1200'!
60. D. compactus Kit. Rchb. (ic. germ. f. 5014.:
exclus. synon. D, lancifolii Tsch. , qui ex loco natali ad D.
trifasciculatum Kit. pertinet). Affinis D. barbato L., differt
vero foliis duplo angusüoribus 2 — 3'" lalis, bracteolarum la-
mina ovali (neque oblonga) earumque arista a basi paten-
tissima flexuosa (neque erecto-palente v. patente stricta).
Siebenbürgen : in der alpinen Region der südlichen Kar-
paten von Fogaras (Schur). ^
61. D. trifasciculatus Kit. Rchb. (ic. germ. f.
5021.). Petala glabra. A D. collino Kit. recedit foliis lan-
ceolato-linearibus (3'" latis) et bracteolis in aristam herba-
ceam sensim attenuatis calycis tubum subaequantem.
Banat: häufig auf schattigen Felsen des Czernathals bei
den Herkulesbädern 1000' — 1200', auf Unterlage von Kalk
und Gneiss!, in Wäldern bei Oravicza (Wierzb.).
62. D. heptaneurus n. sp. (e sect. Caryophylli fas-
ciculiflori) perennis, caule glabro teretiusculo, foliis (2'" la-
tis) anguste lanceolato-linearibus acuminatis 7-nerviis, vaginis
latitudinem folii aequantibus, floribus fasciculatis, bracteolis
e basi oblonga subulatis, arista tenui patula inferne herbacea
calycis tubum cylindricum striatum aequante, calycis denti-
bus ovato-lanceolatis acutis ciliolatis, petalorum lamina ovali-
subrotunda dentata rubra intus ad faucem pilosa. — D. coU
linus Rchb. ic. germ. f. 5022. fortasse huius loci est, bra-
cteolis longioribus a D. collino Kit. recedit. — Medius inter
D. trifasciculatum Kit. et D, collinum Kit. : ab illo dilTert fo-
liis angusüoribus 2"' (nee 3'") latis, bracteolis subulatis, ari-
stis superne setaceis et petalis barbatis ; ab hoc nervis folio-
rum aequalibus et praecipue arista bracteolarum lamina duplo
longiori (nee laminam aequante) patula (neque erecta). Prae-
terea dignoscitur a D. Seguieri Vill. Godr.) quo D. coUinus
Spicil, rum. etiam reduci potest) calyce apice non attenuato
et foliis duplo latioribus nervosis , a D. sylvatico Hp. foliis
nervosis apice acuminato acutis bracteolarumque fabrica.
Siebenbürgen : auf waldigen Vorhügeln der Karpaten von
Hermannstadt bei Resinar häufig, 1800'!
63. D. CO 11 in US Kit. (ic. t. 38.}. Adhuc confun«
Iter hungaricum. 303
ditur cum D. sylvatico Hp. Godr. (e. c. D. Seguieri var. col-
Uno Bourg-. pl. liispan. nr. 965.!), specifice distinctus foliis
duplo latioribus 2'" iatis 5-7nerviis et bracteolis calycis tubo
diiplo superatis breviter cuspidatis, cuspide laminam dimidiam
aequante (in D. sylvatico arista bracteolarum laminam sub-
aequans calycis lubo plerumque parum superatur).
Ungarn : bei Ofen (Ball), im Banat (Wi^rzb.).
64. D. Henteri H euff.! mscr. — ProximusD. Scheuch-
zeri Rchb, (Z>. sylvestris Godr. nee Wf.), quocum caudiculis
sterilibus elongatis, bracteolis, calyce superne striato inferne
laeviusculo et petalorum lamina non contigua obovato-rotun-
data convenit: specifice differt vaginis foliorum summorum
aequalibus (nee dilatatis), calyce duplo breviori 6 — 8'" longo
et petalis barbatis. Ex ceteris iisque affmibus D. diffusus Sm.
e. c. vaginis folii latitudinem aequantibus (nee duplo supe-
rantibus), D. gracüis Sm. bracteolis multo brevioribus calyce
ter superatis subrotundis breviter cuspidatis recedunt. Co-
hors porro D. sylvestris Wf. hoc modo disponi potest:
D. sylvestris Wf. caudiculis abbreviatis, calyce brevi
apice attenuato 6 — 8'" longo , petalis glabris obovato-rotun-
datis;
D. virgineus L. Godr. caudiculis abbreviatis, calyce apice
attenuato 8 — 10'" longo, petalis glabris oblongo - cuneifor-
mibus;
D. Scheuchzeri Rchh. caudiculis elongatis, calyce 10 —
12'" longo, petalis glabris obovato-rotundatis;
D, longicaulis Ten.! (D. Arrostii Frl.!} caudiculis bre-
vibus latifoliis, calyce 12'" longo, petalis obovato-rotundatis;
D. siculus Prl. CD. virgineus Jamin pl. alger. nr. 130.,
Balansa pl. alger. nr. 663.) calyce longo attenuato 12"' longo,
petalis oblongo-cuneiformibus.
Z>. Caryophyllus L. „foliis latioribus, petalis contiguis.*'
Siebenbürgen: am Falkenstein in den Karpaten des
Czod- Gebiets, südlich von Hermannstadt (Fuss).
65. D. callizonus Schott etKotschy! (Bot. Zeit.
7. p. 192.). — Syn. D. nitidus Baumg. (non Kit.). Proximus
D. alpino L., quem e Transsylvania quoque vidimus in her-
bar. Fuss., at specifice distinctus foliis caulinis latioribus nee
304 Grisebach und Schenk:
versus basin sensim altenuatis , bracteolis 2 interioribus e
basi ovata (nee lanceolata) subiilatis calycisqiie dentibus trian-
gularibus duplo latioribus ; a D. neglecto , glaciali et tiitido
petalorum lamina calycem aequante v. paullo breviori prorsus
alienus est.
Siebenbürgen; auf dem Königstein bei Kronstadt auf
Kalk (Fuss).
66. D. plumarius L. — Syn. D. hungaricus Pers.,
D. plumarius ß. Wahlenb.! Fl. carp. p. 126. excius. synon.
D. serotini Kit. Specimina originaria cum descriptione D.
plumarii Kochiana ad amussim conveniunt.
Ungarn: Kalkfelsen der Tatra -Thäler (Mauksch), von
hier nach \^^ahlenb. in die alpine Region ansteigend.
67. AI sine laricifolia Wahlenb.! (Fl. carp.
p. 133.). — Syn. Arenaria macrocarpa Kit. apud Rchb. Fl.
exe. p. 788. et Schrad. in Ht. Gotting. ! Capsula rarius caly-
cem aequat, sicut habet Grenier (Fl. de France 1. p. 253. :
in A. striata ej.), verum vulgo tertia parte exserta est, sicut
in A. Bauhinorum Gay CA. liniflora Vis.) , quae pedunculis
glandulosis, petalis maioribus et seminibus cristatis praecipue
differt: ipse Wahlenbergius capsulam calyce duplo maiorem
dixerat.
Ungarn: Tatra-Karpaten (Mksch.).
68. A. se ta c e a M. K. — Syn. Sabulina banatica Rchb.
Fl. excurs. p. 787. sec. specimina originaria HeufFelii : forma
gracilis, tenuifolia.
Banat: am Domaglett (Hf., Wierzb.).
69. A. fastig lata Spie iL rum. yar. glandulosa. —
Syn. A. Jaquini Kch. ß. puhescens, Capsula calycem aequante
(nee breviori) differt ab A. glomeraia Fzl., quam in eadem
regione a Sadlerio rite indicatam legimus, scilicet in rupibus
m. Blocksberg pr. Ofen: ceterum pube glandulosa huic exi-
mie accedit.
Ungarn: auf der sandigen Puste bei Pesth gesellig!
70. M oehringia triner via Clairv. — Syn. S^e/-
laria dichotoma Baumg.! Fl. transs. 1. p. 405. sec. herbar. ej.
71. M. pendula Fzl. — Syn. Arenaria Kilic. t. 87.
Siebenbürgen : auf Trachytfelsen bei Nagyag im Erzge-
Iter hungaricum. 305
birge (Fuss), mit der Pflanze von den Herkulesbädern (Wierzb.)
übereinslirnmend.
72. Holosteum umbellatum L. — Syn. H. Heuf-
felii Wierzb. ! mscr. : forma glutinosa a H. gluiinoso F. M. in
Ht. Gotting. culto Capsula calycem duplo superante (neque
subaequante) diversa.
73. Stellaria Frieseana Ser.
Ungarn ; Tatra-Karpaten (Mksch.).
74. Cerastium alpinum L. ß. lanatum L^m. sur-
culis apice floccoso-lanuginosis. — Syn. C. villosum Baumg. 1
Fl. transs. 1. p. 424. sec. herbar. ej.
Ungarn : Tatra-Karpaten (Mksch.).
Siebenbürgen: nordöstliche Karpaten von Rodna (Fuss).
y. squalidum Ram. — Syn. C. alpinum d. glutinosum Kch.
Siebenbürgen: in den nordöstlichen Karpaten, auf dem
Oeczem (Fuss).
75. C. grandiflorum Kit. (ic. t. 168.) var. bana^
ticum Roch. pl. rar. f. 6. : forma foliis glabriusculis , caule
adpressa pube obduclo. Quae forma C. arvensi similis, pube
crispato-reversa statim dignoscitur; Capsula apud Kitaibelium
abbreviata haud recte, a Rochelio bene delineata; speclem
praeterea a Strephodonte (apud Gren. et Koch) ad Orthodon-
tem rite transtulit Fenzl.
Banat: an Felsen bei den Herkulesbädern (Hf.).
76. C. transsyl vanicum Schur! (inVerh. d. sie-
benb. Vereins 1851. p. 177.: solum nomen), Orthodon caule
adscendente pilis flexuosis rectisque brevioribus subeglandu-
losis hirsuto, foliis virentibus elliptico-lanceolatis acutis sparsim
pilosis, bracteis late scariosis, pedicellis demum stricte paten-
tibus , sepalis ovali-lanceolatis acutis , petalis glabris calycem
duplo superantibus recurvatis , Capsula oblonga calycem vix
superante, testa laxa a perispermio soluta. — Proximum formis
alpinis C. arvensis, at testa specifice distinctum, a C. ovato Hp.
pube et bracteis latius scariosis habituque C. arvensis dif-
fert. An reducendum sit ad C. hirsutum Ten. (ut suadent
specimina culta) , authentica Apennini planta carentes, diiu-
dicare non possumus.
Siebenbürgen : in der alpinen Region der südlichen Kar-
paten von Fogarasch (Schur).
Archiv f. Naturgcscb. XVI. Jahrg. 1. Bd. . 20
306 Grisebach und Schenk:
77. C. a r V e n s e L. var. alpicolum FzL, foliis omnibus
lanceolato-linearibus. — Syn. C. strictum WMenh.l Fl. Car-
pat. p. 138.
Ungarn: Tatra -Karpaten (Mksch.); alpine Region des
Banat (Hf.).
78. C. vulgatum L. Fr. var. alpinum, caulibus sim-
plicibus, rosulis subnuUis, bracteis margine scariosis, calyce
maiusculo (demiim 4"' longo) capsulam dimidiam aequante,
petalis basi glabris. — Syn. C. triviale alpinum Kch. Synops. 1.
p. 134. C. fontanum Baumg. ! Fl. transs. 1. p. 425. sec. her-
bar, ej. C. macrocarpum Schur! 1. c.
Siebenbürgen : in der alpinen Region der südlichen Kar-
paten von Arpasch (Schur).
C. tetragonum Bsiumg. 1. c. 1. p. 424. fehlt in der Baum-
garten'schen Sammlung, gehört jedoch nach der Beschreibung
(Capsula dentibus 5 dehiscente) unzweifelhaft zu Malachium
aquaticum Fr.
79. Far Onychia capitata DC. Kch. — Syn. Ille-
cebrum Kapela Hacq. P. serpyllifotia var. Hacquetii Bartl.
Beitr. 2. p. 65. P. serpyllifolia ß. Kapela Spicil. rum. Folia
duplo quam in P. serpyllifolia longiora, bracteae breviter
acutae. In P. hungarica Spicil. rumel. folia breviora, bracteae
angustiores quam in F. serpyllifolia et capitata. Forsan for-
mae sunt unius speciei: ita iudicant Fenzl et Grenier.
Siebenbürgen : Rosenauer Berg bei Kronstadt (Fuss).
80. Scleranthus uncinatus Schur! (in Ver-
handl. d. siebenbürg. Vereins f. 1850. p. 107.). Species strenue
constiluta, media inter Sei. polycarpum L. C^cL Martini Gren.)
et Sei, annuum L., ab illo recedit calycis laciniis margine an-
guste scariosis , ab utroque apice laciniarum uncinatim in-
curvo mucronato (nee spinescente), a Sei. Delorii Gren. (po-
lyearpo J)C.^ laciniis patentibus marginatis uncinatis. Remo-
tior stat Sc/, negleetus Roch. pl. rar, f. 10., secundum iconem
et descriptionem radice perenni alienus, Sei perenni affmis
nee nisi calyce demum patente ab eodem distinguendus : vi-
ces vero geographicas Sei. uncinati in regione alpina Bana-
tus gerere videtur.
Siebenbürgen ; allgemein verbreitet in der Tannenregion
Iter huDgarlcum. 307
der Karpaten des Cibin- Gebiets auf Glimmerschieferschutt
4500'— 6000'!; nach Schur auch auf den nordöstlichen Kar-
paten am Kuhhorn.
Tiolaceae.
81. Viola declinata Kit. (ic. t. 223.). Species re-
stituenda, a Kochio commixta cum V. heterophylla Bert., quae
rupestris et foliis superioribus duplo angustioribus , stipula-
rum segmentis basi longe attenuatis, calycis segmentis acu-
tiusculis (quae in nostra acutissime acuminata) floreque ma-
culato differt ; nee minus V. gracilis Sm. , quam synonymani
dixit Koch, ab utraque calcare crassiori separanda est. Re-
ctius affmitates veras perspexit Grenier, quum stirpem Kitai-
belii V. luteae Sm. (F. sudeticaeW.^ formis adscripsit: sed
etiam ab hac , quae habitu multo magis accedit et statione
convenit , nostra differt foliis angustioribus, calyce acutiori,
flore concolori violaceo et inprimis capsulae valvis duplo an-
gustioribus calyce superatis (sec. specimina Tauschii sude-
tica flaviflora, in quibus calyx capsulam aequat). Figura folii
ceterum ludit a lanceolata et ovali ad lineari-lanceolatam;
radix quoque perennis differentiam difficilem a formis gran-
difloris praebet, quae nunc ad V. tricolorem nunc ad V. lu-
team vulgo referuntur (e. c. V. sudeüca Jord. in plantis Mar-
tinianis, non Willd.).
Banat: auf alpinen Wiesen (Hf.).
Siebenbürgen: häufig auf grasreichen Bergwiesen der
südlichen Karpaten des Cibin-Gebiets, besonders in der Nähe
der Buchengrenze, auf Glimmerschiefer 4500' — 6000'! Die
Verbreitung erinnert an die ähnliche V. cornuta auf den
Wiesen der Pyrenäenthäler.
Cruciferae*
82. Arabis ovirensis Wf. Jacq. (ic. rar. t. 125.)
Baumg. — Syn. A. dacica Heuff. ! mscr.: planta transsylva-
nica cum icone Jacquiniana omnino convenit, siliquae vero
non exstant. Ab omni A. Hallen L. species est plane di-
stincta floribus duplo maioribus sub anthesi corymbosis , pe-
talis late obovatis roseis (latioribus, quam in A. Halleri) ha-
bituque nano. n
308 Grisebach und Schenk:
Siebenbürgen: Inder alpinen Region der südlichen Kar-
paten, z. B. am Fromoasa, 6500'!, auf dem Szurul (Fuss).
83. A. glareosa Schur! (in Verhandl. d. siebenb.
Vereins f. 1850. p. 106.). Proxima praecedenti et floribus
roseis conveniens , distincta foliis imis sinuatis , stolonibus
nuUis et coroUa calycem triplo (nee duplo) superante. Ab
A, arenosa Scop. radice perenni e. c. removetur.
Siebenbürgen : in der alpinen Region der südlichen Kar-
paten, z. B. am Fromoasa (Schur); nach dem Entdecker auch
auf dem Kuhhorn in den nordöstlichen Karpaten , auf feuch-
tem Gneiss - Schutt 6000'— 6500' (a. a. 0.).
84. Hesperis matronalis L. — Syn. H. nivea
Baumg. Fl. transs. 2. p. 278. sec. Fuss.
85. H. runcinata Kit, — Syn. H. inodora Baumg.
1. c. p. 277. sec. descr.
Siebenbürgen: bei Hermannstadt (Fuss).
86. Erysimum canescens Rth. Kh. — Syn. E,
suffruticosum HeufF. ! pl. banat. (non Spreng.).
Ungarn: auf Sandpusten beiPesth (Seh.), im Banat (Hf.)
Wierzb.), auf Felsen an der Donau (Hf.).
Siebenbürgen: bei Mühlenbach (Fuss).
87. E. crepidifolium Rchb. var. angustifolium Gr.
— Syn. E. banaticum Gr. olim mscr. E, lanceolatum HeufF.!
pl. banat. Differt ab E, crepidifolio Rchb. foliis imis angustio-
ribus, pilis omnibus adpresso-bipartitis, axillis plerisque ra-
muliferis et praecipue lamina petali exserta orbiculari. Ex
affinibus ab E. australi Gay et E. rhaetico DC. parum invi-
cem distinctis dignoscitur stigmate capitato v. brevissime
emarginato subsessili; ab E. canescente Rih. pedicellis calyce
plus duplo brevioribus, floribus maioribus , calyce bisaccato ;
ab JE. Cheirantho Pers., pumilo Gaud. et ochroleuco DC. de-
fectu rosularum sub anthesi sterilium , axillis ramuliferis et
haud dubie vegetatione bienni: an species distincta sit, cul-
tura docebit.
Banat: an Kalkfelsen bei den Herkulesbädern 2500', im
August mit reifen Früchten ! ; ebendaher mitgetheilt von Heuffel.
88. Sinapis elongata. — Syn. Brassica elongata
Kit. ic. t. 28. -— Ob semina globosa non ad sectionem Eru-
Her hungaricum. 309
castri spectat, at siliqua carpophoro stipitata propriam Sina-
peos seclionem format.
Banat: im Donauthale (Hf.).
Siebenbürgen : auf den Tertiärhügeln des Beckens von
Hermannstadt bei Hammersdorf 1400'!
89. Alyssum repens Baumg. (Fl. transs. 2. p.
237.)- — Proximum A. Wulfeniano Bernh., distinctum silicula
incana; ab A. montano L. differt foliis virentibus et petalis
aureis calyce triplo (nee duplo) maioribus.
Banat : auf Felsen der alpinen Begion (Wierzb.3.
Siebenbürgen : in der alpinen Region der südlichen Kar-
paten (Fuss).
90. A. montanum L. var. foliis angustis. — Syn.
A. arenarium Heuff. ! pl. banat.
Banat: auf den Sandpusten des deutschen Gebiets längs
der Donau (Hf.)»
91. A. Wierzbickii Heuff.! (in Regensb. Flora
1835. 1. p. 242.). Annuum et proximum A. rostrato Stev.,
quod ex arenosis Banatus pr. Grebenacz misit Wierzb., di-
stinctum siliculis orbiculatis (non ellipticis) et racemo simplici.
Banat: auf Felsen bei Oravicza (Wierzb., Hf.).
92. A. a r g e n t e u m V i t m. — Syn. A. murale Kit. ic.
t. 6. A. argentum ß. Spicil, rum.
Banat: im Donauthale (Wierzb., Hf.).
Siebenbürgen: in Maroschthale bei Deva (Fuss).
93. A. tortuosum Kit. (ic. 1.91.). — Syn. A.ser-
pyllifolium Spicil. rum. (non Desf.). Specifice distinctum se-
minibus margine evanido plane exalatis et ab A. alpesiri L.
(cui semen altero latere anguste alatum) et ab A. serpyllifo-
Ho Desf. (cui semina iuniora angusta ala demum evanida
cincta), praeterea ab utroque (quibus radix perennis) radice
bienni.
Ungarn: auf der sandigen Puste bei Pesth gesellig!,
auf den Sandpusten des deutschen Banat (Heuff. : A. savra^
nicum ej.).
94. Draba carinthiaca Hp. (1823.). — Syn. D.
lohannis Host (1831.). D. androsacea Baumg. Fl. Iranss. 2
p. 234. in herbar. Fuss. — Inprimis silicula longiori angu-
stiori a D. lactea Ad. (D. Wahlenbergii Hartm.) recedere vi-
310 Grisebaoh und Schenk:
detur, cui silicula elliptica : sed etiam D. carinthiaca in Al-
pibus Norveg-iae indigena est, ubi D. scandinavicam Lindbl,,
(D. rupestrem Fr, partim') sistit. D. Hoppeana TrsiChseV. a D.
carinthiaca, ad quam retulit Koch, exciudenda et ad D. lacteam
referenda est.
Banat: in der alpinen Region (Hf.).
Siebenbürgen : in den südlichen Karpaten von Hermann-
stadt, auf Schieferfelsen der alpinen Region, am Fromoasa
6400'— 7000'!
95. D. lactea Ad. Fr. var. stylosa. — Syn. />. siel-
lata Baumg. 1. c^ p. 231. (ubi flores splialmate lutei dicuntur)
ex loco natali Retjezat, in quo cl. HeufTel post Baumgartenium
eandem observavit. Recedit a D. lactea Germaniae et Scan-
dinaviae stylo distincto , longitudine eins latitudinem duplo
superante: ceterum formae heterotrichae Lindbl. omnino
respondet, stylo quidem ad D. Traunsteineri Hp.! accedens,
foliis vero facie glabris distincta , de quo tarnen monendum
est, Baumgartenii „folia utrinque pube stellata cana," si qui-
dem indumenti varietatem indicent, hoc discrimen plane au-
ferre.
Siebenbürgen: in der subalpinen Region des Retjezat
in den südwestlichen Karpaten (Heuff.).
Eine in den Alpen nicht einheimische, siebenbürgische
Draba ist D. ciliaris Baumg. (non L.), welche wir bei Herrn
Professor Fuss sahen: sie schien zu />. cuspidata MB., die
in der Krim wächst, zu gehören und von der bei den Her-
kulesbädern beobachteten und ebenfalls in Siebenbürgen ein-
heimischen D. Aizoon Wahb. verschieden zu sein ; da sie zur
Vergleichung nicht vorliegt , kann ihre Stellung in einer so
schwierigen Gruppe nicht ermittelt werden.
Papaveraceae.
96. Fumaria agraria Lag. — Syn. F. PetteriWierzb.l
pl. banat. (non alior.).
Banat: im Donaulhaie bei Basiasch (Wierzb.).
97. F. m i 0 r a n t h a L a g. Syn. F. officinalis var. Heuff. I
pl. banat.
Banal (Hf.).
Iter hungaricum. 311
Ranunculaceae*
98. Pulsatilla Hackelii Led. — Syn. Anemone
Pulsaülla Wahlenb. FI. Carp. p. 165.
Ungarn : Thäler der Tatra-Karpaten (Mksch.).
99. Hepatica angulosa DC. — Syn. H. transsil"
vanica Fuss! in Verh. d. siebenb. Vereins f. 1850. p. 53.
Siebenbürgen; am Kapellenberge bei Kronstadt auf Kalk
(Fuss), im Alutagebiet nördlich von Kronstadt bei Elöpatak
nach F.
100. Thalictrum laserpitii folium W. sec. de-
terminationem b. Schrader, qui specimina authentica contule-
rat. — Syn. T/i, angustifoHum a. ß. Gren. Fl. de France 1.
p. 8. Th. Bauhini Rchb. ic. germ. 13. t. 40. fig. 4636. c.
(non Spreng., an Crantz?). Th. laserpitii folium Rchb. I. c. :
t. 39. flg. 4636. Apud Kochium deest : fspecimina enim au-
thentica e Hercynia missa Th. simplici ab ipso adscripta fuere,
ubi verum Th. simplex non crescit , Synonyma adposuit Th.
angustifolio Jacq. De nomine Th. lucidi L. a Beichenbachio
et fide Reichenbachii etiam a Candolleo huc relato monendum,
ex synonymis parisiensibus speciem Linnaeanam ad Th. me-
dium Jacq. spectare, ex diagnosi „foliis linearibus" minima:
sed figuram Th. lucidi Rchb. 1. c. t. 38. fig. 4636. b. incertam
relinquimus. Quanta ceterum fuerit in exponendis speciebus
affinibus apud Linnaeum confusio, ex eo patet, quod Th, an-
gustifoHum „foliis lineari-lanceolatis" a Th. lucido dignoscit,
etsi secundum locum ad flumen Lech pr. Augsburg nonnisi
Th. galioides exhibentem et secundum herbarium teste Can-
dolleo sub hoc titulo Th. galioides cum aliis latel: itaque in
his auctoritas Linnaeana antiquanda, Jacquiniana adoptanda
videtur. — Species Willdenowii rhizomate repente, foliis am-
bitu ovato-oblongatis, segmentis plerisque linearibus margine
revolutis, staminibus in vivo flore pendulis ! et carpidiis ovoi-
deis ab affinibus distincta. Nostra forma media inter Th.
Bauhini Rchb. , a qua foliis subtus glabris recedit et Th. la-
serpitiifoliiim Rchb., cui flores laxiores et folii segmenta la-
tiora: huius nostraeque Gr. vidit identica specimina in Her-
cynia promiscua nee non e Gallia lugduensi {Th, Bauhini
Rocca pl Gall. exsicc).
312 Grisebach und Schenk:
Banat: häufig im Donauthale bei Orsova und von hier
aus über die trockenen Hügelwiesen längs des Wegs von
Mehadia "nach Karansebes verbreitet 200' — 1000'!
101. Th. galioides Nestl. Rchb. ic. germ. 1. c.
t. 37. fig. 4636. a. A. praecedente, quocum coniunxit Gre-
nier, folii segmentis filiformibus, floribus sparsis et inprimis
carpidiis angustioribus satis distinctum videtur.
Ungarn: bei Pesth (Mksch.).
102. Th. peuc edanif olium n. sp. rhizomate de-
scendente fibrilloso, caule elato 4-6pedali inferne laeviusculo
superne angulato, foliis ambitu late triangularibus glaber-
rimis, segmentis linearibus margine revolutis, panicula ere-
cto-patente densiflora , staminibus erectis ! , carpidiis ovoi-
deis utrinque rotundalis llcostatis, costis 2-3 obsoletio-
ribus , apice recto. — Syn. Th. angustifolium Sm. Prodr.
Fl. graec. sec. specimina Olympi Bithyniae (non Jacq.). —
Foliis nonnisi comparari potest cum Th. angustifolio Jacq.,
a quo statura, glabritie et carpidiis apice non decurvatis
recedit ; fructu accedit ad Th, nigricans Jacq., cui folia am-
bitu ovato - oblongata subtus pube adspersa , statio in pratis
paludosis. Koch Th. nigricans cum Th. flavo coniunxit, a quo
in locis natalibus strenue differt folii segmentis angustis sub-
tus pube adspersis stipellisque nullis statim dignoscitur : an-
therae mucronatae differentiam non praebent, quales in ipso
Th. flavo quandoque observantur.
Banat: auf Bergwiesen bei den Herkulesbädern 1500'!
Siebenbürgen: einzeln in der Ebene von Hermannstadl,
z. B. am Wege nach Michelsberg 1400'— 1600'!
103. Th. flexuosum Beruh. Rchb. ic. germ. 1. c.
t. 28. — Syn. Th. collinum Wallr. ex loc. nat. Th. saxaüle
DC. (non Schleich.: quod sec. Rchb. Th. medium Jacq.).
Caule basi folialo, stipellis nullis, ramis paniculae erecto-pa-
tentibus et acheniis lOcostatis recognitum.
Siebenbürgen: auf den Weinbergen bei Hammersdorf
1400'— 1800'!; bei Mühlenbach (Fuss).
104. Ranunculus calthifolius Bluff. — Syn.
Ficaria calthifolia Rchb. Species in vivo distincta teste Fuss.
Siebenbürgen: bei Hermannstadt (Fuss).
105. R. Thora L. var. carpaticus. — Syn. jB. Thora
Iter hnngaricnm. 313
Wahlenb.! Fl. Carpat. p. 169. Recedit a R. Thora Alpium
folio caulino basi latissime truncato transversim trapeziformi
ultra tertiam partem integerrimo (nee subcordato rotundato
maxima ex parte crenato) et statura vulgo humiliori: quibus
Kitaibel ic. (2. p. 206.) etiam alia et cultura confirmata dis-
crimina adiecit, quo ß. scutatum Kit (ib. 1. 187.) seu verum
R. Thoram e Croatia educatum a R. Thora ipsius sive planta
Carpatorum centralium separaret.
106. R. auricomus L. var. hinatus Kit. — Syn. R.
auricomus Heuff. ! pl. banat. Recedit a planta germanica foliis
imis partim reniformibus partim divisis: magis vero a R,
cassubico L. vaginis imis foliiferis, floribus minoribus muti-
latis et statura humiliori R. auricomi.
Banat (Hf.). Siebenbürgen (im Herbarium des Prof.
Fuss).
107. R. cassubicus L. var. flabellifolius. — Syn. ß.
fiabellifolius Heuf. ! (in Rchb. Fl. exe. p. 723.). Non recedit
a R. cassubico L. nisi foliis caulinis dilatatis.
Banat: am Simion bei Oravieza (Wierzb.).
108. R. carpaticus Herbieh (pl. seleet. p. 15.),
Schott! (in Bot. Zeit. 7. p. 393.). Proximus R. adunco Gren,\
rhizomate, foliis habituque eonformi , differt carpidiis rostro
brevi a basi involuto instruetis. Habitu accedit R. nemoroso
DC. pedunculis sulcatis.alieno, praeterea rhizomate repente
carnoso cauleque l-2floro et ab hoc et a R. acri L. di-
versus.
Siebenbürgen: in der subalpinen Region der Karpaten
(Schur).
109. R. polyanthemos L. — Syn. R. laciniatus
Baumg. Fl. Transs. 2. p. 131. sec. herbar. Fuss.
110. H elleborus purpurascens Kit. (ic. t. 101.)
Siebenbürgen : allgemein verbreitet in dem Becken von
Hermannstadt 1400'— 1800'!
111. H. atrorubens Kit. (ie. t. 271.) — Syn. H.
purpurascens HeufF. ! pl. banat. : forsan sphalmate scriptorio.
Ab U. odoro Kit. et Roch. pl. rar. fig. 24., in eadem regione
indigeno, differt folii segmentis basi confluis serratis, florum
colore et slylis ereetiusculis.
Banat (Hf.).
314 Grisebach und Schenk:
112. Aconitum moldavicum Hacquet (it. 1. t.
7.). Bess. enum. p. 69. — Syn. A, septentrionale Baumg-. Fl.
transs. 2. p. 98. (non Hörnern.). A. Vulparia Rclib. partim
illustr. t. 56. flg. sinistr. A. Hosteanum Schur, in Verh. des
siebenb. Vereins f. 1851. p. 177. — Specifice differt ab A.
Lycoctono L. Kch. caule stricto superne pube brevissima ve-
lutino, floribus violaceis, calcare apice (neque a basi) circi-
natim uncinato, sepalis mediis intus densius barbatis, nerva-
tura eorum non reticulata.
Banat; in Bergwäldern (Hf.).
Siebenbürgen: durch die östliche und südliche Karpa-
tenkette, z. B. am Duscher Pass (Fuss).
113. A. pyrenaicum L. Rchb. illustr. t. 48. — Syn.
A. ochroleucum Baumg.! Fl. transs. 2. p. 97. sec. herbar.
Fuss. et loc. Non recedit a stirpe pyrenaica nisi foliis etiam
tenuius ad basin palmatisectis, racemo densius puberulo et
carpidiis iunioribus villosis, convenit et ab A. Lycoctono L.
recedit calcare apice (neque a basi) circinatim uncinato et
carpidiis iunioribus erectis (quae in illo et in A. moldavico
divergunt). Proxime quoque accedit ad ^4. Orientale Mill.
(sec. specimina Hohenackeri caucasica) calcare consentaneum,
nee differt nisi casside duplo latiori et foliis tenuisectis.
Siebenbürgen: in den südöstlichen Karpaten von Kron-
stadt, z. B. am Königsstein (Fuss) ; auch an den gegenüber-
liegenden wala einsehen Abhängen in der tiefen Thalschlucht
der Dumbrovitschoara nach der Fuss'schen Sammlung.
114. A. Napellus L. var. Koelleanum Rchb. illustr.
t. 62. Folia tenuisecta, nectarii lamina brevis obtusa, fila-
menta pilifera.
Ungarn: Tatra-Karpaten (Mksch.).
Siebenbürgen: in den südlichen Karpaten des Cibinge-
biets zerstreut und beschränkt auf die Region des Krummhol-
zes 5800' — 6400', ohne daselbst in die Tannenregion herab-
zusteigen, auf Glimmerschiefer!
115. A. variegatum L. var. nasutum Rchb. illustr.
t. 10. Folia latisecta, racemus inferne compositus glaber ni-
tens. Forma tenuisecta (Rchb. 1. c. t. 9.) e Carpatis centra-
libus a Maukschio lecta exstat, cui igilur respondet A, Cam-
marum Wahlenb. FL Carpat. p« 164.
Iter hnngarioum. 315
Ungarn : in der Thälern der Tatra-Karpaten (Mksch.).
Siebenbürgen: in den Gehwschen der Tertiärhügel von
Hermannstadt, bei Hammersdorf einzeln 1400' — 1500'!: scheint
in den Karpaten des Cibingebiets zu fehlen.
116. A. paniculatum Lam. var. cernuum Rchb. 11-
lustr. t. 33. Panicula patens villosa , cassis brevis rostrata,
rostro descendente, carpidia divergentia.
Siebenbürgen: am Duscher Pass (Fuss).
Var. toxicum Rchb. 1. c. t. 37. Racemus simplex vil-
losus, cassis ampla rostro brevissimo recurvo. Carpidia non-
dum evoluta erant, quae si erecta differentiam specificam
praeberent.
Siebenbürgen: in der alpinen Region der südlichen
Karpaten, am Fromoasa zwischen Krummholz am Ufer des
See*s Jaeser, aus welchem der Cibin entspringt 6350' !
Crassulaceae.
117. Procrassula rubens Gr. — Syn. Crassula
rubens L.
Banat: im Donauthale (Hf.).
118. Sempervivum patens n. sp. lovis barba,
foliis rosularum oblongis obovatisque acutis ciliatis, exterio-
ribus latioribus expansis, interioribus erectis , caulinis uirin-
que pubescentibus semiamplexicaulibus, petalis 6 albis apice
expansis calyce glanduloso duplo longioribus. — Medium in-
ter S. hirtum L., a quo statura pedali, foliis duplo maioribus,
calyce corollam dimidiam aequante (nee ipsa ter superato)
et petalis expansis (neque conniventibus) , et S. soboliferum
Sims, a quo foliis caulinis pubescentibus duplo angustioribus
et rosularum fabrica recedit.
Banat : einzeln auf Kalkfelsen ül)er den Herkulesbädern,
z. B. bei der Schwitzhöhle 2500' !
119. S. hirtum L. Wahlenb. ! Fl. Carpat. p. 144.
Ungarn: Thäler der Tatra-Karpaten (Mksch.); Kalkfel-
sen des Blocksbergs bei Ofen!
Siebenbürgen: im Oecsem-Gebirge an den Grenzen der
Moldau (Fuss).
316 Grisebach und Schenk:
Saxttragfeae.
120. Saxifraga luteoviridis Schott Kotschy
(in Bot. Zeit. 9. p. 65.)- — Syn. S. luteopurpurea Baumg. Fl.
transs. 1. p. 372. (non Lapeyr.).
Siebenbürgen : in den südlichen Karpaten, z. B. am Priss-
ion (Fuss).
121. S. Rocheliana Sternb. — Syn. S. pseudo-
caesia Roch. pl. rar. fig. 9.
Banat: an Kalkfelsen bei den Herkulesbädern (Hf.).
122. S. perdurans Kit. (ap. Zawadzki FL Galic).
— Syn. S. Wahlenbergii Ball (in Bot. Zeit. 4. p. 401.) S.
ajugifolia Wahlenb.! Fl. Carpat. p. 122.
Ungarn : in der alpinen Region der Tatra -Karpaten
(Mksch.).
124. S. cymosa Kit. (ic. t. 88.) — Syn. S. Allioni
Baumg. Fl. transs. 1. p. 378. S. pedemontana Heuff. ! pl. ba-
nat. Adhuc et ab ipso auctore cum S. pedemontana All.
commutata, sed ut suadebant rationes geographicae, specifice
et optime distincta nervatura foliorum, fere sicut S. muscoi-
des Wf. a. S. exarata Vill., scilicet : foliis önerviis (nee mul-
tinerviis), nervis tenuibus nee prominulis (in S. pedemontana
All., e montibus pedemontanis a cl. Reuter communicata, fo-
lia sulcis exarala sunt), denique lobis foliorum brevioribus.
Banat; in der alpinen Region (Hf.).
Siebenbürgen: gesellig auf Glimmerschieferfelsen am
Fromoasa, in der südlichen Karpatenkette des Cibingebiets,
6400'--7000M; nach Baumgarten bis zur nordöstlichen Kette
verbreitet.
124. S. controversa Sternb. — Syn. S. petraea
Wahlenb. Fl. Carpat. p. 121.
125. S. carpatica Rchb. (Fl. excurs. p. 552.). —
Syn. S. sibiricaWMenh. Fl. Carpat. p. 121. S. rivularis Baumg. !
Fl. transs. 1 . p. 383. sec. herbar. Fuss.
Ungarn : Tatra-Karpaten (Mksch., Ball).
Siebenbürgen : in den nordöstlichen Karpaten am Kuh-
horn (Bielz).
Iter hungaricum. 317
126. S. rotundifoliaL. var. ^ftec^w/osa Spicil. rumel.
— Syn. S. repanda Baumg. FI. transs. 1. p. 376.
Banat : in der oberen Waldregion (Hf.).
Siebenbürgen nach dem Herbarium vou Fuss.
127. S. heucherifolia, (Cotylea) caule erecto gla-
briusculo apice glandulifero foliato, foliis cordato-orbiculatis
grosse crenatis herbaceis marginatis glabriusculis , caulinis
conformibiis , crenaturis rotundato - acutiusculis , pedunculis
apice paucifloris racemosis, petalis ovalibus calyce duplo Ion-
gioribus punctato-albis, folliculis — . Syn. S. rotundifolia Baumg.
FI. transs. 1. p. 376. sec. loc. nat. et auct. Fuss. — Ex pro-
xime affinibus dignoscuntur S. rotundifolia L. petalis oblongo-
lanceolatis calyce triplo longioribus et foliis dentatis ; S. olym-
pica Boiss. ! (S. rotundifolia geoides Spicil. rumj petalis an-
gustioribus calycem triplo v. quadruplo superantibus , foliis
sinu aperto (nee clauso) reniformibus , caulinis subnullis ; S.
chrysosplenifolia Boiss. ! foliis sinu apertissimo subcordatis
repando-crenatis.
Siebenbürgen: in den südlichen Karpaten, in der alpinen
Region des Szurul (Fuss).
Ampelicleae«
128. Vitis vinifera L.
Banat: in den Waldungen des Donauthals (Hf.).
Siebenbürgen: in den Wäldern des westlichen Erzge-
birges, z. B. bei Zalathna (Fuss).
Umbelliferae.
129. Bupleurum caricifolium W. — Syn. B. angu^
losum Wahlenb. ! Fl. Carp. p. 79. In diagnosi eius folia in-
feriora trinervia recte dicuntur, quo charactere species a B.
ranunculoide L. quinquenervi dignosci potest.
Ungarn: Tatra-Karpaten (Mksch.).
130. Oenanthe media Spicil. rum. — Syn. 0.
peucedani folia Heuff.! pl. banat. Petalis exterioribus radiis-
que umbellae demum incrassatis cum 0. silaifolia MB. con-
venit, folii vero segmentis duplo longioribus, omnibus linea-
ribus conspicue recedit.
Banat (Hf.).
318 Grisebach und Schenk:
131. 0. silaifolia MB.
Siebenbürgen: bei Hermannstadt (Fuss).
132. Attiamanta Matthioli Wf. — Forma elata,
folii segmentis elongatis, involucro oligophyllo, foliolis linea-
ribus. Involucelli quoque foliolis angustioribus a planta car-
nica differt, sed sec. Observationen! Kochii de formis speciei
institulam non specifice ; fructus non exstat.
Banat: auf Kalkfelsen des Domaglelt bei den Herkules-
bädern (Hf., Wierzb.) ; die Blätter fanden wir im August, in
Gesellschaft des damals noch blühenden Seseli rigidum Kit,
tei 2500', in der Nähe der Schwitzhöhle !
133. Ferula HeuffelüGr. (ap.Maly Enum.p. 229.).
— Syn. F. communis Heuff. ! pl. banat. Proxima F. tingita-
nae L., foliorum figura conformis, differt fructu ovali-oblongo
angustius alato (neque obovato); a speciminibus algeriensibus*
recedit praeterea umbellulis laleralibus verticillatis bractea
obsoleta (nee vaginiformi) suffultis, superioribus fertilibus,
imis masculis (nee lateralibus omnibus masculis).
Banat: am Ufer der Donau in den Stromengen, auf dem
Felsen Kasan (Hf.); vom Schiffe aus wurde am serbischen
Ufer oberhalb Orsova , in der Nähe der Trajanstafel , eine
grosse Ferula bemerkt, die wahrscheinlich hieher gehörte!'
134. Ferula go Sadleri. — Syn. Feucedamim sibi-
ricum Kit. ic. t. 60. Ferula sibirica Sadl. Fl. pesth. p. 133.
F. Sadleriana Led. Fl. ross. 2. p. 300.
Ungarn: in der Gegend von Pesth (Ball).
135. Lophosciadium Barrelieri Spicil. rum.
— Syn. Ferula sylvatica Bess.
Banat: (Hf.).
Siebenbürgen : auf Bergwiesen bei Gr. Scheuern , nörd-
lich von Hermannstadt (Fuss).
136. Heracleum palmatum Baumg. FI. transs.
1. p. 215. — Syn. H. asperum Roch. pl. rar. t. 26. A Ko-
chio infauste confusum cum H. pyrenaico Lam. (fl. Panaces
Kch. et H. Polliniano Bert. Vis.: sec. specim. dalmat.), con-
venit quidem habitu et fructu glabro, differt serraturis lobis-
que folii argutioribus et potissimum fructu duplo maiori ova-
li-orbiculato profundius emarginato stylos erectiusculos elon-
Iter huDgaricnni. 319
gatos vix duplo excedente vittisque ad dimidium fructum
decurrentibus (in H. pyrenaico fructiis ovalis slylis diver-
gentibus quadruple iongior et viltae ultra medium fructum
decurrentes).
Siebenbürgen : an Alpenbächen der südlichen Karpaten,
z. B. am Retjezat (Hf.).
137. Laserpitium marginatum Kit. (ic. t. 192.).
— Syn. Laser trilobum Baumg. Fl. transs. 1. p. 228. teste
Schur in Verh. d. siebenb. Vereins f. 1850. p. 111.
Siebenbürgen : in den südlichen Karpaten nach Fuss's
Herbarium. — Später zieht Schur (a. a. 0. 1851. p» 176.)
Baumgartens Laser trilobum zu L. alpinum Kit. , welches
ebendaselbst vorkommt! allein zu diesem gehört Siler alpi-
num Baumg. (a. a. 0. p. 229.)? wie die ausdrückliche An-
gabe von Kitaibel's Synonym beweist.
138. Chaerophyllum nitidum Wahlenb.! (FI.
Carpat. p. 85.). Involucellis breviter ellipticis mucronatis
et slylis brevioribus a Ch. aureo L. distinctum videtur.
Ungarn: Tatra-Karpaten (Mksch.).
£riceae.
139. Bruckenthalia spiculiflora Rchb.
Banat: Ruska - Gebirge bei Russberg. (Wierzb.).
Siebenbürgen: allgemein verbreitet in der Tannenre-
gion der südlichen Karpaten , z. B. am Retjezat (Hf.) , im
Cibingebiet auf Glimmerschiefer 4400'— 5900' ! , am Negoi
(Fuss.).
140. Calluna vulgaris Salisb.
Siebenbürgen: gegen die Ostgrenze ihres Areals spo-
radisch werdend, z. B. am rothen Thurmpass bei Talmesch
(Fuss).
141. Rhododendron myrtifolium Schotl(Bot.
Zeit. 1851. p. 17.). — Syn. R^ferrugineumBmmg, Fl. transs.
1. p. 366. Differt a Rh. ferrugineo L. corollae lobis duplo la-
tioribus ovali-orbiculatis (nee oblongis) magis expansis, tubo
extus squamulis destituto pilosiusculo (qui in altera specie
squamifer et inter squamulas glabriusculus), stylo duplo bre-
viori 1'" longo Capsula duplo (nee tertia parte) superato,
320 Grisebach und Schenk:
Capsula ovoidea 2'" longa (neque oblongata 3'" longa) : squa-
mulae foliorum ferrugineae in Rh. myrtifolio distinctae (nee
confluae) etiam in Rh. ferrugineo pyrenaico occurrunt; figura
etiam foliorum eadem atque in Rh. ferrugineo , nee mi-
nora sunt.
Siebenbürgen: zerstreut in der Krummholzregion der
südlichen Karpaten des Cibingebiets, ein bis zwei Fuss ho-
hes Gesträuch bildend, 5800' — 6400', auf Glimmerschiefer!;
am Szurul (Fuss.).
Primulaceae«
142. Primula elatior Jacq. var. carpatica, —
Syn. P. elatior HeufF. ! pl. banat. A vulgari forma recedit
eorollae tubo breviori, calycis dentibus ad faueem corollae fere
protensis.
Banat: in der alpinen Region des Szarko (Hf.)
Siebenbürgen: in der alpinen Region des Kokeritseh
(Fuss).
143. P. suaveolens Bert. — Syn. P. inflafaUeuff.l
pl. banat. Ludit foliis concoloribus pube nivea destitutis, sed
a P. ofßcinali Jacq. limbo planiusculo differt calycisque den-
tibus in Viva planta corollae tubo adpressis : quo charactere
etiam causasieae P. inflata Lehm, et P. macrocalyx Bg. exeludi
videntur.
Banat: im Gebirge (Hf.).
144. P. minima L.
Siebenbürgen : allgemein verbreitet durch die alpine Re-
gion des Fromoasa und für deren Vertikalgrenze bezeichnend,
6000' — 7200'!, ebenso am Szurul (Fuss) und als charakteri-
sche Karpatenpflanze von den südlichen Gebirgen in's Banat
(Hf.) und in den nordw^estlichen Tatra (Mksch.) verbreitet.
lieiitibularieae.
145. Pinguicula leptoeeras Rchb. — Syn. P.
alpina Baumg. ! Fl. transs. 1. p. 31.
Siebenbürgen: am Szurul (Fss.). P. alpina L. , die auf
dem Tatra (Mksch.) vorkommt, ist bei Baumgarten als P. fla-
vescens Fl. aufgeführt und daher ebenfalls in den südliehen
Karpaten einheimisch.
Iter hungaricam. 321
Aeanthaceae»
146. Acanthus longifolius Host. — Syn. il.mo^
lis HeufF. ! pl. banat.
Banat: bei Toplecz (Hf.).
Scpofularineae.
147. Verbascum banaticum Schrad. Roch. pl.
rar. f. 38. A. cl. Bentham cum F. orientali MB. et V. Chaixi
Vill. coniunclum, ab utroque differt axi racemi teretiori, fo-
liis superioribus difformibus sessilibus, imis coriaceis sinua-
tis, lobis rotundatis obtusissime crenatis, calyce breviori.
Banat: häufig an den Gehängen der Tertiärhügel bei
Orsova, 200'— 400'!, im Donauthale bei Ogradicza (Wierzb.).
Bei Orsova bildet diese Art einen Bastard mit V. nigrum, in
dessen Gesellschaft sie wächst:
V. nigro-banaticum a F. banatico distinctum fo-
liis imis simpliciter crenatis versus basin repandis supra vi-
rentibus subtus rugoso-tomentosis racemique axi acutangulo,
a F. nigro L. calyce parvo 1'" longo et racemis pube fari-
nosa adspersis.
148. V. nigrum L. var. thyrsoideum Host, foliis su-
perioribus densius velutinis, plerisque peliolatis , lamina sub-
cordata, calyce duplo maiori. — Syn. F. thyrsoideum Ee\iff,\
pl. banat.
Banat (Hf.).
Var. lanatum Schrsid., foliis Omnibus subtus rugoso-to-
mentosis. — Syn. F. Wierzbickii Heuff.! mscr.
Banat : bei Oravicza (Wierzb.). Diese Form scheint auf
den oben beschriebenen Bastard eingewirkt zu haben.
149. V. floccosum Kit. (icv 1. t. 79.). — Syn. F.
puleerulentum Vill. sec. specimina lordaniana.
Banat: bei Orsova (Hf.).
150. V. blattari forme Gr. — Syn. F. repandum
Spicil. rum. (non Benth.). DifFert a F. Blattaria L. foliis
argulius crenatis, calycis segmentis angustioribus Capsula glo-
bosa fere duplo superatis, corolla minori.
Banat: einzeln an den Tertiärhügeln bei Orsova und
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 1. Bd. 21
3SS Grisebach und Schenk:
von hieraus in die Buchenregion des Czernathals bei den
Herkulesbädern verbreitet, 200'— 1500'. Am letztern Orte,
auf einer Waldwiese, bildete diese Art mit V. phlomoides, in
dessen Gesellschaft sie wuchs, einen sehr ausgezeichneten
Bastard , der , während beide Stammpflanzen fructificirten»
nicht ein einziges Ovarium ausgebildet hatte.
V. phlomoidi - blattariforme, foliis semidecur-
rentibus crenatis acutis virentibus puberulis, superioribus ova-
tis acutis, inferioribus obtusis, racemis virgatis teretibus hir-
tis parce glanduliferis, floribus solitariis flavis, pedicellis bra-
cteam calycemque duplo superantibus, filamentis lana albido-
purpurascente instructis, antheris inaequalibus, binis filamen-
tum dimidium aequantibus.
151. Scrofularia Neesii Wirtg.
Banat : am Ufer der Czerna bei den Herkulesbädern ein-
zeln gesellig, 1000'!
152. Linaria italica Trev. — Syn. L. linifolia
Roch. pl. rar. f. 47.
Banat: auf Geröll und Felsen bei Orsova!
153. L. linifolia W. (non Roch.) Speciem homony-
mam Rochelii Koch et Bentham ad L. italicam Trev. bene
reducunt , at vero exstat in Banatu altera stirps , seminibus
exalatis et calcare breviori distincta, quae L. linifoliam ve-
ram sistere videtur.
Banat : im Donauthal (Hf.) , in Waldungen bei Basiasch
(Wierzb.).
154. L. g e n i s t i f 0 1 i a M i 1 1. cum var. chlorifolia Rchb.
foliis latioribus quinquenerviis.
Ungarn: gesellig auf dem Blocksberge bei Ofen an
grasigen Gehängen !
Siebenbürgen : häufig auf den Tertiärhügela des Beckens
von Hermannstadt!, nebst der Abart (Fss.), 1400'— 1800'.
155. Veronica spicata L. Forma banatica , sicut
vulgaris, capsulae pilis septatis eglandulosis a V, orchidea
Cr. (cui pili capsulares glanduliferi) recedit: sed occurrit
etiam ipsa V. spicata Capsula glandulosa. Characteres autem
graviores sunt : serraturae folii obtusae, pedicelli bractea bre-
viores calycem fructiferum dimidium subaequantes , coroUae
!ter hungaricum. o23
Jobi tubo duplo long-iores , inferiores ovato-v. oblong-o-lan-
ceolati obtusi, patentes, stamina sub anthesi exserta, Capsula
breviter exserta.
Banat, z. B. an Kalkfelsen bei den Herkulesbädern!
156. V. otchideäi Cr. Roch, pl rar. f. 42. Species,
cum praecedente foliis bracteisque congrua, rite distincta est
Calyce fructifero pedicellum abbreviatum quadruplo superante
bracteam aequante, segmentis latioribus, corolla bilabiata, lo-
bis 3 inferioribüs oblongo-linearibus obtusiusculis diutorto-
conniventibus tubum parum excendentibus, Capsula dense glan-
dulifera calycem aequante.
Ungarn: in den Thälern der Tatra - Karpaten (Mksch.),
allgemein verbreitet auf den Tertiärhügeln des Banats bei Or-
sova, 200^—500'!
Siebenbürgen: am Fuss der südlichen Karpaten, z. B.
am Burgberge bei Michelsberg häufig, 1700'— 2000'!
157. V. crassifolia Wierzb.! (ap. Heuff. in Re-
gensb. bot. Zeit. 1835. 1. p. 251.). Folia crenata, ovato-ob-
longata, rotundato-obtusa, glabra, eoriacea; pedicelli calyce
quadruplo superati; bracteae calycem aequanles; corollae lobi
tubo campanulato vix longiores, inferiores patentes, ovato-
oblongi, obtusi ; Capsula glabra, „calycem subaequans.*
Banat: an Kalkfelsen bei Cziklova (Wierzb.).
15a V. Bachofenii Heuff.! (1. c. p. 253.). — Syn.
V. media Bauwig. ! Fl. transs. 1. p. 17. (non Schrad.). Con-
venit cum F. spuria L. pedicellis calycem aequantibus bractea
parum superatis, corollae lobis ovato - oblongis obtusiusculis
tubum campanulatum subaequantibus et pube, optime vero di-
stin<5ta est petiolis 6 — 12"' longis lamina triplo (nee sexies-
decies) superatis , foliis oppositis supra basin truncatam v.
subcordatam ovato -oblongatis duplicäta-inciso-serratis, ser-
raturis rotnndato - acuiis (nee argutis), apice laminae acuto
(rarius acuminato), racemis laxifloris; magis etiam accedit ad
V, foliosam Kit. (ic. 2. t. 102.), quae, foliis ovatis v. ovato-
lattceolatis acutis pedicellisque elongatis similis, dignoscitur
petiolo brevi lamina multoties superalo , margine simpliciter
serrato, serraturis abbfeviatis, apice laminae rotundato-acuto
(nee triangulari) : rhizoma repens V. foliosae nee in V. Bacho-
324 Grisebach und Schenk:
fenii nee in V. spuria comparari possunt. Ceterum V. foliosa
Kit. redueenda videtur ad F. crenulatam Hoffm. et Hampe!
pl. hercyn., cuius synonymon est ex loco natali F. spicata hy~
brida Kochii quae cum V. spicata minime affinis. — Capsula
in V. Bachofenii glabra est, calycem subaequans, ut in V,
crassifolia.
Banat: an der siebenbürgischen Grenze bei Ruszberg
(Wierzb.).
Siebenbürgen; auf GeröUe am Fusse des Retjezat (Hf.)»-
am Ufer des Cibin bei dessen Austritt aus den südlichen Kar-
paten zu Gurariului, 1700' (Fuss).
Walachei: anderAluta beiKalimanest, südlich vom ro-
then Thurmpass (Fuss).
159. V. austriaca L. — Syn. F. Jacquini Baumg.!
Fl. transs. 1. p. 26.
Banat: auf Bergwiesen bei den Herkulesbädern, 1500'!
Siebenbürgen: bei Hermannstadt (Fuss).
160. V. Baumgartenii R. S. — Syn. F. petraea
Baumg. 1. p. 21. Roch. pl. rar. f. 44.
Banat: am Szarko (Hf.).
Siebenbürgen: in der alpinen Region des Negoi (Fss.).
161. Pedicularis comosa L.
Banat; am Domaglett (Hf.).
Siebenbürgen : in der alpinen Region des Szurul (Fss.).
162. P. c a m p e s t r i s n. sp. , radice fasciculata,
fibrillis incrassatis, caule erecto simplici glabriusculo (v.
pube seriata brevissima adsperso) superne sparsifolio, fo-
liis pinnatisectis glabris, segmentis remotiusculis lanceo-
latis pinnatifidis , superioribus integris, laciniis integer-
rimis v. dentiferis mucronato - acutis , mucrone cartilagi-
neo-albido, spica glabriuscula , bracteis linearibus calycem
subaequantibus , calyce campanulato ödentato membranaceo
viridi-striato glabro, dentibus abbreviatis longitudine latiori-
bus triangularibus obtusis ciliatis, corollae ochroleucae (12'"
longae) galea inflexo-curvata breviter rostrata apice biden-
tata, dentibus triangularibus acutis styli parte exserta qua-
druple brevioribus , labio inferiori eciliato , filamentis 2 pili-
feris, Capsula ovato-lanceolata rectiuscula. — Syn. P. comosa
Baumg. FI. transs. 2. p. 203. sec. loc. natal. (non L.). —
Iter hungaricum. 3^5
Proxima P. comosae L., in Transsylvania ad regionem alpi-
nam restrictae, differt corollae labio inferior! ciliis destituto,
stylo longe exserto (qui in illa galeae dentes fere aequat
V. breviter exseritur) et capsulae figura. Remotior est P.
Sibthorpii Boiss. ! (Syn. P. comosa Spicil. rum. partirn) , ad
Serbiam alpinam extensa , distincta corolla 10'" vix longa,
galea labium ecilialum paruin superante , calyce carinis pi-
loso, styli parte exserta dentes galeae duplo superante : loca
rumelica omnia ad hanc spectant, neque vero planta in pra-
tis montanis pr. Bolu Bithyniae a cl. Pestalozza lecta, quae
(P. bicuspidata Gr.) corolla elongata 14 — 15'" longa ad P.
physocalycem Bg. accedit, tarnen calycis dentibus integerri-
mis et dentibus galeae cuspidatis ab eadem differt, fructus
eins tatet.
Siebenbürgen: auf den Tertiärhügeln der Ebene von
Hermannstadt (Fss.), demnach 1400'— 1900'.
163. Odontites serotina Rchb. — Syn» Euphror-
sia divergens Jord. ! (E. serotina ej. in plantis Martinianis
excludenda videtur). Foliis brevissime petiolatis (nee sessi-
libus) et antheris longius exsertis ab 0. rubra Pers. recedit.
Banat: bei Orsova!
Siolaneae.
164. Lycium barbarum L.
Ungarn : als freiwillig wuchernder und, wie in Galizien
und Podolien, wahrscheinlich einheimischer Strauch auf der
Puste an der Ostseite von Pesth!
165. Scopolina atropoides Seh.
Banat: am Simion bei Oravicza (Wierzb.).
166. Solanum villosum Lam. var. flavum Kit.
fructu flavo (nee aurantiaco).
Banat: häufig an Kalkfelsen bei den Herkulesbädern!
Siebenbürgen : allgemein verbreitet auf humosem Boden
bei Hermannstadt!
Borag^iiieae.
167. Cerinthe alpina Kit. — Syn. C. quinquemacu-
lata Wahlenb. ! Fl. Carpat. p. 50. Specimina Wahlenbergiana,
ex herbario d. Mauksch oriunda , cum suevicis et tyrolensi-
326 Grisebacl) un4 Schenk:
bus omnino conveniunl nee, ut putabant Reichenbach et de
Candolle, ad C. maculatam MB. spectant.
Ungarn: Tatra-Karpaten (Mksch.).
168. Onosma arenarium Kit. (ic.3. t. 279.) —
Syn. 0. echioides Vis. dalm. (nee Linnaei species hispaniea).
Ab 0. echioide L. (see. speeimina hispaniea, gallica, germa-
nica et hungarica) distinctissimum acheniis nitidis laevissimis
(ut in 0. stellulato, nee opacis asperis), calyee corollam di-
midiam parum superante (nee ad faucem eins protenso),
füamentis antherem dimidiam aequantibus (nee quadruple bre-
vioribus) , caule simpliciori et see. Kit. radiee perenni (nee
bienni). Haee fere omnia a Kitaibelio optime exposita su-
pervidit Sadler , quum in falsa Kochii interpretatione acquie-
scens , in locis utriusque natalibus , ubi coniunetim vix cre-
scere videntur, utrurnque coniunxit: nam 0. arenarium Koch
(in Spicil. rum. citatum) sec. speeimina moguntiaca non est
planta Kitaibelii, verum forma 0. echioidei anthera margine
scabriuscula, qualis in utroque oceurrit. Neque vero 0. are-
narium Kit. verum Germaniae deest, quod in Moravia lectum
cum Gr. communieavit Hochstetter.
Siebenbürgen : bei Deva (Hf.) , bei Hermannstadt (Fss.).
109. 0. echioides L. —Syn. 0. Visianii \is, dalm.
ex descr.
Ungarn: bei Pesth (Post).
170. 0. stellulatum Kit. (ic. t. 173.). Excluden-
dum est 0. stellulatum Koch et Vis., quod ad 0. montanum
Sm. rite retulit Candolleuß, descriptiones vero utriusque com-
mutasse videtur. Neque ieones Florae graecae consuluit Vi-
siani, qui Gr., quod cum 0. erecto Sibth. 0. taurioum com-
binaverat, vituperavit, ipse vero seeundum speeimina 0. erecti
Spruneriani iudieavit, quae non 0. erectum Fl. graec, sed
diversissimum 0. angustifolium Lehm, et Spicil. rum. sistunt.
Species affines bis notis faciliter dignoscuntur :
0. stellulatum Kit. et Spicil. rum. (exclus. syn. Sm. et
descript. anlher.) corolla 9 — 11'" longa calycem fere triplo
superante, segmentis eins lanceolalis, antheris sub nexus statu
filamento aequilongis. — Ab Hungaria procedit ad Rumeliam,
Bulgariam (pr. Rustschuk : Noe) et Caucasum (Hb. Mus. pe-
Iter hungaricum. 987
trop.); specimina tergestina a Candolleo laudala ad 0. mon-
tanum Sm. spectant.
0 . montanum Sm. sec. specim. Gussonii ! cprolla 12'"
longa calycem duplo superanle, segmentis eius linearibus, an-
theris siib nexus statu filamento duplo longioribus. — Syn.
0. stelliilatum Koch sec. specim. valesiac. et tergestin.
0. erectum Sm. corolla 8—9"' longa calycem duplo su-
perante, segmentis eius e basi lanceolata acuminatis, anthe-
ris sub nexus statu filamentum aequantibus. — Syn. 0. tau-
ricum Spicil. rum. (an W. ?). 0. stellulatum var. Boiss. ! pl.
anatol. et Heldreichl pl. Tauri occid.
171. Echium altissimum Jacq. — Syn. E. itali-
CMfwKoch, HeufF. ! pl. banat. et Spicil rumel. partim. In Spi-
cilegio enim Gr. E. italicutn L. et E. altissimum Jacq. non
distinxerat : sec. expositionem lucidam Candollei serius datam
loca thracica ad E. italicum L. (E. pyramidatum ej.), mace-
donica ad E, altissimum Jacq. spectant.
Banat: allgemein verbreitet auf den Tertiärhügeln des
Donauthals bei Orsova!
172. Pulmonaria rubra Schott (in Bot. Zeit. 9.
p. 395.). — Syn. P. officinalis? Heu ff. ! pl. banat. Differt a
P. officinali L. pilis caulinis plerisque articulatis, foliis imis
late ovatis corollaeque rubrae tubo sensim ampliato, a P. sac-
charaia Mill. pilis, foliis imis lamina brevissime in petiolum
protracta corollaque ampla rubra, a P. molli Wf. pilis seto-
sis, foliis imis abruptim angustatis et corollae tubo amplo.
Banat: an Gebirgsbächen bei Zsidovar (Hf.).
Siebenbürgen: in Gebirgsthälern (Fuss).
173. P. sacharata Mill. Specimina Germaniae bo-
realis non ad hanc speciem, foliis imis plerisque versus pe-
tiolum sensim angustatis floreque albido recognoscendam,
pertinent, verum ad P. ofßcinalis L. varietatem (P. affinem
Jord.!), foliis ovatis saepe maculatis parum notabilem.
Banat: (Hf., Wierzb.).
Ijabiatae*
174. Mentha sylvestris L. var. gratissima Wigg.
Banat: bei Orsova I
328 Grisebach und Schenk:
Var. tomentosa Urv. et Spicil. rum.
Banat: bei Oraxjcza (Wierzb.).
Siebenbürgen: bei Michelsberg am Fusse der südlichen
Karpaten !
Var. incana W. et Spicil. rum.
Banat (Hf.).
175. Salvia sylvestris L.
Ungarn: gesellig auf den Sandpusten bei Pesth!
ß. banatica Wierzb.! glabriuscula , foliis profunde cor-
datis, plerisque breviter peliolatis.
Banat: auf Wiesen bei Palanka (Wierzb.).
y. amplexicaulis Rchb. (in loco classico lecta), hirsuta,
foliis subsessilibus basi cordatis, auriculis semiamplexicaulibus.
Banat: auf Bergwiesen bei den Herculesbädern, 1500'!,
ebendaher von Hf.
176. S. pratensis L. var. transsylvanica Schur!,
caule elatiori versus medium eglanduloso puberulo, foliis in-
tegris bicrenatis subtus pube adpressa albicantibus v. demum
eadem ad venas restricta areolatis. — Syn. S. nemorosa
Baumg. ! Fl. transs. 1. p. 34. (nonL.) S. transsylvanica Schur,
mscr. S. Baumgartenii Heuff. ined.
Siebenbürgen: bei Mühlenbach (Fuss), an den Tertiär-
hügeln der Ebene von Hermannstadt unweit Hammersdorf,
1400'! (unter Leitung des Herrn Dr. Schur).
177. S. glutinosa L.
Siebenbürgen : allgemein verbreitet in der Buchenregion
der südlichen Karpaten des Cibingebiets, 1600'— 4500'!
178. Thymus comosus Heuff. ined., fruticulosus,
ramis adscendentlbus elongatis undique brevisssime puberulis,
foliis ovatis rotundatis petiolo distincto .ciliifero bis v. triplo
longioribus glabris planis, bracteis conformibus subsessilibus,
verticillastris approximatis dense racemosis, calycis puberuli
labio superiori ad medium fere tridentato, dentibus lanceola-
tis acuminatis labii inferioris segmenlis duplo superatis, co-
rolla purpurea exserta, staminibus elongatis, parte exserta co-
rollam dimidiam aequante. — Syn. Th. transsylvanicus Schur!
mscr. Species in loco natali distinctissima , a proximo Th,
Iter huDgaricum. »^29
montano Kit. differt calyce Th. acicularis , petiolis ciliiferis,
corolla maiori et filamentis longe exsertis.
Banat: häufig auf Kalkfelsen an der Czerna oberhalb
der Herkulesbäder, 1000'— 1200'!
Siebenbürgen : allgemein verbreitet in der unteren Re-
gion der südlichen Karpaten des Cibingebiets bei Michelsberg,
1500'— 4000'!: oberhalb dieser Grenze beginnt Th. Serpyl-
lum, ohne Uebergänge zu bilden. Blüthezeit von Mitte Au-
gust bis Mitte September.
179. Th. montanus Kit. (ic. l.t. 71.). Speciespau-
cis nota, hac diagnosi recognosci potest: Th. caule fruticu-
loso, ramis adscendentibus tetragonis, angulis puberulis, fo-
liis ovatis rotundatis in petiolum ciliis destitutum attenuatis,
calyce glabro , labio superiori breviter tridentato , dentibus
triangulari-acutis labii inferioris ciliati segmentis ter supera-
tis, corolla lilacino-violacea breviter exserta, staminibus lon-
gioribus brevissime exsertis.
Banat: auf Gerolle der Tertiärhügel bei Orsova zer-
streut, 2—500'!, bei Lugos (Hf.), Cziklova (Wierzb.).
180. Th. acicularis Kit. (ic. 2. t. 147.).
Banat: auf Kalkfelsen bei den Herkulesbädern (Hf.).
181. Th. pannonicus Clus. Rchb. — Syn. Th.
Serpyllum Wierzb.! pl. banat. Th. Serpyllum var. angustifo--
lius Sadl. Fl. pesth. ed. II. p. 245. Excludimus synonymon
Allionii : nam specimina authentica pedemontana, a cl. Reuter
distributa, foliis ovatis rotundatis recedunt et Th. humifusiim
Beruh. Rchb. sistunt.
Ungarn: auf den Sandpusten östlich von Pesth!; in der
Ebene des westlichen Banats bei Basiasch (Wierzb.).
182. Th. Serpyllum L.
Siebenbürgen: in der Tannenregion der südlichen Kar-
paten des Cibingebiets zerstreut unc^ auf diese Region be-
schränkt, 450Ö'— 5900'!
183. Satureja pygmaea Sieb. — Syn. S, Kitai^
belli Wierzb. ! mscr.
Banat : auf Kalkfelsen des Donauthals bei der Velerani-
Höhle und im Mühllhal (Wierzb.).
184. Acinos rotundifolius Pers.
Banat: auf Felsen bei Basiasch (Wierzb.).
330 Grisebach und Schenk:
185. Scutellaria altissima L. — Syn. Sc. pe-
regrina Kit. ic. 2. t. 125. Sc» commutata Heuff. ! pl. banat.
Banat: in dem Laubwalde bei den Herkulesbädern, 1500'!
— Sc. Columnae All. wächst bei Ofen (von Ball mitgetheilt) :
aus dem Banat sahen wir sie nicht.
186. Stach ys recta L.
Banat: auf den Tertiärhügeln bei Orsova!
ß. epigaea , caule ramosissimo prostrato hirsuto , foliis
parvis e basi brevissime petiolala lanceolatis supra medium
adpresse serratis, verticillastris 4 — öfloris remotis.
Ungarn : sehr häufig auf der Sandpuste östlich von Pestli !
y. ramosissima Roch. sec. Hf. I caule ramoso erecto,
foliis anguste lineari-lanceolatis (1 — 2'" latis) versus apicem
subserratis, verticillastris 4 — 6floris remotis. — Bene monet
cl. Visiani, hanc non ad St. subcrenatam Vis. pertinere, cui
a Kochio adscripta est: nam differt calyce vix 3'" longo,
tubi corollae dorso exserto. Habitus formae Rochelianae fere
idem ac St. leucoglossae Gr. , at folia floralia St. rectae ab-
breviata et calycis tubus dentibus duplo longior.
Banat: an Felsen des Donauthals (Hf.).
187. Galeopsis acuminata Rchb. — A. pleris-
que cum G. pubescenfe Bess. coniuncta, cuius nodos exhibet,
recedit corolla concolori purpurea (macula labii inferioris
lutea destituta) et pube hispida, fere ut in G. Tetrahit: flores
magni nostrae a descriptione Reichenbachii recedunt.
Siebenbürgen: allgemein verbreitet am Fusse der süd-
lichen Karpaten, z. B. bei Michelsberg, in Gesellschaft von
G. versicolor Curt. wachsend, 1700'!
G^entianeae*
188. Gentiana phlogifolia Schott. etKolschy
(Bot. Zeit. 9. p. 151.) Tretorrhiza, caule simplici adscen-
dente, foliis margine laevibus concoloribus patentibus, supe-
rioribus ovato -lanceolatis, inferioribus oblonge - lanceolatis,
rosularibus triplo longioribus caulem dimidium subaequanti-
bus, internodiis aequalibus, cyma terminali capituliformi, ca-
lycis 4fidi lobis linearibus tubum aequantibus, corollae cya-
neae calycem duplo superantis tubo clavalo limbum ter ex-
Her hungaricum. 331
cedente, lobis ovato-rotundatis acutuisculis , antheris erectis,
stylo nullo, stigmatibus brevibus demum revolutis. — G. Cru-
ciata L. , quacurn Capsula sessili et testa exalata convenit,
differt foliis margine scabriusculis conformibus, calycis den-
tibus abbreviatis, corolla breviori (in G. phlogifolia 12-14'"
longa est), lobis maioribus et rhizomate (quod in stirpe trans-
sylvanica simplex apice filamentosum, nervis foliorum rosula-
riiira persistentibus).
Siebenbürgen : in der Krummholzregion der östlichen
Karpaten, an der Grenze der Moldau (Fuss).
t89. G. germanica W. — Syn. G. germanica «. et
ß. Gr. Gent. Species quasdam ad hanc a Gr. olim reductas,
aestivatione corollae accuratius invesligata, iara restituendas
ducit: nam 6?. germanica W. et G. caucasica MB. ab omnibus
Gentianeis ipsi notis recedunt aestivatione corollae ita quin-
cunciali, ut lobus quintus ab utroque latere occultetur, bini
oppositi valvatim iuxtaponantur, tertius cum lobo utraque ad-
iacente aestivatione contorta dextrorsa , quartus sinistrorsa
confluat. Itaque G. obtusifolia W. [G. germanica y. praecox
Gr, ; G. germanica var. Spicil. rum. (exclus. diagnos. ) sec.
specim. serbic. et olymp.] a G. germanica W. differt speci-
fice foliis obtusis , corollae tubo calycem aequante v. parum
superante , lobis aestivatione dextrorsum contortis (ut in G.
Amarella L., cui Capsula sessilis); G. caucasica MB. (G. ger-
manica S. et e. Gr. exclus. loc. carpat.) , inter utramque me-
dia , dignoscitur a G. germanica W. foliis obtusis , corollae
tubo calycem aequante v. parum superante , a G. obtusifolia
W. aestivatione corollae quincunciali.
Siebenbürgen: allgemein verbreitet auf den ßergwiesen
der Buchenregion in den südlichen Karpaten des Cibinge-
biets, 1700' — 4500', zu Anfang Septembers noch blühend!
Ungarn: Karpaten des Banats (Hf.) und Tatra (Mksch.).
190. G. asclepiadea L.
Siebenbürgen : allgemein verbreitet in der Buchenregion
der südlichen Karpaten, im Cibingebiet 1700' — 4500'!
191. Swertia punctata Baumg. Habitus plantae
vivae potius Svv. persicae, quam Sw. perennis, caulis etiam
sesquipedalis ; corolla viridi-alba, punctis cyaneis sparsissimis,
foveis oblongo-Iinearibus cyaneis remotiusculis, fimbriis elon-
332 Grisebach und Schenk:
gatis; testa (quae nondum descripta erat) tenui ala cincta,
angustiori quam in Sw. perenni.
Siebenbürgen: in der alpinen Region der südlichen Kar-
paten, z. B. an feuchten Glimmerschieferfelsen des Fromoasa
6700'!, in den Gebirgen von Fogarasch (Fuss).
Riibiaceae«
192. Asperula capitata Kit. (ap. Roch.) — Syn.
A, Allioni Baumg. FI. transs. 1. p. 80. (exclus. synon.) A. he-
xaphylla Roch, et Fl. hungar. (non All.). Species distinctis-
sima, a Baumgartenio cum A. hexaphylla All. confusa, quae
sec. specimina in Col di Tenda lecta recedit caule humiliori,
foliis margine scabris, involucrantibus conformibus longiori-
bus, fasciculo florum terminali subsolitario et inprimis corol-
lae tubo filiformi duplo longiori (4'" longo) lobos oblongo-
lineares quadruplo superante. Diagnosis stirpis carpaticae
haec est: A. (Cynanchica) caespitosa, stricta, glabra, foliis
6—4 linearibus margine laevibus , involucrantibus lanceola-
tis, florum fasciculis ternis congestis v. breviter peduncula-
tis, corolla alba 4fida, tubo glabro versus faucem sensim am-
pliato lobos oblongos obtusiusculos duplo superante, ova-
rio pilis remotis adsperso, stylo bifido.
Banat : auf dem Gipfel des Domaglett (Hf., Wierzb.).
Siebenbürgen : auf dem Königsstein bei Kronstadt (Fss.).
193. Galium capillipes Rchb. (in loco classico
lectum). — Syn. G. nitidum Maly enum. p. 163. quoad pl.
transsylv. I
Banat: gesellig in den Waldungen der Tertiärhügel bei
Orsova und von hieraus allgemein verbreitet durch die Laub-
holzregion des Czernathals auf Kalkboden, 200'— 2000' !
Siebenbürgen: in Wäldern beim rothen Thurmpass in
den südlichen Karpaten (Fuss.).
194. G. rivale Spicil. rum. — Syn. Asperula Apor-
rine MB.
Siebenbürgen: im Gebüsch an den Ufern des Cibin bei
Neppendorf häufig!
195. G. erectum Huds. — Syn. G. Mollugo Heuff.!
pl. banat.
Banat : auf Hügeln (Hf.), bei Oravicza (Wierzb.).
Iter hunsraricum. 333
"o
196. G. tenue Vill. Gren. — Syn. G. alpestreUeuS.l
pl. banat.
Banat: in der alpinen Region (Hf.).
Campanulaceae.
197. Campanula rotundifolia L. var. lancifolia
Kch. — Syn. C. linifolia ßaumg. Fl. transs. 1. p. 147. et ex
descriptione optime nostram formam exhibente et ex loco
natali Götzenberg, ubi eandem legimus : itaque haud rite Koch
C. Hostii Baumg. huc reducere voluit , de qua , in Addendis
ad tertium Florae transsylvanicae distinota, quam in nostro
operis exemplari desint, certe iudicare non possumus, utrum
Vera C. linifolia Lam. sive C. Scheuchzeri Vill., ob confusio-
nem istam ipsi obscurata, sit C. Hostii ßauing. , an C. Ho^
Stil A. DC. gemmis floralibus nutantibus a formis C. rotundi-
foliae separata.
Siebenbürgen: in der Buchenregion der südlichen Kar-
paten, z. B. am Götzenberg bei Michelsberg, 3000'!
198. C. Scheuchzeri Vill. — Syn. C. ITösfii Baumg.
1. c. sec. Fuss: CandoUeo vero sec. synonymon Hosteanum
distincta.
Siebenbürgen : in der alpinen Region der südlichen Kar-
paten , namentlich unter dem Krummholz einzeln , z. B. im
Cibingebiet 5800'— 7000'!
199. C. carnica Schiede.
Siebenbürgen: in den Alpen von Fogarasch (entdeckt
und mitgetheill von Dr. Schur).
200. C. abietina, (Rapunculus) biennis, caule stricto
1-paucifloro laeyi foliisque glabris, imis ovali-rotundatis cre-
natis in petiolum attenuatis eumque aequantibus, caulinis el-
liptico-lanceolatis lanceolatisque obtusiusculis, pedunculis elon-
gatis, calycis segmentis lanceolato-linearibus integerrimis co-
rollam dimidiam superantibus, coroUae tubo e basi tenui in-
fundibulari limbum expansum subaequante, lobis ovatis acu-
tiusculis , Capsula obovato- clavata calycem erectum subae-
quante. — Syn. C. patula paucißora Roch. pl. rar. t. 6. f. 14.
C. Stevenii Rchb. Fl. excurs. (non MB.). Media inter C. pa-
tulam L., quae caule inferne pilosiusculo , foliis imis oblan-
334 Grisebach und Schenk:
ceolatis breviter petiolalis, corymbo saepius diviso, calyce
sub anthesi coroUa dimidia superato, segmentis basi denti-
culiferis, corollae tubo e basi ovala obconico et Capsula duplo
minori differt — et C. spathulatam Sm. , quae caule subuni-
floro , foliis caulinis anguslioribus, calycis segmentis duplo
latioribus sinubusque eius acutis dignoscitur. C. Stevenü MB.
sec. specimina authenica et caucasica et altaica calycis se-
gmentis multo latioribus foliaceis late lanceolatis aliena est.
Banat: in der subalpinen Region (Hf.)-
Siebenbürgen: allgemein verbreitet, aber einzeln zwi-
schen schattigem Moose sprossend , durch die Tannenregion
der südlichen Karpaten des Cibingebiets, 4500' — 5900', auf
Glimmerschiefer !
201. C. persicifolia L. var. dasycarpa Kit. Vix
differt a C. persicifolia nisi coroUa duplo minori: nam pili
ovarii etiam in vulgari forma occurrunt.
Ungarn (mitgetheilt von Ball).
202. C. Wanneri Roch. (pl. rar. fig. 12.). Species
nulli affinis , nisi C. divergenti W. , etsi calyx appendicibus
caret: conveniunt Capsula cernua poris basilaribus dehiscente
et segmentis calycis basi dilatatis excrescentibus , quo cha-
ractere ad dispositionem generis naturalem adhibito in Spi-
cil. rumel. ad Sect. Medii rite relata est.
Banat: an den Fällen der Bisztra am Szarko (Hf.).
203. C. divergens W. — Syn. C. spathulata Kit.
ic. 3. t. 258. : forma prope thermas Herculis lecta foliis sub-
integerrimis repandis et calycis Segmentis fructu plus duplo
longioribus paullo recedit. Cl. Visiani C. divergentem cum
C. sibirica L., quam pr. Hermannstadt vivam observavimus,
coniungit : sed C. sibirica Vis*, sec. specimina dalmatica ipsa
est C. divergens W., quae a C. sibirica L. distinctissima co-
roUa pendula duplo maiori basi latiori, calycis segmentis post
anthesin e basi triplo latiori sensim acuminatis et racemo
subcorymboso simpliciori.
Banat (Hf. , Wierzb.) : einzeln im fruchttragenden Zu-
stande an den Kalkfelsen bei der Schwitzhöhle über den Her-
kulesbädern, 2500".
204. Hedraeanthus Kitaibelii A. DC. — Syn^
Iter hungaricum. 335
Campanula graminifolia Kit. ic. Q. t. 154. Baumg. Fl. transs. 1.
p. 155. sec. loc. class. pr. Klausenbiirg. Maly Enum. p. 158.
sec. loc. HeufFelii.
Banat: an Felsen bei den Herkulesbädern (Wierzb.).
Siebenbürgen : Piatra arse bei Klausenburg (Fuss).
205. Asyneuma canescens. — Syn. Phyteuma
Kit. ic. 1. t. 14. Cl. Boissier sectionem Podanthen aPhyteu-
mate bene disiunxit, quia corollae segmenta iuniora superne
non connectuntur, sed magis placet has species in genus Asy-
neuma colligere, quam ut Campanulis adscribantur, a quibus
habitu et corolla 5partiia differunt.
Ungarn: an grasbewachsenen Gehängen des Blocksbergs
bei Ofen zerstreut!
ISynaiitliereae«
206. Aster Amellus Jacq. (ic. austr. t. 435.). —
Syn. A. Amellus «. DC. prodr. 5. p. 231. A. amelloides Hoffm.
in comment. Goett. 1800. (planta hortensis nobis ignota, au-
ctoribus Kochio et Candolleo huius loci). A. amelloides Rth,
man. p. 1220. ex loc. nat. et synon. — A. Amellus L. mixtus
est, ex synonymis partim huc , ex locis natalibus mediterra-
neis ad y. spectans : itaque auctoritas Linnaei negligenda. —
Folia lanceolata, ima elliptico-Ianceolata, pube brevi scabra,
venis subtus prominulis ; corymbus divaricatus ; involucri
squamae subconformes obtusae, squarrosae, glabrae, ciliatae,
exteriores inferne cartilagineae margineque membranaceae,
interiores pappo sub anthesi breviores , achenia basi rotun-
data, oblanceolata, pappo rufescente. (Specim, german.).
ß. tinctorius Wallr. pii Schol. Fl. hercyn. p. 271.) ex
loc. nat. — Syn. A. Amellus y. hispidus DC. A. Amellus Sadl.
Fl. pesth. ex loc. nat. DifFert ab a. pilis paullo longioribus,
capitulis maioribus, involucro sub anthesi pappum subaequante,
pappo albido. (Specim. hercyn. , franconica).
Ungarn: einzeln am Blocksberge bei Ofen!
[y. latifolius J)C. — Syn. A. Amellus Jord. ! in pl. Mar-
tin. A. amelloides Rchb. et A. pseudo - amellus DC. sec. DC.
— Pili longiores; folia inferiora eUiptica subserrata, supe-
riora lanceolata, venis tenuissimis nee prominulis; corymbus
336 Grisebach und Schenk:
patens; involucri squamae subconformes , obtusae, squarro-
sae, glabrae, dense ciliatae, exteriores inferne cartilagineae
margineque membranaceae, inleriores pappum subaequantes :
pappus albidus in pl. Jordaniana, rufescens in specim. Bohe-
miae (pr. S. Ivan lectis : Kochium inter cives Fl. german.
latuit) et Dalmatiae (^4. Amellus Vis.). An species distincta
Sit, qualem pronuntiavit Koch, nondum liquet.]
207. A. bessarabicus Bernh. (ap. Rchb. Fl. exe.
p. 246. — Syn. A. amelloides Bess. enum. p. 33. et Ht. Goett!
— Caulis bipedalis, pube brevi scaberrimus; folia lanceolata,
inferiora elliptico- lanceolata. Species media inter 4. Amel-
lum Jacq. et A. ibericum Stev. : ab illo distinctus corymbo
erecto-patente composito , involucri squamis margine mem-
branaceo destitutis herbaceis dorso pubescenti-scabris, ex-
terioribus adpressis obtusiusculis , mediis squarrosis , intimis
difformibus oblongis erectis membranaceis sub anthesi pap-
pum superantibus. A. ibericus Stev. (sec. specim. a cl. C.
Koch accepta) difFert involucri squamis exterioribus acutius-
culis ciliatis apice reflexis, interioribus pappo sub anthesi
brevioribus.
Banat : auf Bergwiesen bei den Herkulesbädern zerstreut,
1500'!
208. Erigeron carpaticus Gr. perennis , caule
apiceijdense glanduloso corymbifero , foliis lanceolatis glabris
glanduloso- ciliatis, ligulis füiformibus purpureis disco multo
brevioribus, acheniis pappo rufescente duplo brevioribus. —
Syn. C. atticumWMenb.l Carp. p. 265. — E. Villarsü Bell,
foliis utrinque scabriusculis , ligulis disco duplo longioribus
et, ni fallor, etiam pappo eximie difTert.
Ungarn: in der subalpinen Region der Tatra - Karpaten
an Felsen (Mksch.).
209. Inula glabra Bess. — Syn. /. bifrons gali-
cica Aut. Conyza alaia Baumg. Fl. transs. 3. p. 102. — Ut
area geographica distincta continetur , ita characteribus cul-
tura confirmatis species sui iuris videtur : difTert enim ab /.
bifronte L. (in Gallia indigena) caule calvescente, foliis rigi-
dis glabriusculis, caulinis fere ad basin internodii decurren-
tibus (in stirpe gallica folia breviter decurrunt nee ad me-
dium internodium usque), aus internodii multo latioribus, in-
Iter hungaricum. 337
volucri squamis numerosioribus pluriseriatim imbricatis (nee
longitudine acquali subuniseriatis ) , exterioribus squarrosis,
interioribus apice densius ciliatis, ciliis longioribus.
Siebenbügen: einzeln auf den Tertiärhügeln des Beckens
von Hermannstadt, z. B. an den Weinbergen bei Hammers-
dorf, 1600' !; bei Neudorf (Fuss).
210. I. hirtaL. — Syn. /. monlanaBaumg.Fl transs.
3. p. 132. (non L.) sec. specim. herb. Fussiani.
211. I. squarrosa L. DC. (non Kch.). — Syn. /.
cordata Boiss. diagn. or. 4. p. 3. /. salicina var. latifolia Vis.
Fl. dalm. 2. p. 63. sec. specim. dalmat. /. spiraeifolia C. Kch. !
pl. caucas. (non L.)- Species orientalis a plerisque aucto-
ribus cum /. spiraeifolia L. (/. Bubonio Murr. 1. squarrosa
Kch. et Vis.) confusa , quae (sec. specim. tergestina et dal-
matica) foliis basi rotundata sessilibus, corymbo diviso, in-
volucro bracteis foliaribus destituto, squamis multiserialibus
imbricatis a nostra recedit: in /. squarrosa L. contra folia
basi cordata , biauriculata , corymbus laxus , simplex (rarius
capitulum solitarium), involucrum bracteis foliaribus cinctum,
squamae pauciseriales. Multo magis accedit ad /. salicinam
L., a qua differt foliis oblongis v. elliptico - oblongis acutis
(nee lanceolatis acuminatis), reticulo venarum densiori di-
varicato (fere ut in I. spiraeifolia) , involucri squamis exte-
rioribus appendice herbacea instructis abbreviata parte car-
tilaginea saepe duplo breviori triangulari v. mucronato- ro-
tundata (in I. salicina appendix est lanceolata, partem carti-
lagineam subaequans) Forma banatica insignis est foliis me-
diis ellipticis remote serratis subtus cauleque inferne pilosius-
culis, hoc superne glaberrimo.
Banat : am Fusse des Allion bei Orsova und auf Berg-
wiesen bei den Herkulesbädern, 200':— 1500'!
Siebenbürgen: im Becken von Hermannstadt bei Gross-
Scheuern (Fuss).
212. I. Britanica L. var. rupestris, foliis superiori-
bus basi attenuata v. rotundata semiamplexicaulibus exauri-
culatis, capitulis duplo minoribus, involucri squamis exterio-
ribus squarrosis a medio refractis. — Syn. /. Britanica di-
chotoma G. Kch.! pl. anatol.
Archiv f. NAtafg«sch. XVI. Jahrg. 1. Bd. 22
338 Grisebach und Schenk:
Banat: allgemein verbreitet auf Gerolle in den Wäldern
bei Orsova, 200'— 500'!
213. I. Helenium L.
Banat: einheimisch und häufig auf den Wiesen und in
den Gesträuchen des Donauthals bei Orsova und von hieraus
allgemein verbreitet längs des Fusses der südlichen Karpa-
ten bei Hermannstadt!
214. Telekia speciosa Baumg.
Banat (Hf.) : am Ufer der Czerna oberhalb der Herku-
lesbäder, 1500'!
Siebenbürgen: allgemein verbreitet durch die Buchen-
region der südlichen Karpaten des Cibingebiets , mit Salvia
glutinosa, Chaerophyllum aromaticum, Centaurea cirrhata,
Gentiana asclepiadea u. a. eine hochwüchsige Formation von
Schattenstauden bildend, 2000'— 4400', auf Schiefersubstrat!
215. Xanthium spinosum L.
Ungarn : eine jetzt durch das ganze Land von Pesth bis
Orsova verbreitete Ruderalpflanze !, im Banat nach Wierzb. seit
1845 allgemein angesiedelt.
216. Anthemis tinctoria L. var. Fussii, involucri
squamis interioribus apice brunneo - atris^ omnibus margine te-
nui brunneo cinctis, ligulis involucro longioribus 6'" longis,
2'" latis. — Media inter A. tinctoriam et A. Triumfetti; ra-
dius aureus, achenia compresso-subtetragona, faciebus plu-
ristriatis , coronula inlegra achenio triplo breviori , plane ut
in A. tinctoria, quae etiam foliis paleisque convenit.
Siebenbürgen : am Fusse des Königssteins bei Kronstadt
und in Zwergformen bis in die alpine Region verbreitet, auf
Kalk (Fuss).
217. A. macrantha Heuff.! (in Regensb. Fl. 1833.
1. p. 362.). Cum A.Triumfetti AM DC. (Bourg.pl. hispan. 715.
determin. Gay), quo dubitanter hanc retulit DC, nulla simi-
litudo : nam segnienta folii pinnatisecti non ultra mediam aream
divisa, ut in illa, verum rhachi dilatata oblongata pinnatifida,
pinnulis rhacheos diametrum plerumque vix aequantibus. Pro-
xime vero accedit A. rigescenU macrocephalae , ab Hohen-
ackerio distributae, nee differre videtur nisi involucri squa-
mis margine atro cinctis: a genuina A, rigescente W. radio
discum duplo superante pollicari magis removetur.
Iter huDgaricum. d39
Banat : auf subalpinen Wiesen am Mik nach Hf.
Siebenbürgen: in subalpinen Wäldern am Retjezat (Hf.),
am rothen Thurm bei Portschesd (Schur).
218. A. ruthenicaMB. — Syn. Ä, Neilreichii Ortm.
in Regensb. Fl. 1852. p. 673.: auclor, nee Biebersteinium nee
Besserum characteres speciei bene cognovisse, probavit, ne-
que vero ita ut aliam planlam habuissent , cuius specimina
authentica descripsere et Candolleus et Ledebour, optime no-
stram exhibentia.
Ungarn: auf den sandigen Pusten östhch von Pesth!
219. A. auriculata Boiss. (diagn. or. 4. p. 5.). —
Syn. A. austriaca Heuff. ! et Wierzb. ! pl. banat. Species
forsan nimis affinis A. ruthenicae MB.
Banat (Hf.)^ z. B. im Donauthal bei Palanka (Wierzb.).
220. A. carpatica W. (1800.). — Syn. A. styriaca
Vest (1824.). A. KitaibeliiDC. prodr. (non Spr.). Fyrethrum
alpinum Baumg. ! Fl. transs. 3. p. 108. sec. herbar. Baumgar-
ten. Anthemis montana Schur in Verh. d. siebenb. Vereins
1850. p. 104. (exclus. synon. Baumg. nr. 1890. et Spreng.).
Species folii segmentis difformibus, aliis spathulato-lineari-
bus, aliis rotundato-abbreviatis, omnibus latioribus, involucri
squamis lato margine atro cinctis, capitulis duplo maioribus
et statione alpina ab A, montana L., quae sequitur, satis di-
stincla videtur.
Siebenbürgen : in der alpinen Region der südlichen Karpa-
ten häufig, z. B. am Negoi (Fuss), am Butschetsch (Baumg.),
ebenfalls auf den nordöstlichen Karpaten von Rodna nach
Baumg. und Schur.
221. A. montana L. Gay. — Syn. A. saxatilis DC.
et Baumg. Fl. transs. 3. p. 145. nr. 1890. sec. specim. in loco
Baumg. classico (comit. Hunyad) lecta et ab HeufF. benevole
communic. A. Kitaibelü Spr. (nee DC). A. montana Lin-
naeana Godr. Fl. de France 2. p. 155. A, montana thracica
SpiciL rum. A, Gerardiana Jord. ! — Involucri squamae pal-
lidae.
Siebenbürgen: auf Gerolle des Beckens von Hatzeg bei
Ohoba und Ponar (Hf.).
222. A. teuuifolia Schur (in Verh. d. siebenb«
340 Grisebach und Seh enk:
Vereins f. 1851. p. 171.). — Syn. A. alpina Baumg. Fl. transs.3.
p. 145. Proxima A. alpinae L., distincta foliis bipinnatisectis,
iugis paucioribus et disco flavo (qui in -4. alpina L. auctore
Koch albus). Diagnosis: (Chamaemelum) caulibus adscenden-
tibus versus apicem aphyllis monocephalis foliisque sparsim
piliferis bipinnatisectis , segmentis remotiusculis linearibus
apice abruptim attenuato mucronatis inaequalibus , involucri
squamis margine fuscis radio albo parum brevioribus , rece-
ptaculo hemisphaerico, paleis oblongo-linearibus obtusis apice
laceris, ligulis oblongis, acheniis convexo-trigonis apice mar-
gine tumido brevissimo cinctis pallidis, faciebus laevibus.
Siebenbürgen : in der alpinen Region der südlichen Kar-
paten , nach Seh. allgemein verbreitet , z. B. am Königstein
bei Kronstadt (Fuss).
223. Achillea dentifera DC. Godr. —Syn. A,
ianacelifoUa Roch. pl. rarior. f. 70. 71. et Koch. — A. tar-
nacetifolia All. QA. magnaRoch. 1. c. f. 68. 69.) sec. specim.
Reuteri pedemontana pr, Valderio lecta a cl. Godron rite di-
stincta est. Banat: bei Oravicza (Wierzb.).
Siebenbürgen: allgemein verbreitet durch die oberen
Höhen der Buchenregion in den südlichen Karpaten des Ci-
bingebiets, 3000'— 4500' !
224. A. crithmifolia Kit. (ic. 1. t. 66.). Quibus-
dam formis ad A. setaceam Kit. accedit, distinguitur foliis
ambitu latioribus, segmentis remotiusculis, superiorum dilata-
to-linearibus planis: ab Ä. nobili L. rhachi foliorum integer-
rima recedit. — Syn. A. banatica Kit. ap. DG. ex descr. huc
omnino spectare videtur.
Banat: allgemein verbreitet von den Tertiärhügeln bei
Orsova zu den Felsabhängen beiMehadia (dem Kitaibel'schen
Standorte) und auf Bergwiesen bei den Herkulesbädern, 200'
—1500'!, durch das Donauthal (Hf., Wierzb.).
225. Artemisia nutans W. sec. spcim. e Rossia
meridionali a Museo Petrop. communicata. — Syn. A. marU
tima taurica Spicil. rum. DilFert ab A, maritima L., quacum
ramis recurvatis, capitulis pendulis 3 — öfloris convenit; capi-
tulis elliptico-oblongis basi attenuatis glabratis duplo mino-
ribus (nee ovoideis basi rotundatis lanatis), bracteis capitulo
■ ' " Iter hnngaricum. 341
brevioribus (non longioribus) pubeque cana foliorum bre-
vissima adpressa demum evanida (nee patula lanuginosa per-
sistente). Involucri squamae elliptico-oblongae obtusae, mar-
gine scarioso lato.
Siebenbürgen: auf Salzboden im Hermannstädter Becken
bei Salzburg, gesellig und gemischt mit A. monogyna !
226. A. monogyna Kit. (ic. 1. t. 75.). A praece
dente non differre videtur nisi ramis paniculae erecto-paten-
tibus (nee deflexis), eapitulis erectis, rarius cernuis (nee nu-
tantibus), iisque angustioribus oblongis sub Sfloris, involucri
squamis interioribus angustioribus oblongis, exterioribus dif-
formibus ovali-rotundatis, plerisque glabris. Involucri squamae
superiores margine lato scarioso cinctae et inflorescentia laxa
haue speeiem ab A. gallica W. separant.
Siebenbürgen: mit voriger Art.
227. A. saxatilis Kit. — Syn. A, camphor ata Koch,
et Wierzb. ! pl. banat. A. incanescens Jord. Godr. Reeepta-
culum pilis adspersum exstat quoque in planta delphinensi
pr. Gap lecta, quare A. incanescens cum A. saxatili iungenda
videtur.
Banat: an Kalkfelsen bei Cziklova (Wierzb.).
228. Doronicum longifolium Rehb. — Syn. D.
plantagineum hungaricum e. c. Sadl. Fl. pesth. ed. II. p. 401.,
Baumg. Fl. transs. 3. p. 137., HeufF. ! pl. banat. D. planta-
gineum longifolium Spicil. rum. — Comparatio cum specimi-
nibus Galliae et Lusitaniae docet, speeiem Clusianam a Lin-
naeana diversissimam esse collo tuberoso lana sericea de-
slituto, foliis radicalibus elliptico-lanceolatis in petiolum sen-
sim attenuatis , lamina tripollicari et vix pollicem lata , cau-
linis conformibus . summis anguste lanceolatis , eapitulis ma-
ioribus: D. plantagineo sunt folia basi ovata, imorum laminae
a petiolo distinetae multo latiores. ^
Ungarn: bei Ofen (Mksch.), in Bergwäldern des Ba-
nats (Hf.).
229. D. Columnae Ten. (1811.). —Syn. D. cordi-
folium Sternb. (1818.). D. caucasicum Roch. (pl. rar. f. 63.)
et Spicil. rum. (nee MB. anetore Led.).
Banat: am Szarko (Hf.), an Waldbächen bei Cziklova
(Wierzb.).
342 Grisebach und Schenk:
Siebenbürgen ; in den südlichen Karpaten, z. B. bei Ta-
tarului (Fuss).
230. Aronicum scorpioides DC. var. carpaii-
cum, caule glabro apice parce glandulifero , foliis imis sinu
aperto cordato-subrotundis sinuatis v. repando-dentatis gla-
bris ciliatis, rhizomate oblique descendente. — Syn. Arnica
scorpioides Baumg. Fl. transs. 3. p. 135. : verosimiliter spe-
cies distincta erit, cui etiam Baumg. caulem glabrum vindicat.
Siebenbürgen: in der alpinen Region der südlichen Kar-
paten , z. B. am Szurul (Fuss) , nach Schur bis 7000' an-
steigend.
Tephroseris Rchb. Fl. s a x o n. (Ciweram Kch.).
231. T. pratensis. — Syn. Cineraria Hp.! C. Ion-
gifolia Baumg. transs. 3. p. 124. sec. herbar. Fuss. A proxima
T. crassifolia (Cin. Kit.) pappo longiori coroUae tubo pauUo
superato et pedunculis magis incrassatis recedit.
Banat: aufwiesen der alpinen Region (Hf.).
Siebenbürgen: in den südlichen Karpaten des Cibinge-
biets, z. B. alpin am Fromoasa einzeln!, am Götzenberge
(Fuss).
232. T. alpestris. — Syn. Cineraria Hp. C. Clu-
siana HeufF. ! pl. banat. Vix nisi foliis imis ovalibus a prae-
cedente dilFerl, pappo convenit.
233. T. aurantiaca. — Syn. Cineraria E^. et Wah-
lenb.! Fl. Carpat. p. 271.
Ungarn: Thäler der Tatra-Karpaten (Mksch.).
234. T. capitata Gr. — Syn. Cineraria Wahlenb. !
1. c. (non alior.). Differt a T. aurantiaca foliis imis elonga«
tis sensim in petiolum aequilongum attenuatis oblongis (nee
ovatis breviterque petiolatis): epdem igitur fere modo ab
illa recedit, ut T. spathuUfolia Rchb. a T. campestri Rchb.
et in diversa regione Carpatorum viget, nee unquam cum li-
gulis lecta est.
Ungarn: in der alpinen Region der Tatra - Karpaten
(Mauksch).
235. T. Fussii n. sp. caule elato floccis glandulisque
parce adsperso, foliis glabriusculis, imis oblongo-lanceolatis
elongatis et in petiolum elongatum attenuatis repando-denta-
;/ Iter hungaricum. 343
tis, caulinis decrescentibus lanceolatis semiamplexicaulibus
sessilibusque, summis linearibus , corymbo subsimplici ma-
crocephalo, pedunculis sulcatis elong-atis, involucri virentis
squamis linearibus acuminatis, ligulis 18 — 20 linearibus,
pappo corollae tubum sub anthesi aequante, acheniis gla-
bris. — Planta speciosa , bipedalis, ligulis W^^ longis , ha-
bitu T. procerae ( Cin. Spicil. rumel. ) similis , distincta
foliis laete virentibus dentatis , corymbo simplici 6— 8ce-
phalo, capitulis maioribus, pedunculis erecto-patentibus 3—6-
pollicaribus, involucri squamis angustioribus longioribus, li-
gulis angustioribus. Altera species affmis est T. cladobotrys
(Cineraria Led. !, C. longifolia C. Koch! pl. caucas.) , a qua
nostra corymbo simplici, capitulis multo maioribus, ovariis
glabris et pappo longiori differt (pappus enim in ipso Lede-
bourii specimine, quum statum eins incrementi descripsisset,
sub anthesi corollae tubo brevior est, tamen longior quam
in T. longifolia {Cin. Jacq.), foliis et corymbo peraliena.
Siebenbürgen: auf dem Götzenberge in den südlichen
Karpaten des Cibingebiets (entdeckt von Prof. Fuss).
236. Senecio Jacobaea L. var. lyratus, foliis ple-
risque lyratis, segmento terminali ovali basi attenuato si-
nuato-dentato. — Syn. S. Jacobaea Spicil. rum. Similis S.
aquatico et erratico , sed achenia disci matura ubique pube-
scentia. S. lyratifolius Rchb. recedit segmento folii termi-
nali ovato remotiusculo capitulisque maioribus.
Banat: auf Gerolle und Felsen bei Orsova!
237. S. erraticus Bert. Involucrum sphacelatum
etiam in hoc occurrit, sed achenia disci iuniora seriatim pi-
lifera, matura glaberrima characterem praebent a praecedente
distinctivum, neque vero a S. aquatico Huds.
Banat: bei Orsova !
: • 238. S. octoglossus DC. Fisch, et Mey. (quoad
pl. ruthenicum exclus. synon. Rchb. crit. 3. f. 467.). — A
S. Fuchsii Gm. differt bracteolis clongatis involucro fere
sesquilongioribus (nee ipsi aequalibus) octonis-denis (nee
3 — 6); convenit cum eodem et a S. nemorensi L. recedit
squamis involucri octonis (nee 10 — 12.). Radius plerumque
pentaglossus, rarius in iisdem locis natalibus octoglossus; fo-
lia elliptica in basin integerrimam semiamplexicaulem abruptim
344 Grisebach und Schenk:
angnstata (in S. Fuchsii folia in petiolum vix amplexantem
vulg-o sensim attenuantur).
Banat: an schattigen Felsen bei den Herkulesbädern,
1000'— 1500', auf Kalk gegen Ende August blühend!
239. S. subalpinus Koch. — Syn. Cineraria al-
pina Wahlenb. ! Fl. Carpat. p. 269. et Baumg. Fl. transs. 3.
p. 126. sec. herbar. Fuss. — Radio aurantiaco a S. cordato
Kch. hunc differre, bene monet Wahlenberg.
Ungarn : Tatra-Karpaten (Mksch).
Siebenbürgen : durch die ganze Karpatenkette nach der
Sammlung von Fuss, z. B. in der alpinen Region des Cibin-
gebiets, am Fromoasa, 6400' — 7000', auf Schiefer !
240. S. carpaticus Herbich Additam. p. 43. (ex
synon. Wahlenb.). — Syn. S. abrotanifolius Wahlenb. ! Fl.
Carpat. p. 266. et Spicil. rumel. — S. monocephalus Schur in
Verh. d. siebenb. Vereins f. 1850. p. 107. — Non differt a
S. abrotanifolio L. nisi caule adscendente monocephalo, ca-
pitulo duplo maiori et involucri squamis respectu capituli lon-
gioribus.
Ungarn : Tatra-Karpaten (Mksch.).
Siebenbürgen: durch die Karpatenkette nach Schur, z.
B. in der alpinen Region des Cibingebiets , am Fromoasa,
6400'— 7000', auf Schiefer!
241. Echinops exaltatus Schrad.! sec. plantam
Ht. Gotting. , Wierzb. ! pl. banat. et G. Rchb. ic. germ. 14.
t. 735. (nonDC, non Led.). — Syn. E. sphaerocephalus Baumg.
Fl. transs. 3. p. 80. et Heuff. ! pl. banat. (non L.). — Pro-
ximus E. sphaerocephalo L. , pedunculis eglandulosis facile
dignoscentus; caulis excelsus, foliis pinnatifidis subtus niveo-
tomentosis; flores albido - coerulescentes , setae involucrum
cingentes ipsius tertiam partem superantes ; squamae dorso
glabrae, intimae lanceolato - attenuatae, molles, ciliis patulis;
pappus cupuliformis, fimbriatus, vix aliter atque in E. sphae-
rocephalo conformatus.
Banat : in der üppigen hochwüchsigen Staudenformation
an der Mündung der Czerna bei Orsova!
Siebenbürgen: in Gesträuchdickichten der Tertiärhügel
des Beckens von Hermannstadt, z. B. bei Hammersdorf, 1500'
— 1800M
Iter hungaricam. 345
242. E. sphaerocephalus L. Fl. graec. t. 823. —
Syn. E. paniculatus Baumg. Fl. transs. 3. p. 80. E. mscosus
Wierzb. ! pl. banat. (non DC). — Involucrum E. exaltati, at
dorso glandulosum , folia subtus cinereo-tomentosa , flores
albido - coerulescentes.
Banat: bei Oravicza (Wierzb.).
Siebenbürgen: bei Hermannstadt, z. B. auf dem Burg-
berge bei Michelsberg, am Fusse der Karpaten, 2000'!
243. E. Rochelianus Spicil. rum. — Syn. £. ha-
naticus Schrad. ! sec. pl. Ht. Gott. , HeufF. ! pl. banat. et G.
Rchb. ic. germ. 14. t. 733. E. ruthenicus Roch. pl. rar. f. 78.
E. humüis Rchb. (non MB.). — Cum E. exaltato convenit
tomento, foliis, pappo, involucro glabro: differt caule humi-
liori, setis involucrum cingentibus ipso triplo brevioribus, flo-
ribus amoene coeruleis, squamis involucri interioribus lineari-
atlenuatis rigentibus, ciliis erectis.
Banat : häufig am Fusse des Allion bei Orsova auf
Gneiss ! und von hier bis zu den Herkulesbädern (Hf.) ver-
breitet, 200'— 1000' !
244. E. ruthenicus MB. et Spicil. rum. — Syn. E,
Ritro Led. et HeufF.! pl. banat. Cum E. Ritrone L. Florae
mediterraneae convenit capitulis et pappo pilis strigosis su-
perato : parum recedit foliis imis ambitu oblongis (nee ova-
tis), Omnibus minus dissectis subsimpliciter pinnatisectis. —
Diagnosis E. microcephali Sm., E. Ritroni proximi, in Spicil.
rum. data emendanda est: setis enim involucrum cingentibus
brevioribus ipso multoties (nee triplo) superatis ab E. Ritrone
differt, convenit pappo et ludit involucri squamis dorso vil-
losis glabrisque.
Banat: auf den Sandpusten des deutsehen Gebiets (Hf.).
245. Centaurea Biebersteinii DC. see. speeim.
Hohenacker. — Syn. C. paniculata Heuff. ! pl. banat. C. pa-
niculata micranthos Spicil. rum. C. cylindrocarpa G. Rchb.
ic. germ. 15. t. 781. f. 1.: pappo achenii quartam partem ae-
quante paullo reeedens. — Differt nostra a C. maculosa Lam.
capitulis minoribus ovatis (nee basi subretusa globosis), fo-
liorum segmentis tenuioribus, ciliis squamarum mediis appen-
dieis latitudinem subaequantibus (nee subduplo longioribus),
aehenio tenuiori , pappo breviori achenii tertiam partem ae-
346 Grisebac h und Schenk:
quante; a C. paniculata L?im. recedit involucri squamis apice
nigro-maculatis ciliisque nigricantibus, his brevioribus et (sec.
Godron) pappo breviori.
Ungarn : am Blocksberge bei Ofen ! , auf Bergwiesen
bei den Herkulesbädern ! und durch das Banat verbreitet (Hf.).
246. C. stereophylla Bess. G. Rchb. ic. germ. 15.
t. 775. f. 2. — Planta sexpedalis , difFert a C. Scabiosa L.
pappo achenium dimidium aequante (nee achenii longitudine),
achenio nigricante (nee pallide fusco) et mucrone terminali
appendicis squamarum elongato subspinescente, quare a Lo-
pholomate ad Acrocentron fere transponi posset. C. afßnis
Friv. (C stereophylla Spicil, rum.') convenit quidem capitulis
quam in C. Scabiosa minoribus et achenio, at specifice di-
stincta est squamis involucri eximie sulcatis et appendice multo
maiori parum decurrente apice mutica.
Banat : häufig in der Staudenformation an der Mündung
der Czerna bei Orsova I
247. C. Scabiosa L. — Syn. Cyanus coriaceus Baumg. !
Fl. transs. 3. p. 76. (herbar. Fuss).
Var. spinulosa Roch. (pl. rar. f. 76.). Heuff. ! elWierzb.!
pl. banat. 1 — Syn, C. bicolor C. Kch. ! pl. armen. — Pappo
convenit cum C. Scabiosa, achenia pallida.
Banat (Hf.) : z. B. bei Oravicza (Wierzb.).
248. C. axillaris W. G. Rchb. ic. germ. 14. t. 770.
— Syn. C. montana Heuff. ! pl. banat. Pappus achenio octies-
decies brevior.
Ungarn: bei Pesth (Post), im Banat im Donauthal (Hf.).
249. C. cirrhata Rchb. G. Rchb. ic. germ. 14. t.
762. f. 2. — Species capitulis parvis ovato-oblongis, appen-
dicibus squamarum lanceolatis in caudem reflexam filiformem
sensim attenuatis , fimbriis pallide testaceis , achenio pappum
quater superante, squamis intimis exappendiculatis numerosis
exsertis ab affmibus distinguenda, valdopere ludit in locis na-
talibus longitudine caudae appendicularis.
Banat : allgemein verbreitet vom Donauthal bei Orsova
in das Czernathal bei den Herkulesbädern , in dessen schat-
tigen Buchenwäldern die Anhängsel der Involucralschuppen
sich verlängern, 200'— 2500', auf GneisSj Kalk und tertiärem
Iter hangarifumU^fit> 347
Substrat!, auch in das nördliche Banat (Hf.) und in die Ge-
gend von Oravicza (Wierzb.) sich erstreckend.
Siebenbürgen : ebenfalls allgemein verbreitet im Becken
von Hermannstadt und Salzburg , so wie in den südlichen
Karpaten des Cibingebiets durch die ganze Buchenregion häu-
fig, 1400'— 4500'!
250. C. nervosa W. G. Rchb. ic. germ. 14. t.763.
— Recte monet G. Rchb., pappum terliam v. quartam ache-
nii maturi partem aequare , quem ex fructu immaturo falso
descripseret Koch: nostra planta plane convenit cum stirpe,
quam Gr. a. 1836. in m. Seisseralp legit, cuius achenia im-
matura pappo breviora sunt.
Siebenbürgen : in der alpinen Region des Fromoasa ,
6700', auf Schiefer!
251. C. microptilon Godr. G. Rchb. ic. germ. 14.
t. 758. f. 1. Simillima formis brevicaudatis C. cirrhatae, qua-
cum in consortio crescit, sed pappo nullo distinguenda.
Siebenbürgen; am Fusse der südlichen Karpaten bei
Michelsberg, 1700', bei Salzburg!
252. C. Jacea L. — Syn. Centaura nigra Baumg.l
Fl. transs. 3. p. 70. sec. ej. herbar.: forma involucro fimbriato.
C. decipiens Wierzb. ! pl. banat.
253. C. iberica Trev. G. Rchb. ic. germ. 15. t. 798.
f. 2. Cum speciminibus caucasicis convenit pappo et squa-
marum intimarum appendice, parum recedit achenio nigro-
punctato basi minus attenuato.
Banat: überall auf Weiden an der Donau bei Orsova!
254. Carduus collinus Kit. (ic. 3. t. 232.). Squa-
mis invoiucri recurvo-patentibus a C. candicante Kit., iisque
angustioribus et exterioribus quoque recurvis a C. hamuloso
Ehrh. differt.
Siebenbürgen (Fuss, mitgetheilt von Skofitz).
255. C. alpestris Kit. (ic. 3. t. 267.). — Syn. C.
nigrescens Baumg. FI. transs. 3. p. 56. ex loc. nat. (nonVill.).
A C, arctioideW. (sec. specim. carniol.) transsylvanicus spe-
cifice distinctus est squamis invoiucri omnibus erectis (nee a
medio patentibus), extimis laxioribus incurvatis, foliorum se-
gmentis duplo brevioribus e basi ovata plerisque trilobis, lo-
348 Grisebach und Schenk:
bis serraturisque omnibus spinescentibus. C. cirsioides Vill.,
pr. Brian^on lectus, squamis involucri duplo latioribus, exti-
mis multo brevioribus recedit.
Siebenbürgen: am Königsstein bei Kronstadt (Fuss).
256. C. glaucus Baumg. Fl. transs. 3. p. 58. (non
alior.). Recedit ab omni C. deflorato L. squamis involucri
ex apice obtuso brevissime mucronatis, praeterea insignis fo-
liis inferioribus ellipticis, superioribus elliptico-oblongis acu-
tiusculis integris duplicato-serratis, serraturis spinescentibus,
maioribus longiori tenuique spinula terminatis, pagina infe-
riori eximie glauca.
Siebenbürgen : im Oeczemgebirge (Fuss).
257. Cirsium furiens n. sp. (Epitrachys) foliis
semiamplexicaulibus e basi auriculata pinnatisectis lanceola-
tis supra sparsim pilosis subtus tomento arachnoideo demum
evanido albidis, segmentis bipartibus v. integris spina tlava
terminatis, involucri hemisphaerici squamis lineari-lanceola-
latis acuminatis infra spinam terminalem flexilem dense ci-
liatis, ciliis elongatis spinescentibus, capitulis albidis bractea-
tis bracteas subaequantibus in apice ramorum solitariis v. con-
gestis, pappo fere ad apicem plumoso. — Syn. Cnicus ferox
Baumg. Fl. transs. 3. p. 61. Cirs. ci/m^MmMaly enum. p. 128.
(non MB. , cuius species sec. specim. a cl. C. Kch. commu-
nicat. capitulis multo maioribus exinvolucratis purpureis dif-
fert et involucri fabrica alius sectionis est). A proximo Cirs.
feroci DC. differt ciliis involucri, achenio pallido cinereo (nee
obscuris lineolis fuscato), foliis supra sparsius hirtis, margine
minus revoluto. ^
Siebenbürgen : allgemein verbreitet auf Weiden und an
Wegen des Hermannstädter Beckens, z. B. bei Grossau, Salz-
burg, westwärts bis zur Wasserscheide zwischen dem Cibin
und Mühlenbach bei Gr. Pold bemerkt!
258. C. pauciflorum Spr. — Syn, Cnicus Kit. ic. 2.
t. 161. Cn. helenioides Baumg. Fl. transs. 3. p. 62. sec. her-
bar. Fuss. — Conforme plantae m. Schneeberg a cl. ßiaso-
letto communicatae : crescit in nostro loco extra consorlium
aliarum specierum, itaque non, ut vült Nägeli, hybridae ori-
ginis.
Siebenbürgen: in der alpinen Region des Fromoasa, am
iter huDgaricuni. 349
See Jaeser, im Krummholzgebüsch, 6400'!, nachBaumg. all-
gemein in den Karpaten Siebenbürgen's verbreitet.
259. C. spathulathum Gaud. G. Rchb. ic. germ.
15. t. 821.
Banat : einzeln auf den Tertiärhügeln bei Orsova !
260. Hypochoeris neapolitana W. sec. Balansa
pl. alger. 1851.1: eandemque pr. Bayonne legit Gr. — Syn.
H. radicata Heuff. ! pl. banat. : ab H. radicaia L. recedit
fibrillis radicis incrassatis et involucro flores subaequante.
Banat (Hf.). *
261. Leontodon croceus Rchb. Ball in Ann.
nat. bist. — Syn. Apargin Taraxaci Wahlenb.! Fl. Carpat.
p. 235. Pappo sordido a L. Taraxaci Lois., foliis pinnatifido-
dentatis a L. pyrenaico G. differt.
Ungarn : Tatra-Karpaten (Mksch.).
262. Sonchus aliginosus MB. Convenit nosler
cum speciminibus Hohenackerianis , sed S. arvensi L. nimis
affinis nee nisi pedunculis eglandulosis et statura excelsiori
recedens, nobis in Banatu transire ad vulgarem videbatur.
Banat: häufig in der Staudenformation bei Orsova, auch
aufKalkgerölle bei den Herkulesbädern, aufAeckern zwischen
Mehadia und Karansebes !
Siebenbürgen: bei Hermannstadt!
263. Taraxacum Hoppeanum Gr. — Syn. Leon-
todon taraxacoides Hp. T, officinale y. Spicil. rum. T. officio
nale calcareum HeufF. I pl. banat. Differt a T. laevigato DC.
involucri squamis exterioribus adpressis ovatis albo-mar-
ginatis.
Banat: auf Kalkfelsen des Domaglett (Hf.)
264. Geracium viscidulum Gr. — Syn. Crepis
Froel. Cr. grandiflora HeuflP.l pl. banat.
Banat: in der alpinen Region (Hf.).
265. Barkhausia rhoeadifolia MB.
Ungarn :2auf den Sandpusten östlich von Pesth!
Dipsaceae.
266. Scabiosa ochroleucaL. — Syn. So. Cata-
350 Grisebach und Schenk:
baria var. polymorpha Baumg. FL transs. 1. p. 76. Ludit in
Banatu pappi radiis fuscoatris (nee brunneis) : quae forma fo-
liis caulinis inferioribus integris insignis est.
Ungarn : von Mähren aus längs der Hauptstrasse durch
Ungarn nach Pesth verbreitet, z. B. am Blocksberge bei
Ofen!; dann in der abweichenden Form an granitischen Fel-
sen bei den Herkulesbädern beobachtet!
267. Sc. Scopolii Lk. ex diagn. — Convenit cum
praecedente pappi radiis coronula triplo longioribus et flori-
bus och?oleucis : recedit foliis superioribus subbipinnatifidis,
involucro capitulum paullo excedente, capitulo fructifero sub-
globoso (nee ovoideo) , involucelli fructiferi tubo longiori
2'" longo (nee 1'" longo), pappi radiis fuscoatris.
Siebenbürgen : am Burgberge bei Michelsberg am Fusse
der südlichen Karpaten, an felsigen Abhängen, 1700' — 2000'!
268. Sc. flavescens n. sp. (Sclerostemma) peren-
nis, glabriuscula, caule excelso virgato-ramoso, foliis imis — ,
caulinis pinnatisectis, segmentis integris inferiorum laneeola-
tis acutiusculis, superiorum lineari-lanceolatis, capitulis ochro^
leucis involucrum excedentibus , fructiferis ovoideis , coro-
nula involucelli tubo abbreviato ad carinas piloso plus duplo,
pappi radiis fuscis setaceis enerviis duplo superata. — Syn.
Sc. tenuifolia Baumg. Fl. transs. 1. p. 77. ob „semina ovata:«
folia ima, in noslris speciminibus evanida ibi bipinnatisecta
dicuntur. DifTert a Sc. ochroleuca L. pappi radiis breviori-
bus coronula duplo (nee triplo) longioribus , coronula ipsa
breviori et tubo involucelli fructifero turbinatim obovato apice
ultra 72"' lato (tubus in illa obovato -cylindricus est). So.
agresüs Kit. (Sc. gramuntia Aut.), pappo accedens, dignosci-
tur foliis dissectis, capitulis demum globosis, floribus cyano-
chrois. Gaules 3-4pedales, rigidi, caespitose crescentes, ra-
mis elongatis; folia demum glabra, aliquid coriacea.
Siebenbürgen: an den Tertiärhügeln des Beckens von
Hermannstadt , z. B. an den Weinbergen bei Hammersdorf
häufig, 1400' — 1700', zu Anfang Septembers blühend!
269. Sc. banatica Kit. (ic. 1. t. 12.). Habitu saepe
eximie accedit ad Sc. agrestem Kit., tamen pappi radiis co-
ronulam quater superantibus tuto dignoscUur.
Iter bnDgaricam. 851
Baiiat: zerstreut in dem steinigen Laubwald e des Allion
bei Orsova 200'— lOOO' , auf Gneiss!, bei den Herkules-
bädern (Hf.) , auf den Bergen um Oravicza und Cziklova
(Wierzb.)-
270. Knautia ciliata Coult. Rchb. ic. germ. 12.
fig. 1351. — Syn. Scabiosa sylvatica HeufF. ! pl. banat. — -
Pappo longiori a simillima Kn, sylvatica hanc rite distinguit
Reichenbach.
Banat: an schattigen Kalkfelsen bei den Herkulesbädern
zerstreut I
27 1. Cephalaria radiata, (Lepicephalus) perennis,
caule erecto inferne hirto oligocephalo, pedunculis elongalis,
foliis pinnatiseclis pubescentibus , segmenlis ellipticis v. elli-
ptico-lanceolatis acutis secus rhachin decurrentibus supra
basin integerrimam serratis, terminali maiori, ceteris deorsum
decrescentibus, capitulis hemisphaericis flavescenti-albis ra-
diantibus, paleis demum cartilagineis dorso puberulis margine
scarioso glabro cinctis, exterioribus ovato-rotundatis, interio-
ribus acutiusculis , involucello 8-dentato , fructifero glabrius-
culo tetragono , faciebus bistriatis , dentibus subulatis rectis
subaequalibus. — Syn. C. leucantha transsylvanica ap. Maly
enum. p. 106. Succisa radiata Schur! ined. Succisa Fus^
siana Hf. mscr. — Media inter C. transsylvanicam , a qua
radice perenni, involucri squamis exterioribus rotundato-ob-
tusis foliisque, et C. graecam, a qua pube et capitulis brevi-
ter radiantibus differt; habitu etiam C. leucanthae accedit,
structura involucelli alienae.
Siöibenbürgen : auf den Tertiärhügeln des Beckens von
Hermannstadt (Schur), z. B. bei Neudorf (Fuss).
272. C. corniculata R. S. — Syn. Scabiosa Kit,
ic. 1. t. 13. Caulis inferne pube reversa (in foliis arrecta
est^ vestitus; involucellum pubescens tetragonum, corniculis
4 ex apice facierum brevissimis dentibusque 4 ex angulis
oriundis patulis multo maioribus instruclum. — C. centauroi-
des Coult. plures species nondum satis comparatas continere
videtur, at characteres, quibus nuper Reichenbach (ic. germ.
12.) C. corniculatam (ßucc. ceniauroiden ej. fig. 1390.) a C. lae-
mgata Schrad. (Swcc. uralensem q]. ^^. 1391.) distinguit, sci-
licet numerus foliorum et directio palearum, vivae plantae
352 Grisebach und Schenk:
omnino vacillantes in utraque specie eosdem lusus praebent.
C. centauroides et cretacea caucasicae, ab Hohenackerio di-
stributae, ab utraque specie hungerica recedere et C. uralen-
sem R. S. sive speciem seriei rulhenicam sistere videntur,
sed acheniis nostra specimina carent.
Siebenbürgen : auf den Tertiärhügeln des Beckens von
Hermannsladt , z. B. häufig auf den Weinbergen bei Ham-
mersdorf, 1400'— 1700'! j bei Dülmen (Fuss).
273. C. laevigata Schrad. — Syn. Scabiosa Kit.
ic. 3. t. 230. Succisa uralensis Wierzb. ! pl. banat. Species,
loco natali omnino separata a praecedente, differt caule lae-
vigato ubique glabro foliisque praeter cilia quaedem quando-
que obvia glaberrimis coriaceis (C. uralensi similibus)et invo-
lucello sparsim pilosiusculo apice corniculis 8 subaequalibus
abbreviatis (v. angularibus paullo maioribus) instructo.
Banat: an Kalkfelsen bei den Herkulesbädern ( dem
Standorte Kitaibel's ) häufig, 1000' — 2000'!, bei Cziklova
(Wierzb.), im Donauthale (Hf.).
Pluitibag^ineae.
^ 274. Statice Gmelini W. Convenit cum specimi-
nibus rossicis et a St. Limonio L. Germaniae borealis distin-
gui potest bracteola interiori exteriorem triplo (nee duplo)
superante, a St. scroiina Rchb. (St. Gmelini Koch) floribus
minoribus dense imbricatis, paniculae ramis corymbosis.
Banat: auf Salzboden bei Moravitza (Wierzb.).
Siebenbürgen: gesellig auf Salzboden bei Salzburg un-
weit Hermannstadt !
Plaiitag^ineae.
275. Plantago carinata Schrad. — Syn. P. Wul^
feni Baumg. Fl. transs. 1. p. 90. ex loco nat. P. serpentina
Heuff. ! pl. banat. (non Vill.).
Siebenbürgen: im Comitat Hunyad bei Ohaba und Po-
nor (Hf.).
276. P. lanceolata var. minor Led, caule lereti, fo-
liis basi lanugine adspersis, spica ovoidea. — Cultura exa*
• ;T f' " Iter hungaricum. 353
minandum est, an haec forma parvula caule tereti nee sulcis
exarato specifice distincta sit.
Banat: häufig an Grasabhängen an den Tertiärhügehi
bei Orsova!
Var. hungarica Kit. (ic. 3. t. 203.), foliis elliptico - ob-
longis lanuginosis, spica ovoidea.
Banat : auf Salzboden (Hf.).
277. P. gentianoides Sm. (1806.). — Syn. F. w/i-
ginosa Baumg. ! Fl. transs. 1. p. 89. (1816.).
Banat: in der alpinen Region (Hf.).
Siebenbürgen : am Ufer des alpinen See's Jaeser in den
südlichen Karpaten des Cibingebiets , auf humosem Boden,
6350'!; am Szurul (Fuss).
ittneniaceae»
278. Quercus Esculus L. Spicil. rum. — Syn. Q*
conferta Kit. in HeufT.! etWierzb. ! pl. banat. Rchb. ic. germ.
12. f. 1311. 0' hungarica Hubeny in Wierzb. pl. banat.
Banat : einzeln im gemischten Laubwalde bei den Her-
kulesbädern, 1000'— 1200'!, bei Oravicza (Wierzb.).
Var. velutina , foliis pube persistente supra puberulis
subtus velutinis, lobis sinu apertiori distinctis mucronatis. —
Syn. Q. Toza ß. apennina Spicil. rum. Glandes non obviae,
at in locis natalibus ab «. non separabilis: ex ceteris formis
in Spicilegio ob folia conformia ab Q. Tozam relatis etiam
Q. rumelica (Q. Toza? y.) sec. specimina glandifera exclu-
denda est , distincta glandibus sessilibus solitariis , cupulae
squamis abbreviatis adpressis , quo spectat Q, valentina C.
Koch.! pl. anatol.
Banat: häufig auf den waldigen Tertiärhügeln bei Or-
sova, 200'— 500'!
279. Carpinus orientalis Lam. Rchb. ic. germ.
12. f. 1298.
Banat: bildet den Hauptbestandtheil des gemischten Laub-
waldes an den Hügeln längs der Donau, z. B. bei Orsova
und verbreitet sich in das Thal der Czerna bei den Herku-
lesbädern, bis 1500' ansteigend, über welchem Niveau reine
AicbiT f. NAturs«j;cb, XVUI, Hlt6> 1. Bd. 23
354 Grisebaeh und Schenk:
Buchenbestände folgen ; die übrigen Bestandtheile dieser Misch-
wälder , die von niedrigem Wüchse oft in Eichengesträuche
übergehen, sind Quercus Cerris und Esculus, Tilia argentea
und Fagus, welche letztere nach aufwärts allmählich häufiger
wird und in der feuchten Hochgebirgsschlucht der Czerna
vorherrscht.
280. C. Carpinizza Host. — Syn. C, intermedia
Wierzb. ! pl. banat. Rchb. ic. germ. 12. f. 1297. DifFert a C,
Betulo L. squamis strobili lacinia media elongata oblongo - li-
neari integerrima v. subserrata (nee a basi sensim attenuata).
Cl. Schur (Verh. d. siebenb. Vereins 1851. p. 173.) C. inter-
mediam a C. Carpinizza lacinia squama media subserrata (nee
integerrima) distinguit, at utramque ad C. Betulum reducit,
quam foliis basi inaequalibus parum distinctam censet: Rei-
chenbach contra C. intermediam foliis basi inaequalibus a C.
Betulo distinguit, quae et in nostra et in stirpe hungarica in-
aequalia et aequalia ludunt.
Banat : bei Mehadia (Boiss.) , bei Oravicza (Wierzb.).
Heuffel sendete auch die ächte C. Betulus aus dem Banat, wo
sie nach seiner Angabe in Gebirgswäldern vorkommt: hier-
nach könnte man annehmen , dass C. Carpinizza der Carpi-
nus-Region, C. Betulus der oberen Buchen-Region angehört.
281. Fagus sylvatica L.
Die Buchenregion , welche den westlichen und nördli-
chen Abhang der südlichen Karpaten von den Donauengen
bei Orsova bis zur Moldau bekleidet, umfasst die Niveau's
von 1500'— 4500' : im Cibingebiet bestimmte Reissenberger
die obere Grenze zu 4440'; die übrigen, von ihm in der Li-
nie vom Retjezat bis Fogarasch gemessenen Werthe schwan-
ken zwischen 3950' (Negoi) und 4550' (Pareng); einzeln
steigt die Buche in der Carpinus-Region desBanats, die we-
gen der Plateaubildung Siebenbürg en's in diesem Lande nicht
vertreten ist, bis zum Donauthale (200') hinab und bildet im
Czernathale (500'— 1000') noch bedeutende Bestände.
Coniferae.
282. Pinus Ablas L.
Die Fichtenregion bildet in den südlichen Karpaten Sie-
Her hungaricum. 355
benbürgen's , wie in den Alpen , die oberen , geschlossenen
Wälder , zwischen 4500' und 5800': Reissenberger's obere
Niveaugrenzen schwanken zwischen 5675' (Retjezat) und 5870'
(Fromoasa).
283. P. Pumilio Hk..
Die Krummholzregion stellt in den südlichen Karpaten
des Cibingebiets zusammenhängende, dicht verwachsene Ge-
sträuche von durchschnittlich 2' Höhe dar, in denen P. Pu-
milio die übrigen Gewächse verdrängt: ihre vertikale Ver-
breitung kann am Fromoasa zu 5800' — 6500' angenommen
werden, da die Gehänge am See Jaeser (6345') noch mit
Krummholz bedeckt waren. — Die Hauptregionen der süd-
lichen Karpaten sind hiernach folgende:
a. Waldregion :
200' — 1500' Carpinus- Region, charakterisirt durch G.
Orientalis.
1500'--4500'. Buchenregion.
4500'--5800'. Fichtenregion.
b. Alpine Region:
5800' — 6500'. Krummholzregion.
6500' — 8100'. Region der alpinen Stauden.
Üajacleae.
284. Ruppia obliqua Schur ined. , antheris glo-
bosis, fructibus longo stipitatis basi obliqua ovatis apice in
apiculum rectum productis eoque demum evanido obtusatis.
— Statura et stipites fructus ut in R. maritima L., characte-
res fere R. rosiellatae Kch., a qua fructu duplo maiori apice
breviori recto stipiteque eins elongato distincta videlur.
Siebenbügen : in den mit concentrirter Kochsalzlauge
gefüllten Tümpeln auf dem Salzstock von Salzburg!
V Ovchideae.
285. Orchis palustris Ja cq. — Syn. 0. elegans
HeufF.! in Regensb. Fl. 1835. 1. p. 250.
286. 0. latifolia L. var. Rochelü^ foliis late ovali-
bus , calcarc brevi , labello dilatato late rotundato. — Syn,
356 Grisebach und Schenk:
0. rivularis Heuff.! ined. 0. latifolia Spicil. rum. quoad for-
mam in regione alpina m. Nidge lectam.
Siebenbürgen; auf Bergwiesen an der oberen Grenze
der Buchenregion über Resinar in den Karpaten des Cibin-
gebiets , 4400', in Gesellschaft von 0. globosa und Micro-
stylis monophylios!
287. 0. maculata L. -- Syn. 0. tetragonaüeufS.l in
Reg. Fl. 1833. 1. p. 363.
288. 0. saccifera Brongn. — Syn. 0. maculata
HeufT. ! et Wierzb. ! pl. banat.
289- Cephalanthera pa Ileus Rieh. — Syn. Epi-
pactis ochroleucaB^iümg. ! Fl. transs. 3. p. 174. sec. herbar. ej.
Irideae«
290. Crocus iridiflorus Heuff.l — Syn. C. 6a-
naiicus Gay (non HeufF.). C. nudiflorus Kit. (non Sm.). C.
speciosus Roch, et Rchb. crit. 10. f. 1276. (non MB.): etiam
in Spicil. rumel. C. iridiflorum speciminibus incompletis ob-
scuratum errore quodam ad C. speciosum MB. reductum esse,
Gr. profitetur. C. byzantinus Maly enum. p. 61. (non Ker.).
Banat: in den Waldungen verbreitet, vom August zum
November blühend, auf dem Szarko in die alpine Region nach
Hf. bis 6900' ansteigend: Hf., Wierzb.
291. C. moesiacus Ker. Spicil. rum. — Syn. C.
luteus Heuff.! pl. banat. C. aureus Maly enum. p. 61.
Banat; am Stravatz bei Mehadia (Hf.).
Walachei : bei Krajova in der Nähe des Klosters Bu-
kovacz (Benkner).
292. Iris hungarica Kit. (ic. 3. p. 226.). — Syn.
i. germanica Spr. Fl. halens. , Baumg. Fl. transs. 1. p. 63.,
Spicil. rum. /. hohemica Schlechtend. in Bot. Zeit. 1843. (non
Schm.) et Meyer ! Fl. hann. exe. p. 563. A proxime affmibus
distingui potest tubo perigonii tenui elongato ovario duplo
v. sesquilongiori, stigmatis segmentis oblongatis acutiusculis,
ovario sulcato , spathis margine scariosis ovato-lanceolatis
acutis : recedunt enim ;
/. nudicaulis Lam. (Syn. 1. hohemica Schm.; specim.
Tauschii pr. Kuchelbad lecta) tubo perigonii versus apicem
Iter hun^aricum. 357
sensim ampliato ovario parum longiori, ovario trigono, bra-
cteis herbaceis ;
Vi ;:ij,/. Fieberi Seidl. (Syn. /. biflora Schauer in Regensb.
Fl. 1843. p. 510.: specim. pr, Kottwilz Silesiae lecta) lubo
perigonii versus apicem sensim ampliato ovario parum lon-
giori, Stigmatis segmentis semiobovatis, spathis ovatis obtu-
siusculis et sec. Schauer perigonii segmentis interioribus in-
curvato - erectis.
Siebenbürgen: auf den Tertiärhügeln bei Hermannstadt
im Gesträuche (Fuss) , an Weinbergen bei Rothberg (Fuss).
293. I. pumilaL. var. uniflora, spatha superiori uni-
flora (nee biflora), perigonii tubo elongato limbum violaceum
superante spathas aequante, foliis angustioribus.
Siebenbürgen : bei Hermannstadt unter I. pumila (Fuss).
294. I. caespitosa Fall: ex nota, hanc ab I. ru-
thenica tubo breviori differre. Hucusque cum /. ruthenica Ait.
confusa , a specimine Ledebourii altaico nostra differt tubo
perigonii ovarium aequante (nee 2 — 3plo superante) et spa-
this latioribus cuspide terminali destitutis: eandem vidi in
hortis germanicis cultam sub nomine falso T. humilis. — /. gra-
minea L., perigonii tubo similis, aliena est unguibus perigonii
exterioris dilatatis, antheris filamentum aequantibus etc.: in
nostra filamentum antheram conspicue excedit.
Siebenbürgen : bei Hermannstadt (Fuss).
liiliaceae.
295. Ailium paniculatum L. Sm. — Syn. A. fu-
scum Kit. ic. 3. t. 241. ex loco classico. Parum difFert ab
A. pallente L. (cuius forma sec. Gay rubella) foliis latiori-
bus, pedunculis umbellae mediis elongatis strictis, exteriori-
bus nutantibus, perigonio rubente ovarium duplo superante:
convenit foliis ligula carentibus, umbella spathellis instructa
et ovario apice sexcrenulato.
Banat: häufig an Felsen bei den Herkulesbädern, so-
wohl auf Kalk als Granit, 1000'— 1200'!
296. A. ammophilum Hauff.! (in Regensb. Fl.
1835. 1. p. 241.). — Syn. A, senescens Bmmg. Fl. transs. 1.
p. 290. sec. Fuss. A. flavescens Kth. enum. 4. p. 426. quoad
descr. (exclus. synon. Bess.). Specifice distinctum ab A, aU
358 Grisebach und Schenk:
hido Fisch, et A, flavescente Bess. : foliis planis anguste li-
nearibus (nee semiteretibus), perigonio ochroleuco, segmen-
tis acutiusculis et staminibus longe exsertis perigonium duplo
superantibus (A. albido sunt stamina perigonio albo inclusa,
A. flavescenti stamina parutn perigonium ochhroleucum su-
perantia).
Banat: auf den sandigen Pusten des deutschen Ba-
nats CHf.)-
Siebenbürgen: auf den Tertiärhügeln des Beckens von
Hermannstadt, z. B. am Zackeisberge bei Gross-Scheuern an
freien, dicht von Stauden bewachsenen Abhängen, 1800' !
297. A. xanthicum (Scorodon) bulbo elongato tu-
nicis in fibras solutis incluso, scapo basi foliato angulato, fo-
liis planis lineari-filiformibus, nervis sublus prominulis, ligulis
transversim truncalis , spatha univalvi subulato-rostrala um-
bellam vix aequante , umbella tenui capsulifera , perigonio
flavescente patente, segmentis elliptico-oblongis obtusiusculis,
staminibus simplicibus perigonio duplo longioribus , alternis
basi dilatatis. — Syn. A. Moly Baumg. ! Fl. transs. 1. p. 291.
(exclus. descriptione). A. /ewwi/b/wm Schur ! in Verhandl. d.
siebenb. Vereins 1851. p. 169.: solum nomen (non Jord.).
Habitus A. saxaülis MB., a quo bulbi tunicis a basi ad api-
cem in fibras tenues solutis, spatha univalvi et floribus flavis
differt; characteribus proprius accedit ad^. ochroleucum Kit.,
sed scapus angulatus, umbella tenuis, folia multo angustiora,
spatha et bulbi vaginae recedunt.
Siebenbürgen : in der alpinen Region der südlichen Kar-
paten von Fogarasch (Schur).
298. Gagea minima Seh. — Syn. Ornithogalum
callosum Kit. ! sec. specim. originär, herbar. Mauksch. Gagea
callosa Seh. et Kth. enum. 4. p. 243.
299. G. succedanea Gr. bulbo solitario obliquo,
folio imo solitario iuxta bulbum cum scapo laterali late lineari
apice attenuato obtusiusculo piano, floralibus 2 suboppositis,
pedunculis glabris umbellatis, perigonii segmentis lanceolatis
obtusis. — Syn. 6?. pratensis var.? HeufF. ! pl. banat. — Dif-
fert a G. pusilla Seh. , cui bulbo solitario postumo et habitu
proxime accedit: folio piano latiori iuxta bulbum obliquum
It«r hnngarienm. 359
quasi laterali; bulbi formatione medium locum tenet inter G.
luteam Seh. et 6?. ar'censem Seh. Cl. Irmisch, Gagearum stre-
nuus observator, in literis monet, nostram speciem cum G.
lutea et pusilla bulbo folioque solitariis convenire , verum
bulbi figura et situ axeos radicumque magis accedere ad G.
arvensem.
Banat: in schattigen Thälern bei den Herkulesbädern (Hf.).
300. Bulbocodium ruthenicum Bg. — Syn. B.
edentatum SchvLY \ in Verh. d. siebenb. Vereins f. 1851. p. 165.
t. 6. (flg. eximia) ; huc quoque referendum videtur B. vernum
Maly enum. p. 48., pr. Debreczin a Schiffero lectum. — Dif-
fert a B. verno L. foliis rectis (nee patentibus) et perigonii
lobis edentatis basi margine involuto instructis.
Siebenbürgen: bei Klausenburg, wo diese Pflanze erst
seit 1849 bemerkt wird (Joo).
301. Colchicum p anno ni cum n. sp. , autumnale,
foliis hysteranthiis oblongis, perigonio roseo, limbo (lyi"
longo) tubo 4 — 6plo superato, segmentis oblongis v. spathu-
lato-oblongis obtusis 13 — ITnerviis, alternis pauUo breviori-
bus , nervis superne rectis (rarius flexuosis) , venis remotis,
stylis apice uncinatis limbum dimidium et stamina superanti-
bus. — Syn. C. multiflorum Schur! ined. (nee Brot.). Col"
chicum sp. HeufF. ! pl. banat. Proximum C. autumnali L. , di-
stinctum perigonii limbi segmentis alternis brevioribus, sti-
gmate magis uncinato, foliis latioribus 172" latis; habitu,
perigonii magnitudine et proportione segmentorum etiam exi-
mie accedit ad C. byzantinum Ker. (quo nunc reducit Gr. C,
speciosum Stev. sec. specim. Ledebour. a cl. Nordmann lecta,
quo praeterea |pertinet C. Bivonae? Heldreich pl. graec),
differt vero stylo limbi % aequante stamina excedente (nee
limbum dimidium et stamina aequante) foliisque oblongis.
Banat: auf dem Berge Serbana bei den Herkulesbä-
dern (Hf.).
Siebenbürgen : in den Wiesenthälern am Fusse des Zak-
kelsbergs bei Gr. Scheuern unweit Hermannstadt, 1500'!
360 Grisebach und Schenk.
Cyperaceae.
302. Carex pyrenaica W.
Banat : in der alpinen Region am Szarko (Hf.), am Gregu
CWierzb.).
Siebenbürgen: häufig unter Nardus-Rasen am Ufer des
Jaeser auf dem Fromoasa, 6350'!
303. C. depauperata Good.
Banat: häufig in den Buchenwaldungen oberhalb der
Herkulesbäder, auf Kalk, 2000'— 2500'! ; im Donauthale (Hf.).
304. C. brevicollis DC. — Syn. C. rhynchocarpa
Heuff.! in Regensb. Fl. 1833. 1. p. 364. Convenit cum spe-
ciminibus cl. Jordan lugdunensibus.
Banat : auf Grasabhängen des Domaglett (Hf.), an Kalk-
felsen bei Csiklova (Wierzb.) *).
305. C. Halleriana Ass. — Syn. C. transsylvanica
Schur! in Verh. d. siebenb. Vereins f. 1851. p. 67.: forma
pallens , spiculis $ saepe plurifloris , squamis minoribus, at
fructus maturi non exstant.
Siebenbürgen : an Weinbergen bei Michelsberg am Fusse
der Karpaten des Cibingebiets (Fuss).
306. C. pacifica Drej. — Syn. C. dacica Heuff.! in
Maly enum. p. 34.
Banat: in der alpinen Region des Szarko (Hf.).
Orattiineae.
307. Koeleria glauca Pers. — Syn. Äira dacly-
loides Roch. pl. rar. f. 3. sec. specim. Heuffeliana.
308. Pox nemoralis L. — Syn. P. depauperata Kit.
sec. specim. Wierzbickiana. P. Kitaibelii Kih. enum. 1. p. 364.
*) Es ist eine bemeükenswerthe Erscheinung, dass C. pyrenaica,
depauperata und brevicollis Ungarn's mit den französischen Arten iden.
tisch sind, während in anderen Familien mehrfach gezeigt wurde, dass
westliche Pflanzen, die man in den Karpaten wiederzuerkennen glaubte,
abgesonderte Arten bilden, z. B. Saxifraga pedemontana, ajugifolia und
luteopurpurea, Inula bifrons, Asperula hexaphylla, Bulbocodiuni vernura.
Iter hungaricum. 361
309. Eragrostispilosa PB. var. minor^ digitalis,
foliis tenuioribus, paniculae ramis subsolitariis.
Siebenbürgen : auf Salzboden bei Salzburg gesellig !
310. Sesleria rigida Heuff.! (Regensb. FI. 1833.
1. p. 366.). — Syn. S. Biehii Schur! in Verb. d. siebenb.
Vereins f. 1850. p. 109. A S. caerulea Ard. distincta foliis
imis canaliculato-convolutis, culmeis latioribus planiusculis,
et arista paleae inferioris media paleam dimidiam subaequante.
Banat:''auf^dein Domaglelt (Hf.).
Siebenbürgen: in den südlichen Karpaten von Argasch
(Schur); nach Schur auch in den nordöstlichen Karpaten am
Kuhhorn.
311. S. filifolia Heuff.! Cpl. banat.). — Syn. S. ^e-
nuifolia Schur 1. c. p. 187. (nee Schrad.). Species, quantum
scimus, inedita: rhizomate fibroso stolonifero, vaginis emar-
cidis demum fissis, fibris distinctis, foliis canaliculato - seta-
ceis, nervis subaequalibus, panicula disticha breviter oblonga
V. ovoidea coerulescente, glumis subulatis spicula parum su-
peratis glabris , palea inferiori apice 3 — ödentata e lacinia
media breviter aristata, arista flore quadruple superata. —
Habitu accedit ad S. tenuifoliam Schrad. (S. iuncifoliam Host),
quae vaginis reticulato-fibrosis specifice difFert, characteribus
ad praecedentem, inter quam et S. coeruleam Ard. interme-
dia: ab illa arista breviori et foliis subaequalibus, ab hac
oliis canaliculatis angustioribus, ab utraque foliis culmeis mar-
gine crasso destitutis recedit.
Banat : an Kalkfelsen bei Krassova (Hf.).
Siebenbürgen: in den südlichen Karpaten auf Kalk
(Schur).
312. S. coeruleaArd. — Syn. S. Heufleriana Schur !
I.e. p. 187.: forma quandoque foliis apice obtusiusculo cuspi-
datis et arista paleae pauUo longiori, at non in omnibus spe-
ciminibus aberrans.
Siebenbürgen: an Felsen in den südlichen Karpaten bei
Tallmesch am rothen Thurmpass (Fuss).
313. Avena carpatica Host. Wahlenb.! Fl. Carp.
p, 33. — Syn. A. c«7iam Kit. ! A. variegata Schur! mscr.
A, flavescens variegata Gaud. et Koch. DifFert ab A, flave-
362 Grisebach und Schenk: Iter hungaricum.
soente L. foliis latioribus , ligula breviter producta , spiculis
fusco-variegatis, palea superiori lanceolata a medio sensim
attenuata. Synonyma adiuncta plane eandem plantam sistunt,
elsi in speciminibus e Carpatis centralibus originariis ovarium
apice pilis quibusdam evanidis et palea inferior ciliolis den-
sioribus instructa aliquid recedunt: in formis enim alpinis et
transsylvanicis ovarium glaberrimum est; ceteri characteres
a Wahlenbergio dati aeque fallaces , scilicet palea inferior
apice integra , quae in ipsis illis speciminibus saepe apice
bisetulosa, folia ciliata, quae quandoque glabra. Et statione
subalpina et characteribus medium locum tenet inter A. fla^
vescenfem et A. alpesfrem Host, quae specifice difiFert ovario
apice dense puberulo, paniculae contractae ramis subsolita-
riis, statura humili.
Ungarn: in der subalpinen Region der Tatra - Karpaten
(Mauksch).
Siebenbürgen: in den südlichen Karpaten von Foga-
rasch (Schur).
314. Alopecurus laguriformis Schur! (Verh.
d. siebenb. Vereins f. 1850. p. 182.) Eualopecurus, rhizomate
repente, foliis planis, superioribus vagina ventricosa brevio-
ribus, stolonum angustioribus, ligula abbreviata, panicula ovoi-
deo-oblonga, glumis basi connatis elliptico-lanceolatis apice
recto acutis carina longo sericeo - ciliatis florem obtusiuscu-
lum paullo superantibus , arista paleae terlia parte supra ba-
sin inserta geniculata glumas fere duplo superante, stylis in-
ferne connatis. — Medius inter A. pratensem L. et A. glau-
cum Less., aj) illo forma paniculae, ciliis glumarum longiori-
bus glumisque ad sextam partem connatis florem excedenti-
bus distinctus, ab hoc praeterea stylis basi connatis et arista
profundius inserta.
Siebenbürgen: in den südlichen Karpaten von Argasch
(Fuss).
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