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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHS ON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN,
PROF D».vos SIEBOLD IN MÜNCHEN, PROF. Dr. A.WAGNER
IN MÜNCHEN UND PROF. Da. LE UCK ART IN GIESSEN.
HERAUSGEGEBEN
VON
Dr. r. H. TROSCHBI-,
PROFESSOn AN DER FRIEDRICU-WIUIELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN.
EIN UND ZWANZIGSTER JAHRGANG.
Kw^eiter Band«
BERLIN, 1855.
VERLAG DER N I C O L A I S C H EN BU CHll A N D LÜN «.
/lA^^n:
rMKV^K
Inhalt des zweiten Ban des,
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säug,
thiere während des Jahres 1854. Von Prof. Andr. Wag.
ner in München
Seite
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel
während des Jahres 1854. Von Dr. Hartlaub in Bremen
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der niede-
ren Thiere während der Jahre 1848 — 1853. (Schluss, die
Protozoen enthaltend). Von Prof. Leuckart in Giessen 75
Bericht über die Leistungen in der Entomologie während des
Jahres 1854. Von Dr. Gerstaecker in Berlin
1. Insecten 111
2. Myriapoden 273
3. Crustaceen 274
4. Arachniden 307
Bericht über die Leistungen in der geographischen und syste-
matischen Botanik während des Jahres 1854. Von Prof.
Grisebach in Göttingen
1. Pflanzengeographie 313
2. Systematik 374
IV Inhalt.
Seile
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Herpetologie wäh-
rend des Jahres 1854. Vom Herausgeber . . 411
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1854. Vom Herausgeber . . . . 426
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Naturgeschichte der
Mollusken während des Jahres 1854. Vom Heraus-
geber "*^''
Bericht über die Ijeistuiig^en in der IVatur*
g^eseliiclite der Säugtliiere während des
Jahres 1§54.
Von
Prof. Andr« HWagrner
in München.
Von des Referenten Forlsetzungen der 5ten Abihei-
lung des Supplementbandes zum Seh r eb er'schen Säug-
thier- Werke sind bis jetzt 6 weitere Hefte erschienen,
und wird diese Abtheilung noch im Laufe des gegenwärtigen
Jahres vollständig abgeschlossen werden. Sie wird auch
besonders ausgegeben unter dem Titel : Die Säugthiere in
Abbildungen nach der Natur und mit Beschreibungen. Eine
Zusammenstellung der neuesten Entdeckungen auf dem Ge-
biete der Säugthierkunde, bearbeitet von A. Wagner. Leip-
zig 1853 — 1855.
Diese Abtheilung begreift die Affen, Zahnlücker, Beutel-
thiere, die 3 Ordnungen der Hufthiere, die Insektenfresser
und Hand flügler. Die rasche Folge der Lieferungen ist dadurch
ermöglicht worden, dass ich die beiden letztgenannten Ordnungen und
die Affen schon mehrere Jahre vor der Wiederaufnahme des Druckes
im Manuskripte bearbeitet und daher bei diesen nur die neuesten Ent-
deckungen einzuschalten hatte. Bei denjenigen Gruppen, bei welchen,
wie hei den Zahnlückern, Dickhäutern, Einhufern, Schafen, Ziegen,
Rindern und Schwielengängern, zu meinen früheren Vorlagen nur we-
nige Zusätze und Aenderungen nöthig waren, beschränkte ich mich
auf blosse Zufügung derselben; wo aber, wie bei den übrigen Grup-
pen, nicht bloss neue Gattungen und Arten einzuschalten waren, son-
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. A
2 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
dem überdiess mit vielen der früher aufgestellten wesentliche Be-
richtigungen vorgenommen werden mussten und selbst die systemati-
sche Anordnung durchgreifende Aenderungen zu erfahren halte , da
habe ich es, um eine solche Arbeit durch vielfache Zerstückelung
nicht höchst unbequem für den Gebrauch zu machen, vorgezogen, eine
Synopsis der Gattungen und Arten zu liefern, wobei ich der sicher-
gestellten nur kurz gedachte, die unsicheren und nunmehr besser ge-
kannten , so wie die neu entdeckten Formen in genauere Berück-
sichtigung zog. Um die Beendigung dieser 5ten Abtheilung des Sup-
plementbandes nicht allzuweit hinauszurücken, habe ich mich, so weit
als thunlich, der Kürze befleissigt , dagegen mich bestrebt, mit mög-
lichster Vollständigkeit die neueste Literatur anzuführen, um Jedem,
der sich weiteren Raths erholen will, nach bestem Willen förderlich
sein zu können.
Allgemeine Zoologie. Systematische Darstellung des ge-
sammten Thierreichs nacli seinen Klassen von C. G. Giebel.
Säuglhiere. Leipz. seit 1853.
In den beiden Jahren 1853 und 1854 sind 'von dieser Bearbei-
tung der Säugthiere 7 Lieferungen ausgegeben worden , welche die
Ordnungen der; Walle, Flossenfüsser, Dickhäuter, Wiederkäuer, Ein-
hufer , Zahnlücker und Kager enthalten ; so eben ist mir auch der
Schluss des ganzen Bandes zugekommen. Der Verf. beabsichtigt alle
Arten, die lebenden wie die ausgestorbenen, aufzuführen. In wel-
cher Weise er seine Aufgabe gelöst hat, wird sich aus nachstehenden
Bemerkungen ergeben, die sich auf eine von Herrn G. veröffentlichte
Kritik meiner neuen Fortsetzungen des S ehr ebe r'schen Werkes be-
ziehen.
Meine Bearbeitung hat nämlich eine vollständige Missbilligung von
Herrn G. erfahren. Wie er in der Zeitschrift für die gesammten Natur-
wissenschaften (1855. S. 427) sagt, entspreche sie leider! weder dem
auf dem Titel in Aussicht Gestellten, noch den gegenwärtigen Anforde-
rungen an ein solches Werk. Der Text sei nämlich nichts weiter als
eine Zusammenstellung der im W i egma n n'schen Archiv gegebenen
Jahresberichte mit Zufügung einiger Nachträge. Wie schon in jener
früheren Arbeit Gebiss , Schädel , Skelet, weiche Theile von mir bald
gar nicht, bald theilweise, in sehr wenigen Fällen vollständig berück-
sichtigt worden seien, und was in den Jahresberichten absichtlich
oder unabsichtlich übersehen worden, suche man auch hier vergebens,
so dass als blosse Zusammenstellung betrachtet meine Arbeit eine nur
unvollständige sei. Die Verwerthung osteologischer Detailuntersuchun-
gen für die Systematik hielte ich, weil ich sie nicht beurtheilen lernte,
auch der Beachtung nicht werth. Es sei freilich leichter die Farbe
und den Pelz zweier Arten zu vergleichen, die Länge ihrer Ohren und
der Säuglhiere während des Jahres 1854. 3
ihreß Schwanzes nach Zollen und Linien zu messen, als an den zaiil-
reichen Knochen ihrer Skelete die gcnerischen , specifischcn und in-
dividuellen Eigenthümlichkeiten in Grösse und Gestalt zu ermitteln.
Genug Herr G. giebt deutlich zu verstehen , dass meine Arbeit —
zumal gegenüber der seinigen — füglich hätte unterbleiben können.
Als ich diese freundliche Beurtheilung meines Opus las, fiel mir
eine auf ähnliche Veranlassung gemachte Aeusserung von Herrman-
sen (Indicis generum Älalacozoorum supplemenla et corrigenda) bei:
„proh dolor! omniperitus C. Giebel librum nostrum supervaca-
neum pronuntiavit ; utinam ante supplementorum impressionem didi-
cissem 1" — Zum Glück bin ich in einem Stück besser daran als Herr-
mannsen, denn da der Druck meines Werkes bei meiner Bekannt-
werdung mit jener Kritik noch nicht beendigt war, so hätte ich das
Versäumte, wenn ich nur darauf aufmerksam gemacht worden wäre,
in Nachträgen einigermassen wieder gut machen können. Wirklich ist
auch Herr G. so zuvorkommend gewesen, mir das Hauptgebrechen an
meiner Arbeit unumwunden anzugeben. Es schienen nämlich , wie
er sagt , die zahlreichen Berichtigungen , die er in seiner umfassen-
den zoologisch-palaeontologisch-anatomischen Bearbeitung der Säug-
lhiere gegeben, für mich gar nicht zu existireo ; eben so hätte ich
bei der Beschreibung des Gebisses nur üwen's Odontographie be-
nutzt, der seinigen dagegen, in welcher doch über 1000 Säugthierschä-
del geprüft seien , hätte ich keine Beachtung geschenkt.
Also die Arbeiten des Herrn G. habe ich nicht benutzt ; hinc
illae lacrimae ! Ich könnte nun zwar zur Rechtfertigung anführen,
dass meine neuen Fortsetzungen des Sc hr eb e r'schen Werkes gleich-
zeitig mit der allgemeinen Zoologie von G. ihren Anfang und Fort-
gang genommen haben, und dass ich sie daher, wenigstens von vorne
herein, für meinen Text eben so wenig benutzen konnte, als umge-
kehrt mein Criticus den meinigen für seine Th'^rologie benutzt hat.
Indess ich will diese Kachsicht für mich gar nicht in Anspruch neh-
men ; ich gestehe ohne Bedenken , dass mir bei Abfassung meines
vorigen Jahresberichtes, und noch lange nachher, die allgemeine Zoo-
logie von G. vollständig aus dem Gedächtnisse entschwunden war, und
dass sie mir erst heuer, wo mein Manuskript bereits zum Abschlüsse
kam, in dasselbe durch C. Vogt zurückgerufen wurde, der Herrn G.
„als letzten und gründlichsten Bearbeiter der Naturgeschichte der
Säugthiere" bezeichnete.
Ein solches Lob aus solchem Munde hätte vielleicht einen an-
deren Schriftsteller bange gemacht, dass er in der unvermutheten Con-
currenz nicht bestehen würde. Ich war jedoch deshalb ganz unbe-
sorgt, denn was ich nach den früheren literarischen Leistungen von
G. erwartete, dass meine Arbeit durch Nichtbenutzung der seinigen
so gut wie nichts verloren haben würde» fand ich beim Durchsehen
4 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
derselben im vollsten Maasse bestätigt. Die Therologie von G. ist näm-
lich in ihrem zoographischen Theile eine blosse Compilation, wie sie
bei der beschränkten Autopsie, die ihm eine kleine Sammlung ge-
währen konnte, nicht anders zu erwarten war. Immerhin aber hätte
diese sehr verdienstlich ausfallen können, wenn ihr Verfasser wenig-
stens die Literatur mit Umsicht, Gründlichkeit und Vollständigkeit be-
nutzt hätte. Allein in dieser Beziehung wird auch ein billiger Be-
urtheiler sich vielfach nicht befriedigt sehen. Theils hatte der Verf.
mit dem grossen Uebelstande zu kämpfen, dass ihm an seinem Wohn-
orte die Literatur nur spärlich zugemessen war , theils aber hat er
auch das ihm Zugängliche nicht mit gehöriger Sorgfalt verwendet,
vielmehr zeigt sich häufig bei ihm eine grosse Flüchtigkeit und Ue-
bereilung. Den anatomischen Theil seiner Arbeit anbelangend, so wol-
len wir dem Verf. gern das Verdienst zuerkennen, dass er hiemit
derselben einen besondern Werth verliehen und dem Anfänger in
diesen Studien einen wesentlichen Dienst erzeigt habe; wenn er aber
weiterhin die Meinung ausspricht, dass er hiemit auch dem Zoologen
vom Fache ein reiches Material, insbesondere aus der Osteologie, zur
Verwerthung dargeboten hätte, so befindet er sich in grosser Selbst-
überschätzung. In einem solchen Falle könnte es sich nämlich nur
um das von ihm ausgehende Reue, womit er die Zootomie bereichert
hätte, handeln. Allein bei einer , wenn auch nur flüchtigen Durch-
sicht seiner Therologie bin ich auf neue , von G. herrührende Auf-
schlüsse über die Beschaffenheit der Innern Weichtheile nicht gestos-
sen, und bezüglich der osteologischen Verhältnisse, wobei ihm aller-
dings die vortreffliche Meckel'sche Sammlung zur Benutzung vergönnt
war, ist gleichwohl das Neue, was er dargeboten, im Verhältnisse
zu dem in der Literatur bereits Aufgenommenen so spärlich , dass er
gerade nicht Ursache hat, sich dessen sonderlich zu überheben. Was
aber sonst schon in der Literatur niedergelegt ist, kann Jeder, wenn
und in wie weit es ihm beliebt, aus erster Hand schöpfen, ohne der
Vermittelung von G. zu bedürfen.
Um das Gesagte zu motiviren, will ich aus der Therologie von
G. nur die Abtheilung der Hufthiere hervorheben , welche jetzt für
die Bearbeitung die wenigste Schwierigkeit darbietet. Man wird
aber bei der Vergleichung bald mit Befremden gewahr werden, dass
G. Hauptarbeiten aus der neueren Zeit, wie z. B. die umfassenden
systematischen Arbeiten Gray's über die Hufthiere vom Jahre 1851
und 1852, die trefflichen Abhandlungen Turner's über die Schädel-
formen der Hohlhörner von 1851, die Kn o w s le y-M en a ge r i e
mit ihren zahlreichen herrlichen Abbildungen neuer seltener Hufthiere
gar nicht zu Uathe gezogen hat, anderer Vernachlässigungen der Li-
teratur nicht zu gedenken. Die Folge davon ist schon gleich , dass
ihm viele neue Arten ganz entgangen sind. So fehlen z. B. bei den
der Säuglliiere während des Jahres 1854. 5
Antilopen nicht wenin^er als 8 Spccies, nämlich : Antilope Angasii, pi-
cticaudata, Leche, taxicolor, niger (Pluto Temm.) , dorsalis, melano-
rheus und VN'hitfieldi. Von Hirschen ist Cervus Kichardsoni, von Scha-
fen Ovis Arkar, von Schw^einen Sus pictus nicht aufgeführt; selbst
die zw^eite Art von Flusspferden, llippopotamus liberiensis, seit zehn
Jahren, und jetzt ihrem ganzen Skelete nach, gekannt, wird ver-
missl. Eben so w^enig hat der Verf. etwas davon erfahren, dass Mo-
schus aquaticus von allen lebenden Wiederkäuern sich durch das Vor-
kommen zweier getrennter Mittelhand- und Miltelfussknochen in auf-
fallendster Weise unterscheidet ; er wird in einer Note kurz abge-
fertigt.
Als weitere Folge der Vernachlässigung der Literatur ergiebt
sich dann auch eine häufig unrichtige Gruppirung der Arten, was ins-
besondere in der formenreichen Gruppe der Antilopen hervortritt.
Zu den wesentlichen Anhaltspunkten bei Errichtung von Abtheilun-
gen unter denselben gehört der Schädelbau, aber gerade mit diesem
hat sich G. nicht gehörig vertraut gemacht, weshalb auffallende Miss-
griffe von ihm gethan wurden. So z. B. belässt er die Antilope py-
garga und albifrons noch bei den Gazellen ; ein Irrthum, der von mir
früher ebenfalls begangen , aber schon längst wegen der grossen
Verschiedenheit im Schädelbaue berichtigt wurde. Antilope Saiga
«nd A. Hodgsonii werden mit A. cervicapra, gutturosa und melam-
pus, die A. Addax mit A. Buballs in eine Abtheilung gebracht, wäh-
rend doch die gewaltigen Differenzen in den Schädelformen längst
nachgewiesen sind. Die durch äussere Merkmale wie durch ihren
Schädelbau höchst natürliche Gruppe Cephalolophus bringt G. um ih-
ren ganzen Charakter, indem er ihr noch die differenten Formen Na-
notragus , Meotragus und Nesotragus , ja, was ganz ungeheuerlich,
ihr auch die A. picta aufdringt; es giebt aber keine heterogeneren
Schädelformen unter den Antilopen als die von Cephalolophus und
A. picta.
Unter solchen Umständen wird man nicht erwarten dürfen, dass
durch G. die Kenntniss der Arten sonderlich gefördert worden wäre,
wohl aber könnte sie zum Rückschritte kommen, wenn man ihm in
der unbedachten, durchaus unmotivirten Weise, mit welcher er über
die Selbstständigkeit von Arten, und gewöhnlich im absprechendsten
Tone, aburtheilt, folgen wollte. Wer z. B. , um nur bei den Huf-
thieren stehen zu bleiben, den Hyrax capensls mit H. arboreus zu-
sammenwerfen , die sämmtllchen indischen Schweine mit Sus scrofa
vereinigen, Rhlnoceros cucullatus als eine noch nicht hinlänglich be-
gründete Art erklären, Ovis Nahur zwischen 0. Argali und 0. mon-
tana einreihen kann u. s. w. , der verräth hiemlt, dass er sich nicht
Zeit genommen hat, von den Eigenthümlichkeiten dieser Arten eine
6 >Vagner: Bericht über die Leistungen in der Kalurgeschichle
nur oinigermassen genaue Kenntniss zu erlangen, sondern in übergro-
ser Hast und Flüchtigkeit darüber hinweggegangen ist.
Die vorstehenden Frohen mögen zur Feststellung des Unheils
über die neue Arbeit von G. genügen. Obwohl er versichert, dass
er fast täglich 10 bis (horribile dictui) IS Stunden arbeite, so ist es
doch nicht möglich, im Laufe von zwei Jahren einen Stoff von so un-
geheurem Umfange wie die Therologie gründlich zu bewältigen, zu-
mal wenn man nebenbei , wie es bei (i. der Fall ist, noch andere
weitschichtige Arbeiten Jahr aus, Jahr ein auf den KüchermarUt bringt.
Ich bin keineswegs gesonnen, mit den vorhergehenden kritischen Be-
merkungen der Bearbeitung der Säugthiere von G. ihren AVerlh ab-
sprechen zu wollen; im Gegcntheile erkenne ich es an, dass sie De-
nen, welche weder reiche zoologische Sammlungen noch grosse
Bibliotheken benutzen können , erspriessliche Dienste leisten wird.
Aber Herr G. hätte doch klüger gethan , wenn er statt mit gänzlich
unberechtigter Anmaasslichkeit und Ueberhebung , mit Bescheidenheit
aufgetreten wäre und dadurch die Kritik gegen sich nicht geradezu
provocirt hätte. In Bezug auf mich möchte ich ihm überdiess einen
Rath wiederholen , den ihm schon früher bei einer ähnlichen Ver-
anlassung Quenstedt (Jahrb. für Mineral. 1852. S. ÜJO) ertheilte:
„ein Schriftsteller, der in solchen Cardinalpunkten noch fehlt, sollte
doch etwas leiser auftreten und nicht die Werke gerade Derjenigen
herabzuziehen suchen, die er in so hohem Maasse benutzt."
Hisloire nnturolle L\es iMajumiferes, classes melliodiqiie-
inent, avec rimlicalion de leiirs moeurs et de leiirs rnpporls
avec les arts, le commerce et ragriciiIUiro, par M. P. Ger-
vais. Paris 1854.
Der erste Band behandelt im speciellen Theile die Handflügler,
Insektenfresser und Nager, ist mir jedoch noch nicht zugekommen,
daher das Referat über selbigen dem nächsten Jahresberichte vorbe-
halten bleiben muss ; der Käme des VerT. lässt übrigens etwas Tüch-
tiges erwarten.
Noiivelle Classification zoologique basee sur les appa-
rcils et les fonclions de la Toprodiiction , par le docteur E.
Guitton (Rev. zool. ]8j4. p. 49 etc.).
IS'ach einor eigcnthümlichen Weise sucht der Verf. eine neue
zoologische Classifikation zu begründen, die er zunächst an der Klasse
der Säugthiere anschaulich macht. Trotz vieler trefflicher Berichti-
gungen, möchte es doch dem Verf. schwer fallen, seiner Anordnung
einen allgemeinen Eingang zu verschaffen. Am wenigsten wird diess
mit seiner Abtheilung der Quadrumanen der Fall sein, die er in zwei
Ordnungen bringt: Wasser -Vierhänder und Luft-Vitrhändcr, von de-
der Säuglhiere während des Jahres 1854. 7
nen die ersteren die Walle und Flossenfösser, letztere die Handfiügler
und AfTt-n hogrcifen. Eine solche Vereinigung wird wohl Wenigen
naturgemäss erscheinen.
0(Jo n logra ph ie. Vergleichende Darstellung des Zahn-
syslemes der lebenden und fossilen Wirljellhiere von C. G.
Giebel. Leipz. 1854.
In überraschend kurzer Frist hat der Verf. diese Arbeit been.
digt, die zwar wenig Keues darbietet, aber doch, wie schon im yo-
rigen Jahresberichte anerkannt wurde, recht wohl geeignet ist, „den
Zoologen und Palaeontologen , welchen keine umfangreichen Samm-
lungen und kein ausreichender literarischer Apparat zu Gebote steht,
ein ihre Studien und den Unterricht erleichterndes und förderndes
Werk zu liefern.'*
lieber die Struktur und Homologien der Zähne lieferte
Owen eine sehr interessante und beachlenswerlhe Abhand-
lung in den Ann. of nat. bist. XIII. p. 327.
Die Entwickelung des Zahnbeins und des Schmelzes erläuterte
E. Lent in der Zeitschr. für wissensch. Zoolog. VI. S. 121.
Zur Kenntniss der Schnecke im Gehörorgane der Säugthiere
und des Älenschen lieferte Reissner Beiträge (Archiv für Anatom.
1854. S. 420).
Von den Haaren handelte ebenfalls Reissner in seinen Bei-
trägen zur Kenntniss der Haare des Menschen und der Säugthiere.
Bresl. 1854. — Ferner A. P. Browne: Trichologia mammalium, or
a treatise on the Organization, properties and uses of hair and wool.
Philadelph. 1853.
E. V. ßibra, vergleichende Untersuchungen über das
Gehirn des Menschen und der VVirbellhiere. Mannh. 1854.
Da genaue chemische Untersuchungen des Gehirns gerade nicht
sehr häufig vorgenommen wurden, so ist die vorliegende Arbeit ei-
nes bewährten Chemikers um so schätzenswerther. Es sei mir ge-
stattet, hier nur auf ein Moment in den Resultaten des Verf. hinzu-
weisen, nämlich auf das über den Phosphorgehalt des Gehirns ermit-
telte, welchem neuerdings materialistische Physiologen eine bis ans
Lächerliche streifende Bedeutung beigelegt haben. Der Verf. hat
aus zahlreichen Untersuchungen gefunden: 1) dass der Gesammtge-
halt des Phosphors im Gehirnfette für den Menschen , die Säugthiere
und Vögel nahebei derselbe ist; 2) dass derselbe bei Geisteskranken
nicht die Mittelzahl überschreitet, und dass ebenso das Individuum mit
sehr hohem Alter kein abweichendes Resultat ergeben hat; 3j dass
die Gehirne junger Individuen und der Embryone sich ganz ähnlich
verhalten. — Der Verf. spricht alsdann die Meinung aus, dass der
8 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Phosphor des Gehirns einem der Gehirnfette und zum Theil der Ce-
rebrinsäure angehört, und dass daher von einem grösseren oder ge-
ringeren Gehalte dieser Fette im Gehirne auch ein Mehr- oder Min-
dergehalt von Phosphor bedingt wird. Dass aber durch ein quantitativ
verändertes Verhältniss dieser phosphorhaltigen Fette und mithin des
Phosphors eine grössere oder geringere Intelligenz bedingt werde,
Tobsucht, Blödsiun oder irgendwie eine Reaktion auf geistige Kraft
stattflnde , hat sich nicht ergeben. Der Verf. ist der Ansicht, dass
das Fett selbst als Ganzes eher eine physiologische Rolle zu spielen
bestimmt sein möge. „Ich läugne natürlich nicht," setzt er hinzu, „dass
dem Phosphor ein integrirender Bestandtheil dieser Gehirnfette ist, es
ist sogar wahrscheinlich, dass diese phosphorhaltigen Fette beson-
dere Bedeutung für den Stoffwechsel des Gehirnes haben. Aber ich
glaube nicht, dass die Funktion des Gehirns, der Träger des Gedan-
kens, des Willens zu sein, speciell bedingt wird durch seinen Phos-
phorgehalt. Die Phosphorgehalte der Gehirnfette des Greises , des
Geisteskranken und der Embryone beweisen diess ohne Zweifel."
Uober die Grenzen der Baslardbildung erstaltete Hyrtl
einen gediegenen, mit scharfer Kritik abgefassten Bericht an
die Wiener Akademie (Sitzungsberichte d. mathem. -naturw.
Ci. XIII. S. 143).
Veranlassung hiezu gab die Nachricht, dass auf dem Schlosse
Kaltenbrunn bei Laibach dermalen ein Bastardkalb von Hirsch und
Kuh existire. Diese Behauptung fusste nicht auf Beobachtung des
Begattungsaktes , sondern wurde nach gewissen Eigenthümlichkeiten,
welche gedachtes Kalb von den gewöhnlichen Kälbern auszeichnete,
gefolgert. Fitzinger, der zur autoptischen Untersuchung dieses
Falls von der Akademie abgesendet worden war, überzeugte sich in-
dess: „dass dieses fragliche Bastardkalb zwar allerdings einige unge-
wöhnliche Unterschiede vom gemeinen Rindkalbe darbiete, dass aber kein
einziger derselben zur Annahme berechtige, dass es eine Bastardbil-
dung überhaupt und insbesondere des Hirsches sei" (a. a. 0. S. l63).
— Hyrtl ging überhaupt auf eine Prüfung der wichtigsten Fälle
ein, welche als Belege für die fruchtbare Paarung von Thieren ver-
schiedener Gattungen und Familien angeführt werden, und zeigte mit
grosser Umsicht und kritischer Schärfe die Haltlosigkeit solcher Be-
hauptungen. Wir können uns hier begnügen , das Endergebniss sei-
ner Untersuchungen anzuführen. 1) „Die Zusammenstellung obiger
F"älle beweist, dass nur die nächst verwandten Arten eines Genus
sich unter ganz besonderen Bedingungen und Umständen beim ßegat-
tungsakte vertreten können (Pferd , Esel und Zebra , — Hund und
Wolf, — Löwe und Tieger, — Schaf und Ziege, Hase und Kanin-
chen), und wir können es , ohne die gesicherte Existenz der einzel-
der Säugthiere wahrend des Jahres 1854. 9
nen Arten, ja die der gesammten thierischen Schöpfung umzustossen,
nicht einmal denken, dass die Eier einer Thiergatlung für die mo-
lekulare Einwirkung der Samenelemente einer anderen disponirt
seien. Wenn es je geschähe , dass heterogene ZeugungsstofTe eine
neue Lebensform hervorriefen , müsste dieselbe an den inneren und
äussern Widersprüchen ihres Baues zu Grunde gehen." 2) „Die räum-
lichen Verhältnisse der Genitalien des Hirsches und der Kuh schlies-
sen wohl die Möglichkeit einer Begattung nicht aus, ich glaube
nur, dass die Disparität des Naturells sie nicht suchen lässt, und wenn
sie wirklich stattfände, eine Befruchtung nimmermehr erfolgen
kann. Die Möglichkeit der letzteren zugegeben , wäre ein Ver-
stoss gegen die Grundsätze der Physiologie, — gegen die Logik der
Schöpfung."
Als Beilräge zur Kenntniss specieller Landesfaunen sind
folgende in Erwähnung zu bringen :
R. Hensel lieferte eine üebersicht der fossilen und
lebenden Säugthiere Schlesiens. (Denkschr. zur Feier ihres
öOjähr. Bestehens, herausgegeb. v. d. Schles. Gesellsch. für
V. Kultur. Brest. 1853. S. 2393.
H. Fischer, Bericht über die Säugthier-Fauna des ba-
dischen Landes (Berichte über die Verb, der Gesellsch. für
Beförderung der Naturwiss. zu Freiburg im Br. 1854. S. 71,
1855. S. 113.
Eine mit grossem Fleisse und Genauigkeit abgefasste Arbeit,
die zugleich eine besondere Rücksicht auf diejenigen Arten nimmt,
die früher in Baden vorkamen, nunmehr aber daselbst ausgerottet sind.
Bivort, die Säugthiere des Grossherzogthurns Luxem-
burg (Societe des sc. nat. du Grand-Duche de Luxembourg II.
1854. p. 182).
Vom Verf. werden folgende Arten im wilden Zustande aufgeführt:
Rhinolophus unihastatus. — Vespertilio murinus, serotinus, emargina-
tus, Bechsteinii, pipistrellus, Kattereri. — Plecotus communis, barba-
stellus.
Erinaceus europaeus. — Sorex araneus, fodiens, tetragonurus. —
Talpa europaea.
Meles vulgaris. — Putorius vulgaris, minimus (Belette), ermi-
nea. — Mustela marles , foina. — Lutra vulgaris. — Canis lupus,
vulpes.
Arvicola vulgaris, amphibius. — Myoxus glis, nitela, muscar-
dinus. — Mus rattus, decumanus, musculus, sylvaticus, campestris. —r.
Sciurus vulgaris. — Lcpus timidus.
Cerviis elaphus, capreolus,
10 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Eversmann, noch ein kleiner Nachtrag zur Mam-
malogie (!) des russischen Reiches (Bullet, de Moscou. 1853.
IV. p.487).
Leider ist uns dahier dieser Jahrgang noch nicht vollständig
zugekommen.
Verzeichniss der Fauna des Departement de Seine- et-
Marne vom Grafen von Sinety (Rev. zool. p. 128).
An Säuglhieren sind folgende aufgeführt: Rhinolophus uniha.
Status (sehr selten) , bihaslatus. — Vespertilio murinus, noctula, se-
rotinus, pipistrellus, mystacinus, — Plecotus auritus (gemein), barba-
stellus (dem Verf. nur aus dem Dep. de l'Aube bekannt).
Erinaceus europaeus. — Sorex ciliatus, fodiens, leucodon (nur
einmal gefunden), araneus (häufig). — Talpa europaea.
Meles vulgaris. — Mustela martes , foina , putorius, erminea,
vulgaris. — Lutra vulgaris. — Canis lupus (nicht sehr häufig), vul-
pes et alopex. — Felis catus (in l'Aube, l'Yonne und la Nievre).
Sciurus vulgaris. — Mus decumanus (allenthalben), rattus (noch
in grosser Menge), musculus, minutus. — Myoxus glis (nicht in Seine-
et-Marne, aber nicht selten beiDijon, auch in l'Aube), nitela (häufig),
muscardinus. — Arvicola amphibius , arvalis, subterraneus Selys, ru-
bidus Selys (bei Grand -ßourg. Seine- et- Oise). — Lepus timidus,
cuniculus.
Sus scrofa (im Walde von Fontaineblau durch die Verwüstun-
gen von 1830 und 1848 nicht mehr so zahlreich wie ehemals; in den
Waldungen von Lumigny und Valence in ziemlich grosser Menge). —
Cervus elaphus (ehemals ganz gemein in den Waldungen von Fon-
taineblau, seit den gedachten Jahren aber kaum mehr vorhanden),
dama (derselbe Fall), capreolus (gemein).
Einige Rcmerkungen über die um ßarrakpur und Dakka
vorkommenden Säuglhiere wurden von Capt. Tytler l)eige-
bracht (Ann. of nat. hist. XIIL p. 375 und XiV. p. 171).
Um Barrakpur fand er: Felis leopardus, Faradoxurus typus,
Herpestes griseus, Canis aureus und Vulpes bengalensis. Ferner: So-
rex murinus, Mus flavescens , nemoralis, decumanus; Sciurus palma-
rum. Unter den Fledermäusen sind sehr gemein : Kycticejus casta-
neus, luteus, Rhinolophus lepidus, Taphozous longimanus, Megaderma
lyra , Cynopterus inarginatus und Pteropus Edwardsii. — Unter den
um Dakka vorkommenden Thieren sind bemerklich zu machen: Viverra
Zibelha, ein RoUmarder , der vom Faradoxurus musanga nicht ver-
schieden zu sein scheint; ferner: Herpestes griseus, Felis tigris und
viverrina 5 Lutra chinensis. Häufig findet sich ein Eichhörnchen, das
der Säugthiere während des Jahres 1854. 1 1
Tytlcr für eine neue Art hält und als Sciurus Blythii bezeichtiet.
Auch in einer Maus will er eine neue Art sehen, die er als Mus dac
caensis benennt.
J. Bianconi, specimina zoologica mosambicana Fase.
VII. de mamnialibus (Memorie della Academ. delle scienze
dell' Islit. di Bologna. V. 1854. p. 225).
Zehn Arten sind hier aufgeführt: 1) Otolicnus crassicaudatus,
2) Cynopterus marginatus Cuv., 3) Nyetinomus plicatus Geoflr. ? (Dy-
sopes Irnuis Horsf.), 4) Rhinolophus clivosus , 5) Nycticejus leuco-
gaster, 6) Chrysochloris capensis , 7) Gerbillus pygargus Fr. Cuv.?
(Meriones Gerbillus Rüpp.), 8) Helamys caffer, 9) Phacochoerus afri-
canus Fr. Cuv., bloss 2 obere Eckzähne, 10) Rhinoceros bicornis Cuv.,
nach 2 Hörnern. — Da dein Verf. noch nicht Peters Werk über
Mossambique zugänglich geworden war, er auch mit der einschlägi-
gen Literatur nicht sonderlich versehen zu sein scheint, so sind die
Bestimmungen nicht immer mit der gehörigen Sicherheit vorgenommen ;
von Nro. 2 und 3 wird bei den Handflüglern noch besonders die
Rede sein.
Report of an expedition down Ihe Zuni and Colorado
rivers by Capt. L. Sitgreaves. Washingt. 1853.
Die Säugthiere sind von Woodhouse bearbeitet und
von ihm folgende aufgezählt:
Yespertilio carolinensis. — Condylura cristata. ~ Ursus ameri-
canus , ferox. — Procyon lotor. — Putorius erminea. — Mephitis
americana , macroura. — Lutra canadensis. — Bassaris astuta, wird
in einigen Gegenden von Californien gezähmt, um die Mäuse wegzu-
fangen, — Canis gigas, nubilus, latrans, frustror. — Vulpes cinereo-
argenlatus. — Felis pardalis, concolor.
üidelphys virginiana ; sehr häufig.
Castor fiber. — Mus musculus und decumanus; beide gemein in
allen Ansiedelungen der Weissen. — Hesperomys texana, leucopus. —
Perognathus penicillatus. — Dipodomys Ordii. — Geomys bursarius,
fulvus. — Spermophilus tredecimlineatus, ludovicianus. — Sciurus
carolinensis, macrurus, hudsonicus, Abertii. — Hystrix dorsata. —
Lepus sylvaticus, artemisia, callotis.
Dicotyles torquatus, am Canadienfluss, im indianischen Territo-
rium und von da an zahlreich in Texas.
Cervus niacrolis, häufig im westlichen Texas und Keu-Mexiko bis
nach Californien; C. virginianus, zahlreich im indianischen Territorium
und im östlichen Texas ; C. canadensis in Texas, Neu-Mexiko und Califor-
nien. — Antilope americana, ungemein häufig. — Ovis montana, in den
gebirgigtu l)islrikten von Neu-Mexiko und Californien. — Bison ame-
12 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
ricanus, meist ausgerottet, doch noch im nördlichen Texas; bei den
Creeks sah der Reisende einige gezähmte Thiere, die mit dem ge-
wöhnlichen Vieh herumliefen.
Abgebildet sind: Dipodomys Ordi tab. 4, Geomys fulvus tab. 5
und Sciurus Abertii tab. 6.
Von Audubon und Bachman's Werke: Ihe Quadru-
peds of Korlh America ist noch ein Hefl, Nr. 31, nachgelie-
fert und dasselbe nunmehr abgeschlossen worden.
John Le Conle machte in den Proceed. *"*) of Phila-
delph. 1854. p. 8 auf einige früher beliannle, nun aber ver-
gessene oder verlorene nordamerikanische Säugthicre auf-
merksam.
Diese Arten sind Felis rufa Penn. , welche er für verschieden
von dessen Felis monlana ansieht, die jetzt gewöhnlich unter erste-
rem Namen begriffen wird. Ferner zählt er zu diesen verschollenen
Arten die Wild Cat von Lewis und Clarke (Felis fasciata Rafin.),
die von Charlevoix und üupratz als Fichoux bezeichnete Wild-
katze aus Louisiana, Pennant's Silvery Fox von eben daher, den
von Clavigero aufgeführten nackten Comanche-Hund, eine
Wasserratte von Fennant und von Dupratz erwähnte Maus
aus Louisiana.
Systematische Uebersicht der Thiere Brasiliens, w^elche
während einer Reise durch die Provinzen von Rio de Janeiro
und Minas geraes gesammelt oder beobachtet wurden von
Dr. H. Bur meist er. I. Säugthiere. Beil. 1854. 351 S. 8.
Der Verf. verweilte 13 Monate in den beiden genannten Pro-
vinzen, doch war er durch einen bedauerlichen Unfall 7 Monate auf
das Zimmer beschränkt. Unter diesen Umständen war es ihm daher
nicht möglich, eine beträchtliche Sammlung von Säugthieren zusam-
men zu bringen und erhebliche neue Thatsachen vorzulegen, denn
wenn er auch in seinem Werke 132 Arten beschreibt, so ist doch ein
grosser Theil derselben von ihm nicht an Ort und Stelle beobachtet,
sondern theils nach Exemplaren, die von andern Lokalitäten oder aus
einheimischen Sammlungen herrühren, theils nach andern Schriftstel-
lern geschildert worden. Immerhin aber hat er viele schätz bare Bei-
träge zur Kenntniss der brasilischen Säugthierfauna beigebracht.
*) Von diesen Proceedings sind unserer Akademie bei letzter
Sendung als Fortsetzung lediglich die 6 ersten Nummern des Jahr-
ganges 1854 zugekommen.
der Säuglhiere während des Jahres 1854. 13
Von Gould's Mammals ofAuslralia ist Lieferung V und
VI erschienen.
Die Lieferung V (1853) enthält folgende Arten :
Osphranter rufus. Hydromys fulvolavatus.
Petrogale penicillata. Hapalotis albipes.
Lagorchestes Leichardti. — apicalis.
Petaurista taguanoides. — cervinus.
Hydromys chrysogasler. — murinus.
— leucogaster. Nyctophilus GeotTroyi.
— fuliginosus.
Die Lieferung VI (1854):
Phascolarctos cinereus. Antechinus Swainsonii.
Halmaturus ruficollis. — flavipes.
Bettongia cuniculus. — leucogaster.
Hypsiprymnus murinus. — unicolor.
— Gilbert!. Taphozous australis.
Mus longipilis. Rhinolophus cervinus.
Die mit einem Sternchen bezeichneten Arten sind neu.
Nach langer Verspätung ist endlich der Text zu den
Säuglhier -Abbildungen im Alias von Üuuio n l-D'ür ville
voyage au Pole Sud. Zool. 111. (1S53) nachgeliefert worden.
Den Text, der nur 46 Seiten einnimmt, hat Puc heran bear-
beitet, ohne dass er jedoch durchgängig bei mangelhaftem Materiale
vollständige Erläuterungen geben konnte. An Landthieren sind fol-
gende aufgeführt : 1) Simia Satyrus pl. 1 ; 2) INasalis larvatus pl. 2,
2A und 2 ß ; 3) Semnopithecus cristatus pl. 3, 4, 4bis fig. 5 , 6 ;
4) junger Makako pl. 4bis fig l, 2, 3, 4; 5) Pteropus insularis pl. 5;
6) Paradoxurus setosus pl. ü; Cuscus chrysorrho^ pl. 13 ; 7) Phalan-
gista viverrina pl. 14 ; 8) Ph. Cookii Cuv. var. albin. pl. 15; 9) Ph.
canescens pl. 16; lOj Phascolarctos cinereus pl. 17, 17 A; 11) Den-
drolagus ursinus pl. IS; 12j Halmaturus agilis pl. 19. Die Meeres-
säugthiere (^Flossenfüsser und Wallej werden wir in ihren Ordnungen
aufführen. Als neue Arten unter den Landthieren betrachtet P.
Wo. 5, 6 und 9, von denen an ihrem Orte gesprochen werden wird.
Einen ungemein interessanten Bericht über die grosse
Menagerie von Kreuzberg, welche im Herbste 1853 in Stutt-
gart zur Schau gestellt war, erstattete G. v. Martens in den
Würtemb. naturvviss. Jahresheften X. S. 210.
Z.ur Kenntniss der urweltlichen Säuglhiere ist hier auf
nachstehende Beiträge aufmerksam zu machen.
14 Wagner: Bericht über die Lcislungen in der Naturgeschichte
lieber krankhafte Knochen vorweKIicher Thierc von Dr.
Mayer in Bonn (Nov. act. accul. nat. cur. XXIV. 2. p. 671).
Ein sehr interessanter Beitrag zur Kcnnlniss der Knochenkrank-
heiten urweltlicher Säugthierc. Die meisten Exemplare gehören dem
Höhlenbären aus den Höhlen von Sundwich und von GoIFontaine
bei Lüttich an, und sind den verschiedensten Theilen des Skeletes
entnommen; die Hyäne hat nur Fusswurzelknochen mit Caries und
Necrose, die Felis spelaea Phalangen von derselben Beschafl'enheit
geliefert.
J. Morris, calalogue of British Fossils comprising
Ihe genera and species hilherto described. London 1854.
2. edition.
In dieser zweiten Auflage sind an urweltlichen Säugthieren in
England 56 Gattungen mit 95 Arten aufgezählt.
Kaup, Beiträge zur näheren Kennlniss der urwellli-
chen Säugthiere. Darmst. 1854. Heft 1.
Das vorliegende Iste Heft ist zu einer Revision der tertiären
europäischen Rhinoceros-Arten bestimmt und wird desshalb noch be-
sonders bei dieser Gattung besprochen werden. Beigegeben sind 9
photographische und 1 lithographische Tafel mit Abbildungen, die zu
den gelungensten Leistungen dieser Art gehören, wie denn überhaupt
die ganze äussere Ausstattung sehr elegant ist.
Pomel, calalogue melhodique et descriptif des Verle-
bres fossiles decouverts dans le bassin hydrographique su-
perieur de la Loire. Paris 1854. 193 S. 8.
Von den 243 Arten , die der Verf. im Ganzen aufführt, gehört
die weitaus überwiegende Mehrzahl den Säugthieren an. So dan-
kenswerth es ist, etwas Näheres über so viele vom Verf. früher pu-
blicirte Namen zu erfahren, so müssen wir es doch mit Bronn
(Jahrb. f. Min. 1855. S. 370) noch mehr bedauern, dass fortwährend
so viele dieser Namen ohne ausreichende Erläuterung veröffentlicht
werden.
Von demselben Verf. erschien auch eine vorläufige Ankündi-
gung des Ergebnisses seiner Untersuchuugen über die Altersverschie-
denheiten der urweltlichen Säugthier-Faunen , zunächst in Bezug auf
die Ablagerungen in Frankreich (Instit. p. 129).
Das berühmte Knochenlager vonPikermi in Griechen-
land hat neuerdings eine reiche Ausbeute geliefert, welche
einestheils durch Referen t und Dr. Johannes Roth, an-
derntheils durch Duvernoy zur Publikalio n gebracht wurde.
Mein geehrter College, Prof. D,r. R^Oth, d^r früher schon Pa-
der Säugthiere während des Jahres 1854. 15
lästina , Indien und Schoa bereist hatte, trat im Herbste 1852 aber-
mals eine längere wissenschaftliche Reise in den Orient an und be-
nutzte seinen Aufenthalt in Griechenland dazu , unter seiner eigenen
Leitung Nachgrabungen in dem Knochenlager von Pikenni anstellen
zu lassen, wodurch er eine überaus grosse Menge fossiler Säugthier-
Ueberreste acquirirte, die er mit grösster Liberalität der hiesigen
paläontologischen Sammlung des Staates zum Geschenke machte. Kach
seiner Zurückknnft machten wir uns gemeinschaftlich an die Bestim-
mung dieser Ueberreste und in unserer Klassensilzung vom II. Febr.
18:)4 (Älünchn. gel. Anzeig. XXXVIIL Nr. 42) erstattete ich über das
Ergebniss einen vorläufigen Bericht. Bald hernach erschien in den
Abhandl. der b. Akadem. VII. 2. S.371. u. f.) unsere ausführliche,
von 8 Tafeln begleitete Darstellung. Als Arten wurden von uns fol-
gende festgestellt:
Mesopithecus pentelicus und maior.
Gulo primigenius. — Ictitherium viverrinum. — Hyaena exi-
mia. — Canis lupus primigenius. — Machaerodus leoninus.
Castor atticus.
Macrotherium sp. indeterm.
Sus erymanthius^. — Rhinoceros Schleiermacheri. — Mastodon
sp. indeterm. — Hippotherium gracile var. mediterran.
Antilope Lindermayeri , brevicornis (A. capricornis) und spe-
ciosa. — Capra amalthea. — Bos marathonius.
Endlich noch ein erstes Mittelfingerglied der Hand von einem
Vogel ungefähr von der Grösse eines mittelmässigen Huhnes.
Nur wenige Tage früher als ich den vorläufigen Bericht in der
genannten Klassensitzung erstattete, trug auch Duvernoy (compt.
rend. XXXVIII. Nr. (5) das Ergebniss seiner Untersuchungen über die
ihm von demselben Fundorte, Pikenni, zugekommenen fossilen Säug-
thier-Ueberreste vor, in denen er folgende 8 Formen erkannte: Höh.
lenbär, fossiler Elephant, Rhinoceros tichorhinus , Hippotherium, Gi-
raffe, Antilope in mulhmasslich 2 Arten, Ochs und grosser Tardigrad
verwandt mit Macrotherium.
Einige Bemerkungen über die geognostischen Verhältnisse von
Pikermi wurden durch A. Gaudry beigebracht (Inslit. p. 127).
Simiae,
Ein neues Merkmal zur Unterscheidung der Affen der
allen Welt von denen der neuen Welt wurde von Cuthbert
Collingwood aufgestellt (Ihe Zoologist 1854. p. 4241).
Indem der Verf. aufmerksam macht, dass das von der Breite der
16 Wagner: Bericht über die Leistungen in der PJalurgeschichle
Kasenscheidewand hergenommene Unterscheidungskennzeichen weder
auf einige Stummelaffen (insbesondere nicht auf Colobus Guereza),
noch auf die wollhaarigen Klammeraffen (Eriodes) passt, schlägt er
dafür folgendes vor:
Simiae catarrhinae , unterste Winkel der Nasenlöcher aus-
wärts gerichtet.
Simiae plalyrrhinae , unterste Winkel der Nasenlöcher ein-
wärts gerichtet.
Dieses Merkmal bezieht sich nicht auf die Breite der Scheide-
wand der Nase, sondern auf deren Form, welche bei den altwellli-
chen Affen die eines Keils , bei den amerikanischen Affen die eines
Uhrglases ist.
Simiae catarriiinae. Abermals sind ansehnliche Bei-
träge zur Kennlniss der asiatischen und afrikanischen Orang-
affen zur Vorlage zu bringen.
Dr. Lucan stellte sich in seiner vortrefflichen Abhand-
lung: „der Pongo- und der Orang-Schädel in Bezug auf
Species und Alter" (Abh. der Senckenb. naturf. Gesellschaft I.
S. 154 mit 6 Tafeln) zwei Fragen zur Beantwortung: I) zeigt
die Form des Schädels verschiedene Arten von (indischen)
OrangafFen, oder spricht sie für das Vorhandensein nur ei-
ner Art, die sich nach Geschlecht und Individualität, höhe-
rem oder weniger hohem Alter in verschiedenen Formen
darstellt; 2) ist Simia Satyrus Linn. das junge, der Pongo
aber das alle Thier einer und derselben Art? Zur Beant-
wortung dieser Fragen konnte er 25 Schädel vergleichen,
von welchen 6 mit Scheitelkamm, 7 mit erhabenen, mehr
oder weniger weit von einander abliegenden Linien (Lei-
sten) auf den Scheitelbeinen und vollkommener Bezahnung
versehen sind , die übrigen Schädel gehören der Jugend im
ersten und zweiten Zahnen an.
Die erste F'rage beschränkt der Verf. auf die mit einem Kamme
versehenen , also wohl sämmtlich von erwachsenen Thieren herrüh-
renden Schädel, unter welchen 2 die extremen Formen von Simia
Wurmbii und S. Crossii darstellen. Nach seinen Vergleichungen hält
er es für sattsam erwiesen , „dass Owen's Simia Wurmbii und der
Schädel des Herrn Gross, so sehr grosse Formverschiedenheit sie
auch darbieten, durch Uebergänge vermittelt werden , und dass beide
wohl extreme Formen, aber keineswegs verschiedene Arten darstellen."
Auf die zweite Frage , ob der Pongo , unter welchem er die
•l-'U
der Säuglhiere während des Jahres 1854. 17
Schädel mit dem Kamme begreift, das alte Thicre vom Orangaffeii
(S. Satyrus Linn.) darstellt, oder was dasselbe ist, ob letzterer im
Alter einen Kamm erhält, der um so grösser, je älter das Thier,
spricht sich der Verf. dahin aus, dass dieser Satz insofern unrichtig
ist : „als es auch Thiere giebt, die, obgleich Männchen, im erwachse-
nen Zustande sehr entfernte Leisten , aber keinen Kamm zeigen, an-
dererseits aber Sckädel vorkommen, die, wiewohl von jungen Thie-
ren herrührend, die Lineae semicirculares weit mehr genähert, ja
Leisten schon an einer Stelle vereinigt und selbst zu einem Kamme
ausgebildet kund geben, und dass folglich diePongos von den Orangs
zu trennen sind."
Mit der Beantwortung der ersten Frage bin ich vollkommen
einverstanden, keineswegs aber mit der der zweiten. Die Entwickelung
der halbbogenförmigen Linien zu annoch gesonderten Leisten und end-
lich zu einem gemeinschaftlichen Kamme erfolgt , wie diess auch die
Raubthiere kundgeben , nicht bei allen Individuen in gleichen Zeit-
abschnitten, sondern in sehr verschiedenen Zeitabstufungen, bald frü-
her, bald später, die Kammbildung mitunter erst im höheren Lebens-
alter. Der Schimpanse zeigt ein ähnliches Verhalten und früher-
hin, wo man keine Schädel von ganz alten Thieren zur Vergleichung
halte, wollte man ihn sogar durch Mangel derKammbildung vom Orang-
Utan unterscheiden; jetzt ist man vom Gegentheile durch Vorlage
alter Schädel überführt.
Auch Blyth gab neuerdings (Journ. of the Asiat, soc.
öf Beng. 1854. p. 211) diesem Merkmale eine grössere Be-
deutung, als es in der Wirlilichlieit verdient.
Owen hatte ihm nämlich bemerklich gemacht, dass er zur Un-
terscheidung der Orangarten keinen sonderlichen Werth auf die Schei-
tel-Leiste oder Leisten lege, woraus Blyth mit Recht folgert, dass
Owen damit augenscheinlich sagen wolle, dass die Scheitelleisten
mit dem Alter sich nähern und endlich zusammenstossen könnten.
Die Antwort, welche Blyth darauf giebt, dass ein Blick auf die
wirklichen Schädel jeden competenten Beobachter vom Gegentheile
überzeugen würde, ist höchst unpassend, da man einem präparirten
Schädel es nicht ansehen kann , welche Formveränderungen sich an
ihm würden ergeben haben, wenn sein ursprünglicher Eigenthümer
ihn noch einige Jahre länger hätte tragen können. Eben so wenig
giebt es einen stringenten Beweis für die Beständigkeit dieses Merk-
mals durch alle Altersstufen, dass er an einem jungen männlichen,
noch nicht zu »/a seiner Grösse gelangten Rambi, einen deutlich ent-
wickelten, mit der Hinterhauptsleiste sich vereinigenden Scheitelkamm
wahrnehmen konnte. — Beachtenswerlher scheint die Angabe von
Blyth, dass er an einem lebenden, vollständig erwachsenen Weib-
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. B
18 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
chen und an einem ausgestopften, über ^Ji erwachsenen Männchen
vom Rambi keine Spur von Gesichtsschwielen vorfinden konnte, wäh-
rend sie beim Pappan in beiden Geschlechtern existiren sollen. Zur
Bestätigung beruft er sich auf ßrooke, der einige junge Pappan's
(darunter ein noch nicht einjähriger mit zwei falschen Backenzähnen)
einschiirte, welche deutliche Gesichtsschwielen zeigten, und der ihn
weiter benachrichtigte , dass einer seiner Bekannten ein 5' langes
Weibchen mit grossen derartigen Auswüchsen erlegt hätte. — Diese
Angaben von Blyth und ßrooke stehn ganz im Widerspruche mit
denen von Temminck (esq. zool. sur la cöte de Guine p. 14), der
nach Untersuchung einer grossen Zahl von Orangutan- Fellen von
Borneo behauptet, dass das Weibchen, von welchem Alter es auch
sein möge, so wenig wie die Jungen irgend eine Spur von Gesichts-
schwielen zeigten, dass solche nur den erwachsenen Männchen zu-
kämen und die halbwüchsigen bloss die Anzeichen davon trügen. Hier
finden sich also noch bestimmte Widersprüche in den Angaben , die
erst durch weitere Untersuchungen gelöst werden müssen.
Simiae plafyrrhinae. Ueber die Affen, die in dem gros-
sen Thale des Amazonenslromes sich aufhalten^ theilte A. R.
Wallace in seinen Wahrnehmungen mit (Ann. of nat. hist.
XIV. p.451).
Sie betreffen hauptsächlich die Verbreitungsgrenzen der dorti-
gen Arten, von denen er nachweist, dass sie für die meisten ziem-
lich beschränkt sind; ein Resultat, wodurch meine früheren, aus Nat-
terer's Beobachtungen hervorgegangenen Angaben fast durchgängig
bestätigt werden. Wallace hat 21 Arten von Affen dort selbst
gesehen; für einige wäre eine schärfere Bestimmung wünschenswerth.
Nach der Zahl der Lendenwirbel versuchte Burmei-
ster die Arten von Cebus schärfer voneinander zu sondern.
Diess geschah von ihm schon in einem Nachtrage zu seinen
Säugthieren Brasiliens S. 338. und späterhin ausführlicher in einem
besondern Aufsatze: „über Arten der Gattung Cebus" im II. Bande
der Abhandlungen der naturf. Gesellsch. zu Halle, welche durch ein
Versehen uns noch nicht zugekommen sind *). Ihm zufolge haben
*) üie Ursache mag darin liegen, dass ich diese, wie auch G le-
be l's Abhandlungen, in den „Jahresberichten des naturwiss. Vereins
in Halle« suchte, bis ich auf vergebliche Bestellung der neuen Fort-
setzungen derselben erfuhr , dass sie eingegangen , dafür aber nun-
mehr gedachte Abhandlungen und die Zeitschrift für d. ges. Naturw.
eingetreten wären.
4cr Söuglhierc während des Jahres 1854. 19
Cebus Fatuellus, wie C. robuslus und C. xanlhosternus 14 Rücken-
und 5 Lendenwirbel, zusammen 19; dagegen C. flavus (s. capucinus?),
cirrifer und hypoleucos 14 Kücken- und 6 Lendenwirbel, zusam-
men 20. Burmeister hat 7 Skelete verglichen; diese Zahl er-
scheint mir zu klein, um die individuellen Schwankungen in der
Menge dieser Wirbel im Verhältnisse zur typischen Norm feststellen
zu können. Nach meinen Materialien kann ich mich dermalen nur
auf C. Apella, mit dem der C. Fatuellus zu einer Art gehört, beru-
fen. Daubenton hat an einem Skelet von C. Apella 14 Rücken -
und 5 Lendenwirbel, ich an einem von C. Fatuellus 13+6 gezählt;
die Gesammtzahl 19 stimmt in beiden Fällen mit den Angaben von
Burmeister. Dagegen giebt Cuvier für ein Skelet von C. Apella
14 Rücken- und 6 Lendenwirbel, zusammen 20 Wirbel an; dasselbe
würde daher zum zweiten Typus von B. gehören. Nun könnte man
zwar einwenden, dass bei Cu vi e r eine falsche Bestimmung zu Grunde
liegen dürfte, und diese Möglichkeit ist bei einer so schwierigen Gat-
tung, wie die der Rollaffen, einzuräumen; allein die hiesige Sammlung
besitzt ein Skelet von C. Apella mit 15 Rücken- und 5 Lendenwir-
beln, und von den 15 Rippenpaaren ist das letzte noch sehr ansehnlich
entwickelt. Dieses Exemplar von C. Apella würde nach der Ge-
sammtzahl genannter Wirbel also dem zweiten Typus zufallen, wäh-
rend es nach der vermehrten Zahl der Rückenwirbel und Rippenpaare
zu keiner passt. Ich bezweifele es sehr, ob man auf diesem Wege zu
einer sicheren Unterscheidung der Arten der Rollaffen gelangen wird ;
wenigstens müsste eine sehr ansehnliche Zahl von Skeleten mit den dazu
gehörigen Fellen verglichen werden können. Die Veränderlichkeit in
der Zahl der Rippenpaare, der Rücken- und Lendenwirbel scheint
bei den Säugthieren viel häuflger als beim Menschen zu sein.
Prosimii« VV. H. Flower hat die Resultate seiner
anatomischen Untersuchung eines G a 1 o g o veröffenilicht (Ann.
of nat. hist. XIV. p. 307).
Leider ist die Art nicht bestimmt; F. sieht sie für noch unbe-
schrieben an. Körper Qy^''^ Schwanz iSyj" lang. Die innere Be-
schaffenheit stimmt im Wesentlichen mit den Angaben, welche Pe-
ters vom Otolicnus crassicaudatus mittheilte.
Das von Bianconi (Mem. di Bologn. V. p. 225) erwähnte
Exemplar von Ololicnus crassicovdalus wurde von ihm mit der Be-
schreibung von Geoffroy übereinstimmend erfunden. Körper 12'',
Schwanz 14", Unterschenkel 3" 9'", Kopf 2" 10'", Ohren 1" 10'".
Chiroptera.
Per in Dumont D'Urville's Voyage tab. 5 abgebil-
20 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
dele Pieropus insularis Hombr. Jacq. ist jetzt durch Pu-
cheran (Zool. III. p. 24.) beschrieben worden.
Gehört zur Abtheilung der Roussetes anoures. Rücken und
Oberseite der Schenkel kurzbehaart, schwärzlich und wegen der gel-
ben Haarspitzen gelblich angeflogen. Zwischen der Einlenkung der
Flügel und am Untertheil des Halses wird der Pelz länger, wolliger
und mehr kastanienbraun, was im helleren Tone auch den Mitteltheil
des Oberhalses färbt und im Nacken endigt. Beiderseits dieser Älit-
tellinie beginnt die röthlichkaslanienbraune Farbe, die vom Kinne an
die Seiten des Halses und der Brust einnimmt und in der Mitte der
letztern durch Gelblich ersetzt wird. Arme und Bauch sind wie der
obere Zwischenraum gefärbt, aber mit mehr Kastanienbraun. Der Kopf
ist oben schwärzlichbraun, mit Roth gesprenkelt. Die sehr kurzen
Ohren , Flughäute und Nägel sind schwarz. Ganze Länge bis zur
Mitte der Schenkelflughaut 195 m. m. Auf der Insel Hogoleu (Karo-
linen). Kleiner als Pt. Keraudrenii, bei dem zugleich Hals und Kopf-
seiten eine blassere Farbe haben. Leider ist das Gebiss nicht ange-
geben. In der 5ten Abtheilung meines Supplementbandes ist diese
Art noch nicht aufgenommen.
Unter den 4 Arten vonHandflüglern, welche im 7. Fase,
von Bianconi, specimina zool. mosambicana (Mem. dell'
Academ. dclle scienze delT Istiluto di Bologna. V.) aufge-
führt werden, sind nur 2 beschrieben und abgebildet, die
zugleich einer genauem Bestimmung bedürftig sind.
Die erste dieser beiden Arten bezeichnet der Verf. als Piero-
pus (^Cynopierus) marginalns Fr. Cuv. (p. 227. tab, 7). Zur Unter-
suchung hatte er 2 erwachsene Individuen (beide wahrscheinlich "Weib-
chen, wenigstens ist das abgebildete Thier ein solches) und ein Jun-
3
ges. Backenzähne sind jederseits-r- vorhanden, beim Jungen oben
noch ein kleiner vorderer Zahn. Vorderarm 3". Cauda rudimenta-
lis. Pili in corpore supra et subtus longi et laeves ; in capite supra
breves, in gula pene desunt. Color undique brunneus interne dilu-
tior ; aures et margine ipso nigrae. Diese Eemplare können nach der
Heimath, der Zahl der Backenzähne und der Ohrenfärbung nicht mit
Cynopterus marginatus identificirt werden, sondern gehören zu Epo-
mophorus, und wahrscheinlich zu E. crypturus von Peters, um des-
sen Arbeiten der Verf. zwar weiss, die ihm aber noch nicht zugäng-
lich geworden sind.
Auch die Bestimmung der zweiten, auf einem Weibchen beru-
handen Art als ISyclinomus plicalus Gray oder Dysopes tenuis Horsf.
2
(p. 236, tab. 8) ist nicht richtig. Schneidezähne -r-. Auriculae in
der Säugthiere während des Jahres 1851. 21
fronte basi connexae , unde consequitur quasi membrana transversalis
altitudinis 2'". Facies tota subnuda. Pilis brevibus tenuibus brunneis
corpus et caput undique tegitur, subtus pallidioribus. Ganze Länge 5",
Schwanz 1" 6"', Vorderarm 2" 4"'. — Von der ganz verfehlten Zu-
sammenstellung mit Dysopcs plicatus oder D. tenuis hätte den Verf.
schon die Erwägung abhalten sollen , dass beide Indien angehören ;
nach der Grösse kommt sein Exemplar am meisten mit Dysopes Mi-
das überein , mit welchem daher weitere Vergleichungen anzustellen
sind. Der Umstand, dass die Ohren weiter voneinander abzustehen
und minder gefaltet zu sein scheinen als bei D. Midas und D. Ce-
stoni, könnte vielleicht eine eigene Art andeuten.
Der Gattung Centurio hat Peters eine neue Art, C.
flacigularis , zugefügt (Monatsber. d. Berliner Akad. 1854.
S. 334).
Bisher war nur die einzige Art, C. senex , und diese lediglich
in einem einzigen Exemplare bekannt, dessen Heimath überdiess ganz
ungewiss war. Peters hat seine Art aus Cuba erhallen und man
darf daher unbedenklich annehmen, dass auch die andere dem tropischen
Theile Amerikas angehören wird. Weiter hat aber Peters nach-
gewiesen, dass Centurio nicht, wie es von Gray geschehen, bei der
Gruppe der ?loctilionen , sondern bei der der Phyllostomen einzurei-
hen ist. Seitdem ist nun auch in der von ihm mit Licht an stein
gemeinschaftlich herausgegebenen Abhandlung: „über neue merkw.
Säugthiere des k. zoolog. Museums" die Abbildung und ausführliche
Beschreibung von C. flavigularis erschienen.
Zwei neue Arten aus Neuholland hat Gould im 6ten
Heft seiner Mammals of Auslralia unter den Namen Rhino-
lopJms cervinus und Taphozous australis abgebildet und mit
einigen Bemerkungen begleitet.
Hinsichtlich ersterer Art bleibt er im Zweifel , ob sie nicht
eher zu Phyllorrhina als zu Rhinolophus zu stellen wäre. Die Ab-
bildung des Nasenblattes lässt aber keinen Zweifel , dass diese Art
nicht zu Rhinolophus, sondern zu Phyllorrhina gehört.
Mit der Ermittelung des immer noch räihselhaflen Ves^
pertilio emarginatus haben sich neuerdings Bucton (Ann.
of nat. hist. Xlll. p. 426) und Tom es (Zoologist p. 4357)
befasst.
Bucton will in einer von ihm am Stour-Flusse gefangenen Fleder-
maus den Vespertilio emarginatus gefunden haben und betrachtet diesen
als eine Varietät von V. Daubcntonii. — Tom es, der mit scharfer Kritik
die vorliegenden Beschreibungen von V. cmarginiitus, und nebst eignen
//
22 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgescliichle
Abbildungen auch die von Geoffroy, Cocks, S. Longchamps
und Bon aparte mittheilt, bemerkt ganz richtig gegen Bucton, dass
wenn des Letzteren Angabe über die nahe Verwandtschaft seines V.
emarginalus mitV. Daubentonii stichhaltig ist, alsdann die Flügel nicht
zur Zehenwurzel reichen dürften, wie es wenigstens bei dem von S.
Longchamps abgebildeten V. emarginatus vorkommt, weshalb bei-
derlei Thiere nicht zusammen gehören könnten. Weiter macht To-
mes aufmerksam, dass unter dem Namen V. emarginatus verschiedene
Arten confundirt sein dürften. Was seine in England gefangeneu und
überhaupt die von englischen Zoologen mit dieser Benennung bezeich-
neten Exemplare anbelangt, so hält er dafür, dass sie entweder zu V.
mystacinus , Y. Nattereri oder V. Daubentonii gehören. Von seinen
eigenen Exemplaren sagt er, dass sie am meisten mit dem ersten
übereinkommen, und da er hinzusetzt, dass sie ganz mit Macgilli-
vray's V. emarginatus, den Blasius für identisch mit V. mystacinus
ansieht, übereinstimmen, so hat in dieser Zusammenstellung To-
liies sicherlich das Rechte getroffen. Dagegen hat er von Ver-
reaux in Paris 2 Exemplare als V. emarginatus erhalten, die von
den seinigen merklich differiren, aber mit den Angaben von S. Long-
champs übereinkommen; diese wären demnach einer weiteren ge-
nauen Prüfung zu unterwerfen.
Insectivora.
LeConte suchte die Unhallbarkeit der G^üung Scalops
darzuthun und will sie nur als eine Unterabtheilung- von
Talpa betrachtet wissen (Proceed. of IheAcad. ofPhiladelph.
1853. p. 326).
Der Kürze halber verweise ich wegen dieses Punktes, so wie
über seine beiden neuen Arten: Talpa reposta und Talpa (^Scalops)
taeniata, auf meine desfallsigen Erörterungen in der 5ten Abtheilung
des Supplements zu Schreber's Säugthieren.
Die Seitendrüsen der Spitzmäuse hat He sslin g
nach 3 einheimischen Arten zum Gegenstände genauerer Un-
tersuchungen gemacht (Zeitschrift für wissensch. Zoologie V.
S. 29).
Blyth machte bemerklich, dass sein Erinaceus mu
cropus identisch ist mit E. nudiventer Horsf. (Journ. of As.
soc. 1854. p. 733 j.
Carnivora.
Ursina. Beiträge zur Osteologie der Gattung Ursus
der Säuglhiere während des Jahres 1854. 23
von Grasenick (Jahresber. des naturw. Vereins in Halle.
1853. S. 242).
Mit lobenswerthem Fleisse und grosser Genauigkeit hat sich der
Verf. bemüht, die Unterschiede, welche im Knochengerüste des Ram-
pfes und der Gliedmassen bei ürsus maritimus. aniericanu«, arctos und
spelaeus ausgedrückt sind, detaillirt auseinander zu setzen. Bei den
2 Skeleten, die er Tora U. maritimus und eben so rielen, die er vom
U. arctos vergleichen konnte, fand er bei je einem von den beiden
Arten die Zahl der Rückenwirbel um einen vermehrt, nämlich 15,
statt 14, während er für alle die gleiche Zahl der Lendenwirbel (6)
angiebt. Dem überschüssigen Rückenwirbel entspricht ein überschüs-
siges lotes Rippenpaar und zwar mit der auffallenden Eigenthüralich-
keit , dass auch nur die drei letzten Rippen bei beiden sich an be-
sondere einzelne Wirbelkörper anheften, ganz wie bei den übrigen
Exemplaren mit einer Rippe weniger. Es ist diess nun wieder einer
der vielen Belege, dass die Zahl der Wirbel bei einer und derselben
Art gewissen Schwankungen unterliegt und daher die Ts'orra erst aus
der Vergleichung vieler Skelete festgesetzt werden kann.
Als Ursiis ampUdens will Leidy eine neue urweltliche
ßärenart unterschieden wissen (Proceed. of the Acad. of
Philad. 1553. p. 3Ö3).
In der Nähe von Natchez am Mississippi wurden etliche fossile
Knochenfragmente, zugleich mit solchen von Me^alonyx u. s. w. ge-
funden. Eines derselben , die Hälfte eines Unterkiefers mit einigen
Zähnen unterscheidet sich weder in der Grösse noch Form von den ent-
sprechenden Stücken des Ursus americanus. Zwei andere, aus einem
vorletzten obern Backenzahn und einem Unterkiefer - Fragment mit
dem letzten Backenzahn bestehend, sollen die neue Art, U. amplidens
begründen , weil erwähntes Fragment an Grösse dem gleichen Theil
am U. americanus nachsteht, während die beiden Zähne fast so gross
wie U. ferox sind. — Auf dieses Merkmal hin möchte Ref. für die Art-
berechtigung des ü. amplidens nicht einstehen.
Gelegentlich seiner Beschreibung des Cercolepfcs giebt
Giebel (Säugth. S. 752) folgenden Ausspruch ab:
„Die mittlere >'aht der Scheitelbeine hebt sich etwas kantig und
desshalb glaubtA. Wagner, Cuvier habe nur einen jungen Schädel
vor sich gehabt , wenn er behauptet , die Schläfenleisten vereinigen
sich nicht. Letzteres ist auch bei unserem Schädel der Fall und
möchte bei A. Wagners uraltem wohl nur in Folge einer Verken-
nung der Scbläfenleislen falsch aufgefasst sein. Wo die Schläfenlei-
sten im völlig ausgewachsenen Alter noch so weit voneinander ent-
fernt sind, wie hier, kann nie mehr eine Vereinigung, selbst nicht
24 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Nalurgescliichle
im Uralter , eintreten." — Diese Erklärung versetzt mich in eine fa-
tale Alternative. Auf der eine Seite ergiebt sich mir aus der wie-
derholten Ansicht unseres Schädels von Cercoleptes die wirkliche
Vereinigung der lineae semicirculares zu einer gemeinschaftlichen
Scheitelleiste; diess ist nun einmal fait accompli. Auf der anderen
Seite behauptet Giebel im Tone der Unfehlbarkeit die Unmöglich-
keit einer solchen Thatsache. >Yas ist da zu thun ? Entweder muss
ich die Autorität des Faktums der Autorität des üictums von Gie-
bel entgegensetzen, oder umgekehrt; im letzteren Falle bliebe mir
dann nichts anderes übrig, als den gedachten Schädel mit der Feile
so lange zu bearbeiten, bis er sich dem Ausspruche von Giebel ge-
fügt hätte. Die Sachverständigen mögen hierüber entscheiden.
iWusfelina. Capt. Tyller berichtete über das zahlreiche
Vorkonunen gezähmter Fischottern um Dakka in Indien,,
zum Behufe des Fischfangs (Ann. of nat. hist. XIV. p. 172.)
Jede Familie hält mehrere Fischottern , die er als Lutra chU
nensis bezeichnet, lediglich des Fischens wegen, und letztere werden
mit ungemeiner Sorgfalt behandelt und aulgezogen. Sie fischen in
kleinen Strömen, Verzweigungen der Flüsse oder Sümpfen und zwar
in folgender Weise. Ein Boot, dessen Seitenwände selten einige Zoll
über das Wasser hervorragen , wird in der Entfernung etlicher Ellen
vom Ufer befestigt. Die Ottern, gewöhnlich zwei oder drei, sprin-
gen heraus, schwimmen, indem sie mit dem Fangen von Fischen be-
schäftigt sind, um den Kahn und werfen die erbeuteten in denselben.
Eine solche Jagd dauert mehrere Stunden und der Fischer treibt mitt-
lerweile am Ufer eine andere Beschäftigung. Eine andere Methode
des Fischfangs mit Ottern besteht darin , dass diese ihiere dazu ab-
gerichtet werden, die Fische in aufgestellte Netze zu treiben.
Tiverrisia. Paradoxurus setosiis Uomhi\ Jücq. vonCe-
ram, von dem Pu eher an jetzt in Dumont d'ürville's Rcise-
werk (Zool. lU. p. 25. tab. ö.) die Beschreibung lieferte,
könnte doch wohl nur ein jüngeres Individuum von P. Mu-
sanga sein.
Canina. In einem aus dem nordwestlichen Indien
(Multan) eingeschickten Fell will Blyth eine neue Fuchsart
erkennen, der er den Namen Vulpes Jeucopus giebt (Journ. of
Ihe Asiat, soc. of Beng. 1854. p. 729).
Wie Blyth angicbt , sind jetzt in dem Museum zu Calcutta 7
Arten indischer und tibetanischer Füchse aufgestellt, nämlich: 1)
Vulfes nipalensis et flavescens Gray aus Tibet; 2) V. monlanus Pears.
CV. himalayicus Ogilb.)» gemein im K.-W. llimalaya, um Simla und
der Säugthiere während des Jahres 1854. 25
Masuri ; 3) V. pusillus Blyth aus dem Pendschab ; 4) V. Grifßthii Blyth
aus Afghanistan; 5) V. leucopus Blyth; 6) V. bengalensisShd^w. (Ca-
nis Kokree Syk., C. rufescens, V. chrysurus et V. xanthurus Gray, V.
Corsai Ogilb.) gemein in Indien ; 7) V. ferrilalus Hodgs. aus Tibet.
Es wäre nur zu wünschen, dass die Unterschiede unter diesen Arten
schärfer nachgewiesen worden wären.
In Sitgrcaves report of an expedit. ist tab. 1. eine, nicht
colorirte, Abbildung von Catiis fruslor niitgetheilt.
F*elina. Die Verbreitung der Wildkatze in Bayern
hat Ja ekel in ausführlicher Weise geschildert (Rcgensb.
Correspondenz-Blatl VlII. S.8I.
Frauenfeld erwähnt zweier Luchse, die im Frühjahr
1854 auf dem Gute Freudenlhal unweit Leibach geschossen
wurden (Verband, des zoolog, botan. Vereins in Wien IV.
S. 65).
Die neue urweltliche Art, Felis atrox, ist von Leidy
genau erörtert worden (Transact. of the Americ. philosoph.
soc. X. p.320. tab. 34).
Sie beruht auf einem Unterkiefer -Fragment mit den 3 wohl-
erhaltenen Backenzähnen und dem abgebrochenen Eckzahn, gefunden
bei IVatchez zugleich mit Knochen von Mastodon , Megalonyx, Mylo-
don u. s. w. Die Zahnreihe ist länger und der Kiefer beträchtlich
höher als bei Felis spelaea , so dass diese neue Art die grösste ihrer
Gattung ist.
An zwei Unterkieferästen der Felis spelaea aus dem Knochen-
lager des Seweckenbergs bei Quedlinburg hatte Giebel Gelegenheit,
das jMilchgebiss derselben zu erörtern (Zeitschr. für d. gesammte Na-
turwiss. IV. S. 295. tab. 6.)
Von seinem Machaerodus primigenius hat jetzt Leidy
die ausfülirliche Schilderung beigebracht.
Sie findet sich in den Smithson. Contribut. VI. p. 95 und das
Schädelfragment, auf welches diese Art begründet wurde , ist auf
tab. 18 in natürlicher Grösse abgebildet.
Marsupialia.
Gould hat in den Mamm. of AustraL VI zwei neue Ar-/
ten von Antechinus aufgestellt.
Sie heissen Änlechinus ferrnginifrons und A. unicolor; beide sind
bereits in meine neuen Supplemente zu Schreber aufgenommen.
Von der bisher nur aus der Abbildung gekannten F/m-
26 Wagner: Bericht über die Leistungett in der Naturgeschichte
langista canescens hat jetzt Pucheran die Beschreibung ge-
liefert (D. D'Urville Voy. Zool. III. p. 33. tab. 16.).
Sie beruht auf einem jungen AVeibchen aus der Tritonsbay (Neu-
guinea). Der Pelz ist wollig. Die Wollhaare sind auf der Oberseite
dunkelbraungrün; die Stichelhaare eben so, aber längs der Mittellinie
des Rückens mit schön rothen, etwas goldigglänzenden Spitzen, an
den Seiten und der Aussenseile der Gliedmassen aber silberig weiss-
grau. Kopf oben rothbraun ; von der Mitte der Vorderstirn verläuft
eine schwärzlichbraune Linie bis zum Zwischenräume zwischen den
Ohren. Letztere sind klein, auf der Aussenseite mit rothbraunen Haa-
ren besetzt, die auch einen Fleck an der Ohrwurzel bilden. Die un-
teren Theile sind weisslichgrau, gelblich überlaufen. Der nur an der
Spitze und unten nackte Schwanz ist rothbraun behaart; die Nägel
hornfarDig. Körper 0,31, Schwanz 0,276 mm. Pucheran giebt nur
7
— Backenzähne an, von den untern ist einer ein Lückenzahn. Von
Ph. Cookii verschieden durch die Abwesenheit weisser Haare an der
Aussenseite der Ohren und am Schwanzende.
Reinhardt gab eine nähere Aufklärung über den
Mangel des Beutels bei einem Weibchen von Didelphys al-
bivenlris Lund (D. poecilotis Natt.) in der Oversigt over det
K. D. Vid. Selsk. Forhandl. Mai 1854.
ßurmeister hatte (Säugth. 13ras. S. 127) behauptet, dass bei
den Beutelthieren sich der Zilzensack durch Erweiterung der Bauchhaut
als ein temporäres Organ bilde, das allen Arten zukomme, aber nur
zur Zeit, wenn sie Junge haben, vollständig zu einer geschlossenen
Tasche sich entwickle. „Herr Dr. Reinhardt, fügte B. in einer
Note hinzu, theilte mir in Lagoa santa diese seine Beobachtung, dass
der Zitzensack eine temporäre Ab - und Zunahme erleide, zuerst mit."
R. lehnt dagegen die Bürgschaft für diese Behauptung entschieden
ab und berichtet den wahren Sachverhalt. Er hatte nämjich in La-
goa Santa ein erwachsenes Weibchen von D. albiventris erhalten, das
keine Spur eines Beutels zeigte, obwohl ganz kleine Zitzchen vor-
handen waren. Da nun die ganze Bauchgegend übrigens , abgesehen
vom Mangel der Tasche, normal beschaffen war, so meinte R. , dass
dieser Fall vielleicht nicht einer zufälligen Anomalie zuzuschreiben
sei, sondern er sprach gegen B. die Vermuthung aus, dass der Beu-
tel, als ein accessorisches Organ des Geschlechtssystemes, der perio-
dischen Entwickelung folgen könne. Diese Angabe beruht also, wie
Reinhardt sich verwahrt, nicht auf einer Beobachtung, wie
B. von ihm sagt, sondern ist blos eine Ve rmuthung, zu deren Be-
gründung er späterhin sogar keinen weitern Beleg ausfindig machen
konnte,
der Säugthiere während des Jahres 1854.
27
Auch die Känguruhs sind mit zwei neuen Arten be-
dacht worden.
Die eine hat Gould a. a. 0. V. »als Lagorchesles Leichhardti,
die andere Gray (Ann. of nat. hist. XIV. p. 465) als Pelrogale xan^
thopus bezeichnet; beide sind ebenfalls in meinen Supplementen auf-
geführt.
Die Beschaffenheil der Weichtheile von Dendrolagus ist
zum Erstenmale und zwar von Owen erörtert worden (Ann.
of nat. hist. XIV. p. 44s.)
Gelegenheit hiezu gab der Tod eines alten Weibchens von D.
inustus, das mehrere Jahre in dem zoologischen Garten in London ge-
lebt hatte. Nach den Vergleichungcn, die Owen mit Macropus maior
vornahm, stimmt der innere I3au im AVesentlichen mit dem der letz-
teren überein.
Eine neue;, dem Thylacotherium sich sehr annähernde
urweltliche Gattung stellte Owen als Spalotherium auf (Quart,
journ. geolog. X. p.420).
In den Purbeckschichten der Durdlestone-ßai in England wur-
den etliche Kieferfragmente gefunden, auf welche Owen die neue
Gattung Spalacotherium begründete, die seiner Meinung nach mit Thy-
lacotherium zu derselben Familie gehört.
Bodenüa,
Mit den Nagern nahm Brandt eine neue Anordnung
nach dem Schädelbaue vor (Bullet, de l'acad. dePetersb. XIII.
p. IO63.
Er theilt sie darnach in 4 Hauptgruppen: Eichhörnchen, Äläuse,
Stachelschweine und Hasen, wovon die beiden mittlem wieder in Fa-
milien zerfallen. Eine ausführliche Erörterung dieser Gruppirung soll
in den Denkschriften der P. Akademie erscheinen, bis wohin wir de-
ren weitere Besprechung verschieben wollen.
Sciurina. Capt. Tytler will eine neue Art indischer
Eichhörnchen entdeckt haben, die er Sciiirus Blythn benennt
(Ann. of nat. hist. XIV. p. 172).
Gemein in den Dschungels um Dakka. Oben gelbgrau, der
gelbliche Ton auf dem Rücken am deutlichsten und mit vielen klei-
nen schwarzen Tupfen gesprenkelt; die Unterseite nebst der Innen-
seite der Gliedraassen hellgrau ; Schwanz buschig , Innenseite der
Schenkel bräunlich. Körper 1*/%") Schwanz ebenso viel. Wie T. zu-
28 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
fügt, ist dieses Eichhorn entschieden nicht Sc. Lokriak , und scheint
auch von Sc. lokroides zu differiren, obwohl es ihm nahe ver-
wandt ist.
Blyth (.lourn. of Ihe As. soc. 1854. p. 2U) machte hemerk-
lich, dass er aus Bangalore ein Exemplar von Sciurus macrurvs erhalten
habe, das vollkommen mit ceylonschen identisch sei: ferner ist ihm
ein Fell aus Travancore und den Nilgiris zugekommen. Das Vor-
kommen derselben in Vorderindien ist demnach vollständig erwiesen.
Sciurus Ab erli wurde in Sitgreaves report lab. 6 abgebildet.
liipocia. An eben diesem Orte wurde eine Abbil-
dung von Dipodomus Ordi tab. 4 gegeben.
Den innern Bau von Helamys caffer hat Luigi Ca-
lori in sehr ausführlicher Weise geschildert (Mem. della
Accad. deir Isliluto di Bologna V. p. 245—313. tab. 9—12).
Orycterina. Wiederum ist eine neue Art von Ano.
malurus entdeckt worden.
Fräser hat dieselbe in den Ann. of nat. bist. XIII. p. 339 als
Anomalurus Beecroßi bezeichnet. Gleich dem A. Fraseri stammt sie
aus Fernando Po, ist aber merklich grösser als jener, die Oberseite
gelbgrau, statt braun, der grössere Theil der Seitenmembran nebst den
Füssen grau, statt dunkel, der Unterleib lebhaft rostroth, der schwarze
Fleck um die Ohrwurzel fehlt; die Schuppen auf der Unterseite des
Schwanzes nehmen in der Längsrichtung weniger Raum ein, sind
breiter und ihre vorragenden Winkel sind weniger vorspringend. Kör-
per 15", Schwanz 9".
Giebel hat zur Kenntniss des Knochengerüstes von
Habrocoma und Psammorycies (Spalacoptis) ausführliche Bei-
träge geliefert (Zeitschr. f. ges. Naturw. III. S. 464).
Er ist mit einigen meiner früheren Angaben nicht zufrieden,
insbesondere aber hat er viel an meiner Zeichnung, die ich vom Ske-
lete des Psammoryctes gegeben, auszusetzen, wobei er in einigen
Stücken Recht hat, in andern aber individuelle Abweichungen seines
Skeletes von dieser Gattung und von Habrocoma als den normalen
Typus ansieht. Recht hat er, dass Habrocoma, wie es auch Water-
house angiebt , an Rücken- und Lendenwirbeln zusammen ge-
nommen nur 22 Wirbel zählt, nämlich 16 Rücken- und 6 Lenden-
wirbel (nicht 7, wie ich irrig angeführt habe); dagegen zählen
Kreuz- und Schwanzwirbel zusammen 30 Wirbel, wie ich es früher
bemerklich machte. G. hat ferner Recht , wenn er es an meiner
Zeichnung von Psammoryctes tadelt, dass die Trennungslinie zwischen
Schien- und Wadenbein^ nach der Vereinigung Liider Knochen, nicht
der Säuglhiere während des Jahres 1854. 29
bezeichnet ist; wenn er dagegen es für einen groben Irrthum des
Zeichners erklärt, dass dieser den achten Rückenwirbel als den an-
tiklinischen erscheinen lasse , so ist dieser Vorwurf völlig unlte-
gründet, da die Zeichnung auch dem Dornfortsatz des Sten Rücken-
wirbels noch die Neigung nach hinten gieht. Der Zeichner hat nur
in sofern gefehlt, dass er diesen Fortsatz zu kurz und zu wenig
schief gezeichnet hat, denn an unserem Skelete ist er viel länger und
so stark rückwärts geneigt, dass er mit der Spitze an den bereits
etwas vorwärts gerichteten Dornfortsatz des neunten Rückenwirbels
unmittelbar anstösst. An unserem Skelete von Psammoryctes ist da-
her der neunte Rückenwirbel der sog. diaphragmatische, nicht der
zehnte, wie es G. von seinem Skelete angiebt.
Illurina. Zui* Gattung Mus sind zwei indische und
eine australische Art hinzugekommen.
1) Mus spiiiulostts Blyth (Journ. of the Asiat, soc. 1854. p. 734)
aus dem Pendschab. Nahe verwandt mit M. platythrix , aber oben
von einer sehr dunkeln Färbung, mit falben Spitzen an den weiche-
ren Haaren, Unterleib und Füsse weisslich. Obere Schneidezähne
orange, untere weiss. Körper 3^4", Schwanz ohngefähr 3". — 2)
Mus daccaensis von Tytler (Ann. of nat, bist. XIV. p. 175) aufge-
stellt, kann keine Artberechtigung zur Zeit ansprechen , da er diese
neue Species von JI. Indiens bloss durch die viel dunklere Färbung
zu unterscheiden weiss; sie ist gemein in den Häusern von Dakka.
— 3) Mus longipilis Gould Mamm. of Austral. VI), zahlreich in einer
Wüste am Victoria-Flusse vorkommend, und sehr ähnlich dem M. de-
cumanus. Länge 13 '/j"» wovon der Schwanz öy^" misst.
Zur Gattung 3Ius im engeren Sinne will Le Conte (Proceed.
of the acad. of Philadelph. 1853. p. 410 u. 414) zwei amerikanische
Arten stellen , die beide schon früher gekannt, aber nicht als einhei-
misch, sondern als aus der alten Welt eingeschleppt erklärt worden
waren: sie heissen Mus americanus und M. tirginianus. Mich be-
dünkt es jedoch, dass die ältere Meinung die richtige sein dürfte, und
insbesondere könnte letztere Alans bloss eine weisse Abänderung unse-
res M. rattus darstellen.
Zwei höchst schätzbare Beiträge zur Kennlniss der Feld-
mäuse verdanken wir Z. Gerbe, indem er in der Rev.
Zoo!, p.359 und 595 die Beschreibung \o\\ Arcicola (Micro-
tus) incertus Selys miltheilte , und p. 608 eine neue Art als
Arvicola (Microtus) ibericus charakterisirte.
Äüt grösster Genauigkeit hat der Verf. von Ä. incertus nach
zahlreichen Exemplaren die äussere BeschafFenheil, das Knochengerü-
ste, insbesondere die Form des Schädels und der Zähne und die ganze
30 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Lebensweise geschildert, zugleich mit scharfer Hervorhebung der von
den verwandten Arien unterscheidenden Merkmale , so dass jetzt diese
Art nach allen ihren Beziehungen vollständig geUannl ist. — Die an-
dere Art, A. ibericuSf ist dem Verf. nur nach einem aus Spanien stam-
menden Exemplare bekannt, von dem er jedoch auch Schädel und Ge-
biss zu seiner Beschreibung verwenden konnte. Diese neue Art gleicht
am meisten dem A. incertns, ist aber grösser und robuster, die Über-
seite nicht so dunkel und zugleich weniger gelblich, Unterleib und
Füsse reiner weiss, die Farbe der Oberseite von der des Unterleibs
durch eine Grenzlinie geschieden , während bei A. incertus beide all-
mählich in einander übergehen. Am Schädel ist bei A. ibericus der
Hinterhauptslheil merklich höher, auch zeigen sich Unterschiede von
A. incertus in der Form des letzten oljern Backenzahns. Ganze Länge
150 mm., Schwanz 30. Auf Tab. 9 und 10 sind die Thiere, auf Tab. 11
die Schädel und charakteristischen Backenzähne beider Arten , so wie
von A. Savii und A. pyrenaicus abgebildet.
Um die genauere Kennlniss der nordamerikanischen Ar-
vicolinen machte sich Le Conte sehr verdient (Proceed. of
the Acad. of Philadelph. 1853. p. 404).
Zuerst beschreibt er 3 neue Arten von Arvicola, und giebt dann
über 9 andere, schon früher aufgestellte, schätzbare Aufschlüsse, meist
mit genauer Erörterung ihres Gebisses, zugleich mit kritischer Sich-
tung der Synonymik. Diese 12 Arten von Ärvicola sind folgende: 1)
A. Apella L. C. aus Pennsylvanien , 2) A. eclax L. C. in Californien,
3) A. austerus L. C. in Wisconsin , 4) A. riparius Ord. (A. pennsyl-
vanicus Rieh.), 5) A. Oneida Dck. , 6) A. nasutus Bachm. (A. nove-
boracensis Rieh., A, palustris Harl), 7) A. pennsyhanicus Ord. (A. ri-
parius Ord., A. xanthognathus Dek.) , 8) A. borealis Rieh., 9) A. ca^
lifornicus Peale, 10) A. occidenlalis Peale, 11) A. pinelorum Auct. ,
12) A. scalopsoides Bachm.
Von Hesperomys besehrieb Le Conte ferner a. a. 0. S. 410
zwei neue Arten und fügte Bemerkungen über andere nordamerikanische
bei. 1) H. palustris Harl. (Ärvicola oryzivora Bach.) , 2) H. gossy-
pinus L. C. in Georgien, von Bachmann nur als Varietät der fol-
genden Art angesehen, nach L e Conte aber wegen ansehnlicherer Grösse,
dickeren Kopfes, vorspringenderer INase, verhältnissmässig kürzerer Hinter-
füsse, so wie wegen anderer Lebensweise und Aufenthaltsort als eigne
Species zu betrachten ; 3) H. leucopus Raf. (Cricetus myoides Gapp.),
4) H. campestris L. C. in New Jersey , 5) H. sonoriensis L. C. in der
Provinz Sonora. — Den Mus americanus Dek. hält Le Conte eben-
falls zu Hesperomys gehörig.
Von Mus Lecontii Bachm. macht Le Conte S. 413 bemerkllch,
dass er der Gattung Reithrodon einzureihen ist. INoch führt er an,
der Säuglhiere während des Jahres 1854. 31
dsiS9 Neotoma floridana nicht bloss auf die südlichen Staaten beschränkt
ist, sondern auch bei INyak am westlichen Ufer des Hudson - Flusses
gefunden wurde. Zugleich bestätigt er meine frühere Vermuthun'^,
dass Arvicola ferrugineus Harl. identisch mit Sigmodon hispidum ist.
Gould lieferte im 5tcn Hefte seiner Mamm. ofAustralia
Abbildungen von 4 Arien von Hydromys.
Es sind diess erstlich die beiden von Geoffroy bestimmten
Arten Hydromys chrysogaster und H. leucogaster , ferner 2 neue von
Gould aufgestellte Species : H. fuliginosus und //. fuholavatus.
€a««torina. Das Zalilenverhällniss in den verschiede-
nen Gegenden der Wirbelsäule des Bibers besprach Gie-
bel in der Zeitschr. f. d. gesammt. Naturw. IV. S.445.
Nach den verschiedenen Angaben schwankt die Zahl der Rük-
kenwirbel und Rippenpaare zwischen 13 bis 15, die der Lendenwirbel
zwischen 4 und 5, wobei die Gesammtzahl der Rücken- und Lenden-
wirbel unveränderlich 19 ausmacht. Kur B o n n's Angabe macht davon
eine Ausnahme, indem dieser 14 R. und 6L, zusammen also 20 zählt.
Wenn jedoch Giebel erklärt: „Bon n's Angabe muss als auf einem
Irrthume beruhend bezeichnet werden ,'' so ist diese Behauptung, so
lange sie nicht aus Autopsie des von Letzterem untersuchten Skeletes
hervorgeht, ungerechtfertigt, da man auch bei andern Säugthieren
einzelne Fälle kennt, wo ein Ueberschuss der Rücken - Lendenwirbel
um einen Wirbel über die Normalzahl sich eingestellt hat.
A. a. 0. S. 296 machte Giebel bemerkiich , dass die Verglei-
chung von 3 Unlerkieferästen und einem Schädel des Torfbibers aus
dem Torflager von Hassleben ihm keine Differenzen von der lebenden
Art ergeben hätte.
nuplicidentata. Tytler erhielt in der Umgegend
von Dakka mehrere Exemplare von dem seltsamen Lepus hi~
spidus ; nicht selten sind daselbst ferner L. rußcaudatus und
eine mit L. nigricoUis sehr nahe verwandte Art, die er aber
doch für verschieden genug ansieht, um sie als selbstständig
zu unterscheiden und selbige sich selbst als L. TyUeri zu de-
diciren (Ann. of nat. bist. XIV. p. 175); eine Ehrenbezeigung,
die er wohl füglicher einem Andern hätte überlassen können.
Edentata,
Eine sehr befremdliche Behauptung über die Zahl der
Zehenglieder bei den dreizehigen Faulthieren hat Bur-
meist er ausgesprochen (Säuglh. Bras. S. 263).
32 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
„Wirkliche Glieder hat jede Zehe,'' wie er sagt, „vorn wie
hinten, nur zwei; man hält gewöhnlich die Epiphyse der Mittelhand -
und Miltelfussknochen für das Grundglied des Fingers und giebt des-
halb drei Fingerglieder an, aher die Untersuchung selbst ganz jun-
ger Thiere zeigt, dass hier nie ein Gelenk war, sondern von vorn her-
ein nur eine Synchondrosis bestand." — B. ist aber mit dieser behaup.
tung in einen grossen Irrthum verfallen, wie diess schon Cuvier ge-
gen Daubenton, der ähnlicher Meinung war, sattsam nachgewiesen
hat. Zum Ueberflusse kann ich mich auch noch auf unsere 3 Skelele
von Bradypus tridactylus, cuculliger und torquatus berufen, wo insbe-
sondere die zwei von der ersten Art herrührende : ein ganz junges
und ein etwas mehr als halbwüchsiges, vorn wie hinten, drei Phalan-
gen an jeder der 3 mittleren Zehen aufweisen , und wovon die erste
keineswegs eine Epiphyse des betreffenden Mittelhand- oder Mittel-
fussknochens ist und deshalb bloss durch Synchondrosis mit letzterem
verbunden ist, sondern diese erste Phalanx steht durch ein ausgezeich-
netes Gewinde (ginglymus) mit dem vorhergehenden Knochen in Ge-
lenkung. Das Wahre an der Sache ist, dass die erste Phalanx mit
ihrem Mittelhand- oder Mittelfussknochen fiühzeitig zu verwachsen be-
ginnt, bis es zu totaler Verschmelzung kommt. Bei Choloepus ist die
freie Gelenkung gedachter Knochen — wie diess eine mir vorliegende
zerlegte Hand und Fuss ebenfalls ausweist — noch in einem Alter
vorhanden, wo sie bei Bradypus schon längst verschwunden ist.
Burmeister stellte eine neue Art von Gürlelthieren,
unter dem Namen Dasypus hispidus auf (Säuge-Thiere Bras.
I. S. 287).
Er unterscheidet dieselbe von D. 12-cinclus Schreb, (D. gymnu-
rus III.) durch folgende Diagnose : „kleiner gedrungener gebaut , die
äussere Hornschicht des Panzers schwächer, der Kreuzpanzer viel kür-
zer, die Behaarung überall stärker; Kopf kurz und dick, die Schilder
seines Panzers gleichförmiger, kleiner; der Schwanz ohne alle Kno-
chenwarzen," nicht einmal unter der Spitze mit solchen besetzt, wohl
aber mit dünnen, flachen, sperrig aber regelmässig gestellten Horn-
plättchen. Mit Rücksicht auf den Schädelbau ist B. der Meinung, dass
seine neue Art identisch ist mit der, welche Cuvier in den Rech. V.
p. 123 von dem warzenschwänzigen Kabassu scharf unterscheidet. —
In meinen neuen Supplementen zu Schreb. Säugth. V. S. 175 habe ich
auch nach Nalterer's handschriftlichen Notizen eines D. loricatus
erwähnt, den Letzterer ebenfalls als besondere Art von D. 12-cinclus
unterscheiden will. Leider bin ich bisher nicht dazu gekommen, die
von Natter er aus Brasilien mitgebrachten Görtelthiere einer Prüfung
zu unterwerfen.
Dass Dasypus conurus und J). hybridus auch im südlichen Bra-
der Säuglhiero während des Jahres 1854. 33
silien vorkommen, woselbst sie Natterer auffand, habe ich a. a. 0.
angeführt.
Nachdem Hyrtl schon früherhin in klassischen Arbei-
ten das arterielle Gefässsystcm der Monotremen (zunächst
des Tachyg-Jossus), dann das der übrigen oder eigentlichen
Edentaten mit höchster Genauigkeit beschrieben und in herr-
lichen Abbildungen anschaulich gemacht hatte (Denkschriften
d. k. Akadem. V. S. 1 und VI. S. 21), hat er uns nunmehr
auch den innern Bau eines zur Zeit noch der allerseltensten
Thiere, nändich des Chlamydophorus , enthüllt (a. a. 0. IX.
S. 1 mit 6 Tafeln).
Wenn auch diese Arbeit erst im heurigen Jahre ausgegeben
wurde, so fällt doch eine kurze vorläufige Anzeige von derselben (Sit-
zungsberichte Xll. S. 77) noch in den Zeitraum unseres Jahresberich-
tes, übcrdiess ist sie so bedeutend und füllt eine so grosse Lücke in
unserer Kenntniss der Zahnlücker aus, dass Ref. nicht umhin kann,
auf sie jetzt schon, wenn auch nur mit wenigen Worten, aufmerksam
zu machen. Zur Untersuchung hatte H. ein in Weingeist aufbewahr-
tes weibliches Exemplar und ausserdem noch einen getrockneten Balg.
Seine Darstellung befasst sich sowohl mit dem äusseren als inneren
Baue, den er in beiderlei Beziehung aufs sorgfältigste erörtert und
zwar in beständiger Hinsicht auf Dasypus gymnurus, den er mit Chla-
mydophorus in Verbindung bringt. Als Schlussresullat hat sich ihm er-
geben, dass zwischen beiden Thieren die anatomischen Unterschiede
geringer sind, als die Aehnlichkeiten.
Seiner früheren Abhandlung über Orycteropus fügte
Duvernoynoch einige Bemerkungen über den mikroskopi-
schen Bau der Zähne bei (Instit. p. 15).
In dem Berichte , den der Sekretär des zoologischen
Gartens erstattete, wird mit Recht ein Ameisenbär (Myr-
mecophaga jubata) als einer der interessantesten Bewohner der
dortigen Anstalt bezeichnet (Zoologist. 1854. p. 4279).
Das Merkwürdigste daran ist, dass man dieses Thier, das in sei-
ner Heimath auf eine geringe Auswahl von Wahrungsmilteln beschränkt
ist, nicht bloss lebend nach London überbringen, sondern auch in der
kalten Jahreszeit am Leben erhalten konnte, obgleich man ihm sein
natürliches Futter nicht zu reichen vermochte, sondern ein künstliches
ihm substituiren musste. Am zweckmässigsten ergab sich das Verfah-
ren, welches, wie Azara erwähnt, bei den Thieren, die nach Madrid
übersendet wurden, in Anwendung kam.
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. Q,
34 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Pachydermata,
Wir wollen hier zuvörderst gleich die merkwürdigen ur-
welllichen Formen aufführen, von welchen uns Leidy in
seiner Ancient Fauna of Nebraska (Smithson. contribut. lo
Knowledge. VI) nunmehr die ausführliche Beschreibung und
vortreffliche Abbildungen vorlegte.
a) solipedia.
1. Anchilherium Bairdii; ohngefähr von der Grösse des A. au-
relianense.
b) ordinaria.
2. Tilanolherium. Zahnformel wie bei Palaeotherium ? Obere
Backenzähne quadratisch, complicirt, in der Form das Mittel zwischen
denen des Palaeotherium und des Rhinoceros haltend ; ihre Aussenseile
ohne die für ersleres charakteristische doppelt gekrümmte Leiste und ohne
die für letzteres charakteristische vordere Randfalte. Untere Backen-
zähne ähnlich denen des Palaeotherium, aber ohne innere Basalleiste.
— T. Proiäii, einzige Art.
3. Palaeotherium giganteum^ zweimal so gross wie P. magnum.
4. Rhinoceros occidentalis , mit Sagittalkamm , kein Stirnhorn,
Nasenhorn?, Stirn breit und flach; 2/4 so gross wie Rh. indicus.
5. Rh. nebrascensis , mit Sagittalkamm, kein Stirnhorn, Nasen-
horn?, 3/4 so gross wie Rh. occidentalis.
Noch führen wir hier die Gattung Archaeotherium an,
welche Leidy a. a. 0. S. 57 der Familie der Paridigitata
ordinaria zuweist.
Nach der Form der obern Backenzähne mit Choeropotamus und
Hyracotherium verwandt, zunächst aber an Entelodon sich anschlies-
send. Er unterscheidet 2 Arten : A. Morloni und A. robtistum, deren
Ueberreste auf tab. 8 bis 10 abgebildet sind.
Es folgen nun die übrigen Typen difeser Ordnung, so-
wohl lebende als ausgestorbene, über die wir etwas Neues
zu berichten haben.
Artiodactyia. Ueber den Bau des Gehirns vom Hip-
popotamus gab Peters nähere Aufschlüsse (Monatsber. der
Berl. Akad. 1854. S. 367).
Ueber die in Nordamerika gefundenen fossilen Ueber-
reste von Dycotilinen publicirte Leidy eine Abhandlung
(Transact. of the Americ. philos. soc. X. p. 323).
der Säuglhiere während des Jahres 1854. 35
Zur Grundlage halte er das von La Gonte aus Illinois erhaltene
Alaterial vor sich, wornach letzlerer 3 neue Arten und elien so viele
Gattungen errichtet halte: Platygonus compressus, Hyops (später Dico-
lyles) depressifrons und Prolochoetus prisinaticus ; ausserdem noch eine
4te Art, üicotyles costatus nach Ueberreslen aus ftlissuri. Zu diesem
Alaterial kam noch ein fast vollständiger Schädel, den Leidy ans ei-
ner Salpeterhöhle in Kentucky erhalten hatte. Indem letzterer die von
Le Gonte beschriebenen üeberreste zum Theil andersortig verlheilt,
stellt er folgende 4 nordamerikanische Arten fest: 1) Dicotyles depres-
sifrons Lee; 2) Dicolyles costatus Lee; 3) Plalygonus compressus Lee,
hieher rechnet L. auch einige von Le Gonte zu Hyops depressifrons
gezählte Stücke, andere verweist er zu 4) Protochoerus prisinaticus Lee. ;
5) Enchoerus {Protochoerus'^) macrops, der Schädel von Kentucky. Auf
Tab. 35 u. 36 ist der Schädel von Euchoerus in 3 sehr schön ausge-
führten Ansichten dargestellt; auf Tab. 37 Zähne von Dicotyles tor-
quatus, Euchoerus, Platygonus compressus (nebst einem Knochenfrag-
ment) und von Protochoerus prismaticus. Zur Rechtfertigung der Ab-
trennung der neuen Gattungen von Dicotyles führt Leidy an, dass
letztere Merkmale besitzt, die insgemein bei jenen nicht gefunden
werden.
Weitere Beiträge zur Feststellung seines Anthracothe^
rium dalmatinum theilte H, v. Meyer mit (Zeitschr. für Mi-
neral. 1854. S. 47).
Pictet stellte eine neue urweltliche Gattung aus der
Familie der Schweine unter dem Namen Rhagatherium auf
(Materiaux pour la Paleontol. Suisse 2. livr. p, 44).
Schneidezähne klein, Eckzähne schneidig , von jenen wie von
7
den Backenzähnen weit abstehend, letztere wahrscheinlich zu — *
Obere und untere Lückenzähne schneidig, von ähnlicher Form wie
bei den Ilaubthieren, die vorderen etwas entfernt stehend. Die obern
echten Backenzähne mit 4 Haupthöckern, die untern mit 2 Querjo-
chen, welche je zwei Höcker zeigen und durch eine schiefe Kante
verbunden sind , der hinterste mit einem starken Ansatz. — Die Art
heisst Rh. vahlense.
Perissodaciyla. A. a. 0. beschreibt Pictet ferner
verschiedene Üeberreste von Palaeotherium medium , ciirtum
und minus.
Nach anatomischer Untersuchung dreier Exemplare des
Tapirus suillus gab Crisp einige Mitlheilungen über den in-
nern Bau (Zoologist p. 4239).
36 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
In den Philosoph. Transact. of the R. Soc. of London
1853. p. 291. tab. 15 — 18 erschien Owen's Beschreibung ei-
niger Arten der ausgestorbenen Gattung Nesodon mit Bemer-
kungen über die Hauptgruppe (Toxodontia) der Hufthiere, wel-
cher diese Gattung angehört.
Auf die frühere kurze Charakteristik der Gattung Nesodon, de-
ren Ueberreste sämmtlich in Patagonien gefunden wurden, lässt nun
Owen die detaillirte Beschreibung mit Abbildungen folgen. Er un-
terscheidet 4 Arten: 1) Nesodon imbricalus, ohngeiikhr von Laniagrösse,
auf den Vordertheil des Unterkiefers und 2 obere Backenzähne be-
gründet; 2) JV. Sulicaiiif von Zebragrösse, nach einzelnen untern
Backenzähnen; 3} N. ovinvs , wie ein grosses Schaf, nach Fragmen-
ten vom Schädel und Unterkiefer ; 4) N. magnus, von Nashorngrösse,
nach einem obern Backenzahn. — Mit Toxodon verbindet Owen Ke-
sodon zu einer eigenen Gruppe unter don Hufthieren Toxodontia von
ihm benannt , die näher an die Perissodactyla als an die Artiodactyla
sich anschliesst, und zwar in mehreren Stücken zunächst an Tapir und
Nashorn.
A\s Hyrax dorsalis kündigte Fräser eine neue Art
Klippschliefer von Fernando Po an (Ann. of nat. hist. XIV.
p. 158).
Nach dem beigefügten ürtheile von Waterhouse ist diese
Art sowohl von Hyrax capensis und syriacus , als von H. arboreus
verschieden. Dagegen hat im vorhergehenden Jahre Temminck ei-
nen Hyrax sylvestris aufgestellt , von dem die genannten englischen
Zoologen noch nichts wussten, der aber leicht mit diesem H. dorsalis
identisch sein dürfte.
Nouvelles etudes sur les Rhinoceros fossiles par M. D u-
vernoy (Archiv, d. mus. d'hist. nat. Vit. 1853. p. 1—144.
tab. 1—8).
Eine wichtige Arbeit, von der wir hier nur eine kurze Ueber-
sicht geben können. Nach Erläuterung der osteologischen Verhält-
nisse und insbesondere des Zahnsystemes , führt der Verf. nach den
geognostischen Formalionen folgende Arten auf:
a. Miocaene Arten.
1) Rhinoceros incisivus Guy. (Rh. Schleiermacheri Kp. , Rh.
sansaniensis Lart.).
2) Rh. minutus Cuv.
3) Rh. brachypus Lart.
4) Rh. pleurocerus Duv.
ö) Rh. radanensis Duv.
der Säugthiere während des Jahres 1854. 37
6) Acerotherium hjpus (A. incisivum Kp., A. tetradactylus Lart.).
7) A. gannatense Duv.
b. Pliocaene Arten.
8) Rh. lepiorhmtts Cuv. (Rh. de Montpellier Serr. , Rh. mega-
rhinus Christ.).
9) Rh. prolichorhinus Duv. (Rh. leptorhinus Ow.).
c. Diluvial- und Höhlen- Arten.
10) Rh. tichorhinus Cuv.
11) Rh, lunellensis Gerv.
12) Stereoceros typus Duv. (St. Galli).
Beiträge zur näheren Kenntniss der urweltliclien Säug-
thiere vor Dr. J. J. Kaup. Darmst. 1854. Istes Heft.
Das erste Heft befasst sich mit einer Revision der europäischen
fossilen Rhinoceros-Arten , von denen hier nachfolgende zur Sprache
gebracht werden.
1) Aceratherium minulum Kp. (Rh. minutus Kp. , Rh. steinhei-
mense Jaeg., Rh. pleuroceros Duv.).
2) A. incisivum Kp. (Rh. incisivus Cuv. Rh. tetradactylus Lart.,
A. gannatense et typus Duv.).
3) A. Goldfussi Kp. (Rh. brachypus Lart.).
4) Rhinoceros sansaniensis Lart. (Rh. incisivus Duv.).
5) Rhinoceros Schleiermacheri Kp. (Rh. incisivus Duv. ; wie der
Verf. bemerkt, fälschlich von Cuv i er mit A. incisivum und vonDu-
vernoy mit Rh. sansaniensis vereinigt.
Alan sieht schon aus dieser Zusammenstellung der Arten, dass
bezüglich ihrer Feststellung zwischen Duvernoy und Kaup noch
manche Meinungsverschiedenheit besteht , demohnerachtet ist durch
beide Arbeiten die genauere Kenntniss der Rhinoceros-Arten wesent-
lich gefördert worden.
Ruminanüa.
Auch hier sollen, wie bei den Pachydermen, zuvörderst
gleich diejenigen urweltlichen Gattungen, welche Leidy in
seiner Ancient Fauna of Nebraska (a. a. 0. p, 19) als Ru-
minantia in ausführlichen Beschreibungen und in vortreffli-
chen Abbildungen erläuterte, aufgeführt werden.
Er kennt jetzt aus gedachter Fundstätte folgende Formen, die
er ausgestorbenen Gattungen ungehörnter "Wiederkäuer zutheilt: Poe-
brotherium WUsoni. — Agriochoerus antiquus. — Oreodon Culbertso-
nii , gracilis und major. — Eucrotaphus auritus und Jachsoni ; von
38 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
letzterer Gattung vermuthet Leidy selbst, dass sie mit Agriochoe-
rus zu vereinigen sein dürfte. Auf 7 Tafeln sind die wichtigsten der
gedachten Ueberreste abgebildet.
Wir lassen nun die übrigen Gruppen der Wiederkäuer,
von denen wir etwas Neues zu berichten haben, folgen.
Ueber den innern Bau der Giraffe brachte Spencer
Cobbold einige Notizen bei (Ann. of nat. bist. XIII. p. 484).
An dem von ihm untersuchten Individuum fand er keine Gal-
lenblase.
Verschiedene Beiträge zur näheren Kenntniss indischer
und tibetanischer Hirsche rückte Blyth in das Journ. of
the Asiat, soc. of Beng. XXIII. p. 199, 211, 217, 735 ein.
Die innere Struktur der die Hornscheiden tragenden
Stirnzapfen der Antilopen erläuterte G. Vrolik in den
Verband, d. K. Akad. v. Wetensch. Amslerd. I. (1854) p. 1.
Nach seinen Untersuchungen wird es sehr wahrscheinlich, dass in
den Hornzapfen nur dann Höhlungen vorkommen, wenn Stirnhöhlen
vorhanden sind und dass, wenn diese fehlen, auch jene vermisst
werden.
Von seiner Antilope leucotis hat jetzt Peters die aus-
führliche Beschreibung nebst Abbildung beigebracht (über
neue merkw. Säugth. S. 16. tab. 3).
Er schliesst sie an diejenigen Formen an, die Gray's Unter-
gattung Adenota bilden und zu welcher letzterer Antilope Kob und A.
Leche stellt.
Ueber die Lebensweise, die Verbreitung und Jagd des
Aegoceros Aegagrus legte Kolschy sehr interessante eigene
Erfahrungen vor cVerhandl. des zool.-bolan. Vereins in Wien
1854. S. 201).
Giebel bemühte sich, die Artberechtigung des Bos
Banteng nachzuweisen (Säugth. S. 261).
Er beruft sich auf die Vergleichung, die er mit dem in der
Meckel'schen Sammlung aufgestellten Sltelete des Bantengs mit denen
des gemeinen Rindes, des Büffels undWisent's vornahm und zeigt die
Differenzen auf, die sich ihm hiebei hinsichtlich der Formen des Schä-
dels, des übrigen Skeletes und der Zähne ergeben haben. Er ist sei-
nes Resultates so sicher, dass er betheuert: ,;Wir würden auch dann
noch die Artrechte vertheidigen können , wenn es sich bestätigen
sollte, dass die Hauskühe dem Banteng zur Belegung zugetrieben
werden, um deren Schlag zu verbessern." Auf die Beleuchtung dieses
der Säugthiere während des Jahres 1854. 39
Artikels gehe ich hier nur deshalb ein, weil ihn C. Vogt in seinem
berüchtigten Pamphlete zur Verwirrung des Artbegriffes ausgebeu-
tet hat.
Was gegen die Artberechtigung des Bantengs zu sagen ist, habe
ich schon in der Kürze in meiner Broschüre , Naturwissenschaft und
Bibel S. 29, so wie in meinen neuen Supplementen zu Sehr eher
S.476 angeführt; hier nur noch einige Erläuterungen. 1) Die Bei-
ziehung des Büffels und AVisents zur Vergleichung ist ganz überflüssig,
da schon die schönen Abbildungen, die wir bereits seit geraumer Zeit
durch S. Müller und D'Alton vom Schädel des Bantengs besitzen,
dargethan haben, dass er nicht mit jenen Typen, sondern mit dem des
gemeinen Rindes zu verbinden ist. 2) Unterschiede in den Backen-
zähnen verwandter Arten einer Wiederkäuer -Gattung können nur
dann einen Werth ansprechen , wenn sie an vielen Zähnen auf glei-
cher Stufe der Abnützung ermittelt sind , da der äussere Umriss der-
selben und die Schmelzfiguren bei einem und demselben Individuum
nach dem Alter die erheblichsten Aenderungen erleiden. 3) Die Ver-
gleichung eines einzigen Skeletes des Bantengs mit einem oder et-
lichen von denen des Hausrindes ist zur Sonderung in Arten durchaus
unzureichend, da bekanntlich letzteres eine Menge sehr [verschiedener
Rassen darbietet, deren Verschiedenheit nicht bloss im äusseren, son-
dern auch im Skeletbaue sich ausspricht , während es zugleich vom
Banteng dargethan ist, dass bei ihm der Schädel erhebliche Differen-
zen nach Alter, Geschlecht und Individualität darbietet. 4) Anstatt
Büffel und Wisent überflüssig in den Bereich seiner Untersuchungen
zu ziehen, hätte G. neben dem einheimischen Hausrinde hauptsächlich
das Skelet des Z ebus berücksichtigen müssen, und diess um so mehr,
da nicht jenes, sondern letzteres das Hausthier der Javanesen ist. 5)
Ich habe aber (nach dem in hiesiger Sammlung aufgestellten Zebu-
Skelete) schon lange nachgewiesen, dass das Skelet des Bantengs in
näherer Uebereinstimmung mit dem des Zebus steht als mit dem des
bei uns vorkommenden Hausrindes; die Aufgabe von G. wäre dem-
nach gewesen, die osteologischen Differenzen zwischen Banteng und
Zebu, und zwar abermals nach den verschiedenen Rassen des letzte-
ren, ausfindig zu machen. 6) Sowohl Roulin als Schlegel und
S. Müller haben nur sehr geringe Abweichungen in den Scbädel-
formcn zwischen Banteng und Hausrind aufzuzeigen vermocht , im
übrigen Skelete aber haben beide letztere vollständige Uebereinstim-
mung gefunden. 7) Wenn dagegen G. in der Zeitschr. f. d. gesammt.
Waturw. 1855. S. 427 behauptet : „dass Müller und Schlegel ent-
weder das Skelet des javanischen Stieres gar nicht verglichen , oder
dass sie statt dessen nur das Skelet des gemeinen Hausstieres vor
sich hatten," so ist diess einestheils ein Beweis, dass G. das grosse
Werk der genannten Autoren gar nicht benutzt bat, denn sonst würde
40 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
er darin gelesen haben, dass ihnen eine grosse Anzahl Schädel und
mehrere Skelete vom Banteng zur Verfügung standen; andererseits
zeugt es von der Anmaasslichkeit, mit welcher G. abspricht und An-
schuldigungen erhebt , während er nicht einmal über den Sachver-
halt orientirt ist. 8) Der von G. versuchte Nachweis, dass Banteng
und Hausrind zwei verschiedene Arten seien, ist demnach vollkommen
misslungen.
Auf eine eigenlhümliche Zeburasse um Dakka (Ben-
galen) machte Tytler aufmerksam (Ann. of nat. bist. XIV.
p. 177).
Sie ist sehr verschieden von der dort gewöhnlichen Landesrasse.
Die Farbe ist unveränderlich rein weiss , der Schwanz lang und am
Ende buschig, die Augen dunkel, die Haut um die Augen und die
Schnauze röthlich (pinkish) , die Grösse gering. Beide Geschlechter
haben einen geringen oder keinen Ansatz zu einem Höcker.
Weder der von W, Thompson über den Gu w a (Gaur)
der westlicben Gbats, noch die von Earl über die Rinder-
arien der malayischen Halbinsel gegebenen Miüheiiungen sind
von Belang (Ann. XIV. p. 444, 318).
Ueber die Identität des europäischen und ameri-
kanischen Bisons handelte G. Jäger (Würtemb. naturw.
Jahreshefte X. S. 203).
Nach Vergleichung von 2 Schädeln des europäischen Bisons mit
zweien des amerikanischen gelangt er zu folgendem Resultate: „die
Verhältnisse der an den 4 Schädeln vorgenommenen Messungen lassen
zwar keine so vollständige Uebereinstimmung erkennen, dass darauf
ein strenger Beweis für die Identität beider Arten sich ergäbe, indess
steigert sich die Wahrscheinlichkeit durch die Vergleichung der ein-
zelnen Theile des Schädels und ihres Verhältnisses zu einander fast
zur Gewissheit."
Pinmpedia.
In zwei Fellen, die Gray von einem, an der Küste der
Insel Madeira häufig vorkommenden Seehunde erhielt , er-
kannte er nicht bloss eine neue Art, sondern auch eine neue
Gattung, die er HeJiophoca benannte (Ann. of nat. bist. XIII.
p.20 ).
Füssc, Gaumen und Zähne gleichen denen der Gattung Calloce-
phalus (communis) , aber die Backenzähne sind grösser und nicht so
tief gelappt. Mit Phoca barbata hat diese Robbe die glatten Bart-
derSäugthiere während des Jahres 1854. 41
haare gemein, unterscheidet sich aber durch die deprimirte Schädel-
form, die grossen, mit kleinen Höckern besetzten Backenzähne und
den ausgeschnittenen Rand des Gaumens. Die Art bezeichnet Gray
als //. atlantica', sie misst 5' 5". — Später brachte er zur Anzeige
(a. a. ü. 8.394), dass er von derselben Art aus Algerien ein Fell
und Skelet erhalten habe.
B 0 1 1 berichtete über zwei Fälle , wonach ein Seehund
bis in den Schweriner See, ein anderer in der Oder bis ge-
gen Oderberg vorgedrungen ist (Archiv des Vereins d. F. d.
Naiurgesch. in Mecklenb. Heft 8. S. 135.
lieber die beiden, im Atlas zu Dumont-D'Urville's
Reise abgebildeten Robben gab Pu eher an die nöthigen Er-
läuterungen (Zool. III. p. 27).
Phoca (Stenorhynchvs) leptonyx ßlainv. tab. 9. wurde an den Au-
stralländern südöstlich vom Kap Hörn erlegt. — Phoca carcinopkaga
Hombr. Jacq. tab. 10 und 10 A (von Owen später Stenorhynchus ser-
ridens benannt) wurde auf dem Südpolar-Eise zwischen den Sandwichs-
und Powels - Inseln , 150 Stunden von jeder dieser Inseln entfernt,
gefangen ; sie nährt sich vorzüglich von Krabben.
Cetacea,
Von zwei Individuen des Hyperoodon bidens Flem., die
zu Anfang Octobers in Porlland Roads strandeten, lieferte W.
Thompson eine genaue Beschreibung mit zahlreichen Aus-
messungen (Ann. of nat. bist. XIV. p. 347).
Das eine Individuum w^ar ein altes Weibchen von 24' Länge,
das andere ein junges von 16' 8".
Die in Dum ont- D'Urville's Reise abgebildeten Walle
sind nun ebenfalls von Pucheran a. a. 0., so weit das ihm
vorliegende Material ausreichte, beschrieben worden.
Ich muss hier gleich von vorn herein eine Ehrenbezeigung ab-
lehnen, die mir P. unverdienter Weise erzeigt, indem er bei den
Namen der vier Delphinarten mich als Autorität beisetzt. Ich habe
jedoch hiebe! nichts anderes gethan als die französischen Namen, mit
welchen Hombron und Jacquinot allein ihre Arten bezeichneten,
einfach ins Lateinische zu übertragen, womit ich keineswegs ein
Recht erlangt habe, diese Arten mir anzueignen, sondern diese Ehre
gebührt allein den eben genannten beiden Naturforschern. Die hier
in Rede kommenden Walle sind folgende : Trichechus Dugotig von
42 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgesch. etc.
ßanda tab. 20, 20 A— 20 D ; leider kann P. in Ermangelung von Ma-
terialien , keine Erläuterungen der anatomischen Abbildungen vorle-
gen ; 2) Delphinus fiilvifasciaius tab. 21. fig. 1 von der Küste von Vandie-
mensland; 3) D. hrevimanus tab. 21. fig. 2 von der Strasse von ßanka
und dem Meere von Singapore; 4) D. breviceps tab. 22. fig. 1 von
Rio de la Plata ; 5) D. roseivenlris tab. 22. fig. 2 aus den raolukki-
schen Gewässern. Pucheran sieht diese 4 Delphine für besondere
Arten an. 6) Balaenoplera Astrolabiae Yuch. (Rorqual noueux Hombr.
Jacq.) tab. 24. fig. 1 aus der Südsee wird von P. ebenfalls als eigen-
thümliche Art betrachtet.
Bericht über clie lieistung^eii in der HJatur*
S^escliiclite der Tög^el wäiireiid des
JaliFei§ 1§54.
Von
Dr. G. Hartlauli
in
Bremen.
Mit ungeschwächtem Eifer und nicht ohne schöne Er-
folge haben die Freunde und Förderer der Ornithologie auch
im verflossenen Jahre ihre Theilnahme an diesem anmuthigen
Zweige der Zoologie zu bethätigen gewusst. Bonaparte,
Cabanis, Reich enbach, Puchei'an, Gould, Scla-
ter, Gas sin und Baird sind nebst noch Anderen mit
tüchtigen mehr oder weniger umfangreichen Arbeilen her-
vorgetreten, über welche näher zu berichten die Aufgabe
nachstehender Zeilen sein wird. Zu den hervorragendsten
zählen wir ohne Bedenken die Fortsetzung von B o na p ar-
te's „Conspeclus avium," eines AVerkes, dem bei zahlreichen
Irrthümern im Einzelnen und unläugbarer Flüchtigkeit und
Ungleichheit in der Behandlung mancher Theile dennoch kein
Anderes der neueren Zeit an Bedeutung für die rudis indi-
geslaque moles der modernen Ornithologie an die Seite ge-
stellt werden kann. — Wie Layard, Kelaarl, Blyth,
Tytler und Moore fortgefahren haben, den Vögeln In-
diens ihre Aufmerksamkeit zu schenken, so haben anderer
Seils die merkwürdigen und zahlreichen Entdeckungen der
Nordamerikaner im Westen, also in Californien, Neumexico,
44 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Sonoma und Texas, eine entsprechende Vermehrung zoologi-
scher Thäligkeit bei ihnen zur Folge gehabt und zwar zu-
meist an den Hauptsilzen amerikanischer Gelehrsamkeit, in
Washington und Philadelphia. Der deutsche Ornithologen-
verein war in Gotha versammelt und bei allem Eifer für
die Förderung seiner Zwecke nicht abgeneigt : gaudia inter-
ponere curis.
Von Chenu's „Encyclopedie d'histoire naturelle ou
traite complet etc. Oiseaux avec la collabor. des M. Des
Murs" erschienen Band 4, 5 und 6 und damit der Schluss
des Werkes. Wie gewöhnlich bei ähnlichen Unternehmungen
ist der spätere Theil des Textes entschieden nachlässiger ge-
arbeitet. Die Abbildungen sind zum Theil unter aller Critik
grässlich. Das wirklich Werthvolle an diesem Werke bilden,
wie schon bemerkt, die Zuthaten der Verreaux's zum Text,
deren handschriftliche Notizen über die Vögel Afrikas und
Australiens wir gerne an einem angemesseneren Orte publi-
cirt gesehen hätten.
L. Reichenbach „Handbuch der speciellen Ornitho-
logie." Von diesem Werke , dessen grosse Verdienste im
vorjährigen Berichte ihre gebührende Anerkennung gefunden
haben, liegen uns zahlreiche, die Tenuirostres und Spechte
umfassende Kupfertafeln, so wie die 5te Lieferung des Textes
vor. Dieselbe umfasst die Dünnschnäbler und ist den Brü-
dern Verreaux gewidmet. Leider wieder neue Gattungen
ohne Zahl!
C. L. Bon aparte „Conspectus avium/^ Wie schon
bemerkt nimmt die Fortsetzung dieser grossartigen Ar-
beit ihren raschen und ungestörten Fortgang. Die Srausse,
Tauben und Reiher sind bereits im Drucke vollendet
und bilden, jede an und für sich, wirkliche Monographien,
deren höchst fleissige und kritische Ausarbeitung alle frü-
heren Farthien des Werkes weit hinter sich zurücklässt. Der
die Tauben umfassende Theil dürfte zu dem Besten gehören,
was je aus des berühmten Verfassers Feder hervorging.
G. L. Bon aparte „Conspectus volucrum zygodacty-
lorum." Separatabdruck aus No. 8 des Ateneo Italiano. Giebt
der Vögel während des Jahres 1854. 45
eine Aufzählung sämmllicher Gattungen und Arten der Wen-
de zeh er und nennt: 51 Rhamphasliden, 158 Cuculiden, 216
Picidae, 63 Bucconidae, 16 Galbulidae, 30 Capitonidae und
44 Trogonidae.
C. L. Bonaparte „Conspeclus volucrum anisodacty-
lorum." Separatabdruck aus Nr. 11 des Ateneo Italiano; 16 S.
Der Verfasser kennt 44 Bucerotidae , 16 Musophagidae, 6 Co-
liidae, 3 Phytotomidae, 50 Cotingidae, 42 Pipridae, 10 Eurylaemidae
(zu welchen Verf. die merkwürdige afrikanische Form S7nilhoniis ca-
pensis zählt) , 27 Pittidae, 18 Coraciidae, 14 Prionitidae, 26 Meropi-
dae, 100 Alcedinidae, 79 Dendrocolaptidae und 15 Upupidae. Zum
Schlüsse in italiänischer Sprache Verbesserungen und Zusätze zu den
Zygodactylen.
„Nomenclator Avium Musei Zoologici Berolinensis.^« „Na-
menverzeichniss der in der zool. Sammlung der Königl. Uni-
versität zu Berlin aufgestellten Arten von Vögeln nach den
in der neueren Systematik am meisten zur Geltung gekom-
menen Namen der Gattungen und ihrer Unterabtheilungen.«
Broschüre von 123 Seiten mit einem Vorworte von Lich-
tenstein. Es geht aus diesem interessanten Schriftchen
hervor, dass die Berliner Sammlung augenblicklich 4070 Ar-
ten in 13760 Exemplaren besitzt. Allein an 1000 Stück Ra-
paces! Der beigefügte, von Herrn Th. Krüper angefertigte
Calalog der Eiersammlung des Museums erhöht den Werth
dieser Mittheilung. Die Fundorte der einzelnen Exemplare
hätten wir noch specieller angegeben gewünscht, also
z. B. nicht bloss „Mexico," sondern auch das Wo in Mexico.
Von den noch vorhandenen Doubletten sind die Preise an-
gegeben. Mit Recht werden sehr viele der modernen Gat-
tungen nicht aufgenommen.
Von Dr. J. Cabanis „Journal für Ornithologie" er-
schien der grössere Theil des zweiten Bandes. Auch dieser
bleibt in keiner Weise hinter den Erwartungen zurück , zu
welchen die Namen der Mitarbeiter des Journals zu berech-
tigen scheinen. Vom Inhalte möchte hier etwa hervorzuhe-
ben sein: 1) Betrachtungen über das Abändern der Eier von
C. Gloger; 2) das geschlechtliche Vcrhältniss bei nicht
selbst brütenden Vögeln , von de ms. 3) Ueber den Bau der
Ganglien bei den Vögeln, von Dr. M. Schiff; 4) Leucoga-
46 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
thie und andere Abänderungen der Normalfärbung bei den
Vögeln von Baron K ö n i g - W a r t li a u s e n ; 5) über das Um-
färben des Gefieders von C. Glogcr; 6) H. Gaetlie „Be-
obachtungen über den Farbenwechsel durch Umfärbung ohne
Mauser." „Ein sich Verjüngen der Fahnen habe er nie be-
obachtet," 7) Ueber Verbastardiren und Bastarde u. s. w.
von C. Gloger.
Auch die „Naumannia" hatte ihren guten Fortgang und
brachte z. B. unter vielen werthvollen Mittheilungen allge-
meineren Inhalts: Ornithologische Notizen vom Grafen Gas.
Wodzicki, ferner von Dr. S. Beiträge zur Anatomie und
Physiologie der Vögel Europa's; T. Fr. Naumann: Remi-
niscenzen über stufenweise Entwickelung der vaterländischen
Ornithologie in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts; Dr.
Fr. Staude: Grundriss eines natürlichen Systems der Vö-
gel; Beiträge zur Oologie und Nidologie, von Bald am us;
die Oologie physiologisch betrachtet von F. Kunze u. s. w.
Von Pucheran's trefflichen „Etudes sur les types peu
connus du Musee de Paris" brachte Guerin's Journal den
Uten (vorletzten) Artikel auf S. 62.
Darnach wäre Alauda coromandelica Cuv. gleich Miraffra afß-
nis Jerd. (ausf. Beschreib.) , Pyrrliula virescens Cuv. das Q einer
unbekannten Spermophila ; Almida rufescens Vieill. von Tenerifl'a (ti-
grina Vieill. im Mus. Par.) — Fringilla melanoleuca Yieill. sei =
Pyrrhulauda crucigera Temm., der Troupiale ä manteau noir Less. ist
Pendulinus longirostris Yieill. ; Troupiale d'or Less. ist eine Var. von
Xanlh. Gasqiieti Q. G. ; Loxia iavanensis Less. = htjpoxanlha Sparm.;
Pyrrhula bouvronides Less. ist eine gute Art von Cumana ; ebenso
Parus elegans Less. von Luzon ausführlich beschrieben; Parus Tene^
riffae Less. etwas verschieden von caerulem.
H. Schlegel „Over den groei en de Kleurveranderin-
gen der Vederen van de Vogels" giebt neue Belege an zur
Unterstützung der bekannten Ansichten des Verfassers. Ein
Vortrag in der Academie der Wissenschaften vom 29. October
und besonders gedruckt.
Fr. V. Tschudi „Ueber die landwirthschaftliche Be-
deutung der Vögel' und einige pia desideria bei einer Re-
vision unserer Jagdgesetze vom Standpunkte des Landwirth's.
Brochüre von 14 S. St. Gallen.
der Vögel wahrend der Jahres 1854. 47
Adam White „A populär history of birds" haben wir
noch nicht zur Ansicht erhalfen können.
R. Tyas „Beauliful birds/* their natural hislory, inclu-
ding an account of their slruclure, iiabits, nidiiication etc.
8. 7 Sh. Auch dieses Werk kennen wir nur dem Titel nach.
Edw. Stanley „Familiär hislory oi' birds.« 12. Sechste
Auflage.
A. Fritsch „Catalog der Säugthiere und Vögel des
böhmischen Museums zu Prag." 44 S. Scheint gewissenhaft
gearbeitet.
C. G. Calver „Recensio avium in Academici liberi
Baro de Mueller Ornithologico Museo Stuttgardiano collecta-
rum.« 4.
Von den „gelehrten Gesellschaften," welche sich die För-
derung der Ornithologie angelegen sein Hessen, möchte vor-
zugsweise folgender drei zu gedenken sein. Die „Zoological
Society" in London hat wiederum prachtvoll illustrirte Pro-
ceedings veröfFentlicht und damit eine Anzahl trefflicher or-
nilhologischer Abbildungen. Wie viel überdies im zoologi-
schen Garten für die Hallung exotischer Vögel geschieht, ist
bekannt genug.
Weniger bekannt bei uns, aber von grossartigster Trag-
weite ist die zoologische Thätigkeit einiger wissenschaftlichen
Institute Nordamerika's. Die ,,Academy of Natural Sciences
zu Philadelphia" hat seit jeher unter ihren Mitgliedern Män-
ner gezählt, welche dem Studium der Ornithologie mit lei-
denschaftlicher Vorliebe huldigten , und selten erscheint ein
neuer Theil ihrer Schriften, der nicht werthvolle Beiträge dazu
enthielte. Kaum bedarf es noch der Erwähnung, dass au-
genblicklich John Cassin mit dem glänzendsten Erfolge in
dieser Specialität der zoologischen Wirksamkeit der Acade-
mie thätig ist; und zwar mit Hülfe einer der vollständigsten
Bibliotheken und einer der reichsten Sammlungen der Welt.
Vorzugsweise, wenn auch nicht ausschliesslich, dem Studium
der vaterländischen Naturgeschichte zugewandt, ist die
Thätigkeit eines anderen gelehrten Körpers Nordamerika's, der
„Smilhsonian Institution" zu Washington. Ein Theil der gross-
arligen und weitreichenden Kräfte dieses in seiner Art ganz
48 Hart laub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
einzigen Instituts ist auf die Nutzbarmachung der Resultate
gerichtet, welche durch die halb wissenschaftliche halb poli-
tische Zwecke verfolgenden Reiseexpeditionen der Re-
gierung gewonnen werden, und hier ist es vor allen Spen-
cer F. Baird^ ein Gelehrter im wahren Sinne des Wortes,
welcher die ornithologische Ausbeute zu bearbeiten pflegt.
Erst kürzlich hat das Institut sehr zweckmässig eingerichtete
gedruckte Schemata über das ganze Gebiet der vereinigten
Staaten vertheilt , behufs anzustellender Beobachtungen über
die Periodicität mancher Erscheinungen des animalischen und
vegetabilischen Lebens und ähnliche Gegenstände. — Noch
verdienen die ehrenvollste Erwähnung das „Lyceum of Na-
tural history« zuNeuyork und die „Society of Natural history«
in Boston, wo Brewer, G. N. Lawrence, T. P. Gi-
raud und Andere für Ornithologie thätig sind.
Zur angenehmsten Pflicht endlich gereicht es uns, über
die wissenschaftlichen Bestrebungen und die glänzenden Er-
folge der Königl. zoologischen Gesellschaft „Natura arlis ma-
gistra" zu Amsterdam berichten zu können. Diese Gesell-
schaft zählt jetzt über 3000 Mitglieder und hat ein jährliches
Einkommen von 100,000 Gulden. Der Vorstand (Bestuur)
verwendet den bedeutenden Einfluss, welchen er besitzt, im
Interesse und zur Förderung der Wissenschaft. Beaufsichti-
gende und ausführende Macht ist Herr M. Westermann,
der den Titel Director führt, und dessen grossen Verdiensten
um das Institut und um den Garten insbesondere die allge-
meinste und gerechteste Anerkennung zu Theil wird. Der
wissenschaftliche Ausschuss der Gesellschaft bildet
eine Commission, deren Präsidium den würdigsten Händen,
denen H. Schlegel's, anvertraut ist. Dieser Ausschuss
versammelt sich zu wissenschaftlichen Besprechungen und
Vorträgen monatlich einmal, und hat in dem schönen, auch
gerade für Ornithologie so wichtigen Kupferwerke „Bydragen
tot de Dierkunde« den Ausdruck und die Früchte seiner Thä-
tigkeit niedergelegt. Mit edler Liberalität sind Exemplare
dieses Werkes, dessen erster Band mit Beiträgen von Vro-
lick, Temmink, Schlegel u. s.w. eben vollendet ist,
an die vorzüglichsten Academien und naturforschenden Ge-
der Vögel während des Jahres 1854. 49
Seilschaften , so wie an einzelne namhafte Gelehrte als Ge-
schenk versandt worden. Augenblicklich bereitet man die
Herausgabe eines monographischen Prachtwerkes über die
Musophagiden mit lebensgrossen Abbildungen aller Arten
vor. Der zoologische Garten der Gesellschaft muss die Be-
wunderung aller Sachkundigen erregen , und der Ornilholog
wird mit Vergnügen und Befriedigung die zweckmässigen
und geschmackvollen Einrichtungen betrachten , welche die
zahlreich vertretene Klasse der Vögel betreffen.
Europa.
Die „Naumannia" brachte von hierher gehörigen Arbei-
ten: 1) Das Frühjahr und unsere Zugvögel in Anhalt von
J. Fr. Naumann; 2) Vögel des S.-O.-Thüringerwaldes, von
Dr. J. Spersc h neid e r; 3) Pastor Zander über die euro-
päischen Pieper ; 4) Wallengren: Brutzonen der Vögel in-
nerhalb Scandinavien's p. 62 und 113; 5) Ornithologische
Mittheilungen von Dr. N. Kjär bölling und manches Andere.
Cabanis „Journal" enthält 1) Beiträge zur Ornitholo-
gie Südrusslands von Pharm. Rad de; 94 Arten mit hüb-
schen biogr. Notizen; 2) Pfarrer Jäkel: der Vögelzug in
Baiern im Herbst, Winter und Frühlinge von 1852-53; 3)
G loger: über die Verbreitung der Vögel bei uns früher und
jetzt; 4) F ritsch: Notizen über seltnere Vögel Böhmens;
5} Schutz der kleinen Vögel durch die deutschen Regierun-
gen , von C. Gloger; 6) über Vögel Pommerns, von Th.
Krüper; 7) v. Homeyer: Bemerkungen zu Radde's Vögel
Südrussland's; 8) F. W. Bädeker: Ornithologisches von
der Wolga; 9) Dr. C. Bolle: „Bemerkungen über die Vö-
gel der Canarischen Inseln." Sehr interessante ausführliche
Arbeit mit specielleren Bemerkungen über Neophron percno-
pterus, Pyrrhocorax graculus , der nur auf Palma lebt, Syl-
via Heinekeni, S. passerina, Fringüla hispaniolensis , ieydea
und tintillon ; Pyrrhula githaginca, Cypselus unicolor u. s. w.
A. F ritsch: „Die Vögel Europa's." 16 Helle in Fol.
mit 700 Abbildungen. Preis eines Heftes 3 Thaler. Die in
Farbendruck ausgeführten Abbildungen sind recht gut, der
Text scheint uns durchaus zu genügen. Jährlich sollen zwei
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jabrg. 2. Bd. £)
50 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bis drei Hefte erscheinen. Den» Unlernehßjen ist guter Fort-
gang zu wünschen.
Antonio Schembri: „Vocabolario dei sinonlmi
classici della Ornltologia Europea.<< Bologna 1846—52. 457 S.
in 8. Wir kennen dieses neueste Werk des durch frühere
Arbeiten über die Vögel Malta's sehr vortheilhaft bekannten
Verfassers nur noch dem Titel nach.
Dr. C. G. Calw er: „Die Thierwelt Deutschlands und
der Schweiz" mit 12 nach der Natur gezeichneten, in Farben-
druck ausgeführten Kupfertafeln in Fol. Der Text ist sehr
kurz, aber nicht schlecht behandelt; auch die Abbilungen sind
ganz leidlich, mit Ausnahme der scheusslich colorirten des
Titelblattes. Neuere Systematik; Beschreibung und Maasse.
Ignaz Kress: „Die Vögel des Steigerwaldes und sei-
ner nächsten Umgebung, ein Beitrag zur ornithologischen
Fauna Frankens." Bestehen und Wirken des naturf. Vereins
zu Bamberg, Bericht 2, S. 20—25.
F. P. Brahts „Vögelfauna um Neuwied.« Verhandl.
des naturhist. Vereins der preuss. Rheinlande, Jahrgang X.
S. 61— 101.
d'Alquen „Vögelfauna der Gegend um Mühlheim.« Ibid.
S. 102—110.
„Beobachtungen über die Ankunft der Vögel« von Coli.
Rath. Bode. Bullet. Acad. Pelersb. tome XII. p. 290. Diese
fleissigen und augenscheinlich gewissenhaften Beobachtungen
wurden angestellt um Mitau von 1829 — 1839 und im Forst-
institut bei St. Petersburg von 1842 — 53. Vergleichend ta-
bellarische Uebersichten mit gleichzeitiger Angabe der Wit-
terung, botanischer und entomologischer Erscheinungen u. s.w.
Die Abweichung in der Ankunflzeit einzelner Arten geht nur
bei sehr wenigen über einen Monat hinaus.
H. Schlegel „Fauna van Nederland Vogels« 12. Lief.
1 — 7. Leyden. Ohne Widerspruch eine der hübschesten und
werthvollsten Arbeiten auf dem Gebiete der illustrirten Lo-
kalfaunen! Jede der 7 uns vorliegenden Lieferungen umfasst
8 Kupfertafeln, von welchen jede die von Schlegels kunst-
geübter Hand^ gezeichnete und colorirte Origi-
nalabbildung einer einheimischen Vögelart enthält. Und zwar
der Vögel während des Jahres 1854. 51
glücklicherweise weder Kupferstich noch der unleidliche
Farbendruck, sondern colorirte Lithographie. Man kann
die grosse Mehrzahl dieser kleinen Figuren namenllich auch
in Hinsicht auf Natürlichkeit, Charakter und Leben in der
Stellung so wie auf Naturwahrheit im Colorit vollendet hübsch
nennen. Schlegel beabsichtigt den Text erst nach Beendi-
gung der Abbildungen zu geben. Jede Lieferung kostet nur
einen Gulden ! Zweimonatlich erscheint eine Lieferung.
P. H. Gosse „Populär Brilish Ornilhology^^ second edi-
tion. 3'28S. 10 Sh.
Mudie's „British Birds or hislory of the feathered tri-
bes of the British Islands" 4. edition revised by W. C. L.
Martin. 2 vol. with 28 plates. 812 S. cBoh^'s iiluslrated li-
brary).
Rev. F. 0. Morris „history of British Birds« 3 vol.
17 Sh.
H. G. Adams „Nests and eggs of familiär British
Birds," described and illustrated with an accouut of the haunts
of the feathered architecfs and Iheir times and modes of buil-
ding, wilh 8 coloured plates. 8. (Young naturalists library
Nr. l).
B. R. Morris „llluslrations of British gaine birds and
wild fowL« Part. 1. London. 4. 2% Sh.
C. A. Johns „Bird's nests and their eggs." Lond. 1 vol.
12mo. 8Sh.
M. C. Gerbe: „üeber seltnere Vögel der Provence.*
Rev. et Mag. de Zool. p. 1.
Einige dieser Arten sind für die Fauna Europas ganz neu, so
Aquila rapax, mehrmals bei Camargue geschossen, Calliope Lathami,
Ardea melanocephala Vig. ^ ad. bei Ilyeres , Parra jacana (?) bei
St. Tropez ! Daption capensis bei Hyeres. — Porphyrie hyacintliinus,
Cursor isabellinus und Cuculus glandarius wurden bei Draguignan erlegt.
J. B. Jaubert „Letlrcs sur TOrnilliologie de la P>ance
meridionale." Rev. et Mag. de Zool. p.209elc. Es gehören
diese Briefe zu dem Besten, was die ornithologische Lillera-
tur Frankreichs kürzlich gebracht hat. Sie sind gründlich
und geistvoll geschrieb»eft und bringen des Neuen und Beleh-
renden Mancherlei.
52 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Aquila Bonelli , früher von Roux nicht einmal erwähnt, ist
heutzutage ein gewöhnlicher Vogel der Provence. Jaubert möchte
die Aq. Bonelli Abyssiniens als Art oder wenigstens doch als Lokal-
rasse trennen, (was denn auch Alfred Brehm unter dem Namen
Aquila Wiedii jetzt gethan hat: Naum. 1851. p. 25) ; JSeophron per-
cnopterus ist gemein; Falco Eleonorae nicht sehr selten; Picus leucone-
tos nistet in den l'yrenäen ; Hirvndo rufula , Slurnus unicolor , Anlhus
cervinus kommen vor. Jaubert hält Molacilla melnnocephala und
einer eocapilla für Arten. Gerbe's „Aquila rapax'-'- sei nur imperialis,
dessen ,^Anas formosa^' ein Bastard von boschas und moschata. Sehr
treffliche werthvolle Arbeit. Mehr im speciellen Theile.
„Notes pour servir ä la Faune du departement de Seine
et Marne etc.," par M. le comte de Sinety: Rev. et Mag.
p. 1P3 u. s. w. Allgemeines zur Einleitung; im Uebrigen
ziemlicli dürftig. Als nistend werden 115 Arten namhaft ge-
macht, als auf dem Durchzuge beobachtet 34. Fortsetz, auf
S. 381 und Schluss auf S. 458.
J. B. Bailly „Ornithologie de la Savoie" bis jetzt 3
vol. in 8. Abbildungen sollen folgen. Lebensweise und na-
mentlich den auf die Fortpflanzung bezüglichen Theil dersel-
ben behandelt der Text ausführlich.
Hier erfährt man bei einigen Arten manches Neue, so z. B. bei
Cathartcs percnopierus. Seltsame Freiheiten nimmt sich Bailly hin-
sichtlich der Nomenclatur ; Hirundo urbica wird sociabilis genannt,
Lanius minor als roseus und L. ruficeps als ruficapillus aufgeführt ! !
Ueber Ruticilla Cairii vergleiche p. 320 des zweiten Bandes.
A. Malherbe ,;Zoologie du departement de laMoselle"
1vol. 118S. Metz, (extrait de la statistique de la Moselle).
Der Verfasser nennt 260 Arten auf S. 28 bis 57. Keine Be-
schreibungen; aber kurze Angabe über Standort, Zug u. s.w.
A. Czernay lieferte Nachträge zu seinen „Beobach-
tungen über die Ankunft und das Wegziehen der Vögel in
der Umgegend von Charkow. Bullet. Soc. Imper. Mose. 1854.
As i e n.
Von Gould's „The ßirds of Asia^^ erschien Theil 6 mit
den grösstentheils sehr gut gelungenen Abbildungen von Har-
pactes fasciatus , Galloperdix ceylonensis , G. spadicens , G.
lunulosa^ Pucrasia macrolopha ^ P. castanea, P. nipalensis,
der Vögel während des Jahres 1854. 53
Coturnix coromandelica, Paradoxornis flamrostris, P. unico-
lor , P. gularis , P. rußceps , Palumbus Elphinslonn, P. pul-
ehr ic Ollis , Myzanlha ignipectus , Dicaeum cruentatum , Em-
beriza caniceps n. sp.
E. L. Layard „Notes on the Ornilhology of Ceylon.«
Forlsetzung- und Schluss der schon besprochenen trefflichen
Arbeit über die Vögel Ceylon's. Ann. and Mag. of Natur.
Hist. Nr. 145.
Oriolus, Criniger, Pycnonolus, Hypsipetes etc. etc. bei Tchilrea
paradisi heisst es : das weisse Gefieder wird erst im zweiten Jahre an-
gelegt; die braunrothe Farbe verbleicht, wie es scheint, bis
zum reinen AVeiss, wobei indessen die Schäfte schwarz
werden. Bei im Februar geschossenen Exemplaren hatten die mei-
sten Federn ihre Farbe bereits geändert, einige mehr, andere weni-
ger, manche noch gar nicht. Interessante Mittheilungen über die 6
Dicrurus-Arten der Insel, minor Lay. (Lokalrasse von macrocercus),
edoliformis , paradiseus , longicaudatns , caerulescens und leucopygialis.
Von Arlamus fuscus („Wo ods w al 1 o w" ine.) heisst es: lebt fami-
lienweise, jede auf ihrem eigenen Baume ; man sieht die flüggen Jun-
gen eines dicht neben dem anderen auf einem Aste sitzen (Vergl.
Gould über Art. minor in Neuholland!!), während die Alten nach
Insekten haschend umherfliegen u. s. w. Ausführlich über Coriis cuU
minatus und splendens, über Cissa puella. Zwölf Taubenarten, über
Galloperdix bicalcaralus, wovon es heisst: ich glaube, dass diese Art
die Kunst des Bauchredens im hohen Grade besitzt, endlich über
die Eier und Nester vieler Arten. Layard zählt deren 315 auf.
Die ganze Arbeit ist von grösstem Interesse.
E. F. Kelaart „Prodromus Faunae Zeilanicae" vol. II.
part. 1. Colonnbo 1854. Wie der erste Theil ein Convolut
zoologischer Abhandlungen über Ceylon aus dem Journal of
the Asiatic Society of Ceylon für 1853. Enthält den Anfang
einer „Ornithologie Ceylon's," nämlich kurze Beschreibungen
aller dort bis jetzt beobachteten Arten mit genauer Angabe
der Standorte.
Referent gab in Cabanis Journal auf S. 151 ein Re-
sume unserer augenblicklichen Kennlniss von den Vögeln
Ceylon's.
„Observations on the P^auna of Barrackpoore« by Capt.
R. F. Tytier. Ann. and Mag. of nat. Hist. p. 365. In knap-
per aber sehr anziehender Form wird hier die Thierwelt um
54 Hartlaub: Bericht ober die Leistungen in der Naturgeschichte
Barrackpoore g-eschildert. Der als Ornitholog längst vortheil-
haft bekannle Verfasser hatte die schönste Gelegenheit zu Be-
obachtungen der Vögel im Freien. Die Lokalität liegt etwa
15 Meilen nördlich von Calculta.
„Miscellaneous notes on Ihe Fauna of Dacca including
remarks made on the line of march from Barrackpoore to
Ihat Station" by Capt. R. F. Tytler. Ann. and Mag. of Na«
tur. Hist. p. 168.
Noch interessanter als die vorige Arbeit. Das heisse sumpfige
Terrain um Dacca hegt eine sehr reiche Vögelfauna. Anastomus osci-
tans und Ciconia leucocephala kommen sehr zahlreich vor. Das Ei
ersterer Art ist rein weiss. Casarca rulila, Anas poecilorhyncha ; am
Pudderflusse grosse Flüge von Larus brunnicephalus und ein Flug von
Anas caryophijllacea! Glareola orienlalis ist in Beilegungen und
Lebensweise sehr schwalbenartig. Sie hascht Insekten im Fluge.
Cenlropus Lathami baut ein kugelförmiges grosses ordentliches Nest
und legt weisse sehr runde Eier. Die gemeinste Würgerart um Dacca
ist Lanius nigriceps; Neltapus coromandelicus nistete im Geäste einer
hohen Ficus religiosa, ziemlich weit vom Wege u. s. w.
„A. Catalogue of the Birds in the Museum of the hon.
East Indie Company« Vol. 1. printed by order of the court of
direclors. London, 450 S.
Wenn gleich die Vorrede zu diesem trefflichen inhaltreichen
Werke vonTh. Horsfield unterzeichnet ist, glauben wir doch nicht
zu irren, wenn wir dessen Assistenten am Museum, Fr. Moore,
mindestens das gleiche Verdienst um dasselbe zuschreiben. Die höchst
vollständige und sorgfältige Zusammenstellung aller Nachrichten über
die Lebensweise dieser indischen Vögel , so wie der sehr kritisch be-
handelte synonymische Theil sind jedenfalls sein Werk, und eben diese
beiden machen dasselbe weit über die Grenzen eines gewöhnlichen
Calaloges hinaus interessant. Da sämmtliche Vögel der Sammlung
direkt von wi ss ensch a ft liehen R ei s end en herstammen , so
konnte glücklicherweise von jedem einzelnen Exemplare der Fundort
angegeben werden. Das Verzeichniss zählt 679 Nummern und reicht noch
nicht bis zu den Fringilliden, wobei indessen zu bemerken, dass nicht
ganz ausschliesslich indische, sondern auch abyssinische und syrische
Vögel darin aufgeführt sind. Alle mehr neuerlich bekannt gewordene
Arten sind ausführlich beschrieben. In Cabanis Journal haben
wir ein Näheres über diese wichtige Arbeit berichtet, deren Forlset-
zung hoffentlich nicht lange auf sich warten lassen wird.
L. Reichenbach „Zur Synonymie sumatranischer Vö-
gel «Caban. Journ. Heft 2. p. 148.
der Vögel während des Jahres 1854. 55
Im „Jahresberichte über die Wirksamkeit und den Zustand der
naturforsch. Gesellschaft zu Emden" von 1852 war auf Seite 20 ein
„Verzeichniss der von Herrn Major v. Kreling zu Padang geschenk-
ten Vögel" mitgelheilt, dergestalt, dass von 18 Arten 11 als neu
und unter den schönsten neuen Namen beschrieben werden.
Es ist das Verdienst R ei chenbach's, dieses Unwahre entdeckt und
berichtigt zu haben. So z. ß. ist Müller's Psilopogon pyrolophus un-
ter dem Namen Buccotrogon torquatus beschrieben , Euryglaimus Dal-
housiae unter dem von E. longicauda u. s. w.
A f r i c a.
Von Bar. v. Müller's ^Beiträgen zur Ornithologie Afri-
ka's" erschienen die zweite, dritte und vierte Lieferung.
Sie enthalten der Reihenfolge nach die meist gelungenen Ab-
bildungen von Gyps magnificus v. Müll. (Rüppelli), Circaetos cinera-
scens V. Müll, (zonurus Dub.), Cypselus aequatorialis v. Müll., Mus-
cicapa pallida v. Müll. (Hypocolius sp. !) , Calamoherpe macrorhyncha
V. Müll., Ploceus sublr.rvatus v. Müll., Carpospiza longipennis v. Müll.,
Halcyon dryas nob. , Galerida rutila v. Müll. , Ruticilla ßonapartei v.
Müll, (marginalis Bp.) , Strix thomensis nob. und von Spernietes cu-
cullata Sw. Letztere Abbildung ist die wenigst gelungene des gan-
zen Werkes.
Unter dem Titel „Versuch einer synoptischen Ornitho-
logie West-Afrilia's" war Ref. bemüht, die Summe unserer
Kenntnisse von den Vögeln jener ausgedehnten Küstenstrecke
Afrika's zusammenzustellen.
Man hat indessen diese Arbeit, welche 584 Arten aufzählt und
beschreibt, nur als Vorläufer einer umfangreicheren und vollständige-
ren über denselben Gegenstand anzusehen, zu welcher Ref. seit Jah-
ren umfassende Studien gemacht hat, und welche noch ganz kürz
lieh die Veranlassung zu einem Besuche des Leydener Museums und
zur Vergleichung der daselbst deponirten reichen Sammlungen P e l's
von der Goldküste geworden ist. Dass wir uns dabei der liberalsten
Unterstützung von Seiten Temminks zu erfreuen hallen, mag schon
hier den Ausdruck dankbarster Anerkennung finden. An Jahren weit vorge-
rückt, (Temmink steht jetzt im 78sten Lebensjahre) aber körperlich
und geistig frisch und in seiner Liebe zur Wissenschaft und insbesondere
zur Ornithologie noch jung, steht der hochverdiente Mann eben im Be-
griffe, den zweiten ungleich schwierigeren Theil seiner „Esquisses sur
la Faune de Guin^e« den die Vögel umfassenden, zu bearbeiten.
A, Brehm „Ucbcr den Zug der Vögel in Nordafrika«
56 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Caban. Journ. Jahrg-. 2. Heft 1. Sehr reichhallig-e, das Be-
obachtungslalent ihres Verfassers glänzend beurkundende Ar-
beit. Forts, von S. 451 des Jahrg. 1853.
Ebenso interessant ist von demselben: „Zur Fortpflan-
zungsgeschichte einiger Vögel Nordoslafrikas. Ibid. Ex-
traheft.
Baron v. Müller „Systematisches Verzeichniss der Vö-
gel Afrika's« in Caban. Journ. Heft 5. Nur Namen, mit An-
gaben zur Synonymie und geographischen Verbreitung.
Am e r i k a.
Es wäre hier zunächst über die Fortsetzung und den
Schluss von Bonap arte's wichtiger Arbeit „Notes sur les
collections rapportees par Mr. Delattre de son voyage en Ca-
lifornie et dans le Nicaragua" zu berichten, und zwar von S. 25,
wo die „chanteurs subulirostres^' anfangen, bis zu den Anatiden
auf S. 95. Zahlreicher neuer Arten wird ihres Ortes gedacht
werden. Im Uebrigen hat der vorjährige Jahresbericht dem
Verdienste dieser ungemein inhaltreichen und in der That nur
für den geübtesten Kenner exotischer Ornithologie zu bewäl-
tigenden Arbeit die gebührende Anerkennung widerfahren
lassen.
Auch John Cassin's „Illustrations of the Birds of Ca-
lifornia and Texas etc.« sind bereits im vollen Maasse ge-
würdigt worden.
Das verflossene Jahr brachte mehrere neue Theile dieses schö-
nen Werkes mit den wohlgelungencn Abbildungen von: Falco polya-
grus Cass. pl. 16, Pipilo fusca pl. 17, Pyrocephalus rubineus pl. 18,
Callipepla squamata pl. 19, Ammodromus ruficeps pl. 20, Icterus me-
lanocephalus pl. 21, Trochilus Alexandri pl. 22 , Emberiza bilineata
pl. 23 , Vireo atricapillus pl. 24, Picolaptes brunneicapillus pl. 25,
Archibuteo ferrugineus pl. 26, Culicivora atricapilla pl. 28, Gymnokitta
cyanoccphala pl. 27, Ptilogonys nitens pl.29, Troglodytes mexicanus
pl. 30 u. s. w.
Alex. Gerhardt schreibt in der „Naumannia" (4tes Quartal
1853) über die jagdbaren Yögel N or d am e rika's , also über
Meleagris gallopavo , Tetrao cupido und umbellus, verschiedene Tau-
ben-Arten u. s. w. , in lebhafter und ganz anziehender Weise. Des
I»Ieuen konnte natürlich nicht eben viel mitgetheilt werden.
der Vögel während des Jahres 1854. 57
Ebendas. über „Skizzen aus dem Vogelleben Nordamcrika's."
Ein in Amerika mit Recht vielgelesenes und sehr talentvoll
redigirtes Journal: „Putnam's monthly Älagazine« bringt von unbe-
kannter Feder eine Reihe o r n i th ol ogis c h e r mehr populär gefass-
ter Aufsätze, welche durchaus geeignet scheinen, das Interesse für
diesen anmuthigen Theil der Thiergeschichte auch in weiteren Krei-
sen zu beleben und anzuregen. Wir lasen z. B. „The Eagles of the
U. St. of North America,-' ferner „the Night-birds of North America«
u. s. w. Mit besonderem Glück ist in diesen Arbeiten der gerade
für den Laien so anziehende Ernst wissenschaftlicher Behandlung und
und der mehr ästhetische Reiz biographischer Schilderungen vereinigt
worden. Der Verfasser nennt sich übrigens ,,no Ornithologist. '
„Notes on the Ornilhology of Wisconsin" by Dr. S. R.
Hoy of Racine: Transact. of the Wisconsin State Agricultu-
ral Society vol. II. p. 341.
Es umfasst diese, wie es scheint, recht gründliche Arbeit 278
Arten. Der Standort, die AYestküste des Michigan-See's, ist ein un-
gemein reicher und es kommen manche seltenere Sachen vor, als
z. B. Bubo subarcticus , Nyclale Kirtlandi , Sylvicola Kirtlandi Baird,
Vermivora celata (Say) , Wniotilta borealis Nutt. (Lokalrasse) , üto-
corys rufa Aud., Plectrophanes Smithii, Zonotrichia pallida, Peucaea
Lincolnii , Chondestes grammava , Coccoborus vespertinus , Apternus
arcticus u. s. w. Viele hübsche und eigenthümliche Lebensbeobach-
tungen, namentlich hinsichlich der Fortpflanzung. Merkwürdig für die
Vögelfauna dieser Gegend ist der Umstand, dass südliche Vögel im
Sommer nördlicher hinaufgehen, während nördliche Arten im AVinter
südlicher ziehen, als dies im Osten des grossen See's der Fall ist.
D. N. Couch „Descriptions of new birds of Norlhern-
Mexico.« Proceed. Acad. Nat. Soc. of Philadelphia, vol. VII.
Nr. 2.
Sp. F. Baird „Descriptions of new birds collected
betvveen Albuquerque (New Mexico) and St. Francisco during-
the Winter 1853—54 by Dr. C. B. R. Kennerly and ß. Möll-
hausen naturalists attached to the survey of the pacific R. R.
route etc. Proc. Ac. N. Sc. of Philad. Juni 1S54. Ueber die
hier beschriebenen 9 Arten wird der specielle Theil des Be-
richtes Näheres bringen.
J.Reinhardt „Notitser til Grönlands Ornithologie«
in Vidensk. Meddelels. fra den naturhist. Foren, i Kjöbenhavn
for 1853. p. 69.
Daselbst näher über Motacilla alba, Sturnus vulgaris, Haemato-
58 H a r 1 1 a u b : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
pus ostralegus, Ortygom. crex, Anas pcnelope , Sylvicola virens, pa-
rus, striata , Trichas Philadelphia , Tiirdus minor , Tyrannula pusilla,
Vireosylvia olivacea, Picus varius, Tringa pectoralis, rodiceps HoU
hölli n. sp., dem rubricollis zunächst, aber grösser, ohne weissen Tlü-
gelrand u. s. w. , Anas carolinensis , Larus afßnis R. n. sp. von ar-
gentatus verschieden ; Procellaria minor Kjörböll. — Dann folgt ein
Verzeichniss sämmtlichcr bis jetzt in Grönland beobachteter Arten,
107 an der Zahl , darunter 59 dem Norden Europa's und Amerika's
gemeinschaftlich angehörig, 29 mit Amerika ausschliesslich, 19 mit
Europa gemein. Das Innere Grönland's ist noch immer unbekannt.
Vergl. auch Caban. Journ. V. p. 423.
A. R. Wallace „Narralive of travels on Ihe Amazon
and the Rio Negro etc.« with an account of the N^tive Tri-
bes, Natural History etc. 2 vol. 8. (Vergl. Ann. and Mag. XIH.
p. 74).
Es enthält dieses Buch einige eigenthümliche Beobachtungen
über die Vögel jener Gegenden. Tauben, Toukane, Ampelinen und
Papageien fressen oft auf demselben Baume dieselbe Frucht, denn die
Zahl der für die Vögel essbaren Früchte der Tropenwälder ist sehr
klein „there must be some other principle regulating the infinitely varied
forms of animal life« — ferner: über die geographische Verbreitung
und Lebensweise der drei P s op hia- Arten (crepitans, leucoptera und
viridis). Alle drei werden domesticirt. W^allace sammelte über
500 Vögelarten im Thale des Amazonas ; von Para bis zum Rio Negro
allein 16 Tucan-Arten u. s. w.
„Beiträge zur Naturgeschichte von Chile, von Freiherrn
von Bibra. Vögel von L. Reichenbach: Denkschr. der
kais. Acad. der Wissensch. Naturw. Klasse. Band V. Abtheil. 2.
p. 128—132. Und: Cab. Journ. Jahrg. 3. Heft 1. p. 52.
Sehr werthvoller Beitrag zu unserer schon ziemlich voll-
ständigen Kenntniss der Vögel Chile's. Viele hübsche Bemerkun-
gen über Standorte und Lebensweise der einzelnen Arten. Es wur-
den deren 74 gesammelt, darunter einige vielleicht neue.
F. L. Sclaler „List of a collection of Birds received
by Mr. Gould from the province of Quijos in Ecuador.« Proc.
Zool. Soc. Mai. 1854.
Die Sendung umfasste 69 Arten, worunter einige wenige ganz
neu zu sein scheinen (Galbula chalcothorax Sei. , Tyrannula phoeni-
cura Sei. pl. 66. fig. 1 und Arremon spectabilis Sei. ib. pl. 67),
andere aber in einem Werke beschrieben sind, dessen Titel selbst
wenigen Zoologen Deutschlands bekannt sein dürfte: Cornalia:
„Vertebratorum Synopsis in Mus. Mediol. exstanlium, quae per novum
der Vögel während des Jahres 1853. 59
orbem Cayetanus Osculati collegit annis 1846-48, speciebos novis
vel minus cognitis adjectis nee non dcscript. at<]ue iconib. illustratis.
Modoetiae 1849. — Sclater schätzt, um dies hinzuzufügen, die Ge-
sammtzahl der südamerikanisehen Vögelarten auf 2000 (incl. Panama),
und zwar Raptores 95, Passeres 1360, Scansores 230, Columbae 95,
Gallin. SO, Struthiones ?, Grallae 128, Anseres 80.
Descoiirtil „Ornithologie Bresilienne« livr. 1. Rio
Janeiro. Sahen wir nicht selbst. Es soll übrigens ein elen-
des Machwerk sein.
A u s l r a 1 i e
n.
Ein ganz interessanter, in den Proceed. of the Zool.
See. of London mitgetheiiter Brief M. Chiirton's aus Neu-
seeland schildert die unüberwindlichen Schwierigkeiten, wel-
chen zoologische Forschungen auf jenen Inseln begegnen
müssen. Das Fortkommen im Innern sei in der That kaum
möglich, wenigslens nicht ohne einen Aufwand an Mühe und
Zeit und selbst Gefahr , der durch die zu gewinnenden Re-
sultate keineswegs belohnt werde. So habe er zunächst von
allen Forschungen nach Notoniis abstehen müssen. Wahr-
scheinlich existire auf der Mittelinsel noch eine kleine Moa^
Art und noch wahrscheinlicher sei das Vorkommen einer sehr
grossen, etwa 4 Fuss hohen Apteryx-Art. Die Eier des Kiwi
kämen nicht selten vor und seien ganz wohlschmeckend.
Ann. and Mag. of Natur. Hist. 1854. p. 140.
Referent gab im zweiten Hefte von Cabanis „Journal
für Ornithologie^' ein Resume unserer Kenntnisse von den
„Vögeln der oceanischen Inselgruppen, p. 160.
Wir kennen von der Boningruppe etwa 12 Arten, von den Ma-
riannen etwa 20, von den Carolinen 15, von der Kingsmillgruppe 4,
von den Salomoninseln 14, von der Louisiadegruppe in, von der Ki-
endigruppe 6, von den neuen Hebriden mit Neuceladonien 35-40,
von den Feejeeinseln 36, von den Tonga- oder Freundschaftsinseln
22, von derSamoa- oder Wavigatorgruppe etwa 36, von den Societäts-
inseln etwa 38, von den Paumotu - oder niedrigen Inseln etwa 22,
von den Marquesas nur etwa 12, von den Sandwichinseln über 30
und von den Gallopagos 36 Arten.
Zum Schlüsse dieses allgemeinen Theils des Jahresberichtes die
erfreuliche Nachricht, dass die neue von Cassin übernommene Be-
arbeitung der Vögel der „United States Exploring Expedition ,- der
60 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bei weitem reichsten und wichtigsten Quelle für die Ornithologie
Oceaniens, nun bald vollendet und veröffentlicht sein wird.
I. ytccipitres.
Ch. Luc. Bonaparte „Tableau des oiseaux de Proie"
Rev. et Mag. de Zool. p. 530. Separatabdruck von 16 Seiten.
ßonaparte kennt 451 Arten, 20 Vulturidae, 3 Gypaetidae,
1 Gypohierax, 276 Falconidae, 1 Gypoger. und 160 Eulen. Sehr ver-
dienstliche Arbeit , trotz mancher unhaltbarer Gattung und mancher
mindestens zweifelhaften Art.
L. Brehm sen. schreibt in Cabanis Journ. p. 70 über Vullur
cinereus und Rüppellii, welchen er für die beste Art erklärt. — A.
H. KüJz über Vullur cinereus in der südrussischen Steppe : Cab. Journ.
II. p. 183.
L. Brehm: „Kurze Schilderung der Kleider der europäischen
Raubvögel« ausführlich genug. Ueber F. lanarius und Consorten.
Naumann. 1854. Heft 1.
Dr. L. Thienemann schrieb in Caban. Journ. Extrah. sehr
instructiv über Falco ferox Gm. sen. — Ebendas. Lichtenstein:
über eine helle Varietät Ivon Aquila naevia mit Abbild, auf Taf. 1.
Ebenda. Heft 4 Bädecker über Butaetos leucurus und Strix scan-
diaca an der Wolga. — Cabanis erklärt (wohl mit Recht Ref.) die
Aquila deserticola Eversm. für eins mit Haliaetos Macei.
Wodzicki bleibt dabei, Aquila fennala und minula Br. für
eine und dieselbe Art zu halten. Naum.
J. Hancock lässt sich noch einmal ausfühHich über die Un-
terschiede von Falco groenlandicus und islandicus vernehmen. Ann.
Mag. Kat. Hist. 13. p. llO. Ersterer sei immer weisser als letz-
terer , und unterscheide sich zudem durch den blauen Schnabel mit
glänzend gelber Gera und die gelben Füsse. Man finde niemals üe-
bergänge. Hancock verglich über 150 Exemplare.
Cabanis über die Gleichartigkeit von Buleo ferox Gm. , rußnus
Rüpp. und leucurus. Naum. Journ. p. 260. — Ebendas. über Aquila
leucorypha Fall, vom Academ. Brandt, p. 355. Als Synonym wird
unicolor Gray hinzugezogen.
Neue Arten. Hypotriorchis zoniventris Feters, Ber. Acad. der
Wissensch. Berl. April 1854. p. 7. St. Augustinsbai auf Madagascar.
— Aslur brevipes, Severzow Bullet. Mose. 1850. p. 235. pl. 1 — 3. ^ o.
Bis jetzt nur im Gouvern. Voronez gefunden. Scheint uns nur Lo-
kalrasse von nisus zu sein. Der nackte Theil des Tarsus von glei-
der Vögel während des Jahres 1854. 61
eher Länge mit der Miltelzehe, Flügel bis auf ^ 3 der Schwanzlänge
reichend u. s. w.
Abbild. Buleo insignalus Cass. Ulustr. pl. y\ $ Californien.
Falcu polyagrus Cass. ib. pl. Id. — Gyps Uüppelli in v. Müll. Beitr.
ürn. Afr. II. pl. 1. — Circaelos cinerascens v. Müll. ib. pl. 2.
strigidae. Eine Ireflliche kritische Arbeit über die
„Eulen Nordamerika's^ gab Cass in in seinen „lllustralions-
part. 6 und 7.
Alle Eulen in den nördlichen Theilen der Verein. Staaten sind
migratorisch , und manche wandern in grossen Scharen. Strix asio
st an bestimmte Lokalitäten gebunden und kehrt immer wieder dahin
zurück. Die Ceremonien, welche der Paarung vorhergehen, werden
bei dieser Art auf dem Boden ausgeführt. Acht zweifelhafte Ar-
ten. Nyciale KirtJandi Hey wird zu albifroris Sh. gezogen, die selbst
= frontalis Licht, ist. BuLo subarcticus Hoy ist nur var. von Virgi-
nia Jius.
iSeu. Bubo poeusis Fräs. Proc. Zool. Soc. Jan. 1S53. (Ann. and
Mag. 55. p. 130). Fernando Po. — Scops M'Callii Cass. 1. c. ^ördl.
Mexico.
Abbild. Strix thojnensis, nob. in v. Müll. Beitr. t. 15. fig. bon.
Eine hübsche Anekdote von Str. bubo erzählt Wodzicki in
Cab. Journ. I.
II. Pas§ere§.
Capriiniilo^idae. Uebersicht der Ziegenmelker Kordameri-
kas in Cassin Illustr. part. S. 9. Capritn. sapiti kommt in Texas und
Keumexico vor.
Neue Art. Chordeiles Henryi Cass. 1. c. Keumexico 10" lang.
Cypselidae. Nach Tytler lebt und nistet Cypelus balas-
siensis, eine sehr zarte schmächtige Art , in den Blüthenkolben von
Borassus. Man wird dabei an Gosse's Tachornis phoenicobia er-
innert.
Neue Art. Cypselus melanoUucus Baird, Proc. Ac. Philad. Juni
1854. Westlich von St. Francisco im Gebirge.
Abbild. Cypselus aequalorialis v. Müll. Beitr. II. pl. 3.
Hirundinidae« C. Schrader beobachtete Hirundo rufula
in Griechenland nistend: v. Homeyer in Cab. Journ. II. p. 174. Also
europäischer Brutvogel. — Einen Brutplatz der IJir. rupeslris in
Deutschland entdeckte A. Rindfleisch in Tyrol.
Das lange Verspäten der Schwalben im jetzigen Herbste, von
Dr. C. G log er. Cab. Journ. p. :214.
62 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Todidae* Eine neue Art ist Prionites psahifus Pucber. Yon
Nicaragua. Bonap. Collect. Del. p. 88.
Alcedinidae. »Zur Fortpflanzungsgeschichte von Alcedo
ispida^' von Baron König-Wart hausen in Naum. Zweites Quartal.
Abbild. Halcyon dryas , nob. in v. Müller Beitr. Orn. Afr.
pl.XI. ^ $.
Biicconidae. P. L. Sclater „Synopsis of the fissirostral
family Bucconidae" with 4 colour. pl. of hitberto not figured species
reprinted with additions from the Ann. and Mag. of Nat. bist. 4 Sh. 6.
Abermals eine Frucht der unausgesetzten Thätigkeit Sclater's für
die Ornithologie Südamerikas. In dieser gründlichen und trefflichen
Arbeit wird das Genus Bucco mit 15, Malacoptila mit 12, Monasa mit 4
und Chelidoptera mit 2 Arten aufgeführt. Abgebildet sind Bncco ruß-
collis pl. 1, Bucco bicinclus pl. 2, Bncco lanceolalus pl. 3 und Cheli-
doptera albipennis pl. 4. Der geographischen Verarbeitung jeder Art
ist die vollste Aufmerksamkeit gewidmet.
Jfleropidae* Für eine neue Art halten wir Merops frenalus
nob., über dessen Unterschiede von M. Bullockii vergl. Cab. Journ.
p. 157.
Tenuirostres.
Ifpupidae« Reichenbach unterscheidet die auf Ceylon
vorkommende Upupa als U. eylonensis: 1. c. p. 321. fig. 4036, die con-
tinental-indische als U, iiidica^ ib. fig. 4037.
IVeetariniadae. Text und Abbildungen für diese Abthei-
lung bei Reichenbach.
Neue Arten. (?) Coereba trinitalis Bp. , Collect. Del. p. 50,
Cerlhiola brasilietisis, Sclat. p. 51. ib. — C. 7nmor, Bp. ib. — C. a/6i-
gula Bp. von Martinique. — Myiomela majore Bp. ib. p. 56. Caroli-
nen. — Neclarinea chalcopogon, Reich. Handb. V. p. 303. pl. 586. fig.
3982 — 83. Borneo. — Arachnocestra crassirostris, Reich, ib. fig. 4016.
Schon von Blyth benannt. — Rhinopomastes Cabanisii, Reich, (mi-
nor, de Fil. coli. Brun-Rollet) ib. p. 326.
Tracliilidae« „Tableau des Oiseaux -mouches" par Ch. L.
Bonaparte: Rev. et Mag. p. 248. hat 322 Arten mit 80 Gattungen.
— Höchst dankenswerth ist R ei ch en b a ch's Arbeit über die Coli-
bris : „Aufzählung der Trocbiliden in ihrer wahren natürlichen Ver-
wandtschaft nebst Schlüssel ihrer Synonymik" in Cab. Journ. Extrah.
für 1853. 64 Gattungen mit sehr zahlreichen Untergattungen für
350 Arten. Wir zollen den Kenntnissen und dem Fleisse Reiehen-
bach's die grosseste Anerkennung und Bewunderung. S'cin System
aber ist und bleibt für uns das künstlichste unter den Künstlichen,
und alle dahin einschlagenden Studien hallen wir für höchst unfiuck*-
, der Vögel während der Jahres 1854 63
bar. Die Sucht Genera und Subgenera ins Unendliche hinein zu crei-
ren (Rcichenbach, Bonaparte, Cabanis u. s. w.) erscheint
uns als eine pathologische Phase der Wissenschaft, die ohne Zweifel
früher oder später überwunden werden wird.
Gould über die Colibrigattung fhalurania. Ann. and Mag. 13,
p. 228. Er kennt 11 Arten.
Neu sollen sein: Thalurania refulgens, Gould I.e. — Hylocha-
ris chlorocephalus , Bourc. Rev. et Mag. p. 457. Ecuador. — Uelian^
thea iriSf Gould Ann. p. 146. Ostabhang der Andes. — H. aurora, G.
ib. ebendaher. — Heliangelus viola, G. ib. ebendaher. — Troch. cya-
nicoUis, G. ib. ebendaher. — Tr. ßoriceps, G. St. Martha, 5000' hoch.
Ueber Tr. gigas vergl. v. Bibra 1. c.
jVIelipliag^idae« Eine neue Art ist Ptilotis fasciogularis,
Gould Ann. and Mag. p. 302. Mangroveinsel in der Moretonbai.
Abbild. Ptil. filigera, Gould in Illustr. Proceed. Z. S. Av. pl. 34.
p.278.
Certliidate« Neue Arten bei Reichenbach sind: Leptha^
stenura platensis, R. Handb. 4. p. 160. — Bathmidurus d'Orbignyi, R.
ib. 163. ist „Synall. humicola Kittl." bei d'Orbigny. — Leploxyura
semicinerea, R. ib. 170. Brasil. — L. obsolela , R. ib. Brasilien. —
Ciclilocolaptes ochrollepharus, R. ib. Südam. — C. adspersus, R. ib. —
Upucerthia hijpoleuca, R. ib. 214. fig. 4072. Chile? — Tichodroma
Uoffmeisleri, R. ib. V. 271. Himalaya.
Picolapies Delattrii, Bp. Coli. Del. p. 87. Nicaragua. — Den-
drocolaptes multistrialus von Nicaragua, ib. p. 87. — D. Eytoni, Sclat.
Zool. Soc. Juni 14. 1853. Para.
Eine schöne monographische Arbeit über Dacnis verdanken wir
Sclat er: Proc. Zool. Soc. Nov. 28. 1854. Neue Arten sind: Dacnis
Hartlaubii Sei. Neugranada. — D. egregia Sei. ebendaher.
Dentirostres.
Ijusciniadae« „A monograph on the Indian species of Phyl-
loscopus and its immediate affines-' by E. Blylh: Journ. Asiat. Soc.
of Beng. 1854. Nr. 6. (Ann. and Mag. 1855. p. 162). Sehr verdienstliche
ausführliche Arbeit. B 1 y th kennt 13 indische Laubsängerarten ; Regulus
ignicapillus und crislatus sollen auf dem Himalaya vorkommen, letz-
terer als sehr brillante Lokalrasse: himalayensis Bl. — Sämmtliche
Laubsänger Indiens sind von denen Europa's specifisch verschieden.
Dann behandelt Blyth noch 7 Calicipeta - Arten : Burkii, cantator,
pulchra, schisticeps, poliogenys, castaniceps und trivirgata.
Zwei sehr werthvolle monographische Arbeiten Fred M o o r e's
behandeln die Gattungen Rulicilla und Orthotomus. Von ersterer be-
64 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte
schreibt Moore 17, von letzterer 9 Arten. Neu sind RuiiciUa phoe-
nicuroides M. Kördl. Indien, R. rufogularis M. ebendaher, ß. Hodgso^
Uli M. von Nepal (Reevesii Hodgs.), R. Vigorsii M. INördl. Indien und
R. nigrogularis Äl. von Nepal; ferner Orlhotomus ßavotiridis M. von
Malacca, Fnoepyga longicaudala M. INördl. Indien, Brachypleryx nipa~
lensis Hodgs. Nepal, Nemura Hodgsoni M. von Nepal, Tarsiger sitper-
ciliaris Hodgs. von Nepal , Frinia cinerocapilla H. von Nepal , Suya
atrogularis Hodgs. und Drymoica nipalensis Hodgs. beide von Nepal.
In Bonap arte's „Collections Delattre" werden als neu aufge-
führt: Thamnolaea caesiogaslra B. Abyssinien p. 30. — Myrmecocichla
Quarlini Bp. Abyssin. p.31. — Campicola Bottae Bp. Abyssin. — Sa-
xicola Stricklandi Bp. Damara. — Ruticilla marginella Bp. Abyssin.
(abgeb. bei v. Müll. Beitr.). — Bernieria major und B. minor Bp.
Madagascar. — Drymoipus pkragmiloides Kühl. Java. — Buglodytes al-
bicilius Bp. Venezuela. — Ixos Susanii Müll. Sumatra. — Jrichopko-
ropsis typus Bp. Borneo. — Tr. viridis Bp. Borneo. — Turdirostris
capistraloides Bp. Borneo, — Troglodytes Bonapartei SchiS. Mexico. —
Campylorhynchus pardus Bp. Neugranada. — Basileuterus Delattrii Bp.
Nicaragua.
Noch sind neu : Malurus amahilis , Gould Proc. Z. S. vom Cap
York. — Cisticola Tylleri, Bl. Catal. Birds Mus. A. Soc. p. XXYII. von
Dacca. — Megalurus Verreauxii, Tytler ib. p. 176, Dacca. — Psaltri-
parus plumbeus, Baird Proc. Ac. Philad. Juni 1854. Colorado.
Abbild. Calamoherpe macrorhyncha bei v. Müll. Beitr. Orn. Afr.
t. 9. — Saxicola oenatitlioides, Vig. in Cass. lUustr. pl. 34. Nova Sco-
tia. — Erilhacus Moussieri in Naum. 4tes Quart.
Ueber Sylvia aquatica auf Helgoland: Gaetke in Cab. Journ,
p. 69.
C. Giebel „Osteologische Differenzen der Ko hl m eis e, Blau-
meise und Schwarzmeise. Zeitschr. für die ges. Naturwiss.
Oct. 1854. Nr. 10.
Past. Zander schreibt „über die europäischen Piepe^" gründ-
lich und ausführlich in Naum. 1. Das Ei von A. cervinus abgebild.
v. Homeyer „Ueber die Gattung Hypolais" in Cab. Journ.
Extrah. Jahrg. I.
Tnrdidae« Neue Arten sind: Turdus densus^ Bp. Collect.
Del. p. 26. Tabasco. — Turdus LerebouUeti , Bp. ib. Columbien. —
Zoolhera imbricala, Lay. Ann. Mag. 13. p. 212. Ceylon. — Myrmeciza
leucaspis, Sclat. Proc. Z. Soc. Nov. 28. 1854. Av. pl. 70. Chamicu-
ros; Rio negro Etz. — M. margaritata. Sei. ib. pl. 71. Ebendaher.—
Jiypocnemis melanolaema , Sei. pl. 72. fig. 2. Chamicuros. — H. melu'
nosticta, Sei. ib. Chamic. — Formicivora caudala , Sei. pl. 74. Neu-
granada. — Fithys erythrophrys, Sei. ib. pl. 72. fig. 1. Neugranada.
der Vögel während des Jahres 1854. 65
Abbild. Rhodinocichla rosea ^ in Proc. Zool. Soc. 1850. Av.
pl. 32 (Turdus vulpinus). — PUla celebensis , 7nelanocephala und ma~
xima Forst, von Gilolo in Bydrag. Uierk. vol. I. — Oriolus Brode-
ripii, ßp. in Proc. Zool. Soc. von Sutnbava.
Ch. h. Dubois über Nest und Eier von Turdus pallidus in
Cab. Journ. p. 285. — Turdus atrigularis ib. in Niederbaiern. — lie-
ber T. Naumanni, atrigularis und ubscurus vgl. Jaubert 1. c. p.372.
Nest und Eier von Menura Alberli beschreibt Gould Ann. and
Mag. 55. p. 141.
Eine alpine Varietät von Cinclus beschreibt Jaubert 1. c.
Jfluscicapidae« Neu bei Bonaparte (Collect. Del.) : Vi^
reolaiiius iclerophrys Bi^. Rio negro. — V. chlorogaster Bp. Südam. — •
Arclomyias fuligitiosa Verr. Gaboon. — Muscicapa muscipeloides Kühl
und V. Hass. Java. — Butalis manillensis Bp. ib. p. 80. — But. afri-
cana ßp, ib. — Muscipela fulviventris Verr. Gaboon. — Pachyrham-'
phus laliroslris ßp. ib. p. 87. Nicaragua. — Myiodijnasles luteivenlris
Bp. ib. — Dasycephala citreopyga Bp. ib. Nicaragua. — Megabias ßam~
mulatus Verr. Gaboon.
Weitere neue Arten sind: Butalis Muttui Lay. Ceylon. — Ann.
and Mag. 13. p. 127. — Culicivora bolitiana , Sei. Ann. p. 158. (Man
kennt jetzt 5 Arten dieser Gattung). — C. plumbea, Baird. Ac. Philad,
Juni 1854. Neumexico.
Abbild. Machaerirhynchus ßavivenler, Gould in Illustr. Proceed*
Zool. Soc. Av. pl. 33. p. 277. (Die Leidner Sammlung besitzt diese
merkwürdige Form von Neuguinea). — Muscicapa pallida, v. Müller
Beitr. II. pl. 4. — Pyrocephalus rubineus, Bp. bei Cass. Illustr. pl. 18.
— Vireo alricapillus, Woodh. in Sitgr. Report of an Exped. Av. pl. 1.
Arses Kaupii Gould und Fycnoplilus ßoccosus G. Beschrieb. Pro-
ceed Zool Soc. 1850. p. 279.
Muscicapa parva ^ jun. auf Helgoland, Gaetke in Cab. Journ
p. (S^.
Ainpelidae. G loger schrieb in Cab. Journ. p. 175 über
das Nisten und die Nahrungsweise der Seidenschwänze.
Neue Arten. Pipra ßavotincla, Sei. Ann. p. 158. — Eiopsallria
capito, Gould Ann p. 302. Brisbane-river in N.-S. -Wales. — Ocypte'
rus Berardi, Bonap. Coli. Del, p 74 von Neucaledonien. — Oc. Ar-
nouxi, ßp. ib. Ebendaher. — Graucalus lagunensis , Bp. ib. Philippi-
nen. — Balicassius philippensis, ßp. ib. p, 76. — Lalage uropygialisj
Bp. ib.
Lieutenant Tytler bestätigt die schwalbenartigen Gewohnheiten
von Artamus fuscus, l. c.
lianiadae* C. L. Brehm schreibt in Cab, Journal II. p. 143
sehr instructiv über „Lanius excubilor und seine Verwandten." Er
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2 Bd. £
66 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
unterscheidet 1) L. rapax Br. , '}) L. excubilor Br., 3) L. ludovicia-
nws, 4) L. mexicanus Br., 5) L. assimilis A. u. L. Br., 6) L. leucono~
los A. u. L. Br. Alle sind gut und ausführlich beschrieben. Was
indessen die novae species anbetrifft so ist L. mexicanus Br. längst
bekannt als clegans Sw., L. assimilis ist dealbalns de Fil u. s. w. und
L. leuconotus ist excubitorius Desm. u. s. w.
Neue Arten. Lanius mollis, Eversm. Bullet. Mose. 18j3 p. 498
vom südlichen Altai : Tschuja. Gute neue Art. — Sigmodus scopifrons,
Peters in Gab, Journ. p. 422. Mozambique. — Ägriornis marginalis,
Reich. 1. c. Chile.
Lanius phoenicurus Fall, ist häufig in der Songarei und den südl.
Kirgisensteppen. Eversm. 1. c.
Conirostres.
Corvidae« Notizen über Pica cyanea in Spanien giebt Baron
König-Warthausen: Naum. Um die Mitte Januar ging diese Art
auf der Sierra Morena dem Pferdemist auf der Landstrasse nach. Das
Ei ist abgebildet: Naum. 1854. erstes Quartal. Ebendaselbst auch das
Ei von Garr. infauslus.
Neue Arten. Cyanocitta macrolopha , Baird Proc. Ac. Philad.
Juni 1854. Hundert Meilen westlich von Albuquerque Steht dem
Stelleri sehr nahe. — Corvus Cnjptoleucus , Couch, ib. 1854. p. 66.
Tamaulipas. 18" lang.
Sturnidae. Neue Arten. Slurnopaslor Moorei , Tytl Ann.
Mag. p. 176. Dacca. — Helaerornis albofronlala, Lay. Ann. Mag. p. 217.
Ceylon. — Icterus Scottii, Couch. Proc. Ac. Philad. 1854. p. 67. Nueva
Leon und Coahuila. — Xanthormis chilensis, Reichenb. l. c. (v. Bibra).
Ueber Pastor roseus auf Helgoland Gaetke: Cab. Journ. p. 69.
F'riagfillidae. Neue Arten sind: Emberiza caniceps , Gould
Birds of As. YL pl. 17. Afganistan. — Suthora Webbiana, G. R. Gray
Proc. Z. Soc. und Ann. and Mag. p. 397 . Nordchina. — Carpodacm
Cassinii, Baird Proc. Ac. Philad. 75 Meilen westlich von Albuquerque.
_ Zonotrichia fallax , Baird ib. Pueblo-creek in Neumexico. — Pi-
pilo mesoleuctis', B. ib. Neumexico. — Struthus atrimentalis, Couch. 1.
c. Coahuila (steht unserer Zonotr. mystacalis sehr nahe). — Chrysomi^
tris xanlhomelaena, Reich. 1. c. Hohe Cordillers von Chile.
Abbild. Carjjospiza longipennis, v. Müll, in Beitr. Orn. Afr.
pl. 10. — Ploceiis sublarvatus , v. Müll. ib. pl. 12. — Spermestes cu^
cullata, in v. Müll. Beitr. pl. 16. — Struthus caniceps, Vif oodh. in Sitgr.
Rep. Av. pl. 3. — Passerculus Cassinii, ib. pl. 5. — Ammodromus ru-
ficeps in Cass. Hlustr. pl. 20. — Pipilo fusca ib. pl. 17. - Cardinalis
sinualus, Bp. ^ $ in Cass. Hlustr. pl. 33. — Galerida rutila in v.
Müll. Beitr. t. 13.
der Vögel während des Jahres 1854. 67
Will. Kidd „The canary a rage and chamber-bird« 12. 192 S.
— „Fcdervvcchscl und Farbenveränderung bei tropischen und subtro-
pischen Finkenarten von H. Ilesler: Gab. Journ. p. 184.
Taiiag^ridne. Neup Arten sind: Phoenicothraupis gutturalis.
Sei. Ann. and Älag. 13. p. 25. Neugranada. — Tanagra cyanilia^ Bp.
Collect. Del. p. 62. Venezuela. — CaUisle Sclateri, Lafr. Rev. et Mag.
p. 208. Columbien. Ucbersicht der verwandten Arten. — C. venusla^
Sclat. Proc. Zool. Soc. Nov. 1854. Ecuador. — Procnias occidenlalis'
Sei. ib. Neugranada. — (Pr. Heirni Gab. ist nach Sclater nur $ oder
jun. von C. atricapilla Lafren.). — Arremon axillaris^ Sclat. ib. Neu-
granada. — Rkamphocelus dorsalis , Bp. MS. Brasilien. — Bulhraupis
chloro7iola , Sei. ib. pl. 64. Ecuador. — Euphonia concinna , Sei. ib.
pl. 65. Neugranada. — E. hirundinacea, Bp. ib. pl. 68. Veragua, Gua-
temala. — Chlorospingus melanotis, Sei. ib. pl. 68. Neugranada. — Ta-
chyphonus xanlhopygius, Sei. ib. Neugranada.
„Tanagrarum catalogus specificus auct. P. L. Sclater.« 16 S. 8.
Babingstoke 1854. Mit Noten. In der wichtigen und sehr verdienst-
lichen kleinen Schrift zählt Sclater 238 Arten auf und vertheilt die-
selben in 40 Gattungen. Für die geographische Verbreitung jeder Art
sowohl als auch für die kritische Sichtung der einschläglichen Syno-
nyme bleiben Sclater's Arbeiten die eigentliche Quelle.
]?Iusopl>ag-iclae* Schlegel äussert sich in Gab. Journ. über
die ächte Corylhaix persa p. 462 Verreaux's C. persa von Gaboon sei
eine ganz neue Art: C. Verr eauxi Schleg. Die wirkliche persa dagegen
komme mit macrorhyncha an manchen Gegenden der Goldküste häufig
vor. Die Frage ist jetzt nur noch die: Sind diese ächte
C. persa und C Buffonii des Gambiagebietes wirklich zwei
verschiedene Arten? Wir möchten noch immer glauben: ja.
Denn bei sehr zahlreichen Exemplaren der letzteren sahen wir
die Haube immer ganz einfarbig grün, und der weisse Streifen
unter dem Auge ist kaum angedeudet. Bei persa erscheint er dage-
gen stark und breit markirt.
Bucerotidae« Ueber ßuceros ginginiamis vergl. Lieutenant
Hardy Proc. Z. Soc. 1850. p. 276. — Als neu beschreibt Fräser:
Buc. poensis , Ann. 55. p. 136, von Fernando Po, 30" lang. Dies ist
indessen nur das $ von Buc. alralus Temm.
III. ^Scaiiisores.
Rliampltasticlae. Neu ist : Aulacorhamphus castaneiroslris
Gould St. Martha. — Pt. Hwnboldiii beschrieb, bei ßonap. Collect,
Del. p. 84. Bolivien.
Psittacidae« „Tableau des Perroquets« par Ch. L. Bona-
68 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
parte: Rev. p. 145. In dieser fleissigen Zusammenstellung werden
316 Arten aufgezählt und einige neue beschrieben. Die Gattung Pio-
nus wird kurz monographisch behandelt.
Neue Arten. Palaeornis derbyanus , Fräs, lllustr. Proc. Zool.
Soc. Av. pl. 25. — P. erylhrogenys , Fräs. ib. pl. 26. — Arn mtritor-
ques, Massena et Souance: Rev. p.7l. (ist Sittace primoli Bp.). —
Conurus iclerotis, Id. ib. Ocana. — C. riibrolarvatus, Id. ib. Guajaquil.
— C. chrysogenys , Id. ib. von Rio negro. — C calliplerus, Id. ib.
Neugranada. — C. Detilleif Id. ib. Bolivien. — C. ßJolinae, Id ib.
(ist pyrrhurus Reich.). — PsiUacus seniloides , Id. ib. Columbien. —
Ps. cobaltinus, Id. ib. Columbien. — Trichoglossus Massena, Bonap. 1.
c. Südseeinseln. — Tr. Verreauxii, Bp ib. — Poiocephalus hypoxan-
thusy Peters Monatsber. Berl. Acad. 1854. p. 371 , von Inhambane (Mo-
zambique). — Coracopsis comarensis, Pet. ib. Insel Anjuan Dem vasa
ähnlich, aber kleiner.
Ueber die Lebensweise des Kakapo (Strigops habroptilus Gr.)
haben wir interessante Nachrichten durch David Lyall, SchifFsarzt
auf der Entdeckungsreise des „Acheron" längs der Küste Neuseeland's.
Ann. and Mag. p 302.
Picidae. Zu Re i ch enbach's „Handbuch'- sind zahlreiche
Kupfertafeln der Spechte erschienen mit recht guten Abbildungen.
Text dazu sahen wir noch nicht.
Neue Arten. Picus Nataliae, Malh. Cab. Journ. p. 17 f. Mexico.
— P. Cabanisii, Malh. ib. China. Unserem major zunächst. — Sasia
lacrymosa, Lafren. Rev. p. 208. Himalaya. — Picumnus squnmutalus,
Lafr. Rev. p. 208. Columbien. — Dryolomus Delattrii, Bp. Collect. Del.
p. 85. Californien. — D. Verreami , Bonap. Ibid. St. Martha. — 1).
odoardus, Bp. ib. Mexico. — Indopicus carlotla, Malh, Rev. p. 379. von
Ceylon ist Eleopicns primolia , Bp. Consp. Anisod. p 13, — Cenlurus
uropygialis, Baird Proc. Acad Philad. Juni 1854. Neumexico.
Brachtjpterus Slrichlandi Lay. von Ceylon beschreibt Bonap.
Consp. Anisod. p. 14.
Abbild. Melanerpes thyreoideus, ^ in Cass. lllustr. pl. 32.
BucconSdae. Neu ist: Lahnodoii melanoplerus Peters von
Mozambique. Monatsber. Berl. Ac. d. Wissensch. p. 134.
Ciiculidae. „Ein seltsamer Zug in der Fortpflanzung der
amerik. Kukuke" von C. G log er: Cab. Journ p, 219. Und Weite-
res zur Fortpflanzungsgeschichte unseres Kukuks von demselben. Ib.
p.232.
Abbild. Das Ei von Cocc. glandarius bei Caban. Journ. und
Baldamus Naum.
der Vögel während des Jahres 1854. 69
IV. Coluinbae.
Von unermesslicher Wichtigkeit sind hier die grossen
Arbeiten B 0 napart e's, niedergelegt einmal in dessen „Coup
d'oeil sur l'ordre des pigeons^ (Coinpt. rend. de rAcadem.
und Separalabdr.) , dann aber noch weit ausführlicher und
erschöpfender in dem noch nicht publicirlen zweiten Theile
des „Conspectus avium," wo die Tauben auf S. 6 bis 96 be-
handelt sind.
Bonaparte beschreibt all e Arten genügend ausführlich und
ordnet ihre Synonymik. Die Gruppirung derselben in sehr zahl-
reichen Gattungen (282 Arten in 78 Gen.) ist für uns mehr Ne-
bensache. Es gehört diese Arbeit Bo n a part e's über die Tauben zu
dem Besten , was noch aus seiner Feder hervorging. Von den sehr
zahlreichen Arten Bonapart es werden manche schliesslich nur sub-
specifische oder Lokalrassengeltung behalten. Als neu werden auf-
geführt:
Plilinopiis apicalis Bp. von Vovao. — Ft. batilda Bp. von den
Philippinen. — Fl. axillaris Bp. Vaterland ? — Fliapitrero?i amelhy^
stina Bp. — Funingus Syanzi7ii Desm. von Madagascar. — Globicera
tarali Bp. Vanicoro, — Gl. Sundecalli Bp. Tongatabu. — Gl. rubricera Bp.
Neuirland. — Carpophaga chahjbura Bp. Philippinen. — C. ochropygia Bp.
von Balaou. — Ptilocolpa carola Hp. Philippinen. — Ftil. griseipectns Bp.
Philippinen. — Dncula paulina Bp. — Ducula pislrinaria Bp. Salomon-
inseln. — D. basilica Temm. Gilolo. — Vhalacrolreron Delalandi Bp.
Südafrika. — Fhal. pyliriopsis Bp. Westafrika. — Carpophaga Forsleni
Bp. Celebes. — Myristivora grisea Gr. (argentea Temm.). Borneo. —
Palumbjis cäsiolis Bp. Chines. Tartarei. — Turluroena Malherbii Bp.
Gaboon. — T. Delegorgui Bp. (lunigera Gr. in Mus. Brit.). Afr. mer.
— Janlhoenas albigularis J. Gilolo. — Sticloenas arqualricula Bp. Abys-
sinien. — St Dilloni Bp. Abyssinien. — Cohimba rupestris Bp. Son-
garei. — C. Schirnperi Bp. Abyssinien. — Chloroenas albilinea Gr.
Südamerika. — Chi. spilodera Gr. — Crossophthalmos Reichenbachi
Bp. — Macropygia emiliana Hp. Java. — M. doreya Bp. Neuguinea.
— m. carlerelia Bp. Neuirland. — Ttntur rosfrafws Bp. Seychellen. —
T. prccostianus Bp. — Streplopelia Gaimardi Bp. Mariannen. — Tym-
panislria Fraseri Bp. — Chalcopelia chalcospilos Bp. Südafrika. —
Geotrygon Bourcieri Bp. Ecuador. — G. linearis Bp. Bogota. — G.
chrysia Bp. Antillen. — G. sapphirina Bp. Rio Kapo. — Leptophila
Verreaiixi Bp Neugranada. — L. albifrons Gr. Mexico. — L. Dubusii
Bp. Rio Napo. — Chamaepelia albivitta Bp. Carthagena. — Ch. trochila
Bp. Martinique. — Ch. amazilia Bp. Peru. — Ch. rvßpennis Gray.
70 Hartlaub: Berieht über die Leistungen in der Naturgeschicble
Carthagena. — Ch. godinae Bp. Nordwestküste Südamerika's. — Chal-
cophaps augusta Bp. Indien. — Phlegoenas trisligmata J. Celebes. —
Zenaida stenura Bp. Columbien. — Z. pentheria Bp. St. Martha. —
Z. hypoleuca Bp. — Z. ruficauda Gr. Neugranada. — Chamaepelia
granalina Bp. Bogota. — Metriopelia inornala Gr. Brasilien.
Reichen bach beschreibt als neu : Chamaepelia melanura von
der Cordillere Chile's und Ch. cyanostigma von Chile, v. Bibra 1. c.
Ueber die Tauben Ceylon's vergl. Layard Ann. p. 60. Er
kennt von dort 12 Arten. Columba intermedia nur auf Figeon-island
bei Trincomalie und um Felsen der Südküste bei Barberoja. Auch
Turlur humilis^ selten und sehr lokal. Chalc. indicus lebt meist am
Boden. Carpoph. Torringtonii nur auf grösseren Höhen.
Abbild. Ectopistes marginella, Woodh. in Sitgr. Rep. Av. pl. 5.
V. Oallinae.
Neue Arten. Fraticolinus Humboldtii, Peters Ber. Äc. Berl. Apr. 14.
p. 134. Mozambique. — Tinamus Julius , Bp. Coli. Del. p. 93. Colum-
bien. — T. Delattrii Bp. Nicaragua. — Pucrasia castanea , Gould
Birds of As. VI. pl. 6. Kafiristan. — P. nipalensis , Gould ib. pl. 7. Ne-
pal. — Francolinus Peli, Temm. in Bydr. Dierk. Av. pl. 11. Guinea
(ist Lathamij nob.). -— Fr. ahatensis, Temm. ib. pl. 10. Guinea. —
Fr. albogulariSf G. R. Gray in Cab. Journ. p. 210. ~ Tetraogallus
thibetanus, Gould Ann. 55. p. 143. Thibet, Strachey.
Abbild. Crax Alberti^ Fräs. Proc. Zool. Soc. für 1850. Av.
pl. 27. 28. p. 246. — Penelope nigra, Fräs. ib. pl. 29. ^^ $. p. 246. —
Callipepla squamala bei Cass. lllustr. pl. 19.
Ueber das Verbastardieren der Waldhühner schreibt
sehr geistreich C. Gloger: Cab. Journ. II. p. 129.
„Moubray Treatise on domestic and ornamental Poultry etc. by
F. R. Homer. New edit. London. 12.
W. B. Tegetmeier „Profitable poultry their managemcnt in
health and disease etc." with illustr. by H. Weir. New edit. London-
W. W. Wingfield and G. W. Johnson „The Poullry-book
including etc." with 22 pict. 21 Sh.
C. H. Weigall „The illustrated book of domestic Poultry" ed.
by M. Doyle. 8. 10 Sh.
G. Ferguson „Essays on breeding Poultry" with illustr.
Lond. 8. 7 Sh.
F. Ferguson „Price domestic Poultry- book," incl. 18 coli,
lithogr. illustr. of first class specimens. Part. 1.
H. D. Richardson „Domestic fowl and ornamental Poultry.«
New ed. Lond. 12.
der Vögel wahrend des Jahres 1854. 71
W, Scheifers „Der Auerhahn und dessen Jagd.« Arnsbergs,
39 Seiten.
VI. I^itrutliioncs«
„Over de slruisachtige Vogels" door H. Schlegel:
Album der Nat. 1854. p. 323 und Separalabdruck von 29 S.
Diese sehr instructive, obgleich mehr populär gefasste Arbeit
behandelt also sämmtliche siraussartige Vögel und bringt von ihnen
das Wichtigste zur Mittheilung: Geschichte, Bau, Lebensweise,
geographische Verbreitung u. s. w. Kürzer werden der afr. Strauss,
die beide Rhea-Arten und die beiden Casuare, weit ausführlicher aber
der Dodo und Consorten behandelt. Schlegel rechnet diese Alle,
gewiss mit Recht, zu den Straussen und bringt für diese seine
Ansicht mit vielem Scharfsinn eine Anzahl überzeugender Beweis-
gründe bei. Eine Vorlesung von Schlegel, in der Versammlung
der holl. Academie der Wissenschaften vom 25. Febr. 1854 gehalten,
hat denselben Gegenstand zum Vorwurf und erschien unter dem Ti-
tel : Ook een woordje over den Dodo (Didus ineptus) en ziyne ver-
wanten."
W. J. B roder ip „Notice on an original painting in-
cluding a figur of the Dodo^^ in the collection of bis grace
Ihe duke of Norlhumberland at Sion House.« Zool. Soc.
März 22. 1853. Ann. and Mag. p. 143 cum fig.
Das hier erwähnte Gemälde , ein abermaliger merkwürdiger
Zuwachs zu den schon bekannten artistischen Documenten in der Ge-
schichte des Dodo, wurde 1627 gemalt von J. D. de Heem und Jean
Goeimare, dessen seltsam verschnörkeltes Zeichen es trägt. Un-
ter vielen, sämmtlich leicht erkenntlichen anderen Thieren, ist auch
der Dodo und zwar fressend dargestellt, oder doch mit dem Schnabel
im Grase suchend. Derselbe zeigt vorn 4 bis 5 dunkle Querbinden.
Wer diese augenscheinlich sehr sorgfältige Abbildung sieht, wird sich
des st rausartigen Eindrucks des Vogels kaum erwehren können.
Isidor Geoffroy St. Hilaire berichtet Neues über Aepyor.
nis: Acad. des Sc. Oct. 30. Rev. et Mag. p. 637. Capt. Armange
übersandte mehrere ungeheure Eier und Knochen. Charles Co-
quercl schickte Schalenrestc und Knochen von Baracouta auf der
AVestküste von Madagascar, unter andern ein Stück vom os pubis.
Duvernoy und Valenciennes sprachen über diese osteologi-
schen Fragmente, und letzterer namentlich über die muthmassliche
Stellung des Aepyornis im System. Er findet Beziehungen zu Apte-
nodytes ! Das grösste von Armange gesammelte Ei misst 0,90 im
Umfange und 0,33 in der Länge, ist also noch grösser als alle bis-
72 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
her bekannten. Es wurde an derselben Stelle gefunden, wie die
früheren.
J. S. B owerbank „On Ihe remains of a gigantic bird (^Lühor-
nis emuinus) from the London clay of Sheppay.« Ann. and Mag.
p. 263.
Prof. Owen „Bemerkungen über die Eier und pulli von
Apleryx und über Eier und Knochen von Aepyoriiis'-^ in Ann. and Mag.
13. p. 229. Eine höchst interessante und ausführliche Arbeit. "Ver-
gleichende Beobachtung der Eier von Aepyornis und der Fragmente
von Dinornis oder Palapteryxeiern. Dann wird das Ei von Apteryx
beschrieben. Es ist sehr gross, 1' 9'" im Umfange, i" 10'" lang und
3" breit. Dicke «/g Linie. Die Farbe ist schmutzig weisslich. Der
junge Apteryx scheint sehr ausgebildet aus dem Ei zu kommen.
Ueber Apleryx australis und ManteUi schrieb ausführlich A. D.
Bartlett: Illustr. Proceed. Zoolog. Soc. 1850. p. 275 , mit schönen
Abbild, auf pl. 30 und 31. (Schnabel, Füsse u. s. w.). — Genau
vergleichende Messungen. Die kleinere gewöhnlichere Art ist Man-
teUi und scheint nur auf der Kordinsel vorzukommen, die weit
grössere kam bis jetzt nur von Dusky-Bay. (Nach einem Exemplare
der Leydner Sammlung müssen wir A. Owenii nur für den jünge-
ren Vogel von Mantelli halten. Ref.).
Sehr hübsch berichtet Külz über Olis tarda und telrax in der
südrussischen Steppe: Cab. Journ. p. 184. Beide finden sich in der
Krimm in ganz ungeheurer Anzahl.
Ueber die Trappenjagd der Asow'schen Kosacken vergleiche
man: Archiv für die wissensch. Kunde von Russland vol. 13. p. 439.
Man verfolgt und erschlägt die Trappen mit der Nagacka (einer Art
Lasso), wenn nach einigen Regentagen zuerst Frost eintritt und in
Folge dessen die Flügel der Trappen steif geworden sind.
^11, e^rallae.
Cltatradrida^e. Pluvianus aegyptius wurde an den Ufern des
Guadalquivir geschossen: Cab. Journ. IL p. 70.
Eine neue Art ist Vanellvs aralensis , Eversm. Bullet. Mose.
1853. p. 497. Eine kleine schöne Art.
Abbild. Das Ei von Pluv. tnelanocephalus in der Naumannia
1854. erstes Quartal. — Ei von Oeclicnemus senegaJetisis in Caban.
Journ. Extrah.
Ardeidae- Vom Nisten weisser Störche im Herbste,
wieder ein merkwürdiges Beispiel: Cab. Journ. IL p. 191.
Eine sehr, interessante neue Kranichart sandte Montigny
aus China an das Pariser Museum. Bonaparte beschreibt sie in
der Vögel während des Jahres 1854. 73
geiner Arbeit über die Collect. Del. auf. S 90 unter dem Namen An-
tigone moniignesia. „Lactea, vertice nudo rubro pnpilloso, remig. se-
cundar. scapularibusque clongatis , incurvis, nigris." Also wie Ibis
Sacra gefärbt. Mandschurei.
Grus hoyianus , Dudley Proc. Acad. Philad. 1854. p. ö4 ist da-
gegen ganz sicher nur der jüngere Vogel von Grus americana.
Die Färbung zeigt die auffallendste Analogie mit dem Jngendkleide
von Grus leucogeranus, wie dasselbe die Fauna Japonica abbildet.
„Ueber das BlutegelTressen von Ardea slellaris" schreibt Mar-
tin in Cab. Journ.
Scolopacidae. Ueber das „Brütverhältniss der Phalaro-
pen« schreibt C. Gloger: Caban. Journ. p. 89. Bekanntlich brüten
die Männchen. Gloger weist Analogien bei anderen Ihierklas-
sen nach.
Abbild. Tringa leiicoplera Gm. (pyrrhelraea Forst.) von Ta-
hiti in Bydrag. tot de Dierk. nach dem einzigen Exemplare des
Museums zu Leyden. — Nvmenius occidenlalis Woodh. in Sitgr. Rep.
Av. pl. 6.
Rallidae. Peters beschreibt eine Lokalrasse von Galli-
nvla flavirosfris Sw. von Mozambique. Berl. Academ. Berichte. April
1854, Peters glaubt diese schwarze afrikanische Form generisch
sondern zu müssen und nennt sie Limnocorax. Rallus niger auct. ist
die südliche Form.
Eine neue Art ist: Ortygometra egregia, Pet. 1. c von Mozambi-
que. — Podica mossambicana, Pet. ib. Dieser merkwürdigen neuen Art
legten wir schon vor mehreren Jahren den Namen Podica Pelersü bei.
Derselbe beansprucht demnach das Recht der Priorität.
„Kritische Revision der Gattung Fulica« von Ref. Cab. Journ.
Extrah. Die 12 Ref. bekannten Fulica-Arten werden ausführlich be-
handelt. Es sind atra lugubris Müll. , australis G. , cristala , giganlea
Eyd. , chilensis Desm. , cornuta Bp. , armillata V. , leucoyyga Licht ,
Strichlandi nob., americana und alai Peale.
jlnatiflae. Die von Bon aparte als Oidemia Dcglandi un-
terschiedene Sammetente Nordamerika's (Collect. Del p. 94) wurde
bereits vonCassin als 0. vehetina unterschieden. — Ueber die Mau-
ser von Plat. niger schreibt Bock: Cab. Journ.
Plerocyanea caeruleala wurde von Delattre in Californien ge-
sammelt und ist jetzt eine sehr gewöhnliche Art in Sammlungen von
der Westküste.
„Ueber eine neue kleine Schwanenart^' von B. AI tum: Naum.
74 Hartlaub: Bericht über die Leistungen u. s. w.
Zweites Quartal. Für jetzt nur so viel, dass die Identität die-
ses Schwans mit C. Bewichii mehr als zweifelhaft ist.
Demnächst Weiteres darüber.
Twaridae. Bonaparte veröffentlichte „"Notes sur les Lari-
des« Rev. et Mag. p. 12 und Naum. p. 210. In dieser hübschen Ar-
beit wird Bruch's treffliche „üebersicht der Möven" in Gab. Journ.
kritisch beleuchtet und mit Zusätzen und Anmerkungen versehen. Als
neu möchte Bonaparte noch unterschieden wissen: Procellarus
neglectus n. sp. Mus. Paris Jüngerer Vogel einer sehr lestrisartigen
Möve. (Nach Bruch av. jun. von L. Heennatmi'). — Larus Ver-
reauxii Hp. Chili. — Gavia Kamlschalhemis Bp. p. 225. — G. Bruchii
Bp. Mexico. Diese uüd die vorige vielleicht nur Lokalrassen von L.
canus. — Gelastes corallinus , Bp. ib. 216. — G. Gouldii, Bp. — I<e-
slris spinicanda, Hardy Rev. et Mag. de Zool. p. 617 von St. Helena.
Eines der beiden von Hardy beschriebenen Exemplare sahen wir
kürzlich in Leyden und theilen Schlegel's Ansicht, der diesen Vo-
gel für L. Btiffonii jun. mit abgeriebenen Mittelschwanzfedern hält. —
Larus columbinus ^ GolawatchafF in Bullet. Mose. XXVII. p. 435.
Larus Heermanni w^ird beschrieben in ßonap. Collect. Del. p. 92.
Auch Layard rangirt „Dromas bei den Sterninen." Ann. and
Mag. p. 270. Er traf diesen Vogel fast immer nur auf hoher See an.
Lesiris crepidata zum ersten Male auf Helgoland geschossen.
Gaetke in Cab. Journ. p. 69.
Abbild. Das Ei von Rliynchops ßavirostris bei Caban. Extrah.
B^rocellariclae. Keu könnten sein : Procellaria melania, Bp.
Collect. Del. p. 92. Californien. — Thalassidroma telhys , Bp. ib. von
den Galopagos.
. Thalassidroma pelagica auf Helgoland. Gaetke in Caban. Journ.
p 69.
Abbild. Diomedea nigripes , Aud. in Cass. Illustr. pl. 35. (av.
jun, von brachyura Ref.).
jtlcidae „On the largest known species of Phaleridine bird«
by Ch. L. Bon aparte: Illuslr. Proc. of the Zool. Soe. und Sepa-
ratabdruek. Die hier schön abgebildete Art ist Latham's Alca la-
hradora und Sagmatophora Lalhami 13p. Das einzig bekannte Exem-
plar, im Brittischen Museum, stammt von der Kordwestküste Amerikas.
Ueber Aptenodyles chiloensis vergl. v. Bibra Vögel Chile's bei
Reichenbach I. c.
Bericht über die lieisiung^eii in der IVatur«
g^escliichte der iiiederii Thiere wälireiid der
Jahre 1S4§— 1S53.
(Schluss die Protozoen enthaltend.)
Von
Dr« llud« lieiickari,
Professor in Giessen,
Die Thiere, die wir hier, wie das auch schon in dem
letzten Jahresberichte von Siebold's geschehen ist, unter
dem vorstehenden Namen zu einer gemeinschaftlichen Abihei-
lung zusammenfassen, die Infusorien , Rhizopodeti und Gre-
garinen, haben in den letzten Jahren das Interesse der For-
scher reichlich in derselben Weise, wie die übrigen niede-
ren Thiere , in Anspruch genommen. Welche Erfolge da-
durch erzielt sind, das zeigen die zahlreichen wichtigen Ent-
deckungen , die unsere Ansichten über die Organisation und
die Lebensverhältnisse der Protozoen theils festgestellt und ge-
läutert, theils auch gänzlich umgestaltet haben.
Der Streit über die zusammengesetzte oder einfache
Organisation der Protozoen und zunächst der Infusionsthier-
chen ist seiner Hauptsache nach , und zwar zu Gunsten der-
jenigen Ansicht geschlichtet, die seit Duj ardin besonders
in V. Siebold ihren Hauptvertreter gefunden halte. Frei-
lich hat E h r e n b e r g einige Male (Monatsber. der Berl. Akad.
1848. S. 234 und bes. 1851. S. 761 „die neuesten Bewegun-
gen in den organischen Naturwissenschaften über die Form-
beständigkeit und den Entwickelungskreis der Formen" den
Versuch gemacht , seine früheren Ansichten von Neuem da-
76 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
durch zu Geltung zu bringen, dass er überhaupt einen jeden
Fortschritt in der Erkenntniss der kleinsten Wesen in Frage
stclltf^, nllein nichts desto weniger dürfen wir den Slandpunkt
von Ehrenberg heutigen Tages als einen überwundenen
bezeichnen. Durch eine ganze Reihe der trefflichsten Beob-
achlungen ist, wie wir weiter unten sehen werden, von den
verschiedensten Seiten die einfache Structur der Infusorien und
der Protozoen überhaupt auf das Bestimmteste nachgewiesen.
Auch vom physiologischen Standpunkte scheint die Einfach-
heit der Struclur bei den kleinsten Geschöpfen vollkommen
gerechtfertigt (Bergmann und Leuckart, vergl. Anat.
und Physiol. S. 266).
Eine andere Frage aber ist es , ob sich der Bau der
Protozoen auf den Typus einer Zelle zurückführen lasse , ob
die Protozoen wirklich, wie Kölliker (Zeitschrift für wiss.
Zool. LS.21i) und namentlich v. Siebold (Ebendas. S. 270,
in einem sehr lesenswerlhen Aufsatze über einzellige Pflan-
zen und Thiere), auch Frey (Bedeckungen der wirbellosen
Thiere S. 8), wollen, als einzellige Thiere zu betrach-
ten seien. Allerdings findet diese Deutung in der Anwesen-
heit des — bei der grössten Mehrzahl der Rhizopoden übrigens
fehlenden — s. g. Kernes eine scheinbare Unterstützung, aber
wir wissen nicht, ob die Aehnlichkeit dieses Gebildes mit einem
Zellenkerne tiefer begründet ist und zu der Annahme einer voll-
kommenen Uebereinstimmung berechtigt. Andererseits giebt
auch , wenigstens bei den höheren , entschieden thierischen
Infusorien, gar vielerlei Organisationsverhältnisse, die die
betreffenden Thiere so aufTallend von einer Zelle unterscheiden,
dass es Ref. wenigstens unmöglich scheint, sie mit den einfach-
sten histologischen Elementen der höheren Organismen gleich-
zustellen. Der BegrifT einer Zelle ist mit der Zeit allerdings
sehr dehnbar geworden, aber eine Zelle mit OefTnungen nicht
bloss (Mund, After} sondern auch mit inneren thierischen
Organen (Mundhöhle, Oesophagus , contractile Blase) scheint
Ref. einstweilen doch gar sehr problematisch. (Auch Perty
hat sich neuerlich gegen die einzellige Naiur der Infusorien
ausgesprochen, zur Kenntniss kleinster Lebensformen S. 51.)
Zu der Feststellung der Thatsache vom einfachen Baue
der Frolozoen während der J. 1848 — 1853. 77
der Protozoen gesellt sich als wesentlichste Bereicherung un-
serer Kenntnisse über diese Thiere noch die Entdeckung ei-
ner endogenen Forlpflanzung bei denselben. Wir wissen
gegenwärtig mit voller Sicherheit , dass ausser der Theilung
und Knospenbildung bei den Protozoen — wohl bei allen,
obwohl dieser Vorgang bei den Khizopoden bisher noch nicht
beobachtet worden — eine innere Keimbildung, eine Produ-
ction von Schwärmsprösslingen (Infusorien) oder Keimkörnern
(Gregarinen) stattfindet. Die Producte dieser Vermehrungs-
weise zeigen häufig- eine von den Multerthieren abweichende
Gestalt und müssen dann eine Metamorphose durchlaufen, be-
vor sie denselben ähnlich werden.
In manchen Fällen wird dieser Vorgang der Keimbil-
dung bei den Infusorien — den man in gewisser Beziehung
als einen Erzatz für die allem Anscheine nach fehlende ge-
schlechtliche Fortpflanzung ansehen darf — von einer Einkap-
seiung begleitet, von einem Zustande der Ruhe, der nicht
selten auch bei andern Veranlassungen eintritt und die Un-
terscheidung der betreffenden Geschöpfe von gewissen Pflan-
zenformen um so mehr erschwert, als die eingekapselten In-
fusorien nach Pflanzenart eine grosse Lebenstenacität besitzen
und auch unter den ungünstigsten Verhältnissen (im Trock-
nen u. s. w.) ausdauern.
Die Abgrenzung der Protozoen und namentlich der In-
fusorien gegen die niederen Pflanzen bildet überhaupt eine
F>age, deren Lösung noch nicht gefunden ist. Darüber kann
allerdings kein Zweifel mehr obwalten, dass Thiere und Pflanze
keineswegs jenen scharfen Gegensatz bilden, den man frü-
her wohl annahm , dass die Unterschiede zwischen den bei-
den Reichen der organischen Wesen mehr relativer, als prin-
cipieller Natur sind. (Vergl. hierzu u. a. Leuckart, über
die charakteristischen Verschiedenheiten zwischen den Thie-
ren und Pflanzen im Arch. für Naiurgesch. 1851. I. S. 146).
Ob nun aber trotzdem keine durchgreifenden Verschiedenhei-
ten zwischen diesen Reichen, und damit auch keine bestimm-
ten systematischen Grenzen zwischen beiden existiren, dar-
über wissen wir noch immer nichts Sicheres. In vielen Fäl-
len ist es trotz allen Untersuchungen der Botaniker, wie der
78 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Zoologen heute noch eben so zweifelhaft, ja vielleicht noch
zweifelhafter, als früher, ob das betreffende Geschöpf den
Pflanzen oder den Thieren zuzurechnen sei, oder ob es gar
als Bürger beider Reiche angesehen werden dürfe.
In Bezug auf die Diatomeen und Desmidiaceen
scheint man sich allerdings ziemlich allgemein dahin geei-
nigt zu haben , dass sie dem Pflanzenreiche zu überweisen
seien. Freilich giebt es noch einzelne Vertheidiger ihrer
thierischen Natur — zu ihnen gehört namentlich Focke, der
Verfasser der physiologichen Studien — , aber die Gründe,
die diese für ihre Auffassung geltend machen, sind so wenig
beweisend, dass es uns vollkommen gerechtfertigt erscheint,
diese Geschöpfe, als Pflanzen, fernerhin von unserem Berichte
auszuschliessen. Gleiches gilt von den Vi brioni d en, de-
ren vegetabilische Natur besonders durch Cohn in einem
neuerlich erschienenen höchst wichtigen Aufsatze über die
Entwickelungsgeschichte mikroskopischer Algen und Pilze (in
den Nov. Act. Acad. Caes. Leopold. XVI. Th. 1. S. 103; vgl.
auch Perty zur Kenntniss kleinster Lebensformen S. 104),
auf den wir in einem späteren Berichte zurückkommen wer-
den, mit aller Entschiedenheit dargethan ist. Nichts desto
weniger giebt es aber immer noch, wie schon bemerkt wor-
den, zahlreiche Geschöpfe von sehr zweifelhafter Natur, und
zu diesen gehören vor allen andern jene infusoricllen We-
sen , die sich durch die geisseiförmige Bildung ihrer Bewe-
gungswerkzeuge und die Abwesenheit der Mundöffnung cha-
raklerisiren (Flagellata Cohn, Phytozoidia Perty, der grössere
Theil der Ehrenbergischen Anenterata).
In anatomischer Beziehung lassen sich diese Geschöpfe
in Nichts von den sog. Schwärmsporen gewisser unzweifel-
hafter Algen, namentlich gewisser einzelliger Algen, wie wir
sie durch Braun, Nägel i, Cohn u. A. in den letzten
Jahren kennen gelernt haben, unterscheiden. Die äussere
und innere Bildung ist bei beiden genau übereinstimmend.
Ebenso aber auch ihre Lebensweise und ihre Entwickelung.
In beiden Fällen haben wir dieselben Erscheinungen derEin-
kapselung und der Vermehrung in diesem Zustande, dieselbe
Abwechselung der Ruhe und des Schwärmens (vergl. hierzu
der Protozoen während der J. 1848 — 1853. 79
die Bemerkuugen von C o h n , in der Zeilschrift für wiss.
Zool. IV. S. 278}. Dazu kommt, dass bei den betreffenden
Infusorien nicht bloss der grüne Farbestoff der Pflanzen,
sondern in vielen Fällen auch die Cellulose und das Amylon
derselben aufgefunden ist, ja dass wir durch die Untersuchun-
gen von Cohn in dem sog. Protoplasma der Pflanzen einen
Stoff kennen gelernt haben, der in optischer, physikalischer
und chemischer Beziehung mit der namentlich den Infusorien
zukommenden Sarkode zusammenfällt (Nov. Act. Acad. Caes.
Leopold. 1850. T. XIV. P. 2. S. 664). Um endlich die Ueber-
einstimmung der betreffenden Geschöpfe mit den Pflanzen voll
zu machen, heben wir noch hervor, was wir schon seit Mor-
rem, Kützing u. A. kennen — und was Ref. namentlich
auch für Euglena zu bestätigen im Stande ist — , dass viele
derselben nach Pflanzenart im Sonnenscheine Sauerstoff aus-
athmen. Cohn vermuthet freilich (Zeitschrift für wiss. Zool.
III. S.264), dass eine solche Sauerstoffexhalalion, nur durch
die Anwesenheit des Chlorophylls bedingt werde und über-
all zugleich mit diesem Farbestoff, also auch bei Bursaria,
Stentor, Hydra u. s. w. vorkomme, allein einstweilen scheint
uns, so lange wir das Gegentheil noch nicht wissen, die
Annahme eines sauerstoffexhalirenden Thieres immer noch
ein physiologisches Paradoxon.
Wie unsere Kenntnisse über die Gruppe der Flagellata
sich allmählich gestaltet haben, bleibt, nach Ansicht des Ref.,
nur eine einzige Alternative. Entweder man bringt diese
Geschöpfe, dann aber auch alle, also auch die Astasiäen und
Peridinäen, wie Ref. schon an einem anderen Orte (Berg-
mann und Leuckart, vergl. Anal, und Phys. S. 132) vor-
geschlagen hat, als bewegliche Entwickelungszustände ge-
wisser Vegetabilien zu den Pflanzen , oder man giebt jenen
Forschern Recht, die, wie unter den Neuern Kützing, Perly
u. A., eine scharfe und bestimmte Grenze zwischen Thier
und Pflanze überhaupt leugnen. Eine Zersplitterung der Fla-
gellata in Ihierische und pflanzliche Formen, wie sie nament-
lich v. Siebold mit Rücksicht auf die contractile oder starre
Beschaffenheit des Körpers versucht hat, scheint Ref. nicht
durchzuführen. Auch abgesehen davon, dass die Contracti-
80 Leuckart: Bericht üb. d, Leistungen in d. Katurgeschichte
lilät des Körperparenchyms nach der oben erwähnten Ent-
deckung von Cohn und nach mancherlei positiven Erfah-
rungen über die Conlraclilität gewisser entschieden pflanzli-
cher Bildungen überhaupt nicht länger als Criterium der Ihie-
rischen Natur betrachtet werden darf, wird durch solche
Trennung nicht das Geringste gewonnen. Die Schwierigkei-
len der Frage bleiben dabei nicht bloss dieselben wie frü-
her, sondern werden noch vergrössert, denn mit solcher Tren-
nung begiebt man sich zugleich des Vortheils einer durch-
greifenden objectiven Unterscheidung. (In welch ein Dilemma
es führt, wenn man bloss den subjectiven Taet über die thie-
rische oder pflanzliche Natur solcher Organismen entschei-
den lässt, zeigen in schlagender Weise die sonst so ausge-
zeichneten Arbeiten von Cohn, der sich z. B. trotz aller
der oben angeführten Gründe nicht entschliessen kann , die
Euglenen, Monadinen u. a. für Pflanzen zu halten, obwohl
er die Volvocinen auf das Bestimmteste dafür ausgiebt.)
Ref. gesteht gern_, dass er für seine Person am meisten
geneigt ist, die Flagellala für Pflanzen zu halten. Aber eben
so gerne giebt er zu, dass die völlige Entscheidung der hier
besprochenen Frage der Zukunft vorbehalten bleibt. Es wird
sich namentlich erst herausstellen müssen^ ob wir nicht viel-
leicht in dem Chemismus des Lebens jenes unterscheidende
und durchgreifende Merkmal zwischen Thier und Pflanze fin-
den werden, was wir bisher vermissten. Von einem Thiere
verlangen wir , nach unseren bisherigen Kenntnissen , nicht
bloss die Aufnahme einer organischen Nahrung, sondern na-
mentlich auch den Besitz eines Stoffwechsels; es wird
sich darum handeln, ob es auch Pflanzen mit einem Stoff-
wechsel giebt, ob — wenn die Antwort hier verneinend
ausfällt — die Flagellata in dieser Beziehung mit den Thie-
ren oder vielmehr, wie es den Anschein hat, mit den Pflan-
zen übereinstimmen. Die Aufnahme einer organischen Nah-
rung allein kann noch nicht entscheiden, denn diese fin-
det sich bekanntlich auch bei den Pilzen und ist selbst für
manche Geschöpfe aus der Gruppe der Flagellata sehr wahr-
scheinlich. Nicht ohne Bedeutung scheint es uns übrigens,
dass die Flagellata in der Art dieser Nahrungsaufnahme ge-
der Protozoen während der J. 1848 — 1853. 81
nau mit den Pflanzen übereinstimmen. Die Flagcllata genios-
sen ihre Nahrung- durch endosmolische Durchtränkung ihres
Leibes, >vährend alle frei lebenden vvirkliciien Thicre
dieselbe direkt durch eine bleibende oder bloss temporäre
OefTnung in das Innere aufnehmen. (Die Cesloden und an-
dere Eingeweidewürmer ohne Mundöfl'nung, die sich gleich-
falls durch Endosmose ernähren, können den Flngellata inso-
fern nicht an die Seite gestellt werden , als sie — was für
die Art der Nahrungsaufnahme gewiss höchst wichtig ist —
unter ganz abweichenden äussern Verhältnissen leben.) Eh-
renberg giebt freilich an, dass es ihm gelungen sei, viele
dieser Geschöpfe mit Indigo zu füttern ; man sieht auch wirk-
lich bisweilen (vergl. hierzu auch Perty a. a. 0. S. 61)
fremde Körper, besonders Bacillarien, Pflanzenfasern u. s. w.
im Innern derselben , aber das Füttern gelingt — laut den
Beobachtungen von Cohn — so schwer und die Anwesen-
heit von fremden Körpern im Innern ist so selten, dass man
in allen diesen Fällen viel weniger eine Nahrungsaufnahme,
als vielmehr ein zufälliges mechanisches Eindringen vermu-
then möchte. (Prof. A. Braun hat mir milgetheilt, dass er
in einigen seltenen Fällen auch bei den Diotomeen Indigo-
partikelchen im Innern beobachtet habe.) Jedenfalls haben
wir über das Eindringen fremder mikroskopischer Körper in
Organismen und Theile von Organismen in der neueren Zeit
so zahlreiche und überraschende Erfahrungen gemacht, dass
wir durch die angeführten Thatsachen noch keineswegs auf
«ine regelmässige thierische Nahrungsaufnahme oder gar auf
die Anwesenheit eines Mundes bei den betreffenden Geschöpfe
zurückschliessen dürfen.
Um von diesen mehr allgemeinen Fragen auf den spe-
ciellen Inhalt unseres Referates überzugehen , erwähnen wir
zuerst der zahlreichen Untersuchungen Ehrenbergt's über
die Ausbreitung des mikroskopischen Lebens und das Vor-
kommen von infusoriellen Bildungen unter den verschieden-
sten äussern Verhältnissen. Es sind diese Beobachtungen,
eine Fortsetzung der schon in dem letzten J. B. (Jahrg. XVI.
Th. II. S. 462 fl".) angezogenen Untersuchungen, an sehr zer-
streuten Stellen in den Monatsber. der Berliner Akademie
Archiv, f. Naturgesch. XXI, Jahrg. 2. Bd. F
82 Leuckart: ßericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
(1848—1853) niedergelegt. Ehr enb erg untersuchte, wie
früher, die Absätze und Trübungen von Flüssen und Owellen;
er untersuchte eine ganze Reihe von Erden, Ackererden, ess-
bare Erden, vulkanische Aschen, Staubfälle, Wüstensand, in-
fusorienhaltige Gesteine (sog. Biolithe) u. s. w. , Objecte,
die er zum Theil aus den entlegensten Ländern der civili-
sirten Erde bezogen hatte, und lieferte ein genaues Verzeich-
niss aller darin gefundenen mikroskopischen Bildungen. So
interessant und wichtig diese Untersuchungen auch sind , so
sehen wir uns doch — aus Mangel an Raum — ausser Stande,
hier näher auf dieselben einzugehen , oder sie nur im Ein-
zelnen namhaft zu machen. Auch können wir uns um so
mehr damit begnügen , im Allgemeinen auf die Existenz die-
ser Untersuchungen hingewiesen zu haben, als die Organis-
men, um die es sich dabei handelt, mit wenigen Ausnahmen
den Pseudo-Protozoen zugehören, die wir von unserem Be-
richte ausgeschlossen haben. (Aehnliche Untersuchungen
sind in Nord-Amerika von Bailey, microscop. observat. in
den Smithsonian contrib. to knowledge. Washingt. Vol. II. 1851
angestellt worden.) Nur einige wenige Resultate dieser Unter-
suchungen, die ein direktes zoologisches Interesse darbieten,
mögen hier erwähnt sein. Vor allen Dingen gehört hieher die
objective Bestätigung der schon von den ältesten Naturforschern
hypothetisch angenommenen Existenz von lebenden oder doch
wenigstens lebensfähigen mikroskopischen Wesen, Thieren
und Pflanzen, im Luftraum (a. a. 0. 1848. S. 325 mit vielen
späteren Nachträgen). Ehrenberg (nach demselben auch
Göppertund Cohn, BerL Monatsber. 1850. S. 58) fand
solche Geschöpfe — Räderthiere, Tardigraden, Arcellinen,
panzerlose Infusorien u. s. w. — nicht bloss im atmosphä-
rischen Staube (aus Zimmern, Kirchen, Thürmen u. s. w.) ,
auch nicht bloss in den erdigen Absätzen auf Dächern und an
Mauern oder Bäumen, sondern auch im Wasser, durch das
er eine grössere Menge von Luft hindurchgetrieben hatte
(a. a. 0. 1848. S. 440). Ganz ähnliche Formen finden sich,
nach Untersuchungen von Erdproben, Flechten, Moosen u. s. w.,
weit über der höchsten Schneegrenze (bis zu 14000' Höhe)
auf den Alpen (a. a. 0. 1853. S. 315 u. 531). Auch in der
der Protozoen während der J. 1848—1853. 83
Tiefe von 12000 Fuss unter dein Meeresspiegel sollen, nach
Ehre n b crg's Unlersucluingen von oceanischon Grundpro-
ben, noch lobende mikroskopische Thiere und Pflanzen exi-
stiren (a. a. 0. 185^^. S. 782).
üeber die vertikale Verbreitung der njikroskopischen
Lebensformen handelt Perty in den Mittheilungen der ßer-
ner naturforscliendenGesellsch. 1849. No. 146—149, 164, 165.
Ich kenne diesen Aufsatz nur aus Perty's Werke: zur Kennt-
niss kleinster Lebensformen S. 20 , wo die Hauptresultate derselben
ausgezogen sind. Der Verf. will sich davon überzeugt haben , dass
die Formen der Ebene in den höheren Regionen, etwa von 6000' an
allmählich bedeutende Veränderungen in Form , Grösse und Aussehen
erleiden.
Man sollte glauben, dass gegenüber den beutigen Kennt-
nissen von der Verbreitung der mikroskopischen Lebens-
formen, gegenüber auch den Erfahrungen von den Ruhe-
zuständen dieser Geschöpfe — man vergl. hier auch die
Beobachtungen von Ehrenberg (Monatsbericht der Berl.
Akad. 184!:t. S. 94 , 1853. S. 532) und von Cohn,Nova
Acta etc. 1850. T. XiV. P. 2. p. 628) über das Wiederaufle-
ben von Räderthieren, Infusorien u. s. w. — die Lehre von
der sog. Generatio aequivoca allen Boden verloren habe.
Nichts desto weniger hat dieselbe in den letzten Jahren
einen sehr entschiedenen Vertheidiger gefunden. Ich meine
Herrn R ei SS ek, der uns in den Sitzungsberichten der Wie-
ner Akademie 1851. II. S. 334 vorläufig mit den Hauptresul-
taten einer Reihe von Beobachtungen bekannt macht , durch
die derselbe die directe Umwandlung von thierischen und
vegetabilischen Körnern und Zellen (Samenkörperchen, Epi-
thelialplättchen, Amylum, Chlorophyllkörner u. s. w.) in selbst-
ständige Thiere und Pflanzen bewiesen zu haben glaubt.
In der Luft sollen aus den betreffenden Körperchen blosse Pflan-
zen, im Wasser aber bald Pflanzen, bald Thiere ihren Ursprung neh-
men und zwar ursprünglich als einfache Zellen, die Verf. den Eiern
gleichstellen möchte. Von Thieren will der Verf. auf diesem Wege
namentlich (ausser Vibrionen und Monaden) die Bildung von Amoeba
diffluens, Paranema varians, Paramaecium Colpoda, dreien neuen Pano-
phrysarten , Stylonychia pustulata und Rotifer vulgaris beobachtet ha-
ben. Da wir, wie gesagt, bis jetzt nur ein kurzes Resunie dieser
84 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschiclite
Beobachtungen erhalten haben, das sich auf keinerlei Erörterungen
einlässt, so ist es schwer, über den Werlh derselben ein ürtheil ab-
zugeben. Aber keinenfalls wird der Verf. erwarten können, dass man
seinen Angaben in ihrer gegenwärtigen Form Beachtung und Glau-
ben schenkt. Erfährt man doch nicht einmal, auf welche Weise sich
Verf. gegen alle die zahllosen Möglichkeiten einer Täuschung ge-
sichert hat. Er berichtet von seinen Untersuchungen , als wenn die-
selben irgend einen Gegenstand der täglichen Erfahrungen beträfen^
als wenn die Resultate, die er uns vorlegt, überhaupt nicht anders
zu erwarten seien. Er lässt nicht ein Mal den Leser ahnen , dass er
die Schwierigkeiten seiner Untersuchungen kennt und den Boden, auf
dem sich dieselben bewegen, nach allen Seiten hin sondirt hat.
An diese Beobachtungen von Reissek schliessen sich
die Angaben von Dr. Gros an, der freilich nicht eigentlich
die Urerzeugung im gewöhnlichen Sinne des Wortes vertritt,
uns aber mit einer Theorie „de l'embryogenie ascendante" be-
schenkt hat (Bullet, de la Soc. de Mose. 1851. I. p. 283 und
429, Ann. des sc. nat. 1851. T. XVII. p. 193), die der Ur-
erzeugung in mancher Beziehung verwandt ist.
Verf. geht von der Behauptung aus , dass es weder in syste-
matischer, noch auch biologischer Hinsicht eine durchgreifende Ver-
schiedenheit zwischen den einzelnen Formen der niederen Organis-
men gebe; er nimmt an, dass dieselben auf das Bunteste in einan-
der übergingen. Unterschiede zwischen Thier und Pflanze werden
natürlich eben so wenig zugegeben; Verf. lässt beide aus demselben
organischen Bildungsstoffe („protocellule") unter der Einwirkung ver-
schiedener äusseren Agentien hervorgehen; er säet, wie er selbst sagt,
Pflanzen und erndtet Thiere oder umgekehrt. Eine Hauptrolle in der
Theorie des Herrn Gros spielen die Euglenen , die sich zunächst
aus einer indifferenten Urzelle entwickeln, auch vielleicht eine Zeit-
lang sich vermehren und dann gelegentlich in die verschiedensten
pflanzlichen und thierischen Bewohner unserer Gewässer übergehen.
„On peut dire avec une certitute mathematique," so sagt
unser Verf. p. 297, „qu'elles sont la matrice commune de presque
toutes les formes d'infusoires connus , de certains vegetaux, des Clo-
steriens, des Diotomiens etc.« An einer andern Stelle ruft der Verf.
sogar mit Emphase: „Donnez moi une Euglena viridis et je peuplerai
un monde!" Nicht einmal die ßäderlhiere sind der Ebenbürtigkeit
ihrer Abstammung sicher; sie sollen gleichfalls gelegentlich eines sol-
chen aequivocen Ursprungs sein , dafür aber auch in ihren direkten
Nachkommen gar oftmals entarten: „ä leur tour , les Rotatoires, outre
les oeufs de leur lignee, se resolvent en Actinophrys, en Paranema
der Proiozoen während der J. 1848—1853. 85
et par suile en Keroniens et Plocsconiens, et par suite cncore, on cn
vcrra sortir des Rotatoires inferieurs , des Nematoides, des Planaires
et des Tardigrades." Natürlicher Weise hat Verf, alle diese schönen
Thatsachon direkt ])eol)achtet, seine Beobachtungen weitläufig beschrie-
ben und zum Theil auch bildlich wiedergegeben, allein wir müssen
darauf verzichten, ihm in dieses Labyrinth von Irrthümern und fal-
schen Interpretationen zu folgen. Wer sich für die beregte Theorie
intcressirt, wird ja ohnedies die Originalabhandlung nicht entbeh-
ren können. Wir wollen nur noch erwähnen, dass Verf. schliesslich
(p. 464) die Fundamentalpunkte seiner Lehre in folgende Sätze zu-
sammenfasst: „La vesicule vegeto-animale se developpe dans deux em-
branchments ascendente. Chaque degre ascendant se perpetue dans
sa forme ou peut se desoudre en des etres collateraux, tendant tou-
jours ä l'ascendance vertuelle , qui se realise par des metamor-
phoses plus ou moins multipliees et jusqu'ä un degre indetermine.
Chaque degre de l'echelle peut ainsi se metamorphoser de toutes pieces
en faveur d'un etre superieur."
Mag- es erlaubt sein , diesen Bemerkungen über die
Gros'sche Theorie noch einig-e Worte über ein Werk an-
zuhängen , das in einer noch viel abschreckenderen Weise
zeigt, wohin eine kritiklose und phantastische Betrachtung
des mikroskopischen Lebens führen kann. Ich meine das
Werk von Laurent, elud. physiol. sur les anim. des infu-
sions veget. compar. aux org. element. des Veget. Vol. L Des
Infusoires; ein Werk, das man schwerlich in das Jahr 1851
verlegen würde, wenn es nicht auf dem Titelblalte bemerkt
wäre.
Es ist schon schlimm, wenn man gewissermaassen zur Entschul-
digung des Verf. hervorheben muss, dass ihm weder die Werke von
Ehrenberg, noch auch vonDujardin, geschweige denn die übri-
gen neueren Arbeiten über Infusorien bekannt geworden zu sein
scheinen, aber doch noch schlimmer, wenn man sich überzeugt, dass
unser Verf. nicht einmal im Stande ist, Quarzkörner zu erkennen und
von Infusorien zu unterscheiden (Tab. XVIII). Unter solchen Um-
ständen ist es denn kaum zu verwundern, wenn uns in diesem Werke
mit der grossesten Naivetät die wunderbarsten Sachen erzählt werden,
als ob sich das Alles so von selbst verstände. So lässt der Verf.
u. a. durch Aneinanderreihen lebendiger Infusorien das schönste Pflan-
zengewebe entstehen. Die Theilung der Infusorien (die ohne Unter-
scheidung irgend welcher Arten bunt durch einander gewürfelt wer-
den) ist demselben eine Begattung, bei der das eine (männliche) In-
dividuum seine Keime in das Innere des andern (weiblichen) über-
86 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
trägt. Dieses ernährt dieselben eine Zeitlang, und spielt schliesslich
entweder seinerseits die Holle eines Männchens bei einem anderen
Thiere oder gebiert die Kieme (Zerfliessen , Ausschwitzen von Sarko-
delröplchen u. s. w.). Auch die Keime begalten sich im Innern
ihres Mutterthieres, ja sogar die Keime der Keime! ! Will man nach
dieser Probe noch mehr hören, so genügt vielleicht die Bemerkung,
dass die Strahlen der contractilen Blase bei Paramaecium, nach den
Beobachtungen unseres Verf., junge und gestitltc Vorticellen sind,
die bald entstehen, bald wieder verschwinden u. s. w.
1. Infusoria»
Von selbstständigen Werken über Infusorien erwähnen
wir zunächst die zweite Auflage von Pritchard, Infusorial
animalcules, living and fossil. London, einem Werke, das
sich bekanntlich sehr eng an die Autoriiät Ehren b er g's
anschliesst und wie es scheint — Ref. kennt diese Auflage
nicht aus eigener Anschauung — von (}en neueren, seither
gemachten Entdeckungen über Bau und Entwickelung der
Infusorien nur wenig oder gar keine Notiz nimmt.
P e r t y , zur Kenntniss kleinster Lebensformen, nach Bau,
Function, Systematik; mit Specialverzeichniss der in der Schweiz
beobachteten. Bern 1852.
Ein Werk , welches durchweg auf eigener, fleissiger Beobach-
tung beruht und von seinem Verf. mit augenscheinlicher Vorliebe aus-
gearbeitet ist. Nur wäre zu wünschen gewesen, dass Verf., anstatt
das Material allzusehr zu häufen, es im Einzelnen vollständiger er-
schöpft und ausgebeutet hätte. Nichts desto weniger enthält das-
selbe zahlreiche sehr beachtenswcrthe Angaben. Die kleinsten Lebens-
formen, die Verf. hier behandelt, sind übrigens nicht bloss die Infuso-
rien und Rhizopoden — die Perty zu einem Subregnum : Archezoa
vereinigt — , sondern auch die Räderthiere (vgl. Bd. XX. Th. II. S. 357)
und in einem Anhange sogar die Diatomeen und Desmidiaceen (Mi-
crophyta Perty). Der systematische Theil des Werkes wird weiter
unten angezogen werden; in Bezug auf den anatomisch -physiologi-
schen Inhalt desselben mag hier nur so viel hervorgehoben sein, dass
Perty durch seine Untersuchungen eine neue Bestätigung der jetzt
so ziemlich allgemein verbreiteten Ansichten von dem einfachen Bau
der Infusorien geliefert hat. Die Fortpflanzung der Infusorien ge-
schieht, nach unserem Verf., durch Theilung und durch Keimkörner
(Blastien) , die in verschiedener Anzahl im Innern des Körpers
der Protozoen während der J. 1848—1853. 87
entstehen und nach Aussen abgelegt werden. Die Bildung eines
Schwärmsprösslings wurde niemals beobachtet, doch gicbt Verf. die
Möglichkeit zu, dass die Blastien gelegentlich auch schon im mütter-
lichen Körper ausschlüpften. Dass übrigens die sog. Blastien wirklich
die vom Verf. angenommene Bedeutung besitzen, ist keineswegs be-
wiesen, wie es denn überhaupt den Anschein hat, als ob unter jenem
Kamen gar verschiedenartige Körperchen zusammengefasst seien. In
manchen Fällen mögen dieselben immerhin wirklich die Anfänge ei-
nes Schwärmsprösslings gewesen sein. Das allgemeine Vorkommen
des sog. Kerns wird vom Verf. in Abrede gestellt.
Der von Rymer Jones verfasste Artikel Polygastrica
in Todd's Cyclop. of Anatomy and i^hysiology T. IV. ent-
hält kaum mehr, als einen mageren Auszug aus E h r e n b e r g's
berühmtem Infusoricnvverke.
Als sehr bedeutungsvoll und wichtig für die Lehre von
den Infusorien haben wir dagegen die Untersuchungen von
Fr. Stein hervorzuheben, die Iheils in diesem Arch. (1849.
I. S. 92), iheils in der Zeitschrift für wiss. Zool. (111. S.475)
niedergelegt sind und mit zahlreichen anderen Beobachtungen
seither auch in Form eines selbstständigen Werkes, das wir
im nächsten J. B. als eine der wichtigsten Quellen für die In-
fusorienkunde kennen lernen werden, herausgegeben wurde.
Der Verf. beschäftigt sich in diesen Untersuchungen zunächst und
vorzugsweise mit der Vorticella microstoma Ehbg. Die MundöCfnung
dieses Thieres führt in eine flimmernde, weite und längliche Mund-
höhle, die fast bis in die Mitte des Körpers hinabreicht und zur Bil-
dung der Speiseballen dient. Aus der Mundhöhle gelangt der Ballen in
einen engen und kanalartigen Gang (Darmkanall und durch diesen in die
mit einer homogenen, farblosen und weichen Substanz erfüllte Leibes-
höhle. Kern und contraclile Blase, an der St. aber niemals eine umschlies-
sende Membran erkennen konnte, bilden mit den ebenerwähnlen Theilen
den ganzen Organismus unserer Thiere. (Nach der Darstellung von
Stein könnte man leicht schliessen, dass der Darm an seinem hinte-
ren Ende mit einer freien Oeffnung in eine weite Höhle, eine Art Lei-
beshöhle, ausmünde, indessen möchte Ref. in dieser Hinsicht hervorhe-
ben, dass er namentlich auch bei einer schönen Epistylisart von colos-
saler Grösse, die hier um Giessen nicht selten ist und den vonStein
beschriebenen Darm auf das Deutlichste erkennen lässt, sich vergeb-
lich von einem solchen Verhältnisse zu überzeugen gesucht hat. Der
Darm hat eben so wenig eine eigene Wand, als die Leibeshöhle
eine scharfe Begrenzung j er ist Ref. immer nur als eine kanalartige
88
Leuckart; Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
ere
ic
Lücke erschienen, die sich als Fortsetzung der Mundhöhle durch
die festere Rindenschicht des Körpers hindurchzieht und in der wei-
chen Medullarsubstanz allmählich aufhört. Eine eigentliche Leibes-
höhle, wie sie den übrigen Thieren zukommt, muss Ref. den Infuso-
rien und den Protozoen überhaupt absprechen, obgleich auch and
Beobachter, wie wir später sehen werden, in ähnlicher Weise, w
Stein, die Existenz einer solchen Bildung annehmen.)
Doch was hier über die Organisation der Infusorien und zu-
nächst der Vorticellen gesagt ist, bildet gewissermaassen nur ein Ne-
benprodukt der St ei n'schen Untersuchungen, die vorzugsweise auf die
Fortpflanzungsvorgänge gerichtet sind. (Wir legen bei unserem Refe-
rate die spätem Beobachtungen in der Zeitschr. für wiss. ZooL, durch
welche die früheren Angaben mehrfach berichtigt und ergänzt sind, zu
Grunde.) Sie haben in Bezug auf diese ausser Zweifel gestellt, dass
sich die Vorticellen nicht bloss durch Längstheilung und Knospenbii-
dung , die sorgfältig beschrieben werden , sondern auch , wie wir
schon oben andeuteten, durch Production beweglicher Embryonen im
Innern des Körperparenchymes fortpflanzen. Dieser letzteren Fort-
pflanzung geht eine Einkapselung voraus. Die Vorticellen ziehen
sich, meist nach vorhergegangener Abtrennung von ihrem Stiele, zu
einem kugligen Haufen zusammen, umgeben sich mit einer festen Hülle
und verwandeln sich dann unter dieser in eine homogene Masse, die
nur noch Kern und contractile Blase erkennen lässt. Von da an ge-
hen die Fortpflanzungserscheinungen unserer Thiere, nach der Dar-
stellung unseres Verf., in zweierlei Richtungen aus einander. Die
einen dieser Cysten behalten ihre ursprüngliche Form und verändern
sich nur in sofern, als der Kern im Innern nach einiger Zeit in eine
Anzahl scheibenförmiger Körperchen zerfällt, von denen sich sodann
ein jedes auf Kosten des umgebenden Parenchyms in einen monaden-
artigen Embryo verwandelt. Was aus diesen Embryonen wird, hat
noch nicht beobachtet werden können, obgleich St. das Ausschlüpfen
derselben nach Ruptur der Cystenwand mehrfach zur Anschauung brachte.
Ganz andere Veränderungen sollen nun aber mit den übrigen Cysten
vor sich gehen. Verf. beschreibt, wie dieselben ihre frühere Form ver-
lieren, wie sie unter Verdünnung der Cystenwand einige lange, faden-
förmige Fortsätze, mitunter auch einen neuen Stiel treiben und sich
auf solche Weise allmählich in Geschöpfe verwandeln, die Ehren-
berg unter dem Namen Acinela , Podophrya , Aclinophrys sol als
selbstständige Infusorienformen beschrieben hat. Die Existenz einer
Mundöß-nung bei diesen Formen wird von St. in Abrede gestellt; er
hat auch niemals gesehen , dass dieselben Nahrungsballen im Innern
einschlössen, glaubt aber, dass eine Nahrungsaufnahme durch Absor-
ption aus dem Wasser stattfinde. (Wir haben seither durch Lach-
mann kennen gelernt — und Ref. kann das vollkommen bestätigen -^,
der rrotozoen während der J. 1848—1853. 89
dass die Nahrungsaufnahme der Acincten darch die slrahlenarligen
Fortsätze des Körpers vermittelt wird.)
Mit dieser Acinctenform ist aber das Leben unserer Vorticellen
noch nicht abgeschlossen. Es entsteht im Innern derselben , unter
Theilnahme des Kernes, (anfangs nahm St. eine förmliche Metamorphose
desselben an) ein rotirender Embryo von ziemlich ansehnlicher Grösse,
der durch Form und Uewimperung am meisten mit einer schwärmen-
den Vorticellc odtr auch einer Trichodina (etwa Tr. grandinclla) über-
einstimmt und nach seiner vollkommenen Entwickelung durch die
Wände des Mutterthieres hindurch das Freie sucht. Dieser Process
d er Embryoncnbildung wiederholt sich mehrfach, während die Schwärm-
sprösslinge, selbst, wie Verf. vermuthet , durch Ansiedelung und Bil-
dung eines Stieles zu der ursprünglichen Vorticellenform zurück-
kehren.
Ganz dieselbe Fortpflanzung durch Vermittlung eines Acineten-
zustandes sucht St. auch bei einer Anzahl anderer Vorticellinen aus
dem Gen. Epistylis und Vaginicola wahrscheinlich zu machen. Bei
letzterer werden die Schwärmsprösslinge schon frühe, vor ihrer vol-
len Entwickelung, aus dem mütterlichen Körper entfernt, um dem-
selben sodann äusserlich, nur von einer dünnen und bruchsackartigen
Hülle bekleidet, noch eine Zeitlang anzuhängen.
Bei einem andern actinetenartigen Thiere von höchst auffallen-
der Bildung, Dendrocomeles paradoxus n. gen., das mitsammt
einigen andern interessanten Infusorien aus der Familie der Vorticel-
linen , die wir weiter unten noch näher kennen lernen werden, auf
den Kiemenblättern von Gammarus pulex schmarotzt, konnte Stein
gleichfalls die Anwesenheit und das Ausschlüpfen eines Schwärmspröss».
lings beobachten. Der letztere hat hier aber eine abweichende Bildung.
Er ist von ovaler oder nierenförmiger Gestalt und an den Bändern
mit einem Flinimersaume versehen, der also in der Längsrichtung des
Körpers verläuft, wie es Stein auch bei den Knospensprösslingen
der oben erwähnten neuen Vorticellinen beobachtet hat.
Das Ilauptresullat der voranstehenden Untersuchungen, die Existenz
besonderer (bei Stentor übrigens schon vor Stein von Eck bar d u. A.
beobachteten) Schwärmsprösslinge bei den Infusorien dürfen wir heute für
vollkommen gesichert ansehen. Es dürfte vielleicht nur wenige Mikro-
skopiker geben, die dasselbe seither nicht bei der einen oder andern
Art beobachtet hätten. (Am leichtesten gelingt dasselbe bei den Aci-
neten.) Aber anders verhält es sich mit der S tein'schen Acineten-
theorie. Ganz abgesehen davon, dass Stein niemals den direkten
Uebergang von Vorticellen in Acinetcn beobachtet hat, sind neuer-
dings einige Thatsachen bekannt geworden , wie wir in einem späte-
ren Berichte sehen werden^ die der Annahme von Stein eben nicht
90 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
gehr günstig sind. Uebrigens ist Stein nicht der Einzige, der einen
Zusammenhang der Acineten mit den \orticellinen behauptet. Auch
Pin e au und Nicolet haben, zum Theil schon vor Stein, Beobach-
tungen behannt gemacht, die, freilich in einer sehr viel weniger
Idaren und ansprechenden Weise, auf ein derartiges Yerhältniss hinzu,
deuten schienen.
Pineau hält (Ann. des sc. natur. 1845. T. III. p. 182, T. IV.
p. 103, T. IX. p. 99) die Acineten für die Jugendzustände der Vorti-
cellen, hat auch die Entwickelung der letztern beobachtet, behauptet
aber weiter, dass dieselben sich schliesslich in Oxytrichinen (nach
den Abbildungen Stylonychien) verwandelten; eine Angabe, die son-
der Zweifel aus einer Verwechselung der Vorticellencysten mit ein-
gekapselten Stylonychien hervorgegangen ist.
Weit verworrener und phantastischer sind die Angaben von
Nie Ol et (Cpt. rend. 1848. p. 119), nach denen sich die Keime eines
grossen im Innern von Actinophrys sol beobachteten Ovariums nach
der Auflösung des Multerthleres in Halteria (Trichodina) grandinella
verwandeln sollen. Dieselben Keime sollen sich übrigens gelegentlich
auch im Leibe eines Uäderthieres entwickeln (!). Durch Auswachsen
der Halteria soll dann schliesslich wieder ein Achinophrys entstehen.
Ziemlich gleichzeitig mit den ersten Untersuchungen von
Stein erhielten wir auch von anderer Seite zwei Abhand-
lungen über den inneren Bau einiger Infusorienformen, die
sich lieslätigend und ergänzend an jene Arbeiten anreihen.
Die eine dieser Abhandlungen ist eine Dissertation von
Frantzius, Analecla ad Ophrydii versatilis historiam natu-
ralem. Yratislav. 1849.
Zunächst weist unser Verf. nach, dass dieses hübsche Thierchen
nicht ganz genau und richtig von Ehrenberg charaiaerisirt sei und
in jeder Beziehung an die liildung der Vorticellinen sich anschliesse.
Sodann schildert Verf. die Theilung und das Schwärmen des Theil-
sprösslings, so wie den innern Bau unserer Geschöpfe. Eine beson-
dere Berücksichtigung findet namentlich der Verdauungsapparat, der
hier, wie bei Paramaecium, auf Mund, After und Oesophagus (Mund-
höhle St. ) beschränkt ist. Der Darmkanal wurde als solcher nicht
erkannt, doch giebt Verf. an, dass die Bissen beim Niederschlucken
beständig in derselben Richtung hinabstiegen. Die rotirende Bewe-
gung des Bissens im Innern wird durch genaue Beobachtungen aus-
ser Zweifel gestellt.
Die zweite der erwähnten Arbeiten ist von KöUiker
(Zeitschrift für wiss. Zool. I. S. 198) und handelt über das
der Protozoen während der J. 1848—1853. 91
Sonnenlhierchen , Aclinophrys (sol oder vielmehr A. Eich-
horni).
Der Körper dieses Thierchens ist von höchst einfacher Bildung. Er
besteht durchgehends aus einer homogenen Substanz, mit Körnchen und
Vacuolen , die nur im Centrum etwas dunkler und körnerreicher ist,
ohne desshalb aber eine verschiedene Textur zu bieten. ]\ucleus und
contractile Blase konnten von K. nicht aufgefunden werden, obgleich die
letztere nach neueren Untersuchungen, die wir im nächsten J. B. zu er-
wähnen haben, wirklich vorhanden ist. Mund und After fehlen, wenig-
stens als bleibende Gebilde. Nichts desto weniger beobachtete K.
auf das Entschiedenste, wie unser Thier (und dadurch unterscheidet
es sich allerdings sehr auffallend von den übrigen Acinetenformen,
denen Stein dasselbe zurechnet, während Kölliker geneigt ist,
unser Thierchen als einen Rhizopoden anzusehen) ganz nach Art der
übrigen Infusorien, feste Nahrungsmittel in den Körper aufnimmt. Es
geschieht das dadurch , dass sich die Nahrungsstoffe an irgend einer
Stelle in die Körpersubstanz hineindrücken, bis diese über ihnen zu-
sammenfliesst und sie damit in das Innere des Leibes einschliesst. Auf
ähnliche Weise geschieht die Entleerung der Fäces durch Ruptur der
Rindenschicht an irgend einem beliebigen Orte. Ueber die Fortpflan-
zung konnte K. Nichts eruircn , dagegen aber machte er die sonder-
bare Beobachtung, dass nicht selten zwei Anfangs getrennte In»lividuen
durch stetige Annäherung schliesslich zu einer vollkommen einfachen
Masse zusammenflössen. Gleiches beobachtete auch Stein bei Po-
dophrya fixa (dieses Arch. a. a. 0. S. 147), Sie bold (Zeitschrift für
wiss. Zool. III. S. 65), Cohn (ebendas. S. 66) und Referent (vgl.
Anat. und Phys. S. 689) bei Actinophrys. Ref. konnte sich in einem
Falle sogar von der Copulation dreier Individuen überzeugen. Ueber
die Bedeutung dieser Erscheinung hat sich bis jetzt noch nichts Be-
stimmtes feststellen lassen, doch ist v. Siebold geneigt, dieselbe mit
der Fortpflanzung in eine Beziehung zu bringen.
Nächst Stein ist es unstreitig Cohn, der durch seine
Untersuchungen in den letzten Jahren unsere Kenntniss über
Bau und Lebensverh>il(nisse der Infusorien am meisten ge-
fördert hat. Wir erwähnen von diesen Untersuchungen zu-
nächst den trefflichen Aufsalz über die Anatomie und Ent-
wickelungsgeschichle von Loxodes bursaria in der Zeitschr.
für wiss. Zool. III. S. 260.
Der Körper dieses Thierchens besteht aus einer starren Rindenschicht
und einer mehr flüssigen Masse im Innern, die eine förmliche Leibes-
höhle ausfüllen soll und durch ihre gleichmässigen Rotationen den
zuerst von Fockc beschriebenen Kreislauf hervorruft. Die Nah-
92 Leiickart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
rungsstoffe, die durch einen flimmernden Schlund (Mundhöhle St.) auf-
genommen werden , gelangen unmittelbar in die Strömung des Kör-
pcrinhaltes ; an die Existenz eines geschlossenen Darmes kann nicht
im Geringsten gedacht werden. Zu gewissen Zeilen bilden sich im
Innern des Körpers, wie gleichfalls früher schon von Pocke beob-
achtet wurde, aber wahrscheinlich (nach Verf.) ohne Theilnahme des
Wucleus, einige kugelförmige Keime, die in einer deutlich begrenzten
Höhle liegen und durch eine Lücke der Rindenschicht nach Aussen
hervortreten. Die neugeborenen Jungen sind von den Eltern verschie-
den ; sie würden ihrem Aussehen nach zu dem Gen. Cyclidina Ehbg.
(Enchelys-Duj.) gestellt werden müssen.
In einem zweiten Aufsalze (Ebendas. IV. S. 253) theilt
uns Colin seine Beobachlungen über den Encyslirungspro-
cess den Infusorien mit, denen er viele äusserst lehrreiche
Bemerkungen über Panzer und Gehäusebildung bei Protozoen
und den niedern Thieren überhaupt vorausschickt.
Nach diesen Untersuchungen kann es keinem Zweifel mehr un-
terliegen, dass dieser Process in der Classe der Infusorien sehr weit
verbreitet ist und in den verschiedensten Familien derselben statt-
findet. C. beobachtete denselben nicht bloss, wie Stein, bei den
Vorticellen , sondern auch (unter den Ciliaten) bei Trachelocera Olor,
Trachelius ovum, Chilodon uncinatus, Prorodon teres, Holophrya ovum,
so wie später (Zeitschrift f. w. Z. V. S. 434) bei Amphileptus fa-
sciola, denen Auerbach (Ebendas. S. 430) auch noch die Oxytricha
Pellionella hinzufügte. Bei Chilodon und Prorodon wurden meist
zwei Individuen in derselben Cyste angetrofl'en, und zwar, wie sich bei
Prorodon zeigte, in Folge einer Theilung unter der Cystenhülle. In
manchen Fällen dauert die Einkapselung nur kurze Zeit, und das
Ihier bricht dann wieder in unveränderter Form nach Aussen hervor.
Wo dieselbe längere Zeil anhält, da kommt es nicht bloss zur Un-
terbrechung der meisten Lebensthätigkeiten, sondern auch zum Ver-
schwinden der meisten Organisationsverhältnisse, indem das einge-
schlossene Thier sich in eine einförmige Masse auflöst. Die physio-
logische Bedeutung der Encyslirung scheint eine doppelle zu sein. Sie
dient einmal, wie nametlich auch aus den Beobachtungen von Stein
hervorgeht, zur Einleitung der endogenen Keinibildung (freilich ist
sie dazu nicht nothwendig, wie Loxodes bursaria beweist), sodann aber
auch sehr häufig nur als Schutz gegen äussere schädliche Einflüsse,
namentlich gegen Austrocknung. (Auch durch Absperren in kleinen
Räumen, in den tellerförmigen Vertiefungen der übjeclträger , also
wohl durch Entziehen des Sauerstofl's, kann man Vorticellen u. a. In-
fusorien, wie Ref. beobachtete, schnell zum Einkapseln bringen.)
der Piotozoen während d. J. 1848—1853. 93
Eine drille Arbeit von Colin (Zeilschrift u. s. w. V.
S. 420) handelt über die Cuticula der Infusorien.
Es gelang Verf. diese Cuticula bei Loxodes bursaria und Para-
macciuni Aurelia durch I3etupfen mit Alkohol isolirt darzustellen und als
eine structurlose , ihrer chemischen Zusammensetzung nach von den
Froieinsubstanzen verschiedene Haut zu erkennen. Auf dieser Haut
verlaufen nach zweien Richtungen hin spiralig um die Längsachse
herumgewundene Linien. Die stäbchenförmigen Körperchen, die 0.
Schmidt (Froriep's N. N. 1849. Bd. IX. S. 6) bei Paramaecium und
Bursaria aufgefunden hat, konnte Verf. nicht nachweisen; er glaubt an
eine Verwechselung mit den eben erwähnten Linien.
J. Haime, Observations sur les melaniorphoses et sur
l'organisalion de la Trichode lynceus in den Annal. des scienc.
nalur. 1853. T. XIX. p. 109.
Nach den Beobachtungen des Verf. bildet Trichoda (Oxytricha)
gibba zu gewissen Zeiten rundliche Kapseln, aus denen ein Infuso-
rium hervorschlüpft, das sich allmählich in Tr. lynceus verwandelt.
Die Bildung dieser letztern geschieht übrigens nur aus einem Iheile des
Inhaltes in der Kapsel ; ein anderer Theil bleibt unverbraucht in derselben
zurück. Der Nutritionsapparat voii Trichoda besteht aus einer weiten
mit viscöser Flüssigkeit gefüllten Leibeshöhle, die durch eine MundöfF-
nung und einen After nach Aussen führt. Kern und contractile Blase,
die beide als Zellen bezeichnet werden, sind auf der Grenze von Kör-
perwand und Leibeshöhle angebracht.
Ganz anders und abweichend von allen neueren Unter-
suchung-en über den Bau der Infusorien lauten die Angaben,
diePouchet über die Organisation dieser Thiere macht. Cpt.
rend. XXVII. p. 516. und XXVIU. p. 82.
In Betreff des Verdauungsapparates trittPouchet auf die Seite
von Ehrenberg. Er behauptet sogar, dass die Zahl der Magensäcke
bei den Arten genau bestimmt sei , will auch die Wandungen deut-
lich unterschieden haben und erklärt die rotirende Bewegung dersel-
ben für eine optische Täuschung. Die contractilen Blasen werden als
Herze in Anspruch genommen (Cpt. rend. XXVllI. p. 516). Die Fort-
pflanzung der Infusorien geschieht durch Eier, bald ohne Metamor-
phose (Kerone, Vorticella), bald mit einer solchen, wie bei Kolpoda
cucullus, deren Jugendzustand als Glaucoma scintillans beschrieben ist.
Im Innern der Eier soll sich bereits vor dem Ausschlüpfen die con-
tractile Blase der Jungen unterscheiden lassen. Welche Beweiskraft
übrigens den Angaben des Verf. beizulegen sei, geht, nach Ansicht
des Ref., zur Genüge aus dem Umstände hervor, dass derselbe die
94 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Mundhöhle der Vorticellinen als ein neu entdecktes sehr eigenthüm-
liches Respirationsorgan in Anspruch nimmt.
Arlidge publicirt Beobachtungen, die auf die Bildung
eines Schwärmsprösslings bei Trichodina pediculus hinzu-
deuten scheinen, aber zu aphoristisch und unvollständig sind,
als dass man ihnen ein grösseres Gewicht beilegen könnte.
(Ann. nat. bist. 1849. T. IV. p. 269. Frorieps T. Ber. Zool. I.
S. 84).
Cohn überzeugt sich (und Ref. kann dasselbe vollkom-
nnen bestätigen), dass der verzweigte Darmkanal, den Ehren-
berg bei Trachelius ovum beschreibt, sich auf strangförmige
Filamente zurückführen lässt, die von der festeren Rinden-
schicht abgehn und durch die flüssige, wasserhelle Medullar-
substanz in verschiedener Richtung hindurch gespannt sind.
Die lichten Punkte in der Rindenschicht werden als contractile
Bläschen erkannt, die hier also in einer sehr ansehnlichen
Menge vorkommen. Zeitschrift für wiss. Zool. IV. S. 266.
(Sehr übereinstimmende Beobachtungen auch bei Perty an
versch. Stellen seines oben citirten W^erkes.) Ueber die
Quertheilung von Trachelius ovum vergl. W eisse, Bull. Ac.
St. Petersbg. 1850. p. 301.
0. Schmidt glaubt sich bei Bursaria leucas davon
überzeugt zu haben, dass die contractile Blase eine constante
Mündung nach Aussen hat, durch welche dieselbe abwech-
selnd Wasser ein- und austreibt. Seh. betrachtet dieses Ge-
bilde demnach als ein Respirationsorgan. Frorieps N. N.
1849. Bd. IX. S. 6.
Zu einer sehr ähnlichen Ansicht kommt Rood (Sillm.
Journ. 1853. Vol. XV. p.70) durch seine Untersuchungen an
Paramaecium Aurelia. Er behauptet, dass die contractile Blase,
die er von einer besondern Membran ausgekleidet sein lässt,
durch eine kleine OefFnung nach Aussen führe. Der Inhalt
dieser conlractilen Blase sei Wasser, das durch die radiä-
ren , bekanntlich gleichfalls contractilen Gefässe zugeführt
werde und aus der Mundhöhle stamme , mit der diese Ge-
fässe, wie er in einigen Fällen zweifellos beobachtet habe,
direkt zusammen hingen.
Czermak untersucht (Zeitschrift für wiss. Zool. IV.
der Protozoen während der J. 1848—1853. 95
S. 438) die Mechanik des Vorticellenstieles und kommt zu dem
gewiss sehr richtigen Resullate, dass zwischen dem fadenför-
migen Sirange im Innern und der Scheide des Stieles ein
antagonistisches Wechselverhältniss stattfinde. Der erstere ist
contractu, ohne jedoch einen eigentliclien Muskel vorzustel-
len (? Ref.), die nndcre elastisch; der erste vermittelt die Zu-
sammenziehung, deren Spiralwindtingen durch die excentrische
Lage des Stranges erklärt werden , der andere die Ausdeh-
nung. (Ein Vergleich mit der elektrischen Drahtspirale scheint
Ref. übrigens aus physikalischen Gründen^ die nicht hieher
gehören, unhaltbar.)
V. Siebold beschreibt den hinteren Wimperkranz von
Trichodina als eine undulirende Membran (Zeitschrift f. wiss.
Zool. II. S. 360), doch gewiss mit Unrecht, da es Berg-
mann und Leuckart (a. a. 0. S. 288) gelang, die ein-
zelnen Cilien desselben deutlich zu erkennen und an densel-
ben das Phänomen der Räderbewegung zu analysiren.
Anhangsweise dürfen wir hier, bei den Infusorien, auch
wohl das Gen. Noctiluca erwähnen, das früher den Medusen
zugerechnet wurde (vgl. Bd. XX. Th. II. 8.454}, aber sonder
Zweifel den Protozoen und zwar entweder den Infusorien oder
den Rhizopoden zugehört^ obwohl es sich von beiden in ei-
niger Beziehung unterscheidet. Unsere Kenntnisse über den
Bau dieses Thieres (N. scintillans) sind besonders durch
Quatrefages (Ann. des sc, natur. 1850. T. XIV. p. 326,
auszugsweise auch in Froriep's T. B. Zool. II. S. 233), Busch
(Beobachtungen u. s. w. S. 101) und Krohn (dieses Arch.
1852. S. 77) gefördert worden.
Das auffallendste Merkmal unseres Thierchens besteht in der
Bildung des Bewegungsapparates , der einen ansehnlichen fadenför-
migen Anhang von eigenthümlichem quergestreiften Aussehen dar-
stellt. An der Hasis dieses Bewegungsorganes befindet sich eine deut-
liche Mundöffnung, nach den Beobachtungen von Krohn auch noch
ein feiner geisseiförmiger Wimperfaden, der zeitweise plötzlich her-
vorschnellt und wohl zur Erregung eines Wasserwirbels vor dem
Munde dienen dürfte. Verdauungsapparate oder sonstige Organe im
Innern des Thieres fehlen. Man unterscheidet in der Hyalinsubstanz des
Körpers nur ein eigenthümliches Maschengewebe von fadenförmig ver-
ästelten Sarkodesträngen, die (nach Krohn) von einem kernartigen,
96 Leuckart: Bericht üb, d. Leistungen in d. Katurgeschichte
hinler dem Hilus gelegenen Gebilde ausstrahlen und an die äussern
deutlich abgesetzten Körperbedeckungen sich befestigen. Die Fort-
pflanzung der Woctilucen ist nur unvollkommen beobachtet; sie scheint
eben so wohl durch eine Theilung , als auch (nach Busch) durch
Keinikörner, die sich im Innern bilden und schon frühe, noch vorder
EntWickelung des Cirrus, nach Aussen abgesetzt werden, vermittelt
zu sein.
Ob die von Huxley untersuchten gallertartigen Ballen von
ziemlich ansehnlicher Grösse, die in Menge auf den verschieden-
sten Meere herumtreiben (Thalassicolla Wuxl.) sich wirklich, wie die-
ser Forscher will, zunächst an Koctiluca anschliessen und den Ueber-
gang zu den Spongien vermitteln, dürfte wohl noch der Bestätigung
durch fernere Beobachtungen bedürfen. Ref. gesteht offen, dass diese
Gebilde für ihn von sehr problematischer Katur sind, und dass ihm die
ihierische Natur derselben noch keineswegs erwiesen scheint. Die eine
der beobachteten Formen gleicht allerdings, wie H u x 1 e y sie dargestellt
hat, einer colossalen Kocticula von einfacher sphärischer Gestalt, aber die
andere (Th. punctata) macht auf Uef. mehr den Eindruck einer Pflanze,
als den eines Thieres. Huxley beschreibt dieselbe als einen kugli-
gen Körper mit dicker gallertartiger Rindenschicht und einem aus Zel-
len, Yacuolen, Cystallen in verschiedener Weise zusammengesetzten
Inhalt. Er ist geneigt, diese letztere Form als eine Art Keimkapsel,
die Ih. nucleata als den freigewordenen und ausgewachsenen Keim
zu betrachten. (So eben erhalten wir auch von J. Müller eine Be-
schreibung dieser sonderbaren Wesen, Monatsber. der Berl. Akademie
1855. S. 229, nach der unsere Bedenken über die Natur derselben
vollkommen gerechtfertigt erscheinen. Wir werden in einem spätem
ß. auf M's. Untersuchungen zurückkommen und erwähnen hier nur,
dass die betreffenden Geschöpfe schon von Meyen unter dem Namen
Sphaerozoum beschrieben sind.) Yergl. Huxley, Ann. nat. bist. 1851.
Vol. VIII. p. 433.
Die alte Ansicht , dass die Gruppe der Infusorien vor^
zugsweise aus Larven anderer , höherer Geschöpfe , beson-
ders Würmer, besiehe, hat in den neueren Erfahrungen über
Bau und Fortpflanzung derselben beo^reiflicher Weise keine
Stütze finden können Nichts desto weniger ist sie hier und
da von Neuem aufgetaucht und liat namentlich in Agassi z
(Silliman's Amer. Journ. 1850. T. IX. p.372) einen gewichtigen
Vertreter gefunden. Agassiz will auf das Bestimmteste
gesehen haben , dass aus den Eiern gewisser Strudelwürmer
paramaeciumartige Infusorien hervorgeschlüpft seien. Uebri-
gens dehnt Ag. seine Behauptung nicht auf alle Infusorien
der Protozoen während der J. 1848—1853. 97
aus. Die Vorticellinen werden von demselben als selbslslän-
dige Gescliöpfe belrachlet und den Bryozoen angereiht. Auch
Diesing erklärt (Silzungsber. der Wiener Akad. 1848.
Heft 5. S. 17 und Systema heim. I. p. 3) die Vorticellinen für
Bryozoen (Br. anopisthia) und möchte die übrigen Ehrcn-
berffischen Infusorien — mit Ausschluss der Diotomeen und
Desmidiaceen, die Verf. den Spongien anreiht, weil er zwi-
schen den Spiculae derselben und den Bacillarien u. s. w.
eine grosse Uebereinslimmung findet (!), als Würmer betrach-
tet wissen. 0. Schmidt bringt (Lehrbuch der Zoologie S. 73)
gleichfalls die Infusorien und die Protozoen überhaupt zu
den Würmern, zu denen manche Infusorienformen auch wirk-
lich durch die Strudelwürmer eine unverkennbare Beziehung
haben.
Perty stellt in dem oben angeführten Werke (S. 137 ff.) ein
neues von den früheren sehr abweichendes System der Infusorien
auf. Er unterscheidet zunächst Infusorien mit schwingenden "Wim-
pern und solche mit nicht schwingenden, wenig contraclilen Wimpern
(die Actinophryiden, deren Anhänge sich übrigens unmöglich als
„Wimpern" bezeichnen und mit den Cilien der übrigen Infusorien ver-
gleichen lassen). In der ersten Section werden 3 Gruppen angenom-
men : 1) Spastica mit den Familien der Yaginiferen , Vorticellinen,
Ophrydinen und Urceolarinen ; 2) Monima mit den Bursarinen, Para-
maecinen und zahlreichen andern, zum Theil neuen Familien und 3)
Metabolica mit den Ophryocercinen. Ref. muss jedoch bemerken,
dass seinem Erachten nach sich gar Manches gegen dieses System
und die einzelnen darin geschaffenen Gruppen einwenden lässt. Ebenso,
glaubt er , wird im Laufe der Zeit von den sehr zahlreichen vom
Verf. neu aufgestellten Arten gar manche wieder eingehen müssen.
Jedenfalls ist es heut zu Tage ein eben so häkliches als undankba-
res Geschäft, neue Infusorienarten und Genera zu creiren, besonders
wenn die Erfahrungen darüber so aphoristisch und so wenig erschöpfend
sind, wie das in der That bei vielen der Perty'schen Arten der Fall
ist. Im Ganzen zählt Perty etwa 180 Schweizerische Arten auf,
von denen 49 , also mehr als ein Viertel , neu sind. Diese neuen
Arten tragen folgende Benennungen : Vaginicola grandis , Colhurnia
floscularia, Scyphidia patula , Epistylis hranchiophila, Spiroslomum sc-
tnivirescens , Caenomorpha (n. gen.) medusula^ Lembadion (n.
gen.) duiiusculum , Ophryoglena griseoviretis ^ Oph. Panophnjs , Pano-
phrys conspicua, P. sordida, P. griscola , P. zonalis, P. paramecioides,
Paramaecium griseolum , P. aureolum , Bl ep haris m a (n. gen.) luja^
linum, Bl. persicinum , Colpoda luganensis ^ Cyclogramma (n. gen.)
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. G
98 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
j,ubenSf Chilodoti depressus, Nassula concinna , Prorodon vorax , Ha"
brodon (n. gen.) curvatus , Colobidium (n. gen.) pellucidunif
Apionidiiim (n. gen.) modesluniy Acropist hium (n. gen.) mu labile,
B aconidium (n. gen.) remiganSf Opisthiotri cha (n. gen.) tenue,
Siago ntherium (n. gen.) tenue, M eg atricha (n. gen.) integra,
M. partida^, Trachelius noduUferus, Tr. apiculalus , Tr. pusillus. Pale-
cida costata , Loxodes brevis, Stickotricha (n. gen.) secunda , Mi-
tophora (n. gen.) dubia, Oxytricha protensa , Ox. gallina, Ox. decu-
mana , Ox. fusca , Plagioloma (?) difformis , Opalina tritonis, Coccudina
crystallina , Coleps inermis, Äclinophrys brevicirrhis , Podophrya libera,
Äcineta cylindrica,
Diesing giebt in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie
a. a. 0. eine systematische Uebersicht über die bisher bekannten For-
men derVorticellinen (Bryozoa anophisthia Dies.) und theilt die Ehren-
bergische Familie dieser Thiere in zwei Gruppen , die echten Vor-
ticellen (Aspirostomeae) und die Stentoren (Spirostomeae). Auch
Stein handelt (Zeitschrift für wiss. Zool. III. S. 491) über die sy-
stematische Eintheilung der Vorticellinen , von denen die Stentoren,
und gewiss mit vollem Rechte, ausgeschlossen werden.
Die Infusorienfauna Russlands hat in Weisse und Eichwald
fortdauernd ein Paar fleissige Beobachter gefunden. Der Erstere liefert
ein viertes (Bull. Acad. St. Petersbg. 1848. p. 106) und fünftes (Ibid.
p. 253) Yerzeichniss St. Petersburgischer Infusorien nebst einer über-
sichtlichen Zusammenstellung aller der vom Verf. beobachteten Formen,
auch später noch eine erste (Ibid. 1849. p. 310), zweite (Ibid. 1850.
p. 297) und dritte Nachlese (Ibid. 1851. p. 76) mit Bemerkungen über
die einzelnen Formen. Ebenso der Andere eine zweiten (Bull. Soc.
Mose. 1849. I. p. 400) und dritten (Ibid. 1852. I. p. 388) Nachtrag
zur Infusorienkunde Russlands , über esthische und finnische Formen.
Beide Beobachter folgen in der Umgrenzung der Infusorien dem Eh-
renbergischen Systeme und führen unter diesem Namen neben den
echten Infusorien auch Räderthiere und unzweifelhafte Pflanzen auf.
Die neuen Arten sind theilweise, so weit sie der Gruppe der Räder-
thiere zugehören, schon früher erwähnt worden. Die übrigen hie-
her gehörenden Arten sind folgende: Zoothamnium flavicans und Co-
thurnia pupa, Eichw. Bull. 1849. I. p. 400 ; Vaginicola pedunculata
Eichw. Ibid. 1852. I. p.388, Vagin. gemella Weisse 1. 1. 1848. p. 109,
Cyclidiumlineatum Weisse Ibid. 1851. p. 76, Trickodina (?) volvox und
Oxytricha plicata Eichw. 1. 1. 1852. p. 388.
Weisse liefert auch ein Yerzeichniss der bei Aix in Savoyen
von ihm beobachteten Infusorien 1. 1. 1854. p. 380.
Durch Ehrenberg werden wir mit einigen neuen bei Berlin
beobachteten Infusorien bekannt gemacht (Berl.Monatsber. 1853. S.191) :
der Protozoen während der J. 1848—1853. 99
Bursaria arborum, B. triquetra y Cyclidium arbortim, Trachelius den~
drophilus, Amphileptus sphagni, Ofhnjdium Eichhorni, Paramaecium (?)
slomioptycha, Liosiphon (n. gen.) Slramphii. Die Diagnose des neuen
Gen. Liosiphon e fam. Tracheliorum lautet folgender Maassen : Cor-
pus undique ciliatum, turgidum. Frons ante os prominula, nee au-
riculata. Os in faucein tubulosam membranaceam dentium expertem
abiens.
Stein beschreibt (Zeitschrift für wiss. Zool. III. S. 485) gleich-
falls einige neue zu der Familie der Vorticellinen gehörende, höchst
interessante Thierformen:
Sp irocona (n. gen.) gemmifera n. st^. Der flaschenförmige Leib
von einer starren Haut bedeckt und unbeweglich, am vordem Ende
mit einem spiralig eingerollten Mundtrichter. Lebt als Parasit auf
den Kiemenblättern von Gammarus pulex «nd vermehrt sich ausschliess-
lich durch Knospen, die seitlich hervorkommen. Mitunter tragen schon
die Knospensprösslinge vor ihrer Abtrennung eine neue Knospe.
Lagenophrys n. gen. , gewissermaassen eine ungeslielte
Vorticelle , die mit ihrem Vorderende in der engen Mündung einer
starren Hülse von hügliger Gestalt befestigt ist. Vermehrt sich durch
diagonale Theilung, auch durch Knospenbildung im Innern der Hülse.
Sp. L. vaginicola St. auf den Körperanhängen von Cyclops minutus.
L. ampulla St., auf den Kiemen der Wasserassel und des Flohkrebses,
L. nassa St., auf den Beinen von Gammarus pulex.
Dendrocometes paradoxns n. gen. und n. sp. Leib von
einer starren Haut bekleidet, linsenförmig und mit fünf am Ende ver-
ästelten Armen versehen. Mund fehlt. Auf den Kiemenblättchen von
Gammarus pulex, nach Stein vielleicht als Acinetenform zu Spiro-
cona gehörig. (Ref. , der die mikroskopische Schmarotzerfauna des
Gammarus theilweise schon vor Stein kannte, möchte viel eher eine
Beziehung zu Lagenophrys ampulla vermuthen, wenn dieses sonderbare
Wesen überhaupt einmal als Acinetenform einem der vorhin erwähn-
ten Vorticellinen zugerechnet werden soll.)
Ueber das muddlose Schmarotzergenus Opalina vergl. M. S.
Schnitze, Beitr. zur Naturgesch. der Turbellarien S. 67. Seh. ent-
deckte zwei neue Species , 0. polyniorpha aus Planaria torva und Op.
uncinata aus PI. ulvae , die beide durch einen contractilen Längs-
schlauch, die letztere ausserdem durch zwei harte Haken am vordem
Körperende ausgezeichnet sind. Eine dritte neue Opalina ist 0. li-
neata Seh. aus Nais littoralis, die eine Centralhöhle mit längsgestreif-
ten Wandungen zu umschliessen scheint. Seh. hält die Opalinen
übrigens für keine selbstständigen Thiere, sondern für Ammenzu-
stände anderer Thiere und glaubt die Vorbereitungen zu einer weitern
100 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
EntWickelung in Gestalt eines Keinihörnerhaufens im Innern beobach-
tet zu haben. (Stein erklärt diesen Körnerhaufen neuerdings für
den Nucleus, der in allen Opalinen anzutreffen sei.)
Auch Leidy fand im Darme der nordamerikanischen Enchy-
traeusarten eine Opalina, die er als Leucophrys clavata beschreibt.
Journ. Ac. Phil. II. p. 50. Das contractile Längsgefäss hat L. für eine
Längsreihe isolirter Vacuolen gehalten.
Ein anderes sehr eigenlhümliches Schmarotzerinfusorium Ny-
clotheru s velox n. gen. et n. sp. beobachtete Leidy im Dickdarme
eines nordamerikanischen Julus (Ann. nat. bist. 1850. Vol. V. p. 158).
Er charakterisirt dasselbe folgendermaassen : Body ovate, dilated po-
steriorly, compressed anteriorly, granulated, longitudinally lined, with
an apparent operculum, covering its anterior half, and having a se-
micercle of cilia just within its margin inferiorly and posteriorly.
Centre of the operculated portion furnished with a large trapzeoidal
finely granulär areola. Posterior part of the body with a short fissure
passing inwards and downwards.
Auch Krohn macht (ölüller's Arch. 1851. S. 369) auf einen
infusorienartigen Parasiten aufmerksam, der sich mit Hülfe eines Wim-
perkranzes in der Leibeshöhle von Sipunculus umhertummele und ei-
nen sehr einfachen bläschenförmigen Bau habe.
F'lag^ellata. Die Geschöpfe, die wir unter dem vorstehen-
den Namen zusammenfassen, sind , wie schon oben von uns hervor-
gehoben , zweifelhafter Natur und keineswegs mit Bestimmtheit den
Thieren zuzurechnen. Sie verhalten sich , wie aus dem nachstehen-
den Referate hervorgehen wird, (wenigstens ihrer Mehrzahl nach,
denn manche dieser Formen sind gewiss auch Jugendzuslände von
wirklichen Infusorien) so pflanzenartig, dass es unmöglich scheint, sie
gegen das vegetabilische Ueich abzugrenzen.
Cohn berichtet in einer ausgezeichneten Arbeit (Zeitschrift f.
wiss. Zool. IV. p. 77) über eine neue Gattung aus der Familie der
Volvocinen, S teph ano sp haera plutialis und schildert die Lebens-
geschichte desselben mit beständiger Uücksicht auf die entsprechen-
den Zustände der einzelligen Algen, denen unser Verf. die Volvoci-
nen zufügt. Verf. liefert den Nachweis, dass neben dem schwärmen-
den Zustand auch ein ruhender vorkomme; er schildert die Vorgänge
der Fortpflanzung , die Bildung von grossen und kleinen Schwärm^
Sporen (Macro - und Microgonidien im Sinne der Algologen) und
überzeugt sich schlicslich auch von der Anwesenheit von Chlorophyll,
Amylon und Cellulose.
Zu sehr übereinstimmenden Resultaten führen die Untersuchun«
gen von William so n (Transact. philos. Soc. of Manchester Vol. IX.
und Transact. Micr. Soc. 1853. I. p. 45) und ßusk (Transact. Micr
der Protozoen während der J. 1848—1853. 101
See. I. p. 31) in Bezug auf den Volvox globator. Auch hier wird die
Existenz eines ruhenden Zustandes (zu dem die Form von Volv. au-
reus Ehrbg. hinführt), die Anwesenheit von Amylum und Cellulose-
hüUen, auch hier die völlige Uebereinstinimung in Bau und Entwick-
lung mit den niedern Algen nachgewiesen. Nur Eines ist im hohen
Grade überraschend, die Bestätigung der von Ehrenberg beschrie-
benen conlractilen Räume im Innern der Schwärmsporen (Macrogoni-
den), die wahrscheinlich auch von Cohn bei Stephanosphacra gese-
hen sind. Für eine Pflanze scheint uns allerdings nach unseren heu-
tigen Begriffen eine solche Ausstattung etwas wunderlich ; im Grunde
genommen ist es doch aber kaum mehr, als eine Ortsbewegung, wie
wir sie, ganz nach Art der Thiere, bei den Schwärmsporen antreffen.
(Uebrigens bemerkt Busk, dass solche contractile Vacuolen auch bei
den Sporen unzweifelhafter Pflanzen vorkommen.)
Auch Laurent überzeugt sich (l'Instit. 1848. Wo. 754, 1849.
No. 810, Cpt. rend. de la Soc. biol. 1850. p. 114), dass der Volvox
aureus Ehrenbg. ein V. globator mit ruhenden Zellen ist, fährt aber
nichts desto weniger fort, dieses Geschöpf für ein Thier zu halten.
Die ruhenden Zellen werden für Keimkörner oder vielmehr für Eier
gehalten, aus denen später ein neuer Volvox hervorschlüpfe.
Dass die bekannte Einkapselung auch bei den Euglenen kein
Zeichen des Todes, sondern ein Zustand sei, der .sich einerseits an
die Encyslirung der bewimperten Infusorien, andererseits aber — und
nach der Ansicht des Ref. noch weit mehr — an den ruhenden Zu-
stand der einzelligen Algen anschliesst, kann nicht länger bezweifelt
werden, seitdem wir durch Cohn in seinem interessanten Aufsatze
über die Naturgeschichte des Protococcus pluvialis (Nov. Act. Acad. Caes.
Leopold. Vol. XXIL P. 2. p, 733) und noch ausführlicher durch Perty
(a. a. 0. S. 78) erfahren haben , dass unter der Cystenhülle durch
mehrfach fortgesetzte Theilung des Inhaltes die Neubildung dieser
Geschöpfe vor sich geht.
Cohn hebt mit Recht die vollkommene Uebereinstimmung die-
ser Vorgänge mit der Schwärmsporenbildung bei Protococcus hervor,
erkennt auch sonst in den Euglenen denselben Typus des Baues,
selbst der Bewegungsweise , wie in den Schwärmsporen , hält aber
nichts desto weniger immer noch die Ansicht von der thierischen
Natur derselben fest. Ebenso Weisse, der über die Fortpflanzung
der Euglenen ähnliche Beobachtungen mittheilte (schon auf der Wies-
badener Naturforscherversammlung im Jahre 1852, so wie später Bull.
Ac. St. Petersb. 1854. p. 170), aber nicht einige wenige (2—16) neue
Euglenen, wie Cohn, Perty und auch Ref., sondern zahllose mo-
nadenartige Wesen aus den Cysten hervorkommen sah. Ref. sieht in
diesen Verschiedenheiten einen neuen Beweis für die pflanzliche Na-
tur der Euglenen und möchte dieselben mit den bekannten ßeobach-
102
Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
tungen unserer Algologen über die Production von Macrogonidien und
Älicrogoniden bei gewissen einzelligen Algen vergleichen. (Ref. hat
diese Ansichten auch auf der Wiesbadener IVaturforscherversammlung
bei Gelegenheit des Wei sse'schen Vortrages entwickelt, sich dabei
aber nicht, wie Herr Weisse a. a. 0. angiebt, auf die Beobachtun-
gen von Cohn, sondern zunächst auf die Resultate seiner eigenen
Untersuchungen über die Euglenen bezogen, die im Wesentlichen al-
lerdings mit den Angaben von Cohn übereinstimmten.)
Auf der andern Seite darf Ref. aber auch wohl hervorheben,
dass die Euglenen in neuester Zeit von einigen Botanikern als pflanz-
liche Gebilde in Anspruch genommen werden. Er erwähnt unter den-
selben namentlich Itzigson, der freilich die Euglenen auch nicht
als Schwärmsporen gelten lässt. Bot. Zeitg. 1853, a. v. 0.
Uebrigens bemerkt Cohn (a. a. 0. S. 734), dass auch die be-
wegliche Euglena, ganz wie die Schwärmzelle des Protococcus, sich
in 2, 4 und vielleicht auch in mehr gleichfalls bewegliche Tochterin-
dividuen theilen können.
Weisse liefert eine Abhandlung über die Vermehrungsweise
des Chlorogonium euchlorum Ehrbg. (Dieses Arch. 1848. I. S. 65 und
Bull. Ac. St. Petersbg. 1848. p. 312). Er beobachtete, wie der Kör-
perinhalt dieses Geschöpfes unter der äusseren starren Hülle allmäh-
lich in eine Menge beweglicher kleiner Körperchen zerfiel, die nach
dem Zerbrechen der Hülle hervortraten, und dann genau mit Uvella
bodo Ehrbg. übereinstimmten.
Die Panzermonaden sind, nach den Beobachtungen von Perty,
in der Jugend ohne ihre spätere Hülle und nur von einer weichen
und contractilen durchsichtigen Haut bedeckt. Die Theilung geht
nach Abtrennung von dem Flimmerfaden im Innern des kapselartigen
Gehäuses vor sich (a. a. 0. S. 81). Hieher auch wahrscheinlich die
Angabe von Weisse (Bull. Ac. St. Petersb. 1851. p. 79, oder Fro-
riep's T. B. Zool.II.S. 50), dass Trachelomonas nigricans durch Abwer-
fen des Gehäuses in ölicroglena monadina Ehrbg. übergehe und ge-
wissermaassen als deren Puppe zu betrachten sei.
Cohn macht darauf aufmerkam , dass den Panzermonaden (mit
Ausschluss von Trachelomonas) und Monaden neben dem beweglichen
auch ein ruhender pflanzenartiger Zustand zukomme und knüpft daran
die Vermuthung, dass sich in Folge vielleicht ein grosser Theil die-
ser Gebilde als Schwärmsporen mikroskopischer Wasserpilze ergeben
dürfte. (Zeitschrift für wiss. Zool. IV. S. 275).
Ecker fand in abgestorbenen Lymnaeuseiern grosse Mengen von
kleinen rundlichen Körperchen, die im Innern mit beweglichen Cer-
comonaden erfüllt waren. Er deutet diese Körperchen als parasiti-
sche Eier , deren Furchungskugeln sich einzeln zu einer Cercomo-
der Protozoen während der J. 1848—1853. 103
nade entwickelt hätten, indessen, glaube ich, ist es wohl einfacher
und natürlicher — namentlich auch mit Rücksickt auf die voranste-
henden Beobachtungen von Cohn — dieselben als ruhende und mit
Brut erfüllte Monaden anzusehen. Zeitschrift für wiss. Zool. III.
S. 412.
Burnett untersucht den Bau der Rüsselmonaden, Bodo, und
überzeugt sich, dass der Körper dieser Geschöpfe eine Zelle mit ei-
nem fadenförmigen Fortsatze darstelle. Froc. Bost. Soc. 1851. p. 124.
Perty beobachtete in der Schweiz über 100 hieher gehörende
Formen (a. a. 0. S. 161), gleichfalls mit vielen neuen Arten: Gte^
nodinium alpiiium, Peridhiium planubwi, P. corpusciilum^ P. monadicum,
Cnjptomo7ias polymorpha Cr. (?) dubia, Phacotus (n. gen.) viridis,
Lepocinclis (n. gen.) globulus , Trypcmonas (n. gen.) vohocina,
Tr. cylindrica, Chonemonas (n. g.) Schrankii, Ch. acuminata, Euglena
mucronata, Astasia longißlis, Eulreptia (n. gen.) viridis, Zygoselmis
i7iaequalis , Dinema (n. gen.) piisillum , Heteromilus pusillus , H. exi-
guus, Amphimojias exiguus, T elr amitus {ja. gen.) dcscissus , T. ro-
slralus, Trichomonas balrachorum , Mallomonas (n. gen.) Ploesslii,
Plenromonas (n. gtn.) jaculans, Trepomonas agilis, Spiromonas
(n. gen.) volubilis , Cercomonas intestinalis, C. curvata, C. ranarum,
C. clavata, C. falcula, Monas foliolum , M. irregnlaris, M. succisa, M.
cordata , M. urceolaris , M. excavala , M. botulns , M. farcimen, M.
hilla , Menoidium (n. gen.) pellucidum , Chro malium (n. gen.)
]Yeissii, Ch. violascens, A c ariaeum (n. gen.) crepusculum, Polytoma
ocellatum, P. (Ji} virens, Uvella stigmalica, Synaphia (n.gen.) Dujar-
dinii, GoTiium helveticum, Hirmidium (n. gen.) mane. Für die nähere
Charakteristik dieser Arten muss Ref. hier gleichfalls auf das Original
verweisen, das auch sonst mancherlei interessante Notizen über einzelne
Formen bringt. Auf S. 176 versucht Verf. eine Analyse der Ehren-
berg'schen Monadinen, deren Zahl seither noch durch einige andere
Formen, namentlich die Purpurmonade, Monas prodigiosa Ehrnbg. (Berl.
Monatsber. 1848. S. 359) vermehrt wurde, durch eine Form, deren Vor-
kommen auf allerlei Nahrungsmitteln das längst bekannte und so viel-
fach durch Aberglauben entstellte Phänomen des blutigen Brodes ist (vgl.
Berl. Monatsber. 1848. S. 34 u. 9354; 1849. S. 101, 1850. S.5 und 215).
In naturhistorischer Beziehung ist übrigens dieses Wesen trotz seines
auffallenden Vorkommens, auch trotz der zahlreichen Beobachtungen,
die seit Ehrenberg's ersten Angaben darüber publicirt sind, noch
keineswegs vollständig bekannt. Es ist jedoch im höchsten Grade
wahrscheinlich, dass dasselbe den beweglichen Keim eines Pilzes dar-
stellt. (Vergl. hierzu Cohn in den Berichten der schlesischcn Gesell-
schaft 1850, S. 43, über rothe Färbungen durch mikroskopische Orga-
nismen.)
104
Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Monas (?) semen und Bodo (?) mastix nn. sp. , Ehrenberg
Beil. Monatsber. 1853. S. 191. Ebenso (Monatsber. 1848. S. 236)
Spondylomorum quaternarium n. gen. et n. sp., Chlorasler gy-
rans n. gen. et n. sp.
Spondylomorum (n. gen., Repräsentant einer eigenen mo-
nadenartigen Familie) ocello dorsali instructuni, cauda nulla, sponta-
tanea divisione in formam baccae verticillatae divisum.
Chlor aster, animal e familia monadinorum solitarium ecau-
datum ore terminali, ocello fronlali , medio corpore sensim verrucis
radiato.
3« Rliizoiioda.
Was die Organisation der Rhizopoden betrifft, so scheint
diese nach den Angaben von Kö llik er (Zeitschrift für wiss.
Zool. I. S. 209) im höchsten Grade einfach zu sein. Nament-
lich gilt solches für Amoeba, die ohne Mund, Darm und Af-
ter ist und ganz in derselben Weise sich ernährt, wie Acti-
nophrys (S. 91), die Kölliker desshalb denn auch den
Rhizopoden und nicht den Infusorien anreiht. Auch Perty
spricht sich nach seinem vielfach schon citirlen Werke über
die kleiilstcn Lebensformen in einer wesentlich übereinstim-
menden Weise aus. A. a. 0. S. 182.
üeber die Fortpflanzung der Rhizopoden ist bis jetzt noch
Nichts bekannt geworden. Wir erfahren nur durch Cohn
(Zeilschrift für wiss. Zool. IV. S. 262) , dass die beschallen
Formen in der Jugend wahrscheinlicher Weise nackt sind,
so wie ferner, dass bei denselben (Difflugia, Arcella u. a.)
auch vielleicht eine Copulalion statlfindet.
Den von Duj ardin verfassten Art. Rhizopoda in dem
Dict. univ. d'hist. natur. Vol. XI. 1848. p. 115 hat Ref. nicht
einsehen können.
Monothalamia. Von Diesing erhielten wir eine systema-
tische Uebersicht der „Foraminifera monostegia" in den Sitzungsber.
der AViener Akademie 1848. Heft 5. S. 19.
Bailey beschreibt ein neues Rhizopodengenus, Pamphagus, das
zwischen Amoeba und Arcellina in der Mitte steht und folgender
Maassen charakterisirt wird (Sill. Journ. 1853. Vol. XV. p. 341):
Pamphagus n. gen. Without shell or lorica, and composed
of a soft colourless matter casily cxlcndcd by internal pressure, but
der Protozoen während der J. 1848—1853. 105
not spontaneously protruded into pseudopods. Feelers or rhizopods
slender, numerous radiant , branching and confined to the neighbor-
houd of moulh. Sp. P. mulabilis. Eine besondere innere Structur
konnte Verf. nicht beobachten, doch spricht er von einem Älunde, den
er an das eine Körperende zwischen die schlanken verästelten und
äusserst veränderlichen Fortsätze verlegt. Das Innere des Körper ent-
hält fast beständig Algenfäden, Diatomeen, auch Quarzkörncr u. s. w.
in äusserst variabler Gruppirung. "NVas Verf. als Theilung beschreibt,
kann nach den beigegebenen Abbildungen eben so gut auf eine Copu-
lation bezogen werden.
Ebenso stellt Bailey eine neue Art des Gen. Difßugia auf:
D. spiralis^ Microscop. observ. p. 41 in den Smithson. contrib. Vol. II.
Andere neue Arten sind von Perty (a. a. 0. S. 186) und E h-
renberg (Berliner Monatsber. 1848. S. 218 und 379, 1853. S.527)
und Weisse (Bull. Ac. St. Petersbg. 1848. p. 357) beschrieben
worden:
Amoeba natatis , A. striolala -, Actino sph aer a (n. gen.) vol~
vens Perty; Difßugia pyriformis, D. bacillariarum , D. laevis, D. se~
ligera, D. (?J minima Perty, D. collaris ^ J). drijas , D. reticiilata, D.
squamala, D. Bructeri, D. canccllata, D. ciliata, D. seminulum, D.
spirigera Ehrbg. , Arcella viridis, A. hemisphaerica , D. Okeni Perty,
A. caudicola, A. (^) globulvs, A. granulata^ährhg.f A. «ncmcr/a Weisse.
Polythalamia. Agassi z erklärt die Polylhalamien
für Mollusken und zwar für Gasleropoden, bei denen (in dem
vielkammerigen Gehäuse) gewissermaassen das Enlwickclungs-
sladium des getheilten Dotters persislire. Silliman's Amer.
Journ. 1850. Vol. iX. p. 376.
Carler beobachtet eine neue Art des Gen. Operculina,
0. arabica, und berichtet über deren Bau, besonders ausführ-
lich über die Bildung der Schale. (Ann. nat. bist. 1852. X.
p. 188.)
Der thierische Inhalt der einzelnen Kammern wird in Ueber-
einstimmung mit Dujai'din als ein einfaches proteusartiges Wesen
erkannt. Zwischen den Lamellen der Scheidewände soll sich ein
eigenthümliches System von Gefässen hinziehen, das unter der Überflä-
che der Schale zu einem verworrenen Netzwerk zusammenhänge und
zur Circulation einer eigenen Flüssigkeit diene. Der scharfe Rand
des Gehäuses besteht , abweichend von der übrigen Schalensubstanz,
aus einem Strange kalkiger Stacheln , die der Verf. mit den Spicula
der Spongien vergleicht. Die Anwesenheit dieser Stacheln soll, wie die
proteusartige Beschafi'enhcit des thierischen Inhaltes, die nahe Ver-
wandtschaft der Foraminifercn mit den Schwämmen kund Ihun.
IQÖ Leuckart; Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Auch Williamson bestätigt die Dujardin'schen Anga-
ben über die einfache Organisation der Polythalamien , nach
Untersuchung von Polyslomella crispa. Transact. Microsc. Soc.
Vol. II. p. 159. (l'lnsl. 1849. Nr. 787.)
Sehr abweichend lauten die Angaben von Clark, Ann.
nat. hist. 1849. T. III. p.380 u. 1850. T. V. p. 161. (Froriep's
T. B. Zool. I. S. 180).
Verf. sucht hier — an letzterem Orte mit specieller Rück-
sichtnahme auf Dentalina linearis — nachzuweisen, dass die Polythala-
mien nach Art der echten Polypen gebauet seien und namentlich auch
wirkliche Tentakel besässen (!). Das hintere Ende der Schalen soll
im Normalzustände beständig auf fremden Körpern festsitzen.
Pourlales vergleicht die Reihenfolge der einzelnen
Kammern bei den Polythalamien mit der Stellung der Blätter
bei den Pflanzen und findet in beiden den Ausdruck dersel- '
ben mathemalischen Gesetze. Proc. Amer. Assoc. III. 1850.
p.89.
Derselbe berichtet über das Vorkommen der Polytha-
lamien in verschiedener Tiefe , zunächst an der Küste von
New -Jersey und beschreibt einige neue nordamerikanische
Arten. Ibid. p. 84.
Williamson charakterisirt die in England vorkommen-
den Arten des Gen. Lagena (Miliola Ehrbg.) und beschreibt
mehrere neue Species. Ann. nat. hist. 1848. I. p. 1.
Von Carpen ter (Qwart. Journ. Geol. Soc. VI. p. 21)
und Carter (Ann. nat. hist. XI. p. 161) erhalten wir Beob-
achtungen über den inneren Bau verschiedener fossiler Fo-
raminiferen, von Letzterem auch zugleich Beschreibungen ei-
niger neuen in Indien aufgefundenen Formen. Ueber Orbi-
tolites malabarius und die Identität der Genera Cyclolina d'Orb.
und Orbitoliles Lam. Carlerl. c. p. 425.
Als wichtig für den Bau der Nnmiiiulithen erwähnen
wir schliesslich noch d'Archiac et J. Haime, Descript.
des anim. foss. du groupe Nummulitique de l'Inde. Paris 1853.
3. Crreg-arinae.
Unsere Kenntnisse über die Gregarinen sind durch zwei fast
gleichzeitig erschienene Abhandlungen von Stein CMüUer's
der Protozoen wfihrend der J. 1848—1853. t07
Arch. 1848. S. 182) und Kölliker (Zeitschrift für wiss,
Zool. I. S. 1) sehr wesentlich gefördert und namentlich durch
die Untersuchungen des Erstem zu einem fast vollkommenen
Abschlüsse gebracht.
In Bezug auf den anatomischen Bau dieser merkwürdigen Schma-
rotzer haben die Angaben von Siebold und Franlzius im We-
sentlichen ihre Bestätigung gefunden. Die Gregarinen entbehren in
der That einer zusammengesetzten Innern Organisation ; sie bestehen,
nach beiden üntersuchern, aus einer ganz homogenen äussern Hülle,
einem körnigen Inhalte und einem (nach Kölliker bläschenartigen,
nach Stein aber soliden) Kerne, der ein einfaches oder auch mehr-
faches Kernkörperchen im Innern einschliesst. Gestützt auf diese ana-
tomischen Verhältnisse, sucht Kölliker seine Ansicht, dass die Gre-
garinen als einzellige Thiere zu betrachten seien, von Neuem durchzu-
führen und genauer zu begründen, während Stein dagegen hervor-
hebt, dass wenigstens bei vielen Arten gewisse Organisationsver-
hältnisse vorkämen, die sich mit solcher Anschauungsweise wohl
schwerlich vereinigen Hessen. Zu diesen rechnet St. namentlich die
Anwesenheit eines kopfartig abgesetzten, auch oftmals mit Haftapparaten
versehenen vorderen Körperendes , dessen Höhle durch eine eigene
Querscheidewand von der gemeinschaftlichen Körperhöhle getrennt
ist. In manchen Arten zeigt auch der Leib eine Zusammensetzung
aus Vorder- und Hinterkörper, deren Grenze dann im Innern durch
eine ähnliche Scheidewand bezeichnet wird. In solchen Fällen ent-
hält eine jede Körperhälfte ihren eigenen Kern (mit Ausnahme einer
einzigen, hieher gehörigen Art aus dem Darmkanal der Nashornlarve,
bei der Stein überhaupt keinen Kern auffinden konnte). Dass die
sog. Wavicellenbehälter mit ihrem Inhalte, wie schon früher mehrfach
vermuthet und auch von Kölliker durch neue Beobachtungen wahr-
scheinlich gemacht wurde, wirklich nur eine Entwickelungsstufe der
Gregarinen darstelle, ist durch Stein ausser allen Zweifel gesetzt.
Die Bildung eines solchen Kavicellenbehälters wird, nach den Beob-
achtungen dieses trefflichen Forschers, jedesmal durch eine Copula-
tion von zweien Individuen eingeleitet. Zwei Gregarinen legen sich,
bei manchen Arten schon ausserordentlich frühe, während der ersten
Jugendzustände, bei andern später mit ihren gleichuBmigen oder ent-
gegengesetzten Körperenden an einander (Kölliker vermuthet in
solchen Fällen die Existenz einer Theilung) ; sie verkürzen sich zu
einem kugligen Körper, umgeben sich mit einer Hülle und fliessen in
dieser Cyste sodann zu einer gemeinschaftlichen Älasse zusammen.
Die l'seudonavicellen entstehen aus dem durch Verflüssigung des In-
haltes gelieferten Blasteme. Ueber das Schicksal dieser sonderbaren
Bildung sind wir gleichfalls durch Stein aufgeklärt. Die NaviccUcn-
108 Leuckart, Bericht üb. d. Leistungen in d. Waturgeschichte
Cysten gelangen (wenigstens da, wo die Gregarinen im Darmkanal
leben) mit dem Kolhe ihrer Wirlhe nach Aussen; sie platzen und trei-
ben ihren Inhalt aus, der dann leicht mit der Nahrung von anderen
Thieren verschluckt wird. Dass die Pscudonavicellen wirklich die
Keimkörner der Gregarinen darstellen, dürfen wir als erwiesen anse-
hen, obwohl die Enlwickelung derselben von Stein nicht näher ver-
folgt wurde. (Die Angabe , dass die Cystenbildung in allen Fällen
durch eine Copulation von zweien Individuen eingeleitet werde, möchte
übrigens noch sehr der Bestätigung bedürfen. Bruch, Frantzius
und Ref. glauben diesen Vorgang auch ohne Copulation beobachtet
zu haben.)
Leidy schildert in den Transact. Amer. Phil. Soc. at
Phil. 1852. Vol. X. p. 231 gleichfalls den Bau der Gregari-
nen, und beschreibt einige neue in Amerika beobachtete Ar-
ten dieser Schmarotzer.
Im Ganzen sind die Resultate derLeidy'schen Untersuchungen
mit denen der deutschen Forscher übereinstimmend. Neu ist die Be-
obachtung einer zweiten deutlich längsgestreiften Membran unter der
äussern Körperhülle, die Verf. für eine Muskelschicht hält. (Ref. hat
bei grösseren Gregarinen , wie Gr. cuneata u. a. gleichfalls die Exi-
stenz dieser Bildung constatiren können. Indessen glaubt er sich
überzeugt zu haben , dass die Streifung nur den optischen Ausdruck
einer Faltung bildet. Der Bau der Gregarinen ist nach seinen Unter-
suchungen genau derselbe, wie der der Infusorien, nur mit dem Un-
terschiede , dass die Cuticula hier weit derber ist. Die Leidy'sche
Muskellage bildet die festere Rindenschicht des Körpers, während
die Medullar^substanz eine weichere Beschaffenheit hat. Die Körner
im Innern des Gregarinenkörpers, die bekanntlich in sehr wachsen-
der Menge vorkommen, kann Ref. nur als ein Depot von Nahrungs-
stoffen betrachten.)
Während Kölliker und Stein, wie die früheren Be-
obachter, die Gregarinen unbedenklich für selbstständige Thier^
formen gehalten haben, versuchen Henle und Bruch (Zeit-
schrift für wiss. Zool. II. S. 113), und namentlich Leydig
(Müller's Arch. 1851. S. 230) den Nachweis zu liefern, dass
dieselben blosse Entwickelungszuslände gewisser Nematoden
darstellen.
Die Erstem wollen beim Regenwurm beobachtet haben , dass
Filarien oder anguillulaartige Rundwürmer durch Verlust ihrer Be-
weglichkeit und Auflösung ihrer Eingeweide sich in Gregarinen ver-
wandelten. Letzterer beschreibt ganz ähnliche Uebergänge zwischen
Gregarinen und filaricnartigcn Rundwürmern aus einer Tcrcbella , ist
der Piolozoen während der J. 1848— 1853. 109
aber mehr geneigt, eine Metamorphose der Gregarinen in Rundwür-
mer, als den entgegengesetzten Vorgang anzunehmen. Die Ent-
schiedenheit, mit der Leydig seine Angaben vorbringt, haben den-
selben zahlreiche Anhänger verschafft (unter welche eine Zeitlang
auch Ref. gehörte), indessen sind diese Beobachtungen seither ohne
Bestätigung geblieben. Stein hält seine Auffassung noch immer für
die richtige und sucht die Beobachtungen von Leydig durch die Be-
hauptung zu entkräften, dass die von demselben beobachteten und ab-
gebildeten Filarien in Wirklichkeit nur äusserst langgestreckte, fila-
rienartige Gregarinen gewesen seien. (Zeitschrift für wiss. Zool. III.
S. 484.)
Nach den Untersuchungen von Leydig (Müller's Arch. 1851.
S. 221) scheint es ferner, als wenn die früher so räthselhaften Pso-
rospermien, die bekanntlich von J. Müller zuerst entdeckt und
auch in diesem Archive mehrfach zur Sprache gebracht sind, den
Pseudonavicellen der Gregarinen vollkommen an die Seite zu setzen
seien. Leydig untersuchte vorzugsweise die Pseudonavicellen aus
der Gallenblase der Plagiostomen und konnte sich überzeugen, dass
dieselben in rundlichen oder wurmartigen Körpern ihren Ursprung neh-
men, die nach Art der Gregarinen aus einer zarten Membran und ei-
nem halbflüssigen Inhalte mit Körnchenmasse bestanden und auf den
Beobachter auch v.irklich den Eindruck von gregarinenartigen Wesen
machten, obgleich sie eines Kerns im Innern entbehrten und auch
ohne Bewegung waren. Die Psorospermien entstehen einzeln in hel-
len Bläschen, die sich in der feinkörnigen Substanz dieser Körper
bilden.
Ausser Leidy haben auch Kölliker und Stein (a. a. 0.)
zahlreiche neue Arten aus der Gruppe der Gregarinen beschrieben, und
Frantzius hat diese (in diesem Arch. XIV. S. 188) mit den schon
früher bekannten übersichtlich zusammengestellt. Mit Recht bedient
sich letzterer dabei des von Stein in passender Weise gewählten
Einlheilungsprincipes. St. unterscheidet in der Gruppe der Gregari-
nen drei Familien, die der Monocys tid e en, G r ega rinari en und
Didymophyiden. Zu der ersten gehören die vollkommen unge-
gliederten Formen, zu der zweiten die Arten mit Kopf und Leib, zu
der dritten die mit Kopf, Vorderleib und Hinterleib. Die erste Fa-
milie enthält zwei Genera, Monoajstis, der die einzeln lebenden Formen
zugerechnet werden, und Zijgocystis, deren Individuen von Jugend auf
zu zweien mit ihrem Körperende zusammenhängen. Auch in der
zweiten Familie giebt es isolirte und zusammhäugende Arten, wel-
che letztere das Gen. Gregarina bilden. Der Zusammenhang geschieht
aber hier mit den ungleichnamigen Enden. Der Kopf ist einfach, wie
bei dem Gen. Sporadina mit isolirt lebenden Individuen, während in
dem Gen. Styhrhijnchus ein hals- oder rüsselartig verlängerter Kopf-
HO Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
anhang vorkommt und Actinocephalus einen gezackten und scheiben-
artigen Haftapparat trägt, der, wie he\ Stylorhynchus, zur Anheftung in
den Darmwandungen dient , aber vor der Copulation verloren geht.
Die letzte Familie umfasst nur ein einziges Gen. Didymophtjes ; deren
Arten leicht für zwei zusammenhängende Individuen aus dem Gen. Gre-
garina gehalten werden könnten und auch von Siebold (vergl. Gr.
longissima in der Zeitschrift f. w. Z. a. a. 0. S. 34) wirklich in sol-
cher Weise gedeutet wurden.
Schnitze beobachtete eine neue Monocystis aus Planaria
torva, fand auch deren Navicellenbehälter , konnte aber niemals eine
Copulalion beobachten. Beitr. zur Katurgesch. der Turbellarien S.70.
Bericht über die licistiiiig^en in der Ento.
mologfie Avälireiid des Jaiires B854.
Von
Mr. Crerstaecker
in Berlin.
I. Insekten.
Ein Werk, welches sich den embryologischen Arbeilen
von Rathke und Kölliker rühmlich zur Seite stellt und
viele neue Gesichtspunkte für die Entwickelung der Glieder-
thiere sowohl unter einander als auch im Gegensatze zu den
Wirbelthieren darbietet, ist von G. Zaddach unter dem
Titel: Untersuchungen über die Enlwickelung und den Bau
der Gliederthiere , 1. Heft. Die Entwickelung des Phrygani-
den-Eies. 4., mit 5 Kupfertafeln, Berlin bei Reimer, erschie-
nen. Der Verf. schildert darin die Vorgünge in der Ent-
wickelung des Phryganiden-Eies vom Tage des Ablegcns bis
zur vollständigen Ausbildung der jungen Larve. Es werden
drei Perioden der Entwickelung angenommen, von denen die
erste bis zur Bildung des Keimstreifens reicht, die zweite
die Umbildungen im Keimstreifen und die Entwickelung der
Gliedmassen umfasst und die dritte mit dem Ausschlüpfen
der entwickelten Larve endigt. An diese mit äusserster Sorg-
falt angestellten und vielfach wiederholten Beobachtungen
knüpft der Verf. Vergleichungen über die Enlwickelung der
übrigen Arthropoden und kommt dabei zu Resultaten, welche
für das Verständniss und die Deutung der einzelnen Körper-
theile von der grössten Wichtigkeit sind, so dass Ref. einen
ausführlicheren Bericht über den Inhalt für angemessen hält.
Kach der Ausbildung der Keimhaut tritt eine kräftige Anziehung
112 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
der Zellen gegen einander im Eie auf, und zwar sammelt sich die
grösste Masse derselben am künftigen Kopfende an. So wird die Keim-
haut in den einfachen und zungenförmigen Keimstreifen umgewandelt.
Nach der Bildung desselben tritt die anziehende Kraft noch einmal
auf und dadurch wird das Zellgewebe des Keimstreifens nach beiden
Seiten in zwei strangförmige, nebeneinander verlaufende Körper, die
beiden Keimwülste, auseinander gezogen, die auf der inneren Fläche
durch eine tiefe Furche von einander getrennt sind. Die Entstehung
dieser beiden Keimwülste , welche für die Entwickelungsgeschichte
der Gliederthiere von der grössten Wichtigkeit sind, weil sie nämlich
die Grundlage zur Symmetrie der beiden Körperhälften abgeben, ist
von Kölliker und Rathke nicht berücksichtigt worden. Ohne
Zweifel kommt sie allen Gliederthieren zu, wenn sie auch zuweilen,
wie bei den höheren Krebsen, weniger in die Augen fällt, und findet
sogar bei den Würmern, wenn auch in etwas anderer Weise, statt. —
Durch eine gleiche Zusammenziehung, welcher die Keimwülste ihre
Entstehung verdanken, geht auch die Trennung des Hautblattes vor
sich, welches im Gegensatze zu den Keimwülsten, die das innere
Blatt darstellen, vom Verf. als äusseres Blatt bezeichnet wird. Ue-
brigens sind diese beiden Blätter keineswegs mit dem animalen und ve-
getativen Blatt der Wirbelthiere analog, indem sich aus dem inneren
Blatte der Insekten nicht nur die Gliedmassen, sondern auch das Ner-
vensystem und die muskulöse Bauchwand entwickelt , während das
äussere nur die später erhärtende Haut des Embryo producirt. —
Nachdem die Keimwülste einmal gebildet sind, findet eine allmähliche
Ausbildung der einzelnen Körpertheile durch fortgesetzte Zusammen-
ziehungen, die in der Längsrichtung eintreten, statt. Zuerst treten
dieselben in kleinen Abschnitten um einzelne , hinter einander lie-
gende Mittelpunkte auf und bilden so die Segmente; zugleich ent-
stehen aber auch Verkürzungen in grösseren Abschnitten und endlich
tritt eine Zusammenziehung in der ganzen Ausdehnung der Keim-
wülste ein. Zuerst verkürzt sich der Kopftheil und zwar besonders
an seinem freien Ende, wodurch die Bildung des Oberkiefer-Segmen-
tes bewirkt wird. Während seines Entstehens beginnt auch schon
die Bildung der Unterkiefer- und Brustsegmente, welche zuerst alle
ausserordentlich langgestreckt erscheinen; dieselben Vorgänge wieder-
holen sich endlich auch am dritten Abschnitte des Embryo, dem Ab-
domen. Durch alle diese Zusammenziehungen wird die Masse des
Embryokörpers zugleich allmählich dichter und fester und so zur Bil-
dung besonderer Gewebe vorbereitet. — Nachdem der Verf. nun die
allmähliche Entwickelung der einzelnen Körpertheile durch alle Sta-
dien am Pryganiden-Ei dargestellt hat, geht er zu den Gliederthieren
im Allgemeinen über und weist die Uebereinstimmungen und Abwei-
chungen an den Haupt-Formen der Crustaceen, Arachniden, Myriapo-
während des Jahres 1854. 113
den, so weit ihre Entwickelungsgesehichle bis jetzt bekannt ist, nach.
Ueber die Verbreitung der Keimwülsle bei den (iliedertiucren so wie
über die Trennung des Haut - vom Muskelblalle, liegen bis jetzt noeh
fast gar keine sieheren Beobachtungen vor , doeh sind erstere vom
Verf. auch bei den Entomostraeeen wahrgenommen worden, und dass
sie allgemein verbreitet sind, lässt sich schon aus der übereinstim-
menden Form der Bauchmuskeln und Nerven schliessen. Ebenso all-
gemein ist der Akt der Segmentbildung bei den Arthropoden, doch
geht die Bildung der Ursegmente nicht überall in gleicher Weise vor
sich. Bei den Insekten beginnen sie vor der Entstehung der Glied-
massen, bei den Crustaceen dagegen (Rathke) nach dieser. Ferner
bestehen Unterschiede in der Ueihenfolge, in welcher sich die Ur-
segmente selbst bilden; entweder treten sie an einem ganzen Kör-
perabschnitte zu gleicher Zeit auf (Insekten und Scorpione) oder
nach einander (Crustaceen). Die verschiedene Entwickelungsfähig-
keit der Ursegmente zeigt sich vorzüglich in der Bildung der Glied-
massen, unter welche Categorie nicht nur Beine und Mundtheile, son-
dern auch die Fühler ihrer Entstehung nach zu bringen sind; sie ge-
hören ganz und gar der Bauchseite der Keimwülste an. In der Ent-
wickelung derselben unterscheidet der Verf. vier Arten; die erste tritt
bei der Bildung der Ober- und Unterkiefer der Insekten auf, die
zweite bei der Bildung der Brustbeine der Insektenlarven , die dritte
bei den Schwimmfüssen der Daphnien und die vierte bei den After-
füssen des Fostabdomen des Flusskrebses. — Den Körper der Arthro-
poden betrachtet der Verf. als durchweg aus 5 Abschnitten zusam-
mengesetzt, nämlich aus Vorderkopf, Hinterkopf, Brust, Leib und Fost-
abdomen. Das letztere ist nur bei den Crustaceen und vielen Arach-
niden gehörig ausgebildet und hat eine ganz andere Entwickelungs-
weise als die übrigen Körpertheile; indem es sich aus einer sackför-
migen Ausstülpung der Keimhaut hervorbildet und sich ganz unab-
hängig von dem vor ihm liegenden Theile entwickelt. Schon hier-
aus leuchtet ein, dass der sogenannte. Schwanz der Krebse keineswegs
dem Abdomen der Insekten analog ist. Vielmehr ist nur die äusser-
ste Spitze des Insekten -Hinterleibs , welche im Larvenzustand häufig
Fussstummel trägt, ein lludiment des Postabdomen, mit dem sie ihre
Entstehung aus einer nach vom und aussen gerichteten Falte des
Keimstreifens gemein hat Am Kopfe nimmt der Verfasser vier Ur-
segmente an, nämlich die der Überkiefer, der hinteren Antennen,
der vordem Antennen und der Augen. Die beiden ersten bilden den
Hinterkopf, die beiden letzten den Vorderkopf; die Grenze beider
bezeichnet die Mundöffnung und die Überlippe. Die Segmente des
Hinterkopfes entstehen zuerst aus den Keimwülslen, und indem diese
theils nach vorn, theils nach hinten fortwa'chsen, bildet sich vor dem
Hinterkopfe zuerst die Überlippe. Diese ist keineswegs als aus zwei
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jabrg. 2. Bd. H
114 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
seitlichen Gliedmassen verwachsen zu betrachten, sondern gehört den
Keimwülsten selbst an ; sie entsteht aus einer ganz analogen Falte
derselben am vordercu Körperende, wie die des Postabdomen am
hinteren Ende. Die Segmente des Vorderkopfes entwickeln sich bei
den Crustaceen und wahrscheinlich auch bei den Insekten mit unvoll-
kommener Verwandlung gleich nach der Anlage der Überlippe, indem
die Keimwülsle nach vorn fortwachsen. Bei den Insekten mit voll-
kommener Verwandlung, wo sich natürlich die Vorderkopf-Segmente
erst beim Uebergange der Larve in den Fuppenzustand entwickeln
können, fehlen den Larven die vorderen Antennen und die zusammen-
gesetzten Augen. Dass am Kopfe ein eigenes Augensegment besteht,
und dass die Augen der Arthropoden als Gliedmassen zu betrachten
sind , weist der Verf. an den Podophthalmen nach ; er glaubt hier
den Stiel der Augen mit den Basalgliedern der Antennen , die Augen
selbst mit der Fühlergeissel parallelisiren zu dürfen. Für diese An-
sicht spricht, nach seiner Meinung, der Umstand, dass sich bei den
Insekten mit unvollkommener Verwandlung während des Larvenzu-
standes die Anzahl der Augenfacetten, gleich wie die der Fühlerglie-
der vermehrt und dass ein gleiches bei den Crustaceen nach den ein-
zelnen Häutungen stattfindet. Obwohl nun bei den Insekten die Exi-
stenz eines eigenen Augenringes noch nicht nachgewiesen ist, glaubt
der Verf. doch nach allen bis jetzt bekannten Thatsachen die Ansicht
Leuckart's bestreiten zu müssen, wonach die Augen ihre Lage zu-
fällig an irgend einer Stelle des Kopfes einnehmen sollen, sondern
anzunehmen, dass sie stets dem äussersten Segmente des Vorderkopfes
angehören. Die Lage der Augen bei den Spinneu kann, da diese
einfache sind, ebensowenig wie die Stemmata der Insekten dieser Theo-
rie Eintrag thun, da sie ohne Zweifel ihrem verschiedenen Baue ge-
mäss auch eine andere Enlwickelungsweise haben. — Von besonderer
Wichtigkeit ist auch der Kachweis, dass das Antennensegment der
Insektenlarven hinter dem Munde liegt und dem Hinterkopfe ange-
gört, denn es wird hierdurch bewiesen, dass die Antennen der Lar-
ven mit vollkommner Verwandlung den hinteren Antennen der Cru-
staceen, die Antennen der ausgebildeten Insekten hingegen den vor-
deren Antennen jener entsprechen. Die Zeit seines Entstehens scheint
von der Bedeutung der später sich daraus entwickelnden Gliedmas-
sen abzuhängen. Bei den Insekten bildet es sich nämlich später als
das Überkiefersegment und schiebt sich gleichsam zwischen dieses und
den Vorderkopf ein; bei den höheren Krebsen entstehen beide Seg-
mente zu gleicher Zeit, bei den Daphnien das Antennensegment frü-
her als das des Überkiefers. Da die vorderen Antennen der Crusta-
ceen wohl unzweifelhaft die Träger des Geruchsorgans sind, und ih-
nen die Antennen der Insekten entsprechen, so gewinnt dadurch
Erichson's Ansicht, dass letztere ebenfalls dem Gerüche dienen,
während des Jahres 1854. 115
an Wahrscheinlichkeit. — Zu den Gliedmassen der Brust müssen auch
die beiden Maxillenpaare der Insekten gerechnet werden, wenigstens
ist es das schicklichste, sie mit den Gangbeinen zusammen einer und
derselben Gliedmassenreihe zuzutheilen ; dies beweist deutlich ihre
verschiedene Verwendung als Kau- oder Gangorgane bei den ver-
schiedenen Classen und Ordnungen. Bei den Chilognathcn und Arach-
nidcn ist nur das erste, bei den Insekten die 2 ersten, bei den Iso-
poden und Chilopoden die 3 ersten , bei den Decapoden alle 5 Paare
dem Munde als llülfsorgane beigefügt; das dritte Paar schwankt
übrigens auch bei den Insekten zuweilen zwischen der Natur eines
Mund- und Gangorganes, wie z. B. bei Mantis. — Die Flügel der
Insekten anlangend, so weist der Verf. nach, dass sie durchaus un-
richtig als Rückengliedmassen betrachtet und als solche den Bauch-
gliedmasscn gegenübergestellt worden seien. Gegen diese Ansicht
spricht durchaus ihre Entstehung aus den Fortsätzen, welche von den
Keimwülsten aus den Dotter umwachsen, während alle wirklichen
Gliedmassen sich aus den Keimwülsten selbst hervorbilden. Sie sind
auch nicht mit den Kiemen der Dekapoden zu vergleichen , da diese
ursprünglich Fortsätze und Theile der Beine selbst sind, wohl aber
mit den zweiklappigen Schalen mancher Entomostraceen , mit denen
sie gleichen Ursprung haben. — Das Abdomen endlich besteht in der
Regel aus 5 Ursegmentcn, wie es bei den Spinnen und höheren Kreb-
sen in der Regel der Fall ist; bei den Entomostraceen bilden sich
häufig nicht so viele aus, bei den Insekten hingegen verdoppelt sich
gewöhnlich diese Zahl. — Mit Berücksichtigung der angeführten Fakta
stellt der Verf. folgende Entwickelungsstufen in der Reihe der Ar-
thropoden auf: die unterste Stufe nehmen die Entomostraceen ein,
indem bei ihnen nur der Kopf vollständig entwickelt, dagegen die
Brust stets und das Abdomen oft rudimentär ist. Diesen reihen
sich die Malakostraceen an , bei welchen alle Abschnitte des Körpers
regelmässig und in ihren Segmenten vollständig ausgebildet sind; sie
zeigen unter allen Arthropoden die vollstiindigste Gliedmassen-Entwik-
kelung, doch herrscht in der Funktion und der Verlheilung derselben
eine grosse Verschiedenheit, so dass sie nach der Ansicht des Verf.
nicht die höchste Stufe unter den Arthropoden einnehmen können.
Die grosse Entwickelungsfähigkeit des Abdomen ist der hauptsächli-
che Charakter der Myriapoden, welche sich hierdurch den Malakostra-
ceen, wo dieser Theil ebenfalls schon stark prädominirt, anreihen.
Bei den Insekten und Spinnen, welche die Reihe schliessen, ist end-
lich die Brust das überwiegend ausgebildete Organ und wird hier zum
alleinigen Träger der Bewegungsorgane. — Nachdem der Verf. nun
noch aus der Entwickelungsgeschichte nachgewiesen hat, dass die
AVürmer keineswegs, wie es von einigen Autoren geschehen ist, aus
der grossen Reihe der Arthropoden auszuschliessen seien , vielmehr
116 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leislungen in d. Entomologie
dieselbe nach unten hin vervollständigen, schlicsst er mit einer Ver-
gleichung der Entwickelung der Wirbel- und Gliederthiere, w^elche
das allgemeine Resultat ergiebt, dass das mittlere Keimblatt in dem
Ei der Wirbelthiere in seiner Entwickelung die Entwickelung des
Muskelblattes in dem Ei der Arthropoden vollständig wiederholt. Die
erste Anlage des Embryo besteht bei den Arthropoden aus dem
Keimstreifen allein , bei den Wirbellhieren aber aus diesem und
dem zwischen ihm und dem Dotter liegenden Drüsenblatte. Die
Rückenplatten (v. Baer) der Wirbelthiere entsprechen den beiden
Keimwülsten der Gliederthiere, die Urwirbel der ersteren den Ur-
segmenten der letzteren; die Seitenfalten und Seitenfortsätze der Ar-
thropoden sind als Rudimente der Bauchwände der Wirbelthiere zu
betrachten. Die von den Urscgmenten der Arthropoden ausgehenden
Rückenfortsätze entsprechen ihrem Ursprünge nach den Visceralplat-
ten der Wirbelthiere, die Rückenwand und die Seitenwände des Kör-
pers der Arthropoden sind ihrer Lage und Entstehungsweise dem Am-
nion der Wirbelthiere zu vergleichen. Ein Analogen der Bauchhöhle
der Wirbelthiere fehlt den Arthropoden, indem ihre Eingeweidehöhle
der Amnionshöhle der Wirbelthiere entspricht; dagegen finden die
Gliedmassen der Arthropoden keine Analoga im Körper der Wirbel-
thiere, sondern sind den ersteren ganz eigenthümliche Gebilde.
Eine sehr interessante Abhandlung von Thomas Wil-
liams über die Wasserathmung der wirbellosen Thiere (On
the Mechanism of Aquatic Respiration and on the Structure
of the Organs of Breathing in Invertebrate Animals), welche
sich in Jardine und Selby's Annais and magazine of
natural history, Tom. XII und XIII abgedruckt findet, giebt
auch für die Physiologie der Insekten wichtige Resultate.
Vorzüglich sind die Untersuchungen des Verf. über das Cir-
culationssystem derselben, welches durch Newport's Ar-
beit in den Philos. Transact. 1843 noch keineswegs vollstän-
dig klar geworden ist, einer besonderen Beachtung zu em-
pfehlen.
Da der Verf. die Insekten, Myriapoden und Arachniden in Be-
zug auf ihre Circulations- und Athmungsorgane, welche untereinander
grosse Uebereinstimmung zeigen, im Zusammenhange betrachtet, so
gebe ich hier ebenfalls einen zusammenfassenden Bericht über alle
drei Classen , indem ich bei den ölyriapoden und Arachniden auf das
hier Gesagte verweise. — Bei der Betrachtung der Centrallheile des
Circulationsapparats geht der Verf. zunächst auf die von Newport als
„systemic arteries" bezeichneten Gefässe ein und weist nach, dass die-
selben nicht arterielle, sondern venöse Gefässe sind. Sie führen nämlich
während des Jahres 1854. 117
das Blut aus den Eingcwcidcn in das Rückcngefiiss , während New-
port behauptet, dass sie das Blut aus jenen wegleiteten. Das letz-
tere ist aber schon desshalb nicht möglich, weil sie, wie Newport
selbst beobachtet hat, mit den Aesten, die von der Supraspinal-Arte-
rie kommen, communicircn ; in der Supraspinal- Arterie bewegt sich
aber das Blut in der Richtung vom Kopfe zum Hinterleib ; es müssten
sich also, wenn die „systemic arteriös" wirklich arteriell wären, zwei
Blutströme in demselben Gefässe begegnen. Uebrigens gründet sich
auch Newport's Ansicht über den Charakter jener Gefässe nur auf
ihre histologische Beschaffenheil; er hat niemals das Blut in ihnen
circuliren gesehen. Wären die „systemic arteries" wirkliche Arterien,
so wiche die Circulation bei den Anneliden diametral von der bei den
Myriapoden ab, während sie in der That bei beiden ganz nach dem-
selben Typus auftritt. Alle Gefässe, die hinter dem Oesophagealringe
aus dem Bückengefässe entspringen, führen das Blut demselben zu,
und alle die bis zu demselben Tunkte mit dem grossen Ventralstam-
me communicircn, leiten von diesem das Blut ab. Diese letzteren
zerfallen in zwei Categoricn ; die einen versorgen die Eingeweide,
die anderen die Körperbedeckungen. Aus den Eingeweiden wird nun
also das venöse Blut durch die „systemic arteries« Kewports in
den Dorsalstamm zurückgeleitet. Diese Verhältnisse sind bei den In-
sekten und Myriapoden vollkommen analog. — Bei den Arachniden
sind die „systemic arteries" analoger Weise ebenfalls venöse Gefässe,
haben auch hier ganz dieselben Funktionen , indem sie auf gleiche
Weise mit den Eingeweiden zusammenhängen. Uebrigens hat sich
Piewport bei der Darstellung des Circulationsapparats dieser Classe
noch andere auffallende Irrthümer zu Schulden kommen lassen. Nach
ihm bewegt sich das Blut im Uückengefässe des Skorpions nach zwei
diametral entgegengesetzten Richtungen, während doch alle Klappen
desselben sich auf dieselbe Weise öffnen; in den vorderen Kammern
soll nach ihm das Blut gegen den Kopf, in den hinteren (Caudal-Ar-
terien) nach dem Schwänze zu flietssen. Williams weist nach, dass
auch in der Caudal-Arterie das Blut sich nach vorn bewegt , woraus
zugleich folgt, dass in dem entsprechenden Schwanztheile des Ven-
tralstammes die Richtung des Blutlaufs rückwärts geht. Bei den Lun-
gen-Arachniden findet sieh ausser diesen beiden llauptstämmen noch
ein überzähliger grosser Abdominal - Venenstamm , in welchem, nach
Newport, das Blut in der Richtung vom Schwänze gegen den Kopf
getrieben werden soll ; diese Ansicht ist ebenfalls irrig. Das Rlut
läuft in demselben rückwärts ; es wird durch dieses Gefäss auf die
Athmungsorgane vertheilt, von welchen es durch die Canales pneumo-
cardiaci zum Herzen zurückkehrt.
Dies sind die Berichtigungen des Verf. in Bezug auf N e w p o r t's
Darstellung des Gcfässsystcms der Glicderthicre; indem er darauf zur
tl8 Gerstaecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
Betrachtung der Tracheen übergeht, weist er aus der anatomischen
Struktur derselben die Unhaltbarkeit der B 1 an c h a r d'schen Theorie,
wonach zwischen den Häuten der Tracheen Blut circuliren soll, nach.
Die äussere, durchsichtige Membran derselben zeigt nämlich , wenn
sie durch Anwendung von Essigsäure von der unter ihr liegenden
Spirale abgehoben wird, noch deutlich deren Eindrücke, ein Zeichen,
dass sie derselben ganz dicht aufliegt; an ein Strömen der Blutflüs-
sigkeit zwischen diesen beiden Membranen kann daher gar nicht ge-
dacht werden. Nach den Beobachtungen des Verf. verschwindet fer-
ner in den äussersten, feinsten Verzweigungen der Tracheen nicht,
wie Newport meint, die äussere Membran derselben, sondern die
Spirale, nachdem sie allmählich immer feiner geworden ist ; er unter-
scheidet daher von den Spiraltracheen die capillären Endverzweigun-
gen derselben als membranöse Tracheen. Eine Ausnahme hiervon
machen die Tracheen in den Flügeln ; diese behalten die Spirale mei-
stentheils bis in ihren äussersten Verzweigungen bei. — Newport
und Bowerbank leugnen ferner die Bildung von End-Anastomosen
bei den Tracheen; diese fehlen nach den Beobachtungen Williams
allerdings so weit, als die Tracheen noch mit Spiralen versehen sind;
die membranösen Endzweige derselben bilden jedoch ganz ähnliche
Capillarnetze wie die Blutgefässe der Wirbelthiere. In den Muskeln
treten sie in Form von länglichen Maschen auf, indem ein Theil ihrer
feinsten Zweige mit den Muskelfibrillen parallel laufen, welche durch
andere unter einem rechten Winkel verbunden werden; in den Drü-
sen umschliessen die feinsten Verästelungen die einzelnen Drüsenzel-
len; überall zeigen dieselben gleichen Durchmesser. Es ist dem Verf.
sehr wahrscheinlich , dass die von Blanchard an den Körperbe-
deckungen der Arachniden beobachteten Blutgefäss-Capillarnetze eben-
falls für Endverästelungen der Tracheen zu halten seien. — Aus der
Verzweigung der Tracheen in den einzelnen Kiemenblättchen der im
W^asser lebenden Insektenlarven führt der Verf. nun den Beweis, dass
alle Wasserathmung bei den Insekten keine wirkliche , sondern nur
eine scheinbare sei. Nirgends nämlich findet eine Wasserathmung
vermittelst der Gefässe, die sich in den Kiemen finden, statt, sondern
überall sind es die fein verzweigten Tracheen, welche die im Wasser
enthaltene Luft in sich aufnehmen. Das Frincip des Respirationspro-
cesses ist daher überall dasselbe, in wie ausser de.n Wasser, in der
Larve wie im vollkommenen Insekt, durch innere Tracheen wie durch
äussere Kiemen. Ueberall zeigen nämlich die Tracheen eine weit
grössere Ausbreitung als die Gefässe, welche schon da aufhören, wo
die Tracheen ihre Spirale verlieren. Die membranösen Trachealver-
zweigungeu gehen aber bis in die äussersten Grenzen aller Organe,
wie dies besonders an den Kiemen der Agrioniden-Larven deutlich zu
sehen ist, Aus dem Vorhandensein von freiem , gasförmigem Sauer-
während des Jahres 1854.
119
Stoff in den Capillarnetzen der Tracheen erklärt der Verf. die grosse
Lebensfrische, die ungewöhnliche »luskularität, kurz das multum in
parvo , welches den Beobachter so sehr an den Insekten in Staunen
versetzt.
Ucber die Excrcmente der Insekten hat Davy eine
grosse Reihe chemischer und mikroskopischer Untersuchungen
angestellt und die Ergehnisse in den Transncf. of the ento-
niol. soc. III. S. 18—32 mitgclheilt. (Some Observalions on
the Excrements of Insects , in a lettre addressed to William
Spence, hy John Davy.)
Die Untersuchungen des Verf. erstrecken sich auf 64 Arten aus
allen Ordnungen der Insekten ; sie sind zum Theil in Westindien an
Amerikanischen Species angestellt worden, deren systematische Na-
men dem Verf. nicht bekannt waren; im zweiten Theile , welcher
Europäische Arten enthält, sind die speciellen ISamen angegeben wor-
den. Die meisten Arten wurden im ausgebildeten Zustande gleich
nach dem Auskriechen aus der Puppe untersucht; einige wurden vor-
her mit Syrup , Zucker u. dergl. gefüttert; endlich wurden auch die
Excremente einiger Haupen einer chemischen Analyse unterworfen.
Der Verf. hat das Resultat erhalten, dass die Excremente der ausge-
bildeten Insekten zum grössten Theile eine Ausscheidung der Nieren-
Organe (Vasa Idalpighi) sind, denn überall Hessen sich grössere oder
geringere Quantitäten der verschiedenen Beslandtheile des Harnes so-
wohl mikroskopisch als chemisch nachweisen. — Die von den Insek-
ten beim Ausschlüpfen aus der Puppe ausgespritzte bräunliche oder
gelbliche Flüssigkeit wurde, mit Wasser verdünnt, unter das Mikro-
skop gebracht und zeigte stets eine grosse Menge Körnchen, welche
je nach den verschiedenen Arten '/sood bis %o»ooo Zoll im Durchmes-
ser hatten; dieselben bestanden aus harnsaurem Ammoniak. Neben
diesen zeigten sich bei vielen Arten noch rhomboidale Plättehen oder
flache Prismen (Harnsäure), welche in der Mehrzahl der Fälle jedoch
fehlten. Ein grösserer Tagfalter, welcher mit Syrup gefüttert wurde,
den er sehr gierig aufsog, gab einen Tropfen von blass bräunlicher
Farbe von sich; mit Wasser versetzt und an der Luft verdampft, zeigte
er unter dem Mikroskope ebenralls die rhomboidalen Plältchen so wie
die Körner von harnsaurem Ammoniak. Unter Zusatz von etwas ver-
dünnter Salpetersäure bildeten sich sternförmige Gruppen von Kry-
stallen, welche an salpetersauren Harnstoff erinnerten und auch den
Geruch von Urin, der mit Salpetersäure versetzt ist, darboten. — Die
ehemische Untersuchung ergab stets das Vorhandensein von Harnsäure
und Hippursäure ; die erste tritt in Körnchen als harnsaurcr Ammo-
niak auf, die letztere ist aufgelöst vorhanden. Die Harnsäure wurde
durch die bekannte Probe auf Murexid , welches durch seine schöne
120 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
reihe Farbe so leicht zu erkennen ist, nachgewiesen, indem die von
den Insekten ausgeschiedene Flüssigkeit mit Salpetersäure versetzt
und über der Flamme verdampft wurde; .ihre relative Menge zeigte
sich je nach den Arten verschieden , indem bei manchen die rothe
Farbe sehr intensiv auftrat , bei anderen dagegen nur ein gelblicher
Anflug bemerkt wurde. Die lüppursäure wurde aus den Crystallen
erkannt, welche nach Zusatz von Salzsäure durch Verdampfung er-
halten wurden. — Von den Excrementen einiger Sphinx- und Pha-
laenen-Kaupen waren mehrere mit einer gelben oder braunen Kruste
überzogen ; diese wurde sorgfältig abgeschabt und ergab unter An-
wendung von Salpetersäure und Hitze ebenfalls Murexid, enthielt also
Harnsäure. Die Raupen-Excremente , welche keinen solchen Ueber-
zug darboten, enthielten nur Hippursäure. — Aus den angestellten
Untersuchungen ergiebt sich , dass die Excremente der Insekten im
Larvenzustande hauptsächlich Hippursäure, im ausgebildeten Zustande
dagegen vorherrschend Harnsäure enthalten ; der Verf. findet hierin
eine Analogie, der ersteren mit der Harnsekretion der Vögel, der
letzteren mit der der Säugethiere.
Eine für die gesamiiite Oekonomie der Insekten höchst
wichtige Untersuchung über die Art, wie das Fett im Kör-
per gebildet wird , haben Lacaze-Du t hie rs und Riche
an einigen in Gallen lebenden Insekten angestellt und die
dabei erhaltenen Resultate in einer Abhandlung : Memoire sur
l'alimentation de quelques insectes galiicoles et sur la pro-
duction de la graisse (Annales des sciences naturelles 3. ser.
Tome IL p.8l) veröffentlicht.
Um festzustellen, welche Bestandtheile aus der Nahrungsmaterie
in den Körper der Insekten übergehen, musste eine Vergleichung der
Massen dieser Bestandtheile einerseits in den (lallen nnd andererseits
im Körper der Insekten angestellt werden. Alle Nahrungsmittel zer-
fallen aber bekanntlich in stickstoffhaltige, in solche, die der Respi-
ration dienen (Wasser- und Kohlenstoff enthaltende) und im Salze.
Für die Feststellung derselben in den Gallen konnte von letzteren
natürlich nur derjenige Theil in die Untersuchung hineingezogen w^er-
den , welcher zur Ernährung der eingeschlossenen Larve vom Aus-
schlüpfen aus dem Ei bis zu ihrer Verwandlung dient. Dies ist die
sogenannte Central -Masse der Gallen, welche aus weichen Zellen
besteht, und durch eine harte Schicht von dem äusseren parenchymatösen
Gewebe abgetrennt wird. Diese auf Stickstoff untersucht, enthält davon
1,29 bis 1,55, also ungefähr ebensoviel wie Reis und Roggen; die
ausgewachsenen Larven ergeben bei der Analyse im Durchschnitte
5,7 bis 5,9 Stickstoff. Da sich nun das Gewicht der Larve zu dem
der Gallen-Nahrungsraassc, wie 19 : 100 verhält, so beträgt der Slick-
während des Jahres 1854. 121
Stoff der Larven auf 10 Theile ungefähr 1,08 bis 1,12. Man ersieht
leicht, dass der Unterschied des Stickstofls in der Galle (1,29) und
im Insekte (1,00) sehr gering ist, und dass also letzteres last die
ganze zu seiner Ernährung vorhandene Stickstoffmasse für sich as-
similirt. Hiermit stimmt die sehr geringe Masse der Excremente der
Larve überein ; dieselbe ist so klein , dass von einigen Autoren ihr
Vorhandensein überhaupt geläugnet wurde. — In ßetrefl" der respira-
torischen Nahrungsmittel ergeben sich folgende Resultate: die ISah-
rungsmassc der Galle besteht zum grössten Theil aus Stärkemehl, wie
sich durch die Frohe mit Jod leicht zeigen lässt ; das Stärkemehl ist
nämlich zu 81,7 bis 84,48 darin vorhanden, beträgt also über yj der
ganzen Masse. Diese enthält, mit Aether behandelt, 3ö,3 Kohlenstoff
und ö,67 ^Yasserstoff, ohne Anwendung von Aether 37,54 Kohlenstoff
und 6,133 Wasserstoff; ihre Zusammensetzung ist also dem des reinen
Stärkemehls fast analog. Die Larven mit Aether ausgezogen enthalten
aber 38,9 Kohlenstoff und 6,806 Wasserstoff, was auf 19 reducirt, 7,391
Kohlenstoff und 1,293 AVasserstoff ergiebt. Es ergiebt sich aus deni
Vergleiche beider Stoffe in der Galle und dem Insekte , dass die ab-
solute Menge in beiden ursprünglich fast gleich ist; dass sie nachher
im Insekte zum grössten Theil verschwinden , wird durch das Ver-
brennen derselben beim Akte der Respiration erklärt. — Ferner ent-
hält die Nahrungsmasse an Fett: 0,23 bis 1,36, das Insekt dagegen
4,80 bis 5,01 ; woher dies beträchtliche Ueberwiegen des Fettes im
Insekte rührt, ist bis jetzt noch nicht hinreichend erklärt; dass es
sich aus der äusseren parenchymatösen Masse der Gallen absetzt und
vom Insekte eingesogen wird, so dass es sich bei der Untersuchung
der Nahrungsmasse der Beobachtung entzieht, ist deshalb nicht mög-
lich, weil auch jenes äussere Parenchym bei der Analyse viel weni-
ger Fett als das Insekt enthält. Das Wahrscheinlichste ist daher, dass
ein beträchtlicher Theil des Stärkemehls in Fett umgewandelt wird.
— Die Salze endlich sind für den Haushalt der Insekten von geringer
Bedeutung, da das Knochengerüst fehlt; sie sind zu 1,20 bis 1,50 in
der Centralmasse der Galle vorhanden und bestehen hauptsächlich in
Phosphorsäure, Kali carbonicum und Kalk. Die erstere und das letz-
tere wurden auch im Insekte nachgewiesen, und zwar zu 0,566. Man
kann aus diesen Zahlen schliessen , dass die Insekten eine bestimmte
Menge phosphorsauren Kalks und anderer Salze an organische Säuren
binden, dass dieselben aber nicht für ihre Entwickelung benutzt
werden.
Nach den Untersuchungen der beiden Verf. stellt sich also her-
aus, dass die Gallen bewohnenden Insekten sich in der Art ihrer Er-
nährung nicht von den übrigen Thieren entfernen; sie bedürfen dazu
sowohl stickstoffhaltige als verbrennbare Substanzen und nebenbei
auch Salze. Sie fixiren den Stickstoff ihres Nahrungsmittels und e?
1?2 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ist in dieser Beziehung das merkwürdige Verhallen, welches zwischen
dem Nahrungsmittel und der AssimilisationskraCt der Larve besteht, von
grösslem Interesse; in beiden ist nämlich die Masse des assimilirba-
ren Stoffes fast gleich. Die für die Respiration bestimmten Nahrungs-
stoffe sind zum grössten Theile Stärkemehl ; der Zucker spielt nur
eine kleine Rolle, viel beträchtlicher ist aber das Fett; ein Theil
desselben wird durch die Einwirkung des Organismus auf das Stärke-
mehl aus diesem producirt. Ob dies, nach Liebig's Theorie, durch
Desoxydation des Amylum oder auf anderem Wege bewerkstelligt
wird, muss dahin gestellt bleiben. Jedenfalls befinden sich die so fet-
ten und gut genährten Cynips-Larven in einer für das Fettansetzen
sehr günstigen Lage; so eng eingeschlossen, dass eine Bewegung
kaum möglich ist, können sie auch nur eine sehr träge Respiration
haben und eine solche ist bekanntlich für die Anhäufung des Fettes
sehr günstig ; ausserdem wird auch durch die festen umhüllenden Be-
deckungen nur äusserst wenig Luft ein- und ausgelassen.
Czech „Ueber den Ursprung der Gallen an Pflanzen-
theilen" (Enlomol. Zeit. S. 334) bestreitet die allgemein an-
genommene Ansicht^ dass die Gallen durch den einmaligen
Stich des betreffenden Insektes hervorgerufen werden. Viel-
mehr wird, nach ihm, das Wachsthum der Gallen durch eine
Absonderung der darin lebenden Larve bedingt,, indem so-
gleich mit dem Absterben der letzteren einer Vergrösserung
der ersteren Einhalt gelhan wird.
Les planles herbacees d'Europe et leurs Insectes, (pcur
faire suile aux arbres et arbrisseaux d'Europe el leurs in-
sectes) par J. Macquart. Tom. I. 1854. (Extrait des Me-
moires de la sociele imperiale de Lille.) Ein früheres Werk
des Verf., welches die Insekten der Bäume und Sträuche Eu-
ropas behandelt, ist in diesen Berichten nur dem Titel nach
bekannt gemacht worden; das vorliegende bildet eine Fort-
setzung dazu , und wird ein Bericht über dasselbe , zumal
demselben ein Nachtrag zu dem ersten Werke beigefügt ist,
zugleich über den Inhalt und die Anlage jenes Aufschluss
geben.
Eine Arbeit, wie die vorliegende, welche durch die Blicke, die
sie in die Oekonomie der Natur wirft, von so grossem Interesse ist,
bietet in der Ausführung grosse und unverkennbare Schwierigkeiten
dar. Für den Unternehmer ist es daher von vorn herein nöthig, bei
der Anlage eines solchen Werkes ganz bestimmte Grundsätze und
Grenzen festzustellen und diese consequent durchzuführen. Für die
während ties Jahres J854. 1*3
vorliegende Arbeit hätten diese, nach der Ansicht des Ref., darin
bestehen müssen , bei jeder einzelnen Pflanze diejenigen Insekten zu
verzeichnen, welche durch sichere Beobachtung, als in ihrem Larvett-
zustande sich von derselben nährend, festgestellt worden sind, und
wenn die von anderen Forschern bekanntgemachten ISaturgeschichte
nicht wiederholt werden sollte , wenigstens auf den Ort, wo dieses
geschehen, hinzuweisen. Auf die grösste Anzahl der ausgebildeten
Insekten hätte dabei natürlich gar nicht oder wenigstens nur ganz
allgemein eingegangen werden können , da ihr Aufenthalt auf dieser
oder jener Pflanze meist nur zufällig ist. Diese Anforderungen erfüllt
nun das Werk von Macquart in keiner Weise, denn wenn er z.B.
als Insekten der Algen und Fucaceen einige Slaphylinen , Ilisteren,
Heteromeren u. a. anführt, welche sich zufällig am Meeresstrande un-
ter denselben verbergen, so ist darin gewiss kein besonderer Sinn zu
finden. Noch lächerlicher ist es fast, wenn bei der Familie der Moose
eine grosse Reihe von Insekten -Arten angeführt werden , die unter
Moos gefunden worden sind, da sie dieses, wie bekannt, doch nur zu
gewissen Jahreszeiten als Schutz gegen äussere schädliche Einflüsse
aufsuchen. Ebenso möchte der Versuch , die Insekten zu verzeichnen,
welche auf Gramineen angetroffen worden sind, ebenso unnütz
als unausführbar sein. — Dergleichen Trivialitäten abgerechnet, bie-
tet das Werk manche gute Seiten dar und wird gewiss jedem , der
sich über die in einer bestimmten Pflanze lebenden Insekten unter-
richten will , mehr oder weniger Aufschluss geben können ; als ein
Mangel ist es hierbei, wie gesagt, anzusehen, dass für die einzelnen
Beobachtungen keine Litteratur beigefügt und oft sogar der Name
des Beobachters selbst nicht angeführt worden ist. Für einzelne Ar-
ten hat der Verf. aus eigener Erfahrung Beobachtungen beigebracht
und zwar, wie es scheint, für solche, über deren Naturgeschichte ihm
keine Beobachtungen anderer bekannt geworden sind: übrigens ist das
für die Arbeit bis jetzt vorliegende Material keineswegs vollständig
benutzt und insofern auch manches schon Bekannte wieder aufgetischt
worden. — Was die Anordnung des Werkes betrifi*t , so ist mit der
Aufzählung der Pflanzen bei den Cryptogamen begonnen worden und
von den Phanerogamen ausserdem im vorliegenden ersten Theile des
Werkes die Familien von den Hydrocharideen bis zu den Scitamineen
abgehandelt worden. Auch in Rücksicht auf die Pflanzen hat der
Verf. keinen durchgreifenden Plan verfolgt, denn bald sind die auf
denselben lebenden Insekten nur bei einer Familie untergebracht, bald
sind sie auf die Galtungen und die Arten der Pflanzen vertheilt worden.
lieber den Sciiaden, welchen einzelne Insekten-Arien
durch massenhaflcs Auftreten den Cuilurpflanzen zufügten,
wurden folgende Millhcilungcn gemacht:
124 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Nach Lucas (Bullet, entora. S. 31) richtete eine kleine Wan-
zen-Art, Halticus pallicornis grossen Schaden unter Erbsen und BohJ.
nen durch Zerfressen der Blätter an, und Atomaria linearis trat (ebenda
S. 39) als Verwüsterinn der Runkelrüben auf; ihre Larven fressen
die jungen Triebe derselben , gleich nachdem diese hervorgeschossen
sind, und zerstören so die ganze Saat; minder gross ist der Scha-
den, wenn dies Insekt erst nach der Entwickelung der jungen Pflan-
zen auftritt, indem es dann nur kleine Löcher in die Wurzel hinein-
frisst. — Mendel erwähnte (Verhandl. des zoolog.-botan. Ver. zu
Wien 1853. S. 116), dass Bolys marginalis bei Brunn grosse Felder
von Raphanus sativus gänzlich verwüstete; die Schoten waren sämmt-
sich durchbohrt und alle Samen herausgefressen. — Nach Kalk brun-
ner (ebenda S. 135) zeigte sich Otiorhynchus ligustici dem Weinstock
schädlich, indem er die jungen Triebe desselben, besonders wenn die
Knospe der Weinrebe in der Wolle steckt, verzehrte. — Rondani,
Sugli insetti creduti produttori della malattia della vite (Gazetta di
Parma 1854) ist dem Ref. nur aus einer Notiz in den Verhandl. des
zoolog.-botan. Vereins bekannt geworden.
Wallace machte interessante Mittheilungen über die
Insekten, welche von den Eingebornen im Gebiete des Ama-
zonenstroms als Nahrungsmittel benutzt werden. (On the In-
sects used for food by the Indians of the Amazon, Transact.
entom. soc. IL S. 241 ff.)
Vorzüglich sind es fünf Insekten, welche eben so vielen Ord-
nungen angehören, denen die Eingebornen Brasiliens besonderen Ge-
schmack abgewonnen haben. Unter den Hymenopteren ist es die
über einen grossen Theil von Brasilien und Guyana verbreitete Atta
cephalotes (in der Sprache des Eingebornen Saüba genannt) , deren
Weibchen der grösste Leckerbissen der Indianer sind. Da sie in
Wäldern und Gärten oft Haufen von 20 Quadratfuss im Umfange an-
legen, so ist ihr Fang sehr ergiebig; haben sie sich in der Nachbar-
schaft eines Dorfes angesiedelt, so geht die junge Mannschaft nebst
Weibern und Kindern mit Körben und Flaschen aus, um sie einzu-
sammeln. Nur der Hinterleib , welcher durch die Menge der noch
unentwickelten Eier sehr nahrhaft ist, wird gegessen, indem er von
dem noch lebenden Thiere abgebissen wird ; zwischen inne führen
die Indianer öfter eine Hand voll Salz zum Munde. Sind sehr viele
solche Ameisen gefangen worden, so röstet man sie leicht und streut
Salz dazu ; in dieser Zubereitung finden sie auch bei den Europäern
Beifall. — Von Neuroptercn ist Termes flavicoUis Perty (Cupim der
Eingebornen) nicht nur die Lieblingsspeise der Myrmerophaga jubata,
sondern wird auch von den Indianern als Nahrung gebraucht; hier
sind es jedoch nicht die Weibchen , sondern die grossköpfigcn und
während des Jahres 1854. 125
sehr bissigen Arbeiter, welche man sammelt, und zwar dadurch, dass
mau Grashalme in die Termitenhaufen hineinsteckt, an welche sich
jene anbcissen. Die Indianer essen auch von dieser Art nicht den
Hinterleib, sondern den an Muskelmasse reichen Kopf und Thorax,
welchen sie ebenfalls vom lebenden Thiere abbeissen. Da sie einen
bitteren Geschmack haben, sind sie, ausser bei den Indianern, nicht
sehr geschätzt. — Von den Homopteren wird Umbonia spinosa, wel-
che oft in grossen Schaaren an den Inga-Bäumen schwärmt, als ]Sah-
rungsmittel eingesammelt; nach dem scharfen Dorn des Thorax zu
urtheilen, scheinen sie eben nicht zum Essen sehr geeignet zu sein,
doch sind sie zuerst, wenn sie erscheinen, ganz weich und zu dieser
Zeit ist es, wo man sie in irdnen Pfannen röstet; im Ganzen sind
sie übrigens weniger beliebt als die übrigen Insekten. — Unter den
Coleopteren ist es eine in Palmstämmen lebende Larve (Muxeiwa ge-
nannnt), welche wahrscheinlich einer Calandra angehört, die man
wegen ihres grossen Keichthums an Fett röstet und bratet; sie ist
übrigens nicht häufig und dient daher viel seltener als die anderen
Arten zur Nahrung. — Endlich gehört unter den Apteren die Kopf-
laus hierher, die freilich mehr als Delikatesse zu betrachten ist ; viel-
leicht ist sie von der unsrigen specifisch verschieden. Die Indianer
suchen sie sich gegenseitig aus den Haaren ab und führen sie so-
gleich zum Munde, wie man es bei den Affen unserer Menagerien zu
sehen gewöhnt ist.
V. Siebold gab (Entom. Zeitsch. S. 103) einen vier-
ten Nachtrag- zu seiner schon in den früheren Jahresberich-
ten erwähnten Abhandlung über die Fadenwürmer der In-
sekten. In demselben wird das Verzeichniss der von Fila-
rien und Gordiaceen behaftet gefundenen Insekten wiederum
mit 24 neuen Arien vermehrt.
Von den neu aufgeführten Arten gehören 4 den Coleopteren
(sämmtlich Carabicinen) , 4 den Orthopteren, 1 den Hymenopteren
(einer Blattwespe), 11 den Lepidopteren, 1 den Hemipteren und 3 den
Dipteren an. Aus der letztgenannten Ordnung war bisher kein Fall
der Art bekannt gewesen. Von den verschiedenen Schmarotzern ist
Mermis albicans der unter den Insekten bei weitem verbreitetste. In
Betreff der mehrfach aufgeworfenen Frage: „auf welche Art die jun-
gen Gordaceen in solche Insektenlarven gelangen mögen, welche vom
Anfange ihrer Entwickelung an in Knospen oder Früchten , in die
schon die Eier hineingelegt werden, leben," giebt v. Siebold der
Vermuthung Raum, dass jene Parasiten im Frühjahre, wenn sie keine
zum Einwandern passende Thiere an der Erde vorfinden, an den Bäu-
men hinaufklettern, bis sie solche Nester mit jungen Insektenlarven
antreffen.
126 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Dass Zwitterbildungen bei den Insekten überhaupt in
der Mehrzahl der Fälle nur äusserlich und oft sogar nur
scheinbar aufiretcn , wies auch v. Siebold in einem Auf-
satze „lieber Zwitterbildung der Insekten" (Enlom. Zeit. S. 98)
durch eine kritische Zusammenstellung aller bisher bekannt
gewordenen Fälle von Hermaphroditismus nach.
Ein wirlilicher Nachweis von gleictizeiligem Auftreten männli-
cher und weiblicher Geschlechtslheile in demselben Individuum ist
bis jetzt nur in zwei Fällen, und zwar beide Male an Lepidopteren,
geliefert worden. Üeberhaupt beschränken sich die bekannt gemach-
ten Fälle fast allein auf diese Insekten- Ordnung, indem aus anderen
Abtheilungen nur l Lucanus und 1 Rhizotrogus mit hermaphroditischer
Bildung bekannt geworden sind. Den letzteren , w^elcher nicht aus-
führlich beschrieben worden ist, glaubt v. Siebold nur für einen
scheinbaren Zwitter ansprechen zu dürfen, und zwar auf eine an
Melolontha vulgaris gemachte Erfahrung gestützt. Ein als Zwitter
angepriesenes Individuum mit einem scheinbar männlichen und weib-
lichen Fühler, erwies sich nämlich bei näherer Untersuchung durch-
aus als Männchen , dessen einer Fühler nur per defectum monströs
gebildet war, aber trotz der Kürze des Fühlers dennoch 7, und nicht,
wie beim Weibchen 6, Fühlerglieder besass.
Heeger setzte seine Beiträge zur Naturgeschichte der
Insekten Oesterreichs im 14. Bande der Sitzungsberichte der
Wiener Akademie mit der Beschreibung und Abbildung von
9 Coleopteren und 2 Physapoden in ihren verschiedenen Ent-
wickelungsstadien fort.
Von Motsch ulsky's Etudes entomologiques sind das
zweite und dritte Heft erschienen.
Jekel hat unter dem Titel: „Fabricia entomologica"
eine neue Entomologische Zeitschrift begonnen , von der im
Jahre 1854 das erste Heft in lilhographirter Schrift heraus-
gegeben worden ist. Nach der Ankündigung soll dieselbe
zur Aufnahme entomologischer Arbeilen jeder Art dienen.
Das vorliegende Heft enthält Arbeiten des Herausgebers über
einige Curculionen-Gattungen.
Eine andere neue Zeitschrift^ die dem Ref. nur dem
Titel nach bekannt geworden ist, erscheint jetzt in Leiden:
„Handelingen der Nederlandsche Entomologische Vereeniging.
DI. I. Stuk. j. Leiden 1854. 4. In einem späteren Berichte
während des Jahres 1854. 127
werden über dieselbe vielleicht nähere MUtheilungen geg-e-
ben werden können.
Burmeister unterwarf die von der Merlan in ihren
„Melamorphoses Insectorum Surinamensium" abgebildeten und
beschriebenen Insekten einer ins Einzelne gehenden, sorg-
fälliffcn Prüfung und wies auf Grund zahlreicher von ihm in
Brasilien angostelller Beobachtungen über erste Slände und
Verwandlungsgeschichte eine grosse Reihe von Irrlhümern in
dorn genannten Werke nach. (Abhandlungen der naturforsch.
Gesellsch. zu Halle, 2. Band.)
Viele von der Merian begangene Irrthümer lassen sich auf
den ersten Blick erkennen, wie z. B. die Abbildungen von künstlich
zusammengesetzten Stücken u. s. w. Zur Berichtigung anderer ist
aber eine an Ort und Stelle gewonnene Erfahrung nöthig und diese
hat B. hier im Interesse der Wissenschaft verwerthet. Oft sind zu den
Lepidopteren unrichtige Raupen und Puppen gestellt und zwar nicht
nur der Art, sondern oft sogar der Familie nach, z. B. Bombyx-Rau-
pen zu Tagfaltern u. s. w. Der Verf. hat nun in dem vorliegenden
Aufsatze die einzelnen Abbildungen der Merian der Reihe nach zu
bestimmen gesucht und überall , wo seine Beobachtungen abweichen,
die hierauf bezüglichen Bemerkungen mitgetheilt.
Hagen machte (Entomol. Zeit. S. 81) nähere Millhei-
lungen über die in Scopoli's Entomologia Carniolica ent-
haltenen Kupferlafeln (sehr selten) und suchte die auf den-
selben abgebildeten Neuropteren auf die in Krain vorkom-
menden Arien dieser Ordnung zurückzuführen.
Voyage au pole sud et dans POceanie, pendant les
annees 1837 — 40 , sur les Corvettes l'Astrolabe et la Zelee,
sous le commandement de M. Dumont d'Urvillc. Zoolo-
gie. Tome IV. Insectcs par E. Blanchard. Atlas, gr. fol.
Paris 1842 — 53. Jetzt vollständig erschienen.
Wenn Burmeister in dem neuesten Theile seines Handbuchs
der Entomologie darüber klagt, dass mit den B 1 an c h ard'schen Be-
schreibungen platterdings nichts anzufangen sei, so bestätigt die vor-
liegende Arbeit dieses Autors jenes Urtheil vollkommen; die Beschrei-
bungen des Verf. zeigen deutlich, dass er für dieses Feld der Zoolo-
gie entweder keine Befähigung hat, oder dass es ihm nicht im Ent-
ferntesten darum zu thun ist, die von ihm beschriebenen Formen an-
deren Forschef kenntlich zu machen. Kaum bei einer der neu aufge-
stellten Gattungen sind die unterscheidenden Kennzeichen hervorge-
hoben, sondern die, Beschreibungen sind alle nach einer bestimmten
128 Gerstaecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
Schablone gemacht, die vom Kopfe anfängt, mit den Füssen endigt
und von jedem dieser Theile in der Regel das sagt, was sich von
selbst versteht. Man kann also hier nur auf die meist schön ausge-
führten Abbildungen zurückgehen , um den Verf. zu verstehen, und
aus diesen ersieht man die völlige Unhaltbarkeit eines Theiles jener
Gattungen sehr leicht. So sind z.B. den ganz unhaltbaren Bonnel-
li'schen Untergattungen von Feronia wieder neue unter dem Namen
von Galtungen hinzugefügt, eine ächte Cymindis mit einer anderen
ganz verschiedenen Form zu einer und derselben neuen Gattung ver-
einigt, ein der Abbildung nach Scaphidium- ähnliches Thier mit lan-
gen, schlanken Fühlern und Beinen als Byrrhus beschrieben, ein von
Cryptophagus ganz verschiedener Käfer dieser Gattung zuertheilt und
diese Gattung selbst der Familie der Engiditen untergeodnet. Mög-
lich, dass der Verf. die Cryptophagen und Byrrhen zu denjenigen
Gruppen zählt, welche er als noch nicht genügend festgestellt und
durchgearbeitet betrachtet, vielleicht weil er sie selbst noch nicht
nach seiner Art zurecht gestutzt hat ! — Eine solche Bearbeitung ist
um so mehr zu bedauern, als das Werk eine grosse Anzahl interes-
santer neuer Formen vorzüglich von den Sunda- Inseln und den Ar-
chipelen des stillen Oceans zu unserer Kennlniss bringt , unter wel-
chen die Coleopleren die bei weitem am zahlreichsten vertretenen sind.
Ausser diesen sind nur noch Orthopteren und Lepidopteren auf der
Expedition gesammelt oder wenigstens in dem vorliegenden Werke
veröffentlicht worden , und zwar beschränken sich letztere auch nur
auf die Abtheilung der Rhopalocera.
V. Middendorf, Reise in den äussersten Norden und
Osten Sibiriens während der Jahre 1843 und 1844 ausgeführl.
2. Band, 1. Theil. Zoologie, Wirbellose Thiere. St. Peters-
burg 1851. — Obschon seit drei Jahren erschienen, ist ge-
nanntes Reisewerk in diesen Berichten noch nicht erwähnt
worden, weshalb hier nachträglich über dasselbe zu berich-
ten ist. Der entomologische Theil des Werkes ist vonMene-
tries cCoIeoptera , Lepidoptera und Orlhoptera) Erichs on
(Hymenoptera, Diptera und Neuroptera) und Grube (Para-
sita) bearbeitet worden, lieber letztere , die irn Separatab-
drucke erschienen sind, ist im Berichte über d. J. 1852 eine
kurze Notiz gegeben worden, und werden daher hier nur die
von Erich so n und Menetries bearbeiteten Ordnungen in
Betracht gezogen. Im Ganzen werden 161 Arten aufgeführt,
welche sich auf die einzelnen Ordnungen folgendermassen
vertheilen : 81 Coleoptera , 27 Lepidoptera, 4 Orlhoptera, '29
Hymenoptera, 18 Diptera und 2 Neuroptera, Die neuen Ar-
während des Jahres 1854. 129
ten sind ausführlich beschrieben und zum Theil auf Taf. 3
abgebihlet, die bekannten mit liinzufüguno; der Literatur und
der l^^undorte aufgeführt.
Als Anhang zu dieser Arbeil gab Menetries eine
Aufzählung derjenigen Insekten, weiche durch v. Baer an
den Küsten des Russisch-Europäischen Eismeeres gesammelt
worden sind. Dieselbe weist 60 Coleoptera (darunter eine neue
Chrysomela) , 3 Orthoptera , 1 Hemipteron , 7 Hymenoptera,
8 Diplera, 12 Lepidoptera und 2 Neuroptera nach. — Beide
Arbeiten sind von besonderem Interesse für die geographi-
sche Verbreitung der Insekten , indem eine grosse Zahl der
hier angeführten Arten auch der Europäischen Fauna ange-
hören; besonders ist von den Lepidoptera diurna bemerkens-
werth;, dass sie fast durchweg Europäische Arten sind.
Eine Reihe verschiedener Insekten aus den südlichen
Kirgisensteppen, den nördlichen Ufern des Aral-^ees und des
Sir-Darjas machte Eversmann im Bull, de la soc. des na-
lur. de Moscou 1854. No. III. p. 174 ff. bekannt. Auch giebt
derselbe als Einleitung einige allgemeine Bemerkungen über
den Charakter der Inseklenfauna dieser Steppen^ aus denen
folgendes hervorzuheben ist:
Im Allgemeinen sind die Steppen arm an Arten, aber reich an
Individuen; doch ist die Armuth nicht so gross, als man gewöhnlich
glaubt, da einerseits diese Steppen im Ganzen noch wenig untersucht
sind und andererseits einzelne Species nicht in jedem Jahre erschei-
nen. In einem Jahre ist z. B. eine Species in ungeheurer Menge
vorhanden, in dem darauf folgenden aber ganz verschwunden oder
nur durch sehr vereinzelte Exemplare vertreten. Daher kommt es,
dass fast jeder Reisende Neues mitbringt und bekannte Arten oft ver-
gebens sucht. Die Ursachen des periodischen Ausbleibens sind haupt-
sächlich doppelter Art: Einmal treiben bei grosser Dürre die Steppen-
pflanzen kaum einige Blätter und vertrocknen bald darauf, mit ihnen
geht die auf sie abgesetzte Brut zu Grunde. Zweitens wird durch
anhaltende Dürre, die nach einem starken Regen auftritt, der eigcn-
thümliche Lehmboden der Steppen so hart wie Stein , so dass die aus
der Puppe schlüpfenden Insekten ihn nicht durchbrechen können
und in ihrer Entwickelung umkommen müssen. Endlich werden auch
noch ganze Generationen von Insekten durch die grosse Anzahl von
Eidechsen und Vögeln vertilgt.
Belke gab eine Aufzählung der von ihm in der Um-
Atchiv. f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. T
130 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
gegend von Kamieniec bcobachtclen Insekten aller Ordnun-
gen ; die Zahl der angeführten Galtungen beläuft sich auf
508, der Arten auf 15(37. (Quelques mots sur le climat et
la faune de Kamieniec-Podolski , Bulletin de la soc. des natur.
de Moscou 1853. No. 2. p. 410 ff.)
Beiträge zur Kenntniss der Insektenfauna Siebenbürgens
wurden von Fuss, Bielz, Hampe und Mayr durch Auf-
zählung neu beobachteter Arten besonders aus den Ordnun-
gen der Coleopteren, Orthopteren, Neuropteren und Hemipte-
ren im 4. Jahrgange der Verhandlungen und Mittheilungen
des siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaft zu Her-
mannstadt gegeben. Auf einige daselbst beschriebene neue
oder weniger gekannte Arten ist an ihrem Orte hingewiesen
worden.
S 0 h i n e r und P o k o r n y gaben (Verhandl. des zoolog.-
botan. Verefns III. S. 24 und 151) Schilderungen von der m
der Adelsberger Höhle von ihnen gemachten zoologischen
Ausbeute, in welchen auch interessante Notizen über die da-
selbst vorkommenden Insekten enthalten sind.
Lucas hat seine Aufzählung der Gliederlhiere Gretas
in Guerin's Revue et Magas. de Zoologie VI. p. 28, 165,
278, 487 und 562 fortgesetzt und beendigt. Es folgt hier
zunächst die zweite Hälfte der Coleopteren und dann die
übrigen Insekten -Ordnungen, welche durchweg sehr dürftig
und meist durch die gemeinsten Arten vertreten sind. Von
neuen Arten kommen 8 den Coleopteren, 2 den Orthopteren
und 2 den Hemipteren zu. Die bekannten Arten sind mit
sehr ausführlicher Literatur versehen , ohne dass dadurch
etwas Neues beigebracht wird, so dass ein einfaches Namens-
verzeichniss dieselben Dienste geleistet hätte.
Ueber denselben Gegenstand machte auch Fra uen fe Id
(Verhandl. des zoolog.-botan. Vereins zu Wien 1853. ^. 125)
beachtenswerthe Mittheilungen und hob besonders das epi-
demische Vorkommen von Fadenwürmern in bestimmten Rau-
pen, wie es zu gewissen Zeiten beobachtet wird, hervor.
Der Verf. berichtet über einen Fall, wo aus einer grösseren
Anzahl von Raupen der Notodonta (Ftilophora) plumigera sich eine
sehr beträchtliche Menge von Filarien entwickelten. —- Ref. beobach-
während des Jahres 1854. t3l
tele vor einigen Jahren dieselbe Erscheinung bei Euprepia Caja, von
der er eine Quantität besonders grosser Raupen zur Zucht einsammelte ;
die meisten derselben gingen durch die sich aus ihnen hervorwinden-
den Filarien eu Grunde. — Frauenfeld fand auch stellenweise
zahlreiche Filarien in Forficulcn , oft 2 bis 3 Stück in einem Indi-
viduum ; der Hinterleib des letzteren erschien dadurch strotzend und
aufgeschwollen.
Einen interessanten Beilrag über das durch gewisse
Umstände bedingte sporadische Vorkommen von Insekten in
entfernten Gegenden gab Hagen (Entomol. Zeit. S. Slö).
Es werden hier drei süd-europäischen Insekten erwähnt, wel-
che sich einzeln in Preussen eingefunden haben: eine nicht näher zu
bestimmende Singricade, die ausgezeichnete Ephemeriden - Gattung
Palingenia longicauda und Acanthaelisis occitanica Banib. (JMyrmeleon
pisanum Panz.).
Eine merkwürdige Zwitterbildung bei Formica sanguinea
Lalr. , von welcher im letzten Jahrgange der Entoni. Zeit,
eine Abbildung gegeben worden war, wurde von Klug
(ebenda 1854. S. 102) näher besprochen und zugleich über
das Vorkommen solcher Abnormitäten unter den Insekten
überhaupt gehandelt.
Obwohl an dem hier erwähnten Ameisen-Zwitter äusserlich die
ganze rechte Seite einem flügelloseu Weibchen , die linke grössten-
theils einem Männchen angehört, wie sich aus der F'orm des Thorax
und Kopfes deutlich erkennen lässt , so scheint hier dennoch ein
wirklicher Hermaphroditismus nicht vorhanden zu sein, da an der
Spitze des Hinterleibes die männlichen Geschlechtsorgane deutlich
hervorragen und aus diesen wohl mit Sicherheit auf eine entspre-
chende Bildung des inneren Geschlechtsapparates geschlossen wer-
den darf.
Einen wichtigen Beitrag zur Kenntniss der untergegan-
genen Insekten-Schöpfungen gab F. Goldenberg in seiner
Darstellung „der fossilen Insekten der Kohlenformation von
Saarbrücken« (Dunker und vonMeyen, Palaeontographica
IV. p. 17—38, mit Taf. 3—6). Durch die hier bekannt ge-
machten Insektenformen wird nämlich die Ansicht H eers,
dass den Untergangsschichten ausschliesslich Insekten mit un-
vollkommener Verwandlung eigen seien , nur sehr theilweise
bestätigt, da neben Blattarien- und Termiten -Formen auch
Neuropteren aus der Gruppe der Sialiden und ein vom Verf.
132 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
als Frox- ähnliches Lamellicorn ang-psprochenes Insekt (frei-
lich mehr als zweifelhaft) aufgefunden worden sind.
Die vom Yerf. abgebildeten und beschriebenen Insekten - Reste
gehören folgenden Gattungen an : 3 Blattina, 1 Gryllacris, 4 Termes,
3 Diclyoneura, neue Sialiden-Gattung und 1 Troxites.
W e s t w 0 0 d, Contributions to fossil entomology (Quarterly
Journal of the geological sociely of London X. p. 378— 396)
giebt Nachricht über eine beträchtliche Anzahl in England auf-
gefundener fossiler Insekten, die zugleich auf Taf. 14—18 ab-
gebildet sind. Die hier bekannt gemachten Reste gehören In-
sekten aller Ordnungen an und sind meist von geringer oder
höchstens von mittlerer Grösse, so dass sie einer gemässig-
ten Zone angeiiört zu haben scheinen. Auffallend ist, dass
nur Theiie des Truncus und der Flügel vorhanden sind, alle
Extremitäten und Fühler dagegen fehlen. Ueberhaupt sind
die aufgefundenen Reste meist von der Art, dass sich über
die Gattung oder Familie, der sie angehören, wenig Bestimm-
tes sagen lässt. Mit der Deutung, welche der Verf. den ein-
zelnen Stücken beigelegt hat, kann Ref. in vielen Fällen nicht
übereinstimmen, am wenigsten aber die auch hier angewandte
Manier des Paläontologen gut heissen, auf jedes unbedeutende
Bruchstückchen gleich eine neue Gattung und Art zu be-
gründen.
Coleoptera.
Burmeister hat (Abhandlungen der naturf. Gesellsch.
zu Halle II. S. 125 ff.) seine schon vor einer grösseren Reihe
von Jahren begonnenen Untersuchungen über die Hinterflügel
der Coleopteren von neuem aufgenommen und ist zu der An-
sicht gelangt, dass dieselben eins der brauchbarsten Organe
für die Feststellung grösserer Familien -Abtheilungen seien,
während der Bau der Fühler, Mundtheile, Füsse und des Hin-
terleibes hierzu sich durchaus als unzureichend erweise. In
der vorliegenden Abhandlung hat der Verf. nun mit der Un-
tersuchung der verschiedenen Flügeltypen bei den Clavicor-
nien Latreille's begonnen und hat auf Grund deren syste-
matische Resultate erzielt , die sich wohl schwerlich allge-
meine Anerkennung erwerben möchten.
während des Jahres 1854. 133
Dass die Kcnntniss der Hinterflügel bei den Coleopteren von
ebenso grossem Interesse ist, wie bei den übrigen Insekten-Ordnungen,
ist von Niemandem, am AVenigsten von E r i c hs o n, gelaugnet worden,
welcher sie bei allen von ihm bearbeiteten Familien gründlich unter-
suchte; dies beweisen seine, im hiesigen öluseum noch befindlichen
Zergliederungen auf's Beste. Wie hätte auch ein so gründlicher For-
scher ein Organ unbeacbtel lassen können, welches, wenigstens in
einzelnen Familien, wie Cicindelen, Buprestiden, Mordellen u. a. ein
so wesentliches und fast ausschliesslich die Ortsbewegung vermitteln-
des ist. Eine andere Frage ist, ob die Structur dieses Organes so
auffallende und durchgreifende Unterschiede darbietet, dass darauf si-
chere systematische Eintheilungcn zu gründen sind. Beachten wir
in dieser Hinsicht die übrigen Insektenordnungen, so sehen wir, dass
bei fast allen die Aderung der Hinterflügel von gar keinem systema-
tischen Belange ist, und dass alle Classificationen nach dem Flügel-
geäder fast ausschliesslich die Vorderflügel in Betracht gezogen ha-
ben. Der gänzliche Mangel des Organs bei den Dipteren scheint
schon auf seine untergeordnete Bedeutung hinzuweisen, und bei den
Coleopteren steht die Struktur derselben gleichsam auf einer so ge-
ringen Entwickelungsstufe, wie dies schon durch die solide Bedeckung
angedeutet ist, dass sein systematischer Werth schon dadurch a priori
zweifelhaft wird. Zu dieser Ansicht wird wahrscheinlich Erichson
durch seine Untersuchungen gelangt sein und Ref. kann ihm nach sei-
nen eigenen Erfahrungen hierin nur beistimmen; durch die hier vor-
liegenden Resultate des sonst hochgeachteten Verf. wird er aber in
seiner Meinung nur noch bestärkt. Wenn nämlich, wie Burm ei-
st er meint, nach der Uebereinstimmung im Flügelbau die Histeren,
Silphalen, Scaphidier und Anisotomen im Vereine mit den Brachypte-
ren, Pselaphiden und Scydmaenen eine Gruppe ausmachen sollen, wel-
che den Lamellicornen als gleichwerthig zur Seite steht, so ist dies
wohl der beste Beweis für die systematische Unbrauchbarkeit des
betreffenden Organs. In Betreff der Scydmaenen und Fselaphen ist
noch zu erwähnen , dass der Verf. durchaus falsch unterrichtet ist,
wenn er glaubt, sie seien flügellos. Allerdings fehlen die Flügel bei
einigen Arten , nach meinen Untersuchungen z. B. bei Scydmaenus
coUaris und Bryaxis fossulata; bei der überwiegend grösseren Anzahl
sind sie jedoch nicht nur vorhanden, sondern sogar durch beträcht-
liche Grösse und milchweisse F'arbe ausgezeichnet, wie dies schon
Kun^e und Rcichenbach in ihren Monographien angegeben ha-
ben. Da ich mich wohl erinnerte, diese Käferchen öfter des Abends
im Fluge gefangen und noch mit ausgebreiteten Flügeln gesehen zu
haben, untersuchte ich eine Reihe von Arten in mehreren Exempla-
ren, wie Bryaxis sanguinea , haematica, Pselaphus Heisci , Batrisus
venustus, Scydmaenus hirticollis, tarsatus und Hellwigii, und fand bei
134 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
allen diesen die Flügel vollkommen entwickelt vor **). — Ueberhaupt
hat der Verf. in seiner Abhandlung gar nicht festgestellt, welche Un-
terschiede im Flügelbau wesentlich und daher für die Systematik mass-
gebend sind; denn die Umbiegungsstelle, welche z. 15. für die Histe-
ren dadurch bezeichnend sein soll, dass sie nahe der Wurzel gelegen
ist, wird sich jedesmal nach der kurzen oder langen Form des Kör-
pers modificiren. Jedenfalls wird jeder unbefangene Beurtheiler eine
grössere üebereinstimmung zwischen Fig. 10 (üermestes) und Fig. 13
(Hydrous) finden, als zwischen letzterer und Fig. 14 (Sphaeridium),
und dass die Verwandtschaft der beiden letzteren Thiere grösser als
die der beiden ersten ist, kann doch wohl nicht bestritten werden.
— Als einen auffallenden Missgriff muss ich es auch bezeichnen, wenn
der Verf. durch die Üebereinstimmung im Flügelgeäder verleitet , die
Gattung Bylurus zu den Engiditen bringen will ; dass letztere eine
subpentamerische Fussbildung zeigen , ist allerdings richtig, dass By-
turus dieser aber ganz entbehrt, ist ebenso augenscheinlich. Bei allen
Triplacinen Erich son's, von denen Lacordaire die mit Engis zu-
nächst verwandten Galtungen wohl zu ängstlich ausschloss (denn dass
ihre Taster nicht beilförmig sind, kann bei sonstiger vollkommener
Üebereinstimmung kein hinreichender Grund zur Abtrennung sein), ist
das erste Tarsenglied in gleicher Weise flach ausgebreitet und herz-
förmig wie die beiden folgenden, beiByturus ist es aber ganz schmal
und am Grunde des zweiten versteckt. Ferner werden alle Triplaci-
»en durch den fast unbeweglichen, in gleicher Ebene mit den Flü-
geldecken liegenden Thorax und die sehr kurzen, ganz im Büunde ver-
borgenen Taster fest bezeichnet; beiByturus hingegen ist der Thorax
lose eingelenkt, schräg nach vorn herabgeneigt und die Palpen sind
sehr lang und hervortretend. Uebrigens kann die systematische Stel-
lung von Bylurus neben Dasytcs und Melyris gar keinem Zweifel un-
terworfen sein, was schon, die Üebereinstimmung im Körperbau ab-
gerechnet, die Lebensweise sowohl der Larve als des ausgebildeten
Insektes beweist.
Genera des Coleopteres, oii Expose melhodique et crU
tique de tous les genres proposes jusqu'ici dans cet ordre
des insectes, par M. Th. Lacordaire. Tom. L u. II. Paris
1854. (Das Werk bildet einen Theil der Nouvelles suites ä
Buffon.)
Der berühmte Verf. beginnt hiermit ein Werk, welches durch
*) Auch Lacordaire sagt in seinen Genera des Coleopteres II.
bei den Scydmaenen unbegreiflicher Weise „Corps aplere", was nur
auf einen kleinen Theil der Arten Anwendung findet.
während des Jahres 1854. 135
die unglaubliche Mühseligkeit, welche zur Durchführung desselben
nöthig, zu den bewundernswerthesten , durch die Vollständigkeit des
darin enthaltenen Materials zu den nützlichsten und unentbehrlichsten
der gcsammten entomologischen Literatur gehören wird. Es ist all-
gemein bekannt, mit welchen Schwierigkeiten jeder Monograph einer
Gattung oder Familie bei dem heutigen Umfange der Literatur zu
kämpfen hat, um das gesammte literarische Material seiner Vorgänger
ausammenzubringcn und aufzufinden, und dass selbst bei den reich-
sten Hülfsmitteln eine Vollständigkeit in dieser Beziehung zu erzie-
len, fast ausser den Grenzen der Möglichkeit liegt. Ist nun diesem
Mangel auch für die letzten achtzehn Jahre durch die in diesem Ar-
chive erscheinenden Jahresberichte in etwas abgeholfen worden, so
bleibt doch noch ein sehr beträchtliches Feld der Literatur übrig, das,
je ferner es den heutigen Forschern liegt, um so grössere Hinder-
nisse im Auffinden von Einzelnheitcn darbietet. Es kann daher dem
Verf. nicht genug gedankt werden , wenn er in dem vorliegenden
Werke eine Darstellung des Status quo dieses Theiles der Entomolo-
gie giebt, auf Grund dessen mit Leichtigkeit fortgearbeitet werden
kann. Zu dem Zwecke sind sämmtliche bisher unter den Coleopte-
ren aufgestellte Gattungen in systematischer Reihenfolge ausführlich
beschrieben — so weit sie dem Verf. aus eigener Anschauung bekannt
waren, nach eigenen Untersuchungen, wo nicht, nach den von den
betreffenden Autoren gegebenen Darstellungen — und mit den Cita-
ten aller ihnen zugehörigen Arten versehen worden. Natürlich setzt
der Verf. in Betreff der letzteren die Bekanntschaft des Lesers mit
den Hauptwerken der entomologischen Literatur, wie monographische
Bearbeitungen ganzer Familien und Gattungen voraus, und trägt, wo
solche existiren , nur noch das später hinzugekommene Material nach.
Auch ist auf die ersten Stände der einzelnen Familien und Gattungen
Rücksicht genommen und die hierauf bezügliche Literatur angeführt
w^orden. Die beiden bis jetzt vorliegenden Bände des Werkes um-
fassen, der erste die Familien von den Cicindelen bis zu den Palpi-
cornien, der zweite von den Paussiden bis zu den Heteroceriden. Zu
Ende jedes Bandes will der Verf. , wie es auch schon beim zweiten
geschehen ist, einen Nachtrag geben, welcher das während des Er-
scheinens des Werkes hinzugekommene Material enthält. Der in der
Vorrede angekündigte, die Beschreibungen erläuternde Atlas ist dem
Ref. bis jetzt noch nicht zu Gesicht gekommen. Dem Werke kann
wohl keine bessere Anerkennung gezollt werden , als durch den
Wunsch, dass den übrigen Insekten-Ordnungen bald eine gleiche Be-
arbeitung zu Theil werden möge.
Genera des Coleoplcres d'Europe, comprenant leur clas-
siftcatioii cn [amillcs naturelles , la description de tous les
136 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
genres, le catalogue de tous les cspeces etc. par Jacque-
lin duVal et Jules Migneaux. Paris 1 — 6. Livr. 1854.
Ein sehr nützliches Unternehmen, welches den Zweck hat, die ver-
schiedenen Europäischen Coleopleren-Formen durch gute Abbildungen
eines oder mehrerer Gattungs- Repräsentanten zu versinnlichen. Das
Werk erscheint in Lieferungen von einem halben Bogen Text und drei
Tafeln, von denen jede fünf Figuren mit einigen die Gattungscharaktere
erläuternden Details enthält. Die Abbildungen sind mit Sauberkeit
ausgeführt und grossentheils sowohl im Umrisse als im Colorit recht
charakteristisch. Die einzelnen Familien werden hinter einander ab-
gehandelt, was als ein Vorzug vor den ähnlichen deutschen Werken,
Avelche meist beliebige Arten ohne Ordnung veröffentlichen, anzuse-
hen ist. Zwar ist nicht der Anfang mit den Cicindelen gemacht, son-
dern in den ersten l^ieferungen eine Darstellung der Curculionen ge-
geben, welche der Verf. als besonders schwierig und deshalb einer
Bearbeitung benöthigt hinstellt; indessen ist die Einrichtung des Wer-
kes von der Art, dass nach Vollendung desselben die einzelnen Fa-
milien beliebig angeordnet werden können. — Was den Text der vor-
liegenden ersten Lieferungen , welche einen Theil der Curculionen
enthalten, betrifft, so lässt derselbe wohl in vieler Beziehung etwas
zu wünschen übrig. Hauptsächlich wird oft die gerade in dieser Fa-
milie sehr nölhige Critik vermisst. Zuvörderst sind die Bruchiden
nach Schönherr's Vorgang auch hier wieder als eine Gluppe der
Curculionen behandelt, von denen sie in der Bildung der Mundtheile,
der Fühler u. s. w. durchaus abweichen ; sie müssen, wie es schon
Latreille gethan hat, durchaus als eigene Familie hingestellt wer-
den. Ferner sind Schönherr's systematische Irrthümer meist un-
verändert angenommen worden; Rhamphus, eine modificirte Orche-
stes-Form, steht auch hier wieder neben Brachycerus, Fhyllobius
neben Cleonus (letztere ist mit Lixus und Larinus zu den sogenann-
ten Rhynchaenen von Fabricius zu stellen) u. s. w. Auch sind
manche unhaltbare Gattungen, wie z. B. Auletes, Tyloderes , Grypi-
dius u. a. beibehalten worden; in anderen hingegen, wie Omias, Scia-
philus u. s. w. verschiedene Elemente vereint geblieben. — Auf die
neu errichteten Galtungen ist an ihrem Orte näher eingegangen wor-
den. (Siehe Cuculiones !)
Insecta Maderensia; being an account of the insects of
llie Islands of the Madeiran group. ßy T. Vernon Wolla-
ston. London 1854. — Ein Prachlwerk, welches die Käfer-
fauna von Madera und den zunächst liegenden Inseln in mu-
sterhafter Weise behandelt. Dreizehn von West wo od ge-
zeichnete Tafeln^ welche die wichtigsten neuen Formen zur
' während des Jahres 1854. l37
Anschauung bringen, lassen in technischer Hinsicht nichts zu
wünschen übrig, wenn auch vielen Figuren die \\en meisten
Englischen Abbildungen anhängende Oulrirlheit nicht abge-
sprochen werden Kann. Alle schon bekannten Gallungen und
Arten sind mit gleicher Genauigkeit und Ausführlichkeit wie
die neuen beschrieben, was bei vielen wenigstens als über-
flüssig betrachtet werden könnte.
Bekanntlich sind die Faunen einzelner Inseln und Inselgruppen
stets von grossem Interesse für die geographische Verbreitung der
Thiere , indem sie am deutlichsten Aufschluss über die ursprünglich
eingebornen Geschöpfe geben. Von besonderer Wichtigkeit ist jedoch
die Durchforschung einer solchen Inselgruppe, wie sie Madera mit
einigen kleineren Inseln bildet, welche zwei grossen Ländermassen,
w^ie Europa und Afrika, mitten inne liegt. Auch für Madera hat sich
die Erfahrung, dass die Inseln stets ganz eigenthümliche Formen her-
vorbringen, bewahrheitet; allerdings zeigt sich in vieler Beziehung
eine Uebereinstimmung der Colcopteren- Fauna mit der des Mittel-
meerbeckens, doch ist die Zahl der hur auf jene Inselgruppe beschränk-
ten Gattungen und Arten so beträchtlich , dass die Fauna derselben
hierdurch ein sehr eigenlhümliches Gepräge erhält. Dieses Resultat
ist um so wichtiger, als es mit dem vonAlbers in Betreff der Land-
und Süsswasser-Conchylien von Madera erlangten vollkommen zusam-
mentrifft. Im Ganzen sind bisher 482 Arten von Coleopteren auf der
Madera-Gruppe aufgefunden worden und von diesen sind 281 dersel-
ben eigenthümlich ; von den 213 Gattungen , denen sie angehören,
kommen 34 nur allein hier vor. Unter den einzelnen Familien sind
am zahlreichsten vertreten: die Curculionen mit 80, die Staphylinen
mit 73 und die Caraben mit 63 Arten; hingegen fehlen die Familien
der Cicindelen, Buprestiden und Pselaphiden gänzlich. Von Gattungen
sind als besonders artenreich zu erwähnen: Tarphius mit 15 (nur eine
Art in Europa), Acalles mit 13, Atlantis, eine neue Curculionen-Gat-
tung aus der Gruppe Cyclomides, mit 14, Uomalota mit 15, Ptinus
mit 10, Trechus und Helops mit 9 Arten; dagegen sind von bekann-
teren und weit verbreiteten Gattungen* ganz aus jener Inselgruppe
ausgeschlossen : Carabus, Nebria, Silpha, Necrophorus, Cetonia, Tele-
phorus, Tentyria, Pimelia, Asida und ütiorhynchus. Erwähnenswerlh
ist auch das Vorkommen von nur einer Elateriden- Art, die zugleich
eine neue Gattung bildet. Charakteristisch für eine grosse Anzahl der
Maderenser Coleopteren sind dunkle Färbung^ und das Fehlen der Flü-
gel; das letztere Merkmal findet sich bei 178 Arten, welche Zahl ein
Dritttheil der Gesammtmasse bei weitem übersteigt, und bei sehr vie-
len der neu aufgestellten Gattungen , welche an ihrem Orte nachzu-
sehen sind.
138
GerstaecUer: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Die fernere Bearbeitung der von Peters in Mossam-
bique gesammelten Coleopteren (von den Heteromeren an)
ist vom Ref. übernommen worden. Vorläufig sind die Dia-
gnosen der neuen Gattungen und Arten in den Bericliten der
Akademie der Wissenschaften zu Berlin veröffentlicht wor-
den, und ist zunächst mit den Tenebrioniden und Vesicantien
der Anfang gemacht. (Siehe unter diesen Familien !)
Eine vierte Abhandlung über die Insekten von Mossam-
bique hat Bertoloni in den Memorie delP Academia delle
Scienze di Bologna IV. p. 345 veröffentlicht: Illusirazione dei
prodotti natural! del Mozambico, dissertazione IV. Dieselbe
ist der ausführlichen Beschreibung einer ausgezeichneten
neuen Art der Gattung Goliathus Lam. gewidmet. (Siehe Ce-
loniariae!)
De Coleopteris, quae Ose. et AI fr. Brehm in Africa
legerunt, disseruit J. H. Apetz. Altenburg 1854.
Der Verf. giebt in dem vorliegenden ersten Theile seiner Ar-
beit eine Aufzählung von 60 in Sennaar und Dongola gesammelten
Coleopteren aus den Familien der Cicindelen, Carabicinen, Dytisciden,
Gyrinen und Ilisteren. Unter denselben sind auch einige neue Arten
beschrieben; bei den schon bekannten ist besonders auf die geogra-
phische Verbreitung Rücksicht genommen.
Unsere Kenntniss der Coleopteren- Fauna Chinas wurde
durch verschiedene Beiträge bereichert : 1. Westwood, De-
scriplions of some new Species of Coleoptera from China and
Ceylon. (Transact. of the entom. soc. II. p. 232 u. ff.) — 2.
v. Motschulsky, Coleopteres du nord de la Chine (Shin-
gai), in den Etudes entomol. 3. Jahrg. S. 63 ff. — 3. v.
Motschulsky, Diagnoses de Coleopteres nouveaux, trou-
ves par M. M. Tatarinoff et Gaschkevvilsch aux environs de
Pekin. (Etudes entomol. 2. Jahrg. S. 44 ff.) — 4. Mene-
tries, Coleopteres recueillis dans la Mongolie Chinoise et
aux environs de Pekin. Etud. entomol. 3. Jahrg. S. 26 ff. —
Die hier beschriebenen neuen Arten und Gattungen sind an
ihrem Orte einzeln namhaft gemacht.
Chevrolat lieferte einen Beitrag zur Coleopteren-
Fauna Syriens durch Bekanntmachung von zwanzig daselbst
neuerdings aufgefundeneu Arten. (Guerin Rev. et JMagaz.
4e ZooLVi. p. 389 ff.)
während des Jahres 1854.
139
Calalogue des especes (rinsectes Coleoptercs recueillies
par M. F. de Saulcy pendant son voyage cn Orient, par
L. Reiche. 4. Paris 1854. — Ein Verzeichniss von 600 Co-
leopleren-Arlcn , welche auf einer Reise durch Allica, dem
Peloponnes, Constantinopel, Bairut und Syrien gesammelt
worden sind. Eine beträchtliche Anzahl neuer Arten, welche
durch einen Stern bezeichnet sind, sollen demnächst in den
Annales de la soc. enlom. bekannt gemacht werden. Her-
vorzuheben, wenn auch nicht als Vorzug, ist eine neue ei-
genthümliche Familien-Nomenklatur, in folgender Art: Cicin-
delii, Carabii, Lamellicornii, Melasomii, Curculionii etc.
Dritter Nachtrag zur Käfer -Fauna der Nordamerikani-
schen Länder des Russischen Reiches vom Grafen Manner-
heim (Bulletin de la soc. imp. des naturalistes de Moscou,
Jahrg. 1853. No. 3. S. 95—273.)
Es bildet diese Arbeit eine abermalige Ergänzung zu den in
den Jahrgängen 1843, 1846 und 1852 derselben Zeitschrift erschie-
nenen Abhandlungen des Verf. und wurde durch unerwartet reiche,
neue Ausbeute von den Inseln Sitkha und Kadjak und der Halbinsel
Kenai veranlasst. INach lleducirung einer Reihe Molschulsky'scher
Arten auf schon früher beschriebene, stellen sich dem Verf. im Gan-
zen 540 Coleopteren-Arten als aus dem nordamerikanischen Russland
bis jetzt bekannt heraus. Die bei weitem grösste Artenzahl enthal-
ten die Familien der Carabicinen (114) und Staphylinen (106); nächst
diesen die Dytisciden (35), die Elateren (30) und die Silphen (25)*).
— In dem vorliegenden Beitrage sind im Ganzen 265 theils neue,
thcils bisher unvollständig bekannte Arten beschrieben, von denen
einige zugleich zur Aufstellung neuer Gattungen Anlass gaben. Die»
selben sind an ihrem Orte einzeln namhaft gemacht worden.
Zur Kenntniss der Nord-Amerikanischen Käferfauna hat
*) Graf Manner heim will hier bei der Aufzählung der ein-
zelnen Familien eine neue INomenklatur einführen, indem er der An^
sieht ist, alle Familiennamen müssten gleichsam als Adjectiva zum
ürdnungsnamen Coleoptera eine neutrale Endigung annehmen. So
unnöthig und gezwungen dies von vorn herein ist , so müssten dann
doch wenigstens die Kamen richtig gebildet sein ; wenn der Verf.
aber aus ßyrrhus — Byrrhia , Buprestis — Buprestia, Elater — Ela-
teria u. s. w. bilden will, so möchten solche Barbarismen sich wohi
scUwejliQh einer günstjgea Äafnahme zu erfreuen haben.
140 Gerstaecker: Bericht üb. d, Leislutigen in d. Entomologie
Le Coüte wiederum zahlreiche und werlhvolle Beiträge ge-
liefert, welche im 7. Bande des Proceedings of the academy
of natural sciences of Philadelphia veröffentlicht sind. Aus-
ser der Bearbeitung einzelner Familien, wie der Anchomenini,
Cucujides, Dermestini, Byrrhii, Trogides, Oedemeritae und
Erolylenae, welche an ihrem Orte näher berücksichtigt wor-
den sind, wurden folgende Beiträge zur Kenntniss einzelner
Lokalitäten von ihm gegeben : Descriptions of new Coleoptera
collected by T h. Webb in the years 1850—52 (a. a. 0.
S. 229 ff.) — Descriptions of some new Coleoptera from Ore-
gon (p. ]6.^ — Notice of some Coleopterous Insects from
the collections of the Mexican ßoundary Commission (p79.)
— Some corrections in the nomenclature of Coleoptera found
in the United States (p. 216.) — Während der Verf. in den
ersten drei Aufsätzen eine grössere Anzahl neu entdeckter
Arten beschreibt , giebt er in dem letzten zahlreiche syno-
nymische Bemerkungen über Gattungen sowohl als Arten,
welche zum grössten Theile in den Arbeiten Nordamerikani-
scher Entomologen aufgestellt worden sind.
Mulsant's Histoire naturelle des Coleopteres de France
ist mit dem 5. Bande fortgesetzt worden, welcher die Bear-
beitung eines Theiles der Heteromeren , die Melasomen im
Dejean'schen Sinne enthält. Der Verf. stellt für dieselben
unnützer Weise einen neuen und noch dazu schlechtgewähl-
ten Namen „Laligenes" auf. Das Werk, welches mit der am
Verf. rühndich bekannten Sorgsamkeit gearbeitet ist, wird an
seinem Orte näher berücksichtigt werden.
Von den „Opuscules entomologiques" desselben Verf.
ist im Jahre 1854 das 5. Heft erschienen, welches eine Fort-
setzung des im vorigen Jahresberichte erwähnten „Essai d'une
division des derniers Melasomes" bringt. Siehe darüber diese
Familie !
L. Fairmaire et A. Laboulbene, Faune entomo-
logique frangaise ou description des insectes , qui se trou-
vent en France. Coleopteres, Tom. I. Lief. 1 u. 2. Paris 1854.
Dies im Duodez -Format erscheinende Werkchen wird den
Französischen Entomologen als Handbuch zum oberflächlichen
Bestimmen gewiss crspriessliche Dienste leisten. Auf allge-
während des Jahres 1854. 14l
ineinere wissenschaftliche ßedeulung macht es schon in der
Anlage keinen Anspruch, indem z. B. die angeführte Litera-
tur nur auf den ersten ßeschreiber jeder Art beschränkt und
überhaupt der Raumersparniss wegen überall die grösslinög-
liche Kürze beobachtet worden ist. — Die vorliegenden bei-
den Lieferungen enthalfen die Familien von den Cicindelen
bis zum Anfange der Slaphylinen und bringen auch mehrere
neue Arten zur Kenntniss, die bei den einzelnen Familien an-
geführt sind.
Von Bach's „Käferfauna für Nord- und Milleldeulsch-
land mit besonderer Rücksicht auf die preussischen Rhein-
lande" ist die zweite Lieferung des zweiten Bandes erschie-
nen, welche die Curculionen enthält.
Da hier das S c h ön h e rr'sche System mit allen seinen Fehlern
im Auszuge wiedergegeben worden ist , so wird das Auffinden und
die Ermittelung mancher unrichtig gestellten und unhaltbaren Galtung
dem Anfänger gewiss Schwierigkeiten bereiten, zumal solche Mängel
bei der analytischen Methode viel deutlicher hervortreten. Bei der
Aufstellung neuer und der Bestimmung schon bekannter Arten ist der
Verf. oft nicht mit der nöthigen Genauigkeit zu Werke gegangen,
indem von ersteren manche mit schon beschriebenen zusammenfallen,
von letzteren mehrere mit den gleichnamigen Arten früherer Autoren
nicht übereinstimmen. Auch hätten einige komische Irrthümer bei
der Etymologie der Gattungsnamen vermieden werden können, wie
z. ß. Bradybatus „langsam gehend" bedeutet, während der Verf. „ßQa~
Jus« sonderbarer Weise mit „Linse" übersetzt.
Von Küster's „Käfer Europas** ist das 28. Heft aus-
gegeben worden, wenigstens dem Ref. kein ferneres zu Ge-
sicht gekommen.
Ein Verzeichniss der bei Dublin vorkommenden Käfer
lieferte Hogan im Zoologist p. 4l3G, 4195 u. 4338.
Göbel, Grundlage zur Kenntniss der um Sondershau-
sen vorkommenden Käfer im Schulprogramm des Sonders-
hausener Gymnasiums von 1854. Dasselbe enthält eine Auf-
zählung von 1015 Arten mit Bemerkungen über Häufigkeit
und Fundorte.
Ha bei mann gab (Entom. Zeil. S. 27) Notizen über die
bei Misdroy in Pommern von ihm aufgefundenen Coleopleren,
unter denen sich eine grosse Anzahl seltner und interessan-
ter Arten aufgeführt finden.
142 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
In gleicher Weise behandelte Kr a atz (ebenda S. 121)
die Coleopteren -Fauna des Aarthaies, welche sich als von
der nächsten Umgebung wesentlich verschieden herausstellt.
Fächer, lieber die Käfer in den Umgebungen von
Sagritz und Heiligenblut. (Jahrbuch des naturhistorischen
Museums in Kärnthen, 2. Jahrgang). Nach Vorausschickung
einiger allgemeinen Bemerkungen über die betreffenden Loka-
litäten giebt der Verf. eine Aufzählung der bis jelzt daselbst
beobachteten Arten, deren Zahl sich durch fernere Nachfor-
schungen jedenfalls noch sehr erheblich vermehren wird.
Schaschl (ebenda, 3. Jahrg. S. 89— 144) lieferte ein
Verzeichniss der um Ferlach beobachteten Käfer, welches
einen grösseren Artenreichthum als das vorige nachweist.
„Zur Fauna der Nieder-EIbe." Verzeichniss der bisher
um Hamburg aufgefundenen Käfer. Mit Angabe der Fund-
orte und sonstigen Bemerkungen, von B. Endrulat und H.
Tessin. Hamburg 1854.
Das drei Bogen starke Schriftchen hat den Vorzug, dass nur
Solche Arten aufgenommen worden sind , die den beiden Verf. aus
eigener Erfahrung , als bei Hamburg vorkommend, bekannt geworden
»ind. Schwierig zu bestimmende und seltene Arten sind in demselben
nur dürftig vertreten.
Rouget, Catalogue des Insectes Coleopteres du de-
parlement de la Cöte-d'Or (Memoires de l'academie des scien-
ces etc. de Dijon. Annee 1854. p. 85 ff.) erstreckt sich bis
jetzt nur auf die Familien der Cicindelen, Caraben, Dytisci-
den und Gyrinen; bei den einzelnen Arten sind ausführliche
Bemerkungen über Lebensweise und Vorkommen gegeben.
Bielz und Hampe gaben als Nachtrag zu dem von
ihnen gelieferten Käferverzeichnisse Siebenbürgens eine Auf-
zählung von 77 daselbst neu aufgefundenen Arten, worunter
ein neues Byrrhus. (Mittheilungen des Siebenbürg. Vereins
zu Hermannstadt. 4. Jahrg. S. 222.)
Letzner besprach die von ihm am Knieholze (Pinus
pumilio) des Riesengebirges als schädlich beobachteten Kä-
fer; es sind besonders Bostrichus typographus, bidens, Cal-
lidium dilatatum und Pissodes abietis. Von letzterer Art be-
schreibt er auch die noch nicht bekannten ersten Stände.
während des Jahres 1854. 14^
„Hydrocanthares de la Russi<i, calalonruises par B. de
Motschulsky. Helsingfors 1853.'^ Es ist dies ein syste-
rnalisches Verzeichniss der in Russland vorkommenden Dy-
lisciden , Gyrinitcn , Palpicornien , Georyssen, Parniden und
Heteroceren. Nach der vom Verf. beliebten Methode sind
auch hier zahlreiche unbeschriebene Gattungs- und Arlnamen
aufgenommen worden.
Perris setzte seine „Hisloire des Insectes du Pin ma-
ritime« in den Annales de la soc. entom. II. p. 83 und 593
fort und behandelte daselbst die Naturgeschichte der von ihm
beobachteten Arten aus den Familien der Histeren, Lamelli-
cornen, Buprestiden, Elateren, Malachier, Clerier und Plinio-
ren. Die ersten Stände derselben sind auf drei Tafeln abge-
bildet worden.
Curtis gab (Transact. of the entom. soc. Hl. S. 33.
Taf. 5) Beschreibungen und Abbildungen einiger Coleopteren-
Larven, welche übrigens mit Ausnahme des ßoletophagus re-
ticulatus schon hinlänglich bekannt sind.
C'icindeletae. Neue Arten, von Blanchard (Voyage au
pole sud) abgebildet und beschrieben, sind: Cicindela insularis von
den Philippinen, Boyerii von Borneo, sanguineomaculata vom Salomon-
Archipel, variolosa von Neu-Guinea, viliensis von den Yiti-Inseln und
Monlratelü von der Rafles-Bay.
Le Conte beschrieb (Proceed. acad. Philad. VII. p. 220") Cicin*
dela praelextala und lemniscata von San Diego. — Ebenda p. 32 setzt
er die Unterschiede von Amblychila cylindriformis Say aus Neu-Mexico
und A. Piccoloininii Reiche aus Californien auseinander, die er für
zw^ei gut unterschiedene Arten hält ; auf letztere glaubt er A. cylin*.
driformis Lacord. beziehen zu müssen.
Reiche berichtigt die von Ghiliani (siehe vorigen Jahres-
bericht!) ausgesprochene Ansicht, dass Cicindela Audouini Barth, und
Ritchii Vigors specifisch verschieden seien, dahin, dass Ghiliani
gar nicht die richtige Cic. Ritchii vor sich gehabt habe, sondern eine
als Cic. Peletieri Lap. i. lit. verbreitete, aber noch unbeschriebene
Art dafür gehalten. Die beiden erstgenannten Arten seien allerdings
identisch, die von Ghiliani beschriebene Cic. Ritchii aber ver*.
schieden und für letztere würde sich der Laporle'sche Name am
besten eigenen. (Bullet, entom. p. 56.)
Bemerkungen über die Lebensweise einiger Chinesischer Cicin-
delen, Tricondylcn , Colliuris etc. von Bowring theilte Westwood
(Transact. entom. soc. II. p. 232) mit.
144 Gerstaecker: ßericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Carabicini« Die britischen Carabicinen hat Dawson in
einem selbstständigen Werkchen, betitelt: „Geodephaga Britannica, a
Monograph of ihe Carnivorous Ground Beetles indigcnous to the Bri-
tish Isles, by J. F. Dawson. Coloured Plales. London 1854." bear-
beitet. Die Anzahl der bisher in England aufgefundenen und hier
beschriebenen Arten dieser Familie beläuft sich auf 294, wovon vier
als neu zu erwähnen sind: üijschirins impunclipennis und jejunus, Har-
palus Wollaslonii und Stenolophus derelidus. Seit dem Erscheinen von
Stephens's Alanual i. J. 1839 ist die Englische Carabicinen -Fauna
überhaupt mit 34 theils neuen, theils neu aufgefundenen Arten be-
reichert worden.
Chaudoir hat sein Memoire sur la famille des Carabiques
mit einem vierten Theile im Bulletin de la soc. imp. naturalistes de
Moscou 1854. p. 1 12—144 und p. 279—352 fortgesetzt und daselbst
wieder eine grössere Anzahl neuer Gattungen und Arten bekannt ge-
macht. Aus der Gruppe der Brachiniden: Galerita slenodera, Cal-
leida cardiodera und picipes aus Brasilien. — Aus der Gruppe der
Coptoderiten : Catascopus cyanipennis aus Hindoslan und validus aus
Mexico. Ueber einige schon bekannte Arten giebt der Verf. folgende
Tfotizen : Coptodera elongata Putz., welche von ihm früher als dieser
Gattung angehörig bezweifelt wurde, gehört nach Ansicht der Ori-
ginale wirklich derselben an. Coptodera viridipennis Le Conte ist
nur eine Varietät von C. aerata Knoch. Coptodera massiliensis Fairm.
gehört dieser Gattung nicht an, sondern ist = Lebia unifasciata Dej.
= Carabus elevatus Fabr., muss daher Lebia elevata genannt wer-
den. — Neue Arten aus der Gruppe der Anchomenini sind : Ancho-
menus angulatus aus Brasilien, lophoides aus Australien, lissoplerus aus
Hindostan, Iriserialus aus Brasilien, aequalorius aus Guinea, plalyde-
rus und xanlholoma vom Senegal , Pristomjchus cordicollis und capita-
tus von Diarbekir. — Es folgt nun eine ausführliche Darstellung der
Gattung Ozaena im Sinne der älteren Autoren, welche durch eine
historische Uebersicht des darüber vorliegenden Materials eingeleitet
wird. Die aus derselben gebildeten Gattungen bringt der Verf. unter
folgende Uebersicht: I. Mentum simplex: Euslra. — IL Mentum den-
tatum. 1) Menti dente bifido: M\jslropomus. 2) Menti dente simplici.
a) Maxillae apice extus penicillatae. a) Mandibulae intus valde den-
tatae : Picrus. ß) Mandibulae intusj mediocriter denlatae. f) Palpi
labiales articulo secundo tenui , subconico : Sphaevostylus. ff) Arti-
culo secundo crasso , ovato: Sajlhropagus. b) Maxillae apice extus
glabrae. ««) Tarsi antici maris simplices: Physea. ßß) dilatati. f)
Tarsorum articuli primi duo dilatati : Oiaena. ff) Secundus tertius-
que dilatati: Hamus. Den Gattungsnamen Picrus setzt der Verf. für
den früher von ihm gegebenen Hoplognathus, der schon anderweitig
vergeben istj die Gattung ist auf Ozaena Orientalis Klug gegründet.
während des Jahres 1854. 145
Zu Sphaerostylus beschreibt er eine zweite neue Art: Sph. longipen^
nis. — Smjlhoprasns ist eine neue auf Ozaena dcntipes Oliv, gegrün-
dete Galtung, welche 4 Arten umfasst, von denen Sc. elongatns aus
Mexico neu ist. Unter den 24 eigentlichen Ozaenen sind als neu zu
erwähnen: 0. Besehet, seriala und confusa aus Brasilien, laeiiuscula
aus Colunibien. Zu Physea gehören: Oz. testudinea Klug, hirla Le Conte
und lomenlosa, neue Art aus Cayenne. — Die Gattung Agra, von de-
ren Arten der Verf. im Bulletin 1847 eine Aufzählung gab, wird hier
wieder mit elf neuen Arten bereichert: A. o6sc?ojpcs aus Mexico, coe-
rulea und Sahlbergii aus Brasilien, nigroaenea aus Cayenne oder Bra-
silien?, viridipunclala aus Neu-Freiburg, rugososiriata von Campeche,
phaenoptera von Bahia, coeruleipennis aus Brasilien , honesta von Ca-
yenne, confusa aus Brasilien und Cayenne, aculeala aus Columbien und
aUclaboides (wahrscheinlich = Carabus tridentatus Oliv) aus Cayenne.
— Ueber die systematische Stellung der Gattung Morio Latr. bemerkt
Chaudoir, dass die von LatreiUe und Dejean angenommene
Verwandtschaft mit den Scaritiden durch die Bildung der Mundtheile
widerlegt werde; diese bieten vielmehr die grösste Aehnlichkeit mit
denen der Pterostichen dar, mit welchen Morio nach Erichson's
Vorgang am besten zu vereinigen wäre. Die Aufzählung der bisher
bekannten Arten ergiebt 13, denen die Beschreibung zweier neuen:
M. ctjclomus aus Columbien und spiniger aus Mexico hinzugefügt wird.
— Neue Arten sind ferner : Odontoscelis sulcata von Montevideo, Pe-
lecium (subgen. Augasmosomus) alerrimum aus Mexico, laeve aus Neu-
Freiburg, Epicosmus (Isotarsus) gralus vom Senegal, Oodes giganteus
von Guinea, egregius aus Cayenne , Anomoslomus capilo vom Senegal,
Basolia mexicana aus Mexico und Nebria Mnis-^echii vom Caucasus. —
Endlich werden noch zwei neue Gattungen aus der Gruppe der Har-
palini aufgestellt: 1. Chydaeus. „Mentum deute valido, acuto. Labrum
apice emarginatum. Antennae filiformes. Pedes mediocres, tarsi ut
in Anisodactylo , subangustiores , planta spongiosa. Caput crassum.
Corpus crassiusculum, breve. Cetera ut in Anisodactylo." Eine Art:
eil. obscurus aus Nord - Hindostan. 2. Oxycentrus fast vom Habitus
eines Stenolophus , doch convexer und mehr cylindrisch ; durch die
Bildung der Maxillen an Daptus , durch die schmalen, verlänger-
ten Mandibeln dagegen mehr an Stomis erinnernd. Die Gattung ist
vorläufig in die Nähe von Daptus zu stellen, mit dem er in der Fuss-
bildung und darin, das das erste Glied der Fühler verlängert und an
der Basis verdünnt ist, übereinstimmt. Eine Art: 0. parallelus aus
Ostindien.
Wollaston gründete (Insecta Maderensia p. 20) auf Licinus
Latreillei Lap. eine neue Gattung Eurijgnathus , welche in folgenden
Charakteren von Licinus abweicht: die Mandibeln sind sehr breit,
kräftig, abgestumpft, ohne Zahn an der Innenseite, die Oberlippe nicht
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. J^
146 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ausgerandet, der Körper flügellos, die Flügeldecken verwachsen , der
Kopf beim Weibchen bedeutend grösser und breiter als beim Männ-
chen (ein allerdings sehr vereinzelt dastehendes Faktum.) — 2. 7jar-
gus nov. gen. zur Gruppe der Chlaenii gehörig (?) : Körper länglich
eiförmig, flachgedrückt, im Habitus mit Calathus zunächst verwandt,
doch ist der Thorax fast herzförmig, die Flügeldecken mehr oder we-
niger unterbrochen gestreift, die Flügel verkümmert. Drei Arten:
Z. Schaumii von Madera, Deserlae von Dezerta Grande und pellucidus
auf beiden Inseln einheimisch. — 3. Thalassophilus, im äusseren Ha-
bitus dem Cillenum laterale ähnlich, doch von der ganzen Bembidien-
Gruppe durch das breite Endglied der Palpen unterschieden ; der Verf.
glaubt die Gattung als eine Uebergangsforni zwischen den Harpaliden
und Bembidien ansehen zu können. — Eine Art: Th. Whilei, auf den
verschiedenen Inseln der Madera-Gruppe, unter Steinen am Meere. —
Die übrigen vom Verf. beschriebenen neuen Arten sind: Dromius
insularis, arenicolus (! !) , negrita, Scarites humeralis, Pristonychus ala-
tus, Olislhopus Maderensis, Ericae, elongalus, Argiitor robiislus, graci-
lipes , dilaticoUis , curtus , Omaseus WoUaslotii Heer i. lit. , Amara $u-
perans, Bradycelliis excullus, Treckus fimicoliis (!!), nigrocruciahis, ßa-
vomarginalus, dilulus , umbricola , quadricollis , custos , allicola, caitlus,
Bembidium curvimanum, Atlantimim , iabellaium und Schmidlii. Die
neuen Arten sind zum Theil auf Taf. 1 und 2 abgebildet.
Eine ausgezeichnete neue Carabicinen - Form wurde auch von
Chevrolatin den Annales de la soc. entom. II. p. 665. Taf. 19.
Fio". 1 unter dem Kamen Agrins bekannt gemacht ; sie erinnert durch
den Habitus an Omus, durch die Form der Mandibeln, der Flügeldek-
ken und des Hinterleibs an Tetracha. Der Körper ist flachgedrückt,
das Halsschild stark herzförming, die Flügeldecken (Elytraeü) ver-
wachsen, dick gerandet und mit einer Längsrippe versehen; der Kopf
gross und breit , die Mandibeln sehr kräftig und spitz , an der Basis
innen mit zwei starken Zähnen bewafl'net ; die Unterlippe tief ausge-
tandel, die Lippentaster sehr lang und dünn, das zweite Glied beson-
ders verlängert. — Der Verf. glaubt diese Gattung zwischen Nebria
und Metrius einschalten zu müssen. Die einzige Art : A. fallaciosus
stammt von der Magellan-Strasse.
Eine Uebersicht der Nord-Amerikanischen Arten der Gattung Ancho-
menus und einiger damit zunächst verwandten Gattungen wurde von Le
Conte „Synopsis of the species of Platynus and allied genera, inhabi-
ting the United States« in den Froc. oftheacad. of nat. scienc. ofPhilad.
VII. p. 35—59 veröffentlicht. Die daselbst abgehandelten Gattungen wer-
den vom Verf. unter folgende Uebersicht gebracht: I. Kinn mit zwei-
spitzigem Zahn ; Klauen mehr oder weniger gesägt, a) Paraglossen
nicht länger als die Zunge : Calathus. b) Paraglossen über die Zunge
sich hinauserstreckend : Pristodactyla. — II. Kinn mit einfachem Zahne,
während flcs Jahres 1854. 147
Klauen einfach, a) Paraglosscn länger als die Zunge : Anchus nov.
gen. 1)) Paraglosscn nicht länger als die Zunge, a) Drittes Fühler-
glied um die Hälfte länger als das folgende: Rhadine. ß) Drittes
Fühlcrglied mit dem folgenden fast gleich lang: Platynus. — III. Kinn
ohne Zahn: ülisthopus. — Von den 6 aufgezählten Calatlius-Arten
sind 4 neu, nämlich: C. conftisus vom Oberen See, opnculus in den
mitUercn, siidliclien und westlichen Slaalen, ohscurns ans Süd-Califor-
nien und quadricollis von St. Francisco. Die Gattung Pristodactyla ist
durch 4 Arten vertreten, worunter neu: Pr. advena vom Oberen See
und dubia von Neu-Mexico. Die neue Gattung Äiichus wird folgen-
dermassen charakterisirt : „Palpi tenues, acuminati, maxillares articulo
ultimo paullo longiore; antcnnac filiformes, arlculo I. crassiore et
longiore; mentum dente medio simplici ; ligula truncata, paraglossis
angustis longioribus''. Die einzige Art: A. pusiUus, welche der Verf.
früher als Stomis americanus Lap. bestimmt hatte, findet sich in Mas-
sachusetts und hat fast das Ansehen von Diaphorus, nur dass der Kopf
hinten weniger eingeschnürt ist und die Flügeldecken an der Spitze
gerundet erscheinen. Die Gattung Rhadine enthält l , Olisthopus 2
Kord - Amerikanische Arten. Unter dem Kamen Platynus vereinigt
LeConte die B onn el 1 i'schen Gattungen Platynus, Anchomenus und
Agonum, wofür Erichson schop den Namen Anchomenus eingeführt
hat, der hier besser beizubehalten ist. Die Gattung ist in Ts'ord-Ame;-
rika äusserst zahlreich vertreten, indem Le C. aus derselben 61 Arten
beschreibt. Er theilt sie in 9 Gruppen, bei denen die allgemeine
Körperform massgebend ist ; die bei weitem grösste Anzahl der hier
beschriebenen Arten ist neu. — Am Schlüsse der Arbeit führt der
Verf. noch 24 ihm unbekannte Arten, theils von Kirby und Dejean,
zum grössten Theile aber von Russischen Autoren aufgestellt, an.
Ebenda beschrieb Le Conte folgende Arten dieser Familie
als neu: Carabtts oregonensis und Calosoma aenescens vom Oregon,
Melanolus erro von S. Diego, Fasimachus coslifer von Laredo, Harpa-
lus impiger (der Käme ist längst an eine Europäische Art vergeben !)
aus Neu-Mexico.
Eine Anzahl neuer Gattungen, die jedoch noch einer sehr ge-
nauen Kritik unterworfen werden müssen, errichtete ßlanchard in
der Voyage au pole sud ; die Mehrzahl derselben ist so ungenügend
charakterisirt, dass man sich fast nur aus den Abbildungen über ihren
Werth ein annäherndes Urtheil bilden kann. Es sind folgende: 1. Go-
melina, soll zwischen Cymindis und Lebia in der Mitte stehen, und,
was nicht recht verständlich ist, der erstcren mehr ,.par l'aspect ge-
neral", der letzleren ,,par la forme du corps-' gleichen. Von Lebia
soll sie sich durch die eigenlhümliche Form des Thorax, welcher
breit heizförmig ist und aufgebogene Ränder hat und ausserdem durch
das letzte Tasterglied unterscheiden, welches viel dünner, mehr cy-
148 Gersta ecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
lindrisch und kürzer ist. TS'ach der Abbildung gehören die beiden
hierunter vereinigten Arten : G. auslralis (Cymindis australis üej.) und
hinolata von Keu-Seeland schwerlich lu einer und derselben Galtung; er-
stere hat ganz das Ansehen einer Cymindis, während letztere sehr kurz
und gedrungen, sich von Lebia durch breiteren Thorax entfernt. — 2.
Pristancylus ; die einzigen Unterschiede, welche Blanchard gegen
Pristonychus hervorhebt, sind die Breite des Kopfes und die Kürze des
ersten Fühlergliedes; letzteres Merkmal ^ist in der Abbildung jedoch
nur bei der einen Art Pr. castaneus deutlich ausgeprägt, während die
andere, Pr. brevis in der Fühlerbildung mit unseren Pristonychen über-
einstimmt. Die beiden genannten Arten stammen von den Auklands-
Inseln. — 3. Plahjcoelus , soll sich Poecilus nähern und hat in der
Abbildung auch die grösste Aehnlichkeit mit demselben ; als Unter-
schiede werden angegeben, dass die Stirn zwischen den vorspringen-
den Augen schmal ist und an den Maxillarpalpen das dritte Glied an
der Wurzel dünn, gegen das Ende verdickt, das letzte kürzer als das
vorhergehende und spitz endigend erscheint. Art: P. depressus von
Neu-Guinea. — 4. Sphenopalpus (vox hybrida !) , der Gruppe der Fe-
roniens beigezählt, ohne Hervorhebung brauchbarer Merkmale beschrie-
'ben; scheint nach der Abbildung eher zu den Truncatipennen zu ge-
hören. Art: Sph. parallelus von La Plata. — 5. Cratogasler , wohl
kaum von Molops verschieden, denn der dickere Körper und die brei-
tere Form des Thorax, welche Blanchard hervorhebt, möchten
wohl zur Aufstellung einer eigenen Galtung nicht genügen. Art: Cr.
sitlcatus von der Raffles-Bay. — 6. Mecodema, soll sich von Broscus
mit dem er der Abbildung nach die vollkommenste Uebereinslimmung
zeigt, „par presque tous ses characteres" unterscheiden. Art: M,
sculpluratum aus Neu -Seeland. — 7. Tetraodes von Cnemacanthus
Brülle durch viel längere, mehr fadenförmige Fühler, anders geform-
ten Thorax, breitere Flügeldecken, längere Beine unterschieden. Art:
T. laetis von der Magellan-Strasse. — Die ebenda beschriebenen und
abgebildeten neuen Arten sind: Dromius fossulalus von Neu -Seeland,
Omalodera (für Aemalodera Solier-Gay) discoidalis aus Chile , Acupal-
pus testaceipeSf nigronitidus, erijlhroderes , Cascelius niger von der Ma-
gellan-Strasse, Anchomenus alratus von Neu-Seeland, Calalhus rubro-
marginatus von den Auklands-Inseln, Poecilus lucidus von der Magel-
lan-Strasse, Argutor pantomelas von den Auklands-Inseln , erylhropus,
piceus, Omaseus elongalus und sylvaticus von Neu-Seeland, Platysma
magellanica, Anlarclia complanala, chalyhca und glatica von der Ma-
gellan-Strasse, Oodes fuscilarsis von der Raffles-Bay, Ooplerus plica-
ticollis von den Auklands-Inseln und Trechiis iestaceus von der Magel-
lan-Strasse.
Von einzelnen neuen Arten wurden ferner aufgestellt : Carabus
Adonis Hampe, eine farbenprächtige Art aus Griechenland, mit C.
i
während des Jahres 1854. 149
Hispanus zunächst verwandt. (Verhandl. des zoolog.-botan. Ver. zu
Wen 1853. S. 134.)
Sphodrus Schmidtii Miller (ebenda 1854 S. 24) aus der Adelsber-
ger Höhle, bisher allgemein mit Prislonychus elegans Dej. verwech-
selt, von dem er sich durch hellere Farbe, beträchtlichere Grösse und
ungesagte Klauen unterscheidet. — Die Larve wurde von Seh in er
(ebenda 1853. S. 153.) beschrieben.
Plerostichus planipennis Schaschl (a. a. 0.) vom Grossglockner,
soll mit Pt. Dufourii verwandt sein.
Procnistes pisidiciis Peyron aus Caramanien (Annales de la soc.
entomol. p. 669.)
Carabus Baerii , ßliddendorßi , Lyperopherus crihellus, vermiculo-
sus , iniricatns und costatus , Platysma borealis und Leirus brevicoinis
aus Sibirien von Menetries (M i dden do rf's Reise), auf Taf. 3 ab-
gebildet.
Zuphium rußceps, Siagona Atfredi, Acupolpus disciger, Apolomus
flavescens, Bembidium Copticuin und oriialum Klug i. lit. aus Sennaar
und Dongola von Apetz (a. a. 0.)
Chlaenius bigiiltalus, Pheropsophus tnarginicollis und Chlaenius po-
slicalis aus China von Motschulsky (Etudes entom.)
Helluo Saulcyi, Dolichus cordalus , Prislonychus planicoUis und
Anchomenus infuscalus aus Syrien von Chevrolat (Guerin's Rev.
et Mag. YI. p. 391.)
Nebria salina , Cymindis Canigoulensis , Dyschirius laevistrialuSf
rugicollis, Oodes gracilior , Calalhus gallicus ^ Anchomenus lucidus, Fe~
ronia obscura, amplicollis, jugicoloy grandicollis ^ nodicornis^ plalyptera,
Zabrus pyrenaeus , Harpalus cephaloles , crassiusculus, antkracinus, de-
color, convexiis und Trechus distinctus aus Frankreich, von Fairmaire
und Laboulbene (Faune entom. fran9.)
Kraatz „zur Gattung Carabus« (Entomol. Zeit. S. 22 ff.) ver-
sucht nachzuweisen, dass Carab. Scheidleri , Preyssleri, KoUari,
Illigeri und excellens - nur Lokalvarietäten einer und derselben Art
seien; den Car. Rothii will er als eigene Art festhalten, was bei An-
nahme der ersteren Ansicht wohl schwer zu vertheidigen sein möchte.
— Auf gleiche ^Yeise will er Carab. alpestris. lloppei, nivosus, alpi-
nus und Carinlhiacus als Varietäten zu einer Art ziehen ; dass C. Ca-
rinthiacus mit den übrigen nicht vereinigt werden kann, liegt auf der
Hand, denn dann brauchte man überhaupt keine Arten mehr zu unter-
scheiden ; in ßetrelF der übrigen scheint mir die Einheit der Art eben-
falls noch keineswegs jedem Zweifel überhoben.
Derselbe vereinigt (ebenda S. 328) Pterostichus concinnus Sturm
als Varietät mit Pt, madidus Fabr. und Pt. Wellensii mit variolatus Dej.
— Nebria nivalis Payk. hält er für eine von N. Gyllcnhali Schönh.
150 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
verschiedene Art; die Farbe der Schenkel scheint diese Ansicht zu
rechtfertigen, während ein bestimmter Unterschied in der Form des
Thorax wohl schwerlich festzustellen ist.
Suffrian glaubt (ebenda S. 149) in den sardinischen Exem-
plaren des Agonum marginatum wegen einiger Verschiedenheiten in
der Färbung eine eigene Art zu erkennen. Ref. kann nur mit Kraatz
(ebenda S. 327) darin übereinstimmen, dass sie eine eigenthümliche
Lokalvarietät bilden, die sich übrigens nicht einmal gleich bleibt,
sondern Uebergänge zu den nordischen Exemplaren darbietet.
Le Conte schlägt vor, den l\amen der von ihm aufgestellten
Gattung Eugnathus, da derselbe schon anderweitig vergeben ist, in
Micrixys umzuwandeln. (Proceed. acad. Philad. VII. p. 220.)
Letzner setzte (Breslauer Entomol. Zeitschrift, 6. Jahrg.
S. 187 ff.) seine Beschreibung der Laufkäfer Schlesiens mit folgenden
Gattungen fort: Pterostichus 36 A., Cephalotes 1, Zabrus 1 und Amara
33 Arten. Mit besonderer Sorgfalt ist die Verbreitung der Arten über
die verschiedenen Gebirgsregionen behandelt worden.
Derselbe gab (32. Jahresbericht der Schlesisch. Gesellsch. für
vaterl. Cultur) Nachricht über die ersten Stände des Carabus sylve-
stris Lin. Die Larve lebt auf dem Riesengebirge unter fest aufliegen-
den Steinen, wo sie sich auch Ende Juli oder Anfang August in einer
2 Zoll langen Höhlung verpuppt. Der Käfer, welcher beim Ausschlü-
pfen ganz weiss ist, nimmt bald einen bläulichen Schein an, der sich
allmählich in die bronzene Färbung umwandelt. Die Larve wird auch
von Schlupfwespen heimgesucht.
Derselbe besehrieb ebenda S.Sö) eine interessante Monstrosität
der Carabus Sacheri; am rechten Fühler desselben sind die sechs ersten
Glieder normal, das siebente aber in drei Aeste gespalten, von denen
zwei viergliedrig, das dritte aber nur zweigliedrig ist. Die einzel-
nen Glieder sind an Länge und Dicke verschieden, alle aber kürzer
als die entsprechenden des normalen Fühlers.
If yti§ci. Neue Arten sind :
Hydroporus neuler, vagepictus und Haliphis maritimus Fairmaire
et Laboulbene aus Frankreich.
Acilius maculahts Le Conte von San Diego. (Proceed. acad.
Philad. VIL p. 221.)
Cymatoplenis oLsctfj-alus , Agabiis siibopacus , atratus, irregularis,
Laccophüus truncatns, Hydroporus iOlinealus, signalus , trtincahis , pla-
nalus, puherulus und nigelhis Mannerheim aus dem Russischen Kord-
Amerika. (Bullet. de.Moscou 1853. Ko. 3.)
Agabus Maderensis und Hydroporus vigilans Wollaston von
Madeira.
Cybisler chinensis Motschulsky aus China (Etnd. entomol. p. 44.)
während des Jahres 1854. 151
Ilydaticus scriplus , 4vittatus und Agahtts luguhris aus Neu -Hol-
land, Ilydaiicits inixtus von Timor, vonBlanchard (Voyage au pole
Süd) beschrieben und abgebildet.
lieber das Vorkommen einiger seltener Hydroporus- Arten im
Korden Englands gab Bold im Zoologist p. 4103 Nachricht, Clark
(ebenda S. 4529) über seltnere Dytiscidcn Englands im Allgemeinen.
Oyriuiles« Apetz beschrieb (a. a. O.j Oreclochilus Oscari
aus Dongola , Le Conte: Dineiites inleger aus Nord-Amerika, und
Blanchard: Dineutes janlliinus von den Viti-Inseln.
PaSpicornia. AVol laston beschrieb (Insecta Maderensia.
p. 02) eine neue Gattung Calobius, welche zwischen Ochthebius und
Hydraena die Mitte hält; mit der ersten Gattung stimmt sie in den
neungliedrigen Fühlern •'"^) und den kurzen Palpen, mit der letzte-
ren in der hervorragenden, tief eingeschnittenen Oberlippe und den
langen, schlanken Beinen überein. Die einzige bekannte Art C. Heeri
lebt in den Pfützen, welche vom Seewasser gebildet werden, an Con-
ferven. — Ausserdem wird eine neue Gattung aus der Gruppe der
Sphaeridia unter dem Namen Dadijloslernum aufgestellt ; sie steht
zAvischen Cercyon und Cyclonotum, indem sie mit dem ersteren durch
die gedrängte Fühlerkeule und die doppelten Punktstreifen der Flü-
geldecken, mit dem letzteren durch die ausgerandete Oberlippe, das
quervicreckige Kinn, das einfache Meso- und das nach vorn hervor-
gezogene Metasternum verwandt erscheint. Die Mandibeln sind an
der Spitze nicht wie bei Cyclonotum zweizähnig , sondern einfach.
Die einzige Art D. Roiisseli lebt an feuchten Stellen nahe dem Mee-
resufer. — Neue Arten dieser Familie von Madera sind ferner: Och-
thebius 4foveolatus Motsch. i. 1., Limnebius grandicoUis, Hydrobius con~
globalus, Cercyon inquinalum und fimelarium.
Waterhouse hat (Transact. of the entom. soc. II. p.229) die
Arten der Gattungen Hydrochus und Ochthebius, welche von den Eng-
lischen Autoren einerseits und denen des Europäischen Continents
andererseits festgestellt worden sind, mit einander verglichen und
besonders Nachricht über die S t eph ens'schen Arten dieser Gat-
tung gegeben. (A revision of the synonymy of ihe British species
of the Coleopterous genera Hydrochus and Ochthebius.) Die drei
in England vorkommenden Arten voCn Hydrochus, nämlich H. brevis,
elongatus und angustatus stimmen bei Stephens mit denen der Au-
toren des Continents überein. Von Ochthebius kommen 10 Arten in
England vor, deren eine, 0. aeneus neu ist und von Waterhouse
*) Irrthümlich giebt WoUaston in der Beschreibung der Gat,
tung die Fühler als sicbengliedrig an und fügt hinzu, dass dieselbe
hierdurch sich an Hydraena anreihe; in der Diagnose und Abbildung
sind sie dagegen als neunglicdrig dargestellt.
152 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
beschrieben wird. Im Uebrigen ergicbt der Vergleich der S t eph ens'-
schen Exemplare folgendes : 0. piisillus Steph. Waterh. ist gleich 0.
margipallens Latr. , aeratus und nanus Steph. == pellucidus Mulsant;
zu ü. exsculplus Germ. Sturm sind zu ziehen : Enicocerus viridiaeneus
Steph. (^j, Gibsoni Curtis (?) und tristis Curlis. Den 0. rufomar-
ginalus Steph., Avelchen Mulsant mit 0. bicolor vereinigt, stellt
Waterhouse als eigene Art wieder her.
Leprieur wies (Annales de la soc. cntomol. p. 69) die Ver-
schiedenheit von Hydroph. inermis Lucas und H. piceus auch dadurch
nach, dass er zeigte , eine wie verschiedene Bildung das erweiterte
letzte Tarsalglied an den Vorderfüssen des ölänuchcns bei beiden Ar-
ten habe. Zur besseren Veranschauung dieses Unterschiedes bildete
er die Tarsen aller 3 Europäischen Arten auf Taf. 3 ab.
Neue Arten aus dieser Familie sind :
Helophorus consimilis, angusiukis, Ochthebius Holmhergi, Berosus
maculosus, Cercyon lunigerum Mannerheim aus dem Russischen Kord-
Amerika.
Slelhoxus subsuhalus Le ConlG (Proceed. acad. Philad. VIL p. 221)
aus Nord-Amerika.
Hydrophilus acuminalus und Slernolophus fulvipcs Motschulsky aus
China. (Etud. entom. IL p. 44.)
Phühydrus allanlicus Blanchard von Teneriffa (Voyage au
pole sud.)
Ochthebius lividipes Fairm. et Laboulb. aus Frankreich.
Silliliales. Mann er heim errichtete (Bullet, d. nat. de
Moscou, Jahrg. 1853. No. 3. S. 174) auf Pteroloma pallidum Eschsch.
eine neue Gattung Lyrosoma mit folgenden Charakteren: der Körper
ist flügellos; die Fühler von halber Korperlänge, das Iste Glied fast
cylindrisch, das 2te kürzer, als das 3te, das 3te — 5te unter sich gleich
lang, jedes mehr denn doppelt so lang als das 2te , fast cylindrisch,
das 6te bis 8te etwas kürzer als die vorhergehenden, verkehrt ke-
gelförmig; das 9te und lOte etwas breiter, das Ute doppelt so lang
als diese, birnförmig. Die Oberlippe tief ausgerandet, Mandibeln kräf-
tig, mit einem kleinen Zahne nahe der Spitze; an den Maxillartastern
ist das Iste Glied sehr kurz, das 2te etwas verlängert, doppelt so
lang als das 3te; die Lippentaster sehr kurz, mit ziemlich gleich
langen Gliedern. Beim Männchen sind die drei ersten Tarsenglieder
an den Vorderfüssen stark erweitert. — Eine neue Art von der Insel
Atkha ist Lyr. opaca.
Neue Arten aus dem Russischen Nordamerika, von demselben
ebenda beschrieben , sind : Necrophorus pollinctor , tardus , infodiens,
Silpha sagaxf Calops brminipennis , luridipcnniSi Colon magnicollis und
während des Jalires 1854. 153
clataltts , Anisoloma laela, curcala, Agalhidium efßuetiSf mandibulalum
und ßlambus (?) ohlongulus.
Eine neue Galtung aus der Anisotonien-Gruppc ist Staganomor-
pha Wo 1 las ton (lusecta Madercnsia) ; sie scliliesst sich durch die
Körperform und die elfgliedrigen Fühler an Agathidium an , hat aber
andererseits durch ihre geringe Grösse, das cylindrische Endglied der
Maxillartaster und die viergliedrigen Füsse mehr Verwandtschaft mit
Calyptomerus. Von letzterer Gattung unters^cheidet sich Slaganomor-
pha durch dreigliedrige Fühlerkeule, nur eine Maxillarlade und einen
kleinen Zahn am Aussenwinkel der Vorderschienen. — Zwei Arten:
St. sphaeiula und tinicolor von Madera.
Eine neue Gattung, welche die Verf. ebenfalls der Anisotomen-
Gruppe zurechnen, Avelche Stellung gewiss noch näher zu begründen
ist, errichteten F airmair e und Lab oulb en e (Faune entomol. fran-
^aise) auf Clambus cnshamensis Stephens unter dem Namen Comazns;
die Fühler sind nämlich zehngliedrig, die beiden ersten kurz und knopf-
förmig, die Keule dick, zweigliedrig. — Drei neue französische Ar-
ten, ebenda beschrieben, sind: Anisoloma curla, grandis und Agathi»
dium inlermedium.
Einzelne neue Arten sind ausserdem:
Necrophorus pollinclor und con/bssor Le Conte vom Oregon (Pro-
ceed. acad. Philad. VII. p. 16 ff.)
Adelops meridionalis Jacquelin-Üuval von Bordeaux (Bullet, en-
tomol. p. 36), vorläufig nur diagnosticirt.
Colon armipes und Zebei Kraatz aus Sachsen und Schlesien.
(Entomol. Zeit. S. 375.)
Necrophorus plagialus, nur sechs Linien lang, aus China, von
ölenetries (Etud. entom. III. p. 27) beschrieben.
Scydinaenides« Eine schon von Eschscholtz im De-
jean'schen Cataloge unter dem Namen Aegialiles debilis aufgestellte
Gattung und Art wurde von Manner heim (Bullet, de la soc. imp.
des naturalistes de Moscou 1853. No. 3. p. 178) ausführlich charakte-
risirt. Es ist übrigens keineswegs der Platz dieser Gattung unter
den Scydmaeniden verbürgt, indem sie hauptsächlich nur in der Bil-
dung der Fühler und Palpen mit diesen übereinstimmt; nach dem
Kopfe und dun heteromerisehen Tarsen scheint sie Verwandtschaft mit
den Ilclopiden zu haben. Besonders bemerkenswerth ist an den Füs-
sen, dass das letzte Tarsenglied bei weitem länger als die vorherge-
henden zusammengenommen ist. Zwei Exemplare des genannten In-
sekts wurden auf Sitkha und Kcnai aufgefunden; Elosoma Californica
Motschulsky ist damit identisch.
Scydmaenus conicicoUis Fairniaire et Laboulbene aus Frankreich,
gehört zur Gruppe des Sc. Hellwigii und rufus.
154 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Pselaplaidae. Lucas gab (Bullet, entomol. p. 35) vor-
läufig Nachricht über eine in Algier vorkommende Art der Gattung
Faronus, für die er den Namen Far. Anbei vorschlägt.
Jacquelin-Duval diagnosticirte (ebenda p. 36) Euplectus
perplexus von Bercy als neue Art.
Stapliylini. Eine beträchtliche Anzahl neuer Arten aus dem
Russischen Nord -Amerika wurden von Mann er he im (Bullet, d.
natur. de Moscou 1853. No. 3. p. 181 IT.) bekannt gemacht; dieselben
sind von Mäklin bearbeitet worden. Zwei derselben bilden neue
Gattungen: 1. Trichocanlkus , schon von v. Älotschulski in den
Etudes entomologiques 1. Jahrg. S. 78 aufgestellt, und hier ausführ-
lich charakterisirt; sie soll „mit ücypns näher als mit Staphylinus
verwandt sein". — 2. Liparocepkalus aus der Gruppe der Paederinen,
mit folgenden Charakteren: „Antennae apicem versus nonnihil in-
crassalae , arliculis penultimis leviter transvcrsis. Labrum transver-
sum, integrum, margine, setosum. Mandibulae longae , falcatae, acu-
tae , medio fortiter unidentatae, inter dentem et apicem denticulis
nonnullis parvis armatae. Maxillae malis interne barbatis , exteriore
falcata. Palpi maxillares artlculo ultimo minimo , subulato : labiales
filiformes, articulo secundo tertio paullo longiore. Caput thorace
malus, sed non latius. Thorax subcordatus , basin versus angustatus.
Elytra brevissima. Alae nullae. Tarsi articulo quarto minimo , sim-
plici". — Eine Art: L. hrevipennis. — Die übrigen neuen Arten
sind: Myrmedonia angularis, Homalola coinparabilis , litoralis , vaslUf
Oxypoda irrasa , Gyrophaena geniculala , Tacliinus in&labilis, apterus,
Mycetoporus insiynis, nigrans , Philonlhus femoralis , Quedius rufipennis
und sublimbalus , Sterins immarginalus ^ congener , Bledius albonolattis,
Lesteva fusconigra (Phlaeopterus id. Motsch.) , Acidota Frankenhaeu-
seri, Olophrum lalwn, parvvlum, convexnm, marginalum, Deliphrum bre-
vicolle , Omalium Iwmile, ßavipenne, planipeune , tumidulunij Anthobimn
rugulosum, Micropeplus lalicollis und coslipennis.
Mehrere interessante neue Staphylinen-Formen bietet auch die
Fauna von Madera dar. (Wollaston, Insecta Maderensia, p. 540 ff.)
1. Xenomma sehr ausgezeichnet durch die ungewöhnlich kleinen Au-
gen, welche über dem Seitenrande des ovalen , ungewöhnlich langen
Kopfes sitzen ; mit Myrmedonia und Oxypoda zunächst verwandt, un-
terscheidet sich Xenomma von der letzteren Gattung durch die in der
Mitte zugespitzte Oberlippe, die stachellose innere Maxillarlade, die
schmale , gleichbreite Zunge und die sehr verkürzten Flügeldecken.
Von allen bisher bekannten Aleocharinen weicht sie durch die vor-
gestreckten Mandibeln und die Insertion der Fühler ab, welche vom
Innenrande der Augen weit entfernt ihren Ursprung nehmen. Drei
Arten: X planifrons, formicaruni und filiforme. — 2. Somatium giebt
gleichsam ein Mittelglied zwischen Oligota und Ilypocyplus ab und
während des Jahres 1854. 1 55
verbindet so die Aleocharinen mit den Tyehyporinen, welchen letz-
teren sie beizuzählen ist. Mit Hypocyptus stimmt die Gattung durch
ihre zehngliedrif:jen Fühler und die vierglicdrigcn Tarsen, so wie durch
die vorn zugespitzte Zunge überein, unterscheidet sich hingegen durch
das verliältnissmässig grosse Abdomen , die gerade äussere Maxillar-
lade, das hervortretende Endglied der Palpen und das sichtbare Scu-
telUim. — Eine Art: S. anale. — 3. Mecognalhus vielleicht nur eine
cigonthümliche Form von Sunius ; die Augen sind jedoch sehr Idein,
die Mandibeln sehr lang und spitz , die Flügeldecken sehr kurz und
verwachsen, die Flügel verkümmert; das letzte Glied der Alaxillarta-
ster ist geschwunden. Eine Art: M. Chimaera. — 4. Metopsia mit
Phloeobium Er. nahe verwandt, doch durch die breite zweilappigo
Zunge, deren Lappen stark divergiren und zugespitzt sind, durch die
sehr breite, häutige und an der Spitze abgestutzte äussere Maxillar-
lade, das gekielte und an der Spitze gerundete Kinn, verhältnissmäs-
sig breitere Körperl'orm , grössere Flügeldecken und den doppelt aus-
gehöhlten Thorax verschieden. — Eine Art: M. ampliata. — Neue
auf den Madera _ Inseln vorkommende Arten sind ferner: Tachyusa
rnploria , Homalola sanguinolenla , gramilosa , ohliqvepunclalo, bilicola,
philojithoiJes , currcns , lajüilla, plebeja , umbralilis, insignis, Äleochara
Annilagei ^ Conurns monlicola , Tachyporus celer, Trichophyus Hutloni,
Olhius strigtilosus f Jansoni, Philonlhus ßiformis ^ Achenium Uarlungii,
Slemts undulalus und Ileerii , Plalysthelus fossor , Oxyielus glareolus,
Trogophloeus nanvs , Omalium oceUatU7n, gronulatum , Megarthrus lon-
gicornis.
Apteranillus Fairmaire (Entom. Zeit. S. 7^) ist eine neue mit
Myrmedonia verwandte, aber durch den gänzlichen Mangel der Augen
sehr ausgezeichnete Gattung aus der Gruppe der Aleocharinen. Der
Kopf des auf Taf. 1. Fig. 8 abgebildeten Thieres ist länglich dreieckig,
die Fühler besonders lang, bis zur Mitte des Hinterleibs reichend, an
denselben das Iste und 3te Glied fast von gleicher Länge und dreimal so
lang als das 2te. Das Endglied der Palpen ist keulenförmig, Die
einzige Art : A. Dohrnii stammt aus der Umgegend von Tanger.
Neue Arten sind :
Leptochirus samoensis von den Samoa- Inseln und Paederus pe~
regrinns von Mindanao, von Blanchard (a. a. 0.) beschrieben und
abgebildet.
Leplacinvs ampliventris Jacquelin-Duval von Bercy (Bullet, en-
tomol. p. 3ö.)
Lathrobinm Tarnicri Rouget von Dijon (Annales de la soc. en-
tom. II. p. 83.) — Lalhrohinm carinaluin Bold aus England (Zoologist
p.4527.)
Myrmedcnia icmiicornis Küster von Sardinien (Käfer Europa's
S. 28.)
156 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Homalota flutialUis , fragilis , tliinobioides , fragilicornis , subtilis'-
sima, Lithocharis ripicola Kraatz von der Ahr (Entern, Zeit. S. 121fF.)
und Gyrophaena lacvicoUis desselben von Heidelberg (ebenda, S. 185.)
Die von Mulsant und Thonisson neuerlich aufgestellten
Arten der Gattung Homalota hat Kraatz (Entomol. Zeit. S. 177)
nach Original -Exemplaren untersucht und theilt darüber folgendes
mit: H. micans Muls. ist = hypnorum Kies., longicollis Muls. = lan-
guida Er. var. minor, brunnipes öluls. = palustris Kies., incisa Muls.
= sodalis Er., brevicornis Muls. = incrassata Muls., picipennis Muls.
= nivalis Kies., foveola Muls. = autumnalis Er., montana Muls. =
celata Er., fucicola Thoms. = umbonata Er., grisea Thoms. = ter-
minalis Gyll., planicollis Thoms. = immersa Er., succicola Thoms. =
validicornis Mark., merdaria Thoms. = sericans Grav. und fimetaria
Thoms. = subsinuala Er.
Gegen Schaum und Aube fällt La co rdair e (Bulletin ento-
mol. p. 19) über die Synonymie des Macropalpus pallipes Cussac fol-
gendes Urtheil : die Gattungen Boreaphilus, Coryphium, Macropalpus
und Harpognathus sind identisch und der erste IName ist als der älteste
beizubehalten. Macropalpus pallipes ist zwar eine von Boreaphilus
Henningianus verschiedene Art, aber schon früher vonWesmael als
Harpognathus Robynsii beschrieben.
Misterini. de Marse ul hat seine monographische Bearbei-
tung dieser Familie in den Annales de la soc. entom. IL p. 161, 525
und 671 fortgesetzt und in dem vorliegenden Theile der Arbeit die
beiden Gattungen Hister und Epierus abgehandelt. Der ersteren Gat-
tung hat der Verf. nicht dieselbe Ausdehnung wie Erich so n gege-
ben, sondern diejenigen Arten, bei denen das Mesosternum in eine
Spitze zum Einlegen in einen entsprechenden Einschnitt an der Basis
des Prosternum ausläuft, und ausserdem noch zwei abweichende For-
men, H. saprinoides und scaber als eigene Gattungen abgesondert.
Auch in dieser Einschränkung ist die Gattung noch ausserordentlich
reich an Arten, indem von Marseul 148 beschrieben und abgebildet
werden; von diesen kommen 25 auf Europa, 45 auf Afrika, 30 auf
Asien, 37 auf Amerika; 2 sind über die ganze Erde verbreitet, 6 über
alle Theile der alten Welt und 3 zugleich Europa und Afrika, 2 Eu-
ropa und Asien gemein. Zur leichtern Uebersicht der Arten hat der
Verf. nach Erichson's Vorgang die eingedrückten Streifen des Tho-
rax und der Flügeldecken-Seiten zur Aufstellung von Gruppen (hier 8)
benutzt. — Einige Europäische Arten, über welche Ref. in der Ar-
beit Auskunft suchte, sind dem Verf. nicht zu Gesicht gekommen,
sondern nur nach den Beschreibungen der betreffenden Autoren auf-
genommen worden; der von Grimm (Entom. Zeit.) beschriebene H.
ruficornis wird im Verzeichnisse ganz vermisst. — Die Gattung Epie-
rus enthält 27 Arten, von denen der grössere Thcil (16) neu sind. —
wahrend des Jahres 1854. 157
Die der Arbeit beigefügten Tafeln, welche wie früher, eine Darstel-
lung sammtlicher Arten geben, sind mit rühmlicher Sorgfalt ausgeführt
und erleichtern das Erkennen wesentlich.
Zwei neue Arten sind: Jlisler impressus Apetz von Sennaar und
Sftprimts viridicupreus Blanchard von der Raffles-Bay.
Die ersten Stände und die Entwickelungsgeschichte von Platy-
soma oblongum, Paromalus flavicornis und Plegaderus discisus erläu-
terte Perris in seiner Histoire des Insecles du Pin maritime (a. a. 0.)
Tricliopterygii. Als neue Arten wurden aufgestellt:
Trichopleryx abdominalis und Plilium ßlicorne aus Frankreich
von Fairmaire und Laboulbene,
Ptilium Bollani aus dem Russischen Nord-Amerika von Mäklin
in Mannerheim's Käfer-Fauna (Bulletin de Moscou 1853.)
Acralrichis umbricola aus Madera, von Wo 1 las ton (a. a. 0.)
Plialacri« Olibnis Cinerariae Wollaston ist eine neue Art
von Madera.
IVitiduIariae* Xenoslrongylus Wollaston ist eine neue Gat-
tung, welche sich einerseits an Meligethes durch die tief zweilappige
Oberlippe und die Form der Mandibeln , andererseits an Thalycra und
Cychramus durch den hochgewölbten, scheckig behaarten Körper und
die ungesagten Schienen anschliesst. Die Lebensweise in Lichenen
nähert sie zumeist den Strongyliden. — Zwei Arten : X. hislrio von
Madera, und Canariensis von Teneriffa. — Neue Maderensische Arten
dieser Familie sind ausserdem: Carpophilus auropilosus , 31eligelhes
Isoplexidis, varicollis und Trogosita serrala. (Insecta Maderensia,
p. 115 fr.)
Von Mannerheim wurden (Bullet, de Moscou) Epuraca pla^
cida, nigra, flavomaculala , linearis, infuscata (Nitid. rufa Say?) und
Rhizophagus minulus als neue Arten aus dem Russischen Nordamerika
beschrieben.
Von Blanchard (Voyage au pole sud): Nilidula lalcns aus
Neu-Holland, ohne Zweifel einer anderen Gattung angehörend.
Von besonderem Interesse ist die Naturgeschichte des Melige-
thes aeneus, welche Heeger im 14. Bande der Sitzungsberichte der
Wiener Akademie veröffentlicht hat, um so mehr, als dieses so unge-
mein häufige Insekt dem Gemüse grossen Schaden zufügt. Die Eier
werden in grosser Menge in die Fruchtböden der Blülhen des Kohls,
der Kohlrüben und des Raps gelegt, so dass die Larven oft ganze
Saaten verwüsten. Dieselben sind langgestreckt, gleich breit, bräun-
lich grau mit hornigem Kopfe und zwei seitlichen hornigen Schild-
chen auf jedem Körpersegmente. Sie leben in den Samenschoten und
häuten sich dreimal in Zwischenräumen von 8 bis 12 Tagen. Aus-
gewachsen fallen sie zur Erde, machen sich ein leichtes Gehäuse, worin
158 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sie sich nach 10 Tagen verpuppen , und 12 bis 16 Tage später aus-
kriechen. Es finden zwei Generalionen statt.
C(i>Iydti. Eine durch ihre Form sehr ausgezeichnete neue
Gattung Ploeosoma errichtete W o 1 las ton (Insecta Maderensia p. 147)
auf ein im faulen Holze lebendes und auf Madera sehr verbreitetes
Käferchen, welches in seinen Hauptcharakteren mit Cerylon überein-
stimmt. Von dieser Gattung unterscheidet sich Ploeosoma durch seine
elliptische Körperform, die tief zweilappige, häutige Oberlippe, die
leicht gekrümmten , ungespornten Schienen und die verkümmerten
Flügel; äusserlich auch noch durch die kaum punktirten Flügeldecken.
Art: PI. elliplicum. — Eine zweite neue Gattung Europs hat anschei-
nend grosse Aehnlichkeit mit Rhizophagus, indem die abgestutzten
Flügeldecken und die Form der Alaxiilen mit dieser Gattung über-
einstimmen; die viergliedrigen Tarsen bringen sie jedoch zu den Co-
lydiern; besonders ausgezeichnet ist die Gattung auch durch die stark
hervortretenden Augen. Eine Art: E. impressicollis. — Als neue Ma-
derensische Arten werden ferner beschrieben: Tarpkius parallelusj
Lowei, inornalus, spinipes, sylvicola, rotundalus, Lauri, compaclus, no~
dosus , cicalricosus , testudinalis , lru7icalus , eehinalus, brevicoUis und
rugosus.
Eine neue deutsche Art ist ferner: Teredus opacus Habelmann
aus Pommern (Entomol. Zeit. S. 29.)
Cicones marginalis Melsheimer gehört nach Le Conte zur Gat-
tung Coxelus. (Proceed. acad. Philad. VII. p. 217.)
Sia^liridii. Wollaston charakterisirte (Fauna Maderensis)
die Gattung Melophthahnns Motsch. i. lit. Sie unterscheidet sich von
Lathridius durch nur zehngliedrige Fühler mit zweigliedriger Keule
und durch die Augen , welche ganz auf der Überseite des Kopfes lie-
gen , indem die Seiten des letzteren unter ihnen nach aussen hervor-
treten. — Eine Art auf Madera : M. asperaliis. Andere neue Arten
derselben Lokalität sind : Cholovocera Maderae, Corlicaria rotulicol-
lis, rotu:idicollis, curla und fagi,
Mannerheim beschrieb aus dem Russischen Nord-Amerika:
Corticaria canaliculala^ orbicollis, delela , exigiia, Lalhridius cinnamo~
plerus, fuhipennis, strangiilalus und curlulus.
Cucisjides. Eine Uebersicht der in den Vereinigten Staaten
Nord-Amerikas vorkommenden Arten dieser Familie lieferte L e Conte
in den Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia VII. p. 73 fP. (Syno-
psis of the Cucujides of the United State^.) SämnUliche aufgeführte
Arten gehören bekannten und zum grössten Theile auch Europa ei-
genthümlichen Gattungen an, mehrere sind als Kosmopoliten mit Eu-
ropäischen Arten identisch, wie z. B. Siivanus denlatus Fabr., fru-
mentarius Fabr., bidenlalus Fabr. und advena Erichs. — Die in Nord-
während des Jahres 1854. 159
Amerika vorkommenden Gattungen sind: Catagenus Westw. l Art;
Cucujus 2 A. ; Pediaciis 3 A., darunter neu: F. subglaber aus Kord-
Carolina. — Laeniophloeus 13 A. , darunter neu , mit dreibuchtiger
Stirn: L. aduslns aus Pensylvanien , bullatiis und nilens aus Califor-
nien , Zimmermanni aus Pensylvanien, puriclalus aus Süd - Carolina,
geminalus aus Louisiana und Georgien, puberulus aus Californien; mit
kaum vortretender, in der Mitte ausgerandeter Stirn: L. ccphaloies aus
Californien. — Dendrophagus 2 A. ; Brontes 3 A., davon neu: Br.
debilis aus Georgien; Telephanus 1 A. , nämlich T. velox (Heterodro-
mia velox Ilaldem. = Telepli. atricapillus Erichs.). — Silvanus IIA.,
darunter neu, mit ungezähntem Thorax: a) Kopf mit einem Zähnchen:
S. cocjnalus aus den südlichen Staaten, b) Kopf ohne Zähnchen: S.
imbelUs aus Georgien, nitidulus und opaculus aus Californien, reclus
aus Illinois. — Als Anhang besehreibt der Verf. d^ in Dejeans
Cat. unter dem Kamen JSemicelus marginipeyinis aufgeführte Insekt,
welches, nach seiner Meinung, dieser Familie angehört, indem er
obigen Kamen beibehält. Das einzige schlecht erhaltene Exemplar,
welches ihm zu Gebote steht, lässt nicht erkennen , ob die Art einer
den oben angeführten Gattungen angehört; nach dem Habitus scheint
sie mit Pediacus zunächst verwandt, doch ist die Grösse der Augen
und die Form des Thorax davon sehr abweichend.
Eine neue Gattung wurde von Wo 11 as ton (Insecta Maderen -
sia. p. 156) unter dem Kamen Cryptamorpha aufgestellt. Ihr äusseres
Ansehen ist ganz das von Psammoecus bipunctatus, doch zeigen sich
folgende Unterschiede in den Mundtheilen : das Endglied der Maxil-
lartaster ist klein und spindelförmig, gegen das Ende zugespitzt; das
dritte Glied der Labialpalpen ist dreimal so breit als lang und fast
gerade abgestutzt; die Mandibeln sind am Ende zweispitzig und ha-
ben, wie bei Dendrophagus , noch einen kleinen Zahn an der Innen-
seite vor der Spitze; das Kinn ist vorn doppelt ausgerandet. Aus-
serdem sind auch die Tarsen beim Weibchen pentamerisch , beim
Männchen heteromerisch. Die einzige Art C. Musae lebt unter den
Fasern von Musa sapientium. — Keue Arten dieser Familie sind fer-
ner: Laemophloeus donacioides , granulatus, termiculatus , clavicoUis,
axillaris und slenoides.
Ferner ist dieser Familie eine von Reiche in den Annales de
la soc. entom. II. unter dem Kamen Calharliis beschriebene und irri-
ger Weise den Colydiern beigezählte Gattung einzureihen. Sie steht
in nächster Verwandtschaft mit Silvanus, hat auch ganz dessen Anse-
hen, nur dass die Fühler und Tarsen kürzer sind ; an letztern ist das
erste (Jlied nicht viel länger als das zweite, und das vierte ist so im
dritten verborgen, dass es leicht übersehen werden kann; das fünfte
ist, wie bei Silvanus, sehr lang gestreckt. Mit den Colydiern hat
diese Gattung gar nichts uemein , weder die Lebensweise noch die
160 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
wesentlichen Familien - Charaktere ; denn die vorderen Hüften sind
klein und stehen weit von einander, während sie bei jenen gross
und kuglig und eng aneinander stehend sind. Die einzige dem Verf.
bekannte Art C. Cassiae wurde zu Marseille in Waarenlagern aufge-
funden und stammt ursprünglich aus Cuba. Das hiesige Museum be-
sitzt ausserdem noch zwei sehr ähnliche aus Colun)bien.
Detidrophagus Americanus Mannerheim ist eine neue Art von
der Halbinsel Kenai. (Bullet, de Moscou 1853.)
^^''yp^oplaaffides» Hypocoprus Molschulskyi, Ephislemus al^
ternans und Cryplophagus nüiduloides Wollaston sind neue Arten von
Madera.
Anlkerophagus suluraliSf Cryplophagus 4hamalus, hidentatus, pun-
clalisshm/s, Aiomaria vesperl'ma^ planulala und Kamlschalica Manner-
heim aus dem Russischen Nord-Amerika. (Bullet, de Moscou 1853.)
Ein von Banchard (Yoyage au pole sud) als Cryplophagus
rvfescens von Neu-Seeland beschriebenes Insekt gehört gewiss nicht
dieser Gattung an. Uebrigens stellt der Verf. die Gattung Cryptopha-
gus zu den Erotylenen (Engiditen) und meint, da es allen Entomolo-
gen hinreichend bekannt sei, wie schlecht bis jetzt die Gattung Cry_
ptophagus festgestellt sei, so wolle er das fragliche Insekt vorläufig
unter diesem Kamen beschreiben, bis es später eine genauere Be-
stimmung erhielte (! !).
Mycetopliagides. Dieser Familie reiht AVol laston (In-
secta Maderensia) eine neue Galtung Microchondvus Guer. i. lit. ein,
ohne dass sie derselben wohl angehört. Von Mycetaea, mit der sie
der Verf. als zunächst verwandt bezeichnet, soll sie sich in einigen
Merkmalen der Mundtheile unterscheiden, z. B. durch stark entwickel-
tes Endglied der Lippentaster, durch quere, leicht ausgerandete Über-
lippe, sehr kleine innere Maxillarlade ; der Thorax ist ungerandet,
seine Seilen undeutlich crenulirt. — Art: M. domuum in den Häusern
von Funchal auf Madera, auch unter der Rinde von Castanien. —
Ferner werden ebenda beschrieben: Bergintis lamarisci Dej. Cat. und
Litargus pictus, n. A.
Nach Le Conte (Proceed. acad. Philad. VII. p. 217) ist Ato-
maria crenata Melsh. der Galtung Litargus beizuzählen.
IBerBffiestini. Le Conte gab (Proceed. acad. nat. scienc.
of Philadelphia VII. p. 106 ff.) eine Uebersicht der Kordamerikani-
schen Dermestinen : „Synopsis of the Dermestidae of the United States",
welche sich auf 7 Gattungen, von denen eine neu ist, vertheilen. Der
Verf. bringt dieselben unter die von Erich so n aufgestellte Ueber-
sicht und reiht die neue Gattung Jpsec/W5 zunächst an Orphilus an, mit
der sie durch das ungetheilte Mesosternum übereinstimmt, aber durch
schmale Vorderschienen und lang behaarten Körper abweicht. — Eine
wälirend des Jahres 1854. 161
Anzahl Europäischer Arten sind auch in Word- Amerika einheimisch:
Dcrmcslcs murinus , lardarius, vnlpinus , Attagenus pcllio, mcgatoma,
Anthrcnus varius. — Nach Le Conte kommen folgende Gallungen
in Nord-Amerika vor: Dermestes 13 Arten, davon als neu beschrie-
ben: D. fascialus aus Neu-Mexico , soLiinus von Texas, ralliis aus Ca-
lifornien, mvcoreiis von Ncu-York, pulcher von Vhiladelphia, elongalus
aus Georgien. Ausserdem trennt Le C. den D. marmoratus Say, wel-
chen Erich son mit caninus Germ, und tessellatus Hbst. vereinigt,
als eigene Art ab, und stellt für D. marmoratus Manncrh. , der von
der Say'schen Art verschieden ist, den Namen D. Mannerheimii auf.
Alle aufgeführten Arten gehören, mit Ausnahme des D. vulpinus Fabr.,
zu der Abtheilung, deren Männchen das 3te und 4tc llinterleibsscg-
ment in der Mitte mit einer Bürste versehen haben. — Attagenus
4A., davon neu: A. spurcus (A. cylindriformis Say ?) von Neu-Mexico
und dichrous ebendaher. — Trogoderma 5 A., davon neu : Tr. inclusum
von Neu-York und ptisillum aus Louisiana. — Cryptorhopalum 6 A.,
mit Ausnahme des Anlhr. haemorrhoidalis Le C. sämmllich neu : Cr.
ballealum und triste aus Californien, picicorne von Pensylvanien bis
Georgien, rvficorne aus den südlichen Staaten und fuscuhim aus Cali-
fornien. — Anthrenus 5 A. , wovon zwei neu: A. lepidus aus Cali-
fornien und ßavipes von Neu-York, beide mit elfgliedrigen Fühlern.
— Apseclus nov. gen. vom Ansehen der Gattung Trinodes, mit 1 Art.
(Syncalypta hispida Melsh.) — Orphilus 1 Art (0. ater Erichs.) —
Ref. kann hinzufügen , dass auch die Gattung Hadrotoma in Nord-
Amerika durch eine der Europäischen H. nigripes sehr verwandte und
wie diese, der Untergattung Globicornis Latr. angehörende Art, ver-
treten ist; dieselbe wurde von Knoch aufgefunden und dem hiesi-
gen Museum mitgetheilt.
Manner heim beschrieb (a. a. 0.) Allagenus angularis als
neue Art von Kenai.
Motschulsky will (Etud. entom. 3. Jahrg. S. 65) aus dem
Umstände , dass Anthrenus varius der überall verbreitete Verwüster
der Naturalien- Cabinette ist, den Schluss ziehen, dass auf ihn der
Anlhr. museorum Linne's zu beziehen sei. Dies kann jedoch gar
kein Grund sein, da die Linne'sche Beschreibung von A. museorum
auf A. varius nicht passt, ausserdem aber neben diesem sowohl
A. museorum als auch A. scrophulariae in Museen vorkommen.
Letzner theilte (32. Jahresbericht der Schlesischen Gesellsch.
für vaterländische Kultur, S. 82) Beobachtungen über die Larven von
Abthrenus museorum und claviger mit und gab Berichtigungen zu
Sturm's Abbildungen derselben. Er glaubt etwa 8 Häutungen der
Larven bis zur Yerpuppung annehmen zu dürfen.
Byrrltii* Le Conte, Synopsis of ihe Byrrhidae of Ihe Uni-
Archiv f. Nftturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. L
162 Gerstaeclcer: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ted States, (Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia VII. p. 115 ff.)
zählt folgende Gattungen als in Nord..Anierika einheimisch auf: INo-
sodendron 1 Art, Syncalypta 2 A., Byrrhus 7 A. , darunter B. gemU
nalus vom Oberen See neu ; auch ändert Le C. den Namen B. picipes
Kirby, als schon an eine Europäische Art vergeben, in B. Kirbyi
um. Byrrhus undatus und glabellus Melsh. gehören als Synonyme zu
B. murinus Fabr. — Cytilus 1 A. (der Europäische C. varius Fabr.)
— Pedilophorus Steffahny (Morychus Er.) 1 Art; Simplocaria 2 A. ;
Amphicyrta 3 A.; Limnichus 6 A. , sämmllich neu: L. oliraceus aus-
Illinois, punctalus aus Pensylvanien, obscurus von Neu-York, aler vom
iMissisippi, nilidulus und ovatus aus Georgien. — Physemus Motsch. i.
lit. „Oculi, labrum et mandibulae liberae ; antennae tenues, clavatae,
clava in fovea superna ab angulo thoracis antico recepta ; tarsi liberi.«
Eine Art : Fh. minulus aus Californien.
Als neue Art vs^urde Simplocaria carpathica aus Siebenbürgen
von Hampe aufgestellt (Mittheilungen des Siebenbürg. Vereins zu
Hermannstadt, 4. Jahrg. S. 222.)
Byrrhus ««sfrahs Blanchard (Voyage au pole sud) von der Äla-
gellan-Strasse, gehört nach der Abbildung sicher nicht dieser Gattung
und gewiss ebensow^enig der Familie der Byrrhier an ; die langen
Fühler und Beine des Thieres erinnern mehr an Scaphidium.
Syncalapta capitata, ovidiformi s unA horridaW oW&ston sind neue
Arten von Madera, Syncalapta setulosa Mannerheim eine neue Art vofl
Kenai im Russischen Nord-Amerika. (Bullet, de Moscou 1853.)
Nach Le Conte (Proceed. acad. Philad. VII. p. 217) ist Sim-
phlocaria strigosa Melsheimer (Georyssus strigosus Melsh. Catal.) eine
Art der Gattung Syncalypta und wahrscheinlich identisch mit der
Europäischen Sync. paleata Erichs.
Parnidae. Le Conte beschrieb (a. a. 0. S. 81) Uelichus
aequalis vom Rio Grande, und bemerkte (S. 217), dass Macronychus
lateralis Melsh. gleich M. glabratus Say sei. Seine frühere Angabe,
dass Elmis vittata Melsh. mit E. 4notata Say identisch sei, berich-
tigt er dahin, dass erstere eine selbstständige, verhältnissmässig grös-
sere und schmalere Art ist.
Meteroceridae* v. Motschulsky hat (Etud. entomol.
2. Jahrg. S. 14 ff.) einen Aufsatz betitelt „sur les Heteroceres de la
Russie" veröffentlicht, dessen Zweck mir nicht recht klar geworden
ist. Der Verf. führt hier 16 Arten auf, welche er zum Theil unter
neuen Namen beschreibt und bei denen er am Schlüsse erwähnt, dass
sie von v. Kiesenwetter unter diesen oder jenen Namen beschrie-
ben worden sind. Einige derselben hält er für verschieden von der
Ki e s e nw ett er'schen Arten, ohne jedoch hierfür genügende Gründe
anzugeben. Eine eigenthümliche Ansicht des Verf. ist es, dass er
während des Jahres 1854. 163
die Catalogs- oder Samitilungsnamen der Russischen Entomologen
denjenigen Namen, unter welchen die Arten von anderen beschrieben
worden sind, vorziehen will. Ich halte es für überflüssig, die für
neu ausgegebenen Species hier namentlich aufzuführen, da ihre
Selbstständiglieit zu wenig verbürgt erscheint.
Mannerheim beschrieb (a. a. 0.) llelerocervs Iristis als neue
Art aus dem Russischen Nord-Amerika.
liamellicornia« _ Dynast idae. Von B 1 an ch ar d (a.
a. 0.) wurden Heteronyehus St. Ihlenae von der Insel St. Helena
und Chalcosoma Fhidias von Amboina beschrieben und abgebildet.
Neue Nord- Amerikanische Arten, von Le Conte (Proceed.
acad. Philad. VII. p. SO et 22t) aufgestellt sind : Pliileurus cribrosus
von Laredo, zu der Abiheilung mit drei grossen Zähnen an der Aus-
senseite der Yorderschienen gehörig, und Phileitrus illalus aus Cali-
fornien. Ferner: Chalepus obsolelus von San Diego.
Derselbe glaubt (ebenda S. 217) in Scarabaeus splendens Palis.,
welchen Chevrolat zur Gattung Xyloryctes bringt, das Weibchen
von Strategus Anlaeus zu erkennen; auch von dem Scarabaeus Bosci
Palisot glaubt er, dass er der Gattung Strategus angehöre.
Cetoniariae. — Den drei bis jetzt bekannten Arten der Gat-
tung Goliathus Lamark fügte Bertoloni (Memorie dell' acad. delle
scie^nze di Bologna IV. p. 345) eine vierte neue unter dem Namen
Goliathus Fornasini hinzu. Dieselbe wurde in Palmenwäldern an den
Ufern des Flusses Magnarra in Mossambique in einem männlichen und
drei weiblichen Exemplaren aufgefunden und folgendermassen diagno-
slicirt: „Mas nigro-piceus , femina nigra, syncipite maris apophysato,
libia antica dente mutico : utcrque sexus vittis pronoti luteo- ferrugi-
neis, elytris ferrugineo-guttulatis ; mas subtus castaneo.fuscus.« Nach
der auf Taf. 12 gegebenen Abbildung beider Geschlechter zeichnet
sich diese Art vor den übrigen durch kürzere, mehr gedrungene Ge-
stalt aus ; die Gabel am Kopfe des Männchens erinnert durch ihre
Form an die Gattung Mecynorhina.
\V es tw 00 d beschrieb (Transact. of the entomol. soc. HI.
p. 61. Taf. 6 und 7) eine Reihe neuer Arten von Cetoniarien und gab
mehrere Beiträge zur näheren Kenntniss einiger Afrikanischer, Asia-
tischer und Australischer Arten. Die neuen Arten sind: Tmesorrlmia
Saundersii aus dem tropischen Afrika, Gnathocera Angolensis ivon
Deyrolle unter dem Namen Gn. unicolor verschickt), Platynocepludus
HamiUoni aus Ostindien, Cosmiomoiyha selulosa aus Nord-China, il/a-
cronota fraterna von den Philippinen, setipes aus Nord-China und Eu.
poecila ochracea aus Neu- Holland. - Platynocephalus ist eine neue
Untergattung von Narycius, die dem Verf. nur im weiblichen Ge-
schechte bekannt ist; sie unterscheidet sich von Cyphonocephalus durch
164 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nicht metallische Oberfläche, zweizähnige äussere Maxillarlade und
nicht ausgerandetes Kinn. — Die schon bekannten Arten , welche
West wo od besonders in Betreft" der Bildung der Mundtheile beider
Geschlechter hier näher erörtert, sind Golialhus micans , Smithii,
Aniaurodes Passerinii, Asthenorrhina Turneri, Heterorrhina bicoslata
und Dicranocephalus Wallichii, von letzterer Art wird das bisher noch
unbekannte Weibchen beschrieben.
Neue Arten, von Blanchard (a. a. 0.) beschrieben und ab-
gebildet, sind : Celonia glauca von den Molukken und Lomaplera vi~
rens von Amboina.
Motschulsky beschrieb (Etud. entoni. III. p. 64) Macronota
sanguinosa aus China, und (ebenda II. S. 47) Cremaslochila scabrosa
von derselben Lokalität; da bis jetzt Arten der Galtung Cremasto-
chilus nur aus ]Nord -Amerika bekannt sind, so muss entweder die
Bestimmung der Gattung oder die Angabe des Vaterlandes als zwei-
felhaft erscheinen. Uebrigens ist die Beschreibung von der Art, dass
sich nichts daraus ersehen lässt.
Die Katurgeschichte des auch in Pinus maritima lebenden Gno-
rimus variabilis machte Perris (Annales de la soc. entoniol. II)
bekannt.
Butelidae. — Motschulsky beschrieb (Etud. entom. II.
p. 44) Trigonostoma })uberula, Miinela luleipennis , Anomala corpulenta
und Popilia indigonacea als neue Arten aus China , und ( ebenda
S.31fF.): Anomala mongolica aus Sibirien und der Mongolei, Abha-
sica, sublaevigata aus Georgien, exolela Fahl, aus INord-China, collaris
aus Turcomanien, rvficornis aus der Mongolei und PJord-China, varia-
bilis aus Georgien, Fsammoscaphus (Anomala) dilulus von der Wolga,
lunahis aus der Mongolei und desertorum aus den Kirgisensteppen.
Neue Arten von Le Conte (Proceed. acad. Philad. YII. p. 80
u. 221) sind: Plusiolis gloriosa von San Diego, Anomala luleipennis von
Laredo und marginella von Wisconsin; letztere Art reducirt der Verf.
später auf Anom. binotata Burm.
M e lo 1 on th id ae. — Von Motschulsky wurden beschrie-
ben: Oploslerna incana, Ancylonycha serricollis , parallela, (?) creni-
collis und Rhizotrogtis pulchellus aus China und Polyphylla adspersa von
Tiflis (Etud. entom. 11.)
Von Menetries (Etud. entom. III. p. 28) Melolonlha mongo»
lica aus der Mongolei.
Von Le Conte (Proceed. acad. Philad. VII. p. 222) : Polyphylla
catifrons von San Diego.
Derselbe gründet (ebenda S. 217) auf die von ihm beschrie-
benen Arten: Tostegoptera cribrosa, ventricosa und aequalis eine ei-
gene Galtung, für die er den Namen Evgaslra vorschlägt; die Ligula
ist nämlich bei diesen Arten tief viereckig ausgeschnitten, vs^ährend
während des Jahres 1854. 165
sie bei den wirklichen Tostegoptera fast gerade abgestutzt erscheint.
— Polyphylla variolosa Harris, die Erichson zu Mel. occidentalis
Lin. zieht, hält Le Conte für eine davon verschiedene Art dersel-
ben Gattung; über Melolontha lOlineata Say bemerkt er, dass sie,
wenn nicht idenliscii, doch sehr verwandt mit Polyphylla leucogramma
Blanch. ist.
Von Heeger wurde (Sitzungsberichte der Wiener Akad. der
Wissensch. XIV. S. 35) die Naturgeschichte des Amphimallus aprili-
nus Duft, (assimilis ,Hbst.) nach eigenen Beobachtungen ausführlich
beschrieben. Das Weibchen beginnt 4 bis 5 Tage nach der Begat-
tung seine Eier einzeln in die Erde zu legen , indem es sich zwi-
schen dem Grase einen Zoll tief eingräbt, ein Ei auf den Boden die-
ser Grube fallen lässt und dieselbe wieder zuscharrt. Auf diese Art
legt es 30 bis 40 Eier und stirbt gewöhnlich vor Schwäche in der
letzten Grube. Gegen Ende Juni entwickeln sich die Larven und
graben sich bis zu 2 Zoll tief in die Erde, wo sie sich von den fein-
sten Wurzeln der Gräser nähren. Sie häuten sich während des Som-
mers zweimal und gehen immer tiefer in die Erde, wo sie allmählich
immer stärkere Wurzeln angreifen; zu Anfang des Frühjahrs erwa-
chen sie aus der Erstarrung und häuten sich nun noch zweimal; 12
bis 14 Tage nach der Verpuppung entwickelt sich der Käfer.
Glaphyridae. — Zwei neue Arten sind: Glaphijrus aulicus
(Dcj. Cat.) Chevrolat aus Syrien (Rev. et Magas. de Zool. VI. p.479.
Taf. 7) und Chasnwlopterns nigrocinctus Wollaston aus Madera.
Geotrupini. — Le Conte beschrieb Alhijreus serratus von
Laredo (a. a. 0. S. 80.)
Coprides. — Neue Arten von Blanchard (a. a. 0.) be-
schrieben und abgebildet sind : Onthophagus flavolinealus und cupreo-
tiridis von Van Diemensland, armalus von Borneo, viridi-obscnrus uhd
parvus von der Rafles-ßay.
Von Motschulsky (a. a. 0.): Onthophagus fulvicornis und
ibex und Gymnopleurus rvßcornis aus China.
Von Le Conte (a. a. 0. S. 222) Copris moecÄrt von San Diego.
Phanacus torrens Le Conte hat sich nach Vergleich einer grös-
seren Reihe von Exemplaren dem Verf. nur als eine Varietät von
Ph. triangularis herausgestellt, und Onthophagus nlger Melsheimer ist
eine Varietät van 0. Zanus. (Proceed. acad. Philad. VII. p. 217.)
Aphodiidae. — Neue Arten sind:
Aphodius longispina Küster (Käfer Europas 28) aus dem südli-
chen Spanien.
Aphodius Pediosiy Oxtjomus Heinecheni und brevicollis Wollaston
von Madera.
Aphodius congregahts und Acgialia exarnta Mannerheim aus dem
Russischen Nord-Amerika (Bullet, de Moscou 1853.)
166 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Aphodius Australasiae Blanchard von Van Diemensland.
Die Naturgeschichte des Aphod. foetens Fab. erörterte Hee-
ger (a. a. 0. S. 30); die Larven entwickeln sich nach 10 bis 20 Ta-
gen aus dem Ei, welches in mit Dünger bedeckte Erde gelegt wird;
sie leben 2 bis 3 Zoll tief in der Erde und kommen nur des Nachts
in die Höhe, um sich vom Dünger zu nähren. Nach dreimaliger Häu-
tung haben sie in 4 bis 5 Wochen ihre vollkommene Ausbildung er-
reicht und verpuppen sich dann in einer ovalen Erdhöhle, in wel-
cher die freiliegende Puppe erst nach 14 bis 20 Tagen zum voll-
kommenen Käfer heranreift.
Orphnidae. — Le Conte beschrieb (a. a. 0. S. 222) Ocho~
daeus simplex und strialtts von San Diego, und machte (ebenda S. 217)
die Bemerkung, dass Bolboceras musculus Say gleich Ochodaeus ame-
ricanus Westwood sei. Der von ihm beschriebene Ochodaeus obscu-
rus dagegen gehöre dieser Gattung nicht an, sondern müsse eine neue,
zunächst mit Aesalus verwandte Galtung bilden, und also den Luca«
niden beigezählt werden.
Trogides. — Descriptions of the species of Trox and Omor-
gus inhabiting the United States, by J. Le Conte. (Proceed. acad.
nat. sc. Philad. VIL p. 211 ff.) Die Gattung Trox ist nach der vor-
liegenden Arbeit in Nord-Amerika durch 14 Arten vertreten, welche
der Verf. in zwei Abtheilungen bringt, a) Thorax uneben, zweilap-
pig : r. Sonorae von Tucson, ahernans aus Neu-Mexico , sordidus aus
Georgien, porcatus Say, tuberculatus Herbst., erinaceus aus Süd-Caro-
lina, terrestris Say, capillaris Say. b) Thorax nicht uneben : T. va-
riolatus Melsh., aequalis Say, fascifer von S. Francisco, lalicollis von
Neu- York, striatus Melsh. und alrox von Long's Peak. _ Von der
Gattung Omorgus sind dem Verf. 11 Nord -Amerikanische Arten be-
kannt, welche sich ebenfalls in zwei Gruppen bringen lassen, a)
Körper flügellos; Thorax mit glänzenden Pusteln: Tr. texanus aus
Texas, scutellaris Say, suluralis und uinbonalus aus Texas. — b) Kör-
per geflügelt ; Thorax mit nicht glänzenden , punktirten Tuberkeln
versehen: Tr. scabrosus Palis., puslulatus (tuberculatus Paus.?) aus
den südlichen Staaten, asper aus Georgien und Süd-Carolina, puncta,
tus Germ. , morsiis von Texas , integer ebendaher und tesselatus von
der Wexicanischen Grenze.
Goldenberg beschreibt (Palaeontographica IV. S.36) ein fos-
siles Insekt aus der Steinkohlenformation von Saarbrücken unter dem
Namen Troxiles Gcrmari, welches der Gruppe der Trogiden angehö-
ren soll; um dies jedoch zur Evidenz nachzuweisen, bedarf es wohl
noch besserer Stücke, als das, welches dem Verf. vorgelegen hat; an
diesem kann höchstens die Textur der Flügeldecken auf eine Ver-
wandtschaft mit Trox schliessen lassen, der Umriss des Körpers macht
dieselbe jedoch mehr denn zweifelhaft.
I
während des Jahres 1854. 167
Lucanini. — Eine Reihe neuer Formen hatSaunders ^Trans-
act. entom. sog. III. p. 45 ff. Taf. 3 und 4) durch Beschreibung und
Abbildung zur Kenntniss gebracht; sie sind sämmllich von Fortune
in China gesammelt worden: Lucanus Forlunei, Cladognathus graci-
lis, Odontolabris nitidus , Sinicus, emarginalus , Flalyprosopus plalymC'
lus, Nopei, Dorcus strialopunctalus, vicinuSf obscurus^ lateralis, striatus,
Aegus laevicoUis und puncliger.
Von Blanchard (a. a. 0.) wurden beschrieben und abgebil-
det: Lucanus fulvolimbatus und Dorcus concolor von Amboina, Figulus
insularis von Vavao.
Nach Perris (Insectes du Pin maritime) lebt Dorcus paralle-
lopipedus auch in Pinus maritima; die Larve und Verwandlungsge-
schichte derselben wird hier nochmals ausführlich beschrieben.
Riiprestides* Als neue Arten wurden beschrieben :
Von Chevrolat (Guerin, Rev. et Magas. VI. p.394) : Acmaeo~
dera chrysanthemi und Melanophila consobrina , letztere mit M. deca.
Stigma nahe verwandt, aus Syrien ; auf Taf. 6 abgebildet.
Von Blanchard (a. a. 0.): Colobogaster viridipunctatus von
den Molukken und Buprestis aurantiaco-adspersa von Borneo ; letztere
gehört zur Gattung Ancylochira.
Von Buquet (Annales de la soc. entom. p. 75. Taf. 3): Poly^
bothris Lelieuri, eine ausgezeichnete neue Art von Madagascar.
Von Le Conte (Proceed. acad. Philad. VII.): Ancylochira ad~
jecta, lautttj radiäns und placida vom Oregon, Buprestis sphenicus vom
Laredo, ambiens von Rio Grande und Phaenops mirandus von Neu-
Mexico.
Die ersten Stände und die Verwandlungsgeschichte einiger
Europäischer Buprestiden: Ancylochira flavomaculata, Sguttata, Chry-
sobothrys Solieri , Melanophila tarda und Anthaxia morio, welche
sämmtlich in Pinus maritima leben, hat Perris (a. a. 0.) bekannt
gemacht. Bei allen fand die Ausbildung der Larven binnen eines Jah-
res statt, wodurch Ratzeburg's Annahme einer zweijährigen Le-
bensdauer widerlegt wird.
Kucneinides» Eucnemis concolor von der Insel Ternate
wur*e von Blanchard (a. a. 0.) bekannt gemacht.
Tliro.scidae* Trixagus gracilis und Thorictus Westwoodii Wol-
laston sind zwei neue Arten von Madera.
li^latcridae* Der einzige Elater, welcher nach Wo 1 las ton
auf den Madera-Inseln vorkommt, bildet eine neue Gattung Coptosle-
thuSf welche als vikariirende Form von Cryptohypnus anzusehen ist.
Sie unterscheidet sich von dieser durch den Mangel der Flügel, stark
zottig behaarten Körper, verhällnissmässig stark entwickelten Thorax,
verdickte llinlcrschcnkcl und sehr lange Fühler, an denen nur das
168 Geist aecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
zweite Glied klein, alle übrigen länglich sind. C. femoratus lebt auf
Porto Santo.
Ueber einige noch wenig bekannte Englische Elateren hat Cur-
tis (Transact. of the entomol. soc. III. p. 10) Nachricht gegeben.
Der von ihm in seiner British Entomology beschriebenen Ectinus ater-
rimus ist von der allgemein unter diesem Kamen bekannten Art ver-
schieden ; er beschreibt sie daher von Neuem als Eclinns (?) gaga-
tes. Die Art ist bis jetzt nur in einem Exemplare bekannt, während
der Ectinus aterrimus auct. bis jetzt in England noch nicht aufgefun-
den worden ist. (Nebenbei erwähnt der Verf., dass das Exemplar der
Linne'schen Sammlung in London, welches als Elater aterrimus eti-
queltirt ist, ein verdorbener Lacon murinus sei.) — Von den beiden
vorhergenannten Arten ist der Elater (ob nov. gen.?) punctolineatus
Zoolog. Journ. verschieden , doch gehört dazu als Synonym Elater
aterrimus Steph. _ Ausserdem giebt Curtis noch Beschreibungen
von Elater nigrinus Payk., der ebenfalls in England aufgefunden wor-
den ist, vonAplotarsusmaritimusCurt., der "nicht, wie Stephens will,
eine Varietät von Sericosomus brunneus ist, sondern mit Elater ru-
fipes und testaceus in dieselbe Gattung gehört (also zu Cardiophorus) ;
auch Cardiophorus formosus Curt. (sollte diese Art wirklich aus Eng-
land stammen?) und eine neue Art: Aplolarsus cothurnalus , die auf
den ersten Anblick viel Aehnlichkeit mit Limonius minutus hat, wer-
den genau beschrieben. _ Die besprochenen Arten sind auf Taf. 2
im vergrösserten Massstabe abgebildet.
An neuen Arten wurden ausserdem beschrieben:
Von Le Conte (Proceed. acad. Philad. VII. p. 223): Chalcok-
pidius Webbii und smaragdinus von San Diego.
Von Blanchard (Voyage au pole sud) : Monocrepidius cme^
reus von der Rafles-Bay, Agrypnus nigroplagialus von Borneo , Lacon
trislis von Neu-Guinea, Elater nüidofuscus von den Auklands -Inseln
Agriotes Australasiae von den Arrow -Inseln, magellanicus von Port
Famine und 4punclatus von der Rafles-Bay.
Von Mann er heim (Bulletin de Moscou) aus dem Russischen
Nord-Amerika : Allious Iriimdulalus, Cryptohypnus impressicollis, scarL
ficatus, fallax, vestitus, lucidulus, reslrictulus, Diacanlhus decoratus und
parvicoUis.
Von Menetries (Middendorf's Reise): Diacanthus punctalis.
simus aus Sibirien.
Von Motschulsky (Elud. entom.) : Cratonychus piger , Lacon
variegalus und Agrioles peclinicornis aus China.
Nach Le Conte (a. a. 0. S.SIS) ist Atractopterus incongruusLeC.
der Gattung nach mit Sericosomus identisch und mit de m Europäischen
Ser. fugax sehr nahe verwandt.
während des Jahres 1854. 169
Perris behandelte (a. a. 0.) die Entwickelungsgeschichte der
in Pinus maritima lebenden Arten: Melanotus rufipes, Agrypnus alo-
marius, Athous rufus , rhombeus und Elater sanguineus. Ueber die
Lebensdauer der Larven hat der Verf. keine ganz sichere Resultate
erhalten ; im Allgemeinen scheinen zwei Jahre zur Entwickelung
nölhig zu sein, obwohl bei manchen unter günstigen Umständen auch
ein Jahr hinreicht.
Die schon öfter beschriebene Naturgeschichte des Elater pomo-
rum Geoffr. behandelte auch Heeger (14. Band der Wiener Akade-
mie-Berichte).
Cebrioiiites* Zu dieser Familie stelle ich eine von West-
wood in den Transact. entom. soc. IL p. 237 beschriebene und den
Elateriden beigezählte Gattung Lichas , welche sich durch die gros-
sen, kugligen Augen, die hervorragenden Mandibeln und die llildung
der Unterlippe, ferner durch die langen Beine und Fühler und den
schwachen Dorn des Prosternums, der von der Grube des Mesoster-
num nicht aufgenommen wird, endlich auch durch den allgemeinen
Habitus von den Elateren entfernt, in allen diesen Merkmalen aber
mit den Cebrionitcn übereinstimmt. Die Fühler sind vom 4. Gliede
an allmählich schärfer gesägt, das letzte Glied oval ; die Tarsenglie-
dcr sind verhältnissmässig kurz, die vier ersten auf der Unterseite
filzig; die Klauen einfach, lang und scharf, mit einer mittleren After-
klaue, welche zwei Büschel langer Borsten trägt. — Die einzige
Art, L. funebris aus China, ist Taf. 12. Fig. 3 abgebildet ; sie ist schwarz,
mit grauen Borsten dicht besetzt, w^elche auf den Flügeldecken zahl-
reiche Flecken nackt lassen.
Rliipicerifles. Westwood beschrieb (Transact. of the
entom. soc. IL p. 234. Taf. 12) als neue Arten: Callirrhipis Temj)le-
tonii und Championi von Ceylon und Rhipicera teslellata aus Austra-
lien, zur Untergattung Oligorrhipls Guer. gehörig.
Chevrolat (Rev. et Magas. de Zool. VL p. 432. Taf. 6):
Callirrhipis Bla7ichei aus Syrien.
Blanchard (Voyage au pole sud): Callirrhipis caslaneus von
Neu. Guinea und stellte eine neue Gattung Simianus auf, die nach
der Beschreibung des Verf. gewiss schwer zu entziffern sein möchte.
Sie soll sich von Callirrhipis „durch den Kopf, der unter dem Tho-
rax nicht verborgen ist und keine Verlängerung zeigt", unterschei-
den ; die Fühlerglieder sind vom dritten an in kurze Aeste erwei-
tert. — Art: S. bicolor von der Insel Ceram.
CypIiOBiides. Encinetes ovum Wollaston ist eine neue Art
von Madera (Insecta Maderensia) und Eubria Marchaiitii Jacquelin-
Duval (Bullet, entomol. p. 36) von Toulouse. '
Eiyciflae« Neue Arten, von Blanchard (a. n. 0.) beschrieb
170 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ben und abgebildet , sind : Lyciis melamtrus von Singapore , rufosler-
nalis von Neu-Guinea, flavicans von der Lombo-Bay , lalipes von der
Insel Ceram, pilosicornis von den Philippinen.
Tjainpyridae. Von Blanchard (a. a. 0.) wurden L?/-
ciola limhata und plagiata vom Salomon-Archipel bekannt gemacht.
Von Chevrolat (Rev. et Magas. VI. p. 433. Taf. 6) : Malaco-
gaster adustus aus Syrien.
Von Le Conte (Proceed. acad. Philad. p. 16): Elkjchnia fa^
cula vom Oregon.
Nach demselben (ebenda S. 218) ist Pyractomena linearis LeC.
gleich P. lucifera iVIelsheimer und P. fenestralis Melsh. nicht, wie
Le Conte früher angegeben hat, gleich Ellychnia corrusca, sondern
eine eigene Art dieser Gattung.
V. Motschulsky beschreibt (Etud. entom. II. p. 45) als Rka~
gophthalmus scutellatus eine neue Gattung und Art aus China, welche,
wie er sagt, die Druiden mit den Lampyriden verbinden soll. Die
Gattungscharaktere sind jedoch nicht weiter auseinandergesetzt.
Derselbe hat seine im vorigen Jahresberichte erwähnte Bear-
beitung der Leuchtkäfer im 2ten und 3ten Jahrgange seiner Etudes
entomologiques, p. 1. 33 etc. mit der Artenbeschreibung fortgesetit.
Es sind im Ganzen 174 Arten angeführt, deren Bestimmung jedoch
aus den sehr kurzen und oberflächlichen Beschreibungen in der
Mehrzahl der Fälle sehr schwer hält. Eine grosse Zahl der von
früheren Autoren beschriebenen Arten hat der Verf. oft nicht einmal
der Gattung nach bestimmen können. Es ist dabei nur zu bedauern,
dass für einen künftigen Monogprahen dieser interessanten Familie,
welcher die Sache mit der gehörigen wissenschaftlichen Gründlichkeit
angreifen will, die durch die Vorarbeiten bedingten Schwierigkeiten
sich nun um so mehr vergrössert haben.
Velepliorides. Westwood errichtete (Transact. entom.
soc. II. p. 238) eine neue Gattung Eugeusis, welche sich durch die
Bildung der Palpen sehr auszeichnet. An beiden Paaren ist nämlich
das letzte Glied sehr gross , länglich, plattgedrückt und mit Borsten
besetzt. Die Fühler sind von der Länge der Flügeldecken, schlank,
elfgliedrig, das 3te bis lOte Glied mit einem langen, dünnen, behaar-
ten Aste versehen. Kopf nicht unter dem Vorderrande des Thorax
verborgen; Thorax breiter als lang, an den Seiten gerundet, vor den
spitzen llinterecken ausgebuchtet ; Flügeldecken flachgedrückt , fast
gleichbreit , mit erhabenen Längslinien. — Das einzige vorliegende
Exemplar der aus Ceylon stammenden Art E. palpator ist wahrschein-
lich ein Männchen ; der Verf. vermuthet, dass das Weibchen einfache
Palpen unt Antennen besitzen wird , wodurch sich die Gattung an
Silis anreihen würde. Abbildung Taf. 12. Fig. 5,
während des Jahres 1854. 171
Eine andere Gattung wurde von Blanchard (Yoyage au püIe
sud) unter dem Warnen ElaUoderes besehrieben; sie ist mit Malthinus
und Silis verwandt, durch sehr kleinen, äusserst kurzen Kopf, faden-
förmige Fühler von 2/3 Körperlänge, kleinen Thorax, der sehmaler
als der Kopf, kürzer als breit und an den Seiten vollkommen abge-
rundet ist, unterschieden. An den Fühlern ist das erste Glied kurz
und keulenförmig verdickt, das zweite sehr klein, alle folgenden ver-
längert, unter einander fast gleich, das letzte wieder sehr klein, zu-
gespitzt knopfförmig. — Eine Art : E. maculicollis von der Magellan-
Strasse. — Andere ebenda beschriebene Arten sind ; Telephorus insu^
laris von Borneo , flatifemoralis von den Philippinen , Chauliognalhus
magellanicus und bioculalus von der Magellan- Strasse,
Telephorus apicalis und melaspis (soll doch wohl melanaspis
heissen !) Chevrolat sind zwei neue Arten aus Syrien (Guerin, l\ev.
et Magas. Yl. p. 434.)
ßlalthodes liiesenwelteri Wollaston (Insecta Maderensia ) von
Madera.
Canlharis cordicollis aus Süd-Russland, semi flava aus Süd - Spa-
nien und viduala aus Dalmatien wurden von Küster (Käfer Europa's)
aufgestellt.
Rhagonycha anthracina von Kenai im Russischen Wordamerika,
von Mannerheim (Bullet, de Moscou).
Telephorus (Rhagonycha) brevivenlris Fächer (Käfer von Heili-
genblut) aus Kärnthen ist nach Dohrn's Mittheilung gleich T. signa-
tus Germar.
Melyridcs« Zwei neue Gattungen wurden von Wollaston
(Insecta Maderensia, p. 245 ff.) bekannt gemacht: 1. Pecleropus, eine
ausgezeichnete Malachier-Form, mit metallisch glänzender Oberfläche
und sehr eigenthümlicher Bildung der Vorderfüsse beim Älännchen.
Das zweite Tarsalglied steht nämlich ganz ausser der Reihe der
übrigen und ist gleichsam zwischen dem Isten und 3ten Gliede als
Anhängsel befestigt ; er setzt sich auf der Oberseite des Tarsus in
einen langen, helmartigen Fortsatz fort, welcher inwendig hohl und
mit starken Kamnizähnen besetzt ist. — Drei Arten: P. Maderensis,
rugosus und rostralus von den Madera-Inseln, und eine hier ebenfalls
anhangsweise beschriebene : P. pellucidus von Teneriffa. — 2. Mely-
rosonia , im äusseren Umrisse mit Melyris nahe verwandt, doch in
folgenden Punkten verschieden: das dritte F'ühlerglied , welches bei
Melyris das längste von allen ist, ist hier sehr klein und schmäler
als die übrigen, schief nach aussen gerichtet ; die folgenden bis zum
vorletzten sind innen scharf gesägt. Das letzte Glied beider Palpen
ist stark pfriemlörmig zugespitzt; die Mandibeln zweispitzig, die
Beine schlanker, die Klauen tief zweispaltig. Zwei Arten: il, ocea-^
172 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nicum und Arlemisiae, — Ausserdem kommen folgende neue Arten
auf Madera vor : Malachius militaris und Dasyles ülustris.
V. Motschulsky hat sich (Elud. ^ntom. II. p. 31. 55 etc.)
damit beschäftigt , die von Erichson gegebene Systematik dieser
Familie zu reformiren, ein Unternehmen, das in der That einiges
Selbstbew^usstsein erfordert. Unter dem Namen Axinotarsus will er
njimlich von Malachius diejenigen Arten absondern, bei denen das
zweite Glied der Fühler beim Männchen klein ist und wo die zwei
ersten Glieder der Vordertarsen dicker als die folgenden sind ; es
sollen hierher Mal. pulicarius und marginellus gehören, welche der
Verf. nicht als verschiedene Arien betrachten zu dürfen glaubt; es
kann dies natürlich nur daran liegen, dass ihm die Unterschiede der-
selben nicht klar geworden sind. Noch besser ist der Vorschlag des
Verf., diejenigen Malachius, deren Flügeldecken beim Männchen an
der Spitze gefaltet und mit Dornen versehen sind, unter dem Kamen
Clanoplüus abzutrennen, und man könnte sich hierbei nur darüber
wundern, weshalb er nicht auch auf jede Verschiedenheit in der Füh-
lerbildung, die bekanntlich bei fast allen Arten im männlichen Ge-
schlechte Unterschiede zeigt, jedesmal eine besondere Gattung ge-
gründet hat. — Dieselbe Bewandtniss, wie mit den beiden oben ge-
nannten Gattungen , wird es wahrscheinlich auch mit einer neuen
Gattung des Verf., Cyrtosus haben; sie soll in der Form mit Axino-
tarsus verwandt sein, sich aber durch erweiterte Flügeldecken beim
Weibchen unterscheiden ; die Spitze bei beiden Geschlechtern ein-
fach; zweites Fühlerglied des Männchens stark erweitert, drittes ver-
längert. — Eine Arr: Cyrt. nodicornis aus Algier. — Neue Arten,
welche bei Gelegenheit dieser Systematisirungsversuche vom Verf. be-
schrieben werden, sind: Attaliis barbarus aus Algier, Hedybius scu-
tellaris aus Columbien, Anthocoimis fagi aus Steyermark und von Lyon,
Cololes suturalis aus Südfrankreich, cbiclus aus Aegypten, Malachius
snluralis aus Klein-Asien, siibmarginatus aus Constantinopel, cruenta-
fus aus der Krim, nigrosetosus aus Anatolien, Clanoptilus strigicollis aus
Klein-Asien, antennatus und anguslatus aus Anatolien. — Ebenda III.
S. 45 : Carphurus Iransparipennis^ nur ^ und nigripennis nur -^, beide
aus Ostindien, limbifer^ nur ^^ ebendaher.
Zwei neue Arten von Chevrolat (Guerin Rev. et Magas. VI.
p. 434) sind: Malachius macvlitenlris und Anlhocormis bicinclus aus
Syrien.
Die von Strübing (Entom. Zeit. S. 198) als neue Art be-
schriebene Malachius fallax ist nach Kraatz (ebenda, S. 297) von
M. rubidus Erichs, nicht verschieden.
Die ersten Stände von Anthocomus lateralis und Dasytes fla-
vipes besehrieb Perris (Insectes du pin maritime); zugleich führt
er gegen die Behauptung einiger Autoren, dass sich dicMalachicr im
während des Jahres 1854. 173
ausgebildeten Zustande ausschliesslich von animalischer Kost nährten, die
Beobachtung an, dass er Malachius aeneus und pullrarius die Staubfä-
den der Blumen, mittelst der Mandibeln habe abbeissen und verzeh-
ren sehen.
Clerii. Eine von Blanchard (a. a. 0.) aufgestellte neue
Gattung Prionophorus soll sich von Tenerus Lap. durch kürzeren
Kopf, mehr verlängertes und eingeschnürtes Halsschild und dreieckiges
Scutellum unterscheiden. Eine Art: P. bicolor von Ncu-Guinea.
Ausserdem sind neue Arten : Tillus biparlilus von den Älariannen-In-
seln und Tarsostenus zonalus ohne Angabe des Vaterlandes.
Cymatodera balleala und canceUaia Le Conte sind zwei neue
Arten von Laredo. (Froceed. acad. Philad. VII. p. 81.)
Die ersten Stände und Entwickelungsgeschichte von Clerus for-
micarius , 4maculalus und Trichodes alvearius wurden von Perris
(a. a. 0.) erörtert.
Ptiniores. Eine monographische Bearbeitung dieser Familie
hat Boieldieu unternommen, von der vorläufig ein Auszug im Bul-
let, entomol. p. 78 ff. mitgetheilt worden ist. Nach demselben um-
fasst die Arbeit des Verf. 3 lledobia , 51 Ptinus , 3 Kiptus, 6 Trigo-
nogenius, 3 Älezium und 3 Gibbium-Arten. Die Diagnosen der neuen,
im Ganzen 23, sind hier veröffentlicht.
Nach Wollaston (Insecta Maderensia) ist die Familie der Pti-
niores ungewöhnlich stark auf Madera vertreten und die grössteZahl
der Arten neu: sie werden unter den Namen: Ptinus advena , Dato-
soni, pinguis , orbatus ^ nodulus , pilula, albopiclus , longiconiis, fragilisy
Anobium velaluin, ptilinoides, Pidinus cylindvipennis beschrieben.
Ueber einige Nord- Amerikanische Arten hat Le Conte (Pro-
ceed. acad. Philad. VII. p. 218) nähere Auskunft gegeben. Die von
ihm den Nilidularien beigezählte Gattung Alloeocnemis (siehe vorig.
Jahresbericht !) ist gleich Polycaon Laporte und gehört also den Pti-
nioren zu; dagegen ist Xyletinus flabellicornis Sturm aus der Familie
zu entfernen, obwohl ihm die Stellung desselben noch nicht klar ist.
Xyletinus sericeus Say endlich gehört zur Gattung Trypopitys Kedt.
Perris erwähnt (a. a. 0.) bei der Beschreibung der Naturge-
schichte von Anobium molle, abietis , longicorne uud pertinax, dass
die Anobium- Larven nicht, wie Ratze bürg meint, 3 bis 4 Jahre
zu ihrer Entwickelung gebrauchen, sondern dieselbe in einem Jahre
vollenden.
Cioidae* Cis Lmiri Wollaston von Madera und Cis epitip^
pialus Älannerheim von Silhka sind als neue Arten zu erwähnen.
Die ersten Stände des Ennearthron cornutum wurden von Per-
ris (a. a. 0.) beschrieben und abgebildet.
174 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Nach L e Conte (a. a. 0. S. 218) ist Triphyllus rugosus Ran-
dall (Cis rugosus Melsh.) gleich Endccatomus reticulatus Mellie.
Melasoma. Mulsant hat seinen „Essai d'une division des
derniersMelasomes« in Verbindung mit Key (Opusculus entom. V cah.)
milder Bearbeitung der Pandariden - Gruppe fortgesetzt. Dieselben
zerfallen nach ihm in drei Unterabtheilungen: 1) Eurynotus - ähnli-
che: die Augen sind entweder ganz, oder sie sind nur unvollständig
durch der Seitenrand des Kopfes eingeschnitten ; der Prothorax stützt
sich auf die Basis der Flügeldecken; die Flügeldecken haben mei-
stens 10 Streifen, nur selten 9; dann aber sind bald die Flügeldecken
an der Basis nach aussen nicht schief abgestutzt, bald haben die Füh-
ler das 3te bis 6te Glied fadenförmig, und zwar das dritte so lang
wie die beiden folgenden zusammengenommen. — 2) Pandarus -ähn-
liche: Augen und Prothorax wie bei den vorigen; Flügeldecken mit
9 Streifen oder Punktreihen , aussen an der Basis schief abgestutzt,
um die llinterwinkel des Prothorax aufzunehmen. Drittes bis sechs-
tes Fühlerglied nicht fadenförmig. — 3) Heliopates -ähnliche: Augen
durch den Seitenrand des Kopfes durchschnitten ; fünftes und sechstes
Fühlerglied gewöhnlich verkehrt kegelförmig; Flügeldecken mit 9
Streifen oder Punktreihen, zuweilen sich mit der Basis nicht an den
Thorax anschliessend. — Zur ersten Abtheilung gehören folgende
Gattungen : 1) Melanoplerus n. g. auf Eurynotus ovalis Dej. gegrün-
det, mit 3 Arten. 2) Eurynotus Kirby mit 10 Arten. 3) Lasioderus
n. g. mit 1 Art vom Cap. 4) Isocerus Latr. mit 1 Art. — Zur
zweiten Abtheilung gehören: 5) Pandarus mit 20 Arten. 6) Fanda-
rimis n. g. auf Opatrum piceum Oliv. (Pandarus piceus Dej.) gegrün-
det, mit 5 Arten. 7) Bioplanes n. g. auf Phylax meridionalis Dej. ge-
gründet, und nur diese einzige Art umfassend. — Zur dritten Abthei-
lung gehören : 8) Melamhius n. g. auf Opatrum barbarum Erichs, ge-
gründet, welche zugleich die einzige Art ist. 9) Litoborus n. g. ,
Typus ist Phylax Moreletti Lucas und Ph. maurus Dej. 10) Phylax
mit 7 Arten. 11) Micrositus n. g. (z. B. Philax plicatus Lucas) mit
16 Arten. 12) Omocrales n. g. (z. B. Heliopathes gibbus Dej.) mit
10 Arten. 13) Meladeras n. g. (z. B. Dendarus barbarus Lucas)
3 Arten. 14) Heliopathes mit 11 Arten.
In seiner Histoire naturelle des Coleopteres de France, Tom.V.
Laligenes, nimmt Mulsant 5 Hauptgruppen der Melasomen an, wel-
che er folgendermasseu feststellt: A. Das Kinn verhüllt oft, wenig-
stens theilweise die Basis derMaxillen; zuweilen lässt es diese voll-
kommen frei, aber dann ist das zehnte Fühlerglied wenigstens ebenso
breit als lang und die Oberlippe tritt deutlich vor dem Kopfschilde
hervor. Flügeldecken in der iiegel verwachsen, selten frei, dann
aber ist das Prosternum fast eben, hinter den Hüften verlängert und
an seiner Spitze verschmälert. Die Tarsen sind unten mit kleinen
während des Jahres 1854. 175
Dornen oder dornartigen Haaren besetit: 1) Pimelidae, — B. Das
Kinn lässt die Basis der Maxillen ganz frei, a) Das Kopfschild ist
lief ausgeschnilten oder in der Milte eingekerbt, und die Überlippe
ist nur in diesem Einschnitte sichtbar ; neuntes und zehntes Fühler-
giied in der Regel knopfförmig : 2. VedirAdae. — b) Koplschild ganz-
randig, die Oberlippe in ihrer ganzen Breite frei hervortretend. «)
Fühler durchblättert, oft wenigstens vom ölen Gliedc an, welches
breiter als lang ist: 3. Diaperidae. — ß) Fühlet nicht durchblättert,
Öles Glied so lang als breit; Frosternum hinten verbreitert, der Länge
nach mehr oder weniger gewölbt, f) Neuntes und zehntes Fühler-
glied wenigstens so breit als lang ; erstes Tarsenglied an den hinte-
ren Beinen kürzer als das letzte: 4. Tenebrionidae. — ff) Neuntes
und zehntes Fühlerglied länger als breit; Tarsen unten mit Seiten-
haaren besetzt : 5. Helopidae. — Die Solier'schen Gruppen der Ten-
tyrien, Fimelien, Akisiden, Elenophoriden , Tageniten und Scauriden
mit einfachem Endgliede der Maxillartaster , und die der Asiditen,
Blapiden und Crypticiden mit beilförmigem Endgliede derselben, wer-
den hier nur als Unterabtheilungen der ersten Hauptgruppe Pimelidae
angesehen. — Auf die Einzelnheiten des Werkes hier einzugehen,
verbietet der Raum.
Ref. errichtete (Monatsberichte der Akad. d. Wissensch. S.530fF.)
drei neue Gattungen mit folgenden Charakteren: 1. Emyon n. g. zur
Gruppe der Blapiden gehörig : „Antennae capitis Ihoracisque longitu-
dine , articulo tertio secundo triplo longiore , sequentibus obconicis,
sensim brevioribus, ultimis subcompressis. Clypeus leviter emargina-
lus. Falpi maxillares articulis duobus primis oblongis, arcuatis, ter-
tio intus dilatato, ultimo securiformi. Mentum basi fortiter altenua.-
tum, ligula subcordata: palpi labiales articulo ultimo lanceolato. Pe-
des simplices , tibiis posticis leviter arcuatis." Die Gattung ist mit
Drosochrus Er. zunächst verwandt, derselben auch im Habitus ähnlich,
unterscheidet sich von dieser aber sogleich durch die viel kürzeren
Fühler. — Eine Art : E. caelalus n. sp. — 2. Anchophlhalmus n. g. aus
der Gruppe der Pediniten. „Corpus oblongum, subparallelum, depres-
8um. Oculi non divisi. Antennae articulis quinque ultimis dilatalis.
Labrum leviter emarginatum. Palpi maxillares articulo ultimo fortiter
securiformi, longitudine fere triplo latiore. Mentum trifidum, ligula
brevissima ; palpi labiales articulo ultimo subtruncato. Thorax basi
apiceque profunde cxcisus. Elytra connata." Die Gattung stimmt im
äusseren Umrisse mit Selenepistoma Dej., in der Bildung der Mund-
theile jedoch mehr mit Opatrinus überein. ~ Zwei neue Arten: A.
silphoides und dentipes. — 3. Dinoscelis n. g. zur Gruppe der Tene-
brionilen. „Corpus elongatum. Antennae moniliformes, articulo ul-
timo intus Iruncato. Labrum emarginatum. Palpi maxillares articulo
ultimo obconico, oblique Iruncato. Mentum trapezoideum, angulis an-
176 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ticis rotiindalis; ligula antice sinuala. Femora antica clavata, denti-
bus validis arniata; tibiae anticae curvatae , basin versus dentatae,
mediae simplices, poslicae intus serratae." Diese Gattung ist auf
Odontopus Passerinii Bertoloni gegründet. — Ausserdem gab Ref.
(ebenda) die Diagnosen folgender neuer Arten, welche sämmtlich aus
Mossambique stammen : Zophosis agaboides , convexiuscula, Hyperops
"picipes, Macropoda relicitlala, Melriopus plahjnotus , Slenocara arach.
noidesy Heteroscelis lineala ^ Eurychora trichoplera, Pogonobasis laeti-
gala und cribrala, Herpiscius gracilis, Crijptochile elegans und sordida,
Fhaneroloma coriaceum, scabricolle und carbonarium , Crypiogenius in-
flatus, Traclnjnotus sordidus , Micranlereus coslalus , Gonopus exaralus,
Slizopus sidcalus, Eurynotus punclatoslrialus und infernalis, Himalisrm4s
buprestüides und lessulalus, Praeugena feslira und viridescens.
Von Mannerheim wurde (Bullet, d. natural. deMoscou 1853.
Wo. 3. p. 264) eine neue Gattung JJysmalhes beschrieben, welche im
äusseren Habitus eine gewisse Aehnlichkeit mit Kyctelia darbietet,
sich aber durch die Bildung der Fühler zunächst an die Tentyrien-
Gallungen Pachychila und Gnathosia anschliesst. Die Fühler sind
nämlich kürzer als Kopf und Halsschild zusammengenommen, die ein-
zelnen Glieder gedrängt, fast cylindrisch, das 3te fast doppelt so lang als
das 2te, das 4te— lOte allmählich kürzer werdend, das letzte an der Spitze
gerundet. Die Oberlippe quer, tief ausgerandet; die Palpen mit cy-
lindrischen Gliedern. Der Kopf abgeflacht, fast quadratisch , bei den
Augen etwas erweitert; diese klein, fast nierenförmig. Der Thorax
abgeflacht, quer, vorn verengt, vorn weit ausgerandet, sich eng an
den Kopf anschliessend, an der Basis zweibuchtig mit spitzen Hinter-
ecken , an den Seiten in der Mitte gerundet erweitert und gesägt.
Die Flügeldecken verwachsen , doppelt so breit und mehr als einmal
so lang als der Thorax , elliptisch. Die Beine ziemlich dünn, die
vier hinteren Schienen etwas nach aussen gebogen. Eine Art: D.
Sahlbergii von der Insel Sitkha.
Mehrere neue Gattungen wurden auch von Wo Ilaston (In-
secta Maderensia p. 485 ff".) aufgestellt: 1. ElUpsodes aus der Gruppe
der Diaperialen, von Scaphidema in folgenden Punkten verschieden:
der Körper ist gewölbter und flügellos , der Thorax grösser und hinten
breiter, die Flügeldecken ungestreift und verwachsen, die Mandibeln
kräftiger, nicht zweispitzig, das Endglied der Maxillartaster fast beii-
förmig, die Zunge dicker und vorn mehr gerundet. Eine Art: E.
glabratus. — 2. Boromorphus mit der Gattung Boros Hbst. verwandt,
doch ohne Flügel, mit behaarten und verwachsenen Flügeldecken,
schlankeren, fadenförmigen Fühlern, an denen die letzten Glieder
nicht zu einer Keule erweitert sind; ausserdem sind die Palpen an
der Spitze keulenartig verdickt, die innere Maxillarlade ausnehmend
klein und die Zunge fast häutig. Eine Art: B. Maderae. ~ 3. Ma^
während des Jahres 1854. 177
croslethus aus der Gruppe der Blapiden, von Blaps durch seine luber-
kulirte überdache, convoxercn Körper, ovalen und fast ungerandeten
Thorax, abgerundete Flügeldecken, an der Spitze keulcnartig verdickte
Fühler und unbedornle Schienen unterschieden. Eine Art: M. tuber-
cidotus . — Ausserdem wird die Gattung Hadrus Dej. Cat. näher cha-
raklerisirt und folgende neue Arten beschrieben : Phaleria ciliala, Opa-
irum errans und dilalalum (letzteres von den Salvages-Inseln), Ha-
drus alpinus, cinerascens Dej. Cat. und illotus (wahrscheinlich nur
Varietät von cinerascens), llegeler lalericola (von den Salvages), //e-
lops Vulca7iits, co7iferlus f Philo, infenius, lucifugus, congregalus, fuli-
lis, cinnamomeus , Porlosaiictanus und anhangsweise Helops Leacocia-
nus von den Salvages und carbuncidus von TenerilFa.
Unter dem Namen Hypsosoma charakterisirte Menetries eine
den Tentyriten angehörige und mit Honiala Esch. (Thalpophila Sol.)
zunächst verwandte Galtung, welche sich durch verschiedene Form
des llalsschildes und der Flügeldecken habituell davon unterscheidet;
ausserdem ist das Kinn winklig ausgerandet , die Mandibeln kaum
zweizähnig, die Fühler haben die zwei letzten Glieder kürzer als
die übrigen und mehr kuglig. — Eine Art: H. mongolica. — Zwei
andere neue Arten, ebenfalls aus der Chinesischen Mongolei sind:
Melatiesthes maximus und Blaps granulosa. (Etudes entomol. III.
p. 30 (f.).
Eine beträchtliche Anzahl neuer Arten wurden auch vonBlan-
chard (Voyage au pole sud) bekannt gemacht. Zwei derselben bil-
den neue Gattungen: 1. Zolodimds, zunächst mit Zophobas verwandt,
von dem sie der Verf. wegen der abgeflachten Körperform und der
Fühlerbildung, deren letzte Glieder weder plattgedrückt, noch erwei-
tert sind, trennen zu müssen glaubt. Die Art Z. zelandicus von Ken-
Seeland zeigt grosse Aehnlichkeit mit einem Elater. — 2. Dolphus
nicht näher charakterisirt, da das einzige (abgebildete) Exemplar vom
Zeichner zerbrochen worden ist. Art: D. globipennis von der Ma-
gellanstrasse. —; Die neuen Arten sind : Opalrum aequatoriale von
ßorneo, moluccanum von Amboina, denticolle von Van Diemensland,
villiger (!) von der Raües-Bay, Ce$lrinus longus von Van Diemensland,
Epilacium incisum von der Insel Guam, Opalrinus lalicollis von Timor,
^'yctobales aequalorialis von Borneo, Tenebrio nigerrimns von Van Die-
mensland, Uloma laevicoslala und Bolilophagus anguliferus (!) von
Keu-Seeland, Plalydema oblonga von Vavao , Epilampiis tiolaceus von
Borneo, Helops oblongiusculus von der Magellan- Strasse , Amarygmus
ftdgidilehsellalus von Borneo, rvßcrurus (sie!) von den Arrow -Inseln
und columbinus von der Rattes-Bay.
Einzelne neue Arten sind ferner:
Cossyphus rugulosus Peyron aus Caramanien (Rev. et Magas. de
Zool. VI. p.227.)
Archiv, f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. }/[
178 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Zophosis polila, Philax punclulalus, Hedyphanes cribripennis und
helopioides Lucas von Crcta (ebenda S. 28 ff.).
Pelecyphorus rimalus , difformis, Euschides liratus , convexicolliSf
Epitragus submetallicus , Coelocnemis punctalus , Asbolus (?) mfauslus,
Eusattus piiherulus und Allecula socia Le Conte aus Nord -Amerika
(Proceed. acad. Philad. VIL)
Nach demselben (ebenda S. 219) ist Heliophilus fossor Le Conte
eine Art, welche aus dieser Gattung zu entfernen und einer neuen,
mit Opatrum nahe verwandten zuzutheilen ist. — Opatrum latimanum
muss ebenfalls eine eigene, vielleicht mit Leichenum Dej. identische
Gattung bilden. — Pytho pallida Say gehört zur Gattung Adelina. —
Boletophagus tetraopes Newm. ist gleich Eledona depressa liandall. —
Helops contractus Palis., welcher von Solier zur Gattung Psorodes
gezogen wird, ist von Kirby schon als eigene Gattung Meracantha
canadensis beschrieben worden ; die Art muss daher Meracantha con-
tracta Palis. Kirby heissen. — Stenochia gracilis Le C. ist mit Alle-
cula verwandt, das vorletzte Tarsenglied ist gelappt, die Klauen
gesägt.
Nach Lucas (Bullet, entom. p.51) findet sich die Larve von
Tribolium ferrugineum auch in Insektensammlungen, wo sie zuweilen
grosse Zerstörungen anrichtet.
Die Larve und Puppe von Cerandria cornuta hat Mo ts chul s ky
(Etud. entom. IIL p. 67) nochmals ausfuhrlich beschrieben.
Melandryailae, Von Manner he im wurde (Bullet, de
Moscou) Hallomenus basalis von Kenai als neue Art beschrieben.
Le Conte gab (a. a. 0. S. 219) folgende synonymische Be-
merkungen über Nord- Amerikanische Arten dieser Familie: Myceto^
chares ruficornis Melsh. gehört zu den Melandryaden und derselben
Gattung wie Hallomenus lucidus Hald. an ; letztere Art scheint nicht
hinreichend verschieden von Hallom. scapularis Melsh. zu sein. —
Orchesia sericea Melsh., auf welche Haldeman die Gattung Cala-
sia gründete , ist eine wahre Scraptia. — Scraptia lutea Hald. ist
gleich Scr. pallipes Melsh. ; Scr. americana Hald. dagegen, die von
Meisheim er in seinem Cataloge mit S. lutea identificirt wird, ist
eine davon verschiedene Art. — Scraptia rugosa und flavicollis Hald.
gehören dieser Gattung nicht an und scheinen den Tenebrionen näher
als den Melandryaden zu stehen.
fiag-riariae. Lagria concolor von Singapore und dimidiala
von der Insel Vavao wurden von Blanchard (a. a. 0.) als neu ^
Arten beschrieben und abgebildet.
IPyrocIaroiiles. Pylho deplanalus Mannerheim (ob gleich P.
Americanus Kirby?) aus dem Russischen Nordamerika wurde im Bullet,
de Moscou 1853 beschrieben. i
w^hre^d de? Jahres 18^^. ' 17?
jf utliicif|[<^^. Anthicus nigrila lUanncrheim (ebenda) ist eine
neue Aj-^ yon Kenai, Anlhicus litoralis und Xiilophilus pallens Wolla-
ston von Madera.
!MQrclcl|<mae« Neue Arten dieser Familie sind:
Aiiaspis rußiarsis Lucas (Rcv. et Magas. VI.) von Crela.
Anaspis Proleus Wollaslon von Madera.
Pelecoloides murinus von Keu-Guinea, Rkipiphorus higuUalus von
der Insel Ternatc, Mordella plurijioiala von den Molukken, vonBlan-
chard (Voyage au pole sud) beschrieben und abgebildet.
Rhipiphorus rufus Le Conte von San Diego (Proceed. acad. Phi-
lad. VII. p. 225.)
Nach demselben (ebenda S. 220) ist Anaspis 4punctata Say eine
Mordella; Anaspis ventralis Melsh. scheint als Varietät zu A. rufa Say
zu gehören und A. filiformis Le Conte ist ebenfalls nur das Männ-
chen der letzteren. — Die Gattung Anthobates Le C. muss mit Ana-
spis wieder vereinigt werden.
VesicHutia* Eine Reihe neuer Arten aus Mossambique wur-
den vom Ref. (Monatsberichte der Berliner Akademie der Wissensch.
S. 694) vorläufig durch Diagnosen bekannt gemacht: Myla()ris trico-
lor, Tettensis, bhonata , triparlita , Iristigma, pruinosa, serricornis, tri-
furca , rußcrus mit elfgliedrigen Fühlern, {Decatoma) calenata mil;
zehngliedrigen Fühlern, (^Dices) lanuginosa mit neungliedrigen Füh-
lern, Lylta pecloralis Bohem. i. lit., lorigera, velata und strangulata.
Meloe auslrinus und ßavicomus Wollaston sind zwei neue Arten
von Madera.
Epicaula chinensis und Mylabris famelica aus China , erstere
von Motschulsky, letztere von Menetries (Etud. entomol.) be-
schrieben.
Zonitis anguliferus (!) Blanchard von der Insel Vavao.
Lytta atritillaia, costala, luleiconüs, Cooperi, Zonilis rufa^ Meloe
sublaecis Le Conte aus Nordamerika (Proceed. acad. Philad. VII.)
Derselbe bemerkt (ebenda S. 220) , dass Lytta fulgifer Le C.
nur eine Varietät von L. Nutalli Say ist.
Oedenieritae. Le Conte, Synopsis of the Oedemeritae of
the United States (Proceed. acad. Philad. VII. p.20— 22.) Nach dieser
Uebersicht kommen in Nordamerika vor: 1 Calopus , 3 Ditylus, 1
Anoncodes (die Europäische A. melanura) und 10 Asclera. Von letz-
terer Gattung sind neu : Asclera laeniata aus Georgien und obscura
von Neu -Mexico. — Vier von anderen Autoren beschriebene Arten
sind dem Verf. unbekannt geblieben.
Derselbe beschreibt ausserdem (ebenda S. 16 und 224): Dity-
lus grßcUis vom Oregon, Asclera pallida und cana von San Diego.
18Ö Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Slenaxis Lowei von Madera und (anhangsweise) Ditylus fulvus
von den Salvages wurden von Wollas to n (Insecta Maderensia) be-
schrieben.
Sa.l|iiiig-i(les« Rhinositnus aeneirostris Mannerheim ist eine
neue Art von Sithka (Bullet, de Moscou 1853.)
ISrucliefae« Eine sehr eigenthümliche Form, welche in
den wesentlichsten Charakteren mit dieser Familie übereinstimmt,
zugleich aber eine gewisse Aehnlichkeit mit einigen Chrysomelinen,
z. B. mit Mniophila, zeigt, wurde von Wo Ilaston (Insecta Made-
rensia) unter dem Kamen Xenorchesles bekannt gemacht. Während
nämlich die Mundtheile wie bei den Anthribiden gebildet sind , fin-
den sich die mit drei grösseren Endgliedern versehenen Fühler auf
der Stirn zwischen den Augen eingefügt. Der Körper ist oval, hoch-
gewölbt, polirt, die Augen länglich, nicht ausgerandet, über dem Sei-
tenrande des Kopfes gelegen, der Thorax breit und sich den Flügel-
decken eng anschliessend; das Schildchen fehlt, die Flügeldecken be-
decken nicht ganz das Pygidium und sind an der Spitze einzeln schief
abgestutzt. Die Hinterfüsse sind zum Springen eingerichtet, aber
nicht verdickt, die vorderen, besonders beim Männchen, verlängert.
— Eine Art: X. sallitans von Madera. — Zwei neue Arten derselben
Lokalität sind ausserdem : Bruclius subellipticus und Uchenicola.
Als neue deutsche Art wird von Bach (Käferfauna) Tropideres
inornatus beschrieben.
Xenocerus semiluctuosus von den Molukken , arciferus (! !) vom
Salomon- Archipel und Anlhribtis albolineatus von den Molukken sind
neue Arten von Blanchard (Voyage au pole sud).
Wach Le Conte (Proceed. Acad. Philad. YIL p. 218) ist ßra-
chytarsus obsoletus Schh. = Anthribus variegatus Say, Brachytarsus
brevis Schh. = Anthribus tomentosus Say, Anthribus coronatus Schh.
= A. cornutus Say , Anthr. capillicornis Say = Araecerus coffeae
Fabr. Schh. , Anthr. 4notatus Say = A. bimaculatus Oliv, und zur
Gattung Tropideres gehörig.
Kelch besprach (Oberschlesischer Anzeiger 1854. Kr. 8) den
Schaden, welchen Bruchus pisi den Erbsen zufügt; er ist von üester-
reich, wo er sehr häufig ist, nach Oberschlesien eingeführt. Kelch
fand in 900 Erbsen 400 Käfer; in Ungarn treibt man denselben durch
heisses Wasser aus, die Larven dagegen isst man mit.
Die Naturgeschichte desselben Käfers erörterte auch Letzner
im 32. Jahresberichte der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische
Kultur S. 79.
Curculionides. Eine Reihe neuer Gattungen wurde von
Wo Ilaston (Insecta Maderensia) aufgestellt: i. CauluirupismHFhloe-
ophagu3 zunächst verwandt, die Oberfläche des Körpers jedoch ohne
während des Jahres 1854. *8l
Skulptur, das Schildchen sehr klein , die Flügeldecken verwachsen,
die Flügel verkümmert. Die Arten leben in Pflanzenstcngeln : C. la.
cerlosus, lucifugus, impius, lerebrans , Chevvolalii, opacus und comcoU
lis - 0. Caulophilus, von der vorigen Gattung durch schlankeren,
flachgedrückten Körper, tiefe Skulptur der Überfläche und grosse Au,
gen und Schildchcn unterschieden. Eine Art: C. sculpliiratus. - 3.
Slenotis, von Mesites durch sehr schmalen Körperbau, mehr behaarte
Überfläche, längere und ungefurchte Stirn, nach vorn verengten Tho-
rax an der Basis gerade abgeschnittene Flügeldecken , und durch
die 'in beiden Geschlechtern nahe der Mitte des Rüssels eingefügten
Fühler unterschieden. Eine Art: St. acicula. - 4; Cyphoscelis aus
der Gruppe der Cyclomiden, eine eigenthümliche mit Laparocerus ver-
wandte Form, die sich durch lange, dünne Fühler, sehr kleine Au-
gen, queres und nach hinten verbreitertes Halsschild und an der Ba-
sis tief ausgebuchtete Flügeldecken mit spitz hervortretenden Schul-
terecken Tuszeichnet. Die Hinterschienen sind beim Männchen
breit, flachgedrückt, in der Mitte der Innenseite beulenavtig aufgetrie-
ben, beim Weibchen einfach. Eine Art: C. distorla. — 5. Atlantis
eine ebenfalls mit Laparocerus nahe verwandte, den Madera- Inseln
eigenthümliche Form, deren Flügeldecken überall mit langen Haaren
beisetzt sind; die Schienen sind im männlichen Geschlechte dicker als
im weiblichen und an der Spitze mit einem mehr oder weniger deut-
lichen Haken bewafl-net. Der Verf. hat unter dieser Gattung eine
Reihe von Arten vereinigt, die unter sich in mehreren Punkten ab-
weichen und später vielleicht noch in mehrere Gattungen zerfällt
werden können. Als typische Arten, bei denen die oben genannten
Charaktere am deutlichsten hervortreten, betrachtet er: A. lamellipes,
calcalrix , noclivagans , lauripotens, auslralis , resperlinus und layiatus;
als aberrirende Formen, bei denen die Flügeldecken nur an der
Spitze behaart, die Füsse bei beiden Geschlechtern gleich und die
Schienen des Männchens fast unbewaff'net sind: A. navicularis, in-
conslans, mendax, i7istabilis, excelsus, Schaumii und Forae. Eine dritte
Form, welche sich durch sehr schlanke Fühbr mit fast geradem
Schafte und verlängerter Keule auszeichnet, ist A. clavaliis. — 6. Ane^
mophilus von Ümias durch das seitlich stark gerundete Halsschild, den
nach vorn nicht verengten Rüssel und dickere Beine und Fühler un-
terschieden ; an den letzteren ist das erste Glied der Geissei beträcht-
lich grösser und breiter als die folgenden und die Keule mehr rund-
lich "und dicker als bei ümias. Drei Arten, die unter sich wieder
durch die Form der Schienen und des Schildchens difl'eriren : A. cvas-
sus, sublessellalus und liossulns. — 7. Lichenophagus mit der vorigen
Gattung sehr nahe verwandt, und vielleicht (nach des Verf. eigener
Ansicht) nicht von ihr zu trennen, sobald sich Uebergänge finden.
Als Unterschiede werden angegeben: Einfache Schienen, dicker und
l82
Gerstaecker: Beficht' üb. d'. Leisl^ungen in d. Entomologie
siarTc gekrümmter Fuhlerschaft, weite und tiefe Fuhlerfurche, welche
nicht so hoch wie bei Anemophilus hinaufsteigt, länglicher uiid dicht
behaarter körper, fast gleich breiter Rüssel u. s. w. Die beiden auf
Taf- 8 abgebildeten Arten : L. fritillns und acmnmdlits zeigen übrigens
in Betreff der Augen und des Rüssels wohl ebenso beträchtliche Un-
terschiede untereinander als mit denen der vorigen Gattung; auch
nähren sie sich, wie jene, von Lichenen. — 8. Scoliocerus vom An-
sehn eines Trachyphloeus , vielleicht am nächsten mit Cathormiocerus
verwandt, doch durch den nicht ausgeschnittenen Vorderrand des Rüs-
sels, die an dessen äusserster Spitze eingefügten, sehr dicken Fühler
und das deutliche Schildchen unterschieden. Die beiden Arten: Sc,
Maderae und ctirvipes leben unter Ameisen. — 9. Echinosoma aus der
Gruppe der IJyrsopiden; der Körper klein, oval, gewölbt, mit starreh
Borsten und Schuppen besetzt; Rüssel ziemlich lang, linear, leicht
gebogen und gegen die Brust geneigt, mit schmaler, schief nach
hinten und unten verlaufender Fühlerfurche ; Thorax länglich ,
schmal , seitlich ausgeschweift , mit vortretenden Vorderecken ; Flü-
geldecken verwachsen, Flügel verkümmert; Beine kurz, Schienen
breit und flachgedrückt. Eine Art : E. porcellns lebt in Gesell-
schaft von Acalles- Arten. ~ Die neuen von Wollaston be-
schriebenen und zümTheil abgebildeten Arten aus Madera sind: Rhyn^
colus lenax, Phloeophagus sulcipennis , Mesües Evphorbiae und Made-
rensis, Cenlorhynchus nip-olerminalus, linealolessellatus, Acalles Neptu-
nus, saxicola, puherulenius, oblilus, nodiferus, Vau, lefminalis, ornatus,
dispar, albolineatus, globvlipennis , Itmulatus und cylindricollis , Tychius
robuslus, albosquamosus und fiÜrostris, Lixus Cheiranlhi, Chawneri und
vectiformis, Omiäs venlro'sus , aenescehs und Waterhousei, Hypera lu-
natd, Apion sä'^itti'ferüm, chal'ybeipetine und rohmdipemie , Auletes Ma-
äerensis.
Die von Jäcquelin du Val (Genera des Coleöpteres d'Eu-
rope Lief. 1—6) aufgestellten neuen Gattungen sind: 1. Bärypeithes
(Taf. 10. Fig. 21 bis), vom Verf. zwischen Psalidiüm und Thyla-
cites eingeschaltet, welcher ersteren Gattung sie sich in der Form
der 'Fuhlerfurche nähern soll; (dies ist jedoch aus der Abbildung
nicht zu ersehen). Der Körper ist flügellös, länglich eiförmig,
die Rüssel sehr kurz, mit einer tiefen bis zur Stirn fortgesetz-
ten, breiten Längsfurche, an der Spitze ausgeschnitten; die Fuhler-
furche sehr ausgebreitet, "fast dreieckig, ihr oberer Rand kaum gebo-
gen und gegen die Mitte des Auges hin aufsteigend; die Fühlet ziem-
lich dünn, der Schaft die Augen überragend, die beiden ersten Glie-
der der Geissei länglich, die folgenden kurz ; Schildchen deutlich ;
Oberfläche nackt, glänzend, nur mit feinen, weisslichen Häärcheh
besetzt. — Eine Art: B. riißpes von Brest. — 2. Foucarlia (Taf. 6.
B'ig. 24} kann gewiss nJclit, wie 'cler Verf. will, von Slrophoso-
während des Jahres 1854.
183
nius generisch getrennt werden, und würde unter dieselbe Gruppe
mit Stroph. squamulatus Herbst zu setzen sein. Diesem steht aueh
die einzige als neu bezeichnete Art F. Cremieri aus Frankreich äus-
serst nahl - 3. Chaerodrys (Taf. 7. Fig. 33) auf Polydrosus setifrons
Jacq. duYal, (Scytropus id. Chevr. i. lit.) gegründet, doch von Poly-
drosus in keiner Weise verschieden. Die LängenverhäUnisse der
Fühlerglieder sind in dieser Gattung gleichen Veränderungen unter-
worfen, wie bei Phyllobius und anderen Gattungen, ohne zur Auf-
ßtellung mehrerer Gattungen benutzt werden zu können, da sich die
vensehi'edenstcn Uebergänge vorfinden. Ueberhaupt ist diese durch
die Bildung des Kopfes und die Fühlerfurche sehr gut charakterisirte
Gattung noch gar nicht in ihrem ganzen Umfange festgestellt, denn
sämmtliche grünbeschuppte Arten der Gattung Sciaphilus Schönh., wie
barbatulus, smaragdinus etc. müssen ihr zugezählt werden. Man ver-
gleiche in dieser Beziehung die eben genannten Arten mit Polydr. mi-
cans, vitlatus u. a.. Welche auch in der kurzen, gedrungenen Kör-
perform mit ihnen vollkommen übereinstimmen. — 4. Mitoinermus
(Taf. 14. Fig. 64) durch die Form des Kopfes und der Fühler mit
Trachyphloeus nahe verwandt, doch liegt die Fühlergrube, wie es
nach der Abbildung scheint, mehr auf der Seitenfläche des Rüssels;
auch ist der Thorax weniger breit, seitlich abgerundet, und die Schie-
nen sind nicht an der Spitze erweitert und ohne Zähne am Ende. —
Eine Art: M. hyslrix aus dem südlichen Spanien. — Von neuen Arten
wurden ausserdem vom Verf. beschrieben: Auleies maculipennis aus
Sardinien (von Gene als Rhynchites tamarisci versandt) , meridionalis
aus Sicilien, Apion squamigerum aus Südfrankreich, zur Gruppe des
Ap. genistae, fuscirostre u. s. w. gehörig, Cneorhinus meridionalis aus
Südfrankreich, Alophus singtdaris von Älontpellier, Plinlhus nivalis aus
den Pyrenäen, Omias curvimanus von Montpellier.
Von Bach wurde (Käferfauna für Nord- und Mitteldeutschland)
eine neue Gattung Caenopsis Förster i. lit. charakterisirt, welche sich
von Ütiorhynchus, mit der sie zunächst verwandt ist, auffällig durch
die Stellung der Augen unterscheidet; diese sind nämlich sehr weit
nach vorn gerückt, so dass sie auf der Grenze zwischen Kopf und
Rüssel liegen, und treten kuglig hervor. Auch ist die Oberfläche des
Körpers mit dichter Beschuppung, welche auf den Flügeldecken eine
elegante Zeichnung darstellt, bedeckt. Jacquelin du Val hat kurze
Zeit nachher dieselbe Gattung unter dem iSamen Cataphorticus in den
Genera Coleopteres d'Europe beschrieben, und bemerkt daselbst, dass
die Bach'sche Art C. Bachii schon früher von Wal ton (Annais of
natural history) als Otiorhynchus fissirostris beschrieben worden sei.
Hiernach musstc sie den ISamen Caenopsis fissirostris erhalten. — lie-
ber einige der von Bach als neu beschriebenen Arten kann Ref.
nach Ansicht von Original -Exemplaren folgendes mitthcilen: Apion
184
Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
opcticum Mark. i. lit. ist = Ap. Marshami Scliönh., welches letztere
keineswegs, wie Schaum meint, mit A. subulatum Kirby zu verbin-
den ist. Ferner ist Oliorhynchus subdenlalus Bach = 0. pupillatus
Schh., Lixus marginemactdalns Bach = L. myagri Oliv, und ErlrhU
nus Richlii Bach = E. filirostris Schh. Bradybalus Kellncri Bach is"t
eine, auch bei Berlin und in anderen Theilen Deutschlands vorkom-
mende, gute neue Art; ebenso Apioii iumidicolh und Svhmidtii. Die
übrigen neuen Arten, über welche Ref. kein Urtheil fällen kann, sind:
Rhynchiles longiroslris , Cleomis callosus , Liophloeus Brnckii, Phytojio^
mus variegatus , Erirhiims moeslus, Coeliodes trifascialus , Nanophyes
anguslipcnnis und slramineus. Mehrere vom Verf. als bekannte be-
schriebene Arten sind unrichtig bestimmt, z. B. Erirhinus villosulus
und agnatus, welche als ^ und $ zu E. pectoralis Fabr. gehören,
ferner Ftochus bisignatus, von der gleichnamigen Art Schönherr's
verschieden und bis jetzt noch unbeschrieben.
Eine durch den gänzlichen Mangel der Augen ausgezeichnete
Curculionen-Form aus den Grotten von Grosskalenberg und am Mo-
krizberg in Krain wurde von F. Schmidt (Verhandl. d. zoolog.
botan. Vereins in Wien IV. S. 25) unter dem Kamen Troglorkynckus
a7iophlhalmus beschrieben. — Der Gattungsname (Höhlenrüssel!!)
müsste, wenn er nicht ganz sinnlos sein soll, wenigstens in Troglo-
rhynchius umgewandelt werden! _ Dieser ausgezeichnete Rüssler ist
eine schlanke Otiorhynchus-Form , welche durch die Kürze des 3ten
bis 7ten Gliedes der Fühlergeissel mit der dritten S c h ön h er r'schen
Abtheilung dieser Gattung übereinstimmt, sich aber, die durch den
Mangel der Augen bedingte Form des Kopfes ausgenommen , durch
längeren, nahe der Insertion der Fühler stark verengten und nach
vorn wieder verbreiterten, nicht ausgeschnittenen Rüssel und ausser-
dem durch längere, schlankere Beine (besonders Hinterschenkel) und
grössere Klauen unterscheidet.
Eine neue Gattung aus der Gruppe der Cossonen ist ausserdem
Fenlarlhrum Wollaston (Annais and magaz. of nat. bist. XIV. p. 129j,
durch die nur fünfgliedrige Fühlergeissel vor den übrigen ausgezeich-
net. Die Form ist ähnlich wie bei Cossonus, doch ist der Kopf etwas
vorgestreckt, der Rüssel wenig kürzer als der Frothorax , drehrund,
dünn, fast gerado; die Fühlcrgrube seicht, bis zum unteren Au^en
rand reichend; die Augen klein, rund, leicht hervorragend. ^Der
Thorax verlängert, fast kegelförmig, an der Spitze eingeschnürt, an
der Basis gerundet; das Schildchen klein, fast gerundet; die Flügel-
decken parallel, nach hinten leicht zugespitzt, einzeln abgerun'det.
Die Hihler sind kurz, der Schaft fast gerade, leicht geheult; das erste
und zweite Glied der Geisscl verkehrt kegelförmig, das dritte bis
fünfte etwas kürzer; die Keule rundlich eiförmig, kaum merklich
während des Jahres 1854. 1^5
gegliedert, behaart, an der Spitze filzig. — Die einzige Art: P. HuU
toni aus England, ist IV4 Linie lang.
Je ekel hat das erste Heft seiner Fabricia Entomologica der
Auseinandersetzung einiger Curculionen-Gattnngen gewidmet. Zuerst
liefert derselbe eine monographisehe Bearbeitung der Gattung Lor-
dops Schönh., welche in dessen Gen. et Spec. Curcul. mit 18 Arten
vertreten war ; in der vorliegenden Arbeit sind deren 40 aufgeführt,
von diesen die neuen ausführlich beschrieben. Von den Schön-
herr'schen Arten werden L. Sommeri und einctus als Abänderungen
einer und derselben Art unter dem INamen L. variabilis vereinigt,
L. biacutus dagegen ganz aus dieser Gattung entfernt. Auf letzteren
wird eine neue Gattung Aulametopus gegründet, die mir jedoch auf
schwachen Füssen zu stehen scheint. Zwar ist mir die von Schön-
herr als Lordops biacutus beschriebene Art nicht aus eigener An-
schauung bekannt; doch führt Jekel als fragliches Männchen zu
derselben den Hypsonotus margineus Schönh. an, welcher ein unzwei-
felhafter Hypsonotus ist und derjenigen Gruppe angehört, welche die
langgestreckten, Lixus -ähnlichen Arten, wie marginellus Fabr., cla-
vulus Germ. etc. umfasst. — Ebenso wenig kann ich mit dem Verf.
darin übereinstimmen , dass er die eben erwähnte Arten - Gruppe von
Hypsonotus als eigene Gattung abtrennen und dafür den alten Sa hl-
berg'schen Kamen Alocorhinus wieder herstellen will. Da keine
wesentlichen Unterschiede vorhanden sind, beschränkt sich der Verf.
bei der Abgrenzung dieser Gattung auf äussere Formen-Verschieden-
heiten ; diese sind aber unter den Arten von Hypsonotus so mannig-
fach, dass man mit gleichem Hechte eine ganze Reihe neuer Gattun-
gen ausscheiden könnte. — Eine neue, hier beschriebene Art ist
Alocorh. gemmatus aus Minas Geraes. — Endlich stellt der Verf. noch
eine neue Gattung unter dem INamen Trichocnetnus , mit einer eben-
falls neuen Art Tr. suturalis aus Brasilien, auf, welche sich durch
schmaleren, fast gleichbreiten Körper und den an der Basis mehr ver-
dünnten Uüssel von Lordops unterscheiden soll ; ausserdem sind die
Hinterschienen des Männchens, wie bei gewissen Hypsonolus-Arten,
mit langen Haaren besetzt. — Auch diese Unterschiede scheinen mir
kaum eine generische Bedeutung zu haben, und es wäre zu wünschen,
dass der Verf. bei der Aufstellung neuer Galtungen, in welcher schon
Sehönherr oft sehr verschwenderisch umgegangen ist, mit mehr
Kritik zu Werke ginge.
Einen grossen Reiehthum von grösstentheils sehr ausgezeich-
neten neuen Arten bietet die Voyage au pole sud dar. Auf zwei
derselben hat Blanchard neue Gattungen gegründet: 1. Oclandiusy
mit Ryssocarpus verwandt, auch unterschieden durch den rinnenlosen
Rüssel , durch stärkere und kürzere Fühler, denen erstes Glied mas-
sig lang und an der Spitze verdickt, das zweite kürzer, die fünf fol-
186 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
genden f&st kuglig, die Keule dick und zugespitzt eiförmig ist; der
Thorax ist etwas breiter als lang, vorn und hinten abgestutzt, nach
vorn ein wenig verengt, seitlich gegen die Mitte allmählich er\A ei-
tert; die Schultern sind abgerundet, die Tarsen kurz und breit. -
Eine Art: 0. cinereus von den Anklands - Inseln. — 2. Schoenherria,
nach einem unvollständigen Exemplare , dem die Beine und Fühler
fehlen, aufgestellt (! !) ; nach Blanchard soll die Gattung mit Me-
copus zunächst verw^andt sein, die Abbildung zeigt entschiedene Aehn-
lichkeit mit Balaninus. — Art: Seh. brevipemiis von Yanikoro. —
Die neuen Arten sind : Pachyra (Rhinotia) cinerea von Van Diemens-
land, GromUus insularis von den Anklands-Inseln, Adiorislus tnagella-
nicus von Port Kamine , Geonemus plagialus , sordidus , angustus und
aiureipes von den Arrow - Inseln , Millocerus pruinosus von Borneo,
Elijlrurus d'Urvillei von den Viti- Inseln, Jsomerinthus gültiger von
Neu-Guinea, tessellatus von den Arrow-Inseln , 4li7ieatus von Ternate,
elongatus von den Philippinen, lineolatus von den Viti-Inseln , rufipes
ebendaher, Psomeles oblongus von Van Diemensland, plagiatus von Neu-
Guinea, Celeuthetes cinerascens von den Arrow- Inseln, Trigonops coe~
rulescens vom Salomon - Archipel, Elytrogonus varicosus von der Ma-
gellan - Strasse, Otiorhynchus rotundipennis von Vavao und nodulosus
(beide gewiss nicht zur Gattung Otiorhynchus gehörend) , Platyurus
brevicornis von Van Diemensland, Aleides notatus und albolituratus von
den Arrow-Inseln, albocinctus von Ternate, Cryptorhy7ichus clatkratus,
Eutyrhinus tessellatus und Acalles pallens von den Arrow-Inseln , Me-
copus annulipes von Timor, Cionus feiTugattis von Van Diemensland.
Ref. hat (Entomol. Zeit. S. 234 ff.) eine grössere Anzahl (57)
neuer Arten der Gattung Apion beschrieben und bei Gelegenheit meh-
rerer südafrikanischer Formen derselben darauf aufmerksam gemacht,
dass die Gattung Piezotrachelus Schönh. auf rein habituelle und bei
Vergleich einer grösseren Reihe von Arten nicht einmal stichhaltige
Merkmale begründet sei und daher ohne Weiteres wieder mit Apion
verbunden werden müsse. Von den beschriebenen Arten gehören die
meisten, nämlich 38 Amerika an; von den übrigen kommen 4 auf
Süd-Afrika, 9 auf Asien und 6 auf Europa. Die Europäischen Arten
sind: Apion cerdo aus der Gruppe des A. pomonae, subulatum etc.,
denlir-ostre und armatum , mit A. onopordi gibbirostre etc. verwandt,
argenlalum und bivillalum aus der Verwandtschaft des A. genistae und
A. dentipes von Sicilien und Sardinien, durch die merkwürdige Bil-
dung der Vorderfüsse beim Männchen sich zunächst an A. difforme
anschliessend. — Bei einem späteren Vergleiche der beschriebenen
Arten mit den von Prof. Boheman mitgetheilten Typen aller exoti-
schen Arten Schön her r's hat sich dem Ref. herausgestellt, dass
sein Apion longicolle vom Cap gleich Piezotrachelus asphaltinus
Schönh. war; alle übrigen waren richtig als neu erkannt worden.
währertd des Jahres 1854. löY
Waterhousc machte (Transact. of the entomol. äoc. llf. p. 75)
einige neue Arten der Neuholländischen Gattungen Acantholophus und
Amycterus bekannt. Es sind : Acnnlh. Adelaidae, flanicolUs^ Amycle"
rus crcnicollis und Dohrnii. tJcber die beiden letzten Arten ist der
Verf. nicht recht im Klaren, ob sie zu Acantholophus oder Amycte-
rus gehören, was insofern sehr natürlich ist, als sich, wie schon
Schönherr später selbst eingesehen hat, beide gar nicht trennen
lassen. — Der Verf. giebt nebenbei auch eine auf Ansicht der in
II o p e's Sammlung befindlichen S ch ö n h err'schen Typen gegründete
analytische Tabelle derjenigen Acantholophus-Arten, welche bis jetzt
bekannt geworden sind.
Von einzelnen Arten wurden ferner beschrieben :
Slrophosoinus obsolete - hispidus , Etisomus amjuslus und angusti-
coUis Lucas von der Insel Crcta (Rev. et Magas. de Zool. VI. p.37.)
Pachycerus anchusae Chevrolat aus Syrien ( ebenda S. 480.
Taf. 7.)
Erirhinus morio, rufulus, lucidus, subsignatns , veslilus , Phytono-
mtts serialus und Alophtis serialiis Mannerheim aus dem Russischen
Nord-Amerika. (Bullet, de Moscou 1853.)
Lixus anten7ialus , Plochus piliferus , Piazomias validus, Crypto-.
rhynchus (?) scrobiculatus, Chloropkanus lineohts und Cleonus melogram-
mus Motschulsky aus China. (Etud. entom. II. et III.)
Osphryasles validus und porosus , Tanymecus laulus, Alophus di-
dynius Le Conte aus Nord-Amerika (Proceed. acad. Philad. VII.)
Rhyncolus pilosus Bach von Ostende (Entomol. Zeit. S.361.)
Bach besprach (Entom. Zeit. S. 321) die Veränderlichkeit der
Arten von Chlorophanus und ist der Meinung, dass Chi. pollinosus und
graminicola Schönh. nicht specifisch von Chi. viridis verschieden sind.
Dies kann nur daran liegen , dass B. entweder diese Arten nicht in
richtig bestimmten Exemplaren vor sich gehabt hat oder ihre Unter-
schiede nicht aufzufinden weiss.
Suffrian will (ebenda S. 94) Cionus fraxini Schh. und gib-
bifrons Kies, wegen der schmalen, seichten Rüsselrinne zwischen den
Vorderhüften und der einhakigen Klauen als eigene Gattung Stereo^
nychus abtrennen. Ref. kann sich nicht davon überzeugen , dass die
Klauenbildung bei den Curculionen im Allgemeinen von besonderem
systematischen Werthe ist und würde die beiden genannten Arten als
eigene Gruppe unter Cionus stehen lassen. Ebenso würde er es vor-
ziehen, die Gymnctron-Arten mit und ohne Rüsselrinne, die Suffrian
■ebenfalls zweien Gattungen, Cleopus und Gymnetron, zuertheilen will,
tifich S ch ö n h e r r's Vorgang vereinigt zü lassen.
Derselbe macht (ebenda S. 148) auf die verschiedenartige (hell
188 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
rothgelbe) Färbung des Rüssels bei den spanischen Exemplaren des
Apion malvae Fabr. aufmerksam, und wirft die Frage auf, ob sich
hierauf nicht eine eigene Art begründen lässt. Letzteres ist gewiss
nicht thunlich, da sich auch bei deutschen Exemplaren Verschieden-
heiten in der Färbung nachweisen lassen.
Eine Behauptung Schaum's, dass Elmidophorus Aubei Cussac
sowohl generisch als specifisrh mit Bagous laticollis identisch sei, ist
abermals von einer Commission der Pariser Entomologischen Gesell-
schaft dahin widerlegt worden, dass der von Cussac beschriebene
Rüsselkäfer zwar mit Bagous zu verbinden sei, aber eine neue, dur^h
die Fühlerbildung sogar von allen anderen wesentlich verschiedene
Art ausmache.
Nach Le Conte (Proceed. acad. Philad. YU. p. 218) ist Pa-
chyrrhynchus Schönherri Kirby (Rhinaria Schönherri Schönh.) gleich
Ithycerus curculionoides Schönh.
Motschulsky erwähnt (Etud. entom. IL p. 25) , dass Otio-
rhynchus Macquarti (übrigens nur als Varietät von 0. picipes anzu-
sehen) die jungen Triebe der Feigenbäume, Otiorh. sulcatus dagegen
die ßlüthen derselben in Petersburg benagt und dadurch schäd-
lich wird.
Leon Dufour beschrieb (Annales de la soc. entom. IL p. 647)
die ersten Stände und die Verwandlungsgeschichte folgender Curcu-
lionen : 1) Nanodes hemisphaericus ; seine Larve bildet Gallen an
Lythrum hyssopifolium ; eine grosse Menge aus dieser Pflanze erzo-
gener Exemplare setzte den Verf. in Stand, eine Darstellung aller
Abänderungen des Käfers zu geben. 2) Lixus venustulus lebt in
Sium nodiflorum. 3) Lixus turbatus lebt nach ihm nicht, wie Gue-
rin angiebt, in Conium maculatum , sondern in Angelica sylvestris.
(Bei Berlin lebt er zusammen mit Lixus paraplecticus in Phellandrium
aquaticum.)
Die Naturgeschichte einiger anderer Arten machte Heeger
(Sitzungsberichte der Wiener Akademie XIV) bekannt : 1) Baridius
lepidii Müll.; die Larve bildet, wie dies schon von anderen Arten
der Gattung bekannt ist, Gallen an den Stengeln des Kohles und an-
deren Gartenpflanzen. 2) Ceutorhynchus floralis Payk. Das Weibchen
legt seine Eier einzeln in die Samenkapseln von Lepidium Draba,
indem sie dieselben mit dem Rüssel an der Seile anbohrt. Nach 6
bis 8 Tagen entwickeln sich die Larven , welche sich von den Sa-
menkörnern nähren ; sie häuten sich dreimal und verpuppen sich in
einem ausgefressenen Samenkorne ohne Gehäuse. Der nach 12 bis 15
Tagen entwickelte Käfer begiebt sich schon Anfangs Juli in die Erde,
um bis zum nächsten Frühjahre, wo die Begattung stattfindet, zu
Überwintern, 3) Ceutorhynchus pulvinatus ; die Larven leben in den
während des Jahres 1854. 189
Samenkapseln von Cirsium arvcnse, gehen, sobald sie ausgewachsen,
aus diesen heraus, fallen auf die Erde und verwandeln sich dort ohne
Gehäuse. 4) Apion curviroslre Schönh. Die Begattung des Weib-
chens findet während mehrerer Tage und durch verschiedene Männ-
chen statt; es legt seine Eier zu 50 bis 60 in den Stengel der Gar-
ten-Malven, indem es mit dem Rüssel ein Loch bis zum Marke bohrt.
Die Larven sind nach 30 bis 40 Tagen erwachsen, und der Käfer ent-
wickelt sich nach 10 bis 14 Tagen, indem er sich zum Ausschlüpfen
ein Loch durch die Kinde des Stengels nagt.
Frauen fei d erzog ( Verhandl. des zoolog. - botan. Vereins
1833. S. 140) Gymnetron campanulae aus sechs verschiedenen Pllan-
zen, nämlich 2 Campanula- und 4 Phyteunia - Arten, und macht dar-
auf aufmerksam , dass dieser Käfer in den verschiedensten Gebirgsre-
gionen, bis zu 7000' Höhe vorkomme.
Derselbe beschrieb (ebenda IlL S. 351) die ersten Stände des
Plinthus Megerlei Panz. ; die Larve lebt in den Wurzelstöcken von
Rumex alpinus.
Boi^tricliiflae. Drei neue Gattungen wurden von Wol la-
ston (Insecta Maderensia) aufgessellt : 1. Aphanarlhrum durch sehr
eigenthümliche Fühlerbildung ausgezeichnet ; zwischen dem Stiel und
der viergliedrigen Keule finden sich nur 3 Glieder, von denen das erste
gross, die beiden folgenden sehr klein sind. Die Art: A. Eiiphorbiae,
auch durch die Zeichnung der Flügeldecken ausgezeichnet, lebt im
Stamme von Euphorbia mellifera. — 2. Leiparlhrum, im äusseren Um-
risse mit Crypturgus verwandt, von diesem jedoch durch viergliedrige
Fühlergeissel und einfache Vorderschienen abweichend; von Xylole-
rus, mit dem die Gattung in der Bildung der Fühlergeissel überein-
kommt , durch die stark gezähnten Uinterschienen und die geringe
Grösse abweichend. — Vier Arten: L. tnandibulare , bituberculalum,
curlian und Arlemisiae. — 3. FlUoeopterus vereinigt in sich die Cha-
raktere der Cissiden mit denen der Bostrichen ; mit letzteren stimmt
er in der Bildung der Füsse und Mundtheile, mit ersteren in der Form
der Fühlerkeule überein, welche lang und lose gegliedert ist; die
Geissei besteht aus einem grösseren Basal- und vier eng aneinander
schliessenden Gliedern, die allmählich breiter werden. Die drei Glie-
der der Keule sind sehr gross, das letzte eiförmig. — Eine Art: Vk.
perforattis. — Neue Arten von Madera sind ausserdem: Bostrichus
Dokrnii und Hylasles clavus.
Cryphalus strialulus , Polygraphus saginatus, Hylastes suhcoslida-
lus und cristalus Mannerheim sind neue Arten aus dem Russischen
Nord-Amerika. (Bullet, de Moseou 1853.)
Nach Le Conte (Proceed. acad. Philad. VIL p. 218) gehört
Tomicus Uminaris Harris zur Gattung Phloeotribus.
190 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
H^enQiiK^riiPiaie. Cuftis hat in pipeip Aufsätze, betitelt:
„Rem^rks relative tp the affinities and analogies of natural objects,
more particularly of Hypocephalus, a genus of Coleoptera" (Transact.
of the Linnean society XXI. p. 227) wieder einmal die systematische
Stellung des Hypocephalus zu discutiren unternommen, wobei er zu
.dem Resultate kommt, dass die Gattung zu den Lamellicornen gehört.
Als Hauptstütze für diese Annahme glaubt er den stark entwickelten
Thorax und die verdickten Hinterbeine betrachten zu dürfen; die
Mundtheile sollen die entschiedenste Aehnlichkeit mit denen der Lu-
caniden zeigen und diesen entschliessl sich der Verf. auch zuletzt
den Hypocephalus anzureihen. Die Inconsequenzen dieser Beweis-
führung liegen auf der Hand. Das Attribut der „clava antennarum
lamellata" kann zuvörderst nicht von den Lamelliconen getrennt wer-
den, und schon in sofern hat Hypocephalus mit seinen einfach schnur-
förmigen Fühlern mit ihnen nichts zu thun. Dass der Thorax bei den
Lamellicornen vorzugsweise stark entwickelt ist, ist falsch , denn er
ist es nur bei denen, welche zum Graben geschaffen sind, und in glei-
chem Maasse bei allen grabenden Insekten , die keine Lamellicornen
sind. So gut wie manche (übrigens im Ganzen wenige) Lamellicor-
nen dicke Hinterschenkel haben, finden sich solche ausnahmsweise
fast in allen Familien und in einigen fast durchgängig ; hiernach
könnte also Hypocephalus ebensogut zu Sagra oder Haltica gestellt
werden. Endlich haben ja aber gerade die Lucanen, zu denen der Verf.
ihn bringen will , weder einen stark entwickelten Thorax noch ver-
dickte Hinterschenkel. Der Verf. ist also hier in den gewöhnlichen
Fehler verfallen, zu dem sehr absonderliche Formen leicht zu ver-
führen pflegen, nämlich auf Umstände grosses Gewicht zu legen, die
gerade durchaus zufällig sind. Soll der Hypocephalus nun einmal in
einer bereits bestehenden Familie untergebracht werden, so hat Bur-
meister den Nagel denn doch schon besser auf den Kopf getroffen,
wenn er ihn zu den Prioniden bringt; denn hier sind wirkliche Ver-
wandtschaften vorhanden , wenn auch die Tarsenbilbung immer noch
dagegen spricht. Wenn sich Curtis der Hoffnung hingiebt, dass
später noch Mittelformen zwischen Lucaniden und Frioniern aufgefun-
den werden dürften , unter denen dann Hypocephalus einen angemes-
senen Platz finden würde, so möchte sich diese wohl nur aus dem
Festhalten an einer vorgefassten Idee erklären lassen.
White ist (Proceed. of the Linn. soc. April 1854. Annais and
magazine of nat. bist. XIV. p. 464) über die Curtissche Beurthei-
lung des Hypocephalus der Ansicht, dass der Verf. eine zu grosse Be-
deutung auf die pentamerischen Tarsen gelegt habe, und führt dage-
gen die Parandren an, die trotz solcher dennoch typische Longicor-
nen seien. Hierüber ist zu bemerken, dass die Parandren, obwohl
mit fünf deutlichen Tarsengliedern versehen, dennoch eine subpenta-
während des Jahres 1854. f Mf
merische Fussbildung zeigen, während dieselbe bei Hypocepbalus ent-
schieden phaneropentamerisch ist.
fjou^icoroia. Prionii. — Ts'eue Arten sind: Ergales
GaUlardcti und Prinobius alropos Chevrolat aus Syrien; letzlerer ist
kleiner und gedrungener als Pr. Germari und ganz schwarz von Farbe.
(Rev. et Magas. de Zoologie VI. p. 481. Taf. 8.)
Aegosoma amfUcollis Motschulsky aus China. (Etud. entom. II.
p. 48.)
Mallodon serrulatus Le Conte von Laredo (Proceed. acad. Phi-
lad. VII. p. 52.)
Le Conte berichtet (ebenda S. 218) , dass die von ihm auf-
gestellte Gattung Trichocnemis nicht hinreichend von Ergates unter-
schieden sei , und dass daher die unter derselben beschriebene Art
Ergates spiculatus zu nennen sei.
Reiche ist der Ansicht, dass für Aegosoma scabricorne nach
dem Gesetze der Priorität Aeg. ferrugineum gesetzt werden müsse,
weil Geoffroy diese Art ein Jahr früher als Scopoli unter dem
Ts'amen „Lepture rouillee« beschrieben habe. (Annales de la soc. entom.
p. 81.). Da unsere zoologische Nomenklatur sich ausschliesslich der
lateinischen oder lalinisirten Namen bedient, so wird diesem patrio-
tischen Ansinnen schwerlich gewillfahrt werden können.
Lucas gab (^BuUet. entom. p. 47) Nachricht über die ersten
Stände des Acanthophorus serralicornis Oliv.; die Larve desselben
lebt im Holze der Maulbeerbäume zu Pondichery und fügt denselben
grossen Schaden zu.
Cerambyces genuin i. — Wollaston machte (Insecta Ma-
derensia p. 425 ff.) zwei neue dieser Gruppe angehörige Gattungen
bekannt: 1. Blabinotus durch die beiden glatten Beulen auf der
Scheibe des Thorax sich der Gattung Phymatodes nähernd, aber von
cylindrischer Form, dicht behaarter Oberfläche, das Halsschild mit
einem scharfen Zahne in der Mitte des Seitenrandes, die Augen nie-
renförmig, die Fühler von ihrem Innenrande etwas entfernt einge-
fügt, die Palpen verlängert, ihr letztes Glied gross und beilförmig,
das erste der Maxillarpalpen aussen tief eingebuchtet. Eine Art: B.
spinicoUis. — 2. Trichoferus (! ! Vox hybrida und auch als solche
noch falch gebildet; die richtige Zusammensetzung Trichophorus ist
schon zweimal, von Servil le und Mulsant, gebraucht worden),
der vorigen Gattung äusserlich sehr ähnlich, doch in folgenden Punk-
ten unterschieden: die Palpen sind sehr kurz, ihr Basalglied einfach
und das Endglied kaum beilförmig; der Thorax einfach gerundet,
ohne Wulste und Seitenhöcker , die Augen fast doppelt ausgerandet,
die Schenkel weniger keulenförmig verdickt, die Fühler weniger
dicht behaart. — Eine Art : T, senex.
192 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Lucas charakterisirte vorläufig (Bullet, entom. p. 9) eine neue
mit Deilus verwandte Gattung Icosium^ w^elche mit jener in der lang-
gestreckten Form des Halsschildcs übereinstimmt; die Fühler sind
jedoch viel länger und überragen beim ölännchen beträchtlich die
Körperspitze ; das dritte Glied derselben ist länger als das erste, durch
w^elches Merkmal sie sich von Obrium, wo das erste am längsten ist,
unterscheidet. Auch ist das Endglied der Maxillartaster , nicht wie
dort, verlängert und stumpf zugespitzt, sondern kurz, abgeflacht und
beilförmig. Das Schildchen ist oval und tief gefurcht. Die einzige
Art /. tomenlosum stammt aus Algier.
Unter dem Kamen Clytellus melhocoiäes beschrieb West wo od
(Transact. of the entom. soc. IL p. 240) eine neue Gattung und Art
aus China, welche in ihrer Gestalt lebhaft an die weibliche Melhoca
ichneumonea erinnert. Die Fühler sind etwas kürzer als der Kör-
per, fein, einfach, elfgliedrig, die Augen klein, rund, nicht ausge-
randet, der Thorax langgestreckt, gewölbt, hinten tief eingeschnürt,
die Flügeldecken kaum länger als Kopf und Thorax zusammengenom-
men, gegen die Mitte hin erweitert und aufgetrieben , an der Basis
jede mit einem scharfen, nach hinten umgebogenen Höcker verse-
hen. Die Beine sind lang, die Schenkel gekeult.
Keue von Blanchard (Voyage au pole sud) aufgestellte Gat-
tungen dieser Gruppe sind: 1. Dialomocephalaf auf Hesperophanes
Simplex Schönh. und guttaticollis F"airm. gegründet, mit einer neuen
Art: D. maculalicollis von der Insel Samoa. — 2. Cylindrepomns, eine
sehr schlanke cylindrische Cerambycinen-Form mit sehr langen Füh-
lern, die im Habitus einigermassen an gewisse Saperden erinnert, in
der Zeichnung aber mehr mit Clytus übereinstimmt. — Eine Art:
C. nigrofascialus von Neu-Guinea. — 3. Crinolarsiis , mit Coptomma
und Tmesislernus verwandt, aber durch die beträchtliche Länge der
Fühler, die erweiterten Vordertarsen und die Form des Thorax un-
terschieden, welcher länger als breit, oben abgeflacht, vorn ausgeran-
det und jederseils in eine Spitze erweitert ist. — Eine Art: C. pla-
gialus von Balaou. — 4. Ihleroclijlomorpka, von Tmesisternus durch
den kurzen Kopf, die langen Fühler, den gewölbten und seillich ab-
gerundeten Thorax unterschieden. Eine Art: IL 4nolala von den
Salomon-Inseln. — Die neuen, ebenda beschriebenen und abgebilde-
ten Arten sind: Clytus aureicollis vom Salomon- Archipel , Irizonatus
von Weu-Guinea, CalUdium zelandicum \on Neu-Seeland, flavomacula-
tum von Yandiemensland , Tmesislernus adspersus von den Arrow -In-
seln, biarciferus (! !j , sulcalipennis, obsoletus , rugosicollis, bizonalus,
hieroglyphicus und polilus von Keu- Guinea, rvfipes von den Arrow-
Inseln.
Buquet beschrieb (Rev. et Magas. de Zool. VI. p. 343) An-
cylocera terminala aus Brasilien und foveicollis aus Columbien als
während des Jahres 1854. 193
neue Arten und erwähnt zugleich , dass die Charaktere der Gattung,
welche S er vi 11 e von den Fühlern entnahm, nicht beständig seien.
Bei den beiden hier beschriebenen Arien ist das zweite Glied nicht,
wie Serville angiebt, nach innen zahnartig erweitert, sondern
cylindrisch und sehr kurz , das letzte Glied dagegen, welches nach
jenem dreimal so kurz als das vorletzte sein soll, bei der Brasilia-
nischen Art fast ebenso lang, bei der Columbischen sogar fast um die
Hälfte länger als jenes.
Clyliis damascemts Chevrolat aus Syrien (ebenda p.4S3. Taf. 7)
scheint nur eine geringe Abänderung von Cl. ornatus Fabr. zu sein,
Callidium cicalricorum Mannerheim n. A. aus dem Russischen
Nordamerika (Bull, de Mose. 1853.)
Clytus diadema und Apriona plicicollis Motschulsky (Elud. entom.
II. p. 48) aus China.
Elophidion taenialum und fenue von Larcdo, Phijmatodes aeneusy
Asemum aspernm und Crossidius hirlipes vom Oregon sind neue Arten
von Le Conte (Proceed. acad. Philad. YII. p. 16.)
TS^ach demselben (ebenda S. 218) ist die von ihm aufgestellte
Gattung Tinopus gleich Rhopalophora Serville.
L a m i a r i a e. — Eine mit Dorcadion und Parmena verwandte neue
Gattung DeucaliouyvuY(\e von Wo 1 las ton (InsectaMaderensia) bekannt
gemacht ; bei ihr sind die Flügeldecken verwachsen und die Flügel
verkümmert; von Dorcadion unterscheidet sie sich ausserdem durch
die seitlich gerundete Oberlippe, die langer, und zugespitzten Palpen,
die weit hervortretende und lief zw^eilappige Zunge, den stärker ent-
wickelten und höckerigen Thorax und die Skulptur der Flügeldecken.
— Eine Art : D. Desertarum von den Dezertas, eine zweite, anhangs-
weise beschriebene D. oceanicus von den zwischen Madera und den
Canarischen Inseln gelegenen Salvages. Beide Arten leben in be-
trächtlicher Höhe zwischen Felsspalten.
Mehrere interessante neue Lamien- Formen finden sich unter
denen von Blanchard (Voyage au pole sud) beschriebenen Ceram-
bycinen: 1. Prosoplus nähert sich der Gattung Coptops , doch von
schmälerem Körper, dünneren Palpen, viel dünneren und kaum ge-
wimperten Fühlern, üie Gattung ist auf Acanthocinus hoUandicus
Boisd. gegründet, mit einer neuen Art: P. sinuatofasciatus von Neu-
Guinea. — 2. Prionela soll, was aus der Abbildung nicht zu ersehen
ist, mit Mesosa nahe verwandt sein und sich durch dickere, kürzere
Fühler, schmalere und nach hinten mehr verengte Flügeldecken und
die Form des Thorax, der an den Seiten gerundet, fast so lang als
breil und oben convex ist, unterscheiden. Art: P. albosiyiiata von
Amboina. — 3. Paragnoma von Gnoma durch breiteren Körper, kür-
zeren Thorax und einen Dorn an der Spitze der Flügeldecken unter-
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. N
194 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
schieden. Art: F. acuminipennis von den Arrow-Inseln. — 4. Core-
tkrophora eine Saperde mit Lamien-Form, von kurzem Baue, die Flü-
geldecken viel breiter als der Thorax, die Fühler bis zum Ende des
4ten Gliedes mit starken Wimpern besetzt; das erste, dritte und vierte
Glied sehr lang, die übrigen kurz. Art: C. semUucluosa von der In-
sel Ceram. — 5. Callimelopus , ebenlalls eine sehr eigenthümliche,
mit der vorigen Galtung in der Fühlerbildung verwandte Form; die
Fühler sind hier kurz und nicht gevvimpert, aber ebenfalls das erste,
dritte und vierte Glied auffällig lang, die übrigen sehr kurz. Art:
C. panlherinus von der Insel Ceram, — Neue Arten sind ferner: Phlae-
opsis pubescetis von den Salomon - Inseln, Monohaminus fulvoirroralus
von Ceram , Gnoma albotessellala von Amboina, Glenea viridinotala
von den Arrow-Inseln, Halhlia gracilis von der Bafles-Bay.
Phyloecia syriaca , alboscnlellala und imirjnita Chevrolat (Kev.
et Mag. de Zool. VI. S. 484. Taf. 7.) sind neue Arten aus Syrien.
Ceroslerna glabripennis und Dorcadion virgahim Molschulsky und
Dorcadion exaratmn Älenetries aus China. (Etud. entom.)
Oncideres puslitlatus , Aedilis speclabüis ^ Pleclrura producta und
Telraopes oregonensis Le Conte aus Word -Amerika. (Proceed. acad.
Philad. YII.)
Lepturetae. — Le Conte errichtete auf eine neue Art vom
Oregon eine eigene Gattung Vlochoeles und stellte für dieselbe fol-
gende Charaktere auf: „Caput deflexum, fronte quadrata, perpendicu-
lari, pone oculos subito at parum constrictum : oculi emarginati: an-
tennae inter oculos pone medium inserlae: palpi breves, articulis
turbinatis, subaequalibus ; antennae corpore duplo breviores, articulis
3. et 4. coniunctis quinto aequalibus : thorax transversus , lateribus
et dorso acute tuberculatus , densissime pilosus: elytra abbreviata,
scabra , apice subacutc rotundata, humeris valde elevatis: tarsi po^
steriores articulo 1. sequentibus coniunctis aequali: alae abdomine
longiores, rectae." Art : V. leoninus. (Proceed. acad. nat. scienc. of
Philad. VII. p. 82.)
Derselbe gab (ebenda S. 218) nachträgliche Berichtigungen über
mehrere Leptureten-Gattungen, welche von ihm in seiner „Classifica-
tion der Nord- Amerikanischen Cerambycinen" aufgestellt wurden.
Darnach wird die Gattung Evodinus eingezogen, indem die Art Lept.
monticola Rand., auf welche sie begründet wurde , mit Argaleus ni-
tens generisch zusammenfällt. Während für beide genannte Arten die
Gattung Argaleus festgehalten wird, bringt der Verf. seinen Argaleus
attenuatus (Pachyla altenuata Hald.) jetzt zu Anthophylax ; ferner
muss auch die Galtung Piodes mit Acmaeops vereinigt werden. Mit Be-
rücksichtigung dieser Aenderungen lassen sich die Kord-Amerikanischen
Leptureten mit schiefer Stirn, trapezoidalem Kinn und beiderseits vom
während des Jahres 1854. 1^5
Kinn ausgerandeter Kehle folgcndcrinasscn gruppiren : I. Fühler vor
den Augen , Schiendornen an der Spitze, a) Sternaltheile gewölbt,
Vorderhüften getrennt: Rhagium. b) Vorderbrust einfach, Vorderhüf-
ten zusammcnstossend , Augen nicht ausgerandet. a) Mesostcrnum
gewölbt : Gaurotes, ß) Mesosternuin flacli : Acinaeops. — II. Fühler
kaum zwischen den Augen, a) Schientlornen vor der Spitze : Toxo-
tus. b) Sehiendorncn an der Spitze. «) Augen mittelmässig, Flü-
geldecken hinten verengt: Argaleus. ß) Augen gross, Flügeldecken
linear : Centrodera. — III. Fühler zwischen den Augen, diese innen
ausgerandet. Schiendornen an der Spitze, a) Lippentaster erweitert :
Anthophylax. b) Lippentaster nicht breiter als die Kiefertaster, a)
Fühler mit beiderseits eingedrückten Endgliedern : Typocerus. jS) Füh-
ler elfgliedrig, ohne eingedrückte Glieder, f) Thorax mit ausgezo-
genen Hinterecken: Strangalia'. -j-y) Thorax mit nicht ausgezogenen
Hinterecken : Leptura. — Die Trennung der letzten beiden Gattungen
hält der Verf. mit Recht für unnatürlich.
Derselbe beschrieb (ebenda) folgende neue Arten : Toxotus fla-
volineatus und Slrangalia viliosa vom Oregon.
Macrones elongaaceiJs Blanchard (a. a. 0.) ist eine neue Art
von Van Diemensland.
Pachyla texalrix (Leptura ömaculata Kirby?) und fultipennisy
Anoplodera Frankenhauseri und macilenln Mannerheim aus dem Rus-
sischen Nordamerika. (Bullet, de Mose. 1853.)
CSirysontelinaeo Sagrides. — Die Naturgeschichte der
Donacia menyanthidis Fabr. hat Heeger (Sitzungsberichte der Wiener
Akademie XIV. S. 38) beschrieben. Die befruchteten Weibchen, wel-
che sich schon im Oktober entwickelt und den Winter über im Was-
ser und unter faulenden Vegetabilien zugebracht haben, legen bei Tage
ihre Eier einzeln an die dicken Wurzeln von Alisma plantago. Ge-
wöhnlich hat ein Weibchen nur 40 bis 50 Eier, welche es in 14 bis
18 Tagen ablegt. Nach 10 bis 20 Tagen kommen die Larven zum
Vorschein, welche sich zuerst von den zarteren, später von der stär-
keren Wurzeln der genannten Pflanze nähren und sich während 5
bis 6 Wochen in ungleichen Zeiträumen dreimal häuten. Das Ge-
spinnst, welches sie an den Wurzeln der Pflanzen anfertigen, und aus
dem sie, wie Haemonia, das Wasser zu entfernen wissen, ist walzen-
förmig, schwärzlich violett und pergamentartig; nach 20 bis 25 Tagen
entwickelt sich der Käfer.
Suffrian weist (Entom. Zeit. S. 150) nach, dass Orsodacna
trivittata Lacord. als Weibchen zu 0. vittata Say (Männchen) gehört;
die Vergleichung einer grösseren Reihe von Exemplaren aus den ver-
einigten Staaten hat ihm dies Resultat geliefert.
Crioceridae. — Crioceiis semilimhala und nigrozonala von
196 Gersta ecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Neu-Guinea, dichroa von Borneo wurden von Blanchard (Voyage
au pole sud) als neue Arten beschrieben und abgebildet.
Nach he Gonte (Proceed. acad. Fhilad. VII. p. 219) ist die
von ihm aufgestellte Galtung Taraxis nicht von Auchenia unter-
schieden.
Gry p 1 0 c epha li d es. — Suffrian hat seine Arbeiten über
diese Gruppe mit der gründlichen Darstellung der Asiatischen Cryplo-
cephalen fortgesetzt. (Verzeichniss der bis jetzt bekannt gewordenen
Asiatischen Cryptocephalen, Linnaea entomologicalX. Band. S. 1 — 169.)
Abgesehen davon, dass eine grosse Anzahl Europäischer Arten sich
auch über Asien verbreitet, zeigt ein grosser Theil der Asien eigen-
thümlichen Arten im Habitus eine unverkennbare Uebereinstinimung
mit den Europäischen Formen. Vorzüglich stimmt in dieser Bezie-
hung das asiatische Russland mit Word- und Mitteleuropa, und Vor-
derasien mit den Mittelmeerländern Europas übercin. Auffallend ist
die verhältnissmässige Armuth Asiens an Pachybrachys- Arten , und
bemerkenswerth der Umstand , dass die Artenzahl derselben auf der
nördlichen Halbkugel in der Richtung von Osten nach Westen be-
trächtlich zunimmt. — Es sind dem Verf. zur Zeit 135 Asiatische
Arten bekannt geworden, welche sich auf fünf Gattungen vertheilen;
eine im Vergleiche mit Europa allerdings geringe Zahl, die sich
jedoch aus der gänzlichen, Unbekanntheit mit grossen Gebieten dieses
W^elttheils leicht erklärt. Die Arten vertheilen sich auf die Gattun-
gen folgendermassen : Monachus 1, Melixanthus nov. gen. 1, Cryplo-
cephalus 124, Pachybrachys 8, Stylosomus l. Die neue Gattung Ale-
lixanlkus schliesst sich durch den Bau der Fühler, welche undeutlich
fadenförmig und mit abgesetzter, sechsgliedriger Keule versehen sind,
zunächst an Monachus an; von dieser Galtung entfernt sie sich aber
durch die Form des Proslernums , welches länger als breit , hinten
gerade abgeschnitten, mit scharf vorspringenden Ecken, vorn mit
abwärts gebogenem Halskragen erscheint. — Die Arten sind mit der
am Verf. genügend bekannten Sorgfalt und Ausführlichkeit beschrie-
ben; am Schlüsse ist noch ein Verzeichniss der nicht zu ermitteln
gewesenen beigefügt.
Eine neue Art von Madera ist Cryplocephalus crenalus Wolla-
ston, mit C. minutus und signaticollis zunächst verwandt.
Chrysomelae genuinae. — Eine neue Galtung Chalco-
lampra wurde von Blanchard (a. a. 0.) aufgestellt; sie ist nur
wenig von Phyllocharis verschieden , ihr Körper mehr eiförmig , die
Palpen kurz, das vorletzte Glied aufgetrieben , das letzte spitz ; die
einzelnen Glieder der Fühler mehr eiförmig. Art: Ch. convexa von
Van Diemensland.
Einzelne neue Arten sind ferner :
während des Jahres 1854. 197
Chrysomela fragrariae Wollaston von JMadera , Chrijsomela sep-
IviiUrioitalis Menelries von Nowaja Semlja (IMiddcndorf's Reise), Chry-
somela variolosa Menetries von Kiachta (Eliid. entoni. p. 40), Chryso-
mela subsulcata y Gonioclena arctica, Phralora i nterstilialis ^liXnncThcim
aus dein Russischen Nord-Amerika (Bull, de Mose. 1853.)
Euniolpidae. — Callidemum Blanchard (a. a. 0.) ist eine
neue Galtung dieser Gruppe mit breitem Kopfe und Thorax, und lan-
gen, dünnen, an der Spitze kaum verdickten Fühlern. Art: C. viride
von Neu-Guinea. — Neue Arten sind ferner : Ewnolpus vittatus und
viridiaenus von der Rafles-Bay.
Gallerucariae. — Dieser Gruppe gehört wahrscheinlich
eine von Wollaston (Insecta Waderensia) aufgestellte neue Gattung
Mniophilosoma, welche mitMniophila in der Körperform übereinstimmt,
sich aber durch die nicht zum Springen geeigneten Hinterbeine un-
terscheidet. Die Fühler sind zwischen den Augen eingefügt, aber
einander nicht genähert, mit dreigliedriger Keule, deren letztes Glied
aussen schief abgestutzt ist. An den Vordertarsen ist beim Männchen
das erste Glied gross, fast herzförmig, an den Hintertarsen dasselbe in
beiden Geschlechtern leicht verlängert. — Eine Art: M. laeve. — Neue
Arten von Madera sind ferner : Haltica subtilis, Longitarsus Isoplexidis,
Cinerariae, saltator^ litlescens, nerrosus und tiubigena, Psylliodes kospes,
umbratilis , vchemeiis und tarsata.
Neue Arten von Blanchard (a. a. 0.) beschrieben und ab-
gebildet sind: Adormm sexfasciatum , linleatum , 4notalum , concolory
nigriventre, dimidialum, dichroum, rubrum, bifascialwn und marginegut-
talum von Neu-Guinea, suinalrense von Sumatra, Rhaphidopalpa rubro-
ionata, melanopus und qircumdala von Neu-Guinea.
Einzeln beschriebene Arten sind ferner :
Adimonia flava Küster von Kasan (Käfer Europas), Rhaphido-
palpa angulicoUis und GallcruQa maculicollis Motschulsky (Etud. entom.
II. p. 49j , Jlallica lombacina Mannerheim aus dem Russischen Nord-
Amerika (Bull, de Mose. 1853).
Suffrian wies (Entom. Zeit. S. 151) nach, dass der in De-
jean's Cataiog als Malacosoma lepida aufgeführte und von Küster
unter diesem Namen beschriebene Käfer zuerst von Gebier als Gal-
leruca luteicollis , darauf von Krynicki als Gall. cyanoptera und
endlich von Fald ermann als Malacosoma triumphans beschrieben
worden sei, der Gcbler'sche Name muss als der älteste in Anwen-
dung gebracht werden.
llispidae. — Blanchard zählt (a. a. 0.) dieser Gruppe
eine neue Gattung Promecotheca von verlängertem, schmalem, fast
parallelem Körperbaue zu, welche in nächster Verwandtschaft mit Bo-
tryonopa stehen soll. Der Abbildung nach scheint sie mir jedoch
198
G ers laeciser : Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
elier zu den Gallerucarien zu gehören, wenigstens deutet diea der in
eine vordere und hintere Hälfte gctheilte Thorax an. Eine Art: P.
coeruleipennis von Vavao. — Eine andere neue Art ist: Cephaloleia
janthina von Celebes.
Cassidariae. — Monographia Cassididarum. Auetore C. ß o-
henian. Tom. II. Cum tab. 2. Holmiae 1854. — Dieser zweite Theil
umfasst die Gattungen Chelymorpha Chevr. mit 85, Selenis Hope mit 4,
Omoplata Hope mit 40, Omaspides Hope mit 4 Arten. Diese Gattun-
gen bilden den Schluss der zweiten, vom Verf. angenommenen Un-
terablheilungen ; zur dritten gehören: Batonota Hope mit 28, Basipla
Chevr. mit 4, Physonota Chevr. mit 43, Eurypepla Boh. mit 3, Pia-
tycyela Boh. mit 1, Aspidomorpha Hope mit 74, Ischyrosonyx Chevr.
mit 6 , Cassida auct. mit 155 und Asteriza Chevr. mit 1 Art. — Bei
Besprechung des dritten Theils, welcher ebenfalls bereits erschienen
ist, wird auf das ganze Werk näher eingegangen werden.
Neue Arten von Blanchard (a. a. 0.) sind: Aspidomorpha
celebensis von Celebes, astrolabiana von Neu -Guinea, philippinensis
von Sumatra und den Philippinen, impressa von Neu-Guinea und Cas^
sida angulifera von Celebes.
Fuss gab (Mittheilungen des Siebenbürg. Vereins zu Hermann-
stadt. 4. Jahrg. S. 15G) eine ausführliche Beschreibung der Puppe von
Cassida azurea Fab. ; sie findet sich auf Silene inflata und zwar in-
nerhalb des aufgeblasenen Kelches der verblühten Pflanze.
Krotylenae, Die Nordamerikanischen Arten dieser Familie
zählte Le Co nte in einer „Synopsis of the Erotylidae of the United
States" (Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia YII. p. 158 ff.)
auf. Der Verf. rechnet nach Erichson, und mit vollem Rechte,
die mit Engis zunächst verwandten Gattungen, welche Lacordaire
ausschliesst, dieser Familie und zwar der Gruppe der Triplacinen zu;
es sind daher auch hauptsächlich diese Gattungen, welche hier mit
neuen Arten bereichert werden, während die übrigen meist bekannte
enthalten. Es kommen hiernach in Nord-Amerika vor : Engis 1 Art,
Dacne 2, Ischyrus 1, Languria 13; dieselben sind unter folgende Ue-
bersicht gebracht: a) das 6te bis Ute Glied der Fühler erweitert:
L. thoracica Fabr. und puncticollis Say. b) Das 7te bis Ute Glied
der Fühler plötzlich erweitert, fast gleich: L. laeta vom Kansas-Ri-
ver, coUaris aus Georgien, trifasciata Say, pnlckra aus Pensylvanien.
c) Fühler etwas verlängert, ihr 7. bis 11. Glied erweitert, das 7.
mehr denn um die Hälfte kleiner als das folgende : L. LalreiUei (bi-
color Latr., gracilis Newm. ?), discoidea aus Georgien, laedala von
New-York, Mozardi Latr., angustata Palis., brevicollis Rand, und in-
ornata Rand. , die letzteren drei dem Verf. unbekannt. — Triplax 19
Arten, indem der Verf. , was wohl kaum zu billigen ist, die Galtung
während des Jahres 1854. 199
Tritoma damit vereinigt. Neue Arten sind: 7V. macra von Maine,
californica aus Californien und conßnis von Wew-York. - Erotylus
2 Arten.
Cocci»cH!iiae. Die Gruppe der Clambiden bereicherte
Jacquelin du Val mit zwei neuen im südlichen Frankreich ein-
heimischen Gattungen, welche er vorläufig (Bullet, entom. p. 37)
durch Diagnosen bekannt macht: 1. Phanlazomerus , mit Clambus
nahe verwandt : „Corpus minutum , antice volutum , postice attenua-
tum. Caput maximum. Labrum corneum, detectum. Palpi maxillares
articulo 1. minimo, 3. et 4. obconico atque apice truncato aequali-
bus. Ligula Cornea, antice dilalala. Palpi labiales articulo 1. minimo,
2. maximo, turbinato, 3. conico. Antennae sub frontis margine antico
inserlae, llarticulatac, articulo 1. magno, subrotundato, 2. ovato, 3-8.
tenuibus, minutis, Ö.-U. magnis, intus valde productis , clavam for-
niantibus. Scutellum magnum. Pedos postici distantes , coxis trans-
versis, compressis, laminae obliquae forma elevatis. Tarsi 4articulati,
articulo 3. cordato-emarginalo.« Eine Art: Ph. aeneiceps von Mont-
pellier (früher vom Verf. für Agathidium laevigatum bestimmt.) --
2. Morojiillus mit Orthoperus Steph. zunächst verwandt: „Corpus mi-
nutum, breviter ovatum, supra glabrum, convexum, apterum. Caput
breve, fortiter inflexum, utrinque profunde emarginatum. Oculi sub-
ovati, valde prominentes, fortiter granulati. Ligula angusta, elongata.
subacuminata : paraglossis longioribus, liberis, apice subulatis. Palpi
labiales breves , articulo 2. maiore, 3. valde obluso. Antennae iuxta
oculos intus insertae, subtus inflexae, llarticulatac, arliculis duobus
primis magnis, 3.-6. minimis, 7. maiore leviter dilatato, 8. minuto,
9._U. magnis, dilatatis , clavam formantibus. Pedes postici inter se
valde distantes, coxis transversis, depressis ; anticis prominulis. Tarsi
subtetrameri, articulo secundo supra sulcato-emarginato, unguiculis basi
obtuse denlatis.- - Eine Art: ßl. rnßcollis ebenfalls von Montpellier.
^Vollaston errichtete (Insecta Maderensia) auf Gryphinus pi-
ceus Redt, eine neue Gattung Artlirolips, w^elche in ihrer Charakteren
die Mitte zwischen Sericoderus und Clypeaster hält ; mit der ersteren
Galtung stimmt sie durch die zebngliedrigen Fühler, mit der zweiten
in der Bildung des Thorax übercin. Die Europäische Art A. piceum
findet sich auch auf Madera. ~ Eine zweite neue Gattung desselben
Verf. ist Gloeosoma, mit Corylophus nahe verwandt, doch durch zehn-
gliedrige Fühler, etwas hervortretenden Kopf und die nicht vorgezo-
genen Hinterecken des Thorax unterschieden. — Eine Art von Ma-
dera: G. vctox. — Die übrigen neuen, daselbst beschriebenen Arten
sind: Corylophus leclifonnis , Coccinella fcsludinea und Gcnislac , Scy-
mnus Durantae, flavopiclns und limnichoides.
Einzelne neue Arten sind ausserdem;
200 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Coccinclla nivicola Menetries aus Sibirien (Middendorf's Reise)
und ChUocorus r?/^iarszs Motschulsky aus China (Etud. entern. II. p. 50.)
Coccinella subversa und Ilippodamia moesta Le Conte vom Ore-
gon (Proceed. acad. Philad. YII. p. 16.)
Letzner fand (32. Jahresbericht der Schlesisch. Gesellschaft
für vaterl. Kultur) die Larven von Chilocorus renipustulatus und bi-
pustulatus an Zäunen unter alten Linden und vermuthet daraus , dass
letztere ihre IXahrungspflanze seien. Ref. muss dies Vorkommen für
zufällig halten, da er beide Arten bisher nur auf Yaccinium myrtillus
und zwar in allen Entwickelungs-Perioden angetroffen hat.
ü^ndosEBycliides* Leon Dufour beschrieb (Annales de la
soc. entomol. IL p. 647) die ersten Stände und die Verwandlungsge-
schichte von Lycoperdina Bovistae.
Orthoptcra.
Wie vor siebzehn Jahren eine gleichzeitige Bearbeitung
dieser Ordnung durch Burmeister und Audinet-Ser-
ville unternommen wurde, so folgt jetzt der im vorigen
Jahresberichte erwähnten Fis c h er'schen Arbeit über die
Europäischen Orthopteren eine gleiche von Fieber auf dem
Fusse. Nach einer Anzeige des Verf. in der Lotos, 3. Jalirg.
S. 90 ist sein Werk betitelt : ,,die Europäischen Orthoptera"
druckfertig und der Inhalt desselben im Auszuge unter dem
Titel : „Synopsis der Europäischen Orthoptera mit besonderer
Rücksicht auf die in Böhmen vorkommenden Arten" daselbst
mitgetheilt.
Bei der so scharfen Abgrenzung der Familien dieser Ordnung,
welche wohl keine Zweifel für die Systematik aufkommen lässt, lie-
fert die vom Verf. gegebene Eintheilung nichts wesentlich Neues,
ausgenommen die Einführung neuer Namen. Die Ordnung besteht
nach ihm aus zwei Tribus ; Orthoptera (jenuina und Harinoplera^ wel-
che den Orthoptera und Dermatoptera Burmeisters entsprechen. Die
Orthoptera genuina zerfallen wiederum in Sternopoda mit einer Fa-
milie ßlattina, und in Pleuropoda mit 7 Familien; von diesen gehören
die Mantodea und Phasmodea der Unterabtheilung Gressoria , die
Acridiodea , Locustina und Gryllodea der Untcrahtheilung Sallatoria
und die Gryllotalpina und Xyodea der Unterabtheilung Fossoria an.
Bei der Uebersicht der Gattungen und Arten hat der Verf. die schon
bekannten nur namentlich aufgeführt mit Hinzufügung der nöthigen
Citate , die neuaulgestellten kurz charakterisirt ; von den letzeren
wird ohne Zweifel ein grosser Theil mit den von Fischer beschrie-
benen zusammenfallen. Im 4. Jahrgange der Lotos hat der Verf. un-
während des Jahres 1834. 201
tcr dem Titel : „Ergänznngsblätter zur Synopsis der Europäischen Or-
thopteren ' (S. 146 u. ff.) auch die schon bekannten Arten kurz be-
schrieben, um denjenigen, welchen die übrige Literatur nicht zugäng-
lich ist, die Bestimmung zu ermöglichen.
List of Ihc spccimcns of Neuroptorus Insecls in tho col-
Icctiou of llie i3rltish IVluseum. Part. III. Termilidae — Ephe-
ineridae. Part. IV. Odonala. Printed by Order of Ihc tru-
stees. London 1853. — Die genannten Familien der Pseudo-
Neuropteren sind von F. Walker in der bekannten Weise
der Cataloge des British Museum bearbeitet worden ; eine be-
trächtliche Anzahl neuer Arten ist beschrieben , die bekann-
ten mit Diagnosen und der nöthigen Literatur versehen. Von
der Familie Libellulinen ist bis jetzt nur die Abiheilung der
Agrioniden erschienen.
Y er sin, Sur quelques Orthopteres nouveaux on peu
connus du midi de la France cB"^'elin de la sociele Vau-
doise des sciences naturelles 1854), giebt die Beschreibung
einiger Südfranzösischer Arten, die an ihrem Orte ange-
führt sind.
Die bisher in Siebenbürgen aufgefundenen Orthopteren
und Pseudo-Neuropteren verzeichnete Fuss im 4. Jaiirgange
der Rlittheilungen des Siebenbürgischen Vereins zu Hermann-
sladt S. 40 u. 207.
ITorficulina. Blanchard beschrieb (Voyage au pole sud)
zwei neue Arten: Forßcula grandiventris vom Salomon-Archipel und
tasnianica von Yan Diemensland.
Ulattina- Drei neue fossile Arten aus dem Steinkohlenlager
von Saarbrücken wurden von Goldenberg (Palaeontographica lY.
p. 22) unter dem Namen Blattina primaeva , Lebachensis und gracilis
beschrieben und abgebildet.
]?Iantodea. Eine neue Gattung ist Bolidena Blanchard (a.
a. 0.), mit Chaeradodis verwandt, doch von eigenthümlichem Habi-
tus, der durch den breiten Kopf mit gerader und gewölbter Stirn,
durch das stark geneigte, kegelförmige Gesicht, den massig verlänger-
ten , in der Mitte carinirten, seitlich abgeflachten und gleichbreiten
Prothorax bedingt wird. Die Gattung wird auf Mantis Hobsoni Leguill.
von Yan Dienunsland gegründet. — Als neue Arten werden ebenda
aufgestellt: Mantis costalis von Celebcs und fusccscois von den Yiti-
Inscln.
Bris out de Barne vi He beschrieb (Dullel enlolu. p. 70) Erc-
202 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
miaphila barbara aus der Verwandtschaft der E. Savignyi , als neue
Art aus Algier.
Eversmann (Bullet, de Moscou 1854. No. 3) Manlis pusillfx
aus den südlichen Kirgisensteppen.
Plsasinode». Phyllium lohiventre von den Viti-Inscln wurde
als neue Art vonBlanchard (Voyage au pole sud) beschrieben und
abgebildet.
iftcridiodea. Blanchard errichtete (a. a. 0.) eine neue
Gattung Sle7ioxypkns, welche sich von Xyphicera durch die schlanken
Fühler, die beim Männchen länger als der Kopf und Thorax zusam-
mengenommen, beim Weibchen etwas kürzer sind, und deren Glieder
vom dritten ab flachgedrückt, obwohl sehr schmal erscheinen; fer-
ner durch den Kopf, welcher kurz , von oben gesehen fast abgerun-
det ist, eine kurze, kegelartige Verlängerung und geneigtes, eben-
falls verlängertes Gesicht hat; endlich durch die langen, schmalen,
an der Basis eingeschnürten, am Ende in eine Spitze endigenden Flü-
geldecken unterscheidet. — Art : St. variegatus von Weu-Guinea. —
INeue Arten sind ausserdem: Tryxalis Raßesii, Pyrgomorpha crenali-
ceps, Äcridium villigerum und vüticolle von Neu-Guinea, cinereum von
Teneriffa, carenicolle von den Molukken, Oedipoda obsciircUa von den
Molukken und guinensis von INeu-(iuinea.
Neue Arten sind ferner: Oedipoda macrodaclyla Evermann aus
den Kirgisensteppen (Bullet, de Moscou 1854. No. 3), Acinipe Rauli-
nii Lucas von Greta (Rev. et Magas. de Zool. VI. p. 167. Taf. 2) ,
Äcridium silifcnse Brisout de Barneville aus Algier und syriacum des-
selben aus Syrien (Bullet, cntomol. p. 70 fl".)
Bei Beschreibung der beiden letztgenannten Arten bemerkt
Brisout de Barneville, dass dieselben der Gattung Acinipe Kamb.
angehören, dass diese aber, der zweiten Sektion von Serville's
Galtung Porthetis entsprechend, nach seiner Ansicht nicht von Äcri-
dium gerennt werden könne. Die von ihm früher unter diese Gat-
tung beschriebenen Arten zieht er jetzt sämmtlich zu Äcridium. Von
einer derselben , Acinippe microptera ändert er den Kamen (da schon
ein Arcidium micropterum Palisot existirt) in Acrid. decipiens um.
Die im vorigen Jahre vorläufig von Lucas diagnosticirte neue
Art: Eremobia Jaminii aus Algier ist jetzt in den Annales de la soc.
entomol. p. 709 ausführlich beschrieben und auf Taf. 20 abgebildet
worden.
liOCUstiBisft. Eine neue Gattung ist Sn^o^nowa Blanchard (Vo-
yage au pole sud) , von Acanthodis durch die Form des Kopfes und
Thorax und durch die einfachen Beine unterschieden. Der Kopf ist
sehr dick , die Stirn zwischen den Fühlern in Form einer kegelför-
piigen, etwas aufgerichteten Spitze hervortreten], das Gc'sicht ver-
wäljrend des Jahres 1854.
203
längen, sehr schräg; der Thorax gewölbt, quergefuTcht, mit abgerun-
detem Vorderrande und etwas über die Flügeldecken verlängertem
Hinterrande. Beine sehr kräftig, vordere Schenkel glatt , nur unten
mit zwei erhabenen Leisten , alle Schienen mit doppelter Dornen-
reihe. — Art: Sah marmorala vom Salomon-Archipel. — Zwei neue
Arten sind ausserdem: Phyllophora grandis und l'haneroplera oceanica
von Neu-Guinea.
Epkippigera lerreslris, provincialis , Odonlura Fischeri und De-
cticus sepium Yersin sind neue Arten aus Südfrankreich (Bull, de la
soc. Vaudoise 1854), Ephippigera Idomenaei Lucas von Creta (Rev. et
Magas. VI. p. 165. Taf. 2.)
Fuss gab (Mittheil, des Siebenbürg. Ver.) eine ausführliche
Beschreibung beider Geschlechter des Thamnotrizon transsylvanicus
Fischer, und gab auf Taf. 2 eine Abbildung dieser Art.
Eine fossile Art: GnjUacris Jithanthraca aus der Steinkohlen-
formation von Saarbrücken wurde von G o 1 d e n b e r g (Palaeontographica
IV. p. 24) beschrieben und abgebildet.
"rersnitina. Eine neue fossile Untergattung von Termes er-
richtete Goldenberg (a. a. 0.) unter dem Namen Ewfer»ii)i^sts : „Vena
scapularis simplex, areolis alarum reticulatis." Vier Arten derselben
finden sich in der Steinkohlenformation von Saarbrücken und werden
als E. Heerii, formosiis, Dechenii und affinis beschrieben.
C:plienierinae. Hagen vermuthet (Entomol. Zeit. S.318),
dass üligoneura Rhenana Imhoff mit 0. anomala Pictet identisch ist.
Nach einer späteren Mittheilung des Verf. im Jahre 1855 hat sich
dies jedoch nicht bestätigt.
t^ibelluliuae. Monographie des Calopterygines par E. de
Selys-Longchamps avec la collaboration de H. A. Hagen. (Me-
moires de la societe loyale des sciences de Liege. Tom. IX.) Das
^Yerk, welches unter obigem Theil auch separat erschienen ist, ent-
hält die ausführliche Bearbeitung der Gruppe der Calopteryginen,
von welchen die Verf. im vorigen Jahre schon einen vorläufigen Aus-
zug unter dem Titel: „Synopsis des Calopterygines" veröffentlicht
hatten. In Betreff des für die vorliegende Arbeit benutzten Materials,
so haben den Verf. die Mehrzahl der öffentlichen und Privatsammlun-
gen zur Musterung zu Gebote gestanden und sämmtliche früher be-
schriebenen Arten sind nach Ansicht der Original-Exemplare festge-
stellt worden. Auf 14 beigefügten Tafeln sind Darstellungen des Flü-
gelgeäders, der Mundtheile und der männlichen Geschlechlszangen
gegeben worden.
Synopsis des Gomphines , par E. de Selys-Longchamps.
(Bullet, de l'aead. royale des sciences de Belgique, Annee 1854.
XXL 2. p. ,23— 112). Der mit Nächstem zu erwartenden Publikation
204 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
einer monographischen Bearbeitung dieser Gruppe schickt der Verf.
ebenfalls eine vorläufige Ucbeisicht voraus , der zufolge gegenwärtig
.118 Arten bekannt sind, welche sich auf 19 Galtungen und 35 Unter-
gattungen vertheilen. Im Allgemeinen lassen sich die Gomphinen in
zwei Gruppen zertheilen, je nachdem die Unterlippe ganz (Integrila-
bres) oder mehr oder weniger gespalten (Fissilabres) erscheint. Sie
sind über alle Theile der Erde verbreitet; einzelne Formen haben
nur eine beschränkte Verbreitung, wie z. B. Gomphoides auf Cen-
tral-Amerika, Lindenia auf die wärmeren Gegenden des alten Gonti-
nents angewiesen ist.
Lindenia quadrifoliala von den Ufern des Sir Darja's wurde als
neue Art von Eversmann (Bullet, de Moscou 1854. No. 3) beschrie-
ben und auf Taf. 1 abgebildet.
Thysaiiura.
Elditt gab cEnlomol. Zeit. S. UfF.) unter dem Titel:
5,Einleitung zur Monographie der Thysanuren" eine vollstän-
dige Uebersicht und Critik der diese Insekten -Ordnung be-
handelnden Literatur von den ältesten Forschern bis auf den
heutigen Tag. Zugleich giebt derselbe ein Verfahren an, wie
diese so äusserst zarten Thiere für die Beobachtung tauglich
und auf die Dauer zu präpariren seien.
Der Verf. schlägt zur Conservirung der Thysanuren eine Auf-
lösung von Dammarharz in Alkohol vor, von welcher er einen Tro-
pfen auf eine Glasplatte fallen lässt und diese dem noch lebenden
Insekte nähert; sobald dasselbe herangesprungen und im Harze sitzen
geblieben ist, wird, nachdem die einzelnen Theile desselben in eine
für die Beobachtung günstige Lage gebracht worden sind, ein Deck-
blättchen darauf gelegt und das Präparat so getrocknet.
Podurellae« Frauenfeld bereicherte diese Familie mit
einer durch den Mangel der Augen ausgezeichneten nejien Form aus
der Grotte bei Treffen in Krain, welche er unter dem Kamen Trilo^
mnrus sculellalus in den Sitzungsberichten des zoolog.-botan. Vereins
zu Wien IV. S. 17 beschrieb und abbildete. Die Galtung steht in der
nächsten Verwandtschaft mit Tomocerus TNicol. und unterscheidet sich
von dieser durch grössere Breite des Kopfes , den Mangel der bei-
den dunkeln Augenflecke, durch acht unter einander ungleiche Lei-
besringe, dreigliedrige Fäden der Springgabel und den Mangel der
Afteranhängsel. Die Fühler sind wie bei jener Gattung vicrgliedrig,
länger als der Leib, das erste und zweite Glied kurz, dick, cylin-
drisch, das dritte sehr lang, haarförmig, das vierte von der Länge
des zweiten. — Die einzige bis jetzt bckaniils Art zeichnet sich
während des Jahres 1854. 205
durch ein vorn gekanlclLS, schwärzliches Schildchcn auf dem Ober-
kopfe hinter den Fühlern aus.
Pliysopofla.
Hccfrcr machte die Naturgeschichte zweier Arten dieser Ord-
nung bekannt und bildete die verschiedenen Entwickelungsstadicn der-
selben im vergrösserten Massstabe ab. (Sitzungsberichte der >Vieiier
Akademie der Wissenschaften , 14. Bd. S. 365 ff.) Die eine dersel-
ben ist eine neue Art, welche unter dem Kamen Heliothrips Dracae-
nae beschrieben wird, und die sich in den Treibhäusern zu Wien auf
mehreren Dracaena - Arten findet; die andere ist Thrips Sambuci,
wahrscheinlich mit der gleichnamigen S t eph en s'schen Art identisch
und auf Sambucus nigra lebend.
JUeuroptera.
List of the specimens of Neuropterous Insects in Ihe
colleclion of the British Museum. Part. II. Sialidae — Nemo-
pterides. Printed by order of the Irustees. London 1853. —
Der Verf. giebt in diesem zweiten und letzten Theile der
wirklichen Neuroptera des British Museum eigenlhümliche
Ansichten über die Classifikation dieser Ordnung kund, indem
er z. B. die Gattungen Rhaphidia und Mantispa zwei ver-
schiedenen Familien zutheilt , erstere mit Sialis , Chauliodes
u. s. w. den Sialiden, letztere mit Osmylus, Chrysopa, Hemero-
bius u. s.w. denHemerobiden. Myrmeleonund Ascalaphus bilden
nach ihm eine eigene Familie, Myrmeleonites, Nemoptera eben-
falls eine eigene Nemopterides und diese beiden werden
durch die dazwischen geschobenen Panorpaten von einander
getrennt, so dass hier eine selbstständige Familie zwischen
die Gruppen einer anderen eingezwängt wird. — Reich an
neuen, hier beschriebenen Arten sind besonders die Gallun-
gen Myrmeleon und Ascalaphus; die Zahl der ersleren be-
läuft sich im Ganzen auf 2l7, der letzteren auf 81.
List of the specimens of British animals in the colle-
clion of the British Museum. Part. XIV. Nomenclalure of
Neuroptera. Prinled by order of the truslees. London 1853.
Ein einfaches Namenszerzcichnlss der bis jetzt in Eng-
land beobachteten Neuropteren 0»it Einschluss der Pseudo-
Neuropteren), welches von A. White nach Walkers Ca-
talog und Sely's Europäischen Libellen zusammengestellt
worden ist.
206 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Hagen gab (^Verhandl. d. zool. - bolan. Ver. in Wien
IV. Bd. S. 221) unter dem Titel: „lieber die Neuropteren der
Bernsleinfauna" eine vorläufige Uebersicht der von ihm zu
Beliretuirs „im Bernsteine befindlichen organischen Reste der
Vorwelt^^ bearbeiteten Neuropteren und Pseudo- Neuropteren.
Die vom Verf. erlangten Resultate sind um so interessanter,
als sie mit den von Goepperl über die Bernslein -Flora
gewonnenen in scheinbarem Widerspruche stehen.
Während nämlich Go eppert fast ein Viertheil der ganzen Bern-
steinflora mit lebenden Gewächsen identificiren konnte, ist ein Kachwels
der Identität von Bernstein-Neuropteren mit den jetzt lebenden nicht
in einem einzigen Falle möglich gewesen; auch hat sich nicht eine
einzige Bernstein-Art unter den übrigen fossilen Neuropteren wieder
gefunden. Im Ganzen sind dem Verf. 34 Arten Pseudo -Neuropteren
und 48 Neuropteren aus dem Bernstein bis jetzt bekannt geworden.
Von diesen findet die überwiegend grösste Anzahl in der heutigen
Fauna von Mittel -Europa und selbst von Preussen ihre Repräsentan-
ten. Nur 15 Arten sind davon ausgenommen und von diesen sind
wiederum 3 der Fauna des Miltelmeers analog, während 10 andere
tropischen Formen entsprechen und eine jetzt auf Nord-Amerika be-
schränkt ist. Mit Ausnahme eines Yiertheils der Arten lebten alle
Bernstein-Neuropteren in ihren ersten Ständen im Wasser; die übri-
gen sind sämmllich Wald-Insekten. Alle Arten , deren erste Stände
ein sandiges Terrain erfordern, wie Myrmeleon, Ascalaphus, Nemoptera,
fehlen gänzlich.
fiieinerobiiii. Brauer brachte (Verhandl. d. zoolog.-botan.
Vereins in Wien III. S. 144 und IV. S. 463) abermals die ersten Stände
und die Fntvvickelungsgeschichte einiger Arten dieser Familie zur
genaueren Kenntniss. Zwei derselben gehören der Gattung Myrme-
leon und zwar dem M. formicarius und formicalynx mit Sicherheit
an ; beide stimmen im Allgemeinen sehr mit einander überein und
unterscheiden sich hauptsächlich durch die Form und Fleckung des
Kopfes. Eine dritte Art , welche wahrscheinlich dem Myrm. telra-
grammicus angehört, unterscheidet sich von den beiden vorigen schon
aufl'allend durch die Lebensweise. Sie gräbt nämlich keine Trichter
in den Sand, sondern geht oft ganz aus der Erde heraus, um die
Ameisen zu erhaschen, und lebt, wenn sie sich zurückzieht, nur ganz
oberflächlich unter der Erde vergraben; auch entflieht sie nicht, wie
jene beiden rückwärts, sondern vorwärts. In der Körperform nähert
sie sich jenen, unterscheidet sich aber durch das letzte Hinterleibs-
segment, welches am Ende zwei flache, vierspitzige, hornige Fort-
sätze, die in divergirender Richtung nach hinten hervorragen, trägt.
während des Jahres 1854. 207
Das vorletzte Segment zeigt auf der Mitte der Unterseite zwei kleine
hornige Spitzen, die wahrscheinlich als Nachschieber dienen : eine
Bildung , wie sie sich auch bei Palpares libelluloidos findet. — Mit
Myrm. tetragraminicus ist die Larve des Ascalaphus Macaronius durch
die Lebensweise sehr verwandt; beide scheinen schon Bonnet be-
kannt gewesen zu sein, wurden aber von den späteren Autoren mit
einander vermengt. Von den Myrmeleonen - Larven unterscheidet sie
sich hauptsächlich durch den Kopf, der fast doppelt so breit als lang
ist. Sie lebt aufwiesen, zwischen Moos, dürrem Laube u. s. w.,
ist sehr träge und erwartet ihre Beute; im ersten halben Jahre (vom
August bis zum Winter) wächst sie nur wenig , im Frühjahre findet
man sie jedoch bedeutend herangewachsen; im Mai findet die erste
Häutung statt. Die Eier werden vom Weibchen an gerade Pflanzen-
stcngel in zwei parallele Reihen zu 40 bis 50 gelegt, und zwar so,
dass ihr Längsdurchmesser fast horizontal liegt ; die Larven schlüpfen
aus denselben nach 14 Tagen bis drei Wochen , in der Regel wäh-
hend drei bis vier Tagen aus; der Akt des Ausschlüpfens dauert eine
halbe Stunde oder darüber. Der äussere Theil des Eies wird von der
Larve durchbrochen und klappt sich wie ein Deckel nach unten ab;
so schützt er zugleich das auf dem Rücken liegende Thier vom Her-
abfallen ; dasselbe begiebt sich, nachdem alle Theile frei geworden
sind, sogleich auf das benachbarte Ei und zeigt , wenn es nicht ge-
reizt wird, zuerst fast gar keine Bewegung. — Eine anatomische Un-
tersuchung des ausgebildeten Ascalaphus, welche Brauer angestellt
hat, ergiebt eine grosse Aehnlichkeit seines Baues mit Chrysopa;
eine Darstellung der einzelnen Organe, so wie die Abbildungen der
oben erwähnten Larven finden sich auf drei die Abhandlung beglei-
tenden Tafeln.
Ueber die Begattungsweise des Ascalaphus italicus gab La-
fresnaye (durch Guerin im Bullet, entom. p. 48 mitgetheilt) eine
interessante Notiz. Das Männchen erhascht das Weibchen im Fluge,
Avelcher bei beiden sehr schnell und hoch ist , mit den Zangen
des letzten Segmentes und beide sinken dann herab , um sich auf
einer Pflanze niederzulassen ; die Stellung ist während der Copula ge-
geneinander.
Hemerobius algidus Erichson ist eine neue Art aus Sibirien (M i d-
de n do r f's Reise).
Curtis gab (Transact. of the entomol. soc. IIL p. 50) die Be-
schreibung zweier neuerlich in England aufgefundenen llemerobien-
Arten, nämlich Hemerobius diptcriis Burm. und Sisyra lenninalis n. A.
— Zugleich bemerkt er, dajs die von ihm (Brit. Entom.) als Heme-
robius fimbrialus abgebiltlete Art gleich 11cm. hirtus Lin. sei, und
dass H. crispus Schaefl"er gleich H. angulatus Steph. zu sein scheine.
208 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Eine neue fossile Hemerobiden - Gattung aus der Steinkohlen-
formation von Saarbrücken wurde von Goldenberg (Palaeontogra-
phica IV. p. 33) unter dem Namen Diciyoneura bekannt gemacht. Ihre
Charaktere sind: „Alis oblongis , reticulato- venosis , margine anali
basin versus plus minusve abrupte angulato ; vena scapulari basi bi-
fida, ramis ramulisque parallelis." — Drei daselbst aufgefundene
Arten heissen: D. libelluluides, anlhracopliila und Humholdliana.
Piftnorpatae. Brauer gab (Verhandl. d. zoolog.-botan.
Vereins zu Wien 1853. S. 144) eine interessante Mittheilung über die
Lebensweise des Bittacus tipularius. Das Insekt hängt sich mit dem
vorderen Fusspaare an einem Zweige auf und fängt mit den Tarsen
der herabhängenden Beine kleine Insekten , die sich ihm nähern ; mit
eben denselben führt es auch seine Beute zum Munde. Den Weib-
chen, die sich auf solche Weise Nahrung verschafft haben, nähern
sich die Männchen, verzehren mit ihnen zusammen den Raub und voll-
fuhren während dessen zugleich den Coitus. Einige Tage nachher
stirbt das Männchen, und das Weibchen beginnt nach vier Tagen seine
Eier abzulegen.
llyBttc^iioptera.
Von D a h 1 b 0 iii's „Hymenoptera Europaea , praecipiie
borealia" ist der zweite Tlieil, die Gattung Chrysis im Lin-
ne'schen Sinne behandelt, erschienen. Man kann liier nur das
Urtheil , welches über den ersten Theil von Erichs on ge-
fällt wurde, wiederholen, nämlich: was darin gegeben ist, ist
gut, es müsste aber eben anders gegeben sein. Der Verf.
hat ohne Rücksicht auf den Titel seines Werkes, der aller-
dings den Anforderungen einen ziemlich weiten Spielraum
lässt, alles xMalerial beschrieben, was ihm zugekommen ist,
denn die Arten des südlichen Europa und der übrigen Well-
theile nehmen wohl einen viel grösseren Theil des Werkes
ein, als die dem Norden eigenlhümlichen , und die meisten
derselben sind zum Verständnisse der Systematik ganz ent-
behrlich. Eine Vollständigkeit ist so nach keiner Seite hin
erreicht worden, besonders da die Literatur, welche doch
bei systematischen Arbeiten der wesentlichste und schwie-
rigste Theil bleibt, sehr schmal davongekommen ist. Der
Verf. hat auch mehrfach in der Form gefehlt; denn wenn
er die Gruppen der Clepliden, Ellampiden , Chrysididen etc.
als Familien bezeichnet, was sollen dann die Chrysiden
während des Jahres 1854. 209
im Sinne der Autoren ausmachen? Wenn demnach die An-
lage des Werkes als durchaus unzweckmässig bezeichnet
werden muss, ist über die Bearbeitung der Einzelnheiten nur
Rühmlicljes zu sagen. Zwölf demselben beigefügte Tafeln,
welche die Abbildungen einer Reihe hauptsächlich charakte-
ristischer Formen so wie der einzelnen Körperlheilc geben,
sind vonVVienker in vorzüglicher Weise ausgeführt. (Siehe
auch Chrysidides!)
List of the specimens of British Animals in the colle-
ction of the British Museum. Pari. XIII. Nomenclature of Hy-
menoptera. Printed by order of the trustees. London 1853. —
Ein Namenverzeichniss der bis jetzt als in England vorkom-
mend bekannten Hymenopleren, welches von F. Smith ab-
o-efasst worden ist. In einigen Familien sind die Arten auch
mit der nölhigsten Synonymie versehen worden.
Calalogue of Hymenopterous Insects in the collection
of the British Museum. Part. I. Andrenidae et Apidae. Lon-
don 1853. Printed by order of the trustees. — Dieses eben-
falls von F. Smith bearbeitete Verzeichniss erstreckt sich
auf die Andrenen und die sich diesen zunächst anschlies-
senden Gattungen der Apiarien (Panurgus, Rhophites, Osmia
und Megachile) ; es sind hier sämmtliche bisher bekannt ge-
machte Arten zusammengestellt und die im British Museum
befindlichen neuen gründlich beschrieben worden. Eine be-
trächtliche Anzahl neuer Gattungen, die sich vorzüglich auf
Unterschiede der Mundtheile stützen, sind durch Darstellung
der letzteren auf sechs beigegebenen Tafeln zur Anschauung
gebracht worden. Das Werk ist bei den bezeichneten Fa-
milien näher in Betracht gezogen worden.
Ein Verzeichniss der in der Gegend von Kaplitz in
Böhmen vorkommenden Aderflüglern lieferte Kirchner in
den Verhandlungen des zoolog. -botan, Vereins in Wien IV.
S. 384-310.
Obwohl in manchen Familien noch weit von einer annähern-
den Vollständigkeit entfernt , wird diese Aufzählung nicht ohne In-
teresse für die bis jetzt noch wenig festgestellte Hymenoptcren-Fauna
Deutschlands sein. Sie enthält gegen 1000 Arten , welche sich auf
die einzelnen Familien folgendermassen vertheilen : Tenthredinetes
Archiv f. Naturgcsch. XXI. Jahrg. 2. Bd. Q
210 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
176, Cynipidae 70, Evaniales 2, Ichneumonides 337 , Braconides 109,
Chalcidiac 13, Pteromalini 88, rrostotrnpii Gl, Chrysidides 11, Cra-
Lronidae 59, Scoliariae 3, Mutillariae 2, Formicariae 5, Vespariael2,
Andrenetae 13 und Apiariae 25.
j^lBiariae« Kriech baumer, Beiträge zur Kenntniss deut-
scher Bienen. 1. Die Schmarotzerhummeln, Psithyrus Lepell. (Lin-
naea entomologica IX. Bd. S. 170 ff.) Der Verf. macht darauf auf-
merksam, dass die Farbe der Behaarung bei den Hunimeln, nach wel-
cher bisher hauptsächlich die einzelnen Arten unterschieden wurden,
oft sehr unbeständig und daher zur Feststellung derselben wenig ge-
eignet sei. Yiel sicherere Merlimale bieten sich für diesen Zweck
in der Form des Kopfes, der hinteren Fusswurzel, der Hinterleibs-
spitze, den Fühlern und den männlichen Geschlechtszangen. Wach
diesen Charakteren hat der Verf. die deutschen Fsithyrus-Arten fest-
zustellen versucht, eine Arbeit, die besonders durch die Lichtung der
ausserordentlich verwickelten Synonymie sehr dankenswerth erscheint.
Die sechs in Deutschland beobachteten Arten sind : Psithyrus rupe-
stris, campestris, saltuum, vestalis, quadricolor und globosus. Die
charakteristischen Endringe des Hinterleibes beider Geschlechter sind
auf Taf. I. abgebildet.
Wahlberg „Jakttagelser och anmärkningar öfver de nordiska
Humlorna« (Öfversigt af Kongl. Vetensk. AUad. Förhandl. XI. p. 199 ff.)
gab eine Reihe vorzüglich synonymischer Bemerkungen über die nor-
dischen Arten der Gattungen ßombus und Psithyrus, an welche er ein
Yerzeichniss der dem Norden eigenthümlichen Arten mit Hinzufügung
einer reichhaltigen Synonymie reiht. In demselben sind 24 Bom-
bus - und 5 Fsithyrus-Arten enthalten, von denen freilich eine nicht
unbeträchtliche Anzahl in Betreff ihrer Selbstständigkeit noch zwei-
felhaft ist. Von den beiden von ihm i. J. 1851 aufgestellten Arten:
Bombus cingulatus und Psithyrus suaveolens giebt der Verf. eine
nochmalige ausführliche Beschreibung; die erste ist nur im Weib-
chen, letztere in beiden Geschlechtern bekannt.
Von Smith wurden (Catal. of Hymenopt. Insects) folgende
neue Gattungen aufgestellt: 1) Perdila, mit Panurgus zunächst ver-
wandt, von diesem durch sehr verlängerte und fadenförmig zuge-
spitzte Zunge, so wie durch sehr kurze und dünne Labial- und Ma-
xillarpalpen unterschieden. Die Vorderflügel haben eine kurze Mar-
ginalzelle , welche an ihrem unteren Rande abgerundet und an der
Spitze breit abgestutzt ist; die erste Submarginalzelle ist mehr denn
doppelt so lang als die zweite. — Eine Art : P. hulictoides aus Nord-
Amerika. 2) Calliopsis neben der vorigen Gattung stehend ; hier ist
die Zunge nur von der Länge des Kinns, an der Spitze behaart; an
den Labialpalpen ist das erste Glied länger als die drei folgenden
während des Jahres 1854. 211
zusammengenommen. Die Vorderflügel haben eine an der Spitze ab-
gerundete Marginalzelle und zwei Submarginalzellen , von denen die
erste etwas länger als die zweite, und ditsc gegen die Marginalzelle
hin Ytrschmälort ist Vier Arten von Florida. 3) Macrotera von den
beiden vorigen Gattungen in folgenden Punkten unterschieden: die Zunge
ist fast dreimal so lang als das Kinn und läuft in eine lange, faden-
förmige Spitze aus ; das erste Glied der Labialpalpen ist beträchtlich
länger als die drei letzten zusammengenommen; die Vorderflügel ha-
ben eine abgestutzte Marginal- und zwei Submarginalzellen, von de-
nen die erste ungefähr doppelt so lang als die zweite, und diese in
der Hälfte ihrer Länge gegen die ^larginalzelle hin verschmälert ist.
Die Hinterschienen sind mit langer Haarbekleidung versehen. — Eine
Art: M. bicolor von Mexico. 4j Ptilolhrix mit Systropha zunächst
verwandt und von dieser durch sehr lange, zugespitzte Paraglossen,
so wie durch die Bildung der Labialpalpen unterschieden; an diesen
ist nämlich das erste Glied beträchtlich länger als das zweite, und
die beiden Endglieder sind nicht an der Spitze, sondern an der Aus-
senseite des zw eiten Gliedes eingelenkt. Vorderflügel mit einer Mar-
ginal - und drei Submarginalzellen. — Eine Art: P. plumalus aus Bra-
silien. — Mit einer grossen Anzahl neuer Arten sind ausserdem die
Gattungen Osmia , Lithurgus und besonders Megachile bereichert
worden.
Krie chbaumer gab (Entern. Zeit. S. 155) eine kurze Notiz
über die sichersten Unterscheidungsmerkmale der Megachile- Arten.
Die Männchen zerfallen in solche, welche erweiterte, und in solche,
welche einfache Vordertarsen haben. Die Arten der ersten Abthei-
lung unterscheiden sich leicht durch die jeder Art eigenthümliche
Zeichnung auf der Innenseite der Vorderschenkel ; den letzteren man-
gelt dieses Merkmal und sie müssen daher nach den Zähnen des letz-
ten Abdominalsegments u. s. w. unterschieden werden. Die Weib-
chen lassen sich fast nur nach der Aehnliehkeit der Behaarung als
zu ihren Männchen gehörig ausmitteln.
Nach Sichel (Bullet, entomol. p. 75) gehört Anthophora mixta
Lepell. als Varietät zu Anth. 4 maculata Fabr. und Anth. flabellifera
Lepell. als Männchen zu Anth. pubescens Fabr. , von welcher letzte-
ren bisher nur Weibchen bekannt waren. Von letzterer Art giebt der
Verf. eine beide Geschlechter umfassende Diagnose.
Derselbe gab (ebenda S. 74) die Diagnose einer neuen Rhophi-
tes-Art aus der Umgegend von Paris, welche er mit dem Namen Rh.
bifoveolatus belegt.
Als neue Arten wurden ferner beschrieben :
Bombus vlduus und calidus aus Sibirien, von Erichson in
Middendorf's Reise.
^12 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Xtjlocopa fasciata aus den südlichen Kirgisen- Steppen , von
Eversmann im Bull. de. Mose. III. p. 198.
jftnctrenetfae* Diese Familie ist von F. Smith (Catalogue
of Hymenopterous Insects) einer Bearbeitung unterw^orfen und mit
einer Reihe neuer Gattungen bereichert worden. Unter den Obtusi-
lingues sind es hauptsächlich mehrere Neu-Holländische Formen, wel-
che der Verf. von Colletes wegen abweichender Bildung der Zunge
und der Labialpalpen abgetrennt hat; sie stimmen im Flügelgeäder
wesentlich mit Colletes überein, indem sie ebenfalls drei Submargi-
nalzellen haben. Es sind folgende: Paracolleles mit einer Art: P.
crassipes von Swan-River, Ftiloglossa mit einer Art : P. ducaliSf Leio-
proctus mit drei Arten von Neu -Holland und Neu -Seeland, Lampro-
colleles, auf Andrena chalybeala Erichs, gegründet, mit elf Neu -Hol-
ländischen Arten, Üasijcotleles mit zwei Arten von Neu-Seeland, An~
thoglossa mit einer Art: A. pliimala aus Australien und Eunjglossa
mit vier Neu-Holländischen Arten. — Mit zwei Submarginalzellen
schliessen sich ferner an Prosopis an: Hyleoides ^ auf Vespa concinna
Fabric. gegründet, mit zwei Neu-Holländischen Arten, und Meroglossa
mit einer Art M. canaliculala von Port Essington. — Unter den Acu-
tilingues werden von Sphecodes zwei neue Gattungen : Tcmnosoma
(eine Art T. metaUicum von Para) und Parasphecodes mit 12 Arten
von Neu -Holland und Van Diemensland abgetrennt; sie stimmen mit
Sphecodes undHalictus durch die kurze, dreieckige, zugespitzte Zunge
überein. Ihnen schliesst sich zunächst eine südamerikanische Gattung
Augochlora an, w^elche auf Megilla graminea Fabr. und Halictus di-
versipennis Lepell. gegründet ist. Durch ausserordentlich lange und
schmale Zunge zeichnen sich die Gattungen Oxysloglossa mit einer
Art 0. decorala von Jamaica und Hlegalopta mit zwei Brasilianischen
Arten , aus. Bei Callomelilta dagagen ist die Zunge fast ganz ver-
schwunden und ragt kaum über das Kinn hinaus ; eine Art C. picta
von Van Diemensland. Mit Nomia zunächst verwandt und von ähn-
licher Zungenbildung ist die Gattung Agapostemon, auf Andrena nigrJ-
cornis Fabr., femoralis Guer. und Halictus tricolor Lepell. gegründet.
Zwischen Andrena und Mellilidia Guer. steht eine Neu - Holländische
Gattung Stenolrüvs mit einer Art St. elegans von Sidney, und an Ci-
lissa endlich reiht sich eine neue Gattung Megacilissa an , bei wel-
cher die Zunge in zwei dicht behaarte, kurze Spitzen endigt. — Auch
hier sind von schon bekannten Gattungen zahlreiche neue Arten be-
schrieben, besonders unter Prosopis und Andrena.
Vespariae. H. de Saussure hat seine Etudes sur la fa-
mille des Vespides mit einem dritten Theile, welcher eine monogra-
phische Bearbeitung der Masariden enthält, fortgesetzt. Der Verf.
wirft nach einer genauen Beschreibung des Körperbaues dieser Gruppe
die Frage auf, ob dieselben als eine Unterabtheilung der Wespen an-
während des Jahres 1854. 213
zusehen seien oder ob man berechtigt sei , sie zu einer eigenen Fa-
milie zu erheben. In Betracht, dass sich die Masariden nur durch
zwei durchgreifende Charaktere von den Vesparien unterscheiden,
nämlich dadurch , dass sie eine Cubital-Zelle weniger besitzen, und
dass das Scutellum auf dem Postscutellum reitet, welche Charaktere
beide nur von geringer Bedeutung sind , entscheidet er sich für die
Unterordnung derselben unter die Vesparien. In Betrelf der Lebens-
weise der Masariden, welche bisher noch ganz in Dunkel gehüllt
war, theilt Saussure eine Beobachtung des Militair- Chirurgen
Dours aus Kord-Afrika mit, wonach Celonites Fischeri und oranien-
sis in den Nestern der Scolia bifasciata häufig aus- und eingehen,
und die erstereArt schmarotzend von den Larven der Scolia lebt. —
Die Gruppe der Masariden ist im Vergleiche mit den solitären und
socialen Wespen arm sowohl an Gattungen als an Arten; die dem
Verf. bekannten und in der vorliegenden Bearbeitung beschriebenen
belaufen sich auf 30, nämlich: 3 Celonites, 14 Ceramius, 2 Jugurtia,
2 Masaris, 5 Paragia und 1 Trimeria. — Die das Werk erläuternden
Tafeln zeichnen sich durch Naturtreue wie durch Eleganz vortheil-
haft aus.
Derselbe lieferte ein Supplement zu seiner Monographie der
solitären Wespen, welches ausser der Beschreibung eines reichhalti-
gen, dem Verf. neuerdings zugekommenen Materials, eine grosse An-
zahl von Verbesserungen und Aenderungen zu der ersten Bearbeitung
enthält. Von besonderer Wichtigkeit für die Feststellung der Arten
ist die Musterung der Londoner Sammlungen, besonders der Linne'-
schen und Banks'schen, welche der Verf. an Ort und Stelle vorge-
nommen hat. Die in denselben vorgefundenen Arten werden speciell
vom Verf. namhaft gemacht und auf die von ihm selbst beschriebe-
nen zurückgeführt. Als neue Charaktere für die Gruppe der Eumeni-
den, welche sich durch fortgesetzte Untersuchungen als durchgreifend
herausgestellt haben, werden angeführt: dass die Augen sich stets
bis zur liasis der Mandibeln erstrecken, dass die Bewaffnung der Mit-
telschienen nur in einem einzelnen Dorn besteht, und dass das Kopf-
sehild niemals in einen Zahn endigt. Die meisten der vom Verf. in
der ersten Bearbeitung angenommenen Gattungen haben in dem vor-
liegenden Kachtrage eine Bereicherung an Arten erhalten, im ausge-
dehntesten Maasse die Gattung Odynerus.
Eunienes fulva und tabida vom Ural und den Kirgisensteppen
wurden von Eversmann (Bullet, de Moscou 1854. No. 3) als neue
Arten beschrieben.
Sichel hat (Bullet, entomol. p. 12) die verschiedensten Ueber-
gänge von Polistes gallicus und biglumis beobachtet und glaubt dar-
aus auf die Identität beider Arten mit Sicherheit schliesscn zu können.
214 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
F*oriiiicariae. Eine mit vorzüglichen Abbildungen ausge-
stattete Monographie der Gattung Cryptocerus Latr. und einiger ihr
verwandten Myrmiciden - Gattungen lieferte F. Smith in den Trans-
act. of Ihe entomol. soc. IL p. 213-228. Taf. 19—21. Dieselbe bringt
, ausser einer nicht unbeträchtlichen Anzahl neuer Arten auch die bis-
her noch nicht beschriebenen Männchen zur Kenntniss, vv^elche dem
Verf. von zwei Arten vorlagen. Das hiesige Museum besitzt diesel-
ben von fünf Arten und ich kann nach demselben mittheilen, dass der
von Smith als neue Art beschriebene Crypl. dubilalus als Männchen
zu Crypt. atralus Lin. Fabr. zu ziehen ist. Die Männchen gleichen
im Ansehen durchaus denen der Gattung Ponera , von denen sie sich
aber durch die nicht geknickten Fühler unterscheiden. In einer Colonie
von 26 Individuen fanden sich deren nur zwei, während von jedem
der beiden anderen Geschlechter zwölf vorhanden waren; diese von
W. ßates in Brasilien beobachtete Colonie gehörte dem Crypt. cly~
peatus Fahr, an und fand sich in einem morschen Baume. Der Verf.
beschränkt seine Gattung Cryptocerus auf die Arten der neuen Welt,
von denen er (mit Abzug des Crypt. dubitatus) 28 Arten aufführt;
von diesen gehört eine Neu -Holland, die übrigen sämmtlich Süd-
Amerika an ; die erstere unterscheidet sich durch nur zehngliedrige
Antennen. Nach einigen geringen Modifikationen des Flügelgeäders,
die nach Klug's Ansicht kaum von Bedeutung sein möchten, sondert
der Verf. zwei Gattungen ab : 1) Meranoplus n. g. mit einer Margi-
nal - und einer vollständigen Submarginalzelle, beide fast von gleicher
Länge ; Kopfseiten nicht ausgebreitet, Schaft der Fühler fast so lang
als das Flagellum. Hierzu gehört ausser Cryptocerus bicolor Guer.
eine neue Art : Meranoplus peliolaius aus Brasilien. 2) Cataulacns n. g.
auf Form, granulata Latr. gegründet, hat ebenfalls nur eine vollstän-
dige Submarginalzelle auf den Vorderflügeln, denen zugleich die Dis-
koidalzelle fehlt; Hinterleib beim Weibchen verlängert, bei den Ar-
beitern eiförmig. Drei neue Arten vom Cap, Guinea und Ceylon,
nur in Weibchen und Arbeitern bekannt. — Der Verf. reiht hieran
noch die Beschreibung einer neuen Gattung Oreclognathus , welche
sich durch nur fünfgliedrige Fühler (Arbeiter) auszeichnet; dieselben
sind lang und dünn, nahe der Basis der Mandibeln eingelenkt; diese
weit hervorstehend, fast geradlinig ; die Augen hervorragend, ziem-
lich weit nach vorn gerückt. Die einzige nur im Arbeiterstande be-
kannte Art ist 0. milennalus aus Neu - Seeland. Endlich giebt der
Verf. noch eine Beschreibung und Abbildung der Männchen und Weib-
chen von Daceton armigerum Perty.
A Catalogue of the Species of Ants found in Southern India,
by T. C. Jerdon, ist schon im Jahre 1851 im Madras Journal of
Literature and Science erschienen, aber erst jetzt in den Annais and
magazinc of natural history XIIL 1854. p. 45 u. 100 vollständig wie-
wahrend des Jahres 1854. 215
dergcgeben worden. Es werden hier 46 mit wenigen Ausnahmen neue
Arten beschrieben, welche sich auf die einzelnen Gattungen folgen-
dermasscn vertheilen: ö Atta, 7 Ocodoma , 4 Eciton , 6 Myrmica , l
Odonlomachus, ö Ponera und 15 Formica. In der Gruppe der Pone-
riten errichtet der Verf. eine neue Gattung Harpegnalhus , welche
zwischen Odontomachus und Ponera steht und folgendermassen cha-
rakterisirt wird: Mandibeln sensenförmig, zugespitzt, fein gesägt;
Kopf länglich, hinten eingeschnitten ; Augen sehr gross, am vorderen
Theile des Kofes; Fühler zwischen den Augen eingefügt. — Die ein-
zige Art H. saltator macht grosse Sprünge, wenn sie beunruhigt wird
und ist sehr bissig.
Mayr gab in seinen „Beiträgen zur Kenntniss der Ameisen"
(Verhandl. des zoolog. -bolan. Yer. in Wien III. S. 101) eine Auf-
zählung der bis jetzt in Piemont und Sardinien aufgefundenen Arten
dieser Familie; von den neuen oder weniger gekannten giebt er aus-
führliche Beschreibungen. In synonymischer Hinsicht ist zu erwäh-
nen, dass Form, melanogaster Latr. = F. lateralis Oliv, ist, und dass
die beiden vom Verf. (siehe vorig. Jahrerbericht !) als neu beschriebe-
nen Acrocoelia ruficeps und Schmidtii sowohl unter sich identisch,
als auch mit Form. Rediana L. Dufour zu verbinden sind. Die von
ihm aufgestellte Gattung glaubt der Verf. festhalten zu müssen, so
dass dann jene Art als Acrocoelia Rediana zu bezeichnen wäre. Von
schon bekannten Arten wird Formica lateralis Oliv, in allen drei Ge-
schlechtern ausführlich beschrieben ; neue Arten sind : Aphaenogasler
nov. gen., ohne Rücksicht auf ihre nähere Verwandtschaft charakte-
risirt mit zwei Arten : A. sardoiis (Arbeiter) und senilis (Arbeiter und
Weibchen), beide aus Sardinien. - Von der bisher nur kurz diagno-
sticirten Myrmica montana Imhoff wird eine ausführliche Beschrei-
bung aller drei Geschlechter gegeben.
Formica Herrichii angeblich aus der Türkei (?) und Acrocoe-
lia Mayri aus Dalmatien wurden von demselben (ebenda S. 113) nach
Arbeitern beschrieben. Ferner (ebenda S. 277 ff.): Formica foveolata
((/, ^, Arbeiter) bei Ofen, p/scipes (Arbeiter) bei Wien, cinerea
(5 und Arbeiter) in Tyrol , Myrmica chjpeata (Arbeiter) bei Wien
und Myrmica Kollari i^, $, Arbeiter) wahrscheinlich exotisch, in den
Treibhäusern von Schönbrunn einheimisch.
Derselbe unterwarf (ebenda S. 387) die drei Geschlechter des
Myrmus emarginatus Schenck (Strongylognathus testaceus Mayr) einer
ausführlichen Darstellung; eine beigegebene Tafel enthält die Abbil-
dungen der Art im vergrösserten Massslabe.
Curtis gab „On the gcnus Myrmica and other indigenous ants«
(Transact. of the Linnean society XXI. p. 211) eine Uebersicht der in
England einheimischen Myrmiciden. Es sind 13 Myrmica, 2 Stenamma
216 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
und 1 Myrmecina. Werthvoll ist die Arbeit durch den Vergleich der
Ny 1 an d er'schen Original-Exemplare mit den Linne'schen und F a-
bri ci u s'schen Arten der Londoner Sammlungen, so dass hier manche
Zusamnienziehung stattgefunden hat. Z. B. gehört nach dem Verf.
Myrmice scabrinodis Nylander als Varietät zu M. rubra Lin., M. ru-
ginodis Nyl. = M. vagans Fabr. Als muthmasslich neue Arten wer-
den beschrieben : Myrmica longiscapus, pcrelegans und denlicornis und
Slenamma nlbipennis in Männchen und Geschlechtslosen. Auch giebt
der Verf. eine genaue Beschreibung von JMyrmecina Latreillei (zu der
Äl. graminicola Förster gehört) in Männchen und Weibchen. — Die
neuen Arten sind auf Taf. 23 abgebildet.
Meyer (in Hamburg) brachte (Entomol. Zeit. S. 131) das ei-
genthümliche Vorkommen coconloser Ameisenpuppen in solchen Co-
lonien , deren Einwohner in der Regel Gespinnste zur Verpuppung
anfertigen, zur Sprache. Der Verf. hat diese Erscheinung besonders
häufig bei Formica fusca und cunicularia Latr. im Herbste gefunden,
ohne dafür eine genügende Erklärung geben zu können. Ratze-
burg's Vermuthung, dass im Herbste bei verminderter Nahrung die
Spinngefässe leer werden möchten und deshalb die Anfertigung des
Gespinnstes unterbliebe, wird durch Schenk's Beobachtung wider-
legt, dass sich solche coconlose Puppen auch schon im Frühjahre
finden.
JlWMtillariae* Burmeister gab (Abhandl. d. naturf. Ge-
sellsch. zu Halle. 2. Bd. 2. Quartal) eine Uebersicht der Brasiliani-
schen Mutillen , welche um so mehr Beachtung verdient, als in der-
selben wichtige Beobachtungen über das Zusammengehören der unter
sich so verschiedenen Männchen und Weibchen dieser Gattung bei-
gebracht werden. In keinem Lande herrscht zwischen den beiden
Geschlechtern von Mutilla eine so grosse Verschiedenheit der Farbe
und Zeichnung, als in Brasilien; während in anderen Ländern wenig-
stens eine oder die andere Art vorzukommen pflegt, welche in beiden
Geschlechtern fast oder ganz gleich gefärbt oder gezeichnet ist, fehlt
in Brasilien eine derartige Uebereinstimmung gänzlich. Burmeister
hat es sich auf seiner Reise besonders angelegen sein lassen, das
Zusammengehören der verschiedenen Männchen und Weibchen zu er-
mitteln , was ihm auch bei mehreren Arten geglückt ist. Aus der
Vergleichung der beiden Geschlechter ergiebt sich, dass die Männ-
chen schlanker und meistens etwas kleiner sind , und dass ihnen fast
immer die hellen weissgrauen oder rothen Zeichnungen fehlen, die
den Weibchen zukommen; oder dass, wenn auch die Männchen sol-
che Zeichnungen haben , dieselben in anderer Form aufgetragen er-
scheinen, z. B. als Binden, während die Weibchen getrennte haarige
Flecken besitzen. Hingegen stimmen die relativen Grössen der ein-
zelnen Körpertheile ziemlich überein; zu Weibchen mit kleinen Kö-
während des Jahres 1854. 217
pfen gehören auch UleinUöpfigc Männchen , zu grossköpfigen Weib-
chen auch grossUöpfige Männchen; ähnliche Uebereinstimmung zeigt
die Gestalt des Hinterleibes, der Fühler und die Höekerbildung an
den ürustseiten des Thorax. — Zur Aufstellung von Gruppen inner-
halb der Gattung Mutilla hat der Verf. ebenfalls wichtige Merkmale
aufgefunden, zumal sie sich auf beide Geschlechter beziehen. Schon
von Klug wurde auf die verschiedene Form der Augen bei den
Männchen aufmerksam gemacht, indem ein Theil nierenförmige , ein
anderer kreisrunde hat; dieser Unterschied fehlt bei den AYeibchen
gänzlich. Burm. hat nun noch einen anderen Charakter aufgefunden,
der beiden Geschlechtern gemein ist. Die Arten nämlich, deren Männ-
chen kreisrunde Augen haben, zeigen eine starkgewölbte, glatte, fast
polirte Augenoberfläche und ihre Augen stehen liefer nach unten;
bei den anderen mit nierenförmigen Augen stehen diese höher , er-
reichen den Rand des Scheitels und ihre Fläche ist matter, was von
den grösseren Facetten herrührt. Mit diesen Charakteren geht die
Zeichnung des weiblichen Hinterleibes Hand in Hand; alle Arten mit
kleinen, tiefer stehenden Augen haben jene glatten, hellfarbigen
Flecken, welche die südamerikanischen Mutillen so sehr auszeichnen;
diejenigen dagegen , bei denen die Augen grösser und höher an den
Scheitel heraufgerückt sind , haben nur aus Häärchen gebildete hell-
farbige Binden oder Tüpfel. Zu diesen beiden Gruppen kommt noch
eine dritte, welche die Arten mit sehr dicken, breiten Köpfen ein-
schliesst; bei diesen findet ein umgekehrtes Verhältniss statt, indem
sie die Augenbildung der ersten und die Fleckenbildung der zweiten
Gruppe zeigen. — Der specielle Theil der Arbeit weist 44 Arten
nach, welche durch Diagnosen kenntlich gemacht sind; von diesen
sind 22 Arten neu und unter folgenden Namen beschrieben : AI. tnijopsy
affinis und lugubris ^ in beiden Geschlechtern, und AI. hybrida nur im
Weibchen bekannt. Diese 4 Arten gehören zu der Abtheilung mit
kleinen, tiefstehenden Augen. Zu den grossköpfigen Arten gehören
als neu : M. miles nur im J , und megacephala (cephalotas Lepell. ?)
in beiden Geschlechtern bekannt. Zur dritten Gruppe mit matten, fla-
cheren und höher hinaufgerückten Augen gehören folgende neue
Arten: M. felina, ichneuinonea , ajigulosa, fronticornis , crucigera , 6i-
lunala, brevis, concinna , 'pitmiia, ßivonina , prionophora, tersalilis^ pa-
chycnemis, subtills , (enclla, pinguis und glabriuscula. Von diesen sind
M. furonina und concinna in beiden, die übrigen nur im weiblichen
Geschlechte bekannt.
Scoäietae. Einen wichtigen Beitrag zur Kenntniss dieser
Familie hat Burmeister in einem Aufsatze, betitelt: „Bemerkungen
über den allgemeinen Bau und die Geschlechtsunterscluede bei den
Arten der Gattung Scolia" (Abhandlungen der naturforschenden Ge-
sellschaft zu Halle. I. Bd. 4. Quartal. S. 1—46. Taf. I) gegeben. Der
218
Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Verf. macht zuvörderst darauf aufmerksam, dass auch in der Gattung
Scolia gewisse Arten sehr wesentliche Geschlechtsunterschiede in Be-
zug auf die Färbung des Körpers darbieten, wodurch es gekommen
ist, dass von Klug u. A. die beiden Geschlechter einer und dersel-
ben Art als zwei verschiedene beschrieben worden sind. Eine in
Brasilien lebend beobachtete Art stellt diese Thatsache vollkommen
fest. B. fand nämlich aus einer Colonie der Atta cephalotes eine
Reihe männlicher Scolien auffliegen, welche sich durch zwei gelbe
Flecken unter dem gelben Scutellum und einem gleichen auf dem er-
sten und zweiten Hinterleibsringe auszeichneten; sie ergaben sich
als eine neue Art, die mit Sc. variegata Fabr. und HofFmannseggii Klug
in nächster Verwandtschaft steht. Aus derselben Colonie entwickelten
sich nun später Weibchen, welche ganz schwarz, mit bräunlichen
Flügeln und je zwei gelben Flecken auf dem zweiten und dritten
Hinterleibsringe erschienen. Dass beide einer und derselben Art an-
gehören müssen , bewies sich dadurch , dass später von jener Form
immer nur Männchen, von dieser immer nur Weibchen gefangen wur-
den. — Ein gleiches Verhältniss beobachtete der Verf. in Piemont für
Sc. interrupta und Sc. sexmaculata, welche stets zusammen gefangen
wurden, und von denen die erste als Männchen zu der zweiten (nur
Weibchen) gehört. — Aus der in Brasilien gemachten Beobachtung
vermuthet der Verf. zugleich, dass die Larven der unter Atta cepha-
lotes lebenden Art parasitisch von den Larven oder Puppen der Amei-
sen leben, wie ein Gleiches schon bei anderen Species nachgewiesen
ist. — Nachdem der Verf. nun eine ausführliche Darstellung der ein-
zelnen Theile des Scolien-Körpers mit besonderer Berücksichtigung der
geschlechtlichen Differenzen gegeben hat, bringt er alle ihm bekannten
Arten unter eine nach den Verschiedenheiten im Flügelgeäder entworfe-
nen Uebersicht, in welcher die Reduktion der beiden Geschlechter auf
eine Art, so weit es möglich war, vorgenommen worden ist. Die vier
vom Verf. angenommenen Gruppen ergeben sich daraus , ob in Vorder-
flügel 7, 8 oder 9 Zellen vorhanden sind, und ob bei den achtzelligen
die 9te oder die 8te Zelle fehlt. — Es werden in dieser Uebersicht im
Ganzen 65 Arten aufgeführt, unter denen auch eine Anzahl neuer be-
schrieben sind: Sc. erylhrosoma von Sumatra, patricialis ebendaher,
fervida aus Mexico, limosa ebendaher, campeslris aus Brasilien, decorata
von Sumatra , fuhoßmbriala vom Cap , haematodes und gullata aus
Mexico, ccplialoles aus Java und mdanaria vom Gap. — Schliesslich
werden noch die aufgeführten Arten nach den hinteren Schicnbein-
sporen zusammengestellt, deren Unterschiede übrigens nach B.'s An-
sicht an systematischem Werthe denen des Flügelgeäders durchaus
nachstehen ; am wenigsten können sie aber zur Abtrennung -einer ei-
genen Gattung, wie es von Lepelletier unter dem Kamen Colpa
geschehen ist, benutzt werden, da zwischen den extremsten Vcr'schic,
während des Jahres 1854f ^^^
deiiheilcn die allmählichsten Uebcrgünge nachgewiesen werden kön-
ften. — Ueber die Feststellung der vom Verf. aufgezählten Arten
Hesse sich in einigen Punkten mit ihm rechten ; z. 13. können Sco-
lia dispar und lateralis Klug keineswegs als Varietäten einer und der-
selben Art angesehen werden, sondern sind als Species vollkommen
begründet. Das Älännchen des Sc. lateralis hat stets eine Reihe
grossen gelber Flecken zu jeder Seite des Hinterleibs, bei dispar hin-
gegen ist dieser stets ganz schwarz. Das Weibchen von Sc. lateralis
hat stets rothe Beine und gleich? Flecken auf dem Hinterleibe wie
das Männchen, das von dispar dagegen schwarze Beine und entweder
einen schwarzen, oder nur mit wenigen Flecken besetzten Hinterleib.
l'omptlidae* F. Smith machte (Transact. of the entomol.
soc. III. p. 41) in einem Aufsalze, betitelt: „Observations on the
economy of Pompilus punctum and other Hymcnoptera ' die Mitlhei-
lung, dass er aus Zellen, welche von Lehm verfertigt waren, Pompi-
lus punctum Fabr. und Pomp, petiolatus van der Linden, welche als
Männchen und Weibchen zu einer und derselben Art gehören, erzo-
gen habe. Ferner macht er darauf aufmerksam, dass Pompilus pun-
ctum zu denjenigen Arten der Gattung gehöre, welche an den Vor-
derschienen keine Cilien und längs der Aussenseite der llinlerschie-
ncn keinen Dornen haben. Jedenfalls stimmt diese Organisation mit
der Lebensweise überein, indem ein Insekt, welches seine Zellen
aus Lehm baut, jener Hülfsmittel entbehren kann, welche für alle
Arten, die Löcher in den Sand graben, durchaus nöthig sind.
Chrysidiiles. Dahlbom theilt (Hyraenoptera Europaea II)
diese Familiö in sechs Gruppen , vom Verf. unpassend als Familien
bezeichnet; von diesen sondern sich die Parnopiden von den übrigen
durch die abnorm gebildeten Mundtheile, welche in einen dünnen, fa-
denförmigen, in der Ruhe unter die Brust zurückgeschlagenen Rüs-
sel umgewandelt sind, ab. Die übrigen sind nach der Form des Hin-
terleibs und der Bildung der Klauen festgestellt; bei den Cleptiden ist
der Hinterleib oben und unten convex, bei den Elampiden, Hcdychri-
dcn, Chrysididen und Euchroeiden oben convex, unten flach und ge-
randet. Die Fussklauen sind bei den Elampiden innen gesägt oder
gekämmt, bei den Hedychriden innen mit einem kleinen Zahne be-
waffnet, bei den Chrysididen und Euchroeiden unbewehrt. Die bei-
den letzteren Gruppen sondert der Verf. nach der Bewehrung des
dritten Hinterleihssegmentes, ob dasselbe nämlich, wie bei den erste-
ren, ganzrandig , gewellt oder gezähnt, oder wie bei den letzteren,
gesägt erscheint. Mir erscheint es natürlicher, die Elampiden mit
den Hedychriden und die Chrysididen mit den Euchroeiden je zu
einer Gruppe zu vereinigen, indem dann vier schon durch den Habi-
tus sich gut markirende Gruppen gebildet werden. — Von der Gat-
220 Gergtaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
tung Cleptes trennt der Verf. eine neue Gattung //eferococ/i«, ab, wel-
che sich durch die bedeutende Grösse des zweiten Hinterleibssegmentes
und durch die Zahnung des letzten unterscheidet; sie ist auf eine Art
aus Algier gegründet. Von Elampus werden die grösseren Arten von
gedrungenem Körperbau, bei welchen der Hinterrand des letzten Ab-
dominalscgments in der Mitte nicht ausgeschnitten ist, z. B. Chrysis
ovata Pallas, zu einer eigenen Gattung flolopyga erhoben. In der
Gruppe der Euchroeiden wird eine neue Gattung Spinolia aufgestellt,
welche sich von Euchroeus dadurch unterscheidet, dass der Hinter-
land des dritten Abdominalsegments nur mit sehr kleinen , gedräng-
ten, mikroskopischen Zähnchen besetzt ist, und dass die Mesopleurae
unbewaffnet sind. — In der Nomenklatur hat der Verf. oft nicht die
Priorität berücksichtigt, und selbst IVlanuskriptnamen denjenigen vor-
gezogen, unter welchen die Arten kenntlich beschrieben worden sind,
ein durchaus nicht zu billigendes Verfahren. Die von Fabricius
beschriebenen Arten , welche sich in den Copenhagner und Kieler
Sammlungen finden , hat der Verf. aufgezählt und auf die Arten der
neueren Systematiker zurückgeführt, die im Systema Piezatorum ent-
haltenen Arten ausserdem noch einer kritischen Revision unterwor-
fen. — Von den als neu beschriebenen Arten wird ohne Zweifel eine
grössere oder geringere Anzahl mit den im vorigen Jahre von För-
ster bekannt gemachten zusammenfallen.
KvaniaSes. Giraud bestätigte (Verhandl. des zoolog.-bo-
tan. Vereins zu Wien IV. S. 605) Ratzeburg's Vermuthung , dass
alle Aulacus-Arten parasitisch in Xiphydria-Larven lebten, durch Be-
obachtung der Lebensweise zweier Arten dieser Gattung. Den Au-
lacus striatus Jurine fand er nämlich aus den Bohrlöchern der Xiphy-
dria Dromedarius ausschlüpfend und eine andere neue Aulacus - Art
öfter mit Xiphydria annulata zusammen.
IcliBieusnonides« Wesmael hat (Annexe au Bulletin de
l'academie royale de Belgique 1853 — 54) unter dem Titel : „Ichneu-
mones amblypygi Europaei" eine Revision dieser Gruppe mit Bezug
auf seine frühere Bearbeitung unternommen, welche sich in Form und
Art der Behandlung der vorjährigen Arbeit des Verf. über die Ich-
neumones platyuri genau anschliesst. Bei den besser bekannten Ar-
ten hat der Verf. auf seine frühere Arbeit verwiesen, und nur be-
richtigende und ergänzende Bemerkungen hinzugefügt; andere sind
durch neue Beschreibungen kenntlich gemacht und manche neue Art
hinzugefügt worden. Eine besondere Umarbeitung hat die Untergat-
tung Amblyteles erfahren, welche in der vorliegenden Uebersicht 51
Europäische Arten umfasst. Der Verf. hat den Versuch gemacht, die-
selben in natürliche Gruppen zu theilen und unterscheidet zunächst
MicrcsUcli, bei denen die Gruben des 2tcn Uinterleibsrings beim Weib-
während des Jahres 1854. 221
chen klein, durch einen breiten Zwischenraum getrennt sind (dieser
gewöhnlich sehr wenig gewölbt) — und Macroslicli , bei denen die-
selben in Form von tiefen Gruben von beträchtlicher Breite auftre-
ten, deren Zwischenraum gewölbt und nadelrissig ist. Die ersteren
zerfallen wiederum nach der Färbung des Hinterleibs, der Augenhöh-
len beim Weibchen und des Gesichtes beim Männchen in Polyxanthi,
Xanthopyri, Trichromi und Nothochromi, letztere in Lcptoceri, Crio-
ceri und Coryphaei. — Eine der Abhandlung beigefügte Tafel giebt
die Darstellung einiger Arten sowie einzelner charakteristischer Kör-
perlheile ; eine gleiche ist auch nachträglich zu den Ichneumones
platyuri beigefügt.
Von der „Ichneumonologie proven(^ale ou Calalogue des Ichneu-
monides, qui se trouvent aux environs d'Aix et description des espe-
ces inedites' des jetzt verstorbenen Boyer de Fonscolombe ist
in den Annal. de la soc. enlom. p. 497 noch eine Fortsetzung er-
schienen, welche in der schon früher angegebenen Weise die Be-
schreibung von 6 Glypta, 22 Lissonota, 2 Polysphincta, 1 Schizopyga
und 3 Clistopyga - Arten enthält. Da hier alle in Gra v enh o r s t's
Ichneumonologia nicht enthaltenen oder nicht aufzufindenden Arten als
neu beschrieben werden , so wird sich ohne Zweifel eine grössere
oder geringere Anzahl derselben bei genauerer Durchmusterung mit
den Arten der neueren Autoren als identisch herausstellen.
Kriechbaumer hat gefunden, dass von Gravenhorst un-
ter dem Kamen Ephialtes manifestator zwei specifisch verschiedene
Arten vereinigt worden sind, welche er, da der Linne'sche I. ma-
nifestator bis jetzt nicht sicher erkannt ist, unter zwei neuen Namen:
Epkialles imperator und rex ausführlich beschreibt. (Enlom. Zeitung
S. 155.)
Curtis erzog aus Tortrix Buoliana eine mit Cremastus con-
fiuens Grav. verwandte Art, welche er als Cremastus Buoliana n. sp.
(soll doch wohl Buolianae heissen!) beschreibt. (Transact. entom. soc.
III. p. 60.)
Desvignes beschrieb (ebenda S. 44) als neue Art: Ichneumon
paludalor, mit I. saturatorius Grav. verwandt; sie wurde aus Nona-
gria typhae und paludicola erzogen.
Ichneumon Middendorßi , figulus und Cnjphis hirticurnis wurden
von Erichson (Middendorf's Reise) als neue Sibirische Arten be-
schrieben.
Giraud lieferte (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien
IV. S. 606) eine ausführliche Beschreibung des Männchens von Rhyssa
curvipes Grav., welche Ait er in grösserer Anzahl aus den Bohrlö-
chern der Xiphydria dromedarius herauskommen sah. Die Art ist
mannigfachen Variationen in der Färbung unterworfen.
Ö22 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ISraconides« Drei neue der W es ma ersehen Cyclostomen-
Gruppc angehörende Gattungen dieser Familie wurden von Ruthe
(Entom. Zeit. S. 333 ff.) beschrieben : 1. Dimeris, eine sehr eigen-
thümliche, durch den zweigliedrigen Hinterleib ausgezeichnete Form,
die sich von allen bekannten Gattungen sehr abschliesst und vielleicht
am ersten noch mit Penccerus Wesm. einige Verwandtschaft darbietet.
Ihre Charaktere werden t'olgendermassen festgestellt : Caput globo-
sum : antennis submoniliformibus, 17 articulatis, scapo elongato. Aper-
tura oris ampla, semicircularis. Palpi maxillares 5 articulati, articu-
lis tribus ultimis tenuioribus, subaequalibus. Abdomen biarticulatuni,
sessile : segmento primo semicirculari, incisura profunda discreto. Te-
rebra exserta. Articulatio suturiformis nulla". — Eine Art: D. tnira
l'A lin. — 2. Araphis einem kleinen Pezomachus ähnlich, aber durch
das grosse zweite Hinterleibssegment, welches die übrigen bedeckt,
auffallend unterschieden. Die Diagnose lautet: „Caput subglobosum,
hypostomate reclinato : aperlura oris semicirculari : antennis submoni-
liformibus. Mesotliorax subtrilobus. Abdomen peliolatum segmento
secundo maximo, laevissimo, ceteris occultatis. Articulatio suturifor-
mis nulla. Terebra exserta." — Eine Art : Ä. tricolor, y^ — ^A lin. —
Diese beide Gattungen sind ungeflügelt, die folgende dagegen geflü-
gelt: 3. Rkaconolus, den kleineren Arten der Gattung Spathius Nees
sehr ähnlich, jedoch durch den nicht gestielten , sondern allmählich
breiter werdenden Hinterleib verschieden ; ferner ist eine articulatio
suturiformis, welche bei Spathius fehlt, vorhanden und biegt sich fast
wie bei Diraphus Wesm. an der Seite nach vorn. Der Nervus pa-
rallelus ist gerade und genau interstitiai , und der innere Nerv der
inneren Discoidalzelle ist an der Spitze zu dem Nervus parallelus
hingebogen und geht so gleichsam in den Nervus recurrens über. —
Die einzige Art: Rh. aciculalus ist i*^ lin. lang. — Alle drei Gat-
tungen sind dem Verf. bis jetzt nur in weiblichen Exemplaren
bekannt.
Den Braconides exodontes Wesm. ist eine ebenfalls neue Gat-
tung desselben Verf. (ebenda S. 351) beizuzählen, welche unter dem
Namen Trachyusa folgendermassen festgestellt wird: „Mandibulae apice
tridentatae, distantes. Palpi maxillares 6 articulati. Abdomen sessile,
depressiusculum , subelevatum , subtilissime exasperatum. Articulatio
suturiformis impressa. Terebra subexserta. Alae anteriores cellulis
cubitalibus tribus nervo parallele subinterstitiali , cellula discoidali
interiore apice aperta. — Eine Art: Tr. nigriceps, im männlichen und
weiblichen Geschlechte bekannt. — Ausserdem wird hier noch eine
durch die Färbung der Fühler ausgezeichnete neue Art der Gattung
Alysia unter dem Namen AI. yiclicornis beschrieben, welche wie
sämmtliche vorher angeführte Braconiden aus der Umgegend Berlins
stammt.
während des Jahres 1854. 223
Clialcidiae. Notes on llic Ilabits of a l^cc-parasite, Melit.
tobia Acasta, by Fr. Smith. (Transactions of the enlomol. soc. III.
p. 248 ir.) — Melillohia Acasla ist, wie der Verf. auseinandersetzt,
der Kaine, welcher der Priorität nach dem Thiere zukommt, welches
Newport als Anthophorabia rctusa beschrieben hat. Walker war
der erste, der dasselbe in seiner Monographie der Chalcidier im Jahre
1839 als Cirrospilus Acasta beschrieb, welcher Gattung es jedoch nicht
angehört. Im Jahre 1847 machte Westwood es wiederum unter
dem Kamen 31elittobia Audouini bekannt, ohne die Wal kcr'sche Be-
schreibung zu kennen, und es mit Recht einer neuen Gattung bei-
zählend. Nach dem Gesetze der Priorität Würde das Thier also den
W es t w ood'schen Gattungs- und den Walker'schen Arlnamen er-
hallen müssen und Meliltobia Acasta heissen. Das mit dieser Art
Ncwports Anthophorabia retusa und fasciata identisch sind , davon
hat sich der Verf. durch Vergleichung der Original-Exemplare über-
zeugt; auch würde schon die schmarotzende Lebensweise auf einer
und derselben ßienenart diese Identität ausser Zweifel setzen. —
Durch fortgesetzte sorgfältige Beobachtungen ist der Verf. zu der
Ueberzeugung gelangt, dass die Melittobia kein eigentlicher Parasit
von Anthophora retusa selbst ist, sondern vielmehr schmarotzend auf
dem Parasiten der Anthophora, dem Monodontomerus nitidus Newp.
lej)t. In einer Zelle von Anthophora, welche eine beträchtliche An-
zahl von Monodontomeus - Larven enthielt, bemerkte Smith nämlich
mehrere Melittobia- Weibchen , von denen eines beim Eierlegen be-
griffen war. Die Eier waren im Verhältnisse zu dem minutiösen
Thiere erstaunlich gross, und hatten zuerst eine fast kuglige Gestalt,
die sich aber bald in eine längliche verwandelte. Sie wurden je zu
dreien auf den Monodontomerus-Larven abgesetzt, auf welchen später
auch die aus ihnen ausgeschlüpften Larven lebten. Nach 12 bis 14
Tagen fand die Verwandlung zur Puppe statt ; die Zahl der männli-
chen Individuen zu den weiblichen ist sehr gering, etwa wie vier
zu siebzig. Die Lebensdauer der Männchen erstreckt sich auf sechs
bis sieben Wochen, wie der Verf. an einzeln abgesperrten Individuen
beobachtete; wenn Newp ort angiebt, dass er die am Nachmittage
ausgeschlüpften Individuen schon am nächsten Morgen todt fand, so
haben offenbar gewisse äussere Bedingungen den schnellen Tod der
Thiere herbeigeführt. Die Männchen stürzen sich mit grossem Eifer
sogleich auf die frisch entwickelten Weibchen um den Coitus mit
ihnen zu vollziehen.
Urocerata. Recherches anatomiques sur les Ilymenopleres
de la famille des Urocerates, par LeonDufour. (Annales des scien-
ces naturelles, 4.- ser. Tom. I. p. 201.) Der grösste Theil dieser
Abhandlung ist einer ausführlichen Beschreibung des weiblichen
Geschlechtsapparates gewidmet. Die Anatomie der übrigen Theile
224 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
bietet im Ganzen nicht viel Ausgezeichnetes dar; der Darmkanal ist
einfach, von der Länge des Körpers und geht in gerader Richtung
vom Munde zum After; Speichelgefässe sind nicht vorhanden. Den
glatten, erhabenen Fleck jederseits auf der Oberfläche des Mesotho-
rax betrachtet der Verf. als ein Stigma spurium (faux stigmate), was
wohl eigentlich keinen rechten Sinn hat. Das es kein wirkliches
Stigma ist, weist er dadurch nach, dass zu ihm keine Tracheenstämme
gehen ; wie aber nun hieraus folgen soll, dass es ein falsches Stigma
ist, ist gar nicht abzusehen ; jedenfalls spricht gegen die Annahme
eines Stigma's schon die Lage. Für die eigenthümlichste und auf-
fälligste Bildung des Uroceraten -Körpers, nämlich die Spaltung der
Rückenplatte des ersten Abdominalsegments, hat der Verf. keine Er-
klärung geben können.
Giraud fand in den Gängen der Xiphydria dromedarius Fabr.
in alten Weiden zusammen mit deren Larven drei Schmarotzer, wel-
che ohne Zweifel sich von letzteren ernähren: Aulacus exaratus Ratz.,
Rhyssa curvipes Grav. und Bracon obllteratus Nees. (Verhandl. des
zoolog.-botan. Ver. zu Wien IV. S. 603.)
Ventliredinetae. Eine grosse Anzahl neuer Blattwespen
hat Förster (Verhandl. des naturhist. Ver. der Preuss. Rheinl. XL
S. 265— 305 und S. 421 — 436) bekannt gemacht. Von den 65 als neu
beschriebenen Nematus- Arten, welche grösstentheils aus der Umge-
bung Aachens stammen, sind 20 möglicher Weise mit Hartig'schen
Arten identisch. Bei der Beschreibung hat der Verf. mehr, als es
bisher geschehen ist , auf das Flügelgeäder Gewicht gelegt und von
den meisten hier veröffentlichten Arten die vier Cubitalzellen der
Vorderflügel, so wie die Cubital- und Diskoidalzelle der Hinterflügel auf
vier beigegebenen Tafeln abgebildet. Für eine Art, die sonst in jeder
Hinsicht mit Nematus übereinstimmt, sich aber dadurch unterscheidet,
dass die zweite rücklaufende Ader aus der dritten Cubitalzelle ent-
springt, errichtet der Verf. eine neue Gattung Epitactus; die Art E.
praecox stammt von Aachen. Als Einleitung zu seiner Arbeit giebt
Förster eine Uebersicht der bisher bei Aachen beobachteten Ten-
thredineten und beschreibt aus den übrigen Gattungen der Familie
zwei neue Arten : Hyloloma aenescens aus Süd-Frankreich und Lepto-
piis rufipes aus der Umgegend Aachens.
Ausserdem wurden als neue Arten aus Sibirien von Erichs on
(Middendorf's Reise) beschrieben: Tenthredo hybrida, T. (Poecilosto-
ma) gelida, languida, prospera und scita.
Diptera.
List of Ihe speciiriens of Diplerous Insecis in the col-
leclion of Ihe British Museum. ParL V. VL (_Supplement L IL)
während des Jahres 1854. ^25
Prinled by ordre of Ihe trustees. London 1854. — Die beiden
vorliegenden Bände sind, wie die vorhero^ehenden von F.
Walker verfasst und enthalten eine neue Bearbeitung- eini-
ger Familien, nämlich der Stratiomyidae, Xylophagi, Tabanii,
Henoj)ii, und einen Tiieil der Asilici.
Die Anlage dieser beiden Bände ist eine von den früheren ver-
schiedene. Während Walker in jenen nur die im British Äluseum
vorhandenen Arten verzeichnete, giebt er in diesen eine Aufzählung
aller bisher beschriebenen Arten und Gattungen und fügt die Charak-
teristik einer Anzahl neuerlich hinzugekommener bei. W^as man auch
über die Arbeiten Walker's urtheilen mag, so ist ihm eine Produk-
tivität, die kaum ihres Gleichen hat, nicht abzusprechen; das bis
jetzt vorliegende Material aus den hier behandelten Familien ist in
grosser Vollständigkeit zusammengetragen; wie dies aber geschehen,
ist eine andere Frage. Sowohl Gattungen als Arten sind oft im bun-
testen Gewirre untereinander geworfen und eine Critik über die Be-
rechtigung derselben nirgends in Anwendung gebracht. In artenrei-
chen Gattungen sondert der Verf. z. B. die Species nach den Welt-
Iheilen und bringt sie, um das Auffinden zu erleichtern, in analytische
Tabellen. Diese Tabellen sind nun, da dem Verf. eine grosse Anzahl der
bekannten Arten nicht aus eigener Anschauung bekannt ist, nach den
Beschreibungen der betreffenden Autoren zusammengestellt und zwar
meist die Species nach der Färbung dichotomisch angeordnet. Ist nun
die Färbung bei den beiden Geschlechtern einer und derselben Art auf-
fallend verschieden, so kommen diese natürlich oft an den entgegen-
gesetzten Enden der Tabelle als verschiedene Arten zum Vorschein. So
ist es u. a. bei der Gattung Acanthomera Wied. (von der, beiläufig
bemerkt , Khaphiorrhynchus Wied. nicht füglich getrennt werden
kann) ; hier gehört z. B- Acanthomera Heydenii Wied. mit schwar-
zem Hinterleibe als Weibchen zu Ac. seticornis Wied. (Männchen) mit
rothem Hinterleibe, und da Walker die Arten dieser Gattung nach
der Farbe des Abdomens sondert, so werden beide Geschlechter in
der Tabelle als verschiedene Arten weit von einander entfernt. In
der Familie der Stratiomyiden , welche Ref. auf die Walker'sche
Arbeit näher zu prüfen Veranlassung naiim, kommen dergleichen Miss-
griffe , .die man füglich als ziemlich grobe bezeichnen kann, sehr
häufig vor; wenn dergleichen aber bei Gruppen, deren Arten sich
durch Grösse und Färbung leicht einer Prüfung unterwerfen lassen,
gäng und gebe ist, was soll man dann von der Bearbeitung minutiö-
ser Formen erwarten!
List of the specimens of British Animals in Ihe colle-
ction of the British Museum. Part. XV. Nomeiiclature of Di-
plera. I. Printed by order of the trustees. London 1853. — Es
Archiv, f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. P
^26 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ist dies ein einfaches Namensverzeichniss der in Walker's
Insecla Britannica (Dipfera) enliialtcnen Arten, welches von A.
White ausgezogen ist und mit der Sammlung des British
Museum's eigentlich gar nichts zu thun hat.
Von M a cqu ar t's „Dipteres exotiques nouveaux ou peu
connus" (enthalten in den Memoires de la societe des Scien-
ces de Lille) liegen jetzt im Ganzen fünf Supplemente vor,
von denen das letzte im Jahre 1855 erschienen ist. Indem
wir letzteres bis auf den folgenden Jahresbericht verschieben,
glauben wir den Dipterologen einen Dienst zu erweisen, wenn
wir das vierte, welches in diesen Berichten noch keine Be-
rücksichtigung gefunden hat, hier nachträglich in Betracht
ziehen.
Dies 4. Supplement, schon 1850 — 51 erschienen, ist in dersel-
ben Weise wie die drei ersten angelegt, d. h. es giebt die Beschrei-
bung einer grossen Anzahl neuer Arten (hier etwa 280), welche in
systematischer Reihenfolge aufgeführt sind und von denen mehrere zur
Aufstellung neuer Gattungen Anlass gaben. Besonders ist es die Fauna
von Australien, welche hier einen sehr reichhaltigen Beitrag gelie-
fert hat. Der Yerf. scheint auch in dem vorliegenden Bande von
seiner aphoristischen und oberflächlichen Art zu beschreiben, welche
die früheren Theile fast ganz unbrauchbar zum sicheren Erkennen ei-
ner Art machte, einigerniasscn abgekommen zu sein , und wenn auch
nicht immer mit der gehörigen Schärfe, die Unterscheidungsmerkmale
mehr hervorzuheben. Die neuen Formen sind auf 14 beigefügten
Tafeln, freilich in sehr unvollkommener Weise zur Anschauung
gebracht.
Nachdem Bigot in den beiden ersten Theilen seines
^Kssai d'une Classification generale et synopjique de l'ordre
des insectes dipteres^^ eine tabellarische Uebersicht der Grup-
pen und Familien dieser Ordnung gegeben hat, unternimmt
er in einer drillen Abhandlung (Annales de la soc. entomol.
II. p. 447—482) eine gleiche Bearbeitung der einzelnen Fa-
milien und zwar hier zuvörderst eine Darstellung der Tipu-
larien-Gatfungen. (siehe diese !)
Loew, Neue Beiträge zur Kenntniss der Dipteren, 2. Bei.
trag 1854, giebt die Beschreibung von 56 neuen Arten aus
verschiedenen Familien.
Wahlberg, „Bidrag tili kännedomen om de nordiska
während des Jahres 1854. 227
Diptera^^ (Öfversigt af Kongl. Volenskaps Akad. Förhandl. XI.
p. 211 iYj bosclireibt eine Anzahl iiir den Norden neuer Di-
pleren. Zu manchen, aueh anderwärts vorkommenden Arten
giebl der Verf. berichtigende und ergänzende Bemerkungen.
Beiträge zur Dipteren- Fauna Oesterreich's lieferten
Seh in er und Egger in den Verhandlungen des zoolog.-
botan. Vereins in Wien 111. und IV. Band. Dieselben beste-
hen in Bekanntmachungen einzelner neuer Arten , Beobach-
tungen über schon bekannte und Verzeichnissen der in Oe-
sterreich vorkommenden Arten einzelner Familien. Zuerst
haben beide Verf. ihre Arbeiten unter dem Titel: „Dipterolo-
gische Fragmente" gemeinschaftlich veröffentlicht, später es
aber für angemessener gehalten, jeder das Seinige für sich
herauszugeben.
Tipulariae. Bigot stellte (Annales de la soc. entom. II.
p. 465) diese Familie durch folgende Charaktere fest: Fühler in der
Regel borsten- oder fadenförmig, oft cylindrisch, zuweilen durch-
blättert, die drei ersten Glieder derselben sehr wenig von den fol-
genden, welche stets vollkommen deutlich sind, verschieden. Palpen
meist aus vier deutlichen Gliedern bestehend. — Der Verf. theilt die
Tipularien (die Bildung Tipulidii, wie sie Bigot annimmt, ist durch-
aus falsch, da Tipula — eigentlich lippüla — ein lateinisches Wort
ist) in 9 Gruppen (Curies), welche er unter folgende Uebersicht
bringt:
A. Flügel vorhanden.
B. Fühler beim Männchen gefiedert, wenigstens theilweise.
1. Culicidae.
BB. Fühler des Männchens nicht gefiedert.
C. Flügel wenigstens mit einer Discoidalzelle.
D. Kopf einfach , ohne rüsselartige Verlängerung. Saugrüssel
mehr oder weniger vorspringend verlängert. 2. Rhyphidae.
DD. Kopf mehr oder weniger rüssclartig. 3. Tipulidae.
CC. Fühler beim Männchen mindestens die Mitte des Thorax
erreichend, in der Regel faden (örmig.
E. Hüften beim Männchen kurz , hintere Beine einfach , oft mit
kurzen und dünnen Stacheln an der Spitze.
F. Flügel mit weniger als 9 Längsadern (die Venae marginales
ausgenommen).
G. Flügel mit zwei Basilarzellen oder mindestens mit zwei
Qiuradern, welche durch eine oder mehrere Längsadern ge-
trennt sind. 4. Limnophilidae.
228 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
GG. Flügel mit einer Basilarzelle oder wenigstens mit einer
Querader. 5. Cecidomyidae.
FF. Flügel wenigstens mit 9 Längsadern (die Yenae margina-
les ausgenommen). (3. Fsychodidae.
EE. Hüften beimjMännchen verlängert; die hinteren Beine ge-
wöhnlich mit zahlreichen Stacheln besetzt und an der
Spitze oft mit langen Dornen. 7. Mycetophilidae.
DD. Fühler beim Männchen nicht die Mitte des Thorax er-
reichend, schnurförmig, mehr oder weniger verdickt, zu-
weilen leicht durchblättert, zuweilen in eine Keule en-
digend. 8. Bibionidae.
AA. Flügel fehlen. 9. Chioneidae.
In derselben Weise sind auch die diesen Gruppen untergeord-
neten Gattungen analysirt. Eine sehr grosse Anzahl der selbst von
namhaften Dipterologen aufgestellten Galtungen fehlt jedoch, theils weil
sie nach der Ansicht des Verf. unzureichcnnd charakterisirt worden sind,
theils weil sie sich in dem hier angenommenen Systeme nicht mit Sicher-
heit unterbringen Hessen. Andererseils hat der Verf. eine Anzahl
neuer Gattungen aufgestellt, an denen Ref., ohne über ihren Werlh
ein ürtheil fällen zu können, mindestens die oft gar zu barbarische
und völlig sinnlose Nomenklatur rügen muss. Da der beschränkte
Raum eine ausführliche Darstellung der vom Verf. gegebenen Ana-
lyse der Gattungen verbietet, muss Ref. für diesen Theil auf die Ar-
beit selbst verweisen.
Osten-Sack en machte (Entom. Zeit. S. 203) darauf aufmerk-
sam, dass die eigenlhümliche Bildung des letzten Hinterleibssegmen-
tes bei den Limnobien- Männchen sichere und durchgreifende Merk-
male für die Systematik dieser Gruppe abgäbe, indem sich die bei
den einzelnen Arten allerdings sehr mannigfaltig gebildeten Formen
dennoch auf zwei Grundtypen zurückführen Hessen, welchen zugleich
gewisse Uebereinstimmungen im Flügelgeäder und der Fühlerbildung
entsprächen. Im ersten Falle bestehen nämlich die äusseren männ-
lichen Genitalien aus zwei fleischigen , weichen, sehr beweglichen
ZanLjenhäliien und einem unter denselben befindlichen, zangenförmi-
gen Fortsatz; im zweiten dagegen aus zwei paarigen, hiiutigen , fe-
sten, inwendig mehr oder weniger ausgehöhlten Theilen , aus denen
hornige Fortsätze herausragen. Jener erste Typus trifft mit 14- bis
15gliedrigen Fühlern und damit, dass sich keiner der Aeste der ]Ne-
benrandader theilt, zusammen, während sich beim zweiten lö - bis
ITgliedrige Fühler und eine Gabelung eines der Aeste der Neben-
randader vorfindet. Von den auf diese Weise umschriebenen beiden
Abtheilungen umfasst die erste einen grossen Theil der Arten von
Liranobia Macq., ausserdem die Gattungen Rhipidia und Glochina, die
während des Jahres 1854. 229
zweite hingegen Liinnophila, Idioptera, Symplecta, Pedicia und einige
Lininobia-Arten Macquarts, wie L. pilosa, ciliaris, zonata u. a. —
Die Haupttypen der erwähnten Analsegmente sind auf Taf. 1. durch
sieben Figuren erläutert.
Derselbe wies (ebenda S. 209) nach, dass Erioptera trivialis
Meig. = E. cinerascens Meig. = Lininobia ciliaris Schumm. sei. Das
häufige Insekt kommt nämlich bald mit, bald ohne Mittelzelle in den
Flügeln vor, und da M eigen seine Arten nach dem Vorhandensein
oder Fehlen derselben abgetheilt hat, so ist das zweimalige Auffüh-
ren derselben Art erklärlich. Ferner ist Glochina autumnalis Stäg. =
Limnobia modesta Schumm. var. r <r , ^, €. — Endlich beschreibt der
Verf. eine mit Limnobia imperialis Loew verwandte neue Art: L.
caesarea aus der Umgegend St. Petersburg's , und giebt zugleich Be-
richtigungen zu der Loew'schen Beschreibung der ersleren Art.
De Corethrac plumicornis metamorphosi. Auetore A. Kars eh.
c. tab. 1. Monasterii Guestphalorum 1854. In dieser Arbeit, welche
mit der vor einiger Zeit von Leydig veröffentlichten im Gegen-
stande der Untersuchung zusammentrifft, wird eine ausführliche Be-
schreibung der Larve von Corethra plumicornis gegeben. Die Ana-
tomie derselben und einzelne Theile sind im vergrösserten Maassstabe
auf einer beigegebenen Tafel zur Anschauung gebracht.
Eggerund Fraucnfeld theilten (Verhandl. d. zoolog.-bo-
tan. Vereins zu Wien IV. S. 609) Beobachtungen über die Lebens-
weise und die ersten Stände der Chionea araneoides mit und gaben
eine Beschreibung der bisher noch unbekannten Larve. Die im Win-
ter in Copula gefangenen Weibchen legten ihre Eier in der Gefan-
genschaft an den Wänden des Gefässes in grosser Menge ab, aus de-
nen nach etwa drei Wochen die Larven auskrochen. Sie waren cy-
lyndrisch und von blasslehmgelber Farbe; ihre Verwandlung zu er-
zielen, gelang den beiden Verf. nicht. — Die anatomischen Verhält-
nisse der Larve sowohl wie des ausgebildeten Insektes wurden von
Brauer (ebenda) auseinandergesetzt und durch Abbildungen er-
läutert.
Berthold erörterte (Nachrichten von der Universität und der
Gesellsch. der Wissensch. zu Göttingen 1854) den Wanderungstrieb
der Larven von Sciara Thomae , welche oft in Myriaden die Wälder
Thüringens, Ilannovers und Skandinaviens durchstreichen. Sie unter-
nehmen diese Züge nicht um Nahrung zu suchen, sondern erst, wenn
sie der Verpuppung nahe sind und oft werden sie auf dem Zuge selbst
zur Puppe, die dann von den zunächst befindlichen Larven mit fort-
gezogen wird. Es scheint übrigens dies Phänomen eine grössere
Verbreitung unter den Dipteren zu haben, denn Ref. beobachtete im
vergangenen Sommer einen ähnlichen Zug von unzähligen Stralio-
230 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
mys-Larven, welche ebenfalls sämmtlich erwachsen waren und jeden-
falls der Verpuppung entgegeneilten.
Von Macquart wurden (l)ipt. exot.) an neuen Arten beschrie-
ben : 5 Culex, 2 Chirononius, 2 Gynoplista, 3Tipula, 1 Limnobia und
2 Bibio.
Von Loew (Neue Beiträge): Psychoda stellulala aus Brasilien
und Bibio afer von Sienien.
Von Schiner (a. a. 0.): Lasioylera arundinis, aus Rohrsten-
geln erzogen, bei Wien.
Winnertz gab (Entoin. Zeit. S. 322) eine ausführliche Be-
schreibung von Cecidomyia juniperina Lin. und einer anderen, der
Untergattung Diplosis Loew angehörende Art: C. Pisi, deren Larve
in den Schoten von Pisum arvense und sativum lebt.
Taliauii. Zwei neue Gattungen dieser Familie wurden von
Macqart (Dipt. exot. 4. suppl.) aufgestellt: 1. Pehcorhynchus, mit
Pangonia verwandt; Kopf von der Breite des Thorax, Rüssel so lang
als der Kopf; die Endlippen dick, beilförmig, Palpen kurz, abgerun-
det, niedergedrückt; Augen nackt, ücellen vorhanden ; Minterschienen
ohne Enddornen, aussen und innen mit kurzen Cilien besetzt. — Eine
Art: P. maculipennis von Neu-Holland. 2. JUesonnjia , von Tabanus in
folgendem unterschieden: Palpen beim Weibchen ziemlich dünn; Ge-
sicht mit fast nackter und glänzender Vorragung, an den Seiten be-
haart; Stirn beim Weibchen breit, jenseits der Kaht mit einer schwie-
ligen Erhebenheit ; eine gleiche auf dem Seheitel trägt die ücellen;
Fühler in der Mittellinie des Kopfes eingefügt, erstes Glied etwas
verlängert, fast cylindrisch und beinahe nackt, zweites kuiz, drittes
lang und dünn, fünftheilig ; Abdomen nach hinten stark abgeflacht. —
Eine Art: M. decora von Port Natal. — Ausserdem werden 17 neue
Pangonia, 13 Tabanus, 2 Diabasis, 1 Lepisclaga, 1 Silvius und 2 Chry-
sops beschrieben.
Keue Arten von Walker (List of Dipt. Insects , Suppl.) be-
schrieben sind: Pangonia subfascia (!) von Port Natal und fumifera
aus Brasilien, Diclielaccra trajisposila von der Westküste Süd-Ame-
, rikas, Tabanus Irijunctns von Florida, triligalus aus dem arktischen
Amerika, flangens, innolescens , chrysoleucus , albovarius , nuntius , al~
bomaculatus , semisordidus , pubescens und compaclus aus Brasilien,
recedens von der Westküste Süd -Amerikas , dorsitilla vom Gambia,
par und latipes von Port Natal, pulverifer und polygonus von Bagdad,
tenebrosus von Malabar , megnlops von Java, atiroleslaceus von Nord-
China, explicatus vom Himalaya, expulsus von den neuen Hebriden,
antecedens von Van Diemensland , sordidus und Iratisversus von Neu-
seeland, Acanlhocera marginalis von Parä, Chrysops fitlviceps und va-
ripes von Parä.
während des Jahres 1854. 231
Ferner ist Tabanus aslur Erichson eine neue Art aus Sibirien
(Middendorf's Heise).
Schneider zählt (32. Jahresbericht der Schlesisch. Gesellsch.
S. 9P) 15 Arten der Gattung Tabanus als in Schlesien einheimisch auf,
und zwar 7 mit nackten, 8 mit behaarten Augen ; unter ersteren wird
eine fraglich als neue Art angeführt, aber nicht beschrieben.
Mann machte Beobachtungen über das Eierlegen von Tabanus.
Das Weibchen legt sie zu 300 bis 400 in einem Klumpen an Gras-
stengel ; die Larven schlüpfen nach 10 bis 12 Tagen aus. Die Eier
sind zuerst wachsgelb , werden aber allmählich grau und zuletzt
schwarz; gleich nach dem Ablegen wurden sie von kleinen Schlupf-
wespen gestochen, die sich in grosser Anzahl daraus entwickelten;
die Art ist jedoch nicht festgestellt. (Mitgetheilt von Kollar in den
Sitzungsberichten der Wiener Akademie XIII. S. 531.)
ll^ylopStag-i. Eine neue Gattung ist Heleracanlhia Macq.
(Dipt. exot. 4. suppl.), welche sich von Beris besonders durch die
Bewaffnung des Scutellum unterscheidet. Dieses hat nämlich 10 Dor-
nen, von denen die beiden mittleren verlängert, dick, einander ge-
nähert und behaart, die anderen acht dagegen kurz und nackt sind.
Das dritte Fühlerglied , welches kaum länger als die beiden ersten
zusammengenommen ist, erscheint viertheilig. Der Hinterleib ist kurz
und abgerundet. — Eine Art : H. rvficornis stammt aus Columbien.
— Ausserdem beschreibt Macquart 4 neue Beris und 1 Diphysa.
Beris substitula von Neu-Seeland, Aclina opposita von Neu-See-
land, Xylophagus veluslus von Farä , Agapophylus pijrrholelus und ex-
slinclus aus Australien wurden von Walker (List of Dipt. Insects)
als neue Arten beschrieben.
Nach Wahlberg ist Beris Morrisii Dale neuerdings in Schwe-
den und B. geniculata Haliday in Lappland aufgefunden worden; von
beiden Arten wird eine nochmalige Beschreibung gegeben und die
Unterschiede der B. geniculata von B, fuscipes, mit der sie Loew
vereinigt, auseinandergesetzt. (Öfversigt af Kongl. Vet. Akad. För-
handl.XL p. 211.)
Stratioanyidae« Macquart errichtete (a. a. 0.) zwei neue
Gattungen auf zwei in Java aufgefundene Dipteren, beide von schlan-
kem Körperbau, und, wie es nach der Abbildung scheint, mit Eudmeta
Wied. nahe verwandt. 1. Toxocera. Die Fühler wenigstens doppelt
so lang als der Kopf, nach aussen gekrümmt; ihr erstes Glied kurz,
das zweite etwas verlängert und nach der Spitze hin aufgetrieben,
das dritte cylindrisch mit undeutlichen Einschnitten und unbestimmtem
Griffel; das Schildchen ist verlängert, dreieckig, ohne Dornen. Art: T.
limbivenlris. 2. Ccimpcprosopa. Hier sind die Fühler ebenfalls von der
Länge des Kopfes, nach aussen gebogen und auf einem kleinen Vor-
232 GerstRCcUer: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Sprunge der Stirn eingefügt; die beiden ersten Glieder kurz, das
dritte lang, cylindrisch , achttheilig, sein Griffel undeutlich. Das
Schildchen ist halbkreisförmig, mit zwei Dornen besetzt. Art: C.
flavipes. — An neuen Arten beschreibt Macquart ausserdem: 2 Stra-
tiomys, 11 Odontomyia, l Ephippium , 1 Xenomorpha und 1 Ne,
motelus.
Eine von Walker (List of Dipt. Ins. Part. V. p. 305) errich-
tete Gattung Fromeranisa scheint mir nach der davon gegebenen Cha-
rakteristik wenig Berechtigung auf Selbstständigkeit zu haben. Das
einzige Merkmal, welches sie von Stratiomys entfernen könnte, ist der
„vorn kegelförmige und sehr verlängerte Kopf«; es giebt jedoch in
Brasilien eine ganze Gruppe von Odontomyia -Arten, welche diese
Eigenthümlichkeit alle in geringerem oder höherem Grade besitzen,
und bei einigen, wie z. B. bei Od. rostrata Wied., ist diese Bildung
sehr auffällig, ohne dass man sie deshalb generisch abtrennen darf.
Die von Walker beschriebene Art : iV, vitlata stammt ebenfalls aus
Brasilien und wird gewiss auch jener Gruppe angehören. — Neue
Arten, von Walker ebenda aufgestellt, sind : Cyphormjia fascipes, Her-
tnelia fulva , Acanlhina convexa und plana , sämmtlich aus Brasilien,
Stratiomys robusta aus Kord-Amerika, subalba , feslira und subcupraia
aus Brasilien, canadensis von Montreal, apicalis aus Nord-China, dif~
fusa von Java, fulviceps, chloris und ancjusta von Keu-Seeland, ClileU
laria varia von Java und sciitellaris aus Brasilien, Acrochaeta longi^
seta und breviseta von Parä , Sargus linearis aus Mexico , clavalus,
optilenlus und contraclus aus Brasilien, aurifer von Nord-China.
Loew beschrieb (a. a. 0.); Cyclogasler tenuirostris aus Dalma-
tien, Odontomyia piclifrons, centralis. Hoplomyia laetifrons und validi-
cornis aus Sibirien.
Die von Egg er (Verhandl. des zoolog.-botan. Ver. zu Wien IV)
unter dem Nameu Stratiomys clavicornis beschriebene Art bat sich als
identisch mit Alliocera graeca Saunders herausgestellt. Da seine Ex-
emplare von Fiume stammen, so schlägt Egg er vor, den Species-
Namcn graeca in clavicornis umzuändern , was gewiss nicht nö-
thig ist.
Zwei neue nordische Arten vonWahlberg (Öfvers. af Kongl.
Vetensk. Akad. Förhandl. p. 212) sind : Pachygaster orbitalis aus Schwe-
den und Sargns rußpes aus Lappland.
Ulidasii* Macquart beschrieb im 4. Supplement seiner
Dipteres exotiques sechs neue Midas und eine Cephalocera-Art.
Asllici. Eine systematische Aufzählung der bis jetzt in Oe-
sterreich aufgefundenen Arten dieser Familie nebst Bemerkungen über
die Art ihres Vorkommens und ihre Verbreitung über andere Gegenden
Europas lieferte Schiner in den Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins
während des Jahres 1854. 233
zu Wien IV. S. 355 IT. — Die Familie ist hiernach in Oeslerreich durch
125 Arten vertreten, welche sich auf die einzelnen Gattungen folgen-
dermassen vertheilen: Leptogastcr 3, Dioctria 18, üasypogon 30, La-
phystia 1, Laphria 24, Promachus 1, Asilus 52. Die Feststellung der
Arten ist durch Loevv's Bestimmung verbürgt. Zum leichteren Auf-
finden derselben giebt der Verf. eine analytische Tabelle der Oester-
reichischen Species. — Von besonderem Interesse ist das Vorkommen
der Gattung Laphystia Loew, die bis jetzt nur aus Klein -Asien be-
kannt war, an den Donau-Ufern bei Wien. (Ebenda S. 176 von Schi-
ner mitgetheilt.)
Eine Reihe neuer Arten machte Loew (a. a. 0.) bekannt: //e-
teropogou Mannii von Brussa , Slichopogon barbislrellus aus Ungarn,
Promachus imistela von Bairut, reclangularis und Rueppellii von Mas-
saua, Lophonotus albicilialus aus Acgypten , macroplerus aus Nubien,
praemorsus aus Ungarn und Oesterreich, bhmtcronnlus ebendaher und
auch in Schlesien einheimisch, slylifer aus Oesterreich und Schlesien,
hamulahis vom Mont Serrat, cochleatus aus Oesterreich, Eutolinus
Kiesenwelleri vom Mont Serrat, lusitanicns aus Portugal, Sedahoffii
aus Sibirien , sinualus aus Oesterreich , Machiinus lacinntalns aus dem
südlichen Europa, Mochlherus Goedli aus Bairut, ochriventris von Car-
thagena, Tolinerus alripes aus Schlesien und Oesterreich.
Von Walker (List of Dipt. Ins. Part. VI) wurden folgende
neue Arten beschrieben : Dasypogon miser aus Brasilien , Iriparlitus
ebendaher, discolor unbek. Vaterl., subauralus und sordidus aus China,
scalopkazoides aus Ostindien, Discocephala apicalis aus Amerika, imbuta
von Port Nalal.
Von Eversmann (Bullet, de Moscou III. p. 200) : Asiltis gi~
gas aus den östlichen und südlichen Kirgisensteppen und der Songa-
rei; eine sehr grosse Art, die übrigens durch das Flügelgeäder von
den eigentlichen Asilen wesentlich abweicht und ohne Zweifel einer
eigenen Gattung unterzuordnen ist.
Mit einer grossen Anzahl neuer Arten hat auch Macquart
(Dipt. exot. Suppl. 4) diese Familie bereichert ; es werden daselbst
beschrieben: 4 Microslylum , 14 Dasypogon, Codula no\. gen., von
Dasypogon folgendermassen unterschieden: „Fühler dünn, nach oben
eingelenkt, länger als der Kopf; ihr drittes Glied cylindrisch , von
Kopflänge ; Hinterleib kurz, die beiden ersten Ringe schmaler als der
Thorax, die übrigen breiter, flachgedrückt; Füsse wenig verlängert,
Tarsen ziemlich dick. — Zwei Arten von Keu-Holland und Van Die-
mcnsland. — Ferner : 1 Senoxericera, 7 Laphria, 1 Atomosia, 8 Mal-
lophora, 4 Trupanea, 12 Erax, 3 Proclacanthus, 1 Lophonotus, 2 Om-
matius, 13 Asilus und 1 Gonypes.
li]sn|iides. Empis brevircsfris von Van Dlcmensland und Fla*
234 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
typalpus ruficornis aus Aegypten sind zwei neue Arten von Mac-
quart. (Dipl. exot. Suppl. 4.)
lieptides* Eine durch die Fühlerbildung sehr ausgezeichnete
neue Form wurde von Egg er (Verhandl. d. zoolog. - botan. Vereins
au Wien 1854. S. 1) unter dem Namen Cionophora Kollari beschrie-
ben. Bei derselben ist die Stirn sehr verlängert, die Fühler vorge-
streckt, etwas nickend, dreigliedrig, das erste Glied gross, aufgebla-
sen, borstig, das zweite kurz, napfförmig, das dritte unten walzig
und leicht geringelt, oben flachgedrückt; die beiden letzteren sind
auf dem Rücken des ersten Gliedes eingefügt. Drei Punktaugen auf
dem Scheitel, Hinterleib siebengliedrig, Flügelgeäder wie bei Atherix.
— Die Art stammt aus Dalmatien. — Obwohl diese Gattung nach
Loew's Ansicht (brieflich ebenda mitgetheiltj von Xestomyza Wied.,
deren Arten die auffallendsten Unterschiede im Baue des Kopfes und
der Fühler zeigen, nicht getrennt werden darf, so hat sie jedenfalls
grössere Anrechte auf den Namen einer Gattung, als die meisten der
von diesem Schriftsteller unter den Asiliden und Bombyliern errich-
teten, denen nur habituelle Charaktere zu Grunde liegen.
Mit Thereva und Anabarhynchus zunächst verwandt ist eine
neue Gattung Ectinorhynchus von Macquart (Dipt. exot. 4. Suppl.),
welche auf dessen Thereva variabilis aus Neu- Holland (1. Suppl.)
begründet ist. Der Rüssel ist hier vorspringend und horizontal, die
Endlippen verlängert, die Palpen ebenfalls vorspringend und kegel-
förmig. Die Fühler sind länger als der Kopf, ihr erstes Glied ver-
längert cylindrisch, kurz behaart, das zweite kurz, das dritte etwas
weniger lang als das erste, schmal und spindelförmig; der Griffel ist
kurz und wenig deutlich. — Von neuen Arten werden ausserdem
beschrieben: 7 Anabarhynchus, sämmtlich aus Australien und 2 Chry-
sopyla ebendaher.
Von Wahlberg wurden einige neue Nordische Arten dieser
Familie in der Öfvers. af Kongl. Vet. Akad. Handl. XI. p. 214 ff", be-
schrieben: Thereva itrsina aus Schweden und Lappland, Ptiolina ni-
grina aus Dalecarlien , früher vom Verf. selbst und auch von Zet-
terstedt mit Pt. nigra vermengt; IHiolina nitida von der Norwegi-
schen Alpe Dowre. Von den beiden anderen Nordischen Arten der
Gattung, Pt. obscura Zett. und nigra Staeg. giebt Wahlberg bei
dieser Gelegenheit vergleichende Beschreibuni^en. Endlich beschreibt
er auch noch das bisher unbekannte Männchen von Psilocephala exi-
mia Zett.
Leptis maculipennis und Thereva onrata von Brussa wurden von
Loew (neue Beiträge) bekannt gemacht.
Die ersten Stände der Thereva subfasciata Schumm. beschrieb
Letzner im 32. Jahresberichte der Schlesisch. Gesellsch. f. vaterl.
Cultur S.99.
während des Jahres 1854. 235
I^ollcliopodes. Von Macquart wurden (a. a. 0.) zwei
neue Hydrophorus , 1 Chrysotus , 6 Psilopus und 1 Dolichopus be-
schrieben.
Pipiincaslififii. Boheman machte die Entdeckung, dass die
Larve von Fipunculus fuscipes parasitisch in dem aufgeschwollenen
Hinterleibe von Aphrophora spumaria und Thaninotetlix viresccns lebt.
Eine Abbildung und Beschreibung der Larve und Puppe des genann-
ten Fipunculus ist in der Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl.
XL p. 304. Taf 5 gegeben worden.
llombyliarii. Zwei neue Gattungen von Macquart sind:
1. Sericosoma, mit Mulio verwandt, auch von ähnlicher schmächtiger
Gestalt, mit langem, dünnen Hüssel, breiter Stirn und mit auseinander
stehenden Fühlern, deren erstes Glied etwas verlängert, das zweite
sehr kurz, das dritte spindelförmig ist. Die erste Submarginalzelle
ist verlängert, die zweite ziemlich kurz. — Eine Art: Sericosoma
fascifrons aus Chile. ~ 2. Acreotrichus ^ mit Bombylius verwandt;
Rüssel lang und dünn; Palpen verlängert, fadenförmig; Gesicht und
Stirn dicht behaart; Fühler etwas länger als der Kopf, erstes und
drittes Glied lang, letzteres spindelförmig, auf der Oberseite mit ei-
nigen langen Borsten besetzt; Thorax und Abdomen dicht behaart,
letzteres verlängert. Der obere Hand der zweiten Submarginalzelle
ist fast gerade und endigt an der Spitze des Flügels. — Eine Art:
A. (jibbicornis aus Neu-Holland. — Ausserdem werden 8 neue Exo-
prosopa, 10 Anthrax, 3 Comptosia, 1 Anisotamia, 10 Bombylius, 1 Ge-
ron und 2 Hirmoneura beschrieben.
Loew beschrieb (a. a. 0.): Lomalia inornala von Siemen,
Anthrax punctum aus Italien, hamifera aus Sibirien, Exoprosopa Helena
und serpenlaia aus Nubien, Gebleri von Barnaul.
Vier Anthrax-Arten aus den Süd-Kussischen Steppen wurden von
Eversmann (Bullet, de Moscou 1854. IlL p. 201) unter dem Na-
men A. noinaSf hilaris, rhytnnica und campicola beschrieben und ihre
Flügel auf Taf. 1 abgebildet. Ohne Frage ist A. campicola gleich
A. vespertilio Meigen , welche sich durch ganz Süd-Europa über die
Krim bis nach Syrien hineinerstreckt. Von den übrigen gehören A.
hilaris und rhymnica zur Abtheilung mit drei, A. nomas zur Abthei-
lung mit zwei Snbmarginalzellen.
Ifeiiopii. Macquart stellte (a. a. 0.) eine neue Gattung
Epicerina auf, welche zur Abtheilung mit kurzem Rüssel gehört. Die
Fühler sind nach oben am Kopfe eingefügt, die beiden ersten Glieder
kurz, das dritte länger als der Kopf; die Augen nackt. Der Thorax
ist behaart, der Hinterleib oval ; die Flügel mit drei Submarginalzel-
len, von denen die zweite an der Basis mit einem Appendix versehen
236 Gerslae cker: Bericht üb. (I.Leistungen in d. Entomologie
ist; fünf hintere Zellen, deren erste lang, schmal und geschlossen. ---
Eine Art : E. nigricornis aus Neu-IIolland.
Syrpliici. Diese Familie wurde von Macquart (Dipl. exot.
4. Suppl.) mit 7 neuen Gattungen bereichert: 1. Dolichomerus , zu-
nächst Eristalis, durch die Grösse des Schildchens und den Zahn der
Hinterschenkel abweichend; aufSyrphus crassus Fabr. (Eristalis crassa
Wied) gegründet. — 2. Senaspis bietet zugleich mit Eristalis , Mero-
don und Milesia Aehnlichkeiten dar, unterscheidet sich aber von allen
dreien durch das breite, gerandete, kurze Schildchen. (Da der Gat-
tungsname hiervon entnommen ist, soll er„wohl Stenaspis heissen !)
Von Eristalis entfernt sich die Gattung ausserdem noch durch die vor-
springende Stirn und durch die dicken, gebogenen llinterschenkel, von
den beiden anderen durch die Form des dritten Fühlergliedes, wel-
ches oval ist und durch das oben concave, unten vorspringende Ge-
sicht. — Art : S. ßaviceps aus Afrika. — 3. Orlhoprosopa, sich Mero-
don zumeist nähernd, aber mit nacktem Abdomen, ohne Zahn an den
Hinterschenkeln, die Fühler kurz, ihr drittes Glied fast kreisrund, mit
nackter Borste. — Art: 0. nigra von Van Diemensland. — 4. Poly-
donla (müsste Folyodonla heissen) von Tropidia durch die Hervorra-
gung der Stirn, durch die Hinterhüften und Hinterschienen, welche
beide in eine Spitze endigen, durch einen Höcker an der Basis der
Schenkel und durch erweiterte Cellula submarginalis der Flügel un-
terschieden. — Art : P. bicolor von Canada. — 5. Coeloprosopa, mit
Xylota und Eumerus verwandt, von ersterer durch den Mangel des
Stirnhöckers, von letzterer durch das Flügelgeäder unterschieden, auch
durch die Fühlerbildung von beiden abweichend; die beiden ersten
Glieder sind kurz, das dritte oval, oben gewölbt, die Borste nackt,
an der Basis eingefügt. Hinterschenkel verdickt, unten nahe der
Spitze mit einem Zahne. — Art: C. nitida von Van Diemensland. —
6. Flesia weicht von Psilota , mit der sie im Flügelgeäder überein-
stimmt, durch eine Hervorragung des Gesichtes ab. — Zwei Arten :
F. anali$ von Keu-HoUand und fasciala von Neu. Seeland. — 7. He-
milampra unterscheidet sich von Chrysogaster durch den hervorsprin-
genden Rüssel, durch die nicht mit Querfurchen durchzogene Stirn
und das Flügelgeäder. — Eine Art : H. anslralis von Van Diemens-
land. — Die neuen hier beschriebenen Arten gehören folgenden Gat-
tungen an: Ceria 1, Aphritis 2, Volucella 2, Eristalis 12, Mallota 1,
Helophilus 2, Eumerus 1, Milesia 2, Cheilosia 1, Syrphus 15, Sphae-
rophoria 1, Chrysogaster 1, Paragus 2 und Baccha 1.
Fernere neue Arten sind:
Von Loew (a. a. 0.): Chrysogaster vire^cens von Berlin und
dem Harz, inornalus von Posen und Schweden, JJoros marginalis von
Carthagena, Didea intermedia von Posen, Helophilus conlinuus aus Si-
birien und Xylota curvipes aus Schlesien und Böhmen.
während des Jahres 1854. 237
Von Schiner und Egg er (Yerhandl. des zoolog.-botan. Ver.
zu Wien 1853.): Eumerns elegans, Sijrpkus leiopldhalmus (Schneeberg
8000 Fuss) , Faracjns cinclus und Cheilosia fasciala , sämmtlich aus
Oeslerreich.
Nach Wahlberg „Sphecomyia funnen i ]Sorden" (Öfversigt af
Kongl. Yetensk. Akad. Förhandl. XL p. 151) ist die von Gorski in
Lithauen aufgefundene Sphecomyia (Tyzenhauzia) vespiformis neuer-
dings auch in Norwegen bei Christiania und in Finland bei Eriksberg,
und zwar in beiden (Jeschlcchtern gefangen worden. Nach diesen
nordischen Exemplaren entwirft der Verf. nochmals eine detaillirte
Beschreibung sowohl der Gattung als der Art.
jTlB9seariae. Macquart hat seine Bearbeitung der Euro-
päischen Tachinarien in den Annales de la soc. enlom. II. p. 373 und
733 fortgesetzt und mehrere neue Gattungen unter denselben aufge-
stellt. Die Gattung Tachina in dem Umfange, wie sie vom Verf. in
den Suites ä Buffon hingestellt worden ist, wird hier wieder in zwei
Gallungen zerlegt von denen die eine , Tachina sensu strict., die Ar-
ten mit eliptischem Hinterleibe, bei denen sich die Stirnborsten bis
zur Mille des Gesichtes herunterziehen und deren erste hintere FlQ-
gelzelle fern von der Spitze endigt, die andere dagegen, Oodigasler
nov. gen. diejenigen Arten umfassl, deren Hinlerleib oval ist, bei de-
nen Stirnborsten sich kaum auf das erste Viertheil des Gesichtes er-
strecken und die erste hinlere Flügelzelle nahe an der Spitze endigt.
Für die erste Gattung wird als Typus Tachina larvarum, für die zweite
T. Doris Meig. hingestellt. — Ob diese Unterschiede, besonders die
aus dem Flügelgeäder und den Slirnborsleu entnommenen, zur Unter-
scheidung zweier Gallungen stichhaltig sind, scheint wohl noch einer
näheren Untersuchung zu bedürfen. Unter der ersleren sind vonMac-
quarl 4(3, unter der zweiten 21 Arten angeführt, darunter eine grös-
sere Anzahl neuer. — Den Gattungen Clytia mit 6 und Miltogramma
mit 12 Arten folgen wieder zwei neue Galtungen Apoäacra und Uete~
roplerina. Die erstere ist niit Miltogramma nahe verwandt, unter-
scheidet sich aber von dieser durch die Neigung des Gesichtes, durch
die Längenverhältnisse des zweiten und dritten Fühlergliedes, von
denen das dritte sechsmal so lang als das zweite ist, und durch das
Flügelgeäder; die erste hinlere Zelle ist nämlich geschlossen und
liegt am Aussenrande, ziemlich fern von der Spitze. — Sie enthält
nur eine zugleich neue Art: A. seriemaculata. — Die zweite Gattung
lleleroplenrm ist auf Miltogramma heleroneura Meig. gegründet, wel-
che im Flügelgeäder wesentlich abweicht; der Krümmungswinkel der
Vena exlernomediana tritt nämlich fast bis auf die Milte des Flügels
zurück, und diesem Charakter schliessen sich noch andere Unter-
schiede in der Borslenbekleiduug der Stirn \ind des Hinterleibs, der
Form der Fühler u. s. w. an. ~ Von den 19 hier beschriebenen Arten
238 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
der nun folgenden Galtun^^ Myobia sind 10 neu; letzterer schliesst
sich nach des Verf. Ansicht am besten ein in mannigfacher Hinsicht
abweichendes Insekt, nämlich Tachina plebeja Fall, an, welche eine
eigene Gattung Demolicus bilden muss; obwohl mit dreigliedrigem
Fühlerschaft versehen, weicht sie doch von den ül)rigen Tachinen
dieser Abtheilung in ihren Gesamnit-Charakteren ab, während sie sich
durch letztere denjenigen nähert , deren Fühlerbildung wieder von
der ihrigen abweicht. — Hiermit schliesst diejenige Abtheilung der
Tachinen, deren Fühlerschaft aus drei Gliedern besteht, oder, wo er
nur zweigliedrig ist, nackt erscheint. Es folgt nun eine andere Gruppe,
deren Fühlerschaft mehr oder weniger behaart ist und die sich in der
Regel durch glänzend schwarzen Körper, meist kurze Fühler mit
etwas verlängertem zweiten (Jliede auszeichnet. Während in jener
ersten Gruppe der Tachinen- Typus in seinem ganzen Umfange aus-
geprägt war, verliert er sich in dieser zweiten mehr und mehr und
zeigt einen Uebergang zu den folgenden Abtheilungen,, besonders zu
den Dexiarien. Von den hierher gehörigen Gattungen sind bis jetzt
abgehandelt: Labidigaster mit 2, Clelia mit 1, Erebia mit 4 und Zo-
phomyia mit 16 Arten; unter diesen letzteren sind 11 Arten neu.
Copromyzinae Scandinaviae. Recognovit et disposuit Chr.
Stenhammar. (Acta Reg. Academ. Scient. Holmiae 1854) auch
unter obigem Titel einzeln erschienen. In diesem mit grosser Sorg-
falt gearbeiteten, 184 Seiten in 8. umfassenden Werke hält der Verf.
die Gruppe der Copromyziden im Sinne Fallen's fest, indem er die
Gattung Coelopa Meig. , welche dieser davon entfernte, hier wiederum
damit vereinigt. Was also Fallen unter seiner Gattung Copromyza
begriff, hält der Verf. in seiner Gruppe Copromyzidae zusammen. Den
von M eigen gegebenen Kamen Borborus und den später darauf ge-
gründeten Gruppen-Kamen Borboridae weist er aus einem eigen-
thümlichen Grunde zurück, nämlich weil er ihm zu undelikat ist; da
derselbe aber bei weitem älter ist als der Fallen'sche, wird er
wohl von weniger zartfühlenden Dipterologen dennoch erhalten wer-
den müssen. — Für die Skandinavischen Arten der Copromyziden
hält der Verf. 4 Gattungen aufrecht, nämlich Coelopa Meig., Sphae-
rocera Latr. , Copromyza Fall, (welche Crumomyia, Borborus und
Apterina Macq. in sich begreift) und Limosina Macq. (worunter zu-
gleich Heteroptera Macq. begriffen ist). In Betreff der Gattung Apte-
rina Macq. ist der Verf. der Ansicht, dass die Charaktere, auf welche
hin Apterina pedestris von Borborus getrennt sei, keineswegs Be-
deutung genug haben ; die starke Verkürzung der Flügel sei von ge-
ringem Belange und die eingedrückte Linie auf dem zweiten Abdo-
minalsegment sei bei den übrigen Arten von Borborus ebenfalls, wenn
auch weniger deutlich, vorhanden. Dass Heteroptera Macq. von Li-
mosina nicht getrennt werden kann, ist schon von Zetterstedt
während des Jahres 1854. 239
nachgewiesen worden. — Nachdem der Verf. die Charaktere der Co-
prornyziden und zum Vergleiche auch die der Helomyzinen und Pio-
philinen, welche drei zusammen Fallen's Abiheilung Heteromyzidae
ausmachen, gründlich austinandcrgeselzt hat, bringt er die vier von
ihm angenommenen Gattungen unter folgende Uebersicht:
I. Metalarsus posticus cylindraceus, articulo secundo longior. Ner-
vus alarum auxiliaris in mediam fere costam exiens. Setae
mystacinae verae nullae. Seta antennarum basi incrassata.
A. Epistomate subquadrangulari , longitudine latitudinem exce-
dente, concavo-curvato. 1. Coelopa.
II. Metalarsus posticus dilalalus, articulo secundo brevior. Nervus
alarum auxiliaris costae partem vix tertiam exitu atlingens.
Seta mystacina utrinque unica. Seta antennarum aequalis.
B. Epistomate semiorbiculari , area media dilatata, lateralibus
obsoletis. 2. Copromyza.
3. Limosina.
C. Epistomate subtrapeziformi, areis lateralibus retroflexis.
4. Sphaerocera.
Die Artenbeschreibung ist mit grosser Sorgfalt ausgeführt und
sind besonders die sexuellen Unterschiede mit der nöthigen Schärfe
hervorgehoben. Die Gattung Coelopa ist in Skandinavien durch 4,
Copromyza durch 14, Liinosina durch 40 und Sphaerocera durch 4
Arten vertreten ; innerhalb der Gattungen hat der Verf. noch die Ar-
ten durch Unterabtheilungen analysirt , wodurch die Bestimmung
wesentlich erleichtert wird. — In Betreff der Gattung Coelopa ist
noch hervorzuheben, dass der Verf. Coel. fucorum Zetterst. davon aus-
sehliesst , indem er sie unter die Helomyziden verweist und darauf
eine eigene neue Gattung rhycodroina begündet. Besonders ist es
die Form des Epistoma und die Bildung des letzten Hinterleibsseg-
nientes, welche diese Art von den übrigen Gattungen entfernen.
Von neuen Arten wurden beschrieben :
Von Loew (a. a. ü.) : Ocyplera rubida aus Dalmatien, fusci-
pennis von Creta, Jelanops impiinclala aus der Schweiz, Ortalis Caph
von Brussa, acuticornis und unicolor aus Ungarn, Platystoma angusli-
pennis von Moskau, Psairoplera bipunctala von Posen, Pyrgota mille-
pimclola aus Nord - Amerika , Aclora medilerranea aus Griechenland
und Klein -Asien, Loxocera dorsalis aus Thüringen, Chyliza gracüis
von Bujukdere, Calobala trivialis fast überall gemein in Deutschland,
denligera und mamillala aus Sibirien.
Von Erichs on (Middendorf's Reise): Musca Boganidae , An^
thomia urstila, Lispe frigida und ^ephroloma aquilonia aus Sibirien.
Von Schi n er (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien
IV. p. 169j : Lipara siviilis bei Wien, mit Lipara lucens nahe ver-
240 Ger staecker: Bericht üh. d. Leistungen in d. Entomologie
wandt und, wie diese, aus Rohrstengeln, in denen die Larve Anschwel-
lungen bildet, erzogen.
Grube iheilte (dieses Archiv XIX. S. 282) einen Fall mit, wo
in den Augen zweier Knaben, welche bei heiterem Wetter auf freiem
Felde geschlafen hatten, eine beträchtliche Anzahl von Fliegenlarven
unter heftigen Entzündungserscheinungen und Schmerzen gefunden
wurden. Sie waren, als man sie herauszog, 9 Linien lang und hat-
ten das Zellgewebe am inneren Augenwinkel schon so weit zerstört,
dass die, inneren Augenmuskeln vollkommen frei lagen. Die aufbe-
wahrten Puppen ergaben durch die Zucht eine Sarcophaga- Art , die
entweder S. ruralis oder latifrons Fall, ist; da die Bestimmung nicht
ganz sicher war, fügt der Verf. eine ausführliche Beschreibung der
Art hinzu. — In einem andern Falle wurden ähnliche, aber kleinere
Larven aus des Käse einer Jüdin gezogen; sie kamen jedoch nicht
zur Entwickelung.
Schiner und Egg er machten die Beobachtung, dass Gym-
nopa aenea Meig. sich Abends vor Sonnenuntergang oder wenn sieh
am Tage die Sonne verdunkelt, in lockeren Sand eingräbt. (Verhandl.
d. zoolog.-botan. Yer. zu Wien IIL S. 99.)
Coriacea. Egg er gab (Verhandl. d. zoolog. - botan. Ver.
zu Wien 1853. S. 401) eine ausführliche Darstellung des Körper-
baues und der Lebensweise von Braula coeca. Gegen die von Ni tz s c h
gegebene Beschreibung hebt der Verf. hervor, dass die Fühler nicht
zu vieren , sondern wie gewöhnlich nur zu zweien vorhanden und
aus drei Gliedern zusammengesetzt seien; das dritte Glied ist mit
einer steifen Endborste versehen. Ferner besteht das Bückenschild
nur aus einem einzigen Segment, der Hinterleib dagegen aus 5 Ab-
schnitten, während Nitzsch deren nur 4 zählte. Die Fulvillen sind
nicht, wie bei den übrigen Dipteren, an der inneren, sondern an der
äusseren Fläche des letzten Tarsalgliedes angeheftet. — Von Interesse
sind die Beobachtungen, welche der Verf. über die Art, wie das Thicr
läuft, mittheilt; seine Bewegungen sind stets vorwärts, niemals
wie bei den Nycteribien rück- oder seitwärts gerichtet; auf glatten
Flächen laufend, schlägt Braula die Klauenreihe des letzten Tarsal-
gliedes nach innen und tritt mit dem stumpfen, umgebogenen Tarsus
und den Pulvillen auf. Zum Festhalten an dem rauhhaarigen Körper
der Biene bedient sie sich dagegen der Klauen. Dass Braula voll-
kommen blind ist, beweist der Versuch, dass sie auf Bienen, welche
ihr dicht vorgehalten wurden, nicht heraufkroch, sondern sich oft von
ihnen abwandte ; sie bestieg dieselben erst dann mit grosser Schnel-
ligkeit, wenn man den Körper der Biene mit ihr in Berührung brachte.
— In Betreff der systematischen Stellung von Braula glaubt der Verf.,
dass sie von den Coriaceen zu trennen und einer eigenen Familie
Branlidae zuzutheilen sei.
während des Jalireg 1854. 241
Der Familie der Coriaeeen will Egg er (ebenda 1854. S. 3)
auch die Gattung Camus Nitzsch beigezählt wissen. Für diese Ansicht
spricht allerdings die Lebensweise auf Vögeln und nach den Beob-
achtungen des Verf. auch der vollkommen lederartige Hinterleib. Völ-
lig gesichert könnte die Stellung aber freilich erst durch den Wach-
weis der pupiparen Eigenschaft der Gattung erscheinen. Die ins Ein-
zelne gehende Beschreibung von Carnus hemapterus, welche der Verf.
giebt, weicht in mehreren Punkten von der Ni t zsc h'schen ab. Die
Fühler sind nach ihm nicht verkümmert und eingliedrig, sondern deut-
lich dreigliedrig, das 2te und ote Glied sogar ziemlich gross, letzteres
mit einer zweigliedrigen haarigen Borste auf seiner Rückenseite.
Drei Punktaugen, welche Witz seh der Gattung abspricht, sind vor-
handen. Der Rüssel ist eine einfache Röhre ohne Klappen, am Grunde
sackartig erweitert, plötzlich dünner werdend, vorn schief abgeschnit-
ten, mit einer Borste im Innern. — Ist diese Beobachtung richtig, so
zeigt die Struktur der Mundtheile allerdings wesentliche Unterschiede
von den übrigen Pupiparen. Zu bemerken ist noch, dass die von
Egg er untersuchten Exemplare nicht von Sturnus, wie Kitz seh
angiebt, sondern von Falco tinnunculus herrühren, und dass daher
möglicher Weise eine Verschiedenheit der Art anzunehmen ist.
Als neue Art wurde von Schiner (ebenda 1853. S. 151)
Nycteribia Schmidlii , auf Vespertilio Schreibersii in der Adelsberger
Grotte lebend, beschrieben. Eine hiermit verbundene Aufzählung der
bis jetzt in Oesterreich aufgefundenen Coriaeeen weist nur acht Ar-
ten nach.
liepadoptera.
Von Herrich -Schäffer'^ „Lepidopterorum exolico-
rum species novae aiit minus cognitae" sind im Jahre 1854
die 5. bis 12. Lieferung der 1. Serie erschienen. Dieselben
enthalten bis jetzt nur Abbildungen neuer Arten aus den Fa-
milien der Sphingiden, Bombyciden, Noctuen u. s. w. Die Na-
men derselben sind an ilirem Orte bekannt gemacht.
Desselben „Systemalische Bearbeitung der Schmetterlinge
von Europa, als Text, Revision und Supplement zu J. Hüb-
ner's Sammlang Europäischer Schmetterlinge« ist mit dem
62. bis 65. Hefte fortgesetzt worden. Dieselben enthalten
ausser der ferneren Bearbeitung der Tineiden auch Nachträge
zu den Familien der Hesperiden , Geometriden und Tortrici-
den, welche bis jetzt jedoch nur durch Abbildungen kennt-
lich gemacht sind.
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. Q
242 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Von Freyer's „Neueren Beiträgen zur Schmetterlings-
kunde VII. Band^^ sind bis jetzt das 101. bis 108. Heft aus-
gegeben worden^ welche in derselben Weise wie früher Be-
schreibungen und Abbildungen meist hinlänglich bekannter,
zum Theil auch neuer Europäischer Arten liefern. Die letz-
teren sind an ihrem Orte angeführt.
Leder er hat in den Verhandlungen des zoologisch-
botanischen Vereins in Wien III. S. 165 ff. seinen „Versuch,
die Europäischen Lepidopteren in möglichst natürliche Rei-
henfolge zu stellen" zunächst mit der Bearbeitung der Geo-
metriden fortgesetzt. (Siehe diese !)
Derselbe gab (ebenda III. Band. S. 351 — 386) unter dem
Titel: „Lepidopterologisches aus Sibirien, mitgetheilt von J.
Lederer^^ eine Aufzählung der von Kind ermann in Si-
birien, am oberen Irtisch nahe der Chinesischen Grenze be-
obachteten und gesammelten Lepidopteren, unter denen sich
eine Reihe neuer Gattungen und Arten befinden. Dieselben
werden hier sorgsam beschrieben und auf 7 beigefügten Ta-
feln abgebildet. Zugleich hat der Verf. vielfache synony-
mische Berichtigungen über schon bekannte Arten einflies-
sen lassen.
Beiträge zur Lepidopterologie Russlands gab Evers-
mann im Bullet, des natur. deMoscou 1854. No. III. p. 174 ff.
durch Beschreibung von 14 neuen Arten aus verschiedenen
Familien der Lepidopteren.
Histoire naturelle des Insectes. Species general des
Lepidopteres par Boisduval et Guenee. Tom. VIII. Del-
loides et Pyralites par M. A. Guenee. Paris 1854. Dieses
den Nouvelles suiles ä Buffon angehörende Werk enthält die
vollständige Bearbeitung der Pyraliden und ist bei dieser Fa-
milie näher berücksichtigt worden.
List of the specimens of Lepidopterous Insects in the
collection of the British Museum. Part. I— II. Lepidoptera he-
terocera. Printed by order of the trustees. London 1854. —
Nachdem von den Lepidopteren des British Museum einige
Familien der Rhopaloceren durch Doubleday catalogisirt
worden sind, hat jetzt F. Walker mit vorläufiger üeber-
gehung der übrigen eine Bearbeitung der Heteroceren be-
während des Jahres 1854. 243
gönnen, von denen in den beiden vorliegenden Bänden die
Familien der Cydimonii , Castniae, Zygaenidae und Lilhosii-
dae abgehandelt sind. Dass bei der unglaublichen Frucht-
barkeit des Verf. eine genügende Durchdringung des Stof-
fes nicht stattgehabt hat, ist von vorn herein anzunehmen
und bei näherem Eingehen auf einzelne Gattungen leicht er-
sichtlich. Freilich ist auch die Bearbeitung der beiden letz-
teren Familien , welche in Betreff des exotischen Materials
bisher noch vollkommen brach gelegen haben, eine äusserst
schwierige, sowohl durch den Reichthum der Arten als auch
durch das mannigfaltige Hinüberspielen der Formen zu anderen
Familien; und das wenige Stückwerk, was bisher von Bear-
beitung darin vorgelegen hat , entbehrt zum grössten Theil
so jeder wissenschaftlichen Gründlichkeit, dass die Schwie-
rigkeiten für eine systematische Arbeit dadurch nur noch
gesteigert werden. In sofern ist ein Versuch, wie der vor-
liegende, immerhin dankbar anzunehmen. In den Familien
der Zygaeniden und Lithosiiden ist eine grosse Anzahl neuer
Gattungen aufgestellt worden , w^elche , da sie unter keine
systematische Uebersicht gebracht sind, hier nicht näher zu
erwähnen sind. Ebenso ist die Anzahl der als neu beschrie-
benen Arten sehr beträchtlich; dieselben sind bei artenrei-
chen Gattungen unter tabellarische Uebersichten gebracht und
zahlreichen Gruppen , die unnützer Weise eigene Namen er-
halten haben, untergeordnet. — Die ersten Familien der He-
teroceren, nämlich die Sphingiden und Sesiarien sind für
einen eigenen, später zu liefernden Band reservirt worden.
List of the specimens of British animals in the colle-
ction of the British Museum. Part, XVI. Lepidoptera comple-
ted. London 1854. Dieser Calalog bildet den Schluss der
Englischen Lepidopteren des British Museum und enthält die
Tineiden und Pterophoriden nach Stainton's Zusammen-
stellung. Der Name des in diesem Felde als Autorität bekann-
ten Verf. bürgt für die Gründlichkeit der Arbeit, welche sich
durch grosse Reichhaltigkeit der Literatur auszeichnet. Neue
Arten sind nicht beschrieben worden.
Eine Anzahl neuer Microlepidopteren verschiedener Fa-
milien aus der Umgegend von Braunschweig und aus dem
Ö44 Gers ta eck er: Bericht üb. d. Leislungen in d. Entomologie
Harze wurde von v. Heine mann in der Zeilschrift für
Entomologie d. Ver. für Schlesische Insektenkunde 8. Jahrg".
S. 1 — 7 beschrieben.
G. Koch, die geographische Verbreitung der Europäi-
schen Schmetterlinge in anderen Welltheilen. Nebst einer
statistischen Tabelle. Leipzig 1854.
Der Verf. hat sich durch Benutzung bedeutender Sammlungen,
unter anderen auch der Museen in London, Paris, Berlin und Leyden
ein ziemlich bedeutendes Material für seine Arbeit zu sammeln ge-
wusst und durch sorgfältige Zusammenstellung desselben recht inter-
essante Resultate erhalten. Allerdings sind nur die höheren Fami-
lien (Tagfalter, Schwärmer , Spinner , Eulen und Spanner) in Betreff
ihrer geographischen Verbreitung betrachtet worden ; doch ist schon
eine Zusammenstellung in den angegebenen Grenzen , wie sie der
Verf. geliefert hat, um so dankenswerther , als die Arbeit in ihrer
Art die erste ist, und die in der Literatur zerstreuten, auf diesen Ge-
genstand bezüglichen Notizen ziemlich vereinzelt dastehen. Was die
Anordnung und Zusammenstellung des vom Verf. bearbeiteten Ma-
terials betrifft, so enthält der specielle Theil , welcher nach meiner
Meinung allein Interesse darbietet, eine Aufzählung derjenigen Euro-
päischen Arten, welche bisher in anderen Welttheilen aufgefunden
worden sind, nach dem Bo isd u va l'schen Systeme, und bei jeder Art
die Angaben der verschiedenen Fundorte so wie der Kamen ihrer
Gewährsi^iänner. Hieran reiht sich eine tabellarische Uebersicht, in
welcher die verschiedenen Welttheile neben einander gestellt sind ;
das Vorkommen der einzelnen Arten in denselben ist durch einen
Stern bezeichnet. Die liauptresultate stelle ich hier kurz zusammen.
Von 313 die Europäischen Grenzen überschreitenden Rhopaloceren
sind 203 in Asien, 71 in Afrika, 31 in Amerika und 3 in Australien
beobachtet worden; die letzteren sind Lycaena Baetica, Aegon und
Vanessa Levana. Von 84 überhaupt ausserhalb Europa beobachteten
Sphingiden wurden 51 in Asien, 23 in Afrika, 1 in Amerika und 2
in Australien aufgefunden; von 102 Bombyciden : 80 in Asien, 13
in Afrika, 5 in Amerika und 1 in Australien; von 288 INoctuen : 220
in Asien, 36 in Afrika, 20 in Amerika und 8 in Australien; endlich
von 169 Geometrae : 144 in Asien, 21 in Afrika, 3 in Amerika und
1 in Australien. — Allen fünf Welttheilen sind gemeinsam: Vanessa
Cardui, Euprepia Pulchra , Agrolis suffusa , Flusia gamma, Heliothis
peltigera und armigera, vielleicht auch Sphinx Convolvuli und Celerio,
deren Vorkommen in Amerika noch zweifelhaft ist. — Der Verf. hat
auch versucht, in einem vorangeschickten allgemeinen Theil und
ausserdem noch in einer Einleitung allgemeine Gesichtspunkte für
die geographische Verbreitung der Schmetterlinge aufzustellen, was
während des Jahres 1854. 245
ihm jedoch nach meiner Ansicht wenig geglückt ist; er verwickelt
sich dabei fortwährend in die auffallendsten Widersprüche in Betreff
der bedingenden Momente und überhaupt leidet die ganze Darstellung
an grosser Verworrenheit und Unklarheit. „Man hat gemeint", sagt
er z. B., „dass Binnenmeere der Verbreitung der Thierc bei weitem
geringere Hindernisse in den Weg legten als die hohen Gebirge; und
doch möchte dies auf die leicht beweglichen Falter wenig Anwen-
dung finden, denn jenseits der 26000' hohen Himalaya- Kette in der
Dzungarei fliegt Pap. Apollo und Mnemosyne.« An einer anderen
Stelle giebt er aber zu , dass dieselbe Art mit der grössten Wahr-
scheinlichkeit in verschiedenen Gegenden zugleich entstanden sei.
Weshalb soll nun Pap. Apollo, weil er auch in der Dzungarei vor-
kommt, erst über den Himalaya geflogen sein? Dies ist ihm doch
gewiss nicht zuzumuthen.
Als fernere Beiträge zur geographischen Verbreitung
der Schmetterlinge innerhalb Europas sind zahlreiche Lokal-
faunen in verschiedenen Zeitschriften zusammengestellt wor-
den, welchen je nach der Vollständigkeit verschiedener Werth
beizumessen ist. Gar zu dürftige Aufzählungen sind im fol-
genden unberücksichtigt geblieben.
1. v. Hymmen, Verzeichniss der Lepidopteren, wel-
che in der Umgegend von Trier gefangen oder aus Raupen
erzogen sind, nebst Angabe der Fangorte, (Jahresbericht der
Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier vom Jahre
1853.) Ein sehr reichhaltiges Verzeichniss, welches sich auf
alle Familien erstreckt.
2. S toll werk, Verzeichniss der bisher im Kreise
Crefeld, namentlich in der Umgebung der Städte Crefeld,
Uerdingen, Linn und der nächstgelegenen Ortschaften aufge-
fundenen Schmetterlinge. 1. Abtheilung: Tagfalter bis Span-
ner. (Verhandl. des naturhist. Vereins der preuss. Rhein-
lande und Westphalens, 11. Jahrg. S. 393 ff.) Wenn dies
Verzeichniss annährend vollständig ist, zeigt die Gegend eine
ziemliche Armuth an Lepidopteren.
3. Haupt, Verzeichniss der um Bamberg bis jetzt
aufgefundenen Schmetterlinge. (Zweiter Bericht über das
Bestehen und Wirken des naturhistorischen Vereins in Bam-
bercr. 1854. S. 80 ff.) dasselbe umfasst alle Familien der Fa-
milien der Lepidopteren.
4. Möller, Verzeichniss der im Mühihnuser Kreise
246
Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen Ind. Entomologie
vorkommenden Schmetterlinge mit Hinzufügung ihrer Fund-
orte U.S. w. (Zeitschrift für die gesammlen Naturwissenschaf-
ten, Jahrg. 1854. S. 103 ff.) erstreckt sich ebenfalls über alle
Familien.
5. A SS mann, Erster Nachtrag zur Schlesischen Le-
pidopteren-Fauna. (Breslauer Entomol. Zeitschrift. 6. Jahrg.
S. 89 fr.) Ein früheres Verzeichniss , von demselben zusam-
mengestellt, ergab 1869 Arten; in dem vorliegenden ist die
Zahl derselben auf 1974 gestiegen.
6. Zeller besprach (ebenda 6. Jahrg. S. 83 ff. und
8. Jahrg. • S. 9) ebenfalls einige für die Schlesische Fauna
neue Arten, unter welchen auch eine noch nicht beschriebene
Tinea, die an ihrem Orte namhaft gemacht ist.
7. V. Hornig schilderte (Verhandl. d. zoolog.-botan.
Vereins in Wien IV. S. 177) einen lepidopterologischen Be-
such der Alpen Mangert und Rombon in Isfrien und gab
eine Aufzählung der daselbst von ihm aufgefundenen Lepi-
dopteren ; besonders sind die Microlepidopteren darin reich
vertreten.
8. Mann gab (ebenda IV. S. 515 ff.) ein Verzeichniss
der von ihm im Wippach -Thale in Oberkrain gesammelten
und beobachteten Lepidopteren, wobei ebenfalls den Microle-
pidopteren eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt ist.
lieber letztere sind auch zahlreiche interessante Bemerkun-
gen in Betreff der Flugzeit und der Lebensweise beigefügt.
9. Guillemot, Cafalogue des Lepidoteres du depar-
tement du Puy-de-D6me ist dem Ref. nur aus einer Anzeige
im Bulletin de la soc. entom. p. 89 bekannt geworden.
10. Bellier d e la Ch a vigner ie theilte (Annales
de la soc. entom. p. 29 ff.) Bemerkungen über die von ihm
in den ßasses^Alpes beobachteten Schmetterlinge mit. Viele
Worte und nichts Neues über diese schon von Donzel
gründlich behandelte, sehr reichhaltige Lokalität !
11. Zell er, Lokalitäten an der Ostküsfe Siciliens, in
lepidopterologischer Hinsicht dargestellt. (Bulletin de la soc.
imper. des naturalistes deMoscou 1854. No. 3). Es sind be-
sonders die Umgegenden von Syracus, Messina und Cafania,
welche in Hinsicht auf Terrainbeschaffenheit und Flora aus-
während des Jahres 1854. 247
fuhrlich geschildert werden. Die lepidopterologische Aus-
beule wird für die einzelnen Orte nach der Jahreszeit spe-
ciell namhaft gemacht und vielfache Beobachtungen über die
Nahrungspflanzen der Raupen u. s. w. milgetheilt.
12. C zer na y lieferte (ebenda S. 212 if.) ein Verzeich-
niss der Lepidopteren des Charkowschen , Poltawschen und
Ekaterinoslawschen Gouvernements. Bei der von ihm ange-
stellten Vergleichung seiner Aufzählung mit denen von E v er s-
mann (Fauna Volgo-Uralensis) undFixsen (Schmetterlinge
der Umgegend von St. Petersburg) wird dem Verf. die Dürf-
tigkeit seiner Arbeit wohl selbst klar geworden sein.
13. Greene verzeichnete (Zoologist. p. 4184) die von
ihm bei Aylesbury in ßuokinghamshire beobachteten Lepi-
dopteren. Es sind ihrer bis jetzt noch sehr wenige. — An-
dere in derselben Zeitschrift abgedruckte faunistische Bei-
träge sind als ganz unwesentlich hier zu übergehen.
14. Moeschier theilte (Entom. Zeit. S. 218) Bemer-
kungen über einige Süd-Russische Lepidopteren mit und gab
eine Aufzählung der bis jetzt aufgefundenen Papilioniden,
Sphingiden, Bombyciden und Noctuen Süd-Russlands.
15. Assmann lieferte (Correspondenzblatt des Ver-
eins für Schlesische Insektenkunde zu Breslau 1854. No. 2)
eine Aufzählung der von Straube um Brussa und Constan-
tinopel gesammelten Schmetterlinge, welche sich jedoch nur
auf die Rhopaloceren, Sphingiden und Bombyciden erstreckt.
16. Wocke zählte (32. Jahresbericht der Schlesischen
Gesellsch. für vaterl. Cultur S. 94) eine grössere Anzahl in
Schlesien neu aufgefundener Arten auf und gab Notizen über
ihr Vorkommen.
Ifliopalocera. Eine interessante Abhandlung über das Vor-
kommen und die Lebensweise der Tagfalter, welche das Thal des
Amazonenstroms bewohnen, hat Wallace in den Transact. of the
entomol. soc. II. p. 253—264 mitgetheilt. (On the Habits of the Bul-
terflies of the Amazon Valley). — Der Verf., welcher durch mehr-
jährigen Aufenthalt am Amazonenstrome sich einem specielleren Stu-
dium der dortigen Fauna hinzugeben Gelegenheit hatte, unterscheidet
vier Arten von Lokalitäten, welche reiche Ausbeute an Lepidopteren
geben und von denen jede ihre eigenthümlichen Arten und Gattungen
aufsuweiseu hat. Die erste sind die natürlichen und künstlichen
248
Gerstaecker; Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Campos, jene trocknen und unfruchtbaren Strecken, welche Sud- Ame-
rika einen so eigenthümlichen Charakter verleihen; hier finden sich
fast gar keine eigenthümlichen Arten, sondern meistens die gemeineren,
über einen grossen Theil von Süd-Amerika verbreiteten , wie Pap.
Polydamas , Danais Archippus und einige Callidryas-Arten. - Eine
zweite viel ergiebigere Lokalität sind die Ufer der Flüsse, besonders
in der Jahreszeit, wo das Wasser zurücktritt; hier leben zahlreiche,
schöne und seltene Fapilio-Arten, ferner die Gattungen Timetes, Cybl
delis, Callianira und Megistanis, hin und wieder auch Aganisthos,
Marpesia und Victorina. _ Das dritte Terrain sind die nachgewachse-
nen Wälder, die Pflanzungen, schattige Strassen und Fusswege ; an
solchen Orten sind die Heliconier und die schöne Gruppe der Papi_
Honen mit rothgefleckten Unterflügeln häufig; Hunderte von Erycini-
den und Thecla, ferner Epicalia und Callithea; zahlreiche Morpho-
Arlen schlagen träge mit ihren breiten Flügeln, während die Hespe-
riden, zuweilen von der Grösse der Sphinxe, mit der Schnelligkeit und
dem schwirrenden Tone des Colibris dahinschiessen. — Der dunkle
Urwald endlich, die vierte Region, beherbergt in seinen feuchten Ver-
stecken Schaaren von Satyriden, die zierlichen Hhomien und mehrere
der schönsten Eurygona, Mesosemia und Thecla- Arten; charakteri-
stisch ist für diese Lokalität, dass die Individuenzahl hier bei weitem
nicht so gross ist als an den off'enen Plätzen. — Der Artenreichthum
jener Gegend ist überraschend , indem sich bei Parä etwa 600 Tag-
falter vorfinden ; von diesen kommen auf die Gruppe der Eryciniden
allein 200 , ebensoviel auf die Hesperiden ; die Gattung Papilio ist
durch 38, die Heliconiden , welche den Individuen nach bei weitem
die häufigsten sind, durch 60 bis 70 Arten vertreten; sehr arm an
Arten sind die Danaiden, es finden sich deren nur zwei. — Indem
der Verf. im Verlaufe seiner Darstellung auf die einzelnen Gruppen
der Tagfalter näher eingeht, giebt er manche interessante Notizen
über die Eigenthümlichkeiten vieler Gattungen und Arten, welche hier
mitzutheilen, der Kaum nicht gestattet.
Von Hewitson's „Exotic Butterflies« sind im Jahre 1854 das
9. bis 11. Heft erschienen, welche Beschreibungen und Abbildungen
neuer Arten aus den Gruppen der Heliconiden, Nymphaliden und Ery-
ciniden enthalten. Die Abbildungen zeichnen sich auch in diesen
Lieferungen durch, Eleganz und Katurtreue aus.'
Derselbe gab (Transact. of the cntom. soc II. p. 245—248.
Taf. 22 und 23} Beschreibungen und Abbildungen einiger neuer Süd-
Amerikanischer Tagfalter. (Descriptions of some new species of But-
terflies from South-Amerika).
Lepidoptera Scandinaviae llhopalocera, disposita et descripta.
Auetore J. Wallengren. Malmoe, 1853. Dieses schon im vorigen
Jahre erschienene, aher dem Ref. erst jetzt zugekommene Werk
während des Jahres 185^» 249
bietet nicht nur ein faunistisches Interesse dar, sondern ist auch in
Betreff seiner Abfassung einer näheren Beachtung werth. Es ist
nämlich eine der wenigen Arbeiten über Europäische Lepidopteren,
welche die Systematik mit wissenschaftlicher Gründlichkeit behandelt,
und bosonders die Gattungen und Gruppen durch bestimmte Charak-
tere festzustellen sucht. Der Verf. theilt die Rhopaloceren in zwei
Familien, Papiliones und Hesperioidae, über deren Coordination sich
vielleicht rechten Hesse ; nach des Ref. Ansicht lassen sich die letz-
teren wohl besser den ersteren als Gruppe subordiniren. Die ersteren
zerfallen wieder in drei Abtheilungen nach der Bildung der Füsse :
1. Tetrapodes. 2. Hexapodes. 3. Heteropodes. Die einzelnen vom
Verf. angenommenen Gruppen stimmen mit den von Boisduval und
Doubleday aufgestellten im Ganzen überein und ist sowohl zur
Feststellung dieser als auch der Gattungen nach Doubleday's Vor-
gang das Flügelgeäder zu Grunde gelegt worden. Verdienstvoll bleibt
aber immer die specielle Anwendung und Durchführung dieses Systems
für die inländischen Arten und muss jedenfalls für alle ähnlichen Ar-
beiten als Muster aufgestellt werden. In der Gruppe der Satyriden
hat der Verf. mit Recht für Hipparchia Hyperanthus auct. eine eigene
Gattung Aphantopus aufgestellt, auch unter den Hesperiden die Benen-
nung der einzelnen Gattungen etwas modificirt; über letztere ist schon
im vorigen Jahresberichte eine Notiz gegeben worden. Die einzelnen
Arten sind mit lateinischen Diagnosen verschen worden, im Uebrigen
wie auch die Gattungen, in schwedischer Sprache beschrieben; die
Synonymie durchweg mit Sorgfalt und ausführlich zusammengetragen.
Obwohl der Verf. mehrfach unhaltbare Arten eingezogen und als
Varietäten zu anderen gebracht hat, hätte er diese Critik vielleicht
noch etwas weiter ausdehnen können ; z. B. ist Argynnis Pales,
welche nur als alpine Form von Arg. Arsilache anzusehen ist, als
eigene Art beibehalten worden ; die Raupen beider stimmen, wie ich
mich aus eigener Anschauung überzeugt habe , auf das Genaueste
überein, und alle von den verschiedenen Autoren für die Schmetter-
linge angegebenen Unterscheidungsmerkmale sind nichts weniger als
stichhaltig. Die Zahl der in Schweden einheimischen Rhopaloceren
beläuft sich bis jetzt auf 101, nämlich Satyriden 20, IS'ymphaliden 27,
Pieriden 11, Parnassier 2, Equites 1, Lycaenen 28, Eryciniden 1 und
Hesperiden 11. Von ziemlich allgemein über Europa verbreiteten
Arten sind dem Ref. als in Schweden fehlend aufgefallen : Hippar-
chia Eudora, Tithonus, Alcyone, Papilio Podalirius, Apatura Iris und
llia, Polyommatus Hippothoe und Hipponoe.
Pa pilionarii. — Papilio Conon Hewitson ist eine neue Art
von Neu-Granada. (Transact. of the entomol. soc. II.)
Dutreux bestätigte (Entomol. Zeit. S. 142) das schon von
Lucas gellend gemaehto Europäische Bürgerrecht des Pap, Ajax,
^50 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
iadem er eines in Portugal gefangenen Exemplares dieser Art er-
wähnt und eine vergleichende Beschreibung desselben mit den aus
Amerika stammenden entwirft. Die von Lucas angeführten Exem-
plare wurden im Griechischen Archipel gesammelt.
Pieridae. — Lucas besprach (Annales de la soc. entomol. IL
p. 55) ausführlich die Charaktere und die systematische Stellung der
Galtung Leptalis und beschrieb als neue Art: Leptalis fortunata aus
Central- Amerika , aus der nächsten Verwandtschaft von L. Theonoe
Hewitson.
Pieris Alhama Luc. wurde als neue Art von der Insel Balaou
von Blanchard (Voyage au pole sud) beschrieben und abgebildet.
Dana i da e. — Danais vitrea von Neu -Guinea und australis
von Neu-Holland wurden von Blanchard (a. a. 0.) als neue Arten
beschrieben und abgebildet.
Heliconidae. — In Hewitson's Exotic Butterflies Heft 9.
und 11. wurden folgende neue Arten dieser Gruppe beschrieben und
abgebildet : Heliconia Hermathena vom Amazonenstrom, Hecalesia und
Heurippa aus Neu-Granada, llhomia Ilerda und Peridia aus Neu-Gra-
nada, Hezia von Nicaragua, Celemia und Azara von Quito , Heliconia
Eleuchia von Neu-Granada, Fornarina Fundort unbekannt, Zuleika aus
Nicaragua, Itkomia Dionaea, Fenestella und Makrena von Venezuela,
Fluonia vom Amazonenstrom, Avella und Diasia aus Neu-Granada.
Dircenna Duillia desselben ist eine neue Art aus Neu-Granada
(Transact. entom. soc. II.)
Acraeidae. — Acraea Amida aus Neu-Granada wurde von
Hewitson (Transact. entom. soc. II) als neue Art abgebildet und
beschrieben.
Nymphalidae. — Neue Arten von Hewitson (Exotic But-
terflies Heft 9. und 10.) abgebildet und beschrieben sind: Pandora
Procilla aus Neu-Granada, Prepona Pylene von Rio -Janeiro, Agerias
Amydon aus Neu - Granada , Siderone Syntyche aus Mexico, Tiyn^phalis
Narcaeus aus Nord -China, ISeanthes von Port Natal, Nesiope von
Sierra Leone.
Limenitis Helmanni und Sydtji Kindermann, zwei neue Arten
aus Sibirien, wurden von Leder er (Verhandl. d. zoolog. -botan.
Yer. III.) beschrieben und abgebildet.
Vanessa algina Blanchard (a. a. 0.) neue Art aus Neu-Guinea.
Dorfmeister theilte (Verhandl. des zoolog. -botan. Vereins
in Wien III. S. 136) Beobachtungen über die mit Melitaea Athalia zu-
nächst verwandten Arten , besonders in Bezug auf ihre Raupen und
Puppen mit. Die daselbst vom Verf. als neu bezeichnete und durch
die ersten Stände von M. Athalia deutlich unterschiedene Art: M. Fe-
ronica^ ist mit Britomartis Assm, identisch.
während des Jahres 1854. 251
Derselbe erörterte (ebenda IV. S. 483) die Lebensweise der Raupe
von Limenitis populi und gab eine Abbildung der von ihr benagten
Blätter.
Satyrida e. — Neue Arten sind:
Erebia Edda M6netri6s, mit Alecto nahe verwandt, aus Sibirien
(Middendorf's Reise), Saiijrus Heldenrelchü (Kindermann i. lit.) Lede-
rer ebendaher (Yerhandl. d. zoolog.-botan. Ver. III), Haelera Horlona
und //y/;oesm Hewitson, erstere vom Amazonenstrom, letztere von Neu-
Granada (Transact. entomol. soc. II.)
Hijjparchia Beroe, Geyeri, Mamurra , Mniszechii und Hanifa
Kind. i. lit. von Amasia und dem Caucasus wurden von Frey er
(Neuere Beiträge, Heft 103 u. 104) beschrieben und abgebildet.
Erycinidae. — Von Hewitson wurden beschrieben und
abgebildet: Calydna Cajela, Calamlsa, Cab>ra, Calitas, Chaseha, Cha-
rila vom Amazonen - Strom (Exotic ßutterflies Heft 10) und Erycina
Saundersii aus Neu-Granada (Transact. entomol. soc. II.)
Lycaenidae. — Blanchard machte (a. a. 0.) durch Be-
schreibung und Abbildung folgende neue Arten bekannt: Polyomma-
tus Diogenes von Neu-Guinea, Plalo von der Insel Balaon, Archopala
Micale von Neu-Guinea, Thecla Chlorinda von Van Diemensland.
Neue Arten von Eversmann (Bullet, de Moscou 1854. No. 3)
aus den südlichen Kirgisensteppen sind: Lyccenn Elvirn , Polyomma^
Ins Epargyros und Alamantls, die beiden letzteren auf Taf. 1 abge-
bildet; nach der Abbildung gehört P. Epargyros jedenfalls der Gat-
tung Amblypodia Horsf. Doubleday an.
Hesperidae. — Herrich-Schäffer (System. Beschreibung
der Europ. Schmetterl. Heft. 65) gab Abbildungen von folgenden neuen
Arten : Hesperia Moeschleri, argyrostigma und Älcides^
Frey er (Neuere Beiträge, Heft 105) beschrieb und bildete ab;
Hesperia Cacaliae von den Alpen Tyrols, Serralulae von der Sierra
Nevada und Phlomitis Kind, von Amasia.
Die ersten Stände der Hesperia Lavaterae machte v. Hornig
(Verhandl. d. zoolog.-botan. Ver. IV. S. 541) bekannt; die Raupe lebt
auf Stachys recta, deren innerste Blätter sie durch einige starke Fä-
den über sich zusammenwölbt.
Castniariae« Castnia HecaU Boisd. aus Süd-Amerika, Eu-
desmia aus Chile, Crotiida aus Surinam, Cacica Boisd. aus Columbien
und Herrichii Boisd. aus Bolivia wurden von Herrich-Schäffer
(Lepidopt. exot. Lief. 8) als neue Arten abgebildet.
Splitng-tcles. Neue von Herrich-Schäffer (Lepidopt.
exot. Lief. 6) abgebildete Arten sind: Sph'nx Solani Boisd. von Ma-
dagascar, Ambulix Eurycles Boisd. aus Surinam, Sphinx Peltenia Boisd.
aus Ceatral-Aiaerika, Chacrocampa Orpheus Bois^. und Lophttra Zari"
25^ Gerstaecker: Bericht Ob, tl. Leistungen in d. Entomologie
thtis Boisd. vom Cap, Perigonia slultaBols^. und Macroglossa Gilia Boigd.
aus Surinam ; ausserdem auch noch Thyrcus Lycteus Gramer, mas. var.
aus Cayenne.
Smerinthus Eversmanni Popoff i. lit. von Kiachta, eine pracht-
volle Art, welche gleichsam die Charaktere von Sm. Tiliae und Ocel-
lata in sich vereinigt, wurde von Eversmann (Bullet, de Moscou
1854. No. 3. S. 182) beschrieben und auf Taf. 1. abgebildet.
Nach Wallengren (Öfversigt afKongl. Vetensk. Akad. Handl.
1854. p. 16) ist Sphinx Euphorbiae Lin. (Fauna Suecica) wahrschein-
lich auf Sph. Galii auct. zu beziehen.
Sesiariae. — De Sesiis agri Berolinensis, Dissert. inaug,
Auetore 0. Staudinger, c. tab. IL Berol. 1854. — Der Verf., wel-
cher sich mit grossem Eifer dem Studium dieser interessanten Gruppe
hingegeben hat, theilt in seiner Inaugural-Dissertation die von ihm ge-
sammelten Erfahrungen besonders in Bezug auf die ersten Stände und
die Entwickelungsgeschichte der einzelnen bei Berlin vorkommenden
Arten mit. Ueber viele derselben war bisher gar nichts oder nur
sehr Weniges bekannt; die Larven der grösseren Arten überwintern
zweimal, bis sie sich zur Verwandlung anschicken , die der kleineren
meistens nur einmal. Der forstliche Schaden, welchen sie anrichten,
ist im Ganzen wohl nur gering, da nach den Erfahrungen des Verf. nur
eine (S. asiliformis) ganz gesunde Stämme angreift; von den übrigen
leben die einen in den Wurzeln, andere unter der Rinde meist schon
vorher lädirter Bäume, die kleineren Arten im Holze von Sträuchern
und selbst im Stengel einjähriger Pflanzen. Im Ganzen sind dem
Verf. 15 Arten als bei Berlin bis jetzt aufgefunden bekannt gewor-
den; dieselben theilen sich in 4 Untergattungen, die übrigens wohl den
Werth von Gattungen haben , zu. Sie sind nach der Fühlerbildung
beim Männchen folgendermassen festzustellen : A. Das Endglied der
Fühler mit Borsten besetzt. 1) Fühler des ^ gekämmt, kurz ge-
wimpert: Trochilium Herr. -Seh. 2) Fühler des ^^ kurz gekämmt,
lang gewimpert: Sciapleron n. g. 3) Fühler des ^ gezähnt, lang
gewimpert: Sesia auct. — B. Das Endglied der Fühler ohne Bor-
sten. 4) Fühler des ^ doppelt gekämmt , gewimpert : Bembecia
Herr. -Seh — Mit diesen Unterschieden in der Bildung der Fühler ge-
hen gleiche im Flügelgeäder , der Form der Palpen u. s. w. Hand in
Hand. Die neue Gattung Sciapteron ist auf Ses. asiliformis Fabr. ge-
gründet. Bembecia ist bei Berlin durch 1 Art (S. hylaciformis), Tro-
chilium durch 2 Arten (S. apiformis und laphriaeformis), die eigent-
liche Gattung Sesia durch 11 Arten vertreten. — Auch die äussere
Anatomie der verschiedenen Entwickelungsstufcn hat der Verf. mit
grosser Gründlichkeit auseinandergesetzt und die wesentlichen Theile
auf 2 Tafeln dargestellt. Die entsprechenden Theile der Raupe, Puppe
und.xles ausgebildeten.. Insekts sind mit Einsicht auf einander- zui^cJ^-r^
während des Jahres 1854. 253
geführt und bei allen dreien die Zusammensetzung des Körpers aus
13 Ringen, die freilich nach bestimmten Gesetzen modificirt erschei-
nen, nachgewiesen. Es ist vollkommen richtig , dass auch der Rau-
penkörper aus 13 und nicht wie bisher angenommen wurde, aus 12
Ringen besteht, nur dass zwei derselben scheinbar mit einander ver-
schmelzen.
Trochilium vespiforme Boisd., neue Art aus China wurde von
H erri ch -Schäffer (Lepidopt. exot. Lief. 11) abgebildet.
Co^sini. Eine Reihe zum Theil sehr ausgezeichneter neuer
Arten wurde von Herrich - Schäffer (Lepidopt. exot. Lief. 8.
und 9.) durch Abbildungen bekannt gemacht : Xyrena Casuarinae Bo'isd.
aus Neu-HoUand , Endoxyla d'Urvillei Boisd. von Tongatabou , Enca-
lypli Boisd. aus Neu-HoUand, Cryplobia Musae Boisd. von Rio Grande,
Zeuiera indica Boisd. aus Silhet, Boisduvalii Feisth. von Galam, Ca-
nadensis Boisd. von Quebeck, Rliizona pallens Boisd. von Guinea,
Cossus Robiniae Boisd. von Californien, aelhiops Boisd. aus Süd-Ame-
rika, Zeuz-era aurogullata von Sierra Leone, Epialus exclamans Boisd.
und epigramma Boisd. aus Brasilien , tessellalus Boisd. von Neu-Hol-
land, Dolecla scariosa Boisd. von Rio Grande, Tirema Lyonetii Boisd.
aus Keu-Holland, Myelobia paleacea Boisd. , decolorala Boisd., pustu-
lata Boisd. und murina Boisd. aus Brasilien.
Eine neue Sibirische Art wurde als Epialus nubifer von Lede-
rer (Verhandl. d. zoolog. -botan. Ver. IIL) , eine zweite aus den
Kirgisen - Steppen als Cossus canipicola von Eversmann (Bullet,
de Moscou 1854. No. 3. p. 181) beschrieben.
Clielonariae« Zwei neue Gattungen aus der Gruppe der
Lithosien errichtete Zeller im Bulletin de la soc. imp. des natura-
listes de Moscou 1853. Wo. 4. p.508. Die erste derselben, Rhago-.
phanes n. g. zeigt in der Gestalt der Vorderflügel auffallende Aehn-
lichkeit mit den Tortrices, von denen sie sich jedoch durch die Kürze
det Taster und die Bildung der Hinterflügel entfernt. Die vom Verf.
aufgestellten Charaktere lauten : „Antennae mediocres rare ciliatae,
articulo basali anterius pilosulo. Epistomium hirtum. Palpi brevis-
simi, adscendentes. Haustellum thoracis longitudine. Patagia longis-
sime ciliata; coUare pilosum. Alae anteriores postice dilatatae, acutae ;
posteriores breves, subbipartitae, undique mediocriter ciliatae". — Die
einzige Art /l/t. forirtci/ormis stammt aus Java; unter den Europäischen
Galtungen schliesst sie sich zunächst an Nudaria und Calligenia an.
— Die zweite Gattung Pseudotabes zeigt durch die Bildung der Flü-
gel am meisten Aehnlichkeit mit Setina, unterscheidet sich jedoch
dadurch, dass die Hinterflügel gleichsam an der Spitze abgebissen
sind. Ihre Charaktere sind folgende: „Caput breve , transversum.
Epistomium laevigatum. Anlennae tenues, setaceae, breviter ciliatae,
254 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
arliculo basali simplici. Palpi breves, tenues, acuti , adscendentes.
Haustellum breve. Patagia rotundata ; collare mediocre. Alae ob-
longo -dilalatae, posteriorum apcx lale excisus". — Eine Art: Ps.
oophora ebenfalls von Java. Beide Gattungen sind auf Taf. 4 in ihren
einzelnen Theilen abgebildet.
Eine grössere Anzahl neuer, zum Theil sehr prächtiger Arten
wurde von H errich-S eh äf f er (Lepidot. exot.) durch naturge-
treue Abbildungen zur Kenntniss gebracht: a) Zygaenen-artige: Zj/-
gaena hotlentolta vom Cap , Urodus monura und xylophüa aus Vene-
zuela, Ino nebulosa Klug vom Cap , Fyromor'pha dimidiala aus Geor-
gien, (nov. gen.) Forlunü und (nov. gen.) cyanecnla Boisd. aus China,
(nov. gen.) ichneumonea Boisd. aus Brasilien , Etirala xanlhorhina
Boisd. aus Rio-Janeiro, seha Boisd. von Montevideo , melanihus Gra-
mer var., sericaria Perty, Helena Boisd. und Amycles (?) , ßamfascia
aus Brasilien, Charidea splendida^ micans , fulgens ^ fulgida und apica^
lis Boisd. aus Venezuela, meonioides ^ Laemocharis vulnerata, Bura,
Zanles und admola Boisd. aus Brasilien, Telpheus und Panopes Boisd.
aus Venezuela, sciniillans aus Brasilien , Machile Boisd. aus Surinam,
Hanga, Deyrollei und crocata Boisd. aus Brasilien, Pertyi Boisd. aus
Georgien, Aecyra^ Norma, aurifera , sericea , nexa, confinis , selecta,
annexa und slulla aus Brasilien. — b) Euprepien-artige : Eudryas (?)
capensis, Euchelia pardalina und Agatiais borbonica Boisd. vom Cap,
Aganais Jodamia Boisd. aus Neu - Holland , Helerusia scintillatis und
circinata Boisd. von Assam , atrocyanea de Haan von Java und pul~
chella Koll. von Ostindien.
Ausserdem wurden als neue Arten beschrieben :
Zygaena Iruchmena aus den südl. Kirgisensteppen von EY.ers-
mann (Bull, de Moscou p. 184). — Lilhosia (lavociUala aus Sibirien,
von Lederer (Verhandl. d. zoolog.-botan. Ver. IIL)
Dorfmeister „Ueber einige in Steiermark vorkommende Zy-
gaenen« (Verhandl. des zoolog.-botan. Ver. zu Wien IV. S. 172)
macht auf die Wichtigkeit der Beobachtung der ersten Stände bei
den Zygaenen, als das einzige Mittel zur sicheren Unterscheidung der
Arten, aufmerksam und giebt Mitlheilungen über die von ihm beob-
achteten Raupen, ihre Nahrungspflanzen und ihre Zucht in der Ge-
fangenschaft. Die Raupen zerfallen in solche mit einem mittleren
schwarzen Rückenstreifen: Z. Angelicae, Peuc(jdani (Ephialtes) und Sca-
biosae (Pluto?), und in solche ohne mittleren Rückenstreifen: Z. Mi-
nos, Achilleae, Meliloti, Lonicerae, Filipendulae, Onobrychis.
Derselbe (ebenda IIL S. 178) erzog aus Eiern der Zygaena
Ephialtes eine Reihe von Faltern, welche unter sich zwar variirten,
aber sämmtlich der Zyg. Peucedani näher als der Zyg. Ephialtes stan-
den, wohl ein sicherer Beweis, dass diese beiden Arten als Varietä-
während des Jahres 1854. 255
ten zusammengehören. — Auch fand der Verf. Z. Filipendulae masc.
mit Z. Peucedani fem. in Copula. ^
Auch Zell er hob (Entomol. Zeit. S. 92) abermals die von ihm
beobachtete Begattung von Zyg. Ephialtes und Peucedani hervor, und
schlägt vor, für die vereinigte Art den älteren Linne'schen Namen
Zyg. Ephialtes anzunehmen.
Mann behauptete mit Unrecht gegen Schreiner (siehe Jah-
resbericht 1852) die specifische Verschiedenheit von Lithosia depressa
und helveola, gestützt auf das Vorkommen beider Geschlechter beider
Arten zu verschiedenen Jahreszeiten. (Verhandl. des zoolog. -botan,
Ver. III. S. 18). — Schreiner hat diese Ansicht (Zeitschrift für die
gesammten Waturvv^issensch. Juli 1854. S. 43) mit gewichtigen Grün-
den widerlegt und seiner Ansicht stimmt auch v. Hornig bei, der
ebenfalls beide Arten in Copula antraf.
Ilombycides« Von Herrich-Sch äffer wurden (Lepidopt.
exot. Lief. 5., 6. und 10.) folgende neue Arten abgebildet : Adeloce-^
phala Cadmus Boisd. und anlhonilis Boisd. aus Brasilien , Anodonta
(Mollusken ! !) combusla Boisd. , Anurocampa mingens Boisd. , LobezM
Aglone Boisd., Caeculia Hella Boisd. , Hydrias Ogenes Boisd., nocens
Boisd., deiista Boisd. und Omphalia psorica Boisd. aus Brasilien, Sa-
turnia Irifenestrata Hei f. fem. von Java , Sinope fem. und Wahlbergii
Westw. mas. von Port Natal, Jo Auleies Boisd. fem. aus Surinam,
Jana Eurymas Boisd. und Tanlalus Boisd. von Sierra Leone, Liparis
adspersOf crocicoUis Boisd., dea/6a^a Boisd., croca^a Boisd., ptcla Boisd.,
Orgyia Dregei Boisd. vom Cap und Port Katal , Limacodes querceti,
quercicola, pallida Boisd., texLula Boisd., jlavula Boisd., fasciola Boisd.
und spinuloides Boisd. aus Piord-Amerika, bella Boisd. aus Bahia, Eu^
ryda variolaris Boisd. aus Columbien, Dalcera abrasa aus Colurobien,
Neaera chloris aus Süd-Amerika, punica Boisd. aus Silhet, Nyssia /Zo-
rifera vor Madagascar und albipuncla aus Ostindien.
Newman fügte (Transact. entomol. soc. III. p. 1) der zuerst
von Harris aufgestellten Gattung Perophora (mit Saccophora Doubl,
identisch), von welcher bisher nur eine Nord-Amerikanische Art be-
kannt war, eine zweite aus Süd -Amerika unter dem Kamen t, Ba-
tesii hinzu, welche er in allen Ständen beschreibt und auf Taf. 1 ab-
bildet. Die Raupe derselben lebt auf Byrsominen undMelastomen und
frisst deren Blätter. Der Verf. reiht hieran Beobachtungen über die
systematische Stellung der Gattung, ohne zu einem bestimmen Resul-
tate zu kommen. Die Raupe bietet augenscheinliche Aehnlichkeit mit
denen der Psychiden dar, die Puppe zeigt wie bei Cossus und Hepia-
lus Hakenringe an den Hinterleibssegmenten , ohne dass das volU
kommene Insekt mit diesen nähere Uebereinstimmung zeigte. Ref.
glaubt, dass man sich zunächt an das letztere zu halten habe und
256 GerBtaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
dies zeigt jedenfalls die grösste Verwandtschaft mit Gastropacha. üe-
brigeris scheint diese Galtung durchaus nicht arm an Arten zu sein,
denn das hiesige Museum besitzt deren mehrere noch unbeschriebene.
Psyche delrita Lederer ist eine neue Art aus Sibirien (Verhandl.
d. zoolog.-botan. Ver. Ili.)
Nyl ander (Annales de la soc. entern, p. 335) erzog aus einem
Gespinnst, welches mit dem von Sieb old's Psyche helix durch seine
eigenthümliche Form übereinstimmte, ein männliches Individuum, wel-
ches er für das noch unbekannte Männchen der genannten v. Sie-
be Id'schen Art hält; eine ausführliche Beschreibung des einzigen
aus Südfrankreich stammenden Exemplars ist hier beigefügt worden.
Neustadt zählte die in Schlesien vorkommenden Arten aus der
Gruppe der ]\otodonliden, deren Zahl sich im Glänzen auf 31 beläuft
und welche 11 Gattungen angehören. (32. Jahresbericht der Schlesi-
schen Gesellschaft für vaterländische Cultur S. 90.)
Frief gab (Breslauer Entomol. Zeitschr. YIIL S. 7) eine noch-
malige Beschreibung der Raupe von ISotodonta (Glyphidia) crenata;
dieselbe lebt nach ihm nicht, wie Treitschke angiebt, auf Fopulus
tremula, sondern auf P. pyramidalis und nigra.
IVoctuae* Leder er begründete (Lepidopterol. aus Sibirien
S. 368) auf einige Sibirische Arten dieser Familie eine neue Gattung
Oncocnemis, welche mit Agrotis in nächster Verwandtschaft steht, sich
aber von dieser durch die Vorderschienen, welche der Dornborsten an
den Seiten entbehren, dagegen aber eine starke Kralle am Ende ha-
ben, unterscheidet. Die männlichen Fühler sind borstenförmig, gleich-
massig kurz gewimpert, die Zunge spiral, die Palpen am Kopfe auf-
steigend, ihr Endglied kurz und stumpf. — Ausser N. nigricula Eversm.
gehören dazu zwei neue von Kindermann in Sibirien aufgefun-
dene Arten : One. strioligera Led. und campicola Kind. ~ Ausserdem
wurden (ebenda) folgende neue Eulen beschrieben und abgebildet t
Graphophora Kollari Kind. , msujnala Led. , Chersolis melancholicaf
Slenlüi und Rana Kind., Agrolis Iruculenla Led., Uadena velerina und
arc(a Led., altaica Kind., egena und inops Led., Charadrina congesta
und morosa Led. , Xanihia zelolypa Led. und vulpecula Kind., Hypena
Irislalis Led. — Den Gattungsnamen Anthophila , von Latre^ille
schon früher bei den Hymenopteren vergeben , ändert der Verf. hier
zugleich in Thalpochares um.
Von H e rrich- Seh ä ff e r wurden (Lepidopt. exot.) folgende
neue Arten abgebildet: Ingura circularis ßoisd. aus Surinam, Noclua
trinola{\) und lulescens vom Cap , biparlila aus Surinam, excisa vom
Cap, Apamea indigna und Spodoplera capicola vom Cap, Canodea dif^
formis und Hypetra megasligma aus Surinam, Calocala ver7niculosa und
Grammodes euclidioides vom Cap, Valindia candalula aus Surinam,
während des Jahres 1854. 257
Hypopyra capensis und inconspicua vom Cap, Ägrophila Onagrus, JVo-
ctua oblusa^ Moma fallax , Uadena miselioides , Bryophila teratophora
von Tenessee, ISoclua carhunculus und psittacas von Venezuela, l'la^
Codes cinereola von Tenessee.
Frey er gab Beschreibungen und Abbildungen von folgenden
neuen Arten: Leucanin Cinls aus dem Obcr-Engadin-Thale, mit L. pu-
trescens Hübn. zunächst verwandt, Apamen wwica , der A. lalruncula
ähnlich , von Fuessen , Ophiusa rivulosa aus INord - Amerika (wegen
unrichtiger Yaterlandsangabe irrthümlich hier abgebildet). Ausserdem
beschreibt Fr. unter dem Namen Acronycta auricoma var. eine wahr-
scheinlich neue Art dieser Galtung, deren Raupe auf Gentiana ascle-
piadea auf den Alpen lebt und von der Auricoma-Raupe wesentliche
Unterschiede in der Färbung zeigt.
Von Eversmann aufgestellte neue Arten aus den Kirgisen-
Steppen sind: Agrotis fallax, Orthosia porosa , Hadena acuminifera,
ahrupla, Xylina scripturosa, Ophiusa sesquislria und Anlhophila gra^
tiosa. (Bulh de Moscou 1854. p. 185 ff.)
Cucullia scopariae Dorfmeister, eine neue mit C Abrotani ver-
wandte, auf Artemisia scoparia lebende Art , wurde in den Verhandl.
d. zoolog.-botan. Ver. 1853. S. 413 bekannt gemacht.
Dorfmeister gab (ebenda S. 415. und Jahrg. 1854. S. 104)
Nachricht über die ersten Stände und die Verwandlungsgeschichte
von Episema trimacula , Ophiusa ludicra und Agrotis sagittifera ; die
Raupe der letzteren Art lebt in den Blüthenköpfen vonJurinea mollis.
Oeometrae. Leder er hat (Verhandl. des zoolog.-botan.
Ver. in Wien lll. S. 165—270) die Europäischen Arten dieser Fa-
milie einem genauen Studium unterworfen und ein auf Untersuchung
des Flügelgeäders gegründetes System, welches von dem Herrich-
Schäffer'schen wesentlich abweicht, aufgestellt. Der Verf. theilt
die Spanner in vier Gruppen, welche sich durch folgende Charaktere
sondern: 1. Vorderflügel ohne Anhangszelle, die fünfte Rippe dersel-
ben gleich stark, die achte Rippe der Hinterflügel entspringt frei aus
der Wurzel; die fünfte Rippe beider Flügel entspringt immer viel
näher an der sechsten als an der vierten. Die hierher gehörigen
Gattungen sind: Pseudoterpna Herr.-Sch., Geometra Boisd., Phorodesma
Boisd., Eucrostis Hübn., Nemoria Hübn., Thalera Hübn. und Jodis
Hübn. — 2. Vorderflügel mit einer Anhangszelle, Hinterflügel wie
in der ersten Gruppe, nur dass die fünfte Rippe bald mitten zwischen
der vierten und sechsten, bald näher an der vierten entspringt; letz-
teres ist dann auch auf den Vorderßügeln der Fall. Hierzu gehören •*
Acidalia Tr. , Boletobia Boisd., Zonosoma (Ephyra Dup., welcher Na-
me schon vergeben ist), Timandra Boisd., Ochodontia nov. gen. auf
G. Sareptanaria Freyer gegründet, und Fellonia Dup. — 3. Vorder-
Archiv f. Naturgescb. XXI. Jahrg 2. Bd. R
258 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
flügel ohne Anhangszelle, die achte Rippe der Hinterflögel entspringt
aus der Wurzel (nur bei Anisopteryx aus dem Vorderrand der Mittel-
welle), die fünfte Rippe ist in der Regel schwächer als die übrigen,
nur bei einigen Gattungen gleich stark. Folgende Gattungen werden hier
untergebracht: Rhyparia Hübn., ZereneTr., Orlhostixis Herr. -Seh., Bapta
Steph., Tkerpnomicta (Stegania Dup.), Cabera Tr., Numeria Dup., Ellopia
Steph., Metrocampa Lat. , Eugonia Hübn., Selenia Hübn., Pericallia
Steph., Therapis Hübn.j Odontopera Steph., HimeraDup., Crocallis Tr.,
Eurymene üup., Angerona Dup., Urapteryx Leach, Rumia Dup., Hele-
rolocha n. g. auf G. laminaria Herr. - Seh. gegründet, Epione Dup.,
Hypoplectis Hübn., Causloloma n. g. auf G. flavicaria S. V. gegrün-
det, Elicrina Boisd., Veniiia Dup., Macaria Curt. , Ploseria Boisd.,
Dysemon (Chenierina Boisd.), Ligtiyoplera (Acalia Guen.) , Hibernia
Lat. , Anisopteryx Steph. , Phigalia Dup. , Biston Leach , Amphidasys
Tr., Apochima Herr. -Seh., Hemerophila Steph., Nychiodes n. g. (Typus
G. lividaria Hübn.), Synopsia Hübn., Boarmia Tr. , Tephronia Hübn.,
Sthanelia Boisd., Gnophos Tr., Dasydia Guen. , Psodos Tr., Colutogyna
(Pygmaena Boisd.), Phyllometra Ramb. , Eugea Dup., Anthometra
Ramb., Fidonia Tr., Athroolopha n. g. auf G. pennigeraria Hübn. ge-
gründet, Eurranthis ttübn., Emalurga n. g, (Typus G. atomaria Lin.),
Bupalus Leach, Selidosema Hübn. , Thamnonoma (Halia Boisd.) , Dia-
stictis Hübn., Phasiane Dup., Eubolia Boisd., Enconista n. g. (auf G.
perspersaria Tr. gegründet), Scodiona Boisd., Eusarca Herr. -Seh.,
Eremia Herr.-Sch., Heliothea Boisd., Cimelia (Timia Boisd.), Prosopo-
lopha (Ligia Boisd.), Aspilates Tr. , Cleogene Boisd., Scoria Steph.,
Aplasta Hübn. und Gypsochroa Herr.-Sch. — 4. Vorderflügel mit einer
Anhangszelle, die fünfte Rippe gleich stark; die achte Rippe der
Hinterflügel entspringt aus dem Vorderrand der Mittelzelle. Gattun-
gen: Sterrha Herr.-Sch., Lythria Hübn., ürtholitha Hübn., Mesotype
Hübn., Minoa Boisd., Üdezia Boisd., Siona Dup., Lithostege Hübn.,
Anaitis Boisd. , Chesias Tr. , Lobophora Curt. , Chimatobia Steph.,
Triphosa Steph. , Eucosmia Steph. , Scotosia Steph. , Cidaria Tr. und
Eupithecia Curt. — Sämnitliche Gattungen hat der Verf. ausführlich
charakterisirt und die Hauplverschiedenheiten im Flügelgeäder auf
zwei Tafeln dargestellt. Zu einer Reihe von Arten giebt er ausser-
dem berichtigende oder ergänzende Anmerliungen. Das Verzeichniss
der Europäischen Arten , welches in derselben Weise wie das der
ersten Familien angefertigt ist, zeichnet sich durch gründliche Critik
der Synonymie und Vollständigkeit vor allen früheren rühmlich aus.
Derselbe gab (Lepidopterologisches aus Sibirien , S. 377 ft'.) die
Beschreibung und Abbildung folgender neuer in Sibirien aufgefunde-
nen Arten: Synopsia slrivlaria, Boarmia biluminarittj Gnophos Ophthal-
micala , Eubolia sernilulata , Phasiane biparala , Cidaria serpentinatOy
ravaria und fluidata, Eupithecia despectaria.
fti^otemoroS .fe H während des Jahres 1854. 259
Von Anker wurde (Sitzungsberichte des zoolog. - botan. Ver-
eins zu Wien IV. S. 111) unter dem Namen Chondrosoma fiihicaria
eine interessante neue Foim aus der Umgegend von Ofen und Pesth
beschrieben, deren Hinterleib sich durch eigenthümliche, zapfenartige
Fortsätze von Chitin-Substanz, welche in beträchtlicher Anzahl zwi-
schen der Haarbelvleidung hervorragen und eine braune Farbe zei-
gen, auszeichnet. Der Verf. spricht diese neue Gattung als Span-
ner an und vergleicht sie mit Amphidasis, von der sie sich aber durch
robusteren , zottig behaarten Körper und breitere Vorderflügel aus-,
zeichnet, deren Vorderrand ausgebuchtet ist und deren Aussenrand
bogenförmig gegen den Innenwinkel verläuft. — Nach Ansicht von
typischen Exemplaren glaubt Ref. eher einen Bombyx aus der Ver-
wandtschaft von Gastropacha pinivora darin zu erkennen, und für diese
Stellung spricht auch wohl der schnelle spinnerartige Flug bei Tage,
wie ihn Anker angiebt. Die noch nicht entdeckte Raupe wird hier-
über den sichersten Aufschluss geben.
An neuen Arten wurden ferner bekannt gemacht:
Von Herrich-Schäffer (Lcpidopt. exot.) : Heleropklebs tri-
gultaria, Evrymaie feroidaria, Boarmia unitaria und Epione hypochra-
ria von Tenessee, Terpiia haeniataria aus Ostindien, Geometra dichroa*
i'ia von Port Natal, Acidalia semissaria und elegantaria von Surinam,
Geomelra poecilaria von Port Natal, Acidalia carnaria , ustrinaria,
Macaria cruraria, Patalene falculariaf Geometra concinnularia und Äe/-
taria aus Surinam, Fidonia serrifasciaria vom Cap, Acadra rectistria-
ria von Port Natal.
Von demselben (Systemat. Beschreibung d. Europ. Schmetterl.) :
Geometra laetaria, cararia , Freilagaria, anseraria, tabidaria, sicana-
riüy ßaccidaria, emularia und caricaria.
Von Frey er (Neuere Beiträge): Larentia polentillaria , die
Raupe auf Potentilla caulescens bei Fuessen, der Spanner mit L. cya-
nata zunächst verwandt; Larentia Kollariaria Mann i. lit. , Vaterland
unbekannt ; und Acidalia tacelaria von den Alpen.
Von Moeschier (Entomol. Zeit. S. 143) Pericallia Freitaga-
ria (mit der gleichnamigen Art von Herr ich - Schaff er iden-
tisch ?) aus Sarepta.
Von Menetries (Middendorf's Reise): Amphidasis unifascialct
aus Sibirien, auf Taf. 3 abgebildet.
Von Mann (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien 1853.
S. 75) : Psodos allicolaria vom Grossglockncr und Geometra beryllaria
aus Dalmatien.
V. Hornig machte (ebenda IV. S. 15) die Naturgeschichte und
ersten Stände von Scodiona favillacearia Hübn. bekannt; die Raupe
lebt auf Globularia vulgaris.
Schneider begann (32. Jahresbericht der Schlesischen Ge-
260 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sellsch. f. vaterl. Cultur S.92) eine Aufzählung der in Schlesien ein-
heimischen Geometriden ; der vorliegende Theil beschränkt sich auf
die erste Led er er'sche Gruppe, welche durch 6 Gattungen und 9 Ar-
ten in Schlesien vertreten ist.
Pyralides« Guenee trennt in seiner Bearbeitung dieser
Familie (Species general des Lepidopteres, TomeVIII) nach Latreil-
le's Vorgang die Deltoiden von den Pyraliden. Die ersteren, welche
die mit Herminia und Hypena zunächst verwandten Formen umfas-
sen , unterscheiden sich durch das verschiedene Anlegen der Yorder-
flügel von den eigentlichen Zünslern; während sie nämlich von den
letzteren um den Leib geschlagen werden, so dass sie sowohl die
Unterflügel als auch sich selbst gegenseitig bedecken , liegen sie bei
ersteren flach ausgebreitet mit ihrem Innenrande neben einander und
lassen die Unterflügel noch theilweise unbedeckt. Dies ist aber
auch wohl das einzige wesentliche Moment, worauf sich diese Tren-
nung begründen lässt und die anderen vom Verf. angeführten Unter-
schiede beider Gruppen sind entweder nicht durchgreifend oder un-
wesentlich. Das Flügelgeäder sowohl wie der ganze Habitus der
Flügel ist bei allen Pyraliden so übereinstimmnnd , dass jede Tren-
nung mehr oder weniger künstlich erscheinen muss. Das Vorhanden-
sein der Areola in den Vorderflügeln, abgesehen davon, dass es nicht
einmal constant ist , als charakteristisch für die Deltoiden aufzustel-
len, heisst jedenfalls, diesem Merkmale einen zu grossen VVerth bei-
legen, indem das Vorhandensein oder Fehlen desselben auf die ganze
Struktur des Flügels gar keinen Einfluss ausübt. Auch die Verschie-
denheiten in der Lebensweise der Raupen, ob dieselben nämlich wie
bei den Deltoiden frei, oder wie bei den Pyraliden im Inneren der
Pflanzen oder in zusammengesponnenen Blättern leben, sind wohl nicht
so hoch anzuschlagen , da z. B. bei den Rhopaloceren und Noctuen
in dieser Beziehung ebenfalls die verschiedensten Modifikationen sich
vorfinden. Natürlicher ist es jedenfalls , die Deltoiden als die höchst
entwickeltsten Formen der Pyraliden, welche den Uebergang zwischen
diesen und den Noctuen bilden , anzusehen. — Die Deltoiden theilt
der Verf. in drei Unter-Familien: Platydides, Hypenidae und Hermi-
nidae; die Hypeniden sind für ihn die typische Deltoiden-Form, wäh-
rend die Plalydiden zu den Noctuen, die Herminiden dagegen zu den
Pyraliden hinneigen. ~ Die Pyraliden zerfallen in vier Tribus, die
sich unter folgendes Schema bringen lassen: 1) die Vena costalis der
Hinterflügel frei; die Schürze fehlt*"). — Pukervlenlae. 2) Die Vena
subcostalis mit der V. costalis verschmolzen. A. Keine Vena subco-
*) Der Verf. nennt so (tablier) eine häutige Lamelle, welche
vom ersten Hinterleibsring entspringt und gerade zwischen diesem
und dem Metathorax hervortritt.
nr.tomou,", während des Jahres 1854. 261
stalis in der Cellula der Hinterflügel, a. Raupen im Innern der Ge-
wächse lebend; Falter Noctuen- artig; eine vertikale, behaarte Schürze.
— Squamosae. B. Eine verdünnte Subcostalis in der Cellula der Hin-
terflügel; Schürze veränderlich, a. Raupen auf Blätter lebend. Flü-
gel in der Ruhe etwas ausgebreitet und abschüssig. — Luridae. b.
Raupen in Gängen unter Moos lebend. Oberflügel in der Ruhe die
unteren bedeckend und fast horizontal. — Plicatae. — Die Tribus
Squamosae wird nur von einer Unter -Familie 1. Odontidae gebildet.
Die Pulverulentae enthalten deren zwei : 2. Pyralidae ; Rüssel fehlt
öfters, Palpen kurz und veränderlich, drei innere freie Adern in
den Hinterflügeln , die beiden Geschlechter einander ähnlich. 3.
Cledeobidae. Rüssel und Stemniata vorhanden , Palpen sehr lang
und gerade , die Vena submediana der Hinterflügel verschwunden,
Männchen und Weibchen sehr verschieden von einander. — Die Lu-
ridae umfassen acht Unter-Familien: 4. Hercynidae. Raupen in Gän-
gen am Grunde von Pflanzen lebend ; Falter mit zottigem Leib, mit
Noctuen- artigem Habitus, von düsteren, nebligen Farben. 5. Enmj-
chidae. Raupen zwischen Blättern eingeschlossen; Falter von züns-
lerartigem Habitus mit glattem und spitzem Hinterleibe und scharfen,
lebhaften Farben. — Die Falter dieser beiden Gruppen fliegen am
hellen Tage, haben auf der Unterseite sehr markirte Zeichnungen und
eine an den Rändern borstige und oft vertikale Schürze. Alle fol-
genden hingegen fliegen in der Dämmerung und zeigen unterhalb
keine oder nur sehr undeutliche Zeichnungen. — 6. Asopidae. Von
geringer Grösse, alle vier Palpen sichtbar, doch keinen Schnabel bil-
dend; die Vena disco - cellularis der Vorderflügel atrophirt; Schürze
breit und geglättet. Raupen auf dem Lande lebend. 7. Steniadae.
Ebenfalls von geringer Grösse; alle vier Palpen sichtbar und zusam-
men einen Schnabel bildend; Vena disco-cellularis vollständig; Flü-
gel länglich, Körper gefasert, Fühler oft schnurförmig; Schürze feh-
lend oder klein und nie zweilappig. Raupen auf dem Lande lebend.
8. ^lydrocampidae. Gestalt klein, alle vier Palpen sichtbar, Rüssel
kurz ; Raupen im Wasser lebend. 9. Spüomelidae. Gestalt mittel oder
gross, Rüssel wohl entwickelt; die Linien der Flügel fehlen oder
sind unregelmässig, nur die Lippentaster sichtbar. 10. Margarodidae,
wie die vorigen, aber alle vier Palpen sichtbar und zu einem Schna-
bel vereinigt; Afterbüschel oft abweichend gefärbt. 11. Botydae.
Flügellinien von normaler Gestalt ; Afterbüschel gleich gefärbt oder
fehlend. Gestalt mittel oder gross, Rüssel deutlich. — Die vierte
Tribus Plicatae endlich enthält wiederum nur eine Unter -Familie:
12 Scopnridae. — Der zu dem Werke gehörige Atlas enthält 10 Ta-
feln, von denen zwei die Darstellung der einzelnen Körpertheile und
die Haupttypen des Flügelgeäders geben ; die übrigen enthalten sau-
ber illuminirte Abbildungen der inleressanlestcn Falter-Arten.
262 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Von Eversmann wurde (Bullet, de Moscou 1854.No. 3. S. 193)
Hercyna inlricalis als neue Art aus den südlichen Kirgisen- Steppen
beschrieben.
V. Hornig machte (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu
"Wien III. S. 409) die ersten Stände und Entwickelungsgeschichte von
Pyrausta phoenicealis F. R. bekannt ; die Raupe lebt auf Salvia
glutinosa.
Tortrices. Herrich-Sch äffer (Systemat. Beschreib, der
Europäischen Schmetterlinge, Heft 63) gab vorläufig Abbildungen von
Torlrix insignana, mediana var., sanguisorbana, le^idana^ Gerningiana
var. ?, rubicimdana, Andereggiana und reconditana.
V. Heinemann beschrieb (Breslauer Zeitschr. f. Entom. S. 1)
folgende neue Arten aus der Umgegend Braunschweigs : Penthina ob-
scurO'fasciana, Carpocapsa Herrichiana und Syndemis collicolana.
Tortrix aerosana Lederer ist eine neue Art aus Sibirien (Ver-
handl. d. zoolog.-botan. Vereins III. S. 383.) i
Critische Untersuchungen über einige von Frölich beschrie-
bene Tortrices, wie T. niveana , Abildgaardana , variegana, psocana,
cristana und Germarana hat Schläger (Entomol. Zeit. S. 52 ff.) an-
gestellt und die bisher verwirrte Synonymie derselben durch genauen
Vergleich der von den verschiedenen Autoren gegebenen Beschrei-
bungen und Abbildungen gelichtet,
Wocke verzeichnete die Schlesischen Arten der Tortriciden-
Gattung Cochylis nebst Angabe ihrer Fundorte. Die Zahl derselben
beläuft sich auf 25. (32. Jahresbericht der Schlesisch. Gesellsch. für
vaterl. Cultur, S. 98.)
Tineae» Zell er gründete (Bulletin de la soc. imp. des
naturalistes de Moscou 1853. No. 4. p. 504) auf eine Javanische Art
eine neue Gattung Opogona, welche gewisse Aehnlichkeit mit einigen
Arten von Elachista zeigt, sich aber durch den sehr breiten Kopf, die
zu einem abgestumpften Kiel zusammenlaufende Scheitel - und Ge-
sichtsfläche , das kurze , abgestumpfte Endglied der Taster und den
kurzen , nackten Rüssel unterscheidet. Die Diagnose der Gattung
lautet: „Caput transversum, thoracis fere latitudine. Epistomium re-
cedens, latum, infra coarctatum. Antennae crassiusculae, articulo ba-
sali longo, piano. Falpi recti , divaricati, articulo terminal! obtuso.
Alae acutae, posteriores lineari-lanceolalae." — Eine Art : 0. dimi-
diatellüy auf Taf. 4 abgebildet.
Derselbe lieferte (Linnaea Entomologica IX. S. 189—403) eine
monographische Bearbeitung der Gattung Depressaria Haw. und eini-
ger derselben nahestehenden Gattungen. So leicht die Depressarien
durch ihren eigenthümlichen Habitus als solche zu erkennen sind,
80 schwierig ist die Unterscheidung der einander sehr ähnlichen und
während des Jahres 1854. 263
äusserst zahlreichen Arten ; eine Bearbeitung derselben von der Hand
des Meisters in diesem Felde ist daher nur als eine erfreuliche Berei-
cherung für die Wissenschaft anzusehen und fremden Lobes nicht
weiter bedürftig. Eine Uebersicht des vom Verf. bearbeiteten Mate-
rials ist folgende: 1. Exaeretia Staint. mit einer Art. 2. Depressaria
Haworth mit 63 Arten. Dieselben theilen sich in solche, bei denen
die Medianader der Yorderflügel drei Aeste hat, deren erster nicht
w^eit vom zweiten entfernt ist und sich in eine lange, kurzgestielte
Gabel endigt — und zweitens in solche, bei denen die Medianader
der Yorderflügel vier einfache Aeste hat, deren erster weit abgerückt
ist. Eine Art (D. dictamnella Tr.) sondert sich ausserdem von allen
übrigen dadurch ab, dass das zweite Glied der Taster unterhalb mit
einem langen Büschel versehen ist. — 3. ürthotelia Steph. mit einer
Art. — 4. Cryptophasa Lewin mit 5 Neu-Holländischen Arten. — 5.
Cryptolechia Zeller mit 26 Arten. — 6. Loxotoma nov. gen. , von
eigenthümlichem, Phryganeen- artigen Habitus, durch die Bildung der
Yordertarsen, welche gegen die Spitze hin durch schuppenförmige
Haare allmählich sich verdicken, von der vorigen Gattung unterschie-
den. Eine Art: L. elegans aus Columbien. — 7. Auxocrossa nov. gen.,
der hintere Theil des Yorderrandes der Yorderflügel ist mit langen
Kränzen besetzt und scheinbar dem Uinterrande angehörend, mit dem
er unter einem ganz stumpfen Winkel zusammenstösst ; die Gestalt
der Flügel wird dadurch sehr ungeschicla. Eine Art : A. Hopfferi aus
Brasilien. — 8. Mesoplycha nov. gen. Hier tritt der Innenwinkel
der Yorderflügel erweitert hervor , wozu noch die dort sehr langen
Franzen beitragen; die Hinterflügel beim Männchen zeichnen sich un-
terhalb durch eine zwischen der 2ten und 3ten freien Innenrands-
ader verlaufende , in der Mitte stark verdickte und nach beiden Sei-
ten verschmälerte Leiste aus. — Eine Art: M. niclitans aus Brasilien.
— 9. Anlaeolricha nov. gen. auf Walchiana Gramer gegründet, und aus-
ser dieser noch vier andere Brasilianische Arten enthaltend. — Zwei
Tafeln geben die Darstellung der Flügel der einzelnen Gattungen, fer-
ner der Hauptverschiedenheiten im Flügelgeäder und anderer charak-
teristischer Theile.
Douglas setzte seine Contributions to the natural history of
British Microlepidoptera in den Transact. of the entomol. soc. IL
p. 207 fort. Als neue Art wird beschrieben : Elachisla subnigrellaj
deren Raupe die Blätter von Bromus erectus minirt ; von anderen
schon bekannten wird die Lebensweise näher erörtert. Bedellia so-
mnulentella Zell, lebt auf Convolvulus arvensis und sepium, Elachista
Megerlella Hübn. auf Melica uniflora und cygnipenella Hübn. auf üa-
ctylus glomeratus. Die verschiedenen Stände aller vier Arten sind
auf Taf. 17 und 18 in vergrössertem Massstabe dargestellt.
II. Frey, die in der Schweiz beobachteten Arten der Gattung
264 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
LithocoUetis fZüricher Mittheil. IX. S. 600—635). Es werden hier 37
besonders um Zürich beobachtete Arten aufgezählt und über das Vor-
kommen derselben nähere Mittheilungen gemacht. Vier Arten werden
unter dem Namen L. oxyacanthae, Sorbi, Fruni und saabiosella als neu
beschrieben.
Neue Arten von Milliere (Annales de la soc. entom. II.
p. 59 ff.) aufgestellt, sind: Inciirvaria psychidella, Cephalispheira (! !)
aereinitidella, Chrysia leucochrysella , Chauliodus ochreomaculella^ Ar-
gyresthia cyaneimarmorella, sämmtlich aus der Umgegend Lyons. Die
beiden neuen Galtungen Cephalispheira und Chrysia hat der Verf.,
wie er angiebt, nach Bruand angenommen, ohne dass sie jedoch
von diesem , noch von ihm selbst charakterisirt worden sind. Die
Arten sind auf Taf. 3 abgebildet.
V. Heinemann machte (a. a. 0.) eine Anzahl neuer Arten
aus der Umgegend Braunschweigs begannt: Crambus Hercyniae\ Ti-
nea niveislrigella, Oecophora rußceps, Argyresthia semipurpurellaf Coleo-
phora Zelleriella, nemorum und aridella.
Einzelne neue Arten sind ferner:
Anchinia (Pleurota) nigricans ZeU er (Breslauer Entom. Zeitschr.
6. Jahrg. S.83) aus Schlesien. — Eudorea Zelleri Wocke (32. Jah-
resb. d. Schlesisch. Gesellsch. S. 94) aus der Umgegend Breslaus, aus
Croatien und Tyrol. — LithocoUetis irradiella Scott (Transact. entomol.
soc. III. p. 9), mit L. lautella zunächst verwandt, auf Taf. 1 abgebil-
det. — Crambus quadrifidellus , Eudorea sibirica und Futnea proxima
Lederer (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien 1853) aus Si-
birien, ausser diesen auch Myelois Sedakovella Eversm. abgebildet.
V. Hornig theilte Beobachtungen über die ersten Stände und
die Entwickelungsgeschichte folgender Tineiden mit : Gymnancyla ca-
nella. Raupe auf Salsola Kali ; Spermatophthora Hornigii , Raupe auf
Atriplex angustifolia ; Homoeosoma binacvella, Raupe in den Blüthen-
knospen von Carduus acanthoides ; Cryptoblabes rutilella , Raupe auf
Erlen; Pempelia palumbella, Raupe auf Polygala Chamaebuxus ; De-
pressaria angelicella Ilübn. , Raupe zwischen den zusammengesponne-
nen Blättern von Laserpitium latifolium in der montanen und subalpi-
nen Region der Steyrischen Gebirge (Verhandl. des zoolog.-botan.
Ver. zu Wien III. u. IV.)
Mayer (ebenda III. S. 76) beschrieb die ersten Stände von
Pempelia cingilella ; die Raupe lebt in den reifen Samenkapseln von
Tamarix germanica bei Wien.
Von Stainton's „Entomologist's Companion" ist eine zweite,
vermehrte Auflage erschienen. London 1854.
Pteroplioridne« Plerophorus brunneodactylusMiWiere, als neue
Art aus der Umgegend Lyons (Annales de la soc. entomol. p. 65)
.mw;<>!'). während des Jahres 1854. /Ij ■ ^ s • '^' J 265
beschrieben , ist von dem überall häufigen Pt. trichodactylus nicht
verschieden.
Pterophorus acanthodaclylus wurde von v. Hornig aus den
Blüthen von Salvia glutinosa, in denen die Raupe verborgen lebt,
erzogen. (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien III. S. 409.)
Ilerniiitera.
Eine grössere Anzahl neuer Heniipteren- Formen hat
Stal in der Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akadem. Förhandl.
XI. p. 231 ff. bekannt geiuacht. Dieselben sind bei den ein-
zelnen Familien näher berücksichtigt worden.
Assmann stellte (Breslauer Zeitschrift für Entomolo-
gie VIII) ein Verzeichniss der bisher in Schlesien aufgefun-
denen Hemipteren zusammen , welches sich durch grosse
Reichhaltigkeit auszeichnet. Dasselbe umfasst von Hetero-
pteren 400 Arten, welche sich auf 77 Gattungen vertheilen;
die Homopteren sollen später in gleicher Weise nachfolgen.
Hiernach stellt sich das Verhältniss der Schlesischen Hemi-
pleren-Fauna zur Europäischen wie 4:9, obwohl bisher nur
die Umgegenden von Breslau und Warmbrunn genau und zu
allen Jahreszeiten durchforscht worden sind.
Diie in Siebenbürgen bis jetzt aufgefundenen Hemipte-
ren zählten Fuss und Mayr im 4. Jahrgange der Mitthei-
lungen des Siebenbürgischen Vereins zu Hermannstadt S. 44
und 142 auf.
Pentatoinidae* Eine neue Gattung nebst einer Reihe
neuer Arten wurde von Stal (Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad. För-
handl. p. 231 fF.) bekannt gemacht. Die neue Gattung Aspidestrophus
gehört der Amyot- und S e r vil 1 e'schen Gruppe Podopidae an und
wird folgendermassen charakterisirt : „Corpus late ovale, subpubescens.
Caput subquadratuin , utrinque ante oculos spinosum , lobis lateralibus
intermedio vix longioribus. Rostrum coxas anticas attingens. Anten-
nae capite cum thorace longitudine aequales. Thorax transversim
impressus, antice parum sinuatus, postice subtruncalus , lateribus le-
viter rotundatis, crenatis. Scutellum abdominis longitudine, sed huius
dimidia latitudine, basin versus utrinque leviter sinuatum, apice late
rotundatum. Pedes mediocres, tarsorum articulo basali et apicali lon-
gitudine aequalibus , intermedio minimo." Eine Art: A. morio von
Java. — Die neuen Arten sind : Solenoslhedium chinense von China,
Callidea lanius won Java, jnctalor unbek. Vaterl., ^phaerocoris niloti»
266
GerstaecUer; BcFicht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
tus aus Wubien, Ancyrosoma simile aus Daurien , Flalynopus rubroguU
latus aus Montevideo, Acalalectus nitidicollis von Java, Mecidea paU
lida aus Kubien, longula von der Insel St. Barthelemy , Penlaloma
arabica aus dem felsigen Arabien , Slrachia ponderosa, generosa und
circumducta aus Brasilien, Uroslylis ßavoannulala aus Daurien, Tesse-
raloma Aßelii von Sierra Leona (papulosa Burni. excl. synon.), Py-
canum ponderosum von Assam, pretiosum von Pulo Penang und Cy-
clopella tartarea vom Himalaya.
Coreodes* Neue Arten von Stal (a. a. 0. S. 234) sind: Ne-
matopus malayus von Pulo Penang, Paryphcs magnificus aus Brasilien,
sumpluosus von Guayaquil, preliosus aus Mexico , Diactor discolor von
Taiti, Alydus pulcher von Honduras und A?iasa maculivenlris aus Co-
lumbien.
I^yg-aeodes. Lygaeus creticus Lucas ist eine neue Art von
der Insel Greta. (Rev. et Magas. de Zool. VI. p. 280.)
Kons chakevitsch fügte (Etud. entomol. II. p. 21) den bei-
den bekannten Arten der Gattung Pterotmetus, nämlich Pt. staphyli-
niformis und hemipterus Schill, eine dritte neue unter dem Namen Ft.
Menetriesii aus Süd-Deutschland hinzu.
Stal beschrieb (a. a. 0. S. 235) folgende Arten: Lygaeus ru-
bricosus aus Portugal, Oxycaraenus maculatus vom Cap , Geocoris fla-
vipes von Java, signicollis aus Nubien , Maurilii von Isle de France,
tristis aus Californien, pallens ebendaher, Vermatinus lugens vom Cap,
Physopelia rubricosa aus' China, haemorrhoidalis von Manilla, Dysdei\.
PMS bimaculalu^ ohne bekanntes Vaterland und albidiventris aus Mexico.
Capsini. Capsus circummaculatus aus Chile und Schiödtei aus
Sicilien sind zwei neue Arten von Stal (a. a. 0. S. 236.)
Itlembranacei. Frauenfeld wies (Vtrhandl. des zoolog.-
botan. Vereins zu Wien III. S. 157) nach, dass unter Monanthia cla-
vicornis bisher zwei verschiedene Arten vermengt worden seien, die
sich durch die Lebensweise in verschiedenen Pflanzenarten genau nach-
weisen lassen. Die eine , die wirkliche Cimex clavicornis Lin. lebt
nämlich in Auswüchsen der Blüthenköpfe von Teucrium chamaedrys;
die andere hingegen, welche von Host als Cimex Teucrii beiläufig
erwähnt wird, in Teucrium montanum. Den letzteren Species-Namen
hat Fraucnfeld für die abzutrennende Art beibehalten und setzt
die Unterschiede beider Arten, welche Fieber's Gattung Laccometo-
pus angehören, auseinander-
ßrachyrrhynchus Chilensis und Acanlhia focda^ letztere aus Neu-
Granada, wurden von Stal (a. a. 0.) als neue Arten beschrieben.
Reduvini« Eine neue Gattung Phonolibes wurde von Stal
(a. a. 0. S. 238} folgendermassen charaktcrisirt : „Caput cylindricum,
. ,K:if . ,» während des Jahres 1854. .,]■: , ;>,';: 2ß7
ante oculos conico-productum, basi constrictum, coHo brevissimo, Aß-
tennae capite ter longiores, crassiusculae, art. 1. et 3. long, aequali^
bus, reliquis crassioribus , 2. bis tertia parte breviore, 4. hoc duplo
longiore. Thorax subtransversus, convexiusculus , antice transversim,
inedio longitudinaliter leviter impressus, basi late emarginatus. Scu-
tellum late trianguläre, longitudinaliter carinatuni, carina basi furcala.
Hemelytra corii cellula intraniarginali reticulato-nervosa. Pedes me^
diocres, tarsis brevibus, artic. basali brevissimo, ultimo longissirap-*
— Art : Pk. tetiuslus von Sierra Leona. — Die neuen ebenda be-
schriebenen Arten dieser Familie sind : Spiniger luleoguttatus und
ochripennis aus Brasilien, femoralis Buenos Ayres, Eclrichodea serni-
rufa von Pulo Penang , bicoloripes von Ost -Indien?, Hammatocern$
luctuosus aus Mexico , Cethera anntdipes aus Columbien , Plaeogaster
modeslus von Pulo Penang, Harpaclor albosparsus Minas Geraes , Sac,
coderes excavatus aus Brasilien und Cimhus terreus aus Keu-Holland.^
I*3oteres. Halobates liluralm aus China ist eine neue Art
von Stal (a. a. 0.)
Gralg-ulini. Monomjx amplicollis aus Columbien, hipunclalm
aus Brasilien, obscurus aus Mexico, alalicollis aus Neu-Holland und
Galgulus pulcher aus Mexico wurden von Stal (a. a. 0.) beschrieben.
IVepiiiB. Zwei neue Gattungen von Stal (a. a. 0. S. 239)
aufgestellt sind: 1) Borborotrephes. „Corpus magnum, ellipticum. Ca-
put intra oculos latitudine duplo longius, conico-productum. Anten-
nae art. 1. subgloboso, 2. et 3. illo parum brevioribus, intus dilatatis,
extus ramulum longum, curvatum singulo emittentibus , ultimo his ter
longiore, crassiusculo, apicera versus sensim acuminato. Rostrum ca,
pite nonnihil longius, subdepressum, art. 1. et 2. longiusculis, ultimo
his dimidio breviore. Thorax convexiusculus, antice leviter sinuatus,
lateribus obliquis , subrectis. Scutellum trianguläre, aequilaterura.
Membrana subindistincta, reticulato-nervosa, margine longitudinaliter
nervosa. Pedes longiusculi, graciles, femoribus vix incrassatis, prae...
sertim posterioribus subcompressis ; tarsis omnibus dimeris, biungui-
culatis, anticis brevibus, intermediis his duplo, posticis triplo loo.
gioribus, unguiculis, praesertim anticis minutis." Eine Art: ß. Heden^
borgi aus Aegypten. — 2) Telmololrephes mit Nepa verwandt: „Tho.
rax transversus , subrectangulus, antice profunde emarginatus , basi
subtruncatus. Scutellum late trianguläre. JJemelytra clavo a corio
non distincto, pone medium latissima , dein apicem versus sensim ro-
tundata; membrana nulla vel minima. Aidothecae appendices abdo-
mine plus dimidio breviorcs.« Eine Art: T. sculpticollis aus Colum-
bien. — Ausserdem werden von Stal folgende neue Arten beschrie-
ben: Naucoris obscuripennis von Manila, Zailha cnpreomicans aus Me^
xico, Belostoma coUoswum von Honduras, harpnx aus Nord. Aiaerika,
268 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nilolicum von Sennaar, patruete von Rhodos, Nepa tristis aus Neu-Hol-
land und Ranntra annulipes aus Brasilien.
Wotonectidae« Eine monographische Bearbeitung der Skan-
dinavischen Arten von Corisa hat Wahlberg (Öfversigt af Kongl.
Vet. Akad. Förh. XI. p. 140) unter dem Titel : „Skandinaviens Cori-
sae« geliefert. Es sind dem Verf. bis jetzt 21 Arten als in Skandi-
navien einheimisch bekannt gew^orden, welche beschrieben und unter
folgende üebersicht gebracht w^erden: A. Pronotum mit parallelen
Querlinien, die entweder gespalten oder in der Mitte abgekürzt sind.
a. Pronotum einfach oder verlängert, mit kurzer vorderer Leiste :
1) C. Geoffroyi Leach. 2) C. Fieberi n. sp. 3) C. vaga n. sp. 4)
C. hieroglyphica Leon Duf. 5) C. Sahlbergi Fieb. 6) C. Linnaei
Fieb. 7) C vernicosa n. sp. 8) C. Hellensi Sahlb. 9) C. praeusta
Fieb. 10) C. concinna Fieb. 11) C. striata Lin. 12) C. Fallenii
Fieb. 13) C. undulata Fall. 14) C variegala n. sp. 15) C. fossa-
rum Leach. 16) C. Fabricii Fieb. 17) B. nigrolineata Fieb. 18) C.
semistriata Fieb. — b. Pronotum mit durchlaufender Mittelleiste: 19)
C. carinata Sahlb. — B. Pronotum ohne Linien, die Überfläche punk-
tirl: 20) C. Bonsdorffii Sahlb. 21) C. coleoptrata Fabr.
Stal beschrieb (ebenda S. 241) Notonecta sinica als neue Art
aus China.
Stridulantes« Folgende neue Arten beschrieb Stal (a. a.
0. S. 242 fl'.) : Plalypleura Afzelii von Sierra Leone , Dundubia fasci-
ceps aus China, Fidicina sericans, vinula, Cicada fuscovenosa, Drew-
seni, macrophthalma, perpulchra, Sahlbergii, misella, pulcherrima, casla
und severa aus Brasilien, cinclomaculata aus Venezuela, Steveni aus
Süd -Russland, gaslrica ohne bekannten Fundort, Huechys fumigata
aus Ostindien.
iriil{»-oreBlac. Die in Schweden einheimischen Arten der
Gattung Delphax hat Stal „Kort öfversigt of Sveriges Delphax-arter"
in der Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. XL p. 189 ff", zu-
sammengestellt. Ihre Anzahl beläuft sich auf 35; die einzelnen Ar-
ten sind durch Diagnosen kenntlich gemacht, mit der nöthigen Li-
teratur versehen und die einzelnen Fundorte derselben näher angege-
ben. Der ersten Abiheilung „Frons unicarinata" fallen 30, der zwei-
ten „Frons bicarinata" 5 Arten zu; unter ersterer sind zwei neue
Arten D. pallens und hyalinipennis beschrieben.
Derselbe errichtete (ebenda S. 248) zwei neue Galtungen mit
folgenden Charakteren: 1) Phleboplerum. „Caput quadrato-productum,
vertice convexo , subquadrato , fronte subcirculari , concava, margini-
bus acutis , genis antrorsum obtuse angulariter productis. Thorax
transversus, brevis, subarcualus. Scutellum magnum, trianguläre. He-
melytra abdomine duplo longiora, a basi sensim rotundata, dein pa-
rallela, latiludine duplo longiora , apice truncata , nervig longitudina-
: l^olfHnchwi U ' Während des Jahres 1854. ^ ^^,^^i^^^*^> 269
libus furcalis, inter se nervis transversis irregulariter coniunctis. Ti-
biae anteriores subcompressae.« Art: Ph. 'praemorsum von Sierra
Leona. — 2) Iropiduchus. „Vertex brevis, tranversus, arcuatus, mar-
ginibus elevatis. Frons latitudine duplo longior, basin versus sensim
angustior, medio longitudinaliter unicarinala. Thorax brevis, arcua-
tus, inarginibus elevatus, longitudinaliter carinatus. Scutellum ma-
gnum, rhomboidale, longitudinaliter tricarinatum. Hemelylra latitudine
plus duplo longiora, subparallela, nervis longitudinalibus, apicem ver-
sus furcatis, limbo costali et apicali transversim nervoso»" Art : Tr.
sobrinus von Sierra Leona. — Neue Arten sind ferner von demselben
beschrieben : Holinus ponderosus von Ostindien, Enchophora Bohemani
aus Brasilien, Aphnna nigroirrorata aus China, lanifera aus Neu-Hol-
land, sanguinipes aus Ostindien, Lystra exsiccata aus Brasilien, Pseu-
dophana suturalis ebenfalls , Delphax obscuripennis und placida aus
Brasilien, aimulipes von der Insel Guam, Bohemani von Isle de France,
caliginea von Taiti, concinna von Mexico, pnlchra von der Insel Ho-
nolulu, granulinervis von der Insel Guam , lugens von Java, seminiyra
von Rio Janeiro, Issus iesludinarius von Pulo Penang, malayus von
Malacca , cincti frons aus Brasilien , Hysleropterum arctum von Minas
Geraes, vilripenne aus Californien, Ricania malaya von Malacca , MeU
lerborgi von Java, seria von Anjonana, Flata a^6a(a von Malatca, Poe-
ciloptera ßmbriolala von Malacca, Cereris aus China, limbellala aus
Chile, vidua aus Ostindien, Elasmoscelis lagalica von Manila, fuscO'
fasciata von Ostindien und Teltigometra funesla von Sierra Leona. j
Issus pallipes Lucas ist eine neue Art von Creta (Hev. et Magas.
de Zoolog. VI. p. 284.)
Cicadellina. Eine neue Gattung, von Stal (a. a. 0. S. 254)
aufgestellt, ist: Slenocotis. „Corpus depressum, planiusculum. Caput
obtuse triangulariter productum , cum oculis thorace sublatius, mar-
gine antico attenuato, acutiusculo ; fronte a basi parum ampliata, dein
medio subito angustata et a medio parallela ; vertice subarcuato,
brevi; oculis in fovea oblonga, transversa in margine apicali verticis
utrinque locatis. Thorax anterius valde productus, basi late sinualus,
lateribus rectis , parallelis. Hemelytra nervis longitudinalibus, pone
medium furcatis. Fedes mediocres." Zwei Arten : S. ptaniuscula und
subviUata aus ISeu-Holland. — Von neuen Arten sind ferner (ebenda)
beschrieben: Ulopa sordida aus Cenlral-Amerika , Cercopis sumptuosa
ohne bek. Vaterl., piclilis aus Ostindien , Monecphora vinula, semUu~
teay semiflava , ßavopicta , ruforivtdala und fimbriolata aus Brasilien,
Ptyelus frenulatus , lemniscalus , phaleralus , bipunctipennis und viridi-
cans von Java, caffer vom Cap , Lepyronia concinna aus Brasilien,
moerens aus Neu-Holland , Chnlepus pugionalus aus INeu-HoUand , Pe-
lalocepliala Afzelii ohne Vaterl. , Wahlbergi vom Caffernland , Bohe~
mani aus Java, PaykuUi vom Senegal, Gypona sordida , adspersa, «n-
.4t
S?Ö Gerstaecker: Bericht Üb. d. Leistungen in d. Entomologie
tefsperid, v^nosa, praeusla, sanginneosparsa , albidospärsa, nigtonervosa
Und vittulala aas Brasilien; nigrma von Buenos Ayres, dituta aus Peru,
Xercpkloca sordidula ohne Vaterl. , virescens von Minas Geraes, Cla-
stoptera Saklbergi, fuscomaciilala und obtusata aus Brasilien, linealo--
coltis aus Californren, funesta von Honduras, Selenocephalus punclalo-
nervosu$ aus der Türkei, africanus von Sierra Leona, CotUdia macu-
Urtertis von Sierra Leona , sparsa von Manila , adspersa und nigrina
von Montevideo, Ftatijmelopivs modeslus aus Süd-Amerika, Jassus hya-
Unipentth, lineatipennis und Bythoscopus ßavafasciatus aus Brasilien.
Signoret hat seine Revue iconographique des Tettigonides in
den Annales de ia soc. entomol. IL fortgesetzt, und die Beschreibung
derjenigen Arten, welche seiner ersten Gruppe von Tettigonia ange-
hören, an Zahl 259, vollendet. Auf 6 beigegebenen Tafeln sind die
beschriebenen Arten abgebildet.
ifleiiibraciiia* Umbonia funesta aus Central-Amerika wurde
von Stal (a.a.O.) als neue Art aufgestellt.
Jkpliiclii« Burnett, Researches on the Development of Vi-
Viparous Aphides. (Silliman's American Journal, Jan. 1854, auch ab-
gedruckt in den Annais and magazine of natural history XIV. p. 81.)
Da die Untersuchungen des Verfassers einerseits neue Thatsachen auf-
decken, andererseits besonders in Bezug auf die mikroskopischen
Beobachtungen von den durch Leydig bekannt gemachten mannig-
fach abweichen , so gebe ich einen ausführlichen Auszug seiner Ar-
beit. Die Art, welche der Verf. zu seinen Beobachtungen benutzte,
ist die in Georgien einheimische Aphis Caryae Harris, welche er auf
dem Nordamerikanischen Wallnussbaume in grosser Menge antraf. Es
erfolgten vom Frühjahre bis zum Herbste drei vivipare Generationen,
deren sämmtliche Individuen geflügelt waren ; der Verf. hebt dies be-
sonders hervor, weil W^ est wo od und Owen angeben, dass die vi-
viparen Aphiden nur ausnahmsweise Flügel erhielten ; doch möchte
dies wohl nach den Arten variiren. Die vierte Generation bestand
aus männlichen und weiblichen Individuen ; bei der anatomischen Un-
tersuchung der letzteren fand der Verf. , dass nicht alle wirkliche
övipare Weibchen waren, sondern dass eine gewisse Anzahl mit den
im Sommer beobachteten Ammen in Betreff der im Körper befindlichen
Keime übereinstimmten; äusserlich war zwischen beiden nicht der ge-
ringste Unterschied zu bemerken. Diese bisher noch nicht beobach-
tete Thatsache scheint eine Erklärung für den Umstand zu geben, dass
die Anzahl der viviparen Generationen unter gewissen Verhältnissen
vermehrt werden kann, und dass vielleicht Wärme, besonders gute
Ernährung u. s. w. hiebei günstig einwirken. — Was die Entwicke-
lung der Keime im Mutterleibe der Ammen betrifft, so möchte ich der
Vermuthung Raum geben, dass in mehrfacher Hinsicht Beobachtungs-
♦.
•^iUrmm: während des Jahres 1854. «.'•tftt 271
fehler vorliegen. Der Verf. weiss z. B. nichts von den die Keime
einschliessenden Schläuchen (Eierstocksröhren nach Leydig), er be-
streitet vielmehr geradezu das Vorhandensein eines den Ovarien ana-
logen Organs; die Keime liegen, wie er sagt, in perlschnurartigen
Reihen, sind aber „not enclosed in a special tube." (Die Leydig'-
schen Untersuchungen sind dem Verf. zwar, wie er am Schlüsse sei-
ner Arbeit erwähnt, zur Zeit seiner Beobachtungen noch nicht be^
kannt gewesen, doch hat er nach Kenntnissnahme derselben jene
wiederholt angestellt, und stets dieselben Resultate erhalten). Eine
Uebereinstimmung in der Entwickelung der Keime mit der bei be-
fruchteten Eiern findet der Verf. nicht; es fehlen den Keimen die bei
der EntWickelung des Eies noth wendigen Elemente, nämlich der Dot^
ter so wie das Keimbläschen mit dem Keimfleck. Zwar zeigte sich
an dem einen Ende der Keime, wenn diese die Grösse von %^^ Zoll
im Durchmesser erreicht hatten, ein gelber dotterähnlicher Flecken,
welcher aus grossen, gelben Zellen bestand, die von den Zellen des
Keimes in Grösse und Ansehn verschieden waren; dieser breitete sich
aber nicht allmählich über die ganze Keimmasse aus, so dass keine
Analogie mit einem Keimbläschen oder einem Discus proligerus auf-
zufinden war. Die dotterähnliche Masse veränderte selbst "ihren Ort
(an dem einen Pole des Keims) nicht bei der schon vorgeschrittenen
Bildung des Embryo, als die Bogen der Körpersegmente schon deut-
lich hervortraten; als diese sich am Rücken vereinigten, schlössen
sie jene Masse in die Leibeshöhle ein und nach der Ansicht des Verf.
ist sie es, welche die Nahrungsmasse zur Entwickelung der Keime
der folgenden Brut abgiebt. Diese Keime zeigen sich schon zu der
Zeit, wo die Embryonen noch im Multerleibe eingeschlossen sind; sie
entstehen zu zwei bis vier in einer Reihe an den Stellen der Lei-
beshöhle , wo bei den Oviparen Individuen die Ovarien liegen; sie
bestehen entweder aus einzelnen Kernzeilen von y^^^^ Zoll Durch-
messer, oder aus einer Anzahl solcher Zellen, die in einem einfachert
Sack eingeschlossen sind. Eine Vermehrung dieser Keime oder Stöcke
entsteht durch den Prozess der Zusammenschnürung, so dass aus einem
Sack zwei aneinandergereihte entstehen; der neu gebildete Keim ent-
hält zuerst eine Zelle, erreicht aber bald durch endogene Bildong
neuer Zellen eine dem Mutterkeime gleiche Grösse. Auf diese Weise
werden die Keime zu einer beträchtlichen Anzahl vervielfacht; die
Nahrungsmaterie für ihr Wachsthum ist, wie schon bemerkt, die' atii
dem Leibe der Eltern überkommene fettige Flüssigkeit. ''J'
Die Pflanzenläuse, Aphiden, getreu nach dem Leben ahgeh\Uei
und beschrieben von C. L. Koch, Nürnberg 1854. Heft 1-4., jedeä
mit 6 colorirten Tafeln. - H er r i c h - S ch ä f f e r , welcher sich in
der Vorrede als Herausgeber des Merkes bekundet, macht über die
Entstehung desselben folgende Wittheilung: Koch hatte das Manu-
272 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Script und die Zeichnungen schon im Jahre 1843 so weit vollendet,
dass nur noch eine letzte Ueberarbeitung nöthig war; zu dieser Zeit
erschien die Kai tenbach'sche Arbeit über die Pflanzenläuse, und
Koch's Absicht war, seine Arbeit mit Berücksichtigung derKalten-
bach'schen umzuarbeiten, wurde jedoch durch Krankheit daran ver-
hindert. Herrich-Schäffer sieht nun zwar selbst ein, dass we-
der eine durchgreifende Vergleichung der Kai t en bac h'schen und
Koch'schen Arten stattgefunden hat, noch glaubt er den von Koch
aufgestellten Gattungen rechtes Zutrauen schenken zu dürfen ; den-
noch scheint ihm eineVeröfTenllichung des K o c h'schen Manuscriptes un-
verändert wünschenswerth, indem er sich selbst vielleicht spätere Grup-
pen zur Ueberarbeitung vorbehält. Weshalb er diese nicht schon dem
Anfange des Werkes hat angedeihen lassen, ist jedenfalls nicht gut
abzusehen. — Dass unter genannten Umständen das vorliegende Werk
wieder eins von denen ist, die der Wissenschaft ebenso viel, wenn
nicht mehr Nachtheil als Nutzen bringen , liegt auf der Hand, und da
der wissenschaftliche Werth der Koch'schen Arbeiten überhaupt ein
sehr bedingter ist, so wäre die Herausgabe, wenigstens in der vor-
liegenden Form , gewiss besser unterblieben. In den vorliegenden
4 Heften ist die Gattung Aphis auct. abgehandelt und darunter ein
sehr reichhaltiges Material verarbeitet, leider ohne die gehörige Form.
Diagnosen fehlen gänzlich und von Literatur ist eben nur das aller-
dürftigste beigebracht. Von Aphis werden nach Charakteren, die ge-
wiss noch einer strengeren Critik bedürfen , und die meist ganz re-
lativ sind, 3 Gattungen unter den Kamen Chailophorus Koch (auf Aphis
populi Lin. gegründet) mit 12 Arten, Hyaloplerus Koch (auf Aphis
arundinis und pruni Fabr. gegründet) mit 5 Arten, und Rhopalosiphum
Koch (Typus Aphis nymphaeae Lin.) mit 16 Arten getrennt; Aphis
selbst ist durch (30 Arten vertreten. Die bei weitem grösste Anzahl der
Arten ist als neu beschrieben ; alle sind abgebildet , wie es scheint,
recht kenntlich wenn auch nichts weniger als schön.
Coccides. Die anatomischen Verhältnisse der Cocciden hat
Leydig in einer Abhandlung „zur Anatomie von Coccus hesperidum"
(Zeitschrift für wissenschaftl. Zool. V. Band. S. 1—12. Taf. 1) bekannt
gemacht. Von äusseren Organen hat der Verf. die Tarsen einer ge-
naueren Untersuchung unterworfen ; am Ende des Tarsus gehen vier
feine Spitzen aus, 2 kürzere und 2 längere, welche sämmtlich mit
einer Art Saugnapf aufhören, in ähnlicher Weise wie dies an den
vorderen Tarsen von Sarcoptes scabiei der Fall ist. — Ueber die in-
nere Organisation sind folgende Angaben hervorzuheben: der Darm-
kanal giebt ungefähr in seinem letzten Dritttheil zwei Blindsäcke ab,
von denen der eine einen einfach gekrümmten Schlauch darstellt,
welcher frei in die Leibeshöhle hineinragt, der andere knäuelartig
?susammengerollt ist und in einer Blase steckt, die sich am Haut-
' ' während des Jahres 1854. 273
skelet anrnheften scheint. Etwas hinter diesen Blindsäcken mündet
jederseits in den Lkf^rm ein Malpighischcs Gefäss, was vonRamdohr's
Beobachtungen, der dieselbe bei Coccus alni als fehlend bezeichnet,
abweicht. Speichelgefässe fehlen. Das Corpus adiposum ist nicht
in besonders grosser Menge vorhanden ; die Fettbläschen desselben
zeigen die Eigenthümlichkeit , dass bei Zusatz von Essigsäure das
flüssige Fett in Form kleiner Kügelchen austritt, der zurückbleibende
Theil aber in INadelform crystallisirt. — Den 4 Stigmen, welche äus-
serlich in frei hervortretende Röhren verlängert sind, entsprechen in-
nerlich ebenso viele Tracheenblasen, welche die einzelnen Tracheen-
Aeste für den Körper abgeben. — Die einzelnen Central -Theile des
Nervensystems sind der gedrungenen Form und der Ünbeweglichkeit
des Thieres gemäss sehr stark verschmolzen und bilden eine einzige,
traubig geläppte Masse, von der mehrere starke Wervenstämme nach
hinten ausstrahlen. — Vom November bis Januar sind dem Verf. nur
weibliche Individuen vorgekommen und zwar durchweg Ammen er-
zeugende; in der Entwickelung des Embryo ist von Interesse, dass
die Zellen, welche in der Eierstocksbeere entstehen, ohne weiteres
durch ihre Vermehrung die Keimscheibe bilden, um welche sich dann
die Dottersubstanz sekundär anlegt; das Chorion scheint hier eine
strukturlose, das Ei umschliessende Haut zu sein.
II. Iflyriapodeii.
Chilopoda.
§co1opendriflae. Eine sehr ausgezeichnete Form dieser
Familie ist vom Ref. (^Entom. Zeit. S. 310 Taf. 2. Fig. 1) unter dem
Namen Eucorybas bekannt gemacht worden. Sie unterscheidet sich
von Scolopen-dra dadurch, dass die drei letzten Glieder des hinteren
Fusspaares in ein Paar blattförmige Organe umgewandelt sind, mit
welchen das Thier im Leben durch Aneinanderreihen der einzelnen
Glieder ein knarrendes Geräusch, ähnlich dem der Lamien, hervor-
bringt. Das Basalglied dieses Fusspaares ist ausserdem unbewaffnet,
das zweite innen ausgehöhlt, beide aber noch cylindrisch. Die Uber-
fläche des Körpers ist mit sieben erhabenen Längsleisten versehen,
und der Kopf vom ersten Thoraxringe aufgenommen, während er bei
Scolopendra frei ist. Die einzige bekannte Art: £. crolalus stammt
von Port Natal. — Dasselbe Thier wurde kurz darauf auch von Ini-
hoff (Verhandl. d. naturL Gesellschaft zu Basel, 1. Heft. S. 120) un-
ter dem Namen Alipes muUicostis nach einem verslümmelten Exem-
plare beschrieben.
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. §
S74 Gerstaecker: Bericht ^b. d. Leistungen in d. Entomologie
Lucas beschrieb (Bullet, cntomol. 1853. S. 55j unter dem Ka-
men Scolopendra Melinonü eine neue Art aus Cayenne , welche er
lebend beobachtet hat, und theilt (ebenda S. 59) Bemerkungen über
die Lebensweise der Scol. Scopoliana Koch aus Algier mit, welche
in der Gefangenschaft mit verschiedenen Dipteren und Hymcnopteren
gefüttert wurde, die sie mit grosser Begierde verzehrte.
III. Crustaceeit*
Die Deutung der einzelnen Körpertheile der Crustaceen
und ihre Analogieen mit denen der Insekten hat Zaddach
in seinen „Untersuchungen über die Enlwickelung und den
Bau der Gliederthiere«, Berlin 1854 behandelt, und sind die
allgemeinen Resultate, welche der Verl. hierüber erlangt hat,
schon bei den Insekten besprochen worden. Ein besonde-
rer Abschnitt des genannten Werkes behandelt aber speciell
die Gliedmassenformen der Enlomostraceen, und aus diesem
mögen die Hauptgesichtspunkte hier eine kurze Erwähnung
finden.
Der Verf. geht von der Enlwickelungsgeschichte der Daphnien
aus und hebt in derselben folgende Momente besonders hervor: Aus
einer Verdickung der Keimhaut, welche nahe der Mitte des Eies ent-
steht, entwickeln sich zuerst die Anlagen der grossen Ruder -Anten-
nen und hinter ihnen die Mandibeln. Während sich die ersteren an
der Spitze theilen und die Bauchwand sich zur Bildung der Kiemen-
füsse segmentirt, zeigt sich zwischen den vorderen Kändern der Ru-
derfüsse die erste Anlage der Oberlippe als kleine dreieckige Spitze,
die sich schnell vergrössert, und dadurch die Ruderantennen allmählich
nach den Seiten hindrängt. Später entstehen an dem Vorderrande der
Oberlippe die kleinen Antennen und noch später die Augen. Inzwi-
schen sind auch die Schwimmfüsse, von denen zuerst nur drei Paare
vorhanden waren , um eins vermehrt worden und haben sich immer
mehr zusammengedrängt. Während sich so im Kopfe und den Schwimm-
füssen eine Zusammenziehung zu erkennen giebt, bleibt der zwi-
schen beiden liegende Raum unverändert oder nimmt sogar allmäh-
lich an Grösse zu. Am Kopfe entstehen nun noch nach der Bildung
der kleinen (Antennen die Maxillen, welche zuerst in zwei Paaren
vorhanden sind, von denen jedoch das eine bald wieder verschwin-
det. Aus diesem Entwickelungsgange geht deutlich hervor , dass
Erich so n's Ansicht, welcher die Ruderantennen als Brustfüsse be-
trachtet, durchaus unrichtig ist, denn man kann nicht annehmen, dass
'^•Rfti' ''« ' Während des Jahres 1854. ^JE-jOi) fi7S
abwechselnd ein Brust » und ein Kopisegment entsteht; vielmehr sind
die Ruder. Antennen der Daphnien analog den hinteren Antennen der
Malacostraceen, während die kleinen vor dem Munde stehenden Füb*
1er den vorderen Antennen jener entsprechen. Die fünf Kiemenfüsse
haben eine ganz gleiche und aufeinander folgende Entwickelung, ge-
hören also einem und demselben Körperabschnitte und zwar dem Ab-
domen an. Die Brust ist ganz rudimentär und als ihre Gliedmassen
sind die Maxillen zu betrachten. — Bei den Daphnien ist die Deu-
tung der einzelnen Gliedmassen und Körperabschnitte am klarsten^
weil sie gleich vollkommen ausgebildet das Ei verlassen ; schwieriger
ist die Sache bei den Phyliopoden und bei Argulus , doch müssen
auch bei den Larven dieser die ersten beiden Fusspaare als Anten-
nen betrachtet werden, während das dritte sich später in die Man-
dibeln umwandelt; die Maxillen und Abdominalfüsse entstehen später
hinter diesen Fusspaaren. — Anders ist die Entwickelung bei Cyelops,
obwohl man aus den drei Fosspaaren der jungen Larven eine über-
einstimmende Entwickelung wie bei Apus vermuthen sollte; die bei*
den ersten Paare entsprechen hier in der That den beiden Antennen-
paaren, das dritte jedoch rückt herab und wird, nachdem sich hinter
dem Antennensegment noch zwei neue Segmente eingeschoben haben,
welche die Mandibeln und die ersten Maxillen produciren, zum zwei-
ten Maxilleupaare. — Die Deutungen , welche der Verf. schliesslich
den Mundtheilen der Lernaeen , Siphonostomen und Limuliden giebt,
bedürfen wohl jedenfalls noch einer näheren Begründung, da bis jetzt
Beobachtungen über ihre Entwickelungsgeschichte in genügend' Spe-
cieller Weise nicht vorhanden sind.
Denselben Gegenstand , wenn auch in sehr verschiede-
ner Auffassung, behandelte Zenker in einem Aufsatze be-
titelt: ,,Critik derErichson'schen Gliedmassentheorie^^ (die-
ses Archiv XX. Jahrg. S. 118). Obwohl das darin Gesagte
die Insekten und Arachniden ebenfalls mit betrifft, mag die
Arbeit doch hier Erwähnung finden, da sie mit besonderer
Rücksicht auf die Crustaceen abgefasst ist. Der Verf. ist^
wie Zaddach, der Ansicht, dassErichson in seinen En-
tomographieen mannigfache irrthümer über die Bedeutung
der einzelnen Gliedmassen bei den Arthropoden begangen
habe und hält es daher für nöthig, zur richtigen Erkennung^
jener Verhältnisse bestimmte Grundsätze festzustellen. Er
richtet sein Augenmerk daher vorzüglich auf das Auffinden
solcher Ken-nzeichen, nach welchen die Gleichwerthigkeil der
als einander correspondirend zu betrachtenden Gliedmassei»
bestimmt werden kann.
276 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Der Verf. abstrahirt hierbei ganz richtig sowohl von der Form
als von der Function der betreffenden Organe und glaubt den sicher-
sten Anhaltspunct für die Deutung derselben im Nervensysteme zu
finden. (NachZaddach wäre dieses ebenfalls nicht unbedingt mass-
gebend.) Hiernach deutet er alle Gliedmassen, welche ihre Nerven
aus dem Gehirnganglion erhalten, als Antennen. Diese machen aber
in den meisten Fällen noch die geringsten Schwierigkeiten und für
die übrigen Gliedmassen fällt dieser Anhalt fort. Der Verf. hilft sich
nun damit, für gewisse Classen und Ordnungen (Insekten, Scorpione,
Isopoden und Dekapoden) 15 zwischen Mund und After liegende Kör-
persegmente nachzuweisen und will die denselben entsprechenden
Gliedmassen als gleichwerthig betrachten. Es liegt auf der Hand,
dass hiermit den Schwierigkeiten, welche bei den niederen Formen
am meisten hervortreten, in keiner Weise abgeholfen ist, denn bei
diesen lassen sich viel eher Schlüsse von den Gliedmassen auf die
Körpersegmente machen als umgekehrt. Jedenfalls verlieren die
Theorieen des Verf. durch die von Zaddach angestellten Unter-
suchungen ganz an Bedeutung, und es ist keine Frage, dass eine
genaue Verfolgung der Entwickelung aus dem Ei die sicherste Auf-
klärung über die Analogie der einzelnen Körpertheile geben wird.
Leydig hat in einer Abhandlung: „lieber den Bau und
die systematische Stellung der Räderthiere" (Zeitschrift für
wissenschaftliche Zoologie VI. Band. S. 1 — 120) die Ansicht
Burnneisters wieder aufgenommen, wonach die Räder-
thiere den Crustaceen zugehören sollen, und für dieselben
innerhalb dieser Classe eine eigene Ordnung, die er mit
dem Namen „Wimperkrebse" bezeichnet, aufgestellt.
Nachdem allgemein angenommen worden ist , dass die Räder-
thiere in Rücksicht auf ihre höhere Organisation von den Infusorien
im Ehrenberg'schen Sinne zu trennen seien, spalteten sich die
Ansichten über ihre systematische Stellung nach zwei Seiten hin, in-
dem Burmeister sie den Crustaceen, Wiegmann, Milne Ed-
wards, V. Siebold u. A. sie den Würmern beizählen wollten. Für
ihre Verwandtschaft mit den Krebsen hebt Leydig nun folgende
Charaktere hervor: 1) den unpaaren, geringelten oder gegliederten
Fuss am Hinterende des Körpers bei der Mehrzahl der Arten, so wie
die panzerartige Hautbedeckung mehrerer. 2) Die genuin querge-
streiften Muskeln, die bisher bei keinem Wurme gesehen worden
sind. 3) Die Aehnlichkeit des Nervensystems mit dem der Lophyro-
poden, indem es nur aus einem Gehirnganglion und den davon aus-
strahlenden Aesten besteht; auch das übereinstimmende Verhalten der
peripherischen Endigung der sensibeln Nerven zwischen Räderlhieren
und Crustaceen. 4) Die eigenthümliche glockenförmige Bewegung
während des Jahres 1854. 277
des Tractus intestinalis , welche mit der von gewissen Schmarotzer-
krebsen übereinstimmt. 5) Das ähnliche Verhalten des „Harnsekrets"
zwischen den Räderthieren und den Cyclops-Larven. 6) Die anato-
mischen und physiologischen Erscheinungen des Geschlechtslebens, als:
das Herumtragen der gelegten Eier mit sich, das Ablegen von Som-
mer- und Winter-Eiern, das Vorkommen von zwergartig verkümmer-
ten Männchen u. s. w. 7) Das Vorkommen verschieden gestalteter
Jugendzustände, die Verkümmerung und das Verschwinden der in der
Jugend vorhandenen Augen u. a. — Momente dagegen , welche die
Rotatorien von den Krebsen entfernen, sind nur die BeschafFenheit
der Respirationsorgane und die Anwesenheit der Flimmercilien. Da
mithin die Summe der Aehnlichkeiten bei weitem grösser ist als die
der Unterschiede, so trägt L. kein Bedenken, die Rotatorien den Wür-
mern abzusprechen und sie den Crustaceen beizuzählen.
Gegen diese Ansicht hat sich bald nachher Voigt
(ebenda Vll. Band. S 193—200) in einem Aufsatze: „Einige
Worte über die systematische Stellung der Räderthiere^^ er-
hoben und nachgewiesen, dass alle von Leydig aufgestell-
ten Charaktere, wonach die Räderthiere den Crustaceen an-
gehören sollen, keineswegs exclusiv seien, indem keiner der
Charaktere der Rotatorien mit den Würmern unvereinbar sei
und andererseits keiner den Crustaceen allein zukäme. In-
dem der Verf. auf die einzelnen von Leydig hervorgeho-
benen Momente eingeht, kommt er zu dem Resultate, dass
zwar einige derselben den Crustaceen und Würmern gemein
seien, ebenso viele und selbst wichtigere hingegen nur den
Würmern und nicht den Crustaceen zukämen. Er entschei-
det sich daher für die Ansicht , dass die Rotatorien Wür-
mer seien.
Ref. muss mit Voigt darin übereinstimmen, dass die geglie-
derte Spitze des Rotatorienkörpers auf eine Vergleichung mit Glied-
massen von Arthropoden nicht den geringsten Anspruch machen kann;
denn abgesehen von der Art der Einlenkung, welche alle Arthropo-
den-Gliedmassen charakterisirt, spricht schon die ünpaarheit des von
Leydig als „Fuss" bezeichneten Organs gegen jeden Vergleich mit
den Füssen der Gliederthiere. Es fällt somit der einzige zoologische
Charakter , — indem nämlich die äussere Körperform ebenso gut zu
Gunsten der Würmer als der Krebse spricht — von vorn herein weg.
Unter den anatomischen kann nach Voigt die Querstreifung der
Muskeln nicht als wesentlich erachtet werden , da dieselbe auch bei
anderen niederen Thieren (Salpen, Strahlthiere) vorkommt. Im Wer-
278 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
vensystem, der Endiguiig der sensibeln Tferven, der Entwickelang der
Augen findet derselbe weit grössere Aehnlichkeit und selbst volU
kommeue Uebereinstimmung mit den rhabdocoelen Strudelwürmern
«dd den Plattwürmern. In Betreff des Nahrungskanals hebt er hervor,
dass es kein Gliederthier giebt , dem Mund und After gänzlich fehl-
t£n, und dass kein krebsartiges Thier den Schlundkopf in ähnlicher
Weise wie die Rotatorien hervorstossen könne; dass überhaupt bei
den Krebsen nie der Schlundkopf ein Fangorgan sei , während diese
Bildung gerade bei den Würmern gewöhnlich. Von sexuellen Ver-
hältnissen wäre die Verkümmerung der Männchen allerdings von
grossem Gewichte, wenn nicht bei den Würmern ebenfalls eine auf-
fallende Verschiedenheit beider Geschlechter weit verbreitet wäre
(Antolytus, Rundwürmer, Tropidocerca). Die Entwickelungsgeschichte
anlangend, "so findet V. eine weit grössere Uebereinstimmung der Ro-
tatorien-Larven mit denen der Anneliden und Nemertinen als der
schmarotzenden Crustaceen , die doch stets mit deutlich gegliederten,
paarigen Bewegungsorganen versehen sind; und endlich entwickelt sich
der Embryo der Rotatorien, wie bei allen Würmern, aus dem ganzen
Dotter, bei den Arthropoden hingegen aus einem dem Dotter gegen-
übergestellten Primitiytheil. — Ref. kann sich ebenfalls durch die von
Leydig aufgestellten Gründe nicht von der Krebsschaft der Rotato-
rien für überzeugt erklären und muss jedenfalls ihre äussere Aehn-
lichkeit mit einigen Crustaceen nur für scheinbar halten.
Eine von der Pariser Akademie der Wissenschaften ge-
stellte Preisaufgalie , welche eine vergleichende Darstellung
der Entwickelungsgeschichte von Wirbel- und Gliederthieren
nebst Angabe der zwischen beiden bestehenden Aehnlichkei-
ten und Unterschieden fordert, ist von Lerebouillet be-
arbeitet worden , und ein Auszug der dieses Thema behan-
delnden Arbeit in den Annales des sciences naturelles, 3. ser.
torn. I. p. 237—280 und tom. II. p. 39—89 unter dem Titel :
„Resume d'un travail d'embryologie comparee sur le develop-
pement du brochet , de la perche et de l'ecrevisse« mitge-
theilt. In demselben zählt der Verf. die Veränderungen des
Eies und Embryos, wie sie sich beim Hecht, Barsch und
Flusskrebs darstellen , der Reihenfolge nach auf und stellt
zwischen denselben eine ins Einzelne gehende Vergleichung
an. Es werden dabei vier Hauptstadien in der Entwicke-
lung angenommen ; das erste umfasst die Veränderungen,
welche das Ei vor der Befruchtung erleidet, das zweite reicht
von der Befruchtung bis zum Auftreten des Embryo j das
während des Jahren 1854. 279
dritte bis zur Bildung des Herzens und das vierte bis zum
Ausschlüpfen des jungen Thieres aus dem Ei.
Eine ausführliche Darstellung des Alhmungsapparates
in den verschiedenen Ordnungen der Cruslaceen gab Tho-
mas Williams in seiner schon bei den Insekten erwähn-
ten Abhandlung über die Wasserathmung der Gliederlhiere.
(On Ihe Mechanism of Aquatic Respiration and on Ihe Stru-
clure of the Organs of ßreathing in Invertebrate Animals.
Annais and Magaz. of nat. bist. XIII. p. 294-312.) Der Verf.
verfolgt die Struklur der Kiemen von den einfachsten For-
men der Pycnogoniden (hier noch den Krebsen beigezählt)
und der Entomostraceen bis zu den ausgebildetsten, wie sie
sich bei den Decapoden vorfinden.
Die Arbeit ist wegen ihres Reichthums an speciellen Beobach-
tungen zu einem kurzen Auszuge nicht wohl geeignet und müssen
wir den Leser deshalb auf diese selbst verweisen. Als besonders
bezeichnend für die Respiration der Crustaceen , wie überhaupt der
Gliederthiere im engeren Sinne, hebt der Verf. am Schlüsse seiner
Abhandlung die ^erhältnissmässige Armuth von Blutkörperchen, die
geringe Blutmasse in Betracht der dynamischen Fähigkeiten dieser
Thiere, so wie die geringe Menge Blut, die in einer bestimmten Zeit
die Kiemen passirt, hervor. — Von Einzelnheiten scheint mir erwäh-
nenswerth, dass Williams die am 3ten und 4ten Körperringe von
Caprella herabhängenden Organe, welche Milne Edwards als „ve-
sicules" bezeichnet, als einfache Platten darstellt, um deren Periphe-
rie sich ein einziger blutführender Canal herumzieht , während der
mittlere Theil eine parenchymatöse Struktur zeigt.
Leuckart bestätigte in diesem Archiv XIX. S. 255
die zuerst von Farre aufgestellte und später von Huxley
vertheidigte Ansicht , dass das bei den Crustaceen im Basal-
glied der inneren Antennen liegende Organ nur als Gehör-
organ zu betrachten sei.
Das Gehörorgan bei den Decapoden ist nach zweifacher Art ge-
baut. Entweder ist es ein völlig geschlossenes Bläschen mit einem
einzigen sphärischen Otolithen, wie es zuerst von Huxley und S o u-
leyet an Leucifer beobachtet wurde und wie es Leuckart hier
bei Hippolyte viridis und einer neuen Gattung, die er als Masligopus
spinosus beschreibt, nachweist. Bei der ersteren liegt das Bläschen in
der äusseren Seitenschuppc des Basalgliedes der inneren Antennen,
bei letzteren in einem dicken Zahnfortsatze, der am Aussenrande
dicht vor der Wurzel des I3asalglicdcs entspringt. Die Haut des Blas-
280 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
chens scheint aus Cliitinsubstanz zu bestehen; der Otolith ist glashell,
gegen schwächere Säuren unempfindlich , bei Mastigopus homogen,
bei Hippolyte mit dichter, netzartiger Streifung; bei unvorsichtigem
Drucke zerfällt er in zahlreiche grössere und kleinere Conkretionen.
Bei der zweiten Form des Gehörorganes ist das Bläschen durch
eine Spalte nach Aussen geöffnet und meist mit zahlreichen kleinen
Conkrementen von unregelmässiger Gestalt angefüllt; es liegt im Ba-
salstücke der inneren Antennen, und zwar in der unteren Hälfte des-
selben. So ist es von Farre bei Astacus, Palinurus und Fagurus
gefunden worden; der Verf. weist es ausserdem bei 4 Arten von Pa-
laemon und bei Pasiphaea sivado nach. Das Gehörbläschen liegt hier
übrigens nicht frei und lose, sondern ist mit seiner ganzen oberen
Fläche festgewachsen; sein Inhalt ist bei Palaemon squilla ein ein-
facher sphärischer Otolith, der sehr leicht zerspringt, bei den übrigen
Arten ein Haufen grösserer oder kleinerer Steinchen. Der Spalt,
welcher nach aussen führt , nimmt etwa die Mitte des Bläschens ein,
liegt aber nicht frei, sondern wird von einer klappenförmigen Quer-
leiste bedeckt. — Ueber die Verbreitung des Gehörorgans unter den
Decapoden müssen übrigens erst weitere Untersuchungen entscheiden;
bei vielen Arten, z. B. Crangon , Nika u. a. hat Leuckart es nicht
auffinden können.
Die bisher nur bei den Gasteropoden beobachtete That-
sache, dass sich im männlichen Samen eines und desselben
individinims zwei verschiedene F'ormen von Zoospermien vor-
finden, hat Zenker (in diesem Archiv , XX. Jahrg. S. 103)
auch unter den Crustaceen nachgewiesen.
Bei Asellus aquaticus fand der Verf. zur Zeit der Geschlechts-
reife in den Hoden des ölännchens und an den Füssen der begatte-
ten Weibchen ausser den in der Axe der Samenflüssigkeit liegenden
langen, haarförmigen Zoospermien noch kürzere , dickere, keulenför-
mige , welche sich zwischen jene von aussen her eindrängten und
sich mit dem Schwänze befestigten. Ohne Zweifel sind beide Arten
zur Befruchtung erforderlich, und nicht etwa verschiedene Entwicke-
lungsstufen einer und derselben Form ; denn wie im reifen Samen, so
zeigt sich ihre Verschiedenheit auch schon bei ihrer Erzeugung in den
Mutterzellen. — Der Verf. vermuthet , dass die beiden Formen von
Zoospermien, welche von Frey und heuckart im Samen der My-
sis flexuosa gefunden, aber verschieden gedeutet worden sind, eine
Analogie mit denen von Asellus aquaticus darbieten.
Derselbe machte (ebenda S. 106) auf ein eigenthiimli-
ches, ebenfalls bei Asellus aquaticus beobachtetes Absonde-
rungsorgan aufmerksam, welches sich bei beiden Geschlech-
während des Jahres 1854, 281
tern zu jeder Seite des Darms findet und sich vom vierten
Brusiringe bis in das Ende des Schwanzes erstreckt. In der
Jugend besteht es aus sechs gelrennten, weissglänzenden
Flecken, die sich im vorgerückteren Aller zu einer lorllau-
fenden Röhre vereinigen; aus ihrer Mitte führt eine kurze
Röhre nach der Gegend der Geschlechlsöffnung. Verschie-
dene Reagentien üblen keine Veränderungen auf die in jenen
Organen enthaltene Masse, so dass sich über ihre Natur vor-
läufig nichts sagen lässt.
Zenker hat in einer Abhandlung betitelt: „System der
Crustaceen" (dieses Archiv XX. Jahrg. S. 108) die verschie-
denen Ordnungen dieser Classe festzustellen versucht. Die
Veränderungen, welche der Verf. an den bisher üblichen Sy-
stemen vornehmen will, betreffen hauptsächlich die niederen,
gewöhnlich als Entomostraca bezeichneten Formen, Ueber-
einstimmend mit Milne Edwards wird die Ordnung der
Branchiopoden mit den beiden Familien der Phyllopoden und
Daphnoiden als natürlich abgegrenzt hingestellt. Die Cope-
poden hingegen will der Verf. mit den Siphonostomen und
Lernaeoden zu einer Ordnung unter dem Namen Entomostraca
vereinigen , für welche Ansicht jedenfalls keine genügenden
Gründe vorliegen. Dass die saugenden Mundtheile der Sipho-
nostomen nur durch die parasitirende Lebensweise verlangt
und deshalb ohne systematische Bedeutung sein sollen, dürfte
wohl nicht so unbedingt anzunehmen sein, denn die schma-
rotzenden Isopoden , welche eine ganz analoge Lebensweise
zeigen, haben ja dennoch kauende Mundtheile. Die Ueber-
einstimmung der Jungen , welche der Verf. hier als bewei-
send heranzieht, ist in sofern nicht entscheidend, als die
Larvenzustände der Phyllopoden ebenfalls entschiedene Aehn-
lichkeit mit denen der Copepoden darbieten. — Eher liesse
sich der Vorschlag des Verf. billigen , aus den Ostracoden
eine eigene Ordnung zu bilden, indem die geringe Zahl der
Füsse und die eigenthümliche Schalen -Umhüllung sie aller-
dings auffallend von den übrigen Entomostraceen entfernt.
Die Gattung Argulus soll, nach Zenker, entweder eine eigene
Ordnung bilden oder mit den Branchiopoden vereinigt wer-
den; für die hieraus sich ergebende Ordnung wird der Name
282 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Aspidostraca vorgeschlagen. Die Poecilopoden sollen gleich-
sam den Uebergang von diesen Aspidostraceen zu den Ma-
lacosfraceen vermitteln.
United States exploring expedition during the years
1838-42 under the command of Charl es Wilk es. Vol.XIII.
Crustacea by J.Dana, with a Folio-Atlas of 96 plates. Phi-
ladelphia 1852. — Dieses Werk, von dem in den letzten Jah-
ren schon einzelne Tlieile in Silliman's American Journal
im Auszuge milgetheilt worden sind, ist wegen der Fülle
des darin* enthaltenen neuen Materials für die Carcinologen
von grosser Wichtigkeit ; es umfasst zwei starke Quart-Bände
Text und einen reich ausgestatteten Atlas. Ausser der Be-
arbeitung der auf der Weltumsegelung gesammelten neuen
Arten und Gattungen hat sich der Verf. auch mit einer sy-
stematischen Darstellung der gesammten Crustaceen befasst
und bei den einzelnen Familien eine Uebersicht sämmtlicher
bisher beschriebenen Gattungen gegeben. Am Schlüsse des
Werkes ist die geographische Verbreitung durch slatistische
Tabellen ausführlich behandelt worden.
Was die Systematisirungsversuche des Verf. betrifft, so ist darin
die Sucht, etwas Neues zu geben, nicht zu verkennen ; wie aber das
Neue keineswegs immer das Bessere ist, so verhält sich die Sache
auch hier. Der in Europa längst verlassene Weg, künstliche Systeme
aufzustellen , scheint überhaupt in Amerika vielfach Anhänger gefun-
den zu haben, und besonders ist es das dichotomische Systematisiren
mit Zugrundelegung einzelner Charaktere, welches hier allgemein in
Anwendung gebracht wird. So will Dana die Crustaceen in Po-
dophthalmen, Edriophthalmen und Cirrhipedien theilen ; letztere glaubt
er von den Edriophthalmen, welche alle Crustaceen mit ungestielten
Augen umfassen sollen , wegen ihres abweichenden Habitus in der
letzten Lebensperiode abtrennen zu müssen. Dies ist nun jedenfalls
inconsequent , denn in einer Abtheilung, die so heterogene Elemente
enthält, wie Dana's Edriophthalmen, können die Cirrhipedien recht
gut auch noch untergebracht werden. Dass aber eine Vereinigung
der Isopoden und Amphipoden mit den Entomostraceen gegenüber den
Decapoden unstatthaft ist, liegt auf der Hand, denn jedenfalls gehören
die beiden erstgenannten Gruppen trotz ihrer ungestielten Augen eher
mit den Decapoden als mit den Entomostraceen in eine und dieselbe
grössere Abtheilung. Den Edriophthalmen rechnet der Verf. übrigens
auch die Rotiferen zu, ohne diese Stellung näher zu rechtfertigen;
l^ei den Eötomostraccen bilden die Poecilopoden und Fycnogonidcn zu-
Während dös Jahrts 1854. 2B3
sammen die Abtheilung Cormostomata , und diesen werden die Gna-
Ihostomata (Phyllopoden und Lophyropoden) und die Merostomata (Li-
muliden) coordinirt. Solche Ungereimtheiten, die aber freilich bei
Beobachtung des dicholomischen Verfahrens sehr begreiflich sind,
kommen in der D ana'schen Eintheilung häufig vor und wären besser
fortgeblieben. — In Betreff der zahlreichen vom Verf. aufgestellten
neuen Galtungen und Arten , so wird auch hier die Critik viel auf-
Buräumen haben; oft sind die natürlichsten Gattungen, wie z.B. Pa-
gurus im Milne Edward'schen Sinne vielfach zersplittert worden,
ohne dass dabei andere als specifische Charaktere zu Grunde gelegt
worden sind; dass die Paguren mit rechter und linker grosser Scheere
nicht generisch getrennt werden können, lehren die zahlreichen Ue-
bergänge auf das schlagendste, und es kann hier nur eine Abtheilung
in mehrere Gruppen, wie sie Milne Ed ward's angenommen hat,
gut geheissen werden. Die vom Verf. beschriebenen neuen Arten
ßind unter den einzelnen Ordnungen namhaft gemacht worden , in so
fern sie nicht schon in den früheren Berichten erwähnt sind. — Die
geographische Verbreitung der Crustaceen hat der Verf. durch eine
Reihe von tabellarischen Uebersichten, in welchen die Artenzahl der
einzelnen Familien nach den Zonen zusammengestellt ist, zu erläu-
tern versucht. Kef. muss hierüber bemerken, dass die Zahlenver-
hältnisse, welche sich aus diesen Zusammenstellungen ergeben, nicht
so unbedingt für richtig angenommen werden können, da die von
den verschiedenen Autoren aufgestellten Arten ohne Critik in Betreff
ihrer Selbstständigkeit in Anschlag gebracht worden sind; in keiner
Classe der Gliederthiere ist aber die Critik für die Feststellung der
Arten nöthiger als bei den Crustaceen, wo nicht nur die Verschie-
denheit der Jugendzustände , sondern auch beträchtliche Schwankun-
gen in der Form ausgewachsener Individuen bisher wenig Berück-
sichtigung gefunden haben. Für die Decapoden , die wir hier bei-
spielsweise anführen wollen, ergeben sich nach den Zusammenstel-
lungen Dana's folgende Resultate: von Brachyuren sind in der heis-
sen Zone bis jetzt 535, in der gemässigten 264 Arten aufgefunden
worden, ihr Verhältniss in beiden ist also ungefähr wie 2 : 1. Von
den 264 der gemässigten Zone kommen nur 34 zugleich in der heis-
sen vor. Eine ganze Reihe von Gattungen sind allein auf die heisse
Zone beschränkt: wie Micippe, Menaelius , Huenia, Parthenope, Car-
pilius, Chlorodius, fast alle Eriphinen und Charybdis. Die kalte Zone
enthält im Ganzen nur 7 Arten, und zwar gehört nur eine (Chionoe-
cetcs opilio) derselben ausschliesslich an, während die übrigen sich
zugleich auch auf die gemässigte erstrecken. (Der Cancer cheiragonus
Tilesius ist nach den bisherigen Erfahrungen übrigens ebenfalls allein
der kalten Zone eigen.) Die Anomuren sind über die heisse und ge-
mässigte Zone last gleichmässig vertheill, indem sie in der erstercn
284 Gerstaecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
nur etwa um ein Zehntel überwiegen ; die kalte Zone hat im Gan-
zen nur 6 Arten aufzuweisen. Während die Paguriden auf alle drei
Zonen vertheilt sind, beschränken sich die Paniniden und Hippiden
fast nur auf die Tropenmeere, und die Lilhoden stehen auf der Grenze
zwischen der kalten und gemässigten Zone. Die Macrouren kommen
fast zu gleichen Theilen auf die heisse und die ausserheissen Zonen;
in ersterer finden sich, bei Ausschluss der Flusskrebse, 147, in letz-
terer 153. Von den 29 Arten der kalten Zone sind 27 allein auf
dieselbe beschränkt. Von einzelnen Gruppen sind die Thalassiniden
grösstentheils ausserhalb der heissen Zone zu finden , die Palinuren,
Scyllariden und Penaeiden grösstentheils tropisch ; von den Caridinen
sind zahlreiche Gattungen und Arten ausserhalb der heissen Zone
einheimisch, einzelne fast ausschliesslich auf die kalte beschränkt.
Catalogue and descriptions of Crustacea collected in
California by Dr. J. Le Conte, by James Dana. (Pro-
ceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia VII. p. 175 ff.). Eine
Aufzählung- einer Anzahl in Californien gesammelter Criista-
ceen verschiedener Ordnungen , von denen die meisten neu
sind und hier beschrieben werden. Dieselben sind an ihrem
Orte einzeln angeführt worden.
Stirn pson, Synopsis of the marine Invertebrata of the
Great-Manan, Washington 1853;, ist dem Ref. nur aus einer
Anzeige in den Annales des sciences natur. II. p. 106 be-
kannt geworden. Hiernach soll das Werk die Beschreibung
einer grossen Anzahl neuer Arten von hedriophlhalmen Cru-
staceen enthalten, welche bei dieser in der Fundy-Bay, nahe
bei Neu-Braunschweig liegenden Insel-Gruppe vorkommen.
Dumont d'ürville, Voyage au pole sud et dans
rOceanie pendant les annees 1837-40. Zoologie, Tom. III.
Crustacees par H. Jacquinot et H. Lucas. Paris 1853.
Atlas, gr. fol. 1842 — 53. — Der Text dieses Reisewerkes
ist dem Ref. erst jetzt zur Ansicht zugekommen, so dass
nachtraglich darüber zu berichten ist. Die Bearbeitung des
auf der Reise gesammelten carcinologischen Materials , wel-
ches sich auf die Ordnung der Decapoden beschränkt, zeich-
net sich vor dem durch Blancha rd bearbeiteten entomolo-
gischen Theil durch Gründlichkeit und Genauigkeit aus; man
sieht der Arbeit sogleich an, dass der Hauptverfasser dessel-
ben, H. Lucas mit seinem Gegenstande vollkommen ver-
traut ist, Die dazu gehörigen Tafeln zr lehnen sich durch
während des Jahres 1854. 285
Eleganz und Naturlreue vortheilhaft aus und bringen eine
Anzahl sehr interessanter Formen zur Anschauung, auf wel-
che an ihrem Orte näher hingewiesen worden ist.
Die durch v. M i d d e n d o r f auf seiner Sibirischen Reise
gesammelten Crustaceen sind von Brandt und Seb. Fi-
scher einer sorgfältigen Bearbeitung unterworfen worden.
(Zoologie, Wirbellose Thiere S. 79—161.) B r a n d t hat
in seiner Beschreibung der Malacostraca eine Reihe werlh-
voller systematischer Abhandlungen über einzelne Familien
und Gattungen mit cingeflochten , aufweiche mit Ausnahme
einiger, die schon früher im Bullet, de la classe physico-
mathemathique de l'acad. de St. Petersbourg veröffentlicht
und in diesen Berichten ebenfalls schon erwähnt worden
sind, an ihrem Orte näher eingegangen worden ist. — Der
von Fischer bearbeitete Theil , welcher die Entomostraca
umfasst, enthält die ausführliche Beschreibung einer Anzahl
neuer Arten. — Taf. 5—7 des Atlas enthalten eine Darstel-
lung der neuen Arten nebst den dazu gehörigen Details.
Milne Edwards, Notes sur quelques Crustaces nou-
veaux ou peu connus (Archives du museum d'histoire natu-
relle Tom. VII. p. 145—188). Diese Arbeil des hochge-
schätzten Verf. enthält die Beschreibung und Abbildung einer
Reihe neuer Arten aus der Brachyuren-Gruppe der Ocypodi-
den, von denen die meisten Repräsentanten neuer Gattungen
sind. Die Charaktere der letzteren sind vom Verf. schon in
seiner vorjährigen Arbeil über diese Familie in den Annales
des scienc. nat. aufgenommen worden , weshalb ich unten
(siehe Catomelopa !) nur die Namen der Arten angeführt habe.
Liljeborg, de Crustaceis ex ordinibus tribus: Clado-
cera, Ostracoda et Copepoda, in Scania occurrentibus. Lund.
1853. gr. 8. mit 27 Tafein. — Das Werk, welches im vori-
gen Jahresberichte nur dem Titel nach angeführt werden
konnte, ist dem Ref. jetzt zugekommen, so dass er nach-
träglich folgendes darüber berichten kann : der vom Verf.
gelieferte Beitrag zur nordischen Enlomoslraceen-Fauna ist
sowohl durch die gediegene Bearbeitung als durch den Reich-
Ihum der darin bekannt gemachten neuen Formen von Be-
deutung; auch zeichnen sich die sehr reichhaltigen Abbil-
286 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
düngen des Werkes, welche sämnitliche beschriebene Formen
so wie ihre einzelnen Theile , in sofern sie von systemati-
scher Bedeulung sind , zur Anschauung- bringen, durch Ge-
nauigkeit wie durch Schönheit der Ausführung vorlheilhaft
aus. Unzweckmässig scheint dem Ref. die Sonderung der
Süss- und Salzwasserformen in zwei verschiedene Abihei-
lungen, indem dadurch die Uebersichtlichkeit verloren geht;
besonders tritt dies bei solchen Gattungen hervor , weiche
Arten beider Elemente in sich vereinigen. Die neuen Gat-
tungen und Arten , welche vom Verf. beschrieben worden
sind, finden sich bei den einzelnen Familien angeführt.
Annolationes de quibusdam Crustaceis indigenis, auclore
Burgersdijk. Lugduni Batavorum 1852. Dissert inau«?.
8. 58 pag.
Eine sorgfältig gearbeitete Abhandlung, welche die ausführliche
Beschreibung und Auseinandersetzung folgender Arten mit besonde-
rer ßerüclisichtigung ihrer Synonymie ertheilt: 1) Von Gammarus pu-'
lex Latr., Roeselii Gerv. und locusta Leach. 2) Von Idotea tricu-
spidata Desm. (üniscus balteatus Fall.) und linearis Fall. 3) Von
Oniscus murarius, Forcellio scaber, dilatatus, pictus , maculicornis,
Philoscia muscorum und Armadillidium vulgare.
Ueber fossile Crustaceen hat H. v. Meyer (Palaeon-
tographica IV. S. 1—15 und S. 44-55) zwei Abhandlungen
veröffentlicht, von denen die eine „über Crustaceen der Steine
kohlenformation von Saarbrücken", die andere über „Jurasi-
sche und Triasische Crustaceen" handelt.
In der ersteren werden Gampsonychus fimbriatus Jord. , Adelo-
phthalmus (Eurypterus) granosus Jord., Chonionotus lithanthracis Jord.
und Arthropleura armata Jord. durch neue ausführliche 13eschreibun,
gen und Abbildungen zur Kenntnies gebracht und ihre Stellung im
Systeme diskutirt. Am besten ist die Gattung Gampsonychus bekannt,
welche neuerlich an mehreren Orten in grosser Menge aufgefunden
worden ist; über ihre Verwandtschaft kommt der Verf. zu dem Ke-
sultate, dass sie eine Form bildet, welche die Charaktere der heuti-
gen Macrouren Decapoden mit denen der Amphipoden vereinige, eine
Ansicht, welche von Burmeister (siehe Slomatopoden !j mit Recht
verworfen wird. In Betreff der beiden Gattungen : Chonionotus und
Arthropleura, so scheint dem Ref. aus den bisher aufgefundenen (iruch-
slücken kaum sicher nachgewiesen zu sein, dass sie überhaupt den
Crustaceen angehören.
In der zweiten Abhandlung giebt H. v. Meyer Beschreibun-
wäbreDd des Jahres 1854. 287
gen und Abbildungen von folgenden Aiten : Eryon spinimanus Germ.,
Bedtcnbacheri Münst., Reckur afßnis, Gastrosacus Wetzleri, Litogaster
venusta, Pemphia Alberti, Galalhea audax und Gebia (?j obscara.
Fr. M'Coy, ,,0n some ncw Crelaceous Cruslacea**,
(Annais and magaz. of nat. hist. XIV. p. 116 — 122) brachte
einigo interessanle fossile Krebse aus den Familien der Bra-
chyuren, Anoniouren und Macrouren zu unserer Kenntniss.
Der Verf. gründet eine neue Galtung Reussia auf den Podo-
phthalmus ßuchii Reuss, welcher nach der Form der Schale zu urthei-
len, den Cyclometopa Edvv. beizuzählen ist. Die Schale ist massig
gewölbt, quer elliptisch, die einzelnen Regiones durch schmale Fur-
chen deutlich von einander geschieden ; die Regio mesogastrica ist
hinten dreieckig und setzt sich mit einem schmalen , vorn spitz zu-
laufenden Fortsatz bis zum Rostrum fort. — Eine neue Art: Reussia
granosa (Taf. 4 abgebildet) stammt aus dem oberen Grünsand von
Cambridge und lässt sich von R. Buchii leicht durch die grob granu-
lirte Überfläche unterscheiden. Der Verf. erwähnt noch einer dritten
Art derselben Gattung, die er vorläufig R. granulosa nennt, die aber
noch nicht hinreichend gekannt ist, um beschrieben zu werden. —
Von Anomouren wird Nutopocorystes Carleri n. sp. aus dem oberen
Grünsand von Cambridge beschrieben, und von Macrouren eine neue
Art der Gattung Hoploparia, als H. Saxbiji (Taf. 4j, von H. longimana
Sow. durch beträchtlichere Grösse, breitere und flachere Scheeren un-
terschieden; sie findet sich auf der Insel Wight im oberen Grünsand.
Glyphaea crelacea n. sp., ebenfalls aus dem oberen Grünsand, stammt
von Cambridge.
Decapocla.
Bracliyurd* — Oxyrrhyncha. Eine neue Gatlnng Prio^
norhynchus, welche mit Maja und Paramithrax die nächste Verwandt-
schaft zeigt, wurde von Jacquinot und Lucas (Voyage au pole
sud) aufgestellt. Sie unterscheidet sich von den beiden genannten
Formen durch den häutigen Rüssel der Schale, welche hier nicht
durch zwei divergirende Hörner gebildet wird ; ferner durch die Form
der Augenhöhlen, welche an ihrem unteren Rande weder eine tiefe
Spalte noch eine Ausrandung zeigen und deren oberer Rand nicht
durch zwei Spalten getheilt erscheint. Die Augenstiele sind sehr
kurz und werden ganz von der Augenhöhle aufgenommen. Das Ba-
salglied der äusseren Fühler ist sehr entwickelt, aber anstatt wie bei
Paramithrax und Maja mit Dornen bewaffnet zu sein, zeigt es nur
drei dicke, dornförmige Tuberkeln; die Geissei ist sehr kurz und
entspringt zwischen dem Basalgliede und dem unteren Theile dea
288 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Rüssels. — Die einzige Art: P. Edwardsii ist nur im männlichen Ge-
schlechte bekannt und stammt von den Auklands - Inseln. — Von dem-
selben Fundorte und ebenda beschrieben und abgebildet ist Maja au-
straliSf den beiden Europäsischen Arten sehr ähnlich, aber von stär-
ker gewölbtem Körper, und Lambrus nodosus von Neu-Holland.
Brandt besprach (Middendorf's Sibirische Reise) die geogra-
phische Verbreitung von Hyas coarctatus und araneus und das Vor-
kommen einer zwischen beiden die Mitte haltende Form von Keu-
foundland, welche mit Dekay's Abbildung von Hyas coarctatus aus
Nord-Amerika genau übereinstimmt. Dieselbe ist vorn breiter als
Hyas araneus, aber schmäler als H. coarctatus, nähert sich überhaupt
der ersteren Art in mehrfacher Hinsicht, iveicht aber durch die Farbe
wieder von ihr ab. Der Verf. vermuthet darunter eine dritte, noch
unbeschriebene Art, die sich jedoch erst nach Vergleichung zahlrei-
cher Nord-Amerikanischer Exemplare feststellen liesse; zu dem Zwecke
giebt er eine genaue vergleichende Diagnose der beiden bekannten
Europäischen Arten. — Ref. will hierbei erwähnen , dass das Berli-
ner Museum Exemplare von Labrador besitzt, welche, wenn auch von
dem Europäischen H. coarctatus durch bedeutendere Grösse und leb-
haft rothe Farbe abweichend, dennoch unzweifelhaft dieser Art an-
gehören.
Eine neue Art der Gattung Cryptopodia aus Californien wurde
von J. Dana (Silliman's American Journal XVIIL S.430) unter dem
Namen C. occidentalis beschrieben und abgebildet; sie zeichnet sich
vor den beiden bisher bekannten durch sehr lange Scheeren und lief
gekerbten Seitenrand der Schale aus.
Cancerina. — In der Voyage au pole sud wurden folgende
neue Arten beschrieben und abgebildet: Cancer Huonii aus der Tor-
res- Strasse, Zonjmxts ■pumilus von den Mariannen, canaliculatus aus
dem Indischen Ocean, Chlorodius Hombronii ohne' bekannten Fundort,
obscurus vom Samoa-Archipel, Elisus vlilis von Hatavia, macrodacly-
lus aus dem stillen Ocean, punclalus und rugosus ebendaher, Fla(ycar-
cinus Novae Zeelandiae (mit der Nord-Amerikanischen Art nahe ver-
wandt) von Neu-Seeland, Galene (?) hirtipes und laevimanus Vaterland
unbekannt, Trapezia miniala , hirlipes, fusca und scrralifrons von den
Marquesas Inseln, Vorluiius anlarclicus von den Auklands-Inseln, T/ia-
lamita coeruleipes aus dem stillen Ocean, und rosaea von Neu-Guinea.
Lucas berichtete (Bullet, entomol. 1S53. p. 49 ) über eine
merkwürdige Monstrosität des Platycarcinus pagurus, bei welcher das
linke erste Fusspaar in allen Theiien von der Hüfte bis zum Tarsus
doppelt, wenn auch unvollkommen entwickelt, vorhanden ist.
Gatometopa. — Eine grössere Anzahl neuer Formen dieser
Gruppe wurde durch Milne Edwards (Archives du Musee d'histoire
während des Jahres 1854. 289
naturelle \II. p. 145) bekannt gemacht: EWocÄiVws sinensis aus China,
Sesarma Smilliü aus Süd - Afrika , Euchirograpsus liguricus aus dem
Mittelländischen Meere, Melasesarma Rousseauxi von Zanzibar, Mein-
grapsus curvalus vom Senegal, Acanlhoptax insignis (der Gattung nach
nicht von Gelasimus verschieden) aus Chile, Euplax leptophlhalmus
von Chile, Melaplax indicus aus Ostindien, Prionoplax spinicarpus aus
China, Paratelphusa tridenlala von Keu-Seeland, sinensis von China,
Folamocarcinus armalus ohne bekanntes Vaterland, Uoscia macropa aus
Bolivia, Sylviocarcinus Devillei aus dem Innern Brasiliens, Dilocarci-
nus spinifer aus Cayenue, emarginatus, piclus und Caslelnaui aus Bra-
silien und Trichodactylus dentalus. — In Dilocarcinus Castelnaui glaubt
Hef. den Cancer 7dentatus Gronov., Herbst mit Sicherheit zu erken-
nen. — Ferner giebt Milne Edwards ergänzende Beschreibungen
von Pseudorhombila 4dentata, Thelphusa nilotica, Pelocartinus Lalandei
und Uca laevis. Letztere, welche der Verf. auch hier als eigene Art
aufstellt und treffend abbildet, ist nur das Männchen von Uca una
Marcgr., und zeichnet sich stets durch längere, zottige Scheeren und
überhaupt durch gestrecktere Beine aus.
Von Jacquinot und Lucas wurden (Voyage au pole sud)
folgende neue Arten beschrieben und abgebildet : Pinnotheres latipes
von Neu-Seeland, glohosum von Singapore, Hymenosoina (?) tridenta-
tum und depressum von den Auklands-lnseln, Gelasimus rubripes ohne
Fundort, Cleistostojna i^l) hirtipes vom Samoa-Archipel , Sesarma La-
fondei von Balavia, gracilipes von den Viti-Inseln, Metopograpsus
oceanicus von der Insel Pulo - Han , Cyclograpsus minuhis von Chile,
tasmanicus von Van Diemensland und gibbus Vaterland unbekannt.
Oxystomata. — Zwei neue dieser Gruppe angehörigen Gat-
tungen wurden von Jacquinot und Lucas (Voyage au pole sud)
bekannt gemacht : Peltarion nov. gen. gleicht sehr der Gattung Ate-
lecyclus , doch ist die Schale eben so lang als breit und die Stirn
mehr hervortretend. Das Basalglied der äusseren Fühler ist viel klei-
ner, das erste Glied der Geissei dagegen viel grösser als bei Atele-
cyclus. Die äusseren Kieferfüsse verschliessen weniger die Mundöff-
nung und treten nicht bis zum Basalglied der inneren Fühler vor ;
ihr drittes Glied ist klein und überragt nicht das folgende , welches
im Gegentheil sich an seinem Vorderende ansetzt, und nicht, wie bei
Atelecyclus, in einer Ausrandiing der Innenseite. Endlich zeigt auch
das erste Fusspaar noch Unterschiede , indem sein drittes Glied ver-
längert ist und bei weitem den Rand der Schale überragt. — Eine
Art : P. magellanicus aus der Magellan-Strasse. — 2) Jonas nov. gen.,
mit Corystes zunächst verwandt, unterscheidet sich davon durch die
breite, dreizähnige Stirn, durch die sehr dicken und verlängerten
Augen und durch die Form des ersten Gliedes der äusseren Fühler ;
endlich auch durch das dritte Glied der Kieferfüsse, welches kürzer
Archiv, f. Nalurgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. X
290 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
als das vorhergehende ist. — Art; J. macrophthalmus von Neu-
Guinea.
Brandt gab (Middendorf's Reise) eine ausführliche Darstellung
der von ihm schon im Bullet, de la classe phys.-math. VII. aufge-
stellten Gattung Platycorystes. Die eine der beiden dort beschriebenen
Arten, PI. ambiguus, ist nach den neueren Untersuchungen des Verf. mit
dem Cancer cheiragonus Tilesius identisch, und da Latreille auf
diesen schon i. J. 1825 seine Gattung Cheiragonus gründete, muss
diesem Namen sowohl vor dem Brandt'schen Platycorystes als dem
White'schen Telmessus der Vorzug eingeräumt werden. Als Art-
nanien schlägt Brandt einen schon von Stell er i. J. 1741 im Ma-
nuscript gebrauchten, Cancer hippocarcinoides vor, so dass also Chei-
ragonus hippocarcinoides der älteste Name für den bei Kamtschatka
sehr häufig vorkommenden Krebs wäre.
Nach Guerin (Revue et Magas. de Zoologie VI. p. 691) hat
Her klo ts (Dierkundige Bijdragen) in einer „Notice carcinologique
avec 1 planche" zwei neue Arten : Hepalus Van Benedenii aus Süd-
Amerika und Ilia (?) Mariannae von China beschrieben und ab-
gebildet.
Dana stellte (United States exploring expedition) eine neue
Gattung Nucia aus der Verwandtschaft von Leucosia mit folgenden
Charakteren auf: „Carapax parce transversus, antice non productus,
latere non dilatatus, inermis, superficie pauUo tuberculatus, fronte bi-
lobatus et non saliens. (??) Oculi paullo remoti, grandiores, margi-
nales. Area buccalis bene triangulata. Maxillipedis externi articulus
tertius triangulatus, palpus angustus, extus rectus. Pedes toti breves
et crassi, digiti in piano subverticali claudentes , eodem cum manus
articulatione." Eine Art : N. speciosa von den Sandwichs-Inseln. —
Als neue Art wird ferner beschrieben : Jphis longipes von den Viti-
Inseln.
Wotopoda.» Eine von Guerin (Rev. et magas. de Zoologie
VI. p. 333) aufgestellte neue Gattung Hypoconcka ist durch ihre Le-
bensweise und die damit zusammenhängende Bildung des Cephalotho-
rax vom höchsten Interesse. Die Rückenseite des letzteren ist näm-
lich nicht mit einer Kalkschale, wie der übrige Körper, bedeckt und
gewölbt, sondern durchaus flachgedrückt und häutig, gerade so wie
das Abdomen der Paguriden. Um diese weiche Rückenseite zu schüt-
zen, verbirgt sich der Krebs unter einer Bivalven-Schale , welche er
stets mit sich herumträgt. Was seine systematische Stellung betrifft,
so bietet er durch die Form und den Sitz der Beine die meiste Ana-
logie mit den Dromiaceen dar, wohin ihn auch Guerin und zwar
zwischen Dromia und Dynomene bringt. Von Dromia, mit welcher
Gattung Hypoconcha darin übereinstimmt, dass die beiden letzten
während des Jahres 1854. 291
Fusspaare kleiner als die übrigen und auf dem Rücken eingelenkt
sind, unterscheidet sie sich durch die Bildung der Tarsen an den vier
hinteren Fusspaaren ; diese sind nämlich bei Dromia scheerenförmig,
bei Hypoconcha dagegen sichelförmig und zurückziehbar. — Die Art,
auf welche diese Gattung begründet ist, war schon Herbst bekannt
und wurde von diesem als Cancer sabulosus abgebildet ; ihr Vater-
land sind die Antillen. Auf Taf. 5 hat Guerin das Thier von oben
und unten, auch in seiner natürlichen Lage in einer Muschel dar-
gestellt.
Als neue Arten Avurden aufgestellt:
Lithodes gramdata aus der Magellan-Strasse und Remipes mar-
morala von Neu -Seeland, von Jacquinot und Lucas (Voyage au
pole sud).
Lithodes verrucosa vom Feuerland , Albunea speciosa , Remipes
pacificus und hirlipes von den Sandwichs- Inseln, von Dana (United
States exploring expedition).
Pag^iirini. Eine ausführliche Darstellung der Mundtheile, des
Thorax und der Gliederung des Abdomen der Paguren gab Brandt
(Middendorf's Sibirische Reise). Hieran schliesst er eine Verglei-
chung der in den verschiedenen Meeren vorkommenden Formen des
Pagurus Bernhardus. Er unterscheidet eine var. a. granulala aus der
Nordsee und von den Küsten Islands, eine var. b. granulato - denticu-
lata (Pagurus streblonyx Leach) von der Englischen Küste, Unalaschka
und Kamtschatka , und eine var. c. spinimana aus dem Ochotskischen
Meere. — Als neue Art wird beschrieben: Pagurus Middendorßi häufig
im Ochotskischen Meere und bei Sitkha ; sie gehört zu der Abthei-
lung, wo die Finger des zweiten und dritten Fusspaares schlank und
nicht gewunden sind. — Mit diesen beiden Arten kommen zusammen
im Norden des stillen Oceans vor: Pagurus pubescens Kroyer, splen-
descens Owen und eine neue hier beschriebene Art : Vag. Mertensiij
in den Gehäusen von Tritonium sitchense und Bullia ampullacea, bei
Kadjak, Kamtschatka und in Nord-Californien. (Abbildung auf Taf. 5).
Cralatlieid^e. Von Dana wurden (United States exploring
expedition) folgende neue Arten aufgestellt : Galalhea laliroslrisj vi-
tiensis und longiroslris von den Viti-Inseln, spinosorostris und integri-
roslris von den Sandwichs-Inseln. — torcellana biunguiculata, monili-
fera, angusta von Rio Janeiro, valida von Valparaiso, müra von Peru,
armata von Borneo, Suluensis , speciosa, tomentosa und scabricula aus
dem stillen Ocean.
Astacini. Callianassa Californiensis wurde als neue Art von
Dana (Proceed. acad. Philadelph. VII. p. 175) beschrieben.
Carifles. Brandt hat (in Middendorf's Sibirischer Reise)
diese Familie nicht nur mit einer Anzahl neuer Arten bereichert,
292 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sondern auch mehrere Gattungen derselben einer genauen Bearbeitung
unterworfen, die bisher beschriebenen Arten dieser aufgezählt und
natürlichen Gruppen untergeordnet. Die abgehandelten Gattungen sind
Crangon, llippolyte und Pandalus.
1. üie Gattung Crangon theilt der Verf. in zwei Untergat-
tungen und zwar nach der Bildung der Füsse: I. Subgenus Crangon:
„Fenultimi et ultimi paris tibiae , tarsi et metatarsi parum compressi,
tibiae et tarsi adeo facie posteriore rotundati. Pedum parium modo
commenioratorum digiti subconici, uncinati , longo acuminati." — a)
Secundi et tertii paris pedes longitudine fere aequales: Crangon vul-
garis Fabr., maculosus Kathke, fasciatus Risso, septemspinosus Say,
boreas Fabr. und salebrosus Owen. — b) Secundi paris pedes tertii
paris pedibus longo breviores : Crang. catapbractus Edw. und septeni-
carinatus Sabine. — II. Subgenus Nectocrangon : „Penultimi et Ul-
timi pedum paris tibiae, tarsi et metatarsi satis compressi et dilatati.
Digiti eorum ovales, plani, abbreviati, breviter acuminati, satis recti.
Frontis pars media sursum elevata. Oculi valde approximati." Die
einzige hierher gehörige Art ist Crang. Lar Owen.
2. Die Gattung Hippolyte wurde mit drei neuen nordischen Ar-
ten bereichert und bei dieser Gelegenheit zugleich eine Uebersicht der
im IN^orden des atlantischen Oceans vorkommenden Arten gegeben.
Dieselben lassen sich nach Brandt folgendermassen gruppiren : a)
der Yorderrand des Cephalothorax mit zwei Stacheln versehn, wovon
der eine unter dem Auge, der andere am unteren Winkel des Brust-
schildes sich findet : 1) Ilippolyic silchensis n. sp. von der Insel Sitcha,
unterscheidet sich von den nächst verwandten Arten durch den gera-
den, unten nur wenig erweiterten Stirnschnabel. 2) Hip. Layi Owen
(Gaimardi Edw.?). 3) H. palpator Owen. — b) Der obere Dorn des
Vorderrandes über, der andere unter dem Auge: 4) Hipp, affinis Owen.
— c) Der Vorderrand des Cephalothorax mit drei Stachelpaaren, einer
über, einer unter dem Auge, einer am unteren Winkel: 5) IJipp. St.
Pauli n. sp. aus dem Beering'schen Meere. 6) H. aculeata Fabr. Edw.
(hierzu gehört IL armata Owen als weibliche, H. cornuta Owen als
männliche Varietät). — d) Der Vorderrand des Cephalothorax mit vier
Stachelpaaren, wovon jederseits je zw^ei über dem Auge, eines unter
dem Auge und das vierte sich am unteren Winkel befindet : 7) Hipp.
ocholensis n. sp. (ob mit IL turgida Kroyer identisch?). Die drei
neuen Arten finden sich auf Taf. 5 abgebildet.
3. Die Gattung Pandalus unterwarf Brandt bei Aufstellung
einiger neuen Arten aus den Sibirischen Meeren einer vorzüglichen
monographischen Bearbeitung, deren Ergebnisse folgende sind: Bei
Berücksichtigung der später entdeckten Arten erscheint dem Verf. die
von Milne Edwards gegebene Charakteristik der Gattung nicht
genügend und er stellt sie deshalb folgendermassen fest : „Antennae
während des Jahres 1854. 293
interiores seu superiores bipartitae. Anterioris nee non terlii, quarti
et quinti pedum paris ultimus articulus monodactylus, Sccundi plus
niinusve elongati et attenuali pedum paris carpus vel tarsus transver-
sim multiarticulatus, ultimo metatarsi ipsius articulo didactylo, forei-
pato.« Nach den Verhältnissen der inneren Fühler und dem Fussbau
lassen sich zwei Untergattungen aufstellen : I. Pontophilus Risso :
„Antennae internae corporis longitudinem superantes. Pedes gracillimi,
longissimi. Pedum tria posteriora paria antrorsum porrecta , squamas
antennales dimidio suo anteriore superantia. Pedum quarti et quinti
paris basis spinulis invicem remotis rarius obsessa. Digitorum eorum
inferior margo subbidentatus." Die hierher gehörigen Arten sind:
1) Fand. jNarval Latr. (Pontophilus pristis Rissoj. 2) P. Edicardsii
Brandt (P. Karvval Edw.)- — H. Pandalus sens. striet. „Antennae in-
ternae corpore multo brcviores. Pedes subgraciles, mediocres. Pe-
dum tria posteriora paria antrorsum porrecta, squamas antennales baud
vel parum superantia. Pedum tertii , quarti et quinti paris inferior
facies spinulis sat frequentibus, ex parte biseriatis obsessa. Digitorum
margo inferior 5 — ö dentatus." ~ a) Ro^tri frontalis margo inferior
basi parum dilatatus et dentibus posterioribus reliquis fere subaequa-
libus obsessus. Antennae internae thorace multo longiores, rostrum
longe superantes: 3) Pand. borealis Kroyer. — b) Rostri frontalis in-
ferior margo parte sua antebasali plus minusve fortiter dilatatus
et dentibus maioribus obsessus. Antennae internae thorace parum
longiores, rostrum frontale parum superantes: 4) Pand, platyceros
n. sp. von Unalaschka. 5) P. annulicornis Leach. 6) P. lamellige-
rus n. sp. aus dem Ochotskischen Meere. 7) P. hypsinotns n. sp. von
Unalaschka. Diese letzten vier Arten bringt lir. wieder in zwei
Abtheilungen , indem bei der ersten derselben der Rüssel sehr lang,
um ein \ierlheil länger als der Thorax, bei den drei letzten etwas
kürzer als dieser oder höchstens von dessen Länge erscheint.
Eine in mehrfacher Beziehung interessante neue Cariden-Form,
welche in den unterirdischen Höhlen Krains aufgefunden und schon
seit längerer Zeit unter dem Namen Palaemon anophthalmus Kollar
verbreitet worden, hat Dormitzer (Lotos 3. Jahrg. S. 85) als neue
Gattung Troglocaris Schmidtii veröffentlicht. Der Verf. bestreitet ihre
Verwandtschaft mit Palaemon und theilt sie der Gruppe der Crango-
nidcn Edw. zu. Da aber Crangon von den Palaemoniden nur ganz
künstlich getrennt ist, indem die Insertion der Fühler bei beiden gar
keine erheblichen Unterschiede darbietet, so beseitigt sich diese Frage
hiermit schon von selbst, abgesehen davon, dass die Fühler von Trog-
locaris bei weitem mehr mit denen von Pahiemon, als von Crangon
übereinstimmen. Was die neue Gattung von den Palaemoniden Edw.
entfernt, ist die Geissei am Grunde der fünf Fusspaare des Cephalo-
thorax, durch welche sie sich zu den Penaeiden hinneigt, üebrigens
S94 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
stimmt der Krebs mit den übrigen HöWenthieren in der Verkümmerung
der Augen überein, welche kaum vor dem Vorderrand des Cephalo-
thorax hervortreten. Der Rüssel ist wie bei Palaemon lang und ge-
sägt, die äusseren Fühler mit einer, die inneren mit zwei sehr lan-
gen Geissein versehen. Die beiden ersten Fusspaare endigen in eine
Scheere, die an der Spitze pinselartig behaart ist; die drei folgenden
in eine einfache Klaue.
Guise beschrieb (Annais and magaz. of nat. bist. XIV. p. 275)
als neue Art : Alpheus afßnis, auf S. 280 abgebildet, zunächst mit A.
ruber, Edwardsii und dentipes verwandt, deren Unterschiede der Verf.
im Vergleiche mit der neu aufgestellten Art auseinandersetzt.
Stomatopocla.
Caridioclea. Brandt erwähnt (v. Middendorf's Sibirische
Reise) einer ganz schwarzen Mysis-Art aus der Aw^atscha-Bay , die
sich von Mysis vulgaris Thompson durch einige Charaktere unter-
scheidet; er belegt sie mit dem Namen M. Aicatschensis, ohne jedoch
eine Beschreibung derselben zu geben.
Die Gattung Thysanopoda Edw. theilte Brandt (ebenda) in
zwei Untergattungen :
I. Thysanopoda sens. strict. : „Pedes maxillares externi pedibus
genuinis mediis breviores.« — Sectio a. „Annuli abdominales omnes
margine dorsali posteriore integro.« Hierhin gehören von beschrie-
benen Arten: 1) Thys. inermis Kroyer, 2) Thys. neglecta Kroyer, 3)
Th. longicaudata Kroyer, und als neue Art: 4) Thys. Krohtiii n. sp.
aus dem Mittelländischen Meere, hier besehrieben. — Sectio b. „An-
nuli abdominalis tertii , vel tertii , quarli et quinti margo dorsalis
posterior in medio denticulatus.- Zwei bekannte Arten : 5) Thys.
elongata Guerin. , 6) Thys. tricuspidata Edw.
II. Thysanoessa Brandt: „Pedum maxillarium par externum re-
liquis pedibus longius." Eine neue Art: Thys. lotigipes, auf Taf. 6
abgebildet, aus dem Ochotskischen Meere.
Burmeister hat in einer vortrefflichen Abhandlung : „Ueber
Gampsonyehus fimbriatus Jord." (Abhandh der naturforsch. Gesellsch.
zu Halle II. 3. Quartal, S. 191. Taf. X.) die Ansicht H. v. Meyer's
widerlegt, wonach der genannte fossile Krebs „ein Amphipode mit
Decapoden-Charakter" sein soll, und denselben als den Stomatopoden
angehörig dargestellt. Der Verf. weist darauf hin, dass die Bildung
der Antennen, die Zahl der Körperringe und die Form der Schwanz-
flosse den Gampsonyehus durchaus von den Amphipoden entferne,
während er durch dieselben Theile sich den Stomatopoden zunächst
anreihe. Von diesen weicht er allerdings durch die völlig isolirlcn,
nicht von einem Panzcrschilde bedeckten Thoraxringo und die nicht
gespaltenen Füsse ab , und bildet so gleichsam in der äusseren Form
während des Jahres 1854. 295
einen scheinbaren Uebergang zu i\en Amphipoden. Nach Burm. An-
sicht nähert sich Gampsonychus zumeist den Schizopoden (Caridiodea
Latr. Edw.) , mit denen er allerdings in der Bildung der Schwanz-
flosse übereinstimmt. Ref. muss jedoch darauf aufmerksam machen,
dass er sich durch andere Merkmale , die er mit den Squillen gemein
hat, von den Schizopoden wieder entfernt. Dies sind besonders die
stark entwickelten Lamellen der äusseren Antennen und die Ungleich-
heit der Füsse des Cephalothorax. In Betreff der Augen scheint mir
die Annahme, sie seien gestielt gewesen, wohl unzweifelhaft;* we-
nigstens deutet die rüssel förmige Verlängerung des Kopfschildes und
der tiefe Ausschnitt zu dessen Seiten ziemlich sicher darauf hin.
Als ßjastigopus spinosiis hat Leuckart (dieses Archiv XIX.
S. 258) eine neue Crustaceen - Form bekannt gemacht, welche wohl
hier am besten Erwähnung findet. Sie stimmt mit den Cariden in der
Form des Körpers überein , weicht aber durch den Mangel der Kie-
men von ihnen ab; während sie durch letzteres Merkmal zu den Schi-
zopoden hinneigt, unterscheidet sie sich von diesen wieder durch die
einfachen Schwimmfüsse. Aus den Angaben des Verf., dass die Au-
genstiele reichlich so lang als ein Viertheil des ganzen Körpers, dass
die fünf Cephalothorax -Fusspaare ohne Scheeren und Klauen seien,
und dass das sechste Schwanzsegment fast so lang als die fünf vor-
deren zusammengenommen ist, scheint es dem Ref. kaum zweifel-
haft, dass hier ein sehr abweichender Jugendzustand, vielleicht von
einer schon bekannten Gattung vorliegt. Die geringe Grösse des
Thieres (3 Linien) und die Angabe Leuckart's, dass in einem frü-
heren Stadium, bei 2y2 Linien Länge, gespaltene Ruderfüsse vorhan-
den sind und der ganze Körper mit zahlreichen, langen, fadenförmi-
gen Haaren besetzt ist, stellt eine solche Annahme wohl ausser
Zweifel.
JLBfiipliipocIa.
Die Amphipoden des Königreichs Neapel hat Costa
einer Bearbeitung unterworfen, von welcher ein Auszug in
dem Rendiconto della societä reale Borbonica, Napoli 1853
mitgetheilt ist. (Ricerche su i Crostacei Amfipodi dcl regno
di Napoli.)
Es sind dem Verf. im Ganzen 62 Arten von Amphipoden als in
Neapel einheimisch bekannt geworden, von denen 27 bekannt, 35 da-
gegen neu sind. Von den letzteren konnten nur 26 schon bekannten
Gattungen zugetheilt werden, die übrigen 9 gaben zur Aufstellung
von acht neuen Gattungen Veranlassung. Diese sind:
296 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
1. Äraneops nov. gen. Oculi reticulati nulli. Ocelli quatuor in
capitis margine antico positi. Antennae superiores unisetae. Pedes
quatuor anteriores subaequales, prehensiles ; tertii et quarti cylindra-
cei, unguiculo longo articulum antepenultimum ultimis duobus simul
valde maiorem attingente Zwei Arten : A. diadema und brevicornis.
2. Ichnopus nov. gen. Antennae longae, graciles, superiores
bisetae. Pedes quatuor longi , graciles, filiformes, haud prehensiles:
primi cylindracei, unguiculo minuto infra pectinato terminati ; secundi
submembranacei, manu apice longe fimbriata, unguiculo vix conspicuo.
— Die Gattung hält die Mitte zwischen Callisoma und Halibrotus. —
Art : I. taurus.
3. Egidia nov. gen. Antennae superiores bisetae; inferiores
articulo primo simplici. Pedes quatuor anteriores minuti subaequales,
primi distincte, secundi imperfecte prehensiles; tertii filiformes, arti-
culo ultimo spatuliformi ; quarti valde elati, articulo ultimo tantum
tereti, sex posteriores articulo primo tantum elato. — Art: E.
ptilchella.
4. ISolotropis nov. gen. Antennae superiores unisetae. Pedes
quatuor anteriores prehensiles, filiformes, subaequales. Corpus valde
compressum , dorso acute carinatum, segmentis aliquot in spinam po-
stice produclis. Epimera mediae magnitudinis. — Art : IV. spinn-
licauda.
5. Proholinm nov. gen. Antennae superiores bisetae. Pedes
quatuor anteriores prehensiles, primi minuti, secundi valde maiores.
Corpus dorso rotundatum , inerme, utrinque loricatum , lorica magna
ex epimeris 1—4. articuli constituta. Mit Amphithoe zunächst ver-
wandt. — Art: P. polyprion.
6. Elasmopus nov. gen. Antennae superiores bisetae; inferio-
res articulo primo simplici. Pedes quatuor anteriores prehensiles,
secundi valde maiores; medii simplices ; sex postici elati laminares
articulo ultimo tantum tereti. — Art : E. rapax.
7. Ceradocus nov. gen. Antennae superiores bisetae; infe--
riores processu styliformi cum earum articulo primo pedunculi articu-
lato et antea porrecto praeditae. Pedes quatuor anteriores prehensi-
les, secundi primis multo maiores: medii simplices; sex posteriores
articulo primo tantum elato. — Art : C. oi'ckesliipes.
8. Miorodeulopus nov. gen. Antennae superiores seta multi-
articulata terminatae, ac setae secundae rudimento praeditae : inferio-
res pediformes. Pedes quatuor anteriores prehensiles ; primi multo
maiores, in sexubus difformes, carpo maximo, manu parva unguiculum
gereute (mas.), manu maiore (femina) ; secundi minuti, filiformes. —
Mit der Gattung Unciola Say nahe verwandt. -— Art : M. gryllotalpa.
Als neue Arten wurden ausserdem von Costa (ebenda) auf-
gestellt:
während des Jahres 1854. 297
Orchestia medilerranea und conslricla, Lysianassa spinicorniSf lo-
ricata und humilis , Amphithonohis spinitentris , Ämphitfioe babirussa,
gazella , tenella, aquiliiia, crassiconiis , penicillalaf elongala, microura
und semicarinala , Gammarus plwnicornis, oblusunguis, unguiserrattts,
scissimanus, pvncümanus und bispinosus , Leucolhoe denticulala, Erich-
ihonius bidens, Corophium acherusicum , Vibilia speciosa und Hype"
ria pupa.
Liljeborg gab (Kongl. Vetensk. Akad. Handling. 1853. Stock-
holm 1855. S. 443 ff.) eine Uebersicht der in Skandinavien einheimi-
schen Arten der Gattung Gammarus , deren Zahl sich auf 14 beläuft.
Der Verf. hat die einzelnen Arten besonders in Bezug auf die Syno-
nymie einer speciellen Critik unterworfen und so auch über den viel-
fach verkannten Gammarus locusta Lin. Aufklärung gegeben. Der-
selbe ist nämlich von G. locusta Edw. verschieden und vom Verf.
selbst früher als G. Duebenii beschrieben worden. — Die Uebersicht,
unter welche die dem Verf. bekannten Skandinavischen Arten ge-
bracht worden, ist folgende:
I. Rami pedura spuriorum ultimorum depressi, lamellosi. (Gamma-
rus sens. strict.)
1) Oculi reniformes, subreniformes, ovati vel subovati.
a) Annuli tres ultimi abdominis supra non aculeati.
Gam. Sabinii Leach, angulosus Rathke.
b) Annuli tres ultimi abdominis supra aculeati.
Gam. mulatus Lilj. (locusta Edw.), locusta Lin. (Duebe-
nii Lilj.), pulex Deg., poecilurus Rathke.
2) Oculi rotundati.
Gam. obtusatus Montagu, palmatus Mont. (Dugesii Edw.)
Sundevalli Rathke, assimilis Lilj.
IL Rami pedum spuriorum ultimorum styliformes, conici. Appen-
dix caudalis unica, tuberculiformis. {Gammaropsis.^
a) Pedes thoracic! 3. et 4. paris solito modo formati.
Gam. enjthrophthalmus n. sp. von Kullaberg.
b) Pedes thoracici 3. et 4. paris forma singulari , ungue longis-
simo, parum arcuato, artic. 5. et 6. una formato.
Gam. anomalus Rathke, longipes Lilj. und macronyx n. sp.
von Kullaberg.
Von Brandt (v. Äliddendorfs Sibirische Reise) wurden fol-
gende neue Arten beschrieben : Gammarus sitchensis von der Insel
Sitcha, alchensis von der Insel Aicha und von Unalaschkn, ocholensis,
longicavda und Allorchestes ochotensis aus dem Ocholskischen Meere.
— Ausserdem erwähnt Brandt noch eines im Ochotskischen Meere
aufgefundenen Gammarus, den er mit einigem Zweifel zu Gammarus
298 Gerstaeck er: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
locusta zieht, wobei er zugleich Gelegenheit nimmt, die von den
verschiedenen Autoren unter diesem Namen beschriebenen Arten einer
genauen Critik zu unterwerfen.
Orchestia Californiensis und Allorchesles angustus Dana sind zwei
neue Arten aus Californien. (Proceed. acad. Philad. VII. p. 177.)
Spence Bäte schlägt für die von ihm im Jahre 1851 aufge-
stellte Gattung Bellia arenaria , da dieser Gattungsname schon bei
den Anomouren vergeben ist, den Kamen Sulcator arenarius vor. (An-
nais and magaz. of nat. bist. XIII. p. 504.)
fiacitiodipoda.
Von Brandt wurden (v. Middendorf's Sibirische Reise; zwei
neue Arten aus dem Kichta-Busen des Ochotskischen Meeres beschrie-
ben : Caprella afßnis und Nichlensis.
Isopoda.
Oniscides. Ref. beschrieb (Enlomol. Zeit. S. 314. Taf. 2.
Fig. 2) eine neue Gattung Sphaeroniscus aus der Gruppe der Arma-
dillini, welche sich von den bisher bekannten durch neungliedrige Füh-
ler unterscheidet; die Geissei ist nämlich dreigliedrig und trägt am
Ende des dritten Gliedes eine lange Borste. Die vorderen Thorax-
ringe sind seitlich stark verschmälert, die beiden ersten des Abdomen
nicht kürzer als die übrigen, der letzte hat wie bei Porcellis eine
dreieckige Form; das Basalglied des letzten Fusspaares ist viereckig
und an seinem Hinterwinkel ist das kleine äussere Endglied einge-
lenkt. — Die einzige Art: Sph. flavomaculatus stammt aus ]Neu-Gra-
nada und kugelt sich nach Art unserer Armadillidien zusammen.
Von Dana wurde (Proceed. acad. nat. sc. of Philadelphia VII.
p. 176) eine neue Gattung ^//oniscws aufgestellt, welche die Mitte zwi-
schen Scyphax und Styloniscus hält und folgendermassen charakterisirt
wird: j,Extremitate mobili maxillipedis oblonga et lobata, lobis setulo-
sis ; antennis externis non 2-geniculatis. Processus apicalis maxillipedis
crasse elongatus. Styli caudales breves , articulo basali ad marginem
segmenti abdominis posticum adnato et fere transverso. Antennae ex-
ternae 8-articulati. üculi parvi." Die einzige Art; AU. perconvexus
stammt aus Californien und ist 6 Lin. lang. — Ausserdem werden
von Dana (ebenda) als neue Californische Arten charakterisirt : Sphe-
rillo affinis und Styloniscus gracilis.
})elo spinicornis , eine neue Art von der Südküste des Ochots-
kischen Meeres, wurde von Br andt (v. Middendorf's Sibirische Reise)
liekanint gemacht.
während des Jahres 1854. 299
Idotaeidae* Neue Arten sind: Idotaea media und Steno»
soma gracillimum Dana (Proceed. acad. Philad. VII. p. 175) aus Cali«
fornien. — Idolen Ochotensis und Wosnese7iskiiy beide aus dem Ochot-
gkischen Meere, von Brandt (v. Middendorf's Reise) beschrieben.
Cymotlioadae. Eine neue, mit Aega nahe verwandte Gat-
tung stellte Dana (Proceed. acad. nat. sc. of Philadelphia VII. p. 176)
unter dem TVamen Aegacylla auf; sie ist durch kurzes, fussloses sie-
bentes Thoraxsegment und sehr grosse Augen charakterisirt ; die Füh-
ler und die sechs vorderen Füsse sind wie bei Aega, ebenso die
Schwanzanhänge. Eine Art: A. Leconliij 6 Lin. lang, stammt aus Ca-
lifornien. — Ausserdem beschreibt der Verf. als neue Art: Aega mi~
crophthalma, ebenfalls aus Californien.
Trilobitcs.
Palaeoiitologia Scandinaviae , auctore N. P. An gel in.
Pars I. Iconographia Crustaceorurn formationis transitionis.
Fase. 2. Lipsiae 1854. — Die vorliegende, unter verändertem
Titel erschienene Lieferung bildet die Fortsetzung zu dem im
vorigen Jahresberichte angezeigten Werke desselben Verf.
„Palaeontologia Suecica.^ Das hier bearbeitete Material ist
selTr beträchtlich und vermehrt die Zahl der Gattungen und
Arten um ein Bedeutendes. Da jede bekannte sowohl wie
neue Art durch schöne Abbildungen kenntlich gemacht ist (die
Lieferung ist von Taf. 20 bis 41 begleitet), so hat der Verf.
sich für die Arten nur auf eine kurze Diagnose beschränkt,
während die Gattungen ausführlich charakterisirt worden sind.
Giebel machte (Zeitschrift für die gesammten Naturwissensch.
Jahrg. 1854. S. 266) eine Mittheilung über einen neuerdings in den
Steinkohlenschichten bei Wettin aufgefundenen Trilobiten , von dem
er eine auführliche Beschreibung und auf Taf. 8 eine Abbildung giebt.
Dieser Fund ist insofern von besonderem Interesse, als Trilobiten in
der oberen Abtheilung des Kohlengebirges zu den grösslen Seltenhei-
ten gehören und bis jetzt erst eine einzige Art mit Sicherheit bekannt
geworden ist.
Braiiciiiopoda.
Pliyllopoda. Von Girard wurde (Proceed. of the acad.
of nat. scienc. of Philadelphia VII. p. 3) eine neue Galtung Limnadella
aufgestellt, welche sich von Limnadia hauptsächlich durch nur ein
Auge und durch die Fühler, welche in beiden Paaren gleich gestal«
300 Gersta ecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
tet sind, unterscheidet. (Bei Limnadia sind zwei Augen vorhanden
und das eine Fühlerpaar ist kleiner als das andere.) Fusspaare sind
24 vorhanden; sie sind an der Spitze und den Seiten mit feinen, fe-
derartigen Borsten besetzt. Eine Keihe von dornartigen Fortsätzen
befindet sich längs der hinteren Hälfte der Rückenlinie. — Die ein-
zige Art: L. Kilei stammt von Cincinnati.
Eine andere neue Gattung wurde von Fischer (Middendorf's
Sibirische Reise) unter dem IXamen Poltjartemia bekannt gemacht.
Sie unterscheidet sich von Branchipus durch beträchtlichere Fusszahl
(19 Paare); der Schwanz ist kurz, der Eiersack des Weibchens ziem-
lich voluminös und nach oben grossentheils mit den ersten Schwanz-
ringen verwachsen; die Hörner des Männchens sind breit, flach und
aus zwei Zweigen bestehend, die sich gegenseitig verdecken. Die
Stirnhaut verlängert sich in breite und sehr dünne Anhängsel. Die
Art P. forcipata findet sich ausser Sibirien auch in Lappland. — Von
neuen Arten wurden ebenda beschrieben: Branchipus claviger und
birostralus von Charkow; Middendorfiamis aus Sibirien, Lappland und
vom Ural, Arlemia arietina von Odessa und Köppeniana aus Süd-
Russland.
Oadocera« Liljeborg beschrieb (a. a. 0. S. 161) eine
neue Gattung Podon aus dem Kattegat, welche mit Polyphemus nahe
verwandt, zugleich einen Uebergang zu Evadne bildet. Sie wird fol-
gendermassen charakterisirt : „Corporis forma Polyphemo similis. Ca-
put a thorace impressione profunda disjunctum. Testa matricem obte-
gens postice rotundata, tuberculata. Antennarum secundi paris ramo-
rum unus 4articulatus, selis ciliatis Septem, quariim articulo secundo
una, articulo tertio duae, quarto quattuor affixae, et alter triarticula-
tus setis ciliatis sex, quarum articulo primo et secundo una, tertio
quattuor adfixae , praeditus. Pedum quattuor paria minime branchi-
fera; par primum maximum , öarticulatum, articulo 2. brevi, extus
appendicem bisetosam gereute, articulo 3. elongato , postice duabus
vel tribus, arliculo 4. et 5. duabus longis , crassis et postice aculea-
tis setis arcuatis praeditis. Abdomen processu, setas abdominales
duas gereute, brevi, apicem abdominis minime superante praeditum,
et aculeis duobus rectis, elongatis, rima anali disjunctis, terminatum."
— Art: Pod. intermedius, 1 mill. lang. — Ausser dieser anhangsweise
beschriebenen Gattung führt Liljeborg folgende bis jetzt in Schwe-
den aufgefundene Galtungen an : Sida 2 A. , Daphnia 7 A. , Macro-
thrix 2 A., Acantkoleberis für Acanthocercus , welcher Name schon
bei den Reptilien vergeben ist, eingeführt, 1 Art (Daphnia curviro-
stris Müll. = Acanthocercus rigidus Schödler) , Lalhonura für den
ebenfalls schon vergebenen Kamen Pasithea Koch aufgestellt, 1 Art,
Evadne 1 A., Polyphemus 1 A. und Lynceus IIA., worunter L. exU
guus als nette Art beschrieben wird.
während des Jahres 1854. 301
Fischer, Abhandlung über einige neue oder nicht genau ge-
kannte Arten von Daphnoiden und Lynceiden, als Beitrag zur Fauna
Russlands. (Bullet, da la soc. inip. des natural, de Moscou XXVII..
1854. p. 423— 434.) Der Verf. giebt eine ausführliche Beschreibung
der Daphnia longispina Müll., auf welche, nach seiner Meinung die
gleichnamigen Arten von Straus-Dürkheim, Ramdohr und an-
derer Autoren nicht zu beziehen sind. Ferner beschreibt er als neue
Arten : Bosmitia curviroslris , Lynceus excisus , lineatus , griseus und
aconlhocercoides. Endlich giebt der Verf. noch eine nachträgliche
Beschreibung des von ihm früher nach einem einzelnen Exemplare
bekannt gemachten Lynceus tenuirostris , welcher sich am Ausflusse
der Neva findet. Die beschriebenen Arten sind sämmtlich auf Taf. 3
abgebildet.
Derselbe beschrieb (Middendorf's Sibirische Reise) Daphnia Mid~.
dendorfiana als neue Art aus Sibirien.
liopliyropoda.
Ostracoda. Eine Arbeit, welche für die Kcnnlniss dieser
Familie von grosser Bedeutung ist, hat Zenker unter dem Titel:
„Monographie der Ostracoden" in diesem Archive XX. Jahrg. S. 1 — 87
veröffentlicht. Der Verf. giebt eine mit grosser Sorgsamkeit ausgear-
beitete Darstellung des gesammten inneren und äusseren Baues dieser
so schwierig zu beobachtenden Schalkrebse, welche wegen des gros-
sen Reichthums an speciellen Beobachtungen und Thatsacheu zu einem
Auszuge nicht gut geeignet ist. Wir müssen uns hier darauf be-
schränken, auf die Resultate hinzuweisen, welche aus den Unter-
suchungen des Verf. für die Systematik hervorgehen.
Die früheren Schriftsteller, welche sich mit der Beschreibung
der einzelnen Arten beschäftigt haben, wie 0. F. Müller, Jurine,
Z ad dach, Fischer u. s. w. , sonderten diese gewöhnlich in sol-
che, bei denen der hintere Theil der Schale höher als der vordere,
und in solche, bei denen derselbe niedriger erscheint. Nach den
Untersuchungen Zenker's ist diese Eintheilung jedoch zur Unter-
scheidung der Arten durchaus ohne Bedeutung, indem sich bei allen
von ihm längere Zeit hindurch beobachteten Arten eine allmähliche
Aenderung der Schalenform nachweisen Hess. Bei jungen Thieren
nämlich, deren Geschlechtsapparate noch nicht entwickelt sind, ist die
Schale hinten sehr niedrig und vorn hoch ; im Alter dagegen nimmt
der stark entwickelte Geschlechtsapparat den Raum des nun erhöhten
und erweiterten Hinterleibes ein. Es ist daher die grösste Breite der
Schale hinter der Mitte nicht das Kennzeichen bestimmter Arten, son-
dern nur ein Zeichen, dass man ein ausgebildetes, erwachsenes Thier
302 Gerstaecker: ßericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
vor sich liat , während der niedrige llintertheil der Schale stets ein
junges Thier bezeichnet.- Von wie grosser Bedeutung diese Entdek-
kung für die Feststellung und Keduktion der bisher beschriebenen
Arten sein muss , ergiebt sich von selbst; die Zahl der letzteren ist
sehr beträchtlich, und nach der Ansicht des Verf. lassen sie sich
sämmtlich auf 13 Arten zurückführen. Freilich ist auch in diesem
Felde der Zoologie, wie in manchen anderen, z. B. von Koch, eine
verwerfliche Leichtfertigkeit in der Aufstellung neuer Arten gehand-
habt worden.
W^as die Eintheilung der Familie betrifft, so behält der Ver-
fasser die vonMilne Edwards aufgestellten Gruppen der Cypriden
und Cytheriden bei und stellt sie durch zoologische und anatomische
Charaktere fest. Die Cypriden oder Süsswasser - Ostracoden haben
leichte Schalen, Schwimmfüsse, drei Paar Kiefer , eng zusammenge-
drängte Augen und eine Schleimdrüse im männlichen Geschlechts-
apparate. Die Cytheriden , dem Meerwasser eigenthümlich , haben
schwere Schalen, Klammerfüsse, zwei Paar Kiefer, weit entfernt ste-
hende Augen und keine Schleimdrüse. — Von Cypris trennt der Verf.
Cyprois als eigene Gattung ab, welche sich durch das weit getheilte
Auge und die abweichend construirte Schleimdrüse des männlichen
Geschlechtsapparales charakterisirt. Derselben gehören C. monacha
Müll, und dispar Fisch, an. — Die Gattung Cypris sens. strict. wird
wieder in zwei Untergaltungen Cypris und Cypria getheilt; die letztere
unterscheidet sich durch ein breiteres Auge , schlankere Gliedmassen
mit längeren Haaren, durch sackförmi<j[e Verlängerungen der Schleim-
drüse, längere und dünnere Zoospermien und dadurch, dass der Eier-
stock zwischen den Schalen zuerst nach unten herumgebogen ist.
Sie enthält die Arten: C. punctata, Joanna , vidua, semilunaris (^?J
und Ovum.
Die Arbeit ist mit fünf vortrefflichen Tafeln ausgestattet, welche
die Darstellung mehrerer Arten so wie der gesammten anatomischen
Verhältnisse der Familie geben.
Liljeborg führt (a. a. 0.) im Ganzen 23 Ostracoden, als der
Schwedischen Fauna eigenthümlich, an, welche sich auf 6 Gattungen
vertheilen, nämlich : ISolodromas n. g. 1 Art, Cypris 15 A. , Candona
2 A. , Cythere 3 A. , Cypridina 1 A. und Fhilomedes n. g. 1 A. —
Die Gattung Nolodromas ist auf Cypris monacha Müll, begründet und
fällt also mit Cyprois Zenker zusammen. Die Gattung Fhilomedes
gehört den Süsswasser - Ostracoden an und unterscheidet sich von
Cypridina dadurch, dass dieMaxillen des zweiten Paares keinen nian-
dibelförmigen Anhang haben, und dass von den Endborsteu der obe-
ren Fühler zwei sich durch besondere Länge auszeichnen. Die ein-
zige Art ist unter dem Kamen Ph. longicornis beschrieben und auf
während des Jahres 1854. 303
Taf. 26 abgebildet. — Die übrigen neuen Arten führen folgende Na-
men : Cypris aculeata, Cylhere nitida und Cypridina globosa.
Ueber fossile Ostracoden wurden folgende Beiträge geliefert:
Reu SS, Foraminiferen und Entomostraceen des Mecklenburger
Kreidegebirges. (Geologische Zeitschr. VII. S. 261—291. Taf. 8—11.)
Von Entomostraceen werden hier drei schon anderweitig bekannte
Cytherella- Arten und 9 Cythere aufgeführt; von letzteren sind C.
Iriangularis^ Kochii , Meyni, texhirala, lima , gracilicosta und insignis
neu; die beiden anderen: C. cornuta und coronata Roemer sind schon
aus obertertiären Schichten bekannt.
Derselbe , Beiträge zur Charakteristik der Kreideschichlen in
den üstalpen, besonders im Gosauthale und am Wolfgangsee, Wien
1854. — Hier werden 15 Entomostraceen als in der Gosau- Forma-
tion vorkommend angeführt, und von diesen folgende als neu be-
schrieben : Bairdia acuminala , oblonga , attenuata , Cylhere neglecta,
incompla, sphcnoides, megapliyma und perUisa.
Jones lieferte (Quart. Journ. of the geolog. society of Lon-
don X. p. 160) Bemerkungen über die fossilen Entomostraceen von
Woolwich; es werden hier sieben Arten besprochen und auf Taf. 3
abgebildet ; von diesen sind Cythere Welherellii und Candona Richarde
sonii neu.
Copepoda« Diese Familie ist nach Liljeborg (a. a. 0.)
in Schweden durch 9 Gattungen und 12 Arten vertreten , nämlich :
Diaptomus 1 A. , Temora 1 A. , Dias nov. gen. 1 A. , Ichlhyophorha
n. g. 1 A. , Tishe n. g. 1 A. , Tachidius n. g. 1 Art , Harpacticus
1 A. , Canthocamptus 2 A. und Cyclops 3 A. — Die neue Gattung
Dias bildet eine sehr langgestreckte Salzwasser -Cyclopidenform mit
eingliedrigem Kopfe, fünfgliedrigem Thorax und viergliedrigem Abdo-
men , dessen Endblätter 6 lange gefiederte Borsten tragen ; die vor-
deren Antennen sind in beiden Geschlechtern gleich gebildet, an den
hinteren ist der eine Ast kurz und eingliedrig. Die vier vorderen
Fusspaare mit sehr langen Borsten besetzt und aus einem äusseren
dreigliedrigen und einem inneren zweigliedrigen Ast bestehend. Das
fünfte Fusspaar weicht von den vorigen in der Gestalt ab und ist beim
Mann die rechte Seite scheerenförmig. Ein Auge und ein Eiersack.
— Die Art D. longiremis ist 1 mill. lang. — Die Gattung Ichlhyo~
phorba unterscheidet sich von der vorigen durch zweigliedrigen Kopf
und dadurch , dass die Abdominalplalten nur fünf Borsten tragen. Die
vordere Antenne der rechten Seite ist beim Männchen grösser und
gekniet; an der hinteren Antenne sind die beiden Aeste fast gleich
gross, der äussere siebengliedrig. Alle Füsse sind zweiästig, die
Aeste dreigliedrig; das letzte Paar beim Weibchen weniger, beim
Männchen mehr von den vorhergehenden abweichend. Ein Auge. —
304 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Eine Art: Ichlh. hamala, 1 niill. lang, ebenfalls aus dem Meerwas-
ser. — Die Gattung Tisbe ist auf Canlhocaniptus furcatus Baird. be-
gründet, und Tachidius auf Cyclops brevicornis Müller, — Von den
schwedischen Arten sind ausserdem foldende als neu zu erwähnen :
Jemora velox, Cyclops magniccps und gracilis.
Lubbock, On some arctic species of Calanidae (Annais and
magaz. of nat. bist. XlV. p. 125 — 129, mit Taf. 5.). Unter den von
Sutherland im Arktischen Meere gesammelten Crustaceen befan-
den sich folgende Copepoden : Harpacticus uniremis Gaim., Anomalo-
cera Patersonii Templet., Calanus arcticus Baird und 5 neue Calanus-
Arten , welche hier als C. magnus, horealis^ plwnosus, eJegans und
longus beschrieben werden. Bei der letzteren Art wird der Cephalo-
thorax als fünfgliedrig und das Abdomen als dreigliedrig angegeben,
während sonst 6 und 4 Segmente die Norm sind. — Alle fünf Arten
leiden übrigens wieder an einem „Frons rotundatus." (sie!)
Cyclopsine borealis^ neue Art aus Sibirien, wurde von Fischer
(Middendorf's Sibirische Reise) beschrieben.
Die anatomischen Verhältnisse von Cyclops quadricornis, Har-
pacticus staphylinus und Cyclopsina castor hat Zenker: „Ueber die
Cyclopiden des süssen Wassers« (dieses Archiv XX. Jahrg. S. 88) dar-
gestellt. Bei Schilderung der äusseren Bedeckungen wird besonders
das Chitin-Skelet der Unterseite des Körpers näher erörtert, welches
mit dem der Siphonostomen wesentlich übereinstimmt. — Das Ner-
vensystem besteht ausser dem Gehirnganglion noch aus fünf Bauch-
ganglien, welche den fünf Fusspaaren entsprechen ; in Betreff seiner
vitalen Funktionen ist die Beobachtung des Verf. von grossem In-
teresse, dass Cyclopsina castor des Nachts förmlich schläft, indem sie
mit ausgebreiteten Füssen ruhig im Wasser stehen bleibt; man kann
ihr alsdann bei Licht mit einem fremden Körper nahe kommen, ohne
dass sie entflieht , und sie sogar von der Stelle bewegen , ohne dass
sie erwacht. — Die Cirkulation ist sehr unvollkommen: C. quadri-
cornis besitzt sogar nicht einmal ein Herz; bei Cyclopsina castor ist
dies allerdings vorhanden und hat 150 Pulse in der Minute. Vom
Herzen geht der Hauptstrom nach vorn gegen den Kopf, von wo er
sich nach dem Sinus abdominalis hin umbiegt; Blutkörperchen sind
nur in sehr geringer Zahl vorhanden und gehen niemals bis in den
Schwanz und die Extremitäten. — Von Absonderungsorganen ist ein
mehrfach gewundener Canal zu erwähnen, der an den Seiten des Ko-
pfes liegt; er entspricht dem an derselben Stelle liegenden Organe,
welches Leydig bei Artemia und Branchipus aufgefunden hat und
das vielleicht dem grünen Organ des Flusskrebses analog ist.
während des Jahres 1854. 305
SSipIsonostomata.
Ref. beschrieb in diesem Archiv , XX. Jahrg. S. 185 u. ff. ei-
nige neue Schniarotzerkrebse , welche auf einem Haifische an der
Westküste Afrikas erbeulet wurden. Zwei derselben gaben zur Auf-
stellung neuer Gattungen Anlass:
1. Lonchidium nov. gen. Nur das Weibchen bekannt, welches
sich durch den sehr langgestreckten vierten Thoraxring, der doppelt
so lang als die drei vorhergehenden zusammengenommen erscheint,
auszeichnet. Von sehr eigenthümlicher Bildung ist der Cephalothorax,
welcher am Hinterrande , in der zwischen den Seitenlappen befindli-
chen Ausbuchtung mit zwei langen, spitzen, beweglichen Dornen
bewaffnet ist ; dieselben sind beim todten Thiere nach hinten und zu-
gleich etwas nach oben gerichtet. Von den drei Fusspaaren desselben
ist das erste scheerenförmig, das zweite sehr klein, das dritte aus-
nehmend gross, beide mit einem einfachen Haken an der Spitze. Die
Antennen sind vielgliedrig, die Stirnfortsätze fehlen. Nach letzterem
Charakter reiht sich die Galtung am besten den Dichelestinen Edw.
ein , bildet aber durch die Struktur der Hinterfüsse zugleich einen
Uebergang zu den Caligiden. — Eine Art: Lonch. aculeatum. — Es
ist wohl keinem Zweifel unterworfen, dass mit dieser Gattung die
von van Beneden fast zu gleicher Zeit aufgestellte Gattung Kroyeria
(siehe vorigen Jahresber.) identisch ist; die beiden Arten 'dürften
jedoch wohl verschieden sein.
2. Gatigliopus nov. gen. Ebenfalls nur im weiblichen Ge-
schlechte bekannt; zur Gruppe der Pandaliden Edw. gehörig und zu-
nächst mit Phyllophora Edw. verwandt. Von dieser unterscheidet
sich die neue Gattung durch die Bildung der Füsse des Cephalotho-
rax; die beiden ersten sind mit einer einfachen Endklaue versehen,
das dritte endigt in eine Scheere. Sehr ausgezeichnet erweisen sich
die hinteren Fusspaare, welche (besonders das Iste und 2te Paar) mit
mehreren saugnapfartigen Organen versehen sind. Der Saugrüssel
ist sehr lang und spitz, die Eiertrauben des Weibchens von doppelter
Länge des Körpers und verhältnissmässig dünn. — Eine Art: G. py~
riformis.
Eine neue, mit jenen beiden Gattungen zusammen gefundene
Art ist ausserdem Nogagus angustulus des Ref. , nur im männlichen
Geschlechte bekannt. — Die beschriebenen Schmarotzer sind sämmt-
lich auf Taf. 7 dargestellt.
Nach einer Notiz von Oscar Schmidt (Zeitschrift für die
gesammten Naturwissensch. 1853. S. 101) ist die bisher den Helmin»
Archiv f. Naturgesch, XXI. Jahrg. 2. Bd. {]
306 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
then zugezählte Gattung Peltogaster , deren Arten : P. paguri und P.
carcini unter dem Hinterleibe der betreffenden Krebse leben , den
schmarotzenden Crustaceen beizuzählen, indem sich die Jungen als
vollständige und unzweifelhafte Krebse, analog den Embryonen der
Parasiten und Lophyropoden, ergeben haben. Die Form derselben
ist birnförmig , sie haben ein Stirnauge, drei Paar Borsten tragende
Ruderfüsse und eine Art Gabelschwanz. Die Umwandlung dersel-
ben zu der späteren Form ist dem Verf. noch nicht bekannt ge-
worden.
Eine neue Caligiden-Gattung wurde auch durch van Beneden
(Bulletin de l'acad. de Bruxelles XXI. 2. p. 583) unter dem Kamen
Congericola bekannt gemacht. Männchen und Weibchen haben ausser
dem Cephalothorax noch drei deutlich getrennte Thoraxringe ; beim
Weibchen sind die Fühler dünn und kurz und treten kaum über den
Cephalothorax hinaus, beim Männchen sind sie dagegen sehr lang und
stark. In beiden Geschlechtern drei Paar zweitheilige , borstentra-
gende Kiemenfüsse , beim Weibchen ausserdem noch ein grösseres
viertes Paar ohne Borsten. Das Abdomen von ungeheurer Ausdeh-
nung beim Weibchen , mehr denn doppelt so breit und lang als der
ganze Thorax, beim Männchen klein; die End- Anhängsel sind beim
Männchen verlängert, griffeiförmig und mit langen Borsten versehen,
beim Weibchen kurz , stummelartig. Die Eiertrauben sind einfach
und übertreffen an Länge den Körper des Weibchens. Letzteres misst
mit Inbegriff der Eiertrauben 8 mill., das Männchen nur den 4ten oder
5ten Theil dieser Länge. Die Art: C. pallicla lebt auf den Kiemen
des Meeraales (Conger Cuv.). — Nach der Milne E d war d s'schen
Eintheilung der Siphonostomen würde die Gattung Congericola nicht
den Caligiden, sondern nach ihren vielgliedrigen Fühlern den Diche-
lestinen beizuzählen sein, und in der That zeigt auch das Männchen
grosse Aehnlichkeit mit der Gattung Dichelestion.
Clrripedia«
Ch. Darwin, a monograph of Ihe fossil Balanidae and
Verriicidae of Great Britain. London 1854. 4.
Der Verf. macht hier im Ganzen 16 Arten von Cirripedien
als in England bis jetzt aufgefunden namhaft, nämlich: 11 Baianus-
Arten, von denen B. Hameri, bisulcaius , dolosns und inclusus als neu
beschrieben werden; ferner Acasle undulala n. sp., 1 Pyrgoma, Co~
ronula barbara n. sp. und 2 Verruca- Arten.
während des Jahres 1854. 307
IV. /Iracffinlelon.
V. Siebold erwähnt in seiner Abhandlung über die Fa-
denwürmer der Insekten (Entomolog-. Zeit. S. 112), dass auch
Arachnidcn von solchen heimgesucht würden. Ein Fall der
Art wurde von ihm an Lycosa vorax Walken, beobachtet.
Black wall, Supplement to a Catalogue of British
Spiders, including remarks on Iheir struclure, lünctions,
oeconomy and systematic arrangement. (Annais and magaz.
of nat. bist. XIV. p. 28—33.)
In der Fortsetzung dieses Nachtrags zu seinem Verzeichnisse
der Britischen Spinnen (begonnen in Tom. XI. derselben Zeitschrift)
zählt der Verf. sechszehn neuerlich in England aufgefundene Arten
aus den Familien der Salticiden, Thomisiden, Drassiden, Theridiiden,
Linyphiidcn und Epeiriden auf. Den einzelnen Species sind wie frü-
her, Bemerkungen über Lebensweise, Vorkommen u. s. w. beigefügt.
K och und Berendt, die im Bernstein befindlichen Cru-
staceen, Myriapoden, Arachniden und Apteren der Vorwelt.
Berlin 1854, fol. mit 17 Tafeln. — Das V^erk bildet die zweite
Abtheilung des ersten Bandes der ^im Bernstein befindlichen
organischen Reste der Vorwell^^ Behrendt's und ist schon
vor einer Reihe von Jahren ausgearbeitet worden. Der Tod
der beiden Verf. hinderte jedoch die Veröffentlichung dessel-
ben, bis dieselbe jetzt durch A. Menge bewerkstelligt wurde.
Leider hat letzterer nicht eine völlige Umarbeitung des frü-
heren Manuscriptes vorgenommen , sondern dasselbe nur
mit Anmerkungen über neu hinzugekommenes Material und
hin und wieder mit einzelnen Berichtigungen versehen , wo-
durch die üebersichllichkeit ganz und gar verloren gegangen
ist. In der von Koch herrührenden Einleitung, welche un-
verändert wiedergegeben worden ist, kommen unbegreifliche
Irrthümer vor; z. B. ist demselben unbekannt, dass ausserhalb
Europa Onisciden vorkommen , wahrend doch schon von
Brandt im Jahre 1833 eine grosse Anzahl ausländischer
Arten bekannt gemacht wurde ; ferner ist er der Ansicht ,
dass in Amerika bisher nur Scolopendriden aufgefunden
seien, während doch in keinem andern Weltlheile die Juliden
308 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sowohl an Gallungen als Arten so reich verlrelen sind, als
gerade dort. Dergleichen Missgriffe hätten doch jedenfalls
vom Herausgeber , wenn er auch im Uebrigen die Arbeit
seiner Vorgänger unangetastet lassen wollte, beseitigt werden
müssen.
Von den Gliederthieren, welche im vorliegenden Werke bear-
beitet sind, erscheinen die Crustaceen als die am schwächsten ver-
tretenen ; die wenigen bisher bekannt gewordenen Arten gehö-
ren der Familie der Land - ünisciden und zwar den noch heut
zu Tage allgemein verbreiteten Gattungen Oniscus und Porcellio
an. In bedeutend grösserer Anzahl treten schon die Myriapoden
auf; sie gehören zu gleichen Theilen den Chilopoden und Chilo-
gnalhen an. Die im Bernstein vorkommenden Gattungen entsprechen
zum grössten Theile denen, welche noch jetzt den nördlichen Theil
von Europa bewohnen; nur Cermatia und Scolopendra sind davon
ausgenommen. — In auffallender Menge zeigen sich die Arachniden
im Bernstein und zwar ist es vorzüglich die Ordnung der Araneae,
welche durch ihren Reichthum in den Vordergrund tritt. Es treten
daher hier nicht nur eine beträchtliche Anzahl neuer Gattungen, son-
dern auch eine ganz neue Familie auf, welche nach der einzigen
bisher bekannten neuen Gattung Archaea von Koch und Berendt
mit dem Namen Archaeidae belegt worden ist. Von den Familien
der Jetztwelt sind nach Koch und Berendt die Epeiriden mit 5,
die Mithraciden mit 2, die Therididen mit 22, die Ageleniden mit 14,
die Drassiden m.it 17, die Eriodontiden mit 2, die Dysderiden mit 7,
die Thomisiden mit 12 , die Eresiden mit 2 und die Atliden mit 10
Arten vertreten. Durch die von Menge hinzugefügten neuen Arten
stellen sich alle diese Zahlen noch bedeutend höher. Von den übri-
gen Ordnungen enthalten die Pseudoscorpionen 4, die Phalangier 7
und die Acarinen 16 Arten. In Betreff der im Bernstein vorkom-
menden Arachniden- Gattungen ist hervorzuheben, dass zwar der
grössle Theil mit den noch jetzt lebenden Europäischen Gattungen
identisch ist, dass jedoch auch hin und wieder Arten aus tropi-
schen Gattungen auftreten, wie z. B. Oxypete unter den Thomisiden
und Gonyleptes unter den Opilionen , letztere heut zu Tage nur in
Brasilien einheimisch. — Die als Insecta aptera bezeichneten Thiere
sind sämmtlich Thysanuren, und zwar 11 Lepismatiden und 10 Po-
durellen.
0hl er t, Beiträge zu einer auf die Klauenbildung
gegründeten Diagnose und Anordnung der Preussischen Spin-
während des Jahres 1854.
309
nen. (Verhandl. des zoolog.- botan. Vereins in Wien IV.
S. 233 ff.)
Wenn gleich durch die vorliegende Arbeit nicht wesentlich
neue Resultate für die Systematik dieser Ordnung erzielt worden
sind, ist sie dennoch in sofern von Wichtigkeit, als der Bau der
Fuss- und Palpenklauen mit denjenigen Charakteren, wodurch die
bisher angenommenen Familien festgestellt wurden, Hand in Hand geht
und so die Natürlichkeit derselben bestätigt. Der Verf. hebt ganz
richti«^ hervor, dass die Bildung der Klauen aus dem Grunde von
systematischem Werthe sei , weil sie bei der Construktion der Ge-
webe, welche gewiss mit der ganzen Lebens-Oekonomie der Spinnen
im innigsten Zusammenhange stehen, mit thätig sind. Es hat sich
nun auch durch die Untersuchungen des Verf., welche er fast an
1000 Spinnenklauen angestellt hat, herausgestellt, dass die an densel-
ben bestehenden Unterschiede durchaus constant sind und daher in ihnen
vortreffliche Kennzeichen zu einer systematischen Anordnung liegen.
Kur selten, wie z. B. bei Calliethera scenica , zeigen sich Schwan-
kungen in der Zahl der Zähne, während die Gestalt der Klauen,
auch bei allen Altersstufen, in einer und derselben Art stets dieselbe
bleibt. Hauptsächlich ist die Bildung der Klauen zur Begründung
von Familien und Gattungen, weniger zur Unterscheidung der Arten
geeignet. Oft ist die äussere und innere Kralle an den Füssen mit
einer sehr verschiedenen Anzahl von Zähnen bewaffnet , was bei
den Thomisiden und Salticiden am aufPälligsten ist; weniger allge-
mein kommt dieses Merkmal bei den Drassiden vor, denen zugleich
die Afterkralle fehlt. Oft sind die Krallen beim Männchen derselben
Art etwas schlanker, oft haben sie auch einige Zähne mehr als beim
Weibchen, indessen ist dies nicht die Regel, sondern in den meisten
Fällen stimmen beide Geschlechter hierin überein. Ein Unterschied
der Krallen an den vier Fusspaaren ist in der Regel nicht vorhan-
den. — Die Einlheilung, welche der Verf. nach der Bildung der
Klauen vorgenommen hat, ist nun folgende:
A. Afterkralle stets vorhanden, keine Federhaarbüschel. Die
beiden Hauptkrallen meist mit gleich viel Zähnen. Tasterkrallen bei
den Weibchen meistens vorhanden und gezähnt, a) Afterkralle stets
gezähnt , männliche Taster stets ohne Kralle. 1) Die Krallen meist
breit und stark, die Afterkralle mit zwei meist kurzen und stumpfen
Zähnen, weibliche Tasterkrallen stets vorhanden und gezähnt: Epei-
rides. 2) Die Krallen vorherrschend schlank; die Afterkralle mit ein
bis ^wei meist schlanken und" spitzigen Zähnen (nur bei Dictyna mit
sechs Zähnen); die weibliche Tasterkralle meist vorhanden und ge-
zähnt (sie fehlt nur bei Erigone und Micryphantes) : Theridides. 3)
Krallen stark, dicht und lang gezähnt, Afterkralle drei - bis fünfzäh-
310
Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nig, weibliche Tasterkralle stets vorhanden und gezähnt: Agelenides.
— b) Afterkralle meistens ungezähnt, bei einigen auch die männli-
chen Taster mit einer Kralle oder einem Analogen derselben. 4)
Weibliche Tasterkralle gross und gezähnt: Lycosides. 5) Weibliche
Tasterkralle klein, ungezähnt: Dysderides.
B. Afterkralle fehlt, neben den Haupikrallen meistens Federhaar-
büschel; an der äusseren Hauptkralle meist viel weniger Zähne als
an der inneren, a) Weibliche Taster mit Krallen versehen. 6) Weib-
liche Tasterkrallen überall stark und mehrzähnig: Thomisides. 7)
Weibliche Tasterkrallen meist schwach und zum Theil ungezähnt:
Drassides. — b) Weibliche Taster ohne Krallen. 8) Die Krallen
schlank, äussere und innere Kralle sehr verschieden, stets Federhaar-
büschel : Attides.
Auf zwei der Abhandlung beigegebenen Tafeln sind die auf-
fallendsten Bildungen sowohl derFuss- als Tasterklauen von 30 ver-
schiedenen Gattungen abgebildet; aus diesen ist der systematische
Werth der untersuchten Organe auf den ersten Blick zu erkennen.
Blackwall, Descriptions of somc newly discovered
species of Araneidea. (Annais and magaz. of nat. bist. XIII.
p. 170—180.)
Die sieben neuen aus England stammenden Arten, welche hier
beschrieben werden, sind: Salticus promplus und Jenynsii , Drassus
propinquus, Linyphia tenella , circumspecta und ßavipes , Neriene
herbigrada.
Doblika hat (Verhandlungen des zoolog.-botanischen Vereins
zu Wien in. S. 115) unter dem Titel: „Beitrag zur Monographie des
Spinnengeschlechtes Dysdera" zwei angeblich neue Arten unter dem
Namen D. longirostris aus der Krim und Kollari aus Dalmatien be-
schrieben und „um aus diesen«, wie er in der Einleitung sagt, „und
aus den übrigen Beobachtungen ein zusammenhängendes Ganze zu
bilden", die Beschreibungen der übrigen schon bekannten Arten nach
den verschiedenen Autoren mit möglichst grosser Confusion zusam-
mengetragen. Bei keiner Art weiss er nämlich mit Bestimmtheit zu
sagen, ob sie Varietät einer anderen oder als selbstständig zu betrach-
ten ist. Auch ist der Verf. noch nicht so weit iortgeschritlen, die
Namen der bekanntesten Autoren richtig zu schreiben, denn er spricht
fortwährend von „Walkenear« und „Blackwcll" (sie!). Die Einlei-
tung zu dieser merkwürdigen Arbelt ist zwar nicht als besonders
lehrreich, aber wenigstens als ein Meisterstück von Mangel an Logik
lesenswerth.
Thoreil „Om bannen af Scytodes thoracicus- ( Öfvers. af
Kongl. Vetensk^ Akad. Förhandl. XL p. 197j gab eine ausführliche
während des Jahres 1854. 311
Beschreibung des Männchens von Scytodes thoracicus Latr. (Sc. tigri-
iius Koch), welches von ihm in Florenz an der Mauer eines Hauses
gefunden wurde.
Pedipalpi.
Bland! ard „Des modificalions du type dans la fa-
mille des Scorpionides«. (Comptes rendus de l'Academie
des Sciences 1S54. Tom. 3S. p. 965.) — Der Verf. hat ge-
funden, dass sich bei den verschiedenen Scorpionen ^ Arten
je nach der höheren oder geringeren Ausbildung der äusse-
ren Körperforin auch Verschiedenheilen in Betreff des Ner-
ven- und Circulalionssystems nachweisen lassen. Bei den
am vollkommensten entwickelten Formen, wie bei den gros-
sen tropischen Buthus- und Androctonus-Arten sollen näm-
lich die beiden ,,Hauptganglien des Nervensystems^' (?) fast
ihrer ganzen Länge nach mit einander verschmolzen, die
Blutgefässe sehr voluminös und ihre Verzweigungen sehr
vervielfacht sein. Je kleiner nun die Arten werden (womit
zugleich eine Abnahme in der Zahl der Augen, eine gerin-
gere Enlwickelung der Scheeren und des Schwanzes ver-
bunden ist), desto mehr gehen auch die beiden Ganglien
auseinander und desto schwächer werden die Blutgefässe.
Bei dem kleinen Scorpio Europaeus und besonders bei
Ischnurus Koch sollen die beiden Ganglien ihrer ganzen
Länge nach getrennt bleiben und das Gefässsystem äusserst
schwach entwickelt sein. Von besonderem Interesse wäre,
wenn sie sich bestätigt, die Beobachtung des Verf., dass
eine gleiche Verschiedenheit des Nerven- und Gefässsystems
bei den verschiedenen Alterszuständen einer und derselben
Art vorkommt. Beim Embryo eines Buthus will Blanchard
nämlich die Ganglienknoten noch weit von einander getrennt
gefunden haben , während sie sich in den vorgerückten Le-
bensstadien allmählich mehr einander näherten.
Acariiia«
Frauenfeld beschrieb (Vcrhandl. d. zoolog. - botan. Vcr. IV.
S. 28) Haemalastor gracilipcs als neue Art aus der Grotte Skednenza
in Krain, durch den Mangel der Augen bemerkenswerth. Es wäre
312 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leist. in d. Entomologie etc.
— auch nach des Verf. eigener Ansicht — nicht unmöglich, dass
diese Art als Weibchen zu dem von ihm früher beschriebenen Escha-
tocephalus gracilipes gehört.
Derselbe beschrieb (ebenda S. 29) eine ebenfalls aus einer
Krainer Höhle stammende Art dieser Familie, welche er muthmass-
lich als das Männchen von Ixodes vespertilionis Koch bezeichnet.
Bericht über die Iieistungeii in der geog:ra-
liliisclieai und systematischen Botanik wäh-
rend des Jalires I§53.
Von
ord. Professor an der Universität zu Göltingen.
A. Pflanzeiig^eog^raphie.
Eine populäre, durch Karten erläuterte Zusammenstel-
lung pflanzengeographischer Thatsachen wurde von Ru-
dolph 1) herausgegeben.
Mit den Wanderungen der Pflanzen beschäftigten sich
Hoffmann 23, Godron •') und Lange ^). In Hoff-
mann's Schrift werden einige Versuche mitgetheilt, die Mög-
lichkeit des Transports von Pflanzen durch fliessendes Was-
ser zu erweisen : von Samenkörnern verschiedenen Baues, die
drei Wochen lang im Wasser gelegen hatten, blieb der vierte
Theil keimfähig, mochten sie untergesunken sein oder nicht.
H.'s Hypothese, dass die Flora des mittleren Rheinlhals durch
Wassertransport während der Tertiärzeit an ihre heutigen
Standorte gebracht sei , muss zurückgewiesen werden : sie
widerspricht dem einfachen und in der Geologie mit so gros-
sem Erfolge anerkannten Grundsalze, dass, wo die physischen
Kräfte der Gegenwart zur Erklärung ausreichen, der Mass^
Stab der Naturerscheinungen nicht von früheren Katastro-
phen zu entlehnen ist. Indem H. auf der schlüpferigen Bahn,
die Forbes einschlug (Jahresber. f. 1845. S; 4.), die Ein-
flüsse des Klimas und Bodens auf die heutige Verbreitung
der Pflanzen gering achtet, verfällt er in eine Reihe bemer-
314 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
kenswerlher Irrthümer. Er meint, dass die Vegelationslinie,
welche im nördlichen Deutschland die Pflanzen des See- und
Kontinental -Klimas scheidet, durch die Konfiguration der
Flölzgebirge und des Tertiärmeers der baltischen Ebene zu
erklären sei (S. 10) und er beachtet nicht, dass diese Pflan-
zengrenzen ebensowohl im Innern des Tieflandes, wie des
Gebiets anstehender Gesteine nachgewiesen worden sind.
Der einzige Grund von scheinbarer Erheblichkeit, den H.
für seine Ansicht vom Ursprünge der Rheinflora anführt, be-
steht darin, dass eine grosse Anzahl mittelrheinischer Pflan-
zen „in dem benachbarten Parallelgebiete der Ober- und
Miltelweser gänzlich fehle, wie diese keine Zuflüsse aus der
alpinen und Oberrheingegend erhält« (S. 33). Der Versuch,
diese Behauptung zu begründen , welcher den grössten Theil
seiner Schrift ausfüflt, ist dem Verf. indessen durchaus miss-
lungen. Denn indem er sich bei der Vergleichung der Stand-
orte des Wesergebiets auf die hessischen Pflanzenverzeich-
nisse von Pfeiffer und Wenderoth beschränkte, ohne
die des hannoverschen Gebiets zu berücksichtigen, sprach er
den Weserlandschaften viele Gewächse ab, die auf dem Mu-
schelkalke derselben einheimisch sind und die in Niederhes-
sen nur desshalb fehlen, weil hier der Boden grösstentheils
aus buntem Sandsteine gebildet ist: von seinen 125 Arten,
die das Rheingebiet vor dem der Weser voraus haben soll,
zähle ich nicht weniger als 65, die im südlichen Hannover
und dessen Nachbarländern ebenfalls wachsen und grossen-
theils dem Flussgebiete der Weser selbst angehören.
Als Beispiele von Weserpflanzen, die H. irrlhümlich dem Ge-
biete der oberen und mittleren Weser abspricht, erwähne ich nur
folgende: Allium sphaerocephalum , ßupleurum tenuissimum , Carex
slricta, C. strigosa, C. tomentosa, Carum Bulbocastanum , Chenopo-
dium ficifolium, Cladium Mariscus, Cnidium venosum , Elatine Aisina-
strum u. s. w. (da H.'s Yerzeichniss alphabetisch geordnet ist, kann
man nach 10 Beispielen aus den ersten 5 Buchstaben den Werlh des-
selben hinreichend beurtheilen).
Godron's Schrift über die eingewanderten Pflanzen
Frankreichs schliesst sich an A. De Candolle's frühere
Arbeit an (vergl. Jahresb. f. 1850. S. 1). Als Beispiel der
Verbreitung von Sporen durch den Wind zeigt G. , wie im
und systematischen Botanik wahrend des Jahres 1853. 315
J. 1847 OidiumTuckeri in England über den Kanal kam und
sich dann allmählich bis Syrien, Algier und Madera ausge-
breitet hat.
Die nachweisbar eingewanderten Pflanzen Frankreichs, welche
G. in reichhaltiger Uebersicht zusammenstellt, zerfallen in folgende
Kategorieen :
1. Aufugae amerikanischen Ursprungs. Synanthereen mit Pap-
pus : Erigeron canadensis , Aster bruraalis , novi Belgii, salignus, du-
mosus und rubricaulis, Stenactis annua , Solidaga glahra, canadensis
und lilhospermifolia. Ferner: Oenothera biennis, muricata und sua-
veolens ; Mimulus luleus (am Oslabhange der Vogesen, durch Wasser-
transport verbreitet); Digitaria paspaloides (im ganzen südwestlichen
Frankreich Iftngs der Dordogne bis Lalinde , längs der Garonne bis
Toulouse hinaufgehend, nachweisbar im J. IS02 von Bosc in Bordeaux
zuerst eingeführt).
2. Amerikanische Lichenen , die an der Westküste Frankreichs
vorkommen, ohne zu fructificiren: Sticta aurata und Evernia flavicans.
3. PI. segetales , deren ausländischer Ursprung sich aus ihrem
Consortium ergiebt.
a. Leinfelder : Camelina dentata, Silene cretica, Spergula ma-
xima, Cuscuta epilinum; Lolium linicola (dieses fand Lange jedoch
wild an dem biscayischen Meerbusen).
b. Luzernefelder: Cuscuta corymbosa. Sodannn aus Südfrank-
reich nach dem Elsass und Lothringen eingewandert: Sinapis incana,
Melilotus parviflora, Medicago scutellata, Ammi raajus, Centaurea sol-
stitialis, Helmlnthia echioides, Asperugo procumbens.
c. Kleefelder: Cuscuta Trifolii.
d. Linsenfelder: Fumaria micranlha (Syn. F. densiflora DC).
e. Felder von Madia sativa : Amsinckia angustifolia aus Chile.
f. Cerealienfelder. G. zählt 74 sp. auf, wovon mehr als 40
in Frankreich nur unter dem Getreide vorkommen, die übrigen im
mediterranen Gebiete einheimisch, in den nördlichen Provinzen auf
jenen Standort eingeschränkt sind. Folgende sind erst in den letz-
ten Jahren verbreitet worden : in Lothringen Yicia varia und Bork-
hausia setosa ; bei Marseille Fumaria anatolica und Specularia penla-
gonia ; bei Montpellier Sesamum Orientale; bei Soreza Malva caro-
liniana und Uoubieua multifida ; bei Nimes Cephalaria syriaca; im
Roussillon Saponaria Orientalis.
4. Ruderalpflanzen : 14 sp.
5. Durch Schiffsballast oder mit Waaren eingeführt sind zahl-
reiche Arten , von denen G. 372 in seiner Fl. juvenalis (s. u.) auf-
führt. Andere Beispiele neueren Ursprungs sind folgende : bei Cette
Ambrosia ttnuifolia, Onopordon luuricum und lleliotropium curassavi-
316 Griscbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
cum; bei Marseille Plantago squarrosa und Saponaria porrigens; bei
Brest Helichrysum foetidum, bei Cherbourg Gnaphalium undulatum.
Lange's Mitthcilung-en von ähnlichem Inhalte bezie-
hen sich vorzuglich auf einige eingewanderte Pflanzen in
Spanien.
Bei Santandcr fand L. allgemein verbreitet Üxalis violacea, in
Andalusien 0. cernua, bei Bilbao Cyperus vegetus (derselbe findet
sich auch an der französischen Küste) , bei San Sebastian Eleusine
indica; zwischen Coruna und Ferrol beobachtete er ein Gras, welches
er für Paspalum vaginatum Led. hielt und das wahrscheinlich mit P.
digitaria Poir. (Digitaria paspaloides Godr.) identisch ist : ich sah
dasselbe unweit der spanischen Grenze am Adour sehr verbreitet.
Eine Abhandlung von Marcel de Serres ^) über
die ursprüngliche Verbreitung der Organismen ist mir nicht
zugegangen.
Thurmann<^) hat seine im Jahresb. f. 1849. (S. 14 u. f.)
widerlegten Ansichten über den Einfluss des Bodens auf die
Verbreitung der Pflanzen auf's Neue dogmatisch zusammen-
gestellt; Contejean ^) ist ihm als Anhänger seiner Ansich-
ten beigetreten. Die Kalksekretionen in den Blättern der Kalk-
Saxifragen und die constante Gegenwart der Krystalle von
Kalksalzen im Parenchym bestimmter Pflanzen gehören zu den
trefl'endsten Beweismitteln gegen Hypothesen, welche die Ab-
hängigkeit von chemisch- charakterisirlen Nahrungsstoffen
leugnen und die Bodenstetigkeit einseitig von den physischen
Eigenschaften des Substrats ableiten wollen. — Stur be-
schäftigte sich mit dem Einflüsse des geognostischen Sub-
strats auf Pflanzenvertheilung in den österreichischen Alpen
(Verh. des zool.-bot. Vereins. Bd. 3. S. 43—50). ,,
1. Europa.
Auf der von der geographischen Gesellschaft in .Pe-
tersburg ausgerüsteten Expedition nach dem nördlichen Ural
hat Kowalski ^) die Baumgrenzen an mehreren Punkten
gemessen und zugleich die Verbreitung der Wälder im ho-
hen Norden dieses Gebirgs untersucht. Jenseils des 6lsten
Breitegrads sind „die Thäler meist mit Nadelholz bedeckt; die
Lärche steigt am höchsten an den Abhängen des Gebirgs"
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 317
CS.XXXl), die auch am weitesten nach Norden reicht. Als
die Polargrenze des Waldes im Bereiche des Urals, d. h.
als die Breite, unler welcher, die in nördlicher Richlung sin-
kende Baumgrenze, wie K. sich ausdrückt, dem Meeresni-
veau gleich steht, wird 66%^ N. ßr. bezeichnet. Bestätigt
aber wird die Beobachtung, dass in der westlichen Samojeden-
Tundra der Wald schon unter 65o N. Br. verschwindet, wäh-
rend an der Ostseile die Waldregion bis 67o N. Br. reicht und
lokal sogar, an den Ausflüssen des Schtschutschia und Piderata,
unter 68° „recht ansehnliche Haine von Laubholz« (wahr-
scheinlich Birken) im Niveau von 800' angelroffen wor-
den sind.
Höhengrenzen des Waldes in engl. Fuss.
620 30' bis 630 = 2070'
630 — 640 — 1820'
610 bis 61^30' =2500'
610 30' __ 620 =2200'
600 _ 620 30' = 2150'
Von Fleisch er's Flora der russischen Ostseeprovin-
zen erschien eine neue, von Bunge besorgte Ausgabe ^3.
— v. Trautvetter ^0) gab eine Uebersicht der Polygo-
neen des Gouvernement Kiew.
Von Hartman n's skandinavischer Excursionsflora (Jah-
resb. f. 1846. S. 8) erschien die zweite, von C. Hart mann
vermehrte Auflage ^O; auch setzte der Letztere ^^^ seine Un-
tersuchungen über die skandinavischen Gewächse des Li n n e'-
schen Herbariums in London fort (Jahresb. f. 1851. S. 11).
- Schwedische Lokalfloren erschienen von Larsson über
einen Theil von Vermland ^3), von Wall über Westerman-
land ^0; Westerlund '^) gab Nachträge zu seiner Flora
von Kalmar (vor. Jahresb.}. — Systematische Beiträge zur
skandinavischen Flora schrieben Thedenius i^), Beur-
ling '^), Hammar ^^^ , Nylander i^). _ Unger 20)
publlcirte eine botanische Skizze von seiner Reise nach Nor-
wegen.
Von J. H. Müller ^i) wurde ein Verzeichniss der im
südwestlichen Theile von Schleswig beobachteten Pflanzen
mi^etheilt.
Von der English Botany erscheint eine dritte Ausgabe 22).
^Johnston 2^) gab eine Flora der Eastern borders heraus,
318 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Mac Gillivray 2^) ein Verzeichniss der Pflanzen um Aber-
(leen. — Babington 25) setzte seine Beobachtungen über
kritische Gattungen der britischen Flora fort; Moore ^^^
bearbeitete die britischen Farne, Badham^') die essbaren
Schwämme, Smith ^S) die Diatomeen. — - Balfour ^9) hielt
einen Vortrag über die irländische Flora; Cr 0 all ^o) be-
richtete über seine Excursionen in den Hochlanden.
Die Flora batava (s. vor. Ber.) ward vollendet ^')- —
Von dem Prodromus Florae bafavae (Jahresb. f. 1850. S. 75)
erschien der zweite Band (1853. 301 S. 8.), gegen 1035 Kry-
ptogamen enthaltend , von denen nur noch die Pilze fehlen.
— Eine gründlich bearbeitete Flora von Belgien gab Ma-
thieu 32^ heraus.
Die allgemeinen Werke über die deutsche Flora ^3-35)
von Reichenbach, Sturm und Schenk wurden fortge-
setzt, Kittels Flora ^6^ neu aufgelegt. — K. Müller ^')
begann eine neue Bearbeitung der deutschen Laubmoose.
Mit der Herausgabe deutscher Lokalfloren und systema-
tischer oder topographischer Beiträge im Gebiete der deutschen
Flora beschäftigten sich: in Schlesien 38-4o^ Wimmer,
Milde, Körber; in Mecklenburg ^i-^^-j Schreiber,
Brockmüller, Wüstnei; in preussisch Sachsen '*^)
Ascherson; in Oldenburg ^^) Bö ekel; in Westphalen ^ö)
Karsch; in Rheinpreussen ^^) Wirtgen; in der Rhein-
pfalz ^^) F. Schultz; im Schwarzwalde '^^^ Hoffmann;
in Baiern ^^) &i) Kress, Funk; in Böhmen ^^^ 53-) Wolf-
ner, Winkler; in Mähren 5^-59) Vogl, Bayer^ Po-
ker ny, Tkany, Pluskai; im Erzh. Oesterreich '9-65-)
Kreutzer, Neil reich, Pokorny, Zelenka, Kerner,
Simony, Rauscher; in Tirol ^6-68^ y^ Heufler, Sp le-
cker, Ambrosi; in Kärnthen ^^} ^o) Graf, Josch; in
Steiermark ^0 ein Ungenannter; in Krain 72-74) Pokorny,
Fleischmann, Schramm.
Von neuen Pflanzen im Gebiete der deutschen Flora sind zu
erwähnen: Moehringia glauca Leybold, in Felsritzen der Dolomitalpe
Tombea in Judicarien bei 5000' Höhe entdeckt (Rcgensb. Fl. 1853.
S. 586); Androsace Fachen Leyb., in Kärnthen auf hohen Alpen der
Flattnitz und Reichenau (das. S. 585) ; Daphne pelraea Leyb. , am
Tombea, durch Folia coriacea, raargine incrassata von D. Cneorum
und systematischen BotaDik während des Jahres 1S53. 319
unterschieden (das. S. 81) ; Carex ornilhopodioides Hausm., auf Kalk-
alpen bei Bolzen, von der ähnlichen C. ornithopoda durch glatte
Perigynien abweichend (das. S. 225). — Als neu wurde Lychnis
Preslii Sekera (das. S. 5ö9) wegen fehlender Behaarung von L. diurna
getrennt.
Beobachtungen über die Entwickelungszeilen der Vege-
lalion wurden von Sachse "'') in Dresden, und von Hof-
mann '^} in Giessen angestellt.
Itzigsohn ^') erklärte sich für den von K. Müller
zuerst behaupteten Ursprung von gewissen Laubmoosen der
erratischen Blöcke Norddeutschlands aus Skandinavien und
meint, dass diese, so wie auch zahlreiche Steinlichenen, bei
dem Transporte über das Meer in der Tertiärzeil mitge-
bracht worden seien. Ich beziehe mich auf den oben ange-
führten Satz, dass, ohne die Mittel gegenwärtig wirkender
Naturkräfte zu prüfen, Katastrophen der Vorwelt nicht anzu-
rufen sind.
In dem unterirdischen Gebiete Krains hat Pokorny '2)
neben der eigenthümlichen Fauna an Pflanzen nur Pilzformen
angetroffen (10 entwickelte Arten, meist Hymenomyceten) : es
wäre nicht ohne Interesse zu untersuchen, welche Nahrung
die unterirdischen Thiere zu sich nehmen und wie die Natur
unter Bedingungen, wo die Licht bedürfende Vegetation aus-
geschlossen ist, das Gleichgewicht der thierischen und ve-
getabilischen Ernährung herstellt.
Grzegorcek ^^) publicirte ein Verzeichniss der bei
Tarnow in Galizien beobachteten Pflanzen. -^ Von Her-
bich ^'0 erhielten wir einen neuen, schätzbaren Beitrag zur
Flora der Bukovina, in welchem eine Reihe neuer Formen
beschrieben sind.
H.'s Schrift enthält als Nachtrag zu den früheren Publikatio-
nen des Verf. für 150 seltenere Pflanzen die genauen Angaben des
Vorkommens. Die neu aufgestellten Arten sind : Botryanthus stereo-
phyllus, Potentilla patens, Alyssum decumbens (aus der Krummholz-
region), Hesperis umbrosa, Erysimum pallescens, Orobus subalpinus,
Vicia rigida , Cirsium sessiliflorum und lampophyllum , Erigeron ma-
crophyllus, Anthemis hemisphaerica.
Beiträge zur Flora von Ungarn und dessen Nebenlän-
dern so-s") lieferten Heuffel, Schur, Andrae, v.Heuf-
320 Grisebach: ßeiicht üb. d. Leistungen in d. geographischen
ler, Kotschy, Hasslinssky , Grzegorcek, Dietl,
Vukotinovic, Kalchbrenner.
Heuffel's neue Pflanzen, meist aus dem Banat , sind: Fuma-'
ria deflexa, Nasturtium proliferum, Thlaspi Kovatsii, Polygala hospita,
Dianthus pelviformis (aus Serbien), Sagina dichotoma , Hypericum
Schlosseri (aus Croatien = H. Coris Schloss.) , Astragalus Pancicii
(aus Serbien), A. Rochelianus (A. arcnarius var. multijugus Roch.),
Hieracium Kotschyanum (aus Siebenbürgen) , Iris lepida : sein Hiera-
cium oreades ! ist H. Rothianum Wallr. , H. Parichii ! = H. pilosel-
loides var.
Das schöne Werk von Tschudi ^O) über das Thier-
leben in der Schweizer Alpenwelt enthält auch eine botani-
sche Charakteristik der Pflanzenregionen. — Ein Kupferwerk
über die Alpenpflanzen der Schweiz wurde von Frö lieh ^J)
begonnen.
Von Lokalfloren in Frankreich erschienen eine Flora
des Morbihan von Le Gall ^^') und ein Pflanzenverzeichniss
des Rhone -Departements 9'). — Godron's Flora juvena-
lis ^+) enthält die Bearbeitung- der zahlreichen orientalischen
und nordafrikanischen Gewächse, die sich auf den Lagerplätzen
eingeführter Wolle in der Nähe von Montpellier theils dau-
ernd, theils periodisch angesiedelt haben (s. o.). — Syste-
matische Beiträge zur französischen Flora «^ö-'O!) lieferten
Grenier, Huet de Pavillon, F. S chultz, Tim bal,
Nylander, Desmazieres, Siran d.
Die von Huet in den Pyrenäen unterschiedenen Arten sind:
Arabis Soyeri , Biscutella pyrenaica (B. saxatilis y. DC), Potenlilla
macrocalyx, Asperula macroclada , Centaurea fulva , Linaria ambigua,
Androsace Laggeri, Armeria Mulleri.
Webb 1°-) gab ein schönes Kupferwerk über ausge-
wählte spanische Pflanzen heraus, worin gegen 50^ zum Theil
neue Arten trefflich abgebildet und erläutert sind : nament-
lich ist die Bearbeitung der Genisteensträucher hervorzuhe-
ben. — Willkomm's Kupferwerk ^ob-^ ^g^ yqj.. ßer.) wurde
fortgesetzt.
Die im Jahresb. f. 1850. (S. 39) erwähnte Schrift Col-
meiro's über die Flora von Galicien ward von F. v. Gü-
lich deutsch bearbeitet ^o'): ein Verzeichniss von gegen
500 galizischen Pflanzen ist diesem Aufsatze beigefügt.
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 321
Berkeley ^^^} -bearbeitete die portugiesischen Pilze,
welche in der Sammlung- von Wel witsch enthalten sind:
gegen 70 Formen.
Berloloni's italienische Flora (s. vor. Ber. nr. 102.)
wurde forlgesetzt 1°^'}. — Lokalfloren schrieben von Bergamo
Rota i^o? von Malta Delicata lo^^. ]„ Rota's Flora sind
mehrere kritische Gewächse neu benannt worden.
P e 1 1 e r setzte seine Miltheilungen aus Dalmatien fort i^^^.
— Ueber die Moldau theilte Edel ^^o) einige Bemerkungen
mit; von den Nahrungspflanzen der Walachen gab v. Czi-
h a k eine Uebersicht mit Anführung der romanischen Namen
(Bonplandia 1. S. 24(3 u. f.).
II. Asien.
Gr. Jauberl's und Spach's lllustrationes plantarum
orienlalium (s. vor. Ber.) wurden fortgesetzt ^^i).
ßoissier gab eine neue Lieferung seiner Diagnoses
plantarum orientalium (s. Jahresb. f. 1849. S. 35.) heraus,
worin neue Monopetalen und Apetalen der asiatischen Tür-
kei (A.) , Syriens und Arabiens (S.) , sowie Persiens (P.)
und Griechenlands (Gr.) beschrieben werden i^-).
Die neuen Arten gehören zu folgenden Gattungen: 68 Scro-
phularineen: Yerbascum (36 sp. = 23 A, , 12 S. , 1 P.), Celsia
(4 sp. = 2A. , IS., IP.), Scrofularia (15 sp. == 5 A. , 5 S. , 4 P.,
1 Gr.', Linaria (7 sp. = 3 A., 3 S., 1 P.), Lesquereuxia (s. u. 1 sp.
S.), Pedicularis (1 sp. P.), Veronica (4 sp. = 1 A. , 2 S., 1 P.) ; 44
Labiaten: Thymus (1 S.), Micromeria (5 sp. = 1 A.; 2 S., 2 Gr.),
Calaminlha (4 sp. = 2 A., 1 S., 1 Gr.), Salvia (6 sp. = 5 S., 1 P.),
Nepela (4 sp. = 3 A., 1 P.;, ölarrubium (3 sp. = 2 S., 1 Rumel.),
Stachys (13 sp. = 2 A., 9 S., 2 Gr.), Lamium (1 S.), Ballola (1 S.),
Phlomis (2 S.), Teucrium (3 sp. = 1 A., 2 S.), Ajuga (1 S.) ; 7 Che-
nopodeen: Atriplex (4 sp. = 3 S. , 1 P.), Chenolea (l S.), Che-
nopodina (1 S.), Caroxylon (1 S.) ; 6 Polygone en: Polygonum (1 S.),
Rumex (4 sp. = 1 A. , 1 P. , 2 Gr.), Pteropyrum (IP.); 1 Daphne
(A.); 1 Thesium (A.) ; 2 sp. Aristolochia (S.) ; 1 Parietaria
(A); 15 Euphorbiaceae : ßuxus (IS.), Euphorbia (I4sp. =4A.,
7 S., 3 P.); 2 sp. Salix (P.) ; 3 sp. Quercus (1 A., 2 S.).
Stschegleew setzte seine Beiträge zur Flora des
Kaukasus (Jahresb. f. 1851. S.40.) fort i^^).
Archiv, f. Naturgesch, XXI, Jahrg. 2. Bd. Y
322 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Die neueu und durch Abbildungen erläuterten, von Kowa-
lensky zwischen Nachitschewan und Ordubad entdeckten Arten S.'s
sind: Silene Kowalenskyi , Saponaria plumbaginea , Heliotropium Ko_
walenskyi und Halimocnemis Kowalenskyi.
Champion's und Benlliam's Flora von Hongkong-
(Jahresb. f. 1851. S. 41.) wurde fortgesetzt i^O-
Fortgesetzte Uebersicht der Flora von Hongkong: 10 Asclepia-
deen (Toxocarpus, Holostemma, Asclepias " "j, Tylophora, Marsdenia,
Stephanotis, GymncFiia, Pentasacme, Dischidia, Hoya), 4 Loganiaceen
(Mitrasacme, Slrychnos , JMedicia), 1 Gentianee (Exacum) , 2 Gesne-
riaceen (Aeschynanthus , Chirita), 4 Convolvulaceen (Argyraea , Ipo-
moea , Jacquemontia *, Cuscuta) , 3 Boragincen (Ehretia , Tiaridium,
Bothriospermum), 4 Solaneen (Solanum z. Th. ••, Fhysalis *), 13 Scro-
fularincen (Mazus, Pterostigma, Limnophila , Ilerpestis, Torenia, Van-
dellia, Bonnaya, Buddleia , Buchnera, Striga , Centranthera) , 1 uro-
banchee (Aeginetia) , 11 Acanthaceen (Thunbergia , Phlebophyilum
(= Gutzlaföa Hc), Codanacanthus, Ruellia , Dipteracanthus (?) , Le-
pidagathis, Dilivaria, Rostellaria, Adhatoda, Rungia (?) , Hypoestes),
11 Verbenaceen (Verbena, Caryopterris , Premna, Callicarpa 5 sp.,
Clerodendron 3 sp. , Vitex), 8 Labiaten (Pogostemon, Dysophylla, Sal-
via, Scutellaria, Anisomeles, Leonurus, Leucas, Teucrium).
1 Plantaginee (Plantago), 1 Plumbaginee (Statice), 3 Amaran-
taceen (Celosia *, Achyranthes '-•, Amarantus ") , 4 Polygoneen
(Rumex, Polygonum) , 1 Henslowia , 4 Thymeleen (Aquilaria, Wick-
stroemia, Daphne), 1 Elaeagnus, 12 Laurineen (Cinnamomum, Phoebe,
Machilus 3 sp., Alseodaphne, Tetranthera, Actinodaphne, Daphnidiura,
Litsaea, Cassytha), 19 Euphorbiaceen (Euphorbia ", Stillingia 3 sp.,
Acalypha *, Stipellaria s. u., Rottlera, Croton, Glochidion 4 sp., Me-
lanlhesa, Phyllanthus, Emblica , Briedelia , Goiighia) , 1 Scepa, 3 sp.
Antidesma, 14 Urticeen (Pouzolsia , Boehmeria, Morocarpus, Sponia,
Morus ", Ficus 9 sp.) , 10 Amentaceen (Quercus 9 sp. , Castanea) , 1
Alnus , 1 Myrica, 1 Pinus : P. sinensis, die den grösseren 'iheil der
Waldvegetation auf der Insel bildet, 1 Gnelum , 1 Chioranthee (Sar-
candra), 1 Piperacee (Chavica), 1 Aristolochia.
Die früher angeführte, mir erst jetzt zugegangene Sliizze
Thomsou's über die Vegetation des Himalajah (Jahresb. f.
1851. S. 44.) iiö) ist zwar nur eine lichtvolle Zusammenstellung
der in den früheren Berichten dargelegten Ansichten dieses
Reisenden und seines berühmten Gefährten, J, D. Hooker's,
*} Die mit " bezeichneten Gattungen sind fremden Ursprungs
und angesiedelt.
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 323
aber dieselbe enliiält sowohl neue Einzelnhellen, die angeführt
zu werden verdienen, als auch zugleich die Anordnung des
Stoffs nach bestimmton Pflanzcnregionen zu einer ausführli-
cheren Millheilung auffordert. Die Vergleichung des feuchten
Klimas von Sikkim mit den trockenen Thälern des Indusge-
biets bietet die Grundanschauungen, auf denen die pflanzen-
geographische Gliederung des Himalajah in erster Linie be-
ruht (vergl. Hooker im Jahresber. f. 1850. S. 49). Von
der Spitze der Bai von Bengalen nimmt längs der indischen
Gebirgsbasis die Intensilät der Monsun -Niederschläge ganz
allmählich ab , bis diese endlich am Indus völlig aufhören.
Nicht minder bedeutungsvoll aber für die Anordnung der
Pflanzen ist in einem so breiten und bis zur Tiefe von 30
geogr. Meilen erforschten Gebirgssysteme der Gegensatz der
äusseren und daher dem Monsun ausgesetzten Brüstung des
Gebirgs gegen dessen Binnenthäler , die selbst in dem feuch-
ten Sikkim weniger Niederschläge empfangen, weil die strö-
mende Luft bei der ersten Berührung mit den waldigen Berg-
gehängen bereits einen grossen Theil ihres Wasserdampfes
verloren hat. Hierdurch erklärt sich auch der klimatische Un-
terschied zwischen dem Süd- und Nordabhange der Khasya-
Berge , die im Süden des Thals von Assam unmittelbar an
den Meerbusen von Bengalen herantreten und deren Flora,
wie H 0 0 k e r später gezeigt hat, an Mannichfaltigkeit der For-
men und tropischer üeppigkeit des Pflanzenlebens auf dem
ganzen indischen Kontinent den ersten Rang behauptet. Bis
zur Höhe von 7000' ansteigend, entzieht diese Kette dem
Monsun so viel Wasserdampf, dass zu Churra-Pundschi, an
dem südlichen Abhänge und bei 4000' Meereshöhe, der jähr-
liche Regenfall den enormen Werth von 500 Zoll erreicht,
während vier geogr. Meilen nordwärts von diesem Punkte,
aber an der dem Burremputer zugewendeten, nördlichen Ge-
birgsseite die Menge der Niederschläge wahrscheinlich auf
die Hälfte sinkt (S. 3. 4). Hiedurch wird auch die früher
(Jahresb. f. 1850. S. 50) von mir geäusserte Ansicht bestä-
tigt, dass die grössere Feuchtigkeit Sikkims im Verhältnisse
zu Butan davon herrührt, dass der Monsun nach Sikkiin un-
mittelbar vom Meere kommt, Assam und Butan hingegen erst
erreicht, nachdem die quer vorliegenden Khasya-Gebirge auf
324 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
ihn eingewirkt haben. Genau dasselbe sagt Th. und fugt die
treffliche Beobachtung hinzu , dass in Butan die Gehänge
nur bis zur Höhe von 7000' trocken und dürr sind , d. h.
bis zu dem Niveau , bis zu welchem die Khasya's ihrer ab-
soluten Erhebung gemäss wirken können, und dass vv^eiter
aufwärts eine viel feuchtere Region folge CjjWhile above 7000
feet the climate is very much more humid" p. 4).
Auch in der Vertheilung der Niederschläge über das
Jahr unterscheiden sich die östlichen Gliederungen des Hi-
malajah von den westlichen , ähnlich, wie die vorliegenden
Ebenen selbst, wie das zu jeder Jahreszeit feuchte Bengalen
von den Savanen des nordwestlichen Indiens. Diesen Sava-
nen gegenüber ist auch im Gebirge nur die Zeit des Monsuns
selbst von Niederschlägen begleitet, das ganze übrige Jahr
ausserordentlich trocken: endlich wo am Indus der Monsun
gar nicht mehr gefühlt wird, fehlt die regelmässige Regen-
zeit durchaus und die schwachen Niederschläge, die vorkom-
men, fallen in den Frühlingsmonalen, sind also von den tro-
pischen Jahreszeiten Indiens ganz unabhängig.
Th.'s Darstellung der Pflanzenregionen geht von den
Ebenen am Fusse des Himalajah aus und unterscheidet im
Gebirge selbst ein tropisches, gemässigtes und alpines Niveau.
1. Nordindische Ebene. Der Mangel dichter
Tropenwälder ist Folge des Abstandes vom Meere und der
Wärmedepression des Winters. Wo diese offenen Ebenen
nicht bebaut sind, herrscht eine Jungle- Vegetation von ho-
hen Gräsern (Arundo, Saccharum), oder es finden sich zer-
streute Gruppen von Bäumen, unter denen Acacien und Zi-
zyphus-Arten zahlreich an Formen sind, die Waldungen, wo
sie auftreten, sind im Allgemeinen niedrig an Wuchs , ohne
viel Unterholz, und sie entbehren durchaus des Schmuckes
der Parasiten und Farne. In der Nähe des Meeres, in Ben-
galen, ändert sich dieser Typus durch eine Anzahl von Far-
nen, durch die Pothos-Form und durch einige Orchideen
(Vanda Roxburghii, Cymbidium). Auch die Thäler von Sil-
het und Assam weichen ab und sind rücksichtlich ihrer Ve-
getation als Bestandtheile des Himalajah zu betrachten.
2. Terai (vergl. Jahresb. f, 1849. S. 41). Die Wär-
meunlerschiede der Jahreszeiten sind im Waldgürtel am Fusse
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 325
des Himalajah geringer, als in der Ebene, wie Th. meint,
wegen des Schutzes, den die Nätie der Berge gewährt, doch
wohl auch, weil der Himmel häufiger bewölkt ist, indem hier
zuerst der Monsun durch die Neigung des Bodens gebrochen
wird und grosse Regenmengen entladet. Als charakteristi-
sche Baumformen des Terai hebt Th. die der Bombaceen
mit plattenförmig vorspringendem Stamme, so wie zahlreiche
Ficus-Arten hervor (ferner Dillenia, Careya, Bauhinia, Lager-
slroemia). Unter den Nutzhölzern des Terai nimmt der Sal
(die Dipterokarpee Shorea robusta) den ersten Platz ein, der
von Assam bis zum Pundschab verbreitet, an zugänglicheren
Orten bereits anfängt sehr selten zu werden; ausserdem ist als
Bauholz im östlichen Theile des Gebiets Lagerstroemia re-
ginae besonders geschätzt, im Westen der Sissu (Dalbergia
spO, der wegen seiner Häufigkeit jetzt mehr, als der Sal
in Gebrauch kommt. — Der Boden des waldigen Terai ist
grösstentheils ein rasch trocknender Kies und unterscheidet sich
dadurch von der sumpfigen Niederung oder dem eigentlichen
Terai, der den Wald von der offenen Ebene absondert und der
mit dichtem Gramineen-Jungle bewachsen ist: diese Dickichte,
der Wohnort des Tigers und anderer grosser Thierformen,
wachsen hoch genug, um einen Elephanten zu verbergen, und
dienen, niedergebrannt, im Winter als Weidegründe. Die herr-
schenden Gramineen, die den hohen Jungle bilden, sind be-
sonders Arten von Saccharum, Arundo, Andropogon und An-
thistiria. — Westlich von Nepal gliedert sich der Terai häufig
zu Vorgebirgsthälern , welche Dhun's genannt werden, und
zu den übrigen Bestandlheilen des Waldes Pinus longifolia
und eine Zwergpalme aufnehmen, eine Phoenix (s. u.), die
im westlichen Himalajah fast die einzige Palme isl.
3. Tropische Region des Himalajah — 6000'
(p. 9). Von der waldigen , sanft geneigten Ebene des Terai
oder den Dhun-Thälern erhebt sich der Himalajah unmittel-
bar zu schroffen Höhen von 7—8000'. Die Vegetation dieser
Abhänge und der ihnen an Höhe entsprechenden, aber tief in
das innere Gebirge einschneidenden Thäler zeigt im Osten
und Westen des Himalajah einen völlig verschiedenen Cha-
rakter. Diesen Gegensatz entwickelt Th. durch eine Ver-
gleichung von Darjeeling und Simla. .r'»
326 Grisebach: Bericht üb. d, Leistungen in d. geographischen
a. Darjeeling in Sikkim (vergl. Jahresb. f. 1849.
S. 42). Tropischer Wald bedeckt die Oberfläche des Gebir-
ges vollständig, ohne irgend einen Wechsel. Zuerst herr-
schen noch die Waldbäume des Terai, Bombax, Terminalia;
häufig sind Sterculia , Emblica, Duabanga, Alstonia, Gnielina,
ßauhinia, nebst zahlreichen Ficus-Arten , einigen Arlokarpen
und einem Bestandlheil von Bambusen. Dann folgt die Re-
gion der Gordonia Wallichii, vermischt mit vielen Mappa ver-
wandten Euphorbiaceenbäumen, verschiedenen Garcinien, dem
Tun-Baum (Cedrela serrata), zahlreichen Mimoseen, baumar-
tigen Vernonien und Helicien , aufrechten und kletternden
Bauhinien. In schaltigen , feuchten Gründen ist der Wald
am formenreichsten: unter gigantischen Feigenbäumen besteht
das Dickicht der Bäume aus Laurineen, Magnolien und Alnus;
im Unterholz entwickeln sich Musa und Farnbäume; überall
ranken die Calamus - Palmen umher; die Stämme sind über-
wachsen von Pothos und grossblättrigem Sclndapsus und die
Kronen der Bäume tragen die mannigfaltigsten Orchideen. —
Bis 2000' steigen in den schattigen Thälern die ßaumformen
des gemässigteren Klimas, Quercus und Aesculus herab.
b. Simla. Die südlichen Berggehänge sind felsiger
und grösstentheils waldlos, offen und grasreich: nur die
Kämme des Gebirgs erscheinen von Wäldern gekrönt und an
den nach Norden geneigten Abhängen ist die Waldvegeta-
tion verbreitet (Pinus longifolia abwärts bis lOOG'). Die nie-
drigeren Vorberge sind mit einer Gesträucbformation bewach-
sen, die das trockenere Klima andeutet (Zizyphus, Carissa,
Butea, Adhatoda, Bergera, Aegle, Flacourtia , eine Bambusa
und nur eine Ficus-Art). Dann folgt die offene , zum Theil
bebaute Region ; hier bestehen die Gräser und Kräuter noch
aus tropischen Formen. Der zusammenhängende Wald be-
ginnt erst in der Nähe von Simla und gehört daher der ge-
mässigten Region an.
4. Gemässigte Region. öOOO' (5000O — 12000'
ClSOOO'j d. h. bis zur Baumgrenze.
a. Darjeeling. Auch diese Region ist durchaus be-
waldet, aber die tropischen Formen sind unter den Bäumen
kaum noch vertreten. Der Wald besteht aus Eichen, Hex,
Prunus, Laurineen, Rhododendron, Styrax, Magnolia, mitUn-
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 327
lerliolz von Berberis , Daphne, Loniccra, zahlreichen Vilis-
Arten und kleineren Arten von Bambusa, die Stämme dicht
bedeckt mit Moosen und Orchideen, lieber dem Niveau von
9000' ändert der Wald seinen Charakter: hier beginnen die
reichen Formen von Rhododendron häufiger zu werden, die
Coniferen treten auf: unter den Laubhölzern bemerkt man
grösstentheils europäische Gattungen^ ausser den genannten
Alnus, Betula^ Corylus , Carpinus.
b. Simla. Die Waldregion ist feuchter, als die tro-
pische, es ist die Region der Wolken. Indessen ist der Wald
nicht so dicht verwachsen, wie in Sikkim : derselbe besieht
aus Quercus, Rhododendron, Andromeda und Coniferen, das
Unterholz aus Rosa, Rubus, Yiburnum, Berberis, Spiraea, Lo-
nicera, Indigofera, Prinsepia, Salix, Daphne.
5. Das Auftreten der tibetanischen Steppenflora ist
nicht allein von der Höhe, sondern davon abhängig, dass
vorliegende Berge den Einfluss des Monsuns vollständig aus-
schliessen. So bemerkt Th. (S. 12), dass am Sutledsch diese
dürre Vegetation schon im Niveau von 10000' sich zeigt,
also beträchtlich unterhalb der Baumgrenze der dem Süden
zugewendeten Abhänge.
Die Rhododendren von Assam und Butan aus der Samm-
lung von Booth hat Nuttall bearbeitet nf-): 22 grossenlheils
neue Arten. — Madden i'') bestimmte die Niveaugrenzen
mehrerer Palmen des Himalajah , so wie auch einiger ande-
rer Gewächse.
Phoenix humilis Royl. — 5500' (bei Almora).
Ph. sylvestris (nach M. baumartige Form der vorigen)
-^ 5000' (Kamaon).
Wallichia oblongifolia — 4000' (von Assam bis Gur-
wal verbreitet),
Chamaerops Martiana Wall. — 5000. (Nepal). Für iden-
tisch hält M. die Ch. Khasyana Griff. , welche in Kamaon die
ungewöhnlichen Niveaus von 6500'— 7800' bewohnt.
Bambusenform : Arundinaria falcata 3500'— 8500' ; A.
ulilis 7000'— 9000'; und zwei nicht beschriebene Arten, in
nepalesischer Sprache Jurbuta 7000'— 10000' und Tham 8500'
—11500'. Diese Hochgebirgsbambusen (Hill-bamboo) bilden
328 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Falconer's Galtung Thamnocalamus ; unter ihnen wird A. iili-
lis 20 bis 40 Fuss hoch.
Von Wight's grösserem Kupferwcrlte über die Flora
Ostindiens (Jahresb. f. 1850. No. 105) erschien eine neue
Lieferung ^^^). — C. Müller ^^^) bearbeitete die Laubmoose
der Nielgherries aus Z e n k e r's Sammlung : bis jetzt 92
Arten.
Ein Verzeichniss der in Ostindien gewonnenen fetten
Oele wurde von Sir W. Hooker ^^o) mitgetheill: von etwa
50 Oelen konnte der systematische Name der Gewächse,
welche sie liefern, ermittelt werden.
PI et n er ^^O berichtete über das Vorkommen der Lao-
dicea auf den Sechellen.
Kreyenberg i-^-) beschrieb die Kultur des Muskat-
nussbaums auf den Banda-Inseln.
Ueber arabische Droguen wurden einige Nachrichten
von Vaughan ^^S) mitgetheilt. — Figari und Nota-
ris 12^) lieferten Beiträge zur Algenkunde des rothen Meeres.
IIL Afrika.
Cosson beschrieb seine botanische Reise nach Alge-
rien 125^^ welche er im Jahr 1852 unternahm, indem er die Pro-
vinz Oran bis zum Gebiete der Seeen von Scherkijeh („Chott-el-
Chergui" 34° 19' N. Er.) untersuchte. Während eines ein-
zigen Monats (7. Mai bis 10. Junius) beobachtete er gegen
900 Pflanzenarten, und er entwirft von diesen westlichen Glie-
derungen Algeriens eine musterhafte, pflanzengeographische
Darstellung. Durch die allmähliche Erhebung des Bodens
und durch die der Küste parallel laufenden Gebirgszüge glie-
dert sich die Provinz Oran zu mehreren, scharf gesonderten
Vegetationsgebieten, von denen C. vier unterscheidet, näm-
lich die Küstenebene, das Hügelland zwischen Maskara und
Saida, das Plateau im Süden von Saida und die grosse Ebene
der. Salzseeen. Der Boden erhebt sich von Oran bis Saida
auf 1800', dann folgt unmittelbar die Hochebene, deren mitt-
leres Niveau kaum 2500' erreicht, und von hieraus senkt
sich das Land wiederum gegen die Salzseeen: Hochgebirgs-
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 32 J
gliederungen des Atlas scheinen in diesem Theile Algeriens
durchaus zu fehlen.
1. Umgebungen von Oran (35o 43' N. Br.). Das
Jahr theilt sich in zwei Jahreszeiten, den Winter, vvälirend
dessen allein athmosphärische Niederschläge fallen und der,
durch diese charakterisirt , vom November bis Ende März
dauert, und den regenlosen Sommer, welcher die übrigen
Monate begreift : wenn indessen Jahre vorkommen, in denen
es überhaupt nur seilen regnet, so erhält doch auch wäh-
rend der trockenen Jahreszeit reichliche Thaubildung der
Vegetation eine gewisse Frische (p. 90). — Die heissen
Südwinde treffen diese Küste seltener als andere Gegenden
Algeriens, und die höchste Sommerwärme pflegt nicht 35^^ zu
übersteigen, während das Thermometer im Winter kaum tie-
fer als + 50 sinkt und daher fast niemals Schnee fällt. Der
höchste Berg in der Nähe der Stadt, der Löwenberg, ist nur
1800' hoch, aber die Landschaft erscheint durch den Wech-
sel steiler Felsküsten und sandiger Ebenen, so wie durch die
bald thonreiche , bald kalkhaltige Bodenmischung und durch
ihre salzigen Seeen auf das Mannigfaltigste gegliedert. Die
Entwickelung der Vegetation beginnt in der Regenzeit mit
den Zwiebelgewächsen, dann folgt die Blüthezeit der einjäh-
rigen Pflanzen und zu Ende April oder Anfang Mai ist die
Erndte des Botanikers am ergiebigsten. Schon gegen das
Ende des Mai's sind gewöhnlich die einjährigen Gewächse
bereits versengt, aber im Junius bis Anfang Juli blühen doch
noch zahlreiche Synanthereen , Umbelliferen und Staticeen.
Von August an ist fast Alles verdorrt. Der Vegetationscha-
rakter beruht auf den Maquis, und in diesen auf der Zwerg-
palme, die in der Ebene oft den Boden ausschliesslich be-
kleidet und auf den Hügeln zuweilen ebenfalls die Gesträuche
zurückdrängt (p. 121): diese bestehen namentlich aus Cisten
(C. heterophyllus und sericeus) , Zizyphus Lotus , Pistacia
Lentiscus, Rhus pentaphyllum ;, Genista (z.B. G. cephalanlha,
Duriaei und umbellata), Calycotome intermedia, Quercus coc-
cifera und aus verkrüppelten Individuen von Callitris qua-
drivalvis. Wälder sind nicht vorhanden/ aber einzelne Bäume
erheben sich nicht selten aus dem Dickicht der Maquis. Die
einheimischen Baumarten sind, bis auf eine, immergrün,
330 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
zwei sind Nadelhölzer: Pistacia Lentiscus, Olea europaea,
Phillyrea latifolia, Quercus Hex, Q. Suber ; Salix pedicellata;
Pinus halepensis und Caliilris quadrivalvis. — Aus der Ge-
gend von Oran hat C. 480 Gewächse aufgezählt, die er ge-
nauer beobachtet hatte, und unter diesen beträgt die Zahl der
endemischen Formen 140, und 100 andere werden ausser-
dem nur in Spanien angetroffen. — Die Hauptcerealien von
Oran sind Triticum durum G,ble dur«) und Gerste; auch wird
etwas Tabak gebaut. Pflanzungen von Citrus, Punica, Ficus,
so wie von Morus mit Weinreben, schöne Bäume von Popu-
lus alba und Phylolacca dioeca, tragen nebst den aus Agave
und Opuntia gebildeten Hecken zum physiognomischen Cha-
rakter der Landschaft bei: die Dattelpalme kommt nur in
kleinen Dimensionen vor und reift ihre Früchte nicht.
2. Reise von Oran nach Saida. Mitten in die-
sem durch niedrige Gebirgszüge und der Küste parallel ge-
ordnete Thäler bezeichneten Högellande liegt Maskara gegen
1200' hoch. Die Maquis herrschen zwar auch hier, aber die
Zwergpalme kommt nur selten vor und häufiger erheben sich
Bäume aus dem Gesträuche, die zuweilen, wie an den Ab-
hängen des Plateaus bei Saida, zu Gehölzen zusammentreten.
Die beiden charakteristischen Bäume dieses Gebietes sind
Pistacia atlantica und Juniperus macrocarpa, von denen die
Pistacie sich bei Saida zuweilen bis zur Höhe nordischer
Waldbäume entwickelt. Die übrigen einheimischen Bäume
sind : Rhus pentaphyllum, namentlich bei Maskara, Callitris qua-
drivalvis und bei Saida Amygdalus communis. Die Höhen
der Gebirgszüge sind kahl und werden als Weideland be-
nutzt.— Hier beobachtete C. 172 Arten, von denen 94 in dem
Küstengebiete von Oran nicht vorkamen und 61 endemisch
sind; 58 Arten sind auch in Spanien einheimisch und 14
orientalisch. — Die Kulturpflanzen sind grösstentheils diesel-
ben , wie bei Oran ; bei Maskara ist der Weinbau von Be-
deutung.
3. Plateau zwischen dem Teil und dem See
Scherkijeh, steil und felsig über Saida ansteigend. Diese
weitläuftige , wellige Hochfläche stellte eine Steppe dar, die
von Stipa - Rasen (Alfa der Araber) und Artemisien (Chihh)
bekleidet ist (Macrochloa tenacissima, Stipa barbata und gi-
und syslematischen Botanik während des Jahres 1853, 331
ganlea; Arlemisia herba alba und A. carnpestris). In dieser
einförmig^en Vegctalion treten als üppigere Pflanzenformen
Feriila communis und Aspliodelus ramosus hervor. Von Scha-
fen und Kameelen wird die Hochsteppe beweidel : Ackerbau
würde die fruchtbare Erdkrume zulassen, aber der Wasser-
mangel steht der Bodenkultur entgegen. Im Sommer sind
Gewitter häufig, die Temperatur schwankend und Schnee
bedeckt oft noch im Frühlinge den Boden. — C. beobachtete
172 Arten, von denen 114 im Teil (d.h. dem Kulturlande bis
zur Küste) nicht gefunden waren; 33 Arten sind endemisch,
35 spanisch und 16 orientalisch.
4. Ebene am Salzsee Sc herkij eh, bezeichnet
durch den Natrium - und Gyps - Gehalt des Bodens. Es
herrscht die grösste Trockenheit, aber die geselligen Pflan-
zen des Plateaus finden sich auch hier, nur dass an manchen
Punkten die Stipen und Artemisien von Helianthemum hiiium
var. verdrängt v»'erden, das zuweilen den Boden ausschliess-
lich^ bekleidet. Die Halophytenformalion bietet den entschei-
denden Charakter gegen das Plateau und erinnert sehr an
die spanischen Salzsteppen: charakteristische Formen sind
Lepidium subulatum , Astragalus tenuifolius, Helianthemum
sessiliflorum, Frankenia thymifolia, Rerniaria fruticosa, Pas-
serina microphylia; Zygophyllum album, Halimocnemum stro-
bilaceum; Tamarix bounopoea. An dem See kommen indes-
sen auch Sanddünen vor, bezeichnet durch Astragalus Gambo,
Echinopsilon muricatus , Aristida pungens und Festuca mem-
phitica. — In diesem Gebiete beobachtete C. 104 Pflanzen-
formen, von denen 60 dem Plateau fehlten; Ql Arten sind
endemisch und grösstentheils auf dieses Salzgebiet einge-
schränkt, 24 spanisch und 2Q orientalisch, so wie auch meh-
rere eigenlhümliche Formen mit orientalischen Typen nahe
verwandt sind.
Neue Lichenen aus Algerien beschrieb Nylandcr ^^f^)
nach Balansa's Sammlungen.
Die Farne in Plant's Sammlung von Natal wurden von
Moore ^-'3 bearbeitet.
332 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
IV. Inseln des atlantischen Meeres.
M'L a r e n's Bemerkungen über die Flora von Madeira i^^)
enthalten keine neue Thatsachen.
Bolle 129^ besuchte die beiden östlichen kanarischen
Inseln Fuertevenlura und Lancerotte. Hier entwickelt sich,
wie auf den Cap- Verden, die Vegetation nur in Folge der
Herbstregen und schon im April ist der Boden ebenso pflan-
zenleer, wie Deutschland im März. Die Wolken , aus dem
Passatwinde niedergeschlagen, hängen sich nur an die nörd-
lichen Gehänge und lassen der Südküsle den Charakter afri-
kanischer VTüste. Früher besassen beide Inseln ohne Zwei-
fel eine immergrüne Waldregion, die, von den Einwohnern
zerstört, jetzt nur noch an unzugänglichen Felsabgründen in der
Gestalt unbedeutender Gehölze zu erkennen ist. Diese be-
stehen aus dem Arbol de la Cumbre und wilden Olivenbäu-
men : der erstere, als ihn der Reisende mit Gefahr erreichte,
erwies sich als Gatha cassinoides: mehrere, Fuerteventura
eigenthümliche Stauden wurden hier zugleich entdeckt. Der
ganze Berg war übrigens mit einem geselligen Synanlhe-
reenstrauch, dem Asteriscus sericeus , bekleidet. Auch an
der trockenen Südseite von Fuerteventura findet sich dieses
Gewächs, aber hier in Verbindung mit kanarischen Succulen-
ten (Euphorbia balsamifera, Kleinia neriifolia).
V. Amerika.
Von Harvey's Kupferwerk über die nordamerikani-
schen Algen (Jahrcsb. f. 1851. Nr. 131) erschien der zweite
Band i^^)^ ^[q Florideen enthaltend. — Durkey ^^^) gab
eine Schrift über die Algen von Massachusetts heraus. —
Neue nordamerikanische Hymenomyceten beschrieben Ber-
keley und Curtis ^^'): 50 Arten, grösslentheils nach Ra-
venel's Sammlung.
Riddell i''^) publicirte ein Verzeichniss der bei Neu-
Orleans vorkommenden Pflanzen. — Auch erschien eine neue
Ausgabe von Darlington's Flora cestrica (Chester-County
in Pennsylvanien) ^^'^) und in dem häufig aufgelegten bo-
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 333
tanischen Lehrbuclie von Wood ^^ö-) ist eine Flora der
nördlichen, initiieren und westli(!hen Staaten enthalten.
SirW. Hook er setzte seine Bearbeitung- von Geyer's
Oregon-Pllanzen (Jahresb. f. 1851. S. 63) fort i^^): der neue
Abschnitt reicht von den Scrophularineen bis zum Schlüsse
der Polygoneen und enthält einige neue Arten von Eriogo-
num. — Torrey's Millheilungen aus Fremont's californi-
schen Entdeckungen (s. vor. ßer. Nr. 152) erschienen, durch
Kupfertateln von zehn, grösstentheils neuen und wichtigen
Gattungen erläutert i'"): diese werden unten, im systemati-
schen Berichte, berücksichtigt werden.
VonA. Gray's Plantae Wrightianae (s. vor.Ber. Nr. 154)
wurde die zweite Abtheilung i^S) herausgegeben, worin nicht
die noch fehlenden Familien bearbeitet, sondern aus späteren
Reisen Wright's sehr reichhaltige Nachträge zu den frü-
heren enthalten sind. Das Material zu dieser durch neue
Entdeckungen besonders werlhvollen , zweiten Schrift wurde
von Wright in den J. 1851 und 1852 gesammelt: im Mai
und Junius 1851 zwischen S. Antonio in Texas und El Paso
am Rio Grande; vom Juli bis November auf einer Reise von
El Paso nach den Kupferminen von Santa Rita del Cobre im
südwestlichen Theile von Neu-Mexiko, so wie in der mexikani-
schen Provinz Sonora bis Santa Cruz und auf dem Rückwege
nach El Paso über den Guadelupa-Pass ; im Frühlinge 1852
bei El Paso und abwärts am Rio Grande , so wie aufwärts bis
Camp Fillmore und in den östlich das Thal begrenzenden
Organ-Mountains, auch in der mexikanischen Provinz Chihua-
hua an den Seeen von Santa Maria und Guzman ; endlich
im Juni und Juli auf der Rückreise nach Texas.
Von den übrigen Familien der Sammlungen von Wright
und Fendler hat A. Gray die in Texas und Neu-Mexiko ein-
heimischen Nyctagineen besonders bearbeitet i^^), die mehrere
neue Gattungen (s. u.) darboten.
Die von Mexiko neuerlich erworbene, von feindlichen In-
dianern bewohnte und geographisch fast unbekannte Hochsteppe
zwischen Neumexiko und dem unteren Laufe des westlichen
Colorado wurde zwischen dem 36sten und 3 3sten Breitegrade
von Sitgreaves ^'O) militärisch aufgenommen und diese
Expedition von S. W. Woodhouse als Naturforscher be-
334 Grisebach: Bericht fib. d. Leistungen in d. geographischen
gieilet, dessen Pflanzen Torrey bearbeitet und zum Theil
durch Abbildungen erläutert hat. Man durchreiste vom Sep-
tember bis November 1851 unter grossen, besonders von
Wassermangel herrührenden Beschw^erden ein zu einzelnen
höheren Gebirgsgruppen ansteigendes Hocldand vom Pueblo
Zuni aus (35") in westlicher Richtung, bis man den Colorado
erreichte, der sodann bis zur Mündung des Gila (32^ 43') in
die Nähe des californischen Golfs führte. Die Höhenmessun-
gen ergeben bis zu dem Punkte, wo man das Thal des Co-
lorado betrat (35^), eine allmähliche Senkung des Bodens
von 6330' (Pueblo Zuni) bis 3560', die mittlere Plateauhöhe
beträgt 5000' (p. 17), während die höchste Gebirgskuppe, die
erstiegen ward 7545' mass.
Die Vegetation der hohen Steppe war noch dazu in
dieser späten Jahreszeit höchst dürftig , doch zeigten sich
die Abhänge der Gebirge, wie in Neu -Mexiko, ungeachtet
der mangelnden Bewässerung, bewaldet, namentlich von Ce-
dern (3 Arten von Juniperus wurden gesammelt: die eine,
am kleinen Colorado gesammelt, welche sich durch grosse,
sphärische Früchte auszeichnet, hält T. für J. occidentalis Hook.,
eine andere scheint ihm J. tetragona Schi, zu sein = J. pa-
chyderma in W.'s Bericht). Am Flusse Zuni war die Steppe
durch Obione canescens (Grease-weed) und Cacteen bezeich-
net; unter den Gräsern war das geschätzte Gramma-Gras
(Bouteloua) stellenweise häufig (p. 36). Auf dem ganzen
Wege zum Colorado blieb die Physiognomie der Landschalt
sich gleich: ausser der Obione werden Arlemisia und Fran-
seria acanthacarpa als gesellige Pflanzen hervorgehoben, spä-
terhin als auffallendere Formen Yucca agrifolia , Agave und
Ephedra americana angeführt. Die allgemeine Verbreitung
der Obione und anderer Chenopodeen weist auf Salzgehalt
des Bodens und erinnert an die weiter nördlich gelegene
Salzwüste. An den San-Francisko-Bergen, der höchsten Ge-
birgsgruppe, die überstiegen wurde, werden ausser dem Ju-
niperus auch mehrere andere Bäume erwähnt: zwei Fichten
(Pinus edulis und brachyptera) , eine Tanne (P. Douglasii
nach T.) ; Quercus Gambelii; Populus tremuloides und moni-
lifera (Cotton-wood) ; Juglans Whippleana T. Auch ist in
dieser Gegend ein merkwürdiger und wohlriechender Rosa-
und systematischen Botanik wähieod des Jahres 1853. 335
ceen-Strauch, die Falliigia paradoxa häufig. Am Yampaibache,
der gegen 15 geogr. Meilen östlich vom Colorado überschrit-
ten ward, aber bald im Sande der Steppe versiegt, war auch
der Thalgrund von Holzgewächsen eingefasst: von einem
dichten Gesträuche, gebildet aus Quercus agrifolia, Salix
z. B. S. longifolia, bedeckt mit Vitis-Lianen, nebst einzelnen
Pappelbäumen.
Auch das Strombett des Colorado enthält einzelne Bäume
und ist allgemein von Ufergesträuchen bewachsen, jedoch an
mehreren Punkten von Felsen , die unmittelbar an den Wus-
serspiegel reichen , eng eingeschlossen ; überall ist der ur-
bare Boden, der die Holzgewächse ernährt, nur von geringer
Breite. Die Bäume sind Pappeln (P. monilifera und angusti-
folia), die Gesträuche nicht bloss Weidengebüsche, sondern
auch Mezquito's (Mimoseen, namentlich Algarobia glandulosa,
Prosopis odorata); ferner ist ein Synanthereensirauch, Tessaria
borealis (Arron-Wood) häufig; unter den wenigen Cactusfor-
men fällt der Pitahaya (Cereus giganteus) sehr in die Augen
(vergl. Jahrsber. f. 184S. S. 61), so wie ein eigenthümlicher,
20—30' hoher Baum mit äusserst kleinen Blättchen (nach W.
eine Acacia) die Aufmersamkeit auf sich zog.
Unter den von T. bestimmten Pflanzen, die zum Theil in Neu-
Mexiko gesammelt waren , fanden sich nur wenige neue Formen :
diese gehören zu den Gattungen Talinum, Horkelia, Eriogonum (3sp.),
Acanthochithon (s. u.), Juglans , Quercus (2 sp.).
In Heller's mexikanischer Reisebeschreibung ^^i) sind
einige Nachrichten über die südlichen Provinzen Tabasco und
Chiapas , sowie über Yukatan bemerkenswerlh. Der Vege-
latioMScharakter von Tabasco ist dem der Provinz Vera-Cruz
nahe verwandt. Unter dem Einflüsse der im Süden vorliegen-
den Gebirge v^n Chiapas, welche mit den Anden von Guate-
mala zusammenhängen, auf das Reichlichste bewässert, ent-
wickelt sich in diesem ebenen Vorlande in grösster Ueppig-
keit der mexikanische Tropenwald (S. 321). Die feuchten
Abhänge des Gebirges erzeugen, z. B. bei Teapa eine der
fruchtbarsten und mannigfaltigsten Waldlandschaften, indem
sich hier die Regenzeit beinahe auf 9 Monate ausdehnt: die
fallende Wassermasse ist sogar grösser als zu Jalapa und
Orizaba. Die Hauplbestandtheile des Waldes von Teapa sind
336 Grisebacli: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Mimoseen, Urticeen , Sapoteen , Terebinlhaceen , Laurineen,
Myrtaceen , Anonaceen , Euphorbiaceen , Byllneriaceen ; die
Lianen bestehen aus Malpighiaccen , Sapindaceen, Asclepia-
deen, Bignoniaceen, Ampelideen, Passifloreen, Cucurbitaceen,
Convoivulaceen und Smilaceen ; die Parasiten aus Aroideen,
Bromeliaceen , Orchideen, Piperaceen, Farnen; in dem liräf-
tigen Unterholze und im Schalten des Waldes gedeihen Pal-
men, Cycadeen, Bixineen, Solaneen, Scitamineen u. a. Von
Nutzpflanzen werden Blauholz (Haematoxylon campechianum),
Gelbholz (Maclura tincloria), Sarsaparilla, Cacao , Bixa
Orellana und Tabasco-Pfeffer (Eugenia pseudocaryophyllus)
angeführt.
Die höheren Gebirgsregionen von Chiapa werden durch
einen Waldgürtel von Eichen und Fichten bezeichnet, und hier
versichert H. dieselben Arten dieser Geschlechter wiederge-
funden zu haben, die er auf dem Wege von Vera-Cruz nach
Mexiko kennen gelernt hatte (S. 351>
Im schneidenden Gegensatze gegen die unmittelbar an-
grenzende Provinz Tabasco steht die grosse Halbinsel Yuca-
tan, eine flache, jedoch steinige, meist aus Korallenkalk ge-
bildete, heisse und trockene Savane, wo nur in der weit
kürzeren Regenzeit die Vegetation sich entwickelt, und wo
sowohl der Mangel an Humus, als die Seltenheit und geringe
Bedeutung der Flüsse die Unfruchtbarkeit des Bodens bedin-
gen (S. 216). Wegen der ungünstigen Neigungsverhältnisse
des Terrains verwandeln sich zuweilen zur Zeit der Nieder-
schläge grosse Savanen Monate lang in Landseeen (S. 279).
Nur die Küslenlandschaften besitzen jene ausgedehnten Cam-
pechewälder, denen Yukatan seine Bedeutung verdankt: aflein
das beste Blauholz wird doch gegenwärtig aus Tabasco aus-
geführt. Unweit Campeche finden sich reine Bestände von
Haematoxylon campechianum, in denen weder andere Baum-
formen noch Unterholz anzutreffen sind (8.283); auch an
der Nord- und Ostküste Yukatans giebt es noch grosse und
unberührte Blauholz- Wälder. Doch werden an der westli-
chen Küste auch tropische Mischwälder erwähnt, die näher
mit denen Mexikos übereinstimmen : so fand H. an der Mün-
dung des Champolon (südlich von Campeche) an der Binnen-
seite eines Rhizophoren - Gürtels feuchlere Uferwälder von
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 337
Urticeen, Sapofeen, Myrlaceen, Mimosen und Palmen (Acro-
comia , Corypha , Chamaedorea) nebst Acanlhaceen, Pipera-
ceen, Eupliorbiaceen und x\sclepia(Jeen (S. 231).
Die Erklärung des Gegensalzes von Yukatan und Tabasco
giebt die plastische Gestallung beider Landschaften. Wir
haben hier ein ausgezeichneles Beispiel vor Augen von der
ungleichen Reaclion des ebenen und geneigten Bodens auf den
Passatwind: dieselbe vom mexikanischen Meerbusen wehende
Luflströmung trifft beide Küsten, aber sie bewahrt ihren Was-
serdampf über dem ebenen Boden der Halbinsel und sie ent-
ladet denselben erst, wenn sie an den Abhängen der Anden
von Chiapas und Guatemala sich abkühlt oder dem ebenfalls
erkältenden Verdunslungsprocess der grossen Wälder von
Tabasco ausgesetzt ist. Unter diesen Bedingungen kann die
Regenzeit von Yukatan, bedingt durch den in der Nähe des
20sten Breitegrades nur vorübergehenden Zenithsland der
Sonne, nicht so lange anhalten, wie die Entwickelungsperiode
der Wälder fordert: diese sind daher auf die feuchtere Küste
und deren Flussniederungen eingeschränkt. In Tabacso und
Cliiapas hingegen ist die lange Regenzeit der Enlwickelung
tropischer Wälder günstig, indem sie nicht bloss von dem
Stande der Sonne, sondern auch während des Passats noch
geraume Zeit von dem Einflüsse des Gebirges unterhal-
len wird.
Aus der schon im vorigen Berichte erwähnten, in dem
Reisewerke H.'s auf's Neue mitgetheillen Darstellung der me-
xikanischen Nulzflanzen ist anzuführen, dass für die Frage, ob
Kulturgewächse amerikanischen Ursprungs sind, mit Glück
der Umstand benutzt ward, ob dieselben einen besonderen
aztekischen Namen führen : dies ist namentlich der Fall mit
dem Mais, der Agave, der Ananas und der Kokospalme. —
Nach H. kommt als Sarsaparille im Handel gegenwärtig beson-
ders Smilax quadrangularis vor. Zu den Kisten für Cigarren
bedient man sich des Cedroholzes (Cedrela odorata). — Die
höchsten Palmen traf H. zu Cordova: es waren zwei ange-
pflanzte Königspalmen (Oreodoxa regia) , deren Höhe er zu
150' angiebt (S. 109). Von dem Arbol de las Manilas (Chei-
roslemon plalanoides), der im botanischen Garten zu Mexiko
kullivirl wird, ist nach H. nur ein einziges, spontanes Indi-
Archiv. f. Naturgescb. XXI. Jahrg. 2. Bd. W"
338 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen,
viduum von Allers her bekannt: dasselbe findet sich zu To-
luca und die Angabe Kar vvinski's, dass dieser merkwür-
dige Baum bei Tehuantepec vorkomme, wird nach Hart-
weg's Zeugniss für irrig erklärt (S. 147).
Zu den früheren Berichten über Seemann's Forschun-
gen in Panama (s. vor. Ber. S. 63 u. f ) ist aus dessen spä-
ter erschienenen Reisebeschreibung ^^-^ , in welcher auch
seine übrigen pflanzengeographischen Beobachlungen aus dem
hohen Norden , sowie aus anderen Landschaften Amerikas,
Asiens und Oceaniens (Jahresber. f. 1849—1852) vollständig
enthalten sind, nachzutragen, dass die Provinz Darien ein dicht
von Wäldern bedecktes Hügelland bildet, wo die Regenzeit
fast das ganze Jahr hindurch anhält. Am Flusse Cupica (7« N. Br.)
wächst häufig Phytelephas macrocarpa R. P. gruppenweise
längs des Ufers, im Habitus der Oelpalme gleichend und
leicht mit ihr verwechselt : der Stamm kriecht am Boden,
nicht selten mehr als 20 Fuss weit; die Spitze steigt sodann'
4 bis 6 Fuss empor und endet mit 12 bis 16 Fiederblättern,
deren Länge 18 bis 20 Fuss beträgt. Die Frucht ist ein ge-
gen 25 Pfund wiegendes Capilulum von Steinfrüchten und
enthält gegen 80 Samen: so lange deren Albumen noch flüs-
sig ist, wird es genossen ; die Blätter dienen, die Hütten der
Indianer als Dach zu bedecken (1. p, 223).
Von dem systematischen Werke Seemann's (s. vor.
Ber. nr. 145} erschienen das dritte und im Jahre 1854 das
vierte, fünfte und sechste Heft i^^}. Hiemit wurde die Flora
des Isthmus von Panama, worin mehr als 1200 Formen ver-
zeichnet sind, vollendet.
Uebersicht des Inhalts von S. 's Flora von Panama: 1 Ranuncu-
lacee (Clematis) ; 5 Dilleniaceen (Tetracera, Davilla, Doliocarpus, Cu-
ratella); 7 Anonaceen (Anona 4 sp. : 2 kult. , Xylopia , Guatteria) ;
1 Myristica ; 3 Menispermeen, bearb. von Miers (Cissampelos , Bat-
schia); 1 Nymphaea; 1 Argemone; 4 Capparideen (Crataeva, Colico-
dendron, Capparis); 4 Bixineen (Bixa, Lindackeria, Hisingera) ; 1 Coch-
lospermura; 5 Violaceen (Alsodeia, Sanvagesia 3 sp., Tetraphylacium
= Edmonstonia Seem.) ; 8 Polygaleen (Polygala 5 sp., Monnina, Se-
curidaca); 2 Caryophylleen (ürymaria, Stellaria); 21 JWalvaceen
(Malva, Urena, Pavonia 4 sp. , Ilibiscus *, 3Ialvaviscus 3 sp. , Abel.
moschus *, Paritium, Gossypium *, Sida 4 sp. , Malachra, Abutilon :
1 Wissadula) ; 9 Sterculiaceen (Pachira 4 sp. , Chorisia, Eriodendron,
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 339
Ochroma, Helicteris , Slerculia) ; 9 Byttneriaceen (Byttneria, Theo-
broma ^^ Guazuma, Walteria, Melochia 4 sp.) ; 11 Tiliaceen (HasseU
tia, Kelletia: s. «., Sloanea, Apeiba, Lühea, Heliocarpus, Corchorus,
Triumfetla, Muntingia ; 4 Ternslroemiaceen (Ternstroeniia , Freziera,
Saurauja) ; 1 Olacinee (Ximenia) ; 6 kult. Citrus- Arten *; 3 Hyperici-
neen (Yismia, Hypericum ; 10 Clusiaceen (Triplandron, Reggeria, Clu-
sia 3 sp., Monorobea, Mammea, Rheedia, Calophyllum) ; 4 Marcgraavia-
ceen (Marcgraavia, Ruyschia 3 sp.); 5 Hippocrateaceen (Hippocratea
4 sp., Salacia); 1 Erythroxylon ; 14 Malpighiaceen (Malpighia, Byrso-
nima, Bunchosia, Brachypteris, Stigmaphyllon 3 sp., Banisteria, Hete-
ropteris, Tetrapteris) ; 12 Sapindaceen (Cardiospermum, Serjania 7 sp.,
Schmiedelia, Cupania 3 sp. : 1*); 4 Meliaceen (Melia * , Trichilia,
Moschoxylon); 4 Ampelideen (Cissus 3 sp. , Vitis); l Tropaeolum ;
2 Oxalis; 1 Tribulus ; 2 sp. Zanthoxyluin ; 5 Simarubeen (Quassia,
Simaba, Simaruba, Picramnia) ; 2 Ochnaceen (Gomphia, Cespedesia);
2 Rhamneen (Gouania) ; 5 Samydeen (Casearia); 32 Euphorbia,
ceen bearbeitet v. Klotz seh (Euphorbia 7 sp., Dalechampia, Hura,
Hippomane, Sapium, Omphalea, Acalypha, Mabea, Jatropha: 1 "', Cur-
cas, Cnidoscolus : 1 *, Manihot *, Ricinus, Croton, Caperonia, Astraea,
Barhamia, Cyclostigma 3 sp. : s. u., Phyllanthus).
5 Anacardiaceen (Anacardium, Rhinocarpus, Mangifera *, Spondias:
1*); 120 Le guminos e n .(Lupinus, Crotalaria 3 sp., Indigofera 3 sp.,
Tephrosia, Lennea, Sabinea, Sesbania, Diphysa, Stylosanthes, Arachis *,
Planarium, Zornia, Aeschynomene 3 sp. , Desmodium 5 sp. , Oentro-
sema 3 sp., Stenolobium, Galactia, Dioclea, Canavalia, Mucuna, Ery-
thrina, Phaseolus , Vigna , Pachyrhizus, Cajanus *, Eriosema 4 sp.,
Rhynchosia 3 sp., Amerimnum , Drepanocarpus, ölachaerium, Loncho-
carpus 3 sp. , Gliricidia, Platymiscium , Andira , Ürmosia, Guilandina,
Caesalpinia, Cassia 13 sp., Swartzia, Brownea, Tamarindus u. Hynie-
naea, Bauhinia, Schnella, Copaifera, Prosopis, Neptunia, Desmanthus,
Mimosa 5 sp., Schranckia, Acacia 3 sp. , Calliandra , Pithecolobiuni
5 sp., Eüterolobiuni , Inga 13 sp.) ; 1 Bursera; 6 Chrysobalaneen
(Chrysobalanus, Licania , Hirtella 3 sp.) ; 3 Rosaceen (Prunus, Ru-
bus) ; 7 Combretaceen (Chuncoa, Conocarpus, Laguncularia, Poivrea,
Combretum 3 sp.) ; 1 Vochysia; 1 Rhizopliora ; 7 Onagrarieen (Fuch-
sia, Jussiaea 5 sp., Lopezia; ; 7 Lythrarieen (Cuphea 6 sp., Dodecas; ;
38 Melastomaceen ( Rhynchanthera , Centradenia, Noterophila,
Uranthera, ISespera, Pterogastra, Oreocosmos, Lasiaudra, Micranthella,
Spennera, Monochaetum , Bellucia , Conostegia 4 sp. , Miconia 11 sp,
Staphidium 4 sp., Staphidiastrum , Clidemia 3 sp., Sagraea, Topobea,
Mouririaj; 11 Alyrtaceen (Campomanesia, Psidium, Calyptranthes, Eu-
genia 4 sp. Myrcia, Jambosa *", Punica *) ; 2 Barringtonieen (Gusta-
via, Grias); 2 Lecythideen (Lecythis, Couroupita); 15 Cucurbitaceen
(Feuillea, Anguria, Citrullus *, Momordica, Luffa *, Lagenaria *, Cu-
cumis *, Cucurbita *, Apodanthera, Rytidostyiis , Cyclanthera, Sicyos,
340 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Sechium *); 8 sp. Begonia ; 2 sp. Carica: 1 * ; 13 Passifloreen : s.u.
(Passiflora 9 sp. , Tacsonia, Erblichia: s. u., Turnera}; 1 Loasee
(Menlzelia) ; 1 Porlulaca; 4 Cacteen (Cereus, Phyllocaclus , Opuntia,
Pereskia) ; 2 Umbelliferen ( Hydrocotyle, Eryngium); 4 Araliaceen
(Panax , Hedera sp.) ; S Loranthaceen (Viscuni, Loranthus 6 sp.).
1 Caprifoliacee (^Sambucus) ; 5(3 Rubiaceen (Pentagonia 3 sp.,
Posoqueria, Genipa, Sommera, Aiuajoua, Raniüa, Coccocypselum, Hig-
ginsia, Buena, Lasionema, Maneltia, Calycophyllum, Condaininea, Äla-
crocnemum, Hondeletia 3sp., Sipania , Gonzalea, Isertia , Alibertia,
Hamelia, Sabicea, Wonatelia, Malanea, Morinda, Declieuxia, Chiococca,
Choinelia, Cofl'ea*, Psychotria 6 sp., Palicourea 3sp., Cephaelis 3 sp.,
Geophila, Mitracarpium , Richardsonia, Diodia, Spermacoce, Borreria,
Rubia , Galiuni}; 77 Synanthereen bearb. von Steetz (Vernonia
3 sp., Centratherum , Dialesla , Elephantopus, Elephanthosis , Distre-
phus, Rolandra, Liabum, Peclis 3 sp., Tuberostylis ; s. u. , Coelestina,
Adenostemma, Hebecliniuni, Bricivellia, Critonia , Eupatorium 14 sp.,
Miiiania 3 sp., Conyza, ßaccharis, Pluchea, Eclipta, Salmea, ölilleiia, Cli-
badium, Unxia, Baltimora, Melampodium, Acanlhospermum, Wedelia 4 sp.,
Melananthera, Gymnopsis, WullTia, Oyedaea, Bidens, Cosmos, Zexmenia,
Yerbesina, Spilanthes, Synedrelia, Chrysanthellum, Calea, Tridax, Gna-
phaiium, INeurolaena, Erechtites, Gynoxys, Senecio, Lycoseris, Leria,
Irixis, Lactuca ^') ; 3 sp. Lobelia ; 4 Yaccinieen (Thibaudia, Sphyrosper-
mum, Macleania) ; 1 Ericee (Cletbra) ; 5 Myrsineen (xMyrsine, Ardisia
4 sp.) ; 2 Theophrasteen (Clavija, Jacquinia); 2 Sapoteen (Chrysophyl-
lum, Sapota); 1 Ebenacee (DiospyrosJ ; 2 Styiaceen (Symplocos, Sty-
raxj ; 4 Loganiaceen (Spigelia , Mitreola, Strychnosj ; 13 Apocyneen
(Allamanda, Rauwolflia , Thevelia, Tabernaemontana, Vinca , Plume-
ria *■' , Prestonia , Echites 3 sp.j; 7 Asclepiadeen (Scbubertia, Sarco-
stemma, Asclepias, Gonolobus, Blepharodon, Alarsdenia) ; 10 Genlia-
neen, bearb. von mir (Apophragma, Cicendia, Contoubea, Xestaea,
Schultesia, Lisianthus , Voyiia , Limnauthemum); 22 Convolvuiaceen
(Rivea, Quamoclit , ßatatas; 1 ••, Pharbitis , Calonyction , Ipomoea
10 sp., Jacquemontia, Evolvulus 3 sp.) ; 2 Polemoniaceen (Loeselia) ;
1 Uydrolea; 27 Solaneen, bearb. von Aiiers (Solanum 17 sp. : 2*,
Cyphomandra, Pionandra (s. u.), Capsicum *•, Physalis, Cestrum 4 sp.,
luanulloa) ; lö Scropbularineen (Browallia , Russelia, Stemodia, iler-
peslis 4 sp., Vandeliia, llydranlhellum, Capraria, Scoparia, Buddleja,
Buchuera 3 sp., Castilleja, Lamourouxia); 2 sp. Utricularia ; 22 Acan-
Ihaceen (ELytraria , INelsonia, Hygrophila, Dipteracanthus osp., Tri-
chantbera, Barleria, Teliostachya, Aphelandra 4 sp. , Thyrsacanthus,
Jacobinia , Uhytiglossa, Leptostachya , Adhatoda , Eranthemum, Ble-
chum) ; 1 Sesamum; 16 Bignoniaeeen (bignonia 6 sp., Lundia, Macfa-
dyena, Arrabidaea, Anemopaegma, Amphilophium, Tecoma 3 sp., Jaca»
randa , Tourretia) ; 5 Crescentiaceen (Tanaecium , Parmentiera , Cres-
centia 3 i»p.) j 13 Gesnemceen (Gesneria 4 sp.^ Gloxiula, IS'antilocalyx,
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 341
Köllikeria, Columnea, Drymonia , Alloplectus, Episcia) ; 16 Labiaten
(Ocimum : 1*, Marsypianthes, HyptisSsp., Salvia 5 sp.) ; ISVerbena-
ceen (Priva, Verbena , Stachytarpha , Lippia 5 sp., Lanlana, Cilhare-
xylon, Duranta, Petrea, Aegiphila, Volkameria, Cornutia, Avicennia) ;
8 Borragineen (Cordia 3 sp. , Tournefortia, Heliotropium 3 sp.) ;
1 Plumbago; 1 Plantago.
2 Phytolacceen (Petiveria, Phytolacca) ; 1 Chenopodium ; 1 An-
redera; 9 Amarantacecn (Chamissoa, Amarantus , Cyathula , Iresine
3 sp., Teleianthera) ; 4 Nyctagineen (Mirabilis , Pisonia , Boerhavia) ;
5 Polygoneen (Polygonum, Coccoloba 3 sp., Triplaris); 1 Proteacee
(Rhopala) ; 4 Laurineen (Persea: 1 *, Nectandra , Oreodaphne) ; 4 sp.
Avistolochia; 1 Lacistema; 8 Urticeen (Urera , Fleurya, Myriocarpa,
Pilea4sp.); 10 Artokarpeen , bearb. vonMiquel (Pharmacosycea,
Urostigma 5 sp., ülmedia, Cecropia, Artocarpus ^") ; 1 Celtidee (Spo-
nia); 3 sp. Quercus , 1 Alnus ; 1 Podostemee (Maralhruml ; 20 Pipe-
raceen, bearb. von Miquel (Peperomia 5 sp., Pothomorphe, Enckea,
Artanthe 12 sp., Ottonia) ; 3 Cycadeen (Zamia).
13 Palmen (Euterpe, Iriartea, Geonoma, Manicaria, Thrinax, Des-
nioncus , Bactris, Acrocomia, Astrocaryura , AUalea , Elais, Cocos) ;
4Pandaneen (Carludovicea 3 sp., Cyclanthus); 1 Phylelephas ; 5 Aroi-
deen (Colocasia ", Philodendron , Monstera , Anthurium) ; 1 Pistia;
1 Potamogeton ; 2 Cannaceen (Thalia, Maranla) ; 3 Musaceen (Helico-
nia, Musa ■■) ; 18 Orchideen, bearb. von G. Reichenbach (Habe-
naria, Stenorrhynchus, Vanilla, Sobralia , Üncidium, Rodriguezia, Tri-
gonidium, Epidendron, Brassavola, Bletia, Hexadesmia, Schomburgkia,
Pleurothallis, Selenipedium) ; 7 Hromeliaceen (Ananassa, Bromelia, Puya,
Tillandsia, Gnzmannia; ; 4 Amaryllidren (Eucrosia, Fourcroya, Polyan-
thes *; ; 1 Iridee (Sisyrinchium) ; 3 sp. Dioscorea : 1 " ; 3 sp. Smi-
lax; 1 Pontederee (Heteranthera) ; 1 Butomee (Limnocharis) ; 1 Alis-
macee (Sagiltaria) ; 6 Commelyneen (Commelyna, Tradescantia 4sp.);
1 Eriocaulon; 21 Cyperaceen, bearb. von N. v. Esenbeck (Pycreus,
Cyperus, Kyllingia, Lipocarplia, Fimbristylis, Trichelostylis, Chaetocy-
perus, Scirpidium, Limnochloa, Eleogenus, Dichromena, Spcrmodon,
Haplostylis, Rhynchospora, Scleria, Macrolomia); 27 Gramine» n, bearb.
von demselben Paspaius 4 sp., Panicum4sp. , Lsachne , Oplismenus,
Gymnothrix, Pharus , Schizachyrium, Trachypogon , Anlhistiria, Arun-
dinella, Sporobolus, Aegopogon, Ortachne, Chaetaria, Daclyloctenium,
Eleusine, Eulriana, Eragroslis, Uniola).
117 Farne, bearb. von J. Smith (Xiphopteris , Ctenopteris
3 sp. , Gymnogramma 3sp., Leptogramma, Phegopteris, Goniopteris,
Meniscium, Taeniopsis, Pteropsis Dryomenis, Lopholepis , Lepicyslis,
Goniophlebium 6 sp. , Pleopellis, Campyloneurum 3 sp., Phymatodes,
Dicranoglossum, Elaphoglossiim 3sp., Rhipidopteris, Polybolrya, Gym-
nopteris, Acroslichum , Notholaena , Cheilanthes , Adiantum 14 sp.,
342 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Litobrochia, Pteris, Blechnum, Lomaria, Hemidictyon, Aspleninm 10 sp.,
Aspidium, Nephrodium, Lastrea 4 sp., Polystichum, Cyclopeltis, Lind-
saea 4 sp. , Dictyoxiphium, Dicksonia, Trichomanes 6 sp. , Hymeno-
stachys, Hymenophyllum , Hemitelia , Cyathea, Alsophila 7 sp., Am-
phidesmium , Mertensia 3 sp., Lygodium, Schizaea, Anemia , Anemi-
dictyon , Danaea) ; 7 Lykopodiaceen , bearb. von demselben (Ly-
copodium , Selaginella 5 sp.) ; 1 Equisetum; 1 Marsilea ; 15 Moose,
bearb. von Wilson (Mnium, Octoblepharon , Macromitrium, Weckera
4 sp. , Hypnum 5 sp., Hookeria) ; 16 Hepaticae, bearb. von Mitten
(Plagiochila, Lophocolea , Chiloscyphus , Lejeunia 3 sp., Frullania
6 sp., Symphogyne, Metzgeria, Dumortiera) ; 9 Lichenen , bearb. von
ßabington (Usnea, Ramalina, Parmelia, Sticta 5 sp.).
Duchassaing und W alpers setzten ihre Mittheilun-
gen über einzelne Pflanzen von Panama und Westindien (Jah-
resb. f. 1850. nr. 126) in einer dritten Dekade fori i^^).
Dozy und Molkenboer publicirten eine Bryologie
von Surinam *^5); Berkeley und Curtis i^^') untersuch-
ten die exotischen, besonders aus Surinam stammenden Pilze
der Schweinitz'schen Sammlung.
Von V. Martius Flora brasiliensis (s. vor. Jahresb.
nr. 169) erschien die zwölfte Lieferung i"), w^elche die Be-
arbeitung der Urticeen von Miquel enthält.
Uebersicht der brasilianischen Urticeen (187 sp.) : A. Arlocar-
peae. Pharmacosycea 9 sp. , Urostigma 40 sp., Ficus ^'' 1, Trymato-
coccus 1, ßrosimum 2 sp., Sorocea 4 sp., Olmedia 4 sp., Pseudolme-
dia 1, Perebea 2 sp., Helicostylis 2 sp., Noyeral, Kaucleopsis (s. u.) 1,
Artocarpus * 2 sp. , Pourouma 18 sp. , Coussapoa 14 sp. , Cecropia
16 sp. ; — Maclura 5 sp. , Dorstenia 16 sp. — B. Ulmaceae (Celti-
deae). Sponia 2 sp., Celtis 16 sp. — C. Urliceae. Boehmeria 5 sp.,
Urera 10 sp. , Gesnouinia 1, Urtica- 1, Fleurya 2 sp. , Pilea 11 sp.
Miquel's Bearbeitung ist durch die Darstellung der übrigen südame-
rikanischen Arten bereichert worden, so wie auch ein kleines Sup-
plement zu den Piperaceen beigefügt wird.
Von B e n t h a m's Bearbeitung der von S p r u c e in Nord-
brasilien gesammelten Pflanzen (s. vor. Ber. nr. 170) erschien
die Beschreibung einiger Rubiaceen i^^). — Wallace ^^^)
publicirte Zeichnungen von 48 am Amazonas beobachteten
Palmen, welche nur für die Physiognomie der Arten einiges
Interesse darbieten. — Die seit dem J. 1844 von Allemao
in Hio gelieferten Beiträge zur brasilianischen Flora sind durch
ond syslemalischen Botanik während des Jahres 1853. 343
Auszüge 1^°) i""^) bekannter geworden, aber zum Theil schon
in Walpers' Annalen milgetheilt. Es findet sich in die-
sen Schriften eine Abhandlung über die werlhvolleren Bäume
von Rio, worin 98 Arten systematisch festgestellt sind : dar-
unter 35 Leguminosen, 6 Laurineen, 6 Lecylhideen, 5 Big-
noniaceen , 5 Sapoteen, 5 Meliaceen , die übrigen 16 ande-
ren Familien angehörend. A. berichtigt die bisherigen irri-
gen Angaben über den Ursprung des Jacaranda-Holzes, wel-
ches nach ihm von der Dalbergiee Machaerium abstammt.
Nach Bentham entspricht das Jacaranda-Holz dem Rose-
wood der Engländer und dem Palissandre der Franzosen,
während das deutsche Rosenholz (bois de rose franz.) ein
ganz verschiedenes Produkt ist, welches in England Tulipwood
genannt wird.
Von Spruce's Reiseberichten vom Gebiete des Ama-
zonas (s. vor. Ber. nr. 170) wurden ältere Briefe von Barra
de Rio Negro aus dem J. 1851 mitgetheill i^-) : später hat
S. seine botanische Reise auf dem Rio Negro fortgesetzt und
den Cassiquiari in Venezuela erreicht. Von den bei Barra
vorkommenden essbaren Früchten, deren genauere systema-
tische Bestimmung indessen noch zu erwarten ist , gab er
einige Nachrichten ^^').
Burmeister's brasilianische Reisebeschreibung i^^),
ausgezeichnet durch charakteristische Darstellung der Natur-
verhältnisse der Provinzen Rio de Janeiro und Minas Geraes,
bewegt sich zwar auf einem Gebiete, welches in seinen pflan-
zengeographischen Momenten erschöpft schien, dem der Verf.
indessen einige neue oder doch schärfer aufgefasste Ge-
sichtspunkte abzugewinnen verstand. Mit grösserer Bestimmt-
heit bezeichnet er v. Eschweye's Serra de Espinha^o als
die Grenze des VValdgebietes und der Campos und macht auf
die Verschiedenheit der geognostischen Struktur dieser bei-
den wichtigsten Gliederungen Brasiliens aufmerksam (S. 323).
Jene Serra ist die unter verschiedenen Namen vorkommende
W^asserscheide zwischen den Zuflüssen des Rio Francisco und
des Parana im Westen und dem Parahyba der Provinz von
Rio und anderen Küstenflüssen des östlichen Waldgebietes.
Dieses letztere hat ein granitisches Substrat , die Campos
344 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
von Minas Geraes dagegen gehören zur Grauwackenforma-
tion, ihre Serren, wie die S. de Espinha^o selbst, bestehen
aus kryslallinischen Schiefern: an die Uebergangsbildungen
schliesst sich sodann in den nördlichen Canipos, aber erst
jenseits der Breite von Pernanibuco, das grosse Kreidebecken
des äquatorialen Brasiliens. Man würde indessen sehr irren,
wenn man aus diesen geognoslischen , mit der Gliederung
zweier Vegetationsgebiete zusammentreffenden Gegensätzen,
wiewohl sie nothwendig mit Unterschieden in der Beschaffen-
heit der Erdkrume verknüpft sind , auf einen unmittelbaren
Zusammenhang beider Klassen von Erscheinungen schliessen
wollte. Vielmehr ist die plastische Gestaltung des Bodens
und die dadurch bedingte klimatische Gliederung Brasiliens
meiner Ansicht nach die einzige Ursache der Campos - und
W^aldbildungen , und nur insofern kann das geognostische
Substrat in Betracht gezogen werden , als dasselbe auf die
Niveauverhältnisse bei der Entstehung des Kontinents von
Einfluss sein musste. Für diese klimalologische Auffassung ist
namentlich auch B.'s unten näher anzuführende Beobachtung
zu benutzen, dass mitten in den granitischen Urwäldern die
steilen Gipfel des Corcovado - Gebirgs eine Vegetation erzeu-
gen, deren Aehnlichkeit mit gewissen Formationen der Cam-
pos dem Verf. selbst aufgefallen ist (S. 337).
Die Beobachtungen über das Klima der brasilianischen
Campos sind bis jetzt nicht vollständig genug, um die Frage
unmittelbar zu entscheiden. Wir finden bei Gardner (Jah-
resb. f. 1848. S. 73) die scheinbar widerstreitende Angabe,
dass die Regenzeit der Campos von gleicher Dauer sei und
in dieselben Monate vom Oktober bis April falle , wie zu
Rio de Janeiro, und B. bestätigt G.'s Miltheilungen in Bezug
auf die Küstenlandschaflen. Man könnte hieraus schliessen,
dass zwischen diesen und den Campos keine erhebliche Un-
gleichheit des Klimas bestehe. Allein Gardner bemerkt
ausdrücklich, dass, wiewohl das Klima von Rio de Janeiro
durch die Lichtungen derW^älder trockener geworden sei, es
hier doch auch in den Monaten der sogenannten trockenen
Jahreszeit nicht an atmosphärischen Niederschlägen fehle.
Dass dies auch in den Campos der Fall sei, ist nicht anzu-
nehmen. Denn das Gebiet der Campos ist ein Plateau, des-
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 345
sen miniere Höhe über 2000' beträgt *) und wo auf weiten
Ebenen oder Hügelflächen sich nicht so leicht Niederschläge
bilden, wie auf den der Seeküste zugewendeten Gebirgsket-
ten. Wenn in Rio de Janeiro das ganze Jahr hindurch Nie-
derschläge stattfinden und diese feuchte Zone sich hier so-
gar über den Wendekreis hinaus erstreckt, so dienen zwei
Umstände zur Erklärung, einmal die reichliche Gliederung
der Landschaft durch schmale und steile Gebirgsketten, wel-
che dem Seewinde die Feuchtigkeit entziehen, ehe dieser die
Hochfläche des Binnenlandes erreicht hat, und sodann die
Configuration der Küste, die gerade in der Breite von Rio
zu einer fast reinen Südküste sich gestaltet, so dass der Pas-
satvvind als herrschender Seewind auftreten muss. Wenn
daher die eigentliche Regenzeit hier, wie auf den Campos,
als eine Wirkung der Soistitialbewegung zu betrachten ist
und deshalb in die Sommermonate fällt, so hat die Küsten-
landschaft doch voraus, dass auch in den übrigen Jahreszei-
ten, in denen der regelmässige Südostpassat weht, eine Wald
erzeugende Quelle der Feuchtigkeit gegeben ist.
Das ungleiche Mass der Niederschläge in beiden Jah-
reszeiten hat übrigens in den Urwäldern der Küstenlandschaft,
ebenso wie in dem äquatorialen Klima am Amazonas , die
Wirkung, eine Periodicität in das Pflanzenleben einzuführen,
die in einer für tropische Gewächse so hohen Breite durch
die vom Stande der Sonne abhängigen Wärmeunterschiede
noch schärfer ausgeprägt wird. Dies führt B. aus, indem er
erwähnt, dass die Frühlingsmonate (September bis November)
dort mit Sehnsucht erwartet werden , etwa wie in Deutsch-
land der Mai. In der Mitte des Oktobers zeige sich Brasilien
in der schönsten Gestalt, „dann sind die zum Theil blattlosen
Bäume wieder belaubt, dann treten an die Stelle der alten
und dürren frische, grüne Blätter, dann erhebt sich das
*) IS'iveau der Städte Marianne = 2390', Villa Rica = 3760',
Sahara = 2295', Barbacena = 3530'. Von den der Hochfläche auf-
gesetzten Serren erheben sich der Itacolumi auf 5720', die Serra der
Fiedade bei Sahara auf 5460' (Angaben in engl. Füssen , meist von
V. E seh woge). Dagegen erreicht das Orgelgebirgc in dem Wald-
gebiete der Küste nach Gardner die Höhe von 7500'.
346 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Gras neu aus dem Boden und bekleidet die langsam ver-
dorrte, halmlose Flur mit seinem Rasen, dann endlich blühen
die Bäume und duften mit den herrlichsten Wohlgerüchen«
(S. 152) : eine Schilderung-, welche indessen, wie man sieht,
weniger auf die Küstenlandschaft passt , als auf die Campos
mit ihren lichten Gehölzen, wo der Reisende damals, durch
einen Unfall zurückgehalten, verweilte.
In dem Waldgebiete der brasilianischen Küste unter-
scheidet ß. von den durch mannigfaltigere Vermischung ver-
schiedenartiger Pflanzengestallen bezeichneten Wäldern des
geneigten Bodens , die aus den Beschreibungen des Corco-
vado- und Orgel-Gebirgs bekannt sind, als eine zweite For-
mation den Urwald am Parahyba (S. 253), wo in der tief-
sten Lage, auf fettem Schlammboden die Vegetation vielleicht
noch grossartiger , aber einförmiger sich gestaltet. Baum-
kolosse, „von einer Fülle allmählich kleinerer Stämme umge-
ben^«, bilden ein so dichtes Laubdach, dass die Lichtstrahlen
nicht in die Tiefe dringen können. Deshalb fehlt das nie-
dere Gebüsch , die Bambusen, es fehlen die Farnbäume, die
im Schatten wachsenden Kohlpalmen (Palmito = Euterpe
oleracea), die für die Gebirgswälder von Rio so charakteri-
stischen, weissblättrigen Embauba-Bäume (Cecropia): auch sind
aus gleicher Ursache diese dunklen Wälder sehr arm an pa-
rasitischen Gewächsen. Zu den auffallendsten Baumgestallen
gehören hier der Sapucaja (Lecythis Ollaria), der Touca
(Bertholletia excelsa), nebst der Ayripalme (Astrocaryum Ayri).
Wenn am Corcovado, der sich nur wenig über 2000'
erhebt (2164' engl,), doch schon ein bedeutender Einfluss
des Niveaus auf die Bildungsweise des Waldes bemerkt ward
(S. 101), so ist zu erinnern, dass die steilen Felsgipfel dem
Passatwinde zu wenig Masse darbieten, um die für die volle
Ueppigkeit des Tropenwaldes erforderliche Intensität der
Niederschläge zu erzeugen. Deshalb erreichen die Bäume
überhaupt nicht einmal den Gipfel dieses niedrigen Gebirges
und deshalb ist auch die Serra das Orgaes nur selten über
4000' hinaus bewaldet (S. 140). An den Abhängen des Cor-
covado werden die Bäume nach aufwärts allmählich kleiner,
der Wald lichter, es beginnen Bambusengebüsche, diese aber
von 50 Fuss Höhe (S. 101); endlich folgt, indem der Boden
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 347
zugleich trocken wird, die Region der Vellosi(?n und Barba-
cenien, gerade wie in den Campos, wo in der Gesellschaft
dieser holzigen Repräsentanten der Pandanus-Form nur holz-
lose Stauden sich entwickeln (Campo - Region , beiß, nicht
glücklich alpine Zone genannt).
Ueber die bekannten Formationen der Campos von Mi-
nas Geraes giebl B. einige Nachrichten, nach denen die bra-
silianische Bezeichnungsweise derselben folgende sein würde.
Von den Ca t in gas, den Waldungen der Campos, un-
terscheiden sich nach ihm die Capoes nicht durch einen ver-
schiedenen Vegetationscharakler, sondern nur durch die Klein-
heit ihres Umfangs (S. 404, vgl. Jahresb. f. 1840. S. 463 u. f.,
1842. S. 429). Die niedrigen Geslräuchformationen der Cam-
pos , „über welche der Reiter noch bequem hinwegsehen
kann«, sind die Carrascos: erheben sie sich zu 20 bis
30 Fuss Höhe, so heissen sie Carrasqueinos. Werden
die Holzgewächse selten, was aber erst im nördlichen Theile
von Minas Geraes der Fall ist, so heisst die Landschaft
Campo vero, im Gegensatze zu dem Campo serrado,
worunter eigentlich ein in zerstreute Bestandtheile aufgelö-
ster Carrasco verstanden wird (S. 415). — ß. bestreitet ge-
gen frühere Reisende, dass die Catingas durchaus im Win-
ter ihr Laub verlieren; dies sei in dem von ihm bereisten
Gebiete , also der Gegend zwischen Barbacena und Villa Rica
bis zum Rio das Velhas , nur mit einzelnen Baumformen, na-
mentlich den Bombaceen und Mimoseen, der Fall. Als cha-
rakteristische Bäume der Campos am Rio das Velhas hebt B.
u. A. hervor: Solanum lycocarpum, Anona squamosa (Ara-
ticum) , die tonnenförmig aufgetriebene Bombacee Chorisia
ventricosa , ferner Kielmeyera rosea (Rosa de Campo) , Co-
cos flexuosa (Campos-Palmito), endlich den Jacaranda-Baum.
Diesen letzteren nennt er mit einem nicht publicirten Namen
Nissolia Cabiuna, trägt aber nicht bei, die oben berührte
Aulklärung A 11 ema o's über den Ursprung des Jacaranda-
Holzes zu bestätigen oder zu entkräften : denn da B. seiner
systematischenBezeichnungdie auffallende Bemerkung (S. 417)
beifügt, dass die Blattbildung des Jacaranda-Baums „ihn lange
Zeit veranlasst habe, denselben für eine Leguminose zu hal-
len«, Nissolia aber bekanntlich wirklich eine Leguminose ist,
348 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
SO kann auf seine Angabe über dieses Gewächs kein Werlh
gelegt werden.
Planchon und Linden haben angefangen, nach den
Sammlungen des Letzteren, so wie denen von Funck
Schlimm und Tri a na Beiträge zur Flora von Neu- Gra-
nada und Venezuela zu bearbeiten: der vorliegende Abschnitt
enthält einige neue Diosmeen i^^).
Seemann '^^) bereiste von Fayta (5" S. ßr.) aus den
nördlichen Theil der peruanischen Wüste, bestieg die Anden
von Loxa und kehrte von Cuenca nach der Küste von Gua-
yaquil zurück (August und September 1847). Der Wüsten-
charakter der peruanischen Küste ist bei Payta noch voll-
ständig ausgebildet: nach Weddell i56) ^p, 51) ,,g|(,i^t ^^g
trockene Klima fast bis Tumbez, welches am südlichen Ein-
gange in die Bai von Guayaquil liegt, und herrscht von hier
bis Chile ununterbrochen. Man sieht, dass gerade in der
Breite von Cap Blanco (6« S. Br.) die amerikanische Küste
aus der südwestlichen in eine westliche und dann jenseits
Guayaquil, in eine nordwestliche Exposition übergeht, und es
ist nicht zu bezweifeln, dass dieser, wenn auch nur gering-
fügige Unterschied der Lage gegen den Passat, der der pe-
ruanischen Küste entlang weht, ohne ihre Gebirge zu tref-
fen, nicht minder, als der Einfluss der äquatorialen Kalmen
auf die Trockenheit des Klimas einwirkt. Hierfür spricht auch
die von Seemann (I. p. 215) hervorgehobene Eigenthüm-
lichkeit der Küste von Ecuador, wonach die peruanische
Wüste nicht einfach an die Küstenwälder von Guayaquil an-
grenzt, sondern beide Formationen in ihrem Uebergange mehr-
mals mit einander abwechseln: dem dichten Walde der Stadt
Guayaquil liegt das dürre Cap Elena gegenüber und gerade
dieser Funkt springt mit südwestlicher Exposition vor; ebenso
hat Salanga reiche Niederschläge und eine üppige Vegetation,
Manta, wo die Regenzeit nur vom December bis Mitte Mai
währt, ist wüst und in der Bai von Atacamas breiten sich
aufs neue feuchte Waldungen aus. — Se em ann fand auf
dem graugefärbten Sandboden der Wüste von Payta doch
als Litoralformen einige Holzgewächse: Algaroba - Bäume
(Prosopis horrida), den Overal-Strauch (Varronia rotundifo-
lia), Zerpote de Ferro (Capparis scabrida und crotonoides).
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 349
An dem Flussuter erreichen die Algaroben eine Höhe von 30
bis 40 Fuss und wachsen mit einer Salix in Gemeinschaft
(1. p. 155): hier werden, vom lliessenden Wasser bewässert,
die Kulturgewächse des Landes gezogen , Baumwolle , Mais,
Wassermelonen und sogar der Pisang nebst tropischen Knol-
lengewächsen.
Auf dem Wege von Piura nach Loxa (6770' engl.)
wurde schon am Fusse der Anden auf dem Hügelboden die
Landschaft holzreicher, hier kamen grosse Cacteen vor, eine
Cereus-Form von 30 bis 40 Fuss Höhe, deren Holz hart
war, wie Ebenholz (p. 158). Die Hauptkette der Anden selbst
aber bot schattige Wälder und wohlbewässerle Thäler, reich
an schönfarbigen Blumen: Calceolaria, Salvia , Browallia,
Fuchsia. In der Cinchonen-Region von Loxa dauert die Re-
genzeit vom November bis Mitte Mai, aber auch in den übri-
gen Monaten fallen von Zeit zu Zeit Niederschläge (p. 1(37).
In heissen eingeschlossenen Thälern ist der Einfliiss der
trockenen Jahreszeit indessen auffallend: in einem solchen,
wo das Dickicht aus Croton, Ficus, Convolvulaceen- Sträu-
chern und Cacteen bestand, war zur Zeit von S.'s Reise nur
wenig grünes Laub zu bemerken (p. 171). Hier kam ein
Gehölz von Chirimoya-Bäumen vor (Anona Cherimolia), da-
mals mit den köstlichen Früchten beladen. S. meint, dass
der Geschmack der Chirimoya sogar der Mangostana-Frucht
vorzuziehen sei, und mit Recht habe Haenke sie ein Mei-
sterstück der Natur genannt.
Im Thale von Cujibamba , bei Loxa, finden sich jetzt
nur noch wenige Cinchonen. Aber die Vegetation ist sehr
üppig, Farnbäume sind häufig , schönblüthige Ericeen zieren
die Landschaft nebst Calceolarien, Fuchsien, Siphocampylus
und Convolvulaceen (p. 180). Das Klima ist feucht, aber
gesund : nach S. dauert die Regenzeit in Loxa vom Januar
bis Ende April oder Mitte Mai, im Juni, Juli und August
kommen noch schwere Güsse vor, aber vom September bis
zum Schlüsse des Jahres ist der Himmel in der Regel hei-
ter. InCuenca, nur einen Grad weiter nach Norden (3oS. Br.),
beginnt hingegen die nasse Jahreszeit schon im November
und dauert bis Mitte Mai. — Unter den Kulturgewächsen die-
ser Gebirgslandschaft erwähnt S. die Achira (Canna disco-
350 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
ior) , von der die Knollen gegessön werden, die Aracacha,
deren Knollen S. mit denen der Dalilia vergleicht: auch der
Pisang (Musa sapienlum) und der Alfalfa (Medicago sativa)
werden allgemein gebaut.
Von Cuenca aus überstieg S. auf der Rückreise die
14000' höbe Punta de Caja und lernte hier die Region der
alpinen Synanthereen- Slräucher kennen (Bacharis Ihyoides
wird erwähnt p. 203). Auf der Westseite des Passes kam
er sodann durch einen Wald von Podocarpus.
Weddell unternahm im J. 1851 eine zweite Reise
nach Süd-Amerika, auf welcher er den nördlichen Theil der
Anden von Bolivia näher kennen lernte ^'^^^ (vergl. Jahresb.
f. 1850. S. 70). Er reiste zu Ende April von Arica aus über
die westlichen Cordilleren nach La Paz, besuchte im August
und September die fruchtbare, in die heisse Region hinab-
reichende, Landschaft der Yungas , welche am östlichen Ab-
hänge der östlichen Cordillere liegt und von den Zuflüssen
des Rio Beni wohl bewässert wird, und kehrte sodann längs
des Sees von Tilicaca durch das südliche Peru nach Are-
quipa zurück.
Der Pass über die westlichen Cordillere bei Palca
(17 720 S. Br.) liegt 4500"^ hoch und sein Niveau über-
trifft daher nur wenig die Hochebene oder Puna von Ta-
cora (4400'"-) 9 die zwischen den beiden westlichen Ket-
ten eingeschlossen ist ; auch die weit grössere Puna zwi-
schen den Seeen von Titicaca und Aullagas, über welche
der Weg nach La Paz führt und die den Raum zwischen
der mittleren und östlichen Cordillere ausfüllt , besitzt ein
mittleres Niveau von 4000™ ; die Stadt La Paz selbst liegt
etwas tiefer (3730"O i'ii Quellengebiete eines Thaies, welches
bereits nach Osten in das Tiefland des Yungas übergeht. Bei
solchen Niveauverhältnissen ist es begreiflich, dass die Ve-
getation der Pässe mit der derPuna-Region vollkommen über-
einstimmt. Am Passe von Palca waren die letzten , grösse-
ren Holzgewächse des Westabhanges einige Solaneen; zuletzt
blieben Bolax glebaria, eine ßaccharis und ein klebriger Se-
necio übrig (p. 78). Auf der östlichen Seite bestand der
Rasen, wie auf der Puna, aus einer Deyeuxia, aber beson-
ders fiel eine im höchsten Masse gesellige, harzreiche ßac-
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 35 L
charis auf, deren Vegetation W. mit den Halden Europas,
oder mit den Älicrolicien von Minas Geraes und den Myrten
der Campos vergleicht, indem er bemerkt, dass diese Ge-
wächse die am meisten sociellen saien , die er auf seinen
grossen Reisen in Südamerika irgendwo gesehen habe (p. 80):
jene Baccharis, Tola genannt, bietet fast das einzige Brenn-
holz in diesen hohen Regionen der Anden. Auch auf der
Puna im Süden des Sees von Titicaca fand sich dieser Strauch
allgemein verbreitet, wechselnd mit grossen Rasen von Bolax
glebaria (Yarela) und zwei Gewächsen von ähnlichem Anse-
hen (Verbena minima und die sonderbare Caryophyllee Pyc-
nophyllum p. 103).
Das Klima der Stadt La Paz lässt bei einer mittleren
Temperatur von 10° C. (p. 136} wegen der geringen Som-
mervvärme wenig Ackerbau zu. Indessen bewirkt doch die
herrschende Reinheit des Himmeis, wobei die nächtliche Ra-
diation gross wird, bedeutende, momentane Temperalur-
schwankungen; als Extreme wurden — 7° und + 23o C.
beobachtet. W. theilt ein Verzeichniss der vegetabilischen
Produkte mit , die auf dem Markte von La Paz vorkommen
(p. 139—159), von denen aber die Mehrzahl aus den wär-
meren Gegenden der Andenthäler heraufgebracht wird.
Uebersicht der Kahrungspflanzen des nördlichen Bolivien.
Früchte. Bei La Paz werden erzeugt: Pfirsiche, Birnen, Ae-
pfel, Quitten, Tuna (Upuntia vulgaris), Erdbeeren (Fragaria chilensis).
Einer wärmeren Region entsprechen die Weintrauben, die Feigen,
die Pacaes (Pulpa aus den Hülsen einer Inga mit den von ihr eingehüll-
ten Samen), die Melonen, Wassermelonen und Pepinos. Die Yungas
liefern die gewöhnlichen Arten von Citrus - Früchten, ferner Pallas
(Früchte von L. Persea = Avocat) , Pisang, Chirimoyas (Anona che-
rimolia) , Ananas, Granadillas (Passiflora), Mani (Arechis hypogaea,
zur Bereitung der Chicha, eines gegohrenen Getränks verwendet).
Knollen. Bei La Paz wird die Kartoffel (Papa dulce) cultivirt
und auf den kältesten Puna's die Papa amarga , wahrscheinlich eine
andere Art von Solanum, die jedoch nur den Indianern zur Wahrung
dient. Auch der ülluco (üllucus tuberosus) erträgt das rauhste Klima,
wird aber gleichfalls gering geachtet. In den wärmeren Punas baut
man die Oca (üxalis tuberosa), deren Säure durch Exposition an
die Sonne verloren geht, indem sich, wie beim Reifen der Früchte,
Zucker bildet. Auch der Ysano (Tropaeolum tu])erosum), der bei La
Paz fortkommt, verliert die unangenehme Schärfe seiner Knollen erst
352 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
durch Gefrierendes Saftes, nachdem sie gekocht sind, und sie wer-
den in diesem gefrorenen Zustande genossen. Zwei Arten von Zwie-
beln (Allium) werden ebenfalls bei La Paz gebaut. Aus wärmeren
Thälern kommen sodann: die Racachas (Arracacha esculenta) , die
Ajipas (Knollen unbekannten Ursprungs, von der Form der Dahlia-
Knollen), "Yacon oder Aricoma (ebenfalls noch unbestimmt), Bataten
(Camotes) , Manioc (Yuca : hier wird nur Jatropha Janipha gebaut),
llachipa oder Achicha (Canna edulis), Gualusa (Colocasia esculenta).
(Jemüse. In allen Puna's wird die Quinoa gebaut, bei La Paz
auch häuGg eine Bohne (Abas^, seltener die Alverja (Pois vert). Die
Canaba ist ein der Quinoa verwandtes Chenopodium. Ferner baut
man bei La Paz mehrere europäische Gemüse-Arten, namentlich Kohl,
Tomate (S. lycopersicum), Lactuca, und in den Thälern einige Cucur-
bitaceen. Wie Kresse wird ein einheimischer Mimulus (M. parviflorus)
benutzt. Eine essbare Nostoc-Art, die in den Sümpfen der Cordillere
vorkommt, ist der Cochayuyu.
Cerealien. Hauptgetreide bei La Paz ist die Gerste (Cevada).
Der Mais reift seine Früchte nicht mehr gut. Der Weizenbau be-
ginnt in einiger Entfernung von der Stadt und der Reis wird in gros-
sem Umfange in den Yunga's gebaut.
Die Alfalfa (Medicago sativa) ist das allgemeine Futterkraut in
der Region der Weintraube und tiefer abwärts , kommt aber nicht
mehr bei La Paz fort.
Gewürze. Die Capsicum-Früchte (Aji) werden am allgemein-
sten benutzt und aus den Yungas eingeführt; sodann Petersilie, Co-
riander, Münze, Chenopodium ambrosioides (Payco), Chischipa (Tage-
tes sp.) u. e. a.
Auf der Reise nach den Yungas überstieg W. in der
Breite des See's von Titicaca den 5105™- hohen Pass von
Sorata in der östlichen Cordillere (p. 321) und erreichte so-
dann zu Tipuani (15^ S. Br.) das tiefe Niveau von 580™-
(p. 433). Auf diesem innerhalb desselben Breitegrads die
Anden in nordöstlicher Richtung abwärts führenden Wege
hat er die charakteristischen Gewächse der einzelnen Re-
gionen gelegentlich angeführt, jedoch ohne die hiedurch be-
dingte Gliederung des Ganzen in übersichtlicher Darstellung
zur Anschauung zu bringen. In diesem Materiale sind fol-
gende Thatsachen enthalten:
A. Alpine Region. 2S30'"— 5000'».
1. Hochthal von Sorata, an der Wesiseite des Passes.
Unterhalb der hochgelegenen Puna, die derselbe am See Ti-
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 353
ticaca absondert und die von einem feinen Rasen mit Bolax
und Genlianeen nebst steng-ellosen Synanthereen bedeckt war,
be'^ann der erste Anbau des Bodens bei 4100'» und zugleich
zeigten sicii bald die ersten Gesträuche (Labiaten, ein harz-
reiches Eupatorium, eine grosse Calceolaria, eine dornige Mu-
tisia nebst Siphocampylus; von Stauden Eryngium , Loasa,
Oxalis, Genliana p. 301). — Bei Sorata (2730'») herrschte die
Kultur des Pfirsich und der Luzerne. Bäume sind selten
und nur angepflanzte kommen vor (Juglans, Salix, Ricinus).
Die häufigsten Gesträuche sind eine dornige Mimose und eine
Labiale (p. 308).
2. Pass von Sorata. Die dichten und niedrigen Ge-
sträuche, in denen zu den übrigen sich eine Baccharis und
eine Calceolaria gesellten , hörten bei 3000«^^ an dem West-
abhange des Passes vollends auf. Nun folgte ein Rasen mit
vereinzelten Holzgewächsen, die Baccharis blieb zuletzt der
einzige Strauch, und eine Stunde später wurde die holzfreie
Region der Gramineen erreicht, wo zerstreute, grosse Rasen
der Deyeuxia den Boden unvollständig bedeckten (p. 315).
Indessen zeigte sich später doch noch ein niedriges Holz-
gewächs unmittelbar bis zur Schneegrenze, deren Niveau zu
5000'" angenommen werden zu können scheint, ein klebri-
ger Senecio (S. adenotrichus p. 321).
3. Region der alpinen Sträucher an der Oslseite des
Passes bei Tusuaya (3570'»): die Sanguisorbee Polylepis,
Buddleja, Cantua dependens, Siphocampylus, eine Kupatoria-
cee (Chilca), Berberis, Ribes, eine Araliacee, Baccharis, Sam-
bucus. Die Felsen waren hier mit Moosen und Farnen be-
deckt und geschmückt durch eine schailachrolhe Gesneriee
(p. 326); auch wächst noch in dieser Höhe eine Peperomia.
Es begann hier zugleich der Anbau der Kartoffel und der
Gerste ; auch soll der Pfirsich seine Früchte reifen.
4. Region der Thibaudien und Melastomaceen abwärts
bis 2830»^: mehrere Arten von Thibaudia , Gaultheria , An-
dromeda; Chaelogastra; Myrlus (p. 331).
B. Gemässigte Waldregion (Cinchonen- Region). 2030"^
—2830'^^
1. Die obere Baumgrenze wurde am Ostabhange der
östlichen Cordillere bei 2830'" beobachtet (p. 332). Sie wurde
Archiv f. Nftturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. X
354 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
gebildet von Alnus und von baumartigen Escallonien: der durch
diese Hauptformen bezeichnete Wald cntiiielt anNebenbesland-
theilen ßaumformen von Synantliereen (Senecioncen und Eu-
patorium), Bocconia, Clusia, einen Leguminosenstrauch und
eine Rubiacee. Hier wird schon mit Erfolg der Mais und die
Luzerne gebaut; neben dem Birnbaum kommt auch schon die
Orange fort.
2. Erst bei 2180'" wurden in dieser Waldregion die
ersten Cinchona-Bäume (C. ovala) angetroffen (p. 337). Aber
hier hatte die Natur schon viel mehr tropische Pflanzenfor-
men aufgenommen: Bambusa, Inga, grosse Melastomen, Pas-
sifloren, Tillandsien, nebst Orchideen, Aroideen, Piperaceen
und Farnen. Nur die Farnbäume und Palmen fehlten noch,
aber die erste Palme wurde bald darauf, im Niveau von 2168™-
erreicht.
C. Heisse Waldregion, beobachtet von 580°'— 2030'».
1. Als Grenze der gemässigten und tropischen Re-
gion, welche hier die Bewohner als Valle und Yungas un-
terscheiden, bezeichnet W. das Niveau von 2030"^- (die Sta-
tion Guaynapata). Hier ist namentlich die obere Kultur-
grenze für den Pisang (Musa sapientum), die Coca , das
Zuckerrohr. Dagegen finden bald darauf die Kartoffel, der
Pfirsich nebst Oxalis tuberosa ihre untere Grenze (p. 345).
Unter den Waldbäumen zeigen sich bei Guaynapata zuerst
zwei der schönsten Formen Boliviens, die Cedrela brasilien-
sis (Cedro) und Laplacea quinoderma (Chulquisa). Bei Ti-
puani sind die Wälder reich an trefflichen Hölzern, die W.
indessen, mit Ausnahme des Myroxylon peruiferum (Quina-
quina), nicht systematisch, sondern nur mit den einheimi-
schen Namen bezeichnet (p. 428). — Nur bis 1580'" (Stat.
Capaguaya) reicht die Kultur des Manioc und der süssen
Orange (p. 345) , und nicht über Tipuani (s. o.) hinaus der
Cacaobaum (p. 433).
2. Wechsel der Waldungen mit Pajonales, d.h. Campo-
Formationen bei Tipuani (vergl. Jahresber. f. 1850. S. 73).
Die Pajonales besitzen, wie die Campos von Brasilien, eine
grüne Rasenfläche mit zerstreutem Gesträuche und einzelnen
Bäumen (p. 377). Zu den charakteristischen Baumformen ge-
hören auch hier die silberfarbige Cecropia und die Lythra-
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 355
riee Diplusodon ; ferner sind charakteristisch eine Vochysia,
ßefaria , Lasiandra Fontanesiana (Flor de Mayo) und die
Cinchona Josephiana (Cascarilla del Pajonal p. 359). — Auch
die zum Kulturland durch Feuer umg-evvandelten Waldstrecken
(Roza) erinnern durchaus an die Capoeiras Brasiliens: es
erscheint auf der Brandstätte zuerst eine der brasilianischen
Pteris caudata gleichende Art dieses Geschlechts, in heisse-
ren Gegenden eine Anemia ; fast immer findet sich die Lili-
coya ein, ein der Kartoffel nahe verwandtes Solanum mit
scharf schmeckenden Knollen ; dann folgen Gesträuche und
niedrige Bäume (Eupatoriaceen, Malvaceen, Baccharis geni-
stelloides , ein Rubus und die Bombacee Ochroma piscatorum
p. 358). Wird die Kulturfläche der Natur überlassen, so ver-
wandelt sie sich nicht immer wieder in Wald, sondern sie
geht zuweilen, wenn es an Feuchtigkeit mangelt, in den Typus
der Pajonales über.
Der Handel mit Chinarinden, der in neuerer Zeit
in Bolivien einen grossen Aufschwung erfahren hatte, geht
auch hier durch Verwüstung der Cinchona -Wälder sei-
nem Untergange entgegen , wiewohl nach W.'s Ansicht
noch nicht innerhalb des jetzigen Menschenalters (p. 245).
Das Produkt Boliviens ist die den bolivischen Anden eigen-
thümliche und an Chinin sehr reichhaltige Calisaya- Rinde.
Diese Cinchona wächst nur zerstreut in der Cinchonen-
Region der östlichen Cordillere, besonders in der Provinz
La Paz, aber in der Nähe der gangbaren Pfade über die An-
den ist der Baum schon gegenwärtig fast verschwunden.
W. berichtet ausführlich über die Ursachen, welche die dau-
ernde Ausbeute gefährden, und findet kein Hülfsmittel dage-
gen: es scheint jedoch, dass , wenn die bolivische Regie-
rung, wie sie auf dem Wege dazu ist, den Chinahandel auf
eigene Rechnung übernähme, sie auch im Stande sein müsste,
eine geregelte Forstwirthschaft einzuführen. — Finanziell noch
bedeutender, als die Chinarinde, ist für Bolivien der Anbau
der Coca, der bei Coroica in den Yungas seinen Mittelpunkt
findet, einer Landschaft, die der Garten von La Paz genannt
wird (p. 514) und wo die Coca-Pflanzungen überall mit Oran-
gen-Hainen und Pisang- Gebüschen abwechseln. W. spricht
sich gegen die Ansichten Po eppig's über den Gebrauch der
356 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Coca aus, der ihre Naclilheile für die Gesundheit mit denen
des Opiums verglichen halle: eine schädliche Wirkung werde
fast niemals bemerkt , vielmehr gleiche die Coca in dieser
Rücksicht dem Thee und vom Verf. mit dem Infusum ange-
stellte Versuche zeigten, dass dasselbe nur schwach excilirt
und etwas Schlaflosigkeit erzeugt (p. 528).
ßunbury ^^0 bearbeitete eine Abhandlung über die
Vegetation im unteren Stromgebiete des Rio de la Plata
(330— 350 S. Br.) Iheils nach den Quellen und nach eigener
Anschauung aus dem J. 1834, theils besonders nach den
reichhaltigen Sammlungen des verstorbenen Fox. Wiewohl
der untere Slromlauf des Plata genau die Grenze bildet zwi-
schen der granitischen Formation, welche von hieraus bis
nach ßahia die Küstenlandschaften Brasiliens charakterisirl,
und zwischen den Tertiärformationen der Pampos, so ist doch
der Vegelationscharakter auf beiden Ufern der nämliche.
Dass dieser grosse geognostische Gegensatz ohne Einfluss
auf die Bekleidung des Bodens ist, innerhalb der Tertiärfor-
mation hingegen, wie Darwin gezeigt hat (Jahresb. f. 1843.
S. 69), am Rio Colorado (40^ S. Br.) die P'lora einem plötz-
lichen Wechsel unterliegt, erklärt B. mit Recht aus der Trok-
kenheit der patagonischen Kiessteppe , während sowohl der
Thon und Mergel der Pampas , als der Detritus des Granits,
beide die Feuchtigkeit zurückhalten und daher einen dichten
Rasen von krautartigen Gewächsen hervorbringen Cp» 466).
Der Charakter der Vegetation von Buenos Ayrcs beruht
bekanntlich zuerst auf der last vollständigen Abwesenheit der
Holzgewächse. Die einzigen Bäume, die in der Nähe der
Hauptstadt vorkommen, sind gepflanzte Pappeln und einzelne
Ombu-Bäume (Phytolacca dioeca). Sträucher sind ebenfalls
selten und kommen nur an den Ufern und auf den Inseln
der Flüsse in geselliger Verbreitung vor. Die Hauptmasse
der Vegetation besteht aus Kräutern von niedrigem Wüchse,
ist aber nicht so ärmlich (scanly), als man bei bem Anblicke
des Landes erwarten sollte. Die Meinung, dass die ßestand-
theile der Flora einen durchaus europäischen Charakter zei-
gen, wird von ß. als naturwidrig zurückgewiesen. Derselbe
beruht vielmehr auf der Häufigkeit und grossen Anzahl von
eingeführten und angesiedelten Gewächsen, als auf den ein-
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 357
heimischen Formen. Schouw's Angabe, dass von 109 Gat-
tungen 70 auch in Europa vorkommen , mag sie auch an
sich richtig sein, wird erst durch folgende Thatsachen in ihr
wahres Licht gestellt:
1. Die charaliteristischen Familien und Gattungen der
Flora von Buenos Ayres sind nur schwach in Europa ver-
treten. Dahin gehören namentlich die Solaneen, Verbena-
ceen , Amarantaceen und vielleicht auch die Malvaceen. So
zeigen sich in der unmittelbaren Nähe von Buenos Ayres
Solanum und Verbena sogleich als artenreiche Gattungen.
2. Die nicht europäischen Gattungen sind zahlreicher,
als man angenommen hatte, und mehrere von ihnen zeichnen
sich durch die Anzahl der Arten oder durch die Masse der
Individuen aus: namentlich Gomphrena und Teleianthera, Jus-
siaea, Nicotiana und Petunia, Nierembergia, Pontederia.
3. Reiche Familien der europäischen Flora fehlen ganz
oder sind nur schwach vertreten: namentlich Cruciferen,
Caryophylieen, Umbelliferen (mit Ausnahme von Eryngium),
Boragineen, Dipsaceen, Cichoraceen und Cynareen.
Verzeichiiiss der nicht europliischen Familien (IS') und Gattun-
gen (98) bei Buenos Ayres und in Uruguay. Leguminosen : Mimosa,
Desmanthus, Inga, Calliandra, Acacia, Parkinsonia, Cassia, Crotalaria,
Indigofera, Tephrosia, Daubentonia, Desmodium, Aeschynomene, Clito-
ria, Camptosema, Canavalia, Galactia, Vigna , Rhynchosia, Machae-
rium; M el asto ma c e en : Arthrostemma ; jNIyrtaceen: Eugenia; Ly-
thrarieen: Cuphea , Heimia; Onagrarieen : Jussiaea; Tropaeoleen:
Chymocarpus; Terebinthaceen : Schinus; Euphorbiaceen : Croton, Phyl-
lanthus; Sapindaceen: Paullinia, Cardiospermum ; Malpighia-
ceen: Stigmaphyllon , Heteropteris; Byttneriaceen: Byttneria;
Malvaceen: Pavonia, Sida ; Loaseen: Blumenbachia ; Passiflo-
reen Passiflora; Papaveraceen: Argemone.
Bignoniace en: Bignonia ; Acanthaceen: Dicliptera ;
Scrophularineen: Buddleja , Scoparia , Herpestis ; Solaneen: Nico-
tiana, Nierembergia, Petunia, Jaborosa, Himeranthus, Cestrum ; Con-
volvulaceen : Calonyction ; Verbenaceen : Lantana ; Asclepiadeen :
Asclepias, Gomphocarpus, Oxypetalum , Arauja, Philiberlia, Schisto-
gyne; Rubiaceen : Cephalanthus, Mitracarpum ; Synanthereen: Ver-
nonia, Stevia, Baccharis, Pterocaulon, Haplopappus, Flaveria , Poro-
phyllum , Leighia, Yerbesina , Achyrocline, 'irixis; Calycereen
Eloopis, Acicarpba.
358 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geogi'aphischen
Amarantaceen : Gomphrena, Teleianthera, Pupalia, Iresine; Che-
nopodeen : Roubieva.
Aroideen: Spathicarpa ; Marantaceen: Canna ; Orchideen:
Oncidiuni; Bromeliaceen: Tillandsia: Amaryllideen : Alstroemeria;
Irideen: Sisyrinchium, Cypeüa; Hydrocharideen : Üdora ; Smilaceen:'
Herreria; Pontederiaceen: Pontederia; Butomeen: Hydrocleis;
Commelyneen: Commelyna; Gramineen: Paspalum , Stenotaph-
rum, Cenchrus, Cliascolytrum , Pappophorum, Eustachys , Eleusine,
Androtrichum.
Die in Buenos Ayres seit der Ankunft der Europäer
angesiedelten Gewächse sind nicht bloss zahlreich, son-
dern sie haben sich auch in dem Grade ausgebreitet, dass
sie den Boden in grossem Umfange bedecken und in der
That gegenwärtig in höherem Grade die Physiognomie des
Landes bedingen, als die einheimische Vegetation. Mit Recht
weist B. darauf hin , dass eine solche Erscheinung mit der
von Schouw vertretenen Meinung unvereinbar ist, dass bei
gleichen äusseren Bedingungen der Charakter einer Pflan-
zenschöpfung ursprünglich derselbe gewesen sein müsse. Die
Ansiedelungen der europäischen Gewächse sind in Buenos
Ayres nicht auf das Kulturland oder auf die Umgebungen der
Stadt beschränkt: viele Meilen landeinwärts sind die Pampas
mit Cynara Cardunculus , Silybum marianum und Medicago
denliculata durchaus bekleidet (vergl. Darwin im Jahresb.
f. 1843. S. 70); zu den häufigsten Gräsern gehören Lolium
perenne und multiflorum, Kordeum murinum und prafense.
Allgemein bei der Hauptstadt verbreitet sind ferner Trifolium
repens, Foeniculum, Xanthium spinosum , Sonchus oleraceus,
Echium violaceum, Chenopodium album.
Zu den geselligen Pflanzen der einheimischen Vegeta-
tion der Pampas gehören namentlich Verbena erinoides und
chamaedrifolia, Mitracarpum Sellowianum, ein kleines Solanum
und einige Gräser. — Die tropischen Bestandlheile der Flora
finden sich hingegen vorzüglich am Ufer und auf den Inseln
des Stroms, wodurch ihr Ursprung aus entfernten Gegenden
angedeutet erscheint: dies sind besonders Lianen, wie Pas-
siflora coerulea, Stigmaphyllon litorale, Paullinia, Cardiosper-
mum, Bignonia, oder Leguminosen aus tropischen Gattungen,
wie Mimosa,Inga, Calliandra und Cassia; ein Maohaerium
wächst auf den Inseln der Strommündung und eine Melaslo-
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 359
macee (Arlhrostemma nitidum) erreicht das nördliche Ufer,
ohne es zu überschreiten. Einige Monokotyledonen finden
ebenfalls am Rio de la Plata ihre Südgrenze, wie Canna,
Oncidium und Tillandsia , das südlichste Vorkommen einer
Palme hat Darwin unter 35^ S. Br. beobachtet cJahresber.
f. 1843. S. 68).
Als Grenzpunkt gegen die tropische Flora des südlichen
Brasiliens bezeichnet B. Porto Alegre in der Provinz Rio
Grande (30° S. Br.) : der tropische Charakter wird hier durch
zahlreiche Farne (54 brasilianische Formen) ausgedrückt;
bis hieher reichen die tropischen Regenzeiten und hier fand
St. Hilaire die Kulturgrenze des Mandick und des Zuk-
kerrohrs.
Einige Notizen über die von v. Bibra in Chile ge-
sammelten Pflanzen wurden von diesem Reisenden nach den
Bestimmungen von S c h n i z 1 e i n und S t e u d e 1 mit-
gelheilt ^^S).
Zu den schon vor langer Zeit begonnenen und nn vori-
gen Jahre (Jahresb. f. 1852. nr. 181) abgeschlossenen Ab-
bildungen von Pflanzen der Maghellans« Länder, welche ei-
nen Theil von D u m 0 n t d'U r V i 1 1 e's antarktischem Reisewerke
bilden, hat Decaisne nunmehr den Text bearbeitet ''%
der als ein werthvoller Nachtrag zu Hooker's Flora antar-
ctica zu betrachten ist. Die zum Theil irrigen Bezeichnun-
gen der Pflanzen von Hombron auf den Kupfertafeln sind
hier berichtigt worden. Ein Anhang (p. 80-87) enthält die
Bestimmungen der tropischen Pandaneen, sowie der Epa-
krideen und Farne, welche Hombron in demselben Werke
hatte abbilden lassen.
VI. Australien.
F. Müller's Mitlheilungen über den Vegetationscharak-
ter der Kolonie Süd-Australien ^^o) sind grossentheils stati-
stischen Inhalts. Die übrige Darstellung enthält Aufzählungen
einzelner Pflanzen, wie sie seine umfassenden Untersuchun-
ffen des Landes dem Verf. darboten.
Auch Drummond's Berichte über seine Forschungen
in Swan River (Jahresb. f. 1849. S. 62) wurden wieder auf-
genommen -öl). Der Reisende war von eiiiem anderthalb-
360 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
jährigen Aufenthalte im Norden der Kolonie zurückgekehrt,
wo er die Gegenden zwischen dem Moore River und dem
Murchison (STV^o S. Br.) untersucht hatte.
Turczaninow publicirte eine Abhandlung über neu-
holländische Leguminosen ^(^^).
D. Hooker beschrieb einige neue tasmanische Pflan-
zen 163),
Von D. Hooker's neuseeländischer Flora erschien der
Schluss derPhanerogameni64)^ begleitet von einer wichtigen
pflanzengeographischen Abhandlung über den Vegetationscha-
rakter dieser so eigenthümlichen Inselgruppe, dessen Analyse
ihm zugleich Veranlassung gab , sich über die Wanderung
der Pflanzen und andere allgemeine Fragen auszusprechen.
Neben der trefflichen und durch wohlausgewählle Thatsachen
gestützten Begründung seiner pflanzengeographischen An-
sichten, die in den wichtigsten Beziehungen mit denen über-
einstimmen, welche ich in den bisherigen Jahresberichten
vertreten habe, finden wir indessen zugleich, dass der Verf.
den Forbes'schen Hypothesen über ehemalige Landesver-
bindungen bei der Erklärung des Ursprungs der neuseelän-
dischen Flora Einfluss verstattet hat. Ich habe diese An-
sichten stets bekämpfen zu müssen geglaubt, und finde in der
Schwierigkeit, die Wanderungen der Pflanzen in jedem ein-
zelnen Falle von bestimmten Kräften abzuleiten, die vielleicht
nur selten in Erscheinung treten, auch jetzt nicht den min-
desten Grund, meine Meinung über die Unhaltbarkeit der
Forbes'schen Theorie zu ändern. Geologische Thatsachen
weisen nur in sehr beschränktem Umfange und an engbe-
grenzten Oertlichkeiten auf Aenderungen der Küstenkonfigu-
ration innerhalb der gegenwärtigen Schöpfungsperiode hin.
Nachdem nachgewiesen ist, dass die Krümmung der Isother-
men zwischen Europa und Nordamerika, welche die Ver-
breitung gleicher Thierformen an beiden Küsten des at-
lantischen Meeres unter abweichenden Breitegraden be-
dingte, schon zur Zeit der Kreideablagerung dieselbe war,
wie jetzt, muss man annehmen, dass beide Kontinente schon
damals im Wesentlichen die heutige Gestalt hatten , weil die
Konfiguration derselben eben die Ursache von der Ungleich-
heil ihres Klimas ist. Indem ich mich übrigens in Bezug
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 361
auf die pflanzengeographischen Thatsachen selbst auf meine
früheren Einwürfe gegen Fori) es' Hypothesen beziehe, be-
schränke ich mich für jetzt auf die Anführung der bestimm-
ten und meines Erachlens zu Gunsten der Migrationslehre
entscheidenden Thatsache, dass bei gleichem oder ähn-
lichem Klima, die Anzahl der übereinstimmenden Be-
standtheile von je zwei Florengebieten in einer gewissen Be-
ziehung zu ihrem maritimen Abstände steht. So giebt H.
an, dass Neuseeland, dessen Flora bei ihm 730 Phaneroga-
men zählt, 507 endemische Formen enthalte: von den übri-
gen sind 193 Arten mit dem nächsten Kontinent, dem neu-
holländischen gemeinsam (also nur 30 der nicht endemischen
daselbst nicht gefunden) ; aus Südamerika sind bei wenig-
stens vierfach grösserem Abstände nur 89 in Neuseeland vor-
kommende Arten bekannt, europäische bei vielleicht achtfach
grösserer Entfernung 60 (p. XXX): wollte man hiebei noch
die ubiquitären Pflanzen in Abzug bringen , so würden die
Unterschiede dieser drei Werthe noch viel ansehnlicher aus-
fallen. Wollte man gegen diese Argumentation einwenden,
dass auch Landverbindungen zwischen näheren Küsten leich-
ter möglich waren, als zwischen entfernteren, so ist zu er-
innern, dass weder das Niveau des Meeresbodens noch die
kontinentalen Gliederungen des Erdkörpers dem Gesetze der
Symmetrie unterworfen sind , dass hingegen die Schwierig-
keit des Transports der Fortpflanzungsorgane in geradem Ver-
hältnisse mit der Entfernung wächst. In anderen Fällen ist
zugleich die Richtung der Meeresströmungen in Betracht zu
ziehen, wie H. selbst in seiner Arbeit über die Gallopagos
gezeigt hat.
Fortgesetzte üebersicht der Gattungen in H.'s neuseeländischer
Flora (siehe vor. Bericht nr. ISO): 39 Orchideen (Earina 2, Den-
drobium , Bolbophyllum , Sarcochilus , Prasophyllurn 4, Spiranthes,
Ortlioceras, ThelymitraS, Microtis, Acianthus , Cyrtostylis 3, Ade-
nochilus (s.u.), Caladenia 3, Pteroslylis 8 , Nematoceras (s. u.) 5,
Gastrodia); 2 Irideen (Libertia) ; 1 tlypoxis ; 2Sinilaceen (Rhi-
pogonum, Callixene) ; 14Liliaceen (Arthropodium 2, Chryso-
bactron , Dianella, Phormium , Cordyline 3, Herpolirion (s. u. ) ,
Astelia 5); 1 Palme (Areca); 10 Junceen (Juncus 8, Luzula 2);
6 Kestiaceen (Leptocarpus, Calorophus 3, Gaimardia, Alepyrum);
66 Gyperaceen (Cyperus, Scirpus 3, Eleocharis 2, Isolepis 4, Des-
362 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
moschoenus (s. u.), Fimbristytis, Carpha, Chaetospora 7, Oreobolus,
Cladium 3, Yincentia, Lampocarya 4, Gahnia 2, Lepidospernia 3, Ca-
rex 22, Uncinia 11); 53 Gramineen (Ehrharta, Microlaena , Di-
plax 2, Alopecurus, Paspalum 2, Isachne, Oplismenus, Spinifex, Ari-
stida , Dichelachne 3, Apera, Sporobolus, Agrostis 5, Echinopogon,
Deyeuxia 3, Arundo, Hierochloe 2, Deschampsia, Trisetum, Dantho-
nia 6, Glyceria, Koeleria, Poa 4 , Catabrosa, Festuca 4, Schedonorus,
ßromus, Triticum 2, Gymnostichum, Zoysia).
Der eigenthümliche Vegetationscharakter Neuseelands
beruht nach Hooker's Darstellung auf folgenden Momen-
ten: der Wald ist überreich an Kryptogamen , die Phanero-
gamen desselben tragen häufig kleine , grüne Blüthen ; das
offene Land ist durch Gesträuche und Farne bezeichnet, es
fehlen die einjährigen Gewächse und die Leguminosen, die
Gräser sind Schwach vertreten. Wenige Formen sind phy-
siognomisch ausgezeichnet, in den nördlichen Gegenden nur
die Farnbäume und die Cordyline-Arlen ; die Coniferen haben
nicht das gewöhnliche Ansehen dieser Familie, die meisten
wachsen nicht gesellig und geben daher der Landschaft keinen
Charakter; die zahlreichen Holzgewächse entwickeln eine ein-
förmige Laubmasse, fast ohne individuelle Gestaltung. Zu den
hervorstechenden Formen gehören unter den Coniferen Da-
crydium cupressinum mit blassgrüner ßlatlfülle, Knightia vom
hohen Wüchse einer Pappel , an sumpfigen Flussufern die
Gruppen von Podocarpus dacrydioides , Dammara auf den
Berghöhen; unter den übrigen Holzgewächsen Pomaderris und
Leptospermum, welche die offenen Berggehänge bekleiden.
Von grösseren, über 20' hohen Holzgewächsen besitzt
Neuseeland 113 Arten, ausserdem 156 niedrigere Sträucher:
die relative Anzahl der Stauden und Glumaceen ist daher
gering. Das Verhältniss der Arten zu den Gattungen ist
etwa 2,5 : 1 und auf jede natürliche Familie von Phanero-
gamen kommen durchschnittlich nur 8 Arten. Mehr als 200
Phanerogamen haben unvollständige, oft unisexuelle Blüthen.
Bemerkenswerth ist auch die beträchtliche Anzahl der Gat-
tungen von schwierig zu deutender Verwandtschaft. Eine
interessante Uebersicht giebt H. von denjenigen neuseeländi-
schen Gewächsen, die zwar endemisch sind, aber durch
ähnliche, vikariirende Formen in Australien oder in Südame-
rika verlretefi werden (p. XXXI V ii. f.).
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 30 3
Ralph schrieb eine Vegetationsskizze über die Umge-
gend der neuseeländischen Stadt Wellington ^^^^).
SulJivant beschrieb neue Moose von den Inseln der
Südsee 1^'^) : 23 Arten ; Ruprecht beschäftigte sich mit den
Alffen aus dem nördlichen Theile des stillen Meeres ^^0-
Die im vorigen Berichte (nr. 182) erwähnte Miltheilung
Seemann's über die Nutzpflanzen der Sandwich-Inseln er-
schien in einer deutschen Bearbeitung i^^).
Literarische Nachweisungen.
1) L. Rudolph, die Pflanzendecke der Erde. Berlin 1853.
416 S. 8. Dazu Atlas der Pflanzengeographie. Das. 10 Karten fol.
2) H. Hoffmann, Pflanzenverbreitung und Pflanzenwande-
rung. Darmstadt 1853. 144 S. 8.
3) A. Godron, considerations sur les migrations des vegetaux.
Montpellier 1853. 26 pag. 4.
4) J. Lange, nogle Exempler paa Planters Acclimatisation.
9 pag. 8.
5) Marcel de Serres, memoire sur la distribution primitive
des vegetaux et des animaux ä la surface du globe (Mem. de la soc.
du Museum de Strasbourg. T. IV. 1853. 38 pag. 4.).
6) T hur mann, de la marche ä suivre dans l'etude de la espe-
ces vegetales, relativement aux roches sousjacentes (Actes de la soc.
helvet. Session de 1853. ä Porrentruy. 23 pag. 8.).
7) Contejean, remarques sur la dispersion des plantes va-
sculaires relativement aux roches soujacentes, dans les environs de
Montbeliard (das. 15 pag. 8.).
8) Der nördliche Ural und das Küstengebirge Pai-choi, unter-
sucht von einer in den Jahren 1847, 1848 und 1850 durch die K.
geogr. Gesellschaft ausgerüstete Expedition. Bd. I. Petersburg 1853.
LXXVI u. 307 pag. 4.
9) Fleischer, Flora von Esth-, Liev- und Kurland. Zweite
Auflage, von A. Bunge. Mitau 1853. 292 S. 8.
10) V. Trautvetter, über die Polygonaceen des Kiew'schen
Gouvernements (Bullet, de l'acad. de St. Petersbourg. Cl. phys. math.
T. 11. p.378-384).
11) Svensk och Norsk Excursions-FIora, af C J. Hartmann.
Andre Upplagan med Tillägg af C. Hartmann. Stockholm 1853.
191 S. 12.
364 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
12) C. Hartmann, AntecUningar vid de skandinaviska Väx-
terna i Linne's Herbarium (Kongl. Vetensk. Ak. Handlingar för 1851,
Stockholm 1853. p. 211— 426).
13) L. M. LarssoD, plantarum vasculariura in Vermlandia fer-
rimontana sponle crescentium Synopsis. Carlstad 1852. 35 pag. 8.
14) W. A. Wall, Westmanlands Flora. Stockholm 1852.
142 pag. 8.
15) C. A. Westerlund, Novitier och nya Växtlokaler för
Kalmarfloren (Bot. Notis. f. 1853. p. 165—170).
16) Thedenius, skandinaviska Florans Novitier (Bot. Notis.
f. 1853. p. 24, 43, 66, 176).
17) P. J. Be urlin g, Caricum Scandinaviae conspectus (das.
p. 33—38) ; Conspectus Cyperacearum Scandinaviae (das. p. 52—54),
Luzularum (p. 54), Thalictri (p. 55) ; Synopsis specierum scand. Po-
tamogeton. (p. 88—90).
18) Ol. Hammar praes. , Monographia Orthotrichorum, Ulota-
rum Sueciae. P. 1. 2. 3. Lund. 1852. 30 pag. 8.
19) Nylander, observationes adhuc nonnullae ad Synopsin
Lichenum Holmensium (Bot. Notis. f. 1853. p, 92— 99); animadversio-
nes circa Lichenes quosdam scandinavicos (das. p. 179 — 184).
20) Unger, Reisebilder aus Norwegen (Verh. des zool.-bot.
Vereins in Wien. Bd. 3. S. 71—73).
21) J. H. Müller, Breviarium plantarum ducatus slesvicensis
austro-occidentalis (Regensb. Fl. f. 1853. S. 473-480. 489—503).
22) J. Sowerby, English Botany. 3. Edition. Vol. 6. Lon-
don 1853. 8.
23) G. Johnston, the Botany of the Easteru Borders. Lon-
don 1853. 8. Neue Bearbeitung von des Verf. früherer Flora of
Berw^ick-upon-Tweed.
24) P. H. Macgil li vray, a calalogue of the flowering plants
and ferns growing in theneighbourhood of Aberdeen. Aberdeen 1853.
52 pag. 12.
25) Babington, remarks upon British plants (Ann. nat.
bist. IL 11. p.265. 360. 427): über ihalictrum , Polygala, Androsae-
mum, Agrimonia, Matricaria, Myosotis, Thymus.
26) T. Moore, the handbook of British Ferns. 2. Edition.
London 1853.
27) D. Bad harn, the esculent funguses of England. London
1853. 8. mit 20 Taf.
28) W. Smith, a Synopsis of the British Diatomacea. Vol. 1.
London 1953. 8. 124 pag. und 13 Taf.
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 365
29) Balfour, remarks on the Flora ofireland (Meeting of the
British association in 1853. at Belfast).
30) A. Croall, jollings on the mounlains of Clova (Hook.
Journ. of Bot. 5. p. 337. 389).
31) Kops, Flora batava. Deel 11. Amsterdam 1853: dieses
Werk enthält 880 Tafeln in 4.
32) E. Mathieu, Flore, generale de la Belgique. Bruxelles
1853. 2 Vol. 8.
33) Reich enbach, Icones Florae germanicae. Vol. 15. Dec.
13 — 16 und Vol. 16. Dec. 1.2: den Schluss der Cynareen und Corym-
biferen enthaltend.
34) Sturm, Deutschlands Flora. Abth. III. Heft 33. 34. Pilze,
fortgesetzt von F. v. Strauss.
35) Schenk, Flora v. Deutschland. Bd. 13. — Flora v. Thü-
ringen. Hft. 125-132.
36) Kittel, Taschenbuch der Flora Deutschlands. 3te Auflage.
Nürnberg 1853. 1345 S. 8.
37) K. Müller, Deutschlands Moose. Lief. 1—4. Halle 1853.
384 S. 8. mit Holzschnitten.
38) Wimmer, wildwachsende Bastardpflanzen, hauptsächlich
in Schlesien beobachtet (^Denkschrift der schles. Gesellsch. Breslau
1853. S. 143 — 182); desselben neue oder seltenere Pflanzenformen aus
Schlesien (Jahresber. der schles. Gesellsch. f. 1853. S. 172—173).
39) Milde, kritische Uebersicht der schlesischen Gefäss-Kry-
ptogamen (Schles. Denkschrift a. a. 0. S. 180 — 204); desselben Ex-
kursionen in Schlesien (Schles. Jahresber. a. a. 0. S. 164—168); und
die Flora von Reinerz in der Grafschaft Glatz (Bot. Zeit. 11. S.889
— 893): topographische Skizze.
40) K ö r b e r , Sertum sudeticum continens novas Lichenum
species (Schles. Denkschrift a. a. 0, S. 231— 238 mit einer Taf.).
41) H. Schreiber, Flora der Umgegend von Grabow und
Ludwigslust (Mecklenb. Archiv für Freunde der INaturgeseh. Hft. 7.
S. 200—254).
42) Brock müller, Nachtrag zur Flora der Haideebene (das.
S. 255—249).
43) Wüstnei, Pflanzen auf den Salzwiesen bei Suiten (das.
S. 270).
44) Ascherson, nachträgliche Bemerkungen zur Flora von
Magdeburg (Haller Zeitschr. f. Naturwiss. Bd. 2. S. 227—229).
45) G. Bö ekel, Aufzählung aller im Oldenburgischen wild
wachsenden kryptogamischen Gei'ässpflanzen. Oldenburg 1853. 36S. 8.
46) A. Karsch, Phanerogamen-Flora der Provinz Westphalen,
Münster 1853. 842 S. 8.
366 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
47) Wirtgen, Beiträge zur Kenntniss der Rheinflora (Ver-
handl. des naturhist. Vereins der prcuss. Rheinlande. Jahrg. 10.
S. 112. 416).
48) F. Schultz, einige Zusätze zu meiner Flora der Pfalz
(Regensb. Fl. 1853. S. 553—557).
49) H. Hoffmann, Skizzen aus dem Schwarzwalde (Bot.
Zeit. 11. S. 145. 169).
50) K r e s s , Verzeichniss der selteneren Phanerogamen des
Steigerwaldes (Bericht des naturf. Vereins zu Bamberg. Band 1.
S. 54 u. f.).
51) Funk, Skizze einer Flora von Bamberg (das. Bd. 2. S. 36
—62): 1040 Gefässpflanzen.
52) W. Wolfner, Beiträge zur Flora Böhmens (Zeitschr. Lo-
tos f. 1853. S. 47. 48).
53) M. Winkler, zur Pflanzengeographie des nördlichen Böh-
mens (Oesterr. bot. Wochenbl. 3. S. 235. 242. 249) : Aufzählung der
Rarioren, nach Standorten geordnet.
54) A. E. Vogl, Wanderungen durch das Töplitzer Thal nächst
Weisskirchen in Mähren (das. S. 147. 155. 161).
55) J. Bayer, über die Flora von Tscheitsch (Verb. d. zool.-
bot. Vereins in Wien. Bd. 2. S. 20-24).
56) Pokorny, Nachträge zur Flora von Iglau (das. S. 105);
Laubmoose von Iglau (das. Bd. 3. S. 45) ; Beiträge zur Flora des böh-
misch-mährischen Gebirges (das. S. 187).
57) Tkany, über die Flora von Brunn (das. S. 174 — 177).
58) Piuskal, Phanerogamen -Flora der Gegend von Lomnitz
(das. 24 S.).
59) K. J.Kreutzer, Taschenbuch der Flora Wiens. Wien 1853.
60) Neilreich, Verzeichniss niederösterreichischer, bei Wien
fehlender Pflanzen (Verh. des zool.-botan. Vereins. Bd. 2. S. 57— 65);
das Marchfeld (das. Bd. 3. S. 395- 400).
61) Pokorny, über die Verbreitung der Lebermoose von Un-
ter-Oesterreich (Math, naturw. Sitzungsberichte der Wiener Akad.
Bd. 9. S. 186—200); ebenso der Laubmoose im folg. Jahre (das. Bd. 12.
16 S.); die Kryptogamenflora der Türkenschanze (Verh. des zool.-bot.
Vereins. Bd. 2. S. 35-39).
62) Zelenka, Pflanzen aus der Umgegend des Stifts Zwetl
(das. S. 101— 103).
63) Kern er, Vegetationsverhältnisse des Erlaf-Thals (das. Bd. 3.
S.27— 3i).
64) Simony, Fragmente zur Pflanzengeographie des öster-
reichischen Alpengebiets (das. S. 303—320).
nad systematischen Botanik während des Jahres 1853. 367
65) Rauscher, Beiträge zur Flora von Ober-Oesterreich und
Salzburg (Oesterr. bot. Wochenbl. 3. S. 185. 193. 201. 209).
66) V. Heufler, ölittheilungen über Pflanzen von Tirol (Yerh,
des zool._bot. Vereins. Bd. 2. S. 85— 88).
67) Spiecker, Beitrag zur Flora der Alpen (Haller Zeitschr.
für Naturw. Bd. 2. S. 373—380) : Bericht über Excursionen, besonders
am Schlehern.
68) F. Ambrosi, Flora von Südtirol (Oesterr. bot. Wochenbl.
13d. 3. S. 265 u. f.): Verzeichniss sämmtlicher Phanerogamen von Süd-
tirol, nebst Angabe der Fundorte bei den selteneren Arten, vorzüg-
lich nach Facchini's Herbarium bearbeitet.
69) Graf, Beiträge zur Flora des Lavantthals (Jahrb. des Lan-
desmuseums von Kärnthen. Jahrg. 2. S. 21— 29).
70) Josch, die Flora von Kärnthen (das. S. 53-96).
71) F., die Flora des Reichenstein bei Eisenerz (Oesterr. bot.
Wochenbl. Bd. 3. S. 212— 215).
72) P o k 0 r n y , zur Flora subterranea der Karsthöhlen (Verh. des
zool.-bot. Vereins. Bd. 3. S. 114): später mir in einem ausführliche-
ren Separatabdrucke mitgetheilt.
73) Fleischmann, F'lora an der Eisenbahn von Laibach bis
l'illy (das. S. 287-^298).
74) Schramm, botanische Erinnerungen aus der Gegend von
Triest (Oesterr. bot. Wochenbl. Bd. 3. S. 65. 74. 82. 89. 97).
75) C. T. Sachse, Beobachtungen über die Witlerungs- und
Vegetationsverhältnisse des Dresdener Eibthals. Dresden 1853. 24 S. 8.
(Sep. -Abdruck aus den Jahresberichten der Dresdener Gesellsch. für
Katur- und Heilkunde).
76) H. Hof mann, Vegetationszeiten im J. 1852 und 1853
(Grossh. Hess, landwirthschaftl. Zeitschr. von 1853 u. 1854).
77) Itzigsohn, übgr die Laubmoose der erratischen Blöcke
(Bot. Zeit. 11. S. 601—604).
78) Grzegorcek, Flora von Tarnow (Oesterr. bot. Wochenbl.
Bd. 3. S. 121. 129. 137. 145. 153).
79) Herb ich, stirpes rariores ßucovinae. Stanislawow 1853.
65 S. 8.
80) J. Heu ff eil, sertum plantarum novarum (Regensb. Fl. 1853.
S. 617-627).
81) F.Schur, Sertum FloraeTranssylvaniae. Hermannsladt 1853.
p. 1 — 16. (Separatabdruck aus den Verh. des siebenb. Vereins für Ka-
turw.): systematisches Wamenverze'chniss der Thalamifloren ; dazu Er-
läuterungen u. d. Tit. : Beiträge zur Kenntniss der Flora von Sieben-
bürgen, das. p. 1 — 24, (ebendaraus) : kritische Bemerkungen zu den
Ranunculaceen enthaltend.
368 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
82) C. J. Andrae, Beiträge zur Kenntniss der Flora des süd-
lichen Hanats, der Banaler Mililairgrenze und Siebenbürgens (Bot.
Zeit. II. S. 409. 435. 456. 471): kritische Aufzählung der von dem
Verf. gesammelten Pflanzen, bis jetzt 261 Arten, von den Ranuncula-
ceen zu den Saxifrageen reichend, später forlgesetzt.
83) V. Heufler, eine Probe der kryptogamischen Flora des
Arpaschthales in den siebenbürgisehen Karpaten. Wien 1853. fol.
84) Kotschy, Beiträge zur Kenntniss des Alpenlandes in Sie-
benbürgen (Verh. des zool.-bot. Vereins in Wien. Bd. 3. S. 57— 69.
131-140. 271—276).
85) H a s s 1 i n s k y , Beiträge zur Flora der Karpaten (das.
Bd. 2. 8S.).
86) Grzegorcek, botanischer Ausflug in das Tatra-Gebirge
(Oesterr. bot. Wochenbl. Bd. 3. S. 257. 268. 276. 285).
87) F. A. Dietl, ein Ausflug auf den Thebner Kobel bei Press-
burg (das. S. 410).
88) Farkas-Vukotinovic, Beiträge zur Flora Croatiens
(Verh. des zool.-bot. Vereins. Bd. 3. S. 131 — 133).
89) Kalchbrenner, der Berg Drevenyk und dessen Flora
(das. S. 134).
90) F. V. Tschudi, das Thierleben der Alpenweit. Leipzig 1853,
560 S. 8.).
91) C. Frölich, Alpenpflanzen der Schv^eiz. Lief. 1 Teufen
1853. 4. : 6 Tafeln.
92) Le Call, Flore du Morbihan. Vaunes 1852. 864 pag. 12.
93) Flore du departement du Rhone (Annales de la soc. Lin-
neenne de Lyon. T. 2. p. 80— 128. Lyon 1853).
94) Godron, Florula juvenalis. Monspelii, 1853. 48 pag. 4.
(Sep. -Abdruck aus den Mem. de l'acad. de Montpellier).
95) Grenier, de l'hybridite et de^ quelques hybrides en par-
ticulier (Ann. sc. nat. IIL 19. p. l4l — 157): enthält die Beschreibung
einiger natürlicher Bastarde, namentlich von Narcissus pseudonarcis-
sus und N. poeticus , von Serapias longipetala und S. lingua; auch
erklärt G. Saxifraga patens für S. caesio-aizoides.
96) Huet du Pavillon, description de quelques plantes
nouvelles des Pyrenees. Geneve 1853. 8 pag. 8. : abgedruckt in den
Ann. sc. nat. IIL 19. p. 251 u. f.
97) F. Schultz, kritische Bemerkungen zu seinen Centurien
(Archives de la Flore de France et d'Allemagne, p. 207 — 258: vergl.
vor. Ber. nr. 93).
98) T imbal-Lagra V c, etudes sur la Flore d'Aquitaine (Mem.
de la soc. de Toulouse 1853. 8 pag. und Congres scientifique, seance
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 369
de 1852. 4 pag.) : kritische Bemerkungen über Viola und Genista te-
tragona Vill.
99) Nylandcr, Collectanea lichenologica inGallia meridionali
et Pyrenaeis (Bot. Notis. 1853. p. 151—165): enthält Diagnosen von
20 neuen Arten.
100; Desmazieres, 21. et 22 nolice sur les plantes crypto-
games recemmeut decouvertes en France (Annal. scienc. nat. III. 20.
p. 85-96 und 213-234): 14 Pilze.
101) Sir and: Champignons comestibles du departement de
l'Ain. Bourg-en-Bresse 1852. 40 pag. 8.
102) P. W. Webb, Otia hispanica. Paris. 1853. 30 pag. 4.
und 46 Tafeln.
103) M. Willkomm, Icones et descriptiones plantarum prae-
cipue Hispaniae. T. 1. Fase. 2— 4, von je 8 Tafeln. Lips. 1853. 4.
104) Botanische Erinnerungen an Galicien, nach dem Spanischen
des Colmeiro (bot. Zeit. 11. S. 529— 541).
105) Berkeley, an enumeration of the Fungi collected in
Portugal by Welwitsch. London 1853. 12 pag. 8. al. tit. some notes
upon the Cryptogamic portion of the plants, collected by W. : die
Diagnosen der neuen Arten sind abgedruckt in der Bot. Zeit. 12.
S. yj— 98.
106) Bertoloni, Flora italica. Vol. 8. Fase. 5 Vol. 9. Fase. 1.
Bologna 1853: Synanthereen enthaltend.
107) L. Rota, Prospetto della Flora della provincia di Ber-
gamo. Uergamo 1853. lOi pag. 8.
108) J. C. G. Delicata, Flora melitensis. Melitae 1853.
Dies ist nach der Ankündigung eine vermehrte Ausgabe der frühe-
ren Schrift des Verf.: Plantae Melitae lectae. Stockholm 1849.
24 pag. 8.
109) Petter, Uebersicht in Bezug auf die botanische Erfor-
schung Daimatiens (Verh. des zool.-bot. Vereins. Bd. 3. S. 18 — 23)
und Exkursion auf den Berg Jelenagora im Kreise Ragusa (Oesterr.
bot. Wochenbl. Bd. 3. S. 169. 178).
HO) Edel, Bemerkungen über die Vegetation der Moldau
(Verh. des zool.-bot. Vereins a. a. ü. S. 27j.
111) Jaubert et Spach, Illustrationes plantarum orientalium.
Vol. V. Livr. 41. Paris. 1853.
112) Boissier, diagnoses plantarum orientalium. nr. 12. Neo-
comi 1853. 120 pag. 8.
113) S. S tschegl eew, note sur quelques nouvelles plantes
du Caucase (Bullet, de la Soc. des naturalistes de Äloscou. A. 18j3. 2.
p. 3i0-330. mit 2Taf.;.
Archiv, f. Naturgesch, XXI. Jahrg. 2. Bd. Y
370 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
114) Florula hongkongensis, by J. G. Champion, the deter-
minations revised and the new species described byBentham (Hook.
Journ. of Bot. 5. p. 52~5S. 129—137. 193—200. — 6. p. 1—9. 72-78.
112-117).
115) Thomson, sketch of the climate and Vegetation of the
Himalaya. (Sep.-Abdr. aus den Proceedings of the Philosoph. Soc. of
Glasgow 1851.) 12 pag. 8.
116) INuttall, descriptions of and observations on some spe-
cies of Rhododendron collected in Assam and Uootan by T. J. Booth
(Hook. Journ. of Bot. 5. p. 353— 367).
117) Madden, on the occurrence of Palms and Bambus, with
Pines and other forms considered Northern, at considerabie elevations
in the Himalaya (Ann. nat. bist. II. U. p. 345— 355).
118) Wight, Icones plantarum Indiae orientalis. Vol. 5. P. 2r
Madras 1852. tab. 1763— 1920.
119) C. Müller, Musci Keilgherrenses (Bot. Zeit. 11. S. 17.
33. 57. — 12. S. 556. 569).
120) Sir W. Hooker, the fixed vegetable oils of Southern
India (Hook. Journ. of Bot. 5. p. 109—115).
121) J. Pietner, Laodicea Seychellarum auf den Inseln ihrer
Heimath (Verb, des Vereins zur Beförderung des Gartenbaus in Preus-
sen. 1853. S. 400-403).
122) Kreyenberg, extrait des lettres adressees ä Mr. de Fi-
scher (Bullet, de Moscou 1853. 1. p. 438— 442).
123) J. Vaughan, notes upon the drugs observed at Aden
(übersetzt in der Bonplandia 1. p. 70 — 73. 78—80. 90 — 92 aus dem
Pharmaceutical Journal; im Auszuge in Hook. Journ. 5. p. 124—127.)
124) Figari e de Notaris, nuovi materiali per l'olgologia
del Mar rosso (Mem. de Torino II. 13. 1851. 39 pag. mit 1 Taf. 4).
125) E. Cosson, rapport sur un voyage bolanique en Algerie
(Ann. sc. nat. III. 19. p. 83— l40j; Verzeichniss der gesammelten Pflan-
zen, bearbeitet in Verbindung mit Durieu (das. IV. 1. p. 61 — 82).
126) Kylander, Lichenes algerienses novi (Ann. sc. nat. III.
20. p. 315-320).
127) Tb. Moore, List ofMr Plant's Natal Ferns (Hook. Journ.
of Bot. 5. p. 225-229).
128) M'Laren, remarks on ihe distribution of plants in Ma-
deira (Meet. of the Bot. Soc. of Edingburgh in Ann. nat. bist. II. 11.
p. 74-75).
129) C. Bolle, on his Journey to Fuerteventura and Lance-
rotte (Hook. Journ. of Bot. 5. p. 20—24).
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 371
130) Harvey, Nereis boreali-americana. Part. 2. Rhodosper-
meae. Washington 1853. 258 pag. 4. mit Taf. 13— 30. (Smithsonian
Contributions Vol. V).
131) D. üurkey, Massachusetts Algae. Boston 1851. 4.
132) Berkeley and Curtis, centuries of North American
Fungi (Ann. nat. hist. II. 12. p. 417 — 435). Yergl. Ravenel, fungi
«aroliniani exsiceati. Fase. 1. 2. Charleston 1852 u. f.
133) J. L. Riddell, catalogus Florae Ludovicianae. New-Or-
leans 1852. 22 pag. 8.
134) Darlington, Flora cestrica. 3. edition. Philadelphia 1853.
90 und 498 pag. 12.
135) Alph. Wood, a class-book of Botany. 17. edition. Bo-
ston 1851. 645 pag. 8.
136) Sir W. Hook er, catalogue of Mr. Geyer's Collection
of plants galhered in the Upper Missouri, the Oregon Territory and
the Rocky Mountains (Hook. Journ. of Bot. 5. p. 257—265).
137j Torrey, plantae Fremontianae, or descriptions of plants
collected by Fremont in California. Washington. Taf. 1 — 10. 4. (Smith-
sonian Contributions).
138) A. Gray, plantae Wrightianae. P. 2. 119pag. und Taf.
11 — 14. Washington 1853. 4. (Smithsonian Contributionsj : Ranuncu-
laceen — Synanlhereen, mit Ausschluss der von Engelmann zu
bearbeitenden Cacteen.
139) A. Gray, brief charact*rs of some new genera and spe-
cies of Kyctagineae, principally collected in Texas and New-Mexico,
and on tlie discovery of two species of Trichomanes in Alabama
(Anieric. Journ. ol sc. 1853. 8.: extrahirt in der Bot. Zeit. 12.
S. 98— 104).
140) L. Sitgreaves, report of an expedition down the Zuni
and Colorado Rivers. Washington l8j3. 190 pag. u. u. A. mit 20
■Pflanzenlaleln. 8. (Congress Reports). Darin botany by Torrey
p 155—178.
141) C. B. Heller, Reisen in Mexiko in den J. 1845-1848.
Leipzig 1853. 8.
142) B. Seemann, INarrative of the Voyage of H. M. S. He-
rald , beeing a circumnavigalion of the globe. 2 Vol. London 1853.
3^2 u. 30^ pag. 8. Die deutsche Ausgabe führt den Titel: Reise um
die Welt. Hannover 1853.
I43j Seemann, the Botany of the Voyage of H. M. S. He-
rald. Part. 3. London 1853. P. 4. 5. 6. 1854. p. 81-253. Taf. 21—60. 4.
372 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
144) Duchassaing et Walpers, plantae novae in isthmo
Panamensi et in insulis Guadeloupe et S. Thomae. Decas III. (Re-
gensb. Fl. 1853. S. 226— 233).
145) Dozy et Molkenboer, prodromus Florae bryologicae
surinamensis (Natuurk. Verhandelingen van de Hollandsche Maatsch.
d. Wetenschapen te Haarlem. II. 10. 1854. 54 pag.
146) Berkeley and Curtis, exotie fungi from the Schwei-
nitzian Herbarium, principally from Surinam (Journ. of Acad. of nat.
sc. N. Series. Vol. 2).
147) d. Martins, Flora brasiliensis. Fase. XII. Urticineae,
exposuit Miquel. 222 pag. mit 46 Taf. f.
148) Bentham, on some new Genera and Species of Brazilian
Rubiaceae (Hook. Journ. of Bot 5. p. 229—236).
149) A. R. Wallace, palm - trees of the Amazon and their
uses. London 1853, 129 pag. mit 48 Tafeln. 8. Die Zeichnungen
sind an Ort und Stelle entworfen und von Fitch ausgeführt.
150. Zuchold über Allemao's neue Pflanzen aus Brasilien
(Bot. Zeit. 12. S. 435— 439 und 451-460): Abhandlungen aus den
J. 1844 bis 1848.
151) Bentham, on the Botanical Labours of the Vellosian
Society of Rio de Janeiro (s. 1851) (Hook. Journ. 5. p. 265— 270).
152) Spruce, Journal of a Voyage up the Amazon and Rio
Negro (Hook. Journ. of Bot. 5. p. 187. 207).
153) Spruce, edible Fruits of the Rio Negro (das. p. 183 — 187).
154) Burmeister, Reise nach Brasilien. Berlin 1853. 608 S. 8.
152) Plane hon et Linden, praeludia Florae columbianae,
on materiaux pour servir ä la partie botanique du voyage de J. Lin-
den (Bulletins de l'acad. de Bruxelles. A. 1853. T. 20. P. 1. p. 186;
auch Ann. sc. nat. III. 19. p. 74—82).
156) Weddell, Voyage dans le nord de la Bolivie. Paris 1853.
571 pag. 8.
157) Bunbury, on the Vegetation of Buenos Ayres and the
neighbouring districts (Proceed. of Linn. Soc. 1853. May: Ann. nat.
bist. 11.12. p. 462—471).
' 158) V. Bibra, Beiträge zur Katurgeschichte von Chile. Da-
rin botanis€hfe Notizen (Wiener Denkschriften. Math, naturw. Kl. Bd.
y.2'.f.il3-l!20).
159) Dumont d'Urville, Voyage au Pole Sud et dans l'Ocea-
nie. Botanique T. 2. Planles vasculaires, par Decaisne. Paris 1853.
96 pag. 8.
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 373
160) F. Müller, the Flora of South Australia (Proceed. Linn.
Sog. 1852. Dec. in Hook Journ. of Bot. 5. p. 65— 7J) und desselben,
the Vegetation of the districts surrounding Lake Torrens (daselbst
p. 105-109).
161) J. Drummond, on the Botany of the North Western
district of Western Australia (Hook. Journ. of Bot. 5. p. 115. 139. 177.
312. 344 SPS).
162) Turczaninow, Papilionaceae Podalyrieae et Loteae au-
stralicae hucusque non descriptae (Bullet. Mose. 1853. 2. p. 249 — 288).
163) J. D. Hooker, on a new Genus and some new Species
of Tasmanian plants (Hook. Journ. of Bot. 5. p. 296—300.)
164) J. ü. Hooker, the Botany of the Antaretic Voyage. II.
Flora of New - Zealand. Part. 1. Flowering plants. 312 pag. 4. mit
70 Taf. London 1853. Vorausgeschickt ist: Introductory Essay to the
Flora of New-Zealand. eod. XXXIX pag. 4.
165) T. S. Ralph, sketch of the Vegetation around Welling-
ton (Proceed. Linn. Soc. June, 1853: in Ann, nat. bist. II. 12.
p. 474-476).
166) Sullivant, Notices on some new Species of Mosses
from the Pacific Islands, in the Collection of the United States Ex-
ploring Expedition (Proceed. of the Americ. Acad. of Arts. Vol. III.
Cambridge 1853).
167) Ruprecht, neue oder unvollständig bekannte Pflanzen
aus dem nördlichen Theile des stillen Oceans (Mem. de l'acad. de St.
Fetersb. T. 7. Petersb. 1852. 26 pag. mit 8 Taf. 4.).
168) Seemann, die Flora von Oahu (Bonplandia l.S. 30-32).
B. Systematik.
B. Clarke hat seine Ansichten über natürliche Ver-
wandlschaft, die er auf zum Theil hypolhesische Stellungsver-
häKiiisse der Organe gründet, niitgetheiit und in Versuchen,
ein eigenes PttanzensysteJm aufzustellen, schemalisch ausge-
führt (Ann. nat. hist. 11. 11. p. 81. 189. 444. ~ 12. p. 11). —
Jordan wendete die ihm eigenfhümlichen Meinungen über
den Speciesbegriff auf die Klassifikation der Ohslbäurne an
(de Porigine des diverses varietes ou especes d'arbres frui-
tiers in den Mem. de l'acad. de Lyon. Nouv. Ser. T. 2.
p. 65— 161): seine Ansichten, die ihn schon so vielfach zu
unhaltbaren Neuerungen in der Systematik der europäischen
Gewächse verleitet haben, würden, auf das ganze Pflanzen-,
reich angewendet, schon an der Unausführbarkeit der Me-
thode scheitern.
Von V. S c h 1 e c h t e n d a Ps Kupferwerk über ausge-
wählte Pflanzen des Haller Gartens erschienen drei Hefte,
von je 4 Tafeln (Hortus halensis. Fase. 1—3. 24 pag. 4.).
Dikotyledonen.
Der von Brongniart der Pariser Akademie erstattete
Bericht über Pa-yer's Untersuchungen der Anthogenese be-
sonders dikolyledonischer Familien (Comples rendus 37.
p. 970—983; vergl. auch das. p. 944 u. 988) ist zwar mor-
phologischen Inhalts, enthält jedoch auch für die Systematik
anregende Gesichtspunkte. Der Kelch wird dadurch von der
Korolle schärfer Ußlergchieden^ dass seine Blattelemente^ selbst
Grisebacb: Bericht üb. d. Leist. in d. geographischen etc. 375
wenn sie in der Knospe valvirl stehen, sich successiv ent-
wickeln, während die Fetalen stets gleichzeitig- entstehen und
in gleicher Dimension zuerst auftreten: nur wenn die Corolle
aus zwei VVirteln zusammengesetzt ist, wie bei den Berbe-
rideen, .Menispermeen und Papaveraceen, entstehen die Wir-
te! successiv, aber doch die Elemente jedes einzelnen gleich-
zeitig. Fast die einzige, Payer bekannt gewordene Aus-
nahme von diesem Gesetze findet sich bei den Ternstroemia-
ceen, wo die Corolle, gleich dem Kelche, sich successiv ent-
wickelt, also keinen wahren Wirtel bildet (vergl. auch die
Balsamineen). — Sekundäre Verwachsungen (im Gegensatze
zu den gewöhnlichen Symphysen) komnien an den Blülhen-
organen nur äusserst selten vor: dahin gehören die Verei-
nigungen der Carinalblätler bei den Papilionaceen, der An-
theren bei den Balsamineen, der Narben bei den Asclepia-
deen , also Fälle, wo der untere Theil der Blattorgane frei
bleibt. — Die Staminalwirtel entwickeln in den meisten Fäl-
len ihre demselben Wirtel angehörigen Elemente, wie die
Corolle, gleichzeitig. Wo zwei Wirtel vorhanden sind, ist
der der Corolle opponirte stets als der äussere zu betrach-
ten, indem er aus den Bildungspunkten der Fetalen selbst
entspringt und von Payer als ein Anhang derselben (dedou-
blement) aufgefasst wird: aber demungeachtet erscheint die-
ser äussere Kreis später , als der innere (mit Ausnahme von
Tradescantia p. 945). Zwei selbständige Staminalwirtel nimmt
P. nur in seltenen Fällen an, namentlich bei den Berberideen
und Menispermeen. Die Stamina indefinita werden von ihm
in vielen Fällen nicht als eine Vermehrung der Wirtelzahl,
sondern nach Duchartre's Vorgange als Folge der Thei-
lung von Blattelementen aufgefasst (Etamines composes): so
ausser bei den Malvaceen auch bei den Dilleniaceen, Hype-
ricineen, einem Theil der Myriaceen, bei Mesembrianlhemum.
Wenn hingegen , wie bei den Ranunculaceen und Magnolia-
ceen (auch bei Calycanthus) die zahlreichen Slaminen selb-
ständigen Blättern entsprechen, stehen sie nicht in der Wir-
telstellung, sondern entwickeln sich successiv, wie in Spira-
len geordnete Blätter. Bei den Papaveraceen endlich nimmt
P. mehrere selbständige Staminalwirtel an (s. u.). — P.'s
376 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Untersuchungen über die Bildunirsg'eschichte des Pistills füh-
ren zu keinen neuen Ansichten von alloremeinerer Bedeutung":
die Thatsachen, die sich auf einzelne Familien beziehen, wer-
den, wie früher, bei diesen angeführt werden.
Ranunculaceen. Rossmann publicirte eine Schrift über
die Systematik von Ranunculus, sect. Batrachium (Beiträge zur Kennt-
niss der Wasserhahnenfüsse. Giessen 1854. 62 S. 4). — A. Braun
setzte die Gruppe von Helleborus orientalis auseinander, unter wel-
cher Bezeichnung nämlich nach ihm eine Reihe von Arten verw^ech-
selt worden ist (Append. ad Ind. sem. ht. Berol. 1853. nr. 60—65).
— Schott beschäftigte sich mit der Unterscheidung der Aquilegien
(Verh. des zool..bot. Vereins in Wien Bd. 3. S. 125—130).
Myristiceen. Bentham schrieb eine kleine Monographie
der ameriltanischen Myristica-Arten, deren Zahl er von 4 auf 13 er-
höhte (Hook. Journ. of Bot. 5. p. 1 — 7): die Zahl der Staminen
schwankt nur zwischen 3 und 8 und giebt Artkennzeichen; die er-
sten Verzweigungen des Baumes stehen nach Spruce fast immer in
fünfgliedrigen Wirtel, die späteren unregelmässig alternirend.
Nymphaeaceen. Von Plane hon wurde der Prodromus
einer Monographie dieser Gruppe bearbeitet, welcher das Gepräge
systematischen Talents trägt CAnn. sc. nat. III. 19. p. 17— 63). Die
Cabombeen betrachtet P. (gleich den Nelumboneen) als besondere Fa-
milie, indem er das Ovarium der Kymphaeaceen als ein synkarpes
betrachtet und die erstere Gruppe durch Apokarpie und durch die
beschränkte Zahl der Eier unterscheidet. Uebersicht der Kymphaea-
ceen nach P. :
Trib. 1. ISymphaeeae. Sepula 4. Semina arillata. — Folia sti-
pulata. Pedunculi extraaxillares, canalibus aeriferis paucis latisque.
Subtrib. 1. Euryaleae. Torus verticillos florales 3 exteriores
gcrens supra ovarium (inde vulgo inferum) productus.
I. Viclorin. Stam. extima et intima sterilia, connectivo ferti-
lium apice producto. — Folia supra inermia. Flores versicolores,
anthesi nocturna. P. unterscheidet drei Arten, die jedoch ohne Zwei-
fel zusammenfallen (V. regia aus Guiana, Matte Grosso und wahr-
scheiniich auch die bolivische Form , charakterisirt durch höchstens
4'" lange Stacheln auf dem Ovarium; V. amazonica = Euryale Foepp.
vom Amazonas, mit 6 — 7'" langen Stacheln; V. Cruziana Orb. aus
Paraguay und Corrientes mit globosen Samen).
II. Euryale. Stam. omnia fertilia, antheris muticis. — Folia
ulrinque aculeata. Elores violacei, anthesi malulina. Von E. ferox
unterscheidet P. die in der europäischen Kultur befindliche Form,
jedoch ohne sichere Charaktere, als E. indica.
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 377
Suhtrib. Q. Eunymphaeeac. Torus ovarium plus minus vestiens,
in basi eius calyce et corolla, inde ad apicem slaminibus obsessus
(ovarium quoad calycem vulgo superum). — Herbae inermes.
III. Nymphaea. P. reduclrt die Arten auf 31 , die folgender-
massen disponirt werden.
§ 1. Lotus. Sepala nervosa. Stamina exteriora a corolla di-
stantia, anlheris exappendiculatis. — Folia peltata , mucronato -den-
tata, subtus reticulato - vcnosa , stipulis minutis dislinctis ; flores albi
V. purpurascenles, anthesi nocturna. (N. Lotus, thermalis, pubescens,
rubra, acutiloba.)
§ 2. Cyanea. Antherae processu connectivi appendiculalae.
Processus stigmatici plus minus breves. — Folia cordato -peltata,
plus minus sinuata , stipulis minutis distinclis; flores coerulei , rosei,
V. albi, anthesi diurna. (N. versicolor, gigantea , scutifolia, Bernie-
riana P. : aus Madagaskar, emirnensis P. : ebendaher, madagascarien-
sis, stellata, guineensis, Heudelotii P. : aus Senegambien, abbreviata P. :
ebendaher, coerulea, ampla, pulchella, elegans, gracilis.)
§ 3. Hydrocallis. Antherae extimae appendiculalae , intimae
submuticae, omnium loculis connectivo angustioribus. Processus stig-
matici longe cylindraceo-clavati. — Folia cordata, anguste peltata,
subintegra v. sinuata, stipulis in unam longeque concretis ; flores
albi. (N. blanda, amazonum , Goudotiana P. : aus Neu-Granada, la-
siophylla, Gardneriana P. : aus Piauhy, oxypetala P. : aus Guayaquil,
Jamesoniana P. : ebendaher.
§4. Castalia. Antherae muticae v. vix mucronulatae , loculis
connectivo saepe latioribus. — Folia cordata, angustissime peltata,
integra , stipulis in unam longeque adnatam concretis ; flores albi,
anthesi diurna.
a. Eucastalia. Filamenta interiora aequalia. Pollen echinatum.
Processus stigmati breviter cylindracei. (N. odorata, alba, cache-
miriana.)
b. Chamaenymphaea. Filamenta interiora medio dilatata. Pol-
len obsolete granulosum. Processus stigmatici ovato-oblongi, anthe-
riformes. (N. pygmaea.)
Trib. 2. Barclayeae. Sepala 5, infera. Torus ultra ovarium in
annulum petala et stamina gercntum produclus. Semina exarillata.
IV. Barclaya (1 Art). Hooker's Ansicht, dass der Kelch die-
ser Gattung vielleicht als ein Involucrum zu deuten sei (s. vor. Der.),
wird von P. verworfen.
Trib. 3. Nupkareae. Sepala 5 (—6). Petala squamiformia,
dorso melliflua. Ovarium a toro liberum. Semina exarillata. — Fo-
lia exstipulata: flores flavi, anthesi diurna.
Y. Kuphar. a. Sepala 5. (N. pumilum , luteum, japonicum).
378 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
b. Sep. 6. (N. sagittifolium , advena). Ledebour's N. intermedium
sei wahrscheinlich eine Form von N. luteum.
Fast gleichzeitig mit Planchon hat Lehmann eine mono-
graphische Arbeit über die Gattung Nymphaea geliefert (Ueber die
Gattung ISymphaea. Hamburg 1853. Sep.-Abdr. aus Otto's Hambur-
ger Blumenzeitung) : die Artenzahl , bei deren Unterscheidung L. die
grosse Variabilität der Charaktere weniger beachtet zu haben scheint,
beträgt, obwohl ihm weit minder umfassende Materialien zu Gebote
standen, bei ihm 64, also mehr als das Doppelte, wie bei Plan-
chon, mehrere seiner neu aufgestellten Formen wurden bereits von
Letzterem reducirt. Die Disposition der Arten ist bei L. folgende:
Secl. 1. Appendiculatae. Stamina appendiculata: a. Leucanthos.
* Folia integerrima, nervis tenuibus (Sp. 1—9. K. pulchella etc.).
*• Folia dentata, subtus nervosa (Sp. 10—14. N. ampla etc.). — b.
Rhodanthos (Sp. 16-18. ISeue, mit N. versicolor zu vergleichende
Formen). — c. Bulbophyllon : foliis inier lobos bulbilliferis (Sp. 19—21.
N. guineensis). — d. Cyananthos. * Stam. omnia appendiculata (Sp.
22—27. N. stellata etc.). ** Stam. exteriora appendiculata (Sp.28 —
30. N. coerulea etc.).
Sect. 2. Inappendiculatae. Stamina submutica. a. Lotos: foliis
peltatis, venis subtus prominentibus. • Folia acute dentata (Sp. 31 —
36. N. Lotus etc.). ** Folia obtuse deutata (Sp. 37— 39. Bei Fl.
Formen von N. ampla). — b. Chamaelotos: foliis subpeltatis , venis
tenuibus (Sp. 40— 50. N. amazonum etc.). — c. Castalia: foliis cor-
datis, subintcgerrimis (Sp. 51 — 64. N. alba etc.).
Die veränderlichen Formen der deutschen Nymphaea alba suchte
Schuchardt wiederum als 5 Arten zu unterscheiden (Bot. Zeit. 11.
S. 497 -510).
Papaveraceen. Payer untersuchte die Blüthenentwicke-
lung der Papaveraceen und Furaariaceen (Comptes rendus , 37. p. 7l5
— 7l9). Seine Ergebnisse weichen mehrfach von herrschenden An-
sichten über beide Pflanzengruppen ab.
1. Bei den apetalen Gattungen Bocconia und Macleya fand P.
keine Spur einer abortiven Korolle : aber in weit höherem Grade
weicht nach ihm Bocconia frutescens von dem Typus der Familie ab,
indem das anatrope, aufrechte Ei auf der Spitze einer centralen Pla-
centa steht (l'extremite de Taxe floral se transforme en un ovule
central, son raphe et son micropyle etant alternes avec les deux
stigmates) ; bei Macleya dagegen finden sich die gewöhnlichen Pa-
rietal-Placenten.
2. Im Staminalwirtel beruhen die Zahlenverhältnisse theils
auf Theilung der Blattelemente (dedoublement = et. composes s. o.),
theils auf Vervielfältigung der YVirtel : Verwachsungen kommen da-
gegen auch bei den Fuaiarieeßj ausser bei Hypecoum, nicht vor, Die
und gystematischen Botanik während des Jähret 1853. 379
einzelnen Fälle bei den Papaveraeeen ergeben sich aus folgenden
Formeln :
Bocconia. 2 + 2* . 2 (d. h. zwei zweigliedrige Wirtel, von de«
nen die Elemente des inneren sich einmal theilen = 6 St.)
Macleya. 24-2*.2-f-2-f2*.2... (der Typns von Boc-
conia wiederholt sich viermal = 24 St.).
Chelidonium und Eschscholtzia. 2* . 2 + 2 . . . . (Ob bei Papa,
ver derselbe Typus herrscht, gelang P. nicht zu entscheiden).
Platystemon. 2* . 3 + 3 . . . .
Bei den Fumariaceen kommen nach P. stets nur 2 mit dem
Kelche alternirende Staminalelemente mit einer dreitheiligen Lamina
vor, von denen das mittlere Segment die zweifächerige, die Seiten-
segmente die einfächerigen Anlheren tragen: Hypecoum unterscheidet
sich von den übrigen nur dadurch, dass die Seitensegmente sich tief
ablösen und nun an den dem Kelche opponirten Punkte paarweise
zusammentreten (chaque petite etamine uniloculaire d'un bourrelet se
separe de l'etamine biloculaire congenere pour se reunir ä la petite
etamine uniloculaire contigue de l'autre bourrelet).
3. Bei den Fumarieen stehen die beiden ersten Petalen late-
ral: die Stellung des Sporns an der hinteren Seite der Blüthe ist
Folge einer Vierteldrehung des Blüthenstiels. Diese Drehung findet
nur bei der ceutripetalen InQorescenz statt: in der Cyma von Dicly-
tra tritt sie nicht ein und daher bilden sich hier zwei laterale
Sporne.
Cruciferen. Caspary hat eine gründliche Arbeit über die
in Deutschland vorkommenden Gattungen dieser Familie begonnen
(Ns. Genera plant. Germ. Fase. 27). — Neue Gattungen: Dryopetalon
As. Gr. (pl. Wright. 2. p. 11. t. 11): Arabidee mit Eichenlaub- ähn-
lich gelappten Petalen aus Neu -Mexiko; Dilophia Thoms. (Hook.
Journ. of Bot. 5. p. 19): eine Halophyte aus dem Hochlande des west-
lichen Tibet, nach der Beschreibung eine Spirolobee mit einer Sili-
cula oblique circumscissa ; Cossotiia Dur. (Ann. sc. nat. III. 20. p. 82) :
Raphanee von den Plateaus des westlichen Algerien , mit korkartig
angeschwollenen Fruchtgliedern.
Resedaceen. Buchenau beschäftigte sich mit der Entwicke-
lungsgeschichte von Reseda (Bot. Zeit. 1 1. S. 361. 377. 595. Taf. VIII):
seine Arbeit enthält viel descriptives Detail und sie widerlegt
Schleiden's Ansicht von der axilen Placentation in dieser Familie.
Die Eier sind nach B. hemilrop; sie bilden sich an den Blattsuturen
parietal : allein bei Astrocarpus, wo ihre Anzahl auf 1 bis 2 reducirt
ist, stehen diese neben der Mittellinie des apokarpen Karpells (S. 380).
Interessant ist auch die Beobachtung, dass die Karpelle von Astro-
carpus an der inneren Seite eine Strecke weit offen stehen (Fig. 58>j
380 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
wodurch die Verwandtschaft mit dem frühzeitig Ulaffenden , parakar-
pen Ovarium von Reseda ausgedrückt erscheint.
Capparideen. Neue Gattung: Forckhammeria Liebnl. (Nov.
plant, mexic. generum decas nr. 3) : Capparee aus Mexiko (Sama mex.).
Violaceen. Die von den Myrsineen ausgeschlossene und von
A. De Candolle als eigener Typus (Prodr. 8. p. 668) aufgefasste
Gattung Leonia R. P. und Mart. wurde von ßentham als Violacee
anerkannt, indem er die Nebenblätter auffand (Hook. Journ. of Bot. 5.
p. 215): ebenda nimmt B. seine Gattung Periclistia zurück, welche
zu Paypayrola gehört. — Seemann's Gattung Edmonstonia (Kl. pa-
nam. p.98. t. 18) fällt mit Tetraphylacium Poepp. zusammen (das.
p. 249).
Pyroleen. Neue Gattung: Sarcodes Torr. (pl.Fremont. t.lO):
Parasit vom Sacramento, zwischen Hypopitys und Schweinitzia ge-
stellt, mit einem grossen Foramen in den Antherenfächern. Galax ist
nach T.'s Ansicht keine Pyrolee.
Sarraceniaceen. Neue Gattung: Darlingtonia Torr. (On a
new pilcherplant, s. Sillim. Journ. II. 16): aus Californien.
Tremandreen. Steetz gab eine ausführliche Schrift über
diese kleine Gruppe heraus (die Familie der Tremandreen und ihre
Verwandtschaft zu der Familie der Lasiopetaleen. Hamburg 1853.
ms. 8.). Polemisch gegen Payer auftretrend (vergl. Jahresber.
f. 1851. S. 88) , bestätigt St. die Bemerkung As. Gray's (vor. Ber.),
dass, wie R. Brown richtig angegeben, die Zahl der Eier zwischen
1 und 3 schwankt : nach ihm haben nämlich Piatytheca und die mei-
sten Arten von Tetratheca Loculi lovulati, Tremandra und die übrigen
Tetrathecen Ovula 2 superposita; 3 Eier , von denen die beiden obe-
ren kollateral stehen, kommen als Lusus vor. St. zeigt sodann, dass
P a y e r's Tremandra ein Synonym von Piatytheca ist, indem P.
Brown's Tremandra nicht gekannt zu haben scheint. — Aus dem
auf ein sehr vollständiges Material gegründeten Familiencharakter,
welchen St. entworfen hat (S. 26— 28), ergeben sich einige Emenda-
tionen, die aus den diagnostischen Gattungscharakteren erhellen:
1. Tetratheca. Petala induplicatione stamina geminatim segregata in-
cludentia; stamina uniserialia , antheris 2-41ocularibus , loculis bise-
riatim dispositis; ovarium loculis l-3ovulatis ; chalaza caruncula fun-
gosa, cochleato-contorta V. strophioliformi aucta; folia alterna v. ver-
ticillata. — 2. Piatytheca. Pet. stamina non includentia ; st. biseriata,
antheris 41ocularibus, loculis uniseriatim dispositis; ovarium loculis
uniovulatis ; chalaza nuda ; — folia verticillata. — 3. Tremandra. Pe-
tala Tetrathecae ; st. uniserialia, filamentis cum anthera articulatis, an-
theris bilocularibus ; ovarium loculis biovulatis, ovulis in carunculam
uncinatam productis; — folia opposita, pube stellata. — Mit weniger
glücklichem Blick, als die Charakteristik der Familie, hat St. die
und systematischen Botanik während 'des Jahres 1853. 381
Verwandtschaften derselben behandelt: indessen braucht hier auf
die Argumente nicht näher eingegangen zu werden , welche sei-
ner Idee, die Trcmandreen in die Kähe der Lasiopetaleen zu stellen,
entgegenzusetzen sind, da die Schrift selbst die wichtigsten Beweis-
gründe gegen die Meinung ihres Verf. enthält. — Beschreibungen zu
den bisher bekannten und einigen neuen Tremandreen hat Schu-
chardt geliefert, dem fast das nämliche Material, wie Steetz, zu
Gebote stand (Synopsis Tremandrearum. Diss. inaug. Goetling. 1853.
49 pag. 8.). Bei Seh. zählt Tetratheca 22 , Platylheca 2 und Treman-
dra ebenfalls 2 Arten. Irrthümlich ist in dem Familiencharakter von
Stipulen die Rede , die bekanntlich den Tremandreen fehlen : Seh.
scheint unter dieser Bezeichnung die Brakteen verstanden zu haben.
Euphorbiaceen. Neue Gattungen : Stipellaria Benlh. Champ.
(Hook. Journ. of Bot. 6. p. 2) : Acalypheen aus Ostindien und Süd-
china, ausser den basilaren Stipulien mit zwei Stipellen an der Spitze
des Blattstiels, verwandt mit Alchornea (Syn. Rottlerae sp. ap. Wall.
Cat. nr. 7825, 7829; — Cum. coli. nr. 1800 , 2307); Cyclosligma Kl.
(Seem. Fl. panam. p. 104) = Croton abutiloides , hibiscifolius, xala-
pensis, draco etc. : ^ loco petalorum glandulae stipitatae etc. ; //i/e-
ronima Allem. (Diss., abgedr. in Bot. Zeit. 12. p. 456.): brasiliani-
scher Baum, zu den Fhyllantheen zu stellen; ^unbekannt; Q 4, 0, 2 ,
calyx cupuliformis, obsolete dentatus ; Stylus bicruris, cruribus bifidis;
drupa minuta.
Portulaceen. v. Schlechten dal schrieb Bemerkungen
über Portulaca (Bot. Zeit. 11. S. 633. 649. 665. 686. 737j. Er schlägt
folgende Eintheilung dieser Gattung vor: 1. Axillarum barba extus
haud conspicua. A. Planifoliae. a. Capsula sub calyce circiimscisso
haud marginata (F. oleracea); b. Caps. — marginata (F. lanceolata
Engelm.). B. Teretifoliae. — 2. Barba axillaris longa. A. Flanifo-
liae (F. rostellata). B. Teretifoliae. a. Farviflorae (F. foliosa) ; b.
grandiflorae (F Thelussoni). — Neue Gattung : Spraguea Torr. (pl.
Fremont. t. 1) : aus der Sierra Nevada in Californien rn 2, 4, 3, 3 ;
St. petalis opposita; Stylus trifidus, ovulis 8—10 basilaribus ; caps.
bivalvis.
Chenopodeen. Neue Gattung : Acantkochilon lorr. (Sitgrea-
ves expedition p. 170} : eine anomale Gattung aus Texas und Neu-
Mexiko, von Agriophyllum durch Dioecie und durch einen Utriculus
circumscissus abweichend, vielleicht, wie T. selbst angiebt, richtiger
zu den Amarantaceen zu stellen, denen sie im Habitus nahe kommt
= ^ 5, 0, 5; ^ 2—1 — 0, 0, 0, 4-2; antherae oblongae, bilocula-
res; ovarium compressiusculum, slylis distinctis; utriculus circumscis-
sus, seniine verticali; — herba annua, foliis integris; glomerulis axil-
laribus, foemineis involucri basi reconditis, eius foliolis cordato - fal-
ciformibus spinescentibus.
382 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Nyctagineen. Neue Gattungen : Achisanthes As. Gr. (Nycta-
gineae texens., abgedr. in Bot. Zeit. 12. S. 98) = Kyctaginia oblusa
Chois. etc.; tenlacrophys As. Gr. (das. S. 99) : aus 'it^xas, diandrisch,
mit 5 stark entwickelten Fruchlrippen ; Selinojcarpus As. Gr. (das.):
mehrere Arten in Neu-Mexiko, mit 5 — 3 scariösen Fruchtflügeln; An-
dradea Allem, (diss. in Bot. Zeit. 12. S.436;: ein Baum in Brasilien.
Malvaccen. Giebel schrieb aphoristische Bemerkungen
über Pflanzen dieser Familie (Haller Zeitschr. f. INaturwissensch. 1.
S. 10. 267).
Bombaceen. Neue Gattung: Fremontia Torr. (pl. Fremont.
t. 2) : ein Strauch der californischen Sierra Nevada, verwandt mit Chei.-
rostemon und mit dieser anomalen Galtung in dem imbriUativen Kelch
und der Apetalie übereinstimmend, unterschieden durch Calyx 5parli-
tus, subpetaloideus persistens und St. 5 vix ad medium monadelpha,
filamentis edentatis, antheris suhanfructuosis.
Tiliaceen. Neme Gattungen: Dididocarpus As. Gr. (Cha-
racters of new genera of plants p. 3: in Proceed. of Americ. Ac. Uij :
Baum auf den Fidschi-Inseln, mit zweifächeriger, lokulicider Kapsel;
Kelleilia Seem. (Fl. panam. p. 85) , Strauch in Panama, verwandt mit
Sloanea : 3, 0, QO» 3; filamenta filiformia, antheris subrotundis ;
Frucht unbekannt.
II umir ia c een. ßenthani publicirte eine monographische
Bearbeitung dieser kleinen Gruppe (Notes on Humiriaceae in Hook.
Journ. of Bot. 5. p. 97 — 104). In Bezug auf die Stellung derselben
schliesst er sich dem Begründer der Faunlie, v. Martius, an, nach
welchem sie zunächst mit den Styraceen (^besonders mit Symplocos)
und nur in entfernterer Beziehung mit den Äieliaceen verwandt sind.
Uebersicht der Bestandtheile: Vantanea Aubl. iwozu Uelleria i\lart.
als Synonym gehört;: Slamina 75 — 150; cymae terminales, floribus
maiusculis ; 4 sp. (davon 2 in Guiana, 2 in Minas Geraesj. Huinirium :
St. 20 (5 maiora inlerdum triantherifera ; cymae laterales v. subtermi-
nales, floribus parvis : §1. St. uniantherifera. 9 Arten, von denen
mehrere 2 durch ein Septum getrennte Eier in jedem Fach des Ova-
rium (z. B. H. guianense und ttoribundumj, andere ein einzelnes Ei
besitzen (z. B. H. cuspidalum n. sp.) : 3 sp. in Guiana , 1 sp. in Ca-
yenne, die übrigen brasilianisch ; § 2. Stamina petalis alterna trian-
therifera; ovarii loc. uniovulati : 3 Arten, von denen 2 neue brasi-
lianisch, die dritte in Guiana einheimisch. Sacoglottis : St. 10 (in-
terieclis rarius filamentis nonnullis anantheris) ; cymae laterales, flo-
ribus parvis ; 2 sp., eine brasilianisch, die andere aus Guiana.
Ternstroemiaceen. Payer untersuchte die Blüthenent-
vvickelung von Visnea, Thea und Gordonia t^Comptes rendus, 37.
p. 66l_öö3j. Schon oben wurde angeführt, dass P. bier eine eigen,
thümliche Beziehung zwischen Kelch und Korolle beobachtete. Bei
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 383
Visnea entstehen zuerst 5 Staminen, die der KoroUe alterniren ; dann
folgen zweimal je fünf, die paarweise je einem Fetalum opponirt
stehen: die Anzahl der Staminen, die nach Hook er 20 beträgt, er-
schien daher in den von P. untersuchten ßlüthen auf 15 reducirt.
Bei Gordonia und Thea entwickeln sich die zahlreichen Staniinalele-
mente auf einer später vergrösserten Torusplalte centrifugal: da diese
Platte am Rande die Petala trägt, so entsteht daraus der Schein einer
Verwachsung zwischen den beiden mittleren Blüthenwirteln. Bei Gor-
donia stehen die 5 Karpophylle den Petalen opponirt; die Eier sind
anatrop.
Saliceen. Wichura wies durch künstliche Befruchtungen
den hybriden Ursprung von einer Keihe sogenannter Weiden-Species
nach, indem die durch Kunst erhaltene Form mit der entsprechenden
natürlichen übereinstimmte (Schles. Jahresb. f. 1853. S. 160— -164): na-
mentlich entstand Salix acuminata Kch. aus S. Caprea ^ und S. vi-
minalis ^. Auch gelangen Befruchtungen zwischen Bastardweiden
und selbständigen Arten, sowie zwischen jenen unter sich.
M a 1 p i g h i a c e e n. Neue Gattung : Lasiocarpus Liebm. (no v. gen.
niexic. Decas nr. 1): Apterygiee aus Mexiko.
Sapindaceen. Neue Gattungen : Stocksia Benth. (Hook.
Journ. of Bot. 5. p.304): Strauch in Beludschistan , dornig und fast
laublos, verwandt mit l'aullinia, aber eine üodonaeacee mit zwei Eiern
in jedem Fach und einfachen, linearen Blättern : 5,4,8,3; Aharadoa
Liebm. (nov. gen. mexic. Decas nr. 7), muthmassliches Glied dieser
Familie = Gen. Mimosearum? habitu Amorphae Benth. pl. Hartweg.
nr. 67; Kingsboroughia Liebm. (Bidr. til Meliosmeernes Familie) =
Millingtonia alba Schlechtend. ; Lorenzanea Liebm. (das.): ebenfalls
Meliosmee aus Mexiko
ßalsamineen. Payer's Untersuchungen über die Blüthen-
entwickelung von Impatiens (Comptes rendus 37. p. 458—459) be-
stätigen die morphologischen Ansichten Roeper's. Der Kelch ent-
wickelt sich in drei Phasen = 2 : 1 : 2 ; die beiden letzten Sepalen
sind die abortiven, das mittlere ist das obere, gespornte. Die Korolle
bietet ein zweites Beispiel von successiver Entwickelung: zuerst bil-
det sich das untere, grosse Petalum , welches zwischen den beiden
Abortiven Sepalen steht; dann folgen die vier übrigen Petalen gleich-
iseitig, von denen je zwei durch Symphyse späterhin vereinigt wer-
den. Die Staminen verbinden sich nicht durch Symphyse, sondern
durch sekundäre Verwachsung des oberen Theils, wie man auch da-
ran erkennt , dass die Mlamente frei bleiben. Die mit nach aussen
gewendeten Haphe anatropen Eier entwickeln sich an dem oberen
Theile der Placenta früher, als an dem unteren (also cenlrifugalj :
dass in einem fünffächerigen üvarium sich zahlreiche Eier an dem
384 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
inneren Winkel jedes Faches entwickeln, betrachtet P. als eine sel-
tene Anomalie.
Tropaeoleen. Payer's Beobachtungen an Tropaeolum sind
besonders wegen der Staminen merkwürdig (das. p. 455 — 458}. Das
gespornte Sepalum entspricht nicht, wie Endlicher angiebt, der
unteren, sondern ursprünglich der oberen Seite der Blüthe; die Pe-
tala entstehen gleichzeitig, bleiben aber, während die Staminen aus-
wachsen, in ihrer eigenen Entwickelung zurück. Von den Staminen
erscheinen zuerst drei, von denen zwei den seitlichen Sepalis oppo-
nirt sind, das dritte einem der beiden vorderen; dann folgt ein vier-
tes Stamen, dem anderen vorderen Sepalum opponirt, und diese vier
Staminen sind längere Zeit grösser, als die folgenden. Von diesen
letzteren, die sich successiv entwickeln, sind zwei den seitlichen Pe-
talen opponirt, die beiden anderen stehen zwischen dem oberen Se-
palen und den beiden oberen Petalen. P. lässt es unentschieden, ob
diese beiden oberen Staminen aus der Verdoppelung eines einzigen
hervorgehen, welches dem oberen Sepalum opponirt sein würde, oder
ob das diesem letzleren entsprechende fehlt und die beiden oberen
Staminen als durch eine Verschiebung von ihrer den oberen Petalis
opponirten Stellung herausgerückt zu betrachten sein, üas anatrope,
mit zwei Integumenten versehene Ei von Tropaeolum trägt die Raphe
an der inneren Seite, also entgegengesetzt, wie bei Impatiens.
Limnantheen. Payer untersuchte auch die Blüthenent-
wickelung von Limnanthes (Comptes rendus 37. p. 943). Der dem
Kelch opponirte Staminalwirtel entsteht früher, als derjenige, welcher
der Korolle gegenüber steht. Die fünf, Anfangs gesonderten Karpo-
phylle sind dem Kelche opponirt. Das aufrechte, anatrope Ei hat die
Raphe an der inneren Seite.
Lineen. üallus theilt die Beobachtung Münter's mit,
dass Linum ein aus meist vier Zellenlagen bestehendes Perisperm be-
sitzt (Regensb. Fl. 1853. S. 177-180).
Rutaceen. Planchon verbessert den Charakter von Erythro-
chilon, wo 1—3 Staminen in sterile Ligular-Gebilde sich anamorpho-
siren können (Ann. sc. nat. 111. 19. p. 75— 79). Eine neue Art aus
Neu-Granada (E. hypophyllanthus PI.) zeichnet sich dadurch aus,
dass die Cyma an der unteren Seite der Blaltlamina über der Mitte
desselben aus dem Medianus entspringt : die Verlheilung der Gefäss-
bündel scheint dafür zu sprechen, dass hier, ähnlich wie bei der
Linde, eine Verwachsung zwischen dem Blüthenstiel und einem Blatt-
organe stattfindet; der Blüthenstiel würde dieser Erklärung zufolge
als das Axillargebilde eines tiefer stehenden Blatts zu betrachten sein,
PI. reducirt Guindilia trinervis Gill. zu der Sapindacee Valenzuelia,
Boscia Thunb. zu Vepris, wozu nach ihm auch Toddalia lanceolata
Lam. gehört; von Zanthoxylon schliesst er aus Z. undulatum Wall. =
und systematischen Botanik wälirend des Jahres 1853. 385
Yepris, Z. Sumac Macfad. = üruneliia Fl., und die nicht apetalischen
Arten, welche er als Fagara zusammenfasst ; Lemonia Lindl. fällt
nach ihm mit Ravenia Vell. zusammen. — Keue Gattungen: Naudi-
nia PI. (das. p. 79^ : Diosmee aus Keu- Granada; Acradenia Kippist
(Proceed. Linn. Soc. 1Ö52. Jun. in Ann. nat. hist. 11. 12. p. 31;:
Diosmee aus Tasmania, nahe verwandt mit Zieria, durch eigenthüm-
liche Drüsen auf dem Üvarium ausgezeichnet; Felea As. Gr. i^Chara-
cters of new Genera p. 4) : Diosmeen der Sandwich-Inseln, verwandt
mit Melicope (Syn. Clusia sessilis Hook. Ann., von Forst.; 13runel-
lia sandvicensis Gaudich.J ; Ämaroria As. Gr. (^das. p. 5j : Simarubee
von den Fidschi -Inseln, verwandt mit Soulamea ; Brackenridyea As.
Gr. (das.) : Üchnacee ebendaher, verwandt mit Gomphia; eine zwei-
felhafte , zweite Art dieser Gattung ist Gomphia Hookeri PI. aus
Penang.
Sauraujeen. Neue Galtung: Draylonia As. Gr. (das. p. 3) :
Holzgevvächs der Fidschi-Inseln, von Saurauja durch einlachen Grif-
fel, dreifächriges , an der Basis angewachsenes üvarium und fehlen-
den Discus abweichend, von As. Gray als Ternstroemiacee be-
zeichnet.
Celastrineen. Neue Gattungen: Glossopclalon As. Gr. (pl.
Wright. 2. p. 29. t. 12. 13): Dornstrauch in JNeu-Mexiko, vom Habi-
tus der Adolphia infesta, vom Charakter der Familie abweichend durch
Dekandrie und einfache Karbe, mit zwei aufrechten, anatropen Eiern
in einem einlächerigen Ovarium, schwachem Albumen (a. scaniy), da-
her ein zweifelhaftes Glied der Celastrineen; Tricerma Liebm. (Nov.
gen. nr. 5.): aus Mexiko; Llavea Liebm. (das. nr. 4) : zweifelhafte
Celastrinen, von den Porphyrbergen bei Tehuacan.
Hippokrateaceen. Neue Gattung: A'o/ioonaThwaites (Hook.
Journ. of Bot. 5. p. 379. t. 5^ : hoher Baum in Ceylon, durch Pentan-
drie von den Hippokrateaceen abweichend.
Chail leti ac e en. Bentham erläuterte A üb 1 et's Gattung
Tapura durch eine monographische Bearbeitung (das. p. 289—293).
Urticeen. Neue Gattungen: Naucleopsis Miq. (Fl. bras. 12.
p. 120 u. 214. t. 35. flg. 1): ülmediee vom Amazonas, ein hoher Baum;
üoaresia Allemao (vergl. Hook. Journ. of Bot. 5. p. 270j : aus Bra-
silien , verwandt mit Pseudolmedia ; Cliaetoptelea Liebm. (Bidrag
til Meliosmeernes Fam. p. 10): Ulmacee aus Mexiko, verwandt mit
Planera.
Polygoneen. Payer untersuchte die Blülhenentwickelung
von Polygouum, Bheum, Bumex und Pterostegia (^Comles rendus 37.
p. 658— üüi). Das fünfblältrige Pcrigonium von Polygouum wird da-
durch auf den Typus von Bumex und Bheum zurückgeführt, dass in
Archiv f. Naluräcsch. XXI. Jahrg. 2. öd. 21
386 Grisebachj Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
diesen letzteren Gattungen nur eine seitliche BraUteole, dort hingegen
zwei vorhanden sind , als wäre eins von drei Kelchblättern in eine
Brakteole verwandelt; die drei inneren Perigonialblätter von Rheum
schienen gleichzeitig zu entstehen und würden daher, wenn sich diese
Beobachtung bestätigt, als Korolle zu betrachten sein. Die neun Sla-
minen von Rheuni bestehen aus zwei dreigliedrigen Wirtein, von de-
nen die drei Organe der äusseren Reihe sich durch Theilung verdop-
peln ; bei Rumex fehlt der innere der beiden Wirtel. Bei Polygonum
verdoppeln sich nur zwei Staminen des äusseren Wirteis und stehen
paarweise, wie bei Rumex, zwei Blättern des äusseren Perigonium
gegenüber, das fünfte alternirt mit dem Perigonium, ist aber in Wahr-
heit dem zur Brakteole gewordenen, dritten Blatte des äusseren Wir-
teis opponirt; sind mehr als fünf Staminen vorhanden, z. B. acht, so
entsprechen die drei inneren dem inneren Wirtel von Rheum und sind
dem inneren Perigonium opponirt.
Terebinthaceen. Neue Gattung: Oncocarpus As. Gr. (new
Genera p. 6) : dioecischer Baum der Fidschi -Inseln , mit einfachen
Blättern, vom Habitus der Gattung Semecarpus.
Rosaceen. K. Koch bearbeitete eine monographische Ue-
bersicht der in Berlin kultivirten Arten von Crataegus und Mespilus
(Berlin 1854. 94 S. 8.: Sep.-Abdr. aus den Verhandl. d. Gartenb.-
Vereins. Neue Reihe, Jahrg. 1); eine ähnliche Arbeit lieferte der-
selbe über die strauchartigen Spiraeen (Gartenflora S. 391 — 412). —
Neue Gattung: Emplectodadus Torr. (pl. Fremont. t. 5 , abgedr. in
Reg. Fl. 1853. S. 705): Strauch aus der Gruppe der Dryadecn, von
der Sierra Nevada in Californien, mit Stam. biseriat. und Ovar. 1—2.
Chrysobalaneen. Bentham transponirt von den zwei-
felhaften Rosaceen zu dieser Gruppe Lecostemon und beschreibt meh-
rere neue Arten der nur aus Mocino's und S esse's Abbildung be-
kannt gewesenen Gattung, deren Charakter er verbessert (Hook. Jouru.
of Bot. 5. p. 293— 296). — Neue Gattung: Coleogyne Torr. (pl. Fre-
mont. t. 4, abgedr. in Reg. Fl. 1853. S. 705): apetalischer Strauch
aus Californien.
Leguminosen. Treviranus untersuchte die Tuberculi der
Wurzeln (s. vor. Ber.) , die er für unausgebildete Knospen erklärt
(Bot. Zeit. 11. S. 393— 399): nach T. fehlen sie einigen Gattungen,
namentlich Astragalus , Genista, Scorpiurus. — Gasparini schrieb
eine Revisio der Gattung Trigonella (Rendiconto dell' Accad. borbon.
N. Ser. 1. p. 181— 187). — A. Braun versuchte durch eine neue
Charakteristik die Gattung Orobus gegen Vicia und Lathyrus schär-
fer zu begrenzen (Sem. ht. Berol. 1853. Appendix p. 12. 13). Indem
Orobus von Lathyrus durch die fehlende Drehung des Griffels und
durch die Carina non obliqua von Lathyrus geschieden wird, würde
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 307
nach Reichenbach's und Döll's Vorgang ein grosser Theil der
Lathyrus-Arten mit Orobus zu vereinigen sein (z. B. L. Clymenum,
articulatus, inconspicuus, pisiformis u. a.). Von Orobus, dessen Grif-
fel nur an der Innenseite behaart ist, trennt ß. ü. lathyroides (Vic.
unijuga Br.) der nebst V. dumetorum, oroboides und V. trijuga Br.
(Syn. 0. vernus var. flaccidus Ht. berol.) bei ihm die durch einen
Stylus modice complanatus charakterisirte und durch Foliola compli-
cativa (nee ut in Orobo convolutiva) mit Vicia übereinstimmende
Section Vicia sect. Oroboides bildet. — As. Gray vervollständigt den
Charakter von Chaetocalyx, einer Gattung, die wegen des Lomentum
von den Galegeen zu den Hedysaroen transponirt werden muss (PI.
W^right. 2. p. 45). Neue Gattungen: Boelia Wb. (Ot. hispan. t. 15. 16)
= Spartium monospermum und sphaerocarpum ; Nepa Wb. (das. t. 21
—28) = Ulex sect. Pseudogenista Coss.; Grammocarpus Gasparr.
(Rendic. a. a. 0. p. 182) = Trigonella sect. Grammocarpus Ser. ; Xi~
phoslylis Gasp. (das. p. 183) = Trigon. foenum graecum und gladiata;
Marina Liebm. ( Decas gen. mexic. nr. 8) : Galegee aus Mexiko;
Slracheya Benth. (Hook. Journ. of Bot. 5. p.306): Hedysaree mit ein-
gliederigem Ovarium aus Tibet, verwandt mit Eversmannia; Slrepto-
desmia As. Gr. (Characters of new genera p. 6) : Hedysaree von Rio
Negro in Patagonien; iWacrocyrntiMm Walp. (Regensb. Fl. 1853. S. 149)
= Erythrina Vogelii D. Hook. ; Ferreira Allemao (]nach Hook. Journ.
of Bot. 5. p.267): Sophoree aus Brasilien, verwandt mit Bowdichia.
Myrtaceen. Payer untersuchte die Blüthenentwicke-
lung von iMyrtus , Eucalyptus , Callistemon und Punica ( Comptes
rendus 37. p. 417- 419 und Annal. scienc. nat. III. 20. p. 97 ~ 105.
t. 9. 10). Bei Calistemon und Myrtus gehen die Staminen, ähnlich
wie bei den Malvaceen aus einer Theilung von fünf , den Sepa-
len alternirenden Organen (mamelons) hervor, aber die einzelnen
Theilstücke entwickeln sich nicht, wie bei den Malvaceen und ande-
ren Familien, centrifugal , sondern centripetal; die Fetalen sind in
jenen beiden Gattungen nichts anderes , wie die äussersten Segmente
des Staminal-Wirtels, dem sie daher opponirt stehen. Bei Eucalyptus
unterschied P. nur zweigliedrige Wirtel, zuerst 2 Sepala, dann 2 Pe-
tala, endlich 2 Staminalgruppen , deren Stellung ihm ungewiss blieb.
Punica scheint in der Entwickelung der beiden mittleren Blüthenwir-
tel von dem Typus der Myrtaceen abzuweichen: Payer beschreibt
eine selbständige Korolle und Gruppen von je 4 Staminen, die dem
Kelche gegenüberstehen (vis-ä-vis les sepales); das Ovarium besteht
aus zwei Karpellwirteln, von denen der äussere die INarben trägt und
sich horizontal umbiegt (ähnlich wie bei Mesembryanthemum) , wäh-
rend der innere Kreis die ursprüngliche Stellung beibehält. Die ana-
tropen , mit zwei Integumenten versehenen Eier, entwickeln sich in
absteigender Linie; sie stehen ursprünglich an der Axenseite. — Neue
388 Grisebach: Bericht üb. <1, Leistungen in d. geographischen
Gattungen: Lnma As. Gr. (Characters of new Genera p. 6) = Eu-
genia Luma , Tema et al. spec. chilens. ; Acicalyptus As. Gr. (New
Genera of the U. St. Explor. Exped. p. 9) : von den Fidschi- Inseln,
ausgezeichnet durch Calyx tetragonus, chiusus, opercularis und Pet. 4
sub anthesi deiecta.
Melastomaceen. Neue Gattungen : Aslronidium As. Gr.
(Charact. of new Genera p. 7): von den Fidschi-Inseln, neben Astro-
nia gestellt; Pleiochiton Waud. (das.): brasilianisch, wahrscheinlich
von den Orgelbergen , aus der Gruppe der involukrirten Gattungen,
mit fünfgliedrigen Wirtein.
Proteaceen. Schacht untersuchte die ßlüthenentwicke-
lung von Manglesia (Bot. Zeit. 11. S. 449. 465. t. 10) : das Pistill ist
monokarpisch ; zwei anatrope Eier mit doppeltem Integument sind
parietal befestigt.
Cucurbitaceen. Payer untersuchte die Blüthenentwicke-
lung von Ecbalium, Cucumis , Sycios und Cyclanthera (Comptes ren-
dus 37. p. 534 — 536). Es sind ursprünglich 5 der Korolle alterni-
rende Staminen vorhanden, von denen später je zwei paarweise an
einander rücken und dadurch einem Petalum opponirt werden: bei
Cyclanthera hingegen fand P. nur einen einzigen, centralen Wulst
(bourrelet circulaire), in welchem zwei, über einander gestellte An-
therenfächer enthalten sind. Die Scheidenwände des Ovarium zeigen
sich auch nach Massgabe der Enlwickelung als parietale Placenten ;
die anatropen Eier besitzen zwei Integumente. — Keue Gattung: Si-
cyosperma As. Gr. (pl. Wright 2. p. 62): aus Sonora: Ovar, unilocu-
lare, ovulo 1 pendulo, stigmate peltato trilobo; utriculus membrana-
ceus, semini conformis.
ßegoniareen. Payer untersuchte die Blüthenentwickelung
(Comptes rendus 37. p. 537). Die männliche ßlüthe besteht 1) aus
zwei gleichzeitig entstehenden Sepalen , die nach vorn und hinten
gerichtet sind; 2) aus zwei mit jenen alternirenden;Sepalen, die sich
weniger entwickeln; 3) aus dem centralen, etwas zusammengedrück-
ten Staminalwulst (mamelon central), aus dessen Oberfläche die Sta-
minen auf eigcnthümliche Art hervorbrechen, indem sich zuerst die
Braktealseite von unten nach oben (also centripetal) mit Staminen
bekleidet, dann die innere Seite von oben nach unten (also cen-
trifugal). Die Enlwickelung des Ovarium zeigt nach P. einige Ana-
logie mit dem der Cucurbitaceen : indessen findet er den Ursprung der
Placenten an dem inneren Winkel der Fächer.
Loaseen. Payer untersuchte die Blüthenentwickelung von
Mentzelia und Cajophora (Ann. sc. nat. III. 20. p. 107— 111. t. 12. 13):
diese beiden Galtungen sind ihm die Typen von zwei bedeutend von
einander abweichenden Tribus , wo nicht Familien; zu den Mentze-
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 389
lieen würde nach ihm Bartonia , zu den Cajophoreen Loasa gehören.
Bei Mentzelia entwickeln sich die Staminen centripetal in mehreren
fünfn^liedrigen Wirtein , von denen der äusscrste mit der Korolle al-
tcrnirt, die ührigen die Gliederzahl verdoppeln oder vervielfachen;
Bartonia unterscheidet sich nur dadurch, dass die 5 äusseren Stami-
nen sich in petalinische Bildungen verwandeln. Bei Cajophora hin-
gegen entstehen dem Kelche gegenüber fünf hufeisenförmige Stami-
nalwülste, aus denen sämmtliche Staminen und Staminodien hervor-
gehen. Die anatropen Eier der Loaseen haben nur ein einziges In-
tegument. Die Narben sind nach P. placentär. — Neue Galtung: 11-
lairea Lenne et C. Kch. (Verh. des preuss. Gartenbau-Vereins. N. R.
Bd. 1: abgedr. in Bot. Zeit. 12. S. 904): anscheinend aus Mexiko.
Passifloreen. Seemann vereinigt die Turneraceen mit
den Passifloreen (Fl. panam. p. 29) : hiernach ist die Blülhe der letz-
teren als vollständig zu betrachten, der äussere Wirte! als Kelch, der
zweite nebst der Corona als Korolle. Das verbindende Glied zwi-
schen beiden Gruppen ist die S. in Panama entdeckte neue Gattung
Erblichia (das. p. 130. t. 27), ein Baum mit folgendem Charakter:
5, 5, 5, 3 ; calyx coloratus, sepalis distinctis; pelala filamentis brevi-
bus coronata, contorta ; stamina hypogyna; Capsula; — folia simpli-
cia, stipulata.
Philadelpheen. Payer untersuchte die Blülhenentwicke-
lung von Philadelphus und Deutzia (Ann. sc. nat. III. 20. p. 105— 107).
Bei Philadelphus sind ursprünglich 4, mit der Korolle alternirende Sta-
minalblätter vorhanden, die sich durch Theilung vervielfältigen; bei
Deutzia sind die der Korolle alternirenden 5 Staminen früher vorhan-
den, als die 5 opponirten. Die anatropen Eier haben nach P. nur ein
Integument. — Neue Gattung: Carpenteria Torr. (pl. Fremont. t. 7,
abgedr. in Regensb. Fl. 1853. S. 706): Strauch in Californien, von Phi-
ladelphus durch 5 — 7gliedrige Wirte!, Calyx basi adhaerens und Pla-
centae subglobosac intra loculos proiectae, seminibus divergentibus
unterschieden, vielleicht den Saxifrageen näher stehend.
Legnotideen. Neue Gattung: Haplo})etato7i As. Gr. (Cha-
ractcrs of new genera p, 8) : Strauch der Fidschi-Inseln, charakteri-
sirt durch viergliedrige Wirtel, 16—20 Staminen und ganzrandige Pe-
talen. Unter den verwandten Gattungen erwähnt As. Gray For-
ster's CrossostyÜs, die, bisher unter den zweifelhaften Myrtaceen
aufgeführt, nach ihm eine entschiedene Legnotidee ist. — Demselben
Verwandtschaftskreise angehörig, jedoch vom Verf. zu den Saxifra-
geen gerechnet, erscheint nach Massgabe der Interpetiolarschuppen die
neue Gattung Sfiraeanlhcmum As. Gr. (das. S. 9) : Holzgewächse der
Navigator- und Fidschi-Inseln, apetalisch, mit 8 — 10 fast' hypogyni-
schen Staminen, 4—5 getrennten Karpidien, Folliltularfrüchten und
einem cylindrischen, axilen Embryo.
390 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Ilicineen. Neue Gattung: Slauranthus Liebm. (Decas gen,
mexic.) : aus Mexiko.
Umbellif er en. P a y e r untersuchte die Enlwickelungsge-
schichte dieser Familie bei Heracleum barbatum (Ann. sc. nat. III. 20.
p. 111— 118. t. 14. und Comptes rendus 37. p. 419— 422): in jedem
Karpell sind nach ihm ursprünglich zwei Eier vorhanden, von denen
das eine abortirende ascendirt; das hängende und fruchtbare Ei hat
nur ein einziges Integument und trägt die Raphe an der inneren, da-
her die Mikropyle an der äusseren Seite. — Wilms verglich die
Umbelliferen mit den Synanthereen (Verh. des naturh. Vereins der
preuss. Rheinl. Jahrg. 10. S. 376— 384j. — Treviranus beobachtete
an Duriaea ein kampylospermes Albumen, so dass diese Gattung mit
Unrecht von den Caucalineen abgesondert sei (Bot. Zeit. 11. S. 193 —
195): mehrere exotische Daucus -Arten scheinen ihm nur Formen der
Duriaea hispanica zu sein.
Araliaceen. Neue Gattungen: Reinoldsia As. Gr. (Charac-
ters etc. p. 10): Bäume der Sandwich- und Samoan- Inseln = — ,
8—10, 8—10, 8—18, Tetrapiasandra As. Gr. (das. p. 11): Baum der
Sandwich-Inseln =— , 7—8, 28—32, 7—10; Plerandra ks. Gr. (das.
p. 11) : Baum der Fidschi-Inseln = — , 4?, gO , 14-15.
Gunneraceen. D. Hook er erklärt seine Gattung Milliga-
nia (Hook. ic. t. 299) für identisch mit Gunnera und vergiebt seinen
Namen an eine andere , bei den Astelieen zu erwähnende Pflanze
(Hook. Journ. of Bot. 5. p. 297).
Hamamelideen. Gardner und Champion erläuterten
die Gattung Tetracrypta (Anisophyllea R. Br.), welche sie zu den
Hamamelideen zählen: indessen ist diese Verwandtschaft erst durch
den Bau des Samens, der noch unbekannt ist, zu bestätigen (Hook.
Journ. of Bot. 5. p. 378. t. 5. 6).
Asarineen. Payer untersuchte die Blüthenentwickelung
von Aristolochia Clematilis (Comptes rendus 37. p. 536) : das Ova-
rium ist ursprünglich einfächrig, die parietalen Placenten bilden des-
sen Scheidewände; die anatropen Eier besitzen zwei Integumente.
Cytineen. Gasparrini untersuchte die Bildungsgeschichte
des Embryo bei Cytinus (Rendiconto dell' Accad. borbon. di Napoli.
N. S. I. 1852. p. 188— 195 mit 1 Taf.). — De Vriese publicirtc eine
Abhandlung über Rafflesia, welche durch schöne Kupfer erläutert
ist (Memoire sur les Rafflesias Rochussenii et Patma. Leyden 1853.
fol. mit 2 Taf.).
0 1 a c i n e e n. Neue Gattung: Rhylidandra As. Gr. (Charac-
ters etc. p. 4) : Liane der Fidschi-Inseln, durch Theilung des Griffels
abweichend und, da die Frucht unbekannt ist, von zweifelhafter Ver-
wandtschaft: 6—7, 0—7, 6—7, ~; calyx limbo cupulari Iruncato,
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 391
margine dentioulato ; petala epigyna , linearia , valvata ; stamina fila-
mentis brevissimis intus barbatis, antheris linearibus 4locellatis, locellis
annulato-rugosis v. cameratis; discus epigynus scutelliformis; ova-
rium uniloculare, ovulo ex apice eius pendulo, stylo bifido, lobi8 2— 3-
dentatis ; — cymae pauciflorae, axillares.
Santalaceen. Irmisch beobachtete an Thesium montanum
Keimung und Parasitismus (Regensb. Fl. 1853. S. 522. Taf. 7. Fig. 1 — 6) :
die Frucht springt an ihrer Spitze bei der Keimung mit 3 bis 4 Klap-
pen auf. — Asa Gray beobachtete auch den Wurzelparasitismus von
Comandra: die Mutterpflanzen sind Vaccinium vacillans und Gaylussa-
cia resinosa (Sillim. Journ. II. 16. p. 250).
Loranthaceen. Von Treviranus erschien eine Abhand-
lung über den Bau und Enlwickelung der Eichen und Samen der Mi-
stel (Abb. der bayr. Ahad. Bd. 7. Abth. 1. S. 151-177. Taf. 2. 3).
Rubiaccen. Seemann verbesserte den Charakter von
Bentham's Pentagonia, die er von den Rondeletieen zu den Garde-
nieen transponirt (Fl. panam p. 134) : zwei von S. entdeckte Arten
haben fiederspaltige Blätter. — Nach B e n t h a m fällt Gomphosia
Wedd. mit Aspidanthera Benth. zusammen (Hook. Journ. of Bot. 5.
p,231); ferner reducirt ß. Coussarea Aubl. zu Faramea und erklärt
seine CofFea subsessilis für Ronabea Aubl., während die Ronabeen A.
Richar^d's mit terminaler Inflorescenz nach ihm zu Psychotria sect.
Eupsychotria gehören (das. p. 235). — Neue Gattungen: Sprucea
Benth. (Hook. Journ. ofBot. 5. p. 229) : Strauch vom Amazonas, zwei-
felhaft zu den Cinchoneen gestellt, aber die Frucht unbekannt; Eu-
kylista Benth. (das. p. 230) : Baum ebendaher, Cinchonee; Carhman-
nia Benth. (das. p. 307) : Hedyotidee in Sikkim und den Khasya-Ber-
gen , abnorm durch gesägte Blätter und Diandrie in einer vierglie-
drigen Korolle; Dirichletia Kl. (Berliner Monatsber. 1853. S. 494, ab-
gedruckt in Regensb. Fl. 1853. S. 715): Sträucher aus Mozambique,
aus der Gruppe der Psychotrieen; Warszewiczia Kl. (das. S. 716) =
Calycophyllum coccineum DG. etc.; FallasiaMX. (das. S. 717) = Ca-
lycoph. Stanleyanum Schomb. ; Pogonoptis Kl. (das. S. 718): baumar-
tige Gardeniee aus Venezuela; Rosea Kl. (das. S. 718) : Slräucher aus
Mozambique, ebenfalls Gardenieen.
Synanthereen. C. H. Schultz publicirte eine üebersicht
der Gattungen der Vernoniaceen (Regensb. Fl. 1853. S. 33) ; derselbe
theilte fernener seine Ansichten über die Eintheilung der Anthemi-
deen in der Tübinger Nalurforscherversammlung mit (Bericht in der
Regensb. M. 1854. S. 69). — Fenzl verfasste eine monographische
Arbeit über einheimische Arten von Leucanthemum und Pyrethrum
(Verb, des Wiener zool. - botan. Vereins, Bd. 3. S. 321 — 350). —
Schenck beschäftigte sich mit Cenia (Bot. Zeit. 11. S. 40). — Ir^
392 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
misch veröffentlichte morphologische Untersuchungen über Cirsium
arvense (Haller Zeitschr. für Nalurw. 1. S. 193— 199. Taf. 6. 7) und
über die Keimung von Tussilago (Reg. Fl. 1853. S. 521). — Neue
Gattungen: Erlangen C. II. Seh. (Reg. Fl. 1853. S. 34): Vernoniacee
aus Westafrika ; Heyfeldera C. II. Seh. (das. S. 36) : Vernoniacee aus
Mexiko = Linden coli. nr. 1144 u. 1147; Kastnera C. II. Seh. (das.
S. 37) : Vernoniacee aus Neu -Granada = Linden coli. nr. 1136; Tw-
herostylis Steetz (in Seem. Fl. panam. p. 142. t. 29) ; Eupatorinee aus
Darien; Atnphipappus Torr. Gr. (Torr. pl. Fremont. nr. 9) : Asteroidee
aus Californien , verwandt mit Ileterotheca; Pericome As. Gr. (pl.
Wright. 2. p. 81) : Asteroidee aus Neu-Mexiko, verwandt mit Perityle
und Laphamia; Parlhenice As. Gr. (das. p. 85): Melampodinee aus
Sonora, verwandt mit Parthenium und Euphrosyne; Psalkyrotes As. Gr.
(das. p. 100) = Bulbostylis sect. Psathyrotus Nutt. ; Cladopogon C. H.
Seh. (Ind. sem. Hamburg. 1852 , abgedr. in Ann. sc. nat. III. 19.
p. 359) : Senecionee, wahrscheinlich aus Mexiko, von Senecio durch
ästige Pappushaare, besonders an den Strahlachenien , unterschieden;
Calycoseris As. Gr. (pl. Wright. 2. p. 104. t. 14) : Cichoracee von El
Paso, neben Crepis und Malacothrix gestellt.
Valerianeen. Von Ir misch erschienen Beiträge zur Na-
turgeschichte der einheimischen Valerianen (Abb. der Haller natur-
forsch. Gesellsch. Bd. 1. Hft. 3. S. 19— 44, mit 4 Taf.).
Goodeniaceen. De Vriese's schon durch frühere Publi-
kationen vorbereitete Monographie dieser Familie ist jetzt vollständig
erschienen ( Natuurk. Verhandelingen v. d. Hollandsche Maatsch. d.
Wetensch. t. Haarlem. II. 10. 194 pag. 38 Taf.). Die Anzahl der Gat-
tungen steigt bei ihm auf 23, der Arten auf 187. Uebersicht der Gat-
tungen :
Trib. 1. Scaevoleae. — A. Frutices v. arboresccntes. 1, Tem«
minckia V. Nux costata. 8 sp. = Scaevolae sp. Gaudich. , Cham. etc.
2. Camphusia V. (p. 14) durch einzelne Blüthen und Pollen aculeo-
latum charakterisirt , von Oahu = Sc. glabra Hook. Arn. 3. Scae-
vola L. Drupa. 12 sp. 4. Crossotoma Don. Calycis limbus obsoletus.
PedicelU 1 flori, bibracteolati. Frutices spinescentes. 3 sp. — B. Her-
baceae. 5. Molhenboeria V. (p. 38). Flores axillares, longcbracteati
= Sc. sect. Pogonandra DC. 7 sp. 6 Merkusia V. Spica. 32 sp. =
Sc. sect. IL R. Br. 7. Aillya V. (p. 75) Infi, subumbellata = Sc.
umbellata. V. ol. in pl. Preiss. 8. Dampiera R. Br. 41 sp. 9. Lin-
schotenia V. (s. Jahresb. f. 1848. S. 93). 1 sp.
Trib. 2. Goodenieeae. 1. Goodenia Sm. 46 sp. 1. Ficrophyta
F. Müll. Corolla calcarata. 2 sp. 3. Selliera Cav. 3 sp. 4. Tetraphy-
lax Don. Ovarium 41oculare. 1 sp. 5. Slekhovia V. (p. 166). Corolla
unilabiata, labio stigmati bilobo contrario. 2 sp. = Good. sect. Mono«
und systematischen Botanik während des Jahres 1853.
393
chila Don. 6. Euthalcs R. Br. 3 sp. 7. Velleia Sm. 9 sp 8. Diaspa-
ßis R. Br. l sp. 9. Distylis Gaud. 1 sp. 10. Calogyne R. Br. 1 sp.
11. Leschenaultia R. Br. 12 sp. 12. Latouria Endl. 1 sp. 13. Antho-
tium R. Br. l sp. Syn. Good. junciformis, genuflexa und pygmaca V. in
pl.Preiss. 14. Lemaireay (p, 189): 1 sp. ans Amboina (= Scaev.
Ventenatii herb. Deless.) , durch ein flaches Stigma ohne Indusium
von dem Charakter der Familie abweichend.
Apocyneen. Neue Gattung: Geissospermnm Allemao (Diss.,
abgedr. in Bot. Zeit. 12. S. 437) = Tabernaemontana laevis Vell.
Gentianecn. Neue Gattung: Schenhia Griseh. (Bonplandia 1.
S. 226): von Oahu, besonders durch Capsula semi-41ocularis von Se-
baea, durch Antherae immutatae von Erythraea abweichend.
Scrophularineen. Wydler untersuchte die Knollenbildung
von Scrophularia (Reg. Fl. 1853. S. 17 — 24). — Asa Gray entdeckte
den Parasitismus der Rhinantheen auch bei Gerardia (Sillim. Journ.
II. 16. p. 250): die Mutterpflanzen von G. flava sind Quercus und
Corylus. — Neue Gattung: Lesquereuxia Boiss. Reut. ( Diagn. pl.
Orient. 12. p. 43) : Euphrasiee bus Syrien, neben Cymbaria und Bun-
gea gestellt.
Solaneen. Miers setzte seine monographischen Untersu-
chungen über diese Familie fort (Ann. nat. bist. II. 11. p. 1. 90. 185.
368. 435), er unterwirft die Arbeit Dunal's einer ungünstigen Kritik
und behandelt sodann die Gattungen Schwenkia, welche er den Sola-
neen vindicirt, Anthocercis, die er ebenfalls von den Scrophularineen
absondert, Anthotroche und Duboisia. Seine Gattung Pionandra er-
klärte M. für identisch mit Cyphomandra Sendtn. (in Seem. Fl. panam.
p. 174): indem er jedoch die letztere in zwei Gattungen scheidet,
stellt er für die eine derselben, die habituell durch nicht herzförmige
Blätter abweicht, den Namen Pionandra wieder her. — T. Ander-
son sprach sich für die von Miers vorgeschlagene Absonderung der
Atropaceen aus, indem nur diesen die bekannte "Wirkung auf die Pu-
pille zukomme, nicht aber den Solaneen im Sinne M.'s (Ann. nat.
bist. II. 11. p. 478). — A. Braun setzte mehrere Formen aus der
Gruppe von Solanum nigrum näher auseinander (Append. sem. Be-
rol. 1853. nr. 39 — 45) — Neue Gattung: Cypkanthera^hs. (Ann. nat.
bist. II. 11. p. 376): Von Anthocercis abgesondert, z. ß. A. albicans
Cunn., scabrella Benth. und 6 neue Arten.
Bignoniaceen. Seemann betrachtet mit Gardner und
Lindley die Crescentiaceen als eine besondere Familie, von welcher
er einen neuen Charakter bearbeitet hat (Fl. panam. p. 181). üie
wesentlichsten Ptinkte sind folgende: 5,5,4+., 2; corolla hypogyna,
limbo subaequali v. subbilabiato , lobis per aestivationem duplicato-
plicatis V. subplicato -imbricatis ; stamina corollae tubo inserta; ova-
394 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
rium nniloculare, ovulis gO » stigmate bilobo v. bilamellato; bacca 1 — •
plurilocularis, seminibus apteris exalbuminosis; folia simplicia v. com-
posita, petiolo saepe alato. Gattungen nach S. : a. Tanaecieae. Calyx
persistens, regularis. Colea, Fariblema , Phyllarthron , Tanaecium,
Tripinnaria. b. Crescentieae. Calyx deciduus, spathaceus v. biparti-
tus. Parmentiera, Crescentia , Kigelia und vielleicht Sotor. — Die
von Miers aufgestellte Gattung Oxycladus (s. vor. Jahresb.) hält S.
für eine Myoporinee (p. 182).
Gesneriaceen. Neue Gattung: Scheeria Seeni. (Bot. Magaz.
t. 4743) : aus Mexiko = Achimenes Scheerii Hort.
Polemoniaceen. Neue Gattung: Trianaea Planch. Lind.
(Linden, catalogue des plantes exotiques. ßruxelles 1853, nach Bot.
Zeit. 11. S. 717): aus Neu-Granada, verwandt mit Cobaea.
Boragineen. Neue Gattung: Änchusopsis Bisch. (Del. sem.
Heidelb. 1852, abgedr. in Ann. sc. nat. IIL 19. p. 356) = Omphalodes
longiflora A. DC.
Labiaten. Neue Gattung: Saccocalyx Coss. Dur. (Ann. sc.
nat. IIL 20. p. 80) : aus dem Innern von Algerien (s. o.) , Saturejee
mit einem nach der Blüthezeit aufgeblasenen Kelche.
Verbenaceen. Neue Gattung: Tetraclea As. Gr. (Sillim.
Journ. IL 46. p. 97 , mitgeth. in Bot. Zeit. 12. S. 38): krautartiges
Gewächs ans Nordmexiko und Texas.
Coniferen. Cienkowski untersuchte die Befruchtung bei
Juniperus (Bullet. Mose. 1853. II. p. 337—341. mit 1 Taf.).
Cycadeen. Neue Gattung: Stangeria T.Moore (Hook. Journ.
of Bot. 5. p. 228) : aus Natal , unvollkommen bekannt , Farn - ähnlich
und angeblich nach unfruchtbaren Exemplaren von Kunze früher
als Lomaria lagopus Kz. bezeichnet.
Monokotyled onen.
Aroideen. Von Schott erschien eine Schrift über diese
Familie, die mir nicht zugegangen ist (Aroideae. Wien 1852. fol.) —
Neue Gattungen: Anchomanes Seh. (Oesterr. bot. Wochenbl. 1853.
S. 314) = Caladium petiolatum Hook.; Cyrlospadix C. Kch. (Appen-
dix sem. Berol. 1853. p. 3) = Philodendron striatipes Kth.
Phytelephanteen. S e eman n erkennt mit v. Martins
Phytelephas als Typus einer selbständigen Familie an, die er von den
Pandaneen durch axile Placentation unterscheidet (Fl. panam. p. 205
—211. t. 45'-47). Er entwirft von den Phytelephanteen einen aus-
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 395
führlichen Familien Charakter, welcher folgende Hauptpunkte enthält:
3, — , 36, 6 — 9; flores polygamo-dioeci, in distinctis spadicibus arctc
glomerati, bracteati , spalhis plurimis; sepala lateralia bracteiformia ;
St. hypogyna, antheris erectis linearibus ; ovarium staminibus sterili-
bus cinetum, stylo tripartito , cruribus binis bifidis , ovulis in loculo
solitariis erectis, integumento duplici ; drupac capitatae, testa albumi-
neque osseis, embiyone peripherico iuxta hilum subbasflari ; — habi-
tus palmiformis, foliis pinnatisectis. Die Frage, ob die Fhytelephan-
teen zu dem Verwandtschaftskreise der Palmen oder der Aroideen zu
stellen sind, beruht vorzüglich auf der Lage des Embryo und auf der
Beschaffenheit des Albumens: allein in diesen Beziehungen hat sich
in S.'s weitere Diskussion ein Mangel an Schärfe eingeschlichen. Er
sagt (p.210), mit den Palmen stimme Phytelephas nur habituell über-
ein , während der einfache Spadix , die unvollständige Blüthe , die
grosse Zahl der Staminen, und der „in der Axe fleischigen Albumens
eingeschlossene Embryo" die Verwandtschaft mit den Spadicifloren
darthun (its embryo situated in the axis of a fleshy albumen). Da-
gegen geht sowohl aus dem obigen Familiencharakter , als aus S.'s
Abbildung des Samens (Taf. 45. Fig. 5) hervor , dass der konische
Embryo in der organischen Spitze des Albumens neben dem Hilum,
ähnlich wie bei den Cyperaceen, eingebettet liegt, sowie auch das
feste Elfenbein-Albumen eine treffende Unterscheidung von dem Ver-
wandtschaftskreise der Aroideen darbietet. In dieser letzteren Be-
ziehung steht Phytelephas offenbar den Palmen näher als den Panda-
neen, wogegen es fraglich erscheint, ob die Lage des Embryo einen
hinlänglichen Grund abgiebt, die Gattung als besondere Familie von
den Palmen zu unterscheiden.
Palmen. Neue Gattung: Malortiea H. Wendl. (Berl. Garten-
zeit. 21. nr. 4): aus Guatemala.
Gramineen. Die Untersuchungen Payer's über die Ent-
wickelung der Grasblüthe gewähren keine neue Aufschlüsse (Compt.
rendus 37. p. 630 — 632). P. fand die Palea superior ursprünglich
aus zwei Stücken zusammengesetzt (deux bourrelets primitivement
distincts) : dieser Beobachtung kann nach Roeper's Bemerkungen
ein Einfluss auf die Theorie der Grasblüthe nicht eingeräumt werden.
Die späte Entstehung der Lodiculae, nachdem bei Stipa die Staminen
schon vorhanden und bei Ehrharta zwei derselben bereits sichtbar
waren, blieb P. selbst zweifelhaft. Die Beschreibung des Ei's, wel-
ches er für anatrop erklärt , ist irrig. — De Moor beschäftigte sich
mit der Morphologie der Blüthe von Zea (Bullet, de l'acad. de Bru-
xelles 1853. T. 20. P. 3. p. 200—205).
Cyperaceen. Payer untersuchte die Blüthencntwickelung
bei Carex, Scirpus und Eriophorum (Compl, rendus 37. p. 6"'2~ö33}.
396 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Das Perigynium von Carex verhält sich nach ihm ähnlich , wie die
Palea siiperior der Gräser, aus zwei seitlich gestellten, opponirten
Organen hervorgehend. Bei Scirpus und Eriophorum sah P. deutlich,
dass die hypogynen Seten später entstehen, als die Sexualorgane: sie
können daher nicht füglich mit dem Perigynium von Carex vergli-
chen werden, dessen Bildung der der Karpidicn vorausgeht. Neue
Gattung: Deshtoschoenns D. Hook. (Fl. Kew-Zeal. 1. p. 271) = Iso-
lepis spiralis Rieh.
Astelieen. TVeue Gattung: Milligania D. Hook. (Hook. Journ.
of Bot. 5. p. 298. t. 9; : aus Tasmanien, von Astelia durch die Kapsel
unterschieden, welche der von Anguillaria gleicht. Uebrigens zieht
H. die Astelieen zu den Asphodeleen.
Liliaceen. Goeppert publicirte Bemerkungen über Dra-
caena Draco und verwandte Arten fJahresber. der schles. Gesellsch.
f. 1853. 8.154—159, abgedr. in Regensb. Fl. 185^. S. 393 u. f.);
V. Schlechtendal über Hemerocallis (Abh. der Haller naturf. Ge-
sellsch. 1, Hft. 3. S. 1 — 18). — Neue Gattung: Herpolirion D. Hook.
(Fl. New-Zeal. 1. p. 258) : aus Neu - Seeland , verwandt mit Sty-
pandra.
Melanthaceen, Neue Gattungen: Sandersonia Hook. (Bot.
Mag. t. 4716): Uvulariee aus Natal , im Habitus zwischen Fritillaria
und Convallaria stehend; Litlonia Hook. (das. t. 4723) : ebenfalls eine
Uvulariee aus Natal.
Amar yllide en. Neue Gattung: Malhieua Kl. (Berl. Gartenz.
21. nr. 43) : aus Peru, verwandt mit Calostemma.
Srailaceen. Seemann erklärt Smilax papyracea Duh. und
Sm. medica Schlechtend. für identisch mitSni, officinalis Kth. , wonach
die Sassaparilla nur von einer Stammart gewonnen würde (Fl. panam.
p.217).
Scitamineen. Wallich bearbeitete die Gattung Hedychium
monographisch (Hook. Journ. 5. p. 321— 329. 367—377).
Orchideen, Von Irmisch erschienen Beiträge zur Biologie
und Morphologie der Orchideen (Leipzig 1853. 82 S. 4. mit 6 Taf.),
wodurch seine früheren Arbeiten über die Vegetationsorgane weiter
ausgeführt worden sind. — Lindley's Folia Orchidacea (s. vor. Ber.)
wurden fortgesetzt : die zweite bis zur fünften Lieferung (1853 — 54. 8.)
enthalten Sarcopodium, Sunipia, Epidendrum (246 sp.), Miltonia, Bras-
sia, Polychilus, Corymbis, Sobralia, Coelogyne (44 sp.) , Panisea und
einige neue Gattungen ( s. u. ). — H. G. Reichenbach lieferte
einen Beitrag zur Kenntniss der Chloraeaceen (Bot. ZeitlJ. S. l — 4.
Taf. 1). — Neue Gattungen: Arcrochacne Lindl. (Fol. Orch. II) : aus
Sikkim ; Jone Lindl. (das.): 7 Arten aus dem Himalajah ; Erycwe
Lindl. (das.): aus Mexiko; Ada Lindl. (das. V.) : aus Neu- Granada
und systematischen ßotanik während des Jahres 1853. 397
Adenochüus D. Hook. (Fl. New-Zeal. 1. p. 246. t. 56. A) : aus Keu-
Seeland, zwischen Chilogloltis, Caladenia und Eriochilus gestellt; Ac-
maloceras D. Hook. (das. p. 249. t. 57) : 5 neu - seeländische Arten,
nahe verwandt mit Corysanthes.
Kryptogamen.
Eine besondere Zeitschrift für die Systematik der Kryp-
togamen wird von Rabenhorst herausgegeben (Hedvvigia
lö52. 1853. Dresden 8.}.
Equisetaceen. Bischoff beschäftigte sich mit der Ent-
wickelungsgeschichte der Equiseten (Bot. Zeit. 11. S. 97 — 109. Taf. II):
er beobachtete bei E. sylvaticura monoecische Froembryonen. —
Frings he im untersuchte den Bau der Elateren (das. S. 241 — 244.
Taf. VI). — Milde setzte seine Untersuchungen über den Formen-
kreis der Arten fort (^über die Equiseta metabola Braun's in der
Denkschr. der schles. Gesellsch. I8j3. S. 198—204).
Farne. Kunze's Index Filicum cultorum wurde neu aufge-
legt und von A. Baumann vermehrt (Strassb. 1853. 96 S. 8.^. — ■
Fee publicirte eine Beihe neuer Farne (Description des fougeres
exotiques rares ou nouvelles in den Mem. 4u Mus. de Strassb. T. lY.
22 S. mit Abbildungen von 32 Arten). — De \riese und Harting
gaben eine Monographie der Marattiaceen heraus (Monographie des
Marattiacees. Leide Ibjo. fol. mit 19 Taf.). Die Anordnung der Gat-
tungen ist folgende: A. Marattieae. Marattia ( 16 sp. ) , Dicostegia
(2sp.), Gymnotheca (9 sp.) , Stibasia (Isp.), Eupodium (l sp.). B.
Kauifussieae. Kaulfussia (4 sp.). C. Angiopterideae. Angiopteris (60 sp).
— Henfrey's Beobachtungen über die Befruchtung und Keimung
der Farne bestätigen die bekannten Thatsachen (Proceedings Linn.
Soc. 1852. Kov. in den Ann. nat. bist, 12. p. 33—35 und Transact. of
Linn. Soc. XXL 2. p. n7— ii9. Taf. XIY— XVI). — Neue Gattungen:
Loxoscaplie T. Moore ^Hook. Journ. of Bot. 5. p. 227) = Davallia
sect. Dareoideae Hook.; Boicringia Hook. (das. p. 237. t. 2) : Farn-
baum aus Hongkong, die Früchte ähnlich vertheilt , wie bei Gym-
Dogramme.
Moose. Von der Bryologia europaea (s. vor. Ber.) erschienen
die Hefte 52—56. (Stuttgart 185.>) und im J. 1854. H. 57—59, womit
die Hypneen zum Abschlüsse gebracht worden sind. Zu den früher
verzeichneten Galtungen, in welche hier die Hypneen zerlegt wer-
den, kommen noch folgende: Myurilla = II. moniliforme etc. (2 sp.) ;
Brachyihccium = H. populeum , velutinum , rcflexum , rutabulum etc.
398 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
(20 sp.) ; Camptothecium = II. lutescens etc. (2 sp.) ; IJyocomium = II.
flagellare (1 sp.) ; Scleropodium=z IL caespitosum und illecebrum {2 sp.) ;
Ambfyslegium = Leskea subtilis, varia, IL confervoides, serpens, flu-
viatile, riparium (16 sp.) ; Limnoimn = H. palustre, molle etc. (5sp.);
Eurhynchium = IL strigosum, longirostre, praelongum, piliferum etc
(12 sp.) ; Hypnum: behält H. Halleri, cupressiforme, molluscum, flui-
tans , filicinum, purum etc. (39 sp.). — Harape stellte seine Ansich-
ten über Klassifikation der Laubmoose ausführlicher dar (Bot. Zeit. 11.
S.297. 321).
Lebermoose, ßischoff publicirte Beobachtungen über die
Keimung der Lebermoose (Bot. Zeit. 11. S. 113—123. Taf. II): er
nimmt allgemein, auch bei Riccia (vergl. Jahresber. f. 1851. S. 115),
ein Protonema an , welches in seiner Gestalt der vegetativen Pflanze
oft so ähnlich ist , dass es aus diesem Grunde nicht erkannt ward :
bei den Marchantieen ist das Protonema dadurch leicht von der an
ihm hervorsprossanden Frons zu unterscheiden , dass dasselbe keine
Stomata besitzt. — Henfrey's Untersuchungen über die Entwicke-
lung der Frucht von Marchantia (Jahresb. f. 1850. S. 114) wurden,
durch Abbildungen erläutert , herausgegeben (Transact. of Linn. Soc.
XXL 2. p. 108— 110. Taf. XI).
Algen. Die neuen Beobachtungen Thuret's über die Be-
fruchtung der Fucoideen (s. vor. Ber.) sind in den Verhandlungen
der Pariser Akademie enthalten (Compt. rendus 36. p. 745 — 748). —
In einer physiologischen Arbeit über die Richtungsverhältnisse in den
Zellen der Characeen hat A. Braun auch seine Ansichten über die
systematische Stellung der Gruppe entwickelt (2te Abth. ßerl. Mo-
natsber. 1853. S. 51— 82). Er betrachtet die centrale Zelle des Spo-
rangiums als die Spore selbst, nicht, wie Hofmeister annimmt, als
die Mutterzelle derselben. Von den Gefässkryptogamen scheidet die
Characeen nach B. die Sporenbildung, die mit der Zellenabschnürung
der Algen zu vergleichen ist, ferner der Mangel des Generations-
wechsels und der rein zellige Bau : diesem kann hinzugefügt werden
die Befruchtung der Spore selbst, die bei den Algen , aber nicht bei
den höheren Kryptogamen ihre Analogie findet. Wenn indessen ß.
hinzufügt, dass die Characeen durch den Bau derPhytozoen und durch
den Gegensatz von Stengel- und Blattbildung sich näher an die höhe-
ren Kryptogamen anschlössen und zwischen diesen und den Algen
„eine sonderbare Mittelstellung" einnähmen, so scheint vom systema-
tischen Gesichtspunkte auf diese Verhältnisse weniger Gewicht gelegt
werden zu dürfen. — GreviUe beschrieb einige neue, exotische
Arten von Caulerpa (Ann. nat. bist. IL 12. p. 1 — 4). — Itzig-
sohn untersuchte die Antheridien von Spirogyra und einigen anderen
Confervaceen (Ueber den männlichen Geschlechtsapparat bei Spiro-
gyra. Berlin 1853. 19 S. 8. und Bot. Zeit. 11. S.201. 217. Taf. V;,
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 39y
die Sporenbildung bei Mougeolia (das. S. 681), die Entwickelung von
Hapalosiphon Braunii (Abh. der Leop. Akad. 1853. Nov. 49 S. 4 und
5Taf.) und anderer Kostochineen (l3ot. Zeit. 11. S. 817-820), die
Fortpflanzung der Oscillarien (das. S. 877—881) und den Bau der
Desmidieen Hyalothec« und Micrasterias (das. S. 485 — 488). Die Ko-
stoc-Kugel betrachtet J. als eine eigenthümliche Entwickelungsstufe,
die nach ihm bei den verschiedensten Kostochineen vorkommt. Von
den Oscillarien behauptet er, dass ihre Glieder, sich ablösend, zu
Clilamydomonas werden ; diese verwandeln sich nach ihm in Eugle-
nen, deren Gonidien sich wieder zu Leptolhrix, diese zu Oscillaria
entwickeln sollen. — L. Fischer hat eine Schrift über die Nosto-
chineen herausgegeben (Beiträge zur Kenntniss der Nostochaceen.
Inaug.-Diss. Bern 1853. 24 S. 4. mit 1 Taf.). — Von Raben hörst
erschien eine synoptische Darstellung der Bacillarien (die Süssvvas-
ser-Diatomaceen. Bacillarien. Leipzig 1853. 372 S. 4. mit 10 Taf.). —
Kützing's Kupferwerk über die Algen (s. vor. Ber.) wurde fortge-
setzt (Tab. phycol. Bd. 3. 1853. 8.).
Lichenen. Massalongo hat seine lichenologischen Arbei-
ten (s. vor. Ber.) fortgesetzt (JMonografia dei Licheni blasteniospori
in den Atti dell' J. R. Institut© di Scienze. T. 3- 1853. 131 pag. mit
36 Taf.): unter Blasteniosporen versteht er die Lichenen, deren Spo-
ren zwei Nuclei enthalten und die übrigens keine natürliche Reihe
bilden (einige kleinere Publikationen des Verf. sind in der Regensb.
Fl. 1854. S. 318. 319 verzeichnet;. — Von den Sporenformen der
Lichenen gab Körb er eine Uebersicht (Jahresb. der schles. Ge-
sellsch. 1853. S. 168— 172). — Speerschneider untersuchte die
Entwickelung von Hagenia ciliaris (Bot. Zeit. 11. S. 705. 721). —
De Notaris verfasste eine Schrift über Peltigera, Nephroma und
Solorina (Üsservazioni sulla tribu delle Feltigeree in den Mem. dell'
Accad. di Torino II. 12. 19 pag. 4. mit 1 Taf. — Neue Gattung: PeU
tiäa Nyland (Ann. sc. nat. III. 20. p. 3l6j: Lecanorinee aus Biskara,
mit langen centralen Haft-Fasern auf dem Sandboden befestigt.
Pilze. Tulasne setzte seine Untersuchungen über die Fort-
pflanzungsorgane der Pilze (jahresb. f. 1851. S. Il9) mit schönen
Erfolgen fort (Annal. des sc. nat. iU. 20. p. 129-182. Taf. XV. XVI
und Bot. Zeit. 11. S. 49— 56). Indessen bleibt die Unterscheidung
der verschiedenen Formen von abgeschnürten Fortpflanzungsorganen
noch immer schwankend (p. 178), indem ihre physiologische Diile-
renz höchst wahrscheinlich, aber noch nicht durch bestimmte Beob-
achtungen nachgewiesen ist, und in morphologischer Hinsicht keine
scharfe Grenzen aus der Entwickelungsgeschichte sich ableiten lassen.
T. unterscheidet jetzt vier dieser Formen : 1. Acrogene Sporen (die
von Basidien abgeschnürten Sporen der Hymenomyceten). 2. Stylo-
sporen im engeren Sinne (die abgeschnürten Sporen, die als zweite
400 Grisebach: Bericht üb. d. Leislungen in d. geographischen
Sporenbildung bei den Askomyceten vorkommen). 3. Spermatien (die
den I tz i gso h n'schen Körpern entsprechenden Organe, denen hypo-
thetisch die Funktion männlicher Geschlechtsorgane zugeschrieben
wird). 4. Conidien (Sporenbildungen am Mycelium). Diese letzteren
stehen in ihrer Bildung in gewissen Fällen den Spermatien sehr nahe
und würden, falls sie die physiologische Bedeutung derselben theil-
ten, als sporogene Spermatien von den opsigenen oder später ent-
stehenden Spermatien zu unterscheiden sein; in anderen Fällen sind
die Conidien mit den Stylosporen functionell zu vergleichen. T.'s
neue Beobachtungen beziehen sich namentlich auf Askomyceten:
1. Cenangium enthält in den Tuberkeln, welche Fries irrig für ab-
ortive Pezizen- Becher hielt, Stylosporen, so dass die Tuberkeln selbst
als mehrfächerige Fycniden (Behälter von Stylosporen) zu bezeich-
nen sind (p. 134); ausserdem fand T. in den Bechern von C. Fran-
gulae Spermatien, deren Bildung den Asken derselben vorausgeht
(p. 137) ; bei C. Fraxini Tul. (Tympanis Fr.) entstehen die Spermatien
neben den Stylosporen in einer Pycnide, aber auch zugleich für sich
in Spermogonien (Behältern von Spermatien). 2. Die Fycniden und
Spermogonien einer ächten Sphaeria (Sph. Leveillei) bilden Leveil-
le's Gattung Micropera (p. 139). 3. Tympanis conspersa Fr. besitzt
ausser wirklichen Askus-Bechern, die denen von Cenangium gleichen,
Spermogonien. 4. Dermalia Fr. (Peziza carpinea Fers, etc.) entwickelt
auf der Oberfläche ihrer Tuberkeln neben den Stylosporen zugleich
zahlreiche Spermatien; ganz ähnlich verhalt sich Peziza arduennen-
sis Mont. 5. Peziza graminis Desm. besitzt ausser den Asken auch
Fycniden. 6. Bei Stictis ocellata Fr. bedeckt sich das Mycelium mit
Tuberkeln, von denen einige Spermatien, andere Stylosporen hervor-
bringen ; ein Theil dieser Tuberkeln verwandelt sich in der Folge in
Askusbecher. 7. Triblidium quercinum Fers. (Cenangium Fr.) be-
trachtet T. als eigene, mit Rhytisma verwandte Gattung, die sich
durch die langsame Entwickelung ihrer Spermogonien auszeichnet.
8. Die Spermogonien von Rhytisma sind von Leveille unter dem
Kamen Melasmia beschrieben; hier, wie bei Hysterium, geht deren
Bildung ebenfalls den Asken lange Zeit voraus. 9. Die beiden von
Fries unterschiedenen Varietäten von Heterosphaeria Patella Grev.
verhalten sich so , dass die Form «. alpestre Fr. die Asken und ß.
campestre Fr. die in Fycniden eingeschlossenen Stylosporen erzeu-
genden Individuen derselben Pflanze darstellt. 10. Bulgaria inqui-
nans Fr. bildet in den stumpfen Lappen des ursprünglichen Thallus
die Spermatien in grosser Menge aus, so dass diese Lappen oder
Sinuositäten als Spermogonien zu betrachten sind ; zwischen den
Spermatien entwickeln sich in Fycniden zugleich grössere Stylospo-
ren, und erst wenn diese beiden Bildungen abgeschlossen und nach
Russen in Staubform entleert sind, öffnet sich der Ihallus zu dem
und systemalischen Botanik während des Jahres 1853. 401
Askus- bildenden Hymenium; von den acht Sporen der Aski bleiben
vier abortiv: die vier anderen erzeugen bei der Keimung an den
ersten Fäden des Mycelium kleine obovat-linienförmige Appendices
von 5 bis 7 Tausendstel Millimeter Länge , welche T. als sporogene
Spermatien (p. 164) betrachtet, 11. Zu ßulgaria sarcoides Fr. zieht
T. als Synonym Tremella amethystea Bull. (Elvela purpurea Schaeff.,
Peziza Iremelloidea Bull.), indem dieser Pilz in einem eigenthümli-
chen Dimorphismus, theils becherförmig, theils keulenförmig auftritt:
die keulenförmigen Organe sind Spermogonien , sie entwickeln aus-
schliesslich auf einem Hymenium die Spermatien, die Becher erzeu-
gen hingegen die Asken , und die ersteren stellen in dem Zustande,
wo die Becher fehlen, den Pilz dar, welchen Withering Tremella
sarcoides genannt hat (Syn. Coryne Acrospermum Ks. , C. sarcoi-
des Fr.); der Spermatienbildung geht an der unteren Fläche der jun-
gen Spermogonien auch noch eine Bildung von Conidien voraus. 12.
Die schon früher angeführte Identität von Dacryomyces Urticae Fr.
mit Peziza fusarioides Berk. wird näher dahin bestimmt, dass der er-
stere Pilz die Spermogonien- Form des letzteren ist, ein Verhältniss,
welches sich bei Pez. benesuada Tul. wiederholt. 13. Bei Peziza
bolaris und einigen anderen Arten dieser Gattung wurde eine dop-
pelte Art der Keimung beobachtet: ein Theil der Sporen entwickelte
ein Mycelium, ein anderer diente nur, an kurzen Fäden sporogene
Spermatien zu erzeugen. — Eine andere Arbeit Tulasne's ist den
Tremellineen gewidmet (Ann. sc. nat. III. 19. p. 193-231. t. X-Xlll.
und Compt. rendus 36. p. 627 u. f.j. Die Basidien von Tremella me-
senterica tragen nach ihm gewöhnlich vier Sporen (nicht eine ein-
zige, wie Leveille gemeint hatte), welche jedoch die Eigenthüm-
lichkeit zeigen, dass sie sich einzeln von septirten Fäden (Sterig-
raes T.) abschnüren, deren vier eben aus der Basidie, aber successiv
hervorwachsen; ausserdem besitzen die Tremellen eine zweite Form
von abgeschnürten, sehr kleinen, sphärischen und nicht keimungsfä-
higen Zellen, welche T. als Spermatien betrachtet, d. h. als Organe,
welche er früher nur bei den Askomyceten beobachtet halte. Bei
Tremella violacea entdeckte er eine zwiefache , mit der von Peziza
bolaris zu vergleichende Keimung der Sporen, eine Erscheinung, die
sich bei der von T. zu den Tremellineen gestellten Gattung Dacryo-
myces wiederholt, wo T. diese Bildungen von sporogenen Spermalien
am vollständigsten verfolgen konnte. T. bestätigt die Beobachtung
G asp arrini's, dass die für Sporen gehaltenen Organe von Podisoma
Basidien sind, aus denen die Sporen sich ähnlich, wie bei Tremella,
entwickeln, wodurch die Kichtigktit der Ansichten des vorigen Jahr-
hunderts erhellt, nach welchen diese Gattung zu den Tremellen ge-
hört. Calocera versetzt T. von den Clavarien zu den Tremellineen.
— Die merkwürdigen Beobachtungen T.'s über das Mutterkorn (s. vor.
Archiv f. Niiturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. J^^
402 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
ßer.) wurden in einer ausführlichen Abhandlung näher dargelegt
(Ann. sc. nat. III. 20. p. 5— 56. t. I~IV): er nennt jetzt den Pilz,
dessen Stroma das Mutterkorn ist, Claviceps purpur(>a; von zwei an-
deren Arten dieser Gattung wächst die eine auf Arundo Phragmites
und Molinia caerulea, die andere auf Scirpus - Blüthen. — In einer
Mittheilung über Erysiphe (Bot. Zeit. 11. S. 257— 267 und Comptes
rend. 37. p. 603 — 609) widerlegte Tulasne die Ansicht Lev eil 1 c's,
welcher die Conidien am Mycelium dieser Gattung für männliche
Organe gehalten hatte (Jahresb. f. 1851. S. 121) , durch deren von
mehreren Naturforschern beobachtete Keimfähigkeit. T. fand bei meh-
reren Erysiphen neben den Askus- Früchten und den Conidien noch
eine dritte Art von Fortpflanzungsorganen, Pycniden , welche, von
Amici an dem Pilz der Traubenkrankheit zuerst entdeckt, Ehren-
berg (s.u.) veranlasst hatten, eine neue Gattung (Circinobolus) auf-
zustellen. Diese Pycniden gleichen äusserlich den Askus-Früchten und
sind, wie diese, auf dem Mycelium befestigt: sie öffnen sich an der
Spitze mit einem punktförmigen Ostiolum, aus welchem die Stylospo-
ren , in Form eines Cirrhus geordnet, hervortreten. Indessen bleibt
es zweifelhaft, ob diese Stylosporen wirklich die Bedeutung von Spo-
ren haben, indem es v. Mo hl, der die Beobachtungen Tulasne's
über den Traubenpilz bestätigt hat, nicht gelang, sie zur Keimung zu
bringen (Bot. Zeit. 12. S. 14.3). Jedenfalls sind nun durch T. die
früheren Ansicliten über die Traubenkrankheit (s. vor. ßer.), nach
welchem dieselbe auf dem üidium Tuckeri beruhen sollte, durchaus
widerlegt, indem dieses vermeintliche Oidium nichts weiter ist, als
das Conidien erzeugende Mycelium einer Erysiphe, die wahrschein-
lich mit der von Schweinitz an Vitis labrusca in Nordamerika
entdeckten E. necatrix identisch ist, deren Erysiphe-Früchte aber in
Europa noch nicht beobachtet worden sind. Ueberhaupt hat T. viele
vermeintliche Gymnomyceten und Hyphomyceten auf Erysiphe-Myce-
lien zurückgeführt: namentlich Acrosporium monilioides Ks., Oidium
erysiphoides Fr., fusisporioides Fr., leuconium Desmaz. , Chrysan-
themi Rabenh., Sporotrichum macrosporum Grev. , Torula botryoides
und Epilobii Cord. ; sodann sind ausser dem Circinobolus auch andere
Erysiphe -Pycniden als selbständige Pilze beschrieben worden, z. B.
von E. adunca Grev. als Uncinula sp. Lev., von E. guttata Dub. als
Phyllactinia sp. Lev. , von E. lamprocarpa Lk. als Byssocystis texti-
lis iliess. — Ueber die Traubenkrankheit setzte v. Mo hl seine Un-
tersuchungen (s. vor. Ber.) fort (Bot. Zeit. 11. S. 585—595. T. 11 u.
12. S. 137 — 146. T. 6j ; mit demselben Gegenstande beschäftigten sich
Prolongo (Ampeloidea. Memoria sobre la enfermedad de la vid. Ma-
laga. 59 pag. 8.) und Montagne (Coup d'oeil rapide sur l'etat
actuel de la question relative ä la maladie de la vigne : vergl. Compt.
rendus 37. p. 933). — Tulasne untersuchte endlich auch die Kei-
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 403
mung der Uredineen (Compt. rendus 36. p. 1093--1093: vergl. Jah-
resb. f. J8i7. S. 94). Er hatte schon früher das als Aecidiolum ex-
antheniatum beschriebene Gebilde als die Spermogonienbildung der
Gruppe erkannt. Jetzt fand er auch eine eigenthürnliche Art von
Generationswechsel bei Aecidium Euphorbiae, Puccinia graminis und
Phraginidium incrassatum, wo die aus der Spore keimenden Fäden
(Promycelium T.) abstarben , nachdem sie seitlich eine Zelle abge-
schnürt haben , die nun für sich zu dem Sporen-erzeugenden Myce-
lium auswächst. — Eine ausführlichere Arbeit über die Uredineen
und Ustilagineen verdanken wir A. de Bary (Untersuchungen über
die Brandpilze. Berlin 1853. 144 S. u. 8 Taf. 8j. Er bezeichnet die-
jenigen Formen, bei denen Spermogonien nachgewiesen sind, als Ae-
cidineen und will diese nebst den übrigen Pilzen, bei denen Sperma-
tien bereits sicher gestellt wurden, zu den Lichenen bringen, aber
zu solchen, wenn auch schon von anderer Seite anticipirten Neue-
rungen scheint der Zeitpunkt, wo jedes Jahr neue Entdeckungen der
einflussreichsten Art bringt, noch nicht eingetreten zu sein: seine
Aecidineen umfassen Uredo z, Th., Aecidium und Roestelia. Mit den
Ilymenomyceten verbindet B. diejenigen Coniomyceten, bei denen die
Fäden sich zu einem Stroma vereinigen, und nennt dieselben Uredi-
neen : Trichobasis, Epitea, Coleosporium, Fodocystis, Uromyces, Puc-
cinia und Phragmidium. Cystopus ist ihm eine Zwischenform zwischen
Hymenomyceten und Hyphomyceten ; Protomyces vergleicht er mit
den Hyphomyceten. Ustilago scheint ihm dadurch von seinen Ure-
dineen abzuweichen, dass die Sporen aus der ganzen Continuität der
Fäden hervorgehen, welche das unregelmässige Stroma bildeten. Am
Schlüsse seiner systematischen Darstellung macht B. sich selbst den
Einwurf, den er indessen nicht für bedeutend hält, dass Uredo sua-
veolens stets Spermogonien besitze, U. Polygonorum niemals, was
im letzteren Falle doch wohl mehr auf Dioecie, d. h. auf UnvoU-
ständigkeit der bisherigen Beobachtungen hinweist, als berechtigt,
diese beiden ähnlichen Formen in zwei verschiedene F'amilien des
Pflanzenreichs zu stellen. 13. 's Beobachtungen über die Entwicke-
lungsgeschichte der einzelnen Gattungen sind sehr vollständig und
genau; sie entsprechen in ihrer Schärfe denen Tulasne's. — Itzig-
sohn untersuchte ebenfalls die Entvvickelung von Phragmidium (Bot.
Zeit. ll. S. 785— 789); Rossmann beobachtete die Entwickelung
von Phallus impudicus (das. S. 185 — 193. Taf, IV) ; Bonorden liess
einige seiner als neu aufgestellten Pilze abbilden (das. S. 281 — 294.
Taf. YII). — Leidy beschäftigte sich mit den auflebenden thieri-
schen Organen vorkommenden Pilzen (A Flora within living animals:
in Smithsonian Contributions. Vol. 5. 50 pag. 4.). — Neue Gattun-
gen: Byssocystis Riess (Hedwig. 1. p. 23 , abgedruckt in Bot. Zeit. 11.
S. 236) : neben Erycibe gestellt; Circinobolus Ehrcnb. (vcrgl. das.
404 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
S. 16): Organ einer Erycibe (s.o.); Corynites^erke], Curt. (Proceed.
Linn. Sog. inAnn.nat.hist.lI.il. p. 13Gj : Phalloidee aus Südkarolina ;
Badhamia Berkel. (das. p. 137) = Physarium capsuliferum etc.; Li-
ttiaria Rss. (Bot. Zeit. 11. S. 136): Sclerotiee ; Polyscylalum ilss.
(das. S. 138): Hyphomycet; Synjihragmidium A. Strauss (Slurm's Flora
III. Hft. 33. 34, abgedr. das. S.566): Coniomycet, mit Sporidesmium
verglichen.
Verzeichniss der in den Jahresberichten für
1851 — 1853 vorkommenden, neuen Gattungsnamen.
Abutilaea F. Wüll. 52. Malv. , Acanthochiton Torr. 53. Chenop.,
Acarospora Ms. 52. Lieh., Achraoniyus Bon. 51. Fg. , Achrysum
As. Gr. 52. Syn., Acicalyptus As. Gr. 53. Myrt., Acleisanthes As. Gr.
53. Nyctag. , Acoliuni Not. 51. Lieh., Acradenia Kipp. 53. Ilutac,
Acrobryon Doz. Molk. 51. Muse, Acroclinium As. Gr. 52. Syn., Acro-
cylindrum Bon. 51. Fg., Acrosporium Bon. 51. Fg., Actinopappus D.
Mook. 52. Syn., Ada Lindl. 53. Orch., Adenochilus D. Hook. 53. ürch.,
Adianthopsis F. 52. Fil., Agatea As. Gr. 52. Yiol. , Agonandra Mrs.
51. Olac, Aillya Vr. 53. Good., Aipyanthus Slev. 51. Borag. , Aleu-
ritopteris F. 52. Fil., Allobium Mrs. 51. Lor. , Allozygia Naud. 51.
Melast. , Alocasia Schlt. 52. Ar., Alvaradoa Liebni. 53. Sapind., Aina-
roria As. Gr. 53. Rutac, Amblyoglossum Turcz. 52. Ascl., Amblyste-
gium Seh. 53. Muse, Amesium Kewm. 51. Fil., Amphiblemma Naud.
51. Melast., Amphipappus T. Gr. 53. Syn., Aniphoridiuin Ms. 52. Lieh.,
Anchomanes Seht. 53. Aroid., Anchusopsis Bisch. 53. Borag., Andra-
dea Allem. 53. INyclag. , Androglossum Champ. Benth. 51. Rhamn.,
Androstylium Miq. 51. Guttif. , Anelasma Mrs. 51. Menisp. , Anisodon
Seh. 52. Muse., Anomoehloa Bg. 51. Gr., Anomospermum Dalz. 51.
Euph. , Antheidosorus A. Gr. 51. Syn., Anlhoeerastes As. Gr. 52.
Syn. , Anlicoryne Turez. 52. Myrt., Antitaxis Mrs. 51. Menisp., Anti-
zoma Mrs. 51. ölenisp. , Aphanochaete A. Br. 51. Alg. , Apiospermum
Kl. 52. Ar., Aptandra Mrs. 51. Aptandrac. , Arcrochaene Lmdl. 53.
ürch., Aretagrostis Gr. 52. Gr., Argyrogloltis Turcz. 5 1. Syn., Arlho-
thelium Ms. 52. Lieh., Arlhopyrenia Ms. 52. Lieh., Arlhrosporum Ms.
52. Lieh., Ascoslroma Bon. 51. Fg., Aspieilia Ms. 52. Lieh., Aste-
rochiton Turcz. 52. Byttn., Asterostigma Schtt. 52. Ar., Aslerolri-
chum Bon. 51. Fg., Astronidium As. Gr. 53. Melast., Asyneuma Gr.
Seh. 52. Camp., Axanthopsis Korth. 51. Rub.
Baeidia INot. 51. Lieh., Bactriexta Pr. 52. Fg., Baetrospora Ms.
52. Lieh., Badhamia ßerk. 53. Fg., Bagliettoa Ms. 52. Lieh., Balan-
und systematischen Botanik während des Jahres 1853.
405
saea Boiss. R. o2. Umb. , Benneltia R. Br. 52. Euph. Antid. , Biato-
rella Not. 51. Lieh., Biatorina Ms. 52. Lieh., Bilinibia TVot. 51. Lieh.,
Blastadcsmia Ms. 52. Lieh., Blastotrichum Pr. 51. Fg., Blennospora
A. Gr. 51. Syn. , Boelia Wb. 53. Leg., Bolanosa As. Gr. 51. Syn.,
Bolbophyllaria G. Rchb. 52. Orch., Bolbophyllopsis G. Rehb. 52. Orch.,
BoUea G. Rchb. 52. Orch., Botryocladium Pr. 51. Fg., Botryogramme
F. 52. FiL, Botryonipha Pr. 52. Fg., Botryopsis Mrs. 51. Menisp.,
Bonchetia DC. 02. Sol. , Bowringia Benth. 51. Leg., Bowringia Hook.
53. FiL, Braehiaria Gr. 52. Gr. , Brachythecium Seh. 53. Muse., Bra-
ckenridgea As. Gr. 53. Rutac., Brunellia PL 53. Rutac., Brunnera Stev.
51. Borag., Bucanion Stev. 51. Borag. =^ Heliotropium , Buellia Not.
51. Lieh., Byssocystis Rs. 53. Fg.
Calcarisporium Pr. 51. Fg., Caligula KL 51. Eric., Callaeoearpus
Miq. 52. Ament., Callogramme F. 52. FiL, CallopismaNot. 51. Lieh.,
Calycoseris As. Gr. 53. Syn. , Calyptraria Naud. 52. Melast. , Calyp-
trella Naud. 52. Melast., Camphusia Vr. 53. Gooden., Camptotheeium
Seh. 53. Muse., Candelaria Ms. 52. Lieh., Capitellaria Naud. 52. Me-
last., CapitulariaKabenh. 51. Fg., Cardana Pr. 51. Fg., Cardioehlaena
F. 52. FiL, Carionia Naud. 51. Melast., Carlemannia Benth. 53. Rub.,
Carpenteria Torr. 53. Philad., Catenaria Benth. 52. Leg., Cathedra
Mrs. 51. Myrsin., Celidium Tul. 52. Lieh., Cephalipterum As. Gr. 52.
Syn., Cephalodoehium Bon. 51. Fg., Cephalosorus A. Gr. 51. Syn.,
Ceratogyne Turcz. 51. Syn., Chaetoptelea Liebm. 53. Urt., Chalybea
Naud. 51. Melast., Chamaecytisus Vis. 51. Leg., Chamaesphaerion A.
Gr. 51. Syn., Chamomilla C Keh. 51. Syn. = Matricaria, Chaubardia
G. Rchb. 52. Orch., Cheiroloma F. Müll. 52. Syn., Chitonia Naud. 5t.
Melast., Chlorocrepis Gr. 52. Syn., Chrysothrix Mont. 52. Lieh., Chy-
tridium A.Gr. 51. Alg., Cireinara Bon. 51. Fg., Cireinobolus Ehrenb.
53. Fg., Cladopogon C. H. Seh. 53. Syn., Cleistanthium Kz. 51. Syn.,
Clidemiastrum Naud. 52. MeList., Climacandra Miq. 52. Myrs., Coeeo-
myces Not. 51. Fg., Codoehonia Dun. 52. Sol. , Cohnia G. Rehb. 52.
Oreh., Colensoa D. Hook. 52. Lob., Coleogyne Torr. 53. Chrysob.,
Coleophora Mrs. 51. ThymeL, Combea Not. 51. Lieh., Conanthodium
As. Gr. 52. Syn., Coniogramme F. 52. FiL, Coprotriehum Bon.
51. Fg., Coptophyllum Korth. 51. Rub., Corethrodendron Fisch.
Bas. 51. Le%. , Corynites Berk. Curt. 53. Fg., Cossonia Dur.
53. Crucif. , Cor^nolobus Roem. 52. CruciL , Cremochilus Turez.
52. Lob., Cremostaehys Tul. 31. Euph., Crithopsis Jaub. Sp. 52. Gr.,
Crossophrys KL 51. Eric, Ctenopteris Ncwm. 51. FiL, Cucumi-
sporium Pr. 51. Fg., Cyanophyllum Naud. 52. Melast., Cyathostemon
Turcz. 52. Myrt., Cybiostigma Turcz. 52. Byttn. , Cyclea Wghl. 51.
Menisp., Cyclostigma KL 53. Euph., Cylindrium Bon. 51. Fg., Cylin-
drocarpus Cr. 51. Alg., Cylindrocephalum Bon. 51. Fg., Cylindro-
dendron IJon. 51. Fg., Cylindrocolla Bon. 51. Fg., Cylindrodochiuin
406 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Bon. 51. Fg., Cylindrophora Bon. 51. Fg., Cylindrotrichum Bon. 51.
Fg., CyphantheraMrs.53. Sol., Cyrlospadix C. Kch. 53. Aroid., Cvrlo-
spermum Benth. 52. Tereb.
Daphnidostaphylis Kl. 51. Eric, Darlingtonia Torr. 53. Sarrac
Dendrocnide Miq. 52. Urt. , Dendrodochium Bon. 51. Fg., DeroemerJ
G. Rchb. 52. Orch., Desmazieria Mont. 52. Lieh., Desmoschoenus D.
Hook. 53. Cyp., Desmostachys Mrs. 52. Olac, Dicaeoma Bon. 51. Fg
Diclemia Naud. 52. Melast., Diciidocarpus As. Gr. 53. Tiliac. , Dictyo'
gramme F. 52. Fi!., Didactyle Lindl. 52. Orch., Didymotrichum Bon.
51. Fg., Dilophia Thonis.53. Crucif. , Dimorpholepis As. Gr. 5^ Syn
Diolena Naud. 51. Melast., Dionycha Kaud. 51. Melast., DiotosperniJ
As. Gr. 52. Syn., Diplocladium Bon. 51. Fg., Diploclisia Mrs. 51. Me_
nisp., DiploiciaMs. 52. Lieh., Diplocrater üenth. 51. Olac, Dirichle-
tm Kl. 53. Ruh., Dirinopsis Not. 51. Lieh., Discocarpus Liebm. 52.
Urt., Discophora Mrs. 52. Olac, Dissothrix A. Gr. 51. Syn., Dithy-
rostegia A. Gr. 51. Syn., Diuroglossum Turcz. 52. ßyttn., Dollineria
Saut. 52. Crucif., Draytonia As. Gr. 53. Saurauj. , Dryomenis F. 5^
FiL, Dryopetalon As. Gr. 53. Crucif., Duttonia F. Müll. 52. Syn.
Elachanthus F. Müll. 52. Syn., Elizaldia Willk. 52. Borag
Emplectocladus Torr. 53. Rosac, Endusa Mrs. 51. Olac, Enterobo'
tryum Pr. 52. Fg., Epigynium Kl. 51. Eric, Epitriche Turcz. 51. Syn
Erbhchia Seem. 53. Passifl. , Eremopyrum Jaub. Sp. 52. Gr., Erio
chlamys Sond. 52. Syn. , Eriosorus F. 52. Fil. , Erlangea C. U. Seh.
53. Syn., Erpetina Naud. 51. Melast., Erycine Lindl. 53. Orch., Ery.
throclonium Sd. 52. Alg. , Eukylista ßenlh. 53. Rub. , Euothonaea G.
Rchb. 52. Orch., Eupteris Newm. 51. Fil., Eurhynchium Seh. 53.
Muse, Eurygenia Kl. 51. Eric , Euzomodendron Coss. 5*^. Crucif
Eyrea Champ. Benth. 51. Staphyl., Eyrea F. Müll. 52. Syn.
Fendlera Engelm. 52. Philad., Ferreira Allem. 53. Leg., Ficto-
derma Pr. 52. Fg., Fitzroya D. Hook. 52. Conif., Forchhammeria
Liebm. 53. Capp. , Fornasinia Bert. 51. Leg. = Milletia , Fregirardia
Dun. 52. Sol., Frernantia Torr. 53. Bombac , Froebelia Reg. 5'^
Epacr., Fusicladium Bon. 51. Fg., Fusicolla Bon. 51. Fg.
Galeraicta Pr. 52. Fg., Gampsoceras Stev. 52. Ram. , Gastroco-
tyle ßg. 52. Borag., Geissospermum Allem. 53. Apoc , Geocaryura
Coss. 51. Umb., Gilberta Turcz. 51. Syn., Girgensohnia Bg. 51. Chen.,
Gloeococcus A. Br. 51. Alg., Glossopetalon As. Gr. 53. Celastr., Glo-
n.opsis Not. 51. Fg., Glycyphila Mont. 51. Fg., Gnaphalodes As. Gr.
5~. Syn., Gomphinaria Pr. 51. Fg., Gomphospora Ms. 52. Lieh., Gon-
gromeriza Pr.5l.Fg., Goniopogon Turcz. 51. Syn., Gonyanera Korth.
Ol. Rub., Grammocarpus Gasp. 53. Leg., Gravesia Naud. 51. Melast
üregg.a As. Gr. 52. Crucif., Guettardella Champ. Benth. 51. Rub
Gu,l lonea Coss. 51. Umb., Guiraoa Coss. 51. Crucif., Gyalolechia Ms!
04. Lieh., GymnocarpiumNcwm.51.Fil., Gyrostephium Turcz. 51. Syn.
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 407
Haeckeria F. Müll. 52. Syn., Haematomma Ms. 52. Lieh., Ha-
loxylon Bg. 51. 52. Chen. , Haplopetalon As. Gr. 53. Legnot., Hel-
niinlhophora Bon. 51. Fg., Hemestheum Newm. 51. Fil., Ilemicardion
F. 52. Fil., Ilemicrambe Wb. 51. Crucif., Hemisleirus F. Müll. 52.
Amarant., Henrieltella Naud. 52. Melast. , llerpolirion D. Mook. 53.
Lil., Heteranlhelium Höchst. 52. Gr., Heteroctadium Seh. 52. Muse,
Heterophlebium F. 52. Fil., Hexuris Mrs. 51. Triurid., Heydenia Fres.
5^ Fg., Heyfeldera C. H. Seh. 53. Syn. , Hofmeistera G. Rchb. 52.
Orch.= Hofmeisterella, Holochilus Dalz. 52. Eben., Holopeira Mrs. 51.
Menisp, ilonialolheciumSch.51. Muse, Homocentria Naud. 51. Melast.,
HomocncmiaMrs.51. Menisp., Horminctis Pr.51. Fg., Hormococcus Pr.
52. Fg., Hormodendron Bon. 51. Fg., Hormomyces Bon. 51. Fg.,
Hyalisma Champ. 51. Triurid., Hyalolaena Bg. 52. Umb., Hyalochla-
mys A. Gr. 51. Syn., Hyeronima Allem. 53. Euph., Hylocomium Seh.
52. Muse, Hyocomium Seh. 53. Muse., Hyperbaena Mrs. 51. Menisp.,
Hypochlamys F. 52. Fil., Hypserpa Mrs. 51. Menisp., Hyrlanandra
Miq. 52. Urt., Hystricapsa Pr. 51. Fg.
Ileocarpus Mrs. 51. Menisp,, Ulairea Lenn. C. Kch. 53. Loas.,
Jone Lindl. 53. Orch., Isodendrion As. Gr. 52. Viol., Isoetopsis Turcz.
51. Syn., Ixiochlamys F. Müll. 51. Syn.
Kastnera C. H. Seh. 53. Syn., Kefersteinia G. Rchb. 52. Orch.,
Kegelia G. Rchb. 52. Orch., Kellettia Seem. 53. Tiliac, Kingsboroughia
Liebm. 53. Sapind., Kokoona Thwait. 53. Hippocr.
Lachnastoma Korth. 51. Rub. , Lachnophyllum Bg. 51. Syn.,
Lagenandra Dalz. 52. Ar. , Laphamia As. Gr. 52. Syn. , Lasiocarpus
Liebm. 53. Malp., Lecothecium Trevis. 52, Lieh., Lemairea Vr. 53.
Good., Lepidoneuron F. 52. Fil., Lepisiphon Turcz. 51. Syn., Leptotriehe
Turcz. 51. Syn., Leskuraea Seh. 51. Muse, Lesquereuxia Boiss. Reut.
53. Scroph. , Leucanthea Scheel. 52. Scroph., Leucocnide Miq 52.
Urt., Leucococcus Liebm. 52. Urt., Leucopoa Gr. 52. Gr., Limnobium
Seh. 53. Muse, Limnonesis Kl. 52. Ar. , Lindelosia Lehm. 51. Borag.,
Lindsaynium F. 52. Fil., Listrostaehys G. Rchb. 52. Orch., Littonia
Hook. 53. Melanth , Lituaria Rs. 53. Fg., Llavea Liebm. 53. Celastr.,
Lophodium INewm. 51. FiL, Lorenzanea Liebm. 53. Sapind., Loxosca-
phe Moor. 53. Fil, Loxospora Ms. 52. Lieh,, Luma As. Gr. 53. Myrt.,
Lycomormiura G. Rchb. 52. Orch.
Macrocymbium Wp. 53. Leg. , Macrodictya Ms. 52. Lieh , Ma-
crolenes Naud. 51. Melast., Macrostegia Turcz. 52. Thym., Mafureira
Benth. 51. Mel. = Trichilia, Malortiea Wendl. 53. Palm., Marina Liebm.
53. Leg., Massowia C Kch. 52. Ar., Masligosporium Rs. 52. Fg.,
Matthieua Kl. 53. Amaryll., Mavia Bert. 51. Leg. = Erythrophloeum,
Melanosorus Not. 51. Fg., Mesospinidium G. Rchb. 52. Orch., Mico-
niastrum Kaud. 51. Melast., Microcybe Turcz. 52. Rut. , Micropeplis
Bg. 52. Cheaop., Microrhammus As. t^r. 52. Uhamn,, Microphysa Naud
408 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
5t. Melast , Microsphaera Lev. 51. Fg- , Microstoma Bernst. 52 Fg.,
Milligania Hook. ol. 53. = Gunnera , Milligania D. Hook. 53. Astel.,
Miltianthus Hg. 52. Rut. Zyg. , Minyranthes Turcz. 51. Syn., Mischo-
blaslia Ms. 52. Lieh., Molkenboeria. Vr. 53. Gooden. , Monencyanthes
As. Gr. 52. Syn., Monosporiiim Bon. 51. Fg., Monothrix Torr 52.
Syn., Mortonia As. Gr. 52. Celastr. , Mucrosporium Fr. 51. Fg., My-
riopteris F. 52. Fil., Älyrtobiuin Miq. 52. Lor. , Myurilla Seh. 53.
Muse, Myxocyclus Rs. 52. Fg.
Naudinia PI. 53. Rutac, Naucleopsis Älin. 53. Urt. , Nematoce-
ras D. Hook. 53. Orch., Nematolepis Turcz. 52. Rut., INematopus A.
Gr. 51. Syn , Neodryas G. Rchb. 52. Orch., Neogyna G. Rchb. 52. Orch.,
Neotinea G. Rchb. 52. Orch., TS'epa Wb. 53. Leg., Nephroica Mrs. 51.
Menisp., Nereia Zanard. 51. Alg., Neurodium F. 52. Fil., Keustanlhus
Benth. 52. Leg., Kodulisporium Fr. 51. Fg., Notocentrum Naud. 52,
Melast., Wotolcpeum Newm. 51. Fil.
Ochrolechia Ms. 52. Lieh., Odontocarya Mrs. 51. Menisp., Odon-
tosoria F. 52. Fil , Oedocephalum Fr. 51. Fg., Oerstedella G. Rchb.
52. Orch., Oligodorella Turcz. 51. Syn., Omphalopus Naud. 51. Me-
last., Oncocarpus As. Gr. 53 Tereb., Ophryococcus Oerst. 52. Rub.,
Oreocnide Miq. 52. Urt., Orthaca Kl 51. Eric, Orlhothecium Seh. 52.
Muse, Othonnopsis Jaub. Sp. 52. Syn,, Otosema Benth. 52. Leg.,
Ougeinia Benlh. 52. Leg., Oxycladus Mrs. 52. Bign., OzocladiumMont.
51. Lieh.
Pachygone Mrs. 51. Menisp. , Pachyospora Ms. 52. Lieh. , PaU
lasia Kl. 53. Rub., Papperilzia G. Rchb. 52. Orch., Papulaspora Pr. 51.
Fg., Parabaena Mrs. 51. Menisp. , Paradisanlhus G. Rchb. 52. Orch.,
Paraphysoma Ms. 52. Lieh., Parasponia Miq. 52. Urt., Parlhenice As.
Gr. 53. Syn. , Passowia Karst. 52. Lor. , Pelea As. Gr. 53. Rutac.,
Peltula INyl. 53. Lieh,, Pendulina Willk. 52. Grucif. , Pentacrophys
As. Gr. 53. Kyctag., Pentapterygium Kl. 51. Eric, Pericanipylus Mrs.
51. Menisp., Pericollium Bon. 51. Fg., Pericome As. Gr. 53. Syn.,
Pescatoria G. Rchb. 52. Orch. , Peteria As. Gr. 52. Leg, , Phacopsis
Tul. 52. Lieh., Phegopteris F. 52, Fil., Phlebiogonium F. 52. Fil.,
Pholidiopsis F. Müll. 52. Myop., Phyllactinia Lev. 51. Fg., Phyllitis
Newm. 5t. Fil,, Phymatotrichum Bon. 51. Fg., Picrophyta F. Müll.
52. Gooden, Piptostenima Turcz. 51. Syn., Piptostylis üalz. 51. Au-
rant., Plagiolhecium Seh. 52, Muse, Platycentrum IVaud. 52. Melast.,
J'l^tygyrium Seh. 51. Muse , Plecosorus F. 52. Kil., Pleiochiton As. Gr.
53. Melast., Plenodomus Pr. 51. Fg., Pleogyne Mrs. 51. Menisp., Ple-
randra As. Gr. 53. Aral., Pleuroeystis Bon. 51. Fg. , Pleurosorus F.
52. Fil., Podachaenium Benth. 52. Syn,, Podopeltis F, 52. Fil., Po-
gonopus Kl. 53. Rub., Polyblastia Ms. 52. Lieh., Polyboea Kl. 51.
Eric. , Polycalynma Sond. 52. Syn , Polyscytalum Rs. 53. Fg., Poly-
stictus Fr. OL Fg., Porphyrispora Ms. 52. Lieh., Porteria Hook, 52.
und systematischen Botanik während des Jahres 1853. 409
Valer., Portieria Zanard. 5I.Alg, Prismaria Pr. 51. Fg., Proclcsia Kl.
51. Eric, Proscephaleium Korth. 51. Rub., Prosorus Dalz. 52. Euph.,
Psammisia Kl. 51. Eric, Psathyrotes As. Gr. 53. Syn., Pseudathyrium
Kewm. 51. Fi]., Pseudoleskea Seh. 52. Muse, Pteroneuron F. 52.
Fil. , Pterozonium F. 52. Fil , Ptilagrostis Gr. 52. Gr , Pulvinaria
Bon. 51. Fg., Punicella Turcz. 52. Myrt. , Pustularia Bon. 51. Fg.,
Pycnarrhena Mrs. 51. Menisp. , Pyrenodermium Bon. 51. Fg. , Pyro-
dochium Bon. 51. Fg., Pyxidanthus Kaud. 52. Melast.
Radojitskya Turcz. 52. Thym., Raoulia ü. Hook. 52. Syn. , Rav-
nia Oerst. 52. Ruh., Reinoldsia As. Gr. 53. Aral. , Rennellia Korth.
51. Ruh., Rhaptomeria Mrs. 51. Menisp., Rhodocladia Sd. 52. Alg.,
Rhodoseris Turcz 51. Syn. , Rhynchostegium Seh. 52, Muse. , Rhyn-
chostele G. Rchb. 52. Orch. , Rhytidandra As. Gr. 53. Olac. , Rieaso-
lia Not. 51. Lieh., Ricasolia Ms. 52. Lieh, Richella As. Gr. 52. Anon ,
Riessia Fr. 52. Fg., RoseaKl. 53. Rub.,Rutidochlamys Sond. 52. Syn.
Saccocalyx Coss. Dur. 53. Lab., Sageraea Dalz. 51. Anon.,
Sahagunia Liebm 52. Urt., Sandersonia Hook. 53. Melantb. , Sarcodes
Torr. 53. Pyrol., Sareogyne Flot. 51. Lieh., Sarcomeris Naud. 51. Me-
last., Sarmentaria Kaud. 52. Melast., Sartwellia As. Gr. 52. Syn., Sa-
tyria Kl. 51. Eric, Saxogothaea Lindl. 52. Conif., Scheeria Seem. 53.
Gesner., Schenkia (ir. 53. Gent., Schizopsera Turcz. 51. Syn., Schlag-
intweitia Gr. 52. Syn., Sehlimmia Lindl. 52. Orch. , Schmidtia Steud.
52. Gr., Schuermannia F. Müll. 52. Myrt., Sciadoseris Kz. 51. Syn.,
Sciadotenia Mrs. 51. Menisp., Scleropodium Seh. 53. Muse, Scolicio-
sporum Ms. 52. Lieh., Scopularia Pr. 51. Fg., Scutisporiuni Pr- 51.
Fg., Scutula Tul. 52. Lieh., Scyphocoronis As. Gr. 52. Syn., Seyphu-
laria F 52. Fil., Selinoearpus As. Gr. 53. Nyetag. , Semiramisia hl.
51. Eric., Septocolla Bon. 51. Fr., Serieodes As. Gr. 52. Rut. Zyg.,
Sicyosperma As. Gr. 53. Cueurb. , Sigmastostalix G. Rchb. 52. Orch,
Siphoeodon Turcz. 52 Camp., Siphonandra Kl. 51. Eric, Soaresia Al-
lem. 53. Urt., Socratesia Kl. 51. Eric, Sophoclesia Kl. 51. Eric, So-
ridium Mrs. 51. Triurid., Sphaerocista Pr. 52. Fg., Sphaerogyne Naud.
51. Melast., Sphaerosperma Pr. 52. Fg., Sphaerotheca Lev. 51. Fg.,
Spiraeanthcmuni As. Gr. 53. Legnot., Spiroehaeta Turcz. 51. Syn.,
Spiroconus Stev. 51. Borag , Sporodictyon Ms. 52. Lieh., Sporopodiun\
Mont. 51. Lieh., Spraguea Torr. 53. Portul., Sprucea Benlh. 53. Ruh.,
Stangeria Moor. 53. Cycad. , Staphidiastrum Kaud. 52. Melast., Stan-
hopeastrum G. Rchb. 52. Orch., Staphidium Naud. 52. Melast., Stau-
ranthus Liebm. 53. Hie, Stekhovia Vr. 53. Good. , Steetzia Sond. 52.
Syn., Stemmaria Pr. 51. Fg., Stenoehasma Miq. 52. Urt., Steno-
loma G. 52. Fil., Stenomeria Turcz. 52. Ascl. , Stcnomeris PI. 52.
Burra., Stilaginella Tul. 51. Antidesm. , Stilbodendron Cou. 51. Fg.,
Stipellaria Benth. 53. Euph. , Stocksia Benth. 53. Sapind , Stracheya
Bcüth. 53. Leg., Slrcblosa Korth, Cl. Rub., Slreptodesniia As. Gr. 53.
410 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Leg. , Streptogon Wils. 51. Muse. , Streptorhamphus Bg. 52. Syn.,
Strobilomyces Berk. 51. Fg., Stuartina Sond. 52. Syn., Synphragmi-
dium Strs. 53. Fg., Synsphaeria Bon. 51. Fg., Synsporium Pr. 51. Fg.
Taeniola Bon. 51. Fg., Taeniopetalum ßg. 52. Umb. , Talinopsis
As. Gr. 52. Fortal., Tapinocarpus Dalz. 51. Ar., Taurostalyx G. Rchb.
52. Orch., Tessarandra Mrs. 51. Oleac. , Telraclea As. Gr. 53. Verb ,
Tetrapiasandra As. Gr. 53. Aral. , Teucridium D. Hook. 52. ßorag.,
Thalloidima Ms. 52. Lieh. , Thamnium Seh. 52. Muse. , Thedenia Seh.
52. Muse. , Themistoclesia Kl. 51. Eric. , Thuidium Seh. 52. Muse,
Thunia G. Rchb. 52. Orch., Thysanospermum Chainp. Benth. 51. Rub.,
Tilachlidiuni Pr. 51. Fg. , Tinomiscium Mrs. 51. Menlsp. , Tinospora
Mrs. 51. Menisp., Tolypomyria Pr. 52. Fg., Toninia Ms. 52. Lieh.,
Toxanthes Turcz. 51. Syn., Trianaea PI. 53. Polem., Tribrachya Korth.
51. Rub., Tricerma Liebm. 53. Celastr , Trichanthodium Sond. 52. Syn.,
Trichobasis Turcz. 52. Myrt. , Trichostegia Turcz. 51. Syn., Tricho-
stigma Rieh. 51. Phytol., Trigonotis Stev. 51. Borag. , Triolena Naud.
51. Melast. , Triptilodiscus Turcz. 51. Syn. , Trismeria F. 52. Fil.,
Tuberostylis Stz. 53. Syn., Tyria Kl. 51. Eric.
Uncinula Lev. 51. Fg., Urocladium Pr. 51. Fg., Urodesmium
Naud. 51. Melast.
Vepreeella Naud. 51. Melast., Verticieladium Pr. 51. Fg.
Warczewiczella G. Rchb. 52. Orch., Warczewiczia Kl. 53. Rub.,
Würthia Reg. 51. Irid.
Xanthochrysum Turcz. 51. Syn., Xerobotrys INutt. 51. Eric,
Xerococcus Oerst. 52, Rub. , Xiphizusa Lindl. 52. Orch., Xiphostylis
Gasp. 53. Leg.
Zurloa Ten. 52. Meliac, Zwaardekronia Korth. 51. Rub
Bezieht über die Leistungen im Gebiete der
llerpetolog^ie während des Jahres 1§54.
Vom'
IE e r a u s g- e !» e Ff
Nachdem die Erpetologie generale von Dum er il und
Bibron, aus Veranlassung des frühzeitigen Todes des Letz-
teren während einer Reihe von Jahren in Stocken gerathen
war, hat im Jahre 1854 dieses jedenfalls für die Aniphibien-
kunde äusserst wichtige Werk durch das fast gleichzeitige
Erscheinen dreier Bände sein Ende erreicht. Dumeril hat
sich mit seinem Sohne zu der Vollendung vereinigt. Der
siebente Band in seinen zwei Abfheilungen behandelt den
bereits im sechsten Bande begonnenen Abschnitt über die
Schlangen, der neunte Band bringt die geschwänzten Batrachier.
In dem letztgenannten Bande ist ein sehr nützlicher und ge-
wiss jedem Leser willkommener Anhang beigefügt: Repertoire
ou resume systematique et methodique des ordres, familles,
genres et especes de la Classe des Reptiles dont l'histoire
et les descriptions sont comprises dans I'Erpetologie gene-
rale. Dadurch, dass hier in aller Kürze sämmtliche Gattun-
gen und Arten charakterisirt sind, wird jedenfalls das schwie-
rige und langwierige Geschäft des Bestiminens der Amphi-
bien wesentlich vereinfacht und erleichtert. — Wenn wir so
die Vollendung dieses Werkes freudig begrüssen, so ist an-
dererseits leider nicht zu leugnen, dass diese letzterschiene-
nen Bände an mancherlei Mängeln leiden. Vor allen Dingen
iül zu erwähnen, und ich selbst habe es vielfach ciiipfuiid'cnj
412 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiele der
wie schwierig es ist Schlangen nach diesem Buche zu be-
stimmen. Dieselbe Klage habe ich von mehreren anderen
Seiten vernommen. Ich glaube, der Grund hierzu liegt haupt-
sächlich darin, dass die Familiencharaktere nicht scharf und
gegensätzlich genug gefasst sind ; dasselbe gilt auch von den
Gattungen, namentlich unter den Aglyphodonten. Ferner
finden sich hin und wieder Flüchtigkeiten, Widersprüche und
Willkürlichkeilen. Da dies letztere Urtheil vielleicht hart er-
scheinen möchte, so mögen einige Beispiele es rechtfertigen.
So sind die Lycodontiens Tome VlI. pari. 1. p. 25 in der Ta-
belle durch urosteges doubles charakterisirl; im Texte wird
dann p. 366 und 367 eine Abtheilung derselben Familie da-
nach eingetheilt, ob die urosteges en rang simple ou double
vorhanden sind. Von derselben Familie Lycodontiens steht
p. 352 unter den Familiencharakteren : crochets .... sans
espaces vides entre eux, und doch werden die Tribus p. 356
und 357 danach unterschieden, ob ein espace libre vorhan-
den ist oder nicht. Wer soll danach bestimmen? Ferner
werden die Gattungen Vipera (p. 1403) und Echidna (1420)
dadurch unterschieden, dass erstere seitliche , letztere obere
Nasenlöcher besitze; später p. 1424 haben einige Arten der
Gattung Echidna obere, andere seitliche Nasenlöcher. Daher
ist denn auch die mit Echidna arietans sehr nahe verwandte
Vipera nasicornisReinh. = Echidna nasicornis Merrem fälsch-
lich zu Vipera gestellt, und noch dazu ihr ein ganz unnützer
neuer Speciesname gegeben worden. — Wie willkürlich mit
der Nomenclatur verfahren wird, dafür liefert die berühmte
Salamandra maxima aus Japan ein Beispiel. Nachdem die-
ses Thier bereits (j'rei Gattungsnamen erhalten hatte (Megaloba-
trachus Tschudi , Cryptobranchus Van der Hoeven, Sieboldia
Bonap.) wird hier ein vierter Tritomegas creirt ; als Recht-
fertigung heisst es Tom. IX. p. 163 ganz naiv: Nous n'avons
pas adopte ce nom de Megalobatrachus, parce qu'il signifie
grosse grenouille , et non pas dans le vain desir d'innover;
nous rejetons aussi celui de Sieboldia, n'aimant pas ä donner
ä un genre d'animal le nom d'un homme distingue. Solche
Beispiele Hessen sich übrigens in Menge anführen. Wenn-
gleich es bedaurenswürdig ist, dass einem so grossartigen
Werke dergleichen Vorwürfe gemacht werden können, so
Herpelologie während deg Jahres 1854. 413
bleibt dasselbe doch immer in hohem Grade verdienstlich,
lind es wird wahrscheinlich noch auf längere Zeit den ersten
Rang unter den herpetologischen Schriften einnehmen.
Nachdem Kelaart in den Annais nat. bist. XIII. p. 27
eine Anzahl neuer oder wenig bekannter Arten von Reptilien
aus Ceylon beschrieben hatte , von denen sich unten nähere
Angaben finden, gab er (ib. p. 137) ein Verzeichniss der in
Ceylon gesammelten Reptilien. Ihnen fügte er (ib. p. 407)
noch einen neuen Scincoiden und einen neuen Laubfrosch
hinzu.
Mit Einschluss dieser beiden letzteren beträgt die Zahl sämmt-
licher Amphibien 84, denen noch 6 bis 8 Schlangen, die nicht be-
stimmt werden konnten , hinzuzufügen sein werden. Ebenso 5 Ba-
trachier, welche Blyth in seinem Report 1853 aufgestellt hat. Nach
den einzelnen Gruppen vertheilt sich die Zahl der Arten folgender-
maassen : 2 Monitoren, 5 Scincoiden, 2 Acontiaden, 1 Typhlopside,
7 Uropeltiden, 9 Geckonen, 8 Agamen, 1 Chamaelcon, zusammen 35
Eidechsen; 2 Riesenschlangen, 13 Colubriden , 8 Giftschlangen, zu-
sammen 23 Schlangen ; 2 Landschildkröten, 1 Emys, 1 Emyda, 2 See-
schildkröten, zusammen 6 Schildkröten; 3 Krokodile; 7 Wasserfrösche,
6 Laubfrösche, 3 Kröten, 1 Coecilide, zusammen 17 Batrachier.
Von der Voyage au Pole Sud et dans l'Oceanie sur les corvet-
tes l'Astroiabe et la Zelee ist im Jahre 1853 der dritte Band der
Zoologie erschienen, welcher auch die Reptilien enthält. Dieselben
sind vonjacquinot und Guichenot bearbeitet, und enthalten
Beschreibungen von Arten aus den Ordnungen der Eidechsen (14),
Schlangen (4) und Batrachier (5). Alle sind in schönen illuminirten
Abbildungen dargestellt. Die ursprünglich neuen Arten sind bereits
in den Werken von Dumeril und Bibron, sowie von A. Dume-
ril berücksichtigt worden , und daher jetzt nicht mehr neu. Nur
eine Eidechse und zwei Schlangen sind hier zum erstenmale genannt
worden.
In „Ladak , physical Statistical and historical by Alexander
Cuningham. London 1854" ist p. 195 ein Abschnitt über die Pro-
dukte enthalten. Daselbst wird angegeben, dass der Reisende nur eine
kleine Eidechsenart sah.
In Borneo giebt es nach Schwaner „Beschrejving van het
Stroomgebied van den Barito. Amsterdam 1853. p. 35" viele giftige
Schlangen, sowohl Land- als Wasserschlangen, und viele Krokodile,
die manche Schlachtopter fordern.
Die nalurhistorischen Nachrichten über die Reptilien in Abys-
ginien , welche sich in Mansfield Parkyns j,Life in Abyssinia
414 Troschel: Bericht über die lieislungen im Gebiete der
Vol. 11. p. 305. London 1853" finden, sind sehr allgemein gehalten,
und können daher hier nur eben erwähnt werden.
Nachdem Hallo well einige neue Reptilien von Liberia in
Afrika beschrieben hat, welche unten namhaft gemacht werden, und
eine Reihe von Bemerkungen über früher von ihm beschriebene
Reptilien gemacht hat, die sich vorzüglich auf die Berichtigung der
Synonymie beziehen, und eine Aenderung der Namen herbeiführen,
macht er Bemerkungen über die geographische Verbreitung der Re-
ptilien. Proc. Flilad. 98.
In einer Notiz über die Fauna der Insel Pinos bei Cuba zählt
Poey Memorias p. 427 neue Amphibien auf, nämlich 2 Schildkröten
und 7 Eidechsen.
Sehr allgemein gehalten sind die Angaben über die Ämphibien-
fauna in R. Wallace A Narrative of travels on the Amazon and Rio
negro. London 1853.
Clieloiiii«
Peters konnte auch bei den Flussschildkröten, die
früher bei den Sumpfschildkröten entdeckten Moschusdrüsen
nachweisen (Monatsberichte der Berliner Academie 1854.
p. 284).
Bei Gymnopus gangeticus und javanicus findet sich ausser den
beiden Seitenpaaren, deren Ausführungsgänge das Sternum durchboh-
rend an der untern platten Bauchseite des Thieres ausmünden , noch
jederseits unter dem vorderen Rande des Thoraxschildes eine Drüse,
welche etwa in der Mitte jeder Seitenhälfte des abgerundeten vorde-
ren weichen Schildrandes durch eine Spalte nach aussen mündet. Bei
Gymnopus spinifer (lerox) und muticus , ebenso bei Emyda punctata
(Cryptopus granosus), Emyda vittala und Cycloderma frenatum finden
sich jedoch nur zwei Paar Diüsen, indem sich von den mittleren an
den Parasternalia anteriora ausmündenden Drüsen nichts entdecken lässt.
Luigi Calori veröffentlichte in den Memorie delia
accademia di Bologna iV. 1853. p. 14^ eine Abhandlung Sulla
nialrice degli scudelti cornei della cassa loracico-addominali
dei Cheloni.
Bei Gelegenheit der Beschreibung von vier neuen Arten
der Gattung Kinosternum in den Proc. Philadelphia Vil. p„ 180
Iheilte Le Conte eine üebersicht seiner Eintheilung der
Schildkröten mit. Er unterscheidet vier Familien :
1. Pedes penniformes , sternum osse episternali postice pro-
ducto. Gen. Chelone ßrog., Sphargis Merr.
Herpetologie während des Jahres 1864. 415
2. Pedes compressi ungulati, sterno scuto singulo (abdominali)
alalo , alarum niarginihus non inflexis. A. Sternum osse episternali
poslice producto. Gtn. Chelydra Schw. , Staurotypus Wagl., Trionyx
(Jeoffr , Einyda Gray. B. Sternum plus minus uni - vel bivalve, osse
episternali maxinio, entosternali obsoleto, alis a scuto abdominali so-
lum projeclis. Gen, Kinosteinum (Staurotypus part. Dum., Slernothae-
rus part. Beil., Cisludo Say).
3. Pedes ungulati plerumque compressi; sternum scutis duobus
alatis , alarum marginibus, excepta Cisludine, fortiter inflexis; scutis
caudalibus duobus distinctis. a. Sternum scutis 11 s. 12 tectum. Gen.
Emys, Platysternum Gray, Teleopus n. gen. Lutremys Gray, ("istudo
Flem. ß. Sternum scutis 13 tectum. Gen. Chelys Dum. , Chelodina,
Sternolhaerus Bell, Pentonyx Dum., Platemys, Podocnemis Wagl.
4. Terrestres; corpus sculalum ; sternum alatum, sutura laterali
ossea, alarum marginibus fortiter inflexis; pedes clavati; scutum cau-
dale nunquam divisum, sed Stria superiore perpendiculari fortiter im-
pressa, qua in partes duas secari videtur. Gen. Testudo, Pyxis Bell,
Homopus Dum., Kinyxis Bell.
Die Charaktere der oben angeführten neuen Gattung Teleopus
sind: Terrestris ; sterno solido, sutura laterali ossea, alis scutellis ad-
dititiis duobus, scutellis brachialibus luxatis et quasi inter marginem
pectoralis inferiorem et abdominalis superiorem propulsis, unguibus
5 — 5. T. litxalus n. sp. von Java.
Was nun die Gattung Kinosternon betrinkt, so werden zunächst
die Gattungscharaktere festgestellt, und dann drei Gruppen unter-
schieden:
1. Mit zweiklappigem Brustbein , die Klappen sind mit dem
Bauchstücke durch Ligamente verbunden. K. longicaudatum , scorpi-
oides, mexlcanum, integrum aus Mexiko, leucostomum.
2. Vordere Klappe des Brustbeins mit dem Bauchstücke theils
durch Ligament, theils durch Kaht verbunden, das hintere nur durch
Kaht; Flügel ziemlich lang, mit einer tiefen und weiten Grube am
vorderen Bande. K. pennsylvanicum, sonoriense von Sonora.
3. Brustbein schmal, fast kreuzförmig, Klappen mit dem Bauch-
stücke durch Nähte verbunden, deren Seitenzähne so gross sind, dass
sie eine kleine Bewegung, namentlich an der hinteren Klappe zulas-
sen ; Flügel lang und schmal, ohne eine Grube am inneren Theile,
Schwanz unbewaünel. K. odoratum, gutlatum aus Pennsylvanien.
Vier andere Arten K. hirtipes Wagl , brevicaudatum Spix, cruen-
tatum und Doubledayii Gray sind dem Verf. nicht aus eigener An-
schauung bekannt. Schiesslich giebt der Verf. noch ein Verzeichniss
der Amerikanischen Schildkröten mit Ausschluss der Seeschildkröten.
J. E. Gray beschrieb in Proc. zool. soc. 1852 December einige
416 Troschel : Bericht über die Leistungen im <5ebiete der
neue Schildkröten. Darunter ein neue Gattung Manouria, die er
der Familie der Eniyden zuzählt. Das Schild ist etwas deprimirt.
Schwanzplalten doppelt, getrennt; Brustbein solid, breit, vorn vorge-
zogen und schwach gekerbt, hinten eingeschnitten, mit nur fünfPaaren
breiter Schilder, Brustschilder kurz , dreieckig, nur den Winkel zwi-
schen den Humeral- und Abdominalschildern einnehmend; Axillar-
schilder klein, Inguinalschilder grösser; die Areola der Scheibenschü-
der central. Die Art iW. fusca stammt von Singapore.
Ausserdem sind ib. beschrieben : Emys laliceps vom Gambia,
Hydromedusa subdepressa von Brasilien, Hydraspis Spixii ebendaher,
Cyclanorbis Petersii vom Gambia.
J. E. Gray beschrieb ferner eine neue Schildkröte Testtido
planiceps von den Galopagos-Inseln Proc. zool. soc. 1853. p. 12.
Emys nigra ist eine neue Art von Hallo well von Posa Creek
in Unter-Californien. Proc. Philad. VII. p. 91.
SSaurii.
Poelman bestätigte von Neuem die Thatsache, dass
eine bleibende Communicalion des venösen und arteriellen
Blutes in den Aorten der Kroliodile vorhanden sei, woran
Cuvier und Duvernoy zweifelten (Bulletin de l'Academie
de Belgique 1854. p. 67).
Dagegen bestätigte Poey in einem Aufsatze über die
Circulation des Krokodils) Meinorias sobra la historia natural
de la isla de Cuba p. 'i58) die Du v ern o y'sche Ansicht,
nach welcher die Basalöffnung der Aorten sich bei den alten
Krokodilen schliesse. In dem Septum der Herzkammern fand
er viele Foramina, die jedoch keinen offenen Durchgang
bildeten.
Nachträglich ist zu bemerken , dass die ausführliche
Abhandlung von Brücke Untersuchungen über den Farben-
wechsel des afrikanischen Chamäleons in den Denkschriften
der Wiener Academie 1852. p. 179 erschienen isl.
Folgende neue Arten und Gattungen wurden in der
Ordnung der Eidechsen aufgestellt:
Cnemidophorus undulalus Hallowell Proc. Philad. VII. p. 94 von
Fort Yuma, in San Joachim Valley. — Cn. gutlahisllüWowcW ib. p. 192
aus Texas.
Proctoirelus femoratus und Stunloni Girard Proc. Philadelphia VII.
p. 227 von Santiago in Chile.
Herpelologie während des Jahres 1854. 417
Auf Crotaphytus dorsalis baird et Girard gründete Hallo w eil
Proc. Philad- VII. p. 92 eine neue Gattung Dipsosaurus mit fol-
genden Charakteren : Kopf dreieckig, oben und vorn mit Höckern be-
deckt; Nasenlöcher seitlich oben, in einer einzigen Schuppe, Roslral-
platte vertical, dreieckig ; Kiefer mit einer Reihe glatter vierseitiger
Platten gerandet ; Trommelfell sichtlich , eingedrückt ; Obertheil des
Körpers mit gekielten , hinten mehr oder weniger abgerundeten, in
schiefen Reihen geordneten Schuppen; eine Reihe viel grösserer
Schuppen längs der Rückenlinie, und viel stärker gekielt, bildet einen
schwachen Rückenkamm; eine Kehlfalte; Uauchschuppen vierseitig,
glatt ; Schenkelporen ; Schwanz mit Querreihen wirteiförmiger und
gekielter Schuppen. — Unterscheidet sich von Crotaphytus durch die
viereckigen Bauchschuppen und den Rückenkamm, von Leiolepis durch
die Höcker am Kopf, und von Ilomalosaurus durch die Gestalt der
Randplatten des Oberkiefers.
Urosauru s Hallowell nov. Gen. Proc. Philad. \1I. p. 92. Kör-
per sehr schlank und wie auch der Kopf niedergedrückt; Schuppen
am Rücken grösser als an den Seiten und stark gekielt; Nasenlöcher
oberhalb in einer einzigen Schuppe; Kopf mit Schildern bedeckt; Ohr-
öCFnung sehr deutlich; eine Kehlfalte; Gliedmassen schlank; Zehen
5—5; Schwanz sehr schlank und zugespitzt, wirteiförmig; Schen-
kelporen , aber keine Afterporen. U. graciosus von Nieder - Cali-
fornien.
Sceloporus magisler von Fort Yuma an der Vereinigung des Co-
lorado und Gila und biserialis von den Ufern des Ei Paso Creek und
im Tejon-Thale sind neue Arten von Hallo well Proc. Philad. VII.
p. 93.
Am Schlüsse eines Aufsatzes Essai d'application ä la classe des
Reptiles d'une distribution par series paralleles (Revue de Zool. p.467
und 544) beschreibt Aug. Dumeril eine neue Gattung aus der Fa-
milie derlguanen. Pac/iy c er cm s Dujes et Broconnier. Kopf dreieckig,
leicht abgeplattet, ganz mit polygonalen Granulationen bedeckt und
ohne Occipitalplatte. Hals und Rücken ohne Kamm. Zähne am Gaumen.
Schwanz dick, oben platt, unten gewölbt; Schwanzschuppen polygo-
nal in ihrer Mitte mit einem Dorne bewadnet, der in der Mittelreihe
und in den Seitenreiheu stark hervortritt. Verwandt mit den Gat-
tungen üplurus und Doryphorus unter den Iguaniens Pleurodontes. Die
Art P. aculeahts aus Peru ist auf Taf. 12 abgebildet.
BoUalia sublaevis Gray wurde von Kelaart Annais XIII. p.28
beschrieben und für verschieden von Ilemidaetylus Leschenaultii und
frenatus erklärt.
Fackydaclylus iristis Hallowell Proc. Philadelph. VII. p.98 von
Liberia.
Archiv f. Naturgesch. XX[. Jahrg. 2. Ud. ßß
418 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Burnett beobachtete wieder (vergl. vor. Ber. p. 113)
einen Ophisaurus venlralis, der vor zwei Monaten seinen
Schwanz verloren und ihn schon auf eine Länge von 3 Zoll
reproducirt hatte. (Boston Proc, IV. p. 30P.)
Aeusserlich war die Ansatzlinie sichtbar, und die Schuppen an
dem ersten Zoll des neuen Theils waren unregelmässig, an den letz-
ten zwei Zollen waren sie in deutlichen Reihen wie am alten Theile
geordnet. Offenbar bildet sich ein Wirbel nach dem andern mit sei-
nen Muskeln und Nerven. Zuerst bildet sich ein Wirbel an dem letz-
ten Wirbel des alten Theils, dann folgen nach einander die übrigen,
bevor noch der jedesmal vorhergehende vollendet ist. Verf. fand,
dass die Bildung wie in der Embryologie stattfinde. Auch das Rük-
kenmark war reproducirt.
Euprepis striala Hallowell Proc. Philad. VII. p. 98 von Liberia.
Eumeces Taprobanensis Kelaart von Ceylon Annais XIII. p. 407.
— E. Wiegmanni Hallowell Proc. Philad. VII. p. 95. — E. niger
Hombr. Jacq. Voy. au Pole Sud.
Kelaart charakterisirte Nessia Burloni Gray, und stellte eine
neue Art Acontias Layardi von Ceylon auf. (Ann. nat. bist, XIII. p. 25).
ISerpeiites.
Die Uebersicht der Familien der Schlangen mit ihren
Gattungen nach Dumeril ist bereits im vorigen Jahresbe-
richte gegeben. Hier sei nur noch bemerkt, dass die Fami-
lie Colubriens in der Herpetologie generale (vergl. oben
p. 411) in Coryphodontiens umgetauft worden ist. Auch die
einzige Gattung ist Coryphodon genannt worden, und somit
der alte Linne'sche Name Coluber ganz getilgt. — In Be-
treff anderer Aenderungen kann wohl um somehr auf das
Buch selbst verwiesen werden, als es ohnehin keinem Her-
petologen fehlen darf.
Spencer Baird beschrieb in einer kleinen Schrift
„on the Serpents of New - York , with a notice of a species
not hitherto included in the Fauna of the State. Albany 1854. 8."
die Schlangen der Fauna von New-York.
Es sind im Ganzen 17 Arten, die sich in 14 Gattungen verthei-
len. Sie gehören den Familien Crotalidae und Colubridae an. Auf
zwei Tafeln sind die Köpfe in den Ansichten von oben und im Profil
abgebildet, um die Gestalt und Lage der Kopfplatten zu verdeutlichen.
Herpelologie während des Jahres 1854. 419
Die Gattungen sind charakterisirt und die Arten sind kurz beschrie-
ben und mit der Synonymie versehen. Neue Arten sind nicht dabei.
Poey erzählte, dass eine Frau in der Havana einen Typhlops
Cubae von 9 Zoll Länge und 3 Linien im Durchmesser ausgebrochen
habe. Memorias sobre la historia natural de la isla de Cuba. p.255.
Burnett legte der Boston Society (Proc. Boston IV. p. 353)
eine Haut von Coluber constrictor von sechs Fuss Länge vor, welche
das Thier ohne einen einzigen Riss abgestreift hatte; sogar die Cor-
neae waren unverletzt.
In der Familie der üropeltiden stellte Kelaart mehrere neue
Arten von Ceylon (Ann. XIII. p. 26) auf: Rhinophis Blythii, Uropeltis
Saffragamus , grandis , pardalis, Dapatnaya n. gen. Lanhadkana
und Trevelyanii. Die Charaktere der neuen Gattung lauten: Schwanz
schief abgestutzt, oben und an der Spitze mit einem breiten halbko-
nischen granulirten Schilde; Afterschilder 1—2.
Eine neue Gattung Microphis stellte Hallo well Proc. Phi-
lad. VIL p. 97 auf: Kopf von massiger Grösse, kurz, in der Mitte nie-
dergedrückt, mit neun Schildern bedeckt; Schnauze abgerundet; Na-
senlöcher zwischen dem Nasen- und vorderen Stirnschilde ; ein Zügel-
schild , ein vorderes und zwei hintere Augenschilder; sieben obere
Lippenschilder, das Auge ruht auf dem dritten und vierten; Augen
von massiger Grösse, Pupille rund, das Superciliarschild steht nicht
über dem Auge hervor; Schwanz von massiger Länge. Unterschei-
det sich von Coronella durch die Vereinigung der Nasal- und Inter-
nasalschilder. M. quinquelineatus n. sp. von Honduras, Südamerika.
Ebenso in der Familie der Viperiden Brachy cranion ib.
p. 99. Kopf kurz und dick, mit sieben Schildern bedeckt, ausser dem
Schnauzenschilde, nämlich ein Paar Frontalschilder, ein Scheitelschild,
zweiSupraorbitalschilder und zwei üccipitalschilder, ein vorderes und
ein hinteres Augenschild; der Augenrand wird von dem Supraorbital-,
dem vorderen und hinteren Augenschilde und dem vierten Lippenschilde
gebildet. Die unteren Schwanzschilder einfach; Gaumenzähne, aber
keine Kieferzähne ausser den Giftzähnen. B. corpulenlum von Liberia.
Derselbe beschrieb ib. p. 95 als neu Khinostoma occipitale und
Crolalus cerastes von Mohave Desert; p. 98 Coelopeltis virgata von
Liberia ; dann p. 192 Crotalus ornatus aus Texas und Echis squami-
gera aus Guinea.
Girard beschrieb zwei neue Arten Proc. Philad. VII. p. 226
Elaps nigrocinctus von Taboga in der ßay von Panama, Dryophis viU
latus ebendaher, und Tachijmenis chüensis (Coronella chiiensis Schleg.)
von Santiago.
Ausserdem stellte er eine neue Gattung Taeniophis auf. Kopf
niedrig und vom dünnen und cylindrischen Körper abgesetzt. Schwanz
420 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
zugespitzt und verhältnissmässig kurz. Kopfschilder normal. Ein
vorderes und zwei hintere Augenschilder ; ein länglich vierseitiges Zü-
gelschild; zwei Nasalschildcr, zwischen ihnen die jNasenlöcher. Au-
gen über mittlerer Grösse, über dem vierten und fünften Lippen-
schilde; Pupille rund. Mund tief gespalten. Schuppen glatt, in 19
Längsreihen; Postabdominalschilder zvveitheilig ; Schvvanzschilder alle
getheilt. Farben in einförmigen Längsbinden. — Von Diadophis durch
die Zahl der Augenschilder, mehr Schuppenreihen und die Vertheilung
der Farben verschieden. T. tanüllus von Santiago und eine andere
noch nicht publicirte Art T. imperialis Baird et Girard aus Mexiko.
BeiHombron und Ja q uinot Yoyage au Pole Sud finden sich
als neu aufgeführt : Dendrophis linenta Dumeril MS. von Keu-Guinea
und Tropidolaimus Hombronii Dum. Bibr. MS. von den Philippinen.
Burnett stellte (Proc. Boston Soc. iV. p. 311) Unter-
suchungen über die Klapperschlangen (Crotalus durissirnus) an.
Er bestätigt , dass die Zahl der Ringe der Klappern nicht die
Zahl der Jahre anzeigt, indem zuweilen einige Ringe verloren ge-
hen, zuweilen in einem Jahre 2 bis 4 neue Ringe gebildet werden.
An jeder Seite fanden sich zwölf Ersatzzähne bis zu dem kleinsten
Keime. Die erste Spur eines künftigen Zahnes ist eine kleine ko-
nische Papille, welche durch Anhäufung von Zellen wächst, und de-
ren Höhlung bei y^s Zoll Länge, durch ein Wetzwerk von Blutge-
fässen erfüllt ist. Die Epithelialzeilen an der Spitze sind in Linien
angeordnet und verschmelzen zu Fibern, welche mit Kalksalzen er-
füllt den Schmelz bilden. Der Schmelz bildet sich sehr früh und
zuweilen vor der Zahnsubstanz, so dass der Zahnsack mit einer
Schmelzspitze gekrönt erscheint. Bei der Bildung der Zahnsubstanz
rollen sich seine Ränder gegeneinander, und bilden zuerst einen Halb-
kanal , zuletzt einen vollständigen Kanal; dieser liegt aussen und
communicirt nicht mit der Zahnhöhle, wohl aber mit dem Zahnfollikel
ander Basis, er gehört nur der Zahnsubstanz an und endet nach aussen
an der Stelle, wo er sich mit dem Schmelz verbindet ; die Schmelz-
spitze ist frei und solid. Die ausgerissenen Fangzähne werden in
sechs Wochen ersetzt. Das Gift ist auch für die Schlange selbst gif-
tig, wenn sie sich selbst beisst. Um die Kraft des Giftes zu prüfen,
Hess man acht halberwachsene Hühnchen von einer sehr grossen
Schlange unter den Flügeln beissen. Das erste starb sogleich, das
zweite nach 5 Minuten, das dritte nach 10 Minuten, das vierte nach
mehr als einer Stunde, das fünfte nach 12 Stunden, das sechste war
einige Tage krank, wurde aber hergestellt, das siebente wurde nur
wenig aiücirt , das achte gar nicht. Wenn das Gift unter dem Mi-
kroskope mit Blut in Berührung gebracht wurde , so bemerkte man
augenblicklich eine Veränderung , die Blutkügelchen hörten auf zu
Herpetologie während des Jahres 1854. 421
fliessen und sich anzuhäufen und blieben stagnirend ohne eine beson-
dere Strukturveränderung. Die Lebensthätigkeit des Blutes wurde
plötzlich zerstört, genau wie bei dem Tode durch den Blitz. Die
physiologische Wirkung dieses Giftes auf Thiere ist wie Yerf. meint
eine sehr stark beruhigende und wirkt durch das Blut auf die Ner-
vencentren. Als bestes Gegengift ist daher Alkohol zu empfehlen,
für dessen günstige Anwendung in grossen Dosen einige Beispiele
angeführt werden. — In denselben Proceedings p. 323 fügte Derselbe
Beobachtungen hinzu, dass das Gift der Klapperschlange deri Zustand
der Berauschung aufhebt, und erzählte einen Fall, wo ein Trunke-
ner von einer Klapperschlange gebissen, sogleich nüchtern wurde,
während ihm der Biss völlig unschädlich war. — Weitere Bemerkun-
gen über die Entwickelung der Giftzähne, und namentlich des Ueber-
gangs des ersten Ersatzzahnes zu seiner Thätigkeit, finden sich ib. V.
p. 31. Die Giftdrüse besteht aus einem Bündel von Schläuchen, und
die Drüsenscheide enthält keine Muskelfasern. Die Wände der ein-
zelnen Schläuche sind sehr reich an Blutgefässen. Das Gift ist, mi-
kroskopisch untersucht , eine wasserhelle Flüssigkeit; in ihr finden
sich Krystalle, welche Aehnlichkeit mit phosphorsaurer Magnesia haben.
Batracliis*
Thomas machte eine interessante Bemerkung über die
Fortpflanzung des Pelodytes punctatus bekannt (Annales des
sc. nat. 4. Serie. Tome I. p. 290).
Der genannte Frosch begattet sich jährlich zweimal, im März
und im October. Das Männchen umfasst das Weibchen, wie alle Ba-
trachier, mit senkrechter oder dreieckiger Pupille (Pelobates, Pelodytes,
Alytes, Bombinator) um die Weichen, während das Männehen der Gat-
tungen mit horizontaler Pupille (Rana, Hyla, Bufo) das Weibchen um
die Brust fasst. Pelodytes legt ferner die Eier in mehreren Trauben
ab. Die Larven der Batrachier mit senkrechter Pupille sind sehr gross,
und brauchen längere Zeit zu ihrer Entwickelung als die mit hori-
zontaler Pupille. Auch Alytes soll sich zweimal jährlich begatten.
Da auch die Batrachier mit senkrechter oder dreieckiger Pupille in
den Querfortsätzen der Heiligenwirbel eine grosse Analogie zeigen, so
ist Verf. geneigt, die ungeschwänzten Batrachier nach den Pupillen
in zwei grosse Abtheilungen zu bringen.
lieber die grüne Farbe der Haut unserer Frösche, ihre
physiologischen und pathologischen Veränderungen schrieb
V. Witlich in Müller's Archiv p. 41. — lieber die Chro-
malophorcn des Frosches Harless in der Zeilschr. f. vviss.
422 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Zoologie V. p.372. — Da die Ansichten der beiden Forscher
nicht übereinstimmen., so veröffentlichte v. Wittich eine
Entgegnung auf Herrn Harless's: über dieChromatophoren
des Frosches wiederum in Müller's Archiv p. 257. Es darf
um so eher auf die Abhandlungen selbst verwiesen werden,
als sie in so verbreiteten Zeitschriften erschienen sind.
Witt ich hat den Mechanismus der Haftzehen von Hyla
arborea untersucht, und kommt zu dem Resultate, dass das
Haften der Zehenendglieder durch eine innige Adhärenz be-
wirkt wird, die zunächst ihren Grund in dem Niederdrücken
der Endphalanx und dem damit verbundenen Anpressen des
Haftballens, dann aber in der durch ein Sekret erzeugten
Capillarattraktion hat (Müller's Archiv 1854. p. 170}.
Burnett führte ein Beispiel davon an, dass Kröten in
der Nähe von Boston an einem Orte in grosser Menge vor-
kamen, wo kein Wasser für ihren Larvenzustand vorhanden
war (vergl. vor. Ber. p. 119). Er ist geneigt, diese Erschei-
nung dadurch zu erklären, dass die Jungen als Larven ge-
boren würden, aber sehr bald ihren Larvenzustand verlies-
sen (Boston Proc. IV. p. 352).
In der Familie der Wasserfrösche wurden als neue Arten be-
schrieben:
Rana Kandiana Kelaart von Ceylon Annais XIII. p. 30. — R.
montezumae aus Mexiko, septenlrionatis von Minnesota, sinuata von
Sackets Harbor N. Y. ; pretiosa, cantabrigensis von Cambridge , Boylii
aus Californien Baird in Proc. Philadelphia VII. p. 378. — R. nigrU
cans Hallowell von El Paso Creek ib. p. 96.
Scaphiopus Couchii Baird von Coahuila und Tamaulipas, Proc.
Philad. VII. p. 378.
Cystignathus taeniatus Girard Proc. Philad. p. 226.
Eine sehr merkwürdige Entdeckung hat Weinland
in Berlin gemacht, indem er an einem aus Puerto Cabello
eingesandten Laubfrosch eine Spalte am Hinterrücken fand,
die in eine Höhlung und von da in zwei seitliche Säcke
führte, bestimmt die Eier aufzunehmen und sie bis zu einer
gewissen Enlwickelung zu beschützen (Müller's Archiv 1854
p. 448).
Der Verf. gründet auf diesen Laubfrosch eine neue Gattung
JSoiodelphys (vgl. die erste Mittheilung durch Lichtenstein in
Herpetologio während des Jahres 1854. ^23
den Monatsber. der Berliner Academie 1854. p. 372. Caput orbiculare,
maximum, latissimum, cute ossificata, scabra tectuin. Orbitae maximae,
undique ossibus clausae. Pupilla rotunda. Nares semilunares. Membrana
tympani occulta sub cute pigmento praedila. Dentes vomeris numerosi,
in asscrculo transverso prominulo, medio interrupto, inter choannas sito
insidentes. Lingua affixa , margine posteriori libera. Tuba Eustachii
brevis, aperturis inferis triangularibus. Scelides longissimac. Pal-
mae vix , plantae ad penultimam usque phalangem palmatae. Pollex
verus, ceteris digitis oppositus. Integumentum dorsi posterioris femi-
nae apertura longiludinali media fissum, abeunte in marsupium dorsale
cum duobus saccis lateralibns amplissimis communicans, in quibus
ova parta (a niare obstetricante huc immissa?) ad certum usque evo-
lutionis gradum commorantur. — JV. otifera n. sp. — Die Embryo-
nen in den Eiern waren bereits 18 Mm. lang; an ihnen waren schon
die beiden Fusspaare vorhanden , und mit Einkerbungen, einer An-
deutung der Zehentheilung, versehen. Besonders merkwürdig sind
die Athemorgane des Embryo. Unter einer Art Kiemendeckel linden
sich drei Kiemenbogen und drei Kiemenspalten. Von dem ersten und
zweiten Kiemenbogen entspringt je ein Strang, die beide zu einer
trichterförmigen Hautausbreitung führen, die Verf. Kiemenglocke nennt.
Am Schlüsse des Aufsatzes, auf den wir in Betreff der weiteren De-
tails verweisen müssen, erinnert Verf. an Hyla marsupiata Dum. Bibr.,
die einen ähnlichen Beutel am Hinterrücken trägt.
Zwei andere Gattungen stellte Spencer Baird in Proc. Phi-
lad. VII. p.60 auf:
Chorophilus n. gen. Oben glatt, unten granulirt. Die Enden
der Zehen einfach, nicht an der Spitze erweitert. Hände frei, Füsse
mit einer schwachen Schwimmhaut am Grunde, welche zwischen den
beiden äusseren Zehen ganz fehlt. Zunge rund, hinten ausgerandet.
Zähne hinter den Innern Kasenlöchern. Trommelfell sichtbar. Quer-
fortsätze der Heiligenwirbel in dreieckige Scheiben erweitert. Un-
terscheidet sich von Acris durch die Erweiterung der Querfortsätze,
von Litoria durch die ausgerandete Zunge, kleinere Schwimmhäute und
weiter hinten liegende Gaumenzähne, von Hylodes durch das Vor-
handensein der Schwimmhäute. Diese Gattung ist auf Cystignathus
nigritus Holbr. gegründet.
Uelocaetes n. gen. Oben und unten granulirt. Zunge fast
ganzrandig. Vomerzähne zwischen den Kasenlöchern. Trommelfell
sichtbar. Finger und Zehen schwach erweitert oder geknöpft. Fin-
ger frei, Zehen an der Basis der Phalangen mit Schwimmhaut; eine
schwache Membran an der Basis der Aussenzehen. Querfortsätze der
Heiligenwirbcl an den Enden ausgebreitet. Unterscheidet sich von
Hylodes und Acris durch die Membran der Zehen und die Erweite-
rung der Fortsätze, von Hyla durch die schwachen Schwimmhäute
424 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
und Scheiben, von Chorophilus durch die weiter vorn liegenden Yo-
merzähne. Dahin gehören Ilyla triseriata Pr. Max und zwei neue
Arten: Hei. feriariim von Carlisle, Penna und Clarkii von Galveston
und Indianola.
Ausserdem beschrieb Baird ebenda als neue Arten:
Hyla Richardii von Cambridge, Mass., H. Andersonii von Ander-
son, Süd-Carolina, IL eximia von Mexiko, //. Vanvlietii von Browns-
ville, Texas, H. afßnis von Nord - Senora, und
Acris crepitans (Hylodes Gryllus de Kay) und A. acketa aus
Florida.
Hai low eil stellte auf, Proc. Philad. YII. p. 96 : Hijla nebii.
losa und scapnlaris von Tejon Pass. — Ebenso ib. p. 193 Hyla pun-
ctata aus Guinea am Gaboon River.
Von Girard wurden ib. p. 226 heschriehen Phyllohates auralus
von der Insel Tabago in der Bay von Panama. Proc. Philadelphia VII.
p. 226.
Limnodyles mulabilis, maculala und Engystoma cinnamomea (An-
nais XIII. p. 30), so wie PoUjpedales Schmarda (ib. p. 407) sind neue
Laubfrösche von Ceylon, welche Kelaart aufstellte.
Girard lieferte ein Verzeichniss der Nordamerikanischen Bu-
foniden mit Diagnosen der neuen Arten (Proc. Philad. VII. p. 86).
Es enthält 13 Arten Bufo und 2 Arten Engystoma. Unter ihnen sind
neu: B. Woodhousii (Bufo dorsalis Hallow. non Spix), B. speciosus
aus dem Thale des Rio Bravo, B. debilis ebendaher, B. nebulifer (B.
granulosus Baird und Girard non Spix) und B. insidior von Chihuahua.
Wyman untersuchte Pipa americana. Die Eier werden be-
kanntlich dem Weibchen durch das Männchen auf den Rücken ge-
bracht und dort befruchtet. Die Haut verdickt sich dann, und bildet
eine Art Tasche um jedes Ei , die durch einen dünnen Deckel von
gallertartiger Substanz geschlossen ist. Der Dotter ist gross. Die
Entwickelung der Beine zeigt, dass sie getrennt von der Wirbelsäule
gebildet werden, so dass sie morphologisch nicht als Anhänge der-
selben betrachtet werden können. Die äusseren Kiemen werden früh-
zeitig entwickelt und verschwinden früh. Der Schwanz ist völlig
ausgebildet im Embryo , wird aber nachher absorbirt, so dass das
Thier ohne ihn aus dem Ei ausschlüpft. Der ausgebildete Embryo
ist grösser als das ursprüngliche Ei , so dass das Thier einen Theil
der Tasche, in der es lag, absorbirt haben muss. (Boston Proc. V.
p. 13.)
Im neunten Bande der bereits im Eingange erwähnten
Herpetologie generale von Dumeril und Bibron sind die
geschwänzten Batrachier behandelt. Sic zerfallen in drei
Herpelologie während des Jahres 1854. 42o
Familien Salamandrides mit 16, Proleides mit den 4 und Am-
phiiimides mit den zwei bekannten Gallungen. Unter den 16
Galtuntren der ersten dieser Familien treten vier neue Gat-
tungsnamen auf, die jedoch niciit neue Gattungen bezeichnen,
sondern willkürliche Namens-Aenderungen der Verf. und da-
her verwerflich sind: B olitoglo s sa ist = Pseudotrilon
Tschudi; E llip sog los sa =z Uynohms Tschudi, Desmo-
dactylus = Hemidactylium Tschudi (verworfen, weil es
eine Gattung Hemidaclylus unter den Geckonen giebl!); Ti^i-
t Omegas = Cryptobranchus Hoev.
Ein posthumes Werk von Rusconi Hisloire naturelle
developpement et metamorphose de la Salamandre terrestre
ist von Morganti Pavia 1854 herausgegeben worden. 6
illuminirte Tafeln. 116 Seite. 12ThIr.
Albini stellte Beobachtungen über das Gift von Sala-
mandra maculosa , welches aus den Hautdrüsen abgesondert
wird, an, und fand durch Versuche mit Thieren, dass es stark
narkotisch wirke. (Sitzungsberichte der Wiener AcademieXI.
p. 1048.)
Crivelli beobachtete Salamandra maculosa, und sah
sie im Januar Junge zur Welt bringen. (Giornale delT Isti-
tuto LombardoV. 1853. p. 491.)
J. E. Gray beschrieb in Proc. zool. sog. 1853. p. 11 einen
neuen Salamander von Californien Amlnjostoma Californiense.
Wymau hat gefunden, dass Menobranchus , wie Proteus und
der Axelotl nur eine Vorkammer und eine Herzkammer besitzt. Daran
schliesst sich eine Bemerluing über die Respiration der Batrachier.
(Boston Proc. V. p. 51.)
Bericht über die lieistuiigeii in der lelitiiyo-
logie wäiireiid des» Jalirei§ IS54.
Vom
Herausgrelier«
Von dem Lelirburhe der vergleichenden Anatomie von
V. Siebold und Staun ins ist der Anfang einer zweiten
Auflage mit einem Hefte, die Zoolomie der Fische enthal-
tend, erschienen. Das Werk führt jetzt den Titel: Handbuch
der Zoolomie. Der vorliegende Abschnitt ist völlig umge-
arbeitet und stark vermehrt worden ; sein Umfang hat sich
gegen die erste Auflage mehr als verdoppelt. Natürlich kann
hier auf den Inhalt dieser ausgezeichneten Arbeit nicht ein-
gegangen werden.
Wittich untersuchte die sehr feinen Krystalle, von
denen der Metallglanz der Fische herrührt C^Iüller's Archiv
1854. p. 265).
Von einer Preisschrift über dieEntwickelung des Hech-
tes, des Barsches und des Krebses, hat Lereboullet die
Resultate in den Annalos des sciences nat. 4. Serie Tome I.
p. 237 zusammengestellt. Hier wird der erste Abschnitt,
welcher sich auf die Embryologie der genannten beiden Fi-
sche bezieht, gegeben, mit Anführung der Uebereinstimmun-
gen und der Diff'erenzen in den einzelnen Stadien der Ent-
wickelung. Der zweite Abschnitt ib. H. p. 39 enthält die
Embryologie des Krebses. Der dritte Abschnitt endlich ib.
p. 60 stellt die Uebereinslimmungen und Verschiedenheiten
der beiden Wirbelthiertypen im Vergleiche zu dem Krebse
als Typus der Articulaten fest.
Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie. 427
Coste zeigte der Pariser Academie am 6. Febr. 1854
an, dass junge Salinen in 10 Monaten in seinen Behältern
eine Länge von 14 bis 18 Centimeter erhalten hatten, und
dass die Acclimatisation von Lachsarten verschiedener Lo-
calitäten in den Gewässern Frankreichs gelungen sei.
J. Müller beschrieb die zahlreichen Porenkanäle, wel-
che die Eikapsel der Fische durchbohren, und durch welche
die Zoospermien bei der Befruchtung dringen müssen ;, um
zum Dotter zu gelangen (Müller's Archiv 1854. p. 186).
Kos tun hielt im Vereine für vaterländische Natur-
kunde Würtembergs einen Vortrag über „Fischzucht im Gros-
sen". (Würtembergische naturw. Jahreshefte. Jahrgang X.
p. 176). Verf. sprach über die Mittel, welche die Natur den
Fischen gegeben, um bei der äusseren Befruchtung der Eier,
für ihre Entwickeiung zu sorgen, und erwähnte einige bemer-
kenswerlhe Fälle der Sorge für die Jungen. Er wies dann
auf die allgemeine Abnahme des Fischreichthums der euro-
päischen Flüsse und Seen hin , und schilderte endlich die
Vortheile , welche von der künstlichen Befruchtung zu hof-
fen sind.
Eine mir unbekannt gebliebene Schrift Recherches sur
la distribulion et sur les modifications des caracteres de quel-
ques animaux aquatiques du bassin du Rhone par M. Tour-
net scheint nach einer Anzeige in der Revue de zool. p.29ö
wichtig für die Acclimatisation der Fische. Verf. macht vor-
züglich darauf aufmerksam , dass die Temperatur der Gewäs-
ser hohe Beachtung verdiene.
J. E. Gray machte einen interessanten Fund, indem
er für das britische Museum ein Manuscript von Gronovius,
welches zwischen 1774 und 1777 angefertigt wurde, nebst
einer Sammlung getrockneter Fische erwarb. Dasselbe ist
nie durch den Druck veröffentlicht w^orden ( Annais XIII.
p.41).
Ueber die Fische des BotJensees sclirieb v. Rapp in
den Würtembergischen naturw. Jalircshcftcn. Jahrg. X. p. 137.
Erschien auch als besondere Schrift Stuttgart 1854. Die Ab--
bildungen in Folio sind ausgezeichnet.
428 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Verf. giebt die Zahl der daselbst lebenden Arten auf 26 an.
Dem Bodensee ganz eiycnthümliche Fische sind nicht bekannt; dage-
gen werden schon bei Ulm in der Donau mehrere Arten gefangen,
die dem Bodensee fehlen, namentlich Lucioperca Sandra , Aspro Zin-
gel und vulgaris, Acerina cernua und Schraitser. Unter den Boden-
see-Fischen haben besonders die Salinonen die Aufmerksamkeit des
Verf. in Anspruch genommen; von ihnen werden umständlich be-
schrieben Coregonus Wartmanni (lavaretus Cuv. Val.), C. fera Jurine,
C. acronius Uapp. n. sp. , Thymallus gymnothorax Val. , Fario lacu-
stris (Salmo lacustris Agass.) , F. trutta (F. Marsilii Heckel) , Salmo
umbla (S. salvelinus Heckel) und mit Ausnahme von acronius auch
abgebildet.
„Ueber den Fischfang in Russland mit besonderer Bezie-
hung auf den im Baikal -See" findet sich ein Aufsatz nach
dem Russischen des Journal der Reichsdomairien Sept. 1854
in Ermans Archiv für vvissensch. Kunde von Russland XIV.
p, 58S— 626. 1855.
Auch in diesem Jahre hat Bleeker die ichthyologi-
sche Literatur durch werthvolle Mitfheilungen bereichert. In
der Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch Indie erschie-
nen folgende zehn Abhandlungen, die sich sämmtlich auf die
Fauna der Meere des östlichen Asiens beziehen :
1. Derde Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van de Banda -Eilanden. Durch eine Sammlung des
Dr. Tall von 75 Arten wuchs die Fauna dieser Inseln zu
135 Arten an. Neu sind 7 Arten.
2. Syngnathus tapeinosoma, eene nieuwe zeenaald van
Anjer.
3. Species piscium bataviensium novae vel minus co-
gnitae. Hier werden 5 neue Arten beschrieben, und eine
neue Gattung der Scomberoiden aufgestellt.
4. Faunae ichthyologicae Japonicae Species novae. Es
werden darin 25 neue Arten aus verschiedenen Familien be-
schrieben, die Ausbeute einer Sanmdung von A. N. Wolff
in der Bucht von Nagasaki in der Umgebung von Decima.
5. Nieuwe Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van Timor. Die Veranlassung gab eine Sammlung von
J. P. Honig, wodurch die Zahl der von Timor bekannten
während des Jahres 1854. :l9il3fe< 429
Fische auf 92 sich belief. Unter ihnen ist nur eine Art neu;
einige andere wurden aufs Neue beschrieben.
6. Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna
van het eiland Floris. Der Verfasser erhielt eine Sammluns" von
78 Arten von Hellmuth, die derselbe zu Larantoeka auf
Floris zusammengebracht halte. Darunter sind 11 neue Ar-
ten. Nur wenige Arten sind unter diesen mit denen von
dem benachbarten Solor identisch, was der Verf. daraus er-
klärt, dass Hellmuth ihm vorzugsweise solche Fische ge-
sammelt habe , die er nicht früher schon von Solor eincje-
sandt hatte. Von den Ideinen Sunda-Inseln sind nunmehr
261 Arten bekannt, von denen bei Bali 29, bei Sumbawa 40,
bei Floris 79, bei Solor 74 und bei Timor 92 leben.
7. Diagramma polytaenioides, eene nieuwe soort van
Solor.
8. Vijfde Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van Amboina. Durch Zusendungen von D. S. Hoedt
und H. E. Thepass erhöhte sich die Zahl der Arten von
298 auf 354. In diesen neuen Sendungen waren 9 Arten
neu. Es wurde das Vorkommen eines Labyrinthfisches, Ophi-
cephalus striatus Bl. auf den Molukken festgestellt. Auch in
den neuen Sendungen fehlen dagegen die Notacanthinea, Cy-
prinoiden, Süsswasser-Siluroiden und Nolopteren. In einer
Tabelle werden alle bisher bekannten Fische der Molukken
aufgezählt, es sind 649. Davon leben im Molukkischen Ar-
chipel83, bei Amboina 362, Buru 21, Ceram 158, Baada 134,
Ternate 93, Halmaheira 67, Waigiou 53, Rawak 10, ausser
dem Archipel 488, so dass I6l Arten den Molukken eigen-
thümlich sind.
9. Overzigl der ichthyologische Fauna van Sumatra,
met beschrijving van eenige nieuwe soorten. In einer ta-
bellarischen Uebersicht werden sämmtliche von Sumatra be-
kannte Fische aufü^ezählt. Ihre Zahl beträgt 618, und Verf.
zweifelt nicht, dass mehr als die doppelte Zahl von Fischen
auf und an dieser grossen Insel lebe. Es sind nun in die-
ser Tabelle die näheren Fundorte ausgedrückt. Von 53 Ar-
ten ist das Vorkommen nicht näher bekannt. Die meisten
Arten lieferte Fadang 220, ferner Priaman 194, der Lam-
430 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
pongsche Distrikt 104, Benkulen 89, Sibogha 86, Palem-
bang 73, Ulakan 62, Cauer 38, Solok 31, das Meer von
Meninju 25, Moarakompeh 20, Pajakombo 13, Lematang-
Enim 13, das Meer von Sinkara 5 und die Flüsse Umbiling
und Kwanten zusammen 3 Arten. — In einer anderen Tabelle
sind die 181 Arten Süsswasserfische Sumatras verzeichnet,
mit Rücksichtnahme auf ihr Vorkommen auf den benachbar-
ten Inseln. Von ihnen leben auch auf Java 81, ßorneo 69,
Celebes 12, Pinang 15, Singapore 6, Banka 27, Biliton 4,
Madura 11, Sumbawa 4, Ceram 6, Amboina 15, Timor 3,
und ausser dem Archipel leben auch 24 Arten. Zieht man
jedoch nur die eigentlichen Süsswasserfische, die ausschliess-
lich im süssen Wasser leben, in Betracht, dann stellt sich
das Verhältniss etwas anders; dann bleiben für Sumatra 124,
für Java 55 und für Borneo 50 Arten, so dass die Ueber-
einslimmung mit der Javanischen Fischfauna nicht beträcht-
lich grösser ist, als mit der von Borneo. Bemerkenswerth
ist die grosse Anzahl echter Süsswasserfische, die ausschliess-
lich von Sumatra bekannt sind, und die sich auf 42 beläuft.
Die übrigen Inseln des Indischen Archipels treten nur mit
geringen Ziffern auf, und diese verschwinden bei mehreren
ganz, wenn man nur die echten Süsswasserfische rechnet.
10. Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna
van de Kokos-Eilanden. Verf. erhielt durch einen Herrn J.
C. Boss, der in Nieuw Selma lebt, eine Sammlung von 29
Fischen. Früher waren 11 Arten von den Kokosinseln be-
kannt. Durch die genannte Sendung stieg diese Zahl auf 36.
Unter ihnen befinden sich 7 neue Arten.
Die Bearbeitung des Textes zu den Abbildungen von
Fischen in der Voyage au Pole Sud et dans l'Oceanie von
J a c q u i n 0 1 und Guichenot ist nun (1853) erschienen. Sie
beschränkt sich auf die bereits früher abgebildeten Arten,
die sämmtlich den Familien der Percoiden und Sciaenoiden
im alten Cuvier'schen Sinne angehören. Im Ganzen sind
20 Arten berücksichtigt; von ihnen sind die bereits von Cu-
vier und Valenciennes beschriebenen Arteji mit blossen
Diagnosen abgefunden, die neuen Arten sind ausserdem be-
schrieben. Diese letzleren werden unten namhaft gemacht.
während des Jahres 1854. 431
In Ladak, physical, Statistical and hislorical by Ale-
xander Cun ni ngha in London 1854 wird erwähnt, dass
Fische in allen Flüssen häufig sind, dass sie jedoch nach der
Buddha-Religion nicht gefangen werden dürlen.
In Borneo , ßeschrijving van hei Stroomgebied van den
ßarito door Schwan er. Amsterdam 1853 findet sich die
Angabe, dass die zahlreichen Fische eine Hauptnahrung der
Eingebornen bilden, und getrocknet in den Handel gebracht
werden.
Von Stör er erscheint ein Werk History of the fishes
of Massachusetts. Das zweite Heft giebt Beschreibungen von
Fischen aus den Gattungen Blennius , Gunnellus , Zoarces,
Anarrhichas, Lophius , Chironectes, Batrachus, Clenolabrus,
Tautoga, Pimelodus, Cyprinus, Leucosomus, Hypsolepis, Chei-
lonemus, Argyreus, Catostomus und Fundulus. Es ist durch
Taf. 17—23 illustrirt. Dieses Werk ist mir nicht aus eige-
ner Ansicht bekannt.
Agassiz hat eine Sammlung von Fischen aus der
südlichen Krümmung des Tennessee River im Staate Alabama
beschrieben , wovon die Resultate unten bei den einzelnen
Familien mitgetheilt werden. Silliman Amer. Journ. XVII,
p. 297 und 353.
Baird und Girard beschrieben eine Anzahl neuer
Fische aus Texas, Neu-Mexiko und Sonora, welche von John
Clark und Capt. Stewart van Vliet gesammelt waren.
Sie gehören den Familien der Percoiden, Labroiden, Siluroi-
den , Characinen und Cyprinoiden an , und sind unten nam-
haft gemacht (Proc. Philadelphia VII. p. 24).
Girard machte in den Proc. Philadelphia VII. p. 129
die Beschreibungen neuer Fische bekannt, welche Dr. Heer-
mann, Naturforscher bei der Survey of the Pacific Railroad
Route gesammelt hat , bekannt. Dieselben werden unten
genannt.
Derselbe zählte ib. p. 141 die Arten der marinen
Fische auf, welche in San Francisco von Dr. Kennerly,
Naturforscher bei der Survey of the Pacific R. R. Route, ge-
sammelt worden sind. Auch von ihnen sind die neuen Gat-
432 Troschol: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
lungen unten mitgelheilt, so wie die neuen Arten namhaft
gemaclit.
Daran schliessen sich p. 142 Bemerkungen von dem-
selben Verf. über eine Sammlung von Fischen, welche
Lieut. Trowbridge an der Westküste der Vereinigten Staa-
ten [ür das Museum der Smilhsonian Institution zusammenge-
bracht hat.
Wallace erwähnte gelegentlich (Proc. zool. soc. 1853.
p. 76) , dass er im Rio Negro 205 Arten Fische gesammelt
hatte, darunter waren 43 Stachelflosser, 54 Siluroiden , 80
Salmoniden (will sagen Characini), 24 andere Vi^eichtlosser,
4 Rochen. Die meisten sollen von denen im Amazonenflusse
verschieden sein, und es wird behauptet, in jedem kleinen
Flusse kämen verschiedene Arten vor. Vergl. A narrative
of travels on the Amazon and Rio negro. London 1853.
Teleostei.
Acanthop teri.
Percoidei. Dufosse bestätigte in einer Abhandlung,
die er der Pariser Academie 6. November vorlegte, das be-
reits von Cuvier behauptete Zwitterthum von Serranus ca-
brilla und scriba.
Aus Perca trucha Guich. bildete GirardProc. Philadelphia VII.
p. 197 eine neue Gattung Percichlhys: Körper langstreckig, com-
primirt, mit Schuppen von mittlerer Grösse und fein ciliirtera Hinter-
rande bedeckt. Schnauze etw^as dick und stumpf, den Unterkiefer
ein wenig umhüllend (overlapping) ; hecheiförmige Zähne in den Kie-
fern; eine Querbinde sammetartiger Zähne vorn am Vomer, und eine
schmale Binde längs der Gaumenbeine, zuw^eilen nur gegen das Vor-
derende der letzteren Knochen. Zunge glatt. Die Überseite des Ko-
pfes, Suborbitalknochen und die hintere Erw^eiterung der Oberkiefer,
so wie die Wangen und die Deckelstücke mit Schuppen bedeckt.
Suborbitalknochen und Vorderdeckel gesägt. Kiemendeckel mit einem
Dorne verschen. Sechs oder sieben Strahlen in der Kiemenhaut.
Zwei aneinanderstossende Rückenflossen. Insertion der Bauchflossen
unmittelbar unter der Basis der Brustflossen. Afterflosse mit drei
Stacheln. Die oben erwähnte Art wird P. chilensis genannt , und
eine neue Art P. melanops hinzugefügt. Beide aus den Flüssen
Chili's.
Mährend des Jahres 1854. 433
Eine andere neue Gattung desselben Verf. ib. ist Percilia.
Habitus barschartig, Körper comprimirt. Zwei am Grunde vereinigte,
breit ausgeschnittene Rückenflossen. JMund ziemlich klein oder von
mittlerer Grösse ; Kiefer fast gleich. Kleine konische Zähne in den
Kiefern und einige hecheiförmige vorn auf dem Yomer ; keine an den
Gaumenbeinen. Zunge glatt. Einige kleine üornen längs dem Vor-
deckelrande. Kiemendeckel ohne alle Dornen. Aussenrand der Sub-
orbitalknochen, des Suboperculums und Interoperculums nicht crenulirt.
Kiemenspalten beider Seilen unten vereinigt. Fünf oder sechs Strah-
len in der Kiemenhaut. Schuppen ganz gross und hinten ciliirt.
Wangen und Dcckelstücke schuppig ; der Gipfel des Kopfes fast glatt
und nackt. Suborbitalknochen und Kiefer schuppenlos. Insertion der
Bauchflossen hinter der Basis der Brustflossen. Schwanzflosse hinten
mondförmig. P. Gillissi n. sp. aus den Flüssen Chiles.
Bleeker hat eine geographische Uebersicht der Gattung Apo-
gon in Form einer Tabelle gegeben, die 47 Arten und 28 Fundorte
enthält (Amboina 5). Neue Arten dieser Gattung sind: von Blee-
ker A. bandanensis Banda 3, timotensis Timor, Hoetenii Amboina 5;
— von Hombron und Jacquinot in der Voy. au Pole Sud: A,
Aroubiensis von der Malaiischen Insel Aroub und nigromaculatus von
Neu-Guinea.
In der Verwandtschaft von Apogon stellte Bleeker Floris I.e.
eine neue Gattung Ap o g 07iichlhy s auf. Pinnae dorsales 2 dislan-
tes alepidotae, vertrales thoracicae , caudalis integra. Dentes setacei
maxillis, vomerini et palatini. Praeoperculum edentulum , non margi-
natum, intra marginem cristatum. Squamae magnae deciduae. Mem-
brana branchiostega radiis 7. Spinae anales 2. Dahin gehören Apo-
gon auritus C. Y. = A. punctulatus Büpp., A. amblyuropterus Blkr,,
A. glaga Blkr. , A. carinatus C. V. und eine neue Art Apog. perdix.
Später Amboina 5 wurde noch eine neue Art A. polysligma hin-
zugefügt.
Labrax nebiilifer und clalhralus Girard. Proc. Philadelphia Yll.
p. 142, beide aus Californien.
In der Gattung Serranus wurden aufgestellt, von Hombron
et Jacquinot Yoy. au Pule Sud : S. lebreiomamis , riifus und nigro^
fasciatus, sämmtlich ohne nähere Angabe des Vaterlandes ; von Blee-
ker: Serramis spilurus ¥\or\s und Sebae Amboina 5; von Poey Me-
niorias p. 50 ausser den bereits im Berichte über das Jahr 1852 an-
geführten Arten S. mijslacinus und luciopercanus.
Dasselbe gilt von Plectropoma vituUnum ^ bovinum , guttatarium,
nigricans, accensum Poey Memorias p. 68.
Diacope vilianus Ilombr. Jacq. 1. c. von der Insel Yili.
Mesoprion elongalus und argenleus ib. ohne Angabe des Vater-
landes; — M, dodecanlhoides Bleeker Amboina 5.
Archiv f. Naturgesch. XXI. .Jahrg. 2. Bd. CC
434 T rose hei: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Centr9prisles Tasmanicvs Hombr. Jacquinot 1. c. von Neuseeland.
Therapon Bouietianus Ilomb. Jacq.
l'omolis snnguinoleyilns ^ inscriptus , notatus , obscurus, hoinbifrons
und palUdus sind neue Arten von Agassi z Sillinian Journ. XVII.
p. 301. — P. speciosus, fallax, convexifrons , nefaslus, heros sämnitlich
aus Texas von Baird und Girard l'hiiad. Proc. VII. p. 24. — P.
obesus Girard Boston Proc. V. p. 40 aus den süssen Gewässern von
Hingham in Massachusetts.
Die früher von Baird und Girard als P. longulus beschrie-
bene Art wird Philad. Proc. Yll. p. 24 zur Gattung Bryttus gezogen.
Grystes miecensis Baird und Girard ib. aus Texas. — Gr. nobi-
lis Agassiz Silliman Journ. XVII. p. 298.
Cetilrarchns inlerruptus Girard Philad. Proc. VII. p. 129 und C.
maculosus Ayres Boston Proc. V. p. 99. beide aus Californicn.
Agassiz stellte auf Kosten der Gattung Centrarchus einige
RaOnesque'sche Gattungen wieder her (Silliman Journ. XVII. p. 288),
und unterscheidet somit folgende: 1. Centrar chus Cuv. mit sehr
comprimirtem Körper , Dornentheil der Rückenflosse grösser als der
weiche Theil, Mund klein; Typus C. irideus. 2. Pomoxis Raf. Der
weiche Theil der Rückenflosse grösser als der Stachellheil, Mund
gross ; Typus P. annularis Raf. und C. hexacanthus Cuv. Val. 3. A m-
bloplites Raf. Dornentheil der Rückenflosse länger und kaum halb
so hoch als der weiche Theil; Typus C. aeneus Cuv. 4. Calliurus
Raf. Ziemlich langstreckig, Slacheltheil der Rückenflosse lang und
niedrig, nur drei Dornen in der Afterflosse ; Typus C. gulosus C. V.
In der Gruppe Trachinidae stellte Girard Proc. Philad. VII.
p. 143 eine neue Gattung auf: H eterostic hus. Erste Rücken-
flosse sehr lang, ihre vorderen fünf Stacheln bilden eine besondere
Flosse. Afterflosse sehr lang mit wenigen Stacheln. Rücken- und
Afterflosse reichen bis in die Nähe der Schwanzflosse. Körper stark
comprimirt und hinten verflacht. Schwanzflosse schlank. Bauchflos-
sen vor den Brustflossen. Unterkiefer länger; Mund massig. Zähne
klein und konisch. Schuppen sehr klein. Seitenlinie über den
Brustflossen gebogen. Sechs Strahlen in der Kiemenhaut. Kiemen-
deckelstücke ohne Dornen oder Zähnelung. H. rostratus n. sp. von
San Diego in Californien.
Sphyraena argentea Girard Proc. Philad. VII. p. 24. ebendaher.
Pseudocliroinides. Cichlops Hellmulhii Bleeker Floris 1. c.
Ktlieostuinacea. Agassiz charakterisirte (Silliman Journ.
XVII. p. 303), indem er drei neue Genera aufstellte, die sämmtlichen
sieben Genera dieser von ihm in seinem Lake superior gegründeten
Familie. Der Mangel einer Schwimmblase und der Pseudobranchien
so wie der unvollständige Suborbilalbogcn entfernt sie von den Per-
während des Jahres 1854. 435
coiden. Die sieben Galtungen sind : Etheostoma Rafin. , Catonotus
Agass., Pileoina Dekay, Hadropterus Agass., Hyostoma Agass. , Poeci-
lichlhys Agass. und Boleosonia Dekay. — Die neuen unter ihnen sind
folgenderinassen charakterisirt: Catonotus. Kopf verlängert, stumpf;
Mund terminal, weit oflen , nicht protraclil, Unterkiefer länger; Kie-
mendeckel, Wangen und iNackcn ohne Schuppen; erste Rückenflosse
viel niedriger als die zweite ; Afterflosse kleiner als die zweite Rük-
kenflosse, Schwanzflosse abgerundet. C. lineolnlus n. sp. — Hadro-
pterus. Kopf stumpf konisch, Mund terminal, massig, nicht protraclil,
Kiefer fast gleich; Wangen und Deckel beschuppt; Afterflosse und
zweite Rückenflosse gleich ; Schwanzflosse abgestutzt. //. nigrofa-
sciatus n. sp. — Hyostoma. Kopf kurz, plump, mit geschwollenen
"Wangen; Mund klein, unter der Schnauze, schwach protractil ; Un-
terkiefer kürzer als der obere, welcher in einer tiefen Furche unter
der Schnauze verborgen werden kann; Deckel und Wangen schuppig;
Afterflosse kleiner als die zweite Rückenflosse ; Schwanzflosse schwach
mondförmig. //. ISewmannii n. sp. — Die Gattung Fo ecilichthy s
war früher vom Verf. Poecilosoma genannt worden. Zu ihr werden
hier als neue Arten aufgestellt: P. spectabilis aus dem Osage River,
tersicolor aus Quellen bei Quincy in Illinois , punclulatus aus dem
Osage River. Eine vierte Art P. erylhrogasler soll von Kirtland
Ann. of Sc. Jan. 1854. p. 4 aus der Gegend von Cleveland, Ohio, be-
schrieben sein.
Boleosoma fusiforme Girard Boston Proc. V. p. 41 von Framingham
Massachusetts.
jicieroparei. Histologische Bemerkuno-en von Ley-
d i g über Trigla hirundo und Daclyiopterus volitans finden
sich in Müller's Archiv 1854. p. 323.
in dieser Familie hat Girard mehrere neue Fische Proc.
Philad. VII. p. 129 beschrieben. Er Iheilt die Familie in Un-
terfamilien oder Gruppen.
In der Gruppe Cottidae stellt er eine neue Art Cotlopsis gu~.
losus aus dem San Joaquin River und drei neue Gattungen Aspido-
cottuSf Leptocotlus und Scorp aenic hthy s auf. Die Gattun-
gen sind mit folgenden Charakteren versehen.
Aspido CO tlu s. Kopf mit Knochenplatten bedeckt ; Kiemendek-
kelapparat mit kräftigen Dornen; Mund massig gespalten; Kiefer
gleich. Zähne an den Kiefern und vorn am Yomer, keine am Gau-
men. Kiemenöffnungen durch eine Brücke getrennt; sechs Strahlen
in der Kiemenhaut. Rückenflossen getrennt, die erste ziemlich klein
und niedriger als die zweite; Schwanzflosse hinten abgerundet; Brust-
flossen breit und gross; Insertion der Bauchflossen unter der Basis der
436 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Brustflossen. Eine Keihe Knochenschilder längs den Seiten des Rük-
Uens vom Kopfe his zum Schwänze; sonst die Haut glatt. Dahin
Collus bubalis Euphr. und eine neue Art A. Bison von San Francisco.
Leptocottus. Körper und Kopf länglich; Kopf glatt mit eini-
gen Dornen am Vorderdeckel. Mund tief gespalten ; Oberkiefer län-
ger als der Unterkiefer. Zähne an den Kiefern , vorn am Vomer
und an den Gaumen. Kiemenöffnungen durch eine Brücke getrennt;
sechs Strahlen in der Kiemenhaut. Rückenflossen durch einen engen
Raum getrennt, die erste ziemlich kurz und niedriger als die zweite;
Schwanzflosse fast abgestutzt ; Brustflossen breit und gross; Inser-
tion der Hauchflossen unter der Basis der Brustflossen. Haut glatt; Sei-
tenlinie ununterbrochen in der ganzen Länge des Körpers. L armalus
n. sp. von San Francisco.
S corp a enic hthy s. Kopf zum Theil mit Knochenplatten be-
deckt, jedoch ohne Rauhigkeiten ; einige kleine Dornen an den Dek-
kelstücken ; Älund tief gespalten; Kiefer gleich. Zähne an den Kie-
fern, vorn am Vomer und am Gaumen. Kiemenspalten vereinigt; sechs
Sirahlen in der Kiemenhaut. Rückenflossen getrennt obgleich an ein-
anderstossend , die erste ziemlich lang und ebenso hoch wie die
zweite. Schwanzflosse abgestutzt; Brustflossen breit und gross; In-
sertion der Hauchflossen hinler der Basis der Brustflossen. Haut glatt
ohne Schuppen oder Platten; Seitenlinie deutlich und ununterbrochen
in der ganzen Länge des Körpers Sc. marmoralus n. sp. von San
Francisco.
In der Gruppe Scorpaenidae eine neue Art Sebasles auriculalus
von San Francisco.
Die Gruppe Heterolepidae wird aus den Gattungen Chirus Stel-
ler und üphiodon n. gen. gebildet. Ihr Körper ist langstreckig, mit
sehr kleinen Schuppen bedeckt; zwei lange Rückenflossen, Zähne
in den Kiefern, am Vomer und am Gaumen. Die beiden Gattungen
haben folgende Charaktere :
Chirus Steiler, ein baumförmiger Hautlappen über dem Auge.
Mund von mittlerer Grösse ; Hundszähne in beiden Kiefern, Sammet-
zähne vorn am Vomer und am Gaumen. Deckel ohne Dornen; Wan-
gen, Deckel und der Scheitel des Kopfes mit kleinen Schuppen be-
deckt. Kienienspalten vereinigt, sechs Strahlen in der Kiemenhaut.
Schuppen hinten fein gesägt. Mehrere Seitenlinien. Zwei neue Ar-
ten: Ch. pictus und gutlalus von San Francisco.
Ophiodon Girard. Der Kopf ist langstreckiger als bei den
vorigen. Mund tief gespalten ; Hundszähne in beiden Kiefern , noch
mehr entwickelt, als bei Chirus. Vomer und Gaumen sind mit ähn-
lichen Zähnen besetzt, im Gaumen bilden sie eine sehr lange Reihe.
Hinten am Vorderdeckel zwei kleine Dornen. Kleine zerstreute
Schuppen an Kopf, Wangen und Deckelstücken. Kiemenspalten ver-
während des Jahres 1854. 437
einigt; sechs Strahlen in der Kiemenhaut. Schuppen sehr klein. 0.
elongatus n. sp. von San Francisco.
In der Gruppe (iaslerosteidae zwei neue Arten : Gaslerosteus
Williamsoni von Wilüamson's Pass in Californien und G. microcepha-
lus aus dem San Joaquin.Thale.
Ausserdom wurden in dieser Familie noch folgende
neue Arten beschrieben :
Chirus consteUalus Girard Proc. Philad. YII. p. 141 von San
Francisco.
CoUopsis parvus und Scorpaenichlhijs lateralis Girard ib. p. 144
von Californien.
Scorpaena guttata , Sebastes rosaceus und fasciatus Girard ib.
p. 145 aus Californien.
Gaslerosteus plebejus und inopinalus (iirard ib. p. 147 , ersterer
aus Salzsümpfen, der andere aus Süsswasser- Lagunen bei Presidio.
Sebastes fasciatus Storer ib. p. 31 aus dem Hafen von Province-
town ; — S paucispinis , nebulosus und ruber Ayres ib. p. 94 von
Californien.
Neue Arten von Bleeker sind: Dactylopterus jnponicus (D.
Orientalis Temm, Schi.), Prionotus japonicus und Platycephalus macro~
lepis Japan 1. c.
Sciaenoidei. Von Hombron et Jacquinot Voy.au Pole
Sud sind folgende Arten dieser Familie aufgestellt: Johnius resplen-
dens, Diagramma gibbosus von Samoa.
Bleeker hat Diagramma polytaenia Bijdr. ichth. Solor als
verschiedene Art erkannt, und nennt sie nunmehr (vergl. oben no. 7)
D. poUjtaenioides.
Umbrina undulata Girard Proc. Philad. VII. p. 148 von San Diego
in Californien.
Agassi z setzte (Silliman Journ. XVII. p. 307) die Gattung /l m -
blodon Uafin. in ihre Rechte wieder ein, welche Süsswasserfische
enthält, welche mit Corvina fälschlich vereinigt waren, C. oscula.
Sie haben an den oberen Schlundknochen pllasterförmige Zähne , die
unteren sind zu einer dreieckigen Platte vereinigt. Sie werden da-
her wohl in die Chromidenfamilie gehören! Ausser der Rafinesque'-
schen Art A. grunniens unterscheidet Verf. A. concinnus aus dem
Ohio und A. lineatus aus dem Osage.
Reinhardt hat (Videnskabelige Meddelelser fra den naturhi-
storiske Korening i Kjöbenhavn 1854. p. 108) nachgewiesen, dass
Cuvier's Sciaenoidengatlung Lepipterus mit Pachyurus Agass. zu-
sammenfalle; dem letzteren Namen gebührt die Priorität. In diese
Gattung gehört auch sein Lepipterus corvina und eine neue Art P.
438 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Lundii aus dem Rio das Velhas in Brasilien. Heckel's Sciaena
squamosissima hält er für den Typus einer eigenen Gattung in der
Nähe von Pachyurus.
Sparoidei. Joannis lieferte Beschreibung und Abbildung
einer neuen Art Fagrus aegyptius in den Annales de la Soc. Linneenne
du depart. de Maine et Loire 1853. Angers 1854. p. 182.
Bei Bleeker finden sich folgende neue Arten: Ckrysophrys
Schlegeln Japan , Dentex kypselosoma Japan , Lethrinus nemalacanlhus
Japan, L. amboinensis Amboina 5, L. cocosensis Cocosiuseln, Gerres
japonicus Japan, G. acinaces und macrncanlhus Batavia.
Bei Cuba kommen nach Poey Memorias p. 221. vier Arten der
Gattung üpeneus vor, darunter zwei neue U. flavovittatus und parvus.
— Vpeneus spilurus Bleeker Japan 1. c.
Squamipeanes* Als neu finden sich bei Bleeker Chae^
todon Tallii und Heniochus melanistion Banda 3.
Scomberoidei* Bleeker beschrieb folgende neue Arten:
Scomber saba, janesaba, tapeinocephalus, Auxis tapeinosoma und Psenes
anömalus Japan 1. c.
Poey gründete Memorias p. 369 eine neue Gattung E/Jinnw/a ;
pinna prior continua , subadnata posteriori quae pinnis spuriis caret;
ventrales abdominales; lineae laterales duae; cauda absque cristis et
carinis ; dentes acuti, subcompressi, anticis maioribus, caninis ; vome-
rianis atque palatinis nullis; caeca non numerosa. Die neue Art E,
rnägislralis ist abgebildet. Cuba.
Thyrsites scholaris Poey ib. p. 372 von Cuba.
Auf Seriola bipinnulata Quoy et Gaim. gründete Bleeker Ba-
tavia 1. c. eine neue Gattung Seriolichthys: Pinnae dorsales spi-
nosa parva et radiosa discretae, contiguae, spinosa spina procumbente
nuUa. Pinna dorsalis et analis spuria unica. Pinnae ventrales thoraci-
cae. Linea lateralis non armata. Kictus ante oculum desinens. Dentes
intermaxillares, inframaxillares , vomerini , palatini parvi, pluriseriati.
Maxilla superior vix protractilis. Cataphracta nulla. Squamae parvae
cycloideae glabrae. Membrana branchiostega radiis 7.
Zum zweiten Bande von Costa's Fauna del Regno di Napoli
(vergl. den Bericht über das Jahr 1852 p. 75) erschien im Jahr 1852
eine Monographie der Gattung Zeus (Z. faber und pungio).
Ebenda 1853 wird die Gattung Capros in die Familie Fistula-
ridei gesetzt, und von Capros aper eine Beschreibung gegeben.
Taenioidei* Cepola Krusenslernii, Sclilegelii und mesoprion
werden von Bleeker Japan 1. c. als drei Arten unterschieden.
"Feutliides* Acanlhurus hypseloplerus Floris und Ampha~
canlhus hexagonalus Cocosinscln 1. c. sind neue Arten von Dlee-
während des Jahres 1854. 439
ker. Derselbe zieht (Amboina 5) die Gattung Keris ein und verei-
nigt sie mit Priodon , da die verschiedenen Exemplare «eigen, dass
die Zähnelung der Zähne mit dem Alter deutlicher werde. P. (Keris)
anginosus und eine neue Art P. tapeinosoma werden beschrieben.
]TIiag^iloidei* Mugil macrocheilos und Rossii sind zwei neue
Arten von Bleeker Cocosinseln.
Metten heim er stellte „anatomisch-hislologische Un-
tersuchungen über den Telragonurus Cuvieri Risso" an (Schrif-
ten der Senclionberglschen Gesellschaft p. 215 — 257 und Taf.
XVII-XIX).
Die anatomischen Verhältnisse des Teiragonurus geben keine
Veranlassung, diesen Fisch von seiner bisherigen Stellung bei den
Mugiloiden zu entfernen. Die Angaben der verschiedenen Schriftstel-
ler über die Zahl der Flossenstrahlen und der Zähne weichen so
weit von einander ab, dass es zweifelhaft wird , ob allen Beobach-
tern dieselbe Species vorlag. Uisso zählt D 18 — 1. 12; V. 1. 5;
A. 1. 12; P. 16; C. 36 , Valenciennes giebt für die erste Rük-
kenflosse 16 Stacheln, für die Afterflosse 12 Strahlen an. Metten-
heimer fand in der zweiten Rückenflosse 10, in der Afterflosse y
Sirahlen. Auch fand er einen Abstand der ersten Rückenflosse von
der zweiten, der V^ Zoll betrug. — In Betreff" der übrigen Einzel-
heiten muss auf die Abhandlung selbst verwiesen w^erden.
Atherinacei. Für die Arten der Gattung Atherina, in denen
der Gaumen zahnlos ist, die einen Mugil - ähnlichen Mund haben, und
bei denen der Zwischenkiefer allein den oberen Mundrand bildet,
gründet Girard Proc. Philadelphia VII. p. 134 eine neue Gattung
Atherinopsis. A. californiensis von San Francisco.
In dieselbe Gattung stellt Girard ib. p. 198 auch Atherina
menidia Linn. und notata Mitch.
Diejenigen Arten, bei denen der Oberkiefer den unteren über-
ragt, die kleine Zähne in den Kiefern, keine am Vomer und am Gau-
men besitzen und deren Zwischenkiefer den Mundrand bilden, wäh-
rend die Oberkiefer hinter ihnen liegen , vereinigt er in der neuen
Galtung B asilichthtj s. Dahin Atherina microlepidota Jen., laticli-
viaCuv.Val., argentinensis Cuv. Val., macrophthalma Agass,, bonarien-
sis Cuv. Val. und Lichtensteinii Cuv. Val.
Diejenigen endlich, deren Unterkiefer den Oberkiefer beträcht-
lich überragt , und die entweder keine oder sehr rudimentäre Zähne
im Gaumen haben, bilden die neue (Jaltung H et er o gtiathus. Da-
hin Atherina Ilumboldliana und vomerina Cuv. Val.
fxoliioidei. Neue Arten: Gobius gracilis Girard Proc. Phi-
ladelphia VIL p. 134 von San Francisco, — G. Sumatranus uu^ Voigiii
440 Troscliel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Bleeker Sumatra, G. ophlhalmolaenia und cocosensis Bleeker Cocos-
inseln. — Eleolris l]oedlii Bleeker Amboina 5. — Callionymus Ri'
chardsonii Bleeker Japan. — Lepadogasler reliculalus Girard Proc. Phi-
lad. VII. p. 155 von San Luis Obispo in Californien.
lllennioiilei. Girard stellte ausser mehreren neuen Arten
aus Californien /^/ewwms gentüiSf Gunnellus ornatus \in^ Anarrhichas fe-
lis auch eine neue Gattung Apodichlhys auf, welche sich von
Gunnellus durch den völligen Mangel der Bauchflossen unterscheidet.
Dahin gehört Gunnellus apos von Kamtschatka und zwei neue Arten
A. flavidus und violaceus aus Californien.
Pelroskirles pflr«rf«5e?/s Bleeker Amboina 5.
Pediciilati. Auf Batrachus porosissimus und porosus grün-
dete Girard Proc. Philadelphia p. 141 eine neue Gattung Porich-
ihys: Körpergestalt ähnlich Batrachus, aber langstreckiger; Poren-
reihen erstrecken sich von verschiedenen Gegenden des Kopfes über
die ganze Länge des Körpers. Keine Schuppen am Körper, keine
Fleischlappen am Rande der Kiefer. Zwei kurze Tentakeln vor den
Nasenlöchern. Zähne schlank und spitz ; die am Vomer sehr deut-
lich. Kopf glatt; Kiemendeckel mit einem einzigen Dorn. P. notolus n.
sp. von San Francisco.
Antennarius leucosoma Bleeker Floris.
Unter den 5 Arten der Gattung Chironectes , welche Poey
Memorias p. 214 bei Cuba gefunden hat, sind Ch. tigris und tenebro-
sus als neu beschrieben und abgebildet.
Anacanthini.
Cfadoidei* Gadus proximus Girard Proc. Philad. VII. p. 14 1
von San Francisco und Morrhua californica Ayres Boston Proc. V.
p. 100 sind neue Arten.
Pleiaroitectae. Keue Arten von Bleeker: Rhombus oli-
godon und Wolfßi Japan, Achims Thepassii Amho'mdi 5, Plagusia [Vaan.
dersii Sumatra.
Girard stellte Proc. Philadelphia VII. p. 139 vier neue Gat-
tungen auf:
Platichthys. Augen links, Körpergestalt wie Rhombus, da-
von verschieden durch kleineren Mund und die Bückenflosse, welche
über den Augen beginnt und mit der Afterflosse weit vor der Schwanz-
flosse endigt. Schnauze vorstehend, Unterkiefer länger. Kleine ko-
nische Zähne an beiden Seiten der Kiefer. Seitenlinie fast gerade,
mit schwacher Krümmung nach oben über den Brustflossen. P. rugo-
sus von San Francisco.
Pleuronichthys. Augen rechts, Körpergestalt wie Platessa.
Kopf klein ; Mund sehr klein. Anfang der Rückenflosse über dem
vorderen Augenrande, und nach der farblosen Seite des Fisches ge-
während des Jahres 1854. 44t
bogen. Zähne sehr undeutlich, an beiden Seilen der Kiefer. Rük-
ken- und Afterflosse erreichen die Basis der Schwanzflosse nicht.
Schuppen etwas unter mittlerer Grösse ; Seitenlinie schwach ge-
krümmt über den Brustflossen. F. coenosus von San Francisco.
P arophry s. Augen rechts. Körper länglich wie Solea, aber
der Kopf ist konisch und die Schnauze vorstehend , der Unterkiefer
länger. Mund von mittlerer Grösse. Zähne nur an der farblosen
Seite der Kiefer, wie bei Solea. Rücken- und Afterflosse erreichen
die Schwanzflosse nicht. Schwanzflosse hinten abgestutzt. Seitenlinie
fast gerade mit kleiner Biegung nach oben über den Brustflossen.
Schuppen klein an Körper und Kopf. P. velvlus von San Francisco.
Psettichthys. Augen rechts oder l'.nks. Körper länglich
wie Solea. Mund ziemlich gross und schief, Unterkiefer länger.
Zähne schlank und undeutlich an beiden Seiten der Kiefer. Anfang
der Rückenflosse über dem vorderen Rande der Augen. Rücken- und
Afterflosse erreichen die Schwanzflosse nicht. Schwanzflosse hinten
abgerundet. Schuppen sehr klein. Seitenlinie über den Brustflossen
schwach gebogen. Ps. melanoslictus von San Francisco.
Girard fügt der vorhergehenden eine neue Art Ps. sordidus \h.
p. 142, gleichfalls von San Francisco, hinzu.
Pleuronectes maculosus ist eine neue Art von Girard ib. p. 155
von San Diego, Californien.
Pharyngognathi.
liabroidei cycloidei* Eine neue Gattung Labrich^
thys stellte Bleeker Floris auf: Dentes maxillares uniseriati co-
nici, utraque maxilla antice caninis curvatis maxillaque superiore an-
gulo oris canino prominente. Caput, regione oculo-maxillari excepta,
totum squamosum. Maxilla superior non protractilis. Fraeoperculum
edentulum ubique squamosum. Linea lateralis continua. Pinnae ver-
ticales squamosae. Membrana branchiostega radiis 5. Spinae dorsales
9. L. cyanolaenia n. sp. Verf. hält es für möglich, dass auch L. poe-
cilopleura C. V. hierher zu ziehen sei.
Ferner sind an neuen Arten zu erwähnen: Labrus pulcher
Ayres Boston Proc. V. p. 101 , Crenilabrus spilogasler Bleeker Japan,
Julis modestus Girard Proc. Philad. VII. p. 151 aus Californien, Julis
(Halichoeres) podostigina Bleeker Floris, Novacula cephalotaenia Blee-
ker F"loris, Scarus cyanolaenia, javanicus, microrhinus Bleeker ßatavia.
Holconoti* Einige nachträgliche Bemerkungen über diese
Familie mit Aufstellung einiger neuen Gattungen von Agassiz Sil-
liman American. Journ. XVII. p. 365 sind in diesem Archiv 1855. I.
p. 30 übersetzt worden. Die hier beschriebenen Gattungen sind Rha-^
Lochilusy Amphislichus und Holconotus.
442 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Nachdem Gibbons in den Proc. Philadelphia VII. p. 105 vier
neue Arten lebendig gebärender Fische aus dem Sacramento River und
dem Busen von San Francisco beschrieben hatte, stellte er ib. p. 122
eine ganze Reihe neuer Gattungen und Arten auf, die er provisorisch
in die Labroiden-Familie setzte. Er beschreibt folgende Gattungen:
Holconolus (muss heissen Embiotoca Agass.) Agasshi, Gibbonsi und
fuliginosus , Cymato g aster Larhinsii , pulchellus , ellipticus , Hy -
slerocarpus Traskii , Hyperprosodon argenteus und arcualus^
Micro m et rus aggregalus und minimus y Mytilophagus fasciatus
und Pachylabrus variegalus. Diese Abhandlung ist in unserem
Archiv 1855. I. p. 331 in der Üebersetzung mitgetheilt.
Girard beschrieb gleichfalls eine Anzahl Holconoti ib. p. 134,
151, In derselben Zeitschrift 1855. April stellte er alle seine Arten
zusammen und charakterisirte auch seine neuen Gattungen Dama^
licht hys , ?h anerodo n , Abeona, Ennichlhy s. Da auch
diese Abhandlung in diesem Archiv 1855. I. p. 342 übersetzt ist, so
Uann darauf kurz verwiesen w^erden.
lialtroidei ctenoidei. Neue Arten wurden beschrieben:
von Hombron und Jacquinot Yoy. au Pole Sud: Pomacen-
trus Hogoleuensis von den Carolinen, Gltjphisodon fasciatus, nivosus
und orbicularis, erstere von Poulolant.
von ßleeker: Pomaceatrus bifascialus Floris, P. leucopleura
Sumatra, Glyphisodon Rossii Cocosinseln , Heliases xanthurus und Da-
scyllus melanurus Banda 3.
von Girard Proc. Philadelphia VII. p. 148: Glyphisodon von
Monterey in Californien.
Cliroiuides. Baird et Girard Philad. Proc. VII. p. 25
stellten eine neue Gattung Herichlhys auf: Körper comprimirt,
subelliptisch; Stirngegend convex. Zähne klein, subkonisch, einfach,
die vordere Reihe grösser. Unterlippe ganz. Fünf Strahlen in der
Kiemenhaut; Bauch-, Rücken- und Afterflosse zugespitzt; Schwanz-
flosse abgerundet. Fünf oder sechs Stacheln in der Afterflosse.
Schuppen gross; Seitenlinie hinten unterbrochen. — Verwandt mit
Ueros Heckel, von ihr durch die Zähne der vorderen Reihe unter-
schieden, welche einfach und ohne seitliche Haken sind. H. cijano-
gultatus aus Texas, lebt in süssem Wasser.
Scomberesoces. Ueber das Geruchsorgan und über die
grüne Farbe der Knochen von Belone acus giebt Leydig in MüUer's
Archiv 1854. p. 328 eine kurze Kotiz.
Belone exilis Girard Proc. Philadelphia Vil. p. 149 von San Diego
in Californien.
während des .lahmes 1854. ^^^
Physostomi.
Siluroidei. Ailurichthys Baird et Girard n. gen. Phi-
lad. Proc. VII. p. 26 aus der Familie der Welse wurde auf Silurus
marinus Mitch. , Galeichthys Parrae Cuv. Val. gegründet und dersel-
ben Gattung Gal. Gronovii, Eydouxii und Blochii Cuv. Val. hinzuge-
fugt. Die Charaktere sind folgende: Kopf flach, gerundet, glatt und
unbewaffnet. Zwei Paar flacher Bartfäden , ein Paar zuweilen sehr
langer an den Kiefern , und ein Paar am Unterkiefer immer kürzer.
Sammetartige Zähne in den Kiefern, und eine Binde ähnlicher Zähne
dicht hinler dem Oberkiefer. Vorderrand der Rücken- und Brust-
flossen in einen häutigen Faden verlängert. Fettflosse über der Af-
terflosse. Schwanzflosse gabelig.
Baird und Girard beschrieben ebenda als neu Arius egwe-
slris aus Texas und Pimelodus afßnis aus dem Rio grande del Worte.
— Bleeker stellte Bagroides macracanthus und Pimelodus melanoga^
sler Sumatra 1. c. als neue Arten auf.
Auf Trichomycterus inermis Guich. gründete Girard Proc.
Philadelphia VII. p. 198 eine neue Gattung Nemalogenys. Kopf
sehr flach und gross. Körper hinten comprimirt , Schwanzflosse ab-
gerundet. Afterflosse unter dem Räume zwischen Rückenflosse und
Schwanzflosse. Bauchflossen unter der Rückenflosse. Mund breit,
aber nicht tief gespalten, am Mundwinkel ein langer Bartfaden; ein
zweites Paar kürzerer Bartfäden unter dem Zungenbein ; ein noch
kürzeres Paar an der Nase. Zwischenkiefer und Unterkiefer mit
einem Haufen hecheiförmiger Zähne. Die Pharyngobranchialknochen
mit ähnlichen Rauhigkeiten bedeckt. Augen ziemlich klein, oben auf
dem Kopfe. Kiemendeckelstücke ohne Dornen. Kiemenspalten unten
vereinigt. Ein Dorn am äusseren Rande der Brustflossen. Haut ohne
Schuppen. — Daselbst ist auch die Gattung Trichomycterus verglei-
chend charakterisirt.
Eine weitere Mittheilung über den electrischen Nerven des Zit-
terwelses von Biiharz (vergl. den vorigen Bericht p. 134) machte
Ecker in der Zeitschr. für wiss. Zoologie VI. p. 140 bekannt.
Im VII. Bande der Denkschriften der Wiener Acad. er-
schien eine Abhandlung: „Die Hyposlomiden, zweite Haupt-
gruppe der Familie der Panzerfische von Kner" als Fort-
setzung einer früheren über die Loricarinen. Dazu 5 Tafeln.
Verf. sieht die Hypostomiden nur als zweite Hauptgruppe der
Loricata vel Goniodontes an, nicht als besondere Familie. Sie unter-
scheiden sich von den Loricarinen durch die zweite Rückenflosse.
Es werden vier Gattungen unterschieden und in folgende systemati-
sche Uebersichl gebracht : I. Gruppe Inermcs vel Clypeati, Zwischen-
444 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
decke! wenig beweglich, ohne Hakenbündel. 1. Gatt. Sisor Bucha-
nan. Körper theilweise nackt, Mund zahnlos, der obere Caudallappen
mit sehr langem Faden (S. rhabdophorus Buchan.). 2. Galt. Hypo~
stomus. Zähne in beiden Kiefern, Schwanzflosse gleichlappig, oder
der untere Lappen verlängert (i/. horridus Heck. n. sp. Rio Guapore,
emarginatus C. V., Commersonii C. V., plecostomus C. V., puncta-
tus C. V., coehliodon n. sp. Rio Cujaba , pantherinus n. sp. Rio Gua-
pore, barbatus C. V., auroguHatus Nalterer n. sp.). II. Gruppe Li"
ctores vel Ancistri. Zwischendeckel aufstellbar , mit Hakenbündel.
3. Gatt. Chaetoslomus Heck. Das vordere Älundsegel gross, in
der Milte lappig verlängert, Mundspalte und Kieferstücke sehr breit
(Ch. lohorhynchus Heck.). 4. Gatt. Ancistrus n. gen. Das vor-
dere Mundsegel kurz, Mundspalte und Kieferstücke schmäler. Hier
werden zwei Abtheilungen unterschieden : a. mit wenigstrahliger
Rückenflosse und meist nacktem Bauche (A. cirrhosus C. V. , doli-
chopterus n. sp. Barra do Rio negro, gymnorhynchus n. sp. Puerto
Cabello, myslacinus n. sp. Carracas, picius n. sp. Barra do Rio negro,
Lrachyurus n. sp. Barra do Rio negro, scaphirhynchus n. sp. Barra do
Rio negro. b. mit mehrstrahliger Rückenflosse und stets beschilder-
tem Bauche (A. duodecimalis Val., longimanus Heck. n. sp. , gibbiceps
n. sp. Rio negro, Uturalus Natt. n. sp. Rio Guapore).
Cyprinoidci« Neue Arten von Bleeker Sumatra: Labeo-
barbus tambroides , Leuciscus lateristrialus , Cobilis choirorhynchus und
macrochir.
Malowsky lieferte Bull, de la Soc. des nat. de Moscou 1854.
I. p. 442 neue Beiträge zur Bestätigung der Fisch- Art Aspius Owsianka
Czernay. Die Art war 1851 in denselben Bulletins aufgestellt, spä-
ter in russischer Sprache weiter erläutert. Verf. bestätigt die Art-
berechtigung, beschreibt das Aeussere und macht auf einige anatomi-
sche Verhältnisse aufmerksam.
Agassi z machte einen Prioritäts- Anspruch für die Galtung
Carpiodes Rafinesque geltend, welche identisch mit Sclerognathus
Valenc. ist, und machte auch auf die Gattungen Ictiobus (Catostomus
Bubalus), C y c l e p t u s (Missouri sucker und Cat. elongalus) und
M 0X0 st oma (Cat. anisurus , gibbosus, Suceti) Rafin. aufmerksam,
die von Catostomus generisch gelrennt werden müssten. Kach Ab-
zug derselben würde die Gattung Catostomus mit dem Typus C. hud-
sonius übrig bleiben. Der Gattung Carpiodes fügte er folgende neue
Arten hinzu: C. urusy taurusy bison, vilulus, vacca.
Agassi z charakterisirte ferner ib. p. 357 eine neue Art Rhi-
nichthys obtusus, der er eine zweite Rh. meleagris von Burlington in
der Note hinzufügte.
Leuciscus prolixus Storer und Exoglossum dubium Kirtl. gehö-
während des Jahres 1854. 445
ren nach Agassiz ib. p. 357 zur Gattung Chondrostoma. Eine neue
Art Ch. pullum Ag. wird nur kurz bezeichnet.
Eine neue Gattung Hybopsis Agass. ib. p. 358 zeichnet sich
durch die dünne verlängerte Gestalt, den langen Kopf, die stumpfe
vorstehende Schnauze, den unterhalb gelegenen Mund und durch die
vordere Lage der Afterflosse aus. Dahin Leuciscus Storerianus Kirll.
und eine neue Art H. gracilis.
Agassiz stellte auch ib. p. 358 die Gattung C^ro somw $ Raf.
wieder her , und betrachtet sie als entsprechend den europäischen
Phoxinus.
Baird und Girard beschrieben Proc. Philad. VII. p. 27 fol-
gende neue Arten : Caloslotnus co7igeslus aus dem Rio Salado, C. Clar-
kii aus dem Rio Santa Cruz, C. pleLejus aus dem Rio Älimbres, C.
insignis aus dem Rio San Pedro, — Carpiodes tumidus aus Texas, Gila
gibbosa aus dem Rio Santa Cruz und G. pulchella aus dem Rio Mim-
bres. — Gila conocepkala Girard ib. p. 135 aus dem Rio San Joaquin
und Leucosomus occidenlnlis ib. p. 137 ebendaher.
In der Nähe von Gila stellte Girard ib. p. 136 eine neue
Gattung Fo g Olli chthy s auf: Mund wie bei Gila; am Mundwinkel
ein kleiner Barifaden; Körper spindelförmig und comprimirt; Schwanz-
flosse gabelig; Insertion der Bauchflossen hinter dem vorderen Rande
der Rückenflosse ; Schuppen gross und gleichförmig; Seitenlinie unter
der Mitte der Seiten. Zwei neue Arten l\ inaeqnilobus aus dem San
Joaquin und P. symmelricus von Fort Miller im San Joaquin -Thale.
Später wurde p. 153 eine dritte Art F. avgyreiosus von Presidio in
Californien hinzugefügt.
Zwischen Gila und Pogonichthys steht die Gattung Latinia.
Mund wie bei den genannten Gattungen aber kleiner und ohne Bart-
fäden ; Körper mit grossen Schuppen bedeckt wie bei Pogonichthys.
Drei Arten: L. exilicauda aus dem Sacramento , crassicauda aus dem
San Joaquin und conformis ebendaher.
Baird und Girard stellten ferner Proc. Philadelphia VII. p. 158
eine neue Gattung auf: Co chlo g nalhus. Die Kiefer sind mit einer
löffeiförmigen Platte bewaffnet , deren Rand scharf und schneidend
ist. Schlundzähne in einer Reihe. Das allgemeine Ansehen erinnert
stark an Pimephales, der Kopf ist zien)lich kräftig mit einer stumpfen
Schnauze. Der Mund selbst ist ziemlich klein. Keine Bartfäden. Die
Insertion der Bauchüossen unter dem vorderen Rande der Rücken-
flosse. Schwanzflosse ausgcrandet. Schuppen sehr gross. Seiten-
linie deutlich, auf der Mitte der Seiten, am Bauche schwach abwärts
gebogen. C. omalus von iirownsville in Texas.
Cyprinodontes. VVyman hat einige ßeobachlung-cn
über die Eiilwickelung von Anableps Gronovii angestelit.
Boston Proc. V. p. 80,
446 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Anableps gehört zu der Abtheilung lebendig gebärender Fische,
bei denen die Enlwickelung im Eierstock slattßndet; ebenso Poecilia,
Blennius und Embiotoca. Die Eier sind, wenn sie eine gewisse
Grösse erlangt haben, von einem durchsichtigen Räume umgeben, be-
grenzt von verdicktem Stroma, welches einen geschlossenen Sack
bildete. Das Ei war frei in dem Sack, wie das Säugethierei im Graaf-
schen Bläschen. Die jüngsten untersuchten Fötus waren weniger
als Ys Zoll lang, und waren mit dem Dottersack versehen, der rei-
henweis mit Papillen besetzt war; diese waren jedoch nicht gefäss-
artig (vascular) , wie Yalenciennes angiebt. Andere waren länger
als 1 Zoll; ihr Auge hatte die glockenförmige (dumb-bell-shaped)
Pupille bekommen. Bei noch anderen von 1^/^ Zoll länge war der
Dottersack verschwunden, aber am Bauche war noch eine Spalte;
diese Fötus befanden sich im Oviduct, und ihre Cornea war ge-
theilt, wie bei den Erwachsenen. Die älteren Fötus bestanden aus
mehr Masse als die Jüngeren mit dem Dottersack, so dass Stoffe von
aussen aufgenommen sein mussten.
Agassiz bemerkte, Silliman Amer. Journ. XVII. p. 353, dass
Storer's Poecilia catenata zur Gattung Hydrargyra, dessen P. olivacea
zu Zygonectes Agass. gehöre. Diese Gattung müsse in zwei Grup-
pen getheilt werden: l. mit gefleckten Linien an den Seiten des Kör-
pers und mit breiter Binde durch Auge und Wange ; dahin Z. INottii,
lineolatus, guttatus, dispar, hieroglyphicus Agass. 2. mit breitem
schwarzem Längsbande von der Spitze des Unterkiefers zum Schwänze;
dahin Z. lateralis und zonatus Agass.
Poey stellte Memorias p. 374 drei neue Gattungen aus der
Familie der Cyprinodonten auf, die in den Gewässern von Cuba le-
ben. Die Arten sind abgebildet.
1. Gambusia Poey. Os protractile, valde fissum ; interma-
xillares depressi, mandibula inferior maxime producta. Dentes externi
validi , conici, curvi , dislantes; plaga postica dentium cardinatorum ;
intestina brevia , hepar amplum. Analis ultra dorsalem prolata , in
maribus longa, mire constructa. Radii branchiostegi 6. Carnivorus,
forte insectivorus. Zwei neue Arten G. punctata und puncticulata.
2. Girardinus Poey. Os breve, rotundatum, protractile; in-
termaxillares depressi, mandibula inferior producta. Dentes uniseria-
les, approximati , mobiles, ad basin tenues, extremo acuto; intestina
gracilia, longa, pluries circumvoluta , hepar inconspicuum. Analis
ultra dorsalem prolata , in maribus longa , mire constructa. Radii
branchiostegi 5. Limivorus. Eine neue Art G. nietallicus.
3. Limia Poey. Os magnitudine media, rotundatum, protra-
ctile; intermaxillares depressi, mandibula inferior producta, Dentes
externi approximati, exiles, curvi, acuti; plaga postica dentium velu-
tinorum ; intestina longa , pluries circumvoluta , hepar inconspicuum.
während des Jahres 1854. 447
Analis post dorsalem retracla, in maribus longa, niiro construcla. Ra-
dii branchiostegi ß. Limivorus Dahin Poecilia villala Guich. in Sagra
Hist. p. 2:24 und eine neue Art L. cub^nsis.
Fundulus jmrvipintiis Girard Proc. Philadelphia VII. p. 154 von
San Diego in Californien.
Cliaracini. Baird und (iirard stellten Proc. Philad. VII.
p. 26 eine neue Gattung ^u[Asl^J anax: Fettflosse vorhanden. Bauch-
kante nicht gesägt. Zwei Reihen Zähne oben und unten, flach mit
einigen konischen Spitzen an ihrem Rande. Weder Hunds- noch
Gaumenzähne. Rückenflosse über den Bauchflossen. Schuppen gross.
A. argenlalus aus den oberen Nebenflüssen des Rio IVueces.
Eine andere neue Galtung Cheirodon gründete Girard ib.
p. 199. Körper comprimirt, Bauchkante nicht gesägt. Fettflosse vor-
handen. Zähne am Zwischenkiefer, Oberkiefer und Unterkiefer ; an
beiden Kiefern in einer Reihe und an ihrem meist fünfspitzigen Rande
erweitert. Schlundzähne sammetartig, sehr klein. Rückenflosse zwi-
schen Bauch- und Afterflosse.
Ch. pisciculus n. sp. in Teichen bei Santiago in Chile.
Scopelini. Die Gattung Astronesthes Richards., welche
Valenciennes mit Chauliodus vereinigt, ist durch die Gegenwart
von Zungenzähnen verschieden. Diesem Charakter fügt Poey Me-
morias sobre la historia natural de la isla de Cuba p. 176 den Bart-
faden am Kinn, die nackte Haut und die Stellung der ersten Rücken-
flossip dicht hinter den Bauchflossen hinzu. Eine neue Art A. Richard^
sonii von Cuba wird beschrieben.
Salmoues* Girard beschrieb einen neuen Lachs Salmo
Gloterii aus dem oberen Zuflüsse des Union River im Staate Alaine«
Proc. Philad. VII. p. 85.
Argenlina pretiosa Girard ib. p. 155 von Pregidjo in Californien.
Esocini* Bur nett kündigte an (Proc. Boston soc. IV. p. 360),
dass das Männchen von Esox nobilior eine Art von Begattung aus-
führe. Das Weibchen legt sich auf die Seite und bietet so ihren Bauch
der Berührung des Männchens dar, w^elches dann mit beträchtlicher
Kraft gegen dasselbe anschwimmt. Das Weibchen zieht sich dann
zurück und legt die Eier in den Sand. Hierauf werde der Vorgang
wiederholt. — Dazu bemerkte Ca bot, dass dieser Act wohl den
Zweck haben möge, die Eier aus dem Weibchen hervorzupressen. Er
hat Männchen und Weibchen von Catostomus Bostoniensis in ähnli-
cher Berührung zur Laichzeit bei einander gesehen. — Durkee be-
stätigte dasselbe von der Bachforelle (Brook Trout).
Esox ornalus Girard ib. V. p. 41 von Massachusetts. — E. cras-
sus Agassiz Silliman Journal XVII. p. 308.
Jlurinyri' tfebor die Gattung Mormyrus sind zwei ana-
448 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
lomische Arbeiten bekannt gemacht worden. A.Ecker lie-
ferte eine anatomische Beschreibung des Gehirns vom kar-
pfenarligen Nilhecht, Mormyrus cyprinoides L. , dem hochver-
dienten Forscher Dr. Fr. Tiedemann zur Feier seines fünf-
zigjährigen Doctorjubiläums gewidmet. 1854. Eine Stein-
drucktafel erläutert den Text.
Leopold Fischer schrieb seine Inauguraldisserta-
tion : lieber das Gehörorgan der Fischgaltung Mormyrus. Auf
die Schilderung der Koplknochen des Mormyrus oxyrhynchus
folgt die anatomische Beschreibung des Gehörorgans.
Heckel beschrieb den Gymnarchus niloticus nach zwei aus
dem weissen Nil vorliegenden Exemplaren in den Denkschriften der
Wiener Academie VI. p. 11. Besondere Aufmerksamkeit ist der Stel-
lung der Schuppen geschenkt. Verf. stellt die Gattung in die Fa-
milie der Mormyri. Unzulässig ist es, dass er auch Carapus und Ster-
narchus dahin zählt.
Cliipeacei. Harengula zunasi (Clupea kowal Schlegel) und
Pellona Schlegeln (Clnpea melastoma Temm. Schi.) werden von B 1 e e_
ker Japan beschrieben.
Girard stellte folgende neue Arten auf: Clupea mirnbilis, Me~
lella caerulea und Engraulis mordaxFroc. Philadelphia VII. p. 138 von
San Francisco; Engraulis delicatissimus ib. p. 154 von San Diego in
Californien; Alosa musica und Engraulis pulchellus ib. p. 199 aus der
Caldera-Bay in Chile.
Hyrtl lieferte einen Beitrag zur Anatomie von Ileterotis Eh-
renbergii in den Denkschriften der Wiener Acad. VIII. p. 73. Es mag
hier hervorgehoben werden, dass Verf. ausser einer vorderen Schwimm-
blase mit oberer zelliger Wand einen in Kammern getheilten Raum
im Kanäle der unteren Schwanzwirbeldornen für eine zweite Schwimm-
blase ansieht, und dass er dem accessorischen schneckenförmigen
Organ der Kiemen die Bedeutung eines Kiemenlabyrinthes zuschreibt,
ihm aber zugleich die Functionen eines Sinnesorganes beilegen
möchte. Den Namen Heterotis möchte Verf. als unpassend verwer-
fen und den Fisch H elicobranchus nennen.
Heteropyg'ii* Wyman bestätigte das Vorhandensein der
Augen von Amblyopsis spelaeus , und wies auch die Nerven nach.
Das Auge bestand aus einer dünnen Scheide, darin eine Lage hexa-
gonaler Pigmentzellen. Eine Pupille wurde nicht beobachtet, aber
in zwei Italien eine Linse. Von der Haut sind die Augen völlig ge-
trennt (Proc. Boston IV. p. 395). — Später (ib. V. p. 18) wurde das
Vorhandensein einer Linse an grösseren Exemplaren bestätigt, auch
wurde eine Zellenschicht innerhalb der Choroidea unterschieden, die
der Retina entspricht. Das Gehörorgan desselben Fisches wurde vom
während des Jahres 1854. 449
Verf. untersucht; er fand die halbzirkclförmigen Kanäle sehr gross
entwickelt, und in dem Vorhof grosse Otolilhen.
Nach Jackson soll sich der blinde Fisch auch ausser der Mam-
niuth-Höhle im Green River finden (ib. V. p. 57).
^yinnoiiui. Alfred Wallace hat (Proc. zool. soc. July
1853; Annais XIV. p. 398) eine Notiz über die (iymnotini Südameri-
ka's gegeben, und meint 5 Gattungen unterscheiden zu können, wobei
es das Gebiss, die Schwimmblase u.s.w. benutzt. Nämlich: 1. Gym-
notus (G. electricus), 2. Carapus (C. brachyurus und 4 andere Arten),
3. eine Form mit weitem Munde , ohne Zähne , und mit kleiner run-
der einfacher Schwimmblase, 4. die langkiefrigen Arten ((J. rostratus),
5. Apteronotus mit kleiner Schwanzflosse. Verf. hat die Literatur
nicht beachtet ; seine Carapus umfassen die Galt. Carapus und Sterno-
pygus Müll. Trosch. Seine no. 3. scheint eine neue Gattung; seine
no. 4 ist Rhamphichthys Müll. Trosch. und Apteronotus ist Sternar-
chus CuY. Eine von den langschnauzigen Arten soll dadurch Amei-
sen fangen, dass sie ihren Schwanz auf das Land legt, wo dann
die Ameisen an dem Schleim anhaften.
JTIuraenoiflei. Neue Arten von Bleeker: Conger ana-
goides Banda 3; Muraena (lorisana Floris.
BIels&iicht]iyidei. Nach Peach kommt Leptocephalus Mor-
risii auch in Schottland vor (Annais XIIL p. 238).
Plectognathi.
f^yiimodoufes. Bleeker beschrieb eine neue Art Te-
traodon trichodennaloides Floris.
Derselbe stellte Amboina 5 eine neue Gattung Tropidichthys
auf: Dentes 4; loco narium utroque latere depressio rotunda imper-
forata; dorsum carinatum; linea lateralis nulla ; rostrum acutum. Da-
hin Tetraodon margaritatus, striolalus, Bennettii und Valentini und
wahrscheinlich T. rostratus Bl. und rivulatus Temni. Schi.
eaissfins. Eine bereits in den Annales des sc. nat. 3.
Serie XX. p. 71 begonnene Monographie der Dalistiden von
H 0 1 1 a r d ist in diesem Jahre ib. 4. Serie I. p. 39 und p. 303
und 11. p. 321 fortgesetzt.
Verfasser erkennt nur drei Gattungen an: Triacanthus , Balistes
und Monacanthus. Von der Gattung Triacanthus unterscheidet Verf.
drei Arten: T. breviroslris Val. (bei Rüssel abgebilde), angustifrons
Holl. (bei Bloch abgebildet) und longirostris Iloll. Die Gattung Ba-
listes wird in zwei Sectionen getheilt. In die erste, bei denen die
Schuppen der Schulter nicht aülfallend sind, gehören neun Arten, un-
ter denen neu: B. bretissimus von Australien, angulostis aus dem slil-
Archiv f. NatuigescJi. XXI. Jahrg. 2. Bd. [)D
450 Troschel: Bericht ül??r die Leistungen in der Ichthyologie
len Ocean, lo.ng}ssjimus ebendaher, QuUurosus von Isle de Bourbon, li-
leo-punctatus und calolepis ebendaher, elang^ius von den Azoren. Die
zweite Section mit aulTallenden Schulterschuppen enthält 19 Arten,
w^orunter neu : B. reliculatus aus dem stillen Ocean und von Isle de Bour-
bon. Die Gattung Monacanthus zerfällt in die Untergattungen Mona-
canthus und Aluteres, in deren ersterer 25 Arten unterschieden wer-
den; darunter sind neu: M macroceros von Baia, brevispinosus aus
dem indischen Ocean , plalyfrons von der Georgsbai , serrasquamosus
von der Inselbai, tricuspis aus dem indischen Ocean, lineo - gultatus,
Peroni von Australien, Dumerilii von Isle de France, aspersus von
Celebes, sulcatus von Macao, nilens von Tonga Tabou.
Monacanthus janthinosoma ist eine neue Art von Bleeker
Amboina 5.
Lophobr anchii.
Diese Abtheilung wurde durch folgende neue Arten vermehrt:
Syngnathus brevirostris und leptorhynchiis Girard Proceed. Philadelphia
VII. p. 156 von San Diego in Californien ; — S. cyanospilos Bleeker
Banda 3 und AI. tapeinosoma Bleeker Anger auf Java. — Ferner von
Bleeker Hippocampus polylaenia Floris, melanospilus Amboina 5,
katnpylotrachelos Sumatra.
Glaiioldei.
Hyrtl schrieb über den Zusammenhang der Geschlechts- und
Harnwerkzeuge bei den Ganoiden, und bildete diese Theile von Spa-
tularia folium, Lepidosteus osseus und Polypterus bichir ab. Denk-
schriften der Wiener Acad. YlII. p. 65.
Agassi z machte auf die weite geographische Verbreitung der
Gattung Lepidosteus in Nordamerika aufmerksam, und versprach eine
baldige Beschreibung der in seiner Sammlung befindlichen 22 Species.
Silliman Journ. XYII. p. 360. Der Jugendzustand unterscheidet sich
sehr auffallend von den Erwachsenen, und gab Rafinesque Veran-
lassung zur Aufstellung der Gattung Sarchirus.
Poey beschrieb Memorias p. 273 unter dem Namen Lepidosteus
Manjuari eine Art, die bereits von Parra als Manjuari p. III. tab. 40.
flg. 2 abgebildet war. Die Bauchflosse steht genau in der Mitte, der
erste Strahl der Brustflossen trägt vorn sehr kleine Schuppen , die
Schuppen sind hinten gezähnelt, mitten mit einem bauraförmigen Ein-
druck; zunächst verwandt mit L. platysomus Raf. Pas Skelett ist
ausführlich beschrieben. Drei Tafeln mit Abbildungen erläutern
den Text.
Selacilii.
~^' ..SL€£u»li. Girard charakterisirtß in Prq^. Philfidelphia VII.
p. 196 folgende Haifische von der Westküste Nordamerikas: Cestracion
während des Jahres 1854- 451
Francisci von Montcrcy, Triahis semifascialum von Prcsidio, Spinax
(Acanthias) Suchlcyi von Fuget Sound.
Mustehcs manazo (M. vulgaris Temm. Schi.) wird von Blee-
ker Japan als eigene Art angesehen.
Rajae. In der Fauna del Rcgno di Napoli von Costa 1853
finden sich die Beschreibungen von Prislis antiquorum und Rhinoba-
tus Columnae.
RhinohaUis producla Ayres (Proc. Calif. Acad. Sc. I. 1854) von
Fresidio und Raja hinoculaia von San Francisco sind von Girard in
Proc. Philadelphia VII. p. 19Ö charakterisirt worden.
Rhinobahis (Syrrhina) polyophthalmus und Mijliobalis tobyei (M.
aquila Temm. Schi.) sind neue Arten von Uleeker Japan.
Leydig hat von Neuem das im Schwänze gelegene, dem ele-
ctrischen Organ bei Torpedo verglichene Organ von Raja oxyrhyn-
chus untersucht, und glaubt es den electrischen Organen nicht bei-
ordnen zu dürfen (Müller's Archiv 1854. p. 314).
Wyman untersuchte einen Torpedo (T. occidentalis Storer) und
kam zu denselben Resultaten wie Wagner. Die ganze Zahl der
Platten schätzte er auf 250,000 bis 300,000. Die Flüssigkeit zwischen
den Platten enthielt 90% Wasser , Eiweiss und Kochsalz. Bei der
Untersuchung des Mageninhalts fand er, dass bei der Verdauung von
Knochen der Kalk vor der Gallertsubstanz aufgelöst wurde, wie er es
auch bei anderen Fischen fand, umgekehrt als bei Hunden und Hyä-
nen (Proc. Boston V. p. 21).
Clitmaerae. Eine Monographie von Chimaera monstrosa
erschien 1852 in der Fauna di Napoli von Costa. Sic umfasst 47
Seiten und 7 Tafeln und berücksichtigt auch die Anatomie.
Cyclo»toini*
Girard machte eine neue Art Bdellostoma jiolißrejna von Val-
paraiso bekannt; sie hat 14 Kiemenlöchcr an jeder Seite. Proc. Phi-
ladelphia VII. p. 199.
Bericilt über die Iieistuiig:en im Grcbieto «1er
]l[aturg:escliielite der Mollusken während
des «Jahres 1§54.
Vom
Heraus g^ e b . e jr«
Die seit dem Jahre 1844 erschienene Zeilschrift für Ma-
lacozoologie von Menke, später von Menke und Pfeif-
fer herausgegeben, hat aufgehört zu erscheinen. An ihre
Stelle sind die von denselben Verfassern redigirlen Malaco-
zoologischen Blätter als Fortsetzung getreten. Der Inhalt
derselben ist unten berücksichtigt. Im Jahre 1854 ist der
erste Band ausgegeben.
Nachdem durch Philipp i's Auswanderung nach Ame-
rika dessen Abbildungen und Beschreibungen neuer oder
wenig gekannter Conchylien zu erscheinen aufgehört hatten,
hat L. Pfeiffer ein ganz ähnliches neues Unternehmen un-
ter dem Titel: „Novitates conchologicae, Abbildung und Be-
schreibung neuer Conchylien Cassel 4.« begonnen. Jede Lie-
ferung enthält drei Tafeln mit zugehörigem Texte in deut-
scher und französischer Sprache. Eine systematische Folge
wird nicht beobachtet; vorläufig werden die Land- und
Süsswasserconchylien vorherrschend sein. Die während des
Jahres 1854 erschienenen beiden ersten Lieferungen beschäf-
tigen sich mit Arten der Gattungen Cyclophorus , Cyclosto-
mus, Helix, Bulimus, Achatina, Amphipeplea, Auricula, Cas-
sidula , Melampus, Plecotrema, Pythia , Pedipes. Neue Arten
finden sich darunter nicht, sie sind alle schon anderen Orts
vorher durch Diagnosen bekannt gemacht.
Tr 0 s ch e 1 : Bericht über die Leislungen u. s. w. 453
Von der Käs ter'schen Ausgabe des systematischen
Concliyllen-Cabinefs von Martini Ciieinnitz erschienen
die Lieferung-en 130 — 140 in regelmässiger Folge. Diesel-
ben brachten vom Texte den Schluss der Gattung Helix
(No. 891 — 1107) bearbeitet von Pfeiffer, den Schluss der
Gattung Cyclosloma (No. 259 — 420 mit einem Anhange über
die Gattung Cataulus und Diplommatina, die in der Tiiat einen
Deckel besitzt), bearbeitet von Pfeiffer, die Forlsetzung
der Gattung Bulimus, liie Fortsetzung der Gattung Unio (No.
59—78) bearbeitet von Küster, endlich die Gattungen Dau-
debardia (3 Arten), Vitrina (34 Arten) Simpulopsis (5 Ar-
ten) bearbeitet von Pfeiffer. Die neuen Arten der Gattung
Unio s. unten.
Von Rossmaessler's Iconographie der Land - und
Süssvvasser - Mollusken Europas erschien nach zehnjähriger
Unterbrechung wieder eine Fortsetzung, nämlich Heft 1 u. 2 des
drillen Bandes, der Inhalt bezieht sich auf Arten der Gattun-
gen Helix, Melanopsis, Neritina und Unio. Verf. hat in die-
sem Doppelhefte auch das Gebiss und die Liebespfeile be-
rücksichtigt. Ersteres ist von mehreren Helix-Arten , von
Melanopsis Dufourii und Neritina valentina in Holzschnitt ab-
gebildet. Das Material für diese Hefte hat Verf. in Spanien
gewonnen. Eingehendere Berichte über dieselben finden sich
in den Malakozool. Blättern von A. Schmidt und Pfeiffer.
Die neuen Arten sind unten namhaft gemacht.
Von Lovell Reeve's Prachtwerke ,,Conchologia ico-
nica or figures and descriptions of the shells of Molluscous
animals^S welches seit einer Reihe von Jahren in Heften er-
schienen ist, war es mir bisher nicht vergönnt, in diesen
Berichten gebührende Anzeige zu machen, da mir das kost-
spielige Werk nicht zugänglich geworden war. Von dem-
selben erscheint monatlich ein Heft , und jedes Heft kostet
10 Sh. Die Beschreibungen sind den Tafeln gegenüberge-
druckt, kurz diagnosenartig gehallen. Auf eine Erschöpfung
des Gegenstandes und Vollständigkeit in Benutzung der Lit-
tcratur scheint Verf. keinen Anspruch zu machen. Es ist
hauptsächlich die Absicht, die reiche Cuming'sche Sammlung
abzubilden. Bereits im .Jahre 1852 erschienen die Lief. 104
— 115 mit den Gattungen Helix und Pccten ; im Jahre 1853
454 T rösche 1: Bericht über die Leistungen in der
die* Lief. 116—125, gewidmet den Gatdingen Helix, Pecten,
Hinniles, Amphidesma und Nassa; das Jahr 1854 brachte die
Lief. 126 — 138, worin der Schluss der Galtung Nassa, wel-
che 196 Arten, worunter 20 neue, enthält, die Gattung Mactra
mit 125 Arten, die Gattung Mesodesma mit 31 Arten, unter
denen eine, M. spissa von Neuseeland, neu, ferner den An-
fartg der Gattungen Lutraria, Donax, Patella und den Schluss
der Gattung Helix mit 1495 Arten.
Von Wo od ward's Manual of the Mollusca, von wel-
chem London 1851 der erste Theil erschienen war, hat uns
das Jahr 1854 den zweiten Thell gebracht. Derselbe, geziert
wie der erste , durch zahlreiche Holzschnitte und 12 Tafeln,
auf denen die Repräsentanten vieler Gattungen abgebildet
sind, enthält den Schluss der Gasleropoden mit den Ordnun-
gen Pulmonifera , Opislhobranchiata und Nucleobranchiala,
dann die Classen Pteropoda , Brachiopoda und Conchifera.
Letztere zerfällt in die Sectionen Asiphonida, Siphonida in-
tegropalliala und Siphonida sinupalliata. Das Duch empfiehlt
sich ausser seinen inneren Vorzügen vor den meisten ande-
ren Handbüchern durch die auffallende Wohlfeilheit.
In einem Werke von Poey, Memorias sobre la histo-
ria natural de la isla de Cubä, von welchem von 1851 bis
1854 der erste Theil erschienen ist, und welches ich erst
jetzt nach eigener Kennlnissnahme in diesen Berichten be-
sprechen kann, sind zahlreiche conchyliologische Aufsätze
enlhalten , welche unten näher bezeichnet sind. In einem
Arthan<Te sind manche Berichtigunoen hinzufjefügt , welche
einzeln in dem Berichte aufzuführen, der Raum nicht gestat-
tet. Die Bemerkungen über die Synonymie kann ich um so
eher übergehen, weil sie von Pfeiffer in den Malakozoo-
logischen Blättern berücksichtigt worden sind.
Von Schriften, welche sich auf die geographische Ver-
breitung der Mollusken beziehen, sind zu erwähnen :
Koch hat Cyclas rivicola und Paludina fasciata bei Dö-
milz in der Elbe, Congeria Chemnitzii im Recknilz-Trebel
Kanal gefunden (Archiv des Vereins der Freunde der Natur-
gesch. in Meklenburg 1854. p. 128).
In den Verhandl. und Miltheil. des Siebenbürgischen
Vereins für Natiirw. zu Heruiannstadt V. 1?54. p. 87 gab
Naturgeschichte der Mollusken währenn! des Jahres 1854. 455
BifelÄ ZU seinem Verzeichnisse der Land- und Süsswasser-
Aollusken Siebenburgens einige Nachträge.
Kaleniczenko hat im Bulletin de la Soc. imp.de
Moscou 1853. II. p. Ö8 die russischen Helices, welche von
Krynicki aufgestellt waren, einer Revision unterworfen.
Verf. berücksichtigt hier 47 Arten der Gattung Hclix.
lieber einige Varietäten von extramarinen Schnecken
der Gegenden von Montpellier und Nizza machte Paget Be-
merkungen. Annais XIII. p. 455 und p. 505.
Millet lieferte (Annales de la soc. Linneenne du de-
partement de Maine et Loire 1853. Angers 1854) ein Ver-
zeichniss der Mollusken des Departements Maine et Loire.
Verf. unterscheidet 4 Arten Arion, 4 Limax, 1 Testacella,
1 Vilrina , 3 Succinea, 29 Ilelix, 2 Bulimus , 1 Achatina , 1
Zua, 5 Clausilia, 1 Balea , 6 Pupa, 1 Carychium, 12 Planor-
bis, 2 Physa, 10 Limnaeus, 3 Ancylus, 1 Cyclostoma, 2 Vi-
vipara (Paludina), 2 Paludiha (Bithynia) , 2 Valvata, 1 Ne-
ritina , 7 Anodonta , 8 Unio, 5 Cyclas , 2 Pisidium, also 94
Schnecken und 22 Muscheln, zusammen 116 Arten. Als neu
werden 1 Arion, 1 Planorbis und 1 Limnaeus aufgeführt ; nach
den Diagnosen in merkwürdigem Latein scheinen diese wohl
nicht hallbar.
Eine kleine Schrift von Barbie „Catalogue methodique
des Mollusques terrestres et fluviatiles du departement de la
Cöte-d'Or; suivi d'une Note une monstruosite du Planorbis
corneus, trouvee dans le Canal de Bourgogne. Dijon 1854.8.
ist mir nur aus einer Anzeige in der Revue Zool. p. 687 be-
kannt geworden. Es sind darin 99 Arten enthalten , unter
denen keine neu.
Sars verglich die Fauna des adriatischen Meeres mit
der der Nordsee, und gab die Vorkommnisse, namentlich von
Mollusken in den vier unterschiedenen Regionen an. Bemärk-
ninger over det Adrlatiske Havs Fauna saminenlignet med
Nordhavets. Nyl Magazin for Naturvidenskaberne 1853. p. 367.
Mo r titlet hat in den Memoires de l'Institut Gene-
vois II. einige neue Conchylien aus Armenien beschrieben
und abgebildet. S. unten.
Catalogue raisonne des Mollusques terresfi-es et fluvia-
tiles recueillis par M. F. de Saulcy pendant son voyagc en
456 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Orient par J. R. Bourguignat Paris 1853. 96pag. avcc 4
planches. Diese Schrift ist mir nur aus einer Anzeige in
der Revue de zool. p. 236 bekannt geworden. Daselbst sind
38 neue Arten beschrieben, die jedoch meist vom Verf. schon
früher veröffentlicht sind.
Von Alb. Mousson erschien in den Mittheil, der na-
turforsch. Gesellsch. in Zürich lü. p. 362 eine Abhandlung:
Coquilles terrestres et fluvialiles, recueillies par B(dardi dans
un Voyage en Orient. Es handelt sich hier um 14 Arten
von Rliodus, 8 Arten von Smyrna, 18 Arten von Cypern und
24 Arien von Syrien. Die neuen Arten sind unten namhaft
gemacht.
Im Jalire 1854 ist nun auch der Text zu der Abtheilung
der Mollusken aus der Voyage au Pole Sud et dans l'Oceanie
als Tome V der Zoologie erschienen. Die Mollusken sind von
Rousseau bearbeitet; er hat die bereits auf 25 Tafeln ab-
gebildeten und vonHombron und Jacquinot bestimmten
Arten beschrieben und nur eine Tafel (26) neu hinzufügen
lassen. Bedenklich erscheint es, dass seitdem die Arten nicht
zum Theil anderweitig beschrieben sein sollten , und würde
es die erste Aufgabe des Verf. gewesen sein , die alten Na-
men von Hombron und Jacquinot mit der neueren Li-
teratur in Einklang zu bringen. Bei einigen Arten Helix ist
eine andere Benennung von Le Guillou als Synonym ci-
tirt , welche doch jedenfalls die Priorität hat. Wir geben
unten ohne weitere Kritik die Namen der neuen Arten.
Die einzige lebende Schnecke in Ladak ist nach Cun-
ningham (Ladak, physical, Statistical and historical. Lon-
don 1854. p. 207) Limnacus auricularius. Es leidet wohl kei-
nen Zweifel, dass diese Art sich bei genauerer Vergleichung
als verschieden ergeben werde. Auf einer beigefügten Tafel
sind einige fossile Schnecken abgebildet.
Albers gab ein Werk über die Conchylien Madeiras
heraus : Malacographia Maderensis sive enumeratio Mollusco-
rum quae in insulis Maderae et Porlus sancti aut viva exstant
aut fossilia reperiunlur cum XVll. tab. color. Berolini J854. 4.
Im Ganzen hat Verf. 116 Arten verzeichnet, indem er sich
auf die Land- und Süsswasserconchylien beschränkt. Am
zahlreichsten sind die Gattungen Helix (62), Pupa (21),
Nafurgeschichle der Mollusken wahrend des Jahres 1854. 457
Glandina (14) vertreten. Die einzelnen Familien, Gattungen
und Arten sind charakterisirt, die Synonyniic vollständig an-
gegeben, und die Fundorte näher bezeichnet. Eigentlich
neue Arten kommen nicht vor. Alle sind auf 17 colorirten
Steindrucktafeln abgebildet. Eine ausführlichere Anzeige
findet sich in den Malak. Bl. p. 225.
Dunker gab bereits im Jahre 1853 heraus: Index Mol-
luscorum, quae in itinere ad Guineam inferiorem collegit Geor-
gius Tams. Cassellis Cattorum. 4. mit 10 Tafeln. Der Verf.
hat bereits eine Anzahl dieser Conchylien in der Zeitschrift
für Malacozoologie beschrieben; hier werden die neuen Ar-
ien ausführlicher behandelt, und viele neue oder seltene Ar-
ten abgebildet. Das ganze Verzeichniss enthält 166 Arten,
nämlich: 1 Cephalopoden, 2 Pteropoden, 110 Gasteropoden,
53 Conchiferen. Ein besonderes Auffenmerk hat der Verf.
darauf gerichtet, die A danson'schen Arten richtiger zu er-
kennen, als es von den neueren Autoren geschehen ist. Für
die Fauna von Guinea ist dieses Werk sehr wichtig. Ich
beschränke mich natürlich darauf, die hier zuerst neu auf-
gestellten Arten, deren Zahl nicht gross ist, unten zu nennen.
Ein Verzeichniss der Cubanischen Land- und Süsswas-
sermollusken, welches Poey in seinen Memorias sobra la
historia natural de la isla de Cuba p. 392 zusammengestellt
hat, enthält 332 Arten , und Verf. vermuthet , dass sich bei
weiterer Erforschung der Insel die Zahl auf 500 erhöhen
werde.
Auf der Insel Pinos bei Cuba kommen nach Poey Me-
morias p. 427 von Schnecken 29 Arten vor, unter denen eine
neue Gattung Pineria aus der Heliceenfamilie.
Shuttle worth machte Beiträge zur näheren Kennt-
niss der Land- und Süsswasser -Mollusken der Insel Porto-
rico bekannt. Mittheil, der naturforsch. Gesellsch. zu Bern
1854 p. 33 und 89. Daselbst werden lOl Arten aufgezählt,
unter denen mehrere neu. Auch zwei neue Gattungen wur-
den vom Verf. aufgestellt.
Nachdem Pfeiffer Malak. Bl. p. 165 die Diagnosen
von Shuttle worth angezeigt, und namentlich die von
Blauner in Portorico gesammelten Conchylien mit einigen
kritischen Bemerkungen versehen hatte, lieferte er einen Bei-
458 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
trag zur Molluskenfauna von Cuba ib. p. 170. Nach dieseir
Aufzählung leben auf dieser Insel: 1 Vaginulus, 5 Succirtea,
63 Helix, 2 Proserpina, 17 Bulimus nebst 2 eingeschleppten
Arten, 19 Achatina, 3 Spiraxis , lö Pupa , 20 Cylindrella.
Einige hierunter befindliche neue Arten sind unten namhaft
gemacht.
Von derHistoria fisica y polilica de Chile por Claudio
Gay ist im Jahre 1854 der achte Theil der Zoologie er-
schienen. In ihm sind die Mollusken (p. 1 — 407) und die
Zoophyten enthalten. Bei den ersteren ist auch auf die fos-
silen Formen Rücksicht genommen. Die Arten sind durch
lateinische Diagnosen, die wichtigste Synonymie , eine kurze
Beschreibung und Bemerkungen über das Vorkommen in
spanischer Sprache erläutert. — Der Abschnitt über die Ce-
phalopoden (p. 7—41) behandelt nur sechs lebende Arten,
l Octopus, 2 Argonaula, 1 Onychoteulhis, 1 Ommaslrephes
und 1 Loligo. — Von Pteropoden^ (p. 42—57) werden 7 Hya-
lea , 7 Cleodora und 1 Cuvieria aufgeführt, die sämmtlich
schon in d'Orbigny's Reise beschrieben sind. — Die Ga-
steropoden reichen von p. 58—276. Von ihnen sind einige
neue Arten aufgestellt , deren Namen unten genannt sind. —
Von Muscheln sind ausser einigen neuen Arten auch zwei
neue Gattungen gegründet. — Von Tunicalen endlich sind 3
Salpen, eine neue Ascidie und zwei zusammengesetzte Asci-
dien beschrieben.
L e u ck a r t hat in seinen Zoologischen Untersuchungen III.
p. 69 — 88 seine Ansichten über die Geschlechtsverhältnisse
der Zwitterschnecken entwickelt. Er beschreibt zunächst die
Zwitterdrüse von Cymbulia Peronii als aus Schläuchen be-
stehend, die im Innern Samenfäden enthalten und auf der
äusseren Fläche Aussackungen tragen, in denen die Eier ent-
halten sind. Damit wird der Bau der Zwitterdrüsen einiger
Nacktkiemer verglichen. Auch weist Verf. nach , dass die
Meckel'sche Ansicht über die Zwitterdrüsen der Landga-
steropoden, nach welcher die Schläuche in einander steckteil,
so dass die männlichen in den weiblichen eingeschlossen
wären , unrichtig sei ; die Eier bilden sich hier auf der In-
nenwand der Keimdrüse. Neben der räumlichen Verschie-
denheit der männlichen und weiblichen Diüsenschläuche wird
Naluri^eschiohte der Mollusken während des Jahres 1854. 459
auch die zeitliche Verschiedenheit der männlichen und weib-
lichen Brunst, namentlich bei Cymbulia , hervorgehoben. In
der Voraussetzung-, dass die Beobachlungon von Souleyet,
nach welchen bei Janus, Calliopaea und Aclaeon die weib-
lichen und männlichen Follikel getrennt seien, so dass Hode
und Eierstock nur noch mit ihren Ausführungsgängen zu-
sammenhängen, richtig sind, unterscheidet Leuckart drei
Hauptformen des Geschlechtsapparates bei den Zwitterschnek-
ken : 1. Zwitterdrüse mit Zwitterfollikeln, 2. Zwitlerdrüse mit
besondern Samenschläuchen und Eifollikein , 3. Hoden und
Eierstock mit gemeinschaftlichem Ausführungsgang.
A. Schmidt hat in den Malacologischen Blättern p. l
einen ausgedehnten Aufsatz geliefert, in welchem er über den
Fortgang seiner anatomischen Untersuchungen Bericht erstattet.
In Betreff des Einzelnen darf ich wohl auf die Abhandlung
selbst verweisen. So schätzenswerth die eifrigen Forschun-
gen dieses Verf. im Einzelnen sind , so sehe ich mich doch
in der Lage auf die Unzulänglichkeit der von ihm mit Nach-
druck hervorgehobenen Resultate hinweisen zu müssen. Wenn
er p. 5 behauptet, dass alle mit Deckeln versehenen Schnek-
ken, gegenüber den ungedeckelten, ein grosses Ganzes bil-
den, so zeigt das nur, dass er sich um die aussereuropäi-
schen und marinen Formen gar nicht bekümmert hat. Es
giebt zahlreiche Beispiele , wo nahe verwandte Schnecken
im Besitze des Deckels nicht übereinstimmen. Die Trennung
der Limaceen von den Heliceen wird ferner (p. 6) unwis-
senschaftlich genannt. Eine weitere Trennung als die in zwei
Familien ist meines Wissens neuerlich nicht vorgeschlagen,
und vereinigt können beide nicht werden , ja es ist schon
jetzt abzusehen, dass die Heliceen in mehrere Familien zer-
fällt werden müssen. Der dritte Satz, dass alle Schnecken,
welche die Augen auf dem Ende der Fühler tragen, ihrer
gleichartigen Organisation nach , ein grosses Ganzes bilden,
findet einen Widerspruch in den Trochoiden und anderen.
Die gestielten Augen machen es nicht, denn die Auriculaceen
und Limnaeaceen gehören mit demselben Rechte zu den zwil-
terigen Lungenschnecken , wie die Limaceen und Heliceen.
So zerfallen alle drei Hauptsätze. Eine Widerlegung dessen,
was p. 25 von Ancylus gesagt wird, wo die Steine, an denen
460 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
diese Thiere sitzen , ihnen den Deckel ersetzen und so die
Bildung der Zunge erklären sollen , wird hiernach über-
flüssig.
Gray beschrieb einige Fälle, wo der Deckel von Ga-
sleropoden (Fusus und Pleurotonia) , zerbrochen und wieder
ersetzt war. Während bei diesen Gallungen der Nucleus des
Deckels an einem Ende liegt, hatte sich durch Neubildung
der einen Hälfte das Ansehen eines centralen Nucleus erzeugt
(Annals Xlll. p. 419).
Warington behauptet, dass alle Süsswasserschneckeii
die Fähigkeit besitzen, Fäden zu erzeugen, vermittelst derer
sie ihren Uebergang von einem Orte zum andern erleichtern
(Annais nat. bist. XIV. p. 366),
Referent hat in Messina Gelegenheit gehabt, den
Speichel von Dolium galea, welche Schnecke bekanntlich wie
auch die Arten der Gattung Cassis enorme Speicheldrüsen
besitzen, zu sammeln. Es ist eine wasserhelle farblose Flüs-
sigkeit, von der eine Schnecke 6 Loth ausspritzte. Die che-
mische Untersuchung des Prof. Boedeker hat ergeben,
dass diese Flüssigkeit 0,4 Procent freie wasserfreie Salzsäure,
2,7 freies Schwefelsäurehydrat = 2,2% wasserfreie Schwe-
felsäure, 1,40/0 vs^asserfreie mit Basen zu neutralem Salze ver-
bundene Schwefelsäure, 1,6% Magnesia, Kali, Natron, etwas
Ammoniak , sehr wenig Kalk nebst organischer Substanz,
93,9% Wasser enthielt. Dass dieser Speichel nicht zur Ver-
dauung benutzt werde, sondern als Verlheidigungsmittel diene,
ist sehr wahrscheinlich (Monatsberichte der Berliner Acade-
mie 1854. p. 486).
Burnett sprach in der Boston Society über J. Mül-
ler's Beobachtung von der Entwickelung einer Schnecke in
Hololhurien. (Proc. Boston IV. p. 37L) Neue Thatsachen wer-
den daselbst nicht beigebracht.
Max Schnitze hat die Entwickelung der Schnecken in Synapta
in der Bucht von Muggia wieder gesehen , ohne dass es ihm gelun-
gen wäre, einer Erklärung des Räthsels näher zu treten (Verhandl.
der Physik. Medic. Gesellschaft zu Würzburg IV. p. 228).
Poey handelt (Memorias p, 337) über die Eintheilung
der Mollusken in Klassen, und fügt den gewöhnlichen Klas-
sen die Rudista und Bryozoa hinzu. Ebenso ib. p= 348 über
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1854. 461
die Ordnungen der Gasleropoden, deren er 11 unterscheidet,
meist die alten Cuvier'schen und Blainville'schen Ordnungen.
— Daran schliesst sich p. 355 eine Abhandlung „über die
Species im Allgemeinen" und mit Beziehung auf die Mol-
lusken.
CcpKialopocIa.
Leuckart lieferte einen Beilrag zur Kennlniss der
Heclocolylie von Octopus Carenae in dem drillen Hefte sei-
ner zoologischen Untersuchungen p. 89 — 109. Zunächst wer-
den die männlichen Geschlechtsorgane genau beschrieben
und das Vorhandensein einer einzigen Spermatophore von
immenser Länge (3 rheinische Fuss) in der Spermatophoren-
lasche bestätigt. Sodann macht es Verf. sehr wahrschein-
lich, dass die Spermatophore , sei es durch den peitschen-
förmigen Penis des Hectocolylusarmes, sei es durch andere
Organe, etwa die gewöhnlichen Arme des Cephalopoden, in
die pigmentirle Tasche Iransportirt wird , und von da aus
durch eine schon bei dem unenthüllten Hectocotylusarme vor-
handene Oeffnung in den Samenschlauch desselben eindringt.
Er glaubt, dass bei dem Mangel einer besonderen Muskel-
hülle der Tasche , die Triebkraft zum grossen Theile in der
Spermatophore selbst liege.
Leydig machte einige Mitlheilungen über die Histolo-
gie von Sepiola und Loligo in Müller's Archiv 1854. p. 303.
Sie beziehen sich auf Bindegewebe , Muskeln und Gefäss-
syslem.
Gould machte Bemerkungen über die Exemplare von
Argonauta, w^elche der Boston Society durch eine Sammlung
des Obersten Perkins zufielen. Ein Exemplar war liy^ZoU
lang (Boston Proc. V. p. 35).
Heteropocia.
In Cosla's Fauna del Regno di Napoli ist im Jahre
1852 die Gattung Atlanta abgehandelt und eine neue Art A.
medilerranea aus dem Golf von Neapel beschrieben und ab-
gebildet.
Leuckart hat die Anatomie der Heteropoden, nament-
lich von Firola und Firoloides ausführlich geschildert (Zoo-
402 f rose hei: Bericht über die Lei^tungep in, der
logische Untersuchungen Heft III. p. 1—68}. Besondere Auf-
merksamkeit hat Verf. dem Nervensystem und (|en Sinnesor-
ganen geschenkt. Den letzteren zählt derselhe die soge-
nnnpte VVimperscheibe in der Nähe des IXucleiis zu , und
möchte sie als Geruchsorgan deuten. Auch die übrigefi Qr-
ganensysteme sind sorgfältig behandelt, und enthalten mehr-
fache Berichtigungen, auf die im Einzelnen einzugehen der
Raum nicht gestattet. Auch 4ie ersten Stadien der ßntwicke-
lung sind bei Firoloides beobachtet, bei der die Eier in einer
an der Geschlechtsöffnung hängenden durchsichtigen Röhre
gelragen werden. Am Munde sind zwei Segel mit Cilien
vorhanden. Beim Ausschlüpfen haben sie noch keine Gehör-
werkzeuge, keine Zunge, kein Herz.
Grasteropoda.
Pulmonafa operculata.
Pfeiffer lieferte in den Malak. BI. p. 80— 111 Nach-
träge zu seiner Monographia Pneumonopomorum, auf die hier
kurz verwiesen wird.
Cyclo§toiiiacea. Folgende Arten der Gattung Cyclostoma,
die Pfeiffer bei der Herausgabe seiner Monographia Pneumonopo-
morum nur nach den Abbildungen kannte, sind nun von Rousseau
Yoy. au Pole Sud beschrieben worden : Cyclostoma exigua von Man-
gareva, oceanica von Vavao, aggiulinans Oceanien, incisa Hogoleu,
a/6trfa Samoa, pellucida Salomonsinseln , uenfricosa Taiti, buUmoides
Hogoleu.
Pfeiffer beschrieb in Proc. zool. soc. 1853. p. 51: Cyclostoma
Recluzianum, tubuUfentm, labiostim, Pirrieanum, griseum, Venezuelense ;
— Cataulus marginatus-, — Pupina Cumingiana.
Cyclostoma Pfeifferiatium^ Gouldianum und rotundatum Poey Me-
raorias p. 419.
Poey zählte in Memorias 1. c. p. 400 neun cubanische Arten
der Gattung Megalomastoma auf, darunter sind M. procer, mani, aper~
tum und seminudum von dem Verf. aufgestellt.
Cycl. {Chondropoma) dissolulum Pfeiffer Malak. Blätter p. 158
von der Insel Pinos.
Cyclophorus allwaqus, pyrotrema, Exul und Tryblium sind neue
Ostindische Arten vonBenson Annais andMag. nat. bist. XIV. p. 411.
Daran schliessen sich Bemerkungen über die geographische Verbrei-
tung der Cyclostomaceen in |lindostan,
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahr«s 1854. 463
Helicinacea. Von Rousseau in der Voy. au Pole Sud
sind beschrieben: Helicina pisum und albolaltvis \on Taiti, hvmilis und
exigua von Mangareva, albocincta von den Arrovv^-lnsein , livida von
den Salomonsinseln. i-Miilthittit
Pfeiffer stellte Proc. zool. soc. 1853. -p; Öl'öuf : Helicinq
mode^ln^ articulata, riparia, foveata, conoidea, und ih. p. 60 : H- Bar-
badensis und rubella.
In der Gruppe von Helicina submarginata zählte Poey Memo-
rias p. 412 zwölf cubanische Arten auf, unter denen 1/. Baslidana,
BaijamensiSf rubrocincta und Mnyavina neu. Ebenda p« 420 //. Lem~
beyana und subdepressa von Cuba, //. callosa Poey ib, p. 430 igt eine
ne\^e Art von der Insel ^inoß.
Ctenobr^iicliiata.
Ta eni 0 g los s ata.
PalGEdinacea. Zufolge der Beobachtungen von Le-r
wis kommen bei Paludina decisa Say 1 bis 2 Procent links
gewundene Schalen vor, und nur bei dieser Art. In einem
grossen linksgewundenen Exemplare fand er 3 linksgewun-
dene und 13 rechlsgewundene Junge, in einem anderen 2
linksgewundene und 12 rechtsgewundene; in noch anderen
w^ren alle Junge rechts gewunden (Boston P|:oc. V. p. 52).
Ihjdrobia varica Paget yon Nizza Annais XIII. p. 454.
Melania ornata Poey Memorias p. 422 von Cuba, ist lebendig
gebärend. — M. Segurii Bourgignat Revue de zoqI. 1854. p. 14 pl. 1.
fig. 9— 11 von Belgrad. — M. dimidiata Menke Alalak. Bl. p. 28. —
M. (^Flotia) mirifica und orientalis , so wie M. (^Tiara) speciosa sind
neue Arten von Arthur Adams Proc. zool. soc. 1853. p. 94.
Melanopsis Lorcana Guirao Malak. Bl. p. 32.
liittorinacea. Metten heimer schrieb über die
Ortsbewegung der Littorina littorea, bei der der Fuss durch
eine mittlere Längslinie in zwei symmetrische Theile gctheilt
ist und deren Bewegung er mit dem Trabe der Säugthiere
vergleicht. Diese Art der Bewegung ist bercjl^ von Cyclo-
stoma bekannt (Abhandl. der Senkenberg'schen Gesellsch. I.
p. 19).
Clark beschrieb Annais XIV. p. 122 Risspa unica (^clis unica),
die er in Littleham Cove zwischen Exmouth und Budleigh Salterton
wieder auffand.
Macgillivraya straminea A. Adams Proc. zool. soc. 1853. p. 97.
464 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Ich führe diese Gattung hier an, obgleich ihre Stellung im Systeme
noch ganz zweifelhaft ist.
Turritella afßnis Gay Hist. de Chile.
Pyramidellacea. Pyramidella bicolor Menke Malak. Bl.
p. 28 aus Californien.
Maticea. Natica Miltrei und obscura Hombron et Jacquinol
wurden von Rousseau in der Yoy. au Pole Sud kurz beschrieben.
Sigarelus Menheanus Dunker Index Tams. p. 33 ist eine neue
Art von Benguela,
Stylinacea. Stylina fulvescens A. Adams Proc. zool. soc.
1853. p. 73 an einem Seestern von der Insel Labuan gefunden.
C'eritliiacea. Als neue Arten von Hombron etJacqui-
not sind Yoy. au Pole Sud durch Rousseau beschrieben Cerilhiwn
Kieneri von Raffles-Bay, Quoyii von Singapore, incisum von Borneo,
lucluosum von Raffles-Bay, bicolor von Neuseeland, striatum von Neu-
seeland nach dem Verf. nur Yar. der vorigen , ushnn von den Salo-
monsinseln , pyramidaluin von Hogoleu , album von der Torresstrasse,
pellucidum von den Salomonsinseln, coticisuwy mitlepunctahim von Ho-
goleu, Janellii von Yavao, musiva von Samoa, acutum von Raffles-
Bay, akeolus von Samoa, nilidum von Mangareva, arctum von Yavao.
Planaxis llerfmannseni und Albersi Dunker Index Mollusc. Tams.
p. 16, erstere von Benguela, letztere von Loanda.
Cassidea. Des merkwürdigen Speichels der Gattung Dolium
ist bereits oben p. 460 Erwähnung gethan. — Eine neue Art ist Do~
lium album Conrad Proc. Philad. YII. p. 31 ohne Angabe des Yater-
landes.
flfanellacea. Die Gattungen Trüonium nebst Ranella
dürfen wegen des Gebisses nicht mehr mit Murex in einer
Familie vereinigt bleiben, und müssen eine eigene Familie in
der Abtheilung Taenioglossala bilden. Ich wähle für sie den
obigen Namen, da der Name Tritoniacea Verwechselungen
mit einer Familie der Nolobranchiaten herbeiführen würde.
D unk er bildete aus Murex Argus fascialus Chenin. X. Fig. 122
eine neue Art Tritonium Adansonii Index Moll. Tams. p. 26 von
Loanda.
Ranella jucunda Arthur Adams Proc. zool. soc. 1853. p. 69.
Toxoglossata.
Coniua. 24 neue Arten der Gattung Conus aus der Cuming'-
schen Sammlung beschrieb Arthur Adams Proc. 1853. p. 116: C.
oplabiliSf sulciferus, cyanosloina , speclnbilis, caelatus, sliclicus, pulclierf
dealbalus , commodus , negleclus, hiridus, vinclus, succincluSf angulaluSf
Naturgeschichte der ÄlolIusUen während des Jahres 1834. 465
assiinilis, iietassü, innexus , anceps^ cowplus , fascialus, Novae lloUaii-
diae, sliriinalicuSf praeccllens, desidiosus. — Conus Tainsianus Dunker
Ind. Tams. p. 2S von der Insel Annabon, htilt die 31itle zwischen C.
mediterraneus und Guinaicns.
fleasrotoinacea. Von Rousseau wurden in der Yoy.
au Pole Sud drei Arten bcschriehcn : Pleuroloma Valenciennesi von
Amboina, fttsca und exigua von der Torresstrasse.
Rhachiglossala.
Voluiacea. Gray hat die Arten der Gattung Volutella, bei
der sich der Mantelrand um den Schalenrand umschlägt, auf Kosten
der Gattung Voluta vermehrt. Er thcilt die Gattung folgendcrmassen
ein : a. Mantelrand breit umgeschlagen und die ganze Spira bedeckend.
V. angulata. b. Mantelrand massig umgeschlagen , den untern Theil
der Spira bedeckend und eine schwielige Binde an der Naht des an-
deren Theiles lassend. V. scapha, imperialis, cymbiola, Sophia, vol-
vacea und vielleicht tuberculata Swains. c. Mantelrand massig um-
geschlagen , die Spira nicht bedeckend, die Kaht der Spira einfach.
V. papulosa, fulgetrum, ancilla, (usifonnis. — Die Gattung Cymbiola,
welche sich durch einfache konische Zähne von Voluta unterschei-
det, hat ein schmales schwieliges Band um die Naht, woraus hervor-
geht, dass der hintere Theil des Mantels erweitert ist; C. undulata,
reticulata, maculata , pallida, Turneri , zebra (Marginella) , lineata
(Marginella). Annais XIII. p. 346.
jfleirice». Neue Arten von Arth u r Adams Proc. zool. soc.
1853. p. 69: Tijphis fimbrialus', — ■ Murejc diadema, pumilus, Salleanus,
pauxiUus , trivialis, fimbrialns , scalaris , castus , armalus , nitens , Co-
reanicus, Auslraliensis, coccineiis, despectus, subspinosus.
C^aiBaliferss.. Neue Arten finden sich bei Rousseau in der
Voy. au Pole Sud: Turbinella iricolor aus der Torresstrasse, ligrina
von Amboina, maculata von Mangareva.
Ebenda: Fusus rvfus, roseus, decolor , texliliosvs und fasciculnlus
von der Magellanstrasse, inßaius von Amboina und anibiguus von Neu-
seeland. — Fusus fimbrialus und inlennedius sind neue Arten von
Gay Historia de Chile.
i2iiccinea. Diese Familie erhielt einen Zuwachs durch fol-
gende neue Arten :
Terebra Loroisii Guerin-Menevillc Revue de zool. 1854. p. 218
pl. 4. iig. 5.
Bullia Tamsiana Dunker Index Moll. Tams, p. 19 von Loanda.
Buccinum zelandicum Rousseau Voy. au Pole Sud von Neu-
seeland.
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. }i^^
466 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Nassa fusca von den Salomonsinseln , Deshayesii von Amboina,
tinicolor von Cerani, nigra von den Salomonsinseln, Quoyii von Man-
gareva, vüiensis von den Viti-Inseln, semisulcala von den Salomons-
inseln, crebrilineala von der Torresslrasse, fragtttn von Soog, bicolor
von Yavao , obliqua von den Salomonsinseln Rousseau Voy. au
Pole Sud.
Purpura palens von Neuseeland, infumata von Samoa, nodosa
von den Salomonsinseln, baccala, muricoides von Hogoleu, stellaris
von den Salomonsinseln, anrantiaca von Hogoleu, alba von Manga-
reva Rousseau Voy. au Pole Sud. — F. Forbesii Dunker Index
Moll. Tams. p. 22 von Loanda.
Pusionella grandis und lirata A. Adams Proc. zool. sog. 1853.
p. 73.
Vexilla lineata A. Adams ib. p. 73.
Cominella crocea A. Adams ib. p. 97.
Rapana (Rliizochilus) clalhrata , coralliophila , pulchella^ sutura-
liSf scala, fragilis A. Adams ib. p. 97.
Rapana (^Laliaxis) nodosa^ Fortuni A. Adams ib. p. 98.
IVeritacest. Rousseau beschrieb Voy. au Pole Sud fol-
gende Arten :
JSerita angularis von den Salomonsinseln, arcla von den Ar-
rowsinseln, marmorala von den Salomonsinseln, obscura von Samoa,
vitiensis von den Vitiinseln, uiiidenlata von Uafiles-Bay , alveolus von
Jlames-ßay.
-uO ^JNerilina Pouchelii von Amboina, tesludinea von Samoa, larga
von Amboina und Guam , marginala von Samoa, caslanea von Samoa,
rivula von Samoa , Va7iicore}isis von Vanicoro , Hapa von Wukahiva,
rarispina von Samoa, (lexiwsa von den Vitiinseln, musita von Ceram,
corrugata von den Vitiinseln. — A'. ße//flrdn Mousson Mittheil. d. naturf.
Ges. Zürich III. p. 362 von Syrien. — Bourguignat vertheidigt
Revue de zool. p. 661 die Artberechtigung von Neritina Bourgignati
Recluz, und bildet diese Art pl. 14. Fig. 7—12 ab.
Trocliacea» Aus dieser Familie sind von Rousseau Voy.
au Pole Sud beschrieben :
Delphinula polita von Isle de Bourbon.
Rotella zelandica von Neuseeland.
Trochus episcopus von den Aucklandsinseln , pallidus von Neu-
seeland, fulvolabris von Neuseeland, levis von Neuholland, aUrilus von
Neuseeland, Samoensis von Samoa.
Margarita anlipoda von von Aucklandsinseln, magellanica von
der Magellanstrasse , maxima Magellanstrasse.
Nalurgeschichle der Mollusken wälireufl des Jahres 1854. 467
Turbo foliaceus Torresstrasse.
Ferner sind von Gay Hist. de Chile als neue Arten aufgestellt:
Turbo propinquus und Trochus Kienevii, Gaudichaudii, RouauUii.
Slomatclla Baconi , Cumiyigi , arahica , caUioslonia und Slomalia
bicarinala sind neue Arten von A. Adams Proc. zool. sog. 1853.
p.73.
C'ycIoltrfiiacEaiata.
Acmacaceaa. Acmaea cijmbula Gay llist. de Chile.
I^atellacea. Patella speclabüis, Guineensis , Adansonii und
Kraussii sind neue Arten von Loanda, welche D unk er im Index
Moll. Tams. p. 39 als neu aufstellte.
Pulinonata.
fjasnacea. Millet unterschied Arion empericorum Fer. pl.I.
T'ig. 8 als eigene Art und nannte sie A. virescens Annales soc. J^inn.
du Dep. Maine et Loire 1853. — Limax chilensis ist eine neue Art
von Gay Hist. de Chile.
Shuttlew^ortk stellte in den Mittheil, der naturf. Gesellsch.
zu Bern 1854. p. 33 eine neue Gattung Gaeotis, zwischen Parmacella
und Vitrina, auf: testa sigaretiformis , tenuissima, hyalino-vitrina, in-
testina tantum includens, antice pallii replicatura breviter inclusa, po-
stice in excavatione dorsi profunde immersa et semiobtecta, subtus
per deremptionem marginis gelatinoso -membranacei latissime excisa,
quasi abscisse dimidiata, anfractuum omnium marginem columellarem
liberum ostendens ; spira brevissima , anfr. ^Yj— 3, ultimo maximo,
apertura auriformis, maxima, peristomate simplice, tenui, margine ba-
sal! et columellari membranaceo -marginato. — Animal magnum, de-
pressum, pede latissime dilatato , complanato , pellucente; tentaculi 4,
quorum 2 postici maiores, remoti , 2 antici parvi ; pallium ad latus
dextrum postice sub spirae terminatione, ubi anus eliam situs est, ap-
pendiculalum ; lamina lingualis fere ut in Vitrina et Zenites consti-
tuta videtur ; papillae nempe numerosae in seriebus utrinque obliquis
ordinatae sunt; papilla centrali obtuse tridentata ; mediis vix a cen-
Irali divcrsis; lateralibus autem subuiato-productis arcuatis, basi ? bi-
l'urcatis; an maxilla adsit haerct. Die Arten G. nifjrolineata, flavoli-
neala und albopunctata leben in Fortorico.
aselicea. In der Pariser Academie zeigte Valen-
ciennes am 2. Oclober an, dass auch Helix aspersa in Fel-
sen bohre. Auf denselben Gegenstand lenkte Prevost am
30. October die Aufmerksamkeit der Academie. Auch Mar-
468 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
cel de Serres legte an demselban Tage eine Nole über
bolirende Mollusken vor.
Lowe stellte Beobachtungen über das Wachslhum der
Heliceen an und fand, dass die Schalen in einer langen Zeit
nur wenig zunehmen , und nicht zur Reife gelangen, bevor
sie einmal den Winterschlaf gehalten haben; dass die Scha-
len nicht wachsen, während das Thier im Winterschlaf ist;
dass das Wachsthum sehr rapide ist, wenn es statt findet;
und dass die meisten Arten sich in den Boden eingraben,
um das Wachsthum ihrer Schalen zu bewirken (Annais XIII.
p. 500).
An neuen Arten hat die Familie der Heliceen abermals
einen beträchtlichen Zuwachs erhalten.
Succinea nobilis Poey Memorias p. 210 von Cuha. — S, marga-
rita Pfeiffer Proc. zool. soc. 1853 p. CO von St. Domingo. — S. ap.
proximans und hyalina Shultleworth Berner Mittheil, von Portorico.
Simulopsis Portoricensis Shuttlevs'orth ib. von Portorico.
Vitrina Keppelli von JVeu-Caiedonien, planospira und Salomonica
von den Salomonsinseln Pfeiffer Proc. zool. soc. 1853. p. 60.
Anostoma carinahim Pfeiffer ib. p. 57 von Brasilien.
Zoniles aequalus Mousson Mittheil. d. naturf. Gesellsch. Zürich
III. p. 362 von Uhodus. — Z. bryodes Shultleworth ßerner Mittheil.
von Portorico.
Helix maxima, Oiceniana , BridwiUi, Circe, Lais, Ceres Pfeiffer
Proc. zool. soc. 1853. p. 48. — H. Demiisoni , MacAndreiciana , gut-
tula , ceroides, Armida ^ vcronica , rapida , conomphala , Huaheinensis,
fucata, Sanghiensis Pfeiffer ib. p. 57. — //. ganoma, concavospira,
hyphasma , trifilosa, polüissima , Twailesi y subopaca , parlila , foveata,
lacera, purpurascens, praestans, microspira, difficüis, Charpentieri, pro-
cera, corifmu« Pfeiffer ib. p. 124. — //. sw/cosa Pfeiffer Malak. Bl. p. 65
vom indischen Archipel.
Rousseau beschrieb folgende Arten von Hombr on und
Jacquinot in der Voy. au Pule Sud: llelix Urvillei von der Raffles-
Bay, pachystoma (hogoleunensis Guill.) von den Carolinen , siihrepla,
inornala (Nouleti Guill.), Janellii und helicinoides von den Salomons-
inseln, Isabella von Singapore , Sanziana und Samhoanga von Sam-
boanga, Torresiana und slrangulata von der Insel Toud, JJesgrazii von
Sumatra, corniculum^ gibbosula (torticollis Guill.), iimlda, carinala und
cineraria von Neu - Guinea , mnllilimhala von ]\euseeland , excavala,
lurricula und cavernula von Taiti , anlipoda von den Aucklandsinseln,
infundibulum, inargarila und mullispirala von Vavao, velata, marmorosa
Kalurgescliiclilc der 31ollusken während des Jahres 1854. 469
und entomosloma von llogoleu , electrma von Guam, Samoa und apia
von der Samoainsel, Tais und hapa von Noiika - Iliva (Marquisenin-
seln), rotula von Mangareva , Mumia ohne nähere Angabe des Va-
terlandes.
Uelix carlhafjiniensis ^ loxana , alcarazana Gnirao, Guiracana^
baelica, Sliparum , Arigonis llossmacssler Iconographia 111, sämmtlich
von der pyrenäischen Halbinsel. — //. Coquandi, Calpeana und Tar-
nieri Morelet Revue de zool. p, 014 aus Spanien. — ti. micropleuros
Paget von Montpellier Aunals XIII. p.454. — H. Iranslucida und Jo.
annis Mortillet j\Ieni. Gencv. aus Armenien. — //. Idaliae Bourguignat
Revue de zool. p. 660 von Cypern. — //. nicosiana und ße//rtr(/i Mous-
son Mitth. d. nalurf. Gesell. Zürich III. p. 362 Cypern. — //. Bar-
gesiana Bourguignat Revue de zool. p. 15. pl. 1. fig. 12 — 14 aus
Syrien. —
Hclijc Juliana, incruslala , piclurala , lepida und subfusca Poey
Älemorias p. 208 von Cuba. — H. scabrosa Poey ib. p. 421 nahe ver-
wandt mit auricoma. — H. pilyonesica von der Insel Pinos und
Rangelina von Cuba Pfeiffer Malak. Bl. p. 156. — //. Bayamensis
Pfeiffer ib. p. 1S9 von Cuba mit Rangelina und auricoma sehr nahe
verwandt. — H. subaquiln, plagioplyclia, euclasla, musicola, Luquillen^
sis, dermalina Shultleworth Berner ülittheil. von Portorico,
Helix Graliohlli und Gayi Gay Historia de Chile.
Neue Arten von Albers Malak. Bl. p. 213: /7. faslosa von
Malacca, tuba und Augusta von Keu-Guinea, infuscata von den Phi-
lippinen, Bollei und serta vom grünen Vorgebirge, syslropha aus Co-
lumbien.
Morel et machte eine Notiz über einige Helices aus dem süd-
lichen Spanien und Marocco, namentlich über II. lactea , bekannt
(Revue de zool. p. 614).
Helix lactea und punctata sind nach Rossmaessler Malak.
Bl. p. 159 verschiedene Arten , und verhalten sich zu einander wie
H. nemoralis zu hortensis. Auch die Pfeile sind verschieden.
Pfeiffer hat die Verschiedenheit der Chemnitz'schen Fig. 1154
von Helix haemasloma anerkannt, und nennt diese Art nach einer ge-
lehrten historischen Auseinandersetzung H. Phoenix. Uebrigens sei
mir die Bemerkung erlaubt, dass melanotragus nicht Schwarzbock
heisst , sondern Schwarzohr ; denn mit Tragus bezeichnet man in der
Anatomie den Ohrdeckel. Malak. Bl. p. 49.
Pfeiffer unterscheidet von Helix pileus seine Var, y als ei-
gene Art unter dem Namen IL hnla, und fügt eine verwandle neue
Art H. euchroes vom indischen Archipel hinzu. Malak. Bl. p. 57.
Derselbe thcilt ib, p. 58 die Benierkuogcn von Shultleworth
470 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
über die Gattung Sagda (vergl. den vor. Bericht p. 170) mit, denen
er im Allgemeinen seine Zustimmung giebt.
Pfeifer giebt ib. p. 221 eine Berichtigung, indem er die frü-
her Mon. Helic. III. p. 107 als helicycloides Orb. beschriebene Art als
verschieden von dieser H. stenogyra nennt, und eine genauere Dia-
gnose der echten H. helicycloides liefert.
-T Die von Rossmaessler als H. Tcrverii beschriebene Art
nennt Pfeiffer Malak. Bl. p. 264 H. Adolß.
Poey sprach sich über die Gruppe von Helix sagemon dahin
aus (iMemorias p. -i07), dass der Nabel von geringem Werthe als Spe-
ciescharakter sei, dagegen hält er die Farben für wichtiger. Er un-
terscheidet sechs Cubanische Arten: H. Sagemon Beck, rostrata Pfr.,
marginelloides d'Orb., Fazensis Poey, Arangiana Poey und Gatierrezi
Poey. Die letzteren drei sind abgebildet.
Auch aus der Gattung Bulimus wurden zahlreiche neue Arten
aufgestellt. Von Pfeiffer Proc. zool. soc. 1853. p. 50 B. pervius,
flexilabris , fdaris , Keppelli und p. 128 ß. Victor; ferner Malak. Bl.
p. 65 B, Schmidti und miles unbekannten Vaterlandes, Redßeldi \on
Ahmednuggur in Indien und Kotschiji aus Asien; p. 157 ß. Poeijanus
von der Insel Pinos ; p. 223 B. Pringi aus Lusitanien und biformis aus
Peru Von Albers Malak. Bl. p.30: B. Sachsei aus Columbien, Pae^
ieli von der Insel Lobos bei Peru , piuranus von Nordperu , sinuatus
von Venezuela; ferner ib. p. 216: B. Lichtensleini, Shuttleworthi, Ma^
ranlionensis, iniltoahrons, anceps^ Edmüileri , hepaticns , vestalis, leuco-
melas sämmllich aus Columbien, Narcissus und speclrum aus Neu-Gra-
nada, scarabiis aus Neu-Caledonien. — Von .^lortillet Mem. Genev.
B. lelrodon und cespitum aus Armenien. — Von Conrad Proc. Phila-
delphia VII. p. 32: B. lineolatus von Volcano of Cartago, Costa Rica.
— Von Poey iVlemorias p. 203: B. sepulcralis, Marielinus, strielus,
contracliis von Cuba. — Von Gay Ilistoria de Chile: JS, Rouaultii. — •
Von Rousseau bei Hombron et Jacquinot Voy. au Pole Sud: B. sul^
phuratus von Samboanga , elongatus von Sumatra , Founaki von den
Salomonsinseln, — VonBenson Annais nat. bist. XIII. p. 99 : B. Ba~
coni von West-Australien.
Aus Opeas, Obeliscus und Subulina Beck Albers bildete Shutt-
leworth Berner Mittheil, eine neue Gattung Stenoyyra: testa turrita
vel cylindraceo-subulata, interdum truncata, hyalina vel Candida, epi-
dermide tcnui, cornea, rarissime rufescente induta ; anfractibus arctis
plerumque numerosis, lente accrescentibus ; apertura semiovalis vel
ovali -oblonga ; peristomate tenui, acuto, simplice ; columella inter-
dum brevissimc retlexa, perforationeni minutam rimaeformem fere oc-
cultans; vel striata, vel arcuato -intorta, basi plus minusve truncata.
Animal veresimiliter carmvoruiu 5 noctu vorans ; nunc oviparuii), ova
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1854. 471
pro tcstae dianietro magna 4 gid 5 , putamjne calcareo albo praedita
pariens (Opeas, Suhulina), nunc ovoviviparuin (übcliscus). Dahin
gehören auch die neuen Arten: viargnritacea , olabaslrina^ Gomplta-
rü(»n, acicularis sämmllich von Portorico. — Slenogyra maaima und
ascendens Foey Meniorias p. 4'22 von Cuba.
Spiraxis paradoxa Pfeiffer Proc. zool. soc. 1853. p. 128.
Chondrus allenualus, Tiuquii und limbodenlalus Mousson Miltheil.
d. naturf. Gesellsch. Zürich III. p. 362 von Cypern.
Poey stellte eine neue Galtung Pineria auf. Mcmorias p. 428.
Testa bulimiformis, iinperforata, turrita, apcrlura rotundala, peristoma
Simplex , rectum undinuo acutum. Animal nudipes tentaculis duobus
retractilibus instructum, apice oculatis, labrum rotundalum. Wegen
des Mangels der kleineren Fühler nur mit Partula und Vertigo zu
vergleichen. Zwei neue Arten P. ierebra und Beathiana von der In-
sel Pinos.
Pupa Rivierana Benson Annais XIII. p, 97 von Nizza. — P.
Gaudvyi Bourguignat Revue de zool. p. 658 von Cypern. — P. amicta
Parreiss Malak. Bl. p. 67. — P. delrita Shuttleworth ib. p. 158 (vgl.
auch p. 205). — P. iosloma Pfeiffer ib. p. 204. — P. microstoma Pfr.
ib. p. 207.
Cylindrella gracillima Poey Memorias p. 202.
Achatina Blainiana, lucidn Poey Memorias p. 206 von Cuba. —
A. obesa Pfeiffer von AYestafrika Malak. ßl. p. 224.
Leptinaria Slylodan, opalescens Shuttleworth Berner Mittheil, von
Portorico.
Glandina alabaslrina von Centralamerika und siibiaricosa von
Venezuela Albers Malak. Bl. p. 220. — Gl. inlerrupta, lerebraeformis,
sulciilosa Shuttleworth ßerner Mittheil, von Portorico.
Newcomb beschrieb 79 neue Arten der Gattung Achatinella
aus der Cuming'schen Sammlung, die natürlich hier nicht alle namhaft
gemacht werden können. Proc. zool. soc. 1853. p. 128.
Pfeiffer lieferte nach einem überaus reichen Material die
Skizze einer Monographie der Gattung Achatinella (Malak. Bl. p. 112)
und zählte 122 Arten auf, unter denen die von Newcomb. Er theilt
die Gattung in Untergattungen: P arlulina mit 6 Arten, N cid Com-
bi a 8 A. , Bu Urne IIa 20 A. , Laminella 43 A., Achalinclla-
strum 44 A., Labiella 1 A. , Leplachalina Gould 10 Arten.
Clausilia Huelii, rupicola, disjuncta und serrulala Mortui et Mem.
Gcnev. aus Armenien. — CL Maranhonensls Albers Malak. Bl. p.220
aus Columbien. — CL rirgo Mousson Mittheil. d. nat. Gesellsch. zu
Zürich III. p. 362 von Cypern.
ÄujPECiilaccai Als Arten von Uombron et Jacquinot
472 Troschel: Bericht über die Leistungen in der ■'■■
in der Yoy. au Pole Sud aus der Gattung Auricula beschrieb Rous-
seau 1. c. p. 33 : A. rhodosloma von Neu -Guinea, coelala von den
Salomonsinseln, fusca von ßorneo , subrepla von Neuholland, taeniola
von der Insel Mangareva, granosa von der Torresslrasse, sauricina
von Ceram.
Pfeiffer stellte drei neue Arten dieser Familie auf Malak. Bl.
p. 111: Cassidula Gruneri von Borneo, Alexia obsolefa von Triest, Me-
lampus Redfieldi von Bermuda.
H. und A. Adams haben eine neue Gattung PI ecotrema ge-
gründet: testa ovato-conica , umbilicata, transvcrsim sulcala; spira
elata, acuta; apertura angusta ; labio triplicato , plica mediana bipar-
tita; labro extus incrassato , intus bidentato. Dahin gehören ausser
Auricula labrella Desh. Pedipes inaequalis C. B. Adams noch zehn
neue Arten: F. typica , moniUfera , punctigera ^ imperforata, lirala^
clausa^ decussafa, pnnctatoslriaia^ concinna , exarata. Proc. zool. soc.
1853. p. 120.
Pfeiffer hat in den Malak. Bl. p. 145 eine Synopsis der Au-
riculaceen geliefert. Er behält seine frühere Eintheilung in zw^ei
Unterfamilien (vergl. den vor. Bericht p. 173) bei , nimmt aber jetzt
folgende acht Gattungen an: in der Unterfamilie M elampea Me-
lampus Montf. mit 59 Arten und sechs zweifelhaften Arten, Marinula
King 7 A., Pedipes Adanson 5 A. und 2 zweifelhafte; in der Unter-
familie Aitriculacea Pythia Bolten 23 A., Plecotrema Adams 13 A.,
Cassidula Fer. 16 A. , Auricula Lam. 29 A. , Alexia Leach 12 A.,
Blauneria Shutll. 1 A. , Leuconia Gray 7 A. , Carychium Müll. 8 A.
Als neu werden hier beschrieben: Plecotrema Cubensis von Cuba, Cas-
sidula turgida von den Philippinen , Auricula turrita von den Philip-
pinen, A, drtclylus von Borneo, A, chinensis von China, Leuconia oc^
cidentalis und succinea von Cuba.
Aus der Gattung Scarabus beschreibt Ro uss e au folgende Ar-
ten von Hombron et Jacquinot Voy. au Pole Sud: Sc. acutus von
Hogoleu, variabilis von Neu-Guinea, crassidens von Amboina, insularis,
zonatus von den Vitiinseln.
Gray erwähnt von Otina olis , dass sie etwa zehn Zahnreihen
und sechzig Zähne in jeder besitze, und glaubt, dass sie eine marine
Form der Auriculaceen sei. Annais XIII. p. 74).
I^iniiiaeacea. Jajncs Lewis beobachtete, dass zahl-
reiche Exemplare von Liniriaeus catascopium in dem Erie-
Kanalc ausser dem sehr niedrigen Wasser mit Hülfe einer
dünnen durchsichtigen Membran , die die Schalenmündung-
verschloss , überwinterte , was an den falschen Deckel der
Heliceen erinnert: D'wE'd Art erreicht in verschiedenen Lo-
Nalurgpsrhlchtc der Molluskrn wahrend der Jahres 1854, 473
calitäten eine sehr verschiedene Grösse (Proc. Boston Soc. Vr
p. 27). iiu
Neue Arten: Pkysa SaUeana üunker Proc. zool. Soc. 1853.
p. 53 von St. Domingo.
Bulimts Schthidtii Dunkcr Index Moll. Tams. p. 9. Tab. II.
Fig. 7. S.
PJanorhis refulgens und Salleanus Dunkcr Proc. zool. soc. 1853.
p. 53 von St. Domingo. — PL circumlinealus Shuttleworth Berner
Mittheil, von Portorico. — PL chilensis und Jacobaeics Gay Hist.
de Chile. "
Amphivlea Slrangei Pfeiffer Malak. Bl. p. 64 von der Moreton-
Bay in Australien.
Mi II et beschrieb 1. c, zwei sogenannte neue Arten, Litnnaeus
variabilis und Planorbis fragüis , die sich nach den wunderlichen Dia-
gnosen wohl kaum erkennen lassen möchten.
Oncliifliacea. Gray erklärt die von ihm im vorigen Jahre
gemachte Angabe von der Uebereinstimmung des Zahnbaucs der Gat-
tung Peronia mit Teslacellus für einen Irrthum ; derselbe stimme mit
Onchidiuni überein (Annais XIII. p. 73).
Onchiditun chilensc und lanuginosum sind neue Arten von Gay
Hist. de Chile.
IVotobraiicSiiata.
A monograph of Ihe British nuclibrancluate Mollusca,
with figures of all species by Joshua Alder and Al-
ba n y H a n c o,c k. Von diesem ausgezeichneten Werke, welches
von der Ray Society publicirt"iviTd','und da es nicht eigent-
lich in den Buchhandel gekommen, weniger bekannt gewor-
den ist, als es verdient, habe ich bisher keine Gelegenheit
gehabt, in diesen Berichten Erwähnung zu thun. Dasselbe be-
gann im Jahre 1845 mit zwei Lieferungen; die dritte erschien
1846, die vierte 1848, die fünfte 1851, die sechste 1854.
Am Anfange der ersten dieser Lieferungen ist eine Synopsis
der Galtungen und Arten gegeben, und dann folgen die Ab-
bildungen und Beschreibungen der Arten in bunter Folge.
Da der Text zu jeder JafeJ, und da wo zwei Arten auf einer
Tafel darges;lellt sind, auf besonderen Blättern gedruckt ist,
so können sich nach Vollendung des Werkes die Besitzer
dasselbe ordnen. Die Abbildungen sind stark vergrössert
lind gut illuminirt. Der Text enlliält von jeder Art eine la-
474 Troscliel: Bericht über die Leislungcn in der
teinische Diagnose, die wichtigste Synonymie , die Fundorte
und eine weitere Beschreibung. Meist ist auch der Laich,
häufig die Rücken Fortsätze, Fühler oder sonstige Theile nocii
stärker vergrössert dargestellt, und von manchen Arten sind
ausführliche Anatomien gegeben. Auch auf das Gebiss ist
zuweilen Rücksicht genommen. — Die Verf. unterscheiden
in der Synopsis drei Familien.
"■ I. Dorididae. 1. Subf^m. Doriclinae mit den Gattungen Do-
ris Linn. (16 Arten), Goniodoris Forbes (lArt), Triopa Johnst. (1 Art).
2. Subfam. Folicerinae mit den Gattungen Aegires Loven (2 Arten),
Thecacera Flem. (1 Art), Polycera Cuv. (4 Arten) , Idalia Leuck.
(4 Arten).
II. Tritoniadae mit einer Gattung Tritonia (2 Arten).
III. Eolididae. 1. Subfam. Melibaeinae mit den Gattungen
Dendronotus Aid. Hanc. (2 Artenl, Doto üken (4 Arten). 2. Subfam.
Eolidinae mit den Gattungen Eolis Cuv. (33 Arten), Pterochilus
Aid. Hanck. (2 Arten), Hermaea Loven (2 Arten), Alderia Allm. (1 Art),
Proctonotus Aid. Hanc. (1 Art).
Im 6. Heft 1854 sind enthalten Doris tuberculata Cuv., aspera
A.H., proxima A. H., bilamellata L., Eolis papillosaL., Peachii A.D.,
Alderi Cocks, gracilis A. H., glaucoides A. H., stipata A. H., vittata A. H.,
glottensis A. H., viridis Forb., Alderia modesta Loven, Lomanotus fla-
vidus A. H., Antiopa cristata Delle Chiaje, hyalina A. H. Genus bo-
niodoris Forb. mit Anatomie, - Genus Triopa Johnst. , Genus Aegi-
rus Loven, Genus Thecacera Fleming, Genus Polycera Cuv. - An-
cula Loven, Idalia Leuck.
Aldcr und Hancock bezeielineten Annals XIV. p. 102 fol-
.rende brittische Nacktkiemer als neut Doris, zellandicn, millegrana,
yroxima, Thecacera capitala, Idalia ptdchella, Trilonia alba, Eohs car^
nea, glaucoides pushdata, Embletonia pallida und Antiopa hyahna.
Thompson beobachtete wieder die Thecacera pennigera Mon.
tagu. Annals XIV. p. 237.
H Müller und G e g e n b a u r gaben von Neuem eine ^esclirei^
bungvon Phyllirhoe bucephalum , die sie in Messina beobachteten,
mit erläuternden Abbildungen in der Zeitschr. f. wiss. Zoologie V.
p 355. Den glockenförmigen Anhang halten sie für ein Organ des
Thieres; sie haben die Deutung von Krohn dies Archiv 1853. p. 278,
der ihn als eine parasitische Meduse erkannt hat, noch nicht gekannt.
Die Ernährungs-, Circulations - und Geschlechtsorgane sind genau
beschrieben und abgebildet.
Gegenbaur hat die Geschlechtsorgane von Actaeon timidns
(Hysia timida Risso) beschrieben. Eine Zwitter drüse ist nicht vor-
Nalurgeschichle der Mollusken während des Jahres 1854. 47^
banden, sondern Eierstock und Hoden sind als gesonderte Drüsen vor-
handen. Eine dritte Drüse wird als Prostata gedeutet. Zeilschr. füp
wiss. Zoologie V. p. 436.
Menke gab interessante historische Notizen über die
Galliing Bulla und führte die dahingehörigen Galluögen und
Arten auf. Mnlak. ßl. p. 33.
Bulla cohnnellaris Mcnkc ib. p. 26 von den Molukken, früher
mit B. ampulla verwechselt.
Actaeon (Tornatella) oblongus Menke ib. p. 27.
Leydig machte einige Bemerkungen über Bullaea
aperta, namenilich in Betreff der Platten des Magens, die aus
regelmässigen Lagen homogener Substanz bestehen, die mit
Kalk imprägnirt ist (Müller's Archiv 1854, p. 296).
HonopleurobraneUiata.
Gray nimmt die Priorität seiner Latia neritöides gegen
Recluz in Anspruch, und weist demselben eine Nachlas*
sigkeit nach (Annais XIII. p, 237),
Pteropoda.
J. Müller machte einige Bemerkungen über Pteropo-r
denlarven bekannt, welche er zu Messina gesehen halte, und
stellte daselbst das zusammen , was bisher über die Larven
der nackten Pteropoden überhaupt bekannt geworden ist. In
Betreff der Niere werden die Angaben vonGegenbaur
bestätigt (Müller's Archiv 1854. p. 69).
Auf die Abhandlung, welche Referent in d iesem Ar-
chiv 1854. L p. 196 über die von ihm in Messina beobach-
teten Pteropoden bekannt gemacht hat, darf wohl kurz ver-
wiesen werden, da sie den Lesern dieses Archiv's zugäng-
lich ist.
Darin werden als neue Arten beschrieben: Pleuropus longißlis^
Cleodora trißlis , Creseis phaeostoma und monotis , Jiedemamiia Scylla
und Ckaryhdis; Cliopsis Krohnii wird als Typus einer neuen Gatv
tung angesehen.
ISracliio|9ocla«
In Costa's Fauna del Regno di Napoli ist, wie bereits
im Berichte über das Jahr 1852. p. 96 angedeutet wurde^
476 Troschel: Bericht über die Leislungen in der
auch ein Abschnitt über die ßrachiopoden enthalten. Er ent-
hält 60 Seilen und 9 Tafeln.
Darin sind als neue Arten beschrieben : Terehratula IvQmoidcs^
Cohimnae , pauperala, flexuosa, dolomitica, — Orthis bifida, pUcifera
und eine neue Gattung Platydia. Foramen apicale in valvula ven-
trali ; valvulae dorsalis apex integer ; sceleton fere illo Terebralula-
rum simile. Animal brachiis branchiisque inverse ac in Terebratulis
dispositis. Dahin Orthis anoipioides Scacchi.
Carpenter hat gefunden, dass der Mantel der Tere-
brateln aus zwei Schichten besiehe , deren äussere mit klei-
nen Blindsäckchen in die punktförmigen Durchbohrungen der
Schale eindringe. Er erklärt den Zwischenraum zwischen
beiden Schichten des Mantels für ein Sinus-System , und hält
es nicht für unwahrscheinlich , dass der Apparat der Ath-
mung diene. Annais XIV. p. 205.
Huxley erörterte einige Punkte aus der Anatomie der
ßrachiopoden, indem er Rhynchonella psittacea untersuchte,
die er mit Waldheimia flavescens und mit Lingula verglei-
chen konnte. Der Darm endet bei Uhynchonella und Wald-
heimia in einen rundlichen Blindsack, der bei Waldheimia
gerade, bei Rhynchonella nach links gekrümmt ist. — Wald-
heimia hat zwei, Rhynchonella vier Herzen* Ferner wird
ein System verzweigter peripheraler Gefässe, eine oder zwei
birnförmige Blasen, und grosse Sinus des Mantels und der
Visceralhöhlc nachgewiesen. Proc. Royal soc. June 1854 ;
Annais XIV. p. 285.
Oscar Schmidt gab in der Zeitschrift für die ges.
Naturwiss. 1854. p. 325 eine Uebersicht über „die neusten Un-
tersuchungen der ßrachiopoden von Owen^ Carpenter
und Davidson mit einigen ZusätzeUo^' ' '*
Die Zusätze des Verf. beziehen sich auf die Anatomie des Thie-
res und der Schale. Er glaubt die Verhältnisse des Kreislaufes seien
so aufzufassen, dass das Blut, im Vergleiche zu den höheren Mollus-
ken, nie rein arteriell in das Herz gelangt, so fern nämlich wirklich
die Mantellappen das alleinige Athemorgan sind, ein arterielles Blut
findet sich auf dem Wege zwischen Athemorgan und Herz. Dass die
Brachiopoden getrennten Geschlechts seien, hat S. schon früher aus-
gesprochen. Er untersuchte am Oexfjord eine Art von Terebratula,
die er für neu hält : die Zoospermien sind fadenförmig mit feinem
Knöpfchen; die Embryonen, die sich im Eierstocko fanden, sind einem
IS'alurgescliichle der Mollusken während des Jahres 1854. 477
aus zwei ungleichen Hälften bestehenden Euastruin ähnlich. — So-
wohl Mantel wie die Arme und Armeirren von T. caput serpentis ent-
halten dicht gedrängt eine unzählige Monge flächcnhaft ausgehreite-
tcr, unregelmässig ausgezackter und durchlöcherter Kalkgebilde , bei
den andern untersuchten Arten fehlen sie.
liamcEllbraBictilata.
Gray hat Annais Xlll. p. 408 eine üebersiclit der Fa*
milien der Muscheln gegeben, und ib. XIV. p. 21 einige Be-
richtigungen hinzugefügt. Indem ich in Betreff der Anord-
nung der Familien auf die Abhandlung selbst verweise, be-
gnüge ich mich hier seine Ordnungen anzugeben.
Subclassis I. Siplionopliora. Mantellappen verbunden, mit
zwei Siphonalöffnungen. Ordo I. Veiieracea. Mantel mit zwei
mehr oder weniger verlängerten Siphonalöffnungen ; Kiemen kurz, nicht
in den Athemsipho ragend; Siphoncn oft mehr oder weniger getrennt,
unter dem hinteren Schliessmuskel. Ordo II. Pholadacea. Mantel
mit zwei engen, mehr oder weniger verlängerten Siphonalöffnungen
unter dem hinteren Schliessmuskel ; zwei Paar Kiemen, in den Athem-
sipho ragend; Fussöffnung klein; Siphonen vereinigt. Subclnssis II.
.Asipitonopliora. Mantellappen meist frei, hinten oder am gan-
zen Rande bartig, zuweilen mit einer besondern Siphonalöffnung für
den After. Ordo III. La siacea. Mantellappen vereinigt mit einer
Afteröffnung unter dem hintern Schliessmuskel und einer Fussöffnung.
Ordo IV. Unionace ct. Mantellappen frei, hinten schwach vereinigt,
eine besondere AfteröfFnung unter dem hinteren Schliessmuskel bil-
dend. Ordo V. P ectinacea. Mantellappen rundum frei, ohne eine
besondere Siphonalöffnung.
Im XXIV. Theil der Memoires de l'academie des sciences 1853
ist die Abhandlung von Duvernoy über das Nervensystem der Mu-
scheln erschienen. Nach einer historischen Einleitung werden in
30 Monographien die Nervensysteme von folgenden Arten beschrie-
ben : Ostrea edulis , Anomia ephippium , Pecten maximus, Pinna no-
bilis, Area inaequivalvis , Trigonia australis, Anodonta cygnea, Unio
pictorum, Mytilus edulis, Modiola alhicosta, Modiola caudigera, Ungu-
lina rubra, Tridacna squamosa und gigas, Lucina tigerlna und Leman-
nii, Cardium edule, Cytherea complanata , C. Chione, Mactra semi-
striala , Mya arenaria , Mesodesma Quoyi , Psammobia vespertinalis,
Lutraria solenoides , Solen siliqua, Solen vagina , Pholas dactylus,
Pholas callosa , Pandora roslrala , Panopea australis, Terebratula au-
g^ralis. — Die Abhandlung ist von 13 Tafeln begleitet.
478 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Williams ist in seinen Untersuchungen über den Me^
chanismus der Wasserathrnung und über die Struktur der
Athmungsorgane bei den wirbellosen Thieren in den Annais
nat. bist. XIV. p. 34 und 241 zu den Mollusken gekommen,
und handelt hier die Acephalen ab.
Bei den Tunicaten tritt das Wasser durch den extrabranchialen
Sipho , wie er hier genannt wird , nicht vermittelst Flimmern , son-
dern während der Diastole der Pharyngealhöhle ein. Hier wird es
durch Flimmern in tausend Ströme getheilt , die durch die Maschen
der Kiemen in die Intrabranchial - oder Visceralhöhle führen, von wo
das Wasser durch den Interbranchial-Sipho ausgestossen wird. — Die
Brachiopoden besitzen keine besonderen Athmungsorgane. — Alle La-
mellibranchiata besitzen Athmungsorgane. Diese liegen in einer un-
teren Extrabranchial-, Bauch- oder Mundhöhle, die Eingeweide lie-
gen in einer Intrabranchial- oder Rückenhöhle. Je grösser die Man-
telöffnung ist, um so weniger ist ein unterer oder Extrabranchialsipho
nöthig. Verf. stimmt der Ansicht Clark's bei, dass das Wasser in
den Sipho durch eine Diastole der Mantellappen eintritt, nicht durch
Flimmerbewegung. Nicht alles Wasser tritt aus der Extrabranchial-
höhle in die Intrabranchialhöhle. Es wird vermittelst der Cilien, wel-
che die äusseren Oberflächen der Kiemen bedecken , durchgesiebt.
Die Mundlappen führen Strömungen zum Munde, um ihm Nahrung zu-
zuführen. Die Intrabranchialhöhle führt dann zum ausführenden Si-
pho. Der Verf. geht dann in eine nähere Betrachtung der Struktur
der Kiemen der Lamellibranchiaten ein. Er betrachtet die parallelen
Gefässe, die die Kiemen bilden ; die Ränder der Blätter, die angeheftet
oder frei sind ; die queren verbindenden , intervascularen Theile ; die
interlamellaren Wasserröhren und das intratubulare Gestell ; das Flim-
mersystem der Kiemen. Es ist nicht möglich, hier in die Details der
interessanten Ausführung einzugehen.
Jorhua Adler vertheidigt ib. p. 177 einige Ansich-
ten Hancock's über die Kiemenströmungen gegen die Ein-
würfe Williams'.
Die Untersuchungen Langer's über das Gefässsystem
der Teichmuschel (vgl. den vor. Bericht p. 179) sind nun in
den Denkschriften der Wiener Academie im 8. Bande ver-
öfFenllicht und durch Abbildungen erläutert, so weit sie das
arterille und capillare Gefässsystem betreffen.
Lacaze^Duthiers hat eine wichtige Abhandlung
über die Geschlechtsorgane der Muscheln geschrieben ; Re-
cherches sur les organes genitaux de Acephales Lamellibran-
Nalurgeschichte der Mollusken während des Jahres 1854. 479
ches. Annales des sciences naturelles 4. Serie. II. p. 155—
248. pl. 5—91: ,;'"■' 'l''\
Ohne weiter in die Details eingehen zu können, soll hier kurz
hervorgehoben werden, dass die meisten Muscheln nach des Verf.
Untersuchungen getrennten Geschlechts sind. Bei ihnen ist das
männliche Organ von dem weiblichen äusserlich nach Lage und Form
kaum verschieden, nur die Farbe ist abweichend. Die wenigsten
Muscheln sind zwilterig. Unter diesen unterscheidet Verf. solche
mit getrennten Drüsen (Pecten und Pandora roslrala) und solche, bei
denen die verschiedenen Schläuche derselben Drüse, theils Ovula,
theils Spermatozoiden , oder sogar beide zugleich enthalten (Cardium
serratum und Ostrea). Hervorgeliphen zu werden verdient ferner, dass
unter der zwittrigen Gattung Pecten eine Art mit getrennten Ge-
schlechtern vorkommt, während die genannte Art von Cardium ver-
einzelt als zwitterig unter den übrigen Arten, die getrennten Ge-
schlechts sind, dasteht. Verf. ist wohl mit Recht geneigt, sie ge-
nerisch zu trennen. Es sind vom Verf. übrigens nur 40 Arten un-
tersucht, die 30 Gattungen angehören.
, Eine Inaugural-Dissertatlon von Kost über die Struk-
tur und chemische Zusammensetzung einiger Muschelschalen
1§53 ist mir nicht zugänglich geworden.
Aucap ilaine liess sich wiederum auf die Frage über
das Bohren der Muscheln ein. Er glaubt für einige an die
Combinalion eines mechanischen mit einem chemischen Mit-
tel, für alle jedoch an ein chemisches vielleicht noch unbe-
kanntes Mittel (Annales des sciences naturelles 4. Serie II.
p. 367). .
Caillau<i leg-te der Pariser Academie S.Juli eine Ab-
handlung über die bohrenden Mollusken vor. Diejenigen,
welche.. ein eigentliches Ligament besitzen, Saxicava , Petri-
cola, Lithodomus, Gastrochaena sollen durch ein chemisches
Mittel bohren ; diejenigen , welche kein Ligament , sondern
löfl'elförmige Vorsprünge besitzen, an welche sich die Mus-
kelfasern ansetzen, Pholas und Tcredo, sollen mechanich boh-
ren. Das chemische Mittel will der Verf. auch bei nicht
bohrenden Muscheln, wie Solen vagina , Mya arenaria, Area
letragona, Modiola barbata , Ostrea edulis , ja selbst bei Pa-
tella vulgata, Lottia virginea und Fissurella gibberula gefun-
den haben.
H. und A. Adams stblltcn Annais XIV. p. 76 eine neue Mu-
480 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
schelgattung Mijrina auf, deren Stellung im Systeme aus den Cha-
rakteren nicht zu ermitteln ist. Schale quer, länglich, fast gleich-
seitig; Schalen geschlossen, mit einer hornigen Epidermis, innen
perlmutterartig; Wirbel subccntral. Schloss zahnlos, Ligament inner-
lich, linear. Muskeleindrücke sehr entfernt, Manteleindruck einfach;
Byssus. Die Art M. Denhami fand sich angeheftet an schwimmen-
den Massen von Wallfischspeck (blubber).
Ebenso ib. p. 418 eine Gattung Tyteria: Muschel länglich,
gleichschalig; Schalen dünn, fast häutig, mit einer dünnen Epidermis,
vorn abgerundet, hinten schwach vorgezogen und klaiFend. Das
Schloss besteht aus einer Knorpelgrube in jeder Schale, Knorpel in-
nerlich, Ligament zum Theil äusserlich ; eine Kalklamelle erstreckt
sich von der Knorpelgrube nach vorn , bis zum vorderen Muskelein-
druck, wird durch kalkige Septa gestützt und ist vorn frei, Mantel-
eindruck mit schwacher hinterer Bucht. Die Art T. fra(jilis von
Mazatlan.
Ostreacea. Oslrea Guineensis Dunker Index Tams. p. 43.
tab. VII. Fig. 12—18 von Loanda. —zß- cibialisj vinolenla und longiu-
scida Gay llist. de Chile.
Eine Schilderung des anatomischen Baues von Anomia
ephippium lieferte La caze-D ulhiers in den Annales des
sc. nat. 4. Serie 11. p. 5 und pL 1 und 2. Er kommt zu dem
Resultate, dass der Deckel oder das Ossiculum nichts ande-
res sei als ein Byssus, und leitet alle Anomalien von der
Lage des Thieres auf der rechten Seile und von der Befe-
stigung des Byssus an fremden Körpern ab. Uebrigens ist
ein kurzer Darm und ein sehr langer Blinddarm vorhanden,
das Herz wird nicht vom Darme durchbohrt^ die Geschlech-
ter sind getrennt. Der Byssus liegt nicht in einer Durch-
bohrung, sondern in einem Ausschnitte des Mantels.
A^ectinea. Peclen Loveni Dunker Index Tams. p. 44. tab. IX.
flg. 31 von Loanda.
Arcacea. Area seligem und stigmosaDünkcrlnA. Tams. p.45
von Loanda.
Trig^oniacea. Trigonia nobilis A. Adams Proc. zool. soc.
1853. p.73.
iVajades« Isaac Lea veröffentlichte in den Proc.
Philadelphia VIL p. 236 eine Berichtigung zu Conrad's Syn-
opsis of the Family of Naiades of Norlhamerica, die sich
jedoch nicht zu einem Auszuge eignet, und wofür daher
auf das Original verwiesen werden muss.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1854. 481
Drouet hat in einem siebenten Artikel seine Etudes
sur les Anodontes de l'Aube beschlossen (Revue de zool.
p. 268 und 3Q0). Nachdem er nunmehr 15 Anodonten be-
schrieben hat, kommt er zu dem Resultate, dass eigenllich
in Frankreich nur fünf Species existiren, nämlich : A. cygnea,
complanata , anatina , piscinalis und ponderosa, die übrigen
seien Varietäten. Eine Tabula diagnostica und eine Tabula
synonymica sind am Schlüsse beigegeben.
Conrad beschrieb eine neue Art Alasmodonta, ohne ihr einen
Warnen zu geben Proc. Philad. VII. p. 32.
Küster stellte in der neuen Ausgabe von Martini Chemnitz
Conchylien-Cabinet folgende neue Unionen auf: U. qiiinqiieannulahis
aus Bayern, viridifiamts aus dem Morakafluss in Montenegro, Felle-
rianus aus Dalmatien, Fetrovichii und carneus von Montenegro, Malt-
zani aus Meklenburg, Heldii aus Bayern, luxuriaus und bretiroslris
von Montenegro. — Rossmässler bildete in seiner Iconographie
einen Unio cuneatus Jacq. (sec. Moquin-Tandon in lit.) und U. valen-
tinus n. sp. ab.
Hytiiacea. Lacaze-Duthiers überreichte der Pa-
riser Academie am 17. Juli eine Abhandlung über die Ent-
wickelung von Mytilus edulis. Er beachtete namentlich die
Bildung der Kiemen; sie erscheinen sehr spät, wenn scbon
der Fuss , der Byssus , die Schliessmuskeln , der Darmkanal,
das Gehörorgan bereits entwickelt sind. Die innere ent-
wickelt sich zuerst und beginnt mit dem mittleren Blatte,
die zweite später und beginnt ebenfalls mit dem mittleren
Blatt aber in umgekehrtem Sinne; die innere bildet sich von
vorn nach hinten, die andere von hinten nach vorn. Die
beiden mittleren Kiemeniappen wachsen von oben nach un-
ten, das äussere und innere von unten nach oben.
Leydig machte in Müller's Archiv 1854. p.301 einige
Bemerkungen in histologischer Beziehung über Lithodomus
lilhophagus. Sie beziehen sich auf die Kiemen , deren Be-
wimperung, die äusseren Häute des Sipho und die Byssus.
Mytüus tenuistrialus und Charpenlieri Dunlier Ind. Tarns. p. 47
von Loanda. — M. chilensis, daciijliformis und Orhi^mjanus Gay Rist,
de Chile.
Eine neue Gattung aus der Familie der Mylilaceen, welche
Valenciennes unterschieden hat, beschrieb Uo uss ca u inderVoy.
au Pole Sud. Phaseolicama. Die Schale gleicht einer sehr kur-
Archiv f. Naturgescb. XXI. Jahrg. 2. Bd. PP
482 Troschel: I3ericht über die Leistungen in der
zen Modiola, Wirbel am einen Ende, keine Schlosszähne, Muskelein-
drücke lang und stark. Mantel mit drei Oeffnungen. Ph. magellanica
n. sp. aus der Magellanstrasse. — Dieselbe Gattung ist auch von
Gay Hist. de Chile als gegründet auf Modiola trapezina und der Cha-
maceenfamilie angehörig folgendermassen charakterisirt worden : Ani-
mal lamellibranchiatum; pallium tribus orificiis munitum ; pes mini-
mus, byssiferus. Testa tenuis, transversa, aequivalvis, inaequilatera,
epidermide luteo vestita , superne convexa , inferne margine sinuoso,
et pro bysso hiante ; cardo dentem cardinalem unicam obsoletam mu-
nilus; ligamentum externum ; impressiones musculares duae, rotunda-
tae; impressio pallii siniplex, nee non sinuosa.
Tiucinacea. Diplodonta Gruneri Dunker Ind. Tams. p. 55.
— D. Phüippii Gay Hist. de Chile.
Gafrarium (Corbis') coelatum und scüulum A. Adams Proc. zool.
soc. 1853. p. 69.
Carditaeesft* Cypricardia incrustans und tenuis sind neue
Arten von Rousseau Voy. au Pole Sud, welche in Madreporen boh-
ren und von den Seychellen stammen.
Cycladea. Oscar Schmidt hat in Müller's Archiv
1854 p. 428 eine Entwickelungsgeschichte von Cyclas caly-
culata geliefert, welche um so interessanter ist, als sie einen
neuen Entwicklungslypus aus der in Betreff der Embryologie
noch so wenig erforschten Klasse der Muscheln darstellt.
Normand's „Coup d'oeil sur les Mollusques de la fa-
mille des Cyclades, observes jusqu'ä ce jour dans le depar-
tement du Nord. Valenciennes 1854« ist mir nur aus einer
Anzeige in der Revue de zool. p. 689 bekannt geworden.
Es sind darin 1 neue Sphaeria und 4 neue Pisidien ent-
halten.
Bourguignat stellte Memoires de la Soc. de Bor-
deaux I. und Revue de zool. p. 664 eine neue Einlheilung
der Gattung Sphaerium (Cyclas) auf.
Er unterscheidet zwei Abtheilungen: Cyr ena strutn und
Spha eriastrum. In die erste gehört nur Sph. solidum, welches
viele Aehnlichkeit mit Cyrena hat. In der zweiten unterscheidet er
die Arten mit sichtbarem und mit nicht sichtbarem Ligament, und in
beiden wieder Arten mit abgerundeten und mit caliculirten Wirbeln.
Er unterscheidet dann in der Gattung Cyrena zwei Gruppen: Cya-
no cyclas Fer. Ligament dick, sehr sichtbar. Schale sehr dick, ge-
wölbt, lebhaft gefärbt, mit starken Schlosszähnen; und Pseudocy ^
re»a Ligament deutlich, Schale dünner, dreieckig, Schlosszähne
Nalurgeschichte der Mollusken während des Jahres 1854. 481
Drouet hat in einem siebenten Artikel seine Eludes
sur les Anodontes de l'Aube beschlossen (Revue de zool.
p. 268 und 320). Nachdem er nunmehr 15 Anodonten be-
schrieben hat, kommt er zu dem Resultate, dass eigentlich
in Frankreich nur fünf Species exisliren, nämlich : A. cygnea,
complanata , anatina , piscinalis und ponderosa, die übrigen
seien Varietäten. Eine Tabula diagnoslica und eine Tabula
synonymica sind am Schlüsse beigegeben.
Conrad beschrieb eine neue Art Alasmodonta, ohne ihr einen
Kamen zu geben Proc. Philad. VII. p.32.
Küster stellte in der neuen Ausgabe von Martini Chemnitz
Conchylien-Cabinet folgende neue Unionen auf: V. quinqueannulatus
aus Bayern, viridißavus aus dem Morakafluss in Montenegro, Pelte-
Wanws aus Dalmatien, Petrovichii und carneus von Montenegro, Malt-
zani aus Meklenburg, Heldii aus Bayern, luxurians und breviroslris
von Montenegro. — Rossmässler bildete in seiner Iconographie
einen Unio cunealus Jacq. (sec. Moquin-Tandon in lit.) und U. valen-
tinus n. sp. ab.
Mytiiacea. Lacaze-Duthiers überreichte der Pa-
riser Academie am 17. Juli eine Abhandlung über die Ent-
wickelung von Mylilus edulis. Er beachtete namentlich die
Bildung der Kiemen; sie erscheinen sehr spät, wenn schon
der Fuss , der Byssus , die Schliessmuskeln , der Darmkanal,
das Gehörorgan bereits entwickelt sind. Die innere ent-
wickelt sich zuerst und beginnt mit dem mittleren Blatte,
die zweite später und beginnt ebenfalls mit dem mittleren
Blatt aber in umgekehrtem Sinne; die innere bildet sich von
vorn nach hinten , die andere von hinten nach vorn. Die
beiden mittleren Kiemenlappen wachsen von oben nach un-
ten, das äussere und innere von unten nach oben.
Leydig machte in Müller's Archiv 1854. p. 301 einige
Bemerkungen in histologischer Beziehung über Lithodomus
lithophagus. Sie beziehen sich auf die Kiemen , deren Be-
wimperung, die äusseren Häute des Sipho und die Byssus.
Mytilus tenuistrialus und Charpenliei'i Dunker Ind. Tams. p. 47
von Loanda. — M. chüetisis, daclxjliformis und Orbignyanus Gay Hist.
de Chile.
Eine neue Gattung aus der Familie der Mytilaceen, welche
Valenciennes unterschieden hat, beschrieb Ro uss eau inderVoy.
au Pule Sud. Phaseolicama. Die Schale gleicht einer sehr kur-
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 2. Bd. pp
482
Troschel: Bericht fiber die Leistungen in der
r
zen Modiola, Wirbel am einen Ende, keine Schlosszähne, Muskelein-
drücke lang und stark. Mantel mit drei OcfTnungen. Ph. magellanica
n. sp. aus der Magellanstrasse. — Dieselbe Gattung ist auch von
Gay Hist. de Chile als gegründet auf Modiola trapezina und der Cha-
maceenfamilie angehörig folgendermassen charakterisirt worden : Ani-
mal lamellibranchiatum; pallium tribus orificiis munitum ; pes mini-
mus, byssiferus. Testa tenuis, transversa , aequivalvis, inaequilatera,
epidermide luteo vestita, superne convexa , inferne margine sinuoso,
et pro bysso hiante ; cardo dentem cardinalem unicam obsoletam mu-
nitus; ligamentum externum ; impressiones musculares duae, rotunda-
tae; irapressio pallii simplex, nee non sinuosa.
Tiucinacea Diplodonta Gruneri Dunker Ind. Tams. p. 55.
— D. PhUippii Gay Hist. de Chile.
Gafrarium (^Corbis^ coelalum und scilulum A. Adams Proc. zool,
soc. 1853. p. 69.
Carditacea« Cypricardia incruslans und tenuis sind neue
Arten von Rousseau Yoy. au Pole Sud, welche in Madreporen boh-
ren und von den Seychellen stammen.
Cycladea. Oscar Schmidt hat in Müller's Archiv
1854 p. 428 eine Entwickelungsgeschichte von Cyclas caly-
culata geliefert, welche um so interessanter ist, als sie einen
neuen Entwicklungslypus aus der in Betreff der Embryologie
noch so wenig erforschten Klasse der Muscheln darstellt.
Normand's „Coup d'oeil sur les Mollusques de la fa-
mille des Cyclades, observes jusqu'ä ce jour dans le depar-
tement du Nord. Valenciennes 1854« ist mir nur aus einer
Anzeige in der Revue de zool. p. 689 bekannt geworden.
Es sind darin 1 neue Sphaeria und 4 neue Pisidien ent-
halten.
Bourguignat stellte Memoires de la Soc. de Bor-
deaux I. und Revue de zool. p. 664 eine neue Eintheilung
der Gattung Sphaerium (Cyclas) auf.
Er unterscheidet zwei Abtheilungen: Cyr ena strum und
Sphaeriastrum. In die erste gehört nur Sph. solidum, welches
viele Aehnlichkeit mit Cyrena hat. In der zweiten unterscheidet er
die Arten mit sichtbarem und mit nicht sichtbarem Ligament, und in
beiden wieder Arten mit abgerundeten und mit caliculirten Wirbeln.
Er unterscheidet dann in der Gattung Cyrena zwei Gruppen: Cya-
no cyclas Fer. Ligament dick, sehr sichtbar, Schale sehr dick, ge-
wölbt, lebhaft gefärbt, mit starken Schlosszähnen; und Fseudocy -
r e n (S Ligament deutlich, Schale dünner, dreieckig, Schlosszähne
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1854. 483
ziemlich stark. Die Gruppen in der Gattung Sphaerium charakteri-
sirt er so: Cyrenastrum Ligament nicht sichtbar, Schale wenig
dick, eiförmig, ziemlich gewölbt, Schloss ziemlich stark mit massi-
gen Schlosszähncn ; Sp h aer ias t rum Ligament sichtbar oder nicht
sichtbar. Schale dünn, zerbrechlich, mit einfarbig hornfarbiger Epi-
permis , Schloss gering mit wenig deutlichen Schlosszähnen.
Cyclas crocea ist eine neue Art von Lewis aus der Gegend
von Otsego. Boston Proc. V. p. 25.
Bourguignat verwirft in einem Artikel über die Gat-
tung Pisidium (Revue de zool. 1854. p. 75) die bisher an-
gewendeten Charaktere für Unterscheidung der Arten, indem
die Länge und Beschaffenheit der Siphonen von der Tempe-
ratur abhängen, die Schiefheit, Farbe, Grösse u. s. w. oft local
seien. Er unterscheidet nach dem Schlosse zwei Sectionen.
In die erste Section mit sehr kleinem geradlinigem Schloss,
Schlosszahn aus 2 — 3 starken Zähnchen bestehend, Seitenzähne klein,
gehören P. amnicum , Casertanum , Recluzianum , nitidum, pusillum
und obtusale; in die zweite Section mit kräftigem, gekrümmtem Schloss,
Schlosszahn aus kleinen kaum fühlbaren Zähnchen bestehend, Seiten-
zähne stark, gehört von französischen Arten nur P. Henslowianum.
Ferner wird bemerkt, dass das Ligament sich bei den französischen
Arten auf der kleineren Seite der Sehale befindet , also die ausgezo-
gene Seite die vordere ist, für diese führt Verf. den IVaraen Pera
Leach ein, andere Arten besässen aber das Ligament an der langen
Seite, diese nennt er Eupera.
Pisidium Moquinianum Bourguignat Revue de zool. p. 663 aus
Südamerika.
Cyrena crassula Mousson Milthei). nalurf. Ges, Zürich lU. p. 362
von Syrien.
Glauconome rostralis von Bornco und psammolella Deshayes
Proc. zool. soc. 1853. p. 1.
Ohne die Familie zu bezeichnen, zu der sie gehört, beschreibt
Rousseau in der Voy. au Pole Sud V. p. 116 eine neue Muschel-
gattung Cycladicama, welche Valenciennes aufgestellt hat.
Schale gewölbt, oval, Wirbel vorspringend, Ligament äusserlich,
keine Mantelbucht, schwache Muskeleindrücke. Das Schloss hat in
einer Schale zwei mittlere vereinigte Zähne mit einer Grube jeder-
seits, in welche die beiden seitlichen Zähne der anderen Schale ein-
greifen. — Der Fuss ist sehr lang und röhrenförmig wie bei Lucina;
zwei grosse Kiemen jederseits und grosse Mundlappen ; Mantel an bei-
den Enden geschlossen, hinten mit zwei Oeffnungen. C. luciniformis
von den Philippinen.
484 T rösche 1: Bericht über die Leistungen in der
IVyiiipliacea« Donax Deshayesii und Cumingii Dunlier Ind.
Tams. p. 52 von Loanda.
Ebendaher stammt Heterodonax frirvus Dunker ib.
Tellina Hanletji Dunker ib. p. 53 von Loanda.
Psammobia crassa Gay Hist. de Chile ist bereits 1845 im Atlas
abgebildet, und Verf. macht darauf Prioritätsanspruch gegen Philippi,
der sie als Ps. solida beschrieben hat.
Fiitliopliag'a.. Saxicava chilensis Gay Hist. de Chile.
Venerupis digona , Cumingii, Chinensis , pulcherrima, planicosla,
derelicta f elegans, siliqua, mitis , paupercula, obesa, insignis Deshayes
Proc, zool. soc. 1853. p. 3.
Concitae. J- £• Gray machte eine Notiz über das
Thier von Cyclina sinensis bekannt. Proc. zool. soc. 1853.
p. 25. Mantellappen unten offen, hinten verwachsen und in
einen langen Sipho mit 2 Löchern ausgezogen ; Fuss rhom-
bisch, sehr zusammengedrückt, Lippen sehr lang, dünn, mehr
als halb so lang wie der Fuss.
Die Bewimperung der Kiemen besieht nachLeydig
(Müller's Archiv 1854. p. 297) bei Venus decussata aus zweier-
lei Cilien , die Athemröhren flimmern nicht. Ueber die Ent-
wickelung der Samenkörperchen dieser Muscheln werden Ver-
mulhungen ausgesprochen, die Eier und ihre Entstehung be-
schrieben.
Neue Arten: Cuneus truncatus Deshayes Proc. zool. soc. p. 1
von den Philippinen.
Dione rufescens, crocea, phasianella Deshayes ib. p. 2.
Vemis Sowerbyi, crispata , clathrata, consobrina, sculpta Des-
hayes ib. p. 2. — V. Troschelü und nodosa Diinker Index Tams. p. 57.
Verf. vermuthet, dass die letztere Art la Clonisse von Adanson sei.
V. cineracea und Gayi Gay hist. de Chile. — V. Lucasii Rous-
seau Voy. au Pole Sud V. p. 115 von der Inselbay.
Cytherea erubescens Dunker Ind. Tams. von Loanda.
Circe personata , pulchra , transversaria , lenticularis , Metcalfei
Deshayes Proc. zool. soc. p. 6.
Meretrix grata Deshayes ib. p. 7.
Chione gibbosula , regularis , sphaericula , ustulala Deshayes
ib. p. 7.
Tapes inßala, turgidula, similis, alba , obscurata , biradiata, qua-
driradiata, grata, punicea, violascens, japonica, fabagelta, cinerea Des-
hayes ib. p. 8.
dementia Strangei, Moretonensis Deshayes ib. p. 17.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1854. 483
ziemlich stark. Die Gruppen in der Gattung Sphaerium charaktcri-
sirt er so: Cyrenastrum Ligament nicht sichtbar, Schale wenig
dick, eiförmig, ziemlich gewölbt, Schloss ziemlich stark mit massi-
gen Schlosszähnen; Sp h aer iastr um Ligament sichtbar oder nicht
sichtbar. Schale dünn, zerbrechlich, mit einfarbig hornfarbigcr Epi-
permis , Schloss gering mit wenig deutlichen Schlosszähncn.
Cyclas crocea ist eine neue Art von Lewis aus der Gegend
von Otsego. Boston Proc. V. p. 25.
Bourguignat verwirft in einem Artikel über die Gat-
tung Pisidium (Revue de zool. 1854. p. 75) die bisher an-
gewendeten Charaktere für Unterscheidung der Arten, indem
die Länge und Beschaffenheit der Siphonen von der Tempe-
ratur abhängen, die Schiefheit, Farbe, Grösse u. s. w. oft local
seien. Er unterscheidet nach dem Schlosse zwei Sectionen.
In die erste Section mit sehr kleinem geradlinigem Schloss,
Schlosszahn aus 2—3 starken Zähnchen bestehend, Seitenzähne klein,
gehören P. amnicum , Casertanum , Recluzianum , nitidum, pusillum
und obtusale; in die zweite Section mit kräftigem, gekrümmtem Schloss,
Schlosszahn aus kleinen kaum fühlbaren Zähnchen bestehend, Seiten-
zähne stark, gehört von französischen Arten nur P. Henslowianum.
Ferner wird bemerkt, dass das Ligament sich bei den französischen
Arten auf der kleineren Seite der Schale befindet , also die ausgezo-
gene Seite die vordere ist, für diese führt Verf. den Namen Pera
Leach ein, andere Arten besässen aber das Ligament an der langen
Seite, diese nennt er Eupera.
Pisidium Moquinianum Bourguignat Revue de zool. p. 663 aus
Südamerika.
Cyrena crass«Za Mousson Mittheil, naturf. Ges. Zürich III. p. 362
von Syrien.
Glauconome rosfralis von Borneo und psammotella Deshayes
Proc. zool. soc. 1853. p. 1.
Ohne die Familie zu bezeichnen, zu der sie gehört, beschreibt
Rousseau in der Voy. au Pole Sud V. p. 116 eine neue Muschel-
gattung CycladicamOf welche Valenciennes aufgestellt hat.
Schale gewölbt, oval, Wirbel vorspringend, Ligament äusserlich,
keine Mantelbucht, schwache Muskeleindrücke. Das Schloss hat in
einer Schale zwei mittlere vereinigte Zähne mit einer Grube jeder-
seits, in welche die beiden seitlichen Zähne der anderen Schale ein-
greifen. — Der Fuss ist sehr lang und röhrenförmig wie bei Lucina ;
zwei grosse Kiemen jederseits und grosse Mundlappen ; Mantel an bei-
den Enden geschlossen, hinten mit zwei Oeffnungen. C. luciniformis
von den Philippinen.
484
Troschel: Bericht über die Leistungen in der
f
I
]¥yinp1iacea. Donax Deshayesii und Cumingn Dunker Ind,
Tams. p. 52 von Loanda.
Ebendaher stammt Heterodonax parvus Dunker ib,
Teilina Hanleiji Dunker ib. p. 53 von Loanda.
Psammohia crassa Gay Hist. de Chile ist bereits 1845 im Atlas
abgebildet, und Verf. macht darauf Prioritätsanspruch gegen Philippi,
der sie als Ps. solida beschrieben hat.
liithopliag-a. Saxicava chilensis Gay Hist. de Chile.
Venerupis digona , Cumingii, Chinensis , pulcherrima, planicosla,
derelicta, elegans, siliqua, mitis , paupercula, obesa , insignis Deshayes
Proc. zool. soc. 1853. p. 3.
Conciiae. J. E. Gray machte eine Notiz über das
Thier von Cyclina sinensis bekannt. Proc. zool. soc. 1853.
p. 25. Mantellappen unten offen, hinten verwachsen und in
einen langen Sipho mit 2 Löchern ausgezogen; Fuss rhom-
bisch, sehr zusammengedrückt, Lippen sehr lang, dünn, mehr
als halb so lang wie der Fuss.
Die Bewimperung der Kiemen besteht nachLeydig
(Müller's Archiv 1854. p. 297) bei Venus decussata aus zweier-
lei Cilien , die Athemröhren flimmern nicht, lieber die Ent-
wickelung der Samenkörperchen dieser Muscheln werden Ver-
muthungen ausgesprochen, die Eier und ihre Entstehung be-
schrieben.
Neue Arten: Cuneus truncatus Deshayes Proc. zool. soc. p. 1
von den Philippinen.
Dione rufescens, crocea, phasianella Deshayes ib. p. 2.
Venus Sowerbyi, crispala , clathrata, consobrina^ sculpta Des-
hayes ib. p. 2. — V. Troschelii und nodosa Dunker Index Tams. p. 57.
Verf. vermuthet, dass die letztere Art la Clonisse von Adanson sei.
— V, cineracea und Gayi Gay hist. de Chile. — V. Lucasii Rous-
seau Voy. au Pole Sud V. p. 115 von der Inselbay.
Cytherea erubescens Dunker Ind. Tams. von Loanda.
Circe personata , pulchra, transversaria , lenticularis, Metcalfei
Deshayes Proc. zool. soc. p. 6.
Meretrix grata Deshayes ib. p. 7.
Chione gibbosula , regidaris , sphaericula , ustulata Deshayes
ib. p. 7.
Tapes inflata, turgidula, similis, alba , obscurala , biradiata, qua-
driradiala, grata, punicea, violascens, japonica, fabagelta, cinerea Des-
hayes ib. p. 8.
dementia Strangei, Moretonensis Deshayes ib. p. 17.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jalires 1854. 4S5
]?ffa.ctracett* HJactra complanata , sulcalaria, Reerei, pura,
quadr angularis^ veneriformis , coniea, cximia , mcra, obesa , vierclrici-
formis , Ciwieri, aequilateralis , sy7nmelrica Dcshayes Proc. zool. soc.
1853. p. 14. — M. Loroisii Guerin Menevillc Uevue de zool. p. 218
pl. 4, fig. 6—9 von China.
Semele Jovis, Gruneri, Jukesi, sponsa , sinciisis, avwena, luteola^
modesta^ jucimda, vestalis , venusta, laela, virginea, californira^ casla^
compla, amabilis, Martini, derora, pulchella A. Adams Proc. zool. soc.
1853. p. 94.
Aus Mactra vitraea Chemn. (Lulraria crassiplica Lam.) hat
Ilup'e eine neue Gattung Blainvillia gebildet, die sich durch
das äussere Ligament von den Mactraceen entfernt. Ihre Stelhing
im Systeme ist noch unsicher, vorläufig stellt sie Verf. in dieVenus-
familie. Ihre Charaktere sind: tesla ovata , glohulosa, cordiformis,
tenuissima, transversim plicata, inaequilatera. Dentes cardinales duo,
lamellosi divergentes in utraque valva, altera obsolcta, elongata, ad-
jecta. Dentes laterales nulli. Ligamentum externum in nymphaeis
angustis insertum. Impressiones musculares duae. Impressio pallii
postice sinuosaque angulata. Ausser der oben genannten Art Bl. vi-
traea wird auch eine Savigny'sche Abbildung als 131. erythraea hier-
hergezogen. Revue de zool. p. 219.
Solenacea. Leguminaria alba Valenciennes von Borneo Voy.
au Pole SudV. p. 118.
Piioladaria. Als ein probales von James Swan
erfundenes Mittel gegen die Verwüstungen des Bohrwurms
empfielt Ayres 100 Theile Asphalt, 40 Theile Schwefel und
20 Theile Arsenik, womit das trockene Holz angestrichen
wird. Der Asphalt wird geschmolzen, das Uebrige hinein-
gerührt und das Ganze heiss mit einem gewöhnlichen Pinsel
aufgetragen. (Boston Proc. V. p. 75.)
Tuiiicata.
Jiscidiae. Ascidia chilensis ist eine neue Art von Gay Hist.
de Chile.
Leuckart beschreibt (Zoologische Untersuchungen Heft II.
p. 79) eine Appendicularia, die er mitKrohn für Schwärmlarven von
Ascidien hält, und die sich von den gewöhnlichen Larven der Asci-
dien dadurch unterscheiden, dass sie das Bewegungsorgan so lange
behalten, bis die Innern Organe ihre genuine Entwickclung angenom-
men haben. Die beobachtete Art nennt Verf. bis zur Entdeckung
ihrer Abstammung Appendicularia albicam.
486 Troschel: Bericht über die Leistungen etc.
Salpae. Vogt veröffentlichte in den Memoires de
rinslitut national Genevois (Geneve 1854) eine Abhandlung
„sur les Tuniciers nageants de la rner de Nice." Darin wer-
den die Gattungen Salpa (S. pinnata Forsk.), Anchinia Rathke
(Doliopsis Vogt) , Appendicularia und Pyrosoma abgehandelt.
Dazu gehören sechs Tafeln mit Abbildungen.
Eine sehr ausführliche Arbeit über die Anatomie und
Entwickelungsgeschichte der Salpen hatLeuckart in seinen
Zoologischen Untersuchungen Heft II. 1854 geliefert, und
darin den früheren Beobachtern volle Gerechtigkeit wieder-
l'ahren lassen. In Betreff der einzelnen vom Verf. aufgestell-
ten abweichenden Ansichten niuss auf die Abhandlung selbst
verwiesen werden. Ich will nur kurz erwähnen, dass er
die Flimmergrube Huxley's ein Geruchsorgan und den Endo-
styl als einen secretorischen Apparat anzusehen geneigt ist.
Dass die Salpen mit einer eigenen Leber versehen seien, ist
ihm unwahrscheinlich; das von Huxley beschriebene ge-
fässartige Anhangsgebilde möchte er als einen Drüsenappa-
rat deuten , der dem Chymus gewisse (pankreatische?) Ab-
sonderungsproducte beimischt.
Nachtrag.
Durch ein Versehen sind oben p. 462 und 463 folgende neue
Arten von Shuttleworth Mitth. 'nat. Gesellsch. zu Bern von Por-
torico ausgelassen worden: Megalomastoma verrucuiosum ] Choanopoma
senticosum \ Ckondropoma Blauneri , Swißüf Newtoni. — Helicina ui-
nosa, umbonata.
Bonn, gedruckt bei Carl Georgi.
Naturgeschichte der IMolluskeu während des Jahres 1854. 485
Mactracea» lilaclra complanata , sulcalaria^ Reerci, pura,
quadrangulariSf veneriformis ^ cornea^ cximia , mera^ obesa , merclrici-
formis, Cuvieri, aequilalernlis , symmetrica Deshayes Proc. zool. soc.
1853. p. 14. — M. Loroisii Guerin Meneville Revue de zool. p. 218
pl. 4. flg. 6—9 von China.
Semele Jovis, Gruneri, Jiikesi, sponsa , sinensis^ anwena, lutcola,
viodesla, juctmda, vestalis , venusta, laela, virginea, californica, caslay
compta, amabitis, Marlini, decora, pulchella A. Adams Proc. zool. soc.
1853. p. 94.
Aus Maclra vitraea Chemn. (Lutraria crassiplica Lam.) hat
Ilup'e eine neue Gattung Blai7ivillia gebildet, die sich durch
das äussere Ligament von den Mactraceen entfernt. Ihre Stellung
im Systeme ist noch unsicher, vorläufig stellt sie Verf. in die Venus-
familie. Ihre Charaktere sind: testa ovata , globulosa , cordiformis,
tenuissima, transversim plicata, inacquilatera. Dentes cardinales duo,
lamellosi divergentes in utraque valva, altera obsolela, elongata, ad-
jecta. Dentes laterales nulli. Ligamentum externum in nymphaeis
angustis insertum. Impressiones musculares duae. Impressio pallii
postice sinuosaque angulata. Ausser der oben genannten Art Bl. vi-
traea wird auch eine Savigny'sche Abbildung als 151. erythraea hier-
hergezogen. Revue de zool. p. 219.
Solenacea. Leguminaria alba Valenciennes von Borneo Voy.
au Pole SudV. p. 118.
Piioladaria. Als ein probates von James Swan
erfundenes Mitlei gegen die Verwüstungen des Bohrwurms
empfielt Ayres 100 Thelle Asphalt, 40 Theile Schwefel und
20 Theile Arsenik, womit das trockene Holz angestrichen
wird. Der Asphalt wird geschmolzen , das Uebrige hinein-
gerührt und das Ganze heiss mit einem gewöhnlichen Pinsel
aufgetragen. (Boston Proc. V. p. 75.)
Tunicata.
jiscidiae. Ascidia chilensis ist eine neue Art von Gay Ilist.
de Chile.
Leuckart beschreibt (Zoologische Untersuchungen Heft II.
p. 79) eine Appendicularia, die er mitKrohn für Schwärmlarven von
Ascidien hält, und die sich von den gewöhnlichen Larven der Asci-
dien dadurch unterscheiden, dass sie das Bewegungsorgan so lange
behalten, bis die innern Organe ihre genuine Entwickclung angenom-
men haben. Die beobachtete Art nennt Verf. bis zur Entdeckung
ihrer Abstammung Appendicularia albicans,
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